# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 79dd9eff-a497-5ca3-855e-d0f386b6eef2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 16.06.2023 200 2023 45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2023-45_2023-06-16.pdf

## Full Text

200 23 45 IV
KOJ/BOC/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 16. Juni 2023

Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 1. Dezember 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1995 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich im März 2021 unter Hinweis auf Depressionen seit 
jungen Jahren bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Ak-
ten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin] act. II 
1). Die IVB nahm in der Folge erwerbliche sowie medizinische Abklärungen 
vor und führte ein Erstgespräch durch (act. II 9 - 12, 24, 29, 31). Am 9. 
September 2021 (act. II 17) teilte die IVB mit, zur Zeit könnten keine Ein-
gliederungsmassnahmen mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden, der 
Rentenanspruch werde geprüft. Im weiteren Verlauf liess die IVB die Versi-
cherte durch Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie, begutachten (Expertise vom 11. Oktober 2022 [act. II 44.1]). Nach 
durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. II 45, 48) verneinte die IVB mit 
Verfügung vom 1. Dezember 2022 (act. II 51) den Anspruch auf Leistungen 
der Invalidenversicherung, da kein Gesundheitsschaden mit invalidisieren-
der Wirkung im Rechtssinne bestehe. 

B.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt C.________ 
von B.________, am 20. Januar 2023 Beschwerde. Sie beantragt, unter 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung seien berufliche Massnahmen 
zuzusprechen. Gleichzeitig stellt die Beschwerdeführerin ein Gesuch um 
unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt 
C.________ als amtlicher Anwalt, alles unter Kosten- und Entschädigungs-
folgen zulasten der Beschwerdegegnerin. 

Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 17. März 
2023 die Abweisung der Beschwerde. 

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Mit Verfügung vom 20. März 2023 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch 
um unentgeltliche Rechtspflege gut und ordnete der Beschwerdeführerin 
Rechtsanwalt C.________ als amtlicher Anwalt bei.

Die Beschwerdeführerin machte mit unaufgeforderter Replik vom 30. März 
2023 zusätzliche Ausführungen. Mit prozessleitender Verfügung vom 
3. April 2023 gab der Instruktionsrichter der Beschwerdegegnerin Gelegen-
heit zur Stellungnahme, worauf diese mit Eingabe vom 17. April 2023 unter 
Festhalten an den in der Beschwerdeantwort gestellten Rechtsbegehren 
verzichtete. Diese Eingabe wurde der Beschwerdeführerin mit prozess-
leitender Verfügung vom 18. April 2023 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

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1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 1. Dezember 2022 (act. II 51). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis-
tungen der Invalidenversicherung, namentlich auf berufliche Eingliede-
rungsmassnahmen.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich 
besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 148 V 
162 E. 3.2.1 S. 166, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Vorliegend sind insbeson-
dere berufliche Massnahmen streitig. Die vorliegend angefochtene Verfü-
gung datiert vom 1. Dezember 2022 (act. II 51) und ist somit nach dem 
Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 ergangen, weshalb die 
Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 17. Januar 
1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der ab 1. Januar 
2022 gültigen Fassung massgebend sind.

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeits-

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bereich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende 
Erwerbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem aus-
geglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vorliegens 
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt 
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 
Abs. 2 ATSG).

2.3 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie 
Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund-
lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an-
spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung 
ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 
E. 5.1 S. 221).

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass 
dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 
gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesund-
heitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, 
ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zu-
mutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).  

2.4 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 
ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrach-
tungsweise von der grundsätzlichen "Validität" der versicherten Person 
auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295).

Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechts-
anwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben 
tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 
2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prü-
fung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende 
Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten 

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normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 
S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 
7.2 S. 429).

2.5 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 
und 2.2.1 S. 287; SVR 2021 IV Nr. 76 S. 257 E. 4.2.1). Liegt auch unter 
dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Gesundheits-
schädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines 
normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergeb-
nisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leis-
tungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompen-
sationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren 
Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Regelfall 
nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindikatoren zu 
beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien "funktioneller 
Schweregrad" (E. 4.3 S. 298) und "Konsistenz" einteilen lassen (E. 4.4 S. 
303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Anerken-
nung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn 
die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitli-
chen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren 
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr-
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Be-
weislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 
6 S. 308).

2.6 Die sachverständige Person schätzt das Leistungsvermögen an-
hand der einschlägigen Indikatoren ein. Die Rechtsanwender überprüfen 
die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die 
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das 
heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, 
welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ob die ver-

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sicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grund-
lage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 S. 307). Eine 
davon losgelöste Parallelüberprüfung "nach besserem juristischen Wissen 
und Gewissen" darf jedoch nicht stattfinden. Vielmehr ist im Rahmen der 
Beweiswürdigung zu fragen, ob die funktionellen Auswirkungen medizi-
nisch im Lichte der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig 
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. 
Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkun-
gen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts ab-
schliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann (BGE 145 
V 361 E. 3.2.2 S. 364, 144 V 50 E. 4.3 S. 54). 

Zur Grenzziehung zwischen der freien Überprüfung durch die rechtsan-
wendende Stelle in Anwendung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 
V 281 auf der einen und unzulässiger juristischer Parallelbeurteilung auf 
der anderen Seite hat das Bundesgericht Folgendes festgehalten: Von ei-
ner lege artis, normorientierten, d.h. nach Massgabe von BGE 141 V 281 
erfolgten medizinischen Schätzung ist aus triftigen Gründen abzuweichen. 
Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme einer 
Arbeitsunfähigkeit unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsis-
tenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden 
Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei ist zu 
beachten, dass die ärztliche Beurteilung Ermessenszüge aufweist, die auch 
den Rechtsanwender begrenzen. Für die Prüfung der Frage, ob und inwie-
weit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beach-
tung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und 
nachvollziehbar begründet haben, ist erforderlich, dass die Sachverständi-
gen substanziiert darlegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen 
Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und 
die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hin-
sicht zu schmälern vermögen. Insbesondere hat der medizinisch-
psychiatrische Sachverständige darzutun, dass, inwiefern und inwieweit 
wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeits-
fähigkeit eingeschränkt ist, und zwar – zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- 
und Kontrollzwecken – unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, fami-
liären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kommen 

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die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 
281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-
psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des 
Rechtsanwenders Bestand haben (BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 367). Der Be-
weis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Ar-
beitsunfähigkeit kann somit als geleistet betrachtet werden, wenn die 
Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden 
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Le-
bensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. 
Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was 
sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der 
rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 145 V 361 E. 3.2.2 S. 364, 
144 V 50 E. 4.3 S. 54).

2.7 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität 
(Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmass-
nahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit 
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustel-
len, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den 
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Der Anspruch 
auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung 
einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der 
Massnahmen sind insbesondere das Alter (lit. a), der Entwicklungsstand 
(lit. b), die Fähigkeiten der versicherten Person (lit. c) und die zu erwarten-
de Dauer des Erwerbslebens (lit. d) zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1bis 
IVG). Drohende Invalidität liegt vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähig-
keit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Er-
werbsunfähigkeit ist unerheblich (Art. 1novies IVV). Die Eingliederungs-
massnahmen bestehen u.a. in Massnahmen beruflicher Art (Art. 8 Abs. 3 
lit. b IVG). 

2.8 Um den Leistungsanspruch beurteilen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-

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lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 

3.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

3.1 Dr. med. E.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera-
pie, führte im Bericht vom 12. Dezember 2020 (act. II 11/3 f.) die folgenden 
Diagnosen auf: 

 Rezidivierende depressive Störung, unterschiedlich ausgeprägt, gegenwärtig 
bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.10);

 Persönlichkeitsstruktur mit emotional instabilen und impulsiven Anteilen;
 Probleme durch negative Kindheitserlebnisse: Kind-Herauslösen und Ent-

führen aus vertrauter Umgebung, negativ veränderte Struktur der Familienbe-
ziehungen und des sozialen Umfelds, Ereignisse im Kind- und Jugendalter, die 
den Verlust des Sicherheits- und Selbstwertgefühls zur Folge haben (ICD-10: 
Z61);

 Probleme bei der Erziehung eines Kindes: Feindseligkeit und körperliche 
Misshandlungen gegenüber dem Kind, ständige Schuldzuweisung an das 
Kind, emotionale und schulische Vernachlässigung eines Kindes (ICD-10: 
Z62).

Wegen ihrer deutlich depressiven Symptomatik sei die Beschwerdeführerin 
anfangs Sommer 2019 mit Escitalopram 20mg eingestellt worden, worauf 
sich ihr psychischer Zustand allmählich stabilisiert habe. Bis Spätherbst 
habe sich ebenfalls ihre soziale Situation verbessert (neue Beschäftigungs-
stelle in der F.________ seit August 2019, berufliche Orientierung mit Coa-
ching, Wechsel vom Sozialdienst durch Umzug mit deutlich besserer 
Wohnsituation, neue Beziehung). Wegen zunehmendem Leidensdruck bei 
Gewichtszunahme und dazu andauernden Klagen über ihre Vergesslichkeit 
sei die Beschwerdeführerin im November 2019 auf Brintellix-Tabletten 
20mg umgestellt worden. Bei guter Verträglichkeit habe diese Medikation in 

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der ersten Jahreshälfte 2020 zur weiteren psychischen Stabilisierung bzw. 
Remission der depressiven Symptomatik geführt. Da die Beschwerdeführe-
rin ihre Gewichtszunahme nicht habe in den Griff kriegen können und die 
Antidepressiva dafür verantwortlich gemacht habe, habe sie das Brintellix 
selbstinitiativ abgesetzt. Ab Spätsommer 2020 seien erneut emotionale 
Schwankungen mit Reizbarkeit, Ungeduld, Unzufriedenheits- und Enttäu-
schungsgefühlen aufgetreten. Sie habe eine medikamentöse Therapie ka-
tegorisch abgelehnt. Auch ohne Psychopharmaka und mit Hilfe einer 
Ernährungsberaterin habe die Beschwerdeführerin bisher ihr Gewicht nicht 
reduzieren können. Im Herbst 2020 sei es zu einer zunehmenden persönli-
chen und sozialen Überforderung mit Verschlechterung des psychischen 
Zustandes und Zunahme der depressiven Symptomatik (niedergeschlage-
ne und gereizte Stimmung, Antriebs- und Motivationslosigkeit, sozialer 
Rückzug) gekommen. Unter deutlichem Leidensdruck habe die Beschwer-
deführerin akzeptiert, Rebalance-Tabletten (Johanniskraut) 500mg einzu-
nehmen. Ihr psychischer Zustand habe sich zwar einigermassen 
verbessert, aber eine Remission sei bis heute nicht erreicht worden.

3.2 Im Bericht des Spitals G.________ vom 6. Oktober 2021 (act. II 24) 
wurde die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf-
geführt:

 ICD-10: F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 
Episode (ED Juni 2021)

Die Beschwerdeführerin sei seit Juni 2021 nach Zuweisung des Hausarztes 
aufgrund eines depressiven Syndroms in ambulanter integrierter psychiatri-
scher Behandlung. Die Beschwerdeführerin habe die Diagnose einer rezi-
divierenden depressiven Störung, wobei gegenwärtig die Kriterien einer 
mittelgradigen Episode erfüllt seien. In der Vergangenheit habe sie zwei 
depressive Episoden gehabt, welche medikamentös behandelt worden 
seien. Weiter zeige sie tief verwurzelte Verhaltensmuster in zwischen-
menschlichen Beziehungen, welche den Verdacht auf eine Persönlich-
keitsakzentuierung mit selbstunsicheren und anankastischen Anteilen 
nahelegten. Die Beschwerdeführerin leide seit mehreren Monaten unter 
gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, emotionaler Dünn-
häutigkeit, erhöhter Ermüdbarkeit, starken Ein- und Durchschlafstörungen, 

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verminderter Konzentration und Aufmerksamkeit, stark vermindertem 
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühlen von Wertlosigkeit, negati-
ven Zukunftsperspektiven und passiven Suizidgedanken. Die Beschwerde-
führerin arbeite gegenwärtig in einer vom Sozialamt gestützten Stelle in der 
F.________ zu 80 % in einer zumutbaren Tätigkeit. In einer neuen ange-
passten Tätigkeit werde der Start mit vier bis fünf Stunden täglich, vier Ta-
ge die Woche mit einer stufenweisen Pensumssteigerung empfohlen. 
Momentan sei die Beschwerdeführerin maximal zu 50 % auf dem ersten 
Arbeitsmarkt arbeitsfähig. Die Prognose sei prinzipiell mit weiterführender 
integrierter psychiatrischer psychotherapeutischer Behandlung gut. Es sei 
sinnvoll, vorsichtig berufliche Massnahmen zur Arbeitsintegration wie bei-
spielsweise ein Jobcoaching oder eine IV-gestützte Lehre einzuleiten. Es 
werde ein ruhiges, strukturiertes und zugewandtes Setting mit wenig Druck 
und einer stufenweisen Pensumssteigerung empfohlen. 

3.3 Im Zusammenhang mit der Behandlung vom 21. Februar bis 1. April 
2022 in der Tagesklinik der Psychiatrie des Spitals G.________ wurden im 
entsprechenden Bericht vom 4. April 2022 (act. II 29) die folgenden Dia-
gnosen aufgeführt:

1. ICD-10: F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 
Episode

2. ICD-10: F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung, komplexe PTBS
3. ICD-10: Z55 Kontaktanlässe mit Bezug auf die Ausbildung

Das Ziel der Beschwerdeführerin für den tagesklinischen Aufenthalt sei 
gewesen, besser mit ihrem Energiehaushalt umzugehen, um ihren Alltag 
zu bewältigen. Sie fühle sich gestärkter, habe aber Angst, dass sie sich 
nach dem Austritt wieder überfordere. Ein aufbauender reduzierter Wieder-
einstieg zu 60 % im Beschäftigungsprogramm F.________ sei geplant. Zur 
weiteren Stabilisierung sei die Psychiatriepflege der Spitex … installiert 
worden. Es seien keine psychopharmakologischen Medikamente verordnet 
worden.

3.4 Im undatierten, am 3. Mai 2022 bei der Beschwerdegegnerin einge-
gangenen Verlaufsbericht des Spitals G.________ (act. II 31) wurde von 
einem verbesserten Gesundheitszustand berichtet und es habe seit der 

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letzten Diagnosestellung eine Änderung ergeben. Es wurden die folgenden 
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt: 

 ICD-10: F60.5 Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung
 ICD-10: F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 

Episode 

Die Prognose sei prinzipiell mit weiterführender integrierter psychiatrischer 
psychotherapeutischer Behandlung gut. Es sei sinnvoll, vorsichtig berufli-
che Massnahmen zur Arbeitsintegration wie beispielsweise eine IV-
gestützte Lehre einzuleiten. Die Beschwerdeführerin sei stark motiviert, 
eine Lehre im geschützten Bereich zu absolvieren. Eine Lehre ohne Unter-
stützung im ersten Arbeitsmarkt werde als nicht realistisch erachtet. Zur 
gesundheitlich begründeten Arbeitsunfähigkeit wurde angegeben, da die 
Beschwerdeführerin seit Beginn der ambulanten Behandlung keiner Ar-
beitstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgehe, sei auf das Ausstellen 
von Arbeitsunfähigkeitszeugnissen verzichtet worden. Im geschützten 
Rahmen beispielsweise in einer IV-gestützten Lehre sei die Beschwerde-
führerin zu 100 % arbeitsfähig. Wichtig dabei sei ein wohlwollendes und 
stützendes Setting, um eine Überlastung zu vermeiden. Zur Zumutbarkeit 
der bisherigen Tätigkeit wurde festgehalten, die Arbeit im F.________ for-
dere von der Beschwerdeführerin soziale Kompetenzen in der Teamarbeit 
sowie teilweise körperlich strenge Arbeiten und Wechselbelastungen in 
verschiedenen Arbeitsgebieten. Die bisherige Arbeit in der F.________ sei 
unter denselben Bedingungen weiterhin zumutbar.

3.5 Der Psychiater Dr. med. D.________ führte im Gutachten vom 11. 
Oktober 2022 die folgenden Diagnosen auf (act. II 44.1/9 Ziff. 6.3):

 Rezidivierende depressive Störung, aktuell leichte Episode (ICD-10: F33.0) 
 Akzentuierte Persönlichkeit mit zwanghaften Zügen (ICD-10: Z73.1)

Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit 
hielt der Gutachter fest (act. II 44.1/11 Ziff. 8), die Beschwerdeführerin wei-
se keine Ausbildung vor und sei bisher nie im ersten Arbeitsmarkt länger-
fristig berufstätig gewesen, sie habe vorwiegend in verschiedenen 
Arbeitsprojekten gearbeitet, vermittelt über das Sozialamt und das Arbeits-
amt. Die Erfahrung habe aufgezeigt, dass sie immer noch vermindert be-

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lastbar sei, auch aktuell habe sie Mühe, einem vollen Arbeitsprogramm im 
zweiten Arbeitsmarkt zu folgen, was mit der depressiven Hemmung erklärt 
werden müsse, zusätzlich überlagert durch die Persönlichkeitsstruktur. Es 
sei anzunehmen, dass die Belastbarkeit sukzessive gesteigert werden 
könne. Es sei zurzeit nicht verlässlich möglich, das Ausmass der Arbeits-
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu bestimmen und könne daher nur abge-
schätzt werden. Es sei anzunehmen, dass aktuell eine etwa 50 %-ige 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei einfach strukturierten Tätigkeiten 
bestehe. Diese Einschränkung bestehe sicher schon seit mehreren Jahren, 
mindestens seit Therapiebeginn. Die Störung wirke sich bei jeder Tätigkeit 
aus, es könne keine angepasste Tätigkeit genannt werden, wo die Be-
schwerdeführerin aktuell eine höhere Leistung erzielen könnte.

3.6 Lic. phil. I.________, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, hielt 
im Bericht vom 1. Dezember 2022 (Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 3) 
fest, die Beschwerdeführerin sei seit Ende Oktober 2022 bei ihr in psycho-
therapeutischer Behandlung. Sie schätze die Beeinträchtigung aufgrund 
des psychischen Leidens und des persönlichen Leidensdruckes der Be-
schwerdeführerin deutlich schwerer ein, als es die IV beurteile. Sie schätze 
den Schweregrad der Depression aktuell (Ende November 2022) als mit-
telgradig ein. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass durch die im Juli 
2022 erfolgte Magenoperation (Schlauchmagen) eine Stimmungsverbesse-
rung stattgefunden habe, sie habe sich freudiger, euphorischer gefühlt auf-
grund der erfolgreichen Operation und des Gewichtsverlusts. Diese 
Zustandsveränderung sei aber vorübergehend gewesen, seit Herbst koste 
sie alles wieder viel Anstrengung und Energie, sie funktioniere einfach oh-
ne Freude und blicke pessimistisch in die Zukunft. Die Depression in Kom-
bination mit der Persönlichkeitsakzentuierung (evtl. Persönlichkeitsstörung) 
führe und habe zu verschiedenen Einschränkungen geführt, wie es auch 
der Gutachter beschrieben habe, so im Bereich der Durchhaltefähigkeit. 
Die Beschwerdeführerin habe anfänglich im Beschäftigungsprogramm je-
weils bis 16.30 Uhr gearbeitet. Aktuell arbeite sie nur bis 15.00 Uhr auf-
grund der Erschöpfung. Ebenso bestünden Beeinträchtigungen im Bereich 
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Unvorhergesehenes und Abweichun-
gen vom Geplanten seien für die Beschwerdeführerin schwierig. Weiter sei 
die Selbst- und Durchsetzungsfähigkeit eingeschränkt, die Beschwerdefüh-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 14

rerin möchte sich niemandem aufdrängen, versuche es möglichst allen 
recht zu machen. Durch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei sie 
ausserdem nicht in der Lage, ihre Ressourcen und Fähigkeiten voll zu nut-
zen, was auch der Gutachter so beurteile. Wegen dieser gesundheitlichen 
Einschränkungen sei die Beschwerdeführerin aktuell auf ein wohlwollen-
des, unterstützendes Arbeitsumfeld und Begleitung/Unterstützung ange-
wiesen, damit sie sich im ersten Arbeitsmarkt nachhaltig integrieren und 
etablieren und so längerfristig eine selbstständige Existenz aufbauen kön-
ne.

4.

4.1

4.1.1 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

4.1.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 15

4.2 Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. D.________ vom 11. 
Oktober 2022 (act. II 44.1) erfüllt die an den Beweiswert einer medizini-
schen Expertise gestellten Anforderungen (vgl. E. 4.1.1 hiervor). Es ist voll 
beweiskräftig, da es – beruhend auf allseitigen Untersuchungen und unter 
Berücksichtigung der geklagten Beschwerden – die streitigen Punkte um-
fassend abhandelt und in Kenntnis der Vorakten abgegeben wurde. Weiter 
leuchtet es in der medizinischen Beurteilung ein und die darin gezogenen 
Schlussfolgerungen werden eingehend begründet. Insbesondere werden 
die gestellten Diagnosen plausibel erläutert, die versicherungsmedizinische 
Beurteilung ist schlüssig und frei von Widersprüchen. Andere medizinische 
Berichte (act. II 11/3 f., 24, 29, 31) wecken keine Zweifel an den gutachter-
lichen Ausführungen, namentlich auch nicht der im Beschwerdeverfahren 
eingereichte Bericht von lic. phil. I.________ vom 1. Dezember 2022 (act. I 
3), zumal es sich dabei nicht um eine fachärztliche Beurteilung handelt. 
Auch die Beschwerdeführerin erhebt keine Einwendungen gegen das Gut-
achten. 

Zu prüfen bleibt, ob anhand des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 
141 V 281 der Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsun-
fähigkeit zu erbringen ist, wobei die versicherte Person die materielle Be-
weislast zu tragen hat (vgl. E. 2.5 hiervor).

5.

5.1 Dr. med. D.________ hielt bezüglich der Beurteilung von Konsis-
tenz und Plausibilität fest (act. II 44.1/9 Ziff. 6.2), die Angaben (der Be-
schwerdeführerin) deckten sich mit den heutigen Befunden und deckten 
sich weitgehend auch mit den Angaben in den Unterlagen. Somit liegen 
keine Hinweise für eine bewusste Aggravation oder gar Simulation vor. Die 
Prüfung der ersten Ebene schliesst damit einen invalidisierenden Gesund-
heitsschaden nicht aus, womit auf der zweiten Ebene anhand der Stan-
dardindikatoren die ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des 
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens zu erfolgen hat (vgl. E. 2.5 
hiervor).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 16

5.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
"funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.).

5.2.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:

5.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgesche-
hens anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätio-
logie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 
S. 298 f.). Die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung erhobenen 
Untersuchungsbefunde waren weitgehend unauffällig, nur der Affekt war 
ernst, subdepressiv verstimmt (act. II 44.1/7 Ziff. 4.3). Es fanden sich zu-
dem deutliche Hinweise auf zwanghafte Züge, die eher im Rahmen von 
akzentuierten Persönlichkeitszügen interpretiert wurden (act. II 44.1/9 Ziff. 
6.3). Die Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung und einer Posttraumati-
schen Belastungsstörung konnten jedoch nicht bestätigt werden (act. II 
44.1/8 f. Ziff. 6.1 und 6.2). Insgesamt sind die diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome nicht stark ausgeprägt.

5.2.1.2 Sodann ist auf die Behandlungs- und Eingliederungserfolge oder       
-resistenzen als wichtige Indikatoren für den funktionellen Schweregrad 
einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.). Die Beschwerdeführerin 
steht seit dem 25. Juni 2019 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Be-
handlung (act. II 11, 24, 31; act. I 3) und vom 21. Februar bis 1. April 2022 
wurde sie in der Tagesklinik der Psychiatrie des Spitals G.________ be-
handelt (act. II 29). Obwohl die Pharmakotherapie zur Stabilisierung des 
Zustandsbildes geführt hat, hat die Beschwerdeführerin die Medikation ab-
gesetzt, da sie eine Gewichtszunahme auf die Psychopharmaka zurück-
führte (act. II 11). Gemäss den Berichten des Spitals G.________ vom 6. 
Oktober 2021 (act. II 24) und 3. Mai 2022 (Eingang bei der Beschwerde-
gegnerin [act. II 31]) wurde damals keine Medikation eingenommen. Die 
Gewichtszunahme liess die Beschwerdeführerin schliesslich mit einer Ma-
genoperation behandeln (act. I 3). Laut Stellungnahme vom 30. März 2023 
(S. 2 Ziff. 3; im Gerichtsdossier) nimmt die Beschwerdeführerin aktuell das 
Medikament Trittico ein. Der psychiatrische Gutachter hielt zur medika-
mentösen Therapie fest (act. II 44.1/10 Ziff. 7.1), es sei schwierig diesbe-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 17

züglich Stellung zu beziehen; grundsätzlich habe eine Besserung des af-
fektiven Zustandes erreicht werden können, wobei andererseits anzuneh-
men sei, dass die affektive Problematik eng mit der Persönlichkeitsstruktur 
und den gesamten Umständen zusammenhänge, wodurch nicht dringend 
medikamentöse Massnahmen indiziert seien. Mit Blick auf die gesamten 
Gegebenheiten kann nicht von einer Behandlungsresistenz gesprochen 
werden. Eine Eingliederungsresistenz liegt ebenfalls nicht vor.

5.2.1.3 Was den Indikator Komorbiditäten (BGE 143 V 418 E. 8.1 S. 429 
f., 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.) anbelangt ist festzuhalten, dass im 
psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D.________ vom 11. Oktober 
2022 neben der rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.0), ak-
tuell leichte depressive Episode, eine akzentuierte Persönlichkeit mit 
zwanghaften Zügen (ICD-10: Z73.1) diagnostiziert wurde (act. II 44.1/9 Ziff. 
6.3). Diese Persönlichkeitszüge haben eine gewisse ressourcenhemmende 
Wirkung; der psychiatrische Gutachter führte diesbezüglich aus (act. II 
44.1/10 Ziff. 7.2), die Flexibilität und Umstellfähigkeit sei teilweise einge-
schränkt, insbesondere ungewohnte Situationen und Veränderungen von 
gewohnten Situationen seien schwierig, was wiederum mit der Persönlich-
keitsstruktur zusammenhänge. Gemäss Gutachter sind jedoch auch einige 
Ressourcen vorhanden, welche die Beschwerdeführerin nützen kann, so 
sei sie in der Lage, einer Tätigkeit im geschützten Bereich nachzugehen, 
sie kümmere sich um ihre Katzen, … auch gerne und pflege verschiedene 
soziale Kontakte, auch wenn ihr dies zeitweise Schwierigkeiten bereite (act. 
II 44.1/9 Ziff. 6.1).

5.2.2 Betreffend den Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 
S. 302) ist festzuhalten, dass der psychiatrische Gutachter das Vorliegen 
einer Persönlichkeitsstörung verneint hat (act. II 44.1/8 Ziff. 6.1); wie bereits 
erwähnt wurde lediglich eine akzentuierte Persönlichkeit mit zwanghaften 
Zügen diagnostiziert (act. II 44.1/9 Ziff. 6.3). 

5.2.3 Weiter ist der Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 
S. 303) zu beleuchten. Die Beschwerdeführerin hat einen Freundeskreis 
von etwa zehn Personen, mit denen sie sich gerne trifft, sie hat auch einen 
Freund. Zudem besteht Kontakt zur Grossmutter mütterlicherseits und ihr 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 18

Hobby ist … (act. II 44.1/4 3.2). Damit hält das soziale Umfeld gewisse 
Ressourcen bereit.

5.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie "Konsistenz". Dar-
unter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 
303).

5.3.1 Beim Indikator der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 
S. 303 f.) ist der Tagesablauf der Beschwerdeführerin von Interesse. Dazu 
hat sie gegenüber dem psychiatrischen Gutachter ausgeführt (act. II 44.1/3 
Ziff. 3.2), sie stehe in der Regel um 7 Uhr auf und fahre dann mit dem Velo 
oder Bus zur Arbeit. Sie arbeite seit einiger Zeit in einem Programm über 
das Sozialamt im …, sie sei jeweils an vier Tagen in der Woche von 8 bis 
15 Uhr dort tätig. Die Mittagspause verbringe sie dort. Danach gehe sie 
nach Hause und müsse unbedingt eine Stunde schlafen, da sie völlig er-
schöpft sei. Sie verrichte danach Haushaltarbeiten, sie trainiere auch … 
und einmal wöchentlich suche sie das Studio auf, sie kümmere sich um 
ihre zwei Katzen. Abends schaue sie fern oder spiele am Handy. Dieses 
geschilderte Aktivitätenniveau steht in Widerspruch zu der im psychiatri-
schen Gutachten attestierten 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit.

5.3.2 Zum behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiese-
nen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304) kann auf das bei 
den Indikatoren Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz 
Ausgeführte verwiesen werden (vgl. E. 5.2.1.2 hiervor). 

5.4 Im Rahmen der Beweiswürdigung ergibt die Gesamtbetrachtung, 
dass die geltend gemachten funktionellen Auswirkungen der medizinisch 
festgestellten psychischen Beeinträchtigungen anhand der Standardindika-
toren nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt sind (vgl. E. 2.4 und 2.5 
hiervor). Folglich kann der medizinisch attestierten 50 %-igen Arbeitsun-
fähigkeit unter rechtlichen Aspekten nicht gefolgt werden (vgl. E. 2.6 hier-
vor), ein invalidisierender Gesundheitsschaden ist mithin zu verneinen. 

5.5 Soweit die Beschwerdeführerin eine drohende Invalidität im Sinne 
von Art. 8 IVG geltend macht (Beschwerde S. 4 ff. Ziff. 3 ff.), kann ihr nicht 
gefolgt werden. Denn eine drohende Invalidität liegt gemäss Art. 1novies Satz 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 19

1 IVV vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahr-
scheinlich ist. Vorliegend kann nicht gesagt werden, der Eintritt einer Er-
werbsunfähigkeit sei überwiegend wahrscheinlich, zumal nach Angaben 
des Gutachters anzunehmen ist, dass die Belastbarkeit der Beschwerde-
führerin sukzessive gesteigert und überdies erwartet werden kann, dass 
sich ihr Zustand bei Weiterführung der bisherigen Therapiemassnahmen 
sukzessive stabilisiert (act. II 44.1/11 Ziff. 8). 

Und soweit schliesslich die Beschwerdeführerin selber eine spätere Ver-
schlechterung in Betracht zieht (Beschwerde S. 5 Ziff. 6), wird ihr dann ge-
gebenenfalls eine Neuanmeldung offen stehen.

5.6 Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdeführerin mangels eines 
invalidisierenden Gesundheitsschadens keinen Anspruch auf Leistungen 
der Invalidenversicherung und somit auch nicht auf berufliche Eingliede-
rungsmassnahmen. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Aufgrund der gewährten 
unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. Verfügung vom 20. März 2023) wird die 
Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 
113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 
19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig von der Zahlungspflicht be-
freit.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 20

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 
lit. g ATSG). 

6.3 Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. Verfü-
gung vom 20. März 2023) ist das amtliche Honorar von Rechtsanwalt 
C.________ festzulegen.

Ein Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung besteht unter den allge-
meinen Voraussetzungen der Bedürftigkeit, fehlenden Aussichtslosigkeit 
und Notwendigkeit der Vertretung auch dann, wenn die versicherte Person 
durch einen Anwalt einer Organisation vertreten wird, sofern diese Organi-
sation einen gemeinnützigen Zweck verfolgt, das Angebot der Rechtsver-
beiständung ohne erheblichen Kostenersatz zur Verfügung stellt und die 
spezifische Interessenwahrung im sozialrechtlichen Bereich bezweckt 
(BGE 135 I 1 E. 7.4.1 S. 4). Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts 
wird der Stundenansatz amtlicher Anwältinnen und Anwälte gemeinnützig 
tätiger Rechtsberatungsstellen unter Beachtung der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung (BGE 135 I 1 E. 7.3 S. 3; SVR 2010 IV Nr. 3 S. 6 E. 5.4) 
auf Fr.130.-- festgesetzt. Dieser allgemeingültige pauschalisierte Stunden-
ansatz wird im konkreten Fall mit dem gebotenen Aufwand multipliziert (vgl. 
Rundschreiben der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung und der Ab-
teilung für französischsprachige Geschäfte des Verwaltungsgerichts des 
Kantons Bern vom 16. Dezember 2009, abrufbar unter www.justice.be.ch).

Rechtsanwalt C.________ macht mit der Kostennote vom 30. März 2023 
einen Zeitaufwand von 9.75 Stunden bzw. ein Honorar von Fr. 1'375.50 
geltend. Dabei ist offenbar bei zwei Positionen bei der Multiplikation mit 
dem Stundenansatz von Fr. 130.-- ein Fehler unterlaufen: Bei der Position 
vom 29. März 2023 "Telefon mit Klientin" 0.50 Std. ergibt die Multiplikation 
mit dem Stundenansatz von Fr. 130.-- einen Betrag von Fr. 65.--(und nicht 
von Fr. 125.--) und bei der Position vom 30. März 2023 "Brief an Gericht" 
0.40 Std. resultiert bei der Multiplikation mit dem Stundenansatz von Fr. 
130.-- ein Betrag von Fr. 52.-- (und nicht von Fr. 100.--). Folglich ist bei 
einem Zeitaufwand von 9.75 Stunden ein Honorar von Fr. 1'267.50 (9.75 h 
x Fr. 130.--) angefallen. Weiter macht Rechtsanwalt C.________ eine Spe-
senpauschale von 5 % geltend, was bei einem Honorar von Fr. 1'267.50 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 21

einem Betrag von Fr. 63.35 entspricht. Zuzüglich Mehrwertsteuer von Fr. 
102.45 (7.7 % von Fr. 1'330.85) resultiert ein Betrag von Fr. 1'433.30. Zum 
Parteikostenersatz gehören die notwendigen Auslagen (Art. 2 der kantona-
len Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikosten-
ersatzes [Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811]). Es können jedoch 
nur die im konkreten Fall entstandenen Auslagen ersetzt werden, was be-
deutet, dass nicht ein im Voraus pauschal festgelegter Prozentsatz des 
Honorars zu erstatten ist (vgl. in BVR 2015 S. 15 nicht publ. E. 6.2.3 des 
Urteils des Verwaltungsgerichts vom 10. Februar 2014, VGE 2012/422 so-
wie SVR 2003 IV Nr. 32 S. 99 E. 6.4). Folglich ist die Pauschalspesen um-
fassende Kostennote vom 30. März 2023 mit den für das Verfahren vor 
dem Verwaltungsgericht geltenden Regeln betreffend Auslagenersatz nicht 
konform. Das amtliche Honorar ist somit pauschal auf Fr. 1'400.-- inklusive 
Auslagen und Mehrwertsteuer festzusetzen. Folglich ist Rechtsanwalt 
C.________ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar von Fr. 1'400.-- (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuer) auszurichten. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der 
Beschwerdeführerin gegenüber dem Kanton Bern entsprechend den Vor-
aussetzungen von Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 
19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272; vgl. Art. 113 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Juni 2023, IV/23/45, Seite 22

4. Dem amtlichen Anwalt C.________ wird nach Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 1'400.-- (inkl. Ausla-
gen und MWST) festgesetzte Entschädigung vergütet. Vorbehalten 
bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

5. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.