# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bfd6bd4d-815a-5d61-8a2e-04c24d68a1b1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.05.2024 D-2001/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2001-2024_2024-05-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2001/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli;    

Gerichtsschreiberin Sarah Rutishauser. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kolumbien,   

vertreten durch MLaw Gianluca Schlaginhaufen,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. Februar 2024. 

 

 

 

D-2001/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein kolumbianischer Staatsangehöriger afroko-

lumbianischer Ethnie – suchte am 31. Juli 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Zürich zuge-

wiesen. 

B.  

Der Beschwerdeführer wurde jeweils im Beisein seiner Rechtsvertretung 

am 8. August 2023 summarisch zu seiner Person (PA) befragt und am 

13. Dezember 2023 zu seinen Asylgründen (nach Art. 29 AsylG  

[SR 142.31]) angehört.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er im Wesentlichen aus, er sei 

seit über zehn Jahren als sozialer Anführer, der sich für Menschenrechte 

und vergessene Menschen einsetze, tätig und ein Mitglied der afrokolum-

bianischen Studentenvereinigung gewesen. Deswegen habe er viele Dro-

hungen, beispielsweise mittels Textnachrichten oder Videos mit Pistolen 

oder seine Schwester habe gar ein Flugblatt mit dem Inhalt «Verräter, du 

wirst sterben», erhalten. Er sei daher im Jahr 2013 nach Panama gezogen 

und habe im Jahr 2015 in Costa Rica um Asyl ersucht, bevor er wieder 

nach Kolumbien zurückgekehrt sei. Überdies habe er sich mehrmals an 

eine Opferhilfestelle gewandt (Unidad Paravictimas: 2006, 2020, 2022). 

Nachdem er eines Tages als Zeuge eines Verbrechens (angeschossener 

Mann vor seinem Coiffeursalon) bei der Polizei Aussagen gemacht habe, 

seien Leute in sein Geschäft gekommen, hätten zweimal geschossen, den 

Laden zerstört und den Beschwerdeführer mit dem Tod bedroht. Internati-

onale Organisationen hätten bereits über die gefährliche Situation von «so-

zialen Anführern» in Kolumbien berichtet, welche ohne Schutz der Regie-

rung von illegalen Gruppierungen bedroht und ermordet würden. Zu sei-

nem Reiseweg befragt, gab er an, am 30. Juli 2023 aus Kolumbien ausge-

reist und über Panama und die Niederlande am 31. Juli 2023 in die 

Schweiz eingereist zu sein. Nach seiner Ausreise sei seine Mutter von Leu-

ten bedrängt worden, welche nach ihm gesucht hätten.  

Zum Nachweis seiner Identität reichte er einen gültigen Reisepass und 

zwei Identitätskarten sowie zur Stützung seiner Vorbringen eine Bestäti-

gung seiner Tätigkeit für die afrokolumbianische Studentenvereinigung (La 

Ascociacion Nacional de Estudiantes Afrocolombianos, ASNEA), ein Do-

kument über Zwangsabtreibung, Facebookunterlagen, einen Rapport über 

einen Angriff sowie Arbeitszeugnisse (Barbier) in Kopie, zu den Akten.   

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Seite 3 

C.  

Das Asylgesuch wurde am 22. Dezember 2023 dem erweiterten Verfahren 

zugewiesen und der Beschwerdeführer mittels separater Verfügung vom 

28. Dezember 2023 dem Kanton Zürich zugeteilt.  

D.  

Mit am 5. März 2024 eröffnetem Entscheid vom 29. Februar 2024 lehnte 

das SEM unter Verneinung der Flüchtlingseigenschaft das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers vom 31. Juli 2023 ab, ordnete seine Wegweisung aus 

der Schweiz an und setzte den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer 

vorläufigen Aufnahme aus.  

E.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 2. April 2024 erhob der Be-

schwerdeführer gegen den Entscheid des SEM vom 29. Februar 2024 Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Es wurde die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, unter Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurtei-

lung, subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme, beantragt. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung unter Verzicht auf das Erheben eines Kosten-

vorschusses sowie die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes in 

der Person der rubrizierten Rechtsvertretung, unter Kosten- und Entschä-

digungsfolge zu Lasten des Staates. 

F.  

Mit Schreiben vom 4. April 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet 

des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver-

fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 

und 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

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2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt – 

als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), 

ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen (ungenügende Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs und der Begründungspflicht) erhoben. Sie sind vorab zu beurteilen, 

da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen 

Verfügung zu bewirken. 

 

Wie sich auch aus nachstehenden Erwägungen ergibt, hat die Vorinstanz 

den vorliegenden Sachverhalt insgesamt rechtsgenüglich abgeklärt und 

sich hinreichend differenziert mit den zentralen Vorbringen des Beschwer-

deführers auseinandergesetzt. Insoweit der Beschwerdeführer rügt, die 

Anhörung sei von zu kurzer Dauer gewesen beziehungsweise er sei unge-

nügend zur konkreten Tätigkeit als «sozialer Anführer» und betreffend die 

Gründe für die Kontaktierung der Opferstellen in den Jahren 2006, 2020 

und 2022 sowie den Asylantrag in Costa Rica aus dem Jahr 2015, befragt 

worden, so trifft dies nicht zu. Die (diesbezüglichen) Gründe im Anhörungs-

protokoll sind nachvollziehbar und die Angaben reichen – wie auch die An-

hörungsdauer – aus, um das Vorliegen einer konkreten asylrechtlich rele-

vanten Verfolgung im Verfügungszeitpunkt wie auch heute beurteilen zu 

können (A13/12, F63 bis F89; vgl. dazu Sachverhalt B.). Dabei ist – entge-

gen der Beschwerde – nicht von relevanter Bedeutung, ob, beziehungs-

weise, dass die Rechtsvertretung von der Möglichkeit der ergänzenden 

Fragestellung Gebrauch gemacht hat, vielmehr gehört eine gehörige Ver-

tretung zu ihren Pflichten, was erfüllt ist, zumal die Befragungen jeweils in 

ihrem Beisein stattgefunden haben (A12/9; A13/12). Die Beurteilung der 

Vorinstanz beruht vorliegend weder auf einer unvollständigen Sachver-

haltsfeststellung noch auf einer Verletzung des rechtlichen Gehörs. Eben-

sowenig ist eine Verletzung der Begründungspflicht ersichtlich, zumal dem 

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Seite 5 

Beschwerdeführer angesichts seiner vierzehnseitigen Beschwerdeschrift 

eine sachgerechte Rechtsmitteleingabe möglich war. 

4.2 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM 

zurückzuweisen. Der entsprechende Eventualantrag ist abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand, weshalb darauf 

verzichtet werden könne, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente der Vor-

bringen einzugehen. 

Im Wesentlichen hält sie fest, dass es sich bei der vom Beschwerdeführer 

geltend gemachten Verfolgung (Drohungen, Schüsse) von illegalen, be-

waffneten Gruppierungen um Übergriffe durch Drittpersonen handle, ge-

gen die der kolumbianische Staat grundsätzlich schutzfähig und schutzwil-

lig sei (Zeugenschutzprogramm Unidad Nacional de Proteccion [UNP], Po-

lizeiapparat, Justizsystem). Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers, 

er habe sich dreimal an die Opferhilfestelle, aber an keine andere Anlauf-

stelle gewandt, insbesondere nicht an das UNP, weil dieses nur reiche 

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«soziale Anführer» beschütze und die Inanspruchnahme seinen Tod be-

deutet hätte, könne nicht auf ein zum Vornherein nutzloses Ersuchen um 

staatlichen Schutz geschlossen werden. Kolumbianische Staatsangehö-

rige, die eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure geltend machen 

würden, könnten sich zwecks Schutzersuchens an verschiedene staatliche 

Stellen und bei Untätigbleiben der Behörden oder einzelner Beamter an 

eine nächsthöhere oder übergeordnete Instanz wenden. Der Zugang zu 

staatlichen Sicherheitsmechanismen sei gewährleistet und ein zusätzli-

ches Schutzersuchen bei einer weiteren kolumbianischen Behörde (UNP, 

Polizei- oder Justizbehörde) könne vom Beschwerdeführer erwartet wer-

den. Im Weiteren weise seine Tätigkeit als «sozialer Anführer» keine be-

sondere politische Exponiertheit auf und abgesehen vom Vorfall in seinem 

Geschäft sei es lediglich zu Drohungen mittels Botschaften (Textnachrich-

ten, Videos, Flugblatt) gekommen, weshalb bei einer Rückkehr nach Ko-

lumbien nicht von einer unmittelbaren Gefährdung seiner Person auszuge-

hen sei. Aus den eingereichten Bestätigungen der Arbeitstätigkeit als Bar-

bier und des Einsatzes für die afrokolumbianische Studentenvereinigung 

lasse sich keine gezielt gegen ihn gerichtete Verfolgung ableiten. Im Wei-

teren lasse sich in der vorliegenden Einzelfallbeurteilung weder aus allge-

meinen Verweisen auf Zeitungsartikel beziehungsweise Berichte noch aus 

dem eingereichten Bildschirmfoto eines Facebook-Posts auf eine persön-

liche Betroffenheit des Beschwerdeführers schliessen. Weder aus seinen 

Angaben noch bei Annahme der Echtheit der eingereichten Dokumente 

betreffend Zwangsabtreibung und Angriff auf seine Person aus diesen gin-

gen alsdann Anhaltspunkte darauf hervor, ihm sei die Inanspruchnahme 

staatlichen Schutzes in Kolumbien nicht möglich oder zumutbar. Die Frage 

der Echtheit der Dokumente könne daher offenbleiben.  

 

6.2 Der Beschwerdeführer wiederholt in seiner Rechtsmitteleingabe haupt-

sächlich seine bisherigen Vorbringen und weist auf einen Bericht der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) hin, gemäss welchem Kolumbien 

eines der gefährlichsten Länder für Menschenrechtsverteidiger bezie-

hungsweise «soziale Anführer» sei. Gemäss diesem Bericht verfüge der 

kolumbische Staat zwar über Strukturen zum Schutz seiner Bürger, jedoch 

sei er in bestimmten Regionen weniger beziehungsweise in ungenügender 

Weise präsent (verminderte Schutzfähigkeit; örtlich unterbesetzte Behör-

den). Alsdann seien die Schutzprogramme der nationalen UNP zwar vor-

handen, aber nicht immer wirksam (zu wenig Programme angesichts vieler 

Anfragen; Aufmerksamkeitserregung von Personenschützern aufgrund 

von schusssicheren Westen und Fahrzeugen). Deswegen könne sich der 

Beschwerdeführer nicht an die UNP wenden. Zudem mangle es gemäss 

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dem Bericht in der kolumbianischen Justiz vor allem in ländlichen Gebieten 

an Personal. Die Regierung sei daher in der Region, in der der Beschwer-

deführer wohne und als «sozialer Anführer» tätig sei, nicht schutzfähig.  

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass das SEM zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. Auf die betreffenden Ausführungen 

in der angefochtenen Verfügung (vgl. vorstehend E. 6.1) kann mit den 

nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden.  

7.2 Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass die betroffene Per-

son in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz vor 

nichtstaatlicher Verfolgung finden kann. Der Schutz gilt als ausreichend, 

wenn eine funktionierende Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht und 

diese dem Betroffenen zugänglich ist, wobei von einem Staat nicht erwartet 

werden kann, dass er jederzeit präventiv in alle Lebensbereiche seiner Bür-

ger eingreifen kann (vgl. zu dieser sogenannten Schutztheorie BVGE 

2011/51 E. 7.1-7.4, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2).  

7.3 Sowohl in der Anhörung bei der Vorinstanz als auch in den Ausführun-

gen auf Beschwerdeebene begründet der Beschwerdeführer seine Vor-

bringen hauptsächlich mit dem Hinweis auf allgemeine, öffentlich zugäng-

liche Quellen beziehungsweise auf den SFH-Länderbericht über Kolum-

bien («Wir/uns»-Erzählform, A13/12 F63 ff.; Beschwerdebeilage 3; Ver-

einte Nationen). Die Medienberichte – beziehungsweise der angerufene 

SFH-Länderbericht – vermögen die Vermutung der bestehenden Schutz-

fähigkeit und -willigkeit der kolumbianischen Behörden nicht umzustossen, 

zumal sie keinen konkreten Bezug zur Person des Beschwerdeführers und 

dessen individuellen Asylvorbringen aufweisen. Ohne die geltend ge-

machte, in verschiedenen Gegenden Kolumbiens bisweilen ungute Sicher-

heitslage in Abrede stellen zu wollen, geht das Bundesverwaltungsgericht 

in ständiger Praxis von der grundsätzlichen Schutzfähigkeit und Schutzwil-

ligkeit der kolumbianischen Strafverfolgungs- und Justizbehörden aus (vgl. 

etwa Urteil des BVGer D-5437/2022 vom 21. Dezember 2022 E. 7.2 

m.w.H.). Der Beschwerdeführer hat im Weiteren infolge der ihn konkret be-

troffenen Ereignisse (bedrohliche Botschaften, Vorfall im Coiffeursalon, 

Schüsse) einzig bei der Opferhilfe um Schutz ersucht, wobei der Vorinstanz 

zuzustimmen ist, dass er die Schutzsuche in Kolumbien offensichtlich nicht 

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ausgeschöpft hat, wozu er jedoch gehalten gewesen wäre. An dieser Ein-

schätzung vermögen die Argumente in der Beschwerde nichts zu ändern. 

Den Akten lassen sich sodann keine konkreten Hinweise für die Annahme 

entnehmen, die heimatlichen Behörden würden dem Beschwerdeführer bei 

Bedarf den erforderlichen Schutz verweigern, zumal er diese mit Aus-

nahme der Opferhilfestelle nicht kontaktiert hat. Es ist daher nicht davon 

auszugehen, ihm würde von den kolumbianischen Behörden die Hilfe aus 

einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe verweigert werden. In 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist in seinen Vorbringen keine asyl-

rechtliche Relevanz zu erkennen, weshalb sie die Frage der Glaubhaf-

tigkeit zutreffend offen lassen konnte. Alsdann ist darauf hinzuweisen, dass 

der Beschwerdeführer sich alternativ auch in einer anderen Region Kolum-

biens aufhalten könnte, falls er sich an seinem bisherigen Wohnsitz unsi-

cher fühlen sollte, zumal er selbst eine (bloss) regional eingeschränkte 

Schutzfähigkeit seines Wohnortes behauptet (Beschwerde, S. 9 f.) und zu-

dem bereits früher von der Möglichkeit des Umzugs – auch ins Ausland – 

Gebrauch gemacht hat (A13/12, F6 ff.: Cali, Bogota, Panama, Costa Rica). 

7.4 Die Vorinstanz hat demzufolge die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abge-

lehnt.  

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung 

wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.  

 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

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9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. 

9.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist 

– wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 

AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung be-

urteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtli-

chen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

9.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Solches wird vom Beschwerdeführer indessen weder vorge-

bracht noch ergeben sich entsprechende konkrete Anhaltspunkte aus den 

Akten. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt 

den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-

scheinen.  

9.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

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Seite 10 

9.3.1 In Kolumbien herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situ-

ation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-

bar wäre (vgl. hierzu Urteile des BVGer D-5437/2022 vom 21. Dezember 

2022 E. 9.3.1 und D-0908/2021 vom 11. Oktober 2021 E. 7.4.2 m.w.H). 

9.3.2 Auch sprechen keine individuellen Gründe gegen einen Wegwei-

sungsvollzug. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen gesunden 

Mann im arbeitsfähigem Alter mit mehrjähriger Berufserfahrung in ver-

schiedenen Bereichen, der im Heimatstaat in finanziell guten Verhältnissen 

gelebt hat. Er kann in Kolumbien mit seiner Mutter und Schwester, mit wel-

chen er bisher zusammenwohnte und mit welchen täglich in Kontakt steht, 

und weiteren Geschwistern und Verwandten in unterschiedlichen Städten 

Kolumbiens, auf ein tragfähiges Beziehungsnetz und eine gesicherte 

Wohnsituation zurückgreifen (vgl. A13/12, F5, F18 f., F21, F27 ff., F34 ff.).  

9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung ins-

gesamt als zumutbar.  

9.4 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über einen gültigen Reise-

pass (A12/9, Ziff. 4.01), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung. Aufgrund der vor-

stehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos 

zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzun-

gen nicht gegeben, weshalb die Gesuche ungeachtet einer allfälligen Mit-

tellosigkeit abzuweisen sind. 

11.2 Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit vorliegendem 

Direktentscheid gegenstandslos geworden.  

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Seite 11 

11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.–  festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]).  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-

lichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Sarah Rutishauser