# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1dbbda45-46cf-5575-87bf-ac3f524f7538
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.02.2025 D-6866/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6866-2023_2025-02-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6866/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  F e b r u a r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer,  

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, 

geboren am [...], 

Afghanistan,  

vertreten durch Mariflor Lopez, MLaw, 

Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel,  

[...],  

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft (Familienasyl)  

zugunsten von B._______,  

geboren am [...], Afghanistan;  

Verfügung des SEM vom 8. November 2023 

 

 

D-6866/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stellte am 18. Januar 2022 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch. Mit Verfügung vom 9. März 2022 anerkannte ihn das Staatssekre-

tariat für Migration (SEM) als Flüchtling und gewährte ihm Asyl. 

B.  

Mit Eingabe an das SEM vom 14. Juni 2023 stellte der Beschwerdeführer 

ein Gesuch um Einbezug von B._______ – bei welcher es sich um seine 

Ehefrau handle – in seine Flüchtlingseigenschaft und um Gewährung des 

Familienasyls sowie um Bewilligung der Einreise in die Schweiz. 

C.  

Mit Verfügung vom 8. November 2023 (Datum der Eröffnung: 9. November 

2023) lehnte das SEM das Gesuch des Beschwerdeführers um Einbezug 

von B._______ in dessen Flüchtlingseigenschaft und um Gewährung des 

Familienasyls ab.  

D.  

Diesen Entscheid focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts-

vertreterin vom 11. Dezember 2023 beim Bundesverwaltungsgericht an. 

Dabei beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Ge-

währung des Familienasyls zugunsten von B._______ und die Bewilligung 

von deren Einreise in die Schweiz, eventualiter die Zurückweisung der Sa-

che an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung. In prozessualer Hinsicht 

ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Dezember 2023 wurde das Gesuch um 

unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen.  

F.  

Mit Vernehmlassung vom 29. Dezember 2023 hielt das SEM vollumfäng-

lich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. Hiervon wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 

16. Januar 2024 Kenntnis gegeben. 

G.  

Mit Schreiben vom 30. April 2024, 21. August 2024 und 18. Dezember 

2024 erkundigte sich die Rechtsvertreterin nach dem Verfahrensstand. 

D-6866/2023 

Seite 3 

Entsprechende Antworten wurden durch das Bundesverwaltungsgericht 

mit Schreiben vom 30. Mai 2024, 11. September 2024 und 20. Dezember 

2024 übermittelt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) 

durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Perso-

nen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor wel-

chem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.  

Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht ein-

gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; 

Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – 

Ehegatten von asylberechtigten Flüchtlingen und deren minderjährige Kin-

der ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sofern keine be-

sonderen Umstände dagegensprechen.  

Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung ent-

gegenstehende besondere Umstände sind gemäss der Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. zum Folgenden BVGE 2018 VI/6 

E. 5.1 f., 2017 VI/4 E. 3.1, 2012/32 E. 5.1 und 5.4.2) beispielsweise anzu-

nehmen, wenn das Familienmitglied Bürger oder Bürgerin eines anderen 

Staates als der Flüchtling ist und die Familie in diesem Staat nicht gefähr-

det ist, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ erworben hat oder wenn 

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Seite 4 

das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und er-

kennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie 

zusammenzuleben. In jedem Fall bedingt die Zuerkennung der Flüchtlings-

eigenschaft, dass die anspruchsberechtigte Person ihren Heimat- oder 

Herkunftsstaat verlassen hat. Im Hinblick hierauf haben Personen, welche 

nach Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge anzuerkennen sind, aus Art. 51 

Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, so-

fern sie sich im Ausland aufhalten und durch die Flucht des anerkannten 

Flüchtlings von diesem getrennt wurden. Dabei setzt das Kriterium der 

Trennung durch die Flucht nach ständiger Rechtsprechung voraus, dass 

die vorbestandene Familiengemeinschaft alleine aufgrund der Fluchtum-

stände und somit unfreiwillig getrennt wurde. Das Bundesverwaltungsge-

richt geht bei Familien, die bereits vor der Ausreise des asylberechtigten 

Mitglieds im Heimatstaat getrennt lebten, gleichwohl von einer vorbestan-

denen gelebten Familiengemeinschaft aus, wenn zwingende Gründe für 

das Getrenntleben vorgelegen haben. Die Bewilligung der Einreise zwecks 

Gewährung von Familienasyl gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG dient der 

Bewahrung von vorbestandenen Familiengemeinschaften beziehungs-

weise deren Wiederherstellung, sofern die Gemeinschaft alleine aufgrund 

der Fluchtumstände und somit unfreiwillig getrennt wurde, aber weder der 

Aufnahme von neuen respektive von vor der Flucht noch gar nicht gelebten 

familiären Beziehungen, noch der Wiederaufnahme von zuvor beendeten 

Beziehungen. 

3.2  

3.2.1 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Gesuchs um 

Familienasyl zugunsten von B._______ im Wesentlichen Folgendes vor: 

B._______ und er würden sich seit der Kindheit kennen, sie hätten im sel-

ben Dorf gewohnt und zusammen die Schule besucht. Seit sie ungefähr 

zwanzig Jahre alt gewesen seien, hätten sie heimlich eine romantische Be-

ziehung geführt. Dies sei in Afghanistan traditionellerweise verboten, so-

lange man nicht verheiratet sei. Im April 2021 hätten ihre Familien von der 

Beziehung erfahren und diese gutgeheissen. Bald darauf seien sie in der 

Moschee religiös verlobt worden. Nach diesem Ritual, bei welchem auch 

Zeugen anwesend seien, sei man nach afghanischem Recht offiziell ver-

heiratet. Dies könne mittels der mit dem Gesuch um Familienasyl einge-

reichten Heiratsurkunde nachgewiesen werden.  

Traditionellerweise müsse die Ehe in Afghanistan nach der religiösen Ver-

lobung noch durch ein Hochzeitsfest offiziell vollzogen werden. Erst nach 

dem Hochzeitsfest sei es den Eheleuten gestattet, in einer gemeinsamen 

Wohnung zu leben. Die Umstände, aufgrund derer er, der Beschwerde-

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führer, in der Schweiz Asyl erhalten habe, hätten ihn jedoch bald darauf zur 

Ausreise aus Afghanistan gezwungen, noch bevor die Ehe durch das 

Hochzeitsfest traditionell habe vollzogen werden können. Ein offizielles Zu-

sammenleben habe aufgrund der gesellschaftlichen Gepflogenheiten folg-

lich noch nicht stattgefunden. Jedoch seien er und B._______ im rechtli-

chen Sinne ein verheiratetes Paar und würden schon seit Jahren eine Lie-

besbeziehung führen. Auch seit seiner Flucht stehe er fast täglich telefo-

nisch und über "WhatsApp" im Austausch mit seiner Ehefrau. 

Mit seinem Gesuch übermittelte der Beschwerdeführer als Beweismittel 

eine Kopie einer vom 29. April 2021 datierenden englischsprachigen Ur-

kunde mit dem Titel "Religious Marriage Contract" einer afghanischen reli-

giösen Behörde ([...]), eine Photographie des Paares anlässlich – gemäss 

eigenen Angaben – der Verlobungsfeier, eine Photographie der afghani-

schen Identitätskarte von B._______ sowie Auszüge aus "WhatsApp"-

Chats zwischen den Genannten. 

3.2.2 Das SEM begründete die Ablehnung des Gesuchs um Einbezug von 

B._______ in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und um 

Gewährung des Familienasyls in der angefochtenen Verfügung im Wesent-

lichen folgendermassen: Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung 

zwecks Familienasyl ersuche, habe die Zugehörigkeit des nachzuziehen-

den Angehörigen zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht 

vorbestandene Familiengemeinschaft, die Familientrennung durch die 

Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienvereinigung beider Anspruchs-

berechtigten nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.  

Die Angaben des Beschwerdeführers im Gesuch um Familienasyl würden 

seinen eigenen Aussagen im Asylverfahren widersprechen. Beispielsweise 

habe er dort angegeben, seine Verlobung habe am 9. April 2021 stattge-

funden, während gemäss der eingereichten Heiratsurkunde mit Ausstel-

lungsdatum 29. April 2021 die Verlobung beziehungsweise Heirat am 

26. April 2021 stattgefunden haben solle. Anlässlich seiner Anhörung im 

Asylverfahren vom 2. März 2022 habe er die Existenz der Heiratsurkunde 

mit keinem Wort erwähnt. Auch habe er diese damals nicht als Beweismit-

tel eingereicht, obwohl sie aufgrund des Ausstellungsdatums bereits in sei-

nem Besitz hätte sein müssen. Zudem habe er bei der Anhörung auf ent-

sprechende Nachfrage angegeben, er habe seine Partnerin nicht geheira-

tet. Diese Aussage widerspreche der Behauptung im Gesuch um Familien-

asyl, wonach er und B._______ im rechtlichen Sinn bereits verheiratet ge-

wesen seien. Bei der Aufzählung der Personen, mit denen er vor seiner 

Ausreise aus Afghanistan in einem gemeinsamen Haushalt gelebt habe, 

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habe er B._______ ebenfalls nicht erwähnt, sondern lediglich seine Eltern 

und Geschwister. 

Angesichts dieser Ungereimtheiten sei eine im Zeitpunkt der Flucht vorbe-

standene Familiengemeinschaft des Beschwerdeführers mit B._______ 

nicht glaubhaft. An dieser Einschätzung würden auch die eingereichten Be-

weismittel nichts ändern. Abgesehen davon, dass der Inhalt der in Kopie 

eingereichten Heiratsurkunde den Vorbringen des Beschwerdeführers im 

Asylverfahren widerspreche, handle es sich dabei lediglich um ein Blanko-

formular, auf welchem Einträge vorgenommen worden seien. Aufgrund der 

Möglichkeiten solcher Dokumente zur Manipulation sei dieser Heiratsur-

kunde kein grosser Beweiswert beizumessen.  

3.2.3 Dem wurde in der Beschwerdeschrift im Wesentlichen Folgendes 

entgegengehalten.  

Hinsichtlich des Arguments, der Beschwerdeführer habe in seinem Gesuch 

um Familiennachzug seinen eigenen Aussagen im Asylverfahren wider-

sprochen, wurde dargelegt, er habe in der Tat ausgesagt, er sei verlobt, 

habe aber aufgrund der Ermordung seines Bruders und der Machtüber-

nahme der Taliban B._______ nicht mehr geheiratet, weil er habe fliehen 

müssen. Bei dieser Aussage sei er vom traditionellen Verständnis einer 

Ehe in Afghanistan ausgegangen, wo die religiöse Verlobung beziehungs-

weise Heirat noch durch ein Hochzeitsfest offiziell vollzogen werden 

müsse, welches in seinem Fall aber nicht habe stattfinden können. In der 

Anhörung sei es in erster Linie um seine Asylgründe gegangen, und die 

Verlobung habe er beiläufig bei der Frage erwähnt, ob er Kinder habe. Im 

Anschluss daran seien ihm keine weiteren Fragen dazu gestellt worden, 

weshalb er auch keine sonstigen Ausführungen dazu gemacht und weder 

die Verlobungsparty, das Ritual in der Moschee noch die Heiratsurkunde 

erwähnt habe. Weshalb er die Heiratsurkunde als Beweismittel im Asylver-

fahren hätte einreichen sollen, sei nicht nachvollziehbar.  

An einem weiteren Punkt der Anhörung sei der Beschwerdeführer zudem 

gefragt worden, wann die Verlobung stattgefunden habe. Darauf habe er 

geantwortet, dies sei ungefähr zwei Monate vor dem Tod seines Bruders 

gewesen, da er das genaue Datum in diesem Moment nicht mehr gewusst 

habe. Das Datum 9. April 2021 habe im Übrigen die dolmetschende Person 

zu Protokoll gegeben, wobei er keine Möglichkeit gehabt habe, deren An-

gabe zu überprüfen. Seine Antwort, dass die Verlobung beziehungsweise 

Heirat ungefähr zwei Monate vor dem Tod seines Bruders am 22. Mai 2021 

stattgefunden habe, stimme tatsächlich nicht mit der Heiratsurkunde vom 

29. April 2021 überein. Er sei sich im Moment der Anhörung zu seinen 

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Asylgründen schlicht nicht mehr sicher gewesen, weshalb er seine Aus-

sage auch nur vage gehalten habe. Die Verlobung beziehungsweise Heirat 

sei in der Anhörung zu seinen Asylgründen ein beiläufiges, kurz ange-

schnittenes Thema gewesen. Er habe sich nicht ausführlich dazu geäus-

sert, weil es in jenem Moment nicht relevant erschienen sei, und es seien 

ihm dazu auch keine vertiefenden Fragen gestellt worden. Gemäss dem 

traditionellen afghanischen Verständnis habe er gesagt, er sei "verlobt", da 

noch kein Hochzeitsfest stattgefunden habe. Eigentlich sei er aber verhei-

ratet, was mittels der Heiratsurkunde belegt werden könne. Es sei im Übri-

gen nicht angemessen, dass das SEM diesen beiläufigen Angaben in der 

Anhörung so viel Bedeutung zumesse, dies ohne ihm das rechtliche Gehör 

dazu zu gewähren und ihm Gelegenheit zur Klärung der Ungereimtheiten 

zu geben.  

Soweit das SEM bemängle, dass der Beschwerdeführer seine Ehefrau un-

ter den Personen nicht erwähnt habe, mit denen er vor seiner Ausreise 

zusammengelebt habe, sei festzuhalten, dass er in seinem Gesuch um Fa-

miliennachzug bereits ausgeführt habe, dass er mit B._______ noch nie 

zusammengewohnt habe, da ein offizielles Zusammenleben aufgrund der 

gesellschaftlichen Gepflogenheiten vor dem traditionellen Vollzug der Ehe 

durch das Hochzeitsfest noch nicht möglich gewesen sei. Die Ereignisse, 

aufgrund derer er in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei, seien 

dazwischen gekommen, womit das beabsichtigte Hochzeitsfest nicht habe 

stattfinden können. Auch wenn er noch nie mit seiner Ehefrau zusammen-

gewohnt habe, hätten sie doch zum Zeitpunkt seiner Ausreise seit etwa 

vier Jahren eine innige Liebesbeziehung geführt. 

Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei der Um-

stand, dass ein gemeinsamer Haushalt bestanden habe, zwar ein wichti-

ges Indiz für das Bestehen einer Familiengemeinschaft, welcher es bei 

Konkubinatspaaren regelmässig vor ihrer Ausreise bedürfe. Das Fehlen ei-

nes gemeinsamen Haushalts schliesse jedoch das Bestehen einer geleb-

ten Beziehung oder einer schützenswerten Familiengemeinschaft grund-

sätzlich nicht aus (unter Hinweis auf die Urteile des BVGer E-1159/2017 

vom 16. November 2017, D-7792/2016 vom 20. Februar 2017 E. 3.9 und 

D-259/2015 vom 27. April 2015 E. 5.2 sowie das Urteil des Europäischen 

Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Brauer gegen Deutschland vom 

28. Mai 2009, Beschwerde Nr. 3545/04, Ziff. 30). 

Bezüglich der Feststellung der Vorinstanz, wonach der eingereichten Kopie 

einer Heiratsurkunde kein grosser Beweiswert beizumessen sei, wurde in 

der Beschwerdeschrift schliesslich ausgeführt, in Afghanistan gebe es ver-

schiedene Typen der Heiratsurkunde. Eine "Nikah Khat" sei ein Büchlein 

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Seite 8 

mit grünem oder weissem Umschlag, das kurz nach der Heirat von Gerich-

ten in Afghanistan sowie von manchen afghanischen Auslandsvertretun-

gen ausgestellt werde. Eine "Wasiqa Khat" sei ein einseitiges Dokument 

mit blauer Umrandung, das von Gerichten in Afghanistan ausgestellt 

werde, wenn die Heirat erst längere Zeit nach der Eheschliessung regis-

triert werde. Eine "Nikahnameh" sei ein Ehevertrag, der im Rahmen der 

religiösen Zeremonie ausgestellt werde. Die "Nikahnameh" sei kein amtli-

ches Dokument, und weder Layout noch Inhalt seien einheitlich, sondern 

würden von der ausstellenden religiösen Institution abhängen. Viele Ein-

wohnerinnen und Einwohner Afghanistans besässen keinen amtlichen 

Ehevertrag, sondern lediglich den bei der religiösen Heirat ausgestellten 

Ehevertrag (unter Hinweis auf SEM, Focus Afghanistan. Identitäts- und Zi-

vilstandsdokumente, vom 12. April 2023).  

Die Heiratsurkunde, wovon der Beschwerdeführer eine Kopie vorlegen 

könne, sei eine sogenannte "Nikahnameh". Es sei zudem darauf hinzuwei-

sen, dass nur wenige Ehepaare in Afghanistan eine amtliche Heiratsur-

kunde besitzen würden, obwohl die Registrierung einer Heirat obligatorisch 

sei. Dies liege daran, dass das Verfahren kompliziert und die Registrierung 

der Heirat teils stigmatisiert sei. Afghanische Behörden würden generell 

nicht nach Heiratsurkunden fragen und nicht-registrierte Ehen faktisch 

nicht als ungültig betrachten. Einwohnerinnen und Einwohner Afghanistans 

würden oft nur dann Heiratsurkunden beantragen, wenn sie diese auslän-

dischen Behörden vorlegen müssten (unter Hinweis auf SEM, a.a.O.). 

3.2.4 Das SEM nahm zu den beschwerdeweisen Ausführungen im Rah-

men der Vernehmlassung keine Stellung.  

4.  

Der Beschwerdeführer bemängelt hinsichtlich des vorinstanzlichen Verfah-

rens, dass das SEM den Angaben zu seinem Verhältnis zu B._______, die 

er in der Anhörung zu seinen Asylgründen beiläufig gemacht habe, eine 

grosse Bedeutung zumesse, ihm jedoch dazu das rechtliche Gehör und 

mithin die Gelegenheit zur Klärung der Ungereimtheiten nicht gewährt 

habe. Dem Beschwerdeführer ist zwar insofern zuzustimmen, als anläss-

lich der Anhörung im ordentlichen Asylverfahren die Frage der Verlobung 

und/oder Eheschliessung zwischen ihm und B._______ nur am Rand eine 

Rolle spielte, da ihr für seine Asylgründe keine ersichtliche Bedeutung zu-

kam. Dies ändert aber nichts daran, dass der Beschwerdeführer in diesem 

Rahmen deutliche Aussagen machte, welche für die Beurteilung der sich 

stellenden Rechtsfragen heranzuziehen sind (vgl. anschliessend, E. 5.2). 

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Seite 9 

Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, welche implizit gerügt wird, ist da-

her nicht zu erkennen.  

5.  

5.1 In materieller Hinsicht ist dem Beschwerdeführer zunächst darin zuzu-

stimmen, dass das Fehlen eines gemeinsamen Haushalts das Bestehen 

einer gelebten Beziehung oder einer schützenswerten Familiengemein-

schaft nicht grundsätzlich ausschliesst (vgl. zuvor, E. 3.1). Dem vom SEM 

in der angefochtenen Verfügung erwähnten Umstand, dass B._______ bei 

der Aufzählung der Personen, mit denen der Beschwerdeführer vor seiner 

Ausreise aus Afghanistan in einem gemeinsamen Haushalt gelebt habe, 

nicht erwähnt worden sei, kommt insofern keine entscheidwesentliche Be-

deutung zu.  

5.2 Jedoch erweist sich aufgrund der sonstigen Angaben des Beschwer-

deführers und der daraus zu ziehenden Schlüsse nicht als glaubhaft, dass 

er sich vor seiner Flucht aus Afghanistan in einer gelebten und somit im 

Sinne der gesetzlichen Vorgaben und der entsprechenden Rechtspraxis 

geschützten Familiengemeinschaft mit B._______ befand.  

5.2.1 Im Rahmen seiner Anhörung im Asylverfahren (entsprechendes Pro-

tokoll, S. 3 und 5) sagte der Beschwerdeführer zu seinen Familienverhält-

nissen aus, er sei verlobt. Nachdem sein Bruder ums Leben gekommen 

sei – wobei dessen Todestag der 22. Mai 2021 sei – und die Taliban an die 

Macht gekommen seien, habe er B._______ nicht mehr geheiratet. Die 

Verlobung habe zwei Monate vor dem Tod des Bruders, nämlich am 

20. Nowruz beziehungsweise am 20. des ersten Monats des Jahres 1400 

stattgefunden. Diese Datumsangabe gemäss der in Afghanistan gebräuch-

lichen persischen Zeitrechnung entspricht dem 9. April 2021. 

Gemäss den Angaben im Gesuch um Familienasyl zugunsten von 

B._______ sollen die Familien des Beschwerdeführers und der Genannten 

im April 2021 von der Beziehung erfahren und diese gutgeheissen haben. 

Bald darauf seien sie in der Moschee religiös verlobt worden. Nach diesem 

Ritual, bei welchem auch Zeugen anwesend seien, sei man nach afghani-

schem Recht offiziell verheiratet. Dies könne mittels der mit dem Gesuch 

um Familienasyl eingereichten Heiratsurkunde nachgewiesen werden. Je-

doch habe wegen der Ausreise des Beschwerdeführers aus dem Heimat-

staat das Hochzeitsfest, durch welches die Ehe in Afghanistan traditionel-

lerweise nach der religiösen Verlobung noch vollzogen werden müsse, 

nicht stattfinden können.  

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Seite 10 

Mit dem Gesuch um Familienasyl wurde als Beweismittel die Kopie einer 

englischsprachigen Urkunde mit dem Titel "Religious Marriage Contract" 

einer afghanischen religiösen Behörde ([...]) eingereicht. Daraus geht her-

vor, dass dieses Dokument am 29. April 2021 ("Date of Issue") ausgestellt 

worden sei. Inhaltlich wird im Wesentlichen festgehalten, das Datum des 

Ehevertrags (sprachlich fehlerhaft bezeichnet als "Date of Married 

Contract") sei der 26. April 2021. Genannt werden ausserdem die Namen 

zweier Trauzeugen und der vertraglich vereinbarte sogenannte "Braut-

preis".  

5.2.2 Wie die Vorinstanz zutreffenderweise festgestellt hat, sind die Anga-

ben des Beschwerdeführers anlässlich seiner Anhörung im Asylverfahren 

nicht mit dem Inhalt des genannten Beweismittels vereinbar.  

Dabei ist zunächst festzuhalten, dass der Einwand des Beschwerdefüh-

rers, die von ihm anlässlich der Anhörung im Asylverfahren gemachte Da-

tumsangabe 9. April 2021 habe die dolmetschende Person zu Protokoll ge-

geben, während er dies nicht habe überprüfen können, nicht gerechtfertigt 

ist. Seine entsprechende Angabe lautete, die Verlobung habe am 

20. Nowruz beziehungsweise am 20. des ersten Monats des Jahres 1400 

stattgefunden, was durch den Dolmetscher korrekterweise als 9. April 2021 

gemäss gregorianischem Kalender umgerechnet wurde.  

Im Vordergrund der vorzunehmenden Beurteilung stehen jedoch weniger 

die in der angefochtenen Verfügung angeführten zeitlichen Widersprüche, 

welche sich aus den Aussagen des Beschwerdeführers zu den Daten der 

Verlobung beziehungsweise der Eheschliessung und zum Todestag seines 

Bruders sowie der Datumsangaben im erwähnten Beweismittel ergeben. 

Als entscheidwesentlich ist vielmehr zu bezeichnen, dass der Beschwer-

deführer anlässlich seiner Anhörung im Asylverfahren unmissverständlich 

zu Protokoll gab, er sei zwar verlobt, jedoch sei vor seiner Ausreise aus 

Afghanistan keine Eheschliessung erfolgt, während aus dem eingereichten 

Beweismittel ebenso eindeutig hervorgeht, dass ein Ehevertrag abge-

schlossen und ausserdem durch eine religiöse Behörde beurkundet wor-

den sei. Der Inhalt dieses Beweismittels steht ausserdem auch in Wider-

spruch zur Behauptung im Gesuch um Familienasyl, in einer Moschee (im-

plizit: der Moschee C._______ in D._______, von welcher das genannte 

Beweismittel stammen soll) sei lediglich eine religiöse Verlobung im Bei-

sein zweier Zeugen erfolgt, nicht jedoch eine Eheschliessung.  

Diese Angaben sind nicht nur widersprüchlich, sondern auch nicht mit der 

religiös-kulturellen und familienrechtlichen Praxis in Afghanistan vereinbar. 

Anders, als durch die Behauptungen in der Beschwerdeschrift vermittelt 

D-6866/2023 

Seite 11 

wird, herrscht in Afghanistan eine klare begriffliche, rechtliche wie auch re-

ligiös-moralische Trennung zwischen Verlobung und Eheschliessung (vgl. 

MAX PLANCK INSTITUTE FOR COMPARATIVE AND INTERNATIONAL PRIVATE LAW 

[ED.], Family Structures and Family Law in Afghanistan, Hamburg 2005, 

S. 11 ff.). Die Verlobung ("nāmzadī") erfolgt demnach im Rahmen einer Ze-

remonie im Familienkreis. Die Eheschliessung ("nikāh") wird normaler-

weise durch einen Geistlichen vorgenommen, und es ist der Mullah, wel-

cher die Heiratsurkunde ausstellt. Die Behauptung, der Beschwerdeführer 

habe die Begriffe Verlobung und Heirat (bzw. Eheschliessung) anlässlich 

seiner Anhörung im Asylverfahren nicht korrekt verwendet, weil er vom tra-

ditionellen Verständnis einer Ehe in Afghanistan ausgegangen sei, ist vor 

dem Hintergrund der sozio-kulturellen Gegebenheiten in Afghanistan nicht 

nachvollziehbar. Unglaubhaft ist angesichts der entsprechenden Praktiken 

in Afghanistan auch die Behauptung, die Familien des Beschwerdeführers 

und von B._______ hätten im April 2021 von der Beziehung erfahren, wäh-

rend die vor einer religiösen Instanz erfolgte Eheschliessung gemäss dem 

vorliegenden Beweismittel innert des gleichen Monats erfolgt sein soll. 

Dem steht gegenüber, dass – ausser es lägen besondere Umstände vor, 

was aber im vorliegenden Fall nicht geltend gemacht wird – die Eheschlies-

sung beziehungsweise Hochzeit nicht unmittelbar nach der Verlobung er-

folgt, sondern in der Regel sechs Monate bis ein Jahr später (vgl. ebd., 

S. 14, sowie KABEH RASTIN-TEHRANI/NADJMA YASSARI, Max Planck Manual 

on Family Law in Afghanistan, 2. Aufl., Hamburg 2012, S. 22 f.).  

5.2.3 Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass zwar möglicherweise eine 

Verlobung des Beschwerdeführers mit B._______ im Familienkreis statt-

gefunden hat, anlässlich derer die als Beweismittel eingereichte Photogra-

phie der beiden Genannten entstanden sein dürfte. Jedoch ist es mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit als unglaubhaft zu erachten, dass die be-

hauptete Eheschliessung erfolgte. Die als Beweismittel vorgelegte Heirats-

urkunde ist angesichts der erwähnten Unstimmigkeiten ebenso überwie-

gend wahrscheinlich als gefälscht einzustufen.  

5.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die Voraussetzungen gemäss Art. 51 

Abs. 1 AsylG nicht erfüllt sind und die Vorinstanz das Gesuch des Be-

schwerdeführers um Einbezug von B._______ in seine Flüchtlingseigen-

schaft und um Gewährung des Familienasyls daher zu Recht abgelehnt 

hat.  

6.  

Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

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Seite 12 

Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 

richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG; Art. 49 

VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen 

wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung 

vom 27. Dezember 2023 gutgeheissen. Somit hat der Beschwerdeführer 

keine Verfahrenskosten zu tragen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6866/2023 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Contessina Theis Martin Scheyli 

 

 

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