# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 560c0991-79a9-503f-9215-06aa4ca55064
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2002-10-07
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Zollrekurskommission 07.10.2002 JAAC 67.43
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_016_JAAC-67-43--_2002-10-07.pdf

## Full Text

JAAC 67.43

Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission
vom 7. Oktober 2002 in Sachen H. und H. GmbH [ZRK

2002-048]

Contingent douanier en matière d’importations agricoles.
Conséquences lorsque le prix d’adjudication n’a pas été payé à temps.
Taux du droit de douane: fixation des quantités et des tarifs selon
les préalables de l’accord GATT/OMC sur l’agriculture et de la loi sur
l’agriculture.

- L’art. 19 al. 2 OIAgr constitue une condition ordonnée par le Conseil
fédéral qui a pour effet que l’importation dans le cadre du contingent
douanier ne peut être commencée qu’à partir du moment où le
prix d’adjudication correspondant a été payé. C’est pourquoi les
importations effectuées avant le paiement du prix d’adjudication sont
uniquement possibles en dehors du contingent douanier et doivent être
dédouanées au taux hors contingent. Confirmation de la jurisprudence
(consid. 2b et c, consid. 3c).

- Si la décision d’attribution de l’Office fédéral de l’agriculture
contenant la condition du paiement préalable entre en force de
chose décidée, il n’est plus possible de l’attaquer dans une procédure
devant la Commission fédérale de recours en matière de douanes
(CRD). Au contraire, la CRD doit statuer sur la légalité de la décision,
respectivement sur la perception subséquente réclamée par la Direction
générale des douanes. Celle-ci repose en premier lieu sur l’art. 12 DPA
(consid. 3c et d).

- En raison de leur ratification par l’Assemblée fédérale, les taux de
droits de douane acquièrent le rang de loi et, partant, lient le juge
(consid. 4b/aa).

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Zollkontingent bei Agrareinfuhren. Folgen bei der nicht rechtzeitigen
Bezahlung des Zuschlagspreises. Zollansatz: Festsetzung von Mengen
und Tarifen nach den Vorgaben des GATT/WTO-Übereink. über die
Landwirtschaft und des Landwirtschaftsgesetzes.

- Art. 19 Abs. 2 AEV ist eine durch den Bundesrat verordnete
Bedingung dergestalt, dass mit der Einfuhr innerhalb des
Zollkontingentes erst begonnen werden darf, wenn der entsprechende
Zuschlagspreis entrichtet worden ist. Die Einfuhren vor Bezahlung
des Zuschlagspreises sind deshalb nur ausserhalb des Zollkontingents
möglich und zum Ausserkontingentszollansatz nachzuverzollen.
Bestätigung der Rechtsprechung (E. 2b und c, E. 3c).

- Tritt die Zuteilungsverfügung des Bundesamtes für Landwirtschaft
mitsamt der Bedingung der Vorausbezahlung in Rechtskraft, kann
diese im Verfahren vor der Eidgenössischen Zollrekurskommission
(ZRK) nicht mehr angefochten werden. Die ZRK hat vielmehr über die
Rechtmässigkeit der Nachforderungsverfügung der Oberzolldirektion
zu entscheiden. Diese stützt sich in erster Linie auf Art. 12 VStrR (E. 3c
und d).

- Durch die Genehmigung der Zollansätze durch die
Bundesversammlung werden die Zollansätze in Gesetzesrang erhoben.
Der Richter ist daran gebunden (E. 4b/aa.).

Contingente doganale per importazioni agricole. Conseguenze in caso
di pagamento tardivo del prezzo d’aggiudicazione. Tasso doganale:
fissazione di quantità e tariffe secondo le disposizioni dell’accordo
GATT/OMC sull’agricoltura e la legge sull’agricoltura.

- L’art. 19 cpv. 2 OIAgr è una condizione imposta dal Consiglio federale
che permette l’inizio dell’importazione nel quadro del contingente
doganale solo se è stato pagato il relativo prezzo di aggiudicazione.
Le importazioni prima del pagamento del prezzo di aggiudicazione
sono possibili solo al di fuori del contingente doganale e possono
essere sdoganate secondo il tasso fuori contingente. Conferma della
giurisprudenza (consid. 2b e c, consid. 3c).

- Se la decisione di aggiudicazione emanata dall’Ufficio federale
dell’agricoltura cresce in giudicato unitamente alla condizione del
pagamento anticipato, questa non può più essere contestata nella
procedura davanti alla Commissione federale di ricorso in materia
doganale (CRD). La CRD deve invece decidere sulla legalità della
decisione di riscossione della Direzione generale delle dogane. Questa
decisione si basa in primo luogo sull’art. 12 DPA (consid. 3c e d).

- Con l’approvazione da parte dell’Assemblea federale i tassi doganali
assurgono a rango di legge e sono pertanto vincolanti per il giudice
(consid. 4b/aa.).

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Zusammenfassung des Sachverhalts:

A.Mit Verfügungen vom 21. Mai 2001 hat das Bundesamt für Landwirtschaft
der H. und H. GmbH (nachfolgend: GmbH, später: Beschwerdeführerin)
für das Jahr 2001 16 Zollkontingentsanteile für die Einfuhr von Pferden
bzw. 12 Anteile für die Einfuhr von Kleinponys zugeteilt (Zuschlagspreis:
total Fr. 5’980.- und total Fr. 1’700.-). Dabei hat das Amt verfügt, vor
der Bezahlung des gesamten Zuschlagspreises sei die Einfuhr zum
Kontingentszollansatz (im Folgenden: KZA) nicht zulässig (Art. 19 Abs. 2
der Allgemeinen Verordnung über die Einfuhr von landwirtschaftlichen
Erzeugnissen, Agrareinfuhrverordnung [AEV], SR 916.01). Ferner sei der
gesamte Zuschlagspreis innert 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu
überweisen.

B.Mit Schreiben vom 23. Juli 2001 hielt das Bundesamt für Landwirtschaft
der GmbH vor, diese habe am 12. Juni 2001 2 Pferde und 2 Kleinponys zum
KZA eingeführt, obschon die Bezahlung des gesamten Zuschlagspreises
noch ausstehe. Jeder Import vor Bezahlung des Zuschlagspreises stelle
eine Einfuhr ausserhalb des Zollkontingents dar und müsse deshalb zum
Ausserkontingentszollansatz (im Folgenden: AKZA) nachverzollt werden. Das
Bundesamt gab der GmbH Gelegenheit, sich zum Vorhalt zu äussern.

Daraufhin antwortete die GmbH und verwies auf den Passus «zahlbar bis
03.09.2001» auf der Rechnung des Bundesamtes für Landwirtschaft; sie habe
die ihr auferlegte Frist zur Zahlung des Zuschlagspreises eingehalten.

C. Auf Ersuchen des Bundesamtes für Landwirtschaft gelangte die zuständige
Eidgenössische Oberzolldirektion (OZD) mit Brief vom 14. September 2001
an die GmbH, hielt dieser vor, 2 Pferde und 2 Kleinponys vor Bezahlung
des Zuschlagspreises zum KZA eingeführt zu haben. Die Abgabedifferenz
zwischen dem AKZA (Fr. 3’834.- je Stück bzw. Fr. 900.- je Stück) und dem
KZA (Fr. 120.- je Stück) betrage Fr. 9’203.75 (inklusive des proportionalen
Mehrwertsteueranteils) und werde nacherhoben. Die Zollverwaltung räumte
der GmbH die Möglichkeit zur Stellungnahme ein.

Mit Antwortschreiben vom 16. und 20. September 2001 brachte die GmbH
vor, sie fühle sich ungerecht behandelt; die Frist zur Bezahlung des
Zuschlagspreises habe sie eingehalten; die fraglichen Tiere seien definitiv zum
KZA verzollt; darüber sei mit dem Bundesamt für Landwirtschaft definitiv
abgerechnet worden, eine nochmalige Verzollung zum AKZA sei nicht zulässig.

D. Am 16. April 2002 verfügte die OZD, die Differenz zwischen dem KZA und
dem AKZA von Fr. 9’203.75 (inklusive der anteiligen Mehrwertsteuer) werde
nacherhoben.

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Dagegen führt die GmbH mit Eingaben vom 19. April/2. Mai 2002 Beschwerde
bei der Eidgenössischen Zollrekurskommission (ZRK) und stellt sinngemäss
den Antrag, die angefochtene Verfügung aufzuheben.

E.Mit Vernehmlassung vom 4. Juni 2002 beantragt die OZD, die Beschwerde
abzuweisen.

Aus den Erwägungen:

1. (…)

2.a. Vor Bezahlung des gesamten Zuschlagspreises ist die Einfuhr zum KZA
nicht zulässig (Art. 19 Abs. 2 AEV). Die Zahlungsfrist beträgt, vorbehältlich von
Abs. 2, 60 Tage nach Rechtskraft des Zuschlags (Art. 19 Abs. 3 AEV).

b. Die ZRK hatte in konkreten - mit dem vorliegenden Fall vergleichbaren
- Anwendungsakten bereits über die Rechtsfolge von Einfuhren vor der
Bezahlung des entsprechenden Zuschlagspreises zu entscheiden. In den
Verfügungen über die Zuteilung des Zollkontingents zur Einfuhr hat das
zuständige Amt - wie hier - ausdrücklich angeordnet, der Zuschlagspreis
sei vorgängig der Einfuhr des zugeschlagenen Zollkontingentsanteils zu
bezahlen, und dass vor Bezahlung des Zuschlagspreises die Einfuhr zum
Kontingentszollansatz nicht zulässig sei. Wie im vorliegenden Fall erwuchsen
diese Zuteilungsverfügungen in Rechtskraft. Die ZRK hat entschieden, dass die
Beschwerdeführerinnen damit die entsprechenden Bedingungen (namentlich
die Bezahlung des Zuschlagspreises in einem Zeitpunkt vor der Einfuhr)
akzeptiert und einzuhalten hatten. Die erfolgten Einfuhren vor Bezahlung
des Zuschlagspreises seien deshalb nur ausserhalb des KZA möglich und
zum AKZA nachzuverzollen. Die Nachforderung entsprechend der Differenz
zwischen dem KZA und dem AKZA erweise sich als rechtens (siehe Entscheide
der ZRK vom 28. Februar 2002 i.S. F. AG [ZRK 2001-035], E. 2; vom 13. Februar
2002 i.S. L. AG [ZRK 2001-053], E. 2; vom 27. Juli 2000 i.S. L. [ZRK 2000-007], E. 2;
vom 17. November 1999 i.S. S. AG [ZRK 1999-005], E. 2 und 3).

c. Von dieser Rechtsprechung abzuweichen, besteht im vorliegenden
Fall kein Anlass. In den Zuteilungsverfügungen vom 21. Mai 2001 hat
das Bundesamt für Landwirtschaft Art. 19 Abs. 2 AEV zitiert und die
Einfuhr zum KZA ausdrücklich von der Bedingung abhängig gemacht,
dass die Beschwerdeführerin vorgängig den gesamten Zuschlagspreis
bezahlt. In der Rechtsmittelbelehrung dieser Verfügung hat das Amt auf
die Beschwerdemöglichkeit an die Rekurskommission des Eidgenössischen
Volkswirtschaftsdepartementes (Rekurskommission EVD, REKO/EVD)
aufmerksam gemacht. Die Zuteilungsverfügung blieb jedoch unangefochten
und erwuchs folglich mitsamt der erwähnten Bedingung in Rechtskraft.
Die Beschwerdeführerin anerkennt zudem, den Zuschlagspreis erst nach
dem Import der fraglichen 2 Pferde und 2 Kleinponys bezahlt zu haben. Die
Nachforderung entsprechend der Differenz zwischen dem KZA und dem
AKZA erweist sich damit als rechtens. Die Beschwerdeführerin bestreitet
mit Recht nicht die nachbelasteten Einfuhren in mengenmässiger sowie
die Nachforderung in rechnerischer und damit in tatsächlicher Hinsicht
(Fr. 9’203.75).

3.a. Die Beschwerdeführerin macht hauptsächlich geltend, sie habe den
Zuschlagspreis innerhalb der in der Rechnung des Bundesamtes für
Landwirtschaft gestellten Frist (3. September 2001) bezahlt. Auf dieser

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Rechnung sei kein Hinweis darauf zu entnehmen, dass sie vor der Einfuhr
zum KZA den gesamten Zuschlagspreis habe bezahlen müssen. Den Vermerk
«Zahlbar in jedem Fall vor der ersten Einfuhr […]» habe die Verwaltung ihren
Rechnungen erst ab dem Jahr 2002 beigefügt.

b. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass ihr die Rechnungen, mit welcher
das Bundesamt für Landwirtschaft den Zuschlagspreis mit dem Vermerk
«zahlbar bis […]» einforderte, zusammen mit den Zuteilungsverfügungen
vom 21. Mai 2001 zugestellt worden sind. In diesen Verfügungen ist wie
erwähnt die Bedingung ausdrücklich vermerkt, wonach vor der Bezahlung des
gesamten Zuschlagspreises die Einfuhr zum KZA unzulässig sei. Abgesehen
davon, dass die Beschwerdeführerin mit dem fraglichen Passus auf der
Rechnung lediglich an die Fälligkeit des Zuschlagspreises erinnert wird,
braucht es keiner weitergehenden Erläuterung dafür, dass ein simpler
Fälligkeitshinweis auf einer Rechnung nicht die verfügte Bedingung (Zahlung
des Zuschlagspreises vor dem Import) für eine Einfuhr zum KZA umzustossen
vermag.

Unmassgeblich ist deshalb, dass die Verwaltung im vorliegenden Fall nicht
auch in der Rechnung auf Art. 19 Abs. 2 AEV hingewiesen hat, auch wenn sie
angeblich nun auch zusätzlich in solchen Rechnungen den Passus «Zahlbar in
jedem Fall vor der ersten Einfuhr […]» vermerkt. Aus den gleichen Gründen
ändert ebenfalls das Vorbringen der Beschwerdeführerin nichts, wonach dem
Merkblatt des Bundesamtes für Landwirtschaft vom 6. November 2000 über
den Pferdeimport kein Hinweis auf die Pflicht zur vorgängigen Bezahlung des
Zuschlagspreises zu entnehmen sei.

c. Bei Art. 19 Abs. 2 AEV handelt es sich um eine durch den Bundesrat
verordnete Bedingung dergestalt, dass mit der Einfuhr innerhalb des
Zollkontingentes erst begonnen werden darf, wenn der entsprechende
Zuschlagspreis entrichtet worden ist. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, darf
der Kontingentsberechtigte zwar einführen, aber nur zum AKZA (E. 2b
hievor). Die Beschwerdeführerin hat sich gegen diese durch das Bundesamt
für Landwirtschaft am 21. Mai 2001 verfügte Bedingung nicht gewehrt.
Die Verfügungen wurden rechtskräftig. Die sinngemässe Rüge, Art. 19
Abs. 2 AEV bzw. die entsprechende Anwendung durch die Verwaltung sei
rechtswidrig, erfolgt verspätet und wäre überdies mittels Beschwerde gegen
die Zuteilungsverfügungen vom 21. Mai 2001 bei der Rekurskommission EVD
zu erheben gewesen (vgl. zuletzt: Entscheid der ZRK vom 28. Februar 2002,
a.a.O., E. 3c, mit Hinweis).

d. Die ZRK hat vielmehr über die Rechtmässigkeit der Verfügungen bzw.
der Nachforderung der OZD vom 16. April 2002 zu entscheiden. Diese
stützt sich in erster Linie auf Art. 12 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974
über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0). Danach ist die infolge
einer Widerhandlung zu Unrecht nicht erhobene Abgabe ohne Rücksicht
auf die Strafbarkeit einer Person nachzuentrichten (Abs. 1). Art. 12 Abs. 2
VStrR ergänzt, dass zur Nachleistung verpflichtet ist, wer in den Genuss
des unrechtmässigen Vorteils gelangt ist, insbesondere der zur Zahlung
der Abgabe Verpflichtete (vgl. Art. 9 und Art. 13 des Zollgesetzes vom
1. Oktober 1925 [ZG], SR 631.0) oder der Empfänger der Vergütung oder des
Beitrages. Voraussetzung für die Anwendbarkeit von Art. 12 Abs. 2 VStrR
ist eine objektive Widerhandlung gegen die Verwaltungsgesetzgebung

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des Bundes (vgl. BGE 115 Ib 360 E. 3a; unveröffentlichtes Urteil des
Bundesgerichts vom 30. September 1988 i.S. B. AG [2A.18/1988], E. 3a; Kurt
Hauri, Verwaltungsstrafrecht, Bern 1998, S. 36). Die Leistungspflicht gestützt
auf Art. 12 Abs. 2 VStrR hängt jedoch weder von einer strafrechtlichen
Verantwortlichkeit noch von einem Verschulden (BGE 106 Ib 221 E. 2c)
oder gar der Einleitung eines Strafverfahrens ab, vielmehr genügt es,
dass der durch die Nichtleistung der Abgabe entstandene Grund in einer
Widerhandlung im objektiven Sinne liegt (unveröffentlichtes Urteil des
Bundesgerichts vom 31. Oktober 1985 i.S. W.K. & Co. AG [A.341/84], E. 4c).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat der unrechtmässige Vorteil
im Vermögensvorteil zu liegen, der durch die Nichtleistung der Abgabe
entstanden ist, wobei ein Vermögensvorteil nicht nur in der Vermehrung
der Aktiven, sondern auch in einer Verminderung der Passiven bestehen kann,
indem der Leistungspflichtige insofern unrechtmässig bevorteilt ist, als er die
Leistung infolge der Widerhandlung nicht erbringen muss (BGE 110 Ib 310
E. 2c).

Die Beschwerdeführerin hat vor Bezahlung des Zuschlagspreises
unbestrittenermassen die vorgehaltene Anzahl Pferde und Kleinponys
eingeführt. Folglich ist sie leistungspflichtig im Sinne von Art. 9 und Art. 13
ZG. Der unrechtmässige wirtschaftliche Vorteil liegt darin, dass sie den
Zuschlagspreis erst nach den ersten Importen bezahlte und damit gemäss
rechtskräftigen Verfügungen vom 21. Mai 2001 für die Zeit vorher keinen
Anspruch auf den KZA hatte. Es ist unbestritten, dass sie die mit der
Kontingentszuteilung für das Jahr 2001 rechtskräftig verfügte Bedingung
der vorgängigen Einzahlung des Zuschlagspreises nicht erfüllte. Sie allein
ist verantwortlich für die rechtzeitige Zahlung zur Inanspruchnahme des
KZA. Waren für die fraglichen Importe die Voraussetzungen des KZA nicht
gegeben, hat die Beschwerdeführerin dem Bund zweifelsohne eine Abgabe
(Differenz zwischen AKZA und KZA) vorenthalten und objektiv gegen die
Verwaltungsgesetzgebung des Bundes verstossen (vgl. zuletzt: Entscheid der
ZRK vom 28. Februar 2002, a.a.O., E. 3d, mit Hinweis).

Es wird dabei nicht in Abrede gestellt, dass die Beschwerdeführerin angeblich
ihre zollrechtlichen Obliegenheiten bis anhin immer erfüllte und sich auch
sonst nichts zu Schulden kommen liess. Nur ist dies für den Ausgang des
vorliegenden Verfahrens ohne Belang. Das Gesetz sieht keine Möglichkeit vor,
im Falle der Beschwerdeführerin eine Ausnahme zu machen.

4. Es bleibt auf die übrigen Argumente der Beschwerdeführerin einzugehen,
soweit sie nicht bereits durch die vorangehenden Erwägungen ausdrücklich
oder implizite widerlegt bzw. soweit sie überhaupt sachbezogen sind.

a. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes durch den AKZA für Pferde. Sie halte
diesen Zollansatz «für total überhöht». Nach den neuen Bestimmungen
der Welthandelsorganisation (WTO) seien Schutzzölle in dieser Höhe nicht
mehr zulässig. Es handle sich um rechtswidrige Handelshemmnisse. Ferner
gehe mit Bezug auf die fraglichen Importe aus den Kontingentsauszügen
des Bundesamtes für Landwirtschaft hervor, dass sie definitiv zum KZA
abgerechnet und abgebucht worden seien. Die Auszüge seien nie aufgehoben
worden, weshalb sie verbindlich seien. Die Beschwerdeführerin stützt sich

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_Ib_360&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ib_221&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_Ib_310&resolve=1

schliesslich auf das Rechtsgleichheitsprinzip und bringt vor, die OZD habe in
einem vergleichbaren Fall von einer Nachforderung abgesehen. Sie fordert,
gleich behandelt zu werden.

b.aa. Infolge des Beitritts der Schweizerischen Eidgenossenschaft
zur WTO per 1. Juli 1995 und der Ratifizierung der entsprechenden
GATT/WTO-Übereinkommen (Abkommen vom 15. April 1994 zur
Errichtung der Welthandelsorganisation, SR 0.632.20) bedurfte das
nationale Recht in verschiedenen Bereichen der Anpassung (vgl. Botschaft
des Bundesrats vom 19. September 1994 zu den für die Ratifizierung
der GATT/WTO-Übereinkommen [Uruguay-Runde] notwendigen
Rechtsanpassungen [GATT-Botschaft 2; BBl 1994 IV 950 ff.]). So verpflichtete
das Übereinkommen über die Landwirtschaft (Anhang 1A.3 zum Abkommen,
AS 1995 2150) im Bereich des Marktzutritts namentlich zur Tarifizierung
aller nicht tarifären Massnahmen (vgl. Art. 4) und verlangte damit, dass
die bisherigen Methoden der Einfuhrbeschränkung - insbesondere die
mengenmässige Einfuhrbeschränkung für gewisse Produkte sowie das
«Dreiphasensystem» - durch Zölle ersetzt werden (Botschaft des Bundesrats
vom 19. September 1994 zur Genehmigung der GATT/WTO-Übereinkommen
[Uruguay-Runde; GATT-Botschaft 1; BBl 1994 IV 149]). Die Menge der
eingeführten Agrarprodukte kann deshalb nicht mehr direkt, sondern nur
noch indirekt über die Festsetzung von Zollansätzen gelenkt werden (vgl. René
Rhinow/Gerhard Schmid/Giovanni Biaggini, Öffentliches Wirtschaftsrecht, Basel
1998, S. 590 f.). Dabei müssen die gegenwärtigen Marktzutrittsmöglichkeiten
zu den Bedingungen und für die durchschnittlichen Importmengen der Jahre
1986/88 gewahrt bleiben (GATT-Botschaft 1, BBl 1994 IV 150; vgl. zum Ganzen:
Richard Senti, WTO - System und Funktionsweise der Welthandelsordnung,
Zürich 2000, Rz. 1016 ff.).

Das Bundesgesetz vom 29. April 1998 über die Landwirtschaft (LwG, SR
910.1) bestimmt in Art. 17, dass bei der Festsetzung der Einfuhrzölle die
Versorgungslage im Inland und die Absatzmöglichkeiten für gleichartige
inländische Erzeugnisse zu berücksichtigen sind. Dabei sind die
welthandelsrechtlichen Rahmenbedingungen zu respektieren (insbesondere
die Verpflichtung zu Konsolidierung und schrittweiser Senkung der Agrarzölle;
GATT-Botschaft 1, BBl 1994 IV 149). Als Instrumente zur Lenkung der
Importe stehen dem Bund insbesondere der Schwellenpreis (Art. 20 LwG;
vgl. GATT-Botschaft 2, BBl 1994 IV 1072 ff.) und die Zollkontingente (Art. 21
LwG) zur Verfügung. Bei Letzteren wird die Warenmenge bestimmt, welche
zu einem vorteilhaften Zollansatz in die Schweiz eingeführt werden kann;
für den Import einer zusätzlichen Menge muss regelmässig ein bedeutend
höherer Zoll bezahlt werden, der gewöhnlich prohibitive Wirkung hat (Urteil
des Bundesgerichts vom 6. November 2001 [2A.295/2001], E. 2a und b).

Insofern dringt die Behauptung der Beschwerdeführerin, es handle sich in
casu um einen «total überhöhten» AKZA, um einen unzulässigen Schutzzoll
bzw. um ein Handelshemmnis, von vornherein nicht durch.

Im Übrigen ist der Bund bei der Bestimmung der Zollkontingente nicht frei,
dienen diese doch den ausländischen Produzenten zum staatsvertraglich
vereinbarten Marktzutritt (GATT-Botschaft 1, BBl 1994 IV 150): Sowohl
die minimale Menge, welche zum privilegierten Satz importiert werden
kann, als auch das Maximalniveau der erlaubten Grenzbelastung für

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Einfuhren innerhalb und ausserhalb der Zollkontingente sind im Rahmen
der GATT-Verhandlungen bestimmt worden (GATT-Botschaft 2, BB1 1994 IV
1005 f., 1074; Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2001, a.a.O., E. 2a
und b). Schliesslich hat der Bundesrat über die Festlegung von Zollansätzen im
Kontingentsbereich der Bundesversammlung halbjährlich Bericht zu erstatten
(vgl. Art. 13 Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 [ZTG], SR 632.10). Durch die
Genehmigung der Zollansätze durch die Bundesversammlung (vgl. Art. 13
Abs. 2 ZTG, siehe auch Art. 12 ZTG) werden die Zollansätze in Gesetzesrang
erhoben. Der Richter ist daran gebunden (Art. 191 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV], SR 101).

bb. Aus dem Passus «Importe sind nur aufgeführt, wenn sie definitiv
verzollt und bereits abgerechnet sind» im zitierten Kontingentsauszug des
Bundesamtes für Landwirtschaft zieht die Beschwerdeführerin sinngemäss
den Schluss, die dort figurierenden Importe zum KZA seien rechtskräftig
verzollt. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass ohne weiteres auch
definitive (endgültige) Abfertigungen (Art. 39 ZG) zu einer Nachforderung
führen können (z. B. in Anwendung von Art. 126 ZG oder Art. 12 VStrR
[vgl. E. 3d hievor]). Dies ist nicht zuletzt eine Folge des Umstandes, dass
das Zollverfahren vom Selbstdeklarationsprinzip bestimmt ist (Art. 24 ZG)
und der Beschwerdeführerin die Verantwortlichkeit für die rechtmässige
Deklaration ihrer Importe und für die Einhaltung der Kontingentsvorschriften
obliegt. Entspricht die Deklaration nicht dem anwendbaren Recht, hat die
OZD korrigierend einzugreifen. Entscheidend ist einzig, dass die Verwaltung
die entsprechenden Verjährungsfristen (Art. 64 ZG oder Art. 11 VStrR)
berücksichtigt, was vorliegend mit Recht nicht in Zweifel gezogen wird.

cc. Schliesslich kann die Beschwerdeführerin aus dem Rechtsgleichheitsgebot
nichts zu ihrem Vorteil ableiten. Sie verweist auf ein Verfahren in Sachen M.,
in dem die OZD für das Jahr 2000 auf den Nachbezug der Abgabedifferenz
zwischen AKZA und KZA verzichtete, obwohl M. ebenfalls bereits vor
Bezahlung des Zuschlagspreises gewisse Importe zum KZA tätigte. Im
vorliegenden Fall führt imWesentlichen der Umstand zur Abweisung
der Beschwerde, dass das Bundesamt für Landwirtschaft anlässlich der
entsprechenden Zuteilungsverfügungen die Beschwerdeführerin ausdrücklich
auf Art. 19 Abs. 2 AEV bzw. darauf aufmerksam gemacht hatte, dass vor
der Bezahlung des gesamten Zuschlagspreises die Einfuhr zum KZA nicht
zulässig sei. Genau dieser Hinweis fehlte jedoch in der entsprechenden
Zuteilungsverfügung an M. mit der Folge, dass die OZD in Anwendung des
Grundsatzes von Treu und Glauben auf eine Nachforderung verzichtete.
Dieser Unterschied ist rechtswesentlich. Die beiden Fälle sind folglich unter
dem hier massgeblichen Gesichtspunkt nicht miteinander vergleichbar.

5. Aufgrund dieser Erwägungen ist die Beschwerde als unbegründet
abzuweisen. (…)

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 67.43 - Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 7. Oktober 2002

in Sachen H. und H. GmbH [ZRK 2002-048]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2003
Année

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Band 67
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