# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e3265df0-dd6b-5973-837a-00ee79c8f6c3
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-10-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 16.10.2002 SB 2002 25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2002-25_2002-10-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 16. Oktober 2002 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 02 25 (mündlich eröffnet)

"Auf die gegen diese Entscheidung erhobene staatsrechtliche Beschwerde wurde 
vom Bundesgericht mit Urteil vom 3. April 2003 nicht eingetreten."

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vizepräsident Schlenker, Kantonsrichter Jegen und Tomaschett-Murer, Aktuar ad 
hoc Sax.

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In der strafrechtlichen Berufung

des I. C., Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et 
oec. Pius Fryberg, Postfach 731, Vazerolgasse 2, 7002 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Landquart vom 22. Mai 2002, mitgeteilt am 01. Juli 
2002, in Sachen des Berufungsklägers,

betreffend Freiheitsberaubung etc.,

hat sich ergeben:

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A. I. C. wurde am 20. Juni 1963 in der Türkei geboren. In Sapanca Sa-
karya wuchs er zusammen mit sieben Geschwistern bei seinen Eltern in geordneten 
Familienverhältnissen auf. Insgesamt besuchte er dort auch sieben Jahre die 
Schule. Seine Mutter war Hausfrau, während sein Vater in der Schweiz arbeitete, 
und zwar in einer Sägerei. Im Alter von 16 Jahren reiste er zu seinem Vater in die 
Schweiz nach Untervaz. Zunächst arbeitete er als Hilfsarbeiter in der damaligen Z. 
in Untervaz. Auch sein Vater arbeitete dort. Im Alter von 19 Jahren begann er bei 
H. in Schmitten eine Lehre als Motorradmechaniker. Diese Lehre musste er im zwei-
ten Lehrjahr abbrechen, weil er im Oktober 1983 einen schweren Verkehrsunfall 
erlitten hatte. Nach dem Abbruch der Lehre hatte er diverse Arbeiten inne. Im Jahre 
1989 machte er sich selbständig und eröffnete in Trimmis eine Garage. Im Jahre 
1999 gab er die Garage in Trimmis auf. Anschliessend eröffnete er in Chur ein Ge-
schäft, das sich mit dem An- und Verkauf von Fahrzeugen befasst. In diesem Ge-
schäft ist er nach wie vor tätig. Am 04. April 2000 erwarb er sodann die Garage R. 
in M., wo er mit einer selbständigen Autowerkstatt tätig ist. Zur Garage R. gehören 
noch verschiedene andere Räumlichkeiten, die er vermietet hat, unter anderem der 
Restaurationsbetrieb "Y Club". I. C. betreibt kein Hobby, leistet indessen bei der 
Gemeinde Landquart Dienst als Feuerwehrmann. Eigenen Angaben zufolge hat er 
auch schon Zivilschutz absolviert. Seinen Wohnsitz vermeldete I. C. von 1993 bis 
1999 in Fläsch. Anschliessend zog er für elf Monate nach Bad Ragaz und lebt heute 
in M., wo er seit dem 07. April 2000 ordentlich angemeldet ist. Das Einkommen von 
I. C. beläuft sich gemäss seinen eigenen Angaben anlässlich der Hauptverhandlung 
vor dem Kantonsgerichtsausschuss auf ca. Fr. 3'000.-- bis Fr. 4'000.-- pro Monat. 
Vermögen ist, abgesehen von den Fahrzeugen, welche er fortlaufend erwirbt und 
weiterverkauft, keines vorhanden. Im Register des Betreibungsamtes Fünf Dörfer 
ist I. C. gemäss Auszug vom 25. Januar 2002 mit insgesamt 23 Betreibungen im 
Gesamtbetrag von Fr. 139'258.75 und drei offenen Verlustscheinen im Betrag von 
Fr. 16'059.05 verzeichnet. Der Registerauszug des Betreibungsamtes Maienfeld 
weist vom 01. Januar 2000 bis zum 28. Januar 2002 fünf Betreibungen im Betrag 
von Fr. 55'680.55 und fünf offene Verlustscheine im Betrag von Fr. 31'723.40 auf. 
Gemäss seinen ergänzenden Angaben anlässlich der Hauptverhandlung habe er 
zwischenzeitlich einen grossen Schuldenbetrag abbezahlt und auch die noch be-
stehenden Schulden würden fortlaufend abbezahlt. Beim Sozialamt ist I. C. nicht 
mehr verzeichnet, die Vormundschaftsbehörde musste sich bis anhin nicht mit ihm 
befassen.

Im Jahre 1989 verheiratete er sich mit A. geborene L.. Dieser Ehe sind zwei 
Kinder entsprossen, nämlich im Jahre 1991 der Sohn B. und im Jahre 1996 die 

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Tochter G.. Zwischenzeitlich ist er von seiner Frau geschieden und lebt getrennt 
von ihr und seinen Kindern. Unterhaltsbeiträge muss er keine leisten. Im Sommer 
2002 hat er sich mit M. verheiratet, mit welcher er einen gemeinsamen Sohn hat, 
welcher im Dezember 2001 geboren ist.

I. C. ist im Schweizerischen Strafregister mit drei Verurteilungen verzeichnet:

Am 12. August 1994 wurde er vom Kreispräsidenten Fünf Dörfer wegen Dro-
hung, einfacher Körperverletzung, Nötigung, Fahren ohne Fahrzeugausweis und 
Missbrauch von Kontrollschildern zu 14 Tagen Gefängnis bedingt und Fr. 800.-- 
Busse verurteilt. Dabei wurde ihm eine Probezeit von zwei Jahren angesetzt. Am 
11. Juli 1996 wurde die Probezeit um ein Jahr verlängert.

Das Kreisgericht Chur verurteilte I. C. am 11. Juli 1996 wegen mehrfachen 
Check- und Kreditkartenmissbrauchs zu zweieinhalb Monaten Gefängnis bedingt 
und Fr. 400.-- Busse; die Probezeit wurde auf drei Jahre festgesetzt und am 31. 
August 1998 um eineinhalb Jahre verlängert.

Von der Gerichtskommission Werdenberg wurde I. C. schliesslich im Jahre 
1998 wegen grober Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der zulässigen 
Höchstgeschwindigkeit zu einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt, wobei für die Lö-
schung der Busse eine Probezeit von zwei Jahren angeordnet wurde.

Vom 26. Juli 2000 bis zum 27. Juli 2000 befand sich I. C. in Polizeihaft.

B. Mit Verfügung vom 25. Februar 2002 wurde I. C. von der Staatsan-
waltschaft Graubünden wegen Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB sowie wegen Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al 5 und Abs. 4 ANAG in 
Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsan-
waltschaft Graubünden vom 25. Februar 2002 folgender Sachverhalt zugrunde:

"I. C. wird angeklagt:

1. der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

a) Im Mai 2000 trennte sich A. C. vom Angeklagten und den gemein-
samen Kindern und begab sich ins Frauenhaus nach Zürich. Der 
Angeklagte verblieb zusammen mit den Kindern in der Wohnung 
in M.. Für den 14. Juli 2000 war in Chur beim Anwalt von A. C. ein 
Treffen vereinbart, zu welchem der Angeklagte zusammen mit den 
Kindern hätte erscheinen sollen. Da er ohne die Kinder kam, begab 

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sich A. C. mit dem Angeklagten zunächst nach M., von dort dann 
weiter nach Zürich und am Abend des 14. Juli 2000 wieder zurück 
nach M., wo man ca. um 21.00 Uhr angekommen war. Die Woh-
nung befindet sich im Obergeschoss eines zweistöckigen Hauses 
an der R-Strasse in M., ist unterteilt in ein Elternschlafzimmer, 3 
Kinderzimmer, ein Wohnzimmer, 2 Nasszellen sowie eine offene 
Küche und weist eine Grundfläche von ca. 190 m2 auf. Das Haus 
selber liegt abgelegen.

b) In M. angekommen, also um ca. 21.00 Uhr des 14. Juli 2000, ver-
brachte der Angeklagte seine Ehefrau ins ca. 3.5 x 4 Meter grosse 
Schlafzimmer. Dann schloss er die Zimmertür hinter sich mit dem 
Schlüssel ab, um zu verhindern, dass A. C. das Zimmer verlassen 
kann. Er durchsuchte in der Folge die Handtasche von A. C. und 
nahm deren Natel an sich. Er schlug auch mit den Fäusten auf A. 
C. ein und fragte sie, ob sie mit anderen Männern Intimverkehr ge-
habt habe. Erst am nächsten Morgen, um ca. 03.00 Uhr bis 04.00 
Uhr, liess der Angeklagte von A. C. ab. Obwohl A. C. nie im Schlaf-
zimmer bleiben wollte, sondern dieses hat verlassen wollen, war 
ihr dies wegen der vom Angeklagten abgeschlossenen Zimmertüre 
und wegen seines Verhaltens ihr gegenüber nicht möglich. Der An-
geklagte hat somit A. C. gegen deren Willen und damit unrecht-
mässig über mehrere Stunden in einem kleineren Raum festgehal-
ten und sie damit in ihrer Bewegungsfreiheit vollends einge-
schränkt.

c) Am Morgen des 15. Juli 2000 liess der Angeklagte die beiden Kin-
der ins Schlafzimmer kommen. Obwohl A. C. schon tags zuvor 
dem Angeklagten gesagt hatte, sie wolle nicht in der Wohnung in 
M. bleiben, verbot ihr der Angeklagte, die Wohnung zu verlassen. 
Gleichzeitig drohte er ihr für den Fall, dass sie dies dennoch tue, 
mit dem Tod. Er sagte auch, dass er sie dann hinter dem Haus 
vergraben werde, wo sie niemand finden würde. A. C. nahm diese 
Drohungen ernst und hatte Angst vor dem Angeklagten. Deshalb 
traute sie sich nicht, die Wohnung zu verlassen, sondern blieb dort, 
obwohl dies nicht ihrem Willen entsprach. Im Verlauf der nächsten 
Tage sagte der Angeklagte immer wieder zu A. C., dass sie die 
Wohnung nicht verlassen dürfe, ansonsten er ihr etwas antue. Er 
kam auch stündlich vorbei, um A. C. zu kontrollieren. Er hat die 
Eingangstüre des Hauses abgeschlossen und das Telefon aus der 
Wohnung entfernt. Auch deshalb hatte A. C. keine Möglichkeit, die 
Wohnung zu verlassen. Durch seine Drohungen, das Abschliessen 
der Haustüre, die Wegnahme des Telefons sowie die ständigen 
Kontrollen hat der Angeklagte seiner Ehefrau A. C. das Verlassen 
der ca. 190 m2 grossen Wohnung verwehrt. Erst am 21. Juli 2000 
gelang es A. C. ihrer Gefangenschaft zu entkommen, indem sie 
eine unbekannte Anzahl Magenpillen zu sich nahm. Dies führte zu 
Erbrechen, so dass sie vom Angeklagten unter Vortäuschung einer 
Magen-Darmerkrankung ins Spital nach Walenstadt und ansch-
liessend ins Rätische Kantons- und Regionalspital nach Chur ge-

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bracht wurde. Das unrechtsmässige Festhalten in der Wohnung 
dauerte somit vom 14. bis 21. Juli 2000. Im Spital wurde bei A. C. 
ein Monokelhämaton links, ein Hämatom am Oberarm links sowie 
Druckneurosen im Bereich der Oberlippeninnenseite festgestellt. 
A. C. zog den gegen den Angeklagten gestellten Strafantrag we-
gen Tätlichkeiten wieder zurück.

d) Am 19.02.2002 reichte A. C. über ihren Rechtsvertreter Dr.iur. 
Jean-Pierre Menge Adhäsionsklage über CHF 54'094.-- ein (Scha-
denersatz: CHF 34'094.--; Genugtuung: CHF 20'000.--, zuzüglich 
5% Zins seit 14.07.2000).

e) Gegen eine in diesem Punkt erfolgte Einstellungsverfügung reichte 
A. C. Beschwerde ein, die am 07.11.2001 von der Beschwerde-
kammer des Kantonsgerichts Graubünden gutgeheissen wurde.

2. der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al 5 ANAG und Art. 23 
Abs. 4 ANAG.

In der Zeit vom 31. Mai 2000 bis zum 22. August 2000 hielt sich die 
slowakische Staatsangehörige S. in der Wohnung von I. C. in M. auf. 
Obwohl der Angeklagte wusste, dass S. in der Schweiz keine Er-
werbstätigkeit ausüben durfte, beschäftigte er sie während ihres Auf-
enthaltes in M. mit der Haushaltsführung und der Beaufsichtigung sei-
ner Kinder und entschädigte sie für ihre Arbeitsleistung mit Kost und 
Logis."

C. Das Bezirksgericht Landquart erkannte mit Urteil vom 22. Mai 2002, 
mitgeteilt am 01. Juli 2002:

"1. I. C. ist schuldig der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 
Abs. 1 StGB sowie der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al 5 
und Abs. 4 ANAG.

2. Dafür wird er, unter Anrechnung von zwei Tagen Polizeihaft, mit 
einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten bestraft.

3. Dem Verurteilten wird unter Ansetzung einer Probezeit von drei 
Jahren der bedingte Strafvollzug gewährt.

4. Der mit Urteil des Kreisgerichts Chur vom 11.07.1996 bedingt aus-
gesprochene Strafvollzug für die 2 1/2 Monate Gefängnis wird wi-
derrufen.

5. Die Adhäsionsklage von A. C. wird auf den Zivilweg verwiesen.

6. Die Verfahrenskosten, bestehend aus:
- der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft Graubünden Fr. 2'585.00

- den Barauslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden Fr. 338.40

- der Gerichtsgebühr des Bezirksgerichts Landquart Fr. 2'500.00

total somit Fr. 5'423.40

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werden I. C. auferlegt.

7. (Rechtsmittelbelehrung)

8. (Mitteilung)"

D. Gegen dieses Urteil liess I. C. am 22. Juli 2002 strafrechtliche Beru-
fung an den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden erheben, mit folgenden 
Anträgen:

"1. Das angefochtene Urteil sei aufzuheben.

2. I. C. sei von der Anklage der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie von der Anklage der Widerhandlung 
gemäss Art. 23 Abs. 1 al 5 und Abs. 4 ANAG von Schuld und Strafe 
freizusprechen.

3. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an das Be-
zirksgericht Landquart zurückzuweisen.

4. Es sei eine mündliche Berufungsverhandlung durchzuführen.

5. Der unterzeichnende Rechtsanwalt sei als amtlicher Verteidiger 
des Berufungsklägers zu bestellen.

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."

Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragte in ihrer Vernehmlassung 
vom 05. August 2002, unter Hinweis auf die Akten und das vorinstanzliche Urteil, 
Abweisung der strafrechtlichen Berufung.

Die Vorinstanz, das Bezirksgericht Landquart, verzichtete auf die Einrei-
chung einer Vernehmlassung.

Der Vertreter der Adhäsionsklägerin beantragte mit Vernehmlassung vom 
13. August 2002 vollumfängliche Abweisung der Berufung unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolge.

Auf die Begründung im angefochtenen Urteil sowie auf die Begründung der 
Anträge in den Rechtsschriften und der mündlichen Hauptverhandlung wird, soweit 
erforderlich, im Folgenden eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte können der Verurteilte und der 
Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erheben (Art. 141 Abs. 1 

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StPO). Dazu ist die Berufung innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen Mitteilung 
des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und hat darzu-
tun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und ob das 
ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 StPO). 
Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung zu genügen. Auf die im 
übrigen frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

2. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognition zukommt (Art. 146 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil grundsätz-
lich nur im Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft. Gemäss Art. 
144 StPO kann der Kantonsgerichtspräsident von Amtes wegen oder auf Antrag 
eine mündliche Berufungsverhandlung durchführen. Der Entscheid darüber ist da-
bei gemäss Praxis davon abhängig, ob zusätzliche Aufschlüsse von einer mündli-
chen Verhandlung zu erwarten sind. Das Bundesgericht führte zu dieser Bestim-
mung aus, dass der Angeschuldigte nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK Anspruch darauf habe, 
dass seine Sache in billiger Weise und öffentlich gehört werde, da dieser Anspruch 
ein Teilgehalt der umfassenden Garantie des "fair trial" sei, welcher sich auf die 
Gesamtheit eines konkreten Verfahrens, einschliesslich des gesamten Rechtsmit-
telweges, beziehe. Von einer mündlichen Verhandlung in der Rechtsmittelinstanz 
könne etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz tatsächlich öffentlich ver-
handelt habe, wenn allein die Zulassung eines Rechtsmittels, nur Rechtsfragen oder 
aber Tatfragen, die sich leicht nach den Akten beurteilen liessen, zur Diskussion 
stünden, ferner wenn eine "reformatio in peius" ausgeschlossen sei und wenn die 
Angelegenheit unter Beachtung all dieser Gesichtspunkte ohne öffentliche An-
hörung sachgerecht und angemessen beurteilt werden könne (vgl. BGE 119 Ia 316 
ff.; KGA GR 7.12.1994 in Sachen Hauser).

Im vorliegenden Fall beantragte der Verurteilte mit seiner Berufung vom 22. 
Juli 2002 die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Diesem Antrag wurde 
mit Verfügung vom 16. August 2002 des Kantonsgerichtspräsidiums Graubünden 
entsprochen, sodass eine mündliche Berufungsverhandlung durchgeführt werden 
konnte. Der Staatsanwalt verzichtete unter Hinweis auf Art. 145 Abs. 4 StPO auf die 
Teilnahme an der mündlichen Berufungsverhandlung.

3. a) Der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht 
sich schuldig, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder je-
mandem in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. Der objektive Tat-

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bestand besteht darin, dass der Täter jemandem unrechtmässig die Fortbewe-
gungsfreiheit entzieht. In Bezug auf den subjektiven Tatbestand wird vorsätzliches 
Handeln verlangt.

Geschützt ist die Fortbewegungsfreiheit, das heisst die Möglichkeit, sich 
nach eigener Wahl vom jeweiligen Aufenthaltsort an einen anderen Ort zu begeben 
(BGE 101 IV 60). Aufgehoben werden kann die Freiheit durch das im Gesetz er-
wähnte Festnehmen, das heisst Einsperren, Anbinden oder ein anderweitiges ge-
waltsames Mitnehmen oder Festhalten einer Person. Durch die Norm erfasst ist 
aber auch jener Täter, welcher durch Drohungen eine Person am Verlassen eines 
Raumes hindert. Dagegen genügt es nicht, wenn jemand durch List oder Täuschung 
dazu gebracht wird, an einer bestimmten Stelle zu verbleiben. Andererseits braucht 
dem Betroffenen nicht schlechthin verunmöglicht zu werden, sich wegzubegeben. 
Es reicht aus, wenn es für den Betroffenen unverhältnismässig schwierig oder ris-
kant wäre, die Freiheitsbeschränkung aufzuheben. Jedoch muss die Freiheitsbe-
raubung eine gewisse Erheblichkeit aufweisen, bloss kurzfristiges, vorübergehen-
des Festhalten genügt nicht. Die Anforderungen in der Praxis sind jedoch nicht sehr 
hoch. So liess das Bundesgericht schon eine Freiheitsberaubung von ca. 10 Minu-
ten genügen (vgl. St. Trechsel, Kurzkommentar zum Schweizerischen Strafgesetz-
buch, 2. Auflage, 1997, N 1 ff. zu Art. 183 StGB; J. Rehberg / N. Schmid, Strafrecht 
III, 7. Auflage, 1997, S. 352 ff.; G. Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Beson-
derer Teil I, 5. Auflage, 1995, S. 115 ff.)

Hinsichtlich der Tatmittel lässt sich die Freiheitsberaubung als Spezialfall der 
Nötigung gemäss Art. 181 StGB charakterisieren (Rehberg / Schmid, a.a.O., S. 352; 
Stratenwerth, a.a.O., S. 117). Daher erscheint es gerechtfertigt, auch bei der Frei-
heitsberaubung ähnliche Anforderungen an die Drohung zu stellen wie bei der Nöti-
gung. Der Tatbestand der Freiheitsberaubung durch Drohung ist somit objektiv dann 
gegeben, wenn der Täter durch das Inaussichtstellen eines Übels, dessen Eintritt 
nach der beim Opfer geweckten Vorstellung vom Täter abhängt, dem Opfer unrecht-
mässig die Fortbewegungsfreiheit entzieht (vgl. Trechsel, a.a.O., N 4 zu Art. 181 
StGB). Analog dem Tatbestand der Nötigung muss dabei verlangt werden, dass der 
in Aussicht gestellte Nachteil erheblich genug ist, um den Betroffenen wesentlich in 
seiner Willensfreiheit zu beeinträchtigen. Dem Betroffenen braucht allerdings nicht 
schlechthin verunmöglicht zu werden, sich wegzubegeben. Es reicht aus, wenn es 
für den Betroffenen unverhältnismässig schwierig oder riskant wäre, die Freiheits-
beschränkung zu überwinden. Wenn die Fortbewegung nicht schlechthin verun-
möglicht ist, muss die Drohung folglich derart stark sein, dass das Opfer aufgrund 

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eines unverhältnismässig grossen Risikos davon absieht, die bestehende Möglich-
keit zum Verlassen des Orts tatsächlich zu nutzen. Diese Wesentlichkeit der Dro-
hung beurteilt sich dabei nach objektiven Gesichtspunkten. Entscheidend ist, ob die 
Drohung als geeignet erscheint, auch eine besonnene beziehungsweise verstän-
dige Person in der Lage des Opfers gefügig zu machen (vgl. Trechsel, a.a.O., N 5 
zu Art. 181 StGB; Rehberg / Schmid, a.a.O., S. 343).

b) Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob die Vorinstanz aufgrund der Be-
weislage davon ausgehen durfte, dass der Tatbestand der Freiheitsberaubung aus-
reichend nachgewiesen sei. So stützte sich die Vorinstanz insbesondere auf die 
Aussagen der Geschädigten, welche sie als glaubhaft qualifizierte und woraus sich 
ein in sich selbst schlüssiges und nachvollziehbares Bild des Tatherganges ergab. 
Die Aussagen des Angeklagten erschienen vor diesem Hintergrund als nicht glaub-
haft und auch unwahrscheinlich. Der Berufungskläger bringt denn in seiner Beru-
fungsschrift auch vor, dass der Nachweis zu einem Schuldspruch gestützt auf die 
vorhandenen und von der Vorinstanz gewürdigten Aussagen nicht rechtsgenüglich 
erbracht sei.

c) Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht nach Art. 
144 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StPO auch im Berufungsverfah-
ren nach freier Überzeugung (vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Auflage, 
Zürich 1997, N 286). Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last gelegten Tat 
liegt dabei grundsätzlich beim Staat (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessord-
nung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, S. 306). An den Beweis der 
zur Last gelegten Tat sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als 
eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. 
Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdi-
gungsregel "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter jedoch nicht von der Existenz 
eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, wenn bei 
objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verur-
teilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoretische und abstrakte 
Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und ab-
solute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche 
und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach 
der objektiven Rechtslage aufdrängen (BGE 120 Ia 37). Aufgabe des Richters ist 
es, ohne Bindung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden 
und sich mit Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei 
die Bildung der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die 

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Schuld des Angeklagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stüt-
zen, die vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen 
(PKG 1987 Nr. 12; Padrutt, a.a.O., S. 307; Schmid, a.a.O., N 286).

Im Rahmen des Gerichtsverfahrens interessiert nicht in erster Linie die per-
sönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen, sondern vielmehr die sachliche Glaubhaftig-
keit seiner konkreten Aussage (vgl. Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafpro-
zess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Die Richtig-
keit einer Aussage – für welche deren Klarheit, Folgerichtigkeit und Konstanz spre-
chen kann - muss dabei auf ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und 
dem Ergebnis der übrigen Beweiserhebungen geprüft werden. Auch im System der 
Glaubwürdigkeitskriterien von Arntzen (Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, 
Psychologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Auf-
lage, München 1993) steht an erster Stelle die Aussage selbst. Sie ist vor dem Hin-
tergrund allgemein bekannter oder im Einzelfall zu erkundender psychischer Eigen-
arten zu betrachten, wobei bestimmte Aussageeigenarten als Glaubwürdigkeitskri-
terien anzusehen sind, die sich aus dem Aussageinhalt, der Aussageentwicklung, 
der Aussageweise sowie dem Motivationsumfeld der Aussage ergeben. Kriterien 
des glaubwürdigen Aussageinhalts sind der Grad der Detaillierung und der inhaltli-
chen Besonderheit sowie die Homogenität der Aussage. Die Glaubwürdigkeit aus 
dem Verlauf der Aussageentwicklung ergibt sich aus der relativen Konstanz einer 
Aussage in zeitlich auseinanderliegenden Befragungen sowie die Ergänzbarkeit der 
Deposition bei nachfolgenden Befragungen. Nacherlebende Gefühlsbeteiligung und 
ungesteuerte Aussageweise sprechen im Bereich der Aussageweise für einen ho-
hen Wahrheitsgehalt. Der Grad der Objektivität ist schliesslich massgebend für den 
Grad der Glaubwürdigkeit, der sich aus dem Motivationsumfeld ergibt (vg. Arnt-
zen/Michaelis-Arntzen, a.a.O. S. 15 ff.).

Zu den verschiedenen Beweismitteln ist auszuführen, dass der Grundsatz 
der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die 
Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeschuldigten voll gültige Be-
weismittel mit derselben Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist weni-
ger die Form, sondern vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise 
der Bekundung sowie die Überzeugungskraft entscheidend. Massgebend ist mit an-
deren Worten allein die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall 
(Schmid, a.a.O., N 290, S. 83 f.; Hauser/Schweri, Schweizerisches Strafprozess-
recht, 4. Auflage, Basel 1999, § 54 N 5, S. 216).

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d) Zur Feststellung des objektiven Sachverhalts sind im Folgenden nun 
die in den von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Akten und Urkunden enthaltenen 
Aussagen einer eingehenden Prüfung und Würdigung zu unterziehen. 

In Ziffer 1 der Anklageschrift wird festgehalten, I. C. habe seine Ehefrau A. 
C. in der Zeit vom 14. bis 21. Juli 2000 in der gemeinsamen Wohnung in M. unrecht-
mässig festgehalten. Dies nachdem sich A. C. nach einem gemeinsamen Termin 
bei ihrem Rechtsanwalt in Chur mit ihrem Ehemann nach M. begab, dort mit ihrem 
Ehemann eine längere Zeit diskutierte, anschliessend mit ihm und ihren Kindern 
nach Zürich fuhr und anschliessend, als sich ihr Ehemann weigerte, die Kinder bei 
ihr zu lassen, auch wieder mit ihm zurück nach M. fuhr (vgl. dazu act. 4.6, untersu-
chungsrichterliche Einvernahme vom 20. September 2000). Dass A. C. überhaupt 
mit dem Berufungskläger von Chur nach M. ging und auch von Zürich wieder mit 
ihm zurück fuhr, lässt sich nur damit erklären, dass sich A. C. vom Berufungskläger 
blenden liess und auf seinen "Trick", wie er es in der polizeilichen Einvernahme vom 
26. Juli 2000 (act. 4.3) selbst nannte, hineinfiel. Trotzdem ist diese Zeitspanne, wie 
dies von der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts Graubünden mit Entscheid 
vom 07. November 2001 wie auch von der Vorinstanz erkannt wurde, derart zu be-
urteilen, dass A. C. am 14. Juli 2000 die Fahrten von Chur nach M., respektive an-
schliessend nach Zürich und von dort wieder nach M., noch freiwillig antrat.

Was sich anschliessend in M. in der gemeinsamen Wohnung abgespielt hat, 
legte A. C. bereits in ihren polizeilichen Einvernahmen vom 24. Juli 2000 (act. 4.1 
und act. 4.2) wie auch bestätigend in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme 
vom 20. September 2000 (act. 4.6) ausführlich dar. Nach der Rückfahrt von Zürich 
sei sie im Schlafzimmer zusammen mit dem Berufungskläger während der ganzen 
Nacht eingeschlossen gewesen (was vom Berufungskläger auch eingestanden 
wurde, vgl. dazu untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 25. Januar 2002, act. 
1.20 S. 2) und zudem von ihm misshandelt worden (vgl. dazu auch act. 3.4, Bericht 
des behandelnden Arztes vom 31. Juli 2000). Jedoch bestreitet der Berufungskläger 
den letzten Punkt, nämlich seine Ehefrau in dieser ersten Nacht geschlagen zu ha-
ben. An den genauen Zeitpunkt könne er sich, wie er auch anlässlich der Hauptver-
handlung vor dem Kantonsgerichtsausschuss wieder erklärte, jedoch auch nicht 
mehr erinnern. Dass er seine Ehefrau geschlagen habe, gab er anlässlich seiner 
polizeilichen und untersuchungsrichterlichen Einvernahmen vom 26. und 27. Juli 
2000 (act. 4.3 und act. 4.5) grundsätzlich zu. Jedoch habe er seine Ehefrau nur 
einmal geschlagen, wobei auch die Verletzungen am Auge entstanden seien. Diese 
Verletzungen sind auch aus den bei den Akten liegenden Fotos (vgl. act. 3.2) klar 

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ersichtlich. Die klar ersichtliche Schwere der Verletzungen relativiert die Glaubhaf-
tigkeit der Aussage des Berufungsklägers, seine Ehefrau nur einmal geschlagen zu 
haben, bereits sehr stark. Betreffend dem zeitlichen Ablauf der Nacht vom 14. auf 
den 15. Juli 2000 kann sich der Berufungskläger daran erinnern, dass er aufgrund 
des von A. C. während einer langen Diskussion gestandenen intimen Verhältnisses 
mit einem anderen Mann sehr wütend wurde, er stark eifersüchtig war und er auch 
Hass gegenüber seiner Ehefrau verspürte. Ebenso bestätigte der Berufungskläger 
auf entsprechende Nachfrage an der Hauptverhandlung klar seine bereits in den 
Einvernahmen gemachte Aussage, dass die Zimmertüre immer von ihm geschlos-
sen wurde, begründete dies jedoch unter Hinweis darauf, dass dies bei ihnen so 
üblich sei und die Türe zum Schlafzimmer immer abgeschlossen werde. Obwohl 
sich der Berufungskläger nicht mehr an den genauen Zeitpunkt erinnern kann, wann 
er seine Frau geschlagen hat, erscheint der zeitliche Ablauf der Tat, wie er von A. 
C. von Beginn weg dargelegt wurde, aufgrund der Tatsache, dass I. C. seine Ehe 
um jeden Preis retten und die Familie wieder zusammen bringen wollte, für den 
Kantonsgerichtsausschuss glaubhaft und eine logische Folge. Denn um dieses Ziel 
zu erreichen musste der Berufungskläger, nachdem er seine Ehefrau mit seinem 
"Trick" wieder zu sich nach Hause gelockt hatte, beharrlich und gleich von Beginn 
weg auf seine Ehefrau einwirken und ihr mit Nachteilen drohen, um nicht befürchten 
zu müssen, dass sie ihn am nächsten Tag erneut wieder verlassen würde. Der Tat-
hergang bezüglich der Freiheitsberaubung in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 
2000, indem der Berufungskläger sich mit seiner Ehefrau im gemeinsamen Zimmer 
einschloss, sie dort gegen ihren Willen festhielt, ihr ein Geständnis vom intimen Ver-
hältnis mit einem anderen Mann entlockte, dabei eifersüchtig und wütend wurde und 
ihr mit dem Tod drohte und in dieser Zeit gegenüber seiner Ehefrau auch körperliche 
Gewalt anwendete, erweist sich aufgrund der konstanten und glaubhaften diesbe-
züglichen Aussagen von A. C. und der soeben dargestellten logischen zeitlichen 
Folge, in Übereinstimmung mit der allgemeinen Lebenserfahrung, als in sich ge-
schlossen, nachvollziehbar und nachgewiesen.

In den folgenden Tagen ging der Berufungskläger wieder seiner beruflichen 
Tätigkeit nach, während seine Ehefrau in der Wohnung in M. bleiben musste. Wie 
er anlässlich der Hauptverhandlung darlegte, verzögerte sich sein Arbeitsbeginn in 
dieser Zeit morgens immer, da er jeden Morgen intensive Diskussionen mit seiner 
Frau führte. In diesen langen Diskussionen drohte er gemäss den Aussagen von A. 
C. auch, sie umzubringen, wenn sie ihn verlassen würde (Aussage bereits in der 
polizeilichen Einvernahme vom 24. Juli 2000, act. 4.2 S. 2, bestätigend in der un-
tersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 20. September 2000, act. 4.6 S. 5). Zu-

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dem hielt er den Druck auf seine Ehefrau, bei ihm zu bleiben mit seinen wiederholten 
Drohungen permanent aufrecht (vgl. untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 
20. September 2000, act. 4.6, Zitat: "Solche Äusserungen machte mein Mann mehr-
mals bzw. jedes Mal"). Aufgrund dieser starken und ernstzunehmenden Drohungen 
(auch anlässlich der Konfronteinvernahme vom 20. September 2000, act. 4.6 S. 8, 
schreckte der Berufungskläger nicht zurück, Drohungen auszusprechen) war A. C. 
stark eingeschüchtert und unter psychischem Druck, was bei ihr zu grosser Angst 
führte. Wörtlich sagte sie aus: „Weil mein Mann mir drohte und ich diese Drohungen 
ernst nahm, bin ich eine ganze Woche in der Wohnung geblieben“ (act. 4.6 S. 5). 
Dies bestätigen auch die Aussagen ihres Sohnes B., welcher von sich aus aus-
sagte, dass seine Mutter Angst hatte und sie oft zitterte, wenn sein Vater sie an-
schrie (untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 20. September 2000, act. 4.7, 
S. 3). Ebenso sagte er aus, dass es ein grosses Geheimnis gewesen sei, dass seine 
Mutter wieder in M. gewesen sei und sein Vater allen sagte, sie sei weg. Dies ist 
aufgrund der Tatsache, dass der Berufungskläger seine Ehe um jeden Preis retten 
wollte auch nachvollziehbar. Wie er selbst ausführte, war seine Persönlichkeit dies-
bezüglich jedoch gespalten. Einerseits liebte er seine Ehefrau noch immer sehr, 
andererseits habe er sie gehasst wegen dem, was sie ihm angetan habe (vgl. act. 
4.5 S. 2). Diese gespaltene Persönlichkeit vermag die von A. C. gemachten Aussa-
gen zusätzlich zu unterstützen. Denn Hass vermag naturgemäss in Gewalt und Dro-
hungen zu münden. Vor diesem Hintergrund hat der Berufungskläger bewusst auf 
das Selbstbewusstsein seiner Ehefrau eingewirkt, um sie nach seinem Willen zu 
lenken und sie somit gegen ihren Willen in M. festzuhalten. Wie aus dem vor Ort 
durchgeführten Augenschein und den bei den Akten liegenden Fotos der Wohnung 
und des Hauses in M. (act. 3.8) ersichtlich ist, hätte A. C. zwar theoretisch die Mög-
lichkeit gehabt, das Haus zu verlassen, sei es über den Balkon oder durch die Hin-
terfenster über das Dach. Aufgrund des starken psychischen Drucks und der erheb-
lich angedrohten Nachteile, welchen der Berufungskläger auf A. C. mit dem Ziel, die 
Ehe und die Familie zu retten, bewusst und vorsätzlich ausübte, konnte A. C. ihren 
Willen zur Ortsveränderung subjektiv nicht umsetzen, da sie nie wusste, wann der 
Berufungskläger wieder zu Hause auftauchen würde, um sie zu kontrollieren. Indem 
A. C. damit durch dieses Verhalten des Berufungsklägers in ihrer Willensfreiheit be-
einträchtigt wurde, war es für sie unmöglich respektive zu riskant, die Freiheitsbe-
schränkung zu überwinden. Die einzige Möglichkeit, welche sie sah, war schliess-
lich die Einnahme einer grossen Menge von Magentabletten, um unter Vortäu-
schung von Magenbeschwerden ins Spital gebracht zu werden. 

14

Die glaubhaften Aussagen von A. C. ergeben in Übereinstimmung mit der 
allgemeinen Lebenserfahrung, dem teilweisen Eingeständnis des Berufungsklägers 
und den Aussagen des Sohnes B. eine in sich geschlossene Darstellung des in der 
Anklageschrift festgehaltenen Sachverhalts. Daran vermögen auch die abweichen-
den, jedoch auch nur sehr vagen Aussagen von S. (untersuchungsrichterliche Ein-
vernahme vom 03. Oktober 2000, act. 4.9) nichts zu ändern. Zum einen war sie zum 
damaligen Zeitpunkt die Freundin des Berufungsklägers, weshalb ihre Aussagen 
entsprechend zu relativieren sind und bei der Würdigung der Deposition Zurückhal-
tung angebracht ist. Zudem erscheinen die Aussagen von S., wie bereits die Be-
schwerdekammer in ihrem Entscheid ausführte, sehr unwahrscheinlich und un-
glaubhaft, da sie, obwohl sie eigenen Aussagen zufolge täglich während rund einer 
Stunde mit A. C. gesprochen haben will, deren Verletzungen am Gesicht nicht ein-
mal bemerkt haben will.

Zusammenfassend ist für den Kantonsgerichtsausschuss der Nachweis, 
dass der Berufungskläger seine Ehefrau in der Zeit vom 14. Juli 2000 bis zum 21. 
Juli 2000 vorsätzlich unrechtmässig festhielt und sie damit ihrer Freiheit beraubte 
rechtsgenüglich erbracht, weshalb der Berufungskläger der Freiheitsberaubung 
gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.

4. a) Nach Art. 23 Abs. 1 al 5 ANAG wird mit Gefängnis bis zu sechs 
Monaten bestraft, wer im In- oder Ausland die rechtswidrige Ein- oder Ausreise oder 
das rechtswidrige Verweilen im Lande erleichtert oder vorbereiten hilft. Mit der 
Strafe kann eine Busse bis zu 10'000.-- Franken verbunden werden; in leichten Fäl-
len kann auch nur auf Busse erkannt werden. Nach Art. 23 Abs. 4 ANAG wird zu-
sätzlich zu einer allfälligen Bestrafung nach Absatz 1 für jeden rechtswidrig beschäf-
tigten Ausländer mit einer Busse bis zu 5'000.-- Franken bestraft, wer vorsätzlich 
Ausländer beschäftigt, die nicht berechtigt sind, in der Schweiz zu arbeiten. Handelt 
er fahrlässig, so beträgt die Busse bis zu 3'000.-- Franken. In besonders leichten 
Fällen kann von einer Bestrafung Umgang genommen werden. Wenn der Täter aus 
Gewinnsucht handelt, ist der Richter an diese Höchstbeträge nicht gebunden. Sub-
jektiv ist, wie bei allen Tatbeständen nach Art. 23 Abs. 1 ANAG, auch für eine Be-
strafung nach Alinea 5 Vorsatz des Täters erforderlich. Fehlt es am darauf gerich-
teten Vorsatz, fällt die Anwendung von Art. 23 Abs. 1 al 5 ANAG ausser Betracht 
und es ist allenfalls zu prüfen, ob sich der Täter einer Übertretung im Sinne von Art. 
23 Abs. 4 zweiter Satz ANAG oder nach Art. 23 Abs. 6 ANAG schuldig gemacht hat. 
Art. 23 Abs. 6 ANAG kommt somit die Funktion als Auffangtatbestand zu (vgl. zum 
Ganzen: Valentin Roschacher, Die Strafbestimmungen des Bundesgesetzes über 

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Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG], Zürich 1991, S. 91 und S. 
134). 

b) Der Berufungskläger anerkannte den in Bezug auf den Verstoss ge-
gen das ANAG relevanten Sachverhalt sowohl im Untersuchungsverfahren wie 
auch anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgerichtsausschuss von 
Graubünden, sofern er damit gegen das ANAG verstossen haben sollte. Wie er an-
lässlich seiner Einvernahme vom 03. Oktober 2000 (act. 5.5) erklärte, war es dem 
Berufungskläger nicht bewusst, dass es sich hierbei um ein Anstellungsverhältnis 
handelte. Ebenso erklärte er in seiner untersuchungsrichterlichen Einvernahme 
vom 25. Januar 2002 (act. 1.20) ausdrücklich, dass er S. auch nicht gerade deshalb 
geholt habe, um auf seine Kinder zu schauen. Aufgrund dieser Aussagen fehlt es 
an dem für eine Bestrafung nach Art. 23 Abs. 1 al 5 ANAG subjektiv erforderlichen 
Vorsatz des Täters. Wie unter vorstehender lit. a ausgeführt, ist der Berufungskläger 
somit nach Art. 23 Abs. 6 ANAG zu bestrafen, da sich der Berufungskläger zumin-
dest fahrlässiges Handeln zurechnen lassen muss. Aufgrund der freien Kognition 
des Richters ist er an die rechtliche Subsumtion der Anklage nicht gebunden, womit 
einer Abweichung von der Anklageverfügung nichts im Wege steht. Da die Strafbe-
stimmung von Art. 23 Abs. 6 ANAG zudem eine mildere Strafdrohung enthält, ist 
die Abweichung auch ohne Gewährung des rechtlichen Gehörs des Berufungsklä-
gers zulässig (vgl. zum Ganzen: Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung 
des Kantons Graubünden [StPO], 2. Auflage, Chur 1996, S. 312 f.). Aufgrund des 
angedrohten Strafrahmens handelt es sich bei dieser Bestimmung um einen Über-
tretungstatbestand im Sinne von Art. 101 ff. StGB. Gemäss Art. 109 StGB in Ver-
bindung mit alt Art. 72 Ziff. 2 Abs. 2 StGB tritt die absolute Verjährungsfrist für die 
Strafverfolgung nach zwei Jahren seit dem Zeitpunkt der Übertretung ein. Die von 
I. C. begangene Übertretung gegen das ANAG liegt mehr als zwei Jahre zurück und 
erfolgte vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen über die Verfolgungsverjährung. 
Die absolute Verjährung ist somit eingetreten, womit die Strafverfolgung bezüglich 
dieses Tatbestandes eingestellt werden muss (vgl. dazu Art. 337 StGB).

5. a) Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Strafzumessung setzt der 
Kantonsgerichtsausschuss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz und 
wendet die Regeln über die Strafzumessung selbständig an. Er misst die Strafe 
nach dem Verschulden des Täters zu, wobei er die Beweggründe, das Vorleben 
und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen berücksichtigt (Art. 63 StGB). In 
BGE 117 IV 112 ff. hat das Bundesgericht grundsätzliche Bemerkungen zur Frage 
der Strafzumessung angebracht. Demnach muss sich der Begriff des Verschuldens 

16

auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Bei 
der Tatkomponente sind insbesondere zu beachten das Ausmass des verschulde-
ten Erfolges, die Art und Weise seiner Herbeiführung, die Willensrichtung, mit der 
der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe, die Art. 63 StGB ausdrücklich er-
wähnt. Die Täterkomponente umfasst demgegenüber das Vorleben, insbesondere 
auch allfällige Vorstrafen, die persönlichen Verhältnisse, das Verhalten nach der Tat 
und im Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Strafempfindlichkeit 
(BGE 118 IV 14; vgl. zur Strafzumessung auch BGE 124 IV 44 f.). Die Berücksich-
tigung des Vorlebens des Täters kann auch Vorstrafen umfassen, welche im 
Strafregister gelöscht beziehungsweise entfernt sind, jedoch dem Gericht aus an-
deren Gründen zur Kenntnis gelangen (vgl. BGE 121 IV 3). Innerhalb des gesetzli-
chen Strafrahmens ist ohne Bindung an feste Regeln die verschuldensgerechte 
Strafe zu finden. 

b) I. C. hat A. C., seine damalige Ehefrau, vom 14. bis zum 21. Juli 2000, 
also während sieben Tagen gegen ihren Willen in ihrer Wohnung in M. festgehalten 
und sie dabei ihrer Freiheit beraubt. Das Verschulden von I. C. wiegt schwer. Nebst 
den wiederholt ausgesprochenen Drohungen, dem psychischen Einwirken auf 
seine Ehefrau und den dabei ausgesprochenen Todesdrohungen schreckte er auch 
nicht davor zurück, körperliche Gewalt gegenüber A. C. anzuwenden. Obwohl der 
Berufungskläger damit seine Ehe retten und die Familie wieder zusammenbringen 
wollte, rechtfertigt dies sein Vorgehen und Verhalten gegenüber seiner Ehefrau in 
keiner Weise. Dem hat auch bereits der Gesetzgeber mit der hohen Strafdrohung 
Ausdruck gegeben. Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe sind keine vorhan-
den. Leicht strafmindernd kann sein teilweises Geständnis gewürdigt werden, wobei 
jedoch dieses Eingeständnis, A. C. geschlagen zu haben, aufgrund des von ihr zwi-
schenzeitlich zurückgezogenen Strafantrages, entsprechend zu relativieren ist. 
Straferhöhend wirkt sich aus, dass der Berufungskläger mehrmals vorbestraft ist 
und die vorliegend zu beurteilende Straftat während der laufenden Probezeit be-
gangen hat. Die fehlende Einsicht kann zwar nicht straferhöhend berücksichtigt wer-
den; mit besonderer Milde kann aber I. C. nicht begegnet werden.

In Würdigung der gesamten Umstände und unter Berücksichtigung sämtli-
cher Strafzumessungsgründe erachtet der Kantonsgerichtsausschuss von 
Graubünden die Verhängung einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten als dem 
Verschulden von I. C. entsprechend. Der Anrechnung der bereits erstandenen Po-
lizeihaft von zwei Tagen steht nichts entgegen.

17

Wenn man bedenkt - und der Gesetzgeber hat diesem Umstand wie erwähnt 
mit der Strafdrohung von Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder von Gefängnis Rech-
nung getragen -, dass mit der Freiheitsberaubung das klassische Grundrecht der 
persönlichen Freiheit (EMRK Art. 5) tangiert wird, so ist diese bereits von der Vor-
instanz ausgefällte Strafe, welche im vorliegenden Berufungsverfahren nicht erhöht 
werden kann, sogar als milde zu bezeichnen. Selbst wenn nunmehr der Tatbestand 
von Art. 23 Abs. 1 al 5 und Abs. 4 ANAG, welcher ohnehin nur von untergeordneter 
Bedeutung gewesen wäre, wegfällt, so rechtfertigt es sich nicht, an dem bereits von 
der Vorinstanz festgelegten Strafmass eine Korrektur nach unten anzubringen (vgl. 
dazu: Die Praxis 12/2001, Nr. 197).

6. Nachdem nur zugunsten von I. C. Berufung erhoben worden ist, bleibt 
es bei dem bereits von der Vorinstanz gewährten bedingten Vollzung für die sechs 
Monate Gefängnis; die Probezeit ist dabei von der Vorinstanz zu Recht auf drei 
Jahre festgelegt worden. Die günstige Prognose ist von der Vorinstanz – ebenfalls 
zu Recht – gestellt worden, weil I. C. die Freiheitsstrafe von 2 ½ Monaten Gefängnis 
infolge des zu widerrufenden bedingten Strafvollzuges (Urteil des Kreisgerichtes 
Chur vom 11. Juli 1996) wird verbüssen müssen (vgl. nachstehend Ziffer 7).

7. Gemäss Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB lässt der Richter eine bedingt aus-
gesprochene Strafe vollziehen, wenn der Verurteilte während der Probezeit ein Ver-
brechen oder Vergehen begeht, er trotz förmlicher Mahnung des Richters einer ihm 
erteilten Weisung zuwider handelt, er sich beharrlich der Schutzaufsicht entzieht 
oder er das in ihn gesetzte Vertrauen in anderer Weise stört. Daraus geht hervor, 
dass, wenn der Verurteilte während der Probezeit erneut ein Verbrechen oder Ver-
gehen begeht, der Widerruf der Erststrafe den Normalfall darstellt (vgl. PKG 1994 
Nr. 28). In leichten Fällen kann der Richter auf den Widerruf verzichten und statt 
dessen eine weniger einschneidende Massnahme anordnen (Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 
StGB). Bei der Frage, ob ein Delikt als leicht zu qualifizieren ist, kommt dem Straf-
mass die massgebliche Bedeutung zu. Dabei wird eine Freiheitsstrafe von bis zu 
drei Monaten in der Regel als leicht im Sinne von Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB be-
zeichnet (vgl. BGE 117 IV 101 f.). Ein Verzicht auf den Widerruf ist somit nur aus-
nahmsweise zulässig, unter der Voraussetzung dass einerseits ein leichter Fall, im 
soeben dargestellten Sinne, und andererseits begründete Bewährungssaussicht 
angenommen werden kann. Diese beiden Tatbestandselemente müssen kumulativ 
erfüllt sein (Trechsel, a.a.O., N 56 zu Art. 41 StGB; BGE 117 IV 103). Auch kann 
dabei nicht ausschlaggebend sein, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt aus-
gesprochen wurde, da die Frage der Bewährungsaussicht nichts über die Schwere 

18

der Straftat besagt (Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner 
Teil II: Strafen und Massnahmen, Bern 1989, § 4 N 135). Auch gemäss BGE 128 IV 
3 ff. steht die Bewährungsprognose im Vordergrund.

I. C. beging das vorstehend zu beurteilende Delikt während seiner mit Urteil 
vom 11. Juli 1996 des Kreisgerichts Chur auf drei Jahre angesetzten und am 31. 
August 1998 um eineinhalb Jahre verlängerten Probezeit. Aufgrund der vorgenann-
ten Praxis des Bundesgerichts wie auch des Kantonsgerichtsausschusses von 
Graubünden, kann das vorliegend zu beurteilende Delikt nicht als leichter Fall im 
Sinne von Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB qualifiziert werden. Entscheidend ist aber im 
vorliegenden Fall, dass die Bewährungsprognose negativ ausfällt. Einerseits wurde 
die Probezeit bereits einmal um die Hälfte verlängert; gleichwohl hat sich I. C. nicht 
davon abhalten lassen, erneut – zwar gegen Ende der verlängerten Probezeit – 
straffällig zu werden. Anderseits ist gerade für die Strafe von 6 Monaten Gefängnis 
der bedingte Strafvollzug nicht deshalb gewährt worden, weil ganz allgemein eine 
günstige Prognose gestellt werden könnte, sondern weil im Lichte des Vollzuges 
der Freiheitsstrafe von 2 ½ Monaten Gefängnis sich eine günstige Prognose stellen 
lässt und erwartet werden kann, dass sich I. C. durch diesen Vollzug inskünftig von 
weiteren Straftaten abhalten lassen wird. Aufgrund der Vorstrafen, der verlängerten 
Probezeit (welche keine Abhaltewirkung zeigte) und der im vorliegenden Verfahren 
gezeigten fehlenden Einsicht kann keine günstige Bewährungsprognose gestellt 
werden. Zudem liegt – wie bereits erwähnt – auch kein leichter Fall vor. Die mit 
Urteil vom 11. Juli 1996 des Kreisgerichts Chur bedingt ausgesprochene Strafe von 
2 1/2 Monaten Gefängnis ist demnach durch I. C. zu vollziehen.

8. Gemäss Art. 102 Abs. 1 lit. c StPO, welcher sowohl für das Gerichts-
verfahren vor der ersten Instanz wie auch für das Berufungsverfahren gilt (vgl. 
Padrutt, a.a.O., S. 274), hat der Angeklagte Anspruch auf einen amtlichen Verteidi-
ger, wenn die tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeit des Falles es rechtfertigt. 
Die Schwierigkeit hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Zur relativen 
Schwere des Falles müssen besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkei-
ten treten, denen der Angeklagte nicht gewachsen ist, so zum Beispiel im Hinblick 
auf seinen Bildungsstand, seine Fähigkeiten, die prozessualen Erfahrungen des An-
geklagten, allfällige komplizierte Beweiserhebungen oder verwickelte Rechtspro-
bleme (BGE 120 Ia 43; Padrutt, a.a.O., S. 127).

19

Aufgrund der tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten des Falles, de-
nen der Berufungskläger ohne Verteidigung nicht ohne weiteres gewachsen war, 
hat er Anspruch auf eine amtliche Verteidigung.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Beru-
fungsverfahrens vor dem Kantonsgerichtsausschuss sowie die Kosten der amtli-
chen Verteidigung gemäss Art. 160 Abs. 1 StPO zu Lasten des Berufungsklägers. 
Da das im Kostenbereich völlig untergeordnete ANAG-Verfahren lediglich zufolge 
Verjährung eingestellt werden musste, ist auch am vorinstanzlichen Kostenspruch 
keine Korrektur angebracht (vgl. Art. 157 StPO, BGE 116 Ia 162 ff. und Die Praxis 
4/2001, Nr. 59). I. C. hat – wenn auch nur durch fahrlässiges Verhalten – das un-
tergordnete ANAG-Verfahren in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise veranlasst.

20

Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird dahin entschieden, dass die Ziffer 1 des angefochtenen 
Urteils aufgehoben wird.

2. I. C. ist schuldig der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

3. Das Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das ANAG wird eingestellt.

4. Im übrigen wird die Berufung abgewiesen.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2'000.-- sowie die Kosten der 
amtlichen Verteidigung von Fr. 4'340.60 gehen zu Lasten von I. C..

6. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

7. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident Der Aktuar ad hoc