# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 101b4b06-1484-53fa-b31a-e118e248ada8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-12-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.12.2018 D-1930/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1930-2018_2018-12-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1930/2018 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  D e z e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Gérald Bovier,    

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Karin Dettling, Kantonaler Sozialdienst,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Erlöschen vorläufige Aufnahme;  

Verfügung des SEM vom 2. März 2018 / N (…). 

 

 

 

D-1930/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reiste am 19. Juni 2015 als Minderjährige in die 

Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Mit Verfügung vom 

14. April 2016 stellte das SEM fest, dass sie die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfülle, und lehnte ihr Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es die Weg-

weisung aus der Schweiz. Den Wegweisungsvollzug erachtete es als un-

zumutbar und schob diesen zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  

B.  

B.a Die deutschen Migrationsbehörden informierten das SEM am 30. Ja-

nuar 2018 darüber, dass die Beschwerdeführerin am 5. Januar 2018 nach 

Deutschland gereist sei und dort am 22. Januar 2018 um Asyl nachgesucht 

habe. 

B.b Mit Schreiben vom 2. Februar 2018 teilte die zuständige kantonale Be-

hörde dem SEM mit, die Beschwerdeführerin sei seit dem 10. Januar 2018 

„verschwunden“.  

C.  

C.a Das SEM gewährte der der Beschwerdeführerin beigeordneten Ver-

trauensperson (Berufsbeiständin) mit Schreiben vom 6. Februar 2018 das 

rechtliche Gehör zur beabsichtigten Feststellung des Erlöschens der vor-

läufigen Aufnahme. 

C.b Die Vertrauensperson liess sich innerhalb der angesetzten Frist nicht 

vernehmen. 

D.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 2. März 2018 – eröffnet am 5. März 

2018 – fest, die mit Verfügung vom 14. April 2016 angeordnete vorläufige 

Aufnahme sei mit dem Einreichen des Asylgesuchs der Ausländerin in 

Deutschland am 22. Januar 2018 erloschen. 

E.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 3. April 2018 liess die Beschwer-

deführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde erheben. In dieser wird beantragt, die Verfügung des SEM sei 

aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei erneut die vorläufige Aufnah-

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men zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung zurück-

zuweisen. Es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. Der Eingabe la-

gen mehrere Beweismittel, unter anderem zwei E-Mail-Schreiben von 

Herrn B._______ vom 7. und 18. März 2018 an die Vertrauensperson der 

Beschwerdeführerin sowie eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit der 

Beschwerdeführerin vom 27. März 2018 bei. 

F.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege mit Instruktionsverfügung vom 11. April 2018 gut, und 

verzichtete dementsprechend auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

G.  

In seiner Vernehmlassung vom 18. April 2018 beantragte das SEM die Ab-

weisung der Beschwerde. 

H.  

Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 7. Mai 2018 an 

ihren Anträgen fest. Beigelegt wurden erneut die bereits mit der Be-

schwerde eingereichten zwei E-Mail-Schreiben von Herrn B._______. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Ausländerrechts betreffend Erlöschen 

der vorläufigen Aufnahme endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 112 Abs. 1 

AuG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 112 

Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

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Seite 4 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und die 

Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 

VwVG). 

3.  

3.1 Das SEM begründet seine Verfügung damit, dass die vorläufige Auf-

nahme gemäss Art. 84 Abs. 4 AuG mit der definitiven Ausreise, bei einem 

nicht bewilligten Auslandaufenthalt von mehr als zwei Monaten oder bei 

Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung erlösche. Gemäss Art. 26a Bst. a der 

Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der Lan-

desverweisung von ausländischen Personen (VVWAL; SR 142.281) gelte 

eine Ausreise unter anderem dann als definitiv, wenn die vorläufig aufge-

nommene Person in einem anderen Staat ein Asylgesuch einreiche. Ge-

mäss Angaben der deutschen Behörden habe die Beschwerdeführerin am 

22. Januar 2018 in Deutschland ein Asylgesuch eingereicht. Vor diesem 

Hintergrund erweise sich der in Art. 26a Bst. a VVWAL i.V.m. Art. 84 Abs. 4 

AuG genannte Tatbestand (definitive Ausreise bei Asylgesuch im Ausland) 

als erfüllt. Die gesetzliche Regelfolge bestehe in der Feststellung des Erlö-

schens der vorläufigen Aufnahme durch das SEM. Diese könne jedoch nur 

eintreten, wenn die Ausländerin mit ihrer freiwilligen und definitiven Aus-

reise zu verstehen gegeben habe, dass sie den Schutz der Schweiz nicht 

mehr beanspruchen wolle. Das Bundesverwaltungsgericht gehe davon 

aus, dass das Einreichen eines Asylgesuchs im Ausland per se einen Er-

löschenstatbestand darstelle. Durch die Einreichung eines Asylgesuchs 

werde der vorbestehende subjektive Wille, den Schutz der Schweiz defini-

tiv aufgeben zu wollen, bestätigt. Die Beschwerdeführerin habe gemäss 

Rechtsprechung ein Verhalten an den Tag gelegt, das per se einen Erlös-

chenstatbestand in Bezug auf die vorläufige Aufnahme bedeute. 

Gemäss Praxis werde bei der Anwendung der Dublin-III-Verordnung auf 

die Rücküberstellung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in 

den zuständigen Dublin-Staat verzichtet. Davon abgewichen werde im 

Sinne des Kindeswohls, wenn im fraglichen Staat Verwandte der unbeglei-

teten minderjährigen Person über eine Anwesenheitsregelung verfügten 

und zu diesen ein Abhängigkeitsverhältnis bestehe. In der Schweiz befän-

den sich keine solchen Verwandten, weshalb der Beschwerdeführerin eine 

Vertrauensperson beigeordnet worden sei. Gemäss nicht weiter überprüf-

baren Angaben der kantonalen Behörde lebe der Vater der Beschwerde-

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führerin in Deutschland, weshalb anzunehmen sei, dass sie dort ein Asyl-

verfahren durchlaufen werde. Durch ihre Ausreise aus der Schweiz habe 

sie zu verstehen gegeben, dass sie den Schutz der Schweiz nicht mehr 

benötige und beanspruche.  

Der subjektive Wille der Beschwerdeführerin, im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

aus der Schweiz den ihr hier gewährten Schutz aufzugeben, müsse dem-

nach bejaht werden. Die Ausreise sei damit als definitiv zu qualifizieren, 

was gemäss Art. 84 Abs. 4 AuG das Erlöschen der vorläufigen Aufnahme 

bewirke. Schliesslich sei zu bemerken, dass der Tatbestand von Art. 26a 

Bst. a VVWAL bereits im Zeitpunkt des Asylersuchens der Beschwerdefüh-

rerin in Deutschland erfüllt gewesen sei. Die vorläufige Aufnahme sei be-

reits am 22. Januar 2018 erloschen, auch wenn dies lediglich ex post mit 

der vorliegenden Verfügung festgestellt werden könne.  

3.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 

habe ihrer Vertrauensperson am 20. Dezember 2017 mitgeteilt, sie habe 

ihren Vater über Facebook gefunden. Der Vater sei gesundheitlich ange-

schlagen und sie habe gefragt, ob sie ihn über die Festtage in Deutschland 

besuchen könne. Man habe ihr aufgezeigt, welche Kriterien für eine legale 

Ausreise nach Deutschland und eine Rückkehr in die Schweiz bestünden, 

und dass für sie zurzeit keine Möglichkeit bestehe, ihren Wunsch zu reali-

sieren. Man habe sie über die geltenden Richtlinien des Kantonalen Sozi-

aldienstes informiert, die besagten, dass unbegleitete Minderjährige die 

Schweiz nur in Begleitung von Erwachsenen für Ferienzwecke verlassen 

dürften. Die Beschwerdeführerin habe auch wissen wollen, welche Chan-

cen bestünden, um in Deutschland bei ihrem Vater leben zu können. Die 

Vertrauensperson habe eine Kopie des Ausländerausweises des Vaters er-

beten, damit sie beim SEM Abklärungen machen könne. Am 5. Januar 

2018 habe sie bei der Asylbetreuung nochmals per Mail nachgefragt. Die 

Vertrauensperson habe am 16. Januar 2018 erfahren, dass die Beschwer-

deführerin abgängig sei, weshalb sie bei der Kantonspolizei ausgeschrie-

ben worden sei. Sie sei vom Lehrer der Beschwerdeführerin am 22. Januar 

2018 informiert worden, dass diese beim Vater in Deutschland weile. Sämt-

liche Versuche, mit ihr in Kontakt zu treten, seien gescheitert. Der Vertrau-

ensperson sei es nicht möglich gewesen, im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs darzulegen, dass entgegen der gesetzlichen Regelvermutung keine 

definitive Ausreise im Sinne von Art. 84 Abs. 4 AuG vorliege. Am 6. März 

2018 habe sich die Beschwerdeführerin beim Kantonalen Sozialdienst ge-

meldet und erklärt, sie sei zusammen mit ihrem Bruder C._______ (N […]) 

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mit dem Zug zum Vater nach Deutschland gereist. Sie habe zum Schulbe-

ginn wieder in die Schweiz zurückkehren wollen. Ihr Bruder habe ihr versi-

chert, dies sei kein Problem. Der Vater leide an Diabetes, einem Hüftleiden 

und an Demenz und sei auf Pflege und Betreuung angewiesen. Die Be-

schwerdeführerin hätte in Deutschland bleiben und ihn pflegen sollen. Das 

Asylgesuch in Deutschland habe sie auf Druck ihres Vaters eingereicht. Es 

sei davon auszugehen, dass Bruder und Vater die Absicht gehabt hätten, 

sie nach Deutschland zu locken und dort zu behalten. Da ihr Vater sie in 

Deutschland nicht habe vertreten können, sei ihr Bruder damit betraut wor-

den. Er sei bei den Anhörungen zu den Asylgründen dabei gewesen, wes-

halb die Beschwerdeführerin ihre eigenen Interessen gegenüber den deut-

schen Asylbehörden nicht habe kundtun können. Sie sei von ihrem Bruder 

und ihrem Vater überwacht worden und habe keinen Hausschlüssel erhal-

ten. Meistens sei sie in Begleitung unterwegs gewesen. Sie habe lediglich 

Kontakt mit dem ehrenamtlichen Helfer B._______ gehabt, dem sie sich 

habe anvertrauen können. Sie habe ihm nach wenigen Tagen mitgeteilt, 

sie wolle in die Schweiz zurückkehren. Es sei ihr wichtig gewesen, den 

Schulbesuch fortzusetzen, weshalb sie ihren Lehrer kontaktiert habe. Am 

1. März 2018 sei es ihr mit Hilfe von Herrn B._______ gelungen, sich von 

Vater und Bruder zu entfernen und in die Schweiz zurückzukehren. Vater 

und Bruder hätten sich nicht bemüht, sie zu finden, da sie davon ausge-

gangen seien, sie sei in die Schweiz zurückgekehrt. Nach ihrer Rückkehr 

habe sie sich am 6. März 2018 bei der Schule gemeldet und gefragt, ob 

ein Wiedereintritt möglich sei. Ab dem 19. März 2018 habe sie die Schule 

wieder besuchen können. Es sei ihr bewusst, dass sie einen Fehler ge-

macht habe. Die Sehnsucht nach ihrem Vater sei so gross gewesen, dass 

sie ihrem Bruder leichtgläubig gefolgt sei und sich keine Gedanken über 

die Konsequenzen gemacht habe. Sie habe die Absichten von Bruder und 

Vater nicht gekannt. Dass sie sich während ihres Aufenthalts in Deutsch-

land und nach der Rückkehr mit dem Lehrer und der Schule in Verbindung 

gesetzt habe, zeige, dass sie mit der Absicht eines kurzen Besuches nach 

Deutschland gegangen sei.  

3.3 Das SEM führt in der Vernehmlassung vom 18. April 2018 aus, die Be-

schwerdeführerin habe gemäss der Sachverhaltsdarstellung gewusst, 

dass sie nicht legal nach Deutschland habe reisen können. Bei ihrem Bru-

der handle es sich um einen rechtskräftig abgewiesenen Asylbewerber, der 

anstatt seiner Ausreisepflicht nachzukommen, unkontrolliert abgereist sei. 

Es erscheine wenig glaubhaft, dass sie Zusicherungen ihres Bruders mehr 

Glauben geschenkt habe, als den Angaben der beruflich für sie zuständi-

gen Vertrauensperson. Durch die Stellung des Asylgesuchs in Deutschland 

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habe sie implizit zu verstehen gegeben, dass sie nicht mehr auf den ihr 

subsidiär gewährten Schutz der Schweiz angewiesen sei. Das Vorbringen, 

sie habe das Asylgesuch nur auf Druck ihres Vaters gestellt, sei eine un-

belegte Parteibehauptung. Gleiches gelte für die während der Zeit in 

Deutschland durch Vater und Bruder ausgeübte Kontrolle. Insbesondere 

verwundere, dass sie keine Stellungnahme von Herrn B._______ ins Recht 

lege. Der geltend gemachte Zwang und die angebliche Kontrolle durch ih-

ren Bruder und ihren Vater seien mangels Vorliegen von Belegen als Sach-

verhaltskonstrukt zu qualifizieren.  

3.4 In der Stellungnahme vom 7. Mai 2018 wird entgegnet, es werde auf 

den Mailverkehr der Vertrauensperson mit B._______ zwischen dem 7. 

und dem 18. März 2018 verwiesen, welcher der Beschwerde beigelegen 

habe. Die Schilderungen von Herrn B._______ deckten sich mit den Anga-

ben der Beschwerdeführerin. Er habe ihre Not erkannt und sie bei einer 

Rückkehr in die Schweiz unterstützt; er habe keine eigenen Interessen o-

der Vorteile, die ihn hätten veranlassen können, einen Sachverhalt zu kon-

struieren, damit die Beschwerdeführerin wieder in Genuss der vorläufigen 

Aufnahme komme. Das SEM vermute, dass sie das Asylgesuch in 

Deutschland aus freien Stücken gestellt habe, habe aber keine Beweise 

dafür. Zuletzt sei darauf hinzuweisen, dass es erstaune, welch romantische 

Vorstellungen das SEM von der Zusammenarbeit zwischen Vertrauensper-

son und unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden habe. Mehrheitlich 

werde zuerst den eigenen Landsleuten vertraut und geglaubt und erst in 

einem weiteren Schritt einer Drittperson oder einem Behördenvertreter. 

Seien Familienmitglieder involviert, könne es noch schwieriger werden, ein 

Vertrauensverhältnis zu einem Minderjährigen aufzubauen. Die Beschwer-

deführerin habe gewusst, dass ihre Reise nach Deutschland nicht erlaubt 

sei, aber Blut sei dicker als Wasser und es habe für sie keinen Grund zur 

Annahme gegeben, ihr erwachsener Bruder werde sein Wort nicht halten. 

Für sie habe festgestanden, dass sie im Januar 2018 den Schulbesuch in 

der Schweiz fortsetzen werde. 

4.  

4.1 Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die damals noch 

minderjährige Beschwerdeführerin die Schweiz Ende Dezember 2017 frei-

willig verliess und sich zusammen mit ihrem volljährigen Bruder nach 

Deutschland begab, um dort ihren gesundheitlich angeschlagenen Vater 

zu besuchen. Sie war nicht im Bild über die Pläne ihres Vaters und ihres 

Bruders, gemäss denen sie in Deutschland hätte verbleiben sollen, um dort 

für ihren gesundheitlich angeschlagenen Vater zu sorgen. Sie wusste zwar 

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nach einem Gespräch mit ihrer Vertrauensperson, dass sie ohne Bewilli-

gung der schweizerischen Behörden die Reise nach Deutschland nicht 

hätte antreten dürfen, ging aber aufgrund der Zusicherungen ihres Bruders 

davon aus, sie könne rechtzeitig zum Schulbeginn im Januar 2018 wieder 

in die Schweiz zurückkehren. Da ein Grenzübertritt innerhalb des Schen-

gen-Raums in aller Regel problemlos möglich ist und die Beschwerdefüh-

rerin, selbst für den Fall, dass man sie bei der Ausreise oder bei der Rück-

kehr kontrolliert hätte, nicht damit rechnen musste, nicht mehr in die 

Schweiz zurückkehren zu dürfen, erscheint es nicht abwegig, dass sie den 

Zusicherungen ihres Bruders, sie werde zu Schulbeginn wieder in der 

Schweiz sein, Glauben schenkte. Als glaubhaft zu erachten ist mithin, dass 

sie unter falschen Versprechungen ihrer Angehörigen nach Deutschland 

gelockt wurde, um den Bedürfnissen des gesundheitlich angeschlagenen 

Vaters zu dienen. Sie wurde von ihrem Vater und ihrem Bruder unter Druck 

gesetzt, in Deutschland ein Asylgesuch zu stellen, und konnte sich den 

deutschen Behörden gegenüber nicht öffnen, da ihr Bruder ihr beigeordnet 

wurde und an den Anhörungen teilnahm. Hingegen legte sie dem ehren-

amtlichen Helfer die (wahren) Umstände ihres Aufenthalts in Deutschland 

dar, worauf dieser ihr zusicherte, ihr bei einer Rückkehr in die Schweiz be-

hilflich zu sein. Unter anderem nahm er Kontakt mit dem Vertrauenslehrer 

der Beschwerdeführerin auf und unterstützte sie dabei, in einem „unbeauf-

sichtigten“ Moment der Kontrolle durch ihren Bruder und ihren Vater zu 

entkommen. Sie kehrte eigenständig in die Schweiz zurück, meldete sich 

bei ihrer Schule und bei ihrer Vertrauensperson. Die Angaben, welche in 

der Beschwerde zu den Vorkommnissen gemacht wurden, die sich in 

Deutschland zutrugen, werden in weiten Teilen durch die beigelegten  

E-Mail-Schreiben vom 7. und 18. März 2018 des ehrenamtlichen Helfers, 

Herrn B._______, bestätigt. Dass das SEM in seiner Vernehmlassung fest-

hielt, es verwundere, dass die Beschwerdeführerin keine Stellungnahme 

von Herrn B._______ einreiche, und deshalb den geltend gemachten 

Zwang und die angebliche Kontrolle durch ihren Bruder und ihren Vater 

mangels Vorliegens von Belegen als Sachverhaltskonstrukt qualifizierte, 

lässt sich nur dadurch erklären, dass die Vorinstanz, die der Beschwerde 

beiliegenden E-Mail-Schreiben vom 7. und 18. März 2018 übersah. Über-

einstimmend mit der von der Vertrauensperson der Beschwerdeführerin 

vertretenen Auffassung ist kein Grund ersichtlich, an der Wahrheit der 

nachvollziehbaren und konsistenten Ausführungen des ehrenamtlichen 

Helfers, Herrn B._______, zu zweifeln. Dieser führt aus, auf Wunsch der 

Beschwerdeführerin sei zu ihm ein Vertrauensverhältnis entstanden. Sie 

habe ihm in zahlreichen Gesprächen unter vier Augen versichert, gegen 

den Willen ihres Vaters und ihres Bruders in die Schweiz zurückkehren zu 

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wollen. Dieser Entschluss sei bei ihr bereits im Januar 2018 festgestanden. 

Aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen ergeben sich mithin 

keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin weder zum 

Zeitpunkt ihrer Ausreise noch später beabsichtigte, in Deutschland zu ver-

bleiben. Die Schlussfolgerung des SEM, die Beschwerdeführerin habe im 

Zeitpunkt ihrer Ausreise aus der Schweiz den ihr hier gewährten Schutz 

aufgeben wollen, überzeugt angesichts der vorliegenden Umstände nicht. 

An dieser Einschätzung ändert im vorliegenden Fall auch der Umstand 

nichts, dass die Beschwerdeführerin am 22. Januar 2018 in Deutschland 

ein Asylgesuch eingereicht hat. Die Einreichung eines Asylgesuchs im Aus-

land stellt zwar in der Regel einen Erlöschenstatbestand dar, weil die be-

treffende Person damit manifestiert, dass sie den Schutz der Schweiz nicht 

mehr beanspruchen will (vgl. Art. 26a Bst. a VVWAL BVGE 2017 VI/2 

E. 6.1 und E. 6.2). Dies kann jedoch nur gelten, wenn die Einreichung des 

Asylgesuches im Ausland ohne Willensmängel erfolgt ist. Vorliegend muss 

jedoch aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen davon ausge-

gangen werden, die damals noch minderjährige Beschwerdeführerin habe 

in Deutschland unter dem Einfluss und Druck von Vater und Bruder und 

nicht aus freier Entscheidung um Asyl ersucht.  

4.2 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass das SEM ange-

sichts der konkreten Umstände des zu beurteilenden Einzelfalls zu Unrecht 

festgestellt hat, die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin sei durch 

ihre gegen ihren freien Willen in Deutschland erfolgte Asylgesuchstellung 

erloschen. 

5.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die angefochtene 

Verfügung vom 2. März 2018 ist daher aufzuheben und festzustellen, dass 

die vom SEM 14. April 2016 angeordnete vorläufige Aufnahme nicht erlo-

schen ist und weiterhin Bestand hat. Der Eventualantrag auf Rückweisung 

der Sache zur Neubeurteilung ist dadurch gegenstandslos geworden.  

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

6.2 Da die Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren von ihrer Vertrau-

ensperson vertreten wurde und diese im Rahmen ihres amtlichen Mandats 

handelte, sind ihr durch die Beschwerdeführung keine Kosten entstanden, 

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Seite 10 

weshalb die Ausrichtung einer Parteientschädigung nicht in Betracht fällt 

(Art. 64 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 2. März 2018 wird aufgehoben. 

3.  

Es wird festgestellt, dass die vom SEM 14. April 2016 angeordnete vorläu-

fige Aufnahme nicht erloschen ist und weiterhin Bestand hat. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

5.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

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