# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d69cc8af-8ee5-52e9-b2d3-9da27cb77bfe
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.12.2011 C-5835/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-5835-2010_2011-12-09.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung III
C­5835/2010

U r t e i l   v om   9 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz),
Richterin Elena Avenati­Carpani,
Richter Jean­Daniel Dubey,
Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann.

Parteien A._______,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch lic.iur. Judith Napier, Advokatin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz

Gegenstand Einreiseverbot.

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin,  eine  1958  geborene  kanadische 
Staatsangehörige, wurde am 26. Dezember 2009 bei der beabsichtigten 
Ausreise  im  Flughafen  Zürich  kontrolliert  und  –  weil  der  Verdacht  auf 
Missachtung  ausländerrechtlicher  Bestimmungen  bestand  –  der 
Kantonspolizei Zürich zugeführt.

B. 
In  der  unmittelbar  darauf  von  der  Kantonspolizei  durchgeführten 
Befragung  gestand  die  Beschwerdeführerin  nach  Vorhalt  eines 
entsprechenden  Passeintrages  ein,  am  21.  April  2009  über  den 
Flughafen Basel  in die Schweiz eingereist zu sein und das Land seither 
(mit Ausnahme kurzer Ausflüge nach Deutschland) nicht mehr verlassen 
zu haben. Eigentlich hätte sie noch bis im Januar hier bleiben wollen, sich 
dann  aber  wegen  einer  Erkrankung  ihrer  Mutter  für  eine  vorzeitige 
Ausreise entschieden. Während  ihrer Anwesenheit  in der Schweiz habe 
sie sich die ganze Zeit bei ihrem im Kanton Basel­Landschaft wohnhaften 
Freund,  einem  deutschen  Staatsangehörigen,  aufgehalten.  Einen 
gleichartigen Besuch habe sie schon zwischen Sommer und Herbst 2008 
abgestattet.  Über  die Einreisevorschriften  habe  sie  sich  vorgängig  nicht 
informiert;  sie  sei  davon  ausgegangen,  dass  sie  sich  6  Monate  in  der 
Schweiz aufhalten dürfe.

Die  Beschwerdeführerin  wurde  von  der  Kantonspolizei  über  die 
Rapporterstattung  an  die  zuständigen  Behörden  informiert  und  über 
Folgen  straf­  und  administrativrechtlicher  Art  (insbesondere  über  den 
möglichen  Erlass  einer  Fernhaltemassnahme)  ins  Bild  gesetzt. 
Anschliessend wurde sie in den Transitbereich des Flughafens entlassen, 
worauf sie das Land verliess.

C. 
Noch  gleichentags,  am  26.  Dezember  2009,  wurde  die 
Beschwerdeführerin  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Winterthur  / 
Unterland,  Zweigstelle  Flughafen,  des  rechtswidrigen  Aufenthalts  im 
Sinne  von  Art.  115  Abs.  1  Bst.  b  des  Ausländergesetzes  vom 
16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) für schuldig befunden und zu einer 
Geldstrafe  von  40  Tagessätzen  zu  Fr.  30.­  verurteilt,  wobei  die  Strafe 
unter Ansetzung einer Probezeit  von  zwei  Jahren aufgeschoben wurde. 
Der  Strafbefehl  konnte  der  Beschwerdeführerin  noch  vor  ihrer  Ausreise 

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eröffnet  werden;  er  blieb  offenbar  unangefochten  und  erwuchs  in 
Rechtskraft.

D. 
Gestützt  auf  den  gleichen  Sachverhalt  verfügte  die  Vorinstanz  am 
4. Februar  2010  gegenüber  der  Beschwerdeführerin  ein  zweijähriges 
Einreiseverbot. Zur Begründung führte sie unter Bezugnahme auf Art. 67 
Abs. 1 Bst. a AuG (zur damaligen Fassung vgl. AS 2007 5437) aus, es 
liege  ein  Verstoss  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  vor 
wegen  illegaler  Einreise  und  illegalen  Aufenthalts.  Einer  allfälligen 
Beschwerde  entzog  die  Vorinstanz  vorsorglich  die  aufschiebende 
Wirkung.  Des  weiteren  wies  sie  in  der  Verfügung  darauf  hin,  dass  das 
Einreiseverbot  –  gestützt  auf  eine  Ausschreibung  im  Schengener 
Informationssystem  SIS  –  Wirkung  für  das  gesamte  Gebiet  der 
Schengener Mitgliedstaaten entfalte.

Die  Verfügung  wurde  der  Betroffenen  von  der  Vorinstanz  vorerst  nicht 
eröffnet.

E. 
Am  25.  Februar  2010  wollte  die  Beschwerdeführerin  von  Kanada 
herkommend  am  Flughafen  Frankfurt  a.M.  in  die  Bundesrepublik 
Deutschland  einreisen.  Dabei  wurde  sie  von  der  dortigen 
Bundespolizeiinspektion  kontrolliert,  und  ihr  wurde  die  Einreise  unter 
Hinweis auf die Ausschreibung im SIS verweigert. 

F. 
Am  16.  Juni  2010  bevollmächtigte  die  Beschwerdeführerin  die 
Rechtsanwälte Baader  in Gelterkinden mit der Wahrung  ihrer  Interessen 
und  am  13.  Juli  2010  übermittelte  die  Vorinstanz  der  eingesetzten 
Rechtsvertreterin wunschgemäss die Verfahrensakten.

G. 
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  17.  August  2010  gelangte  die 
Beschwerdeführerin  über  ihre  Rechtsvertreterin  an  das 
Bundesverwaltungsgericht.  Darin  beantragt  sie,  die  vorinstanzliche 
Verfügung  sei  ersatzlos  aufzuheben,  eventualiter  in  ihrer  Dauer 
angemessen,  d.h.  auf  höchstens  ein  Jahr  zu  befristen.  In  formeller 
Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres Anspruchs auf 
rechtliches  Gehör  und  Eröffnungsmängel.  Diese  Mängel  könnten  nicht 
nachträglich  im  Beschwerdeverfahren  geheilt  werden.  Sie  hätten 

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Nichtigkeit  zur  Folge  und  müssten  schon  für  sich  allein  zwingend  zur 
Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  führen.  Sollte  das 
Bundesverwaltungsgericht dieser Argumentation nicht folgen, so wäre die 
Fernhaltemassnahme  wegen  fehlerhafter  Ausübung  des 
Entschliessungsermessens dennoch gänzlich aufzuheben. Zwar habe sie 
(die Beschwerdeführerin) sich rund fünf Monate zu lange in der Schweiz 
aufgehalten.  Dabei  handle  es  sich  aber  um  einen  einmaligen  Verstoss 
gegen  die  schweizerische Rechtsordnung.  Komme  hinzu,  dass  sie  sich 
einzig  zum  Zwecke  eines  Verbleibs  bei  ihrem  Freund  hier  aufgehalten 
habe und schliesslich aus eigenem Antrieb ausgereist sei. Ihre Einreise in 
die  Schweiz  im April  2009  sei  entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz 
rechtmässig  gewesen,  habe  sie  doch  damals  noch  nicht  beabsichtigt, 
sich länger als drei Monate hier aufzuhalten. Entsprechend sei auch kein 
Visum notwendig gewesen. Der Unrechtsgehalt der von  ihr begangenen 
Ordnungswidrigkeit  wiege  nicht  schwer  und  es  bestehe  auch  keine 
Gefahr,  dass  sich  solches  wiederholen  könnte,  da  sie  ja  jetzt  die 
Vorschriften  kenne.  Sollte  das  Bundesverwaltungsgericht  dennoch  zur 
Auffassung gelangen, dass eine Fernhaltemassnahme am Platze sei, so 
wäre  diese  in  gehöriger  Berücksichtigung  ihrer  persönlichen  Interessen 
auf die Dauer eines Jahres zu reduzieren.

H. 
In ihrer Vernehmlassung vom 8. November 2010 bestreitet die Vorinstanz 
die von der Beschwerdeführerin gerügten formellen Mängel wie auch eine 
fehlende  Verhältnismässigkeit  und  schliesst  auf  Abweisung  der 
Beschwerde. 

I. 
In  einer  Replik  vom  29.  November  2010  hält  die  Beschwerdeführerin 
ihrerseits  an  ihren  Anträgen  und  deren  Begründung  fest.  Bei  gleicher 
Gelegenheit wies  sie darauf  hin,  dass  sich  ihre persönlichen  Interessen 
an  möglichst  ungehinderten  Einreisen  in  die  Schweiz  inzwischen  noch 
akzentuiert  hätten.  Im  September  2010  sei  ihre  Mutter  in  Kanada 
verstorben,  weshalb  sie  nun  ganz  besonders  auf  Unterstützung  durch 
ihren Lebenspartner in der Schweiz angewiesen sei. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

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gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR 
172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu 
gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung  eines  Einreiseverbotes 
eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges 
Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt 
nicht vor.

1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 
sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

1.3. Die Beschwerdeführerin  ist  als  Verfügungsbetroffene  zur  Erhebung 
des Rechtsmittels  legitimiert  (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die  im Übrigen 
frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 
50 und 52 VwVG).

1.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  der  vorliegenden 
Streitsache endgültig  (Art.  83 Bst.  c Ziff.  1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

2. 
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung 
von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des 
Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  –  soweit  nicht  eine  kantonale 
Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit 
gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet 
das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4 
VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die 
Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen 
gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage 
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2).

3. 
3.1. 
3.1.1. Die Beschwerdeführerin  rügt eine Verletzung  ihres Anspruchs auf 
rechtliches Gehör. Zwar sei sie von der Kantonspolizei Zürich anlässlich 
ihrer  Einvernahme  am  26.  Dezember  2009  darüber  informiert  worden, 
dass die zuständige Behörde allenfalls eine Fernhaltemassnahme gegen 

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sie  aussprechen  könnte.  Das  sei  aber  nicht  genügend,  weil  in  diesem 
Zeitpunkt noch gar nicht  festgestanden habe, ob überhaupt und  falls  ja, 
wann die Vorinstanz ein Einreiseverbot verfügen werde. 

3.1.2.  Die  Beschwerdeführerin  stellt  nicht  in  Abrede,  von  der 
Kantonspolizei  Zürich  auf  ein  möglicherweise  zu  verhängendes 
Einreiseverbot aufmerksam gemacht worden zu sein und die Möglichkeit 
erhalten  zu  haben,  dagegen  Einwände  zu  erheben.  Damit  wurde  ihren 
Ansprüchen  in Bezug auf  die Wahrung des  rechtlichen Gehörs Genüge 
getan. Der Einwand der Beschwerdeführerin geht schon deshalb an der 
Sache  vorbei,  weil  der  verfügenden  Behörde  –  wie  die 
Beschwerdeführerin  in  anderem  Zusammenhang  zu  Recht  selbst 
feststellt  –  ein  Entschliessungsermessen  zukommt  und  sie  bei  ihrem 
Entscheid,  ob  sie  überhaupt  eine Massnahme  verhängen will, mögliche 
Einwände der verfügungsbelasteten Person mit zu berücksichtigen hat. 

3.2. 
3.2.1. Des weiteren  rügt die Beschwerdeführerin Eröffnungsmängel. Die 
Verfügung datiere zwar vom 4. Februar 2010, sei ihr aber erst am 14. Juli 
2010 eröffnet worden. Indem die Vorinstanz sie (die Beschwerdeführerin) 
dennoch  schon  bei  Erlass  der  Verfügung  im  SIS  zur 
Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  habe,  habe  sie  in  rechtswidriger 
Weise ein Einreiseverbot für das gesamte Gebiet der Schengen­Staaten 
bewirkt. Sie  (die Beschwerdeführerin) sei deshalb bei  ihrer Landung am 
25.  Februar  2010  im Flughafen Frankfurt  a.M.  angehalten  und an  einer 
Einreise  in  den  Schengen­Raum  gehindert  worden.  Hätte  sie  vom 
Einreiseverbot  gewusst,  hätte  sie  gar  nicht  erst  versucht,  in  den 
Schengen­Raum  einzureisen.  Entsprechend  seien  ihr  die  in  diesem 
Zusammenhang  erwachsenen  Kosten  (von  den  deutschen  Behörden 
erhobene Verwaltungsgebühren) von der Vorinstanz zu ersetzen.

3.2.2. Die Rügen der Beschwerdeführerin zielen auch in diesem Punkt ins 
Leere.  In Wirklichkeit  geht es nicht  um eine mangelhafte Eröffnung und 
deren Folgen. Die angefochtene Verfügung wurde unbestrittenermassen 
am  14.  Juli  2010  eröffnet.  Zuvor  war  nicht  etwa  mangelhaft,  sondern 
überhaupt nicht eröffnet worden. Soweit die Beschwerdeführerin geltend 
macht,  die  von  der  Vorinstanz  schon  mit  der  Ausfällung  der 
angefochtenen  Verfügung  und  lange  vor  deren  Eröffnung  veranlasste 
Ausschreibung  im  SIS  sei  rechtswidrig  gewesen  und  einen  ihr  daraus 
entstandenen  finanziellen  Schaden  ersetzt  haben  will,  stellt  sie 
Forderungen,  die  nicht  im  vorliegenden  Verfahren,  sondern  im 

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Zusammenhang mit  einer  allfällig  gegen  die  Vorinstanz  zu  erhebenden 
Verantwortlichkeitsklage zu beurteilen wären. 

3.3.  Unter  den  gegebenen  Umständen  braucht  nicht  näher  darauf 
eingegangen zu werden, welche rechtlichen Folgen die gerügten Mängel 
– sollten sie bestätigt werden – haben würden.

4. 
4.1.  Die  Vorinstanz  schliesst  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  4. 
Februar  2010  auf  einen  Verstoss  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und 
Ordnung und stützt die Massnahme auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG in der 
damals gültigen Fassung.

4.2.  Mit  dem  Bundesbeschluss  über  die  Genehmigung  und  die 
Umsetzung  des  Notenaustauschs  zwischen  der  Schweiz  und  der  EG 
betreffend  die  Übernahme  der  EG­Rückführungsrichtlinie  (Richtlinie 
2008/115/EG) vom 18. Juni 2010 (AS 2010 5925) wurde Art. 67 AuG mit 
Wirkung  per  1. Januar  2011  revidiert,  ohne  dass 
Übergangsbestimmungen  erlassen  worden  wären.  Diese 
Rechtsänderung ist allerdings im Falle der Beschwerdeführerin nicht von 
Relevanz. Denn die  zuvor  in Art.  67 Abs.  1 AuG geregelte Fernhaltung 
wegen Verstosses  gegen  die  öffentliche Sicherheit  und Ordnung wurde 
unverändert  in  Abs.  2  der  neuen  Norm  übernommen.  Betroffen  ist  die 
Beschwerdeführerin auch nicht von der Neuformulierung in Art. 67 Abs. 3 
AuG,  steht  doch  nicht  ein  Einreiseverbot  von mehr  als  fünf  Jahren  zur 
Diskussion.  Der  Anwendung  des  neuen  Rechts  –  auf  das  nachfolgend 
der Einfachheit halber allein Bezug genommen wird – steht somit nichts 
entgegen.

5. 
5.1. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung  im Sinne von Art. 67 Abs. 2 
Bst.  a  AuG  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der  polizeilichen 
Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die  Unverletzlichkeit  der 
objektiven  Rechtsordnung  und  der  Rechtsgüter  Einzelner  (BBl  2002 
3809; vgl. auch RAINER J. SCHWEIZER / PATRICK SUTTER / NINA WIDMER, in: 
Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits­ und Ordnungsrecht des Bundes, 
SBVR  Bd.  III/1,  Basel  2008,  Teil  B  Rz.  13  mit  Hinweisen).  In  diesem 
Sinne  liegt nach Art.  80 Abs. 1 Bst.  a der Verordnung vom 24. Oktober 
2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR 
142.201) ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter 
anderem  dann  vor,  wenn  gesetzliche  Vorschriften  oder  behördliche 

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Verfügungen  missachtet  werden.  Widerhandlungen  gegen  Normen  des 
Ausländerrechts fallen ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und 
können  als  solche  ein  Einreiseverbot  nach  sich  ziehen  (vgl.  BBl  2002 
3813).

5.2.  Für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  ist  kein  vorsätzlicher 
Verstoss  gegen  ausländerrechtliche  Bestimmungen  erforderlich.  Es 
genügt,  wenn  der  ausländischen  Person  eine  Sorgfaltspflichtverletzung 
zugerechnet  werden  kann.  Unkenntnis  oder  Fehlinterpretation  der 
Einreise­  und  Aufenthaltsvorschriften  stellen  normalerweise  keinen 
hinreichenden  Grund  für  ein  Absehen  von  einer  Fernhaltemassnahme 
dar.  Jeder  Ausländerin  und  jedem  Ausländer  obliegt,  sich  über 
bestehende  Rechte  und  Pflichten  im  Zusammenhang  mit 
ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu setzen und sich im Falle von 
Unklarheiten  bei  der  zuständigen  Stelle  zu  informieren  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts 
C­7263/2008 vom 31. August 2010 E. 4.1 S. 6 mit Hinweis).

5.3.  Wird  gegen  eine  Person,  die  nicht  das  Bürgerrecht  eines 
Mitgliedstaates  der  Europäischen  Union  besitzt  (Drittstaatsangehörige), 
ein Einreiseverbot nach Art. 67 AuG verhängt, wird diese Person gestützt 
auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 
zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen 
Abbau  der  Kontrollen  an  den  gemeinsamen  Grenzen  (Schengener 
Durchführungsübereinkommen  [SDÜ],  Abl.  L  239  vom  22.  September 
2000,  S.  19­62)  und  Art.  16  Abs.  2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom 
13. Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes 
(BPI, SR 361) in der Regel im Schengener Informationssystem ([SIS], vgl. 
dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben.  Diese 
Ausschreibung  bewirkt  dem  Grundsatz  nach,  dass  der  betroffenen 
Person  die  Einreise  in  das Hoheitsgebiet  der  Schengen­Mitgliedstaaten 
verboten  ist  (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst d und Art. 13 Abs. 1 der Verordnung 
[EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. 
März  2006  über  einen  Gemeinschaftskodex  für  das  Überschreiten  der 
Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 
vom  13.  April  2006,  S.  1­32]).  Vorbehalten  bleibt  die  Zuständigkeit  der 
Mitgliedstaaten,  einer  solchen  Person  aus  humanitären  Gründen  oder 
Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler 
Verpflichtungen  die  Einreise  in  das  eigene  Hoheitsgebiet  zu  gestatten 
(Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK) bzw. ihr zu diesem Zweck 
ein  Schengen­Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  auszustellen 

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(Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  [ii]  der  Vorordnung  [EG]  Nr.  810/2009  des 
Europäischen Parlaments  und  des Rates  vom 13.  Juli  2009 über  einen 
Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex], Abl. L 243 vom 15. September 
2009).

6. 
6.1. Ausländische Personen,  die  in  der  Schweiz  keiner  Erwerbstätigkeit 
nachgehen,  bedürfen  für  einen  Aufenthalt  von  bis  zu  drei  Monaten 
innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach der Einreise  keiner 
Bewilligung,  und  sie  müssen  sich  nicht  anmelden  (bewilligungsfreier 
Aufenthalt; Art. 10 AuG und Art. 9 VZAE). Die Einreisevoraussetzungen 
nach  Art.  5  AuG  müssen  während  des  gesamten  bewilligungsfreien 
Aufenthalts  erfüllt  sein  (Art.  9  Abs.  2  VZAE).  An  die 
Höchstaufenthaltsdauer  von  drei  Monaten  anrechenbar  sind  dabei 
Aufenthalte  in der Schweiz und  im übrigen Schengen­Raum. Das ergibt 
sich aus dem Vorrang des Schengen­Rechts (Art. 2 Abs. 4 AuG) und der 
Tatsache,  dass  sich  im  Anwendungsbereich  des  Schengen­Rechts 
visumspflichtbefreite Drittausländer höchsten drei Monate innerhalb einer 
Frist  von  sechs  Monaten  vom  Datum  der  ersten  Einreise  an  im 
Hoheitsgebiet der Schengen­Staaten frei bewegen dürfen, und auch das 
nur, wenn und solange sie die Einreisevoraussetzungen des Art. 5 Abs. 1 
SGK erfüllen (Art. 20 Abs. 1 SDÜ).

6.2.  Die  Beschwerdeführerin  hielt  sich  unbestrittenermassen  vom  21. 
April  bis  zum  26.  Dezember  2009  in  der  Schweiz  auf,  ohne  diesen 
Aufenthalt  in  rechtlich  relevanter Weise  zu  unterbrechen  und  ohne  sich 
anzumelden  bzw.  ohne  die  dazu  erforderliche  Bewilligung  einzuholen 
(Art. 12 AuG bzw. Art. 10 Abs. 2 AuG). Es steht ausser Frage und wurde 
im Übrigen auch vom Strafbefehlsrichter  festgestellt, dass sie damit den 
bewilligungsfrei  zulässigen  maximalen  Aufenthalt  um  mehr  als  fünf 
Monate  überzogen  hat.  Wie  es  sich  mit  der  Rechtmässigkeit  ihrer 
Einreise  verhält  (die  Beschwerdeführerin  behauptet,  anlässlich  ihrer 
Einreise  noch  nicht  die  Absicht  gehabt  zu  haben,  sich  länger  als  drei 
Monate in der Schweiz bzw. im Schengen­Raum aufzuhalten) muss nicht 
abschliessend beurteilt werden,  denn der  illegale Aufenthalt  bildet  unter 
dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG hinreichenden Anlass 
für  die  Verhängung  einer  Fernhaltemassnahme.  Immerhin  ist  darauf  zu 
verweisen, dass die Einreisevoraussetzungen von Art. 5 Abs. 1 SGK für 
eine  Einreise  in  das  Hoheitsgebiet  der  Schengen­Staaten  während  der 
ganzen Dauer des Aufenthaltes in diesem Raum erfüllt sein müssen (Art. 

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20 Abs. 1 SDÜ; vgl. auch die bereits erwähnte landesrechtliche Regelung 
in Art. 9 Abs. 2 VZAE).

7. 
7.1.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  angeordnete  Massnahme  in  richtiger 
Ausübung des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz 
der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem 
Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem 
öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der 
Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  der  Betroffenen 
andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter, 
die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die 
persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den 
Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  ULRICH  HÄFELIN  / 
GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., 
Zürich / St. Gallen 2010, Rz. 613 ff.).

7.2. Das Fehlverhalten der Beschwerdeführerin wiegt objektiv nicht leicht. 
Es beinhaltet die Missachtung einer ausländerrechtlichen Norm, welcher 
im  Interesse  einer  funktionierenden  Rechtsordnung  zentrale  Bedeutung 
zukommt.  Aber  auch  was  die  subjektive  Seite  anbelangt,  ist  das 
Verhalten  der  Beschwerdeführerin  nicht  zu  bagatellisieren.  So  hielt  sie 
sich unbestrittenermassen nach Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthalts 
von drei Monaten noch weitere gut fünf Monate in der Schweiz auf. Selbst 
wenn sie – wie von ihr behauptet – davon ausgegangen sein sollte, sich 
ununterbrochen  während  sechs Monaten  im  Schengen­Raum  aufhalten 
zu  dürfen,  hat  sie  sich  demnach  bewusst  über  die  geltende 
Rechtsordnung  hinweggesetzt.  Das  öffentliche  Interesse  an  ihrer 
befristeten  Fernhaltung  lässt  sich  mit  den  von  ihr  geltend  gemachten 
Umständen  (Aufenthalt  ausschliesslich  beim  Freund,  kein  Bezug  von 
Sozialhilfe,  keine  sonstige  Delinquenz,  Ausreise  aus  eigenem  Antrieb, 
fehlende  Wiederholungsgefahr)  nicht  ernsthaft  in  Frage  stellen.  Nach 
dem  bisher  Gesagten  ist  dem  öffentlichen  Interesse  an  einer  zeitlich 
befristeten Fernhaltung grosses Gewicht beizumessen. 

7.3.  Was  die  persönlichen  Interessen  der  Beschwerdeführerin  daran 
betrifft,  ohne  besondere  Restriktionen  in  die  Schweiz  einreisen  zu 
können,  so  geht  sie  offenbar  irrtümlicherweise  davon  aus,  das 
Einreiseverbot gelte absolut und verunmögliche von vornherein jeglichen 
persönlichen  Kontakt  zu  ihrem  Lebenspartner  innerhalb  der  Schweiz. 
Gemäss Art.  67 Abs.  5  in  fine AuG kann die  verfügende Behörde  (also 

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das BFM) das Einreiseverbot vorübergehend aufheben, wenn humanitäre 
oder andere wichtige Gründe bestehen. 

7.4. Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden öffentlichen 
und  privaten  Interessen  führt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum 
Schluss,  dass  das  auf  zwei  Jahre  befristete Einreiseverbot  sowohl  vom 
Grundsatz her als auch in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige 
und angemessene Massnahme zum Schutze der öffentlichen Sicherheit 
und Ordnung  darstellt.  Sie  entspricht  auch  der  Praxis  in  vergleichbaren 
Fällen  (vgl.  anstelle  vieler  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
C­ 1667/2010 vom 21. März 2011, C­6017/2010 vom 19. April 2011 und 
C­5458/2010 vom 3. November 2011). 

8. 
Aus  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene 
Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt  und  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt;  sie  ist  auch  angemessen 
(Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen.

9. 
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin 
die Kosten aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1 VwVG  i.V.m. Art.  1, Art.  2  und 
Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [SR  173.320.2]). 
Auf  die  Unzulässigkeit  ihres  Antrags  im  Zusammenhang  mit  dem 
eingeforderten Schadenersatz wurde bereits hingewiesen (E 3.2.2).

Dispositiv S. 12

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss 
gedeckt.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
– die Vorinstanz (Beilage: Akten ZEMIS Ref­Nr. […])

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Andreas Trommer Denise Kaufmann

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