# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85b99278-556c-5242-9932-e7235ccb6ac4
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-07-02
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 02.07.2019 SB180468
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180468_2019-07-02.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB180468-O/U/ad-cs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, und lic. iur. Stiefel, die 

Oberrichterin lic. iur. Schärer sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. 

Samokec 

 

Urteil vom 2. Juli 2019 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X_____. 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, Unt.Nr. 2016/10010666, vertreten 
durch Staatsanwältin lic. iur. Baumgartner, Anklägerin,  

Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

B._____, c/o C._____,  
 

Privatklägerin 

- 2 - 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y1._____, c/o Y2._____ 

 

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, 1. Abteilung, vom 
16. Januar 2018 (DG170007) 
 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 4. August 

2017 (Urk. D1/28) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Beschluss der Vorinstanz: 

1. Der Beweisantrag des Verteidigers des Beschuldigten, es sei die Privatklä-

gerin erneut vor Schranken einzuvernehmen, wird abgewiesen. 

2. Der Beweisantrag des Verteidigers des Beschuldigten, es sei Dr. phil. 

D._____ als Zeugin einzuvernehmen, wird abgewiesen. 

3. Der Antrag der Vertreterin der Privatklägerin, es sei der Privatklägerin die 

unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, wird abgewiesen. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 
− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB, 
− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 

Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 3 StGB, 
− der mehrfachen Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 1, Abs. 4 und 

Abs. 5 StGB sowie 
− der mehrfachen Gewaltdarstellungen im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis 

StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 660 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden 

sind. 

3. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.  

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4. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 

StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet. Der Vollzug der 

Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.  

5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 6. April 2016 beschlag-

nahmten Gegenstände werden eingezogen und der zuständigen Lagerbe-

hörde (Kantonspolizei Zürich, Fw E.______, EG-SK) zur Vernichtung über-

lassen. 

6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

2. Dezember 2016 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und 

der zuständigen Lagerbehörde (Kantonspolizei Zürich, FOR-Asservate Tria-

ge) zur Vernichtung überlassen. 

7. Die Datensicherung 0238-2016, U-Nr. B-5/2016/10010666, ist nach Eintritt 

der Rechtskraft dieses Urteils der Kantonspolizei Zürich, Dienststelle ITB-

DF, zur Löschen bzw. Vernichtung zu überlassen. 

8. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der 

Privatklägerin B._____ im Betrag von Fr. 7'863.–, nebst Zins zu 5% seit 

1. Januar 2017, anerkannt hat. 

9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist und seine weitere Schadenersatzpflicht (namentlich für die 

weiteren Therapien, worunter auch explizit eine Reittherapie fällt) ausdrück-

lich anerkennt . Zur genauen Feststellung des Umfanges dieses Schadener-

satzanspruches wird die Privatklägerin B._____ auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 80'000.– 

(allfällige MwSt. inbegriffen) als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

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11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 15'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 12'000.–   Gebühr für das Vorverfahren, 

Fr. 12'037.20   Auslagen (Gutachten), 

Fr. 965.–   Auslagen 

Fr. 234.75   Auslagen (Gutachten) 

Fr. 3'390.–   Auslagen Polizei 

Fr. 70.–   Entschädigung Zeuge 

Fr. 30'509.40 
  Entschädigung amtliche Verteidigung ab 28. März 2016  

(inkl. Auslagen und 8% bzw. 7.7% [ab 1. Januar 2018] 
MwSt.) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten 

auferlegt. 

13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO. 

14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Ver-

fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.) zu bezah-

len. 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 107; Urk. 143 S. 1 f. i.V.m. Prot. II S. 46) 

1. Herr A._____ sei schuldig zu sprechen der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1, 2, 3 StGB), der mehr-

fachen Pornographie (Art. 197 Abs. 1, 4 und 5 StGB) und hinsichtlich 

der Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1bis StGB). 

2. Herr A._____ sei von den übrigen Vorwürfen freizusprechen: mehrfa-

che Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB und mehrfache 

sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB. 

3. Er sei zu bestrafen mit 36 Monaten Freiheitsstrafe abzüglich der bereits 

erstandenen Haft. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten aufzu-

schieben und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Im Übrigen (18 

Monate) sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen. 

5. Herr A.______ sei zu verpflichten, eine Genugtuung von Fr. 20'000.– 

zu leisten, im Mehrbetrag sei das Genugtuungsbegehren abzuweisen. 

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ein-

schliesslich der Verteidigungskosten und derjenigen der allfälligen un-

entgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, seien Herr A._____ 

aufzuerlegen, zufolge offenkundiger Uneinbringlichkeit aber abzu-

schreiben. 

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:  

(Urk. 144 S. 1) 

"1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon vom 16. Januar 2018 sei im 

Schuldpunkt 

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 - mehrfache Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 

 - mehrfache sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 
StGB, 

 - mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 3 StGB, 

 - mehrfache Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 1, Abs. 4 
und Abs. 5 StGB sowie 

 - mehrfache Gewaltdarstellungen im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis 
StGB 

zu bestätigen und der Beschuldigte sei hierfür mit einer Freiheitsstrafe von 
13 Jahren und einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB 
während des Vollzugs der Freiheitsstrafe zu bestrafen, unter Anrechnung 

der erstandenen Haft." 

c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft: 

(Urk. 142 S. 2, Urk. 145 S. 1 und Prot. II S. 45; sinngemäss) 

 Es sei das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich in allen Punkten – im 

Schuldpunkt sowie in den Zivilpunkten – zu bestätigen. 

 Demgemäss sei der Beschuldigte auch der mehrfachen Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung 

im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

 Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 80'000.– als Ge-

nugtuung zu bezahlen. 

 Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, die der Privatklägerin entstehenden 

Kosten für die Geschädigten-Vertretung im Berufungsverfahren SB180468 

zu übernehmen. 

 Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschuldigten. 

 

- 8 - 

Erwägungen: 

I.  

1.1 Mit Urteil vom 16. Januar 2018 sprach das Bezirksgericht Pfäffikon, 1. Abtei-

lung, den Beschuldigten der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuel-

len Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen 

Pornographie und der mehrfachen Gewaltdarstellung schuldig, bestrafte ihn mit 

10 Jahren Freiheitsstrafe und ordnete eine vollzugsbegleitende ambulante Mass-

nahme an. Ferner entschied es über die Verwendung beschlagnahmter Gegen-

stände, über die Zivilforderungen der Privatklägerin und regelte die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen (Urk. 106 S. 100 ff.).   

1.2 Am 26. September 2018 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil u.a. 

an die Parteien (Urk. 101/1-3), worauf der Beschuldigte mit Eingabe vom 1. Okto-

ber 2018 rechtzeitig Berufung anmeldete (Urk. 98; Art. 399 Abs. 1 StPO) und der 

erkennenden Kammer gleichentags fristwahrend die schriftliche Berufungserklä-

rung einreichte (Urk. 107; Art. 399 Abs. 2 i.V.m. Art. 90 StPO). Die Staatsanwalt-

schaft erklärte unter dem 9. November 2018 innert der mit Präsidialverfügung 

vom 29. Oktober 2018 angesetzten Frist Anschlussberufung (Urk. 111 f.; 

Urk. 113). Die Privatklägerin erhob keine solche.  

2. Mit Beschluss vom 23. November 2018 (Urk. 118) schloss die erkennende 

Kammer auf Antrag der Privatklägerin (Urk. 114) die Publikumsöffentlichkeit von 

der Berufungsverhandlung aus und liess die akkreditierten Gerichtsberichterstat-

ter unter Auflagen zu dieser zu. Mit Verfügung vom 8. Februar 2019 (Urk. 121) 

ordnete der Präsident der erkennenden Kammer auf Antrag des Beschuldigten 

(Urk. 107 S. 2) sodann die Einvernahme der Therapeutin der Privatklägerin, 

Dr. phil. D._____, als Zeugin anlässlich der Berufungsverhandlung an. Im Übrigen 

wies er dessen Beweisantrag einstweilen ab. Mit Eingabe vom 18. Februar 2019 

ersuchte der Beschuldigte um Wiedererwägung dieser Verfügung und beantragte 

erneut die Einvernahme der Privatklägerin vor Obergericht, wobei er diesen An-

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trag einlässlich begründete (Urk. 123). Mit Präsidialverfügung vom 22. Mai 2019 

wurde der Antrag der Privatklägerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege und Bestellung ihrer Vertretungsbeiständin, Rechtsanwältin lic. iur. 

Y1._____, als unentgeltliche Rechtsbeiständin abgewiesen (Urk. 131).  

3. Die Berufungsverhandlung fand heute in Anwesenheit des Beschuldigten 

und seines amtlichen Verteidigers, der Vertreterin der Anklage und der Rechtsver-

treterin der Privatklägerin statt (Prot. II S. 9 ff.). Die Therapeutin der Privatkläge-

rin, Dr. phil. D._____, wurde bei dieser Gelegenheit als Zeugin einvernommen 

(Prot. II S. 21 ff.). 

II. 

1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen seine Verurteilung wegen 

mehrfacher Vergewaltigung und mehrfacher sexueller Nötigung (Dispositivziffer 1, 

Spiegelstriche 1 und 2). Er stellt sich auf den Standpunkt, dass die von ihm an der 

Privatklägerin begangenen sexuellen Übergriffe einzig den Tatbestand der mehr-

fachen sexuellen Handlungen mit Kindern erfüllen. Ferner ficht er den Strafpunkt 

(Dispositivziffern 2 und 3), den Entscheid der Vorinstanz über die von ihm an die 

Privatklägerin zu leistende Genugtuung (Dispositivziffer 10) und die Kostenaufla-

ge (Dispositivziffern 12 und 13) an (Urk. 107 und Urk. 146 S. 1 f. i.V.m. Prot. II 

S. 46). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zielt auf eine Erhöhung der 

Strafe. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist das vorinstanzliche 

Urteil damit hinsichtlich dessen Dispositivziffern 1 teilweise (Spiegelstriche 3, 4 

und 5) , 4 (ambulante Massnahme), 5 bis 7 (Verwendung beschlagnahmter Ge-

genstände und der Datensicherung), 8 und 9 (Schadenersatzforderung der Pri-

vatklägerin), 11 (Kostenfestsetzung) und 14 (Prozessentschädigung), was vorab 

festzustellen ist.  

2.1 Die Verteidigung moniert, die Anklage umschreibe für die Anklagesachver-

halte 1. bis 6. keine über ein strukturelles Abhängigkeitsverhältnis hinausgehende 

Zwangssituationen, welche der Beschuldigte kurz vor oder während der jeweiligen 

sexuellen Handlung geschaffen habe. Eine solche tatsituative Zwangssituation 

- 10 - 

setzten die Tatbestände der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung jedoch vo-

raus (Urk. 73 S. 9; Urk. 143 S. 4 f.).  

2.2 Die Anklage umschreibt in Anklageziffer 1. zunächst die kognitive und kör-

perliche Unterlegenheit und die soziale Abhängigkeit der Privatklägerin und hält 

fest, dass der Beschuldigte diese ausgenützt habe. Dass ein solches Ausnützen 

vorbestehender Verhältnisse für sich allein keine Nötigungssituation im Sinne von 

Art. 189 StGB oder Art. 190 StGB darstellt, trifft zwar zu (vgl. E. III.7.1). Die An-

klage lässt es bei dieser Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse allerdings 

nicht bewenden, sondern führt weiter aus, dass der Beschuldigte die Privatkläge-

rin auf dem Boden dieser Verhältnisse als erwachsene männliche Autoritätsper-

son durch ein Schweigegebot, das er mit den Hinweisen verbunden habe, sie be-

komme keine Geschenke mehr bzw. sie beide bekämen Probleme, wenn jemand 

etwas davon erfahre, unter psychischen Druck gesetzt habe, der es der Privatklä-

gerin verunmöglicht habe, sich seinen Anweisungen zu widersetzen (Urk. D1/28 

S. 3 f), so dass sie das, was der ihr auch körperlich überlegenen Beschuldigten 

von ihr verlangt habe, mit wachsendem unangenehmem Gefühl und teilweise ab-

lehnender Körperhaltung gemacht habe. Ferner betont die Anklage die grosse 

Selbstverständlichkeit und die genauen Anweisungen, mit denen der Beschuldigte 

die sexuellen Handlungen an der Privatklägerin vorgenommen habe oder habe 

vornehmen lassen. Die Anklage umschreibt damit eine über das Ausnützen vor-

bestehender Verhältnisse hinausgehende tatsituative Zwangssituation bzw. Aus-

weglosigkeit, wie sie die Rechtsprechung bei sexuellen Handlungen unter Aus-

nützung des Erwachsenen-Kind-Gefälles für die Erfüllung der Tatbestände der 

sexuellen Nötigung oder der Vergewaltigung voraussetzt. Durch Verweise auf An-

klageziffer 1. gilt die Umschreibung auch für die Anklageziffern 2. bis 6. und 9., in 

denen das jeweilige Verhalten des Beschuldigten zudem im Einzelnen beschrie-

ben ist (Urk. D1/28 S. 5 ff.). In Anklageziffern 9. wirft die Anklage dem Beschuldig-

ten zudem vor, dass er der Privatklägerin durch sein Verhalten körperlich und 

mental keinen Raum gelassen haben, um sich gegen die sexuellen Handlungen 

zu wehren und ihren leichten körperlichen Widerstand durch Herandrücken über-

wunden habe (Urk. D1/28 S. 12). Sie umschreibt damit eine zusätzliche, vom Be-

schuldigten tatsituativ geschaffene Situation der Ausweglosigkeit. Ob eine tatsitu-

- 11 - 

ative Zwangssituation rechtsgenügend nachgewiesen werden kann, bleibt zu prü-

fen.  

3.1 Der Beschuldigte beantragt die Einvernahme der Privatklägerin vor Oberge-

richt. Das Zeugnis der Privatklägerin sei für die Verurteilung durch das erstin-

stanzliche Gericht ausschlaggebend gewesen und Art. 343 Abs. 3 StPO fordere in 

einer solchen Situation eine erneute Befragung der Privatklägerin, wenn ein sol-

cher Antrag vorliege (Urk. 123 S. 7 f.; Prot. II S. 36 f.). Das Gericht müsse sich ei-

nen Eindruck von den Aussagen der Privatklägerin verschaffen. Dazu reiche die 

Videobefragung nicht aus. Für die Beurteilung des Gesamtgeschehnisses und 

namentlich für die Ausfällung der Sanktion sei es zentral, detailliert abzuklären, ob 

eine tatsituative Zwangssituation vorgelegen habe. Das Vorliegen oder Nichtvor-

liegen eines tatsituativen Zwangsmomentes stelle Dreh- und Angelpunkt dieses 

Verfahrens dar. Zusätzlich habe sich die Privatklägerin zu zentralen Punkten nicht 

nur vage, sondern teils gar nicht geäussert. Die Wichtigkeit der unmittelbaren 

Wahrnehmung gelte erst recht, wenn die Aussagen einer Privatklägerin derart 

ungenau seien. Der persönliche Eindruck beider Parteien sei damit zentral und 

die Privatklägerin folglich vor Schranken anzuhören. Sollte die Privatklägerin die 

Aussage verweigern, was verständlich wäre, führe das dazu, dass nur auf die 

bisherigen Beweise abgestellt werden könne. Das seien die Aufnahmen, das Ge-

ständnis des Beschuldigten und die zurückhaltenden Aussagen der Privatkläge-

rin, welche nicht auf ein Zwangsmoment hindeuten würden. Werde die Privatklä-

gerin nicht erneut befragt, komme eine Verurteilung des Beschuldigten wegen De-

likten gegen die sexuelle Freiheit definitiv nicht in Frage. Zu bestätigen wäre nur, 

aber immerhin der Entscheid betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern 

(Urk. 123 S. 9). 

3.2 Art. 343 Abs. 3 StPO sieht vor, dass ein im Vorverfahren ordnungsgemäss 

erhobenes Beweismittel nochmals abzunehmen ist, wenn seine unmittelbare 

Kenntnis für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Das Bundesgericht hielt in 

verschiedenen Entscheiden dafür, dass gerade bei Sexualdelikten, in denen Aus-

sage gegen Aussage stehe, die unmittelbare Wahrnehmung durch das Gericht in 

der Regel unverzichtbar sei (BGE 6B_856/2013 E. 2.2.; BGE 6B_139/2013 

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E. 1.3.2; BGE 6B_718/2013 E. 2.5; BGE 6B_70/2015 E. 1.3). Vorliegend vermit-

telt allerdings die Videoaufzeichnung der Einvernahme dem Gericht einen persön-

lichen Eindruck vom Aussageverhalten der Privatklägerin. Eine reine Aussage 

gegen Aussage Situation liegt zudem nicht vor. Dass die heute gut 14-jährige Pri-

vatklägerin vom Beschuldigten in gravierender Weise sexuell missbraucht wurde, 

ergibt sich aus dem bei den Akten liegenden Foto- und Videomaterial eindeutig. 

Der Beschuldigte seinerseits gesteht ein, die angeklagten sexuellen Handlungen 

an der Privatklägerin vorgenommen zu haben und akzeptiert den erstinstanzli-

chen Schuldspruch wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern. Es 

steht folglich fest, dass die noch kindliche Privatklägerin ab ca. Herbst 2013 wäh-

rend gut zwei Jahren das Opfer gravierender Straftaten des Beschuldigten gegen 

ihre sexuelle Integrität wurde und sie die Wahrheit sagte, als sie den Beschuldig-

ten sexueller Übergriffe auf sie beschuldigte. Ihre im Einzelnen lückenhafte Schil-

derung der Ereignisse ist gemäss den überzeugenden Darlegungen von Dr. phil. 

D._____ sodann eine Konsequenz einer leichten Intelligenzminderung, die dazu 

führt, dass die Privatklägerin Eindrücke, Erlebnisse oder Erfahrungen schlecht 

einordnen und sich auch schlecht daran erinnern kann (Prot. II S. 25 ff.). Die Pri-

vatklägerin war auch in der bis im Juli 2018 andauernden Therapie nicht bereit 

oder in der Lage, über das Geschehene zu sprechen. Auf das Vorgefallene ange-

sprochen, blockte sie stark ab, wollte darüber nicht sprechen und gab an, dass sie 

nichts wisse und alles vergessen habe (Prot. II. S. 24 ff.). Die Lücken und das 

Vage in den Aussagen der Privatklägerin ist folglich ihrer eingeschränkten Fähig-

keit mit traumatischen Erlebnissen umzugehen geschuldet und stellt kein Lügen-

signal dar. Die tatsächlichen sexuellen Übergriffe gingen denn auch erwiesener-

massen deutlich über die von der Privatklägerin geschilderten hinaus. Dass die 

Privatklägerin den Beschuldigten nicht übermässig belastet, steht damit fest (vgl. 

auch nachfolgend E. III.5.2). Das gilt für die sexuellen Handlungen an sich und 

bezogen auf Umstände, die unter dem Aspekt der tatsituativen Zwangssituation 

von Bedeutung sein können. Eine erneute Einvernahme der Privatklägerin mit 

dem Ziel, dem Gericht einen unmittelbaren Eindruck von deren Aussagen zu ver-

schaffen und so die Zuverlässigkeit ihrer den Beschuldigten belastenden Deposi-

tionen zu klären, erweist sich vor diesem Hintergrund als entbehrlich. Ein inhaltli-

- 13 - 

cher Erkenntnisgewinn durch eine weitere Befragung der Privatklägerin ist sodann 

nicht zu erwarten. An der leichten Intelligenzminderung und den damit zusam-

menhängenden Problemen der Privatklägerin im Umgang mit Erinnerungen und 

Befragungssituationen lässt sich nichts ändern. Eine Befragung der Privatklägerin 

im gerichtlichen Verfahren wäre folglich Selbstzweck, würde die Privatklägerin 

aber belasten und verwirren (vgl. Prot. II S. 26). Auf eine gerichtliche Einvernah-

me der Privatklägerin ist daher zu verzichten und der Anklagesachverhalt auf der 

Basis der Aussagen des Beschuldigten und der im Vorverfahren korrekt erhobe-

nen Depositionen der Privatklägerin und der Zeugen zu beurteilen.  

III. 

1. Dem Beschuldigten wird u.a. der mehrfache sexuelle Missbrauch der am 

tt.mm.2005 geborenen Tochter (Privatklägerin) seiner damaligen Lebensgefährtin 

im Zeitraum zwischen Herbst 2013 und dem 30. September 2015 vorgeworfen. 

Die Details des Anklagevorwurfs können den Ziffern 1. bis 6. und 9. der Anklage 

vom 4. August 2017 entnommen werden.  

2.1 Der Beschuldigte gesteht die ihm von der Anklage vorgeworfenen sexuellen 

Handlungen zum Nachteil der Privatklägerin ein. Hingegen wehrt er sich gegen 

den Vorwurf, die Privatklägerin zu den angeklagten und von ihm anerkannten se-

xuellen Handlungen genötigt zu haben. Er habe zu keinem Zeitpunkt physische 

oder psychische Gewalt angewendet (Prot. I S. 7; Prot. II S. 30, 32 f.). Er habe die 

Privatklägerin nie unter Druck gesetzt und ihr nie gesagt, dass er ihr keine Ge-

schenke mehr machen würde, wenn sie jemandem von den sexuellen Handlun-

gen erzähle oder dass das zwischen ihnen Vorgefallene verboten sei (Prot. I S. 8; 

Prot. II S. 33 f.). Er habe ihr (lediglich) gesagt, dass das unter ihnen bleibe und ihr 

Geheimnis sei, wobei er das zum ersten Mal nach der ersten sexuellen Handlung 

gesagt habe (Prot. I S. 8). Ende September 2015 habe er aufgehört, weil die Pri-

vatklägerin nicht mehr gewollt habe. Er habe einen Annäherungsversuch gestar-

tet, woraufhin sie gesagt habe, dass sie nicht mehr wolle. Soweit er sich erinnere, 

- 14 - 

habe er es dann noch einmal versucht, woraufhin sie erneut gesagt habe, dass 

sie nicht mehr wolle. Seither sei fertig (Prot. I S. 8 f.).  

2.2 Die Verteidigung betont, dass eine tatsituative Zwangssituation, die die Tat-

bestände der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung voraussetzen würden, nur 

vorliege, wenn der Täter kurz vor oder während der sexuellen Handlung eine 

Zwangssituation schaffe, die das Opfer kapitulieren lasse, wobei eine Aktualisie-

rung des Zwangs ausreiche. Hingegen stelle das Ausnutzen eines strukturell vor-

gegebenen Abhängigkeitsverhältnisses für sich allein nie eine Nötigungssituation 

dar. Der Beschuldigte habe von Anfang an ausgesagt, dass er nie Zwang und 

psychischen Druck angewendet habe. Er habe der Privatklägerin und ihrem Bru-

der zwar Geschenke gegeben, dies habe aber nichts mit den sexuellen Handlun-

gen zu tun gehabt. Er habe beiden Kindern immer gleich viel geschenkt. Die Pri-

vatklägerin habe ihm sodann bei zwei Gelegenheiten gesagt, dass sie die sexuel-

len Handlungen nicht wolle. Dann sei für ihn klar gewesen, dass es fertig sei. Es 

sei danach nie mehr etwas vorgefallen. Dies zeige in erhöhtem Mass, dass eben 

keine tatsituative Zwangssituation vorgelegen habe, sondern der Beschuldigte 

den ausdrücklichen Wunsch der Privatklägerin respektiert und diesem entspro-

chen habe. Die Aussagen des Beschuldigten seien diesbezüglich detailliert und 

widerspruchsfrei. Gemessen an den gerichtsüblichen Realkennzeichen seien sie 

damit in hohem Mass glaubhaft. Allein deshalb bestünden begründete Zweifel am 

Merkmal der tatsituativen Zwangssituation (Urk. 73 S. 9; Urk. 143 S. 8 f.). Sodann 

wiesen auch die Aussagen der Privatklägerin daraufhin, dass kein solcher Zwang 

ausgeübt worden sei. So habe sie angegeben, dass der Beschuldigte bloss ein-

mal gesagt habe, sie solle es niemandem sagen und habe auf Nachfrage erklärt, 

dass er keine Konsequenzen aufgezeigt habe. Er habe nichts dazu gesagt, was 

sonst passieren könnte. Weiter habe sie ausgesagt, sie wisse nicht sicher, ob der 

Beschuldigte einmal etwas verlangt habe, was sie nicht habe machen wollen, er 

habe sie nie bedroht und der Beschuldigte habe ihr nie etwas geschenkt, damit 

sie eine sexuelle Handlung vornehme. Sie habe es gemacht, ohne dass sie etwas 

dafür bekommen habe und er habe ihr auch später noch Geschenke gebracht 

(Urk. 73 S. 9; Urk. 143 S. 6 f.). Schliesslich habe sie auch die Aussage des Be-

schuldigten bestätigt, wonach sie diesem zweimal gesagt habe, dass sie diese 

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Handlungen nicht wolle und er dies beide Male respektiert habe. Als sie es zum 

ersten Mal gesagt habe, habe er darauf nicht geantwortet, aber drei Wochen kei-

ne sexuellen Handlungen mehr unternommen. Danach habe er wieder angefan-

gen. Sie habe ihm daraufhin ein weiteres Mal gesagt, dass sie das nicht wünsche, 

worauf er aufgehört habe. Der Umstand, dass der Beschuldigte den explizit for-

mulierten Willen der Privatklägerin respektiert habe, bilde ein weiteres Indiz, dass 

kein tatsituativer Zwang vorgelegen habe (Urk. 73 S. 9 f.; Urk. 143 S. 8). Auf den 

Videofilmen sei ersichtlich, dass die Initiative zu den sexuellen Handlungen vom 

Beschuldigten ausgehe. Dabei falle auf, wie die Privatklägerin die Handlungen 

über sich ergehen lasse und teilweise scheinbar spielerisch mitwirke. Sie scheine 

sich der Bedeutung der Handlungen dabei nicht bewusst zu werden. Ein tatsitua-

tives Zwangselement sei darauf nicht ersichtlich. Was das "Peitschen-Video" be-

treffe, sei daraus kein Wegstossen ersichtlich. Auch sei nicht erkennbar, dass sich 

die Privatklägerin irgendwie zu entziehen versuche und der Beschuldigte sie an 

den Pobacken greife, um körperliche Nähe zu gewinnen (Urk. 73 S. 12 f.). Weite-

re Beweismittel lägen nicht vor. Die Zeugen aus dem Umfeld der Privatklägerin 

würden nur indirekt wiedergeben, was die Privatklägerin erlebt habe (Hörensa-

gen) und die Angaben der Privatklägerin seien allenfalls auch suggestiv erfragt 

worden. Sie seien daher kein gerichtstauglicher Beweis. Dazu komme, dass kei-

ner der Zeugen dargetan habe, dass der Beschuldigte die Schwelle zur tatsituati-

ven Zwangssituation überschritten habe. Es sei nur von einem allgemeinen Ab-

hängigkeitsverhältnis die Rede (Urk. 73 S. 13; Urk. 143 S. 9).  

3.1 Die Vorinstanz hat die Beweismittel vollständig aufgezählt und die Grund-

sätze der Sachverhaltserstellung und der Beweiswürdigung zutreffend dargelegt. 

Darauf kann verwiesen werden (Urk. 106 S. 17, 48-51 f.). Ergänzend ist einzig 

festzuhalten, dass auch mittelbare Zeugenaussagen (Aussagen vom Hörensa-

gen) als Beweismittel zulässig sind. Allerdings ist dem Grundsatz des sachver-

haltsnächsten oder bestmöglichen Beweismittels folgend vorrangig auf das Zeug-

nis der Person abzustellen, welche die relevanten Tatsachen selbst wahrgenom-

men hat. Als alleiniger Beweis darf auf ein mittelbares Zeugnis nur zurückzugrei-

fen, wenn der unmittelbare Zeuge nicht zur Verfügung steht, wobei in diesem Fall 

mit Blick auf die Fairness des Verfahrens eine besonders sorgfältige Prüfung der 

- 16 - 

Beweislage zu erfolgen hat (vgl. BGE 6B_905/2010 E. 2.3.3; BGE 6B_949/2015 

E. 4.2. f.). Auch der mittelbare Zeuge ist jedoch direkter Zeuge, soweit er über 

den Kontakt mit einem unmittelbaren Tatzeugen berichtet.  

3.2 Weiter hat die Vorinstanz den wesentlichen Inhalt der Aussagen, namentlich 

auch den Inhalt der Videobefragung der Privatklägerin (Urk. D1/8/2; vgl. dazu die 

Verteidigung Urk. 123 S. 13), grundsätzlich korrekt wiedergegeben und den Ge-

genstand der Fotos und Videos zutreffend beschrieben (Urk. 106 S. 18 ff.). Die 

vom Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung gemachten Aussagen 

zur Sache ergeben sich aus dem entsprechenden Protokoll (Prot. II S. 29 ff.); we-

sentlich Neues deponierte er dabei nicht. Über diese allgemeine Feststellung hin-

aus wird auf den Inhalt dieser Beweismittel nachfolgend näher und gegebenen-

falls präzisierend einzugehen sein, soweit das für die Entscheidfindung im Beru-

fungsverfahren notwendig ist.  

4. Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Zeugen betrifft, ist fest-

zuhalten, dass der Beschuldigte aufgrund seiner Verfahrensstellung und die Zeu-

gen aus emotionaler Verbundenheit mit der Privatklägerin oder aufgrund von 

Schuldgefühlen, weil sie die Privatklägerin nicht vor Übergriffen zu schützen ver-

mochten, grundsätzlich ein Interesse an einer aus ihrer jeweiligen Perspektive 

günstigen Schilderung des Sachverhalts haben. Die Privatklägerin ihrerseits hat 

ein finanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens. Dass dieses ihr Aussage-

verhalten in der parteiöffentlichen Videobefragung vom 13. April 2016 tatsächlich 

zum Nachteil des Beschuldigten beeinflusst hat, ist angesichts ihres kindlichen Al-

ters und der damit einhergehenden Unkenntnis juristischer Anspruchsgrundlagen 

allerdings unwahrscheinlich. Weitere Umstände, die eine Tendenz der Privatklä-

gerin befördern könnten, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten, sind nicht er-

sichtlich. Bereits die Vorinstanz wies zudem richtig daraufhin, dass das entschei-

dende Kriterium für den Beweiswert der Aussagen nicht Überlegungen zur allge-

meinen Glaubwürdigkeit der Aussagenden, sondern der materielle Gehalt ihrer 

jeweiligen Depositionen ist.  

5.1 Zur inhaltlichen Überzeugungskraft der Aussagen des Beschuldigten ist 

festzuhalten, dass er die angeklagten sexuellen Handlungen mit der Privatkläge-

- 17 - 

rin eingesteht und sich sein Geständnis namentlich auch mit dem bei ihm sicher-

gestellten Foto- und Videomaterial deckt. Es besteht insofern kein Grund zur An-

nahme, dass er sich selber zu Unrecht eines strafbaren Verhaltens bezichtigt. 

Sein Geständnis ist in diesem Sinn glaubhaft. Daraus folgt allerdings nicht, dass 

auch seine teilweise Bestreitung des Anklagesachverhaltes ohne weiteres zum 

Nennwert genommen werden kann. Der Beschuldigte reagierte mit seinen Zuga-

ben vornehmlich auf die Beweislage und zeigte dabei stets eine Tendenz, so lan-

ge bzw. weit als möglich vage zu bleiben oder zugegebenes Verhalten zu be-

schönigen. In dieser Hinsicht exemplarisch sind seine Depositionen betreffend 

den Zeitpunkt der ersten sexuellen Handlungen und den Zeitraum, in welchem 

diese stattfanden bzw. zur Zahl, Art und Ort der Übergriffe (Urk. D1/7/1 S. 4 f., 7; 

Urk. D1/7/2 S. 2, 5 ff.; Urk. D1/7/3 S. 2 ff; Urk. D1/7/9 S. 8; Urk. D1/7/11 S. 7 ff.). 

Eine umfassende eigene Schilderung der Ereignisse, aus der sich lebensnah die 

Interaktion zwischen ihm und der Privatklägerin über den gesamten Tatzeitraum 

ergeben würde, fehlt. Er reagierte vornehmlich auf Fragen bzw. Vorhalte. Inei-

nandergreifende stimmige Details, die die in einem Familiengefüge stattfindenden 

Abläufe für Dritte tatsächlich und psychologisch nachvollziehbar machen könnten, 

fehlen in seinen Depositionen weitgehend. Abgesehen von bruchstückhaften 

Schilderungen der Umstände, die die sexuellen Handlungen begleiteten, be-

schränkte er sich namentlich darauf, die Privatklägerin als bereits vor bzw. zu Be-

ginn der prozessgegenständlichen sexuellen Handlungen stark sexualisiertes 

Kind darzustellen, das sich ihm stets sozusagen als Sexualpartnerin anbot. Mut-

massungen über von Dritten begangene sexuelle Übergriffe stellte er noch in der 

Einvernahme vom 3. Oktober 2016 an (Urk. D1/7/1 S. 4 f., 7; Urk. D1/7/2 S. 5 ff.; 

Urk. D1/7/3 S. 14 f., 19; Urk. D1/7/9 S. 8). Dass auch das nur ein Versuch war, 

von eigener Verantwortung abzulenken, deutete sich bereits in den ersten beiden 

Einvernahmen an, in denen sich der Beschuldigte widersprüchlich äusserte. So 

erklärte der Beschuldigte in der ersten Einvernahme konkret nach früheren sexu-

ellen Erfahrungen der Privatklägerin gefragt, dass er das nicht wisse, er habe sie 

nie gefragt, es habe ihm Angst gemacht (Urk. D1/7/1 S. 7; vgl. auch Urk. D1/7/3 

S. 19). In der Hafteinvernahme gab er dann aber bei der Schilderung des ersten 

Vorfalls im WC an, die Privatklägerin habe explizit gesagt, sie habe das auch 

- 18 - 

schon einmal gemacht (Urk. D1/7/2 S. 5). Inzwischen steht zudem fest, dass er 

die Privatklägerin nicht nur wenige Monate im Jahr 2015 missbrauchte, wie er ur-

sprünglich behauptete (Urk. D1/7/1 S. 4, 7), sondern ab ca. Herbst 2013 während 

gut zwei Jahren, was genügt, um das im vorhandenen Bildmaterial teilweise routi-

niert wirkende Verhalten der Privatklägerin zu erklären. Es fehlen denn auch 

ernstzunehmende Hinweise auf Übergriffe Dritter. Namentlich erklärte auch die 

Privatklägerin in der Videoeinvernahme (Urk. D1/8/2) glaubhaft (vgl. E. III.5.2), 

dass sie erst den Penis des Beschuldigten gesehen, nur er ihr solche Fotos ge-

zeigt, sie sonst mit niemandem solche sexuellen Handlungen gemacht und der 

Beschuldigte ihr gezeigt habe, wie solche Sachen gingen (00:23:55; ab 01:34:24). 

Wenn die Privatklägerin im Verlauf des Deliktszeitraums das Verhalten einer rou-

tinierten Sexualpartnerin an den Tag legte, dann deshalb, weil sie vom Beschul-

digten in die sexuellen Handlungen eingeführt worden war. Zusammengefasst 

war das Aussageverhalten des Beschuldigten insgesamt stets darauf gerichtet, 

das Ausmass des Geschehenen zu beschönigen und seinen eigenen Beitrag 

kleinzureden, soweit das der Verfahrensstand zuliess.  

 Vor diesem Hintergrund ist es grundsätzlich mit Vorsicht aufzunehmen, 

wenn der Beschuldigte erklärt, er habe weder physischen noch psychischen 

Druck auf die Privatklägerin ausgeübt. Dazu kommt, dass das Aussageverhalten 

des Beschuldigten in diesem Zusammenhang trotz der Konstanz der Behauptung, 

keinen Druck auf die Privatklägerin ausgeübt zu haben, im Einzelnen, entgegen 

der Auffassung der Verteidigung, nicht besonders überzeugt. So gab er in der ers-

ten Einvernahme nach der Verhaftung auf die Frage, ob er mit der Privatklägerin 

etwas vereinbart habe, wem alles von den sexuellen Vorkommnissen erzählt wer-

den solle oder eben nicht, zu Protokoll, gar nichts. Sie hätten gar nicht darüber 

geredet. Er denke, sie habe gewusst, dass das etwas sei, von dem man nicht re-

de. In der Schule würden sie heute schon früh mit diesem Thema konfrontiert. Er 

habe der Privatklägerin auch keine Nachteile in Aussicht gestellt, falls sie doch 

jemandem etwas erzähle (Urk. D1/7/1 S. 6). In der Hafteinvernahme betonte er, 

nie etwas gegen den Willen der Privatklägerin gemacht zu haben. Es sei nie ein 

Zwang gewesen. Auf den Fotos sehen man ja das Smile im Gesicht der Privat-

klägerin (Urk. D1/7/2 S. 6 f.). Ein Redeverbot habe er der Privatklägerin nie aufer-

- 19 - 

legt. Auch stellte er in Abrede, sie finanziell bevorzugt behandelt zu haben 

(Urk.D1/7/2 S. 10). Am 13. April 2016 fand die parteiöffentliche Videoeinvernahme 

der Privatklägerin statt (Urk. D1/8/2). In der darauf folgenden ersten delegierten 

polizeilichen Einvernahme zur Sache bestätigte er zunächst, bis jetzt die Wahrheit 

gesagt zu haben (Urk. D1/7/3 S. 2) und gab an, von sich aus keine Bemerkungen 

zu den Aussagen der Privatklägerin zu haben (Urk. D1/7/3 S. 3). Mit dem als 

Urk. D1/7/4 bei den Akten liegenden Fotomaterial konfrontiert und zu den Aussa-

gen der Privatklägerin befragt, betonte er sodann erneut, nie Gewalt angewendet 

oder jemand zu etwas gezwungen zu haben (Urk. D1/7/3 S. 8, 12). Seine frühe-

ren Depositionen passte er allerdings insofern an, als er neu einräumte, er habe 

der Privatklägerin gesagt, dass es niemand wissen müsse. Wahrscheinlich habe 

er ihr schon gesagt, dass dies zwischen ihnen bleiben solle (Urk. D1/7/3 S. 20). 

Auf den Vorhalt, dass die Privatklägerin gesagt habe, sie habe das nicht machen 

wollen, worauf er drei Wochen aufgehört habe und sie anschliessend nochmals 

gesagt habe, dass sie das nicht wolle, konzedierte er sodann, dass sich die Pri-

vatklägerin gegen Ende der Deliktsperiode gegen weitere sexuelle Handlungen 

ausgesprochen und er sich zunächst darüber hinwegsetzt hatte: Nachdem sie ge-

sagt habe, dass sie keine sexuellen Handlungen mit ihm vornehmen wolle, habe 

er kurz aufgehört und es dann wieder mit Streicheln im Bereich zwischen Beinen 

und Brust über den Kleidern versucht. Aber als sie gesagt habe, dass sie das 

nicht mehr wolle, habe er gänzlich aufgehört. Gemäss seiner Darstellung fragte 

die Privatklägerin zwischendurch allerdings noch, ob er sie wieder schlecken wol-

le, aber er habe verneint (Urk. D1/7/3 S. 22). In der delegierten polizeilichen Ein-

vernahme vom 3. Oktober 2016 stellt er wieder in Abrede, der Privatklägerin ge-

sagt zu haben, sie dürfe niemandem von den Vorkommnissen erzählen. Die Pri-

vatklägerin selbst habe zu ihm gesagt, das sei ein Geheimnis, sie würden das 

niemandem erzählen. Das sei ihm recht gewesen und er habe gesagt, ja, sie 

würden das niemandem sagen. Er habe also nur bestätigt, was die Privatklägerin 

gesagt habe (Urk. D1/7/9 S. 8). Damit kam er zwar nicht mehr auf seine ursprüng-

liche Darstellung zurück, wonach er und die Privatklägerin gar nicht darüber gere-

det hätten, relativierte seine Aussage in der vorangegangenen Einvernahme aber 

insofern, als er die Initiative zur Geheimhaltung der Privatklägerin zuschrieb. An-

- 20 - 

lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. Juli 2017 blieb er da-

bei, dass er einen Zusammenhang zwischen sexuellen Handlungen und Ge-

schenken nicht hergestellt und er aufgehört habe, nachdem die Privatklägerin 

zweimal gesagt gehabt habe, sie wolle keine sexuellen Handlungen (Urk. D1/7/11 

S. 13, 17). Ferner bestätigte er, dass die Situation mit der Privatklägerin die At-

mosphäre des Geheimen gehabt habe. Danach gefragt, wie er diese Atmosphäre 

geschaffen habe, führte er in Übereinstimmung mit seinen Angaben in der Ein-

vernahme vom 3. Oktober 2016 aus, dass es gemäss seiner Erinnerung ein 

Übereinkommen gewesen sei. Die Privatklägerin habe gesagt, "gäll, das ist unser 

Geheimnis" und er habe gesagt, "ja, gut, das ist unser Geheimnis". Darauf ange-

sprochen, wie diese geheime Atmosphäre über den ganzen Zeitraum habe auf-

rechterhalten werden können, gab er an, das sei nicht schwierig gewesen. Es sei 

jedes Mal ein vertrautes Zusammensein gewesen. Ihm sei es vorgekommen, als 

ob sie das Gefühl gehabt habe, dass sie etwas habe, was andere nicht hätten, ein 

Geheimnis (Urk. D1/7/11 S. 13). Dass die Idee der Geheimhaltung, entgegen dem 

von ihm bereits in der Einvernahme vom 3. Oktober 2016 vermittelten Eindruck, 

aber in Übereinstimmung mit seinen Angaben vom 9. Mai 2016 (Urk. D1/7/3 

S. 20), tatsächlich von ihm kam, wird allerdings deutlich, wenn man seine weitere 

Deposition berücksichtigt, wonach er der Privatklägerin das Geheimnis so erklärt 

habe, dass das eigentlich nicht passieren dürfe, zwischen Erwachsenen und ei-

nem Kind (Urk. D1/7/11 S. 13). Einer solchen Erklärung hätte es nämlich nicht 

bedurft, wenn die Privatklägerin von sich aus ein Bedürfnis gehabt hätte, das Vor-

gefallene als Geheimnis zwischen ihr und dem Beschuldigte zu bewahren. Die 

vom Beschuldigten zitierte Äusserung der Privatklägerin "gäll, das ist unser Ge-

heimnis" ist denn auch allein von ihrem Wortlaut her auf die Bestätigung eines 

früher definierten Geheimnischarakters gerichtet. Im Übrigen gestand er mit der 

Aussage das ein, was er anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wie-

der in Abrede stellte (Prot. I S. 8) und an der Berufungsverhandlung wieder bestä-

tigte (Prot. II S. 36): Er hatte der Privatklägerin gesagt, dass das zwischen ihnen 

Vorgefallene verboten ist.  

 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass kein Anlass zur Annahme besteht, 

der Beschuldigte belaste sich insgesamt oder mit einzelnen seiner Aussagen zu 

- 21 - 

Unrecht. Wenn er im Verlauf des Strafverfahrens zugab, er habe der Privatkläge-

rin zum ersten Mal nach der ersten sexuellen Handlung gesagt, dass das unter 

ihnen bleibe und ihr Geheimnis sei (Prot. I S. 8; vgl. auch Urk. D1/7/3 S. 20), wo-

bei er ihr das Geheimnis so erklärt habe, dass das eigentlich nicht passieren dür-

fe, zwischen Erwachsenen und einem Kind (Urk. D1/7/11 S. 13), so ist folglich da-

rauf abzustellen. Das Gleiche gilt für die vom Beschuldigten zitierte Äusserung 

der Privatklägerin "gäll, das ist unser Geheimnis", die sich von ihrem Wortlaut her 

auf die Bestätigung des nach der ersten sexuellen Handlung definierten Geheim-

nischarakters richtet und zur vom Beschuldigten beschriebenen Atmosphäre des 

Geheimen passt, die er mit seiner zugegebenen Äusserung nach der ersten se-

xuellen Handlung selber geschaffen hatte. Schliesslich ist auch auf seine Zugabe 

abzustellen, dass er nach einer ersten Äusserung der Privatklägerin, sie wolle das 

nicht mehr, noch einen Versuch startete, bevor er die sexuellen Handlungen Ende 

September 2015 einstellte (Prot. I S. 8 f.). Davon abgesehen überzeugen seine 

Aussagen jedoch nicht ohne weiteres.  

5.2 Die Privatklägerin wirkte anlässlich ihrer auf Video aufgezeichneten Einver-

nahme vom 13. April 2016 (Urk. D1/8/2) über weite Strecken verschlossen. Sie 

berichtete nur widerwillig über sexuelle Handlungen und gab einzig an, dass sie 

den Penis des Beschuldigten und der Beschuldigte ihren Körper bzw. ihre Vagina 

berührt habe. Weitere sexuelle Handlungen schilderte sie nicht. Die Frage, ob der 

Penis des Beschuldigten zwischen ihren Beinen gewesen sei, verneinte sie mit 

Kopfschütteln. Ausdrücklich verneinte sie, dass der Penis des Beschuldigten an 

ihrer Vagina gewesen sei, sie den Penis des Beschuldigten auch in den Mund 

genommen habe und der Beschuldigte ihre Vagina mit dem Mund berührt habe. 

Die Fotos und Videoaufzeichnungen machen deutlich, dass sie die sexuellen 

Handlungen damit nur rudimentär und unvollständig schilderte, den Beschuldigten 

im Ergebnis also tatsachenwidrig entlastete. Die Gründe dafür können mannigfal-

tig sein. Sie selber gab in der Videoeinvernahme an, keine Erinnerung mehr zu 

haben. Es sei für sie schwierig, über die Geschehnisse nachzudenken (00:18:55), 

und sie denke gar nicht mehr daran (00:38:58). Dr. D._____ erläuterte die Gründe 

für die Erinnerungslücken bzw. das Abblocken von Fragen zu den Geschehnissen 

als sachverständige Zeugin einleuchtend als Reaktion der Privatklägerin auf de-

- 22 - 

ren eingeschränkte Fähigkeit, Erlebnisse einzuordnen und Erlebtes zu verarbeiten 

(Prot. II S. 27; E. II.3.2; vgl. auch Urk. 72/6 S. 1 f.). Insgesamt ist ohne weiteres 

anzunehmen, dass die Privatklägerin den Beschuldigten in der Videoeinvernahme 

vom 13. April 2016 nicht übermässig belastete. Zweifel ergeben sich einzig an der 

Vollständigkeit ihrer Belastung. Soweit die Privatklägerin den Beschuldigten be-

lastende Angaben machte, kann folglich ohne weiteres auf diese abgestellt wer-

den, auch wenn sie vorher oder nachher auf gleiche oder ähnliche Fragen angab, 

sie könne sich nicht erinnern, wisse es nicht (mehr) oder sei sich nicht sicher. Im 

Übrigen sind den Beschuldigten potentiell entlastende Aussagen zunächst als 

solche hinzunehmen; an ihrer Existenz ändert der Umstand, dass die Privatkläge-

rin den Beschuldigten erwiesenermassen tatsachenwidrig schont, nichts.  

 Davon ausgehend kann den Aussagen der Privatklägerin entnommen wer-

den, dass sie sich zu den von ihr geschilderten sexuellen Handlungen gezwungen 

fühlte. So gab sie nicht nur an, diese seien nicht ihre bzw. sie seien die Idee des 

Beschuldigten gewesen (00:35:28; 01:20:21; 01:28:41), sondern erklärte auch, sie 

habe den Penis angefasst, weil der Beschuldigte ihr gesagt habe, dass sie dies 

tun müsse (00:25:30) bzw. sie habe sich die Fotos von anderen Personen anse-
hen müssen (ab 01:30:30). Es sei für sie unangenehm bzw. komisch gewesen, 
den Penis des Beschuldigten zu berühren. Das Ganze sei für sie unangenehm 

gewesen (ab 00:49:17) bzw. es sei für sie grusig gewesen, die Fotos anzuschau-

en (ab 01:34). Ferner zeigte sie sich froh darüber, dass die amerikanische Polizei 

das herausgefunden habe und brachte zum Ausdruck, dass der Beschuldigte 

nicht mehr bei ihnen zu Besuch kommen solle (ab 01:43:16). Zudem schilderte 

sie, dass sie dem Beschuldigten einmal gesagt habe, dass sie die Handlungen 

nicht wolle. Über ihre ablehnende Äusserung habe er sich zunächst hinwegge-

setzt. Als sie erneut gesagt habe, sie wolle das nicht, habe er schliesslich ganz 

aufgehört (ab 01:37:20). Weshalb sie sich zu den sexuellen Handlungen gezwun-

gen fühlte, formulierte sie nicht. Namentlich beantwortete sie die Frage nach mög-

lichen Drohungen nicht (ab 01:35). Sie bestätigte lediglich, dass der Beschuldigte 

ihr gesagt habe, dass sie niemandem von den Vorkommnissen erzählen dürfe. Er 

habe es einmal gesagt. Was passieren würde, wenn doch jemand von den sexu-

ellen Handlungen erfahren würde, habe ihr der Beschuldigte aber nicht gesagt 

- 23 - 

(00:25:45; 00:26:12; ab 00:31:19). Der Beschuldigte hätte das mit ihr nicht ma-

chen dürfen, sie wisse aber nicht mehr, ob er gesagt habe, dass er es nicht hätte 

machen dürfen (ab 00:34:54). Ob der Beschuldigte ihr Geschenke gemacht habe, 

damit sie die sexuellen Sachen mache, wisse sie nicht. Die Geschenke habe sie 

jeweils zum Geburtstag bekommen, und sie habe die sexuellen Handlungen ge-

macht, ohne etwas vom Beschuldigten dafür zu bekommen (ab 01:35 46; vgl. 

auch 00:14:49). Auf die Frage, was sie gedacht habe, als der Beschuldigte gesagt 

habe, sie dürfe es nicht sagen, zuckte sie nur mit den Schultern (ab 00:50:15), 

machte also keine Angaben dazu, ob sie sich über mögliche Konsequenzen eige-

ne Vorstellungen gemacht hatte. Dass sie sich schliesslich zuerst F._____ ge-

genüber geöffnet hatte und ihre Grossmutter und Mutter lediglich indirekt über 

diesen von den Vorkommnissen erfuhren, schilderte sie jedoch, wobei sie auch 

sagte, dass sie F._____ gebeten habe, nichts zu unternehmen. Unklar blieb, wa-

rum sie F._____ von den sexuellen Handlungen erzählte (ab 00:52:20; 01:26:09).  

5.3 F._____ schilderte in der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 14. Ap-

ril 2016 (Urk. D1/9/3) und als Zeuge in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 

vom 16. Dezember 2016 detailliert und lebensnah wie und was die Privatklägerin 

ihm gegenüber über die anklagegegenständlichen Vorfälle geäussert hatte. Dabei 

unterschied er zwischen selber Wahrgenommenem, Hörensagen und eigenen In-

terpretation und verschwieg auch nicht, dass er der Privatklägerin Fragen gestellt 

hatte (vgl. Urk. D1/9/3 S. 4; Urk. D1/9/4 S. 7). Konkrete Hinweise auf eine mass-

gebliche Verfälschung der Angaben der Privatklägerin als Folge von suggestiven 

Prozessen oder von Interpretation und Bewertung durch den Zeugen fehlen. Na-

mentlich lassen sich die vom Zeugen als Darstellung der Privatklägerin ihm ge-

genüber geschilderten Einzelheiten der sexuellen Handlungen problemlos (und 

weit besser als die rudimentäre Schilderungen der Privatklägerin in der Videoein-

vernahme) mit dem vorhandenen Bildmaterial in Einklang bringen. Es besteht 

folglich keine Veranlassung, an der Zuverlässigkeit der detaillierten und lebens-

nahen Angaben des Zeugen über die Schilderungen der Privatklägerin und das 

von ihr dabei an den Tag gelegte Verhalten zu zweifeln.  

- 24 - 

 Soweit im Berufungsverfahren noch von Bedeutung geht aus seinen Aussa-

gen hervor, dass er die Privatklägerin einmal gefragt hatte, warum sie nicht mit 

der Mutter darüber rede. Sie habe dann gesagt, dass sie dann keine Geschenke 

mehr erhalten würde. Er habe gefragt, wie sie darauf komme. Die Privatklägerin 

habe darauf gesagt, dass A._____ gesagt habe, dass sie es immer schön mitei-

nander haben würden. Sie dürfe einfach niemandem etwas sagen, sonst gebe es 

für sie und ihren Bruder keine Geschenke mehr (Urk. D1/9/3 S. 3). Es sei gut 

möglich, dass noch mehr gewesen sei, als sie ihm erzählt habe. Sie habe immer 

mehr geblockt und immer weniger darüber gesagt. Sie habe ihn darauf angespro-

chen, ob er der Grossmutter etwas erzählt habe, weil sie von dieser darauf ange-

sprochen worden sei. Die Privatklägerin habe dann auch zu ihm nichts mehr ge-

sagt. Sie habe ihm auch gesagt, dass man der Grossmutter so Sachen nicht er-

zählen solle, da sie zur Mutter gehen und es weitererzählen würde. Und wenn es 

bis zu A._____ erzählt werde, gebe es keine Geschenke mehr (Urk. D1/9/3 S. 5). 

Als Zeuge schilderte er weiter, sie habe mit ihm verhandeln wollen, die Mutter 

dürfe davon gar nichts wissen. Er müsse ihr das hoch und heilig versprechen. Sie 

habe bei ihm die Türe schliessen wollen, damit die Mutter auch ganz sicher nichts 

hören könne, obschon die Mutter sie im Zimmer ohnehin nicht sprechen hören 

würde. So Angst habe sie gehabt, gehört zu werden (Urk. D1/9/4 S. 5). Sie habe 

dann mehr erzählt, als sie das Vertrauen zu ihm gewonnen und gemerkt gehabt 

habe, dass er es der Mutter nicht sagen würde. Sie habe die Angst verloren und 

sei immer lockerer geworden und habe immer mehr erzählt (Urk. D1/9/4 S. 5). Sie 

habe manchmal 15 bis 20 Minuten im Detail erzählt, wie sie seinen Penis in den 

Mund genommen habe. Zu Beginn habe sie es nicht gewusst, aber er habe es ihr 

so sanft beigebracht, sie immer wieder beschenkt (Urk. D1/9/4 S. 5). Sie habe 

ihm gesagt, dass er in ihr Zimmer komme und ihr den Penis einfach hinhalte, und 

sie ihm einen blasen müsse. Sie hätte oft schlafen wollen, aber er habe sie nicht 

gelassen. Er habe das Gefühl gehabt, dass sie gegen Ende wie genug gehabt 

habe. Sie habe auch nicht zur Mutter gekonnt, weil diese davon nichts habe wis-

sen dürfen (Urk. D1/9/4 S. 5, 10).  

 Daraus folgt, dass das von der Privatklägerin in der Videoeinvernahme er-

wähnte Sprechverbot wirkte, nach dem Auszug des Beschuldigten aus der ge-

- 25 - 

meinsamen Wohnung namentlich noch gegenüber der Mutter und Grossmutter. 

Ferner bestätigt ihre Äusserung gegenüber dem Zeugen, sie habe oft schlafen 

wollen, der Beschuldigte habe sie aber nicht gelassen, ihre Aussagen in der Vi-

deoeinvernahme, aus denen zu schliessen ist, dass sie sich zu den sexuellen 

Handlungen gezwungen fühlte. Darüber hinaus ergibt sich aus den Depositionen 

im Sinne eines indirekten Zeugnisses (Hörensagen), dass der Beschuldigte die 

Geschenke von der Einhaltung des Sprechverbots abhängig gemacht hatte. So-

dann enthalten sie indirekte Hinweise darauf, dass gemachte Geschenke auch 

einen direkten Zusammenhang mit sexuellen Handlungen hatten (vgl. Urk. D1/9/4 

S. 5). Allerdings finden diese Äusserungen der Privatklägerin gegenüber F._____ 

weder in ihren eigenen Aussagen in der Videoeinvernahme noch in den Aussa-

gen des Beschuldigten eine Stütze und können daher dem Urteil, auch wenn sie 

nachvollziehbar erscheinen, aus prozessualen Gründen nicht zugrunde gelegt 

werden.  

5.4 C._____, die Mutter der Privatklägerin, sagte am 13. April 2016 im Rahmen 

einer delegierten polizeilichen Einvernahme aus (Urk. D1/9/1). Sie deponierte, 

dass sie mit der Privatklägerin zum Beschuldigten gegangen sei. Als sie der Pri-

vatklägerin gesagt habe, dass sie das vorhabe, habe diese erklärt, dass sie Angst 

habe. Auf die Frage, weshalb sie Angst habe, habe sie geantwortet, dass der Be-

schuldigte zu ihr gesagt habe, dass er und sie Probleme bekommen würden, 

wenn sie etwas erzähle. Sie habe etwas gewimmert. Daraufhin habe sie, die Mut-

ter, gesagt, sie müsse sich nun ein bisschen zusammenreissen. Sie seien dann 

gegangen. Der Beschuldigte habe wieder alles abgestritten und zur Privatklägerin 

gesagt, "B._____ ich mache doch nöd so sache". Die Privatklägerin habe sich 

dann ein bisschen hinter ihr, der Mutter, versteckt. Der Beschuldigte habe ge-

meint, dass ihm die Privatklägerin ja nicht einmal in die Augen sehen könne, sie 

sei doch beeinflusst worden. Darauf habe die Privatklägerin gesagt, "A._____ du 

bisch es würklich gsi, ich weiss das, Mami ich lüge würklich nöd jetzt". Er habe 

sie, die Mutter, angeschaut und gesagt, das könne nicht sein, er habe das nicht 

gemacht. Sie hätten dann abbrechen müssen, da es auch schon spät und ein Hin 

und Her gewesen sei. Keiner habe Schuld sein wollen (Urk. D1/9/1 S. 11). Aus 

der Einvernahme wird insgesamt deutlich, dass sie zu diesem Zeitpunkt von der 

- 26 - 

Schuld des Beschuldigten nicht überzeugt war oder sein wollte. Dass sie die Be-

gegnung zwischen ihr, dem Beschuldigten und der Privatklägerin und deren Vor-

geschichte, zum Nachteil des Beschuldigten nicht tatsachenbasiert schilderte, 

muss ausgeschlossen werden, zumal die Schilderung in sich detailliert und le-

bensnah ist. Als Zeugin befragt bestätigte sie ihre Aussage als richtig, dass die 

Privatklägerin gesagt habe, dass der Beschuldigte gesagt habe, dass sie und er 

Probleme bekämen, wenn sie etwas erzählen würde, und wie die Privatklägerin 

vor Ort auf den Beschuldigten reagiert habe (Urk. D1/9/2 S. 13 f.). Es besteht kein 

Grund, an deren Glaubhaftigkeit zu zweifeln.  

 Auch aus diesen Zeugenaussagen folgt, dass das von der Privatklägerin in 

der Videoeinvernahme erwähnte Sprechverbot wirkte und zwar derart stark, dass 

die Privatklägerin auch noch nach dem Auszug des Beschuldigten und nachdem 

die Grossmutter und Mutter von den Ereignissen erfahren hatten, Angst vor den 

Konsequenzen einer Verletzung desselben hatte. Die Gründe für diese Angst er-

geben sich aus den Aussagen der Mutter der Privatklägerin im Sinne eines indi-

rekten Zeugnisses (Hörensagen). Demnach soll der Beschuldigte zur Privatkläge-

rin gesagt haben, dass er und sie Probleme bekommen würden, wenn sie etwas 

erzähle. Auch diese Äusserung der Privatklägerin über die Gründe für ihre Ängste 

findet in der Videoeinvernahme zwar keine Stütze. Anders als die Erklärung ge-

genüber F._____, lässt sie sich jedoch mit der Aussage des Beschuldigten, er 

habe der Privatklägerin den Geheimnischarakter des Vorgefallenen so erklärte, 

dass das eigentlich zwischen Erwachsenen und einem Kind nicht passieren dürfe, 

in Einklang bringen. Sie kann bzw. ist daher dem Urteil zugrunde zu legen, jeden-

falls in dem Sinn, dass die Privatklägerin aus der Äusserung des Beschuldigten 

für sich den Schluss zog, es drohten ihnen beiden beim Bekanntwerden der Vor-

kommnisse negative Konsequenzen.  

6. In einer Gesamtschau ergibt sich folgendes: Der heute 60-jährige Beschul-

digte lebte von April 2013 bis September 2015 mit seiner Lebenspartnerin 

C._____ und deren Kindern B._____ (geb. tt. mm. 2005; Privatklägerin) und 

G._____ (geb. tt. mm. 2007) in einem Haushalt (Urk. D1/7/1 S. 5; Urk. D1/7/2 

S. 3; Urk. D1/9/1 S. 2 f.; Urk. D1/9/2 S. 4). C._____ und ihr Ex-Mann hatten Kon-

- 27 - 

takt betreffend die Kinder. C._____ war aber der Auffassung, dass ihr Ex-Mann 

seine Verpflichtungen gegenüber den Kinder nicht wahrnahm (Urk. D1/9/1 S. 13; 

Urk. D1/9/5 S. 3, 5). Die Kinder sahen ihren Vater je separat jede vierte Woche an 

einem Wochenende (Urk. D1/9/1 S. 9; Urk. D1/9/5 S. 3). In Erziehungsfragen 

setzte C._____ dem Beschuldigten zwar Grenzen (Urk. D1/7/11 S. 6; Urk. D1/9/1 

S. 3). Nichtsdestotrotz war er aufgrund der familiären Konstellation aber der 

Mann, der den Lebensalltag der Kinder prägte. Er hatte zu beiden einen guten 

Draht. Beide suchten den Kontakt zu ihm (Urk. D1/8/2, 00:11:44; Urk. D1/9/1 S. 6, 

8, 13; Urk. D1/9/2 S. 4, 7, 10 f.; Urk. D1/9/5 S. 4; Urk. D1/9/7 S. 6; Urk. D1/9/8 

S. 7; anders der Beschuldigte betreffend G._____ in Urk. D1/7/1 S. 7). Er be-

schenkte beide Kinder bis nach seinem Auszug verhältnismässig grosszügig 

(Urk. D1/7/2 S. 10; Urk. D1/7/3 S. 23; Urk. D1/7/11 S. 13 f.; Urk. D1/8/2, ab 

00:13:09, ab 01:36:02; Urk. D1/9/1 S. 3; Urk. D1/9/2 S. 9; Urk. D1/9/5 S. 4, 6; 

Urk. D1/9/7 S. 6) und C._____ vertraute ihm so sehr, dass sie selbst nach dem 

Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst nicht wusste, wem sie glauben sollte (vgl. 

Urk. D1/9/1 S. 11; Urk. D1/9/2 S. 4).  

 Zur ersten sexuellen Handlung kam es gegen Ende 2013 im Badezimmer 

der Familienwohnung. Die genauen Umstände sind unbekannt. Die Privatklägerin 

äussert sich nicht dazu. Die Behauptung des Beschuldigten, die Privatklägerin 

habe auf eigenen Wunsch gehandelt (Urk. D1/7/1 S. 4; Urk. D1/7/2 S. 5), über-

zeugt nach dem Erwogenen sodann nicht. Anlässlich der Berufungsverhandlung 

verneinte der Beschuldigte denn auch ausdrücklich, die Initiative sei von der Pri-

vatklägerin ausgegangen (Prot. II S. 31). Feststeht jedoch, dass der Beschuldigte 

der Privatklägerin nach dieser ersten sexuellen Handlung ein Schweigegebot auf-

erlegte, das er mit der Erklärung verband, dass solche Handlungen zwischen Er-

wachsenen und Kindern verboten seien. Mit dieser Bemerkung machte er die Pri-

vatklägerin zur Komplizin bei verbotenen Vorgängen und brachte so zumindest 

sinngemäss zum Ausdruck, dass ihnen beiden bei deren Bekanntwerden Schwie-

rigkeiten drohen. Wenn er das anlässlich der Berufungsverhandlung in Abrede 

stellte, indem er geltend machte, es habe damit nur den Grund für das Geheimnis 

genannt (Prot. II S. 36), ist das allzu naiv; eine Grundangabe seinerseits brauchte 

es nur, um dem Geheimnis das nötige Gewicht zu verleihen. Die Bedeutung sei-

- 28 - 

ner Bemerkung ist eindeutig und wurde auch von der Privatklägerin erfasst. In der 

Folge bestand zwischen ihm und der Privatklägerin unbestritten eine Atmosphäre 

des Geheimen. Ferner ist aus seinen Aussagen zu schliessen, dass er den Ge-

heimnischarakter der Vorgänge auf die Frage der Privatklägerin "gäll, das ist un-

ser Geheimnis" mindestens einmal explizit bestätigte. Das Schweigegebot wirkte 

sodann bis zum Auszug des Beschuldigten aus der gemeinsamen Wohnung er-

wiesenermassen uneingeschränkt und danach eine Zeitlang noch teilweise, weil 

die Privatklägerin negative Konsequenzen für den Beschuldigten und sich fürchte-

te, wenn sie sich nicht daran halten würde.  

 Aus den Aussagen der Privatklägerin in der Videoeinvernahme und gegen-

über F._____ ist sodann zu schliessen, dass sie sich zu den sexuellen Handlun-

gen gezwungen fühlte. Das vorhandene Bildmaterial zeigt zudem eindrücklich, mit 

welcher Selbstverständlichkeit der Beschuldigte die sexuellen Handlungen vor-

nahm. Er verfügte ungeniert über den Körper der Privatklägerin, indem er ihr An-

weisungen erteilte und sie bei Bedarf nach seinen Bedürfnissen umplatzierte. 

Dass er bei den nicht bildlich festgehaltenen Übergriffen grundsätzlich anders 

vorging, kann ausgeschlossen werden. Mit seiner Vorgehensweise nahm er der 

ihm kognitiv und körperlich unterlegenen Privatklägerin tatsituativ den Raum, ei-

gene Bedürfnisse wahrzunehmen und (wirkungsvoll) zu äussern. Dass es ihm 

auch subjektiv genau darum und nicht etwa um wohlwollende Hilfestellungen 

ging, steht allein deshalb ausser Frage, weil der Beschuldigte zu keinem Zeit-

punkt ernsthaft annehmen konnte, die kindliche Privatklägerin würde ohne seine 

"Vorschläge" und Anweisungen sexuelle Handlungen mit ihm vornehmen. Dass er 

glaubte, sie mit der irreführenden Frage, ob sie einmal etwas Lustiges machen 

wolle, zum Vorgang vom 21. Februar 2015 animieren zu müssen (Anklageziffer 9; 

vgl. Urk. D1/7/3 S. 26), spricht in diesem Zusammenhang Bände. Zudem ist er-

stellt, dass der Beschuldigte sich mindestens zweimal auch über Zeichen des 

Überdrusses hinwegsetzte. So wird aus der Videoaufnahme des Anklageziffer 9 

zugrundeliegenden Vorfalls deutlich, dass er den Vorgang ungeachtet der Bemer-

kung der Privatklägerin "jetzt simmer dänn wieder fertig, gäll" noch beinahe drei 

Minuten fortsetzte (vgl. Urk. D1/7/7 S. 16 ff.). Ferner genügte auch die einmal ex-

- 29 - 

plizit von der Privatklägerin geäusserte Ablehnung sexueller Handlungen nicht, 

um seinem Treiben ein definitives Ende zu setzen.  

7.1 Der Vergewaltigung macht sich schuldig, wer eine Person weiblichen Ge-

schlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt (Art. 190 Abs. 1 StGB), wobei bereits 

das Einführen des Glieds in den sog. Scheidenvorhof als Beischlaf im Sinne der 

Bestimmung gilt (BSK StGB-MAIER, Art. 190 N. 13). Nötigt der Täter eine Person 

zu beischlafsähnlichen oder anderen sexuellen Handlungen, macht er sich der 

sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig. Als sexuelle 

Handlungen im Sinne der Bestimmung gelten alle Verhaltensweisen, die nach ih-

rem äusseren Erscheinungsbild eindeutig sexualbezogen sind. Dazu gehören 

namentlich die orale und anale Penetration, das Stimulieren der Vagina durch 

Zunge oder Lippe, das Einführen von Gegenständen in Vagina oder Anus, das 

Reiben des Geschlechtsteils an den Genitalien oder der Brust des Opfers, der 

sog. Schenkelverkehr und das Berühren der Geschlechtsteile oder der Brust einer 

Frau, bei grösserer Intensität des Betastens auch über den Kleidern. Gleichzeitig 

als beischlafsähnlich gelten dabei Verhaltensweisen, bei denen das primäre Ge-

schlechtsteil einer der beteiligten Personen mit dem Körper der anderen Person in 

eine dem erzwungenen Beischlaf ähnlich enge Berührung kommt. Dazu gehören 

namentlich die orale und anale Penetration, das Stimulieren der Vagina durch 

Zunge oder Lippen und der sog. Schenkelverkehr, was allerdings einzig bei der 

Strafzumessung von Bedeutung ist (vgl. BSK StGB-MAIER, Art. 189 N. 48 ff.; BGE 

132 IV 120). Die beiden Tatbestände gelten als Gewaltdelikte und sind damit 

grundsätzlich als Akte physischer Aggression zu verstehen (BGE 133 IV 52; BGE 

6B_983/2008; BGE 6B_304/2012; BGE 6B_210/2013 E. 3.1.2). Sie erfordern in-

dessen nicht zwingend eine Gewalteinwirkung auf das Opfer. Vielmehr ist auch 

das Opfer geschützt, das durch den Täter in eine ausweglose Situation gebracht 

wird, in welchem es ihm nicht zumutbar ist, sich dem Vorhaben des Täters zu wi-

dersetzen (BGE 6B_304/2012 E. 2.2.). In diese Situation kann der Täter das Op-

fer namentlich durch das Ausüben von Gewalt, durch Drohungen oder ein Unter-

psychischen-Druck-Setzen bringen.  

- 30 - 

 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können sexuelle Handlungen 

mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB zugleich die Tatbestände der sexuellen 

Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB oder der Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190 StGB erfüllen, sofern sie vom Täter namentlich durch Unter-psychischen-

Druck-Setzen erzwungen wurden. Tatbestandsmässig ist in diesen Fällen das 

Schaffen einer für das Kind ausweglosen Situation. Ob das der Fall ist, ist auf-

grund einer umfassenden Würdigung der konkreten Umstände zu entscheiden, 

wobei der beim Kind im Verhältnis zu Bezugspersonen in der Regel bestehenden 

kognitiven Unterlegenheit und der emotionalen wie sozialen Abhängigkeit Rech-

nung zu tragen, die es den Bedürfnissen des Erwachsenen mehr oder weniger 

ausliefert. Geschehen sexuelle Handlungen unter Ausnützung des Erwachsenen-

Kind-Gefälles sind entsprechend geringere Anforderungen an die Intensität des 

psychischen Drucks und der Gegenwehr zu stellen (BGE 124 IV 154 E. 3b; BGE 

128 IV 97 E. 2b; BGE 6B_216/2017 E. 1.4.1). Das bedeutet gemäss bundesge-

richtlicher Rechtsprechung allerdings nicht, dass jede sexuelle Handlung von Er-

wachsenen mit Kindern, die im sozialen Nahraum stattfindet, unter Verwischung 

der Tatbestandsgrenzen zwischen Art. 187 StGB und Art. 189 StGB bzw. Art. 190 

StGB zugleich eine sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung darstellt. Art. 189 

StGB oder Art. 190 StGB kommt nur in Betracht, wenn der psychische Druck er-

heblich ist. Das Ausnützen allgemeiner Abhängigkeits- oder Freundschaftsver-

hältnisse oder eine gegenüber jedem Erwachsenen bestehende Unterlegenheit 

des Kindes reichen für sich genommen regelmässig nicht (BGE 122 IV 97 E 2b; 

BGE 128 IV 97 E. 2b). Vielmehr muss die vorgefundene oder vom Täter geschaf-

fene soziale Situation von diesem als Druckmittel eingesetzt werden, um das Op-

fer in die Enge zu treiben, so dass dieses etwa Angst der Unnachgiebigkeit oder 

Strenge oder dem Verlust von Zuneigung des Täters hat bzw. sich in einen läh-

menden Gewissenskonflikt getrieben sieht, der es ausserstande setzt, Widerstand 

zu leisten. Tatbestandsmässig kann unter diesem Aspekt, je nach spezifischer Si-

tuation, in welcher sich ein Kind befindet, namentlich auch ein einfaches Schwei-

gegebot sein, das ein Kind in die schwierige Situation bringt, entscheiden zu müs-

sen, entweder die Handlungen zuzulassen oder auf die Nähe der Person, die es 

gerne hat, zu verzichten (BGE 124 IV 154 E. 2b; BGE 128 IV 97 E. 2c; BGE 128 

- 31 - 

IV 106 E. 3a; BGE 131 IV 107 E. 2.4). Gefordert ist eine tatsituative Zwangssitua-

tion, was aber nicht bedeutet, dass der Täter diese jedes Mal wieder auf die glei-

che Weise neu entstehen lassen muss. Es genügt, wenn das Opfer zunächst in 

dem ihm möglichen Rahmen Widerstand leistet und der Täter in der Folge den 

Zwang aktualisiert, so dass jede weitere sexuelle Ausbeutung nur aufgrund der 

strukturellen und aktualisierten Gewalterfahrung erfolgt (BGE 131 IV 107 E. 2.4; 

BGE 6B_216/2017 E. 1.3).  

7.2 Die Verhaltensweisen des Beschuldigten gemäss den Anklageziffern 1, 2, 3, 

4, 5 (soweit nicht eine vaginale Penetration erfolgte), 6 und 9 stellen sexuelle 

Handlungen im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StG dar, wobei die orale Penetration 

(Anklageziffern 2, 3, 4, 5, 6), die anale Penetration (Anklageziffer 5), das Reiben 

der Erektion zwischen dem Anus und der Vagina der Privatklägerin (Anklageziffer 

3) sowie die Kopulationsbewegungen mit erigiertem Penis zwischen den Beinen 

an der Vagina der Privatklägerin (Anklageziffer 9) als beischlafsähnlich zu qualifi-

zieren sind. Das (fotografisch dokumentierte; vgl. Urk. 106 E. II. 3.2.1.2) Eindrin-

gen mit dem Glied in den Scheidenvorhof gemäss Anklageziffer 5 gilt nach dem 

Erwogenen als Beischlaf im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB.  

 Ab dem zweiten Vorfall (vgl. Anklageziffer 2) stand die Privatklägerin unter 

dem Eindruck des ihr vom Beschuldigten auferlegten Schweigegebots, an das sie 

sich hielt, weil sie negative Konsequenzen für den Beschuldigten und sich selbst 

befürchtete. Subjektiv ohne Möglichkeit, sich an eine andere erwachsene Person 

zu wenden, war sie als Kind dem 45 Jahre älteren, ihr kognitiv und körperlich weit 

überlegenen Beschuldigten ausgeliefert. Der Beschuldigte nahm die sexuellen 

Handlungen in der Folge gezielt mit grösster Selbstverständlichkeit vor und nahm 

der Privatklägerin damit tatsituativ auch den Raum, eigene Bedürfnisse wahrzu-

nehmen oder wirkungsvoll zu äussern. Die Privatklägerin befand sich dadurch in 

einer vom Beschuldigten geschaffenen ausweglosen Situation, bis sich ihre Per-

sönlichkeit soweit entwickelt hatte, dass sie dem Beschuldigten gegenüber ihren 

Widerwillen selbständig in einer Weise äussern konnte, dass er bei einer Weiter-

führung seiner Taten die Entdeckung zu riskieren glaubte. Mit Ausnahme der ers-

ten (Anklageziffer 1) weisen damit alle angeklagten sexuellen Handlungen zum 

- 32 - 

Nachteil der Privatklägerin das Nötigungselement auf, welches die Tatbestände 

der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung voraussetzen. 

 Dass der Beschuldigte vorsätzlich handelte, steht ausser Frage.  

7.3 Ausser beim Vorfall gemäss Anklageziffer 2 Absatz 3 hat der Beschuldigte 

jeweils bei einer Gelegenheit mehrere sexuelle Handlungen vorgenommen bzw. 

von der Privatklägerin vornehmen lassen. Auch diese Vorgänge sind jedoch 

rechtlich als eine Handlung zu behandeln, soweit es sich bei der Vielzahl der vor-

genommenen sexuellen Handlungen objektiv betrachtet jeweils um eine ununter-

brochene Serie von tatbestandmässigen Handlungen handelt (sog. natürliche 

Handlungseinheit; vgl. BSK StGB-ACKERMANN Art. 49 N. 30, 45 ff. mit Hinweisen). 

Dem quantitativ gesteigerten Unrecht ist im Rahmen der Strafzumessung Rech-

nung zu tragen.  

 Keine Schwierigkeiten macht die Abgrenzung der einzelnen als natürliche 

Handlungseinheiten zu betrachtenden Vorgänge gemäss den Anklageziffern 2 

und 3 nach Vorfall. Natürliche Handlungseinheiten stellen sodann die unter den 

Anklageziffern 4 und 9 geschilderten Sachverhalte dar. Die Anklageziffern 5 und 6 

beziehen sich beide auf Vorgänge, die am 22. Dezember 2014 zwischen 

12:23 Uhr und 12:44 Uhr stattfanden. Sie überschneiden sich bezogen auf das in 

Anklageziffer 6 erwähnte Video von 12:39 Uhr. Ansonsten schliesst der Anklage-

sachverhalt gemäss Anklageziffer 6 an denjenigen gemäss Anklageziffer 5 an. In 

Anklageziffer 5 wird eine serielle Abfolge von sexuellen Handlungen umschrieben. 

Allerdings erfüllen diese abwechslungsweise den Tatbestand der sexuellen Nöti-

gung und der Vergewaltigung und stellen daher (ausser unter dem hier nicht inte-

ressierenden Blickwinkel des Tatbestandes der sexuellen Handlungen mit Kin-

dern) insgesamt keine (tatbestandliche) Handlungseinheit dar. Eine solche ist le-

diglich für die einzelnen unter den gleichen Tatbestand fallenden Sachverhaltsab-

schnitte zu bejahen. Bezogen auf die Vergewaltigungshandlungen bedeutet dies, 

dass die beiden Penetrationen ab 12:31 Uhr sowie die einzelnen Penetrationen 

um 12:33 Uhr, 12:35 Uhr und 12:38 Uhr je als eine Handlung zu qualifizieren sind. 

Dem aussergewöhnlich engen sachlichen, räumlichen und situativen Zusammen-

hang zwischen den Vergewaltigungen einerseits, und den in Anklageziffer 5 und 6 

- 33 - 

insgesamt beschriebenen Tathandlungen andererseits, ist im Rahmen der Straf-

zumessung Rechnung zu tragen.  

8. Zusammengefasst ist der Beschuldigte in Bestätigung des erstinstanzlichen 

Urteils ferner der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB 

und der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. Bezogen auf Anklageziffer 1 ist er hingegen vom Vorwurf 

der sexuellen Nötigung im Sinne Art. 189 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

IV. 

1. Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der 

seit 1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des 

Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen. 

Das geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für die 

beschuldigte Person im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 

Abs. 2 StGB; OFK/StGB-DONATSCH, a.a.O., N 10 zu Art. 2 StGB). Das ist nicht 

der Fall, da das geltende (neue) Sanktionenrecht grundsätzlich keine mildere Be-

strafung vorsieht, sondern im Gegenteil auf eine Verschärfung im Bereich der 

Geldstrafe und kurzen Freiheitsstrafe zielt, und die Neuregelungen gemäss 

Art. 42 Abs. 2 StGB und Art. 46 Abs. 1 StGB, welche zu einem für den Täter 

günstigeren Ergebnis führen, vorliegend nicht zur Anwendung kommen. Die 

Sanktion ist folglich gestützt auf die Bestimmungen des im Tatzeitpunkt geltenden 

Sanktionenrechts festzulegen. 

2. Der Beschuldigte ist heute u.a. für einen über gut zwei Jahre andauernden 

sexuellen Missbrauch der Privatklägerin zu bestrafen. Vorgeworfen werden ihm in 

diesem Zusammenhang eine Vielzahl, meist schwerwiegender sexueller Hand-

lungen, die unter die Tatbestände der Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung 

und der sexuellen Handlungen mit Kindern fallen. Dazu kommen die Vorwürfe der 

Pornografie und der Gewaltdarstellung, die im Wesentlichen nicht von den Delik-

ten zum Nachteil der Privatklägerin losgelöst betrachtet werden können. Das Ver-

schulden des Beschuldigten rechtfertigt – wie zu zeigen sein wird – eine insge-

- 34 - 

samt empfindliche Freiheitsstrafe. Die Ausfällung einer Geldstrafe für einzelne der 

angeklagten Handlungen kommt bei dem gegebenen Ausmass der einem einheit-

lichen Muster folgenden Delinquenz allein aus spezialpräventiven Gründen nicht 

in Frage. Allerdings ist auch zu betonen, dass die (der Genugtuungsforderung zu-

grundeliegende) Annahme der Vertreterin der Privatklägerin vor Vorinstanz, es sei 

zu täglichen mehrfachen sexuellen Übergriffen gekommen (Urk. 71 S. 15), den 

Anklagesachverhalt sprengt und daher der Strafzumessung nicht zugrunde gelegt 

werden darf.  

3. Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist die schwerste vom Beschuldigten 

begangene Tat (vgl. Art. 49 Abs. 1 StGB), also die Vergewaltigung. Art. 190 

Abs. 1 StGB sieht für dieses Delikt einen ordentlichen Strafrahmen von einem bis 

zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vor. Aussergewöhnliche Umstände, die es ange-

zeigt erscheinen lassen, diesen Strafrahmen (im Ergebnis) zu verlassen, beste-

hen vorliegend auch unter Berücksichtigung der Tatmehrheit und der mehrfachen 

Tatbegehung nicht (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8).  

4.1 Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-

schulden des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des 

Täters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind 

(Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und 

BGE 136 IV 55).  

4.2.1 Ist der Täter, wie vorliegend, wegen einer Mehrheit, und teilweise mehrfach 

begangener Taten zu bestrafen, hat das Gericht basierend auf der Tatkomponente 

zunächst die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weite-

ren Schritt sind die übrigen Delikte – wiederum basierend auf der Tatkomponente 

– zu beurteilen, und es ist dafür unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände 

die hypothetische Strafe zu ermitteln. Sodann hat es bei (wie vorliegend) gleichar-

tigen Strafen unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips die hypothetische 

Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; 

BGE 6B_808/2017 E. 2.1.1; BGE 138 IV 120 E. 5.2). Nach der Festlegung der hy-

pothetischen Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkompo-

- 35 - 

nente und weitere tatunabhängige Zumessungsfaktoren zu berücksichtigen (BGE 

6B_865/2009 E. 1.6.1; BGE 6B_496/2011 E. 2 und E. 4.2).  

4.2.2 Die bisherige bundesgerichtliche Rechtsprechung liess es bei der Bildung 

der Gesamtstrafe ausnahmsweise zu, nicht für jedes Delikt eine Einsatzstrafe 

festzusetzen. Dies dann, wenn entweder zahlreiche gleichartige Delikte vorliegen, 

sodass es sich nicht mehr rechtfertigt, für jeden Normverstoss einzeln eine hypo-

thetische Strafe zu ermitteln (BGE 6B_499/2013 E. 1.8) oder wenn die einzelnen 

Straftaten zeitlich und sachlich derart eng miteinander verknüpft sind, dass sich 

diese nicht sinnvoll auftrennen und beurteilen lassen (BGE 6B_1011/2014 E. 4.4). 

Die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung fordert hingegen ausnahmslos die 

zumindest gedankliche Bildung von hypothetischen Einzelstrafen (BGE 144 IV 217 

E. 3.5.4.; vgl. auch BGE 6B_409/2018 E. 2.3). Die Bildung von Einzelstrafen 

stösst in Fällen, in denen ein Täter ein Kind über längere Zeit wiederholt sexuell 

missbraucht und dabei die Tatbestände der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung 

und der sexuellen Handlungen mit Kindern in Idealkonkurrenz erfüllte und bei im 

Wesentlichen gleichen Gelegenheiten auch gegen Art. 197 StGB verstiess, jedoch 

an Grenzen. So können zwar die vorgenommenen sexuellen Handlungen ohne 

grössere Schwierigkeiten losgelöst vom Alter des Opfers einzeln beschrieben und 

als solche bewertet werden. Das für das Verständnis und die Bewertung der Tat 

unter verschiedenen Aspekten wesentliche kindliche Alter des Opfers und die in 

aller Regel nur als Folge des gesamten Missbrauchsvorgangs feststehenden Fol-

gen der Tat, die ihrerseits ausser vom Tatvorgehen im Einzelfall wiederum von 

tatübergreifenden Umständen (z.B. Dauer und Intensität der sexuellen Ausbeu-

tung insgesamt, Beziehung zwischen Täter und Opfer) und vom Alter des Opfers 

abhängen, lassen sich praktisch jedoch kaum logisch zwingend den einzelnen Ta-

ten und gegebenenfalls den sexuellen Nötigungstatbeständen bzw. dem (als abs-

traktes Gefährdungsdelikt ausgestalteten) Tatbestand der sexuellen Handlungen 

mit Kindern zuordnen. Allfällige Doppelverwertungen bzw. Überschneidungen zwi-

schen den einzelnen dem Schutz der sexuellen Integrität und der ungestörten se-

xuellen Entwicklung von Kindern dienenden Tatbeständen lassen sich zwar theo-

retisch im Rahmen der Asperation korrigieren. Auch diese folgt allerdings nicht 

eindeutigen Regeln, so dass sich vorbestehende Unschärfen praktisch auch auf 

- 36 - 

diesem Weg kaum überzeugend auflösen lassen und letztlich nur eine verglei-

chende Einordnung des Gesamtgeschehens unter Berücksichtigung des Straf-

rahmens bleibt.  

5. Bezogen auf die vom Beschuldigten zum Nachteil der Privatklägerin began-

genen Delikte ist vorab grundsätzlich festzuhalten, dass das kindliche Alter und 

das Bestehen eines familiären Erwachsenen-Kindverhältnisses in Verbindung mit 

der leichten Intelligenzminderung und der Störung des Sozialverhaltens der Pri-

vatklägerin (vgl. dazu Prot. II S. 27) dem Beschuldigten die Tat in dem Sinn er-

leichterte, dass er keine objektiv schwerwiegenden Nötigungsmittel einsetzen 

musste, was sein objektives Verschulden unter dem Blickwinkel der Tatbestände 

der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung deutlich relativiert. Das Ausnützen 

dieser Verhältnisse ist aber – nebst der objektiven Schwere der sexuellen Hand-

lungen – gleichzeitig der Faktor, der krisenhafte Reaktionen der Privatklägerin be-

günstigte und daher die konkreten Auswirkungen der gesamten Missbrauchserfah-

rung auf sie mitbestimmt. Die Staatsanwaltschaft sieht solche krisenhaften Reakti-

onen in den erheblichen Auffälligkeiten im Sozialverhalten der Privatklägerin 

(Prot. II S. 44). Tatsächlich zeigten sich diese jedoch bereits im Kindergarten 

(Prot. II S. 26) und damit vor Herbst 2013, als die sexuellen Übergriffe, für die der 

Beschuldigte sich zu verantworten hat, gemäss Anklage ihren Anfang nahmen. 

Sie sind also nicht ursächlich auf diese zurückzuführen. Dass die Straftaten des 

Beschuldigten bereits zu einer konkreten und schwerwiegenden Schädigung der 

seelischen Entwicklung der Privatklägerin geführt haben, ist folglich nicht nachge-

wiesen. Hingegen wird der sexuelle Missbrauch nach Einschätzung von 

Dr. D._____ mittel- und langfristig (zusätzlich) negative Auswirkungen auf die Kör-

perwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und die sexuelle Entwicklung der Privat-

klägerin haben (Prot. II S. 28). Wenn sie bei dieser Einschätzung nicht nur von der 

theoretischen Möglichkeit negativer Auswirkungen sexuellen Missbrauchs im Kin-

desalter, sondern vom Vorliegen einer Störung ausgeht, die sich später zeigen 

wird, überzeugt das vor dem Hintergrund der von ihr beschriebenen leichten Intel-

ligenzminderung, die es der Privatklägerin erschwert, mit verwirrlichen Erfahrun-

gen umzugehen (Prot. II S. 27), grundsätzlich. Das Ausmass der Schädigung der 

seelischen Entwicklung der Privatklägerin steht heute jedoch nicht fest und kann 

- 37 - 

sich bei der Strafzumessung daher – unabhängig vom jeweils zu diskutierenden 

Straftatbestand – nicht entscheidend verschuldenserhöhend auswirken. Die u.a. 

vom Alter der Privatklägerin abhängende Gefährdung der seelischen und sexuel-

len Entwicklung wird im Folgenden unter dem Tatbestand der sexuellen Handlun-

gen mit Kindern und der Pornografie gewürdigt. Keine ausdrückliche Würdigung 

erfährt das kindliche Alter der Privatklägerin unter dem Aspekt der Tatbestände 

der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung.  

6. Der Beschuldigte erfüllte den Tatbestand der Vergewaltigung am 22. De-

zember 2014 innert knapp 10 Minuten viermal (Anklageziffer 5), wobei die Tat um 

12:31 Uhr zwei aufeinanderfolgende Penetrationen umfasst und daher ein gegen-

über den anderen beiden quantitativ leicht gesteigertes Unrecht darstellt. Ohne 

die Vorgänge bagatellisieren zu wollen, ist aber festzuhalten, dass die einzelnen 

Tathandlungen insgesamt gemessen an den denkbaren unter den Tatbestand der 

Vergewaltigung fallenden Verhaltensweisen verschuldensmässig im untersten Be-

reich des Straftatbestandes liegen. Der Beschuldigte setzte keine objektiv 

schwerwiegenden Nötigungsmittel ein und penetrierte die Privatklägerin nur ober-

flächlich und so, dass er ihr keine körperlichen Schmerzen zufügte. Erschwerend 

fällt aber immerhin ins Gewicht, dass die Handlungen ungeschützt erfolgten. In 

objektiver Hinsicht ist folglich unter dem für sich schwerwiegenden Aspekt der 

Vergewaltigung bezüglich der einzelnen tatbestandsmässigen Handlungen von 

einem sehr leichten Verschulden auszugehen. Innerhalb dieses sehr leichten 

Verschuldens wiegt die Tat um 12:31 Uhr objektiv etwas schwerer. In subjektiver 

Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egois-

tisch handelte, was dem Tatbestand allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, 

welche das objektive Verschulden weiter relativieren würden, sind folglich nicht 

ersichtlich. Es rechtfertigt sich vor diesem Hintergrund die Einsatzstrafe für jede 

der vier Vergewaltigungen auf die Mindeststrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe 

festzusetzen. Diese Einsatzstrafe von 12 Monaten für die erste der Tathandlun-

gen ist in Anwendung des Asperationsprinzips und unter Berücksichtigung des 

aussergewöhnlich engen zeitlichen, sachlichen und situativen Zusammenhangs 

der vier Vergewaltigungen für die drei weiteren Vergewaltigungen auf 21 Monate 

zu erhöhen.  

- 38 - 

7.1 Der Beschuldigte verletzte das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Privat-

klägerin ferner auch mehrfach im Sinn des Tatbestandes der sexuellen Nötigung 

gemäss Art. 189 StGB. Der Tatbestand sieht dafür einen Strafrahmen von Geld-

strafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Stehen beischlafsähnliche Handlungen 

zur Diskussion, hat der Richter sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

bei der Strafzumessung aber grundsätzlich am Strafrahmen der Vergewaltigung 

zu orientieren. Die Strafe darf dann im Einzelfall unter Berücksichtigung der ge-

samten Umstände nicht wesentlich niedriger sein, als die Strafe, welche der Rich-

ter unter den gleichen Umständen für eine Vergewaltigung ausgesprochen hätte 

(BGE 132 IV 120). Als beischlafsähnlich gelten Handlungen, bei denen das Glied 

des Täters mit dem Körper des Kindes in so enge Berührung kommt, dass die 

Vereinigung an Innigkeit derjenigen beim natürlichen Beischlaf ähnlich ist. Dazu 

zählen namentlich der Oral- und der Schenkelverkehr (BGE 132 IV 120; BGE 86 

IV 177 E. 2d).  

7.2.1 Mit den unter Anklageziffer 2 umschriebenen Tathandlungen erfüllte der Be-

schuldigte die Tatbestände der sexuellen Nötigung mehrfach. Der erste dieser 

Vorfälle (Ausgreifen an der Vagina und den Brüsten über den Kleidern) darf zwar 

keinesfalls bagatellisiert werden. Unter Berücksichtigung der übrigen gravieren-

den Übergriffen hat er auf die Höhe der Strafe unter dem Aspekt der sexuellen 

Nötigung im Ergebnis faktisch aber keine Auswirkung. Weitere Überlegungen da-

zu erübrigen sich deshalb. Was die weiteren sieben bis neun Vorfälle gemäss An-

klageziffer 2 Absatz 1 betrifft, ist vorab festzuhalten, dass der genaue Zeitpunkt 

der Taten und die Tathandlung im Einzelfall unbekannt sind. Wie der vom Be-

schuldigten erstellte Film des Übergriffs gemäss Anklageziffer 3, der zwischen 

Dezember 2013 und Februar 2014 stattfand, aber deutlich macht, war namentlich 

die orale Penetration für die Privatklägerin bereits dannzumal nichts Unbekanntes 

mehr. Sie wirkt u.a. diesbezüglich vielmehr bereits (erschreckend) routiniert. Dar-

aus ist zu schliessen, dass es bereits davor mehrfach zu oralen Penetrationen 

kam. Zugunsten des Beschuldigten ist von zweimal und für den Zeitraum nach 

dem Vorfall gemäss Anklageziffer 3 davon auszugehen, dass orale Penetrationen 

"nur" noch erfolgten, soweit er die Übergriffe bildlich festhielt.  

- 39 - 

7.2.2 Orale Penetrationen sind als beischlafsähnlich zu qualifizieren und gehören 

als solche zu den schwersten unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung fal-

lenden Handlungen. Dazu kamen in den (nach dem Erwogenen zwei) in Anklage-

ziffer 2 umschriebenen Fällen noch weitere Berührungen unter den Kleidern min-

destens mit den Fingern an Vagina und Brüsten, was leicht erschwerend zu be-

rücksichtigen ist. Über die genaue Dauer der beiden Vorgänge ist nichts bekannt. 

Es ist aber von nicht mehr als einigen Minuten auszugehen, da sie sonst derart 

aus dem Rahmen des Gute-Nacht-Rituals gefallen wären, dass die Gefahr der 

Entdeckung zu gross gewesen wäre. Sie dauerten folglich weder besonders kurz 

noch lang. Der Beschuldigte brachte die Privatklägerin zwar wirkungsvoll in eine 

ausweglose Situation. Die von ihm eingesetzten Nötigungsmittel waren objektiv 

aber von geringer Schwere, was das objektive Verschulden unter dem Aspekt des 

Tatbestandes der sexuellen Nötigung deutlich relativiert. Vor dem Hintergrund der 

grossen Bandbreite von unter den Tatbestanden fallenden Verhaltensweisen ist 

das objektive Verschulden bei dieser Ausgangslage für beide Vorfälle als je noch 

leicht zu bewerten. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Be-

schuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem Tatbestand aller-

dings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Verschulden weiter 

relativieren würden, sind folglich nicht ersichtlich. Die hypothetischen Einsatzstra-

fen für die sexuelle Nötigung sind in diesen beiden Fällen unter Berücksichtigung 

der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor diesem Hintergrund je 

auf 12 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.  

7.2.3 Was das objektive Verschulden in den weiteren mindestens fünf in Anklage-

ziffer 2 Absatz 1 umschriebenen Vorgänge unter dem Blickwinkel des Tatbestan-

des der sexuellen Nötigung betrifft, ist festzuhalten, dass die zur Diskussion ste-

henden sexuellen Handlungen objektiv als nicht mehr leicht zu qualifizieren sind. 

Auch über die genaue Dauer dieser fünf Vorgänge ist nichts bekannt. Es ist aber 

wiederum von nicht mehr als einigen Minuten auszugehen, da sie sonst derart 

aus dem Rahmen des Gute-Nacht-Rituals gefallen wären, dass die Gefahr der 

Entdeckung zu gross gewesen wäre. Sie dauerten folglich weder besonders kurz 

noch lang. Die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren wie in al-

len Fällen objektiv von geringer Schwere. Wiederum vor dem Hintergrund der 

- 40 - 

grossen Bandbreite von unter den Tatbestand fallenden Verhaltensweisen, ohne 

die Taten des Beschuldigten irgendwie bagatellisieren zu wollen, ist das objektive 

Verschulden unter dem Blickwinkel des Tatbestandes der sexuellen Nötigung als 

leicht zu bewerten. Dieses erfährt durch das subjektive Verschulden keine Korrek-

tur. Es ist hier nur eine geringfügige Erhöhung der Strafe angezeigt.  

7.2.4 Bezogen auf die in Absatz 2 von Anklageziffer 2 umschriebenen sexuellen 

Nötigungen ist festzuhalten, dass die zur Diskussion stehenden sexuellen Hand-

lungen objektiv noch zu den verhältnismässig leichten gehören. Auch über deren 

genaue Dauer ist nichts bekannt. Es ist aber wiederum von einer eher kurzen 

Dauer von maximal einigen wenigen Minuten auszugehen, da sonst die Gefahr 

der Entdeckung zu gross gewesen wäre. Der Vorfall vor dem Fernseher dürfte 

aus diesem Grund auch kürzer ausgefallen sein, als derjenige im Kellerabteil. Die 

vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren objektiv von geringer 

Schwere. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite von unter den 

Tatbestand fallenden Verhaltensweisen, ohne die Taten des Beschuldigten ir-

gendwie bagatellisieren zu wollen, ist das objektive Verschulden davon ausge-

hend als sehr leicht zu bewerten. Dieses erfährt durch das subjektive Verschulden 

keine Korrektur. Hier erweist sich eine deutliche Erhöhung der Strafe als ange-

messen (vgl. nachstehend Ziff. 7.7.).  

7.2.5 Bezogen auf die in Anklageziffer 2 Absatz 3 umschriebenen sexuellen Nöti-

gungen ist zunächst festzuhalten, dass zugunsten des Beschuldigten von einer 

Penetration mit einem Gegenstand auszugehen ist. Auch eine solche sexuelle 

Handlung gehört jedoch objektiv zu den schweren unter den Tatbestand fallenden 

Verhaltensweisen. Leicht erschwerend fällt dabei ins Gewicht, dass der Beschul-

digte die Privatklägerin körperlich leicht verletzte. Auch über die Dauer dieses 

Vorgangs ist nichts bekannt. Zugunsten des Beschuldigten ist von einer kurzen 

Dauer auszugehen. Die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren 

objektiv von geringer Schwere. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen 

Bandbreite von unter den Tatbestanden fallenden Verhaltensweisen, ohne die Ta-

ten des Beschuldigten irgendwie bagatellisieren zu wollen, ist das objektive Ver-

- 41 - 

schulden davon ausgehend als noch leicht zu bewerten. Es ist hier nur eine leich-

te Erhöhung der Strafe angezeigt.  

7.3.1 Im Rahmen des ersten in Anklageziffer 3 umschriebenen Vorgangs nötigte 

der Beschuldigte der Privatklägerin während einer beträchtlichen Dauer von gut 

17 Minuten eine Vielzahl schwerwiegender sexueller Handlungen bis hin zur 

mehrfachen oralen Penetration ab. Er gehört damit unter dem Blickwinkel des ab-

genötigten Verhaltens zu den objektiv sehr schweren unter den Tatbestand fal-

lenden. Deutlich verschuldensrelativierend wirkt sich hingegen auch hier der Um-

stand aus, dass die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel objektiv von 

geringer Schwere waren. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite 

von unter den Tatbestand fallenden Verhaltensweisen ist das objektive Verschul-

den vor diesem Hintergrund als erheblich zu bewerten. Dieses erfährt durch das 

subjektive Verschulden keine Korrektur. Der Beschuldigte handelte direktvorsätz-

lich und egoistisch, was dem (objektiven) Tatvorgehen allerdings immanent ist. 

Die hypothetische Einsatzstrafe für diese ein ganzes Bündel an sexuellen Hand-

lungen umfassende sexuelle Nötigung ist auf 18 Monate Freiheitsstrafe festzuset-

zen. 

7.3.2 Der zweite unter Anklageziffer 3 festgehaltene Vorgang dauerte mit gut fünf 

Minuten weniger lang als der erste und umfasste weniger einzelne sexuelle Hand-

lungen, gipfelte aber ebenfalls in einer oralen Penetration. Er ist unter dem Blick-

winkel des abgenötigten Verhaltens als schwer zu qualifizieren. Deutlich ver-

schuldensrelativierend wirkt sich hingegen auch hier der Umstand aus, dass die 

vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel objektiv von geringer Schwere 

waren. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite von unter den 

Tatbestand fallenden Verhaltensweisen ist das objektive Verschulden vor diesem 

Hintergrund als erheblich zu bewerten. Dieses erfährt durch das subjektive Ver-

schulden keine Korrektur. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und egois-

tisch, was dem (objektiven) Tatvorgehen allerdings immanent ist. Die hypotheti-

sche Einsatzstrafe für diese ein ganzes Bündel an sexuellen Handlungen umfas-

sende sexuelle Nötigung ist unter auf 16 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. 

- 42 - 

7.4 Der Tatvorgang gemäss Anklageziffer 4 dauerte keine zwei Minuten. Er um-

fasste nebst sexuellen Handlungen, die im Rahmen des Denkbaren noch verhält-

nismässig leicht wiegen, wiederum eine orale Penetration, die als beischlafsähnli-

che Handlung zu den schwersten unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung 

fallenden Aktionen gehört. Die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel 

waren objektiv jedoch von geringer Schwere. Auch dieser Vorfall soll nicht baga-

tellisiert werden. Vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite von unter den Tat-

bestanden fallenden Verhaltensweisen ist das objektive Verschulden insoweit je-

doch noch als leicht zu bewerten. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, 

dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem Tatbe-

stand allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Ver-

schulden weiter relativieren würden, sind folglich nicht ersichtlich. Die hypotheti-

sche Einsatzstrafe für den Vorgang gemäss Anklageziffer 4 ist auf 12 Monate 

Freiheitsstrafe festzusetzen.  

7.5.1 Die Anklageziffern 5 und 6 beziehen sich beide auf Vorgänge, die am 

22. Dezember 2014 zwischen 12:23 Uhr und 12:44 Uhr stattfanden. Sie über-

schneiden sich bezogen auf das in Anklageziffer 6 erwähnte Video von 12:39 Uhr. 

Ansonsten schliesst der Anklagesachverhalt gemäss Anklageziffer 6 an denjeni-

gen gemäss Anklageziffer 5 an. Der Vorgang ist unter dem Aspekt der sexuellen 

Handlungen mit Kindern als natürliche Handlungseinheit zu sehen. Bezogen auf 

den Tatbestand der sexuellen Nötigung besteht eine solche für die Phasen bis vor 

12.31 Uhr, diejenige von 12:34 Uhr bis 12:35 Uhr (soweit keine vaginale Penetra-

tion erfolgte), diejenige um 12:37 Uhr und schliesslich für die aneinander an-

schliessenden sexuellen Handlungen zwischen 12:39 Uhr und 12:44 Uhr.  

7.5.2 In der Phase bis vor 12:31 Uhr nötigte der Beschuldigte zeitlich kurz objektiv 

eher leichte bis mittelschwere sexuelle Handlungen ab. Das vom Beschuldigten 

eingesetzte Nötigungsmittel war von geringer Schwere. Das objektive Verschul-

den ist insoweit als leicht zu qualifizieren. Der Zeitraum von 12:34 Uhr bis 12:35 

Uhr (soweit keine vaginale Penetration erfolgte) wird von zwei beischlafsähnlichen 

und damit schwerwiegenden Handlungen dominiert. Er ist unter dem Blickwinkel 

des abgenötigten Verhaltens als schwer zu qualifizieren, auch wenn er nur kurz 

- 43 - 

dauerte. Deutlich verschuldensrelativierend wirkt sich hingegen auch hier der 

Umstand aus, dass die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel objektiv 

von geringer Schwere waren. Das objektive Verschulden ist insgesamt als erheb-

lich zu bewerten. Um 12:37 Uhr folgte erneut eine orale Penetration, also eine ob-

jektiv schwerwiegende sexuelle Handlung. Auch sie dauerte vergleichsweise kurz 

und die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren objektiv von ge-

ringer Schwere. Das objektive Verschulden ist insoweit als gerade noch leicht zu 

bewerten. Im Zeitraum ab 12:39 Uhr nötigte der Beschuldigte der Privatklägerin 

während mehrerer Minuten ein ganzes Bündel von sexuellen Handlungen ab, die 

praktisch ausschliesslich zu den schweren unter den Tatbestand der sexuellen 

Nötigung fallenden Handlungen zählen, darunter zwei orale Penetrationen, wovon 

eine tief in den Mund erfolgte. Er ist unter dem Blickwinkel des abgenötigten Ver-

haltens als schwer zu qualifizieren. Deutlich verschuldensrelativierend wirkt sich 

hingegen erneut der Umstand aus, dass die vom Beschuldigten eingesetzten Nö-

tigungsmittel objektiv von geringer Schwere waren. Objektiv ist das Verschulden 

insgesamt als erheblich zu bewerten. Dieses erfährt in allen Fällen durch das sub-

jektive Verschulden keine Korrektur. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich 

und egoistisch, was dem (objektiven) Tatvorgehen allerdings immanent ist.  

7.6 Der Vorgang gemäss Anklagesachverhalt Ziffer 9 dauerte beinahe 8 Minu-

ten und hatte nebst mehrfachen beischlafsähnlichen Handlungen (Kopulations-

bewegungen mit dem erigierten Penis zwischen den Beinen an der Vagina der 

Privatklägerin) namentlich auch sexuelle Handlungen aus dem sadomasochisti-

schen Bereich zum Gegenstand, indem der Beschuldigte die Privatklägerin dazu 

anhielt, seinen Penis und seine Hoden mit den Händen oder mit einer selbstge-

bastelten Peitsche zu schlagen und er der Privatklägerin ebenfalls mit der Peit-

sche auf deren Vagina bzw. Klitoris schlug. Auch er ist unter dem Blickwinkel der 

abgenötigten sexuellen Handlungen als schwerwiegend zu qualifizieren. Der Be-

schuldigte hatte die Privatklägerin zwar wie in allen übrigen Fällen zielgerichtet in 

eine für sich ausweglose Situation gebracht, objektiv war die Nötigungshandlung 

aber eher von geringer Schwere, was sein objektives Verschulden unter dem As-

pekt des Tatbestandes der sexuellen Nötigung erheblich relativiert. Daran ändert 

auch der Umstand, dass der Beschuldigte im Rahmen dieses Vorfalls Äusserun-

- 44 - 

gen von Überdruss der Privatklägerin ignorierte, nichts. In subjektiver Hinsicht ist 

zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egoistisch han-

delte, was dem Tatbestand allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche 

das objektive Verschulden weiter relativieren würden, sind folglich nicht ersicht-

lich. Insgesamt ist das Verschulden des Beschuldigten in diesem Fall als erheb-

lich zu qualifizieren und die Einsatzstrafe auf 16 Monaten Freiheitsstrafe festzu-

setzen. 

7.7 Alle Vorgänge sind Teil des rund zwei Jahre dauernden sexuellen Miss-

brauchs der Privatklägerin durch den Beschuldigten, haben darüber hinaus aber 

keinen direkten Bezug. Eine Ausnahme machen einzig die Tathandlungen ge-

mäss den Anklageziffern 5 und 6, die Teil eines einzigen Vorfalls sind und folglich 

unter sich und zu den Vergewaltigungen einen aussergewöhnlich engen zeitli-

chen, sachlichen und situativen Bezug aufweisen. In Anwendung des Asperati-

onsprinzips ist die hypothetische Gesamtstrafe von 21 Monaten für die vier Ver-

gewaltigungen davon ausgehend für die Tathandlungen gemäss den Anklagezif-

fern 5 und 6 auf 36 Monate zu erhöhen. Diese wiederum ist für die Taten gemäss 

Anklageziffer 2 um 24 Monate, für die beiden Vorfälle gemäss Anklageziffer 3 um 

gut 8 Monate respektive 7 Monate, für den Vorgang gemäss Anklageziffer 4 um 

weitere gut 6 Monate und für den Vorfall gemäss Anklageziffer 9 um gut 7 Monate 

zu erhöhen. Es resultiert eine hypothetische Gesamtstrafe von ungefähr 88 Mona-

ten Freiheitsstrafe.  

8.1 Der Beschuldigte verletzte durch sein Verhalten nicht nur das sexuelle 

Selbstbestimmungsrecht der Privatklägerin, sondern gefährdete auch ihre unge-

störte sexuelle Entwicklung. Die Privatklägerin wurde mit der Tat gemäss Ankla-

geziffer 1 das erste Mal mit einer sexuellen Handlung konfrontiert. Sie war damals 

erst gut 8-jährig, also noch sehr deutlich vom Erreichen der Schutzaltersgrenze 

entfernt, und sah sich mit einem gut 45 Jahre älteren Mann konfrontiert, der sie zu 

einer sexuellen Handlung anhielt, die jedenfalls zu den mittelschweren unter der 

Tatbestand fallenden Aktionen gehört. Über die Dauer des gesamten Vorganges 

ist nichts genaueres bekannt. Er dürfte jedoch weder besonders kurz noch be-

sonders lang gedauert haben. Auch wenn unter dem Blickwinkel des Tatbestan-

- 45 - 

des der sexuellen Handlungen mit Kindern noch in jeder Hinsicht (Form sexueller 

Handlung, Dauer, Intensität) schwerwiegendere Vorfälle denkbar sind, war der 

Vorfall geeignet, die seelische Stabilität der kindlichen Privatklägerin zu erschüt-

tern und ihre psychisch-emotionale bzw. sexuelle Entwicklung erheblich zu ge-

fährden. Das objektive Verschulden ist vor diesem Hintergrund als gerade noch 

leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Be-

schuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem (objektiven) Tat-

vorgehen allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Ver-

schulden in schwerwiegenderem Licht erscheinen lassen oder dieses relativieren 

würden, sind folglich nicht ersichtlich. Unter Berücksichtigung des von Geldstrafe 

bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe reichenden Strafrahmens gemäss Art. 187 StGB 

würde sich für diese Tat bei isolierter Betrachtung eine Einsatzstrafe von 8 Mona-

ten rechtfertigen.  

8.2 In den folgenden rund zwei Jahren kam es immer wieder zu sexuellen Hand-

lungen. Als der sexuelle Missbrauch im September 2015 geendet hatte, war die 

Privatklägerin gut 10-jährig. Eine gewisse Persönlichkeitsentwicklung hatte sie in 

dieser Zeit durchgemacht, wie die Tatsache zeigt, dass sie ihr Missfallen an den 

sexuellen Handlungen gegen Ende des Zeitraums dem Beschuldigten gegenüber 

direkt verbal äussern konnte. Allerdings war sie auch im Herbst 2015 noch sehr 

deutlich vom Erreichen der Schutzaltersgrenze entfernt. Einen entscheidenden 

Einfluss auf die Bewertung des objektiven Verschuldens hat das zunehmende Al-

ter der Privatklägerin im Tatzeitraum denn auch nicht, zumal die vom Beschuldig-

ten vorgenommenen sexue