# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36c69999-1724-5bab-9d1e-f6a915551a7e
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR a1_2006_45_19_02_2007.pdf
**Docket/Reference:** a1_2006_45_19_02_2007.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf2/a1_2006_45_19_02_2007.pdf

## Full Text

A1 2006-45 

I. ZIVILAPPELLATIONSHOF 

19. Februar 2007 

__________________________ 

Der I. Zivilappellationshof hat in Sachen 

X, Beklagte 1 und Berufungsklägerin 1, 

Y, Beklagte 2 und Berufungsklägerin 2,  

beide vertreten durch Fürsprecher____, 

gegen 

Z, Kläger und Berufungsbeklagter, 

vertreten durch Rechtsanwalt ____; 

Berufung vom 30. Mai 2006 gegen das Urteil  
des Zivilgerichts des ___bezirks vom 7. Dezember 2005 

_____________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
2

nachdem sich ergeben hat: 

A.   Nach einer Huftoperation im Mai 1999 im Kantonsspital ____ begab sich Z in das 
Hotel A, eine Thermalanlage mit Hotelbetrieb. Bei seiner Ankunft am 17. Mai 1999 wurde ihm 
ein ebenerdiges Studio mit zwei hochklappbaren Betten zugewiesen. In der Nacht vom 26. auf 
den  27.  Mai  1999  verletzte  sich  Z.  Gemäss  seinen  Angaben  fiel  das  hochgeklappte  Bett 
herunter. Da er im Schlaf offenbar den Arm aus dem Bett streckte, wurde dieser zwischen den 
beiden  Betten  eingeklemmt  und  zertrümmert.  Am  nächsten  Morgen  fand  ein  Therapeut  Z  im 
Bett;  er  wurde  notfallmässig  ins  Spital  ____  geführt  und  die  Ärzte  diagnostizierten  ein 
"syndrome  de  loges  du  membre  supérieur,  rhabdomyolyse  aigüe,  luxation  d'une  prothèse 
totale  de  la  hanche  gauche"  (act.  1/6,  2/5).  In  der  Folge  wurde  Z  ins  Kantonsspital  ____ 
verlegt.  Dort  musste  er  sich  verschiedenen  Operationen  unterziehen.  Der  Aufenthalt  im 
Kantonsspital  dauerte  vom  28.  Mai  1999  bis  zum  10.  September  1999  (act.  2/6).  Der  Arm 
konnte  gerettet  werden,  seine  Funktionsfähigkeit  ist  jedoch  stark  eingeschränkt.  Z  kann  die 
Finger weder strecken noch biegen; im Vorderarm hat er praktisch kein Gefühl mehr.  

B.  Mit Eingabe vom 19. Mai 2004 reichte Z eine Forderungsklage gegen X (Beklagte 
1), Y (Beklagte 2) und B (Beklagte 3) ein. Letztere ist identisch mit der Beklagten 1, es fand ein 
Namenswechsel  statt.  Er  beantragte,  die  Beklagten  seien  zur  Bezahlung  eines  richterlich  zu 
bestimmenden, Fr. 8'000.–  übersteigenden Betrags nebst 5 % Verzugszins ab Unfalldatum zu 
verurteilen. 

Die Beklagten beantragten am 18. August 2004 auf die Klage nicht einzutreten, eventuell 

sei sie abzuweisen. 

Nach  einem  weiteren  Schriftenwechsel  beantragten  die  Parteien  am  30.  September 
2005  gemeinsam,  das  Verfahren  auf  die  Frage  zu  beschränken,  ob  die  tatsächlichen  und 
rechtlichen Voraussetzungen für den Vermögensschaden des Klägers gegeben sind (act. 35). 
Das Zivilgericht verfuhr alsdann gemäss Art. 173 ZPO. 

C.  Mit  Entscheid  vom  7.  Dezember  2005  hielt  das  Zivilgericht  fest,  die  tatsächlichen 
und rechtlichen Voraussetzungen für die Haftung der Beklagten 1 für den Vermögensschaden 
des Klägers sei dem Grundsatz nach gegeben. Die Kosten wurden vorbehalten. 

D.  Am 30. Mai 2006 legten die Beklagten 1 und 2 Berufung ein. Sie beantragen, das 
Urteil des Zivilgerichts aufzuheben, die Klage vom 19. Mai 2004 abzuweisen und den Kläger 
zu den Kosten zu verurteilen.  

In seiner Berufungsantwort vom 16. August 2006 schliesst Z auf kostenfällige Abweisung 

der Berufung. 

Der I. Zivilappellationshof sieht von einer Verhandlung ab und entscheidet in Anwendung 

von Art. 300 Abs. 3 lit. b ZPO aufgrund der Akten. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
3

e r w o g e n : 

1.  

a)   Die  Zuständigkeit  des  Kantonsgerichts  ergibt  sich  aus  Art.  291  ZPO  i.V.m. 
143 GOG. Die Berufungsfrist beträgt 30 Tage (Art. 294 Abs. 1 ZPO). Der Appellationshof prüft 
die Streitsache in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht frei (Art. 299a Abs. 1 ZPO). Das Vor-
bringen neuer Angriffs- oder Verteidigungsmittel und die Abänderung der Klage oder der Wi-
derklage  ist  für  die  Berufung  in  den  Grenzen  der  Art.  130  und  131  ZPO  zulässig  (Art.  299a 
Abs. 3 ZPO).  

Das  Dispositiv  des  vorinstanzlichen  Urteils  wurde  den  Parteien  am  22.  bzw.  23. 
Dezember  2005  zugestellt.  Gleichentags  ersuchte  die  Berufungsklägerin  1  um  Ausfertigung 
des Urteils. Das begründete Urteil wurde den Parteien am 1. Mai 2006 zugestellt, sodass die 
am 30. Mai 2006 der Post übergebene Berufung rechtzeitig eingereicht wurde.  

b)   Gemäss Art. 291 ZPO kann gegen ein Urteil, das den Rechtsstreit beendet, 
Berufung eingelegt werden. Nach Art. 292 ZPO ist die Berufung ausnahmsweise gegen Zwi-
schenentscheide  zulässig,  die  über  separat  entschiedene  Hauptfragen  ergingen,  wenn  da-
durch  sofort  ein  Endentscheid  herbeigeführt  werden  kann  und  die  Dauer  und  die  Instruktion 
der übrigen Streitpunkte unverhältnismässig gross wären. 

Das  angefochtene  Urteil  bereinigt  die  Streitlage  zwischen  den  Parteien  nicht 
umfassend und ist daher kein Endentscheid im Sinne  von Art. 291 ZPO. Es handelt sich um 
einen Zwischenentscheid. Die Lösung der vorweggenommenen Frage kann zu einem Endent-
scheid führen, sodass einzig zu prüfen bleibt, ob Dauer und Kosten der Instruktion der übrigen 
Streitpunkte  unverhältnismässig  gross  wären.  Diese  Frage  kann  jedoch  offen  gelassen  wer-
den.  

c) 

Der Streitwert der Klage wird mit Fr. 8'000.–  übersteigend beziffert. Gemäss 
Klageschrift  übersteigt  der  Schaden  sicher  Fr.  30'000.–   (vgl.  Klage  S.  7  f.),  auch  wenn  die 
Rechtsbegehren noch nicht endgültig beziffert sind. Der Streitwert bleibt im Berufungsverfah-
ren unverändert.  

2.   Das  Zivilgericht  hielt fest,  die  Berufungsklägerin 2  sei  nicht  passivlegitimiert.  Dies 
ist im Berufungsverfahren nicht mehr streitig. Die Berufungsklägerinnen sind einfache Streitge-
nossen, und daher führen sie den Prozess gemeinschaftlich (Art. 89 ZPO). Eine Trennung der 
Verfahren  wurde  nicht  beantragt  und  drängt  sich  auch  nicht  auf.  Es  ist  daher  nicht  zu  bean-
standen, dass das Zivilgericht die Kostentragung in Bezug auf diesen Teil dem Endentscheid 
vorbehalten hat (Art. 112 f. ZPO).  

3.   Zu klären ist vorab, ob das Zivilgericht die Haftung der Berufungsklägerin 1 für die 
vom  Berufungsbeklagten  in  der  Nacht  vom  26.  auf  den  27.  Mai  1999  erlittenen  Körperverlet-
zungen zu Recht bejaht hat. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
4

a)   Der Berufungsbeklagte stützt seine Klage primär auf Art. 97 OR, subsidiär auf 
Art. 41 OR (act. 1 S. 10). Die Berufungsklägerinnen erhoben die Verjährungseinrede (act. 10 
S. 12), welche bezüglich der Deliktshaftung anerkannt wurde (act. 20 S. 9). Das Zivilgericht hat 
festgehalten, die Ansprüche aus Vertragsverletzung seien noch nicht verjährt und hat diesbe-
züglich  die  Einrede  abgewiesen  (Urteil  Ziff.  IV,  12).  Die  Berufungsklägerinnen  haben  diesen 
Punkt nicht angefochten, sodass er im Berufungsverfahren nicht mehr streitig ist.  

b)  Zu prüfen bleibt also, ob der Berufungsbeklagte gestützt auf Art. 97 OR einen 
Schadenersatzanspruch  gegenüber  der  Berufungsklägerin  1  geltend  machen  kann.  Der  auf 
Art. 97 Abs. 1 OR abgestützte Schadenersatzanspruch hat folgende Voraussetzungen: Vorlie-
gen  einer  Leistungsstörung  (Leistungsunmöglichkeit  oder  positive  Vertragverletzung),  Eintritt 
eines Schadens, natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen der Leistungsstö-
rung und dem Schaden sowie die Verantwortung des Schuldners. 

sich  am 

vorliegt,  beurteilt 

aa)  Ob  eine  Leistungsstörung 

konkreten 
Vertragsverhältnis.  Es  ist  daher  abzuklären,  welche  vertraglichen  Pflichten  der  Berufungsklä-
gerin 1 aus dem Vertrag mit dem Berufungsbeklagten erwuchsen. Mit dem Zivilgericht ist das 
Rechtsverhältnis  der  Parteien  als  Innominatvertrag  mixti  iuris  zu  qualifizieren,  welcher  Ele-
mente des Miet-, des Kaufs, des Aufnahme- und des Hinterlegungsvertrags enthält, wobei die 
einzelnen  Regeln  dieser  Vertragstypen  nicht  unbesehen  auf  dieses  Vertragsverhältnis  an-
wendbar  sind.  Hauptleistungspflichten  sind  die  Pflicht  zur  fachgemässen  Zubereitung  der 
Speisen und Bedienung, zur Überlassung der Unterkunft, zur Haftung für eingebrachte Sachen 
nach Art. 487 ff. OR und die Pflicht, für die persönliche Sicherheit des Gastes zu sorgen. 

Als  Leistungspflicht  steht  im  vorliegenden  Fall  die  Überlassung  der  Unterkunft  im 
Vordergrund;  hierfür  können  die  mietrechtlichen  Bestimmungen  analog  angewendet  werden. 
Das Gesetz auferlegt dem Vermieter als Hauptleistungspflicht die Übergabe- und die Instand-
haltungspflicht.  Aus  dem  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  lassen  sich  aber  auch  Neben-
pflichten ableiten, z. B. die Informations-, Schutz- und Obhutpflichten.  

Das  Mietobjekt  ist  mangelhaft,  wenn  sich  die  Mietsache  nicht  in  dem  Zustand 
befindet, den sie nach dem Vertrag haben sollte und den der Vermieter konkret schuldet. Der 
vertragsgemässe Zustand entspricht dem, was der Vermieter zu gegebener Zeit schuldet und 
was  demgemäss  der  Mieter  unter  den  gegebenen  Umständen  objektiv  und  nach  Treu  und 
Glauben  erwarten  darf. Dieser  Zustand  erfasst  alle  für  die Tauglichkeit  zum  vorausgesetzten 
Gebrauch massgeblichen wie auch die besonders zugesicherten, allenfalls darüber hinausge-
henden Eigenschaften. Die Erfassung des vertragsgemässen Zustandes setzt gegebenenfalls 
auch die nähere Bestimmung der Mietsache voraus (Schweizerischer Verband der Immobilien-
Treuhänder  [SVIT],  Schweizerisches  Mietrecht,  2.  Aufl.,  Zürich  1998,  Art.  259e  OR,  S.  319). 
Die Grösse des Mangels ist bei Mietantritt unerheblich (Art. 258 Abs. 3 OR). Nicht erforderlich 
ist,  dass  der  Vermieter  vom  Mangel  Kenntnis  hat.  Hingegen  kann  der  Ersatzanspruch  des 
Mieters  untergehen, falls  er  vom  Mangel  Kenntnis  hat,  diesem  dem  Vermieter  aber  nicht  an-
zeigt (Art. 257g OR). Gemäss BGE 107 II 429 E. 3a ist der Mieter jedoch nicht wie ein Käufer 
verpflichtet, die empfangene Sache bei Übernahme auf ihre Beschaffenheit zu prüfen und dem 
Vermieter  allfällige  Mängel  sofort  anzuzeigen.  Ein  Mieter  darf  daher  auch  ohne  besondere 
Einwendung bei der Mietung von Wohn- und Geschäftsräumen erwarten, dass die im Rahmen 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
5

der  üblichen  Unterhaltsverpflichtungen  gebotenen  Instandstellungen  ausgeführt  werden  und 
dass  insbesondere  die  zum  Mietobjekt  gehörenden  technischen  und  sanitären  Einrichtungen 
funktionstüchtig sind (SVIT, Vorbemerkungen zu Art. 258-259i OR, S. 231-235; vgl. BGE 104 II 
274 E. 2; 113 II 29; 115 II 479).  

Im Berufungsverfahren ist unbestritten, dass die Berufungsklägerin 1 ihren Haupt-
leistungspflichten nachgekommen ist, mithin das Studio und das Klappbett in einem einwand-
freien  Zustand  übergeben  wurden  und  zum  vorausgesetzten  Gebrauch  verwendet  werden 
konnten. Ein Mangel, in Form einer defekten Sicherheitskette am Klappbett, blieb unbewiesen 
(Urteil Ziff. 3.1. i.f.). 

Es  bleibt  daher  zu  prüfen,  ob  die  Berufungsklägerin  1  eine  Nebenpflicht  verletzt 
hat. Die Nebenpflichten stellen eine Unterart der positiven Vertragsverletzung dar, welche in-
tegrierender  Bestandteil  von  Art.  97  Abs.  1  OR  sind.  Eine  Nebenpflichtverletzung  vermag  ei-
nen Schadenersatzanspruch auszulösen (GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/REY, Schweizerisches Ob-
ligationenrecht, AT, Bd II, Zürich 2003, N. 2537 ff., S. 81 ff.).  

Obschon das Gesetz eine entsprechende Pflicht des Vermieters nicht ausdrücklich 
umschreibt, geniesst der Mieter einen generellen Schutz vor Störungen (Schweizerischer Ver-
band der Immobilien-Treuhänder [SVIT], Schweizerisches Mietrecht, 2. Aufl., Zürich 1998, Art. 
256  OR,  N.  14-16,  S.  100).  Die  Parteien  sind  verpflichtet, gegenseitig  ihre  Rechtsgüter  (Leib 
und Leben, Eigentum) zu schützen bzw. sie nicht zu gefährden. Der Gastwirt hat seinen Gast 
vor  Gefahr  zu  schützen  (BGE  71  II  107  E.  4).  Der  Beweis  der  Pflichtverletzung  obliegt  dem 
Berufungsbeklagten. 

Das  Hotel  A  preist  sich  als  Teil  eines  Erholungs-  und  Kurzentrums  mit 
umfassendem Therapieangebot an (act. 21, Beilage 20 Mitte). Der Berufungsbeklagte trat am 
17. Mai 1999 nach der Operation seines rechten Hüftgelenks einen Rekonvaleszenzaufenhalt 
an,  der  21  Tage  dauern  sollte.  Die  erste  „visite  médicale“  war  am  18.  Mai  1999  vorgemerkt 
(act. 11, Beilage 5). Diese Umstände erfordern eine gegenüber einem normalen Hotelbetrieb 
erhöhte  Schutz-  und  Informationspflicht.  Der  Vermieter  hat  damit  zu  rechnen,  dass  sich  der 
gesundheitliche  Zustand  eines  Gastes  infolge  einer  Operation  oder  Ähnlichem  auf  seine 
Wahrnehmung  und  somit  Achtsamkeit,  generell  auf  seinen  physischen  wie  psychischen  Zu-
stand,  einschränkend  auswirken  kann.  Er  hat  daher  den  rekonvaleszenten  Gast  auf  für  ihn 
mögliche Gefahrenquellen aufmerksam zu machen oder diese zu beseitigen. 

In  Bezug  auf  die  beiden  Klappbetten  ist  unbestrittenermassen  keine  spezielle 
Information erfolgt (act. 35, S. 4). An einem der beiden Klappbetten befand sich auf der Unter-
seite –  in aufgeklapptem Zustand auf Augenhöhe –  folgender Hinweis in Deutsch und Franzö-
sisch: "Werte Gäste. Bevor Sie die Betten herunterlassen, beachten Sie bitte die Sicherheits-
ketten an beiden Seiten des jeweiligen Bettes. Falls Sie während der Nacht die Matratze beim 
Kopf  verstellen,  beachten  Sie  bitte  jeweils  morgens  beim  wieder  aufstellen  der  Betten,  dies 
hinunter zu lassen. Mit bestem Dank" (act. 2, Beilagen 2 und 4). 

Der  Berufungsbeklagte  anerkennt,  dass  das  Klappbett,  bei  normaler  Funktion, 
ohne gewisse Einwirkung nicht herunterfällt (act. 20, S. 4). Versuche, die im Zuge des Augen-

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
6

scheins  vom  8.  August  2000  in  Anwesenheit  des  Berufungsbeklagten  und  seines  Anwaltes 
vom  Haftpflichtversicherer  durchgeführt  wurden,  haben  ergeben,  dass  das  Klappbett  in  ste-
hender Position ca. 30 cm bis 35 cm nach vorne geneigt werden kann, bevor es fällt. Bei einer 
Bettlänge  von  ungefähr  2  Metern  entspricht  dies  einem  Neigewinkel  von  ungefähr  8°  -  10° 
[(360° x 30 bzw. 35 cm) : (2r x Pi)]. In liegender Position brauche es eine grosse Kraftanstren-
gung, um das hochgeklappte Bett zu Fall zu bringen (act. 11, Beilage 6). Im Berufungsverfah-
ren  ist  sodann  unbestritten,  dass  beim  Bezug  des  Studios  eines  der  beiden  Betten  hochge-
klappt war, vom Berufungsbeklagten nie heruntergeklappt wurde und er von der Kette am Bett 
nichts wusste. Er hat zu keinem Zeitpunkt am hochgeklappten Bett hantiert (Berufung S. 4, Be-
rufungsantwort  S.  3).  Der  Gebrauchs-  und  Sicherheitshinweis  befand  sich  am  zweiten  Bett, 
welches heruntergeklappt war (Klage S. 5, Klageantwort S. 7). 

Grundsätzlich  ist  die  Handhabung  von  Klappbetten  sicher  und  einfach,  und  im 
normalen Hotelbetrieb kann das Anbringen eines allgemeinen Gebrauchs- und Sicherheitshin-
weises genügen. Es ist unbestritten, dass die Berufungsklägerin 1 zum Teil ihre Schutz- und 
Informationspflichten  durch  das  Anbringen  einer  Gebrauchsanweisung  auf  einem  der  Klapp-
betten wahrgenommen hat. Ist diese jedoch nicht sichtbar, wenn das betreffende Bett herun-
tergeklappt  ist,  womit  bei  einem  Klappbett  logischerweise  zu  rechnen  ist,  wird  die  entspre-
chende  Pflicht  ungenügend  erfüllt.  Weshalb  die  Sicherheitskette  nicht  eingehakt  war,  kann 
damit  offen  bleiben,  denn  die  Berufungsklägerin  1  hat  es  unterlassen,  dafür  zu  sorgen,  dass 
der  Berufungsbeklagte  über  das  Klappbett  informiert  wurde,  sei  es  durch  mündliche  Anwei-
sungen  oder  durch  einen  sichtbaren  schriftlichen  Sicherheitshinweis.  In  Anbetracht,  dass  die 
Berufungsklägerin 1 rekonvaleszente Gäste zur Nachbehandlung im angegliederten Thermal-
bad und Centre médical beherbergt, gehört dies zu den Nebenpflichten des Gastwirtes. Dieser 
Pflicht ist die Berufungsklägerin 1 nicht nachgekommen; es trifft sie daher ein Verschulden.  

Der Schuldner haftet im Allgemeinen für jedes Verschulden (Art. 99 Abs. 1 OR). In-
folge  Beschränkung  des  Verfahrens  auf  den  Haftungsgrundsatz  ist  die  Frage  des  Verschul-
densgrades nicht Prozessthema.  

bb)  Die Feststellung der Vorinstanz, dass dem Berufungsbeklagten ein Schaden 
im Sinne von Art. 97 OR entstanden ist, wird im Berufungsverfahren nicht angefochten; es ist 
daher auf die Erwägungen des Zivilgerichts zu verweisen (Urteil Ziff. III/6). 

cc)  Die Berufungsklägerin 1 bestreitet das Vorliegen eines adäquaten Kausalzu-

sammenhangs zwischen der mangelnden Instruktion und dem Schaden (Berufung Ziff. 9). 

Zwischen der (Neben-) Pflichtverletzung und dem entstandenen Schaden muss ein 
Kausalzusammenhang bestehen; der Berufungsbeklagte hat zu beweisen, dass das vertrags-
verletzende Verhalten der Berufungsklägerin 1 Ursache des geltend gemachten Schadens ist. 
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhanges sind alle Umstände, ohne deren 
Vorhandensein  der  eingetretene  Erfolg  nicht  als  eingetreten  oder  nicht  als  in  der  gleichen 
Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 112 V 32). Ist der 
natürliche Kausalzusammenhang gegeben, haftet der Verursacher nach einer Vertragsverlet-
zung  grundsätzlich  für  die  natürlichen  Folgeschäden.  Damit  irgendwo  in  der  Kausalkette  ein 
Riegel  geschoben  werden  kann,  hinter  welchem  die  Geschehnisse  mit  dem fraglichen  Scha-

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
7

den  nicht  mehr  kausal  sind,  hat  die  Rechtsprechung  den  Adäquanzbegriff  herangezogen. 
Demnach muss zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden ein ursächlicher Zusam-
menhang  in  der  Weise  bestehen,  dass  die  schädigende  Handlung  nach  dem  gewöhnlichen 
Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den entstandenen Schaden 
herbeizuführen. Er kommt darauf an, ob die fraglichen Ursachen generell geeignet sind, Wir-
kungen der eingetretenen Art herbeizuführen (GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/REY, N. 2753). 

Dem Berufungsbeklagten obliegt die Beweislast für den natürlichen Kausalzusam-
menhang. Der Nachweis überwiegender Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Kausalverlaufs 
muss  genügen,  wenn  ein  direkter  Beweis  nach  der  Natur  der  Sache  nicht  geführt  werden 
kann. Die Überprüfung der Adäquanz ist eine Rechtsfrage (BGE 119 Ib 342).  

Eine Besonderheit liegt im Umstand, dass der Berufungsklägerin 1 nicht eine ver-
tragswidrige Handlung, sondern eine Unterlassung vorgeworfen wird. Die I. Zivilabteilung des 
Bundesgerichts  geht  in  ständiger  Praxis  davon  aus,  dass  auch  bei  einer  Unterlassung  zwi-
schen  natürlichem  und  adäquatem  Kausalzusammenhang  unterschieden  werden  kann  und 
muss. 

Einigkeit  besteht  darüber,  dass  es  nur  um  den  hypothetischen  Zusammenhang 
zwischen  der  unterlassenen  Handlung  und  dem  Erfolg  gehen  kann.  Daraus  ergibt  sich  aber 
gegenüber dem Fall der Handlung die Besonderheit, dass der Sachrichter bereits bei der Fest-
stellung  dieses  Zusammenhangs  in  der  Regel  auch  auf  die  allgemeine  Lebenserfahrung  ab-
stellt und damit bestimmte, nach dieser Erfahrung unwahrscheinliche Geschehensabläufe von 
vornherein  ausser  Betracht  lässt.  Die  wertenden  Gesichtspunkte,  welche  sonst  erst  bei  der 
Beurteilung  der  Adäquanz  zum  Tragen  kommen,  spielen  deshalb  schon  bei  der  Feststellung 
der hypothetischen Kausalität eine Rolle. Aus diesem Grund ist es im allgemeinen nicht sinn-
voll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen Geschehensablauf auch noch auf 
seine Adäquanz zu prüfen, da ein solcher Vergleich den beabsichtigten Zweck einer vernünfti-
gen Begrenzung der Haftung (BGE 107 II 276; 96 II 396 E. 2 mit Hinweisen) nicht zu erfüllen 
vermag. Anders kann es sich aber verhalten, falls aufgrund von tatsächlich festgestellten An-
haltspunkten  angenommen  werden  muss,  der  hypothetische  Geschehensablauf  hätte  sich 
nicht  so  abgespielt,  wie  nach  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  zu  erwarten  ist.  Die  Unter-
scheidung zwischen natürlicher und adäquater Kausalität ist im weitern auch dann von Bedeu-
tung, wenn es nicht mehr um hypothetische Verläufe geht, sondern um daran anschliessende, 
direkt feststellbare (BGE 115 II 440).  

Aufgrund der Beschreibungen der Verletzungen  wurden die Armverletzungen des 
Berufungsbeklagten durch das zweite Klappbett verursacht. Der Unfallhergang ist nicht erstellt; 
sicher  dürfte  sein,  dass  die  Sicherheitskette  nicht  angebracht  war,  da  sonst  das  Bett  nicht 
hätte abklappen können. Es gilt vorliegen als erstellt, dass der Berufungsbeklagte nie am Bett 
hantierte; somit war die Sicherheitskette auch bei Bezug des Studios nicht angebracht gewe-
sen. Wäre  eine  Instruktion  erfolgt,  wäre  die  Sicherheitskette  angebracht  worden,  oder  so  sie 
denn defekt war, das nicht verwendete Bett anderweitig gesichert worden. 

Ein Klappbett fällt nicht ohne äussere Einwirkungen zu Boden. Das Hebelgesetz in 
Verbindung  mit  dem  tief  angesetzten  Drehpunkt  und  den  Gegengewichten  bewirkt,  dass  es 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
8

relativ leicht heruntergeklappt werden kann, wenn am Fussende gezogen wird, die hierfür nö-
tige  Krafteinwirkung  jedoch  proportional  grösser  wird,  je  näher  am  Drehpunkt  die  Kraft  wirkt. 
Dies hat offensichtlich auch ein Versuch des Versicherers im Beisein des Berufungsbeklagten 
am fraglichen Bett ergeben. 

Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung ist 
es durchaus möglich, dass ein Gast wie der Berufungsbeklagte in der Nacht das Klappbett zu 
Fall  bringt  bzw.  so  darauf  einwirkt,  dass  der  Neigewinkel  die  10°  überschreitet.  Der  genaue 
Hergang lässt sich nicht mehr rekonstruieren, doch ist es nahe liegend, dass ein Gast in einer 
fremden  Umgebung  nachts  eher  orientierungslos  ist,  dies  umso  mehr  wenn  er  schlaftrunken 
ist. Die festgestellte Angetrunkenheit des Berufungsbeklagten vermag die Kausalkette nicht zu 
unterbrechen; es ist nicht derart aussergewöhnlich, dass Hotelgäste in erhöhtem Mass Alkohol 
konsumiert haben; damit hat der Gastwirt zu rechnen. Ob und inwieweit dies dem Berufungs-
beklagten  als  Selbstverschulden  anzulasten  und  zu  berücksichtigen  ist,  kann  derzeit  offen 
bleiben.  Infolge  Beschränkung  des  Verfahrens  auf  den  Haftungsgrundsatz  ist  die  Frage  der 
Gewichtung der Haftungsquoten nicht Prozessthema. 

Demzufolge ist die Berufung abzuweisen. 

4. 

a)  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  sind  die  Kosten  des 
Berufungsverfahrens  den  Berufungsklägerinnen  aufzuerlegen  (Gerichtsgebühr:  Fr.  1'500.– ; 
Auslagen: Fr. 112.– ).  

und gestützt auf Art. 92 Abs. 1 lit. a GOG sowie Art. 21 des Reglements für das Kantonsge-
richt auf dem Zirkulationsweg, 

e r k a n n t : 

I. 

II. 

Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten war.  

Die Parteikosten des Berufungsverfahrens werden X und Y auferlegt. 

Die  Gerichtskosten  des  Berufungsverfahrens  werden  auf  Fr.  1’612.–   (Gerichtsgebühr:  
Fr.  1'500.– ;  Auslagen:  Fr.  112.– ) festgesetzt  und  vom  Kostenvorschuss  der  Parteien  je 
hälftig bezogen, wobei X und Y dem Berufungsbeklagten den von ihm bezogenen Anteil 
zu ersetzen haben. 

Freiburg, 19. Februar 2007