# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53e9b0a1-1578-5209-825c-c06ebc35d6c0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.09.2011 E-4005/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4005-2011_2011-09-30.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­4005/2011

U r t e i l   v om   3 0 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,   
Gerichtsschreiber Tobias Meyer.

Parteien A._______, geboren (…), und ihr Sohn B._______, geboren 
(…), Eritrea,  
beide vertreten durch Tarig Hassan, Advokatur 
Kanonengasse, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführenden,  beide  eritreische  Staatsangehörige, 
verliessen  ihr  Heimatland  nach  eigenen  Angaben  Anfang  Januar  2010 
und  gelangten  über  den  Sudan,  Libyen  und  weitere  ihnen  unbekannte 
Länder am 17. Mai 2011 in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag um Asyl 
nachsuchten.

B. 
Die  Beschwerdeführerin  wurde  am  23. Mai  2011  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (…)  zu  ihrer  Person  und  summarisch  zu  ihren 
Asylgründen  befragt  und  am  8. Juni  2011  ausführlich  zu  ihren 
Asylgründen angehört. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie im Wesentlichen geltend, 
sie  sei  aus  Eritrea  geflüchtet,  nachdem  ihr  Ehemann  während  seines 
Militärdienstes verschwunden sei. Er habe sie zwei Jahre lang nicht mehr 
besucht  und  ihr  auch  kein  Geld  mehr  geschickt.  Eines  Tages  seien 
Soldaten  bei  ihr  vorbeigekommen  und  hätten  nach  seinem  Verbleib 
gefragt. Da sie den Soldaten nicht habe sagen können, wo ihr Ehemann 
sei,  habe  sie  Angst  vor  einer  Verhaftung  bekommen  und  sei  mit  Hilfe 
einer Schwester aus Eritrea geflohen.

C. 
Mit  Verfügung  vom  21. Juni  2011  –  den  Beschwerdeführenden  am 
gleichen Tag eröffnet  –  stellte  das BFM  fest,  die Beschwerdeführenden 
erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  ihr  Asylgesuch  ab  und 
wies sie aus der Schweiz weg.

Gleichzeitig  schob  es  den  Vollzug  der  Wegweisung  zugunsten  einer 
vorläufigen Aufnahme wegen unzumutbaren Wegweisungsvollzugs (bzw. 
gemäss Dispositiv "wegen Unzulässigkeit Unzumutbarkeit") auf.

Zur  Begründung  führte  das  BFM  an,  die  Ausführungen  der 
Beschwerdeführerin  seien  unsubstantiiert  und  vage  und  widersprächen 
der  allgemeinen Erfahrung  und  der  Logik  des Handelns. Deshalb  seien 
ihre  Vorbringen  unglaubhaft  und  müssten  nicht  auf  ihre  Asylrelevanz 
überprüft  werden.  Es  sei  jedoch  anzunehmen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  Eritrea  illegal,  aber  nicht  im  militärfähigen  Alter, 
verlassen habe. Da sie nie zum Militärdienst aufgeboten worden sei und 
aufgrund  ihres  Alters  nicht  mehr  mit  einem  Aufgebot  zu  rechnen  sei, 

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bestehe  für  sie  keine  begründete  Frucht  vor  asylbeachtlichen 
Massnahmen wegen Dienstverweigerung oder Desertion.

D. 
Mit  Eingabe  vom  15. Juli  2011  (Poststempel)  erhoben  die 
Beschwerdeführenden  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
gegen die Verfügung des BFM vom 21. Juni 2011 und beantragten, die 
Verfügung  der  Vorinstanz  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  ihre 
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren. In 
prozessualer  Hinsicht  beantragten  sie  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.

Die  Beschwerdeführenden  nahmen  in  ihrer  Beschwerdeschrift  zu  den 
vom  BFM  erhobenen  Vorwürfen  der  Unglaubhaftigkeit  Stellung.  Die 
Asylrelevanz  ihrer  Aussagen  sei  zweifelsfrei  gegeben,  da 
Familienangehörige  von  Dissidenten  und  Deserteuren  in  Eritrea  oft 
befragt  und  in  Beugehaft  genommen  würden.  Aufgrund  ihrer  illegalen 
Ausreise  aus  Eritrea  und  des  Asylgesuchs  in  der  Schweiz,  sei  zu 
befürchten,  dass  sie  bei  einer Rückkehr  von den eritreischen Behörden 
verfolgt  werden  würde.   Auf  den  weiteren  Inhalt  der  Beschwerde  wird 
soweit entscheidrelevant in den Erwägungen eingegangen.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  25. Juli  2011  hiess  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und lehnte das Gesuch 
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab.

Gleichzeitig  lud  er  die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung  ein  und  forderte 
sie  insbesondere  auf,  sich  dazu  zu  äussern,  ob  der  Aufschub  des 
Wegweisungsvollzugs wegen Unzumutbarkeit oder wegen Unzulässigkeit 
erfolgt  sei,  ob  sie  die  Illegalität  der  Ausreise  der  Beschwerdeführenden 
als  erstellt  erachte  und  ob  dies  gegebenenfalls  ihre 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen vermöge.

F. 
Mit  Verfügung  vom  10. August  2011  zog  das  BFM  die  angefochtene 
Verfügung  teilweise  in Wiedererwägung und stellte  fest, es schiebe den 
Vollzug  der  Wegweisung  neu  praxisgemäss  wegen  Unzulässigkeit  und 
nicht mehr wegen Unzumutbarkeit auf.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates, vor dem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 
des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Im  vorliegenden  Verfahren  bildet  gemäss  den  Anträgen  der 
Beschwerdeführenden einzig die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 
und  die  Gewährung  von  Asyl  Prozessgegenstand,  da  die 
Beschwerdeführenden  bereits  mit  Verfügung  vom  21. Juni  2011 
respektive mit Wiedererwägungsverfügung  vom 10. August  2011 wegen 

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Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen 
wurden.

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2. Kein Asyl wird Flüchtlingen gewährt, die erst durch ihre Ausreise aus 
dem Heimat­ oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der 
Ausreise  Flüchtlinge  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  wurden  (subjektive 
Nachfluchtgründe nach Art. 54 AsylG).

4.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  (Art.  7  Abs.  1  AsylG). 
Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich 
schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen 
erschöpfen  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung 
widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren 
Logik  entbehren.  Darüber  hinaus  muss  die  asylsuchende  Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel 
abstützt  (Art. 7  Abs. 3  AsylG),  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am 
Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung 
bedeutet  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 
Beweismass und  lässt Raum  für gewisse Einwände und Zweifel an den 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers.  Eine  Behauptung  gilt  bereits  als 
glaubhaft  gemacht,  wenn  das  Gericht  von  ihrer  Wahrheit  nicht  völlig 
überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle 
Zweifel  beseitigt  sind.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es 
demgegenüber  nicht  aus, wenn  der  Inhalt  der Vorbringen  zwar möglich 
ist,  aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 

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überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer 
Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf 
eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  die  von  der  ARK 
begründete  Rechtsprechung  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 
190 f., die vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird).

5. 
Die  Beschwerdeführerin  machte  vor  der  Vorinstanz  sinngemäss  eine 
Reflexverfolgung  geltend.  Nachdem  ihr  Ehemann  während  seines 
Militärdienstes verschwunden sei und sich Soldaten bei  ihr nach seinem 
Verbleib  erkundigt  hätten,  habe  auch  sie  Angst  vor  einer  Verhaftung 
bekommen. Das BFM bezeichnete die diesbezüglichen Ausführungen der 
Beschwerdeführerin  in der angefochtenen Verfügung vom 21. Juni 2011 
als unglaubhaft.

Wie das BFM zu Recht feststellte, sind die diesbezüglichen Ausführungen 
der  Beschwerdeführerin  über  weite  Strecken  oberflächlich  und 
unsubstantiiert.  Sie  schilderte  weder  den  angeblichen  Besuch  der 
Soldaten  bei  ihr  zu  Hause  noch  die  Umstände  der  Organisation  und 
Durchführung  ihrer  Ausreise  mit  der  vernünftigerweise  zu  erwartenden 
Ausführlichkeit.  Die  Beschwerdeführerin  gab  zudem  bei  ihrer  Anhörung 
im  Juni  2011  an,  ihr  Ehemann  sei  jetzt  ungefähr  59  Jahre  alt;  zum 
Zeitpunkt seines angeblichen Verschwindens zwei Jahre  früher wäre  ihr 
Ehemann  demzufolge  circa  57  Jahre  alt  gewesen.  Die  meisten 
vorliegenden Quellen gehen davon aus, dass der Militärdienst für Männer 
bis  zum 50.  Lebensjahr  dauert. Deshalb erscheint  es unglaubhaft,  dass 
der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  sich  noch  immer  im  aktiven 
Militärdienst  befand,  zumal  er  nach  ihren Angaben  als  einfacher  Soldat 
Dienst  tat.  Zudem  ist  schwer  nachzuvollziehen,  dass  ihr  Ehemann  sich 
nach  über  30  Jahren  Militärdienst  und  mit  der  Aussicht  auf  baldige 
Entlassung  zur  Flucht  entschieden  haben  soll  (nach  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin wurde  ihr Ehemann zwei Jahre nach  ihrer Hochzeit 
Soldat, mithin vor circa 33 Jahren).

5.1.  An  diesen  Feststellungen  können  auch  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  in  der  Beschwerdeschrift  nichts  ändern.  Zwar  ist 
der  Beschwerdeführerin  insofern  Recht  zu  geben,  als  die  angeblichen 
Widersprüche  in  ihren  Aussagen  bezüglich  des  Datums  des  letzten 

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Besuches  ihres Ehemannes  auf Ungenauigkeiten  in  der Befragung  und 
auf ihrer fehlenden Schulbildung basieren mögen. Die weiteren vom BFM 
vorgebrachten Unglaubhaftigkeitselemente (Art und Weise des Kontaktes 
zum Ehemann während dessen Militärdienstes sowie Reaktion der Kinder 
auf  die  Nachricht  des  Verschwindens  des  Ehemannes/Vaters)  sind 
hingegen  nicht  entscheidrelevant,  womit  auch  die  diesbezüglichen 
Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  an  der  Gesamtbeurteilung  der 
Unglaubhaftigkeit nichts zu ändern vermögen.

5.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  bestätigt  damit  die  von  der 
Vorinstanz  festgestellte  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der 
Beschwerdeführerin  bezüglich  Reflexverfolgung  aufgrund  des 
angeblichen Verschwindens ihres Ehemannes aus dem Militärdienst. Der 
Beschwerdeführerin,  die  für  die  Zeit  vor  der  Ausreise  keine  weiteren 
Verfolgungsmassnahmen  geltend  machte,  ist  es  damit  nicht  gelungen, 
Asylgründe glaubhaft zu machen.

6. 
Im  Weiteren  ist  zu  prüfen,  ob  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer 
Ausreise  aus  Eritrea  mit  flüchtlingsrelevanter  Verfolgung  rechnen muss 
und damit subjektive Nachfluchtgründe geltend machen kann.

6.1.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales 
Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung 
eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaatlichen 
Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  sie  die  Gefahr 
einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen.  Personen  mit  subjektiven 
Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  gemäss  Art.  54  AsylG  kein  Asyl, 
werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (EMARK 2006 Nr. 
1 E. 6.1 S. 10, mit weiteren Hinweisen). 

Durch  Republikflucht  zum  Flüchtling  wird,  wer  sich  aufgrund  der 
unerlaubten  Ausreise  mit  Sanktionen  seines  Heimatstaates  konfrontiert 
sieht,  die  bezüglich  ihrer  Intensität  und  der  politischen  Motivation  des 
Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen.

6.2. Staatsbürgern Eritreas  ist es nur mit einem gültigen Reisepass und 
einem  Ausreisevisum  möglich,  ihr  Heimatland  legal  zu  verlassen. 
Ausreisevisa werden in der Praxis bereits seit mehreren Jahren nur noch 
unter  sehr  restriktiven  Bedingungen  und  gegen  Bezahlung  hoher 
Geldbeträge an wenige, als  loyal beurteilte Personen ausgestellt. Kinder 

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ab  elf  Jahren, Männer  bis  zum Alter  von  54  Jahren  und  Frauen  bis  47 
Jahre  sind  grundsätzlich  von  der  Visumserteilung  ausgeschlossen.  Das 
eritreische  Regime  erachtet  das  illegale  Verlassen  des  Landes  als 
Zeichen politischer Opposition gegen den Staat. Die Grenzschutztruppen 
haben  den  Befehl,  Fluchtversuche  von  Personen  ohne  behördliche 
Erlaubnis mit gezielten Schüssen zu verhindern. Personen, die politischer 
Opposition  verdächtigt  werden,  sind  willkürlicher  Verhaftung  und 
Bestrafung  ausgesetzt.  Offiziell  drohen  Freiheitsstrafen  von  bis  zu  fünf 
Jahren. Politische Häftlinge erhalten in den meisten Fällen jedoch keinen 
Prozess,  sondern  werden  auf  unbestimmte  Zeit  unter  unmenschlichen 
Bedingungen  festgehalten  und  oft  gefoltert.  Auch  aussergerichtliche 
Tötungen  sind  verbreitet  (siehe  zum  Ganzen  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D­3892/2008  vom  6. April  2010;  zudem 
International Crisis Group, Eritrea: The Siege State, 21. September 2010, 
S.  11;  Human  Rights  Watch,  Service  for  Life,  State  Repression  and 
Indefinite Conscription in Eritrea, April 2009, S. 26 ff.; Tronvoll Kjetil [The 
Oslo  Center  for  Peace  and  Human  Rights],  The  Lasting  Struggle  for 
Freedom in Eritrea, 2009, S. 99 ff.).

6.3. Das BFM geht in der angefochtenen Verfügung offenbar davon aus, 
dass die Beschwerdeführerin ihr Heimatland illegal verlassen hat ("Eritrea 
mutmasslich  illegal  […]  verlassen  hat").  Die  Ausführungen  zu  den 
Schwierigkeiten, Eritrea legal zu verlassen, zeigen zudem, dass trotz des 
Alters  der  Beschwerdeführerin  faktisch  ausgeschlossen  werden  kann, 
dass sie ihr Heimatland legal verlassen hat. Damit  ist es glaubhaft, dass 
die  Beschwerdeführerin  ihr  Heimatland  illegal  verlassen  hat,  womit  sie 
begründete Furcht hat, bei einer Rückkehr in  ihr Heimatland erheblichen 
Nachteilen  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  ausgesetzt  zu  sein  und  die 
Flüchtlingseigenschaft erfüllt.

6.4. Hinzuzufügen  ist,  dass auch die Vorinstanz  in  ihrer Verfügung vom 
10. August  2011  davon  auszugehen  scheint,  dass  der 
Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr aufgrund ihrer  illegalen Ausreise 
unmenschliche  und  erniedrigende  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 3  der 
Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  droht,  anders  ist  die  vom  BFM 
gewährte  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit  nicht  zu  erklären. 
Damit ist aber im vorliegenden Fall gleichzeitig eine politische Verfolgung 
im  Sinne  von  Art. 1A  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  und  Art. 3  AsylG 
gegeben. Liegen stichhaltige Gründe dafür vor, dass eine Person bei der 

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Rückkehr  in  ihr  Heimatland  wegen  ihrer  illegalen  Ausreise  oder  der 
Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  Ausland  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten  Gefahr  einer  gegen  Art. 3  EMRK 
verstossenden unmenschlichen Behandlung ausgesetzt ist (im Sinne der 
Rechtsprechung  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte; 
vgl.  anstatt  vieler: EGMR,  Urteil  Soering  gegen  Grossbritannien  vom 
7. Juli 1989, Serie A Nr. 161, Ziff. 91 und EGMR [Grosse Kammer], Saadi 
gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06, 
Ziff. 124 ff.), so ist dies offensichtlich Ausfluss davon, dass die Behörden 
solche Handlungen als Verrat gegenüber dem eigenen Staat betrachten, 
womit  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  und  Art. 1A  FK 
vorliegen und die Flüchtlingseigenschaft gegeben ist.

6.5.  Das  BFM  hat  damit  –  nota  bene  im  Widerspruch  zu  seiner 
jahrzehntelangen  Praxis  zum  Tatbestand  der  Republikflucht  –  die 
Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  zu  Unrecht  verneint.  Da 
die drohenden erheblichen Nachteile allerdings auf die  illegale Ausreise 
der Beschwerdeführerin aus ihrem Heimatland zurückzuführen sind, liegt 
ein  subjektiver  Nachfluchtgrund  vor  und  es  ist  ihr  in  Anwendung  von 
Art. 54 AsylG kein Asyl zu gewähren. Die Verfügung des BFM  ist damit 
insofern  aufzuheben,  als  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführerin nicht anerkannt wurde. Die Abweisung des Gesuchs 
um Asyl ist hingegen zu bestätigen. Der Sohn der Beschwerdeführerin ist 
in ihre Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen (Art. 51 Abs. 1 AsylG).

7. 
7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 
den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der 
Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Da die Beschwerdeführenden weder über 
eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  verfügen,  wurde  die Wegweisung 
zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

7.2. Das BFM hob in Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung vom 10. August 
2011  unter  anderem auch  die  Ziff. 4  des Dispositivs  der  angefochtenen 
Verfügung  vom  21. Juni  2011  auf,  welche  die  Anordnung  der 
Wegweisung  er  Beschwerdeführenden  enthält.  Dabei  handelt  es  sich 
jedoch  offensichtlich  um  ein  weiteres  Versehen,  wird  doch  in  der 
darauffolgenden  Ziff. 2  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  10. August 

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2011 der Vollzug der Wegweisung aufgeschoben. Damit ist festzustellen, 
dass die Wegweisung der Beschwerdeführenden bestehen bleibt.

8. 
8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in 
ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK).

Die Beschwerdeführenden erfüllen die Flüchtlingseigenschaft. Sie dürfen 
damit aufgrund des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots nach Art. 5 
Abs. 1 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK nicht zur Ausreise  in  ihr Heimatland 
gezwungen werden. Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung damit zu 
Recht als unzulässig bezeichnet und die Beschwerdeführenden zu Recht 
vorläufig in der Schweiz aufgenommen.

9. 
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung des 
BFM  vom  21. Juni  2011  teilweise  Bundesrecht  verletzt.  Ziff. 1  der 
angefochtenen  Verfügung  (Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft)  ist 
aufzuheben.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführenden  anzuerkennen  und  sie  als  Flüchtlinge  in  der 
Schweiz vorläufig aufzunehmen.

10. 
10.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  von 
insgesamt  Fr. 600.–  nach  dem  Grad  des  Durchdringens  praxisgemäss 
zur Hälfte den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 
VwVG; Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 

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SR 173.320.2]).  Da  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  jedoch  gutgeheissen 
wurde, werden keine Kosten auferlegt.

10.2.  Den  obsiegenden  und  im  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  vertretenen  Beschwerdeführenden  ist  zu 
Lasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihnen 
erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten 
zuzusprechen  (Art.  64  Abs. 1  VwVG  in  Verbindung  mit  Art.  7  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Es  wurde  vom  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht.  Der 
notwendige Vertretungsaufwand lässt sich  indes aufgrund der Aktenlage 
zuverlässig  abschätzen,  weshalb  praxisgemäss  auf  die  Einholung  einer 
solchen  verzichtet  wird  (Art.  14  Abs.  2  VGKE).  In  Anwendung  der 
genannten  Bestimmungen  und  unter  Berücksichtigung  der 
massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art.  8  ff.  VGKE)  ist  die 
Parteientschädigung  von  Amtes  wegen  grundsätzlich  auf  pauschal 
Fr. 800.–  (ausgehend  von  einem  Ansatz  von  Fr.  200.–  pro  Stunde, 
inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteueranteil)  festzusetzen.  Nach  dem 
Grad  des  Durchdringens  ist  die  Parteientschädigung  praxisgemäss  zu 
halbieren.  Die  vom  BFM  auszurichtende  Parteientschädigung  beträgt 
damit Fr. 400.–.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen.

2. 
Die Ziffer  1  des Dispositivs  der Verfügung des BFM vom 21. Juni  2011 
wird aufgehoben.

3. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  die  Beschwerdeführenden  wegen 
Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  als  Flüchtling  vorläufig 
aufzunehmen.

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5. 
Den  Beschwerdeführenden  wird  zu  Lasten  des  BFM  eine 
Parteientschädigung  von  Fr. 400.–  (inkl.  Auslagen  und 
Mehrwertsteueranteil) zugesprochen.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Stöckli Tobias Meyer

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