# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2bfee9f-ea83-5c9a-ba84-b178ba89da2d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-04-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 12.04.2005 SF 2005 4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2005-4_2005-04-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 12. April 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 05 4 (nicht/mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer, Riesen-Bienz, Schäfer und Hubert
Aktuar ad hoc Cavegn

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In der Strafsache

der A., Angeklagte, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Lechmann, 
Postfach 545, Gäuggelistrasse 16, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 12. Januar 2005, 

wegen vollendeten Versuchs des Totschlags,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

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A. A. wurde am 27. August 1967 in B. geboren. Sie wuchs die ersten fünf 
Jahre bei ihrer Mutter in F. auf. Nach deren Heirat wurde A. vom Ehemann ihrer 
Mutter, C., adoptiert. Die Angeklagte besuchte in F. die Primarschule und danach 
die Sekundarschule. Nach der Schulentlassung absolvierte sie während je eines 
halben Jahres Praktika in der Alterssiedlung G. und in der Haushaltungsschule in 
K.. Anschliessend bestand A. beim Zahnarzt H. in B. mit Erfolg eine zweijährige 
Lehre als medizinische Praxisassistentin. Nach der Lehre arbeitete sie während ei-
neinhalb Jahren in B. und in AC. auf ihrem erlernten Beruf. Danach widmete sie sich 
vorwiegend der Erziehung ihrer Kinder und der Führung des Haushaltes. Seit rund 
vier Jahren arbeitet die Angeklagte als Nachtwachenhilfe in der Alterssiedlung I. in 
B., zuletzt mit einem Pensum von 45%. Dabei erzielt sie ein monatliches Nettoein-
kommen von etwa Fr. 1'800.--. A. besitzt kein steuerbares Vermögen.

Am 7. Juli 1989 heiratete die Angeklagte J.. Dieser Ehe entsprossen 
die Kinder L., geb. 1989, und C., geb. 1992.

Im schweizerischen Strafregister ist A. bis anhin nicht verzeichnet. 
Gemäss dem Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden geniesst sie an ih-
rem Wohnort einen guten Ruf.

Am 27. September 2003 wurde A. im Rahmen des fürsorgerischen 
Freiheitsentzugs durch den Bezirksarzt Dr. med. N. in die Psychiatrische Klinik Q. 
eingewiesen. Nach der Entlassung am 3. November 2003 lebte die Angeklagte bis 
Ende Dezember 2003 getrennt von ihrem Ehemann. Seither leben die Eheleute A. 
und J. wieder mit den gemeinsamen Kindern in ihrer Wohnung in F..

B. A. wurde auf Veranlassung des Untersuchungsrichteramtes psychia-
trisch begutachtet. Dr. med. O. und Dr. med. P. von der Psychiatrischen Klinik Q. 
hielten in ihrem ausführlichen Gutachten vom 5. Februar 2004 im Wesentlichen fest, 
die Untersuchungen hätten gezeigt, dass die eheliche Beziehung der Angeklagten 
von Anfang an schwierig gewesen sei. Es sei zu tätlichen und verbalen Angriffen 
und Demütigungen seitens des Ehemannes gekommen. A. sei eine eher introver-
tierte und selbstgenügsame Person, die häufig Stimmungsschwankungen unter-
liege. Das Selbstwertgefühl sei auf eher niedrigem Niveau. Sie habe sich immer 
angepasst und dabei eigene Wünsche und Bedürfnisse hinten angestellt. Ihre Per-
sönlichkeit erfasse den inneren Zusammenhalt einer Familie als hohen Wert. Die 
Unterdrückung der eigenen vitalen Persönlichkeit könne als Fehlentwicklung be-
zeichnet werden. Die Angeklagte sei dadurch schleichend in ihrer Fähigkeit einge-

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schränkt worden, eigene Entscheidungen zu treffen oder eigene Bedürfnisse zu be-
friedigen. Die allgemeine Anspannung und der festgestellte erhöhte Herzschlag 
könnten als Folgen der stetigen Unordnung und der Vernachlässigung der eigenen 
Bedürfnisse angesehen werden. A. habe in der vergangenen Zeit zwar einige be-
rufliche Tätigkeiten ausgeübt, welche Quelle der Bestätigung und Anerkennung von 
aussen gewesen seien. Gleichwohl habe die Angeklagte ihre inneren Wünsche ver-
nachlässigt. Da dies zu Gunsten der Familie gewesen sei, habe sich aus ihrer Sicht 
der Verzicht gelohnt. Durch die Beleidigungen ihres Ehemannes seien ihre Leistun-
gen aber abgewertet und das Selbstwertgefühl weiter reduziert worden.

A. habe die verbalen und tätlichen Angriffe bagatellisiert. Nach einer 
kurzzeitigen Trennung im Jahre 1990 hätten sich die alten Verhältnisse wieder ein-
gestellt. Aus diesem System habe A. nicht mehr ausbrechen können. Sie habe zwar 
ein Problembewusstsein gehabt, ihre Lösungsbereitschaft sei allerdings stark ein-
geschränkt gewesen. Gedanklich habe sie zuletzt eine Trennung vom Mann vollzo-
gen. Sie habe sich innerlich gegen seine Beleidigungen und Tätlichkeiten aufge-
bäumt. Als am fraglichen Tag erneut und immer wieder über mehrere Stunden ver-
bale Belästigungen, Demütigungen und Beleidigungen des Ehemanns ihre Person 
in Frage gestellt hätten, sei das System der Anpassung zusammengebrochen. Wut 
und Aggressivität hätten enorme Gefühle entstehen lassen, worauf sich der Wunsch 
verdichtet habe, sich von den Beleidigungen zu befreien und ihnen ein Ende zu 
setzen. Der Angeklagten hätten keine anderen Bewältigungsmöglichkeiten in ihrer 
psychischen Not zur Verfügung gestanden. In diesem Zusammenhang könne von 
einer qualitativen Einengung des Bewusstseins auf die Situation mit dem Ehemann 
gesprochen werden. Die Angeklagte habe die äussere Situation - selbst die Anwe-
senheit von Kindern - nicht mehr wahrgenommen. Sie habe sich in diesem Moment 
in einer innerpsychischen Krise befunden, zu diesem Zeitpunkt habe ihr Instrumen-
tarium versagt.

Aus forensisch-psychiatrischer Sicht könne von einer Affekttat gesprochen 
werden, welche sich vor dem Hintergrund einer chronisch konfliktbeladenen Bezie-
hungssituation ereignet habe. Die erneute, auch nach dem Rückzug der Angeklag-
ten ins Schlafzimmer massive Kränkung durch ihren Mann und ihre innere Bereit-
schaft, sich dagegen zu wehren, sowie die ständige Wut hätten zum Angriff auf ihren 
Mann geführt. Die Alkoholisierung habe die Hemmschwelle möglicherweise herab-
gesetzt. Aufgrund der Lebensgeschichte und des depressiven Lebensstils hätten 
der Explorandin keine adäquaten Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung gestanden. 
Die sich zuspitzende innerpsychische Krise unmittelbar vor der Tat habe zu einer 

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qualitativen Bewusstseinseinengung geführt. Die Angeklagte sei zwar dazu fähig 
gewesen, das Unrecht der Tat einzusehen, das Wahrnehmungsfeld sei aber einge-
engt gewesen. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei die Zurechnungsfähigkeit 
zum Tatzeitpunkt schwergradig vermindert gewesen.

Diagnostisch würden Merkmale einer allfälligen dependenten abhän-
gigen Persönlichkeitsstörung vorliegen. Deren Merkmal sei ein tiefgreifendes und 
überstarkes Bedürfnis nach Fürsorge, das zu unterwürfigem und anklammerndem 
Verhalten und Trennungsängsten führe. Die Explorandin begegne dem Leben pes-
simistisch und habe negative Grundannahmen über sich selber im Sinne von eige-
ner Wertschätzung, Unzulänglichkeit und geringer Selbstwertschätzung. Aus psy-
chodynamischer Sicht handelt es sich bei ihr um einen depressiven Lebensstil mit 
überangepassten, zum Teil abhängigen Zügen. Der Zustand nach der Tat habe zur 
Diagnose einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von ande-
ren Gefühlen (ICD-10 F 43.23) geführt. Die weitere Entwicklung sei noch nicht ab-
sehbar. Bei entsprechender Behandlung und Normalisierung des Alltags könne sie 
sich verbessern. Der depressive Lebensstil könne jedoch unter Umständen eine 
negative Entwicklung begünstigen. Die Angeklagte trage ein Risiko, eine längere 
psychiatrische Störung zu entwickeln. Am ehesten könne es zur Entwicklung eines 
Vollbilds einer Depression kommen. Sie berichte auch von einem erhöhten Alkohol-
konsum in für sie konflikthaften Situationen. Die Abhängigkeitsdiagnose könne 
streng genommen nicht gestellt werden. Der Alkoholkonsum stelle einen Versuch 
dar, die schwierige Situation zu bewältigen.

Faktoren für eine günstige Prognose würden vorliegen. A. sei zuvor 
nie gewalttätig gewesen. Die Tat werde von ihrem Umfeld als persönlichkeitsfremd 
wahrgenommen. Sie sei in einem spezifischen Kontext mit einem jahrelangen be-
ziehungsproblematischen Vorlauf einzuordnen. Es verbleibe jedoch ein spezifi-
sches strukturelles Rückfallrisiko aufgrund der Persönlichkeitsmerkmale. Das Be-
wältigungsrepertoire bezogen auf Konflikte und die eigenen Emotionen sei weiterhin 
eingeschränkt. A. habe weiterhin die Disposition zu einer problematischen Bezie-
hungsgestaltung. In Konfliktsituationen könnten eingeschliffene Verhaltensmuster 
erneut zu einer subjektiven Bedrohung des Selbstwertgefühls führen. Das Risiko 
dafür erscheine gering. Die Erinnerungen würden aber nicht verarbeitet. Auch die 
möglichst schnelle Rückkehr zum Alltag verschaffe nicht automatisch einen adäqua-
ten Zugang zu den eigenen Gefühlen, zumal dazu keine Notwendigkeit mehr er-
kannt werde. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten schweren Tat sei aber gesamt-

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haft als niedrig einzustufen, wenn auch gegenüber der Durchschnittsbevölkerung 
deutlich erhöht.

Die Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat und zum Handeln 
und in die Entschlussbildung und Tatumsetzung steuernd einzugreifen, sei schwer-
gradig vermindert gewesen. Der Geisteszustand von A. erfordere eine intensive 
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Nur eine solche Therapie könne 
die allfällige Rückfallgefahr langfristig deutlich vermindern. Es werde eine ambu-
lante Behandlung empfohlen. Eine solche habe die Explorandin bereits am 5. No-
vember 2003 bei R. begonnen. Sie sollte mindestens zwei Jahre dauern. Der sofor-
tige Strafvollzug sei prinzipiell mit einer ambulanten Behandlung vereinbar. Im Fall 
des bedingten Strafvollzuges sei eine intensive psychiatrisch-psychotherapeutische 
Behandlung notwendig und zweckmässig. Diese sollte mindestens zwei Jahre lang 
intensiv durchgeführt werden und sei sinnvollerweise durch die Schutzaufsicht zu 
kontrollieren.

C. Am 29. September 2003 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden 
eine Strafuntersuchung gegen A. wegen versuchter Tötung. Nach Schluss der Un-
tersuchung erliess die Staatsanwaltschaft am 12. Januar 2005 eine Anklageverfü-
gung, mit welcher sie A. wegen vollendeten Versuchs des Totschlags gemäss Art. 
113 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB in Anklagezustand versetzte. 
Gemäss Anklageschrift vom gleichen Tag wurde der Anklage folgender Sachverhalt 
zugrunde gelegt:

„Bis zum Zeitpunkt der hier in Frage stehenden Tat litt A. in ihrer ehelichen 
Beziehung vor allem darunter, dass sich ihr Ehemann etwa ein Mal pro Woche, 
vor allem nach dem Konsum von Alkohol, ihr gegenüber aggressiv verhielt und 
sie - aus ihrer Sicht grundlos - massiv beleidigte und beschimpfte. Zudem kam 
es zwischen den Eheleuten A. und J. häufig zu Streitigkeiten, weil J. es aus 
Eifersucht nicht gerne sah, wenn seine Ehefrau mit anderen Personen Kontakt 
hatte.

Am Abend des 26. September 2003, kurz vor 19.00 Uhr, verliessen die Ehe-
leute A. und J. ihre Wohnung in der Liegenschaft T. in F., damit ihre 15-jährige 
Tochter zusammen mit anderen Kindern dort ungestört eine Geburtstagsfeier 
abhalten konnte. Zuvor war es zwischen den Eheleuten zu Meinungsverschie-
denheiten gekommen, weil J. sich darüber geärgert hatte, dass seine Ehefrau 
von ihrer Schwester und einer Bekannten Besuch erhalten hatte. J. war zudem 
ungehalten, weil er sich durch das Erscheinen von Kindern zur Geburtstags-
feier gedrängt fühlte, die Wohnung rasch zu verlassen. In der Zeit von ca. 
19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr nahm das Ehepaar A. und J. in der Folge im Re-
staurant „W.“ in F. das Nachtessen ein. Während des Essens teile die Ange-

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klagte ihrem Ehemann mit, dass sie beide durch ihre Nachbarn, den Eheleuten 
U. und V., zu einem Besuch nach dem Nachtessen eingeladen worden seien. 
J. wollte diese Einladung jedoch nicht annehmen. Er brachte nach dem Essen 
seine Ehefrau mit dem Auto nach Hause und suchte danach ein anderes Re-
staurant auf, während seine Gattin dem Ehepaar U. und V. einen Besuch 
machte. Ca. um 23.30 Uhr erschien J. erheblich angetrunken in der Wohnung 
der Eheleute U. und V. und begann dort, seine Gattin in Anwesenheit der Gast-
geber massiv zu beleidigen, indem er sie unter anderem mit „Saufutz“ titulierte 
und ihr vorwarf, sie sei nichts wert. Die Angeklagte und die Gastgeber forder-
ten J. auf, damit aufzuhören, was er jedoch erst befolgte, als plötzlich die Kin-
der, die an der Geburtstagsfeier teilgenommen hatten, in der Wohnung der 
Eheleute U. und V. erschienen waren. Als die Kinder später in die Wohnung 
der Familie A. und J. zurückgekehrt waren und J. wiederum damit begann, 
seine Ehefrau zu beschimpfen und zu beleidigen, verliess die Angeklagte um 
ca. 00.30 Uhr die Wohnung der Gastgeber und kehrte in ihre Wohnung zurück, 
wo sie sich anschliessend im ehelichen Schlafzimmer ins Bett begab. Ca. um 
00.45 Uhr kehrte J. ebenfalls nach Hause zurück und begann, seine Ehefrau 
im Schlafzimmer wiederum und mit lauter Stimme zu beleidigen, indem er sie 
unter anderem als „Saufutz“, „Null“ und „Nichts“ bezeichnete. Auch nachdem 
er sich zu seiner Gattin ins Ehebett begeben hatte, setzte er unablässig damit 
fort, seine Gattin - laut um sich schreiend - zu beleidigen. Ca. um 02.30 Uhr 
erhob sich schliesslich die Angeklagte aus dem Bett, weil sie die Demütigun-
gen nicht mehr ertragen konnte. Sie holte aus der Besteckschublade in der 
Küche ein einseitig geschliffenes Messer mit einer Klingenlänge von 12.5 cm 
und kehrte damit zurück ins Schlafzimmer. Die Angeklagte wollte nach ihren 
Angaben ihren Gatten „ruhig stellen“. Sie hielt das Messer in der rechten Hand 
und beabsichtigte, in die Halsgegend ihres Mannes zu stechen. Obwohl im 
Schlafzimmer kein Licht brannte, muss J. seine Ehefrau aufgrund des durch 
die offene Zimmertüre vom beleuchteten Korridor eindringenden Lichts wahr-
genommen haben. Er machte eine Abwehrbewegung mit der linken Hand, als 
A. mit dem Messer zustach, und es gelang ihm hierauf, der Angeklagten das 
Messer wegzunehmen. J. erlitt zufolge dieser Tat gemäss dem Bericht des 
Bezirksarztes Dr. med. N., B., am Hals linke eine 7 mm lange, oberflächliche, 
leicht blutende Schnittverletzung sowie - aufgrund der Abwehrbewegung - ei-
nen 1 cm langen Schnitt im Bereiche des dritten Fingers links auf der „planta-
ren medialen Seite“. Diese Verletzung konnte ambulant behandelt werden.

Die Angeklagte hatte nach ihren Angaben am 26. September 2003 während 
des Nachtessens im Restaurant „W.“ etwa einen Viertel Liter Wein und danach 
in der Wohnung der Eheleute U. und V. noch ca. zwei Gläser Wein getrunken. 
Die Auswertung der ihr nach der Tat entnommenen Blutprobe durch das Insti-
tut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen ergab für den Zeitpunkt 
der Tat einen Blutalkoholgehalt von mindestens 1.19 bzw. von maximal 1.79 
Gewichtspromille.

Das Tatmesser wurde am 27. September 2003 durch die Polizei sichergestellt 
und in der Folge durch den Untersuchungsrichter beschlagnahmt.

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D. Anlässlich der mündlichen Hauptverhandlung vom 12. April 2005 wa-
ren die Angeklagte A., ihr amtlicher Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Lech-
mann, sowie der Erste Staatsanwalt, lic. iur. Renato Fontana, anwesend.

Der Erste Staatsanwalt, lic. iur. Renato Fontana, stellte den Antrag, A. 
sei schuldig zusprechen des versuchten Totschlags gemäss Art 22 Abs. 1 StGB in 
Verbindung mit Art. 113 StGB. Dafür sei sie mit 12 Monaten Gefängnis zu bestrafen. 
Der Vollzug der Strafe sei aufzuschieben und der Verurteilten eine Probezeit von 2 
Jahren aufzuerlegen. Es sei ihr die Weisung zu erteilen, sich weiterhin einer ambu-
lanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen. Die mit 
Verfügung vom 13. Dezember 2004 beschlagnahmte Tatwaffe sei gerichtlich einzu-
ziehen.

Der Tathergang sei weitgehend abgeklärt. Es stehe fest, dass A. in 
den frühen Stunden des 27. September 2003 auf ihren im Bett liegenden Ehemann 
zugegangen sei und mit dem Küchenmesser in Richtung seines Halses gestochen 
habe. Die Verletzungen seien nicht lebensgefährlich gewesen. In objektiver Hinsicht 
seien das Vorgehen und Tatmittel aber geeignet gewesen, den Tod des Ehemannes 
herbeizuführen. Weil die Tat nicht zum Tod geführt habe, sei der Versuch eines der 
Tötungstatbestände gemäss Art. 111 StGB erfüllt. In subjektiver Hinsicht habe A. 
anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme gesagt, sie habe nicht 
daran gedacht, ihren Mann zu töten, es sei darum gegangen, ihn ruhig zu stellen. 
Sie habe ihn in der Halsgegend treffen wollen. Sie habe gedacht, alles müsse ein 
Ende haben. Ihrer Schwester habe sie nach der Tat mitgeteilt, dass sie ihren Mann 
habe töten wollen. Nach dem psychiatrischen Gutachten habe die Angeklagte an 
die Erlösung für alle gedacht. Diese Aussagen führten zum Schluss, dass A. ihren 
Mann tatsächlich habe töten wollen und gewusst habe, dass sie mit ihrem Verhalten 
diesen Erfolg bewirken könne. Die Tötung habe sie zumindest eventualvorsätzlich 
in Kauf genommen. Es stelle sich die Frage, welche Form der Tötung zur Anwen-
dung komme. In Betracht komme einzig der Totschlag gemäss Art. 113 StGB. Die-
ses Delikt begehe, wer in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen 
Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung handle. Bei einer hefti-
gen Gemütsbewegung gehe es um eine akute Drucksituation. Der Affekt sei eine 
kurzschlüssige, direkte Umsetzung primitiv triebhafter, stark gefühlsbetonter Stre-
bungen, ohne dass denkende und willentliche Verarbeitung sich einschalten könnte. 
Die grosse seelische Belastung gründe vorab auf einer äusseren Zwangslage. Dies 
seien Gemütslagen, die sich über längere Zeit entwickelt hätten, bis der Täter völlig 
verzweifelt und keinen Ausweg mehr sehe.

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Mit der Ehe der Eheleute A. und J. habe es nicht zum Besten gestan-
den. Die Angeklagte sei immer wieder und vor allem in der Tatnacht vom Ehemann 
übel beschimpft und gedemütigt, manchmal sogar geschlagen worden. Das Delikt 
sei aus einer daraus resultierenden Verzweiflung verübt worden. Der unmittelbar 
vorangehende Entschluss müsse als Kurzschlusshandlung bezeichnet werden. Die 
Angeklagte habe zu Protokoll gegeben, zuvor nie daran gedacht zu haben. Schon 
aus dem Tatablauf ergebe sich, dass sie nicht planmässig gehandelt habe, so dass 
eigentlich von einer Affekttat gesprochen werden könne. Die Angeklagte habe in-
dessen über eine längere Zeit gelitten. Das System der Anpassung sei zum Tatzeit-
punkt zusammengebrochen. Der innere Wunsch, dies zu beenden, sei immer grös-
ser geworden sei. Es könne deshalb von einer grossen seelischen Belastung aus-
gegangen werden. Privilegiert sei dieser Tatbestand aber nur, wenn diese Belas-
tung nach den Umständen auch entschuldbar sei. Dies sei der Fall, wenn sie nach 
den auslösenden Umständen gerechtfertigt sei. Die Tötung müsse bei ethischer Be-
trachtung in einem milderen Lichte erscheinen, wobei abnorme Erregbarkeit ohne 
Einfluss bleibe. Die dargelegten Umstände hätten auch einen Dritten leicht in die 
seelische Belastung getrieben, was menschlich verständlich und nachvollziehbar 
sei. Es könne nicht behauptet werden, die Angeklagte habe die seelische Belastung 
verschuldet. Vielmehr habe der Ehemann die seelische Belastung selbst zu verant-
worten. Da die Tat nicht vollendet gewesen sei, liege der vollendete Versuch eines 
Totschlags vor.

Bei der Verschuldensbemessung falle die Mindestdauer im Hinblick 
auf das Strafmass weg. Die Beurteilung der Schuld sei schwierig. Obwohl die Ver-
letzungen von J. nicht gravierend gewesen seien, dürfe die Tat nicht bagatellisiert 
werden. Der Nichteintritt des Erfolges sei strafmildernd zu berücksichtigen, auch 
wenn er nicht der Angeklagten zuzuschreiben sei.

Die im psychiatrischen Gutachten festgestellte Bewusstseinsbeein-
trächtigung sei bereits im Tatbestand des Totschlags enthalten. Sie führe nicht zu 
einer zusätzlichen Strafmilderung. Es lägen aber eine Reihe von Strafminderungs-
gründen vor, insbesondere das unbelastete Vorleben von A.. Ebenso sei ihre hohe 
Strafempfindlichkeit zu beachten. Die Eheleute A. und J. lebten wieder mit ihren 
Kindern zusammen, so dass eine lange unbedingte Strafe für die Angeklagte und 
ihre Familie eine erhebliche zusätzliche Belastung bedeuten würde. Der Resoziali-
sierungsaspekt müsse vor einer übermässigen Sühne Vorrang haben. Schliesslich 
zeige die Angeklagte auch Reue.

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Die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten 
Strafvollzuges seien gegeben. Es könne eine günstige Prognose für die Angeklagte 
gestellt werden. Nicht zuletzt habe sie freiwillig eine ambulante psychiatrische Be-
handlung begonnen und sich einer Eheberatung unterzogen. Der Angeklagten sei 
aber die Weisung zu erteilen, sich während der Dauer der Probezeit einer ambulan-
ten psychiatrischen Behandlung zu unterziehen.

E. Der amtliche Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt lic. iur. Stefan 
Lechmann, stellte den Antrag, die Angeklagte sei schuldig zu sprechen und sei mit 
einer Strafe von acht Monaten Gefängnis zu bestrafen. Der Vollzug der Strafe sei 
unter Ansetzung einer Probezeit um zwei Jahre aufzuschieben. Die Tatwaffe sei 
einzuziehen. In seinem Plädoyer führte er aus, im konkreten Fall lägen besondere 
Umstände vor, da einerseits der privilegierte Tatbestand von Art. 113 StGB nicht 
häufig angewendet werde und andererseits die Eheleute A. und J. mit ihren Kindern 
wieder zusammenlebten. Die Normalisierung des Ehelebens erfordere hohe An-
strengungen und sei noch nicht abgeschlossen. In diesem Kontext finde die Haupt-
verhandlung statt. Ausgangspunkt dazu sei die schwierige eheliche Situation, wel-
che bereits kurz nach der Heirat entstanden sei. In deren Verlauf sei es wiederholt 
zu Tätlichkeiten, verbalen Belästigungen, Demütigungen und Beleidigungen ge-
kommen. Die Provokationen des Ehemannes hätten das Fass in der Nacht vom 26. 
auf den 27. September 2003 zum Überlaufen gebracht. Einzig in Kenntnis der ehe-
lichen Vorgeschichte sei die Tat begründbar. Der von der Staatsanwaltschaft ge-
schilderte Sachverhalt sei von der Angeklagten anerkannt. Ebenfalls werde die 
rechtliche Subsumption der Staatsanwaltschaft des versuchten Totschlags nach 
Art. 113 StGB anerkannt.

Im Gutachten sei eine qualitativ schwere Störung des Bewusstseins 
der Angeklagten im Tatzeitpunkt festgestellt worden. Die Fähigkeit, gemäss der vor-
handenen Einsicht in das Unrecht der Tat zu handeln, in die Entschlussbildung und 
Tatumsetzung steuernd einzugreifen, sei schwergradig vermindert gewesen. Es sei 
von einer Affekttat auszugehen. Diese habe sich vor dem Hintergrund einer chro-
nisch konfliktbeladenen Beziehungsgeschichte zwischen den Eheleuten A. und J. 
abgespielt. Die erneute, auch nach dem Rückzug von A. im Schlafzimmer fortge-
führte massive Kränkung und ihre Bereitschaft, sich gegen das ständige Untergra-
ben ihrer Selbstwertgefühle wehren, sowie die zunehmende Wut hätten in der frag-
lichen Nacht zu dieser Tat geführt, wobei der Alkoholkonsum die Hemmschwelle 
möglicherweise herabgesetzt habe. Es gehe in aller Deutlichkeit hervor, dass die 
Angeklagte in einer heftigen Gemütsbewegung im Sinne von Art. 113 StGB gehan-

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delt habe. Auch eine grosse seelische Belastung sei aufgrund der konfliktbeladenen 
Beziehungsvorgeschichte gegeben, so dass die Tat auch als Ergebnis einer länge-
ren progressiven Entwicklung gesehen werden könne. Ob es sich um einen stheni-
schen oder asthenischen Affekt handle, sei unerheblich. Bei der Entschuldbarkeit 
sei einzig relevant, ob die Umstände, welche den Affekt ausgelöst hätten, gerecht-
fertigt oder nachvollziehbar gewesen seien. Die ausgewiesenen Tätlichkeiten des 
Ehemannes in den ersten Ehejahren, die praktisch während der ganzen Ehedauer 
anhaltenden, teilweise in Anwesenheit von Dritten geäusserten Beleidigungen, 
Kränkungen und Demütigungen der Ehefrau sowie die massiven Beleidigungen und 
Beschimpfungen, welchen die Ehefrau auch in der Tatnacht wiederholt und über 
längere Zeit ausgesetzt gewesen sei, würden den Affekt ohne weiteres als ent-
schuldbar begründen lassen. Der Affekt sei insbesondere nicht auf ein verschulden-
smässiges Verhalten der Angeklagten zurückführen.

In der Strafzumessung sei zwar zu beachten, dass die heftige Gemüts-
bewegung und die grosse seelische Belastung nicht mehr strafmildernd berücksich-
tigt werden könnten. Der Richter habe jedoch zu berücksichtigen, in welchem Aus-
mass ein qualifizierender oder privilegiertender Tatbestand gegeben sei. In diesem 
Zusammenhang sei nebst der Schwere der Bewusstseinstörung den besonderen 
Tatumständen und der Opfermitwirkung Beachtung zu schenken. Das Verschulden 
wiege nicht leicht. Die Tat lasse sich nicht entschuldigen. Die andauernden massi-
ven Demütigungen, Beleidigungen und Kränkungen, welche in den ersten Jahren 
oft von Tätlichkeiten begleitet gewesen seien, hätten aber Schikanierungen darge-
stellt und das Selbstwertgefühl der Angeklagten völlig zerstört. Die Angeklagte habe 
oft Angst haben müssen. Um nach aussen ein intaktes Familienbild aufrecht zu er-
halten, habe sie die täglichen Angriffe während der ganzen Ehedauer gegenüber 
Dritten verschwiegen oder bagatellisiert und auch nicht die Hilfe ihrer Eltern und der 
Schwiegereltern angenommen. Erst kurz vor der Tat sei es zur gedanklichen Tren-
nung von ihrem Ehemann gekommen. Diese habe sie aber nicht mehr vollziehen 
können, weil der Ehemann sie in den Stunden vor der Tat wieder massiv beleidigt 
habe. Dieser letzte Vorfall habe über eineinhalb Stunden gedauert und das Fass 
zum Überlaufen gebracht. Um ca. 02.30 Uhr habe sie es nicht mehr ausgehalten 
und das Messer in der Küche geholt. Sie habe versucht, in die rechte Halsseite zu 
stechen und sei zu diesem Zweck auf die linke Seite gegangen. Der Mann habe 
diesen Angriff kommen sehen und abwehren können. Die Tatsache, dass lediglich 
eine oberflächliche leicht blutende Schnittverletzung in der Halsgegend und auf-
grund der Abwehrbewegung ein 1 cm langer Schnitt des dritten Fingers erlitten 
habe, lasse den Schluss zu, dass die Angeklagte nicht viel Gewalt aufgewendet 

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habe. Das Ausmass der Tat dürfe sowohl unter Berücksichtigung der massiven Mit-
verantwortung als auch der aufgeführten Tatumstände nicht allzu schwer bewertet 
werden. Erheblich strafmildernd wirke sich aus, dass die Tat nicht vollendet worden 
sei. Dies sei zwar in erster Linie auf die Abwehrreaktion zurückzuführen, allerdings 
habe die Angeklagte von vorne angegriffen und habe damit rechnen müssen, dass 
ihr Ehemann wach sei. Die Tat sei nicht bei völliger Dunkelheit geschehen. Selbst 
in dieser Situation sei sie völlig unterlegen gewesen. Der Ehemann habe danach 
sogar weitere Demütigungen getätigt, indem er ihr Pijama zerrissen und ihr Blut ins 
Gesicht gestrichen habe. Sämtliche herbeigerufenen Personen seien vorerst davon 
ausgegangen, dass die Angeklagte ihrerseits angegriffen worden sei. Strafmin-
dernd wirke sich die Vorstrafenlosigkeit, der gute Leumund, das Geständnis der An-
geklagten sowie ihr Wohlverhalten nach der Tat. Ebenso dürfe nicht ausser Acht 
gelassen werden, dass die Eheleute A. und J. seit eineinviertel Jahren wieder zu-
sammenlebten. Dies sei nur möglich, weil die Angeklagte aufrichtige Reue gezeigt 
habe.

Die Voraussetzungen des bedingten Strafvollzuges seien erfüllt. 
Gemäss Gutachten sei davon auszugehen, dass es sich um eine einmalige Tat 
handle. Dies gelte umso mehr, als die Angeklagte seit November 2003 eine psych-
iatrisch-psychotherapeutische Behandlung besuche. Die Probezeit sei aufgrund der 
Minimaldauer auf 2 Jahre festzusetzen, da sich die Angeklagte schon eineinhalb 
Jahren bewährt und zudem der regelmässige Besuch der Paartherapie aufrechter-
halten werde.

F. In der persönlichen Befragung führte A. aus, sie trinke hin und wieder 
schon Alkohol und wisse um die damit verbundene Problematik. Sie habe ihr eheli-
ches Zusammenleben mit J. nach einigen Monaten wieder aufgenommen, nachdem 
der Mann mit ihr wieder Kontakt aufgenommen habe. Der Umgang mit dem Ehe-
mann sei derzeit nicht schlecht, auch wenn sie ab und zu Streitigkeiten hätten. Sie 
teile die Einschätzung des psychiatrischen Gutachtens. Sie befinde sich derzeit wei-
terhin einmal im Monat in Therapie bei R.. Zudem begebe sie sich zusammen mit 
ihrem Ehemann alle zwei Wochen zu AB. in eine Ehetherapie. Ihr Mann sei dafür 
mittlerweile empfänglich. Der Psychiater R. habe es allerdings nicht gerne gesehen, 
dass sie das Eheleben mit J. wieder aufgenommen habe. Die Therapie mit ihm sei 
deshalb schwieriger geworden. Ebenso hätten ihre Eltern den Kontakt abgebro-
chen. Ihr Ehemann stehe mittlerweile hinter ihrer Anstellung im Nachtdienst des Al-
tersheims I., welche nun 45% umfasse. In ihrem Schlusswort führte die Angeklagte 

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aus, sie bereue die Tat sehr und möchte diese verarbeiten. Sie und ihr Ehemann 
seien daran, dies zu tun.

Auf die weiteren Ausführungen in den Plädoyers sowie auf die richter-
liche Befragung der Angeklagten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 
Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 111 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Men-
schen tötet, ohne dass die besonderen Voraussetzungen der nachfolgenden, privi-
legierten oder qualifizierten Tatbestände zutreffen. Das schweizerische Strafrecht 
kennt verschiedene Formen der vorsätzlichen Tötung und geht in Art. 111 StGB von 
einem Grundtatbestand aus. 

a. Der Mord gemäss Art. 112 StGB zeichnet sich als qualifizierter 
Tötungstatbestand durch eine auf Seiten des Täters ausgesprochen niedrige Ge-
sinnung aus, welche einen krassen Egoismus offenbart und jegliche sozialen Be-
strebungen vermissen lässt (vgl. Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurz-
kommentar, 2. Aufl., Zürich 1997, N 6 zu Art. 112 StGB; Schwarzenegger, Basler 
Kommentar zum StGB, Strafgesetzbuch II, Art. 111 - 401 StGB, N 3 zu Art. 112 
StGB).

b.aa. Das Strafgesetzbuch kennt sodann privilegierte Formen der vorsätzli-
chen Tötung. Nach Art. 113 StGB ist die Strafe Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder 
Gefängnis von einem bis fünf Jahren, wenn der Täter in einer nach den Umständen 
entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung 
handelt. Der Totschlag ist damit zweigliedrig privilegiert. Der Täter muss in einer 
heftigen Gemütsbewegung oder unter einer grossen seelischen Belastung handeln 
und dieser Zustand muss entschuldbar sein. Die damit verbundene Herabsetzung 
der Zurechnungsfähigkeit darf nur Berücksichtigung finden, wenn sie nicht ihrerseits 
dem Täter als Verschulden zugerechnet werden kann (Trechsel, a.a.O., N 1 zu Art. 
113 StGB).

bb. Bei der heftigen Gemütsbewegung wird an die Emotionen eines Men-
schen angeknüpft. Die subjektiven Gefühlszustände werden in sthenische und as-
thenische Affekte unterteilt, wobei erstere Emotionszustände wie Zorn, Wut oder 
Empörung kennzeichnen sollen, während letztere die aus Schwäche herrührenden 

13

Emotionszustände wie Verwirrung, Furcht oder Schrecken beschreiben. Bei einem 
Affekt geht es um die Fälle einer akuten Drucksituation, in welcher jemand aufgrund 
eines unmittelbar vorausgehenden Entschlusses einen anderen Menschen tötet. 
Dieser Affekt enthält eine kurzschlüssige, direkte Umsetzung primitiv triebhafter, 
stark gefühlsbetonter Strebungen, ohne dass eine denkende und willentliche Vera-
rbeitung sich einschalten könnte. Es handelt es sich aber um normal-psychologi-
sche Einengungen des Bewusstseins nicht krankhafter Art. In diesem Zustand kön-
nen in aller Regel noch kritische Überlegungen, Hemmungs- und Gegenvorstellun-
gen gegenüber den emotionalen Impulsen steuernd und bremsend eingeschaltet 
werden. Krankhafte Zustände werden von Art. 113 StGB nicht erfasst. Für die An-
nahme eines Affekts in diesem Sinne gibt es mehrere Indikatoren, etwa die fehlende 
Ankündigung der Tat, das Fehlen einer eventuellen Tatbereitschaft, das Fehlen von 
Vorbereitungshandlungen, ein Zusammenhang zwischen Provokation, Erregung 
und Tat, ein nicht lang hingezogenes, sondern sehr plötzliches Tatgeschehen, ein 
etappierter Handlungsablauf, die Einengung des Bewusstseinsfeldes mit fehlender 
Wahrnehmung von Nebensachen oder die Einschränkung auf das Gefühl der Krän-
kung, Wut, Niederlage, des Schädigungswillens (Schwarzenegger, a.a.O., N 6 zu 
Art. 113 StGB).

cc. Die heftige Gemütsbewegung muss nach den Umständen entschuld-
bar sein. Der Begriff unterliegt einer objektiven Wertung nach ethischen Gesichts-
punkten (BGE 108 IV 99). Entschuldbar ist eine heftige Gemütsbewegung nicht 
schon dann, wenn sie aus den gesamten objektiven und subjektiven Umständen 
heraus psychologisch erklärt werden kann. Sie muss vielmehr durch die äusseren 
Umstände, welche die Erregung ausgelöst haben, gerechtfertigt sein (BGE 100 IV 
151; Trechsel, a.a.O., N 9 zu Art. 113 StGB). Es geht dabei darum, dass die Ent-
stehung des Affekts aus der Sicht eines objektiv wertenden Betrachters als mensch-
lich begreiflich bzw. verständlich, die Schuld des Täters demzufolge als vermindert 
erscheint. Es wird nicht vorausgesetzt, dass jegliche eigene Schuld des Täters an 
der Entstehung der heftigen Gemütsbewegung fehlt. Diese darf jedoch nicht aus-
schliesslich oder überwiegend auf eigener Schuld beruhen oder egoistischen Re-
gungen entspringen. Sie muss durch eine Provokation, durch eine ungerechte Krän-
kung, durch eine Notlage oder durch physische Misshandlungen verursacht worden 
sein (BGE 108 IV 103, 107 IV 106). Ein Durchschnittsmensch muss unter den glei-
chen Umständen leicht in einen solchen Affekt geraten können (Schwarzenegger, 
a.a.O., N 8 ff. zu Art. 113 StGB). Die Entschuldbarkeit bezieht sich folglich nicht auf 
die Tat, sondern einzig auf die heftige Gemütserregung selbst (BGE 108 IV 101). 

14

dd. Während der frühere Art. 113 StGB einzig den Täter privilegierte, der 
in einer akuten Konfliktsituation in einer einfühlbaren, heftigen Gemütsbewegung 
sich dazu hinreissen liess, einen anderen Menschen zu töten, berücksichtigt die 
geltende Bestimmung auch andere Situationen, in denen die zu einer Tötung 
führende Gemütsbewegung in vergleichbarer Weise als entschuldbar angesehen 
werden kann. Erfasst werden sollen chronische seelische Zustände, die lange Zeit 
geschwelt haben, bis der Täter völlig verzweifelt ist und keinen anderen Ausweg als 
die Tötung mehr sieht (BGE 118 IV 236, 119 IV 204). Es werden diejenigen Fälle 
bezeichnet, in welchen sich kein aktueller, unerwartet auftretender Affekt abspielt. 
Der Anwendungsbereich wird auf das Vorfeld der Tatausführung ausgedehnt. Aus 
der anhaltenden Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit resultiert dann die Motivation 
zur Tötung, bei der die emotionale Steuerungsbeeinträchtigung im Moment der Tat 
nicht das Ausmass erreichen muss, das beim Affekt verlangt wird. Der Täter kann 
unter Umständen sehr rational handeln (Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Novem-
ber 1998 in Sachen C.H., SF 98 22; Trechsel, a.a.O., N 6 zu Art. 113 StGB). Die 
Voraussetzung der Entschuldbarkeit gilt aber auch für die grosse seelische Belas-
tung (BGE 118 IV 236 f.). Diese Beurteilung gestaltet sich schwieriger als bei der 
heftigen Gemütsbewegung. Eine objektive Betrachtungsweise muss die die Tat 
auslösenden äusseren Umstände als menschlich begreiflich bzw. verständlich er-
scheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 22. August 2000, 6S.94/2000, Erw. 
2.e).

2.a. Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss 
Art. 125 Abs. 2 StPO nach freier, in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeu-
gung (vgl. Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1997, N 286). Die Beweislast 
für die dem Angeklagten zur Last gelegten Tat liegt dabei grundsätzlich beim Staat 
(Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., 
Chur 1996, S. 306). An den Beweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt 
wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der 
Täterschaft. Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden 
Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter nicht von der 
Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, 
wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für 
ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 f., 120 IV 37). Aufgabe des 
Richters ist es, ohne Bindung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu 
überwinden und sich mit Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu ent-
scheiden, wobei die Bildung der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein 
muss. Die Schuld des Angeklagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und 

15

Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen 
vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Padrutt, a.a.O., S. 307; Schmid, a.a.O., N 289). 
Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Rich-
tung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den 
Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen werden (PKG 1978 Nr. 31; 
Padrutt, a.a.O., S. 307). 

b. Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz 
der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung. Vielmehr schliesst der strafprozes-
suale Grundsatz der Ermittlung der materiellen Wahrheit eine Bindung an die An-
träge und Vorlagen der Parteien aus (ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aus-
sagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeklagten vollgültige Beweismittel 
mit derselben Beweiseignung. Auch wenn der Angeklagte am Verfahren direkt be-
teiligt ist, stellt seine Aussage gleichwohl ein Beweismittel dar und sind seine Aus-
sagen - selbst ein Geständnis oder eine Anerkennung eines Sachverhaltes - rich-
terlich auf ihre materielle Richtigkeit hin zu würdigen (vgl. ZR 91/92 1992/1993 Nr. 
35; Hauser/Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 4. Aufl., Basel/Genf/Mün-
chen 1999, S. 269).

3.a. Die Kantonspolizei Graubünden wurde am Samstag, 27. September 
2003, um ca. 02.47 Uhr nach F. gerufen. Dort wurde die Angeklagte am Boden 
liegend angetroffen. Sie habe der Kantonspolizei mitgeteilt, man solle sie mitneh-
men, sie habe soeben versucht, ihren Mann umzubringen. J. wies gemäss den Fest-
stellungen von Dr. med. N. eine 7 mm lange, oberflächliche, nicht blutende Schnitt-
verletzung am Hals auf, ebenso einen 1 cm langer Schnitt im Bereich des dritten 
Fingers links.

b. In der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 27. September 
2003 führte die Angeklagte aus, ihre 14jährige Tochter habe mit Schulkollegen in 
der ehelichen Wohnung eine Party gemacht. Zu diesem Zweck hätten sich ihr Ehe-
mann und sie auswärts zum Nachtessen begeben. Schon zuvor sei es zum Streit 
gekommen, da ihr Ehemann eifersüchtig sei, wenn sie Kontakt mit anderen Leuten 
habe. Sie sei von den Nachbarn U. und V. in F. zu einem Glas Wein eingeladen 
worden. Der Ehemann habe nicht mitkommen wollen. Er habe das Restaurant X. 
aufgesucht, während sie der Einladung der Nachbarn gefolgt sei. Um 23.30 Uhr sei 
der Ehemann bei den Eheleuten U. und V. erschienen. Er habe sofort begonnen, 
Vorwürfe zu machen und sie vor den Eheleuten U. und V. mit Schimpfwörtern zu 
beleidigen und zu kränken. Sie habe sich dann alleine aus Wohnung verabschiedet, 

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sei nach Hause zurückgekehrt und habe sich dann ins Bett begeben. Die Party ihrer 
Tochter sei unterdessen beendet gewesen, es hätten sich jedoch immer noch Kol-
legen in ihrer Wohnung aufgehalten, welche übernachten hätten wollen. Nachdem 
sie sich ins Bett gelegt habe, sei ihr Ehemann gekommen und habe sich ebenfalls 
ins Bett begeben. Er habe sie heftig mit Wörtern wie „du Saufuz, du bist nichts wert 
etc.“ beschimpft. Trotz Aufforderungen habe er jedoch nicht aufgehört und sie wei-
terhin massiv gekränkt. Sie sei dann aufgestanden, habe sich in die Küche begeben 
und aus der Besteckschublade ein Messer geholt. Dann sei sie ins Schlafzimmer 
zurückgekehrt. Sie habe nicht daran gedacht, ihren Mann zu töten, sondern habe 
ihn einfach ruhig stellen wollen. Mit ruhig stellen habe sie gedacht, alles müsse ein 
Ende haben. Aber sie habe nicht daran gedacht ihn zu töten. Es sei zwar möglich, 
dass sie das der Polizei gesagt habe. Aber sie sei damals stark aufgewühlt gewe-
sen. Ins Schlafzimmer sei sie dann vom beleuchteten Korridor ausgetreten und sei 
auf das Bett zugegangen. Sie habe den Griff des Messers mit der Faust umklam-
mert, jedoch mit der Hand keine Ausholbewegung gemacht. Sie habe ihn in der 
Halsgegend, nicht aber im Gesicht treffen wollen. Er habe jedoch sofort mit der 
Hand abgewehrt. Trotzdem habe sie ihn noch am Hals erwischt. Alles sei schnell 
gegangen. Plötzlich habe ihr Mann das Messer in der Hand gehalten. Er sei aufge-
standen und habe sie gegen den Wandschrank geschleudert. Mit der Hand habe er 
das Blut an seinem Hals abgewischt und ihr ins Gesicht gestrichen. Zudem habe er 
ihr Pijama zerrissen. Sie wisse nicht, was sie gemacht hätte, wenn ihr Ehemann 
keine Abwehrbewegung gemacht hätte. Es sei nicht vorgekommen, dass sie auf 
ihren Mann in ähnlicher Weise losgegangen sei. Am fraglichen Abend habe sie sel-
ber Alkohol getrunken und diesen beim Vorfall schon etwas gespürt. Ihr Ehemann 
sei alkoholisiert gewesen, aber nicht total betrunken.

Schon kurz nach der Heirat mit J. habe sich die eheliche Beziehung 
verschlechtert. Nebst anfänglicher Schulden habe das Hauptproblem darin gelegen, 
dass ihr Ehemann regelmässig ausgerastet sei, wenn er Alkohol konsumiert habe. 
Dann werde er aggressiv. Dies habe sich in der Weise geäussert, dass er sie belei-
digt und ihr wegen banalen Sachen Vorwürfe gemacht habe. Auch sei er ihr ge-
genüber öfters tätlich geworden, wenn auch am Anfang der Ehe eher mehr als in 
letzter Zeit. Es sei öfters vorgekommen, dass er sie ganz massiv geschlagen habe, 
etwa mit Faustschlägen ins Gesicht, so dass sie geschwollene Augen bekommen 
habe und eine Sonnenbrille habe tragen müssen. Zu Beginn der Ehe habe sie des-
wegen einen Arzt aufgesucht. Ihre Schwester E. sowie ihre Eltern C. und D. hätten 
selbst gesehen, dass ihr Mann sie geschlagen habe. Einmal sei sie geschlagen 
worden, als sie im achten Monat schwanger gewesen sei. Die Nachbarn U. und V. 

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und die Familie Z. könnten bestätigen, dass es zwischen ihr und ihrem Mann häufig 
zu Streitereien gekommen sei. Vor einigen Jahren hätten sie und ihr Ehemann sich 
einer Ehetherapie unterzogen. Diese Therapie sei allerdings abgebrochen worden, 
weil der Ehemann den Eindruck gehabt habe, der Therapeut stehe auf ihrer Seite.

c. Am 26. April 2004 wurde A. erneut untersuchungsrichterlich einver-
nommen. Sie bestätigte den bereits geschilderten Verlauf des Nachmittags und 
Abends des 26. September 2003. Ihr Ehemann sei überraschenderweise um 23.30 
Uhr in der Wohnung der Eheleute U. und V. erschienen. Er habe sie in dieser Woh-
nung vor den Eheleuten beschimpft und zwar mit ganz primitiven Wörtern wie „Sau-
futz“ und sie sei eine „Null“ und „Nichts“ und dergleichen. Er habe nicht aufgehört, 
sie fortlaufend völlig grundlos zu beschimpfen. Die Eheleute U. und V. hätten ver-
geblich versucht, ihn zur Beendigung der Beleidigungen zu veranlassen. Erst nach-
dem die Kinder gekommen seien, habe er dies respektiert. Als die Kinder die Woh-
nung verlassen hätten, habe er mit den Beschimpfungen aber weiter gemacht. Sie 
habe es nicht mehr ausgehalten und sei etwa um 00.30 Uhr allein nach Hause ge-
gangen. Etwa eine Viertelstunde später sei der Mann nach Hause gekommen. Er 
sei ins Schlafzimmer gekommen und habe in noch lauterem Ton begonnen, sie zu 
beschimpfen. Dabei habe er die gleichen Schimpfwörter wie „Saufutz“, „Null“ und 
dergleichen verwendet. Sie habe diese Beschimpfungen nicht ertragen können und 
habe einfach gewollt, dass er aufhöre. Sie habe Ohrenstöpsel getragen. Diese hät-
ten aber nichts genützt, weil er dermassen laut um sich geschrieen habe. Er habe 
gar keine konkreten Vorwürfe gemacht, sondern einfach Schimpfwörter ausgeteilt. 
Sie habe ihren Ehemann ruhig stellen wollen. Sie könne sich nicht mehr genau er-
innern, aber es sei möglich und müsse wohl so gewesen sein, dass sie daran ge-
dacht habe, ihren Ehemann zu töten, wenn sie mit dem Messer in seine Halsgegend 
steche. Erinnerungsgemäss sei es ihr einfach darum gegangen, ihn ruhig zu stellen. 
Sie habe diese Beleidigungen einfach nicht mehr ertragen können, sei völlig er-
schöpft gewesen. Es treffe zu, dass sie den Eheleuten U. und V. mitgeteilt habe, 
sich entschlossen zu haben, sich von ihrem Mann zu trennen. Des Weiteren habe 
Frau Z. einmal gesehen, dass ihr Ehemann sie in Anwesenheit der Kinder gewürgt 
habe.

d. J. machte in allen Einvernahmen vom seinem Zeugnisverweigerungs-
recht Gebrauch und wollte sich zum Tathergang nicht äussern.

e. Margrith U. und V. führte an der polizeilichen Einvernahme vom 28. 
September 2003 aus, sie habe die Tat nicht selber gesehen. Sie habe bereits ge-

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schlafen, als jemand wie wild an der Haustürglocke geläutet habe. Als sie in die 
Wohnung gekommen sei, sei A. am Boden gelegen. Sie sei aufgrund der Vorge-
schichte davon ausgegangen, dass diese von ihrem Ehemann geschlagen worden 
sei. Erst im Laufe der Gespräche sei erklärt worden, dass sie angeblich mit dem 
Messer auf ihren Mann losgegangen sei. J. habe sich dazu nicht geäussert. A. habe 
nur gesagt, man solle sie hier rausbringen. Sie habe sie gefragt, ob sie verletzt sei. 
Die Angeklagte habe dies verneint und weiter gesagt, dass sie ihren Ehemann habe 
umbringen wollen. Sie sei betrunken und fix und fertig gewesen. Am vergangenen 
Abend sei die Stimmung von Seiten von J. gereizt gewesen. Sie hätten die Eheleute 
A. und J. nach dem Abendessen zum Kaffee eingeladen. Gegen 21.45 Uhr sei A. 
dann alleine gekommen. Sie habe erklärt, der Mann spinne wie seit Wochen, er sei 
wahrscheinlich im Restaurant X. in F., um zu saufen. Gegen Mitternacht habe es an 
der Türe geklingelt. J. sei stark betrunken an der Türe gestanden. In der Wohnung 
sei er sehr aggressiv gewesen und habe gegen seine Frau gestichelt. Diese habe 
ihm gesagt, er solle aufhören und einfach gehen. Danach sei J. absolut ausfällig 
geworden. Die Zeugin habe ihn aus der Wohnung verwiesen, wobei gleichzeitig Kin-
der gekommen seien. Nachdem sich diese wieder entfernt hätten, habe J. wieder 
mit Beleidigungen angefangen. A. habe dann ihre Tasche genommen und sei ge-
gangen. Auch J. habe die Wohnung kurz darauf verlassen. Die Eheleute A. und J. 
kenne sie seit dreieinhalb Jahren. Ihre Ehe sei nicht gut. J. sei eifersüchtig und be-
sitzergreifend. Von Gewaltanwendung habe sie nichts gesehen und gehört. Sie 
habe aber schon mitbekommen, dass J. seine Frau verbal angreife und sehr belei-
digend werde. Am fraglichen Freitagabend habe A. gesagt, dass sie jetzt wisse, 
dass es nicht mehr so weiter gehe, auch schon wegen den Kindern. Sie habe sich 
aber nicht dahingehend geäussert, dass sie ihren Mann umbringen werde. Schliess-
lich fügte die Zeugin bei, es habe so ausgesehen, als ob J. die Szene inszeniert 
hätte.

f. E., die Schwester der Angeklagten, führte an der polizeilichen Einver-
nahme vom 28. September 2003 aus, sie wohne im gleichen Haus wie die Ange-
klagte. In der Nacht habe sie plötzlich gehört, wie es in der Wohnung der Schwester 
sehr laut geworden sei. Sie sei nervös geworden, weil ihre Schwester vielfach von 
ihrem Mann geschlagen werde. Sie habe dumpfe Geräusche aus der Wohnung ver-
nommen, wie wenn jemand umfallen würde. Sie sei in die Wohnung der Schwester 
gegangen und habe ihre blutverschmierte Schwester getroffen. Sie sei davon aus-
gegangen, dass diese von ihrem Mann verletzt worden sei. J. habe sie böse ange-
sprochen und gesagt, dass sie die Polizei rufen solle, die Angeklagte habe ihn um-
zubringen versucht. Ihre Schwester habe ihr mitgeteilt, sie habe Beat mit einem 

19

Messer töten wollen. Später habe ihre Schwester gesagt, ihr Mann habe sich sehr 
provozierend verhalten und fertig gemacht. Er könne sehr primitiv reden und sti-
cheln, was sie auch selbst schon erlebt habe. Die Eheleute A. und J. seien bei den 
Eheleuten U. und V. gewesen. Ihre Schwester sei früher gegangen. J. sei nachge-
folgt und habe sie weiter beleidigt. Er sei dann ins Schlafzimmer gekommen und 
soll die Schwester aus dem Bett gezogen und gegen den Kasten geworfen haben. 
Dann sei ihre Schwester in die Küche gegangen, habe geraucht, habe ein Küchen-
messer genommen und ins Schlafzimmer gegangen. Was sich dann abgespielt 
habe, habe die Schwester nicht erzählt. Über den Tatablauf könne sie keine Anga-
ben machen. Die Ehe ihrer Schwester sei schlecht. J. sei seit Beginn der Ehe ge-
walttätig. Als die Eheleute A. und J. noch in Y. gewohnt hätten, habe die Mutter 
blaue Flecken an ihrer Schwester festgestellt. Als sie, E., einmal dort zu Besuch 
gewesen sei, habe J. ihre Schwester die Treppe herunter gestossen. Des Weiteren 
mache ihr Schwager ihre Schwester verbal absolut fertig, mache sie ständig herun-
ter und benütze Kraftausdrücke. Sehr schlimm sei es, wenn er Alkohol getrunken 
habe. Dieser Mann mache das Leben ihrer Schwester kaputt. Wenn es nach ihm 
gehe, dürfe ihre Schwester mit niemandem Kontakt haben. Er sei eifersüchtig und 
möge ihr nichts gönnen.

g. Z. führte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 29. September 
2003 aus, sie sei am fraglichen Abend im Ausgang gewesen. Als sie um 01.40 Uhr 
im Bett gewesen sei, habe sie einen riesigen Lärm gehört. Sie sei dann zur Woh-
nung der Angeklagten gegangen, wo sie diese blutverschmiert angetroffen habe. 
Danach sei sie in sich zusammengesunken. J. habe irgendwie erwähnt, dass er von 
seiner Frau angegriffen worden sei. Ihr habe die Angeklagte nicht gesagt, was ge-
schehen sei. Sie wisse lediglich vom Hörensagen, dass die Eheleute miteinander 
beim Nachtessen gewesen seien und J. seiner Frau böse Worte an den Kopf ge-
worfen habe. Sie habe einmal gesehen, wie J. seine Frau gewürgt habe und habe 
auch schon von der Wohnung aus gehört, wie der Mann seine Frau geschlagen 
habe. Ebenso wie er seine Ehefrau als Null, als absolute Nichts und als Schlampe 
betitelt habe. Er habe seine Frau tyrannisiert. Sie sei überzeugt, dass A. grosse 
Angst vor ihm habe. Bemerkungen, dass sie ihren Mann umbringen wolle, habe sie 
aber nie gemacht.

h. C., der Vater der Angeklagten, führte an der polizeilichen Einver-
nahme vom 29. September 2003 aus, er könne zum Vorfall keine Angaben machen. 
Er möchte aber festhalten, dass seine Tochter von J. seit der Heirat tyrannisiert, 
beleidigt und geschlagen werde. Er habe Aufzeichnungen gemacht, die er der Ein-

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vernahme beilege. Er habe nie direkt gesehen, wie seine Tochter geschlagen wor-
den sei. Die Mutter sei aber einmal nach Y. gefahren und habe blaue Flecken fest-
gestellt. Dies hätten sie mehrfach feststellen müssen. Der Ehemann habe seine 
Frau ständig beleidigt. Sie hätten als Eltern das Gespräch gesucht, was nichts ge-
fruchtet habe. Im Jahre 1990 hätten sie sämtliche Gegenstände von Y. nach F. ge-
zügelt. Danach sei A. aber wieder zu ihrem Mann zurückgekehrt. J. habe die Ange-
klagte sogar während der Schwangerschaft in den Bauch geschlagen. Es sei be-
fremdend für sie, dass A. auf ihren Mann losgegangen sei. Seine Notizen habe er 
aufgrund der Aussagen seiner Tochter und von den eigenen Erlebnissen gemacht. 
Es habe ihn zutiefst betroffen gemacht, was mit seiner Tochter geschehen sei. In 
den Notizen befinde sich sogar ein schriftlicher Hilferuf des Vaters von J..

i. AA. schliesslich gab an der polizeilichen Einvernahme vom 30. Sep-
tember 2003 zu Protokoll, als er mit seiner Frau um 03.00 Uhr nach Hause gekom-
men sei, habe er J. blutend vor dem Haus vorgefunden. Dieser habe ausgeführt, 
seine Frau habe ihn umbringen wollen oder sei mit einem Messer auf ihn losgegan-
gen. Was am Abend genau geschehen ist, könne er nicht sagen. Über die Bezie-
hung der Eheleute A. und J. habe er mitbekommen, dass sie viel streiten würden. 
Der Mann sei dominant. Selber aber habe er nicht gesehen, dass J. seine Frau 
geschlagen habe oder auf sie losgegangen sei. 

j. Nebst den Zeugenaussagen sind auf dem von der Kantonspolizei er-
hobenen Fotoblatt Blutspuren auf dem Boden der Wohnung und an den Kleidern 
ersichtlich. Das Tatmesser konnte ebenfalls sichergestellt werden. Schliesslich ist 
darauf hinzuweisen, dass die Angeklagte zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholgehalt 
von 1.19 bis 1.79 Gewichtspromille aufgewiesen hat, J. seinerseits einen solchen 
von 1.81 bis 2.45 Gewichtspromille.

4.a. Der Tathergang ist unbestritten. Zwar fehlen Angaben von J.. Die An-
geklagte hat aber mehrfach zugestanden, dass sie nach den lange anhaltenden 
verbalen Beleidigungen aufgestanden ist, das Küchenmesser aus der Küche geholt 
hat, ins Schlafzimmer zurückgekehrt ist und versucht hat, mit dem Messer auf ihren 
Mann einzustechen. Wie die Angeklagte zu Protokoll gegeben hat, wollte sie in die 
Halsgegend einstechen und nicht auf das Gesicht. Auch ihrer Schwester, welche 
unmittelbar nach der Tat in die Wohnung der Eheleute A. und J. gegangen war, hat 
die Angeklagte mitgeteilt, dass sie versucht habe, ihren Ehemann umzubringen. Die 
Aussagen der Schwester sowie der übrigen Zeugen sind untereinander wider-
spruchsfrei. Auch die Angeklagte ist in ihren Aussagen ohne Widersprüche geblie-

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ben. In Würdigung aller Umstände ist nicht daran zu zweifeln, dass A. nach den 
anhaltenden Beschimpfungen in die Küche gegangen ist, dort ein Küchenmesser 
geholt hat und damit begonnen hat, auf J. einzustechen. 

b. Die Angeklagte hat ihren Ehemann nicht getötet. J. ist nach seiner Ab-
wehrbewegung nur leicht verletzt worden. Dennoch war das Vorgehen von A. frag-
los geeignet, den Tod von J. herbeizuführen. Die Angeklagte hat alles getan, was 
notwendig war, um die Tötung ihres Mannes herbeizuführen. Sie hat mit einem Mes-
ser mit einer Klingenlänge von 12.5 cm auf J. eingestochen. Trotz der von ihm er-
folgten Abwehrbewegung hat sie ihn am Hals getroffen und leicht verletzt. Eine feh-
lende oder angesichts der Dunkelheit im Schlafzimmer weniger wirksame bzw. un-
genügende Abwehrhandlung hätte mit hoher Wahrscheinlich derartige Verletzun-
gen am Hals von J. bewirkt, welche den Eintritt des Todes von J. zur Folge hätten 
haben können. Es ist offensichtlich glücklichen Umständen zu verdanken, dass die-
ser Erfolg nicht eingetreten ist. Daran kann auch nichts ändern, dass die Angeklagte 
nicht mit viel Kraft zur Tatausführung geschritten ist. Bereits geringfügige Ein-
schnitte in den Hals können bekanntermassen zur Tötung eines Menschen führen. 
Somit ist nach den bestehenden Umständen von einem Tötungsdelikt auszugehen.

c. Wird die strafbare Handlung zu Ende geführt, tritt aber der zur Vollen-
dung gehörende Erfolg nicht ein, so kann der Täter nach den Grundsätzen von Art. 
65 StGB milder bestraft werden (Art. 22 Abs. 1 StGB). Der Versuch ist im Sinne von 
Art. 22 Abs. 1 StGB vollendet, wenn der Täter alles getan hat, was er nach seiner 
Vorstellung tun musste, um die Tat zu vollenden (Trechsel, a.a.O., N zu Art. 22 
StGB). Hat der Täter demgegenüber mit der Ausführung der Tat begonnen, aber 
nicht alles vorgekehrt, was nach seiner Vorstellung zur Vollendung erforderlich war, 
und ist diese Vollendung auch nicht eingetreten, so liegt bloss ein unvollendeter 
Versuch vor. Aus welchen Gründen der Täter die strafbare Handlung nicht ausführt, 
ist für die Abgrenzung zum vollendeten Versuch bedeutungslos (Trechsel, a.a.O., 
N 1 zu Art. 21 Abs. 1 StGB; Jenny, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 1 - 
110 StGB, Basel 2003, N 1 f. zu Art. 22 StGB). 

d. A. hat fraglos mit der Ausführung der Tötungshandlung begonnen. Mit 
dem Zustechen in Richtung des Halses des Ehemannes hat sie alles getan, um ihre 
begonnene strafbare Handlung zu Ende zu führen. Dass sie nach der Abwehrhand-
lung des Angegriffenen nicht mehr weiter insistiert hat und dies auch nicht mehr 
konnte, ändert daran nichts, da bereits ihr erstes Zustechen geeignet gewesen ist, 
den Tod ihres Ehemannes herbeizuführen. Nachdem das Handeln von A. nicht zum 

22

Eintritt des Todes von J. geführt hat, ist der Versuch eines der Tötungstatbestände 
im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 111 ff. StGB in objektiver 
Hinsicht erfüllt.

e. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz im Sinne von Art. 111 ff. StGB dann 
gegeben, wenn der Täter das Tötungsdelikt mit Wissen und Willen begangen hat 
(Art. 18 Abs. 2 StGB). Zum Vorsatz gehört dabei nur das auf die objektiven Merk-
male des Deliktstatbestandes bezogene Wissen und Wollen, nicht aber auch das 
Bewusstsein der Rechtswidrigkeit oder gar dasjenige der Strafbarkeit (BGE 107 IV 
192, 99 IV 58). Aus dem Wissen des Täters um das Vorliegen eines objektiven 
Tatbestandsmerkmales allein kann ohne weiteres auf das Wollen geschlossen wer-
den, wenn sein Handeln vernünftigerweise nicht anders verstanden werden kann 
denn als Billigung des vom Gesetz verpönten Verhaltens (BGE 92 IV 67). Eventua-
lvorsatz genügt. Er liegt vor, wenn der Täter den als möglich vorausgesehenen Er-
folg für den Fall seines Eintrittes billigt, sich mit ihm abfindet oder in Kauf nimmt 
(BGE 96 IV 100). Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen 
werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, 
gehören unter anderem die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbe-
standsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser 
dieses einsehbare Risiko ist, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe 
die Verwirklichung in Kauf genommen. Was der Täter weiss, will oder in Kauf nimmt, 
ist Tatfrage. Auch die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last gelegten sub-
jektiven Tatbestandsmerkmale liegt grundsätzlich beim Staat (Schmid, a.a.O., N 
278).

f. Vorliegend hat die Angeklagte mit einem Küchenmesser bei Dunkel-
heit im Schlafzimmer auf den Hals ihres Ehemannes einzustechen versucht. Trotz 
der Abwehrbewegung hat sie ihren Mann am Hals leicht getroffen. Gegenüber der 
beim Tatort eingetroffenen Schwester gab sie kund, dass sie ihren Ehemann mit 
dem Messer habe töten wollen. In den untersuchungsrichterlichen Einvernahme 
schliesslich führte sie aus, sie habe nur daran gedacht, den Mann ruhig zustellen 
und das ganze einfach beenden. Es sei aber möglich, dass sie daran gedacht habe, 
ihn zu töten. Aus dem Umstand, dass die Angeklagte ein Küchenmesser in die Hand 
genommen hat und damit im dunklen Schlafzimmer gezielt auf den Hals ihres Ehe-
mannes gestochen hat, lässt sich einzig der Schluss ziehen, dass die Angeklagte 
J. töten wollte oder dessen Tötung mit dem Zustechen zumindest in Kauf genom-
men hat. Der Angeklagten musste fraglos klar sein, dass mit einem Stich in eine 
derart lebenswichtige Körperstelle die Tötung ihres Mannes die Folge sein konnte. 

23

Ein Zustechen mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 12.5 cm auf 
den im dunklen Schlafzimmer im Bett liegenden Ehemann kann nicht anders ver-
standen werden, als dass sie die Tötung herbeiführen wollte. Ihre Äusserung, sie 
habe ihn ruhig stellen wollen, lässt keine andere Interpretation ihres Willens zu. Da-
mit hat die Angeklagte zumindest eventualvorsätzlich gehandelt und auch in sub-
jektiver Hinsicht den Tatbestand eines Tötungsdeliktes erfüllt.

5.a. Zu prüfen bleibt daher, ob für die Angeklagte der privilegierte Tatbe-
stand des Totschlags im Sinne von Art. 113 StGB angewendet werden kann, sie 
folglich in einer heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung 
gehandelt hat und dieser Zustand entschuldbar ist.

b. Nach dem eingeholten psychiatrischen Gutachten vom 5. Februar 
2004 habe sich die Angeklagte aufgrund der lang anhaltenden Beleidigungen in ei-
ner wachsenden inneren Anspannung befunden, nachdem sie begonnen habe, sich 
gegen die Beleidigungen und Tätlichkeiten aufzubäumen. Als am fraglichen Abend 
erneut und immer wieder über mehrere Stunden verbale Belästigungen, Demüti-
gungen und Beleidigungen ihre Person in Frage gestellt hätten, habe sich die innere 
Anspannung zugespitzt und sei das System der Anpassung in sich zusammenge-
brochen. Die anhaltenden Beleidigungen der Angeklagten durch ihren Ehemann 
hätten derartige Gefühle entstehen lassen, dass sich der Wunsch verdichtet habe, 
sich einfach von den Beleidigungen zu befreien. Die Angeklagte habe aus Sicht der 
Gutachter eine Affekttat begangen, indem die bisherigen Kontrollmechanismen 
nicht mehr funktioniert hätten und keine andere Bewältigung mehr möglich gewesen 
seien. 

c. Eine Subsumption unter den privilegierten Tatbestand von Art. 113 
StGB weist nach Auffassung des Kantonsgerichts bei genauer Betrachtung indes-
sen nicht auf eine Affekttat im Sinne einer plötzlich entstandenen heftigen Gemüts-
bewegung hin, sondern auf ein Handeln unter grosser seelischer Belastung. Die Tat 
wurde zwar unbestrittenermassen kurzfristig ausgeübt und war fraglos nicht geplant 
gewesen. Gegenüber keinen der befragten Personen, welche Angehörige oder 
Freunde waren, hatte sich die Angeklagte jemals auch nur sinngemäss dahinge-
hend geäussert, dass sie beabsichtige, ihren Mann zu töten oder ihm Verletzungen 
zuzufügen. Erkennbare Vorbereitungshandlungen für die Tat wurden nicht durch-
geführt, eine Konstellation für die Tatsituation nicht geschaffen. Vielmehr äusserte 
sich die Tat in einem sehr kurzen Tatgeschehen. Der Handlungsablauf war keines-
wegs komplex oder in Etappen durchgeführt. 

24

d. Der Umstand, dass sich die Straftat vor dem Hintergrund einer jahre-
langen, chronisch konfliktbeladenen Beziehungsgeschichte ereignet hat, weist aber 
entsprechend den Ausführungen des Staatsanwaltes auf eine grosse seelische Be-
lastung der Täterin hin. Eine Beleuchtung der ehelichen Beziehung zwischen der 
Angeklagten und J. untermauert diese Schlussfolgerung. Wie die einvernommenen 
Zeugen übereinstimmend ausgeführt haben und auch den vom Vater der Angeklag-
ten ins Recht gelegten Schreiben und Aufzeichnungen deutlich zu entnehmen ist, 
war die eheliche Beziehung der Angeklagten seit dem Anfang von Demütigungen, 
Beleidigungen und vor allem in den ersten Ehejahren auch von erheblichen Tätlich-
keiten geprägt. Der vom Ehemann an den Tag gelegte Umgang hat über Jahre an-
gehalten und die Persönlichkeit von A. nachhaltig verändert. A. geriet in ein System 
der Anpassung, welches sie gegenüber Dritten zwar aufrechterhalten hat, das je-
doch zu einer inneren wachsenden Belastung geführt hat. Diese seelische Belas-
tung ist über rund 14 Jahre entstanden. Die am Nachmittag und am Abend vom 26. 
auf den 27. September 2003 aufgetretenen Beleidigungen und Demütigungen fielen 
auf diese vorbestehende grosse seelische Belastung. Insbesondere die von A. noch 
am Abend des 26. September 2003 gegenüber U. getätigte Äusserung, es gehe so 
nicht mehr weiter, dokumentierte die bei der Angeklagten herrschenden Belas-
tungszustände. Wenn die Demütigungen und Beleidigungen nach dem Eintreffen 
von J. in der Wohnung der Eheleute U. und V. und später rund zwei Stunden lang 
im Schlafzimmer der Eheleute A. und J. massiv fortgeführt worden sind, brachte 
dies die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit der Angeklagten offensichtlich auf 
einen Punkt, welcher ihr nach ihrer inneren Betrachtungsweise keinen anderen Aus-
weg mehr offen liess, als ihren Ehemann mit einem Küchenmesser ruhig zu stellen. 
Die von der Angeklagten anlässlich der psychiatrischen Begutachten getätigten 
Aussagen, sie habe gedacht „endlich Erlösung für alle, endlich Ruhe, ruhig stellen“, 
sowie ihre weiteren Ausführungen an den untersuchungsrichterlichen Einvernah-
men, sie habe diese Beleidigungen nicht mehr ertragen können und sei völlig er-
schöpft gewesen, machen klar, dass A. nicht einfach unvermittelt in eine heftige 
Gemütsbewegung geraten ist, sondern seit einer langen Zeit unter einer grossen 
seelischen Belastung gestanden hat. Die anhaltenden massiven und lauten Be-
schimpfungen in der Tatnacht waren offensichtlich nur noch der auslösende Anlass. 
Die Tat ist damit als Ergebnis einer lang anhaltenden konfliktbeladenen Beziehung 
zu betrachten, welche bei der Angeklagten eine grosse seelische Belastung entste-
hen haben lassen. Die sich in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2003 ab-
spielenden Ereignisse haben das Fass gewissermassen zum Überlaufen gebracht. 

25

e. Es fragt sich daher, ob diese bei der Angeklagten herrschende grosse 
seelische Belastung entschuldbar war. Nach den erhobenen Beweisen ergeben 
sich keine Anhaltspunkte, dass die Angeklagte diese grosse seelische Belastung 
selbst verschuldet hat. Dies gilt weder für den zunehmenden ehelichen Konflikt noch 
für die Entstehung der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in der Nacht vom 26. 
auf den 27. September 2003. Vielmehr ist nach dem eingeholten psychiatrischen 
Gutachten erstellt, dass A. im Verlaufe der Jahre in ein System der Anpassung ge-
raten ist, aus welchem sie nicht mehr herausgefunden hat. Die Zeugen E. und C.  
haben eindrücklich ausgeführt, dass die Angeklagte von ihrem Ehemann über Jahre 
teils tätlich angegriffen wurde. Insbesondere aus den Aufzeichnungen des Vaters 
der Angeklagten sind häufige Tätlichkeiten zu entnehmen. Sowohl den Eltern der 
Angeklagten wie auch der Schwester waren diese Angriffe und Demütigungen auf-
gefallen. Ebenso wurde die Angeklagte vor Z. und ihren Kindern von ihrem Mann 
gewürgt. Demgegenüber ist den Akten nicht zu entnehmen, dass die Angeklagte 
sich jemals in ähnlicher Weise gegenüber ihrem Ehemann verhalten hätte. Dieses 
Bild widerspiegeln auch die Ereignisse vom 26. September 2003. Bereits am Nach-
mittag war es Angaben der Angeklagten zufolge zu Streitereien mit ihrem Ehemann 
gekommen war, weil dieser nicht akzeptiert hatte, dass die Tochter eine Geburts-
tagsparty alleine feiern wollte. Die Angeklagte wurde von ihrem Ehemann ohne er-
sichtlichen Grund beschimpft und mit Kraftausdrücken beleidigt. Nachdem diese 
Streitereien anfänglich unter den Ehegatten ausgetragen wurde, wurde die Ange-
klagte nach ihrer Zukehr bei den Eheleuten U. und V. und dem späteren Eintreffen 
ihres alkoholisierten Ehemannes von diesem vor den Eheleuten U. und V. massiv 
und völlig grundlos laut beschimpft. Zu Hause eingetroffen, setzte der zwischen 1.81 
und 2.45 Gewichtspromille alkoholisierte Ehemann die Beschimpfungen in unver-
minderter Heftigkeit fort. Diese dauerten nach der Rückkehr von J. rund zwei Stun-
den lang an. Angesichts dieses Verhaltens von J. gegenüber seiner Ehefrau ist es 
aus Sicht eines objektiven Beobachters nachvollziehbar, dass bei der Angeklagten 
in der fraglichen Nacht zu eine derart grosse seelische Belastung entstanden war. 
Unter Berücksichtigung der chronischen Vorgeschichte der Angeklagten erscheint 
es im Bereich des Möglichen, dass auch ein dritter, anständig gesinnter Mensch 
leicht in die bei A. entstandene grosse seelische Belastung hätte geraten können. 
Diese grosse seelische Belastung ist in einer objektiven Bewertung der Verhältnisse 
durchaus entschuldbar und menschlich begreiflich. Zusammenfassend ist sowohl 
die grosse seelische Belastung als auch deren Entschuldbarkeit erstellt. Somit ist 
der Tötungsversuch der Angeklagten unter den privilegierten Tatbestand von Art. 
113 StGB zu subsumieren und A. des vollendeten Versuchs des Totschlags gemäss 
Art. 113 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

26

7. Bei der Strafzumessung kommt dem Kantonsgericht ein freies Ermes-
sen zu. Die Strafzumessung ist vom Schuldprinzip beherrscht. Der Richter hat nach 
Art. 63 StGB die Strafe innerhalb des für den betreffenden Tatbestand geltenden 
Strafrahmens nach dem Verschulden der Täterin zu bemessen. Nach bundesge-
richtlicher Rechtsprechung bezieht sich der Begriff des Verschuldens auf den ge-
samten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat. Grundlage für die Be-
messung der Schuld bildet die Schwere der Tat. Ausgehend von ihrem objektiven 
Erscheinungsbild erfolgt sodann eine Bemessung des Tatverschuldens nach der 
Beziehung der Täterin zur Tat. Anschliessend wird dieses Verschulden durch 
Berücksichtigung der Motive, des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse im 
Hinblick auf die Persönlichkeit der Schuldigen präzisiert und individualisiert (vgl. 
Trechsel, a.a.O., N 10 zu Art. 63 StGB). Bei den Strafzumessungsgründen ist also 
zwischen der Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente 
sind insbesondere das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Willensrichtung, 
mit welcher der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe zu beachten. Die Täter-
komponente umfasst demgegenüber das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse 
sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren wie Reue, Einsicht und 
Strafempfindlichkeit. Diese Elemente wirken strafmindernd oder straferhöhend, wo-
bei in der Begründung der Strafzumessung die Überlegungen des Richters nach-
vollziehbar sein müssen (BGE 118 IV 14). Mit anderen Worten variiert das Tatver-
schulden mit der Schwere des deliktischen Erfolges, den unterschiedlich gravieren-
den Modalitäten der Tatbegehung und dem Mass an Entscheidungsfreiheit, das der 
Täterin zugeschrieben werden muss. Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Norm 
zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (BGE 117 IV 113 
ff.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und Mass-
nahmen, Bern 1989, S. 220 ff.). Die den Täter belastenden oder entlastenden Um-
stände sind jeweils als Straferhöhungs- und Strafminderungsgründe innerhalb des 
ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen. Im Weiteren sieht das Gesetz eine 
Strafrahmenerweiterung vor, wenn einer oder mehrere der besonders aufgeführten 
Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe erfüllt sind (vgl. Art. 64 - 68 StGB). 
Bei ihrem Vorliegen ist der Richter nicht mehr an den für das betreffende Delikt 
geltenden Strafrahmen gebunden.

8.a. Auszugehen ist vorliegend von der in Art. 113 StGB enthaltenen Straf-
drohung von Zuchthaus bis zehn Jahren oder Gefängnis von einem bis zu fünf Jah-
ren. Weil es sich im vorliegenden Fall um einen vollendeten Versuch des Totschlags 
handelt, fällt die Mindestdauer im Hinblick auf die Strafzumessung weg und es 
kommt als Mindestdauer eine Gefängnisstrafe von drei Tagen in Frage.

27

b. Aufgrund des erstellten Sachverhalts ist eine Beurteilung des Ver-
schuldens von A. nicht einfach. Auch wenn der herbeigeführte Erfolg letztlich in ei-
ner leichten Verletzung ihres Ehemannes am Hals sowie an einem Finger besteht, 
darf die Tat nicht bagatellisiert werden. Es hing offensichtlich von glücklichen Zufäl-
len ab, dass es J. trotz ausgeschaltetem Licht im Schlafzimmer noch gelungen ist, 
eine Abwehrbewegung zu machen und das Messer von seinem Körper abzuwen-
den. Daran können auch die Vorbringen der Angeklagten nichts ändern. Die Aus-
führung der Tat lässt zwar nicht auf eine besondere Intensität der Tat schliessen. 
Es fällt aber schwer ins Gewicht, dass die Angeklagte ein langes Küchenmesser 
geholt und zielstrebig auf ihren im dunklen Schlafzimmer im Bett liegenden Mann 
zugegangen ist, um sogleich - ohne Aussprechung weiterer Drohungen - zuzuste-
chen. Das Verschulden von A. ist damit bezüglich des Tathergangs als schwer ein-
zustufen. Eine Betrachtung der Täterkomponente schwächt diese Qualifizierung et-
was ab. Die Beweggründe für ihr Handeln sind in erster Linie im chronischen Bezie-
hungskonflikt zu ersehen. Die Willensrichtung, mit welcher sie gehandelt hat, war in 
erster Linie von der Abwehr der anhaltenden Beschimpfungen ihres Ehemannes 
geprägt. A. hat seit Jahren das demütige Verhalten ihres Ehemannes erfahren, 
wurde schikaniert und in ihrem Selbstwertgefühl völlig erniedrigt. In den letzten bei-
den Stunden vor der Tat wurde sie von ihrem stark alkoholisierten Mann unablässig 
und schreiend beschimpft. Ihr Verschulden erscheint unter diesem Aspekt als we-
niger schwer.

c. Dass die Tötung im Versuchsstadium stecken geblieben ist, ist nach 
Art. 22 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 66 StGB strafmildernd zu berücksichtigen, auch 
wenn der Nichteintritt des Taterfolges nicht der Angeklagten zuzurechnen ist. Dem-
gegenüber kann eine Strafmilderung infolge aufrichtiger Reue im Sinne von Art. 64 
StGB nicht gewährt werden. Aufrichtige Reue setzt voraus, dass die Täterin na-
mentlich den Schaden, soweit es ihr zuzumuten war, ersetzt. Die Täterin muss aus 
eigenem Entschluss etwas tun, das als Ausdruck ihres Willens anzusehen ist, ge-
schehenes Unrecht wieder gutzumachen (BGE 117 Ia 406, 122 IV 244; Trechsel, 
a.a.O., 21 zu Art. 64 StGB). Die aufrichtige Reue erfordert folglich eine besondere 
Anstrengung von Seiten der Fehlbaren. Diese Anstrengung muss freiwillig und un-
eigennützig, weder nur vorübergehend noch allein unter dem Druck des drohenden 
oder noch hängigen Strafverfahrens erfolgen. Die Täterin muss Einschränkungen 
auf sich nehmen und alles daran setzen, das geschehene Unrecht wieder gut zu 
machen (BGE 107 IV 99; Wiprächtiger, Balser Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 
1 - 110 StGB, Basel 2003, N 25 zu Art. 64 StGB). Es braucht also zweierlei, nämlich 
aufrichtige Reue und Ersatz des Schadens. Gemäss bundesgerichtlicher Recht-

28

sprechung genügen bloss verbale Äusserungen des Bedauerns nicht (Wiprächtiger, 
a.a.O., N 25 zu Art. 64 StGB). 

Eine aufrichtige Reue ist nicht erstellt. Aus dem psychiatrischen Gut-
achten ist eine besondere Anstrengung der Angeklagten zur Wiedergutmachung 
der Tat nicht dokumentiert. Der Besuch einer ambulanten psychotherapeutischen 
Behandlung stellt eine besondere Anstrengung ebenso wenig dar wie eine Wieder-
aufnahme des ehelichen Zusammenlebens. Letzteres steht mit dem Delikt in kei-
nem unmittelbaren Zusammenhang. Es schiene auch zweckwidrig, die Wiederauf-
nahme des Ehelebens als aktiven Akt einer aufrichtigen Reue zu verstehen. Die 
Gründe für die Rückkehr in die eheliche Wohnung sind zudem aus den Akten gar 
nicht nachgewiesen und spielten sich wohl im Innern der Angeklagten ab. Es wäre 
denn auch nachvollziehbar, dass für A. die Rückkehr zu den Kindern im Vorder-
grund gestanden hat und nicht eine aufrichtige Reue gegenüber ihrem Ehemann. 
Zusammenfassend liegen zu wenig Anhaltspunkte für die Annahme einer tätigen 
Reue im Recht. Eine Strafmilderung im Sinne von Art. 64 StGB kann daher nicht 
gewährt werden.

e. Gemäss dem psychiatrischen Gutachten war die Fähigkeit der Ange-
klagten zur Einsicht in das Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Ein-
sicht nicht aufgehoben. Allerdings war diese Fähigkeit herabgesetzt. Die Ange-
klagte litt zum Zeitpunkt der Tat an einer qualitativ schweren Störung des Bewusst-
seins. Aufgrund dieser schweren Störung war ihre Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht 
zu handeln, in die Entschlussbildung und Tatumsetzung steuernd einzugreifen, 
schwergradig vermindert. Dem forensisch-psychiatrischen Gutachten ist zu entneh-
men, dass diese schwere Störung des Bewusstseins gerade mit der heftigen 
Gemütserregung in Zusammenhang steht. Wo nun aber die Bewusstseinsbeein-
trächtigung bzw. - einengung teilweise auf die heftige Gemütserregung zurückzu-
führen ist, ist sie im Tatbestand von Art. 113 StGB und in seiner milderen Strafdro-
hung bereits enthalten (Urteil des Kantonsgerichts vom 16. November 1998 in Sa-
chen C.H., SF 98 22). Es gilt ein Doppelverwertungsgebot (Schwarzenegger, 
a.a.O., N 22 zu Art. 113 StGB). Dies gilt insbesondere dann, wenn die Bewusst-
seinseinengung allein auf die heftige Gemütsbewegung oder eine grosse seelische 
Belastung zurückzuführen ist (PKG 1976 Nr. 60; Trechsel, a.a.O., N 15 zu Art. 113 
StGB). Die Beeinträchtigung der Bewusstseinsstörung ist vorliegend gerade in der 
grossen seelischen Belastung enthalten, weshalb eine weitere Strafmilderung nach 
Art. 11 StGB in Verbindung mit Art. 66 StGB ebenfalls nicht möglich ist.

29

f. Demgegenüber liegen mehrere Strafminderungsgründe im Sinne von 
Art. 63 StGB vor. Das Vorleben von A. hat nie zu Beanstandungen Anlass gegeben. 
Sie ist im Strafregister nicht eingetragen. Ihr wurde ein guter Leumund ausgestellt. 
Ihre Straftat steht in ihrem bisherigen Verhalten vollständig isoliert im Raum, was 
auch die Angehörigen in den Einvernahmen bestätigt haben. 

Zu berücksichtigen ist des Weiteren die hohe Strafempfindlichkeit von 
A.. Wie den Akten und der persönlichen Befragung zu entnehmen ist, haben die 
Ehegatten A. und J. nach etwas mehr als drei Monaten das Eheleben wieder auf-
genommen und wohnen mit ihren Kindern wieder in F.. Zusammen mit ihrem Ehe-
mann hat die Angeklagte zudem eine Ehetherapie bei AB. begonnen, welche nach 
wie vor besucht wird. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2004 hat AB. bestätigt, dass 
die Therapie zuverlässig eingehalten werde. Es sei der Angeklagten nach anfängli-
chen Schwierigkeiten auch gelungen, das therapeutische Angebot mit ihrem Ehe-
mann konstruktiv zu nützen. Nach Angaben der Angeklagten an der mündlichen 
Hauptverhandlung gehe es im Eheleben recht gut, auch wenn sie ab und zu noch 
Streitigkeiten hätten. Trotz der tragischen Geschehnisse in der Nacht vom 26. auf 
den 27. September 2003 sind die Eheleute A. und J. also noch miteinander verbun-
den. Eine Verurteilung der Angeklagten zu einer langen Gefängnisstrafe würde nicht 
nur für die Angeklagte selbst, sondern auch für ihren Ehemann und die gemeinsa-
men Kinder eine erhebliche zusätzliche Belastung in der ohnehin nicht einfachen 
Situation bringen. In einem solchen Fall ist der Aspekt der Resozialisierung gegenü-
ber demjenigen einer Sühne stärker zu gewichten, was zu einer erheblichen Straf-
minderung führen muss. 

Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass die Angeklagte von Anfang 
an sowohl im Strafverfahren als auch vor Schranken Reue und Einsicht in das von 
ihr begangene Unrecht gezeigt hat. Auch wenn diese Einsicht wie erwähnt nicht als 
aufrichtige Reue im Sinne einer besonderen Anstrengung qualifiziert werden kann, 
so fällt sie doch in erheblichem Masse strafmindernd ins Gewicht.

Strafschärfungs- und Straferhöhungsgründe liegen demgegenüber 
nicht vor.

g. In Würdigung aller Umstände und unter Berücksichtigung sämtlicher 
Strafzumessungsgründe erachtet das Kantonsgericht von Graubünden eine Strafe 
von 12 Monaten Gefängnis als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnis-
sen der Angeklagten angemessen.

30

9. Zu prüfen ist damit, ob der Angeklagten der bedingte Strafvollzug ge-
währt werden kann. 

a. Objektive Voraussetzung für den bedingten Strafvollzug bildet gemäss 
Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB, dass eine Freiheitsstrafe von weniger als 18 Mo-
naten ausgesprochen wurde und die Verurteilte in den letzten 5 Jahren vor der Tat 
keine Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe von mehr als drei Monaten wegen eines 
vorsätzlich begangenen Vergehens oder Verbrechens verbüsst hat. Die objektiven 
Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. 

b. In subjektiver Hinsicht kann der Richter die Strafe aufschieben, wenn 
Vorleben und Charakter der Verurteilten erwarten lassen, sie werde dadurch von 
weiteren Verbrechen und Vergehen abgehalten. In diesem Sinne ist zu prüfen, ob 
der Angeklagten eine günstige Prognose für ihr künftiges Wohlverhalten gestellt 
werden kann. Dabei ist für die Bewährungsaussichten in erster Linie der Grundsatz 
der Spezialprävention massgebend, wobei aber nicht einzelnen Umständen eine 
vorrangige Bedeutung beizumessen ist, sondern nebst den Tatumständen das Vor-
leben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den 
Charakter der Angeklagten und ihre Aussichten auf Bewährung zulassen, in die Be-
urteilung miteinzubeziehen sind, um aufgrund einer Gesamtwürdigung zu entschei-
den, ob die Verurteilte für dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet oder nicht (BGE 
123 IV 112, 118 IV 100 f.; PKG 1993 Nr. 24). Allerdings lässt sich selbst durch eine 
umfassende und intensive Auseinandersetzung mit der Täterpersönlichkeit keine 
absolut verlässliche Zukunftsvoraussage treffen. Bei Prüfung der günstigen Pro-
gnose im Sinne von Art. 41 Ziff. 1 StGB steht daher die Frage im Vordergrund, unter 
welchen Voraussetzungen einer Verurteilten trotz unsicherer Zukunftsaussichten 
Vertrauen geschenkt werden kann. Vermag das Gericht begründetes Vertrauen zu 
gewinnen, so ist der Vollzug der Freiheitsstrafe aufzuschieben. 

c. Für die Annahme eines künftigen Wohlverhaltens spricht das bis zur 
Straftat klaglose Verhalten der Verurteilten, ihr guter Leumund und die mehrfach 
bekundete Reue und Einsicht in die Tat. Die Verurteilte wurde in der forensisch-
psychiatrischen Untersuchung auch hinsichtlich eines künftigen Wohlverhaltens un-
tersucht. Dabei wurde die Wahrscheinlichkeit einer erneuten schweren Gewalttat 
gesamthaft gesehen als gering eingestuft, da die Verurteilte bis anhin nie eine Straf-
tat begangen hat und die Straftat von ihrem Umfeld als persönlichkeitsfremd wahr-
genommen wird. Die Tat ist in einem spezifischen Kontext mit einem jahrelangen 
beziehungsproblematischen Vorlauf anzusehen. Die Verurteilte hat des Weiteren 

31

eine gute Beziehung zu ihren Kindern und anderen Bekannten. Im Hinblick auf die 
Prognose sind dies positive Faktoren. Festhalten ist allerdings auch, dass ihr Pro-
blembewältigungsrepertoire bezogen auf Konflikte und die eigenen Emotionen so-
wie deren adäquate Handhabung nach wie vor eingeschränkt ist und grundsätzlich 
weiterhin die Disposition zu einer problematischen Beziehungsgestaltung hat. Es 
besteht ein gewisses Risiko, dass sie weiterhin nicht adäquat im Kontakt mit ihrem 
Ehemann reagiert. Es könnte daher erneut zum Zusammenbruch der Bewältigungs- 
und Abwehrmechanismen kommen. Es besteht damit gegenüber dem Durchschnitt 
der Normalbevölkerung eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer erneuten schweren 
Gewalttat. Dieses Risiko ist in Würdigung aller Umstände aber doch als gering ein-
zustufen. Dies nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass sich die Veurteilte bereits 
kurz nach der Tat freiwillig in eine psychiatrische Behandlung begeben hat und zu-
sammen mit ihrem Ehemann auch eine Paartherapie besucht. Unter diesen Um-
ständen ist es gerechtfertigt, der Verurteilten den bedingten Strafvollzug zu ge-
währen, wobei das Gericht eine Probezeit von zwei Jahren für angemessen erach-
tet.

10.a. Nach Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB kann der Richter die Verurteilte unter 
Schutzaufsicht stellen. Er kann ihr für ihr Verhalten während der Probezeit eine be-
stimmte Weisung erteilen, insbesondere über die Berufsausübung, den Aufenthalt, 
die ärztliche Betreuung und dergleichen. Wahl und Inhalt müssen sich nach dem 
spezialpräventiven Zweck des bedingten Strafvollzuges richten und dürfen vom Be-
troffenen nicht mehr als eine zumutbare und verhältnismässige Anstrengung ver-
langen (BGE 108 IV 152; Schneider, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, a.a.O., 
N 161 zu Art. 41 StGB). Inhalt der Weisung kann auch ärztliche Betreuung in Form 
einer ambulanten psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung sein 
(Schneider, a.a.O., N 171 zu Art. 41 StGB).

b. Vorliegend wurde im psychiatrischen Gutachten vom 5. Februar 2004 
festgehalten, dass die Verurteilte eindeutig psychotherapeutisch behandlungsbe-
dürftig ist. Es wurde eine Empfehlung abgegeben, eine intensive Psychotherapie 
anzutreten. Seit dem 5. November 2003 wird eine solche Behandlung von der Ver-
urteilten auch besucht. Der behandelnde R. ging noch im Schreiben vom 30. April 
2004 von einer länger andauernden Behandlung aus. Angesichts der Beurteilung 
im psychiatrischen Gutachten hinsichtlich des Rückfallrisikos ist ein weiterer Besuch 
der psychotherapeutischen Behandlung auch für die gesamte Dauer der Probezeit 
angezeigt. Dies eröffnet der Verurteilten die weitere Möglichkeit, sich mit den mög-
lichen Konfliktsituationen und ihrer Bewältigung intensiver auseinanderzusetzen 

32

und der Rückfallgefahren entsprechend entgegenzuwirken. Nicht zuletzt angesichts 
des noch bestehenden Alkoholkonsums, welcher zur Bewältigung von Konflikten 
von der Verurteilten nach wie vor verwendet wird, sieht sich das Gericht veranlasst, 
der Verurteilten für die gesamte Dauer der Probezeit die Weisung einer weiteren 
ambulanten psychotherapeutischen Behandlung zu erteilen. In welchem Rhythmus 
die weiteren Behandlungen notwendig sein werden, wird der behandelnde Arzt R. 
alsdann selbständig entscheiden müssen.

c. Hingegen wird von der Unterstellung unter die Schutzaufsicht abgese-
hen. Die Verurteilte hat gezeigt, dass sie die regelmässige Therapiebesuche auf 
sich nimmt und Schwierigkeiten in der Bewährung nicht zu erwarten sind. Eine Not-
wendigkeit der Überwachung dieser Therapiebesuche ist daher nicht angezeigt 
(Schneider, a.a.O., N 160 zu Art. 41 StGB).

11. Nach Art. 58 Abs. 1 StGB verfügt der Richter ohne Rücksicht auf die 
Strafbarkeit einer bestimmten Person die Einziehung von Gegenständen, die zur 
Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder bestimmt waren, oder die 
durch eine strafbare Handlung hervorgebracht worden sind, wenn diese Ge-
genstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ord-
nung gefährden. Gestützt auf diese Bestimmung ist die polizeilich beschlagnahmte 
Tatwaffe gerichtlich einzuziehen.

12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Untersu-
chung, des Gerichtsverfahrens sowie das Honorar für die amtliche Verteidigung 
gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO von der Verurteilten zu übernehmen, welche auch die 
Kosten der ambulanten Behandlung zu tragen hat.

33

Demnach erkennt die Strafkammer :

1. A. ist schuldig des vollendeten Versuchs des Totschlags gemäss Art. 113 
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2. a) Dafür wird sie mit 12 Monaten Gefängnis bestraft.

b) Der Vollzug der Strafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit 
von 2 Jahren.

3. A. wird gestützt auf Art. 41 Ziff. 2 StGB die Weisung erteilt, sich während der 
Probezeit einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung zu unterzie-
hen.

4. Das beschlagnahmte Messer wird gestützt auf Art. 58 StGB gerichtlich ein-
gezogen.

5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus

- den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von 
Fr.   7'036.00

- der Gerichtsgebühr von Fr.   3'000.00

- und dem Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr.   8'264.45

total somit Fr. 18'300.45 

gehen zu Lasten der Verurteilten, die auch die Kosten der ambulanten Be-
handlung zu tragen hat. Die Kosten eines allfälligen Strafvollzuges trägt der 
Kanton Graubünden.

6. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

7. Mitteilung an:

__________

34

Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 

Der Vizepräsident:  Der Aktuar ad hoc: