# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b6b1d94-2fac-5aec-ab52-ada04b961dae
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 17.04.2024 WPR.2024.32
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2024-32_2024-04-17.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2024.32 / ew 
ZEMIS [***]; N [***] 

 

 

Urteil vom 17. April 2024 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter J. Huber, Vorsitz  

Gerichtsschreiberin William  

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau  

vertreten durch Samira Oppiller, Bahnhofstrasse 88, 5000 Aarau  

 

 
   

Gesuchsgegner   A._____, von Algerien  

z. Zt. im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft, 8058 Zürich  

amtlich vertreten durch lic. iur. Martin Leiser, Rechtsanwalt, 

Bahnhofstrasse 24, 5000 Aarau  

 

 
   

Gegenstand  Durchsetzungshaft gestützt auf Art. 78 AIG / Haftverlängerung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner wurde am 20. März 2022 unter anderem wegen ban-

denmässigen Diebstahls festgenommen und mit Entscheid des Zwangs-

massnahmengerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 23. März 2022 in 

Untersuchungshaft versetzt, welche bis zum Antritt des vorzeitigen 

Strafvollzugs am 21. Oktober 2022 mehrfach verlängert wurde (Akten des 

Amts für Migration und Integration Kanton Aarau [MI-act.] 1 f., 6 ff., 13 ff.). 

 

Am 11. November 2022 (datiert auf: 12. November 2022) reichte der Ge-

suchsgegner aus dem vorzeitigen Strafvollzug ein offenbar eigenhändig 

verfasstes Asylgesuch ein (MI-act. 24, 29). 

 

Mit Entscheid vom 17. Januar 2023 lehnte das Staatssekretariat für Migra-

tion (SEM) das Asylgesuch des Gesuchsgegners ab, wies ihn aus der 

Schweiz weg und ordnete an, er habe die Schweiz sowie den Schengen-

Raum per Ende der Haft zu verlassen. Zudem wurde der Kanton Aargau 

mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Der Entscheid erwuchs am 

27. März 2023 unangefochten in Rechtskraft (MI-act. 29 ff., 38). 

 

Anlässlich diverser Ausreisegespräche beim Amt für Migration und Integra-

tion des Kantons Aargau (MIKA) gab der Gesuchsgegner mehrfach an, er 

sei nicht zur Rückkehr in seinen Heimatstaat Algerien bereit und verwei-

gerte jegliche Mitwirkung bei der Papierbeschaffung, obwohl er vom MIKA 

darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er mit den algerischen Behörden 

telefonieren oder sich im Heimatland um die Zustellung von Reise- oder 

Identitätsdokumenten kümmern solle (MI-act. 60 ff, 123 ff.). 

 

Am 18. April 2023 beauftragte das MIKA das SEM mit der Identifizierung 

des Gesuchsgegners, worauf dieses am 25. April 2023 eine Identifizie-

rungsanfrage an die algerischen Behörden stellte (MI-act. 64, 65 ff.). Am 

26. Juli 2023 ersuchte das MIKA das SEM, den hängigen Antrag betreffend 

die Identifizierung des Gesuchsgegners zu monieren, was das SEM 

sodann jeweils am 2. August 2023 und 7. November 2023 mittels Monie-

rungsschreiben tat (MI-act. 64, 65 ff., 69 ff., 72 ff.). 

 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 2. November 2023 wurde der Ge-

suchsgegner wegen diverser Delikte zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe 

von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt und gestützt auf Art. 66a 

Abs. 1 lit. d des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 

1937 (StGB; SR 311.0) für acht Jahre des Landes verwiesen (MI-act. 79 f., 

123 ff.). Das Urteil erwuchs gleichentags unangefochten in Rechtskraft (MI-

act. 77, 99). 

 

 - 3 - 

 

 

Mit Schreiben vom 5. Dezember 2023 fragte das MIKA beim SEM nach, 

welche weiteren Schritte zum Erhalt eines Reisepapiers vorgeschlagen 

würden und ob eine LINGUA-Abklärung angezeigt sei (MI-act. 99). 

 

Im Januar 2024 stellte das SEM eine erneute Identifizierungsanfrage an die 

algerischen Behörden (MI-act. 129 f.). 

 

Mit E-Mail vom 26. Februar 2024 informierte das SEM das MIKA darüber, 

dass das Resultat der LINGUA feststehe und es sich beim Gesuchsgegner 

eindeutig um eine Person handle, die in Algerien sozialisiert worden sei 

(MI-act. 133). 

 

Am 20. März 2024 wurde der Gesuchsgegner aus dem Strafvollzug ent-

lassen und anschliessend dem MIKA zwecks Gewährung des rechtlichen 

Gehörs betreffend die Anordnung einer Ausschaffungshaft, eventualiter 

einer Durchsetzungshaft, zugeführt (MI-act. 134 f.). Im Rahmen dieses Ge-

sprächs gab der Gesuchsgegner zu Protokoll, dass er auf keinen Fall eine 

Freiwilligkeitserklärung unterzeichnen werde, dass er nicht bereit sei, in 

seinen Heimatstaat zurückzukehren und dass er bei der Papierbeschaffung 

nicht mitwirken werde. Er sei jedoch bereit, die Schweiz zu verlassen und 

nach Frankreich zu gehen (MI-act. 139 ff.). Die gleichentags durch das 

MIKA angeordnete Ausschaffungshaft für die Dauer von drei Monaten 

wurde mit Urteil des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts vom 22. März 

2024 (WPR.2024.28; MI-act. 157 f., 180 ff.) nicht bestätigt, wohl aber die 

eventualiter angeordnete Durchsetzungshaft für die Dauer von einem 

Monat bis zum 19. April 2024, 12.00 Uhr. 

 

Am 27. März 2024 teilte das SEM dem MIKA bezüglich der Papier-

beschaffung mit, dass die algerische Vertretung in Bern dem SEM mit 

Schreiben vom 16. März 2024 mitgeteilt habe, dass ein neuer Identitäts-

antrag benötigt werde. Dabei müssten die Fingerabdrücke durch das SEM 

neu in elektronischer Form (sog. NIST-File) übermittelt werden. Der neue 

Identitätsantrag sei vom SEM vorbereitet worden und werde den alge-

rischen Behörden in der ersten Aprilwoche 2024 übermittelt (MI-act. 166). 

 

Auf Nachfrage des MIKA hin teilte das SEM am 9. April 2024 mit, dass die 

Übergabe des Antrags noch in dieser Woche erfolgen werde (MI-

act. 191 f.).  

 

B. 

Am 10. April 2024 gewährte das MIKA dem Gesuchsgegner in 

Abwesenheit des Rechtsvertreters das rechtliche Gehör betreffend Verlän-

gerung der Durchsetzungshaft (MI-act. 193 ff.). Im Anschluss an die Befra-

gung wurde dem Gesuchsgegner die Verlängerung der Durchsetzungshaft 

wie folgt eröffnet (act. 1): 

 

 - 4 - 

 

 

1. 
Die Durchsetzungshaft wird gestützt auf Art. 78 AIG um zwei Monate bis 
zum 19. Juni 2024, 12.00 Uhr, verlängert. 
 
2. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau.  

 

C. 

Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs äusserte sich der 

Gesuchsgegner dahingehend, dass er auf die Durchführung einer mündli-

chen Verhandlung zur Überprüfung der angeordneten Verlängerung der 

Durchsetzungshaft verzichte (MI-act. 194). 

 

D. 

Der amtliche Rechtsvertreter reichte am 12. April 2024 eine Stellungnahme 

ein und beantragte, die Verlängerung der Durchsetzungshaft sei nicht zu 

bestätigen und der Gesuchsgegner sei umgehend aus der Haft zu ent-

lassen (act. 9 f.). 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Eine bestehende Durchsetzungshaft kann mit Zustimmung der richter-

lichen Behörde jeweils um zwei Monate verlängert werden (Art. 78 Abs. 2 

des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die 

Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- und Integrationsgesetz, 

AIG; SR 142.20]). Auf Gesuch der inhaftierten Person überprüft das ange-

rufene Gericht die Rechtmässigkeit und Angemessenheit der durch das 

MIKA angeordneten Verlängerung der Durchsetzungshaft aufgrund einer 

mündlichen Verhandlung innerhalb von acht Arbeitstagen nach Einrei-

chung des Gesuchs (Art. 78 Abs. 4 AIG). 

 

Verzichtet der Inhaftierte auf eine mündliche Verhandlung, entscheidet die 

richterliche Behörde vor Ablauf der bereits bewilligten Haft aufgrund der 

Akten über die Verlängerung der Durchsetzungshaft (Urteil des Bundes-

gerichts 2C_1089/2012 vom 22. November 2012, Erw. 3.2.1).  

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde die bestehende Haft bis zum 19. April 2024 be-

stätigt (Entscheid des Verwaltungsgerichts WPR.2024.28 vom 22. März 

2024; MI-act. 180 ff.). Am 10. April 2024 ordnete das MIKA die Haftver-

längerung an (act. 1 ff.). Anlässlich des rechtlichen Gehörs verzichtete der 

Gesuchsgegner auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung zur 

 - 5 - 

 

 

Überprüfung der angeordneten Haftverlängerung (act. 5). Die heutige 

Überprüfung erfolgt daher ohne Befragung des Gesuchsgegners, gestützt 

auf die Akten, und vor Ablauf der bereits bewilligten Haft. 

 

II. 

1. 

Hat eine Person ihre Pflicht zur Ausreise aus der Schweiz innerhalb der ihr 

angesetzten Frist nicht erfüllt und kann die rechtskräftige Weg- oder Aus-

weisung oder die rechtskräftige Landesverweisung nach Art. 66a oder 

66abis des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 

(StGB; SR 311.0) oder Art. 49a oder 49abis des Militärstrafgesetzes vom 

13. Juni 1927 (MSG; SR 321.0) aufgrund ihres persönlichen Verhaltens 

nicht vollzogen werden, so kann sie, um der Ausreisepflicht Nachachtung 

zu verschaffen, in Durchsetzungshaft genommen werden, sofern die An-

ordnung der Ausschaffungshaft nicht zulässig ist und eine andere mildere 

Massnahme nicht zum Ziel führt (Art. 78 Abs. 1 AIG). 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 78 Abs. 3 AIG ist gemäss 

§ 13 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. No-

vember 2008 (EGAR; SAR 122.600) das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde 

die Haftverlängerung durch das MIKA und damit durch die zuständige 

Behörde angeordnet (act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet seine Haftverlängerung damit, dass der Gesuchs-

gegner nach wie vor keine Kooperationsbereitschaft hinsichtlich seiner 

Ausreise zeige. Mit der Verlängerung der Durchsetzungshaft solle er 

weiterhin angehalten werden, bei der Ausreise zu kooperieren. Der Haft-

zweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Zu prüfen ist weiter, ob ein rechtskräftiger Weg- oder Ausweisungs-

entscheid oder eine rechtskräftige Landesverweisung vorliegt. 

 

Wie bereits mit Urteil betreffend Anordnung der Durchsetzungshaft vom 

22. März 2024 festgestellt wurde, liegt mit Entscheid des SEM vom 

17. Januar 2023 (MI-act. 29 ff., 38) ein rechtskräftiger Wegweisungs-

entscheid gegen den Gesuchsgegner vor. Des Weiteren wurde er mit 

Strafurteil des Bezirksgerichts Aarau vom 2. November 2023 für acht Jahre 

des Landes verwiesen. Auch dieser Entscheid erwuchs unangefochten in 

Rechtskraft (MI-act. 77, 99). Damit liegt nicht nur ein rechtskräftiger Weg-

weisungsentscheid, sondern auch eine rechtskräftige erstinstanzliche 

Landesverweisung vor (Entscheid des Verwaltungsgerichts WPR.2024.28 

vom 22. März 2024, Erw. II/2.2; MI-act. 180 ff.). 

 

 - 6 - 

 

 

2.3. 

Die Anordnung einer Durchsetzungshaft ist nur dann zulässig, wenn dem 

Betroffenen eine Ausreisefrist angesetzt wurde und er innerhalb dieser Frist 

nicht ausgereist ist. 

 

Gemäss der Anordnung des SEM hätte der Gesuchsgegner die Schweiz 

sowie den Schengen-Raum nach Beendigung der Haft verlassen müssen 

(ablehnender Asylentscheid; MI-act. 29 ff.). Zwar hatte der Gesuchs-

gegner, nachdem er vom 20. März 2022 bis 20. März 2024 im Strafvollzug 

war und sich unmittelbar im Anschluss daran in Administrativhaft befand 

(MI-act. 134), keine Möglichkeit, die Schweiz selbständig zu verlassen. Die 

Einräumung einer Ausreisemöglichkeit erweist sich jedoch in analoger 

Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur unmittelbar an 

eine Ausschaffungshaft anschliessenden Durchsetzungshaft (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_712/2022 vom 2. November 2022) als nicht notwendig, 

zumal sich der Gesuchsgegner vorliegend weigert, selbständig auszu-

reisen.  

 

2.4. 

Weiter wird vorausgesetzt, dass die Weg- oder Ausweisung oder die 

Landesverweisung auf Grund des persönlichen Verhaltens des Betroffenen 

nicht vollzogen werden kann. 

 

Wie bereits mit Urteil betreffend Anordnung der Durchsetzungshaft vom 

22. März 2024 festgestellt wurde, war der Gesuchsgegner nicht bereit, frei-

willig in sein Heimatland zurückzukehren bzw. an der Beschaffung von 

Identitäts- oder Reisedokumenten mitzuwirken. Die Wegweisung bzw. die 

Landesverweisung konnte mangels zu seiner Identifizierung notwendiger 

Identitätsdokumente oder weiterer Angaben zur Person aufgrund des 

persönlichen Verhaltens des Gesuchsgegners nicht vollzogen werden 

(Entscheid des Verwaltungsgerichts WPR.2024.28 vom 22. März 2024, 

Erw. II/3.4, MI-act. 180 ff.). 

 

Daran hat sich bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts geändert. So weigerte sich 

der Gesuchsgegner anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs am 

10. April 2024 erneut, bei der Papierbeschaffung mitzuwirken (MI-

act. 193 ff.). Unter diesen Umständen ist offensichtlich, dass die Wegwei-

sung bzw. die Landesverweisung aufgrund des persönlichen Verhaltens 

des Betroffenen nicht vollzogen werden kann. 

 

2.5. 

Eine Durchsetzungshaft ist schliesslich nur dann zu bestätigen, wenn die 

Anordnung einer Ausschaffungshaft unzulässig ist und eine mildere Mass-

nahme nicht zum Ziel führt. 

 

 - 7 - 

 

 

Die Anordnung einer Ausschaffungshaft würde voraussetzen, dass der 

Gesuchsgegner in absehbarer Zeit auch gegen seinen Willen ausgeschafft 

werden könnte (Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG; BGE 130 II 56). Dies ist vorliegend 

nicht der Fall. Wie soeben dargelegt (siehe vorne Erw. II/2.4), konnte der 

Gesuchsgegner bislang nicht identifiziert und ihm konnten auch keine 

Ersatzreisedokumente ausgestellt werden. Eine Ausreise des Gesuchs-

gegners ist somit momentan nicht möglich. Die Anordnung einer Ausschaf-

fungshaft wäre im vorliegenden Fall daher unzulässig.  

 

Inwiefern der Gesuchsgegner durch eine andere, mildere Massnahme 

dazu bewogen werden könnte, bei der Ausreise zu kooperieren, ist nicht 

ersichtlich. 

 

2.6. 

Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die Verlängerung einer 

Durchsetzungshaft erfüllt. 

 

3. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor (MI-

act. 194). 

 

4. 

Soweit der Gesuchsgegner in seiner Stellungnahme vom 12. April 2024 

vorbringen lässt, die Behörden hätten das Beschleunigungsgebot verletzt, 

indem sie seit der Anordnung der Durchsetzungshaft in keiner Weise tätig 

geworden seien, kann ihm nicht gefolgt werden. Offenbar übersieht der Ge-

suchsgegner, dass ein neuer Identifizierungsantrag notwendig war und den 

algerischen Behörden Anfang April 2024 übermittelt wurde (MI-act. 191 f.). 

Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Papierbeschaffung massgeblich vom 

Verhalten des Gesuchsgegners abhängig ist. Es steht ihm jederzeit frei zu 

kooperieren und bei der Beschaffung von Identitäts- oder Reisepapieren 

mitzuwirken. Das MIKA war bisher stets bemüht, Ausschaffungen so rasch 

wie möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner bisherigen Ge-

wohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die Möglichkeit, ein 

Haftentlassungsgesuch zu stellen. 

 

5. 

5.1. 

Gemäss Art. 79 Abs. 1 AIG darf die ausländerrechtliche Inhaftierung im 

Sinne von Art. 75 – 78 AIG zusammen die maximale Haftdauer von sechs 

Monaten nicht überschreiten. Eine darüber hinausgehende Verlängerung 

auf höchstens 18 Monate, bzw. für Minderjährige zwischen 15 und 18 Jah-

ren auf höchstens zwölf Monate, ist nur zulässig, wenn entweder die be-

troffene Person nicht mit den zuständigen Behörden kooperiert oder sich 

die Übermittlung der für die Ausreise erforderlichen Unterlagen durch einen 

Staat, der kein Schengen-Staat ist, verzögert (Art. 79 Abs. 2 AIG). 

 - 8 - 

 

 

 

5.2. 

Im vorliegenden Fall befindet sich der Gesuchsgegner mit Ablauf der be-

willigten Haft bereits seit einem Monat in ausländerrechtlicher Haft im Sinne 

von Art. 78 AIG (Durchsetzungshaft 20. März 2024 bis 19. April 2024).  

 

Die sechsmonatige Frist wird damit am 19. September 2024 enden und die 

Haft kann längstens bis zum 19. September 2024 verlängert werden. 

 

5.3. 

Das MIKA ordnete mit Verfügung vom 10. April 2024 die Verlängerung der 

Durchsetzungshaft um weitere zwei Monate, d.h. bis zum 19. Juni 2024, 

12.00 Uhr, an. 

 

Da die ausländerrechtliche Inhaftierung im Sinne von Art. 75 – 78 AIG im 

vorliegenden Fall die Dauer von sechs Monaten nicht überschreitet, bedarf 

es keiner Prüfung der Voraussetzungen von Art. 79 Abs. 2 AIG. 

 

Nachdem die maximal zulässige Haftdauer nicht überschritten wird sowie 

der Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchs-

gegners abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen 

kann, ist die angeordnete Haftverlängerung nicht zu beanstanden. Es steht 

dem Gesuchsgegner jederzeit frei, seine Kooperationsbereitschaft 

anzuzeigen und die Haft durch die Ausreise zu beenden (Art. 78 Abs. 6 

lit. b AIG). 

 

6. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftverlängerung deshalb nicht 

zu bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der Verhält-

nismässigkeit verstossen würde. Eine mildere Massnahme, um den 

Gesuchsgegner zu einer Verhaltensänderung und damit zur Mitwirkung bei 

der Papierbeschaffung zu bewegen, ist nicht ersichtlich. Bezüglich der 

familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, welche gegen 

eine Haftverlängerung sprechen würden. Der Gesuchsgegner macht auch 

nicht geltend, er sei nicht hafterstehungsfähig. Insgesamt sind keinerlei 

Gründe ersichtlich, welche die Verlängerung der Haft als unverhältnis-

mässig erscheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

 - 9 - 

 

 

2. 

Der mit Urteil vom 22. März 2024 bestätigte amtliche Rechtsvertreter bleibt 

im Amt und kann seine Kostennote im Rahmen des Verfahrens 

WPR.2024.28 einreichen.  

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein Haftentlassungs-

gesuch unter Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs jederzeit gestellt werden 

kann (BGE 140 II 409, Erw. 2.2) und beim MIKA einzureichen ist (§ 15 

Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls erneut verlängert werden (Art. 78 Abs. 2 und 3 

AIG), hat das MIKA dem Gesuchsgegner vorgängig das rechtliche Gehör 

– insbesondere betreffend seine Ausreisebereitschaft – zu gewähren. 

Gleichzeitig ist ihm die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchführung einer 

mündlichen Verhandlung im Sinne von Art. 78 Abs. 4 AIG wünscht und ob 

er in diesem Fall eine Präsenzverhandlung verlangt oder mit einer Skype-

Verhandlung einverstanden ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_846/2021 

vom 19. November 2021). Die allfällige Anordnung einer Haftverlängerung 

ist dem Verwaltungsgericht spätestens acht Arbeitstage vor Ablauf der 

bewilligten Haft einzureichen. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 10. April 2024 durch das MIKA angeordnete Verlängerung der 

Durchsetzungshaft wird bis zum 19. Juni 2024, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer Haft-

verhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im Bezirks-

gefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

4. 

Der mit Urteil vom 22. März 2024 bestätigte amtliche Rechtsvertreter bleibt 

im Amt und kann seine Kostennote im Rahmen des Verfahrens 

WPR.2024.28 einreichen.  

 

 - 10 - 

 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel; vorab per Inca-Mail) 

das MIKA (mit Rückschein; inkl. Stellungnahme des amtlichen Vertreters 

vom 12. April 2024; vorab per E-Mail) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-rechtli-

chen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bun-

desgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 17. April 2024 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 i.V. 

 

J. Huber William