# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b009099e-bafd-572e-aeb5-b0040f26a4c8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-30
**Language:** de
**Title:** Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit aus wirtschaftlichen, nicht gesundheitlichen Gründen; keine Invalidität in der aufgenommenen unselbständigen Tätigkeit (BGE 8C_816/2013)
**Docket/Reference:** UV.2012.00139
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00139.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00139
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
30. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
Goecke Laur Reger-Wyttenbach Zürcher & Meier Rhein Rechtsanwälte
Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 8026 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Beat Frischkopf
Bahnhofstrasse 24, Postfach, 6210 Sursee
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1950,
führte eine Einzelfirma, die im Linienbau für die
O.___
tätig war und 1996 im Handelsregister eingetragen wurde (
Urk.
7/117
/3
). Am 11. August 2009
meldete
er
der Schweizerische
n
Unfallver
sicherungsanstalt (SUVA) einen Rückfall zu einem am 11. März 1969 erlittenen Unfall (
Urk.
7/84).
Am 1. Juni 2010 wurde ihm ein
e
Totalprothese am linken Knie implantiert (
Urk.
7/103). Mit Vertrag vom
2
2.
November 201
0
wurde der
Versicherte
be
fristet vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2012 von
der
Y.___
AG als bau
führender Monteur angestellt
(
Urk.
7/1
3
4
/
3
)
.
Mit Verfügung vom 8. November 2011 sprach ihm die SUVA eine In
-
tegritätsent
schädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 22.2
%
zu und verneinte einen Rentenanspruch (
Urk.
7/149). Gegen die Verneinung des Rentenanspruchs erhob der Versicherte am 4. Dezember 2011 Einsprache (
Urk.
7/152), welche die SUVA am 16. Mai 2012 abwies (
Urk.
7/155 =
Urk.
2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 16. Mai 2012 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am 18. Juni 2012 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 60
%
aus
zurichten (
Urk.
1 S. 2 Ziff. 1-2).
Die SUVA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 23. August 2012 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht zog aus dem gleichzeitig häng
ige
n invalidenversicherungsrechtli
chen
Verfahren des Beschwerdeführers einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
9) bei, zu welchem der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Replik vom 26. März 2013 (
Urk.
17) Stellung nahm. Am 2
2.
April 2013 erstattete die Beschwerdegegnerin ihre Duplik (
Urk.
21), die dem Beschwerde
führer am 24. April 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
22).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles z
u mindestens 10 Prozent invalid
, so hat sie gemäss Art. 18
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
Anspruch auf eine Invalidenrente. Invalidität ist die voraussichtlich blei
bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Valideneinkommen, das heisst dem Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (Art. 16 ATSG; vgl. BGE 130 V 121).
1.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
-
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
-
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mens
-
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid
davon aus, die vor
-
han
denen Unfallfolgen beeinträchtigten den Beschwerdeführer in seiner Tä
tigkeit als bauführender Monteur nicht, die von ihm vorgenommene berufliche Umorientierung wäre auch ohne Unfall nötig gewesen und für eine allfällige Er
-
werbseinbusse seien wirtschaftliche Gründe verantwortlich (
Urk.
2 S. 3
Ziff.
3).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber in seiner Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, der 2009 eingetretene Geschäftsrückgang sei vorüberge
hender Art gewesen (S. 3
Ziff.
4). Die
O.___
habe sich ab 2009 mit Aufträ
gen stark zurückgehalten, weil sie
im Zusammenhang mit der neuen Glasfaser
netz-Technologie den Bau der bisherigen herkömmlichen Systeme vorüberge
hend eingestellt habe, bis die neue Strategie vorgelegen h
abe
(S. 3 f.). Ab 2010 / 2011 wäre das Auftragsvolumen
sodann wieder mit demjenigen von 2009 zu vergleichen gewesen (S. 4 oben).
Anfang 2009 sei es zu einem Auftragsrückgang gekommen, deshalb habe er per Februar 2009 Kurzarbeitsentschädigung beantragt (S. 4
Ziff.
5). In seiner bishe
rigen Tätigkeit sei er durch das Leiden im linken Knie zunehmend behindert worden, deshalb habe er die Auftragsflaute genutzt, um sich einer Operation zu unterziehen (S. 4
Ziff.
6). Bei seiner jetzigen Tätigkeit als Bauleiter
und
vorwie
gend im Büro handle es sich - im Unterschied zur früheren und gemessen am vom Kreisarzt formulierten Anforderungsprofil - um eine behinderungsange
passte (S. 4 f.
Ziff.
7).
Zur Ermittlung des Valideneinkommens sei auf die von 2005 bis 2008 erzielten Einkommen abzustellen und der Betrag von
Fr.
193‘475.-- einzusetzen. Vergli
chen mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
77‘540.-- resultiere ein Invaliditäts
grad von rund 60
%
(S. 5
Ziff.
8-9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, wie es sich mit dem Valideneinkommen verhält, was davon abhängt, ob die Geschäftsaufgabe des Beschwerdeführers als ge
sundheitlich oder als wirtschaftlich bedingt einzustufen ist.
Unbestritten ist, dass bei einem allfälligen Einkommensvergleich von einem Invalideneinkommen von
Fr.
77‘540.-- auszugehen ist.
3.
3.1
Am 11. März 1969 wurde der Beschwerdeführer als Fussgänger von einem Auto angefahren und zog sich eine Fraktur des linken Oberschenkels zu, die am
17. März 1969 operiert wurde (
Urk.
7/13). Ab 25. August 1969 war er wieder zu 50
%
und ab 29. September 1969 zu 100
%
als Apparateschlosser erwerbstätig (
Urk.
7/15 S. 1 oben). Von Seiten des Kreisarztes wurde im Oktober 1969 fest
gehalten, der Versicherte könne seine Arbeit im bisherigen Rahmen weiterfüh
ren, solle aber noch keinen Sport treiben (
Urk.
7/15 S. 2).
Im April 1971 wurde eine Korrekturosteotomie vorgenommen (
Urk.
7/35), da die Fraktur in einer Fehlstellung konsolidiert gewesen war (
Urk.
7/27 S. 3 oben).
Eine kreisärztliche Untersuchung im November 1979 ergab eine Femoropatellar
arthrose und eine beginnende Gonarthrose links sowie eine volle Arbeitsfähig
keit, verbunden mit der Empfehlung zum Fallabschluss (
Urk.
7/77 S. 2 Mitte).
3.2
Am 11. August 2009 reichte der Beschwerdeführer eine Rückfallmeldung ein und führte aus, da er täglich starke Schmerzen im linken Bein verspüre, habe er seine Hausärztin aufgesucht, die ihn im Juli 2009 zur weiteren Abklärung zu
Dr.
Z.___
geschickt habe (
Urk.
7/84).
3.3
Dr.
med.
A.___
, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 8. September 2009 (
Urk.
7/85) über die am 23. Juni 2009 erfolgte Konsultation (
Ziff.
1), nannte als Diagnose eine posttraumatische Gonarthrose links (
Ziff.
5) und ver
neinte eine Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
8).
3.4
Dr.
med.
Z.___
, FMH orthopädische Chirurgie, berichtete am 3. Juli 2009 über die gleichentags erfolgte Untersuchung (
Urk.
7/87). Er nannte fol
gen
-
de Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
posttraumatische Gonarthrose bei Status nach Femurfraktur link
s
1969 mit konsekutiver Osteosynthese
-
Status nach Korre
ktur-Osteotomie mit Spongiosaplastik 1971, Material
-
ent
fernung (ME) 1973
-
Status nach Arthrographie Kniegelenk 1979
Dr.
Z.___
führte unter anderem aus, zwar habe sich eine massive Gonarthrose entwickelt; er denke jedoch, aufgrund des Leidensdruckes sei momentan eine Knie-Prothesen-Implantation noch nicht indiziert (S. 2). Angaben zur Arbeitsfä
higkeit oder einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit machte er nicht.
3.5
Am 2
2.
März 2010 attestierte
Dr.
Z.___
dem Beschwerdeführer eine Ar
-
beitsunfä
higkeit von 50
%
als Fernmeldetechniker auf Leitern und in Schächten ab 18. Januar 2010 (
Urk.
7/90).
Am 1. Juni 2010 implantierte
Dr.
Z.___
eine Knie-Totalprothese links (
Urk.
7/103).
Am 31. August 2010
attestierte
Dr.
Z.___
eine Arbeitsunfähigkeit
zu 50
%
vom 18. Januar bis 30. Mai 2010 und von 100
%
ab 31. Mai 2010
für zirka 5 Monate postoperativ
(
Urk.
7/115
Ziff.
4).
Im Unfallschein vermerkte
Dr.
Z.___
folgende Arbeitsunfähigkeiten für die be
-
ruf
liche Tätigkeit als Fernmeldespezialist (
Urk.
7/117/2):
-
am 5. Februar und 10. März 2010: 50
%
ab 18. Januar
-
Operation: 100
%
ab 1. Juni
-
am 8. Juli und 1
2.
August 2010: 100
%
ab 1. Juni
-
am 29. September 2010: 20
%
ab 1. November
Die von
Dr.
Z.___
für die angestammte Tätigkeit attestierte Arbeitsunfähigkeit war somit: 50
%
vom 18. Januar bis 31. Mai 2010, 100
%
vom 1. Juni bis
31. Oktober 2010, 20
%
ab 1. November 2010.
3.6
Am 15. Oktober 2010 berichtete Kreisarzt PD
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, über seine Abschlussuntersuchung (
Urk.
7/121).
Er be
zeichnete das Ergebnis der Implantation einer Knieendoprothese am 1. Juni 2010 als sehr gut (S. 3 Mitte).
In der angestammten Tätigkeit mit häufigem Knien und Einnahme von Zwangs
haltungen sei eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr zu erwarten. Zuzumuten sei eine - näher umschriebene - wechselnd belastende leichte Tätigkeit (S. 3). Die dem Patienten bei der
O.___
in Aussicht gestellte Tätigkeit erscheine möglich
(S. 3 unten).
4.
4.1
Gemäss IK-Auszug vom 20. September 2011 (
Urk.
9) erzielte der Beschwer
-
defüh
rer
in den nachstehend genannten Jahren praktisch ausschliess
lich
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit:
Jahr
Fr.
1999
30‘200
2000
30‘200
2001
31‘500
2002
222‘700
2003
186‘600
2004
169‘800
2005
200‘700
2006
177‘100
2007
186‘500
2008
209‘600
2009
44‘300
4.2
Der
Jahresrechnung 2009
der
C.___
(
Urk.
18/1 S. 3) sind unter anderem folgende Angaben (in gerundeten Fr.) zu entnehmen:
2008
2009
Erlös aus Arbeit
348‘613
118‘669
Kurzarbeitsentschädigung
-
20‘381
Löhne + Sozialleistungen
84‘506
50‘732
Erfolg
198‘647
27‘561
4.3
Am 25. Februar 2009 meldete die
C.___
für voraussichtlich 15. Februar bis
30.
Apri
l
2009
Kurzarbeit
an (
Urk.
18/7), dies für einen Arbeitnehmer (
Ziff.
2). Zur Begründung führte sie aus
,
ausschlaggebend sei in erster Linie die wirt
schaftliche und finanzielle Situation; betroffen sei auch die isscom Technik als Auftraggeberin, deren Investitionsbudget drastisch gekürzt worden sei (
Ziff.
11
a). Wenn der Voranschlag überholt sei, werde ein neuer Zweijahresver
trag 2009-2011 unterzeichnet (
Ziff.
12)
.
Am 15. April 2009 stellte sie ein
en
Fortsetzungsantrag für die Zeit ab 1. Mai 2009 (
Urk.
18/9)
.
Am 16. Oktober 2009 stellte sie einen weiteren Antrag für die Zeit ab 1. Oktober 2009
(
Urk.
18/11)
und führte unter anderem aus, im Moment seien keine neuen Aufträge vorhanden (
Ziff.
10c) und es sei ungewiss, wann die geschilderte Situ
ation bereinigt sein sollte (
Ziff.
10d).
Gleichzeitig gab
sie
an, es sei ein neuer Zweijahresvertrag 2009-2011 unterzeichnet (
Ziff.
12).
4.4
Am 29. September 20
10
fand eine Besprechung mit dem Beschwerdeführer statt, über die am 30. September 20
10
berichtet wurde (
Urk.
7/117
/1
).
Dabei führte der Beschwerdeführer unter anderem aus, aufgrund dessen, dass 2009 im Geschäft ein massiver Arbeitsverlust bestanden habe, habe er sich entschieden, die Knie-Totalprothesen-Versorgung zu forcieren (S. 2 Mitte).
Er habe bis Frühling 2010 zwei Angestellte gehabt. Aufgrund der Forcierung der Knie-Totalprothese habe er seinen Geschäftsinhalt aufgegeben und per Mai 2010 seine
n
letzten Mitarbeiter an eine andere Firma vermitteln können (S. 1 oben).
Da er in seiner ursprünglichen
selbständigen Erwerbstätigkeit häufig Leitern besteigen, Deckel mit Kraft stemmen und knien müsse, sei ihm diese nicht mehr möglich. Entsprechend habe er sich umorientiert. Es bestehe nun seitens der
O.___
das Angebot, ihn per 1. November 2010 als Bauleiter zu beschäftigen; Verhandlungsbasis sei aktuell ein Pensum von 80
%
(S. 2 unten).
Das Geschäft könne er nicht verkaufen, weil es keine Interessenten gebe (S. 4 Mitte).
4.5
Am 26
. Januar 2011 führte der Beschwerdeführer in einer telefonischen Bespre
chung mit der Beschwerdegegnerin unter anderem aus, er habe am 1. November 201
0
die geplante Tätigkeit aufgenommen, damals noch zu
80
%
in Form eines
Stundenlohnes als Selbständigerwerbender. Seit 1. Januar 2011 sei er nun zu 100
%
bei der
Y.___
festangestellt. Sein eigenes Geschäft werde er per Ende März 2011 auflösen (
Urk.
7/132 S. 1).
4.6
Gemäss den entsprechenden Einträgen im Handelsregister wurde die „
C.___
,
X.___
“ am 3. März 2011 gelöscht (
Urk.
23) und wurde am 7. März 2011 die „
C.___
GmbH“ mit einem Stammkapital von
Fr.
20‘000.-- und ei
nem einzigen Gesellschafter und gleichzeitig Geschäftsführer mit Einzelunter
schrift eingetragen (
Urk.
24).
4.7
Im Rahmen einer Besprechung am 2
2.
August 2011 führte der Beschwerdefüh
rer unter anderem aus,
seit der Aufnahme der Arbeit bei der
Y.___
AG übe er keine selbständige Erwerbstätigkeit mehr aus; seine Firma habe er verk
au
ft und stehe dem neuen Besitzer noch, unentgeltlich, für Rat zur Verfügung (
Urk.
7/141 S. 2 Mitte).
5.
5.1
Die erwerblichen Unterlagen zeigen, dass der Beschwerdeführer ab 2002 ein einträgliches Geschäft betrieb und ein jährliches Einkommen von durchschnitt
lich
Fr.
179‘000.-- erzielte
, dies
bis und mit 2008. Im Jahr 2009 brach das selb
ständig erzielte Einkommen jedoch um drei Viertel ein und betrug noch
Fr.
44‘300.-- (vorstehend E. 4.1).
Der im Jahresabschluss ausgewiesene Erfolg reduzierte sich sogar von 2008 auf 2009 um rund 86
%
(vorstehend E. 4.2).
Der Grund dafür lag - unbestrittenermassen - in entsprechenden Entscheidun
gen der
O.___
als seit jeher einzige
r
Auftraggeberin.
Der Beschwerdeführer beantragte (und erhielt sodann) erstmals im Februar 2009 und ein zweites Mal ab Mai 2009
Kurzarbeitsentschädigung
. In den beiden Ge
suchen führte er unter anderem aus, dass nach erfolgter Klärung der Strategie der
O.___
ein neuer Zweijahresvertrag 2009-2011 unterzeichnet werde.
Im dritten Gesuch, die Zeit ab Oktober 2009 betreffend, gab er zwar an, der ge
nannte Vertrag sei unterzeichnet, gleichzeitig aber auch, es seien keine neuen Aufträge vorhanden und es sei ungewiss, wann die Situation bereinigt sein sollte (vorstehend E. 4.3).
5.2
Vorausgesetzt, die Angabe des Beschwerdeführers
im Oktober 2009, es sei
ein neuer Zweijahresvertrag 2009-2011 unterzeichnet
worden
, war zutreffend,
so lässt seine im gleichen Zeitpunkt gemachte Angabe, die Situation sei weiterhin nicht bereinigt und es seien keine neuen Aufträge vorhanden, darauf schliessen, dass der neue Vertrag auf absehbare Zeit - möglichweise bis Ende 2011 - keine mit der früheren vergleichbare Auftragslage erwarten liess.
5.3
Gemäss seinen eigenen Angaben vermittelte der Beschwerdeführer seinen letz
ten Mitarbeiter per Mai 2010 an eine andere Firma (vorstehend E. 4.4). Wie es sich mit einem zweiten Mitarbeiter verhielt, ist nicht restlos klar: Einerseits er
klärte der Beschwerdeführer, er habe bis im Frühling 2010 zwei Angestellte ge
habt (vorstehend E. 4.4). Anderers
eits beantragte
er im Jahr 2009 Kurzarbeit für lediglich eine Person (vorstehend E. 4.3) und schon im Jahr 2008 betrug der Ausgabenposten „Löhne und Sozialleistungen“ nur rund
Fr.
84‘506.--, was auf nur einen Angestellten schliessen lässt, es sei denn, es hätte sich um zwei Teil
pensen oder extrem niedrige Löhne gehandelt.
Jedenfalls ergibt sich aus der vom Beschwerdeführer dargelegten Personalpoli
tik, dass er seinen Betrieb zirka Ende April 2010 eingestellt hat.
Das ist auch insofern plausibel, als kaum ein Kleinbetrieb das Ausbleiben von Aufträgen seitens der einzigen Auftraggeberin während mehr als einem Jahr verkraften dürfte. Dass auch keine ermutigenden Perspektiven bestanden, zeigt sich schliesslich darin, dass der Beschwerdeführer noch im September 2009 keine Interessenten für den Kauf seiner Firma hatte (vorstehend E. 4.4) und dass die schliesslich gegründete Nachfolgefirma mit dem minimalen Gesellschaftskapital ausgestattet war (vorstehend E. 4.6).
5.4
Die medizinischen Unterlagen zeigen, dass die erste Arztkonsultation wegen Kniebeschwerden Ende Juni 2009 erfolgte (vorstehend E. 3.3). Der Anfang Juli 2009 konsultierte Chirurg stellte eine massive Gonarthrose fest, attestierte aber keine Arbeitsunfähigkeit und erachtete eine Operation als noch nicht indiziert (vorstehend E. 3.4). Ab 18. Januar 2010 wurde sodann eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert, am 1. Juni 2010 die Knieprothese implantiert, und ab 1. November 2010 wurde für die angestammte selbständige Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
- mithin
wieder
eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
- attestiert (vorstehend E. 3.5).
5.5
Den Verlauf der Kniebeschwerden
betreffend
ist zu bedenken, dass bereits 1979 eine beginnende Gonarthrose bestand (vorstehend E. 3.1) und dass es sich dabei um ein progredientes Leiden handelt
, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit sich allmählich und zunehmend bemerkbar machen dürften und nicht - wie etwa ein Unfall - schlagartig. Insofern ist von erheblicher Bedeutung, dass der Beschwerdeführer von 2002 bis und mit 2008 ein Erwerbseinkommen in sehr nennenswerter Höhe zu erzielen vermochte, was bei der gegebenen Be
triebsgrösse (1-2 Angestellte) nicht ohne seinen persönlichen Einsatz erfolgt sein kann. Für das Folgejahr (2009) sind zwar Kniebeschwerden aktenkundig, aber keine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit. Eine Teilarbeitsunfähigkeit wurde erst ab Januar 2010 attestiert, dann wurde die Prothese implantiert, und
ab November 2010 betrug die Arbeitsfähigkeit in der früheren Tätigkeit wieder 80
%
.
Somit handelte es sich bei den Kniebeschwerden um eine sich je nach Umstän
den in unterschiedlicher Schärfe präsentierende Problematik. Die Operation vom 1. Juni 2010 kann zwar nicht gerade als Wahleingriff bezeichnet werden, war jedoch bezüglich
des Zeitpunkts in einem erheblichen Mass dem Willen und der Disponibilität des Beschwerdeführers anheimgestellt.
5.6
Würdigt man die erwerblichen und die gesundheitlichen Aspekte gesamthaft, so wird deutlich, dass in einer ersten Phase (2009) die wirtschaftlichen Schwierig
keiten auftraten, deren Perspektiven den Beschwerdeführer veranlassten, sein Geschäft im Frühjahr 2010 aufzugeben. Erst in der Folge gewann die Knieprob
lematik die Bedeutung, welche zur Prothesenversorgung Mitte 2010 führte.
Dies ergibt sich auch aus den Angaben des Beschwerdeführers selber, wonach er sich aufgrund des massiven Arbeitsverlusts 2009 entschieden
habe, die Knie-Total-Prothesen-Versorgung zu forcieren (vorstehend E. 4.4) beziehungsweise, dass er die Auftragsflaute genutzt habe, um sich (2010) der Knieoperation zu unterziehen (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
6). Noch Mitte 2009 legte gemäss ärztlicher Ein
schätzung der Leidensdruck keine Operation nahe (vorstehend E.
3.4); erst 2010 entschied sich der Beschwerdeführer - aufgrund der Auftragsausfälle von 2009 - (nebst der Geschäftsaufgabe)
für eine
Knieoperation
(vorstehend E. 4.4).
Es führte mithin n
icht das Knieleiden zur Geschäftsaufgabe, sondern
das Ausblei
ben von Aufträgen führte zur
Geschäftsaufgabe im Frühjahr 2010
,
und es trat alsdann
das Knieleiden, das
bis Ende 2008 Jahreseinkommen von bis zu
Fr.
209‘600.-- nicht entgegen gestanden hatte und
bis Ende 2009 keine Arbeits
unfähigkeit ausgelöst hatte,
in den Vordergrund
.
5.7
Die Frage, ob wirtschaftliche oder gesundheitliche Gründen zur Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit mit der anschliessenden Aufnahme einer un
selbständigen Erwerbstätigkeit geführt haben, ist nach Lage der Akten klar be
antwortet. Auslöser der hier interessierenden Veränderungen war das Ausblei
ben von Aufträgen seitens der
O.___
und die daraus folgende Geschäftsauf
gabe.
Der aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte Statuswechsel hat zur Folge, dass für eine allfällige Invaliditätsbemessung von der unselbständigen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Nachdem unbestritten ist, dass er in sei
ner jetzigen unselbständigen Erwerbstätigkeit voll arbeitsfähig ist, besteht keine Invalidität.
Somit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
, unter Beilage von Kopien der
Urk.
23-24
-
Rechtsanwalt
Dr.
Beat Frischkopf
, unter Beilage von Kopien der
Urk.
23-24
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannTiefenbacher
MO/TS/BSversandt