# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c3c78c6-fbbd-541f-b8bf-1293f487e518
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-06-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.06.2017 D-1926/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1926-2017_2017-06-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1926/2017 
brl 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  J u n i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richter William Waeber, 

Richter Bendicht Tellenbach,    

Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt,   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 27. Februar 2017 / N (…). 

 

 

 

D-1926/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine sri-lankische Staatsangehörige tamilischer 

Ethnie soll ihr Heimatland gemäss eigenen Aussagen am 10. Februar 2015 

auf dem Luftweg mit einem ihr nicht zustehenden Reisepass nach 

B._______ verlassen haben. Dort sei sie bis am 11. Juni 2015 geblieben. 

Anschliessend sei sie mit einem anderen Reisepass auf einen fremden Na-

men via C._______ nach D._______ geflogen und am 12. Juni 2015 in die 

Schweiz eingereist. Ihr Schlepper habe sie zum Onkel in E._______ ge-

bracht. Gleichentags reichte sie das Asylgesuch in der Schweiz ein. Am 12. 

Juni 2015 fand zudem die Befragung im Empfangs- und Verfahrenszent-

rum F._______ statt und am 19. August 2015 wurde die Anhörung durch-

geführt.  

Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei in G._______ geboren 

worden und habe dort bei ihrer Familie bis im Oktober 2014 gelebt. Zwi-

schen 2010 und 2013 habe sie sich für benachteiligte Angehörige der ta-

milischen Bevölkerung eingesetzt und unter anderem (…) in H._______ 

unterrichtet. Dort habe sie auch Jeyakumari (Anmerkung Gericht: eine ta-

milische Aktivistin, welche sich für Familien und verschwundene Personen 

in Sri Lanka einsetzt) kennengelernt. Ausserdem habe sie an Treffen und 

friedlichen Demonstrationen gegen das sri-lankische Regime teilgenom-

men, um auf die schwierige Lage der Frauen im Norden des Landes und 

der tamilischen Bevölkerung allgemein aufmerksam zu machen. Zwischen 

Juli und September 2013 habe sie sich im Vorfeld der Wahlen in der Nord-

provinz für die Tamil National Alliance (TNA) eingesetzt, weil ihr Onkel de-

ren Mitglied gewesen sei. Dabei sei sie von Haus zu Haus gegangen, habe 

Flugblätter verteilt und Telefonnummern gesammelt. Am 9. Oktober 2013 

sei sie von Angehörigen des Criminal Investigation Departments (CID) fest-

genommen und während zweier Tage auf der Polizeistation in G._______ 

festgehalten worden. Danach habe sie erneut an einer Demonstration ge-

gen die sri-lankische Armee und an einem Protest gegen die Verhaftung 

von Jeyakumari teilgenommen. Am 5. März 2014 beziehungsweise am 5. 

Mai 2014 sei sie erneut von Angehörigen des CID festgenommen und für 

die Dauer von fünf Tagen auf der Polizeistation festgehalten worden. Nach-

dem sie im Oktober 2014 Verwandte in J._______ besucht habe, sei sie 

kurze Zeit später erneut vom CID gesucht worden, weshalb sie in 

J._______ geblieben sei. Aus Angst habe sie sich zur Ausreise aus Sri 

Lanka entschlossen.  

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Seite 3 

Die Beschwerdeführerin reichte eine sri-lankische Identitätskarte und die 

Kopie eines sri-lankischen Führerscheins zu den Akten.       

B.  

Mit Verfügung vom 27. Februar 2017 – eröffnet am folgenden Tag – stellte 

das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfülle, lehnte ihr Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung und deren 

Vollzug an. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen 

näher eingegangen. 

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 30. März 2017 be-

antragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur ordnungsgemäs-

sen Durchführung einer Anhörung und zur erneuten Entscheidung, die Ge-

währung von Asyl und eventualiter der vorläufigen Aufnahme. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und eventualiter um Erlass des Kostenvorschusses. Zur 

Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen Stellung genommen.   

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. April 2017 wurde der Beschwerdeführerin 

mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der 

Schweiz abwarten könne. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege wurde gutgeheissen, und auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses wurde verzichtet. Das SEM wurde zur Vernehmlassung eingela-

den und aufgefordert, die Akten zu vervollständigen, indem es die letzte 

Seite der Akte A13/39 beilege. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 19. April 2017 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und brachte vor, die letzte Seite der Akte 

A13/39 habe sich an falscher Stelle befunden und sei dem Protokoll ange-

hängt worden. Die weitere Begründung lässt sich den nachfolgenden Er-

wägungen entnehmen.  

F.  

Am 21. April 2017 wurde die Vernehmlassung zur Replik gegeben. 

D-1926/2017 

Seite 4 

G.  

Mit Eingabe vom 8. Mai 2017 nahm die Beschwerdeführerin zur vorinstanz-

lichen Vernehmlassung Stellung. Darauf wird in den folgenden Erwägun-

gen näher eingegangen.  

  

D-1926/2017 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM legte in der angefochtenen Verfügung zusammenfassend 

dar, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an 

die Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten vermöchten und sie im Fall einer 

Rückkehr in ihr Heimatland keine begründete Furcht habe, asylrelevanten 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Im Einzelnen wurde wie folgt 

argumentiert: 

4.1.1 Die Angaben der Beschwerdeführerin zu den beiden Festnahmen 

durch das CID und zur angeblich erlittenen Haft seien vage und wenig sub-

stanziiert. Sie sei nicht in der Lage, wesentliche Elemente dazu konkret 

und überzeugend darzulegen. Ihre Aussagen würden keine persönlichen 

Erlebnisse und Erinnerungen enthalten, sondern sich überwiegend auf 

äussere Abläufe beziehen, weshalb ein persönlicher Bezug und Realkenn-

zeichen wie Detailreichtum, Interaktionsschilderungen und inhaltliche Be-

sonderheiten fehlten. Beispielsweise hätten sich die Aussagen im Zusam-

menhang mit der geltend gemachten Befragung auf der Polizeistation in 

G._______ auf Oberflächlichkeiten und Wiederholungen beschränkt, was 

angesichts der Aussage, sie sei während der zweitägigen Haft fünf Mal be-

fragt worden, erstaune. Auch die Schilderung der zweiten Haft sei auffal-

lend detailarm ausgefallen. Die Frage, was während der fünftägigen Haft 

passiert sei, habe sie damit beantwortet, dass man ihr wieder dieselben 

Fragen gestellt habe. Bei der Darstellung des ersten Tages auf der Polizei-

station habe sie ihre Aussagen wiederholt und einzig erklärt, man habe ihr 

wieder unterstellt, Kontakt zur Bewegung zu haben.  

4.1.2 Da es sich bei den Festnahmen und der Haft um wesentliche Ele-

mente handle, mit welchen die Beschwerdeführerin ihre Gefährdungssitu-

ation im Heimatland begründe, sei es nicht nachvollziehbar, dass sie diese 

Situationen nur sehr vage und oberflächlich habe beschreiben können. Zu-

dem sei angesichts ihrer untergeordneten Rolle im Rahmen des von ihr 

erwähnten Wahlkampfes nicht ersichtlich, weshalb sie in den Fokus der sri-

lankischen Behörden hätte geraten sollen. Ihre Erklärung, wonach sie ver-

dächtigt worden sei, während der Propagandazeit für die Wahlen mit meh-

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reren Personen der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) Kontakt ge-

habt zu haben, wirke konstruiert, sei teilweise wenig einleuchtend und in 

mancher Hinsicht zusammenhangslos und wirr. Unter diesen Umständen 

bestünden erhebliche Zweifel an einer tatsächlich bestehenden Verfol-

gungssituation. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin zur Verfolgung 

hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand, wes-

halb die Asylrelevanz nicht geprüft werde.  

4.1.3 In Bezug auf die Prüfung, ob die Beschwerdeführerin im Fall ihrer 

Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre, 

stellte das SEM fest, dass im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus dem Heimatland 

allenfalls bestehenden Risikofaktoren kein Verfolgungsinteresse seitens 

der sri-lankischen Behörden hätten auslösen können, zumal sie nach 

Kriegsende noch bis Februar 2015 im Heimatland verblieben sei. Unter 

diesen Umständen sei nicht ersichtlich, weshalb sie im Fall einer Rückkehr 

ins Heimatland in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter 

Weise verfolgt werden sollte. Der Umstand, dass sie sich im Heimatland 

für die tamilische Bevölkerung eingesetzt habe, vermöge an dieser Ein-

schätzung nichts zu ändern, zumal sie kein Risikoprofil aufweise, das sie 

in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Person erschei-

nen lasse, welche bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederauf-

leben zu lassen. Angesichts dieser Sachlage könne die Frage, ob sie tat-

sächlich an Demonstrationen gegen die Präsenz der sri-lankischen Armee 

im Norden des Landes teilgenommen habe und wohltätig für Tamilen aktiv 

gewesen sei, offengelassen werden. Insgesamt bestehe kein begründeter 

Anlass zur Annahme, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.  

4.2 In der Beschwerde wurde Folgendes eingewendet:  

4.2.1 In Ergänzung zum bisherigen Sachverhalt wurde zunächst geltend 

gemacht, dass sich die Beschwerdeführerin auch in der Schweiz für die 

tamilische Sache eingesetzt und unter anderem im September 2015 an 

einer Demonstration in D._______ teilgenommen habe. Zudem sei ihr Bru-

der im Februar 2016 aus Sri Lanka geflohen, nachdem er wegen seines 

Engagements und seiner Mitgliedschaft in der Tamil National People’s 

Front (TNPF) behördlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen 

sei. Ebenfalls aus Sri Lanka ausgereist seien ferner die beiden Freunde 

der Beschwerdeführerin, mit welchen sie zusammengearbeitet habe. 

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Schliesslich könne der Rechtsanwalt K._______, welcher die Beschwerde-

führerin und ihre Familie seit über 20 Jahren gut kenne, ihre Darstellung in 

weiten Teilen bestätigen.  

4.2.2 Aufgrund des Protokolls der Anhörung seien erhebliche Zweifel an 

der Qualität der Übersetzung angebracht. Verschiedentlich habe die Be-

schwerdeführerin – im Gegensatz zur Befragung – die Fragen nicht verste-

hen können (so Fragen 4, 45, 46, 50, 69 ff., etc.), was auf eine mangelhafte 

Übersetzung hinweise. Auch die Antworten würden diesen Eindruck be-

stärken, zumal diese kurz und in sprachlicher Hinsicht bedenklich und oft 

auch falsch ausgefallen seien. Demgegenüber würden die gesellten Fra-

gen selber keine Fehler aufweisen, weshalb von perfekten Deutschkennt-

nissen protokollierenden Person auszugehen sei. Diese habe die Antwor-

ten auch „geglättet“ oder korrigiert beziehungsweise in die Schriftsprache 

transponiert. Zahlreiche Sätze, so die Antworten 154, 292, 297, 299, 303, 

318 und 418, würden wenig Sinn ergeben. Aufgrund der Antworten habe 

die Tamilisch übersetzende Person mangelhaftes Deutsch gesprochen. 

Unter diesen Umständen sei es nicht verwunderlich, dass die Antworten 

allesamt relativ kurz und fehlerhaft ausgefallen seien und nie die Tiefe er-

reicht hätten, die im normalen Sprachgebrauch zu erwarten gewesen wäre. 

Die Argumentation des SEM, wonach die Angaben der Beschwerdeführe-

rin wenig substanziiert seien und keine Realkennzeichen aufweisen wür-

den, sei zwar zutreffend, indessen höchstwahrscheinlich auf das Unvermö-

gen der dolmetschenden Person als Hilfsperson des SEM zurückzuführen. 

Mit dem Beizug einer ungeeigneten dolmetschenden Person habe das 

SEM jedoch das rechtliche Gehör und den Untersuchungsgrundsatz ver-

letzt. Da diese formellen Fehler im schriftlichen Beschwerdeverfahren nicht 

geheilt werden könnten und sich der Mangel bereits in der Sachverhalts-

aufnahme niedergeschlagen habe und somit entscheidrelevant sei, müsse 

die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache zur Durchführung 

einer korrekten Anhörung unter Beizug einer qualifizierten dolmetschenden 

Person zurückgewiesen werden.  

4.2.3 Gestützt auf die vorangehenden Argumente sei klar, warum die Aus-

führungen der Beschwerdeführerin „wenig substanziiert“ und oberflächlich 

geblieben seien. Da sie sich nach Beendigung des Bürgerkrieges in Flücht-

lingslagern und in der Bewegung von Jeyakumari Balendran eingesetzt 

habe, sei sie auch in Kontakt mit ehemaligen Mitgliedern der LTTE (so un-

ter anderem L._______ und M._______) gekommen und aus diesem 

Grund zwei Mal von den Sicherheitskräften in G._______ festgenommen 

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und befragt worden. Beide Aufenthalte seien mit Misshandlungen (Schlä-

gen) verbunden gewesen. Ausserdem habe man sie nach ihrem Weggang 

nach J._______ erneut gesucht, und die behördliche Fahndung halte im-

mer noch an, wie der Bestätigung des sri-lankischen Anwalts entnommen 

werden könne. Aufgrund ihrer Aussagen würden sich in mehrfacher Weise 

Ansatzpunkte für ihre Verfolgung durch die Sicherheitskräfte ergeben, 

nämlich aufgrund von Verbindungen zu den LTTE, aufgrund der Mitwirkung 

bei Aktionen mit/um Jeyakumari und aufgrund von Nachteilen im Zusam-

menhang mit den Aktivitäten für die TNA. Somit weise die Beschwerdefüh-

rerin ein Verfolgungsprofil auf, weil sie für die sri-lankischen Sicherheits-

kräfte sehr verdächtig erscheine. Ausserdem habe sie ihr Engagement für 

die tamilische Sache in der Schweiz weitergeführt, wie die beiliegenden 

Fotos ihrer Teilnahme an eine Demonstration in D._______ belegen wür-

den. Als weiterer Verdachtsmoment sei die Flucht des für die TNPF tätigen 

Bruders ins Ausland zu sehen. Diese Umstände seien in der Anhörung 

nicht rechtsgenügend erfasst und näher abgeklärt worden, weshalb der 

Fall zurückzuweisen sei. Im Fall ihrer Rückkehr nach Sri Lanka müsste sie 

aufgrund ihres Engagements im Heimatland und in der Schweiz mit ihrer 

sofortigen Verhaftung und mit einem Strafverfahren wegen Unterstützung 

terroristischer Organisationen rechnen. Sie sei somit eventualiter als 

Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu gewähren, allenfalls sei sie 

vorläufig aufzunehmen. 

4.3 In seiner Vernehmlassung stellte sich das SEM auf den Standpunkt, 

dass die anlässlich der Anhörung übersetzende Person – entgegen der Ar-

gumentation in der Beschwerde – sehr wohl geeignet gewesen sei, zumal 

sie einen erfahrenden und kompetenten Eindruck gemacht, genau über-

setzt und im Allgemeinen sowie auch gegenüber der Beschwerdeführerin 

freundlich gewirkt habe. Zudem habe die anwesende Hilfswerksvertretung 

keine Mängel zu den Deutschkenntnissen oder der Neutralität der dolmet-

schenden Person geltend gemacht. Vor diesem Hintergrund sei die Durch-

führung einer ergänzenden Anhörung nicht angezeigt. Die von der Be-

schwerdeführerin eingereichten Beweismittel (Fotos und Bestätigungs-

schreiben des Rechtsanwaltes in Sri Lanka) vermöchten an der Beurtei-

lung des SEM nichts zu ändern. Zudem könne die Rüge der Beschwerde-

führerin nicht gehört werden, wonach anlässlich der Anhörung das von ihr 

in der Schweiz weitergeführte Engagement für die tamilische Sache und 

die Aktivitäten ihres ins Ausland geflohenen Bruders für die TNPF nicht ge-

klärt worden seien, da die Anhörung im August 2015 stattgefunden habe, 

während die von ihr geltend gemachte Teilnahme an einer Demonstration 

erst im September 2015 gewesen und der Bruder sogar erst im Februar 

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2016 aus seinem Heimatland geflohen sei. Unter diesen Umständen könne 

nicht die Rede davon sein, dass diese Umstände aufgrund der Mängel der 

Anhörung nicht rechtsgenügend erfasst und abgeklärt worden seien. Dem 

Bestätigungsschreiben des Rechtsanwaltes in Sri Lanka komme überdies 

nur ein äusserst geringer Beweiswert zu, da es sich auch um ein Gefällig-

keitsschreiben handeln könne.  

4.4 In ihrer Replik legte die Beschwerdeführerin dar, dass die Ausführun-

gen der Vorinstanz implizit die in der Beschwerde enthaltenen Beanstan-

dungen bestätigen würden. Das SEM habe eine dolmetschende Person 

beigezogen, welche von ihm nicht überprüft worden sei. Es genüge nicht, 

dass diese aus der Sicht des SEM einen erfahrenen und kompetenten Ein-

druck gemacht und freundlich gewirkt habe. Vielmehr müsste ihre Qualifi-

kation anhand von Kriterien belegt sein. Als Strafverteidiger habe der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin schon mehrfach erlebt, dass eine 

kompetent wirkende und gut Deutsch sprechende dolmetschende Person 

wesentliche Aspekte falsch oder sinnverändernd übersetzt habe, weshalb 

ein falscher Gesamteindruck entstanden sei, der sich auf die Glaubhaf-

tigkeit der Aussagen ausgewirkt habe. Da das SEM zudem über die Quali-

fikation der dolmetschenden Person schweige, sei von einer erheblichen 

Übersetzungsproblematik auszugehen.  

5.  

5.1 Vorab sind die formellen Rügen und damit verbundenen Rückwei-

sungsanträge zu prüfen, welche auf Beschwerdeebene vorgebracht wur-

den. 

 

5.2 Von der Beschwerdeführerin wurde gerügt, das SEM habe seine 

Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig festzu-

stellen, sowie die ihm obliegende Prüfungs- und Begründungspflicht ver-

letzt, was eine Verletzung des Gehörsanspruchs darstelle. Weitere Abklä-

rungen und eine weitere Anhörung hätten sich vorliegend aufgedrängt, weil 

der Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden sei.  

5.2.1 Das SEM habe anlässlich der Anhörung die von der Beschwerdefüh-

rerin geltend gemachte exilpolitische Tätigkeit nicht näher abgeklärt und 

die Tatsache, dass ihr Bruder infolge seiner Tätigkeit für die TNPF behörd-

lich gesucht worden sei und aus dem Heimatland habe fliehen müssen, 

nicht berücksichtigt. Ausserdem habe es eine unqualifizierte dolmet-

schende Person bei der Anhörung eingesetzt, was sich aus den teilweise 

grammatikalisch bedenklichen und kurzen Sätzen ergebe. Damit habe nur 

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eine mangelhafte Anhörung stattgefunden. Zudem habe das SEM Teile des 

Sachverhaltes nicht rechtsgenüglich abgeklärt, indem es die Teilnahme der 

Beschwerdeführerin an einer Demonstration in D._______ und die Aus-

reise des für die TNPF tätigen Bruders unberücksichtigt gelassen habe.  

5.2.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden 

den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei 

muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-

lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber 

ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung 

dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter 

belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sach-

verhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den 

Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für 

die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die 

Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement 

umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen 

sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als 

angezeigt erscheinen (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schind-

ler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren 

[VwVG], Zürich 2008, Rz. 15 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in Auer/Müll-

ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 28 zu Art. 49). Alle erheblichen Parteivor-

bringen sind sodann zu prüfen und zu würdigen (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 

35 Abs. 1 VwVG), wobei sich das Ergebnis der Würdigung in der Ent-

scheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. Art. 35 VwVG). Nach den 

von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die verfügende Be-

hörde im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, 

von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die 

Begründung des Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene 

ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich 

jedoch nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen, 

sondern kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte 

beschränken. Mit der Pflicht zu Offenlegung der Entscheidgründe kann zu-

dem in der Regel verhindert werden, dass sich die Behörde von unsach-

gemässen Motiven leiten lässt (vgl. dazu LORENZ KNEUBÜHLER, in: 

Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar a.a.O., Rz. 6 ff. zu Art. 35; ALF-

RED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI; Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 201, N. 629 ff.; BVGE 

2007/30 E. 5.6; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1). 

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Seite 12 

5.2.3 Vorliegend kann die Rüge, das SEM habe das in der Schweiz weiter-

geführte Engagement der Beschwerdeführerin für die tamilische Sache 

und die Aktivitäten ihres Bruders für die TNPF sowie dessen Flucht ins 

Ausland anlässlich der Anhörung nicht näher abgeklärt, nicht geteilt wer-

den. Anlässlich der am 19. August 2015 durchgeführten Anhörung legte die 

Beschwerdeführerin nämlich dar, ihre beiden Brüder würden immer noch 

in Sri Lanka leben (vgl. Akte A139 S. 3). Aktivitäten eines Bruders für die 

TNPF, dessen Probleme mit den sri-lankischen Sicherheitskräften und des-

sen Flucht aus dem Heimatland machte sie nicht geltend. Vielmehr brachte 

sie diesen Sachverhalt erst in der Beschwerde vom 30. März 2017 vor. 

Unter diesen Umständen kann dem SEM nicht vorgeworfen werden, dass 

es diesen Sachverhalt anlässlich der Anhörung hätte näher abklären müs-

sen, zumal das SEM dazu keinen Anlass hatte, sondern sich vielmehr auf 

die Aussage der Beschwerdeführerin, wonach beide Brüder in Sri Lanka 

lebten, stützen durfte. Überdies legte die Beschwerdeführerin weder an-

lässlich der Befragung noch anlässlich der Anhörung dar, sich in der 

Schweiz für die tamilische Sache eingesetzt zu haben, obwohl dazu Gele-

genheit bestanden hätte (vgl. beispielsweise Akte A13/39 S. 37 Frage 448). 

Erstmals erwähnte sie in ihrer Beschwerde vom 30.März 2017, dass sie 

sich in der Schweiz für die tamilische Sache eingesetzt habe, wobei sie in 

diesem Zusammenhang konkret bloss von der Teilnahme an einer De-

monstration im September 2015 sprach. Da die Anhörung im August 2015 

durchgeführt wurde, während die Teilnahme der Beschwerdeführerin an ei-

ner Demonstration in der Schweiz erst im September 2015 stattgefunden 

haben soll, hatte das SEM auch diesbezüglich keinen Grund, sie darüber 

näher zu befragen. Schliesslich kann den Akten auch nicht entnommen 

werden, dass die Beschwerdeführerin das SEM nach der Anhörung über 

ihre exilpolitischen Tätigkeiten und über das Vorbringen, ihr Bruder habe 

Sri Lanka wegen seines Engagements für die TNPF und der in diesem Zu-

sammenhang stehenden behördlichen Suche verlassen müssen, orientiert 

hat, obwohl sich die nunmehr im Beschwerdeverfahren geltend gemachten 

Sachverhaltsteile mehr als ein Jahr vor dem Erlass der angefochtenen Ver-

fügung ereignet haben sollen und es im Rahmen der Mitwirkungspflicht bei 

der Feststellung des Sachverhalts in der Verantwortung der Beschwerde-

führerin gelegen wäre, das SEM darüber in Kenntnis zu setzen. Unter die-

sen Umständen entbehrt der Vorwurf, das SEM habe den diesbezüglichen 

Sachverhalt aufgrund der Umstände anlässlich der Anhörung nicht rechts-

genüglich festgestellt beziehungsweise abgeklärt, jeder Grundlage.  

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Seite 13 

5.2.4 Sodann kann auch der Argumentation in der Beschwerde, wonach 

eine unzureichend deutsch sprechende dolmetschende Person für die An-

hörung eingesetzt worden sei, was zu Verständnisproblemen, fehlerhaften 

Übersetzungen und kurzen Antworten seitens der Beschwerdeführerin und 

letztlich zu einer ungenügenden Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts geführt habe, nicht gefolgt werden. Diesbezüglich ist zunächst fest-

zuhalten, dass die Beschwerdeführerin das Anhörungsprotokoll vorbehalt-

los unterschrieben und damit zum Ausdruck gebracht hat, dass ihr dieses 

rückübersetzt worden ist und dass die darin enthaltenen Aussagen den ih-

ren entsprechen. Unter diesen Umständen hat sie sich einerseits die in 

diesem Protokoll enthaltenen Angaben grundsätzlich voll und ganz anrech-

nen zu lassen; andererseits spricht bereits diese Tatsache dagegen, dass 

eine namhafte Übersetzungsproblematik bestanden hätte, welche zu ver-

fälschten Aussagen und damit zu einem unvollständig abgeklärten Sach-

verhalt geführt haben könnte, zumal die Beschwerdeführerin in diesem Fall 

bei der Rückübersetzung entsprechende Bemerkungen vorgebracht hätte. 

Ausserdem hat die der Anhörung bewohnende Hilfswerksvertretung keine 

Anmerkungen – auch nicht betreffend der Übersetzung – angebracht, was 

ein weiterer Hinweis dafür ist, dass keine gravierenden Verständigungs-

probleme, gestützt auf welche der Inhalt der Aussagen der Beschwerde-

führerin massgeblich unkorrekt wiedergegeben worden wäre, bestanden 

haben. Schliesslich ergibt sich aus der Durchsicht des Protokolls selber, 

dass einige Verständigungsprobleme bestanden haben (vgl. beispiels-

weise Fragen 45 f., 50 und 69 ff.) und einige Antworten der Beschwerde-

führerin in mangelhaftem Deutsch protokolliert worden sind (vgl. beispiels-

weise Fragen 154, 299, 303). Letzteres lässt zwar den Schluss zu, dass 

die dolmetschende Person nicht oder nicht immer in perfektem Deutsch 

gesprochen haben mag. Indessen ist aus den grammatikalisch nicht immer 

korrekt übersetzten Antworten der Beschwerdeführerin nicht zu schliessen, 

dass ihre Vorbringen auch inhaltlich nicht dem entsprechen, was sie insge-

samt darlegte. Jedenfalls ist dieser Schluss aus der gesamthaften Betrach-

tungsweise des Anhörungsprotokolls nicht zu ziehen. Vielmehr ergibt sich, 

dass die Beschwerdeführerin ihre Vorbringen insgesamt trotz einiger holp-

riger oder schwer verständlicher deutscher Sätze insgesamt hat darlegen 

können. Auch vermag die Tatsache, dass sie verschiedene Fragen nicht 

beim ersten Mal verstanden hat oder darum bat, diese erneut zu stellen, 

nicht zum Schluss zu führen, dies sei aufgrund einer durchwegs mangel-

haften Übersetzung geschehen. Wenn eine befragte Person um Wieder-

holung der Frage bittet oder zu erkennen gibt, sie habe die Frage nicht 

verstanden, bedeutet dies, dass sie nicht in der Lage war, die Frage auf 

Anhieb verstehen zu können. Dies hängt jedoch nicht oder nicht immer 

D-1926/2017 

Seite 14 

notwendigerweise mit einer mangelhaften Übersetzung zusammen, son-

dern kann auch auf die Persönlichkeit der betroffenen Person selber – bei-

spielsweise in Bezug auf ihre Konzentrationsfähigkeit oder auf ihr Sprach-

verständnis – zurückzuführen sein. Vorliegend ist zudem festzuhalten, 

dass die von der befragenden Person gestellten Fragen der Beschwerde-

führerin in ihrer Muttersprache gestellt worden sind und somit davon aus-

zugehen ist, dass sie grammatikalisch korrekt und für eine Tamil spre-

chende Person wie die Beschwerdeführerin verständlich waren, weshalb 

die damit zusammenhängenden Verständigungsprobleme wohl nicht mit 

einer grammatikalisch unkorrekten Sprache im Zusammenhang stehen, 

sondern einen anderen Grund haben. Ausserdem ist entscheidend, dass 

die Beschwerdeführerin mit der Bitte um Wiederholung der Frage oder mit 

der Feststellung, sie habe die Frage nicht verstanden, eine Wiederholung 

der Frage oder ein erneutes Fragen in anderen Worten bewirkt und sich 

damit die Möglichkeit eingeräumt hat, das Verständigungsproblem selber 

aus dem Weg zu räumen, was ihr letztlich mit der anschliessenden Beant-

wortung der jeweiligen Fragen auch gelungen ist. Unter diesen Umständen 

vermag die in wenigen Teilen des Anhörungsprotokolls sichtliche sprach-

lich nicht perfekte deutsche Übersetzung insgesamt – entgegen der Argu-

mentation in der Beschwerde – nicht zum Schluss zu führen, die Angaben 

der Beschwerdeführerin seien unvollständig, falsch oder unkorrekt proto-

kolliert worden, was sich auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ausgewirkt 

habe. Die Feststellung in der Beschwerde, wonach die protokollierende 

Person die Antworten der Beschwerdeführerin „geglättet“ oder korrigiert 

habe, entbehrt zudem angesichts der Tatsache, dass auch auf dem Beiblatt 

der Hilfswerksvertretung keine entsprechenden Anmerkungen erwähnt 

sind, jeder sichtbaren Grundlage und stellt eine blosse Behauptung dar, 

welche nicht belegt ist und sich auch aus dem Protokoll selber nicht ergibt. 

Insgesamt sind somit aus dem Anhörungsprotokoll keine schwerwiegen-

den Mängel ersichtlich, welche auf eine mangelhafte Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts schliessen liessen. Folglich kann dem 

SEM nicht vorgeworfen werden, es habe für die Anhörung eine ungeeig-

nete dolmetschende Person eingesetzt und damit das rechtliche Gehör so-

wie den Untersuchungsgrundsatz verletzt, weil der Sachverhalt aufgrund 

der mangelhaften Übersetzung nicht rechtsgenüglich festgestellt worden 

sei. Der Sachverhalt ist im Übrigen auch im heutigen Zeitpunkt als ausrei-

chend erstellt zu erachten. Nach dem Gesagten ergibt sich insgesamt, 

dass im vorliegenden Fall die Rügen, wonach das SEM den Sachverhalt 

ungenügend festgestellt sowie den Untersuchungsgrundsatz und das 

rechtliche Gehör verletzt habe, unbegründet sind. Die geltend gemachte 

Verletzung des rechtlichen Gehörs ist folglich ebenso abzuweisen wie der 

D-1926/2017 

Seite 15 

Antrag, es sei eine erneute Anhörung mit einer qualifizierten dolmetschen-

den Person durchzuführen. 

5.3 Nach dem Gesagten besteht somit keine Veranlassung, die angefoch-

tene Verfügung des SEM aus formellen Gründen aufzuheben und die Sa-

che zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Der entsprechende 

Antrag ist daher abzuweisen.  

6.  

6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 i.V.m. Art. 7 AsylG gestützt auf die 

geltend gemachten Vorfluchtgründe zu Recht verneint hat. 

 

6.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,  

SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-

fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-

lichen Schutz erwarten kann. Massgeblich für die Beurteilung der Flücht-

lingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids, wobei erlit-

tene Verfolgung oder eine bestehende begründete Furcht vor Verfolgung 

auf eine andauernde Gefährdung hinweisen können. Veränderungen der 

Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu 

Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2013/11 

E. 5.1 S. 141 f., m.w.H.). 

 

6.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum 

strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für 

D-1926/2017 

Seite 16 

gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden 

Person. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-

richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für 

wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). 

6.4 Nach der Durchsicht der Protokolle gelangt das Bundesverwaltungsge-

richt – in Übereinstimmung mit dem SEM – zur Überzeugung, dass die 

Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaf-

tigkeit nicht standzuhalten vermögen. Dabei sind – wie den nachfolgenden 

Erwägungen zu entnehmen ist – nicht nur die widersprüchlichen Aussagen 

von Bedeutung; vielmehr fällt auch ins Gewicht, dass die Beschwerdefüh-

rerin den Sachverhalt anlässlich der Anhörung wenig präzise und ober-

flächlich sowie substanzlos und einsilbig sowie oft ausweichend dargestellt 

hat. Wie ein roter Faden zieht sich die Substanzlosigkeit ihrer Aussagen 

durch das Anhörungsprotokoll, und die befragende Person musste an zahl-

reichen Stellen nachfragen beziehungsweise die Beschwerdeführerin auf 

die ihr gestellten Frage verweisen, weil sie auszuweichen versuchte. Aus-

serdem hat sie sich mehrfach widersprochen.  

6.4.1 Auch in der Beschwerde wurde zugegeben, dass die Aussagen der 

Beschwerdeführerin insgesamt substanzlos ausgefallen sind. Der Argu-

mentation, wonach dies auf die mangelhafte Übersetzung zurückzuführen 

sei, kann indessen nicht gefolgt werden. Wie den vorangehenden Erwä-

gungen entnommen werden kann, haben nicht die sprachlichen Unkorrekt-

heiten der dolmetschenden Person anlässlich der Anhörung zu substanz-

losen Aussagen geführt. Vielmehr hätte die Beschwerdeführerin bei zahl-

reichen Gelegenheiten während der Anhörung mehrmals die Möglichkeit 

gehabt, ausführlich und detailreich über ihre Fluchtgründe zu berichten. Sie 

beschränkte sich indessen durchwegs auf äusserst knappe Antworten, wo-

bei die Ursache dafür nicht in einer ungenügenden Übersetzung liegt. Der 

Beschwerdeführerin ist es in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht ge-

lungen, konkrete und überzeugende Details zu den beiden geltend ge-

machten Festnahmen, zu ihrer angeblichen Verfolgung wegen ihrer unter-

D-1926/2017 

Seite 17 

geordneten Propagandatätigkeit für die Wahlen und zu den ihr vorgewor-

fenen Kontakten zu Personen aus dem Umkreis der LTTE darzulegen. Um 

unnötige Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die entsprechenden Er-

wägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen (vgl. Ziff. II./3.).  

6.4.2 In Ergänzung dazu kann festgehalten werden, dass sich die Be-

schwerdeführerin auch in widersprüchliche Aussagen verstrickt hat und 

diese nicht klären konnte. 

6.4.2.1 So sagte sie anlässlich der Befragung aus, sie sei vom CID ins 

G._______ Camp mitgenommen worden (vgl. Akte A6/11), während sie ge-

mäss den Ausführungen in der Anhörung zur Polizeistation von G._______ 

gebracht worden sei (vgl. Akte A13/39 S. 20). Anlässlich der Gewährung 

des rechtlichen Gehörs stritt sie die erste Angabe ab (vgl. Akte A13/39 S. 

20), womit der Widerspruch jedoch bestehen bleibt.  

6.4.2.2 Des Weiteren legte sie zunächst dar, die Person namens 

N._______ nicht zu kennen (vgl. Akte A13/39 S. 14 f.), während sie gemäss 

weiteren Aussagen mit dieser Person und zwei weiteren, welche sie als 

Freunde bezeichnet hat, an einem Aufstand teilgenommen habe (vgl. Akte 

A13/39 S. 23). Ihre Erklärung, dieser N._______ sei eine andere Person 

als der andere N._______, vermag indessen nicht zu überzeugen, sondern 

stellt einen untauglichen Erklärungsversuch dar. Die Beschwerdeführerin 

wurde nämlich zuvor aufgefordert, die Namen dieser Freunde zu nennen 

und erwähnte daraufhin zwei Personen, nicht aber die Person namens 

N._______ (vgl. Akte A13/39 S. 11).  

6.4.2.3 Unterschiedlich gab sie auch an, wann sie festgenommen worden 

sei: Während dies gemäss ihrer einen Version am 9. Oktober 2013 und am 

5. Mai 2014 gewesen sei (vgl. Akte A6711 S. 6), sollen die Festnahmen 

gemäss ihrer zweiten Version am 9. Oktober 2013 und am 5. März 2014 

gewesen sein (vgl. Akte A13/39 S. 8). Ihre Erklärung, sie habe zuerst aus 

Stress ein falsches Datum angegeben, ist nicht überzeugend (vgl. Akte 

A13/39 S. 26). Bezeichnenderweise will sie gemäss ihren Angaben in der 

Beschwerde dann wieder am 5. Mai 2014 festgenommen worden sein. An-

gesichts dessen, dass die Person namens Jeyakumari ebenfalls im März 

2014 festgenommen wurde (vgl. Case History: Balendran Jeyakumari, ge-

funden auf: https://www.frontlinedefenders.org/en/case/case-history-ba-

lendran-jeyakumari, aufgesucht am 31. Mai 2017), erscheint die Korrektur 

der Beschwerdeführerin auch als nachträgliche Anpassung des Sachver-

halts, um einen Bezug zu Jeyakumari herzustellen.  

https://www.frontlinedefenders.org/en/case/case-history-balendran-jeyakumari
https://www.frontlinedefenders.org/en/case/case-history-balendran-jeyakumari

D-1926/2017 

Seite 18 

6.4.3 Darüber hinaus sind verschiedene Erklärungen der Beschwerdefüh-

rerin nicht nachvollziehbar: 

6.4.3.1 So sagte sie aus, sie sei unter dem Vorwurf, Kontakt zu den LTTE 

zu haben, festgenommen worden, weil sie Wahlpropaganda für ihren On-

kel betrieben habe. Gestützt auf ihre weiteren Aussagen (vgl. Akte A6/11 

S. 6 und A13/39 S. 27 f.) soll ihr Onkel für die TNA kandidiert und gewonnen 

haben, jedoch mit dem CID keine Probleme gehabt haben. Aus ihren Aus-

sagen ergeben sich keine nachvollziehbaren Gründe, warum der Be-

schwerdeführerin aufgrund ihres Engagements bei den Wahlen Kontakte 

zu den LTTE hätten vorgeworfen werden sollen, während ihr Onkel, für 

welchen sie Wahlpropaganda betrieben haben soll und welcher offenbar 

keine Verbindung zu den LTTE hat, nicht unter diesem Vorwurf und somit 

nicht im Interesse des CID gestanden haben soll.  

6.4.3.2 Ebensowenig kann nachvollzogen werden, warum der Beschwer-

deführerin Kontakte zu den LTTE hätten vorgeworfen werden sollen, ob-

wohl sie gar nicht mit Leuten der LTTE in Kontakt gewesen sei (vgl. Akte 

A13/39 S. 15) und Jeyakumari nur an einem Tag gesehen und sich von ihr 

abwendet habe, nachdem diese ihre Geschichte erzählt habe (vgl. Akte 

A13/39 S. 30). Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführerin 

wegen dieser kurzen Begegnung asylrelevante Nachteile entstanden sein 

können.  

6.4.3.3 In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass in der Be-

schwerde zwar geltend gemacht wurde, die Beschwerdeführerin sei wegen 

ihres Einsatzes in der Bewegung von Jeyakumari und wegen Kontakten zu 

den LTTE festgenommen worden; aufgrund ihrer Aussage, sie habe 

Jeyakumari nur an einem Tag gesehen und sich von ihr abgewendet, ist 

indessen nicht davon auszugehen, dass sie in Jeyakumaris Bewegung ak-

tiv war. Ferner ergibt sich aus ihren Aussagen, wie vorangehend erwähnt, 

dass sie gar keine Kontakte zu den LTTE gehabt hat. Somit sind diese 

nachträglichen Vorbringen nachgeschoben, nicht vereinbar mit ihren Aus-

sagen und somit unglaubhaft. 

6.4.4 Angesichts dieser Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten kann der 

Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden, dass sie in ihrem Heimatland 

zwei Mal unter dem Verdacht, mit Leuten der LTTE in Kontakt zu stehen, 

festgenommen und misshandelt worden ist. Ebenso wenig glaubhaft sind 

D-1926/2017 

Seite 19 

angesichts dieser Erwägungen ihre Angaben, wonach sie später, nach ih-

rem Wegzug nach J._______ zu Verwandten, erneut von den Sicherheits-

kräften gesucht worden sei.  

6.5 Insgesamt kann dem SEM folglich beigepflichtet werden, dass die von 

der Beschwerdeführerin geltend gemachten Fluchtgründe nicht glaubhaft 

sind. Unter dem Aspekt von Vorfluchtgründen kann sie nicht als Flüchtling 

anerkannt und es kann ihr kein Asyl gewährt werden. An dieser Einschät-

zung vermag das im Beschwerdeverfahren zu den Akten gereichte unda-

tierte Dokument „to whom it may concern“ eines Anwaltes nichts zu ändern, 

zumal das Dokument einerseits nur eine Farbkopie ist, deren Beweiswert 

aufgrund der leichten Fälschbarkeit ohnehin sehr niedrig ist, und es sich 

andererseits auch um ein Gefälligkeitsschreiben handeln könnte, was den 

Beweiswert zusätzlich erniedrigt. Beweise dieser Art sind aufgrund ihres 

tiefen Beweiswertes nicht geeignet, einen Sachverhalt in einem glaubhaf-

ten Licht erscheinen zu lassen, der sich aus anderen Gründen als unglaub-

haft herausgestellt hat.  

6.6 In Würdigung der gesamten Akten gelangt das Gericht zum Schluss, 

dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin überwiegend unglaubhaft 

ausgefallen sind. Die Argumentation des SEM ist zu bestätigen, zumal sich 

aus den Aussagen der Beschwerdeführerin zahlreiche Ungereimtheiten er-

geben, welche mit einer glaubhaften Darstellung nicht zu vereinbaren sind. 

6.7 Folglich ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, das Bestehen 

einer begründeten Furcht vor Verfolgung durch die sri-lankischen Behör-

den im Zeitpunkt ihrer Ausreise glaubhaft zu machen. An dieser Einschät-

zung vermag auch die erst im Beschwerdeverfahren vorgebrachte Flucht 

ihres Bruders aufgrund seiner Tätigkeit bei der TNPF und der in diesem 

Zusammenhang stehenden Verfolgung durch die sri-lankischen Sicher-

heitskräfte nichts zu ändern, zumal diesbezüglich gar kein Beweismittel zu 

den Akten gereicht und auch nicht dargelegt wurde, woher die Beschwer-

deführerin diese Informationen hat und seit wann sie dies wissen will. Ihre 

Darstellung lässt sich im Übrigen nicht mit ihren Angaben im erstinstanzli-

chen Verfahren vereinbaren. Dort erwähnte sie, dass sich ihre Brüder in Sri 

Lanka aufhalten würden. Ausserdem erwähnte sie keine politischen Aktivi-

täten eines Bruders.   

7.  

D-1926/2017 

Seite 20 

7.1 Des Weiteren ist die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführerin we-

gen ihrer Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr ins Hei-

matland ernsthafte Nachteile drohen würden. Diesbezüglich ist auf das Re-

ferenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1886/2015 vom 15. Juli 

2016 zu verweisen. Das Gericht hat sich in diesem Urteil ausführlich zur 

Situation in Sri Lanka und zu den sich aus verschiedenen internationalen 

Berichten ergebenden Risikofaktoren, welche im Fall einer Rückkehr nach 

Sri Lanka zu Verhaftung und Folter führen können, geäussert.  

 

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellte unter anderem fest, dass von 

den für die Jahre 2009 bis 2013 dokumentierten Verhaftungs- und Folter-

fällen von Rückkehrenden aus europäischen Ländern hauptsächlich Per-

sonen tamilischer Ethnie – sofern bekannt mehrheitlich aus dem Norden 

und Osten des Landes, teilweise aus Colombo – betroffen gewesen seien 

(vgl. a.a.O. S. 29 E. 8.3). Dennoch könne aus statistischen Gründen nicht 

generell angenommen werden, dass jeder aus Europa respektive der 

Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende allein aufgrund seines 

Auslandaufenthalts einer ernstzunehmenden Gefahr vor Verhaftung und 

Folter ausgesetzt sei, zumal es sich im Verhältnis zu den total zurückge-

kehrten Personen um einen Anteil von zwischen vier und fünf Prozent 

handle. Der Anteil der verhafteten und gefolterten Rückkehrenden gemes-

sen an der Gesamtzahl der Rückkehrenden falle somit zahlenmässig tief 

aus, weshalb zu ermitteln sei, ob gewisse Personen aufgrund bestimmter 

Merkmale eher Gefahr laufen würden, von den sri-lankischen Behörden 

misshandelt zu werden (vgl. a.a.O. S. 20 E. 8.3).  

 

7.3 Im Urteil werden verschiedene Risikofaktoren definiert, gestützt auf 

welche es zu vermehrten Festnahmen und Folterungen im Fall einer Rück-

kehr nach Sri Lanka gekommen ist. 

 

7.3.1 In erster Linie gefährdet sind konkret jene Rückkehrenden, deren 

Name in der am Flughafen in Colombo abrufbaren Datenbank („Stop-List“) 

aufgeführt ist. In dieser Datenbank werden Daten von Personen gespei-

chert, welche der Verbindung zu den LTTE oder terroristischer Aktivitäten 

verdächtigt werden oder gegen die eine gerichtliche Verfügung oder ein 

Haftbefehl besteht beziehungsweise ein Strafverfahren eröffnet wurde. 

Das Gericht stellte fest, es sei unklar, ob das Vorliegen einer früheren Ver-

haftung oder ein Strafregistereintrag tatsächlich zu einem Eintrag in die 

„Stop-List“ führe. Indessen ging das Gericht davon aus, dass eine Person, 

über welche eine Verhaftung beziehungsweise ein Strafregistereintrag im 

Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu 

D-1926/2017 

Seite 21 

den LTTE dokumentiert sei, von den sri-lankischen Behörden wohl als Ge-

fahr für den sri-lankischen Einheitsstaat wahrgenommen werde. Gelinge 

es der asylsuchenden Person, einen entsprechenden Nachweis zu erbrin-

gen, sei von einer begründeten Furcht vor einem ernsthaften Nachteil im 

Sinne des Gesetzes auszugehen. 

 

7.3.2 Weiter sei zu prüfen, ob im Fall von Asylsuchenden, welche eine ir-

gendwie geartete tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergan-

gene Verbindung zu den LTTE aufweisen würden, aus der Sicht der sri-

lankischen Regierung immer noch die Gefahr bestehe, den ethnischen 

Konflikt im Land wieder aufflammen zu lassen. Dies müsse im Einzelfall 

geprüft werden und sei von der betroffenen Person glaubhaft zu machen.  

 

7.3.3 Geltend gemachte exilpolitische Aktivitäten vermöchten dann eine re-

levante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne des Gesetzes zu be-

gründen, wenn der betroffenen Person seitens der sri-lankischen Behörden 

ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamili-

schen Separatismus zugeschrieben werde. Auch dies müsse im Einzelfall 

geprüft und von der betroffenen Person glaubhaft dargestellt werden.  

 

7.3.4 Ein Eintrag in der „Stop-List“, eine Verbindung zu den LTTE und exil-

politische Aktivitäten seien stark risikobegründend, weil sie bereits für sich 

allein genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht vor asylrelevan-

ter Verfolgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka führen könnten. Demge-

genüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Wie-

dereinreise in Sri Lanka, eine zwangsweise respektive durch die Internati-

onale Organisation für Migration (IOM) begleitete Rückführung nach Sri 

Lanka und Narben nur schwach risikobegründende Faktoren darstellen, 

was bedeute, dass sie in der Regel für sich allein genommen keine rele-

vante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne des Gesetzes zu begrün-

den vermöchten. Indessen könnten sie das Risiko einer rückkehrenden 

Person erhöhen, ins Visier der sri-lankischen Behörden zu geraten und ge-

nauer überprüft sowie über ihren Auslandaufenthalt befragt zu werden. In 

Kombination mit stark risikobegründenden Faktoren könnten sie die Gefahr 

einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung bei der Rückkehr nach Sri 

Lanka erhöhen. Auch das Vorliegen mehrerer schwach risikobegründender 

Faktoren könne die Annahme einer begründeten Furcht vor ernsthaften 

Nachteilen im Sinne des Gesetzes rechtfertigen. Jegliche glaubhaft ge-

machten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer allfälligen 

Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in 

einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen.  

D-1926/2017 

Seite 22 

 

7.4 In Bezug auf den vorliegenden Fall ist es der Beschwerdeführerin nicht 

gelungen, glaubhaft zu machen, dass sie mit den Behörden Sri Lankas re-

levante Probleme bekommen hat. Folglich ist in ihrem Fall nicht davon aus-

zugehen, dass sie in der Stop-List aufgeführt ist oder ihr Verbindungen zu 

den LTTE vorgeworfen werden. Vielmehr ist anzunehmen, dass sie vor ih-

rer Ausreise den Sicherheitskräften Sri Lankas gar nicht aufgefallen ist. Die 

von ihr geltend gemachte exilpolitische Tätigkeit beschränkt sich zudem 

gestützt auf die Angaben im Beschwerdeverfahren auf die Teilnahme an 

einer Demonstration in D._______ im September 2015 und auf ihren allge-

mein vorgebrachten Einsatz für die tamilische Sache. Aus den zu den Ak-

ten gegebenen vier Fotos ist bloss ersichtlich, dass sie bei einer Gruppe 

Menschen steht, von welchen einer eine Fahne hält. Aus ihren Vorbringen 

ergibt sich nicht, inwiefern und in welcher Art sie sich für die tamilische Sa-

che eingesetzt oder in welcher Weise, in welcher Häufigkeit und in welcher 

Intensität sie sich exilpolitisch engagiert haben will. Konkrete Angaben dar-

über, welchen Tatbeitrag sie im Einzelnen geleistet habe, fehlen. Ange-

sichts dessen, dass sie im Beschwerdeverfahren anwaltlich vertreten ist, 

kann indessen unter Hinweis auf die ihr obliegende Mitwirkungspflicht nach 

Art. 8 AsylG darauf verzichtet werden, eingehende Informationen über ihre 

exilpolitischen Tätigkeit in Erfahrung zu bringen. Es wäre an ihr selber ge-

legen, diese von sich aus in substanzieller Weise geltend zu machen, zu-

mal sie anwaltlich vertreten ist. Gestützt auf die eingereichten Beweismittel 

und die Angaben im Beschwerdeverfahren ist jedenfalls nicht davon aus-

zugehen, dass sie sich in exponierter Weise exilpolitisch betätigt hat und 

den sri-lankischen Geheimdiensten im Ausland deswegen aufgefallen sein 

könnte. Unter diesen Umständen vermag allein die Teilnahme an einer De-

monstration vor mehr als eineinhalb Jahren nicht dazu führen, dass sie im 

Fall einer Rückkehr ins Heimatland deswegen in eine ernsthafte asylrecht-

lich relevante Gefahr geraten würde. Zudem hatte sie vor dem Hintergrund 

der Unglaubhaftigkeit ihrer Asylvorbringen bei ihrer Ausreise nichts zu be-

fürchten, weshalb es nicht plausibel erscheint, dass sie ihr Heimatland 

nicht mit ihrem eigenen Reisepass kontrolliert über einen Grenzübergang 

verlassen habe. Ihre Angabe, sie habe ihren Reisepass verloren, erscheint 

infolgedessen wenig überzeugend. Unter diesen Umständen vermag der 

Vergleich zu anderen Personen, welche im Sommer 2013 aus der Schweiz 

nach Sri Lanka zurückgekehrt und dort festgenommen sowie inhaftiert und 

misshandelt worden sind, nicht zu überzeugen, zumal sich der vorliegende 

Sachverhalt als grundsätzlich verschieden davon erweist. Die entspre-

chenden Einwände im Beschwerdeverfahren können folglich nicht gehört 

werden.  

D-1926/2017 

Seite 23 

 

7.5 Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen ist das Bestehen von 

Nachfluchtgründen ebenfalls zu verneinen. Die Beschwerdeführerin hat 

nicht aufgezeigt, inwiefern in ihrem Fall bei einer Rückkehr nach Sri Lanka 

von einer begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne des Ge-

setzes auszugehen ist. Allein die Tatsache, dass die tamilische Beschwer-

deführerin aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrt, genügt für sich 

allein nicht, um von einer solchen Furcht vor Verfolgung auszugehen.  

7.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass insgesamt weder An-

lass besteht, die angefochtene Verfügung wegen Verletzung formellen 

Rechts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurück-

zuweisen noch asyl- beziehungsweise flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-

gungsgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM die Flüchtlingseigenschaft 

der Beschwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt 

hat. 

 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

D-1926/2017 

Seite 24 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in 

den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-

sig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im 

Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die 

D-1926/2017 

Seite 25 

aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wie-

derholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. Septem-

ber 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; 

T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde  

Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Be-

schwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 

2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, 

dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden 

Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im 

Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für 

die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner oder ihrer Festnahme 

und Befragung ein Interesse, verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. 

Diese Gründe seien im Wesentlichen durch die identifizierten Risikofakto-

ren abgedeckt (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, 

E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O., § 13 und 69). Dabei müsse dem Um-

stand gebührend Beachtung geschenkt werden, dass diese einzelnen As-

pekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise kein "real 

risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen 

könnten.  

Nachdem die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft gemacht hat, dass sie 

befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit 

der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Aus-

mass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihr 

würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in 

Sri Lanka drohen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im 

Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarer-

weise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug 

der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen 

Bestimmungen zulässig. 

9.4  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.4.1 Zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka im All-

gemeinen führte das SEM in der angefochtenen Verfügung aus, dass sich 

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Seite 26 

das Land seit dem Ende des Bürgerkrieges wieder unter Regierungskon-

trolle befinde und sich die allgemeine Situation deutlich verbessert habe. 

Der Wegweisungsvollzug in die Nord- und die Ostprovinz sowie ins Vanni-

Gebiet sei wieder zumutbar, wobei dies im Einzelfall eine sorgfältige Beur-

teilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien erfordere. In Würdigung al-

ler Umstände sei der Wegweisungsvollzug vorliegend zumutbar. Die Be-

schwerdeführerin verfüge in Sri Lanka über ein gut funktionierendes Fami-

liennetz; sie habe mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern im Norden des 

Landes gelebt. Zudem sei aufgrund ihres jungen Alters und ihres Schulab-

schlusses zu erwarten, dass sie in der Lage sein werde, eine wirtschaftli-

che Existenz aufzubauen. Auch verfüge sie über eine gesicherte Wohnsi-

tuation.  

9.4.2 Demgegenüber wurde in der Beschwerde geltend gemacht, dass sie 

aufgrund ihres bisherigen politischen Engagements und ihrer exilpoliti-

schen Tätigkeiten schnell wieder ins Visier der sri-lankischen Behörden ge-

raten würde. Zudem sei entgegen der Argumentation in der angefochtenen 

Verfügung der ältere Bruder nicht mehr in Sri Lanka, sondern im Ausland. 

Damit sei der behördliche Druck auf die Familie gestiegen, was die Reso-

zialisierung der Beschwerdeführerin erheblich erschweren werde. Sie habe 

ferner nur den ersten Schulabschluss, keine Berufsausbildung und sei 

noch nie erwerbstätig gewesen. Aus eigener Kraft werde sie deshalb ihren 

Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Angesichts der Gefährdung 

könne auch nicht von einer gesicherten Wohnsituation gesprochen wer-

den. Somit sei der Wegweisungsvollzug nicht zumutbar.  

9.4.3 Die vom SEM vorgenommene Einschätzung ist mit der vom Bundes-

verwaltungsgericht in BVGE 2011/24 getätigten Analyse der politischen 

und allgemeinen Lage in Sri Lanka vereinbar. Im Urteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 nahm das Bundesverwaltungsgericht eine neue Einschät-

zung der Situation in Sri Lanka vor (vgl. a.a.O. S. 49 ff. E. 13.2 ff.). Ange-

sichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin aus dem Distrikt 

O._______ und mithin nicht aus dem sogenannten "Vanni-Gebiet" stammt, 

ist vorliegend lediglich darüber zu befinden, inwiefern die Wegweisungs-

vollzugspraxis bezüglich der übrigen Nordprovinz (mit Ausnahme des 

"Vanni-Gebiets“ im Sinne der Definition in BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1) auf-

rechterhalten werden kann.  

9.4.4 Dabei stellte das Bundesverwaltungsgericht im erwähnten Urteil fest, 

dass die Wirtschaft in O._______ in den letzten Jahren einen weiteren Auf-

schwung erlebt habe, während die ökonomische Lage insbesondere der 

D-1926/2017 

Seite 27 

ländlichen tamilischen Bevölkerung in der übrigen Nordprovinz (mit Aus-

nahme des Vanni-Gebiets) angesichts der andauernden Besetzung von 

privatem und öffentlichem Land durch das sri-lankische Militär respektive 

der weiterhin hohen Zahl an intern Vertriebenen sowie der verhältnismäs-

sig hohen Lebenskosten nach wie vor fragil sei. Auch die humanitäre Situ-

ation habe sich nicht grundlegend verbessert. Folglich gehe das Bundes-

verwaltungsgericht davon aus, dass der Vollzug der Wegweisung in die 

Nordprovinz (ohne das Vanni-Gebiet) dann zumutbar sei, wenn individuelle 

Zumutbarkeitskriterien bejaht würden. Mithin müssten ein tragfähiges fami-

liäres oder soziales Beziehungsnetz sowie Aussichten auf eine gesicherte 

Einkommens- und Wohnsituation bejaht werden können. 

9.4.5 Der Argumentation in der Beschwerde ist entgegenzuhalten, dass die 

Beschwerdeführerin gestützt auf die Aktenlage als jung und gesund zu be-

trachten ist. Sie lebte gemäss ihren Angaben seit ihrer Geburt bis 2014 in 

G._______ und somit in einem Teil der Nordprovinz, in welchen der Vollzug 

der Wegweisung grundsätzlich zumutbar ist. Gestützt auf ihre Aussagen 

leben dort auch ihre Eltern und ein Bruder. Somit verfügt sie über ein fami-

liäres Beziehungsnetz an ihrem Herkunftsort, wobei davon auszugehen ist, 

dass ihr die Eltern bei der Rückkehr ins Heimatland behilflich sein werden 

und sie bei sich wieder aufnehmen, so dass sie sich wieder eingliedern 

kann. Gestützt auf die Aktenlage besuchte sie zwar nur die Schule bis zur 

(…) (O-Level) und übte keine berufliche Tätigkeit aus. Indessen ist auf-

grund der bekanntermassen engen familiären Verbindungen in Sri Lanka 

davon auszugehen, dass sie bei ihrer Rückkehr von ihren Eltern auch fi-

nanziell unterstützt werden wird. Ausserdem ist es ihr zuzumuten, sich im 

Heimatland um eine Ausbildungsmöglichkeit und/oder um eine Erwerbstä-

tigkeit zu bemühen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Ins-

gesamt ist davon auszugehen, dass sie sich nach ihrer Rückkehr ins Hei-

matland eine eigene Existenz aufbauen kann. Gestützt auf die persönli-

chen Verhältnisse der Beschwerdeführerin ist somit von begünstigenden 

Faktoren auszugehen und anzunehmen, dass sie bei einer Rückkehr nach 

Sri Lanka auf ein existierendes, tragfähiges familiäres Netz stossen und ihr 

der Einstieg ins Arbeitsleben gelingen wird. Auch wenn sie sich seit Juni 

2015 – mithin seit bald zwei Jahren – nicht mehr in ihrem Heimatland auf-

gehalten hat, ist nicht damit zu rechnen, dass sie bei ihrer Rückkehr nach 

Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten wird. Bezüglich der Ein-

wände im Beschwerdeverfahren aufgrund der politischen Aktivitäten und 

aufgrund der Ausreise ihres Bruders ist auf die vorangehenden Erwägun-

gen zu verweisen.  

D-1926/2017 

Seite 28 

9.4.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). ]). Da die unent-

geltliche Prozessführung gewährt worden ist, sind keine Verfahrenskosten 

zu erheben. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 29 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Eva Zürcher 

 

 

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