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**Case Identifier:** d736a4f2-f690-50f7-8358-869eeee76101
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.11.2021 IV 2020/109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2020-109_2021-11-11.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/109

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 14.04.2022

Entscheiddatum: 11.11.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2021
Art. 28 Abs. 1 IVG. Art. 16 ATSG. Rente der Invalidenversicherung. 
Invaliditätsbemessung. Würdigung zweier polydisziplinärer 
Administrativgutachten. Abhängigkeitssyndrom (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. November 2021, IV 
2020/109).

Entscheid vom 11. November 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Geher-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2020/109

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, 

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Juli 2016 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum 

Dachdecker abgeschlossen. Zuletzt habe er als Koch gearbeitet. Das Psychiatrie-

Zentrum B.___ berichtete am 6. Oktober 2016 (IV-act. 7), der Versicherte leide an einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig leicht- bis mittelgradigen 

Episode sowie an psychischen Störungen und Verhaltensstörungen durch 

Cannabinoide und Kokain bei einem schädlichen Gebrauch und einer gegenwärtigen 

Abstinenz. Insgesamt habe er nur drei Termine wahrgenommen, weshalb eine genaue 

diagnostische Einordnung nicht möglich sei. Leider habe er auch die Empfehlungen der 

Therapeutin nicht befolgt. Er habe angegeben, dass er gegenwärtig kein Cannabis, 

kein Kokain und kein Heroin zu sich nehme, aber eine Laborprobe zur Verifikation 

dieser Angaben sei nicht erfolgt. Die Psychiaterin Dr. med. C.___ berichtete am 31. 

Januar 2017 (IV-act. 15), der Versicherte habe sich in den Jahren 2001 und 2002 

dreimal wegen einer Abhängigkeitsproblematik und einer depressiven Symptomatik in 

einer stationären psychiatrischen Behandlung befunden. Der Vater des Versicherten sei 

ein Alkoholiker gewesen. Der Versicherte sei bereits im Alter von elf Jahren zum ersten 

Mal mit Drogen in Kontakt gekommen. Im Alter von zwölf Jahren habe er den ersten 

Entzug durchgemacht. Nach der Ausbildung zum Dachdecker habe er eine Weile als 

Dachdecker gearbeitet. Später habe er eine Ausbildung zum Koch absolviert und 

anschliessend als Servicekraft gearbeitet. In dieser Tätigkeit habe er weiter Drogen- 

und Alkoholmissbrauch betrieben. Beide Eltern seien im Jahr 2013 verstorben. Der Tod 

der Mutter, die er bis zu deren Tod während vier Jahren gepflegt habe, habe ihn sehr 

mitgenommen. Seither erlebe er sich depressiv. Aus psychiatrischer Sicht bestehe ein 

depressives Zustandsbild mit kognitiven Einschränkungen und einem körperlichen 

A.a. 

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Abbau. Die Belastbarkeit und die Konzentrationsfähigkeit seien eingeschränkt. Der 

Versicherte weise emotionale Defizite auf. Aktuell arbeite er in einem Pensum von 30–

50 Prozent in einer faktisch geschützten Umgebung.

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die estimed AG am 25. Mai 2018 ein 

polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 50). Die internistische Sachverständige stellte keine 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Sie wies darauf hin, dass bei der 

Urinprobe Cannabis habe nachgewiesen werden können, obwohl der Versicherte 

angegeben habe, seit vier Jahren abstinent zu sein. Die angeblich regelmässig 

eingenommenen Medikamente hätten nicht nachgewiesen werden können. Der 

orthopädische Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an einer beginnenden 

Retropatellararthrose ohne eine funktionelle Einschränkung sowie an einem Status 

nach einer Teilentfernung des Innenmeniskushinterhorns rechts. Diese Diagnosen 

wirkten sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Die neuropsychologische 

Sachverständige führte aus, in der neuropsychologischen Testung hätten sich leichte 

bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsdefizite mit einer psychomotorischen 

Verlangsamung, Störungen beim verbalen Lernen, im verbalen Frischgedächtnis und 

bei komplexen Aufmerksamkeitsanforderungen gezeigt. Die psychomentale 

Belastbarkeit sei insgesamt um 40 Prozent reduziert, weshalb ein Arbeitsfähigkeitsgrad 

von 60 Prozent zu attestieren sei. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, der 

Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig 

mittelgradigen Ausprägung sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an 

akzentuierten (selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden) Persönlichkeitszügen, an 

einer Cannabisabhängigkeit bei einem gegenwärtigen Konsum und an einer 

Kokainabhängigkeit mit einer gegenwärtigen Abstinenz. Für jedwede Tätigkeit in der 

freien Wirtschaft sei eine Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent zu attestieren. Eine 

Tätigkeit in einem geschützten Rahmen sei dem Versicherten zu 50 Prozent zumutbar. 

Der IV-interne regionale ärztliche Dienst (RAD) forderte den psychiatrischen 

Sachverständigen auf (IV-act. 51 f.), Stellung zur Diskrepanz zwischen seiner 

Arbeitsfähigkeitsschätzung und jener der neuropsychologischen Sachverständigen zu 

nehmen. Zudem ersuchte er den psychiatrischen Sachverständigen anzugeben, 

welche der verschiedenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen letztlich massgebend sei, 

wobei er darauf hinwies, dass die Notwendigkeit eines geschützten Rahmens einer 

A.b. 

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vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft gleichkomme. Er forderte den 

psychiatrischen Sachverständigen auf zu erklären, weshalb seiner Ansicht nach die 

Arbeitsfähigkeit des Versicherten unter Ausblendung des Suchtgeschehens nicht höher 

wäre, wenn er doch die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wesentlichen kognitiven 

Defizite mehrheitlich auf den Cannabiskonsum zurückführe. Schliesslich ersuchte er die 

neuropsychologische Sachverständige um eine Antwort auf die Frage, ob die im 

Rahmen der Untersuchung festgestellten Einschränkungen prinzipiell durch den 

anhaltenden Konsum von Cannabis erklärbar seien. Nach mehreren Mahnungen 

beantwortete der psychiatrische Sachverständige am 28. Januar 2019 die Nachfragen 

des RAD wie folgt (IV-act. 59): Gesamthaft sei aufgrund der über die 

neuropsychologischen Defizite hinausgehenden Beeinträchtigungen durch die 

diagnostizierte depressive Störung und die ungünstig interagierende komorbide 

Suchterkrankung vor dem Hintergrund von selbstunsicheren und ängstlich-

vermeidenden Persönlichkeitszügen aus psychiatrischer Sicht eine höhergradige 

Arbeitsunfähigkeit als im neuropsychologischen Teilgutachten veranschlagt zu 

attestieren. Angesichts der geringen Frustrationstoleranz, der geringen Ausdauer, der 

geringen Entscheidungskompetenz, der geringen Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, 

der Selbstunsicherheit, des sozialen Vermeidungsverhaltens sowie des geringen 

Aktivitätsniveaus erscheine nur eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen als 

realistisch. Im neuropsychologischen Teilgutachten sei festgehalten worden, dass 

neben der affektiven Erkrankung auch die langjährigen und wiederholten 

substanztoxischen Einwirkungen auf das zentrale Nervensystem als 

ätiopathogenetische Einflussfaktoren in Betracht zu ziehen seien. Aus psychiatrischer 

Sicht sei eine klar abgegrenzte ätiopathogenetische Zuordnung der kognitiven Defizite 

ebenfalls nicht zuverlässig möglich, weshalb nicht behauptet werden könne, die 

Arbeitsfähigkeit des Versicherten wäre unter Ausblendung des Suchtgeschehens 

höher. Der RAD-Arzt Dr. med. D.___ notierte am 4. März 2019 (IV-act. 61; vgl. auch IV-

act. 60), aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei zu bemängeln, dass sich der 

psychiatrische Sachverständige nicht eingehend mit dem neuropsychologischen 

Teilgutachten auseinander gesetzt habe. Dieser Mangel wiege schwer, weil der 

psychiatrische Sachverständige die Arbeitsfähigkeit doch deutlich anders beurteilt 

habe als die neuropsychologische Sachverständige. Das neuropsychologische 

Teilgutachten enthalte keine Diskussion bezüglich des vom psychiatrischen 

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Sachverständigen postulierten wesentlichen Einfluss des Cannabiskonsums auf die 

festgestellten kognitiven Defizite, was als ein weiterer Mangel des Gutachtens zu 

werten sei. Der psychiatrische Sachverständige habe sich ebenfalls nicht näher mit der 

Frage befasst, ob die kognitiven Defizite nun auf das Suchtleiden oder auf eine 

depressive Störung zurückzuführen seien. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht 

seien die festgestellten Defizite „nicht verwertbar“, solange der Verdacht bestehe, dass 

sie auf den fortgesetzten Drogenkonsum zurückzuführen seien. Die Aussagen zum 

neuropsychologischen Status wären nur valide, wenn der Versicherte im abstinenten 

Zustand untersucht worden wäre. Angesichts des fortdauernden Cannabiskonsums sei 

auch das Diagnostizieren einer Depression als medizinisch nicht seriös zu qualifizieren. 

Die Auswirkungen auf die beschriebenen kognitiven Defizite seien ohne eine Abstinenz 

nicht verwertbar. Dazu habe der psychiatrische Sachverständige keine Stellung 

genommen. Die neuropsychologische Sachverständige habe die Rückfrage des RAD 

gar nicht erst beantwortet. Insgesamt sei das Gutachten der estimed AG nicht 

verwertbar. Die IV-Stelle beschloss in der Folge, ein weiteres Gutachten in Auftrag zu 

geben (IV-act. 62).

Am 8. November 2019 erstellte die Neurologie Toggenburg AG im Auftrag der IV-

Stelle ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 82). Die Sachverständigen hielten fest, 

der Versicherte leide an einem polyvalenten Abhängigkeitssyndrom mit einer aktuell 

führenden Cannabisabhängigkeit und einer leichten bis mittelschweren 

neuropsychologischen Störung sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an 

einem Status nach einer depressiven Episode im Jahr 2001, an Anzeichen für eine 

Aussenmeniskuszerrung links ohne eine funktionelle Beeinträchtigung des Kniegelenks, 

an einer Neigung zu Beschwerden im unteren Rückenbereich ohne funktionelle 

Beeinträchtigungen sowie an einer Persönlichkeitsakzentuierung. Aus 

neuropsychologischer Sicht stünden mittelgradige verbal-mnestische Defizite im 

Vordergrund. Der Versicherte leide an einem „Kapazitätsproblem“, das sich bezüglich 

der Merkspanne und dem Erlernen von Einzelinformationen zeige, wobei Blockaden 

und deutliche Schwankungen in der Lernkurve auf eine zusätzliche psychogene 

Überlagerung hindeuteten. Die Symptomvalidierungsverfahren hätten unauffällige 

Ergebnisse gezeitigt, weshalb nicht von einer verminderten Anstrengungsbereitschaft 

oder von Inkonsistenzen auszugehen sei. Allerdings hätten die Laborergebnisse den 

A.c. 

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Aussagen des Versicherten, er konsumiere kein Cannabis mehr und er nehme die 

verordneten Medikamente regelmässig ein, widersprochen. Die neuropsychologisch 

nachgewiesene Leistungsminderung betrage 40 Prozent, weshalb für die angestammte 

Tätigkeit ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 60 Prozent zu attestieren sei. Für leichte bis 

mässig komplexe Tätigkeiten mit einer klaren Struktur, geringen Anforderungen an die 

mündliche Informationsaufnahme und einem geringen bis mässigen 

lerntempobezogenen Leistungsdruck sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent zu 

attestieren. Prognostisch sei mit einer Regredienz der Defizite nach sechs bis zehn 

Monaten Cannabisabstinenz zu rechnen. In neuropsychologischer Hinsicht seien die 

Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung im neuropsychologischen 

Teilgutachten der estimed AG angesichts der aktuellen Befunde als überzeugend zu 

qualifizieren. Allerdings sei das objektivierte neuropsychologische Störungsmuster mit 

einer Antriebsstörung vereinbar, welche sowohl mit der aktenanamnestisch bekannten 

Depressionssymptomatik als auch mit einem akuten und chronischen 

Cannabiskonsum erklärt werden könne. Es könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen 

werden, dass unter Cannabisabstinenz bessere kognitive Leistungen erbracht werden 

könnten. Aus psychiatrischer Sicht sei am Vorgutachten der estimed AG zu 

bemängeln, dass der psychiatrische Sachverständige ohne eine überzeugende 

Begründung eine depressive Störung diagnostiziert habe, obwohl ihm bewusst 

gewesen sein müsse, dass die vermeintlich depressive Symptomatik genauso gut 

durch den bekannten fortgesetzten Cannabiskonsum hätte verursacht sein können. Die 

These des Vorgutachters, die Depression habe zum Cannabiskonsum geführt, 

überzeuge nicht, weil der Versicherte bereits im Adoleszenzalter einen 

Substanzmissbrauch betrieben habe, der unabhängig vom jeweiligen psychischen 

Befinden über Jahrzehnte hinweg weitergeführt worden sei. Gesamthaft betrachtet sei 

der fortgesetzte Cannabiskonsum die wahrscheinlichere Ursache für die vermeintlich 

depressive Symptomatik als eine depressive Störung. Es handle sich folglich eher um 

ein Demotivationssyndrom. Der RAD-Arzt Dr. D.___ qualifizierte das Gutachten als 

überzeugend (IV-act. 83).

Mit einem Vorbescheid vom 10. Januar 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten 

mit (IV-act. 90), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe. Zur 

Begründung führte sie an, da er aus medizinischer Sicht zu 80 Prozent arbeitsfähig sei, 

A.d. 

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B.  

könne er ein Invalideneinkommen erzielen, das 80 Prozent des Valideneinkommens 

betrage, weshalb er nicht in einem rentenbegründenden Ausmass invalid sei. Dagegen 

liess der Versicherte am 14. Februar 2020 einwenden (IV-act. 98), das Gutachten der 

estimed AG sei wesentlich überzeugender begründet als jenes der Neurologie 

Toggenburg AG. Angesichts der langjährigen Polytoxikomanie könne nicht davon 

ausgegangen werden, dass eine Abstinenz von CBD (das der Versicherte einnehme, 

um einen drohenden Rückfall abzuwehren) zu einer Reduktion der neurokognitiven 

Einschränkungen führen würde. Mit einer Verfügung vom 24. April 2020 wies die IV-

Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 100). Bezugnehmend auf die 

Einwände des Versicherten führte sie an, das Gutachten der estimed AG überzeuge 

weder aus medizinischer noch aus juristischer Sicht. Deshalb habe eine weitere 

Begutachtung in Auftrag gegeben werden müssen. Das Gutachten der Neurologie 

Toggenburg AG sei überzeugend. Es belege unter anderem auch, dass der Versicherte 

nicht nur CBD, sondern auch THC konsumiere.

Am 28. Mai 2020 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. April 2020 erheben (act. G 1). Sein 

Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Zusprache einer Invalidenrente und eventualiter die Rückweisung der Sache zu 

weiteren Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur 

Begründung führte er aus, angesichts der jahrzehntelangen Drogenabhängigkeit des 

Beschwerdeführers erscheine das Gutachten der estimed AG als wesentlich 

überzeugender als das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG. Zudem habe die 

Neurologie Toggenburg AG ihre abweichende Diagnosestellung und ihre abweichende 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht hinreichend begründet. Das Gutachten enthalte 

nämlich keine ausreichend substantiierte Auseinandersetzung mit dem Vorgutachten 

der estimed AG.

B.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. Juli 2020 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, der RAD habe sich intensiv mit 

dem Gutachten der estimed AG beschäftigt. In seinen Stellungnahmen vom 4. Juni 

2018 und vom 4. März 2019 habe er überzeugend aufgezeigt, weshalb das Gutachten 

B.b. 

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Erwägungen

1.

Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf 

deren Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen 

Verwaltungsverfahrens entsprechen, das mit der angefochtenen Verfügung 

abgeschlossen worden ist. Das Verwaltungsverfahren hat sich auf die Prüfung des 

Rentenbegehrens des Beschwerdeführers vom Juli 2016 beschränkt. Folglich ist auch 

in diesem Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob der Beschwerdeführer in der Zeit nach 

Juli 2016 respektive ab dem 1. Januar 2017 (vgl. Art. 29 Abs. 1 ATSG) einen Anspruch 

auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat.

2.  

keinen ausreichenden Beweiswert habe. Das Gutachten der Neurologie Toggenburg 

AG sei dagegen in jeder Hinsicht überzeugend. Der psychiatrische Sachverständige 

habe sich entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers auch eingehend mit dem 

psychiatrischen Teilgutachten der estimed AG auseinandergesetzt.

Am 24. Juli 2020 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege 

bewilligt (act. G 7).

B.c. 

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung sowie allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

2.1. 

Der Beschwerdeführer hat eine Ausbildung zum Dachdecker abgeschlossen. Da er 

diesen Beruf nur saisonal ausüben konnte, hat er nach einigen Jahren aufgehört, als 

2.2. 

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Dachdecker zu arbeiten. Er hat als „Hilfskoch“ und als Servicekraft im Gastgewerbe 

gearbeitet. Obwohl er also auch im hypothetischen „Gesundheitsfall“ mehrere Jahre 

nicht mehr als Dachdecker erwerbstätig gewesen wäre, hätte er nach einer kurzen 

Einarbeitungszeit wieder als Dachdecker arbeiten können, da nicht davon 

ausgegangen werden kann, dass er aufgrund eines zwischenzeitlichen technischen 

Fortschrittes in der Dachbranche den Anschluss verloren hätte. Die massgebenden 

Erwerbsmöglichkeiten des Beschwerdeführers entsprechen folglich jenen eines 

ausgebildeten Dachdeckers, weshalb das Valideneinkommen dem statistischen 

Zentralwert der Löhne für ausgebildete Dachdecker entsprechen muss. Der 

standardisierte Monatslohn für Männer, die praktische Tätigkeiten im Baugewerbe 

verrichtet haben (Kompetenzniveau 2), hat sich gemäss den aktuellsten Zahlen der 

Schweizer Lohnstrukturerhebung (LSE) im Jahr 2018 auf 5’962 Franken belaufen, was 

unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,6 

Stunden und der Nominallohnentwicklung in den Jahren 2018–2020 (von 101,2 auf 103 

Punkte bei den Löhnen von Männern; Basis 2015) einem Jahreslohn von 75’729 

Franken entspricht. Dieser Betrag ist als Valideneinkommen zu berücksichtigen.

Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

ausschlaggebend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht 

in welchem Umfang noch zugemutet werden können. Die Beschwerdegegnerin hat zur 

Beantwortung dieser Frage ein polydisziplinäres Gutachten bei der estimed AG 

eingeholt. Der psychiatrische Sachverständige hat in seinem Teilgutachten eine 

praktisch vollständig aufgehobene Arbeitsfähigkeit attestiert, denn er hat festgehalten, 

dass der Beschwerdeführer nur noch in einem geschützten Rahmen erwerbstätig sein 

könne. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung hat er – auch auf eine Nachfrage der 

Beschwerdegegnerin hin – mit den von ihm erhobenen objektiven klinischen Befunde 

nicht so erklären können, dass seine Begründung für einen medizinischen Laien 

nachvollziehbar und überzeugend wäre. Der RAD hat zudem darauf hingewiesen, dass 

aus psychiatrischer Sicht auch die Diagnosestellung nicht überzeuge, weil bei einem 

fortgesetzten Cannabiskonsum keine depressive Störung diagnostiziert werden dürfe. 

Die depressionstypischen Symptome liessen sich in einem solchen Fall nämlich nicht 

mit hinreichender Sicherheit dem Cannabiskonsum oder einer depressiven Störung 

zuordnen. Auch der psychiatrische Sachverständige der Neurologie Toggenburg AG 

hat darauf hingewiesen, dass die Diagnosestellung im psychiatrischen Teilgutachten 

der estimed AG aus diesem Grund nicht lege artis erfolgt sei. Zudem hat er 

überzeugend aufgezeigt, dass die Behauptung des psychiatrischen Sachverständigen 

der estimed AG, die Depression habe zum Drogenkonsum geführt, aktenwidrig 

gewesen ist, da die Akten belegen, dass der Beschwerdeführer bereits im Alter von elf 

2.3. 

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Jahren mit dem Drogenkonsum begonnen hatte. Insgesamt erweckt das psychiatrische 

Teilgutachten der estimed AG (aus der Sicht eines medizinischen Laien) den Eindruck, 

dass sich der psychiatrische Sachverständige zu sehr von der (tragischen) 

Lebensgeschichte des Beschwerdeführers und von Überlegungen zur Verwertbarkeit 

der Arbeitsfähigkeit auf dem – invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten – realen 

Arbeitsmarkt hat leiten lassen. Das psychiatrische Teilgutachten der Neurologie 

Toggenburg AG zeichnet sich dagegen durch eine strikt auf objektiven klinischen 

Befunden beruhende Argumentation aus. Obwohl der Beschwerdeführer bei der 

Untersuchung (entgegen seiner anderslautenden Behauptung) unter dem Einfluss von 

THC gestanden hat, ist der objektive klinische Befund weitgehend unauffällig gewesen. 

Der Beschwerdeführer ist in der Lage gewesen, sich zu konzentrieren, die 

Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, neue Informationen zu verarbeiten etc. Weder bei 

der psychiatrischen Exploration noch bei der neuropsychologischen Testung sind 

Einschränkungen objektiviert worden, anhand derer sich eine höhergradige 

Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für ideal 

leidensadaptierte Tätigkeiten begründen liesse. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich 

eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit durch geringe Anforderungen an die kognitiven 

Fähigkeiten auszeichnet und dass ohnehin nur Hilfsarbeiten zur Diskussion stehen. Das 

Attest einer Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten 

vermag daher im Lichte der aktuellen bundesgerichtlichen Praxis (vgl. insbesondere 

BGE 145 V 215) zu überzeugen. Auch der RAD hat das Gutachten der Neurologie 

Toggenburg AG in einer eingehenden Würdigung als überzeugend qualifiziert. Der 

Beschwerdeführer hat keine Argumente vorgebracht, die einen wesentlichen Zweifel an 

der Überzeugungskraft des Gutachtens der Neurologie Toggenburg AG wecken 

würden. Seine Behauptung, der psychiatrische Sachverständige habe sich nicht mit 

dem psychiatrischen Vorgutachten der estimed AG auseinandergesetzt, ist 

aktenwidrig, und seine Darstellung, der Beschwerdeführer konsumiere lediglich noch 

CBD, ist durch die Ergebnisse der im Auftrag der Neurologie Toggenburg AG erstellten 

Laboranalyse widerlegt worden. Zusammenfassend steht mit dem erforderlichen 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer 

für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent arbeitsfähig gewesen ist. Zum 

Verlauf der Arbeitsfähigkeit haben die Sachverständigen der Neurologie Toggenburg 

AG überzeugend ausgeführt, dass diese Arbeitsfähigkeit retrospektiv ab Mai 2018 zu 

attestieren sei, weil diesbezüglich auf das überzeugende neuropsychologische 

Teilgutachten der estimed AG abgestellt werden könne, das im Wesentlichen dieselbe 

neurokognitive Leistungsfähigkeit wie die aktuelle neuropsychologische Testung 

gezeigt habe. Für die Zeit davor sei auf den Bericht über eine psychodiagnostische 

Untersuchung durch die Psychiatrie-Dienste Süd vom 6. April 2014 (recte: 2017; vgl. 

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3.

Die Beschwerde ist abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an sich 

dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da ihm die unentgeltliche 

Prozessführung bewilligt worden ist, ist er von der Pflicht, die Gerichtskosten zu 

bezahlen, befreit. Der Staat hat seinem Rechtsvertreter infolge der Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung eine Entschädigung auszurichten, die 80 

Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der 

erforderliche Vertretungsaufwand ist als durchschnittlich zu qualifizieren. Die 

Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter haben in einer Plenarsitzung vom 

25. Mai 2021 beschlossen, in einem durchschnittlich aufwendigen IV-Rentenfall neu 

eine um 500 Franken höhere Parteientschädigung von 4’000 Franken zuzusprechen. 

auch IV-act. 82–32) abzustellen, der eine leicht höhere neurokognitive 

Funktionsfähigkeit gezeigt habe. Auch diese Angabe überzeugt, weshalb für die Zeit ab 

April 2017 von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 90 Prozent für ideal leidensadaptierte 

Tätigkeiten auszugehen ist.

Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens 

entspricht dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne. Dieser hat sich im Jahr 

2018 auf 5’417 Franken pro Monat belaufen, was unter Berücksichtigung einer 

betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (über alle Branchen) und der 

Nominallohnentwicklung 2018–2020 von 101,5 auf 103,2 Punkte (über alle Branchen; 

Basis 2015 = 100 Punkte) einem Jahreslohn von 68’902 Franken entspricht. Dieser 

Ausgangswert ist um einen sogenannten Tabellenlohnabzug zu reduzieren, weil der 

Beschwerdeführer nicht in der Lage sein wird, seine Arbeitsfähigkeit mit demselben 

wirtschaftlichen Erfolg wie ein gesunder, durchschnittlich leistungsfähiger, in einem 

Pensum von 80 Prozent respektive 90 Prozent angestellter Arbeitnehmer zu verwerten. 

Ein Tabellenlohnabzug von mehr als zehn Prozent ist nicht gerechtfertigt, weil die 

betriebswirtschaftlich-ökonomisch bedingten Nachteile nur gering ausgeprägt sind. 

Damit resultiert für die Zeit ab April 2017 ein zumutbarerweise erzielbares 

Invalideneinkommen von mindestens 55’811 Franken (= 68’902 Franken × 90% × 90%) 

und für die Zeit ab Mai 2018 ein solches von mindestens 49’609 Franken (= 68’902 

Franken × 90% × 80%). Verglichen mit dem Valideneinkommen von 75’729 Franken 

ergibt sich eine maximale Erwerbseinbusse von 19’918 Franken beziehungsweise von 

26’120 Franken, was einem maximalen Invaliditätsgrad von 26,3 Prozent respektive 

von 34,5 Prozent entspricht. Weder für die Zeit ab April 2017 noch für die Zeit ab Mai 

2018 resultiert also ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 

Prozent. Damit erweist sich die Abweisung des Rentenbegehrens als rechtmässig.

2.4. 

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Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle 

Anwendung finden. Da die vorliegende Beschwerde erst nach dem Plenumsbeschluss 

vom 25. Mai 2021 beurteilt wird, ist die Entschädigung für die unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung auf 80 Prozent von 4’000 Franken, also auf 3’200 Franken, 

festzusetzen. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der 

Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der 

Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können 

(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).

Entscheid

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Der Beschwerdeführer ist von der Pflicht, die Gerichtskosten von 600 Franken zu 

bezahlen, befreit.

3.

Der Staat hat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit 3’200 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2021
	Art. 28 Abs. 1 IVG. Art. 16 ATSG. Rente der Invalidenversicherung. Invaliditätsbemessung. Würdigung zweier polydisziplinärer Administrativgutachten. Abhängigkeitssyndrom (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. November 2021, IV 2020/109).

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		2025-07-19T02:17:19+0200
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