# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b239423-2f2e-579c-9ef9-9015865c63e1
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 15.09.2014 FO.2014.15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_FO-2014-15_2014-09-15.pdf

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FO.2014.15

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 15.09.2014

Entscheiddatum: 15.09.2014

Entscheid Kantonsgericht, 15.09.2014
Art. 285 ZGB: Lebt der unterhaltspflichtige Vater im Ausland, ist bei dessen 
Bedarfsberechnung das Niveau der dortigen Lebenshaltungskosten zu 
berücksichtigen (Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 15. September 2014, FO.
2014.15). 

Sachverhalt:

Die nicht miteinander verheirateten Eltern haben ein gemeinsames 2-jähriges Kind (K). 

Der Vater wohnt in Österreich. Das Kind lebt bei der Mutter in der Schweiz.

 

Aus den Erwägungen:

1.    Der Kinderunterhalt bemisst sich einerseits nach der Lebensstellung und der 

Leistungsfähigkeit der Eltern und andererseits nach den Bedürfnissen des Kindes 

(Art. 285 Abs. 1 ZGB). Er wird nach verschiedenen Methoden berechnet. Der 

Unterhaltspflichtige darf dabei jedoch stets das Lebensnotwendige für sich behalten; 

sein Existenzminimum wird nicht angetastet (BGE 135 III 66; BaslerKomm/Breitschmid, 

Art. 285 ZGB, N 12; FamKomm Scheidung/Wullschleger, Art. 285 ZGB, N 40). Einen 

allfälligen Mangel hat also der Unterhaltsberechtigte zu tragen.

Beim Kinderunterhalt gilt der Offizialgrundsatz (Art. 296 ZPO), und daher besteht keine 

Bindung an die Parteianträge.

2.    Der Vater macht geltend, die Vorinstanz habe sein Existenzminimum verletzt und 

seinem Sohn zu hohe Unterhaltsbeiträge zugesprochen. Insbesondere seien die 

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Kosten für den Arbeitsweg und die Steuerbelastung in Österreich höher als 

angerechnet. Der Vertreter des Kindes widerspricht dieser Auffassung.

Der Vater arbeitet zu 100% in einer Firma, welche in der (…)branche tätig ist. Im Jahr 

2013 verdiente er dabei rund Fr. 5'240.00.00 im Monat, nach Abzug der Quellensteuer 

(vgl. dazu BGer 5A_352/2010; KGer SG, Nachrichten zum Familienrecht Nr. 1/11, RF.

2010.67, www.gerichte.sg.ch) also etwa Fr. 4'380.00 (…).

(…). Es ist bekannt und wird von beiden Seiten zugestanden, dass der Vater 

unregelmässigen Schicht- und Pikettdienst verrichtet. Sein Einkommen und die 

Quellensteuer schwanken daher von Monat zu Monat (…). Das Vorgehen der 

Vorinstanz, von einem durchschnittlichen Einkommen sowie einer durchschnittlichen 

Steuerbelastung auszugehen und dafür auf den Lohnausweis 2013 abzustellen, 

erscheint mithin als angemessen. Namhafte Veränderungen in der Arbeitssituation des 

Vaters seit dem vergangenen Jahr wurden von beiden Parteien nicht vorgebracht und 

erscheinen auch nicht als wahrscheinlich, namentlich in Anbetracht des 

fortgeschrittenen Alters des Vaters. Ein Beizug der Werte des laufenden Jahres durfte 

daher unterbleiben.

Im Übrigen blieb unbestritten, dass die Mutter, welche monatlich lediglich Fr. 2'400.00 

verdient (…), ihre Unterhaltspflicht in natura erfüllt, mit Pflege und Erziehung des 

Kindes (BGer 5A_690/2010, E. 2.3; FamKomm Scheidung/Wullschleger, Art. 285 ZGB, 

N 59).

3.    Beim Bedarf des Vaters ist vom Grundbetrag für eine Einzelperson auszugehen, 

der im Kanton St. Gallen Fr. 1'230.00 beträgt. Weil der Vater im Ausland lebt, ist bei der 

Bedarfsberechnung das Niveau der dortigen Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen 

(BGer 5A_736/2007, E. 3.2 = Möckli, Aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

zum Unterhaltsrecht im Jahr 2008, FamPra.ch 2009, 672, 678; KGer SG, FamPra.ch 

2006, 209; ZürcherKomm/Bräm, Art. 163 ZGB, N 108; BaslerKomm/Breitschmid, 

Art. 285 ZGB, N 26). Die unterschiedlichen Lebensstandards in den verschiedenen 

Staaten werden dabei praxisgemäss anhand der statistisch erhobenen 

Verbrauchergeldparitäten bzw. internationaler Kaufkraftvergleiche ermittelt (BGer 

5A_736/2007, E. 3.2; 5C.6/2002, E. 3a, teilw. publ. in BGE 128 III 257; BaslerKomm/

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Breitschmid. Art. 285 ZGB, N 27; FamKomm Scheidung/Wullschleger, Art. 285 ZGB, N 

14), wobei u.a. auf die Angaben des Bundesamtes für Statistik (z.B. T 5.7.1 

'Internationaler Preisvergleich') oder den Kaufkraftvergleich einer Grossbank (z.B. UBS 

'Preise und Löhne') abgestellt werden darf (BGer 5A_736/2007, E. 3.2). Nach diesen 

Zusammenstellungen entspricht das Preisniveau in Österreich ungefähr 70% von 

demjenigen in der Schweiz (T 5.7.1 'Preisniveauindizes' 2012 auf www.bfs.admin.ch; 

Vergleich Zürich – Wien 'Preise und Löhne' 2012 auf www.ubs.com). Dasselbe ergibt 

sich, stützt man sich auf die Erhebungen der OECD ab (stats.oecd.org; zum 

Kaufkraftvergleich vgl. auch www.gfk.com). Es erscheint daher als angemessen, den 

Grundbetrag für den Vater auf Fr. 860.00 festzusetzen. Dessen Wohnaufwand von rund 

Fr. 780.00, die Auslagen für die Krankenkasse von Fr. 460.00 und die Kosten für die 

Risikoversicherungen von Fr. 50.00 blieben unbestritten. Der Vertreter des Kindes 

akzeptiert sodann die vom Vater geforderten Gesundheitskosten von Fr. 60.00 im 

Zusammenhang mit dessen Diabetes Typ I. Der Vater macht ferner geltend, er benötige 

Diätnahrung, was ihm zusätzlichen Aufwand beschere. Mit seinem Krankheitsbild ist 

der Vater zwar auf eine gesundheitsbewusste Kost angewiesen; diese kann er aber 

weitgehend ohne Mehrkosten einhalten (zu Diabetes mellitus/Typ 2: BGer P 47/05, E. 3 

und 9C_482/2009, E. 3.5.2; vgl. auch www.diabsite.de und www.odgsg.ch). Solche 

sind daher im Bedarf nicht anzurechnen, zumal sie der Vater weder qualitativ noch 

quantitativ verdeutlicht hat. Für die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung eines 

vollzeitig Erwerbstätigen werden sodann im Kanton St. Gallen praxisgemäss Fr. 200.00 

berücksichtigt. Die Vorinstanz rechnete dem Vater ferner Fr. 800.00 für den Arbeitsweg 

an, während dieser einen Betrag von Fr. 1'134.00 fordert. Der Vater wohnt in (…) A und 

arbeitet in (…) CH. Er ist angesichts seiner unregelmässigen Arbeitszeiten grundsätzlich 

unbestritten auf einen Privatwagen angewiesen. Die entsprechenden Kosten sind, 

entgegen der Ansicht des Vertreters des Kindes, voll und nicht nur für gewisse Tage 

anzurechnen, weil dem Auto insgesamt Kompetenzcharakter zukommt und dem Vater 

der entsprechende Aufwand grundsätzlich anfällt. Für die Berechnung der Kosten kann 

auf die steuerlichen Ansätze abgestellt werden (Kreisschreiben über die Berechnung 

des betreibungsrechtlichen Existenzminimums, N 4.4.5), wobei auch der Vater einer 

steuerlichen Betrachtungsweise zustimmt (…). Dabei ist bei einer Distanz von (…) km 

im Tag (www.viamichelin.ch; www.falk.de) und maximal 230 Arbeitstagen von einem 

Kilometeransatz von 0.45 Fr. auszugehen (StB 39 Nr. 3). Die monatlichen Auslagen 

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betragen mithin etwa Fr. 980.00. Zu prüfen ist sodann die Steuerbelastung in 

Österreich. Die Vorinstanz berücksichtigte hier keinen Betrag, während der Vater einen 

solchen von rund Fr. 210.00 geltend macht. Nach dessen unwidersprochen 

gebliebenen Angaben wendet er derzeit in Österreich monatlich € 200.00 für Steuern 

auf. Mit der Verpflichtung zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen kann er neu einen 

Unterhaltsabsetzbetrag und einen Kinderfreibetrag geltend machen (§ 33 Abs. 4 Ziff. 3, 

106a EStG; 'Familie und Steuern' auf www.bmf.gv.at). Mit weiteren Abzügen kann er 

(seit Januar 2012) nicht mehr rechnen (Unabhängiger Finanzsenat, 

Berufungsentscheidung vom 14. Juni 2013, RV.0459-F/12). Die monatliche 

Steuerbelastung in Österreich dürfte sich demnach neu auf rund € 160.00, mithin auf 

etwa Fr. 190.00 (www.oanda.com; www.ubs.com), belaufen. Dieser Betrag ist dem 

Vater anzurechnen, obwohl er ihn nicht im Einzelnen belegt, zumal eine Mangellage 

nicht zur Diskussion steht (…) und ausländische Steuern betroffen sind. Der Bedarf des 

Vaters beträgt folglich Fr. 3'580.00.

4.    Stellt man dem Einkommen des Vaters von Fr. 4'380.00 seinen Bedarf gegenüber, 

ergibt sich ein Freibetrag von Fr. 800.00. Der Vater ist somit in der Lage, den von der 

Vorinstanz verfügten Unterhaltsbeitrag zu bezahlen, ohne dass er sich einen Eingriff in 

sein Existenzminimum gefallen lassen müsste.

Im Übrigen ist der Unterhaltsbeitrag unbestritten geblieben (…). Dieser deckt mit den 

Kinderzulagen den familienrechtlichen Grundbedarf des Kindes (…) und scheint auch 

mit Blick auf die angewandte Berechnungsmethode (…) angemessen.

In vier Jahren wird sich der Unterhaltsbeitrag um Fr. 50.00 im Monat und in zehn 

Jahren um weitere Fr. 50.00 erhöhen. Das lässt sich mit Blick auf den mit 

zunehmendem Alter ansteigenden Bedarf des Kindes rechtfertigen, wobei anzunehmen 

ist, dass der Vater die geringfügige Erhöhung des Unterhalts mit einem höheren 

Einkommen (z.B. mehr Pikettdienst) oder einem niedrigeren Bedarf (z.B. Senkung der 

Kosten für auswärtiges Essen durch Mitnahme von Speisen von zuhause, Wechsel auf 

Kleinwagen) kompensieren kann. Das ist ihm auch zumutbar, weil der (wie hier) 

existenznotwendige Kindesunterhalt die Ausschöpfung aller finanziellen, intellektuellen 

und körperlichen Ressourcen erfordert (KGer SG, FamPra.ch 2007, 191, 192; 

BaslerKomm/Breitschmid, Art. 276 ZGB, N 2, 25).

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