# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f01f5b0-dd63-526e-940b-bc1b616da74b
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-20
**Language:** de
**Title:** Gebäudeversicherungsrecht. Begriff des versicherten Elementarschadens durch Überschwemmung.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0039/2025
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2025-21.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0039/2025 vom 20. März 2025 in BEZ 2025 Nr. 21

Mit  Schadenmeldung  vom  9. Juli 2021  wurde  der  Gebäudeversicherung
Kanton Zürich (GVZ) gemeldet, dass das Parterre der Scheune Nr. 1 überflutet
sei.

Die  GVZ  lehnte  eine  Anerkennung  des  Schadenfalls  wie  auch  ein  im

Anschluss gestelltes Wiedererwägungsgesuch ab.

Aus den Erwägungen:

2.  Es  ist  unbestritten,  dass  das  betroffene  Gebäude  dadurch  beschädigt

worden ist, dass Niederschlagswasser ins Gebäudeinnere gedrungen ist.

2.1  Die  GVZ  begründet  den  angefochtenen  Wiedererwägungsentscheid
zusammengefasst  damit,  dass 
fraglich  sei,  ob  es  am  Tag  des
Schadenereignisses  mit  für  die  Annahme  eines  Elementarereignisses  –
verstanden  als  plötzliches  meteorologisches  Ereignis  von  ausserordentlicher
Heftigkeit  –  ausreichender  Intensität  geregnet  habe.  Diese  Frage  könne
allerdings  offengelassen  werden,  komme  eine  Schadenübernahme  doch
vorliegend  schon  deshalb  nicht  in  Betracht,  weil  nicht  davon  ausgegangen
werden  könne, dass der Schaden durch  eine  Überschwemmung  im  Sinne  von
§ 19 Ziff. 3 des Gesetzes über die Gebäudeversicherung (GebVG) in Verbindung
mit  § 20  GebVG  e  contrario  verursacht  worden  sei.  Es  könne  nicht  davon
ausgegangen werden, dass der Wassereintritt – wie dies für die Annahme eines
versicherten  Überschwemmungsereignisses  vorausgesetzt  sei  –  über  Terrain
erfolgt sei, zumal hierfür keinerlei Anhaltspunkte bestünden. Ebenso erscheine
ausgeschlossen,  dass  das  Niederschlagswasser  durch  erforderliche
Gebäudeöffnungen wie Fenster oder Türen ins Gebäude gelangt sei, verfüge das
Gebäude  doch  in  Hangrichtung  über  keinerlei  notwendige  Gebäudeöffnungen
und scheide ein Wassereinbruch von der Hofseite her schon aus topografischen
Gründen aus. Vielmehr müsse – gemäss den übereinstimmenden Feststellungen
der  neu  mit  der  Beurteilung  des  Schadens  befassten  Schätzungsexperten  –
davon  ausgegangen  werden,  dass  das  Wasser  in  erster  Linie  zufolge
Übersättigung  des  Erdbodens  vom  Untergrund  her  aus  dem  entlang  der
hangseitigen  Aussenmauer  der  unteren  «Chill-Raum»-Ebene  direkt  auf  dem
Naturboden  aufgetragenen  Kiesbankett  sowie  insbesondere  auch  aus  der  am
tiefsten  Punkt 
befindlichen
«Elektroverteilnische»  ohne  geschlossenen  Boden  ins  Innere  des  Gebäudes
zurückgestaut worden sei, nachdem die Grundstückentwässerung das im Hang
versickerte Wasser nicht mehr habe abzuführen vermögen, was denn auch das
(von der Gebäudeeigentümerschaft […] erwähnte) Rausfallen der Sicherungen
am  Tag  des  Schadenereignisses  erkläre. 
(…)  Sei  der  Wassereintritt
vollumfänglich  im  Boden  (unter  Terrain)  erfolgt,  handle  es  sich  beim  in  Frage
stehenden Schaden definitionsgemäss nicht um einen bei der GVZ versicherten
Überschwemmungsschaden im Sinne von § 19 Ziff. 3 GebVG. Ob der Schaden
fehlerhafte
auf  eine  unzureichende  Grundstückentwässerung  oder  eine 
Konstruktion zurückzuführen sei, könne bei diesem Ergebnis offenbleiben.

des  Gebäudes 

der  Garage 

neben 

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2.2.Die Rekurrierenden bringen im Rekurs zusammengefasst vor, es seien
sehr  wohl  «natürlich  fliessende  Starkniederschläge»  gewesen,  welche  zum
Schaden und damit zur Entschädigungspflicht führten. (…)

3.1 Im Gesetzesabschnitt «Versicherte Schäden» erklärt § 19 GebVG unter
dem  Randtitel «Elementarschäden» in  Ziff. 3  die  Gebäude als  gegen Schäden
versichert, die durch Überschwemmung infolge von Niederschlägen entstanden
sind.

Beim  Begriff  der  «Elementarschäden»  gemäss  der  Marginalie  zu  § 19
GebVG sowie dessen negativer Erläuterung durch den Ausschluss von Schäden,
die «nicht durch plötzliche Einwirkung von Naturgewalten entstanden sind» (§ 20
Ziff. 1 GebVG),  handelt  es  sich  um  auslegungsbedürftige  Rechtsbegriffe.  Das
Baurekursgericht kann ihre Anwendung und Auslegung grundsätzlich mit voller
Kognition  überprüfen  (§ 20  Abs. 1  VRG).  Allerdings  ist  der  Vorinstanz  bei  der
von  Rechtsbegriffen  unter  Umständen  ein  bestimmter
Anwendung 
Beurteilungsspielraum zuzugestehen: Wenn ein Rechtsbegriff zu unbestimmt ist,
als dass er nur eine einzige Interpretation ermöglichte, und die von der Vorinstanz
ermittelte Auslegung vertretbar erscheint, darf das Gericht nicht eingreifen. Ob
ein solcher Beurteilungsspielraum besteht, ist durch Auslegung zu ermitteln. Ein
Beurteilungsspielraum  kann  auch  bei  der  Auslegung  des  gesetzlichen
Tatbestands bestehen. Nach dem Gesagten ist primär aufgrund des Wortlauts
von  § 19 GebVG  bzw.  –  infolge  Unklarheit  des  Wortlauts  –  der  hierzu
entwickelten  Lehre  und  Praxis  zu  bestimmen,  wann  ein  versichertes
Elementarereignis vorliegt.

Umgebung 

Vorliegend  ist  umstritten,  ob  der  Schaden  durch  ein  Elementarereignis,
konkret durch eine Überschwemmung infolge von Niederschlägen gemäss § 19
Ziff. 3 GebVG, entstanden ist. Nach gängiger Lehre und Rechtsprechung gilt ein
Schaden  an  einem  Gebäude  dann  als  Überschwemmungsschaden,  wenn  er
durch das Übertreten natürlich fliessender, oberflächlicher Gewässer oder durch
die 
entsteht.
Überschwemmungen bestehen in der Überflutung von Land, Grund, Boden und
Bauwerken,  die  nicht  zur  Aufnahme  von  Wasser  bestimmt  sind,  durch
Oberflächengewässer. Sie müssen sich auf der Erde abspielen und Gebietsteile
unter  Wasser  setzen. Als Oberflächenwasser ist  Wasser  dann  zu  bezeichnen,
wenn  es  seinen  Weg  in  ein  Haus  oberirdisch  gefunden  hat;  nicht  mehr  von
Oberflächenwasser  wird  gesprochen,  wenn  Wasser  unterirdisch,  im  Boden,
einem Gebäude zugeflossen ist.

überschwemmende 

Niederschläge 

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(Abbildungen aus GVZ Handbuch Schaden, Ausgabe 2012, Ziff. 3.3.1.3; Links sind
versicherte Fälle  von Wassereintritten  aus  der  Umgebung  dargestellt;  rechts  nicht
versicherte.)

So  entschied  im  Jahre  1999  das  Verwaltungsgericht  des  Kantons  Zürich,
dass  eine  Überschwemmung  nur  dann  und  dort  vorliege,  wenn  und  wo  das
Wasser über das Terrain ansteige, mithin wenn es auf der Erdoberfläche gegen
das versicherte Gebäude drücke. Handle es sich dagegen um Wasser, das den
Gebäuden im Boden zugeflossen sei, könne der dadurch entstandene Schaden
nicht  als  durch  eine  Überschwemmung  im  Sinne  von  § 19 Ziff. 3 GebVG
verursacht  gelten  (VGr,  15. Dezember  1999,  VK.99.00004,  E. 2b).  Ähnlich
entschied auch das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen in einem Fall, wo
Regenwasser nicht direkt in einen Lichtschacht geflossen war, sondern zunächst
in  der  es  mangels  ausreichender  Abfluss-  und
in  eine  Baugrube, 
Versickerungsmöglichkeiten  angestaut  wurde  und  so  bewirkte,  dass  auch  in
einem Lichtschacht der Wasserstand von unten her stieg, bis das Wasser durch
ein  unter  dem  Terrain  (im  Lichtschacht)  liegendes  Fenster  ins  Gebäude
eindringen  konnte.  Es  erwog,  dass  ein  solcher  Vorgang  einem  Rückstau  aus
einer  Kanalisation  gleichzusetzen  sei.  Als  Kanalisation  sei  nicht  nur  eine
Ableitung  mittels  Leitungen  bzw.  Röhren  zu  verstehen,  sondern  auch  eine
natürliche  Ableitung  oder  Versickerung  (VGr SG,  23. April 2004,  B 2004/13,
E. 2c,  www.gerichte.sg.ch).  In  einem  weiteren  vom  Verwaltungsgericht  des
Kantons  Zürich  beurteilten  Fall  ging  es  ebenfalls  darum,  dass  sich  Wasser  in
einer  Baugrube  sammeln  konnte  und  von  dort  durch  eine  Wandöffnung  ins
Gebäude einzudringen vermochte. Das Verwaltungsgericht ging in diesem Fall
deshalb  nicht  von  einer  Überschwemmung  im  Sinne  des  GebVG  aus,  da  die
Wassereintrittsstelle  in  der  Baugrube  zum  Zeitpunkt  des  Schadenereignisses
wenigstens  geringfügig  mit  Erdmaterial  überdeckt  war,  das  Wasser  also
unterirdisch ins Gebäude drang (VGr, 1. April 2009, VB.2008.00591, E. 4.3). Die
ehemalige  Rekurskommission  der  Gebäudeversicherung  des  Kantons  Zürich
hatte  einen  Fall  zu  beurteilen,  wo  starker  Gewitterregen  in  eine  unter  einem
Vordach  befindliche  Elektrobox eindringen konnte  und dort  eine Fehlschaltung
auslöste.  Sie  erwog,  dass  Regen  nicht  als  Elementarereignis  gelte,  sofern  er
nicht eine Überschwemmung im Sinne der genannten Rechtsprechung bewirke
(Beschluss  Nr. 09/770  vom  7. Dezember 2009).  Laut  einem  Entscheid  des
Baurekursgerichts vom 6. Juni 2013 (BRGE IV Nr.  0077/2013  =  BEZ 2013 Nr.
31,  auch  zum  Ganzen)  liegt  keine  Überschwemmung  im  Sinne  der  fraglichen
Vorschrift  vor,  wenn  sich  Niederschlagswasser  im  Notausstiegsschacht  eines
Schutzraums  aufstaut  und  in  das  Gebäude  eindringt.  Bei  einem  derartigen
Versagen  der  Schachtentwässerung  handle  es  sich  nicht  um  eine  versicherte
Schadensursache gemäss § 19 Ziff. 3 GebVG, auch wenn Niederschläge in der
Menge,  wie 
seien,  das  Versagen  der
Entwässerungsanlage  mit  verursacht  haben  mögen  und  kein  Baumangel
vorliege.  Versichert  seien  Schäden  durch  Überschwemmungen  (infolge  von
Niederschlägen) und nicht Schäden durch Niederschläge. (…)

verzeichnet  worden 

sie 

3.3  Vorliegend  wird  nicht  explizit  geltend  gemacht  und  ist  auch  nicht
ersichtlich,  dass  der  Schaden  durch  das  Übertreten  natürlich  fliessender,
oberflächlicher  Gewässer  oder  durch  die  Umgebung  überschwemmende

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Niederschläge,  mithin  durch  die  Überflutung  von  Land  entstand.  Es  war  im
Wiedererwägungsgesuch  lediglich  die  Rede  davon,  dass  das  Wasser  vom
Dauerregen gestammt habe. Die Sickerleitungen hätten nicht mehr alles Wasser
aufnehmen  können,  sodass  dieses  offenbar  den  Weg  durch  die  Bollersteine
sowie teilweise durch die Betonwand gefunden habe. Es bestehen damit keine
Hinweise  auf  eine  Überschwemmung  im  genannten  Sinn.  Das  betroffene
Grundstück liegt an steiler Hanglage, weshalb eine Überflutung von Gebietsteilen
von  Vornherein  unwahrscheinlich  ist.  Zwar  wird  geltend  gemacht,  dass  der
Vorplatz  unter  Wasser  gestanden  habe.  Unbestrittenermassen  ist  aber  kein
Wassereintritt  über  die  dortigen  Gebäudeöffnungen  erfolgt.  Auch  stellt  eine
derartige  örtliche  Wasseransammlung  keine  Überschwemmung  im  Sinne  von
§ 19  Ziff. 3 GebVG  dar  (vgl.  GVZ  Handbuch  Schaden,  Ausgabe 2012,
Ziff. 3.3.1.3).  Mit  der  Vorinstanz  ist  davon  auszugehen,  dass  unterirdische
Wassermassen in das Gebäude gedrungen sind, wie nachfolgend noch genauer
darzulegen  sein  wird.  Versichert  sind  wie  erwähnt  Schäden  durch
Überschwemmungen  (infolge  von  Niederschlägen)  und  nicht  Schäden  durch
Niederschläge. Somit vermögen die Rekurrierenden keinen genügenden Beweis
für  das  Vorliegen  eines  bei  der  GVZ  versicherten  Elementarereignisses  zu
erbringen.

4.1  Das  Vorliegen  eines  versicherten  Elementarschadens  ist  aus  einem
weiteren  Grund  auszuschliessen.  Keine  Elementarschäden  sind  nach
§ 20 GebVG  Schäden,  die  verursacht  wurden  durch  Stauseen  oder  sonstige
künstliche  Wasseranlagen,  wie  Rückstau  aus  Kanalisationen  (Ziff. 2)  sowie
solche  Schäden,  die  voraussehbar  waren  und  deren  Entstehung  durch
zumutbare Massnahmen hätte verhindert werden können, wie Schäden zufolge
schlechten  Baugrundes,  unfachgemässer  oder  unsolider  Ausführung  oder
Abdichtung  oder  mangelhaften  Gebäudeunterhalts  (Ziff. 3).  Gemäss  der
Rechtsprechung  des  Verwaltungsgerichts  sind  Voraussehbarkeit  und
Vermeidbarkeit  kumulative,  miteinander  verbundene  Voraussetzungen  des
Deckungsausschlusses. § 20 Ziff. 3 GebVG sieht demnach eine Vergütung vor,
«wenn  der  Eigentümer  bzw.  Bauunternehmer 
im  Hinblick  auf  ein
Elementarereignis, mit dem zu rechnen war, die Vorsichtsmassregeln getroffen
hat,  die  von einem sorgfältigen Eigentümer und  Unternehmer  zu  erwarten und
ihm  zuzumuten  sind» 
(BGE 100 Ia 32,  E. 3c).  Voraussehbarkeit  meint
Voraussehbarkeit des schadenstiftenden Ereignisses und gegebenenfalls seines
Ausmasses wie auch Voraussehbarkeit des eingetretenen Schadens als Folge
dieses  Ereignisses  (VB.2003.00434,  E. 4.2.1  =  RB 2004  Nr. 56,  mit  weiteren
Hinweisen). Für einen Ausschluss von Elementarschäden wird kein Verschulden
des Versicherten vorausgesetzt. Für die Beurteilung der Voraussehbarkeit und
Vermeidbarkeit  des  eingetretenen  Schadens  ist  allein  ein  objektiver  Massstab
anzuwenden.

4.2 Das vorliegend beschädigte Gebäude wurde im Jahr 2012 renoviert. Wie
aus  der  dokumentierten  Bestandesaufnahme  hervorgeht,  war  dieses  im
Ereigniszeitpunkt nicht nach den Regeln der Baukunde abgedichtet. (…)

Aufgrund  des  Schadensbildes  und  der  Bestandesaufnahme  sind  die
Vermutungen  der  Vorinstanz, wie  es  zum  Wassereintritt in  das  Gebäude  kam,

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einleuchtend. Die Rekurrierenden legen nicht dar, wie das Wasser anderweitig in
das Gebäude hätte fliessen können.

4.3 Der Eintritt des vorliegend zu beurteilenden Schadens war vor diesem
Hintergrund  und  in  Anbetracht  der  Mängel,  welche  dem  Gebäude  anhafteten,
objektiv  voraussehbar  und  vermeidbar.  (…)  Es  kann  nicht  Sinn  der
Elementarschadenversicherung  sein,  für  Schäden  aufkommen  zu  müssen,  die
darauf zurückzuführen sind, dass ein Gebäude nicht den Regeln der Baukunde
entspricht.  Denn  damit  erhielte  die  Gebäudeversicherung  den  Charakter  einer
Baumangelversicherung, was nicht im Interesse der Solidargemeinschaft liegen
kann. (…)

5.  Zusammengefasst  liegt  aus  mehreren  Gründen  kein  versicherter
Elementarschaden vor. Der ablehnende vorinstanzliche Entscheid ist daher nicht
zu beanstanden. Dies führt zur Abweisung des Rekurses.