# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4ab27b01-f29c-5aeb-948b-37ba78241bd1
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-31
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015
**Docket/Reference:** DB.2017.64
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2017.64--1-st.2017.80.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2017.64 
1 ST.2017.80 

Entscheid 

 31. Oktober 2017 

Mitwirkend: 

Abteilungsvizepräsident Michael Ochsner, Steuerrichter Marcus Thalmann, Steuerrich-
terin Christina Hefti und Gerichtsschreiberin Andrea Schmid 

A,    

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,   

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  In  seiner  Steuererklärung  2015  deklarierte  A  (nachfolgend  der  Pflichtige) 

ein  steuerbares  Einkommen  von  Fr.  75'700.-  für  die  direkte  Bundessteuer  bzw.  von 

Fr. 74'800.- für die Staats- und Gemeindesteuern und ein steuerbares Vermögen von 

Fr.  278'000.-.  Dabei  machte  er  Abzüge  für  Unterhaltsbeiträge  an  seine  Kinder  B, 

geb. … 1999, und C, geb. … 2002, im Umfang von Fr. 37'272.- geltend. 

Am  3.  November  2016  veranlagte  ihn  das  kantonale  Steueramt  mit  einem 

steuerbaren  Einkommen  von  Fr.  100'700.-  bzw.  schätzte  ihn  mit  einem  steuerbaren 

Einkommen von Fr. 95'700.- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 278'000.- ein. 

Unter  anderem  strich  es  dabei  die  Abzüge  für  Unterhaltsbeiträge  und  gewährte  ihm 

stattdessen je den Kinderabzug und den zusätzlichen Versicherungsprämienabzug für 

die beiden Kinder. Zur Begründung wurde auf die Einspracheentscheide für die Steuer-

periode  2014  verwiesen,  in  welchen  das  kantonale  Steueramt  die  Abzüge  ebenfalls 

verweigert  hatte  mit  dem  Argument,  dass  der  Empfänger  der  Unterhaltsbeiträge  ein 

Elternteil sein müsse. Vorliegend stünden jedoch die beiden Kinder seit dem Tod ihrer 

Mutter unter Vormundschaft. 

B.  Hiergegen  erhob  der  Pflichtige  am  3./8.  Dezember  2016  Einsprache  und 

beantragte den vollumfänglichen Abzug der geleisteten Unterhaltsbeiträge. 

Mit  Auflage  vom  11.  Januar  2017  ersuchte  das  kantonale  Steueramt  den 

Pflichtigen um Begründung und Belege, inwiefern sich die Lage im Vergleich zum Vor-

jahr verändert habe. Der Pflichtige beantwortete die Auflage mit Eingabe vom 7. Feb-

ruar 2017. 

Mit Entscheiden vom 27. Februar 2017 wies das kantonale Steueramt die Ein-

sprachen ab. 

C. Am 22. März 2017 erhob der Pflichtige Beschwerde bzw. Rekurs gegen die 

Einspracheentscheide  vom  27.  Februar  2017  und  wiederholte  die  Einspracheanträge. 

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Sinngemäss  beantragte  er  zudem,  den  Kinder-  und  zusätzlichen  Versicherungsprä-

mienabzug zu streichen. 

Das  kantonale  Steueramt  schloss  am  6.  April  2017  auf  Abweisung  der 

Rechtsmittel.  Eventualiter  sei  dem  Pflichtigen  der  Unterstützungsabzug  anstelle  des 

Kinderabzugs zu gewähren. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht ver-

nehmen. 

Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird,  sofern rechtserheblich,  in  den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. Nach Art. 33 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteu-

er  vom  14.  Dezember  1990  (DBG)  bzw.  §  31  Abs.  1  lit.  c  des  Steuergesetzes  vom 

8. Juni  1997  (StG)  werden  von  den  steuerbaren  Einkünften  die  Unterhaltsbeiträge 

an den geschiedenen, gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebenden Ehegatten sowie 

Unterhaltsbeiträge an einen Elternteil für die unter dessen elterlicher Sorge oder Obhut 

stehenden Kinder abgezogen, während Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtli-

cher  Unterhalts-  oder  Unterstützungspflichten  nicht  abgezogen  werden  können.  Ab-

zugsfähige  Unterhaltsbeiträge  sind  regelmässig  oder  unregelmässig  wiederkehrende 

Leistungen,  die  der  Deckung  des  laufenden  Lebensbedarfs  des  Empfängers  dienen, 

ohne diesem einen Vermögenszuwachs zu  verschaffen. Nicht vorausgesetzt wird das 

Bestehen einer richterlichen Anordnung oder eines entsprechenden Vertrags zwischen 

den  Ehegatten,  hingegen  müssen  die  Leistungen  unmittelbar  familienrechtlich  ge-

schuldet sein, d.h. in Erfüllung einer Rechtspflicht erbracht werden, wohingegen freiwil-

lig  geleistete  Beiträge  nicht  zum  Abzug  berechtigen  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Handkommentar  zum  DBG,  3.  A.,  2016,  Art.  33  N  48  ff.  DBG,  und  Kommentar  zum 

Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 31 N 48 ff. StG).  

2. Der Pflichtige verpflichtete sich mit Scheidungsurteil vom 1. Juni 2012, Un-

terhaltsbeiträge  von  je  Fr.  1'300.-  monatlich  (zuzüglich  allfälliger  Kinderzulagen)  für 

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seine Kinder B, geb. … 1999, und C, geb. … 2002, zu leisten. Die Unterhaltsbeiträge 

sollten  gemäss  Urteil  an  die  geschiedene  Ehefrau,  welcher  das  Sorgerecht  zugeteilt 

wurde, bezahlt werden. 

Am … August 2013 verstarb die Kindsmutter. Infolgedessen ernannte die Kin-

des- und Erwachsenenschutzbehörde D (nachfolgend KESB) am … August 2013 vor-

sorglich  E  als  Vormundin  der  beiden  Kinder.  Am  …  Juni  2014  wurde  E  sodann  als 

Vormundin bestätigt. 

Es ist unstreitig, dass der Pflichtige auch nach dem Tod der Kindsmutter wei-

terhin Unterhaltsbeiträge gemäss Scheidungsurteil vom … Juni 2012 für seine beiden 

minderjährigen Kinder leistete. Diese brachte er in seiner Steuererklärung 2015 im Ge-

samtumfang von Fr. 37'272.- (indexierte monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 1'303.- 

zuzüglich Kinderzulagen von Fr. 250.- je Kind) zum Abzug. 

Das  kantonale  Steueramt  verweigerte  dem  Pflichtigen  den  Abzug  der  Unter-

haltsbeiträge mit der Begründung, sie würden nicht an die getrenntlebende Ehegattin, 

sondern  an  eine  Behörde,  die  KESB,  geleistet.  Auch  sei  das  Korrespondenzprinzip 

(Kongruenzprinzip),  gemäss  welchem  der  Empfänger  die  Leistungen  zu  versteuern 

habe, während der Leistende sie abziehen könne, nicht gewahrt. 

3. Das kantonale Steueramt stützt seine Argumentation auf Art. 33 Abs. 1 lit. c 

DBG bzw. § 31 Abs. 1 lit. c StG, welche wörtlich besagen: "Von den Einkünften werden 

abgezogen […] die Unterhaltsbeiträge an einen Elternteil für die unter dessen elterliche 

Sorge  (oder  Obhut)  stehenden  Kinder,  nicht  jedoch  Leistungen  in  Erfüllung  anderer 

familienrechtlicher Unterhalts- oder Unterstützungspflichten". 

Da  vorliegend  die  Unterhaltsbeiträge  nicht  an  einen  sorgerechtsberechtigten 

Elternteil geleistet wurden, vertritt das kantonale Steueramt die Auffassung, es handle 

sich  dabei  um  nicht  abzugsfähige  "Leistungen  in  Erfüllung  anderer  familienrechtlicher 

Unterhalts-  oder  Unterstützungspflichten."  Indessen  sind  gemäss  einhelliger  Meinung 

in Lehre und Rechtsprechung unter der letzteren Kategorie Leistungen nach Art. 328 ff. 

ZGB  sowie  Mündigenunterhalt  gemäss  Art.  277  Abs.  2  ZGB  zu  subsumieren,  nicht 

jedoch der Kindesunterhalt nach Art. 276 Abs. 2 ZBG (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Art. 33 N 54 f. DBG und § 31 N 51 f. StG; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 

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2001, Art. 24 N 41). Fraglich ist somit, ob das Gesetz überhaupt eine Regelung für die 

vorliegende Konstellation (unmündiges Kind unter Vormundschaft) bereithält. 

4.  Eine  echte  Gesetzeslücke  liegt  nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesge-

richts vor, wenn der Gesetzgeber etwas zu regeln unterlassen hat, was er hätte regeln 

sollen,  und  dem  Gesetz  diesbezüglich  weder  nach  seinem  Wortlaut  noch  nach  dem 

durch Auslegung zu ermittelnden Inhalt eine Vorschrift entnommen werden kann. Von 

einer  unechten  oder  rechtspolitischen  Lücke  ist  demgegenüber  die  Rede,  wenn  dem 

Gesetz zwar eine Antwort, aber keine befriedigende, zu entnehmen ist. Echte Lücken 

zu füllen, ist dem Gericht aufgegeben, unechte zu korrigieren, ist ihm nach traditioneller 

Auffassung grundsätzlich verwehrt (vgl. BGE 139 II 404 E. 4.2 mit Hinweis). 

Im Steuerrecht gilt ein strenges Legalitätsprinzip (Art. 127 Abs. 1 der Bundes-

verfassung vom 18. April 1999, BV). Für eine richterliche Gesetzesergänzung im Steu-

errecht verbleibt nur Raum, wenn eine echte Lücke vorliegt, deren Beseitigung zur An-

wendung  des  Gesetzes  absolut  unerlässlich 

ist  oder  wenn  allgemeine 

Rechtsgrundsätze  angewandt  werden.  Ist  der  Richter  zur  Rechtsfortbildung  befugt, 

muss grundsätzlich auch ein Analogieschluss zulässig sein. Ein Analogieschluss setzt 

indessen  voraus,  dass  hinreichend  gleichgelagerte  Verhältnisse  vorliegen  (VGr, 

12. September 2012 = StE 2013 B 99.3 Nr. 10). 

5. Nach Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG und § 31 Abs. 1 lit. c StG werden Unterhalts-

beiträge  an  einen  Elternteil  für  die  unter  dessen  elterlicher  Sorge  stehenden  Kinder, 

nicht jedoch Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher Unterhalts- oder Unter-

stützungspflichten vom Einkommen abgezogen. 

Die  Norm  enthält  keine  ausdrückliche  Antwort  auf  die  Frage,  wie  Unterhalts-

beiträge für minderjährige  Kinder,  die  unter  Vormundschaft  stehen,  behandelt  werden 

sollen.  Fraglich  ist  zunächst,  ob  dem  Gesetz  durch  Auslegung  eine  Antwort  zu  ent-

nehmen ist. 

a) aa) Der Anspruch auf Unterhaltsbeiträge steht dem Kind zu und wird durch 

Leistung  an  dessen  gesetzlichen  Vertreter  erfüllt  (Peter  Breitschmid,  in:  Basler  Kom-

mentar,  Zivilgesetzbuch  I,  5.  A.,  2014,  Art.  276  N  17  ZGB).  Dieser  Anspruch  erlischt 

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grundsätzlich bei Tod des Berechtigten, mithin des Kindes, oder des leistenden Eltern-

teils (Peter Breitschmid, Art. 277 N 7 ZGB). Steht ein Kind nicht unter elterliche Sorge, 

so  ernennt  ihm  die  Kindesschutzbehörde  einen  Vormund  (Art.  327a  ZGB).  Dem  Vor-

mund stehen die gleichen Rechte zu wie den Eltern (Art. 327c ZGB). Der Vormund ist 

somit anstelle der Eltern verantwortlich für die persönliche Fürsorge für das Kind, wel-

che  Pflege,  Betreuung,  Erziehung  und  Sicherstellung  des  finanziellen  Unterhalts  des 

Kindes umfasst (Lienhard/Affolter, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. A., 2014, 

Art. 327c N 3 ZGB). Der Vormund hat dementsprechend den nötigen Unterhalt zu ver-

anlassen sowie allenfalls bestehende Unterhaltsregelungen auf deren Angemessenheit 

und Rechtsgültigkeit hin zu überprüfen (Lienhard/Affolter, Art. 327c N 22 ZGB). 

bb) Aus dem Gesagten lässt sich folgender Schluss ziehen: Der Unterhaltsan-

spruch des minderjährigen Kindes gegenüber den Eltern gemäss Art. 276 ZGB erlischt 

nicht  mit  dem  Tod  des  sorgerechtsinhabenden  Elternteils.  Berechtigt  ist  nämlich  das 

Kind  selbst,  wobei  der  gesetzliche  Vertreter  verantwortlich  für  die  Sicherstellung  des 

finanziellen Unterhalts des minderjährigen Kindes ist und somit als Zahlungsempfänger 

zuhanden  des  Kindes  fungiert.  Endet  die  elterliche  Sorge,  so  bleibt  der Unterhaltsan-

spruch des Kindes weiterhin bestehen. Dessen allfällige Durchsetzung obliegt nun dem 

Vormund.  Mithin  handelt  es  sich  bei  der  Unterhaltsverpflichtung  gegenüber  dem  un-

mündigen  Kind  keinesfalls  um  eine  "Leistung  in  Erfüllung  anderer  familienrechtlicher 

Unterhalts-  oder  Unterstützungspflichten"  gemäss  Art.  33  Abs.  1  lit.  c  DBG  und  §  31 

Abs.  1  lit.  c  StG.  Indessen  wird  die  Leistung,  sofern  das  Kind  unter  Vormundschaft 

steht, auch nicht an einen Elternteil erbracht. 

Somit ist dem Wortlaut von Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG und § 31 Abs. 1 lit. c StG 

keine Antwort darüber zu entnehmen, wie denn Unterhaltsbeiträge an das bevormun-

dete Kind steuerlich zu behandeln sind. 

b) Keine Anhaltspunkte lassen sich der systematischen Auslegung der Geset-

ze entnehmen. 

c)  Aus  historischer  Sicht  ist  zur  Regelung  im  DBG  Folgendes  festzuhalten: 

Der  Botschaft  zu  den  Bundesgesetzen  über  die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern 

der Kantone und Gemeinden sowie über die direkte Bundessteuer (Botschaft über die 

Steuerharmonisierung  vom  28.  Mai  1983,  BBl  1983  III  1,  91)  lässt  sich  lediglich  der 

geplante Gesetzeswortlaut entnehmen. Ergänzend wird erwähnt, es werde im Wesent-

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lichen die bereits geltende Ordnung weitergeführt. Indessen liess der bis anhin gelten-

de  Bundesratsbeschluss  über  die  Erhebung  einer  direkten  Bundessteuer  vom  9.  De-

zember  1940  (BdBSt)  weder  die  Ehegatten  noch  die  Kinderalimente  zum  Abzug  zu 

(Art. 22 Abs. 1 lit. d BdBSt). Die Botschaft kommentiert die neue Regelung lapidar mit 

der  Aussage,  sie  diene  dem  Anliegen  der  Steuerharmonisierung.  Offenkundig  wurde 

somit nicht an den vorliegenden Fall gedacht. 

d) Die Anwendung der teleologischen Auslegungsmethode, welche primär auf 

Sinn  und  Zweck  einer  Norm  abstellt,  scheitert  an  dem  nicht  überwindbaren  Wider-

spruch  zwischen  dem  ersten  Teil  der  Norm,  welcher  ausdrücklich  nur  den  Abzug  zu-

lassen  will,  wenn  die  Unterhaltsbeiträge  an  sorgerechtsberechtigte  Eltern  geleistet 

werden, und dem zweiten Teil, welcher sämtliche Unterhaltsleistungen, die nicht Ehe-

gattenunterhalt  oder  Unterhalt  an  die  unmündigen  Kinder  darstellen,  vom  Anwen-

dungsbereich der Norm ausschliesst.  

e) Es ist somit auf eine Lücke im Gesetz zu schliessen. Die gesetzliche Rege-

lung erweist sich für Konstellationen, in welchen das unterhaltsberechtigte minderjähri-

ge Kind unter Vormundschaft steht, als unvollständig. Eine Absicht des Gesetzgebers 

ist  diesbezüglich  nicht  zu  erkennen.  Vielmehr  ist  von  einem  Übersehen  auszugehen. 

Damit sind in richterlicher Lückenfüllung die Bestimmungen so zu ergänzen, dass der 

vorliegende Fall umfasst ist. 

6. Wird im öffentlichen Recht eine Lücke festgestellt, so ist diese primär durch 

analoge  Anwendung  von  öffentlich-rechtlichen  Normen  zu  füllen.  Erst  wenn  sich  im 

öffentlichen  Recht keine  analog  anwendbare  Bestimmung findet,  ist  –  sekundär  –  auf 

ähnliche  Regelungen  im  Privatrecht  zurückzugreifen  (Häfelin/Müller/Uhlmann,  Allge-

meines Verwaltungsrecht, 7. A., 2016, N 252). 

Es ist offenkundig, dass sich der vorliegende Fall nicht unter "andere familien-

rechtliche  Verpflichtungen"  subsumieren  lässt.  Eine  analoge  Anwendung dieser  Norm 

scheitert daran, dass es sich um dieselbe familienrechtliche Verpflichtung handelt, na-

mentlich  Kindesunterhalt  durch  einen  nicht  sorgerechtsberechtigten  Elternteil  an  das 

unmündige  Kind.  Vielmehr  drängt  sich  im  Einklang  mit  dem  Rechtsgleichheitsgrund-

satz eine analoge Anwendung von Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG bzw. § 31 Abs. 1 lit. c StG, 

je erster Satzteil, auf. Denn aus Sicht des Steuerpflichtigen bzw. Unterhaltsverpflichte-

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ten macht es keinerlei Unterschied, ob der gesetzliche Vertreter des unterhaltsberech-

tigten  Kinds  der  sorgerechtberechtigte  Elternteil  oder  ein  Vormund  ist.  Eine  andere 

Interpretation  des  Gesetzes  würde  sowohl  dem  Gleichbehandlungsgebot  nach  Art.  8 

Abs. 1 BV wie auch dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungs-

fähigkeit  nach Art.  127 Abs.  2  BV  zuwiderlaufen.  Auch  wahrt  einzig  diese  Auffassung 

das Prinzip der Einheitlichkeit der Rechtsordnung, macht doch auch das Zivilrecht kei-

ne Unterscheidung zwischen dem Unterhaltsanspruch des minderjährigen Kinds unter 

elterlicher Sorge und desjenigen unter Vormundschaft. 

Das  kantonale  Steueramt  vermag  mit  dem  Argument,  das  Kongruenzprinzip 

werde dabei verletzt, nicht durchzudringen. Das unmündige Kind selbst ist stets Steu-

ersubjekt,  wird  indessen  in  seiner  Steuerpflicht  grundsätzlich  durch  den  Inhaber  der 

elterlichen Sorge vertreten (sog. Steuersubstitution; Art. 9 Abs. 3 DBG und § 7 Abs. 3 

StG; Locher, Art. 9 N 28 und 37 DBG, auch zum Folgenden). Tritt anstelle der elterli-

chen Sorge eine Vormundschaft, so wird das bevormundete Kind selbstständig veran-

lagt;  allerdings  wird  es  im  Veranlagungsverfahren  regelmässig  durch  den  Vormund 

vertreten.  Einkünfte  und  Vermögen  des  Kindes  werden  somit  stets  besteuert.  Art.  23  

lit. f DBG und § 23 lit. f StG sind spiegelbildlich zu Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG und § 31 

Abs. 1  lit. c  StG konzipiert:  Auch  hier  hat  es  der Gesetzgeber  versäumt,  den  Fall  des 

unmündigen  bevormundeten  Kinds  zu  regeln.  Die  Normen  sind  im  Sinn  des  Kongru-

enzprinzips nach dem bisher Gesagten zu Ergänzen. Das (unmündige und bevormun-

dete) Kind hat die empfangenen Unterhaltsbeiträge mit den übrigen Einkünften zu ver-

steuern (a.M. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 23 N 66 DBG). 

7.  Das  kantonale  Steueramt  gewährte  dem  Pflichtigen  anstelle  des  Unter-

haltsabzugs den Kinderabzug gemäss Art. 35 Abs. 1 DBG bzw. § 34 Abs. 1 lit. a StG. 

In der Beschwerde- und Rekursantwort vom 6. April 2017 beantragte es, es sei even-

tualiter anstelle des Kinderabzugs der Unterstützungsabzug gemäss Art. 35 Abs. 1 lit. 

b DBG bzw. § 34 Abs. 1 lit. b zu gewähren. Weder Kinder- noch Unterstützungsabzug 

können  kumulativ  zum  Abzug 

für  Unterhaltsbeiträge  gewährt  werden 

(Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 35 N 27, 53 DBG und § 31 N 43, 61 StG). Dasselbe gilt 

für den zusätzlichen Versicherungsprämienabzug nach Art. 33 Abs. 1bis DBG bzw. § 31 

Abs. 1 lit. g StG, steht er doch nur denjenigen Personen zu, welche einen Kinder- oder 

Unterstützungsabzug  geltend  machen  können.  Dementsprechend  ist  das  steuerbare 

Einkommen des Pflichtigen zu korrigieren.  

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8. Es ergibt sich folgendes steuerbares Einkommen: 

Direkte  
Bundessteuer 

Staats- und  
Gemeindesteuern 

Nettoeinkommen laut  
Einspracheentscheid 
Zus. Versicherungsprämienabzug  
Kinder 
Unterhaltsbeiträge 
Nettoeinkommen neu 
Selbstbehalt: 5% von Nettoeinkommen 
Krankheits- und Unfallkosten 
Gemeinnützige Zuwendungen 
Reineinkommen 
Kinderabzug 
Steuerbares Einkommen 
Abgerundet 

Fr. 

115'867 

1'400 
-37'272 
79'995 
4'000 
-6'571 
-1'300 
76'124 
0 
76'124 
76'100 

Fr. 

115'867 

2'600 
-37'272 
81'195 
4'060 
-6'571 
-1'300 
77'384 
0 
77'384 
77'300. 

9.  Somit  sind  Beschwerde  und  Rekurs  vollumfänglich  gutzuheissen.  Aus-

gangsgemäss  sind  die  Kosten  des  vorliegenden  Verfahrens  der  Beschwerdegegne-

rin/dem Rekursgegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG).  

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Beschwerdeführer  wird  für  die  direkte 

Bundessteuer,  Steuerperiode  2015,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 76'100.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 36 Abs. 1 DBG; Grundtarif).  

2.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Der Rekurrent wird für die Staats- und Gemeinde-

steuern,  Steuerperiode  2015,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr.  77'300.-

und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr.  278'000.-  eingeschätzt  (Tarif  gemäss 

§ 35 Abs. 1 StG bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif).  

[…] 

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