# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 270b76da-6874-549f-8a17-6b28724e5b5a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-04-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.04.2020 F-769/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-769-2019_2020-04-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-769/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A p r i l  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richter Yannick Antoniazza-Hafner,    

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

Beschwerdeführerin, 

vertreten durch lic. iur. Amr Abdelaziz, Rechtsanwalt, 

substituiert durch MLaw Luisa Schwegler,  

Anwaltskanzlei Abdelaziz,  

 

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Schengen-Visum zugunsten von  

B._______ und C._______ 

 

 

 

F-769/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die kamerunischen Staatsangehörigen B._______ (geb. 1972) und 

C._______ (geb. 2001) (nachfolgend: Gesuchstellende bzw. Gäste) bean-

tragten am 25. Juli 2018 bei der Schweizerischen Botschaft in Yaoundé 

Schengen-Visa für einen Aufenthalt von 30 Tagen (Akten des SEM [SEM-

act.] 2/3, 2/58, 2/29, 2/57). Als Zweck ihrer Reise in die Schweiz vermerk-

ten sie auf dem Gesuchsformular, die Gastgeberin (und Beschwerdeführe-

rin) an deren Adresse in [einer schweizerischen Stadt] besuchen zu wollen 

(SEM-act. 2/29 ff. sowie 2/57 ff.).  

Den Gesuchsunterlagen lag ein handschriftlicher Brief von D._______, der 

leiblichen Mutter von C._______, bei. Demnach handelt es sich bei den 

Gästen um Onkel und Nichte. Der Onkel ist ermächtigt, an Stelle der in 

Italien lebenden Mutter die Interessen von C._______ zu vertreten. Das 

Schreiben war mit einem Stempel des kamerunischen Honorarkonsulats in 

Florenz versehen (SEM-act. 2/12).  

C._______ hatte bereits im Jahr 2014 ein Schengen-Visum für Italien be-

antragt hat, welches ihr verweigert worden war (SEM-act. 2/30). 

B.  

Die Gastgeberin, eine italienisch-kamerunische Doppelbürgerin mit Wohn-

sitz im Kanton […], hatte schon zuvor ein undatiertes, am 4. Juni 2018 in 

[einer schweizerischen Stadt] notariell beglaubigtes Einladungsschreiben 

an die Schweizerische Botschaft in Yaoundé adressiert. Dabei erläuterte 

sie, dass es sich bei den Gästen um ihren Sohn und ihre Enkeltochter 

handle, wobei ihr Sohn der «tuteur» ihrer Enkelin sei. Sie gedenke, ihre 

Gäste «pendant le mois juin à compter du 30 juin au 30 aout» einzuladen 

(SEM-act. 2/18 f.).  

C.  

Mit Formularverfügung vom 25. Juli 2018 verweigerte die Schweizerische 

Botschaft die Visa-Anträge, dies mit der Begründung, die Absicht der Ge-

suchstellenden, vor Ablauf des Visums wieder aus dem Hoheitsgebiet der 

Schengen-Mitgliedstaaten auszureisen, habe nicht hinreichend festgestellt 

werden können (SEM-act. 2/26). 

D.  

Gegen die Verweigerung der Visa erhob die Gastgeberin am 30. Juli 2018 

Einsprache bei der Vorinstanz.  

F-769/2019 

Seite 3 

Begründend führte sie aus, ihr Sohn habe keinen Grund, Kamerun für im-

mer verlassen zu wollen. Er betreibe in der Hauptstadt ein Motel mit Bar- 

sowie Restaurantbetrieb und könne von diesem Einkommen gut leben. Zu-

dem habe er dort zwei minderjährige Kinder. Sie habe Kamerun seit vier 

Jahren nicht mehr besuchen können, da sie sich um ihre in Udine (Italien) 

lebende invalide (zweite) Tochter kümmere. Sie habe bereits alle notwen-

digen Unterlagen bei der Botschaft eingereicht und werde im Bedarfsfall 

gerne die nötigen Sicherheiten leisten (SEM-act. 1/8). 

E.  

Mit Entscheid vom 1. November 2018 trat das SEM auf die Einsprache der 

Gastgeberin nicht ein, da sie den mit Verfügung vom 21. August 2018 ein-

verlangten Kostenvorschuss nicht geleistet hatte (SEM-act. 8/95 f.). 

F.  

Am 22. November 2018 stellte die Gastgeberin ein Gesuch um Wiederer-

wägung und beantwortete nachträglich den an sie gerichteten Fragenkata-

log der kantonalen Migrationsbehörde. Dabei gab sie unter anderem an, 

ihre Gäste würden sich drei Monate in der Schweiz aufhalten. In der Abwe-

senheit ihres Sohnes würden dessen sechs Angestellte das Motel betrei-

ben. Um seine beiden Kinder würde sich deren Mutter kümmern. Ihre En-

kelin habe drei Monate Sommerferien. Nach Ferienende werde sie wieder 

in die Schule zurückkehren (SEM-act. 8/96 f.). 

Daraufhin kam das SEM auf seinen Entscheid vom 1. November 2018 zu-

rück und das Verfahren wurde fortgesetzt. 

G.  

Mit Verfügung vom 11. Januar 2019 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. 

Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, 

wonach die fristgerechte Wiederausreise der Gäste nach einem Besuchs-

aufenthalt nicht als hinreichend gesichert betrachtet werden könne. Diese 

stammten aus einer Region, aus welcher als Folge der dort insbesondere 

in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse der Zuwanderungs-

druck nach wie vor stark anhalte. Im Weiteren seien aus den persönlichen, 

familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen des Gastes keine Umstände 

ersichtlich, die besondere Gewähr für die Wiederausreise nach einem Be-

suchsaufenthalt bieten könnten. Die von diesem geltend gemachten beruf-

lichen Verpflichtungen sowie die familiären Verantwortlichkeiten dürften 

F-769/2019 

Seite 4 

sich kaum mit einem dreimonatigen Besuchsaufenthalt vereinbaren las-

sen. Ebenfalls sei nicht klar, wo sich die Eltern ihrer Enkelin aufhielten. 

(SEM-act. 9). 

H.  

Am 14. Februar 2019 gelangte die Beschwerdeführerin mit Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihren Gästen die 

beantragten Visa auszustellen. Bei ihrem Sohn und ihrer Enkelin lägen 

keine konkreten Anzeichen für eine nicht anstandslose Wiederausreise vor. 

Im Übrigen sei das SEM irrtümlich von einem dreimonatigen Besuchsauf-

enthalt der Gäste ausgegangen. Aus deren Visa-Anträgen sowie dem Ein-

ladungsschreiben gehe hervor, dass ein einmonatiger Besuchsaufenthalt 

geplant gewesen sei. Ferner habe das SEM zu Unrecht festgehalten, dass 

der Aufenthaltsort der Eltern ihrer Enkelin unklar sei. Aktenkundig lebe de-

ren Mutter in Italien. 

I.  

In seiner Vernehmlassung vom 2. April 2019 schloss das SEM auf Abwei-

sung der Beschwerde. Entgegen der Annahme des Rechtsvertreters habe 

die Gastgeberin in ihrer Stellungnahme vom 22. November 2018 für beide 

Gäste einen Besuchsaufenthalt von drei Monaten gefordert. Die Diskre-

panz von zwei Monaten gegenüber den jeweiligen Gesuchseingaben lasse 

Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Anträge aufkommen. Ausserdem stelle 

sich die Frage, ob nicht der Wohnort der (leiblichen) Mutter der Enkelin 

(Italien) das eigentliche Ziel des Aufenthalts sei. 

J.  

In ihrer Replik vom 7. Mai 2019 erklärt die Beschwerdeführerin, ihre Gäste 

seien nicht an einem Verbleib in der Schweiz beziehungsweise dem 

Schengen-Raum interessiert. Die Reise in die Schweiz diene einzig dem 

Besuch der Grossmutter. 

K.  

Eine Anfrage nach dem aktuellen Verfahrensstand vom 5. November 2019 

beantwortete das Gericht am 8. November 2019. 

L.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in 

den Erwägungen eingegangen. 

  

F-769/2019 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 112 Abs. 1 

AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG). 

1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorangegangenen Einspracheverfah-

ren teilgenommen und ist als Gastgeberin durch die angefochtene Verfü-

gung besonders berührt. Der fest anberaumte Besuchszeitraum ist inzwi-

schen verstrichen. Durch die Einreichung des Rechtmittels hat die Be-

schwerdeführerin jedoch kundgetan, dass sie ihr Interesse an der Behand-

lung der Beschwerde aufrechterhält. Die Beschwerdelegitimation gemäss 

Art. 48 Abs. 1 VwVG ist somit gegeben. Auf die im Übrigen frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 

VwVG). 

1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun-

desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-

dung der Begehren nicht gebunden. Massgebend ist grundsätzlich die 

Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.; 

2011/43 E. 6.1). 

3.  

Der angefochtenen Verfügung liegen die Gesuche kamerunischer Staats-

angehörigen um Erteilung eines Visums für einen 30-tägigen beziehungs-

weise einen 90-tägigen Besuchsaufenthalt in der Schweiz zugrunde (vgl. 

nachfolgend E. 5.5 f.). Da sich die Gäste nicht auf die EU/EFTA-Personen-

freizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte Aufent-

http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/1

F-769/2019 

Seite 6 

haltsdauer 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen nicht über-

schreitet, fällt die Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwen-

dungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die 

Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemein-

schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat (BVGE 2014/1 E. 3; 

2011/48 E. 3). Das AIG und seine Ausführungsbestimmungen gelangen 

nur insoweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen 

keine abweichenden Bestimmungen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 4 AIG). 

4.  

4.1 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-

Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-

raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz eines Visums sind, falls 

ein solches nach Massgabe der Verordnung (EU) 2018/1806 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 (Aufstellung der 

Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aus-

sengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Dritt-

länder, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind [ABl. L 

303/39 vom 28.11.2018; nachfolgend: Verordnung [EU] 2018/1806; in Kraft 

seit 15. Februar 2019]) erforderlich ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. b der Verordnung 

[EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. 

März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der 

Grenzen durch Personen [Kodifizierter Text] [Schengener Grenzkodex, 

SGK, Abl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 6 Abs. 1 der Verordnung vom 

15. August 2018 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 

142.204]); vgl. auch Art. 2 Ziff. 6 SGK; Art. 5 Abs. 1 Bst. a AIG). Als kame-

runische Staatsangehörige unterliegen die Gesuchstellenden unbestritte-

nermassen der Visumpflicht (Anhang I der bereits erwähnten Verordnung 

Nr. 2018/1806; Art. 8 Abs. 1 VEV). 

4.2 Voraussetzung zur Visumerteilung und zur Einreise ist unter anderem, 

dass die drittstaatsangehörige Person keine Gefahr für die öffentliche Ord-

nung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internatio-

nalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellt (Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK) 

und Gewähr für die gesicherte Wiederausreise bietet (Art. 32 Abs. 1 Bst. b 

der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visako-

dex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009]; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2011/48 

E. 4.5; 2009/27 E. 5.2). Wenn die betreffende Person nicht bereit ist, das 

Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist 

eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e 

F-769/2019 

Seite 7 

SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben daher 

zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr 

einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Aus-

reise nicht besteht respektive dass die gesuchstellende Person für die ge-

sicherte Wiederausreise Gewähr bietet (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21 

Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2009/27 E. 5.2). 

4.3 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines 

Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-

lung eines Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht gehalten, 

drittstaatsangehörigen Personen die Einreise zu gestatten. Das Schengen-

Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es ein-

heitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglied-

staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die 

Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Vi-

sum vermittelt aber auch das Schengen-Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1 

und E. 4.1.5; 2011/48 E. 4; Urteil des BVGer F-7617/2016 vom 12. März 

2018 E. 4.1). 

4.4 Sind sämtliche Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt, ist das 

Schengen-Visum auszustellen. Ist hingegen einer der in Art. 32 Abs. 1 VK 

(nicht abschliessend) aufgelisteten Tatbestände gegeben, darf ein einheit-

liches Visum nicht erteilt werden (vgl. Art. 21 Abs. 1 und Abs. 3 VK; Art. 32 

Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.5; 2011/48 E. 4.6; Urteil des BVGer 

F-7617/2016 E. 4.1). Das Schengen-Visum ist deshalb unter anderem zu 

verweigern, wenn Zweifel an der von der drittstaatsangehörigen Person 

bekundeten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor 

Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums wieder zu verlassen (Art. 32 

Abs. 1 Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Den Behörden kommt bei der Be-

urteilung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt sind, ein 

weiter Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5 in fine). 

4.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Einreisevoraussetzungen 

nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter 

Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden 

Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betreffende Mitglied-

staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären 

Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund internatio-

naler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 

Abs. 1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 

F-769/2019 

Seite 8 

5.  

5.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref-

fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab-

lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine 

Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles zu 

würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen 

Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5 

Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). An-

haltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus-

reise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland 

der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Namentlich bei Einreisegesu-

chen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirtschaftlich 

und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, 

da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfahrungsgemäss 

häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebe-

willigung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.). 

5.2 Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage in Kamerun wies das 

SEM in seinem Entscheid auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse 

und den damit einhergehenden Migrationsdruck hin. Diese Einschätzung 

ist im Ergebnis nicht zu beanstanden (vgl. zur Lage in Kamerun: Urteil des 

BVGer F-5226/2018 vom 27. März 2019 E. 6.2.1). Auch die Sicherheitslage 

des Landes bleibt angespannt. In den Regionen Nord und Adamaoua so-

wie in den Grenzgebieten zu Nigeria und Tschad kommt es vermehrt zu 

gewalttätigen Raubüberfällen und Entführungen. In den beiden anglopho-

nen Regionen North-West und South-West dauern gewaltsame Auseinan-

dersetzungen zwischen Sicherheitskräften und separatistischen Gruppie-

rungen an, die Todesopfer und Verletzte forderten. Insbesondere in den 

Städten kommt es zu Protestaktionen und Demonstrationen, bei denen ge-

walttätige Auseinandersetzungen möglich sind (Quelle: Deutsches Aus-

wärtiges Amt: www.auswertigesamt.de > Aussen- und Europapolitik >Län-

der > Kamerun > Reise- und Sicherheitshinweise (Teilreisewarnung, 

Stand: 27. März 2020, besucht im März 2020). 

5.3 Angesichts dieser Umstände und unter Berücksichtigung, dass die Be-

reitschaft, das Heimatland zu verlassen, erfahrungsgemäss dort begünstigt 

wird, wo – wie in casu – bereits Verwandte im Ausland leben, ist nicht zu 

beanstanden, dass das SEM das Risiko einer nicht fristgerechten Wieder-

ausreise in Bezug auf das Land als solches als grundsätzlich hoch ein-

schätzte. Allerdings wäre es zu schematisch und nicht haltbar, generell und 

ohne spezifische Anhaltspunkte ausschliesslich aufgrund der allgemeinen 

http://www.auswertigesamt.de/

F-769/2019 

Seite 9 

Lage sowie der bisherigen Erfahrungen auf eine nicht hinreichend gesi-

cherte Wiederausreise zu schliessen. Es gilt vielmehr, über die Situation 

im Herkunftsland hinaus die weiteren Umstände zu würdigen. Namentlich 

familiäre, gesellschaftliche oder berufliche Verpflichtungen können die 

Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. 

6.  

6.1  

6.1.1 Im Antragsformular gab der Sohn der Beschwerdeführerin (Gast) an, 

er sei unverheiratet und arbeite als «commerçant» (SEM-act. 2/58). Gleich-

zeitig liess er der Vertretung verschiedene Unterlagen in Kopie zu kommen, 

nämlich (soweit hier interessierend): 

- ein Kontoauszug vom 28. Juli 2017 bis 12. Juni 2018 («Relevé de 

compte») (SEM-act. 2/70), 

- Bescheinigungen, dass seinerseits keine Steuerschulden vorliegen, 

vom 5. Juni 2018 sowie vom 4. Juli 2017 («Attestation de non rede-

vance») (SEM-act. 2/65 f. und 2/69), 

- eine Bescheinigung über die Miete eines Gastronomiebetriebes vom 

5. Juli 2017 sowie eine Mietbescheinigung vom 5. Juni 2018 («Attesta-

tion de location») (SEM-act. 2/67 f. sowie 2/64), 

- ein Lageplan mit einem amtlichen Stempel (SEM-act. 2/63), 

- «Renseigements relatifs à l’explotant» sowie «Renseigements relatifs 

à l’entreprise» (SEM-act. 2/62), 

- eine Erteilung einer Ausschanklizenz vom 19. November 2007 («Li-

cence de vente de boissons») (SEM-act. 2/61). 

Gemäss den Vorbringen auf Beschwerdeebene lebt er zusammen mit sei-

ner Partnerin und dem gemeinsamen Kind (geb. 2013) in Yaoundé, wo er 

in der Gastronomie tätig ist. Ein weiterer Sohn aus einer früheren Bezie-

hung (geb. 2009) lebt bei seiner leiblichen Mutter (einer ehemaligen Part-

nerin des Gastes). 

6.1.2 Aus diesen Angaben lässt sich zwar eine gewisse soziale Einbindung 

des männlichen Gastes in ein familiäres Gefüge erblicken. Doch das ge-

naue Verhältnis zu seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn 

F-769/2019 

Seite 10 

sowie zu seinem Sohn aus einer früheren Beziehung geht daraus nicht 

hervor. Da die Kinder während seiner Abwesenheit von ihren jeweiligen 

Müttern betreut werden, ist auch davon auszugehen, dass er für diese ab-

kömmlich ist. Dessen ungeachtet können – gerade in Situationen ange-

spannter wirtschaftlicher Verhältnisse – zurückbleibende nahe Angehörige 

regelmässig nicht verlässlich davon abhalten, den Entschluss für eine 

Emigration zu fällen, zumal die Hoffnung besteht, die Zurückgebliebenen 

aus dem Ausland effizienter unterstützen oder später allenfalls gar nach-

ziehen zu können.  

6.1.3 Auch in wirtschaftlicher Hinsicht kann nichts zu seinen Gunsten ab-

geleitet werden. Gemäss dem eingereichten Kontoauszug wies sein Konto 

bei der Eröffnung am 28. Juli 2017 zwar einen Betrag von 1'500'000 CFA 

auf (dies entspricht nach dem Umrechnungskurs vom 30. März 2020 einem 

Betrag von Fr. 2'394.–), doch hat der Beschwerdeführer bis Ende August 

2017 lediglich eine Einzahlung in der Höhe von 35'000 CFA (Fr. 55.86.–) 

getätigt und parallel dazu bis auf 650 CFA (Fr. 1.04.–) alles abgehoben. 

Hinzu kommt, dass auf dieses Konto unregelmässige Zahlungen einge-

gangen sind, wobei rund ein Dutzend Einzahlungen «especes» von einer 

Person namens «E._______», eine weitere von einer Person namens 

«E.a._______» sowie zwei von «E.b._______» getätigt wurden. Ferner 

ging eine (Teil-)Rückerstattung durch «E.c._______» auf das Konto ein. 

Infolgedessen nähren sich Zweifel, ob der Gast seinen Lebensunterhalt 

tatsächlich aus eigener Kraft bestreitet (vgl. zum Ganzen SEM-act. 2/70). 

Geht doch auch aus den übrigen Unterlagen lediglich hervor, dass er über 

eine Ausschankerlaubnis verfügt, einen Gastronomiebetrieb gemietet und 

keine Steuerschulden hat. 

6.1.4 Demnach kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Gast tat-

sächlich über eine gesicherte Existenz beziehungsweise eine massgebli-

che berufliche Verankerung in Kamerun verfügt, welche ihn nachhaltig da-

von abhalten könnte, über den deklarierten Zeitraum hinaus in der Schweiz 

respektive im Schengen-Raum zu verbleiben.  

6.2  

6.2.1 Aktenkundig lebt die Enkelin der Beschwerdeführerin bei ihrer 

Grosstante in Douala, wo sie noch die Schule besucht, die sie mit dem 

(englischsprachigen) BAC abschliessen möchte. Für die Schulgebühren 

kommen ihre leibliche Mutter sowie teilweise ihre Grossmutter – die Be-

schwerdeführerin – auf. 

F-769/2019 

Seite 11 

6.2.2 Die Rüge der Beschwerdeführerin, das SEM habe zu Unrecht fest-

gehalten, dass der Aufenthaltsort der Eltern ihrer Enkelin unklar sei, ist in-

sofern berechtigt, als der Verbleib der Mutter in Italien aktenkundig ist 

(SEM-act. 2/12; sowie Sachverhalt Bst. A). Die Vorinstanz begründet auch 

nicht, auf welche Weise die Tatsache, dass der Vater der Enkelin (welcher 

die Vaterschaft nicht anerkannt hat) unbekannt ist, die Gefahr der nicht an-

standslosen Wiederausreise erhöhen könnte. Es handelt sich hier um ein 

sachfremdes Element, welches nicht geeignet ist, den Ausgang der Streit-

sache zu beeinflussen. 

6.2.3 Indessen ergeben sich aus den persönlichen Lebensumständen der 

Enkelin keine Anhaltspunkte, welche das Risiko einer nicht anstandslosen 

Ausreise als gering erscheinen liessen. Die Beschwerdeführerin hebt denn 

auch lediglich hervor, dass ihre Enkelin nach Kamerun zurückkehren und 

dort die Schule mit dem «BAC» abschliessen möchte. Vor dem wirtschaft-

lichen Hintergrund in ihrem Heimatstaat kann jedoch die angestrebte Aus-

bildung für sich allein das Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise 

nicht mildern. Die Enkelin ist familiär und beruflich ungebunden, was das 

Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise markant erhöht. Des Wei-

teren geht aus einem handschriftlichen Vermerk der Botschaft auf dem An-

tragsformular der Enkelin hervor, dass sie bereits im Jahr 2014 ein Schen-

gen-Visum für Italien – wo ihre leibliche Mutter sowie ihre Tante leben – 

beantragt hat, welches ihr verweigert wurde (vgl. Sachverhalt Bst. A). Dem-

nach ist der Eindruck, wonach der angegebene Aufenthaltszweck (Besuch 

bzw. Wiedersehen mit der in der Schweiz lebenden Grossmutter), nicht 

ausschliesslich der Grund für das beantragte Visum sein könnte, nicht voll-

ständig von der Hand zu weisen. 

6.3 Soweit in der Beschwerde sowie in der Replik gerügt wird, das SEM 

sei zu Unrecht von einem dreimonatigen Aufenthalt der Gäste ausgegan-

gen, ist der Gastgeberin entgegen zu halten, dass lediglich den Gesuchs-

unterlagen ihrer Gäste explizit ein beabsichtigter einmonatiger Besuchs-

aufenthalt zu entnehmen ist (vgl. Sachverhalt Bst. A). Entgegen den Vor-

bringen der Beschwerdeführerin ist ihrem Einladungsschreiben die Dauer 

des beabsichtigten Besuches nicht eindeutig zu entnehmen (vgl. Sachver-

halt Bst. Bst. B), währendem sie in ihrer Stellungnahme vom 22. Septem-

ber 2018 explizit einen Besuchsaufenthalt ihrer Gäste von drei Monaten 

angegeben und mit der in Kamerun üblichen Dauer der Sommerferien be-

gründet hat. Somit ist nicht zu beanstanden, dass das SEM in der ange-

fochtenen Verfügung von einem 90-tägigen Besuchsaufenthalt ausgegan-

gen ist.  

F-769/2019 

Seite 12 

6.4 Vor dem dargelegten allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte 

die Vorinstanz – auch unter der Annahme eines nur dreissigtägigen Be-

suchs – davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine frist-

gerechte anstandslose Wiederausreise der Gäste nach einem Besuchs-

aufenthalt besteht. An den guten Absichten und der Integrität der Be-

schwerdeführerin ist hierbei nicht zu zweifeln. Zugleich gilt es zu bedenken, 

dass sie in ihrer Eigenschaft als Gastgeberin zwar für gewisse finanzielle 

Risiken Garantie leisten kann, nicht aber – mangels rechtlicher und fakti-

scher Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten der eingeladenen 

Person (vgl. BVGE 2014/1 E. 6.3.7 und BVGE 2009/27 E. 9). 

6.5 Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist 

eine zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht 

erfüllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter 

Gültigkeit (vgl. dazu E. 4.5) wurden von den Beteiligten zu Recht nicht gel-

tend gemacht und solche sind denn auch nicht ersichtlich. 

7.  

Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte 

von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher ab-

zuweisen. 

8.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächst Seite) 

  

F-769/2019 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 900.– werden der Beschwerdeführerin 

auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss 

gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Ulrike Raemy 

 

 

 

Versand: