# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c20a695-c929-50df-b84d-cffd3dab3c5a
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-04-14
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.1999 sowie Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.1999
**Docket/Reference:** DB.2010.105
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2010_105_lx.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

Entscheid 

14. April 2011 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael 
Ochsner und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow 

In Sachen 

A   A G ,    

vertreten durch B&P tax and legal AG,  
Kramgasse 61, Postfach, 3000 Bern 7,  

gegen 

Beschwerdeführerin/ 
Rekurrentin,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Bau,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.1999 sowie 
Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.1999 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A.1.  Die  A  AG  (nachfolgend  die  Pflichtige)  mit  Sitz  in  B  bezweckt  gemäss 

Handelsregistereintrag den Erwerb und Handel mit Grundstücken sowie den Bau von 

Geschäftshäusern; ferner kann sie auch Handel mit Textilien betreiben und Beteiligun-

gen an anderen Unternehmen erwerben, verwalten und veräussern. Sie wird zu 100% 

von den Eheleuten C und D gehalten. Einziger Zeichnungsberechtigter ist C.  

Gemäss auf der Internetseite der U.S. Securities and Exchange Commission 

(SEC) publizierten Geschäftsberichten war C u.a. Mehrheitsaktionär und Präsident des 

Verwaltungsrats  und  ab  1998  Geschäftsführer  der  an  der  NASDAQ  kotierten  E.  Aus 

den Geschäftsberichten ging weiter hervor, dass er am 9. August 1999 einen Vertrag 

abschlossen hatte über den Verkauf eines Aktienanteils von 51% an der F AG an die E 

für einen Preis von 1'750'000 Aktien der E und USD 790'000.- sowie weiteren 350'000 

E-Aktien, falls die F in der Folge ein bestimmtes Ertragsziel erreichen würde. Der Ver-

trag wurde laut den Geschäftsberichten am 15. November 1999 vollzogen.  

Am 10. Mai 2004 erteilte der Vorsteher des Eidgenössischen  Finanzdeparte-

ments  der  Abteilung  Besondere  Steueruntersuchungen  (ASU)  der  Eidgenössischen 

Steuerverwaltung (ESTV) den Auftrag,  gegen die Pflichtige sowie  die Eheleute C und 

D und weitere natürliche und juristische Personen eine besondere Untersuchung nach 

Art.  190  ff.  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14.  Dezember 

1990 (DBG) durchzuführen. In der Folge fanden bei diversen Personen Hausdurchsu-

chungen und Aktenbeschlagnahmungen statt.  

Die  Eidgenössische  Bankenkommission  (EBK)  eröffnete  im  Juli  2007  eben-

falls  eine  Untersuchung  gegen  die  Pflichtige  und  diverse  sich  in  ihrem  Umfeld  bewe-

gende Gesellschaften (u.a. E, G) wegen möglicher Verletzungen finanzmarktrechtlicher 

Vorschriften.  Mit  superprovisorischer  Verfügung  vom  10.  August  2007  setzte  sie  u.a. 

einen Untersuchungsbeauftragten über die Pflichtige ein; ab diesem Zeitpunkt war al-

lein  dieser  berechtigt,  für  die  Pflichtige  zu  handeln.  Zur  Begründung  führte  sie  aus, 

dass  konkrete  Anhaltspunkte  dafür  vorlägen,  dass  die  Pflichtige  in  Verletzung  des 

Bundesgesetzes über die Banken und Sparkassen vom 8. November 1934 im Banken- 

und  Effektenhandelbereich  tätig  gewesen  sei.  Mit  Verfügung  vom  1.  November  2007 

setzte die EBK die Pflichtige in Liquidation und ernannte den Untersuchungsbeauftrag-

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

ten  zum  Liquidator.  Dieser  Entscheid  wurde  vom  Bundesgericht  bestätigt  (BGr, 

22. September 2009, 2C_276/2009).  

2.  In  der  Steuererklärung  für  das  Geschäftsjahr  1.1.  -  31.12.1999  deklarierte 

die  Pflichtige  einen  Reingewinn  von  Fr. 5'973.-  und  ein  steuerbares  Eigenkapital  von 

Fr. 217'348.-.  Das  kantonale  Steueramt  überwies  die  Akten  am  5.  Juni  2001  an  die 

ASU.  Mit  Auflage  vom  2.  November  2004  verlangte  der  Steuerkommissär  die  Einrei-

chung  von  detaillierten  Aufstellungen  über  den  Mietzinsertrag  und  Mieterspiegel.  Die 

Pflichtige antwortete mit Schreiben vom 15. November 2004. Am 8. Oktober 2008 er-

stattete  die  ASU  ihren  Untersuchungsbericht  (nachfolgend  Bericht  ASU),  und  am 

13. November  2008  nahm  die  Pflichtige  hierzu  Stellung.  Am  20.  Januar  und  am 

19. März  2009  fanden  Besprechungen  der  Steuerbehörden  mit  dem  Vertreter  der 

Pflichtigen statt.  

Am  21.  Oktober  2009  schätzte  der  Steuerkommissär  die  Pflichtige  für  die 

Staats-  und  Gemeindesteuern  1.1.  –  31.12.1999  mit  einem  steuerbaren  Reingewinn 

von Fr. … und einem steuerbaren Eigenkapital von Fr. 217'000.- ein und stellte für die 

direkte  Bundessteuer die Einschätzung mit einem steuerbaren Reingewinn  von Fr. … 

und einem Eigenkapital von Fr. 217'348.- in Aussicht. Darin rechnete er den Erlös von 

Fr. 9'009'000.- aus dem "Verkauf Beteiligung F" sowie von der F AG geleistete Zinsen 

von Fr. 18'000.- auf und verwies zur Begründung auf Ziff. 3.6 des Berichts ASU.  

B. Hiergegen liess die Pflichtige am 18. November 2009 Einsprache erheben 

und  beantragen,  die  Einschätzungen  wegen  Eintritt  der  Veranlagungsverjährung  auf-

zuheben;  eventualiter  sei  sie  gemäss  Steuererklärung  einzuschätzen;  subeventualiter 

sei  der  Beteiligungsabzug  zu  gewähren.  Das  kantonale  Steueramt  wies  die  Einspra-

chen am 8. April 2010 ab.  

C.  Mit  Beschwerde  bzw.  Rekurs  vom  7.  Mai  2010  wiederholte  die  Pflichtige 

die Einspracheanträge; weiter stellte sie das Subsubeventualbegehren, die Sache zur 

Untersuchung  an  das  kantonale  Steueramt  zurückzuweisen.  Zur  Begründung  des 

Hauptantrags  machte  sie  geltend,  die  Veranlagung  der  Steuerperiode  1999  sei  ver-

jährt. Der mit Eventualantrag verlangte Verzicht auf die Aufrechnungen sei gerechtfer-

tigt, weil sämtliche im Zusammenhang mit den Transaktionen F zugeflossenen Vermö-

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

genswerte treuhänderisch für einen H in Deutschland erworben und diesem übergeben 

worden  seien.  Es  habe  sich  um  ein  klassisches  Treuhandgeschäft  gehandelt  mit  der 

Folge, dass es weder auf der Stufe der Pflichtigen noch derjenigen von C irgendwelche 

Steuerfolgen  ausgelöst  habe.  Überdies  sei  selbst  bei  Verneinung  eines  Treuhand-

verhältnisses eine Zurechnung der von C abgeschlossenen Geschäfte an die Pflichtige 

nicht  zulässig,  da  die  entsprechenden  Voraussetzungen  der  bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung nicht erfüllt seien. Es handle sich um einen steuerfreien privaten Kapi-

talgewinn von C. Die Steuerbehörden verletzten durch ihre überspannten Anforderun-

gen  an  den  Nachweis  eines  Treuhandverhältnisses zudem  das  Verbot  des  überspitz-

ten  Formalismus.  Die  erfolgte  Besteuerung  verstosse  gegen  das  Leistungs-

fähigkeitsprinzip. Nur für den Fall, dass all diesen Anträgen nicht stattgegeben würde, 

machten sie weiter geltend, dass die Steuerbehörden das rechtliche Gehör der Pflichti-

gen  und  ihre  Untersuchungspflicht  verletzt  hätten,  da  sie  einfach  auf  den  Unter-

suchungsbericht der ASU abgestellt, insbesondere aber zwei von der Pflichtigen ange-

botene Zeugen nicht angehört hätten.  

Das  kantonale  Steueramt  beantragte  in  seiner  Beschwerde-/Rekursantwort 

vom 16. Juni 2010 Abweisung der Rechtsmittel. Darin hielt es an den bisherigen Aus-

führungen fest. Am 19. August 2010 schloss sich die ESTV in Antrag und Begründung 

den Ausführungen des kantonalen Steueramts an.  

25.  August  2010  verlangte  der  Präsident  der  Steuerrekurskommission  II  von 

der  Pflichtigen  Kostenvorschüsse  von  Fr.  17‘000.-  (Beschwerdeverfahren)  bzw.  von 

Fr. 36'000.-  (Rekursverfahren),  da  die  Eidgenössische  Finanzmarktaufsicht  (FINMA) 

mit  Verfügung  vom  28.  Juni  2010  den  Konkurs  über  die  Pflichtige  eröffnet  hatte.  Die 

Kostenvorschüsse wurden innerhalb erstreckter Frist geleistet.  

Auf  Anordnung  eines  zweiten  Schriftenwechsels  hielten  die  Pflichtige in  ihrer 

Replik  vom  6.  Dezember  2010  und  das  kantonale  Steueramt  in  seiner  Duplik  vom  

21. Dezember 2010 an ihren Anträgen fest. Die ESTV nahm am 24. Januar 2011 eben-

falls Stellung. Nach Erhalt der Kopien der Rechtsschriften der Gegenparteien beantrag-

te die Pflichtige am 2. Februar 2011 die Ansetzung eines weiteren Schriftenwechsels.  

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

1.  Die  bisherigen  Steuerrekurskommissionen  sind  per  1.  Januar  2011  zum 

Steuerrekursgericht mutiert (vgl. §§ 112 - 118a und §§ 147 - 153 des Steuergesetzes 

in der alten und neuen Fassung vom 8. Juni 1997 bzw. 13. September 2010, StG). Das 

vorliegende,  noch  bei  der  Steuerrekurskommission  II  eingegangene  Geschäft  ist  als 

Folge dieser Änderung der 1. Abteilung des Steuerrekursgerichts zugeteilt worden und 

wird unter den Geschäftsnummern 1 DB.2010.105/1 ST.2010.139 weitergeführt. 

2. Die Pflichtige stellte am 2. Februar 2011 den Antrag auf Durchführung eines 

dritten Schriftenwechsels. Falls dem Antrag nicht entsprochen werde, sei dies mit an-

fechtbarer Verfügung zu eröffnen. 

Die  Rekurskommission  ordnet  nur  ausnahmsweise  einen  weiteren  (zweiten) 

Schriftenwechsel an  (Art. 142 Abs. 3 DBG bzw.  § 148  Abs. 2  StG). Dies  erfolgt dann, 

wenn eine Rechtsschrift neue und relevante Vorbringen enthält. Vorliegend sind keine 

Gründe  für  die  Anordnung  eines  dritten  Schriftenwechsels  ersichtlich, denn  die  Dupli-

ken enthalten keine neuen Vorbringen, zu welchen das Steuerrekursgericht eine Stel-

lungnahme  der  Pflichtigen  benötigt.  Der  Antrag  auf  Anordnung  eines  weiteren  Schrif-

tenwechsels ist daher abzuweisen.  

Im  Übrigen  steht  es  der  Pflichtigen  nach  der  neuesten  bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung  frei,  von  sich  aus  eine  Stellungnahme  einzureichen,  wenn  sie  es  für 

notwendig  erachtet;  einer  ausdrücklichen  Fristansetzung  durch  das  Steuerrekursge-

richt  bedarf  es  nicht  mehr.  Zur  Wahrung  des  rechtlichen  Gehörs  reicht  es  aus,  die 

Rechtschriften  der Steuerverwaltungen der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zuzustel-

len. Äussert sich diese in der Folge nicht von sich aus, ist Verzicht auf einen weiteren 

Schriftenwechsel anzunehmen (BGE 133 I 98 E. 2.2. und 2.3). Einer förmlichen Frist-

ansetzung bedarf es nach Auffassung  des höchsten  Gerichts sogar ungeachtet eines 

formell gestellten Antrags auf Durchführung eines weiteren Schriftenwechsels nicht; im 

konkreten Fall hat das Bundesgericht die antragstellende Partei auch nicht auf dieses 

Äusserungsrecht hingewiesen (BGr, 16. Februar 2009, 2C_255/2008, www.bger.ch).  

Die Dupliken sind der Pflichtigen am 31. Januar 2011 zugesandt worden. Da-

mit ist den Anforderungen des rechtlichen Gehörs entsprochen worden. Am 2. Februar 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

2011 hat die Pflichtige hierzu eine Stellungnahme abgegeben; weitere Eingaben liegen 

nicht vor. Da es der Pflichtigen demnach frei stand, von sich aus eine weitere Stellung-

nahme  abzugeben,  ist  ihrem  Antrag  in  Ziff.  2  des  Schreibens  vom  2.  Februar  2011, 

eine allfällige Verweigerung eines weiteren Schriftenwechsels mittels anfechtbarer Ver-

fügung zu eröffnen, nicht zu folgen.  

3. a) Gemäss Art. 120 Abs. 1 Satz 1 DBG verjährt das Recht, eine Steuer zu 

veranlagen, fünf Jahre nach Ablauf der Steuerperiode.  

Die Verjährung beginnt nicht oder steht still (Abs. 2): 

a. während eines Einsprache-, Beschwerde- oder Revisionsverfahrens; 

b. solange die Steuerforderung sichergestellt oder gestundet ist;  

c.  solange  weder  der  Steuerpflichtige  noch  der  Mithaftende  in  der  Schweiz 

steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt haben.  

Die Verjährung beginnt neu mit (Abs. 3):  

a.  jeder  auf  die  Feststellung  oder  Geltendmachung  der  Steuerforderung  ge-

richteten  Amtshandlung,  die  einem  Steuerpflichtigen  oder  Mithaftenden  zur  Kenntnis 

gebracht wird;  

b. jeder ausdrücklichen Anerkennung der Steuerforderung durch den Steuer-

pflichtigen oder den Mithaftenden; 

c. der Einreichung eines Erlassgesuchs; 

d. der Einleitung einer Strafverfolgung wegen vollendeter Steuerhinterziehung 

oder wegen Steuervergehens.  

Das Recht, eine Steuer zu veranlagen, ist 15 Jahre nach Ablauf der Steuerpe-

riode auf jeden Fall verjährt (Abs. 4).  

Im kantonalen Recht entspricht der Wortlaut von § 130 StG dieser Regelung. 

Zu den Amtshandlungen gemäss Art. 120 Abs. 3 lit. a DBG bzw. § 130 Abs. 3 lit. a StG 

gehören  alle  Handlungen,  welche  auf  Fortführung  des  Verfahrens  gerichtet  sind.  In 

Betracht  kommt  etwa  ein  Schreiben  der  Veranlagungsbehörde  an  die  steuerpflichtige 

Person,  mit  welchem  Unterlagen  für  die  Veranlagung  eingefordert  werden  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 120 N 15 DBG 

und  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz,  2.  A.,  2006,  §  130  N  16 

StG). Amtshandlungen der Steuerbehörden, welche der steuerpflichtigen Person nicht 

zur  Kenntnis  gebracht  werden,  fallen  nicht  unter  diese  Bestimmung.  Die  Unterbre-

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

chungshandlung  muss  von  der  Behörde  vorgenommen  werden,  welche  zur  Feststel-

lung  oder  Geltendmachung  der  Steuerforderung  zuständig  ist.  Die  Unterbrechungs-

gründe bewirken, dass die relative Verjährungsfrist von fünf Jahren wieder neu zu lau-

fen beginnt.  

b) Das Recht zur Veranlagung für die Steuerperiode 1999 verjährte demnach 

allgemein  am  31.  Dezember  2004.  Das  kantonale  Steueramt  hat  mit  Auflage  vom  

2.  November  2004  indessen  u.a.  für  die  Steuerperiode  1999  (Staats-  und  Gemeinde-

steuern  sowie  direkte  Bundessteuer)  Unterlagen  zu  den  Mieterträgen  verlangt.  Diese 

Verfügung stellt eine Amtshandlung im Sinn von Art. 120 Abs. 3 lit. a DBG bzw. § 130 

Abs. 3 lit. a StG dar. Der Einwand der Pflichtigen in der Replik vom 6. Dezember 2010, 

der  Beweis  für  die  Zustellung  der  Auflage  vom  2.  November  2004  sei  nicht  erbracht 

worden, verfängt nicht, da sie – durch ihre heutige Vertreterin (...) – am 15. November 

2004 auf diese Auflage reagiert hat. Ihr Einwand erweist sich unter diesen Umständen 

als  trölerisch.  Damit hat die Veranlagungsverjährung  – zu einem allerdings nicht fest-

stellbaren  Zeitpunkt  zwischen  dem  2.  und  dem  15.  November  2004  –  neu  zu  laufen 

begonnen.  

In  der  Folge  fanden  am  20.  Januar  und  am  19.  März  2009  Besprechungen 

unter  Teilnahme  des  Steuerkommissärs  und  weiteren  Vertretern  der  Steuerbehörden 

sowie der Vertreterin der Pflichtigen statt. Dabei wurden die einzelnen offenen Punkte 

besprochen; mit Schreiben vom 7. April 2009 nahm die Pflichtige bzw. die Vertreterin 

nochmals  zum  Ergebnis  der  Besprechung  vom  19.  März  2009  Stellung.  Die  Bespre-

chungen  stellen  auf  Fortführung  des  Verfahrens  gerichtete  Amtshandlungen  dar,  so-

dass damit die fünfjährige Verjährungsfrist wiederum neu zu laufen begann.  

Am 21. Oktober 2009 wurde die Einschätzung für die Staats- und Gemeinde-

steuern  1.1.  –  31.12.1999  bzw.  der  Hinweis  direkte  Bundessteuer  1.1.  –  31.12.1999 

und  am  29.  Oktober  2009  die  Veranlagungsverfügung  direkte  Bundessteuer  (Steuer-

rechnung) versandt. Diese wurden am 26. Oktober bzw. 5. November 2009 zugestellt. 

Zu diesem Zeitpunkt war die Veranlagungsverjährung aufgrund des neuen Fristenlaufs 

noch nicht eingetreten, weshalb das kantonale Steueramt zur Vornahme der Einschät-

zungen  berechtigt  war.  Bei  diesem  Ergebnis  erübrigt  es  sich,  auf  die  Vorbringen  der 

Pflichtigen  in  Bezug  auf  die  Frage,  ob  die  Untersuchungshandlungen  der  ESTV  die 

Verjährungsfristen überhaupt unterbrochen haben, einzugehen.  

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

4. a) Die F AG war gemäss Handelsregister am 16. Juli 1998 mit einem Akti-

enkapital von 100 Namenaktien zu je Fr. 1'000.- gegründet worden. Nach Sachdarstel-

lung  der  Pflichtigen  erwarb  C  am  30.  August  1998  in  eigenem  Namen  51  Aktien;  der 

Vertrag  wurde  am  20.  Dezember  1998  vollzogen.  Seit  dem  19.  April  1999  war  C  als 

Präsident des Verwaltungsrats (und einziges Mitglied) für die Gesellschaft zeichnungs-

berechtigt. Am 9. August 1999 verkaufte er die 51 Aktien an die E; dieser Vorgang er-

gibt  sich  aus  dem  den  US-amerikanischen  Börsen-Aufsichtsbehörden  eingereichten 

und  von  dieser  publizierten  Quartalsabschluss  der  E  per  30.  Juni  1999,  welcher  im 

Anhang  den  vollständigen  Text  des  Vertrags  wiedergibt.  Als  Verkäufer  wird  darin  C 

genannt,  welcher  gemäss  Vertrag  über  51  Aktien  verfügte,  die  zum  Gegenstand  des 

Vertrags  erklärt  wurden.  In  der  ebenfalls  publizierten  Note  6c  des  Anhangs  zum  Ab-

schluss  per  31.  März  2000  der  E  wird  der  Vollzug  des  Verkaufsvertrags  am  15.  No-

vember  1999  vermeldet.  Über  die  Aushändigung  der  Aktien  und  die  Bezahlung  des 

Kaufpreises liegen keine Belege vor; diese Vorgänge werden von der Pflichtigen aller-

dings auch nicht grundsätzlich bestritten. Sowohl Erwerb als auch Verkauf der F-Aktien 

durch  C  in  seinem  Namen  sind  damit  nachgewiesen,  unter  Vorbehalt  des  von  der 

Pflichtigen erhobenen Einwands des treuhänderischen Erwerbs für H in Deutschland.  

b) Das kantonale Steueramt rechnete den Gewinn aus dem Verkauf der F von 

nach  seinen  Feststellungen  netto  Fr.  9'009'000.-  der  Pflichtigen  zu.  Zur  Begründung 

verwies  es  im  Einschätzungsentscheid  auf  Ziff.  3.6  des  Berichts  ASU,  den  es  aus-

zugsweise  dem  Einschätzungsentscheid  beilegte.  Darin  wird  festgehalten,  dass  die  F 

vor ihrem Verkauf vor allem von der G mit Darlehenskapital ausgestattet worden war. 

Anschliessend  wird  der  Verkauf  der  F  an  die  E  durch  C  geschildert  und  im  Wesentli-

chen  der  Frage  nachgegangen,  wer  alles  E-Aktien  gehalten  hat.  Ferner  wird  festge-

stellt, dass die G Hauptgläubigerin der F gewesen sei. Abschliessend wird ausgeführt, 

dass die berufliche Stellung von C in der G, der E (Präsident des Verwaltungsrats und 

Geschäftsführer) und einer weiteren Tochtergesellschaft der G es ihm ermöglicht habe, 

seine beruflichen Kenntnisse gezielt für einen gewinnbringenden Verkauf der  F einzu-

setzen.  In  Würdigung  der  Gesamtumstände  sei  die  Beteiligung  an  der  F  der  G  zuzu-

ordnen. Die Deklaration der F-Beteiligung im Privatvermögen von C lasse sich nur da-

mit  erklären,  dass  er  die  Realisation  eines  privaten  Kapitalgewinns  angestrebt  habe 

oder  den  Verkauf  gegenüber  den  Steuerbehörden  nicht  habe  offenlegen  wollen.  Die 

Pflichtige wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.  

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

In Ziff. 3.1.8 des Berichts ASU, welche dem Einschätzungsentscheid indessen 

nicht  beilag,  finden  sich  weitere  Ausführungen.  Demnach  belegten  die  Pflichtige,  die 

Einzelfirma C, die G sowie weitere von C beherrschte Gesellschaften dieselben Büro-

räumlichkeiten in B. C sei bei allen diesen Gesellschaften allein unterschriftsberechtigt 

gewesen, und sie seien eindeutig seinem Vermögensbereich zuzuordnen. Die Pflichti-

ge habe während Jahren Finanzdienstleistungen gegenüber Kunden von C und der G 

erbracht.  C  habe  durch  Erbringung  gleichartiger  Leistungen  durch  die  C  sowie  durch 

Offshore-Gesellschaften  seine  Treuepflichten  gegenüber  der  Pflichtigen  verletzt.  Zu-

dem hätten die Aktivitäten der C sowie der Offshore-Gesellschaften in Konkurrenz zur 

Geschäftstätigkeit der Pflichtigen gestanden. Sachlich lasse sich dieses Vorgehen nur 

mit einer Verschleierung der tatsächlichen Ertrags- und Finanzlage der Pflichtigen ge-

genüber  den  Steuerbehörden  erklären.  Eine  eigentliche  Trennung  der  Aktivitäten  der 

Pflichtigen, der C sowie der G lasse sich nicht vornehmen. Angesichts der räumlichen, 

personellen,  eigentumsrechtlichen,  finanziellen  und  geschäftlichen  Verbindungen  zwi-

schen den Gesellschaften, den gesetzlich vorgeschriebenen Treuepflichten von Ange-

stellten  und  Mitgliedern  des  Verwaltungsrats  gegenüber  der  Aktiengesellschaft  sowie 

der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  rechne  die  ASU  die  von  der  C  und  sämtli-

chen Offshore-Gesellschaften erzielten Umsätze der Pflichtigen zu.  

Die  Rekurs-/Beschwerdeantwort  enthält  weitere  Ausführungen.  Demnach  sei 

die  Pflichtige  von  den  gleichen  Büroräumen  aus  betrieben  worden  wie  die  C  und  G, 

wobei die gleichen Telefon- und Faxnummern verwendet worden seien. Die Geschäfte 

der Pflichtigen mit den anderen Gruppenmitgliedern hätten Teil der Pläne und Aktivitä-

ten gebildet, über eine verschachtelte Struktur von unter sich wirtschaftlich verbunde-

nen Gesellschaften Drittanlegern öffentlich auf dem Primärmarkt Effekten von zweifel-

hafter, teilweise vorgespiegelter Werthaltigkeit anzubieten. Der Verkaufsgewinn der F-

Anteile sei deshalb einerseits aufgrund der Treuepflicht des Arbeitnehmers C und and-

rerseits  unter  Würdigung  der  Gesamtumstände  analog  BGr,  30.  Januar  2006, 

2A.145/2005 der Schweizer Schwestergesellschaft, nämlich der Pflichtigen, zuzurech-

nen.  Sämtliche  Voraussetzungen  einer  Steuerumgehung  seien  erfüllt.  Die  rechtliche 

Gestaltung  mit  diversen  Offshore-Gesellschaften  sei  ungewöhnlich,  sachwidrig  und 

den  wirtschaftlichen  Gegebenheiten  völlig  unangemessen.  Es  habe  keine  saubere 

Trennung zwischen den Vermögen und Einkünften der Pflichtigen sowie den diversen 

Offshore-Gesellschaften stattgefunden. Die Rechtsgestaltung sei getroffen worden, um 

Steuern einzusparen.  

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
- 10 - 

c)  Das kantonale Steueramt  operiert demnach im Wesentlichen mit zwei An-

sätzen: Zum Einen wird im Verkauf der Beteiligung an der  F durch C eine konkurren-

zierende Tätigkeit zu derjenigen der Pflichtigen bzw. G erblickt, sodass die Tolerierung 

der  Vornahme  des  Geschäfts  eine  verdeckte  Gewinnausschüttung  der  Pflichtigen  an 

ihren Anteilsinhaber C darstellt. Zum Anderen werden die gesamten Aktivitäten der von 

C beherrschten Unternehmensgruppe gestützt auf die Rechtsprechung des Bundesge-

richts zur Steuerumgehung bzw. zum (Quer-)Durchgriff der Pflichtigen zugerechnet.  

5. a) Der steuerbare Reingewinn der juristischen Personen setzt sich gemäss 

Art. 58 Abs. 1 DBG bzw. § 64 Abs. 1 StG zusammen aus dem Saldo der Erfolgsrech-

nung unter Berücksichtigung des Saldovortrags des Vorjahres (lit. a bzw. Ziff. 1), allen 

vor  Berechnung  des  Saldos  der  Erfolgsrechnung  ausgeschiedenen  Teilen  des  Ge-

schäftsergebnisses,  die  nicht  zur  Deckung  von  geschäftsmässig  begründetem  Auf-

wand  verwendet  werden  (lit.  b  bzw.  Ziff.  2  )  sowie  den  der  Erfolgsrechnung  nicht ge-

schriebenen  Erträgen  mit  Einschluss  der  Kapital-,  Aufwertungs-  und  Liquidations-

gewinne  (lit.  c  bzw.  Ziff.  3).  Zum  steuerbaren  Reingewinn  gehören  namentlich 

Zuwendungen der Gesellschaft an die Anteilsinhaber oder ihnen nahestehende Dritte, 

die  einem  Aussenstehenden  nicht  oder  zumindest  nicht  im  gleichen  Masse  gewährt 

würden.  Solche  geldwerten  Leistungen  sind  nach  der  Rechtsprechung  immer  dann 

anzunehmen, wenn (kumulativ) die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige Gegen-

leistung erhält, der Aktionär direkt oder indirekt (z.B. über eine ihm nahe stehende Per-

son oder Unternehmung) einen Vorteil erhält, der einem Dritten unter gleichen Bedin-

gungen nicht zugebilligt worden wäre, die Leistung also insofern ungewöhnlich ist, und 

der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war (BGr, 1. Sep-

tember  2009,  2C_265/2009;  BGE  131  II  593;  BGr,  22.  Juni  2007,  2A.204/2006;  19. 

November 2003, 2A.204/2006, auch zum Folgenden). Als geldwerte Leistungen gelten 

insbesondere  Ertragsverzichte  zugunsten  des  Aktionärs  oder  einer  ihm  nahe  stehen-

den Person. Diese Form der geldwerten Leistung wird als "Gewinnvorwegnahme" be-

zeichnet und liegt vor, wenn die Gesellschaft auf ihr zustehende Einnahmen ganz oder 

teilweise  verzichtet  und  die  entsprechenden  Erträge  direkt dem  Aktionär  oder  diesem 

nahestehenden Personen zufliessen bzw. wenn diese nicht jene Gegenleistung erbrin-

gen,  welche  die  Gesellschaft  von  einem  unbeteiligten  Dritten  fordern  würde  (BGr, 

13. Oktober 2008, 2C_335/2008).  

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 11 - 

Natürliche  Personen  können  für  eine  Aktiengesellschaft  insbesondere  auf-

grund  eines  Arbeitsvertrags,  als  Handlungsbevollmächtigte,  Prokuristen,  Direktoren 

oder Mitglieder des Verwaltungsrats tätig sein. In allen diesen Funktionen besteht eine 

Treuepflicht gegenüber der Gesellschaft (ASA 67, 217 E 2/b/aa = StE 1998 B 72.13.22 

Nr.  37,  auch  zum  Folgenden).  Der  Arbeitnehmer  hat  die  berechtigten  Interessen  des 

Arbeitgebers in guten Treuen zu wahren (Art. 321a Abs. 1 OR). Er hat sich damit wäh-

rend der Dauer des Arbeitsvertrags Tätigkeiten zu enthalten, die den Arbeitgeber kon-

kurrenzieren. Er hat den Arbeitgeber zudem über alles, was er bei seiner vertraglichen 

Tätigkeit von Dritten erhält, namentlich Geldbeträge, Rechenschaft abzulegen und ihm 

alles sofort herauszugeben (Art. 321b Abs. 1 OR). Auch der Prokurist sowie der Hand-

lungsbevollmächtigte,  der  zum  Betrieb  eines  ganzen  Gewerbes  bestellt  ist  oder  in  ei-

nem  Arbeitsverhältnis  zum  Inhaber  des  Gewerbes  steht,  darf  ohne  Einwilligung  des 

Geschäftsherrn weder für eigene Rechnung noch für Rechnung eines Dritten Geschäf-

te machen, die zu den Geschäftszweigen des Geschäftsherrn gehören (Art. 464 Abs. 1 

OR).  Schliesslich  besteht  auch  für die  Mitglieder  des  Verwaltungsrats einer  Aktienge-

sellschaft  eine  Treuepflicht  (Art.  717  Abs.  1  OR).  In  allen  diesen  Funktionen  hat  sich 

die  natürliche  Person  von  Gesetzes  wegen  Tätigkeiten  zu  enthalten,  welche  die  Akti-

engesellschaft konkurrenzieren.  

Es  ist  davon  auszugehen,  dass  eine  Aktiengesellschaft,  die  wirtschaftliche 

Zwecke verfolgt, ihren Arbeitnehmern, Prokuristen, Handlungsbevollmächtigten, Direk-

toren oder Mitgliedern des Verwaltungsrats die Ausübung konkurrenzierender Tätigkei-

ten  im  Allgemeinen  nicht  gestattet.  Erlaubt  sie  es  ihnen  dennoch  bzw.  verzichtet  sie 

darauf, von ihnen Gewinne aus Geschäften, die ihrer Natur nach der Gesellschaft zu-

kommen,  heraus  zu  verlangen,  erbringt  sie  ihnen  eine  geldwerte  Leistung,  wenn  der 

dadurch bewirkte Verzicht auf ihr von Gesetzes wegen zustehende Einnahmen im Be-

teiligungsverhältnis  begründet  ist.  Das  ist  namentlich  bei  einem  geschäftsführenden 

Allein-  oder  Hauptaktionär  zu  bejahen,  der  einzelne  in  den  Geschäftsbereich  der  Ge-

sellschaft fallende Geschäfte auf eigene Rechnung abschliesst, ist doch davon auszu-

gehen, dass die Gesellschaft eine solche zu einer Gewinnvorwegnahme führende Tä-

tigkeit einem Angestellten, der an ihr keine Anteilsrechte hat, nicht gestatten würde.  

In der Gerichtspraxis wurde eine solche Konkurrenzierung bejaht im Fall eines 

Geschäftsführers/Alleinaktionärs,  welcher  neben  seiner  Treuhandgesellschaft  als 

Selbstständigerwerbender ebenfalls im Immobilienhandel tätig war und daraus Provisi-

onen  bezog,  wobei  die  Vermittlungstätigkeit  während  der  Arbeitszeit  und  unter  Inan-

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 12 - 

spruchnahme der Infrastruktur der Gesellschaft  stattfand (ASA 67, 217  = StE 1998  B 

72.13.22  Nr.  37).  In  einem  Entscheid  des  Verwaltungsgerichts  des  Kantons  Schwyz 

vom 26. April 2007 (StE 2007 B 72.13.22 Nr. 48) wurde ebenfalls eine solche Konkur-

renzierung angenommen; dabei fiel insbesondere ins Gewicht, dass der Alleinaktionär 

und  vollamtlich  für  eine  Gesellschaft  tätige  Verwaltungsratspräsident  in  eigenem  Na-

men Provisions-Erträge von einer Kundin der eigenen Gesellschaft erzielte; bei dieser 

machten die von derselben Kundin  vereinnahmten Provisionen rund einen Viertel des 

Umsatzes aus. Dabei hielt das Verwaltungsgericht fest, dass in bestimmten Fällen un-

abhängig  von  der  Frage,  ob  zivilrechtlich  tatsächlich  eine  arbeits-  oder  gesellschafts-

rechtliche  Konkurrenzklausel  verletzt  sei,  bereits  steuerrechtlich  ein  Verstoss  gegen 

das  "Dealing  at  arms's  leangth"-Prinzip  vorliegen  könne.  Die  Rechtsprechung  wurde 

zuletzt mit BGr, 1. September 2009, 2C_265/2009 im Grundsatz bestätigt.  

b) Zu prüfen ist, ob die Pflichtige  C durch Tolerierung des Verkaufs der F an 

die E eine verdeckte Gewinnausschüttung hat zukommen lassen, weil sie einem unbe-

teiligten Dritten als Geschäftsführer eine solche Transaktion in ihrem Geschäftsbereich 

nicht erlaubt hätte. Damit stellt sich zunächst die Frage, ob diese überhaupt in den Ge-

schäftsbereich der Pflichtigen eingriff.  

aa)  Die  Pflichtige  bezweckt  gemäss  Handelsregister  den  Erwerb  von  und 

Handel  mit  Grundstücken  und  Liegenschaften sowie  den  Bau  von  Geschäftshäusern; 

sie kann auch Handel mit Textilien aller Art betreiben sowie Beteiligungen an anderen 

Unternehmen  erwerben,  verwalten  und  veräussern.  Gemäss  dem  Bericht  ASU  führte 

sie  eine  Geschäftsliegenschaft  in  B  (Bericht  ASU  Ziff.  1.2  und  3.1.2).  Darüber  hinaus 

erbrachte  sie  Dienstleistungen  im  Bereich  Unternehmensberatung;  in  den  Akten  fest-

stellbar  sind  zum  Beispiel  1994  erfolgte  Rechnungsstellungen 

für  Beratungs-

dienstleistungen  im  Hinblick  auf  die  Quotierung  einer  anderen  Gesellschaft  an  der 

NASDAQ. Sie hat auch Geschäftsbeziehungen mit der E unterhalten, und zwar bereits 

vor dem am 9. August 1999 getätigten Verkauf der F an die E. Insbesondere verbuchte 

sie  1998  Honorarerträge  von  der  E  (Fragenkatalog  ASU  S.  14  Frage  53  ff.).  In  ihrer 

Buchhaltung  existierte  hierzu  ein  Kontokorrent  E  mit  zahlreichen  Positionen.  Diese 

betrafen  gemäss  den  Feststellungen  der  ASU  Beratungsleistungen  hinsichtlich  eines 

Börsengangs sowie ein Entgelt für  die ab Januar 1998 von  C in Personalunion wahr-

genommene  Funktion  des  Verwaltungsrats-Präsidenten  und  Geschäftsführers  der  E 

(Bericht  ASU  S.  18  oben).  Die  Pflichtige  hielt  zudem  gemäss  ihrem  Abschluss  per 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
- 13 - 

31. Dezember  1999  Aktien  der  E  im  Wert  von  Fr.  329'000.-  und  per  31.  Dezember 

2000 von Fr. 713'897.-.  

C beherrscht neben der Pflichtigen zumindest noch zwei weitere Gesellschaf-

ten  (I  AG  und  J  AG,  beide  in  B).  Die  von  ihm  geführte  Einzelfirma  C  bezweckte  die 

Durchführung von Treuhandgeschäften jeglicher Art sowie die Unternehmensberatung; 

sie hat sich mit Vertrag vom 1. November 1993 in die Liegenschaft der Pflichtigen ein-

gemietet. Die Geschäftstätigkeit der C liess sich indessen nach den Feststellungen der 

ASU  nicht  von  derjenigen  der  Pflichtigen  sowie  der  weiteren  C  gehörenden  Gesell-

schaften trennen. Dies geht auch aus den Aussagen von C hervor, wonach die C im-

mer im Auftrag der Pflichtigen (sowie der ebenfalls C gehörenden I AG) gehandelt ha-

be  mit  der  Auflage,  dass  sämtliche  Rechnungen  jeweils  an  die  Gesellschaften 

"abzutreten" waren (vgl. Fragenkatalog ASU S. 16 Frage 60). Die ASU hat denn auch 

zahlreiche  Überschneidungen  festgestellt,  indem  die  C  Rechnung  stellte,  die  Zahlun-

gen aber bei der Pflichtigen verbucht wurden (Bericht ASU S. 18 f. sowie S. 33). C hat 

für die C weder eine Buchhaltung geführt noch Jahresrechnungen eingereicht.  

Ferner  hat  das  Bundesgericht  im  Entscheid  vom  22.  September  2009, 

2C_276/2009,  E.  6  die  Tätigkeit  der  Pflichtigen  und  von  C  –  allerdings  2004  –  näher 

beschrieben. Demnach ging die Pflichtige mit dem Betrieb des Geschäftshauses einer 

eigenen  gewerblichen  Geschäftstätigkeit  nach.  Weiter  habe  sie  Einzahlungen  entge-

gengenommen, welche den Kauf oder die Zeichnung von bestimmten Aktien betrafen. 

Sie habe zwar nicht selber Wertpapiere auf dem Primärmarkt angeboten und sei somit 

nicht selber illegal als Emissionshaus tätig geworden. Indessen sei sie in die Aktivitäten 

der von C beherrschten Gruppe mit einzubeziehen und in diesem Rahmen gegen sie 

aufsichtsrechtlich  vorzugehen.  Über  die  von  C  beherrschten  Firmen  sei  ein  Konzept 

eines mit Aktien und Zertifikaten von Start-Up-Firmen handelnden Finanzintermediärs 

realisiert worden, wobei diese durch die Verschiebungen der Aktien jeweils dazu dien-

ten, trotz fragwürdiger Werthaltigkeit einzelner Papiere entsprechende Kurse stellen zu 

können.  

bb) Aus all diesen Umständen ist aber nicht ersichtlich, inwiefern C durch den 

Erwerb und den Verkauf der F an die E in den Geschäftsbereich der Pflichtigen hätte 

eingreifen  sollen.  Der  Umstand,  dass  die  Pflichtige  geschäftliche  Beziehungen  zur  E 

unterhielt, stellt für sich allein noch keinen Grund für die Annahme einer konkurrenzie-

renden Tätigkeit  gegenüber der Pflichtigen  dar, vielmehr muss sich die Art des Tätig-

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 14 - 

keitsbereichs überschneiden. Denkbar wäre dies etwa dann, wenn die Pflichtige expli-

zit  als  eine  Beteiligungsgesellschaft  tätig  gewesen  wäre,  d.h.  als  ein  Unternehmen, 

dessen Geschäftstätigkeit überwiegend oder ausschliesslich darin bestanden hat, Be-

teiligungen an anderen Unternehmen zu erwerben, zu halten und zu veräussern, und 

sie  in  diesem  Rahmen  mit  der  E  zusammengearbeitet  hätte.  Nach  dem  Gesagten  ist 

eine  solche  Tätigkeit  indessen  nicht  erkennbar.  Zwar  hat  die  Pflichtige  im  Handelsre-

gister  einen  entsprechenden  Zweck  vorgesehen;  konkret  hat  sie  aber  nie  in  erhebli-

chem Umfang mit Beteiligungen gehandelt, geschweige denn solche an die E verkauft 

oder von dieser erworben. Damit übereinstimmend hielt das Bundesgericht im erwähn-

ten Entscheid vom 22. September 2009 denn auch fest, sie habe nicht selber Wertpa-

piere auf dem Primärmarkt angeboten und sei nicht selber (illegal) als Emissionshaus 

tätig geworden. Aus diesem Grund hilft es den Steuerbehörden auch nicht weiter, dass 

die  Geschäftstätigkeit  der  C  mit  derjenigen  der  Pflichtigen  eng  verbunden  war,  da  es 

bei  diesen  Geschäften  jeweils  –  soweit  feststellbar  –  um  Beratungsdienstleistungen 

ging. Nicht weiter führt die Steuerbehörden zudem der Umstand, dass die FINMA auch 

gegen  die  Pflichtige  aufsichtsrechtlich  vorgegangen  ist:  Wie  das  Bundesgericht  fest-

hielt, konnte es nicht als belegt gelten, dass die Pflichtige selbst eine Geschäftstätigkeit 

im  Finanzbereich  angeboten  hat.  Ihr  Einbezug  in  die  Massnahmen  der  Finanz-

marktaufsicht  ergab  sich  lediglich  aufgrund  ihrer  Einbindung  in  die  Aktivitäten  der 

Gruppe. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass sie sich auch steuerrechtlich für die 

sich stellende Frage der Konkurrenzierung durch den Alleininhaber die Aktivitäten der 

anderen  Gruppenmitglieder  anrechnen  lassen  muss.  Eine  solche  Ausdehnung  des 

Begriffs  der  Konkurrenzierung  stellt  steuerrechtlich  einen  Durchgriff  durch  die  rechtli-

che Selbstständigkeit der betroffenen Gesellschaften dar und bedarf der entsprechen-

den Begründung.  

cc)  Eine  Konkurrenzierung  ergibt  sich  indessen  in  Bezug  zu  einer  anderen 

Gesellschaft  der  Gruppe.  Zu  den  weiteren  von  C  beherrschten  Gesellschaften  gehört 

nämlich insbesondere auch die  G (Bericht ASU S. 19). C war Gründungsmitglied und 

nahezu  Alleinaktionär  dieser  Gesellschaft.  In  der  Folge  ist  er  für  die  G  aufgetreten, 

woraus  zu  schliessen  ist,  dass  er  diese  nach  der  Gründung  weiterhin  beherrschte, 

auch wenn er dies in der persönlichen Befragung abstritt (daneben existierte offenkun-

dig  noch  eine  K  an  derselben  Adresse).  Zudem  deklarierte  er  sie  in  seiner  eigenen 

Steuererklärung 1999 B, welche er am 17. November 2009 einreichte. Der Bericht ASU 

beschreibt  die  Geschäftstätigkeit  der  G.  Demnach  vermittelte  sie  Finanzierungen  für 

die Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit neu gegründeter Unternehmen und beriet 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
- 15 - 

diese im Hinblick auf einen Börsengang an der NASDAQ; ein wesentlicher Anteil ihrer 

Tätigkeit  bestand  aber auch  darin, Aktien  von Unternehmen  auf  eigene  Rechnung  zu 

erwerben und bei privaten und institutionellen Investoren zu platzieren ("placing agent"; 

vgl.  Korrespondenz).  Eine  solche  Plazierungstätigkeit  betrieb  sie  auch  für  die  E  (Be-

richt ASU S. 43), indem sie 1996 rund 3'275'000 Aktien der E zu einem Preis von USD 

4'500'000.- erwarb und in der Folge weiterverkaufte. Gemäss den SEC-Berichten war 

sie  auch  im  per  31.  März  1999  endenden  Geschäftsjahr  für  die  E  als  "placing  agent" 

tätig, und zwar bezüglich 408'036 Aktien, wofür sie eine Kommission von 3% erhielt.  

Bei  der  Transaktion  F  vom  15.  November  1999  erhielt  C  als  Gegenleistung 

neben USD 790'000.- rund 1'750'000 Aktien der E. Diese deklarierte er nicht im priva-

ten Vermögen; der weitere Verbleib dieser Aktien ist ungeklärt (Bericht ASU S. 52 f.). 

Nachdem C sie nicht in seinem Vermögen deklariert hat, ist anzunehmen, dass er sie 

an Dritte weiterveräusserte. Diese Sachdarstellung wird von ihm sogar bestätigt, da er 

selbst einen treuhänderischen Kauf und Verkauf der E-Beteiligung geltend macht. Da-

mit trat er aber als Vermittler von Aktien der E in Erscheinung, und konkurrenzierte die 

Tätigkeit der G unmittelbar, denn es ist auszuschliessen, dass eine Gesellschaft, wel-

che  über  mehrere  Jahre  für  eine  bestimmte  Kundin  als  "placing  agent"  auftrat,  es  ei-

nem  Angestellten  erlauben  würde,  parallel  zu  ihr  von  derselben  Kundin  ebenfalls  ein 

grosses Aktienpaket zu erwerben und wieder zu verkaufen. Mit Bezug auf das Verhält-

nis G und C ist deshalb eine Verletzung des Grundsatzes des "dealing at arm's length" 

festzustellen, welche nur mit der beherrschenden Stellung des letzteren erklärt werden 

kann.  

6. a) Die Vorinstanz rechnet die Handlungen der G, welche ihr wiederum von 

C  zugeordnet  wurden,  weiter  der  Pflichtigen  zu;  sie  begründet  dies  mit  dem  Leitent-

scheid  BGr,  30.  Januar  2006,  2A.145/2005  und  dem  dort  vorgenommenen  Durchgriff 

durch  eine  Auslandsgesellschaft  auf  eine  Schwestergesellschaft  mit  Sitz  in  der 

Schweiz.  Demnach  wird  in  Ausnahmefällen  die  rechtliche  und  wirtschaftliche  Selbst-

ständigkeit  einer  juristischen  Person  ignoriert  und  direkt  auf  die  dahinter  stehenden 

Personen gegriffen. Der Durchgriff leitet sich aus dem Verbot des Rechtsmissbrauchs 

bzw.  der  Steuerumgehung  ab  (vgl.  auch  René  Matteotti,  der  Durchgriff  bei  von  Inlän-

dern beherrschten Auslandsgesellschaften im Gewinnsteuerrecht, 2003, S. 192 f., ins-

bes. S. 203 f.; Sarah Dahinden, Die Abschirmwirkung ausländischer Gesellschaften im 

schweizerischen  Gewinnsteuerrecht,  2003,  S.  99  f;  Peter  Locher,  Kommentar  zum 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 16 - 

DBG, II. Teil, 2004, N 23 zur Einführung zu Art. 49 ff.; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

VB zu Art. 109 – 121 N 44 DBG und VB zu §§ 119 – 131 N 44 StG). Ein solcher liegt 

allgemein vor, wenn (1.) eine von der steuerpflichtigen Person gewählte Rechtsgestal-

tung  als  ungewöhnlich,  sachwidrig  oder  absonderlich,  jedenfalls  den  wirtschaftlichen 

Gegebenheiten  völlig  unangemessen  erscheint,  (2.)  anzunehmen  ist,  dass  sie  diese 

Wahl  missbräuchlich  getroffen  hat,  lediglich  in  der  Absicht,  Steuern  einzusparen,  die 

bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären, und (3.) das gewählte 

Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen Steuerersparnis führen würde, sofern es von 

der  Steuerbehörde  hingenommen  würde.  Sind  diese  drei  Voraussetzungen  erfüllt,  so 

ist  der  Besteuerung  die  Rechtsgestaltung  zugrunde  zu  legen,  die  sachgemäss  gewe-

sen wäre, um den angestrebten wirtschaftlichen Zweck zu erreichen.  

Im  zitierten  Leitentscheid  BGr,  30.  Januar  2006,  2P.92/2005  bzw. 

2A.145/2005  kam  das  Bundesgericht  zum  Schluss,  dass  eine  in  Panama  registrierte 

Schwestergesellschaft  einer  Schweizer  Gesellschaft,  welche  beide  derselben  natürli-

chen Person gehörten, keine reale wirtschaftliche Existenz aufwies. Die beiden Gesell-

schaften  liessen  sich  jeweils  von  einem  Lieferanten  (L)  Rechnung  über  Leistungen 

stellen, welche von einer weiteren Schwestergesellschaft bestellt worden waren. Dabei 

stützte sich das Bundesgericht auf folgende Indizien: 

-  die Gesellschaft in Panama war von der Schweiz aus gegründet worden; 

-  die  Gesellschaft  wurde  in  den  Büroräumen  der  schweizerischen  Schwestergesell-

schaft verwaltet; 

-  die  Geschäftsunterlagen  der  beiden  Gesellschaften  wurden  nicht  getrennt  von-

einander geführt; 

-  die  Steuerbehörde  stiess  bei  ihren  Untersuchungen  auf  einen  Bericht  einer  Treu-

hand- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, welche eine klare Trennung der Gesell-

schaftsunterlagen forderte;  

-  das Personal war von  der hiesigen Schwestergesellschaft angestellt, befasste sich 

aber unterschiedslos mit beiden Gesellschaften;  

-  die  Buchhaltung  der  panamaischen  Gesellschaft  wurde  auf  demselben  Infor-

matiksystem  geführt  wie  diejenige  der  Schweizer  Schwestergesellschaft,  und  zwar 

in Schweizer Franken;  

-  die verbuchten Geschäftsfälle der panamaischen Gesellschaft deckten sich mit dem 

im Handelsregister eingetragenen Zweck der Schweizer Schwestergesellschaft;  

-  beide  Gesellschaften  unterhielten  Konten  bei  derselben  Bank;  die  beiden  Konten 

dienten einander als Pfand; 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
- 17 - 

-  die  Lieferantenrechnungen  gingen  an  die  schweizerische  Gesellschaft,  Akkreditive 

wurden indessen auf dem Bankkonto der panamaischen Gesellschaft begründet; 

-  die  schweizerische  Gesellschaft  stellte  an  eine  weitere  Schwestergesellschaft 

Rechnung,  die  Zahlungen  wurden  indessen  auf  einem  Bankkonto  der  panamai-

schen Gesellschaft gutgeschrieben.  

Überdies hielt das Bundesgericht fest, dass bei Staaten wie Lichtenstein oder 

Panama,  welche  fiktive  Steuerdomizile  zulassen,  bei  der  Beurteilung  aus  steuerlicher 

Sicht  besondere  Umsicht  geboten  sei.  Da  dort  Unternehmungen  keinerlei  wirtschaftli-

che  Tätigkeit  im  Sitzstaat  ausüben  müssen,  können  sie  ohne  jeden  Bezug  zur  wirt-

schaftlichen  Realität  begründet  werden  und,  da  sie  Anonymität  geniessen,  ihren  An-

teilsinhabern  die  juristische  Selbstständigkeit  bestimmter  Teile  ihres  Vermögens  und 

ihrer geschäftlichen Tätigkeiten erlauben. Im zitierten Fall kam das Bundesgericht zum 

Schluss,  dass  die  panamaische  Gesellschaft  (neben  der  hiesigen  Gesellschaft)  keine 

eigene  Existenz  aufwies  und  die  Unterstellung  unter  das  panamaische  Recht  als 

sachwidrig (im Sinn der Rechtsmissbrauchsdefinition) erschien.  

Anzufügen ist, dass im zitierten Entscheid das Bundesgericht zwar im Grund-

satz  festhielt,  dass  unter  den  Voraussetzungen  des  Rechtsmissbrauchs  auf  den  wirt-

schaftlichen Eigentümer durchgegriffen werden könne ("attribuer son revenu au propri-

étaire  économique").  Konkret  vorgenommen  hat  es  indessen  einen  Durchgriff  auf  die 

Schwestergesellschaft  (Querdurchgriff),  ohne  dies  weiter  zu  begründen  (hierzu  ein-

schränkender  Mattteotti  S.  204,  welcher  den  Querdurchgriff  von  der  Übernahme  von 

Leitungsfunktionen durch die Schwestergesellschaft abhängig macht).  

b)  Aus  den  vorliegenden  Unterlagen  ergeben  sich  erhebliche  Anhaltspunkte, 

dass die G tatsächlich in B verwaltet wurde. In der persönlichen Befragung machte  C 

zwar  geltend,  dass  er  nie  Organ  der  G  gewesen  sei  und  dass  diese  ihre  Tätigkeit  in 

Panama,  in  N/NJ  und  bei  Rechtsanwälten  in  New  York  ausübe.  Sowohl  die  Beherr-

schung der Gesellschaft durch ihn als auch die massgebliche Tätigkeit in B drängt sich 

aber aufgrund der aktenkundigen Umstände auf: 

Die  genaue  geographische  Verankerung  der  G  ausserhalb  der  Schweiz  ist 

unklar. Gemäss einem bei den Akten liegenden Protokoll wurde die G am 29. Januar 

1986  gegründet;  C  wurde  gemäss  diesem  Dokument  als  Chairman  gewählt  und  hält 

9'998  der  Aktien.  Der  Ort  der  Gründung  geht  daraus  indessen  nicht  hervor.  Gemäss 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 18 - 

einem  weiteren,  amtlich  erscheinenden  Formular  vom  30.  April  1990  ist  die  G  mit  ei-

nem Büro in M, Honkong registriert und ist C Inhaber von 9'999 der insgesamt 10'000 

Aktien.  Nach  Aussagen  von  C  ist  sie  hingegen  in  N/New  Jersey  inkorporiert.  Die 

FINMA bezeichnet sie als  panamaische Gesellschaft; als solche wird sie auch z.T. in 

Geschäftsunterlagen  geführt.  Im  Gegensatz  zu  diesen  widersprüchlichen  Angaben 

verfügt sie in der Schweiz über eine Geschäftstätigkeit: Die ASU stellte bei ihrer Haus-

durchsuchung  fest,  dass  die  Pflichtige,  die  C  und  die  G  alle  an  derselben  Adresse  in 

Geroldwil situiert waren und die gleichen Räumlichkeiten belegten (Bericht ASU S. 13). 

Sie hat bei Vornahme der Beschlagnahmungen zahlreiche Bundesordner der G vorge-

funden. Aus diesen geht hervor, dass sie in ihrer Korrespondenz jeweils eine Adresse 

in B verwendet hat und die Schreiben zum Teil von C unterzeichnet wurden. Sie unter-

hielt in der Schweiz auch Bankkonten, wobei sie immer die Adresse in  B angab. Hin-

weise  auf  weitere  Mitarbeiter  liegen  nicht  vor;  allerdings  erwähnte  C  einen  gewissen 

"Herrn O", welcher für die G 1998 und 1999 einen Umbau in B geleitet haben soll (Be-

richt ASU S. 29). 1999 hat die G der Pflichtigen Mietzinsen von Fr. 150'000.- überwie-

sen (Buchung vom 7. Juli 1999).  

Damit drängt sich in erster Linie der Schluss auf eine tatsächliche Verwaltung 

der G in B auf. Für einen (Quer-)Durchgriff auf die Pflichtige reicht dies indessen noch 

nicht aus; hierzu erforderlich ist  – wie aus den vom Bundesgericht geprüften Kriterien 

zu  schliessen  ist  –  neben  der  fehlenden  organisatorischen  und  administrativen  Tren-

nung der beiden Gesellschaften auch eine fehlende eigene wirtschaftliche Existenz der 

G neben der Pflichtigen.  

c) Nach dem bereits Gesagten wurden die beiden Gesellschaften in den glei-

chen Räumen von den gleichen Personen verwaltet. Wie weit auch die Geschäftsakten 

und Buchhaltung zusammen geführt wurden, lässt sich anhand der Akten nicht im De-

tail feststellen, zumal keine Buchhaltung der G vorgefunden wurde, was allerdings ge-

gen eine undifferenzierte einheitliche Führung der Geschäftsakten beider Gesellschaf-

ten  spricht.  Immerhin  ist  aus  den  Beschlagnahmungsprotokollen  zu  schliessen,  dass 

zumindest die Geschäftsunterlagen in separaten Ordnern abgelegt wurden. Bezüglich 

der organisatorischen und administrativen Trennung ist damit keine eindeutige Aussa-

ge möglich.  

d) Hingegen vermögen die Steuerbehörden keine Beispiele dafür aufzuzeigen, 

dass beide Gesellschaften systematisch – entsprechend dem bundesgerichtlichen Prä-

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 19 - 

judiz – auf eine Weise zusammen gearbeitet hätten, dass die Pflichtige als eigentliche 

Handelnde und die G nur als vorgeschoben erscheint. Wie aus den Unterlagen hervor-

geht,  entwickelte  die  G  eine  umfangreiche  Tätigkeit  im  Bereich  der  Platzierung  von 

Aktien von Drittgesellschaften, während die Pflichtige keine solchen Tätigkeiten ausüb-

te. Die Steuerbehörden vermögen nirgends substanziiert aufzuzeigen, dass es hierbei 

regelmässig  zu  Überkreuzungen  bei  einzelnen  Transaktionen  gekommen  wäre.  Dass 

C für beide Gesellschaften jeweils die agierende Person war, vermag eine solche Ver-

mischung allein jedenfalls nicht zu begründen.  

Im  Bericht  ASU  wird  ausgeführt,  eine  Trennung  der  Aktivitäten  zwischen  der 

Pflichtigen, der C und der G lasse sich nicht bewerkstelligen; beispielsweise habe die 

C eine Zahlung auf einem Konto der G veranlassen können, die die Pflichtige erfolgs-

wirksam als Dienstleistungsertrag verbuchte (Bericht ASU S. 26). Dies ist indessen viel 

zu unbestimmt, um klare Rückschlüsse auf eine übermässige Verflechtung zuzulassen. 

Rein technisch ist es einem geschäftsführenden Anteilsinhaber mehrerer Gesellschaf-

ten immer möglich, Überweisungen zwischen den Gesellschaften zu veranlassen. Sol-

che  Transaktionen  werden  in  der  Regel  unter  dem  Gesichtspunkt  des  Drittvergleichs 

daraufhin  geprüft,  ob  eine  verdeckte  Gewinnausschüttung  vorliegt,  ohne  dass  die 

rechtliche Selbstständigkeit der Gesellschaften an sich angetastet würde; es sind keine 

Gründe ersichtlich, weshalb hier von diesem Grundsatz abgewichen werden sollte. Ein 

Durchgriff wäre mithin nur dann zulässig, wenn die Auslandsgesellschaft keine von der 

hiesigen Gesellschaft unabhängige wirtschaftliche Tätigkeit ausübte. Wie die ASU sel-

ber festgehalten hat, hat aber die G seit 1996 eine Vielzahl eigener Geschäfte abgewi-

ckelt,  bei  welchen  bedeutende  Umsätze  erzielt  wurden,  und  in  welche  die  Pflichtige 

nicht  involviert  war  (Bericht  ASU  S.  19  f.).  Unter  diesen  Umständen  kann  aber  nicht 

gesagt werden, die Selbstständigkeit der G sei nur vorgeschoben und rein fiktiv.  

e)  Damit  fehlt  es  an  einer  Berechtigung  für  die  Zurechnung  der  Handlungen 

der G an die Pflichtige (kein Querdurchgriff) und ist ihr der Verkaufserlös F zu Unrecht 

aufgerechnet worden. Erweist sich damit die vom kantonalen Steueramt vorgenomme-

ne Aufrechnung bereits gestützt auf den von dieser präsentierten Sachverhalt als nicht 

begründet,  erübrigt  es  sich,  auf  die  von  der  Pflichtigen  dagegen  erhobenen  Einwen-

dungen,  insbesondere  die  Frage  des  Beweiswerts  der  SEC-Berichte  sowie  den  be-

haupteten treuhänderischen Erwerb und Verkauf der F, näher einzugehen.  

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 20 - 

7.  Bei  diesem  Ergebnis  entfällt  auch  die  Grundlage  für  die  Aufrechnung  der 

von  der  F  an  die  G  geleisteten  Schuldzinsen  von  Fr. 18'000.-,  da  sich  die  Steuer-

behörden  hierzu  auf  die  nämlichen  Überlegungen  stützen  und  diese  wie  ausgeführt 

nicht verfangen (Bericht ASU S. 55).  

8. Diese Erwägungen führen zur Gutheissung der Rechtsmittel. Ausgangsge-

mäss sind die Kosten des Verfahrens der Beschwerdegegnerin bzw. dem Rekursgeg-

ner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG). 

Den Pflichtigen  ist zudem eine  angemessene  Parteientschädigung zuzuspre-

chen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwal-

tungsverfahren  vom  20. Dezember  1968,  § 152  StG  i.V.m.  § 17  Abs. 2  des  Verwal-

tungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführerin  wird  für  die  direkte 

Bundessteuer, Steuerperiode 1.1. - 31.12.1999, mit einem steuerbaren Gewinn von 

Fr. 5'900.- (Steuersatz 8,5%) veranlagt. 

Das steuerlich massgebende Eigenkapital der Steuerperiode 1.1. - 31.12.1999 be-

trägt Fr. 217'348.- (Art. 131 Abs. 1 Satz 2 DBG). 

2.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Die Rekurrentin wird für die Staats- und Gemeinde-

steuern,  Steuerperiode  1.1.  -  31.12.1999,  mit  einem  steuerbaren  Reingewinn  von 

Fr. 5'900.-  (Gewinnsteuersatz  4,0%)  und  einem  steuerbaren  Eigenkapital  von 

Fr. 217'348.- (Kapitalsteuersatz 1,5‰) eingeschätzt.  

[…] 

1 DB.2010.105 
1 ST.2010.139