# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 096e6c9f-df19-52d0-b7dd-656cbede44cc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-08-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.08.2015 E-5846/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5846-2014_2015-08-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-5846/2014 

 

 
eat 

  U r t e i l  v o m  4 .  A u g u s t  2 0 1 5   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi,  

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner,    

Gerichtsschreiberin Regina Derrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

eigenen Angaben zufolge Volksrepublik China (Tibet),  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 22. September 2014 / N (…). 

 

 

 

E-5846/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge am (…) Februar 2013 und reiste über Nepal, wo er sich nach seiner 

Flucht während knapp sieben Monaten aufgehalten haben will, und ihm 

unbekannte Länder am 10. September 2013 in die Schweiz ein. Am 

11. September 2013 stellte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

Kreuzlingen ein Asylgesuch. Anlässlich der Kurzbefragung am 4. Okto-

ber 2013 sowie der einlässlichen Anhörung am 7. Juli 2014 trug der Be-

schwerdeführer im Wesentlichen Folgendes vor:   

Er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie aus dem Dorf 

B._______ in der Gemeinde C._______, Bezirk D._______, Präfektur 

E._______, Provinz F._______, Tibet, wo er seit seiner Geburt bis zu seiner 

Flucht zusammen mit seinen Eltern gelebt und diesen bei der Landwirt-

schaft geholfen habe. Sein Vater habe ihm viel darüber erzählt, wie sich 

ihre in der Region Amdo lebenden tibetischen Mitbürger für die Freiheit Ti-

bets mittels Selbstverbrennung das Leben nähmen, wobei sein Vater ihn 

ermahnt habe, in der Öffentlichkeit nicht über diese Ereignisse zu spre-

chen. Da diese Selbstverbrennungen den Beschwerdeführer sehr bewegt 

hätten, habe er seinem Kindheitsfreund dennoch im Vertrauen davon er-

zählt. Dieser Freund habe dann in aller Öffentlichkeit und unter Angabe, 

dass er dies vom Beschwerdeführer wisse, über die Selbstmorde berichtet, 

so dass im Dorf bald eine grosse Sache daraus geworden sei. Ein Bekann-

ter seines Vaters habe diesen dann darüber informiert, dass der Beschwer-

deführer in aller Öffentlichkeit über die Ereignisse im Osten Tibets spreche. 

Daraufhin habe sein Vater den Beschwerdeführer nach C._______ ge-

bracht. Kurze Zeit später sei die Polizei bei seinen Eltern zu Hause aufge-

taucht und habe seinem Vater mitgeteilt, dass sie den Beschwerdeführer 

suche, weil er in der Öffentlichkeit über die Selbstverbrennungen im Osten 

Tibets gesprochen habe. Aus diesem Grund und auf Anraten seines Vaters 

habe der Beschwerdeführer schliesslich die Flucht ergriffen.  

B.  

Mit Verfügung vom 22. September 2014 – am darauffolgenden Tag eröffnet 

– lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und 

ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an, wobei 

sie den Vollzug in die Volksrepublik China ausschloss.  

E-5846/2014 

Seite 3 

Zur Begründung hielt die Vorinstanz im Wesentlichen fest, dass es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen sei, im Sinne von Art. 7 des Asylgeset-

zes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) glaubhaft zu machen, dass er 

im Dorf B._______ in der Provinz F._______, Tibet, seine Hauptsozialisa-

tion erfahren habe. Folglich sei davon auszugehen, dass er vor seiner An-

kunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exilti-

betischen Diaspora gelebt habe. So habe er nur geringe und unsubstanti-

ierte Angaben über seine angebliche Herkunftsregion machen können, 

habe er die Fragen zu seinem Leben in B._______ doch entweder mit "ich 

weiss es nicht" beantwortet, sei diesen ausgewichen oder habe diese ein-

fach wiederholt. Die Angaben zu seiner angeblichen Herkunftsregion hät-

ten sich überdies als widersprüchlich erwiesen. So habe er anlässlich der 

Kurzbefragung noch zu Protokoll gegeben, dass die Reise von seinem Dorf 

zum Gemeindehauptort G._______ per "Shote" vierzig Minuten dauern 

würde, während er in der Anhörung angegeben habe, nie nach G._______ 

gereist zu sein. Zudem habe er angegeben, die Schule nur zwei Jahre lang 

besucht zu haben, wobei sein Fernbleiben vom Unterricht ab dem dritten 

Jahr für ihn und seine Eltern keine Konsequenzen gehabt habe. Dies sei, 

so die Vorinstanz, realitätsfremd. Ferner sei es nicht nachvollziehbar, wes-

halb der Beschwerdeführer, der angegeben habe, seit seiner Kindheit in 

der Landwirtschaft gearbeitet zu haben, die Grösse der Felder seiner Fa-

milie nicht habe angeben können. Seine oberflächlichen Ausführungen zu 

seinem Arbeitsalltag kämen ohnehin einer stereotypen Beschreibung des 

tibetischen Dorflebens gleich und erweckten mithin den Eindruck, dass der 

Beschwerdeführer nicht von Selbsterlebtem berichtet habe. Des Weiteren 

habe er bis heute keine Identitätsdokumente oder Unterlagen abgegeben, 

die seine chinesische Staatsangehörigkeit belegen würden. Auch seien 

seine Angaben bezüglich des Besitzes einer chinesischen Identitätskarte 

widersprüchlich. Zudem habe er nur rudimentär – und teilweise gar unzu-

treffend und widersprüchlich – angeben können, wie er diese Identitäts-

karte erhältlich gemacht habe. Auch die Angaben zu seinem Familienbüch-

lein seien nicht korrekt gewesen, habe er doch geltend gemacht, dass 

seine Familie dieses Dokument brauche, um Essen von der Regierung zu 

bekommen. Schliesslich würden seine mangelhaften Chinesischkennt-

nisse darauf hinweisen, dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrschein-

lichkeit nicht in Tibet sozialisiert worden sei. Seine dazu angeführten Erklä-

rungen – dass es auf dem Land keine Chinesen gebe und seine Eltern 

respektive Freunde für ihn gesprochen hätten, wenn eine Verständigung 

mit den Chinesen unumgänglich gewesen sei – überzeugten nicht. Vor 

dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der behaupteten Hauptsozialisation 

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Seite 4 

in der Volksrepublik China werde den vom Beschwerdeführer geltend ge-

machten Ausreise- respektive Asylgründen jegliche Grundlage entzogen. 

Dies werde wiederum durch die Widersprüchlichkeit und Unsubstantiiert-

heit der Schilderung seiner Asylgründe und seines Reisewegs bestätigt.  

Zusammenfassend habe der Beschwerdeführer mithin weder seine 

Hauptsozialisation in der Volksrepublik China noch seine Asylgründe 

glaubhaft machen können. Da er auch keine konkreten Hinweise auf einen 

längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, komme die   Vo-

rinstanz in Anwendung von BVGE 2014/12 zum Schluss, dass keine flücht-

lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den 

bisherigen Aufenthaltsort des Beschwerdeführers bestünden. Die Vo-

rinstanz erachtete den Wegweisungsvollzug mithin für zulässig, zumutbar 

und möglich, solange der Vollzug in die Volksrepublik China ausgeschlos-

sen sei. 

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. 

Oktober 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und in der 

Sache neu zu beurteilen, es sei eine Herkunftsanalyse durch eine sachver-

ständige Person (unabhängiger Tibet-Experte) anzuordnen, er sei als 

Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei 

festzustellen, dass bei ihm subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 

54 AsylG vorlägen; subeventualiter sei er wegen Unzumutbarkeit und Un-

möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung in der Schweiz vorläufig aufzu-

nehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsver-

fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und beantragte, der 

Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.  

Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass es nicht zutreffe, dass 

er viele Fragen mit "ich weiss nicht" beantwortet habe. Auch sei die Vo-

rinstanz fälschlicherweise von der Widersprüchlichkeit seiner Schilderun-

gen bezüglich seiner Herkunft ausgegangen. Zudem liege ein Überset-

zungsfehler vor. So sei er noch nie in D._______, aber bereits in 

C._______ gewesen. Zur Schulpflicht trug er in Wiederholung seiner Aus-

sagen anlässlich der Befragungen vor, dass er von seinen Eltern nach der 

zweiten Klasse aus der Schule genommen worden sei, weil er in der Land-

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Seite 5 

wirtschaft habe helfen müssen. Seine Eltern hätten deswegen keine Prob-

leme mit den chinesischen Behörden gehabt. Dies sei aber schon lange 

her und er wisse nicht, wie die Rechtslage heutzutage aussehe. Soweit er 

informiert sei, nehme die chinesische Regierung die Schulpflicht tibetischer 

Kinder indes nicht so ernst. Zu seinen mangelhaften Chinesischkenntnis-

sen machte er nochmals geltend, dass es in seinem Dorf keine Chinesen 

gegeben habe und er bei Bedarf einer Verständigung mit den Chinesen 

seine Eltern respektive Freunde mitgenommen habe. Zu seiner Herkunfts-

region führte er ferner aus, dass sein Heimatdorf sehr klein, abgelegen und 

unterentwickelt sei. Der Einfluss von China sei zwar spürbar, verglichen mit 

anderen Regionen in Tibet aber noch relativ gering. Seine Ausführungen 

bezögen sich zudem auf die Zeit, in der er noch in Tibet gelebt habe. Wie 

es in seiner Heimatregion heute sei, könne er nicht sagen. Zu den fehlen-

den Ausweispapieren trug er überdies vor, dass er seine Identitätskarte auf 

der Flucht seinem Schlepper habe abgeben müssen. Vor dem Hintergrund 

dieser Ausführung sei die Vorinstanz zu Unrecht davon ausgegangen, dass 

er seine Hauptsozialisation nicht in der Volksrepublik China erfahren habe, 

weshalb zumindest seine Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiver Nach-

fluchtgründe anerkannt werden müsse. So sei ihm denn auch nicht klar, 

wie die Vorinstanz seine Aussagen ohne Begutachtung durch einen unab-

hängigen Tibet-Experten, der die Situation in seiner Heimatregion kenne 

und sachlich beurteilen könne, einschätzen könne.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2014 hielt das Bundesverwal-

tungsgericht fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens 

in der Schweiz abwarten dürfe. Überdies hiess es das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

gut und verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2015 lud das Bundesverwaltungsge-

richt die Vorinstanz – unter ausdrücklichem Hinweis auf das zur Publikation 

vorgesehene Urteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 – zur Stellungnahme zur 

Beschwerde ein. 

F.   

Mit Vernehmlassung vom 10. Juli 2015 legte die Vorinstanz ein als "ver-

traulich" gekennzeichnetes Dokument mit dem Titel "Hintergrundinforma-

tion zum geprüften Länderwissen" ins Recht, auf welches im Rahmen der 

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Seite 6 

Erwägungen näher einzugehen sein wird. Ferner führte die Vorinstanz in 

ihrer Stellungnahme aus, zusammenfassend könne festgehalten werden, 

dass der Beschwerdeführer in der Anhörung zwar einiges über seine Arbeit 

gewusst habe, dies indes nicht unbedingt auf eine Sozialisation in der von 

ihm angegebenen Region zurückzuführen sei, da dieses Wissen auch aus-

serhalb von Tibet habe erworben werden können oder sich bereits durch 

einen kurzen Aufenthalt in Tibet erklären lasse. Insbesondere in den Teil-

bereichen Familienbüchlein, Chinesischkenntnisse, geographische Lokali-

sierung und administrative Einordnung seines Dorfes seien jedoch grosse, 

unentschuldbare Wissenslücken zu Tage getreten. Seine Schilderungen 

bezüglich des Besitzes einer chinesischen Identitätskarte seien zudem 

äusserst konfus und widersprüchlich ausgefallen. Auffallend kurz, pauschal 

und ohne Realkennzeichen habe er ausserdem seinen typischen Tages-

ablauf in Tibet wiedergegeben. Auf konkrete Nachfrage, was er in seiner 

Freizeit gemacht habe, habe er weiter seine tägliche Arbeit beschrieben. 

Dabei erscheine es nicht glaubhaft, dass er keine Zeit für sich selbst zur 

Verfügung gehabt habe. Im Weiteren hielt die Vorinstanz fest, dass im vor-

liegenden Fall keine Lingua-Analyse mit einem länderkundigen Experten 

durchgeführt worden sei, weil bereits aufgrund der Aussagen des Be-

schwerdeführers in der Kurzbefragung grosse Zweifel an seiner geltend 

gemachten Herkunft bestanden hätten, welche in der Anhörung bestätigt 

worden seien. Abschliessend verwies das SEM auf den Grundsatzent-

scheid BVGE 2014/12, welcher die aktuelle Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts in gleichgelagerten Fällen widerspiegle.       

Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer bisher noch nicht 

zur Kenntnis gebracht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM respektive SEM gehört 

zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent-

scheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – 

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endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 

vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin 

einzutreten. 

2.  

Die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 10. Juli 2015 wurde dem Be-

schwerdeführer bisher nicht zur Kenntnis gebracht. Auf eine vorgängige 

Anhörung in diesem Zusammenhang kann gestützt auf Art. 30 Abs. 2 

Bst. c VwVG angesichts des vorliegenden Verfahrensausgangs denn auch 

verzichtet werden. Die Vernehmlassung wird dem Beschwerdeführer zu-

sammen mit dem Urteil zur Kenntnis zugeschickt. Das Dokument "Hinter-

grundinformation zum geprüften Länderwissen" wurde vom SEM als "ver-

traulich / nicht zur Edition" charakterisiert. Eine Offenlegung des wesentli-

chen Inhalts (im Sinne von Art. 28 VwVG) ist bisher nicht erfolgt (vgl. auch 

nachfolgend E. 6.2).  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

4.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 8 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen  oder 

zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz hat einerseits die Pflicht, für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 VwVG 

i.V.m. Art. 6 AsylG) und hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten 

Umstände abzuklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. 

Dabei hat sie alle sach- und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergeb-

nisse in den Akten festzuhalten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). Ande-

rerseits ergibt sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 20 Abs. 

2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. 

April 1999 [SR 101; BV]) das Recht der Parteien auf vorgängige Äusserung 

und Anhörung, welches den Betroffenen Einfluss auf die Ermittlung des 

wesentlichen Sachverhalts sichert, sowie die Pflicht der Behörde, die Vor-

bringen der Parteien sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie in der Ent-

scheidfindung zu berücksichtigen. Unerlässliches Gegenstück dazu bildet 

die Pflicht der Parteien, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken 

(Art. 8 AsylG). 

5.2  

5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im zur Publikation vorgesehenen 

Leiturteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 festgestellt, dass die         Vo-

rinstanz eine neue Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende ti-

betischer Ethnie eingeführt hat. Dabei wird nicht mehr eine Analyse der 

Fachstelle Lingua (Lingua-Analyse respektive Lingua-Alltagswissenseva-

luation) durchgeführt, sondern es werden im Rahmen der eingehenden An-

hörung durch den Sachbearbeiter beziehungsweise die Sachbearbeiterin 

des SEM vertiefte Fragen zu den Länderkenntnissen und zum Alltagswis-

sen der asylsuchenden Person gestellt. Auch bei diesem Vorgehen ist das 

SEM – um dem Untersuchungsgrundsatz und dem Anspruch auf rechtli-

ches Gehör gerecht zu werden – verpflichtet, die Vorbringen der Betroffe-

nen in einer auch für die Beschwerdeinstanz nachvollziehbaren Weise 

sorgfältig und ernsthaft zu prüfen (vgl. a.a.O., E. 5.2.2.1). 

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Seite 9 

5.2.2 Dazu muss für das Bundesverwaltungsgericht – im Sinne einer ers-

ten Mindestanforderung – aus den vorinstanzlichen Akten nicht nur erkenn-

bar sein, welche Fragen das SEM der asylsuchenden Person gestellt hat 

und wie diese darauf geantwortet hat, sondern auch, wie diese Fragen hät-

ten beantwortet werden müssen und weshalb eine in der fraglichen Region 

sozialisierte Person die zutreffenden Antworten hätte kennen müssen. Da 

bei der neuen Methode der Herkunftsabklärung durch die Vorinstanz kein 

amtsexterner Sachverständiger mitwirkt, sind die zutreffenden Antworten 

zudem mit Informationen zu belegen, bei deren Beschaffung, Aufbereitung 

und Präsentation sich die Vorinstanz an den für Informationen über Her-

kunftsländer (Country of Origin Information [COI]) geltenden Standards zu 

orientieren hat (vgl. a.a.O., E. 5.2.2.2). 

5.2.3 Im Sinne einer zweiten Mindestanforderung muss der asylsuchenden 

Person zudem der wesentliche Inhalt der Herkunftsabklärung – entweder 

in einer zu protokollierenden mündlichen Anhörung oder in einer aktenkun-

digen schriftlichen Notiz – zur Kenntnis gebracht und ihr die Möglichkeit 

eingeräumt werden, sich insbesondere zu den als unzureichend eingestuf-

ten Antworten zu äussern. Dabei sind ihr die als tatsachenwidrig, falsch 

oder unzureichend erachteten Antworten unter Angabe der dazugehörigen 

Fragen so detailliert aufzuzeigen, dass sie hierzu konkrete Einwände an-

bringen kann. Es genügt somit nicht, die Schlussfolgerungen der Her-

kunftsabklärung in einer pauschalen Zusammenfassung darzulegen, ohne 

der betroffenen Person die ihr konkret vorgeworfenen Falschangaben in 

geeigneter Weise erkennbar zu machen (vgl. a.a.O., E. 5.2.2.4). 

5.2.4 Sind die genannten Mindestanforderungen nicht erfüllt, verletzt das 

SEM die Untersuchungspflicht und den Anspruch auf rechtliches Gehör, 

weshalb die Sache in der Regel zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen ist. Sind diese Mindestanforderungen indessen erfüllt, unter-

steht die vom SEM im Rahmen der Anhörung durchgeführte Herkunftsab-

klärung als Beweismittel der freien Beweiswürdigung (vgl. a.a.O., 

E. 5.2.3.2). 

6.  

6.1 Im vorliegenden Verfahren legte die Vorinstanz bezüglich der ersten 

Mindestanforderung (vgl. oben, E. 5.2.2) auf Vernehmlassungsstufe ein als 

"vertraulich" bezeichnetes Dokument mit dem Titel "Hintergrundinformation 

zum geprüften Länderwissen" ins Recht, dem mit Verweis auf die gestellten 

Fragen und die jeweiligen Antworten des Beschwerdeführers anlässlich 

der Befragungen zu entnehmen ist, ob diese Antworten nach Ansicht der 

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Seite 10 

Vorinstanz korrekt sind und auf welche Informationen – teilweise unter An-

gabe der dazugehörigen Quellen – sich die Vorinstanz bei der Beurteilung 

dieser Antworten stützte. Mithin wurde die erste Mindestanforderung aus 

dem Leiturteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 vorliegend grundsätzlich er-

füllt, weshalb die vom SEM durchgeführte Herkunftsabklärung, einschliess-

lich des auf Vernehmlassungsstufe eingereichten Dokuments, der freien 

Beweiswürdigung durch das Gericht untersteht (vgl. E. 5.2.4 dieses Ent-

scheids).  

6.2 Indessen wurde die zweite Mindestanforderung aus dem Leiturteil 

E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 betreffend den Anspruch auf rechtliches Ge-

hör vorliegend nicht erfüllt. So wurde dem Beschwerdeführer anlässlich der 

Anhörung selbst zwar Gelegenheit geboten, zu seinen mangelhaften Chi-

nesischkenntnissen und den Konsequenzen infolge Fernbleibens vom 

Schulunterreicht Stellung zu nehmen (vgl. A16/19, F121 f. und F92; A6/14, 

Rz. 1.17.03 f.). Bezüglich des Grossteils der Angaben betreffend seine Her-

kunft – so beispielsweise bezüglich seiner Ausführungen zu seinem Dorf 

(vgl. A6/14, Rz. 6.01; A16/19, F45 ff., F57 ff., F70, F123), zu den Autokenn-

zeichen in Tibet (vgl. A16/19, F88 ff.), zum Anbau und zur Zubereitung von 

Nahrungsmitteln (vgl. A6/14, Rz. 6.01; A16/19, F102 ff.) und zum Familien-

büchlein (vgl. A16/19, F16 ff.) – wurde er demgegenüber nicht konkret da-

rauf hingewiesen, welche seiner Aussagen nicht den Informationen des 

SEM entsprechen würden. Mithin hatte er nicht die Möglichkeit, zu den von 

der Vorinstanz als tatsachenwidrig, falsch oder unzureichend erachteten 

Antworten konkrete Einwände anzubringen.  

Zudem wurde dem Beschwerdeführer angesichts des Verfahrensablaufs 

auch nicht Einsicht in das als "vertraulich" bezeichnete Dokument "Hinter-

grundinformation zum geprüften Länderwissen" gegeben. Zwar hat der Be-

schwerdeführer angesichts überwiegender öffentlicher Geheimhaltungsin-

teressen keinen Anspruch auf vollumfängliche Einsicht in dieses Akten-

stück (vgl. Art. 27 VwVG). Indes verlangt eine rechtsgenügliche Gewäh-

rung der Akteneinsicht, dass dem Beschwerdeführer der wesentliche Inhalt 

dieses Dokuments zur Kenntnis gebracht wird (vgl. Art. 28 VwVG sowie 

zum Ganzen a.a.O., E. 5.2.2.3).  

6.3 Da das SEM nach dem Gesagten vorliegend – trotz Nachreichen der 

Hintergrundinformation zum geprüften Länderwissen auf Vernehmlas-

sungsstufe – den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör 

verletzt hat, ist die Sache angesichts des formellen Charakters des Ge-

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Seite 11 

hörsanspruchs bereits aus diesem Grund an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. Ob auf Beschwerdeebene allenfalls eine Heilung der Gehörsverlet-

zung vorgenommen werden könnte, kann offenbleiben. So gelangt das Ge-

richt – wie nachfolgend erörtert – in freier Beweiswürdigung der vorliegen-

den Herkunftsabklärung zum Schluss, dass diese nicht genügend begrün-

det ist, um die Behauptung des Beschwerdeführers, in Tibet seine 

Hauptsozialisation erfahren zu haben, zu widerlegen. Vor diesem Hinter-

grund ist auch die Berufung der Vorinstanz auf den Grundsatzentscheid 

BVGE 2014/12 unbehelflich.     

6.3.1 Zunächst fällt auf, dass das SEM zur Beurteilung der Antworten des 

Beschwerdeführers zu einem grossen Teil auf Informationen aus Wikipedia 

abstellt. Wikipedia kann sich zwar für den Einstieg in ein Thema eignen, ist 

indes grundsätzlich keine zitierfähige Quelle, da die dort aufgeschalteten 

Informationen von jedermann – unabhängig von der fachlichen Qualifika-

tion – beliebig geändert werden können. In Ausnahmefällen, und nur wenn 

relevante Informationen in Wikipedia gefunden werden, kann die offene 

Enzyklopädie zitiert werden, wobei dann immer eine Validierung der Quelle 

(Bewertung der Objektivität und Verlässlichkeit bezüglich des Autors, der 

Art der Information, der Herkunft und Darstellung der Information sowie der 

Absicht, welche mit der Veröffentlichung dieser Information verfolgt wird) 

und die der Validierung zugrunde liegende Argumentation hinzugefügt wer-

den muss.  

Weiter zieht das SEM zur Beurteilung der Aussagen des Beschwerdefüh-

rers die Ergebnisse der in anderen Fällen durchgeführten Abklärungen im 

Rahmen von Lingua-Analysen und Lingua-Alltagswissensevaluationen 

heran. Dies erscheint insofern problematisch, als diese Resultate stark 

vom zu beurteilenden Einzelfall abhängig sein können und in einem anders 

gelagerten Fall nicht unbedingt zutreffend sein müssen. Aus diesem Grund 

ist es zu vermeiden, auf die Ergebnisse der einzelfallbezogenen Analysen 

der Lingua-Fachstelle abzustellen, es sei denn die relevanten Gegeben-

heiten im herangezogenen Fall wären tatsächlich gleich wie im zu beurtei-

lenden Fall, was indes im Rahmen der Quellenangabe detailliert offenge-

legt werden müsste.  

Schliesslich bediente sich die Vorinstanz zwecks Lokalisierung der vom 

Beschwerdeführer in Beschreibung seiner Herkunftsregion angegebenen 

Orte der übers Internet zugänglichen Karten auf "wikimapia.org", "goog-

le.maps" und "tibetmap.org" sowie eines im Handel erhältlichen Reisefüh-

rers für Tibet und kam zum Schluss, dass sie die vom Beschwerdeführer 

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Seite 12 

genannten Dörfer auf keiner der konsultierten Karten habe finden können, 

weil dieser nicht in der Lage gewesen sei, seine Heimatregion detailliert zu 

beschreiben. Eine zielführende Suche nach den von einer asylsuchenden 

Person angegebenen geographischen Punkte alleine mittels des genann-

ten Kartenmaterials kann im Tibet-Kontext aus verschiedenen Gründen 

schwierig sein. So haben Orte, aber auch Flüsse, Seen und Berge häufig 

sowohl einen tibetischen als auch einen chinesischen und allenfalls gar 

einen weiteren Namen in einer anderen Sprache, sind auf den konsultier-

ten Karten indes regelmässig nur mit dem Namen in einer dieser Sprachen 

vermerkt. Sollte der von einer asylsuchenden Person genannte Name nicht 

mit dem in den konsultierten Karten verwendeten Namen übereinstimmen, 

bleibt die gewünschte Lokalisierung in der Regel erfolglos. Ferner dürfte 

die Schreibweise eines von einer asylsuchenden Person genannten Ortes 

in lateinischer Schrift häufig unklar sein. Für eine seriöse Suche nach den 

von einer asylsuchenden Person angegebenen geographischen Punkten 

dürfte mithin der Beizug einer orts- und allenfalls gar sprachkundigen Per-

son unumgänglich sein. In jedem Fall ist nach dem Gesagten aufgrund der 

Tatsache, dass die Vorinstanz die vom Beschwerdeführer erwähnten Orte 

auf "wikimapia.org", "google.maps" und "tibetmap.org" sowie im genannten 

Reiseführer für Tibet nicht finden konnte, noch nicht erstellt, dass es diese 

Orte nicht gibt respektive sich diese nicht in der Herkunftsregion des Be-

schwerdeführers befinden.  

6.3.2 Ferner fällt auf, dass die Informationen, auf die das SEM zwecks Be-

urteilung der Antworten des Beschwerdeführers abstellt, regelmässig auf 

einer dünnen Quellenlage basieren, wird im Dokument "Hintergrundinfor-

mation zum geprüften Länderwissen" zu einem Thema doch häufig nur 

eine einzige Quelle zitiert. Dies scheint mit Blick auf die für die Beschaffung 

von COI geltenden Standards insofern problematisch, als dabei im We-

sentlichen zu beachten ist, dass eine möglichst grosse Bandbreite an und 

insbesondere auch unterschiedliche Arten von Quellen zu suchen sind. 

Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die Situation im Herkunfts-

land so objektiv, ausgewogen und verlässlich wie möglich abgebildet wird 

(vgl. Europäische Union, Gemeinsame EU-Leitlinien für die Bearbeitung 

von Informationen über Herkunftsländer [COI], April 2008, S. 6-17; RAINER 

MATTERN, COI-Standards: Die Verwendung von Herkunftsländerinformati-

onen [COI] in Entscheiden der Asylinstanzen, ASYL 3/10, S. 4 f.).  

Dass das Resultat einer Recherche beim Abstellen auf einzelne wenige 

Quellen anders ausfallen kann, als bei einer Konsultation einer möglichst 

grossen Bandbreite an Hintergrundinformation, sei anhand der Fragen, ob 

E-5846/2014 

Seite 13 

in der Volksrepublik China sozialisierte Tibeter über Chinesischkenntnisse 

verfügen und die obligatorische Schulzeit absolvieren, dargelegt. Gemäss 

Informationen unbekannten Ursprungs ging das SEM im Dokument "Hin-

tergrundinformation zum geprüften Länderwissen" davon aus, dass heute 

und bereits zum Zeitpunkt, in dem sich der Beschwerdeführer in der gel-

tend gemachten Region aufgehalten haben wolle, Chinesisch im Alltag oft 

gebraucht werde, weshalb rudimentäre Kenntnisse dieser Sprache, in Sät-

zen, für eine in Tibet sozialisierte Person Voraussetzung seien. Die weni-

gen vom Beschwerdeführer in der Anhörung verwendeten Begriffe reichten 

nicht aus, um eine Sozialisation in der Volksrepublik China zu belegen. 

Während das U.S. Department of State diese Aussage zu stützen scheint, 

indem es ausführt, dass Mandarin in Tibet weitverbreitet sei, im Umgang 

mit Behörden gebräuchlich sei und auch in den öffentlichen Schulen in Ti-

bet gesprochen werde (vgl. U.S. Department of State, Country Reports on 

Human Rights Practices for 2013 – China [includes Tibet, Hong Kong, and 

Macau] – Tibet, 27. Februar 2014), weisen diverse Quellen darauf hin, dass 

die offizielle Sprache in Tibet zwar Chinesisch ist, die meisten Tibeter – 

insbesondere jene aus ländlichen Gebieten – aber nur sehr schlecht oder 

gar kein Chinesisch sprechen (vgl. Inter Press Service, Can China Pacify 

Its Restive Minorities Peacefully?, 13. Oktober 2014; WANG SHIYONG, Ti-

betan Market Participation in China, 2009, https://helda.hel-

sinki.fi/bitstream/handle/10138/21835/tibetanm.pdf?sequence=2, abgeru-

fen am 17. Juli 2015, S. 113 und 134; NICOLAS TOURNADRE, The Dynamics 

of Tibetan-Chinese Bilingualism, in: China Perspectives 45/2003, Rz. 32). 

So hätten Tibeter oft keine Beziehung zur chinesischen Bevölkerung (vgl. 

Tibetan Centre for Human Rights and Democracy [TCHRD], Human Rights 

Situation in Tibet – Annual Report 2009, 2010, 

http://de.scribd.com/doc/105358820/Annual-Report-TCHRD-2009, abge-

rufen am 17. Juli 2015). Ferner fehle es in den ländlichen Gebieten Tibets 

häufig an qualifizierten Chinesischlehrern (vgl. Deutschlandradio, Wohl-

stand oder Tradition – Chinas Tibetische Minderheit steht unter Druck, 6. 

Juli 2011; RONG MA, Education of Ethnic Minorities in Contemporary China, 

International Symposium on China's Positive Policies in Minority Educa-

tion: Plural Perspectives, 14. April 2006, S. 12). Auch seien viele Tibeter 

Analphabeten (vgl. Human Rights Watch [HRW], "They Say We Should Be 

Grateful" – Mass Rehousing and Relocation Programs in Tibetan Areas of 

China, 27. Juni 2013). So werden die von der chinesischen Regierung an-

gegebenen Zahlen zur hohen Einschulungs- und Alphabetisierungsrate in 

Tibet von westlichen Wissenschaftlern angezweifelt. Die Zeitschrift Tibetan 

Review berichtete in ihrer Ausgabe von Juni 2011 beispielsweise davon, 

dass vierzig bis sechzig Prozent der tibetischen Kinder nicht zur Schule 

E-5846/2014 

Seite 14 

gingen (vgl. KALSANG WANGDU, China's minority education policy with re-

ference to Tibet, in: Tibetan Review Juni 2011, S. 20; vgl. ferner GERARD 

A. POSTIGLIONE/BEN JIAO/MELVYN C. GOLDSTEIN, Education in the Tibetan 

Autonomous Region: policies and practices in rural and nomadic commu-

nites, in: Janette Ryan, Education reform in China, 2011, S. 92 ff.). Anderen 

Quellen zufolge, liege das Problem darin, dass die lokalen Beamten unter 

Druck stehen würden, Daten zur Einschulungsrate zu beschönigen und die 

tatsächliche Alphabetisierungsrate nicht zu messen (vgl. Washington Post, 

Illiteracy Jumps in China, Despite 50-Year Campaign to Eradicate It, 27. 

Juli 2007).  

6.3.3 Des Weiteren wurden die auf Beschwerdeebene und im Rahmen der 

Befragungen bei Gelegenheit angebrachten Einwände des Beschwerde-

führers (vgl. z.B. A6/14, Rz. 1.17.03 f. und A16/19, F91 ff. und F114) bei 

der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Herkunftsangabe nur ungenü-

gend berücksichtigt und ausgeräumt, wie aufgrund der Ausführungen in E. 

6.3.2 dieses Entscheids mit Bezug zu seinen mangelhaften Chinesisch-

kenntnissen und der Schulpflicht klar wird.   

6.3.4 Schliesslich ist mit Blick auf das auf Vernehmlassungsstufe einge-

reichte Dokument "Hintergrundinformation zum geprüften Länderwissen" 

festzustellen, dass der Beschwerdeführer nach Ansicht der Vorinstanz ei-

nen nicht unerheblichen Teil der gestellten Fragen korrekt beantworten 

konnte. Diese korrekten Antworten sind bei der Beurteilung der Glaubhaf-

tigkeit der Herkunftsangabe des Beschwerdeführers gebührend zu berück-

sichtigen. So hat eine Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen von 

Asylsuchenden nach Lehre und konstanter Praxis in einer Gesamtwürdi-

gung aller Umstände zu erfolgen, wobei eine sorgfältige Abwägung zwi-

schen den für oder gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Argumenten 

und Indizien vorzunehmen ist (vgl. etwa BVGE 2010/57 E. 2.3 m.w.H.). In 

diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das SEM überdies 

nur einen Teil des geprüften Wissens tatsächlich evaluiert hat. So fanden 

beispielsweise die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den in seiner 

Region in den Läden verfügbaren Lebensmitteln und den Preisen (vgl. 

A16/19, F76 ff.; A6/14, Rz. 6.01) oder zu den von seiner Familie angeblich 

angebauten Pflanzen (vgl. A16/19, F102 ff.) keinen Eingang in die Beurtei-

lung seines Länder- und Alltagswissens. Gerade weil der Beschwerdefüh-

rer nicht völlig unsubstantiierte und haltlose Angaben zu seiner Herkunft 

aus Tibet gemacht hat, wäre eine bei der Gesamtwürdigung und Evaluation 

gebührende Berücksichtigung seiner noch nicht beurteilten Angaben von 

Interesse.      

E-5846/2014 

Seite 15 

6.3.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz – neben der Gehörsverletzung 

(vgl. E. 6.2 dieses Entscheids) – auch den Sachverhalt zumindest mit Be-

zug zu der von ihr angezweifelten Herkunftsangabe des Beschwerdefüh-

rers nicht vollständig respektive richtig abgeklärt, selbst wenn sie der ers-

ten Mindestanforderung im zur Publikation vorgesehenen Leiturteil E-

3361/2014 vom 6. Mai 2015 wenigstens in formeller Hinsicht nachgekom-

men ist.  

7.  

Nach dem Gesagten und angesichts der Tatsache, dass sich die Entschei-

dungsreife im vorliegenden Fall nicht mit geringem Aufwand herstellen 

lässt, ist es gestützt auf Art. 61 Abs. 1 VwVG angezeigt, die Sache zur 

vollständigen und richtigen Sachverhaltsabklärung im Sinne der vorange-

henden Erwägungen – unter rechtsgenüglicher Gewährung des rechtli-

chen Gehörs im Sinne des zur Publikation vorgesehenen Leiturteils 

E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 – ans SEM als erste Instanz zurückzuwei-

sen.  

8.  

Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung beantragt wird. Der vorinstanzliche Entscheid vom 

22. September 2014 ist aufzuheben und die Sache in Anwendung von Art. 

61 Abs. 1 in fine VwVG zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsermitt-

lung – unter rechtsgenüglicher Gewährung des rechtlichen Gehörs – und 

Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen ans SEM zurückzuweisen.  

9.  

Bei dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weite-

ren Vorbringen in der Beschwerde.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 VwVG).  

Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann von der Beschwer-

deinstanz von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr 

erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zugesprochen 

werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Da der Beschwerdeführer im Rechtsmittel-

verfahren nicht vertreten war, ist nicht ersichtlich, welche verhältnismässig 

hohen Kosten ihm entstanden sein könnten, weshalb ihm keine Entschä-

digung zuzusprechen ist.  

E-5846/2014 

Seite 16 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5846/2014 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des BFM vom 22. September 2014 wird aufgehoben und 

die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht wird keine Partei-

entschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Regina Derrer 

 

 

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