# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42089f71-9e4c-57a5-938b-05aa90756321
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-26
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 26.08.2015 LF150036
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LF150036_2015-08-26.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Zivilkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: LF150036-O/U 

 

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. A. Katzenstein, Vorsitzende, Oberrichter lic. iur. 

P. Diggelmann und Oberrichter lic. iur. et phil. D. Glur sowie Ge-

richtsschreiberin lic. iur. K. Würsch 

Urteil vom 26. August 2015 

in Sachen 

 

A._____,  

Berufungsklägerin, 

 
betreffend Erbausschlagung 

 
 

im Nachlass von B._____, geboren am tt.mm.1944, Staatsangehöriger von 
Italien, gestorben am tt.mm.2015, wohnhaft gewesen in C._____, 
 
 
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes in Erbschaftssachen des Bezirks-
gerichtes Winterthur vom 15. Juli 2015 (EN150088) 

- 2 - 

Erwägungen: 

1.1. Am tt.mm.2015 verstarb B._____, geboren am tt.mm.1944 (Erblasser), mit 

letztem Wohnsitz in C._____. Das Bezirksgericht Winterthur, Einzelgericht in 

Erbschaftssachen (fortan Vorinstanz), ermittelte als Erbin die Ehefrau des 

Erblassers, A._____ (act. 2). Mit Eingabe vom 8. Juli 2015 schlug A._____ die 

Erbschaft unbedingt und vorbehaltlos aus (act. 1). 

1.2. Mit Urteil vom 15. Juli 2015 nahm die Vorinstanz die Ausschlagungserklä-

rung gestützt auf Art. 570 Abs. 3 ZGB zu Protokoll. Die Gerichtsgebühr für die Er-

bausschlagung wurde auf Fr. 100.00 festgesetzt. Es wurde festgehalten, dass die 

Barauslagen Fr. 51.00 betragen und eventuell noch ausstehende Rechnungen für 

Zivilstandsurkunden vorbehalten bleiben würden. Die Kosten wurden A._____ 

auferlegt (act. 4 = act. 8 = act. 10 S. 3). 

2.1. Gegen dieses Urteil erhob A._____ (nachfolgend Berufungsklägerin) mit 

Eingabe vom 24. Juli 2015 (Datum Poststempel) rechtzeitig Berufung. Sie führt 

aus, nach eingehender Prüfung der ausstehenden Schulden des Erblassers habe 

sie festgestellt, dass sich die Ausstände in einem viel kleineren Rahmen bewegen 

würden als ursprünglich angenommen. Aus diesem Grund ziehe sie ihre Aus-

schlagungserklärung vom 8. Juli 2015 zurück. Das Urteil vom 15. Juli 2015 sei für 

nichtig zu erklären, damit sie das Erbe antreten könne (act. 9). 

2.2. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Art. 327 Abs. 1 ZPO; act. 1-

6). Auf weitere prozessleitende Schritte wurde verzichtet. Insbesondere wurde 

umständehalber auf die Einholung eines Kostenvorschusses verzichtet (Art. 98 

ZPO). 

3.1. Gemäss Art. 566 Abs. 1 ZGB sind die Erben befugt, die ihnen zugefallene 

Erbschaft auszuschlagen. Die Frist für die Ausschlagung beträgt drei Monate. Sie 

beginnt für die gesetzlichen Erben, soweit sie nicht nachweisbar erst später von 

dem Erbfall Kenntnis erhalten haben, mit dem Zeitpunkt, da ihnen der Tod des 

Erblassers bekannt geworden ist (Art. 567 ZGB). Geht bei der zuständigen Be-

hörde – im Kanton Zürich das Einzelgericht am Bezirksgericht (§ 137 lit. e GOG) – 

- 3 - 

eine Ausschlagungserklärung ein, so hat sie diese entgegenzunehmen und zu 

protokollieren (Art. 570 Abs. 1 und 3 ZGB). Nach der Praxis der Kammer hat das 

Einzelgericht dies zu tun, ohne dass es grundsätzlich befugt wäre, die Gültigkeit 

und namentlich die Rechtzeitigkeit der ihm eingereichten Ausschlagungserklärung 

zu prüfen (ZR 96 [1997] Nr. 29). 

Die Ausschlagung ist ein Gestaltungsrecht und muss als solche eindeutig, un-

missverständlich und unbedingt abgegeben werden. Im Hinblick auf ihre Funktion 

– unter den zur Erbschaft Berufenen wie auch im Verhältnis zu Dritten (insbeson-

dere Gläubigern) Klarheit zu schaffen – ist die Ausschlagungserklärung grund-

sätzlich unwiderruflich (BGE 129 III 305 E. 4.3; BSK ZGB II-Schwander, 5. A., Ba-

sel 2015, Art. 566 N 4; PraxKomm Erbrecht-Häuptli, 2. A., Basel 2011, Art. 566 

N 2). Die Kammer lässt einen Widerruf (innert Rechtsmittelfrist) jedoch aus Grün-

den der Praktikabilität ausnahmsweise zu bei Fehlen oder Einverständnis nach-

folgender Erben und noch nicht begonnener konkursamtlicher Nachlassliquidati-

on, das heisst wenn durch das Konkursamt noch keine Veröffentlichung der kon-

kursamtlichen Liquidation und kein öffentlicher Schuldenruf erfolgt ist. Dies wird 

damit begründet, dass die Erbausschlagung eine dem Erben zur Verfügung ge-

stellte Schutzmassnahme darstelle, von der er Gebrauch machen oder auf die er 

auch verzichten könne. Ein Widerruf der Ausschlagung sei folglich nur dann nicht 

mehr möglich, wenn ein nachberufener Erbe infolge der Ausschlagung selbst 

Erbansprüche geltend mache. Sei dies nicht der Fall, beurteile sich die Zulässig-

keit des Widerrufs einzig vom Gesichtspunkt der Erbschaftsgläubiger aus. Deren 

Stellung werde aber in der Regel eher verstärkt, wenn der Ausschlagende doch 

noch für die Erbschaftsschulden einstehe (ZR 71 [1972] Nr. 91; ZR 72 [1973] 

Nr. 42; vgl. auch OGer ZH LF130040 vom 11. Juni 2013).  

3.2. Gemäss dem Ausweis über den registrierten Familienstand hinterlässt der 

Erblasser seine Ehefrau, die Berufungsklägerin. Präzisierend wurde vom Zivil-

standsamt – aufgrund der italienischen Staatsangehörigkeit des Erblassers – 

festgehalten, dass der Ausweis keine Auskunft über allfällige nicht in die Schwei-

zer Zivilstandsregister eingetragene Kinder gebe. Mit dem Widerruf der Ausschla-

gungserklärung wird die vorbestehende gesetzliche Situation wiederhergestellt. 

- 4 - 

Es sind keine (nachberufenen) Erben bekannt (vgl. act. 2 und 6; Prot. S. 2), die 

durch den Widerruf in ihrer zu schützenden Rechtsposition resp. ihrem geschütz-

ten Vertrauen – die Protokollierung der Ausschlagungserklärung wurde neben der 

Berufungsklägerin nur dem Steueramt Winterthur mitgeteilt (act. 8 S. 3) – verletzt 

wären. Zudem wurde am Bezirksgericht Winterthur bzw. beim Konkursgericht 

(noch) kein Verfahren betreffend die konkursamtliche Liquidation des Nachlasses 

eröffnet (Prot. S. 2), womit es durch das Konkursamt auch noch nicht zur öffentli-

chen Bekanntmachung bzw. zum Schuldenruf gekommen sein kann. Unter den 

gegebenen Umständen stehen dem Widerruf der Ausschlagungserklärung auch 

keine Gläubigerinteressen entgegen. Der Erbe haftet nicht nur mit dem Erb-

schaftsvermögen, sondern auch mit seinem gesamten eigenen Vermögen für all-

fällige Schulden. Die Stellung der Gläubiger wird durch die Annahme der Erb-

schaft seitens der Berufungsklägerin deshalb eher verstärkt. Den Akten sind keine 

Hinweise auf eine Überschuldung der Berufungsklägerin zu entnehmen. Die 

Gläubigerinteressen erscheinen bei einem Widerruf der Ausschlagungserklärung 

somit nicht als gefährdet. 

3.3. Die Berufung ist demzufolge gutzuheissen, die Dispositiv-Ziffer 1 des vor-

instanzlichen Urteils vom 15. Juli 2015 betreffend die Protokollierung der Aus-

schlagungserklärung der Berufungsklägerin ist aufzuheben und es ist vom Wider-

ruf derselben Vormerk zu nehmen. 

4. Die Protokollierung der Erbausschlagung gehört zur sogenannten freiwilligen 

Gerichtsbarkeit. Im Verfahren auf einseitiges Vorbringen hat der Kläger oder An-

tragssteller, mithin der ausschlagende Erbe, die Kosten zu tragen. Dass das Ge-

richt, welches die Ausschlagung zu Protokoll nimmt, dafür eine Gebühr und den 

Ersatz seiner Auslagen vom ausschlagenden Erben verlangen kann (§ 8 Abs. 3 

GebV OG), erscheint durchaus gerechtfertigt. Schliesslich hat dieser die Behör-

den im eigenen Interesse, etwa zur Verhinderung der gesetzlichen Haftung für all-

fällige Schulden des Erblassers, angerufen und zum Handeln veranlasst (so die 

Praxis der Kammer, vgl. OGer ZH PF110044 vom 15. September 2011, 

LF110081 vom 16. August 2011 und PF130062 vom 10. Dezember 2013). Im vor-

liegenden Fall besteht kein Anlass, von dieser Regel abzuweichen. Die Vor-

- 5 - 

instanz ist richtig vorgegangen, indem sie die Ausschlagungserklärung der Beru-

fungsklägerin vom 8. Juli 2015 zu Protokoll nahm. Die Berufungsklägerin ist erst 

nach Fällung des vorinstanzlichen Entscheides zur Auffassung gelangt, dass sie 

ihre Ausschlagungserklärung zurücknehmen und das Erbe antreten wolle. Die 

vorinstanzliche Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 2-3 des Urteils vom 15. Juli 

2015) ist folglich zu bestätigen. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren 

ist in Anwendung von § 12 in Verbindung mit § 8 Abs. 3 GebV OG auf Fr. 200.00 

festzusetzen und der Berufungsklägerin gemäss dem Verursacherprinzip (sie hat 

das Verfahren durch ihren Widerruf verursacht) aufzuerlegen. 

Es wird erkannt:  

1. In Gutheissung der Berufung wird Dispositiv-Ziffer 1 (Protokollierung Aus-

schlagungserklärung) des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelge-

richt in Erbschaftssachen, vom 15. Juli 2015 aufgehoben, und es wird vom 

Widerruf der Erbausschlagung der Berufungsklägerin im Nachlass des 

B._____, geboren am tt.mm.1944, Staatsangehöriger von Italien, gestorben 

am tt.mm.2015, wohnhaft gewesen in C._____, Vormerk genommen. 

2. Die vorinstanzliche Kostenregelung wird bestätigt. 

3. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 200.00 festgesetzt. 

4. Die zweitinstanzlichen Kosten werden der Berufungsklägerin auferlegt. 

5. Schriftliche Mitteilung an die Berufungsklägerin, an das Steueramt Win-

terthur und das Bezirksgericht Winterthur, Einzelgericht in Erbschaftssa-

chen, je gegen Empfangsschein. 

Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmit-

telfrist an die Vorinstanz zurück. 

6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 

30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

- 6 - 

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). 

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG.  

Es handelt sich um eine vermögensrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert liegt unter 
Fr. 30'000.00. 

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. 
 
 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

II. Zivilkammer 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. K. Würsch 
 
 
versandt am: 

	Urteil vom 26. August 2015
	Erwägungen:
	Es wird erkannt:
	1. In Gutheissung der Berufung wird Dispositiv-Ziffer 1 (Protokollierung Ausschlagungserklärung) des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht in Erbschaftssachen, vom 15. Juli 2015 aufgehoben, und es wird vom Widerruf der Erbausschlagung ...
	2. Die vorinstanzliche Kostenregelung wird bestätigt.
	3. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 200.00 festgesetzt.
	4. Die zweitinstanzlichen Kosten werden der Berufungsklägerin auferlegt.
	5. Schriftliche Mitteilung an die Berufungsklägerin, an das Steueramt Winterthur und das Bezirksgericht Winterthur, Einzelgericht in Erbschaftssachen, je gegen Empfangsschein.
	Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist an die Vorinstanz zurück.
	6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (...