# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07c24a00-b262-55be-92c8-390f26ed9eeb
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-03-31
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2011 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2011
**Docket/Reference:** DB.2014.2
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2014_2_ll.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2014.2 
1 ST.2014.2 

Entscheid 

31. März 2014 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael 
Ochsner und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

1.  A ,    
2.  B ,    

vertreten durch Dr. C,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,   

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2011 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2011 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A und B (nachfolgend zusammen die Pflichtigen) lebten und arbeiteten seit 

36 bzw. 47 Jahren in den USA und sind seit 1981 miteinander verheiratet. Der Pflichti-

ge (Jahrgang 1943) ist deutscher Staatsangehöriger, während die Pflichtige (Jahrgang 

1946) über die schweizerische und amerikanische Staatsbürgerschaft verfügt. Bis En-

de 2010 lebten sie in ihrem eigenen Haus in D, USA. 2008 hatte die Pflichtige zusam-

men mit ihrer Schwester das elterliche Haus an der …strasse in E geerbt, welches sie 

nach  Auskauf  ihrer  Schwester  per  …  …  2009  in  ihr  Alleineigentum  übernahm.  Am ... 

September  2010  meldeten  sich  die  Pflichtigen  beim  Einwohnermeldeamt  E  an  und 

beantragte  der  Pflichtige  die  Aufenthaltsbewilligung  B.  Im  Januar  2011  bezogen  sie 

eine eigene Wohnung an der Adresse …, F, USA; in der Folge lebten sie zum Teil dort, 

zum  Teil  in  E.  Nachdem  sich  geplante  bauliche  Veränderungen  am  Haus  in  E  nicht 

realisieren  liessen,  veräusserten  sie  dieses  am  … Juli  2012.  Im  Oktober  2012  erwar-

ben sie eine Stockwerkeigentumseinheit an der …strasse 16 in G.  

Für  die  Steuerperiode  2011  reichten  die  Pflichtigen  die  normale  Steuererklä-

rung für hier Ansässige ein, schieden aber die meisten Einkünfte nach den USA aus. 

Der Steuererklärung legten sie eine Kopie der US-amerikanischen Steuererklärung bei. 

Mit  Auflage  vom  1.  Juli  2013  verlangte  die  Steuerkommissärin  diverse  Unterlagen  im 

Zusammenhang  mit  Erwerbseinkommen  bzw.  Renten  sowie  den  Kaufvertrag  für  die 

Wohnung  in  F.  Die  Pflichtigen  antworteten  am  14.  Juli  2013.  Mit  Veranlagungs-  bzw. 

Einschätzungsvorschlag  vom  17.  Juli  2013  ging  die  Steuerkommissärin  von  einem 

Wohnsitz der Pflichtigen in E aus und erfasste sämtliche Einkünfte in der Schweiz, mit 

Ausnahme der Liegenschaftseinkünfte in den USA. Die Pflichtigen lehnten diesen Vor-

schlag in der Folge ab und bestritten die Ansässigkeit in der Schweiz. Mit weiterer Auf-

lage  vom  16.  August  2013  verlangte  die  Steuerkommissärin  die  Beantwortung  einer 

Reihe von Fragen sowie die Vorlage diverser Unterlagen mit Bezug auf ihre Wohnver-

hältnisse 2011. Am 18. September 2013 liessen die Pflichtigen die Unterlagen einrei-

chen, und am 20. September 2013 fand eine Besprechung statt, erbrachte aber keine 

Annäherung  der  Standpunkte.  Am  gleichen  Tag  traf  die  Steuerkommissärin  folgende 

Veranlagung bzw. Einschätzung für die Steuerperiode 2011:  

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1 ST.2014.2 

 
 
 
 
 
 
 
 
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Direkte Bundessteuer  

Staats- und Gemeindesteuern  

Einkommen  

Einkommen  

Vermögen 

steuerbares 

Fr.  

141'500.-  

satzbestimmendes 

160'500.- 

Fr.  

142'100.-  

161'200.- 

Fr.  

3'692'000.- 

4'284'000.-.  

Darin beanspruchte sie die Steuerhoheit über die Pflichtigen kraft Ansässigkeit 

und  wies  dementsprechend  Einkünfte  und  Vermögen  der  Schweiz  bzw.  dem  Kan-

ton Zürich zur Besteuerung zu, mit Ausnahme der Liegenschaft in den USA.  

B.  Hiergegen  erhoben  die  Pflichtigen  am  21.  Oktober  2013  Einsprache  mit 

dem Antrag, sie in der Schweiz bzw. im Kanton Zürich nur kraft Eigentum an der Lie-

genschaft in E beschränkt zu besteuern. Mit Eingabe vom 8. November 2013 beantrag-

ten sie zudem, das Verfahren bis zum Vorliegen eines Entscheids im Verständigungs-

verfahren, welches sie in den USA angestossen hätten, zu sistieren.  

Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen am 26. November 2013 ab.  

C. Mit Beschwerde bzw. Rekurs vom 23./24. Dezember 2013 wiederholten die 

Pflichtigen den Einspracheantrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. In verfah-

rensrechtlicher  Hinsicht  stellten  sie  den  Antrag,  das  Rechtsmittelverfahren  bis  zum 

Vorliegen  eines  Ergebnisses  des  Verständigungsverfahrens  zu  sistieren.  In  der  Be-

gründung  hielten  sie  daran  fest,  dass  sie  2011  in  den  USA  ansässig  gewesen  seien. 

Mit Verfügung vom 17. Januar 2014 verlangte das Steuerrekursgericht von den Pflich-

tigen  die  Sicherstellung  der  Prozesskosten  wegen  dem  vorgebrachten  ausländischen 

Wohnsitz,  welche  fristgerecht  geleistet  wurde.  Das  kantonale  Steueramt  schloss  am 

5. Februar  2014  auf  Abweisung  der  Rechtsmittel.  Die  Eidgenössische  Steuerverwal-

tung liess sich nicht vernehmen. Am 10. März 2014 reichten die Pflichtigen eine Replik 

ein, worin sie an ihren Anträgen festhielten.  

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  Die  Sistierung  eines  Verfahrens  ist  in  den  Steuergesetzen  nicht  geregelt. 

Nach der Praxis kommt eine solche in erster Linie in Betracht, wenn der Entscheid vom 

Ausgang  eines  anderen  Verfahrens  abhängt  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Hand-

kommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 134 N 14 DBG sowie Kommentar zum Zürcher 

Steuergesetz,  3.  A.,  2013,  § 141  N  17  StG).  Sie  steht  in  einem  Spannungsverhältnis 

zum Gebot der beförderlichen Prozesserledigung. Ein Anspruch auf Sistierung besteht 

im Allgemeinen nicht.  

Das  Verständigungsverfahren  ist  in  Art.  25  des  Abkommens  zwischen  der 

Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  zur 

Vermeidung  der  Doppelbesteuerung  auf  dem  Gebiete  der  Steuern  vom  Einkommen 

vom 2. Oktober 1996 (SR 0.672.933.61, nachfolgend DBA-USA) geregelt. Ist eine Per-

son  der  Auffassung,  dass  Massnahmen  eines  Vertragsstaates  oder  beider  Vertrags-

staaten  für  sie  zu  einer  Besteuerung  führen,  die  dem  Abkommen  nicht  entspricht,  so 

kann sie unbeschadet der nach dem innerstaatlichen Recht dieser Staaten vorgesehe-

nen Rechtsmittel ihren Fall der zuständigen Behörde des Vertragsstaates unterbreiten, 

in dem sie ansässig ist oder dessen Staatsangehöriger sie ist. Hält die zuständige Be-

hörde die Einwendung für begründet und ist sie selbst nicht in der Lage, eine befriedi-

gende  Lösung  herbeizuführen,  so  wird  sie  sich  bemühen,  den  Fall  durch  Verständi-

gung  mit  der  zuständigen  Behörde  des  anderen  Vertragsstaates  so  zu  regeln,  dass 

eine dem Abkommen nicht entsprechende Besteuerung vermieden wird.  

Nach  dieser  Bestimmung  sind  demnach  das  Verständigungsverfahren  und 

das vorliegende Rechtsmittelverfahren voneinander unabhängig, sodass das Steuerre-

kursgericht nicht zur Sistierung des Verfahrens verpflichtet ist. Im vorliegenden Fall hat 

die  zuständige  Behörde  der  USA  bisher  lediglich  den  Eingang  des  entsprechenden 

Gesuchs  bestätigt.  Nach  den  Akten  haben  die  Behörden  der  beiden  Vertragsstaaten 

indessen  noch  keine  Schritte  zum  Zweck  einer  Verständigung  unternommen.  Es  be-

steht damit kein Anlass, im Hinblick auf ein Verständigungsverfahren, das vielleicht nie 

stattfinden  wird,  die  Behandlung  der  vorliegenden  Rechtsmittel  auszusetzen.  Der  An-

trag auf Sistierung ist daher abzuweisen.  

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2.  a)  Natürliche  Personen  sind  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  unbe-

schränkt steuerpflichtig, wenn sie ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im 

Kanton bzw. in der Schweiz haben (Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte 

Bundessteuer  vom  14.  Dezember  1990,  DBG,  bzw.  § 3  Abs. 1  des  Steuergesetzes 

vom 8. Juni 1997, StG). Einen steuerrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz hat eine Per-

son,  wenn  sie  sich  hier  mit  der  Absicht  dauernden  Verbleibens  aufhält  oder  wenn  ihr 

das  Bundesrecht  hier  einen  besonderen  gesetzlichen  Wohnsitz  zuweist  (je  Abs.  2). 

Einen steuerrechtlichen Aufenthalt in der Schweiz hat eine Person, wenn sie sich in der 

Schweiz  ungeachtet  vorübergehender  Unterbrechung  während  mindestens  30  Tagen 

verweilt und eine Erwerbstätigkeit ausübt oder während mindestens 90 Tagen verweilt 

und keine Erwerbstätigkeit ausübt (je Abs. 3).  

Das  schweizerische  Steuerrecht  knüpft  demnach  die  unbeschränkte  Steuer-

pflicht neben dem steuerrechtlichen Wohnsitz bereits an den steuerrechtlichen Aufent-

halt.  Dieses  doppelte  Anknüpfung  bewirkt,  dass  in  der  Schweiz  lebende  Personen 

selbst dann u.U. der Welteinkommensbesteuerung unterliegen, wenn die Steuerbehör-

de nicht in der Lage ist, einen inländischen steuerrechtlichen Wohnsitz nachzuweisen 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 3 N 43 DBG und § 3 N 63 StG). Für den steuer-

rechtlichen  Aufenthalt  wird  einzig  ein  tatsächliches  Verweilen,  eine  physische  Anwe-

senheit, vorausgesetzt.  

b)  Die  Pflichtigen  gingen  2011  in  der  Schweiz  keiner  Erwerbstätigkeit  nach. 

Nach ihrer eigenen Sachdarstellung haben sie sich in diesem Jahr jedoch mindestens 

156  Tage  in  der  Schweiz  aufgehalten.  Damit  sind  die  Voraussetzungen eines  steuer-

rechtlichen Aufenthalts erfüllt und unterliegen die Pflichtigen nach internem schweizeri-

schem Recht der unbeschränkten Besteuerung kraft persönlicher Zugehörigkeit.  

3. Damit stellt sich die Frage, ob das DBA-USA die schweizerische Steuerho-

heit  einschränkt.  Dieses  knüpft  für  die  Abkommensberechtigung  (Art.  1  Abs.  1  DBA-

USA)  als  auch für  die  Zuweisung  der  Steuerhoheit  über  die  einzelnen  Einkünfte (hier 

von Bedeutung vor allem Art. 18 DBA-USA: Ruhegehälter und Renten) jeweils an den 

Begriff der Ansässigkeit an, weshalb es sich aufdrängt, diese Frage vorab zu klären.  

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a) Der hierzu massgebende Art. 4 DBA-USA lautet wie folgt:  

Art. 4 Ansässige Person 

1.  Im  Sinne  dieses  Abkommens  bedeutet  der  Ausdruck  "eine  in  einem  Ver-

tragsstaat ansässige Person"  

a) eine Person, die nach dem Recht dieses Staates dort aufgrund ihres Wohn-

sitzes,  ihres  ständigen  Aufenthaltes,  ihrer  Staatsangehörigkeit,  des  Ortes  ihrer 

Geschäftsleitung,  des  Orts  ihrer  Errichtung  oder  eines  anderen  ähnlichen 

Merkmals steuerpflichtig ist. Ein amerikanischer Staatsbürger oder ein Auslän-

der, dem die Einreise zur Begründung eines ständigen Wohnsitzes in den Ver-

einigten  Staaten  rechtmässig  gestattet  worden  ist  (Inhaber  einer  "green  card") 

und  der  nicht  aufgrund  dieses  Absatzes  oder  des  Absatzes  5  in  der  Schweiz 

ansässig ist, gilt nur dann als in den Vereinigten Staaten ansässig, wenn er in 

den Vereinigten Staaten einen längeren Aufenthalt ("substantial presence"), ei-

ne ständige Wohnstätte oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Ist jedoch ei-

ne solche Person aufgrund dieses Absatzes auch in der Schweiz ansässig, wird 

sie aufgrund dieses Absatzes auch als in den Vereinigten Staaten ansässig be-

handelt und es gilt Absatz 3;  

(…)  

3. Ist nach Absatz 1 eine natürliche Person in beiden Vertragsstaaten ansässig, 

so gilt folgendes: 

a)  Die  Person  gilt  als  in  dem  Staat  ansässig,  in  dem  sie  über  eine  ständige 

Wohnstätte verfügt; verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstät-

te, so gilt sie als in dem Staat ansässig,  zu dem sie die engeren persönlichen 

und wirtschaftlichen Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen);  

b) kann nicht bestimmt werden, in welchem Staat die Person den Mittelpunkt ih-

rer  Lebensinteressen  hat,  oder  verfügt  sie  in  keinem  der  beiden  Staaten  über 

eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in dem Staat ansässig, in dem sie ihren 

gewöhnlichen Aufenthalt hat;  

c) hat die Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden Staaten oder in kei-

nem der Staaten, so gilt sie als in dem Staat ansässig, dessen Staatsangehöri-

ger sie ist;  

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d) ist die Person Staatsangehöriger beider Staaten oder keines der Staaten, so 

regeln  die  zuständigen  Behörden  der  Vertragsstaaten  die  Frage  in  gegenseiti-

gem Einvernehmen. 

(…)  

b)  Vorab  stellt  sich  damit  für  die  Beurteilung  der  Ansässigkeit  nach  Art.  4 

Abs. 1 lit. a DBA-USA die Frage, ob die Pflichtigen nach dem Recht der Schweiz auf-

grund  ihres Wohnsitzes  oder  ihres  ständigen  Aufenthalts  steuerpflichtig  sind.  Die  Be-

stimmung enthält keine eigene Definition der Ansässigkeit, sondern verweist hierzu auf 

das interne Recht. Ansässig ist demnach eine Person, wenn sie in einem Vertragsstaat 

nach dessen Recht dort unbeschränkt steuerpflichtig ist (vgl. hierzu Peter Locher, Ein-

führung  in  das  internationale  Steuerrecht  der  Schweiz,  3.  A.,  2005,  S.  225).  Dies  ist 

hier wie gesehen mit Bezug auf die Pflichtigen bereits kraft steuerrechtlichem Aufent-

halts gemäss Art. 3 Abs. 3 DBG bzw. § 3 Abs. 3 StG der Fall.  

Ob  die  USA  die  Pflichtigen  ebenfalls  kraft  Ansässigkeit  besteuert,  geht  aus 

den  Akten  nicht  hervor,  darf  aber  aufgrund  der  Umstände  (eigene Wohnung  in  F  mit 

Aufenthalt von unbestritten mindestens 155 Tagen) vermutet werden. Mithin liegt eine 

Doppelansässigkeit vor, und ist deshalb anhand der Kriterien in Abs. 3 zu bestimmen, 

welchem Staat der Vorrang als Ansässigkeitsstaat einzuräumen ist.  

c) Die in Abs. 3 getroffene abgestufte Regelung für die Vorrangbestimmung im 

Konfliktfall  entspricht  der  Lösung  in  Art.  4  Abs.  1  lit.  a  des  OECD-Musterabkommens 

zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen 

und Vermögen, weshalb zur Auslegung auf die von der OECD erstellten Kommentare 

abgestellt werden kann.  

aa) Der Artikel gibt demjenigen Vertragsstaat den Vorrang, in dem die natürli-

che Person über eine ständige Wohnstätte verfügt. In der Auslegung der OECD setzt 

dies  voraus,  dass  die  natürliche  Person  die  Wohnstätte  zur  dauernden  Nutzung  be-

stimmt  und  behalten  haben  muss,  im  Gegensatz  zu  einem  Aufenthalt  an  einem  be-

stimmten Ort unter Umständen, die eindeutig erkennen lassen, dass der Aufenthalt von 

kurzer Dauer sein soll. Dabei kommt jede Form einer Wohnstätte in Betracht (Häuser 

oder  Wohnungen,  die  der  natürliche  Person  gehören  oder  von  ihr  gemietet  wurden, 

oder  gemietete  möblierte  Zimmer).  Entscheidend  ist,  dass  es  sich  um  eine  ständige 

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Wohnstätte handelt; dies erfordert Vorkehrungen der natürlichen Person dafür, dass ihr 

die  Wohnstätte  jederzeit  ständig  zur  Verfügung  steht  und  nicht  nur  gelegentlich  für 

Aufenthalte, die ihrem Anlass nach notwendigerweise nur von kurzer Dauer sein kön-

nen (Vergnügungs-, Geschäfts- oder Studienreise, Lehrgänge u.a.; OECD, Model Tax 

Convention  on  Income  and  on  Capital,  Condensed  Version,  2010,  S.  86  f.;  deutsche 

Version in Vogel/Lehner, DBA, Kommentar, 5. A., 2008, Art. 4 Ziff. 11 f.). 

Diese Voraussetzung ist sowohl mit Bezug auf die USA als auch die Schweiz 

erfüllt, verfügen die Pflichtigen doch an beiden Orten über Wohneigentum, das sie sich 

zur jederzeitigen Benutzung zur Verfügung halten.  

bb) Als nächstes Kriterium stellt Art. 4 Abs. 3 lit. a DBA-USA auf den Ort ab, 

zu  dem  die  engeren  persönlichen  und  wirtschaftlichen  Beziehungen  bestehen  (Mittel-

punkt  der  Lebensinteressen).  Dabei  sind  ihre  familiären  und  persönlichen  Beziehun-

gen,  ihre  berufliche,  politische,  kulturelle  und  sonstige  Tätigkeit,  der  Ort  ihrer  Ge-

schäftstätigkeit,  der  Ort,  von  wo  aus  sie  ihr  Vermögen  verwaltet,  und  ähnliches  zu 

berücksichtigen. Die Umstände sind als Ganzes zu prüfen. Erwägungen, die sich aus 

dem  persönlichen  Verhalten  der  natürlichen  Person  ergeben,  haben  erhöhte  Bedeu-

tung.  Begründet  eine  Person,  die  in  einem  Staat  über  eine Wohnstätte  verfügt,  ohne 

diese  aufzugeben  im  anderen  Staat  eine  zweite  Wohnstätte,  so  kann  die  Tatsache, 

dass sie die erste Wohnstätte dort beibehält, wo sie bisher stets gelebt und gearbeitet 

hat  und  wo  sie  ihre  Familie  und  ihren  Besitz  hat,  zusammen  mit  anderen  Gesichts-

punkten als Zeichen dafür sprechen, dass diese Person den Mittelpunkt ihrer Lebens-

interessen im ersten Staat beibehalten hat (OECD, S. 87; Vogel/Lehner, Art. 4 Ziff. 15).  

aaa)  Aus  den  Akten  ergeben  sich  eine  Reihe  von  Anhaltspunkten,  welche 

darauf hindeuten, dass sich der Lebensmittelpunkt der Pflichtigen 2011 in E befunden 

hat:  

Vorab geht daraus hervor, dass die Pflichtigen mehr Tage in E verbracht ha-

ben als in F. Einen  Hinweis bieten die Flugdaten. Demnach flogen die Pflichtigen am 

… Januar 2011 von H nach F und kehrten am ... März 2011 wieder zurück. Später ver-

brachten sie die Zeit vom ... Juni 2011 bis zum ... Juli 2011 sowie ab dem ... Novem-

ber 2011  wieder  in  F.  Diese  Angaben  decken  sich  im Wesentlichen  mit  den  Daten  in 

ihrer Anfrage beim Elektrizitätswerk E: Demnach waren sie vom ... Januar bis ... März, 

...  Juni  bis ... Juli  und  vom ...  November  bis  zum ...  Dezember  nicht  in E.  Dies  ergibt 

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insgesamt  152  Tage  in  F  bzw.  auf  der  Reise.  Hinzu  kommt,  dass  sie  in  der  US-

amerikanischen  Steuererklärung  sogar  angegeben  haben,  sie  hätten  sich  bloss  129 

Tage in den USA (recte: F) und 236 Tage in der Schweiz aufgehalten. Bei dieser Sach-

lage ist davon auszugehen, dass sie mindestens rund 210 Tage in E verbracht haben. 

Zwar  machen  sie  geltend,  sie  hätten  davon  46  Tage  in  Deutschland  und  Italien  ver-

bracht, doch legen sie hierzu keinerlei Beweise  vor noch ergeben sich Anhaltspunkte 

hierfür aus den Akten. Zudem wären kurze Ferienaufenthalte von der Schweiz aus ins 

nahe Ausland dem schweizerischen Wohnort zuzurechnen. Die genannte zeitliche Auf-

teilung  zwischen  H  und  F  erscheint  zudem  als  ständiges  Muster  (vgl.  Nachsendeauf-

trag während der Abwesenheit vom ... November 2011 bis … April 2012 an die Adres-

se  der  Schwester  der  Pflichtigen  in  I  sowie  die  Meldung  der  Abwesenheit  bis 

... Oktober 2013 an die US-amerikanischen Steuerbehörden). 

Weiter erscheint die Wohnsituation in E als weit komfortabler als in F. Die dor-

tige Wohnung ist zwar an attraktiver Lage nahe beim J, indessen handelt es sich nur 
um eine 2.5-Zimmerwohnung mit einer Fläche von 75 m2. Demgegenüber hat das Ein-
familienhaus in E eine Wohnfläche von 130 m2 mit fünf Zimmern. Dieses verfügt über 

die übliche Ausstattung mit Festnetzanschluss und Internet (Abonnement Infinity). Wei-

ter hatten sie in der Schweiz einen K eingelöst, welcher aus dem Nachlass der Eltern 

stammte. Beide Pflichtigen waren in der Schweiz bei einer Krankenkasse versichert.  

Zudem  haben  die  Pflichtigen  bei  diversen  Gelegenheiten  erklärt,  dass  sie 

2011  ihren  Hauptwohnsitz  als  in  E  gelegen  betrachteten.  Dies  passt  in  das  Bild  ihrer 

Situation zu Beginn des Jahres 2011: 1999 bis zum Verkauf Ende 2010 wohnten sie in 
einem  geräumigen  eigenen  Haus  in  …,  D  von  220  m2.  Im  Liegenschaftenverzeichnis 

2010 bezeichneten die Pflichtigen das Haus in D als "Hauptwohnsitz bis Ende 2010". 

Ebenso in einem "Erklärungsblatt" zur Steuererklärung 2010; darin gaben sie für 2010 

D als ihren Hauptwohnsitz an. 2009 hatte die Pflichtige ihre Schwester ausgekauft und 

das  Haus  in  E  allein  übernommen.  Per  …  …  2010  wurde  die  Pflichtige  pensioniert. 

Gleichzeitig änderten die Pflichtigen ihre Lebensverhältnisse: Sie verkauften das Haus 

in D und erwarben die Wohnung in …, F. Für 2011 erklärten sie nun das Haus in E als 

Hauptwohnsitz  und  die  neu  im  Januar  2011  bezogene  Wohnung  in  F  als  zweiten 

Wohnsitz.  Der  Steuererklärung  2011  legten  sie  eine  gleichlautende  Erklärung  bei, 

ebenso  der  US-amerikanischen  Steuererklärung  2011,  worin  sie  das  Haus  in  E  als 

"main  residence"  und  die  Wohnung  in  F  als  "pied-a-terre"  bezeichneten.  Mithin  spre-

chen alle zeitnahen Dokumente dafür, dass die Verlegung des Hauptwohnsitzes nach 

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E  dem  damaligen  Willen  der  Pflichtigen  entsprach.  Dies  wird  zudem  dadurch  unter-

mauert,  dass  die  Pflichtigen  seit  1981  jeweils  in  einem  eigenen  Haus  gelebt  haben, 

weshalb der Umzug in das Haus in E ihren angestammten Ansprüchen an Wohnkom-
fort wohl eher entsprach als eine 2.5-Zimmerwohnung von 75 m2 in F.  

Der Schluss auf eine dauerhafte Wohnsitzverlegung nach E wird dadurch be-

kräftigt, dass die Pflichtigen nach eigenen Angaben es auf sich nahmen, einen Drittel 

der Möbel aus dem 2010 aufgegebenen Haus in D dorthin zu verfrachten. Der Aufent-

halt in E war damit offenkundig auf Dauer und nicht bloss vorübergehend zwecks Re-

gelung des Nachlasses. Zudem hatten die Pflichtigen Ausbaupläne, war doch gemäss 

Auskunft  des  Bauamts  E  ein  Umbau  mit  Dachanhebung  und  weiteren  drei  Zimmern 

geplant,  was  weit  über  eine  blosse  Renovation  hinausging.  Nachdem  die  Pläne  

aufgrund  ungenügender  Erschliessung  aufgegeben  werden  mussten,  haben  die  

Pflichtigen  2012  das  Haus 

für  Fr. 1,3  Mio.  veräussert  und  eine  6-Zimmer-

Stockwerkeigentumseinheit in G. für Fr. 1,85 Mio. erworben. Auch dies zeigt, dass sie 

trotz  Widerständen  am  Ziel  einer  ständigen  geräumigen  Wohnstätte  in  der  Schweiz 

festhielten und sich ihr wirtschaftliches Engagement sogar verstärkte.  

Mit  Bezug  auf  die  wirtschaftlichen  Beziehungen  fällt  in  Betracht,  dass  beide 

Pflichtigen  bereits  vor  2011  pensioniert  worden  sind  und  deshalb  beruflich  an  keinen 

Ort  mehr  gebunden  waren.  Entsprechend  ihrer  vorwiegend  in  den  USA  ausgeübten 

Erwerbstätigkeit  beziehen  sie  Renteneinkommen  vor  allem  von  dort;  die Pflichtige  er-

hält dazu eine AHV-Rente, welcher Sozialversicherung sie sich als Auslandschweizerin 

freiwillig anschloss, während der Pflichtige noch über eine Rente aus deutscher Ren-

tenversicherung  verfügt.  Auffallend  ist  aber,  dass  vom  deklarierten  Wertschriftenver-

mögen  von  Fr. 3'086'101.-  ein  Anteil  von  Fr. 1'972'698.-  und  damit  rund  2/3  bei  der 

Bank L liegt, bei welcher sie auch ein Tresorfach gemietet haben. In den USA befindet 

sich  hauptsächlich  die  Kapitalsumme  einer  Lebensversicherung  ("Annuities")  von  

Fr. 1'029'424.-. Weiter verfügen sie über ein Bankguthaben in den USA, welches sich 

per  Dezember  2011  auf  ca. USD 100'000.-  belief.  Mithin  wird  das  Vermögen  zur 

Hauptsache in der Schweiz verwaltet.  

Über  Verwandtschafts-  und  Freundschaftsbeziehungen  geht  aus  den  Akten 

wenig  hervor.  Offenkundig  haben  die  Pflichtigen  keine  Nachkommen.  Nach  eigenen 

Angaben  hat  der  Pflichtige  Schwester,  Nichte,  Neffe  und Grossneffe  in  den  USA  und 

keine  Verwandten  in  der  Schweiz.  Die  Pflichtige  hat  eine  Schwester,  welche  im  M 

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wohnt, sich aber 2011 zuweilen in E aufhielt. Darüber hinaus sind keine engeren per-

sönlichen Beziehungen zu Personen aus den Akten ersichtlich.  

bbb)  Insgesamt  ist  zu  schliessen,  dass  die  Pflichtigen  nach  Aufgabe  der  Er-

werbstätigkeit  ihren  Lebensmittelpunkt  in  die  Schweiz  verlagert  haben  und  sich  die 

Wohnung  in  F  –  wie  in  der  US-amerikanischen Steuererklärung  angegeben  –  in  ihrer 

langjährigen  Wahlheimat  USA  als  "pied  a  terre"  zur  Verfügung  hielten.  Damit  ist  die 

Ansässigkeit der Pflichtigen in der Schweiz nach Art. 4 Abs. 3 lit. a DBA-USA zu beja-

hen.  

d) Die Pflichtigen erheben gegen die von der Vorinstanz getroffene Ausschei-

dung  von  Einkommen  und  Vermögen  nach  den Regeln  des  DBA-USA keine  Einwen-

dungen.  Die  angefochtenen  Entscheide  erweisen  sich  damit  als  korrekt  und  sind  zu 

bestätigen.  

4. Aufgrund dieser Erwägungen sind die Rechtsmittel abzuweisen. Ausgangs-

gemäss sind die Kosten des Verfahrens – unter Verrechnung mit den geleisteten Kos-

tenvorschüssen  –  den  Pflichtigen  aufzuerlegen  (Art.  144  Abs.  1  DBG  und  § 151 

Abs. 1 StG)  und  ist  diesen  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art. 144  Abs. 4 

DBG  i.V.m.  Art. 64  Abs. 1 - 3  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren 

vom  20. Dezember  1968  sowie  § 152 StG  i.V.m.  § 17  Abs. 2  des  Verwaltungsrechts-

pflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997).  

Demgemäss beschliesst die Kammer:  

Der Antrag auf Sistierung wird abgewiesen. 

und erkennt: 

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

[…] 

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