# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** adb3f86a-6e84-52f6-bed0-2a6f993a3997
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.06.2023 D-6556/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6556-2020_2023-06-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6556/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; 

Gerichtsschreiber Markus Ruhe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Nigeria,   

vertreten durch Joël Naef, Advokatur von Blarer,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. November 2020 / N (…). 

 

 

 

D-6556/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ – ein nigerianischer Staatsbürger aus B._______, C._______ 

– suchte am 7. Februar 2010 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

D._______ erstmals in der Schweiz um Asyl nach. Mit Nichteintretensent-

scheid vom 27. April 2010 trat die Vorinstanz (damals Bundesamt für Mig-

ration) auf das Asylgesuch nicht ein und verfügte gestützt auf die Dublin-

Verordnung die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz 

nach Italien mit Vollzugsanordnung. Dieser Entscheid erwuchs unange-

fochten in Rechtskraft. Ab dem 12. Mai 2010 war der Aufenthaltsort des 

Beschwerdeführers den Behörden in der Schweiz unbekannt. 

B.  

Am 12. Januar 2012 suchte der Beschwerdeführer mit seiner damaligen 

Partnerin beim EVZ E._______ erneut in der Schweiz um Asyl. nach Die 

Vor-instanz schrieb das Asylgesuch des Beschwerdeführers am 18. Juni 

2012 als gegenstandslos ab, nachdem er sein Asylgesuch am 12. Juni 

2012 zurückzog, da er in seinen Heimatstaat zurückkehren wollte, was er 

am 13. August 2012 tat. 

C.  

Die damalige Partnerin des Beschwerdeführers brachte am 29. Januar 

2012 ein Kind zur Welt und benannte den Beschwerdeführer als Vater. Das 

Asylgesuch der damaligen Partnerin des Beschwerdeführers (F._______, 

N […]) und des gemeinsamen Kindes (G._______ N […]) lehnte die Vo-

rinstanz mit Verfügung vom 11. April 2013 ab und gewährte in der Folge 

am 26. August 2015 deren vorläufige Aufnahme in der Schweiz aufgrund 

der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Nigeria. Im Jahr 2018 

bekam die frühere Partnerin des Beschwerdeführers ein nicht gemeinsa-

mes Kind, dessen Vater dieses anerkannte. 

D.  

Am 17. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer gemeinsam mit seiner 

neuen Partnerin H._______ (separates Verfahren D-6554/2020) ein drittes 

Asylgesuch beim EVZ E._______ ein.  

E.  

Anhand eines Treffers in der Eurodac-Datenbank stellte die Vorinstanz fest, 

dass der Beschwerdeführer zuvor am 22. September 2017 in Italien um 

Asyl nachgesucht hatte. In einem darauf eingeleiteten Dublin-Verfahren 

bestätigten die italienischen Behörden gegenüber der Vorinstanz, dass der 

D-6556/2020 

Seite 3 

Beschwerdeführer sich mehrere Jahre in Italien aufgehalten hatte, und 

stimmte einem Begehren um Rückübernahme zu.  

F.  

Mit Verfügung vom 19. März 2019 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch 

nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an und 

forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Eine gleichartige Verfügung er-

liess die Vorinstanz gegenüber seiner Partnerin H._______. 

G.  

Der Beschwerdeführer und seine Partnerin erhoben hiergegen beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Mit den Entscheiden F-1563/2019 

und F-1565/2019 vom 15. April 2019 wies das Bundesverwaltungsgericht 

die Beschwerden ab.  

H.  

Der Beschwerdeführer und H._______ ersuchten die Vorinstanz am 23. 

Juli 2019 in einer gemeinsamen Eingabe um Wiedererwägung der Verfü-

gungen vom 19. März 2019. Zur Begründung führten sie an, H._______ 

sei in der 12. Woche schwanger. Vater des Kindes sei der Beschwerdefüh-

rer. Überdies habe H._______ nach ihrer Einreise von Italien in die 

Schweiz eine Totgeburt erlitten. Aufgrund dieser Vorgeschichte sei von ei-

ner Risikoschwangerschaft auszugehen.  

I.  

Mit separaten Verfügungen vom 5. August 2019 teilte die Vorinstanz dem 

Beschwerdeführer und H._______ mit, dass die Wiedererwägungsgesu-

che als aussichtslos betrachtet würden, weshalb für deren Behandlung je 

ein Kostenvorschuss von Fr. 600.– erhoben werde. Hiergegen erhoben der 

Beschwerdeführer und H._______ mit gemeinsamer Eingabe vom 18. Au-

gust 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten 

unter Anderem, die Vorinstanz sei anzuweisen, das Wiedererwägungsge-

such materiell zu behandeln, festzustellen, dass die Wiedererwägungsge-

suche nicht aussichtslos seien, und die geleisteten Kostenvorschüsse von 

je Fr. 600.– seien zurückzubezahlen. Das Bundesverwaltungsgericht hiess 

die Beschwerden gut, hob die angefochtenen Verfügungen auf und wies 

die Sache mit der Anweisung des Eintretens ohne Erhebung eines Kosten-

vorschusses zur materiellen Prüfung der Wiedererwägungsgesuche an die 

Vorinstanz zurück (Urteile F-4138/2019 und F-4139/2019 vom 10. Septem-

ber 2019). 

D-6556/2020 

Seite 4 

J.  

Am 21. September 2020 hob die Vorinstanz die Nichteintretensentscheide 

vom 19. März 2019 infolge des Ablaufs der Überstellungsfrist nach Italien 

auf und ordnete die Durchführung der Asyl- und Wegweisungsverfahren in 

der Schweiz an. 

K.  

Am 26. November 2020 verfügte die Vorinstanz, dass die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers nicht anerkannt, sein Asylgesuch abge-

lehnt, die Wegweisung angeordnet und der Kanton I._______ mit dem 

Wegweisungsvollzug beauftragt werde. Gleichentags wurde gegenüber 

H._______ in selber Weise verfügt. 

L.  

Der Beschwerdeführer und im separatem Verfahren D-6554/2020 

H._______ erhoben am 28. Dezember 2020 gegen diese Verfügung Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Der Beschwerdeführer bean-

tragt darin, der vorinstanzliche Entscheid vom 26. November 2020 sei auf-

zuheben, es sei ihm Asyl zu gewähren, ihm eventualiter wegen Unzuläs-

sigkeit oder Unzumutbarkeit die vorläufige Aufnahme zu gewähren oder 

subeventualiter die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer die Be-

handlung der Beschwerde mit derjenigen von H._______ (D-6554/2020) 

und dass der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen sei. Weiter 

ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Be-

stellung ihres Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand.  

Mit der Beschwerde wurden folgende Beweismittel eingereicht: 

- Bericht von Ecoi.net, Nigeria: Sicherheitslage, 2. September 2020  

- Bericht von Anmnesty International, Nigeria: Rise in Cult related killings 

vom 9. Januar 2020 

- Belege/Bestätigungen zu Überweisungen, Versand an seine frühere 

Partnerin in den Jahren 2016 bis 2018 

- Todesanzeigen der Zwillinge J._______ and K._______ (gemeinsa-

men Kinder des Beschwerdeführers und H._______), Fotoaufnahme 

von H._______ mit den totgeborenen Kindern, Arztbericht der Gynäko-

login Dr. med. L._______ vom 22. Juli 2019, Anmeldebestätigung Be-

stattungsamt 

D-6556/2020 

Seite 5 

- Mehrere Fotoaufnahmen aus den Jahren 2019 und 2020 des Be-

schwerdeführers mit G._______ (Tochter von ihm und seiner früheren 

Partnerin) 

- Korrespondenz mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

(KESB) Luzern vom 16. Dezember 2020 

- Entschliessung des Europäischen Parlaments zu Nigeria vom 16. Ja-

nuar 2020, 2020/2503 (RSP) 

- Bericht World Economic Forum: Here’s how COVID-19 has battered 

Africa’s largest economy vom 28. August 2020 

 

M. 

Am 29. Dezember 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde.  

N. 

Mit Eingabe vom 30. April 2021 reichte der Rechtsvertreter des Beschwer-

deführers eine Honorarnote und Korrespondenz der KESB M._______ 

nach. Mit Eingabe vom 8. Juli 2021 informierte der Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers darüber, dass dieser und H._______ erneut ein Kind er-

warteten, und legte seinem Schreiben eine ärztliche Bescheinigung vom 2. 

Juli 2021 bei. Am 19. August 2021 ergänzte er dies mit einem Arztbericht 

der behandelnden Frauenärztin vom 16. August 2021. Das Kind 

(N._______) kam gemäss eingereichtem Geburtsbericht vom 16. Dezem-

ber 2021 gleichentags auf die Welt. Weiter wurde dem Bundesverwal-

tungsgericht zusätzliche Korrespondenz mit der KESB M._______, dem 

Bezirksgericht M._______ und dem Zivilgericht I._______ betreffend die 

Vaterschaftsanerkennung auf Vaterschaftsklage hin von O._______ (ge-

meinsames Kind mit H._______) und G._______ (gemeinsames Kind mit 

F._______) zugestellt. Mit Mitteilung vom 30. November 2022 teilte der 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, dass dieser sich von 

H._______ getrennt habe und der gemeinsame Haushalt aufgelöst worden 

sei.  

O. 

Mit Zwischenverfügung vom 22. Februar 2022 wies der Instruktionsrichter 

die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und die Bestellung eines un-

entgeltlichen Rechtsvertreters ab und forderte den Beschwerdeführer auf, 

einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– bis zum 9. März 2023 zu 

leisten. Der Kostenvorschuss wurde am 24. Februar rechtzeitig geleistet.  

 

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bis zu diesem Zeit-

punkt gültige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände-

rung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist unter folgendem Vorbehalt einzutreten. 

1.4 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung 

zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG), so dass auf die Anträge um vorsorgliche 

Anordnung vollzugshemmender Massnahmen sowie auf Erteilung der 

aufschiebenden Wirkung mangels Rechtsschutzinteresses nicht 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

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Seite 7 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet. 

4.  

Es ist vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Einheit der Familie ange-

zeigt die Rechtsmittelverfahren des Beschwerdeführers und seiner frühe-

ren Partnerin H._______ mit den gemeinsamen Kindern zu koordinieren. 

 

5.  

In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe den 

Untersuchungsgrundsatz – und damit seinen Anspruch auf rechtliches Ge-

hör – verletzt. So habe sie es unterlassen, sich mit der Gefährdungslage 

im Heimatstaat auseinanderzusetzen. Ausserdem gehe sie nicht darauf 

ein, dass er im Falle des Wegweisungsvollzugs das Grab seiner totgebo-

renen Töchter nicht auf dem Friedhof aufsuchen könne, und es werde auf 

den Aspekt des Kindeswohls im Hinblick auf G._______ und O._______ 

nicht eingegangen. Die Gutheissung dieser Rüge könnte zur Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung führen und ist somit vorab zu prüfen. 

 

5.1 Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und  

die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen  

Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asyl-

verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde ver-

pflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachverhalt 

von Amtes wegen festzustellen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und  

aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt  

wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-

xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für  

die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. 

dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-

gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16). 

Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) umfasst als Mitwir-

kungsrecht sodann alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, da-

mit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen 

kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörs-

anspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu 

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Seite 8 

hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu 

berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine 

sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich dagegen ist, dass 

sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 

III 65 E. 5.2).  

 

5.2 In der angefochtenen Verfügung äussert sich die Vorinstanz ausführlich 

dazu, ob vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Einheit der Familie die 

Vaterschaft des Beschwerdeführers zu seiner Tochter G._______ dem 

Wegweisungsvollzug entgegensteht. Es trifft daher nicht zu, dass die Kin-

desinteressen von G._______ unbeachtet geblieben wären. Weiter ist fest-

zuhalten, dass die Kinderrechtskonvention den Wegweisungsvollzug nicht 

grundsätzlich ausschliesst, wenn damit eine Trennung des Kindes von ei-

nem Elternteil verbunden ist (vgl. Art. 9 Abs. 1 KRK). In Bezug auf die Va-

terschaft zu O._______ wird der Grundsatz der Einheit der Familie mit der 

Koordination der Beschwerdeverfahren beachtet. Soweit der Beschwerde-

führer sinngemäss vorbringt, dass die Vorinstanz seine für nicht glaubhaft 

befundenen Vorbringen zum Asylpunkt auch hinsichtlich der Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs hätte prüfen müssen, übersieht er, dass beim 

Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt. Soweit 

die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Verwick-

lung in Konflikte mit verschiedenen militanten Gruppierungen in seinem 

Heimatstaat für nicht glaubhaft erachtete, muss sie diese im Rahmen des 

Wegweisungsvollzugs nicht anhand anderer Kriterien erneut prüfen. 

Schliesslich weist der Beschwerdeführer zwar zu Recht darauf hin, dass 

die Vorinstanz nicht darauf einging, dass er im Fall des Wegweisungsvoll-

zugs das Grab seiner totgeborenen Kinder nicht aufsuchen könne. Hierzu 

ist aber festzuhalten, dass die Vorinstanz nicht gehalten ist, auf jedes ein-

zelne Element der Vorbringen individuell einzugehen und dieses ausdrück-

lich zu widerlegen. Wenn auch Besuche am Grab seiner Kinder einen ach-

tenswerten Bereich der Persönlichkeitssphäre des Beschwerdeführers be-

schlagen, kann auch in Anbetracht der unbestritten tragischen Umstände 

nicht davon ausgegangen werden, dass damit ein besonders geschützter 

Teil des Privat- oder Familienlebens des Beschwerdeführers in einer Weise 

betroffen wäre, dass dies dem Wegweisungsvollzug entgegenstehen 

könnte. Vor diesem Hintergrund musste die Vorinstanz sich zu diesem As-

pekt nicht äussern. 

 

 

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Seite 9 

5.3  

Die Vorinstanz hat ihre Begründungspflicht somit nicht verletzt und der 

Subeventualantrag des Beschwerdeführers auf Rückweisung an die Vor- 

instanz ist abzulehnen.  

 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung zum Flüchtlings-

punkt aus, dass der Beschwerdeführer sich in der Befragung zur Person 

(BzP) und der vertieften Anhörung zu seinen Asylvorbringen widerspro-

chen habe: So habe er in der BzP ausgesagt, im Jahr 2014 ausschliesslich 

deswegen erneut aus Nigeria ausgereist zu sein, weil er aufgrund von Aus-

einandersetzungen zwischen militanten Gruppen und Boko Haram seiner 

beruflichen Tätigkeit nicht mehr habe nachgehen können, selbst habe er 

aber weder mit diesen Gruppen noch den Behörden Probleme gehabt. 

Demgegenüber habe der Beschwerdeführer in der vertieften Anhörung zu 

seinen Asylgründen ausgesagt, er habe früher selbst zu einer bewaffneten 

Gruppe gehört und an militärischen Auseinandersetzungen teilgenommen 

und sei deshalb durch frühere Gegner bedroht. Auf diesen Widerspruch 

angesprochen, habe der Beschwerdeführer entgegnet, er sei aufgrund der 

zuvor verstorbenen Zwillinge bei der BzP ausser sich gewesen. Somit habe 

der Beschwerdeführer – so das SEM weiter – die Widersprüchlichkeit der 

von ihm geschilderten Ausreisemotive nicht erklären können. Trotz der 

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Seite 10 

nachvollziehbaren Trauer um seine verstorbenen Kinder sei nicht nachvoll-

ziehbar, dass der Beschwerdeführer bei der BzP nicht über die angeblich 

erhebliche Gefährdung seines Lebens berichtet habe. Daraus ergebe sich, 

dass die in der Anhörung vorgebrachten Fluchtgründe nachgeschoben und 

mithin nicht glaubhaft seien. 

Weitere Widersprüche sieht die Vorinstanz darin, dass der Beschwerde-

führer in der BzP und der Anhörung die Akteure der Bedrohungslage un-

terschiedlich beschrieben habe, wobei er einerseits angegeben habe, sein 

Vater sei im Jahr 2018 respektive 2008 angeschossen worden, andrerseits 

aber, sich nicht erinnern zu können, ob das im Jahr 2008 oder 2018 gewe-

sen sei, und dass er als Ausreisezeitpunkt aus Nigeria 2016 angegeben 

habe, was er erst nach Konfrontation mit Gegenbeweisen als Falschbe-

hauptung eingeräumt habe. 

Auf die in den früheren Asylverfahren vorgebrachten Fluchtgründe ist nach 

Auffassung der Vorinstanz nicht einzugehen, da der Beschwerdeführer da-

nach freiwillig nach Nigeria zurückgekehrt sei. Die neu vorgebrachten 

Gründe seien aufgrund der angeführten Widersprüche nicht glaubhaft, 

weshalb der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und 

sein Asylgesuch somit abzuweisen sei. 

7.2 Zum Asylpunkt bringt der Beschwerdeführer vor, dass er in der Anhö-

rung zu den Asylgründen dargelegt habe, dass er einer militanten Gruppe 

unter der Führung von Ateke Tom angehört habe. Mitglieder der verfeinde-

ten Gruppierung «Wickies» hätten sich nach seiner Rückkehr nach Nigeria 

jedoch erneut bewaffnet, was im Rahmen des aktuellen Asylverfahrens zu 

berücksichtigen sei.  

Vor dem Hintergrund der seit Langem angespannten Lage im Niger Delta 

und den undurchsichtigen Strukturen der dort aktiven Milizen oder anderen 

militanten Gruppierungen sei die Rolle des Beschwerdeführers zwar tat-

sächlich nicht ohne Weiteres einzuordnen, doch würden auch oft Zivilisten 

Opfer der dortigen Auseinandersetzungen. Insgesamt herrsche eine be-

drohliche Lage in der Region vor, was namentlich durch sogenannte 

«Cults» verursacht werde. Dabei handle es sich um diverse militante Grup-

pierungen, welche um die Vorherrschaft um dortige Ressourcen konkur-

rierten und sich dabei exzessiver Gewalt bedienten, wovon auch Zivilisten 

betroffen seien. Daher sei jedenfalls nicht unglaubhaft, dass er zu einem 

Opfer dieser Konflikte geworden sei. Die konkret für ihn bestehende Gefahr 

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Seite 11 

werde dadurch verdeutlicht, dass der Ort, an dem er sich in Nigeria befun-

den habe, niedergebrannt worden sei.  

Die vom SEM wahrgenommenen Widersprüche in den Aussagen des Be-

schwerdeführers seien im Kontext zu relativieren: Dass der Beschwerde-

führer anlässlich der Totgeburt seiner Zwillinge nicht in der Lage gewesen 

sei, Einzelheiten – wie das Todesjahr seines Vaters – anzugeben, sei auf-

grund der hohen emotionalen Belastung nachvollziehbar und fälschlicher-

weise unberücksichtigt geblieben.  

8.  

Es ist festzuhalten, dass im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens bei der 

Beurteilung der Fluchtgründe jene Umstände massgeblich sind, die sich 

auf den Zeitraum nach der Rückkehr nach Nigeria im August 2012 bezie-

hen. Die in den früheren Asylgesuchen vorgebrachten Gründe wurden vom 

Beschwerdeführer jedenfalls nicht als derart schwerwiegend angesehen, 

dass sie ihn von der freiwilligen Rückreise abgehalten hätten. Er bringt 

auch nicht vor, dass sich eine damals begründete Gefahr erst später reali-

siert habe oder konkret geworden sei. Jedenfalls wäre die damals bestan-

dene Flüchtlingseigenschaft durch Wiederunterschutzstellung weggefallen 

(Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK).  Anhand der Aussagen des Beschwerdeführers 

bleibt unklar, wann er wieder aus Nigeria ausreiste, etwa ab welchem Zeit-

punkt er sich bereits wieder in Italien aufhielt. Indem der Beschwerdeführer 

zunächst falsche Angaben zu seinem Aufenthalt in Italien machte, kam er 

seiner Mitwirkungspflicht nicht nach, was die Glaubhaftigkeitsprüfung sei-

ner Vorbringen erschwert. Schliesslich räumte der Beschwerdeführer ein, 

Nigeria im Jahr 2014 – demnach rund zwei Jahre nach seiner zweiten frei-

willigen Rückkehr – wieder verlassen zu haben. In der Anhörung zu den 

Fluchtgründen bringt der Beschwerdeführer Sachverhalte vor, die zeitlich 

mit diesem Zeitfenster nicht in Einklang zu bringen sind oder sowohl in der 

zeitlichen Zuordnung als auch der inhaltlichen Substanz vage und ober-

flächlich bleiben. Der Vorinstanz ist daher zuzustimmen, dass die Glaub-

haftmachung der Asylvorbringen nicht gelingt. Um Wiederholungen zu ver-

meiden, ist hierzu auf die einlässliche Würdigung der Vorinstanz in der an-

gefochtenen Verfügung zu verweisen. Hervorzuheben ist dabei, dass der 

Beschwerdeführer sich insbesondere dabei widersprach, von welchen mi-

litanten Gruppen er bedroht werde, und seine eventuelle Verwicklung in 

solche Konflikte nicht klar werden. Weiter ist nicht ersichtlich, dass die vom 

Beschwerdeführer im Allgemeinen als instabil beschriebene Lage im Hei-

matstaat flüchtlingsrechtliche Relevanz aufweist. Der Beschwerdeführer 

macht damit nicht geltend, gezielt verfolgt zu werden; womit sich auch bei 

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Seite 12 

Wahrunterstellung nicht erschliesst, inwiefern er in einer anderen Situation 

sein sollte, als andere Zufallsopfer von situativen Ausschreitungen in sei-

nem Heimatstaat.  

Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass der Beschwer-

deführer nicht glaubhaft macht, zum Zeitpunkt seiner Ausreise, zum heuti-

gen Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft in flüchtlingsrechtlich relevanter 

Weise in seinem Heimatland verfolgt worden zu sein respektive zu werden. 

Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das 

Asylgesuch abgelehnt. 

9.  

9.1  

9.1.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.1.2 Der Beschwerdeführer moniert, gemäss Art. 8 EMRK (Achtung des 

Privat- und Familienlebens) sei bei der Wegweisung und deren Vollzug der 

Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen. Diese Bestimmung 

setze zwar grundsätzlich ein gefestigtes Aufenthaltsrecht voraus, gelte 

aber auch dann, wenn Personen betroffen seien, deren Anwesenheit 

faktisch als Realität hinzunehmen sei. Dies sei im Hinblick auf die 

Beziehung des Beschwerdeführers zu seiner Tochter G._______ der Fall, 

da diese mit ihrer Mutter in der Schweiz vorläufig aufgenommen sei und 

dieser Status fortbestehen werde, zumal der Wegweisungsvollzug nach 

Nigeria sie als Kind weiblichen Geschlechts in besonders unzumutbarer 

Weise treffen würde. Es sei zu beachten, dass Einschränkungen im 

Umgang des Beschwerdeführers mit seiner Tochter auf eine 

Verweigerungshaltung der Kindsmutter zurückzuführen seien, was ihm 

nicht angelastet werden dürfe. Tatsächlich sei das Verhältnis zwischen 

Vater und Tochter innig und der Beschwerdeführer sei als Vaterfigur wichtig 

für seine Tochter.  

9.1.3 Dem ist entgegenzuhalten, dass seine Ex-Frau und das gemeinsame 

Kind lediglich infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig 

aufgenommen wurden und damit nicht über ein gefestigtes Anwesenheits-

recht in der Schweiz verfügen (vgl. dazu BGE 139 I 330 E. 2.1). Die Aufhe-

bung der vorläufigen Aufnahme von G._______ oder ihrer Mutter ist in der 

Zukunft nicht in einer Weise ausgeschlossen, die deren Aufenthalt als 

D-6556/2020 

Seite 13 

faktisch dauerhaft hinzunehmende Realität im Sinne der genannten Recht-

sprechung erscheinen liesse, so dass von einem gefestigten Aufenthalts-

recht auszugehen wäre. 

9.1.4 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).   

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.3  

9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105), der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand 

der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-

lung unterworfen werden und der Grundsatz der Einheit der Familie ist im 

Rahmen von Art. 8 EMRK und Art. 44 AsylG zu achten.  

9.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche 

D-6556/2020 

Seite 14 

Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in 

den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-

sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 

124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen. 

9.3.3 Der Grundsatz der Einheit der Familie ist in Anbetracht von 

Art. 44 AsylG zu prüfen, welcher über die Tragweite von Art. 8 EMRK 

hinausgeht und beinhaltet, dass die vorläufige Aufnahme des einen 

Familienmitglieds grundsätzlich auch zur vorläufigen Aufnahme von 

dessen Familie führt. Die (Ex-)Frau F._______ des Beschwerdeführers und 

ihr gemeinsames Kind wurden aufgrund der Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen. Aufgrund 

der erfolgten Trennung der Eheleute ist lediglich das Elternverhältnis zu 

seiner Tochter respektive sein Einbezug in deren Aufenthaltsstatus zu 

prüfen. 

9.3.4 Art. 44 AsylG geht, wie bereits in Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 1995 Nr. 24 festge-

stellt wurde, über die Tragweite von Art. 8  EMRK hinaus, indem die vor-

läufige Aufnahme des einen Familienmitglieds «in der Regel» auch zur vor-

läufigen Aufnahme der anderen Familienmitglieder führt (vgl. hierzu E-

MARK 1998 Nr. 31 E. 8c S. 258 f. und EMARK 1995 Nr. 24 E. 9 S. 229, die 

sich hierfür freilich noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG in der Fassung gemäss 

Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 über das Asylverfahren [AS 1990 938], 

welcher inhaltlich indessen Art. 44 AsylG entspricht, beziehen). In perso-

neller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei den Ehepartner und 

die minderjährigen Kinder, wobei der in dauerhaft eheähnlicher Gemein-

schaft lebende Partner dem Ehepartner gleichzustellen ist (EMARK 1995 

D-6556/2020 

Seite 15 

Nr. 24 E. 7 S. 227). Die Schweizerische Asylrekurskommission präzisierte 

diese Rechtsprechung dahingehend, dass es einem Familienmitglied nicht 

freistehe, beliebig in sein Heimatland auszureisen, zu einem späteren Zeit-

punkt ohne Notwendigkeit wieder in die Schweiz zurückzukehren und unter 

Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit nach Art. 44 Abs. 1 AsylG 

eine vorläufige Aufnahme zu erwirken (EMARK 2004 Nr. 12 E. 7d S. 77 f.). 

9.3.5  

Gemäss Urteil des Bezirksgerichts M._______ vom 25. August 2022 

(act. 8) anerkannte der Beschwerdeführer in der Hauptverhandlung im 

Rahmen einer Klage um Feststellung des Vaterschaftsverhältnisses 

G._______ als sein Kind. Mit Unterstützung der KESB M._______ pflegte 

er seit 2021 persönlichen Umgang mit seiner Tochter, was gemäss der 

KESB M._______ von seiner Tochter positiv bewertet wurde (act. 3). Dem-

gegenüber steht, dass der Beschwerdeführer den Kontakt zu seiner Toch-

ter in ihrem ersten Lebensjahr aus eigenen Stücken abbrach und in der 

Folge über Jahre hinweg keinen Kontakt mit ihr pflegte. Zwar hat sich der 

Beschwerdeführer ab 2021 um einen Kontakt zu seiner Tochter bemüht, 

wobei nicht ersichtlich wird, dass der Beschwerdeführer die Rolle einer en-

gen familiären Bezugsperson zu seiner Tochter eingenommen hätte. So 

vermag das eingeräumte Besuchsrecht nicht zur Annahme zu führen, dass 

zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Tochter eine nahe, echte und 

tatsächlich gelebte Beziehung im Sinne von Art. 44 AslyG vorliegt, selbst 

wenn bis heute sämtliche geplanten Besuchsnachmittage stattgefunden 

haben sollten. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht besteht keine Beziehung 

des Beschwerdeführers zu seiner Tochter, zumal er mangels finanzieller 

Leistungsfähigkeit keinen Kindesunterhaltsbeitrag an seine Tochter aus-

richten kann. Aufgrund der Akten ist vorliegend davon auszugehen, dass 

die Kindsmutter die Hauptbezugsperson des Kindes ist, weshalb sich auch 

unter dem Aspekt des Kindswohls keine andere Beurteilung ergibt. 

9.3.6 Es ist davon auszugehen, dass die Vater-Kind-Beziehung während 

einer längeren Zeit respektive nach seiner Ausreise im Jahr 2012 nicht an-

satzweise im Sinne einer effektiven Familiengemeinschaft gelebt wurde, 

und die seit 2021 erfolgten Kontakte zur Tochter vermögen an diesem Ge-

samtbild nichts zu ändern. Aufgrund dieser Aktenlage ergibt sich, dass zwi-

schen dem Beschwerdeführer und seiner Tochter entgegen der Be-

schwerde keine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung 

vorliegt.  

D-6556/2020 

Seite 16 

9.3.7 Das Anliegen des Beschwerdeführers, seine totgeborenen Kinder am 

Grab aufzusuchen, beschlägt nicht das Familienleben und stellt nach Art 8 

EMRK jedenfalls keinen Hinderungsgrund für den Vollzug des Wegwei-

sungsvollzugs dar. Mithin wird es durch den Wegweisungsvollzug zwar er-

schwert, aber keineswegs vollständig verunmöglicht.  

9.3.8 Das Verfahren D-6554/2020 betreffend H._______ und die 

gemeinsamen Kinder wird mit diesem Verfahren koordiniert geführt. Im 

Urteil D-6554/2020 vom selben Datum wird deren Beschwerde gegen die 

sie betreffende Verfügung abgelehnt. Die Berücksichtigung des 

Grundsatzes der Einheit der Familie steht somit auch in Bezug auf 

H._______ und die gemeinsamen Kinder der Zulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs nicht entgegen. 

9.3.9 Die Wegweisung und der Vollzug der Wegweisung wurden unter der 

Berücksichtigung des Aspekts der Familieneinheit von der Vorinstanz zu-

recht und mit der zutreffenden Begründung angeordnet. Nach dem Gesag-

ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der landes- als auch 

der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.4  

9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. In Bezug auf Nigeria geht das Bundesverwal-

tungsgericht davon aus, dass keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht 

(vgl. statt vieler die Urteile des BVGer D-5131/2020 vom 26. Mai 2021 E. 

7.2, E-3115/2019 vom 12. Mai 2021 E. 7.3.1). Die Aussagen des Be-

schwerdeführers zum Fluchtpunkt sind nicht glaubhaft und lassen somit 

auch keine Rückschlüsse auf individuelle Gründe für seine konkrete Ge-

fährdung bei einer Rückkehr nach Nigeria schliessen.  

9.4.2 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens machte der Beschwerdefüh-

rer insbesondere geltend, dass er in seinem Heimatstaat in eine wirtschaft-

lich absolut prekäre Situation komme, da die Grundlage seiner früheren 

Existenz zerstört sei. Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass seine Kinder 

(gemeinsam mit H._______) in Nigeria einem gewaltsamen Umfeld ausge-

setzt wären und überdies die begründete Furcht bestehe, dass der 

D-6556/2020 

Seite 17 

Wegweisungsvollzug die Kindsmutter psychisch derart belasten würde, 

dass diese in der Erfüllung ihrer elterlichen Aufgaben beeinträchtigt wäre. 

9.4.3 Entgegen den beschwerdeführerischen Vorbringen ist nicht ersicht-

lich, dass er nach einer Rückkehr nach Nigeria in eine schwere Notlage 

geriete. Zunächst ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer in der 

Vergangenheit bereits freiwillig nach Nigeria zurückkehrte. Weiter hat der 

Beschwerdeführer in der Vergangenheit bereits als Händler am Erwerbsle-

ben in seinem Heimatstaat teilgenommen und anhand der Akten ergeben 

sich keine Anhaltspunkte dafür, dass er dies nicht auch inskünftig kann. 

Der Beschwerdeführer hat sich widersprechende Aussagen zu seinem fa-

miliären Umfeld in seinem Heimatstaat gemacht, wobei zumindest mit sei-

ner Mutter und in gewissem Umfang seinen Geschwistern ein soziales Be-

ziehungsnetz ersichtlich ist, das ihn unterstützen kann. Vor diesem Hinter-

grund ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer durch den 

Wegweisungsvollzug in eine schwere Notlage geraten würde. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung auszu-

richten und sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

D-6556/2020 

Seite 18 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag ist 

mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu begleichen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6556/2020 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Simon Thurnheer Markus Ruhe