# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7b585ac-88d3-597c-8eba-ac4c544efcc5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-18
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 18.09.2023 VBE.2022.329
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-329_2023-09-18.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.329 / lf / sc 
Art. 99 

 

 

Urteil vom 18. September 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Merkofer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

vertreten durch Dr. iur. André Largier, Rechtsanwalt, 

Stampfenbachstrasse 42, Postfach, 8021 Zürich 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 3. August 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1.      

Der 1969 geborene und zuletzt als Gerüstmonteur tätig gewesene Be-

schwerdeführer ist bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch gegen die 

Folgen von Unfällen versichert. Am 22. Februar 2020 fiel er beim Baum-

schneiden aus cirka zwei Metern Höhe von einer Leiter auf den Rücken. 

Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht für die Unfallfol-

gen und richtete die entsprechenden Versicherungsleistungen in Form von 

Taggeld und Heilbehandlung aus. Mit Verfügung vom 4. Oktober 2021 

schloss sie den Fall per 18. April 2021 ab und stellte die Versicherungsleis-

tungen ein. Daran hielt sie nach der Durchführung des Einspracheverfah-

rens mit Einspracheentscheid vom 3. August 2022 fest.  

 

2. 

2.1. 

Am 13. September 2022 erhob der Beschwerdeführer innert der durch die 

Gerichtsferien verlängerten Frist Beschwerde beim Versicherungsgericht 

des Kantons Aargau und beantragte Folgendes: 

 

"1. Der Einspracheentscheid vom 3. August 2022 sei aufzuheben.  
 
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistun-

gen auszurichten.  
 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg-
nerin (inkl. 7.7 % MwSt.)." 

 

2.2. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 6. Oktober 

2022 die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Replik vom 20. Oktober 2022 reichte der Beschwerdeführer Berichte 

von Dr. med. B._____, Facharzt für Radiologie, Spital C._____, ein und 

hielt an seinen Rechtsbegehren vollumfänglich fest. 

 

2.4. 

Am 16. November 2022 duplizierte die Beschwerdegegnerin. Sie hielt 

ebenfalls an ihren Rechtsbegehren vollumfänglich fest und reichte eine 

ärztliche Beurteilung von Dr. med. univ. D._____, praktischer Arzt der Ab-

teilung Versicherungsmedizin der Beschwerdegegnerin, vom 7. November 

2022 ein.  

 

 - 3 - 

 

 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 13. April 2023 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht 

von PD Dr. med. E._____, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabi-

litation sowie für Rheumatologie, vom 3. April 2023 zu den Akten. 

 

2.6. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 1. Mai 2023 wurde der Be-

schwerdeführer aufgefordert, die im Bericht von PD Dr. med. E._____ vom 

3. April 2023 erwähnten, aber sich nicht in den Akten befindenden Berichte 

nachzureichen. Dem kam der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Mai 

2023 nach. 

 

2.7. 

Mit Eingabe vom 8. Mai 2023 reichte die Beschwerdegegnerin eine weitere 

ärztliche Beurteilung von Dr. med. univ. D._____ vom 4. Mai 2023 und die 

von ihr zusätzlich eingeholten Arztberichte ein und beantragte weiterhin die 

Abweisung der Beschwerde. 

 

2.8. 

Am 30. Mai 2023 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellung-

nahme ein. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1.      

Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. August 2022 hielt die Be-

schwerdegegnerin fest, die unfallbedingten organisch nachgewiesenen 

Verletzungen an den Dornfortsätzen BWK 3 und 12 seien folgenlos verheilt. 

Bezüglich der organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden 

habe – soweit sie nicht mit degenerativen Veränderungen zu erklären seien 

– eine eigenständige Adäquanzprüfung Platz zu greifen. Da keines der 

massgebenden Adäquanzkriterien erfüllt sei, sei die Adäquanz zwischen 

dem Leitersturz vom 22. Februar 2020 und den über den Fallabschluss per 

18. April 2021 hinaus persistierenden Beschwerden zu verneinen. Zusam-

menfassend habe der Beschwerdeführer somit keinen Anspruch auf Leis-

tungen der Unfallversicherung (Vernehmlassungsbeilage [VB] 178). Der 

Beschwerdeführer rügt (zum Rügeprinzip: BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f., 

110 V 48 E. 4a S. 52 f.) im Wesentlichen die Verletzung des Untersu-

chungsgrundsatzes. Der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abge-

klärt; insbesondere sei nicht geklärt worden, wie sich eine neu diagnosti-

zierte Fraktur BWK 11 auf den Heilungsverlauf auswirke.  

 

 - 4 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG (Art. 6 Abs. 1 

UVG) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem 

eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal-

zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzu-

sammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der einge-

tretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. 

nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 

E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 

129 V 402 E. 4.3.1 S. 406). 

 

2.2. 

Neben dem natürlichen Kausalzusammenhang setzt die Leistungspflicht 

des Unfallversicherers voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem 

eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. 

Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache ei-

nes Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er-

folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfol-

ges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 

V 177 E. 3.2 S. 181; 129 V 402 E. 2.2 S. 405; 125 V 456 E. 5a S. 461 f.). 

 

Im Sozialversicherungsrecht spielt die Adäquanz als rechtliche Eingren-

zung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden 

Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiese-

ner Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitge-

hend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit 

Hinweis auf BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Anders verhält es sich bei 

natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Be-

schwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen 

Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbe-

zogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit Hinweis 

unter anderem auf BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). Bei psychischen Fehl-

entwicklungen nach Unfall werden diese Adäquanzkriterien unter Aus-

schluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140; so-

genannte Psycho-Praxis), während bei Schleudertraumen und äquivalen-

ten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen auf eine Differen-

zierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet 

wird (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit Hinweisen; sogenannte Schleuder-

trauma-Praxis [BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130]). 

 

Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des 

Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Orga-

nisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen liegen vor, wenn die erhobenen 

Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden 

 - 5 - 

 

 

 

(BGE 134 V 109 E. 9 S. 122, 117 V 359 E. 5d/aa S. 363; SVR 2007 UV 

Nr. 25 S. 81 mit Hinweisen, U 479/05 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 

8C_806/2007 vom 7. August 2008 E. 8.2 mit weiteren Hinweisen). 

 

3. 

3.1. 

Am 22. Februar 2020 fiel der Beschwerdeführer aus cirka zwei Metern 

Höhe von einer Leiter auf den Rücken. Die Bildgebung (Röntgen, CT) 

zeigte neben degenerativen Veränderungen Processus spinosus-Fraktu-

ren von BWK 3 und BWK 12 (Schadenmeldung UVG [VB 1], Bericht des 

Kantonsspitals F._____ über Notfallkonsultation vom 24. Februar 2020 

[VB 7]). Gestützt auf die SPECT-Untersuchung vom 24. September 2020 

waren gemäss dem Bericht des Kantonsspitals F._____ vom 23. Oktober 

2020 die BWK 3- und BWK 12-Frakturen konsolidiert. Es bestehe kein wir-

belsäulenchirurgisches Korrelat für die Beschwerden. Diese seien am 

ehesten muskuloskelettal erklärbar (VB 59). Kreisarzt Dr. med. univ. 

D._____ führte mit Bericht vom 30. Juli 2021 aus, von somatischer Seite 

sei durch weitere Behandlung keine relevante Verbesserung des unfallbe-

dingten Gesundheitszustandes mehr zu erwarten. Aufgrund der objektivier-

baren Befunde sollte auch in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gerüst-

bauer wieder eine ganztägige Arbeitsfähigkeit seit Mitte Herbst 2020 gege-

ben sein. Bei der Durchsicht des SPECT-CT BWS/LWS vom September 

2020 hätten sich reizlose ossäre Verhältnisse bei Status post isolierter Pro-

cessus spinosi Fraktur BWK 3 und 12 ohne Dislokation gezeigt. Die Abhei-

lung sei zu diesem Zeitpunkt nachgewiesen (VB 133).  

 

3.2. 

Am 16. November 2021 diagnostizierte Dr. med. G._____, Facharzt für Or-

thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates vom 

Spital C._____, neu einen Status nach Chance-Fraktur BWK 11 nach Lei-

tersturz vom 22. Februar 2020 (VB 149). Dr. med. D._____ veranlasste 

eine Zweitbeurteilung der gesamten Röntgendokumentation, welche 

Dr. med. H._____, Facharzt für Radiologie, Q._____, am 18. Januar 2022 

erstattete (VB 160). Dieser führte bezüglich Change-Fraktur aus, insbeson-

dere der Wirbelkörper TH11 stelle sich im Verlauf unverändert dar, ohne 

Hinweis für stattgehabte querverlaufende Fraktur wie es im Rahmen einer 

Change-Fraktur zu erwarten/gefordert sei.   

 

3.3. 

In der ärztlichen Beurteilung vom 26. Juli 2022, welche die medizinische 

Grundlage des angefochtenen Einspracheentscheids vom 3. August 2022 

bildete, führte Kreisarzt Dr. med. D._____ aus, in der CT-Untersuchung 

vom 24. Februar 2020 (zwei Tage nach dem Ereignis) fände sich kein wie 

immer gearteter Hinweis auf eine Fraktur BWK 11, weder in den sagittalen 

noch in den coronaren Schichten. Gleiches gelte für das MRI vom 27. Feb-

ruar 2020 (fünf Tage nach dem Ereignis), in welchem sich ebenfalls keine 

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Signalanhebung als Hinweis auf eine mögliche Fraktur von BWK 11 finde. 

Die Dornfortsatzfrakturen BWK 3 und BWK 12 seien in guter Stellung fol-

genlos verheilt. Über die gesamte Wirbelsäule bestünden vorbestehende 

degenerative Veränderungen, die möglicherweise zu belastungsabhängi-

gen Beschwerden führten. Von Seiten der erlittenen unfallbedingten Frak-

turen (BWK 3 und 12) sei keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach-

vollziehbar ausgewiesen (VB 175).  

 

3.4. 

Im Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdeführer mit Replik vom 

20. Oktober 2022 Berichte von Dr. med. B._____ ein. Im Zusatzbefund vom 

21. Dezember 2021 zur Funktionsmyelographie der gesamten Wirbelsäule 

vom 9. Dezember 2021 hielt dieser fest, bei den Höhenminderungen von 

BWK 11 und 12 handle es sich nicht um eine frische Fraktur. Bei der Beur-

teilung führte er "Bekannte Fraktur BWK 11" auf. Ferner bestehe kein 

Nachweis einer spinalen Stenose oder einer Verengung der Neuroforamina 

in den Funktionsaufnahmen (Beschwerdebeilage 3).  

 

3.5. 

Dr. med. D._____ nahm daraufhin in der ärztlichen Beurteilung vom 7. No-

vember 2022 (eingereicht mit der Duplik vom 16. November 2022) ausführ-

lich Stellung zur Frage, ob unfallbedingt eine BWK 11-Fraktur vorliege. 

Eine Chance-Fraktur resultiere aus einer Beuge-/Distraktionsverletzung 

der Wirbelsäule, was nicht dem vorliegenden Unfallmechanismus entspre-

che. Die echtzeitlichen Bildgebungen, die Dr. med. B._____ nicht vorgele-

gen hätten (CT der BWS vom 24. Februar 2020 und MRI vom 27. Februar 

2020), hätten bereits diskrete Höhenminderungen BWK 11 und 12 gezeigt 

und gäben keine Hinweise auf eine stattgehabte Fraktur der Vorderkanten 

BWK 11 und 12. Die Bildgebungen seien von verschiedenen Radiologen 

beurteilt worden, ohne dass eine Fraktur des BWK 11 festgestellt worden 

sei. Dr. med. univ. D._____ begründete sodann gestützt auf die CT-Doku-

mentation vom 24. Februar 2020 und die MRI-Dokumentation vom 27. Feb-

ruar 2020 ausführlich, dass es keine Hinweise auf eine unfallbedingte Ver-

letzung von BWK 11, insbesondere keine Verletzung im Sinne einer 

Chance-Fraktur, gebe. Eine Chance-Fraktur BWK 11 sei aufgrund der echt-

zeitlichen Dokumentation auszuschliessen. 

 

3.6. 

In dem vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. April 2023 eingereich-

ten Bericht vom 3. April 2023 hielt Dr. med. E._____ fest, vor dem Unfall 

habe der Beschwerdeführer keine Anamnese mit Schmerzen im Bereich 

der BWS oder LWS gehabt. Seit dem Unfall habe er kontinuierlich Schmer-

zen. Aufgrund der Untersuchungen im Zentrum I._____ seien die Ärzte zur 

Diagnose von nozizeptiven Schmerzen gekommen. Auch nach Abheilung 

einer Fraktur könnten diese Schmerzen persistieren, dies sei bekannt von 

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anderen Patienten mit Status nach Wirbelkörperfraktur sowohl bei trauma-

tischer Genese wie auch bei Osteoporose. Hinweise für eine Aggravation 

oder Simulation würden nicht bestehen. Wichtig sei zu erwähnen, dass 

beim Beschwerdeführer keine vorbestehende Osteoporose bestehe. Das 

Unfallgeschehen sei adäquat, um die dokumentierten Verletzungen herbei-

zuführen. In diesem Sinne sei das Schmerzbild klar unfallkausal und nicht 

krankheitsbedingt. Er schliesse sich der Beurteilung des Zentrums I._____ 

an, dass es sich um nozizeptive Schmerzen handle und nicht um reaktive 

psychogene Schmerzen. 

 

3.7. 

Dr. med. univ. D._____ führte in seiner ärztlichen Beurteilung vom 4. Mai 

2023 (eingereicht mit Eingabe vom 8. Mai 2023) aus, bezüglich der nun-

mehr neu vorgebrachten nozizeptiven Schmerzen als Ursache für die vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden sei festzuhalten, dass 

die Reizaufnahme durch Nozizeptoren ein objektiver und bei Gesunden im-

mer ähnlicher Reiz sei. Die Schmerzwahrnehmung sei hingegen eine sub-

jektive Empfindung, die interindividuell höchst unterschiedlich sei. Die Be-

zeichnung nozizeptive Schmerzen lasse keinen Rückschluss darauf zu, ob 

diese krankheitsbedingt und/oder unfallbedingt seien und insbesondere, ob 

der empfundene Schmerz adäquat zur Auslösung sei. Ursache für das im 

vorliegenden Fall zu diskutierende Schmerzempfinden sei jedoch kein no-

zizeptiver Schmerz im eigentlichen Sinn. Diese Reaktionen seien typisch 

für noziplastische Schmerzen (chronischer Schmerz), wie dies auch kor-

rekterweise im Bericht des Schmerzzentrums des Zentrums I._____ fest-

gehalten werde. Bei noziplastischen Schmerzen fände sich wie im vorlie-

genden Fall weder eine Gewebeschädigung noch eine Läsion im somato-

sensorischen Nervensystem (vgl. ärztliche Beurteilung vom 4. Mai 2023 S. 

5). Abgesehen von einer Schmerzchronifizierung mit diffusen Schmerzan-

gaben würden vor allem auch unfallunabhängige Befunde bestehen, wel-

che eine gewisse Schmerzproblematik erklären könnten (vgl. ärztliche Be-

urteilung vom 4. Mai 2023 S. 6). Ursache für die überproportional empfun-

denen Schmerzen seien überwiegend wahrscheinlich nur noch aus-

schliesslich die unfallunabhängigen, vorbestehenden, teils ausgeprägten, 

degenerativen Veränderungen der gesamten Wirbelsäule, welche als Trig-

ger fungieren würden (vgl. ärztliche Beurteilung vom 4. Mai 2023 S. 9). 

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf 

es verlässlicher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Hinsichtlich des 

Beweiswerts eines Arztberichts ist massgebend, ob er für die streitigen Be-

lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-

klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

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abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-

hänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol-

gerungen des Experten begründet und nachvollziehbar sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232).  

 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. 

und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.1.2. 

Auch ein reines Aktengutachten kann voll beweistauglich sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

4.2. 

Vorab ist festzustellen, dass die Rüge betreffend die Fachkompetenz von 

Dr. med. univ. D._____ ins Leere stösst. Rechtsprechungsgemäss sind die 

Ärzte der Beschwerdegegnerin Fachärzte im Bereich der Unfallmedizin und 

verfügen – unabhängig von ihrem ursprünglich erworbenen Facharzttitel – 

über besonders ausgeprägte traumatologische Kenntnisse und Erfahrun-

gen (Urteil des Bundesberichts 8C_480/2021 vom 6. Dezember 2021 

E. 4.2.1). 

 

4.3. 

4.3.1. 

Ausweislich der Akten zog sich der Beschwerdeführer am 22. Februar 2020 

Processus spinosus-Frakturen von BWK 3 und BWK 12 zu. Die Frakturen 

waren am 24. September 2020 konsolidiert (vgl. E. 3.1. hiervor; Bericht 

über die SPECT-Untersuchung vom 24. September 2020 [VB 60]: "kom-

plett ausgeheilt"). Das wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten und es 

liegen keine medizinischen Berichte in den Akten, die dem widersprechen.  

 

 - 9 - 

 

 

 

4.3.2. 

Dr. med. univ. D._____ erachtete mit Blick auf die Frakturen eine ganztä-

gige Arbeitsfähigkeit als Gerüstbauer cirka Mitte Herbst 2020 wieder als 

gegeben. Es zeigten sich bei Durchsicht des SPECT-CT-BWS/LWS von 

September 2020 reizlose ossäre Verhältnisse; die Abheilung sei zu diesem 

Zeitpunkt nachgewiesen (Stellungnahme vom 29. Juli 2021 [VB 133], ärzt-

liche Beurteilung vom 26. Juli 2022 [VB 175 S. 2]). Dr. med. univ. D._____ 

stützte sich somit bei der Frage, wann die Unfallfolgen geheilt waren, nicht 

auf Erfahrungswerte, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht, son-

dern auf den Bericht der SPECT-Untersuchung vom 24. September 2020 

(VB 60). 

  

4.3.3. 

Mit dem aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen vollständig 

abgeklärten Sachverhalt war eine Aktenbeurteilung zulässig (vgl. E. 4.1.2. 

hiervor) und wie dargelegt, waren die Frakturen von BWK 3 und BWK 12 

im September 2020 ausgeheilt. Es liegt kein ärztlicher Bericht vor, welcher 

der Beurteilung von Dr. med. univ. D._____ widerspricht. Somit sind daran 

keine auch nur geringen Zweifel ersichtlich. Abgesehen davon ist zu beto-

nen, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen erst per 18. Mai 2021 

einstellte, sie also Leistungen weit über den Herbst 2020 hinaus erbrachte. 

 

4.4. 

4.4.1. 

Die Diagnose einer stattgehabten Chance-Fraktur von BWK 11 erscheint 

in den Akten erstmals im Bericht von Dr. med. G._____ vom 16. November 

2021. In der Beurteilung hält er fest, die (persistierenden) Beschwerden 

seien aus seiner Sicht "am ehesten" durch die leichte Spinalkanalstenose 

bei Status nach Chance-Fraktur BWK 11 bedingt. Weitere Untersuchun-

gen, auch radiologische, stünden an (VB 149). In der Folge veranlasste er 

eine Funktionsmyelographie der gesamten Wirbelsäule. Die Fragestellung 

wurde mit Dr. med. B._____ besprochen, welcher im Bericht vom 9. De-

zember 2021 (VB 173) bei den klinischen Angaben (u.a.) "St. n. Chance 

FX TH 11" notierte. Bei der Beurteilung hielt er "Bekannte Fraktur BWK 11" 

fest. In dem im Beschwerdeverfahren eingereichten "Zusatzbefund vom 

21.12.2021" hielt Dr. med. B._____ fest, bei der Höhenminderung von 

BWK 11 und 12 handle es sich nicht um eine frische Fraktur. Zuvor hatte 

Dr. med. G._____ im Bericht vom 15. Dezember 2021 festgehalten, die be-

schriebenen Beschwerden seien nicht mit einer Spinalstenose zu erklären. 

Der Beschwerdeführer könne die Wirbelsäule zunehmend im Rahmen sei-

ner Beschwerden belasten (VB 152).  

 

4.4.2. 

Zur Diagnostik der Chance-Fraktur BWK 11 hat sich Dr. med. univ. 

D._____ basierend auf den gesamten Akten, unter Hinweis auf die Literatur 

und mittels kommentierter Röntgenbilder in seiner ärztlichen Beurteilung 

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vom 7. November 2022 detailliert geäussert und dargelegt, dass eine sol-

che auszuschliessen sei. Seine umfassenden Ausführungen stehen in 

Übereinstimmung mit den Akten und sind nachvollziehbar. Es sind keine 

Gesichtspunkte ersichtlich, die auch nur geringe Zweifel an seiner Beurtei-

lung wecken:  

 

Dem Bericht von Dr. med. G._____ vom 16. November 2021 ist nicht zu 

entnehmen, aus welchen Überlegungen heraus er zur Beurteilung "Status 

nach Chance-Fraktur BWK 11" gelangte. Wie sodann in Erwägung 4.4.1. 

dargelegt, hatte Dr. med. B._____ die Diagnose der (St. n.) Chance-Fraktur 

BWK 11 von Dr. med. G._____ übernommen. Eigenständige diagnostische 

Überlegungen sind nicht ersichtlich. Zudem weist Dr. med. univ. D._____ 

zu Recht darauf hin, dass sich Dr. med. B._____ (im Zusatzbefund vom 

21. Dezember 2021) auf vier bzw. sieben Monate nach dem Unfall erstellte 

MRI-Voraufnahmen vom 27. Juni und 8. September 2020 und nicht auf die 

Erstaufnahmen nach dem Unfall (vom 24. und 27. Februar 2020) bezog, 

um herzuleiten, dass die Fraktur vom Unfall vom 22. Februar 2020 her-

rühre. Dr. med. univ. D._____ führte dagegen gestützt auf die unmittelbar 

nach dem Unfall erstellte CT-Dokumentation vom 24. Februar 2020 und die 

MRI-Dokumentation vom 27. Februar 2020 ausführlich begründet und 

überzeugend aus, dass nach dem Unfall betreffend TH11 eine Chance-

Fraktur BWK 11 aufgrund der echtzeitlichen Dokumentation auszuschlies-

sen sei. Abgesehen davon, dass die leichte Keilwirbelbildung BWK 11 vor-

bestehend sei, würde diese auch in keinem Fall einer Chance-Fraktur ent-

sprechen. Hätte das Ereignis zu einer frischen Fraktur der Vorderkante ge-

führt, so wären auch in diesem Fall entsprechende Signalanhebungen im 

MRI und eine Verdichtungszone und Kortikalisunterbrechung im CT nach-

zuweisen, was nicht der Fall sei (Beurteilung vom 7. November 2022 S. 5 

ff.). Dies wird durch die Beurteilung von Dr. med. H._____ bestätigt, der 

darlegte, dass sich der Wirbelkörper TH11 im Verlauf unverändert darstelle, 

ohne Hinweis für stattgehabte querverlaufende Fraktur wie es im Rahmen 

einer Chance-Fraktur zu erwarten/gefordert sei (vgl. E. 3.2. hiervor).  

 

4.4.3. 

Die Rüge, Dr. med. H._____ habe seine Zweitmeinung vom 18. Januar 

2022 (VB 160) aufgrund unvollständiger Unterlagen abgegeben, ist 

schliesslich unzutreffend. Soweit Unterlagen vorlagen – die Funktions-

myelographie vom 9. Dezember 2021 ging der Beschwerdegegnerin erst 

am 19. Juli 2022 zu (VB 173) – und sie die BWS/LWS betrafen (die MRI-

Aufnahmen vom 14. Oktober 2021 [VB 155] beziehen sich hingegen auf 

die HWS), ging er darauf ein. So verwies er ausdrücklich auf die MRT-Un-

tersuchungen vom 27. Juni 2020, 8. September 2020 und 3. November 

2021 sowie auf Computertomographien vom 24. Februar 2020, 28. Mai 

2020 und 24. September 2020 (VB160). Gestützt auf diese Unterlagen – 

wovon die erste Computertomographie zwei Tage nach dem Unfall erstellt 

 - 11 - 

 

 

 

wurde – legte Dr. med. H._____ nachvollziehbar und begründet dar, wes-

halb sich der Wirbelkörper TH11 ohne Hinweis für eine stattgehabte quer-

verlaufende Fraktur, wie es im Rahmen einer Chance-Fraktur zu erwarten 

sei, darstelle. Die von Dr. med. H._____ im Zusammenhang mit dem BWK 

3 erwähnte Dehiszenz ist vorliegend ohne Bedeutung, da er einzig zu be-

urteilen hatte, ob eine (Chance-)Fraktur des BWK 11 vorlag. Ebenfalls un-

erheblich ist, ob die Wirbelsäule des Beschwerdeführers degenerativ aus-

gedehnt (gem. Dr. med. H._____, Bericht vom 18. Januar 2022, VB 160 S. 

2) oder nicht signifikant (gem. dem Bericht über die SPECT-Untersuchung 

vom 24. September 2020, VB 60) verändert ist. Für das vorliegende Ver-

fahren sind nur die Folgen der unfallbedingten Frakturen der BWK 3 und 

12 relevant.  

 

4.5. 

Der Beschwerdeführer bringt weiter mit Verweis auf den im Beschwerde-

verfahren eingereichten Bericht von PD Dr. med. E._____ vom 3. April 

2023 (eingereicht mit Eingabe vom 13. April 2023) vor, die beschriebenen 

Schmerzen seien nozizeptiv und das Schmerzbild daher organisch und un-

fallbedingt. Denn Nozizeptoren würden den Ausgangspunkt der Nozizep-

tion bilden, ihre Reizung sei damit typischerweise, aber nicht zwingend von 

einem Schmerzempfinden begleitet, da es Nozizeption ohne Schmerz 

gebe, aber keinen organischen Schmerz ohne Nozizeption (vgl. Eingabe 

vom 13. April 2023 S. 1 f.). 

 

Dazu nahm Dr. med. univ. D._____ in seiner Aktenbeurteilung vom 4. Mai 

2023 ausführlich Stellung (vgl. E. 3.7. hiervor). Vorab ist darauf hinzuwei-

sen, dass die Einholung einer der ärztlichen Beurteilung von Dr. med. univ. 

D._____ vom 4. Mai 2023 entsprechenden medizinischen Stellungnahme 

im Beschwerdeverfahren entgegen dem Beschwerdeführer (vgl. Eingabe 

vom 30. Mai 2023 S. 1) gemäss Rechtsprechung zulässig ist (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 8C_793/2018 vom 7. Mai 2019 E. 3.3.1; 8C_410/2013 

vom 15. Januar 2014 E. 5 je mit Hinweisen). Die ärztliche Beurteilung von 

Dr. med. univ. D._____ vom 4. Mai 2023 ist in sich schlüssig und plausibel 

begründet. Dr. med. univ. D._____ kam in Kenntnis und Würdigung der 

medizinischen Vorberichte, insbesondere der von der Beschwerdegegne-

rin neu eingeholten Berichte des Zentrums I._____ vom 22. März, 8. Juni 

und 7. Juli 2022 sowie des Berichts von PD Dr. med. E._____ vom 3. April 

2023, der angegebenen Beschwerden, der bildgebenden Befunden sowie 

unter Bezugnahme auf entsprechende Fachliteratur zur nachvollziehbar 

begründeten Schlussfolgerung, dass die geklagte Beschwerdesymptoma-

tik inadäquat zu den ursprünglich erlittenen Verletzungen (undislozierte 

Dornfortsatzfrakturen BWK 3 und BWK 12) sei, welche bereits wenige Mo-

nate später in den radiologischen Untersuchungen kaum mehr nachzuwei-

sen gewesen seien. Spätestens mit SPECT-CT vom 24. September 2020 

habe damit kein morphologisches Korrelat mehr vorgelegen, welches un-

 - 12 - 

 

 

 

fallbedingt relevante Beschwerden erklären könne. Hingegen würden aus-

geprägte, vorbestehende degenerative Veränderungen im Bereich der ge-

samten BWS, HWS und LWS vorliegen, welche Folge der Belastung seien 

und belastungsabhängige Beschwerden hinreichend erklären würden, wo-

bei es zu einer Schmerzchronifizierung gekommen sei. Die daraus resul-

tierenden noziplastischen Veränderungen würden nunmehr offenbar be-

reits bei Alltagsbelastungen zu einer inadäquaten Schmerzwahrnehmung 

führen. Es handle sich dabei um eine multifaktorielle Genese, welche in 

keinem überwiegend wahrscheinlichen unfallkausalen Zusammenhang 

mehr stehe, da das Schmerzempfinden losgelöst von der damaligen Ver-

letzung sei und mangels unfallbedingtem morphologischen Korrelats mit 

dieser auch nicht zu erklären sei. Ursache für die überproportional empfun-

denen Schmerzen seien überwiegend wahrscheinlich nur noch aus-

schliesslich die unfallunabhängigen, vorbestehenden, teils ausgeprägten, 

degenerativen Veränderungen der gesamten Wirbelsäule, welche als Trig-

ger fungieren würden (vgl. ärztliche Beurteilung vom 4. Mai 2023 S. 9). 

 

Soweit PD Dr. med. E._____ hingegen festhielt, der Beschwerdeführer 

habe vor dem Unfall keine Anamnese mit Schmerzen im Bereich der BWS 

und LWS gehabt und seit dem Unfall habe er kontinuierlich Schmerzen, ist 

darauf hinzuweisen, dass eine gesundheitliche Schädigung nicht schon 

dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten 

ist. Eine derartige "post hoc, ergo propter hoc"-Argumentation ist beweis-

rechtlich nicht zulässig (BGE 142 V 325 E. 2.3.2.2 S. 330 und 119 V 335 

E. 2b/bb S. 341 f.). Die weiteren Ausführungen von PD Dr. med. E._____, 

dass keine vorbestehende Osteoporose bestehe und das Unfallgeschehen 

adäquat gewesen sei, um die dokumentierten Verletzungen herbeizufüh-

ren, weshalb das Schmerzbild klar unfallkausal sei, reichen als Formulie-

rung einer blossen Möglichkeit eines natürlichen Kausalzusammenhangs 

zwischen einem Unfall und einer Gesundheitsstörung für die Begründung 

eines Leistungsanspruches zudem nicht aus (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 

S. 181 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_646/2019 vom 6. März 

2020 E. 8). 

 

Dass die Ausführungen von Dr. med. univ. D._____ auf blossen Spekulati-

onen beruhen würden (vgl. Eingabe vom 30. Mai 2023 S. 3), ist sodann in 

keiner Weise ersichtlich. So führte Dr. med. univ. D._____ auch nicht aus, 

dass die bisherige Rechtsvertreterin ihr Mandat niedergelegt habe, weil 

sich die ursprüngliche Behauptung einer Chance-Fraktur BWK 11 als Ur-

sache für die anhaltende Beschwerdesymptomatik als falsch herausgestellt 

habe (vgl. Eingabe vom 30. Mai 2023 S. 3), sondern er hielt lediglich in 

zeitlicher Hinsicht fest, dass die Rechtsvertreterin das Mandat niedergelegt 

habe (vgl. ärztliche Beurteilung vom 4. Mai 2023 S. 1), was auch zutrifft. 

 

 - 13 - 

 

 

 

4.6. 

Zusammenfassend zeigen sich damit insgesamt keine auch nur geringen 

Zweifel an den Beurteilungen von Dr. med. D._____ und es ist darauf ab-

zustellen (vgl. E. 4.1.1. hiervor). In antizipierter Beweiswürdigung rechtfer-

tigen sich keine weiteren Abklärungen, da davon keine neuen anspruchs-

beeinflussenden Erkenntnisse zu erwarten sind (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 

236; 124 V 90 E. 4b S. 94). Die Rüge, der Untersuchungsgrundsatz gemäss 

Art. 43 Abs.1 ATSG sei verletzt worden, ist somit unzutreffend. 

 

Demnach ist mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) im 

Folgenden davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer am 

22. Februar 2020 (nur aber immerhin) Frakturen der Dornfortsätze BWK 3 

und 12 zugezogen hatte und er in seiner angestammten Tätigkeit als Ge-

rüstbauer ab September 2020 wieder voll arbeitsfähig war.  

 

5. 

5.1. 

Die Frage betreffend den natürlichen Kausalzusammenhang der weiter be-

stehenden unklaren, nicht objektivierbaren Wirbelsäulenbeschwerden 

kann offenbleiben (Urteil des Bundesgerichts 8C_317/2013 vom 16. August 

2013 E. 7.4 mit Hinweis u.a. auf BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472), denn selbst 

wenn dieser zu bejahen wäre, ist – wie im Folgenden zu zeigen ist – die 

Adäquanz zu verneinen. Dies in Anwendung der in BGE 115 V 133 ff. dar-

gelegten Grundsätze, denn ein Schleudertrauma oder äquivalente Verlet-

zungen der HWS beziehungsweise ein Schädel-Hirntrauma, welche zur 

Anwendung der Adäquanzkriterien gemäss BGE 134 V 109 führten (vgl. 

E. 2.2.1.), stehen unbestrittenermassen vorliegend nicht zur Diskussion 

(vgl. E. 3.). 

 

5.2. 

Die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs setzt gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich voraus, dass dem Unfaller-

eignis für die Entstehung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit 

eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es ob-

jektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft 

ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7 S. 141). Für die Beurteilung dieser 

Frage ist gemäss BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 f. an das Unfallereignis an-

zuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – 

eine Katalogisierung der Unfälle in leichte (banale), im mittleren Bereich 

liegende und schwere Unfälle vorzunehmen ist. Bei leichten Unfällen kann 

der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Ge-

sundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint (BGE 115 V 133 

E. 6a S. 139), bei schweren Unfällen bejaht werden (BGE 115 V 133 E. 6b 

S. 140). Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage nicht 

 - 14 - 

 

 

 

auf Grund des Unfalls allein beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Um-

stände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder 

als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamt-

würdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen (BGE 

129 V 177 E. 4.1 S. 183 f. mit Hinweis unter anderem auf BGE 115 V 133 

E. 6c/aa S. 140; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.): 

 

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere 

 Eindrücklichkeit des Unfalls; 

- die Schwere oder besondere Art der erlittenen (somatischen) 

 Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychi-

 sche Fehlentwicklungen auszulösen; 

- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; 

- (körperliche) Dauerschmerzen; 

- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich 

 verschlimmert; 

- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; 

- Grad und Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 129 

 V 177 E. 4.1 S. 184; 115 V 133 E. 6c/aa S. 140). 

 

Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist 

jedoch nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen 

kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen 

Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit neben dem Unfall allen-

falls ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es 

sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittle-

ren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall 

zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein ein-

ziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt 

ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsun-

fähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkri-

terium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen meh-

rere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, 

je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im 

mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu-

zuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in ge-

häufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wer-

den kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven 

Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz (BGE 117 V 

359 E. 6b S. 368; Urteil des Bundesgerichts 8C_375/2010 vom 4. August 

2010 E. 3.2). Sofern keines der Kriterien in besonders ausgeprägter oder 

auffallender Weise gegeben ist, bedarf es für die Bejahung des adäquaten 

Kausalzusammenhangs bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich 

zu den leichten Fällen des Nachweises von vier Kriterien. Demgegenüber 

müssen bei einem Unfall im eigentlich mittleren Bereich drei Kriterien aus-

reichen (Urteil des Bundesgerichts 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 

 - 15 - 

 

 

 

E. 4.5; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_476/2010 vom 7. Septem-

ber 2010 E. 2.4 mit Hinweisen).  

 

5.3. 

5.3.1. 

Die Beschwerdegegnerin qualifizierte den Sturz vom 22. Februar 2020 als 

Unfall im eigentlichen mittleren Bereich. Das ist mit Blick auf die Rechtspre-

chung (Urteil des Bundesgerichts 8C_202/2014 vom 9. Juli 2014 E. 4.1 mit 

vielen Hinweisen, vgl. zudem Kasuistik in U 191/04 vom 12. August 2005 

E. 5.1) zu Recht unter den Parteien unbestritten. Demnach ist für die Beja-

hung der Adäquanz die Erfüllung von drei Kriterien, bzw. einem in beson-

ders ausgeprägter Weise, erforderlich (vgl. E. 5.2. hiervor), wobei nur die 

organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen zu berücksichtigen sind 

(vgl. E. 2.2. hiervor). 

 

5.3.2. 

Ob das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder be-

sonderen Eindrücklichkeit des Unfalls erfüllt ist, beurteilt sich objektiv und 

nicht aufgrund des subjektiven Empfindens der versicherten Person. Je-

dem mindestens mittelschweren Unfall ist ferner eine gewisse Eindrücklich-

keit eigen, die somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausrei-

chen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_100/2011 vom 1. Juni 2011 

E. 3.5.1). Vorliegend ist den Akten nichts zu entnehmen, was auf beson-

ders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit 

des Sturzes hindeuten würde. Entsprechendes wird vom Beschwerdefüh-

rer auch nicht vorgebracht.  

 
Die erlittenen Frakturen der Dornfortsätze BWK 3 und 12 sind weder als 

besonders schwere Verletzungen zu qualifizieren noch sind sie geeignet, 

psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Nachdem diese bereits im 

September 2020 komplett ausgeheilt waren (vgl. E. 4.3.1. hiervor), ist fer-

ner weder von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung 

noch von körperlichen Dauerschmerzen auszugehen. 

 
Für eine ärztliche Fehlbehandlung, einen schwierigen Heilungsverlauf und 

erhebliche Komplikationen gibt es keine Hinweise in den Akten. Solche 

Umstände werden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht.  

 

Schliesslich war die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab September 

2020 wieder hergestellt, sodass auch das letzte der Adäquanzkriterien 

nicht erfüllt ist (Urteil des Bundesgerichts U 78/2007 vom 17. März 2008 

E. 5.3.7 mit Hinweis auf Kasuistik in U 56/00 vom 30. August 2001 

E. 3d/ee).  

 

 - 16 - 

 

 

 

5.4. 

Nach dem Dargelegten ist keines der Adäquanzkriterien erfüllt oder gar in 

ausgeprägter Weise gegeben. Somit kommt dem Unfall vom 20. Februar 

2020 gemäss der Rechtsprechung keine massgebliche Bedeutung für die 

Entwicklung der zuletzt noch geklagten, nicht objektivierbaren Beschwer-

den zu. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis 

vom 22. Februar 2020 und den organisch nicht objektiv ausgewiesenen 

Beschwerden des Beschwerdeführers ist folglich zu verneinen. Die Einstel-

lung der vorübergehenden Leistungen per 18. April 2021 ist damit nicht zu 

beanstanden. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1.      

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

 - 17 - 

 

 

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 18. September 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker