# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 92cf8f24-a87e-53fd-a0f6-f12ef0764e42
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.06.2024 SK 2023 232
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-232_2024-06-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 232

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. Juni 2024 

Besetzung Oberrichter Wuillemin (Präsident i.V.), Oberrichterin Schwende-
ner, Oberrichter Zbinden
Gerichtsschreiberin Walthard

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Ober-
aargau (Einzelgericht) vom 25. November 2022 (PEN 21 226)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 25. November 2022 erklärte das Regionalgericht Emmental-
Oberaargau (nachfolgend: Vorinstanz) A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) 
schuldig der groben Verkehrsregelverletzung durch Nichtwahren eines ausreichen-
den Abstandes beim Hintereinanderfahren, (grobfahrlässig) begangen am 4. De-
zember 2020 auf der Autobahn A1 Ost, Lyssach, Fahrtrichtung Kirchberg. Die Vor-
instanz verurteilte den Beschuldigten in Anwendung der einschlägigen Gesetzes-
bestimmungen zu einer Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu CHF 80.00, ausma-
chend total CHF 960.00, bedingt zu vollziehen bei einer Probezeit von 2 Jahren. 
Weiter verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten zu einer Verbindungsbusse von 
CHF 500.00, unter Festsetzung der Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung auf 3 Tage, sowie zu den Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 3'855.00 
(pag. 197 ff.).

2. Berufung und Gang des oberinstanzlichen Verfahrens

Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung des Beschuldigten am 2. Dezem-
ber 2022 fristgerecht Berufung an (pag. 203). Mit Verfügung vom 12. Mai 2023 
stellte die Vorinstanz den Parteien die schriftliche Urteilsbegründung, datierend 
vom 11. Mai 2023, zu (pag. 228 f. und pag. 207 ff.), wobei die Verfügung der Ver-
teidigung am 15. Mai 2023 zugestellt wurde (vgl. pag. 232).

Am 5. Juni 2023 reichte die Verteidigung form- und fristgerecht die Berufungser-
klärung ein, mit welcher das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten 
wurde (pag. 235 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 14. Juni 2023 auf die 
Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 271 f.).

Mit Verfügung vom 19. Juni 2023 wurde der Beschuldigte zur Mitteilung aufgefor-
dert, ob er mit der Durchführung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden sei 
(pag. 273 f.). Innert erstreckter Frist teilte die Verteidigung am 21. Juli 2023 das 
Einverständnis des Beschuldigten mit der Durchführung eines schriftlichen Verfah-
rens mit (pag. 283). Mit Verfügung vom 26. Juli 2023 wurde die Durchführung des 
schriftlichen Verfahrens angeordnet und der Beschuldigte zur Einreichung einer 
schriftlichen Berufungsbegründung aufgefordert (pag. 285 f.).

Die Verteidigung reichte die schriftliche Berufungsbegründung innert erstreckter 
Frist mit Schreiben vom 24. November 2023 ein (pag. 315 ff.). Mit Verfügung vom 
28. November 2023 stellte die Verfahrensleitung einen schriftlichen Entscheid in 
den nächsten Wochen in Aussicht (pag. 325 f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Praxisgemäss wurden von Amtes wegen ein aktueller Strafregisterauszug (datie-
rend vom 23. August 2023; pag. 294 f.), ein IVZ-Auszug betreffend Administrativ-

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massnahmen (datierend vom 23. August 2023; pag. 296 ff.) sowie ein aktueller Be-
richt über die wirtschaftlichen Verhältnisse (datierend vom 4. August 2023; 
pag. 291 f.) über den Beschuldigten eingeholt.

4. Anträge der Parteien

In der Berufungserklärung vom 5. Juni 2023 stellte die Verteidigung namens des 
Beschuldigten folgende Rechtsbegehren (pag. 238; Hervorhebungen im Original):

I. Die Berufung wird gutgeheissen.

II. Das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 25. November 2022 wird wie folgt 
abgeändert:

«I. A.________ wird vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung durch Nichtwahren ei-

nes ausreichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren, angeblich begangen am 

04.12.2020 auf der Autobahn A1 Ost, Lyssach, Fahrtrichtung Kirchberg, freigesprochen.

1. [Aufgehoben]

2. [Aufgehoben]

3. Die Verfahrenskosten werden dem Kanton Bern auferlegt.

4. A.________ wird in Anwendung von Art. 429 StPO eine Entschädigung in Höhe von 

CHF 4'904.40 (CHF 2'035.55 plus CHF 2'868.85) zugesprochen.

II. [Unverändert]»

III. In Anwendung von Art. 428 StPO werden die Kosten des Berufungsverfahrens dem Kanton Bern 
auferlegt.

IV. In Anwendung von Art. 429 StPO wird Herrn A.________ eine Entschädigung für das Beru-
fungsverfahren zugesprochen. Der Betrag der verlangten Entschädigung wird im Verlaufe des 
Verfahrens noch beziffert werden.

Im Rahmen der schriftlichen Berufungsbegründung bestätigte die Verteidigung die-
se Rechtsbegehren namens des Beschuldigten vollumfänglich (vgl. pag. 322).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den 
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]). Der Beschuldigte hat das Urteil der Vorinstanz vom 25. Novem-
ber 2022 vollumfänglich angefochten, weshalb die Kammer das gesamte erstin-
stanzliche Urteil zu überprüfen hat.

Die Überprüfung erfolgt mit voller Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Aufgrund der 
alleinigen Berufung des Beschuldigten ist die Kammer jedoch an das Verschlechte-
rungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, das heisst sie darf das ange-
fochtene Urteil nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. Vorbehalten bleibt 
eine strengere Bestrafung aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Ge-
richt nicht bekannt sein konnten (Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO). Solche Tatsachen 
können beispielsweise die wirtschaftlichen Verhältnisse zur Bemessung der Höhe 
des Tagessatzes nach Art. 34 Abs. 2 Satz 3 des Schweizerischen Strafgesetzbu-

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ches (StGB; SR 311.0) betreffen. So darf das Berufungsgericht bei einer Verbesse-
rung der finanziellen Verhältnisse nach dem erstinstanzlichen Urteil einen höheren 
Tagessatz festlegen, auch wenn ausschliesslich die beschuldigte Person Berufung 
erhoben hat (BGE 146 IV 172 E. 3.3.3).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Betreffend die Grundlagen der Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 210; S. 4 der vorinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Ergänzend ist Folgendes festzuhalten:

Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Person 
günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die 
tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese Bestimmung 
operationalisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung 
(«in dubio pro reo»; Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft [BV; SR 101] und Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101]). Sie verbietet es, bei der 
rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt 
auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte 
Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder 
wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise 
nicht ausgeschlossen werden kann. In seiner Funktion als Beweiswürdigungsma-
xime kommt dem Grundsatz «in dubio pro reo» keine über das Willkürverbot 
gemäss Art. 9 BV hinausgehende Bedeutung zu. Auf die Frage, welche Beweismit-
tel zu berücksichtigen sind und wie sie gegebenenfalls zu würdigen sind, findet der 
In-dubio-Grundsatz keine Anwendung. Er kommt erst zum Tragen, nachdem alle 
aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 
worden sind, das heisst, bei der Beurteilung des Resultats der Beweisauswertung. 
Insofern stellt der In-dubio-Grundsatz gerade keine Beweiswürdigungsregel dar 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_160/2022 vom 5. Oktober 2022 E. 2.3.2 mit Hinwei-
sen).

7. Anklagesachverhalt / Vorwurf gemäss Strafbefehl

Dem Beschuldigten wird mit Strafbefehl vom 11. Mai 2021 – welcher vorliegend als 
Anklageschrift dient (Art. 356 Abs. 1 StPO) – vorgeworfen, am 4. Dezember 2020 
um 11:24 Uhr auf der Autobahn A1 Ost, Lyssach, Fahrtrichtung Kirchberg, als Len-
ker eines Personenwagens mit einer Geschwindigkeit von 110 km/h und einem Ab-
stand von 13 Metern (oder 0.43 Sekunden) hinter einem Personenwagen her ge-
fahren zu sein, womit er den empfohlenen Sicherheitsabstand von 1.8 Sekunden 
zum vorausfahrenden Fahrzeug (halber Tacho in Metern) massiv unterschritten 
und dadurch eine ernstliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen und 
auch in Kauf genommen haben soll (pag. 13 f.).

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8. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Wie bereits von der Vorinstanz zutreffend festgestellt (pag. 211; S. 5 der vor-
instanzlichen Urteilsbegründung), ist unbestritten, dass der Beschuldigte am 4. De-
zember 2020 um ca. 11:24 Uhr auf der Autobahn A1 zwischen Schönbühl und 
Kirchberg mit seinem Personenwagen Audi Q5, Kennzeichen ________, mit ca. 
110 km/h unterwegs war (pag. 121 Z. 27 ff. und Z. 42). Ebenfalls ist unbestritten, 
dass der Abstand zum vorausfahrenden Personenwagen zu klein war bzw. dass 
der Abstand von 1.8 Sekunden unterschritten wurde (pag. 122 Z. 7 und Z. 18 f.).

Demgegenüber bestreitet der Beschuldigte, über eine Strecke von mindestens 
650 Metern mit einem Abstand von 13 Metern bzw. 0.43 Sekunden zum vorausfah-
renden Personenwagen gefahren zu sein (pag. 316 ff.).

9. Beweismittel

Der Kammer liegen folgende objektive und subjektive Beweismittel vor:

- Anzeigerapport der Kantonspolizei Bern vom 8. Dezember 2020 (pag. 1 ff.)
- SAT-SPEED-Messprotokoll (pag. 4)
- Eichzertifikat Nachfahrtachograf SAT-SPEED G2 Video (pag. 62)
- Ausbildungsnachweis SAT-SPEED-Video betr. Polizist C.________ (pag. 63)
- SAT-SPEED-Aufnahme (pag. 65)
- Fotografien Messprotokoll (pag. 69 ff.)
- Zertifikat SAT-SPEED-Distanz Spezialist betr. Polizist D.________ (pag. 74)
- Zulassungszertifikat Nachfahrtachograf SAT-SPEED G2 inkl. Beilagen 

(pag. 106 ff.)
- Einvernahme des Beschuldigten vom 26. Januar 2022 (pag. 119 ff.)
- Einvernahme von Polizist C.________ vom 26. Januar 2022 (pag. 126 ff.)
- Schreiben E.________ AG vom 28. März 2022 (pag. 141 f.)
- Anleitung SAT-SPEED Distanz HD (pag. 143 f.)
- Zulassungszertifikat Video Distanz Messverfahren inkl. Beilage (pag. 145 ff.)
- Weisungen über polizeiliche Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwa-

chung im Strassenverkehr vom 22. Mai 2008 (pag. 160 ff.)
- Schreiben Polizist D.________ vom 8. November 2022 (pag. 179 f.)
- Einvernahme von Polizist D.________ vom 25. November 2022 (pag. 186 ff.)
- Einvernahme des Beschuldigten vom 25. November 2022 (pag. 190)

Auf eine Wiedergabe der vorliegenden Beweismittel wird an dieser Stelle verzich-
tet. Diese werden im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung – soweit not-
wendig – aufgegriffen.

10. Vorbringen des Beschuldigten

In seiner schriftlichen Berufungsbegründung vom 24. November 2023 lässt der Be-
schuldigte im Wesentlichen eine unvollständige und unrichtige Feststellung des re-
levanten Sachverhalts, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, eine Verletzung 
des Willkürverbots sowie eine Verletzung von Art. 90 des Strassenverkehrsgeset-
zes (SVG; SR 741.01) geltend machen (pag. 316 ff.).

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Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung, wonach er mit 110 km/h über eine 
Strecke von mindestens 650 Metern mit einem Abstand von 13 Metern bzw. 
0.43 Sekunden zum vorausfahrenden Personenwagen gefahren sei, sei in dieser 
Form falsch und unvollständig. Die Vorinstanz habe wichtige Aussagen des Zeu-
gen C.________ nicht oder nur unvollständig wiedergegeben und berücksichtigt. 
Dessen Aussagen würden deutlich aufzeigen, dass nicht mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit gesagt werden könne, der Abstand habe während der ganzen Mess-
strecke von 650 Metern nur 0.43 Sekunden betragen. Die Frage, wie gross der Ab-
stand genau gewesen sei, sei von zentraler Bedeutung, da eine grobe Verkehrsre-
gelverletzung erst angenommen werde, wenn der Nachfahrabstand weniger als 
0.6 Sekunden betrage. Auch sei von zentraler Bedeutung, wie lange die Strecke 
gewesen sei, da ein Abstandsvergehen über eine minimale Strecke von 300 Me-
tern dokumentiert werden müsse. Vorliegend könne nicht festgestellt werden, ob 
der Beschuldigte tatsächlich über eine Strecke von mindestens 300 Metern den 
zulässigen Mindestabstand nicht eingehalten habe, und erst recht nicht, dass die-
ser Abstand während mindestens 300 Metern nur 0.43 Sekunden betragen habe. 
Hätte die Vorinstanz die Aussagen des Zeugen C.________ berücksichtigt, hätte 
sie den Beschuldigten nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» freisprechen müs-
sen (pag. 316 ff.).

Auch wichtige Aussagen des Zeugen D.________ seien nicht berücksichtigt wor-
den. Dieser habe bestätigt, dass dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden 
könne, über welche Distanz er den Mindestabstand nicht eingehalten habe, und 
dass es möglich sei, dass der Abstand während der gemessenen Strecke auch 
grösser als 0.43 Sekunden gewesen sei. Der Abstand möge vielleicht für eine Milli-
sekunde nur 0.43 Sekunden gewesen sein, für eine Verurteilung reiche das aber 
nicht aus. Es müsse als willkürlich qualifiziert werden, dass die Vorinstanz trotz der 
eindeutigen Aussage des Zeugen D.________, «[o]b ich sagen kann, ob er 100 
oder 2 Meter mit dem Abstand von 0.43 Sekunden gefahren ist? Das kann ich nicht 
sagen», als erwiesen erachtete, dass der Beschuldigte mit 110 km/h über eine 
Strecke von mindestens 650 Metern mit einem Abstand von 13 Metern bzw. 
0.43 Sekunden zum vorausfahrenden Personenwagen gefahren sei. Hätte sie die 
Aussagen des Zeugen D.________ berücksichtigt, hätte sie den Beschuldigten 
nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» freisprechen müssen. Hinzu komme, dass 
bei der vorgenommenen Messung kein Toleranzabzug gemacht worden sei, ob-
wohl der Zeuge D.________ mit seiner Aussage, «[h]ier spiele es schon auch eine 
Rolle, es wird aber nicht berücksichtigt», bestätigt habe, dass eigentlich ein Tole-
ranzabzug gemacht werden müsse, um ein verwertbares und faires Messergebnis 
zu erzielen. Die Berücksichtigung des Toleranzabzugs würde den Beschuldigten 
weiter entlasten, zumal umso mehr am Vorwurf der groben Verkehrsregelverlet-
zung gezweifelt werden müsse, wenn der Toleranzabzug zum von der Vorinstanz 
berechneten Nachfahrabstand von 0.43 Sekunden hinzugefügt werde. Die Vor-
instanz hätte dies berücksichtigen und den Beschuldigten auch aus diesem Grund 
nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» freisprechen müssen. Schliesslich halte 
die Vorgehensweise des Zeugen D.________ und der Vorinstanz zur Berechnung 
des Nachfahrabstandes nicht vor rechtsstaatlichen Prinzipien stand, denn es könne 
nicht einfach gestützt auf eine «Momentaufnahme» von einer Millisekunde ange-

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nommen werden, der Beschuldigte sei über eine Strecke von mindestens 650 Me-
tern mit einem Abstand von 13 Metern bzw. 0.43 Sekunden zum vorausfahrenden 
Personenwagen gefahren (pag. 319 f.).

Aus der unvollständigen und unrichtigen Feststellung des Sachverhalts resultiere 
auch eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und der daraus abgelei-
teten Begründungspflicht, da sich die Vorinstanz nicht mit den erwähnten Aussa-
gen der Zeugen auseinandergesetzt und nicht erklärt habe, warum sie diese Aus-
sagen nicht berücksichtigt habe (pag. 321). Die vorinstanzliche Sachverhaltsfest-
stellung bzw. Beweiswürdigung erweise sich des Weiteren als willkürlich, da die 
Vorinstanz offensichtlich wichtige und entscheidwesentliche Aussagen der Zeugen 
unberücksichtigt gelassen habe, ohne dass es dafür einen sachlichen Grund gebe. 
Hätte sie diese Aussagen gehörig berücksichtigt, hätte sie den Beschuldigten vom 
Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung freisprechen müssen, weshalb die 
Einhaltung des Willkürverbots den Verfahrensausgang geändert hätte (pag. 321 f.). 
Auch habe die Vorinstanz Art. 90 Ziff. [recte: Abs.] 2 SVG verletzt, indem sie fälsch-
licherweise festgestellt habe, der Beschuldigte sei mit 110 km/h über eine Strecke 
von mindestens 650 Metern mit einem Abstand von 13 Metern bzw. 0.43 Sekunden 
zum vorausfahrenden Personenwagen gefahren und habe deshalb eine grobe Ver-
kehrsregelverletzung begangen – hätte sie den relevanten Sachverhalt korrekt 
festgestellt, hätte sie zum Schluss kommen müssen, dass keine grobe Verkehrsre-
gelverletzung angenommen werden könne (pag. 322).

11. Konkrete Beweiswürdigung

11.1 Vorbemerkung

Dass der Abstand des Beschuldigten zum vorausfahrenden Fahrzeug zu klein war, 
ist unbestritten (vgl. E. II.8 hiervor). Bestritten und entsprechend zu prüfen ist nach-
folgend, ob der angeklagte Abstand von 0.43 Sekunden anhand der objektiven und 
subjektiven Beweismittel als erstellt erachtet werden kann.

11.2 Zum SAT-SPEED-System und der Verwertbarkeit der SAT-SPEED-Aufnahme

Als hauptsächliches Beweismittel liegt eine mittels des Nachfahrtachografen «SAT-
SPEED G2 Video» angefertigte Aufnahme vor, welche die vorliegend interessie-
rende Fahrt des Beschuldigten zeigt (pag. 65).

Der Nachfahrtachograf SAT-SPEED ist ein in ein Fahrzeug eingebautes Gerät zur 
Durchführung von amtlichen Geschwindigkeitskontrollen im Strassenverkehr durch 
Nachfahren (Ziff. 1 der Beilage zum Zulassungszertifikat CH-P-11196-00; 
pag. 107). Die Geschwindigkeit des Zielobjekts wird dabei durch Auszählung von 
Wegimpulsen während einer gemessenen Zeitspanne unter Berücksichtigung der 
Kalibrierungskonstante ermittelt (Ziff. 1.2 der Beilage zum Zulassungszertifikat CH-
P-11196-00; pag. 108). Das System bietet die zwei Messmethoden konstanter Ab-
stand (auf dem Auswertungsbildschirm unter «Mode» mit «KA» angezeigt) und va-
riabler Abstand («VA») an (Ziff. 1.3 der Beilage zum Zulassungszertifikat CH-P-
11196-00; pag. 108), deren Unterschied sich auf den Abstand des Messfahrzeuges 
zum Zielfahrzeug bezieht. Die Unterscheidung der beiden Messmethoden ist mit 
Blick auf die Frage von Bedeutung, ob die Messung beweissicher ist, da nicht bei 

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beiden dieselben Messvorgaben bestehen (vgl. Ziff. 10.5 der Weisungen über poli-
zeiliche Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung im Strassenverkehr 
des Bundesamts für Strassen ASTRA; pag. 165).

Für den vorliegend zum Einsatz gekommenen Nachfahrtachografen «SAT-SPEED 
G2 Video» mit der Seriennummer 4411272 (METAS 27272) sowie die verwendeten 
weiteren Bestandteile (Zentrale Steuereinheit, Bedieneinheit und Digital Video Re-
corder) liegt eine zum Tatzeitpunkt gültige Eichung des Eidgenössischen Instituts 
für Metrologie METAS vor (Eichzertifikat Nr. 258-32994; pag. 62). Anlässlich der 
Abstandsmessung befand sich der Nachfahrtachograph zudem korrekterweise im 
Modus «VA» (variabler Abstand; vgl. pag. 65 und pag. 69 ff.). Ferner wurde die 
Aufnahme vom Polizisten C.________ gestartet (pag. 126 Z. 35), welcher über ei-
nen entsprechenden Ausbildungsnachweis für die Bedienung des SAT-SPEED-
Videos verfügt (pag. 63). In Einklang mit der Vorinstanz (pag. 212; S. 6 der vor-
instanzlichen Urteilsbegründung) ist die Aufnahme somit verwertbar. Gegenteiliges 
wird vom Beschuldigten denn auch nicht vorgebracht.

11.3 Zur SAT-SPEED-Aufnahme

Die Vorinstanz hat den Inhalt der SAT-SPEED-Aufnahme korrekt wiedergegeben, 
darauf kann verwiesen werden (pag. 212; S. 6 der vorinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung):

Auf der SAT-SPEED Aufnahme (CD, pag. 65) ist ersichtlich, wie die Polizei einem weissen Lieferwa-
gen folgt. Nach einem Spurwechsel der Polizei von der Überhol- auf die Normalspur wird der Perso-
nenwagen des Beschuldigten auf der Überholspur ersichtlich. Dieser ist im Begriff einen roten Perso-
nenwagen sowie anschliessend einen Lastwagen zu überholen. Von blossem Auge ist erkennbar, 
dass der Beschuldigte keinen genügenden Abstand zum vorausfahrenden Personenwagen hat. Wei-
ter ist erkennbar, dass der Beschuldigte leicht links versetzt hinter dem vorausfahrenden Fahrzeug 
fährt. Die linken Räder des Personenwagens des Beschuldigten sind dabei teilweise bereits auf der 
Sicherheitslinie. Es macht den Eindruck eines drängelnden Verhaltens. Hinter dem Beschuldigten 
fährt ein weisser Lieferwagen. Der Abstand zwischen dem Lieferwagen und dem Beschuldigten ist 
zwar nicht erheblich, aber doch ausreichend, für ein allfälliges, massvolles Bremsen des Beschuldig-
ten. Die Bremslichter des Beschuldigten leuchten während der Aufnahme allerdings nie auf. Ersicht-
lich ist ausserdem, wie das vorausfahrende Fahrzeug bremst. Die Verteidigung machte diesbezüglich 
geltend, dass dieses Bremsen unnötig erscheine. Mit Blick auf das Schild, welches genau auf dieser 
Höhe platziert ist und die Geschwindigkeit von maximal 100 km/h signalisiert sowie, dass die Fahr-
zeuge noch mit über 100 km/h unterwegs waren, erscheint dem Gericht das Bremsen des vorausfah-
renden Fahrzeugs nachvollziehbar.

Auf der Aufnahme ist weiter ersichtlich, dass die Polizei die Messung bei ca. 40 Sekunden ab Beginn 
der Aufnahme startet (vgl. bei Video unten die Sekundenangaben) und die Kameraposition von 
zunächst 1/06 auf 1/07 einstellt. Nach rund 650 Metern wechselt die Polizei wieder auf die Überhol-
spur, woraufhin der Beschuldigte nicht mehr im Blickfeld ist.

Ergänzend ist anzumerken, dass bei Sekunde 17 der Aufnahme (nicht der Mes-
sung) ersichtlich ist, wie der anschliessend vor dem Beschuldigten fahrende Per-
sonenwagen von der rechten Spur auf die Überholspur vor den Beschuldigten 
wechselt.

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11.4 Zur Auswertung der SAT-SPEED-Aufnahme

Der Beschuldigte beanstandet die Vorgehensweise der Polizei und der Vorinstanz 
zur Berechnung des Nachfahrabstandes. Da es sich dabei bloss um eine «Momen-
taufnahme» von einer Millisekunde handle, halte die Vorgehensweise rechtsstaatli-
chen Prinzipien nicht stand (E. II.10 hiervor).

Um aufgrund einer SAT-SPEED-Aufnahme überprüfen zu können, ob das Zielfahr-
zeug den erforderlichen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten hat, 
bedarf es einer manuellen Auswertung der Videosequenz. Die Vorinstanz hat die 
offizielle Vorgehensweise zur Abstandsbestimmung mithilfe des SAT-SPEED-
Distanz 2.0 Messverfahrens zutreffend zusammengefasst, auch darauf kann ver-
wiesen werden (pag. 214 f.; S. 8 f. der vorinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Aufnahme muss mit einem zugelassenen und geeichten Videonachfahrtachographen mit kalibrier-
ter Videokamera durchgeführt werden. Wird eine Zoomkamera verwendet, müssen die einzelnen 
Zoom Positionen bekannt sein (pag. 146, Beilage zu Zulassungszertifikat CH-P-04154-0). Grundsätz-
lich wird die Auswertung wie folgt vorgenommen (vgl. auch zum Ganzen das Schreiben von 
F.________, E.________ AG, vom 28.03.2022, pag. 141 f.): Ein Abstandsvergehen muss über eine 
minimale Strecke (Vorgabe Kantonspolizei Bern 300 Meter) mit drei Bildern, mit einer in etwa gleich-
bleibenden Geschwindigkeit dokumentiert werden. Hierfür wird für die weiteren Berechnungen immer 
die niedrigste Geschwindigkeit zugunsten des Betroffenen durch das Programm gerechnet. Für die 
Auswertung wird die Kamera mit entsprechender Zoomposition des eingesetzten Nachfahrmesssys-
tems (SAT-SPEED G2) im Programm ausgewählt. Bei der Auswertung ist darauf zu achten, dass die 
Radaufstandspunkte gut auf der Fahrbahn sichtbar sind. Vor der eigentlichen Messung muss das 
Massstabsraster (Kameraperspektive) auf die Fahrbahnebene eingestellt werden. Die Abstandsmes-
sung erfolgt anschliessend über die eingeblendete Messlinie. Eine Messung kann nur durchgeführt 
werden, wenn die Vorabsituation mit drei Bildern dokumentiert ist und die Kamera mit der Zoompositi-
on ausgewählt wurde. Die Messung erfolgt vom betroffenen Fahrzeug (Radaufstandspunkt vorne oder 
hinten) auf das vorausfahrende Fahrzeug wiederum beim Radaufstandspunkt. Für die Abstandsbe-
rechnung wird der maximale Abstand in Metern mit der niedrigsten Geschwindigkeit in km/h berech-
net. (Abstand in Metern / Geschwindigkeit in km/h) x 3.6 = Abstand in Sekunden). Die zusätzlichen 
Toleranzen (Überhänge der Fahrzeuge) werden durch das SAT-SPEED Distanz Programm nicht kor-
rigiert oder berücksichtigt (zugunsten des Betroffenen).

Vorliegend wurde die Auswertung der SAT-SPEED-Aufnahme von Polizist 
D.________ durchgeführt (pag. 4; pag. 186 Z. 18 ff.), welcher über ein entspre-
chendes Ausbildungszertifikat verfügt (pag. 74). Die Auswertung durch ihn ist somit 
nicht zu beanstanden. Für das «Video Distanz Messverfahren» (SAT-SPEED-
Distanz 2.0) liegt zudem ein Zulassungszertifikat (CH-P-04154-00) des METAS vor 
(pag. 145), weshalb auch die Anwendung des Messverfahrens nicht zu beanstan-
den ist. Da es sich dabei um ein anerkanntes Verfahren für die Abstandsbemes-
sung handelt, kann dem pauschalen Einwand des Beschuldigten, diese Vorge-
hensweise halte rechtsstaatlichen Prinzipien nicht stand, nicht gefolgt werden.

Polizist D.________ führte vor der Vorinstanz aus, vom Beginn der Messung bis 
am Schluss habe man 573 Meter zurückgelegt und 17 Sekunden dafür gebraucht 
(pag. 186 f. Z. 44 f.). Diese Angaben decken sich mit denjenigen auf den Fotografi-
en des Messprotokolls (pag. 69 ff., insb. pag. 72). Das Erfordernis der minimalen 

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Strecke von 300 Metern ist damit erfüllt. Weiter gab Polizist D.________ an, man 
beobachte die ganze Strecke. Es gebe drei Bilder, am Anfang, in der Mitte und am 
Schluss. Jedes Mal gebe es wie einen Stempel und zwischen diesen Bildern werde 
ausgewertet. Dabei spiele die Geschwindigkeit keine Rolle, man nehme immer die 
tiefste Geschwindigkeit im ganzen Messerverfahren. Das sei zugunsten des Be-
schuldigten (pag. 187 Z. 1 ff.). In Übereinstimmung mit diesen Aussagen und den 
vorstehenden Grundlagen wurde das vorliegende Abstandsvergehen mit drei Bil-
dern dokumentiert, je eines am Anfang (Sekunde 1), in der Mitte (Sekunde 6) und 
am Schluss (Sekunde 17), wobei das blaue Quadrat bei Sekunde 9 gesetzt wurde 
(pag. 69 ff. resp. pag. 4). Dies mache man gemäss Polizist D.________ einfach bei 
dem Punkt, wo es von der Optik und der Sicht am besten gehe. Da gehe man auch 
zugunsten des Beschuldigten vor. Wenn er zu nahe fahre, sich aber dann wieder 
zurückfallen lasse, nehme man den grösseren Abstand (pag. 187 Z. 10 ff.). Der 
Abstand könne grösser, aber auch kleiner sein. Der Messpunkt komme auf das 
Fahrverhalten an. Man versuche dort zu messen, wo er am meisten gewesen sei. 
Man schaue auch, dass man es dort messe, wo es technisch am besten gehe. 
Wenn er nur kurz nahe sei, nehme man nicht diesen Abstand. Es könne aber auch 
sein, dass er mal weiter weg sei (pag. 187 Z. 22 ff.). Wie dem Messprotokoll 
(pag. 4) entnommen werden kann, wurde vorliegend korrekterweise von der ge-
ringsten Geschwindigkeit von 110 km/h ausgegangen und die Messung erfolgte 
vom Radaufstandspunkt des Fahrzeugs des Beschuldigten auf den Radaufstands-
punkt des vorausfahrenden Fahrzeugs, wobei die Radaufstandspunkte im Einklang 
mit den Vorgaben gut auf der Fahrbahn sichtbar sind. Die Überhänge der Fahrzeu-
ge wurden zugunsten des Beschuldigten nicht berücksichtigt. Insgesamt sind somit 
keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach die Auswertung der SAT-SPEED-
Aufnahme vorliegend nicht korrekt vorgenommen worden wäre.

An diesem Zwischenfazit ändern auch die vom Beschuldigten zitierten Aussagen 
der Polizisten C.________ und D.________ nichts:

Polizist C.________ beantwortete vor der Vorinstanz die Frage, ob er bestätigen 
könne, dass der Abstand zeitweise mehr als 0.43 Sekunden gewesen sei, das 
könne durchaus sein. Das Messgerät sei ja auf variablen Abstand eingestellt. Das 
könne also sein (pag. 129 Z. 42 ff.). Auf die Frage, ob er heute nicht bestätigen 
könne, dass der Abstand während der ganzen Messstrecke von 650 Metern nur 
0.43 Sekunden betragen habe, antwortete er, wenn er sich an das Video zurücker-
innere, ändere sich der Abstand nie gross, daher werde wohl auch der zeitliche 
Nachfahrabstand nicht gross variieren (pag. 130 Z. 1 ff.). Sodann gab er zu Proto-
koll, mit der gefahrenen Geschwindigkeit und den Leitlinien, welche eine Schätzung 
des Abstands erlauben würden, sei er immer davon ausgegangen, dass es sich um 
einen «90 2er» gehandelt habe. Er könne nicht sagen, ob es zu einem Zeitpunkt 
nicht auch ein «90 1er» gewesen sei, er gehe aber nicht davon aus (pag. 130 
Z. 16 ff.). Wie bereits festgehalten (E. II.11.2 hiervor) war Polizist C.________ der-
jenige, der die Aufnahme startete. Die Auswertung erfolgte jedoch nicht durch ihn 
und er gab selbst an, bloss der Anwender und nicht der Spezialist zu sein 
(pag. 127 Z. 18 f.). Zudem wendet auch der Beschuldigte ein, dass es sich bei den 
Aussagen, wonach der zeitliche Nachfahrabstand wohl nicht gross variiert habe 
und er nicht davon ausgehe, dass ein Fall von Art. 90 Abs. 1 SVG vorliege, eher 

11

um blosse Mutmassungen als um fundierte und technisch abgestützte Aussagen 
handle (pag. 318). Dies hat auch für die Übrigen vom Beschuldigten zitierten Aus-
sagen des Polizisten C.________ zu gelten. Effektive Hinweise auf eine fehlerhafte 
Auswertung der SAT-SPEED-Aufnahme lassen sich den Aussagen jedenfalls nicht 
entnehmen.

Auch die Aussagen des Polizisten D.________, «[o]b ich sagen kann, ob er 100 
oder 2 Meter mit dem Abstand von 0.43 Sekunden gefahren ist? Das kann ich nicht 
sagen. Es ist einfach eine Momentaufnahme, welche sich aus den Aufnahmen er-
gibt. Der Abstand ist einfach von der Auswertung» (pag. 189 Z. 17 ff.), lassen im 
Ergebnis nicht daran zweifeln, dass die Auswertung vorliegend korrekt durchge-
führt wurde. Im Übrigen bestätigte Polizist D.________ explizit, die Auswertung 
korrekt gemacht zu haben (pag. 186 Z. 30 ff.). Es ist erneut hervorzuheben, dass 
für die Abstandsberechnung der maximale Abstand in Metern mit der niedrigsten 
Geschwindigkeit berechnet wird, und die zusätzlichen Toleranzen (Überhänge der 
Fahrzeuge) nicht berücksichtigt werden (pag. 141 f.). Die Auswertung mithilfe des 
SAT-SPEED-Distanz 2.0 Messverfahrens erfolgte folglich zugunsten des Beschul-
digten, zumal er während des übrigen Teils der Messstrecke deutlich schneller fuhr 
als 110 km/h, ohne dass sich sein Abstand – soweit von blossem Auge erkenn-
bar – verändert hätte.

Aufgrund der Vorbringen des Beschuldigten ist zudem daran zu erinnern, dass der 
In-dubio-Grundsatz auf die Frage, welche Beweismittel zu berücksichtigen und wie 
sie gegebenenfalls einzeln zu würdigen sind, keine Anwendung findet (vgl. E. II.6 
hiervor), weshalb einzelne Aussagen der Polizisten C.________ und D.________ 
nicht zu einem In-dubio-Freispruch führen können, wenn im Ergebnis und nach 
Würdigung sämtlicher Beweismittel keine Zweifel an der Korrektheit der Auswer-
tung bestehen.

Zumal insgesamt keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, wonach die Auswertung der 
SAT-SPEED-Aufnahme nicht korrekt vorgenommen worden wäre, und auch die 
Einwände des Beschuldigten nichts an diesem Zwischenfazit zu ändern vermögen, 
kann nach dem Gesagten auf das Ergebnis des Messprotokolls abgestellt werden. 
Demnach betrug der Abstand des Beschuldigten zum vorausfahrenden Fahrzeug 
bei einer Mindestgeschwindigkeit von 110 km/h 13 Meter (bzw. 0.43 Sekunden; 
pag. 4).

11.5 Zur Frage des Toleranzabzugs

Der Beschuldigte bringt sodann vor, Polizist D.________ habe bestätigt, dass ei-
gentlich ein Toleranzabzug gemacht werden müsse, um ein verwertbares und fai-
res Messergebnis zu erzielen (E. II.10 hiervor).

Das SAT-SPEED-System ist ein für Geschwindigkeitsmessungen durch Nachfah-
ren zugelassenes Messsystem nach Art. 8 Abs. 1 Bst. g der Verordnung des 
ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung (VSKV-ASTRA; SR 741.013.1; 
Ziff. 1.1 der Beilage zum Zulassungszertifikat CH-P-11196-00; pag. 107). Gemäss 
Art. 8 Abs. 1 Bst. g VSKV-ASTRA wird der Sicherheitsabzug bei solchen Nachfahr-
kontrollen automatisch berücksichtigt und kann weder vom Kontroll- noch vom 
Auswertungspersonal beeinflusst werden.

12

Mithin verfängt der diesbezügliche Einwand des Beschuldigten nicht. Dennoch ist 
vollständigkeitshalber auf die vom Beschuldigten erwähnte Aussage von Polizist 
D.________ einzugehen. Dieser sagte vor der Vorinstanz auf die Frage, ob er bei 
seiner Auswertung noch die Geschwindigkeitstoleranzabzüge berücksichtigt habe, 
bei dieser Art der Auswertung gebe es keinen Toleranzabzug. Es gehe um die ge-
fahrene Geschwindigkeit. Man mache einen Toleranzabzug bei Geschwindigkeits-
überschreitungen. Hier spiele es schon auch eine Rolle, es werde aber nicht 
berücksichtigt (pag. 187 Z. 27 ff.). Auf die Frage, ob es nicht widersprüchlich sei, 
dass man hier keinen Toleranzabzug mache, gab er an, bei den Geschwindig-
keitswiderhandlungen sei es eine dynamische Sache. Man könne nicht immer ex-
akt 100 Meter hinten dran fahren, weshalb es einen Toleranzabzug gebe. Hier 
nehme man einfach die tiefste Geschwindigkeit. Es gehe einfach um den Abstand, 
den der Fahrer zum vorderen Fahrzeug habe, weshalb es auch keine Rolle spiele, 
ob sie 100 oder 200 Meter hinten dran fahren (pag. 187 Z. 42 ff.). Inwiefern Polizist 
D.________ mit diesen Aussagen bzw. konkret mit der Aussage, «[h]ier spielt es 
schon auch eine Rolle, es wird aber nicht berücksichtigt», bestätigt haben soll, 
dass ein Toleranzabzug gemacht werden müsste, ist nicht ersichtlich. Im Übrigen 
statuiert Art. 8 Abs. 1 Bst. g VSKV-ASTRA ohnehin explizit, dass der Sicherheits-
abzug automatisch berücksichtigt und nicht beeinflusst werden könne. Der Tole-
ranzabzug wird demnach durch das SAT-SPEED-Aufnahmesystem im Sinne einer 
Grundeinstellung immer vorgenommen und ist daher bei den Messungen im Er-
gebnis bereits enthalten. An diesem gesetzlich geregelten Umstand würde auch ei-
ne allenfalls gegenteilige Aussage von Polizist D.________ nichts ändern. Somit ist 
vorliegend kein zusätzlicher Toleranzabzug zu berücksichtigen.

11.6 Zur zu berücksichtigenden Strecke

Die Vorinstanz erachtete als erstellt, dass der Beschuldigte mit 110 km/h über eine 
Strecke von mindestens 650 Metern mit einem Abstand von 13 Metern bzw. 
0.43 Sekunden zum vorausfahrenden Personenwagen gefahren sei (pag. 217; 
S. 11 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Der Distanzangabe der SAT-SPEED-Aufnahme kann entnommen werden, dass 
sich die nach Start der Messung zurückgelegte Strecke auf 650 Meter belief 
(pag. 65) und im Anzeigerapport wird ebenfalls eine Beobachtungsstrecke von 
650 Metern angegeben (pag. 2). In der manuellen Auswertung der Videosequenz 
wurde jedoch nicht die gesamte nach Messungsstart aufgenommene Fahrt, son-
dern bloss die Fahrt bis Sekunde 17 berücksichtigt. Bis zu diesem Zeitpunkt betrug 
die zurückgelegte Strecke rund 573 Meter und die Mindestgeschwindigkeit 
110 km/h (pag. 72; vgl. auch pag. 186 f. Z. 44 f.).

Obwohl auf der SAT-SPEED-Aufnahme bereits von blossem Auge erkennbar ist, 
dass der Beschuldigte während der gesamten Beobachtungsstrecke keinen genü-
genden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hatte, kann nach Ansicht der 
Kammer nicht ohne Weiteres darauf geschlossen werden, dass der auf der Mess-
strecke ausgewertete Abstand auch für die restlichen, von der Messung nicht um-
fassten 77 Meter gilt. Aus diesem Grund berücksichtigt die Kammer nicht die ge-
samten auf der Beobachtungsstrecke zurückgelegten 650 Meter, sondern nur die 
auf der Messstrecke zurückgelegten 573 Meter.

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11.7 Fazit

Nach dem Gesagten erachtet die Kammer den Sachverhalt gemäss Strafbefehl 
vom 11. Mai 2021 als erstellt. Der Beschuldigte fuhr auf einer Strecke von mindes-
tens 573 Metern mit einer Geschwindigkeit von 110 km/h und einem Abstand von 
13 Metern (oder 0.43 Sekunden) hinter einem Personenwagen her.

III. Rechtliche Würdigung

12. Theoretische Grundlagen

Nach Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe Verletzung der Ver-
kehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in 
Kauf nimmt. Der Tatbestand verlangt nach der Rechtsprechung, dass der Täter ei-
ne wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Ver-
kehrssicherheit ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit ande-
rer ist bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Diese setzt die 
naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus. Ei-
ne konkrete Gefahr oder Verletzung ist nicht verlangt (BGE 143 IV 508 E. 1.3; 
142 IV 92 E. 31; Urteile des Bundesgerichts 6B_300/2021 vom 14. Juli 2021 
E. 3.2.1 und 6B_505/2020 vom 13. Oktober 2020 E. 1.1.1). Subjektiv erfordert der 
Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrsregelwidriges 
Verhalten, das heisst ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindes-
tens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemei-
nen Gefährlichkeit seiner Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kommt aber 
auch in Betracht, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer 
pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. Die Annahme einer groben Verkehrsregel-
verletzung setzt in diesem Fall voraus, dass das Nichtbedenken der Gefährdung 
anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter 
anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses 
kann auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung frem-
der Interessen bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 
6B_505/2020 vom 13. Oktober 2020 E. 1.1.1). Je schwerer die Verkehrsregelver-
letzung objektiv wiegt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen 
sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorliegen. Die Annahme von Rück-
sichtslosigkeit im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG ist jedoch restriktiv zu handhaben, 
weshalb nicht unbesehen von einer objektiven auf eine subjektiv schwere Ver-
kehrsregelverletzung geschlossen werden darf. Nicht jede Unaufmerksamkeit, die 
wegen der Schwere des Erfolgs objektiv als gravierende Verletzung der Vorsichts-
pflicht zu betrachten ist, wiegt auch subjektiv schwer (BGE 142 IV 93 E. 3.1; zum 
Ganzen bisherigen Abschnitt Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2022 vom 9. Sep-
tember 2022 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Bei einer (eventual-)vorsätzlichen Missach-
tung der Verkehrsregeln stellt sich im Falle einer Anklage wegen grober Verkehrs-
regelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG zudem die Frage des Vorsatzes 
in Bezug auf die Gefährdung Dritter, nämlich ob der Täter eine erhöhte abstrakte 
Gefahr, eine darüber hinausgehende konkrete Gefährdung oder gar eine Verlet-
zung Dritter, das heisst eines Unfalls, in Kauf genommen hat oder ob diesbezüglich 

14

(bewusste) Fahrlässigkeit vorliegt. Der subjektive Tatbestand ist daher nicht bloss 
bezüglich der Verletzung der Verkehrsregeln, sondern auch hinsichtlich der damit 
einhergehenden Folgen bzw. der Risikoverwirklichung zu prüfen, wobei sich ein 
Eventualvorsatz sowohl auf die Inkaufnahme einer erhöhten abstrakten Gefahr als 
auch einer darüber hinausgehenden konkreten Gefahr oder gar einer Verletzung 
Dritter beziehen kann. Es wird in dieser Hinsicht von einem sogenannten «doppel-
ten Vorsatz» gesprochen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1235/2021 vom 
23. Mai 2022 E. 1.5.3 mit Hinweisen).

Gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG ist gegenüber allen Strassenbenützern ein ausrei-
chender Abstand einzuhalten, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim 
Neben- und Hintereinanderfahren. Diese Vorschrift wird durch Art. 12 Abs. 1 der 
Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) konkretisiert. Demnach hat der Fahr-
zeugführer beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand zu wahren, so 
dass er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs recht-
zeitig halten kann.

Was unter einem «ausreichenden Abstand» im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG zu 
verstehen ist, hängt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung von den gesam-
ten Umständen ab. Dazu gehören unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und 
Sichtverhältnisse sowie die Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge. Die Recht-
sprechung hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem 
Abstand in jedem Fall, das heisst auch bei günstigen Verhältnissen, eine einfache 
Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Im Sinne von Faustregeln wird für Per-
sonenwagen auf die Regel «halber Tacho» (entsprechend 1.8 Sekunden) und die 
«Zwei-Sekunden»-Regel abgestellt (BGE 131 IV 133 E. 3.1 mit Hinweisen). Für die 
Beurteilung, ob eine grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist, wird auf Au-
tobahnen als Richtschnur die Regel «1/6-Tacho» bzw. Abstand von 0.6 Sekunden 
herangezogen. Demnach liegt eine grobe Verkehrsregelverletzung vor, wenn der 
Abstand in Metern 1/6 der gefahrenen Geschwindigkeit unterschreitet bzw. der zeit-
liche Abstand weniger als 0.6 Sekunden beträgt (BGE 131 IV 133 E. 3.2.2; vgl. 
zum bisherigen Abschnitt Urteil des Bundesgerichts 6B_1139/2019 vom 
3. April 2020 E. 2.2 mit Hinweisen). Dies entspricht im Übrigen auch der Praxis des 
Obergerichts des Kantons Bern (vgl. Beschluss der Strafabteilungskonferenz vom 
16. Januar 2023, wonach bei einem zeitlichen Abstand von 0.6 Sekunden oder we-
niger in der Regel eine objektiv grobe Verkehrsregelverletzung vorliegt). Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann eine grobe Verkehrsregelverletzung zu-
dem bereits vorliegen, wenn der erforderliche Mindestabstand auf einer Strecke 
von weniger als 300 Metern unterschritten wird. Grundsätzlich ist von einer objektiv 
groben Verletzung der Verkehrsregeln auf ein zumindest grobfahrlässiges Verhal-
ten zu schliessen. Die Rücksichtslosigkeit ist ausnahmsweise zu verneinen, wenn 
besondere Umstände vorliegen, die das Verhalten subjektiv in einem milderen Licht 
erscheinen lassen (vgl. zum ganzen Abschnitt Urteil des Bundesgerichts 
1C_26/2018 vom 15. Juni 2018 E. 5.2 mit Hinweisen).

15

13. Subsumtion

Es ist beweismässig erstellt, dass der Beschuldigte auf einer Strecke von mindes-
tens 573 Metern mit einer Geschwindigkeit von 110 km/h und einem Abstand von 
lediglich 13 Metern (oder 0.43 Sekunden) hinter einem Personenwagen herfuhr. 
Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass bei Anwendung der Regel «halber 
Tacho» vorliegend ein Abstand von mindestens 55 Metern einzuhalten gewesen 
wäre, damit dieser als «ausreichend» im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG gelten 
könnte. Indem der Beschuldigte diesen Richtwert um ein Vielfaches unterschritten 
hat, kann im Einklang mit der Vorinstanz festgehalten werden, dass er bei einem 
Bremsmanöver des voranfahrenden Personenwagens nicht hätte anhalten können, 
ohne eine Kollision zu verursachen (pag. 217 f.; S. 11 f. der vorinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Mithin hat der Beschuldigte keinen ausreichenden Abstand zum 
voranfahrenden Personenwagen gewahrt und damit die Bestimmungen von Art. 34 
Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV verletzt.

Zudem hat der Beschuldigte auch die Regel «1/6-Tacho» bzw. den Abstand von 
0.6 Sekunden deutlich unterschritten. Da diese Regel bloss als Richtwert dient, ist 
nachfolgend anhand der konkreten Umstände zu prüfen, ob eine grobe Verkehrs-
regelverletzung vorliegt. Auf der SAT-SPEED-Aufnahme ist ersichtlich, dass die 
Sicht- und Witterungsverhältnisse zwar gut waren. Demgegenüber unterschritt der 
Beschuldigte den Richtabstand von 0.6 Sekunden deutlich um rund 30 % und über 
eine längere Distanz von mindestens 573 Metern. Überdies herrschte reges Ver-
kehrsaufkommen auf beiden Autobahnspuren. Neben dem Beschuldigten und dem 
ihm vorausfahrenden Personenwagen fuhr zunächst ein roter Personenwagen und 
anschliessend ein Lastwagen. Relativ nah hinter dem Beschuldigten fuhr ein weis-
ser Lieferwagen, jedoch mit ausreichendem Abstand für ein massvolles Bremsen 
des Beschuldigten (vgl. E. II.11.3 hiervor). Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte 
(pag. 219; S. 13 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung), wären die Insassen des 
roten Personenwagens, des weissen Lieferwagens sowie der weiteren nachfolgen-
den Fahrzeuge bei einem abrupten Bremsen des vorausfahrenden Personenwa-
gens unmittelbar durch das Ausweich- bzw. Bremsmanöver des Beschuldigten ge-
fährdet gewesen. Angesichts des derart geringen Abstands des Beschuldigten wä-
re dieser bei einem überraschenden Bremsmanöver des vorausfahrenden Perso-
nenwagens aber allenfalls gar nicht mehr in der Lage gewesen, rechtzeitig zu re-
agieren. Folglich ist nicht nur von einer erheblichen abstrakten Gefährdung der In-
sassen des roten Personenwagens, des weissen Lieferwagens und der weiteren 
nachfolgenden Fahrzeuge, sondern auch des bzw. der Insassen des vorausfah-
renden Personenwagens auszugehen. Gerade bei dichtem Auffahren (wie vorlie-
gend) ist jederzeit damit zu rechnen, dass der Lenker des vorderen Fahrzeugs in 
Bedrängnis geraten und aus diesem Grund unangemessen reagieren könnte (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1139/2019 vom 3. April 2020 E. 2.4.2). Im Einklang mit der 
Vorinstanz (pag. 219; S. 13 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung) vermögen die 
guten Sicht- und Witterungsverhältnisse die deutliche Unterschreitung des bundes-
gerichtlichen Richtwerts von 0.6 Sekunden um rund 30 % sowie die zu Ungunsten 
des Beschuldigten zu wertende Verkehrslage nicht aufzuwiegen. Der objektive 
Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist damit vorliegend erfüllt.

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In subjektiver Hinsicht erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte habe nicht absicht-
lich bzw. direkt- oder eventualvorsätzlich den notwenigen Abstand zum vorausfah-
renden Fahrzeug unterschritten, habe aber zu wenig auf das Manöver des voraus-
fahrenden Fahrzeugs reagiert. Lediglich den Tempomaten auszuschalten und 
Bremsbereitschaft zu erstellen, reiche nicht aus, um der konkreten Gefahr einer 
Kollision bei einem abrupten Bremsen des vorausfahrenden Fahrzeugs entgegen-
wirken zu können. Eine zumindest erhöht abstrakte Gefährdung habe deshalb vor-
gelegen. Um dieser entgegenzuwirken, hätte er ohne Weiteres bremsen können 
und müssen (wenn auch vorerst nur leicht, um den nachfahrenden Fahrzeuginsas-
sen zu warnen), um so rasch einen grösseren Abstand zu erhalten. Bevor die Mes-
sung begonnen habe, habe der Beschuldigte mithin 22 Sekunden Zeit gehabt, um 
einen grösseren Abstand einnehmen zu können bzw. zu bremsen. Eine von ihm 
geltend gemachte Vollbremsung wäre nicht nötig gewesen. Ein derartiges Nichtbe-
denken der Gefährdung Dritter durch eigenes Handeln sei als rücksichtslos zu be-
zeichnen. Der Beschuldigte habe gewusst, dass der Abstand zum vorausfahrenden 
Fahrzeug zu klein gewesen sei, er habe diese Gefährdung allerdings pflichtwidrig 
nicht bedacht, nicht aktiv gebremst und mithin grobfahrlässig gehandelt (pag. 220; 
S. 14 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung). Diesen Ausführungen kann sich die 
Kammer im Ergebnis nicht anschliessen. Wie bereits ausgeführt, ist auf der SAT-
SPEED-Aufnahme erkennbar, dass der Beschuldigte leicht links versetzt hinter 
dem vorausfahrenden Fahrzeug fuhr und die linken Räder seines Personenwagens 
dabei teilweise bereits auf der Sicherheitslinie waren (vgl. E. II.11.3 hiervor). Aus 
Sicht der Kammer muss aus diesem drängelnden Verhalten des Beschuldigten auf 
einen direkten Vorsatz in Bezug auf den viel zu geringen Abstand zum vorausfah-
renden Fahrzeug geschlossen werden. Als erfahrener Lenker hätte dem Beschul-
digten zudem bewusst sein müssen, dass mit der massiven Unterschreitung des 
Mindestabstands das erhebliche Risiko eines Verkehrsunfalls verbunden war. Sei-
ne Fahrweise ist damit als rücksichtslos im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG zu quali-
fizieren. Indem der Beschuldigte wissentlich und willentlich den Mindestabstand 
massiv unterschritt, hat er eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit der anderen 
Verkehrsteilnehmer zumindest in Kauf genommen. Somit ist auch der subjektive 
Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt.

Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind weder dargetan noch ersicht-
lich. Damit hat sich der Beschuldigte der groben Verkehrsregelverletzung nach 
Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig gemacht.

IV. Strafzumessung

14. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung kann auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 220 f.; S. 14 f. der vor-
instanzlichen Urteilsbegründung).

Wie bereits erwähnt, hat die Kammer das Verschlechterungsverbot nach Art. 391 
Abs. 2 StPO zu beachten. Die Gesamtstrafe darf daher insgesamt nicht höher als 
im angefochtenen Urteil ausfallen. Demgegenüber können in der Berechnung die 

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Strafanteile für die einzelnen Delikte auch mit höheren Werten eingesetzt werden, 
als sie von der Vorinstanz verwendet wurden, zumal sich das Verschlechterungs-
verbot nur auf das Ergebnis, mithin das Urteilsdispositiv, und nicht auf dessen Be-
gründung auswirkt (BGE 139 IV 282 E. 2.6).

15. Strafrahmen und Strafart

Wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Si-
cherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, wird nach Art. 90 Abs. 2 SVG mit 
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Die Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter sowie Staatsan-
wältinnen und Staatsanwälte (nachfolgend: VBRS-Richtlinien) sehen für grobe Fäl-
le von zu nahem Aufschliessen im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG eine Strafe ab 
12 Strafeinheiten bei einer Verbindungsbusse von mindestens CHF 500.00 vor 
(Ziff. 1/VIII/3.4 der VBRS-Richtlinien). Die Kammer ist nicht an diese Richtlinien ge-
bunden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2019 vom 8. August 2019 E. 4.3), 
sie können jedoch als Orientierungspunkte dienen.

Vorliegend kommt bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots nur eine Gelds-
trafe in Betracht.

16. Tatkomponenten

Betreffend die objektiven Tatkomponenten ist festzustellen, dass der Beschuldigte 
auf einer Strecke von mindestens 573 Metern mit einer Geschwindigkeit von 
110 km/h und einem Abstand von 13 Metern (oder 0.43 Sekunden) hinter einem 
Personenwagen herfuhr. Damit hat er nicht nur den Mindestabstand zum voraus-
fahrenden Personenwagen massiv und über eine längere Distanz unterschritten, 
sondern der Abstand liegt gar rund 30 % unter dem vom Bundesgericht festgeleg-
ten Richtwert von 0.6 Sekunden, ab welchem in der Regel eine grobe Verkehrsre-
gelverletzung anzunehmen ist. Wie bereits ausgeführt herrschte zudem reges Ver-
kehrsaufkommen auf beiden Autobahnspuren und der Beschuldigte gefährdete die 
Insassen mehrerer Fahrzeuge. Indes sind in Einklang mit der Vorinstanz (pag. 221; 
S. 15 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung) auch noch weit schwerere Bege-
hungsvarianten denkbar und dem Beschuldigten kann keine besondere kriminelle 
Energie vorgeworfen werden. Mit Blick auf den weiten Strafrahmen ist das objekti-
ve Tatverschulden des Beschuldigten als leicht zu qualifizieren. Die Kammer erach-
tet eine Einstiegsstrafe von 20 Strafeinheiten als angemessen.

Der Beschuldigte handelte in Bezug auf die Unterschreitung des Mindestabstands 
direktvorsätzlich und betreffend die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer even-
tualvorsätzlich. Vorsätzliches und rücksichtsloses Handeln sind indes tatbestands-
immanent und wirken in Bezug auf die subjektiven Tatkomponenten nicht verschul-
denserhöhend. Im Weiteren sind keine besonderen Beweggründe ersichtlich, die 
verschuldenserhöhend oder -reduzierend zu berücksichtigen wären. Die Tat wäre 
sodann ohne Weiteres vermeidbar gewesen, indem der Beschuldigte nach dem 
Spurwechsel des anschliessend vor ihm fahrenden Personenwagens nicht bloss 
den Tempomaten rausnehmen und Bremsbereitschaft erstellen, sondern die Ge-

18

schwindigkeit angemessen hätte reduzieren können, um einen grösseren Abstand 
zu schaffen. Die subjektiven Tatkomponenten wirken sich neutral aus.

Insgesamt ist das Tatverschulden als leicht zu beurteilen. Die Kammer erachtet 
20 Strafeinheiten als dem Tatverschulden des Beschuldigten angemessen.

17. Täterkomponenten

Zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist fest-
zuhalten, dass dieser Staatsangehöriger Afghanistans ist und seit über 30 Jahren 
in der Schweiz lebt (pag. 291 und pag. 124 Z. 17). Er ist seit über 20 Jahren in der 
G.________ (Arbeitsgebiet) tätig und führt gemeinsam mit seiner Ehefrau die 
H.________ Sàrl (pag. 119 Z. 20 f.; pag. 120 Z. 21). Er hat zwei Kinder (pag. 291). 
Gemäss eigenen Angaben beläuft sich sein monatliches Nettoeinkommen auf 
CHF 5'000.00 und er hat Schulden im Umfang von CHF 250'000.00, u.a. aus 
COVID-Krediten (pag. 292). Den Führerausweis besitzt der Beschuldigte seit 1997 
(pag. 124 Z. 18). Während die Vorinstanz gestützt auf den Strafregisterauszug des 
Beschuldigten vom 4. Oktober 2021 (pag. 50 f.) noch von insgesamt drei einschlä-
gigen Vorstrafen ausging (vgl. pag. 222; S. 16 der vorinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung), ist seinem Strafregisterauszug vom 23. August 2023 nur noch eine Vorstrafe 
vom 26. August 2013 zu entnehmen (pag. 294). Sodann berücksichtigte die Vor-
instanz vier Einträge betreffend Administrativmassnahmen, welche sich auch der 
IVZ Übersicht Administrativmassnahmen vom 23. August 2023 (pag. 296) entneh-
men lassen. Gemäss Art. 369 aStGB waren Urteile mit Geldstrafen und/oder Bus-
sen im Strafregister von Amtes wegen nach zehn Jahren zu entfernen (Abs. 3), 
wobei das entfernte Urteil dem Betroffenen nicht mehr entgegengehalten werden 
durfte (Abs. 7). Gemäss Urteil des Bundesgerichts 6B_83/2010 vom 8. Juli 2020 
E. 4.5 war das Verwertungsverbot im Rahmen der Strafzumessung auch auf ver-
knüpfte Daten anzuwenden, womit im ADMAS-Auszug enthaltene Führerausweis-
entzüge, die sich auf entfernte Strafurteile bezogen, für die Beurteilung des auto-
mobilistischen Leumunds nicht herangezogen werden durften (vgl. diesbezüglich 
auch ARNOLD/GRUBER, in: Basler Kommentar Strafgesetzbuch, 4. Aufl., N. 7 zu 
Art. 369 StGB). Obwohl sich das Bundesgericht – soweit ersichtlich – bisher nicht 
ausdrücklich zur Frage geäussert hat, wie vorzugehen ist, wenn die Fristen für das 
Verwertungsverbot für einzelne Urteile erst während des Rechtsmittelverfahrens 
ablaufen (vgl. ARNOLD/GRUBER, a.a.O., N. 7 zu Art. 369 StGB), ist nach konstanter 
Praxis der Fristablauf zwischen erst- und oberinstanzlichem Urteil zu beachten (vgl. 
Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 22 558 vom 3. April 2023 E. III.12.2.1 
mit Hinweisen). Am 23. Januar 2023 trat das Bundesgesetz über das Strafregister-
Informationssystem VOSTRA (Strafregistergesetz [StReG]; SR 330) in Kraft, wel-
ches für Bussen und Geldstrafen neu eine Entfernungsfrist von 15 Jahren vorsieht 
(Art. 30 Abs. 2 Bst. d StReG). Zudem sieht das neue Strafregisterrecht kein Ver-
wertungsverbot für entfernte Urteile vor, da ein solches sachlich nicht gerechtfertigt 
und kaum durchsetzbar sei (vgl. Botschaft zum Strafregistergesetz vom 20. Ju-
ni 2014, BBl 2014 5713, 5724 und 5776 ff.). Gemäss dem in Art. 2 Abs. 1 StGB 
normierten strafrechtlichen Rückwirkungsverbot, das auch für Partialrevisionen und 
auf dem Gebiet des Nebenstrafrechts gilt (vgl. POPP/BERKEMEIER, in: Basler Kom-
mentar Strafgesetzbuch, 4. Aufl., N. 4 zu Art. 2 StGB), ist eine Tat nach demjeni-

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gen Recht zu beurteilen, das im Zeitpunkt der Begehung in Kraft stand 
(POPP/BERKEMEIER, a.a.O., N. 11 zu Art. 2 StGB). Nach dem lex-mitior-Grundsatz 
von Art. 2 Abs. 2 StGB ist indes das neuere Recht rückwirkend auf frühere Taten 
anzuwenden, wenn es für den Täter das mildere ist. Nach dem neuen Strafregister-
recht wären dem Beschuldigten die im Strafregisterauszug vom 4. Oktober 2021 
verzeichneten Urteile vom 15. Juni 2012, 20. Dezember 2012 und 26. August 2013 
(pag. 50 f.) bzw. das im Strafregisterauszug vom 23. August 2023 verzeichnete Ur-
teil vom 26. August 2013 (pag. 294) anzulasten. Demgegenüber wären die genann-
ten Urteile nach altem Recht nicht mehr zu berücksichtigen, weshalb das neue 
Recht für den Beschuldigten nicht milder ist. Folglich ist das alte Recht, namentlich 
Art. 369 Abs. 3 und Abs. 7 aStGB, anzuwenden. Demnach sind vorliegend weder 
die Urteile vom 15. Juni 2012, 20. Dezember 2012 und 26. August 2013 noch die 
sich auf diese Urteile beziehenden Administrativmassnahmen (vgl. pag. 296 ff.) zu 
berücksichtigen. Die daraus resultierende Vorstrafenlosigkeit wirkt sich neutral aus.

Das Verhalten des Beschuldigten im Strafverfahren ist nicht zu beanstanden, was 
neutral ins Gewicht fällt.

Hinsichtlich der Strafempfindlichkeit gilt zu erwähnen, dass der drohende Entzug 
des Führerausweises für jemanden, der berufsbedingt auf das Auto angewiesen 
ist, nicht per se eine erhöhte Strafempfindlichkeit impliziert (vgl. Urteil des Bunde-
gerichts 6B_749/2017 vom 12. Februar 2018 E. 3.3). In Einklang mit der Vorinstanz 
(pag. 223; S. 17 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung) ist die Strafempfindlichkeit 
des Beschuldigten auch in Anbetracht dessen, dass er sein Fahrzeug bei einem all-
fälligen Entzug des Führerausweises nicht mehr für seine Arbeitstätigkeit benutzen 
dürfte, als durchschnittlich zu bezeichnen und damit als neutral zu werten.

Insgesamt wirken sich die Täterkomponenten neutral aus.

18. Konkretes Strafmass

Zusammenfassend resultiert für den Schuldspruch wegen grober Verletzung der 
Verkehrsregeln eine Strafe von 20 Strafeinheiten.

19. Vollzugsform und Tagessatzhöhe

Bereits mit Blick auf das Verschlechterungsverbot ist die Strafe als Geldstrafe aus-
zusprechen, der bedingte Strafvollzug zu gewähren und die Probezeit auf das ge-
setzliche Minimum von zwei Jahren festzusetzen. Im Übrigen kann diesbezüglich 
vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 224; S. 18 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung).

Ein Tagessatz beträgt in der Regel mindestens CHF 30.00 und höchstens 
CHF 3'000.00. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persön-
lichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, na-
mentlich nach dem Einkommen und Vermögen, dem Lebensaufwand, allfälligen 
Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 
Abs. 2 StGB).

Im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Hauptverhandlung verdienten der Beschuldigte 
und seine Ehefrau gemäss eigenen Angaben je CHF 4'500.00 netto pro Monat 

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(pag. 119 Z. 30 f.; pag. 190 Z. 23 f.). Unter Berücksichtigung eines Pauschalabzugs 
von 25 % und eines Unterstützungsabzugs für die zwei Kinder von 15 % respektive 
12.5 % legte die Vorinstanz die Höhe des Tagessatzes auf CHF 80.00 fest 
(pag. 223; S. 17 der vorinstanzlichen Urteilsbegründung).

Gemäss Formular «Erhebung wirtschaftliche Verhältnisse» vom 4. August 2023 be-
trägt das monatliche Nettoeinkommen des Beschuldigten und seiner Ehefrau nun 
je CHF 5'000.00. Zudem gab der Beschuldigte an, Schulden in Höhe von 
CHF 250'000.00 zu haben, u.a. aus COVID-Krediten (pag. 262). Zumal es sich bei 
den Schulden aus COVID-Krediten um Geschäftsschulden seiner GmbH handeln 
dürfte und der Anteil der privaten Schulden weder beziffert noch belegt ist, sind die 
Schulden im Rahmen der Berechnung des Tagessatzes nicht zu berücksichtigen. 
Demgegenüber berücksichtigt die Kammer, wie bereits die Vorinstanz, einen Pau-
schalabzug von 25 % sowie Unterstützungsabzüge von 15 % für das erste und 
12.5 % für das zweite Kind des Beschuldigten. Unter Berücksichtigung dieser Ab-
züge resultiert bei einem monatlichen Nettoeinkommen von CHF 5'000.00 eine Ta-
gessatzhöhe von CHF 90.00. Wie bereits erwähnt, ist die Kammer bei einer Ver-
besserung der finanziellen Verhältnisse nach dem erstinstanzlichen Urteil hinsicht-
lich der Höhe des Tagessatzes nicht an das Verschlechterungsverbot gebunden 
(E. I.5 hiervor).

20. Verbindungsbusse

In Einklang mit der Vorinstanz (pag. 22 4 f.; S. 18 f. der vorinstanzlichen Urteilsbe-
gründung) erscheint das Aussprechen einer Verbindungsbusse im Sinne einer 
Denkzettelfunktion und mit Blick auf die Schnittstellenproblematik (unbedingte Bus-
se bei einer Verurteilung gestützt auf Art. 90 Abs. 1 SVG) als angezeigt.

Geldstrafe und Verbindungsbusse müssen zusammen eine schuldangemessene 
Sanktion darstellen, das heisst die Gesamtzahl der Tagessätze hat dem Verschul-
den des Täters zu entsprechen. Es ist nicht zulässig, über die nach dem Tat-
schuldprinzip bemessene Strafe aus Gründen der Generalprävention hinauszuge-
hen. Auch soll die Strafenkombination nicht etwa zu einer Straferhöhung führen 
(BGE 134 IV 60 E. 7.3.2 mit Hinweisen). Um dem akzessorischen Charakter der 
Verbindungsstrafe gerecht zu werden, hat das Bundesgericht die Obergrenze 
grundsätzlich auf einen Fünftel bzw. 20 % festgelegt (BGE 146 IV 145 E. 2.2; 
135 IV 188 E. 3.4.4). Abweichungen von dieser Regel sind im Bereich tiefer Strafen 
denkbar, um sicherzustellen, dass der Verbindungsstrafe nicht lediglich eine sym-
bolische Bedeutung zukommt (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4). Im kürzlich ergangenen 
BGE 149 IV 321 präzisierte das Bundesgericht diese Rechtsprechung und legte 
fest, die Verbindungsbusse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB dürfe höchstens ei-
nen Fünftel bzw. 20 % der in der Summe schuldangemessenen Sanktion – beste-
hend aus einer bedingt ausgesprochenen Hauptstrafe kombiniert mit einer Verbin-
dungsbusse – betragen (E. 1.3.2 des hiervor genannten Bundesgerichtsentscheids; 
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1227/2023 vom 10. Januar 2024 E. 4.2.1).

Angesichts dieser Präzisierung geht die Kammer davon aus, dass vorliegend trotz 
der tiefen Strafe die Obergrenze von 20 % einzuhalten ist. Entsprechend sind 
vier Strafeinheiten von der verschuldensangemessenen Strafe von 20 Strafeinhei-

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ten auszuscheiden und als Verbindungsbusse auszusprechen, was bei einer Ta-
gessatzhöhe von CHF 90.00 einer Verbindungsbusse von CHF 360.00 entspricht. 
Die Ersatzfreiheitsstrafe beträgt damit einhergehend vier Tage (entsprechend der 
Reduktion der Anzahl Tagessätze; vgl. BGE 134 IV 60 E. 7.3.3).

21. Fazit Geldstrafe und Verbindungsbusse / Verschlechterungsverbot

Nach dem Gesagten wäre der Beschuldigte zu einer bedingt zu vollziehenden 
Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu CHF 90.00, ausmachend CHF 1'440.00, bei ei-
ner Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Verbindungsbusse von CHF 360.00 
zu verurteilen und die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der 
Verbindungsbusse wäre auf vier Tage festzusetzen.

In Beachtung des Verschlechterungsverbots resultiert demgegenüber eine bedingt 
zu vollziehende Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu CHF 90.00, ausmachend 
CHF 1'080.00, bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine Verbindungsbusse 
von CHF 360.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der 
Verbindungsbusse ist aufgrund des Verschlechterungsverbots auf drei Tage fest-
zusetzen.

V. Kosten und Entschädigung

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die erstinstanzlichen 
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens 
tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 
Abs. 1 StPO).

Die erstinstanzlichen Kosten von CHF 3'855.00 werden bestätigt und gehen infolge 
des Schuldspruchs zu Lasten des Beschuldigten. Die oberinstanzlichen Verfah-
renskosten werden bestimmt auf CHF 2'000.00 (Art. 5 i.V.m. Art. 24 Bst. a Verfah-
renskostendekret [VKD; BSG 161.12]) und dem unterliegenden Beschuldigten zur 
Bezahlung auferlegt.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht dem Beschuldigten keine Entschädi-
gung zu (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).

22

VI. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt

der groben Verkehrsregelverletzung, begangen am 4. Dezember 2020 um 11:24 Uhr 
auf der Autobahn A1 Ost, Lyssach, Fahrtrichtung Kirchberg, durch Nichtwahren eines aus-
reichenden Abstandes

und in Anwendung der Artikel

34, 42 Abs. 1 und 4, 44, 47, 106 StGB
34 Abs. 4, 90 Abs. 2 SVG
12 Abs. 1 VRV
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu CHF 90.00, ausmachend total 
CHF 1'080.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-
setzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 360.00.

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird auf 3 Tage festgesetzt.

3. Zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 3'855.00.

4. Zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2'000.00.

II.

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (Urteil mit Begründung; nach unbenutztem Ablauf 

der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)
- der Migrationsbehörde des Kantons Waadt (nur Dispositiv; innert 10 Tagen)

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- dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Waadt (Urteil mit Begrün-
dung; nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der 
Rechtsmittelbehörde)

Bern, 7. Juni 2024 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Wuillemin

Die Gerichtsschreiberin:

Walthard

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.