# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 886f50e7-4f11-541a-9f4b-2961c2cd80c5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-02
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 02.07.2020 SB190377
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB190377_2020-07-02.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer   
 

 

Geschäfts-Nr.: SB190377-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

R. Affolter und Ersatzoberrichter lic. iur. H. Meister sowie die  

Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle 

 

Urteil vom 2. Juli 2020 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. H. Wieser,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, 
vom 5. März 2019 (DG180302) 
 
 
  

-  2  - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

30. November 2018 (Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:  
(Urk. 68 S. 58 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne 

von Art. 122 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit 

heute 222 Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben. Im 

Übrigen wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Die Probezeit wird auf 3 Jahre festge-

setzt.  

4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes ver-

wiesen. 

5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird 

angeordnet. 

6. Die sichergestellten Gegenstände, namentlich 

− Herrenhemd, schwarz, Marke "Zara man" (Asservat-Nr. A011'707'394); 
− Herrenhose, Blue-Jeans "Guido Malti" (Asservat-Nr. A011'707'383); 
− ein Paar Sportschuhe, Marke "Nike" (Asservat-Nr. A011'707'407); 
− Gürtel/Gürtelschnalle; Leder braun (Asservat-Nr. A011'707'418); 

lagernd beim Forensischen Institut Zürich, sind dem Beschuldigten gestützt auf 

Art. 267 Abs. 3 StPO auf erstes Verlangen herauszugeben. 

7. Die sichergestellten Gegenstände, namentlich 

− eine Herrenhose, Jeans-Shorts "Clockhouse" mit braunem Ledergurt "Tommy 
Hilfiger" und 5-Franken Stück (Asservat-Nr. A011'705'321); 

− ein Paar Sportschuhe, Marke "Nike" (Asservat-Nr. A011'705'489); 

-  3  - 

− Halskette, goldfarben mit Steinanhänger (Asservat-Nr. A001'705'490); 

lagernd beim Forensischen Institut Zürich, sind dem Privatkläger gestützt auf 

Art. 267 Abs. 3 StPO auf erstes Verlangen herauszugeben. 

8. Die unter der Polis-Geschäfts-/Referenznummer K180727-040 / 73311076 

sichergestellten Asservate (Spuren und Spurenträger), lagernd beim Forensischen 

Institut Zürich, sind nach Rechtskraft des Entscheids zu vernichten. 

9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ unter solidarischer 

Haftbarkeit mit dem Mitbeschuldigten C._____ Schadenersatz von Fr. 48.60 

zuzüglich 5 % Zins ab 27. Juli 2018 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der Privatklä-

ger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

10. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._____ wird abgewiesen. 

11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 700.–  Kosten Kantonspolizei 

Fr. 2'500.–  Gebühr Strafunters. §4 GebStrV 

Fr. 2'633.55  Gutachten/Expertisen etc. 

Fr. 46.–  Zeugenentschädigung 

Fr. 16'597.50  amtliche Verteidigung 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

12. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-

ger des Beschuldigten mit Fr. 16'597.50 (inkl. Barauslagen und 7.7% MwSt.) aus 

der Gerichtskasse entschädigt. 

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; 

vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

15. [Mitteilungen] 

16. [Rechtsmittel]" 

-  4  - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 5 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._____: 

 (Urk. 94 S. 1 f.) 

1. Das Urteil der Vorinstanz sei aufzuheben und Herr A._____ sei von Schuld 

und Strafe freizusprechen.  

2. Eventualiter zu Ziff. 1: 

2.1 Herr A._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie mit 

einer Busse von CHF 300 zu belasten, wobei die in Haft und im vorzei-

tigen Strafvollzug verbüsste Zeit an die Freiheitsstrafe anzurechnen 

sei. 

2.2 Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit sei 

auf zwei Jahre festzusetzen. 

2.3 Von der Anordnung einer Landesverweisung sei gestützt auf Art. 66a 

Abs. 3 StGB abzusehen. 

3. Die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren, einschliess-

lich diejenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu 

nehmen.  

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 75; schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

  

-  5  - 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung 

1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Ausfüh-

rungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 68 S. 4 f.).  

Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2019 wurde dem Beschuldigten auf sein 

Gesuch hin der vorzeitige Strafantritt bewilligt (Urk. 50-52), und mit Beschluss der 

Vorinstanz vom 24. Juli 2019 wurde der Beschuldigte per 25. Juli 2019 aus dem 

vorzeitigen Strafvollzug entlassen (Urk. 63 f.). 

2. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 

1. Abteilung, vom 5. März 2019 liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen 

Verteidiger am 5. März 2019, mithin noch gleichentags, die Berufung anmelden 

(Urk. 45/1) und mit Schreiben vom 12. August 2019 ebenfalls fristgerecht 

die Berufungserklärung einreichen (Urk. 70; Urk. 66/2). In der Berufungserklärung 

beantragte der Beschuldigte einerseits im Hauptstandpunkt die vollumfängliche 

Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils und Rückweisung der Sache zur neuen 

Beurteilung an die Vorinstanz. Eventualiter beantragte er die vollumfängliche Auf-

hebung des Urteils der Vorinstanz und Freisprechung von Schuld und Strafe 

(Urk. 70 S. 2). Zugleich liess der Beschuldigte diverse Beweisanträge stellen 

(Urk. 70 S. 2 f.; hinten Erw. II. 2.). 

3. Mit Präsidialverfügung vom 13. August 2019 wurde der Staatsanwaltschaft 

und dem Geschädigten bzw. Privatkläger B._____ (im Folgenden: Privatkläger) 

Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird oder um be-

gründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen sowie um zum Antrag 

auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und zu den Beweisanträgen des 

Beschuldigten Stellung zu nehmen (Urk. 73).  

Der Privatkläger liess die Frist ungenutzt verstreichen (Urk. 74). Die Staats-

anwaltschaft nahm mit Eingabe vom 16. August 2019 fristgerecht Stellung. Sie 

-  6  - 

beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und die Abweisung der 

Beweisanträge der Verteidigung (Urk. 75).  

4.1 In der Präsidialverfügung vom 18. November 2019 (Urk. 77) wurde die Fra-

ge einer Begutachtung zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten aufgenommen, wie 

dies die Verteidigung im Beweisantrag 1, erster Halbsatz, schon vor Vorinstanz 

und erneut im Berufungsverfahren beantragt hatte (vgl. Urk. 41 S. 1; Urk. 70 S. 2). 

Da der Beschuldigte in der Hauptsache einen Rückweisungsantrag stellt und da-

mit zu erkennen gibt, dass er primär eine Neubeurteilung durch die Vorinstanz 

anstrebt, wurde den Parteien die Gelegenheit eingeräumt, sich zu einer allfälligen 

Rückweisung an die Vorinstanz zur Einholung eines Gutachtens zur Schuldfähig-

keit des Beschuldigten zu äussern (Urk. 77 S. 6).  

4.2 Die Staatsanwaltschaft hielt in ihrer Vernehmlassung vom 25. November 

2019 an ihren Anträgen gemäss Eingabe vom 16. August 2019 fest (Urk. 81 S. 1). 

Eventualiter beantragte sie, eine Gutheissung der Beweisanträge auf den Be-

weisantrag 1, die Erstellung eines Gutachtens zur Frage der Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten im Tatzeitpunkt, zu beschränken und von einer Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz abzusehen (Urk. 81 S. 2).  

4.3 Die Verteidigung begrüsste in ihrer Stellungnahme vom 5. Dezember 2019 

eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Einholung eines Gutachtens zur Schuld-

fähigkeit des Beschuldigten (Urk. 82 f.). Sie liess zugleich die Erwartung durch-

blicken, dass die Vorinstanz aufgrund der im Verteidigungsplädoyer sowie in der 

Berufungserklärung aufgeworfenen offenen Fragen (vgl. Urk. 41, 42, 70; Prot. I S. 

5 f., 18 ff.) durch das Berufungsgericht angewiesen würde, nebst dem  

Schuldfähigkeitsgutachten mindestens noch ein Ergänzungsgutachten zum IRM-

Gutachten vom 17. August 2018 betreffend den Geschädigten einzuholen und die 

beiden Belastungszeugen, D._____ und E._____, gerichtlich zu befragen.  

4.4 Mit Präsidialverfügung vom 7. Januar 2020 (Urk. 84) wurde den Parteien 

mitgeteilt, dass nach Einsicht in die Erwägungen des vorinstanzlichen Urteils und 

in die Stellungnahmen der Parteien im Berufungsverfahren derzeit keine Veran-

lassung bestehe, die beantragten Beweise abzunehmen, dass die abgelehnten 

-  7  - 

Beweisanträge jedoch an der Berufungsverhandlung erneut gestellt werden könn-

ten. Zudem wurden die Parteien dahin informiert, dass über die in der Präsidial-

verfügung vom 18. November 2019 thematisierte Frage einer allfälligen Rück-

weisung der Sache an die Vorinstanz im Rahmen der Berufungsverhandlung als 

Vorfrage entschieden werde (Urk. 84 S. 4).  

5. Mit Schreiben vom 30. Juni 2020 reichte die Verteidigung im Hinblick auf die 

Berufungsverhandlung vom 2. Juli 2020 diverse Unterlagen als Beilagen ein 

(Urk. 90; Urk. 91/1-6).  

6. Der Beschuldigte beantragt (im Eventualstandpunkt) als Sanktion eine be-

dingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Busse von Fr. 300.– sowie die 

Nichtanordnung einer Landesverweisung aufgrund eines Notwehrexzesses 

(Urk. 94 S. 1 f.). Nicht angefochten ist das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der 

Herausgabe sichergestellter Gegenstände, der Vernichtung sichergestellter Spu-

ren und Spurenträger, der Kostenfestsetzung und der Entschädigung der amt-

lichen Verteidigung (Prot. II S. 7). Es ist daher vorab mit Beschluss festzustellen, 

dass das Urteil in den Dispositivziffern 6-8 und 10-12 in Rechtskraft erwachsen 

ist. An der Berufungsverhandlung reichte die Verteidigung zudem weitere Unter-

lagen ins Recht (Urk. 93/1-6).  

7. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_178/2019 vom 1.4.2020 E. 4.4.11 (mit Hinweisen). 

Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken. 

II. Prozessuales 

A. Konstituierung der Privatklägerschaft 

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich B._____ rechtzeitig als Privatkläger 

konstituiert hat (Urk. 68 S. 5). 

-  8  - 

B. Rückweisungsantrag und Beweisanträge der Verteidigung 

1. Parteistandpunkte und Ausgangslage 

1.1 Die Verteidigung begründet den als Hauptantrag gestellten Rückweisungs-

antrag im Wesentlichen mit Verletzungen der Unschuldsvermutung und des An-

spruchs auf rechtliches Gehör. Die Vorinstanz habe Unwille bekundet, Entlas-

tungsbeweise des Beschuldigten zuzulassen. Dies nicht nur durch Nichteinholung 

eines Gutachtens zur Schuldfähigkeit, sondern auch – trotz "eklatanter Inkonsis-

tenzen im Anklagefundament " – den Verzicht auf die Befragung zentraler Zeugen 

resp. Auskunftspersonen (Urk. 82; Urk. 70 S. 4 f.). Angesichts der "Vielzahl und 

Schwere der prozessualen Mängel", welche im konkreten Fall hätten verhindert 

werden können und müssen (Urk. 70 S. 5), erachtet die Verteidigung eine Rück-

weisung der Sache zur neuen Beurteilung als angezeigt. Eventualiter wird das 

Berufungsgericht ersucht, sämtliche beantragten und sich anderweitig aus den 

Akten ergebenden Untersuchungshandlungen und Beweisabnahmen selbst vor-

zunehmen (Urk. 70 S. 5, 15). 

1.2 Die Staatsanwaltschaft verweist für ihren Antrag auf Abweisung der Be-

weisanträge insbesondere auf die diesbezüglichen Erwägungen im angefochte-

nen Urteil (Urk. 68 Erw. I. 3.1-3.3, 3.5). Überdies verneint sie zum Beweisantrag 1 

unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_676/2016 vom 16. Februar 

2017 E. 3.3, dass in jedem Fall schuldrelevanter Trunkenheit ein forensisch-

psychiatri-sches Gutachten zu erstellen sei. Die Beweisanträge 2 und 3 beschla-

gen gemäss der Staatsanwaltschaft sodann Tatsachen bzw. Themen, zu denen 

bereits Beweis abgenommen wurde oder die der richterlichen Beweiswürdigung 

unterliegen (Urk. 75 und Urk. 81). 

1.3 Die Berufung nach Art. 398 ff. StPO ist ein reformatorisches Rechtsmittel 

(BBl 2006 1318). Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil (Art. 408 StPO). Eine Rückweisung an die Vorinstanz drängt sich 

lediglich auf, wenn das erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, 

die im Berufungsverfahren nicht geheilt werden können (Art. 409 Abs. 1 StPO). 

Es geht vorab um Fälle, in denen grundlegende Verfahrensregeln zum Nachteil 

-  9  - 

des Berufungsklägers verletzt wurden. Der Umstand, dass das Berufungsgericht 

weitere Beweise abnimmt bzw. deren Abnahme für notwendig hält, führt nicht  au-

tomatisch zur Anwendung von Art. 409 StPO. Die Bestimmung greift nur, wenn 

die Fehler des erstinstanzlichen Verfahrens und Urteils derart gravierend sind, 

dass die Rückweisung zur Wahrung der Parteirechte unumgänglich erscheint (Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 3.3.3). Als wesent-

liche Mängel im Sinne von Art. 409 StPO zu nennen sind etwa: nicht richtige Be-

setzung des Gerichts, Verletzung des Anklageprinzips, fehlende Zuständigkeit, 

unterbliebene korrekte Vorladung, Verweigerung des rechtlichen Gehörs auf an-

dere Weise, nicht gehörige Verteidigung, Abstützen des Urteils auf nicht verwert-

bare Beweise, unterbliebene Behandlung bzw. Beurteilung aller Anklagepunkte. 

Das Berufungsgericht kann den Sachverhalt neu feststellen und allfällige  

(punktuelle) Beweisergänzungen selber vornehmen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_362/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 8.4.2). Der Charakter der Berufung 

als ordentliches und vollkommenes Rechtsmittel bringt es mit sich, dass sich die 

Berufungsinstanz unter Umständen mit neuen Behauptungen und Beweisen zu 

Tat- und Rechtsfragen auseinandersetzen muss, für deren Beurteilung alsdann 

nur eine Instanz zur Verfügung steht (Schmid/Jositsch, Handbuch des schweize-

rischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz 1576 f., S. 705 f.; BSK StPO-

Eugster, 2. Aufl. Basel 2014, Art. 409 N 1). 

1.4 Bei der gegebenen Ausgangslage – die Beweisanträge basieren auf den 

durch die Verteidigung behaupteten wesentlichen Verfahrensmängeln bei der  

Vorinstanz – rechtfertigt sich zunächst eine Prüfung der Beweisanträge. Hierzu ist 

es unerlässlich, bereits hier auf Teile des eingeklagten Sachverhalts (vgl. Urk. 24; 

Urk. 68 S. 9 f.) einzugehen. Sollten die Beweisanträge abzuweisen sein, würde 

sich auch die Frage einer Rückweisung an die Vorinstanz nicht mehr stellen und 

der diesbezügliche Antrag wäre ebenfalls abzuweisen. 

 

 

 

-  10  - 

2. Beweisanträge 

Die Beweisanträge lauten wie folgt (Urk. 70 S. 2 f.; Prot. II S. 8):  

  "1. Es sei ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Berufungsführers zum Zeitpunkt 
des untersuchten Vorfalls und zur allfälligen Notwendigkeit einer Weisung be-
treffend Alkoholabstinenz in Auftrag zu geben.  

   2. Es sei ein neues Gutachten zur körperlichen Untersuchung betr. den Ge-
schädigten B._____ einzuholen, welches unter anderem auch folgende Fra-
gen beantwortet: 

   - Könnte die im IRM-Gutachten vom 17. August 2018 betr. den Geschä-
digten B._____ erwähnte Quetsch-Risswunde an der rechten Seite der 
Stirn des Geschädigten von Faustschlägen und/oder Fusstritten herrüh-
ren? 

   - Sind die im IRM-Gutachten vom 17. August 2018 betr. den Geschädig-
ten B._____ genannten Verletzungen des Geschädigten vereinbar mit 
den Schilderungen der Hauptbelastungszeugen, namentlich den Be-
hauptungen, 

o dass mehrere Personen zahlreiche Faustschläge und Fuss-
tritte mit voller Wucht (10 auf einer Skala von 1 bis 10) gegen 
den Kopf des Geschädigten ausgeführt hätten, 

o dass zudem eine Person mit einer massiven, halbvollen 1-
Liter-Bacardi-Flasche mehrere Male mit voller Wucht (10 auf 
einer Skala von 1 bis 10) auf den Kopf des reglos am Boden 
liegenden Geschädigten geschlagen habe, so dass die Fla-
sche am Schädel des Geschädigten zerbrochen sei, und 

o dass die Person mit der angebrochenen Flasche in der Hand 
weiterhin mehrere Male ("sicher zweimal") "mit voller Wucht" 
damit auf den Kopf des Geschädigten eingeschlagen habe? 

   3. Es seien 

   - der Geschädigte B._____, 

   - die Zeugin D._____ sowie 

   - der Zeuge E._____ 

   vom Berufungsgericht zu befragen." 

 

-  11  - 

2.1 Beweisantrag 1 – Gutachten zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten  

2.1.1 Die Verteidigung begründet den Beweisantrag 1 zusammengefasst wie 

folgt: Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Vorinstanz seien von einer ver-

minderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten ausgegangen. Dabei habe es die 

Vorinstanz trotz Vorliegens eines entsprechenden Beweisantrages entgegen der 

Gerichtspraxis unterlassen, eine Begutachtung des Beschuldigten anzuordnen. 

Es bestünden entgegen der Ansicht der Vorinstanz gewichtige Anhaltspunkte für 

eine volle Schuldunfähigkeit, weshalb es notwendig sei, einen Sachverständigen 

beizuziehen und ein Schuldfähigkeitsgutachten anzuordnen. Dabei bestehe auf-

grund des von den beiden Hauptbelastungszeugen beschriebenen extremen Ver-

haltens des Beschuldigten unter Alkoholeinfluss auch Bedarf nach einem Gutach-

ten über die Notwendigkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz (Urk. 70 

S. 6 ff.).  

2.1.2 Die Vorinstanz wies im angefochtenen Urteil den Beweisantrag eines Gut-

achtens zur Schuldfähigkeit mit der Begründung ab, dass aufgrund mehrerer 

Zeugenaussagen über den Zustand des Beschuldigen zum Tatzeitpunkt, der 

diesbezüglichen medizinischen Akten sowie aufgrund seines Tatvorgehens und 

des Verhaltens des Beschuldigten nach der Tat kein Anlass bestehe, daran zu 

zweifeln, dass der Beschuldigte bis zu einem gewissen Grade noch steuerungs- 

und einsichtsfähig gewesen sei. Beim Beschuldigten sei auch keine erhöhte An-

sprechbarkeit für Alkohol und auch kein bewusster Konsum geltend gemacht oder 

festgestellt worden, um in intoxikiertem Zustand Delikte zu begehen. Insgesamt 

würden genügend gewichtige Gegenindizien bestehen, welche eine Schuldun-

fähigkeit sowie die Notwendigkeit einer Weisung ausschliessen, sodass die Erfor-

derlichkeit einer Begutachtung verneint werden könne (Urk. 68 S. 6 f.). In ihren 

Erwägungen zur Schuldfähigkeit kam die Vorinstanz sodann zum Schluss, dass 

der Beschuldigte bis zu einem gewissen Grad noch steuerungsfähig und voll ein-

sichtsfähig gewesen sei, wobei sie allerdings im gleichen Abschnitt wenige Zeilen 

später von verminderter Einsichtsfähigkeit sprach (vgl. Urk. 68 S. 40; [wohl aber 

Schuldfähigkeit meinte]). Bei der Strafzumessung hielt die Vorinstanz sodann fest, 

es sei von einer selbstverschuldeten Trunkenheit auszugehen. Die Verminderung 

-  12  - 

der Schuldfähigkeit umschrieb die Vorinstanz als erheblich, und sie wies unter 

Bezugnahme auf Art. 263 StGB (Begehung einer Tat in selbstverschuldeter 

Schuldunfähigkeit) darauf hin, dass es auf der Hand liege, dass sich eine er-

hebliche Verminderung der Schuldfähigkeit, die selbstverschuldet herbeigeführt 

worden sei, bei der subjektiven Verschuldensbewertung auch weniger auswirke, 

als wenn es am entsprechenden Selbstverschulden fehle (Urk. 68 S. 43 f.).  

2.1.3 Gemäss Art. 20 StGB ordnet die Untersuchungsbehörde oder das Gericht 

die sachverständige Begutachtung durch einen Sachverständigen an, wenn 

ernsthafter Anlass besteht, an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln. Eine 

Begutachtung ist nicht nur erforderlich, wenn Untersuchungsbehörde oder Gericht 

tatsächlich berechtigte Zweifel an der Schuldfähigkeit haben, sondern auch dann, 

wenn sie solche nach den Umständen des Falles haben müssten. Entscheidend 

ist die objektive Sachlage (BSK StGB I-Bommer, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 20 
N 9 mit Hinweisen u.a. auf BGE 133 IV 145, 147 E. 3.3.; BGE 132 IV 29, 37 

E. 5.1; BGE 119 IV 120 E. 2a). Das Bundesgericht hat es indessen für zulässig 

erklärt, auf die Anordnung eines Gutachtens zu verzichten, wenn keine ernst-

haften Zweifel an einem Rest von noch erhaltener Schuldfähigkeit bestehen (mit 

Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts, KassH vom 7.5.2002, Pra 2002 Nr. 157, 

845; BSK StGB I-Bommer, a.a.O., Art. 20 N 20). Auch lehnt es das Bundesgericht 

ab, aus der alleinigen Tatsache der Alkoholisierung bei der Verübung einer Straf-

tat auf eine Pflicht zur Begutachtung zu schliessen. Die Begehung der Tat in an-

getrunkenem Zustand bildet noch keinen Grund, um an der Schuldfähigkeit des 

Täters zu zweifeln, wenn ausser der Blutalkoholkonzentration keine weiteren Indi-

zien bestehen (BGE 107 IV 3, 6 E. 1c; BGE 91 IV 64, 68 E. 2). Die Vermutung für 

eine Verminderung der Schuldfähigkeit kann laut Bundesgericht auch bei einer 

hohen Blutalkoholkonzentration im Einzelfall durch Gegenindizien umgestossen 

werden (BGE 122 IV 50; Urteile 6B_676/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.3; 

6B_55/2013 vom 11. April 2013 E. 2.3.1).  

2.1.4 Die Ausführungen und das Fazit im angefochtenen Urteil, dass vorliegend 

von einem Gutachten zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten abgesehen werden 

-  13  - 

kann (vgl. vorne 2.1.2), sind zu teilen. Im Einklang mit der Vorinstanz (Urk. 68 

S. 6 f.) und teilweise ergänzend ist das Folgende festzuhalten:  

Bei einer Blutalkoholkonzentration von 2-3 Gewichtspromille fällt eine Vermin-

derung der Schuldfähigkeit in Betracht (BGE 122 IV 49, E. 1b; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_676/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.3). Gemäss Skala der gängigen 

pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) 

besteht bei einer Blutalkoholkonzentration in diesem Bereich ein "Rausch" bzw. 

"schwerer Rausch", wobei von deutlichen Gang- und Sprachstörungen, allgemei-

nem Persönlichkeitsabbau und Bewusstseinseinengung auszugehen ist. Bei einer 

3 Gewichtspromille übersteigenden Blutalkoholkonzentration ist grundsätzlich von 

einem "Vollrausch" auszugehen mit den Symptomen einer schweren Störung der 

Orientierung (zu Person, Zeit, Ort), Torkeln und Lallen sowie zunehmender Be-

nommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit (vgl. dazu Urk. 8/4 S. 3). Der Blut-

alkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit allerdings 

keine ausschlaggebende Bedeutung zu. Sie bietet lediglich eine Orientierungs-

hilfe. Die Rechtsprechung geht im Sinne einer groben Faustregel davon aus, dass 

bei einer Blutalkoholkonzentration von unter 2 Gewichtspromille in der Regel kei-

ne Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit besteht und dass bei einer solchen von 

3 Promille und darüber meist Schuldunfähigkeit vorliegt (BGE 122 IV 49 E. 1b 

S. 50 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_725/2009 vom 26. November 

2009 E. 2.2 und 6S.17/2002 vom 7. Mai 2002 E. 1c/aa, in: Pra 2002 Nr. 157 

S. 845). Die im Regelfall bestehende Vermutung, dass bei einer Blutalkoholkon-

zentration im Bereich von zwischen 2 und 3 Gewichtspromille eine Verminderung 

der Schuldfähigkeit gegeben ist und dass bei einer Blutalkoholkonzentration von 

3 Gewichtspromille oder mehr Schuldunfähigkeit vorliegt, kann aber durch Gegen-

indizien umgestossen werden. Konkrete Feststellungen über die Alkoholisierung 

oder Nüchternheit haben gemäss Bundesgericht prinzipiell Vorrang gegenüber 

Blutalkoholwerten. Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit 

ist der psycho-pathologische Zustand (der Rausch) und nicht dessen Ursache, die 

Alkoholisierung, welche sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. So 

kann von einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht erst 

ausgegangen werden, wenn sich psychotische Störungen des Realitätsbezugs 

-  14  - 

feststellen lassen. Dies ist der Fall bei Störungen der Orientierung mit Situations- 

und Personenverkennung sowie bei Zuständen, die von Halluzinationen oder 

Wahnvorstellungen determiniert sind, wie beispielsweise Fehlen der Ansprech-

barkeit oder fehlende Reagibilität auf Aussenreize (Urteile des Bundesgerichts 

6B_725/2009 vom 26. November 2009 E. 2.2 und 6S.17/2002 vom 7. Mai 2002 

E. 1c/aa, in: Pra 2002 Nr. 157 S. 845). Es besteht eine erhebliche Variabilität 

(BGE 122 IV 49 E. 1b S. 50 f.; Urteile 6B_676/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.3 

und 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.2, nicht publ. in BGE 141 IV 34; je 

mit Hinweisen).  

Vorliegend gibt es einen ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse des Beschuldig-

ten zum Tatzeitpunkt. Dabei wurde für die rückgerechnete Blutalkoholkonzen-

tration ein Minimalwert von 2.02 Promille und ein Maximalwert von 3.30 Promille 

ermittelt (Urk. 8/6). Zugunsten des Beschuldigten ausgehend vom Maximalwert 

und in Anlehnung an die oben erwähnte Skala müsste sich der Beschuldigte in 

einem "Vollrausch" mit schweren Orientierungsstörungen in persönlicher, zeit-

licher, örtlicher Hinsicht und gar schon (ab 3,5 Promille) in der Nähe von Lebens-

gefahr durch Alkoholvergiftung sowie Gefahr des Kreislaufversagens befunden 

haben (vgl. Urk. 8/4 S. 3). Angesichts der genannten erheblichen Variabilität 

müsste sich mindestens aber ein "schwerer Rausch" mit Persönlichkeitsabbau 

und Bewusstseinseinengung oder wenigstens ein "Rausch" mit deutlichen Gang- 

und Sprachstörungen offenbart haben, zumal schon ein "Rausch" zumeist nur von 

Trinkgewohnten erreicht wird. Von alledem ist aber nichts aktenkundig.  

Im Verhaftsrapport (vgl. Urk. 15/1) – der Beschuldigte und ein weiterer mutmassli-

cher Täter (C._____, vgl. Parallelverfahren SB190376) konnten unmittelbar nach 

dem Tatgeschehen durch die Polizei arretiert werden – finden sich keinerlei Hin-

weise auf Besonderheiten der erwähnten Art. Wäre es der Fall gewesen, hätte 

dies mit Sicherheit Eingang in den Rapport gefunden. Vielmehr verlief die Verhaf-

tung ohne Probleme, der Beschuldigte wurde mündlich über den Grund der Fest-

nahme informiert und es wurde ihm ein Formular in seiner Muttersprache Tigrinya 

über seine Rechte vorgelegt (Urk. 15/1 S. 2). Dass eine Zuführung an die Polizei-

gefängnisse stattfinde, nahm er bejahend zur Kenntnis und die an ihn gerichteten 

-  15  - 

Fragen betreffend medizinische Angaben, ob er einen Arzt benötige, in ärztlicher 

bzw. psychiatrischer Behandlung stehe, Verletzungen habe oder Medikamente 

benötige, konnte er allesamt mit Nein beantworten. Am 27. Juli 2018, 08:44, mit-

hin ca. dreieinhalb Stunden nach dem eingeklagten Ereignis, diagnostizierte der 

Einsatzarzt, Dr. F._____ (vgl. Urk. 8/7), der die Hafterstehungsfähigkeit des Be-

schuldigten zu beurteilen hatte, zwar eine Alkoholintoxikation. Sein Befund lautet 

jedoch: "AZ leicht reduziert, steht problemlos auf, Stand und Gang sicher, wirkt 

müde, kooperativ. Conjunctiven stark gerötet, diskreter Alkoholfoetor. Orientiert in 

allen Qualitäten". Zum Untersuchungszeitpunkt gelangte der Arzt klinisch zu einer 

alkoholbedingten Beeinträchtigung leichten Grades. Er empfahl reichliche Flüs-

sigkeitsaufnahme (Wasser) und bejahte die Hafterstehungsfähigkeit des Beschul-

digten. Der Beschuldigte hat demnach ca. dreieinhalb Stunden nach der Tat ge-

mäss Einschätzung des ihn untersuchenden Arztes nur noch leicht beeinträchtigt 

gewirkt (Urk. 8/7; vgl. auch Urk. 15/3). Der an der Berufungsverhandlung einge-

reichte Bericht der Verteidigung zur Beurteilung der Hafterstehungsfähigkeit von 

den SOS-Ärzten, G._____ und H._____, ist ohne Bezug zum vorliegend zu beur-

teilenden Fall und damit nicht sachdienlich (Urk. 93/1).  

Neben den medizinischen Akten ergibt sich mit der Vorinstanz sodann aus den 

Aussagen von Zeugen über den Zustand des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt 

und aufgrund seines Tatvorgehens (Urk. 5/2-5), dass der Beschuldigte trotz Alko-

holisierung gezielt handelte und dass seine motorischen Fähigkeiten hierbei 

grundsätzlich erhalten waren, ebenso seine örtliche und situative Orientiertheit. 

So kickte der Beschuldigte zuerst eine am Boden abgestellte Flasche, nach wel-

cher der Privatkläger greifen wollte, weg, eilte der Flasche nach, hob sie wieder 

auf und warf sie in Richtung des Privatklägers, wobei die Flasche diesen an der 

Stirne traf und er zu Boden stürzte. Daraufhin hob der Beschuldigte die Flasche 

erneut vom Boden auf und schlug damit dem am Boden liegenden Privatkläger 

gezielt auf den Kopf. Bei Eintreffen der Polizei wollte der Beschuldigte die Flucht 

ergreifen, konnte aber zurückgehalten werden (vgl. Urk. 5/2 Fragen 18, 21, 30; 

Urk. 5/3 Fragen 4, 5, 14, 24; Urk. 5/4 Fragen 21, 35, 54; Urk. 5/5 Fragen 23, 25, 

28, 32, 35, 37, 39). Die Behauptung der Verteidigung, die Zeugen E._____ und 

D._____ hätten sich vor ihren Befragungen mutmasslich mehrmals über den Vor-

-  16  - 

fall unterhalten, ist wie noch zu zeigen sein wird, nicht stichhaltig (Urk. 94 Rz. 

25.4).  

Das geschilderte Verhalten des Beschuldigten während und nach der Tat zeigt, 

dass ein Realitätsbezug erhalten war, dass er sich an wechselnde Erfordernisse 

der Situation anpassen und auf eine Gelegenheit zur Tat warten konnte sowie 

dass er zielgerichtet (und auch koordiniert mit dem ebenfalls verhafteten Kollegen 

C._____ ; vgl. Urk. 24 S. 4) unterschiedliche Handlungen vornahm. Obwohl schon 

während der Eskalation des Streits vor Ort anwesend, mischte sich der Beschul-

digte (an der Seite des genannten und eines weitern, flüchtigen Kollegen) über-

haupt erst ab einem spezifischen Moment aktiv ins Geschehen ein, nämlich, als 

der Privatkläger, mutmasslich zur eigenen Verteidigung, eine am Boden deponier-

te Flasche ergreifen wollte. Das deutet auf einen spontanen Entscheid zur Tat. 

Nicht zuletzt versuchte der Beschuldigte situationsadäquat zu fliehen, als die  La-

ge durch Erscheinen der Polizei für ihn heikel geworden war. Im Täterverhalten 

findet sich somit eine Palette von Gegenindizien, aufgrund welcher die durch die 

Alkoholisierung bestehende Vermutung einer schweren Verminderung der 

Schuldfähigkeit oder gar einer Schuldunfähigkeit umgestossen wird. Daraus ist zu 

schliessen, dass eine schwere Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit nicht vorge-

legen hat (BGE 133 IV 145 E. 3.3 mit Hinweisen; BGE 132 IV 29 E. 5.1; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1101/2013 vom 26. Mai 2014 2.3.3, 6B_201/2013 vom 

20. Juni 2013 E. 1.2.2 und 6B_55/2013 vom 11. April 2013 E. 2.3.1). Daran ver-

mag auch die Behauptung der Verteidigung, im Tatzeitpunkt habe beim Beschul-

digten eine sehr deutliche von seinem Normalzustand bzw. seiner Persönlichkeit 

abweichende Beeinträchtigung – ein tadelloses Verhalten des Beschuldigten vor 

und nach dem inkriminierten Vorfall – vorgelegen, nichts zu ändern (Urk. 94 

Rz. 25.2 und 25.4). Vielmehr ist nach dem Dargelegten übereinstimmend mit der 

Vor-instanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte bis zu einem gewissen 

Grad noch steuerungs- und einsichtsfähig war.  

An diesen Feststellungen ändert zudem nichts, dass der Zeuge E._____ das Tä-

tervorgehen gegenüber dem Privatkläger, namentlich die Schläge gegen dessen 

Kopf (nicht nur des Beschuldigten, sondern aller drei Eritreer) als besonders bru-

-  17  - 

tal empfand und entsprechend beschrieb (Urk. 70 S. 7, 9; Urk. 5/3). Zu beurteilen 

ist vorliegend das eingeklagte Tatverhalten des Beschuldigten (Urk. 24 S. 3 f.). 

Abgesehen davon ist wutentbranntes und wuchtiges Zuschlagen selbst auf ein 

reglos daliegendes Opfer, insbesondere in der Gruppendynamik unter Jugendli-

chen und jungen Erwachsenen, (leider) ein nicht seltenes Phänomen. Es bedarf 

dazu weder vorgängigen übermässigen Alkoholkonsums noch lässt sich aus der-

artigem Verhalten Schuldunfähigkeit ableiten.  

Zusammengefasst ist – trotz Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt – aufgrund der 

zahlreichen Gegenindizien in verschiedenen Stadien des Geschehens rechtsge-

nügend erwiesen, dass ein Realitätsbezug vorhanden war und dass dement-

sprechend keine schwere Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit vorgelegen 

hat. Es rechtfertigt sich im Ergebnis mit der Vorinstanz, von (nicht mehr als) einer 

erhebliche Verminderung der Schuldfähigkeit auszugehen. Dass ein Gutachter 

vorliegend zu einem abweichenden Ergebnis, namentlich zu einer schwer-

gradigen Verminderung der Schuldfähigkeit oder sogar einer Schuldunfähigkeit 

gelangen könnte, erscheint in Anbetracht der geschilderten Sachlage sowie im 

Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht vorstellbar. Selbst wenn es 

so wäre, vermöchte das Gutachten die dargelegte richterliche Überzeugung nicht 

zu erschüttern. Der Antrag der Verteidigung, ein Gutachten zur Schuldfähigkeit 

des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt einzuholen, ist demgemäss abzuweisen.  

Im Übrigen lassen sich der Nachweis und die Einstufung der verminderten 

Schuldfähigkeit nicht mit exakten naturwissenschaftlichen Methoden objektivieren. 

Die forensische Psychiatrie ist nicht in der Lage, ein mathematisch exaktes Mess-

system anzubieten, weshalb ein Gutachter den Grad der Herabsetzung nicht mit 

einem bestimmten Prozentsatz festlegen kann. In der Praxis hat sich daher eine 

pragmatische Dreiteilung (leichte, mittlere oder schwere Verminderung) einge-

spielt. Ein Gutachter ist daher (nur) gehalten, im Falle verminderter Schuldfähig-

keit zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Herabsetzung zu unterschei-

den (BGE 136 IV 55 E. 5.6; BGE 134 IV 132 E. 6.2; BGE 106 IV 242).   

Auch das Gericht ist nicht verpflichtet, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie 

es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 127 IV 101 E. 2c 

-  18  - 

S. 104 f. mit Hinweisen). Bereits von daher ist es abzulehnen, bei der Verminde-

rung der Schuldfähigkeit einen genauen Raster etwa von 75 %, 50 % und 25 % 

oder eine lineare Abstufung zu verlangen (was bereits in BGE 76 IV 34 E. 2 S. 38 

als "offensichtlich verfehlt" bezeichnet wurde). Andernfalls wäre der Richter ge-

halten, eine vom psychiatrischen Gutachter vorgegebene grobe Einschätzung 

willkürlich einzuengen.  

Anzufügen bleibt, dass beim Beschuldigten weder eine Debilität noch eine psy-

chische Störung ersichtlich ist, welche gutachterlich abzuklären wäre, und vom 

Beschuldigten auch nicht geltend gemacht wird. Zwar führte der Verteidiger vor 

Vorinstanz aus, der Beschuldigte bekunde Mühe, bei einer Befragung zwischen 

Fragen zu unterscheiden, die man beantworten bzw. nicht beantworten soll. Aller-

dings sei dieses Verhalten auf sprachliche Schwierigkeiten und die Nervosität des 

Beschuldigten zurückzuführen (Prot. I S. 19, Ergänzung 2). Das trifft im Übrigen 

auf eine grosse Zahl beschuldigter Personen zu. In beiden Gerichtsinstanzen wa-

ren bei der Befragung des Beschuldigten darüber hinaus aber keine Anhaltspunk-

te für eine entscheidrelevante Beeinträchtigung seiner geistigen Verfassung 

wahrnehmbar.  

Im Weiteren besteht auch kein Anlass, ein Gutachten über die Notwendigkeit ei-

ner Weisung betreffend Alkoholabstinenz einzuholen. Beim Beschuldigten 

ist keine erhöhte Ansprechbarkeit für Alkohol und auch kein bewusster Konsum, 

um in intoxikiertem Zustand Delikte zu begehen, geltend gemacht oder festgestellt 

worden. So verneinte der Beschuldigte selber in der polizeilichen Befragung vom 

28. Juli 2018, öfters betrunken zu sein (Urk. 3/1, Antwort auf Frage 11). Auch die 

Verteidigung geht von einer niedrigen Alkoholgewöhnung aus, da der Beschuldig-

te grundsätzlich weder regelmässig (nicht täglich und auch nicht jede Woche) 

noch übermässig Alkohol trinkt (Urk. 13/8 S. 1). Ebenso wenig liegen Vorstrafen 

wegen Delikten vor, die im Zustand erheblicher Trunkenheit begangen worden 

wären. Unter diesen Umständen ist nicht einsehbar, weshalb ein Bedarf nach ei-

nem Gutachten über die Notwendigkeit einer Weisung betreffend Alkoholabsti-

nenz bestehen sollte. Abgesehen davon sind es nicht die Trinkgewohnheiten des 

Beschuldigten, die einer richterlichen Würdigung zu unterziehen sind. Mass-

-  19  - 

gebend ist vielmehr ein Würdigung des konkreten Tatvorgehens und damit des 

Beweisergebnisses, welches Rückschluss auf den Grad der Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten zulässt. Auch dieser Beweisantrag – Einholung eines Gutachtens 

zur allfälligen Notwendigkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz – ist folg-

lich abzuweisen.  

2.1.5 Der Beweisantrag 1 ist abzuweisen. 

2.2 Beweisantrag 2 – Neues Gutachten zur körperlichen Untersuchung 
    des Privatklägers  

2.2.1 Die Verteidigung begründet diesen Beweisantrag im Wesentlichen damit, 

dass die im IRM-Gutachten vom 17. August 2018 zur körperlichen Untersuchung 

des Privatklägers (Urk. 6/4) dokumentierten Verletzungen nicht mit den entspre-

chenden Zeugenaussagen vereinbar seien, dass dem Gutachten ein unrichtiger 

resp. unvollständiger Sachverhalt zugrunde liege, etwa indem die Faustschläge 

des Kollegen C._____ gegen den Kopf des Privatklägers nicht vermerkt seien und 

dass die Gutachterinnen den Konjunktiv benützen würden (Urk. 70 S. 8-10; vgl. 

auch Urk. 94 Rz. 13.3 und 25.4).  

2.2.2 Die Ärztinnen des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) verfügten für das Gut-

achten über diverse Grundlagen: Mündlicher Auftrag vom 27. Juli 2018 zur kör-

perlichen Untersuchung erteilt durch den Staatsanwalt, Austrittsbericht vom 

27. Juli 2018 betreffend Hospitalisation im Universitätsspital Zürich, Anamnese 

und Rechtsmedizinische Untersuchung, Fotodokumentation durch das Forensi-

sche Institut Zürich (FOR) und mündliche Angaben zum Fall, mitgeteilt von 

I._____ (Detektivposten … [Ortschaft], Stadtpolizei Zürich). Die Sachverhaltsan-

gaben des Staatsanwalts lauten dahin, der Privatkläger sei am Morgen des 27. 

Juli 2018 gegen 5:00 Uhr vom Beschuldigten und dessen Kollegen, C._____ , 

mehrfach mit einer Glasflasche gegen den Kopf geschlagen und getreten worden 

(Urk. 6/4 S. 2). Die Angaben zum Sachverhalt des Stadtpolizisten I._____ sind 

ebenfalls aktenkundig: Danach wurde der Privatkläger von den Angreifern mit 

Fäusten, Füssen und einer Flasche attackiert und hat sich dabei Kopfver-

letzungen (2 RQW [Riss-Quetschwunden], Fraktur am Nasenbein) zugezogen 

-  20  - 

(Urk. 6/2). Es ist ohne Weiteres davon auszugehen, dass sich das Niederge-

schriebene mit dem mündlich gegenüber dem IRM Kommunizierten deckt. Die 

Expertinnen hatten also Kenntnis, dass Fusstritte, Faustschläge und Schläge mit 

einer Flasche zur Diskussion standen. Es lag ihnen zwar ein kurzer, aber nicht ein 

unvollständiger Sachverhalt vor.  

Die dokumentierten Verletzungen am Kopf – 4 cm lange Riss-Quetschwunde in 

der behaarten Kopfhaut rechts und 3 cm lange Riss-Quetschwunde an der Stirn 

rechts, je mit Einblutungen in die Kopfhaut, sowie der mehrteilige Nasenbeinbruch 

(Urk. 6/4 S. 2 f.) – fanden Eingang in die Anklage (Urk. 24 S. 5). Ebenfalls Ankla-

gegegenstand bilden Faustschläge und Fusstritte durch den Mitbeschuldigten 

C._____ ins Gesicht des Privatklägers, ein Flaschenwurf an den Kopf (Stirne) des 

Privatklägers durch den Beschuldigten und mindestens zwei Schläge mit noch 

ganzer Flasche auf den Kopf des Privatklägers durch den Beschuldigten. Laut 

Beurteilung der Expertinnen kann die Riss-Quetschwunde an der Stirn rechts auf 

die Einwirkung von stumpfer Gewalt zurückgeführt werden, wobei eine Entste-

hung durch Schlagen mit einem stumpfen Gegenstand wie zum Beispiel mit einer 

unzerbrochenen Flasche möglich erscheint. Ebenso kann die Wunde mit dem Er-

eigniszeitraum in Einklang gebracht werden. Auch hinsichtlich der zweiten Riss-

Quetschwunde an der Kopfhaut wird eine Entstehung im Rahmen einer stumpfen 

Gewalteinwirkung als denkbar erachtet. Zuletzt kann auch der festgestellte Na-

senbeinbruch gemäss den Gutachterinnen als Folge der Einwirkung von stumpfer 

Gewalt interpretiert werden. Geformte Anteile, die auf die Einwirkung eines kon-

kreten Gegenstandes schliessen liessen, waren jeweils nicht abgrenzbar (Urk. 6/4 

S. 4 f.).  

Demnach wurde stumpfe Gewalt bzw. stumpfe Gewalteinwirkung – wie etwa, 

aber nicht nur, ein Schlagen mit einer unzerbrochenen Flasche, was einem 

stumpfen Gegenstand entspricht – als Verletzungsursache eruiert. Weitergehen-

der Abklärungen (über andere mögliche Ursachen) oder gar der Zuordnung einer 

konkreten Verletzung zu einer bestimmten Ursache bedarf es nicht. Entscheidend 

ist sodann, dass die eingeklagten Verletzungen mit dem in der Anklage geschil-

derten Tatvorgehen vereinbar sind. Eine Vereinbarkeit der genannten Verletzun-

-  21  - 

gen mit nicht in der Anklage enthaltenen Tatbeschreibungen einzelner Zeugen 

(hier zum Beispiel betreffend Heftigkeit der Schläge, Schlägen mit einer halb-

vollen Flasche oder einer bereits angebrochenen Flasche) steht nicht zur Debatte.  

2.2.3 Der Beweisantrag 2 ist abzuweisen.  

2.3 Beweisantrag 3 – Diverse Einvernahmen  

2.3.1 Erneute Zeugeneinvernahmen von D._____ und E._____ 

Die Verteidigung führt an, es bestünden erhebliche Inkonsistenzen in und zwi-

schen den bisherigen Aussagen der beiden Hauptbelastungszeugen und auch je-

nen des Privatklägers. Daher sei es unumgänglich, dass die Personen vom urtei-

lenden Gericht direkt befragt würden, damit sich dieses ein unmittelbares eigenes 

Urteil über deren Glaubwürdigkeit und über die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

machen könne.  

Vor Vorinstanz verlangte die Verteidigung erneute Befragungen wegen mangel-

hafter Identifizierung des Beschuldigten und weil der Staatsanwalt dennoch damit 

fortgefahren habe, vom Beschuldigten als von "A._____" zu sprechen. Die Vo-

rinstanz (vgl. Urk. 68 S. 7 f.) lehnte erneute Befragungen des Privatklägers und 

der Zeugin D._____ (im Folgenden: D._____) ab, da keine neuen Erkenntnisse zu 

erwarten seien. Sie erwog dazu zum einen, es hätten mehrere Zeugen den Vorfall 

beobachtet, worauf die Zeugin D._____ den Beschuldigten bis zum Eintreffen der 

Polizei und dessen Verhaftung an der Flucht gehindert habe (Urk. 5/2, Fragen 23 

und 30). Mithin sei der Beschuldigte in flagranti als Täter dingfest gemacht wor-

den. Eine spätere Bezeichnung des Beschuldigten mit Namen könne vom Privat-

kläger oder der Zeugin D._____, welche den Beschuldigten beide nicht gekannt 

hätten, nicht erwartet werden. Immerhin habe die Zeugin D._____ den Beschul-

digten, welcher mit der Flasche geschlagen und dem sie den Fluchtweg abge-

schnitten habe, mehrfach als den "Kleinen" bezeichnet im Vergleich zu den ande-

ren beiden involvierten Eritreern (Urk. 5/2, Fragen 30 und 31; Urk. 5/4, Fragen 20 

und 21). Zweitens seien nebst den Aussagen des Privatklägers sowie der Zeugin 

D._____ insbesondere diejenigen des Zeugen E._____ (im Folgenden: E._____; 

-  22  - 

vgl. Urk. 5/3 und 5/5) heranzuziehen. Dieser könne aufgrund seiner differenzier-

ten Aussagen als Hauptbelastungszeuge gelten und habe den Beschuldigten 

als Täter hinreichend identifiziert (Urk. 5/4, Frage 12). Diese Ausführungen der 

Vorinstanz sind zutreffend. An der Identifikation und der Täterschaft des Beschul-

digen bestehen keine Zweifel. Kurz gesagt steht aufgrund der Zeugenaussagen 

fest, dass sowohl die Zeugin D._____ als auch der Zeuge E._____ den Beschul-

digten je anhand von vier Kriterien beschrieben haben: Körpergrösse, Farbe 

Oberbekleidung, Attribut Flasche, Reihenfolge des Hinzukommens bzw. Beteili-

gung an der Auseinandersetzung. Ihrer einhelligen Darstellung ist je mehrfach zu 

entnehmen, dass es sich beim Beschuldigten um den Kleinsten der drei Eritreer 

handelte, dass er ein schwarzes Hemd resp. T-Shirt trug, dass er es war, der die 

Flasche aufhob und warf bzw. damit den Privatkläger schlug und schliesslich, 

dass nicht der Beschuldigte den Streit ausgelöst hatte, sondern der Mitbeschul-

digte C._____ mit weissem T-Shirt der Provokateur und damit der Streitauslöser 

gewesen war (vgl. Urk. 5/2 - 5/5). Auch gemäss dem Privatkläger trug der Be-

schuldigte ein schwarzes T-Shirt, im Gegensatz zum in weissem T-Shirt gekleide-

ten Provokateur, dem Mitbeschuldigten C._____ . Ebenso unterschied der Privat-

kläger den Beschuldigten vom dritten (unbekannt gebliebenen) Täter, namentlich 

hinsichtlich wiederum klar abweichender Hemdfarbe sowie unterschiedlichem 

Kopfhaar/Haarwuchs (Urk. 4/1 S. 2 und 4/2). Schliesslich anerkannte auch der 

Beschuldigte auf Vorhalt der Ganzkörperfotografie nach der Verhaftung, wo er ein 

schwarzes Hemd oder T-Shirt trägt, dass er in der Tatnacht so ausgesehen habe 

(Urk. 3/2 S. 5). Wenn der Staatsanwalt in den Zeugeneinvernahmen und den  Be-

fragungen des Privatklägers den Beschuldigten mit seinem korrekten Namen be-

zeichnete, obwohl die Befragten diesen nicht wussten, besteht kein Grund zu Be-

anstandung, hatte sich die in der genannten Weise umschriebene Person doch 

fraglos als der Beschuldigte "A._____" herausgestellt.  

Den Aussagen der Zeugen D._____ und E._____ ist weiter unmissverständlich zu 

entnehmen, dass es sich um eine grössere/grosse und massive Glasflasche han-

delte, welche der Beschuldigte nach dem Privatkläger geworfen und ihm damit 

anschliessend auf den Kopf geschlagen hatte. Ob Bacardi oder Malibu ist ohne 

Belang (Urk. 5/2 Fragen 21 f., 25; Urk. 5/3 Fragen 4-6, 22; Urk. 5/4 Fragen 20, 36-

-  23  - 

38, 55; Urk. 5/5 Fragen 19, 23-28, 35-37). Eine kleine Bierflasche oder eine Plas-

tikflasche als Wurf- und Schlaginstrument fallen ausser Betracht, zumal letztere 

nicht zersplittern bzw. zerbersten kann. Fraglos massiv war sie auch deshalb, weil 

sie vorerst beim Schlittern bzw. Landen auf dem Asphalt noch nicht zerbrach. Es 

besteht kein weiterer Klärungsbedarf. 

Dafür, dass sich die beiden Zeugen beim Warten auf dem Polizeiposten hinsicht-

lich ihrer Aussagen abgesprochen haben könnten, wie die Verteidigung mut-

masst, und auch aus diesem Grund nochmals zu vernehmen seien (vgl. Urk. 70 

S. 14; Urk. 94 Rz. 16 und 25.4), bestehen keine Anhaltspunkte. Dagegen spricht 

nur schon der Umstand, dass selbst zum weitestgehend übereinstimmend ge-

schilderten Kerngeschehen ihre Aussagen im Wortlaut nicht etwa deckungsgleich 

ausfielen, aber je für sich kohärent, authentisch und glaubhaft sind. Darüber hin-

aus differieren ihre Schilderungen in Nebenaspekten auch teilweise, was be-

kräftigt, dass selber Beobachtetes zur Protokoll gegeben wurde, dies aus ver-

schiedenem Blickwinkel und subjektiver Wahrnehmung. Abgesehen davon traf die 

Zeugin D._____ zeitlich etwas später am Ort des Geschehens ein, während der 

Zeuge E._____ die ganze Auseinandersetzung von Beginn weg miterlebt hatte. 

Zudem haben auf Ergänzungsfragen der Verteidigung beide Zeugen ausgeführt, 

im Warteraum bei der Polizei miteinander über Aggressivität diskutiert zu haben, 

auch über Alkohol und was in der Stadt im Kreis 4 alles passiere und dass es 

nicht gut sei, gewalttätig zu sein (Urk. 5/4 Fragen 72 ff.; Urk. 5/5 Fragen 59 ff.). Es 

fehlt an jeglichen Hinweisen, dass sich die Zeugen über diesen allgemeinen Aus-

tausch hinaus auch zum vorliegenden Fall unterhalten und/oder gar Absprachen 

getroffen haben könnten. Fehlt somit auch ein Grund zur Befürchtung vorgängiger 

Verständigung, bedarf es auch unter diesem Gesichtspunkt keiner erneuten Be-

fragungen.  

Der Beweisantrag auf erneute Befragung der Zeugen D._____ und E._____ ist 

abzuweisen.  

 

 

-  24  - 

2.3.2 Erneute Befragung des Privatklägers B._____ als Auskunftsperson  

Dem Antrag auf eine weitere Befragung des Privatklägers ist ebenfalls nicht zu 

entsprechen. Im Gegensatz zu den Zeugen konnte er die Attacke gegen sich 

nicht ohne unmittelbare Betroffenheit aus der Distanz verfolgen. So hielt er in der 

zweiten Phase des Tatgeschehens (vgl. Urk. 24 S. 4 Ziffern 2 und 3) wegen der 

Tätermehrheit und damit den Angriffen von allen Seiten zum eigenen Schutz bald 

die Hände vor sein Gesicht, weshalb ihm die Sicht auf die Ereignisse praktisch 

verunmöglicht war. Insbesondere als er am Boden lag, konnte er Schläge jegli-

cher Art, klarerweise auch jene mit der Flasche, nicht mehr sehen, sondern nur 

spüren, namentlich am Kopf vorne und hinten und an der Nase (Urk. 4/1 S. 2; 

Urk. 4/2 Fragen 75 ff., 81, 83, 85, 89, 92). Unter all diesen Umstände wären durch 

eine erneute Befragung ohnehin keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, ab-

gesehen davon, dass die Zeugenaussagen D._____ und E._____ zum Kernge-

schehen bereits rundum überzeugen. 

Der Beweisantrag auf nochmalige Befragung des Privatklägers B._____ als Aus-

kunftsperson ist abzuweisen.  

3. Fazit Beweisanträge der Verteidigung 

Gestützt auf die obigen Erwägungen erscheint es zur Beurteilung des Sachver-

halts weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht notwendig, zusätzliche 

Beweise abzunehmen. Die Beweisanträge der Verteidigung sind somit abweisen 

(Art. 331 Abs. 3 StPO). Da folglich keine wesentlichen Verfahrensmängel im erst-

instanzlichen Verfahren ersichtlich sind, fehlt es auch an der Voraussetzung einer 

allfälligen Rückweisung der Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz.  

4. Fazit Hauptantrag der Verteidigung 

Nachdem die Beweisanträge abzuweisen sind, stellt sich auch die Frage einer 

Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz zur Neubeurteilung nicht mehr. 

Der Hauptantrag der Verteidigung ist abzuweisen.  

  

-  25  - 

III. Schuldpunkt – Sachverhaltserstellung 

1. Anklagevorwurf   

Der Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift vom 30. November 2018 

(Urk. 24) und ist auch im vorinstanzlichen Urteil zusammengefasst (Urk. 68 S. 9 

f.). Die eingeklagte Tat wird dem Beschuldigten sowie dem Mitbeschuldigten  

C._____ (nachfolgend: C._____ ; vgl. separates Verfahren SB190376) vorgewor-

fen. Eine dritte Täterschaft ist unbekannt geblieben.  

2. Standpunkt des Beschuldigten 

Der Beschuldigte verweigerte in den Einvernahmen bei der Polizei, bei der 

Staatsanwaltschaft, vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren sämtliche 

Aussagen zum Tathergang (Urk. 3/1-2; Urk. 2/3; Prot. I S. 11 f.; Urk. 92 S. 7 f.). 

Vor Vorinstanz führte sein amtlicher Verteidiger aus, die Erinnerungen des Be-

schuldigten an die Geschehnisse in der fraglichen Nacht seien sehr schwach und 

sehr lückenhaft. Heutige Erinnerungen würden weitgehend auf (voneinander ab-

weichenden) Schilderungen anderer Personen beruhen. Der Beschuldigte wäre 

nicht in der Lage, zwischen selber Erlebtem bzw. Wahrgenommenen und im 

Rahmen der Strafuntersuchung Gehörtem zu differenzieren, weshalb er ihm gera-

ten haben, keine Aussagen zu machen (Urk. 42 S. 4 f.).  

Da der Beschuldigte den Anklagevorwurf im Ergebnis bestreitet, indem er eventu-

aliter einen Freispruch von Schuld und Strafe beantragt (Urk. 70 S. 2), ist nach-

folgend zu prüfen, ob der Sachverhalt erstellt werden kann. 

3. Beweismittel und Verwertbarkeit 

3.1 Als relevante Beweismittel finden sich in den Akten: die Aussagen des Pri-

vatklägers (Urk. 4/1-2), jene der Zeugin D._____ (Urk. 5/2; Urk. 5/4) und des Zeu-

gen E._____ (Urk. 5/3; Urk. 5/5) sowie die Aussagen des weiteren Beschuldigten, 

C._____ (Urk. 2/1-3; Prot. I S. 7 ff. im Parallelverfahren SB190376).  

-  26  - 

3.2 Überdies relevant sind das IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung 

des Privatklägers vom 17. August 2018 (Urk. 6/4) und jenes zur körperlichen Un-

tersuchung des Beschuldigten vom 17. August 2018 (Urk. 8/3) sowie das phar-

makologisch-toxikologische Gutachten des IRM betreffend den Beschuldigten 

vom 3. September 2018 (Urk. 8/4), der ärztliche Bericht des IRM zur Blutalkohol-

analyse betreffend den Beschuldigten vom 16. November 2018 (Urk. 8/6) und die 

Beurteilung der Hafterstehungsfähigkeit des Beschuldigten durch den Einsatzarzt 

des Instituts für Notfallmedizin, Dr. F._____ (Urk. 8/7; vgl. auch Urk. 15/3). Dane-

ben liegen Fotos vor, namentlich von den Verletzungen des Privatklägers sowie 

vom Beschuldigten und C._____ in den Kleidern, welche Letztere bei der Verhaf-

tung trugen (Urk. 1/2 S. 3-4). 

3.3 Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz die Verwertbarkeit aller  ge-

nannten Beweismittel festgestellt. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 68 S. 13-

14).  

4. Grundsätze der Beweiswürdigung 

Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung, namentlich zu den Kriterien bei der 

Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen, ist ebenfalls auf die korrekten und 

vollständigen Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 52 S. 11 f.). 

Was die Glaubwürdigkeit der beteiligten Personen betrifft, ist festzuhalten, dass 

der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person für die Wahrheitsfindung ein gerin-

geres Gewicht zukommt als der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage (BGE 133 

I 33 E. 4.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_1204/2016 vom 24. Mai 

2017 E. 2.2.2). Entscheidend ist letztlich die Glaubhaftigkeit der Aussage zum 

Tathergang bzw. die Überzeugung des Gerichts betreffend deren Wahrheitsgehalt 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_382/2019 vom 8. August 2019 E. 1.1 mit Hin-

weisen). 

5. Aussagen des Privatklägers und vorläufige Würdigung 

5.1 Die Aussagen des Privatklägers, der rund acht Stunden nach dem einge-

klagten Ereignis im Notfall des Unispitals informell durch die Polizei befragt wurde 

-  27  - 

und ca. sieben Wochen später, am 14. September 2018, als Auskunftsperson 

durch die Staatsanwaltschaft, sind im angefochtenen Urteil ausführlich dargestellt 

(Urk. 68 S. 15-17; Urk. 4/1-2). Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen ist vor-

ab darauf zu verweisen (Urk. 82 Abs. 4 StPO). 

5.2 Zusammengefasst beschrieb der nach eigener Darstellung damals ange-

trunkene Privatkläger eine Auseinandersetzung mit vermutlich drei Eritreern, wie 

sich herausstellte mit C._____ in weissem T-Shirt, A._____ in schwarzem T-Shirt 

und einer unbekannt gebliebenen Drittperson in braunem Hemd (vgl. Urk. 4/1 und 

4/2). Als sich der Privatkläger zur Tatzeit alleine an der J._____-strasse auf der 

sog. K._____ [Platz] aufhielt und aus einer Plastikflasche Wodka trank, bat ihn der 

ihm bis dahin unbekannte Mitbeschuldigte C._____ , den er auf Vorhalt von des-

sen Foto wieder erkannte, mehrmals um Zigaretten und Alkohol, was der Privat-

kläger vorerst gewährte. Als er C._____ – der inzwischen von einer weiteren Per-

son begleitet war, nämlich dem Beschuldigten A._____, der vom Privatkläger auf 

dem Foto aber nicht erkannte wurde – nichts mehr geben wollte und ihn weg-

schickte, insistierte C._____ , beschimpfte den Privatkläger und nahm ihm die 

Flasche weg bzw. versuchte dies. Dabei spritzte dem Privatkläger Alkohol ins Ge-

sicht. Es gesellte sich eine dritte Person hinzu, älter, kleiner und glatzköpfig. Da-

nach begann C._____ als erster auf ihn (Privatkläger) einzuschlagen, worauf er 

sich wehrte resp. dies versuchte, die andern beiden Personen jedoch ebenfalls 

auf ihn einzuschlagen begannen. Nach seiner Erinnerung fiel er zu Boden, konnte 

nochmals aufstehen und sah einen der drei mit einer Flasche in der Hand. Dann 

stürzte er definitiv zu Boden. Da er sich zum Schutz die Hände vor das Gesicht 

hielt, konnte der Privatkläger in der Folge die Schläge nur noch spüren, nicht aber 

sehen. Ob er auch getreten wurde, konnte er daher nicht sagen. Schläge mit der 

Flasche hat er gemäss wiederholter Aussage zwar nicht gesehen, aber vorne und 

hinten am Kopf sowie an der Nase gespürt. Darauf führt er seine Verletzungen 

zurück. Sodann ergibt sich aus den Schilderungen des Privatklägers, dass er an-

fänglich (vergeblich) versucht hat sich zu wehren und zurückzuschlagen, dass er 

sich nicht erinnern kann, dass ein Täter ihn zurückhielt und er sich deshalb nicht 

wehren konnte, dass ihm von einem der Täter eine Flasche an den Kopf geworfen 

wurde und dass die Flasche durch die Schläge zerborsten sei. Der Privatkläger 

-  28  - 

realisierte jedoch, dass der Türsteher der L._____ Bar den Mitbeschuldigten 

C._____ schliesslich festhielt. Er selber sass dann blutverschmiert auf dem Boden 

und wurde nicht mehr geschlagen. Dass Pfefferspray eingesetzt worden sei, be-

merkte er nicht. 

5.3 Es ist mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 26 f.) zu konstatieren, dass die Aus-

sagen des Privatklägers bei einer Gesamtbetrachtung keine Widersprüche auf-

weisen. Er beschrieb das Geschehene gleichbleibend, insbesondere, dass und 

weshalb die Auseinandersetzung zwischen ihm und C._____ entbrannte, dieser 

ihn dann angriff und schlug, der Beschuldigte A._____ und ein weiterer Täter hin-

zukamen und alle drei auf ihn eingeprügelten, dies auch noch, als er selber be-

reits am Boden lag, sowie dass die Attacke letztlich durch das Eingreifen eines 

Türstehers endete. Der Privatkläger sagte zurückhaltend aus, versuchte nicht, 

C._____ schlecht zu machen und sich selber in ein gutes Licht zu rücken. So gab 

er zu, sich gegen die Angreifer gewehrt bzw. dies zumindest versucht zu haben, 

und dass auch er selber alkoholisiert war (Urk. 4/2 S. 9; Urk. 6/4 S. 2). Seine Ver-

letzungen dramatisierte er nicht. Nichtwissen oder fehlende Erinnerung deklarierte 

er mehrfach. Dass er nach dem Ereignis nicht gut atmen konnte (Urk. 4/2 Frage 

94 f.), versteht sich von selbst, erlitt er doch einen mehrteiligen Nasenbeinbruch 

(Urk. 6/4 S. 2, 4 f.). Zudem leuchtet aus mehreren Gründen ein, dass er vieles 

nicht wusste oder nicht erinnern konnte. So hielt er in der zweiten Phase des Tat-

geschehens (vgl. Urk. 24 S. 4 Ziffern 2 und 3) wegen der Tätermehrheit und damit 

den Angriffen von allen Seiten zum eigenen Schutz bald die Hände vor sein Ge-

sicht, wodurch ihm die Sicht auf die Ereignisse praktisch verunmöglicht war. Ins-

besondere als er am Boden lag, konnte er Schläge jeglicher Art, klarerweise auch 

jene mit der Flasche, nicht mehr sehen, sondern nur spüren, wie dargelegt na-

mentlich am Kopf vorne und hinten und an der Nase (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/2 Fra-

gen 75 ff., 81, 83, 85, 89, 92). Weiter konnte er im Gegensatz zu den Zeugen 

(vgl. nachfolgende Erw. III. 6. und III. 7.) die Attacke gegen sich nicht ohne un-

mittelbare Betroffenheit aus der Distanz verfolgen, was ihm eine Zuordnung von 

Handlungen zu Personen erschwerte oder gar verunmöglichte. Es spricht für ihn, 

dass er die diesbezügliche Unkenntnis nicht einfach mit Mutmassungen füllte. Be-

rücksichtigt man überdies, dass er alkoholisiert war und infolge massiver Gewalt 

-  29  - 

gegen seinen Kopf nebst dem Nasenbeinbruch zwei weitere Verletzungen am 

Kopf davontrug, nämlich eine 3 und eine 4 cm lange Riss-Quetschwunde je mit 

Einblutungen in die Kopfhaut, so wäre eine lückenlose Erinnerung entgegen der 

Auffassung der Verteidigung (Urk. 94 Rz. 9 ff.) geradezu erstaunlich. Im Ergebnis 

erscheint es angesichts aller genannten Umstände plausibel, dass er manche De-

tails, wer ihn wohin genau womit und wie geschlagen hat, weder wissen noch er-

innern konnte.  

Schon für sich allein erweisen sich die Aussagen des Privatklägers als glaubhaft.  

6. Aussagen des Zeugen E._____ und vorläufige Würdigung 

6.1 Im vorinstanzlichen Urteil sind die Aussagen von E._____ gegenüber der 

Polizei und der Staatsanwaltschaft einlässlich dargestellt (Urk. 5/3 und 5/5; Urk. 

68 S. 18-21; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

6.2 Aus der Aussage des Zeugen E._____ ergibt sich im Wesentlichen, dass er 

die ganze Auseinandersetzung vom 27. Juli 2018, die sich bereits bei Tageshelle 

abspielte, von Beginn weg aus sehr naher Distanz miterlebte. Er war es auch, der 

C._____ mit Pfefferspray einsprühte und die Polizei rief. Der ganze Vorfall von 

Anfang an bis zum Eintreffen der Polizei dauerte nach seiner Schätzung 10-15 

Minuten. 

So war ihm der Mitbeschuldigte C._____ , den er als den grossen Eritreer im 

weissen T-Shirt mit den schwarzen kurzen Haaren und der dunkelsten Hautfarbe 

umschrieb und auf Vorhalt von dessen Foto erkannte, als starker Provokateur auf-

gefallen, der rundum Streit suchte. Er habe ständig provoziert und grundlos ange-

fangen mit dem Privatkläger zu diskutieren sowie versucht ihn mit den Fäusten zu 

schlagen. Der Privatkläger habe sogar versucht zu beschwichtigen und gesagt, er 

solle ihn in Ruhe lassen. Wegen dem Eingreifen der Kollegen sei es vorerst zu 

keinen Schlägen gekommen. C._____ habe den Privatkläger aber nicht in Ruhe 

gelassen, sondern es regelrecht auf ihn abgesehen und ihm wenige Minuten spä-

ter einen ersten Faustschlag verpasst. Der Versuch des sichtlich wütend gewor-

denen Privatklägers, zurückzuschlagen, ist gemäss E._____ am Umstand ge-

-  30  - 

scheitert, dass er von den Kollegen des Mitbeschuldigten C._____ zurückgehal-

ten wurde. Dann versetzte C._____ dem Privatkläger einen zweiten Faustschlag. 

Weiter beschrieb E._____, wie nun der Kleinste im schwarzen T-Shirt, nämlich 

der vom Zeugen ebenfalls identifizierte Beschuldigte A._____, die Flasche weg-

kickte, welche der Privatkläger vom Boden aufheben wollte, dieser nachrannte 

und sie aufhob, um damit zu C._____ zurückzugehen. In der Folge beobachtete 

der Zeuge, wie C._____ und der dritte flüchtige Kollege mit Händen, Fäusten und 

Füssen auf den Privatkläger einschlugen, während der Beschuldigte aus ca. ei-

nem Meter Entfernung die Flasche gleich einem Pfeil in Richtung des Privat-

klägers warf. Dadurch wurde dieser am Kopf getroffen und ging sofort zu Boden, 

worauf die drei weiterhin gezielt gegen dessen Kopf eintraten. Mit der erneut auf-

gehobenen Flasche schlug der Beschuldigte dann gemäss E._____ noch mindes-

tens zweimal mit voller Wucht gegen den Kopf des Privatklägers. Dabei hörte der 

Zeuge E._____, wie die Flasche beim zweiten Schlag am Kopf des Privatklägers 

in Brüche ging. Der Privatkläger sei voller Blut gewesen. Mit der kaputten Flasche 

habe der Beschuldigte noch zwei bis drei Mal auf den Kopf des Privatklägers ge-

schlagen. Da sei er (E._____) eingeschritten und habe den Pfefferspray gegen 

C._____ eingesetzt, derweil der Beschuldigte A._____ weiterhin mit den Füssen 

auf den Privatkläger eingetreten habe. Dann sei eine Frau (Zeugin D._____) zu 

Hilfe geeilt und habe den Beschuldigten stoppen bzw. an der Flucht hindern kön-

nen.  

Was die Intensität der Schläge betrifft, ordnete der Zeuge E._____ diese auf einer 

Skala von 1-10 bei 10 "mit grosser Wucht" ein. Er sprach von einem gezielten Zu-

schlagen unter Ausholen "mit voller Wucht und Wut", einem Schmettern der Fla-

sche "mit voller Kraft" bzw. "voller Wucht". Sie hätten nicht aufgehört, obwohl sich 

der am Boden liegende Privatkläger nicht mehr bewegte. Sie seien "wie aus-

geschaltet" gewesen, "wie Tiere". Die Frauen hätten angefangen zu schreien. 

Auch für ihn selber sei es sehr schlimm gewesen, obwohl er viele Sachen sehe. 

Es habe so ausgesehen, "als wollten die ihn töten" (Urk. 5/3 Fragen 21 ff., 37; 

Urk. 68 S. 19 f.).  

-  31  - 

6.3 Wie schon im angefochtenen Urteil zutreffend erwogen (Urk. 68 S. 28), 

schilderte der Zeuge E._____ die Geschehnisse im Rahmen der Einvernahmen 

weitgehend spontan, detailreich und in Bezug auf das Kerngeschehen sehr an-

schaulich und konstant. Namentlich legte er gleichbleibend dar, dass C._____ 

grundlos zu Beginn mit Provokationen den Konflikt suchte, dass daraufhin zwi-

schen ihm und dem Privatkläger eine Auseinandersetzung entbrannte, in welcher 

C._____ dem Privatkläger zwei Faustschläge verpasste, dass eine weitere Täter-

schaft hinzutrat und ebenfalls auf den Privatkläger einschlug und dass dann der 

Beschuldigte A._____ den Privatkläger durch einen Flaschenwurf gegen den Kopf 

niederstreckte, worauf schliesslich alle drei Täter auf den am Boden liegenden 

Privatkläger eintraten, gezielt gegen und auf dessen Kopf, und dass der Beschul-

digte dem Privatkläger zudem mehrfach mit der Flasche auf den Kopf einschlug, 

so dass diese zerbarst.  

Die Verteidigung des Mitbeschuldigten C._____ monierte vor Vorinstanz, E._____ 

bekunde teilweise Mühe, bei seinen Aussagen objektiv zu bleiben, weil er von Be-

rufs wegen oft Schlägereien zu sehen bekomme und wohl auch selbst bedroht 

werde. Daraus schliesst sie auf ein erkennbares Eigeninteresse, jegliche Stören-

friede oder mögliche Gewalttäter vom K._____-Platz weg zu befördern. Einen 

weiteren Grund für die Voreingenommenheit sieht die Verteidigung C._____ s in 

E._____s Aussage, wonach C._____ an diesem Abend auch ihn (E._____) per-

sönlich zu provozieren versucht habe und ihm auch in der Vergangenheit schon 

negativ aufgefallen sei (Urk. 37 S. 6 im Parallelverfahren SB190376). Dem ist mit 

der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass die Tatsache allein, dass E._____ häufig 

Augenzeuge von Auseinandersetzungen vor oder im Lokal, seinem Arbeitsplatz, 

wird und als solcher auch häufig Provokationen ausgesetzt ist, nicht per se den 

Beweiswert seiner Aussagen tangiert. Es handelt sich bei diesen Vorkommnissen 

fraglos um wiederkehrende Aspekte seiner Tätigkeit als Türsteher, mit denen er 

umzugehen weiss. Seinen vorliegenden Aussagen lassen sich keine Übertreibun-

gen entnehmen, welche inhaltlich nicht auch mit den Aussagen des Privatklägers 

und jenen der Zeugin D._____ vereinbar sind. So hat der Privatkläger ebenfalls 

berichtet, wie C._____ ihn beharrlich bedrängte, ohne Anlass zu Schlägen über-

ging und ihn dann gemeinsam mit den hinzu gekommenen Kollegen aufs Gröbste 

-  32  - 

auch mit Flaschenschlägen traktierte, als er schon wehrlos am Boden lag 

(vgl. vorne Erw. III. 5.). Ebenso zeigen die Aussagen der Zeugin D._____, dass 

sie entsetzt war über die Brutalität, wie C._____ und seine Mitstreiter auf den Pri-

vatkläger eindroschen (vgl. hinten Erw. III. 7.). Wenn der Zeuge E._____ bezüg-

lich Auftakt zum Vorfall berichtete, C._____ habe "die ganze Zeit Leute provo-

ziert", "überall und bei jedem Streit gesucht" (vgl. Urk. 5/3 Fragen 4 und 30), auch 

habe dieser ihn am fraglichen Abend persönlich zu provozieren versucht und sei 

ihm in der Vergangenheit schon negativ aufgefallen, so steht das auch im Ein-

klang mit diversen Polizeiakten betreffend den Mitbeschuldigten C._____ (Urk. 

2/1 Fragen 14 und 16 f.; vgl. hinten Erw. III. 8.5 a.E.). Von überspannten Aussa-

gen des Zeugen E._____ kann nicht gesprochen werden.  

Die Verteidigung des Beschuldigten führte an der Berufungsverhandlung aus, 

es sei eine Tatsache, dass Herr E._____ in vielen Fällen als "Freund und Helfer" 

der Polizei resp. als "Hilfs-Sheriff" fungiere und dass er für diese Dienste in der 

Vergangenheit Dankesbriefe von der Polizei erhalten habe. Die Nähe Herrn 

E._____s zu den Strafbehörden erhöhe deshalb die Gefahr, dass er seine Aussa-

gen ein Stück weit nach dem (vermeintlichen) Interesse der Behörden richte (Urk. 

94 Rz. 5.1). Dafür bestehen jedoch entgegen der Auffassung der Verteidigung 

keinerlei Anhaltspunkte. Auch kann entgegen der Verteidigung des Beschuldigten 

(vgl. Urk. 42 S. 7 ff.) nicht die Rede davon sein, dass sich E._____ draufgänge-

risch in die Auseinandersetzung involvierte, um sich in Bezug auf ein allfälliges 

Strafverfahren als belastender Zeuge in den Fokus zu rücken. So ergibt sich wie-

derum aus seiner eigenen Darstellung ebenso wie aus jenen des Privatklägers 

und der Zeugin D._____, dass er erst relativ spät in den Streit eingriff, als der Pri-

vatkläger bereits blutüberströmt am Boden lag. Das Eingreifen ist umso verständ-

licher, als der wehrlose Privatkläger einer dreifachen Überzahl an Aggressoren 

ausgesetzt war. Die Verteidigung sieht weiter einen unauflösbaren Widerspruch 

darin, dass der Zeuge E._____ einerseits statuierte, der Mitbeschuldigte C._____ 

habe jederzeit gewusst was er mache, in derselben Befragung aber erwähnte, die 

Beschuldigten seien "wie ausgeschaltet", "wie Tiere" gewesen (Urk. 42 S. 8 f.). In 

diesen Aussagen liegt nicht zwingend ein Widerspruch. Aus den Darlegungen 

E._____s erhellt vielmehr, dass gezieltes Vorgehen mit anschliessend dynami-

-  33  - 

schem und dann kaum mehr kontrolliertem Tatverlauf gepaart war. Das passt gut 

ins Bild des hier zu beurteilenden Geschehens, das mit verbalen Forderungen 

von C._____ (nach Alkohol und Zigaretten) begann, in singuläre Schläge durch 

C._____ überging und zuletzt in überbordendes Zuschlagen und Treten dreier Tä-

ter mündete. Es handelt sich um eine Steigerung, wie sie bei Auseinandersetzun-

gen namentlich unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen – sei es mit oder 

ohne Alkoholeinfluss – nicht selten vorkommt. Die Aussagen von E._____ zeigen 

zudem, dass sich der Zeuge differenziert äusserte.  

Was die Diskrepanz um die Marke und Art bzw. Beschaffenheit der als Tatwaffe 

seitens des Beschuldigten A._____ verwendeten Flasche betrifft, ist zunächst auf 

Erw. II. B. 2.3.2 hiervor zu verweisen. In Bezug auf den Einsatz einer Flasche, 

welche letztlich am Schädel des Privatklägers zerschlug – was auch er trotz ver-

decktem Gesicht realisierte – ist mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 30) auszuschlies-

sen, dass zwei unbeteiligte und gänzlich unabhängige Augenzeugen, nämlich 

E._____ und D._____ (Urk. 5/2 Fragen 8, 18, 21 f. und 25-27; Urk. 5/3 Frage 4-6, 

22 ff.; Urk. 5/4 Fragen 20, 35-41, 49-59; Urk. 5/5 Fragen 19, 23 ff., 35 ff.), die un-

mittelbar nach der Tat befragt wurden, sich eine hochgradig individuelle und ein-

prägsame Wahrnehmung wie das wuchtige Schlagen mit einer grösseren/grossen 

und massiven Flasche gegen den Kopf einer Person einbilden oder gar erfinden.  

Wenn sodann der Verteidiger die Befürchtung äussert, dass sich die Zeugen 

E._____ und D._____ – wohl unbewusst und nur in groben Zügen – aufeinander 

abgestimmt hätten, da sie sich bei der Polizei vor den Einvernahmen über ihre 

Wahrnehmungen austauschten (Urk. 42 S. 10; Urk. 94 Rz. 16), so ist dieser Ein-

wand schon mit der vorstehenden Erwägung II. B. 2.3.2 entkräftet. Zudem ist mit 

der Vorinstanz aufgrund einer Analyse der Einvernahmen der beiden Zeugen fest-

zustellen, dass deren Aussagen nicht pauschal oder einsilbig erfolgten, sondern 

eigene detailreiche und anschauliche Ergänzungen beinhalten, die auf einen er-

lebnisbasierten Hintergrund hindeuten und teilweise auch voneinander divergie-

ren (beispielsweise in Bezug auf die Frage des Weiterschlagens mit zerbrochener 

Flasche). Dementsprechend bestehen entgegen den Vorbringen des Verteidigers 

keinerlei Anhaltspunkte, dass E._____ und D._____ nicht ihre eigenen Wahrneh-

-  34  - 

mungen des inkriminierten Vorfalls geschildert haben. Die Hypothese einer 

Falschanschuldigung bzw. einer diesbezüglichen Absprache zwischen den Zeu-

gen ist deutlich zu verwerfen. Das gilt umso mehr, als kein Beweggrund der Zeu-

gen ersichtlich ist, sich gegen die ihnen unbekannten Beschuldigten zu verbün-

den. 

Schliesslich ist beim Zeugen E._____ kein Motiv erkennbar, den Beschuldigten 

A._____ und den Mitbeschuldigten C._____ übermässig zu belasten. Seine Aus-

sagen erweisen sich insgesamt als sehr ausführlich, präzis, authentisch und von 

hoher Qualität. Ergänzend ist auf Erw. II. B. 2.3.2 betreffend Beweisanträge zu 

verweisen.  

7. Aussagen der Zeugin D._____ und vorläufige Würdigung  

7.1 Sodann hat sich die Vorinstanz gründlich mit den Schilderungen der Zeugin 

D._____ befasst (Urk. 5/2 und 5/4; Urk. 68 S. 21-23 und 31-33). Darauf ist wiede-

rum gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO zu verweisen.  

7.2 D._____ traf als Passantin am Tatort ein, als die Auseinandersetzung schon 

im Gange war. Dennoch unterschied sie exakt und analog E._____ sowie dem 

Privatkläger – soweit er es noch sehen konnte – zwischen den drei an der Attacke 

auf den Privatkläger beteiligten Eritreern anhand von Körpergrösse, Kleidung und 

Tathandlungen. Auch sie ortete im grössten Eritreer mit weissem  T-Shirt, mithin 

dem Mitbeschuldigten C._____ , den zuerst Attackierenden, der dem Privatkläger 

intensiv aussehende Faustschläge erteilte. Darauf gesellte sich nach ihrer Dar-

stellung der zweite dazu, versuchte zuerst zu trennen, schlug dann aber gleich-

ermassen auf den Privatkläger ein. Zuletzt erschien der Dünne, Kleine bzw. 

Kleinste im schwarzen Shirt, der Beschuldigte A._____, mit einer weissen Glas-

flasche, welche er aus 2-3 Metern Distanz gegen den Privatkläger geworfen und 

diesen dabei an der Stirn getroffen habe, was in einem Sturz rückwärts zu Boden 

endete. Ebenfalls umschrieb sie, wie A._____ die Flasche wieder aufgehoben ha-

be, um ausholend damit mehrmals gegen des Privatklägers Kopf einzuschlagen, 

bis die Flasche explodierte. Schliesslich konnte auch sie beobachten, dass alle 

drei Täter mehrmals gegen den Körper und den Kopf des am Boden liegenden 

-  35  - 

Privatklägers traten, so dass dieser voller Blut war. Daraufhin habe der im roten 

T-Shirt durch die Dienerstrasse abhauen können, während der Türsteher den 

Grössten zurückhielt und sie selber dem Kleinen den Weg abschnitt, so dass er 

durch die eintreffende Polizei festgenommen werden konnte.  

Anhand der vorgehaltenen Fotos vermochte die Zeugin sowohl den Mitbeschul-

digten C._____ als auch – zwar weniger bestimmt – den Beschuldigten A._____ 

zu identifizieren (Urk. 5/4 Fragen 10 f., ferner Urk. 5/2 Frage sowie Urk. 5/4 Fra-

gen 33 und 67). Sie sprach von einer gewalttätigen Art des gemeinsamen Schla-

gens und zeigte sich geschockt. Dies vor allem, was den aus ihrer Sicht gewalttä-

tigsten Täter, A._____ mit der Flasche, angeht, der, die Flasche an deren Hals 

haltend, damit über seinen Kopf hinweg zum Schlag ausgeholt habe. Das sei 

"zum Umbringen" gewesen (Urk. 5/4 Fragen 58 f. und 64 f.).  

7.3 Es ist der Vorinstanz beizupflichten, wenn sie die Aussagen der Zeugin  

D._____ als weitgehend spontan, konstant, mit hohem Detaillierungsgrad und oh-

ne logische Fehler einstufte und zum Ergebnis gelangte, dass die anschaulichen 

Schilderungen tatsächlich Beobachtetes wiederspiegeln (Urk. 68 S. 31 f.; Art. 82 

Abs. 4 StPO).   

Die Ausführungen D._____s zum Kerngeschehen korrespondieren zudem zwang-

los mit denjenigen des Zeugen E._____ sowie dem Verletzungsbild des Privatklä-

gers. Einzelne Divergenzen und abgeschwächte Erinnerung in der zweiten Ein-

vernahme lassen sich einerseits mit dem Zeitablauf erklären, belegen aber entge-

gen der Auffassung der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 94 Rz. 17) gleich-

zeitig, dass die Zeugin darauf bedacht war, nur das selber Wahrgenommene und 

noch im Gedächtnis haftende zu berichten und den Beschuldigten nicht übermäs-

sig oder gar falsch zu belasten. Zudem bestätigte sie eingangs ihrer Zeugenein-

vernahme, damals gegenüber der Stadtpolizei die Wahrheit gesagt zu haben, 

mithin das, was sie selbst gesehen hatte (Urk. 5/4 S. 5). Einzelne Unsicherheiten 

schmälern die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen jedenfalls nicht. Das Argument der 

Verteidigung von C._____ , die Aussagen der Zeugin D._____ seien konfus, da 

unklar, zu welchem Zeitpunkt sie zum Vorfall hinzu gestossen sei (Urk. 37 S. 5 im 

Parallelverfahren SB190376), ist mit der Vorinstanz zu verwerfen. Ab dem Mo-

-  36  - 

ment ihrer Präsenz vor Ort – etwa ab dem Einsetzen der eigentlichen Gewalt-

tätigkeiten und damit bezüglich des Kerngeschehens sehr früh – hat die Zeugin 

sehr differenzierte Wahrnehmungen betreffend den Geschehensablauf zu Proto-

koll gegeben, dies sowohl zu Körpergrösse, Farbe Oberbekleidung, Attribut Fla-

sche und Reihenfolge des Eingreifens der Täter als auch der konkreten Tathand-

lungen. Den Privatkläger (Araber) bezeichnete sie ebenso klar nur als Opfer. Eine 

solch differenzierte Beschreibung eines dynamischen Vorgangs kann nicht auf 

blossem Hörensagen beruhen. Davon abgesehen schwingen in ihren Aussagen 

offensichtlich auch die damit einhergehenden, absolut nachvollziehbaren Empfin-

dungen mit, nämlich Schrecken und Abscheu, was zusätzlich auf persönlich Mit-

erlebtes deutet.  

Dass das Verteidigerargument einer Absprache zwischen den Zeugen E._____ 

und D._____ auf dem Polizeiposten nicht stichhaltig ist, wurde bereits vorne in 

Erw. II. B. 2.3.2 und Erw. III. 6.3 ausgeführt. Es fehlt an jeglichem Beweggrund 

der Zeugin D._____, den ihr bis dahin unbekannten Beschuldigten A._____ bzw. 

den Mitbeschuldigten C._____ ungerechtfertigt zu belasten. Ebenso wenig ist ein 

Interesse am Verfahrensausgang erkennbar. Ihre Aussagen sind durchwegs 

überzeugend. Ergänzend ist auf Erw. II. B. 2.3.2 betreffend Beweisanträge zu 

verweisen. 

Auf die Aussagen der Zeugin D._____ kann ebenfalls ohne Vorbehalte abgestellt 

werden.  

8. Aussagen des Beschuldigten und vorläufige Würdigung 

Wie erwähnt, verweigerte der Beschuldigte die Aussage zur Sache. Anlässlich der 

polizeilichen Hafteinvernahme vom 28. Juli 2018 führte er bloss aus, er habe in 

der Tatnacht viel Bier getrunken. Sie hätten um 20.00 Uhr damit angefangen. Er 

sei betrunken gewesen (Urk. 3/1 Fragen 8-10). Zur Auseinandersetzung wie auch 

zum Tathergang blieb er stumm (Urk. 3/1 Fragen 17 ff.). Auch an der staatsan-

waltschaftlichen Hafteinvernahme vom gleichen Tag wollte er sich weder zur 

Auseinandersetzung noch zum Tathergang äussern (Urk. 3/2 Fragen 11 ff.). Be-

züglich seiner Kleidung bestätigte er lediglich, dass er die ganze Nacht über die 

-  37  - 

auf dem vorgehaltenen Foto ersichtlichen Kleider getragen habe (Urk. 3/2 Frage 

21 f.). Gleich verhielt es sich anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 

15. November 2018. Der Beschuldigte teilte einzig mit, dass er "nichts zu sagen" 

habe (Urk. 2/3 S. 2 ff.). Schliesslich verweigerte er an der erstinstanzlichen 

Hauptverhandlung und an der Berufungsverhandlung erneut gänzlich Aussagen 

zur Sache (Prot. I S. 11 f.; Urk. 92 S. 7 f.). Entsprechend entfällt eine Würdigung.  

9. Aussagen des Mitbeschuldigten C._____ und vorläufige Würdigung 

9.1 Im angefochtenen Urteil sind die Aussagen des Mitbeschuldigten C._____ 

einlässlich aufgeführt, worauf zunächst verwiesen werden kann (Urk. 68 S. 23-25; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Kurz gesagt, zeichnet sich seine Darstellung aus durch 

Schuldzuweisung an den Privatkläger, Verharmlosung des eigenen Verhaltens, 

Behauptung von Erinnerungslosigkeit und fehlender Wahrnehmung.  

An der Berufungsverhandlung räumte der Beschuldigte ein, dem Privatkläger 

zweimal die Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, wobei der Privatkläger ihn 

zuerst geschlagen habe. Den Grund für den Streit kenne er nicht mehr. Es stim-

me nicht, dass er den Privatkläger gegen das Gesicht sowie von oben herab auf 

den Kopf getreten habe. Die Zeugen hätten nicht richtig ausgesagt. Er habe nicht 

gesehen, ob der Mitbeschuldigte A._____ und ein Dritter gegen den Kopf des Pri-

vatklägers geschlagen hätten (Urk. 65A S. 6 f. im Parallelverfahren SB190376).  

Beim Aussageverhalten von C._____ fällt zunächst auf, dass er einerseits zu ei-

nem grossen Teil fehlende Erinnerung aufgrund seiner Alkoholisierung geltend 

machte. Seine Erinnerung sei nur vage, es komme ihm vor wie ein Traum. Ander-

seits war er in der Lage, detaillierte Angaben zu Gesprochenem und zur Hand-

lungsabfolge zu machen, insbesondere zum Beginn und dem Ende der Ausei-

nandersetzung. So konnte er präzis sagen, dass er einmal den Privatkläger zuerst 

nach einer Zigarette und dann nach etwas Wodka gefragt habe, dieser ihn be-

schimpft habe "Ich werde dich schlachten, geh weg" (Urk. 2/1 Frage 34; Urk. 2/2 

Frage 13), was ihn sehr aufgewühlt und wütend gemacht habe, worauf er seiner-

seits den Privatkläger beschimpft habe. Darauf habe der Privatkläger ihn einmal 

geschlagen und er selber zweimal den Privatkläger mit der Faust. Das alles sei 

-  38  - 

nur mit den Händen geschehen, ohne Blut (Urk. 2/1 Frage 51; Urk. 2/2 Frage 24). 

Dann sei er (C._____) mit Pfefferspray besprüht worden und erinnere sich an den 

ganzen Rest nicht (Prot. I S. 16 im Parallelverfahren SB190376). Erst als die Poli-

zei ihn dann festgehalten habe, habe er gesehen, dass der Privatkläger blute 

(Urk. 2/2 Frage 39; Prot. I S. 14, 16 im Parallelverfahren SB190376).  

Eine derart selektive Erinnerung gleich einem On- und off-Schalter überzeugt aus 

mehreren Gründen nicht. Dass ausgerechnet zum handlungsintensiven und ver-

letzungsträchtigen Kerngeschehen mit Schlägen, Fusstritten und Einsatz einer 

Flasche eine Gedächtnislücke bestehen soll, indem C._____ praktisch nichts 

mehr weiss oder manches nicht gesehen hat, ist ihm nicht abzunehmen. Vielmehr 

erscheint dies offensichtlich als gezieltes vorübergehendes Ausblenden. Auch war 

der Alkoholisierungsgrad des Mitbeschuldigten C._____ in der kurzen Zeitspanne 

des Ereignisses kaum merklich unterschiedlich ausgeprägt. Er sprach allgemein 

von "zu fest betrunken" (Urk. 2/3 S. 5). Es ist daher nicht einzusehen und ent-

sprechend unglaubhaft, dass er – vom Streitauftakt abgesehen – dann nur die ei-

gene Festnahme und den Anblick des blutverschmierten Privatklägers erinnert, 

während ihm das Kerngeschehen gänzlich entgangen sein soll.  

9.2 Dass C._____ durch den behaupteten Schlag des Privatklägers, so ein  sol-

cher denn überhaupt stattfand, in seinem Befinden irgendwie beeinträchtigt wor-

den wäre, ist ebenfalls abwegig. Er konnte nämlich nicht einmal verbindlich sa-

gen, wo ein Schlag des Privatklägers ihn denn getroffen habe. Seine diesbezüg-

lichen Versionen – hinter das linke Ohr einerseits (Urk. 2/1 Frage 44 f.) 

bzw. gegen den Hals rechts anderseits (Urk. 2/3 S. 4; Prot. I S. 4, 14) – klaffen 

stark auseinander. 

Gleichermassen zwei Varianten präsentierte C._____, was die vorgebrachte, 

den Streit auslösende Beschimpfung oder Beleidigung des Privatklägers 

ihm gegenüber betrifft. Zu Beginn der Untersuchung nannte er als  

Anwurf des Privatklägers, dieser werde ihn schlachten (vgl. vorne Erw. III. 9.1), 

während er vor Vorinstanz behauptete, der Privatkläger habe gedroht ihn um-

zubringen und auf Arabisch "Sippi" gesagt (Prot. I S. 14 im Parallelverfahren 

SB190376). Letzteres bedeutet offenbar "(mein) Schwanz" oder "Penis" 

-  39  - 

(https://mymemory.translated.net/de/Arabisch/Deutsch/sippi [02.07.2020]; 

https://www.bedeutungonline.de/was-bedeutet-sibbi-sib-sibi-sippi-auf-deutsch-

uebersetzung-und-bedeutung-erklaert/ [02.07.2020]). Die wenigen substanziellen 

Aussagen C._____ s zur Sache sind somit auch nicht frei von Widersprüchen.  

An der Berufungsverhandlung konnte er zudem keinen Grund mehr für den Streit 

nennen (Urk. 65A S. 6 im Parallelverfahren SB190376). 

9.3 Zudem erweisen sich die Aussagen des Mitbeschuldigten C._____ teilweise 

als inkonsequent: Soweit er nämlich fehlende Erinnerung behauptete oder geltend 

machte, bezüglich des Beschuldigten A._____ nichts gesehen zu haben, bzw. 

konkrete Vorhalte bloss und ohne Erläuterung verneinte ("Nein, das ist nicht rich-

tig", vgl. z.B. Urk. 2/3 S. 6), kann er – mangels Erinnerung bzw. eigener Feststel-

lung – nicht gleichzeitig dezidiert die fraglichen Tathandlungen verneinen. Zu sol-

chen Vorhalten zählen namentlich, dass er selber dem Privatkläger Fusstritte ver-

abreicht habe und somit an den aktenkundigen Verletzungen des Privatklägers 

beteiligt war, bzw. dass alle drei Täter den Privatkläger getreten hätten oder dass 

durch den Beschuldigten A._____ eine Flasche nach dem Privatkläger geworfen 

worden sei (z.B. Urk. 2/1 Frage 52; Urk. 2/3 S. 6, 8 f.). Die behauptete Erinne-

rungslücke zum Kerngeschehen steht mithin einer diesbezüglich glaubhaften Stel-

lungnahme zum vornherein entgegen, da die eigene Wahrnehmung folgerichtig 

entfällt. Negationen ebenso wie inhaltlichen Äusserungen zum Tatablauf in dieser 

Phase mangelt es am Fundament und daher auch an Plausibilität. Analoges gilt 

zu C._____s Aussage, der Privatkläger habe ihn hinter das linke Ohr geschlagen. 

An den Schlag hinter das Ohr könne er sich zwar nicht erinnern bzw. nur erinnern, 

weil es ihn (dort) schmerze. Dieser geltend gemachte Schlag erweist sich somit 

als reine Spekulation und damit als Schutzbehauptung (Urk. 2/1 Fragen 44 f.).  

9.4 Aufgrund der authentischen Zeugenaussage von E._____ ist sodann nicht 

zweifelhaft, dass das Besprühen des Mitbeschuldigten C._____ erst nach den 

entstandenen Verletzungen des am Boden liegenden Privatklägers erfolgte und 

C._____ durch die Intervention des Zeugen E._____ überhaupt erst gestoppt 

werden konnte. Die Sachdarstellung von C._____ , dass er vorher aufgehört habe 

zu schlagen, selber vom Privatkläger weggegangen sei und an den Fusstritten 

-  40  - 

gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers nicht beteiligt war, entbehrt auch 

aus dieser Warte der Glaubhaftigkeit.  

9.5 Die insgesamt eher knappen Darlegungen und mehrheitlich Bestreitungen 

von C._____ zum eingeklagten Handlungsablauf stehen sodann über weite Stre-

cken im Gegensatz zu den detaillierten, plausiblen und nachvollziehbaren Schil-

derungen des Privatklägers und jenen der beiden – unabhängig voneinander aus-

sagenden – Zeugen E._____ und, ab ihrem Hinzukommen circa zu Beginn des 

Kerngeschehens, D._____. Demnach war C._____ durch sein stark und wieder-

holt provozierendes Verhalten der Auslöser der Auseinandersetzung, anschlies-

send massgeblich an den heftigen Attacken durch Schläge und Fusstritte gegen 

den wehrlosen Privatkläger beteiligt und daher mitverantwortlich für dessen Ver-

letzungen. Der Beschuldigte hatte die Gelegenheit, den Zeugenbefragungen bei-

zuwohnen und Ergänzungsfragen stellen zu lassen (Urk. 4/2 S. 14; Urk. 5/4 S. 11; 

Urk. 5/5 S. 11 f.). Auch wurde ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich zu deren Aus-

sagen zu äussern, worauf er verzichtete (Urk. 2/3 S. 3). Die ihm an der Hauptver-

handlung gestellte Frage, ob die Zeugen lügen würden, beantwortete C._____ mit 

"Das weiss ich nicht" (Prot. I S. 14 im Parallelverfahren SB190376). Es fehlt somit 

auch an einer Erklärung C._____s, wie sonst – wenn nicht durch das ihm, dem 

Beschuldigten A._____ und dem unbekannten dritten Täter angelastete Verhalten 

– der (zu Beginn des Streits äusserlich unversehrte) Privatkläger die unbestritte-

nen Verletzungen erlitten haben soll (vgl. Urk. 2/2 S. 5; Urk. 2/3 S. 9). Das von 

C._____ zur Schau getragene Selbstbild eines friedfertigen Menschen, der nicht 

provoziert, auch nicht schnell in Konflikte hineingerät, keinen Streit sucht und we-

der in der Schweiz noch in seiner Heimat jemals Streit gehabt haben will, wider-

spricht vorliegend der Realität (Urk. 2/1 Frage 60; Urk. 2/2 Frage 43). Die Aggres-

sion lag von Anfang an bei C._____, indem er den Privatkläger bedrängte und 

provozierte, worauf dann der handgreifliche Streit ausbrach, in welchen sich der 

Beschuldigte A._____ auf der Seite C._____s tatkräftig einmischte. Wenn 

C._____ im Verfahren konstant dem Privatkläger Aggression zuschreibt und ihn 

als Streitauslöser bezeichnet, so trifft das gerade nicht zu. Das Gegenteil ist der 

Fall. Dass Belästigung Dritter bei Trunkenheit dem Mitbeschuldigten C._____ 

-  41  - 

nicht persönlichkeitsfremd ist, belegen im Übrigen die ihm vorgehaltenen polizeili-

chen Akten (Urk. 2/1 Fragen 14, 16 f.). 

9.6 Mit der Vorinstanz, auf deren Würdigung der Aussagen von C._____ ergän-

zend zu verweisen ist (vgl. Urk. 52 S. 23-26 im Parallelverfahren SB190376) 

ergibt sich, dass die zum einen inhaltsarmen Ausführungen und darüber hinaus 

über weite Strecken verharmlosenden und ausweichenden Aussagen des Mitbe-

schuldigten C._____ sowie seine Bestreitungen kaum zu überzeugen vermögen. 

Das gilt auch insoweit, als er den Beschuldigen A._____ verschonte bzw. zu ent-

lasten versuchte, etwa indem er geltend machte, bezüglich A._____ nichts gese-

hen zu haben. Die Aussagen von C._____ erweisen sich als unglaubhaft, so dass 

nicht darauf abzustellen ist. Entsprechend lässt sich daraus auch nichts zu Guns-

ten des Beschuldigten A._____ ableiten.  

10. Gesamtwürdigung 

Neben den Aussagen von Privatkläger, Zeuge E._____ und Zeugin D._____ wird 

der Anklagevorwurf durch das IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung des 

Privatklägers vom 17. August 2018 (Urk. 6/4) sowie die Aufnahme der erlittenen 

Verletzungen (Urk. 1/2 S. 3) gestützt. Die dokumentierten Verletzungen werden 

vom Beschuldigten nicht angezweifelt und lassen sich ohne Weiteres auch mit 

den Schilderungen der Zeugen und des Privatklägers in Übereinstimmung brin-

gen. Auch die tätliche Auseinandersetzung am Morgen des 27. Juli 2018 wird 

vom Beschuldigten nicht bestritten (Urk. 42 S. 15). Die Tatbeteiligung des Be-

schuldigten – insbesondere der Einsatz einer Flasche – ergibt sich wiederum aus 

den Aussagen des Opfers und jenen der Zeugen E._____ und D._____ sowie 

ebenfalls aus dem Verletzungsbild des Privatklägers. Wie dargelegt, sind die 

Zeugenaussagen bezüglich des Kerngeschehens detailliert, kohärent und von 

hoher Glaubhaftigkeit. Namhafte Divergenzen zwischen ihren Darlegungen be-

stehen keine. Abweichungen betreffen Nebensächlichkeiten oder lassen sich 

zwanglos mit der unterschiedlichen Perspektive und/oder der individuellen Wahr-

nehmung erklären, ohne das gewonnene Gesamtbild zu trüben. Das gilt insbe-

sondere auch zur Frage der als Tatwaffe verwendeten Flasche. Nach Angaben 

beider Zeugen steht unmissverständlich fest, dass es sich um eine grösse-

-  42  - 

re/grosse und massive Glasflasche handelte, welche der Beschuldigte A._____ 

nach dem Privatkläger geworfen und ihm damit anschliessend auf den Kopf ge-

schlagen hat. Dabei ist nochmals zu betonen, dass die bezeichnete Getränke-

marke irrelevant ist und eine kleine Bierflasche oder eine Plastikflasche als Wurf- 

und Schlaginstrument ausser Betracht fallen, zumal ein Zerbrechen der Letzteren 

nicht möglich ist. Der Privatkläger sprach von einer Plastikfalsche, welche ihm der 

Beschuldigte C._____ weggenommen habe. Nachdem er zu Boden fiel, hat er ei-

nen der drei mit einer (Glas-)Flasche gesehen. Mithin ergibt sich entgegen der 

Auffassung der Verteidigung auch aus seinen Aussagen, dass es sich dabei nicht 

um die gleiche Flasche handelte (vgl. Urk. 4/2 Fragen 40 ff.). Zudem war die Fla-

sche auch deshalb fraglos massiv, weil sie vorerst trotz Schlittern bzw. Landen 

auf dem Asphalt noch intakt blieb.   

In gesamthafter Würdigung aller genannten Beweismittel verbleiben mit der Vor-

instanz keine vernünftigen Zweifel, dass der Beschuldigte die ihm vorgeworfene 

Tat begangen hat. Der Anklagesachverhalt ist erstellt. 

IV. Schuldpunkt – Rechtliche Würdigung 

1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als versuchte 

schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB (Urk. 68 S. 34 ff., 40).  

2.1 Der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB macht sich 

schuldig, wer einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1) oder dessen 

Körper, ein wichtiges Organ oder Glied verstümmelt, ein wichtiges Organ oder 

Glied unbrauchbar macht oder das Gesicht eines Menschen arg und bleibend 

entstellt (Abs. 2). In subjektiver Hinsicht ist für die Erfüllung des Tatbestandes der 

schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und 2 StGB Vorsatz er-

forderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. 

2.2 Ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter 

sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale (insbesondere Vorsatz) erfüllt und 

-  43  - 

seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbe-

standsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 mit Verweisen). 

2.3 Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Vorsätzlich handelt bereits, wer 

die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 

Satz 2 StGB). Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, 

wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirk-

lichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall sei-

nes Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht 

sein. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – soweit der Täter 

nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf 

Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen 

auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus 

denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestands-

verwirklichung in Kauf genommen, zählen die Grösse des dem Täter bekannten 

Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverlet-

zung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die 

Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorg-

faltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 135 IV 12 

E. 2.3.2; 134 IV 26 E. 3.2.2, je mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des 

Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als 

so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, 

vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann 

(BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis; 135 IV 12 E. 2.3.2; 134 IV 26 E. 3.2.2, je mit 

Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1062/2017 vom 26. April 2018 

E. 2.1.2, 6B_261/2017 vom 13. November 2017 E. 2.2 a.E.). 

Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbe-

standsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss 

möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglich-

keit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr 

-  44  - 

müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1 mit Hinweisen; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_261/2017 vom 13. November 2017 E. 2.2 a.E.). 

Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter das ihm bekannte Risiko 

nicht kalkulieren und dosieren kann und das Opfer keine Abwehrchancen hat 

(BGE 133 IV 1 E. 4.5; 131 IV 1 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_789/2018 

vom 21. Januar 2019 E. 1.3.2).  

3. Der Privatkläger erlitt durch die Schläge und Tritte mit den Fäusten, den 

Füssen und der Flasche eine 4 cm lange Riss-Quetschwunde in der behaarten 

Kopfhaut rechts, eine weitere 3 cm lange Riss-Quetschwunde an der Stirn rechts, 

je mit Einblutungen in die Kopfhaut, sowie einen mehrteiligen Nasenbeinbruch 

(vgl. IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Geschädigten resp. Pri-

vatklägers vom 17. August 2018, Urk. 6/4). Hinweise auf weitere Verletzungen 

wurden nicht festgestellt, insbesondere konnten eine Hirnverletzung und ein 

Schädelbruch ausgeschlossen werden (Urk. 6/4 S. 2). Wie schon die Vorinstanz 

korrekt erwog, stellen die Verletzungen des Privatklägers weder eine Verstüm-

melung, noch ein Unbrauchbarmachen eines wichtigen Organs oder Glieds, noch 

eine arge und bleibende Entstellung des Gesichts im Sinne von Art. 122 Abs. 2 

StGB dar.  

Anzufügen ist, dass die erlittenen Verletzungen auch keine schwere Körper-

verletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB darstellen. Das würde eine schwere 

Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedin-

gen (lebensgefährliche Verletzung), was vorliegend nicht der Fall ist. Wie dem 

mehrfach zitierten IRM-Gutachten (Urk. 6/4) zu entnehmen ist, werden die doku-

mentierten Verletzungen am Kopf voraussichtlich innerhalb weniger Wochen, 

eventuell unter Narbenbildung, abheilen. Bezüglich des klinisch diagnostizierten 

Naseneinbruchs können die Gutachterinnen jedoch nicht ausschliessen, dass 

eventuell eine äusserlich sichtbare Veränderung der Nasenform bestehen bleibt. 

Aufgrund der nachgewiesenen Befunde liess sich sodann keine Lebensgefahr be-

legen (Urk. 6/4 S. 5). Es fehlt damit am objektiven Tatbestandsmerkmal einer 

schweren Körperverletzung. Die tatsächlichen Verletzungen kommen folglich ei-

ner vollendeten (einfachen) Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB gleich.  

-  45  - 

Es bleibt zu prüfen, ob ein vollendeter Versuch einer schweren Körperverletzung 

im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. 

4.1 Im Rahmen der Prüfung der Frage, welche Verletzungsfolgen der Beschul-

digte für möglich gehalten und in Kauf genommen hat (subjektiver Tatbestand), 

führte die Vorinstanz das Nachstehende aus: Es sei notorisch, dass es sich beim 

menschlichen Kopf um einen sehr sensiblen Körperteil handle. Eine massive Ein-

wirkung auf die obere Kopfhälfte oder den Hinterkopf könne rasch zu einer Verlet-

zung des Hirns führen, bei welchem es sich um eines der zentralen und wichtigs-

ten Organe des Menschen handle. Heftige Faustschläge, Fusstritte und gar 

Schläge mit einer Flasche gegen den Kopf seien deshalb geeignet, eine schwere 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB herbeizuführen (auch Urteil 

des Bundesgerichts 6B_954/2010 vom 10. März 2011 E. 3). Die Wahrscheinlich-

keit einer schweren Verletzung sei vorliegend derart gross gewesen, dass die 

Verhaltensweise des Beschuldigten nicht anders interpretiert werden könne als 

zumindest Inkaufnahme, dem Privatkläger eine schwere Verletzung im Kopfbe-

reich zuzufügen. Ebenso habe der Beschuldigte gebilligt, dass C._____ durch die 

Tritte gegen den Kopf des Privatklägers dasselbe bewirken konnte. Die Art und 

Weise der Tatbegehung lasse ebenfalls keine anderen Schlüsse zu. Dass 

der Privatkläger keine schweren oder gar lebensbedrohliche Verletzungen erlitten 

habe, beruhe einzig auf einem glücklichen Zufall. Ob der Beschuldigte auch im 

konkreten Moment der Tatausführung an die Möglichkeit schwerer Verletzungen 

dachte, spielt gemäss der Vorinstanz, die sich auf die massgebende Literatur und 

Rechtsprechung abstützt (DONATSCH/TAG, Strafrecht I, 9. Aufl., Zürich 2013, 

S. 113 f.; PK StGB-TRECHSEL/JEAN-RICHARD, 3. Aufl., Zürich 2018, Art. 12 N 4), 

keine Rolle. Vielmehr genüge ein sogenanntes "Mitbewusstsein". Der Täter brau-

che sich die betreffenden Merkmale im Moment seines Handelns nicht besonders 

zu vergegenwärtigen, ein aktuelles Bewusstsein sei nicht erforderlich. Ein solches 

Mitbewusstsein sei dem Beschuldigten jedoch ohne Weiteres anzulasten. 

Aufgrund der gesamten Umstände blieb für die Vorinstanz einzig der Schluss, 

dass der Beschuldigte mit einer schweren Verletzung des Privatklägers gerechnet 

und den Erfolg zumindest in Kauf genommen hat. Der Beschuldigte habe mit 

-  46  - 

Eventualvorsatz gehandelt, so dass die subjektive Tatbestandsvoraussetzung er-

füllt sei (Urk. 68 S. 36 f.).  

4.2 Diesen Erwägungen samt der Schlussfolgerung ist zuzustimmen, mit den 

nachstehenden Ergänzungen: 

Vorliegend sind mehrfache Faustschläge, Fusstritte und Schläge mit einer Fla-

sche je von sehr erheblicher Intensität jeweils gegen den Kopf und das Gesicht 

des Privatklägers zu beurteilen. Abwechslungsweise und zum Teil sogar simultan 

sowie ohne jeglichen erkennbaren Anlass fielen gleich drei Täter über das Opfer 

her. Das Opfer war einer dreifachen Überzahl von Angreifern und damit einer 

grossen Übermacht ausgesetzt. Das dauerte auch noch fort, als das Opfer bereits 

wehrlos am Boden lag, sein G