# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b6f39264-c57b-5d62-95d5-dcfebed4e6c9
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-26
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 26.09.2011 SB110416
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110416_2011-09-26.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110416-O/U/jv 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Vorsitzender, lic. iur. S. Volken 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. R. Affolter sowie der juristische  

Sekretär lic. iur. T. Brütsch 

 

Urteil vom 26. September 2011 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Angeklagter und Appellant 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. R. Jäger,  

Anklägerin und Appellatin 

betreffend  

sexuelle Handlungen mit Kindern 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur  
vom 15. Dezember 2010 (DG100063) 
 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 20. Juli 

2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 32). 

Urteil der Vorinstanz:  

1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig der sexuellen Handlungen mit Kindern 

im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB. 

2. Der Angeklagte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe 

zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

4. Mai 2007 ausgefällten Strafe.  

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.  

4. Der Angeklagte wird verpflichtet, der Geschädigten B._____ Fr. 6'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 1. August 1997 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehr-

betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.  

5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 2'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'725.95   unentgeltlicher Geschädigtenvertreter Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

Fr.         unentgeltliche Geschädigtenvertreterin Rechtsanwältin lic. iur. Z._____ (ausstehend) 
Fr.           
 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.  

6. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der un-

entgeltlichen Geschädigtenvertretungen, werden dem Angeklagten aufer-

legt. 

7. Mitteilung 

8. Rechtsmittel 

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Berufungsanträge: 

a) Des Angeklagten: 

(mündlich und schriftlich, Urk. 83) 

1. Der Appellant sei vollumfänglich freizusprechen. 

2. Auf die Genugtuungsforderung der Geschädigten sei nicht einzutreten. 

3. Unter ausgangsgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen.  

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich und sinngemäss, Urk. 75) 

Es sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen. 

c) Der Geschädigten 

 (schriftlich und sinngemäss, Urk. 81) 

Es sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen. 

 

Das Gericht erwägt: 

I. Sachverhalt und Verfahrensgang 

1. Der Angeklagte A._____ (geb. 1968) ist der leibliche Vater der Geschädig-

ten B._____ (geb. 1990).  

Die Geschädigte B._____ hat einen älteren Bruder, C._____ (geb. 1989), und ei-

ne jüngere Schwester, D._____ (geb. 1994). Die Ehe von A._____ und E._____ 

(geb. 1969) wurde Ende 2004 getrennt und 2006 geschieden. Das Gericht stellte 

die Kinder unter die elterliche Sorge der Mutter. Auf eine ausdrückliche Regelung 

des Besuchsrechts des Angeklagten wurde verzichtet und die Kontakte der Ab-

sprache zwischen Eltern und Kindern überlassen (Urk. 9/9). Zwischen Vater und 

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Töchtern kamen bisher keine Besuche zustande, und es gab während einiger 

Jahre auch keinen Kontakt zwischen Vater und Sohn. 

2.1 C._____ liess am 19. Februar 2009 Strafanzeige gegen den Angeklagten 

wegen Körperverletzung, Drohung, etc. erstatten. Er machte im Wesentlichen gel-

tend, seit früher Kindheit von seinem Vater mit Händen, Fäusten und auch Ge-

genständen regelmässig, teils täglich, brutal zusammen geschlagen worden zu 

sein und dabei jeweils Hämatome und auch Nasenbluten erlitten zu haben (Urk. 

1). In der Folge wurde gegen den Angeklagten ein Strafverfahren eröffnet und es 

wurden diverse Einvernahmen durchgeführt.  

2.2 Am 8. September 2009 liess die Geschädigte B._____ ihrerseits eine Straf-

anzeige gegen den Angeklagten einreichen wegen sexueller Handlungen in ihrer 

Kindheit (ND 1/1).  

2.3 Mit Schreiben vom 12. Mai 2010 erklärte der Rechtsvertreter von C._____, 

dieser habe infolge fruchtbaren Kontakts zum Vater kein weiteres Interesse an 

der Strafuntersuchung und der Bestrafung des Angeschuldigten (Urk. 25/15). In 

Anbetracht einer allfälligen Aussöhnung zwischen Vater und Sohn und unter Be-

achtung des ausdrücklichen Desinteresses von C._____ wurde die Strafuntersu-

chung gegen A._____ betreffend die ohnehin grösstenteils verjährten Delikte zum 

Nachteil von C._____ (einfache Körperverletzung, Drohung, Nötigung und Tät-

lichkeiten) mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 20. 

Juli 2010 eingestellt (Urk. 33).  

2.4 Ebenfalls am 20. Juli 2010 erhob die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unter-

land hinsichtlich der Geschädigten B._____ Anklage gegen A._____ betreffend 

sexuelle Handlungen mit Kindern (Urk. 32).  

3. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirksgerichts 

Winterthur vom 15. Dezember 2010 wurde der Angeklagte der sexuellen Hand-

lungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen (Dis-

positivziffer 1) und mit 12 Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zu der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 4. Mai 2007 ausge-

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fällten Sanktion bestraft (Dispositivziffer 2). Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde 

aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt (Dispositivziffer 3). Zu-

dem verpflichtete die Vorinstanz den Angeklagten, der Geschädigten B._____ ei-

ne Genugtuung von Fr. 6'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 1. August 1997 zu bezah-

len. Im Mehrbetrag wies die Vorinstanz das Genugtuungsbegehren ab (Disposi-

tivziffer 4).  

4. Gegen diesen Entscheid liess der Angeklagte durch seinen erbetenen Ver-

teidiger, Rechtsanwalt lic. iur. XA._____, mit Schreiben vom 15. Dezember 2010 

rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 56). Mit Schreiben und Vollmacht vom 1. Ap-

ril 2011 legitimierte sich Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ als neuer Verteidiger des 

Angeklagten (Urk. 59 und 60). Auf entsprechendes Ersuchen wurde Rechtsanwalt 

Dr. iur. X._____ vom vorinstanzlichen Präsidenten zum amtlichen Verteidiger des 

Angeklagten bestellt (Urk. 59 S. 2 f.; Urk. 61).  

Mit Eingabe vom 26. April 2011 reichte der Verteidiger fristgerecht die Beanstan-

dungen ein (Urk. 63). Die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland beantragt 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 66). Beweisergänzungsanträge 

wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Urk. 66, 75 und 77). Die Geschädig-

te liess ebenfalls Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragen (Urk. 81). 

II. Prozessuales 

1.  Anwendbares Prozessrecht 

Auf den 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft ge-

treten. Ist ein Entscheid vor Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt worden, so wer-

den Rechtsmittel dagegen nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen 

Behörden, beurteilt (Art. 453 Abs. 1 StPO). Das angefochtene Urteil datiert vom 

15. Dezember 2010 und damit vor dem 1. Januar 2011. Das vorliegende Beru-

fungsverfahren ist daher nach dem bisherigen Prozessrecht des Kantons Zürich 

(StPO/ZH und GVG) zu beurteilen.  

2. Gegenstand der Berufung 

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Der Angeklagte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch und Abweisung der 

Genugtuungsforderung der Geschädigten (Urk. 63 S. 2). Damit ficht er den erst-

instanzlichen Entscheid weitgehend an. Nicht angefochten ist einzig die Kosten-

festsetzung (Dispositivziffer 5). Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnung ist 

vorab Vormerk zu nehmen (§ 413 StPO/ZH; BGE 6B_321/2009 E. 1.2). 

3. Die Verjährung der Strafverfolgung von sexuellen Handlungen mit Kindern 

im Sinne von Art. 187 StGB richtet sich gemäss Art. 97 Abs. 4 StGB hier nach 

Art. 97 Abs. 2 StGB, da die Tat vor Inkrafttreten der Änderung vom 5. Oktober 

2001 begangen worden ist und die Verfolgungsverjährung zu diesem Zeitpunkt 

noch nicht eingetreten ist. Gemäss Art. 97 Abs. 2 StGB dauert die Verfolgungs-

verjährung in jedem Fall mindestens bis zum vollendeten 25. Lebensjahr des  

Opfers, was im vorliegenden Fall der 28. Dezember 2015 ist. Somit hat die Vor-

instanz zu Recht festgestellt, dass die zu beurteilende Tat nicht verjährt ist.  

III. Schuldpunkt 

1. Die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland wirft dem Angeklagten vor, er 

habe an einem nicht bekannten Tag im Sommer 1996 oder 1997 mit der Geschä-

digten im Badezimmer des damaligen Wohnortes an der …strasse … in F._____ 

ein Bad genommen. Dabei habe er sich so in die Wanne gesetzt, dass seine 

Tochter mit dem Rücken zu ihm zu sitzen gekommen sei. Sodann habe er seine 

Tochter zu sich heran gezogen, woraufhin diese seinen erigierten Penis habe 

spüren können. Die Geschädigte sei unangenehm berührt wieder nach vorne ge-

rutscht. Der Angeklagte habe sie erneut zu sich gezogen und gegen seinen eri-

gierten Penis gedrückt. Die Geschädigte sei wieder nach vorne gerutscht. Beim 

dritten Mal, als der Angeklagte seine Tochter zu sich gezogen habe, sei er mit 

seinem erigierten Penis in den Anus seiner Tochter eingedrungen. Dies habe der 

Geschädigten erhebliche Schmerzen verursacht, weshalb sie, unmittelbar nach-

dem der Angeklagte mit wenigstens einem Teil seines Gliedes eingedrungen sei, 

aufgesprungen sei. Dadurch habe sich der Angeklagte der sexuellen Handlungen 

mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht (Urk. 32 S. 2).  

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2.1 Da der Angeklagte das ihm vorgeworfene Handeln nach wie vor vollumfäng-

lich bestreitet, ist zu prüfen, ob der bestrittene Sachverhalt aufgrund der Untersu-

chungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente, namentlich der Dar-

stellungen der Geschädigten und ergänzend jener der Zeugen E._____ und 

C._____ sowie jener des Angeklagten rechtsgenügend erstellt werden kann. Die 

Aussagen von D._____, G._____, H._____ und I._____, welche alle nur als Aus-

kunftspersonen polizeilich befragt wurden, sind zu Lasten des Angeklagten nicht 

verwertbar. Mit der Vorinstanz ist schon an dieser Stelle zu erwähnen, dass die 

Ausführungen dieser Personen auch nichts zu Gunsten des Angeklagten enthal-

ten (Urk. 68 S. 6 f.). 

2.2 Gemäss dem in Art. 8 und 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK veranker-

ten Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) ist bis zum ge-

setzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren 

Handlung Angeklagte unschuldig ist (BGE 127 I 40, 120 Ia 31, E. 2b; BGE 

6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und Nr. 180 

S. 957 f.). Als Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklage-

behörde ist, die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Un-

schuld nachweisen muss (Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage, Zürich 2004, 

N 599; BGE 127 I 40). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist verletzt, wenn der 

Strafrichter einen Angeklagten (einzig) mit der Begründung verurteilt, er habe sei-

ne Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38, E. 2a mit Hinweis). Als Beweis-

würdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Exis-

tenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären 

darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende 

Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 6P.155/2006 

und 6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4.1). In diesem Fall ist der Ange-

klagte freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993 

S. 419 f.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss ein-

leuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvoll-

ziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 

6. Auflage, Basel, 2005, Rz 11 S. 247). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich 

ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der ein-

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zelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (Arzt, In dubio contra, in Zeit-

schrift für Strafrecht 115, S. 197; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f., Ziff. 3.4.). 

Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des Ange-

klagten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür vor-

liegen, dass der Angeklagte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den ihm 

zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt wer-

den, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen Aspekten 

unwiderlegbar feststehe (Schmid, a.a.O., N 288). Es liegt in der Natur der Sache, 

dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweis-

führung erreicht werden kann; daher muss es genügen, wenn vernünftige Zweifel 

an der Schuld des Angeklagten ausgeschlossen werden können, der Richter sub-

jektiv mit Gewissheit von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist (Kassations-

gerichtsentscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S, E. 2.2.1 samt Hinweisen). 

Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen. Auf-

gabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet in objektiver Würdigung 

des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem bestimmten Sach-

verhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Richtigkeit zu über-

winden vermag (§ 284 StPO/ZH; ZR 72 Nr. 80; Guldener, Beweiswürdigung und 

Beweislast, S. 7; BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 2c). Bloss abstrakte oder theoreti-

sche Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind 

(Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., Rz 12 S. 247).  

Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese frei 

zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und den 

Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend 

ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, ver-

bunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von 

Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdig-

keit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaubhaf-

tigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer kriti-

schen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von so genann-

ten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (R. Bender, Die häufigsten 

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Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] S. 53 ff.;  

Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Band I, Glaubwürdig-

keits- und Beweislehre, 3. Auflage, München 2007, S. 68 ff.). Dabei gebietet es 

der Anspruch auf rechtliches Gehör, dass die Überlegungen genannt werden, von 

denen sich das Gericht leiten lässt und auf welche sich sein Entscheid stützt. Das 

bedeutet indessen nicht, dass es sich ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Be-

hauptung und jedem rechtlichen Einwand – namentlich der Verteidigung – ausei-

nander setzen muss; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung we-

sentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6P.62/2006 vom 14.11.2006 E. 4.2.2 unter Hinweis auf BGE 126 I 97 E. 2b, 125 II 

369 E. 2c, 124 V 180 und 112 Ia 107 E. 2b). 

3. Im Hinblick auf die Aussageanalyse und um ein Bild des Tathintergrundes 

zu gewinnen, ist ein näherer Blick auf die Familiengeschichte der ABCDE.____s 

unerlässlich.  

3.1 Gemäss weitestgehend übereinstimmender Darstellung der Zeugen 

E._____, C._____ und B._____ war das Familienleben gezeichnet von der Alko-

holsucht und der Gewalttätigkeit des Angeklagten. Namentlich kam es immer 

wieder – durchschnittlich ca. zweimal pro Woche, teilweise auch an Wochenen-

den – zu gewalttätigen Übergriffen des Angeklagten gegen den Sohn C._____ 

(Urk. 7/3 S. 10 f.; Urk. 8/2 S. 3 f.; Urk. 9/1 S. 2). Dabei handelte es sich offensicht-

lich um weit mehr als einen gelegentlichen Klaps auf den Hintern ("Füdlitätsch"). 

Es begann in C._____s früher Kindheit, spätestens ab Schulbesuch, und dauerte 

bis zum letzten Vorfall im Jahre 2004 in J._____, als E._____ den Entschluss 

fasste, sich vom Angeklagten zu trennen (Urk. 7/1 S. 4 f.; Urk. 7/3 S. 3; Urk. 8/2 

S. 2; Urk. 9/1 S. 2 f.; Urk. 9/6 S. 10 f.). Mit der elterlichen Trennung im Dezember 

2004 hörten die Misshandlungen des Sohnes auf (Urk. 8/2 S. 2; Urk. 9/1 S. 2; 

Urk. 9/6 S. 4). Es war gemäss C._____ eine Erlösung, als der Angeklagte das 

Haus verliess (Urk. 8/1 S. 3). Die Schläge des Angeklagten erfolgten mit der fla-

chen Hand und mit den Fäusten, ferner mit Gegenständen wie Holzkellen und 

Gürteln. Zudem kam es zu väterlichen Fusstritten oder Nachwerfen von Schuhen; 

auch jagte der Angeklagte dem Sohn in der Wohnung nach (Urk. 7/1 S. 1 ff.; Urk. 

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8/1 S. 4; Urk. 8/2 S. 2 f.; Urk. 9/1 S. 3 f.; Urk. 9/6 S. 3). Getroffen wurde C._____ 

jeweils an Armen, Beinen, am Rücken oder am Gesäss und im Gesicht, wie es 

gerade kam. Er erlitt meistens Hämatome und es kam auch manchmal zu Nasen-

bluten. Der Arzt wurde nie aufgesucht; Knochenbrüche und bleibende körperliche 

Verletzungen resultierten keine, ebenso wenig Schulabsenzen (Urk. 7/1 S. 1 f. 

und 4 f.; Urk. 8/1 S. 5 und 10; Urk. 8/2 S. 5; Urk. 9/1 S. 2; Urk. 9/6 S. 4 f.). Beim 

Faustschlag in J._____ blutete C._____ an den Lippen und es blieb eine Narbe 

(Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/3 S. 3; Urk. 9/6 S. 3). Einmal drückte der Angeklagte 

C._____s Kopf in den heissen Spinat (Urk. 7/1 S. 1 f.; Urk. 8/1 S. 4 f.; Urk. 9/6 S. 

3). Mit Ausnahme des Vorfalls in J._____ ereigneten sich alle Übergriffe zu Hau-

se, dort aber überall (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/3 S. 10 f.; Urk. 8/1 S. 10; Urk. 8/2 S. 2; 

Urk. 9/1 S. 2; Urk. 9/6 S. 3). Danach weinte C._____ jeweils (Urk. 7/1 S. 4; Urk. 

7/3 S. 10 f.; Urk. 9/6 S. 5). Auslöser für die väterlichen Schläge war insbesondere 

C._____s verbales Agieren oder Dazwischentreten, wenn sich die Eltern – na-

mentlich zum Thema Alkohol – stritten (Urk. 7/3 S. 3; Urk. 9/6 S. 5). E._____ und 

C._____ beschützten und verteidigten sich dann gegenseitig, blieben aber auf-

grund der Kräfte des Familienvaters chancenlos (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 8/1 S. 4-6; 

Urk. 8/2 S. 4; Urk. 9/1 S. 2 und 5; Urk. 9/6 S. 10). Auch Mobiliar musste dran 

glauben. Streit gab es auch an Kindergeburtstagen, wobei die Torte jeweils im 

Eimer landete (Urk. 7/3 S. 3; Urk. 8/1 S. 5). Zu Hause wurde nie gross diskutiert, 

was passierte (Urk. 7/3 S. 13; Urk. 8/1 S. 6; Urk. 9/1 S. 3). C._____ frass es in 

sich hinein (Urk. 9/6 S. 4 und 10). Verwandte wollten keinen Kontakt mehr (Urk. 

8/1 S. 5). C._____ und B._____ beschrieben ihre Kindheit als nicht glücklich (Urk. 

7/3 S. 3; Urk. 8/1 S. 2). C._____ empfand seinen Vater als kalt und aggressiv 

(Urk. 8/1 S. 3; Urk. 8/2 S. 3); ausserhalb der Schläge liess dieser keine körperli-

che Nähe zum Sohn zu mit der Begründung, er sei doch nicht schwul (Urk. 9/6 

S. 3). Unmittelbar nach seinem Auszug drohte er per Telefon, die Kinder würden 

Waisen werden, falls die Familie etwas weitererzähle (Urk. 8/1 S. 6; Urk. 8/2 S. 4; 

Urk. 9/1 S. 3; Urk. 9/6 S. 5 f.; Urk. 7/3 S. 4). Aus grosser Angst der Familien-

mitglieder vor dem Angeklagten kam es während des Zusammenlebens zu keiner 

Meldung an die Polizei (Urk. 8/1 S. 5; Urk. 9/1 S. 5; Urk. 9/6 S. 10). Die Geschä-

digte B._____ heulte manchmal vor Angst (Urk. 8/1 S. 6). Alle drei Zeugen such-

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ten im Verlauf der Jahre aber psychiatrische oder psychologische Hilfe auf (Urk. 

7/2 S. 10 f.; Urk. 7/4 S. 4; Urk. 8/1 S. 9 f.; Urk. 8/2 S. 5 und 9; Urk. 9/6 S. 2 und 

10). C._____ geriet als junger Erwachsener selber in grosse Alkoholprobleme und 

wurde arbeitslos (Urk. 8/1 S. 9). Anlässlich eines mehrwöchigen stationären Klini-

kaufenthalts im Jahre 2010 wurden ein Alkoholabhängigkeitssyndrom und eine 

mittelgradige depressive Episode, vor allem Traumafolgestörung bei extremen 

Belastungen in der Kindheit, diagnostiziert (Urk. 23/5). Die Geschädigte B._____ 

hatte insbesondere Angst, mit dem Angeklagten alleine in der Wohnung zu sein, 

weil er immer so ausrastete. Diese Angst bezeichnete sie auch als Grund für den 

Kontaktabbruch nach dem Auszug des Angeklagten (Urk. 7/2 S. 8; Urk. 7/3 S. 

13). Einhellig gaben die Zeugen auch an, dass das grosse Alkoholproblem des 

Angeklagten nicht durchgehend bestand, sondern dass es auch eine Zeit ohne 

Alkohol gab (Urk. 7/1 S. 5; Urk. 7/2 S. 7; Urk. 7/3 S. 3; Urk. 7/4 S. 4; Urk. 8/1 S. 3 

und 5; Urk. 8/2 S. 3; Urk 9/1 S. 4). Die Geschädigte B._____ und die jüngere 

Tochter D._____ blieben gemäss Schilderungen der Zeugen von Schlägen des 

Angeklagten verschont.  

3.2 Der Angeklagte räumte zur Familiengeschichte ein, ein strenger Vater ge-

wesen zu sein, bei ihm hätten die Kinder spuren müssen. Einmal, in J._____, ha-

be er C._____ einen Faustschlag versetzt, sonst von Zeit zu Zeit eine Ohrfeige, 

wenn es nötig gewesen sei. Manchmal seien es auch Reflexe gewesen, wenn der 

Sohn auf ihn zugekommen sei und die Minimaldistanz von 1 Meter – die bei ihm 

für alle Personen gelte – unterschritten habe. C._____ sei hyperaktiv gewesen, er 

habe ihn jeweils abstellen müssen, einer müsse es ja machen, sie habe nie die 

Hand gehoben. Er sei kräftig und stark. Die Kinder hätten sich dann auf die Mutter 

gestützt und er sei aus dem Kreis gestossen worden (Urk. 6/1 S. 2 f., 5, 9; 

Urk. 6/5 S. 2 ff.). Mit Gegenständen geschlagen habe er nie und er verneinte jeg-

liche Misshandlung (Urk. 6/1 S. 5 ff.; Urk. 6/5 S. 4). Ferner gestand er ein, einmal 

den Kopf des Sohnes ins – aus seiner Sicht nicht so heisse – Essen gedrückt zu 

haben (Urk. 6/1 S. 7 f.). Vehement stellte er hingegen in Abrede, den Kindern ge-

droht zu haben, sie würden Waisenkinder, wenn sie von den Taten weitererzähl-

ten (Urk. 6/1 S. 8 f.). Ab und zu habe er zuviel Alkohol gehabt und sei betrunken 

nach Hause gekommen (Urk. 6/1 S. 3). Der Alkohol sei nicht schuld an den 

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Schlägen gewesen. Er trinke wenig Alkohol (Urk. 6/1 S. 5 und 9). An anderer Stel-

le erwähnte er, in den Ehejahren nie Alkohol getrunken zu haben (Urk. 6/5 S. 4). 

Die Ursache für das familiäre Zerwürfnis und seinen Auszug sieht der Angeklagte 

darin, dass E._____ sich einem andern Mann zugewandt habe (Urk. 6/2 S. 3; Urk. 

6/4 S. 2; Urk.6/5 S. 3). Als Folge von Trennung und Scheidung habe er zu trinken 

begonnen, den Job verloren und sei seither er arbeitslos (Urk. 6/2 S. 3). Er bejah-

te Jähzorn in jungen Jahren, dies mit oder ohne Alkohol (Urk. 6/2 S. 4).  

3.3 Zu den Familienverhältnissen findet sich im erstinstanzlichen Plädoyer des 

früheren Verteidigers die folgende Passage (vgl. Urk. 51 S. 4):  

"Die familiäre Entwicklung ist als tragisch zu bezeichnen, das hat der Staats-

anwalt heute zutreffend dargelegt. Tragisch war ein Grossteil der Familien-

geschichte. Gemäss Aktenlage war sie geprägt von Alkoholproblemen des Ange-

klagten, von damit einhergehender häuslicher Gewalt, auch gegen die Kinder."  

3.4 Nur am Rande sei ergänzend erwähnt, dass sich auch die lediglich als Aus-

kunftspersonen befragten Verwandten und Bekannten im Sinne der Zeugen  

äusserten, soweit sie Einblick in den Familienalltag erhalten hatten (Urk. 9/2 - 9/5).  

3.5 Aus diesen Darlegungen ergibt sich zusammengefasst, dass die Familie un-

ter der häufigen Alkoholisierung des Angeklagten und der daraus erwachsenen 

Folgen äusserst litt und gegen seine körperliche Übermacht keine Chance hatte. 

Insbesondere C._____ war weit übermässiger Züchtigung des jähzornigen und im 

übrigen gefühlskalten Vaters ausgesetzt (auch Urk. 51 S. 5-7). Es handelt sich of-

fensichtlich um einen tragischen Fall jahrelanger häuslicher Gewalt. Aus  

prozessualen Gründen hat es bei dieser Feststellung zu bleiben.  

3.6 Dieser Hintergrund besagt allerdings noch nichts über die vorliegend zu be-

urteilende Tat gegenüber B._____. Im Hinblick auf die Würdigung namentlich des 

Anzeigeverhaltens der Geschädigten ist die konkrete Atmosphäre in der Familie 

ABCDE._____ jedoch durchaus relevant. 

4. Glaubwürdigkeit  

-   13   - 

Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und 

der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die Glaubwürdigkeit liefert 

die Grundlage dafür, ob einer Person getraut werden kann. Sie ergibt sich aus der 

prozessualen Stellung einer Person sowie aus ihren persönlichen Beziehungen 

und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. Die in erster Linie wichtige 

Glaubhaftigkeit der Aussagen ist massgebend für die Beantwortung der Frage, ob 

sich der Sachverhalt im Wesentlichen so ereignet hat, wie er im Prozess einge-

klagt ist.  

4.1 Angeklagter 

Zu den Aussagen des Angeklagten ist vorerst festzuhalten, dass ein Beschuldig-

ter im Strafprozess Objekt und Subjekt zugleich ist (Schmid, a.a.O., N 613, 

N 469 ff.). Seine Doppelstellung bedeutet konkret, dass sich einerseits das Straf-

verfahren gegen ihn richtet, andererseits seine Aussagen als Beweismittel für und 

gegen ihn verwendet werden können. Eine Pflicht, durch aktives Verhalten die 

Untersuchung zu fördern und so zu seiner eigenen Überführung beizutragen, trifft 

den Beschuldigten nicht (Schmid, a.a.O., N 472 ff.). So ist ein Beschuldigter im 

Rahmen der Selbstbegünstigung grundsätzlich nicht zur wahrheitsgemässen 

Aussage verpflichtet, was einleuchtet. Vielmehr hat er ein – durchaus legitimes – 

Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. 

Die Aussagen des Angeklagten sind daher mit einer gewissen Vorsicht zu würdi-

gen, zumal er bei einem Schuldspruch neben strafrechtlichen Konsequenzen 

auch mit einer zivilrechtlichen Forderung der Geschädigten konfrontiert wäre.  

 

 

4.2 Geschädigte B._____ 

4.2.1  Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Geschädigten B._____ ist zunächst 

darauf hinzuweisen, dass sie als Zeugin zweimal unter der strengen Strafdrohung 

von Art. 307 StGB einvernommen worden ist. Diese rein prozessuale Stellung 

verleiht ihr allerdings keine spezielle Glaubwürdigkeit.  

-   14   - 

4.2.2  Es ist jedoch kein Grund ersichtlich, weshalb die Geschädigte den Ange-

klagten zu Unrecht beschuldigen sollte.  

Insbesondere erhob sie nicht einfach deshalb Anzeige, um den Angeklagten los 

zu werden. Der Angeklagte hatte den Familienhaushalt annähernd fünf Jahre vor-

her verlassen (Dezember 2004). Die schon zuvor durch emotionale Defizite ge-

prägte sowie durch regelmässige familiäre Streitigkeiten und väterliche Gewalt-

ausbrüche stark belastete Vater-Tochter-Beziehung war seit dann abgebrochen 

und für die damals knapp 14-Jährige insoweit Ruhe eingekehrt. Nach der heuti-

gen Beziehung zu ihrem Vater gefragt, äusserte sich die Geschädigte durchwegs 

sachlich und neutral: Sie sehe ihn nicht mehr, sie habe keinen Kontakt mehr zu 

ihm (Urk. 7/1 S. 6). Sie habe seit seinem Auszug keinen Kontakt mehr, sie wolle 

das nicht. Sie sehe den Angeklagten zwar ab und zu in der Stadt und er grüsse 

sie, aber mehr wolle sie nicht mit ihm zu tun haben (Urk. 7/2 S. 2). Nur schon 

wenn sie ihn sehe, habe sie Angst vor ihm und ihre Beine würden ganz  
schwabbelig (Urk. 7/2 S. 7). Die Geschädigte begründete dies mit den Streitereien 

der Eltern und den väterlichen Schlägen gegenüber ihrem Bruder. Sie selber sei 

zwar nicht geschlagen worden, aber durch das, was sie erlebt habe, mache er ihr 

einfach Angst. Sie habe schon vor seinem Auszug Angst gehabt, alleine mit ihm 

in der Wohnung zu sein, weil er immer so ausgerastet sei. Letztmals gesehen  

habe sie ihn im Herbst 2008, aber nur von weitem. Er sei total besoffen und vom 

Alkohol sehr aufgedunsen gewesen. Er habe voll graue Haare und sehr unge-

pflegt ausgesehen. An einem Oberarm und Unterarm habe er Tätowierungen 

(Urk. 7/2 S. 9). Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 24. März 2010 begründe-

te sie auf Ergänzungsfragen des Verteidigers den Kontaktabbruch erneut mit 

Angst und dass er wieder Alkohol trinke. Die Mutter habe es ihnen freigestellt und 

nicht verboten, ihn zu sehen (Urk. 7/3 S. 3 und 13). 

Die Distanzierung der Geschädigten vom Angeklagten und ihre anhaltende Furcht 

vor ihm sogar noch als erwachsene junge Frau sind in Anbetracht ihrer aktenkun-

digen Kindheit absolut nachvollziehbar. Auch ist nicht daran zu zweifeln, dass der 

Kontaktabbruch ihrem eigenem Willen entspringt. Ihre Schilderungen bestehen 

aus nüchterner Darlegung ihrer Beobachtungen und der eigenen Empfindungen, 

-   15   - 

wenn sie per Zufall ihren Vater sieht. Unnötig negative oder gar herablassende 

Worte betreffend ihren Vater finden sich keine. Daran ändert der Umstand nichts, 

dass sie neben Trauer zum Teil auch Hass empfindet (Urk. 7/3 S. 2 und 8). Dass 

sie – entgegen ihres klar geäusserten und verständlichen Wunsches nach Ab-

stand – nun mit 19 Jahren ein getrübtes Vaterbild aktivieren sollte, indem sie ein 

aus Kindessicht eventuell unerklärliches, aber für sich betrachtet völlig unproble-

matisches Erlebnis oder bloss die Erinnerung an Konserviertes, Mitgetragenes, 

Weiterentwickeltes, Zusammengesetztes bzw. Erinnerungen an eigene Erklä-

rungsversuche zu Lasten des Vaters präsentiert und im Nachhinein als sexuelle 

Handlung "zurechtlegt" (vgl. das Argumentarium des Verteidigers vor Vorinstanz, 

Urk. 51 S. 17 ff. und 21), entbehrt jeder Logik und erscheint als völlig verfehlte 

Unterstellung.  

4.2.3  Der Mutter sagte die Geschädigte während ca. einem Dutzend Jahren 

nichts vom eingeklagten Übergriff. Erst bei einem Gespräch über andere Dinge 

ca. im Sommer 2009 berichtete sie erstmals davon. Das mag auf den ersten Blick 

aussergewöhnlich erscheinen. Es bestehen jedoch mehrere plausible Erklärun-

gen für den grossen Zeitablauf bis zur Offenlegung.  

4.2.3.1  Zum einen nahm die Geschädigte an, die Mutter wisse es: Als sie noch 

klein gewesen sei, habe sie der Mutter nichts gesagt, weil sie davon ausgegan-

gen sei, der Vater erzähle es der Mutter, wie er das unmittelbar nach dem Vorfall 

erwähnt habe (Urk. 7/2 S. 6). Das habe sie ihm geglaubt (Urk. 7/3 S. 15). Er habe 

es aber nicht getan (Urk. 7/2 S. 3). Als sie der Mutter erstmals davon berichtet 

habe, habe diese angefangen zu weinen und gefragt, weshalb sie dies nicht frü-

her erzählt habe. Erst da habe sie herausgefunden, dass ihre Mutter noch keine 

Kenntnis vom Vorfall hatte (Urk. 7/2 S. 6 f.; Urk. 7/3 S. 16).  

Es versteht sich von selbst, dass ein 6- bis 7-jähriges Kind darauf vertrauen darf, 

der Vater informiere die Mutter über ein Ereignis, wenn er dies so dem Kind ge-

genüber äussert. Dass die Geschädigte damals keinen Anlass sah, an die Mutter 

zu gelangen, leuchtet daher ein, zumal in der Familie kaum über die Verhaltens-

weisen des Angeklagten gesprochen wurde.  

-   16   - 

4.2.3.2  Zudem wollte die Geschädigte die Mutter verschonen: Vorher [gemeint 

vor 2009] sei es der Mutter nicht so gut gegangen, weshalb sie gedacht habe, es 

mache keinen Sinn, sie auch noch damit zu belasten (Urk. 7/2 S. 6 f.). Die Mutter 

habe sonst schon zuviel um die Ohren gehabt und sei mit den Nerven am Boden 

gewesen, sie habe sie nicht noch mehr belasten wollen (Urk. 7/3 S. 7 und 16).  

Dieser Schutzgedanke eines Kindes gegenüber der Mutter ist einfühlbar, insbe-

sondere bei der vorliegenden Familienkonstellation. Man muss sich vorstellen, 

dass die fast allgegenwärtige Gewaltanwendung gegenüber C._____, teilweise in 

Kombination mit den Alkoholexzessen des Angeklagten, bis zum Auszug des An-

geklagten Ende 2004 das Familienleben ganz massgeblich mitprägte. Wie sich ih-

ren Ausführungen entnehmen lässt, empfand es auch die Geschädigte so. Diese 

Übergriffe, die sich wie gesehen in der ganzen Wohnung abspielten und bei de-

nen es für C._____ kaum ein Entrinnen gab, endeten erst mit dem Auszug des 

Angeklagten. Das brachte Mutter und Kindern zweifellos eine merkliche Erleichte-

rung. Durch den Scheidungsprozess (bis 2006) sowie das Leben als Alleinerzie-

hende dreier Kinder und – angesichts der überwiegenden Arbeitslosigkeit des 

Angeklagten und der fehlenden Alimentenzahlungen – Alleinverdienende stand 

E._____ jedoch weiterhin vor grossen persönlichen und ökonomischen Heraus-

forderungen. Das entging den Kindern natürlich nicht. Wenn sich die Geschädigte 

(weiterhin) in Schweigen hüllte, um die Mutter nicht noch mehr zu belasten, ist 

das völlig verständlich.  

4.2.3.3  Danach gefragt, was den Ausschlag gegeben habe, dass sie jetzt Anzei-

ge erstatte, nannte die Geschädigte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 

13. Oktober 2009 mehrere Gründe: Ihr Bruder habe gefunden, wenn er nun schon 

eine Anzeige gegen den Vater gemacht habe, solle sie auch eine machen. Ihre 

Mutter habe dann auch gemeint, es sei wichtig, dass dies angezeigt werde, zumal 

der Vater jetzt wieder in einer Beziehung sei wo es auch Kinder habe, damit diese 

Kinder nicht dasselbe erleben müssten wie sie. Schlussendlich habe sie selber 

entschieden, diese Anzeige zu machen. Sie habe nun nochmals alles hervorge-

holt und möchte dies nun verarbeiten können, damit sie endlich zur Ruhe komme. 

Sie erhoffe sich von der Anzeige, dass er es zugebe und es eine Lehre für ihn sei, 

-   17   - 

so etwas nie mehr zu machen (Urk. 7/2 S. 9 f.). Sie lehnte es ab, eine Beratungs-

stelle in Anspruch zu nehmen. Sie sei schon einmal bei einer Psychologin gewe-

sen und es habe ihr nichts gebracht. Sie denke, mit der Anzeige habe sie mehr 

erreicht. Sie hoffe nun, dass sie zur Ruhe komme und diese Angelegenheit bei-

seite lassen könne. In der psychologischen Beratung sei sie ca. in ihrer 

2. Oberstufe einige Male gewesen, nachdem der Freund ihrer Mutter zu ihnen ge-

zogen und sie immer gleich ausgerastet sei und sich auch immer im Badezimmer 

eingeschlossen habe. Diese Probleme habe sie vermutlich von früher gehabt, als 

ihr Vater noch bei ihnen gewesen sei (Urk. 7/2 S. 11; Bestätigung in Urk. 7/3 

S. 11 f.; vgl. auch Urk. 7/4 S. 3).  

Mit diesen Ausführungen machte die Geschädigte einerseits glaubhaft klar, dass 

sie sich selber für eine Anzeige entschieden hatte. Sie war naturgemäss denn 

auch als einzige in der Lage, zum Vorfall auszusagen. Der vorgängige Austausch 

mit Mutter und Bruder – ein absolut übliches Vorgehen im Rahmen einer Familie 

und ganz besonders in einer Situation wie der vorliegenden – erscheint als Teil  

ihres Entscheidungsprozesses. Zwar mag der Umstand einer bereits laufenden 

Strafuntersuchung betreffend ihren Bruder die Geschädigte zusätzlich ermutigt 

haben. Den Schritt zur eigenen Anzeige abnehmen konnte ihr aber niemand. Wei-

ter ist allgemein anerkannt, dass die Aufarbeitung eines traumatischen Ereignis-

ses mit dem Ziel, (endlich) Ruhe zu finden, dessen Offenlegung voraussetzt. 

Dass dies sowie das dadurch ausgelöste Strafverfahren mit erheblichen Strapa-

zen verbunden ist und das Opfer erneut seelisch erschüttern kann, braucht nicht 

weiter dargelegt zu werden. Eine Anzeige erfolgt deshalb kaum je leichtfertig und 

ohne reellen Hintergrund. So wollte die Geschädigte auch deshalb zuerst keine 

Anzeige machen, um nicht mehr in Kontakt mit ihrem Vater zu kommen (Urk. 7/4 

S. 3). Bei der Geschädigten im Fokus stand aber nicht nur, die Sache für sich ab-

schliessen zu können, sondern ebenso der in solchen Fällen oft geäusserte Ge-

danke, allfällige weitere Opfer zu verhindern, hier konkret ausgelöst durch die er-

neute Familiengründung des Angeklagten. Schliesslich ergibt sich aus den Aus-

führungen der Geschädigten ein – ebenfalls verbreiteter – Appell an den Ange-

klagten, zu seinem Handeln zu stehen, ist doch ein Eingeständnis aus Sicht des 

Opfers ein zentraler, genugtuungsfördernder Aspekt. Damit steht zugleich fest, 

-   18   - 

dass die Geschädigte mit ihrer Anzeige nicht auf eine Verurteilung und Bestrafung 

ihres Vaters abzielte (vgl. auch Urk. 21 S. 2).  

4.2.4  Aus alledem geht hervor, dass die Geschädigte aus nachvollziehbaren 

Gründen das persönlich Erlebte während Jahren zurückbehielt und sich auch als 

Erwachsene mit der Anzeigeerstattung eher schwertat. Nichts anderes ergibt sich 

aus den diesbezüglichen Angaben der Zeugen E._____ und C._____ (vgl. die 

nachfolgenden Erwägungen 4.3 und 4.4). Bereits diese Ausgangslage sowie das 

teilweise Eingeständnis des Angeklagten zum durch sein Verhalten geschaffenen 

Klima der Angst in der Familie spricht deutlich gegen grundlose oder übertriebene 

Anschuldigungen betreffend den eingeklagten Vorfall. Im Übrigen ist es ein bei 

Sexualdelikten häufig zu beobachtendes Phänomen, dass ein Opfer etwa aus 

Scham, Angst, Gefühl von Mitschuld etc. lange mit einer Anzeige zuwartet. Bei 

kindlichen Opfern kommt hinzu, dass sie sich über den Unrechtsgehalt des ihnen 

Zugefügten oft erst mit der Zeit richtig bewusst werden und auch die Kraft für eine 

Anzeige aufbringen müssen, dies ganz besonders bei Übergriffen im sozialen 

Nahbereich. Leicht relativierend ist vorliegend festzuhalten, dass die  

Geschädigte aufgrund ihrer Genugtuungsforderung ein gewisses finanzielles  

Interesse am Ausgang des vorliegenden Verfahrens hat. 

4.3  E._____ 

4.3.1  Sie hat zum einen als Zeugin unter der strengen Strafdrohung von Art. 307 

StGB ausgesagt. Aber auch darüber hinaus ist kein irgendwie geartetes Interesse 

an einer Verurteilung oder Bestrafung ihres geschiedenen Ehemannes erkennbar. 

Ihre Position offenbart deutliche Distanz, sowohl bezüglich ihrer eigenen Person 

als auch was die Entscheidungen ihrer inzwischen erwachsenen Kinder anbe-

langt. Ihre Glaubwürdigkeit ist nicht anzuzweifeln. 

4.3.2  Schon in ihren Aussagen gegenüber der Polizei vom 4. Juni 2009 – die sie 

9 Monate später in der Zeugeneinvernahme vollumfänglich als richtig bestätigte 

(Urk. 9/6 S. 9) –, als es nur um das frühere Verhalten des Angeklagten gegenüber 

dem Sohn C._____ ging und die Anzeige der Geschädigten B._____ noch nicht 

deponiert war, machte E._____ deutlich, dass sie sich heute vom Angeklagten 

-   19   - 

distanziert hat und keinen Kontakt mehr zu ihm unterhält (Urk. 9/1 S. 5). Seit dem 

Auszug des Angeklagten aus der Familienwohnung Ende 2004 war für die Kinder, 

wenn auch noch nicht ganz für sie, im Wesentlichen Ruhe eingekehrt (Urk. 9/1 S. 

1 f.). Da die Kinder keinen Kontakt zum Angeklagten mehr pflegten und der An-

geklagte auch keine Kinderalimente bezahlte (auf nachehelichen Unterhalt sei-

tens ihres Ex-Mannes hatte E._____ verzichtet; vgl. Urk. 9/9 S. 3 f.), bestanden 

keine Anknüpfungspunkte zum Angeklagten mehr (Urk. 9/1 S. 5; auch Urk. 9/6 S. 

10 f.). Auch inhaltlich hielt sich E._____ sehr zurück und berichtete nur von den 

selber erlebten Vorfällen ausserhalb ihrer Erwerbstätigkeit an der K._____, die 

vom Nachmittag bis abends ca. 22.30 Uhr dauerte (Urk. 9/1 S. 1; auch Urk. 9/6 S. 

4). Aus ihren Angaben geht unmissverständlich hervor, dass der Angeklagte den 

Sohn meistens dann verprügelte, wenn er betrunken war (Urk. 9/1 S. 1 ff.). Wie 

gesehen sagte sie zurückhaltend aus und verzichtete offensichtlich auf Übertrei-

bungen hinsichtlich der körperlichen Folgen. Unnötige Seitenhiebe gegen die 

Person des Angeklagten unterblieben. Vielmehr hielt E._____ ihm zugute, dass er 

selber eine schwere Jugend hatte (Urk. 9/1 S. 4; auch Urk. 9/6 S. 5).  

4.3.3  Ähnliches ergab die Zeugeneinvernahme vom 29. März 2010: E._____ be-

fand sich längst auf einem neuen eigenen Weg, hatte sich auch  

emotional vom Angeklagten gelöst und persönlich mit der Vergangenheit abge-

schlossen (Urk. 9/6 S. 2 und 6 f.). Kennengelernt hatte sie den Angeklagten als 

Familienmenschen und die Ehe war aus ihrer Sicht anfangs gut verlaufen. Doch 

der Alkohol nahm zu und liess den Angeklagten jede Kontrolle über sich verlieren. 

Je mehr er getrunken habe, desto schlimmer seien die Vorfälle gegen C._____ 

geworden. Die heftigen Schläge mit Nasenbluten stellte sie wiederum in den Zu-

sammenhang mit dem Alkohol (Urk. 9/6 S. 5). Was in ihrer Abwesenheit gesche-

hen sei, wisse sie nicht; C._____ habe es in sich hineingefressen. Zwischendurch 

habe es gebessert, als der Angeklagte beim L._____ arbeitete (Urk. 9/6 S. 10). 

Der Alkohol sei am Schluss aber stärker als alles andere gewesen (Urk. 9/6 S. 2 

ff.). Auf Ergänzungsfragen des Verteidigers führte sie aus, dass sie sich wegen 

der Kinder lange nicht habe scheiden lassen, dem Angeklagten viele Chancen 

eingeräumt und das (zweite) Ultimatum "Familie oder Alkohol" erst nach dem Vor-

fall in J._____ gestellt habe (Urk. 9/6 S. 3 und 10). Sie sehe immer das Gute im 

-   20   - 

Menschen und habe das Gefühl gehabt, sie würden es zusammen schaffen (Urk. 

9/6 S. 10 ff.). Solche Ambivalenz ist geradezu typisch bei häuslicher Gewalt, vor 

allem wenn gemeinsame Kinder da sind. Auch durch sie selbst erlittene Gewalttä-

tigkeiten seitens des Angeklagten schimmerten anlässlich ihrer Einvernahme 

durch (Urk. 9/6 S. 7 und 12). E._____ hielt aber auch auf zweifaches schriftliches 

Nachfragen der Staatsanwaltschaft daran fest, dass sie keine (entsprechende zu-

sätzliche) Strafuntersuchung gegen den Angeklagten wolle (Urk. 18-20). Zum Be-

suchsrecht des Angeklagten führte sie analog der Geschädigten und glaubhaft 

aus, sie habe es den Kindern freigestellt, doch keines habe gewollt. Ihre Kinder 

seien alt genug, dies zu entscheiden (Urk. 9/6 S. 11). Ergänzend ist auf die Kin-

deranhörungen im Scheidungsprozess zu verweisen (Urk. 9/8).  

Was den hier zu beurteilenden Vorfall gegenüber B._____ betrifft, konnte sich 

E._____ nur ganz knapp äussern und lediglich das wiedergeben, was sie von ih-

rer Tochter erfahren hatte. Über den eigentlichen Vorfall habe B._____ nur einmal 

gesprochen. Sie habe B._____ dann viele Male gefragt, warum sie nicht früher 

etwas gesagt habe. Die Antwort sei immer die gleiche gewesen: dass sie sie [die 

Mutter] nicht auch noch damit habe belasten wollen (Urk. 9/6 S. 8). Dieses Be-

sorgnis ausdrückende, wiederholte Fragen einer nicht informierten Mutter, die zu 

weinen anfing als sie es erfuhr und die Schuld bei sich suchte, weil sie nicht zu 

Hause gewesen sei (vgl. Urk. 7/1 S. 7), kann ohne weiteres nachempfunden wer-

den. 

4.3.4  Obwohl die Geschädigte nach der Trennung und Scheidung der Eltern im 

Haushalt der Mutter verblieb und auch noch bei ihrer Anzeigeerstattung dort 

wohnte, bestehen keine Anzeichen dafür, dass E._____ die Geschädigte in irgend 

einer Weise zu einer Anzeige gedrängt hätte, nachdem sie vom Vorfall erfahren 

hatte (vgl. auch die vorstehende Erwägung 4.2.3).  

4.4 C._____  

4.4.1  Auch hinsichtlich des Zeugen C._____ ist einerseits festzuhalten, dass er 

unter der strengen Strafdrohung von Art. 307 StGB ausgesagt hat. Analog zu 

Schwester und Mutter war seine Beziehung zum Angeklagten seit mehreren Jah-

-   21   - 

ren eingefroren und er sprach sich vehement gegen künftige Kontaktnahme zum 

Vater aus, als er Anfang 2009 gegen diesen Anzeige erstattete. Bei einer Begeg-

nung mit dem alkoholisierten Angeklagten in der Stadt einige Monate zuvor waren 

nach Schilderung C._____s keine freundlichen Worte getauscht worden, doch er 

habe keine Angst gehabt und sei dann mit seinen Kollegen weitergezogen (Urk. 

8/1 S. 1 f.; Urk. 8/2 S. 6). Bezüglich seiner Gefühle zeigte er sich zurückhaltend-

neutral: Innerlich habe er dem Vater verziehen; lasse man nicht los, gebe es im 

Körper noch mehr Probleme (Urk. 8/1 S. 1 f.). Als Antrieb zur jetzigen Anzeigeer-

stattung nannte er einen (handgreiflichen) Vorfall zwischen dem Angeklagten und 

B._____ in der Stadt – den diese allerdings nicht erwähnte – sowie den Umstand, 

dass der Angeklagte wieder Vater geworden sei und mit einer … [Angehörigen 

des Staates M._____] ein Mädchen habe. Er wolle nicht, dass ihr das gleiche 

passiere. Es sei sein Ziel, dass der Angeklagte erfahre, dass man nicht so mit 

Menschen umgehen dürfe/könne und dass seine Familie Ruhe habe vor ihm. 

Seine Schwestern hätten Angst vor dem Angeklagten (Urk. 8/2 S. 6 f.; Urk. 8/1 

S. 7; auch Urk. 9/1 S. 5 und 9/6 S. 2). Auf Delikte des Angeklagten zum Nachteil 

von B._____ angesprochen, erklärte er, er habe ihr im Zusammenhang mit seiner 

Anzeige gesagt, falls sie auch etwas habe, könne sie auch zum Anwalt gehen. 

Sie habe dann das mit der Badewanne erzählt. Es sei ihr unangenehm gewesen 

und sie habe nicht lange gesprochen. Er habe noch telefonisch mit ihr Kontakt 

und lebe jetzt sein Leben eher alleine, weil er viel mit sich selber zu tun habe 

(Urk. 8/1 S. 8).     

4.4.2  Diese Depositionen C._____s von 2009/2010 rund um die Anzeigeerstat-

tung(en) stehen im Einklang mit jenen der Geschädigten. An dieser Stelle ist er-

gänzend auf das zusammenfassende Protokoll der Kinderanhörungen vom 15. 

Dezember 2005 im Scheidungsprozess der Eltern ABCDE._____ hinzuweisen, 

wo sich der damals erst 16-jährige Zeuge bereits sehr prägnant im oben zitierten 

Sinne äusserte: "C._____ wünscht sich, dass sein Vater nicht mehr heiratet und 

keine weiteren Kinder mehr hat, denn er wünsche keiner Frau und keinen Kindern 

das, was seine Mutter, seine Schwestern und er mit dem Vater durchgemacht ha-

ben" (Urk. 9/8 S. 7). Auch aus C._____s Angaben ist keinerlei Fremdbestimmung 

ersichtlich, was die Anzeige der Geschädigten gegenüber ihrem Vater betrifft 

-   22   - 

(Urk. 8/1 S. 10). Die Aussagen aller drei Zeugen zeigen vielmehr auf, dass jedes 

Familienmitglied seinen eigenen Weg aus der schwierigen Vergangenheit zu fin-

den hofft.    

5. Massgeblich zum eingeklagten Geschehen ist jedoch in erster Linie der  

innere Gehalt der Aussagen.  

5.1 Aussagen des Angeklagten 

5.1.1  Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 6. November 2009 wollte der 

Angeklagte zum Vorwurf der Geschädigten nichts sagen. Er bemerkte lediglich, 

es sei genug Heu runter. Er habe die Schnauze voll (Urk. 6/3 S. 1).  

In der polizeilichen Befragung vom 5. Januar 2010 sowie anlässlich der staatsan-

waltschaftlichen Einvernahmen vom 24. März 2010 und 8. Juli 2010 bestritt er den 

Anklagesachverhalt vehement. Er habe nur im Säuglingsalter mit seinen Kindern 

gebadet (Urk. 6/4 S. 4 ff.; Urk. 6/5 S. 5 f.; Urk. 6/6; im Säuglingsalter, eventuell 

auch später noch, er könne sich nicht erinnern, vgl. Prot. I S. 8). Der Angeklagte 

vertrat die Auffassung, der Vorwurf der Geschädigten sei erfunden; er nehme an, 

dass sie lüge. Wenn etwas gewesen wäre, hätte die Geschädigte diese Anschul-

digungen früher machen können (Urk. 6/4 S. 7 f.).  

Vor Vorinstanz gab er auf erneuten konkreten Vorhalt des Anklagesachvorwurfes 

an, er möge sich nicht erinnern (Prot. I S. 8). Anlässlich der Berufungsverhand-

lung führte der Angeklagte aus, der Anklagevorwurf sei falsch. Die Geschädigte 

würde lügen, weil sie ihm "eines rein brennen" wolle (Prot. II S. 9). 

5.1.2  Ein – zulässiges – Bestreiten der Anklage bietet erfahrungsgemäss wenig 

Raum für Widersprüche. Somit sind primär insbesondere die Aussagen der Ge-

schädigten B._____ einer genauen Prüfung zu unterziehen.  

5.2 Aussagen der Geschädigten B._____ 

5.2.1  B._____ wurde dreimal zur Sache befragt, einmal durch die Kantonspolizei 

und zweimal durch den Staatsanwalt. Die dritte Einvernahme bestand nur aus Er-

gänzungsfragen der Verteidigung (Urk. 7/2-4). Die Vorinstanz hat die Schilderun-

-   23   - 

gen der Geschädigten im angefochtenen Urteil detailliert und korrekt zusammen-

gefasst, worauf vorab zu verweisen ist (Urk. 68 S. 8 ff.).    

5.2.2  Gegenüber der Polizei führte die Geschädigte am 13. Oktober 2009 im We-

sentlichen aus, sie habe einmal als 6- oder 7-Jährige mit ihrem Vater in der Ba-

dewanne gebadet. Sie habe generell nicht gerne alleine gebadet. Normalerweise 

habe sie mit ihrer Schwester gebadet. An diesem Tag, es sei im Herbst oder 

Frühling gewesen, seien ihre Geschwister draussen gewesen, weil sie einen Igel 

anschauen wollten. Ihre Mutter habe zu dieser Zeit in der alten K._____ in 

N._____ gearbeitet. Sie und ihre Schwester seien damals noch sehr klein gewe-

sen. Sie glaube, dass sie damals gerade den Wechsel vom Kindergarten in die 

Schule gemacht habe. Es sei ca. 17 Uhr gewesen. Ihr Vater habe das Badewas-

ser eingelassen und sich in die Badewanne gesetzt. Sie habe sich ausgezogen 

und sich auch zu ihm in die Badewanne gesetzt. Zuerst seien sie sich von Ange-

sicht zu Angesicht gegenüber gesessen und irgendwann habe er sie umgedreht 

und sie sei mit dem Rücken zum Angeklagten gesessen. Er habe sie zu sich her-

an gezogen, sie sei wieder von ihm weggerutscht. Er habe sie erneut zu sich her-

an gezogen und plötzlich habe sie gespürt, "wie er sein Ding in meinen Arsch 

steckte". Er habe den Penis nur kurz in sie hineingedrückt und keine Zeit gehabt, 

um Hin- und Herbewegungen zu machen. Es habe sehr weh getan und sie sei 

richtig aufgesprungen. Sie habe einen Schock gehabt und sofort die Badewanne 

verlassen. Der Angeklagte habe sie gefragt, ob "es" hinten oder vorne bei ihr hin-

eingegangen sei. Sie habe geantwortet "ins Füdli" und er habe gesagt, er würde 

es ihrer Mutter sagen, was er aber nicht gemacht habe. Sie glaube nicht, dass sie 

verletzt gewesen sei oder geblutet habe. Sie habe nichts gesehen (Urk. 7/2 S. 3).  

Die spezifischen Fragen, ob er an sich selber etwas gemacht habe, ob sie etwas 

an ihm habe machen müssen und ob der Vater ihr verboten habe, jemandem et-

was zu erzählen, verneinte sie ausdrücklich (Urk. 7/2 S. 6 f.).  

5.2.3  Die staatsanwaltliche Einvernahme der Geschädigten fand am 24. März 

2010 statt. Die Geschädigte bestätigte weitestgehend ihre anlässlich der polizeili-

chen Einvernahme gemachten Aussagen, namentlich ihr ungefähres Alter, dass 

es in der Familie üblich gewesen war, gemeinsam zu baden, dass sie das gerne 

-   24   - 

gehabt habe, dass die Geschwister am fraglichen Abend wegen eines Igels 

draussen auf dem Spielplatz waren, den Ablauf des Vorfalls einschliesslich die 

Konversation danach, dass sie einen Schock gehabt habe, dass er "nur schnell" 

(kurz) drin gewesen sei, was wirklich weh getan habe – wobei sie auf einer Skala 

von 1-10 die Zahl 8 nannte –, dass sie sofort aufgesprungen sei und die Bade-

wanne verlassen habe. Nach der Tiefe des Eindringens gefragt, gab sie an, das 

nicht zu wissen. Sie wisse nur, dass es weh getan habe (Urk. 7/3 S. 5 ff. und  

13 ff.; vgl. auch die pauschale Bestätigung der früheren Aussagen, Urk. 7/3 

S. 11). 

Zusätzlich, bedingt durch die ausführlichere Befragung, brachte sie zusammen-

gefasst das Folgende vor: Als sie klein gewesen sei, habe sie oft mit ihrem Vater 

gebadet, oder dann mit ihrer Schwester oder ihrem Bruder. Die Mutter habe ge-

wusst, dass sie auch mit ihrem Vater badete. Nach dem Vorfall habe sie nie mehr 

mit ihrem Vater gebadet. Auf Frage erklärte sie nicht mehr zu wissen, wer damals 

zuerst in die Badewanne gestiegen sei. Sie könne sich auch nicht an die ver-

schiedenen Male erinnern, als sie mit ihrem Vater gebadet habe, einfach dieses 

eine Mal sei ihr geblieben. Die Jahreszeit des Vorfalls wisse sie nicht mehr genau. 

Da es einen Igel draussen gehabt habe, müsse es entweder Frühling oder  

Sommer gewesen sein. Der Vorfall sei etwa um 17 Uhr gewesen, da sie noch 

kein Abendbrot gehabt habe und sie von der Schule nach Hause gekommen sei. 

Ihre Geschwister hätten noch draussen gespielt und sie habe noch duschen  

müssen (Urk. 7/3 S. 5 ff. und 13 f.). Sie konnte sich nicht daran erinnern, bei je-

nem Bade irgendwann einmal das Glied ihres Vaters gesehen zu haben. Sie habe 

nicht darauf geschaut. Sie habe seinen steifen Penis aber jeweils im Rücken ge-

spürt, als der Angeklagte sie nach hinten gezogen habe, bevor er dann etwa beim 

dritten Mal eingedrungen sei (Urk. 7/3 S. 7 und 14 f.). Dass der Angeklagte sonst 

irgendwie reagiert habe, zum Beispiel laut geschnauft, konnte die Geschädigte 

nicht mehr sagen. Ebenso wenig erinnerte sie sich an Verletzungen und verneinte 

solche. Sie sei nachher nach draussen zum Igel gegangen. Es habe nicht mehr 

weh getan, sie habe einfach gemerkt, dass er drin gewesen sei (Urk. 7/3 S. 7 f. 

und 15). Dass sonst ein Gegenstand in der Badewanne gewesen wäre, verneinte 

die Geschädigte ausdrücklich (Urk. 7/3 S. 8).  

-   25   - 

Als spätere Reaktion erwähnte sie, dass sie an jenem Abend nicht habe einschla-

fen können, dies wegen des Ereignisses in der Badewanne, nicht wegen des 

Igels. Sie sei nach vorne zur Mutter gegangen, der Vater habe schon geschlafen. 

Sie hätten dann zusammen ferngesehen (Urk. 7/3 S. 7). Zu allfälligen weiteren 

Folgen führte sie aus, sie habe danach immer Probleme gehabt, beim Duschen 

und dem anschliessenden nackt ins Zimmer gehen. Der Vorfall sei ihr immer  

bewusst gewesen (Urk. 7/3 S. 8). Auch bejahte sie klar einen Einfluss auf ihr  

Sexualverhalten aufgrund des Vorfalls: Es dürfte niemand ihren Arsch von hinten 

anlangen. Wenn sie nackt sei und jemand, also auch ihr Partner, an den Hintern 

fasse, dann komme es gleich wieder noch. Ansonsten verneinte sie Probleme 

(Urk. 7/3 S. 8).    

Sie habe sich vor etwa zwei Jahren zuerst einer Kollegin anvertraut. Ob sie der 

Kollegin das Ganze erzählt habe, wisse sie nicht. Ihrer Mutter habe sie es erst vor 

etwa drei Monaten erzählt. Ihr Bruder habe vom Vorfall erfahren, nachdem sie es 

ihrer Mutter gesagt habe (Urk. 7/3 S. 7 und 15 f.).  

5.2.4  In der Zeugeneinvernahme vom 8. Juli 2010 hob die Geschädigte nochmals 

hervor, dass ihr die im Alter von 15/16 Jahren versuchte psychologische bzw. 

psychiatrische Behandlung anlässlich der ca. fünf bis sechs Sitzungen nichts ge-

bracht habe (Urk. 7/2 S. 10 f.; Urk. 7/4 S. 4).  

5.2.5  Die Geschädigte hat sowohl bei der Polizei als auch als Zeugin weitest-

gehend konstant, detailreich, lebendig und bildhaft, zugleich auch sachlich und 

zurückhaltend ausgesagt, so dass aufgrund ihrer Darstellungen keine Zweifel 

bleiben, dass sie das Geschilderte auch tatsächlich erlebt hat.  

5.2.5.1  Soweit kleine Differenzen bestehen, namentlich zur Reihenfolge des Ein-

steigens in die Badewanne oder zur genauen Jahreszeit, ist einerseits zu beach-

ten, dass der eingeklagte Vorfall sehr weit zurückliegt und mehrere Befragungen 

über einen Zeitraum von ca. 9 Monaten stattfanden und dass es sich auf der an-

dern Seite um wenig bedeutende Nebensächlichkeiten handelt. Nuancen bestär-

ken sogar die Glaubhaftigkeit von Aussagen und machen diese umso authenti-

scher. Etwa die geringfügige Abweichung bzw. Unsicherheit darüber, ob sie oder 

-   26   - 

der Angeklagte zuerst in die Badewanne gestiegen sei, lässt sich ohne weiteres 

auch mit der Häufigkeit des bis dahin gemeinsamen Badens – sei es mit dem  

Vater oder mit einem der Geschwister – erklären. Bei der Reihenfolge des Ein-

steigens in die Badewanne handelt sich um einen Umstand, der bei Routine-

handlungen regelmässig unbeachtet bleibt.  

5.2.5.2  Massgeblich ist vor allem, dass die Geschädigte das Kerngeschehen in 

freier Rede sehr präzis und nahezu kongruent und nachvollziehbar geschildert 

hat, wobei dieses realitätsnah ergänzt wird durch die unverzügliche Reaktion der 

Geschädigten (Schmerzempfindung, Schock, Verlassen der Badewanne) und den 

unmittelbar folgenden Wortwechsel mit dem Vater (wo er eingedrungen sei und 

dass er es der Mutter sage). Diese Rückfrage des Angeklagten, wo "es" hinein-

gegangen sei, ist äusserst situationsadäquat. Der Vorfall ist sodann stimmig und 

überzeugend eingebettet in die aktenkundige damalige Welt von B._____ als Kind 

auf der Schwelle zum Schuleintritt oder etwas danach: Die Mutter war bereits zur 

abendlichen Arbeit an der K._____ gegangen und der zuvor heimgekehrte Vater 

hatte die Familienbetreuung übernommen. Ein Igel, den die Geschädigte dann 

auch noch anschauen ging, hatte die Geschwister auf den Spielplatz gelockt. Es 

war noch nicht Zeit für das Abendessen und so blieb Raum für das nötige Bad. 

Weitere gewichtige Indizien für den stattgefundenen Missbrauch sind, dass die 

Geschädigte am fraglichen Abend nicht einschlafen konnte, fortan nie mehr mit 

dem Vater badete – obwohl sie dies zuvor sehr gerne getan hatte –, fortan nach 

dem Duschen auf dem Weg ins Zimmer Scham- und Angstgefühle verspürte, was 

sich in der Pubertät und als der Freund der Mutter ins Hause zog, noch akzentu-

ierte, sowie dass sie körperliche Annäherung von hinten, namentlich im Bereich 

des Gesässes, bis heute nicht ertragen kann, auch nicht von ihrem Partner.  

Der Vorfall bewirkte eine prägnante Zäsur in ihrer Kindheit. Es ist nicht daran zu 

zweifeln, dass sich die Geschädigte dieses einmaligen Vorfalls, der gleichsam im 

Schatten der jahrelangen väterlichen Züchtigungsexzesse gegenüber dem Bruder 

stand, stets bewusst blieb und ihn über die Pubertät hinaus mit sich trug, bis die 

Zeit für eine Offenlegung reif war. Ein solches Ereignis ist hoch spezifisch in sei-

-   27   - 

ner Art und gräbt sich tief in die Biografie eines Menschen ein, erst recht, wenn 

die Handlung durch eine engste Vertrauensperson erfolgt.   

5.2.5.3  Die Geschädigte sagte sodann äusserst zurückhaltend aus und entlastete 

den Angeklagte wiederholt, was den Wahrheitsgehalt ihrer Darstellung unter-

mauert. Dass gilt auch für den Umstand, dass sie Erinnerungslücken deklarierte 

und nicht einfach mit Erfundenem ergänzte. Hätte sie ihren Vater unrechtmässig 

anschuldigen wollen, hätte sie ein viel gravierenderes Vorgehen und/oder eine 

Mehrzahl solcher Übergriffe zu Lasten des Angeklagten geltend machen können. 

Indessen beschrieb sie das Eindringen in den Anus als bloss kurzzeitig, und be-

hauptete nicht etwa ein tiefes, zeitlich andauerndes Eindringen etc. Auf spezifi-

sche Fragen verneinte sie ausdrücklich jegliches zusätzliches Handeln oder  

Reagieren seitens des Angeklagten, ebenso anhaltende Schmerzen, Bluten, eine 

Verletzung oder ein auferlegtes Schweigegebot. Wirklichkeitsgerecht im Sinne  

einer nötigen Vorstufe für den Übergriff erwähnte sie jedoch, das steife Glied des 

Angeklagten zuvor in ihrem Rücken gespürt zu haben, als er sie jeweils nach hin-

ten zog. Übermässige Anschuldigungen sind nach dem Gesagten keine erkenn-

bar. Vielmehr war die Geschädigte während der ganzen Untersuchung offensicht-

lich darauf bedacht, ihren Vater nicht unnötig anzuschwärzen. Aus den Einver-

nahmen ist denn auch immer wieder zu erkennen, dass sie darunter leidet, aus 

Angst vor ihrem Vater keine normale Beziehung zu diesem haben zu können  

(vgl. u.a. Urk. 7/3 S. 13).  

5.2.5.4  Dass es sich um einen ungewollten Kontakt im Rahmen einer Alltags-

handlung, dem Baden, handeln könnte, wie die Verteidigung vor Vorinstanz und 

auch vor dem Berufungsgericht monierte (Urk. 51 S. 18; Prot. II S. 10), ist klar zu 

verwerfen. Die Geschädigte schilderte sehr plastisch und in logischer Abfolge, wie 

der Angeklagte sie von der üblichen Gegenüberposition zuerst umdrehte, dann 

mehrfach zu sich nach hinten zog und zuletzt in ihren Anus eindrang. Es bedurfte 

somit mehrerer aufeinanderfolgender gezielter Handlungen, um die Tochter so zu 

positionieren, dass ein Eindringen möglich wurde. Bei dieser Ausgangslage einen 

Zufall konstruieren zu wollen, widerspricht jeder Vernunft und Lebenserfahrung.  

-   28   - 

Wenn der frühere Verteidiger sodann die Möglichkeit eines Eindringens in den 

Schliessmuskel, wie es die Geschädigte umschrieb, überhaupt in Abrede stellte 

und auf einschlägiges Filmmaterial professioneller, erwachsener Darsteller, wel-

che diesen Vorgang routinemässig, einvernehmlich und nicht in einer engen Ba-

dewanne durchführen, verwies (Urk. 51 S. 10 ff.), so verliess er das Feld sachli-

cher juristischer Argumentation. Es geht hier nicht um gewollten analen Ge-

schlechtsverkehr zwischen zwei erwachsenen Personen, sondern um ein für ein 

6- bis 7-jähriges Kind völlig überraschendes und nur kurzes (Urk. 7/2 S. 3) Ein-

dringen in dessen Anus "mit wenigstens einem Teil seines Gliedes" (vgl. Anklage-

schrift, Urk. 32 S. 2). Auf die von der Verteidigung aufgeworfenen anatomischen 

Fragen und geltend gemachten "technischen" Schwierigkeiten, wie sie die Vertei-

digung auch vor Berufungsinstanz vorbrachte (Urk. 83 S. 9 f.), ist nicht weiter ein-

zugehen. Ein fachärztliches Gutachten ist nicht einzuholen und Abklärungen be-

treffend die Masse des Geschlechtsteils des Angeklagten, wie sie der frühere Ver-

teidiger des Angeklagten beantragt hat, sind als völlig verfehltes Ansinnen ebenso 

abzulehnen (vgl. Urk. 51 S. 11).   

Als unverständlich zu bezeichnen ist sodann das mit Akribie betriebene Bemühen 

des früheren Verteidigers, mit diversen Wortklaubereien die Gefühlsausbrüche 

der Geschädigten während der Einvernahmen (weinen, schluchzen, vgl. Urk. 7/3 

S. 13 ff.) in Ungereimtheiten umzudeuten und ihre Aussagen als unglaubhaft ab-

zustempeln. Auch wenn es selbstverständlich das Recht der Verteidigung ist, dem 

Opfer Ergänzungsfragen zu stellen, so ist vorliegend die Art und Weise der Fra-

gestellungen sowie der Inhalt der Fragen als zum Teil grenzwertig anzusehen. Es 

war denn auch im Wesentlichen diese teilweise erniedrigende Examination durch 

den vormaligen Verteidiger, welche bei der Geschädigten – begreiflicherweise – 

Tränen auslöste (Urk. 7/3 S. 13 ff.; auch Urk. 7/4 S. 5). Auch kann aus der eher 

vulgären Sprache der Geschädigten (Arsch) nichts gegen den Wahrheitsgehalt  

ihrer Aussagen abgeleitet werden. Diese Art von Ausdrucksweise war offenbar 

Teil der Kultur im Elternhaus.  

Es steht schliesslich mit keinem Wort zur Debatte, dass es sich beim Angeklagten 

um einen "machtgesteuerten Triebtäter" handeln würde. Die entsprechenden 

-   29   - 

(dies verneinenden) Überlegungen des vormaligen Verteidigers erweisen sich als 

unnötig und gehen an der Sache vorbei (Urk. 51 S. 16 f.).   

Auf die übrigen Darlegungen und Mutmassungen der Verteidigung vor Vorinstanz 

ist nicht weiter einzugehen, besteht doch kein Anspruch darauf, dass sich die  

urteilende Instanz mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander setzen 

und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen müsste.  

5.2.6  Zusammenfassend ist festzustellen, dass die in den wesentlichen Aspekten 

gleichbleibenden Aussagen der Geschädigten lebendig, authentisch und stimmig 

wirken und schon für sich alleine betrachtet sehr glaubhaft sind. Zur Ergänzung 

kann auf die diesbezüglichen Ausführungen im erstinstanzlichen Urteil verwiesen 

werden (Urk. 68 S. 10-13). Ergänzend ist lediglich noch anzufügen, dass anläss-

lich der Berufungsverhandlung der neue Verteidiger des Angeklagten sinngemäss 

geltend machte, der Vorwurf des sexuellen Übergriffs könnte quasi stellvertretend 

für den offenkundigen psychischen Missbrauch durch einen gewaltsamen Vater 

stehen (Projektion) (Urk. 83 S. 10 ff.). Dieser Gedanke ist durchaus verständlich. 

Wie oben erläutert, hat die Beweiswürdigung jedoch zum einen ergeben, dass die 

Geschädigte – trotz der schweren Kindheit und eines unverkennbaren Leidens-

wegs – sehr zurückhaltend zum allgemeinen Verhalten ihres Vaters ausgesagt 

und ihn nicht pauschal in ein schlechtes Licht gerückt hat. Zudem ist der einge-

klagte Sachverhalt, und allein das ist vorliegend zu prüfen, wie soeben ausgeführt 

rechtsgenügend erstellt und der sexuelle Übergriff als solcher damit als so erfolgt 

anzusehen.  

5.3 Aussagen der Zeugen E._____ und C._____ 

Die Ausführungen zur Sache von E._____ und C._____ sind schnell notiert, konn-

ten sie doch nur das von der Geschädigten Gehörte wiedergeben. Beide taten 

dies mit gleichermassen knappen Worten, unter Verzicht auf jegliche Ausschmü-

ckungen oder Kommentare.  

5.3.1  Gemäss der Zeugin E._____ waren ihre Kinder gerne mit dem  

Vater in der Badewanne. Als sie am Arbeiten gewesen sei in der alten K._____, 

-   30   - 

hätten der Angeklagte und B._____ offenbar gebadet. Es müsse so gewesen sei, 

dass sie vorne gesessen sei und er sie dann nach hinten gezogen habe auf sein 

Glied. Das sei das, was sie wisse und was B._____ ihr gesagt habe. B._____ ha-

be ängstlich gewirkt, als sie es ihr erzählte. Sie habe sie noch gefragt, ob es ihr 

nichts gemacht und wie sie reagiert habe. Die Antwort sei einfach gewesen: "Ma-

mi ich han Angscht gha" (Urk. 9/6 S. 8). Auf B._____s Umgang mit der Wahrheit 

angesprochen, meinte die Zeugin, ein kleiner Lug bei spätem Nachhause Kom-

men habe es bei der Geschädigten schon mal gegeben. Dass die Geschädigte ih-

rem Vater eins auswischen möchte, konnte sich die Zeugin E._____ indessen 

nicht vorstellen. Sie müsse jetzt ehrlich sein: B._____ sei sensibel und sie denke 

nicht, dass sie aus Freude, jemandem eins auszuwischen, dies durchmachen 

würde (Urk. 9/6 S. 8 f.). Sie selber habe sicher auch mal mit B._____ Meinungs-

verschiedenheiten gehabt (Urk. 9/6 S. 10). Mit diesen Antworten offenbarte die 

Zeugin eine ausgesprochen objektive und für eine Mutter eher aussergewöhnli-

che, fast kritische Haltung gegenüber ihrer Tochter. Das bestärkt die Glaubhaf-

tigkeit ihrer Aussagen. Weitere Indizien für stattgefundenen Missbrauch ergeben 

sich ergänzend aus den Hinweisen von E._____, wonach sich die Geschädigte 

mit Beginn der Pubertät zu ritzen begonnen habe sowie dass sie schon mit 10 

Jahren gegenüber Männern sehr zurückhaltend gewesen sei, auch gegenüber 

dem Angeklagten (Urk. 9/6 S. 7).  

5.3.2  Auf die Frage, ob nur er misshandelt worden sei oder auch weitere Perso-

nen in seinem familiären Umfeld, führte C._____ am 23. September 2009 gegen-

über dem Polizeibeamten unter anderem aus: "Vor wenigen Monaten erzählte sie 

[B._____] mir folgende Geschichte: Sie sei ca. 9-jährig gewesen und mein Vater 

ging oft mit ihr zusammen in die Badewanne. Er hätte sie dann nach hinten zu 

sich hin gezogen und sie sei wieder nach vorne gerutscht und er hätte sie wieder 

zu sich gezogen und dann hätte er seinen Schwanz in ihrem Arsch gehabt. Er 

sagte dann, es sei schon gut, er erzähle es der Mutter" (Urk. 8/2 S. 5). In der 

Zeugeneinvernahme ein halbes Jahr später bestätigte er einerseits pauschal die 

bei der Polizei gemachten Aussagen und schilderte auch nochmals gleichblei-

bend den eingeklagten Vorfall. Als der Staatsanwalt zusätzlich wissen wollte, wie 

C._____ den Wahrheitsgehalt dieser Äusserungen der Schwester einstufe, be-

-   31   - 

merkte der Zeuge, überrascht gewesen zu sein. Er könne nicht sagen, ob sie die 

Wahrheit sage oder nicht. Es sei schwierig. Er glaube es ihr zumindest (Urk. 8/1 

S. 8).   

5.3.3  Die kurzen Darstellungen der Zeugen lassen deutlich erkennen, dass sich 

die Geschädigte nach all den Jahren der Verinnerlichung ohne Übertreibungen 

und Schnörkel in vergleichbarem Bericht je der Mutter und dem Bruder anvertraut 

hatte. Diese erfuhren mit andern Worten nichts anderes und nicht mehr, als was 

die Geschädigte selber in der Strafuntersuchung geschildert hatte. Die beiden 

Zeugenaussagen stimmen mit jenen der Geschädigten überein, ohne in irgend-

einer Weise abgesprochen zu wirken. Die Angaben der zwei Zeugen sprechen 

zusätzlich für die Glaubhaftigkeit von B._____s Darstellung und stützen damit den 

Anklagesachverhalt zumindest indirekt. 

5.3.4  Im Anschluss an die durch seinen Vertreter eingereichte Desinteresse-

erklärung vom 12. Mai 2010 hinsichtlich der eigenen Strafanzeige infolge frucht-

baren Kontakts mit dem Angeklagten (Urk. 25/15) bestätigte auch C._____  

Ende Mai 2010 schriftlich, nun auf der andern Seite (Vater, Grossmutter) zu ste-

hen und keinen Kontakt mehr mit den Geschwistern und der Mutter zu haben. Un-

ter anderem führte er aus, er habe seine Schwester ein paar Mal auf deren Straf-

anzeige angesprochen, weil es für ihn nicht glaubwürdig sei, dass sein Vater sie 

missbraucht habe (Urk. 21 S. 2). Zutreffend hat die Vorinstanz hat dazu bemerkt, 

dass sich C._____ offensichtlich in einem Loyalitätskonflikt befindet und wohl 

deshalb eine Kehrtwende vornahm (Urk. 68 S. 14 und 16). Diese Situation ver-

mag aber an seinen früheren Aussagen und deren Würdigung nichts zu ändern. 

Ferner ist zu erwähnen, dass die Versöhnung zwischen Sohn und Vater nicht un-

getrübt zu sein scheint, sondern dass gemäss heutigen Aussagen des Angeklag-

ten das Verhältnis vielmehr wieder zerrüttet ist (siehe Urk. 80 und nachfolgende 

Erwägung IV. 4.4 sowie Prot. II S. 6 f.).    

5.4 Als Fazit ist in Übereinstimmung mit der ersten Instanz festzuhalten, dass 

bei gesamthafter Würdigung aller Aussagen und vor dem Hintergrund auch des 

übrigen Untersuchungsergebnisses auf die überzeugenden Schilderungen der 

Geschädigten abzustellen ist. Die pauschale Bestreitung des Vorfalls durch den 

-   32   - 

Angeklagten erweist sich demgegenüber schlicht als unglaubhafte Schutzbehaup-

tung. Damit ist der eingeklagte Sachverhalt rechtsgenügend erstellt.  

6. Die durch der Vorinstanz vorgenommene rechtliche Einordnung dieses 

Sachverhalts ist zutreffend und der Angeklagte demgemäss der sexuellen Hand-

lungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

IV. Strafzumessung 

1. Anwendbares Sanktionenrecht, Grundsatz der "lex mitior" 

1.1 Am 1. Januar 2007 ist der neue Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches in 

Kraft getreten. Nach neuem Recht wird grundsätzlich nur beurteilt, wer nach  

dessen Inkrafttreten ein Delikt begangen hat (Art. 2 Abs. 1 StGB). Eine vor Inkraft-

treten des neuen Rechtes verübte Tat wird jedoch nach dem neuen Recht be-

urteilt, wenn es für den Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB und  

Art. 104 StGB). Bei der Beurteilung der "lex mitior" folgen Lehre und Recht-

sprechung der konkreten Methode, d.h. es wird geprüft, nach welchem Recht  

das Urteil für den Täter günstiger, sprich milder ausfällt (BGE 134 IV 82 E. 6.2;  

Trechsel/Vest, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ 

St. Gallen 2008, Art. 2 N 11). 

1.2 Die vorliegend zu beurteilende sexuelle Handlung hat der Angeklagte im 

Sommer 1996 oder 1997 und damit vor dem Inkrafttreten des neuen Allgemeinen 

Teils des Strafgesetzbuches begangen. Es ist daher zu prüfen, ob das frühere 

oder das ab dem 1. Januar 2007 geltende Recht für den Täter das mildere ist 

(Art. 2 Abs. 2 StGB).  

1.3 Nach altem Recht wurden sexuelle Handlungen mit Kindern mit Zuchthaus 

bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis von drei Tagen bis zu drei Jahren bestraft 

und nach neuem Recht ist Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe  

(1 bis 360 Tagessätze) angedroht (Art. 187 aStGB i.V.m. Art. 36 aStGB und 

Art. 187 StGB i.V.m. Art. 34 StGB). Abstrakt betrachtet erweist sich das neue 

-   33   - 

Recht bezüglich des Strafrahmens als für den Täter milder (als Minimalstrafe 

Geldstrafe anstelle von Freiheitsstrafe).   

Wie zu zeigen sein wird, steht die Ausfällung einer neurechtlichen Geldstrafe hier 

aber ausser Frage. Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten 

zu verurteilen sein. Die Sanktionsart spielt daher für die Frage der Anwendbarkeit 

des milderen Rechts im Ergebnis keine Rolle. Das genannte Strafmass lässt so-

wohl den vollbedingten Strafvollzug (nach altem und neuem Recht) als auch den 

teilbedingten Strafvollzug (nach neuem Recht) zu. Für die vorliegend auszu-

fällende Strafe wird der bedingte Vollzug anzuordnen sein. Unter diesen Umstän-

den erweist sich das neue Recht für den Angeklagten nicht als das mildere, so 

dass die Tat grundsätzlich nach altem Recht zu sanktionieren wäre. 

1.4 Nachdem das unter dem altem Recht verübte Delikt im Bereich der hier in 

Frage kommenden Freiheitsstrafe nach altem sowie nach neuem Recht grund-

sätzlich gleich bestraft wird, kommt es wie gesehen nicht darauf an, ob die Tat 

nach altem Recht oder neuem Recht beurteilt wird. Das Resultat ist dasselbe.  

Unter diesen Umständen kann es hinsichtlich der Strafzumessung wie im ange-

fochtenen Urteil (Urk. 68 S. 17, wenn auch nur gestützt auf einen abstrakten  

Vergleich) bei der Anwendung des neuen Rechts bleiben. Abgesehen davon hat 

keine der Parteien die Anwendung des neuen Rechts auf den vorliegenden Fall 

beanstandet. 

 

 

2. Strafart 

2.1 Zur Strafzumessung gehört in der grossen Mehrzahl der Fälle die Bestim-

mung nicht nur des Masses, sondern auch der Art der Strafe. Im vorliegend mas-

sgeblichen Bereich von sechs bis zwölf Monaten fallen nebeneinander Geldstrafe 

und Freiheitsstrafe in Betracht. Vorwegzunehmen ist, dass die Strafart nicht nach 

Massgabe des Verschuldens getroffen werden darf. Bei der Wahl der Sanktions-

art kommt es auf deren Zweckmässigkeit, ihre Auswirkungen auf den Täter und 

-   34   - 

sein soziales Umfeld und ihre präventive Effizienz an. Nach dem Prinzip der Ver-

hältnismässigkeit soll im Regelfall diejenige gewählt werden, welche weniger stark 

in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift oder ihn am wenigsten hart 

trifft (BGE 134 IV 82 E. 4.1 und 134 IV 97 E. 4.2.2; Zünd, Strafrecht: Ein Wegwei-

ser zu den neuen Sanktionen, plädoyer 6/08, S. 40). Das spricht zunächst für die 

Geldstrafe. Davon kann abgewichen werden, wenn diese Strafart spezialpräventiv 

ungenügend wäre. Sanktionen sollen über die Vergeltung hinaus auch spezial-

präventiv wirken, das heisst, den einzelnen Verurteilten abschrecken oder bes-

sern und so von weiteren Delikten abhalten. Mit der Revision des allgemeinen 

Teils zum Strafgesetzbuch ist dem Ziel der Spezialprävention im Verhältnis zum 

früheren Recht zusätzliches Gewicht verliehen worden. So hat der Richter ge-

mäss Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB bei der Strafzumessung die Auswirkung der 

Strafe auf das künftige Leben des Täters mit zu berücksichtigen (Donatsch/Tag, 

Strafrecht I, 8. Auflage Zürich 2006, § 1 N 4a; Trechsel/Affolter-Ejisten, Schweize-

risches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ St.Gallen 2008, Art. 47 N 11 

und 13). 

2.2 Wie zu zeigen sein wird, ist vorliegend vom Vorrang der Geldstrafe abzu-

weichen und aus spezialpräventiven Überlegungen eine Freiheitsstrafe auszu-

sprechen (nachfolgende Erwägung 4.6).  

3.  Zusatzstrafe 

3.1 Die Vorinstanz sprach die Freiheitsstrafe von 12 Monaten als Zusatzstrafe 

zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 4. Mai 

2007 ausgefällten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 70.-- aus (Urk. 68 S. 21; 

Urk. 30/2; siehe die Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland 

2007/2442). Damit fällte die Vorinstanz als Zusatzstrafe im Sinne von Art. 49 

Abs. 2 StGB eine Freiheitsstrafe zu einer Geldstrafe als Grundstrafe aus.  

3.2 Wie aus BGE 137 IV 57 E. 4.3.1 hervorgeht, entspricht ein solches Vor-

gehen nicht den von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entwickelten 

Grundsätzen für die Strafzumessung bei retrospektiver Konkurrenz. Bedingung 

für eine Zusatzstrafe ist stets, dass die Voraussetzungen der Gesamtstrafe nach 

-   35   - 

Art. 49 Abs. 1 StGB erfüllt sind (BGE 102 IV 242 E. 4b mit Hinweis). Danach sind 

ungleichartige Strafen kumulativ zu verhängen, weil das Asperationsprinzip nur 

greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Die Bildung  

einer Gesamtstrafe ist bei ungleichartigen Strafen nicht möglich (auch Urteile 

6B_2/2011 vom 29. April  2011 E. 4.2.4 und 6B_785/2009 vom 23. Februar 2010 

E. 5.5 mit Hinweisen). Die Praxis zu Art. 68 aStGB ist somit weiterhin massge-

bend. Gemäss dieser Rechtsprechung mussten beide Strafen verhängt und konn-

te keine Gesamtstrafe gebildet werden, wenn jemand einerseits mit einer Frei-

heitsstrafe und anderseits mit einer Busse zu bestrafen war (BGE 102 IV 242 E. 5 

mit Hinweisen). Dies gilt gleichermassen nach neuem Recht, ungeachtet dessen, 

dass durch die am 1. Januar 2007 in Kraft getretene Revision des Allgemeinen 

Teils des Strafgesetzbuchs neue Strafarten hinzugekommen sind. Die Bildung  

einer Gesamtstrafe – und mithin einer Zusatzstrafe – ist also nur möglich, wenn 

mehrere Geldstrafen, mehrfache gemeinnützige Arbeit, mehrere Freiheitsstrafen 

oder mehrere Bussen ausgesprochen werden (vgl. Ackermann, BSK StGB I, 

2. Auflage, Basel 2007, Art. 49 N 37). Demnach ist es ausgeschlossen, eine Frei-

heitsstrafe als Zusatzstrafe zu einer Geldstrafe auszusprechen. Aus dem nach 

Art. 68 Ziff. 2 aStGB ergangenen BGE 132 IV 102 E. 8.2, wonach der Zweitrichter 

in Bezug auf die Strafart nicht an den rechtskräftigen ersten Entscheid gebunden 

ist, kann für das heutige Recht nichts abgeleitet werden. 

3.3 Als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / 

Unterland vom 4. Mai 2007 ausgesprochenen Grundstrafe käme demzufolge nur 

eine Geldstrafe in Betracht. Wäre vorliegend eine Freiheitsstrafe zu verhängen, 

müsste sie – entgegen der Ansicht im angefochtenen Urteil (Urk. 68 S. 18, 21 und 

23) – eine eigenständige Strafe bilden, ohne Rückgriff auf Art. 49 Abs. 1 StGB 

und damit ohne Anwendung des Asperationsprinzips. Auf die vorliegend effektiv 

auszufällende Sanktionsart ist nachfolgend einzugehen (vgl. Ziff. IV 4.5. f.).  

4. Festsetzung des Strafrahmens und Strafzumessung 

4.1 Strafschärfungsgründe sind keine ersichtlich. Die Vorinstanz hat dem Ange-

klagten den Strafmilderungsgrund der "verhältnismässig langen Zeit" seit der Tat 

zugute gehalten (Art. 48 lit. e StGB). Dem ist grundsätzlich zuzustimmen. In den 

-   36   - 

meisten Fällen sind Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe indes innerhalb 

des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen. Nur in Ausnahmefällen kann 

dies dazu führen, dass der ordentliche Strafrahmen verlassen werden muss. Dies 

ist insbesondere der Fall, wenn die Strafe sich ohne Berücksichtigung der Straf-

milderungs- bzw. Strafschärfungsgründe ohnehin am unteren oder oberen Rand 

des ordentlichen Strafrahmens bewegen würde bzw. deren Ausmass besonders 

stark ins Gewicht fällt (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Kommentar, 18. Auflage, Zürich 2010, N 4 zu Art. 48a i.V.m. N 6 zu 

Art. 49). Das trifft vorliegend nicht zu und es besteht somit kein Anlass, den  

ordentlichen Strafrahmen – der hier von Geldstrafe bis fünf Jahre Freiheitsstrafe 

reicht – zu verlassen. Weitere Verschuldensminderungsgründe im Sinne von 

Art. 48 StGB liegen nicht vor. Insbesondere sind auch keine Anhaltspunkte für  

eine verminderte Schuldfähigkeit gemäss Art. 19 StGB gegeben. 

4.2 Innerhalb des genannten Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden 

des Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse 

sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen sind 

(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung 

oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-

delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie 

weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die 

Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Die allgemeinen 

Bestimmungen zur Strafzumessung haben damit gegenüber dem bisherigen 

Recht materiell keine grundlegenden Änderungen erfahren, auch wenn verschie-

dene Details modifiziert wurden (Urteile des Bundesgerichts 6B_585/2008 vom 

19. Juni 2009 E. 2, 6B_426/2008 vom 29. August 2008 E. 2.2 und 6B_131/2007 

vom 22. November 2007 E. 2.1; Hansjakob/Schmitt/Sollberger, Kommentierte 

Textausgabe zum revidierten Strafgesetzbuch, 2. Auflage, Luzern 2006, Art. 47 

StGB S. 42 Mitte). 

Der Begriff des Verschuldens muss sich jedenfalls auf den gesamten Unrechts- 

und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen 

der Tat- und Täterkomponente (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 47 

-   37   - 

N 6). Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die 

Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der 

Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu beachten. Sodann 

sind für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter 

sowie die so genannte Intensität des deliktischen Willens bedeutsam (Donatsch/ 

Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 47 N 11). Je leichter es für ihn gewesen  

wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen 

sie (BGE 6S.270/2006 vom 5. September 2006, E. 6.2.1; BGE 6S.43/2001 vom 

19. Juni 2001, E. 2 und BGE 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004, E. 1.1; 

BGE 122 IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizerisches Straf-

recht, AT II, 2. Auflage, Bern 2006, S. 179 N 13; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., 

Art. 47 N 21). 

4.3 Tatkomponente  

4.3.1  Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Verschul-

densbewertung festzulegen und zu bemessen. Es ist zu prüfen, wie stark das 

strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt wurde. Darunter  

fallen etwa das Ausmass des Erfolges, wie insbesondere der Deliktsbetrag, die 

Gefährdung, das Risiko und der Sachschaden etc., sowie die Art und Weise des 

Vorgehens. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat 

und die Tatausführung offenbart wird, ebenso die Grösse des Tatbeitrages bei 

mehreren Tätern und die hierarchische Stellung (Wiprächtiger, BSK StGB I, 

2. Auflage, Basel 2007, Art. 47 N 69 ff.; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 

N 18 ff.).  

Zu erwähnen ist, dass die schweizerische Praxis bei nicht besonders schwerem 

Verschulden in aller Regel die Strafen im unteren bis mittleren Teil des vorge-

gebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im oberen Bereich, insbesondere 

Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei sehr schwerem Verschulden 

des Täters auszusprechen (Wiprächtiger, BSK StGB I, a.a.O., Art. 47 N 15). 

4.3.2  Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie 

dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören 

-   38   - 

etwa die Frage der Schuldfähigkeit sowie das Motiv. Auch ist in diesem Zusam-

menhang entscheidend, über welches Mass an Entscheidungsfreiheit der Täter 

verfügte. Ferner sind die weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten, wie 

beispielsweise einige der in Art. 48 StGB aufgeführten Gründe, zu berücksichti-

gen.  

In subjektiver Hinsicht ist zudem zu berücksichtigen, dass das Verschulden eines 

Täters, der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als 

dasjenige eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt 

(Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004,  

E. II. 7.5; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. Auflage, Bern 2006,  

S. 185 f. N 25 ff.; Wiprächtiger, BSK StGB I, Art. 47 N 89).  

4.3.3  Objektive Tatschwere 

Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die stattgefundene anale 

Penetration innerhalb des eingeklagten Deliktes eine schwerwiegende Handlung 

darstellt (Urk. 68 S. 19). Mit der analen Penetration liegt eine beischlafsähnliche 

Handlung vor und damit – innerhalb der grossen Bandbreite möglicher sexueller 

Handlungen – ein gravierender Übergriff auf die sexuelle Integrität des Opfers. 

Der Vorfall ist umso gravierender, als die Geschädigte mit erst 6 oder 7 Jahren 

noch sehr jung war. Da sich die Mutter im Zeitpunkt der Tat auswärts bei der  

Arbeit befand und die Geschwister im Freien spielten, war die Geschädigte der  

Situation ausgeliefert. Als leiblicher Vater und damit wichtige Bezugsperson aus 

der engsten Beziehungssphäre des Kindes hat der Angeklagte mit der über-

raschenden Tathandlung das Vertrauen seiner arg- und wehrlosen kleinen Toch-

ter ganz massiv missbraucht wenn nicht gar zerstört: Die vom Kind sehr  

geschätzte Tradition des gemeinsamen Badens, eine natürliche Form von beson-

derer Nähe zu einem Elternteil, nahm in der Folge ein abruptes Ende. An deren 

Stelle traten Unbehagen und Angst gegenüber dem Vater. Dieser Vertrauens-

missbrauch lässt die Tat als besonders verwerflich erscheinen (vgl. Wiprächtiger, 

a.a.O., Art. 47 N 84). Lange Zeit war die Geschädigte auf sich alleine gestellt und 

muss bis jetzt damit leben, dass ihr Vater als Peiniger nicht zu seiner Tat steht. 

Noch heute wirkt sich der Vorfall negativ auf das Sexualleben der erwachsenen 

-   39   - 

Tochter aus. Parallel zum Vertrauensverlust büsste B._____ durch den väterli-

chen Übergriff bereits in früher Kindheit und im Kreise der eigenen Familie, dem 

wichtigsten Ort der Geborgenheit, viel Lebensqualität ein. Auch unterliess es der 

Angeklagte entgegen seiner Ankündigung gegenüber B._____, der Mutter diesen 

Vorfall mitzuteilen. B._____, die dem Vater glaubte und auf sein Wort zählte, wur-

de dadurch zusätzlich hintergangen. Es ist der Vorinstanz ohne weiteres beizu-

pflichten, dass der Angeklagte durch sein Verhalten seine elterliche Fürsorge-

pflicht schwer verletzt hat. Zudem fügte der Angeklagte seiner Tochter auch er-

heblichen körperlichen Schmerz zu. Immerhin dauerte dieser, ebenso wie die 

Tathandlung selbst, nicht allzu lange und es kam auch zu keiner körperlichen Ver-

letzung. Das objektive Tatverschulden wiegt insgesamt ganz erheblich.       

4.3.4  Subjektive Tatschwere 

Bei (direkt-)vorsätzlichem Handeln wie hier wiegt das Verschulden schwerer als 

bei Eventualvorsatz oder bloss fahrlässiger Deliktsbegehung. Da der Angeklagte 

den Übergriff bestreitet, muss das Motiv zwar im Dunkeln bleiben, doch sind an-

dere als sexuelle Motive nicht denkbar. Solche sexuellen Motive sind eindeutig 

egoistischer Natur; egoistische Motive wirken sich tendenziell straferhöhend aus. 

Nachdem eine pädosexuelle Neigung nicht erkennbar ist (und von der Verteidi-

gung auch klar in Abrede gestellt wird; vgl. Urk. 51 S. 16) und ebenso wenig An-

haltspunkte für eine unbedachte Züchtigungshandlung als Ausdruck von Überfor-

derung bestehen (vgl. auch Urk. 51 S. 17 sowie der Angeklagte in Urk. 6/4 S. 3: 

B._____ sei pflegeleicht gewesen, immer eine Ruhige), muss von uneinge-

schränkter Entscheidungsfreiheit seitens des Täters ausgegangen werden. Über-

dies hat der Angeklagte ohne jede Rücksicht auf eine mögliche Gefährdung der 

normalen sexuellen Entwicklung seiner Tochter gehandelt. Neben diesen deutlich 

erschwerenden Umständen wirkt sich demgegenüber zu Gunsten des Angeklag-

ten aus, dass seit der Tatbegehung im Sommer 1996 oder 1997 lange Zeit ver-

gangen ist (Art. 48 lit. e StGB). In subjektiver Hinsicht erfährt der Angeklagte ins-

gesamt eine leichte Entlastung. 

4.3.5  Gesamtwürdigung der Tatkomponente 

-   40   - 

Im Ergebnis ist bei der Tatkomponente von recht erheblichem Verschulden aus-

zugehen. Die vorliegend zu beurteilende Tathandlung befindet sich in Anbetracht 

einer grossen Bandbreite an möglichen deliktischen Handlungen von unterschied-

licher Schwere, Intensität und Dauer gerade noch im untersten Viertel des relativ 

weiten Strafrahmens, mithin im Bereich von 14-15 Monaten Freiheitsstrafe.  

4.4 Täterkomponente 

Die Täterkomponente (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die 

persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfah-

ren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlverhalten, 

andererseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht. Unter dem 

Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berücksichtigen, ob sich 

der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und Einsicht zeigte, ob 

er mehr oder weniger strafempfindlich ist oder ob in den Medien eine Vorverurtei-

lung erfolgte.  

4.4.1  Biografie 

Die Vorinstanz hat den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Ange-

klagten korrekt dargestellt (Urk. 68 S. 19 f. mit Hinweisen).  

Anzufügen bleibt, dass die Beziehung zwischen dem Sohn C._____ und dem An-

geklagten seit ca. Frühling 2010 offenbar wieder auflebten (Urk. 7/4 S. 4 f.; 

Urk. 21; Urk. 25/15). Der Angeklagte erwähnte in der Schlusseinvernahme vom 

8. Juli 2010, C._____ sei retour gekommen. Sie hätten einen guten Kontakt mitei-

nander. C._____ esse fast täglich bei ihm (Urk. 6/6 S. 3; Prot. I S. 10). Die  

Vater-Sohn-Beziehung erschien aber auch seither keineswegs ungetrübt: Am 

10. März 2011 ereignete sich eine Auseinandersetzung zwischen dem stark alko-

holisierten Angeklagten und seinem Sohn C._____ beim Hauptbahnhof F._____, 

wobei auch zwei Securitransmitarbeiter schlichtend eingriffen. In der Folge stellte 

C._____ als Geschädigter am 22. März 2011 Strafantrag wegen Drohung im Sin-

ne von Art. 180 Abs. 1 StGB gegen den Angeklagten, und die Kantonspolizei Zü-

rich rapportierte an die Staatsanwaltschaft wegen Gewalt und Drohung gegen 

-   41   - 

Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziffer 1 StGB. Zwischenzeitlich hat 

C._____ seinen Strafantrag wieder zurückgezogen und die Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland stellte die Strafuntersuchung offenbar ein (Urk. 70; Urk. 79-

80). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Angeklagte aktualisierend 

aus, er habe keinen Kontakt (mehr) zu C._____, da dieser ein "linker Siech" sei. 

Namentlich sei er jeweils zu ihm in die Wohnung gekommen, habe mit ihm Sa-

chen diskutiert, die ihn nichts angingen und habe dies anschliessend an die Mut-

ter und die Schwester weitergetragen (Prot. II S. 6). 

Die Vorinstanz hat die schwierige Kindheit und Jugend des Angeklagten sowie die 

erheblich vorbelastete familiäre Situation – der Angeklagte kannte seinen leibli-

chen Vater nicht, wuchs bis ca. Schuleintritt bei den Grosseltern auf und danach 

bei der Mutter – strafmindernd berücksichtigt (Urk. 68 S. 20). Hierzu ist zu erwäh-

nen, dass heutzutage unzähligen Kindern und Jugendlichen eine väterliche Identi-

fikationsfigur fehlt. Umgekehrt erfuhr der Angeklagte auch nichts Negatives durch 

seinen leiblichen Vater. Abgesehen davon konnte der Angeklagte die Kindheit 

durchgehend bei der Mutter und den Grosseltern in F._____ und damit durchaus 

in konstanten Verhältnissen verbringen. Die nicht einfache Kindheit ist unter die-

sen Umständen nur leicht strafmindernd zu werten.  

4.4.2  Vorstrafen, Wohlverhalten während des laufenden Strafverfahrens  

Was das Vorleben betrifft, kommt bei der Strafzumessung den Vorstrafen  

grundsätzlich eine ausserordentlich wichtige Rolle zu (Wiprächtiger, BSK  

StGB I, Art. 47 N 94 ff.; Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, 8. Auflage,  

Zürich 2007, S. 100).  

Gemäss dem aktuellen Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister (Urk. 70) 

weist der Angeklagte eine Vorstrafe auf: Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Winterthur / Unterland vom 4. Mai 2007 wurde er wegen Vergehens gegen das 

Waffengesetz mit einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 70.-- so-

wie einer Busse von Fr. 300.-- belegt. Da einerseits die vorliegend zu beurteilende 

Tat auf 1996 oder 1997 und damit viel weiter zurückdatiert, kann allerdings nicht 

von einer eigentlichen Vorstrafe gesprochen werden. So betrachtet ist sinn-

-   42   - 

gemäss von Vorstrafenlosigkeit auszugehen, was strafzumessungsneutral zu 

werten ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6).  

Aus dem erwähnten Strafregisterauszug ergibt sich allerdings, dass neben dem 

vorliegenden Verfahren seit dem 13. Mai 2011 bei der Staatsanwaltschaft  

Winterthur / Unterland, eine neue Strafuntersuchung gegen den Angeklagten be-

treffend Drohung hängig ist (Urk. 70). Es handelt sich dabei um das in der  

vorstehenden Erwägung 4.4.1 zitierte, von C._____ initiierte Verfahren, das infol-

ge Rückzugs des Strafantrages durch den Sohn jedoch inzwischen  

offenbar wieder eingestellt wurde (Urk. 80).    

4.4.3  Nachtatverhalten 

Bei der Strafzumessung ist, wie erwähnt, auch das Nachtatverhalten eines Täters 

zu beachten. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren. 

Insbesondere wirken ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei 

der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und aufrichtige Reue strafmin-

dernd (Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 22 ff.; Wiprächtiger, BSK StGB I, 

Art. 47 N 131; Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 101 ff.). Das Bundesge-

richt hielt in seinen Entscheiden BGE 118 IV 349 und 121 IV 202 dafür, ein positi-

ves Nachtatverhalten könne zu einer Strafreduktion im Bereich von einem Fünftel 

bis zu einem Drittel führen (Wiprächtiger, BSK StGB I, Art. 47 N 131), was ein Teil 

der Lehre allerdings zu Recht kritisch hinterfragt (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, 

a.a.O., S. 101 f.; Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O., Art. 47 N 24). 

Der Angeklagte ist nicht geständig und verhielt sich auch nicht kooperativ. Ent-

sprechend fehlt es auch an Reue und Einsicht. Aus dem Nachtatverhalten ergibt 

sich nichts zu seinen Gunsten.  

4.4.4  Schliesslich ist die Wirkung der Strafe auf das Leben des Angeklagten zu 

berücksichtigen (Art. 47 Abs. 1 StGB). Damit ist die Strafempfindlichkeit ange-

sprochen. Die Berücksichtigung der Strafempfindlichkeit kommt namentlich in Be-

tracht, wenn der Täter aus medizinischen Gründen wie Krankheit, Alter oder Haft-

-   43   - 

psychose besonders empfindlich ist (BGE 6S.703/1995 vom 26. März 1996, E. c 

mit Hinweisen).  

Der heute 43 Jahre alte Angeklagte leidet gemäss seinem Psychiater, Dr. med. 

O._____, an einer phasenhaft auftretenden Depression, unter antidepressiver 

Medikation gebessert, bei Persönlichkeit mit emotional instabilen Zügen vom im-

pulsiven Typus (Urk. 52). Er befindet sich offenbar noch immer in einer Ge-

sprächstherapie, von der er profitiert (Urk. 52 S. 2). Die ausserdem vorhandenen 

Alkoholprobleme des Angeklagten überspannen sicher zwei Jahrzehnte, auch 

wenn es Zeiten von Abstinenz gab (Urk. 52).  

Der Angeklagte ist nach wie vor arbeitslos und wird vom Sozialamt unterstützt 

(Prot. I S. 12; Prot. II S. 8). Die Arbeitslosigkeit des Angeklagten dauert – einige 

Temporäreinsätze ausgenommen – nunmehr schon ca. 6 Jahre. Zwar ist er auf 

Arbeitssuche, wobei dies gemäss seinen Aussagen ein "grosser Weg" sei (Prot. II 

S. 8). 

Der Angeklagte lebt mit seiner neuen Lebenspartnerin zusammen; das gemein-

same Kind ist offenbar fremd platziert, gemäss Aussagen des Angeklagten des-

halb, weil seine Lebenspartnerin ab und zu Amphetamin rauche, er selber nehme 

jedoch keine Drogen (Prot. II S. 6).  

Der Angeklagte befindet sich insgesamt gesundheitlich, beruflich und familiär in 

mehr oder weniger stabilen, wenn auch – gelinde gesagt – wenig günstigen Ver-

hältnissen. Eine besondere Strafempfindlichkeit, die vorliegend zu berücksichti-

gen wäre, lässt sich daraus aber nicht ableiten (Wiprächtiger, BSK StGB I, Art. 47 

N 117 ff.; Entscheid des Bundesgerichts 6P.39/2004 vom 23. Juli 2004 E. 7.4).    

4.4.5   Aufgrund der Täterkomponente ist im Ergebnis eine leichte Strafreduktion 

angezeigt.  

4.5 Die von der Vorinstanz ausgesprochene Sanktion von 12 Monaten Frei-

heitsstrafe (resp. von 360 Tagen bzw. Tagessätzen) erscheint aufgrund des Ver-

schuldens und der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten zwar als eher zu 

-   44   - 

milde. Eine Erhöhung der Sanktion fällt jedoch schon wegen des Verschlechte-

rungsverbots (§ 399 StPO/ZH) ausser Betracht.   

4.6 Sodann erscheint es vorliegend zwar fraglich, ob eine Geldstrafe aus  

spezialpräventiven Gründen ausreichend ist. Allerdings war der Angeklagte zum 

Zeitpunkt der Tat nicht vorbestraft und ist es betreffend deren Beurteilung auch 

heute nicht. Er ist somit für die heute zu beurteilende Straftat als Ersttäter anzu-

sehen. Somit erscheint angesichts seines – zwar erheblichen aber noch nicht 

sehr schweren – Verschuldens vorliegend nur eine Geldstrafe angemessen resp. 

möglich, namentlich vor der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_721/2009 vom 18. Februar 2010). 

Sodann hat vorliegend nur der Angeklagte das vorinstanzliche Urteil angefochten; 

das bereits erwähnte Verschlechterungsverbot verbietet es demnach, den Ange-

klagten strenger zu bestrafen als dies die Vorinstanz getan hat, welche den An-

geklagten mit 12 Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zu einem Strafbefehl 

von 10 Tagessätzen Geldstrafe bestraft hat (was nach neuester bundesgerichtli-

cher Rechtsprechung wie oben erläutert nicht mehr möglich wäre, vgl. Ziff. IV. 3).  

Demnach ist der Angeklagte ausgangsgemäss mit einer Geldstrafe von 350 Ta-

gessätzen als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft  

Winterthur/Unterland vom 4. Mai 2007 ausgefällten Strafe (10 Tagessätze Geld-

strafe) zu bestrafen. Eine (schuldangemessene) Zusatzstrafe von 360 Tages-

sätzen Geldstrafe ist deshalb nicht möglich, weil ansonsten Einsatz- und Zusatz-

strafe zusammen (mithin also die Gesamtstrafe) den Strafrahmen der Strafart 

Geldstrafe übersteigen würden. 

4.7. Die Tagessatzhöhe ist dabei aufgrund der Verhältnisse auf Fr. 10.-- zu ver-

anschlagen. 

V. Vollzug 

-   45   - 

Unter Hinweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 68 S. 21 f.) sowie in An-

betracht des Verschlechterungsverbots (§ 399 StPO/ZH) ist der Vollzug der aus-

gefällten Geldstrafe aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.  

VI. Genugtuung 

Die der Geschädigten in Dispositivziffer 4 des angefochtenen Urteils zugespro-

chene Genugtuung von Fr. 6'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 1. August 1997 ist  

angemessen und mit der zutreffenden Begründung der Vorinstanz ohne weiteres 

zu bestätigen (Urk. 68 S. 23), zumal auch die Verteidigung dagegen keinerlei  

substanzierte Beanstandungen erhoben hat.  

VII. Kosten und Entschädigungsfolgen 

1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Kostenregelung der Vorinstanz (Dis-

positivziffer 6) zu bestätigen.  

2.  Da der Angeklagte mit seinen Anträgen vollumfänglich unterliegt, wird er 

auch für das Berufungsverfahren kostenpflichtig (§ 396a StPO/ZH). Die Kosten 

der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind jedoch auf die Gerichts-

kasse zu nehmen.   

Das Gericht beschliesst: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

15. Dezember 2010 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

-   46   - 

Fr.     2'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr.     2'725.95 unentgeltlicher Geschädigtenvertreter Rechtsanwalt lic. iur.  Y._____ 

Fr.     2'777.85 unentgeltliche Geschädigtenvertreterin Rechtsanwältin lic. iur. Z._____ (gemäss Urk. 62) 
Fr.     

 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten." 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig der sexuellen Handlungen mit Kindern 

im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB. 

2. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 350 Tagessätzen zu 

Fr. 10.-- als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 4. Mai 2007 ausgefällten Strafe.  

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf  

2 Jahre festgesetzt.  

4. Der Angeklagte wird verpflichtet, der Geschädigten B._____ Fr. 6'000.-- zu-

züglich 5 % Zins ab 1. August 1997 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehr-

betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.  

5. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 6) wird bestätigt.  

 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

-   47   - 

Fr. 3'000.-- ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'213.15   amtliche Verteidigung 

Fr.     unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

     

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive diejenigen der unentgeltli-

chen Geschädigtenvertretung,