# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64668856-f452-5b1f-b338-a69b6a18b7f4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.08.2009 C-1172/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-1172-2009_2009-08-07.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-1172/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  A u g u s t  2 0 0 9

Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, 
Richter Andreas Trommer, 
Gerichtsschreiberin Barbara Haake.

X._______, 
vertreten durch Rechtsanwalt Werner Greiner, 
substituiert durch Rechtsanwalt Torsten Kahlhöfer, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Ausdehnung der kantonalen Wegweisungsverfügung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-1172/2009

Sachverhalt:

A.
Die  aus  der  Türkei  stammende  X._______,  geboren  am  17.  März 
1979,  reiste  im  Frühjahr  2002  illegal  in  die  Schweiz  ein,  hielt  sich 
zunächst bei ihren in Suhr (AG) lebenden Eltern auf und heiratete am 
13. Januar 2003 einen Landsmann mit  Niederlassungsbewilligung im 
Kanton  Zürich.  Gestützt  auf  diese  Ehe  erhielt  sie  eine  Auf-
enthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann in Dänikon. Wiederum 
in Suhr, ersuchte sie am 11. November 2004 um Erteilung einer Auf-
enthaltsbewilligung im Kanton Aargau (Kantonswechsel). Die zuständi-
ge Behörde lehnte das Gesuch ab und wies die Beschwerdeführerin 
an, das Kantonsgebiet bis spätestens 31. Dezember 2004 zu verlas-
sen. Daraufhin wurde sie rückwirkend per 10. November 2004 wieder 
in Dänikon angemeldet. Gemäss den vorliegenden Akten wohnte sie 
von 1. Dezember 2005 bis 31. März 2006 in Schönenwerd (SO), wo sie 
sich am 4. April 2006 nach Dällikon (ZH) abmeldete (vgl. Akten des Mi-
grationsamtes des  Kantons  Zürich,  Akt.  30/1).  Ebenfalls  am 4. April 
2006 stellte sie im Kanton Zürich ein Gesuch um Verlängerung ihrer 
letztmals bis zum 12. Januar 2006 verlängerten Aufenthaltsbewilligung. 
Aufgrund  der  offenkundig  fehlenden  ehelichen  Wohngemeinschaft 
teilte  das  Migrationsamt  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom 
22.  Mai  2006  mit,  es  beabsichtigte,  ihre  Bewilligung  nicht  mehr  zu 
verlängern und sie zum Verlassen des Kantonsgebiets aufzufordern, 
und gewährte ihr hierzu das rechtliche Gehör. Am 23. Juli 2007 wies 
die Behörde das Verlängerungsgesuch ab und verfügte gleichzeitig die 
Wegweisung aus  dem Kanton. Der gegen diese Verfügung erhobene 
Rekurs an den Regierungsrat des Kantons Zürich wurde am 3. Sep-
tember 2008 abgewiesen. 

B.
In der Folge unterbreitete das Migrationsamt des Kantons Zürich dem 
BFM den Antrag,  die am 23. Juli  2007 verfügte Wegweisung auf die 
ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein auszudehnen. Das 
BFM  gewährte  X._______  zur  beabsichtigten  Ausdehnung  das 
rechtliche  Gehör.  Diese  machte  mit  Eingabe  vom  9. Oktober  2008 
geltend, der Wegweisungsvollzug sei für sie aus humanitären Gründen 
nicht  zumutbar,  insbesondere deshalb, weil  sie  als  getrennt  lebende 
bzw. geschiedene Frau mit  erheblichen gesellschaftlichen Nachteilen 
in ihrer Heimatregion rechnen müsse. 

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C.
Mit  Verfügung vom 20. Januar  2009 dehnte  das  BFM die  kantonale 
Wegweisungsverfügung auf das gesamte Gebiet der Schweiz aus. Zur 
Begründung führte die Vorinstanz aus, dass die Ausländerin in keinem 
anderen  Kanton  eine  Aufenthaltsbewilligung  besitze  und  dass  sich 
daher ihr weiterer Aufenthalt in der Schweiz nicht mehr rechtfertige. Es 
seien  auch  keine  Umstände  ersichtlich,  die  gegen  den  Vollzug  der 
Wegweisung  sprächen.  Gemäss  Praxis  des  BFM  könne  der  Vollzug 
der  Wegweisung  für  alleinstehende  Frauen  aus  einfachen  sozialen 
Schichten  zwar  unzumutbar  sein,  wenn  diese  kein  funktionierendes 
familiäres  Netz  hätten  oder  aus  Gründen  der  Ehre  aus  der  Familie 
verstossen worden seien; im Falle von X._______ sei aber nicht davon 
auszugehen.  Aus  den  Befragungsprotokollen  der  Kantonspolizei 
Zürich vom 18. August und 11. September 2003 ergebe sich, dass sie 
vor  ihrer  Einreise  in  die Schweiz in  Istanbul  gelebt  habe,  denn dort 
habe  sie  ihren  späteren  Ehemann  kennengelernt  und  wiederholt 
getroffen. Aufgrund ihres früheren Lebens in der Grossstadt sei es ihr 
möglich  und  zumutbar,  sich  auch  nach  einigen  Jahren  Landes-
abwesenheit  wieder dort  einzugliedern. Dabei dürfe erwartet werden, 
dass ihre in der Schweiz wohnhafte Familie sie anfänglich unterstützen 
werde. 

D.
Gegen diese Verfügung erhob die anwaltlich vertretene X._______ am 
23.  Februar  2009  Beschwerde  mit  den  Anträgen,  es  sei  die 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  ihre 
vorläufige  Aufnahme anzuordnen. Sie  macht  geltend,  die  Vorinstanz 
gehe  zu  Unrecht  davon  aus,  dass  ihr  letzter  Wohnsitz  in  Istanbul 
gewesen sei. Tatsächlich habe sie bis zu ihrer Ausreise im Hause ihrer 
Grossmutter  in  der  Provinz  Denizli  gewohnt.  Als  sie  ihren  künftigen 
Ehemann in Istanbul kennengelernt habe, sei sie dort  zu Besuch bei 
Bekannten gewesen. Später sei sie jeweils mit dem Bus nach Istanbul 
gefahren, um ihren Verlobten, der oft dorthin gereist sei, zu treffen. In 
Istanbul sei dann auch der Ent-schluss zur Heirat gefasst worden. 

Im Falle ihrer Wegweisung müsse sie in ihrer Heimatregion mit erheb-
lichen  gesellschaftlichen  Nachteilen  rechnen,  da  getrennt  lebende 
oder geschiedene Frauen dort häufig als Freiwild angesehen bzw. als 
Prostituierte abgestempelt würden. Für sie gelte dies umso mehr, als 
sie  nicht  auf  den  Schutz  naher  Angehöriger  zählen  könne.  In  den 
ländlichen Gebieten der Türkei herrschten immer noch herkömmliche 

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Moralvorstellungen. Erschwerend komme hinzu, dass sie von ihrem in 
der Schweiz lebenden Freund schwanger sei  und als alleinstehende 
Mutter gesellschaftlich geächtet wäre. Eine Unterkunft bei ihren in der 
Türkei lebenden Verwandten werde für sie und ihr neugeborenes Kind 
nicht  möglich sein; bei  ihrer  Schwester,  die  selbst  drei  Kinder habe, 
schon aus Platzgründen nicht und bei ihrer Grossmutter deshalb nicht, 
weil  diese  mittlerweile  über  80  Jahre  alt  und  schwer  erkrankt  sei. 
Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage werde sie in ihrer Heimat auch 
keine Chance haben, eine Arbeitsstelle zu finden und sich eine wirt-
schaftliche Existenz aufzubauen.

E.
In ihrer Vernehmlassung vom 28. April  2009 beantragt die Vorinstanz 
unter  Hinweis  auf  ihre  vorherigen  Ausführungen  die  Abweisung  der 
Beschwerde. 

F.
Der weitere Inhalt der vorinstanzlichen und beigezogenen kantonalen 
Akten  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen  Berücksich-
tigung finden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer der in Art. 33 aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen auch Verfügungen des BFM, welche die Wegweisung (vgl. nach-
folgend E. 3) betreffen. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in 
diesem Bereich endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 4 des Bundesgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach den Bestimmungen des VwVG, so-
weit  das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 
VGG).

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1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Anfech-
tung  der  Verfügung  legitimiert.  Auf  die  frist-  und  formgerecht  einge-
reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 48 ff. VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit  gerügt  wer-
den, sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz ver-
fügt hat (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-3083/2008 vom 
9.September 2008 E. 3 mit Hinweis). 

3.
3.1 Am  1.  Januar  2008  trat  das  Bundesgesetz  vom  16.  Dezember 
2005 über  die  Ausländerinnen und Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  mit 
seinen Ausführungsverordnungen (u.a. der Verordnung vom 24. Okto-
ber 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 
142.201])  in  Kraft  und löste das  bisher  geltende Bundesgesetz  vom 
26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
(ANAG, BS 1 121) sowie verschiedene darauf gestützt erlassene Ver-
ordnungen ab (vgl. Art. 125 i.V.m. Ziff. I  Anhang  2  AuG und  Art.  91 
VZAE). In Verfahren, die vor diesem Zeitpunkt anhängig gemacht wur-
den, bleibt nach der übergangsrechtlichen Ordnung des AuG das alte 
materielle Recht anwendbar. Dabei ist grundsätzlich ohne Belang, ob 
das Verfahren auf Gesuch hin (Art. 126 Abs. 1 AuG) oder von Amtes 
wegen eröffnet wurde (per analogiam Art. 126 Abs. 1 AuG; vgl. BVGE 
2008/1 E. 2 mit Hinweisen). Das Verfahren selbst folgt dem neuen Ver-
fahrens-  und Organisationsrecht  (Art. 126 Abs. 2 AuG). Altrechtliche 
Zuständigkeiten bleiben davon unberührt, wenn sie unter der Geltung 
des alten Rechts begründet wurden (perpetuatio fori) oder wenn das 
neue Recht auf das alte materielle Recht verweist, die für dessen Ver-
wirklichung  notwendige  Zuständigkeitsordnung  aber  nicht  mehr  zur 
Verfügung  stellt  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C-7842/2008 
vom 23. April 2009 E. 3.1 mit Hinweis).

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3.2 Im vorliegenden Fall wurde das Wegweisungsverfahren auf kanto-
naler  Ebene vor dem 1. Januar 2008 eingeleitet  (vgl. Verfügung des 
Migrationsamtes des Kantons Zürich vom 23. Juli 2007). Massgeblich 
ist  somit  das  alte  materielle  Recht  einschliesslich  der  diesbezüglich 
vorgesehenen altrechtlichen Zuständigkeiten (vgl. Urteil  des Bundes-
verwaltungsgerichts  C-3083/2008  vom  9.  September  2008  E.  1  mit 
Hinweis). Das BFM war daher zum Erlass der angefochten Verfügung 
zuständig.

4.
Gemäss  Artikel 1a ANAG ist eine ausländische Person dann zur An-
wesenheit in der Schweiz berechtigt, wenn sie über eine Aufenthalts- 
oder Niederlassungsbewilligung verfügt oder nach dem Gesetz keiner 
solchen  bedarf  (zum  Letzteren  vgl.  Art.  2  ANAG  und  Art. 1  der 
Vollziehungsverordnung  vom 1.  März  1949  zum  Bundesgesetz  über 
Aufenthalt  und Niederlassung der  Ausländer  [ANAV, AS 1949 228]). 
Besitzt  sie  keine  Bewilligung  und  kann  sie  sich  auch  nicht  auf  ein 
gesetzliches Bleiberecht  berufen,  so ist  ihr  Aufenthalt  illegal  und sie 
kann jederzeit  zur  Ausreise  aus  der  Schweiz  verhalten  werden (vgl. 
Art. 12 Abs. 1 ANAG, ferner den Tatbestand des illegalen Aufenthaltes 
im Sinne von Art. 23 Abs. 1 ANAG, sowie: NICOLAS WISARD, Les renvois 
et  leur  exécution  en  droit  des  étrangers  et  en  droit  d’asile,  Basel/ 
Frankfurt a.M. 1997, S. 102). 

4.1 Abgesehen von der Konstellation,  dass von vornherein kein Auf-
enthaltsrecht besteht, ist eine ausländische Person u.a. auch dann zur 
Ausreise verpflichtet, wenn ihr eine Bewilligung oder die Verlängerung 
einer solchen verweigert wurde (Art. 12 Abs. 3 Satz 1 ANAG). Die Be-
hörde bestimmt in diesem Fall die Ausreisefrist. Ist die Behörde eine 
kantonale, so hat die ausländische Person aus dem Kanton, ist die Be-
hörde eine eidgenössische, so hat die Person aus der Schweiz auszu-
reisen  (Art. 12 Abs. 3 Sätze 2 und 3 ANAG). Ein Entschliessungser-
messen steht  der  Behörde dabei  nicht  zu (vgl. dazu  NICOLAS WISARD, 
a.a.O., S. 130).

4.2 Vor diesem Hintergrund ist die Wegweisung kein Eingriff in ein ir-
gendwie  geartetes  Anwesenheitsrecht,  sondern  eine  exekutorische 
Massnahme  zur  Beseitigung  eines  rechtswidrigen  Zustandes  (vgl. 
ANDREAS ZÜND, Beendigung der Anwesenheit, Entfernung und Fernhal-
tung, in: Uebersax/Münch/Geiser/Arnold [Hrsg.], Ausländerrecht. Aus-
länderinnen  und  Ausländer  im  öffentlichen  Recht,  Privatrecht,  Straf-

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recht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schweiz, Basel/Genf/ München 
2002, Rz. 6.53 mit Hinweisen) und zugleich dessen logische und nicht 
in  Frage  zu  stellende  Konsequenz. Die  Wegweisung  kann  in  dieser 
Konstellation namentlich nicht dadurch in Frage gestellt werden, dass 
die  Ausreisepflicht  thematisiert  wird,  beispielsweise  durch  Berufung 
auf ein überwiegendes privates Interesse am weiteren Verbleib in der 
Schweiz. Derartige Vorbringen sind im kantonalen Bewilligungsverfah-
ren oder – nach Verweigerung der Bewilligung – in dem dafür vorgese-
henen Rechtsmittelverfahren geltend zu machen (vgl. Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts  C-3083/2008 vom 9. September  2008 E. 4.2 
mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Vollzugshindernisse im Sinne von 
Art. 14a ANAG. 

4.3 Allenfalls  kann  gegen  die  Ausdehnungsverfügung  eingewendet 
werden, dass in einem Drittkanton um die Erteilung einer Bewilligung 
nachgesucht  wurde.  Diesfalls  wird  praxisgemäss  von  einer  Ausdeh-
nung der  kantonalen Wegweisung  abgesehen,  wenn  der  Drittkanton 
zur Aufenthaltsregelung bereit  ist  bzw. der ausländischen Person für 
die  Dauer  des  Bewilligungsverfahrens  die  Anwesenheit  auf  seinem 
Gebiet ausdrücklich gestattet (vgl. Urteil C-3083/2008 vom 9. Septem-
ber 2008 E. 4.2 mit Hinweisen). Derartiges wird weder behauptet, noch 
finden sich entsprechende Hinweise in den Akten. Nachdem das kan-
tonale  Aufenthalts-  und  Wegweisungsverfahren  rechtskräftig  abge-
schlossen wurde (vgl. vorstehend Bst. A  des  Sachverhaltes),  ist  die 
vorliegende Ausdehnungsverfügung grundsätzlich zu Recht ergangen.

5.
Demzufolge bleibt zu prüfen, ob Hinderungsgründe für den Vollzug der 
Wegweisung anzunehmen sind (Art. 14a Abs. 3 und 4 ANAG) und das 
zuständige Bundesamt deshalb gestützt auf Art. 14a Abs. 1 ANAG die 
vorläufige Aufnahme von X._______ hätte verfügen müssen (vgl. ALAIN 
WURZBURGER,  La jurisprudence récente du Tribunal fédéral  en matière 
de  police  des  étrangers,  in:  Revue  de  droit  administratif  et  de  droit 
fiscal [RDAF], September 1997, S. 306). In diesem Zusammenhang gilt 
es  darauf  hinzuweisen,  dass  die  vorläufige  Aufnahme  als  Er-
satzmassnahme für den Vollzug der Wegweisung ausgestaltet ist. Sie 
tritt neben die Wegweisung, deren Bestand sie nicht antastet, sondern 
vielmehr  voraussetzt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
C-2637/2007 vom 12. Mai 2009 E. 5 mit  Hinweisen). Vollzugshinder-
nisse können somit die Wegweisungsverfügung als solche von vorn-
herein nicht in Frage stellen.

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5.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht möglich, wenn die ausländi-
sche Person weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in 
einen Drittstaat verbracht werden kann. Er ist nicht zulässig, wenn völ-
kerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  –  insbesondere  jene  der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) und des Abkommens vom 28. 
Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) – 
einer Weiterreise in den Heimat-, Herkunfts- oder Drittstaat entgegen-
stehen. Der Vollzug kann insbesondere nicht zumutbar sein, wenn er 
für  die  ausländische  Person  eine  konkrete  Gefährdung  darstellt 
(Art. 14a Abs. 2 - 4 ANAG). 

5.2 Die Möglichkeit  und Zulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs steht 
im vorliegenden Fall ausser Frage. Demzufolge ist allenfalls relevant, 
ob  die  zwangsweise Rückkehr  für  die Beschwerdeführerin  eine  kon-
krete Gefährdung mit sich brächte und damit – wie von ihr behauptet – 
nicht zumutbar wäre.

6.
Eine konkrete Gefährdung kann bestehen aufgrund einer im Heimat-
land herrschenden politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg 
oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt kennzeichnet, oder auf-
grund anderer Gefahrenmomente, wie beispielsweise der Nichterhält-
lichkeit  einer notwendigen medizinischen Behandlung. Wirtschaftliche 
Schwierigkeiten, von welchen die ansässige Bevölkerung regelmässig 
betroffen ist, wie Wohnungsnot oder ein schwieriger Arbeitsmarkt, ver-
mögen hingegen keine konkrete Gefährdung zu begründen. Dagegen 
ist der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, wenn sich die auslän-
dische Person im Falle einer zwangsweisen Rückkehr in ihren Heimat-
staat  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer existenzgefährdenden 
Situation ausgesetzt sähe. Eine solche Situation liegt namentlich dann 
vor, wenn die weggewiesene Person unwiederbringlich in völlige Armut 
gestossen  würde,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Ver-
schlechterung ihres Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar 
dem  Tod  ausgeliefert  wäre  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungs-
gerichts  C-2637/2007  vom  12.  Mai  2009  E.  6.1,  C-1443/2008  vom 
10. März 2009 E. 11.2 und C-1879/2008 vom 3. Dezember 2008 E. 6.2 
mit Hinweisen).

6.1 In  der  angefochtenen  Verfügung  wird  eingeräumt,  dass  der 
Wegweisungsvollzug für alleinstehende Frauen aus einfachen sozialen 

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Verhältnissen  unzumutbar  sein  könne,  wenn  diese  kein 
funktionierendes familiäres Beziehungsnetz hätten oder aus Gründen 
der Ehre aus der Familie verstossen worden seien. Die Vorinstanz hält 
diese Kriterien  bei  der  Beschwerdeführerin  aber  nicht  für  erfüllt.  Sie 
geht im Übrigen davon aus, dass X._______ zuletzt in Istanbul gelebt 
habe und die Rückkehr in die Grossstadt für sie schon deshalb relativ 
problemlos sei. 

6.2 Der  Einwand  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe  nie  in  Istanbul, 
sondern  immer  in  der  Provinz  Denizli  gelebt,  erscheint  allerdings 
glaubhaft, zumal im Eheregisterauszug (Akt. 2 der kantonalen Akten) 
die in  dieser Provinz liegende Gemeinde Kumafsari  nicht  nur als ihr 
Geburts-  sondern  auch  als  Wohnort  eingetragen  ist.  Dies  bedeutet 
aber nicht, dass ihr die Rückkehr in das eher ländlich geprägte Her-
kunftsgebiet nicht zuzumuten wäre. Dass dort tatsächlich derart rigide 
Moralvorstellungen  herrschen,  wie  sie  die  Beschwerdeführerin  be-
hauptet,  erscheint  fraglich,  ist  doch  die  in  der  Ägäisregion  liegende 
Provinz Denizli touristisch erschlossen (beispielsweise durch die wich-
tigste  Attraktion  Pamukkale)  und verfügt  seit  kurzem auch über  den 
nationalen Flughafen Denizli  Cardak. Die Zumutbarkeit  des Wegwei-
sungsvollzugs hängt allerdings nicht allein davon ab, ob alleinstehende 
Frauen in den ländlichen Gebieten der Türkei mehr oder weniger star-
ken  gesellschaftlichen  Benachteiligungen  ausgesetzt  sind.  Vielmehr 
muss mit  in Betracht gezogen werden, ob die weggewiesene Person 
bei einer Rückkehr ins Heimatland noch eine Existenzgrundlage hätte, 
sei  es  dadurch,  dass  ein  familiäres  Beziehungsnetz  zur  Verfügung 
steht, sei es dadurch, dass sie mit wirtschaftlicher Unterstützung rech-
nen kann. 

6.3 Diesbezüglich ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin enge 
Kontakte  zu  ihren  in  der  Schweiz  lebenden  Familienangehörigen 
pflegt; es kann daher davon ausgegangen werden, dass sie von dieser 
Seite her auch nach der Rückkehr in die Türkei finanzielle Hilfe erhal-
ten wird. Schliesslich scheint es auch durchaus zumutbar, dass sie zu-
nächst wieder in das Haus ihrer Grossmutter, wo sie vor ihrer Ausreise 
gelebt  hat,  zurückkehrt.  X._______ hat  zwar  eingewendet,  dies  sei 
angesichts  des  hohen  Alters  und  der  schweren  Krankheit  ihrer 
Grossmutter  nicht  mehr  möglich;  plausibel  ist  dieser  Einwand 
allerdings  nicht.  Bei  der  Wohlfahrtssicherung  der  türkischen 
Bevölkerung, insbesondere bei den staatlich ungenügend abgesicher-
ten Risiken von Krankheit und Alter, kommt der Familie eine zentrale 

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Bedeutung zu (vgl. hierzu DANIEL GRÜTJEN in Friedrich-Ebert-Stiftung Fo-
kus Türkei Nr. 11 2008: Die türkische Sozialpolitik im Wandel, Heraus-
forderungen  und  Reformen). Angesichts  dessen  erschiene  es  sogar 
eher selbstverständlich bzw. familiär geboten, wenn die Beschwerde-
führerin die Betreuung ihrer offensichtlich alleinlebenden Grossmutter, 
der sie früher auch den Haushalt geführt hat, übernehmen und bei ihr 
wohnen  würde.  Mit  der  ebenfalls  in  der  Provinz  Denizli  lebenden 
Schwester und ihren Angehörigen stünde ihr zudem noch ein umfang-
reicheres heimatliches Beziehungsnetz zur Verfügung. An der darge-
legten  Einschätzung  ändert  sich  auch  dann  nichts,  wenn  die  Be-
schwerdeführerin mit einem Kleinkind in ihr Heimatland zurückkehren 
müsste. 

7.
Insgesamt  betrachtet  lässt  das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin 
nicht  darauf  schliessen,  dass  die Wegweisung für  sie  zu  einer  exis-
tenzbedrohenden  Situation  führen  könnte. Sie  ist  jung,  weder  krank 
noch sonstwie  gesundheitlich  gefährdet,  und  es  kann davon ausge-
gangen  werden,  dass  dem  Umstand  ihrer  Schwangerschaft  bei  der 
Durchführung  des  Wegweisungsvollzugs  Rechnung  getragen  wird. 
X._______ muss zwar in Kauf nehmen, dass die wirtschaftlichen und 
sozialen  Bedingungen  in  der  Türkei  nicht  denen  der  Schweiz  ent-
sprechen;  dies  ist  jedoch,  wie  dargelegt,  unbeachtlich.  Zusammen-
fassend betrachtet ist der Wegweisungsvollzug somit zumutbar.

8.
Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge 
abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die 
Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des 
Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.-  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem geleisteten  Kostenvorschuss  gleicher 
Höhe verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- die Vorinstanz 
- das Migrationsamt des Kantons Zürich mit den Akten 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Barbara Haake

Versand: 

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