# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1051d678-fa70-5afe-8139-4304e43545c9
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-15
**Language:** de
**Title:** Auf Gutachten kann abgestellt werden. Bemessung des Invaliditätsgrades durch Prozentvergleich rechtens.
**Docket/Reference:** IV.2022.00266
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00266.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00266
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Stadler
Urteil
vom
15. Juni 2023
in Sache
n
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG, Haus zur alten
Dorfbank
Dorfstrasse 33, 9313
Muolen
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1976, war von August 1994 bis Ende März 1999 bei den
Y.___
als Disponent in einem
100
%-Pen
sum ange
stellt.
Bei e
inem Snowboardunfall am 2. April 1999 zog sich der Ver
si
cher
te Frakturen von mehreren Brust
wirbel
körpern (BWK) zu (vgl. Unfall
meldung vom 8. April 1999, Urk.
7/6/159
; vgl. auch Urk.
7/6/130
).
Die Be
hand
lung erfolgte konservativ (vgl.
Urk. 7/6/130,
Urk.
7/6/136
,
Urk.
7/6/148
f.
,
Urk.
7/6/154
) und wurde im Frühling 2000
- nach er
folgter
kreis
ärzt
licher
Un
ter
suchung
(vgl.
Urk.
7/6/112 f.
) -
ab
ge
schlossen.
Gestützt darauf stellte die Unfall
versicherung die
Heilkosten
leistungen per
29. März 2000
ein (
Urk.
7/
6/111
)
und sprach dem Ver
sicherten mit Ver
fügung vom 19. April 2000 bei einer fest
ge
stell
ten In
tegri
täts
einbusse von 5 % eine Inte
gri
tätsentschädigung in der Höhe von Fr. 4'860.-- zu (
Urk.
7
/6
/2
).
1.2
Am
1
0.
April 2006
meldete sich der Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungs
anstalt des Kantons Aargau unter Hinweis auf Rückenbeschwerden seit dem Un
fall zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
rung an (Urk. 7/3). Die IV-Stelle des Kantons Aargau
verneinte gestützt auf die Einschätzung der Unfall
versicherung und ausgehend von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in der ange
stamm
ten Tätigkeit
mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2008
einen Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenver
sicherung (Urk. 7/26).
1.3
In der Folge liess der Versicherte unter Angabe einer Exazerbation der Be
schwer
den im
Bereich
der Brustwirbelsäule wiederholt Rückfälle melden (
vgl. Urk.
7/36/1
7
,
Urk.
7/36/118
), zuletzt am 7. No
vem
ber 2017 (Urk.
7/36/176
). In diesem Zusammenhang wies er auch auf die zunehmenden psy
chischen Be
schwer
den hin. D
ie Unfallversicherung
übernahm
erneut Versicherungs
leis
tun
gen (vgl. die kreisärztliche Beurteilung vom
30. Dezember 2017
[Urk.
7/
36/188
]
und 21. Februar 2018 [Urk. 7/36/210]
sowie
die
Schreiben vom
1
7.
Januar 2018
[Urk.
7/
36/193
]
und 2
2.
Februar 2018 [Urk. 7/36/211]
) und stellte diese
per
28.
Fe
bruar 2021
wieder ein (
vgl. Schrei
ben vom 1
8.
Februar 2021,
Urk.
7/
205/568
)
, sprach dem Versicherten jedoch
mit Verfügung vom 1
7.
März 2021
eine zusätzliche Integritätsentschädigung in der Höhe von Fr. 9'720.-- zu (Urk.
7/
205/543 ff.
).
G
egen die Verfügung vom
1
7.
März 2021
erhob der Versicherte Einsprache
, welche d
ie
Unfallversicherung
mit Entscheid vom
9.
November 2021
ab
wies
(Urk.
7/
205/86 ff.
). Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht sodann mit Urteil vom
1
0.
November 2022
abgewiesen (Geschäfts-Nr. UV.20
21
.00
239
).
1.
4
Am
2.
Mai 2018 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf
das Unfall
ereignis vom
2.
April 1999 und seither bestehende chronische Schmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten zum Bezug von Leistungen der Invaliden
ver
sicherung an (Urk. 7/31).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und zog
wiederholt
die Akten der zuständigen Unfallversicherung
bei
(Urk.
7/36, Urk. 7/51, Urk. 7/75, Urk. 7/94, Urk. 7/111, Urk. 7/124
). Zur
Klä
rung beruflicher Eingliederungsmassnahmen
fand am
1
5
. Juni 2018
bei der IV-Stelle ein persönliches Gespräch statt (
Urk. 7/73 S. 5; vgl. auch
Urk.
7/41
). Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten im Rahmen der Frühintervention Kosten
gutsprache für
ein
externes
Job Coaching
vom
12.
Juli 2018
bis
11.
Januar 2019
, durchgeführt
durch das
Z.___
(vgl. Mitteilung vom
19. Juli 2018
, Urk
. 7/52
),
welches um weitere sechs Monate bis 3
0.
Juni 2019 verlängert wurde (vgl. Mitteilung vom 22.
Ja
nuar 2019, Urk. 7/60)
.
Da
eine Steigerung des 30%-Pensums aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war,
wurde der
Ar
beits
platzerhalt
abgeschlossen
und die Rentenprüfung eingeleitet (vgl. Mit
teilung vom
30. Sep
tember 2019
,
Urk.
7/72
).
In der Folge holte die IV-Stelle die Berichte der behandelnden Ärzte
(Urk.
7/77
, Urk.
7/81
, Urk.
7/95
, Urk.
7/108
, Urk.
7/121
, Urk.
7/143
) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto des Versicherten (IK
-
Auszug, Urk.
7/125
) ein
und veranlasste eine poly
disziplinäre (internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch) Begut
ach
tung durch die
A.___
AG, über welche am
5.
Juli 2021
berichtet wurde
(Urk. 7/148).
V
on keiner renten
relevanten gesund
heitlichen Beeinträchtigung ausgehend stellte die IV-Stelle mit Vor
be
scheid vom
26.
Juli 2021
die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aus
sicht (Urk.
7/152
). Dagegen erhob der Versicherte am
9.
Sep
tember 2021
(Urk.
7/159
) sowie er
gänzend am
16.
September 2021
(
Urk.
7/165
) und
23.
Fe
bruar 2022
(Urk.
7/187
) Einwand
und reichte aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte zu den Akten (Urk. 7/163, Urk. 7/1
68
)
. Die IV-Stelle ersuchte die
A.___
AG
um eine ergänzende Stellungnahme (vgl. gutachterliche Stellung
nahme vom
20.
De
zem
ber 2021
, Urk.
7/175
)
, wozu sich der Versicherte vernehmen konnte (
Urk.
7/180,
Urk.
7/187)
.
Gestützt auf die abschlies
sende Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Orthopä
dische Chirurgie und Trauma
tologie (vgl. Feststellungsblatt, Urk
. 7/188
), vernein
te die IV-Stelle mit Ver
fügung vom
1.
April 2022
wie vorbeschieden einen Ren
ten
anspruch (Urk.
7/189
=
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1
6.
Mai 2022 (
Urk.
1) Be
schwer
de und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und
die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ih
m mindestens
eine
Viertelsr
ente
der Invalidenversicherung
zuzusprechen.
Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Schreiben vom
2
1.
Juni
2022 auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
6
), was de
m
Beschwerdeführer mit Verfügung vom
23. Juni
2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008
des Kreisschreibens
zu den Übergangs
bestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems
, K
S ÜB WE IV
, gültig ab 1. Januar 2022
).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften an
wendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch
zu unterscheidende Befunde
zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
1.
April 2022 (Urk. 2), medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass dem Beschwerde
führer die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit dem Rückfall weiterhin im Vollpensum zugemutet werden könne. Es bestehe eine Leistungseinschränkung von 20 %, was einem Invaliditätsgrad von 20 % entspreche. Da der Invaliditätsgrad weniger als 40 % betrage, bestehe kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung.
2.2
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 1
6.
Mai 2022 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
die bisherige Tätigkeit, nämlich die an
spruchsvolle Vorgesetztenstelle, sei selbst gemäss Gutachtern aus psychia
tri
scher Sicht nicht mehr zumutbar beziehungsweise widerspreche dem Belastungs
profil. Ohne psychische Kompensation würde der Beschwerdeführer weiterhin seine an
spruchsvolle Tätigkeit ausüben, zumal er diese über jahrelange Weiter
bildungen erst erreicht habe. Entsprechend sei das
Valideneinkommen
hochge
rechnet auf das Jahr 2020 auf Fr. 126'183.-- festzulegen.
Für die Bestimmung des Invaliden
einkommens sei
auf den
Tabellenlohn
abzustellen, wobei das Kompe
tenzniveau 2 zum Tragen komme. Unter Berücksichtigung der gutachterlich behaupteten 90%igen Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ergebe sich ein Invalideneinkommen von maximal Fr. 64'687.--, wodurch in der Gegen
über
stellung ein Invaliditätsgrad von 48 % resultiere. Entsprechend habe er An
spruch auf mindestens eine
Viertelsinvalidenrente
.
3.
3.1
Der Verfügung
der SVA Aargau vom 2
8.
Oktober 2008
(
Urk.
7/
26)
lag
ins
be
son
dere
der Bericht der kreisärztlichen Ab
schluss
untersuchung vom
28.
August 2007 (Urk. 7/17/13-16) zugrunde.
3.2
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Kreisarzt der
Suva
,
hielt
im Rahmen seiner kreisärzt
lichen Abschlussuntersuchung am 28. August 2007 (vgl. Urk. 7/17/13-16)
die Diagnose
eines Zustands nach BWK
2
(richtig wohl 7; vgl. aktenmässiger Verlauf [Urk. 7/17/13-14])
, 11 und 12-Fraktur vom 2. April 1999 fest.
Im Zuge der Unter
suchung habe d
er Beschwerdeführer
über
Be
schwerden vor allem rechts der Mitte der Wirbelsäule und zunehmend auch im Bereich des Kreuzes berichtet.
Wegen der Rücken
schmerzen könne er auch im Büro als Geschäftsführer nicht den gan
zen Tag optimal tätig sein.
Darüber hinaus komme es auch bei leichten Tätig
keiten zu zu
nehmenden Schmer
zen mit dann Verminderung der Konzen
tra
tions
fähigkeit und Müdigkeit, wo
durch er von seiner Arbeit abgelenkt sei.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit kon
statierte
Dr.
C.___
, r
ein objektiv sei der Be
schwerdeführer wieder voll einsatzfähig, insbesondere in seiner leichten Tätigkeit im Büro. Dies sei ohne Probleme voll
zeitig und ohne zeitliche Einschränkung mög
lich. Wichtig sei, dass er die Position immer wieder wechseln könne und nicht über längere Zeit starre Haltungen ein
nehmen müsse. Pausen von 10-15 Minuten alle zwei bis drei Stunden zur Durch
führung von Dehnungsübungen seien zu empfehlen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
1. April
2022 (
Urk.
2) im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der
A.___
AG vom
5.
Juli
202
1
ab. Darin werden die bis zur Begutachtung de
s
Beschwerde
führer
s
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
7/148/16-41
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug ge
nom
men.
4.2
4.2.1
Am 2
7.
April 2021 fand die orthopädisch-
traumatologische
Begutachtung bei Dr. med.
D.___
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, statt (Urk. 7/148/42-64).
Nach seinen Be
schwer
den seitens des Stütz- und
Bewegungsapparates
befragt, habe der Beschwerde
führer angegeben
, ständig unter starken Schmerzen mittig und beidseits neben der Brustwirbelsäule i
n
Höhe des unteren
Scapuladrittels
zu leiden. Ausserdem habe er
Schmerzen im Kreuz mit gelegentlicher
Ausstrahlung
in das linke Bein bis knapp
oberhalb
des Knie
gelenkes, Verspannungen im Nacken,
Restbeschwer
den
dorsal der linken Schul
ter,
sporadisch
auftretende Beschwerden in den Ellen
bogen und Hand
gelenken, eine Arthrose beider Kniegelenke
sowie
belastungs
abhäng
i
ge Beschwerden inter
digital D I/II im Ballenbere
ic
h beider Füsse.
Dr.
D.___
konstatierte, im Rahmen der orthopädisch-
traumatologischen
Unter
suchung habe
sich
eine frei be
wegliche Halswirbelsäule
gezeigt
.
D
er
Beschwerde
führer
habe jedoch
t
rotz nor
malen Muskel
verhältnissen mit normalem Muskel
tonus
und
ohne tastbaren Myoge
losen Ver
spannungen der Muskulatur beidseits der Halswirbelsäule und im Bereich des dorsalen Schultergürtels
erwähnt und
Druckschmerz
en
über den Dornfortsätzen von HWK 5-7
angegeben
. Hinweise auf eine Reizung zervikaler Nervenwurzeln hätten im Rahmen der hiesigen Un
ter
suchung bei fehlender Schon- und Fehl
haltung, fehlendem para
vertebralem Muskelhartspann, seitengleich vollständig vorführbaren Hand
funk
tio
nen sowie einem normalen Faustschluss bei der Über
prüfung der groben Kraft beider Hände nicht bestanden.
Auch die beiden Schultergelenke seien reizlos, frei beweglich und stabil. Die Angaben eines Ziehens im dorsalen Anteil der linken Axilla bei der Seitwärtsbewegung und der Aussenrotation des linken Armes, von nicht näher lokalisierbaren Schmerzen in der linken Schulter bei der Vorwärts
bewegung des linken Armes ab 150° sowie eines Spannens bzw. von Schmerzen dorsal der jeweiligen Schulter bei der hori
zon
talen Adduktion der Arme seien unspezifisch und würden zu keiner rele
van
ten Pathologie passen. Bei seitengleich kräftig demonstrierten isometrischen Span
nungstests und beidseits negativen Zeichen nach
Jobe
könne das Vorliegen einer relevanten
Rotatoren
manschetten
läsion
ausgeschlossen werden.
Die radiologisch bekannte mässige Arthrose des linken
Akromioklavikulargelenkes
verursache aktuell keine Beschwerden. Weiter seien auch beide Ellenbogen- und Hand
gelenke frei beweglich. Hinweise auf eine relevante Pathologie im Bereich beider Ellenbogen- und Handgelenke
bestünden
nicht. Auch die seiten
gleich normal entwickelte Ober- und Unterarmmuskulatur lasse auf einen gleich
mässigen Ein
satz beider Arme im Alltag schliessen.
Dr.
D.___
hielt ausserdem fest, die Brust- und Lendenwirbelsäule
sei ebenfalls frei
beweglich. Hinweise auf eine Reizung thorakaler oder lumbaler Nerven
wurzeln gebe es bei fehlender
S
chon- und Fehl
haltung, fehlendem para
verte
bralem Muskelhartspann, seitengleich vor
führbaren Gangvarianten und der tiefen Hocke sowie beidseits negativem Zeichen nach Lasègue und
Bragard
nicht. Bildgebend würden sich ausser der geringen Keil
wirbelbildung von BWK 7 ledig
lich altersentsprechende geringe degenerative Veränderungen mit anteriorer Spondylose des LWK 4 zeigen.
Anhand der Unter
suchungsbefunde der Brust- und Lendenwirbelsäule seien
gelegentlich auftre
tende, belastungsabhängige Schmer
zen im Bereich der mittleren Brustwirbelsäule nachvollziehbar, allerdings nicht in dem vom Beschwerdeführer angegebenen Ausmass.
Nicht nachvollziehbar seien die angegebenen Schmerzen im Bereich von LWK
4
-
SWK
1 bei der Vor- und Rückneigung des Oberkörpers und bei der Untersuchung des linken Hüft
gelenkes sowie die angegebene pseudo
radikuläre Schmerzausstrahlung in das linke Bein.
Dr.
D.___
beschrieb auch beide Knie
gelenke als stabil und frei beweg
lich.
Im Rahmen der Exploration
zeigten sich Hinweise auf eine retro
patellare
Chondromalazie
im linken Kniegelenk
. Mithin seien die vom Beschwer
deführer beschriebenen Belastungsschmerzen nur für das linke Knie nachvoll
ziehbar.
Betreffend die belastungsabhängigen Be
schwerden interdigital D I/II im Ballen
bereich beider Füsse empfahl Dr.
D.___
die Versorgung mit Einlagen nach Formabdruck zur Verbesserung der Fussbettung (Urk. 7/148/52 f.).
Dr.
D.___
hielt zusammenfassend fest, aufgrund der vor
hande
nen gering- bis mässig
gradi
gen degenerativen und erworbenen
Ver
än
derungen
des Stütz- und Bewegungs
apparates bestehe zwar eine Verminderung der kör
perlichen Belastbarkeit des Beschwerdeführers, jedoch keine Arbeits
unfähigkeit in einer leidensadaptierten, dem Belastungsprofil entsprechenden
T
ätigkeit. Von
orthopädisch-trauma
to
logischer
Seite sei die Durchführung von Eingliederungs
massnahmen in einer leidensadaptierten Tätigkeit daher ab sofort und in vollem Umfang möglich. Zu dieser Einschätzung passe auch die lediglich bedarfsweise und selten, nur 1-2 Mal pro Jahr
,
erfolgende Einnahme von Analgetika (Urk. 7/148/56).
4.2.2
Die neurologische Exploration fand am 1
3.
April 2021 bei
Dr.
med.
E.___
,
Facharzt für Neurologie
, statt (Urk. 7/148/65-75).
Dr.
E.___
äusserte
, der Beschwerdeführer habe über permanente Schmerzen im mittleren BWS Bereich und im Kreuzbereich geklagt. Die Schmerzen im Brustwirbelbereich würden bei Rotation und Seitwärtsneigung deutlich zunehmen. Zusätzlich habe der Be
schwerdeführer Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit angegeben. Der klinisch neurologische Untersuchungsbefund habe zunächst keine Ein
schrän
kung der Hirnfunktionen gezeigt. Diese stellten sich regelrecht dar, ebenso die ko
ordinativen Funktionen. Manifeste oder latente Paresen würden nicht vor
liegen.
Die Muskeleigenreflexe seien auf mittellebhaftem Niveau seitengleich aus
lösbar gewesen und zeigten die Intaktheit der Reflexbögen an. Hinweise auf eine Rücken
marksschädigung
gebe es keine
. Bei der Überprüfung der Sensibilität habe der Beschwerdeführer für alle Qualitäten ein normales Empfin
den angegeben. Auch in vegetativer Hinsicht fänden sich keine pathologischen Auffälligkeiten. Nervale Dehnungszeichen hätten sich weder zervikal noch lumbal gezeigt.
Dr.
E.___
konstatierte, aus neurologischer Sicht würden sich unter Berück
sich
ti
gung der vorliegenden Akten und der Untersuchungsbefunde keine Belege für das Vorliegen einer neurologischen Erkrankung mit Auswirkung auf die per
sön
liche, berufliche und gesundheitliche Entwicklung des Beschwerde
führers erge
ben, einschliesslich der aktuellen psychischen, sozialen und gesund
heitlichen Situation (Urk. 7/148/71).
4.2.3
Prof.
Dr.
F.___
, Facharzt für Innere Medizin sowie Facharzt für Endokrinologie-Diabetologie und Facharzt für Kardiologie, untersuchte den Be
schwerdeführer am 1
5.
April 2021 internistisch
(Urk. 7/148/76-87)
.
Er
verwies auf eine Thrombopenie in der Kindheit, die aber erfolgreich behandelt worden sei und nun nicht mehr vorliege. Weiter
hielt
Prof.
Dr.
F.___
fest,
es sei ein Heu
schnupfen bekannt sowie eine Allergie auf Wespen. Für die geklagte Müdigkeit und die Konzentrationsstörungen bestehe keine internistische Erklärung. Die im Labor grenzwertig erhöhten antinukleären Antikörper müssten in sechs Monaten kontrolliert werden, würden jedoch nicht die geklagten Beschwerden erklären und hätten keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/148/83).
4.2.4
Am 2
0.
April 2021 fand die psychiatrische Begutachtung bei
Dr.
med.
G.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, statt (Urk. 7/148/88-101).
Sie hielt fest, im Vordergrund des Beschwerdebildes stehe eine Schmerz
sympto
matik im Bereich des Rückens.
Unter Zugrundelegung der diagnostischen Krite
rien gemäss ICD-10 für eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren könne sowohl hinsichtlich der Entstehung als auch dem Verlauf der Schmerzen von einer solchen Diagnose ausgegangen werden. Die Schmerzen bestünden länger als sechs Monate und
den
psychische
n
Faktoren
werde
eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen bei
ge
messen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn. Gemäss ICD-10 müsse der Schmerz in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktions
bereichen verursachen. Anhand der vom Beschwerdeführer angege
be
nen Aktivi
tä
ten im Tagesablauf und den Hobbys bleibe jedoch fraglich, inwieweit dieses Kriterium erfüllt sei. Die Diagnose bleibe daher ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit. Es bestehe eine affektive Symptomatik in Form von gedrückter Stim
mung, einem erhöhten Erschöpfungsgefühl, einem leichten Antriebsmangel und schmerzbedingten Schlafstörungen. Diese Symptome würden in unterschied
licher Intensität seit etwa 2014 phasenweise auftreten. Insofern könne die Dia
gnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0) gestellt werden
(Urk. 7/148/94)
.
Dr.
G.___
führte weiter aus, der Beschwer
de
führer habe sich trotz seiner körperlichen Beschwerden im beruflichen Bereich weitergebildet und eine anspruchsvolle Position im Bereich Marketing gefunden, wo er aufgrund seiner Schmerzen überfordert gewesen sei und unter einer ge
steigerten Erschöpfbarkeit und Konzentrationsstörung gelitten habe. Aus psych
ia
trischer Sicht bestehe eine Leistungsminderung von 20 % aufgrund der zum Teil auch emotional belastenden Anteile im Umgang mit Mitarbeitern in der bis
herigen Tätigkeit. Die Einschränkung bestehe aufgrund eines leichten An
triebs
mangels und einer Verminderung der psychophysischen Belastbarkeit im Rahmen der leichten depressiven Episode. In einer leidensadaptierten Tätigkeit, ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderungen an emotionale Be
lastbar
keit, mit einer abwechslungsreichen und rückenschonenden Tätigkeit liege eine Einschränkung von 10 % aufgrund des Antriebsmangels vor (Urk. 7/148/97).
4.2.5
Im Rahmen der Konsensbeurteilungen hielten die Gutachter
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode
,
(ICD-10: F33.0) mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die (
Urk.
7
/148/11):
-
Chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
-
Belastungsabhängiges
Zervikobrachialsyndrom
beidseits und
Thorakal
syndrom
bei Rundrücken
-
k
nöchern konsolidierte Kompressionsfraktur BWK 7 mit geringer Keil
wirbelbildung und Frakturen BWK 11 und BWK 12 vom
2.
April 1999
-
Retropatellare
Chondromalazie
links
-
Grenzwertige Osteopenie
-
Belastungsabhängige
Metatarsalgie
D I/II bei Senk-Spreiz-Plattfuss beid
seits, links stärker als rechts
-
Zustand nach Thrombopenie in der Kindheit
-
Heuschnupfen
-
Allergie auf Wespengift
-
Grenzwertig erhöhte antinukleäre Antikörper
Aus psychiatrischer Sicht würden Einschränkungen
bei unstrukturierten ein
seitigen Tätigkeiten unter besonderem Zeitdruck und mit erhöhten Anforde
run
gen an die emotionale Belastbarkeit und mit Führungsfunktion bestehen.
Ausser
dem bestehe aufgrund der vorhandenen gering- bis mässiggradigen de
gene
ra
ti
ven und erworbenen Veränderungen eine Verminderung der körperlichen Be
last
barkeit des Beschwerdeführers für körperlich mittelschwere Tätigkeiten sowie Einschränkungen für Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Brustwirbel
säule. Betreffend die Konsistenz äusserten die Gutachter, dass der Beschwerdeführer sich in der zuletzt ausgeübten oder einer vergleichbaren Tätigkeit
lediglich
ein Pen
sum von maximal 30 % vorstellen könne, sei diskrepant zu den angegebenen
Aktivi
tätenniveaus
in den vergleichbaren Lebensbereichen Freizeit und Haushalt. Der Be
schwer
de
führer sei körperlich in der Lage, im Haushalt mitzuhelfen, ein
kaufen zu gehen, Verkehrsmittel zu benutzen, auch Auto zu fahren, regel
mässig an
spruchs
vollen sportlichen Aktivitäten nachzugehen und in den Urlaub zu fahren
be
ziehungs
weise zu fliegen. Die vom Beschwerdeführer an
gegebenen Beschwer
den seien anhand der aktuellen Untersuchungsbefunde
aus
ortho
pädisch-
traumatologischer
Sicht
nur zum geringen Teil nachvollziehbar. Im Zuge der Explo
ration seien zwar keine Verdeutlichungstendenzen ersichtlich gewesen, jedoch Inkon
sistenzen bei der Angabe zur letzten Ferienreise und zwischen der Art und dem Ausmass der angegebenen Beschwerden zur lediglich bedarfsweisen, ca. 1-2 Mal pro Jahr erfolgten Analgetika-Einnahme.
Hinzu komme, dass die subjektive Angabe von Müdigkeit und Konzentrationsschwäche in der Begutach
tung objektiv nicht habe bestätigt werden können
. Die Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, wobei
er
vollzeitlich arbeiten könne bei einer Leistungsminderung von 20 %. In einer leidensangepassten Tätigkeit und unter Berücksichtigung des Belastungsprofils betrage die Leistungsminderung 10 %,
damit sei
der Beschwerdeführer 90 % arbeits
fähig
(
Urk. 7/148/12
f.
).
4.3
Die behandelnde Ärztin,
m
ed.
pract
.
H.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie
, diagnos
ti
zierte eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Epi
sode (ICD-10: F33.1)
,
sowie psychische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei an
dern
orts klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54). Ausser
dem hielt sie ein chronisches
thorakovertebrales
/costales Schmerzsyndrom beidseits fest.
Der Beschwerdeführer leide vor allem unter Stimmungstiefs, man
gelnder Energie, Reizbarkeit, Ein- und Du
r
chschlafproblemen sowie existenziel
len Zukunftsängsten
(finanzielle Versorgung der Familie, sozialer Abstieg). Die unfallbedingten Schmerzen würden den Beschwerdeführer ermüden, sodass er im Alltag signifikante Einschränkungen in Konzentration und Aufmerksamkeit er
lebe.
Hinsicht
lich der Arbeitsfähigkeit führte med.
pract
.
H.___
aus,
dass der Beschwerde
führer
aufgrund der erhöhten Ermüdbarkeit und damit einher
gehen
de
r
Konzen
tra
tionsprobleme
- er könne pro Tag ca. drei bis vier Stunden kon
zentriert arbei
ten -
regelmässige Pausen einlegen
müsse
. Durch die ver
minderte Konzentra
tions
fähigkeit sei das Arbeitstempo reduziert
.
Vor dem Hintergrund der komple
xen, reziproken Beziehung zwischen der somatischen, unfallbedingten Beein
träch
tigung und der Schmerzmodulation sowie der psychischen Ver
ar
beitung sei die Arbeitsfähigkeit bis auf Weiteres in allen Tätigkeiten deutlich ein
geschränkt
und betrage s
eit dem 2
4.
März 2020 30
%. Bezugnehmend auf das Gutachten kon
statierte med.
pract
.
H.___
, darin werde nicht genügend be
rücksichtigt, dass es sich um chronische Erkrankungen handle, welche auch nach jahrelanger ärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung nur wenig positiv beeinflusst werden könn
ten. Der Beschwerdeführer sei motiviert und gewillt, seinen Beitrag für eine Ver
besserung des Gesundheits
zu
standes zu leisten. Trotz Umsetzen er
lernter Stra
te
gien im Umgang mit seinen Beeinträchtigungen sei eine vermehrte Stabilisie
rung und Erhöhung der Arbeits
fähigkeit nicht möglich gewesen.
Soweit im Gutachten darauf hinge
wiesen worden sei, dass die Frei
zeit
gestaltung aktiv sei, sei zu beachten, dass der Be
schwer
deführer viel dafür tun müsse, um den aktuellen Gesundheitszustand auf
recht erhalten zu können.
Dazu gehörten unter anderem körperliche Bewe
gung, Einhalten einer regelmässigen Tagesstruktur, sowie die Verfolgung von Aktivi
täten trotz körperlicher und psychischer Erschöp
fung (vgl. Arztbericht
e
vom
2
6.
Mai 2021 [Urk. 7/143] und
10.
Sep
tember 2021
[
Urk. 7/163
]
).
5.
5.1
Unbestritten respektive von der Beschwerdegegnerin nicht näher thematisiert ist, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der ursprünglichen rentenabweisenden Verfügung im Oktober 2008 eher verschlechtert hat. In medi
zinischer Hinsicht ist in Würdigung der vorhandenen Arztberichte davon auszu
gehen, dass der Beschwerdeführer neben
dem chronischen
thorakovertebrale
n
Schmerzsyndrom BWK 6/7 und 7/8 bei Status nach Kompressionsfraktur BWK 7, 11
und 12
(vgl. vorstehend E. 3.
2
) neu auch an einer
depressiven Symptomatik
leidet (vgl. vorstehend E.
4.2.4-4.2.5
). Im Folgenden ist daher zu überprüfen, ob sich der Invaliditätsgrad seit der letztmaligen rentenabweisenden Verfügung vom
28. Ok
tober 2008
in einem rentenbegründenden Ausmass verändert hat
(vgl.
BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2
)
.
5.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Wesentlichen
auf die Einschätzung der
A.___
-Gutachter (vgl. E. 4.2).
Das
A.___
-Gutachten vom
5.
Juli 2021
(
Urk.
7/148
) vermag die an eine beweis
kräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (vgl. E.
1.6
vorstehend
).
Es
beruht
auf sorgfältigen, fach
ärztlichen (internis
ti
schen, rheuma
to
logischen, neuro
lo
gischen und psychiatrischen) Untersuchungen
und wurde unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden (
Urk.
7/148/44 f., 66, 77, 89
) sowie in Kenntnis und Auseinandersetzung mit der medi
zi
ni
schen Aktenlage (
Urk.
7/148/16-41
)
abgegeben.
Die gestellten Diagno
sen als auch die Schluss
fol
ge
rungen zur Arbeitsfähigkeit werden im Gutachten be
grün
det und sind nach
voll
ziehbar. Hier
bei setzten sich die Gutachter insbe
son
dere mit ihren ausführlichen Befunden (
Urk.
7/148/49 ff., 68 ff., 81 f., 92 f.
)
und
den medizi
ni
schen
Vorakten
auseinander.
Das Gutachten der
A.___
AG
erfüllt damit grund
sätzlich die Anforderungen an eine voll beweiswertige medi
zinische Expertise
,
so dass für die
Entscheidfindung
grundsätzlich
darauf abzustellen ist.
5.3
Vorliegend steht der Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin insbesondere diejenige der behandelnden Psychiaterin entgegen, wonach der Beschwerdeführer
auf dem ersten Arbeitsmarkt
nur
noch zu 30 % arbeitsfähig sei (vgl. E. 4.3).
Med
.
pract
.
H.___
erachtete den Beschwerdeführer in erster Linie
aufgrund der er
höhten Ermüdbarkeit und de
r
dadurch bedingten Konzentrationsprobleme in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Ebenso
verwies auch d
ie psych
iatrische Gut
achterin
auf ein erhöhtes Erschöpfungsgefühl und bewertete die von ihr fest
gehaltene 20%ige Leistungsminderung
aufgrund des Antriebsmangels und der ver
minderten psychophysischen Belastbarkeit
für begründet
(E. 4.2.4)
.
Inso
fern beschrieben die Ärzt
inn
e
n
eine übereinstimmende Symptomatik
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
.
Wenn
med.
pract
.
H.___
ein andere
s
Ausmass
der Arbeitsfähigkeit als
die psychiatrische
Gutachter
in
der
A.___
AG
einschätzt
, so ist dies einerseits auf
ihre
Rolle als behandelnde Fach
ärztin
zurückzuführen, andererseits auf den jeder ärztlichen, insbesondere psychiatrischen Einschätzung immanenten Beurtei
lungs
spielraum, was bei der materiellen Prüfung der revi
sions
rechtlichen Voraus
setzungen jedoch irrelevant zu bleiben hat.
Inwieweit der Beschwerdeführer im Rahmen der Kon
zen
trationsprobleme und Erschöpfung erheblich mehr
als 20
%
in seiner Funk
tion ein
geschränkt sein soll, geht
aus dem Bericht von med.
pract
.
H.___
nicht
hervor
. Mit Blick auf die aktive Frei
zeit
gestaltung des Beschwerdeführers - er gab an
,
viel Zeit mit seinem Sohn und seiner Lebensgefährtin zu verbringen, spazieren
und
wandern zu gehen, im Meer zu surfen und Tiefschnee zu fahren -
sowie d
ie
tägliche Erledigung von Admini
strativ- und Haushaltsaufgaben
(vgl. Urk. 7/148/91)
ist eine erhebliche Ein
schränkung denn auch nicht n
ach
voll
zieh
bar. Dass
sich
der Beschwerdeführer - wie von med.
pract
.
H.___
festgehalten - nur zwischen 30 und 90 Minuten
konzentrieren könne und danach wieder eine Pause benötige (vgl. Urk. 7/163), steht seine
n
Angaben im Rahmen der Begutachtung
entgegen
, wonach er morgens jeweils zwei bis drei Stunden Administratives erledige (vgl. Urk. 7/148/91). Über
dies konnte von den Gutachtern weder eine erhöhte Erschöpfung noch eine ver
min
derte Konzentrationsfähigkeit ausgemacht werden (vgl. E. 4.2.5)
.
Soweit
med
.
pract
.
H.___
den Schweregrad der ak
tuel
len re
zi
divierenden depressiven Stö
rung aufgrund der zusätzlichen Anfor
de
run
gen an den Be
schwer
de
führer nach der Geburt des Sohnes im Dezember 2019 als erhöht resp. mittel
gradig
klassi
fizierte
(vgl. Urk. 7/163)
, ist
darauf hinzuweisen
, dass
private und
soziale Be
las
tungen bei der Beurteilung der Gesundheitsbe
ein
träch
ti
gung aus
zu
klam
mern sind (vgl. E. 1.
3.2
hiervor).
Vor diesem Hintergrund und a
ngesichts des
sen
, dass die be
handelnden Ärzte
hauptsächlich
somatische
Be
schwerden doku
men
tierten
(vgl. Arztberichte vom 2
8.
April 2020 [Urk. 7/95] und 23. Dezember 2020 [Urk. 7/121])
,
der Behandlungsrhythmus
(einmal pro Mo
nat)
des Be
schwer
de
führers
offenbar seit Behandlungsbeginn
unverändert
geblieben
bzw. sogar
niedriger
ge
wor
den ist
und er keine Psychopharmaka mehr einnimmt (vgl. Urk. 7/148/87)
, ist eine
mittelschwere Ausprägung der depressiven Störung
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nicht dargetan.
Überdies
war
der Be
schwer
de
führer offenbar in der Lage
,
eine selbständige Tätigkeit in Frankreich (touris
ti
sche Angebote) aufzu
bauen (vgl. Urk. 7/143).
Die
A.___
-Gutachter gingen aufgrund der vorliegenden Akten medizinisch-theoretisch von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in der ange
stamm
ten Tätigkeit
und
einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit
aus (vgl. E. 4.2.5), worauf abzu
stellen ist.
Daran vermag auch
die
noch vor Verfügungserlass am
1.
März 2022 bei einem Surfunfall erlittene BWK10
Bodenplattenimpressionsf
raktur nichts zu ändern (vgl. Schadenmeldung UVG vom
5.
Mai 2022, Urk. 7/204/2). Dem Bericht der
Klinik I.___
vom 1
6.
März 2022 (Urk. 7/192) sind keine neuen Ein
schrän
kungen zu entnehmen. Ausserdem habe der Be
schwerdeführer bereits eine Woche posttraumatisch über eine besser werdende Beschwerdesymptomatik be
richtet. Hinweise auf sensomotorische Aus
fälle
gebe es
keine.
Ebenso seien neu aufgetretene Sensibilitätsstörungen oder Kraftdefizite verneint worden.
Die Ärzte der
Klinik I.___
empfahlen eine körperliche Schonung für fünf Wochen, wobei eine maximale Wirbelsäulen
extension und -flexion sowie körperfernes Heben von Lasten über 5 kg vermieden werden sollte
n
, und attestierten dem Beschwerdeführer bis 1
5.
März 2022 eine 100%ige Arbeits
u
nfähigkeit (vgl. auch Urk. 7/204/10). Insofern handelte es sich dabei um eine lediglich vorübergehende somatisch begründete Arbeitsunfähig
keit
, die s
pätestens fünf Wochen nach dem Surfunfall keine zusätzlichen Ein
schränkungen in einer körperlich angepassten Tätigkeit mehr
verursacht
.
Die von den Ärzten im Bericht vom
2.
Mai 2022
erwähnten chronischen Schmerzen, die den Beschwerdeführer massiv ein
schränken würden (vgl. Urk. 3/4)
,
waren bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch die
A.___
AG bekannt und wurden von Dr.
D.___
im Rahmen ihrer Beurteilung berücksichtigt (vgl. E. 4.2.1).
Schliesslich kann der Beschwerdeführer auch b
etreffend die neu diagnostizierte Osteoporose
nichts zu seinen Gunsten ableiten. L
aut behandelnder Ärzte der
Klinik I.___
dränge sich
eine Osteoporose-spezifische Therapie zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf (vgl. Urk. 3/4). Eine körperliche Einschränkung aufgrund dessen ist
im Erwerbsbereich des Beschwerdeführers
vor diesem Hintergrund
ebenfalls
nicht ausgewiesen.
6.
6.1
Uneinigkeit besteht überdies über die Bemessung des Invaliditätsgrades. Die Beschwerdegegnerin ging von einer 20%igen Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit aus und nahm entsprechend einen Prozentvergleich vo
r, was vom Be
schwerdeführer beanstandet wird. Dieser ist der Ansicht, dass ihm die ange
stammte Tätigkeit nicht mehr zugemutet werden könne und entsprechend ein Einkommensvergleich vorgenommen werden müsse (
Urk. 1.
S. 4-6).
6.2
Aus den Akten
(vgl. insbesondere Urk. 7/125 und Urk. 7/
30
)
ergibt sich, dass der Beschwerde
führer
1996
eine Ausbildung zum Bahn
betriebsdisponenten
abge
schlossen
hat
und bis Ende März
1999
bei den
Y.___
angestellt war
. Nach dem Unfall ist der Be
schwer
deführer nach eigenen An
gaben zunächst einer saisonalen Arbeit in Frankreich nachgegangen
und
hat in der Folge
von September 1999 bis Mai 2000 als
kaufmännischer Angestellter in einem
Sportartikel
geschäft
gearbeitet
, bevor er
einen Sprachkurs in Neuseeland absolviert
e
(vgl. Urk. 7/
148/
46, 67, 78 f., 90
)
. Danach
arbeitete
er
saisonal
bei der
J.___
SA (2002-2003), der
K.___
GmbH (2006-2007) sowie der
L.___
GmbH (2001-2009) und rechnete Beiträge als
Selbständigerwerbender
ab (2004-2006).
Wäh
rend
dessen bildete er sich zum diplomierten Marketing
leiter weiter (vgl. Mana
ge
ment-Diplom BIPH 2003, Marketingplaner mit eidge
nössischem Fachausweis 2008, diplo
mier
ter Marketingleiter 2013) und war zwischen Juli 2009 und Febru
ar 2014 bei der
M.___
AG als Marketingleiter
in einem 90%-Pensum
tätig
(vgl. auch Urk. 7/148/27)
. Im März 2014 wechselte er zur
N.___
AG und war fortan als Head
of
Marketing Communications tätig
-
zunächst auf schweizerischer
, dann inter
nationaler
Ebene
(vgl. Urk. 7/148/79) -
,
bis ihm - nach anfänglich schmerz
be
dingter Reduktion des Arbeitspensums auf 50 %
im Mai 2016
(vgl. Urk. 7/94/25) - im Juli 2018
«unfallunabhängig»
ge
kündigt wurde (vgl. Urk. 7/51/14, Urk. 7/75/1
45
).
Ende August 2018 wurde ein Arbeitsversuch durchgeführt, im
Rahmen dessen der Beschwerdeführer ab Juli 2019 bei der
O.___
GmbH im Bereich Eventmarketing eine Fest
anstellung in einem 30%-Pensum er
langte (vgl. Urk. 7/73/2
, Urk. 7/75/85 ff.
).
Infolge schlechter Auftragslage wurde der Arbeitsvertrag Ende August 2020 in eine Freelancer-Vereinbarung um
gewandelt (
vgl.
Urk. 7/105,
Urk. 7/148/39).
Seit September 2020
geht der Beschwerdeführer ausserdem einer selbständigen Er
werbs
tätigkeit in Frankreich im Bereich Tourismus nach (vgl. Urk. 7/121/3, Urk. 7/148/41). Zusätzlich ist er s
eit November 2021 als kaufmännischer Sach
bearbeiter bei der
P.___
AG in einem 10%-Pensum an
gestellt (vgl. Urk. 7/204/28).
6.3
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau er
mittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens
differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbs
einkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegen
überstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz ver
anschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 9C_478/2021 vom 11. November 2021 E. 5.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat (Urteile des Bundesgerichts 8C_285/2020 vom 15. September 2020 E. 4.1 und 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2, je mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des
Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
6.4
6.4.1
Die
A.___
-Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer seit
Februar 2018 eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in seinem
zuletzt ausgeübten
Beruf als Head
of
Marketing (vgl. vorstehend E. 4.2.5). Angesichts dessen kann im Rahmen der Bemessung des Invaliditätsgrades ein vereinfachter Erwerbsvergleich vor
genommen werden (vgl. E. 6.3). Das ohne Invalidität
erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist dabei grundsätzlich mit 100
%
zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz zu ver
anschlagen ist, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt. Da die gutachterliche Ein
schätzung sämtliche Einschränkungen
bei zumutbarer vollzeitlicher Präsenz
berücksichtigt, bleibt kein Raum mehr für einen so
genannten Leidensabzug. Hieraus folgt ein renten
ausschliessender
Invalidi
täts
grad von
20
%
(vgl. E. 1
.4
).
6.4.2
Der Beschwerdeführer monierte, die letzte Stelle sei nur in Vollzeit zu bewältigen und lasse eine Teilzeittätigkeit nicht zu (
Urk.
1 S. 4,
Urk.
3/3).
Selbst wenn
jedoch
für
die Bemessung des Invaliditätsgrades
das Invaliditäts
einkommen gestützt auf das zu Beginn bei der
N.___
AG erzielte Ein
kommen und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
berechnet
werden würde,
resultierte kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer
-
bevor er
in seiner Anstellung
als Head
of
Marketing Communications
auf globaler Ebene
ab
November 2017 massiv überfordert war (vgl. dazu auch Urk. 7/121)
-
anfänglich Fr. 7'500.--
, ab Juni 2015 Fr. 8'200.-- und
ab
Dezember 2015
ein Einkommen in der Höhe von Fr.
8'400.--
monatlich
verdient hat
(vgl. Urk. 7/75/187 ff.).
Gemäss eigenen An
gaben ist der Beschwerdeführer
von seiner internationalen Führungsrolle zurück
getreten und hat sein Arbeitspensum auf 50 % reduziert (vgl. Urk. 7/148/79). In
sofern ist
zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf die frühere Tätigkeit des Beschwerde
führers bei der
N.___
AG abzustellen, als er noch nicht über
fordert war und worin er sich «zurückversetzen» liess und offensichtlich teil
zeitlich zu 50 % arbeiten konnte
.
Ausgehend vom früheren Lohn von Fr. 8'200.-
-
ist das Einkommen unter Berücksichtigung der Nominal
lohn
ent
wicklung bis ins Jahr 2018 (
Bundesamt für Statistik, T
1.
1.
10
Nominal
l
o
hn
ind
e
x
, Männer
, 2011-2022, 77-82 sonstige wirtschaftliche Tätigkeiten
; Stand 201
5
:
103.2
, Stand 201
8
:
104.0) und einer Leistungsbeschränkung von 10 % auf ein Jahreseinkommen von Fr. 96'683.72 (Fr. 8’200.-- x 13 : 103.2 x 104.0 x 0.9) hochzurechnen. Würde dieses
anzurechnende Invalideneinkommen dem
maximalen
Valideneinkommen
von Fr. 139'750.-- (Fr. 10'750.-- x 13
; vgl.
Urk.
7/75/192,
Urk.
7/75/168 f.)
gegenübergestellt werden, resultierte eine Er
werbseinbusse von Fr. 43'066.28 oder ein Invalidi
täts
grad von 31 %. Selbst
bei Annahme
einer 20%igen Einschränkung im weniger verantwor
tungs
vollen Be
reich,
läge
der Invaliditätsgrad
von
38 % (Fr. 85'941.08 / Fr. 139'750.--)
immer noch unter dem Mindestinvaliditätsgrad von 40 % für eine Rente (vgl. E. 1.4 hier
vor)
.
7.
Nach dem Gesagten erweist es sich als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten der
A.___
AG vom
5.
Juli 2021 abgestellt und das Ren
tenbegehren des Be
schwerdeführers abgewiesen hat.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und vorliegend auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli
bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstStadler