# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f99572d8-7371-599b-b590-999bdefceaa7
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1999-05-06
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 06.05.1999 JAAC 64.132
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-64-132--_1999-05-06.pdf

## Full Text

JAAC 64.132

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 6. Mai 1999 in Sachen

Kanton X gegen Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit;
97/LE-002

Loi sur l’assurance-chômage. Rapport avec les autres assurances
sociales. Responsabilité du titulaire. Compensation.

Art. 99 al. 1 LACI. Rapport avec la prévoyance professionnelle.

Les prestations d’une assurance sociale (rente invalidité LPP) ajoutées à
celles de l’assurance-chômage peuvent conduire à une surindemnisation
prohibée par la loi sur l’assurance-chômage. Dans un tel cas, les
indemnités de chômage déjà perçues doivent en principe être réclamées
et la demande de restitution doit être compensée avec les prestations de
l’assurance sociale (consid. 3.2).

Art. 82 al. 1 LACI. Négligence dans l’exécution des tâches suite à
l’omission de déclarer la compensation?

L’omission de compenser ne peut être imputée à la seule caisse de
chômage, lorsque celle-ci, confrontée à une situation juridique
peu claire, pose des questions à l’Office fédéral du développement
économique et de l’emploi qui lui répond tardivement (consid. 3.3.1).

Art. 95 al. 1 LACI. Compensation des prestations d’assurances sociales.

L’autorité ne pourra procéder à la compensation qu’après avoir
prononcé par voie de décision le remboursement de l’indemnité de
chômage (consid. 3.3.2).

1

Arbeitslosenversicherung. Verhältnis zu anderen Sozialversicherungen.
Trägerhaftung. Verrechnung.

Art. 99 Abs. 1 AVIG. Verhältnis zur beruflichen Vorsorge.

Leistungen einer Sozialversicherung (BVG-Invalidenrente)
können zusammen mit Leistungen der Arbeitslosenversicherung
zu einer unzulässigen Überentschädigung im Sinne des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes führen. Soweit eine
Überentschädigung besteht, sind bereits ausgerichtete
Arbeitslosenentschädigungen zurückzufordern und die Rückforderung
mit den Sozialversicherungsleistungen zu verrechnen (E. 3.2).

Art. 82 Abs. 1 AVIG. Mangelhafte Aufgabenerfüllung durch unterlassene
Verrechnungserklärung?

Ersucht die Arbeitslosenkasse angesichts der unklaren Rechtslage
das Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit um Rechtsauskunft, kann
der Arbeitslosenkasse die infolge verspäteter Auskunftserteilung
unterbliebene Verrechnungserklärung nicht allein angelastet werden
(E. 3.3.1).

Art. 95 Abs. 1 AVIG. Verrechnung von Sozialversicherungsleistungen.

Vor der Verrechnung muss die Rückforderung der
Arbeitslosenentschädigung gegenüber dem rückleistungspflichtigen
Empfänger verfügt worden sein (E. 3.3.2).

Assicurazione contro la disoccupazione. Rapporto con le altre
assicurazioni sociali. Responsabilità dei titolari. Compensazione.

Art. 99 cpv. 1 LADI. Rapporto con la previdenza professionale.

Le prestazioni di un’assicurazione sociale (rendite d’invalidità LPP),
unitamente a quelle dell’assicurazione contro la disoccupazione,
possono portare a un sovrindennizzo inammissibile ai sensi della legge
sull’assicurazione contro la disoccupazione. Nella misura in cui sussita
un sovrindennizzo, le indennità di disoccupazione già versate devono
essere restituite e il rimborso deve essere compensato con le prestazioni
dell’assicurazione sociale (consid. 3.2).

Art. 82 cpv. 1 LADI. Adempimento insufficiente dei compiti per omissione
della dichiarazione di compensazione?

Se, in considerazione di una situazione giuridica poco chiara, la cassa
di disoccupazione pone domande all’Ufficio federale dello sviluppo
economico e del lavoro e quest’ultimo le risponde tardivamente, non
si può addossare solo alla cassa di disoccupazione l’omissione di
dichiarazione di compensazione (consid. 3.3.1).

Art. 95 cpv. LADI. Compensazione di prestazioni delle assicurazioni
sociali.

Prima di procedere alla compensazione, si deve procedere
all’emanazione della decisione di rimborso dell’indennità di
disoccupazione dovuta dal beneficiario (consid. 3.3.2).

2

A. bezog vom 1. November 1993 bis 31. Juli 1994 Arbeitslosenentschädigungen
von der öffentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons X. Mit Entscheid
vom 2. November 1995 sicherte die Beamtenversicherungskasse des
Kantons X rückwirkend auf den 1. November 1993 A. eine Rente der
Invaldidenversicherung (IV) zu und verfügte per 30. November 1995
eine Auszahlung von Fr. 45 924.65. Mit Verfügung vom 21. März 1996
forderte die Arbeitslosenkasse den Betrag von Fr. 20 820.40 von A. wegen
«Überentschädigung» zurück. Am 30. Mai 1997 erliess das kantonale Amt für
Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) auf Gesuch hin A. die Rückforderung.
In der Folge warf das Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit (hiernach:
Bundesamt) der Arbeitslosenkasse eine mangelhafte Erfüllung ihrer
Aufgaben vor und verpflichtete mit Verfügung vom 17. Juli 1997 den Kanton
X (als Kassenträger), der Ausgleichsstelle den Betrag von Fr. 20 820.40
zurückzuerstatten. Zur Begründung wurde angeführt, die Arbeitslosenkasse
habe es schuldhaft versäumt, rechtzeitig einen Verrechnungsantrag zu stellen,
und damit dem Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung einen Schaden
verursacht. Diese Verfügung focht der Kanton X, handelnd durch das KIGA, am
8. August 1997 bei der Rekurskommission EVD an.

Aus den Erwägungen:

3. (...) Somit ist im Folgenden zu prüfen, ob die Arbeitslosenkasse im
Sinne von Art. 82 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], SR 837.0) ihre Aufgabe dadurch
mangelhaft erfüllt hat, dass sie - wie das Bundesamt behauptet - keinen
Verrechnungsantrag stellte.

3.1. (Aufgaben der Arbeitslosenkassen)

3.2. Der Beschluss der Pensionskasse vom 2. November 1995, mit welchem
A. eine Invalidenrente gemäss dem Bundesgesetz vom 25. Juli 1982 über die
berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG, SR 831.40)
zugesprochen wurde, ging gemäss Eingangsstempel am 6. November 1995
beim KIGA ein. Anschliessend wurde er nach Angaben des KIGA an die
Arbeitslosenkasse weiter geleitet. Es darf daher nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge angenommen werden, dass die Arbeitslosenkasse ein bis
zwei Tage später im Besitz des Entscheides der Pensionskasse war. Darauf
wandte sich die Arbeitslosenkasse am 13. November 1995 - innert Wochenfrist
also - an die Pensionskasse, um nähere Angaben über die Berechnung der
BVG-Invalidenrente zu erhalten.

Es stellt sich die Frage, ob die Arbeitslosenkasse in diesem Stadium zu lange
gewartet hat und dadurch die ihr obliegenden Aufgaben mangelhaft erfüllt
hat.

3.2.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Arbeitslosenkasse sei im Fall
von A. erstmals mit der Situation konfrontiert gewesen, dass nachträglich
- neben einer Rente der Invalidenversicherung - auch die Ausrichtung
einer BVG-Invalidenrente in Aussicht gestellt worden sei. Das anwendbare
Recht beantworte die Frage nicht eindeutig, ob BVG-Invalidenrenten mit
Arbeitslosenversicherungsleistungen verrechnet werden dürften. Auch

3

den Kreisschreiben des Bundesamtes lasse sich in dieser Hinsicht nichts
entnehmen. Daher sei diese Frage für die Arbeitslosenkasse im November
1995 keineswegs einfach zu beantworten gewesen. Diese Unsicherheit habe
den Leiter der Arbeitslosenkasse veranlasst, sorgfältig abzuklären, ob die in
Aussicht gestellte BVG-Invalidenrente eine «Über-entschädigung» von A. zur
Folge haben werde und daher bei der Pensionskasse ein Verrechnungsantrag
gestellt werden müsse.

3.2.2. Leistungen der Invalidenversicherung (gestützt auf das BG vom
19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG], SR 831.20) sind
Leistungen einer Sozialversicherung, die zusammen mit Leistungen der
Arbeitslosenversicherung zu einer unzulässigen Überentschädigung im
Sinne von Art. 99 AVIG führen können (vgl. Art. 124 der Verordnung vom
31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV], SR 837.02 sowie die Aufzählung der einzelnen
Sozialversicherungen in Art. 94 Abs. 2 AVIG; sowie Gerhard Gerhards,
4. Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bern 1987, Art. 94,
N. 32).

Soweit eine Überentschädigung besteht, sind bereits ausgerichtete
Arbeitslosenentschädigungen grundsätzlich zurückzufordern und die
Rückforderung mit den Sozialversicherungsleistungen zu verrechnen (vgl.
Art. 124 AVIV in Verbindung mit Art. 99 Abs. 1 und Art. 95 AVIG; sowie KS RVE
Ziff. 2.1. / 19; Ziff. 2.3.1.2. / 29). Betreffend die Invalidenversicherung besteht
somit eine klare Situation.

3.2.3. Weniger eindeutig ist hingegen die Situation betreffend die berufliche
Vorsorge nach dem BVG.

Einmal ist bei BVG-Invalidenrenten der obligatorische vom
ausserobligatorischen Bereich zu unterscheiden (vgl. Alfred Maurer,
Bundessozialversicherungsrecht, Basel 1993, S. 188 f., 204; Thomas Locher,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 2. Aufl., Bern 1997, § 1 N. 31, S. 11).
Sodann ist umstritten, ob nur die obligatorische berufliche Vorsorge oder
auch der ausserobligatorische Bereich als Sozialversicherung aufzufassen ist
(vgl. Locher, a. a. O., § 1 N. 34 u. 40 S. 12 f.; Maurer, a. a. O., S. 14, mit weiteren
Verweisen auf die Kontroverse: vgl. BGE 114 V 102 E. 1b sowie insbesondere:
Ulrich Meyer-Blaser, Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und
berufliche Vorsorge [SZS] 1990, S. 91, der den ausserobligatorischen Bereich
nicht zum Bundessozialversicherungsrecht zählt).

Das AVIG schweigt sich betreffend die Verrechnung mit Renten der beruflichen
Vorsorge aus. Diese werden auch von der Aufzählung der einzelnen
Sozialversicherungen in Art. 94 Abs. 2 AVIG, der einen vergleichbaren
Fragenkomplex beschlägt, nicht erfasst:

«Forderungen auf Grund dieses Gesetzes sowie Rückforderungen von Renten und
Taggeldern der AHV, der Invalidenversicherung, der Erwerbsersatzordnung für
Wehr- und Zivilschutzpflichtige, der Militärversicherung, der obligatorischen
Unfallversicherung, der Krankenversicherung sowie von Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV und gesetzlichen Familienzulagen können mit fälligen Leistungen der
Arbeitslosenversicherung verrechnet werden (Art. 94 Abs. 2 AVIG).»

4

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_114_V_102&resolve=1

Auch nach der jüngsten Gesetzesrevision lässt Art. 94 Abs. 2 AVIG Leistungen
der beruflichen Vorsorge unerwähnt, obschon mit dieser Revision die Bezüge
zum BVG-Bereich enger geknüpft und verfeinert worden sind (vgl. Art. 13
Abs. 3, Art. 18 Abs. 4, Art. 22a Abs. 3, Art. 92 Abs. 9 AVIG, AS 1996 273 293, AS
1997 60 Ziff. II 1; vgl. betreffend Abklärung der Vermittlungsfähigkeit den
Verweis in Art. 15 Abs. 2 AVIV auf die Stellen der beruflichen Vorsorge).

Der Wortlaut der anwendbaren Bestimmungen (Art. 99 Abs. 1 AVIG
in Verbindung mit Art. 124 AVIV) sowie die (im damaligen Zeitpunkt
vorliegenden) einschlägigen Kreisschreiben des Bundesamtes lassen die Frage
offen, ob und wieweit BVG-Invalidenrenten als Sozialversicherungsleistungen
gelten, die mit Arbeitslosenentschädigungen verrechenbar sind.

Das Bundesamt äusserte sich zu dieser Frage erst mit einer in der
AM/ALV-Praxis 98/4 (S. 11) publizierten Weisung, welche die Arbeitslosenkasse
am 15. Dezember 1998 erreichte. Demnach ist zumindest der obligatorische
Bereich der beruflichen Vorsorge als Sozialversicherungszweig zu behandeln
und im Zusammenhang mit dem Überentschädigungsverbot für die
Arbeitslosenversicherung koordinationsrechtlich relevant.

3.2.4. Wie dargelegt, war im November 1995 die Frage, ob
BVG-Invalidenrenten mit Leistungen der Arbeitslosenversicherung
verrechnet werden dürften, keineswegs leicht zu beantworten. Unter
diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Arbeitslosenkasse
sich einige Tage Überlegungszeit nahm und am 13. November 1995 bei der
Pensionskasse Auskünfte zu den Grundlagen für den Entscheid über die
BVG-Invalidenrente einholte, um die genauen Bemessungsgrundlagen für
eine allfällige Überentschädigungsberechnung ermitteln zu können. Bis
dahin kann somit im Vorgehen der Arbeitslosenkasse keine mangelhafte
Aufgabenerfüllung erblickt werden.

3.3. Am 16. November 1995 - drei Tage nach der Anfrage bei der Pensionskasse
- wandte sich der Leiter der Arbeitslosenkasse mit einem ausführlich
dokumentierten Schreiben an das Bundesamt (Eingang: 20.11.1995). Er
ersuchte um Auskunft darüber, ob und in wie weit Leistungen einer
Pensionskasse als Sozialversicherungsleistungen gälten, und ob die
Arbeitslosenkasse bereits geleistete Arbeitslosenentschädigungen
zurückzufordern habe. Insbesondere erkundigte er sich danach, ob der
Rückforderungsbetrag demjenigen der BVG-Invalidenrente entspreche, welche
für die gleiche Periode gewährt worden sei.

Auf telefonische Nachfrage vom 13. Dezember 1995 hin erhielt die
Arbeitslosenkasse nach ihrer Darstellung vom Bundesamt die Auskunft,
gegenüber A. sei eine Rückforderung zu verfügen. Demgegenüber betont das
Bundesamt in seiner Vernehmlassung vom 26. September 1997, die Antwort
habe nicht «Rückforderung» gelautet, sondern es sei unmissverständlich
erklärt worden, die Arbeitslosenentschädigung sei mit der BVG-Invalidenrente
«zu verrechnen».

Im Zeitpunkt, als das Bundesamt am 13. Dezember 1995 der Arbeitslosenkasse
gegenüber antwortete, bestand indessen keine Verrechnungsmöglichkeit mit
der aufgelaufenen BVG-Invalidenrente mehr, da die Auszahlung bereits am
22. November 1995 erfolgt war.

5

Daher stellt sich die Frage, ob der Arbeitslosenkasse vorzuwerfen sei, sie habe
durch eine unnötige Anfrage beim Bundesamt kostbare Zeit verstreichen
lassen und sich damit der Verrechnungsmöglichkeit begeben.

3.3.1. Dem Bundesamt (als Aufsichtsstelle zur Sicherung der Rechtmässigkeit
der Leistungen) obliegt unter anderem auch die Erteilung von
Rechtsauskünften an die Durchführungsstellen (Gerhards, a. a. O., Art. 83, N.
1 f., S. 717). Angesichts der komplexen Fragestellung ist nicht zu beanstanden,
dass sich die Arbeitslosenkasse vor dem Ergreifen rechtlicher Schritte
(Rückforderung / Verrechnung) mit ihrem Auskunftsbegehren an das
Bundesamt wandte.

Der Beilage zur Anfrage vom 16. November 1995 konnte das Bundesamt
entnehmen, dass bereits per Ende November 1995 die rückwirkende
Auszahlung der BVG-Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. November
1993 bis 30. November 1995 vorgesehen war. Es musste wissen, dass mit
der entsprechenden Auszahlung die Verrechnungsmöglichkeit verpasst sein
würde, da eine spätere Verrechnung mit der laufenden BVG-Invalidenrente
ausgeschlossen ist (vgl. Art. 124 AVIV sowie dazu: Gerhards, a. a. O., Art. 94,
N. 32 u. 35, S. 769 betreffend Verrechnungsmöglichkeit für denselben
Zeitraum). Daher wäre es am Bundesamt gelegen, beim Eintreffen des
Auskunftsbegehrens am 20. November 1995 die Problematik rasch zu prüfen
und die Arbeitslosenkasse umgehend anzuweisen, wie vorzugehen sei.

Insofern hat es durch die verspätete Auskunftserteilung - auf
Nachfrage der Arbeitslosenkasse hin - selbst dazu beigetragen, dass die
Verrechnungsmöglichkeit ungenutzt verstrichen ist. Diese Verzögerung kann
nicht der Arbeitslosenkasse als mangelhafte Aufgabenerfüllung angelastet
werden.

3.3.2. Sofern das Bundesamt im Übrigen mit seiner Auskunft (vgl. Aktennotiz
zur telefonischen Auskunft vom 13. Dezember 1995) zum Ausdruck bringen
wollte, es genüge eine blosse Verrechnungserklärung an die Pensionskasse
(ohne vorgängige Rückforderungsverfügung gegenüber der betroffenen
Person), wäre die Auskunft falsch gewesen (vgl. Art. 95 Abs. 1 AVIG). Denn
verrechenbar sind nur fällige Forderungen (vgl. Blaise Knapp, Grundlagen des
Verwaltungsrechts, Basel 1992, Rz. 738, S. 169); diese müssen zunächst in den
Formen des Verwaltungsrechts zur Entstehung gebracht und geltend gemacht
werden.

Somit wäre in einem ersten Schritt die Rückforderung der
Arbeitslosenentschädigungen wegen «Überentschädigung» gegenüber
der rückleistungspflichtigen Empfängerin zu verfügen und auf diesemWege
geltend zu machen gewesen (Art. 95 Abs. 1 AVIG; Gerhards, a. a. O., Art. 94,
N. 44, S. 771; vgl. auch das offizielle Formular «Antrag auf Verrechnung von
Sozialversicherungsleistungen» [Form. 716.009d 07.90], unten: «Ein Doppel
unserer Rückforderungsverfügung- bzw. Verrechnungsverfügung liegt bei»
sowie das Beispiel in AM/ALV-Praxis 98/4 vom Dezember 1998, Blatt 11).

Erst wenn die - betraglich genau festgelegte - Rückforderung auf diesemWege
zur Entstehung gebracht ist, kommt - zur Vollstreckung - die Verrechnung mit
einer Gegenforderung in Frage (vgl. sinngemäss Art. 94 Abs. 2 AVIG, sowie
Art. 124 AVIV; KS RVE 2.1 «Verrechnung»; Gerhards, a. a. O., Art. 94, N. 35,
S. 769).

6

Diese Unsicherheit - selbst bei der Aufsichtsbehörde - über das korrekte
Vorgehen darf als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Frage der
Arbeitslosenkasse durchaus berechtigt war und die Antwort darauf im
Übrigen keineswegs auf der Hand lag. Ansonsten wäre dem Bundesamt
eine sofortige Reaktion zuzumuten gewesen, welche der Arbeitslosenkasse
gegebenenfalls ermöglicht hätte, noch vor dem 22. November 1995 von A.
die zu Unrecht geleisteten Arbeitslosenentschädigungen zurückzufordern
und gleichzeitig der Pensionskasse gegenüber die Verrechnung zu erklären.
Angesichts dieser Umstände kann im Vorgehen der Arbeitslosenkasse keine
mangelhafte Aufgabenerfüllung erblickt werden.

3.4. Ist der Arbeitslosenkasse keine mangelhafte Aufgabenerfüllung im Sinne
von Art. 82 Abs. 1 AVIG vorzuwerfen, entfällt für die Trägerhaftung von
vorneherein eine Haftungsgrundlage. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
kann die im Eventualantrag des Beschwerdeführers aufgeworfene Frage nach
der Höhe des Schadens offen bleiben.

4. Da - wie vorstehend dargelegt - den Beschwerdeführer keine Trägerhaftung
trifft, erweist sich die Beschwerde als begründet. Somit ist die Verfügung des
Bundesamtes vom 17. Juli 1997 aufzuheben.

7

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 64.132 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 6.

Mai 1999 in Sachen Kanton X gegen Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit; 97/LE-002

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2000
Année

Anno

Band 64
Volume

Volume

Seite ---
Page

Pagina

Ref. No 150 004 562

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 6. Mai 1999 in Sachen Kanton X gegen Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit; 97/LE-002