# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6683eaad-1b00-537e-b272-089af259b9cc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.09.2009 D-3556/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3556-2006_2009-09-11.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3556/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, 
Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiberin Milva Franceschi.

A._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFF vom 
18. Februar 2004 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3556/2006

Sachverhalt:

A.
A.a
Die Beschwerdeführerin – eine Kurdin mit alevitischer Religionszuge-
hörigkeit aus B._______ – verliess ihre Heimat am 12. März 2003 und 
gelangte  am  17. März  2003  in  die  Schweiz,  wo  sie  selbentags  ein 
Asylgesuch stellte. Am 21. März 2003 wurde die Beschwerdeführerin 
im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (ehemals  Empfangsstelle) 
C._______  summarisch  zum  Reiseweg  und  zu  den  Asylgründen 
befragt.  Am 30. September  2003  führte  die  kantonale  Behörde  eine 
Anhörung durch. 

A.b
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 
Wesentlichen geltend, sie habe von 1992 bis 1994 die PKK ("Partiya 
Karkerên  Kurdistan")  in  ihrem  ehemaligen  Wohnort  in  D._______ 
(I._______)  mit  Essen  versorgt,  weshalb  die  Spezialeinheit  der 
türkischen Polizei (Özeltim) ihr Haus durchsucht und ihre Tiere getötet 
habe. In diesem Zusammenhang sei sie im Jahr 1994 festgenommen 
und ein Strafverfahren sei gegen sie eingeleitet worden. Während der 
sechsmonatigen Haft sei sie sehr schlecht behandelt beziehungsweise 
vergewaltigt  worden.  Ihre  Schultern  und  die  Sehnen  an  den 
Handgelenken seien vom Aufhängen schwer beschädigt worden. Nach 
ihrer Entlassung sei sie von der Spezialeinheit der türkischen Polizei 
aus  C._______  vertrieben  worden,  weswegen  sie  nach  B._______ 
umgezogen sei. Dort sei sie Mitglied der HADEP ("Halkin Demokrasi 
Partisi")  geworden,  habe  zuerst  als  Sekretärin  und  dann  –  ab 
2002/2003  –  im  Vorstand  ("Exekutive")  der  Partei  des  Distrikts  von 
E._______  (B._______)  gearbeitet,  wobei  sie  Treffen  und 
Arbeitsgruppen  organisiert  respektive  Pressekonferenzen  vorbereitet 
habe.  Seitdem  sei  sie  immer  wieder  in  Gewahrsam  genommen 
worden. Im Weiteren sei sie im Jahr 1997 bei der "F._______", einer 
der HADEP nahestehenden Zeitung, tätig gewesen, welche später von 
den türkischen Behörden geschlossen worden sei. Anfang des Jahres 
2003,  nachdem  sie  an  einer  Pressekonferenz  in  E._______  bezie-
hungsweise in G._______ teilgenommen habe, sei sie von Personen, 
welche sich als  Polizisten ausgewiesen hätten,  in  einem Auto abge-
führt, einvernommen und belästig worden. Dies habe bei ihr die Erin-
nerungen an die Vergewaltigung von 1994 wachgerufen und ihre Angst 
vor neuen Verhaftungen habe stark zugenommen. Aus diesem Grund 

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habe sie in der Türkei einen Arzt konsultiert, welcher eine schwere De-
pression und ein Trauma diagnostiziert habe. Sie sei ebenfalls Mitglied 
des türkischen Menschenrechtsvereins IHD ("Insan Haklari Dernegi").

Die Beschwerdeführerin hat verschiedene Beweismittel ins Recht ge-
legt: Unter anderem ein Arztrezept vom 6. Februar 2003, je eine be-
glaubigte  Kopie  der  Anklageschrift  des  DG  H._______  vom  13. Ju-
ni 1994  beziehungsweise  eines  Befragungsprotokolls  des  Friedens-
strafgerichtes I._______ vom 16. Mai 1994 und eines Urteils des DG 
H._______ vom 6. Juni 1995 sowie eine Kopie der Kanditatenliste für 
die Wahl in die Distriktverwaltung der HADEP. Diese Unterlagen liegen 
alle in türkisch vor (vgl. Beweismittelumschlag A1).

A.c Das Bundesamt verzichtete in der Folge auf die Vornahme weite-
rer  Abklärungen  respektive  einer  ergänzenden  Anhörung  der  Be-
schwerdeführerin.

B.
Mit Verfügung vom 18. Februar 2004 lehnte das BFF das Asylgesuch 
vom 17. März 2003 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnete den Wegweisungsvollzug an.

C.
Mit Eingabe vom 20. März 2004 erhob die Beschwerdeführerin bei der 
damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK) 
Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung und beantragte de-
ren vollumfängliche Aufhebung (Ziff. 1  der  Rechtsbegehren)  und die 
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft (Ziff. 2) beziehungsweise die 
Gewährung von Asyl (Ziff. 3). In formeller Hinsicht stellte sie das Ge-
such um Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses (Ziff. 4). Der 
Beschwerde wurde eine Fürsorgebestätigung des Freiburgischen Ro-
ten Kreuzes vom 18. März 2004 beigelegt. Zudem wurden Unterlagen 
betreffend der Behandlung der Folterfolgen und ein Arztbericht in Aus-
sicht gestellt.

D.
Mit  Zwischenverfügung  der  damals  zuständigen  Instruktionsrichterin 
der ARK vom 2. April 2004 wurde auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses verzichtet. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin aufge-
fordert, ein aktuelles ärztliches Zeugnis einzureichen.

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E.
Am 5. April 2004 (Poststempel) reichte die Beschwerdeführerin einen 
medizinischen  Bericht  von  Dr.  _______  der  türkischen  Stiftung  für 
Menschenrechte  ("Human  Rights  Foundation  of  Turkey  [HRFT]"), 
Sektion B._______, in türkischer Sprache zu den Akten (Original). Sie 
ersuchte um amtliche Übersetzung des Berichts.

F.
Am 13. April  2004 reichte die Beschwerdeführerin je ein Arztzeugnis 
vom 7. April  2004 von Dr. med. _______ und von Dr. med. _______ 
ein.

G.
Mit Zwischenverfügung vom 22. April 2004 wies die damals zuständige 
Instruktionsrichterin  der  ARK das Gesuch  um amtliche Übersetzung 
ab und setzte der Beschwerdeführerin Frist zur Übersetzung des me-
dizinischen Berichts an.

H.
Mit  Schreiben vom 29. April  2004 wies die Beschwerdeführerin  zum 
einen  darauf  hin,  dass  sie  sich  gegenwärtig  in  Spitalpflege befinde, 
zum andern reichte sie eine französische Übersetzung des ärztlichen 
Berichts der HRFT ein (siehe oben Bst. E.), welcher gestützt auf eine 
schriftliche  Anfrage  der  Beschwerdeführerin  vom 22.  März  2004  er-
stellt worden sei.

I.
Am  1.  Juli  2005  legte  die  Beschwerdeführerin  ein  Arztzeugnis  von 
Dr. _______, Kantonales Psychiatrisches Spital des Kantons Freiburg, 
vom 9. Juni  2005 ins  Recht. Diesem Arztzeugnis  ist  zu  entnehmen, 
dass sie nach einem Suizidversuch vom 16. März bis 18. April  2005 
hospitalisiert gewesen sei.

J.
Am 14. November 2005 wurde ein Referenzschreiben vom 9. Novem-
ber  2005  von  J._______,  welcher  im  Zentralkomitee  des  IHD  gear-
beitet habe, in türkischer Sprache mit Übersetzung zu den Akten ge-
reicht.

K.
Am 20. Dezember 2005 ersuchte der neu mandatierte Rechtsvertreter 
um Ergänzung seiner Verfahrensakten. Die damals zuständige Instruk-

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tionsrichterin stellte dem Rechtsvertreter die entsprechenden Unterla-
gen zu.

L.
Am 21. März 2006 wurde ein medizinischer Kurzbericht von Dr. med. 
_______ vom 20. März 2006 zu den Akten gereicht.

M.
Am 14. Juni 2007 wurde das BFM zu einem Schriftenwechsel eingela-
den.

N.
In der Vernehmlassung vom 27. Juni 2007 hielt die Vorinstanz vollum-
fänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde. Auf den Inhalt der vorinstanzlichen Stellungnahme wird – 
soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

O.
Am 28. Juni 2007 erhielt die Beschwerdeführerin Gelegenheit, zur Ver-
nehmlassung des BFM vom 27. Juni 2007 Stellung zu nehmen.

P.
Die Beschwerdeführerin  liess sich am 13. Juli  2007 vernehmen und 
reichte  gleichzeitig  einen  Zeitungsartikel  aus  der  "Öszür  Ülke"  von 
1994  samt  französischer  Übersetzung  ein.  Auf  die  Begründung  der 
Replik wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen einge-
gangen.

Q.
Am 19. Juli 2007 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben in tür-
kischer Sprache von K._______ vom IHD in B._______ datiert vom 7. 
Juli 2007 mit deutscher Übersetzung, das Zustellkuvert  und ein Arzt-
zeugnis von Dr. med. _______ vom 5. Juli 2007 zu den Akten.

R.
Die  Beschwerdeführerin  ersuchte  am  16.  Juni  2004,  1.  Juli  2005, 
28. Juli 2005, 3. November 2005, 16. November 2005, 2. Mai 2006 und 
am 15. März 2009 um einen baldigen Entscheid oder um die Mittei-
lung, wann mit dem Abschluss des Verfahrens gerechnet werden kön-
ne.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in die-
sem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung. Die  Beschwerdeführerin  ist  daher  zur  Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 und 
52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 

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Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach-
teile von bestimmter Intensität erlitten hat bzw. mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten 
muss, welche ihr gezielt  und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 
durch  Organe des Heimatstaates  oder  durch nichtstaatliche Akteure 
zugefügt worden sind bzw. zugefügt zu werden drohen (vgl. Entschei-
de  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/4 
E. 5.2  S. 37;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 18  E. 7  und  8  S. 190 ff.; 
EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft  ausserdem voraus,  dass  die  betroffene  Person  in  ihrem 
Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE 
2008/4  E. 5.2  S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.;  EMARK 
2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die 
Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeit-
punkt  der  Ausreise  vorhandenen Verfolgung oder  begründete  Furcht 
vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist 
jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität  der Verfolgungs-
furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im 
Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zu-
gunsten und zulasten der  das Asylgesuch stellenden Person zu be-
rücksichtigen  (vgl.  BVGE 2008/4  E. 5.4  S. 38  f.;  EMARK 2000  Nr. 2 
E. 8a S. 20; Walter  Stöckli,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser 
[Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17  und 

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11.18;  Walter  Kälin,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt 
a.M. 1990, S. 135 ff.).

4.  
4.1 Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung aus, dass die Haft von fünf 
Monaten im Jahr 1994 und die schlechte Behandlung während dieser 
Zeit  mehr  als  acht  Jahre  zurücklägen,  weshalb  sie  in  zeitlicher  und 
sachlicher Hinsicht nicht mehr kausal für die Flucht sein könnten. Im 
Weiteren  könne  zwar  nicht  völlig  ausgeschlossen  werden,  dass  die 
Beschwerdeführerin  zweimal  im Jahr 2003 aufgrund der von ihr  gel-
tend gemachten Aktivitäten bei  der HADEP kurz angehalten worden 
sei. Jedoch genügten diese Tätigkeiten und ihre Position in der ehe-
maligen HADEP – aus  ihren Angaben gehe  hervor,  dass  sie  in  der 
ehemaligen  HADEP keine  Position  bekleidet  habe,  welche  sie  einer 
Verfolgungsgefahr  ausgesetzt  hätte  –  nicht,  dass  sich  die  Behörden 
grundsätzlich für sie interessierten beziehungsweise die Beschwerde-
führerin eine begründete Furcht haben müsse, allenfalls künftig ernst-
haften Nachteilen ausgesetzt zu werden. Ihre Vorbringen seien nicht 
asylrelevant, weshalb die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht geprüft 
werden müssten.

4.2 Die  Beschwerdeführerin  machte  in  der  Beschwerdeeingabe  gel-
tend,  dass  ihr  durch  die  polizeilichen  Anhaltungen  vom Januar  und 
Februar 2003 die intensiven – von staatlichen Organen begangenen – 
Demütigungen vom Jahr  1994 wieder  in  Erinnerung gerufen worden 
seien  (Flashbacks).  Damals  habe  sie  noch  an  eine  innerstaatliche 
Fluchtalternative geglaubt, weshalb sie ihre Herkunftsregion verlassen 
und sich in B._______ niedergelassen habe. Im Zeitpunkt der Ausreise 
aus  der  Türkei  habe  sie  sich  jedoch  vor  einer  Wiederholung  der 
traumatisierenden  Erlebnisse  dermassen  gefürchtet,  dass  für  sie 
lediglich eine Flucht ins Ausland in Frage gekommen sei. Weiter sei bis 
zum März 2003  die  HADEP  der  legale  Arm  der  PKK gewesen. Ein 
grosser  Teil  ihres  Engagements  habe  Frauenanliegen  gegolten. 
Darüber  hinaus  sei  sie  im  Jahr  2003  in  die  Exekutive  der  HADEP 
gewählt  worden. Aus diesen Gründen sei  der Kausalzusammenhang 
zwischen den Geschehnissen im Jahr 1994 und der Flucht im Frühjahr 
2003  nicht  unterbrochen  worden.  Da  sie  in  einem  gerichtlichen 
Verfahren der PKK involviert gewesen sei, bestehe zudem eine grosse 
Wahrscheinlichkeit, dass sie trotz Freispruch noch immer in der Türkei 
registriert  sei  beziehungsweise  bei  einer  Rückkehr  nach  wie  vor 
Repressalien zu befürchten habe.

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4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 27. Juni 2007 im 
Wesentlichen fest, dass den eingereichten Referenzschreiben, welche 
die Verfolgung der Beschwerdeführerin belegen sollen, keine Beweis-
kraft  zukomme. Obwohl die Beschwerdeführerin Mitglied der HADEP 
und  des  IHD  gewesen  sei  und  für  diese  gewisse  Funktionen 
("certaines fonctions") ausgeübt habe, gehe aus den eingereichten Be-
weismitteln nicht hervor, dass sie eine derart führende Stellung einge-
nommen habe, welche sie der Gefahr einer asylrelevanten Verfolgung 
ausgesetzt hätte. Die Beschwerdeführerin habe – wie sie selber bestä-
tige – (lediglich) Pressekonferenzen organisiert, anlässlich welcher sie 
keine besonderen Aufgaben wahrgenommen habe. Im Übrigen sei ge-
gen die Beschwerdeführerin, die wegen ihrer Teilnahmen an Presse-
konferenzen und anderen Veranstaltungen mehrere Male für kurze Zeit 
mitgenommen worden sei, kein Verfahren wegen diesen Aktivitäten er-
öffnet worden. Die diagnostizierte Posttraumatische Belastungsstörung 
(PTBS) könne zudem in der Türkei behandelt werden.

4.4 Die  Beschwerdeführerin  erklärte  in  ihrer  Stellungnahme  vom 
13. Juli  2007 im Wesentlichen,  dass  die  Mitgliederlisten  der  HADEP 
und der IHD den staatlichen Organen bekannt seien. Weder eine förm-
liche Mitgliedschaft noch die formelle Stellung innerhalb der Organisa-
tionshierarchie sei ein verlässliches Kriterium für die Beurteilung des 
Verfolgungsrisikos einer  Person. Es könne davon ausgegangen wer-
den, dass die türkischen Behörden solche Personen bevorzugt über-
wachten,  weil  diese  häufig  Kontakte  zu  den  illegalen  Parteigruppen 
oder zu den bewaffneten Kämpfern pflegten. Im Jahr 1994 sei ihr Dorf 
D._______ vollständig vom türkischen Militär niedergebrannt worden. 
Ausserdem  sei  im  Jahr  1993  ihre  Cousine  _______  der  PKK  bei-
getreten,  weshalb  sie  (die  Beschwerdeführerin)  beschuldigt  worden 
sei,  auch  Beziehungen  zur  PKK  zu  haben.  Ihre  Cousine  sei  im 
Jahr 1994  vom türkischen  Militär  getötet  worden. Aufgrund  der  Offi-
zialmaxime sei  die  Vorinstanz  verpflichtet,  ihre  Situation  konkret  am 
Ort ihrer Rückkehr abzuklären. Zudem benötige sie eine ständige und 
intensive psychotherapeutische Behandlung.

5.
5.1 Im Asylverfahren ist der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes we-
gen festzustellen (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Asylbehörden 
haben aufgrund dieser Untersuchungspflicht von Amtes wegen für die 
richtige und vollständige Abklärung des Sachverhalts zu sorgen. Un-
vollständig  ist  die  Sachverhaltsfeststellung,  wenn  nicht  alle  für  den 

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Entscheid rechtserheblichen Sachumstände berücksichtigt wurden; un-
richtig, wenn dem Entscheid ein falscher und aktenwidriger Sachver-
halt zugrunde gelegt wurde, wie dies etwa auch dann der Fall ist, wenn 
die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wurde und 
diese gar nicht erst zum Gegenstand eines Beweisverfahrens gemacht 
wurde.  Die  behördliche  Untersuchungspflicht  wird  durch  die  den 
Asylsuchenden gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht 
eingeschränkt,  wobei  sie  insbesondere bei  der Anhörung vollständig 
anzugeben haben, weshalb sie um Asyl nachsuchen (vgl. Art. 8 Abs. 1 
Bst.  c  AsylG).  Die  Asylsuchenden  trifft  indessen  nicht  nur  eine 
Mitwirkungspflicht,  sie  haben vielmehr auch einen Anspruch auf  Mit-
wirkung, was sich unmittelbar aus dem Anspruch auf rechtliches Ge-
hör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. 
Art.  6  AsylG)  ergibt  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.1 
S. 209).  Zunächst  –  und  für  die  Prozessparteien  regelmässig  im 
Vordergrund  stehend  –  gehört  dazu  das  Recht  auf  vorgängige 
Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen Einfluss auf 
die Ermittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Dabei kommt 
der  von  einem Verfahren  betroffenen  Person  der  Anspruch  zu,  sich 
vorgängig  einer  behördlichen  Anordnung  zu  allen  wesentlichen 
Punkten, welche die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes 
(nicht aber dessen rechtliche Würdigung, welche Sache des Gerichts 
ist) betreffen, zu äussern und von der betreffenden Behörde alle dazu 
notwendigen  Informationen  zu  erhalten.  Unerlässliches  Gegenstück 
der  Mitwirkungsrechte  der  Parteien  bildet  ausserdem  als  weiterer 
Teilgehalt  des  rechtlichen  Gehörs  die  Pflicht  der  Behörden,  die 
Vorbringen der  Betroffenen sorgfältig und ernsthaft  zu prüfen und in 
der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen;  daraus  folgt  schliesslich 
auch  die  grundsätzliche  Pflicht  der  Behörden,  ihren  Entscheid  zu 
begründen (vgl. BVGE 2007/21 E. 10.2 S. 248 f.).

5.2 Im Rahmen der unmittelbar aus Art. 29 Abs. 2 BV folgenden be-
hördlichen Begründungspflicht (vgl. auch Art. 35 Abs. 1 VwVG) hat die 
verfügende  Behörde  zudem die  Überlegungen substanziiert  zu  nen-
nen,  von denen sie  sich leiten  lässt  und auf  die  sich der  Entscheid 
stützt.  Eine  hinreichende  Begründung  bildet  die  Grundlage  für  eine 
sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  durch  die  Betroffenen  und 
stellt gleichzeitig eine unabdingbare Voraussetzung für die Beurteilung 

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ihrer  Rechtmässigkeit  durch  die  Beschwerdeinstanz  dar  (vgl.  auch 
EMARK 2004 Nr. 38).

5.3 Wie bereits  dargelegt,  ging  das  Bundesamt  zweifelsfrei  von  der 
Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin aus, erachtete 
diese jedoch als nicht relevant im Sinne von Art. 3 AsylG. Es bezeich-
nete die Geschehnisse aus dem Jahr 1994 – namentlich die fünfmona-
tige Inhaftierung der Beschwerdeführerin  und die schlechte Behand-
lung während dieser Zeit – mangels zeitlicher und sachlicher Nähe als 
nicht kausal und somit flüchtlingsrechtlich nicht beachtlich. Die späte-
ren  politischen  Tätigkeiten  der  Beschwerdeführerin  für  die  damalige 
HADEP, welchen sie bis zu ihrer Ausreise nachging, respektive die gel-
tend gemachten Festnahmen im Jahr 2003 betrachtete die Vorinstanz 
unabhängig von den vorgenannten Ereignissen und kam zum Schluss, 
dass  die  Beschwerdeführerin  keine  begründete  Furcht  vor  künftiger 
Verfolgung  habe,  zumal  gegen  sie  aufgrund  der  geltend  gemachten 
Aktivitäten  seitens  der  türkischen  Behörden  kein  Verfahren  eröffnet 
worden sei.

5.3.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Vorbringen der 
Beschwerdeführerin zeitlich strikte trennte (Ereignis 1994/95 und Mit-
nahmen im Jahr 2003), obwohl die Beschwerdeführerin geltend mach-
te,  sie  habe  auch  nach  ihrer  Entlassung  im  Jahr  1995  fortan  keine 
Ruhe  gehabt  und  sei  dauernd  unter  Druck  gestanden,  wenn  auch 
"eher"  in  Form  verbaler  Belästigungen  (A2  S.  6)  respektive  sie  sei 
auch  während  ihrer  Tätigkeit  als  Layouterin  bei  der  an  sich  legalen 
prokurdischen  Zeitung  "F._______"  im  Jahr  1996/97  staatlichen 
Druckmassnahmen  ausgesetzt  gewesen  (A7  S.  6);  seit  sie  bei  der 
HADEP-Verwaltung gearbeitet habe, sei sie öfters in Gewahrsam ge-
nommen  worden  (A2  S.  4).  Diese  Behelligungsvorbringen  der  Be-
schwerdeführerin für die Zeitspanne von 1994/95 bis 2003 wurden von 
der Vorinstanz weder anlässlich der Anhörungen mittels vertiefendem 
Nachfragen näher ergründet (vgl. beispielsweise A2 S. 5 und A7 S. 10) 
noch bei ihrem Entscheid miterwogen. Dieses Vorgehen ist im vorlie-
genden Fall – nicht zuletzt auch aufgrund der nachfolgenden Erwägun-
gen – in sachverhaltlicher Hinsicht unsorgfältig respektive nicht sach-
gerecht.

5.3.2 Das Bundesamt hat den Aktivitäten der Beschwerdeführerin für 
die  HADEP sodann  eine  "exponierte  Funktion"  in  dem Sinne  abge-
sprochen, als dass ihr gestützt  darauf eine staatliche Verfolgung ge-

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droht hätte. Es trifft zwar zu, wie das BFM in seiner Vernehmlassung 
zutreffend ausführte, dass die Beschwerdeführerin selber ihre Stellung 
und Funktion eher als untergeordnet bezeichnete ("Je n'avais pas de 
tâche spéciale, j'étais dans la foule avec mes camarades", A7 S. 9). 
Nichtsdestotrotz  geht  aus  den  Akten  hervor,  dass  die 
Beschwerdeführerin nicht "nur" einfaches Mitglied bei der HADEP war, 
sondern für diese Partei zunächst auch als Sekretärin gearbeitet hat, 
wofür sie offenbar zumindest eine Zeit lang auch entlöhnt worden war 
(A7 S. 7 f.), sie war mithin für die Verwaltung der HADEP tätig (A2 S. 2 
und 4). Später wurde sie gemäss ihren Angaben in den Parteivorstand 
der Sektion B._______/E._______ gewählt (A2 S. 6 und A7 S. 5) – ein 
Vorbringen, welches sie mit der Abgabe einer Kopie der Liste mit den 
Kandidatinnen und der  Kandidaten,  auf  welcher  tatsächlich auch ihr 
Name  aufgeführt  ist,  untermauerte  (vgl.  Beweismittelumschlag  A1 
Nr. 8). In  diesem Zusammenhang  hat  sie  weiter  angegeben,  sie  sei 
Delegierte  der  HADEP  für  die  Stadt  (E._______)  gewesen 
("Personnellement  j'étais  déléguée  du  parti  pour  la  ville",  A7  S.  9) 
Weiter  hat  die  Beschwerdeführerin  angegeben,  sie  habe zusammen 
mit anderen Frauen die Frauenarbeit der Partei organisiert respektive 
frauenspezifische Arbeiten betreut (A2 S. 4). Die Beschwerdeführerin 
dürfte  somit  aufgrund der  geschilderten Tätigkeiten während einigen 
Jahren als Sekretärin für die Parteiverwaltung wohl täglich im HADEP-
Gebäude  ein-  und  ausgegangen  sein  und  in  der  letzten  Zeit  ihres 
Aufenthalts als Vorstandsmitglied der HADEP des Distrikts E._______ 
eine Art  (zumindest lokale) politische Führungsrolle bekleidet haben. 
Vor  diesem  Hintergrund  greift  jedenfalls  die  Schlussfolgerung  des 
Bundesamtes,  "la  position  occupée  par  l'intéressée  ne  peut  être 
considérée comme une position dirigeante l'exposant à des risques de 
persécutions déterminantes en matière d'asile" eindeutig zu kurz. Die 
obige  Darstellung  der  Aktivitäten  der  Beschwerdeführerin  für  die 
HADEP  lässt  zwar  per  se  noch  nicht  auf  ein  aktives  Mittun  bei 
wichtigen  politischen  Geschäften  innerhalb  der  Partei  schliessen. 
Festzustellen ist indessen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der 
Befragungen  in  diesem  Zusammenhang  zu  wenig  spezifische  und 
konkret befragt worden ist.

5.3.3 Die Vorinstanz führt  in ihrem Entscheid in diesem Zusammen-
hang weiter aus, das türkische Verfassungsgericht in Ankara habe am 
13. März 2003 das Verbot der HADEP verfügt und über 46 Führungs-
mitglieder der Partei ein fünfjähriges politisches Betätigungsverbot ver-
hängt; einfache Mitglieder ("des simples membres") seien nicht Opfer 

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von Verfolgungshandlungen  seitens  der  türkischen Behörden gewor-
den. Wie vorstehend dargelegt, kann die Beschwerdeführerin aufgrund 
des  bisher  festgestellten  Sachverhalts  kaum  als  "einfaches  Mitglied 
der HADEP" bezeichnet  werden. Diesbezüglich mitentscheidend sein 
könnte  sodann  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  ihren 
Angaben  zufolge  am  12.  März  2003  –  mithin  ein  Tag  bevor  das 
Parteiverbot der HADEP verfügt wurde – aus der Türkei ausgereist ist 
und  in  der  letzten  Zeit  der  Partei  vor  dem  Verbot  (in  der  Phase 
2002/2003),  während  welcher  von  einer  erhöhten 
Überwachungsintensität  durch  die  türkischen  Behörden  auszugehen 
ist,  zumindest  eine  lokale  Führungsposition  eingenommen  haben 
dürfte. Nach Kenntnissen des Gerichts sind nämlich nicht nur nationale 
Kaderpersonen der HADEP ins Visier der Behörden gelangt, sondern 
in Einzelfällen auch solche, welche auf Kreisebene aktiv waren.

5.3.4 Hinsichtlich  der  Frage,  ob  die  Beschwerdeführerin  begründete 
Furcht  vor  künftigen  asylrelevanten  Behelligungen  haben  muss,  ist 
weiter zu berücksichtigen, dass sie Mitte der 1990er Jahren in Unter-
suchungshaft – mutmasslich wegen des Verdachts der Unterstützung 
der PKK (vgl. A2 S. 6) – und 1995 freigesprochen worden war. Sie hat 
in  diesem  Zusammenhang  Kopien  der  Anklageschrift  vom  13.  Ju-
ni 1994, eines Befragungsprotokolls vom 16. Mai 1994 und des Urteils 
des  DG  H._______  vom  6.  Juni  1995  zu  den  Akten  gereicht 
(Beweismittelumschlag A1 Nrn. 5-7). Die Vorinstanz hat  weder diese 
Gerichtsdokumente übersetzt noch die Beschwerdeführerin  näher zu 
den  ihr  von  den  türkischen  Behörden  vorgeworfenen  Taten  befragt. 
Aus  nachfolgend  aufgeführten  Überlegungen  ist  dem  BFM  auch  in 
diesem  Punkt  eine  unsorgfältige  respektive  mangelnde 
Sachverhaltsabklärung vorzuwerfen.

5.3.5 Nach dem bisher Gesagten ist zusammenfassend davon auszu-
gehen,  dass die Beschwerdeführerin  Mitte  der  1990er  Jahren in  ein 
Gerichtsverfahren – mutmasslich wegen Unterstützung der PKK – ver-
wickelt war und somit erstmals ins Visier der türkischen Behörden ge-
langt war. In der Folge wurde sie Mitglied der HADEP, wo sie unter an-
derem  als  Sekretärin  tätig  war  und  die  Parteibelange  in  Sachen 
Frauenanliegen betreut hat. Während dieser Zeit sei sie eigenen Anga-
ben  zufolge  immer  wieder  unter  behördlichem Druck  gestanden.  Im 
Zeitraum 2002/2003 – mithin kurz bevor die HADEP verboten wurde – 
ist  sie  in  den  Parteivorstand  des  Distrikts  B._______/E._______ 
gewählt  worden und,  was die  Vorinstanz  nicht  in  Zweifel  zieht,  zwei 

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Mal  von  den  Behörden  mitgenommen,  bedroht  und  dann  wieder 
freigelassen worden. Aufgrund dieser beiden letzten Vorkommnisse ist 
die Beschwerdeführerin aus der Türkei ausgereist.

Die sich nunmehr stellende entscheidende Frage in Bezug auf den re-
levanten  Sachverhalt  ist,  ob  die  türkischen  Behörden  über  die  Be-
schwerdeführerin  möglicherweise  bereits  Mitte  der  1990er  Jahre 
und/oder später, als sie in den Distriktsvorstand der HADEP gewählt 
worden  war,  ein  politisches  Datenblatt  erstellt  haben  (vgl.  auch  Be-
schwerde vom 20. März  2004 S. 3  Ziff. 2). Nach Erkenntnissen des 
Bundesverwaltungsgerichts  ist  es bei  einer solchen Sachlage durch-
aus denkbar, wenn nicht sogar naheliegend, dass die Beschwerdefüh-
rerin tatsächlich fichiert wurde. Kriterien für die Fichierung können un-
ter  anderen  eine  erfolgte  Verhaftung  aus  politischen  Gründen  sein, 
dies  auch,  wenn  das  Verfahren  nicht  mit  einer  Verurteilung  abge-
schlossen wurde. Gemäss weiterhin Gültigkeit beanspruchendem Ur-
teil der ARK (EMARK 2005 Nr. 11 E. 5 S. 94 f. sowie exemplarisch Ur-
teil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E-3247/2006  vom  6.  Mai  2009 
E. 5.2 S. 9 f.) ist in der Regel bereits aufgrund einer Fichierung mittels 
eines politischen Datenblattes von einer begründeten Furcht vor künfti-
ger  asylrechtlich  relevanter  Verfolgung  auszugehen.  Eine  Abklärung 
hinsichtlich der Frage der Existenz solcher Datenblätter ist  praxisge-
mäss einzig im Rahmen einer Botschaftsabklärung möglich, was das 
Bundesamt jedoch unterlassen hat. 

6.
Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass die Vorins-
tanz den rechtserheblichen Sachverhalt  in Missachtung der behördli-
chen  Untersuchungspflicht  unvollständig  feststellte.  Es  fehlt  deshalb 
vorliegend an der erforderlichen Entscheidreife.

6.1 Zwar  kann  die  Missachtung  entsprechender  Verfahrensvorschrif-
ten durch das BFM aufgrund der umfassenden Kognition des Bundes-
verwaltungsgerichts (vgl. Art. 106 AsylG) in bestimmten Schranken ge-
heilt  werden. Eine sachgerechte Lösung im Sinne einer Heilung oder 
Kassation muss sich aber unter anderem an Art und Umfang der noch 
erforderlichen  Abklärungsmassnahmen  orientieren.  Dies  wäre  –  um 
die  Entscheidreife  nachträglich  herzustellen  –  vorliegend  spätestens 
im Rahmen des laufenden Beschwerdeverfahrens,  beispielsweise  im 
Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens, nachzuholen gewesen. Ob 
die klare Missachtung von elementaren Verfahrensvorschriften  durch 

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die Vorinstanz erheblichen Einfluss auf das Ergebnis hatte, kann bei 
einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör angesichts sei-
ner formellen Natur praxisgemäss von vornherein keine Rolle spielen 
(vgl.  EMARK  2004  Nr. 38  E.  7.1  S. 265  mit  weiteren  Hinweisen). 
Schliesslich  ist  es  auch  nicht  Sinn  eines  Beschwerdeverfahrens,  für 
eine vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu 
sorgen,  wenn  sich  eine  ergänzende  Untersuchung  wegen  un-
sorgfältiger Verfahrensführung aufdrängt, die nur mit umfassenden Er-
mittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können. Die Vorinstanz 
hätte  sich  nach  einer  ersten  korrekten  Würdigung  der  erfolgten 
Hinweise  und  eingereichten  Beweismittel  mit  der  Frage  auseinan-
dersetzen müssen, ob über die Beschwerdeführerin in der Türkei – sei 
es  aufgrund des Gerichtsverfahrens Mitte  der  1990er  Jahre oder  im 
Zusammenhang  mit  ihrem,  von  der  Vorinstanz  verkannten,  nicht 
unbedeutenden  Engagement  für  die  HADEP  –  ein  politisches 
Datenblatt angelegt worden ist.

6.2 Da eine Heilung der erwähnten Verfahrensmängel im Rahmen des 
Beschwerdeverfahrens nicht angebracht ist, ist die angefochtene Ver-
fügung aufzuheben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Vor-
nahme der erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und 
zur Neubeurteilung zurückzuweisen.

6.3 Lediglich der Vollständigkeit halber ist im Weiteren an dieser Stelle 
anzufügen, dass die Vorinstanz – wie in der Beschwerde ebenfalls zu-
treffend eingewandt wurde – zu erörtern haben wird, ob die Beschwer-
deführerin  angesichts  ihrer  Vorbringen  und  namentlich  des  mittels 
Arztzeugnissen  belegten  schlechten  psychischen  Zustands  im  Zeit-
punkt  ihrer  Ausreise  aus  der  Türkei  allenfalls  einem  unerträglichen 
psychischen Druck unterlag (vgl. hierzu EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.3 
S. 200 ff.).

7.
Nach  dem Gesagten  ist  die  Beschwerde  insoweit  gutzuheissen,  als 
beantragt  wurde,  dass die vorinstanzliche Verfügung vom 18. Febru-
ar 2004 aufzuheben sei (Ziff. 1 der Rechtsbegehren). Die Vorinstanz ist 
anzuweisen, in der Sache neu zu entscheiden.

8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).

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8.2 Der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  ist  eine  Parteient-
schädigung  für  die  ihr  notwendigerweise  erwachsenen  Parteikosten 
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 
11. Dezember  2006  über  die  Kosten und Entschädigungen vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Weder  die 
vormalige  Rechtsvertreterin  noch  der  derzeitige  Rechtsvertreter  der 
Beschwerdeführerin  haben  für  dieses  Verfahren  eine  Kostennote  zu 
den Akten gereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes 
verzichtet werden, da sich die Vertretungskosten aufgrund der für das 
Verfahren  ausschlaggebenden Akten zuverlässig  abschätzen  lassen. 
Demnach  ist  die  Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  aller 
massgeblicher Faktoren auf insgesamt Fr. 2000.-- (inkl. Auslagen und 
MWST) festzusetzen (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 8 und 
14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 18. Februar 2004 wird aufgehoben und 
die Sache wird zur Durchführung der notwendigen Sachverhaltsabklä-
rungen im Sinne der  Erwägungen  sowie neuer  Entscheidfindung an 
die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag 
von Fr. 2000.-- (inkl. Auslagen und MWST) an die Beschwerdeführerin 
zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Milva Franceschi

Versand: 

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