# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25d786a2-749e-56c0-9941-cc4cdb0eb998
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-10-23
**Language:** de
**Title:** Schleudertrauma; adäquate Kausalität; Einstellung der Leistungen nach rund einem Jahr rechtens
**Docket/Reference:** UV.2011.00213
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2011.00213.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2011.00213
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
23. Oktober 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
Bleicherweg 19, 8002 Zürich
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
PRD Rechtsdienst
Hohlstrasse 552/556, Postfach, 8010 Zürich
Sachverhalt:
1.
Der
1952
geborene
X.___
war vom 1. Juli 2008 bis am 31. Juli 2009
(Urk. 7/3 und Urk.
7/7) im Restaurant
Y.___
,
Zürich
, als Kellner und Koch angestellt (Urk.
7/3
) und dadurch bei
der Allianz Suisse Versicherungen
gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen sowie Berufskrank
heiten obligatorisch versichert. Am
30. März 2009
(Urk.
7/1 und Urk. 7/3)
er
litt er
einen Auffahrunfall
. Die
Allianz
erbrachte dafür Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen.
Mit Verfügung vom
2.
Juni 2010
(Urk.
7/39
)
schloss die
Allianz den Fall ab und
stellte die Versicherungsleistungen per
31. März 2010
ein
.
Die dagegen am 7. Juni 2010 (Urk.
7/40
) von der
sansan
Versicherungen AG, dem zuständigen Krankenversicherer, erhobene und am 5. Juli 2010 (Urk.
7/47
) begründete Einsprache wie auch die vom Versicherten am 5. Juli 2010 (Urk.
7/45
) erhobene Einsprache wies die
Allianz
am
17. Juni 2011
(Urk. 2) ab.
2.
Da
ge
gen liess der Versicherte am
17. August 2011 (Urk.
1)
Beschwerde erhe
ben und beantragen, es sei der
Einspracheentscheid
aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen gemäss UVG über den 31. März 2010 hinaus bis Juni 2011 zu gewähren. Mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2011 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Am 9. Juli respektive am 10. Oktober 2013 nahmen die Parteien zu den vom Gericht beigezogenen Akten der Invalidenversicherung (Urk. 12/1-27) Stellung (Urk. 17, Urk. 23).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
UVG setzt zunächst vo
raus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetrete
nen Schaden (Krank
heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzu
sammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten ge
dacht werden kann. Entspre
chend dieser Um
schreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
lei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht wer
den kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.3.3
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
W
eiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Be
urteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und ei
ner psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442
S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
2.
2.1
Streitig ist, ob der Beschwerdeführer aufgrund der von ihm geltend gemachten Beschwerden auch nach dem
31. März 2010 bis im Juni 2011
Leistungen der Unfallversicherung als Folge des Unfalls vom
30. März 2009
beanspruchen kann.
2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt, es mangle an der adäquaten Kausalität zwischen dem Unfall und den über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geklagten Be
schwerden.
2.3
Seitens des Beschwerdeführers wird dagegen vorgebracht,
es sei erstellt, dass er ein Schleudertrauma erlitten habe. Der Heilverlauf von zwei Jahren könne nicht als aussergewöhnlich lange bezeichnet werden und es sei nicht statthaft, die Heilbehandlung auf acht bis zehn Monate zu begrenzen. Der Verlauf zeige deutlich, dass der Status quo sine beziehungsweise ante zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Allianz noch nicht erreicht gewesen sei. Die
Be
schwerdegegnerin
habe ihre Leistungen zu früh eingestellt und sie habe
ihm daher
weiterhin ein Taggeld auszurichten und die Heilbehandlung zu überneh
men
.
3.
3.1
Dem Unfallprotokoll (Urk. 7/1) ist zu entnehmen, dass sich bei der
Auffahrkolli
sion
vom
30. März 2009
niemand verletzte.
3.2
Am 6. April 2009 suchte der Beschwerdeführer seinen Hausarzt, Dr. med.
Z.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, auf. Dieser füllte einen
Do
kumentationsbogen
für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem
Beschleuni
gungstrauma
(Urk. 7/2) aus. Dem ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Ereignis Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel sowie Übelkeit verspürt habe
,
und sich daraufhin auch Schlafstörungen einge
stellt hätten. Der Hausarzt stellte die Diagnose eines Beschleunigungstraumas Grad II gemäss Quebec Task Force-Klassifikation. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht vermerkt.
In der Folge arbeitete der Beschwerdeführer auch weiterhin an seiner damaligen Arbeitsstelle als Koch und Kellner.
Die Meldung an den Unfallversicherer er
folg
te am 28. April 2009 (Urk. 7/3) und am 23. Mai 2009 (Urk. 7/5) hielt der Hausarzt gegenüber der Allianz fest, der Beschwerdeführer habe ein leichtes Schleudertrauma der HWS erlitten, eine Arbeitsunfähigkeit bestehe nicht.
3.3
Am 26. Juni 2009 (Urk. 7/7) erhielt der Beschwerdeführer die Kündigung seiner Arbeitsstelle per 31. Juli 2009. Mit Arztzeugnis vom
17. August 2009 (Urk. 7/8)
attestierte ihm sein Hausarzt eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit ab dem 17. Juli 2009.
Am 18. September 2009 (Urk. 7/13) berichtete der Hausarzt, es sei zu einer deutli
chen Verschlechterung der Rückenbeschwerden gekommen.
Besonders
hartnäckig seien die Nackenbeschwerden mit einer deutlichen
Bewegungsein
schränkung
. Neu hinzugekommen seien panvertebrale Schmerzen, insbesondere im Lumbalbereich. Der Beschwerdeführer habe trotz starker Schmerzen nach dem Unfall weitergearbeitet. Derzeit sei er nach wie vor vollumfänglich arbeits
unfähig, in zirka zwei bis drei Wochen könne von einer 50%igen Arbeitsfähig
keit ausgegangen werden.
3.4
Am 15. Januar 2010 (Urk. 7/22) berichtete
Dr.
A.___
,
Chiropraktorin
SCG/ECU, der Beschwerdeführer befinde sich einmal wöchentlich bei ihr in Behandlung. Er leide unter einem
zervikozephalen
sowie unter einem
torakolumbovertebra
len
Syndrom; es bestehe eine schmerzhaft eingeschränkte Beweglichkeit der HWS, begleitet von Kopfschmerzen. Anfänglich habe der Beschwerdeführer gut auf die Behandlung (
chiropraktische
Massnahmen zur Verbesserung der Mobi
lität) angesprochen, derzeit leide er wieder unter intensiven Schmerzen. In sei
nem angestammten Beruf als Koch und Kell
n
er wie auch in einer anderen Tä
tigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
Mit ärztlichem Zeugnis vom 25. Januar 2010 (Urk. 7/23) attestierte Dr.
Z.___
dem Beschwerdeführer eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. November bis zum 31. Dezember 2009 und mit ärztlichem Zeugnis vom 23. Februar 2010 (Urk. 7/026c) eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1. Januar bis zum 28. Februar 2010.
3.5
Am
2.
Februar 2010 (Urk. 7/026a) wurde eine MRI-Untersuchung der HWS und der LWS durchgeführt. Im Bereich der HWS zeigten sich geringe degenerative Veränderungen. Im Bereich von HWK7 wurde eine angedeutete
Pseudospondy
lolisthesis
gesehen und im Bereich de
r
LWS bestanden deutliche degenerative Veränderungen. Zudem zeigt
e
sich auf Höhe L5/S1 eine kleine Diskushernie mit einer möglicherweise bestehenden Reizung der linken Wurzel L5.
3.6
In der Folge gab die Allianz eine Begutachtung des Beschwerdeführers durch Dr. med.
B.___
, Fachärztin FMH für Neurologie, in Auftrag. Die Untersuchungen erfolgten am 21. Januar sowie am 3. und 15. Februar 2010 und der Bericht wurde am 6. März 2010 (Urk. 7/026d) erstattet.
Dr.
B.___
hielt fest, der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er am Steuer gewe
sen sei, als sich der Unfall ereignet habe. Nach dem Unfall habe er weiter
fahren könne
n
, es sei ihm jedoch schwindlig gewesen. Anfang April (2009) sei er zum Arzt gegangen, weil er sich nicht gut gefühlt habe. Er habe nach dem Unfall voll weitergearbeitet, weil er gehofft habe, dass die Beschwerden mit der Zeit von selbst nachlassen würden. Nach dem Unfall habe er Nackenschmerzen gehabt, Schmerzen auf beiden Seiten in den Schultern und im ganzen Rücken. Der Arzt habe ihm Physiotherapie verordnet, das habe leider nicht viel geholfen
,
und insgesamt hätten die Beschwerden eher zugenommen. Es sei sehr schlimm geworden
.
B
is am 16. Juli (2009) habe er noch arbeiten können, danach sei e
s
nicht mehr gegangen. Der Hausarzt habe ihn an ein spezielles Rückenzentrum überwiesen und er sei bei einer
Chiropraktorin
in Behandlung, die ihm auch Spritzen in den Nacken gemacht habe, diese hätten anfänglich sehr geholfen. Der Fortschritt sei jedoch zu einem Stillstand gekommen. Schon lange nehme er auch starke Medikamente, er nehme
Zaldiar
ein, drei bis vier Mal täglich zwei Tabletten. Weiter nehme er
Sirdalud
4 mg, insgesamt 8 mg täglich, auf 3 Dosen verteilt.
Dr.
B.___
kam zum Schluss, diagnostisch sei von einem Distorsionstrauma der HWS auszugehen, der Unfallmechanismus in Form einer Heckkollision sei cha
rakteristisch. Auch die in der Folge angegebenen Schmerzen im Bereich des Nackens, die gegen die Schulter und den Rücken ausstrahlten, könnten der Di
agnose zugeordnet werden. Daneben habe der Beschwerdeführer jedoch wenig sogenannt typische Beschwerden angegeben, insbesondere sei der Schlaf als relativ gut bezeichnet worden. Anlässlich einer ersten Überprüfung des
Medi
kamentenspiegels
habe sich kein Nachweis von Paracetamol oder
Zaldiar
erge
ben. Ein zweiter Untersuch habe einen grenzwertigen
Paracetamolspiegel
und einen deutlich unter der
Limite
liegenden
Tramadolspiegel
ergeben.
Insgesamt sei davon auszugehen, dass die degenerativen Veränderungen vor allem im Bereich der LWS die Ursache der Schmerzen seien. Diese seien
hoch
wahrscheinlich
anlässlich des Unfalls aktiviert worden. Obwohl der Beschwer
deführer vor allem Schmerzen geltend mache, korrespondiere dies nicht mit dem Medikamentennachweis. Der Einbruch der Arbeitsfähigkeit Mitte Juli 2009 sei mit dem natürlichen Verlauf der Folgen des Unfalls kaum zu erklären. Ins
gesamt sei bei einer Aktivierung des Vorzustandes davon auszugehen, dass
spätestens nach 8-10 Monaten ein Status quo ante erreicht gewesen sei respek
tive dass die 50%ige Arbeitsfähigkeit hätte fortgeführt werden sollen mit einer Steigerung auf ein Vollpensum Ende Januar 2010.
3.7
Auf Veranlassung der
Chiropraktorin
Dr.
A.___
wurde der Beschwerdeführer am 1
2.
April 2010 im Rahmen eines
interdiziplinären
Schmerzkonsiliums (rheuma
tologisch, neurologisch, anästhesiologisch und psychologisch) in der
C.___
, Zürich, untersucht
,
und am 20. April 2010 (Urk. 7/33)
wurde
darüber Bericht erstattet. Im Bericht wurde festgehalten, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers während der Untersuchung einerseits und den objektivier
baren Befunden anderseits
bestehe
. Eine Schmerzausweitung sei nicht zu über
sehen. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht
angegeben
.
3.8
Im Auftrag der IV-Stelle erstellte das
D.___
, ein interdisziplinäres MEDAS-Gutachten (rheumatologisch und psychiatrisch) aufgrund vom Untersuchungen vom 28. und 13. März 2011. Der Bericht wurde am 16. Mai 2011 (Urk. 12/18) erstattet. Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit wurden keine gestellt, als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit wurden belastungsabhängige Missempfindungen zervikal und lumbal beim Vorliegen einer
Chondrose
C6/C7 sowie mehrsegmentaler
Chondrosen
mit
Osteochondrose
L4/L5 genannt. Vereinzelt bestünden
Triggerpunkte
parazervi
kal
, parathorakal und paralumbal (eher rechtsbetont) ohne Hartspannbildungen. Hinweise für eine Facettengelenks- respektive eine
radikuläre
Reiz- oder Aus
fallsymptomatik bestünden nicht. Bezüglich der Festlegung des Beginns und des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit wurde das Folgende festgehalten: „Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gilt seit Januar 2011, da der Versicherte seit die
sem Zeitpunkt wieder zu 100
%
arbeitsfähig geschrieben wurde und beim RAV entsprechend vermittelbar ist. Davor bestand vom 01.03 bis 23.06.2010 eine 50%ige und vom 24.06.2010 bis 31.12.2010 eine 20%ige Arbeitsfähigkeit.“
4.
Das Gutachten
von
Dr.
B.___
(Urk. 7/026d)
entspricht den von der Rechtspre
chung konkretisierten Anforderungen (BGE 125 V 352 E. 3a). Es ist für die Be
antwortung der gestellten Fragen umfassend, berücksichtigt die medizinischen
Vorakten
ebenso wie die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen und dem Verhalten de
s
Beschwerdeführer
s
auseinander. Die Darlegung der medizi
nischen Befunde sowie deren Beurteilung leuchten ein
,
und die Schlussfolge
rungen sind nachvollziehbar begründet.
Dem Schmerzkonsilium
der
C.___
, Zürich, ist darüber hin
aus zu entnehmen,
dass eine deutliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Beschwerden und
dem Verhalten des Beschwerdeführers während der Untersu
chung einerseits und den objektivierbaren Befunden anderseits
festzustellen war
.
Es wurde ausgeführt, dass e
ine Schmerzausweitung nicht zu übersehen
sei. Eine
somatoforme
Schmerzstörung wurde nicht diagnostiziert
,
und diesem Be
richt ist auch keine Feststellung bezüglich einer Arbeitsunfähigkeit zu entneh
men. Schliesslich attestierte auch die behandelnde
Chiropraktorin
dem Be
schwerdeführer am 15. Januar 2010
(Urk. 7/
0
22)
eine vollumfängliche Arbeits
fähigkeit im angestammten Beruf wie auch in einer anderen Tätigkeit.
D
er Beschwerdeführer
hat
seine Arbeitstätigkeit in einem unbestrittenermassen körperlich anspruchsvollen Beruf nach dem Unfall über
drei Monate lang wei
tergeführt
. Erst nach Erhalt der Kündigung vom 26. Juni 2009 ging er ab dem 16. Juli 2009 nicht mehr arbeiten (vgl. dazu die Schilderung des Beschwerde
führers im Rahmen der Untersuchung durch
Dr.
B.___
, Urk. 7/026d S. 3) und liess sich am 17. August 2009
rückwirkend ab 17. Juli 2009
(Urk. 7/008) krankschreiben. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, dass seine Leis
tungsfähigkeit in der Zeit nach dem Unfall eingeschränkt gewesen sei, was zur Kündigung geführt habe (vgl. Beschwerdeschrift, Urk. 1 S. 6),
er hielt
gegenüber
Dr.
B.___
jedoch fest, dass die Kündigung auch im Zusammenhang mit den vor
gesehenen Ferien gestanden habe (Urk. 7/026d S. 4).
Insgesamt
war
im Zeitpunkt der Renteneinstellung gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B.___
von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit auszugehen
.
D
amit
erfolgte der Fallabschluss zu Recht
. Die retrospektive Feststellung des
D.___
be
züglich der Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/18/21
Ziff.
7.5) vermag die echtzeitlichen Feststellungen von
Dr.
B.___
nicht zu entkräften, zumal offenbar unkritisch und ohne die gesamte Aktenlage, insbesondere auch
das Gutachten von
Dr.
B.___
, in die Würdigung mit einzubeziehen lediglich auf die Krankschreibungen des Hausarztes abgestellt wurde (vgl. dazu auch die auf Nachfrage der SVA erfolgte Ergänzung vom 14. Juni 2011, Urk. 12/22). Damit aber entbehrt das Gutachten des
D.___
bezüglich der retrospektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beweistauglichkeit.
Auch dem in der Stellungnahme vom
9.
Juli 2013 gestellten Eventualantrag auf Zusprechung von Taggeldern aufgrund einer 50%igen Ar
beitsunfähigkeit bis 2
3.
Juni 2010 ist damit die Grundlage entzogen.
5.
5.1
Nichts anderes ergibt die Adäquanzprüfung. Aufgrund
der geschilderten Akten
lage
bestehen keine hinreichend erstellten Anhaltspunkte für organisch nachweisbare Unfallfolgen, welche die Restbeschwerden des Beschwerdeführers zu erklären vermöchten.
Daher ist die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzte adä
quate Kausalität zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden gestützt auf die Rechtsprechung zu den Unfallfolgen bei Schleudertraum
a
der Halswirbelsäule zu prüfen (BGE 134 V 109).
5.2
Die Beschwerdegegnerin ging von einem mittelschweren Unfall an der Grenze zu den leichteren Unfällen aus. Rechtsprechungsgemäss werden einfache
Auf
fahrkollisionen
auf ein haltendes Fahrzeug regelmässig dem mittleren Bereich und dort dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zugeordnet (
Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2010 vom 2
3.
August 2010, E. 7.1
m.w.H
.).
Dagegen bringt
der Beschwerdeführer nichts vor.
Von den massgeblichen sieben Kriterien müssten damit für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausge
prägter Weise oder aber vier in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_887/2011 vom
5.
März 2012 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen).
5.3
5.3.1
Der Beschwerdeführer macht zu Recht nicht geltend, dass das Kriterium der beson
ders dramatische
n
Begleitumstände oder einer besonderen Eindrücklich
keit des Unfalls gegeben sei.
5.3.2
Ein weiteres Kriterium ist die Schwere oder die besondere Art der erlittenen Verlet
zung. Die Diagnose einer HWS-Distorsion oder einer anderen,
adäquanz
rechtlich
gleich zu behandelnden Verletzung genügt dabei für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und der besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es bedarf dabei einer besonderen Schwere der für das
Schleuder
trauma
typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das
Be
schwerdebild
beeinflussen können. Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen. Ebenfalls bedeutsam können erhebliche Verletzungen sein, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äqui
valenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zuge
zogen hat (BGE 134 V 109 E. 10.2.2).
Unbestrittenermassen erlitt der Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls neben dem HWS-Distorsionstrauma keine anderen erheblichen Verletzungen.
5.3.3
Weiter ist massgebend, ob nach dem Unfall fortgesetzt spezifische, die versi
cherte Person belastende ärztliche Behandlungen bis zum Fallabschluss not
wendig waren (BGE 134 V 109 E. 10.2.3).
Der Beschwerdeführer vermag nicht
substanziiert
darzulegen, weshalb die erfolg
ten Behandlungen nach dem Unfall besonders belastend gewesen sein sollen. Es handelt sich bei den seit dem Unfallereignis wiederholt angewendeten Therapieformen nebst der Abgabe von Medikamenten vorab um
manualthera
peutische
Physiotherapie und
chiropraktische
Massnahmen. Gemäss den Schil
derungen des Beschwerdeführers fanden auch Infiltrationen statt (vgl. Urk. 7/026d S. 3).
Eine erhebliche Mehrbelastung k
ann darin insgesamt jedoch nicht gesehen werden.
5.3.4
Weiter zu prüfen ist, ob de
r
Beschwerdeführer in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss unter erheblichen Beschwerden zu leiden hatte. Die Er
heblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beein
trächtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im
Lebens
alltag
erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4).
Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist aufgrund der geschilderten Schmerzen und Beeinträchtigungen, welche der Beschwerdeführer durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt, höchstens in der einfachen Form zu beja
hen. Insbesondere die von
Dr.
B.___
erh
obenen Medikamentenspiegel zeig
en, dass der Beschwerdeführer entgegen seinen Schilderungen keine Medikamente zu sich nahm.
5.3.5
Das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, ist unbestrittenermassen nicht gegeben.
5.3.6
Ebenfalls nicht geltend gemacht wird zu Recht, dass ein schwieriger Heilungs
-
ver
lauf und erhebliche Komplikationen vorgelegen hätten.
5.3.7
Schliesslich verbleibt zu prüfen, ob ein
e erhebliche Arbeitsunfähigkeit
trotz aus
gewiesener Anstrengungen diese zu überwinden, vorlag. Dabei geht es um die Erheblichkeit der Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versi
cherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Es muss der Wille der versicherten Person erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung
raschmög
lichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengun
gen können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Weiter zu berücksichtigen ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen
Therapiemassnah
men
. Ebenfalls ins Gewicht fallen können Bemühungen um alternative, der ge
sundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss in erheblichem Mass arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann dieses Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7).
Der Beschwerdeführer hat - wie bereits erwähnt - im Anschluss an das
Unfaller
eignis
trotz bestehender Beschwerden über drei Monate lang weiter gearbeitet. Nach seiner Entlassung versuchte er sich an einer anderen Stelle in einem Pen
sum von 50
%
unter Inkaufnahme eines langen Arbeitsweges. Diese Bemühun
gen sind anzuerkennen. Allerdings sind im Jahr 2010 keine weiteren Bemühun
gen erkennbar. Dies obwohl
Dr.
B.___
ab Ende Januar 2010 eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit als zumutbar erachtete und aufgrund des ermittelten
Medika
mentenspiegels
nachgewiesen werden konnte, dass keine massgeblich Schmerz
-
mitteleinnahme erfolgte.
Damit kann dieses Kriterium allerhöchstens als im einfachen Umfang erfüllt angesehen werden.
5.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass von den sieben relevanten Kriterien einzig zwei knapp erfüllt sind. Zur Bejahung der Adäquanz allfälliger noch vor
handener unfallbedingter Beschwerden genügt dies bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen nicht. Damit fehlt es an der Adäquanz eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 3
0.
März 2009 und den über den
3
1.
März 2010
hinaus geklagten, im Sinn
e
der Rechtsprechung organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
1
7.
Juni 2011
(Urk. 2) ist daher kor
rekt und die Beschwerde ist abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 23
-
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigKlemmt
GR/YK/JMversandt