# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4fb6b32-2efa-5e01-b48d-b68e8096e02e
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-24
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 24.05.2016 IV 2015/403 + IV 2015/407
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2015-403---IV-201_2016-05-24.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2015/403 + IV 2015/407

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 18.10.2019

Entscheiddatum: 24.05.2016

Entscheid Versicherungsgericht, 24.05.2016
Art. 13 IVG, Ziff. 404 Anhang GgV. Die ärztliche Delegation der 
durchzuführenden Untersuchungen resp. der Befunderhebung vermag für 
sich allein eine gestützt auf diese Befunde vom Arzt gestellte Diagnose nicht 
in Zweifel zu ziehen. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Mai 2016, IV 2015/403 
und IV 2015/407). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 9C_419/2016.

Besetzung

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin 

Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea Locher

Geschäftsnr.  

IV 2015/403, IV 2015/407

Parteien

SWICA Krankenversicherung AG,

Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,

beschwerdeführende Krankenversicherung,

(IV 2015/403)

und

A.___,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführer,

(IV 2015/407)

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marc Tomaschett,

St. Martinsplatz 8, Postfach 683, 7002 Chur,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand 

medizinische Massnahmen

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ wurde am 18. November 2014 von seiner Mutter für medizinische 

Massnahmen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen angemeldet (IV-act. 1). Dr. med. 

B.___, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, gab im Anmeldeformular an, dass 

der Versicherte an einem Psycho-Organischen Syndrom (POS, Geburtsgebrechen Ziff. 

404) leide. Der Anmeldung lag ein von Dr. phil. C.___ unterzeichneter Untersuchungs-

Report des ADHD-Kompetenzzentrums Ostschweiz vom April 2014 bei (IV-act. 3). Dr. 

phil. C.___ hatte angegeben, dass die fünf Kriterien für das Vorliegen des 

Geburtsgebrechens Ziff. 404 erfüllt seien: Die neuropsychologische Untersuchung, die 

Schilderungen der Mutter und die Angaben im Fragebogen hätten das Vorliegen einer 

Aufmerksamkeitsstörung bestätigt. Eine Impulshemmungsstörung, eine 

Impulskontrollstörung und eine Antriebsstörung seien aufgrund der Aussagen der 

Mutter sowohl zu Hause als auch in der Schule ausgewiesen. Die Testergebnisse, 

insbesondere die Biomarker, hätten darauf hingewiesen, dass es dem Versicherten 

schlecht gelinge, Impulse zu steuern oder zu kontrollieren. Eine Störung der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Wahrnehmung sei durch die Ergebnisse der testpsychologischen Untersuchungen 

ausgewiesen. Dem Versicherten gelinge es nur schlecht, emotionale Anteile zu lesen 

und zu verstehen. Zudem hätten sich Auffälligkeiten gezeigt, die sich in einer 

mangelnden Wahrnehmungsdifferenzierung niedergeschlagen hätten. Im auditiven, 

nicht aber im visuellen Bereich, hätten Störungen der Merkfähigkeit vorgelegen. Dem 

Versicherten gelinge es nur schlecht, frei gehörte Elemente zu behalten und 

wiederzugeben. Die Lehrerin des Versicherten habe über eine Störung der 

Emotionsregulation berichtet. Auch liege eine Evidenz vor, wonach die Schwierigkeiten 

sich im schulischen Zusammenleben auswirkten. Aufgrund der Testergebnisse (CFT1-

R-Test) könne von einem IQ im Normbereich ausgegangen werden.

A.b  Dr. B.___ berichtete am 15. Dezember 2014, dass der Versicherte an 

hyperkinetischen Störungen (Aufmerksamkeitsstörung, ICD-10: F90) leide (IV-act. 8). 

Sie habe diese Diagnose am 28. März 2014 erstmals gestellt. Der Gesundheitszustand 

wirke sich auf den Schulbesuch aus (Konzentration, Mitarbeit, 

Hausaufgabenerledigung). Es liege das Geburtsgebrechen Ziff. 404 vor. Die 

Möglichkeit einer späteren Eingliederung ins Erwerbsleben könne durch ein 

psychotherapeutisches Coaching und eventuell durch die Einnahme von 

Methylphenidat wesentlich verbessert werden. Die Kinderärztin gab weiter an, dass die 

Befunde im ADHD-Kompetenzzentrum Ostschweiz erhoben worden seien. Die Mutter 

habe den Versicherten erst nach der Diagnosestellung (durch das ADHD-

Kompe¬tenzzentrum) zur Anmeldung bei der IV in ihrer Praxis vorgestellt. Sie habe den 

Versicherten zuvor nur drei Mal wegen Infekten behandelt.

A.c  Die Mutter des Versicherten teilte der IV-Stelle am 23. Januar 2015 mit, dass der 

Versicherte keine Medikamente einnehme (IV-act. 14). Seit Anfang Januar sei er bei Dr. 

phil. C.___ in therapeutischer Behandlung. Dem Schreiben lag eine Bestätigung von Dr. 

phil. C.___ bei, wonach die Therapie am 9. Januar 2015 begonnen habe. Anlässlich 

eines telefonischen Gesprächs vom 10. Februar 2015 erklärte die Mutter gegenüber 

einer IV-Sachbearbeiterin, dass die Therapie bei Dr. phil. C.___ einmal wöchentlich 

stattfinde (IV-act. 16). Es handle sich dabei nicht um eine Psychotherapie, sondern um 

eine psychosomatisch-energetische Austestung. Dr. phil. C.___ nenne dies aber eine 

Psychotherapie. Die Therapie sei von einem Arzt delegiert worden, welcher ebenfalls im 

ADHD-Kompetenzzentrum arbeite. Dessen Name sei ihr jedoch nicht bekannt.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.d  Am 24. Februar 2015 berichtete Dr. B.___, dass die Psychotherapie einmal 

wöchentlich stattfinde und mindestens ein Jahr lang dauern werde (IV-act. 18). Als 

Therapieindikation gab sie eine Aufmerksamkeitsstörung, eine Impulshemmungs- und 

Impulskontrollstörung sowie eine Störung der Emotionsregulation an. Die Problematik 

im Alltag bestehe im Zusammenleben im häuslichen sowie im schulischen Bereich. Das 

Therapieziel sei es, eine Verbesserung in den aufgeführten Punkten zu erzielen und 

eine Hilfestellung zur besseren Bewältigung des schulischen Alltags zu leisten.

A.e  RAD-Ärztin Dr. med. D.___ notierte am 26. März 2015, dass die versicherungs-

medizinischen Anspruchsvoraussetzungen für medizinische Massnahmen nach Art. 13 

IVG resp. nach Ziff. 404 des Anhangs zur GgV nicht ausgewiesen seien, da eine ärztlich 

gestellte POS-Diagnose nicht nachvollziehbar dokumentiert sei (IV-act. 19). Die ADHS/ 

POS-Diagnose sei nicht durch die Kinderärztin Dr. B.___ selbst gestellt worden. Die 

Ab-klärung und die Dokumentation seien ausschliesslich durch Dr. phil. C.___ erfolgt. 

Zur Feststellung, ob gegebenenfalls ein POS vorliege und die sonstigen 

Zusprachekriterien erfüllt seien, wäre eine ärztliche Abklärung erforderlich. Am 30. März 

2015 notierte dieselbe RAD-Ärztin, dass auch die versicherungsmedizinischen 

Anspruchsvoraussetzungen für medizinische Massnahmen nach Art. 12 IVG nicht 

gegeben seien, da die ärztlich gestellte Diagnose und die Psychotherapieindikation 

nicht nachvollziehbar dokumentiert seien (IV-act. 20). Die Kinderärztin habe den 

Versicherten offenkundig nie selber untersucht. Zur Klärung, ob eine 

Psychotherapieindikation vorliege, wäre eine fachärztliche Abklärung erforderlich.

A.f  Mit Vorbescheid vom 20. April 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in 

Aussicht, dass die Kosten für die Psychotherapie nicht übernommen würden (IV-act. 

22). Zur Begründung brachte sie vor, die Abklärungen des RAD hätten ergeben, dass 

aufgrund der aktuell vorliegenden medizinischen Unterlagen die Voraussetzungen zur 

Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 nicht erfüllt seien. Es liege keine ärztlich 

gestellte POS-Diagnose vor. Die Abklärung und die Dokumentation seien 

ausschliesslich durch den Psychotherapeuten Dr. phil. C.___ erfolgt. Eine ärztlich 

gestellte Diagnose, eine Verordnung und sowie eine Psychotherapieindikation fehlten. 

Die Voraussetzungen für eine mögliche Kostenübernahme gestützt auf Art. 12 IVG 

seien ebenfalls nicht erfüllt. Die Eltern des Versicherten erklärten am 7. Mai 2015, dass 

sie mit dem Vorbescheid nicht einverstanden seien (IV-act. 25). Sie reichten eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verordnung zur delegierten Psychotherapie von Dr. med. E.___ an Dr. phil. C.___ vom 

10. Januar 2015 ein. Darin hatte Dr. med. E.___ angegeben, dass der Versicherte an 

einer ADHD DSM 4, 314, kombinierter Typ, einer schweren Lern- und Leistungsstörung 

sowie an einer familiären Dysregulation leide. Die Untersuchung habe eine massive 

Aufmerksamkeitsstörung mit entsprechenden Schwierigkeiten in der kognitiven 

Anpassung an die Herausforderungen der Schule ergeben. Der Versicherte möge dem 

Unterricht nur knapp zu folgen. Die Zusammenarbeit zwischen den Eltern und der 

Lehrperson sei mangelhaft. Ebenfalls ergäben sich Schwierigkeiten auf der Elternachse 

durch die Trennung der Eltern. Die psychotherapeutische Unterstützung des 

Versicherten sei dringend angezeigt und notwendig. Die Psychotherapie solle durch 

Einzelpsychotherapie im Sinne der verhaltenstherapeutischen Therapie mit und ohne 

apparative Unterstützung, mit Unterstützung der Elternachse in Erziehungsfragen in 

Familiensitzungen, mit Teilnahme an Helfersitzungen und mit Verbesserung der 

Arbeitsspeicherung durchgeführt werden. Das Ziel sei eine Verbesserung der 

dysfunktionalen ADHD-Muster, insbesondere eine Verbesserung der exekutiven 

Funktionen, eine Stabilisierung der Emotionsregulation, eine Stärkung des 

Selbst(wertgefühls?), eine Stärkung der Elternachse in Erziehungsfragen, 

Strukturierungshilfen und Klärungen im biosozialen System. Dr. med. E.___ wandte am 

4. Mai 2015 ein, es sei nicht richtig, dass keine ärztlich gestellte POS-Diagnose vorliege 

(IV-act. 25-2). Er habe die Diagnose aufgrund der sorgfältig erhobenen Befunde und 

der vorliegenden Unterlagen gestellt. Beim Versicherten lägen alle fünf Kriterien für ein 

POS eindeutig vor. Dr. phil. C.___ habe den Bericht an die Kinderärztin auf seine 

Weisung hin erstellt. Die SWICA Krankenversicherung AG wendete am 20. Mai 2015 

gegen den Vorbescheid ein, dass die delegierte Psychotherapie durch Dr. med. E.___ 

verordnet worden sei (IV-act. 26).

A.g  RAD-Ärztin Dr. D.___ notierte am 8. Juli 2015, dass die Diagnose vor dem 9. 

Geburtstag des Versicherten (29. Januar 2015) gestellt worden sei (IV-act. 27). Die 

zentrale Frage sei, ob die Befunderhebung durch den Arzt oder allein durch Dr. phil. 

C.___ erfolgt sei. Zudem sei unklar, ob beim Versicherten tatsächlich eine 

Psychotherapie im eigentlichen Sinne erfolge. Die Mutter habe nämlich angegeben, 

dass es sich um eine psychosomatisch-energetische Austestung handle. Im Bericht 

des ADHD-Kompetenzzentrums sei die Diagnose eines POS gar nicht enthalten. 

Dokumentiert sei lediglich eine Aufmerksamkeitsstörung. Ausserdem sei der Bericht 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nur von Dr. phil. C.___ unterschrieben worden. Die Kriterien zur Anerkennung des 

Geburtsgebrechens Ziff. 404 seien weiterhin nicht erfüllt. Ob die POS-Diagnostik, 

insbesondere die Erhebung der POS-Symptome, tatsächlich durch Dr. med. E.___ 

persönlich erfolgt sei, sei offen. Des Weiteren seien die Angaben zur bei Dr. phil. C.___ 

wöchentlich stattfindenden Therapie widersprüchlich. Bei der Psychosomatischen 

Energetik (PSE) handle es sich nicht um ein psychotherapeutisches, allgemein 

schulmedizinisches Verfahren. Sollte Dr. phil. C.___ tatsächlich als Therapie ein 

Verfahren aus dem Bereich der PSE anwenden, lägen die Zusprachekriterien ohnehin 

nicht vor. Schliesslich stelle sich noch die Frage, ob die Diagnostik und Therapie im 

ADHD-Kompetenzzentrum im Rahmen einer laufenden Studie erfolgten und ob sich 

daraus allenfalls leistungsrechtliche Konsequenzen ergäben. Vor einer abschliessenden 

Stellungnahme müssten die dargelegten Unklarheiten geklärt werden.

A.h  Dr. phil. C.___ berichtete der IV-Stelle am 22. August 2015, dass es sich bei der 

Therapie um eine Einzelpsychotherapie (Verhaltenstherapie, kognitiv-sensomotorische 

Verhaltenstherapie), um eine Familienberatung im Sinne der systemischen 

Psychotherapie und um Helfersitzungen handle (IV-act. 32). Eine psychosomatisch-

energetische Austestung erfolge nicht. Die Untersuchungen seien aufgrund der 

Anmeldung der Kinderärztin erfolgt, welche beim Versicherten eine grosse Unruhe 

festgestellt habe. Die laufenden Behandlungen hätten nichts mit einer Studie zu tun, 

sondern dienten einzig und allein der Behandlung der durch Dr. med. E.___ 

festgestellten Defizite. Dr. med. E.___ berichtete am 26. August 2015, dass er Dr. phil. 

C.___ nach dem Interview im Rahmen der delegierten Psychotherapie mit der 

Durchführung der Untersuchungen beauftragt habe (IV-act. 35). Dr. phil. C.___ habe 

ihm anschliessend die Ergebnisse unterbreitet. In Zusammenarbeit mit Dr. phil. C.___ 

habe er die einzelnen POS-spezifischen Kriterien als ausreichend für das Vorliegen 

eines Geburtsgebrechens qualifiziert. Die Abklärungen des Versicherten seien nicht im 

Rahmen einer Studie erfolgt.

A.i RAD-Ärztin Dr. D.___ hielt am 5. Oktober 2015 fest, dass weiterhin einige 

Ungereimtheiten und Inplausibilitäten bestünden, beispielsweise ob die Zuweisung zur 

POS-Abklärung durch die Kinderärztin erfolgt sei oder nicht (IV-act. 36). Trotzdem 

müsse nunmehr davon ausgegangen werden, dass die POS-Abklärung unter 

weitgehend ärztlicher Führung und unter Anleitung und Kooperation mit dem 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Psychologen Dr. phil. C.___ erfolgt sei. Daher müsse davon ausgegangen werden, dass 

eine medizinische Abklärung erfolgt sei und eine ärztlich gestellte Diagnose und 

Therapieindikation vorlägen. In der Anamnese fänden sich keine Hinweise für eine 

erworbene hirnorganische Schädigung oder relevante psychosoziale 

Belastungsfaktoren. Die Diagnosestellung sei am 28. März 2014 und somit vor 

Abschluss des 9. Lebensjahres erfolgt. Die Psychotherapie sei am 9. Januar 2015 und 

damit ebenfalls vor dem 9. Geburtstag begonnen worden. Des Weiteren könne davon 

ausgegangen werden, dass der Versicherte über eine normale Intelligenz verfüge. Die 

im Kreisschreiben (KSME) definierten POS-spezifischen Befunde seien hinreichend 

dokumentiert (Auffälligkeiten im Verhalten, im Antrieb, beim Erfassen, in der 

Konzentration und in der Merkfähigkeit). Aus RAD-ärztlicher Sicht lägen die 

Zusprachekriterien − bei einer sehr gedehnten Definition einer ärztlichen Abklärung und 

Diagnosestellung − für das Geburtsgebrechen Ziff. 404 vor. Die Therapiekosten 

könnten ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung übernommen werden. Allerdings 

müsse es dem Rechtsanwender überlassen bleiben, gegebenenfalls die Anforderungen 

an eine ärztliche Abklärung und Diagnosestellung enger zu definieren und in der 

Konsequenz allenfalls die erfolgte Abklärung, Diagnosestellung und Indikationsstellung 

für die Psychotherapie im ADHD-Kompetenzzentrum Ostschweiz zu verneinen.

A.j Mit Verfügung vom 2. November 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch um 

Übernahme der Kosten für die Psychotherapie aus den im Vorbescheid angegebenen 

Gründen ab (IV-act. 38). Zu den Einwendungen hielt sie fest, dass keine direkte 

Untersuchung durch einen anerkannten Arzt stattgefunden habe. Gesetzlich werde 

jedoch festgehalten, dass die Abklärungen und Befunde ärztlich erhoben und 

dokumentiert werden müssten. Zwar sei verständlich, dass gewisse Testverfahren 

durch einen Psychotherapeuten durchgeführt würden. Die Beurteilung des Verhaltens, 

die Erhebung der Anamnese etc. müsse jedoch durch einen Arzt erfolgen. Eine 

persönliche Untersuchung durch den Arzt sei daher zwingend notwendig. Die 

Voraussetzungen für eine Kostenübernahme gestützt auf Art. 12 IVG seien aus 

demselben Grund nicht erfüllt.

B. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.a  Gegen diese Verfügung liess die SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend: 

Beschwerdeführende Krankenversicherung) am 27. November 2015 Beschwerde 

erheben (act. G 1, IV 2015/403). Sie beantragte, die IV-Stelle (nachfolgend: 

Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, dem Versicherten Kostengutsprache für die 

Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 zu erteilen und ihr (d.h. der 

Krankenversicherung) die erbrachten Vorleistungen zurückzuerstatten. Eventualiter sei 

die Sache zur Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung machte die 

beschwerdeführende Krankenversicherung geltend, dass die Voraussetzungen für die 

Anerkennung eines Geburtsgebrechens Ziff. 404 in medizinischer Hinsicht erfüllt seien. 

Die rigide Auslegung der Beschwerdegegnerin, welche Mindeststandards eine ärztliche 

Abklärung und Diagnosestellung erfüllen müsse, finde weder im Gesetzeswortlaut noch 

im Kreisschreiben eine Stütze. Aufgrund welcher Überlegungen sich die 

Beschwerdegegnerin entgegen dem RAD entschieden habe, das Geburtsgebrechen 

Ziff. 404 nicht anzuerkennen, sei nicht nachvollziehbar. Die Abklärungen wie auch die 

Diagnosestellung seien im Rahmen einer fachübergreifenden Teamarbeit erfolgt. Es 

bestünden keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die vorausgegangenen Abklärungen 

durch den Psychotherapeuten fachlich ungenügend seien. Selbst wenn dem so wäre, 

sähe das Kreisschreiben nicht eine Leistungsablehnung, sondern eine spezialärztliche 

Untersuchung vor.

B.b  Die Eltern des Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) liessen gegen die 

Verfügung am 2. Dezember 2015 ebenfalls Beschwerde erheben (act. G 1, IV 

2015/407). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die 

Anweisung der Beschwerdegegnerin, dem Beschwerdeführer Kostengutsprache für die 

Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 zu erteilen. Eventualiter sei die Sache zur 

Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen und zur Neubeurteilung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter 

geltend, dass allein die Kinderärztin die Diagnose gestellt habe. Sie kenne den 

Beschwerdeführer seit seiner Geburt. Der Bericht des ADHD-Kompetenzzentrums 

habe die Kinderärztin in ihrer Diagnose bestätigt und sie veranlasst, die IV-Anmeldung 

vorzunehmen. Dr. med. E.___ habe klar dargetan, dass seine Arbeit darin bestanden 

habe, die vorliegenden medizinischen Kriterien zusammenzutragen und im Rahmen 

eines Konsiliums zu beurteilen. Allein schon der Umfang des Untersuchungs-Reports 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zeige, dass der Arzt auf die grosse Mitarbeit eines Psychotherapeuten angewiesen sei. 

Der Arzt müsse sich auf die Untersuchungsergebnisse seiner Mitarbeiter verlassen. Die 

enge Auslegung der Beschwerdegegnerin, welche Mindeststandards eine ärztliche 

Abklärung und Diagnosestellung erfüllen müsse, widerspreche der Beurteilung der 

RAD-Ärztin und finde im Gesetzeswortlaut keine Stütze.

B.c  Am 11. Dezember 2015 teilte das Gericht den Parteien mit, dass beabsichtigt 

werde, die Beschwerdeverfahren IV 2015/403 und IV 2015/407 zu vereinigen, da sie 

sich gegen dieselbe Verfügung richteten (act. G 3, IV 2015/403; act. G 2, IV 2014/407).

B.d  Der Fachbereich HE/Sachleistungen der Beschwerdegegnerin hielt in seiner 

Stellungnahme vom 22. Dezember 2015 fest, im Anhang 7 unter Punkt 2.1 des 

Kreisschreibens werde erwähnt, dass die Symptome bis zum 9. Altersjahr ärztlich 

festgestellt werden müssten (IV-act. 47). Im vorliegenden Fall seien die Symptome 

durch den Psychotherapeuten beurteilt worden. Dr. med. E.___ habe lediglich die 

Akten studiert, nicht aber das Verhalten des Beschwerdeführers beobachtet und sich 

eine eigene Meinung gebildet. Die Anforderungen des Kreisschreibens seien daher 

nicht erfüllt.

B.e  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Januar 2016 die Abweisung beider 

Beschwerden (act. G 4, IV 2015/403; act. G 3, IV 2015/407). Zur Begründung führte sie 

an, dass gemäss dem Leitfaden zum GG 404 (IV-Rundschreiben Nr. 298) der Arzt 

selbst die Befunde erheben, sich ein umfassendes Bild machen und anschliessend die 

Diagnose stellen müsse. In medizinischer Hinsicht seien die 

Anerkennungsvoraussetzungen gemäss dem RAD zwar erfüllt. In technischer Hinsicht 

seien sie gewissermassen jedoch nicht erfüllt. Da im Zeitpunkt der angefochtenen 

Verfügung das Wartejahr noch nicht abgelaufen gewesen sei, sei der Anspruch auf 

Psychotherapie gestützt auf Art. 12 IVG noch nicht geprüft bzw. abgelehnt worden. Die 

Beschwerdegegnerin erklärte die Stellungnahme ihres Fachbereichs vom 22. 

Dezember 2015 zum integrierenden Bestandteil der Beschwerdeantwort.

B.f  In ihrer Replik vom 26. Februar 2016 (act. G 7, IV 2015/403) brachte die 

beschwerdeführende Krankenversicherung vor, dass sich weder aus dem 

medizinischen Leitfaden zum GG 404 noch aus dem Kreisschreiben, dem Gesetz, der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dazugehörigen Verordnung oder der höchstrichterlichen Rechtsprechung entnehmen 

lasse, dass „technische Gründe“ gegenüber medizinischen Gründen ein derart 

überwiegendes Gewicht hätten, dass sie eine in jedem Punkt korrekte medizinische 

Beurteilung ausser Kraft setzen könnten. Dies gelte jedenfalls in Fällen wie dem 

vorliegenden, in denen die vermeintlich „technischen Gründe“ ebenfalls ausschliesslich 

medizinisch geprägt seien: Die Beschwerdegegnerin habe die durch sie als richtig 

anerkannte medizinische Beurteilung nicht als falsch, sondern als irrelevant bezeichnet, 

weil angeblich die Diagnose nicht von einem Mediziner gestellt worden sei. Eine solche 

Sichtweise lasse sich weder in rechtlicher Hinsicht noch mit einem gesunden 

Menschenverstand rechtfertigen. In Kompetenzzentren wirkten Fachleute 

unterschiedlicher Richtungen und Ansätze zusammen, um ein möglichst umfassendes 

medizinisches Bild zu gewinnen. Die fachliche Qualifikation beinhalte auch die 

Legitimation des Mediziners, Untersuchungen und Abklärungen an andere 

Fachpersonen des Kompetenzzentrums zu delegieren. Innerhalb des 

Kompetenzzentrums müsse es legitim sein, dass der Mediziner aufgrund seines 

Fachwissens und seiner spezifischen Erfahrung mit dem Problemkreis POS/ADHS/

ADHD die vorliegenden Unterlagen nach medizinischen Gesichtspunkten bewerte und 

zu einer Diagnose gelange. Ob Dr. med. E.___ den Versicherten je gesehen und 

persönlich untersucht habe (was seitens der beschwerdeführenden 

Krankenversicherung mit Nichtwissen bestritten werde), sei für den Leistungsanspruch 

gar nicht relevant. Ansonsten wären auch alle Stellungnahmen und Gutachten des 

RAD, welche ohne persönliche Untersuchung der versicherten Personen abgegeben 

worden seien, wertlos, was der Rechtsprechung bekanntlich widerspreche.

B.g  In seiner Replik vom 22. März 2016 (act. G 7, IV 2015/407) brachte der 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor, die Beschwerdegegnerin habe in der 

Beschwerdeantwort bestätigt, dass beim Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht 

ein Geburtsgebrechen Ziff. 404 vorliege. In der Praxis sei der Arzt darauf angewiesen, 

dass psychologische Fachkräfte ihn bei Untersuchungen unterstützten. Nur dadurch 

sei der Arzt zeitnah und wirtschaftlich tragbar in der Lage, anhand aller Ergebnisse 

einen Gesamtüberblick zu erhalten und eine Diagnose zu stellen. Die persönliche 

Durchführung von Tests und anderen Untersuchungen würden weder vom Gesetz 

noch von der Rechtsprechung gefordert. Hinzu komme, dass die RAD-Ärztin die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin in allen Berichten erfolglos aufgefordert habe, weitere ärztliche 

Abklärungen zu veranlassen.

B.h  Die Beschwerdegegnerin verzichtete in beiden Verfahren auf eine Duplik (act. G 9, 

IV 2015/403; act. G 9, IV 2015/407).

B.i Am 4. April 2016 räumte die Abteilungspräsidentin den beschwerdeführenden 

Parteien die Gelegenheit ein, zur Beschwerde der jeweils anderen Partei Stellung zu 

nehmen (act. G 10, IV 2015/403; act. G 10, IV 2015/407). Der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers antwortete am 7. April 2016, dass sich der Beschwerdeführer 

vollumfänglich den Ausführungen der beschwerdeführenden Krankenversicherung 

anschliesse und die Gutheissung der Beschwerde im Verfahren IV 2015/403 beantrage 

(act. G 11, IV 2015/403). Gegen die Ausfertigung eines einzigen Urteils für beide 

Beschwerdeverfahren sei nichts einzuwenden. Die Krankenversicherung erklärte am 

selben Tag, dass sie sich den Ausführungen des Beschwerdeführers in dem von ihm 

angehobenen Beschwerdeverfahren vollumfänglich anschliesse (act. G 11, IV 

2015/407). Sie beantragte ebenfalls die Gutheissung der Beschwerde im Verfahren IV 

2015/407 und erklärte, nichts gegen die Ausfertigung eines einzigen Urteils für beide 

Beschwerdeverfahren einzuwenden.

Erwägungen

1. 

Die Beschwerden der Verfahren IV 2015/403 und IV 2015/407 richten sich gegen 

dieselbe Verfügung der Beschwerdegegnerin. Würden die beiden Beschwerden 

getrennt behandelt, bestünde die Gefahr, dass widersprüchliche Entscheide in der 

gleichen Sache resultierten. Um dies zu verhindern, ist die Vereinigung der beiden 

Verfahren und damit deren Erledigung in einem Urteil zwingend notwendig.

2. 

Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch 

die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Als 

Spezialbestimmung regelt Art. 49 Abs. 4 ATSG, dass ein Versicherungsträger eine 

Verfügung, die die Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, auch diesem zu 

eröffnen hat und dieser dieselben Rechtsmittel ergreifen kann wie die versicherte 

Person. Die beschwerdeführende Krankenversicherung ist die Krankenversicherung 

des Beschwerdeführers (d.h. des Versicherten). Verneint die Beschwerdegegnerin ihre 

Leistungspflicht für die Psychotherapie, so wird die beschwerdeführende 

Krankenversicherung die Therapiekosten übernehmen müssen. Die 

beschwerdeführende Krankenversicherung ist durch die angefochtene Verfügung also 

berührt und demnach zur Beschwerdeführung legitimiert.

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat nach Erlass des Vorbescheids vom 20. April 2015 bei Dr. 

phil. C.___ und Dr. med. E.___ weitere Berichte eingeholt. Dr. phil. C.___ und Dr. med. 

E.___ haben sich in ihren Berichten vom 22. resp. 26. August 2015 zum 

entscheidrelevanten Thema, ob eine ärztliche Diagnosestellung erfolgt sei, geäussert. 

Die Beschwerdegegnerin hat diese Berichte und ihre Absicht, an der mit dem 

Vorbescheid angekündigten Abweisung festzuhalten, den beschwerdeführenden 

Parteien vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht zur Kenntnis gebracht. Die 

beschwerdeführenden Parteien haben folglich keine Gelegenheit gehabt, vor 

Verfügungserlass zu den neuen Unterlagen Stellung zu nehmen. Indem die 

Beschwerdegegnerin kein zweites Vorbescheidsverfahren durchgeführt hat, hat sie den 

Anspruch auf rechtliches Gehör der beschwerdeführenden Parteien resp. die ihr 

obliegende Vorbescheidspflicht (Art. 57a IVG) verletzt. Da die beschwerdeführenden 

Parteien in ihren Beschwerden jedoch (konkludent) klargestellt haben, dass sie eine 

materielle Beurteilung und keine Rückweisung der Sache zur Durchführung eines 

korrekten Vorbescheidsverfahren wünschen, ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren 

trotz der Gehörsverletzung ein Entscheid in der Sache zu fällen.

4. 

4.1  Nach Art. 13 IVG haben versicherte Personen bis zum vollendeten 20. Altersjahr 

Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Massnahmen (Abs. 1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese 

Massnahmen gewährt werden; er kann die Leistung ausschliessen, wenn das 

Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Als Geburtsgebrechen im Sinne 

von Art. 13 IVG gelten Gebrechen, die bei vollendeter Geburt bestehen; die 

Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt (Art. 1 der Verordnung über 

Geburtsgebrechen, GgV, SR 831.232.21). Als medizinische Massnahmen, die für die 

Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die 

nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den 

therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 

GgV). Ziff. 404 der Geburtsgebrechenliste umschreibt folgendes Geburtsgebrechen: 

Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter 

Beeinträchtigung der Affektivität (Gefühlsansprechbarkeit) oder Kontaktfähigkeit, bei 

Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen (Funktionen des 

Wahrnehmens), der Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der 

Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung 

des 9. Altersjahres auch behandelt worden sind; kongenitale Oligophrenie (angeborene 

Schwachsinnigkeit) ist ausschliesslich als Ziffer 403 zu behandeln. Rz. 404.2 des 

Kreisschreibens über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der 

Invalidenversicherung (KSME, Stand 1. Januar 2015) hält fest, dass die Störung 

zwingend vor dem vollendeten 9. Lebensjahr als solche diagnostiziert, dokumentiert 

und auch behandelt worden sein muss. Erworbene Störungen müssen sicher 

ausgeschlossen sein.

4.2  Im März und April 2014 ist im ADHD-Kompetenzzentrum Ostschweiz abgeklärt 

worden, ob der Beschwerdeführer an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/

Hyperaktivitätsstörung (ADHS oder ADHD) leidet. Die notwendigen Untersuchungen 

hat der Psychologe Dr. phil. C.___ im Auftrag von Dr. med. E.___, einem Facharzt für 

Kinder- und Jugendmedizin (siehe http://www.doctorfmh.ch), durchgeführt. In 

Zusammenarbeit mit Dr. phil. C.___ hat Dr. med. E.___ die einzelnen POS-spezifischen 

Kriterien anschliessend als ausreichend für das Vorliegen des Geburtsgebrechens Ziff. 

404 qualifiziert. Die RAD-Ärztin hat an der Abklärung selber und an der 

Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführer am Geburtsgebrechen Ziff. 404 leidet, 

keine Kritik geübt. Aus medizinischer Sicht kann folglich davon ausgegangen werden, 

dass die durchgeführten Untersuchungen adäquat und die gestützt auf die Befunde 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

angegebene Diagnose einleuchtend sind. Anzumerken bleibt, dass sich der 

Psychologe Dr. phil. C.___ bei der Befunderhebung unter anderem auf die Aussagen 

der Mutter des Beschwerdeführers abgestützt hat. Gerade bei der Abklärung, ob bei 

einem Kind eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vorliegt, ist es 

unabdingbar, auch die Aussagen der Eltern bzw. der engsten Bezugspersonen in die 

Abklärung miteinzubeziehen, da die Abklärungspersonen selber das Verhalten des 

betroffenen Kindes in der Schule und im Alltag nicht beobachten können. Solange die 

Aussagen der Bezugspersonen konsistent und schlüssig sind und mit den übrigen 

Untersuchungsergebnissen übereinstimmen, erscheint es also durchaus sinnvoll, deren 

Angaben im Rahmen der Befunderhebung zu berücksichtigen. Die 

Beschwerdegegnerin hat das Vorliegen des Geburtsgebrechens Ziff. 404 deshalb 

verneint, weil die Untersuchungen nicht durch den Arzt persönlich, sondern durch 

einen Psychologen erfolgt sind. Beim ADHD-Kompetenzzentrum Ostschweiz handelt 

es sich, wie der Name schon sagt, um eine auf die Abklärung von 

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen spezialisierte Institution. Daher ist 

davon auszugehen, dass Dr. phil. C.___ über ein grosses Fachwissen bei der Erhebung 

der relevanten Befunde verfügt. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb ein Arzt 

besser geeignet sein sollte, die für die Diagnose einer ADHD/ADHS entscheidenden 

Befunde zu erheben als ein in diesem Gebiet spezialisierter Psychologe. Vielmehr wäre 

es für die möglichst genaue medizinische Sachverhaltsermittlung kontraproduktiv, 

wenn der Arzt keine Hilfspersonen mit Spezialkenntnissen für die Diagnosestellung 

beiziehen dürfte. Zudem verlangt das KSME entgegen der Behauptung der 

Beschwerdegegnerin nicht ausdrücklich, dass die Befunde von einem Arzt persönlich 

erhoben werden. In der vom Fachbereich zitierten Stelle (Ziff. 2.1 Anhang KSME) steht 

folgendes: „Wenn bis zum 9. Geburtstag nur einzelne der erwähnten Symptome 

ärztlich festgestellt werden, sind die Voraussetzungen für ein GG Ziffer 404 GgV nicht 

erfüllt.“ Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat mit der Aussage, dass die 

Symptome ärztlich festgestellt werden müssen, ausdrücken wollen, dass es nicht 

ausreichend ist, wenn beispielsweise die Eltern oder Lehrpersonen nach Vollendung 

des 9. Altersjahres des betroffenen Kindes geltend machen, dass sie die Symptomatik 

bereits vor dem 9. Altersjahr festgestellt hätten. Dass lediglich von ärztlich 

festgestellten Symptomen gesprochen wird, ist darauf zurückzuführen, dass die 

Befunderhebung in der Medizin in der Regel tatsächlich durch den Arzt selber 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

vorgenommen wird. Damit hat aber offensichtlich der Beizug medizinischer 

Hilfspersonen mit spezifischen Fachkenntnissen durch den Arzt nicht ausgeschlossen 

werden sollen. Da an der Qualität der Abklärungen nichts zu bemängeln ist und da die 

Diagnose durch Dr. med. E.___ persönlich gestellt worden ist, ist auf die Diagnose des 

ADHD-Kompetenzzentrums Ostschweiz abzustellen. Der Beschwerdeführer leidet 

somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an einer ADHD/ ADHS.

4.3  Der Beschwerdeführer ist am __. Januar 2015 9-jährig geworden. Die Diagnose 

einer ADHD/ADHS ist im März/April 2014 und damit vor der Vollendung des 9. 

Altersjahres gestellt worden. Die Beschwerdegegnerin hat die übrigen 

Anspruchsvoraussetzungen des Geburtsgebrechens Ziff. 404 nicht geprüft, da sie 

davon ausgegangen ist, dass es bereits an einer rechtsgenüglichen Diagnose fehlt. Die 

Sache ist deshalb zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen des 

Geburtsgebrechens Ziff. 404 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Diesbezüglich bleibt anzumerken, dass die bundesgerichtliche Rechtsprechung, 

wonach die Anspruchsvoraussetzungen im Sinne von Ziff. 404 Anhang GgV bereits 

erfüllt sind, wenn die Diagnose einer ADHD/ADHS recht¬zeitig gestellt und die 

Behandlung ebenfalls rechtzeitig erfolgt ist (vgl. BGE 122 V 113 E. 2 f.), nicht 

überzeugt. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hätte nämlich eine 

versicherte Person, die wegen einer diagnostizierten ADHD/ADHS vor Vollendung des 

9. Altersjahres therapiert worden ist, jedoch nachweislich nicht an einem angeborenen, 

sondern an einer erworbenen ADHD/ADHS leidet, gestützt auf Art. 13 IVG Anspruch 

auf Vergütung der Behandlungskosten durch die Invalidenversicherung. Als 

Geburtsgebrechen i.S.v. Art. 13 IVG gelten jedoch nur diejenigen Krankheiten, die bei 

vollendeter Geburt bestehen, also angeboren sind (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Die zitierte 

Rechtsprechung des Bundesgerichts ist somit nicht gesetzeskonform. Bei der 

Regelung, dass die Diagnosestellung und die Therapie vor Vollendung des 9. 

Altersjahres erfolgen müssen, kann es sich also nicht um Anspruchsvoraussetzungen 

handeln. Die Beschwerdegegnerin wird daher insbesondere prüfen müssen, ob es sich 

bei der diagnostizierten Störung um ein angeborenes oder um ein erworbenes Leiden 

handelt. Hierzu hat die RAD-Ärztin zwar erklärt, dass sich in der Anamnese keine 

Hinweise für eine erworbene hirnorganische Schädigung oder relevante psychosoziale 

Belastungsfaktoren fänden. Allerdings geht aus den Akten hervor, dass sich die Eltern 

getrennt haben, was für den Beschwerdeführer ein erheblicher Belastungsfaktor 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gewesen sein kann (siehe Psychotherapieverordnung vom 10. Januar 2015, IV-act. 

25-3). Schliesslich wird die Beschwerdegegnerin auch prüfen müssen, ob die am 9. 

Januar 2015 begonnene Psychotherapie zur Behandlung der ADHS/ADHD notwendig 

(gewesen) ist und ob es sich bei dieser um eine einfache und zweckmässige 

medizinische Massnahme handelt (vgl. Art. 2 Abs. 3 GgV).

4.4  Auf den Antrag der beschwerdeführenden Krankenversicherung, die 

Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die erbrachten Vorleistungen 

zurückzuerstatten, kann nicht eingetreten werden, da sich der Streitgegenstand auf die 

Frage beschränkt, ob es sich bei der am 9. Januar 2015 begonnenen Psychotherapie 

um eine von der Invalidenversicherung zu bezahlende medizinische 

Eingliederungsmassnahme handelt.

4.5  Demnach ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer an einer 

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung leidet und diese Diagnose vor der 

Vollendung des 9. Altersjahres diagnostiziert worden ist. In teilweiser Gutheissung der 

Beschwerde ist die Sache zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen des 

Geburtsgebrechens Ziff. 404 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

5. 

5.1  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Dem vorliegenden Entscheid liegen zwei 

separat geführte Verfahren zugrunde. Praxisgemäss wird in einem durchschnittlichen 

IV-Fall pro Verfahren eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erhoben. Da die nach 

Abschluss des Schriftenwechsels vereinigten Verfahren dasselbe Anfechtungsobjekt 

(d.h. dieselbe Verfügung) zum Gegenstand gehabt haben, erscheint eine 

Gerichtsgebühr von je Fr. 450.-- pro Verfahren als angemessen. Dem Ausgang der 

Verfahren entsprechend sind die Gebühren beider Verfahren vollumfänglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Vom Beschwerdeführer ist im Verfahren IV 

2015/407 kein Kostenvorschuss erhoben worden. Der im Verfahren IV 2015/403 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der beschwerdeführenden 

Krankenversicherung zurückzuerstatten.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.2  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Im Gegensatz zum obsiegenden 

Beschwerdeführer hat die ebenfalls obsiegende beschwerdeführende 

Krankenversicherung keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da sie in Erfüllung 

ihres Auftrages, das KVG zu vollziehen, Beschwerde geführt hat. Die 

Parteientschädigung des Beschwerdeführers wird vom Versicherungsgericht 

festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache 

und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege 

beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 

963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine 

Honorarnote eingereicht. Praxisgemäss spricht das Versicherungsgericht in Fällen mit 

mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad eine Entschädigung von Fr. 3‘500.-- zu. 

Das Aktendossier ist im vorliegenden Fall dünn gewesen, d.h. der Aufwand für das 

Aktenstudium ist kleiner gewesen als in einem durchschnittlichen IV-Fall. Zudem hat 

sich der Streit auf eine einzige Rechtsfrage beschränkt. Hingegen hat der 

Rechtsvertreter im Vergleich mit einem gewöhnlichen IV-Fall insoweit einen 

Mehraufwand gehabt, als er auch zu den Eingaben der beschwerdeführenden 

Krankenversicherung im Verfahren IV 2015/403 hat Stellung nehmen können. Eine 

Parteientschädigung von Fr. 3‘000.-- erscheint daher im vorliegenden Fall als 

angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer entsprechend mit 

Fr. 3‘000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

Die Verfahren IV 2015/403 und IV 2015/407 werden vereinigt.

2. 

Die Beschwerden werden, soweit auf sie eingetreten werden kann, teilweise gutheissen 

und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung 

im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat je eine Gerichtsgebühr von Fr. 450.-- (zusammen Fr. 

900.--) zu bezahlen; der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der 

beschwerdeführenden Krankenversicherung zurückerstattet.

4. 

Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 

3‘000.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 24.05.2016
	Art. 13 IVG, Ziff. 404 Anhang GgV. Die ärztliche Delegation der durchzuführenden Untersuchungen resp. der Befunderhebung vermag für sich allein eine gestützt auf diese Befunde vom Arzt gestellte Diagnose nicht in Zweifel zu ziehen. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Mai 2016, IV 2015/403 und IV 2015/407). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 9C_419/2016.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte