# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d3ee90b9-8f9f-5d80-8e8e-412b6232a3e7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 D-2942/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2942-2011_2012-01-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­2942/2011

U r t e i l   v om   2 3 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Fulvio Haefeli,   
Gerichtsschreiberin Viktoria Szczepinski.

Parteien A._______, geboren (…),
dessen Ehefrau
B._______, geboren (…),
sowie deren Tochter
C._______, geboren (…),
Kolumbien, 
c/o schweizerische Vertretung in Bogotá, Kolumbien,
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;
Verfügung des BFM vom 23. März 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführenden  –  kolumbianische  Staatsangehörige  mit 
aktuellem Wohnsitz in D._______, Departement E._______ – stellten am 
10. September  2009  bei  der  Schweizer  Vertretung  in  Bogotá  (Eingang 
Botschaft:  11. September  2009)  ein  schriftliches  Asylgesuch,  das  sie – 
auf  entsprechende  Zusatzfragen  der  Botschaft  hin  –  mit  Eingabe  vom 
13. Oktober 2009 ergänzten.

B. 
Mit  Begleitschreiben  vom  21. Oktober  2009  (Eingang BFM:  30. Oktober 
2009)  übermittelte  die  Schweizer  Vertretung  die  Akten 
zuständigkeitshalber an das BFM.

C. 
Mit  Schreiben  vom  10. Februar  2010  und  vom  21. Juni  2010  leitete  die 
Schweizer Botschaft  je  eine weitere Eingabe der Beschwerdeführenden 
vom 10. Februar 2010 und vom 8. Juni 2010, jeweils mit Beilagen, an das 
BFM weiter.

D. 
Mit  am  30. Juni  2010  über  die  Schweizer  Botschaft  versandtem 
Schreiben  vom 31. Mai  2010  teilte  das BFM den Beschwerdeführenden 
mit,  es  erachte  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  aufgrund  der 
schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuches  und  der  beigelegten 
ausführlichen Dokumentation als erstellt, weshalb eine Anhörung auf der 
Botschaft  nicht  notwendig  erscheine.  Im  Weiteren  erwäge  es  unter 
Berücksichtigung  der  Akten  und  aller  Faktoren  (Beziehungsnähe  zur 
Schweiz und hiesige Assimilationsmöglichkeiten, aktuelle Gefährdung im 
Heimatstaat,  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in  einem  anderen  Staat, 
öffentliches Interesse der Schweiz), die Asylgesuche abzulehnen und die 
Einreise  zu  verweigern.  Insbesondere  erachte  es  die  Möglichkeit  einer 
anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben.  Das  Bundesamt  räumte  den 
Beschwerdeführenden  die  Gelegenheit  ein,  sich  dazu  innert  dreissig 
Tagen ab Erhalt des Schreibens zu äussern, verbunden mit dem Hinweis, 
dass  bei  ungenutztem  Fristablauf  aufgrund  der  bestehenden  Aktenlage 
entschieden werde.

Das Schreiben traf am 2. Juli 2010 bei den Beschwerdeführenden ein.

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E. 
Am  6. Juli  2010  ging  der  Vertretung  in  Bogotá  eine  Stellungnahme  der 
Beschwerdeführenden zum sich abzeichnenden negativen Asylentscheid 
mit  weiteren  Beweismitteln  zu,  welche  am  13. Juli  2010  an  das  BFM 
weitergeleitet wurde.

F. 
Am 7. Dezember  2010  richteten  die  Beschwerdeführenden  ein weiteres 
Schreiben  mit  Beilagen  an  die  Vertretung  in  Bogotá,  welches  am 
21. Dezember 2010 an das Bundesamt weitergeleitet wurde.

G. 
Die  Beschwerdeführenden machten  in  ihren  Eingaben  im Wesentlichen 
geltend,  sie  seien  in  F._______,  Departement  G._______,  wohnhaft 
gewesen.  Am  [Datum]  habe  die  (…)  Guerillagruppierung  FARC  ihre 
(zweite)  Tochter  getötet,  weil  sich  der  Beschwerdeführer  gegen  seine 
Zwangsrekrutierung  geweigert  habe.  Aus  diesem Grund  hätten  sich  die 
Beschwerdeführenden nach H._______ begeben. Am [Datum] seien zwei 
Männer auf einem Motorrad zu ihnen nach Hause gekommen und hätten 
ihnen ausrichten lassen, dass man über ihren Aufenthaltsort informiert sei 
und  den  Beschwerdeführer  umbringen  werde,  weil  er  Kronzeuge  im 
Mordprozess seiner Tochter sei. Wegen der Drohungen durch die FARC 
in  H._______  hätten  sich  die  Beschwerdeführenden  am  [Datum]  nach 
D._______,  Departement  E._______,  begeben.  Die  Vorfälle  hätten  sie 
bei  der  "Fiscaliía",  dem  Innen­  und  Justizministerium  und  weiteren 
Institutionen  gemeldet.  In  Venezuela  hätten  sie  kein  Asylgesuch  stellen 
können,  da  dort  Kolumbianer  umgebracht  würden.  Auch  in  Peru  seien 
diese  wegen  des  Präsidenten  von  Kolumbien,  Álvaro  Uribe  Vélez, 
unbeliebt; gleiches gelte für Ecuador.

H. 
Mit  durch  die  Schweizer  Vertretung  an  die  Beschwerdeführenden 
versandter  und  ihnen  am  30. April  2011  zugegangener  Verfügung  vom 
23. März  2011  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die 
Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  deren  Asylgesuche  ab.  Zur 
Begründung führte es in formeller Hinsicht aus, dass in den vorliegenden 
Fällen  die  Voraussetzungen  für  ein  Absehen  von  einer  Anhörung  der 
Beschwerdeführenden  gegeben  seien  und  sie  die  Möglichkeit  erhalten 
hätten, sich dazu zu äussern. Im Wesentlichen sei in materieller Hinsicht, 
soweit die Bedrohungen seitens der Guerillabewegung FARC betreffend, 
festzuhalten,  dass  der  kolumbianische  Staat  grundsätzlich  über  eine 

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funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur,  insbesondere  über 
einen  funktionierenden  Polizeiapparat  sowie  über  ein  Rechts­  und 
Justizsystem  verfüge.  Da  der  kolumbianische  Staat  die  Aktivitäten  der 
Guerilla  im  Rahmen  des  Möglichen  bekämpfe,  könne  dessen 
Schutzwilligkeit  als  gegeben  erachtet  werden.  Schliesslich  gelte  es 
festzuhalten, dass es keinem Staat gelinge, die absolute Sicherheit aller 
seiner  Bürger  jederzeit  und  überall  zu  garantieren.  Zudem  hätten  die 
Beschwerdeführenden dem Asylgesuch Drohbriefe der paramilitärischen 
Gruppierung "Águilas Negras" beigelegt. Allerdings hätten sie im Gesuch 
nie  eine  Verfolgung  dieser  Gruppierung  erwähnt.  Die  Drohbriefe  hätten 
sich auch nicht persönlich gegen die Beschwerdeführenden gerichtet. Es 
handle  sich  vielmehr  um  allgemeine  Drohungen  gegen  zahlreiche 
Nichtregierungsorganisationen  und weitere  Institutionen.  Es  sei  deshalb 
davon  auszugehen,  dass  ihnen  von  dieser  Seite  keine  akute  Gefahr 
drohe.  Da  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden  überdies  nicht  um 
landesweit  bekannte  Persönlichkeiten  handle,  sei  nicht  anzunehmen, 
dass  ihre Verfolger  sie  an  einem  beliebigen Ort  in  Kolumbien  ausfindig 
machen  könnten.  Die  Beschwerdeführenden  hätten  zwar  geltend 
gemacht,  ihren Wohnort  mehrmals  gewechselt  zu  haben.  Trotzdem  sei 
anzunehmen,  dass  für  die  Beschwerdeführenden  Fluchtalternativen 
bestünden  und  dass  sie  sich  in  einer  anderen  Region  innerhalb  von 
Kolumbien den Übergriffen seitens der Guerilla zumindest vorübergehend 
entziehen könnten. Demzufolge seien sie keiner unmittelbaren Gefahr im 
Sinne  des  Asylgesetzes  ausgesetzt  und  bedürften  dementsprechend 
auch  nicht  des  Schutzes  der  Schweizer  Behörden.  Ferner  sei  es  den 
Beschwerdeführenden  möglich  und  zumutbar,  gegebenenfalls  in  einem 
anderen Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise 
in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens, welche sowohl das Abkommen 
vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30)  als  auch  das  entsprechende  Zusatzprotokoll  vom  31. Juli 
1967 ratifiziert hätten; besonders nahe Beziehungen zur Schweiz hätten 
die Beschwerdeführenden in ihrem Asylgesuch nicht geltend gemacht.

I. 
Mit Eingaben vom 3. sowie 10. Mai 2011 an die Schweizer Vertretung in 
Bogotá  (Eingang  Botschaft:  16. Mai  2011)  erhoben  die 
Beschwerdeführenden  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde,  welche  in 
der  Folge  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
weitergeleitet  wurden.  Dabei  beantragten  sie  –  im  Wesentlichen  unter 
Wiederholung  der  im  erstinstanzlichen  Verfahren  geltend  gemachten 

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Vorbringen – sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung 
und die Schutzgewährung in der Schweiz.

J. 
Mit  Schreiben  vom  3. September  2011  wandten  sich  die 
Beschwerdeführenden erneut an die Botschaft.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).  Die  Frage  eines  Auslieferungsgesuches  stellt  sich 
vorliegend  nicht,  weil  sich  die  Beschwerdeführenden  in  Kolumbien 
aufhalten,  und  demnach  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig 
entscheidet.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der 
Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper:  vgl.  Art. 21  VGG).  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG 
kann  das  Gericht  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines 
Schriftenwechsels verzichten.

4. 
4.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art. 19  AsylG  im  Ausland  bei  einer 
schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 
das  Bundesamt  überweist  (Art. 20  Abs. 1  AsylG).  Hinsichtlich  des 
Verfahrens bei  der  schweizerischen Vertretung  im Ausland  sieht Art. 10 
der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
(AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in 
der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art. 10  Abs. 1  AsylV 1).  Ist  dies 
nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre 
Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1).  Allerdings 
kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche 
Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund 
des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der 
asylsuchenden Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs 
die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem  abzusehenden  negativen 
Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (vgl.  BVGE  2007/30 E. 5.7). 
Sodann ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, den Verzicht auf eine 
Befragung  in  der  anfechtbaren  Verfügung  zu  begründen  (BVGE  a.a.O. 
E. 5.6 sowie 5.7).

4.2. Die  Beschwerdeführenden  sind  von  der  Vertretung  in  Bogotá  nicht 
mündlich  befragt  worden.  Sie  haben  ihre  Vorbringen  jedoch  in  ihrem 
Asylgesuch  vom  10. September  2009  und  in  den  folgenden  Eingaben 
schriftlich  dargelegt  und  dokumentiert.  Ausserdem  ist  ihnen  mit 
Zwischenverfügung des BFM vom 31. Mai 2010 das rechtliche Gehör im 
Hinblick auf die in Erwägung gezogene Abweisung der Gesuche gewährt 
worden.  Sie  haben  von  ihrem  Recht  auf  Stellungnahme  in  der  Folge 
Gebrauch  gemacht.  Aufgrund  der  einlässlichen  Ausführungen  der 
Beschwerdeführenden  in  ihrem  schriftlichen  Asylgesuch  und  den 

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weiteren Eingaben sowie der zahlreich eingereichten Beweismittel ist der 
Sachverhalt  –  wie  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht 
ausführt – erstellt. Schliesslich hat das BFM sowohl in seinem Schreiben 
vom  31. Mai  2010  als  auch  in  seiner  Verfügung  vom  23. März  2011 
hinlänglich  zum  Ausdruck  gebracht,  welche  Gründe  dazu  führten,  die 
Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  abzuweisen  beziehungsweise 
ihnen die Einreise in die Schweiz zu verweigern (vgl. Sachverhalt Bstn. D. 
und  H.).  Das  BFM  hat  den  verfahrensrechtlichen  Vorschriften  damit 
Genüge getan.

5. 
5.1.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch 
ablehnen,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung 
glaubhaftmachen  können  oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat 
zugemutet  werden  kann  (vgl.  Art. 3,  Art. 7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG). 
Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die 
Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes, wenn  ihnen  nicht  zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein 
anderes Land auszureisen.

5.2.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die 
Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter 
Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im 
Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, 
die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die 
Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und 
objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die 
voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in 
Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2e­g S. 
131  ff.;  die  dort  beschriebene  Praxis  hat  nach  bloss  redaktionellen 
Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor 
Gültigkeit).

6. 
6.1.  Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die 
Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem  Gesuch  keine  besonders  nahen 
Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Im Weiteren hat das BFM zu 
Recht  erwogen,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zuzumuten  sei,  in 
einem  anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (Art. 52  Abs. 2 

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AsylG).  So  sind  beispielsweise  die  Nachbarstaaten  Brasilien,  Ecuador, 
Panama  und  Peru  Vertragsparteien  sowohl  der  FK  als  auch  des 
betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela 
wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das 
Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein 
eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von 
Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­
Refoulements von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung  festgestellt 
werden  muss,  dass  es  in  den  Grenzgebieten  –  insbesondere  in 
denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu 
unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die Grenzbehörden  gekommen 
ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen 
Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der  visumsfreien 
Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der  Umstand,  dass 
jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in  den 
Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort 
zu  einem  beträchtlichen  Teil  auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt 
werden.  Insgesamt  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf 
schliessen liessen, es sei den Beschwerdeführenden praktisch unmöglich 
oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat – insbesondere in 
einen der Nachbarstaaten Kolumbiens – zu begeben (vgl. EMARK 2004 
Nr. 20 und 1997 Nr. 15).

6.2.  Bei  dieser  Sachlage  kann  letztlich  offen  bleiben,  ob  die 
Beschwerdeführenden  in  Kolumbien  tatsächlich  einer  Verfolgung  im 
Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wären oder sich allenfalls den geltend 
gemachten  Bedrohungen  seitens  der  FARC  beziehungsweise 
paramilitärischen  Gruppierungen  durch  eine  innerstaatliche 
Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen könnten.

6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die 
Beschwerdeführenden  aufgrund  der  Akten  über  keine  konkrete 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz  verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der 
anderweitigen  Schutzsuche  haben.  Unter  diesen  Umständen  hat  die 
Vorinstanz  den  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Erteilung  der 
Einreisebewilligung verweigert und die Asylgesuche abgewiesen.

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

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vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  Abs. 1  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 
Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art. 63 
Abs. 1  in  fine  VwVG  und  Art. 2  und  6  Bst. b  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  ist  vorliegend  auf  die 
Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
Schweizerische Vertretung in Bogotá.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Viktoria Szczepinski

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