# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f74e900d-83b2-582c-903e-5eee82787457
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-06-01
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 01.06.2010 S 2010 16
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-16_2010-06-01.pdf

## Full Text

S 10 16

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 1. Juni 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. … wurde am 11. Juli 2000 geboren. Er wohnt mit seinen Eltern sowie zwei 

Schwestern (Jahrgänge 1996 und 1998) in ... Von August 2005 bis Juni 2007 

ging der Versicherte in den … Kindergarten in ... Von August 2007 an 

besuchte er während zwei Jahren die Einführungsklasse im Schulhaus … in 

…, worauf er in den normalen Schulunterricht wechseln konnte.

2. Auf Empfehlung der Kindergärtnerin wurde der Versicherte wegen auffälligen 

Verhaltens im Kindergarten bei der Stiftung Heilpädagogischer Dienst 

Graubünden (HPD) zur heilpädagogischen Früherziehung angemeldet. Dem 

Gesuch vom 7. April 2006 um IV-Leistungen (Sonderschulmassnahmen: 

Heilpädagogische Früherziehung) entsprach die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden mit Verfügung vom 19. Juli 2006.

3. In der Folge wurde der Versicherte spezialärztlich untersucht. Gemäss einem 

Bericht von Dr. med. … und Dr. med. …, Kantonsspital Graubünden, vom 4. 

Januar 2007 wurde vorerst die Diagnose eines gemischten 

Entwicklungsrückstands mit kognitiven Fähigkeiten im Bereich der 

Lernbehinderung (ICD-10: F83) gestellt. Nachdem Dr. med. … beim 

Versicherten den Fragebogen für Autismus (FSK, engl. SCQ) angewandt 

hatte, führte er mit ihm am 8. März 2007 eine ADOS-Untersuchung durch, die 

gemäss Bericht vom 13. März 2007 zur Diagnose des Autismus führte. Am 

16. März 2007 führte Dr. med. … mit den Eltern des Versicherten ein 

mehrstündiges Autismus Diagnostic Interview (ADI-R). Gemäss Bericht vom 

19. März 2007 stellte er gestützt auf sämtliche Untersuchungen unter 

anderem die Diagnose des atypischen Autismus (ICD-10: F84.1), da der 

Versicherte nur in zwei von drei Kernbereichen des Autismus auffällig und die 

abnorme Entwicklung aus Sicht der Eltern erst nach dem 36. Lebensmonat 

bemerkt worden sei.

4. Am 21. November 2007 ging bei der IV-Stelle ein Gesuch ein, in welchem IV-

Leistungen aufgrund eines Sprachgebrechens (Sonderschulmassnahmen: 

Logopädie) beantragt wurden. Die entsprechende Kostengutsprache für eine 

Sprachheilbehandlung vom 13. September 2007 bis zum 12. September 2009 

erging mit Verfügung vom 11. Dezember 2007.

5. Am 6. Juli 2009 reichte der Versicherte bei der IV-Stelle eine Anmeldung 

betreffend Hilflosenentschädigung für Minderjährige ein. Gemäss 

Abklärungsbericht vom 25. November 2009 sei ein Anspruch auf 

Hilflosenentschädigung von einem Drittel ab Juli 2007 knapp ausgewiesen.

6. Mit Gesuch vom 6. Juli 2009 wurden erneut IV-Leistungen (medizinische 

Massnahmen wegen des Geburtsgebrechens Autismus) beantragt. Die IV-

Stelle holte zwei Berichte von Dr. med. … (16. August und 4. Oktober 2009) 

und zwei Stellungnahmen (24. August und 12. Oktober 2009) beim 

Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), Ostschweiz, ein.

7. Gestützt darauf erliess die IV-Stelle am 28. Oktober 2009 zwei Vorbescheide 

und stellte in Aussicht, die Leistungsbegehren um Kostengutsprache für 

medizinische Massnahmen zur Behandlung des Autismus sowie für 

Ergotherapie abzuweisen, zumal weder die Voraussetzungen zur 

Anerkennung des Geburtsgebrechens Nr. 401 nach Art. 13 IVG noch die 

Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 12 IVG erfüllt seien.

8. Dagegen erhob der Vater des Versicherten am 9. November 2009 Einwand. 

Begründend führte er insbesondere aus, dass die grossen Schwierigkeiten in 

der Entwicklung den Eltern zwar sehr früh aufgefallen seien. Da sie 

Krankheiten wie Autismus indes nicht gekannt hätten, hätten sie ihren Sohn 

erst nach einem Hinweis Ende 2006 abklären lassen.

9. Gestützt auf zwei Stellungnahmen von Dr. med. …, RAD Ostschweiz, vom 

24. und 30. November 2009 bestätigte die IV-Stelle mit Verfügungen vom 7. 

Dezember 2009 ihre Vorbescheide und wies das Leistungsbegehren um 

Kostengutsprache für medizinische Massnahmen betreffend Autismus nach 

Art. 13 IVG sowie das Leistungsbegehren für Ergotherapie nach Art. 12 IVG 

ab. Zur Begründung führte sie aus, dass gemäss den medizinischen 

Unterlagen die erste Symptomatik des Geburtsgebrechens Nr. 401 erst im 

Alter von 6 Jahren diagnostiziert worden sei. Es hätte indes ein Arztkontakt 

vor dem vollendeten 5. Altersjahr stattfinden müssen. In der Verfügung 

betreffend Ergotherapie hielt die IV-Stelle fest, dass es sich bei der konkreten 

Ergotherapie um eine Dauerbehandlung handle. Art. 12 IVG verlange jedoch, 

dass die medizinische Massnahme nicht von unbestimmt langer Dauer sein 

und dass nur die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit im Mittelpunkt stehe 

dürfe. Die IV-Stelle hielt an den Verfügungen fest, auch nachdem die Procap, 

Schweizerischer Invalidenverband, ihr einen Arztbericht von Dr. med. … vom 

22. März 2007 zur Kenntnis gebracht hatte.

10. Gegen diese Verfügungen erhob der Versicherte am 25. Januar 2010 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin 

beantragte er, die Verfügungen vom 7. Dezember 2009 seien aufzuheben und 

es seien medizinische Massnahmen nach Art. 13 oder Art. 12 IVG 

zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer 

Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung wurde im 

Wesentlichen ausgeführt, dass nicht der Zeitpunkt der Diagnosestellung 

relevant sei, sondern derjenige des Feststellens der Symptome. Beim 

Versicherten sei die Symptomatik des Geburtsgebrechens Autismus sicher 

vor dem 5. Lebensjahr erkennbar gewesen. Dass die Eltern aus Furcht vor 

der Wahrheit und mit der Hoffnung, dass sich eine Normalität noch einstelle, 

lange mit der Abklärung ihres Sohnes gezögert hätten, könne keine Rolle 

spielen. Aus diesem Grunde sei die Kostengutsprache für medizinische 

Massnahmen zu erteilen, insbesondere auch für die Ergotherapie. Durch die 

Ergotherapie würden das Schreiben, die Koordination sowie Arbeitsabläufe 

und Feinmotorik verbessert und geübt, welche im Rahmen der schulischen 

Bildung wichtig seien. Die Notwendigkeit der Ergotherapie sei für eine Dauer 

von etwa zwei Jahren gegeben.

11. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Februar 2010 beantragte die IV-Stelle die 

Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wurde insbesondere dargelegt, 

dass bis zur Vollendung des 5. Lebensjahres des Versicherten weder 

echtzeitlichen Akten mit einer Diagnose eines Autismus vorhanden seien 

noch eine eindeutige Symptomatik vorgelegen habe, welche auf ein 

Geburtsgebrechen Nr. 401 hingewiesen hätte. Wäre dies der Fall gewesen, 

hätten die Eltern fachspezifische Hilfe aufgesucht, wie dies geschehen sei, 

nachdem die Symptomatik auffälliger geworden sei. Im Zusammenhang mit 

der Ergotherapie legte die IV-Stelle dar, dass die Voraussetzungen für eine 

Kostenübernahme nach Art. 12 IVG nicht erfüllt seien, weil insbesondere von 

langen Jahren der Therapiebedürftigkeit ausgegangen werden müsse und 

keine Therapieziele definiert worden seien, welche die aktuelle Beschulung 

verbessern könnten.

12. In der Replik vom 23. März 2010 hielt der Versicherte an den Anträgen fest 

und machte insbesondere weitere Ausführungen zu den vor Vollendung des 

5. Lebensjahres vorhandenen Symptomen. Bezüglich der Ergotherapie wurde 

bemerkt, dass diese die Integration in der Schule und später in das 

Erwerbsleben erleichtere. Aus einer unklaren Prognose dürfe nicht auf eine 

langjährige Therapiebedürftigkeit geschlossen werden. Mit Schreiben vom 30. 

März 2010 verzichtete die IV-Stelle auf eine Duplik.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt sind die Verfügungen der IV-Stelle vom 7. Dezember 

2009. Streitgegenstand bilden die Fragen, ob die IV-Stelle zu Recht sowohl 

die Kostengutsprache für medizinische Massnahmen als Folge des Autismus 

als auch für die Ergotherapie verweigert hat.

2. Der Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen 

medizinischen Massnahmen bis zum vollendeten 20. Altersjahr richtet sich 

nach Art. 13 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 

831.20). Als Geburtsgebrechen im Sinne dieser Norm gelten Gebrechen, die 

bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1] sowie Art. 

1 Abs. 1 der Verordnung über Geburtsgebrechen vom 9. Dezember 1985 

[GgV, SR 831.232.21]). Der Anspruch auf die notwendigen medizinischen 

Massnahmen beginnt mit deren Einleitung, frühestens jedoch nach 

vollendeter Geburt (Art. 2 Abs. 1 GgV). Die einzelnen als Geburtsgebrechen 

anerkannten Leiden sind in einer Liste im Anhang zur GgV aufgeführt (Art. 1 

Abs. 2 GgV).

a) Die vorliegend angefochtenen Verfügungen wurden am 7. Dezember 2009 

erlassen. Zu diesem Zeitpunkt galt Ziff. 401 des Anhangs zur GgV, wonach 

frühkindliche primäre Psychosen und infantiler Autismus Geburtsgebrechen 

darstellen, sofern sie bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar werden. 

Ziff. 401 wurde mit Änderung der GgV vom 24. November 2009, in Kraft seit 

1. Januar 2010 (AS 2009 6553), aufgehoben. Neu eingefügt wurden die 

Ziffern 405 und 406. Die vorliegend relevante Ziff. 405 sieht vor, dass 

Autismus-Spektrum-Störungen als Geburtsgebrechen gelten, sofern diese bis 

zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar werden. Dieser international übliche 

Begriff umfasst im Wesentlichen den frühkindlichen, den atypischen Autismus 

sowie das Asperger Syndrom. Die Rechtsprechung hatte bereits unter aZiff. 

401 Anhang GgV weitere tiefgreifende Entwicklungsstörungen wie auch den 

atypischen Autismus subsumiert, sofern die zeitliche 

Tatbestandsvoraussetzung gegeben war (Urteil Eidg. Versicherungsgericht 

vom 31. Oktober 2005, I 302/05 E. 1.2 m.H.; ZGGVP 2006, S. 144 E. 3). Die 

materielle Rechtslage bezüglich des vorliegend zu prüfenden 

Geburtsgebrechens hat sich daher nicht geändert. Es kann offen gelassen 

werden, ob aZiff. 401 oder die neue Ziff. 405 Anhang GgV Anwendung findet.

b) Autistische Störungen werden in der internationalen Klassifikation der 

Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO (10. Revision, 

nachfolgend ICD-10) im Kapitel F84 unter dem Begriff der „tiefgreifenden 

Entwicklungsstörungen“ klassifiziert. Zu diesen Störungen gehört unter 

anderem der atypische Autismus (ICD-10: F84.1). Dieser liegt vor, wenn die 

abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung erst nach dem dritten Lebensjahr 

manifest wird und wenn nicht in allen für die Diagnose Autismus geforderten 

psychopathologischen Bereichen Auffälligkeiten nachweisbar sind. 

Atypischer Autismus tritt sehr häufig bei schwer retardierten bzw. unter einer 

schweren rezeptiven Störung der Sprachentwicklung leidenden Patienten auf 

(ICD-10: F84.1). Die IV-Stelle geht zwar davon aus, dass der Versicherte an 

atypischem Autismus leidet. Sie erachtet indes die zeitliche 

Tatbestandsvoraussetzung nicht als erfüllt. Nach aZiff. 401 und Ziff. 405 

Anhang GgV gilt der atypische Autismus nämlich nur dann als 

Geburtsgebrechen, sofern er bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar 

wurde. Zur Beurteilung dieser Frage sind die folgenden Arztberichte relevant:

- Dr. med. …, leitender Arzt Kantonsspital Graubünden, stellte in seinem 

Bericht vom 19. März 2007 die Diagnosen des atypischen Autismus (ICD-

10: F84.1) sowie einer kombinierten umschriebenen Entwicklungsstörung 

(ICD-10: F83) mit Sprachentwicklungsverzögerung, hyperkinetischer 

Störung des Sozialverhaltens sowie Störungen der Grob- und Feinmotorik. 

Im Rahmen eines diagnostischen Interviews für Autismus-Revision (ADI-R) 

erfragte Dr. med. … bei den Eltern des Versicherten Auffälligkeiten in den 

Kernsymptomen des Autismus im Alter zwischen 4 und 5 Jahren. Im 

diagnostischen Algorithmus habe der Versicherte in zwei Kernbereichen 

des Autismus eine Anzahl Punkte erzielt, die deutlich über dem cut off liege. 

Damit würden sich aus der Anamnese genügend objektive und eindeutige 

Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Symptomatik des atypischen 

Autismus schon vor dem 5. Lebensjahr erkennbar gewesen sei. Diese 

Schlussfolgerungen wiederholte er in einem Bericht vom 22. März 2007 

zuhanden von Dr. med. ...

- Dr. med. …, RAD Ostschweiz, führte am 24. August sowie 24. November 

2009 aus, der früheste Abklärungsbericht von Dr. med. … datiere vom 

Dezember 2006, wobei der Versicherte zu diesem Zeitpunkt das 6. 

Altersjahr bereits vollendet gehabt habe. Entscheidend sei, dass die 

Abklärung eine retrospektive sei und dass bis zum 5. Altersjahr kein 

Arztkontakt bezüglich der Auffälligkeiten stattgefunden habe. Der atypische 

Autismus sei daher erst nach dem 5. Altersjahr erkennbar gewesen und ein 

Geburtsgebrechen nicht erstellt.

c) Der Wortlaut von aZiff. 401 bzw. Ziff. 405 Anhang GgV setzt nicht voraus, 

dass der Autismus bis zum vollendeten 5. Lebensjahr als solcher 

diagnostiziert oder allenfalls sogar dessen Behandlung aufgenommen wurde. 

Gefordert wird lediglich, dass er bis zu diesem Zeitpunkt erkennbar wurde. 

Kommt ein solcher Autismus erst nach dem 5. Lebensjahr zur Behandlung, 

so besteht ein Anspruch gemäss Art. 13 IVG i.V.m. Art. 3 Abs. 2 ATSG nur, 

wenn sich aus der Anamnese objektive und eindeutige Anhaltspunkte dafür 

ergeben, dass eine entsprechende Symptomatik schon vor dem 5. Lebensjahr 

erkennbar war (Kreisschreiben über die medizinischen 

Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen [KSME], Jahr 2009). Es genügt, dass der Autismus 

objektiv hätte erkannt werden können. Nicht vorausgesetzt ist, dass er 

tatsächlich innerhalb dieser zeitlichen Limite erkannt wurde (SVR 2003, IV Nr. 

26; vgl. auch Art. 1 Abs. 1 GgV). Soweit Dr. med. … ausführt, dass vor dem 

vollendeten 5. Lebensjahr des Versicherten ein ärztlicher Kontakt hätte 

erfolgen müssen, kann diesen Ausführungen daher nicht gefolgt werden. 

Ebenso ist nicht zu beanstanden, dass im konkreten Fall eine restrospektive 

Beurteilung erfolgte. Die Zulässigkeit derselben ergibt sich bereits daraus, 

dass die Anerkennung des atypischen Autismus als Geburtsgebrechen 

gerade nicht voraussetzt, dass vor dem 5. Altersjahr die entsprechende 

Diagnose gestellt wurde oder ein ärztlicher Kontakt stattgefunden hat (vgl. 

Urteil Eidg. Versicherungsgericht vom 31. Oktober 2005, I 302/05). Zu prüfen 

ist, ob gestützt auf den ärztlichen Bericht von Dr. med. … genügend 

Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der atypische Autismus beim 

Versicherten vor dem 5. Lebensjahr erkennbar wurde. An die Erkennbarkeit 

der Störung innerhalb dieser Altersgrenze dürfen gemäss Bundesgericht 

jedoch keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden (I 302/05 Erw. 2.2 

sowie VGU S 09 122).

d) Es liegt kein Grund vor, an den Schlussfolgerungen von Dr. med. … zu 

zweifeln. Er bediente sich einerseits einer Kombination von 

psychodiagnostischen Verfahren (SCQ = Social Communication 

Questionnaire, ADOS = Autism Diagnostic Observation Schedule sowie ADI-

R = Autism Diagnostic Interview-Revised [vgl. dazu auch VGU S 09 122]), 

deren Anwendung heute international als „Goldstandard“ gilt (Sven Bölte/Fritz 

Poustka, Psychodiagnostische Verfahren zur Erfassung autistischer 

Störungen, in: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und 

Psychotherapie, Bern, 33 (1), 2005, S. 12; vgl. Berichte Dr. med. … vom 13. 

und 19. März 2007). Seine Ausführungen sind anderseits begründet, sie 

beruhen auf einer umfangreichen Anamnese und leuchten sowohl in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch in der Beurteilung 

der medizinischen Situation ein (BGE 125 V 351 E. 3a). Im Rahmen des ADI-

R erfragte Dr. med. … qualitative Auffälligkeiten in den drei Kernbereichen 

des Autismus im Alter des Versicherten zwischen vier und fünf Jahren. Die 

entsprechenden Ergebnisse gingen in den diagnostischen Algorithmus ein. Im 

Bereich „qualitative Auffälligkeiten der reziproken sozialen Interaktion“ erzielte 

der Versicherte im diagnostischen Algorithmus 16 Punkte (Autismus cut off 

bei 10 Punkten), im Bereich „qualitative Auffälligkeiten der Kommunikation“ 15 

Punkte (cut off bei 8 Punkten) und im Bereich „repetitives, restriktives und 

stereotypes Verhalten“ keine Punkte. Dies erfolgte unter der Annahme, dass 

autistische Züge sich am deutlichsten im Alter zwischen vier und fünf Jahren 

und im Verlauf der Zeit eher abgeschwächt zeigen. Dr. med. … befragte daher 

in erster Linie das Verhalten des Versicherten im Alter zwischen vier und fünf 

Jahren (diagnostischer Algorithmus) und nicht zum aktuellen 

Untersuchungszeitpunkt (aktueller Algorithmus). Seinem Bericht vom 19. 

März 2007 geht hervor, dass beim Versicherten zwischen dem 4. und 5. 

Lebensjahr eindeutige Symptome vorhanden waren, welche retrospektiv die 

eindeutige Diagnose des atypischen Autismus erlauben. Damit kann davon 

ausgegangen werden, dass der atypische Autismus bereits vor Vollendung 

des 5. Lebensjahres erkennbar wurde.

e) Nicht entscheidend ist, in welchem Zeitpunkt erstmals ärztliche Hilfe in 

Anspruch genommen wird. Lassen Eltern ihr Kind nicht vor dem 5. Lebensjahr 

fachärztlich begutachten, kann dies verschiedene Gründe haben. Wie Dr. 

med. … im Bericht vom 19. März 2007 festhielt, zeigte insbesondere der Vater 

grosse Mühe mit weiteren Abklärungen und deren möglichen Folgen. Die 

Mutter hatte ausgeführt (vgl. Abklärungsbericht zur Hilflosenentschädigung 

vom 25. November 2009), das Verhalten des Versicherten sei immer 

entschuldigt oder als „speziell“ hingenommen worden. Die Eltern haben 

schliesslich nicht – wie die Vorinstanz argumentiert - infolge verstärkter 

Symptomatik doch noch ärztliche Hilfe gesucht. Gemäss den 

nachvollziehbaren Ausführungen von Dr. med. … würden sich autistische 

Züge nämlich am deutlichsten im Alter zwischen 4 und 5 Jahren zeigen. Die 

Auffälligkeiten nähmen dann im Verlauf der Zeit eher ab. Daher läge die 

Punktzahl im diagnostischen Algorithmus in der Regel höher als im aktuellen 

Algorithmus. Dies war auch vorliegend deutlich der Fall. Ärztliche 

Abklärungen haben sich vielmehr aufgedrängt, weil das Verhalten des 

Versicherten im sozialen Umfeld des Kindergartens erst deutlich aufgefallen 

ist (vgl. Bericht HPD vom 15. März 2006), was nach Ausführungen von Dr. 

med. … (Bericht vom 22. März 2007) für Kinder mit tiefgreifenden 

Entwicklungsstörungen oft typisch ist.

f) An diesem Ergebnis ändert der Hinweis der Vorinstanz auf den Entscheid des 

Bundesgerichts vom 9. November 2006 (I 314/06) nichts. Darin wird 

festgehalten, dass das zeitliche Kriterium nicht erfüllt sei, weil bis zum 

vollendeten 5. Altersjahr in den echtzeitlichen Akten keine Diagnose eines 

frühkindlichen Autismus vorliegen würde und der Autismus in der damaligen 

Zeit nicht in einer Weise aufgefallen zu sein scheine, dass die behandelnden 

Ärzte die Diagnose eines Geburtsgebrechens nach aZiff. 401 Anhang GgV 

gestellt hätten (vgl. E. 3.3). Auf den Zeitpunkt der Diagnosestellung sowie ob 

ein Arztkontakt stattgefunden hat, kommt es wie ausgeführt jedoch nicht an. 

Der entscheidende Unterschied zum vorliegenden Fall liegt zudem darin, dass 

die betreffende Person schon vor ihrem 5. Lebensjahr eingehend 

spezialärztlich untersucht worden war und dass einzig andere 

Geburtsgebrechen diagnostiziert worden waren. Der Beschwerdeführer 

wurde vor seinem 5. Lebensjahr hingegen nie untersucht, woraus indes nicht 

der Schluss gezogen werden darf, die entsprechende Symptomatik habe nicht 

vorgelegen. Mit derselben Begründung verfängt auch der Hinweis der 

Vorinstanz auf das Urteil VGU S 07 184 nicht. In jenem Fall wurde die 

Diagnose einer autistischen Störung erstmals gestellt, als die betreffende 

Person 11 Jahre alt war, obwohl sie zuvor während mehrerer Jahre 

fachärztlich untersucht worden war. Vorliegend hat indes zudem - im 

Unterschied zu diesen beiden Fällen und wie schon in VGU S 09 122 

festgestellt - die (erstmalige) spezialärztliche Abklärung durch Dr. med. … 

mittels der zum „Goldstandard“ zählenden Autismusdiagnostik (SCQ, ADOS 

und ADI-R) zur Diagnose des atypischen Autismus geführt. Gerade die 

retrospektive Befragung und Beobachtung der Auffälligkeiten in diesen 

Untersuchungsverfahren sind Bestandteil der Diagnostik und führten 

schliesslich zur - auch vorliegend unbestrittenen – Diagnose des atypischen 

Autismus. Es besteht kein Grund, nicht auf die nachvollziehbaren Ergebnisse 

dieser standardisierten, umfassenden und wissenschaftlich anerkannten 

Untersuchungsverfahren abzustellen.

g) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Symptomatik des 

atypischen Autismus beim Versicherten schon vor dem 5. Lebensjahr 

vorhanden war. Damit sind die Voraussetzungen für das in aZiff. 401 bzw. Ziff. 

405 Anhang GgV aufgeführte Geburtsgebrechen erfüllt.

3. Mit einer zweiten Verfügung vom 7. Dezember 2009 hatte die 

Beschwerdegegnerin die Kostenübernahme für die Ergotherapie gestützt auf 

Art. 12 IVG abgelehnt. Da die Ergotherapie vorliegend im Zusammenhang mit 

dem ausgewiesenen Geburtsgebrechen des atypischen Autismus steht, sind 

die Voraussetzungen für die diesbezügliche Kostengutsprache gestützt auf 

Art. 13 IVG zu prüfen. 

a) Art. 8 Abs. 2 IVG löst den Anspruch auf medizinische Massnahmen bei 

Geburtsgebrechen von der späteren Möglichkeit einer Eingliederung in das 

Erwerbsleben. Das Ziel von Vorkehren nach Art. 13 IVG ist ausgerichtet auf 

die Behandlung (Therapie) des Geburtsgebrechens. Als medizinische 

Massnahmen, welche für die Behandlung eines Geburtsgebrechens 

notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis 

der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen 

Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 GgV). 

Zur Behandlung des Geburtsgebrechens zählen alle Folgeleiden und 

Begleiterscheinungen, die medizinisch gesehen in den Symptomekreis des in 

Frage stehenden Geburtsgebrechens fallen (Ulrich Meyer-Blaser, 

Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], Rechtsprechung des 

Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Aufl., Zürich 2010, S. 100 

ff.). 

b) Die Ergotherapie wird vom Bundesamt für Sozialversicherungen als 

medizinische Massnahme anerkannt, die bei gewissen Geburtsgebrechen 

angezeigt sein kann. Gemäss Kreisschreiben muss sie ärztlich verordnet sein, 

aus dem Antrag müssen die Ziele der Behandlung hervorgehen und sie ist im 

Rahmen von medizinischen Massnahmen gemäss Art. 13 IVG jeweils für zwei 

Jahre zu verfügen, worauf auf Antrag über deren Verlängerung zu befinden 

ist (vgl. KSME 2009 Rz. 1015.1 ff.). Dr. med. … führte in einem Bericht vom 

4. Oktober 2009 aus, der Versicherte benötige für etwa noch zwei Jahre 

Ergotherapie mit den Zielen der Verbesserung der Koordination sowie der 

Bewegungsabläufe (Unfallvorsorge). Damit begründete er einerseits die 

Notwendigkeit der Ergotherapie und definierte anderseits die 

Behandlungsziele. Störungen im Bereich der Motorik gehören durchaus zum 

klinischen Beschwerdebild des atypischen Autismus. Die Ergotherapie gilt 

weiter als wissenschaftlich anerkannte Methode zur Behandlung autistischer 

Störungen und der damit einhergehenden Begleiterscheinungen. Gemäss der 

fachärztlichen Einschätzung von Dr. med. … ist davon auszugehen, dass die 

mit der Ergotherapie verfolgten Ziele in einfacher und zweckmässiger Weise 

angestrebt werden können. Die Ergotherapie ist daher als medizinische 

Massnahme zur Behandlung des Geburtsgebrechens des atypischen 

Autismus für vorerst zwei Jahre zu gewähren.

4. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Beschwerde 

vollumfänglich gutgeheissen wird und die angefochtenen Verfügungen vom 7. 

Dezember 2009 aufgehoben werden. Die Vorinstanz hat gestützt auf Art. 13 

IVG medizinische Massnahmen für die Behandlung des Geburtsgebrechens 

des atypischen Autismus (aZiff. 401 bzw. geltende Ziff. 405 Anhang GgV) zu 

übernehmen. Dazu gehören insbesondere die Kosten für die Ergotherapie, 

vorerst für die Dauer von zwei Jahren.

5. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung 

von Art. 61 lit. a ATSG - bei Streitigkeiten um die Bewilligung von IV-

Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. 

Vorliegend setzt das Gericht die von der unterliegenden Vorinstanz zu 

tragenden Kosten auf Fr. 700.00 fest. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die 

obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Vorinstanz 

unterlegen ist, hat sie den Beschwerdeführer für seinen Aufwand gemäss Art. 

78 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zu 

entschädigen. Das Gericht erachtet einen Aufwand von 12 Stunden als 

notwendig und angemessen. Es entspricht der Praxis des 

Verwaltungsgerichtes, Anwälten, die innerhalb einer (Hilfs-)Organisation tätig 

sind, nicht den vollen Anwaltstarif zu entschädigen, weil ihnen strukturbedingt 

Einsparungen möglich sind (vgl. VGU S 07 118 E. 6). Die von der 

unterliegenden IV-Stelle zu leistende Entschädigung wird daher mit pauschal 

Fr. 2‘000.00 (inkl. MwSt.) festgelegt.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtenen Verfügungen vom 7. 

Dezember 2009 werden aufgehoben und die Vorinstanz wird verpflichtet, die 

Kosten für die medizinischen Massnahmen bezüglich des 

Geburtsgebrechens aZiff. 401 bzw. neu Ziff. 405 (atypischer Autismus) 

Anhang GgV, insbesondere auch der Ergotherapie für die Dauer von vorerst 

zwei Jahren, zu übernehmen.

2. Die Kosten von Fr. 700.00 gehen zulasten der Vorinstanz und sind innert 30 

Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer mit Fr. 2‘000.00 (inkl. MwSt) zu 

entschädigen.