# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 891f8589-8b8b-5ea5-9faa-0bf1004f6f16
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.02.2022 D-185/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-185-2022_2022-02-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-185/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, Richter Walter Lang, 

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am [...], 

Eritrea,  

vertreten durch Eliane Schmid, MLaw, Rechtsanwältin,  

Caritas Schweiz,  

Rechtsschutz der Region Tessin-Zentralschweiz,  

c/o SOS Ticino, [...], 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 5. Januar 2022  

 

 

 

D-185/2022 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger, am 30. Ok-

tober 2021 unkontrolliert in die Schweiz einreiste und gleichentags beim 

Bundesasylzentrum Region Tessin-Zentralschweiz ein Asylgesuch stellte, 

dass er gemäss Einträgen in der Datenbank „Eurodac“ am 30. September 

2021 in Italien daktyloskopisch erfasst worden war, 

dass das Staatssekretariat für Migration (SEM) am 3. November 2021 an 

die zuständige italienische Behörde die Mitteilung richtete, gestützt auf die 

einschlägigen Staatsverträge (Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemein-

schaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 

Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz 

gestellten Asylantrags [Dublin-Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392. 

68]; Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist [Dublin-III-VO]; Verordnung 

[EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durch-

führungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 

[DVO Dublin]) werde Italien als zur Durchführung des Asylverfahrens zu-

ständig erachtet, 

dass der Beschwerdeführer am 4. November 2021 den Rechtsschutz für 

Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region Tessin-Zentralschweiz mit 

seiner Rechtsvertretung mandatierte, 

dass das SEM den Beschwerdeführer am 5. November 2021 zu seinen 

Personalien befragte und am 10. November 2021 ein rechtliches Gehör zur 

Anwendung der Rechtsbestimmungen des Dublin-Regimes durchführte, 

dass sich die zuständige italienische Behörde zur Mitteilung des Staats-

sekretariats vom 3. November 2021 nicht äusserte,  

dass das SEM der zuständigen italienischen Behörde am 5. Januar 2022 

die damit erfolgte Verfristung des Aufnahmegesuchs mitteilte, 

dass das SEM mit Verfügung vom 5. Januar 2022 (Datum der Eröffnung: 

7. Januar 2022) gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes 

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Seite 3 

(AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein-

trat, dessen Wegweisung nach Italien sowie den Vollzug anordnete und ihn 

anwies, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist 

zu verlassen, wobei es festhielt, dass eine Beschwerde gegen diese Ver-

fügung keine aufschiebende Wirkung habe, 

dass der Beschwerdeführer diese Verfügung mit Eingabe seiner Rechts-

vertreterin vom 14. Januar 2022 (Datum des Eingangs: 17. Januar 2022) 

beim Bundesverwaltungsgericht anfocht,  

dass er dabei beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

die Sache zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, 

eventualiter sei diese anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und es 

materiell zu prüfen, 

dass er in prozessualer Hinsicht beantragte, der Vollzug der Wegweisung 

sei im Sinne einer superprovisorischen Massnahme einstweilen auszuset-

zen und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, 

dass er in prozessualer Hinsicht ausserdem beantragte, es sei ihm die un-

entgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewäh-

ren, 

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 17. Ja-

nuar 2022 den Vollzug der Wegweisung im Sinne einer superprovisori-

schen Massnahme einstweilen aussetzte, 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über Be-

schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet, 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG),  

dass das Bundesverwaltungsgericht – mit einer vorliegend nicht zutreffen-

den Ausnahme – endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),  

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders 

berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung hat, wo-

mit er zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG; 

Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass im vorliegenden Fall auf die Durchführung eines Schriftenwechsels 

verzichtet wird (Art. 111a Abs. 1 AsylG), 

dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen 

Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), 

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, 

die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die 

Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht 

eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), 

dass sich demnach die Beschwerdeinstanz, falls sie den Nichteintretens-

entscheid als unrechtmässig erachtet, einer selbständigen materiellen Prü-

fung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer 

Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2014/39 E. 3), 

dass gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf Asylgesuche in der Regel 

nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen 

können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens 

staatsvertraglich zuständig ist, 

dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates 

die Zuständigkeitskriterien gemäss der Dublin-III-VO prüft,  

dass das SEM auf das Asylgesuch nicht eintritt, sofern die Prüfung der Zu-

ständigkeitskriterien zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitgliedstaat 

für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, und der betreffende Mit-

gliedstaat einer Übernahme zugestimmt hat oder von dessen Zustimmung 

infolge unterlassener Antwort innerhalb der einschlägigen Frist auszuge-

hen ist (Art. 22 Abs. 7 sowie Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO), 

dass die italienischen Behörden das auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO ge-

stützte Übernahmeersuchen vom 3. November 2021 innert der vorgesehe-

nen Frist unbeantwortet liessen, womit sie die Zuständigkeit implizit aner-

kannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO), 

dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist und diese 

vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird, 

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dass mit der Beschwerdeschrift jedoch in erster Linie geltend gemacht 

wird, der Sachverhalt sei in medizinischer Hinsicht nicht rechtsgenüglich 

abgeklärt worden, womit unter dem Aspekt einer möglichen Verletzung von 

Art. 3 EMRK im Falle der Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien 

die Prüfung des Selbsteintritts der Schweiz auf das Asylgesuch unzu-

reichend ausgefallen sei,  

dass diesbezüglich im Wesentlichen ausgeführt wird, nach der Eröffnung 

der angefochtenen Verfügung habe der Beschwerdeführer seiner Rechts-

vertreterin ausführlich dargelegt, dass er sich gegenüber dem Arzt, der ihn 

während des vorinstanzlichen Verfahrens behandelt habe, nicht richtig 

habe ausdrücken können, weil zuerst ein Dolmetscher gefehlt habe, da-

nach primär sein körperliches Problem angegangen worden sei und die 

Zeit gefehlt habe, auch über die psychischen Probleme zu sprechen, 

dass er, bereits bevor er nach Libyen gekommen sei, schlimme Erfahrun-

gen gemacht habe, indem er in der Wüste zahlreiche Personen habe ster-

ben sehen müssen,  

dass in Libyen dann aber sein persönlicher Albtraum begonnen habe, weil 

er gefoltert worden sei, 

dass während der Zeit, die er dort habe verbringen müssen, jeden Abend 

zwei Soldaten gekommen seien und die anwesenden Personen auf mas-

sive Weise geschlagen und verletzt hätten, zahlreiche Drohungen ausge-

sprochen worden seien und auch er selbst dem nicht habe entkommen 

können,  

dass dies für ihn zu viel gewesen sei und er seither nicht mehr schlafen 

könne, 

dass der genannte Arzt ihm bezüglich seiner Gedanken an die erlebte Fol-

ter gesagt habe, er solle mehr mit anderen sprechen und spazieren gehen, 

ihm dies aber nicht genügend helfe, 

dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich des rechtlichen Gehörs zur 

Anwendung der Rechtsbestimmungen des Dublin-Regimes vom 10. No-

vember 2021 geäussert habe, dass er wegen des fehlenden Dolmetschers 

gegenüber dem Arzt keine Angaben zu seinen psychischen Problemen 

habe machen können, 

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dass er ausserdem von prekären Lebensbedingungen in Italien berichtet 

habe, wobei er trotz seines schwierigen Gesundheitszustands und seiner 

entsprechenden Vulnerabilität auf der Strasse habe leben müssen, 

dass im Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht 

zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts gelten (Art. 6 AsylG i. V. m. Art. 12 VwVG), wobei die Behörde die für 

das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die 

rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Be-

weis zu führen hat, 

dass zu den Verfahrensgarantien, die der Grundsatz des rechtlichen Ge-

hörs umfasst (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29‒33 VwVG) unter anderem die 

Pflicht der Behörden gehört, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und 

ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen,  

dass daraus ausserdem auch die in Art. 35 Abs. 1 VwVG gesetzlich nie-

dergelegte grundsätzliche Pflicht der Behörden folgt, ihren Entscheid zu 

begründen (BGE 123 I 31 E. 2c), 

dass gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. f AsylG i.V.m. Art. 26a AsylG zur Mitwir-

kungspflicht asylsuchender Personen unter anderem gehört, dass sie sich 

einer vom SEM angeordneten medizinischen Untersuchung unterziehen, 

dass Asylsuchende zufolge Art. 26a Abs. 1 AsylG die für das Asyl- und 

Wegweisungsverfahren massgeblichen gesundheitlichen Beeinträchtigun-

gen, die ihnen bereits zum Zeitpunkt der Einreichung des Asylgesuches 

bekannt waren, unmittelbar nach der Gesuchseinreichung, spätestens je-

doch bei der Anhörung zu den Asylgründen nach Art. 36 Abs. 2 AsylG oder 

der Gewährung des rechtlichen Gehörs nach Art. 36 Abs. 1 AsylG geltend 

machen müssen, 

dass das SEM den Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs 

vom 10. November 2021 unter anderem nach gesundheitlichen Beein-

trächtigungen fragte,  

dass der Beschwerdeführer diesbezüglich zum einen angab, es gehe ihm 

psychisch nicht gut, und seit er im Jahr 2019 nach Libyen gelangt sei, fühle 

er sich verrückt, 

dass er zum anderen ausführte, unter Darmbeschwerden zu leiden, 

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dass er des Weiteren zu Protokoll gab, er habe in der Krankenstation auf 

seine Probleme hingewiesen, sei aber nicht sicher, ob er verstanden wor-

den sei, weil es keinen Dolmetscher gegeben habe, 

dass er im Übrigen zu seinem Reiseweg ausführte, er habe seinen Hei-

matstaat Eritrea im Mai 2016 verlassen, habe sich danach zunächst im Su-

dan und anschliessend während zweier Jahre in Libyen aufgehalten, von 

wo er am 29. September 2021 über das Meer nach Italien gelangt sei, 

dass er gemäss vorliegenden ärztlichen Zeugnissen am 24. November, 

2. Dezember und 22. Dezember 2021 einen Facharzt für Allgemeine Me-

dizin zu medizinischen Konsultationen aufsuchte, 

dass aus den betreffenden ärztlichen Zeugnissen hervorgeht, dass der Be-

schwerdeführer in erster Linie wegen Magen-Darm-Beschwerden behan-

delt wurde, 

dass den ärztlichen Zeugnissen ausserdem zu entnehmen ist, dass der 

Beschwerdeführer Ein- und Durchschlafstörungen mit zeitweiligen Angst-

träumen beklagt habe, weshalb ihm – nachdem eine phytotherapeutische 

(d.h. heilpflanzliche) Behandlung keine Besserung gebracht habe – eine 

medikamentöse Schlafhilfe verordnet worden sei,  

dass das SEM in der angefochtenen Verfügung in Bezug auf die gesund-

heitliche Situation des Beschwerdeführers zunächst dessen Aussagen an-

lässlich des rechtlichen Gehörs vom 10. November 2021 wiedergab, wo-

nach er erklärt habe, dass es ihm psychisch nicht gut gehe, dass er sich 

seit dem Jahr 2019, als er nach Libyen gelangt sei, verrückt fühle, dass er 

ausserdem Darmbeschwerden habe, dass er wegen seiner gesundheitli-

chen Probleme zur Krankenstation gegangen sei, aber nicht sicher sei, ob 

man ihn verstanden habe, weil es keinen Dolmetscher gegeben habe, 

dass das Staatssekretariat ausserdem zu den während des vorinstanzli-

chen Verfahrens erfolgten ärztlichen Konsultationen im Wesentlichen fest-

hielt, der Beschwerdeführer sei wegen Magen-Darm-Beschwerden erfolg-

reich behandelt worden, und gegen die beim Arzt beklagte Schlaflosigkeit 

sei ihm ein Schlafmittel verordnet worden, 

dass in der angefochtenen Verfügung des Weiteren ausgeführt wurde, der 

Beschwerdeführer sei im vorinstanzlichen Verfahren darauf hingewiesen 

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worden, dass es in seiner Verantwortung liege, hinsichtlich aller medizini-

schen Probleme, die für das Asylverfahren ausschlaggebend sein könnten, 

die Krankenstation des Bundesasylzentrums zu konsultieren,  

dass sich die Vorinstanz ferner auf den Standpunkt stellte, die betreffende 

Krankenstation entscheide, ob weitergehende Untersuchungen notwendig 

seien, wobei die betroffene asylsuchende Person nur dann zu einem Fach-

arzt oder einer Fachärztin überwiesen werde, wenn dies medizinisch uner-

lässlich sei, 

dass jedoch im Falle des Beschwerdeführers eine solche ärztliche Unter-

suchung nicht erforderlich gewesen sei, was durch das Fehlen von ärztli-

chen Massnahmen in den Akten bestätigt werde, 

dass sich im vorliegenden Fall die Frage zu stellen vermag, ob das SEM 

im vorinstanzlichen Verfahren gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz 

und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts bereits aufgrund der Aussage des Beschwerdeführers, 

nach einem insgesamt zweijährigen Aufenthalt in Libyen gehe es ihm psy-

chisch nicht gut beziehungsweise er fühle sich verrückt, habe aber bei der 

Krankenstation des Bundesasylzentrums mangels eines Dolmetschers 

seine Probleme nicht ausreichend schildern können, dazu verpflichtet ge-

wesen wäre, eine fachärztliche psychiatrische Untersuchung zu veranlas-

sen, 

dass es als notorisch zu gelten hat, dass in Libyen ausländische Migran-

tinnen und Migranten, so auch asylsuchende Personen, verbreitet massi-

ven Menschenrechtsverletzungen wie willkürlicher Inhaftierung, Folter und 

sonstigen Misshandlungen sowie Zwangsarbeit ausgesetzt sind (vgl. zu-

letzt etwa HUMAN RIGHTS WATCH, World Report 2022: Libya, 13. Januar 

2022), 

dass Opfer einer Traumatisierung bekanntermassen in aller Regel grosse 

Probleme haben, über die erlittenen Übergriffe zu reden (vgl. BVGE 

2007/31 E. 5.1, unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 4b, 

m.w.N.), 

dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzurteil E-962/2019 

vom 17. Dezember 2019 strengere Kriterien für Dublin-Überstellungen un-

ter anderem von schwer erkrankten Asylsuchenden, ob in physischer oder 

in psychischer Hinsicht, die sofort nach der Ankunft in Italien auf lückenlose 

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medizinische Versorgung angewiesen sind, beschlossen und das SEM 

verpflichtet hat, individuelle Zusicherungen betreffend die Gewährleistung 

der nötigen medizinischen Versorgung und Unterbringung bei den italieni-

schen Behörden einzuholen (a.a.O., E. 7.4.3), 

dass dabei festgehalten wurde, unter anderem in psychologischer Hinsicht 

sei von fehlender Unterstützung entsprechend vulnerabler Personen aus-

zugehen, 

dass im jüngsten Referenzurteil F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 be-

treffend Dublin-Überstellungen von besonders verletzlichen Personen (im 

konkreten Fall einer alleinstehenden Frau mit einem minderjährigen Kind) 

nach Italien festgestellt wurde, die zuletzt erfolgte gesetzliche Reform des 

italienischen Asylwesens sehe verbesserte Aufnahmebedingungen für 

Asylsuchende vor (a.a.O., E. 10.5), 

dass im betreffenden Fall gestützt auf von den italienischen Behörden ab-

gegebene individuelle Zusicherungen darauf geschlossen wurde, es sei 

davon auszugehen, dass im Falle der Überstellung der konkret Betroffenen 

(einer alleinstehenden Frau mit einem minderjährigen Kind) nach Italien die 

Aufnahmebedingungen deren spezifischen Bedürfnissen entsprechen 

würden,  

dass gemäss diesem jüngsten Referenzurteil folglich für gewisse Katego-

rien von besonders verletzlichen Personen und unter der Voraussetzung 

des Vorliegens konkreter individueller Zusicherungen die Überstellung im 

Rahmen des Dublin-Regimes nach Italien nicht zu einer Verletzung von 

Art. 3 EMRK führt, 

dass im vorliegenden Fall seitens der Vorinstanz keine Überlegungen dazu 

angestellt worden sind, ob der Beschwerdeführer einer Kategorie von be-

sonders verletzlichen Personen – und gegebenenfalls welcher – angehört, 

womit sich bislang auch noch nicht die Frage nach entsprechenden be-

hördlichen Zusicherungen seitens der italienischen Behörden stellte, 

dass sich jedoch, wie bereits ausgeführt, die Frage zu stellen vermag, ob 

das SEM im vorinstanzlichen Verfahren aufgrund der Aussagen des Be-

schwerdeführers und der notorischen Situation in Libyen – auch unter Be-

rücksichtigung der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers – im Rah-

men der behördlichen Untersuchungspflicht gehalten gewesen wäre, den 

medizinischen Sachverhalt genauer abzuklären, als dies tatsächlich ge-

schehen ist,  

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dass diese Frage offen bleiben kann, weil nämlich jedenfalls aufgrund der 

Vorbringen in der Beschwerdeschrift vom Vorliegen konkreter Umstände 

auszugehen ist, welche eine fachärztliche Untersuchung als notwendig er-

scheinen lassen, die auch die allfälligen psychischen Folgewirkungen mög-

licherweise in Libyen erlittener Misshandlungen abzuklären hat, 

dass nämlich aufgrund dieser Vorbringen (vgl. zuvor, S. 5 f.) zum einen 

ausreichend ernstzunehmende Hinweise darauf bestehen, der Beschwer-

deführer sei in Libyen von einer Behandlung betroffen gewesen, die nicht 

nur in gravierender Weise seine Menschenrechte verletzte, sondern in psy-

chischer Hinsicht zu möglicherweise ernsthaften gesundheitlichen Proble-

men geführt haben könnte, 

dass zum anderen auch ernstzunehmende Hinweise bestehen, der Be-

schwerdeführer habe im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens seine 

psychischen Schwierigkeiten im Rahmen der ärztlichen Konsultationen bei 

einem Facharzt für Allgemeine Medizin zwar anzusprechen versucht, sei 

jedoch aufgrund mangelhafter oder fehlender Übersetzung – was ihm of-

fensichtlich nicht anzulasten ist – nicht in der Lage gewesen, seine Situa-

tion in angemessener Weise geltend zu machen, 

dass die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers folglich nicht 

ausreichend abgeklärt worden ist,  

dass daher zum heutigen Zeitpunkt keine Aussagen in Bezug auf die Frage 

möglich sind, ob und inwiefern gesundheitliche Probleme der Durchführ-

barkeit eines Vollzugs der Wegweisung nach Italien entgegenstehen könn-

ten, unter Einbezug der Frage, ob gestützt auf die Praxis betreffend Dublin-

Überstellungen nach Italien (vgl. zuvor, E. 8 f.) gegebenenfalls konkrete in-

dividuelle Zusicherungen seitens der italienischen Behörden vorauszuset-

zen wären, 

dass die Beschwerde nach dem Gesagten gutzuheissen ist, soweit die Auf-

hebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache zur erneuten Be-

urteilung an die Vorinstanz beantragt wird,  

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), womit der Antrag, es sei die unentgeltliche 

Prozessführung zu gewähren, gegenstandslos wird, 

dass keine Parteientschädigung auszurichten ist, da es sich vorliegend um 

eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h 

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Seite 11 

AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k 

AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur weiteren 

Sachverhaltsabklärung und zur erneuten Beurteilung an das SEM zurück-

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Contessina Theis Martin Scheyli 

 

 

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