# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88591d55-8766-5443-814c-c5e6543d9be5
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.01.2022 IV 2021/68
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2021-68_2022-01-20.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/68

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.05.2022

Entscheiddatum: 20.01.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 20.01.2022
Art. 17 IVG. Umschulung. Umschulungserfolg. Umschulungsspezifische 
Invalidität (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 
20. Januar 2022, IV 2021/68).

Entscheid vom 20. Januar 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2021/68

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Advokatur Glavas AG, 

Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand

berufliche Massnahmen

Sachverhalt

A.  

A.___ wurde im Februar 2010 unter Hinweis auf eine ADHS-Symptomatik zum 

Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 10). Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. 

B.___ berichtete im März 2010 (IV-act. 14–1 ff.), der Versicherte leide an einer 

kombinierten Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen mit einer andauernden 

Angst, einer Verunsicherung, einer Selbstunsicherheit und einer Hypochondrie im Sinne 

rezidivierender psychosomatischer Störungen sowie an einem ADHS. Eine 

medikamentöse Therapie habe bereits erste schulische Erfolge gezeitigt. Nach einer 

Intervention von Dr. B.___, dem städtischen sozialpsychiatrischen Dienst und den 

kinder- und jugendpsychiatrischen Diensten (KJPD) habe ein drohender Übertritt in die 

Realschule durch eine Repetition der sechsten Klasse abgewendet werden können. In 

einem Bericht der KJPD vom 24. April 2009 war festgehalten worden (IV-act. 14–4 ff.), 

der Versicherte leide an einer kombinierten Störung des Sozialverhaltens und der 

Emotionen mit einer beginnenden Somatisierung bei einer anhaltenden schulischen 

Mobbingsituation. Die Intelligenz sei insgesamt durchschnittlich, in einzelnen Bereichen 

leicht überdurchschnittlich, aber der Versicherte verfüge über wenig Selbstvertrauen 

und Selbstsicherheit. Er habe über Bauchschmerzen und Schwindelgefühle geklagt, 

was als psychosomatische Begleiterscheinungen zu deuten sei. Mit einer Mitteilung 

vom 11. Mai 2010 erteilte die IV-Stelle gestützt auf den Art. 12 IVG eine 

Kostengutsprache für eine ambulante Psychotherapie (IV-act. 18).

A.a. 

Im Januar 2019 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-

act. 32). Er gab an, er habe im Juli 2017 eine dreijährige Ausbildung zum 

Automatikmonteur mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis abgeschlossen. Bis Ende 

Juli 2018 habe er als Automatikmonteur gearbeitet. Seit dem Jahr 2014 habe er 

zunehmend an einer chronischen Angststörung, an einer Sozialphobie, an einer 

dauerhaften Nervosität sowie an einer „psychosomatischen Übelkeit mit Erbrechen und 

A.b. 

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Bauchschmerzen“ gelitten. Die Tagesklinik C.___ berichtete im März 2019 (IV-act. 48), 

der Versicherte leide an einer sozialen Phobie, an einer kombinierten 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und selbstunsicheren Zügen, an 

einer mittelgradigen depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom sowie an 

einem Abhängigkeitssyndrom (Cannabis, aktuell abstinent). Er sei vollständig 

arbeitsunfähig. Er versuche, seine starke Unsicherheit durch ein dysfunktionales 

Verhalten mit einem vermeintlich selbstsicheren Auftreten zu kaschieren. Er habe 

grosse Angst, Fehler zu machen. Dadurch gerate er in eine innere Anspannung und 

Nervosität, was ihn an einer exakten Arbeitsweise hindere. Tätigkeiten im Bereich einer 

zudienenden beziehungsweise klar angeleiteten Aufgabe seien ihm zumutbar. 

Bezüglich der fachlichen Richtung erscheine eine Abklärung als sinnvoll. In einem 

Verlaufsbericht vom 21. Mai 2019 hielt die Tagesklinik C.___ fest (IV-act. 57), der 

Verlauf sei positiv. Durch die teilstationäre Behandlung habe der Versicherte einen 

Lebenswandel vornehmen können. Er zeige sich sehr motiviert, sich wieder ins 

Berufsleben einzufinden. Für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit sei ein 

Arbeitsfähigkeitsgrad von 30 Prozent zu attestieren. Dieser könne sukzessive gesteigert 

werden. Im Juni 2019 notierte Dr. med. D.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen 

Dienst (RAD; IV-act. 59), die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte könne 

geteilt werden, wenn als Arbeitshypothese von einer deutlichen Cannabisvulnerabilität 

ausgegangen werde und wenn der Versicherte eine „relevante Erkrankungsphase 

überstanden“ habe. Bei einer stabilen Abstinenz und unter einem weiteren 

Therapieversuch mit Methylphenidat sei eine berufliche Eingliederung aus 

medizinischer Sicht zu befürworten. Zunächst dürfe dem Versicherten nur wenig 

Verantwortung übertragen werden. Aus medizinischer Sicht sei der offenbar 

angestrebte Berufswechsel nicht nachvollziehbar, da die Akten keinen Hinweis auf eine 

berufsbedingte Problematik enthielten. Im September 2019 vereinbarten die IV-Stelle, 

der Versicherte und ein Betrieb zur beruflichen Integration, dass der Versicherte ein 

dreimonatiges Belastbarkeitstraining absolvieren werde (IV-act. 70). Mit einer Mitteilung 

vom 15. Oktober 2019 erteilte die IV-Stelle eine entsprechende Kostengutsprache (IV-

act. 77). Mit einer Verfügung vom 16. Oktober 2019 sprach sie dem Versicherten für die 

Dauer des Belastbarkeitstrainings ein Taggeld zu (IV-act. 78).

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Im Dezember 2019 wurde ein sechsmonatiges Aufbautraining im direkten 

Anschluss an das Belastbarkeitstraining vereinbart (IV-act. 82). Mit einer Mitteilung vom 

17. Dezember 2019 erteilte die IV-Stelle eine entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 

85). Mit einer Verfügung vom selben Tag sprach sie ein Taggeld für die Dauer der 

Massnahme zu (IV-act. 87). Im Februar 2020 berichtete der Integrationsbetrieb (IV-act. 

90), während des Belastbarkeitstrainings seien vor allem eine ausgeprägte Müdigkeit 

und eine daraus resultierende Antriebslosigkeit aufgefallen. Medizinische Abklärungen 

hätten ergeben, dass der Versicherte an einem Vitamin D-Mangel gelitten habe. Der 

Versicherte habe das in der Folge verschriebene Vitamin D nicht regelmässig 

eingenommen, weshalb man dazu übergegangen sei, ihn zur Einnahme am Arbeitsplatz 

anzuhalten. Fraglich sei, inwiefern das tägliche „Gamen“ während fünf bis sechs 

Stunden pro Tag die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt habe. Während des 

Belastbarkeitstrainings habe sich der Zustand des Versicherten nicht sichtlich 

verbessert. Immer mehr habe sich herauskristallisiert, dass der Versicherte die ihm 

übertragenen Aufgaben nicht fristgerecht erledigt habe, weil er „nicht in Handlung 

gekommen“ sei. Das habe aber offenbar nicht an einem Mangel an Motivation oder an 

einem fehlenden Willen, sondern vielmehr daran gelegen, dass eine Angst vor 

Versagen, ein mangelndes Selbstvertrauen und eine mangelnde Selbstfürsorge den 

Versicherten blockiert hätten. Ihm sei es schwergefallen nachzufragen, wenn er eine 

Aufgabe nicht verstanden habe. Der Psychiater Dr. med. E.___ berichtete im Mai 2020 

(IV-act. 105–1 ff.), das psychische Gesamtbild sei komplex, was eine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung verunmögliche. Die Prognose sei infaust. In einem 

neuropsychologischen Bericht vom 17. August 2019 war festgehalten worden (IV-act. 

105–14 f.), der Versicherte verfüge über eine durchschnittliche Intelligenzleistung. Eine 

ADHS-Symptomatik habe sich nur im Bereich der Exekutivfunktionen bei einer Aufgabe 

zur Prüfung der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit in der Form von diskreten 

Einbussen in der verbalen Interferenzanfälligkeit gezeigt. Der RAD-Arzt Dr. D.___ 

notierte im Mai 2020 (IV-act. 106), beim Versicherten liege insgesamt wohl eine erhöhte 

Vulnerabilität, aber nicht eine dauerhafte Erkrankung vor. Die erhöhte Vulnerabilität zur 

Entwicklung von Ängsten und einer Unsicherheit mit einer reaktiven depressiven 

Verstimmung werde durch eine unklare oder entwertende Situation akzentuiert. Im 

Rahmen der beruflichen Eingliederung bestehe aus medizinischer Sicht aber kein 

Grund für das Attest einer eingeschränkten Präsenzzeit.

A.c. 

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Im Mai 2020 beauftragte die IV-Stelle die berufliche Abklärungsstelle (BEFAS) 

Appisberg mit einer einmonatigen stationären Abklärung (IV-act. 112). Im 

Schlussbericht vom 25. September 2020 hielt die BEFAS Appisberg fest (IV-act. 139), 

während der Abklärung habe eine leicht reduzierte Leistungsfähigkeit eruiert werden 

können, da der Versicherte durch destruktive Gedankengänge im handwerklichen 

Bereich öfters gehemmt gewesen sei und zu einer erhöhten Fehlerquote geneigt habe. 

Zu empfehlen sei ein Arbeitspensum von 80–90 Prozent, damit der Versicherte seine 

Therapie intensivieren könne. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte aktuell den 

Anforderungen eines ungeschützten Arbeitsplatzes knapp nicht gewachsen. Er 

benötige ein klar strukturiertes und wohlwollendes Arbeitsumfeld mit geringen bis 

mittleren Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz. Seine Flexibilität sei 

eingeschränkt. Für „Front Desk“-Tätigkeiten sei er ebenso wie für Tätigkeiten mit 

häufigen Kundenkontakten nicht geeignet. Die Tätigkeit sollte relativ 

abwechslungsreich sein. In den berufsberaterischen Gesprächen hätten keine 

konkreten Umschulungsmöglichkeiten erarbeitet werden können. Der Versicherte sei 

durch den Gedanken gehemmt, eine falsche berufliche Entscheidung zu treffen. Zudem 

könne er weder für den privaten noch für den beruflichen Kontext echte Interessen 

benennen. Eine Umschulung sollte in einem geschützten Rahmen durchgeführt 

werden. Bei einer weiteren Stabilisierung des psychischen Gesundheitszustandes sei 

ein Wechsel in einen ungeschützten Rahmen denkbar. Im September 2020 fand eine 

Besprechung zwischen dem Versicherten, einer Mitarbeiterin der BEFAS Appisberg, 

der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle und dem RAD-Arzt Dr. D.___ statt, die 

letzterer nutzte, um eine psychiatrische Untersuchung des Versicherten durchzuführen. 

Er hielt in seiner Beurteilung fest (IV-act. 142), dass die im Raum stehende 

Persönlichkeitsstörung nur als eine Verdachtsdiagnose angeführt werden dürfe, weil 

die medizinischen Berichte gegen eine dauerhaft bestehende Beeinträchtigung 

sprächen. Im Vordergrund stehe eine deutliche narzisstische Komponente, die sich in 

der Überzeugung äussere, dass der Versicherte „für eine besondere Ausbildung, 

welche bisher noch nicht gefunden oder eröffnet wurde, bestimmt“ sei. Das sei 

„keinesfalls eine psychosenah überwertige Idee“, sondern eine innerpsychische 

Abwehrstrategie. Der Versicherte könne sich Berufsbildern, in denen er bereits auf – 

bewältigbare, aber psychodynamisch anstrengende – Schwierigkeiten gestossen sei 

(Zurücknehmen eigener Ansprüche, Erfüllen durchschnittlicher Aufgaben, Bearbeiten 

A.d. 

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von Aufgaben mit mässig spannendem oder repetitivem Charakter), nicht zuwenden, 

weil er mit diesen Aufgaben „seinem Bedürfnis nach narzisstischer Zufuhr“ kurzfristig 

nicht habe nachkommen können. Das erkläre die von ihm repräsentierte Ratlosigkeit in 

der Auswahl eines Schwerpunktes innerhalb seines durchaus vorhandenen 

Entwicklungspotentials. Als Ausweg wähle er dann regelmässig neue, noch nicht 

„durch Erfahrungen kontaminierte“, teilweise idealisierte Berufsbilder, welche einem 

„objektiven Matching“ allerdings nicht standhielten. Im Gegensatz zur BEFAS 

Appisberg erachte er, Dr. D.___, einen langwierigen Aufbau in einem geschützten 

Rahmen als nicht zielführend, weil damit einerseits innerpsychische narzisstische 

Konflikte erhalten würden (fehlende langfristige Perspektive) und weil andererseits 

durch die sozialpädagogisch und therapeutisch gefärbten Einflüsse der geschützten 

Werkstatt eine therapeutische Führung erschwert werde, sodass eine „Befeuerung 

narzisstischer Blasenbildung“ und eine weitere Regression zu befürchten sei. Ein 

Teilarrangement mit einer chronischen Abklärungssituation sei nämlich bereits 

erkennbar. Bislang habe kein Berufsfeld eruiert werden können, in dem die 

psychischen Faktoren keine Rolle spielen würden. Aus medizinischer Sicht sei deshalb 

von einem Berufswechsel kein Vorteil zu erwarten. Das werde inhaltlich im Bericht der 

BEFAS Appisberg bestätigt. In erster Linie müsse die Psychotherapie intensiviert 

werden, damit der Versicherte sich wieder den beruflichen Herausforderungen stellen 

könne.

Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 18. Dezember 2020 

(IV-act. 150), sie habe sich beim Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie 

nach möglichen Verweistätigkeiten für einen Automatikmonteur erkundigt. Man habe 

ihr diverse Möglichkeiten genannt. Anschliessend habe sie mit dem Versicherten ein 

Telefonat geführt. Dieser habe erklärt, die Entscheidung, eine Berufslehre im Bereich 

Elektronik zu absolvieren, sei eine „Kurzschlusshandlung“ gewesen. Er habe mit einem 

Kollegen eine Schnupperlehre absolviert und sie hätten dann beide gleich ein Angebot 

erhalten, die Berufslehre im Schnupperbetrieb zu absolvieren; da hätten sie sofort 

zugesagt. Der Versicherte habe dann eine Lehre zum Elektroniker begonnen, aber weil 

er Verständnisschwierigkeiten in verschiedenen Bereichen gehabt habe, sei er nach 

einem Jahr zum Automatikmonteur zurückgestuft worden. Im letzten Jahr vor dem 

Lehrabschluss sei ihm klar geworden, dass seine Berufswahl ein Fehler gewesen sei. 

A.e. 

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B.  

Nun habe er eine grosse Angst davor, erneut einen Fehler zu machen. Deshalb könne 

er sich nicht für eine weitere Ausbildung entscheiden. Die aktuelle Therapiefrequenz sei 

sehr niedrig, weil Dr. E.___ sehr ausgelastet sei. Der Versicherte sei auf der Suche nach 

einem anderen Therapeuten. Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte, 

zum aktuellen Zeitpunkt seien berufliche Massnahmen nicht zielführend. Im Januar 

2021 teilte der Versicherte mit (IV-act. 159–3), dass er eine Ausbildung zum 

technischen Kaufmann in Angriff nehmen wolle. Er wünsche sich eine 

Kostengutsprache für diese Umschulung. An einer Arbeitsvermittlung sei er nicht 

interessiert. Mit einem Vorbescheid vom 9. Februar 2021 teilte die IV-Stelle dem 

Versicherten mit (IV-act. 160), dass sie die Abweisung des Leistungsbegehrens um 

berufliche Massnahmen vorsehe. Zur Begründung führte sie an, berufliche 

Massnahmen seien nicht angezeigt, da der Versicherte keine Unterstützung in der 

Form einer Arbeitsvermittlung wünsche. Zum Begehren um eine Umschulung äusserte 

sich die IV-Stelle nicht. Dagegen liess der Versicherte am 2. März 2021 einwenden (IV-

act. 163), die Voraussetzungen für eine Umschulung seien „in exemplarischer Weise“ 

erfüllt, weshalb er eine Kostengutsprache für die Umschulung zum technischen 

Kaufmann beantrage. Er sei im erlernten Beruf krank geworden und habe während 

einer längeren Zeit Krankentaggelder bezogen, weshalb die ersten beiden 

Voraussetzungen für eine Umschulung „schulbuchmässig erfüllt“ seien. Bei der 

Bemessung der Erwerbseinbusse müsse berücksichtigt werden, dass der Versicherte 

ursprünglich eine Ausbildung zum Elektroniker anvisiert habe. Setze man den 

entsprechenden Lohn als Valideneinkommen ein, sei selbst „beim vorsichtigen 

Rechnen“ eine Einbusse von mindestens 20 Prozent ausgewiesen, womit „definitiv alle 

Voraussetzungen“ für eine Umschulung erfüllt seien. Die abweichende Beurteilung der 

IV-Stelle stütze sich nur auf „Pauschalprämissen“. Mit einer Verfügung vom 19. März 

2021 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab 

(IV-act. 166). Betreffend den Umschulungsanspruch hielt sie fest, aus medizinischer 

Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit als Automatikmonteur keine dauerhafte 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.

Am 7. April 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. März 2021 erheben (act. G 1). Sein 

B.a. 

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Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Gewährung einer Umschulung zum technischen Kaufmann und die Durchführung einer 

öffentlichen Verhandlung samt Parteibefragung. Zur Begründung führte er aus, die IV-

Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe den Anspruch des 

Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, da sie sich nicht mit den Einwänden 

gegen den Vorbescheid vom 9. Februar 2021 auseinandergesetzt habe. Nach dem 

Grundsatz „qui tacet confirmare videtur“ sei davon auszugehen, dass sie sich der 

Argumentation des Beschwerdeführers angeschlossen habe. Gerade die Tätigkeit als 

Automatikmonteur habe den Beschwerdeführer definitiv krank gemacht. Dasselbe 

würde wieder passieren, wenn er in diesen Beruf zurückkehren müsste. Der Bericht der 

BEFAS Appisberg belege all das eindrücklich. Trotzdem habe der RAD-Psychiater 

versucht, den Beschwerdeführer „mit Brechstange“ in den erlernten Beruf 

zurückzudrängen. Die Beschwerdegegnerin habe den Beschwerdeführer im Regen 

stehen gelassen. Der Beschwerdeführer selbst hatte in einer elektronischen Nachricht 

vom 2. März 2021 festgehalten (act. G 1.5), er fühle sich nicht in der Lage, 

handwerkliche Tätigkeiten auszuüben. Ständig frage er sich, ob er „professionell au­

sehe“, ob er das Werkzeug richtig halte oder ob er etwas falsch mache. Das setze ihn 

so sehr unter Druck, dass er psychosomatische Beschwerden entwickle. Für ihn 

komme deshalb nur ein Beruf ohne handwerkliche Tätigkeiten in Frage.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. Mai 2021 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, der Bericht der BEFAS 

Appisberg überzeuge nicht, was vom RAD-Arzt Dr. D.___ eingehend begründet 

aufgezeigt worden sei. Gestützt auf die überzeugende Beurteilung des RAD sei davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der erlernten Tätigkeit uneingeschränkt 

arbeitsfähig sei. Als Valideneinkommen sei der Lohn eines Automatikmonteurs zu 

berücksichtigen, weil die Akten nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegten, dass der Beschwerdeführer 

krankheitsbedingt „herabgestuft“ worden sei. Der Einkommensvergleich ergebe keine 

Einbusse von mindestens 20 Prozent. Schliesslich sei angesichts der aktenmässig 

ausgewiesenen Motivationsprobleme zu bezweifeln, dass der Beschwerdeführer 

überhaupt subjektiv eingliederungsfähig sei.

B.b. 

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Erwägungen

1.

Angesichts des allgemein und vage gehaltenen Wortlautes der angefochtenen 

Verfügung vom 19. März 2021 stellt sich grundsätzlich die Auslegungsfrage, ob die 

Beschwerdegegnerin damit nur die während des Verwaltungsverfahrens diskutierte 

Umschulung oder aber auch weitere beziehungsweise alle in Frage kommenden 

beruflichen Eingliederungsmassnahmen verweigert hat. Diese Frage muss in diesem 

Verfahren nicht beantwortet werden, weil sich die in der Beschwerdeschrift des 

anwaltlich vertretenen Beschwerdeführers enthaltene Nichteinverständniserklärung 

ausschliesslich auf die Verweigerung einer Umschulung bezieht. Der Beschwerdeführer 

hat sich nicht gegen die möglicherweise in der angefochtenen Verfügung enthaltene 

Verweigerung anderer beruflicher Eingliederungsmassnahme gewendet. Das bedeutet, 

dass nur zu beurteilen ist, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine 

Umschulung hat.

2.

Der Beschwerdeführer hat eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 

42 ATSG) gerügt. Gemeint hat er aber eine Verletzung der Begründungspflicht (Art. 49 

Abs. 3 ATSG), wie aus seinen Ausführungen hervorgeht. Die Begründungspflicht 

verfolgt keinen Selbstzweck, sondern sie zielt darauf ab, es dem Verfügungsadressaten 

zu erlauben, sich fundiert – in Kenntnis der relevanten Entscheidgründe – für oder 

gegen die Anfechtung der Verfügung zu entscheiden und ein allfälliges Rechtsmittel 

substantiiert und zielgerichtet zu begründen. Entgegen der Behauptung des 

Rechtsvertreters des Beschwerdeführers hat sich die Beschwerdegegnerin mit seinen 

Einwänden gegen den Vorbescheid auseinandergesetzt, indem sie darauf hingewiesen 

hat, dass für die angestammte Tätigkeit von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit 

des Beschwerdeführers auszugehen sei. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin 

ist zwar knapp ausgefallen, aber für den seit langer Zeit im Sozialversicherungsrecht 

tätigen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist damit der Grund für die Abweisung 

des Umschulungsbegehrens klar erkennbar gewesen. Das hat es ihm erlaubt, die 

Der Beschwerdeführer liess am 25. Juni 2021 an seinen Anträgen festhalten (act. 

G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 7 f.).

B.c. 

Am 21. Dezember 2021 zog der Beschwerdeführer seinen Antrag auf eine 

öffentliche Verhandlung zurück (act. G 9).

B.d. 

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angefochtene Verfügung mit einer sachbezogenen Begründung anzufechten, womit 

feststeht, dass die Beschwerdegegnerin ihre Begründungspflicht nicht verletzt hat.

3.

Nach Art. 17 Abs. 1 IVG hat ein Versicherter einen Anspruch auf eine Umschulung, 

wenn eine solche infolge einer Invalidität notwendig ist und wenn dadurch die 

Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann. Mit „Invalidität“ 

ist nicht die rentenspezifische Invalidität im Sinne der Art. 28 f. IVG, sondern die 

umschulungsspezifische Invalidität gemeint (vgl. Art. 4 Abs. 2 IVG). Vom 

Umschulungsanspruch als spezifischer Versicherungsleistung erfasst ist (als 

„versichertes Gut“) die Fähigkeit eines Versicherten, den erlernten Beruf auszuüben. 

Dieses „versicherte Gut“ wird „beschädigt“, wenn die Weiterausübung des erlernten 

Berufs durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung erschwert oder gar verunmöglicht 

wird, wenn also eine Gesundheitsbeeinträchtigung eine teilweise oder eine ganze 

Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf zur Folge hat. Die Umschulung als spezifische 

Versicherungsleistung soll diesen „Schaden“ beheben, indem es dem Versicherten 

ermöglicht wird, einen anderen – gleichwertigen – Beruf zu erlernen, den er trotz der 

Gesundheitsbeeinträchtigung (möglichst) ohne Einschränkung ausüben kann. Der 

RAD-Arzt Dr. D.___ hat in seinem Bericht vom September 2020 nach einer 

eingehenden Würdigung der medizinischen Akten und nach der persönlichen 

Beobachtung des Beschwerdeführers bei der Besprechung betreffend die Ergebnisse 

der beruflichen Abklärung überzeugend festgehalten, dass der Beschwerdeführer in 

erster Linie unter ihn hemmenden Versagensängsten auf dem Hintergrund einer 

deutlichen narzisstischen Komponente leide und dass er deshalb einerseits – 

unabhängig vom in Frage kommenden Berufsfeld – erhebliche Mühe habe, sich 

überhaupt zu einer beruflichen Reintegration zu zwingen, und dass er andererseits 

dysfunktional auf bewältigbare, aber psychodynamisch anstrengende Schwierigkeiten 

(wie den Zwang, die eigenen Ansprüche zurück zu nehmen, die Pflicht, immer wieder 

nur durchschnittlich anspruchsvolle Arbeiten zu verrichten, oder die Pflicht, Aufgaben 

mit einem nur mässig spannenden oder gar repetitiven Charakter zu erfüllen) reagiere, 

weil er mit solchen Aufgaben „seinem Bedürfnis nach narzisstischer Zufuhr“ nicht 

nachkommen könne. Unabhängig davon, ob der Beschwerdeführer aus psychiatrischer 

Sicht als teilweise arbeitsunfähig qualifiziert werden müsste, liesse sich ein 

Umschulungsanspruch nicht begründen, weil sich die die narzisstische Komponente 

unterhaltenden Schwierigkeiten in jedem Beruf stellen würden. Der Beschwerdeführer 

hat zwar geltend gemacht, nur der angestammte Beruf habe ihn krank gemacht, aber 

diese Behauptung überzeugt nicht, weil nicht ersichtlich ist, welche spezifischen 

Belastungsfaktoren, die nur im angestammten Beruf aufträten, die 

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Gesundheitsbeeinträchtigung verstärkt haben sollten. Überwiegend wahrscheinlich ist 

mit dem RAD-Arzt Dr. D.___ davon auszugehen, dass der erlernte Beruf für den 

Beschwerdeführer „durch Erfahrungen kontaminiert“ ist, während der 

Beschwerdeführer andere, noch nicht „durch Erfahrungen kontaminierte“ Berufsbilder 

idealisiert und sich von einem Wechsel eine psychische Entlastung verspricht, die sich 

aber nach den überzeugenden Ausführungen von Dr. D.___ nicht einstellen wird, weil 

der Beschwerdeführer auch in jedem anderen Beruf mit denselben Schwierigkeiten 

konfrontiert sein wird, die ihm die Weiterausübung des erlernten Berufs vergällt haben. 

Selbst wenn der Beschwerdeführer als arbeitsunfähig zu qualifizieren wäre, könnte er 

deshalb keinen Umschulungsanspruch haben, weil eine Umschulung auf einen anderen 

Beruf zum Vorneherein keinen Eingliederungserfolg zeitigen könnte. Zudem wäre ein 

Umschulungserfolg fraglich, denn auch eine Umschulung erfordert ein Durchhalten 

über schwierige Zeiten hinweg, sodass sich der Beschwerdeführer bereits im Rahmen 

der Umschulung mit jenen Schwierigkeiten konfrontiert sähe, die die im Fokus 

stehende narzisstische Komponente unterhalten haben. Zusammenfassend steht also 

mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass 

ein Berufswechsel nicht zu einer relevanten Steigerung der Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers führen würde, weshalb eine Umschulung als nicht 

erfolgsversprechend qualifiziert werden muss. Es kann aber nicht die Aufgabe der 

Invalidenversicherung sein, eine Umschulung zu finanzieren, mit der die 

umschulungsspezifische Invalidität nicht überwunden werden kann. Die angefochtene 

Verfügung erweist sich deshalb im Ergebnis als rechtmässig, weshalb die Beschwerde 

abzuweisen ist.

4.  

Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzu­

setzenden Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. 

Sie sind durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. 

Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

Entscheid

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; diese 

sind durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.

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