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**Case Identifier:** b99be9af-3806-5342-a675-c11851a944a6
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 07.12.2022 460 2021 145 (460 21 145)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2021-145_2022-12-07.pdf

## Full Text

Seite 1  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 
7. Dezember 2022 (460 21 145) 
___________________________________________________________________ 
 
Strafrecht 
 

mehrfache (teilweise versuchte) Nötigung, mehrfache Drohung etc. / schwere Körper-

verletzung, evtl. versuchte schwere Körperverletzung, subeventualiter grobfahrlässige 

Körperverletzung 

 

Besetzung Vorsitzender Richter Niklaus Ruckstuhl, Richter Daniel Häring (Ref.), 

Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Hauptabteilung Allgemeine Delikte,  

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde und Berufungsklägerin 

 

A.____, 

vertreten durch Rechtsanwältin Désirée Stutz,  

Wasserturmplatz 3, 4410 Liestal,  

Privatklägerin 

 

B.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt Severin Bellwald,  

Aarburgerstrasse 6, Postfach 1360, 4600 Olten 1,  

Privatkläger und Berufungskläger 

  

gegen 

 

 B.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt Severin Bellwald,  

Aarburgerstrasse 6, Postfach 1360, 4600 Olten 1,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

A.____, 

vertreten durch Rechtsanwältin Désirée Stutz,  

Wasserturmplatz 3, 4410 Liestal,  

Beschuldigte 

 

Gegenstand mehrfache (teilweise versuchte) Nötigung, mehrfache Drohung 

etc. / schwere Körperverletzung, evtl. versuchte schwere Körper-

verletzung, subeventualiter grobfahrlässige Körperverletzung 

Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 11. März 2021 

 
 

 
 
 

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A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgericht) vom 

11. März 2021 wurde B.____ der Nötigung, der mehrfachen Drohung sowie des mehrfachen 

Missbrauchs einer Fernmeldeanlage schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollzieh-

baren Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 60.--, unter Anrechnung der vorläufigen Fest-

nahme von 1 Tag, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von                         

Fr. 1'000.--, wobei für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheits-

strafe von 10 Tagen angedroht wurde (Dispositiv-Ziffer I.1). Demgegenüber wurde B.____ von 

der Anklage der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung gemäss Ziff. 1 der Anklageschrift 

freigesprochen (Dispositiv-Ziffer I.2). Der Beurteilte wurde ausserdem dazu verurteilt, A.____ 

Schadenersatz in Höhe von Fr. 2'069.10 sowie eine Genugtuung von Fr. 2'000.-- zu bezahlen. 

Die Mehrforderung wurde hingegen abgewiesen (Dispositiv-Ziffer I.3). Sodann wurde der be-

schlagnahmte GPS Tracker «TRACKERID Intelligent Device» inkl. SIM-Karte, am Strafgericht, 

gemäss Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen (Dispositiv-Ziffer I.4). Die 

Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 5'125.-- und der Ge-

richtsgebühr von Fr. 5'000.--, wurden dem Beurteilten in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 

zu 90 %, d.h. Fr. 9'112.50, auferlegt. Die übrigen 10 % der Verfahrenskosten, d.h. Fr. 1'012.50, 

gingen zu Lasten des Staates (Dispositiv-Ziffer I.5). Schliesslich wurde das Honorar des amt-

lichen Verteidigers in Höhe von insgesamt Fr. 12'723.85 (wovon Fr. 3'856.60 für den Aufwand 

vor Anklageerhebung sowie Fr. 8'867.25 für den Aufwand nach Anklageerhebung, inkl. Aus-

lagen und Mehrwertsteuer) unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurteilten 

nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 90 % aus der Gerichtskasse entrichtet. Der Beur-

teilte wurde darauf hingewiesen, dass er, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau-

ben, verpflichtet ist, dem Staat die Kosten der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen und der 

amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen 

Honorar zu erstatten, dies jeweils in Bezug auf 90 % des Honorars (Art. 135 Abs. 4 lit. a und 

lit. b StPO) (Dispositiv-Ziffer I.6). 

 

Mit demselben Urteil wurde A.____ von der Anklage der schweren Körperverletzung, eventu-

aliter der versuchten schweren Körperverletzung, subeventualiter der grobfahrlässigen Kör-

perverletzung freigesprochen (Dispositiv-Ziffer II.1). Die Schadenersatz- und die Genugtu-

ungsforderung von B.____ wurden hingegen in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO 

abgewiesen (Dispositiv-Ziffer II.2). Des Weiteren wurde der Beurteilten eine Haftentschädi-

gung von Fr. 200.-- zugesprochen (Dispositiv-Ziffer. II.3). Sodann wurden die die Beurteilte 

 
 
 

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betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von                    

Fr. 6'939.65 sowie der Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.--, auf die Staatskasse genommen (Dis-

positiv-Ziffer II.4). Schliesslich wurde das Honorar der amtlichen Verteidigerin in Höhe von 

insgesamt Fr. 14'842.20 (wovon Fr. 8'955.10 für den Aufwand vor Anklageerhebung sowie    

Fr. 5'887.10. für den Aufwand nach Anklageerhebung, inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus 

der Gerichtskasse entrichtet (Dispositiv-Ziffer II.5).  

 

In einem letzten Punkt wurde angeordnet, dass sämtliche im vorliegenden Verfahren foren-

sisch gesicherten Daten, welche sich unter den GK-Nummern 18258/18259 bei der Polizei 

Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht 

werden (Dispositiv-Ziffer III.1).  

 

B. Gegen das obgenannte Urteil des Strafgerichts vom 11. März 2021 haben die Staats-

anwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Allgemeine Delikte (nachfolgend: Staatsan-

waltschaft), am 22. März 2021 sowie der Beschuldigte und Privatkläger B.____ am 25. März 

2021 die Berufung angemeldet. 

 

C. Mit bereits summarisch begründeter Berufungserklärung vom 21. Juni 2021 bean-

tragte die Staatsanwaltschaft, (1.) es sei in Abänderung von Ziffer I.1 des strafgerichtlichen 

Urteils B.____ der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung, der mehrfachen Drohung so-

wie des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage gemäss den Ziffern 1 und 2 der An-

klageschrift schuldig zu erklären und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 14 Mo-

naten sowie zu einer Busse von Fr. 1'000.--, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme von 

1 Tag, bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu verurteilen; (2.) es sei Ziffer I.2 des strafgerichtli-

chen Urteils aufzuheben; (3.) es sei in Abänderung von Ziffer II.1 des strafgerichtlichen Urteils 

A.____ der schweren Körperverletzung, eventualiter der versuchten schweren Körperverlet-

zung, subeventualiter der grobfahrlässigen Körperverletzung schuldig zu sprechen und zu ei-

ner bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 8 Monaten, unter Anrechnung der vorläufigen 

Festnahme von 1 Tag, bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu verurteilen; (4.) es sei Ziffer II.3 

des strafgerichtlichen Urteils aufzuheben; (5.) es seien in Abänderung von Ziffer II.4 des straf-

gerichtlichen Urteils die Verfahrenskosten zu 1/3 A.____ aufzuerlegen; (6.) es sei in Abände-

rung von Ziffer II.5 des strafgerichtlichen Urteils A.____ gestützt auf Art. 135 Abs. 4 lit. a und 

 
 
 

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b StPO zu verpflichten, dem Kanton Basel-Landschaft die ihrer amtlichen Verteidigung ausge-

richtete Entschädigung in der Höhe von Fr. 14'842.20 für das vorinstanzliche Verfahren zu-

rückzuzahlen und ihrer amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschä-

digung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre finanziellen Verhältnisse zulassen; 

(7.) es sei im Übrigen das strafgerichtliche Urteil zu bestätigen; (8.) es seien die Verfahrens-

kosten für das Berufungsverfahren zu 1/3 A.____ und zu 2/3 B.____ aufzuerlegen; (9.) es 

seien A.____ und B.____ gestützt auf Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO zu verpflichten, dem 

Kanton Basel-Landschaft die den amtlichen Verteidigungen auszurichtenden Entschädigun-

gen für das Berufungsverfahren zurückzuzahlen und ihren amtlichen Verteidigungen die Dif-

ferenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es 

ihre finanziellen Verhältnisse zulassen. 

 

D. Der Beschuldigte und Privatkläger B.____ seinerseits stellte mit Berufungserklärung 

vom 22. Juni 2021 die Rechtsbegehren, (1.) es seien die Ziffern I.1, I.3, I.5 (betreffend Kos-

tenauferlegung), I.6 (betreffend Kostenauferlegung) und II. aufzuheben; (2.) es sei der Be-

schuldigte B.____ von den Vorwürfen der Nötigung, der mehrfachen Drohung und des mehr-

fachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage freizusprechen; (3.) es seien die Zivilforderungen 

von A.____ abzuweisen; (4.) es seien die Verfahrenskosten der ersten Instanz vom Staat zu 

bezahlen und es sei auf die Rückforderung bei B.____ zu verzichten; (5.) es sei das Honorar 

des amtlichen Verteidigers in Höhe von insgesamt Fr. 12'723.85 durch den Staat zu bezahlen 

und es sei auf die Rückforderung bei B.____ zu verzichten; (6.) A.____ sei wegen schwerer 

Körperverletzung, eventualiter versuchter schwerer Körperverletzung, subeventualiter grob-

fahrlässiger Körperverletzung schuldig zu sprechen; (7.) es sei festzustellen, dass die Beschul-

digte A.____ dem Geschädigten B.____ für den Schaden aus den angeklagten strafbaren 

Handlungen gemäss Ziffer 2 der Anklageschrift zu 100 % hafte; (8.) es sei die Beschuldigte 

A.____ zu verpflichten, dem Geschädigten B.____ eine Genugtuung in Höhe von mindestens 

Fr. 10'000.-- zu bezahlen, zuzüglich Zins von 5 % seit 22. August 2018; (9.) unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen, wobei (10.) Beweisanträge zurzeit keine gestellt würden. 

 

E. Mit Eingabe vom 14. Juli 2021 teilte A.____ dem Kantonsgericht mit, dass sie keine 

Anschlussberufung erhebe und keine Beweisanträge stelle. Hingegen begehrte sie, es sei ihr 

als Beschuldigte im Sinne einer Bestätigung die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwältin 

 
 
 

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Désirée Stutz sowie als Privatklägerin die unentgeltliche Rechtspflege mit Rechtsanwältin Dé-

sirée Stutz als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu gewähren. 

 

F. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung 

Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), vom 20. Juli 2021 wurde unter anderem festgestellt, 

dass die jeweiligen Gegenparteien weder Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung gestellt 

noch Anschlussberufung erklärt haben. 

 

G. Die Beschuldigte und Privatklägerin A.____ stellte mit Eingabe vom 3. September 

2021 unter Beilage der entsprechenden Formulare und Belege beim Kantonsgericht erneut 

ein Gesuch um amtliche Verteidigung einerseits und um unentgeltliche Rechtspflege für die 

Privatklägerschaft andererseits, dies jeweils unter Vertretung durch Rechtsanwältin Désirée 

Stutz. 

 

H. Mit weiterer Verfügung des Kantonsgerichts vom 7. September 2021 wurde unter an-

derem für das Berufungsverfahren Rechtsanwältin Désirée Stutz als amtliche Verteidigerin der 

Beschuldigten A.____ eingesetzt. Demgegenüber wurde das Gesuch der Privatklägerin 

A.____ um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das zweitinstanzliche Verfahren 

abgewiesen. Schliesslich wurde Rechtsanwältin Désirée Stutz aufgefordert, ihre Honorarnote 

im gegebenen Zeitpunkt nach Aufwendungen der amtlichen Verteidigerin einerseits und der 

Rechtsvertretung für die Privatklägerin andererseits aufzuschlüsseln. 

 

I. In seiner Berufungsbegründung vom 24. September 2021 ergänzte der Beschuldigte 

und Privatkläger B.____ seine Anträge insofern, als (9.) auch im Berufungsverfahrens die amt-

liche Verteidigung rückwirkend für das gesamte Verfahren zu gewähren sei; (10.) unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen.  

 

J. Die Verfahrensleitung des Kantonsgerichts setzte mit Verfügung vom 27. September 

2021 unter anderem Rechtsanwalt Severin Bellwald als amtlichen Verteidiger des Beschuldig-

ten B.____ ein. Des Weiteren wurde Rechtsanwalt Severin Bellwald aufgefordert, seine Ho-

norarnote im gegebenen Zeitpunkt nach Aufwendungen des amtlichen Verteidigers einerseits 

und der Rechtsvertretung für den Privatkläger andererseits aufzuschlüsseln. Zudem wurde der 

 
 
 

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Schriftenwechsel geschlossen, es wurde das mündliche Verfahren angeordnet und die Par-

teien wurden zur kantonsgerichtlichen Berufungsverhandlung geladen.  

 

K. Mit weiterer Eingabe vom 28. Oktober 2021 reichte B.____ als Beschuldigter dem 

Kantonsgericht das Formular "Gesuch um amtliche Verteidigung" samt Belegen ein. 

 

L. Mit weiterer Eingabe vom 30. Juni 2022 beantragte B.____ als Privatkläger, ihm sei 

auch im Berufungsverfahren rückwirkend für das gesamte Verfahren die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren. 

 

M. Mit weiterer Verfügung des Kantonsgerichts vom 1. Juli 2022 wurde unter anderem 

die Eingabe des Privatklägers B.____ vom 30. Juni 2022 ohne förmliche Behandlung im In-

struktionsverfahren zu den Akten genommen. Des Weiteren wurde der Privatkläger darauf 

hingewiesen, dass er seinen Antrag vor den Schranken des Berufungsgerichts zu wiederholen 

und darzulegen hat, weshalb seine Zivilklage nicht aussichtslos erscheint und überdies aufzu-

zeigen hat, weshalb im vorliegenden Fall die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbei-

stands zu Lasten der Staatskasse notwendig sein soll. 

 

N. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht vom 5. bis 7. Dezember 2022 

erschienen die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwältin Dr. Silvia Schweizer, der 

Beschuldigte und Privatkläger B.____ sowie die Beschuldigte und Privatklägerin A.____, je-

weils vertreten durch ihre amtliche Verteidigung. Die Parteien wiederholten ihre bereits schrift-

lich gestellten Anträge, wobei die Staatsanwaltschaft ergänzend beantragte, es sei auch bei 

einer Verurteilung von A.____ aufgrund eines Härtefalles von einer Landesverweisung dersel-

ben abzusehen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 10, unter Verweis auf das 

Plädoyer der Staatsanwaltschaft, S. 7). A.____ liess vor den Schranken des Kantonsgerichts 

durch ihre Rechtsvertretung die Anträge stellen, (1.) es sei die Berufung von B.____ vollstän-

dig abzuweisen; (2.) es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft in Bezug auf Dispositiv-Ziffer 

I des vorinstanzlichen Urteils gutzuheissen und B.____ der mehrfachen, teilweise versuchten 

Nötigung zu verurteilen und angemessen zu bestrafen; (3.) es sei die Berufung der Staatsan-

waltschaft in Bezug auf Dispositiv-Ziffer II des vorinstanzlichen Urteils abzuweisen und dieses 

Urteil in Bezug auf A.____ zu bestätigen; (4.) es sei die Honorarnote der amtlichen Verteidi-

 
 
 

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gung zu genehmigen und diese aus der Staatskasse zu entschädigen; (5.) es sei der Privat-

klägerin A.____ die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren unter Beiordnung von Advokatin 

Désirée Stutz, und überdies sei die Honorarnote für den Teil der Privatklage zu genehmigen 

und aus der Staatskasse zu entrichten; (6.) unter o/e-Kostenfolge (vgl. Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 13, unter Verweis auf das Plädoyer der amtlichen Verteidigerin von A.____ 

vor Kantonsgericht, S. 8). B.____ wie auch A.____ wurden eingehend als Beschuldigte zur 

Person sowie als Beschuldigte und als Privatkläger zur Sache befragt (vgl. Prot. Hauptver-

handlung Kantonsgericht, S. 3 ff.). 

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher 

Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gestützt 

auf Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, ein-

schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und 

Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts 

(lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen ange-

fochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Vorliegend machen 

die Staatsanwaltschaft sowie der Beschuldigte und Privatkläger B.____ sämtliche zulässigen 

Rügegründe geltend. Ihre Legitimation zur Erhebung der Berufung ergibt sich aus Art. 381 

Abs. 1 StPO sowie Art. 382 Abs. 1 und 2 StPO und sie haben – da sie mit ihren Begehren 

erstinstanzlich nicht vollständig durchgedrungen sind – beide ein rechtlich geschütztes Inte-

resse an der Aufhebung oder Abänderung des vorinstanzlichen Entscheids. Nach Art. 399 

Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen 

seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungs-

gericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungs-

erklärung einzureichen. 

 

2. Aus den Akten ergibt sich, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichts vom 11. März 

2021 der Staatsanwaltschaft (act. S 249) sowie dem Beschuldigten und Privatkläger B.____ 

(act. S 251) jeweils am 16. März 2021 zugestellt worden ist. Mit ihrer Berufungsanmeldung 

vom 22. März 2021 (act. S 365) hat die Staatsanwaltschaft die zehntägige Frist gemäss 

 
 
 

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Art. 399 Abs. 1 StPO eingehalten. Gleiches gilt betreffend die Berufungsanmeldung des Be-

schuldigten und Privatklägers B.____ vom 25. März 2021 (act. S 367). Auch die Frist zur Be-

rufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurde vorliegend seitens beider Parteien ge-

wahrt: Das begründete Urteil des Strafgerichts vom 16. März 2021 wurde der Staatsanwalt-

schaft (act. S 335) wie auch dem Beschuldigten und Privatkläger B.____ (act. S 337) jeweils 

am 2. Juni 2021 zugestellt, und mit Datum vom 21. Juni 2021 haben die Anklagebehörde sowie 

mit Datum vom 22. Juni 2021 der Beschuldigte und Privatkläger B.____ dem Kantonsgericht 

die Berufungserklärung eingereicht. Was die Form betrifft, so erfüllen alle Eingaben der Staats-

anwaltschaft sowie des Beschuldigten und Privatklägers B.____ die Anforderungen von 

Art. 385 Abs. 1 StPO. Schliesslich ergibt sich mit Blick auf die seitens der Parteien vor Straf-

gericht wie auch vor Kantonsgericht gestellten Anträge die Zuständigkeit der Dreierkammer 

des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegen-

den Rechtsmittel aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einfüh-

rungsgesetzes vom 12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 

250). Es ist demnach auf die Berufungen der Anklagebehörde wie auch des Beschuldigten 

und Privatklägers B.____ einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufungen und der Anschlussberufung 

1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Es liegen je eine 

Berufung der Staatsanwaltschaft sowie des Beschuldigten und Privatklägers B.____ vor. Auf-

grund des Gegenstandes dieser Rechtsmittel steht vorliegend das gesamte Urteil des Straf-

gerichts vom 11. März 2021 im Streit, mit den nachfolgenden Ausnahmen: Einziehung des 

beschlagnahmten GPS Trackers «TRACKERID Intelligent Device» inkl. SIM-Karte, am Straf-

gericht, gemäss Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung (Dispositiv-Ziffer I.4) sowie 

unwiderrufliche Löschung sämtlicher im vorliegenden Verfahren forensisch gesicherter Daten, 

welche sich unter den GK-Nummern 18258/18259 bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-

Forensik, befinden, nach Rechtskraft des Urteils (Dispositiv-Ziffer III.1).  

 

2. Laut Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil 

der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen 

worden ist (sog. Verbot der "reformatio in peius"). Diese Konstellation liegt hier zufolge der 

 
 
 

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auch seitens der Anklagebehörde eingelegten Berufung nicht vor. Entsprechend kann das 

Kantonsgericht das vorinstanzliche Urteil nach Massgabe der Anträge der Staatsanwaltschaft 

gegenüber den beiden Beschuldigten B.____ und A.____ entweder mildern, bestätigen oder 

zu Lasten der Beschuldigten verschärfen. 

 

3. Das Berufungsgericht ist mit umfassender Kognition ausgestattet (Art. 398 Abs. 2 und 

3 StPO). Die Grundlagen und Motive für die Entscheidung des Tatsachen- und Rechtsstreits 

müssen sich aus dem Berufungsurteil selbst ergeben, zumal dieses das erstinstanzliche Urteil 

ersetzt (Art. 408 StPO). Das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) der Person, die das Rechts-

mittel ergriffen hat, erfordert eine vollständige Begründung (vgl. BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Aus 

dem Berufungsentscheid muss mithin hervorgehen, welche Tatsachen das Gericht für erwie-

sen hält, welche es verwirft oder als zweifelhaft einstuft; bestrittene Tatsachen und sich wider-

sprechende Beweismittel sind zu würdigen und einer schlüssigen Sachverhaltsfeststellung zu-

zuführen (vgl. GRÉGORY BOVEY, Commentaire de la LTF, 3. Aufl. 2022, Art. 112 BGG N 24 ff.). 

Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Gericht nicht auf sämtliche, sondern nur auf die 

relevanten Argumentationspunkte einzugehen hat. Denn in Beachtung des Anspruchs der Par-

teien auf rechtliches Gehör folgt zwar die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu be-

gründen. Indes ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie 

sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGer 1B_273/2022 vom 

22. November 2022 E. 3, unter Hinweis auf BGE 142 II 49 E. 9.2; 136 I 229 E. 5.2; je mit 

Hinweisen). Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmitte-

linstanzen zudem, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sach-

verhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hin-

gegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im 

Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/ RETO NADIG/ 

REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 82 N 10). Vom Instrument der 

Verweisung ist insofern zurückhaltend Gebrauch zu machen, als bei der das Rechtsmittel er-

greifenden Person der Eindruck entstehen kann, die Rechtsmittelinstanz setze sich mit ihren 

Vorbringen nicht auseinander (vgl. NILS STOHNER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 82 

N 9). Bei strittigen Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie bei rechtlichen Subsumtio-

nen des konkreten Falls kommen Verweisungen nur dann in Frage, wenn die Rechtsmitte-

linstanz den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichtet. Art. 82 Abs. 4 StPO 

 
 
 

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entbindet die Rechtsmittelinstanzen nicht von deren Begründungspflicht und findet seine Gren-

zen, wenn sich nicht mehr ohne Weiteres feststellen lässt, was die massgebenden tatsächli-

chen und rechtlichen Erwägungen der Rechtsmittelinstanz sind (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3; 

BGer 6B_310/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 2.2.1; 6B_130/2022 vom 8. Dezember 2022 

E. 1.3; 6B_275/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.1). Stimmt die Rechtsmittelinstanz grund-

sätzlich zu und hat sie bloss nebensächliche Vorbehalte, kann sie indes punktuelle Korrektu-

ren formulieren und im Übrigen auf die vorinstanzliche Begründung verweisen (vgl. DANIELA 

BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, a.a.O., N 11). 

 

Vorliegend wird daher bezüglich Sachverhaltsfeststellung und rechtliche Würdigung in den un-

angefochten gebliebenen sowie in denjenigen angefochtenen Punkten des erstinstanzlichen 

Urteils, welchen die Berufungsinstanz folgt, grundsätzlich – allenfalls durch vereinzelte Her-

vorhebungen und Ergänzungen – auf die Begründung der Vorinstanz verwiesen und nur auf 

neu im Berufungsverfahren vorgebrachte Argumente, welche zudem für die Urteilsbildung aus-

schlaggebend sind, eingegangen. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Mehrfache, teilweise versuchte Nötigung, mehrfache Drohung und mehrfacher 

Missbrauch einer Fernmeldeanlage, begangen durch B.____  

 

1.1 In ihrer Anklageschrift vom 22. September 2020 führte die Staatsanwaltschaft im 

Sinne einer Vorgeschichte ("Beziehung/Trennung") aus, dass A.____ und B.____ von März 

2009 bis ins Jahr 2012 eine feste Partnerschaft geführt, dabei aber nie zusammengewohnt 

hätten. lm Jahr 2012 habe B.____ eine andere Frau in Mazedonien geheiratet. Ab dann hätten 

A.____ und B.____ eine geheime Beziehung geführt, die bis Ende März 2018 angedauert 

habe. Die Beendigung der Beziehung Ende März 2018 sei auf Wunsch von A.____ erfolgt. 

Diese Trennung habe B.____ nicht akzeptieren können. Hernach warf die Staatsanwaltschaft 

dem Beschuldigten B.____ unter Ziffer 1 das Nachfolgende vor: 

 

"Einschränkung der Handlungsfreiheit von A.____ mit dem Fernziel der Erzwingung der Wie-

deraufnahme der Beziehung 

 

 
 
 

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lm April und Mai 2018 standen A.____ und B.____ weiterhin in Kontakt und trafen sich auch 

ab und zu persönlich. Ab Mai 2018 begann B.____, A.____ unter Druck zu setzen, um die 

Trennung rückgängig zu machen und sie zu einem Treffen mit ihm zu bewegen. Als ihm klar 

wurde, dass A.____ die Trennung ernst meinte und er sie nur noch auf kollegialer Basis werde 

sehen können, begann er gegen Ende Mai 2018, den Druck auf sie zu erhöhen. Ab diesem 

Zeitpunkt versuchte er mit allen erdenklichen Mitteln, A.____ zu einer Rückkehr zu ihm zu 

bewegen. Dabei schränkte er die Handlungsfreiheit von A.____ massiv ein, indem er auf ver-

schiedene Weise versuchte, sie zu einem Treffen zu bewegen, um ihn zu treffen und zu ihm 

zurückzukehren. Er tat dies in der Absicht, A.____ solange in ihrer Handlungsfreiheit zu be-

schränken und dadurch zu zermürben, bis sie entgegen ihrem ausdrücklichen, konstant ma-

nifestierten Willen, keine Beziehung mehr mit ihm zu wollen, zu ihm zurückkehre. Dabei ver-

folgte er das Fernziel, A.____ zu einer Wiederaufnahme der Beziehung zu zwingen. Dies tat 

er mit den nachfolgend unter a - c geschilderten Handlungen: 

 

a) Unterdrucksetzung mittels elektronischer Medien 

 

Ab Ende Mai 2018 bis zum 22. August 2018 bedrängte B.____ A.____ täglich über verschie-

dene elektronische Medien mit Anrufen und Nachrichten und missbrauchte zudem vom 

10. Juni 2018 bis zum 22. August 2018 mehrfach mutwillig eine Fernmeldeanlage, indem er 

A.____ auf ihre Mobiltelefonnummern +41 […] und +41 […] mehrmals täglich und zu allen 

Tages- und Nachtzeiten - vorwiegend via Viber, aber auch über WhatsApp und SMS - von 

seinem Wohnort […], wie auch von verschiedenen anderen nicht näher bekannten Orten aus, 

mit Telefonanrufen und Textnachrichten belästigte. Dabei setzte B.____ A.____ unter hohen 

emotionalen Druck. Nicht nur flehte er sie an und beteuerte ihr unablässig seine Liebe, son-

dern bekundete beinahe täglich, die Trennung bringe ihn um, er werde es ohne sie nicht über-

leben. Er tat dies, obschon A.____ ihn unablässig aufforderte, er solle sie in Ruhe lassen und 

sie nicht mehr kontaktieren, die Beziehung sei beendet. Zudem teilte sie ihm immer wieder - 

erstmals am 8. Juni 2018 - mit, sie werde zur Polizei gehen, sollte er sie weiterhin kontaktieren. 

Er hörte selbst dann nicht auf, als A.____ ihn als Kontakt mit der Nummer +41 […] in ihrem 

Mobiltelefon blockierte, sondern kontaktierte sie hartnäckig jeweils mit einer neuen Mobiltele-

fonnummer weiter. So verwendete er in dieser Zeit für seine zahllosen Kontakte insgesamt 11 

verschiedene Telefonnummern. Exemplarisch sind diesbezüglich folgende Viber und 

WhatsApp Nachrichten aufgeführt:  

 
 
 

Seite 12  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

- 1. Mai 2018, 14:12 Uhr (Viber): "Ich bruche kei mitleid A.____ das chli hoffnig und freud im 

läbe hesch mer wäggnoh jetzt läbi das i net sterbe schöne Tag no", 14:41 Uhr: "I ha sgfühl du 

hesch mer mis härz mit de hand usegrisse" 

- 2. Mai 2018, 19:17 Uhr (Viber): "ich probier mol net hypofentiliere mit laufe tränne ich ha mol 

aghalte lo im auto go laufe" 

- 26. Mai 2018, 20:57 Uhr (Viber): "Du brengsch mich no um vallah", 21:35 Uhr (Viber): "Ich 

hätt fast mis messer mir is bei grammt das i vo de schmerze im Herz ablänke cha vallah" 

- 30. Mai 2018, 19:20 Uhr (Viber): "A.____ vallah mis herz zerrist sich…Ich chome kei luft meh 

über bitte", 19:58 Uhr (Viber): "Ich cha nömm rechtig schnuffeee…Mine kopf platzt", 20:02 Uhr 

(Viber): "Ich gspöre mini bei nömme A.____", 21:24 Uhr (Viber): "Ich hocke jetz do ib [Ort] beim 

Gleis ich schwör am liebste würdi churz und schmerzlos mache und einfach hereligge" 

- 2. Juni 2018, 22:13 Uhr (Viber): "Mer gahts net guet ich ha wie en härzstillstand gah ich bi 

halb stund am ganze körper blockiert gse", 22:21 Uhr (Viber): "A.____ das ganz bringt mi no 

um" 

- 3. Juni 2018, 22:16 Uhr (Viber): Ich haltes nömm us", 22:24 Uhr (Viber): "Du brengsch mich 

no um", 23:36 Uhr (Viber): "Ich ha rechtig hypoventilier vori schatz mis läbe isch nüt ohni dech 

ich bruche dich zum überläbe" 

- 4. Juni 2018, 00:00 Uhr - 00:03 Uhr (Viber): " Ich bi immerno wie em wahnsinniga am umszüg 

umefahre…Ich überläbe das werkli nöm lang schatz…Ich bi werkli am endi vo mine chreft 

vallah…ich bruche dich" 

- 6. Juni 2018, 08:41 Uhr (Viber): "Du hesch mi jetzt grad zerstört", 08:42 Uhr (Viber): "Ich 

schwörs jetzt hesch mi kapott gmacht", 08:42 Uhr (Viber): "Ich haltes ned us ich schwörs", 

08:44 Uhr (Viber): "Aber ich liebe dich so fest Das es mich umbringt", 08:45 (Viber): "lch 

schwöre ich chome no en härzinfarkt über", 22:57 Uhr (Viber): "Mit dem brengsch mi no um 

ich ha so hohe bluetdruck gah höt nach dem mer am morge gschrebe hend ich da denkt ich 

sterbe" 

- 8. Juni, 14:07 - 14:15 Uhr (Viber): "Ich Liebe dich ich mage nömme ich ha nömme bitte hör 

uf mich so quelle bitteee ich fleh dich…Schaffes mich umbringe bitte…Chasch ussuech wetsch 

mit mim mässer oder wetsch mit mine Pistole säg bring mi einfach um bitte ich unterschriebe 

das ich das ha welle…Bitte bring mi um de sterbi wenigstens i dine 2 wunderschöni händ" 

- 12. Juni 2018, 21:04 Uhr (Viber): "Ich schaffes net es bringt mi no um", 21:45 Uhr (Viber): "Ja 

wer schrieb der die ganz ziit im viber" 

 
 
 

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- 17. Juni, 01:17 Uhr (Viber): "Ich bi [Ort] im notfall mis herz schloht dur die verfickt bruat mit 

bruat zämme A.____", 02:04 Uhr (Viber): "A.____ ich ha doppelti dosis vo beruhigigsmittel 

becho jetzt hangi a infusion und ekg ich ha 2 chlini infarkte überläbt weni net gange wär het 

de Arzt gseit hätti de nöchst net überläbt definitiv net A.____ und gleich schloot mis herz für 

dich", 10:46 Uhr (Viber): "es bringt mich um vallah", 11:15 Uhr (Viber): "Es bringt mich um 

vallah" 

- 18. Juni 2018, 11:45 Uhr (Viber): "Ich schwöre der ich werde das solang dorezihe entweder 

du normal tuesch oder ich verrecke 1 vo dene 2" 

- 23. Juni 2018,16:43 Uhr (Viber): "Log A.____ was erreicht hesch mit dim chalte verhalte gege 

über mich ich bi uf de strass ufgläse worde vom krankewage ha atemnot gah ha subhanaallah 

geg de tod kämpft A.____ nasebluete danach ha mich uf de stross gewälzt vo schmerze vo 

kei luft…Ich bi vellecht net ehrlich gse die vergangenheit aber das mich das umbringt isch wohr 

das ich dich liebe isch wohr das ich dich bruche isch wohr". Anschliessend sendete er ihr ein 

Bild von sich mit einer Sauerstoffmaske in einem Spitalbett und fügte um 16:46 Uhr via Viber 

hinzu: "Ich ha en infarkt überläbt subhanallh"  

- 25. Juni 2018, 11:14 Uhr (Viber Nr. +41 […]): "Ich werde eh net zuelah das en andere hesch 

vallah" 

- 28. Juni 2018,13:09 Uhr(Viber): " A.____…Die andere hend dini nr gfunde…sie hend mer 

droht mich umbrengr…Mine Vater und min brüder vallah…Nimm net ab wen sie alüte" 

- 7. Juli 2018, zwischen 19:50 Uhr und 19:54 Uhr, nachdem sie sich an diesem Abend nicht 

mit ihm verabreden wollte (Viber): "Ich weiss velli sache A.____ wo ich erfahre so ich der net 

säge darf noni inshallah wird das dene lüt net klappe wo sie vor hend allah söll die lüt mit 

höchststraff bestroffe wo da gmacht hend amin meh sägi net dezue…chonsch use chömmer 

eus gse…De chani der au verzelle e teil…Ich ha der net alles säge A.____ ich setze vell in 

gfohr…aber du hesch feinde…ich wet der öpis erkläre chömmer eus gseh ich ha der das noni 

wele säge aber jo es gaht um dech…Ich cha der das nur persönlich säge chonsch zum mc ich 

fahre jetz de het"  

- 1. August 2018, 11:56 Uhr (Viber): " A.____ bitte tue mer das net a be A.____ vallah es bring 

mi um" 

- 7. August 2018,09:34 Uhr (Viber):  "Ich bi eh nömm lang do uf dere wält darum ich ha wälle 

glöcklich ab aber ich werde trurig und verletzt stärbe" 

- 10. August 2018, 16:23 Uhr (Viber): "Warte das du dech meldisch ob 6 monat weni no läb 

ich fang nöchstwoche mit Chemo a" und 16:24 Uhr (Viber): "Ich ha Diagnose Tumor becho 

 
 
 

Seite 14  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

darum so kopfweh" …" A.____ ich ha werkli Diagnose Tumor im hirn becho", 16:54 Uhr (Viber): 

"Wieso machsch mi meh kapott ich bi glaub gnue kapott mit dere Diagnose", 17:50 Uhr (Viber): 

" A.____ es isch en primäre Hirntumor wen der das öpis seit"  

- 11. August 2018, 11:54 Uhr (Viber Nr. +41 […]): "Hey bitte Block mi net A.____ Log A.____ 

vallah ich Säge der Wahrheit ich ha am Mittwoch Termin Chemo am fritig hani bim Psyhologie 

A.____ ich brauche dech vallah bitte mehr brauche dich vallah wen kei andere hesch hilf eus 

us dem Elend ich wet der e Atrag mache dich hürate mit der Wohnig in Kosovo irechte bitte>, 

12:02 Uhr (Viber Nr. +41 […]): "Ich halts nömm us" 

- 11. August 2018, 12:52 Uhr (WhatsApp Nr. +41 […] B.____): "lch schwöre uf Allah ich wet 

dich net a en andere A.____ es tuet mehr für alles Leid vallah ohni dich schaff ich nüt glaub 

mer ich es bringt mi um es fresst mich innerlich uf es zerstört mich definitiv min Schatz bitte 

ich flehe dich im Namme vo Allah a hilf mehr ich bruche dich mer 3 bruche dich lah eus net im 

steche bitteeeeeeee bitteeeeee" 

- 11. August 2018, 13:17 Uhr (WhatsApp): " ...Säg mer eifach offe und ehrlich es tuet mer leid 

das i so vell schriebe du am schaffe bisch aber es geht kei tag wo ich net um dech brüelle und 

Allah flehe ich fleh in net das mich heilt wegem Tumor ich fleh ihn a das dich zrugg bringt zu 

mer den Beni vo allem gheilt vallahi" 

- 14. August 2018, 12:01 Uhr (WhatsApp B.____): "Ich bi kapott vallah", 12:06 Uhr (WhatsApp 

B:____): "Du hesch dis Ziel erreicht ich bi am Bode zerstört hör bitte uf". 

 

b) Nachstellen, Auflauern, Beobachten und Bedrängen von A.____ an verschiedenen Orten  

 

Nachdem B.____ gegen Ende Mai 2018 realisierte, dass die Trennung nicht rückgängig zu 

machen sei, kündigte er A.____ am 22. Mai 2018 um 22:28 Uhr über Viber an, sie kontrollieren 

zu wollen: "Ich schwöre ich fang langsam a der nüt meh glaube und den foht de scheiss kon-

trollgang a". B.____ passte A.____ fortan nicht nur jeden Mittwoch nach der Schule beim [Ort] 

sowie beinahe täglich an ihrem Wohnort […] ab, sondern lauerte ihr auch bis zum 14. Sep-

tember 2018 - abgesehen von Auslandsferienabwesenheiten von A.____ und B.____ im 

Juli/August 2018 - an verschiedenen anderen Orten auf und stellte ihr nach. Hierzu hatte er zu 

einem unbekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort ein GPS-Überwachungsgerät der 

Marke GPS TRACKERID NX-4421-675 mit einer SIM-Karte der Nummer […], eingelöst auf 

B.____, am Unterbau des Personenwagens BMW X5, BL […], von A.____ angebracht, das 

ihm erlaubte, mittels der auf seinem Mobiltelefon Samsung S8 installierten App "TAKIT GPS 

 
 
 

Seite 15  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Pro" die Standortdaten dieses Fahrzeugs zu überwachen. Er benutzte vom 18. Juni 2018 bis 

zum 22. August 2018 die so von ihm gewonnenen GPS-Daten des Standorts ihres Fahrzeugs, 

um den Aufenthaltsort von A.____ zu eruieren, sie zu observieren und ihr nachzustellen, sie 

zu überwachen und zu bedrängen. Exemplarisch sind folgende Vorfälle genannt: 

 

- Am 23. Juni 2018, von 18:31 Uhr bis 18:33 Uhr schrieb er: "Chasch net ehrlich si und säge 

wo du bisch"... "Lüg mi net a ich weiss genau wo du decg befindisch"…"lch weiss genau wo 

du bisch du bi auf ufem weg det"…"Wemmer luege was du [Ort] suechsch" 

- Am 27. Juni 2018, vor 09:30 Uhr, fuhr er ihr hinter ihrem Auto her, als sie sich im Rahmen 

ihrer Schulausbildung nach [Ort] begab und hielt sich dort in unmittelbarer Nähe von A.____ 

auf, was sie bemerkte.  

- Am 28. Juni 2018 um ca. 13:30 Uhr suchte er ihren Wohnort auf und drängte sie von 13:32 

Uhr bis 15:40 Uhr unablässig mittels Viber, zu ihm nach draussen zu kommen und mit ihm zu 

reden.  

- Am 6. Juli 2018, um ca. 12 Uhr, hielt er sich zur gleichen Zeit wie A.____ am Flughafen [Ort] 

auf und teilte ihr um 12:02 Uhr via Viber mit, er habe sie am Flughafen gesehen.  

- Am 11. Juli 2018 stellte B.____ fest, dass sich A.____ von 10:37 Uhr bis 11:10 Uhr an [Ort] 

aufhielt, stellte ihr nach und wollte wissen, bei wem sie sich befinde. Er sandte ihr um 11.26 

Uhr ein Foto mit Türklingeln einer Liegenschaft zu und bedrängte sie um 11:27 Uhr mit Text-

nachrichten mehrfach, ihm zu sagen, bei wem sie sich aufhalte. Um 11:27 Uhr schrieb er zu-

dem (Viber): "Du bisch au dem samstg iit do gseh" 

- Am 6. August 2018, 11:09 Uhr, stellte er ihr in [Ort] nach: "Ok bisch du das…[Ort]…Bisch du 

bi de chicka gse" 

- Am 7. August 2018, nach 23 Uhr suchte er ihren Wohnort auf und horchte sie unter dem 

offenen Fenster aus. Dazu drängte er sie von 23:23 Uhr bis 23:40 Uhr, ihm zu sagen, mit wem 

sie telefoniere (Viber): "Wer isch de typ wo am rede bisch…Mit wem bisch am tel…Nimm 

ap…A.____…Wer isch das wo am rede bisch…Tue net so as würsch schlofe…Ich has genau 

ghört…Du hesch ihn uf lutsprächer gha…Nimm ap…A.____…Wer isch das wo am rede bi-

sch…Tue net as würsch schlofe…Ich has genau ghört…Du hesch ihn uf lutspröcher gah…Wer 

isch de typ…Ich bi underem fenster gse ha alles zueglost…Nimm ap A.____…Nimm das fer-

fickte tel ap…Vallah i drei dure…Nimm p…Ich weiss das du net schlofsch…Und met irgrend 

eim am tel gse bisch…Nimm das verfickte tel ap…Mit wem hesch grad A.____…" 

 
 
 

Seite 16  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

- Am 15. August 2018 passte er ihr sowohl um die Mittagszeit wie auch am Abend nach der 

Schule an ihrem Wohnort ab, was A.____ bemerkte.  

- Am 16. August 2018 stellte er ihr nach, nachdem er den Standort ihres Fahrzeugs um 17:55 

Uhr an der [Ort] ausfindig gemacht hatte, als A.____ sich bei einer Kollegin in der Nähe in [Ort] 

befand. Als sie sich um 21:10 Uhr nach Hause begeben wollte, passte er sie ab, um mit ihr zu 

reden und versperrte ihr den Weg.  

- Am 20. August 2018 folgte er ihr bzw. lief neben ihr auf dem Weg zur Arbeit im [Arbeitsstätte] 

mit, was A.____ bemerkte.  

- Am gleichen Abend des 20. August 2018 fuhr er um ca.22:30 Uhr mit einem Kollegen an 

ihrem Wohnort […] vorbei und stellte fest, dass bei ihr im Wohnzimmer Licht brannte, was er 

ihr am 21. August 2018 um 07:02 Uhr per WhatsApp (Nr. +41 […]) mitteilte: "…semmer bi der 

duregfahre so 22.30 liecht hett brennt bi der ide Stube..." 

- Am 22. August 2018, stellte er ihr sowohl um die Mittagszeit wie auch zwischen 17:00 Uhr 

und 17:30 Uhr im Einkaufszentrum [Ort] nach, was A.____ bemerkte.  

- Am 14. September 2018 beobachtete er sie vom S.____ Restaurant [Ort] aus, als sie gegen 

16:30 Uhr von ihrem Wohnort aus kommend die Austrasse entlang ging, um zu ihrem Arbeits-

ort [Arbeitsstätte] zu gelangen, was A.____ bemerkte. 

 

A.____ wurde es gewahr, dass B.____ an ihren jeweiligen Aufenthaltsorten aus unerklärlichen 

Gründen immer wieder auftauchte. A.____ wurde dadurch in ihrer Bewegungsfreiheit massiv 

eingeschränkt, indem sie sich nicht mehr alleine aus dem Haus traute, da sie fürchtete, der 

Beschuldigte werde sie wieder abpassen und ihr nachstellen. Zudem zog sie sich aus diesem 

Grund aus ihrem sozialen Umfeld zurück.  

 

c) Ausstossen von Drohungen über die elektronischen Medien 

 

B.____ ging bei seinen anhaltenden Versuchen, A.____ zur Wiederaufnahme der Beziehung 

zu bewegen, nicht nur so weit, dass er im Juli 2018 ein Medium mit einer Partnerrückführung 

beauftragte, sondern wandte ab Juni 2018 zahlreich auch drohende Methoden gegenüber 

A.____ an. Nicht nur drohte er ihr, ihre Beziehung gegenüber ihren Eltern offen zu legen, son-

dern er drohte auch mehrfach, Selbstmord zu begehen, sollte sie nicht zu ihm zurückzukehren. 

Des Weiteren bedrängte er sie mehrfach, ihm zu sagen, mit wem sie unterwegs sei und drohte 

ihr für den Fall einer neuen Beziehung diesen neuen Freund von A.____ umzubringen und 

 
 
 

Seite 17  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

anschliessend sich selbst zu töten. A.____ wurde durch diese mehrfachen Drohungen in Angst 

und Schrecken versetzt. Exemplarisch sind diesbezüglich folgende Viber und WhatsApp 

Nachrichten aufgeführt: 

 

- 13. Juni 2018, 16:13 Uhr (Viber): "lch weiss net wäre de hueresohn isch ich finds use 

schniede dem zunge ab", 16:24 Uhr: " lch brenge de um weni usefinde wer de isch" 

- Am 28. Juni 2018 um 14:21 Uhr beschied B.____ A.____ via SMS, sie habe sein Leben 

zerstört, weshalb er nun ihre Eltern darüber informieren werde, dann könne sie die Verlobung 

ihres Sohnes vergessen.  

- 4. Juli 2018, 07:27 Uhr (Viber): "Und wen würd erfahre no das öper anderst hesch de macho 

vallah selbstmord so tüff am grund beni zurziit A.____ ich schwöre uf mini chind ich werde den 

selbstmord mache niemertem säge iwald gah und eifach abdrücke" 

- 11. Juli 2018, 13:15 Uhr (Viber): "Ha Angst, dass ich dich a anderer verlühre wel den schaffis 

nöm den bringi ihn um denn mich" und um 13:36 Uhr: "und das wo igschrebe ha ich werde au 

de töte vo dech alanget das meini au so ...". Nachdem er ihr noch am gleichen Nachmittag 

einen Blumenstrauss mit einem Kissen und einem Couvert mit CHF 500.--, die für die Verlo-

bung ihres Sohnes gedacht war, vor die Türe gelegt hatte, schrieb er ihr gleichentags um 17:15 

Uhr erneut: "und es wird kei andere gäh A.____ vallah ich knall de gnadelos abe den mich au 

so dass es du aber au gsesch ich schwöre uf allah" 

- 20. Juli 2018, 17:42 (Viber): "Ohhh A.____ wen mer i de schwiz send gah i uf chnü geb der 

es messer mache auge zue schriebe vorher brief damit net verantwortig übernimsch das ich 

ha welle sterbe dur dini händ jag mer de i rugge wel die schmerze wo du mer schriesch send 

net zum ushalte vallhi de sterbi lieber... 

- 24. Juli 2018, 14:29 (Viber): "Ich mag nömm vallah i halts nömm us ohni dech bitte A.____" 

- 31. Juli 2018, 12:34 Uhr (Viber): "Mis lübe isch reini katastroffe ohne dich vallah" 

- 1. August 2018, 11:56 Uhr (Viber): "A.____ bitte tue mer das net a be A.____ vallah es bring 

mi um", 12:40 Uhr (Viber): "Ich schwör wen ich dich au net ha vallah ich schwöre uf T.____ de 

nimm ich mer släbe vallahi A.____" 

- 8. August 201 8, 14:42 Uhr (Viber): "Ich bring mi um ich schwörd" 

- 13. August 2018, 11:44 Uhr (WhatsApp B.____): "Iich ha paar mol knare glade und ufe Kopf 

ghebt vallah aber weg de chind net Abdrücke" 

- 14. August 2018, 02:06 Uhr (WhatsApp): "Du hesch dis Ziel erreicht ich am Bode zerstört hör 

bitte uf .." 

 
 
 

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21. August 2018, 07:02 Uhr (WhatsApp Nr. +41 [...]): "A.____ ich warte bis Sonntig wen kei 

Sms es normis chond ich schwöre der uf Allah du wersch mich nie meh gseh lch werde defür 

Sorge ich ha scho atrag gmacht für TÜRK ASKER CAMP. Frogsch dini Türke was das isch 3 

Monet werde untertuche und wens mi ahnäme bini für immer Türkei ..." "... bäte zu Allah das 

es dich vernichtet ich mache dir alles Halam ..." "... ich werde mit dem läbe das euses chind 

net gstorbe isch wel es stärbe hett mösse sonder wells du tötet hesch du wersch e mörderi vo 

2 Läbe si Eis mis chind und Eis ich Mine Mutter Ehre Sohn und Jedi Tränne vo ihre sell dich 

vernichtet und der au das passiere das der es sohn wäggnoh wird inshallha das weisch was 

sie für schmerze het..." und um 08:29 Uhr fügte er hinzu: "Vergiss net du nimmsch au 2 chind 

de Vater wäg demet vallah als Schluss no ICH LIEBE DICH min ENGEL VALLAH". 

 

1.2 Das Strafgericht sprach den Beschuldigten von der Anklage der mehrfachen, teil-

weise versuchten Nötigung frei, währenddem es ihn der mehrfachen Drohung wie auch des 

mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage schuldig sprach (vgl. Dispositiv-Ziffern I.1 

und 2).  

 

1.2.1 Hierbei erachtete die Vorinstanz in tatsächlicher Hinsicht aufgrund der vorliegenden 

Aktenlage, mithin der Aussagen des Beschuldigten B.____ und der Privatklägerin A.____ in 

der Voruntersuchung wie auch vor Strafgericht, des beschlagnahmten GPS-Trackers und der 

darin aufgezeichneten Daten, der Fingerabdrücke des Beschuldigten auf dem Klebestreifen 

des GPS-Trackers sowie der Mobiltelefonauswertungen, den unter Ziffer 1 angeklagten Sach-

verhalt als erstellt. Demnach treffe es zu, dass der Beschuldigte in der Zeit vom 1. Mai 2018 

bis zum 14. August 2018 die in lit. a der Anklageschrift zitierten Nachrichten (via Viber und 

WhatsApp) an die Privatklägerin geschickt habe, gemäss lit. b der Anklageschrift vom 18. Juni 

2018 bis zum 22. August 2018 mittels von ihm am Fahrzeug der Privatklägerin montierten 

GPS-Trackers deren Aufenthaltsort eruiert und sie so überwacht habe, wobei es zu den in der 

Anklageschrift umschriebenen Vorfällen gekommen sei, sowie im Zeitraum vom 13. Juni 2018 

bis zum 21. August 2018 die unter lit. c der Anklageschrift aufgeführten Nachrichten via Viber 

und WhatsApp an die Privatklägerin verschickt habe (vgl. S. 4 f. des angefochtenen Urteils). 

Bei der Prüfung, was der Beschuldigte mit diesen unbestrittenen Handlungen beabsichtigt hat 

und wie sie auf die Privatklägerin gewirkt haben, stellte die Vorinstanz unter Würdigung der 

Aussagen des Beschuldigten einerseits und der Privatklägerin andererseits fest, dass zwi-

schen den Beiden offensichtlich ein Missverständnis bestanden habe, da der Beschuldigte von 

 
 
 

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einer temporären Trennung ausgegangen sei, währenddem diese für die Privatklägerin end-

gültig gewesen sei. Dieses Missverständnis sei durch das ambivalente Verhalten der Privat-

klägerin in den Monaten vor dem endgültigen Schlussstrich begünstigt worden, wie die elekt-

ronischen Nachrichten in der Zeit vom 1. Januar 2018 bis zum 26. Juli 2018 zeigten (vgl. S. 5-

7 des angefochtenen Urteils). Bei der Erörterung, ob die Privatklägerin ihr Verhalten aufgrund 

der Bemühungen des Beschuldigten entgegen ihrem Willen geändert hat, stellte das Strafge-

richt fest, dass sich die Privatklägerin sehr wohl alleine draussen bewegt, auch andere Men-

schen besucht und sich auch allein zur Schule und wieder zurück begeben habe (vgl. S. 7 f. 

des angefochtenen Urteils). 

 

1.2.2 In rechtlicher Hinsicht wies das Strafgericht zunächst auf den Tatbestand von Art. 181 

StGB (Nötigung) sowie die bundesgerichtliche und die Rechtsprechung des Kantonsgerichts 

Basel-Landschaft betreffend Stalking (KGE BL 460 15 29 vom 15. September 2015) hin. Vor-

liegend habe die Privatklägerin dem Beschuldigten zwar mehrmals ihren Willen mitgeteilt, mit 

ihm nichts mehr zu tun haben zu wollen. Darüber hinaus habe sie mit ihm aber wiederholt auch 

Meldungen ausgetauscht, welche den Beschuldigten in der Illusion hätten bestärken können, 

der von ihr angesprochene Beziehungsabbruch sei kein endgültiger. Insgesamt sei ihr Kom-

munikationsverhalten von Ambivalenz geprägt gewesen. Jede der einvernehmlich ausge-

tauschten Nachrichten habe den Stalkingzusammenhang unterbrochen, so dass nicht mehr 

von einer massiven Drucksituation gesprochen werden könne. Auch der angeklagte Nöti-

gungserfolg, die massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Privatklägerin sowie de-

ren soziale Isolierung seien nicht eingetreten. Jene sei uneingeschränkt ihren täglichen Ge-

wohnheiten nachgegangen und habe abends ihre Kolleginnen besucht. Im vorliegenden Fall 

seien die von der Rechtsprechung aufgestellten Voraussetzungen, damit das Stalking den 

Tatbestand der (mehrfachen) Nötigung erfülle, nicht gegeben (vgl. S. 8-10 des angefochtenen 

Urteils). Was den Tatbestand der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB angehe, so habe der 

Beschuldigte diesen durch die mehrfache Ankündigung gegenüber der Privatklägerin, er 

werde deren Partner umbringen, wenn er ihn finde, erfüllt. Die zahlreichen Suizidandrohungen 

erfüllten den Tatbestand der Drohung ebenfalls, da zunächst hierfür keine besondere Abhän-

gigkeit der Privatklägerin vom Beschuldigten nötig sei. Auch wenn zum fraglichen Zeitpunkt 

keine Beziehung mehr zwischen den Protagonisten bestanden habe, seien die Äusserungen 

sehr wohl geeignet gewesen, die Privatklägerin in Angst und Schrecken zu versetzen, zumal 

der Beschuldigte der Privatklägerin zusätzlich die Schuld hierfür zugeschoben und er ihr in 

 
 
 

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einer Mitteilung gar angedroht habe, den Suizid in ihrem Beisein zu vollziehen. Damit liege gar 

eine schwere Drohung vor. Es lägen zudem vollendete Taten vor, da die Privatklägerin im 

Zeitpunkt des Vorfalles vom 22. August 2018 mit den Nerven am Ende gewesen sei und dies 

unter anderem auf die wiederholten Drohungen mit Suizid zurückzuführen gewesen sei. Mit 

seinen Mitteilungen vom 13. Juni 2018, 4. Juli 2018, 11. Juli 2018, 1. August 2018, 8. August 

2018 sowie 13. August 2018 habe er sich jeweils der Drohung schuldig gemacht (vgl. S. 10 

des angefochtenen Urteils). Schliesslich habe der Beschuldigte über einen Zeitraum von meh-

reren Monaten der Privatklägerin immer wieder Nachrichten gesandt, obwohl jene ihm wieder-

holt deutlich zu verstehen gegeben habe, dass sie sich dadurch massiv belästigt gefühlt habe, 

womit der objektive Tatbestand von Art. 179septies StGB erfüllt sei. Der Beschuldigte habe um 

jeden Preis gegen den klar geäusserten Willen der Privatklägerin den Kontakt zu ihr aufrecht-

erhalten, weil er sich dadurch die Aufrechterhaltung der Beziehung erhofft habe. Er habe dabei 

ohne Rücksicht auf das Wohlbefinden der Privatklägerin seine eigenen Bedürfnisse verfolgt, 

womit er aus Mutwillen gehandelt habe und damit auch den subjektiven Tatbestand erfülle 

(vgl. S. 11 des angefochtenen Urteils). 

 

1.3.1 Die Staatsanwaltschaft verlangt betreffend den Beschuldigten B.____ hingegen einen 

zusätzlichen Schuldspruch wegen mehrfacher, teilweise versuchter Nötigung. So macht sie in 

ihrer summarisch begründeten Berufungserklärung vom 21. Juni 2021 geltend, der Beschul-

digte habe die Privatklägerin mittels elektronischer Medien unter Druck gesetzt sowie ihr an 

verschiedenen Orten nachgestellt, aufgelauert, beobachtet und sie bedrängt. Das Verhalten 

des Beschuldigten habe trotz der teilweisen Ambivalenz der Privatklägerin das zu erduldende 

Mass bei Weitem überschritten und eine Intensität erreicht, die den Tatbestand der mehrfa-

chen, teilweise versuchten Nötigung im Sinne des Stalkings erfülle. Der vorliegende Fall sei 

anders gelagert als der seitens des Strafgerichts zitierte KGE BL 460 15 29 vom 15. Septem-

ber 2015 (vgl. S. 3 der Berufungserklärung). In ihrer Berufungsbegründung vom 20. Septem-

ber 2021 legt die Anklagebehörde ausführlicher dar, dass dem Entscheid KGE BL 460 15 29 

vom 15. September 2015 ein qualifiziert ambivalentes Verhalten der Privatklägerin, welche 

offenbar immer wieder den Kontakt zum Beschuldigten gesucht habe, zugrunde gelegen sei. 

Vorliegend habe die Privatklägerin zwar auf Nachrichten des Beschuldigten geantwortet; es 

sei jedoch nie zu einem freiwilligen Treffen gekommen. Die "zufälligen" physischen Kontakte 

seien vielmehr auf das vom Beschuldigten am Fahrzeug der Privatklägerin angebrachte GPS-

Überwachungsgerät zurückzuführen. Ebenfalls habe die Privatklägerin naheliegenderweise 

 
 
 

Seite 21  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

aus Angst und zur Vermeidung weiterer Eskalationen geantwortet, nachdem sie immer wieder 

erfolglos verdeutlich habe, keinen Kontakt mit ihm zu wollen. Entgegen der Vorinstanz könne 

von einem Opfer nicht verlangt werden, sich vollends in die Isolation zu begeben, damit der 

Tatbestand des Stalkings erfüllt sei. Ein Opfer würde diesfalls zweimal bestraft. Vielmehr sei 

es einem Opfer hoch anzurechnen, wenn es trotz des durch die Handlungen des Täters ver-

ursachten chronischen Stresses seinen Alltag noch bewältigen könne. Nicht ausser Acht zu 

lassen sei die psychische Beeinträchtigung, welche auch bei der Vornahme der täglichen Ge-

wohnheiten permanent vorhanden gewesen sei. Vorliegend hätten die Handlungen des Be-

schuldigten das zu erduldende Mass bei Weitem überschritten, habe sich doch dieser nicht 

nur verschiedener Telefonnummern und Kommunikationsplattformen bedient, sondern auch 

mit Hilfe eines GPS-Trackers unter dem Fahrzeug der Privatklägerin deren Bewegungsradius 

vollständig unter seine Kontrolle gebracht, ohne dass sie es gewusst habe. Im Übrigen sei 

erstellt, dass sich die Privatklägerin in ihrer Bewegungsfreiheit psychisch wie zum Teil auch 

physisch bedrängt bzw. beeinträchtigt gefühlt habe. Daher seien die Handlungen des Beschul-

digten auch unter den Tatbestand der (versuchten) Nötigung im Sinne des Stalkings zu sub-

sumieren (vgl. S. 3-5 der Berufungsbegründung). 

 

1.3.2 Der Beschuldigte B.____ beantragt demgegenüber einen zusätzlichen Freispruch so-

wohl von der Anklage der mehrfachen Drohung als auch des mehrfachen Missbrauchs einer 

Fernmeldeanlage. So macht er in seiner Berufungsbegründung vom 24. September 2021 zu-

nächst betreffend die mehrfache Drohung geltend, dass er die vorgeworfene Konversation 

über Viber vom 13. Juni 2018, 16:13 Uhr, nicht in den Akten habe finden könne. Des Weiteren 

stelle die Drohung, den Partner umzubringen, zwar durchaus eine Drohung im Rechtssinne 

dar. Allerdings habe das Strafgericht den Schuldspruch betreffend die Ankündigung, er werde 

den Partner der Privatklägerin umbringen, wenn er ihn finde, nicht begründet. So sei in dubio 

davon auszugehen, dass die Privatklägerin zum fraglichen Zeitpunkt gar keinen Lebenspartner 

gehabt habe und selbst wenn sie einen gehabt habe, sei sie durch die betreffende Ankündi-

gung nicht ohne weiteres in Angst und Schrecken versetzt worden. Denn aus den elektroni-

schen Nachrichten ergebe sich vielmehr, dass die Privatklägerin zum fraglich Zeitpunkt keinen 

Lebenspartner gehabt habe und dass sie sich von den Nachrichten des Beschuldigten in kei-

ner Weise habe beeindrucken bzw. einschüchtern lassen. Gleiches gelte betreffend die An-

drohung des Beschuldigten, er werde sich selbst umbringen. Auch diesbezüglich habe die 

 
 
 

Seite 22  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Privatklägerin bloss gleichgültig oder konfrontativ reagiert. Letztlich könne dahingestellt blei-

ben, ob die Privatklägerin die Ankündigungen des Beschuldigten nicht ernst genommen habe 

oder aber es ist ihr schlicht gleichgültig gewesen sei. Selbst eine ernsthafte Ankündigung des 

Beschuldigten, sich das Leben nehmen zu wollen, sei nicht geeignet gewesen, um die Privat-

klägerin in Angst und Schrecken zu versetzen. Bezeichnenderweise habe sich die Privatklä-

gerin nicht ein einziges Mal ernsthaft um diese Ankündigungen gekümmert und etwa aus 

Sorge die Ehefrau oder Rettungskräfte alarmiert. Schliesslich habe der Beschuldigte gar nicht 

den Vorsatz gehabt, die Privatklägerin in Angst und Schrecken zu versetzen. Es habe sich 

lediglich um seine wiederholten, erfolglosen und daher für die Privatklägerin zunehmend läs-

tigen Versuche gehandelt, ihr seine Liebe zu beteuern und sie zurückzugewinnen (vgl. S. 3-6 

der Berufungsbegründung). Betreffend den Schuldspruch wegen mehrfachen Missbrauchs ei-

ner Fernmeldeanlage führt der Beschuldigte aus, die Vorinstanz grenze den Zeitraum für den 

Tatvorhalt nicht genügend ein, wenn sie von einem "Zeitraum von mehreren Monaten" spre-

che, wobei weder Beginn, Dauer noch Ende definiert seien. Wie bei der Anklage der mehrfa-

chen, teilweise versuchten Nötigung, sei aber auch hier das ambivalente Verhalten der Privat-

klägerin praktisch bis zum Vorfall vom 22. August 2018 gleichermassen zu berücksichtigen. 

Darum sei kein Missbrauch einer Fernmeldeanlage anzunehmen, wenn die Privatklägerin im-

mer wieder auf die Kontaktaufnahmen des Beschuldigten eingegangen sei. Aus den Chat-

Protokollen ergebe sich, dass die Privatklägerin den Beschuldigten auch mehrmals geblockt 

und später wieder freigeschaltet habe, womit sie aktiv die Kontaktaufnahme mit ihr ermöglicht 

und damit wohl auch gewünscht oder zumindest in Kauf genommen habe (vgl. S. 6 f. der Be-

rufungsbegründung).  

 

1.3.3 Die Privatklägerin A.____ lässt im Parteivortrag vor dem Kantonsgericht ausführen, 

sie lebe bis heute nicht ohne Grund an einer geheimen Adresse. Sie sei, unabhängig davon, 

ob sie im fraglichen Zeitpunkt einen Partner gehabt habe oder nicht, in Angst und Schrecken 

versetzt worden. Auch wegen der Selbstmorddrohungen des Beschuldigten habe sie sich 

schlecht und schuldig gefühlt; sie habe Angst davor gehabt, ein Leben auf dem Gewissen zu 

haben. Die Privatklägerin sei wegen genau derartiger Mitteilungen weiter beim Beschuldigten 

geblieben, womit erstellt sei, dass sie in Angst und Schrecken versetzt worden sei, aber auch, 

dass sie genötigt worden sei, die Beziehung zum Beschuldigten gegen ihren Willen aufrecht 

zu erhalten. Das absolut rücksichtslose Verhalten des Beschuldigten zeige sich letztlich darin, 

 
 
 

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dass er von der Privatklägerin mehrfach blockiert worden sei, er zu ihr deshalb von elf ver-

schiedenen Telefonnummern aus Kontakt aufgenommen habe und sie ihm zahlreiche Nach-

richten mit der deutlichen Aufforderung, ihn endlich in Ruhe zu lassen, geschickt habe. Die 

Privatklägerin habe sich über Jahre hinweg vom Beschuldigten unter Druck gesetzt gesehen 

und sich genötigt gefühlt, die Beziehung aufrecht zu erhalten, weil er damit gedroht habe, sie 

mit Sexvideos bei der Familie, bei Freunden und bei der Arbeit zu diskreditieren. Mehrfach 

habe sie deswegen die Beziehung zu ihm wiederaufgenommen bzw. fortgeführt. Es sei nicht 

richtig, dem Opfer ein ambivalentes Verhalten vorzuwerfen. Das Opfer habe sich regelrecht 

vor dem Beschuldigten verstecken müssen. Auf Nachrichten des Beschuldigten geantwortet 

habe die Privatklägerin lediglich, weil sie sich dadurch die Verhinderung einer Eskalation er-

hofft habe; sie habe ihn quasi "beruhigen" wollen. Vor diesem Hintergrund sei es dem Opfer 

hoch anzurechnen, dass es seine Ausbildung und Berufstätigkeit sowie ein minimales soziales 

Leben nicht vollständig aufgegeben habe. Dass der Kontakt keineswegs freiwillig erfolgt sei, 

zeige sich bereits am Umstand, dass der Beschuldigte elf verschiedene Nummern zur Kon-

taktaufnahme benutzt habe. Wer sich erst elf verschiedene Telefonnummern sowie einen 

GPS-Tracker besorgen müsse, dem müsse zweifellos klar sein, dass es keinen Funken Hoff-

nung auf Wiederaufnahme der Beziehung gebe, sondern er sich ganz massiv über den Willen 

einer anderen Person hinwegsetze. Letztlich sei entgegen der Vorinstanz völlig irrelevant, ob 

der Beschuldigte an eine Wiederaufnahme der Beziehung habe glauben dürfen oder nicht, da 

das penetrante Belästigen, Nachspionieren und Einschüchtern ohnehin unzulässig sei, wes-

halb ein Schuldspruch des Beschuldigten wegen mehrfacher, teilweise versuchter Nötigung 

zu erfolgen habe (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, unter Verweis auf das 

Plädoyer vor Kantonsgericht, S. 1 ff.). 

 

1.4.1.1 Hinsichtlich des Sachverhalts im Allgemeinen ist zunächst auf die Beweiswürdigungs-

regel gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO (Grundsatz der freien Beweiswürdigung) hinzuweisen. Ge-

mäss Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung. Das Gericht entscheidet frei von Beweisregeln und nur 

nach seiner persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber, ob es eine 

Tatsache für bewiesen hält. Dieser Grundsatz will sicherstellen, dass das Gericht nicht ver-

pflichtet ist, etwas als erwiesen zu erachten, wenn es nach seiner Überzeugung nicht ist, oder 

umgekehrt etwas als nicht erwiesen anzusehen, worüber kein Zweifel besteht (vgl. BGE 133 I 

33 E. 2.1). Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel. Auch 

 
 
 

Seite 24  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

besteht keine Rangfolge der Beweise; massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (vgl. 

CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozessrecht, 2011, 

Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 10 N 41 ff.). Liegen keine di-

rekten Beweise vor, so ist nach der Rechtsprechung auch ein indirekter Beweis zulässig. Beim 

Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber 

bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar entscheiderhebliche Tatsache 

geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewis-

sen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern 

Zweifel offenlassen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den 

vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt (BGer 6B_173/2022 vom 27. April 

2022 E. 1.1; 6B_295/2021 vom 31. März 2022 E. 3.3.3; 6B_390/2021 vom 18. März 2022 

E. 1.2.2; je mit Hinweisen).  

 

1.4.1.2 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind auch Aussagen auf das Vorhandensein von 

Glaubhaftigkeitsmerkmalen und umgekehrt auf das Fehlen von Lügensignalen hin zu analy-

sieren. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Aufgabe des Gerichts (BGE 

129 I 49 E. 4). Zu prüfen ist, ob die Aussagen verständlich, zusammenhängend und glaubhaft 

sind. Ebenso ist abzuklären, ob sie mit den weiteren Beweisen in Einklang stehen (BGer 

6B_141/2022 vom 10. Oktober 2022 E. 2.3.3; 6B_567/2020 vom 6. Dezember 2021 E. 2.3.2; 

je mit Hinweisen). Aussagen sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen Realkennzeichen 

zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussagedetails, Individualität, Ver-

flechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchsfreiheit 

bzw. Homogenität) sowie Wiederholungsmerkmalen (Konstanz, Erweiterung) unterschieden 

wird. Das Vorliegen von Realitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit hoher 

Wahrscheinlichkeit über erlebnisfundierte Geschehnisse berichtet. Zwar besitzt jedes Reali-

tätskriterium für sich allein betrachtet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau aller 

Indikatoren kann jedoch einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aus-

sage haben, wobei sie in der Regel in solchen mit realem Erlebnishintergrund signifikanter und 

ausgeprägter vorkommen als in solchen ohne (MARTIN HUSSELS, Von Wahrheiten und Lügen 

– Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 

6/2012, S. 369 f.; ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 162 N 15; BGE 

133 I 33 E. 4.3). Mithin wird davon ausgegangen, dass die den Beschuldigten belastende 

 
 
 

Seite 25  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst wenn sich diese Annahme (Nullhypo-

these) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, 

dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3, 

unter Hinweis auf BGE 129 I 49 E. 5; 128 I 81 E. 2). 

 

1.4.1.3 Des Weiteren ist die Beweiswürdigungsregel von Art. 10 Abs. 3 StPO (Maxime "in 

dubio pro reo") zu beachten. Bestreitet eine beschuldigte Person die ihr vorgeworfene Tat, so 

ist der Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Ar-

gumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Hierbei ist dem Zweifels-

grundsatz gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO Beachtung zu schenken. Als Beweislastregel bedeutet 

die Maxime "in dubio pro reo", dass es Sache der Strafbehörde ist, die Schuld der angeschul-

digten Person zu beweisen, und nicht diese ihre Unschuld nachweisen muss (ESTHER 

TOPHINKE, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 10 N 80; BGE 127 I 38 E. 2a). Als Beweis-

würdigungsregel besagt die Maxime, "in dubio pro reo" indes nicht, dass bei sich widerspre-

chenden Beweismitteln unbesehen auf den für die beschuldigte Person günstigeren Beweis 

abzustellen ist. Die Entscheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweis-

würdigung als Ganzes relevante Zweifel verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1 ff.). Das Ge-

richt darf sich nicht nach Gutdünken und rein subjektivem Empfinden von der Schuld der an-

geklagten Person überzeugt erklären. Vielmehr muss die Beweiswürdigung und Sachverhalts-

feststellung gestützt auf alle vorhandenen und verwertbaren Beweise begründbar und für ei-

nen verständigen Menschen objektiv nachvollziehbar sein. Eine Verurteilung darf nur ergehen, 

wenn das Sachgericht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus überzeugt ist, dass sämtliche 

Strafbarkeitsvoraussetzungen in tatsächlicher Hinsicht vorliegen. Eine überwiegende Wahr-

scheinlichkeit reicht hierfür nicht. Auf der anderen Seite ist absolute Gewissheit angesichts der 

Unvollkommenheit der Erkenntnismittel und des menschlichen Urteilsvermögens nicht erreich-

bar. Gefordert ist indessen ein sehr hoher Grad an Wahrscheinlichkeit oder eine mit an Sicher-

heit grenzende Wahrscheinlichkeit. Wichtige Bedeutung für die Nachvollziehbarkeit der Sach-

verhaltsfeststellung haben neben der Urteilsbegründung Denk- und Naturgesetze, Erfahrungs-

sätze, technische und wissenschaftliche Erkenntnisse, gesicherte empirische Befunde, Le-

benserfahrung und nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand (ESTHER TOPHINKE a.a.O., 

N 83, m.w.H.; BGer 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.2.1). Sodann gilt es zu beachten, 

dass das Schweigen einer beschuldigten Person in Situationen, die nach einer Erklärung ru-

fen, bei der Gewichtung belastender Elemente mitberücksichtigt werden kann (vgl. ROBERT 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=glaubhaftigkeitsmerkmale&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-I-49%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page49
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=glaubhaftigkeitsmerkmale&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-I-81%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page81

 
 
 

Seite 26  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

HAUSER/ERHARD SCHWERI/KARL HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl. 

2005, § 39 N 20c; vgl. ebenso KGer BL 100 07 425 E. 3.1, unter Hinweis u.a. auf Art. 6 Ziff. 1 

und 2 EMRK, Art. 14 Ziff. 3 lit. g UNO-Pakt II und Art. 32 Abs. 1 BV). 

 

1.4.1.4 Schliesslich ist im Berufungsverfahren Art. 389 Abs. 1 StPO anwendbar. Demnach 

beruht das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanz-

lichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Das zweitinstanzliche Verfahren dient daher prin-

zipiell nicht der Wiederholung der Beweiserhebung. Das Rechtsmittelverfahren setzt das Straf-

verfahren fort und knüpft daher an die bereits erfolgten Verfahrenshandlungen, namentlich an 

die bereits getätigten Beweiserhebungen an. Der Grundsatz von Art. 389 Abs. 1 StPO gelangt 

jedoch nur zur Anwendung, soweit die Beweise, auf die die Rechtsmittelinstanz ihren Ent-

scheid stützen will, prozesskonform erhoben worden sind. Erweisen sich Beweiserhebungen 

als rechtsfehlerhaft (lit. a), unvollständig (lit. b) oder unzuverlässig (lit. c) i.S.v. Art. 389 Abs. 2 

StPO, sind sie von der Rechtsmittelinstanz erneut vorzunehmen (vgl. BGE 143 IV 288 E. 1.4.1, 

unter Hinweis auf die Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafpro-

zessrechts, BBl 2006 1310 Ziff. 2.9.1). 

 

1.4.2 In casu liegen als Beweise und Indizien betreffend den Anklagefall 1 die Aussagen 

der Privatklägerin A.____ einerseits (vgl. Mailkorrespondenz mit der Polizei Basel-Landschaft, 

act. 495 ff.; Einvernahme vom 22. August 2018, act. 527; Einvernahme vom 24. September 

2018, act. 557; Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 5 ff.; Prot. Hauptverhandlung Kantons-

gericht, S. 6 f.) und des Beschuldigten B.____ andererseits (vgl. Einvernahme vom 28. Okto-

ber 2019, act. 665; Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 3 ff.; Prot. Hauptverhandlung Kan-

tonsgericht, S. 4), der beschlagnahmte GPS-Tracker sowie die dort aufgezeichneten Daten 

(act. 455 ff.), zwei Fingerabdrücke des rechten Daumens des Beschuldigten B.____ auf dem 

Klebestreifen des GPS-Trackers (vgl. Forensik-Berichte vom 4. September 2018, act. 475 ff.) 

sowie die Mobiltelefonauswertungen (vgl. separate CD "Mobil Daten") vor. 

 

1.4.3.1 Was zunächst die Anklage wegen mehrfacher, teilweise versuchter Nötigung betrifft, 

so macht sich gemäss Art. 181 StGB strafbar, wer jemanden durch Gewalt, Androhung ernst-

licher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu 

tun, zu unterlassen oder zu dulden. 

 

 
 
 

Seite 27  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Wird die strafbare Tätigkeit zu Ende geführt, tritt aber der zur Vollendung des Verbrechens 

oder des Vergehens gehörende Erfolg nicht ein, so liegt ein Versuch i.S.v. Art. Art. 22 Abs. 1 

StGB vor.  

 

1.4.3.2 Schutzobjekt des Nötigungstatbestands gemäss Art. 181 StGB ist die Freiheit der 

Willensbildung und Willensbetätigung des Einzelnen (BGE 129 IV 6 E. 2.1 S. 8). Um dem ge-

setzlichen und verfassungsmässigen Bestimmtheitsgebot ("nullum crimen sine lege") gerecht 

zu werden, ist die Tatbestandsvariante der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" 

einschränkend auszulegen. Nicht jeder noch so geringfügige Druck auf die Entscheidungsfrei-

heit eines andern führt zu einer Bestrafung nach Art. 181 StGB. Vielmehr muss das verwen-

dete Zwangsmittel das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise 

eindeutig überschreiten, wie es für die vom Gesetz ausdrücklich genannte Gewalt und die 

Androhung ernstlicher Nachteile gilt. Dies ist der Massstab, nach dem sich das Gericht bei der 

gebotenen Konkretisierung der Generalklausel richten kann und richten muss. Die unter die 

Generalklausel fallenden Nötigungsmittel müssen dem im Gesetz ausdrücklich genannten Nö-

tigungsmittel der Anwendung von Gewalt in ihrer Intensität beziehungsweise Wirkung ähnlich 

sein und nach der Auslegung des Gewaltbegriffs noch unter diesen subsumiert werden können 

(BGE 129 IV 262 E. 2.1; 119 IV 301 E. 2a S. 305). Sodann muss das Opfer zu einem Tun, 

Unterlassen oder Dulden veranlasst werden, d.h. zwischen Nötigungsmittel und Nötigungser-

folg muss ein Kausalzusammenhang bestehen. Dieser fehlt, wenn sich das Opfer ohnehin so 

verhalten wollte, wie es der Täter von ihm verlangt. Vollendet ist die Nötigung erst, wenn sich 

das Opfer nach dem Willen des Täters verhält. Unrechtmässig ist eine Nötigung schliesslich 

nur, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist, wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht 

im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen 

Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich  oder sittenwidrig ist (BGE 129 IV 

262 E. 2.1; VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, Basler Kommentar StGB, 4. Aufl., Art. 181 N 49 

ff.). Ob die Beschränkung der Handlungsfreiheit anderer eine rechtswidrige Nötigung ist, hängt 

somit vom Mass der Beeinträchtigung, von den dazu verwendeten Mitteln sowie den damit 

verfolgten Zwecken ab (vgl. BGE 129 IV 262 E. 2.1, unter Hinweis auf BGE 120 IV 17 E. 2a/bb; 

119 IV 301 E. 2b; 108 IV 165 E. 3).  

 

Der Begriff des sog. "Stalking" wurde Ende der Neunzehnhundertachtzigerjahre in den USA 

eingeführt, um das immer häufiger beobachtete Phänomen des zwanghaften Verfolgens und 

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Belästigens einer Person zu erfassen. Heute gelten als typische Merkmale des Stalkings das 

Ausspionieren, fortwährende Aufsuchen physischer Nähe (Verfolgen), Belästigen und Bedro-

hen eines anderen Menschen, wobei das fragliche Verhalten mindestens zweimal vorkommen 

und beim Opfer starke Furcht hervorrufen muss (BGE 129 IV 262 E. 2.3, unter Hinweis auf 

REBECCA LÖBMANN, Stalking, Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 85/2002 

S. 25; HARALD DRESSING/PETER GASS, Stalking - vom Psychoterror zum Mord, Der Nervenarzt 

2002 S. 1112). Nach den bisherigen Erkenntnissen kann das Stalking verschiedene Ursachen 

und Erscheinungsformen aufweisen. Häufig bezweckt es Rache für empfundenes Unrecht      

oder es wird damit Nähe, Liebe und Zuneigung einer Person, nach einer Trennung auch Kon-

trolle und Wiederaufnahme der Beziehung gesucht. Das Stalking kann lange – nicht selten 

über ein Jahr – andauern und bei den Opfern gravierende psychische Beeinträchtigungen her-

vorrufen. Charakteristisch ist stets, dass viele Einzelhandlungen erst durch ihre Wiederholung 

und ihre Kombination zum Stalking werden (BGE 129 IV 262 E. 2.3, unter Hinweis auf 

REBECCA LÖBMANN, a.a.O., S. 26 und 28 f.; STEFAN TRECHSEL/MARIANNE JOHANNA LEHMKUHL, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl., Art. 179septies N 1a, unter Hin-

weis auf die Botschaft, BBl 2017 S. 7326 und die Definition der Istanbul-Konvention, Art. 34). 

Vor allem im angloamerikanischen Rechtskreis wurden in den Neunzehnhundertneunzigerjah-

ren Strafbestimmungen gegen das Stalking erlassen. Diese Normen stellen regelmässig das 

belästigende und bedrohende Verhalten in seiner Gesamtheit unter Strafe (vgl. etwa § 646.9 

Penal Code des US-Gliedstaats Kalifornien). In der Schweiz – wie übrigens auch in Deutsch-

land und Frankreich – fehlt demgegenüber ein spezieller Straftatbestand des Stalkings. Das 

bedeutet indessen lediglich, dass das vorstehend beschriebene Verhalten strafrechtlich nicht 

gesondert erfasst wird, doch ist nicht ausgeschlossen, dass dieses insgesamt oder einzelne 

Handlungen davon Straftatbestände erfüllen (vgl. BGE 129 IV 262 E. 2.3). Denn weil dafür 

kein eigener Straftatbestand zur Verfügung steht, wird geprüft, ob dieses Verhalten den Tat-

bestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB erfüllt. Beim Stalking kommt die dritte Tatvari-

ante, Nötigung durch eine andere Beschränkung der Handlungsfreiheit, zur Anwendung, wo-

bei, – wie bereits erwähnt – diese sehr unbestimmte Generalklausel einschränkend auszule-

gen ist (vgl. BGE 129 IV 262 E. 2.3; STEFAN TRECHSEL/MARTINO MONA, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl., Art. 181 N 7). Anders als beim Tatbestand des Stal-

kings, wie ihn andere Rechtsordnungen kennen, sind bei der Nötigung die einzelnen Tathand-

lungen und nicht das Gesamtverhalten der beschuldigten Person zu beurteilen. Vorausgesetzt 

 
 
 

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wird, dass eine einzelne nötigende Handlung das Opfer zu einem Tun, Dulden oder Unterlas-

sen zwingt. Der damit bezeichnete Erfolg muss als Resultat eines näher bestimmten nötigen-

den Verhaltens feststehen. Die Berufung auf die Gesamtheit mehrerer Handlungen genügt 

hierfür nicht. Jedoch sind die einzelnen Tathandlungen unter Berücksichtigung der gesamten 

Umstände, namentlich der Vorgeschichte der fraglichen Handlungen, zu würdigen. Kommt es 

während längerer Zeit zu einer Vielzahl von Belästigungen, kumulieren sich deren Einwirkun-

gen. Ist eine gewisse Intensität erreicht, kann jede einzelne Handlung, die für sich alleine den 

Anforderungen von Art. 181 StGB noch nicht genügen würde, geeignet sein, die Handlungs-

freiheit der betroffenen Person in dem Mass einzuschränken, dass ihr eine mit Gewalt oder 

Drohung vergleichbare Zwangswirkung zukommt (vgl. BGE 141 IV 437 E. 3.2.2, unter Hinweis 

auf BGE 129 IV 262 E. 2.4 f.; BGer 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 7.1; ORLANDO VANOLI, 

Stalking, ein "neues" Phänomen und dessen strafrechtliche Erfassung in Kalifornien und in der 

Schweiz, ZStStr Nr. 50, 2009, N 294 ff.). 

 

1.4.3.3 Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale, ohne 

dass alle objektiven Merkmale verwirklicht wären. Überschritten ist die Schwelle zum Versuch 

bereits dann, wenn ein Täter mit Tatentschluss ein objektives Tatbestandsmerkmal erfüllt. Die 

Ausführung der Tat im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB beginnt mit derjenigen Tätigkeit, die 

nach dem Plan des Täters den letzten entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Tatbestands-

verwirklichung darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn äussere 

Umstände erschwerten oder verunmöglichten es, diese Absicht weiterzuverfolgen. Ob eine 

Handlung als Versuch einer strafbaren Handlung erscheint, setzt häufig die Kenntnis darüber 

voraus, wie der Täter vorgehen wollte. Mit welcher Handlung der Täter plangemäss zur Ver-

wirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt und ob noch die Möglichkeit bestand, dass 

er ohne äusseren Zwang von seinem Vorhaben abrücken könnte, ist also anhand der Vorstel-

lung des Täters von der Tat und nach objektiven Anhaltspunkten zu entscheiden (zum Ganzen 

BGer 6B_1314/2016 vom 10. Oktober 2018 E. 9.5.2, nicht publ. in: BGE 145 IV 114; 140 IV 

150 E. 3.4; 131 IV 100 E. 7.2; mit Hinweisen zu Lehre und Rechtsprechung; vgl. ebenso BGE 

137 IV 113 E. 1.4.2, unter Hinweis auf BGE 128 IV 18 E. 3b; 122 IV 246 E. 3a; 120 IV 

199 E. 3e).  

 

1.4.3.4 Es stellt sich somit in casu die Frage, ob die durch den Beschuldigten in Ziff. 1 a und 

b der Anklage geschilderten Verhaltensweisen die für die Bejahung des Nötigungstatbestands 

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Seite 30  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

erforderliche Intensität aufweisen, mithin ob sie mit der Zeit eine Intensität annahmen, welche 

die Handlungsfreiheit der Privatklägerin erheblich einschränkten und das üblicherweise gedul-

dete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig überschritten, wie es für die vom 

Gesetz ausdrücklich genannte Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile gilt.  

 

a) Die aktenkundige Kommunikation zwischen den Parteien ist nicht bestritten. Grund-

sätzlich ist das Verhalten des Beschuldigten, nämlich der regelrechte Telefon- und SMS-Terror 

in der Zeit vom 1. Mai 2018 bis zum 22. August 2018, mithin während rund drei 3 ½ Monaten, 

geeignet, um als Stalking im Sinne der Nötigung qualifiziert zu werden. Denn nachdem die 

Privatklägerin die Beziehung mit dem Beschuldigten Ende März 2018 definitiv beenden wollte, 

kam es in der Folge im April und Mai 2018 noch zu gelegentlichen persönlichen Treffen. Ab 

Mai 2018 begann der Beschuldigte, die Privatklägerin über elektronische Medien massiv unter 

Druck zu setzen, um die zuvor stattgefundene Trennung wieder rückgängig zu machen, d.h. 

mit dem Ziel, dass die Privatklägerin wieder eine Beziehung mit ihm eingeht. Allein die zwi-

schen den Parteien versendeten Textnachrichten über Viber würden, wenn man sie ausdruckt, 

mit einem Datenvolumen von 247'022 KB gesamthaft 534 Seiten A4 umfassen, weshalb sie 

auf einer zu den Akten separaten DVD gebrannt werden mussten (vgl. Bericht der Polizei Ba-

sel-Landschaft vom 19. September 2018, act. 1375). Auch der Inhalt der vom Beschuldigten 

an die Privatklägerin versandten Nachrichten erzeugte einen enormen psychischen Druck auf 

deren Entscheidungsfreiheit, dem sie sich nicht entziehen konnte. Der Beschuldigte hat zudem 

elf verschiedene Telefonnummern verwendet, um mit der Privatklägerin in Kontakt zu treten, 

wenn sie die aktuell verwendete Nummer auf ihrem Handy sperrte. Der Beschuldigte hat dar-

über hinaus der Privatklägerin aufgelauert, ihr nachgestellt und sie bedrängt, indem er sie bis 

zum 14. September 2018 am Wohn- oder Schulort abgepasst und von Mitte Juni 2018 bis zum 

22. August 2018 gar einen GPS-Tracker an ihrem Wagen angebracht hat, um jederzeit über 

ihren Aufenthaltsort auf dem Laufenden zu sein. Auch nachdem sein Handy am 22. August 

2018 beschlagnahmt worden war, hat der Beschuldigte die entsprechende Software erneut 

auf einem anderen Gerät heruntergeladen. Dank des GPS Trackers konnte er die Privatklä-

gerin auch weiterhin beobachten und ihr sowohl "zufällig" über den Weg laufen als ihr auch 

bewusst abpassen. Schliesslich verhielt sich der Beschuldigte der Privatklägerin gegenüber 

durch die oben beschriebenen Handlungen besonders hartnäckig. Die Vorinstanz weist auf 

den Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 460 15 29 vom 15. September 2015, in 

welchem eingehend ein Fall von Stalking zu beurteilen war, hin (vgl. S. 9 des angefochtenen 

 
 
 

Seite 31  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Urteils). In Bezug auf den dort zu würdigenden Sachverhalt ist festzustellen, dass das Verhal-

ten bzw. Bedrängen des Beschuldigten im vorliegenden Fall als weniger massiv zu bezeichnen 

ist als dasjenige im Entscheid 460 15 29 vom 15. September 2015. Denn im dortigen Fall 

bestand das Bedrängen des Beschuldigten aus 62 Anrufen innerhalb von drei Stunden, 94 

Anrufen innerhalb vom 14 Stunden am Folgetag, 214 SMS in einem Zeitraum vom 3 ½ Mona-

ten, einem mehrfachen Aufsuchen des Opfers am Wohn- und Arbeitsort sowie einem mehrfa-

chen Verstoss gegen Kontakt- und Annäherungsverbote und gegen eine Ausgrenzung, so 

dass sich das Opfer veranlasst sah, mehrfach den Arbeits- und Wohnort zu wechseln und sich 

gar zeitweise im Frauenhaus aufzuhalten (vgl. KGE a.a.O., E. 3.8). In einer Gesamtwürdigung 

(Dauer, Intensität, Zwangs- bzw. Druckmittel) geht in casu das Verhalten des Beschuldigten 

aber gleichwohl über das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung eindeutig hinaus 

und erscheint damit auch bei grösster Zurückhaltung in der Anwendung der Generalklausel 

der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" i.S.v. Art. 181 StGB als grundsätzlich straf-

würdig. 

 

b) Zutreffend weist die Vorinstanz jedoch in diesem Zusammenhang wiederum auf das 

Urteil des Kantonsgerichts 460 15 29 vom 15. September 2015 hin, worin bei der Würdigung 

des Verhaltens des Beschuldigten miteinbezogen wurde, "dass es während des gesamten 

angeklagten Zeitraums immer wieder zu einvernehmlichen Kontakten zwischen dem Beschul-

digten und der Privatklägerin gekommen ist, wobei die Privatklägerin ihrerseits den Kontakt 

mit dem Beschuldigten zumindest teilweise sogar gesucht hat" (vgl. KGE a.a.O., E. 3.19). Des 

Weiteren führte das Kantonsgericht im genannten Entscheid aus, dass "das äusserst ambiva-

lente Verhalten der Privatklägerin geradezu das charakteristische Wesen des Stalkings auf-

hebt", da "die von der Privatklägerin immer wieder gesuchten oder zumindest nicht uner-

wünschten einvernehmlichen Kontakte mit dem Beschuldigten" zu einer "Zäsur" geführt hät-

ten, welche es ausschliesse, dass die unerwünschten Kontaktversuche des Beschuldigten 

durch ihre Wiederholungen und ihre Kombination zum Stalking im Sinne von Art. 181 StGB 

werden könnte (vgl. KGE a.a.O., E. 3.20). Denn auch in casu ist nicht allein das oben festge-

stellte Verhalten des Beschuldigten entscheidend. Vielmehr spielt auch im vorliegenden Fall 

das sogenannt ambivalente Verhalten der Privatklägerin A.____ eine wesentliche Rolle. Ein 

Verhalten, das an sich den Tatbestand der Nötigung im Sinne eines Stalkings erfüllen kann, 

ist nämlich dann nicht mehr tatbestandsmässig, wenn das Opfer im gleichen Zeitraum auch 

einvernehmliche Kontakte mit dem Täter zulässt. Wie im erwähnten Fall aus dem Jahre 2015 

 
 
 

Seite 32  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

hat auch in casu die Privatklägerin wiederholt einvernehmliche Kontakte mit dem Beschuldig-

ten zugelassen, ja solche sogar von sich aus initiiert. Für das Gericht in dieser Hinsicht auffällig 

bzw. relevant sind insbesondere die nachfolgenden, gestützt auf die Akten erstellten und im 

Übrigen unbestrittenen Handlungen bzw. Reaktionen der Privatklägerin (vgl. nur Einvernahme 

von A.____ vom 24. September 2018, act. 573): 

 

- 1. Juli 2018: Die Privatklägerin schreibt dem Beschuldigten, sie gebe ihm betreffend das von 

ihm gewünschte Treffen noch Bescheid (womit sie dem Beschuldigten zu erkennen gibt, dass 

sie ein solches Treffen nicht grundsätzlich ablehnt). 

- 2. Juli 2018: Die Privatklägerin teilt dem Beschuldigten mit, dass sie schlecht geschlafen 

habe, schildert umfassend ihre Träume und spricht mit ihm über Ferienpläne, und dies über 

mehrere Stunden (womit die Privatklägerin wieder viel persönliche Nähe zulässt). 

- 6. Juli 2018: Es erfolgt eine freiwillige Konversation über das Rauchen. 

- 7. Juli 2018: Es findet eine Konversation über Rückenschmerzen der Privatklägerin, Träume 

etc. statt (womit sie abermals Nähe zulässt). 

- 8. Juli 2018: Die Privatklägerin verabredet sich mit dem Beschuldigten zum Baden. 

- 13. Juli 2018: Die Privatklägerin kommuniziert mit dem Beschuldigten vor ihrer Fahrt in die 

Ferien in den Kosovo. Um 21:40 Uhr schreibt sie ihm, dass sie jetzt losfahre, um 23:32 Uhr 

meldet sie ihm Stau am Gotthard, es folgt eine längere Konversation darüber und auf Frage 

des Beschuldigten sagt sie ihm, dass sie jetzt in Biasca sei, eine halbe Stunde später gibt sie 

von sich aus an, dass es nur noch 36 km bis Italien seien und sie jetzt das Internet abstelle, 

danach folgt eine Pause von 4 Stunden (14. Juli 2018, 01:00 bis 05:00 Uhr), bis die Privatklä-

gerin wieder von sich aus dem Beschuldigten meldet, das sie in Slowenien sei (05:02 Uhr). 

- 26. Juli 2018: Auf der Heimreise teilt die Privatklägerin dem Beschuldigten ebenfalls ihren 

jeweiligen Standort mit. 

- Juli 2018: A.____ nimmt Sach- und Bargeldgeschenke (Schmuck, ca. Fr. 1’000.-- Bargeld) 

vom Beschuldigten an. 

- Ebenfalls im Monat Juli 2018 sendet die Privatklägerin dem Beschuldigten Bilder von sich, 

worauf sie ein langes rotes Kleid trägt etc. 

 

 
 
 

Seite 33  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Nebst der oben dargestellten freiwilligen Konversation ist somit auch festzustellen, dass die 

Privatklägerin zwei Mal über ein Treffen mit dem Beschuldigten diskutiert. Insofern ist der vor-

liegende Fall durchaus vergleichbar mit dem zitierten Entscheid 460 15 29 vom 15. September 

2015. Der Einwand der Staatsanwaltschaft, es sei nie zu einem effektiven Treffen gekommen 

(vgl. S. 3 f. der Berufungsbegründung vom 20. September 2021), ist insofern nicht relevant, 

als die Privatklägerin solche Treffen dem Beschuldigten mindestens in Aussicht gestellt hat. 

Sie hat dadurch in keinem Fall einen allenfalls vom Beschuldigten ausgehenden Vorschlag zu 

einem Treffen konsequent und kategorisch abgelehnt, was wiederum gegen einen durchge-

henden, länger andauernden Zwang und Druck durch den Beschuldigten auf die Privatklägerin 

spricht. Wenn die Privatklägerin geltend macht, sie habe mit dem Beschuldigten "auf der sanf-

ten Tour kollegial bleiben" wollen, damit er sich beruhige bzw. das Ganze nicht eskaliere (vgl. 

zuletzt Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 6 f.), so kann dieses Argument insofern 

nicht nachvollzogen werden, als Stalking-Opfern immer wieder dringend empfohlen wird, den 

Kontakt zum Täter klar und deutlich abzubrechen. Jedenfalls verhält sich ein Stalking-Opfer, 

welches um jeden Preis den Kontakt mit dem Täter abbrechen will, nicht so wie im vorliegen-

den Fall die Privatklägerin auf die oben beschriebene Weise. Auch hat die Privatklägerin – 

ebenfalls im Unterschied zum erwähnten Urteil aus dem Jahre 2015 – in casu keinerlei Annä-

herungsverbote und Wegweisungen des Beschuldigten beantragt und erreicht, über welche 

dieser sich hinweggesetzt hätte, was zwar nicht ein entscheidender Punkt ist, wohl aber ein 

Indiz betreffend die Auswirkungen der Handlungen des Beschuldigten auf die Privatklägerin, 

insbesondere den daraus folgenden Leidensdruck für die Privatklägerin, darstellt. Wenn die 

Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten "angeboten" hat, kollegial miteinander verbun-

den zu bleiben, kann ihr Leidensdruck nicht allzu gross gewesen sein. Das oben festgestellte, 

grundsätzlich nötigende Verhalten des Beschuldigten wird somit durch das als durchaus am-

bivalent zu bezeichnende Verhalten der Privatklägerin stark relativiert. Insofern erreichen die 

– freilich lästigen – Handlungen des Beschuldigten die nötige Intensität nicht, um als straf-

rechtlich relevante (versuchte) Nötigung qualifiziert werden zu können, womit der Sachverhalt 

rechtlich analog zu demjenigen im zitierten Entscheid 460 15 29 vom 15. September 2015 wie 

auch im Einklang mit dem vorinstanzlichen Urteil zu beurteilen ist.  

 

c) Lediglich im Sinne eines obiter dictum ist betreffend Nötigungserfolg bzw. Nötigungs-

zweck (vgl. Erw. 1.4.3.2) der Staatsanwaltschaft insofern zuzustimmen, als sich ein Stalking- 

opfer nicht in vollständige Isolation begeben muss, damit der Nötigungserfolg bejaht werden 

 
 
 

Seite 34  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

kann. Diese Frage ist aber nicht von Relevanz, da ein Erfolgseintritt im Sinne des Gesetzes 

bereits dann vorliegt, wenn das Opfer durch die beanstandeten Verhaltensweisen dazu ge-

bracht wird, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Angeklagt ist in casu, dass der Be-

schuldigte die Handlungsfreiheit der Privatklägerin einschränkte mit dem Fernziel der Erzwin-

gung der Wiederaufnahme der Beziehung (vgl. Anklageschrift, S. 2, Titel). Die Begrifflichkeit 

des Fernziels ist vorliegend verwirrend. Das Bundesgericht verwendet den Begriff des Fern-

ziels vor allem im Zusammenhang mit Demonstrationen, wo beispielsweise Blockaden (z.B. 

auf der Autobahn oder vor Fabrikgeländen) durchgeführt werden. Das Fernziel ist in solchen 

Fällen oft eine politische Forderung, welche die Genötigten ohnehin nicht umsetzen können 

(vgl. BGE 134 IV 216: Blockade auf der Autobahn mit dem Fernziel der Einführung eines fle-

xiblen Altersrücktritts ab dem 60. Altersjahr, womit die Benutzerschaft der Autobahn genötigt 

wurde, anzuhalten und eine bestimmte Zeit in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. 

Zweck (oder Erfolg) der Nötigung war damit das Behindern der Weiterfahrt der Automobilisten 

und damit das Erwecken von Aufmerksamkeit für die politische Forderung). Im vorliegenden 

Fall ging es dem Beschuldigten aber darum, die Privatklägerin dazu zu bringen, die Beziehung 

mit ihm wieder aufzunehmen. Dies war der vom Beschuldigten verfolgte Zweck und diesen 

Erfolg hat er unbestrittenermassen nicht erreicht, weshalb rechtlich betrachtet nur ein Versuch 

i.S.v. Art. 22 Abs. 1 StGB in Frage käme (vgl. VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, a.a.O., N 65 ff.). 

Unzutreffend ist insofern die Feststellung des Strafgerichts, aber auch die Begründung der 

Staatsanwaltschaft in der Berufung, dass der Nötigungserfolg (massive Einschränkung der 

Bewegungsfreiheit der Privatklägerin und deren soziale Isolierung) nicht eingetreten sei (vgl. 

S. 10 oben des angefochtenen Urteils sowie S. 4 der Berufungsbegründung vom 20. Septem-

ber 2021). Solche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sind nämlich das Nötigungsmittel, 

also Formen der Beschränkung der Handlungsfreiheit, um zum angestrebten Erfolg zu kom-

men, nicht aber der Nötigungserfolg, dieser wäre eben die Wiederaufnahme der Beziehung 

gewesen. Denn im obgenannten Fall der Autobahnblockade ist der Erfolg eingetreten, da die 

Automobilistinnen und Automobilisten während einer bestimmten Zeit daran gehindert wurden, 

weiterzufahren. Mehr war seitens der Täterschaft auch nicht gewollt. Vorliegend ging es hin-

gegen dem Beschuldigten nicht darum, dass sich die Privatklägerin nicht mehr aus dem Haus 

getraut oder sozial isoliert wird, sondern dass sie sich wieder auf den Beschuldigten einlässt 

(im Sinne einer Nötigung zu einem bestimmten Tun) und genau diesen Zweck hat der Be-

schuldigte nicht erreicht, weshalb im Falle einer Tatbestandsmässigkeit nur ein Versuch ge-

geben wäre.  

 
 
 

Seite 35  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

d) Die Berufung der Staatsanwaltschaft erweist sich somit in diesem Punkt als unbegrün-

det, weshalb sie in Bestätigung des vorinstanzlichen Freispruchs von der Anklage der mehr-

fachen, teilweise versuchten Nötigung abzuweisen ist. 

 

1.4.4.1 In Bezug auf die Anklage der mehrfachen Drohung ist Art. 180 Abs. 1 StGB zu be-

achten. Demnach macht sich (auf Antrag) strafbar, wer jemanden durch schwere Drohung in 

Schrecken oder Angst versetzt. 

 

1.4.4.2 Drohung ist die Ankündigung eines erheblichen Übels, dessen Eintritt vom Willen des 

Täters abhängt. Die Drohung wirkt implizit notwendigerweise darauf hin, dass der Bedrohte 

sich dem Willen des Drohenden fügt, auch wenn dies nicht direkt angestrebt wird (vgl. STEFAN 

TRECHSEL/MARTINO MONA, a.a.O., Art. 180 N 1, m.w.H.). Der Täter muss einen schweren 

Nachteil in Aussicht stellen – die Anforderungen sind höher als in Art. 181 StGB, wenn auch 

keine ganz besondere Schwere gefordert wird. Genügend ist jede Drohung mit einem Verbre-

chen oder Vergehen, wenn die Gefah