# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38ebb637-7b54-5b8d-969b-413206fd7d5d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-21
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 21.08.2020 SB180277
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180277_2020-08-21.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB180277/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Wasser-

Keller und Oberrichter lic. iur. Wenker sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Baechler 

 

Urteil vom 21. August 2020 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Beschuldigter, Erstberufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich 
durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Hubmann 

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. - 9. … 

10. B._____,  
Privatkläger und Zweitberufungskläger 

 

10 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____,  

 

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz etc. und Widerruf (Rückweisung des Schweizerischen Bundes-
gerichtes) 

-   2   - 

 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 
20. Juli 2016 (DG160008); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich,  
II. Strafkammer, vom 5. Oktober 2017 (SB160417); Urteil des Schweize-
rischen Bundesgerichtes vom 14. Juni 2018 (6B_1368/2017) 

__________________________ 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 18. März 

2016 (Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Das Verfahren wird eingestellt betreffend: 

- versuchte Anstiftung zur Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 StGB (Anklageziffer B.2. bzw. 

Nebendossier 2); 

- des mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklage-

ziffer B.4. bzw. Nebendossier 4) sowie 

- Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 

C. bzw. Nebendossier 7). 

2. Der Beschuldigte ist schuldig: 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 lit. c, lit. d und 

lit. g, teilweise in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG (Anklageziffern 

A.I.1. und A.I.5. sowie A.II.1.-2.); 

- der versuchten Anstiftung zum Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 StGB (Anklageziffer B.2. bzw. 

ND 2) sowie 

- des mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklage-

ziffer B.3, B.5. und B.6. bzw. NDs 3, 5 und 6). 

3. Der Beschuldigte wird von den folgenden Vorwürfen freigesprochen: 

- Art. 19 Abs. 1 lit. c, lit. d und lit. g, teilweise in Verbindung mit Abs. 2 

lit. a BetmG (Anklageziffern A.I.2.-4.) sowie 

-   4   - 

- der Anstiftung zum Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Ver-

bindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB (Anklageziffer B.1. bzw. Nebendossier 

1). 

4. Der Beschuldigte wird in den Vollzug der mit dem Urteil des Obergerichts 

des Kantons Zürich vom 5. Oktober 2011 ausgefällten Freiheitsstrafe rück-

versetzt. 

5. Der Beschuldigte wird unter Einbezug dieses Strafrestes (912 Tage Frei-

heitsstrafe) bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren als Gesamtstrafe, 

wobei bis und mit heute 834 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft 

erstanden sind. 

6. Die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 8. April 2014 sichergestellten 

Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien (Lagernummer B01254-

2014 bzw. Asservatnummern A007'031'698, A007'031'701, A007'031'712, 

A007'047'974, A007'047'985) werden eingezogen und nach Eintritt der 

Rechtskraft der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung überlassen. 

7. Die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 8. April 2014 sichergestellten, bei 

der Kantonspolizei Zürich lagernden alkoholischen Getränke (Asservat-

nummern A007'031'723, A007'031'734, A007'031'836, A007'031'847, 

A007'031'858) sowie ein Fahrzeugschlüssel (Asservatnummer 

A007'048'320) werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft die-

ses Entscheids auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung 

werden die Gegenstände nach Ablauf von 3 Monaten nach Eintritt der 

Rechtskraft der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

8. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 18. Mai 

2015 beschlagnahmte Vermögenswert auf dem Konto Nr. 1 bei der C._____ 

[Bank] AG (Saldo per 30. Juni 2016: CHF 560.55) wird zugunsten der 

Staatskasse eingezogen. Zu diesen Zweck wird die C._____ AG angewie-

sen, das Konto zu saldieren und den Saldo nach Eintritt der Rechtskraft die-

-   5   - 

ses Entscheids an die Bezirksgerichtskasse (Konto-Nr. 2, D._____ [Bank], 

… [Adresse]) zu überweisen. 

9. Der mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

8. Dezember 2014 und 16. Januar 2015 beschlagnahmte Nettoerlös von 

CHF 9'932.05 wird zugunsten der Staatskasse eingezogen. 

10. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich 

vom 2. Juni 2015 beschlagnahmten elektronischen Gegenstände (Sachkau-

tions-Nr. 10275) werden zugunsten der Staatskasse eingezogen und nach 

Eintritt der Rechtskraft durch die Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu Guns-

ten der Staatskasse verwertet bzw. - sofern davon kein die Verwertungskos-

ten übersteigender Erlös zu erwarten ist - vernichtet: 

- 1 iPad, weiss 

- 1 iPad mini, schwarz 

- 1 iPhone 5s, weiss, inkl. SIM-Karte und Etui 

- 1 iPhone 5, schwarz, inkl. SIM-Karte und Etui 

- 1 Laptop Toshiba Satellite inkl. Netzteil 

- 1 Laptop Dell Ultrabook inkl. Netzteil 

- 1 Mac Book Air 

11. Der E._____ Schweiz AG wird die Stellung als Privatklägerin aberkannt und 

auf ihr Schadenersatzbegehren wird nicht eingetreten. 

12. Der F._____ AG wird die Stellung als Privatklägerin aberkannt und auf ihr 

Schadenersatzbegehren wird nicht eingetreten. 

13. Die Privatkläger 2 und 3 sowie 5 bis 9 werden mit ihren Schadenersatzbe-

gehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

14. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:  

-   6   - 

CHF 6'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

CHF 4'000.00   Gebühr Strafuntersuchung  

CHF 189'080.20   Kosten Kantonspolizei Zürich 

CHF 13'567.00 Auslagen Untersuchung 

CHF 42'708.55   amtliche Verteidigung Fürsprecher Z._____ 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

15. Die Kosten der Untersuchung im Umfang von CHF 48'783.50 und die Hälfte 

der Kosten des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amt-

lichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die übrigen Un-

tersuchungs- und Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO in Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung. 

16. Fürsprecher Z._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger 

des Beschuldigten mit CHF 42'708.55 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse 

entschädigt. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 371 S. 2 f.) 

1. Es sei A._____ von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen, sofern die 
betreffenden Verfahren nicht einzustellen sind; 

2. Auf eine Rückversetzung in den Vollzug im Zusammenhang mit dem 
Urteil des Obergerichts Zürich vom 5. Oktober 2011 sei entsprechend 
zu verzichten. 

3. Die beschlagnahmten Vermögenswerte seien A._____ auf erstes Ver-
langen herauszugeben: 

3.1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich 
vom 18. Mai 2015 beschlagnahmten Vermögenswerte auf dem 

-   7   - 

Konto Nr. 1 bei der C._____ AG seien A._____ freizugeben bzw. 
das Saldo sei meinem Mandanten herauszugeben; 

3.2. Der mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zü-
rich vom 8. Dezember 2014 und 16. Januar 2015 beschlagnahm-
te Nettoerlös von Fr. 9'932.05 sei A._____ herauszugeben; 

3.3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich 
vom 2. Juni 2015 beschlagnahmten elektronischen Gegenstände 
(Sachkautions-Nr. 10275) seien A._____ herauszugeben. 

4. A._____ sei eine angemessene Entschädigung und Genugtuung zuzu-
sprechen. 

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) zu Lasten des 
Staates. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:  

(Urk. 372 S. 1 f.) 

1. In Aufhebung von Ziffer 1., teilweiser Änderung von Ziffer 2. und teil-
weiser Änderung von Ziffer 3. des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 
9. Abteilung, vom 20. Juli 2016 (DG160008-L / U) sei der Beschuldigte 
wie folgt schuldig zu sprechen: 

• der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 lit. c, lit. d 
und lit. g, teilweise in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG (Ankla-
geziffer A.I.1., A.I.2., A.I.3., A.I.4. und A.I.5. sowie A.II.1-2.); 

• der versuchten Anstiftung zum Betrug im Sinne von Art. 146 
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 StGB (Anklageziffer 
B.2. bzw. ND 2); 

• des mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs im Sinne von 
Art. 146 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 
StGB (Anklageziffer B.3., B.4.1.1., B.4.1.2., B.4.1.3., B.4.4., 
B.4.5., B.4.7., B.5. und B.6. bzw. ND 3, 4, 5 und 6) sowie 

• der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (An-
klageziffer B.6. bzw. ND 6). 

2. In Änderung von Ziffer 5. des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Ab-
teilung, vom 20. Juli 2016 (DG160008-L / U) sei der Beschuldigte mit 
5½ Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen, dies unter Anrechnung der er-
standenen Haft. 

Eventualiter: In Aufhebung von Ziffer 4 und Änderung von Ziffer 5. des 
Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 20. Juli 2016 

-   8   - 

(DG160008-L / U) sei der Beschuldigte mit 3¾ Jahren Freiheitsstrafe 
zu bestrafen, dies unter Anrechnung der erstandenen Haft. 

3. In teilweiser Änderung von Ziffer 15. des Urteils des Bezirksgerichts 
Zürich, 9. Abteilung, vom 20. Juli 2016 (DG160008-L / U) seien dem 
Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen 
Verfahrens zu drei Vierteln zu auferlegen. 

4. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 
20. Juli 2016 (DG160008-L / U) zu bestätigen 

__________________________ 

-   9   - 

Inhaltsverzeichnis 

Erwägungen: ....................................................................................................... 11 
I. Prozessgeschichte ........................................................................................... 11 
II. Prozessuales ................................................................................................... 20 

1. Einstellung bzw. Rückweisung des Verfahrens ..................................... 20 
2. Beweisanträge ...................................................................................... 21 
3. Rechtliches Gehör/Vollständigkeit der Akten ........................................ 22 
4. Zwangsmassnahmen ............................................................................ 34 
5. Verfahrensvereinigung / Aktenbeizug Verfahren Mitbeschuldigte ......... 35 
6. Übersetzungen ...................................................................................... 38 
7. Anklagegrundsatz ................................................................................. 43 
8. Verwertbarkeit / Konfrontationsrecht ..................................................... 55 
9. Strafbare Verletzung der Amtspflichten durch die Anklagebehörde ...... 60 
10. Teilrechtskraft ........................................................................................ 63 

III. Materielles ...................................................................................................... 63 
A. Vorwurf der Anklagebehörde .................................................................... 63 
B. Beweisgrundsätze .................................................................................... 64 
C. Beweismittel .............................................................................................. 67 

1. Im Allgemeinen ..................................................................................... 67 
2. Glaubwürdigkeit der Beteiligten ............................................................. 67 

D. Widerhandlungen gegen das BetmG ........................................................ 70 
1. Anklageziffer A.I.1. (Erlangen und Weitergabe von Kokain) .................. 70 
2. Anklageziffer A.I.2. (Anstaltentreffen zum Erlangen und Verkaufen von 
Kokain) ......................................................................................................... 71 
3. Anklageziffer A.I.3. (Anstaltentreffen zum Erlangen von Kokain) .......... 73 
4. Anklageziffer A.I.4. (Erlangen und Weitergabe von Kokain) .................. 81 
5. Anklageziffer A.I.5. (Anstaltentreffen zum Veräussern von Kokain) ...... 84 
6. Anklageziffer A.II. (Marihuanahandel) ................................................... 86 

E. Vermögens- bzw. Urkundendelikte ........................................................... 94 
1. Anklageziffer B.2. (versuchte Anstiftung zu Betrug; ND 2) .................... 94 
2. Anklageziffer B.3. (mehrfacher Betrug; ND 3) ....................................... 97 
3. Anklageziffer B.4. (mehrfacher, teils versuchter Betrug; ND 4) ............. 99 

3.1. Anklageziffer 4.1.1. ........................................................................ 99 
3.2. Anklageziffer B.4.1.2. ................................................................... 111 
3.3. Anklageziffer B.4.1.3. ................................................................... 113 
3.4. Anklageziffer B.4.4. ...................................................................... 115 
3.5. Anklageziffer B.4.5. ...................................................................... 117 
3.6. Anklageziffer B.4.7. ...................................................................... 121 

4. Anklageziffer B.5. (Betrug/Betrugsversuch; ND 5) .............................. 124 
5. Anklageziffer B.6. (Betrug und Urkundenfälschung; ND 6) ................. 127 

IV. Rechtliche Würdigung .................................................................................. 130 
A. Widerhandlungen gegen das BetmG ...................................................... 130 

1. Anklageziffer A.I.2. (Anstaltentreffen zum Erlangen und Verkaufen von 
Kokain) ....................................................................................................... 130 
2. Anklageziffer A.I.3. (Anstaltentreffen zum Erlangen von Kokain) ........ 131 

-   10   - 

3. Anklageziffer A.I.4. (Erlangen und Weitergabe von Kokain) ................ 133 
4. Anklageziffer A.I.5. (Anstaltentreffen zum Veräussern von Kokain) .... 134 
5. Anklageziffer A.II.1. (Marihuanahandel) .............................................. 134 

B. Vermögens- bzw. Urkundendelikte ......................................................... 135 
1. Betrug .................................................................................................. 135 
2. Anklageziffer B.2. (versuchte Anstiftung zu Betrug; ND 2) .................. 138 
3. Anklageziffer B.3. (mehrfacher Betrug; ND 3) ..................................... 139 
4. Anklageziffer B.4. (mehrfacher, teils versuchter Betrug; ND 4) ........... 140 

4.1. Anklageziffer B.4.1.1. ................................................................... 140 
4.2. Anklageziffer B.4.1.2. ................................................................... 141 
4.3. Anklageziffer B.4.1.3. ................................................................... 142 
4.4. Anklageziffer B.4.4. ...................................................................... 144 
4.5. Anklageziffer B.4.5. ...................................................................... 145 
4.6. Anklageziffer B.4.7. ...................................................................... 146 

5. Anklageziffer B.5. (Betrug/Betrugsversuch; ND 5) .............................. 148 
6. Anklageziffer B.6. (Betrug und Urkundenfälschung; ND 6) ................. 149 
7. Gewerbsmässigkeit ............................................................................. 151 

C. Rechtswidrigkeit und Schuld ................................................................... 152 
D. Ergebnis .................................................................................................. 153 

V. Rückversetzung ............................................................................................ 153 
VI. Strafzumessung ........................................................................................... 155 

A. Anwendbares Sanktionsrecht ................................................................. 155 
B. Sanktion .................................................................................................. 155 

1. Strafrahmen ........................................................................................ 155 
2. Strafzumessungsfaktoren .................................................................... 156 
3. Kokainhandel ...................................................................................... 156 
4. Marihuanahandel ................................................................................ 157 
5. Vermögens- bzw. Urkundendelikte ..................................................... 158 
6. Täterkomponente ................................................................................ 160 
7. Ergebnis .............................................................................................. 163 
8. Vollzug ................................................................................................ 163 

VII. Einziehung und Beschlagnahmung ............................................................. 164 
VIII. Kosten-, Genugtuungs- und Entschädigungsfolgen ................................... 165 

-   11   - 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

1. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 

9. Abteilung, vom 20. Juli 2016 (Verfahren DG160008) liessen der amtliche Ver-

teidiger des Beschuldigten mit Eingabe vom 20. Juli 2016 (Urk. 79) sowie die 

Rechtsvertretung des Privatklägers 10 mit Eingabe vom 27. Juli 2016 (Urk. 83) 

jeweils innert Frist Berufung anmelden. Das vollständig begründete Urteil 

(Urk. 89) wurde von der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (hernach 

Staatsanwaltschaft oder Anklagebehörde), vom Privatkläger 10 und der Verteidi-

gung jeweils am 13. September 2016 entgegengenommen (Urk. 88/1-3). Mit Ein-

gabe vom 23. September 2016 ging die Berufungserklärung des Beschuldigten im 

Rahmen des Berufungsverfahrens SB160417 am 27. September 2016 fristge-

recht hierorts ein (Urk. 90). Seitens des Privatklägers 10 wurde die Berufung 

demgegenüber mit Eingabe vom 3. Oktober 2016 (Urk. 91) wieder zurückgezo-

gen. Mit Präsidialverfügung vom 26. Oktober 2016 (Urk. 104) wurde der Staats-

anwaltschaft sowie den Privatklägern unter Hinweis auf die Berufungserklärung 

des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag 

auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt. Mit Eingabe vom 16. November 

2016 (Urk. 107; Empfangsbestätigungen: Urk. 105/1-12) erhob die Staatsanwalt-

schaft fristgerecht Anschlussberufung (Urk. 107). Die Privatkläger liessen sich 

demgegenüber nicht vernehmen. Eine Kopie der Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft wurde dem Beschuldigten bzw. den Privatklägern mit Präsidialverfü-

gung vom 28. November 2016 zugestellt (Urk. 108; Empfangsbestätigungen: 

Urk. 109/1-12). 

2. Mit Präsidialverfügung vom 11. Oktober 2016 (Urk. 94) wurde der Staatsan-

waltschaft sowie der Verteidigung Frist angesetzt, um sich zur Frage der Fortset-

zung der Sicherheitshaft zu äussern, welcher seitens der Staatsanwaltschaft mit 

Eingabe vom 12. Oktober 2016 (Urk. 98) und seitens der Verteidigung mit solcher 

vom 17. Oktober 2016 (Urk. 99) nachgekommen wurde. Mit Präsidialverfügung 

-   12   - 

vom 17. Oktober 2016 (Urk. 100) wurde diesen beiden Parteien jeweils Frist an-

gesetzt, um sich zur Eingabe der anderen Partei vernehmen zu lassen (Emp-

fangsbestätigungen: Urk. 101/1-2), was in der Folge seitens beider Parteien un-

terblieb. Mit Präsidialverfügung vom 25. Oktober 2016 (Urk. 102) wurde der An-

trag der Verteidigung auf eine mündliche Anhörung des Beschuldigten abgewie-

sen und sein Verbleiben in Sicherheitshaft angeordnet. Mit Eingabe vom 

8. Februar 2017 (Urk. 113) stellte der Beschuldigte persönlich ein Haftentlas-

sungsbegehren, welches in der Folge mit Präsidialverfügung vom 9. Februar 2017 

(Urk. 114) der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft zur Stellungnahme zuge-

stellt wurde (Empfangsbestätigungen: Urk. 115/2-3). Nach Eingang der Stellung-

nahmen seitens der Staatsanwaltschaft am 14. Februar 2017 (Urk. 116) und sei-

tens der Verteidigung am 17. Februar 2017 – wobei letztere bereits eine Ver-

nehmlassung zur Eingabe der Staatsanwaltschaft enthielt – wurde der Anklage-

behörde mit Präsidialverfügung vom 17. Februar 2017 (Urk. 118) Frist zur Stel-

lungnahme zur Eingabe der Verteidigung angesetzt, worauf sie in der Folge ver-

zichtete (Urk. 120). Mit Präsidialverfügung vom 27. Februar 2017 (Urk. 121) wur-

de das Haftentlassungsgesuch des Beschuldigten schliesslich abgewiesen. 

3. Mit Eingabe vom 29. März 2017 (Urk. 123) ersuchte der bisherige amtliche 

Verteidiger um Entlassung aus seinem Amt. Die neue amtliche Verteidigung wur-

de – nach entsprechendem Ersuchen vom 30. März 2017 (Urk. 124) – mit Präsi-

dialverfügung vom 4. April 2017 (Urk. 126) mit Wirkung ab 30. März 2017 einge-

setzt. 

4. Die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft, die Privatkläger und den Be-

schuldigten zur Berufungsverhandlung im Verfahren SB160417 ergingen am 

20. April 2017 (Urk. 129). Im Vorgang zur Verhandlung wurden diverse Akten bei-

gezogen und den Parteien zur Einsichtnahme zugestellt (Urk. 137 und Urk. 146 - 

150). Die Verteidigung stellte mit Eingabe vom 26. Juli 2017 diverse Anträge 

(Urk. 138), denen mit Präsidialverfügung vom 3. August 2017 teilweise entspro-

chen, welche im Übrigen indes einstweilen abgewiesen wurden (Urk. 141). Mit 

Eingabe vom 24. August 2017 stellte die Verteidigung das Gesuch um Verschie-

-   13   - 

bung der Berufungsverhandlung im Verfahren SB160417, was die Verfahrenslei-

tung am 25. August 2017 ablehnte (Urk. 169). 

5. Zur Berufungsverhandlung im Verfahren SB160417 vom 29. August 2017 

erschienen Staatsanwalt lic. iur. G._____ als Vertreter der Anklagebehörde und 

der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. 

X._____ sowie Rechtsanwältin lic. iur. H._____ (Prot. SB160417 S. 19). Anläss-

lich der Berufungsverhandlung beschloss das Gericht das Beweisverfahren noch 

nicht zu schliessen, weitere Auskünfte seitens der Staatsanwaltschaft einzuholen 

und wies die Anträge der Verteidigung auf Einstellung des gesamten Verfahrens, 

eventualiter Rückweisung an die Staatsanwaltschaft ab. Die Parteien erklärten 

sodann ihr Einverständnis zur schriftlichen Fortsetzung des Berufungsverfahrens 

(Prot. SB160417 S. 39). 

6. Im Nachgang zur Berufungsverhandlung im Verfahren SB160417 erhielten 

die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung Gelegenheit ihre Berufung und An-

schlussberufung zu ergänzen und reichten mehrere Stellungnahmen inklusive 

Beilagen bei Gericht ein (Urk. 179 - 181, Urk. 186 u. 187, Urk. 190 u. 191). 

7. Am 5. Oktober 2017 erging das Urteil im Verfahren SB160417 (Urk. 196), 

wogegen seitens des Beschuldigten Beschwerde an das Bundesgericht erhoben 

wurde (Urk. 219; 220/2).  

8. Mit Urteil vom 14. Juni 2018 (Urteil 6B_1368/2017: Urk. 267 bzw. 284) wur-

de die Beschwerde des Beschuldigten vom Bundesgericht gutgeheissen, das Ur-

teil des hiesigen Gerichts vom 5. Oktober 2017 im Verfahren SB160417 aufgeho-

ben und die Sache zu neuer Beurteilung zurückgewiesen. 

9. Mit Präsidialverfügung vom 29. Juni 2018 im Verfahren SB160417 wurde 

der Beschuldigte per 30. Juni 2018 von der Verfahrensleitung aus der Sicher-

heitshaft entlassen (Urk. 277; 278; 283).  

10.1. Mit Präsidialverfügung vom 20. Juli 2018 (Urk. 289) wurde den Parteien un-

ter Hinweis auf die Erwägungen des Bundesgerichts (Urteil 6B_1368/2017: 

Urk. 284 E. 2.5.4.), wonach die hiesige Instanz das Beweisverfahren wieder auf-

-   14   - 

zunehmen und die Akten zu ergänzen habe, weil die Akten unvollständig seien, 

u.a. mitgeteilt, welche Beweiserhebungen betreffend abgehörter Gespräche sei-

tens der Anklagebehörde jeweils unter Wahrung der gesetzlichen Erfordernisse 

und des rechtlichen Gehörs des Beschuldigten vorgesehen seien und dem Be-

schuldigten in diesem Zusammenhang Frist zur begründeten Bezeichnung weite-

rer Beweiserhebungen angesetzt.  

10.2. Mit Beschluss vom 20. September 2018 (Urk. 305) wurden daraufhin die Ak-

ten zur Ergänzung der Untersuchung an die Staatsanwaltschaft überwiesen und 

dieselbe angewiesen, ihrer Dokumentations- und Aktenführungspflicht im Sinne 

der bundesgerichtlichen Erwägungen nachzukommen. In diesem Zusammenhang 

(vgl. insb. E.2.5.2. i.f. des erwähnten Bundesgerichtsentscheides) wurde die 

Staatsanwaltschaft insbesondere angewiesen, anzugeben, welche Überwa-

chungsmassnahmen in welcher Art, wo, durch wen, zu welchem Zeitpunkt und mit 

welchem Resultat stattgefunden haben. Ebenso wurde sie darauf aufmerksam 

gemacht, dass sich aus den Akten zu ergeben habe, welche weiteren Akten be-

ziehungsweise Tonträger im vorliegenden Fall produziert wurden und welche wei-

teren Überwachungsmassnahmen erfolglos gewesen seien. Ferner wurde die 

Staatsanwaltschaft unter Verweis auf E. 2.5.3. i.f. des Bundesgerichtsentscheides 

angewiesen, hinsichtlich mehrerer aufgelisteter Abhörprotokolle zu dokumentieren 

bzw. aufzuzeigen, wie bei der Erstellung vorgegangen wurde, wer mit welchen In-

struktionen daran teilgenommen habe und ob jede dieser Personen genügend auf 

die Straffolgen von Art. 307 StGB hingewiesen wurde. Die Staatsanwaltschaft 

wurde auch angewiesen, diese abgehörten Gespräche erneut zu verschriftlichen 

und, sofern fremdsprachig, mit einem neuen Dolmetscher/einer neuen Dolmet-

scherin (direkt) zu übersetzen, dies jeweils unter Wahrung der gesetzlichen Erfor-

dernisse und des rechtlichen Gehörs des Beschuldigten sowie seines Verteidigers 

in geeigneter rechtsgenügender Form. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten die 

mit Präsidialverfügung vom 20. Juli 2018 angesetzte Frist zur Bezeichnung weite-

rer erneut abzuspielender und gegebenenfalls zu übersetzender Gespräche – 

entsprechend seinem Antrag vom 4. September 2018 (Urk. 301), mittels welcher 

er geltend machte, dass die Akten vorab zu vervollständigen seien – abgenom-

men. 

-   15   - 

10.3. Mit Eingabe vom 19. Februar 2019 (Urk. 313) stellte die Verteidigung Antrag 

um Rückweisung des Verfahrens an die erste Instanz, wozu die Staatsanwalt-

schaft mit Eingabe vom 7. März 2019 (Urk. 316) Stellung nahm. Mit Beschluss 

vom 21. März 2019 (Urk. 317) wurde der Rückweisungsantrag des Beschuldigten 

abgewiesen. Es wurde insbesondere erwogen, dass in Nachachtung der Bin-

dungswirkung des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheides und angesichts 

der klaren und deutlichen Anweisung ausser Frage stehe, dass es Aufgabe der 

Berufungsinstanz sei, die erforderlichen Ergänzungen zu veranlassen bzw. das 

vorinstanzliche Verfahren nicht an einem derart schwerwiegenden Mangel leide, 

der nicht durch die Rechtsmittelinstanz geheilt werden könnte.  

10.4. Mit Eingabe vom 9. Mai 2019 (Urk. 320) wurden dem Gericht seitens der 

Staatsanwaltschaft u.a. ein Bericht von Fw I._____ betreffend die geheimen 

Überwachungsmassnahmen gegen den Beschuldigten vom 23. Januar 2019 

(Urk. 321/3) sowie die "Auflistung der Geheimen Überwachungsmassnahmen ge-

gen A._____" (Urk. 321/3/1) eingereicht. Mit Präsidialverfügung vom 21. Mai 2019 

(Urk. 323) wurde u.a. festgestellt, dass die von der Verteidigung angestrebte Do-

kumentierung der Überwachungsmassnahmen nunmehr vorliege. Seitens der 

Verteidigung wurde innert der ihr mit Präsidialverfügung vom 21. Mai 2019 

(Urk. 323) angesetzten Frist zur Bezeichnung der (nicht bereits seitens des Ge-

richts bezeichneten) abzuspielenden bzw. zu übersetzenden Gespräche mit Ein-

gabe vom 2. Juli 2019 (Urk. 326) im Wesentlichen geltend gemacht, dass die Ak-

ten immer noch unvollständig seien, dem Beschuldigten die Frist zur Nennung er-

neut abzuspielender und gegebenenfalls zu übersetzender Gespräche abzuneh-

men und bei Vollständigkeit der Akten neu anzusetzen und das Verfahren an die 

erste Instanz zurückzuweisen sei. Mit Beschluss vom 16. Juli 2019 (Urk. 328) 

wurden der Antrag des Beschuldigten auf Abnahme der ihm mit Präsidialverfü-

gung vom 21. Mai 2019 angesetzten Frist zur Bezeichnung erneut abzuspielender 

und gegebenenfalls zu übersetzender Gespräche bzw. deren Neuansetzung ab-

gewiesen, Verzicht des Beschuldigten auf erneutes Abspielen und gegebenenfalls 

Übersetzung aller nicht bereits durch das Gericht in Ziffer 3 des Beschlusses vom 

20. September 2018 aufgeführten Gespräche angenommen sowie der Antrag des 

Beschuldigten auf Rückweisung des Verfahrens (erneut) abgewiesen. 

-   16   - 

10.5. Mit Eingabe vom 29. Juli 2019 (Urk. 330) machte die Verteidigung geltend, 

dass die Akten vollständig vorzuliegen hätten und eingesehen werden können 

müssten und ihr seitens der Anklagebehörde eine Gesamtübersicht zu jeder statt-

gefundenen Überwachungshandlung auszuhändigen sei, ansonsten der Verteidi-

gung alle vorhandenen Datenträger zu allen stattgefundenen Überwachungs-

massnahmen zuzustellen seien und ihr eine 180-tägige Frist anzusetzen sei, um 

die erneut abzuspielenden und allenfalls zu übersetzenden Gespräche zu be-

zeichnen. Ferner verlangte die Verteidigung Einsicht in die von den Dolmetschern 

verfassten Zusammenfassungen der relevanten Gespräche. Mit Präsidialverfü-

gung vom 14. August 2019 (Urk. 331) wurde der Staatsanwaltschaft Frist zur Stel-

lungnahme angesetzt, wobei erwogen wurde, dass seitens der Anklagebehörde 

aufzuzeigen sei, welche einzelnen sich wo in den Akten befindlichen Aufzeich-

nungen bzw. Datenträger bzw. Zusammenfassungen hinsichtlich welcher zeitlich 

näher einzugrenzenden Überwachungsmassnahme bzw. hinsichtlich welcher zwi-

schen welchen Personen wann geführter Gespräche bestehen, bzw. ob nebst den 

sich bei den Akten befindlichen noch weitere Aufzeichnungen bzw. Datenträger 

betreffend Überwachungsmassnahmen bzw. die im Bericht von Fw I._____ vom 

31. März 2019 (Urk. 322/4) erwähnten, von den Dolmetschern verfassten Zu-

sammenfassungen der relevanten (und allenfalls irrelevanten) Gespräche beste-

hen. Ferner wurde ausgeführt, dass die Staatsanwaltschaft anzugeben habe, ob 

Aufzeichnungen bzw. Datenträger betreffend Überwachungsmassnahmen und 

von den Dolmetschern verfasste Zusammenfassungen der relevanten (und allen-

falls irrelevanten) überwachten Gespräche bestehen, welche sich nicht bei den 

Akten befinden würden. Falls letzteres zutreffe, habe die Staatsanwaltschaft fer-

ner auszuführen, welche weiteren Aufzeichnungen bzw. Datenträger betreffend 

welche Überwachungsmassnahmen und von den Dolmetschern verfasste Zu-

sammenfassungen der relevanten (und allenfalls irrelevanten) überwachten Ge-

spräche bestehen, welche Personen und welchen Zeitraum sie betreffen, und falls 

dies nicht mittels vertretbarem Aufwand eruierbar sein sollte, die Person/en zu 

bezeichnen, welche die Triage über relevante und irrelevante Aufzeichnungen 

bzw. Datenträger bzw. Zusammenfassungen vorgenommen habe bzw. hätten und 

gleichzeitig auszuführen, nach welchen Kriterien diese Triage vorgenommen wor-

-   17   - 

den sei. Mit Eingabe vom 10. Oktober 2019 (Urk. 336) nahm die Staatsanwalt-

schaft unter Beilage eines Berichts von Fw I._____ vom 22. September 2019 

(Urk. 337) und diversen Gesprächsaufzeichnungen (gespeichert auf gesondert 

aufbewahrten 21 DVD's bzw. in Kopie für die Verteidigung auf 2 USB-Sticks: 

Urk. 337/A) diesbezüglich Stellung. Mit Präsidialverfügung vom 11. Oktober 2019 

(Urk. 338) wurde der Verteidigung diesbezüglich Frist zur Stellungnahme ange-

setzt. Ferner wurden ihr mit Präsidialverfügung vom 7. November 2019 (Urk. 345) 

die seitens der Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 10. Oktober 2019 eingereich-

ten Gesprächsaufzeichnungen (Urk. 337/A) in Kopie zugestellt (Urk. 346/1), unter 

der Auflage, diese Aufzeichnungen dem Beschuldigten persönlich aufgrund der 

davon tangierten Drittinteressen nicht als Ganzes, sondern nur beschränkt zu-

gänglich zu machen. 

10.6. Mit Eingabe vom 12. November 2019 (Urk. 347) reichte die Anklagebehörde 

unter Nachachtung der ihr mit Beschluss vom 20. September 2018 (Urk. 305) 

auferlegten neuen Übersetzung und Verschriftlichung mehrerer TK- und Audio-

aufzeichnungen diverse entsprechende Akten ein (Urk. 348/1-2), welche darauf-

hin der Verteidigung zugestellt wurden (Empfangsbestätigung: Urk. 351). 

10.7. Mit Eingabe vom 14. November 2019 (Urk. 349) nahm die Verteidigung in 

Nachachtung der Präsidialverfügung vom 11. Oktober 2019 (Urk. 338) zur Einga-

be der Staatsanwaltschaft vom 10. Oktober 2019 (Urk. 336) Stellung: Sie legte 

darin im Wesentlichen dar, dass die Akten zu den Überwachungsmassnahmen 

anhaltend unvollständig seien, eine detaillierte Gesamtübersicht über die Über-

wachungsmassnahmen weiterhin fehlen sowie – auch unter Bezugnahme auf die 

ihr zur Einsicht zugestellten USB-Sticks betreffend Überwachungsmassnahmen – 

ein Datenchaos bestehen würde. Gleichzeitig stellte die Verteidigung mehrere Ak-

tenbeizugsersuchen.  

10.8. Hinsichtlich der Eingabe der Staatsanwaltschaft vom 12. November 2019 

(Urk. 347) und Beilagen (Urk. 348/1-2) nahm die Verteidigung – nach Gewährung 

mehrerer Fristerstreckungen (Urk. 350; 352; 353; 353/A) – mit Eingabe vom 

3. Februar 2020 (Urk. 354) Stellung, worin sie im Wesentlichen ausführte, dass 

die neu übersetzten Protokolle eine Vielzahl von Anmerkungen enthielten, welche 

-   18   - 

nicht der Klärung dienten, sondern unzulässige Interpretationen darstellen wür-

den, woraus eine unzulässige antizipierte Beweiswürdigung, Deutung bzw. Par-

teinahme durch die übersetzende Person vorgenommen worden sei. Ferner 

brachte die Verteidigung vor, dass unklar sei, was mit dem Zeichen # [Hashtag] 

gemeint sei, und wies darauf hin, dass viele Passagen mit "akustisch unverständ-

lich" bezeichnet worden seien, was infolge der Unvollständigkeit der Akten in de-

ren Unverwertbarkeit zu Ungunsten des Beschuldigten resultiere. Schliesslich 

wurde seitens der Verteidigung eingewandt, dass die Telefonprotokolle zum Teil 

unzulässige Bemerkungen enthielten. Seitens des Gerichts wurde in der Folge bei 

der Staatsanwaltschaft in Erfahrung gebracht, dass das Hashtag-Symbol [#] au-

tomatisch im Gesprächsimport erscheine, wenn drei nacheinander folgende Punk-

te […], Anführungs- und Schlusszeichen [„], ein Gedankenstrich [–] oder ein Apo-

stroph [`] vermerkt werde (Aktennotiz vom 12. Februar 2020: Urk. 356), was nach-

folgend Verteidigung und Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht wurde (Emp-

fangsbestätigungen: Urk. 357/1-2). Die Einwendungen der Verteidigung wie auch 

die Erläuterung seitens der Staatsanwaltschaft wurden bei der durch das Gericht 

durchgeführten Würdigung der neu verschriftlichten Gesprächsprotokolle berück-

sichtigt (vgl. nachstehend unter E. III.). 

11.1. Mit Schreiben an die Staatsanwaltschaft bzw. Staatsanwalt lic. iur. G._____ 

vom 2. Juli 2018, welches dem Gericht in Kopie zugestellt (Urk. 282 bzw. 

Urk. 285) bzw. seitens der Staatsanwaltschaft am 3. Juli 2018 "zuständigkeitshal-

ber" weitergeleitet (Urk. 286) wurde, machte die Verteidigung eine Befangen-

heitsproblematik des damals fallführenden Staatsanwaltes lic. iur. G._____ und 

von dessen Mitarbeitern, voran Sachbearbeiter Fw I._____, geltend und verlangte 

deren Ausstand in vorliegendem Verfahren. Innert der ihm mit Präsidialverfügung 

vom 10. August 2018 (Urk. 294) angesetzten Frist zur Stellungnahme teilte 

Staatsanwalt lic. iur. G._____ dem Gericht mit Eingabe vom 16. August 2018 

(Urk. 297) mit, dass sich das Gesuch als gegenstandslos erweise, da der Fall sei-

tens der Anklagebehörde fortan vom Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Urs Hub-

mann geführt werde. Im Übrigen sei das Gesuch der Verteidigung verspätet, da 

es nicht umgehend eingereicht worden sei, und im Weiteren rechtsmissbräuch-

lich, da die ihm zugrundeliegende Strafanzeige durch die ehrverletzenden Äusse-

-   19   - 

rungen des Verteidigers anlässlich der Berufungsverhandlung [im Verfahren 

SB160417] verursacht worden sei. Innert der ihr mit Präsidialverfügung vom 21. 

August 2018 (Urk. 298) dazu angesetzten Frist zur Stellungnahme äusserte sich 

die Verteidigung dahingehend, dass der Ausstandsgrund von Amtes wegen zu 

beachten sei und das Gesuch rechtzeitig und nicht rechtsmissbräuchlich erfolgt 

sei. Aufgrund der Rückweisung des Falles durch das Bundesgericht hätten nicht 

nur Staatsanwalt lic. iur. G._____, sondern alle Personen, welche an diesem Fall 

im Rahmen der Untersuchung mitgearbeitet hätten – u.a. Sachbearbeiter Fw 

I._____ – ein gewichtiges persönliches Interesse daran, die Sache im Rahmen 

der nachzuholenden, aufgetragenen Pflichterfüllungen – unabhängig vom An-

spruch des Beschuldigten auf ein faires Verfahren – zu ihren Gunsten zu ergän-

zen. Deshalb müsse unbedingt sichergestellt werden, dass Staatsanwalt lic. iur. 

G._____, aber auch seine damaligen Mitarbeiter (wie Fw I._____), im weiteren 

Verfahren nicht mehr beteiligt seien. 

11.2. Mit Beschluss vom 19. September 2018 (Urk. 304) wies das Gericht die 

Ausstandsgesuche des Beschuldigten gegen Staatsanwalt lic. iur. G._____ und 

dessen Mitarbeiter ab, insoweit darauf eingetreten wurde, da die Leitung der An-

klagebehörde fortan vom Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Urs Hubmann und nicht 

mehr von Staatsanwalt lic. iur. G._____ wahrgenommen wurde und der beantrag-

te Ausstand weiterer Personen in persönlicher wie sachlicher Hinsicht rechtsun-

genügend substantiiert wurde bzw. kein Rechtschutzinteresse erkennbar war. 

12. Am 4. März 2020 wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen 

(Urk. 358), zu welcher der Leitende Staatsanwalt lic. iur. Urs Hubmann sowie der 

Beschuldigte mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._____ erschienen. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden die eingangs aufgeführten Anträge 

gestellt, der Beschuldigte wurde persönlich befragt, und die Verteidigung sowie 

die Staatsanwaltschaft hielten ihre Parteivorträge. Die Anträge der Verteidigung 

auf Einstellung des Verfahrens, eventualiter Aufhebung des erstinstanzlichen Ent-

scheids mit Rückweisung an die Staatsanwaltschaft zur Durchführung eines er-

neuten Untersuchungsverfahrens, subeventualiter Rückweisung an die Vorinstanz 

zur Ergänzung und Verbesserung der Akten und Beweise, subsubeventualiter um 

-   20   - 

Bereinigung des Aktenfundamentes sowie Zurverfügungstellung eines sog. Log-

buches wurden abgewiesen, was den Parteien mündlich eröffnet und kurz be-

gründet wurde (vgl. nachstehend unter E. II.). Auf die mündliche Eröffnung und 

Erläuterung des Endentscheides haben die Parteien verzichtet (Prot. II S. 16 ff.). 

II. Prozessuales 

1. Einstellung bzw. Rückweisung des Verfahrens 

1.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden die Anträge der Verteidigung 

auf Einstellung bzw. Rückweisung des Verfahrens (Urk. 367 S. 2 f.) abgewiesen 

(Prot. II S. 34). In seinem Rückweisungsentscheid vom 14. Juni 2018 hat das 

Bundesgericht klar erwogen, dass die hiesige Kammer des Obergerichts das Be-

weisverfahren wieder aufnehmen und die Akten ergänzen müsse (Urk. 284 

S. 14). In Nachachtung der Bindungswirkung des bundesgerichtlichen Rückwei-

sungsentscheides steht damit ausser Frage, dass es Aufgabe der hiesigen Kam-

mer des Obergerichts ist, die erforderlichen Ergänzungen einzuholen, mithin zu 

veranlassen oder gegebenenfalls selbst vorzunehmen. Entgegen der Auffassung 

der Verteidigung fällt damit eine Rückweisung an die Vorinstanz zwecks Be-

weisergänzung ausser Betracht. Der Aufforderung des Bundesgerichts, wonach 

"die Vorinstanz (….) einholen müsse" (Urk. 284 S. 13), ist die Kammer mit ihrem 

Beschluss vom 20. September 2018 nachgekommen, indem sie die Akten zur Er-

gänzung der Untersuchung an die Staatsanwaltschaft überwiesen hat mit der An-

weisung, die Akten im Sinne der damaligen Erwägungen zu vervollständigen so-

wie die aufgeführten abgehörten Gespräche zu verschriftlichen (Urk. 305). Eine 

Rückweisung an die Vorinstanz kommt auch deshalb nicht in Betracht, da das  

vorinstanzliche Verfahren nicht an einem derart schwerwiegenden Mangel leidet, 

welcher nicht durch die Rechtsmittelinstanz geheilt werden könnte. Damit kommt 

es – entgegen der Verteidigung (Urk. 367 S. 35) – auch nicht zu einem Instan-

zenverlust. 

1.2. Eine Rückweisung des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft zur Durchfüh-

rung eines erneuten Untersuchungsverfahrens respektive der Bereinigung des 

-   21   - 

Aktenfundamentes – wie dies von der Verteidigung beantragt wird (Urk. 367 

S. 2 f.) – erweist sich nach der im Sinne der bundesgerichtlichen Erwägungen er-

gänzten Akten- und Beweislage als nicht erforderlich, und es sind keine Mängel 

ersichtlich, welche eine Einstellung des Verfahrens erforderlich machen würden. 

Nach erfolgter Ergänzung und erneuter Verschriftlichung sowie Übersetzung der 

Gespräche gemäss Beschluss vom 20. September 2018 (Urk. 2018) erweisen 

sich die Akten als vollständig. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung lege 

artis geführt und ist ihrer gesetzlichen Dokumentationspflicht vollumfänglich nach-

gekommen. Darauf und auf die seitens der Verteidigung geltend gemachten Män-

gel des Verfahrens ist nachfolgend (E. II.2. ff.) im Einzelnen noch einzugehen. 

2. Beweisanträge 

2.1. Die Verteidigung des Beschuldigten liess vor Vorinstanz beantragen, es sei-

en J._____, K._____ und L._____ einzuvernehmen (Urk. HD 39 S. 2 f.) und führte 

an, die unterbliebenen Einvernahmen würden den Untersuchungsgrundsatz, den 

Grundsatz der Unschuldsvermutung sowie insgesamt das Recht auf ein faires 

Verfahren verletzen (Urk. 171 S. 72 f.). 

2.2. Beweisanträge dürfen abgelehnt werden, wenn damit die Beweiserhebung 

über Tatsachen verlangt wird, die unerheblich, offenkundig, bekannt oder bereits 

rechtsgenügend erwiesen sind (s. STPO KOMMENTAR-RICKLIN, Art. 331 StPO N 1; 

bzw. Art. 318 Abs. 2 StPO). 

2.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 89 E. I.5.8.2.) ist festzustellen, dass die beantragten 

Einvernahmen hinsichtlich der in Frage stehenden Anklagesachverhalte gestützt 

auf das Beweisergebnis nicht erforderlich erscheinen und auch nicht zureichend 

substantiiert wurde, inwiefern die beantragten Einvernahmen diesbezüglich von 

Relevanz sein sollten bzw. daran etwas ändern sollten. Diese Beweisanträge 

wurden deshalb zu Recht abgewiesen bzw. sind sie bereits deshalb erneut abzu-

weisen. 

2.4. Mit Eingaben vom 18. September 2017 sowie 14. November 2019 wurden 

seitens der Verteidigung weitere Beweisanträge gestellt, welche insbesondere 

-   22   - 

das Zustandekommen der Übersetzungen der Telefon- und Audioüberwachungen 

des Beschuldigten bzw. deren Verwertbarkeit betreffen (Urk. 190 S. 9 f.; Urk. 349 

S. 4). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erneuerte die Verteidigung 

die Beweisanträge (Urk. 370). Diese Beweisanträge sind abzuweisen, wobei zur 

Begründung auf die nachfolgenden Ausführungen zu verweisen ist. 

3. Rechtliches Gehör/Vollständigkeit der Akten 

3.1. Die Verteidigung rügte mehrfach, dass kein detailliertes, lückenloses und 

chronologisches Gesamtverzeichnis (Logbuch) bei den Akten sei, welches über 

die konkreten Überwachungsmassnahmen und deren Durchführung Auskunft ge-

be. Ein derartiges Verzeichnis würde es der Verteidigung erlauben, Einsicht in 

entlastende, bisher nicht im Recht liegende oder zumindest nicht transkribierte 

Protokolle oder sonstige Aufzeichnungen und alle Datenträger zu nehmen und 

deren Beizug zu den Akten begründet zu verlangen, da die vorliegende einseitige 

Aktenselektion durch die Staatsanwaltschaft dem Anspruch auf ein faires Verfah-

ren, auf rechtliches Gehör und eine gehörige Verteidigung entgegen stehe 

(Urk. 171 S. 5 ff. u. 63 ff.; Urk. 174 S. 7 f.; Urk. 349 S. 2 ff.; Urk. 367 S. 10 ff.). 

Ferner rügte die Verteidigung, dass die Akten zu den Überwachungsmassnahmen 

weiterhin unvollständig seien (Urk. 349 S. 2 ff.; Urk. 367 S. 10 ff.). Schliesslich 

wurde von der Verteidigung auch vorgebracht, dass ein "Datenchaos" bestehe, 

welche eine gehörige Akteneinsicht verunmögliche (Urk. 349 S. 4 ff.; Urk. 367 

S. 21 ff.). 

3.2. Seitens der Anklagebehörde wird dargelegt, dass gemäss bundesgerichtli-

cher Rechtsprechung die Führung eines Logbuchs nicht erforderlich sei (Urk. 336 

S. 2; Prot. II S. 27), weshalb der Wahrung des rechtlichen Gehörs des Beschul-

digten genüge getan sei, wenn die einzelnen Echtzeit-TK-Überwachungs-

massnahmen den Archivdatenträgern entnommen werden könnten (Urk. 336 

S. 2). Ferner führt die Staatsanwaltschaft aus, dass aus technischen Gründen die 

mittels Audioüberwachung aufgezeichneten Gespräche, welche nicht auf exter-

nen Datenträgern gespeichert und dort abgehört werden könnten, sondern sich 

auf DLRS-Datenträgern befinden würden, die fix auf entsprechenden Stationen 

zur Audioüberwachung montiert und nur mit spezieller Software abspielbar seien, 

-   23   - 

davon ausgenommen seien (Urk. 336 S. 3). Dem rechtlichen Gehör des Beschul-

digten sei aber Genüge getan, weil er sämtliche Audiodateien habe abhören kön-

nen (Urk. 337 S. 4). 

3.3. Aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV bzw. Art. 6 Ziff. 3 EMRK verankerten Anspruch 

auf rechtliches Gehör, welcher einen wichtigen und deshalb eigens aufgeführten 

Teilaspekt des allgemeineren Grundsatzes des fairen Verfahrens von Art. 29 

Abs. 1 BV bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK darstellt, ergibt sich für die beschuldigte Per-

son das grundsätzlich uneingeschränkte Recht, in alle für das Verfahren wesentli-

chen Akten Einsicht zu nehmen (vgl. zudem Art. 3 Abs. 2 lit. c und Art. 107 Abs. 1 

lit. a StPO) und an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich 

zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent-

scheid zu beeinflussen (BGE 142 I 86 E 2.2 S. 89; Urteil 6B_376/2018 vom 

25. September 2018 E. 5.1; je mit Hinweisen). Das Akteneinsichtsrecht soll si-

cherstellen, dass die beschuldigte Person als Verfahrenspartei von den Ent-

scheidgrundlagen Kenntnis nehmen und sich wirksam und sachbezogen verteidi-

gen kann. Die effektive Wahrnehmung dieses Anspruchs setzt notwendigerweise 

voraus, dass die Akten vollständig sind. In einem Strafverfahren bedeutet dies, 

dass die Beweismittel, jedenfalls soweit sie nicht unmittelbar an der gerichtlichen 

Hauptverhandlung erhoben werden, in den Untersuchungsakten vorhanden sein 

müssen und dass aktenmässig belegt sein muss, wie sie produziert wurden, da-

mit die beschuldigte Person in der Lage ist zu prüfen, ob sie inhaltliche oder for-

melle Mängel aufweisen und gegebenenfalls Einwände gegen deren Verwertbar-

keit erheben kann. Dies ist Voraussetzung dafür, dass sie ihre Verteidigungsrech-

te überhaupt wahrnehmen kann, wie dies Art. 32 Abs. 2 BV verlangt (BGE 129 I 

85 E. 4.1 S. 88 f.; BGer Urteile 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.1; 

6B_376/2018 vom 25. September 2018 E. 5.1; 6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 

E. 2.3., jeweils mit Hinweisen). Die Anklagebehörde muss dem Gericht sämtliches 

Material zuleiten, das mit der Tat als Gegenstand eines gegen eine bestimmte 

Person erhobenen Vorwurfs in thematischem Zusammenhang steht. Sie muss 

dem Gericht und dem Beschuldigten respektive der Verteidigung sämtliche Spu-

renvorgänge zur Kenntnis bringen, die im Verfahren – und sei es auch nur mit ge-

ringer Wahrscheinlichkeit – Bedeutung erlangen können. Die Ermittlungs- und Un-

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-86%3Ade&number_of_ranks=0#page86

-   24   - 

tersuchungsbehörden dürfen grundsätzlich kein von ihnen erhobenes oder ihnen 

zugekommenes Material zurückbehalten, das einen Bezug zur Sache hat. Die 

Dokumentationspflicht gilt auf allen Verfahrensstufen, also auch bereits im polizei-

lichen Ermittlungsverfahren (Urteile 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.1; 

6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 E. 2.3.; 6B_719/2011 vom 12. November 2012 

E. 4.5, jeweils mit Hinweisen). Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch ergebnis-

lose oder unergiebige Ermittlungen in ihrem negativen Ausgang einen für die Ur-

teilsfällung relevanten Gehalt aufweisen können. Auf eine Einverleibung der uner-

giebigen Aufzeichnungen in die Akten kann jedoch verzichtet werden, wenn die 

Tatsache der erfolglosen Überwachung in den Akten vermerkt ist. Wichtig ist, 

dass sich aus der Hauptakte der Bestand der verhandlungsrelevanten Beiakten 

jederzeit feststellen lässt und die richterliche Verfahrensgestaltung ebenso wie die 

Gewährung von Akteneinsicht diese zusätzlichen Materialien einbezieht (BGer Ur-

teil 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.2; 6B_1368/2017 vom 14. Juni 

2018 E. 2.3., jeweils mit Hinweisen).  

Für die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs sieht Art. 276 Abs. 1 

StPO ausdrücklich vor, dass die aus den genehmigten Überwachungen stam-

menden Aufzeichnungen, die für das Strafverfahren nicht notwendig sind, von den 

Verfahrensakten gesondert aufbewahrt und unmittelbar nach Abschluss des Ver-

fahrens vernichtet werden. Nicht notwendig sind Erkenntnisse, die in Bezug auf 

die Delikte, für welche die Überwachung bewilligt wurde, keinen Beweiswert ha-

ben. Die Aussonderungspflicht hat vor allem den Zweck, Drittpersonen und Be-

rufsgeheimnisse zu schützen. Es verstösst nicht gegen die Aktenführungs- oder 

Dokumentationspflicht, wenn Daten, die im Rahmen einer Überwachung oder ei-

ner nachträglichen Auswertung gesichtet werden und die in keinem Zusammen-

hang mit der Sache stehen, nicht ins Dossier übernommen werden, weil sie in 

diesem Fall auch keine entlastende Funktion haben können (BGer Urteile 

6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.2; 6B_627/2011 vom 30. Januar 2012 

E. 3.2, jeweils mit Hinweisen).  

Nach einem Teil der Lehre sind für das Verfahren nicht dienliche Aufzeichnungen 

– erfahrungsgemäss sei dies ein grosser Teil der aufgezeichneten Gespräche –

-   25   - 

gesondert aufzubewahren, auf Begehren aber den Parteien, vorab der beschul-

digten Person, zur Einsichtnahme zu öffnen (SCHMID/JOSITSCH, SCHWEIZERISCHE 

STRAFPROZESSORDNUNG, PRAXISKOMMENTAR, 3. A. 2018, Art. 276 StPO N 3; BSK-

STPO I-SCHMUTZ, Art. 100 StPO N 22). Demgegenüber wird in der Lehre auch die 

Auffassung vertreten, dass die ausgesonderten Akten vom Recht der Parteien auf 

Akteneinsicht ausgenommen seien (HANSJAKOB IN: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER 

(HRSG.): KOMMENTAR ZUR SCHWEIZERISCHEN STRAFPROZESSORDNUNG, 2. A., 

Art. 276 StPO N 8 mit weiteren Hinweisen). Gemäss der Rechtsprechung des Eu-

ropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist der beschuldigten Person ein 

Recht auf Einsicht in möglicherweise sachdienliche Aktenteile ausserhalb der Er-

mittlungsakte zu gewähren, wobei von der beschuldigten Person verlangt werden 

kann, spezifische Gründe für ihr Gesuch vorzubringen (Urteil des EGMR Matanovi 

C v. Croatia vom 4. April 2017, Rz. 157, auch in: MEYER/STAFFLER, Die Recht-

sprechung des EGMR in Strafsachen im Jahr 2017, in: forumpoenale, 5/2018, 

S. 446 ff., 454). Nicht zulässig ist es, die Triage im Rahmen der verdeckten Er-

mittlung ohne verfahrensrechtliche Kontrollmechanismen den Strafverfolgungsbe-

hörden zu überlassen (Urteil des EGMR Matanovi C v. Croatia vom 4. April 2017, 

Rz. 182, auch in: MEYER/STAFFLER, Die Rechtsprechung des EGMR in Strafsa-

chen im Jahr 2017, in: forumpoenale, 5/2018, S. 446 ff., 454; vgl. auch BGer Ur-

teil 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.3).  

Den Parteirechten ist im Zusammenhang mit den ausgesonderten Aufzeichnun-

gen der Fernmeldeüberwachung Rechnung zu tragen. Die beschuldigte Person 

hat das Recht, den Archivdatenträger mit den Aufzeichnungen der Fernmelde-

überwachung nach den Vorgaben von Art. 101 f. StPO einzusehen, um sich an-

hand der Gesprächsaufzeichnungen ein Bild über die von den Strafbehörden vor-

genommene Triage zu machen (BGer Urteil 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 

E. 2.3.4). 

Betreffend die Transkription von Telefonüberwachungen hielt das Bundesgericht 

fest, übersetzte Abhörprotokolle dürften nicht zu Lasten des Beschuldigten ver-

wertet werden, soweit den Strafakten nicht zu entnehmen ist, wer sie wie produ-

ziert hat und ob die Dolmetscher auf die Straffolgen von Art. 307 StGB hingewie-

-   26   - 

sen wurden (BGE 129 I 85 E. 4.1 f. S. 88 ff.; Urteile 6B_1368/2017 vom 14. Juni 

2018 E. 2.3.; 6B_1021/2013 vom 29. September 2014 E. 5.3; 6B_676/2013 vom 

28. April 2014 E. 3.4.3; 6B_80/2012 vom 14. August 2012 E. 1.3 f.; 6P.168/2004 

vom 3. Mai 2005 E. 2). Es präzisierte, Beweismittel, die den genannten Anforde-

rungen nicht genügten, könnten vom Gericht neu erhoben werden, indem die 

massgebenden Gespräche an der Gerichtsverhandlung angehört und unmittelbar 

übersetzt werden (BGE 129 I 85 E. 4.3 S. 90; BGer Urteile 6B_403/2018 vom 

14. Januar 2019 E. 3.3; 6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 E. 2.3; 6B_125/2013 

vom 23. September 2013 E. 2.1). 

3.4. Die Strafprozessordnung enthält keine allgemeine Definition für den Akten-

begriff. In Art. 100 Abs. 1 StPO wird das Aktendossier erwähnt, welches für jede 

Strafsache angelegt wird. Dieses enthält gemäss dieser Bestimmung die Verfah-

rens- und Einvernahmeprotokolle (lit. a), die von der Strafbehörde zusammenge-

tragenen Akten (lit. b) sowie die von den Parteien eingereichten Akten (lit. c). 

Art. 100 Abs. 2 StPO schreibt eine systematische Ablage der Akten vor. Es bleibt 

dabei der Anklagebehörde überlassen, welcher Systematik sie sich bedienen will 

(BSK StPO-Schmutz, Art. 100 N 26). Zu den Akten i.w.S. gehören auch die von 

den Strafbehörden erstellten Datenträger (BSK StPO-I Schmutz, Art. 100 N 3 

m.w.H.). Die Verpflichtung der Strafbehörden, Informationen, die in nicht direkt 

lesbarer Form vorhanden sind, in Schriftform zu übertragen, ergibt sich sinnge-

mäss aus Art. 76 Abs. 1 StPO. Um unnötigen Aufwand zu vermeiden und die Ak-

ten nicht mit Protokollen zu belasten, die mit dem Verfahren offensichtlich keinen 

Zusammenhang haben, werden in der Praxis die irrelevanten Gespräche und wei-

teren Informationsflüsse meistens erst gar nicht in Schriftform übertragen. Die 

Ton- und Datenträger werden in der Regel zwar gesondert von den Verfahrensak-

ten aufbewahrt, bilden aber Teil der Akten und stehen den Parteien nach Mass-

gabe von Art. 101 StPO offen (BSK StPO  

I-Schmutz, Art. 100 N 22 m.w.H.). 

3.5. Gemäss Art. 6 Abs. 2 StPO untersuchen die Strafbehörden die belastenden 

und entlastenden Umstände mit gleicher Sorgfalt. Ziel ist hierbei letztlich die Er-

mittlung der materiellen Wahrheit, wobei die Sachverhaltsabklärung in neutraler, 

-   27   - 

objektiver Weise zu erfolgen hat (BSK StPO I-Riedo/Fiolka, Art. 6 N 59 u 92). Die 

bestehende Gefahr einseitiger Aktenführung wäre nur dadurch vollständig zu 

bannen, wenn man die Staatsanwaltschaft verpflichten würde, sämtliches wäh-

rend der Untersuchung erhobenes Material unterschiedslos und ohne Prüfung der 

Verfahrensrelevanz in die Akten aufzunehmen; wenn ihr mit anderen Worten bei 

der Aktenführung kein Ermessen zugestanden würde. Dies erscheint aber wenig 

sinnvoll, da in umfangreichen und komplizierten Verfahren eine Triage unumgäng-

lich ist, um den Aktenumfang in vernünftigen Grenzen zu halten, was letztlich der 

Bewältigung des Prozessstoffes und damit einer nachprüfbaren und nachvollzieh-

baren Beurteilung dient. Jedenfalls muss offensichtlich irrelevantes Material nicht 

in die Akten aufgenommen werden. Besteht auch nur die geringste Wahrschein-

lichkeit, dass ein Untersuchungsergebnis mit Bezug auf den Schuldvorwurf oder 

die Strafzumessung Bedeutung haben könnte, ist es allerdings in die Akten auf-

zunehmen (BSK StPO I-Schmutz, Art. 100 N 11 u. 14 m.w.H.). 

3.6.1. Vorerst ist zu prüfen, ob die Akten vollständig sind und sich daraus alle 

notwendigen Informationen zu den in Frage stehenden Beweiserhebungen erge-

ben (vgl. BGer Urteil 6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 E. 2.5.1. mit weiteren 

Hinweisen).  

3.6.2. Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschuldigte während einer Dauer 

von rund 16 Monaten mittels diverser Observationsmittel überwacht wurde. Dabei 

kamen laut der Staatsanwaltschaft folgende Überwachungsmassnahmen mit dem 

in der letzten Spalte festgehaltenen Ergebnis zur Anwendung (vgl. Urk. 321/3/1; 

s. auch Urk. 321/1/3 u. 321/3/3): 

 

Auflistung der Geheimen Überwachungsmassnahmen gegen A._____ 
 
Überwachungsart Datum 

von 
Datum 
bis 

Ort Zuständig-
keit 

Ton und Da-
tenträger 

Ergebnisse 

Echtzeitüberwachung 
Telefon 
Anschluss, Nr: 3 

12.12.2012 10.04.2014 Schweiz STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

CD Belastung von 200 
Gramm Kokain 

Observation 12.12.2012 08.04.2014 Schweiz STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

keine div. Erkenntnisse 
über mutm. Kom-
plizen/ 
Abnehmer 

Technische Überwa- 12.01.2013 12.04.2013 Schweiz STAII/B- keine keine relevanten 

-   28   - 

chung, Standortiden-
tifikation (GPS)  
PW VW Polo Nr. 4 
[Autokennzeichen] 

1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

Erkenntnisse, er-
folglos 

Technische Überwa-
chung, IMSI-Catcher 
Einsatz 

12.01.2013 12.04.2013 Zürich und Um-
gebung 

STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

keine keine, erfolglos 

Erhebung der akti-
vern Rufnummer für 
IMEI-Nr. 5 / Nr. 6/ Nr. 
7 

23.12.2012 16.01.2013 keine Oertlichkeit STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

keine keine, erfolglos 

Echtzeitüberwachung 
Telefonanschluss, 
Nr: 8 

21.01.2013 10.04.2014 Schweiz STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

CD div. Erkenntnisse 
auf das Umfeld 
von A._____. Be-
züglich BM ergeb-
nislos.  
Bezüglich Betrug 
erfolgreich.  

Technische Überwa-
chung:  
Audio-/Video-
Aufzeichnung 

29.01.2013 12.04.2014 M._____, 
N._____-strasse 
… 

STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

keine Video/Audio konn-
te nicht installiert 
werden. Erfolglos 

Technische Überwa-
chung,  
IMSI-Catcher Einsatz 

10.06.2013 12.07.2013 Zürich und Um-
gebung 

STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

keine Erfolglos  

Echtzeitüberwachung 
Telefonanschluss, 
Nr: 9 

02.07.2013 10.04.2014 Schweiz STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

CD div. Erkenntnisse 
auf das Umfeld 
von A._____.  
Bezüglich BM er-
folglos 

Technische Überwa-
chung:  
Audio-/Video-
Aufzeichnung 

Bewilligt: 
22.07.2013 
Installiert:  
26.07.2013 

12.04.2013 M._____,  
N._____-strasse  
…/Nur  
Audiomassnahme 
konnte installiert 
werden.  
Videomassnahme  
konnte nicht 
installiert werden.  

STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

Stick mit Audi-
ofiles 

Relevante Dro-
gengespräche  

Technische Überwa-
chung:  
Standortidentifikation 
(GPS) 
PW BMW X6 Nr. 4 

22.07.2013 12.04.2014 Schweiz STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

keine keine relevanten 
Erkenntnisse, er-
folglos  

Echtzeitüberwachung 
Telefonanschluss, 
Nr: 10 

25.07.2013 10.04.2014 Schweiz  STAII/B-
1/STA lic. iur. 
G._____ Ka-
po-Zürich, ES-
BM 

CD keine, erfolglos  

 

Mit Eingabe vom 10. Oktober 2019 (Urk. 336) wurde seitens der Staatsanwalt-

schaft substantiiert, dass im vorliegenden Verfahren kein Logbuch existiere, was 

ebenso mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (unter Verweis auf BGE 

6B_403/2018 insb. E. 2.3.2. u. E. 2.4.) im Einklang stehe wie der Umstand, dass 

Daten, die im Rahmen einer Überwachung oder einer nachträglichen Auswertung 

gesichtet worden seien und die in keinem Zusammenhang mit der Sache stehen 

würden, nicht ins Dossier übernommen werden würden. Genaueres, also insbe-

sondere wer, wann und mit wem Gespräche geführt habe, könne einzig den Ar-

-   29   - 

chivdatenträgern entnommen werden. Ferner wurde seitens der Anklagebehörde 

darauf hingewiesen, dass in den Akten auch die Gesprächsdateien und nicht nur 

die Transkriptionen der beweisrelevanten Gespräche zur Verfügung stehen wür-

den, wobei die mittels Audioüberwachung aufgezeichneten Gespräche davon 

ausgenommen seien, da diese Dateien nicht auf externe Datenträger gespeichert 

werden können würden, sondern sich auf DLRS-Datenträgern befinden würden, 

die fix auf entsprechenden Stationen zur Audioüberwachung montiert seien und 

nur mit spezieller Software abspielbar seien. Die Fundorte der bisher bestehen-

den Wortprotokolle seien dem gerichtlichen Beschluss vom 20. September 2018 

(Urk. 305) zu entnehmen. Ergänzend lasse sich aus dem Bericht von Fw I._____ 

vom 22. September 2019 (Urk. 337) ersehen, aus welcher Überwachungsmass-

nahme das jeweilige Gespräch stamme.  

3.6.3. Gemäss oben einlässlich zitierter bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

sind die Strafverfolgungsbehörden – entgegen den Vorbringen der Verteidigung – 

nicht verpflichtet, bei der Überwachung des Fernmeldeverkehrs selbst irrelevante 

Gespräche zu den Akten zu nehmen bzw. diese in einer detaillierten, lückenlosen 

und chronologischen Übersicht aller stattgefundenen Überwachungsmassnahmen 

im Sinne eines sog. Logbuchs zu erfassen (vgl. auch Urteil 6B_403/2018 vom 

14. Januar 2019 E. 2.4.). Dem Beschwerdeführer ist indes das Recht einzuräu-

men, den Archivdatenträger der Aufzeichnungen der Fernmeldeüberwachung 

nach den Vorgaben von Art. 101 f. StPO einzusehen, um sich anhand der Ge-

sprächsaufzeichnungen ein Bild über die von der Staatsanwaltschaft vorgenom-

mene Triage zu machen. Dieses Recht wurde ihm hinsichtlich der TK-

Überwachungen durch die Zustellung einer Kopie der massgebenden Datenträger 

rechtsgenügend eingeräumt. Hinsichtlich der Audioüberwachungen wurde dem 

Beschuldigten das rechtliche Gehör durch die Möglichkeit, diese abzuhören, 

rechtsgenügend gewahrt. Dem Einwand der Verteidigung, dass nicht transparent 

sei, wie die Abhörprotokolle zustande gekommen seien, wurde mit der erneuten 

Übersetzung bzw. Verschriftlichung der überwachten Gespräche gemäss den sei-

tens des Bundesgerichts gemachten Vorgaben (vgl. Urteil 6B_1368/2017 vom 

14. Juni 2018 E. 2.3.) rechtsgenügend Rechnung getragen. Insofern erübrigen 

sich auch die seitens der Verteidigung mit Eingabe vom 14. November 2019 be-

-   30   - 

treffend Arbeitsgrundlagen bzw. Aufträge der Dolmetscher beantragten darüber 

hinausgehenden Informationen und Aktenzustellungen (Urk. 349 S. 4). Der Be-

schuldigte hatte die Möglichkeit sämtliche Gesprächsaufzeichnungen abzuhören. 

Dafür wurde ihm das gesamte System mit den Aufzeichnungen in die Justizvoll-

zugsanstalt geliefert (Prot. II S. 29), was der Beschuldigte nicht bestritten hat. Zu-

dem wurden der Verteidigung die USB-Datensticks zur Verfügung gestellt. Die 

Verteidigung hatte genügend Zeit, die darauf enthaltenen Gespräche abzuhören 

und diese allenfalls selber übersetzen zu lassen. Dass die Staatsanwaltschaft aus 

dem Gespräch vom 4. Januar 2014 Gesprächsteile ab 19.15 Uhr ebenfalls 

noch übersetzen liess und diese Übersetzungen dann nachgereicht wurden 

(Urk. 362-364), weist entgegen der Verteidigung nicht auf ein willkürliches Vorge-

hen der Untersuchungsbehörde hin (Urk. 367 S. 40 f.). Da die ursprüngliche 

Übersetzung dieses Gesprächs ebenfalls nur bis 19.15 Uhr erfolgt war, ist die 

Dolmetscherin davon ausgegangen, dass die Übersetzung für das neue Protokoll 

den gleichen Zeitabschnitt umfassen müsse, was von der Staatsanwaltschaft an-

lässlich der heutigen Berufungsverhandlung nachvollziehbar erläutert worden ist 

(Urk. 362-364; Prot. II S. 28 f.). Dieses nachgereichte Abhörprotokoll mit der 

Übersetzung ab 19.15 Uhr wurde der Verteidigung ebenfalls zugestellt, womit der 

Beschuldigte die Möglichkeit hatte, dazu Stellung nehmen zu können. Die nach-

träglich eingereichte Übersetzung ist jedoch ohnehin nicht weiter von Bedeutung, 

da in diesem Anklagepunkt ein Freispruch zu ergehen hat (vgl. nachstehend 

E. III.D.6.), womit sich weitergehende Erwägungen dazu erübrigen. Dem rechtli-

chen Gehör des Beschuldigten hinsichtlich sämtlicher Gesprächsaufzeichnungen 

wurde somit genügend Rechnung getragen, sodass diese auch verwertbar sind. 

3.6.4. Ferner ist zu prüfen, ob es sich bei der Delegation der Triage an die 

Dolmetscher/innen um eine unzulässige Delegation von Befugnissen der Strafver-

folgungsbehörden gehandelt hat oder nicht. So seien die Dolmetscher/innen laut 

der Staatsanwaltschaft vor ihrem Einsatz umfassend auf ihre Pflichten und dem 

Vorgehen der Triage orientiert worden. Bei Unsicherheiten seien die Dolmetscher 

angewiesen gewesen, Rücksprache mit den Sachbearbeitern zu nehmen. In ers-

ter Linie haben deshalb die Dolmetscher/innen beim Hören der Gespräche ent-

schieden, ob sie geschrieben oder als belanglos markiert und nicht geschrieben 

-   31   - 

worden seien. In zweiter Linie habe es dann bei den Sachbearbeiter/innen gele-

gen, ob die Gespräche relevant für das Verfahren gewesen seien oder nicht. Ge-

spräche galten als relevant, welche über belastenden oder entlastenden Inhalt 

verfügten. Dementsprechend sei die Triage erfolgt (Urk. 337 S. 4). Auch anläss-

lich der heutigen Berufungsverhandlung zeigte die Staatsanwaltschaft noch ein-

mal ausführlich auf, wie bei dieser Triage vorgegangen worden war und wer dabei 

welche Instruktionen erteilt hatte (Prot. II S. 32 f.). Diese Vorgehensweise ist nicht 

zu beanstanden, da der untersuchenden Anklagebehörde bei der Aktenführung 

ein gewisses Ermessen zugestanden wird. Gerade bei einem umfangreichen und 

komplizierten Verfahren wie dem vorliegenden erscheint die Vornahme einer Tri-

age unumgänglich, weshalb es zulässig erscheint, offensichtlich irrelevantes Ma-

terial nicht in die Akten aufzunehmen, insbesondere da der Beschuldigte keinen 

Anspruch auf das Erstellen eines Wortprotokolls sämtlicher Gespräche hat. Vor 

diesem Hintergrund kann vom seitens der Verteidigung beantragten Beizug von 

(weiteren) Informationen und Akten bezüglich der Vornahme der Triage durch 

Sachbearbeiter der Anklagebehörde und Dolmetscher bzw. deren Arbeitsteilung 

(vgl. Urk. 349 S. 4) abgesehen werden. Entgegen der Kritik der Verteidigung lässt 

sich damit die Instruktion und die Arbeitsteilung nachvollziehen, weshalb die von 

der Verteidigung beantragte Befragung der Dolmetscher (Urk. 370 S. 3) nicht er-

forderlich ist. Inwiefern die Staatsanwaltschaft mit diesem Vorgehen den Untersu-

chungsgrundsatz verletzt haben soll, wird seitens des Beschuldigten denn auch 

nicht nachvollziehbar dargelegt. Abgesehen davon wurde der Verteidigung zu-

mindest ermöglicht, die gesamten Aufnahmen abzuhören, weshalb eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs des Beschuldigten nicht gegeben ist. Ebenso unter-

liess es die Verteidigung nur bereits im Ansatz darzulegen, inwiefern weitere Ge-

spräche oder Handlungen des Beschuldigten geeignet wären, den Entscheid zu 

beeinflussen. So oder anders ist letztlich massgebend, dass generell wie auch 

vorliegend im Einzelfall die rechtsgenügende Erstellung eines Anklagesachverhal-

tes die Würdigung der bestehenden Beweismittel aus sich heraus umfasst, wo-

raus zwingend folgt, dass auch alle weiteren einigermassen naheliegenden denk-

baren Interpretationsmöglichkeiten eines Beweismittels bzw. vorliegend eines 

Gesprächs mitzuberücksichtigen sind, weil das Beweisergebnis über jeden ver-

-   32   - 

nünftigen Zweifel erhaben zu sein hat (vgl. nachstehend unter E. III.B.1.), womit 

auch entlastende Umstände einfliessen. Aus der nachfolgenden materiellen Wür-

digung der Anklagesachverhalte (vgl. nachstehend unter E. III) folgt, dass die er-

stellten Anklagesachverhalte offensichtlich keinen Raum für andere Interpretatio-

nen bieten. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Beschuldigte die ihm 

offenstehende Möglichkeit nicht wahrnahm, beispielsweise anhand der Schilde-

rung anderer Gespräche, an welchen er teilgenommen hatte, darzulegen, wes-

halb die seitens der Anklagebehörde behauptete Sachdarstellung falsch sein soll-

te. Wenn die Verteidigung anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erneut 

geltend macht, der Beschuldigte habe am Telefon und in seiner Wohnung Ge-

spräche geführt, welche auf den Datenträgern nicht auffindbar seien, in welchen 

dieser aber immer wieder zum Ausdruck gebracht habe, dass er sich von straf-

rechtlichem Verhalten – namentlich von Drogengeschäften – distanziere (Urk. 367 

S. 23), dann ist dem entgegenzuhalten, dass der Beschuldigte selber weiss, was 

er anlässlich dieser Gespräche gesagt hat und was nicht. Entsprechend hätte er 

die Möglichkeit gehabt, den genauen Gesprächsinhalt aufzuzeigen. Der Beschul-

digte äusserte sich dazu allerdings nicht, und auch die Verteidigung vermochte 

den angeblich entlastenden Gesprächsinhalt nicht substantiiert aufzuzeigen. 

3.6.5. Die Anlegung eines Logbuches durch die Staatsanwaltschaft wäre ins-

besondere angesichts des Umfangs und Komplexität des Vorverfahrens durchaus 

dienlich gewesen. Allerdings bleibt es der Anklagebehörde überlassen, welcher 

Systematik sie sich bedienen will, zumal auch das Bundesgericht im Urteil vom 

14. Januar 2019 erwogen hat, dass die Strafverfolgungsbehörden nicht verpflich-

tet sind, bei der Überwachung des Fernmeldeverkehrs selbst irrelevante Gesprä-

che zu den Akten zu nehmen respektive diese in einer detaillierten, lückenlosen 

und chronologischen Übersicht aller stattgefundenen Überwachungsmassnahmen 

im Sinne eines sog. Logbuches zu erfassen (BGer Urteil 6B_403/2018 vom 

14. Januar 2019 E. 2.4.). Das Fehlen eines Logbuches stellt jedenfalls keine un-

zulässige Einschränkung des Anspruchs des Beschuldigten auf ein faires Verfah-

ren, auf rechtliches Gehör und auf seine gehörige Verteidigung dar, ist dem Be-

schuldigten doch letztlich bewusst, auf welche ihm auch vorgehaltenen Beweis-

mittel sich die Anklagebehörde stützt. 

-   33   - 

3.6.6. In Bezug auf die Aktenselektion kommt der Anklagebehörde – wie be-

reits erwähnt – ein gewisser Ermessensspielraum zu. Letztlich ist entscheidend, 

was der Bewältigung des Prozessstoffes und damit einer nachprüfbaren und 

nachvollziehbaren Beurteilung dient. Vorliegend ist nicht von einer unzulässig er-

folgten einseitigen Aktenselektion durch die Staatsanwalt auszugehen, und es lie-

gen auch keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, welche auf das Vorhandensein ir-

gendwelcher "Geheimakten" schliessen lassen würden, wie dies von der Verteidi-

gung geltend gemacht wird (Urk. 367 S. 27 f.). Gestützt auf den zur Anklage ge-

brachten Sachverhalt und den Zeitraum, welcher zwischen Anordnung der Über-

wachungsmassnahmen und Verhaftung des Beschuldigten liegt, versteht es sich 

von selbst, dass lediglich von den letztlich erstellten Anklagesachverhalten als 

strafbarem Verhalten des Beschuldigten auszugehen ist, was auch bedeutet, 

dass die diesbezüglich nicht erheblichen (Telefon-)Gespräche nicht belastend 

bzw. das sonstige Verhalten des Beschuldigten im betreffenden Zeitraum nicht 

strafbar und die übrigen Überwachungsmassnahmen erfolglos waren. So oder 

anders besteht angesichts der Unschuldsvermutung Beweisbedürftigkeit, d.h. die 

Staatsanwaltschaft hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-

standselemente nachzuweisen (s. nachstehend zu den Beweisgrundsätzen unter 

E. III.B.). 

3.6.7. Wie seitens des Verteidigers vorgebracht, findet sich kein polizeilicher 

Bericht vom 31. Januar 2014 bei den Akten. Erwähnt wurde dieser Bericht seitens 

der Staatsanwaltschaft anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

(Urk. HD 69 S. 3). Aufgrund des sachlichen Zusammenhangs, in welchem der 

Staatsanwalt den besagten Bericht damals erwähnte (Auflistung und Interpretati-

on verschiedener Gespräche, deren Inhalt stark codiert sei, wobei daraus der Ab-

lauf bezüglich Anklageziffer A.I.1. eindeutig hervorgehe), sowie dem Umstand, 

dass der Überwachungszeitraum am 31. Januar 2014 – welches Datum im be-

sagten Polizeibericht zudem auf der ersten Seite aufgeführt wird – endete, ist oh-

ne Weiteres davon auszugehen, dass er sich im Datum irrte und damals den fünf 

Tage später datierten Bericht vom 5. Februar 2014 (Urk. HD 1/1) meinte. Dies 

wird auch durch die entsprechende Stellungnahme der Anklagebehörde bestätigt, 

-   34   - 

welche von einem Verschrieb ausgeht (Urk. 186), woran die von der Verteidigung 

geäusserten Zweifel nichts zu ändern vermögen (Urk. 191 S. 2). 

3.6.8. Das in diesem Polizeirapport erwähnte Gesprächsprotokoll vom 

20. Dezember 2012 (20:08 Uhr, zwischen UM … und UM …; s. Urk. HD 1/1), fin-

det sich nicht bei den Akten, und wurde seitens der Staatsanwaltschaft im An-

schluss an die Berufungsverhandlung im Verfahren SB160417 eingereicht 

(Urk. 186 u. 187). Das besagte Protokoll kann somit lediglich zu Gunsten des Be-

schuldigten verwertet werden. Auf den Inhalt des Telefonprotokolls ist im Rahmen 

der materiellen Beurteilung einzugehen (s. nachstehend E. III.D.1.2.). 

3.6.9. Bezüglich des Ordners 7 ist zu vermerken, dass sich dieser bei den Ak-

ten befindet. Unklar ist, ob die Verteidigung tatsächlich Ordner "7" und nicht einen 

– nicht bei den Akten befindlichen – Ordner "VII" meinte. Mit der Staatsanwalt-

schaft ist festzuhalten, dass ein Ordner VII nicht existiert (Urk. 186). Die Verteidi-

gung beantragte in ihrer Eingabe vom 25. September 2017, dass ihr der "ominö-

se" Ordner zur Stellungnahme zuzustellen sei (Urk. 191 S. 2). Die Verteidigung 

konnte sämtliche, sich bei den Akten befindlichen Ordner einsehen, weshalb es 

unnötig erscheint, ihr den Ordner 7 nochmals zuzustellen.  

3.6.10. Ein gemäss den Worten der Verteidigung "offensichtlich unvollständi-

ges Aktenfundament" (z.B. Urk. 171 S. 10; Urk. 367 S. 9) ist aus den gemachten 

Erwägungen vorliegend nicht auszumachen. 

4. Zwangsmassnahmen 

4.1. Die teilweise vom Beschuldigten geführten und aufgezeichneten Telefonge-

spräche stellen technische Überwachungsmassnahmen dar, welche in Überein-

stimmung mit den strafprozessualen Voraussetzungen, insbesondere gemäss 

den Artikeln 269 StPO (insbes. Abs. 2 lit. f.) und 278 Abs. 2 und 3 StPO (Verwer-

tung eines Zufallsfundes; vgl. SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafpro-

zessrechts, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 1156 ff.; Urteil des Bundesge-

richts 6B_795/2014 vom 6. Januar 2015 E. 2) angeordnet und gemäss Art. 274 

-   35   - 

StPO vom Zwangsmassnahmengericht des Obergerichts des Kantons Zürich ge-

nehmigt wurden (Urk. HD 4/5; HD 4/19; HD 4/33; HD 4/47).  

4.2. Ferner genehmigte das Zwangsmassnahmengericht des Obergerichts des 

Kantons Zürich in Übereinstimmung mit insbesondere Art. 280 f. StPO die An-

bringung eines technischen Überwachungsgeräts zwecks Ortung des vom Be-

schuldigten benutzen Personenwagens VW Polo (Urk. HD 4/6-7).  

4.3. Des Weiteren wurde seitens der Anklagebehörde gestützt auf Art. 282 StPO 

eine Observation des Beschuldigten – deren Anordnung und Durchführung akten-

kundig zu machen und im nachfolgenden Strafverfahren grundsätzlich verwend-

bar ist (SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. A., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 282 

StPO N 11) – sowie die akustische und optische Überwachung der Räumlichkei-

ten an der N._____-strasse … in M._____ und die Anbringung eines Senders am 

ebenfalls vom Beschuldigten benutzten Personenwagen BMW X6 angeordnet 

(Urk. HD 4/3; HD 4/21; HD 4/42; HD 4/51; HD 4/63), wobei die Überwachungs-

massnahmen – mit Ausnahme der nicht genehmigungsbedürftigen (s. SCHMID, 

Praxiskommentar StPO, a.a.O., Art. 282 StPO N 15) Observation – jeweils ord-

nungsgemäss durch das Zwangsmassnahmengericht des Obergerichts des Kan-

tons Zürich genehmigt wurden (Urk. HD 4/22; HD 4/43; HD 4/54; HD 4/64).  

4.4. Schliesslich genehmigte das Zwangsmassnahmengericht des Obergerichts 

des Kantons Zürich das Gesuch der Anklagebehörde um Verwendung eines Zu-

fallsfundes in Übereinstimmung mit Art. 278 StPO (Urk. HD 4/57).  

4.5. Die Verteidigung wurde in Übereinstimmung mit Art. 279 Abs. 1 und Art. 283 

Abs. 1 StPO mit Schreiben vom 7. Oktober 2015 über die erfolgten Überwa-

chungsmassnahmen informiert (Urk. HD 4/70). 

5. Verfahrensvereinigung / Aktenbeizug Verfahren Mitbeschuldigte 

5.1. Von der Verteidigung wurde vorgebracht, die Vorgehensweise der Anklage-

behörde laufe Art. 29 StPO und einer effektiven Ausübung des Konfrontations-

rechts durch den Beschuldigten zuwider (Urk. HD 39 S. 1 f.) bzw. bezwecke die 

getrennte Führung der Fälle von Beginn weg eine Aushöhlung der Teilnahme-

-   36   - 

rechte (Urk. 171 S. 69). Das Verfahren sei vielmehr mit denjenigen betreffend 

O._____, P._____ und Q._____ aber auch betreffend R._____, S._____ sowie 

L._____ zu vereinigen bzw. seien bei bereits bestehender Erledigung der Verfah-

ren die in Frage stehenden Akten beizuziehen. Vor Obergericht beantragte die 

Verteidigung den Aktenbeizug der Prozesse gegen P._____, S._____, L._____, 

T._____, U._____, V._____ und W._____ (Urk. 138 S. 3).  

5.2. Art. 29 StPO enthält nach seiner ausdrücklichen Marginalie den Grundsatz 

der Verfahrenseinheit. Dieser bildet seit Langem ein Wesensmerkmal des 

schweizerischen Strafprozessrechts. Gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO werden 

Straftaten gemeinsam verfolgt und beurteilt, wenn Mittäterschaft oder Teilnahme 

vorliegt. Der Grundsatz der Verfahrenseinheit bezweckt die Verhinderung sich wi-

dersprechender Urteile, sei dies bei der Sachverhaltsfeststellung, der rechtlichen 

Würdigung oder der Strafzumessung. Er gewährleistet somit das Gleichbehand-

lungsgebot (Art. 8 BV). Überdies dient er der Prozessökonomie. Eine Verfah-

renstrennung ist gemäss Art. 30 StPO nur bei Vorliegen sachlicher Gründe zuläs-

sig und muss die Ausnahme bleiben. Die sachlichen Gründe müssen objektiv 

sein. Die Verfahrenstrennung soll dabei vor allem der Verfahrensbeschleunigung 

dienen bzw. eine unnötige Verzögerung vermeiden helfen (BGE 138 IV 29 E. 3.2 

S. 31; 214 E. 3.2 S. 219; je mit Hinweisen). Wie das Bundesgericht vor Inkrafttre-

ten der Schweizerischen Strafprozessordnung unter dem Gesichtspunkt des An-

spruchs auf ein faires Verfahren (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK) erwog, ist 

namentlich bei Teilnehmern eine Abtrennung des Verfahrens äusserst problema-

tisch, wenn der Umfang und die Art der Beteiligung wechselseitig bestritten ist 

und somit die Gefahr besteht, dass der eine Teilnehmer die Schuld dem andern 

zuweisen will (BGE 1B_11/2016 vom 23. Mai 2016 E. 2.2 unter Verweis auf 

BGE 116 Ia 305 E. 4b S. 313 und BGE 134 IV 328 E. 3.3 S. 334). Das Recht, bei 

Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu 

sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen, setzt Parteistellung vo-

raus. Parteien sind die beschuldigte Person, die Privatklägerschaft sowie im 

Haupt- und im Rechtsmittelverfahren die Staatsanwaltschaft (Art. 104 Abs. 1 

StPO). In getrennt geführten Verfahren kommt den Beschuldigten im jeweils an-

deren Verfahren keine Parteistellung zu. Ein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme 

-   37   - 

an den Beweiserhebungen im eigenständigen Untersuchungs- und Hauptverfah-

ren der anderen beschuldigten Person besteht folglich nicht (Art. 147 Abs. 1 StPO 

e contrario; BGer 6B_611/2015 vom 17. Dezember 2015 E. 1.3.1.; BGE 141 IV 

220 E. 4.5 S. 229 f. mit Hinweisen; 140 IV 172 E. 1.2.3.). 

5.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 89 E. I.5.8.1.) ist hinsichtlich der Verfahrenstren-

nungen zu bemerken, dass sich O._____ geständig zeigte und bereits im abge-

kürzten Verfahren beurteilt wurde (Beizugsakten Geschäfts-Nr. DG160023; Urteil 

vom 8. März 2016: Urk. HD 25 bzw. HD 27), weshalb bereits deshalb von einem 

sachlichen Grund für eine Verfahrenstrennung auszugehen ist. Abgesehen davon 

wurden O._____ (vgl. Beizugsakten Geschäfts-Nr. DG160023; Urk. HD 15) wie 

auch R._____ (vgl. Anklageschrift Geschäfts-Nr. DG160028 bzw. SB160448: 

Urk. HD 20) eine Vielzahl weiterer Delikte zur Last gelegt, welche nicht in Zu-

sammenhang mit den dem Beschuldigten im vorliegenden Verfahren gemachten 

Vorwürfen stehen. Hinsichtlich des Verfahrens gegen Q._____ ist augenfällig, 

dass der Prozess DG150135 bereits vor längerer Zeit, mit Urteil vom 

28. September 2015, rechtskräftig abgeurteilt wurde (vgl. Urk. HD 84/Urk. 29 im 

Prozess DG150135). Die Verfahrenstrennung erscheint bereits deshalb sachlich 

gerechtfertigt. In Bezug auf die Strafverfahren gegen S._____ lässt sich Ähnliches 

ausführen: Der Prozess gegen S._____ wurde bereits am 29. September 2014 

rechtskräftig (Verfahren DG130339 bzw. SB140263). Daneben ist – mit der Vo-

rinstanz (Urk. 89 E. I.5.8.1.) – festzustellen, dass die aus der vorliegenden Ankla-

ge hervorgehenden Überschneidungen mit S._____ wie aber auch mit L._____ 

jeweils lediglich einen Sachverhaltsabschnitt betreffen, weshalb entsprechende 

Verfahrensvereinigungen (auch deshalb) nicht zwingend erforderlich erscheinen. 

Hinsichtlich P._____ schliesslich wurde seitens der Vorinstanz erwogen, dass das 

entsprechende Verfahren gegen jene – zum damaligen Zeitpunkt – noch nicht 

abgeschlossen gewesen und sachlich eine Mittäterschaft oder Teilnahme hin-

sichtlich der Betrugsdelikte "höchst fraglich" sei (Urk. 89 E. I.5.8.1.). Diese Frage 

kann allerdings offen gelassen werden, weil auch diesbezüglich die Verfahrens-

beschleunigung einen genügenden sachlichen Grund darstellte und darstellt, um 

das Verfahren des Beschuldigten von demjenigen gegen P._____ zu trennen. 

Abgesehen davon wurde der Beschuldigte in Anwesenheit seines Verteidigers an-

-   38   - 

lässlich der staatsanwaltlichen Konfrontationseinvernahme vom 4. März 2015 

(Urk. HD 2/24) mit den Aussagen von P._____ konfrontiert, weshalb er seine ent-

sprechenden Rechte wahrnehmen konnte. Im Übrigen wurde von der Vorinstanz 

zutreffend ausgeführt, dass die Aussagen der beteiligten Personen nicht zu Un-

gunsten des Beschuldigten verwertet werden können, welche in einem separaten 

Verfahren ohne die Beteiligung des Beschuldigten und seines Verteidigers zu-

stande kamen (s. Urk. 89 E. II.B.3.), da er dadurch auch sein Recht, Ergänzungs-

fragen zu stellen, nicht wahrnehmen konnte, weshalb die entsprechenden Beden-

ken der Verteidigung (z.B. in Urk. 70 S. 7) fehl gehen. 

5.4. Die Anträge des Beschuldigten auf Vereinigung des Verfahrens mit denjeni-

gen der erwähnten Personen wurden deshalb zu Recht abgewiesen. Abgesehen 

davon wurden die Akten der Verfahren gegen P._____, S._____, T._____, 

U.______, V._____ sowie W._____ vorliegend – den Anträgen der Verteidigung 

entsprechend – beigezogen, weshalb die Wahrung der Verteidigungsrechte auch 

deshalb rechtsgenügend gewährleistet ist. Verzichtet wurde seitens des Gerichts 

bereits anlässlich der Berufungsverhandlung im Verfahren SB160417 demgegen-

über, die Akten des Verfahrens gegen L._____ beizuziehen (s. Prot. SB160417 S. 

39), nachdem sich die diesbezüglich fallführende Staatsanwaltschaft I geweigert 

hatte, diese Akten herauszugeben (vgl. Urk. 154/2 u. 166). Bei dieser Sachlage ist 

der Beschuldigte hinsichtlich des L._____ involvierenden Anklagesachverhaltsab-

schnittes in Anklageziffer A.II.2.2., welcher den Verkauf von zwei bis drei Kilo-

gramm Marihuana am 12. Januar 2014 betrifft, so oder anders freizusprechen 

(s. nachstehend unter E. III.D.6.). 

6. Übersetzungen 

6.1. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör als Teilaspekt des Grundsatzes 

des fairen Verfahrens (Art. 29 BV; Art. 3 Abs. 2 StPO) ergibt sich das Recht des 

Beschuldigten, in alle für das Verfahren wesentlichen Akten Einsicht nehmen zu 

können (Art. 107 StPO). Mit Bezug auf Abschriften von fremdsprachigen Telefon-

gesprächen muss ersichtlich sein, wer sie erstellt hat und ob die Übersetzer auf 

die Straffolgen einer Verletzung der Wahrheitspflicht gemäss Art. 307 StGB hin-

gewiesen wurden, wobei kein Anspruch auf die vollständige Übersetzung aller 

-   39   - 

Verfahrenshandlungen und der Akten besteht (Art. 184 Abs. 2 lit. e und lit. f StPO 

in Verbindung mit Art. 67 StPO; Art. 68 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 

1P.396/2002 vom 13. November 2002 S. 2 f.; unveröffentlichter Entscheid des 

Kassationsgerichtes 98/195 S vom 28. August 1999, S. 10 f.).  

6.2. Insoweit seitens des Beschuldigten bzw. der Verteidigung vorgebracht wur-

de, dass mehrere Übersetzungen der Audio- und Telefonprotokolle fehlerhaft 

bzw. unvollständig bzw. rechtsungenügend seien und dass die übersetzenden 

Personen nicht bzw. nicht in rechtsgenügender Art und Weise auf ihre Pflichten 

nach Art. 307 und 320 StGB aufmerksam gemacht worden seien bzw. dass 

die überwachten Gespräche teilweise nicht wortgetreu wiedergegeben worden 

seien (z.B. Urk. 171 S. 25 ff.; Urk. 190 S. 5 ff.), wurden die Mängel durch die ge-

mäss den bundesgerichtlichen Anordnungen neu übersetzten und verschriftlich-

ten Protokolle geheilt. Diese neu erhobenen Beweismittel erfüllen die erforderli-

chen Voraussetzungen: Die mit der Übersetzung bzw. Verschriftlichung der Ge-

spräche beauftragten und ersichtlichen Dolmetscher wurden neben weiteren 

Formalien vorschriftsgemäss zur wahrheitsgemässen Übersetzung bzw. zur Wah-

rung des Amtsgeheimnisses ermahnt und auf die strafrechtlichen Folgen gemäss 

Art. 307 StGB bzw. Art. 320 StGB im Falle des Verstosses hiergegen aufmerksam 

gemacht (Urk. 348/1/1/1 S. 1 f.; Urk. 348/1/2/1 S. 1 f. bzw. Urk. 348/1/2/3; 

Urk. 348/1/5/1 S. 1; Urk. 348/2/2/1 S. 1 f.; Urk. 348/2/2). Diese neu erhobenen 

Beweismittel sind deshalb verwertbar. 

6.3.1. Die Verteidigung bringt weiter vor, die Offenlegung der Dolmetscher 

werde aufgrund der ihnen zugesicherten Anonymität nach wie vor verweigert. Da 

allerdings nie eine prozessual korrekte Zusicherung der Anonymität erfolgt sei, 

seien die entsprechenden Übersetzungen ohnehin nicht verwertbar. Zudem reihe 

sich diese Begründung einmal mehr in das gesamte Verfahren bzw. Verhalten der 

Strafbehörden ein, bei welchem man immer erst im Nachhinein irgendwelche fa-

denscheinigen Rechtfertigungen für Ungereimtheiten nachschiebe. Mittels der 

angeblich zugesicherten Anonymität solle wohl verhindert werden, dass eine Be-

fragung jener Personen verlangt werden könne und so weitere Ungereimtheiten 

bzw. allfällige Pflichtverletzungen aufgedeckt werden könnten. Die Erklärung, 

-   40   - 

wieso Protokolle dasselbe Kürzel enthalten würden, obwohl jeweils unterschiedli-

che Dolmetschernummern aufgeführt waren, sei sodann auch nicht glaubhaft. Es 

gebe keinen nachvollziehbaren, sachlichen Grund, weshalb den Dolmetschern mit 

der Zeit neue Nummern zugewiesen würden, wie dies von der Untersuchungsbe-

hörde geltend gemacht werde (Urk. 367 S. 29 ff.). 

6.3.2. Im Urteil 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 hat das Bundesgericht 

erwogen, dass die Namen der übersetzenden Personen für sämtliche Protokolle 

bekanntzugeben sind, sofern nicht dargelegt wird, dass diesen Personen Anony-

mität nach den Vorgaben von Art. 149 f. StPO zugesichert worden ist. Ansonsten 

genügen die Übersetzungen nicht den Anforderungen der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung und sind damit unverwertbar (BGer 6B_403/2018 vom 14. Janu-

ar 2019, E. 3.4). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurde von der 

Staatsanwaltschaft detailliert und nachvollziehbar dargelegt, weshalb es mit der 

Zeit zu einem Wechsel der Dolmetschernummern kommt und wie die Zusicherung 

der Anonymität gegenüber den Dolmetschern abgelaufen ist (Prot. II S. 28 und 

S. 30). Die Staatsanwaltschaft hat bereits mit Schreiben vom 9. Mai 2019 sowie 

Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 31. März 2019 zur zugesicherten Anonymi-

tät der Dolmetscher Stellung genommen (Urk. 320; Urk. 322/4). Im Bericht der 

Kantonspolizei Zürich wird festgehalten, die Dolmetscher seien lediglich mit einer 

entsprechenden ZHK-Nummer aufgeführt worden, da ihnen seitens der Polizei 

zugesichert worden sei, dass ihre Anonymität gewahrt bleibe. Die betroffenen 

Dolmetscher würden sich auf diese Zusage berufen, da sie sich für den Fall der 

Offenlegung ihrer Personalien vor gewissen Repressalien fürchten würden 

(Urk. 322/4 S. 3). Gestützt auf Art. 149 StPO kann die Verfahrensleitung den 

Dolmetschern als Schutzmassnahme Anonymität zusichern, wenn diese durch die 

Mitwirkung im Verfahren sich oder eine Person, die mit ihnen in einem Verhältnis 

nach Art. 168 Abs. 1-2 steht, einer erheblichen Gefahr für Leib und Leben oder 

einem andern schweren Nachteil aussetzen könnten. Gemäss Art. 150 Abs. 4 und 

6 StPO bindet eine zugesicherte Anonymität sämtliche mit dem Fall betrauten 

Strafbehörden und kann lediglich widerrufen werden, wenn das Schutzbedürfnis 

offensichtlich dahingefallen ist, was vorliegend gerade nicht der Fall ist. Die ge-

genüber den Dolmetschern im vorliegenden Verfahren zugesicherte Anonymität 

-   41   - 

ist somit bindend und hat nicht die Unverwertbarkeit der entsprechenden Über-

setzungen zur Folge. 

6.4. Der Argumentation der Verteidigung, wonach die Übersetzungen gespickt 

seien mit unzulässigen Interpretationen, was der Dolmetscherverordnung zuwi-

derlaufe (Urk. 367 S. 38), kann nicht gefolgt werden. Die Verteidigung zitiert zur 

Untermauerung ihres Einwandes eine Textstelle aus der Dolmetscherverordnung, 

aus welcher hervorgeht, dass die Übersetzer die Aussagen und Texte möglichst 

wortgetreu zu übertragen haben (vgl. § 17 Abs. 1 DolmV). Aus der Formulierung 

"möglichst wortgetreu" ergibt sich klar, dass den Dolmetschern bei der Überset-

zung ein gewisser Spielraum zukommt. Zudem handelt es sich auch nicht um un-

zulässige Interpretationen, wenn die Dolmetscher kulturelle Redewendungen oder 

Begriffe erläutern, zumal die Verteidigung dazu Stellung nehmen konnte und die 

aus ihrer Sicht zutreffende Interpretation hätte darlegen können. Es ist dann Auf-

gabe des Gerichts die Interpretationen bei der Sachverhaltserstellung entspre-

chend zu würdigen (nachstehend unter E. III.). 

6.5. Weiter rügt die Verteidigung, bei den neuen Übersetzungen seien weite Tei-

le des Gesprächs mit "akustisch unverständlich" bezeichnet worden. Es sei klar, 

dass so der Inhalt und der Gesamtsinn eines Gesprächs nicht erfasst werden 

könne. Durch Weglassen von einzelnen Passagen werde ein Gespräch schnell 

seines tatsächlichen Sinnes entleert bzw. entfremdet. Solche Akten hätten des-

halb als unvollständig und damit als unverwertbar zu gelten (Urk. 367 S. 39). 

Dass einzelne Gesprächsteile als "akustisch unverständlich" bezeichnet worden 

sind, hat nicht formelle, sondern materielle Auswirkungen und ist damit im Rah-

men der Sachverhaltserstellung entsprechend zu würdigen (nachstehend unter 

E. III.). Zudem kann nicht pauschal gesagt werden, dass sämtliche Gespräche, 

welche akustisch unverständliche Stellen enthalten, per se sinnentleert sind; dies 

ist vielmehr für jedes Gespräch einzeln zu prüfen. 

6.6.1. Vorliegend stellt sich allerdings die Frage, ob die bisherigen Protokolle 

der TK-Überwachungen in ihrer Gesamtheit unverwertbar sind oder ob sie in Er-

gänzung zu den formell korrekt erhobenen neu übersetzten und verschriftlichten 

Protokollen als Beweismittel verwertbar sind, insofern sie inhaltlich mit diesen 

-   42   - 

übereinstimmen. Diese Frage ist insoweit relevant, um auch die Verwertbarkeit 

von Aussagen, welche im Laufe einer Konfrontation mit den bisherigen Abhörpro-

tokollen erfolgten, zu beurteilen. Seitens der Verteidigung wird denn auch nicht 

lediglich das Zustandekommen der Protokolle gerügt, sondern auch deren inhalt-

liche Richtigkeit in Zweifel gezogen. 

6.6.2. Der Verwertbarkeit der bisherigen Abhörprotokolle steht gemäss bun-

desgerichtlicher Vorgabe nichts entgegen, soweit den Strafakten zu entnehmen 

ist, wer sie wie produziert hat und ob die Dolmetscher auf die Straffolgen von 

Art. 307 StGB hingewiesen wurden (Urteil 6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 

E. 2.3. S. 5 u. 2.5.3 S. 14 unter teilweisem Verweis auf: BGE 129 I 85 E. 4.1 f. 

S. 88 ff.; 6B_1021/2013 vom 29. September 2014 E. 5.3; 6B_676/2013 vom 

28. April 2014 E. 3.4.3; 6B_80/2012 vom 14. August 2012 E. 1.3 f.; 6P.168/2004 

vom 3. Mai 2005 E. 2). Ermöglicht ein Beweis, der nach Art. 141 Abs. 2 StPO 

nicht verwertet werden darf, die Erhebung eines weiteren Beweises, so ist dieser 

nicht verwertbar, wenn er ohne die vorhergehende Beweiserhebung nicht möglich 

gewesen wäre (Art. 141 Abs. 4 StPO). Von einer Fernwirkung kann indes nicht 

gesprochen werden, wenn der unverwertbare Beweis nicht kausal für den zweiten 

Beweis war, denn dann besteht kein Grund für eine Unverwertbarkeit des zweiten 

Beweises. Eine Fernwirkung ist auch zu verneinen, wenn der Folgebeweis im 

Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufs zumindest mit einer grossen 

Wahrscheinlichkeit auch ohne den unverwertbaren ersten Beweis erlangt worden 

wäre (BGE 138 IV 169 E. 3.3.2 u. 3.3.3 S. 173; BGer Urteil 6B_75/2019 vom 

15. März 2019 E. 1.4.4).  

6.6.3. Angesichts der bundesgerichtlichen Vorgabe, dass übersetzte Abhör-

protokolle nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet werden dürfen, soweit den 

Strafakten nicht zu entnehmen ist, wer sie wie produziert hat und ob die Dolmet-

scher auf die Straffolgen von Art. 307 StGB hingewiesen wurden (Urteil 

6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 E. 2.3. S. 5 u. 2.5.3 S. 14 unter teilweisem 

Verweis auf: BGE 129 I 85 E. 4.1 f. S. 88 ff.; 6B_1021/2013 vom 29. September 

2014 E. 5.3; 6B_676/2013 vom 28. April 2014 E. 3.4.3; 6B_80/2012 vom 14. Au-

gust 2012 E. 1.3 f.; 6P.168/2004 vom 3. Mai 2005 E. 2), gilt das Beweisverwer-

-   43   - 

tungsverbot folglich auch für Beweise, die sich erst gestützt auf die unverwertba-

ren Abhörprotokolle ergaben. Die diesbezüglich massgebende Kausalität zwi-

schen unverwertbarem Erstbeweis und dem Folgebeweis ist hinsichtlich der ein-

zelnen Anklagesachverhalte gesondert zu prüfen (s. nachstehend unter E. III.).  

7. Anklagegrundsatz 

7.1. Die Vorinstanz stellte mehrere Verletzungen des Anklagegrundsatzes durch 

die Staatsanwaltschaft fest, wogegen letztere hinsichtlich Anklageziffern B.4. so-

wie C. (Anschluss-)Berufung einlegte (Urk. 107). Vor der Berufungsinstanz rügte 

auch der Beschuldigte, dass hinsichtlich mehrerer ihm zur Last gelegten Anklage-

sachverhalte der Anklagegrundsatz verletzt sei (Urk. 174 S. 10 ff.). 

7.2. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 

Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Ge-

richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immuta-

bilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-

hörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-

legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe 

in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Der Anklage-

grundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-

ten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; 

Urteile BGer 6B_997/2019 vom 8. Januar 2020 E. 2.3.; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 

140 IV 188 E. 1.3; je mit Hinweisen). Unter dem Gesichtspunkt der Informations-

funktion muss die beschuldigte Person aus der Anklage ersehen können, wessen 

sie angeklagt ist. Dies bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entschei-

dend ist, dass die beschuldigte Person genau weiss, welcher konkreten Handlun-

gen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich 

in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an 

der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (vgl. 

BGE 103 Ia 6 E. 1b; Urteile 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2, nicht 

publiziert in: BGE 141 IV 437; 6B_1151/2015 vom 21. Dezember 2016 E. 2.2; je 

mit Hinweisen). Zu den gesetzlichen Merkmalen der strafbaren Handlung gehören 

-   44   - 

neben den Tatbestandsmerkmalen die Schuldform (sofern vorsätzliches und fahr-

lässiges Verhalten strafbar ist), die Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Ge-

hilfenschaft) sowie die Erscheinungsform (Versuch oder vollendetes Delikt) und 

allfällige Konkurrenzen. Die tatsächlichen Umstände der Tat – Zeit, Ort, Art der 

Begehung und Form der Mitwirkung, angestrebter oder verwirklichter Erfolg (ein-

schliesslich Kausalzusammenhang) – sind anzugeben und die einzelnen rechtli-

chen Elemente des Delikts hervorzuheben. Hinsichtlich der Vorsatzelemente ge-

nügt grundsätzlich der Hinweis auf den gesetzlichen Straftatbestand im Anschluss 

an die Darstellung des Sachverhalts als zureichende Umschreibung der subjekti-

ven Merkmale, wenn der betreffende Tatbestand nur vorsätzlich begangen wer-

den kann (BGE 120 IV 348 E. 3c S. 355 f. mit Hinweis; Urteil 6B_633/2015 vom 

12. Januar 2016 E. 1.3; BGE 6B_873/2015, Urteil vom 20. April 2016 E. 1.3. 

m.w.H.). Solange für die beschuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt ihr 

vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu 

führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf. Entscheidend ist, dass für 

die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr 

vorgeworfen wird. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt an Schranken; es 

ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzustellen (Urteile 

6B_687/2018 vom 4. Juni 2019 E. 3.2.; 6B_894/2016 vom 14. März 2017 E. 1.1.1; 

6B_18/2017 vom 17. Mai 2017 E. 1.2.; 6B_228/2017 vom 4. Juli 2017 E. 2.3.). 

7.3. Vorliegend wurde seitens der Vorinstanz erwogen (Urk. 89 E. I.E.1.3.-1.5.), 

dass die Anklage in Bezug auf die Vermögensdelikte im Zusammenhang mit 

B._____ teilweise widersprüchlich und unklar sei: Einerseits sollen der Beschul-

digte und O._____ beschlossen haben, B._____ auszunehmen und insbesondere 

auf seine Kosten zu ihrer Bereicherung Waren zu beziehen. Andererseits sollen 

gemäss der Anklage die Firmen durch die Instrumentalisierung von B._____ ge-

täuscht worden sein und hätten aus dem dadurch verursachten Irrtum die Waren 

geliefert. Schliesslich seien laut der Anklage durch die Handlungen des instru-

mentalisierten B._____ jeweils sowohl er selbst als auch die Firmen, welche die 

Waren lieferten, geschädigt worden. Der Schaden als Vermögensnachteil habe 

beim Betrugstatbestand der Bereicherung als Vermögensvorteil zu entsprechen 

(Erfordernis der Stoffgleichheit) und müsse unmittelbar aus der täuschungsbe-

-   45   - 

dingten Vermögensverfügung resultieren (BGE 6B_173/2014, Urteil vom 2. Juli 

2015 mit Hinweisen). Die Anklage lege sich gemäss der Vorinstanz bei den ein-

zelnen Vorwürfen jedoch nicht fest, welches die schädigende Vermögensdisposi-

tion gewesen und wer dadurch als unmittelbar Geschädigter zu betrachten sei. 

Ebenso wenig sei in der Anklage überdies der Kausalzusa