# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 91366adf-e4dd-5c5e-a071-b02a9cacb925
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-06-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 17.06.2009 SK1 2009 14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2009-14_2009-06-17.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 17. Juni 2009 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 09 14 [nicht/mündlich eröffnet]

(Eine gegen dieses Urteil beim Bundesgericht erhobene Beschwerde ist mit Urteil 
vom 22. April 2010 abgewiesen worden, soweit darauf einzutreten war).

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Kantonsrichter Bochsler und Kantonsrichterin Michael Dürst
Redaktion Aktuarin ad hoc Riesen

In der strafrechtlichen Berufung

des A., Angeklagter und Berufungskläger, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt 
lic. iur. V.,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 27. November 
2008, mitgeteilt am 13. März 2009, in Sachen gegen den Angeklagten und 
Berufungskläger ,

betreffend Misswirtschaft und mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern,

hat sich ergeben:

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A. A. wuchs bis zu seinem dritten Lebensjahr zusammen mit vier 
Geschwistern bei seinen Eltern in AA. auf. Nach der Scheidung seiner Eltern im 
Jahre 1966 lebte er mit seinem Vater anfänglich bei seinen Grosseltern, später in 
einer eigenen Wohnung ebenfalls in AA.. In diesem Dorf besuchte er auch sechs 
Jahre die Primar- und drei Jahre die Realschule. Anschliessend absolvierte er im 
väterlichen Betrieb eine Lehre als W., welche er im Jahre 1982 erfolgreich 
abschloss. Nach der Lehre arbeitete er auf dem erlernten Beruf, zuerst ein Jahr in 
BB., dann ein Jahr in CC./SG. Seit dem Jahre 1984 ist er im väterlichen Betrieb 
tätig, anfänglich als Mitarbeiter, seit dem Jahre 2000 als Geschäftsführer. Infolge 
eines schweren Arbeitsunfalls bezieht A. heute eine IV- und SUVA-Rente in Höhe 
von Fr. 5'050.-- netto. A. ist Eigentümer einer Liegenschaft in AA. im Wert von Fr. 
926'000.--, welche mit einer Hypothek von Fr. 555'000.-- belastet ist. Weiter hat er 
bei seinem Vater Schulden in Höhe von rund Fr. 100’000.--.

Im Jahre 1984 verheiratete sich A. mit B., geborene O.. Aus dieser Ehe 
gingen zwei Kinder hervor, welche in den Jahren 1984 und 1987 geboren worden 
sind. Im Dezember 2004 trennte sich das Ehepaar C.. In der Zwischenzeit wurde 
die Ehe geschieden. A. lebt in einer neuen Partnerschaft. Aus dieser Beziehung 
ging eine Tochter hervor.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. nicht verzeichnet. Auch dem 
einfachen Leumundsbericht der Stadtpolizei DD. vom 5. September 2007 kann 
nichts Negatives über ihn entnommen werden. 

B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 5. Februar 
2008 wurde A. wegen Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB sowie wegen 
mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB in 
Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der 
Staatsanwaltschaft Graubünden vom 5. Februar 2008 folgender Sachverhalt zu 
Grunde:

„A. wird angeklagt
1. der Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB

Am 13. November 1995 wurde die D. (nachfolgend: D.) mit Sitz 
in AA. von den Gründeraktionären A. sen., B.-O. und dem 
Angeklagten A. jun. mit einem voll liberierten Aktienkapital von 
CHF 300'000.-- gegründet. Der Eintrag ins Handelsregister 
erfolgte am 6. Dezember 1995. Zweck der Gesellschaft war 
insbesondere der Betrieb einer 
Landmaschinenreparaturwerkstätte sowie der Handel mit 
Landmaschinen und Fahrzeugen. Am 4. Januar 2000 erwarb A. 

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jun. 180 von 300 Aktien der D. (AKTENZEICHEN_: act. 
B.2.1.15) und wurde am 8. Dezember des gleichen Jahres zum 
Präsidenten des Verwaltungsrates gewählt (AKTENZEICHEN_: 
act. B.2.1.1), ohne dass er sich zuvor über den bisherigen 
Geschäftsgang der D. informiert hätte (AKTENZEICHEN_: act. 
A.6.10, S. 7). Eigenen Aussagen zufolge war er seit diesem 
Zeitpunkt auch Geschäftsführer der D. (AKTENZEICHEN_: act. 
A.6.10, S. 6). Diese Funktionen übernahm der Angeklagte, 
obwohl er sich der entsprechenden Pflichten und Aufgaben 
gemäss Art. 716a OR nicht bewusst war und diese auch nicht 
kannte (AKTENZEICHEN_: act. A.6.10, S. 6). Ebenso wenig 
verfügte er bei Antritt dieser Tätigkeiten über minimale 
betriebswirtschaftliche, insbesondere buchhalterische 
Kenntnisse und eignete sich diese in der Folge auch nicht an.

Während in den Jahren 1995 und 1996 noch ein Reingewinn von 
ca. CHF 32'000.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.3) bzw. CHF 
4'400.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.4) geschrieben werden 
konnte, ergaben sich zwischen 1997 und 1999 Verluste 
(AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.5-7). Nach der 
Geschäftsübernahme durch A. jun. erwirtschaftete die D. weiter 
Verluste: Im Geschäftsjahr 2000 ca. CHF 35'500.-- 
(AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.10), im Geschäftsjahr 2001 ca. 
CHF 18'700.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.14), im 
Geschäftsjahr 2002 ca. CHF 42'500.-- (AKTENZEICHEN_: act. 
B.2.2.21), im Geschäftsjahr 2003 ca. CHF 61'600.-- 
(AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.27) und im Geschäftsjahr 2004 
ca. CHF 114'100.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.35). Auch die 
Liquidität der D. verschlechterte sich während der Tätigkeit von 
A. jun. als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident 
zusehends. Im gleichen Zeitraum wurden 29 Betreibungen über 
einen Forderungsbetrag von ca. CHF 858'000.-- totalisiert 
(AKTENZEICHEN_: act. B.2.5.14).

Am 7. Juni 2005 eröffnete der Bezirksgerichtspräsident 
Prättigau/Davos schliesslich den Konkurs über die D. 
(AKTENZEICHEN_: act. B.2.5.2). Zum Zeitpunkt der 
Konkurseröffnung wies der ungeprüfte Jahresabschluss der D. 
einen Verlust von ca. CHF 51'400.-- aus (AKTENZEICHEN_: act. 
B.2.2.41). Zwischen dem 31. Dezember 2002 und der 
Konkurseröffnung stiegen die Verpflichtungen der D. von CHF 
1'346'691.-- auf CHF 1'484'215.--. Im Konkurs wurden 
Forderungen in Höhe von CHF 1'482'850.82 kolloziert (act. 
B.2.5.11, S. 12).

2. der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 
187 Ziff. 1 StGB.

Der Angeklagte missbrauchte seine im Jahr 1984 geborene 
Tochter E. seit deren fünften Lebensjahr wiederholt sexuell. Im 
Einzelnen handelte es sich um folgende sexuellen Handlungen:

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- Der Angeklagte legte sich mehrfach nackt neben seine 
Tochter ins Bett, so dass ihre Haut aneinanderklebte. Dabei 
kam es vor, dass er seine Tochter auf sich legte, seinen Penis 
an ihre Scheide legte und ihn daran rieb (AKTENZEICHEN_: 
act. 3.18, S. 2 f. und 8).

- Der Angeklagte berührte seine Tochter mehrfach mit seiner 
Zunge zwischen deren Beinen, insbesondere auch am Kitzler 
(AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 4 und 7; 5.1 und 5.7).

- Der Angeklagte berührte seine Tochter mit Mittel-, Zeige- oder 
sämtlichen Fingern einer Hand mit vibrierenden Bewegungen 
zwischen den Schamlippen (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 
4; 3.19; 5.7).

- In Anwesenheit seiner Tochter führte der Angeklagte 
mehrfach seine Hand in seine Hose. Dabei kam es vor, dass 
seine Tochter auf ihm lag und seinen erigierten Penis spürte 
(AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 8).

- Der Angeklagte streichelte seiner Tochter einmal die 
Brustwarzen; sodann musste sie auch seine Brustwarzen 
streicheln (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 9 f. und 3.19).

Die erwähnten sexuellen Handlungen nahm der Angeklagte im 
Zeitraum zwischen 1989 und 1997 – zwischen dem fünften und 
13. Lebensjahr seiner Tochter – in den jeweiligen 
Familienwohnungen in AA. (‚Haus an der EE.’, ‚Haus auf der 
anderen Seite der EE.’ und ‚Haus FF.’) vor (AKTENZEICHEN_: 
act. 3.18, S. 12). Die Häufigkeit der Handlungen nahm ab, als E. 
die höheren Primarklassen besuchte. Insbesondere die 
umschriebenen sexuellen Handlungen mit der Zunge dauerten 
‚bis am Schluss’ (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 10).

Als E. zwischen 12 und 14 Jahre alt war, also zwischen 1996 
und 1998, berührte der Angeklagte sie im Hobbyraum des 
Gebäudes ‚FF.’ in AA. an der Brust (AKTENZEICHEN_: act. 
3.18, S. 9). 

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe vollumfänglich. 

Am 19. November 2007 reichte RAin Diana Honegger Droll 
namens von E. eine Adhäsionsklage in Höhe von CHF 40'000.-- 
(Genugtuung) nebst Zins zu 5% ein.

Ebenfalls am 19. November 2007 reichte RAin Diana Honegger 
Droll namens der Opferhilfe-Beratungsstelle eine 
Adhäsionsklage in Höhe von CHF 7'860.-- (Schadenersatz) 
nebst Zins zu 5% ein.“

C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss 
Prättigau/Davos am 27. November 2008 waren der Angeklagte A. mit seinem 
amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. V., sowie dessen Mitarbeiterin, 

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Rechtsanwältin X., und als Vertreterin der Adhäsionsklägerinnen Rechtsanwältin 
lic. iur. Diana Honegger Droll anwesend. Die Anklage wurde durch 
Untersuchungsrichter Dr. iur. Maurus Eckert mündlich vertreten. 

a) Der Anklagevertreter stellte und begründete folgende Anträge:

„1. A. sei der Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB sowie der 
mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 
Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt, 
bei einer Probzeit von zwei Jahren, und einer Busse von CHF 
1'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen zu 
bestrafen.

3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“

b) Die Rechtsvertreterin der Adhäsionsklägerinnen stellte und begründete 
im Rahmen ihres Plädoyers für E. den folgenden Antrag:

„1. Es sei festzustellen, dass A. jun. gegenüber der 
Adhäsionsklägerin für die Folgen der strafbaren Handlungen 
gemäss Anklageschrift (sexuelle Handlungen mit Kindern) 
vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.

2. Es sei A. jun. zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin eine 
Genugtuungssumme von Fr. 40'000.-- nebst Zins zu 5% seit 
01.01.1997 zu bezahlen.

3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten 
von A. jun..“

c) Der amtliche Verteidiger schliesslich beantragte und begründete im 
Rahmen seines Plädoyers einen „Freispruch auf der ganzen Linie“ und die 
vollumfängliche Abweisung der Adhäsionsklagen. 

D. Mit Urteil vom 27. November 2008, mitgeteilt am 13. März 2009, 
erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos wie folgt:

„1. A. ist schuldig der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB 
sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 
gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB.

2. Dafür wird A. mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt, 
bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von Fr. 
1'000.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen, 
bestraft. 

3. Die Adhäsionsklage der Opferhilfe-Beratungsstelle 
Graubünden wird teilweise gutgeheissen und A. wird 
verpflichtet, der Opferhilfe-Beratungsstelle Graubünden Fr. 

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7'524.00, zuzüglich 5% Zins seit dem 19. November 2007, zu 
bezahlen.

4. Die Adhäsionsklage von E. wird wie folgt teilweise gutgeheissen:
a) Es wird festgestellt, dass A. gegenüber E. für die Folgen der 

strafbaren Handlungen gemäss Anklageschrift vom 5. Februar 
2008 (sexuelle Handlungen mit Kindern) vollumfänglich 
schadenersatzpflichtig ist.

b) A. wird verpflichtet, E. eine Genugtuung von Fr. 20'000.00, 
zuzüglich 5% Zins seit dem 1. Januar 1999, zu bezahlen. 

5. (Kosten).

6. (Ausseramtliche Kosten).

7. (Rechtsmittelbelehrung).

8. (Mitteilung).“

E. Gegen dieses Urteil erhob A., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. 
V., mit Eingabe vom 3. April 2009 beim Kantonsgericht von Graubünden Berufung 
mit folgendem Rechtsbegehren:

„1. Das Urteil sei aufzuheben und der Angeschuldigte sei von 
Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Es sei ein Lügendetektortest über E. und A. anzusetzen und 
durchzuführen.

3. Es sei eine mündliche Hauptverhandlung anzuordnen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.

5. Der Unterzeichnete sei als amtlicher Verteidiger für den 
Berufungskläger zu benennen.“

In der Begründung führte er zusammengefasst an, die Psychologin kenne 
den Fall bekanntlich nur vom Hörensagen. Während sie festhalte, E. bedürfe 
weiterhin der Betreuung, habe diese ein eigenes Geschäft eröffnet. A. würden 
keine pädophilen Neigungen attestiert, er sei ein liebevoller besorgter Vater 
gewesen, was die eingereichten Filme belegen würden. Um seine Unschuld zu 
beweisen, habe A. es „riskiert“, einen Lügendetektortest vorzunehmen. Das 
Resultat: zu 99.72% Wahrheit. Schon gestützt darauf ersuche er, von 
irgendwelcher Bestrafung im Zusammenhang mit seiner Tochter freigesprochen 
zu werden. Weiter bedürfe das ominöse Tagebuch der Abklärung, ob die 
Aufzeichnungen zum angeblichen Zeitpunkt erfolgt seien. Es stelle sich die Frage, 
ob ein Opfer so schreibe und ob ein Opfer mit dem Vater Jahre später nach Kuba 
in die Ferien gehe, ohne den Mitreisenden gegenüber auch nur irgend einen 
Vorbehalt wegen dem Vater anzubringen. B. habe zudem nie festgestellt, dass A. 

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nachts aus dem Zimmer der Kinder geschlichen wäre, obwohl sie bemerkt habe, 
dass er öfters in der Nacht das eheliche Schlafzimmer verlassen habe wegen 
seiner unfallbedingten Kopfschmerzen. Auch der Sohn habe nie festgestellt, dass 
sich der Vater zur Tochter ins Bett gelegt hätte, was er beim Kajütenbett zweifellos 
hätte beobachten können. Bezüglich der Misswirtschaft sei zu sagen, dass bei A. 
der subjektive Tatbestand verneint werden müsse. Bei ihm liege weder Vorsatz 
noch grobe Fahrlässigkeit im Sinne eines krassen Verstosses gegen die 
Sorgfaltspflichten vor. Er habe weder über buchhalterische Kenntnisse noch über 
Kenntnisse verfügt, welche für einen Verwaltungsrat erforderlich gewesen wären. 
Sein Vater und der Treuhänder F. hätten über das Fehlen der Kenntnisse und 
auch über den schlechten Gesundheitszustand von A. schon bei der Gründung 
der D. Bescheid gewusst. Er sei auf deren laufende Information und Hilfe 
angewiesen gewesen. Er habe seine praktischen Fähigkeiten für seinen Betrieb 
bestmöglich verwendet.

F. a) Mit Schreiben vom 14. April 2009 verzichtete das Bezirksgericht 
Prättigau/Davos und mit Schreiben vom 15. April 2009 die Staatsanwaltschaft 
Graubünden auf die Einreichung einer Vernehmlassung. 

b) Mit Datum vom 27. April 2009 reichte E. ihre Berufungsantwort mit 
folgenden Rechtsbegehren ein:

„1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.

2. Der beantrage Lügendetektortest sei abzuweisen.

3. Unter vollständiger Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten 
des Berufungsklägers.“

In der Begründung hielt sie fest, A. setze sich in der Berufung nicht 
ansatzweise mit der gerichtlichen Beweiswürdigung durch die Vorinstanz 
auseinander, sondern lege einfach nochmals seine Sicht der Dinge dar. Zudem 
löse er in unzulässiger Weise einzelne Gegebenheiten aus dem 
Gesamtzusammenhang, um damit die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in Frage zu 
stellen. A. stelle im Weiteren den Antrag, einen Polygraphen-Test durchzuführen. 
Die Ergebnisse solcher Tests seien wissenschaftlich schlichtweg nicht erhärtet 
und anerkannt, weshalb der Beweisantrag abzulehnen sei. Sollte das 
Kantonsgericht wider Erwarten die Meinung vertreten, dass ein solcher Test 
angebracht sei, würde sich E. einem solchen mit aller Gelassenheit unterziehen. 
Mit Verfügung vom 28. Oktober 2008 sei E. die Namensänderung in E. bewilligt 
worden.

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G. An der Hauptverhandlung vor der I. Strafkammer des 
Kantonsgerichts von Graubünden am 17. Juni 2009 waren A. und sein Verteidiger, 
Rechtsanwalt lic. iur. V., sowie die Vertreterin der Adhäsionsklägerinnen, 
Rechtsanwältin lic. iur. Diana Honegger Droll, anwesend. Die Anklage wurde 
durch Untersuchungsrichter Dr. iur. Maurus Eckert vertreten. Gegen die 
Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichts wurden keine Einwände 
erhoben. Im Rahmen der Befragung bestätigte A. seine bereits früher gemachten 
Aussagen. Er beteuerte insbesondere erneut, dass er seine Tochter nicht 
angefasst habe und dass er sich ihre Beschuldigungen nicht erklären könne. Er 
versuchte zudem, Motive aufzuzeigen, warum seine Tochter ihn fälschlich 
bezichtige. Bezüglich der Misswirtschaft bekräftigte er, dass er vom 
Kaufmännischen keine Ahnung habe. Sein Vater und der frühere Treuhänder 
hätten ihn da gewissermassen hineingestossen, obwohl sie gewusst hätten, dass 
er nicht die notwendigen Kenntnisse habe. Der Verteidiger führte in seinem 
Plädoyer aus, dass an den Anträgen gemäss Berufungsschrift festgehalten werde. 
Zudem würden folgende neuen Anträge gestellt:

„1. Schreiben Dr. G. vom 27. Dezember 2008 zu den Akten, seine 
Einvernahme als Zeuge anordnen.

2. Filme vorspielen und kommentieren durch den Angeschuldigten.

3. Die Akten über E. bezüglich Suizidabklärungen seien von der 
Klinik GG. HH. und vom JJ.-Spital beizuziehen.

4. Die Akten I. betreffen Stalking seien von der Staatsanwaltschaft 
Graubünden beizubringen.

5. zusätzlicher Antrag; dem Angeschuldigten sei eine 
Genugtuungssumme von Fr. 20'000.-- zuzusprechen.“

Er ging zudem in seinem Plädoyer über die bereits in der Berufung 
gemachten Ausführungen hinaus. Anschliessend plädierten zunächst die 
Vertreterin der Adhäsionsklägerinnen, danach der Untersuchungsrichter. In der 
Folge wurde die Verhandlung unterbrochen und das Gericht beriet über die neuen 
Beweisergänzungsanträge, welche Rechtsanwalt lic. iur. V. in seinem Plädoyer 
gestellt hatte. Nach Wiederaufnahme der Berufungsverhandlung eröffnete der 
Vorsitzende, dass die Anträge abgelehnt würden, soweit sie in der 
Berufungsverhandlung überhaupt noch gestellt werden könnten. Der Verteidiger 
bekräftigte in der Replik seinen Standpunkt. Die Vertreterin der 
Adhäsionsklägerinnen nutzte die Möglichkeit zur Duplik, während der 
Untersuchungsrichter auf eine Duplik verzichtete. Abschliessend erhielt A. die 
Gelegenheit zum Schlusswort. Er bekräftigte seine bereits gemachten 
Äusserungen, dass er seine Tochter nie angefasst habe, und er wies erneut auf 

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Umstände hin, die gegen seine Täterschaft sprächen. Bezüglich der 
Misswirtschaft hätten alle gewusst, dass er kaum buchhalterisches Wissen gehabt 
habe und dass er aufgrund seines schweren Unfalles gesundheitlich 
angeschlagen gewesen sei. Sie hätten gesagt, sie würden ihm helfen, aber als er 
dann unterschrieben gehabt habe, hätten sie ihn nicht mehr unterstützt.

H. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil, in den 
Rechtsschriften, im Sachvortrag an der mündlichen Berufungsverhandlung sowie 
in der persönlichen Befragung von A. wird, soweit erforderlich, in den 
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die I. Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse können der 
Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgericht Berufung erheben (Art. 141 
Abs. 1 StPO). Dazu ist die Berufung innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen 
Eröffnung des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und 
hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden 
und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 
Abs. 1 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegenden Berufung 
grundsätzlich zu genügen. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist 
daher einzutreten.

2. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass der I. Strafkammer 
des Kantonsgerichts als Berufungsinstanz grundsätzlich eine umfassende, 
uneingeschränkte Kognition - auch mit Bezug auf Ermessensfehler, bei deren 
Prüfung sie sich aber eine gewisse Zurückhaltung auferlegt - zukommt (Art. 146 
Abs. 1 StPO). Sie überprüft das vorinstanzliche Urteil jedoch nur im Rahmen der 
in der Berufung oder Anschlussberufung gestellten Anträge. Wenn die Aktenlage 
die Beurteilung zulässt und keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt oder 
der Mangel geheilt ist, entscheidet die Strafkammer des Kantonsgerichts in der 
Sache selber (Art. 146 Abs. 2 StPO e contrario), eine Rückweisung an die 
Vorinstanz bildet die Ausnahme (Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung 
des Kantons Graubünden, 2. Auflage, DD. 1996, S. 375 f.).

3. a) In der Berufungsschrift wird beantrag, Rechtsanwalt lic. iur. V. sei 
A. als amtlicher Verteidiger beizugeben. Zieht der Angeklagte nicht einen privaten 
Verteidiger auf eigene Kosten bei, so bestellt ihm der Präsident unter 
Berücksichtigung berechtigter Wünsche einen amtlichen Verteidiger, wenn die 

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Anklage vor Gericht mündlich vertreten wird, wenn die Anklage eine 
Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren oder eine Massnahme im Sinne von Art. 
59, Art. 60, Art. 61 und Art. 64 StGB beantragt oder wenn die tatsächliche oder 
rechtliche Schwierigkeit des Falles es rechtfertigt (Art. 144 Abs. 2 StPO in 
Verbindung mit Art. 102 Abs. 1 StPO). Vorliegend wurde die Anklage sowohl vor 
dem Bezirkgerichtsausschuss als auch vor dem Kantonsgericht mündlich 
vertreten. Schon allein aus diesem Grund hat A. daher gemäss Gesetz Anspruch 
auf einen amtlichen Verteidiger. Die beantragte amtliche Verteidigung durch 
Rechtsanwalt lic. iur. V. wird daher bewilligt.

b) Lediglich nebenbei sei erwähnt, dass A. seinen Antrag auf Bestellung 
eines amtlichen Verteidigers in der Berufungsschrift damit begründet, dass er 
aufgrund seiner finanziellen Situation nicht in der Lage sei, anwaltliche Kosten zu 
tragen. Dies erweckt den Eindruck, dass A. die amtliche Verteidigung der 
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung, wie sie der Zivilprozess kennt, gleich setzt. 
Dem ist jedoch nicht so. Die bündnerische Strafprozessordnung kennt die 
unentgeltliche Rechtspflege für bedürftige Personen nicht. Auch der mittellose 
Verurteilte hat daher grundsätzlich die gesamten Kosten zu tragen (Art. 158 
StPO). Die Kosten des Berufungsverfahrens und der amtlichen Verteidigung 
werden jedoch vom Kanton vorschussweise übernommen (Art. 155 Abs. 1 StPO). 
Dies bedeutet, dass der Kanton diese Kosten vorstreckt und sie anschliessend bei 
derjenigen Person, die sie gemäss Urteil zu tragen hat, einzieht. Sollte diese 
Person nicht in der Lage sein, die Kosten zu bezahlen, so hat der Kanton auf 
Antrag über eine Stundung oder allenfalls einen Erlass zu entscheiden. Dem 
Kantonsgericht steht dieser Entscheid nicht zu, weshalb die Kosten in jedem Fall 
überbunden werden müssen (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 392).

4. Der Vorsitzende kann gemäss Art. 144 Abs. 1 StPO eine mündliche 
Berufungsverhandlung von Amtes wegen oder auf Antrag durchführen, wenn die 
persönliche Befragung des Angeklagten für die Beurteilung der Streitsache 
wesentlich ist. Auf die Berufungsverhandlung finden unter Vorbehalt abweichender 
Bestimmungen die Vorschriften der Strafprozessordnung über das 
Gerichtsverfahren sinngemäss Anwendung (vgl. Art. 144 Abs. 2 StPO). A. hat in 
seiner Berufung vom 3. April 2009 die Durchführung einer mündlichen 
Berufungsverhandlung beantragt. Mit der Vorladung zur Berufungsverhandlung 
vom 17. Juni 2009 (vgl. Verfügung vom 8. Mai 2009, act. 07) sowie der 
Durchführung der Berufungsverhandlung selbst wurde diesem Antrag 
entsprochen.

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5. a) Im mündlichen Vortrag hat der Verteidiger ausgeführt, sie hätten 
den Eindruck gewonnen, dass der Bezirksgerichtspräsident etwas befangen 
gewesen sei. So habe dieser auf ihren Hinweis, die Einkommens- und 
Vermögensverhältnisse von A. seien in der Untersuchung nicht korrekt erhoben 
worden, was ihm aufgrund des Scheidungsverfahrens bekannt sein müsste, nicht 
reagiert und im Urteil seien unter den persönlichen Verhältnissen die falschen 
Zahlen aufgeführt. Auch sei die persönliche Befragung im Scheidungsverfahren 
nicht gemeinsam erfolgt, vielmehr sei B. nicht erschienen, obwohl der 
Bezirksgerichtspräsident erklärt habe, sie würde später kommen. Offensichtlich sei 
ihr ein Dispens erteilt worden. Warum sie diesen erhalten habe, sei ihnen nicht 
bekannt. – Aus den Ausführungen der Verteidigung wird nicht ganz klar, ob die 
Rüge einer Verletzung des Rechts auf den gesetzmässigen Richter tatsächlich 
erhoben wird oder nicht. Da es „ein bisschen befangen“ im Zusammenhang mit 
dem verfassungsmässigen Recht auf einen unparteiischen Richter nicht geben 
kann (entweder besteht der Anschein der Befangenheit oder er besteht nicht), 
nimmt die I. Strafkammer des Kantonsgerichts die Ausführungen im mündlichen 
Plädoyer der Verteidigung als Rüge entgegen. Bereits der Anschein der 
Befangenheit ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein Grund, in den 
Ausstand zu treten. Die Parteien können einen Ausstandsgrund innert zehn 
Tagen, seit sie davon Kenntnis erhalten haben, bei der oder dem Vorsitzenden 
geltend machen (Art. 44 Abs. 1 GOG). Ist der Ausstandsgrund erst mit oder nach 
der Urteilsfällung bekannt geworden, ist er auf dem Rechtsmittelweg geltend zu 
machen (Art. 44 Abs. 2 GOG). Aus dem angefochtenen Urteil ergibt sich, dass A. 
im Zeitpunkt der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz bereits geschieden war 
(act. 1.52, S. 5, N F1). Die von ihm angeführte Anhörung im Scheidungsverfahren 
hatte mithin schon früher stattgefunden. Die von A. ins Feld geführten Umstände, 
die den Anschein der Befangenheit des Bezirksgerichtspräsidenten belegen 
sollen, haben sich somit vor oder anlässlich der Urteilsfällung verwirklicht 
beziehungsweise waren für A. spätestens mit der schriftlichen Eröffnung des 
vorinstanzlichen Urteils erkennbar. Der geltend gemachte Ausstandsgrund gegen 
den Bezirkgerichtspräsidenten hätte damit spätestens in der Berufungsschrift 
enthalten sein müssen. In dieser findet sich jedoch kein einziger Hinweis auf eine 
mögliche Befangenheit des Bezirksgerichtspräsidenten. Die Ausführungen 
anlässlich des Plädoyers an der Berufungsverhandlung waren somit verspätet. Es 
kann auf die Rüge der Verletzung des Rechts auf den verfassungsmässigen 
Richter damit nicht eingetreten werden. Lediglich nebenbei sei jedoch trotzdem 
erwähnt, dass die geltend gemachten Umstände eine Befangenheit von 

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vornherein in keiner Weise belegen und auch keinen Anschein der Befangenheit 
ergeben würden. 

b) Dasselbe ist im Übrigen bezüglich der im mündlichen Vortrag gegen den 
Untersuchungsrichter vorgebrachten Bedenken zu sagen. Die schriftliche 
Äusserung des Untersuchungsrichters, auf welche A. seine Auffassung stützt, der 
Untersuchungsrichter habe zu Gunsten des Opfers Partei ergriffen, findet sich in 
einer Stellungnahme des Untersuchungsrichters an das Bezirksgericht 
(vorinstanzliche Akten, act. 14). Diese Stellungnahme erfolgte am 23. April 2008, 
mithin mehr als sieben Monate vor der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
27. November 2008. Gemäss Aktenlage hat der Verteidiger in dieser ganzen Zeit 
die Äusserung des Untersuchungsrichters in keiner Weise kritisiert. Auch aus den 
schriftlichen Plädoyernotizen des Verteidigers, die sich bei den Akten der 
Vorinstanz befinden (act. 24), und dem angefochtenen Urteil selbst geht mit keiner 
Silbe hervor, dass der Verteidiger die in der Stellungnahme getätigte Äusserung 
des Untersuchungsrichters beanstandet hätte. Erst an der Berufungsverhandlung 
hat er sich zu diesem Thema geäussert. Dies ist jedoch zweifellos verspätet. Es 
geht nicht an zuzuwarten, falls Vorbehalte gegen den Untersuchungsrichter 
bestehen, und diese dann erst geltend zu machen, wenn das Urteil nicht im 
erwarteten oder erhofften Sinn ausfällt. Die von A. angeführten Hinweise auf eine 
Parteilichkeit des Untersuchungsrichters müssen nicht näher geprüft werden, weil 
sie verspätet eingebracht worden sind. Es sei jedoch trotzdem festgestellt, dass 
allein aus dem Umstand, dass der Untersuchungsrichter in der Stellungnahme an 
das Bezirksgericht von E. als Opfer und nicht als mutmasslichem Opfer sprach, 
offensichtlich keine Parteilichkeit abgeleitet werden kann. 

6. a) In der Berufungsschrift wird beantragt, es sei über E. und A. ein 
Lügendetektortest anzusetzen und durchzuführen. Gleichzeitig hat A. das Resultat 
eines Lügendetektortests eingereicht, welchen er offenbar am 21. März 2009 
absolviert hat (act. 01/5). Dazu ist zunächst das Folgende festzuhalten: Das 
Bundesgericht hat bereits in seinem Entscheid BGE 109 Ia 273 E 7 festgestellt, 
dass der Einsatz von Polygraphen (umgangssprachlich Lügendetektoren genannt) 
als Methode der Wahrheitsfindung verfassungsmässig unzulässig ist, weil er in 
den Kerngehalt der verfassungsrechtlich geschützten persönlichen Willensfreiheit 
eingreift (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 22. August 2008, 6B_586/2008, 
E 2). Die Strafverfolgungsbehörden dürfen daher einen Lügendetektortest nicht 
hoheitlich anordnen. Dasselbe aber muss auch für das Gericht gelten. Es kann 
somit von vornherein kein Lügendetektortest gegenüber E. angeordnet werden. 
Nach verbreiteter Lehrmeinung darf ein Lügendetektortest aber auch nicht auf 

Seite  13 — 64

Antrag der beschuldigten Person zur eigenen Entlastung eingesetzt werden (vgl. 
Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 
2005, § 39 Rz. 22). Dies zum einen, weil gravierende und unüberwindbare Zweifel 
an der Zuverlässigkeit dieses Tests bestehen. Bereits die erste, dem Test mit dem 
Polygraphen zugrundeliegende Annahme, es sei möglich, eindeutige 
Zusammenhänge zwischen bestimmten kognitiven oder emotionalen Zuständen 
und hierfür spezifischen Reaktionsmustern im vegetativen Nervensystem zu 
erkennen, wird nach einhelliger wissenschaftlicher Auffassung abgelehnt. Nach 
dem Stand der Wissenschaft ist es vielmehr gerade nicht möglich, eine 
gemessene körperliche Reaktion auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen. 
Dies spricht klarerweise gegen beide möglichen Anwendungsformen des 
Polygraphentests, nämlich sowohl gegen das Tatwissenverfahren, bei welchem 
Wissen über die Tat abgefragt wird, das nur dem Täter bekannt sein kann, indem 
ihm auf eine Frage mehrere Antworten vorgeschlagen werden und auf die 
Reaktion zu den Antworten geachtet wird, als auch gegen das 
Kontrollfrageverfahren, bei welchem mittels Kontrollfragen, die den Beschuldigten 
zum bewussten Lügen bringen sollen, die körperliche Reaktion auf das bewusst 
provozierte Lügen mit den Reaktionen auf die Tatfragen verglichen wird. 
Vorliegend nun käme das Tatwissenverfahren von vornherein nicht mehr in Frage, 
selbst wenn es wissenschaftlich nicht höchst umstritten wäre, weil dieses 
Verfahren zwingend voraussetzt, dass dem Beschuldigten als Antworten 
vorgeschlagene Tatdetails nicht bereits anderweitig bekannt geworden sind. Da A. 
den ganzen Tatvorwurf hinlänglich und in allen Einzelheiten kennt, könnte das 
Tatwissenverfahren selbst nach Auffassung der Verfechter des Polygraphentests 
nicht mehr angewandt werden. Die nachfolgenden Ausführungen befassen sich 
daher mit dem Kontrollfrageverfahren. Auch die zweite, ebenfalls Grundlage des 
Polygraphentests bildende Annahme, der Täter reagiere bei den Fragen zur Tat 
am stärksten, während der Unschuldige bei den Kontrollfragen die heftigsten 
Reaktionen zeige, ist wissenschaftlich in keiner Weise belegt. Es erscheint sogar 
durchaus nicht abwegig, dass auch der Unschuldige bei den Tatfragen heftig 
reagieren kann, weil er zum Beispiel befürchtet, falsch zu reagieren und damit 
seine Unschuld nicht beweisen zu können, und dass der Täter bei den 
Kontrollfragen eine hohe Erregung zeigt, weil er beispielsweise an tatsächlich 
stattgefundene negative Erfahrungen und Erlebnisse, die er allenfalls sogar zu 
verbergen sucht, erinnert wird. Daraus folgt, dass der dem Kontrollfrageverfahren 
als wesentliche Prämisse zugrundeliegende Unterschied bezüglich des 
Erregungsgrades zwischen Täter und Nichttäter nicht zwingend besteht. Folgt 
man gleichwohl diesem theoretischen Ansatz, so kommt den Kontrollfragen als 

Seite  14 — 64

Vergleichsbasis für die Interpretation der gemessenen Reaktionen bei den 
Tatfragen entscheidende Bedeutung für das Untersuchungsergebnis zu. Sie sollen 
so formuliert sein, dass sie einerseits für einen unzutreffend Beschuldigten die 
erhebliche Bedeutung der tatrelevanten Fragen übertreffen, damit er nicht bei den 
Tatfragen die heftigsten Reaktionen zeigt, dass andererseits aber wiederum für 
den wirklichen Täter die Dominanz der auf die Tat bezogenen Fragen erhalten 
bleibt. Dies ist eine Aufgabe, die ohne Vorweg-Annahme von Schuld oder 
Unschuld kaum zu lösen ist. Schliesslich spricht auch gegen die Verwendung des 
Polygraphentests, dass es bislang für den Untersuchenden keine zuverlässigen 
Möglichkeiten der objektiven Überprüfung des Untersuchungsablaufs gibt. Er kann 
daher insbesondere nicht feststellen, ob und inwieweit ihm Auswahl und 
Formulierung der Kontrollfragen dem methodischen Ansatz entsprechend 
gelungen, das heisst tatsächlich auf die Person des Beschuldigten und den 
spezifischen Tatvorwurf zugeschnitten, sind. Dasselbe gilt auch für das Gericht, 
das die Angemessenheit des Verfahrens nicht überprüfen kann. Gerade weil die 
Kontrollfragen auf den jeweiligen Probanden mit seinen individuellen 
Lebenserfahrungen und Wertvorstellungen zugeschnitten werden müssen, 
entziehen sie sich einer Standardisierung. Auch ein Vergleich der Messwerte 
verschiedener Probanden scheidet von vornherein aus, weil das jeweilige 
Erregungsausmass bei jedem Menschen unterschiedlich und zudem aufgrund 
zahlreicher Faktoren Schwankungen unterworfen ist. Damit ist eine objektive 
Überprüfung des Ergebnisses nicht möglich. Wie zuverlässig ein Testergebnis ist, 
lässt sich unter diesen Umständen objektiv nicht feststellen. Dies spricht 
klarerweise gegen die Verwendung von Polygraphentests als Beweismittel (vgl. 
zum Ganzen zum Beispiel aus der Rechtsprechung in Deutschland den Entscheid 
des Bundesgerichtshofes vom 17. Dezember 1998, BGHSt 44, 308, eingesehen 
auf www.servat.unibe.ch/dfr/bs044308.html). Zum andern sprechen gegen die 
Zulassung des Polygraphentests als Beweismittel im Strafverfahren in 
grundsätzlicher Hinsicht die möglichen Auswirkungen auf Strafverfahren 
beziehungsweise auf die Stellung des Angeschuldigten im Strafverfahren, 
insbesondere bei Einvernahmen. Die Zulassung von Polygraphentests als 
Beweismittel im Strafverfahren könnte, unbesehen der Frage, ob sie privat erstellt 
oder auf Antrag des Beschuldigten von den Strafbehörden angeordnet worden 
sind, zu einem indirekten Druck auf Angeschuldigte führen, sich einem solchen 
Test zu unterziehen. Damit aber wäre die Aussagefreiheit des Angeschuldigten 
erheblich gefährdet (vgl. ZR 101 [2002] Nr. 40). Der Polygraphentest ist auch 
unter diesem Gesichtspunkt als Beweismittel abzulehnen. Lediglich nebenbei sei 
schliesslich noch darauf hingewiesen, dass die am 1. Januar 2011 in Kraft 

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tretende schweizerische Strafprozessordnung in ihrem Artikel 140 die 
Verwendung des Lügendetektortests als Beweismittel verbietet und zwar auch 
dann, wenn die betroffene Person der Anwendung zustimmt (vgl. Botschaft zur 
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, S. 1182/1183). 
Die gemachten Überlegungen zeigen deutlich auf, dass der Polygraphentest als 
Beweismittel im Strafverfahren abzulehnen ist unabhängig von der Frage, wer 
diesen beantragt beziehungsweise anordnet. Der Antrag von A. auf Einholung 
eines Polygraphentests über ihn und über seine Tochter ist daher klarerweise 
abzulehnen.

b) Was den von A. eingereichten Lügendetektortest vom 21. März 2009 
betrifft, so kann dieser aus den bereits dargelegten Gründen nicht als Beweismittel 
herangezogen werden. Gerade dieser Test kann im Übrigen in keiner Art und 
Weise nachgeprüft oder auch nur nachvollzogen werden. Es ist aus den 
Unterlagen überhaupt nicht ersichtlich, wie das Resultat zustande gekommen sein 
soll, welches Setting verwendet wurde, welche Kontrollfragen gestellt wurden etc. 
Daran vermag der Hinweis, dass die Auswertung der Aufzeichnungen auf einer 
Statistik beruhe, die die Untersuchung von insgesamt 460 Personen umfasse, 
nichts zu ändern. Die Unterlagen geben keinen weiteren Aufschluss über diese 
verwendete Statistik, so dass deren Anwendung von vornherein nicht überprüft 
werden könnte. Jedoch wäre der Statistik sowieso entgegen zu halten, dass die 
Gegenüberstellung der in Bezug auf Tatfragen bei verschiedenen Untersuchten 
erzielten Messergebnisse kaum Aussagewert hat, weil das jeweilige 
Erregungsmass bei jedem Menschen unterschiedlich und zudem aufgrund 
zahlreicher Faktoren Schwankungen unterworfen ist. Es bleibt im weiteren, auch 
wenn die Deutung der durch den Polygraphen aufgezeichneten Kurven mittels 
mathematischer Formeln oder eben einer Statistik vorgenommen wird, die 
Tatsache bestehen, dass die grundlegenden Prämissen, nämlich dass Reaktionen 
des vegetativen Nervensystems bestimmten äusseren Reizen zugeordnet werden 
können und dass Täter bei Tatfragen und Unschuldige bei Kontrollfragen die 
grösste Erregung zeigen, wissenschaftlich nicht erhärtet sind, ja sogar abgelehnt 
werden. Gerade der von A. eingereichte Test zeigt im Weiteren das Problem der 
Fragestellung, sind die aufgeführten Tatfragen doch sehr allgemein gehalten. 
Schliesslich ist noch darauf hinzuweisen, dass das kombinierte Resultat einen 
höheren Wert aufweist, als A. bei den einzelnen Fragen jeweils erhalten hat. Dies 
muss dahingehend interpretiert werden, dass A. gemäss diesem Test insgesamt 
gesehen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die Wahrheit gesagt hat als ihm bei 
der Beantwortung der einzelnen Fragen attestiert worden ist. Dies ist schlicht nicht 

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nachvollziehbar. Schon diese wenigen Überlegungen zeigen deutlich auf, dass der 
von A. eingereichte Lügendetektortest kein taugliches Beweismittel sein kann, 
weshalb nicht auf ihn abgestellt werden darf. Er ist bei der Beweiswürdigung 
vielmehr ausser Acht zu lassen.

c) Schliesslich findet sich in der Begründung der Berufung noch der 
Hinweis, das ominöse Tagebuch bedürfe der Abklärung, ob die Aufzeichnungen 
zum angeblichen Zeitpunkt erfolgt seien. Vielleicht dränge sich ein 
graphologisches Gutachten auf, insbesondere wenn man die folgende Notiz 
beachte: „Wehe, wer sich mir in den Weg stellt ...“. Schreibe so ein Opfer? Aus 
den Akten ergibt sich kein Hinweis, dass die Tagebucheinträge von E. erst später 
erstellt worden sein könnten. Zum einen hat E. zwar tatsächlich gewisse Teile der 
Einträge zumindest teilweise ausradiert oder übermalt. Jedoch ist leicht 
festzustellen, dass die Einträge, die sich mit den Handlungen von A. befassen, 
nicht über ausradierte frühere Einträge geschrieben worden sind. E. hat oft mit 
Bleistift geschrieben und sie konnte die Einträge nachher nicht mehr gänzlich 
entfernen, so dass man leicht erkennen kann, an welchen Stellen sie etwas 
geschrieben und dann wiederum ausradiert hat. Teilweise kann man sogar noch 
entziffern, was vorher da geschrieben gestanden hat. Es wäre daher ohne Zweifel 
auch erkennbar, wenn E. zunächst einen Eintrag ausradiert und nachher einen 
neuen Eintrag darüber geschrieben hätte. Solche Anzeichen sind jedoch im 
ganzen Tagebuch nicht zu finden. Es ist daher auszuschliessen, dass E. die 
Einträge über die sexuellen Handlungen nachträglich ins Tagebuch eingefügt hat, 
hätte sie dazu doch schon von Beginn weg unterschiedlich lange leere Stellen 
beziehungsweise sogar mehrere leere Seiten über das Tagebuch verteilt haben 
müssen, obwohl sie im Zeitpunkt der Niederschrift der anderen Tagebucheinträge 
noch gar nicht wissen konnte, dass sie einige Jahre später ihren Vater wegen 
sexueller Handlungen, die er an ihr begangen hatte, anzeigen würde und im 
Zusammenhang mit dem daran anschliessenden Strafverfahren ihre 
Tagebucheintragungen Bedeutung erlangen würden. A. versucht, seine 
Behauptung, die Tagebucheinträge seien erst später erstellt worden, mit der 
Aussage zu stützen, es habe zwischen E. und ihrer Mutter einen heftigen Streit 
gegeben, weil B. die Tagebücher von E. gelesen habe (vgl. Schreiben von 
Rechtsanwalt lic. iur. V. an den Untersuchungsrichter vom 13. August 2007, act. 
1.09). Diesen Streit hat er anlässlich der Berufungsverhandlung auf das Jahr 2000 
datiert (die inkriminierten Tagebucheinträge stammen vornehmlich aus den Jahren 
1998 bis 2000). Er hat dabei weiter erklärt, er sei nach Hause gekommen und die 
zwei Tagebücher seiner Tochter seien aufgeschlagen auf dem Tisch gelegen. 

Seite  17 — 64

Seine damalige Ehefrau habe in diesen Büchern gelesen gehabt. Sie habe 
bestätigt, dass nichts über sexuelle Handlungen zwischen ihm und seiner Tochter 
darin gestanden habe. Diese Aussage über den geschilderten familiären Konflikt 
findet ihren Wiederhall im Schreiben von Dr. G. vom 26. Februar 2008 an den 
Verteidiger, in welchem Dr. G. erklärt, A. habe ihm vor Jahren berichtet, dass es 
zwischen B. und E. zu Schwierigkeiten gekommen sei, nachdem die Mutter 
unerlaubterweise das Tagebuch der Tochter gelesen habe; es sei damals um 
einen Konflikt zwischen einer auf ihre Privatsphäre pochenden pubertierenden 
Tochter und einer allzu neugierigen Mutter gegangen (vorinstanzliche Akten, 
Beilage zu act. 24. S. 2 Ziff. 8). Er fügt jedoch sofort auch an, dass es, wenn die 
belastenden Eintragungen tatsächlich aus der damaligen Zeit stammten, ein 
zweites Tagebuch geben müsse. Aus dieser Aussage geht hervor, dass A. 
offenbar gegenüber Dr. G. nicht davon gesprochen hat, dass seine damalige 
Ehefrau in beide Tagebücher von E. Einblick genommen habe (dass zwei 
Tagebücher aus jener Zeit bestehen, ergibt sich aus den Akten und ist offenbar 
unbestritten, hat A. vor Schranken des Kantonsgerichts doch selbst von den zwei 
Tagebüchern seiner Tochter gesprochen). Das Schreiben von Dr. G. stützt mithin 
die Aussage von A. nicht wirklich, da es die Möglichkeit selbst erwähnt, dass die 
Eintragungen über sexuelle Handlungen in einem zweiten, nicht gelesenen 
Tagebuch enthalten sein konnten. B. wiederum vermochte sich an einen solchen 
Streit, wie ihn A. geltend macht, nicht zu erinnern. Sie führte vielmehr aus, sie 
habe E. einmal aus Jux gefragt, ob sie das – nun bei den Akten liegende – 
Tagebuch lesen dürfe, als E. etwa acht bis elf Jahre alt gewesen sei. E. habe dies 
aber nicht erlaubt, weshalb sie auch nicht habe hineinschauen können. Nachher 
habe sie das Tagebuch nicht mehr gesehen, E. müsse es sehr gut versteckt 
haben (untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 18. September 2007, act. 
3.20, S. 6). Elf war E. im Jahre 1995. Aufgrund der Aktenlage, insbesondere 
aufgrund des Umstandes, dass A. Dr. G. gegenüber offenbar nicht von zwei 
Tagebüchern gesprochen hat, die B. gelesen habe, erscheinen die Ausführungen 
von A. als wenig glaubhaft. Das Gericht gelangt zum Schluss, dass es sich sowohl 
bei der genannten Jahreszahl, als auch bei dem geltend gemachten Umstand, 
dass beide Tagebücher eingesehen worden seien, um Schutzbehauptungen 
handelt. Es finden sich somit keine Anhaltspunkte, die die Theorie von A. stützen 
würden, dass die Tagebucheintragungen über die sexuellen Handlungen zu einem 
späteren Zeitpunkt erst hinzugefügt worden sind. Das Tagebuch selbst sowie der 
Umstand, dass die vorliegend relevanten Einträge nicht über frühere, ausradierte 
Einträge geschrieben worden sind, spricht sogar eindeutig dagegen. Unter diesen 
Umständen aber erscheint es nicht notwendig, weitere Abklärungen in diesem 

Seite  18 — 64

Zusammenhang vorzunehmen. Dasselbe ist bezüglich eines graphologischen 
Gutachtens zu sagen. Neben dem Umstand, dass im Rechtsbegehren kein 
entsprechender Antrag auf Einholung eines solchen Gutachtens enthalten ist, 
ergibt sich zudem weder aus der Berufungsschrift noch aus dem mündlichen 
Vortrag des Verteidigers anlässlich der Berufungsverhandlung eindeutig, was mit 
diesem Gutachten bewiesen werden soll. Aus der Berufungsschrift könnte 
abgeleitet werden, dass mit einem graphologischen Gutachten abgeklärt werden 
soll, ob die Tagebucheinträge zum geltend gemachten Zeitpunkt erfolgt seien. Ein 
Graphologe befasst sich jedoch nicht mit dieser Frage. Er versucht vielmehr, aus 
der Handschrift Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Schreibers zu gewinnen. 
Er leitet jedoch weder Alter noch Geschlecht aus der Handschrift ab, vielmehr ist 
dies Vorauswissen, das zur Beurteilung der Schrift gerade notwendig ist (vgl. zum 
Beispiel die Website des Verbands Schweizer Graphologen [www.grafo-vsg.ch -> 
Graphologie -> Gutachten -> Welches Untersuchungsmaterial braucht die 
Graphologin/der Graphologe? -> Angaben über die Schreiberin/den Schreiber] 
oder des Verbands Deutschsprachiger Graphologen [www.graphologie.ch -> Was 
ist Graphologie -> Grenzen der Graphologie] sowie die Berufsinfo 
Graphologe/Graphologin des Berufsbildungszentrums der Stadt Zürich). Ein 
graphologisches Gutachten würde somit bezüglich der Frage, ob die 
Tagebucheintragungen erst späteren Datums sein könnten als im Tagebuch selbst 
angegeben, keine Antwort geben. Aber auch ein Schriftenvergleich, der – 
ungenau – manchmal auch als graphologisches Gutachten bezeichnet wird, 
äussert sich nicht dazu, wann die Schrift entstanden ist, sondern dazu, ob zwei 
oder mehrere verschiedene handschriftlich verfasste Texte vom selben Urheber 
stammen. Auch ein Schriftenvergleich würde somit keine weiteren relevanten 
Erkenntnisse bringen, stellt A. doch nicht in Frage, dass die Eintragungen von E. 
stammen. In der Berufungsschrift wird im Weiteren – wie bereits erwähnt – 
ausgeführt, es dränge sich vielleicht ein graphologisches Gutachten auf, 
insbesondere beispielsweise wenn man folgende Notiz beachte: „Wehe, wer sich 
mir in den Weg stellt ...“. Schreibe so ein Opfer? Diese Formulierung wiederum 
zeigt deutlich auf, dass A. nicht so sehr die Schrift, als viel mehr den Inhalt der 
Tagebucheinträge begutachtet und bewertet haben möchte. In der Graphologie 
geht es jedoch darum, aus der Handschrift den Charakter und die Persönlichkeit 
des Schreibers zu erschliessen, und nicht aus dem Inhalt des handschriftlichen 
Textes. Schliesslich ist auch darauf hinzuweisen, dass die Graphologie – das 
Ableiten von Charakterzügen und Persönlichkeit des Schreibers aus der 
Handschrift – wissenschaftlich höchst umstritten ist und ihr von verschiedener 
Seite weitgehend Überzeugungskraft und Zuverlässigkeit abgesprochen werden. 

Seite  19 — 64

Ein graphologisches Gutachten in diesem Sinne würde sich somit als denkbar 
ungeeignetes Beweismittel erweisen, weshalb von vornherein darauf verzichtet 
werden kann. Was die von A. angestrebte inhaltliche Bewertung der 
Tagebucheinträge von E. betrifft, so ist klar festzustellen, dass es die ureigenste 
Aufgabe des Gerichts ist, Aussagen zu würdigen. Dazu ist kein Gutachten 
erforderlich, es sei denn, es wären besondere – medizinische, technische etc. – 
Kenntnisse notwendig. Dass dem vorliegend so wäre, kann ohne weiteres verneint 
werden. A. macht denn auch nichts dergleichen geltend. Auf die Einholung eines 
graphologischen Gutachtens oder eines Schriftenvergleichs kann vorliegend somit 
verzichtet werden. Lediglich der Vollständigkeit halber sei noch darauf 
hingewiesen, dass die Textstelle, die aus einer Tagebucheintragung von E. 
stammt, vom Verteidiger nicht korrekt zitiert wird (vgl. Kopie Auszug aus dem 
Tagebuch von E., act. 5.7, letzte Seite). Zudem darf sie augenscheinlich nicht 
isoliert und aus dem Zusammenhang herausgerissen betrachtet werden. Ihr 
wirklicher Sinn erschliesst sich nur, wenn man die ganze Eintragung vom 6. Mai 
1999, an deren Ende sie steht, in die Würdigung mit einbezieht.

7. Neben den Anträgen in der Berufungsschrift hat der Verteidiger von 
A. anlässlich seines mündlichen Parteivortrages an der Berufungsverhandlung 
weitere Anträge gestellt. Es stellt sich nun die Frage, ob diese Anträge an der 
Berufungsverhandlung noch eingebracht werden konnten oder ob sie bereits in 
der Berufungsschrift hätten enthalten sein müssen. Im Folgenden wird diese 
Frage bezüglich der einzelnen Anträge geprüft.

a) Die Verteidigung hat an der Hauptverhandlung ein Schreiben von Dr. 
G. vom 27. Dezember 2008 eingereicht mit dem Antrag, dieses Schreiben zu den 
Akten zu nehmen. Wie sich aus dem Datum des Schreibens leicht ergibt, hätte es 
bereits mit der Berufung eingereicht werden können. Die in vorliegendem Urteil 
weiter hinten angestellten Erwägungen zeigen deutlich auf, dass sowohl die 
Begründung (Erwägung 8), als auch Beweisergänzungsanträge (Erwägung 7b) 
bereits in der Berufungsschrift enthalten sein müssen, sofern sie nicht echte 
Noven betreffen. Es ist nun aber kein Grund ersichtlich, weshalb bezüglich der 
Einlage von Dokumenten anders entschieden werden müsste. Es handelt sich bei 
den Dokumenten um Beweismittel, die die bestehende Beweislage ergänzen, die 
eigenen Argumente stützen und gegnerische Begründungen erschüttern sollen. 
Sie haben dasselbe Ziel und dieselbe Funktion wie Beweisergänzungen, die dem 
Gericht beantragt werden. Sie sind daher auch gleich zu behandeln, weshalb sie 
bereits mit der Berufungsschrift eingereicht oder zumindest angekündigt werden 
müssen, sofern sie nicht echte Noven betreffen. Die Einlage des Schreibens von 

Seite  20 — 64

Dr. G. vom 27. Dezember 2008 war mithin verspätet, weshalb dieses Schreiben 
bei der Beweiswürdigung keine Beachtung finden darf. Selbst wenn es aber in die 
Beweiswürdigung miteinbezogen werden müsste, würde es keine neuen, 
entscheidrelevanten Erkenntnisse liefern. Dr. G. setzt sich in diesem Schreiben 
offenbar mit einem Bericht der Therapeutin von E., Q., vom 30. Oktober 2008 
(vorinstanzliche Akten, Beilage zu act. 22) auseinander. Aus dem Schreiben von 
Dr. G. geht klar hervor, dass dieser weder über Aktenkenntnis, noch insbesondere 
über Kenntnis des Inhalts der weiteren Berichte von Q. (vgl. act. 1.25 – 1.27) 
verfügt. Unter diesen Umständen aber war er kaum in der Lage, den Bericht vom 
30. Oktober 2008 angemessen zu beurteilen. Seine Kritik richtet sich denn auch 
zu einem guten Teil dagegen, dass der Bericht zu wenig ausführlich 
beziehungsweise umfassend ausgefallen sei und keinen konkreten Hinweis auf 
einen sexuellen Missbrauch von E. enthalte. Da Q. in ihren früheren Berichten 
über die von ihr gestellte Diagnose, über den von E. geschilderten sexuellen 
Missbrauch sowie über die Therapieziele und den Therapieverlauf bereits 
ausführlich berichtet hatte, bestand für sie naturgemäss keine Veranlassung, 
diese Punkte zu wiederholen beziehungsweise erneut vertieft auszuführen. Die 
von Dr. G. beanstandeten „fehlenden“ Ausführungen finden sich darum in den 
anderen Berichten. Damit aber sticht die Kritik von Dr. G. ins Leere. Er hat denn in 
seinem Schreiben vom 27. Dezember 2008 auch selbst darauf hingewiesen, dass 
allenfalls vorhandene andere Berichte die von ihm als fehlend monierte Klarheit 
und Ausführlichkeit durchaus herstellen könnten. Weiter hält Dr. G. fest, es 
würden anspruchsvolle Ziele für die sogenannte dritte und vierte Phase formuliert, 
um dann zugleich einzuräumen, dass E. dazu nicht motivierbar sei. Liest man nun 
den Bericht vom 30. Oktober 2008 durch, so findet sich nirgends die Feststellung, 
E. sei nicht motivierbar. Vielmehr wird festgehalten, die Ziele der dritten Phase 
seien erreichbar geworden, die Situationen in der Familie und mit dem Vater seien 
nicht mehr in derart hohem Ausmass präsent wie zuvor und wenn Erinnerungen 
auftreten würden, würde die Klientin von diesen weniger vereinnahmt. Die Klientin 
befinde sich von der Persönlichkeitsentwicklung her nun wohl am Beginn der 
vierten Phase, in welcher die Entwicklung ihrer Identität und ihres 
Selbstvertrauens und ihres inneren psychophysischen Gleichgewichts weiter 
gestärkt und stabilisiert werden könnten. Diese Ausführungen lassen offensichtlich 
nicht darauf schliessen, E. sei nicht motiviert, die Therapieziele zu erreichen. Sie 
zeigen im Gegenteil auf, dass E. bereits grosse Fortschritte gemacht hat und auf 
einem guten Weg ist. Die Feststellung von Dr. G., es werde eingeräumt, dass E. 
für die Therapieziele nicht motivierbar sei, trifft mithin nicht zu. Ebenso wenig aber 
vermögen seine Ausführungen bezüglich der Partnerschaft von E. zu überzeugen. 

Seite  21 — 64

Es mag zwar durchaus sein, dass es für Personen, die bereits früh im Leben und 
über lange Zeit sexuellen Missbrauch erfahren haben, im allgemeinen schwierig 
sein kann, eine gesunde, erfüllende Partnerschaft zu leben. Jedoch ist es 
zweifellos nicht unmöglich. Dr. G. aber hat E. weder jemals betreut, noch hat er 
sonst zu irgendeiner Zeit näheren Kontakt zu ihr gehabt. Er hat mit ihr gemäss 
Aktenlage daher auch nie über ihre geltend gemachten Erlebnisse mit ihrem 
Vater, über ihre Gefühle und ihr Befinden gesprochen. Er dürfte unter diesen 
Umständen kaum über genügend Informationen verfügen, um die Tatsache, dass 
E. nach eigener Aussage in einer ausgeglichenen Partnerschaft lebt, in der sie 
sich unterstützt und verstanden fühlt, werten und beurteilen zu können. Was Dr. 
G. in seinem Schreiben vorbringt, sind denn auch allgemein gehaltene 
Feststellungen, die im konkreten Einzelfall eben gerade nicht zutreffen müssen. 
Seine Ausführungen helfen daher nicht weiter und vermögen schon gar nicht 
gegen einen sexuellen Missbrauch von E. während ihrer Kinder- und Jugendjahre 
zu sprechen. Schliesslich ist noch festzustellen, dass im Bericht von Q. der 
Umstand, dass E. sich in einer beruflichen Orientierungslosigkeit befunden hat, 
aus der sie aber mit viel innerer Kraft und Willen herausgefunden hat, völlig 
wertungsfrei festgehalten wird. Es handelt sich dabei nur um einen weiteren 
Punkt, an welchem E.s Fortschritte aufgezeigt werden. Die Einschätzungen von 
Dr. G., dass eine Orientierungslosigkeit oder ein Karriereunterbruch für Personen 
im Alter von E. „völlig gängig“ seien, sprechen daher nicht gegen den Bericht von 
Q.. Aus diesen Überlegungen ergibt sich klar, dass die Ausführungen von Dr. G. in 
seinem Schreiben vom 27. Dezember 2008 entweder ins Leere zielen, nicht 
zutreffen oder nicht weiterhelfen. Selbst wenn das Schreiben rechtzeitig 
eingereicht worden wäre, wären daraus somit keine neuen, entscheidrelevanten 
Erkenntnisse zu gewinnen.

Lediglich der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass A. selbst 
anlässlich der Berufungsverhandlung mehrere Dokumente eingereicht hat. Alle 
Dokumente betreffen Tatsachen, die sich bereits vor Erhebung der Berufung 
ereignet haben und die A. auch schon vorher bekannt waren. Keines dieser 
Dokumente ist mit der Berufung angekündigt worden. Ein Teil dieser Dokumente 
befindet sich jedoch bereits bei den Akten oder wurde schon mit der Berufung 
eingereicht. Ihre erneute Einlage erscheint damit nicht notwendig, ihr Inhalt ist vom 
Gericht bereits beim Studium der Akten zur Kenntnis genommen worden und wird 
bei der Beweiswürdigung berücksichtigt. Soweit sich die Dokumente jedoch nicht 
schon bei den Akten befinden, können sie vorliegend nicht herangezogen werden, 
weil sie keine echten Noven betreffen und ihre Einlage damit zu spät erfolgte.

Seite  22 — 64

b) Neben dem Antrag, das Schreiben von Dr. G. zu den Akten zu nehmen, 
hat der Verteidiger mehrere Beweisergänzungsanträge gestellt. Dabei 
handelt es sich zum einen um den Antrag, Dr. G. als Zeugen einzuvernehmen. 
Zum andern wird der Beizug der Akten bezüglich der Suizidabklärungen zweier 
Kliniken betreffend E. sowie der Akten des Strafverfahrens gegen I. verlangt. Alle 
diese Beweisergänzungsanträge hätten bereits in der Berufung gestellt werden 
können, beziehen sie sich doch auf Tatsachen und Umstände, die bei Einreichung 
der Berufung bereits bekannt waren. Aus Art. 145 Abs. 3 StPO ergibt sich zwar, 
dass neue Beweisanträge im Berufungsverfahren grundsätzlich zulässig sind. 
Jedoch äussert sich das Gesetz im Abschnitt über die Berufung nicht zur Frage, 
bis zu welchem Zeitpunkt diese Anträge zu stellen sind. Gemäss Art. 144 Abs. 2 
StPO finden im Berufungsverfahren die Vorschriften über das Gerichtsverfahren 
(Art. 100 ff. StPO) Anwendung. Dies jedoch nur unter dem Vorbehalt, dass das 
Gesetz für das Berufungsverfahren selbst keine abweichenden Bestimmungen 
enthält. Zudem können die Vorschriften aus dem Gerichtsverfahren nur 
sinngemäss zur Anwendung gelangen. Die Anwendung von Art. 100 ff. StPO setzt 
also ein Zweifaches voraus: Zum einen dürfen im Abschnitt über die Berufung 
keine abweichenden Bestimmungen vorhanden sein und zum anderen muss die 
Ratio der Norm auch das Berufungsverfahren erfassen. Im Gerichtsverfahren ist 
die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt Beweisergänzungen beantragt werden 
können, ausdrücklich geregelt. Art. 117 Abs. 1 StPO hält fest, dass der 
Anklagevertreter, der Angeklagte und der Verteidiger bis zum Ende der 
Hauptverhandlung Beweisergänzungen und Augenscheine beantragen können. 
Diese Bestimmung ist jedoch klarerweise auf die Situation des erstinstanzlichen 
Verfahrens zugeschnitten. Nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat, 
erhält der Angeklagte zwar die Möglichkeit, allfällige Anträge auf Aktenergänzung 
zu stellen (Art. 103 StPO). Jedoch bringen sowohl die Anklagevertretung als auch 
die Verteidigung beziehungsweise der Angeklagte selbst ihre Argumente erst 
anlässlich der Hauptverhandlung vor der ersten Instanz zum ersten Mal vor. 
Sowohl die Anklagevertretung als auch die Verteidigung/der Angeklagte können 
daher erst in diesem Zeitpunkt von den tatsächlich ins Feld geführten Argumenten 
der Gegenseite Kenntnis nehmen. Es erscheint unter diesen Umständen richtig 
und wichtig, dass sowohl dem Angeklagten und seinem Verteidiger als auch der 
Vertretung der Anklage die Möglichkeit offen steht, zur Bekräftigung eigener und 
allenfalls Entkräftung fremder Argumente Beweisanträge stellen zu können, die 
sich gegebenenfalls erst nach Kenntnisnahme der Argumentation der Gegenpartei 
aufdrängen. Die Situation im Berufungsverfahren stellt sich dagegen völlig anders 
dar. Die Parteien haben anlässlich der Hauptverhandlung vor der ersten Instanz 

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ihre eigenen Argumente anbringen und die Argumente der Gegenseite zur 
Kenntnis nehmen können. Das erstinstanzliche Gericht hat bereits ein Urteil 
gefällt. In der Berufungsschrift kann sich diejenige Partei, die Berufung ergreifen 
will, zu allen Punkten des vorinstanzlichen Urteils frei und umfassend äussern und 
dazu Beweisanträge stellen. Die Gegenpartei erhält Gelegenheit, sich zu der 
Berufung und darin enthaltenen Beweisanträgen frei und umfassend zu äussern 
und eigene Beweisanträge zu stellen; zudem steht ihr die Möglichkeit offen, 
Anschlussberufung zu erheben. Zu Beweisanträgen in der Vernehmlassung 
und/oder zu der Anschlussberufung samt allfälligen Beweisanträgen kann sich 
wiederum der Berufungskläger völlig frei und umfassend äussern. Schliesslich 
kann sich auch der Anschlussberufungskläger zu Beweisanträgen in der 
Anschlussberufungsantwort frei und umfassend äussern. Bevor überhaupt eine 
Berufungsverhandlung durchgeführt wird, findet folglich ein Schriftenwechsel statt, 
in welchem die Parteien sich umfassend äussern und Beweisanträge stellen 
können. Sie kennen daher vor der Berufungsverhandlung bereits die 
Argumentation der Gegenseite und haben darauf schon reagieren können. In der 
Berufungsverhandlung geht es einzig noch darum, bereits aufgeworfene Fragen 
anhand der Befragung des Angeklagten zu erhellen und bereits vorgebrachte 
Argumente zu bekräftigen. Neue Begründungen, die nicht bereits in den 
Rechtsschriften enthalten sind, können grundsätzlich keine Beachtung mehr 
finden, sofern es sich nicht um echte Noven handelt (vgl. nachfolgend Erwägung 
8). Die Parteien sind in dieser Konstellation nicht darauf angewiesen, noch in der 
Berufungsverhandlung auf völlig neue oder bis dahin noch nicht geltend gemachte 
Argumentationen mit Beweisergänzungsanträgen reagieren zu können, soweit 
nicht echte Noven vorgebracht werden. Art. 117 Abs. 1 StPO kann demnach im 
Berufungsverfahren keine Anwendung finden, da die Ratio dieser Norm das 
Berufungsverfahren nicht erfasst. Beweisergänzungsanträge, die bereits im 
Zeitpunkt der Berufung gestellt werden können, sind somit in den Rechtsschriften 
zu stellen. Die vorliegend erst im Rahmen des Plädoyers gestellten 
Beweisergänzungsanträge sind mithin verspätet und es kann aus diesem Grunde 
nicht auf sie eingetreten werden. Aber selbst wenn auf sie eingetreten werden 
könnte, wären sie abzuweisen. Aus den Ausführungen der Verteidigung muss 
wohl geschlossen werden, dass Dr. G. sich zu einem Schreiben von Q. äussern 
sowie die Richtigkeit der Vorwürfe von E. auf der Grundlage seiner 
jahrzehntelangen therapeutischen Erfahrungen mit A. bewerten soll. Die 
Würdigung von Aussagen und Beweisen ist jedoch die ureigenste Aufgabe des 
Gerichts. Es kann und darf diese nicht delegieren. Wie bereits ausgeführt, wäre 
das Gericht in diesem Zusammenhang einzig auf den Beizug eines 

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(unabhängigen!) Sachverständigen angewiesen, wenn besondere Kenntnisse – 
zum Beispiel aus dem medizinischen Bereich – notwendig wären. Dass dem 
vorliegend so wäre, ergibt sich aus den Akten in keiner Weise und wird von der 
Verteidigung auch nicht geltend gemacht. Kommt hinzu, dass Dr. G.s 
Einschätzung der Aussagen von E. insofern von vornherein nur unvollständig sein 
könnte, als er nie mit E. selbst über die geltend gemachten Übergriffe gesprochen 
und auch keine Kenntnisse der Akten hat und somit vornehmlich auf die 
Äusserungen von A. angewiesen wäre. Die Einvernahme von Dr. G. erweist sich 
daher als unnötig und als untaugliches Beweismittel, weshalb der Antrag 
abzuweisen wäre. Dasselbe ist im übrigen zu dem Hinweis des Verteidigers im 
mündlichen Plädoyer zu sagen, A. habe Dr. G. das vorinstanzliche Urteil zur 
Verfügung gestellt und dieser werde sich zum angefochtenen Urteil äussern. Dr. 
G. kennt weder die Akten noch E. näher. Was er über die Familie C. und 
insbesondere E. weiss, stammt überwiegend von A. und wiederspiegelt damit 
zwangsläufig dessen Blickwinkel. Dr. G. ist seit vielen Jahren A.s Therapeut und 
damit nicht unabhängig und auch nicht neutral (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 13. 
August 2008, 6S.146/2008, E 3.2, mit Hinweisen). Im Weiteren ist die Würdigung 
von Aussagen und anderen Beweisen die ureigenste Aufgabe eines Gerichts, die 
es weder delegieren soll noch darf. Kommt hinzu, dass die Beweislage vorliegend 
klar und eindeutig dafür spricht, dass E.s Aussagen der Wahrheit entsprechen 
(vgl. Erwägung 10). In antizipierter Beweiswürdigung kann unter diesen 
Umständen in Abwägung sämtlicher relevanter Faktoren festgestellt werden, dass 
die Aussagen von Dr. G. daran nichts zu ändern vermöchten, gerade weil sie 
aufgrund des Therapieverhältnisses zwischen Dr. G. und A. sehr zurückhaltend zu 
würdigen wären. Auf eine Zeugeneinvernahme von Dr. G. kann daher verzichtet 
werden. Der Antrag wäre damit auch unter diesem Gesichtspunkt abzulehnen, 
selbst wenn er rechtzeitig gestellt worden wäre. Bezüglich des Beizugs der Akten 
über die Suizidabklärungen betreffend E. ergibt sich aus den Ausführungen der 
Verteidigung kaum, welche für den vorliegenden Fall wichtigen Erkenntnisse sich 
daraus ergeben sollten. Selbst wenn in den Akten der Kliniken nichts über 
Albträume und Sprechen im Schlaf festgehalten sein sollte, hiesse dies nämlich 
augenscheinlich nicht, dass E. nicht unter Albträumen gelitten und nicht im Schlaf 
gesprochen haben kann und dass ihre Partner diesbezüglich nicht die Wahrheit 
gesagt haben. Die Akten bezüglich der Suizidabklärungen würden daher nicht 
weiter helfen. Inwiefern im Übrigen für das vorliegende Verfahren von Bedeutung 
sein soll, ob die Lebensmüdigkeit von E. auch mit dem Verhalten von I. zusammen 
hängen könnte, ist schlicht nicht ersichtlich und wird vom Verteidiger auch nicht 
weiter ausgeführt. Es fehlt mithin an der notwendigen Substantiierung. Im Übrigen 

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hat E. sehr deutlich ausgeführt, dass sie sich wegen der unverarbeiteten sexuellen 
Handlungen ihres Vaters das Leben nehmen wollte (vgl. polizeiliche Einvernahme 
vom 12. Februar 2007, act. 3.3, S. 6 unten). Auch die verschiedenen SMS, welche 
E. ihrem Vater am 31. Januar 2007 aus der Klinik GG. geschickt hat (vgl. 
Auswertung Mobiltelefon A., act. 4.7), sowie die Aussagen von H. (polizeiliche 
Einvernahme vom 16. Februar 2007, act. 3.6, S. 3 ff.) und die Äusserungen von Q. 
gegenüber B. (polizeiliche Einvernahme B. vom 15. Februar 2007, act. 3.4, S. 2) 
lassen keinen Zweifel daran, dass der Klinikaufenthalt von E. mit den Folgen des 
sexuellen Missbrauchs zusammenhing. Der Beizug der Akten der verschiedenen 
Kliniken wäre unter diesen Umständen weder angezeigt noch notwendig, der 
Antrag wäre abzulehnen. Dasselbe ist bezüglich der Akten zum Strafverfahren 
gegen I. zu sagen. Zum einen ist die Aussage eines Zeugen nicht nach seiner 
Person zu bewerten, sondern nach ihrer inneren Überzeugungskraft. Die I. 
Strafkammer ist daher nicht darauf angewiesen, über die Person des Zeugen 
vertiefte Kenntnisse zu gewinnen, um seine Aussagen würdigen zu können. 
Kommt hinzu, dass die Aussagen von I. mit jenen von J. übereinstimmen. Gegen 
die Person von J. aber macht der Verteidiger in keiner Weise Vorbehalte. Zum 
andern finden sich überhaupt keine Anhaltspunkte, dass sich E. und I. bezüglich 
ihrer Aussagen abgesprochen haben könnten, was der Verteidiger in seinem 
mündlichen Vortrag aber als möglich angedeutet hat. Allein schon der Umstand, 
dass die Aussagen von I. eben mit denjenigen der übrigen Zeugen 
übereinstimmen (vgl. Erwägung 10c/cc), spricht klarerweise dagegen. Was der 
Verteidiger in seinem mündlichen Vortrag in diesem Zusammenhang an 
unbegründeten Vermutungen und äusserst vagen Eventualitäten vorgebracht hat, 
vermag daran von vornherein nichts zu ändern. Schliesslich hat der Verteidiger in 
seinem mündlichen Plädoyer noch geltend gemacht, aus den Akten des 
Strafverfahrens gegen I. wäre allenfalls ersichtlich, weshalb I. so zu Gunsten von 
E. ausgesagt habe. Auch diesbezüglich ist festzustellen, dass die Aussagen von I. 
mit dem übrigen Beweisergebnis übereinstimmen. Es besteht überhaupt keine 
Veranlassung, davon auszugehen, I. habe zu Gunsten von E. ausgesagt. Der 
Verteidiger begründet seinen diesbezüglichen Vorwurf denn auch nicht weiter. 
Allein aus dem Umstand aber, dass I.s Aussagen E.s Schilderungen stützen, kann 
nicht geschlossen werden, I. habe zu Gunsten von E. ausgesagt. Dies selbst unter 
der Annahme, zwischen E. und I. herrsche nicht das beste Einvernehmen, was 
das von E. gegen I. angestrengte Strafverfahren wegen Stalking nahe legen 
könnte. Ebenso wenig aber spricht allein der Umstand, dass die Aussagen von I. 
nicht im Sinne des Berufungsklägers ausgefallen sind, dafür, dass I. zu Gunsten 
von E. ausgesagt haben könnte. Unter diesen Umständen aber besteht keine 

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Veranlassung, die Strafakten aus dem Verfahren gegen I. wegen Stalking 
beizuziehen. Der entsprechende Antrag wäre daher abzuweisen, selbst wenn er 
rechtzeitig gestellt worden wäre. 

c) Die Verteidigung hat in ihrem Plädoyer weiter den Antrag gestellt, es 
seien die Filme, die sich bereits bei den Akten befinden, während der 
Berufungsverhandlung abzuspielen und dem Berufungskläger die Möglichkeit 
einzuräumen, sie zu kommentieren. Der Antrag auf Abspielen der Filme kann, wie 
der Antrag auf Verlesen von Aktenstücken, ohne weiteres noch in der 
Berufungsverhandlung gestellt werden. Ebenso steht es dem Berufungskläger 
klarerweise zu, sich zu den Beweismitteln zu äussern. Trotzdem ist der Antrag in 
antizipierter Beweiswürdigung abzulehnen. Als Vorbemerkung sei darauf 
hingewiesen, dass jeder Richter, wie vom Vorsitzenden anlässlich der 
Berufungsverhandlung explizit ausgeführt, die Akten bereits vor der 
Berufungsverhandlung studiert hat. Insofern haben die Richter die vorhandenen 
Beweismittel bereits zur Kenntnis genommen. Mit den Filmen und den 
Kommentaren von A. soll nun gemäss Verteidigung belegt werden, dass A. ein 
völlig normales Verhältnis zu seiner Tochter und zu seiner Familie hatte. Zunächst 
ist dazu zu sagen, dass es sich bei den Filmen offenbar um einen 
Zusammenschnitt mehrer Sequenzen aus privaten Filmen handelt, die zu 
verschiedenen Zeiten aufgenommen worden sind. A. hat die Filme anscheinend 
selbst zusammengeschnitten (vgl. Beschriftung der Videokassette, vorinstanzliche 
Akten, Beilage zu act. 12). Unter diesen Umständen aber ist die Möglichkeit nicht 
von der Hand zu weisen, dass A. für ihn ungünstige Szenen nicht in den 
Zusammenschnitt aufgenommen beziehungsweise nur aus seiner Sicht günstige 
Szenen verwendet hat. Dies relativiert die Aussagekraft der Filme offensichtlich 
von Beginn weg ganz erheblich. Daran würden auch Kommentare von A. nichts 
ändern. Im Weiteren ist festzustellen, dass es nicht als aussergewöhnlich zu 
betrachten wäre, wenn zwischen dem Täter und dem Opfer von sexuellen 
Handlungen mit Kindern, welche beide derselben Familie angehören, von aussen 
betrachtet eine unauffällige Beziehung bestehen würde. Wäre es anders, würden 
solche Fälle viel schneller oder überhaupt erst von Dritten bemerkt. Selbst wenn 
sich aus den Filmen und den Kommentaren von A. eine – zumindest nach Aussen 
hin – normale Beziehung zwischen ihm und seiner Tochter ergibt, hiesse dies 
mithin nicht, dass keine sexuellen Handlungen zwischen den beiden stattgefunden 
haben können. Dies insbesondere auch unter dem Aspekt, dass E. ausgesagt hat, 
sie habe das Verhalten ihres Vaters lange Zeit als völlig normal empfunden, da es 
immer schon so gewesen sei. Erst als sie in der zweiten oder dritten Klasse 

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gewesen sei, sei ihr bewusst geworden, was ihr Vater mit ihr mache (polizeiliche 
Einvernahme vom 12. Februar 2007, act. 3.3, S. 4 Mitte und S. 5 unten, 
untersuchungsrichterliche Konfronteinvernahme mit A. vom 23. Juli 2007, act. 
3.18, S. 12 oben). In den letzten Jahren hätten sie so getan, wie wenn nichts 
passiert wäre. Nach Aussen hin hätten sie ein gutes Verhältnis gehabt 
(untersuchungsrichterliche Konfronteinvernahme mit A. vom 23. Juli 2007, act. 
3.18, S. 15 unten). Gerade diese letzte Äusserung zeigt deutlich auf, dass 
sexuelle Handlungen stattgefunden haben können, auch wenn sich aus den 
Filmen zusammen mit den Kommentaren von A. nichts Auffälliges ergibt oder 
ergeben würde. Es ist eben gerade für Fälle von sexuellen Handlungen mit 
Kindern typisch, dass die Beteiligten ein Doppelleben führen und der Umgebung 
erfolgreich eine heile Welt vorspielen. Im Weiteren ist zu bedenken, dass es sich 
bei den Sequenzen immer nur um kurze Momentaufnahmen handelt, die zudem 
meist mehrere Wochen oder Monate auseinander liegen. Was sich in der 
Zwischenzeit und von der Kamera unbeobachtet abgespielt hat, kann aus diesen 
Sequenzen nicht zuverlässig geschlossen werden. Kommt hinzu, dass offenbar A. 
selbst die meisten der Filme gedreht hat, so dass er nur selten zu sehen ist und es 
auch nur zu wenigen Interaktionen zwischen Vater und Tochter kommt. Auch aus 
diesem Grund lassen sich aus den Filmen von vornherein kaum Rückschlüsse auf 
das tatsächliche Verhältnis zwischen Vater und Tochter ziehen. Daran vermöchten 
auch Kommentare von A. nichts zu ändern. All diese Überlegungen zeigen klar 
auf, dass aus den Filmen zusammen mit den Kommentaren von A. keine neuen, 
entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten sind. Der Antrag, die Filme 
während der Berufungsverhandlung vorzuspielen und A. dabei die Möglichkeit der 
Kommentierung einzuräumen, ist daher abzulehnen. 

d) Schliesslich stellt die Verteidigung in ihrem Plädoyer den Antrag, es sei 
A. eine Genugtuung auszurichten. Zur Begründung wird einzig angeführt, das 
Verfahren habe A. moralisch demoliert. Nach Art. 161 Abs. 1 StPO ist dem 
Angeschuldigten auf sein Begehren eine durch den Staat auszurichtende 
Entschädigung (Schadenersatz, Genugtuung) für Nachteile zuzusprechen, die er 
durch Untersuchungshandlungen erlitten hat, wenn er freigesprochen oder das 
gegen ihn geführte Verfahren eingestellt wird oder wenn sich eine ihm gegenüber 
durchgeführte Zwangsmassnahme als ungerechtfertigt erweist. Innert der 
Schranken der Verjährung und Verwirkung kann das Gesuch im Weiteren 
jederzeit gestellt werden (PKG 1996 Nr. 35; Padrutt, a.a.O., Ziff. 1.2 zu Art. 161 
StPO). Vorliegend nun wird A. weder freigesprochen (vgl. die nachfolgenden 
Erwägungen 9 ff.), noch wird das Verfahren eingestellt. Es wurden im Weiteren 

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während des ganzen Verfahrens keine Zwangsmassnahmen gegenüber A. 
durchgeführt. Es gebricht somit von vornherein an den Voraussetzungen für die 
Zusprechung einer Genugtuung. Darüber hinaus ist festzustellen, dass die 
Ausführungen der Verteidigung im Plädoyer zu der Genugtuung jedwelche 
substantiierte Begründung vermissen lassen. Es kann nicht genügen, einfach 
auszuführen, der Angeschuldigte sei durch das Verfahren moralisch demoliert 
worden. Vielmehr wäre es Aufgabe von A. gewesen, das Vorliegen der 
Genugtuungsvoraussetzungen substantiiert zu behaupten und so weit als möglich 
zu belegen (zu den Vorausserzungen vgl. Urteil des Kantonsgerichtsausschusses 
von Graubünden vom 26. Juli 2006, SB 06 29, mit Hinweisen; in diesem Entscheid 
wird zudem darauf hingewiesen, dass zur Ergänzung und Auslegung von Art. 161 
StPO subsidiär Art. 49 OR heranzuziehen ist). A. hätte mithin zum einen eine 
schwere Verletzung in den persönlichen Verhältnissen, eine ausserordentliche 
Kränkung substantiiert geltend machen müssen, die in ihrem Ausmass über die 
gewöhnliche Aufregung und Sorge, die mit einem Strafverfahren verbunden ist, so 
hinausgeht, dass sie einen besonderen Anspruch gegen den Staat zu begründen 
vermag. Zum andern hätte er den Kausalzusammenhang zwischen einer 
Untersuchungsmassnahme und der geltend gemachten Verletzung nachweisen 
müssen. Denn gemäss dem klaren und eindeutigen Wortlaut von Art. 161 StPO 
kann eine Genugtuung nur zugesprochen werden, wenn die behaupteten 
Nachteile durch eine Untersuchungsmassnahme hervorgerufen worden sind. 
Auswirkungen eines (erstinstanzlichen) Urteils und allenfalls darauf fussender 
Berichte in den Medien oder Aussagen von Familienmitgliedern gegenüber 
Dritten, die schon vor Eröffnung der Strafuntersuchung erfolgt sind, und deren 
Folgen können daher keine Genugtuung rechtfertigen, da sie nicht auf 
Untersuchungshandlungen zurückzuführen sind. A. unterlässt es nun aber 
gänzlich, substantiierte Ausführungen zum Beispiel zu beruflichen oder sozialen 
Auswirkungen der vorgenommenen Untersuchungshandlungen zu machen. Damit 
kommt er seiner Begründungspflicht in keiner Weise nach, weshalb auf das 
Begehren schon gar nicht eingetreten werden kann.

e) Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass die von der 
Verteidigung erst im Rahmen ihres Plädoyers anlässlich der 
Berufungsverhandlung gestellten Anträge abzulehnen sind, soweit auf sie 
überhaupt eingetreten werden kann.

8. Im mündlichen Plädoyer, welches der Verteidiger anlässlich der 
Berufungsverhandlung gehalten hat, finden sich einige Begründungen, die in der 
Berufungsschrift nicht enthalten sind und die auch nicht als nähere Ausführungen 

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zu einer bereits in der Rechtsschrift vorgebrachten Argumentation angesehen 
werden können. Es stellt sich die Frage, ob dies zulässig ist. 

a) Wie bereits festgehalten, ist die Berufung gemäss Art. 142 Abs. 1 StPO 
zu begründen und hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides 
oder Gerichtsverfahrens gerügt werden und ob das ganze Urteil oder nur Teile 
davon angefochten werden. Das Erfordernis der Begründung ist prozessual von 
erheblicher Wichtigkeit, denn Umfang und Inhalt der Prüfungsbefugnis der 
Berufungsinstanz richten sich nach dem Inhalt der Berufungsschrift, also nach 
dem Willen des Berufungsklägers. Die vom Gesetz vorgesehene 
Begründungspflicht dient somit dazu, die ordnungsgemässe, rationelle und 
ökonomische Abwicklung des Verfahrens zu gewährleisten. Es kann nicht von 
überspitztem Formalismus gesprochen werden, wenn am Erfordernis der 
Begründung festgehalten wird (vgl. PKG 1980 Nr. 31). Der vordringliche Zweck 
des Begründungserfordernisses liegt jedoch nicht darin, dem Gericht die Arbeit zu 
erleichtern. Es soll vielmehr der Rechtsmittelkläger dazu gebracht werden, sich mit 
dem angefochtenen Urteil auseinanderzusetzen. Es ist dem Richter nämlich nicht 
zuzumuten, dass er das Berufungsthema gewissermassen selber 
zusammensuchen muss. Daher ist etwa der Verweis auf früher vorgebrachte 
Argumente (zum Beispiel im Plädoyer vor der ersten Instanz) an Stelle einer 
Begründung in der Berufungsschrift nicht zulässig (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 368 f.). 
Weil sich als Folge der gesetzlichen Regelung ergibt, dass die Berufungsinstanz 
nur überprüfen darf, was in der Rechtsschrift des Berufungsklägers gerügt worden 
ist, kann eine (gänzlich oder teilweise) unterlassene Begründung nicht einfach 
anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung gewissermassen 
nachgeschoben werden. Anders entscheiden, also das Nachschieben weiterer 
Begründungen an der Berufungsverhandlung zulassen, hiesse, Art. 142 Abs. 1 
StPO auszuhebeln, weil die Frist zur („endgültigen“) Begründung der Berufung 
entgegen dem klaren Gesetzeswortlaut bis zur Berufungsverhandlung verlängert 
würde. Die Berufungsbegründung muss daher bereits in der Berufungsschrift 
vorgebracht werden. Art. 142 Abs. 2 StPO würde im vorliegenden Fall im Übrigen 
auch nicht weiterhelfen, da er nach konstanter Praxis nicht für Rechtsanwälte 
konzipiert ist sondern für Laien, welche keine oder eine unklare Begründung 
liefern (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 369). Hier kommt hinzu, dass die Berufungsschrift 
im vorliegenden Fall eine – zwar recht dürftige, aber in der Verantwortung des 
Verteidigers liegende – Begründung enthält. Es ist nicht Aufgabe des Gerichts und 
auch nicht der Sinn von Art. 142 Abs. 2 StPO, die Parteien auf mögliche weitere 
Argumente hinzuweisen. Die Parteien sind vielmehr völlig frei in ihrem Entscheid, 

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auf welche Argumente sie sich stützen und welche sie daher vorbringen wollen. 
Schliesslich ist noch zu sagen, dass eine Berufungsverhandlung nicht dazu da ist, 
allfällige Versäumnisse des Berufungsklägers oder seines Verteidigers 
nachzuholen. Sie ist auch keine Wiederholung der Verhandlung vor der ersten 
Instanz. Vielmehr bezweckt die mündliche Berufungsverhandlung, die bereits in 
der Berufungsschrift vorgetragenen Rügen, also umstrittene Fragen der 
Sachverhaltsermittlung und der Beweiswürdigung sowie umstrittene Rechtsfragen, 
anhand einer Befragung des Angeschuldigten noch zu erhellen. 

b) Aus einigen Bemerkungen in der Berufungsschrift geht hervor, dass der 
Verteidiger offenbar davon ausgegangen ist, die Begründung der Berufung sei – 
wie im Zivilprozess – hauptsächlich an der mündlichen Berufungsverhandlung 
vorzubringen. Diese unzutreffende Annahme des Verteidigers hilft jedoch nicht, 
denn sie ändert nichts an der Tatsache, dass die Begründung gemäss Gesetz 
bereits in der Berufungsschrift enthalten sein muss, was sich klar aus Art. 142 
Abs. 1 StPO ergibt. Auf diejenigen Argumente, die sich vorliegend nur aus dem 
mündlichen Vortrag ergeben, muss daher grundsätzlich nicht näher eingegangen 
werden, da sie verspätet geltend gemacht worden sind. Dies trifft zum Beispiel auf 
das Argument der Verteidigung zu, E. habe während ihrer Teenagerjahre hunderte 
von Büchern gelesen, die alle in dieselbe Richtung gegangen seien, und sie habe 
sich bei ihren Vorwürfen und Tagebucheintragungen an diesen Büchern orientiert. 
Ebenso betrifft es das Argument, die von der Vorinstanz E. zugesprochene 
Genugtuung sei zu hoch ausgefallen, da die Vorinstanz von einem zu hohen 
Einkommen und Vermögen von A. ausgegangen sei. Lediglich nebenbei sei aber 
doch bemerkt, dass die Leistungsfähigkeit des Verpflichteten bei der Bemessung 
der Genugtuung keine Rolle spielt, so dass das Argument der Verteidigung zum 
vornherein aussichtslos gewesen wäre, selbst wenn es rechtzeitig vorgebracht 
worden wäre. Auch auf weitere, allein im mündlichen Vortrag des Verteidigers an 
der Berufungsverhandlung vorgebrachte Argumente muss grundsätzlich nicht 
weiter eingegangen werden.

9. In einem ersten Punkt wird A. von der Staatsanwaltschaft 
Misswirtschaft vorgeworfen. Die Vorinstanz hat diesen Straftatbestand als erfüllt 
erachtet. A. wendet nun in der Berufung ein, der subjektive Tatbestand sei nicht 
gegeben.

a) Der Schuldner, der in anderer Weise als nach Art. 164 StGB durch 
Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende Kapitalausstattung, 
unverhältnismässigen Aufwand, gewagte Spekulationen, leichtsinniges Gewähren 

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oder Benützen von Kredit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge 
Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder Vermögensverwaltung seine 
Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit 
herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage 
verschlimmert, wird, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein 
Verlustschein ausgestellt worden ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 
Geldstrafe bestraft (Art. 165 Ziff. 1 StGB). Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit 
eines Unternehmens können insbesondere durch nachlässige Berufsausübung 
oder Vermögensverwaltung herbeigeführt oder verschlimmert werden. Einer der 
häufigsten Fälle stellt dabei der Mangel an Fachkenntnissen dar. Misswirtschaft ist 
daher auch beim sogenannten Übernahmeverschulden anzunehmen, das in der 
Übernahme von Organpflichten trotz fehlender Geschäftserfahrung, 
Fachkenntnissen und finanziellen Grundlagen besteht (Brunner, Basler 
Kommentar, N 39 zu Art. 165 StGB). Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB kann 
nicht nur durch Vorsatz oder Eventualvorsatz, sondern auch durch grobe 
Fahrlässigkeit begangen werden. Eine Schädigungsabsicht gehört jedoch nicht 
zum subjektiven Tatbestand (Brunner, a.a.O., N 49 zu Art. 165 StGB). 

b) Unbestrittenermassen wurde über die D. (nachfolgend: D.) am 7. Juni 
2005 der Konkurs eröffnet (act. B.2.5.2). Damit ist die objektive 
Strafbarkeitsbedingung gemäss Art. 165 StGB erfüllt. A. hat in den Einvernahmen 
(polizeiliche Einvernahme vom 18. Juli 2006, act. A.6.6, S. 3; 
untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 22. Januar 2007, act. A.6.10, S. 7 
und S. 8 unten), an der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz (angefochtenes 
Urteil, act. 1.52, S. 10 N F7), in der Berufung (act. 01, S. 4) und auch anlässlich 
der Berufungsverhandlung betont, dass er keine buchhalterischen Kenntnisse 
habe. Sowohl bei den Einvernahmen (untersuchungsrichterliche Einvernahme 
vom 22. Januar 2007, act. A.6.10, S. 6 und S. 8 Mitte) als auch in der Berufung 
(act. 1, S. 4) hat er zudem ausgeführt, er habe auch nicht über die für einen 
Verwaltungsrat notwendigen Kenntnisse verfügt. A. hat mithin das Amt eines 
Verwaltungsratspräsidenten, dem zugleich die Geschäftsführung oblag, 
übernommen, obwohl er die dazu notwendigen Kenntnisse nicht hatte. Er hat im 
Weiteren offenbar auch keine Anstrengungen unternommen, sich das dringendst 
notwendige Wissen anzueignen, indem er zum Beispiel Kurse besucht, sich 
eingelesen oder professionellen Rat eingeholt hätte. Im Gegenteil, er hat den Rat 
Dritter, die sich mit der Geschäftsführung einer AG und den Aufgaben eines 
Verwaltungsrates durchaus auskannten, in den Wind geschlagen. So hat die 
Raiffeisenbank KK. in ihrem Schreiben vom 24. Juli 2001 darauf hingewiesen, 

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dass die Debitoren fleissig bewirtschaftet werden müssten, da offenbar noch 
Rechnungen aus den Jahren 1998 und folgende offen waren (act. A.3.41). A. hat 
diesen Rat anscheinend kaum befolgt, obwohl die D. gemäss Schreiben der 
Raiffeisenbank dringend auf liquide Mittel angewiesen war (act. A.3.41). Auch S., 
die für die D. längere Zeit die Buchhaltung führte, stellte gegenüber der Polizei 
fest, dass die Debitorenbewirtschaftung zu wünschen übrig gelassen habe. A. 
habe ihr gesagt, welche Debitoren zu mahnen seien, wobei man bezüglich 
Zahlungsfristen ziemlich grosszügig gewesen sei (act. A.6.7, S. 2 unten; siehe 
auch die Aussage von R. gegenüber der Polizei am 12. Juli 2006, es sei wegen 
der offenen Debitoren mit A. jedes Mal ein „richtiges Gstürm“ gewesen, act. A.6.5, 
S. 2). A. befolgte den Rat der Bank mithin gar nicht oder höchstens halbherzig und 
sehr zögerlich, obwohl die Liquidität der D. nach Aktenlage von Beginn weg 
angespannt war. In ihrem Schreiben hat die Raiffeisenbank weiter mit deutlichen 
Worten darauf hingewiesen, dass dringendst professioneller Rat einzuholen sei 
(act. A.3.41). Dieser Forderung ist A. gemäss Aktenlage ebenso wenig 
nachgekommen (vgl. auch die diesbezügliche Aussage von S. vom 21. Juli 2006, 
act. A.6.7, S. 3). R., Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank KK., hielt in 
seiner polizeilichen Einvernahme denn auch fest, sie hätten schon Kunden 
gehabt, die sie mit straffer Führung aus einer solchen Situation hätten retten 
können. A. habe aber ihre Anweisungen nicht befolgt (act. A.6.5, S. 3 unten). Und 
S. hielt gegenüber der Polizei fest, wenn jemand A. „auf die Füsse gestanden“ sei, 
so habe er diesen nicht mehr gewollt. Angefangen habe dies mit F. und später mit 
der T. GmbH als Revisionsstelle (act. A.6.7, S. 3 Mitte). A. war offenbar nicht 
gewillt, Rat anzunehmen, der sich nicht mit seiner Sicht der Dinge vertrug. Anstatt 
sich mit der tatsächlich gegebenen Situation auseinanderzusetzen und 
Lösungsvorschläge von berufener Seite zu akzeptieren und umzusetzen, hat er 
anscheinend lieber die Schuld bei anderen gesucht (vgl. polizeiliche Einvernahme 
von R. vom 12. Juli 2006, act. A.6.5, S. 2; polizeiliche Einvernahme von S. vom 
21. Juli 2006, act. A.6.7, S. 4 oben; polizeiliche Einvernahme von F. vom 28. Juli 
2006, act. A.6.9, S. 8). A. war nach Wahrnehmung von Dritten mit der Führung der 
AG überfordert (polizeiliche Einvernahme von S. vom 21. Juli 2006, act, A.6.7, S. 
3; polizeiliche Einvernahme von F. vom 28. Juli 2006, act. A.6.9, S. 8 und 
polizeiliche Einvernahme vom 18. März 2005, act. A.6.1, S. 3 unten; polizeiliche 
Einvernahme von R. vom 12. Juli 2006, act. A.6.5, S. 2 und 3). Die Sachlage stellt 
sich mithin so dar, dass A. das Amt als Verwaltungsratsvorsitzender, der auch die 
Geschäftsführung inne hatte, übernahm, obwohl er keine buchhalterischen 
Kenntnisse hatte und obwohl ihm auch sonst das Wissen über die Aufgaben und 
Pflichten eines Verwaltungsrates fehlte. Er bildete sich auf diesen Gebieten auch 

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nicht weiter. Ebenso wenig aber war er bereit, Rat von Personen anzunehmen, die 
sowohl über Wissen bezüglich der Führung einer Unternehmung verfügten, als 
auch über die Situation der D. Bescheid wussten. A. war aufgrund fehlender 
Qualifikation und der Weigerung, professionelle Hilfe anzunehmen, nicht in der 
Lage, die mit dem Amt des Verwaltungsratspräsidenten übernommenen 
Verpflichtungen mit der nötigen Sorgfalt zu erfüllen. Damit aber erfüllte er die 
objektiven Voraussetzungen eines Übernahmeverschuldens in optima forma, was 
die Vorinstanz völlig zu Recht erkannt hat. In subjektiver Hinsicht ist festzustellen, 
dass sich A. durchaus bewusst war, dass ihm die notwendigen Kenntnisse fehlten 
beziehungsweise dass er sich nicht weiter darum gekümmert hatte, was die 
Aufgaben und Pflichten eines Verwaltungsratspräsidenten sind. Auch hat er ohne 
Zweifel bewusst und gewollt auf professionelle Hilfe verzichtet beziehungsweise 
professionellen Rat nicht angenommen, wenn er ihm doch angeboten wurde. 
Trotzdem hat er das verantwortungsvolle Amt eines Verwaltungsratspräsidenten 
übernommen und mehrere Jahre ausgeführt, obwohl sich klar abzeichnete, dass 
ein sachkundiges Eingreifen notwendig wäre, um die AG wieder auf Kurs zu 
bringen. Damit aber hat A. in gravierendem Masse gegen die ihm obliegenden 
Sorgfaltspflichten verstossen, was wiederum dazu führt, dass sein Handeln als 
grob fahrlässig zu qualifizieren ist. Es ist ihm mithin schon für den Zeitpunkt der 
Übernahme des Mandats als Verwaltungsratspräsident ein 
Übernahmeverschulden vorzuwerfen, eine grob fahrlässige Sorgfaltswidrigkeit. 
Durch seine Unkenntnis und fehlende Qualifikation und durch seine Weigerung, 
Hilfe anzunehmen, hat er ohne Zweifel die Überschuldung der D. zumindest 
verschlimmert. Dass er daneben auch die formellen Aufgaben eines 
Verwaltungsrates nur unzulänglich wahrgenommen hat, indem er es zum Beispiel 
unterliess, dem Handelsregister den Rücktritt der T. GmbH als Revisionsstelle 
mitzuteilen, sofort eine neue Revisionsstelle zu wählen und ins Handelsregister 
eintragen zu lassen sowie die Jahresrechnungen der Jahre 2002 und 2003 der 
Generalversammlung zur Genehmigung vorzulegen, bestätigt die mangelnde 
Qualifikation beziehungsweise die deutliche Überforderung von A.. Schliesslich sei 
noch erwähnt, dass nach Rechtsprechung des Bundesgerichts die Verletzung der 
Pflichten des Verwaltungsrats einer AG, insbesondere die Unterlassung der 
Überschuldungsanzeige, eine nachlässige Berufsausübung im Sinne von Art. 165 
StGB darstellt (Urteil des Bundesgerichts vom 21. März 2006, 6S.1/2006, E 8.1, 
mit Hinweisen). Es hätte sich A. bei umsichtiger und sorgfältiger Geschäftsführung 
und insbesondere bei dem von ihm zugestandenen Wissen, dass das Warenlager 
zu hoch bewertet war (polizeiliche Einvernahme vom 18. Juli 2006, act. A.6.6, S. 
6; untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 22. Januar 2007, act. A.6.10, S. 6 

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und 9), mit fortschreitendem Niedergang des Geschäfts eine Bilanzierung zu 
Liquidations- und nicht mehr zu Fortführungswerten geradezu aufgedrängt, so 
dass bereits mit der Bilanz für das Jahr 2003 klar geworden wäre, dass eine 
Überschuldung vorlag und nach Art. 725 Abs. 2 OR der Richter hätte 
benachrichtigt werden müssen. Aus diesen Überlegungen ergibt sich deutlich, 
dass sich A. wegen Übernahmeverschuldens beziehungsweise wegen einer 
nachlässigen Berufsausübung der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 StGB 
schuldig gemacht hat. Die Ausführungen in der Berufung vermögen daran nichts 
zu ändern. Vielmehr bestätigen sie noch einmal, dass A. nicht über die 
notwendige Qualifikation verfügte, um die D. zu leiten, und dass ihm dies 
durchaus bewusst war. Auch aus dem Umstand, dass der Vater von A. und der 
damalige Treuhänder vor der Übernahme des Verwaltungsratsmandates durch A. 
nach dessen Aussagen über die fehlenden Kenntnisse und die angeschlagene 
Gesundheit von A. im Bilde gewesen seien, kann A. nichts zu seinen Gunsten 
ableiten. Denn es war nicht am Treuhänder oder am Vater, A. von diesem Schritt 
abzuhalten. Vielmehr hätte es an A. gelegen, die richtige Entscheidung zu treffen. 
Kommt hinzu, dass gerade der damalige Treuhänder, F., nach Aktenlage sehr 
deutlich seine Befürchtungen und Bedenken bezüglich der Führung der AG durch 
A. geäussert hat (Schreiben an U. vom 14. September 1999, act. B.2.3.3; 
polizeiliche Einvernahme von A. vom 18. Juli 2006, act. A.6.6, S. 4 Mitte). Dies hat 
nach Ansicht von S. ja gerade dazu geführt, dass F. beziehungsweise dessen 
Firma das Treuhandmandat entzogen wurde. Dem Treuhänder nun vorzuwerfen, 
er habe A. gewissermassen dazu gedrängt beziehungsweise er habe ihn 
überredet, das Verwaltungsratsmandat zu übernehmen, erscheint unter diesen 
Umständen völlig abwegig. Und schliesslich ergibt sich aus den Akten, dass es 
nicht die (angeblich) fehlenden Informationen von Vater und Treuhänder waren, 
die die D. in ihre schwierige Lage brachten, sondern die Weigerung von A., sich 
helfen zu lassen beziehungsweise Rat von dritter Seite anzunehmen und 
umzusetzen. Damit steht fest, dass sich A. der Misswirtschaft gemäss Art. 165 
StGB schuldig gemacht hat, weshalb die diesbezügliche Verurteilung durch die 
Vorinstanz zu Recht erfolgte. Die Berufung ist in diesem Punkt abzuweisen. 

10. Die Staatsanwaltschaft Graubünden wirft A. in einem zweiten Punkt 
vor, sexuelle Handlungen gegenüber seiner Tochter E. vorgenommen zu haben. 
Der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos ist nach eingehender 
Beweiswürdigung zum Schluss gelangt, dass sich der zu beurteilende Sachverhalt 
so abgespielt hat, wie er von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift 
geschildert wird. Demgegenüber bestreitet A. den ihm von der Staatsanwaltschaft 

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und der Vorinstanz zur Last gelegten Sachverhalt vollumfänglich und beantragt, er 
sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Ausgehend von den Rügen des 
Berufungsklägers gilt es daher im Folgenden zu prüfen, ob die Vorinstanz zu 
Recht zu der Überzeugung gelangt ist, dass A. den Tatbestand der sexuellen 
Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB verwirklicht hat. Anlässlich 
dieser Prüfung ist eine Würdigung der vorliegenden Beweismittel vorzunehmen 
und gestützt darauf zu beurteilen, ob die Sachverhaltsdarstellung von A. oder der 
Staatsanwaltschaft beziehungsweise der Vorinstanz überzeugend erscheint, 
wobei das Gericht nach Art. 144 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 
StPO auch im Berufungsverfahren nach freier Überzeugung zu entscheiden hat.

a) Wie für Delikte gegen die sexuelle Integrität nicht unüblich, gibt es 
vorliegend keine Augenzeugen. Damit steht die Aussage des Opfers im 
Mittelpunkt. Es gilt daher, die Aussage von E. einer genauen Prüfung zu 
unterziehen. Gegenüber der Polizei hat E. bezüglich der Übergriffe ausgeführt, ihr 
Vater habe sie sexuell missbraucht, soweit sie sich zurückerinnern könne. Sie 
könne nicht genau sagen, wann es begonnen habe, es sei einfach immer da 
gewesen. Er habe sie mit seinen Fingern oder mit seiner Zunge am 
Geschlechtsteil berührt. Er habe immer vom „Kitzler“ erzählt, dass dies für eine 
Frau sehr schön sei. Er habe sie mit den Fingern am Geschlechtsteil berührt und 
dabei gefragt, ob ihr das gefalle. Dasselbe habe er auch mit der Zunge gemacht. 
Auf die Frage, ob der Vater bei diesen sexuellen Handlungen erregt gewesen sei, 
antwortete sie ja, er habe jeweils ein steifes Glied gehabt. Ob es zum 
Samenerguss gekommen ist, wusste sie nicht. Ab und zu habe der Vater auch an 
seinem Glied herumgemacht, wenn er sie berührt habe. Sie habe im Kajütenbett 
oben geschlafen, ihr Bruder unten. Der Vater sei jeweils ins Zimmer gekommen 
und habe ihnen Gutenachtgeschichten erzählt, während er mit seinen Fingern an 
ihrem Geschlechtsteil herumgespielt habe. Meistens habe er sich zu ihr ins Bett 
gesetzt. Als sie dann ein eigenes Bett im selben Zimmer mit ihrem Bruder gehabt 
habe, habe der Vater angefangen, direkt in ihr Bett einzusteigen. Er habe sie und 
sich selbst jeweils abgezogen. Dann habe er sie auf sich gelegt. Er habe jeweils 
darauf hingewiesen, wie schön die Haut aneinander klebe. Sie habe sein 
erigiertes Geschlechtsteil mit ihren Beinen einklemmen müssen. Auf die Frage, ob 
ihr Vater sie vergewaltigt habe, antwortete sie klar mit nein. Als sie dann älter 
gewesen sei und das „Bravo“ gelesen habe und er sie wieder nackt auf sich 
gehoben habe, habe sie sich auf und ab bewegt. Er habe dann gesagt: „Hör auf, 
spinnst du. Vergewaltigen tue ich dich nicht“. Soweit sie sich daran erinnern 
könne, habe er sie dann eine Zeit lang in Ruhe gelassen, habe sie nur mit Worten 

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belästigt. Er habe immer sein erigiertes Glied an ihre Scheide gehalten und daran 
gerieben. Ob er zum Samenerguss gekommen sei, könne sie sich nicht mehr 
erinnern. Er habe einmal etwas von klebrigem Zeug gesagt. Es sei immer so 
abgelaufen, dass er sie und sich nackt ausgezogen habe, dann habe er mit seinen 
Fingern oder mit seiner Zunge an ihrem Geschlechtsteil herumgespielt und dann 
habe er sein erigiertes Glied an ihre Scheide gehalten. Sie hätten auch ein 
Zeichen gehabt, mit dem ihr Vater ihr gezeigt habe, dass er wieder an ihr 
Geschlechtsteil wolle. Für sie sei dies in jenem Zeitpunkt normal gewesen. 
Deshalb habe sie auch ihren Vater mit diesem Zeichen aufgefordert, sie an ihrem 
Geschlechtsteil zu berühren, was er dann auch getan habe. Er habe jeweils zu ihr 
gesagt, ihre Mutter sei so kalt zu ihm. Als sie grösser gewesen sei, habe er seine 
Tat damit begründet, dass er ihr die Angst vor diesen Sachen habe nehmen 
wollen. Nachdem sie sich auf ihm bewegt habe, habe er sie längere Zeit nicht 
mehr berührt. Sie könne sich allerdings noch daran erinnern, dass sie ins Haus 
hinein gegangen sei und ihr Vater plötzlich vor ihr gestanden sei. Er sei mit einer 
Hand an ihre Brust gegangen. Er habe zu ihr gesagt, er wolle nur schauen, wie 
ihre Brüste gewachsen seien. In diesem Augenblick sei eine Kollegin von ihr 
herein gekommen. Sie habe diese Kollegin kürzlich gefragt, aber diese könne sich 
an den Zwischenfall nicht mehr erinnern. Sie sei damals mindestens 12 Jahre alt 
gewesen. Immer wenn sie sich gesehen hätten, habe er sie umarmt und „Hoi, 
meine Prinzessin“ gesagt. Er habe sie immer sehr fest an sich gedrückt. Sie habe 
immer geschaut, dass er sie unten nicht zu nahe an sich gedrückt habe. Sei habe 
immer die Arme angezogen und versucht abzuwehren, damit er sie nicht ganz an 
sich gedrückt habe. Auch habe sie immer geschaut, dass er sie unten nicht ganz 
an sich herangezogen habe. Wenn er dies gemacht habe, habe sie sich ganz 
versteinert gefühlt. Als ihr Bruder sexuell missbraucht worden sei, sei ihr Vater 
sehr bestürzt gewesen, habe geweint und gefragt, wie man einem Kind so etwas 
antun könne. Sie sei daneben gesessen und habe die Welt nicht mehr verstanden, 
als er so reagiert habe. Ihre Mutter habe jeweils im Elternschlafzimmer 
geschlafen, wenn es passiert sei, und habe nie etwas mitbekommen. Sie habe 
auch nie mit ihr darüber gesprochen. Sie habe einfach Angst gehabt, habe 
Wutausbrüche bekommen und sich selbst geschlagen. Als sie dann in der 2. oder 
3. Klasse gewesen sei, habe sie erst angefangen zu merken, was der Vater mit ihr 
mache. Sie habe wie zwei Leben in sich gehabt. Nach aussen sei sie sehr offen 
und innerlich verletzt gewesen. Sie sei immer alleine mit diesem Problem 
gewesen, was dazu geführt habe, dass sie angefangen habe sich zu hassen. Sie 
habe sich nicht mehr anschauen und berühren können. Sie habe sogar 
angefangen, sich mit einer Rasierklinge am Arm zu verletzen. Sie sei damals in 

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der 4. oder 5. Klasse gewesen. Anschliessend beschrieb sie, was am 31. Januar 
2007 geschehen war. Sie gab die SMS wieder, welche sie aus der Klinik GG. an 
A. gesendet hatte, sowie seine Antworten darauf. Schliesslich hielt sie fest, er 
habe immer so getan, als wäre nie etwas passiert. Auf die Frage, warum sie sich 
erst jetzt entschieden habe, ihren Vater zur Anzeige zu bringen, antwortete sie, sie 
habe von der Opferhilfestelle während des letzten Jahres eine Therapeutin zur 
Verfügung gestellt bekommen. Das Ganze habe nun reifen müssen, bis zu dem 
Moment, als sie sich deswegen das Leben habe nehmen wollen (act. 3.3). In der 
untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahme mit A. hat E. auf die Frage, 
warum sie Strafanzeige gegen ihren Vater erstattet habe, ausgeführt, weil er 
solche Sachen mit ihr gemacht habe. Er sei mit der Zunge zwischen den Beinen 
gewesen. Sie wisse nicht, wie sie es sagen solle. Sie könne ein Beispiel erzählen. 
Als sie einmal im Bett gewesen sei, sei er ins Zimmer gekommen, habe sich auf 
das Bett gelegt und sie auf ihn drauf. Er habe gesagt, es sei schön, wenn die Haut 
aneinander klebe. Sie habe ein Nachthemd angehabt, welches er 
hinaufgeschoben habe. Er habe seine Unterhose vor dem Bett ausgezogen und 
sei nackt gewesen. Dies sei häufiger vorgekommen. Einmal, als sie auf ihrem 
Vater drauf gewesen sei, habe sie sich bewegt. Sie habe gedacht, dass sie nun 
wisse, was er wolle. Er habe sie an den Schultern gepackt und gesagt, sie solle 
aufhören, er würde sie nicht vergewaltigen. Auf die Frage, was sie damit gemeint 
habe, als sie gesagt habe, sie habe gedacht, sie wisse, was er wolle, antwortete 
sie, sie habe damals das Bravo gelesen und gedacht, er wolle vielleicht Sex. Sie 
wisse auch nicht, wie oft dies vorgekommen sei. Wenn sie sich zurück erinnere, 
könne sie sich eigentlich nur an diese Sachen erinnern. Es sei eigentlich immer 
gewesen. Das mit der Zunge sei auch recht viel passiert. Sie hätten so ein 
Zeichen gehabt. Sie habe damals nicht gewusst, dass es falsch sei. Sie wisse nur, 
dass sie einmal auf dem Kajütenbett geses