# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** db348ae1-6414-5204-b8ee-9b40043e0717
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.04.2015 SB120264
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120264_2015-04-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB120264-O/U/eh 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

Ch. von Moos und Oberrichter Dr. iur. D. Schwander sowie  

die Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Grieder 
 

Urteil vom 12. Januar 2015 und vom 9. April 2015 

 

in Sachen 

A._____,  

Privatklägerin und Berufungsklägerin 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 
 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. B. Groth,  

Anklägerin 
 

gegen 

B._____,  

Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

 
betreffend  

Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom  

25. November 2011 (DG110014) 

 

-  2  - 

 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich ist diesem Urteil 

beigeheftet (Urk. 23). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 91 S. 31 ff.)) 

"Es wird erkannt: 

1.  Der Beschuldigte wird von den Vorwürfen der Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 

Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne 

von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freigesprochen. 

2. Auf die Zivilforderungen der Privatklägerin wird nicht eingetreten. 

3. Die Ausweis- und Schriftensperre gemäss dem Beschluss des Obergerichts des 

Kantons Zürich vom 9. Mai 2011 wird aufgehoben. Die beim Bezirksgericht Horgen 

hinterlegten Pass und Identitätskarte des Beschuldigten werden diesem ausge-

händigt.  

4. Das Kontaktverbot gemäss Ziffer 5 des Beschlusses des Obergerichts des Kantons 

Zürich vom 9. Mai 2011 wird aufgehoben. 

5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

 Fr. 5'000.– die weiteren Kosten betragen: 

 Fr.  1'436.85 Auslagen Untersuchung 

 Fr. 12'000.– Gebühr Strafuntersuchung 

Fr. .– Kosten für den schriftlichen Bericht von Mme Dresse  

C._____ und Dresse D._____ 

Fr. 300.– Kosten für den schriftlichen Bericht von Mme E._____ 

Fr. 150.– Zeugenentschädigung 

Fr. 16'807.05 amtliche Verteidigung 

Fr. .– Geschädigtenvertretung. 

 

-  3  - 

6. Die Kosten des Verfahrens werden auf die Gerichtskasse genommen. 

7. Dem Beschuldigten werden Fr. 7'500.– als Schadenersatz und Fr. 7'100.– als  

Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Das Verrechnungsrecht des 

Staates bleibt vorbehalten. Die weitergehenden Schadenersatz- und Genug-

tuungsansprüche werden abgewiesen. 

8. (Mitteilungen) 

9. (Rechtsmittel)" 

 

Berufungsanträge: 

a) Der Privatklägerschaft A._____: 

(Prot. II S. 5 f.) 

Es sei das angefochtene Urteil vom 25. November 2011 vollumfänglich auf-

zuheben und es sei 

I.  Im Strafverfahren: 

1. Der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen, nämlich 

wegen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 

StGB, wegen sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Ziff. 1 StGB 

und wegen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte angemessen zu bestrafen. 

II. Im Adhäsionsverfahren: 

1. Der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin Schadenersatz im 

Gesamtbetrag von Fr. 875.00 zu bezahlen. 

2. Der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin für ihre Umtriebe 

Fr. 288.50 zu bezahlen. 

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3. Der Beschuldigte zu verpflichten, die Kosten der therapeutischen  

Begleitung der Geschädigten, soweit diese nicht von einem Dritten 

(Krankenkasse/Unfallversicherung) übernommen werden und soweit 

sie im Zusammenhang stehen mit dem inkriminierten Sachverhalt,  

innert 10 Tagen nach Unterbreitung der Rechnungen zu bezahlen. 

4. Der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin den Genugtuungs-

betrag von Fr. 15'000.– zu bezahlen. 

5. Der Genugtuungsbetrag gemäss Ziff. 4 zu verzinsen, und zwar zu  

5% vom Zeitpunkt der ersten inkriminierten Handlung an, d.h. ab dem 

15.08.2008. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen der ersten und 2. Instanz zu-

züglich Mehrwertsteuer von 8% zulasten des Beschuldigten. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Prot. II. S. 6 f.) 

1. Die Berufung sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil des Bezirks-

gerichts Horgen, I. Abt., vom 25.11.2011 (DG 110014) sei zu bestätigen, 

was heisst 

a) Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen. 

b) Nichteintreten auf die Zivilforderungen der Privatklägerin 

c) Aufhebung der Ausweis- und Schriftensperre und des Kontaktverbots 

d) Bestätigung der vorinstanzlichen Kostenregelung 

e) Bestätigung der Zusprechung von CHF 14'600.– (näml. CHF 7'500.– 

Schadenersatz und CHF 7'100 Genugtuung) 

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2. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive die Kosten der amtlichen 

Verteidigung, seien der Privat- und Berufungsklägerin aufzuerlegen oder 

eventualiter auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

 

c) Der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich; Urk. 102) 

Verzicht auf das Stellen eines Antrages. 

  

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom 

25. November 2011 wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der Vergewaltigung, der 

mehrfachen sexuellen Nötigung sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

Kindern freigesprochen. Auf die Zivilforderungen der Privatklägerin wurde nicht 

eingetreten und die Ausweis- und Schriftensperre sowie das Kontaktverbot  

gemäss dem Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 9. Mai 2011 

wurden aufgehoben. Schliesslich wurden die Kosten auf die Gerichtskasse  

genommen und dem Beschuldigten Fr. 7'500.-- als Schadenersatz und Fr. 7'100.-

- als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen (Urk. 91 S. 31 f.).  

1.2. Gegen diesen Entscheid liess die Privatklägerin innert Frist Berufung erhe-

ben (Urk. 76; Art. 399 Abs. 1 StPO). Die Berufungserklärung der Privatklägerin 

ging ebenfalls innert Frist ein (Urk. 94; Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Vertreterin der 

Privatklägerin beantragt die vollumfängliche Aufhebung des vorinstanzlichen  

Urteils, insbesondere einen Schuldspruch des Beschuldigten wegen Vergewalti-

gung, sexueller Nötigung und sexuellen Handlungen mit Kindern. Weiter verlangt 

sie, der Beschuldigte sei zur Zahlung von Schadenersatz im Betrag von Fr. 875.--, 

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von Umtriebsentschädigung von Fr. 288.50, von Kosten der mit dem inkriminier-

ten Sachverhalt im Zusammenhang stehenden therapeutischen Begleitung sowie 

von Genugtuung von Fr. 15'000.-- inkl. Zinsen an die Privatklägerin zu verpflich-

ten, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten. 

Weiter lässt die Privatklägerin beantragen, es sei ein ergänzender Bericht über 

die laufende Therapie der Privatklägerin im Departement de Psychiatrie SUPEA 

in Lausanne einzuholen, es sei Frau Dr. med. C._____ als Zeugin einzu-

vernehmen sowie Rechnungen der laufenden Therapie der Privatklägerin ab 18. 

Juli 2011 im Departement de Psychiatrie SUPEA zu edieren (Urk. 94 S. 2ff.). Mit 

Verfügung vom 19. Juli 2012 wurden diese Beweisanträge abgewiesen  

(Urk. 108). Sowohl die Verteidigung wie auch die Staatsanwaltschaft verzichteten 

auf eine Anschlussberufung (Urk. 100 bzw. Urk. 102).  

1.3. Mit Eingabe vom 17. Juli 2012 liess die Privatklägerin beantragen, dass dem 

urteilenden Gericht eine Person des gleichen Geschlechts angehöre, dass sie  

– sofern eine weitere Befragung als notwendig erscheine – von einer Person  

gleichen Geschlechts einvernommen werde und dass auch für die Übersetzung 

ihrer Befragung eine Personen gleichen Geschlechts beigezogen werde 

(Urk. 106). Mit Präsidialverfügung vom 19. Juli 2012 wurden die Beweisanträge 

der Privatklägerin abgewiesen (Urk. 108). Am 2. August 2012 wurde zur  

Berufungsverhandlung auf den 3. Oktober 2012 vorgeladen (Urk. 110). Mit 

Schreiben vom 28. September 2012 vorab per Telefax (Urk. 112) teilte Rechts-

anwältin lic.iur. F._____ unter Beilage eines entsprechenden Arztzeugnisses (Urk. 

113) mit, dass ihre Bürokollegin, Frau Rechtsanwältin lic.iur. X._____ krankheits-

halber länger ausfalle und ersuchte um Ladungsabnahme für die Verhandlung 

vom 3. Oktober 2012 (Urk. 115).  

1.4. Am 17. Januar 2013 wurde schliesslich auf den 21. März 2013 zur  

Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 118). Nach entsprechender Nachfrage 

durch die Vertreterin der Privatklägerin (Urk. 120) wurde dieser mitgeteilt, dass 

eine persönliche Befragung der Privatklägerin nicht stattfinden werde (Urk. 121).  

1.5. Zur Berufungsverhandlung am 21. März 2013 erschienen der Beschuldigte, 

sein amtlicher Verteidiger und die Vertreterin der Privatklägerin (Prot. II S. 5). Im 

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Rahmen von Vorfragen stellte der Verteidiger des Beschuldigten den Antrag auf 

ein Schuldinterlokut im Sinne von Art. 342 Abs. 1 lit. a StPO. Nach der Befragung 

des Beschuldigten (Urk. 122) beantragte die Vertreterin der Privatklägerin die  

Befragung von Dr. C._____ als Zeugin und Einholung eines aussagepsychologi-

schen Gutachtens (Prot. S. 9). Nach einer Zwischenberatung wurde dem Antrag 

der Verteidigung auf ein Schuldinterlokut stattgegeben (Prot. II S. 9). Die Partei-

vertreter plädierte in der Folge zum Schuldpunkt mit je zwei Vorträgen (Prot. II 

S. 9-17, Urk. 123, Urk. 125). Dem Beschuldigten wurde Gelegenheit zum 

Schlusswort gegeben (Prot. II S. 17 f.). Nach entsprechender Beratung wurde den 

Parteien mitgeteilt, dass das Gericht die Zeugenbefragung der behandelnden Ärz-

tin der Privatklägerin als nicht notwendig erachte, demgegenüber die Einholung 

eines aussagepsychologischen Gutachtens für angezeigt halte (Prot. II S. 18). Es 

wurde vorgesehen, das Verfahren schriftlich fortzusetzen (Prot. II S. 18).  

1.6. Nach entsprechender Rücksprache mit den Parteivertretern (Urk. 129-135) 

wurde mit Beschluss vom 4. Juni 2013 die Einholung eines aussagepsychologi-

schen Gutachtens beschlossen und als Gutachter Dr. med. G._____,  

… Arzt Jungendforensik, Forensisch-Psychiatrische Klinik der Universitäten Psy-

chiatrischen Klinken Basel (UPK), eingesetzt (Urk. 136).  

1.7. Mit Präsidialverfügung vom 24. Juni 2013 wurde den Parteien der – von 

Dr. med. G._____ bereits eingesehene – Fragenkatalog (Urk. 142) zu-gestellt und 

Frist für das Stellen von Ergänzungsfragen angesetzt (Urk. 143). Die Staatsan-

waltschaft IV verzichtete mit Schreiben vom 28. Juni 2013 auf das  

Stellen von Ergänzungsfragen (Urk. 145). 

1.8. In der Folge liess der Beschuldigte für eine Reise zu seinem Vater die  

vorübergehende Aufhebung der Ausweis- und Schriftensperre in der Zeit vom  

20. Juli 2013 bis und mit 20. August 2013 beantragen (Urk. 147), wobei ent-

sprechende Unterlagen und Arztberichte betreffend H._____ ins Recht  

gelegt wurden (Urk. 149/1-3). Per Mail vom 5. Juli 2013 wurde der Vertreterin der 

Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft die entsprechende Eingabe übermittelt 

und um Stellungnahme innert drei Arbeitstagen ersucht (Urk. 150). Mit Eingabe 

vom 7. Juli 2013 – vorab per Mail – teilte die Vertreterin der Privatklägerin mit, mit 

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der Aufhebung der Ausweis- und Schriftensperre im beantragten Umfang einver-

standen zu sein. Die Staatsanwaltschaft IV erhob ebenfalls keine Einwände  

gegen die temporäre Aufhebung der Ersatzmassnahme (Urk. 157). Mit Präsidial-

verfügung vom 10. Juli 2013 wurde die Ausweis- und Schriftensperre für die Zeit 

vom 19. Juli 2013 bis 23. August 2013 aufgehoben (Urk. 159).  

1.9. Zwischenzeitlich reichten der amtliche Verteidiger und die Vertreterin der 

Privatklägerin je mit Schreiben vom 8. Juli 2013 Ergänzungsfragen ein (Urk. 153 

und 155). Mit Eingabe vom 10. Juli 2013 erhob die Vertreterin der Privatklägerin 

Einwände gegen die Ergänzungsfragen des Beschuldigten (Urk. 161). Mit  

Beschluss vom 22. Juli 2013 wurde über die Zusatzfragen befunden und der  

Fragekatalog durch vertiefende und präzisierende Zusatzfragen ergänzt (Urk. 163 

und 165). Am 26. Juli 2013 wurde Dr. med. G._____ mit der Erstellung  

eines aussagepsychologischen Gutachtens beauftragt, wobei ihm die Fragen  

gemäss Fragekatalog unterbreitet und die vollständigen Prozessakten inklusive 

Protokoll übersandt wurden (Urk. 166). 

1.10. Unter Hinweis auf die Anzahl der Fragen, den Umfang der Akten und deren 

Komplexität stellt der Gutachter das Gutachten auf Ende Dezember 2013 in  

Aussicht (Urk. 169) und ersuchte dann aber um Fristerstreckung bis Ende Januar 

2014 (Urk. 171). Mit Schreiben vom 24. Januar 2014 teilte der Gutachter mit, dass 

nun in Frau I._____, Sozialarbeiterin FH, eine geeignete Kulturreferentin habe ge-

funden werden können und ersuchte um das Einverständnis der  

verschiedenen Parteien (Urk. 173). Das Schreiben des Gutachters wurde mit  

Präsidialverfügung vom 28. Januar 2014 den Parteien zugestellt und Frist ange-

setzt, um sich zur vorgeschlagenen Kulturreferentin zu äussern, wobei bei  

Säumnis vom Einverständnis ausgegangen würde (Urk. 175). Das Einverständnis 

des amtlichen Verteidigers datiert vom 2. Februar 2014 (Urk. 177) und dasjenige 

der Vertreterin der Privatklägerin vom 4. Februar 2014 (Urk. 179). Die Staats-

anwaltschaft liess sich nicht vernehmen. Mit Schreiben vom 10. Februar 2014  

teilte der Präsident der I. Strafkammer dem Gutachter mit, dass seitens der  

Parteien keine Einwände gegen den Beizug der Kulturreferentin Frau I._____ er-

hoben worden seien (Urk. 181). In der Folge ersuchte der Gutachter mit Hinweis 

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auf personelle Engpässe um Fristerstreckung für das Gutachten bis zum 17. März 

2014 (Urk. 182). 

1.11. Mit Begleitschreiben vom 18. März 2014 (Urk. 185) reichte der Gutachter 

das wissenschaftlich begründete, jugendforensisch-psychiatrische, aussage-

psychologische Gutachten über die Privatklägerin vom 17. März 2014 (Urk. 187) 

ein. Das Gutachten wurde den Parteien mit Präsidialverfügung vom 1. April 2014 

zugestellt und der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft eine Frist von  

20 Tagen ab Zustellung dieser Verfügung angesetzt, um obligatorisch Stellung zu 

nehmen sowie die Anträge zum Schuldpunkt abschliessend zu stellen und zu  

begründen (Urk. 188). 

1.12. Mit Eingabe vom 22. April 2014 teilte die Staatsanwaltschaft IV mit, dass das 

Gutachten von Dr. med. G._____ vom 17. März 2014 detailliert und schlüssig sei, 

so dass darauf abgestellt werden könne (Urk. 192). Die Vertreterin der Privatklä-

gerin reichte ihre Stellungnahme am 20. Mai 2014 ein (Urk. 194). Mit Präsidialver-

fügung vom 22. Mai 2014 wurde die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft und 

der Vertretung der Privatklägerin dem Beschuldigten zugestellt und diesem Frist 

angesetzt zur Stellungnahme zum Gutachten und zu den Ausführungen der Ge-

genparteien sowie zur Stellung und Begründung abschliessender Anträge zum 

Schuldpunkt (Urk. 196). Die Stellungnahme des amtlichen Verteidigers vom 

21. Juli 2014 (Urk. 202) wurde den übrigen Parteien zugestellt.  

2. Anwendbares Recht für Straftaten gegen Minderjährige im Ausland 

Bezüglich der Vorwürfe sexueller Handlungen in Indien ist festzuhalten, dass es 

sich dabei zwar um Auslandstaten handelt, welche jedoch gemäss Art. 5 Abs. 1 

lit. a u. lit. b StGB ebenfalls Schweizer Strafrecht unterstehen, und zwar unab-

hängig davon, ob diese Taten in Indien strafbar wären oder nicht.  

3. Umfang der Berufung 

Infolge der vollumfänglichen Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils durch die 

Privatklägerin mit Ausnahme der Kostenfestlegung (Dispositiv-Ziffer 5; Urk. 94 

S. 3f.) ist dieses nur betreffend Dispositiv-Ziffer 5 in Rechtskraft erwachsen.  

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4. Beweisanträge 

4.1. Die Verteidigung hat anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. März 

2013 erneut den Beweisantrag betreffend Befragung von Dr. med. C._____ als 

Zeugin gestellt.  

4.2. Mit Bezug auf die beantragte Zeugeneinvernahme der behandelnden  

Therapeutin Dr. med. C._____ ist davon auszugehen, dass die Therapeutin ledig-

lich Aussagen über den heutigen Zustand der Privatklägerin und den Verlauf seit 

der ersten Konsultation machen kann. Diese Ausführungen können sich nur auf 

Angaben beziehen, die die Privatklägerin gegenüber der Therapeutin nach Erstat-

tung des ersten Berichtes vom 8. November 2011 (Urk. 50) machte. Solche An-

gaben und Feststellungen über den Zustand der Privatklägerin sowie den  

Verlauf der Therapie können zudem auch in Form eines ärztlichen Berichtes in 

die Akten eingeführt werden. Einer Zeugeneinvernahme bedarf es dafür nicht. Der 

Beweisergänzungsantrag betreffend Zeugeneinvernahme ist daher abzuweisen. 

II.  Schuldpunkt 

1.  Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des 

Kantons Zürich vom 14. Juli 2011 vorgeworfen, er habe ca. im Juli 2008 während 

Ferien in … (Indien) die Privatklägerin mindestens zwei Mal im ersten Stock des 

Ferienhauses an einem Arm ins Zimmer neben dem Balkon gezogen und dort 

über deren Kleider an Brüsten und der Scheide berührt, wobei ihre  

Gegenwehr erfolglos gewesen sei. Der Beschuldigte habe jeweils erst von der 

Privatklägerin gelassen, als jemand das Zimmer betreten habe oder die Privat-

klägerin gerufen worden sei. Während einem dieser Vorfälle habe der Beschuldig-

te zudem versucht, der Privatklägerin einen Zungenkuss zu geben, was ihm  

jedoch aufgrund deren Widerstands nicht gelungen sei. Aus Angst vor Schlägen 

habe die Privatklägerin jeweils nicht versucht zu fliehen. Sie habe nicht um Hilfe 

geschrien, da der Beschuldigte mit Suizid gedroht habe, falls sie jemandem davon 

erzählen würde.  

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Weiter wird dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfen, zwischen  

August 2008 und Oktober 2010, vermutlich zwischen dem 29. März 2010 und 

dem 4. April 2010, während dem die Privatklägerin Ferien beim Beschuldigten 

und seiner Familie in J._____ [Ort im Kt. Zürich] verbracht habe, an einem nicht 

mehr genau bestimmbaren Tag, vermutlich vor 17 Uhr, die Privatklägerin in seiner 

Wohnung aufgefordert zu haben, ihre Kleider auszuziehen. Als die Privatklägerin 

sich geweigert habe, habe der Beschuldigte ihren Jupe aufgerissen und ihr Ober-

teil sowie ihre Unterhosen ausgezogen. Der Privatklägerin sei es dann gelungen, 

ins Badezimmer zu fliehen. Der Beschuldigte habe ihr dann gesagt, er werde ihr 

die Kleider wieder geben, wenn sie die Badezimmertür öffne. Als sie die Tür ein  

wenig geöffnet habe, habe der Beschuldigte sie am Handgelenk gepackt und in 

das Schlafzimmer der Tochter gezogen. Er habe die Privatklägerin dort mit dem 

Rücken aufs Bett geworfen und sei über sie gekniet. Er habe beide Hände der 

Privatklägerin mit einer Hand auf deren Hüfthöhe überkreuzt festgehalten, so 

dass die Privatklägerin sich nicht mehr habe wehren können. Mit seiner anderen 

Hand habe er sich ein Kondom über seinen Penis gestreift und sei in der Folge 

mit seinem Penis vaginal in die Privatklägerin eingedrungen. Dann habe er mit 

beiden Händen über den Kleidern an die Brüste der Privatklägerin gegriffen. Auf 

diese Weise habe er mit der Privatklägerin den Geschlechtsverkehr vollzogen, bis 

er zum Samenerguss gekommen sei. Die Privatklägerin habe während des  

Geschlechtsverkehrs geschrien, der Beschuldigte solle aufhören und habe  

versucht, ihre Hände aus dem Griff des Beschuldigten zu befreien bzw. diesen 

wegzustossen, was ihr jedoch aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit nicht 

gelungen sei. Der Beschuldigte habe dabei gewusst, dass die Privatklägerin das 

16. Altersjahr bei der Vornahme der Handlungen noch nicht erreicht habe und  

habe trotzdem gegen deren Willen sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen 

(Urk. 23 S. 1 ff.). 

2. Der Beschuldigte hat im gesamten Verfahren bestritten, dass es zwischen ihm 

und der Privatklägerin zu sexuellen Handlungen gekommen sei (Urk. 8/1 S. 7ff., 

Urk. 8/2 S. 2ff., Urk. 8/6 S. 2ff., Urk. 57 S. 7ff., Urk.122 S. 4). 

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3. Es ist zu prüfen, ob sich die eingeklagten Sachverhalte aufgrund der vorhande-

nen Beweismittel erstellen lassen. Es sind dabei die Aussagen des Beschuldigten 

und der Privatklägerin sowie von Drittpersonen – soweit relevant – heranzuzie-

hen. Weiter liegt dem Gericht ein Bericht der Frauenärztin Dr. K._____ vom 

2. März 2011 (Urk. 11/7) vor, welcher als Indiz herangezogen werden kann. Eben-

falls liegt der Bericht von Dr. med. C._____ vom 14. März 2013 (Urk. 124/2), bei 

welcher die Privatklägerin in Therapie ist, bei den Akten. Sodann liegt das vom 

Gericht in Auftrag gegebene wissenschaftlich begründete, jugendforensisch-

psychiatrische, aussagepsychologische Gutachten über die Privatklägerin vom 

17. März 2014 (Urk. 187) vor. 

4. Die Vorinstanz hat sich ausführlich zu den theoretischen Grundsätzen der  

Beweiswürdigung, insbesondere auch zur Glaubwürdigkeit von einvernommenen 

Personen sowie zur Glaubhaftigkeit deren Aussagen geäussert, weshalb darauf 

verwiesen werden kann (Urk. 91 S. 7f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

5. Weiter hat die Vorinstanz erwogen, dass bezüglich der Glaubwürdigkeit des 

Beschuldigten zu berücksichtigen sei, dass dieser als direkt ins vorliegende Straf-

verfahren Involvierter ein legitimes Interesse am Ausgang des Verfahrens habe 

und deshalb versuchen könnte, sich durch seine Aussagen zu entlasten. Hinsicht-

lich der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin sei zu berücksichtigen, dass diese bei 

der Polizei und vor Gericht als Auskunftsperson einvernommen worden sei und 

dabei unter Hinweis auf die Straffolgen von Art. 303 - 305 StGB ausgesagt habe, 

jedoch nicht unter Androhung von Art. 307 StGB zur Wahrheit verpflichtet worden 

sei und als Privatklägerin ein Interesse am Ausgang des Verfahrens habe.  

Ausserdem habe diese unter grossem Druck der Familie gestanden, welche die 

Angelegenheit habe intern lösen wollen. Weiter sei das Verfahren nicht direkt 

durch die Initiative der Privatklägerin ausgelöst worden, sondern erst durch den 

Schulleiter. Die Personen, welche als Zeugen einvernommen worden seien, seien 

auf die strengen Strafandrohungen von Art. 307 StGB aufmerksam gemacht  

worden und weisen teilweise eine starke Beziehungsnähe zu den Parteien auf, 

was sich auf die Glaubwürdigkeit auswirke. Es sei jedoch die Glaubhaftigkeit der 

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Aussagen massgebend. Auf diese Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 91 

S. 8ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

6. Gutachten 

6.1. Die Gutachter haben gemäss eigenen Angaben zuerst die ihnen zur Ver-

fügung gestellten Akten gesichtet und die wichtigsten Elemente zusammenge-

fasst. Anschliessend sei ein Transkript der Einvernahme vom 3.12.2010 erstellt 

und die Videoaufnahme sowie das Transkript aussagepsychologisch analysiert 

worden. Weiter sei auch die Videoaufnahme vom 8. April 2011 analysiert worden. 

Die Explorandin sei zweimal durch die Gutachter in Anwesenheit einer sie beglei-

tenden Erzieherin untersucht und zu ihrer aktuellen Situation und zu den Vor-

würfen befragt worden. Schliesslich seien Fremdauskünfte eingeholt worden  

(Urk. 187 S. 6).  

6.2. Es handle sich bei der Privatklägerin um eine 17 ½-jährige tamilische  

Jugendliche in gutem Allgemein- und Entwicklungszustand. Sie sei attraktiv, voll 

entwickelt, modisch gekleidet und wirke gepflegt. Sie sei wach, bewusstseinsklar 

und zu allen Qualitäten (zur Person, zum Ort, zur Zeit und zur Situation) voll  

orientiert. Auf Fragen antworte sie offen, jedoch eher einsilbig und knapp, es 

müsse oft nachgefragt werden. Es seien jedoch innerhalb der beiden Gespräche 

auch im Querschnitt keine grossen Stimmungsschwankungen zu beobachten. Der 

Rapport sei meistens herstellbar, jedoch vermindert schwingungsfähig, eher  

affektflach/starr. Die Privatklägerin könne freundlich und euthym sein, bei den 

Themen um den Tod des Kindsvater und bei anderen sie belastenden Themen 

wirke sie eher angespannt und gereizt. Beim Thema der sexuellen Übergriffe  

wirke sie belastet und beginne schnell zu weinen. Im Gespräch wirke die Privat-

klägerin durchschnittlich intelligent. Auffassung und Aufmerksamkeit seien unauf-

fällig, anamnetisch seien Konzentrationsprobleme erwähnt worden. Ansonsten 

würden keine formalen Denkstörungen auffallen. Ebenso wenig gäbe es  

Anzeichen auf Sinnestäuschung oder Ich-Störung. Im Gespräch seien keine 

Wahnstimmen, Wahnwahrnehmungen oder Wahnideen eruierbar. Es seien – vor 

allem situationsabhängige – Schlafstörungen erwähnt worden. Die Privatklägerin 

berichte von massiven Stimmungsschwankungen während des Tages bis hin zu 

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stark angespannt sein und selbstverletzendem Verhalten im Sinne von Ritzen  

an den Armen. Betreffend Suizidalität gebe die Explorandin an, vor zwei bis  

drei Jahren bis im April 2013 regelmässig Suizidgedanken gehabt zu haben,  

heute jedoch nicht mehr, es sei nie zu einem Suizidversuch gekommen und auch 

nicht zu konkreteren Umsetzungsplänen (Urk. 187 S. 26).  

6.3. Anlässlich der videodokumentierten Einvernahme vom 3. Dezember 2010 

habe die Privatklägerin emotional kontrolliert, angespannt aber global ausge-

glichen, aufmerksam und konzentriert, psychomotorisch und mimisch, soweit  

einsehbar, kontrolliert, fast erstarrt gewirkt. Sie habe sich inhaltlich korrekt und 

akzentfrei auf französisch ausgedrückt. Denkstörungen seien keine feststellbar 

gewesen. Gesamthaft seien ihre Aussagen logisch konsistent gewesen, wobei 

der Detaillierungsgrad beschränkt gewesen sei. Es seien drei verschiedene  

Ereignisse beschrieben worden zu drei verschiedenen Orten: Südindien, Zürich 

(bzw. J._____) und London. Von den drei allgemeinen Merkmalen der Realkenn-

zeichen nach Steller und Köhnken sei in dieser Aussage zumindest die logische 

Konsistenz der Aussage gegeben. Die aufgeführten Details würden alle Ereignis-

se betreffen, für jedes einzelne habe es relativ wenige. Die Darstellung sei zwar 

zeitweise sprunghaft gewesen, doch sei dies häufig durch die Befragungstechnik 

und nicht durch Gedankenassoziationen der Privatklägerin bedingt. Die raumzeit-

liche Verknüpfung finde man bei der Beschreibung des Ablaufs der Vergewalti-

gung in J._____ sowie in London. Es gebe mehrere Interaktionsschilderungen, 

insbesondere als die Privatklägerin ihre Entweichversuche beschreibe. Die  

wiedergegebenen Gespräche seien lückenhaft und einseitig, ein wenig reichhalti-

ger bei der Beschreibung des Ereignisses in London als in J._____. Als Kompli-

kationen im Handlungsablauf könne man die Flucht in die Toilette, sowohl in  

J._____ (vor der Vergewaltigung) als auch in London, bezeichnen. Eigene  

psychische Vorgänge würden quasi nicht beschrieben, hingegen würden psychi-

sche Vorgänge beim Beschuldigten vermutet, wenn sie bei beiden das Element 

"du bist wie meine eigene Tochter" als ein Ausdruck von Unwohlsein vermutet. 

Inhaltliche Besonderheiten finde man wenige, ausser mehrere Äusserungen, dass 

sie das Verhalten der beiden Männer bzw. deren Absicht nicht verstanden habe. 

Motivationsbezogene Inhalte finde man relativ häufig im Sinne von Eingeständnis 

-  15  - 

von Erinnerungslücken, selten auch Korrekturen von eigenen Aussagen. Delikt-

spezifische Inhalte seien höchst beschränkt, einzig die Aussage, dass der Onkel 

aus London erstaunt gewesen sei, dass die Vagina grösser als erwartet gewesen 

sei, könne so interpretiert werden. Zusammenfassend könne festgehalten  

werden, dass während der Einvernahme das emotionale Klima durch die  

Gehemmtheit, Ausdrucksarmut und verwirrliche Narrationsart der Zeugin geprägt 

gewesen sei, so dass die Polizeibeamtin sehr häufig zu neuformulierenden  

Fragen habe greifen müssen (Urk. 187 S. 27f.). Die Gehemmtheit im Aussage-

verhalten der Privatklägerin könne verschiedene Gründe haben. Zum einen  

handle es sich um Inhalte mit sexuellem Charakter, was insbesondere bei einer 

14-jährigen tamilischen Zeugin schambesetzt sein könne. Zum anderen könne es 

bei der Privatklägerin zu ihrem Kommunikationsstil gehören, da sie ausserhalb 

des Familienkreises als diskret und zurückhaltend beschrieben werde (Urk. 187 

S. 38 unten).  

6.4. Anlässlich der videodokumentierten Einvernahme vom 8. April 2011 habe 

sich die Privatklägerin während den ersten Stunden der Einvernahme aufmerk-

sam und äussert kollaborativ, ruhig und beherrscht gezeigt. Bei Unklarheiten und 

Unverständnissituationen habe sie meistens nachgefragt, habe sich nicht durch 

wiederholte Fragestellungen irritieren lassen, sondern habe an ihrer Version fest-

gehalten. Konfrontiert mit Widersprüchen zu vorherigen Gesprächen habe sie 

entweder damit argumentiert, dass sie sich nicht erinnern könne oder dass dies 

möglicherweise auf einem Missverständnis beruhe. Als nach über dreieinhalb 

Stunden die Sachbearbeiterin nach einer Pause zurückgekommen sei, habe die 

Privatklägerin geweint und dies damit erklärt, dass es hart für sie sei, das Gefühl 

zu haben, dass ihr nicht geglaubt werde. Gesamthaft bestehe eine logische  

Konsistenz bei dieser erneuten Einvernahme bezüglich der strafrechtlich ahnd-

baren Ereignisse. Auch in dieser Einvernahme zeige sich die Privatklägerin sehr  

zurückhaltend mit spontanen Äusserungen oder Beschreibungen. Im Allgemeinen 

antworte sie mit ein paar Sätzen, Details würden meistens nur auf Nachfrage  

angegeben und auch da im Allgemeinen mit minimalen Aussagen. In diesem  

Zusammenhang könne auch die Sprunghaftigkeit der Aussagen nicht beurteilt 

werden, da die festgestellte Sprunghaftigkeit eher mit dem Fragenkatalog der 

-  16  - 

Sachbearbeiterin als mit dem Narrationsfluss der Geschädigten zusammenhänge. 

Es würden keine raumzeitlichen Verknüpfungen und Interaktionsschilderungen 

angegeben, Gespräche würden wenig wiedergegeben oder in einer überarbeite-

ten Form, wobei anzunehmen sei, dass diese Gespräche auf Tamilisch geführt 

worden seien und die Privatklägerin diese somit in einer übersetzten Form  

wiedergebe. Es komme zu keiner reellen Beschreibung von ausgefallenen  

Einzelheiten, wenigen Angaben zu Nebensächlichkeiten oder zu indirekt hand-

lungsbezogenen. Eigene psychische Vorgänge würden in dieser Einvernahme ein 

wenig häufiger erwähnt im Sinne empfundenen Ekels oder von Wehrlosigkeit, 

doch auch auf Nachfrage würden keine Emotionen nach den Ereignissen ange-

geben. Motivationsbezogene Inhalte wie spontane Verbesserung der eigenen 

Aussage oder Einwände gegen die Richtigkeit eigener Aussagen, Selbst-

belastungen oder Entlastungen des Beschuldigten würden nicht vorkommen. Hin-

gegen würden immer wieder Gedächtnislücken angegeben, wobei sich diese als 

nicht beständig erwiesen. Gesamthaft wirke auch diese Aussage kohärent und  

einigermassen konsistent, sei aber wegen der beschränkten Menge an Spontan-

aussagen aussagepsychologisch schwer zu beurteilen. Non-verbale Aspekte  

sowie Kongruenzen oder Divergenzen zwischen den beobachtbaren Affekten und 

den angesprochenen Themen hätten ebenfalls nicht festgestellt werden können, 

da sich die Geschädigte während dem grössten Teil des Gesprächs kontrolliert 

und psychomotorisch besonders ruhig verhalte (Urk. 187 S. 28ff.).  

6.5. Es könne festgestellt werden, dass es keine offensichtlichen Motive gebe, 

wieso die Privatklägerin während der polizeilichen Einvernahme beide Verge-

waltigungen erwähnt habe, der Gynäkologin gegenüber aber dann nur noch eins 

(Urk. 187 S. 31).  

6.6. Im Zusammenhang mit der transkulturellen Analyse wurde unter Einbezug 

der Tamilin I._____ darauf hingewiesen, dass die tamilische Gesellschaft sich 

durch eine ausgesprochene familien- und clanbezogene Vernetzung charakteri-

siere, wobei eine Einbeziehung von Dritten und insbesondere von  

Behörden nur ausnahmsweise geschehe und als Versagen der familieninternen 

Problemlösungskompetenzen interpretiert werde. Weiter bestünden noch ausge-

-  17  - 

sprochene genderspezifische Rollenzuteilungen, wobei den Männern die haupt-

sächliche Entscheidungskompetenz und Verantwortung zukomme. Den Frauen 

komme eine familieninterne Stützfunktion zu. Die Gesellschaft sei in Kasten  

strukturiert, welche gewissen Regeln unterworfen seien. Unter anderem sei  

Kastenvermischung durch die Eheschliessung nicht erwünscht. In diesem Kultur-

kreis werde in Anwesenheit von Kindern kaum über Sexualität gesprochen, diese 

würden nur selten durch die Eltern aufgeklärt. Bei Eintritt der Menarche werde  

eine Pubertätszeremonie im Rahmen eines grossen Freudenfestes gefeiert. In 

der Diaspora habe dies eher symbolischen und traditionellen Wert. In Indien  

werde dies heute noch so praktiziert.  

Die Kernfamilie der Privatfamilie bilde wegen des Todes des Vaters und der  

Abwesenheit eines männlichen Familienoberhauptes im tamilischen Kultur- und 

Sozialgefüge eine Besonderheit und sei sicherlich gewissen Ausgrenzungskräften 

ausgesetzt. Dies umso mehr, da die Mutter der Privatklägerin mit ihrem Telefon-

anruf an die Polizei beim fatalen Ehestreit die ungeschriebene Regel verletzt  

habe, die Familienprobleme nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Dass diese  

Regelverletzung als indirekte Konsequenz den Tod ihres Ehemannes zur Folge 

gehabt habe, verstärke möglicherweise noch ihre Schuld. Dies könne zur Aus-

grenzung der Familie aus der tamilischen Gemeinschaft, wie sie von der Privat-

klägerin beschrieben werde, beigetragen haben. In diesem von der Männer-

domination geprägten Umfeld sei es nicht unwahrscheinlich, dass auch eine  

deplatzierte Geste des Grossvaters nicht zu einer für die Privatklägerin ersichtli-

chen missbilligenden Reaktion geführt habe. Sofern weitere, vom Onkel mit väter-

licher Rolle deplatzierte Gesten stattgefunden hätten, sei es vorstellbar, dass sich 

die Privatklägerin nicht anders zu helfen gewusst habe als zu versuchen, heiklen 

Situationen aus dem Weg zu gehen. Die Androhung eines Suizids als Machtmittel 

scheine vom kulturellen Standpunkt her nicht abwegig. Im Gegenteil stelle die 

Drohung, einer Kernfamilie das männliche Oberhaupt wegzunehmen, ein beson-

ders starkes Druckmittel dar. Erwähnenswert sei in diesem Zusammenhang, dass 

tamilische Frauen, die keinen männlichen "Beschützer" haben, leicht von  

gewissen Mitgliedern der Gesellschaft als Freiwild betrachtet würden. Die Autori-

tätshörigkeit könne den Hintergrund bilden für das Verhalten der Privatklägerin 

-  18  - 

vor, während und nach der mutmasslichen Vergewaltigung in J._____ durch ihren 

Onkel. Die beschriebenen Abwehrstrategien seien vereinbar mit einer inneren 

Konfliktsituation zwischen Wahrung der eigenen körperlichen Integrität und Intimi-

tät und Respekt vor einer "väterlichen" Autoritätsperson. Diese stehe nicht im  

Widerspruch mit dem in der Kernfamilie gezeigten Oppositionsverhalten, da es 

sich bei der Mutter um eine weibliche Autoritätsperson handle. Im Zusammen-

hang mit dem Versuch des Schulwechsels nach London sei die Privatklägerin der 

Empfangsfamilie doppelt verpflichtet gewesen, da sie nicht nur zu Gast gewesen 

sei, sondern weil es eine Lösung aus einer selbstverschuldeten Misserfolgs-

situation gewesen sei. Ausserdem sei der Gastgeber das nächste männliche  

Familienoberhaupt gewesen. Abschliessend sei vom kulturellen Standpunkt her 

erstaunlich, dass die Privatklägerin einen solchen Sachverhalt überhaupt publik 

gemacht habe und dass es bis zur Anzeige gekommen sei. Durch eine solche 

Handlung habe sie die grundlegende Regel der familieninternen Problemlösung 

missachtet. Zudem habe sie die Isolationstendenz der Familie noch vergrössert 

und ihre eigene schutzlose Situation offizialisiert (Urk. 187 S. 31ff.).  

6.7. Die Privatklägerin habe zum aktuellen Zeitpunkt ein altersentsprechendes 

Entwicklungsniveau erreicht. Psychopathologisch manifestierten sich diskrete 

Zeichen einer vergangenen Depression im Sinne von intermittierenden leichten 

Schlafstörungen und Momenten von Traurigkeit. Andere psychopathologische 

Zeichen seien eine gewisse Rückzugstendenz, Angstgefühle insbesondere im 

Zusammenhang mit der Übergriffsthematik, leicht erhöhte Irritabilität. Diese 

Symptome seien aber nicht ausgeprägt genug, um Krankheitscharakter zu haben. 

Im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung seien Abhängigkeitszüge und fehlen-

des Selbstvertrauen sowie eine leicht beschränkte Symbolisierungs- und Verbali-

sierungskapazität zu beschreiben.  

Die Aussagetüchtigkeit der Privatklägerin sei nicht eingeschränkt. Sie habe eine 

durchschnittliche Intelligenz, keine psychiatrische Erkrankung, welche ihre Wahr-

nehmungsfähigkeiten beeinflusse, keine Anzeichen einer neurologischen  

Erkrankung, welche die Gedächtnis- oder die Ausdrucksfunktionen beeinträchti-

gen würde (Urk. 187 S. 37).  

-  19  - 

6.8. Zusammenfassend erlaube es die reine aussageanalytische Beurteilung nicht 

im positiven Sinne über jeden Zweifel erhaben zu bestätigen, dass die gemachten 

Aussagen auf einem realen Hintergrund beruhen. Dies bedeute aber bei weitem 

nicht, dass die gegenteilige Aussage belegt wäre. In der Tat seien verschiedene 

Aspekte bei der Gesamtbeurteilung zu berücksichtigen, welche im Folgenden  

diskutiert werden. Da die Privatklägerin selber keinen Vater mehr habe, werde die 

Suiziddrohung eines Familienvaters als ausschlaggebendes Argument erwähnt, 

die mutmasslich erlittenen sexuellen Übergriffe nicht zu verraten. Weiter sei in der 

tamilischen Gesellschaft noch mehr als bei uns verankert, dass die Probleme  

primär in der Familie zu lösen seien. Das Vertrauen in die Behörde sei noch  

geringer als das in die tamilische Gemeinschaft. Die Mutter der Privatklägerin  

habe eine begrenzte Kommunikationsfähigkeit. Es sei für die Privatklägerin sehr 

schwierig gewesen, mit ihrer Mutter über ein sexuelles Erlebnis zu sprechen.  

Weiter sei nicht klar, wie mit den inadäquaten Berührungen durch den Grossvater 

der Privatklägerin umgegangen worden sei. Unter diesen Umständen scheine es 

besonders schwierig, Missstände aufzudecken, was die lange Zeit bis zur ersten 

Aussage erklären könne. Indirekte Zeichen für eine Traumatisierung seien nur 

schwer auszumachen. Weiter spiele eine Rolle, dass im mittel- und ostasiatischen 

Kulturraum ein sehr flexibler Zeitbegriff üblich sei und es sich ausserdem um die 

Tendenz zur Konfliktvermeidung zwecks Scheinwahrung handle. Es seien dem 

Gutachter leider keine kulturspezifischen entwicklungspsychologischen Modelle 

bekannt, die diese beiden Aspekte einbeziehen würden. Diese Aspekte könnten 

dazu führen, dass die Privatklägerin eine relative Toleranz für in der Zeit sich  

befindende Divergenzen und Widersprüche aufweise. Dies würde erklären, wieso 

sie sich nicht mehr daran erinnern könne, dass sie zwischen der ersten und der 

zweiten polizeilichen Einvernahme der Gynäkologin nur von einer Vergewaltigung 

erzählt habe.  

Im ganzen Aussageprozess seien keine Fremdeinflüsse erkennbar. Insbesondere 

im nahen Umfeld der Privatklägerin habe die Information, dass ein intrafamiliärer 

sexueller Übergriff stattgefunden habe, eine Überraschungs- und Ablehnungs-

reaktion bewirkt. Die erste Reaktion der Mutter sei besonders ungläubig und  

ablehnend gewesen, was man üblicherweise bei einer Suggestionssituation nicht 

-  20  - 

finde (die Mutter der Privatklägerin habe behauptet, der Beschuldigte habe sie vor 

Jahren auch sexuell belästigt). Auch die Hypothesen einer Verlagerung, sei es im 

Sinne der Bezeichnung eines falschen Täters oder eines beobachtenden aber 

nicht selber erlebten Ereignisses hätten keine Grundlage. Die Privatklägerin  

bezeichne klar und unmissverständlich die beiden Täter, wobei keine anderen 

Verdächtigen bekannt seien. Weiter bestünden auch keine Indizien für einen  

familienfremden Täter. Ausserdem gehe aus der gynäkologischen Untersuchung 

hervor, dass die Privatklägerin nicht mehr jungfräulich sei. Da die Realkenn-

zeichen nur in beschränkter Anzahl vorhanden seien, müsse auch die Lügen-

hypothese exploriert werden. Es gebe keine Angaben, dass die Privatklägerin  

motiviert sei, zwei ihrer Onkel grundlos anzuklagen. Im Gegenteil sei es als vater-

lose Waise besonders erstrebenswert, mit ihnen guten Kontakt zu wahren. Die 

Neidhypothese gegenüber der gleichaltrigen Cousine könne nicht ohne weiteres 

verworfen werden. Jedoch hätten die beiden Mädchen bis zur Anzeige ein gutes 

Verhältnis gehabt. Die Neidhypothese sei auch gegenüber dem Onkel in London 

schwer anwendbar. Es sei unzweifelhaft, dass die Privatklägerin eine Lügen-

geschichte erfinden könnte. Die Konstanz, mit der sie die wesentlichen Elemente 

der Ereignisse wiedergegeben habe, spreche jedoch eher für erlebnisbasierte  

Ereignisse. Es erscheine aufgrund dem Mangel an Aufklärung und der beschüt-

zenden und konservativen Erziehung jedoch als wenig wahrscheinlich, dass die 

Privatklägerin das Wissen gehabt habe, diese Geschichte zu erfinden. Gesamt-

haft gesehen und in Anbetracht aller Elemente sei die Wahrscheinlichkeit, dass 

die gemachten Aussagen erlebnisbasiert seien und nicht durch Suggestions-

effekte entstanden oder erlogen seien, deutlich grösser als die gegenteiligen  

Hypothesen (Urk. 187 S. 39ff.).  

6.9. Es gebe Übereinstimmungen im Aussageverhalten und Unterschiede in der 

Beschreibung der mutmasslichen Ereignisse. Die Übereinstimmungen beträfen 

vor allem das Ausmass der Gewaltanwendung, die Erwähnung der familiären  

Beziehung zwischen dem mutmasslichen Täter und dem Opfer und der Angabe, 

dass vor allem die Kleider der unteren Körperhälfte entfernt worden seien. Diver-

gierende Angaben beträfen die Benützung eines Kondoms, die Vorbereitungs-

-  21  - 

strategien und den Rückzug ins Badezimmer. Diese verschiedenen Elemente 

sprächen eher für eine erhöhte Glaubwürdigkeit (Urk. 187 S. 45).  

6.10. Das Gutachten über die Privatklägerin ist nachvollziehbar und soweit 

schlüssig. Dem Gutachter werden Fragen nach der Urteilsfähigkeit und/oder nach 

psychischen Störungen gestellt, welche mit Blick auf den Gegenstand der Ein-

vernahme von Relevanz sein können. Gemäss Gutachten zeigte die Privat-

klägerin einen ausgeglichenen psychischen Zustand und es eröffneten sich keine 

Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Aussagetüchtigkeit. Der Gutachter hielt 

jedoch fest, dass die Privatklägerin nur wenige spontane Angaben gemacht habe 

und deshalb nur eine beschränkte Anzahl an Realkennzeichen festgestellt werden 

konnten. Die Haltung der Privatklägerin sei durch eine starke Selbstkontrolle und 

eine Gehemmtheit charakterisiert, so dass wenig spontane Äusserungen statt-

gefunden hätten. Dies erschwere die Beurteilung der Glaubhaftigkeit, da Details 

nur auf Nachfrage angegeben worden seien. Es entspreche aber dem generellen 

Kommunikationsverhalten der Privatklägerin, das sie auch bei der Untersuchung 

während des Gutachtens gezeigt habe. Die Kernaussage des Gutachtens ist  

darin zu sehen, dass aufgrund der aussagenanalytischen Beurteilung nicht über 

jeden Zweifel erhaben bestätigt werden könne, dass die Aussagen der Privat-

klägerin der Realität entsprechen würden. Gemäss Gutachter ist gesamthaft  

gesehen und in Anbetracht aller Elemente aber die Wahrscheinlichkeit, dass die 

gemachten Aussagen erlebnisbasiert sind und dass sie nicht durch Suggestions-

effekte entstanden oder erlogen sind deutlich grösser als die gegenteiligen Hypo-

thesen. Der Gutachter muss es bei der Einschätzung dieser Wahrscheinlichkeit 

belassen, er hat nicht den Auftrag bereits gemachte Aussagen als Beweis im  

Gesamtzusammenhang zu würdigen, dies ist Aufgabe des Gerichtes.  

7. Vorfälle in Indien  

7.1. Aussagen der Privatklägerin 

7.1.1. Die Privatklägerin führte anlässlich der ersten Videobefragung vom 

3. Dezember 2010 aus, sie habe vor zwei Jahren mit ihrer Familie, der Familie  

ihrer Cousine und mit der Familie deren Cousine väterlicherseits in Indien Ferien 

-  22  - 

gemacht. Der Beschuldigte habe dann eines Tages Spass gemacht und gesagt, 

sie sei wie seine Tochter und habe sie dann berührt. Sie habe nicht verstanden, 

was er habe tun wollen. Er habe sie dann aufgefordert, nach oben zu gehen. Sie 

habe gedacht, er wolle ihr etwas zeigen. Er habe dann aber gesagt, sie solle ihn 

küssen. Sie habe nicht verstanden, wieso er das gesagt habe und habe ab-

gelehnt. Er habe gesagt, er sei ihr Onkel, worauf sie erwidert habe, dass sie ihn 

deshalb nicht küssen müsse. Dann habe er begonnen, sie zu berühren.  

Eines Tages habe er dann gesagt, sie solle nach oben kommen. Dann habe er 

sie berührt und versucht, "es" zu machen und dann habe er "es" ihr gemacht und 

dann habe er an den anderen Tagen versucht, "es" zu machen, wenn sie zu ihm 

gegangen sei. Sie habe Angst gehabt und das ihrer Mutter nicht sagen können, 

weil sie sowieso schon so viele Probleme gehabt habe.  

In Indien sei es so gewesen, dass die Mütter eher in der Küche und die Männer 

im Wohnzimmer am Fernsehen gewesen seien, währenddem die Kinder im  

ganzen Haus Verstecken gespielt hätten. Der Beschuldigte  sei ins Zimmer  

gekommen. Sie hätten miteinander gesprochen und dann habe er angefangen, 

die Privatklägerin über den Kleidern an den Brüsten und am Geschlechtsteil zu 

berühren. Sie habe nicht verstanden, weshalb. Sie habe gesagt, er solle aufhören 

und habe seine Hand weggenommen. Er habe sie aber festgehalten. Dann habe 

jemand hineinkommen wollen, worauf er sie losgelassen habe und so getan habe, 

als würde er mit ihr reden. Sie habe versucht, wegzugehen, aber er habe sie nicht 

gehen lassen wollen, weshalb er gesagt habe, sie müsse aufräumen oder so  

etwas in der Art, damit sie bei ihm bleibe. Als die Leute reingekommen seien,  

habe er ihr gesagt, dass es ihm gefalle, damit sie wiederkomme und zu den  

anderen habe er gesagt, sie (die Privatklägerin) müsse aufräumen bzw. irgend-

etwas machen, damit sie bei ihm bleibe. Dann seien zwei Personen gekommen, 

worauf er sie losgelassen habe und sie weggegangen sei. Er habe sie während 

der Ferien in Indien mehrmals berührt. Er habe jeweils erfolglos versucht, mit ihr 

Liebe zu machen, wenn niemand da gewesen sei. Der Beschuldigte habe dabei 

ihre Hand festgehalten, so dass sie sich nicht habe bewegen können. Er habe sie 

dabei auch versucht zu küssen, was er schliesslich geschafft habe, wobei sie ihn 

-  23  - 

angespuckt habe. Dann habe er sich bekleidet auf sie gelegt, wobei sie versucht 

habe, ihn wegzustossen, was ihr nicht gelungen sei. Sie habe auch nicht schreien 

können. Sie wisse nicht genau, was er gemacht habe, er habe versucht, seine 

Hand unter ihre Kleider auf die Brüste und die Geschlechtsteile zu legen, aber sie 

habe ihn nicht gelassen. Diese Übergriffe hätten zweimal stattgefunden. Als sie 

es dann gewusst habe, sei sie immer mit ihren Cousinen gewesen und habe ver-

sucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Die Übergriffe in Indien seien zwei Jahre  

zuvor während der Sommerferien passiert. Sie habe damals die 7. Klasse  

wiederholen müssen, es sei in den Sommerferien zwischen diesen 7. Klassen 

passiert (Urk. 9/4 S. 3ff.). 

7.1.2. Anlässlich der zweiten Videobefragung vom 8. April 2011 gab die Privat-

klägerin zu Protokoll, sie habe Angst davor gehabt, ihrer Mutter von den Über-

griffen zu erzählen, weil sie gedacht habe, dass sie dann von ihr verstossen  

würde. Ihre Mutter habe ihr erst nach den gynäkologischen Untersuchungen  

geglaubt. Sie sei vor drei oder vier Jahren in Indien gewesen. Jedes Mal, wenn 

sie mit den anderen Kindern gespielt habe, habe der Beschuldigte sie allein ins 

Zimmer genommen. Er habe versucht, sie zu berühren und zu küssen. Einmal 

habe er zu ihr gesagt, sie solle ihm helfen, ein Hemd zu suchen. Sie habe nein 

gesagt, worauf der Beschuldigte sie am Arm gezogen und gesagt habe, er wolle 

sie küssen. Dies sei wohl am Nachmittag gewesen. Die Schwester des Onkels 

und die Frau seines jüngeren Bruders könnten gesehen haben, wie er sie am Arm 

gezogen habe. Die Türe habe der Beschuldigte jeweils zugemacht, ohne abzu-

schliessen. Der Beschuldigte habe sie über den Kleidern mit der Hand an den 

Brüsten und an der Scheide berührt. Die Privatklägerin habe sich geekelt und 

versucht, seine Hand wegzunehmen und ihn wegzustossen. Dies sei ihr jedoch 

nicht gelungen. Sie habe nicht geschrien. Der Beschuldigte habe gedroht, sich 

umzubringen, falls sie darüber sprechen sollte. Es sei richtig, dass jemand ins 

Zimmer gekommen sei. Wer es gewesen sei, könne sie nicht mehr sagen, even-

tuell die Tochter des Beschuldigten. Sie habe Angst vor einem Angriff oder  

Schlägen gehabt, falls sie das Zimmer verlassen würde. Der Beschuldigte habe 

versucht, die Privatklägerin mit der Zunge zu küssen. In Indien sei es nur zu  

einem solchen Vorfall gekommen, in der Mitte oder Ende der Ferien. Der  

-  24  - 

Beschuldigte habe in diesen Ferien nicht versucht, mit der Privatklägerin den  

Geschlechtsverkehr zu vollziehen.  

Im Erdgeschoss des Hauses in Indien sei es nie zu Berührungen durch den  

Beschuldigten gekommen. Der Beschuldigte habe sie in Indien mehrmals berührt, 

wie oft, könne sie nicht sagen, ca. zwei oder drei Mal. Die Privatklägerin erklärte, 

dass sie glaube, dass dieses Problem familienintern gelöst worden wäre, wenn 

sie es ihrer Cousine erzählt hätte und es keine Anzeige gegeben hätte.  

Schliesslich erklärte die Privatklägerin, der Beschuldigte sei ihr in Indien einmal 

gefolgt und habe sie an einen Ort gebracht, wo niemand gewesen sei. Das  

andere Mal habe sie sich versteckt und gespürt, dass er sie suche. Sie habe 

manchmal nicht gewusst, weshalb er ihr gefolgt sei. Sonst habe sie sich versteckt, 

weil sie gewusst habe, dass er kommen könnte. Auf Frage gibt die Privatklägerin 

zur Antwort, dass sie in diesem Moment jeweils nicht daran gedacht habe, zu den 

anderen Personen zu gehen. Die Namen der Personen, die gesehen haben  

könnten, wie der Beschuldigte sie ins Zimmer gezogen habe, kenne sie nicht. 

Einmal sei sie mit dem Beschuldigten im Zimmer gewesen, als die Tante oder ihre 

Mutter sie gerufen habe. Sie habe dann ja gesagt und das Zimmer verlassen. Der 

Beschuldigte habe sie gehen lassen (Urk. 9/15 S. 2f., S. 5, S. 7).  

7.1.3. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 22. November 2011 

sagte die Privatklägerin sehr knapp und einsilbig aus (Urk. 58). Fragen beant-

wortete sie  meist nur mit ja oder nein oder antwortete in sehr kurzen abgehackt 

wirkenden Sätzen. Ihre Aussagen betreffend die einzelnen Vorfälle blieben  

abstrakt. Häufig antwortete sie, sie könne sich nicht mehr erinnern. Nie schilderte 

sie Begebenheiten von sich aus. Betreffend die Vorfälle in Indien verneinte sie die 

Frage, ob sie in der Lage sei, diese nochmals zu erzählen (Urk. 58 S. 9). Ent-

sprechend fehlen diesbezügliche konkrete Aussagen. Sie bestätigte einzig, sie sei 

vom Beschuldigten belästigt worden (Urk. 58 S. 8). 

Wie die Vorinstanz richtig erwogen hat, hat die Privatklägerin zuerst ausgesagt, 

dass der Beschuldigte sie aufgefordert habe, nach oben zu gehen, wo dann in  

einem Zimmer die Übergriffe stattgefunden hätten, wogegen sie wenig später in 

-  25  - 

der selben Einvernahme erklärte, der Beschuldigte sei in das Zimmer zu ihr hin-

eingekommen, als sie Verstecken gespielt hätten (Urk. 9/4 S. 4 oben und Urk. 9/4 

S. 5 unten; Urk. 91 S. 10). In der zweiten Einvernahme erklärte sie erstmals, der 

Beschuldigte habe sie aufgefordert, ihm bei der Suche nach einem Hemd bzw. 

Pullover (Urk. 9/14, 00: 55) zu helfen, was sie abgelehnt habe, worauf er sie am 

Arm in ein Zimmer gezogen habe (Urk. 9/14, 00:51). Er sei ihr manchmal nach-

gekommen, als sie verstecken gespielt hätten und habe sie an einen Ort bringen 

wollen, wo niemand gewesen sei. Manchmal habe sie auch versucht, sich vor  

ihm zu verstecken (Urk. 9/14, 04:24). Nach dem Gesagten zeichnen sich die  

Schilderungen, wie es zur Tat gekommen sei, durch erhebliche Inkonstanzen aus. 

Bezüglich der Anzahl der Übergriffe ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, 

dass die Angaben der Privatklägerin hierzu variieren. In der ersten Einvernahme 

sagte sie, der Beschuldigte habe sie mehrmals bzw. zweimal berührt. In der  

zweiten Einvernahme gab sie dagegen zu Protokoll, es sei immer so gewesen, 

dass er ihr hinterher gekommen sei, wenn sie im oberen Stock oder sonst im 

Haus gespielt hätten. Er habe das die ganze Zeit gemacht. Er habe immer  

geschaut, ob niemand da sei, und sie dann berührt (Urk. 9/14, 00:17). In Über-

einstimmung dazu erklärte die Privatklägerin dann in der selben Einvernahme, der 

Beschuldigte habe sie jedes Mal, wenn sie nach oben gegangen sei, um mit den 

anderen zu spielen, ganz allein ins Zimmer genommen (Urk. 9/14, 45:00). Später 

in derselben Einvernahme verneinte die Privatklägerin dagegen die Frage nach 

einem zweiten Übergriff in Indien und bejahte die Feststellung der Befragenden, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin in Indien nur einmal geküsst bzw. berührt 

habe. Die daraufhin erneut gestellte und präzisierte Frage, ob es ein zweites Mal 

in Indien gegeben habe, anlässlich welchem der Beschuldigte versucht habe, die 

Privatklägerin zu berühren, ihr nahe zu sein oder mit ihr den Geschlechtsverkehr 

zu vollziehen, verneinte sie wiederum (Urk. 9/14, 1:05). Noch später erklärte die 

Privatklägerin dagegen wieder, sie sei in Indien vom Beschuldigten mehrmals  

berührt worden (Urk. 9/14, 2:16). Auf diese Ungereimtheiten angesprochen,  

erwiderte die Privatklägerin, sie habe doch gesagt, er habe ihr das mehrmals  

gemacht, sie habe zwei- bis dreimal gesagt (Urk. 9/14 4:00). Ihre Angaben zur 

Häufigkeit der Übergriffe in Indien reichen damit von einmal, über zwei- bis drei-

-  26  - 

mal bis hin zu '"immer", wenn sie nach oben ging, was einer Vielzahl ent-

sprechen würde. Diese Widersprüche lassen aufhorchen.  

Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin verschiedene Varianten des 

Tatgeschehens zu Protokoll gab: Einmal sagte sie, der Beschuldigte habe ver-

sucht sie zu küssen und sie an den Geschlechtsteilen berührt, dann sagte sie 

aus, er habe sie an den Geschlechtsteilen berührt und versucht "es" zu machen 

bzw. er habe "es" ihr gemacht und schliesslich erklärte sie, der Beschuldigte habe 

sie an den Geschlechtsteilen berührt und sich bekleidet auf sie gelegt und  

versucht, seine Hand unter ihre Kleider auf ihre Brüste und ihre Scheide zu legen. 

Es ist dabei nicht klar, ob es sich bei diesen unterschiedlichen Schilderungen  

immer wieder um andere oder um – zumindest teilweise – dieselben Vorfälle  

handelt.  

Nicht ganz nachvollziehbar erscheint trotz des damals kindlichen Alters der  

Privatklägerin, dass ihr – anstatt sich vor dem Beschuldigten zu verstecken – 

nicht eingefallen sein will, dass sie sich zu ihrem eigenen Schutz hätte zu den  

anderen Personen im Haus begeben können. Erklären konnte sie das nicht, sie 

habe jeweils einfach nicht daran gedacht. 

Weiter scheint schwer nachvollziehbar, dass sich der Beschuldigte an der Privat-

klägerin bei zugemachter, aber nicht verschlossener Zimmertür (Urk. 9/14, 00:56) 

sexuell vergangen haben soll, während sich im ganzen Haus 50 Personen auf-

gehalten (Urk. 9/14, 00:39) und acht Kinder Verstecken gespielt hätten (Urk. 9/14, 

00:49) und der Beschuldigte somit offensichtlich in Kauf genommen hätte, ent-

deckt zu werden. Auch die Schilderung der räumlichen Verhältnisse im Feriendo-

mizil in Indien durch die Privatklägerin lassen die inkriminierten Vorfälle wenig 

realistisch erscheinen. Gemäss ihren Aussagen war im Ferienhaus nur das Erd-

geschoss und der erste Stock bewohnt. Der Dachstock war leer. Im ersten Stock 

hätten sich nur gerade zwei Zimmer befunden, ein Zimmer mit Balkon und ein 

zweites Zimmer, in dem die Übergriffe stattgefunden hätten. Es ist nur schwer 

nachvollziehbar, wie der Beschuldigte bei diesen übersichtlichen Raumverhältnis-

sen trotz Verstecken spielender Kinderschar im ersten Stock - offenbar mehrmals 

- die Gelegenheit gefunden hatte die Privatklägerin am Arm ins eine Zimmer zu 

-  27  - 

ziehen um sie dort zur Duldung von mehreren sexuellen Handlungen zu nötigen. 

Dabei soll er sich sogar bekleidet auf die Privatklägerin gelegt und versucht haben 

seine Hand unter ihre Kleider auf ihre Brüste und Scheide zu legen. Gemäss 

Aussagen der Privatklägerin ist dann tatsächlich jemand in das entsprechende 

Zimmer hineingekommen, wobei mit der Vorinstanz (Urk. 91 S. 13) festzuhalten 

ist, dass schwierig nachzuvollziehen ist, dass die Privatklägerin sich nicht mehr an 

diese Person zu erinnern vermag (Urk. 9/14, 01:00). Es ist doch davon auszu-

gehen, dass der Privatklägerin im Moment, als diese unbekannte Person das 

Zimmer betreten hat, Einiges durch den Kopf gegangen sein muss, wie zum  

Beispiel, dass diese Person sie aus ihrer misslichen Lage befreit hat oder ob  

diese Person etwas vom Übergriff mitbekommen hat. Dies erstaunt umso mehr, 

als dass sich die Privatklägerin dagegen noch daran erinnern konnte, wer sich 

während eines Vorfalls ebenfalls im oberen Stock aufhielt, nämlich die Schwester 

ihres Onkels und die Frau seines jüngeren Bruders (Urk. 9/14, 00:54). 

Weiter hatte die Privatklägerin in der ersten Einvernahme noch erwähnt, dass der 

Beschuldigte sich auf sie gelegt habe (Urk. 9/4 S. 7), was sie in der zweiten Ein-

vernahme mit keinem Wort mehr erwähnte. Die Übergriffe in Indien werden nicht  

in eine nachvollziehbare Vorgeschichte eingebettet geschildert, was auch bezüg-

lich der Schilderungen betreffend die Vergewaltigungen in J._____ und in London 

gilt. Es ist zwar durchaus plausibel, dass die geltend gemachten Übergriffe für die 

damals erst 12 -jährige Privatklägerin völlig überraschend waren und das Ver-

halten des Onkels unverständlich war, indessen erschwert die fehlende Ein-

bettung der Vorkommnisse in eine Vorgeschichte und die pauschale Art der 

Schilderungen die Prüfung der Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt. 

Schliesslich ist lebensfremd, dass die Privatklägerin nach diesen geltend gemach-

ten Übergriffen in Indien gegenüber ihrer Mutter den Wunsch äusserte, allein 

nach J._____ zum Beschuldigten zu reisen und dies auch tat, hätte sie doch mit  

weiteren Übergriffen rechnen müssen.  

Die Aussagen der Privatklägerin sind in Bezug darauf, wie sich die Übergriffe in 

Indien abgespielt haben sollen, unübersichtlich und teilweise widersprüchlich. Es 

geht daraus nicht hervor, wie es zu den Übergriffen kam und was jeweils dabei 

-  28  - 

genau geschehen ist. Insbesondere ist auch nicht klar, ob es sich bei den  

unterschiedlichen Versionen der Privatklägerin um unterschiedliche oder teilweise 

um bereits geschilderte Vorfälle handelt. Die Privatklägerin konnte sich – wie  

erwähnt – auch nicht auf die Anzahl der Übergriffe festlegen. Weiter ist auf die 

von der Vorinstanz erläuterten Widersprüche in den Aussagen hinzuweisen  

(Urk. 91 S. 10ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nicht nachvollziehbar ist ausserdem, wes-

halb die Privatklägerin Berührungen, welche nach ihrer Darstellung seitens ihres 

Grossvaters während desselben Ferienaufenthaltes in Indien stattgefunden  

haben, umgehend in der Familie zur Sprache brachte und ihre Mutter davon in 

Kenntnis setzte, während sie vom Verhalten des Beschuldigten niemandem  

erzählte. Darauf ist im Zusammenhang mit der Darlegung der Aussagen der  

Mutter der Privatklägerin und der Ehefrau des Beschuldigten zurückzukommen. 

7.2. Aussagen des Beschuldigten 

7.2.1. Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme erklärte der Beschuldigte, 

es sei klar, dass er die Privatklägerin schon umarmt habe, aber so, wie sein  

eigenes Kind. Zu verbotenen Handlungen zwischen ihm und der Privatklägerin sei 

es aber nie gekommen (Urk. 8/1 S. 7). Während den Ferien in Indien habe die 

Privatklägerin einmal gesagt, sie sei von ihrem Grossvater sexuell angegangen 

worden. Dies seien aber haltlose Vorwürfe gewesen und sie hätten dieses  

Problem familienintern lösen können. Zwischen ihm selber und der Privatklägerin 

sei in Indien nie etwas passiert. Es könne sein, dass er die Privatklägerin in Indien 

einmal aufgefordert habe, nach oben zu kommen. Dies sei aber nie in sexueller 

Absicht geschehen oder weil er sie habe küssen wollen. Diese Vorwürfe stimmten 

nicht. Es könne sein, dass er die Privatklägerin einmal auf die Backe geküsst  

habe, so wie die anderen Kinder auch (Urk. 8/1 S. 7-10).  

7.2.2. In der Hafteinvernahme bei der Staatsanwaltschaft sagte der Beschuldigte 

aus, die Privatklägerin sei wie seine Tochter, da er und seine Frau nach dem Tod 

des Vaters der Privatklägerin nach deren Familie geschaut hätten. Er selber habe 

von den vorliegenden Vorwürfen von seiner Frau erfahren. Er sei in Indien nie  

allein mit der Privatklägerin gewesen (Urk. 8/2 S. 3-6).  

-  29  - 

7.3. Bericht der Frauenärztin Dr. K._____  

7.3.1. Gemäss dem Bericht der Gynäkologin Dr. K._____, die die Privatklägerin 

am 7. Dezember 2010 erstmals untersuchte, sagte die Privatklägerin anlässlich 

dieser Untersuchung, ihr Onkel in London habe sie im Oktober 2010 vergewaltigt. 

Auf Frage habe die Privatklägerin zur Antwort gegeben, davor noch nie  

Geschlechtsverkehr gehabt zu haben (Urk. 11/7 S. 3f. der deutschen Über-

setzung). Anlässlich der Untersuchung vom 8. März 2011 habe die Privatklägerin 

angegeben, ihr Onkel habe ihr in Anwesenheit anderer Familienmitglieder in  

Indien über den Kleidern an die Brüste gegriffen und sie danach von den anderen 

Kindern getrennt und schliesslich gewaltsam vaginal penetriert. Sie habe dabei 

auch heftige Vor- und Rückwärtsbewegungen beschrieben, die ihr Onkel bei der 

Penetration gemacht habe. Sie habe dann gespürt, wie weisse Flüssigkeit aus 

 ihrer Scheide geflossen sei. Sie habe danach geblutet. Nach der Vergewaltigung 

in London habe sie dagegen nicht geblutet (Urk. 11/7 S. 4 der deutschen Über-

setzung). Die untersuchende Frauenärztin war insbesondere deshalb irritiert, da 

die Privatklägerin trotz ausdrücklicher Nachfrage in der ersten Untersuchung vom 

7. Dezember 2010 noch verneint hatte, dass es vor dem Übergriff in London  

weitere Vorfälle gegeben habe (Urk. 11/10 S. 1, vgl. Urk. 11/7 S. 2 u. S. 4 der 

deutschen Übersetzung). Auf den Widerspruch angesprochen, dass sie bei der 

Frauenärztin offenbar von einer Vergewaltigung in Indien gesprochen habe,  

bestritt die Privatklägerin dies und stellte sich auf den Standpunkt, nur von  

Berührungen gesprochen zu haben. Sie könne sich nicht daran erinnern, bei der 

Ärztin von einer Vergewaltigung gesprochen zu haben (Urk. 9/15 S. 6).  

7.3.2. Offenbar hat die Privatklägerin gegenüber der Frauenärztin Dr. K._____  

eine neue Version eines Vorfalls in Indien erzählt, nämlich dass der Beschuldigte 

ihr in Anwesenheit anderer Familienmitglieder an die Brüste gegriffen habe und 

sie in der Folge separiert und vergewaltigt habe. Es erscheint doch einigermassen 

zweifelhaft, dass der Beschuldigte sich derart offensichtlich an der Privatklägerin 

vergriffen haben soll, zumal dies dann von den anderen Verwandten, z.B. von der 

Mutter der Privatklägerin, hätte gesehen werden können. Ausserdem bestreitet 

die Privatklägerin in der Folge, dies bei der Frauenärztin gesagt zu haben. Die 

-  30  - 

Privatklägerin erzählte ihrer Frauenärztin offenbar erst beim zweiten Treffen, in 

Indien vergewaltigt worden zu sein, wobei sie dies anlässlich des ersten Treffens 

trotz expliziter Nachfrage nach weiteren Vorfällen noch verschwieg. In den polizei-

lichen Einvernahmen, welche vor (3. Dezember 2010) und nach (8. April 2011) 

dem Treffen mit der Frauenärztin stattfanden, gab sie dann jedoch jeweils zu  

Protokoll, in Indien von ihrem Onkel zwar sexuell angegangen, jedoch nicht ver-

gewaltigt worden zu sein, wobei sie in der ersten Einvernahme noch erklärte, der 

Beschuldigte habe sich bekleidet auf sie gelegt und habe etwas machen wollen 

(Urk. 9/4 S. 6 f.), dies dann aber in der zweiten Einvernahme nicht mehr erwähn-

te. Dieses Aussageverhalten lässt aufhorchen. Hinsichtlich des Verschweigens 

von Vorfällen in Indien lassen sich die Aussagen der Privatklägerin auch nicht 

dadurch erklären, dass der Onkel in London der Privatklägerin angeblich – im 

Gegensatz zum Beschuldigten – nicht gedroht habe, sich umzubringen (Urk. 9/4 

S. 16) und sie deshalb weniger Angst gehabt hätte, über den Vorfall von London 

zu sprechen, weil sie dann konsequenterweise von gar keinen Übergriffen seitens 

des Beschuldigten hätte erzählen können. Weiter ist nicht klar, wieso die Privat-

klägerin bei der Frauenärztin im Zusammenhang mit Indien – im Gegensatz zu  

ihren Aussagen im Strafverfahren – offenbar von einer Vergewaltigung ge-

sprochen hat. 

7.4. Aussagen von L._____  

7.4.1. Anlässlich der Erstattung der Strafanzeige gab die Mutter der Privat-

klägerin, L._____, am 4. Dezember 2010 zu Protokoll, was jene ihr im Zusam-

menhang mit sexuellen Übergriffen erzählt habe. Bezüglich Indien war dabei le-

diglich ein angeblicher sexueller Übergriff des Grossvaters der Privatklägerin auf 

dieselbe ein Thema, nicht jedoch ein Übergriff des Onkels der Privatklägerin auf 

dieselbe (Urk. 10/1 S. 1ff. der deutschen Übersetzung). Die Mutter sagte aus, die 

Privatklägerin habe ihr während des Aufenthaltes in Indien im Jahre 2008 oder 

2009 gesagt, der Grossvater habe sie berührt, worauf sie selber sofort mit ihrer 

Mutter (Grossmutter der Privatklägerin) gesprochen habe, welche wiederum mit 

dem Vater (Grossvater der Privatklägerin) gesprochen habe (Urk. 10/1 S. 2 der 

deutschen Übersetzung). 

-  31  - 

7.4.2. Am 13. April 2011 wurde die Mutter der Privatklägerin von der Staats-

anwaltschaft als Zeugin befragt. Sie hat dabei ausgesagt, dass ihre Tochter ihr 

bezüglich Indien nur erzählt habe, dass ihr Opa sie berührt habe. Am Freitag vor 

dieser Einvernahme habe die Privatklägerin erstmals von den Vergewaltigungen 

erzählt, wobei es sich bei den Vorfällen in Indien um Berührungen durch den  

Onkel der Privatklägerin (den Beschuldigten) gehandelt hätte. Am Anfang habe 

die Privatklägerin nur von Berührungen durch den Grossvater in Indien erzählt; 

nachdem sie ihr von der Vergewaltigung in Zürich erzählt habe, habe sie sie auch 

von Berührungen des Beschuldigten in Indien erzählt. Sie habe mit anderen  

gespielt, da sei der Beschuldigte gekommen und habe die Tür zugemacht. Erst 

als eine Cousine oder eine Schwester nach ihr gerufen habe, habe er von ihr  

abgelassen (Urk. 10/2 S. 9). Davon, dass der Beschuldigte die Privatklägerin vor 

anderen Familienmitgliedern an den Brüsten berührt habe, wisse sie nichts, dass 

sei angeblich ihr Vater, also der Grossvater der Privatklägerin gewesen (Urk. 10/2 

S. 12). Die Zeugin berichtete von einem Selbstmordversuch der Privatklägerin im 

Jahre 2011 (Urk. 10/2 S. 14). Die Privatklägerin habe ein Messer genommen und 

versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, sie habe gesagt, dass alle in der 

Familie Probleme hätten wegen ihr (Urk. 10/2 S. 4). 

Offenbar hat die Privatklägerin bis März/April 2011 weder ihrer Frauenärztin (vgl. 

Ziff. 7.3.) noch ihrer Mutter von den eingeklagten Vorfällen in Indien erzählt. Dies 

wirft Fragen auf. 

7.5. Aussagen von M._____ 

7.5.1. Die Vertreterin der Privatklägerin stützt sich in ihrer Berufungserklärung  

explizit auf die Einvernahme der Zeugin M._____ (Urk. 94 S. 4 unten).  

Anlässlich der Zeugenbefragung vom 17. Mai 2011 gab M._____ zu Protokoll, die 

Privatklägerin seit der 1. Klasse zu kennen. Diese sei jetzt in der 8. Klasse. Sie 

sei bisher von ihr noch nie angelogen worden. Nachdem die Privatklägerin aus 

London zurückgekommen sei, habe sie an ihr eine Veränderung festgestellt. Sie 

habe eine andere Miene gehabt, habe nicht glücklich ausgesehen. Kurz nach ih-

rer Rückkehr aus London habe die Privatklägerin in der Schule geweint. Sie habe 

-  32  - 

die Privatklägerin dann gefragt, was los sei, worauf diese gesagt habe, dass sie 

(die Zeugin) nicht mehr mit ihr sprechen würde, wenn sie es ihr (der Zeugin) sa-

gen würde, da sie sich für sie schämen würde. Sie (die Zeugin) habe dann ge-

sagt, dass dem nicht so sei, worauf die Privatklägerin ihr erzählt habe, was ge-

schehen sei: Ihr Onkel in London habe versucht, sie zu vergewaltigen, als sie dort 

gewesen sei. Es sei nicht das erste Mal, dass dies jemand versucht habe. Auf 

Nachfrage erklärte die Zeugin, nicht mehr zu wissen, ob die Privatklägerin gesagt 

habe, dass es sich um eine Vergewaltigung oder um einen Vergewaltigungsver-

such gehandelt habe. Zuvor habe jemand in Indien sie vergewaltigt oder es ver-

sucht und dann in Zürich noch einmal. Sie wisse nicht, ob es sich beim Übergriff 

in Indien um denselben Mann wie in London gehandelt habe oder denselben wie 

in Zürich. Beim Vorfall in Zürich habe es sich auch um einen Onkel der Privatklä-

gerin gehandelt. Die beiden Onkel hätten damit gedroht, sich umzubringen, falls 

die Privatklägerin es ihrer Mutter erzählen würde. Die Privatklägerin habe auch 

gesagt, sie habe Angst um ihre Mutter, da sie sich nie mehr davon erholen würde, 

wenn sie wüsste, dass jemand aus der Familie sie vergewaltigt habe. Da die Pri-

vatklägerin ihrer Mutter nichts davon habe erzählen wollen, habe sie (die Zeugin) 

vorgeschlagen, die Mediatorin einzuschalten. Diese habe dann wiederum die Mut-

ter der Privatklägerin informiert (Urk. 10/5 S. 4ff.).  

7.5.2. Aus den Aussagen der Zeugin M._____ geht einzig hervor, dass die Privat-

klägerin ihr nach ihrer Rückkehr aus London von Vergewaltigungen oder Verge-

waltigungsversuchen in Indien, London und Zürich erzählt hat. Was dabei genau 

vorgefallen sein soll, konnte die Privatklägerin aber nicht sagen. Aus diesen Zeu-

genaussagen lässt sich nichts Wesentliches zur Erstellung des Sachverhalts ab-

leiten. Es ist ihnen immerhin zu entnehmen, dass die Privatklägerin nach ihrer 

Rückkehr aus London psychisch stark belastet wirkte und der Zeugin von Verge-

waltigungen bzw. Vergewaltigungsversuchen durch zwei Onkel erzählte. 

7.6. Aussagen von N._____ 

7.6.1. Die Vertreterin der Privatklägerin stützt sich in ihrer Berufungserklärung 

weiter auf die Aussagen von N._____ (Urk. 94 S. 4).  

-  33  - 

Die Mediatorin N._____ wurde am 17. Mai 2011 als Zeugin befragt. Sie gab zur 

Protokoll, dass die Privatklägerin ihr anlässlich eines Gesprächs anfangs  

Dezember 2010 in Begleitung von M._____ erzählt habe, dass sie in Indien als 

12-jährige mehrfache Übergriffe durch den Beschuldigten erlitten habe. Ihr sei 

dabei gedroht worden. Diese Übergriffe seien noch nicht vorbei, da der Beschul-

digte, der in Zürich wohne, anfangs Dezember nach O._____ kommen werde, um 

den Geburtstag des Bruders der Privatklägerin zu feiern. Davor habe die  

Privatklägerin Angst gehabt und sei deshalb zu ihr gekommen. Sie hätte der  

Privatklägerin helfen sollen, deren Mutter von den Vorfällen zu erzählen, da jene 

Angst davor gehabt habe. Die Privatklägerin habe ihr erzählt, dass sie oft und 

stark in der Schule geweint habe, weshalb sich ihre Klassenkameraden Sorgen 

um sie gemacht hätten. Sie (die Zeugin) habe dann sofort den Schuldirektor  

informiert (Urk. 10/6 S. 6ff.). Die Privatklägerin habe ihr von sexuellen Übergriffen 

in England und in Indien erzählt, in ihren Notizen habe sie (die Zeugin) nichts über 

die Schweiz geschrieben. Sie habe nicht versucht, mehr über die Details zu  

erfahren (Urk. 10/6 S. 7). 

7.6.2. Gestützt auf diese Aussagen lassen sich einzig die Aussagen von M._____ 

und der Privatklägerin bestätigen, wonach sie Kontakt zur Mediatorin gesucht ha-

ben. Ansonsten und in Bezug auf den eingeklagten Sachverhalt lässt sich nur ab-

leiten, dass die Privatklägerin N._____ offenbar von Übergriffen in Indien und 

England, nicht aber vom eingeklagten Vorfall in J._____ erzählt hat.  

7.7. Aussagen von P._____ 

Weiter verwies die Vertreterin der Privatklägerin auf die Zeugeneinvernahme von 

P._____ anlässlich der Hauptverhandlung (Urk. 94 S. 4). P._____ hat gemäss 

diesen Aussagen als Sozialberater für den Dienst zum Schutz von Jugendlichen 

seit Februar 2008 mit der Familie der Privatklägerin zu tun. Die Betreuung durch 

diesen Dienst habe 2006 nach dem Tod des Vaters der Privatklägerin begonnen. 

Die Privatklägerin habe dem Zeugen vor Eröffnung des Strafverfahrens nichts be-

treffend die sexuellen Übergriffe erzählt (Urk. 59 S. 2f.). Er bestätigte, dass die 

Privatklägerin heute an Depressionen leide und medikamentös behandelt werde, 

ebenso, dass es im Juli 2011 zu einem Suizidversuch der Privatklägerin gekom-

-  34  - 

men sei (Urk. 59 S. 13f.). Auch die Aussagen von P._____ belegen, dass die Pri-

vatklägerin an erheblichen psychischen Belastungen leidet; es lassen sich daraus 

jedoch keine Hinweise im Zusammenhang mit den inkriminierten Sachverhalten 

ableiten.  

7.8. Aussagen von Q._____ 

Bei dieser Zeugin handelt es sich um die Tante der Privatklägerin und Ehefrau 

des Beschuldigten. Sie sagte in der Zeugeneinvernahme aus, dass die Privat-

klägerin ihr einmal in Indien erzählt habe, der Grossvater habe sie berührt (Urk. 

10/4 S. 5 und S. 9). Diese Zeugenaussage stimmt mit den Aussagen der Mutter 

der Privatklägerin überein, welche ebenfalls aussagte, die Privatklägerin habe zu-

erst nur von Berührungen des Grossvaters in Indien gesprochen (vgl. vorstehend 

Ziff. 7.4.). 

An dieser Stelle ist nochmals festzuhalten, dass es nicht ohne weiteres nachvoll-

ziehbar ist, weshalb die Privatklägerin in Indien ihrer Mutter und ihrer Tante von 

den Berührungen durch den Grossvater erzählte, nicht jedoch von den Berührun-

gen durch den Beschuldigten. Die angeführte Drohung des Beschuldigten mit sei-

nem Suizid, kann das nur ansatzweise erklären (vgl. auch Urk. 187 S. 33) Es 

bleiben Fragen offen.  

7.9. Berichte von Dr. E._____ und Dres. D._____/C._____ 

7.9.1. Weiter trägt der von der Vertreterin der Privatklägerin erwähnte Bericht von 

Dr. D._____ und Dr. C._____ (Urk. 94 S. 5, Urk. 50) nichts Wesentliches zur 

Sachverhaltserstellung bei. In diesem Bericht vom 8. November 2011 wird festge-

halten, dass die Privatklägerin am 18. Juli 2011 die Beratungsstelle erstmals auf-

gesucht habe und dass das Thema der Vergewaltigung und anderer illegaler se-

xueller Handlungen erst kürzlich angesprochen worden sei, wobei die Therapeu-

tinnen ausführten, sie wüssten von drei Missbräuchen durch zwei verschiedene 

Onkel und sie hätten keinen Zugang zu Schilderungen der Privatklägerin betref-

fend illegale sexuelle Handlungen. Die aktuelle Problematik der Privatklägerin 

könne in Zusammenhang mit vorangehenden sexuellen Missbräuchen stehen. 

-  35  - 

Die Privatklägerin habe mehrfache Traumatisierung erlebt und bedürfe einer län-

gerfristigen therapeutischen Begleitung (Urk. 50). Diesem Bericht kann demzufol-

ge entnommen werden, dass die Privatklägerin traumatisiert ist, indessen lassen 

sich daraus keinerlei Hinweise entnehmen, dass die Traumatisierung auf konkrete 

Handlungen des Beschuldigten zurückzuführen wäre.  

7.9.2. Die Psychologin E._____ hält in ihrem Bericht vom 8. November 2011 fest 

(Urk. 52), dass die Privatklägerin am 25. Februar 2011 ein Eintrittsgespräch bei 

der Vereinigung "…" gehabt habe und in der Folge 5 Sitzungen besucht habe. Sie 

sei sehr traurig gewesen, habe viel geweint und scheine grosse Probleme zu ha-

ben, sich einer Drittperson gegenüber zu öffnen. Sie habe die Tendenz, in kurzen 

Sätzen zu antworten und habe Vergewaltigungen und erlittene illegale sexuelle 

Handlungen nicht beschrieben. Sexueller Missbrauch sei in den erwähnten fünf 

Sitzungen nicht angegangen worden, die Privatklägerin habe gesagt, über sexuel-

len Missbrauch zu sprechen tue ihr weh (Urk. 52 S. 2). Es sei demzufolge nicht 

über Fakten gesprochen worden. Die Psychologin hält fest, dass die Privatkläge-

rin verschiedene Symptome zeige, welche auf sexuellen Missbrauch hindeuten. 

Diesem Bericht ist daher einzig zu entnehmen, dass die Privatklägerin psychisch 

belastet ist und die bei ihr beobachteten Symptome auf erlebten sexuellen Miss-

brauch hindeuten. Indessen bestehen keine Hinweise auf ein strafbares Handeln 

des Beschuldigten. 

7.9.3. Die eingeholten Berichte stützen die Aussage der Privatklägerin, wonach 

sie Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist. Die Feststellungen der Therapeu-

tinnen stimmen mit den Beobachtungen der Mutter der Privatklägerin, von 

P._____ und M._____ überein, wonach die Privatklägerin psychisch sehr belastet 

ist und im Jahre 2011 einen Suizidversuch begangen hat. Jedoch ergeben sich 

weder aus den Berichten der Therapeutinnen noch aus den Aussagen der Mutter 

der Privatklägerin oder der Zeugen P._____ und M._____ Anhaltspunkte betref-

fend die konkreten Tatvorwürfe. Insbesondere hat die Privatklägerin niemandem 

die Tatabläufe detailliert geschildert. 

 

-  36  - 

7.10. Fazit 

Es kann auf die im Zusammenhang mit den einzelnen Aussagen der Beteiligten 

bereits vorgenommene Beweiswürdigung verwiesen werden. Es ist insgesamt  

betrachtet nicht zu übersehen, dass die Aussagen der Privatklägerin im Kernge-

schehen unbeständig sind und sich bezüglich des Ablaufs teilweise wider-

sprechen. Bei der ersten Befragung war die Privatklägerin bereits knapp 15-jährig, 

weshalb sich Ungereimtheiten nicht mit ihrem kindlichen Alter begründen lassen.  

Es ist erstaunlich, dass die Privatklägerin Berührungen in Indien seitens des 

Grossvaters gegenüber ihrer Mutter und der Ehefrau des Beschuldigten noch in 

Indien zur Sprache brachte, nicht jedoch Übergriffe seitens des Beschuldigten. 

Das Verhalten der Privatklägerin nach ihrer Rückkehr aus London in der Schule 

und die von verschiedener Seite beobachtete psychische Belastung der Privat-

klägerin lassen es als denkbar erscheinen, dass sie tatsächlich Opfer eines gra-

vierenden Vorfalls geworden ist (wobei es allerdings keine verhaltensspezifischen 

Besonderheiten in Missbrauchsfällen gibt; vgl. Volbert / Dahle, Forensisch-

psychologische Diagnostik im Strafverfahren, 2010 S. 52). Dass es sich dabei 

aber um den angeklagten 1. Teilsachverhalt gehandelt hat, lässt sich mit den vor-

handenen Beweismitteln nicht erstellen. In Anwendung des Grundsatzes 'in dubio 

pro reo' lassen sich dem Beschuldigten keine sexuellen Handlungen bzw. sexuel-

len Nötigungen zulasten der Privatklägerin im Juli 2008 in Indien rechtsgenügend 

nachweisen, weshalb der Beschuldigte in diesem Punkt freizusprechen ist. Ein 

Mitglied des Richtergremiums hat gemäss § 124 GOG einen Minderheitsantrag 

auf Schuldspruch gestellt (Prot. II. S. 29). Dieser Minderheitsantrag wurde zu den 

Akten genommen (Urk. 218). 

8. Vorfall in J._____ 

8.1. Aussagen der Privatklägerin 

8.1.1. Anlässlich der ersten polizeilichen Videobefragung vom 3. Dezember 2010 

gab die Privatklägerin zu Protokoll, es sei noch etwas passiert, als sie – wohl  

kurze Zeit nach Indien – einmal allein mit dem Zug die Familie ihrer Tante in  

-  37  - 

J._____ besucht habe. Sie sei eine Woche dort geblieben. Ihr Onkel habe sie 

vom Zug abgeholt. Ihr Onkel habe ihr gesagt, dass ihre Tante nicht kommen wer-

de an diesem Tag, sie (die Privatklägerin) solle sagen, sie habe Bauchschmerzen 

oder so. Sie habe dies aber ihrer Tante nicht sagen wollen. Diese habe sie dann 

aus dem Tamilisch-Unterricht nach Hause geschickt und gesagt, dass es nichts  

mache, dass sie (die Privatklägerin) wohl ein bisschen müde sei. Sie habe nein 

sagen wollen, aber ihre Tante habe sie aufgefordert, nach Hause zu gehen. Sie 

sei dann mit dem Beschuldigten mit dem Auto zu ihm nach Hause gefahren. Es 

sei niemand beim Beschuldigten zu Hause gewesen, was er ausgenutzt habe. Er 

habe gesagt, sie solle sich ausziehen, was sie abgelehnt habe. Er habe sie dann 

erneut aufgefordert, sich auszuziehen und habe es dann geschafft, sie auszu-

ziehen. Sie habe das nicht gewollt und sei dann auf die Toilette gegangen und 

habe abgeschlossen. Er habe sie dann aufgefordert, aufzumachen, er gebe ihr 

die Kleider zurück. Sie habe gesagt, er solle ihr die Kleider wieder geben, dann 

komme sie wieder hinaus. Er habe gesagt, ok, habe ihre Kleider genommen und 

sei in die Toilette gekommen. Dann habe er sie geschlagen, habe sie gezogen 

und dann habe er angefangen, es zu machen. Er habe sie dabei berührt und  

seinen Penis bei ihr unten vorne eingeführt. Er habe gesagt, er sei sehr gerne mit 

ihr und sie habe geschrien, er solle aufhören. Dies sei in seinem Schlafzimmer 

geschehen, wohin er sie zuvor gezogen habe. Er habe sich dabei ein Kondom 

übergezogen. Sie habe zuvor noch nie Geschlechtsverkehr gehabt (Urk. 9/4  

S. 8ff.). Nach der Vergewaltigung habe die Privatklägerin darauf geachtet, dass 

sie den Rest der Woche nicht mehr mit dem Beschuldigten allein sei. In der Folge 

habe sie schon noch gefragt, ob sie zu dieser Familie gehen könne, wenn sie ihre 

Cousine habe sehen wollen. Inzwischen wolle ihre Mutter aber diese Familie nicht 

mehr besuchen, da sie "es" jetzt wisse (Urk. 9/4 S. 10f.).  

Die Aussage der Privatklägerin, dass sie auch in der Folge ihre Cousine noch  

habe besuchen wollen irritiert nicht zuletzt deshalb, weil der Beschuldigte angeb-

lich gesagt haben soll, dass sie es wieder machen würden, wenn sie das nächste 

Mal zu ihm käme (Urk. 9/4 S. 10).  

-  38  - 

8.1.2. In der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 18. April 2011 (Urk. 9/15) 

machte die Privatklägerin zum Kerngeschehen grundsätzlich dieselben Aussagen 

wie bei der ersten Befragung. Neu erzählte sie allerdings, sie glaube, der Vorfall 

in J._____ habe sich Jahre nach demjenigen in Indien abgespielt (Urk. 9/14, 

01:10). Weiter habe sie den 16.20 Uhr Zug in O._____ genommen und sei in  

Zürich vom Beschuldigten abgeholt worden. Die Vergewaltigung habe aber nicht 

an diesem Tag stattgefunden. Ausserdem ergänzte sie, sie habe beim Vorfall ei-

nen knie-langen Jupe mit Knöpfen getragen, welchen der Beschuldigte aufgeris-

sen habe. Die Knöpfe seien dabei kaputt gegangen. Sie habe den Jupe in der 

Folge zu Hause in den Kleidersack geworfen. Ausserdem habe er ihr die Unter-

hose ausgezogen. Danach sei die Privatklägerin in das Badezimmer gerannt. Der  

Beschuldigte habe sie dann am Handgelenk gepackt. Geschlagen habe er sie 

nicht. Die Privatklägerin könne sich nicht daran erinnern, in der ersten Befragung 

etwas anderes ausgesagt zu haben. Der Beschuldigte habe danach seinen Penis 

in die Scheide der Privatklägerin getan. Weiter habe er ihre Brüste über dem BH 

berührt, zuvor habe er ihr das Oberteil ausgezogen. Der Beschuldigte habe über 

ihr gekniet. Er habe mit einer Hand beide Hände der Privatklägerin festgehalten 

und mit der anderen Hand ein Kondom übergezogen, welches er zuvor aus seiner 

Tasche genommen habe. Ein Bein der Privatklägerin sei angewinkelt gewesen 

und das andere sei ausserhalb des Bettes gewesen. Ihr Rücken habe die  

Matratze nicht berührt. Zuerst habe er seinen Penis eingeführt und dann mit  

beiden Händen ihre Brüste berührt. Der Geschlechtsverkehr habe 10 bis  

15 Minuten gedauert. Sie habe versucht, ihn wegzustossen, was ihr aber nicht  

gelungen sei. Es sei zu keiner weiteren Gewalt gekommen. Die Vergewaltigung 

habe auf dem Bett ihrer Cousine stattgefunden. Sie denke, dass der Beschuldigte 

zum Samenerguss gekommen sei, da sie im Kondom etwas Weisses gesehen 

habe. Das Kondom habe der Beschuldigte im Kücheneimer entsorgt. Nach dem 

Vorfall sei die Privatklägerin noch ein bis zwei Tage dort geblieben. Am Freitag 

sei ein Fest gewesen, an das ihre Mutter auch gekommen sei. Wegen der  

Drohungen des Beschuldigten habe die Privatklägerin niemandem vom Übergriff 

erzählt. Sie habe dabei auch an ihre Cousine und an ihre Mutter gedacht. 

Schliesslich habe sie sich ein bis zwei Wochen nach ihrer Rückkehr aus London 

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einer Freundin anvertraut. Am Samstag der Woche, als sie in J._____ gewesen 

sei, habe ein Fest stattgefunden. Die Privatklägerin glaube, dass es ein Geburts-

tagsfest gewesen sei. Auf die Frage, wieso sie nach der Vergewaltigung nicht 

nach Hause gegangen sei, erklärte die Privatklägerin, sie habe ein wenig Angst 

gehabt, dass sich ihre Mutter Sorgen gemacht hätte oder dass ihre Tante sich  

gefragt hätte, wieso sie (die Privatklägerin) einfach allein weggehe. Daran denke 

sie erst jetzt, vorher habe sie nicht daran gedacht (Urk. 9/14, 03:46ff.). Auf die 

Frage, wieso sie nach den Übergriffen in Indien nach J._____ gegangen sei,  

erklärte die Privatklägerin, dass sie gedacht habe, dass sie mit ihrer Cousine  

zusammen sein werde und sie nicht gedacht hätte, dass er sie vergewaltigen oder 

nochmals berühren würde (Urk. 9/15 S. 3f., S. 5ff.).  

Auch wenn die Privatklägerin nur schon aufgrund ihres Alters dem Beschuldigten 

körperlich unterlegen gewesen sein dürfte, ist es dennoch schwer vorstellbar, wie 

dieser mit nur einer Hand die Hände der Privatklägerin derart fixieren konnte, 

dass sie sich aus diesem Griff nicht zu befreien vermochte oder zumindest durch 

das Bewegen ihrer Hände den Beschuldigten beim einhändigen Überziehen des 

Kondoms hätte stören können. Es ist weiter mit der Vorinstanz festzustellen, dass 

die Privatklägerin das Tatgeschehen jeweils nur sehr rudimentär zu Protokoll gab 

und von sich aus Details der Tathandlungen kaum erzählte, sondern erst auf 

Nachfragen der einvernehmenden Person. Dies führt letztlich zu einer kaum reali-

tätsnahen Schilderung der Penetration der Privatklägerin. Die Privatklägerin will 

halb sitzend auf dem Bett gewesen sein, als der Beschuldigte in sie eindrang. Ihr 

Rücken habe die Matratze nicht berührt, ein Bein sei angewinkelt gewesen und 

das andere ausserhalb des Bettes. Der Beschuldigte konnte sie mithin nicht mit 

seinem Körpergewicht fixieren. In dieser Stellung soll der Beschuldigte mit einer 

Hand ihre beiden Hände festgehalten haben und trotz Gegenwehr mit der  

anderen Hand sich ein Kondom übergezogen haben. Das ist nur schwer nach-

zuvollziehen. Weiter lässt in diesem Zusammenhang aufhorchen, dass die Privat-

klägerin zwar offenbar realisierte, wie der Beschuldigte ein Kondom aus seinem 

Hosensack genommen und dieses in der Folge über seinen Penis gestülpt habe. 

Ob und wie der Beschuldigte dieses Kondom ausgepackt hatte kann die Privat-

klägerin indes nicht angeben. 

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Dann ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin in der ersten Einvernahme 

noch ausgesagt hatte, die Vergewaltigung habe auf dem Bett des Beschuldigten 

stattgefunden, während dem sie in der zweiten Einvernahme erklärte, der Über-

griff habe auf dem Bett der Cousine stattgefunden. Auf diesen Widerspruch ange-

sprochen, erklärte sie, dass das Zimmer ihrer Cousine früher das Elternschlaf-

zimmer gewesen sei (Urk. 9/15 S. 6). Gemäss den Aussagen des Beschuldigten 

schlafen er und seine Frau im Wohnzimmer (Urk. 8/1 S. 13). Es ist also möglich, 

dass das jetzige Zimmer der Cousine der Privatklägerin früher das Schlafzimmer 

des Beschuldigten und seiner Frau war, was von der Frau des Beschuldigten  

implizit bestätigt wird (Urk. 10/4 S. 7). Dennoch leuchtet nicht ein, weshalb die 

Privatklägerin vom Schlafzimmer des Beschuldigten spricht, wenn dieses Zimmer 

inzwischen offensichtlich dessen Tochter zugeteilt ist und die Privatklägerin eine 

ganze Woche dort verbracht hatte. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die 

Privatklägerin im Gegensatz zur ersten Einvernahme verneint, dass der Beschul-

digte sie geschlagen habe.  

Weiter lässt aufhorchen, dass die Privatklägerin erst in der zweiten Einvernahme 

vom zerrissenen Jupe und den kaputten Knöpfen erzählt hat und dass sie diesen 

in der Folge zu Hause in den Kleidersack geworfen habe. Dass ein solch auf-

fälliges Detail bei der ersten Schilderung einfach vergessen geht, irritiert. Sonder-

bar erscheint weiter, dass die Privatklägerin in der gleichen Einvernahme, in der 

sie erstmals von den kaputten Knöpfen spricht, an einer früheren Stelle, explizit  

gefragt wurde, ob etwas mit den Knöpfen gewesen sei, worauf sie diese Frage 

verneinte. 

8.1.3. Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte die Privatklägerin ihre bisheri-

gen Aussagen sehr rudimentär, da sie oftmals geltend machte, sich nicht mehr er-

innern zu können. Bestätigt hat sie jedoch im Zusammenhang mit dem Kernge-

schehen, dass der Beschuldigte sie über den Kleidern an den intimen Stellen  

berührt und danach vergewaltigt habe. Er habe ihre Hände mit einer Hand gehal-

ten, während dem er sie mit der anderen Hand ausgezogen habe. Dies sei im 

Zimmer ihrer Cousine geschehen. Sie habe niemandem davon erzählt, weil sie 

Angst davor gehabt habe, die Familie zu zerstören. Sie sei danach noch zwei  

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Tage geblieben. Auf die Frage, wieso sie denn nach dem Vorfall nicht sofort  

abgereist sei, gab die Privatklägerin zur Antwort, dass sie nicht gewusst hätten, 

wo sie sei, wenn sie gegangen wäre und sie sich verirrt hätte, da sie Zürich nicht 

kenne. Auf die Frage, ob sie nach der Tat im Schlafzimmer geblieben sei, erklärte 

die Privatklägerin, dies nicht mehr zu wissen (Urk. 58 S. 3ff., S. 22). 

Zuerst fällt auf, dass die Privatklägerin den Vorfall in J._____ zeitlich offensichtlich 

überhaupt nicht einzuordnen vermochte. Sie sagte zwar aus, dass dieser nach 

Indien stattfand, konnte sich jedoch nicht darauf festlegen, ob gleich nach Indien 

(erste Einvernahme, Urk. 9/4 S. 8 Mitte) oder erst Jahre nachher (Urk. 9/14, 

01.10). Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte sie schliesslich, dass der Vor-

fall in J._____ im Frühling 2010 stattgefunden habe (Urk.58 S. 9). In diesem  

Zusammenhang liefert der gemäss Gutachten "sehr flexible Zeitbegriff, der im  

mittel- und ostasiatischen Raum üblich ist" (Urk. 187 S. 41), keine hinreichende  

Erklärung, ist doch die Privatklägerin in der Schweiz aufgewachsen und zur  

Schule gegangen (Urk. 9/4 S. 2), weshalb davon auszugehen ist, dass sie an das  

hiesige eher präzise Zeitverständnis gewohnt ist. Völlig unerklärbar wird die 

mangelnde zeitliche Einordnung, wenn auf ihre letzte Angabe in der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung abgestellt würde. Wieso sich eine knapp 15-jährige 

Schülerin im Dezember 2010 bei ihrer ersten Einvernahme nicht mehr daran  

erinnern konnte, ob der Vorfall im Frühling desselben Jahres oder aber Jahre zu-

vor stattgefunden hat, harrt einer Erklärung die die Privatklägerin nicht geben 

kann. Es war - gemäss ihrer Schilderung - der erste Geschlechtsverkehr über-

haupt und erst noch ein erzwungener. Mithin ein äusserst gravierender Vorfall. 

Wieso die Privatklägerin ein so dramatisches Erlebnis zeitlich nicht näher einord-

nen kann bleibt unerklärlich. Die weit auseinander liegenden Schilderungen der 

Privatklägerin führten auch zu einem sehr unpräzisen Anklagesachverhalt, der 

den Übergriff in die Zeit zwischen August 2008 und Oktober 2010 legen muss. Bei 

der vorliegenden Sachlage ist hier sogar die Anklagesubstantiierung grenzwertig. 

Es handelt sich nicht um unzählige Übergriffe während langer Zeit und auch nicht 

um einen Übergriff auf ein Kleinkind, der schon sehr lange zurücklag. Auffallend 

ist zudem, dass sich die Privatklägerin an andere zeitliche Aspekte sehr genau  

erinnern kann. So gab sie an, die Sommerferien in Indien hätten 7 Wochen  

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gedauert und ihr Aufenthalt bei dem die Vergewaltigung stattgefunden habe habe 

eine Woche gedauert. Erstaunlicherweise konnte sie auch die genaue Abfahrts-

zeit des Zuges, mit dem sie damals nach Zürich fuhr, angeben. Geht es aber  

wieder um die konkret inkriminierten Vorfälle zeigen sich bei der Privatklägerin  

Erinnerungsschwächen, so kann sie bei den angeblichen Vergewaltigungen in 

J._____ und London nicht angeben an welchem Tag beziehungsweise Wochen-

tag ihres jeweiligen Aufenthaltes diese einschneidenden Ereignisse stattgefunden 

haben sollen. 

Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, dass die zur Tatzeit 14-jährige Privatklägerin 

trotz den angeblichen Vorfällen in Indien alleine für eine Woche zur Familie des 

Beschuldigten fährt. Es ist anzunehmen, dass jemand, der zuvor solchen Über-

griffen ausgesetzt war, sich der Gefahr weiterer Übergriffe nicht aktiv aussetzt. 

Die Privatklägerin musste doch in Betracht ziehen, dass der Beschuldigte wie in 

Indien – wo ebenfalls ihre Cousine mit ihr zusammen Ferien verbrachte – eine 

Gelegenheit suchen oder schaffen würde, um sich wiederum an der Privatklägerin 

zu vergehen,  was ja dann eben gerade geschehen sein soll. Umso weniger ist 

vor diesem Hintergrund verständlich, dass die Privatklägerin nach dem eingeklag-

ten Vorfall nicht instinktiv das Haus des Beschuldigten verliess, um nach Hause 

zu reisen und stattdessen weitere zwei Tage beim Beschuldigten verbrachte. Sie 

musste doch damit rechnen, dass der Beschuldigte sich nochmals an ihr vergeht. 

Jedenfalls ist davon auszugehen, dass in so einer Situation das Bedürfnis nach 

Selbstschutz prioritär ist, selbst wenn man sich in dieser Gegend nicht auskennt.  

Nachvollziehbar erklären kann das die Privatklägerin nicht. In der zweiten Einver-

nahme erklärt sie einmal dazu, sie sei geblieben, weil sie habe bleiben müssen. 

Etwas später in dieser Einvernahme räumt sie gar ein, dass sie eigentlich schon 

gewusst hätte, wie sie hätte weggehen können. Der Grund, dass sie geblieben 

sei, weil sonst die Tante nicht gewusst hätte wo sie sei, kann letztlich nicht über-

zeugen.  

Die Privatklägerin kann in der zweiten Einvernahme auch nicht mehr klar sagen, 

ob sie nach der Vergewaltigung noch einmal in J._____ gewesen sei. Auch dieser 

Umstand lässt Zweifel aufkommen. In der ersten Einvernahme hatte sie noch 

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ausgeführt, dass sie den Beschuldigten danach schon noch gesehen habe, aller-

dings immer in Begleitung ihrer Mutter. 

Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin anlässlich der Haupt-

verhandlung erstmals vorgebracht hat, der Beschuldigte habe sie mit einer Hand 

ausgezogen, während dem er mit der anderen Hand ihre Hände fixiert habe. Zum 

Einen ist schwer vorstellbar, dass der Beschuldigte ihre Hände mit einer Hand 

derart fixiert haben soll, dass die Privatklägerin zu absolut keiner Gegenwehr 

mehr fähig war, obwohl sie das offenbar versuchte und sie gleichzeitig mit der  

anderen Hand ausziehen konnte. Zum anderen ist darauf hinzuweisen, dass die  

Privatklägerin im Gegensatz dazu in der zweiten Einvernahme noch davon 

sprach, der Beschuldigte habe ihre Hände fixiert und gleichzeitig ein Kondom 

über seinen Penis gestreift. An das Auspacken eines Kondoms konnte sich die 

Privatklägerin jedoch anlässlich der Hauptverhandlung nicht mehr erinnern  

(Urk. 58 S. 9).  

8.2. Aussagen des Beschuldigten 

8.2.1. Der Beschuldigte bestritt auch bezüglich diesem Vorwurf, die Privatklägerin 

je in sexueller Weise angegangen zu sein (Urk. 8/1 S. 11ff., Urk. 8/2 S. 7, 8/6 

S. 3ff., Urk. 57 S. 9ff., Urk. 122 S. 4). Er erklärte jedoch in Übereinstimmung mit 

den Aussagen der Privatklägerin, diese am Hauptbahnhof abgeholt zu haben,  

bestritt jedoch vehement, ihr gesagt zu haben, sie solle sagen, sie habe Bauch-

schmerzen. Die Privatklägerin habe während diesen Ferien tatsächlich die  

Tamilisch-Schule seiner Frau besucht. Es treffe nicht zu, dass die Privatklägerin 

von ihm wegen Müdigkeit nach Hause gefahren worden sei. Er habe die Privat-

klägerin jedoch jeweils nach der Schule nach Hause gefahren. Seine Kinder seien 

dabei aber auch zu Hause gewesen, es sei nie etwas zwischen ihm und der  

Privatklägerin passiert. Den Vorwurf der Vergewaltigung bestritt der Beschuldigte 

klar (Urk. 8/1 S. 11ff.). 

8.2.2. Anlässlich der Hafteinvernahme sagte der Beschuldigte aus, nur beim  

Abholen der Privatklägerin vom Bahnhof mit dieser allein gewesen zu sein, sonst 

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jedoch nicht. Die Vorwürfe bezüglich der Vergewaltigung bestritt der Beschuldigte 

aber weiterhin (Urk. 8/2 S. 7).  

8.2.3. In der Hauptverhandlung gab der Beschuldigte zu Protokoll, die Privatklä-

gerin sei Ende März allein zu ihnen nach Hause gekommen. Anfang April sei eine 

kulturelle Veranstaltung gewesen, welche von den Dorfbewohnern organisiert 

worden sei. Die Privatklägerin sei wegen des Tanzunterrichts zu ihnen gekom-

men, da am Fest auch ein Tanzfest stattgefunden hätte. Seine Tochter und die 

Privatklägerin hätten an diesem Tanzfest teilgenommen. Davon würden sogar  

Videoaufnahmen existieren. Die Privatklägerin sei ungefähr fünf oder sechs Tage 

bei ihnen gewesen. Sie sei bei ihnen zu Hause gewesen. Seine Frau sei auch 

dort gewesen. Die Privatklägerin habe jeweils zusammen mit seiner Frau die  

Tamilisch-Schule besucht. Sie sei am Montag zu ihnen gekommen und habe von 

Dienstag bis Donnerstag mit seiner Frau zusammen die Schule besucht und am 

Freitag hätten sie einen Feiertag gehabt. Die Privatklägerin sei nie wegen Bauch-

schmerzen vorzeitig nach Hause gekommen. Er habe die Privatklägerin am  

Mittwoch von der Schule abgeholt, als sie für das Fest chinesische Fleischrollen  

hätten zubereiten müssen. Sein Sohn sei bereits zu Hause gewesen und seine 

Tochter sei ihnen mit dem Fahrrad nach Hause gefolgt. Es habe aber niemand 

die Tür geöffnet, da sein Sohn geschlafen habe. Die Privatklägerin habe dann an 

das Fenster geklopft, um seinen Sohn zu wecken. Danach habe er mit der Privat-

klägerin in der Wohnung das Fleisch geschnitten. Seine Tochter sei kurz darauf 

gekommen und anschliessend sei seine Frau um ca. 18 Uhr eingetroffen. Er habe 

die Privatklägerin nur an diesem Tag von der Schule abgeholt. Bauchschmerzen 

seien in diesen Ferien nie ein Thema gewesen (Urk. 57 S. 9ff.).  

Die Aussagen des Beschuldigten bezüglich der Zubereitung von Fleischrollen 

wurden von der Privatklägerin bestätigt. Sie gab zu Protokoll, sich nicht mehr  

daran erinnern zu können, ob dies vor oder nach der Vergewaltigung gewesen sei 

(Urk. 58 S. 20). Ebenso vermochte sie die Tanzaufführung, welche sie mit ihrer 

Cousine gemacht hat, zeitlich nicht mehr einzuordnen, auch nicht, ob sie vor oder 

nach der Vergewaltigung stattgefunden hat (Urk. 58 S. 22f.). Anlässlich der  

zweiten polizeilichen Befragung hat sie jedoch noch ausgesagt, dass am Freitag 

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oder Samstag ein Fest stattgefunden habe (Urk. 9/15 S. 4 u. S. 6). In Bezug auf 

das gemeinsame Zubereiten der Fleischrollen sind die Aussagen der Privat-

klägerin insofern nicht leicht nachzuvollziehen, als dass es für sie doch einen  

wesentlichen Unterschied gemacht haben müsste, ob sie vor oder nach der  

Vergewaltigung, einem sicherlich einschneidenden und prägenden Ereignis, aus-

gerechnet mit dem Beschuldigten, also ihrem mutmasslichen Peiniger, nochmals 

etwas zusammen gemacht hat. Umso mehr, als dass es sich hierbei um den  

ersten Geschlechtsverkehr der Privatklägerin gehandelt hätte. Es ist auch davon 

auszugehen, dass die Tanzaufführung nach der Vergewaltigung für die Privat-

klägerin wohl anders im Bewusstsein verankert sein dürfte, als wenn sie vorher 

stattgefunden hätte. Wenn die Privatklägerin in diesem Zusammenhang eine  

Erinnerungslücke geltend machen will, erscheint dies folglich wenig überzeugend.  

Der Beschuldigte bestreitet dagegen differenziert, das heisst, er erklärt zum  

Beispiel in Übereinstimmung mit den Aussagen der Privatklägerin als zutreffend, 

dass er diese allein vom Hauptbahnhof abgeholt habe und jeweils von der Schule 

allein nach Hause gebracht habe, jedoch zu Hause nie mit ihr allein gewesen sei. 

8.3. Aussagen von Q._____ 

Bei der Polizei gab die Ehefrau des Beschuldigten als Zeugin am 18. März 2011