# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b73d4b7-fcdb-5277-b088-2ea9b82e2b04
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2006-02-09
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 09.02.2006 JAAC 70.57
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-70-57--_2006-02-09.pdf

## Full Text

JAAC 70.57

Auszug aus dem Entscheid SRK 2003-149 der
Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 9.

Februar 2006

Taxe sur la valeur ajoutée (OTVA). Exonération. Prestation de services
culturels. Plaquettes de carnaval. Recours omisso medio.

Art. 14 ch. 12, art. 26 al. 1 et 2 OTVA. Art. 64 al. 2 LTVA.

- Recours omisso medio comme exception sous l’angle procédural
(consid. 1d/bb).

- Vente de plaquettes de carnaval en tant que livraison de biens
imposable (consid. 3a). L’acheteur de la plaquette n’acquiert aucun
droit comme c’est usuellement le cas en présence d’achat de billets
d’entrée aux manifestations culturelles selon l’art. 14 ch. 12 OTVA.
Les plaquettes ne représentent par conséquent pas un billet d’entrée,
respectivement les recettes résultant de la vente de plaquettes ne
représentent pas une contre-prestation à des prestations de services
culturels (consid. 3b).

- De toute façon, seules les prestations de services directement fournies
au public sont exonérées en vertu de l’art. 14 ch. 12 OTVA et non
les prestations antérieures ou encore les prestations fournies en
parallèle telles que la vente de plaquettes de carnaval, lesquelles ont
pour fonction de procurer les moyens financiers nécessaires pour la
prestation culturelle (consid. 2b, 3b).

- S’il existe un échange de prestations sous l’angle de la TVA, l’aide
financière (ici le prix de vente des plaquettes), laquelle forme la
contre-prestation, ne peut représenter en même temps un don
(respectivement une subvention) au sens de la législation sur la TVA
(consid. 3e).

1

Mehrwertsteuer (MWSTV). Steuerbefreiung. Kulturelle Dienstleistung.
Fasnachtsplaketten. Sprungbeschwerde.

Art. 14 Ziff. 12, Art. 26 Abs. 1 und 2 MWSTV. Art. 64 Abs. 2 MWSTG.

- Sprungbeschwerde als verfahrensmässiger Ausnahmefall (E. 1d.bb).

- Verkauf von Fasnachtsplaketten als steuerbare Lieferung von
Gegenständen (E. 3a). Der Käufer der Plakette erwirbt keine solchen
Rechte, wie dies beim Kauf von Eintrittsbilletten zu den kulturellen
Veranstaltungen gemäss Art. 14 Ziff. 12 MWSTV üblicherweise der
Fall ist. Die Plaketten stellen folglich keine Eintrittsbillette dar; die
Erlöse aus dem Plakettenverkauf sind kein Entgelt für kulturelle
Dienstleistungen (E. 3b).

- Ohnehin sind lediglich dem Publikum gegenüber «unmittelbar
erbrachte kulturelle» Dienstleistungen gemäss Art. 14 Ziff. 12 MWSTV
von der Steuer befreit und nicht auch Vorleistungen oder allenfalls
parallel laufende Leistungen (wie der Verkauf von Fasnachtsplaketten),
welche der Beschaffung der nötigen Finanzierungsmittel für die
kulturelle Leistung dienen (E. 2b, 3b).

- Ist ein mehrwertsteuerlicher Leistungsaustausch gegeben, kann
die Geldzuwendung (hier der Kaufpreis für die Plakette), welche
die Gegenleistung bildet, nicht gleichzeitig eine Spende (bzw. eine
Subvention) in Sinne der Mehrwertsteuergesetzgebung darstellen (E.
3e).

Imposta sul valore aggiunto (OIVA). Esonero fiscale. Prestazione di
servizio culturale. Placchette di carnevale. Ricorso omisso medio.

Art. 14 n°12, art. 26 cpv. 1 e 2 OIVA. Art. 64 cpv. 2 LIVA.

- Ricorso omisso medio come eccezione dal punto di vista del diritto
procedurale (consid. 1d.bb).

- Vendita di placchette di carnevale quale fornitura imponibile
di beni (consid. 3a). Chi compera la placchetta non acquisisce i
diritti abitualmente legati all’acquisto di biglietti d’entrata per le
manifestazioni culturali secondo l’art. 14 n°12 OIVA. Le placchette non
sono pertanto biglietti d’entrata; i ricavi dalla vendita di placchette
non sono una contro-prestazione per prestazioni di servizio culturali
(consid. 3b).

- Del resto, sono esonerate dall’imposta in virtù dell’art. 14 n°12 OIVA
solo prestazioni di servizio di tipo culturale effettuate direttamente
al pubblico, mentre questo non è il caso per prestazioni anteriori o
eventualmente fornite parallelamente (come la vendita di placchette di
carnevale) che servono ad ottenere i mezzi di finanziamento necessari
per la prestazione culturale (consid. 2b, 3b).

2

- Se vi è uno scambio di prestazioni dal punto di vista dell’imposta sul
valore aggiunto, il contributo finanziario (in casu il prezzo d’acquisto
per la placchetta) che rappresenta la contro-prestazione non può essere
al contempo un dono (risp. una sovvenzione) ai sensi della legislazione
sull’imposta sul valore aggiunto (consid. 3e).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Das «X.» (nachfolgend: X.) ist ein Verein im Sinne von Art. 60 ff. des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210)
mit Sitz in A. und bezweckt «die Pflege des ... Brauchtums und Durchführung
der Fasnachtsumzüge, die Wahrung und Förderung der ... Fachnachtsbräuche,
insbesondere der Strassenfasnacht am Schmutzigen Donnerstag (...) und am
Güdismontag (...). Ferner kann der Verein wohltätige Aktionen unternehmen.
Der Verein kann zur Erreichung seines Zweckes Grundstücke erwerben» (Ziff.
2 der Statuten vom 28. August 1997).

Mit Schreiben vom 29. August 2000 an die Eidgenössische Steuerverwaltung
(ESTV) erkundigte sich das X. über seine Mehrwertsteuerpflicht. Nach einer
Prüfung der Jahresabschlüsse 1994/95 - 1999/2000 des X. teilte die ESTV diesem
am 27. November 2000 mit, es sei steuerpflichtig und rückwirkend per 1.
Januar 1995 im Register für Steuerpflichtige eingetragen worden. Das X.
liess in der Folge diesen Standpunkt der ESTV bestreiten (...) und (betreffend
Verkauf von Fasnachtsplaketten) um eine anfechtbare Verfügung ersuchen.

B. Am 26. Februar 2002 entschied die ESTV, der Verkauf von Plaketten aller Art,
insbesondere von Fasnachtsplaketten, unterliege der Steuer zum Normalsatz.
Zur Begründung führte die ESTV imWesentlichen an, das Entgelt für die
Plaketten sei entgegen der Ansicht des X. kein Eintrittsgeld für steuerbefreite
kulturelle Darbietungen, sondern die Gegenleistung für die steuerbare
Lieferung (Verkauf) eines Gegenstandes.

Dagegen liess das X. am 8. April 2002 Einsprache erheben und die Anträge
stellen, die Einsprache sei gestützt auf Art. 64 Abs. 2 des Bundesgesetzes
vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20)
als Beschwerde an die Eidgenössische Steuerrekurskommission (SRK)
weiter zu leiten, es sei festzustellen, dass der Umsatz aus dem Verkauf
der Fasnachtsplaketten der Mehrwertsteuer nicht unterliege, alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Eidgenossenschaft. Zur
Begründung brachte das X. imWesentlichen vor, der Entscheid der ESTV
sei zwar nicht detailliert begründet, die Rechtsauffassung der ESTV sei
während des ganzen Verfahrens jedoch genügend dargelegt worden, so dass
es aus prozessökonomischen Gründen sinnlos sei, das verwaltungsinterne
Einspracheverfahren zu beschreiten; die Einsprache sei direkt der SRK
zur Beurteilung vorzulegen. Das X. sei aufgrund seiner gemeinnützigen
Tätigkeit für den Erhalt und die Förderung eines für A. sehr wichtigen
Kulturgutes bzw. kulturellen Anlasses von den direkten Steuern befreit.
Es könne auf ein Heer von freiwilligen Funktionären und Helfern zählen,
welche mit ihrem unentgeltlichen Arbeitseinsatz die Durchführung der ...
Fasnachtsumzüge und weiterer Fasnachts- und Vorfasnachtsveranstaltungen
möglich machen. Die Durchführung dieser Veranstaltungen sei als kulturelle

3

Dienstleistungen im Sinne von Art. 14 Ziff. 12 der Verordnung vom 22. Juni
1994 über die Mehrwertsteuer (MWSTV, AS 1994 1464) zu qualifizieren. Die für
die - und im Zusammenhang mit der - Durchführung dieser Veranstaltungen
erzielten Einnahmen aus dem Plakettenverkauf seien als Entgelte der
kulturellen Dienstleistungen zu betrachten und deshalb von der Steuer zu
befreien, auch wenn der Plakettenverkauf bereits im Vorfeld der Fasnacht
anlaufe. Die Verkäufe der Plaketten hätten hauptsächlich die Funktion eines
Eintrittsbilletes für die Veranstaltungen.

C.Mit Einspracheentscheid vom 25. August 2003 wies die ESTV die Einsprache
ab und forderte vom X. Fr. 50’856.80 Mehrwertsteuer zuzüglich Verzugszins
für den Fasnachtsplakettenverkauf in den Steuerperioden 1. Quartal 1995 bis
4. Quartal 1999. Verfahrenskosten erhob die ESTV keine. Zur Begründung
hielt sie imWesentlichen dafür, der Verkauf dieser Plaketten stelle eine
zum Normalsatz zu versteuernde Lieferung eines Gegenstandes dar. Der
Vertragsinhalt beschränke sich auf «Geld gegen Ware». Der Käufer erwerbe
mit dem Kauf der Plakette keine weiteren Rechte, auch nicht jenes, den
kulturellen Veranstaltungen des X. beizuwohnen. Die Fasnachtsplakette stelle
unter diesen Umständen kein Eintrittsbillett dar.

D. Am 25. September 2003 lässt das X. (Beschwerdeführer) bei der SRK
Beschwerde führen und beantragen,

«1. Es sei festzustellen, dass der durch das X. erzielte Umsatz aus dem
Verkauf von Fasnachtsplaketten als Entgelt für eine kulturelle Dienstleistung,
eventualiter als Spende zu qualifizieren sei und nicht der MWST unterliege.

2. Eventuell sei die MWST anhand der rückwirkend gewährten
Pauschalsteuersätze zu berechnen und im Rahmen einer Gesamtberechnung
unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Zahlungen der allenfalls noch
offene MWST-Betrag für die Perioden 1. Quartal 1995 bis 4. Quartal 1999
festzusetzen.

3. Es sei ein zweiter Rechtsschriftenwechsel durchzuführen, damit der
Steuerpflichtige zur Begründung der Abweisung seines Antrags auf
Sprungbeschwerde, der nachzuliefernden Berechnung der Steuerschuld
und den nachgelieferten Begründungen in den weiteren Punkten Stellung
nehmen kann.

4. Der Beschwerdeführer sei im Sinne von Art. 64 VwVG in Verbindung
mit Art. 68 MWSTG für die Aufwendungen im Beschwerdeverfahren unter
Berücksichtigung des unnötigerweise allein von der Vorinstanz verursachten
Zwischenschrittes des Einspracheentscheides und der unvollständigen
Begründung des Einspracheentscheides angemessen zu entschädigen.»

4

Zur Begründung wiederholt der Beschwerdeführer imWesentlichen seine
Argumente der Einsprache. Mit Vernehmlassung vom 17. November 2003
beantragt die ESTV, die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.

Aus den Erwägungen:

1.a. und b. (...)

c.aa. In casu nicht mehr bestritten ist namentlich die subjektive
Steuerpflicht des Beschwerdeführers. Im Streit liegt vielmehr die Frage
nach der mehrwertsteuerlichen Behandlung der fraglichen Verkäufe von
Fasnachtsplaketten.

bb. Mit Bezug auf die Berechnung der Nachforderung durch die ESTV macht
der Beschwerdeführer geltend, die Steuer sei rückwirkend anhand der
gewährten Pauschalsteuersätze zu berechnen und es sei im Rahmen einer
Gesamtberechnung unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Zahlungen
der allenfalls noch offene Mehrwertsteuerbetrag für die Perioden 1. Quartal
1995 bis 4. Quartal 1999 festzusetzen. Insofern habe die ESTV den relevanten
Sachverhalt unrichtig festgestellt. Zur Begründung dieses Antrages trägt der
Beschwerdeführer vor, in der Ergänzungsabrechnung habe die ESTV die
geleisteten Akontozahlungen nicht aufgeführt und es sei nicht überprüfbar,
ob diese überhaupt berücksichtigt worden sind. Zudem sei unzulässig, die
pro Geschäftsjahr erzielten und aufgelisteten Umsätze auf ein Kalenderjahr
umzurechnen, da die Einnahmen nicht kontinuierlich fliessen würden.
Die durch die ESTV für das Jahr 1997 veranschlagten Umsätze aus dem
Plakettenverkauf stimmten mit der Erfolgsrechnung des Beschwerdeführers
nicht überein. Schliesslich wende die ESTV die mit Rückwirkung bewilligten
Pauschalsteuersätze nur für das Jahr 1999 an; für 1995 und 1996 seien 4,5%,
für 1997 und 1998 2% eingesetzt; er sei aber der Auffassung, für die ganze
fragliche Zeit sei der Pauschalsteuersatz von 2,3% anwendbar.

Der Beschwerdeführer verkennt, dass die ESTV eine Schlussabrechnung,
welche seine geleisteten Akontozahlungen berücksichtigen würde, noch gar
nicht erstellt hat. Jedenfalls ist eine solche Abrechnung nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens, sondern nur die nachzuleistende Steuer im Betrag
von Fr. 50’856.80. Die ESTV weist darauf hin, dass sie diese Teilzahlungen zum
gegebenen Zeitpunkt an die «dannzumal offenen Beträge anrechnen» werde.
Soweit sich unter diesen Umständen der Antrag des Beschwerdeführers
betreffend Akontozahlungen nicht ohnehin als gegenstandslos erweist, ist
er abzuweisen.

Was der Beschwerdeführer hier weiter vorträgt, vermag ebenfalls nicht
durchzudringen. Aufgrund des Selbstveranlagungsprinzips wäre er
verpflichtet gewesen, gegenüber der ESTV nach Ablauf der jeweiligen
Abrechnungsperioden unaufgefordert über die geschuldete Mehrwertsteuer
abzurechnen (Art. 37 MWSTV; E. 2d hienach). Er hat dies unterlassen, weshalb
die ESTV gehalten war, die Steuer rückwirkend anhand der nachgereichten
Bücher des Beschwerdeführers zu berechnen. Es ist keinerlei Vorschrift
ersichtlich, welche es der ESTV untersagen würde, die Steuer nach der
zeitlichen Aufteilung der Kalenderjahre anteilsmässig zu berechnen, auch
wenn die Geschäftsjahre im konkreten Fall sich mit dem Kalenderjahr
nicht decken. Die ESTV verletzt dabei kein Bundesrecht, jedenfalls dann
nicht, wenn wie in casu der Beschwerdeführer (vertreten durch einen

5

Treuhänder bzw. durch einen lic.iur. der Hochschule St. Gallen [HSG])
nicht zu substantiieren und belegen vermag, dass die fragliche zeitliche
Aufteilung sich für ihn nachteilig auswirkt. Anders zu entscheiden wäre mit
der Regel unvereinbar, wonach der Steuerpflichtige für die steuermindernden
Tatsachen beweisbelastet ist (Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 60
S. 416, ASA 59 S. 634). Ebenso unbegründet erweist sich der Vorwurf, die durch
die ESTV für das Jahr 1997 veranschlagten Umsätze aus dem Plakettenverkauf
stimmten mit der Erfolgsrechnung des Beschwerdeführers nicht überein.
Die der Ergänzungsabrechnung für das Jahr 1997 zugrunde gelegten Beträge
(Fr. 309’718.55 bzw. Fr. 321’191.80) ergeben sich direkt aus den Büchern
des Beschwerdeführers (Erfolgsrechnung 96/97: Plakettenverkauf von Fr.
305’431.55 + Versandkosten von Fr. 4’287.- = Fr. 309’718.55; Erfolgsrechnung
97/98: Plakettenverkauf von Fr. 316’901.80 + Versandkosten von Fr. 4’290.- = Fr.
321’191.80).

Schliesslich weist die Vorinstanz mit Recht darauf hin, dass sie bei einer
rückwirkenden Festsetzung der Steuer jene Pauschalsteuersätze anzuwenden
hat, welche für die entsprechenden Steuerperioden damals jeweils
gültig waren. Eine andere Handhabung - hier also namentlich eine echte
Rückwirkung - lassen weder Gesetz (speziell auch das Übergangsrecht)
noch Rechtsprechung für materiellrechtliche Vorschriften wie anwendbare
Steuersätze zu. Der Beschwerdeführer vermag überdies nicht darzulegen,
inwiefern die ESTV Pauschalsteuersätze zur Anwendung gebracht haben soll,
die für das jeweilige Steuerjahr damals nicht gültig gewesen wären, sondern
er will einzig den heute anwendbaren Satz rückwirkend für alle Perioden
angewendet sehen, was - wie erwähnt - unzulässig ist.

d. Der Beschwerdeführer beantragt ferner, es sei ein zweiter Schriftenwechsel
durchzuführen, damit er zur Begründung der Abweisung seines Antrages auf
Sprungbeschwerde, der nachzuliefernden Berechnung der Steuerschuld
und nachgelieferten Begründungen in den weiteren Punkten Stellung
nehmen kann. Zur Begründung dieses Antrages hält der Beschwerdeführer
dafür, die Nichtanwendung des Pauschalsteuersatzes von 2,3% sowie die
fehlende Berücksichtigung der Akontozahlungen stelle eine mangelhafte
Begründung des Einspracheentscheides dar. Es sei dem Beschwerdeführer
nicht möglich, vollumfänglich zum nachgeforderten Betrag Stellung zu
nehmen. Es sei auch nicht ersichtlich, weshalb dem Antrag, die Einsprache als
Sprungbeschwerde der SRK zum Entscheid weiterzuleiten, nicht entsprochen
worden sei. Deshalb sei auch diesbezüglich ein zweiter Schriftenwechsel
anzuordnen und dem Beschwerdeführer die Gelegenheit zu geben, zu den
in der Vernehmlassung hiezu hoffentlich nachgelieferten Begründungen
Stellung zu nehmen. Er hält weiterhin daran fest, dass die Sprungbeschwerde
hätte bewilligt werden müssen, weshalb er durch den zusätzlichen
Verfahrenszwischenschritt zu unnötigen Aufwendungen gezwungen worden
sei, was bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen sei.

aa. Inwiefern der Einspracheentscheid mangelhaft begründet ist, wie
der Beschwerdeführer vorträgt, ist mit Bezug auf die Berechnung der
Nachforderung nicht ersichtlich und wird von ihm auch nicht substantiiert.
Vielmehr ist die Begründung der Steuerberechnung durch die ESTV nach
einer ersten Prüfung unter den vom Beschwerdeführer aufgeworfenen
Gesichtspunkten (E. 1c/bb hievor) ganz offensichtlich ausreichend dafür, dass
sein Rechtsvertreter in der Eigenschaft eines eidgenössisch diplomierten

6

Steuerexperten über die Tragweite und die sachverhaltsmässigen und
rechtlichen Umstände bzw. über die Beweggründe der ESTV, die zu dieser
Berechnung führten, sich im Klaren befinden muss. Von einer mangelhaften
Begründung kann unter diesen Umständen keine Rede sein. Das Begehren ist
mit Bezug auf die Begründung der Steuerberechnung durch die ESTV bereits
deshalb abzuweisen. Überdies sind seine Einwände zur Steuerberechnung,
soweit sie überhaupt zulässig sind und sie sich nicht als gegenstandslos
erweisen, ohnehin offensichtlich unbegründet (E. 1c/bb hievor).

Selbstverständlich ist im Übrigen ein zweiter Schriftenwechsel nicht
grundsätzlich unzulässig (siehe Art. 57 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [VwVG], SR 172.021), wenn
auch praxisgemäss gewöhnlich die Ausnahme. Im vorliegenden Fall haben
sich indes die Verfahrensbeteiligten während des gesamten Verfahrens
einlässlich sowohl zum Recht als auch zum Sachverhalt äussern können.
So wiederholt der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe an die SRK in
wesentlichen Teilen seine Argumente der Einsprache. Neue wesentliche
Sachverhaltselemente oder rechtliche Würdigungen hat die ESTV in ihrer
Vernehmlassung nicht nachgeliefert. Die Sache ist spruchreif, ein weiterer
Schriftenwechsel drängt sich daher auch in dieser grundsätzlichen Hinsicht
nicht auf (vgl. ASA 66 S. 158).

bb. Zwar hat die ESTV in der Tat den Antrag des Beschwerdeführers,
seine Einsprache als Sprungbeschwerde an die SRK weiterzuleiten, nicht
ausdrücklich behandelt. Mit Bezug auf die «mangelnde Begründung»
durch die ESTV für die Abweisung dieses Antrages auf Weiterleitung seiner
Einsprache als Sprungbeschwerde besteht allerdings kein Anlass mehr für
einen zweiten Schriftenwechsel, da der Beschwerdeführer diesbezüglich nicht
mehr beschwert ist, nachdem das Verfahren nunmehr vor der SRK anhängig
ist. Wenn er aufgrund der Kostenverlegung im vorliegenden Verfahren
(ihm seien durch den zusätzlichen Verfahrenszwischenschritt unnötige
Aufwendungen entstanden) auf der Klärung der Frage nach der Zulässigkeit
der Sprungbeschwerde beharrt, ist ihm Nachfolgendes entgegenzuhalten:

Zunächst sieht das hier grundsätzlich anwendbare Recht der
Mehrwertsteuerverordnung keine Sprungbeschwerde, sondern zwingend
ein Einspracheverfahren vor (Art. 52 f. MWSTV). Wenn diesbezüglich
denn das neue Mehrwertsteuergesetz Anwendung finden sollte, wie der
Beschwerdeführer dafür hält, wäre auch nicht anders zu entscheiden:

Vorerst gilt es zu berücksichtigen, dass das Gesetz als Regelfall vorsieht,
ein Einspracheverfahren habe stattzufinden (Art. 63 ff. MWSTG). Die
Sprungbeschwerde (Art. 64 Abs. 2 MWSTG), welche das gesetzlich angeordnete
Einspracheverfahren ausschliesst, ist folglich als verfahrensmässiger
Ausnahmefall im Justizverfahren der Mehrwertsteuer zu betrachten
(vgl. Dieter Metzger, Kurzkommentar zum Mehrwertsteuergesetz, Bern
2000, S. 199 Rz. 5). Überdies ist Art. 64 Abs. 2 MWSTG, welcher die
Sprungbeschwerde ermöglicht, als so genannte «Kann-Vorschrift» ausgestaltet
und überlässt der ESTV einen weiten Spielraum des Ermessens, in Form des
Entschliessungsermessens (vgl. Ulrich Häfelin / Georg Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, Rz. 430 f.), mit der Folge, dass die SRK
nur mit grosser Zurückhaltung den Ermessensentscheid der Verwaltung prüft,

7

die Sprungbeschwerde zuzulassen oder eben nicht, selbst wenn es sich um
«eine Einsprache gegen einen einlässlich begründeten Entscheid» der ESTV
handelt.

Um einen solchen Ermessensentscheid handelt es sich hier aber gar nicht,
denn die SRK hält mit der ESTV dafür, deren erster Entscheid sei ganz
offensichtlich nicht als «einlässlich» begründet zu betrachten im Sinne von
Art. 64 Abs. 2 MWSTG und sie habe deshalb mit Recht die Voraussetzungen
für eine Sprungbeschwerde als nicht gegeben erachtet. Überdies erweist
sich eine Sprungbeschwerde hier auch deshalb als unmöglich, weil die ESTV
aufgrund der Subsidiarität von Feststellungsverfügungen gehalten war, einen
Leistungsentscheid (hier den Einspracheentscheid) zu fällen, nachdem sie
den ersten Entscheid noch in der Form eines Feststellungsentscheides erliess,
ohne die geschuldete Steuer zu beziffern. Steht dem Beschwerdeführer kein
Anspruch auf die geltend gemachte Sprungbeschwerde zu, kann er auch keine
Rechte mit Bezug auf die Kostenverlegung ableiten.

2.a. Der Steuer unterliegen die im Inland gegen Entgelt erbrachten
Lieferungen von Gegenständen sowie Dienstleistungen (Art. 4 Bst. a und
b MWSTV). Als Dienstleistung gilt jede Leistung, die keine Lieferung eines
Gegenstandes ist (Art. 6 Abs. 1 MWSTV). Eine Lieferung liegt vor, wenn
die Befähigung verschafft wird, im eigenen Namen über einen Gegenstand
wirtschaftlich zu verfügen, wie beispielsweise gestützt auf einen Kaufvertrag
(Art. 5 Abs. 1 MWSTV).

Nach der Mehrwertsteuerverordnung wird die Steuer vom Entgelt berechnet.
Dazu gehört alles, was der Leistungsempfänger oder ein Dritter für ihn als
Gegenleistung für die Leistung aufwendet (Art. 26 Abs. 1 und 2 MWSTV).
Nur jene Zuwendungen des Abnehmers gehören nicht zum steuerbaren
Entgelt, die keinen ursächlichen Zusammenhang mit der steuerbaren Leistung
aufweisen und ihren Rechtsgrund in einem selbständigen, von der Leistung
unabhängigen Leistungsaustauschverhältnis haben. Getreu demWesen der
Mehrwertsteuer als Verbrauchsteuer ist die Sicht des Verbrauchers vermehrt
ins Zentrum zu rücken. So sieht denn das anwendbare Recht vor, zum Entgelt
gehöre alles, was der Verbraucher für die Leistung aufwendet, und nicht
etwa, was der Erbringer dafür erhält. Begriff und Umfang des Entgelts
ist folglich aus der Sicht des Abnehmers zu definieren (Alois Camenzind /
Niklaus Honauer, Handbuch zur neuen Mehrwertsteuer, Bern 1995, Rz. 761;
Metzger, a.a.O., S. 110 Rz. 3; Daniel Riedo, VomWesen der Mehrwertsteuer
als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkungen auf
das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 96, 228). Berechnungsgrundlage ist
letztlich, was der Verbraucher (Abnehmer) bereit oder verpflichtet ist, für die
erhaltene Leistung aufzuwenden bzw. um die Leistung zu erhalten (Entscheid
der SRK vom 13. Februar 2001 i.S. S. [SRK 2000-067]; E. 4b).

b. Von der Mehrwertsteuer befreit sind dem Publikum unmittelbar
erbrachte kulturelle Dienstleistungen - soweit hier von Interesse - der
nachstehend aufgeführten Arten, sofern hiefür ein besonderes Entgelt
verlangt wird: Theater‑, musikalische und choreographische Aufführungen
sowie Filmvorführungen (Art. 14 Ziff. 12 Bst. a MWSTV), Darbietungen von
Schauspielern, Musikern, Tänzern und anderen ausübenden Künstlern sowie
Schaustellern (Bst. b).

8

In der Rechtsprechung wurde auf Verfassungsmässigkeit des Passus
«dem Publikum unmittelbar erbracht» erkannt (Entscheid der SRK vom
20. Februar 2001, veröffentlicht in: VPB 66.57 E. 3). Sinn und Zweck der
Befreiungsvorschrift von Art. 14 Ziff. 12 MWSTV besteht in der Begünstigung
des Bezugs von kulturellen Leistungen aus kulturpolitischen Gründen. Bereits
aus dem - auf Verfassungsstufe vorgegebenen - Wesen der Steuerbefreiung
ohne Berechtigung zum Vorsteuerabzug geht hervor, dass einzig durch
die Nichtbelastung der letzten Umsatzstufe insgesamt eine geringere
Steuerbelastung für den Endverbraucher bewirkt werden soll. Insofern
ist zutreffend, nur die dem Publikum unmittelbar erbrachten kulturellen
Dienstleistungen zu befreien, und nicht etwa auch gewisse Vorleistungen.
Es ist folglich nicht unzulässig, wenn die Verordnung die Steuerbefreiung
auf jene Leistungen beschränkt, die direkt und unmittelbar dem Publikum
erbracht werden, und nicht auf jede erdenkliche Art von Aktivitäten im
Bereich des Kulturschaffens ausweitet, beispielsweise auf das «Auftreiben der
nötigen Finanzmittel» (Entscheide der SRK vom 14. Mai 2003, veröffentlicht
in: VPB 67.122 E. 2c bb; vom 20. Februar 2001, veröffentlicht in: VPB 66.57 E.
3d; vgl. auch Entscheid des Bundesgerichts vom 3. März 1999, veröffentlicht in
ASA 69 S. 662).

Schliesslich fliesst der Grundsatz der Allgemeinheit der Mehrwertsteuer
sowohl aus Art. 41ter der bis zum 31. Dezember 1999 in Kraft befindlichen
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai
1874 (aBV[1]; bzw. Art. 130 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV], SR 101) als auch aus Art. 4 aBV (vgl.
BGE 116 Ia 324, BGE 114 Ia 323). Danach soll der Konsum von Lieferungen
und Dienstleistungen umfassend besteuert werden. Nach der Rechtsprechung
kommt dem Allgemeinheitsgrundsatz im Mehrwertsteuerrecht eine besonders
zu gewichtende Bedeutung zu. Einschränkungen des Steuerobjekts sowie des
Steuersubjekts dürfen daher nur mit grosser Zurückhaltung angenommen
werden. Steuerbefreiungsvorschriften werden in konstanter Rechtsprechung
restriktiv ausgelegt (statt vieler: Entscheid der SRK vom 25. September 1998,
veröffentlicht in: VPB 63.75 E. 4c; vgl. statt vieler auch BGE 124 II 202). Im
Übrigen ist das Steuerobjekt im Sinne einer so genannten Negativliste geregelt
mit der Folge, dass Steuerbefreiungen ausdrücklich aufgeführt sein müssen
(AB 1993 N 331).

c. Nach konstanter Rechtsprechung werden gemäss dem Grundsatz der
Einheitlichkeit der Leistung einheitliche wirtschaftliche Vorgänge nicht
in mehrere selbständige Leistungen zerlegt, wenn sie wirtschaftlich
zusammengehören und ein unteilbares Ganzes bilden. Übe der
Steuerpflichtige eine Reihe von einzelnen Tätigkeiten aus, die auf ein
einheitliches wirtschaftliches Ziel gerichtet sind, liege eine einheitliche
Leistung indes nur dann vor, wenn die einzelnen Teile sachlich, zeitlich
und vom wirtschaftlichen Gehalt her in einer derart engen Verbundenheit
stehen, dass sie untrennbare Komponenten eines Vorgangs verkörpern,
der das gesamte Handeln umfasst (Entscheide der SRK vom 22. April 2002,
veröffentlicht in: VPB 66.95 E. 2c, 3; vom 10. März 1999, veröffentlicht in: VPB
63.92 E. 3b, c; vom 3. Februar 1999 [SRK 1997-127], in: MWST-Journal 1/99, S.
24, E. 4b, und vom 25. September 1998 [SRK 1997-020], in MWST-Journal 4/98,
S. 166, E. 5a, je mit Hinweisen).

9

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005618.pdf?ID=150005618
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005834.pdf?ID=150005834
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005618.pdf?ID=150005618
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_116%20Ia%20324
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_114%20Ia%20323
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004373.pdf?ID=150004373
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_124%20II%20202
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005744.pdf?ID=150005744
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004430.pdf?ID=150004430
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004430.pdf?ID=150004430

Es verhalte sich keineswegs etwa so, dass eine steuerpflichtige Leistung
als Ganzes nicht auch Leistungskomponenten umfassen kann, die isoliert
betrachtet steuerbefreit wären. Denn auch umgekehrt ist ohne weiteres
möglich, dass als Ganzes steuerbefreit zu beurteilende Leistungen auch
Elemente von an sich steuerpflichtigen Tätigkeiten beinhalten. Beispielsweise
enthalte die befreite Heilbehandlung (s. Art. 14 Ziff. 2 MWSTV) auch
Verpflegungs- und Beherbergungskomponenten (vgl. Entscheid der SRK vom
25. September 1998, a.a.O., E. 4b). Oder befreite Leistungen im Sozialbereich
(Art. 14 Ziff. 7 MWSTV) könnten Beförderungs- und Verpflegungskomponenten
enthalten (Entscheid der SRK vom 3. Februar 1999, a.a.O., E. 4). Es sei
jeweils im konkreten Einzelfall aufgrund der gesamten tatsächlichen und
wirtschaftlichen Verhältnisse zu beurteilen, ob eine Leistungseinheit vorliegt
oder aber steuerlich unabhängig zu beurteilende Vorgänge gegeben sind
(Entscheid der SRK vom 10. März 1999, a.a.O., E. 3b, c). Nicht anders verhalte
es sich umso mehr, wenn eine Leistung als Ganzes Komponenten vereint,
die allesamt steuerpflichtig sind, jedoch einerseits dem Normalsatz und
andererseits dem reduzierten Steuersatz unterliegen (Entscheid der SRK
vom 25. April 2003 [SRK 2002-034], E. 2c).

So können nach Rechtsprechung und Lehre mehrwertsteuerlich an
sich unterschiedlich zu beurteilende Leistungen auch dann einheitlich
zu besteuern sein, wenn sie zueinander im Verhältnis von Haupt- und
Nebenleistung stehen. Nebenleistungen teilen mehrwertsteuerrechtlich das
Schicksal der Hauptleistung, wenn sie im Verhältnis zu dieser nebensächlich
sind, mit dieser in einem engen Zusammenhang stehen, diese wirtschaftlich
ergänzen, verbessern oder abrunden und mit dieser üblicherweise
vorkommen (Entscheid der SRK vom 22. April 2002, a.a.O.; ausführlich:
Entscheid der SRK vom 25. September 1998, a.a.O., E. 5a; Urteile des
Bundesgerichts vom 7. Dezember 2001 [2A.135/2001], E. 2; vom 26. Juli 2001,
übersetzt in Revue de Droit Administratif et de Droit Fiscal [RDAF] 2002 II
36 ff., E. 3a und b; zum Ganzen: s. auch Alois Camenzind / Niklaus Honauer
/ Klaus A. Vallender, Handbuch zum neuen Mehrwertsteuergesetz (MWSTG),
Bern/ Stuttgart/Wien 2000, Rz. 114 ff., mit Hinweisen).

d. Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach
dem Selbstveranlagungsprinzip (Art. 37 f. MWSTV; vgl. Ernst Blumenstein
/ Peter Locher, System des Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 421 ff.).
Dies bedeutet nach Lehre und konstanter Rechtsprechung, dass die
mehrwertsteuerpflichtige Person die Verantwortung für die richtige und
vollständige Versteuerung ihrer Umsätze trägt (Urteil des Bundesgerichts vom
31. Mai 2002, veröffentlicht in Steuer Revue [StR] 2003, S. 214, E. 6b; statt vieler:
Entscheid der SRK vom 5. Januar 2000, veröffentlicht in: VPB 64.83 E. 2 mit
Hinweisen).

3.a. Im vorliegenden Fall handelt es sich bei den fraglichen Fasnachtsplaketten
unbestrittenermassen um Gegenstände im Sinne von Art. 5 MWSTV. Überdies
verschafft der Beschwerdeführer jeweils dem Empfänger ebenso zweifelsfrei
die Befähigung, über die Plakette wirtschaftlich zu verfügen. Er hält denn
auch wiederholt selbst ausdrücklich fest, die Plakettenveräusserungen
beruhten auf Kaufgeschäften. Ferner erfolgen diese Transaktionen im
mehrwertsteuerlichen Leistungsaustausch, denn der Beschwerdeführer
erhält ein Entgelt, den Kaufpreis. Schliesslich spielen sich die Verkäufe der

10

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004877.pdf?ID=150004877

Fasnachtsplaketten im Inland ab. Da überdies der Beschwerdeführer subjektiv
steuerpflichtig ist, sind sämtliche Tatbestandselemente der steuerbaren
Lieferung von Gegenständen im Sinne von Art. 4 f. MWSTV erfüllt.

b. Der Beschwerdeführer hält entgegen, die Durchführung der
Fasnachtsveranstaltungen, insbesondere der Fasnachtsumzüge, sei als
kulturelle Dienstleistungen im Sinne von Art. 14 Ziff. 12 MWSTV zu
qualifizieren. Die für die - und im Zusammenhang mit der - Durchführung
dieser Veranstaltungen erzielten Einnahmen aus dem Plakettenverkauf seien
als Entgelte der kulturellen Dienstleistungen zu betrachten und deshalb von
der Steuer zu befreien, auch wenn der Plakettenverkauf bereits im Vorfeld
der Fasnacht anlaufe. Die Verkäufe der Plaketten hätten hauptsächlich die
Funktion eines Eintrittsbillettes für die Veranstaltungen.

Aufgrund der eigenen Schilderung durch den Beschwerdeführer lasse sich
die Kontrolle, ob die Zuschauer der Umzüge tatsächlich auch Käufer der
Fasnachtsplaketten sind, nicht durchsetzen; es bestehe keine Exklusivität an
der Fasnachtsveranstaltung für die Käufer der Plakette. Der Beschwerdeführer
unterlässt zu erwähnen, dass der Käufer der Plakette keine solchen Rechte
erwirbt, wie dies beim Kauf von Eintrittsbilletten zu den kulturellen
Veranstaltungen gemäss Art. 14 Ziff. 12 MWSTV üblicherweise der Fall ist.
Die Rechte des Käufers beschränken sich hier vielmehr darauf, dass ihm
der Beschwerdeführer die Plakette übergibt und ihm das Eigentum daran
verschafft (vgl. Art. 184 Abs. 1 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR],
SR 220). So können den Fasnachtsveranstaltungen auch Personen beiwohnen,
die keine Fasnachtsplakette kaufen. Mit Bezug auf die geltend gemachten
kulturellen Dienstleistungen gemäss Art. 14 Ziff. 12 MWSTV unterscheiden
sich die Rechte der Käufer (von Plaketten) nicht von den Rechten derjenigen
Besucher, die keine Plaketten gekauft haben. Etwas anderes vermag der
Beschwerdeführer nicht unter Beweis zu stellen. Unter diesen Umständen
kann der Beschwerdeführer nicht erfolgreich behaupten, die Plaketten stellten
Eintrittsbillette bzw. die Erlöse aus dem Plakettenverkauf stellten Entgelte für
die kulturellen Dienstleistungen dar.

Der Beschwerdeführer verkennt ohnehin, dass lediglich dem Publikum
«unmittelbar erbrachte kulturelle» Dienstleistungen befreit sind, und nicht
auch Vorleistungen oder allenfalls parallel laufende Leistungen wie der
Verkauf von Fasnachtsplaketten, welchen die Funktion des Beschaffens
der nötigen Finanzierungsmittel für die kulturelle Leistung zukommt
(E. 2b hievor). So führt der Beschwerdeführer selber aus, der Erlös aus
dem Plakettenverkauf diene der Deckung der Aufwendungen, welche im
Zusammenhang mit dem Umzug entstehen. Anders zu entscheiden, wäre
überdies mit dem Allgemeinheitsgrundsatz der Mehrwertsteuer, der eine
restriktive Handhabung der Steuerbefreiungsvorschriften gebietet, nicht zu
vereinbaren (E. 2b hievor).

Schliesslich kann aufgrund der dargelegten - und aus mehrwertsteuerlicher
Sicht massgebenden - mangelnden rechtlichen und tatsächlichen Verknüpfung
zwischen Verkauf der Plakette einerseits und Fasnachtsveranstaltung
andererseits ganz offensichtlich weder gesagt werden, die beiden Umsätze
bildeten eine unteilbare Einheit, welche nicht in mehrere selbständige
Leistungen zerlegt werden kann, noch sie stünden zueinander im Verhältnis

11

von Haupt- und Nebenleistung (E. 2c hievor). Demnach können sie
auch aus diesem Grund nicht das steuerliche Schicksal teilen, wie der
Beschwerdeführer anzudeuten versucht.

c. Der Beschwerdeführer trägt ferner vor, die Fasnachtsveranstaltung
erfülle sämtliche im anwendbaren Recht, in der Literatur und in der
Verwaltungspraxis formulierten Voraussetzungen an eine kulturelle
Dienstleistung. Bei der Fasnachtsveranstaltung handle es sich namentlich
nicht um eine Lieferung. Der Warenwert der Plaketten sei gering (Fr. 1.29
für die «Silberplakette» bzw. Fr. 0.92 für die «Kupferplakette») verglichen mit
dem Verkaufspreis (Fr. 8.- bzw. Fr. 6.-). Angesichts der grossen Verkaufszahl
sei die Plakette als Sammlerobjekt uninteressant und keine Wertsteigerung
zu erwarten. Es liege eine analoge Situation wie bei Gedenkmedaillen bei
sportlichen Anlässen vor, welche von der ESTV als Nebenleistungen zur
Einschreibegebühr qualifiziert würden.

Die Argumentation des Beschwerdeführers geht bereits im Ansatz fehl.
Mehrwertsteuerlich zu beurteilen ist hier nicht die Fasnachtsveranstaltung,
sondern der Verkauf der Fasnachtsplaketten. Die Lieferung der Plaketten
(E. 3a hievor) ist ein von der Fasnachtsveranstaltung unabhängiger Umsatz
(E. 3b hievor) und hat deshalb ein eigenes steuerliches Schicksal. Ferner
ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers der tatsächliche
Warenwert der Plakette nicht entscheidend (ganz abgesehen davon, dass der
Beschwerdeführer die weiteren Aufwandpositionen für den Plakettenverkauf
nicht erwähnt), sondern was der Käufer dafür aufzuwenden bereit ist
(E. 2a hievor). Dabei spielt mehrwertsteuerlich auch keine Rolle, ob der
Fasnachtsplakette Sammlerwert zukommt oder sie einer Wertsteigerung
zugänglich ist. Schliesslich schreibt sich der Käufer mit dem Kauf der
Plakette nirgends und für nichts ein. Deshalb erweist sich der Vergleich
mit der Gedenkmedaille bei Sportanlässen bzw. mit der entsprechenden
Einschreibegebühr bereits von vornherein als untauglich.

d. Der Beschwerdeführer rügt sodann eine Ungleichbehandlung mit andern
Fasnachtsgruppen in der Umgebung von A., welche mit ihren Verkäufen die
Umsatzgrenzen nicht erreichen. Das Rechtsgleichheitsgebot sei auch dadurch
verletzt, dass beispielsweise der Verkauf von Rondellen beim Altstadtfest
A. der Mehrwertsteuer nicht unterworfen sei. Schliesslich führe die
Nachforderung zu einer faktischen Überbesteuerung des Beschwerdeführers,
weil sich die Steuer nicht rückwirkend auf den Käufer der Plakette überwälzen
lasse.

Dem Beschwerdeführer ist zunächst entgegenzuhalten, dass das anwendbare
Recht mit der Einführung von Umsatzgrenzen zur Bestimmung der
subjektiven Steuerpflicht (s. Art. 17 Abs. 1 sowie Art. 19 Abs. 1 Bst. a
MWSTV) eine gewisse Ungleichbehandlung von Erbringern vergleichbarer
Leistungen selbst statuiert, nämlich von jenen, welche die Umsatzgrenzen
überschreiten im Verhältnis zu jenen, die sie nicht erreichen. Mit der
Bezugnahme auf «die Rondellen beim Altstadtfest A.» fordert ferner der
Beschwerdeführer sinngemäss eine Gleichbehandlung im Unrecht. Selbst
wenn davon auszugehen wäre, dass der dortige Sachverhalt unter den
rechtswesentlichen Gesichtspunkten mit dem vorliegenden vergleichbar ist,
was keineswegs feststeht, könnte der Beschwerdeführer aus dem Grundsatz
der Gleichbehandlung im Unrecht nichts zu seinen Gunsten ableiten.

12

Weder steht fest, dass die ESTV in vergleichbaren Situationen die Verkäufe
vergleichbarer Gegenstände in ständiger Praxis von der Steuer ausnimmt,
noch gibt sie zu erkennen, dass sie diesbezüglich auch in Zukunft nicht
gesetzeskonform entscheiden werde (zum Grundsatz der Gleichbehandlung
im Unrecht siehe BGE 127 I 1 E. 3a, BGE 122 II 446 E. 4a; Häfelin / Müller,
a.a.O., Rz. 518 ff.). Schliesslich hat der Beschwerdeführer wie alle anderen
Steuerpflichtigen rechtmässige Steuernachforderungen, die er nicht mehr auf
die Leistungsempfänger überwälzen kann, selber zu tragen (Riedo, a.a.O., S. 21,
mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur).

e. Eventualiter beantragt der Beschwerdeführer, der Verkaufserlös aus den
Fasnachtsplaketten sei als Spende zu qualifizieren und unterliege aus diesem
Grunde nicht der Mehrwertsteuer.

Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung gehören Spenden - gleich
wie Subventionen - nicht zum steuerbaren Entgelt, führen jedoch zu einer
verhältnismässigen Kürzung des Vorsteuerabzuges (BGE 126 II 450 ff. E. 6
und 8). Ist indes ein mehrwertsteuerlicher Leistungsaustausch gegeben, kann
die Geldzuwendung, welche die Gegenleistung bildet, nicht gleichzeitig eine
Spende (bzw. Subvention) in diesem Sinne darstellen (vgl. BGE 126 II 450 ff.
E. 6 und 8a; vgl. Riedo, a.a.O., S. 235 ff.). Der Käufer der Fasnachtsplakette
wendet in casu den Kaufpreis als Gegenleistung für die Lieferung der Plakette
durch den Beschwerdeführer auf. Das Vorliegen dieses mehrwertsteuerlichen
Leistungsaustausches (E. 3a hievor) schliesst folglich die Annahme einer
Spende, welche im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zum
steuerbaren Entgelt gehören würde, zwingend aus. (...)

[1] Zu lesen auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz unterhttp://www.
ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.
Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf (letzter Besuch: 13. April 2006).

13

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_127%20I%201
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20II%20446
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20450
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20450
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 70.57 - Auszug aus dem Entscheid SRK 2003-149 der Eidgenössischen

Steuerrekurskommission vom 9. Februar 2006

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2006
Année

Anno

Band 70
Volume

Volume

Seite ---
Page

Pagina

Ref. No 150 007 364

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus dem Entscheid SRK 2003-149 der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 9. Februar 2006