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**Case Identifier:** b0d685fe-2332-534b-aada-bc990da26530
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.07.2020 BVGE 2020 VI/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2020-VI-1_2020-07-22.pdf

## Full Text

Familienzusammenführung. Asyl 2020 VI/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 1 

 

2020 VI/1 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i. S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

E–273/2018 vom 22. Juli 2020 

Familienzusammenführung aus dem Ausland (Asyl). Trennung in 

einem Drittstaat. 

Art. 51 Abs. 1 und Abs. 4 AsylG 

1. Die Trennung der Familie in einem Drittstaat stellt eine mögliche 
Konstellation des Anwendungsbereichs von Art. 51 Abs. 4 AsylG 

dar. Das Erfordernis der « Trennung durch die Flucht » setzt vo-

raus, dass zwischen den Familienmitgliedern im Zeitpunkt der 

Flucht eine Familiengemeinschaft bestand, welche im Drittstaat 

getrennt wurde (E. 8.1–8.4). 

2. Die Trennung im Drittstaat kann einen « besonderen Umstand » 
im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und Abs. 4 AsylG darstellen, welcher 

der Familienzusammenführung entgegensteht. Befindet sich die 

Familie in einem Drittstaat und erfolgt von dort zunächst die Wei-

terreise nur eines Familienmitglieds, ist zu prüfen, ob die alleinige 

Weiterreise des Familienmitglieds auf die Auflösung der Familien-

gemeinschaft zurückzuführen und damit freiwillig war oder diese 

aus objektiven, aus den Fluchtumständen resultierenden Gründen 

erfolgte (E. 9.1–9.4). 

3. Bei der Ermittlung des Sachverhalts von Familiennachzugsgesu-
chen kommt der Vorinstanz bereits bei der Anhörung von Asylge-

suchstellenden zu ihren Asylgründen eine wichtige Rolle zu. Die 

Abklärung der im Ausreisezeitpunkt bestehenden sowie der aktu-

ellen familiären Situation ist im Rahmen des Verfahrens um Fami-

liennachzug zu vertiefen. Auch an die Substanziierung eines Fami-

liennachzugsgesuchs und damit an die Mitwirkungspflicht sind 

gewisse Anforderungen zu stellen (E. 10.1.–10.3). 

  

2020 VI/1 Familienzusammenführung. Asyl 

 

 

2 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Regroupement familial depuis l'étranger (asile). Séparation dans un 

Etat tiers. 

Art. 51 al. 1 et al. 4 LAsi. 

1. La séparation de la famille dans un Etat tiers constitue un cas pos-
sible d'application de l'art. 51 al. 4 LAsi. La condition de « sépara-

tion par la fuite » présuppose que les membres de la famille for-

maient au moment de la fuite une communauté familiale qui a 

ensuite été séparée dans l'Etat tiers (consid. 8.1–8.4). 

2. La séparation dans un Etat tiers peut constituer une « circons-
tance particulière » qui s'oppose au regroupement familial au sens 

de l'art. 51 al. 1 et al. 4 LAsi. Si la famille se trouve dans un Etat 

tiers et que seul un des membres de la famille quitte cet Etat et 

poursuit son voyage, il convient d'examiner si le départ solitaire 

de ce dernier était dû à la dissolution de la communauté familiale 

et, donc, volontaire ou s'il était lié à des raisons objectives résultant 

des circonstances de la fuite (consid. 9.1–9.4). 

3. Dans le cadre de l'établissement des faits concernant des de-
mandes de regroupement familial, l' autorité inférieure joue un 

rôle important déjà lors de l'audition des requérants d'asile sur 

leurs motifs d'asile. L'analyse de la situation familiale au moment 

de la fuite ainsi que de la situation actuelle doit être approfondie 

dans le cadre de la procédure de regroupement familial. Il convient 

également de poser certaines exigences quant à la motivation de la 

demande de regroupement familial et, donc, à l'obligation de colla-

borer (consid. 10.1–10.3). 

Ricongiungimento familiare dall'estero (asilo). Separazione in uno 

Stato terzo. 

Art. 51 cpv. 1 e cpv. 4 LAsi. 

1. La separazione della famiglia in uno Stato terzo configura un pos-
sibile caso di applicazione dell'art. 51 cpv. 4 LAsi. Il requisito della 

« separazione in seguito alla fuga » presuppone che al momento 

della fuga i membri della famiglia formassero un nucleo familiare, 

poi divisosi nello Stato terzo (consid. 8.1–8.4). 

2. La separazione in uno Stato terzo può costituire una « circostanza 
particolare » ai sensi dell'art. 51 cpv. 1 e cpv. 4 LAsi, che si oppone 

al ricongiungimento familiare. Se la famiglia si trova in uno Stato 

Familienzusammenführung. Asyl 2020 VI/1 

 

 

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terzo e da lì parte per primo un solo membro della famiglia, occor-

re esaminare se la continuazione solitaria del viaggio da parte di 

questo membro sia da ricondurre allo scioglimento del nucleo fa-

miliare e quindi volontaria, oppure se sia dovuta a ragioni oggetti-

ve legate alle circostanze della fuga (consid. 9.1–9.4). 

3. Nel determinare i fatti di una domanda di ricongiungimento fami-
liare, l'autorità inferiore svolge un ruolo importante sin dal mo-

mento dell'audizione dei richiedenti sui motivi d'asilo. L'accer-

tamento della situazione familiare al momento della partenza e 

della situazione attuale va approfondito nell'ambito della procedu-

ra di ricongiungimento familiare. Vanno fissate determinate esi-

genze anche per la motivazione della domanda di ricongiungi-

mento e quindi per l'obbligo di collaborare (consid. 10.1–10.3). 

 

Der Beschwerdeführer ersuchte am 2. August 2015 in der Schweiz um 

Asyl. Im Rahmen der Asylbefragungen gab er an, er sei gemeinsam mit 

seiner Ehefrau aus Eritrea in den Sudan geflüchtet. Er habe seine Flucht in 

die Schweiz allein fortgesetzt. 

Der Beschwerdeführer wurde vom Staatssekretariat für Migration (SEM) 

am 8. September 2017 als Flüchtling anerkannt und erhielt in der Schweiz 

Asyl. 

Am 26. Oktober 2017 ersuchte er um Bewilligung des Familiennachzugs 

für seine sich immer noch im Sudan befindende Ehefrau und das dort zwi-

schenzeitlich geborene Kind, dessen Vater er sei. 

Das SEM verweigerte der Ehefrau des Beschwerdeführers und ihrem Kind 

mit Verfügung vom 11. Dezember 2017 die Einreise in die Schweiz und 

wies das Gesuch um Familienzusammenführung ab. Zur Begründung 

führte es aus, als Flucht im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG (SR 142.31) 

werde in erster Linie die Ausreise aus dem Heimatstaat erachtet. Diese sei 

abgeschlossen, sobald eine Person in einen Drittstaat – vorliegend den Su-

dan – eingereist sei. Die Weiterreise des Beschwerdeführers und damit die 

Trennung von seiner Ehefrau sei nicht aus einer Zwangssituation (infolge 

einer Bestimmung der sudanesischen Behörden) heraus erfolgt, sondern 

aus dem freiwilligen Handeln, den Sudan verlassen zu wollen. Ob diesem 

persönlich getroffenen Entscheid Motive wie die dortigen Lebens-

bedingungen zugrunde gelegen hätten, die nicht als begünstigend einzu-

stufen seien, sei unerheblich. Die Anwendung von Art. 51 Abs. 4 AsylG 

komme daher nicht in Betracht. 

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Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 12. Januar 2018 

Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die ange-

fochtene Verfügung sei aufzuheben, das Gesuch um Familiennachzug sei 

gutzuheissen und sowohl der Ehefrau als auch dem Kind sei die Einreise 

in die Schweiz zu gewähren; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut und weist das 

Verfahren zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurück. 

Aus den Erwägungen: 

8.  
8.1 Die Trennung der Familie erfolgte vorliegend nicht in der klassi-
schen Konstellation, in welcher ein Familienmitglied aus dem Heimatstaat 

flieht, die anderen Mitglieder der Familie hingegen zunächst im Heimat-

staat zurückbleiben. Die Flucht des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau 

erfolgte vielmehr gemeinsam aus dem Heimatstaat, die Trennung der Fa-

milie erst in einem Drittstaat durch die alleinige Weiterreise des Beschwer-

deführers. 

Das SEM stellt sich vorliegend auf den Standpunkt, am Erfordernis der 

« Trennung durch die Flucht » fehle es bereits deshalb, weil die Flucht der 

Eheleute mit der Ankunft im Drittstaat Sudan grundsätzlich abgeschlossen 

sei. Art. 51 Abs. 4 AsylG solle in Konstellationen wie der vorliegenden, in 

welchen sich die Familienmitglieder erst im Drittstaat trennen, nur dann 

angerufen werden können, wenn im Drittstaat eine neue (behördliche) 

Zwangssituation geschaffen werde oder gar Verfolgungshandlungen vorlä-

gen ([…]). Es stellt sich demnach die grundsätzliche Frage, ob und gege-

benenfalls in welcher Ausgestaltung eine solchermassen im Drittstaat er-

folgte Trennung vom Sinngehalt des in Art. 51 Abs. 4 AsylG genannten 

Gesetzeserfordernisses der « Trennung durch die Flucht » erfasst ist. Dies 

ist mittels Auslegung zu konkretisieren, zumal sich bei der Behandlung 

solcher Konstellationen in der bisherigen Rechtspraxis des Bundesverwal-

tungsgerichts kein einheitliches Bild zeigt (vgl. z.B. Urteile des BVGer  

E–2178/2017 vom 8. September 2017 E. 3.3 und D–1602/2015 vom 

23. März 2015 mit D–6677/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 5.3 und  

E–2050/2017 vom 24. April 2017 E. 4.3). 

8.2 Das Gesetz ist aus sich selbst heraus, das heisst nach Wortlaut, 
Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen auf der Basis 

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einer teleologischen Verständnismethode, auszulegen. Auszurichten ist die 

Auslegung auf die ratio legis, die zu ermitteln dem Gericht allerdings nicht 

nach seinen eigenen, subjektiven Wertvorstellungen, sondern nach den 

Vorgaben des Gesetzgebers aufgegeben ist. Die Auslegung des Gesetzes 

hat zwar nicht entscheidend historisch zu erfolgen, sie ist im Grundsatz 

aber dennoch auf die Regelungsabsicht des Gesetzgebers und die damit 

erkennbar getroffenen Wertentscheidungen auszurichten, welche es zu er-

mitteln gilt. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu las-

sen, dass nicht schon der Wortlaut die Rechtsnorm darstellt, sondern erst 

das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist 

die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf 

ein befriedigendes Ergebnis aus der ratio legis (vgl. BVGE 2017 VI/4 

E. 4.1; 2015/3 E. 5.2; 2012/2 E. 3.1; 2009/8 E. 7.1). 

8.3  
8.3.1 Aus dem Wortlaut von Art. 51 Abs. 4 AsylG ergibt sich Folgen-
des: Die verwendeten Formulierungen in der deutschen (« durch die 

Flucht getrennt »), französischen (« séparés par la fuite ») und italieni-

schen (« separati in seguito alla fuga ») Fassung der Gesetzestexte weisen 

keine wesentlichen Unterschiede auf, weshalb sie für die grammatikali-

sche Auslegung nicht weiterführend sind. Betreffend den Personenkreis 

spricht der Gesetzestext von anspruchsberechtigten Personen, die « sich 

im Ausland befinden ». Entsprechend lässt sich der Formulierung keine 

Unterscheidung im Hinblick auf den Aufenthaltsort des sich noch im Aus-

land befindlichen Familienmitglieds entnehmen. Insbesondere schränkt 

der Wortlaut nicht dahingehend ein, dass sich das nachzuziehende Fami-

lienmitglied noch in seinem Heimatstaat aufzuhalten hat und sich nicht 

bereits in einem Drittstaat befinden kann. Demnach kann aus dem Geset-

zestext auch nicht herausgelesen werden, dass die Trennung der Familien-

gemeinschaft zwingend im Heimatstaat durch die Flucht des in der 

Schweiz asylberechtigten Familienmitglieds stattgefunden haben muss. 

8.3.2 Die systematische Betrachtungsweise lässt insofern Rückschlüs-
se zu, als sich durch das Kriterium der « Trennung durch die Flucht » zu-

nächst das Asylrecht vom Ausländerrecht abgrenzen lässt. Ist die Familie 

des asylberechtigten Flüchtlings nämlich nicht durch die Flucht getrennt 

worden, bestimmt sich der Familiennachzug der sich noch im Ausland auf-

haltenden Familienmitglieder nach dem Ausländerrecht (Art. 42 ff. AIG 

[SR 142.20]). Gemäss Bundesgericht ist dies insbesondere dann gegeben, 

wenn die Ehe mit dem noch im Ausland befindlichen Familienmitglied 

erst nach der Flucht eingegangen worden ist (BGE 139 I 330 E. 1.3.2 f.). 

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Aus der Systematik von Art. 51 AsylG lässt sich feststellen, dass Abs. 4 in 

direktem Zusammenhang mit Abs. 1 steht. Das ergibt sich aus dem Ver-

weis des Abs. 4 auf die Anspruchsvoraussetzungen des Abs. 1. Es impli-

ziert zum einen, dass auch bei grundsätzlich bestehendem Anspruch im 

Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG das Kriterium der « besonderen Umstän-

de », welches nur im Abs. 1 genannt ist, gegen die Gewährung des Fami-

lienasyls sprechen kann. Zum anderen wird die Voraussetzung der « Tren-

nung durch die Flucht » in Abs. 1 gerade nicht genannt; diese ist gemäss 

Wortlaut von Abs. 4 vielmehr nur dann Bedingung, wenn es um Familien-

angehörige eines in der Schweiz anerkannten Flüchtlings mit Asyl geht, 

welche sich zum Zeitpunkt des Gesuchs noch im Ausland befinden. 

8.3.3 Diese Feststellung ist mit Blick auf die historische Auslegung 
massgebend, welche vom Bundesverwaltungsgericht im Koordinations-

entscheid BVGE 2017 VI/4 bereits eingehend dargelegt wurde. Dem Ent-

scheid gemäss folgt aus der Entstehungsgeschichte des heutigen Art. 51 

AsylG, dass der Gesetzgeber mit dem nur in Abs. 4 normierten Kriterium 

der « Trennung durch die Flucht » klarmachen wollte, dass es für den 

Nachzug aus dem Ausland einer im Zeitpunkt der Flucht bereits gelebten 

und damit vorbestandenen Familiengemeinschaft bedarf. Demgegenüber 

sind Angehörige eines Flüchtlings, welche sich bereits in der Schweiz be-

finden, gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG auch dann in das Familienasyl 

oder die Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen, wenn vor deren Einreise in 

die Schweiz noch keine Familiengemeinschaft bestanden hat, die durch 

die Flucht getrennt wurde (vgl. E. 3.1 ff.) 

Der genannte Koordinationsentscheid verweist sodann auch auf die ge-

setzgeberischen Diskussionen zu Art. 51 AsylG. Die Bestimmung hat mit 

der Asylgesetzrevision vom 1. Oktober 1999 Eingang in das Asylgesetz 

gefunden und ersetzt die Vorgängerregelungen zum asylrechtlichen Fami-

liennachzug (Art. 3 Abs. 3 aAsylG vom 5. Oktober 1979; aufgehoben am 

1. Oktober 1999 [AS 1999 2297] neu implementiert in Abs. 1 des heutigen 

Art. 51 AsylG und Art. 7 Abs. 1 aAsylG neu implementiert in Abs. 4). Bei 

der Asylgesetzrevision schlug der Bundesrat zunächst einen Art. 48 (nach-

folgend: Entwurfsart. 48; Botschaft vom 4. Dezember 1995 zur Totalrevi-

sion des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Auf-

enthalt und Niederlassung der Ausländer, BBl 1996 II 68 ff., nachfolgend: 

Botschaft ANAG) vor, bei dem das Kriterium der « Trennung durch die 

Flucht » sowohl in Abs. 1 als auch in Abs. 4 enthalten war. In Bezug auf 

Abs. 1 sollte dieses Kriterium im Sinne eines restriktiveren Ansatzes neu 

Eingang finden. Im Rahmen der nachfolgenden Diskussion in den Räten 

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ging es deshalb insbesondere um die Frage, ob das Kriterium der « Tren-

nung durch die Flucht », welches regelmässig eine im Heimatstaat vorbe-

standene Familiengemeinschaft bedingt, neu in beiden Konstellationen 

nach Abs. 1 und nach Abs. 4 Voraussetzung für die Bewilligung des Fami-

liennachzugs sein solle. Der Vorschlag des Bundesrates zielte darauf, dass 

eine nach der Flucht entstandene Familiengemeinschaft generell nicht 

mehr in den Geltungsbereich der neuen Familiennachzugsnorm fallen soll-

te. Das Bestehen der Familiengemeinschaft zum Zeitpunkt der Flucht for-

mulierte er in diesem Zusammenhang als « conditio sine qua non » der 

Konzeption des Familienasyls. Wesentliche Motivation des zur Diskussion 

gestellten Entwurfsart. 48 war der Gedanke der Missbrauchsbekämpfung 

durch wiederholte Heirat (vgl. Botschaft ANAG, BBl 1996 II 69) und die 

Beschränkung des Nachzugs auf einen bestimmten Kreis von Personen, 

nämlich die Kernfamilie, wie sie im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Hei-

matstaat bestanden hat. In den Debatten innerhalb der Staatspolitischen 

Kommission des Nationalrates zur Detailberatung des neuen Asylgesetzes 

sprachen sich die Ratsmitglieder demgegenüber in einem anderen Sinn aus 

und befürworteten mehrheitlich die Beibehaltung des materiellen Rege-

lungsgehalts der bis dahin gültigen Bestimmungen. Die im Entwurfsart. 48 

nun ebenfalls für Abs. 1 ausdrücklich genannte Bedingung der « Trennung 

durch die Flucht » wurde ausdrücklich fallen gelassen (zum vollständigen 

Gesetzesvorschlag AB 1997 N 1240). Der dem Nationalrat in diesem Sin-

ne vorgelegte Entwurfsart. 48 wurde letztlich auch so angenommen und in 

Art. 51 Abs. 1 und Abs. 4 AsylG wortgetreu umgesetzt (vgl. AB 1997  

S 1346). 

In Bezug auf Art. 51 Abs. 4 AsylG, in welchem sich die Bedingung « Tren-

nung durch die Flucht » weiterhin findet, lässt sich damit feststellen, dass 

der Gesetzgeber jedenfalls nur denjenigen Familienangehörigen die Ein-

reise in die Schweiz bewilligen wollte, die bereits vor der Flucht mit der 

als Flüchtling anerkannten Person einen Familienverband geführt haben. 

Der historischen Auslegung lässt sich hingegen nicht entnehmen, dass die 

Konstellation der Trennung der Familie in einem Drittstaat vom Anwen-

dungsbereich des Art. 51 Abs. 4 AsylG ausgeschlossen sein soll. 

8.3.4 Auch die ratio legis der Norm macht deutlich, dass das Element 
der « Trennung durch die Flucht » nicht derart einschränkend zu verstehen 

ist, sondern eine gemeinsam angetretene Flucht mit Trennung im Drittstaat 

als eine Konstellation vom Sinngehalt des Gesetzeswortlauts mitumfasst 

ist. 

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Dies ergibt sich insbesondere aus dem übergeordneten Leitgedanken des 

Familienasyls, der darin besteht, den Rechtsstatus der zum Zeitpunkt der 

Flucht bestehenden Kernfamilie eines Flüchtlings einheitlich zu regeln 

(vgl. Botschaft ANAG, BBl 1996 II 68). Die Nachzugsregeln müssen im 

Licht des verfassungs- und völkerrechtlich anerkannten Anspruchs auf 

Achtung des Familienlebens und Schutz der Familieneinheit verstanden 

werden, worauf in den Botschaften wiederholt hingewiesen wurde (vgl. 

Botschaft ANAG, BBl 1996 II 68; Botschaft vom 31. August 1977 zum 

Asylgesetz und zu einem Bundesbeschluss betreffend den Rückzug des 

Vorbehaltes zu Artikel 24 des Übereinkommens über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge, BBl 1977 III 120, nachfolgend: Botschaft AsylG). We-

sentliche Intention der Norm ist der Schutz von im Zeitpunkt des flucht-

auslösenden Ereignisses bestehenden Familiengemeinschaften. Das Bun-

desverwaltungsgericht weist denn auch in ständiger Rechtsprechung 

darauf hin, dass Art. 51 Abs. 4 AsylG der Bewahrung beziehungsweise der 

Wiederherstellung von vorbestandenen, durch die Flucht zerstörten Fami-

liengemeinschaften dient (vgl. BVGE 2015/29 E. 3; 2012/32 E. 5.4.2; Ent-

scheidungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

1994/10 E. 5b), selbstredend unter Vorbehalt des Vorliegens « besonderer 

Umstände ». 

Betreffend das Verhältnis von Abs. 1 und Abs. 4 machte die Vorgänger-

institution des Bundesverwaltungsgerichts, die Schweizerische Asylre-

kurskommission, sodann in grundsätzlicher Weise deutlich, dass Abs. 4 

(damals Art. 7 aAsylG) eine Ausweitung im Verhältnis zur Konstellation 

nach Abs. 1 (damals Art. 3 Abs. 3 aAsylG) darstelle, indem auch den im 

Ausland verbliebenen Familienangehörigen die Möglichkeit zur Einreise 

in die Schweiz gegeben werden solle. Bereits damals wurde festgehalten, 

dass mit dieser Bestimmung generell ein umfassender Schutz der sich im 

Ausland aufhaltenden Familienangehörigen im Asylrecht gewährleistet 

werden sollte, denen ansonsten entweder der Grundsatz entgegenstehe, 

dass eine ausländische Person erst dann völkerrechtlich als Flüchtling gel-

ten könne, wenn sie ihr Heimatland verlassen habe, oder aber, wenn der 

Asylausschlussgrund « Aufnahme in einem Drittstaat » zur Anwendung 

gelangen würde. Die durch die Flucht getrennten Angehörigen, die sich 

noch im Heimatland oder in einem Drittstaat aufhalten, sollten also nicht 

von dieser Ausschlussklausel betroffen und im Verhältnis zu Angehörigen, 

welche sich bereits in der Schweiz befinden, benachteiligt werden (vgl. 

EMARK 1995/15 E. 5b; in diesem Sinne auch Botschaft AsylG, BBl 1977 

III 119). So verstanden verweist das Bundesverwaltungsgericht bei klassi-

schen Konstellationen (Trennung im Heimatstaat) denn auch regelmässig 

Familienzusammenführung. Asyl 2020 VI/1 

 

 

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darauf, dass für Familienangehörige, die in der Heimat oder in einem Dritt-

staat zurückgeblieben seien, bei gegebenen Voraussetzungen grundsätz-

lich ein Anspruch auf Einreise im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG besteht, 

ohne dass hinsichtlich des aktuellen Aufenthaltsortes im Ausland eine Dif-

ferenzierung vorgenommen wird (vgl. z.B. Urteile des BVGer  

D–982/2016 vom 10. September 2018 E. 5.2; D–1244/2016 vom 

29. August 2017 E. 3.2; D–6842/2011 vom 22. Mai 2012 E. 4.1; EMARK 

2006/8 E. 3.2). 

Eine andere als die dargelegten Betrachtungsweisen würde im Übrigen zu 

nicht sachgerechten Ungleichbehandlungen führen. Erfolgt nämlich die 

Ausreise der Familienmitglieder aus dem Heimatstaat in einen Drittstaat 

getrennt voneinander und – wenn auch nur unwesentlich – zeitlich ver-

setzt, wird die generelle Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 4 AsylG von 

vornherein nicht infrage gestellt. Eine Ungleichbehandlung von Familien, 

welche sich erst im Drittstaat getrennt haben, erscheint aufgrund des Sinn-

gehalts der Bestimmung mithin sachlich nicht gerechtfertigt. 

8.4 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist daher Folgendes festzu-
halten: Das Erfordernis der « Trennung durch die Flucht » setzt voraus, 

dass zwischen der nachzugsberechtigten Person und dem anspruchsbe-

rechtigten Familienmitglied im Zeitpunkt der Flucht eine Familienge-

meinschaft bestanden haben muss, welche im Heimat- oder Drittstaat ge-

trennt wurde. Die Trennung der Familie in einem Drittstaat stellt eine 

mögliche Konstellation des Anwendungsbereichs von Art. 51 Abs. 4 

AsylG dar. 

9.  
9.1 Es wurde bereits ausgeführt, dass die Bewilligung der Einreise 
und der Einbezug in das Asyl unter dem Vorbehalt sogenannter « besonde-

rer Umstände » stehen, welche im Verhalten der Personen selbst liegen 

oder aus Umständen im Drittstaat resultieren können. Der Botschaft lässt 

sich diesbezüglich entnehmen, dass mit diesem Vorbehalt insbesondere 

Missbrauchstatbestände unterbunden werden sollten. Das Kriterium ist 

demnach als Korrekturmechanismus zu verstehen mit dem Ziel, sachlich 

gerechtfertigte Entscheide zu treffen. Den Behörden soll die Möglichkeit 

gegeben werden, Personen kein Asyl zu gewähren, die in objektiver Hin-

sicht des spezifischen Schutzes des Familienasyls nicht bedürfen. Unter 

anderem wurde in der Botschaft beispielhaft dargelegt, dass « besondere 

Umstände » dann gegen eine Familienvereinigung in der Schweiz spre-

chen würden, wenn die Mehrheit der Familie bereits in einem Drittstaat 

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Asyl erhalten habe und dort die Möglichkeit bestehe, die Familienzusam-

menführung zu beantragen (vgl. Botschaft ANAG, BBl 1996 II 69 f.). 

Festgehalten wurde, dass es sich beim Vorbehalt der « besonderen Um-

stände » um einen unbestimmten Gesetzesbegriff handle, dessen Konkre-

tisierung in erster Linie der Praxis zu überlassen sei (Botschaft ANAG, 

BBl 1996 II 69). « Besondere Umstände » wurden daher in der bisherigen 

Rechtspraxis entwickelt. Diesbezüglich ist auf die bereits dargelegte 

Rechtsprechung zu verweisen. 

9.2 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass dem Einbezug 
in das Familienasyl vorliegend der Aufenthalt der Ehefrau im Sudan entge-

genstehe, in welchem sie weder durch behördlichen Zwang zur Ausreise 

forciert worden sei noch Verfolgungshandlungen im Sinne von Art. 3 

AsylG habe erdulden müssen. Das Ehepaar habe sich freiwillig und nicht 

durch die Flucht getrennt. 

An dieser Stelle ist zu betonen, dass das Kriterium « Trennung durch die 

Flucht », wie zuvor festgestellt, einzig die Frage nach der vorbestandenen 

Familiengemeinschaft umfasst. Die von der Vorinstanz vorgetragene Be-

gründung betrifft Aspekte der « besonderen Umstände ». Die terminologi-

sche Abgrenzung zeigt sich aber auch in der Rechtspraxis des Bundesver-

waltungsgerichts nicht immer kohärent. 

9.3 In Bezug auf die Argumentation der Vorinstanz, der Trennung im 
Drittstaat müsse eine behördliche Zwangssituation zugrunde liegen, ist 

Folgendes festzustellen: 

9.3.1 Die Norm des Familiennachzugs wird zwar zunächst vom Gedan-
ken getragen, dass die nachzuziehenden Personen unter der Verfolgung des 

Ehegatten oder der Ehegattin respektive eines Elternteils im Heimatstaat 

mitgelitten haben oder selbst der Gefahr der Verfolgung ausgesetzt waren 

(sog. Schutzgedanke; vgl. Botschaft ANAG, BBl 1996 II 68 f.; EMARK 

1998/19 E. II 4c). Die Gewährung der Einreise in die Schweiz im Rahmen 

des Familiennachzugs wird aber nicht an die Voraussetzung geknüpft, dass 

eine Person im Heimatstaat tatsächlich verfolgt wurde oder in anderer 

Weise schutzbedürftig ist (vgl. auch EMARK 1998/19 E. II 4c). So wird 

nach der erfolgten Einreise der nachzuziehenden Familienangehörigen in 

die Schweiz denn auch zunächst das Vorliegen eigener, originärer Flucht-

gründe geprüft und nur für den Fall, dass solche nicht vorliegen, erfolgt 

der Einbezug in das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 4 AsylG. 

Dem Schutzgedanken kommt im Verhältnis zu den zuvor dargelegten Leit-

prinzipien des Familiennachzugs, welche klar auf die Wiederherstellung 

Familienzusammenführung. Asyl 2020 VI/1 

 

 

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von vorbestandenen Familiengemeinschaften und einen einheitlichen 

Rechtsstatus zielen, entsprechend keine vorrangige Bedeutung zu. Der 

asylrechtliche Anknüpfungspunkt besteht vielmehr in der Flucht des Fami-

lienmitglieds, welches sich in der Schweiz befindet und als Flüchtling Asyl 

in der Schweiz erhalten hat. 

9.3.2 Die Asylbehörden prüfen die Fluchtgründe sodann jeweils nur in 
Bezug auf den Heimatstaat einer Person, nicht aber in Bezug auf einen 

Drittstaat. Der Wortlaut von Art. 3 AsylG, wonach Flüchtlinge Personen 

sind, die asylrelevanten Verfolgungshandlungen in ihrem Heimatstaat oder 

dem Land, in dem sie zuletzt wohnten (sog. Herkunftsstaat), ausgesetzt 

sind, ist dahingehend zu verstehen, dass dem Herkunftsstaat nur dann Re-

levanz zukommt, wenn die asylsuchende Person staatenlos ist. Im Übrigen 

wurde dem Beschwerdeführer denn auch wegen der von ihm geltend ge-

machten Fluchtgründe in Bezug auf sein Heimatland Eritrea Asyl in der 

Schweiz gewährt. Es wurde ihm nicht entgegengehalten, er habe sich vor 

seiner Ankunft in der Schweiz in einem Drittstaat aufgehalten, in welchem 

er bereits Schutz erhalten habe. 

9.3.3 Die Ansicht des SEM, wonach das im Drittstaat verbliebene Fa-
milienmitglied mit der Ankunft im Drittstaat bereits in Sicherheit ist, wenn 

es keinen behördlichen Zwangsmassnahmen in Bezug auf die Ausreise aus 

dem Drittstaat ausgesetzt ist und dort keine Verfolgungshandlungen zu er-

dulden hat, weshalb die Flucht damit faktisch als abgeschlossen gilt, ist in 

dieser pauschalen Formulierung mit dem Normgehalt der Bestimmung 

nicht vereinbar. Natürlich ist eine Bejahung « besondere Umstände » dann 

denkbar, wenn sich aus der Situation des im Drittstaat zurückgebliebenen 

Familienmitglieds schliessen lässt, dass dieses sein Anwesenheitsver-

hältnis im Drittstaat legalisieren konnte. Dies kann sich beispielsweise 

ausdrücken in einem gefestigten Aufenthaltsstatus, etwa im Rahmen eines 

geregelten Arbeitsverhältnisses. In diesem Fall muss allerdings die 

Möglichkeit der legalen Familienzusammenführung im Drittstaat beste-

hen, wobei sich dann – analog zur Konstellation bei gemischt-nationalen 

Ehen – die Frage stellt, ob für die in der Schweiz als Flüchtling anerkannte 

Person eine Niederlassung im Drittstaat als zumutbar erachtet wird (vgl. 

EMARK 1997/22 E. 4b und c; 1996/14 E. 8b; BGE 110 Ib 201 E. 2c; vgl. 

ferner statt vieler Urteil des BVGer D–2620/2015 vom 5. August 2015 

E. 5.1). Sofern der Aufenthalt eines nachzugsberechtigten Familienmit-

glieds in einem anderen Dublin-Mitgliedstaat bereits mit einem flücht-

lingsrechtlichen Schutzstatus (Flüchtlingseigenschaft und Asyl) geregelt 

wurde, ist der Familiennachzug ausländerrechtlich zu regeln (vgl. BVGE 

2020 VI/1 Familienzusammenführung. Asyl 

 

 

12 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2019 VI/3). Letztlich bedarf dies immer einer Beurteilung im konkreten 

Einzelfall. 

9.4  
9.4.1 « Besondere Umstände » können, wie bereits ausgeführt wurde, 
auch im Verhalten der Familienangehörigen begründet sein. Dabei ist ins-

besondere auch das Verhalten nach der Flucht relevant, denn massgeblich 

für die Prüfung, ob die Voraussetzungen für die Bewilligung eines Fami-

liennachzugs gegeben sind, ist der Entscheidzeitpunkt der Behörde. Das 

Bundesverwaltungsgericht hält in ständiger Praxis fest, dass das Familien-

asyl insofern auf die Wiederherstellung von vorbestandenen Familienge-

meinschaften zielt, als die Familiengemeinschaft « allein aufgrund der 

Fluchtumstände » und somit « unfreiwillig » getrennt worden sein muss 

(vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.). Kann aus dem Verhalten der Fami-

lie oder einzelner Familienmitglieder geschlossen werden, dass die Tren-

nung der Familiengemeinschaft auf deren generelle Aufgabe gerichtet war 

oder ist, sind « besondere Umstände » zu bejahen. 

9.4.2 Anhaltspunkte, die auf eine « freiwillige » Trennung im Sinne 
einer Auflösung der Familiengemeinschaft hinweisen, können beispiels-

weise ein langes Zuwarten für die Einreichung des Familiennachzugs-

gesuchs (vgl. Urteile des BVGer E–473/2018 vom 5. März 2019 E. 3.5; 

E–1511/2017 vom 25. Februar 2019 E. 4.3), die Aufnahme einer neuen 

Beziehung (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4) oder der nach der Flucht erfolgte 

Kontaktabbruch durch eines der Familienmitglieder ohne sachlichen 

Grund sein (vgl. Urteil des BVGer E–4194/2016 vom 1. Dezember 2017 

E. 5). Nicht von der « Freiwilligkeit » der Aufgabe der Familiengemein-

schaft im Sinne « besonderer Umstände » ist hingegen dann auszugehen, 

wenn objektive, aus den Fluchtumständen resultierende Gründe für die 

Trennung der Familie ersichtlich sind. 

9.4.3 Befindet sich die Familie in einem Drittstaat und erfolgt von dort 
zunächst die Weiterreise nur eines Familienmitglieds, ist demnach zu prü-

fen, ob die alleinige Weiterreise eines Familienmitglieds auf die Auflösung 

der Familiengemeinschaft gerichtet war, oder ob diese aus objektiven, aus 

den Fluchtumständen resultierenden Gründen erfolgte. In die Beurteilung 

miteinzubeziehen ist dabei regelmässig, unter welchen Verhältnissen die 

Familienangehörigen im Drittstaat lebten und welche Motive ihrer räumli-

chen Trennung zugrunde liegen. 

  

Familienzusammenführung. Asyl 2020 VI/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 13 

 

10.  
10.1  
10.1.1 Die Asylbehörden stellen den Sachverhalt von Amtes wegen rich-
tig und vollständig fest (Art. 12 und Art. 13 VwVG, vgl. auch 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Die Sachverhaltsermittlung 

steht unter dem Vorbehalt der Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 8 

AsylG). Dies gilt auch im Familiennachzugsverfahren. 

Die Herausforderung bei der Beurteilung eines Familiennachzugsgesuchs 

liegt regelmässig in einer rechtsgenüglichen Sachverhaltsfeststellung, zu-

mal sich diese einerseits auf faktenbasierte Elemente, andererseits aber 

auch auf innere Entscheidvorgänge der gesuchstellenden Personen stützt. 

An die Substanziierung eines Gesuchs um Familiennachzug sind daher ge-

wisse Anforderungen zu stellen. Dies betrifft insbesondere die Aspekte der 

Glaubhaftmachung einer zum Zeitpunkt der Flucht vorbestandenen Fami-

liengemeinschaft, der dem Entscheid zur Trennung im Drittstaat zugrunde 

liegenden Motive sowie des Weiterbestehens der Familiengemeinschaft 

nach der Trennung, die in der Schweiz wieder zusammengeführt werden 

soll. Auch der Vorinstanz kommt bei der Ermittlung des Sachverhalts eine 

wichtige Rolle zu. Bereits bei der Anhörung von Asylgesuchstellenden zu 

ihren Asylgründen ist auf die Erfassung der zum Ausreisezeitpunkt beste-

henden familiären Situation ein Augenmerk zu richten. Zu diesem Zeit-

punkt können vertiefte Abklärungen zu den familiären Verhältnissen und 

den Umständen der getrennt angetretenen Flucht bereits getroffen werden. 

Im Familiennachzugsverfahren ist der Sachverhalt sodann zu vervollstän-

digen und es sind Abklärungen zur aktuellen Situation der Familie zu 

treffen, um eine Prüfung zu ermöglichen, ob allenfalls « besondere Um-

stände » einer Bewilligung des Familiennachzugs entgegenstehen. Von In-

teresse ist dabei regelmässig, ob eine schützenswerte Familiengemein-

schaft nach wie vor besteht oder eine solche zwischenzeitlich aufgegeben 

wurde. 

10.1.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht grundsätzlich in der Sache selbst oder weist diese ausnahms-

weise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine 

Rückweisung kommt insbesondere dann in Betracht, wenn weitere Sach-

verhaltsfeststellungen getroffen werden müssen (vgl. MADELEINE 

CAMPRUBI, in: VwVG-Kommentar, 2. Aufl. 2019, Art. 61 Abs. 1 N. 10; 

WEISSENBERGER/HIRZEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, 

Art. 61 N. 16). 

2020 VI/1 Familienzusammenführung. Asyl 

 

 

14 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

10.2 Die Vorinstanz hat das Gesuch um Familiennachzug vorliegend 
mit der Begründung abgewiesen, dass eine Konstellation wie die vorlie-

gende (Trennung der Familie im Drittstaat) nicht unter Art. 51 Abs. 4 

AsylG subsumiert werden könne. Zur Frage, ob eine zum Zeitpunkt der 

Flucht vorbestandene Familiengemeinschaft glaubhaft gemacht wurde, die 

nach wie vor schützenswert ist, nahm die Vorinstanz im vorinstanzlichen 

Verfahren keine vertieften Abklärungen vor. Auch zu den Gründen, welche 

für den Entschluss der alleinigen Weiterreise des Beschwerdeführers und 

die damit einhergehende Trennung von seiner Ehefrau im Drittstaat aus-

schlaggebend waren, sowie zu den Lebensumständen im Sudan stellte das 

SEM im Rahmen der Anhörung nur wenige Fragen, wobei die Antworten 

des Beschwerdeführers kein substanziiertes Bild ergeben ([…]). 

Im Rahmen des Familiennachzugsverfahrens hat die Vorinstanz sodann 

ganz darauf verzichtet, weiterführende Abklärungen – etwa im Rahmen 

eines normalerweise üblichen Schriftenwechsels – zu treffen, um die An-

spruchsvoraussetzungen zu konkretisieren und das Vorliegen allfälliger 

« besonderer Umstände » abzuklären. Bisher kein Augenmerk wurde so-

dann auf die Glaubhaftmachung des Vater-Kind-Verhältnisses im Hinblick 

auf das im Sudan geborene Kind gerichtet. Von massgeblichem Interesse 

ist sodann, ob die familiäre Beziehung – im Rahmen des Möglichen – nach 

wie vor aufrechterhalten wird. 

10.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann die Entscheidreife vorlie-
gend nicht ohne grösseren Aufwand herstellen, weshalb die Sache zwecks 

Vornahme weiterer Abklärungen und neuen Entscheids an die Vorinstanz 

zurückzuweisen ist. Für eine Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren 

Abklärung spricht auch der Umstand, dass auf diese Weise der Instanzen-

zug erhalten bleibt, was umso bedeutender ist, als das Bundesverwaltungs-

gericht letztinstanzlich entscheidet. Auf eine Auseinandersetzung mit den 

weiteren Beschwerdevorbringen kann bei diesem Verfahrensausgang im 

heutigen Zeitpunkt verzichtet werden.