# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5572c5da-e2d6-53eb-9a95-131d760baca6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.06.2018 E-3044/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3044-2018_2018-06-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3044/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner; 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt (eigenen Angaben zufolge Volksrepublik 

China), 

Beschwerdeführerin, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM 

vom 26. April 2018 / N (…). 

 

 

 

E-3044/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin habe ihre Heimat am 1. Dezember 2014 illegal 

verlassen. Am 26. April 2015 sei sie in die Schweiz eingereist und suchte 

gleichentags um Asyl nach. Weil die Beschwerdeführerin sich als minder-

jährig bezeichnete (geboren am […]), wurde im Auftrag des SEM am 5. Mai 

2015 eine radiologische Untersuchung der Handknochen durchgeführt und 

das Skelettalter auf 18 Jahre festgesetzt, wobei mit einer Abweichung von 

14 Monaten zu rechnen sei. Hierzu wurde der Beschwerdeführerin am 

13. Mai 2015 das rechtliche Gehör gewährt. 

B.  

Am 13. Mai 2015 wurde die Beschwerdeführerin summarisch befragt; eine 

eingehende Anhörung fand am 18. August 2015 statt. Dabei trug sie im 

Wesentlichen vor, dass sie eine chinesische Staatsbürgerin tibetischer Eth-

nie aus dem Dorf B._______ (Gemeinde C._______ / Kreis D._______ / 

Provinzbezirk E._______) sei. Sie habe dieses Dorf nie verlassen und dort 

ein zurückgezogenes Leben geführt; so habe sie beispielsweise nie Le-

bensmittel eingekauft. Ausserdem sei sie nie zur Schule gegangen, habe 

nie die chinesische Sprache gelernt und habe keinen Beruf erlernt. Sie 

könne nur so gut lesen und schreiben, wie es ihr Vater ihr beigebracht habe 

(A19 F87). Sie habe jedoch ihrer Mutter, welche bis zu ihrem Tod stets zu 

Hause gewesen sei, im Haushalt geholfen. Ihr Vater sei als Gemischtwa-

renhändler herumgekommen. Sie habe nie ein Identitätspapier besessen, 

einzig ein Familienbüchlein sei vorhanden gewesen. 

Ihr Asylgesuch begründete sie dahingehend, dass ihr Bruder sich politisch 

betätigt habe und deswegen im 7. Monat des Jahres 2008 (A9 S. 8) – als 

sie ungefähr (…) Jahre alt gewesen sei – festgenommen worden sei; da-

nach hätten sie nichts mehr von ihm gehört. Nach dieser Festnahme sei 

die Mutter aus Kummer und Sorgen um ihren Sohn gestorben. Die Be-

schwerdeführerin und ihr Vater seien in der Folge regelmässig – konkret 

drei bis vier Mal monatlich (A19 F143 und 147) – von Polizisten zu Hause 

besucht worden. Dabei seien sie auch geschlagen worden. Ausserdem 

habe man versucht, ihr „schmutzige Dinge“ anzutun (A19 F106 ff.). Nach 

sechs Jahren sei der Bruder todkrank – als Folge von Misshandlungen – 

nach Hause gebracht worden, sie hätten ihn ungefähr einen Monat lang 

gepflegt. Er sei dann 30-jährig im (…) Jahres 2013 gestorben (A9 S. 8). 

Sie könne sich jedoch nicht erinnern, was mit dem Leichnam geschehen 

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Seite 3 

sei. Nach dem Tod ihres Bruders und ihrer Ausreise (im Dezember 2014) 

sei die Polizei nur noch einmal in ihr Haus gekommen. 

C.  

Am 19. April 2017 wurde von der Fachstelle LINGUA zwecks Herkunftsab-

klärung ein telefonisches Interview mit der Beschwerdeführerin durchge-

führt. Zwei sachverständige Personen haben das aufgezeichnete Ge-

spräch in der Folge ausgewertet und dazu zwei Gutachten – beide mit Da-

tum vom 27. Februar 2018 – erstellt (A26 f.). 

D.  

Am 9. März 2018 wurde der Beschwerdeführerin dazu das rechtliche Ge-

hör gewährt. Die Beschwerdeführerin erhielt am 5. April 2018 Einsicht in 

das aufgezeichnete Gespräch und reichte am 18. April 2018 eine Stellung-

nahme ein. 

E.  

Mit Verfügung vom 26. April 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Voll-

zug ihrer Wegweisung an. Es begründete diesen Entscheid im Wesentli-

chen damit, dass ihre vorgebrachte Herkunft und Sozialisierung in Tibet 

(Volksrepublik China) nicht glaubhaft sei. Ihre Schilderungen ihren 

Asylgrund betreffend – die Festnahme ihres Bruders und darauffolgende 

Belästigungen durch die Polizei – seien vage und oberflächlich ausgefal-

len, weshalb auch diese Vorbringen nicht im Sinne von Art. 7 AsylG 

(SR 142.31) glaubhaft seien. Ferner habe die Beschwerdeführerin keine 

konkreten Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat ge-

liefert, so dass das SEM zum Schluss komme, dass keine flüchtlings- oder 

wegweisungsbeachtliche Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen 

Aufenthaltsort bestehen würden (Art. 3 AsylG). Demzufolge sei auch eine 

Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich, wobei der Vollzug der Weg-

weisung nach China ausgeschlossen werde. 

F.  

Mit Eingabe vom 24. Mai 2018 beantragte die Beschwerdeführerin in ihrer 

Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der Verfü-

gung und die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft unter Asylgewäh-

rung; eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund 

subjektiver Nachfluchtgründe; subeventualiter sei eine vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. Ausserdem sei nach Aufhebung des Entscheides die 

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Sache zwecks Neubeurteilung der Herkunft an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten, der Beschwerdeführerin die unentgeltliche 

Prozessführung zu gewähren sowie eine angemessene Parteientschädi-

gung auszurichten. Als Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, 

dass die Beschwerdeführerin in Tibet aufgewachsen und sozialisiert wor-

den sei. Ausserdem hätte die Anhörung aufgrund von Hinweisen auf eine 

geschlechtsspezifische Verfolgung in einem gleichgeschlechtlichen Team 

stattfinden sollen, weshalb ein verfahrensrechtlicher Mangel vorliege. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 In der Rechtsmittelschrift wurde zunächst gerügt, dass die Beschwer-

deführerin – nachdem sie auf „schmutzige Dinge“ respektive auf eine frau-

enspezifische Verfolgung hingewiesen habe – nicht in einem reinen Frau-

enteam befragt worden sei. Die Anhörung vom 18. August 2015 hätte, wie 

die Hilfswerkvertretung angeregt habe, abgebrochen und in einem gleich-

geschlechtlichen Team fortgeführt werden müssen. 

4.1.1 Gemäss Art. 17 Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 6 AsylV1 wird die 

asylsuchende Person von einer Person gleichen Geschlechts befragt, 

wenn konkrete Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung vorliegen. 

Dies ist dann der Fall, wenn sie in der Form sexueller Gewalt stattfindet 

oder die sexuelle Identität des Opfers treffen soll. Bei dieser Norm handelt 

es sich um eine Schutzvorschrift, deren Zweck es ist, dass die asylsu-

chende Person ihre Vorbringen angemessen vortragen kann; das heisst, 

dass konkret erlittene Übergriffe möglichst frei und unbeeinträchtigt von 

Schamgefühlen geschildert werden können. Gleichzeitig dient sie dazu, die 

Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung zu gewährleisten. Diese Schutzvor-

schrift beinhaltet nicht nur ein Recht der asylsuchenden Person, eine sol-

che Befragung zu verlangen, sondern auch eine Pflicht der Behörden, in 

der vorgesehenen Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise 

vorliegen. Ein Verzicht der betroffenen Person auf eine Befragung durch 

eine Person gleichen Geschlechts könnte nur dann angenommen werden, 

wenn er ausdrücklich erklärt wird (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/42 E. 5 

m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] 2003 Nr. 2 E. 5a ff.). 

4.1.2 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin ausgesagt, dass 

chinesische Beamte in ihr Haus gekommen seien, dieses durchwühlt und 

ihr „schmutzige Dinge“ angetan hätten (A19 F106). Daraufhin bot die be-

fragende Person das erste Mal an, die Anhörung in einem geschlechtsspe-

zifischen Team fortzuführen, was schliesslich – nach dem zweiten Angebot 

(A19 F111) – von der Beschwerdeführerin abgelehnt wurde. Nachdem die 

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befragende Person das Thema nochmals aufgegriffen hatte, teilte die Be-

schwerdeführerin mit, in diesem Fall werde sie nicht über diese Sache 

sprechen (A19 F112). Nachdem abermals – auch seitens der Hilfswerkver-

tretung – darauf aufmerksam gemacht wurde, dass eine detaillierte Darle-

gung der gesamten Vorbringen für die Sachverhaltsermittlung wichtig sei, 

erwiderte die Beschwerdeführerin, sie möchte heute mit der Anhörung fer-

tig werden (A19 F113). Auch als der Sachbearbeiter unter Hinweis auf die 

Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person das Thema ein letztes Mal 

auf ein geschlechtsneutrales Befragerteam gelenkt hatte, wies die Be-

schwerdeführerin ab (A19 F116 f.). Damit hat die Beschwerdeführerin aus-

drücklich erklärt, dass sie auf ein reines Frauenteam verzichtet. Sie fügte 

sogar an, sie werde auch dann nicht über die Sache sprechen. So wurde 

– nachdem der Befrager die Sachlage mit seinem Vorgesetzten bespro-

chen hatte (A19 F116) – die Anhörung in einem gemischten Team fortge-

setzt. Die Rüge der Verletzung der Abklärungspflicht wird demgemäss ab-

gelehnt. Daran ändert auch die Anregung des Abbruchs der Anhörung der 

Hilfswerkvertretung (A19 F122) nichts. 

Es bleibt darauf hinzuweisen, dass das Ausmass der „schmutzigen Dinge“, 

welche ihr angetan worden seien und sie emotional berührt hätten (A19 

F111), bis heute nicht geklärt werden konnte (A19 F110: Handbewegung 

unter dem Tisch). Es scheint, dass es sich dabei um eine Drohung sexuel-

ler Art (A19 F107) respektive um einen Versuch (A19 F116) in diese Rich-

tung handelte. Auch in der Beschwerdeschrift wurden die „schmutzigen 

Dinge“ nicht näher erläutert. 

4.2 Als weitere formelle Rüge wurde implizit darauf hingewiesen, dass es 

der Beschwerdeführerin aufgrund des fehlenden eindeutigen Argumentati-

onsstrangs zwischen dem Schreiben des SEM vom 9. März 2018 und der 

Verfügung vom 26. April 2018 nicht möglich gewesen sei, schlüssig auf die 

Vorbringen der Vorinstanz einzugehen. Damit machte sie eine Verletzung 

der Begründungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG) geltend, welche aus dem 

rechtlichen Gehörsanspruch (Art. 29 Abs. 2 BV) folgt. 

Diese Vorhaltungen sind jedoch unbegründet. Als Anfechtungsgegenstand 

dient die Verfügung (und nicht die Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 

9. März 2018), welche vorliegend genügend begründet ist. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Verfügung vom 26. April 2018 weist in ihrer Begründung insbeson-

dere auf die Gutachten der LINGUA-Fachstelle hin. Die Beschwerdeführe-

rin habe zwar (wenige) landeskundlich-kulturelle Kenntnisse nachweisen 

können, was jedoch auch ausserhalb von Tibet erlernt werden könne, doch 

habe sie Nachbardörfer, Nachbargemeinden und Nachbarkreise nicht kor-

rekt lokalisiert oder aber falsch benannt. Auch sei ihr nicht bekannt, was im 

Dorf angepflanzt worden sei oder welche Nutztiere gehalten würden. Auch 

bei einer zurückgezogenen Lebensweise sei zu erwarten, darauf eine Ant-

wort geben zu können. Ausserdem sei das Wissen der Beschwerdeführerin 

über das Schulwesen vage oder lückenhaft. Die Erklärung, sie sei nie zur 

Schule gegangen und meistens zu Hause gewesen, sei dabei nicht behel-

flich. Schliesslich sei sie auch nicht in der Lage gewesen, grundlegende 

Hausarbeiten korrekt und ausführlich zu beschreiben. Ihre Schilderungen 

der Zubereitung einer Nudelsuppe oder eines Gerichts namens „Thukpa“ 

seien ungenügend. Da sie angeblich mehrere Jahre zu Hause gekocht 

habe, sei ein grösseres Wissen um weitere Gemüsesorten, Zutaten sowie 

andere Gerichte zu erwarten gewesen.  

Hinsichtlich der linguistischen Analyse weise die Sprache der Beschwer-

deführerin fast ausschliesslich Gemeinsamkeiten mit dem im Exil (bzw. in 

Lhasa) gesprochenen Dialekt – und nicht mit demjenigen des Kreises 

D._______ – auf. Ihre Einwendung, seit ihrer Ausreise stehe sie viel in Kon-

takt mit Exiltibetern, sei von den Experten berücksichtigt worden. Doch 

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könne damit die Diskrepanz zwischen dem D._______- und dem Lhasa-

Dialekt, der auch im Exil gesprochen werde, nicht erklärt werden. Auch sei 

unerwartet, dass sie keine Kenntnisse des Chinesischen habe. 

In einer Gesamtwürdigung seien die Experten zum Schluss gekommen, 

dass die Beschwerdeführerin eindeutig nicht im Kreis D._______ und sehr 

wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volks-

republik China sozialisiert worden sei. Die Stellungnahme vom 18. April 

2018 vermöge dem nichts entgegenzusetzen. Schliesslich sei auch auf die 

substanzlosen Aussagen zu ihrem Leben in Tibet sowie zur angeblich ille-

galen Ausreise hinzuweisen. Demzufolge sei nicht glaubhaft (Art. 7 AsylG), 

dass die Beschwerdeführerin chinesische Staatsagegehörige sei, die in Ti-

bet sozialisiert worden sei. 

Die Aussagen die Verfolgung betreffend seien vage und oberflächlich. Es 

sei der Eindruck eines Sachverhaltskonstrukts entstanden (Art. 7 AsylG), 

so dass die Asylrelevanz der angeblichen Verfolgung nicht geprüft werden 

müsse. Einer geschlechtsspezifischen Verfolgung sei demgemäss die 

Grundlage entzogen worden. 

6.2 In der Beschwerde wurde diesen Erwägungen entgegengehalten, dass 

die Zweifel über ihre landeskundlich-kulturellen Kenntnisse nicht begründet 

seien oder Missverständnissen entspringen würden. So habe sie sehr wohl 

als landwirtschaftliche Produkte Reis und Karotoffeln nennen können. Als 

berühmten Berg habe sie die lokal bekannten Berge genannt, was ein Zei-

chen von regionalen Kenntnissen sei. Ausserdem habe sie keine Bezugs-

personen gehabt, welche sie über das Schulsystem hätten informieren 

können. Hinsichtlich ihrer Sprache sei darauf hinzuweisen, dass allgemein-

gültige Aussagen über tibetische Sprachen substanzlos seien. Ferner 

könne es vorkommen, dass Tibeter in abgelegenen Gebieten kaum mit der 

chinesischen Sprache in Kontakt kommen würden. Nach dem Gesagten 

sei erwiesen, dass sie sich im angegebenen Dorf sozialisiert habe und 

demzufolge illegal aus der Volksrepublik China ausgereist sei. Weil ihre 

Herkunft glaubhaft sei, sei es angebracht, auch ihre Asylgründe zu prüfen. 

6.3 Das Bundesverwaltungsgericht präzisierte in BVGE 2014/12 die Praxis 

gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer 

Ethnie, die ihre wahre Identität verschleiern oder verheimlichen, vermu-

tungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder wegewei-

sungsbeachtlichen Gründen gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-

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enthaltsort bestehen. Der in Art. 12 VwVG statuierte Untersuchungsgrund-

satz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt, fin-

det seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person 

(Art. 8 AsylG). Dazu gehört die Pflicht zur Offenlegung der Identität und 

Beibringung eines Identitätsnachweises. Verunmöglicht ein tibetischer 

Asylsuchender beziehungsweise eine tibetische Asylsuchende durch die 

Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Sta-

tus er beziehungsweise sie (etwa) in Nepal respektive in Indien innehat, 

kann namentlich keine Drittsaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 

Bst. c AsylG stattfinden. Überdies wird durch die Verheimlichung und Ver-

schleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigen-

schaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland ver-

unmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 

6.4 Aufgrund der vorliegenden Aktenlage ist davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin ihre wahre Herkunft und auch ihren Reiseweg zu ver-

schleiern versucht, weshalb die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung 

nicht zu überzeugen vermag. 

6.4.1 Vorab ist festzustellen, dass die Identität der Beschwerdeführerin 

nicht feststeht. Sie wurde im Rahmen der Anhörung explizit auf ihre Mitwir-

kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG hingewiesen, indes hat sie weder Reise- 

oder Identitätspapiere noch irgendwelche Beweismittel, welche zur Klä-

rung ihrer Herkunft geeignet wären, eingereicht. 

6.4.2 Die hier zu beurteilenden LINGUA-Analysen sind fundiert und mit 

einer überzeugenden sowie ausgewogenen Begründung versehen, die zu 

keinen Beanstandungen Anlass geben (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 und 

2015/10 E. 5.1, je m.w.H.). Die sachverständigen Personen bezogen den 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachten biografischen Hintergrund 

(zurückgezogenes Leben in einem Dorf, keine Schulbildung, Verrichtung 

von Hausarbeit sowie die Aufenthalte in Nepal und in der Schweiz) in  

die Beurteilung ein und würdigten auch die Elemente, die für eine 

Sozialisation in der angeblichen Region sprechen. Die entsprechenden 

Schlussfolgerungen wurden überzeugend dargelegt. Zudem bestehen an 

der fachlichen Qualifikation der sachverständigen Personen keine Zweifel. 

Den LINGUA-Gutachten mit Datum vom 27. Februar 2018 wird daher ein 

erhöhter Beweiswert beigemessen und es wird von deren inhaltlicher 

Richtigkeit und Vollständigkeit ausgegangen. 

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Die Tatsache, dass das Telefongespräch am 19. April 2017 stattgefunden 

hat, die Gutachten jedoch erst am 27. Februar 2018 verfasst wurden, än-

dert an diesen Erwägungen nichts, schliesslich wurde das Gespräch auf-

gezeichnet und die Gutachten auf dieser Grundlage verfasst. 

6.4.3 Die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen in der angefochtenen Ver-

fügung sind weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu bean-

standen. Das SEM zieht nicht in Zweifel, dass die Beschwerdeführerin ti-

betischer Abstammung und Ethnie ist, folgerte aber zu Recht, dass eine 

Sozialisierung in Tibet nicht glaubhaft sei. Vielmehr sei davon auszugehen 

dass sie in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepub-

lik China aufgewachsen sei. Die vorinstanzliche Verfügung ist sehr einläss-

lich begründet und stützt sich – wie erwähnt – auf die fundierten LINGUA-

Gutachten, weshalb auf diese verwiesen werden kann. 

Die Beschwerdeführerin vermochte weder in der Stellungnahme vom 

18. April 2018 noch in der Rechtsmitteleingabe vom 24. Mai 2018 stichhal-

tige Entgegnungen vorzubringen, die Zweifel an der inhaltlichen Richtigkeit 

des LINGUA-Berichts und der Schlussfolgerungen des Sachverständigen 

wecken würden. Sie vermag ihr mangelhaftes Wissen in Bezug auf die ge-

ografischen und alltäglichen Verhältnisse in ihrer Heimatregion D._______, 

ihre fehlenden Sprachkenntnisse (insbesondere der Umstand, dass sie 

über keine Chinesisch-Kenntnisse verfügt) und die Diskrepanzen zwischen 

dem Dialekt in ihrer Heimatregion und ihrem persönlichen Tibetisch nicht 

überzeugend zu erklären. Ihr Wissen über lokale Berge oder Nutzpflanzen 

ihres Dorfes sind im Sinne einer Gesamtwürdigung ungenügend. Ihr Hin-

weis, sie lebe schon mehrere Jahre ausserhalb von Tibet und ihr Dialekt 

sei daher beeinflusst worden, vermag an diesen Erwägungen nichts zu än-

dern. Diese Umstände wurden schon von den Experten in ihren Gutachten 

berücksichtigt. 

6.4.4 Die Einschätzung, dass die Beschwerdeführerin ihre Herkunft ver-

schleiert, wird dadurch bestärkt, dass auch ihre Ausführungen zur Verfol-

gung – Hausdurchsuchungen und Belästigungen durch die chinesische 

Polizei seit der Verhaftung ihres Bruders – nicht zu überzeugen vermögen. 

Ihre diesbezüglichen Angaben sind, wie das SEM zu Recht festgestellt hat, 

vage und oberflächlich. 

6.4.5 Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volks-

republik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. 

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Seite 11 

6.5 In Anwendung der in BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten Rechtspre-

chung hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde-

führerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

8.2 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht 

findet, wie bereits ausgeführt ([…]), ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht 

der asylsuchenden Person. 

Präzisierend bleibt anzuführen, dass zur Vermeidung einer drohenden Re-

foulement-Verletzung der Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China 

(vgl. Ziffer 6 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) vom SEM aus-

geschlossen wurde (vgl. BVGE 2009/29). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, 

weshalb sich der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses als gegenstandslos erweist. 

E-3044/2018 

Seite 12 

10.2 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da sich 

die Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aus-

sichtslos erwiesen haben. 

10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3044/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe