# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2294cbc7-bf5b-58b9-9063-78dd0a4c79a3
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-11
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 11.06.2018 SB170317
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170317_2018-06-11.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB170317-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Präsident, lic. iur. Ch. Prinz und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. S. Mathieu sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Leuthold 

 

Urteil vom 11. Juni 2018 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und I. Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. B. Groth,  

Anklägerin und II. Berufungsklägerin 

betreffend 

mehrfache Schändung etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,  
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 31. Mai 2017 (GG160219) 

 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

28. September 2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 32). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 70 S. 48 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB sowie 

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 70.–, wovon 

3 Tagessätze durch Haft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung im Betrag 

von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 4. November 2015 zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._____ abgewiesen. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._____ eine Genugtuung im Betrag 

von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 4. November 2015 zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren des Privatklägers C._____ abgewiesen. 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'000.–   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 2'548.60   Auslagen (Gutachten) 

Fr. 903.50   Auslagen 

Fr.  18'937.05   amtliche Verteidigung 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

-   3   - 

8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-

ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der 

amtlichen Verteidigung wird mit separater Verfügung entschieden. 

9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 für das gesamte Verfahren eine Pro-

zessentschädigung für anwaltliche Vertretung von Fr. 6'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

zu bezahlen. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 für das gesamte Verfahren eine Pro-

zessentschädigung für anwaltliche Vertretung von Fr. 7'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

zu bezahlen. 

11. (Mitteilungen)  

12. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 75 S. 2 i.V.m. Urk. 120 S. 1 f.) 

1.   Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom  

2. 1. Mai 2017 (GG160219-L) sei aufzuheben und der Beschuldigt sei freizu-

sprechen. 

3.   Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von CHF 600.– auszurichten. 

4.   Ziff. 1 der Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung – Einzel-

gericht, vom 21. Juli 2017 (GG160219-L) sei aufzuheben und die Entschädi-

gung des amtlichen Verteidigers auf Fr. 24'626.05 (inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteuer) festzulegen; 

5.   Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu Lasten des  

Staates. 

 

-   4   - 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 71 i.V.m. Urk. 122 S. 1) 

1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 31. Mai 2017 bezüglich 

des Schuldpunktes, des Zivilanspruchs und den Kostenfolgen zu bestätigen. 

2. Der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 

CHF 70.00 (entsprechend CHF 21'000.00) zu bestrafen. 

3. Es sei der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben und eine Probezeit von 

2 Jahren festzusetzen. 

4. Die erstandene Haft sei anzurechnen. 

5. Es sei ein Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 StGB anzuordnen. 

c) Des Privatkläger B._____: 

(Urk. 109 S. 2, schriftlich) 

1.   Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei gutzuheissen; 

2.   die Berufung des Beschuldigten sie vollumfänglich abzuweisen; 

3.   im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz vom 31. Mai 2017 zu bestätigen; 

4.   dem Privatkläger sei eine angemessene Prozessentschädigung für das Be-

rufungsverfahren zulasten des Beschuldigten zuzusprechen;  

5.   die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen;  

6.   dem Privatkläger sie das Berufungsurteil im vollem Umfange zur Kenntnis 

zuzustellen.  

d) Des Privatklägers C._____: 

(Urk. 123 S. 1 f.) 

1.   Es sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen. 

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2.   Es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft gutzuheissen. 

3.   Im übrigen sei das vorinstanzliche Urteil des BGZ Zürich vom 31. Mai 2017 

(GG160219-L/U9) zu bestätigen. 

4.   Es sei dem Privatkläger für das Berufungsverfahren eine angemessene Pro-

zessentschädigung zulasten des Beschuldigten zuzusprechen. 

Erwägungen: 

I. Prozessuales    

1. Verfahrensgang 

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann in Anwendung 

von Art. 82 Abs. 4 StPO zwecks Vermeidung von unnötigen Wiederholungen auf 

die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ver-

wiesen werden (Urk. 70 S. 5 f.). 

1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 

31. Mai 2017 wurde der Beschuldigte A._____ der mehrfachen Schändung im 

Sinne von Art. 191 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kin-

dern im Sinne von Art. 187 Ziff. 10 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit ei-

ner bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 70.– bestraft (Urk. 70 

S. 48). Gegen dieses Urteil, welches den Parteien im Anschluss an die Hauptver-

handlung mündlich bzw. schriftlich im Dispositiv eröffnet wurde (Prot. I S. 38 ff.), 

meldete sowohl der Beschuldigte mit Schreiben vom 2. Juni 2017 (Urk. 62) als 

auch die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 12. Juni 2017 (Urk. 63) innert 

Frist Berufung an. Das begründete Urteil (Urk. 65) wurde der Staatsanwaltschaft 

am 2. August 2017 und dem Verteidiger des Beschuldigten am 9. August 2017 

zugestellt (Urk. 69/1-2), woraufhin die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 

11. August 2017 (Urk. 71) und der Verteidiger mit Eingabe vom 29. August 2017 

(Urk. 75) fristgerecht die Berufungserklärungen beim hiesigen Gericht einreichten. 

Gleichzeitig stellte die Verteidigung verschiedene Beweisanträge, wonach einer-

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seits die Privatkläger einzuvernehmen seien sowie andererseits ein Gutachten 

über die technischen Möglichkeiten des eingeklagten Sachverhaltes zu erstellen 

sei (Urk. 75 S. 2 u. 4 ff.). 

1.3. Mit Präsidialverfügung vom 31. August 2017 wurde den Parteien Frist an-

gesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder begründet ein Nichteintreten auf 

die Berufungen zu beantragen sowie um zu den Beweisanträgen des Beschuldig-

ten Stellung zu nehmen (Urk. 78). Daraufhin teilte die Vertretung des Privatklä-

gers B._____ mit Eingabe vom 13. September 2017 mit, auf die Erhebung einer 

Anschlussberufung zu verzichten und beantragte die Abweisung der Beweisan-

träge (Urk. 80). Auch die Vertretung des Privatklägers C._____ verzichtete mit 

Eingabe vom 20. September 2017 auf die Erhebung einer Anschlussberufung und 

beantragte die Abweisung der Beweisanträge (Urk. 84). Ferner beantragte auch 

die Staatsanwaltschaft mit Vernehmlassung vom 19. September 2017 die Abwei-

sung der Beweisanträge (Urk. 82). Schliesslich reichte der Beschuldigte innert der 

mit Präsidialverfügung vom 28. September 2017 angesetzten und anschliessend 

erstreckten Frist (Urk. 87) eine Vernehmlassung zu den Stellungnahmen der Pri-

vatkläger sowie der Staatsanwaltschaft ein (Urk. 95), woraufhin auch der Privat-

kläger C._____ mit Eingabe vom 6. Dezember 2017 (Urk. 99) erneut eine Stel-

lungnahme einreichte, während der Privatkläger B._____ mit Eingabe vom 

11. Dezember 2017 auf eine Stellungnahme verzichtete (Urk. 101). Mit Präsidial-

verfügung vom 27. Dezember 2017 wurden die Beweisanträge des Beschuldigten 

schliesslich abgewiesen (Urk. 105). 

1.4. Ferner überwies die III. Strafkammer des Obergerichts Zürich aufgrund des 

hängigen Berufungsverfahrens mit Beschluss vom 8. Dezember 2017 die von 

RA lic. iur. X._____ gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, 

10. Abteilung - Einzelgericht, vom 21. Juli 2017 betreffend Festsetzung seiner 

Entschädigung erhobene Beschwerde der hiesigen Kammer zum Entscheid 

(Urk. 103 und 104/1-10). 

1.5. Am 11. Juni 2018 fanden die Berufungsverhandlungen statt, zu welcher 

der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers RA lic. iur. X._____, 

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Staatsanwältin lic. iur. B. Groth sowie RA lic. iur. Y._____ als Vertreter des Privat-

klägers C._____ erschienen sind (Prot. II. S. 7).  

2. Umfang der Berufung 

2.1. Während die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich ihre Berufung auf 

die Bemessung der Strafe beschränkte (Dispositiv Ziffer 2; Urk. 71), focht der Be-

schuldigte das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an (Urk. 75).  

2.2. Dementsprechend steht das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich zwecks 

Überprüfung zur Disposition. 

3. Beweisanträge 

3.1. Der Verteidiger des Beschuldigten wiederholte anlässlich der Berufungs-

verhandlung seine bereits mit der Berufungserklärung gestellten Beweisanträge, 

wonach die Privatkläger durch das Berufungsgericht einzuvernehmen seien sowie 

ein Gutachten darüber zu erstellen sei, ob der eingeklagte Sachverhalt technisch 

möglich sei (Urk. 75 S. 2; Urk. 119 S. 1 ff.). Des Weiteren beantragte er den Bei-

zug der Akten des Beschwerdeverfahrens von Rechtsanwältin X1._____ 

(UP170027) sowie seines Beschwerdeverfahrens (UP170032). Schliesslich stellte 

er den Antrag, das Datenerfassungsblatt sowie dessen Beilagen seien zu den  

Akten zu nehmen (Urk. 119 S. 1). 

3.2. Datenerfassungsblatt und Beilagen 

Das Datenerfassungsblatt vom 9. Juni 2018 (Urk. 115) sowie die Beilagen 

(Urk. 121/1-10) wurden antragsgemäss zu den Akten genommen, weshalb sich 

weitere Ausführungen hierzu erübrigen.  

3.3. Beizug der Akten der Beschwerdeverfahren 

3.3.1. Die Akten des Beschwerdeverfahrens des Verteidigers gegen die Ver-

fügung des Bezirksgerichts Zürich vom 21. Juli 2017 wurden dem erkennenden 

Gericht bereits mit Beschluss der III. Strafkammer des Obergerichts Zürich vom 

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8. Dezember 2017 (Urk. 103) überwiesen und befinden sich als Urk. 104/1-10 bei 

den Akten. 

3.3.2. Den beantragten Beizug der Akten des Beschwerdeverfahrens von Rechts-

anwältin X1._____ begründet der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, 

Rechtsanwalt X._____, damit, dass die entsprechenden Erwägungen der 

III. Strafkammer auch für die Bemessung seiner erstinstanzlichen Entschädigung 

gelten würden und entsprechend auf das vorliegende Verfahren anwendbar seien 

(Urk. 119 S. 1 f.). Gleichzeitig reichte der Verteidiger die entsprechende Verfü-

gung der III. Strafkammer des Obergerichts Zürich vom 29. Januar 2018, mit wel-

cher die Beschwerde von Rechtsanwältin X1._____ gutgeheissen wurde, selber 

zu den Akten (Urk. 121/10). Ein Beizug der übrigen Akten ist nicht angezeigt, da 

die erkennende Kammer nicht an die Erwägungen der III. Strafkammer gebunden 

ist, sondern sich im vorliegenden Verfahren mit den Einwendungen von Rechts-

anwalt X._____ gegen die Festsetzung seiner erstinstanzlichen Entschädigung 

auseinanderzusetzen hat. Entsprechend ist der Antrag auf Beizug der Akten des 

Beschwerdeverfahrens von Rechtsanwältin X1._____ abzuweisen.  

3.4. Einvernahme der Privatkläger 

3.4.1. Die Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren – wie bereits vor Vor-

instanz – mit Verweis auf die Praxis des Bundesgerichts die Einvernahme der Pri-

vatkläger durch das Gericht, weil eine "Aussage gegen Aussage"-Situation vorlie-

ge. Dies habe auch die Vorinstanz erkannt, weshalb sie die Privatkläger zunächst 

zwar zur Hauptverhandlung vorgeladen, sie jedoch aufgrund der attestierten Ver-

handlungsfähigkeit schliesslich wieder dispensiert habe. Es liege allerdings keine 

dauernde Verhandlungsfähigkeit vor. Auch liegen kein Zeugnis eines unabhängi-

gen Arztes vor (Urk. 75 S. 4). Die bisherigen Aussagen der Privatkläger würden 

an vielen Widersprüchen leiden, weshalb sich die erneute Befragung durch das 

Gericht aufdränge. Auch seien die Opfer inzwischen (beinahe) erwachsen, wes-

halb die Einvernahme zu keiner unnötigen Belastung führe (Urk. 95 S. 2 f.). Ins-

besondere der Privatkläger B._____ sei inzwischen volljährig, somit sei Art. 154 

StPO auf ihn nicht mehr anwendbar (Urk. 119 S. 2 f.). Schliesslich brachte die 

Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vor, der Beschuldigte wolle 

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Ergänzungsfragen an die Privatkläger stellen, welche sie im Anschluss an die 

zweite Videobefragung nicht hätten stellen können. Das Recht, Ergänzungsfragen 

zu stellen, sei ihnen abgeschnitten worden. Bei der Analyse der Videobefragung 

seien Fragen entstanden, welche den Privatklägern gestellt werden müssten 

(Prot. II S. 11 f.). Die Staatsanwältin wie auch der Vertreter des Privatklägers 

C._____ beantragen die Abweisung dieses Beweisantrages mit der Begründung, 

die von der Verteidigung zitierte Rechtsprechung beziehe sich auf Erwachsene 

und überdies seien die Befragungen auf Video aufgezeichnet worden, weshalb 

sich eine erneute Befragung erübrige (Prot. II S. 10 f). Die Verteidigung und der 

Beschuldigte hätten im Anschluss an die Videobefragung genügend Gelegenheit 

gehabt, Ergänzungsfragen zu stellen, wobei auch keine Fragen vorbehalten wor-

den seien. Die Videobefragung sei ordentlich geschlossen und nicht vorzeitig ab-

gebrochen worden (Prot. II S. 12). 

3.4.2. Zwar ist der Verteidigung zuzustimmen, dass nach der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts die unmittelbare Abnahme eines Beweismittels durch das Gericht 

erforderlich ist, wenn sie den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann. Zu 

denken ist dabei insbesondere an Fälle, bei denen eine Zeugenaussage das ein-

zige direkte Beweismittel darstellt und die Kraft dieses Beweismittels in entschei-

dender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner Präsentation entsteht. Dies 

bedeutet indessen nicht, dass in sogenannten "Aussage gegen Aussage"-

Situationen in jedem Fall eine erneute Beweisabnahme durch das Gericht not-

wendig ist. Massgebend ist, ob das Urteil in entscheidender Weise vom Aussage-

verhalten der Person abhängt (vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.2.). Eine Beweisab-

nahme durch das Gericht ist nicht alleine deshalb notwendig, weil nonverbales 

Verhalten wie Mimik, Gestik, Redefluss, Emotionen etc. der einvernommenen 

Person stets Teil ihrer Aussageleistung ist. Andernfalls hätte der Gesetzgeber bei 

Personalbeweisen konsequenterweise das Unmittelbarkeitsprinzip statuieren 

müssen (Urteil 6B_430/2015 vom 12. Juni 2015 E. 2.3.2.). Beim Entscheid über 

die Frage, ob die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung 

notwendig erscheint, verfügt das Gericht über einen Ermessensspielraum 

(vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.2.).  

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3.4.3. Allerdings bezieht sich die von der Verteidigung zitierte bundesgerichtliche 

Rechtsprechung nicht explizit auf Verfahren mit Minderjährigen als Opfer 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_70/2015 vom 20. April 2016 und 

6B_803/2015 vom 26. April 2017), für welche Art. 154 StPO besonderen Schutz-

massnahmen vorsieht. Demnach darf ein Kind während des ganzen Verfahrens in 

der Regel nicht mehr als zweimal einvernommen werden (Abs. 4 lit. b). Bereits die 

zweite Einvernahme soll nur dann stattfinden, wenn die Parteien bei der ersten 

Einvernahme ihre Rechte nicht ausüben konnten oder dies im Interesse der Er-

mittlungen oder des Kindes unumgänglich ist (Abs. 4 lit. c). Diese Regeln gelten 

insbesondere dann, wenn die Einvernahme für das Kind erkennbar zu einer 

schweren psychischen Belastung führen könnte (Abs. 4). 

3.4.4. Wie bereits mit Präsidialverfügung vom 27. Dezember 2017 ausgeführt 

wurde, ergeben sich aus den im Recht liegenden ärztlichen Zeugnissen (Urk. 50 

und 53) sowie dem Bericht der Mutter des Privatklägers (Urk. 86) sehr konkrete 

Anhaltspunkte dafür, dass das Strafverfahren für die aufgrund ihrer Krankheit be-

sonders schutzbedürftigen Privatkläger eine erhebliche Belastung darstellt. Daran 

ändert auch nichts, dass der Privatkläger B._____ inzwischen 18 Jahre alt gewor-

den ist und auch der Privatkläger C._____ in rund … [Anzahl] Monaten seinen 

18. Geburtstag feiern wird, könnte doch ansonsten der Schutz minderjähriger Op-

fer durch die Verzögerung eines Verfahrens einfach umgangen werden. Eine 

neuerliche Einvernahme der Privatkläger ist aus Gründen des Opferschutzes vor 

diesem Hintergrund nur angezeigt, wenn dies für die Wahrheitsfindung unerläss-

lich ist.  

3.4.5. Die Privatkläger wurden im Laufe des Untersuchungsverfahrens je zweimal 

einvernommen (Urk. 12/1, 12/5, 13/1 und 13/5), weshalb eine weitere Einver-

nahme bereits aufgrund von Art. 154 Abs. 4 lit. b StPO zu vermeiden ist. Dabei 

sagten sie konstant aus, auch wenn sich der Privatkläger B._____ an Vieles nicht 

mehr erinnern konnte. Von sämtlichen dieser Einvernahmen finden sich  

Videoaufnahmen in den Akten (Urk. 12/2, 12/6, 13/2 und 13/6). Der Beschuldigte 

hatte sodann die Möglichkeit, die zweiten Einvernahmen im Übertragungsraum zu 

verfolgen sowie Ergänzungsfragen zu stellen, wovon er auch Gebrauch machte 

-   11   - 

(vgl. Urk. 12/6 und 13/6). Zwar stellen die Aussagen der Privatkläger im vorlie-

genden Verfahren die gewichtigsten den Beschuldigten belastenden Beweismittel 

dar. Allerdings liegen auch die Aussagen von D._____ vor, welche sich beim frag-

lichen Vorfall ebenfalls im Zimmer der Privatkläger aufhielt und Wahrnehmungen 

zur Sache machen konnte (Urk. 11/1-3). Wie bereits mit Präsidialverfügung vom 

27. Dezember 2017 festgehalten wurde, stellen die Aussagen der Privatkläger 

folglich nicht das einzige relevante Beweismittel dar. Überdies ist es dem Gericht 

aufgrund der vorhandenen Videoaufzeichnungen möglich, sich vom nonverbalen 

Verhalten der Privatkläger einen unmittelbaren Eindruck zu verschaffen, ohne die 

Privatkläger der psychischen Belastung einer weiteren Einvernahme auszuset-

zen.  

3.4.6. Schliesslich findet sich kein Hinweis in den Akten, dass der Verteidigung 

das Recht auf Ergänzungsfragen abgeschnitten wurde, sondern die Verteidigung 

brachte diesen Einwand anlässlich der Berufungsverhandlung zum ersten Mal vor 

(vgl. Prot. I S. 8 f.). Dem Protokoll zur Videobefragung von C._____ vom 16. März 

2016 ist zu entnehmen, dass der Befrager den Raum verliess und anschliessend 

mit den Ergänzungsfragen zurückkehrte (Urk. 12/5 S. 15; Urk. 12/6 00:22:10 bis 

00:28:18). Dabei stellte er auch die Ergänzungsfragen des Verteidigers (Urk. 12/5 

S. 19 ff.). Auch bei der Befragung von B._____ vom 16. März 2016 verliess der 

Befrager der Raum und stellte anschliessend die aufgeworfenen Ergänzungsfra-

gen (Urk. 13/5 S. 10 ff.), wobei hier allerdings nicht ersichtlich ist, welche Ergän-

zungsfrage von welcher Partei aufgeworfen wurde. Nichtsdestotrotz findet sich 

weder in einem der Protokolle noch in einer späteren Eingabe der Verteidigung 

ein Protest, wonach der Verteidigung Ergänzungsfragen verwehrt worden sind. 

Aus der Begründung der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung geht 

denn auch hervor, dass die Ergänzungsfragen erst bei Durchsicht der Videobe-

fragung entstanden sind (Prot. II S. 11 f.). Allerdings beantragte die Verteidigung 

auch keine Beweisergänzung, als sie mit Schreiben der Staatsanwaltschaft vom 

6. September 2016 aufgefordert wurde, im Hinblick auf den Abschluss der Unter-

suchung Beweisanträge zu stellen (Urk. 20/1), obwohl ihr innert dieser Frist sämt-

liche Untersuchungsakten – und damit auch die Videoaufzeichnungen – zur Ein-

sicht zugestellt worden waren (Urk. 23/13). Nach der Rechtsprechung des Bun-

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desgerichtes und des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte genügt es 

den Anforderungen von EMRK Art. 6 Ziff. 3 lit. d, wenn die beschuldigte Person 

oder die Verteidigung im Laufe des gesamten Verfahrens einmal eine angemes-

sene und geeignete Gelegenheit erhalten hat, von ihrem Konfrontationsrecht Ge-

brauch zu machen (Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, Art. 147 N 13). 

Der Beschuldigte und sein Verteidiger konnten die Befragung und damit auch die 

Antworten auf die Ergänzungsfragen per Videoübertragung im Nebenraum verfol-

gen, weshalb sie erneute Ergänzungsfragen, welche aufgrund der Antworten ent-

standen sind, unmittelbar hätten vorbringen können bzw. müssen. Mithin hatten 

sie eine angemessene Gelegenheit, Ergänzungsfragen zu stellen, weshalb kein 

Anspruch auf eine erneute Konfrontation besteht.  

3.4.7. Daher ist der Beweisantrag des Beschuldigten auf Einvernahme der Privat-

kläger durch das Berufungsgericht abzuweisen.  

3.5. Erstellung eines Gutachtens 

3.5.1. Die Verteidigung rügt die Annahme der Vorinstanz, wonach es rein tech-

nisch möglich sei, einer auf der Seite liegenden Person auf anhieb, d.h. ohne vor-

angegangenen Suchvorgang, einen Finger ein bis zwei Zentimeter in den Anus 

einzuführen. Es werde bestritten, dass der angeklagte Tatvorgang im Bereich des 

physisch Möglichen liege. Um diese Frage zu beantworten, seien besondere 

Kenntnisse des Rektalbereichs und der physischen Prozesse des angeklagten 

Tatvorgangs erforderlich, über welche weder die Vorinstanz noch das angerufene 

Gericht verfüge. Deshalb sei ein Gutachten zu erstellen, ob der angeklagte Sach-

verhalt technisch möglich sei, wobei der physischen Konstitution der Privatkläger 

besondere Aufmerksamkeit beizumessen sei (Urk. 75 S. 5 f.). Die beiden Privat-

kläger seien korpulent und hätten grosse Gesässbacken. Daher sei die Frage zu 

klären, ob es möglich sei, Personen, welche ein korpulentes Gesäss haben, die 

auf der Seite liegen, die teilweise das Pyjama tragen, ohne Ertasten des Anus, mit 

Handschuhen ohne Vaseline je einen Finger auf Anhieb in den Anus einzuführen 

(Urk. 95 S. 3; Urk. 119 S. 3 f.). Die Staatsanwaltschaft und der Vertreter des Pri-

https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/eddc4ea5-1065-4aad-aa7b-5ff005425730/00000000-0000-0000-0000-000000000000?source=document-link&SP=15|rqxq03

-   13   - 

vatklägers C._____ beantragen wiederum die Abweisung dieses Beweisantrages 

(Prot. II S. 10 f.) 

3.5.2. Wie bereits mit Präsidialverfügung vom 27. Dezember 2017 festgehalten 

wurde, braucht es keine Sachkunde und damit keinen Beizug eines Sachverstän-

digen, um beurteilen zu können, ob es möglich ist, mit einem Finger in den Anus 

eines auf der Seite liegenden Menschen einzudringen (vgl. Urk. 105 S. 5). Auf 

den Videoaufzeichnungen der Privatkläger ist sodann unschwer zu erkennen, 

dass die Privatkläger zwar leicht übergewichtig sind, nicht jedoch von einem 

Ausmass, wie es die Verteidigung geltend machen will (vgl. Urk. 12/2, 12/6, 13/2 

und 13/6). Auch die medizinischen Berichte attestieren beiden Privatklägern bei 

einer Grösse von 152 cm und einem Gewicht von 65 kg (B._____) bzw. 173 cm 

und 79.5 kg (C._____) bloss leichtes Übergewicht (Urk. 16/1 S. 21 und 16/2 S. 2). 

Schliesslich bestätigte auch der Beschuldigte, dass er den Privatkläger C._____ 

ohne Hilfe habe drehen können (Urk. 118 S. 13). Mithin verfügen die Privatkläger 

nicht über eine physische Konstitution, welche den eingeklagten Sachverhalt aus-

schliessen würde. Die diesbezüglichen Vorbringen der Verteidigung vermögen 

nicht zu überzeugen, weshalb auch dieser Beweisantrag abzuweisen ist. 

4. Verwertbarkeit der Aussagen der Privatkläger 

4.1. Wie bereits vor Vorinstanz, rügt die Verteidigung auch im Berufungsverfah-

ren die Verwertbarkeit der Aussagen der Privatkläger (Urk. 120 S. 2 ff.). 

4.2. Soweit die Verteidigung die Unverwertbarkeit der Aussagen damit begrün-

det, dass die Privatkläger nicht unmittelbar durch den Sachrichter befragt worden 

seien (Urk. 120 S. 2 f.), kann vollumfänglich auf die vorstehenden Erwägung im 

Zusammenhang mit dem Beweisantrag auf Einvernahme der Privatkläger 

(Ziff. I.3.4.) verwiesen werden. Wie dargelegt, sind die Privatkläger nicht erneut zu 

befragen, zumal der Beschuldigte sowie seine Verteidigung ausreichend Gele-

genheit hatten, von ihrem Konfrontationsrecht Gebrauch zu machen. Auch ohne 

eine erneute Befragung durch den Sachrichter sind daher die Aussagen der Pri-

vatkläger ohne Weiteres verwertbar. 

-   14   - 

4.3. Des Weiteren macht die Verteidigung geltend, der einvernehmende Polizist 

habe die beiden Geschädigten nicht als Zeugen befragen dürfen, sondern hätte 

diese als Auskunftspersonen einvernehmen müssen. Zwar anerkenne die Vor-

instanz, dass die Privatkläger zu Unrecht als Zeugen statt als Auskunftspersonen 

befragt worden seien, jedoch erachte sie die Aussagen dennoch als verwertbar. 

Entgegen der Vorinstanz handle es sich aber bei Art. 178 ff. StPO um eine Gültig-

keitsvorschrift, weil man Aussagen von Zeugen praxisgemäss grösseren Glauben 

schenke, weshalb die Verwertung der Zeugenaussagen der Privatkläger gegen 

Art. 141 StPO verstosse (Urk. 120 S. 3 f). 

Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass mit der Befragung der Privatkläger 

als Zeugen statt als Auskunftspersonen höchstens eine Ordnungsvorschrift ver-

letzt worden sei, weshalb die Aussagen verwertbar seien. Insbesondere weist sie 

zurecht darauf hin, dass die Privatkläger unter der strengeren Belehrung für Zeu-

gen aussagten, wobei nicht ersichtlich sei, dass ihnen daraus ein Nachteil er-

wachsen sei (Urk. 70 S. 10 ff.). So machen denn auch die Privatkläger selber 

nicht geltend, dass ihnen aus der Befragung als Zeugen statt als Auskunfts-

personen ein Nachteil erwachsen sei, obwohl sie diejenigen wären, die den 

Schutzzweck dieser Norm anrufen könnten. Der Beschuldigte begründet den ihm 

angeblich erwachsenden Nachteil damit, dass den Aussagen der Privatkläger 

grösseren Glauben geschenkt werde, da sie unter der Strafandrohung von 

Art. 307 StGB ausgesagt hätten (Urk. 120 S. 4). Zwar ist bei der Beurteilung der 

Glaubwürdigkeit unter anderem zu berücksichtigen, dass eine Person unter der 

Strafandrohung von Art. 307 StGB ausgesagt hatte, jedoch ist praxisgemäss  

ohnehin nicht in erster Linie die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person für die 

Würdigung ihrer Aussagen ausschlaggebend, sondern deren Glaubhaftigkeit, 

welche im Zusammenhang mit den einzelnen Aussagen zu würdigen ist. Somit ist 

auch dem Beschuldigten aus der falschen Belehrung kein Nachteil erwachsen. Im 

Übrigen kann in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich auf die zu-

treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, wonach die Zeugen-

aussagen der Privatkläger verwertbar sind (Urk. 70 S. 10 ff.). 

-   15   - 

4.4. Weiter beanstandet die Verteidigung, dass die Zeugenbefragung durch den 

Polizisten Fw E._____ durchgeführt worden sei, wofür eine gesetzliche Grundlage 

fehle. Ziff. 12.7.3.5.2 der WOSTA erwähne explizit, dass Kinder, welche als Pri-

vatkläger konstituiert seien, als Auskunftspersonen zu befragen seien. Damit fehle 

es der Zeugeneinvernahme der Privatkläger an einer gesetzlichen Grundlage 

(Urk. 120 S. 4 f.).  

Ziff. 12.7.3.5.2. der WOSTA trägt folgenden Titel: "Bezeichnung von Fallkonstella-

tionen, in welchen Zeugeneinvernahmen und Einvernahmen von Auskunfts-

personen im Sinne von Art. 178 lit. a StPO delegiert werden können" , weshalb 

sich bereits aus dem Titel ergibt, dass sowohl Einvernahmen von Zeugen als 

auch von Auskunftspersonen delegiert werden dürfen. Sodann ist als Fallgruppe 

ausdrücklich "Videobefragungen mit Kindern und Jugendlichen als Opfer" er-

wähnt. Mithin besteht entgegen der Verteidigung sowohl für die Delegation der 

Einvernahmen der Privatkläger als Zeugen als auch als Auskunftspersonen eine 

gesetzliche Grundlage.  

4.5. Schliesslich bringt die Verteidigung vor, die zweite Einvernahme habe we-

der an die Polizei noch an die Assistenzstaatsanwältin delegiert werden dürfen, 

da nur untergeordnete Untersuchungshandlungen an Assistenzanwälte delegiert 

werden dürfen (Urk. 120 S. 3 ff.). Die Vorinstanz habe erwogen, dass die WOSTA 

in Ziff. 12.7.1. vorsehe, dass Assistenzanwälte befugt seien, sämtliche Unter-

suchungshandlungen vorzunehmen. Diese Praxis verstosse gegen Art. 311 

Abs. 2 StPO. Gemäss BGE 142 IV 70 E. 3.2.2 sei lediglich die Delegation von un-

tergeordneten Untersuchungshandlungen erlaubt. Folglich sei es nicht zulässig, in 

Aussage-gegen-Aussage Fällen die gesamte Untersuchung inklusive der bedeu-

tendsten Einvernahmen zu delegieren, weshalb die Einvernahme durch die fall-

führende Staatsanwältin hätte durchgeführt werden müssen oder diese zumindest 

im Nebenraum hätte anwesend sein müssen (Urk. 120 S. 5 f.). 

Entgegen der Verteidigung lässt sich aus dem zitierten Bundesgerichtsentscheid 

gerade nicht ableiten, dass die Delegation von Einvernahmen unzulässig sei. So 

wird in BGE 142 IV 70 E. 3.2.2. die Möglichkeit der Delegation von Einvernahmen 

ausdrücklich erwähnt: "Darüber hinaus regelt Art. 311 Abs. 1 StPO auch, wer in-

https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/f7406759-3454-4ce5-972c-9db62756ea3e?source=document-link&SP=20|rqxq03

-   16   - 

nerhalb der Staatsanwaltschaften für die Beweiserhebung zuständig ist. Es sind 

dies die Staatsanwälte. Diese müssen die notwendigen Beweiserhebungen 

grundsätzlich selber durchführen (Art. 311 Abs. 1 Satz 1 StPO; BBl 2006 1265 

Ziff. 2.6.3.2). Bund und Kantone können jedoch bestimmen, dass die Staatsan-

wälte einzelne Untersuchungshandlungen ihren Mitarbeitern übertragen können 

(Art. 311 Abs. 1 Satz 2 StPO). Art. 311 Abs. 1 Satz 2 StPO ergänzt Art. 142 

Abs. 1 Satz 2 StPO (Delegationsmöglichkeit für Einvernahmen), der als lex spe-

cialis vorgeht (vgl. NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, 

Praxiskommentar [nachfolgend: Praxiskommentar], 2. Aufl.2013, N. 3 zu Art. 311 

StPO; LANDSHUT/BOSSHARD, in: Kommentar zur Schweizerischen Straf-

prozessordnung [StPO], 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 311 StPO). Mit Art. 311 Abs. 1 

Satz 2 StPO soll die in einigen Kantonen bewährte Praxis, wonach zur Entlastung 

der Staatsanwälte gewisse Untersuchungshandlungen von Mitarbeitern der 

Staatsanwaltschaft vorgenommen werden können, also von Untersuchungsbeam-

ten, Sekretären, Praktikanten oder anderen Funktionären der Staatsanwaltschaf-

ten, weitergeführt werden können (BBl 2006 1265 Ziff. 2.6.3.2 zu Art. 311 StPO)." 

Demgegenüber werden als wesentliche Untersuchungshandlungen, welche nicht 

delegiert werden können, Haftanträge, Anklagen oder der Erlass von Strafbefeh-

len oder Einstellungsverfügungen erwähnt. Somit war auch die Delegation der 

Einvernahme an die Assistenzstaatsanwältin gestützt auf Ziff. 12.7.1. WOSTA 

ohne Weiteres zulässig.  

4.6. Zusammenfassend sind sämtliche prozessualen Rügen der Verteidigung 

unbegründet und die Aussagen der Privatkläger verwertbar. 

II. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 28. September 2016 im 

Wesentlichen vorgeworfen, sich in der Nacht vom 4. November 2015 im Rahmen 

der Nachtwache in das Zimmer der beiden an Muskeldystrophie des Typs 

Duchenne leidenden und infolge dessen – mit Ausnahme der Arme und des Kop-

https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/f7406759-3454-4ce5-972c-9db62756ea3e?source=document-link&SP=20|rqxq03
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-   17   - 

fes – bewegungsunfähigen Privatkläger begeben zu haben. Dort habe er zuerst 

dem Privatkläger C._____ einen Finger ca. einen Zentimeter tief anal eigeführt 

und diesen während rund zwei Sekunden im Anus leicht hin und her bewegt. An-

schliessend habe er dem Geschädigten B._____ durch dessen Pyjamahose einen 

Finger ca. zwei Zentimeter tief in dessen Anus eingeführt. Die Privatkläger hätten 

sich dabei aufgrund ihrer Krankheit nicht wehren können (Urk. 32 S. 2 ff.). 

1.2. Der Beschuldigte bestreitet den Anklagevorwurf vollumfänglich. Gemäss 

seiner Darstellung habe er in jener Nacht mit den Privatklägern herumgealbert, 

einen dummen Spruch gemacht und dabei die beiden Privatkläger jeweils an den 

Pobacken berührt bzw. angestupst (Prot. I S. 19 ff.; Urk. 118 S. 6 ff).  

2. Beweiswürdigung 

2.1. Die Vorinstanz gelangte nach Würdigung der Beweismittel zum Schluss, 

der Sachverhalt gemäss Anklageschrift sei erstellt. Die Aussagen der Privatkläger 

betreffend das Kerngeschehen seien konstant und widerspruchsfrei, während die 

Aussagen des Beschuldigten im Widerspruch zu den Aussagen der Privatkläger 

wie auch der Mitbeschuldigten D._____ stünden, weshalb dessen Aussagen nicht 

geeignet seien, die Darstellungen der Privatkläger ernsthaft in Frage zu stellen 

(Urk. 70 S. 34 f.). 

2.2. Die Verteidigung wendet demgegenüber im Berufungsverfahren im We-

sentlichen ein, die Vorinstanz habe die Prüfung suggestiver Einflüsse auf die Pri-

vatkläger unterlassen. Viele der Fragen in den polizeilichen Einvernahmen seien 

suggestiv gewesen. Die knappe Umschreibung des Kerngeschehens durch die 

Privatkläger sei einer Aussageanalyse kaum zugänglich. Die Aussagen des Pri-

vatklägers B._____ würden kaum Realkennzeichen zeigen und seien quantitativ 

detailarm. Er habe nur auf Nachfrage und sehr einsilbig ausgesagt, wobei auffalle, 

dass er nicht das Erlebte widergegeben, sondern versucht habe, die gewünschten 

Antworten zu geben. Auch habe er bei der zweiten Einvernahme vier Monate 

nach dem Vorfall keine Aussagen mehr machen können. In Bezug auf die Aus-

sagen des Privatklägers C._____ verdrehe die Vorinstanz die Widersprüche in 

Bezug auf die zeitliche Länge und die Tiefe des Einführen des Fingers in den A-

-   18   - 

nus, welche gegen die Glaubhaftigkeit dieser Aussagen sprechen würden. Auch 

schlafe nicht einfach weiter, wer einen solchen Vorfall erlebe, sondern grüble dar-

über nach. Weiter macht die Verteidigung geltend, zwischen den Aussagen der 

Privatkläger würden diverse Widersprüche bestehen, beispielsweise in Bezug da-

rauf, wer wann ins Zimmer gekommen sei oder was geschehen sei, nachdem die 

Beschuldigten das Zimmer verlassen hatten. Die hohe Zahl der Widersprüche 

spreche klar gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatkläger. Es sei 

nicht auszuschliessen, dass die Privatkläger selber glauben würden, das erlebt zu 

haben, was sie aussagten, was aber nicht heisse, dass das auch zutreffe. Ferner 

gehe die Vorinstanz kaum darauf ein, warum sich der Sachverhalt in technischer 

Hinsicht nicht wie angeklagt habe ereignen können. Die Anklage werfe dem Be-

schuldigten vor, dass er mit einer Hand die voluminösen Pobacken des Privatklä-

gers C._____ gespreizt haben soll, einen Finger derselben Hand gestreckt und es 

geschafft haben soll, diesen soweit vorwärts zu bewegen, dass er bis an den A-

nus gelangt sei, dies alles im Dunkeln. Dass einem so etwas gelinge sei ausser-

ordentlich unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich. Beim Privatkläger 

B._____ sei dies sodann noch unwahrscheinlicher, da dieser Pyjama-Hosen ge-

tragen habe. Schliesslich seien auch die fehlenden Verletzungen sowie das feh-

lende Schmerzempfinden der Privatkläger Indizien für die Unschuld des Beschul-

digten (Urk. 120 S. 6-16). 

2.3. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung korrekt wieder-

gegeben, worauf in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO zwecks Vermeidung un-

nötiger Wiederholungen zu verweisen ist (vgl. Urk. 70 S. 15 ff.). Die Vorinstanz 

hat sodann die Aussagen der beiden Privatkläger, des Beschuldigten sowie der 

Mitbeschuldigten D._____ detailliert zusammengefasst und wiedergegeben. Auch 

hat sie die Aussagen des Privatklägers C._____, des Beschuldigten sowie von 

D._____ im Anschluss ausführlich, überzeugend und objektiv gewürdigt (Urk. 70 

S. 19 ff.), worauf ebenfalls verwiesen werden kann. Nachfolgende Erwägungen 

sind lediglich als Ergänzung bzw. Verdeutlichung dazu zu verstehen. Hingegen ist 

in Bezug auf die Würdigung der Aussagen von B._____ nachfolgend näher ein-

zugehen. 

-   19   - 

2.4. Die Verteidigung bringt vor, viele Fragen in den polizeilichen Einvernahmen 

seien suggestiv gewesen; den Geschädigten seien die Antworten förmlich in den 

Mund gelegt worden (Urk. 120 S. 7; Urk. 57 S. 13). Dieser Einwand erfolgt jedoch 

allgemein, ohne dass die Verteidigung genau bezeichnet, welche Fragen sugges-

tiv gewesen oder inwiefern durch diese Fragen falsche Antworten hervorgerufen 

worden sein sollen. Mithin handelt es sich bei diesem Vorbringen bloss um eine 

unsubstantiierte Behauptung. Zwar musste der befragende Polizeibeamte teilwei-

se mehrfach nachfragen, was jedoch nicht zu beanstanden ist, zumal Kinder mit 

der Beantwortung offener Fragen erfahrungsgemäss Mühe haben. Dass der Be-

frager den Geschädigten Antworten in den Mund legte oder mit seinen Fragen 

gewünschte Antworten provozierte, ist nicht ersichtlich.  

2.5. Der Privatkläger C._____ wurde im Laufe der Untersuchung zweimal ein-

vernommen, wobei beide Einvernahmen auf Video aufgezeichnet wurden 

(Urk. 12/2 und 12/6).  

2.5.1. Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass die Aussagen des Privat-

klägers C._____ zum Kerngeschehen – nämlich, wie ihm der Beschuldigte einen 

Finger in den Anus eingeführt habe – lebensnah, nachvollziehbar sowie ohne Wi-

dersprüche und damit glaubhaft sind (Urk. 70 S. 22). Insbesondere sprechen aber 

auch die emotionalen Reaktionen des Privatklägers C._____ dafür, dass seine 

Schilderungen tatsächlich Erlebtem entsprechen. Auf der Videoaufzeichnung ist 

zu erkennen, wie der Privatkläger C._____ um Fassung ringt und Tränen in den 

Augen hat, als er auf entsprechende Aufforderung schildert, was geschehen sei 

(Urk. 12/2, ca. ab 00:06:40). Sodann beginnt er zu weinen, als er erzählt, dass er 

erst am nächsten Morgen realisiert habe, was geschehen sei (Urk. 12/2, 

00:08:19). Auch merkt man dem Privatkläger C._____ an, dass ihn der Gedanke, 

dass die damalige Freundin des Beschuldigten ihn "zusammenscheissen" könnte, 

weil er den Vorfall erzählt hatte, sehr bedrückt (Urk. 12/2, 00:08:55). Ferner ist 

auch dem Bericht über die Videobefragung vom 5. November 2011 der dipl. Psy-

chologin F._____, welche die Befragung im Nebenraum beobachtet hat, zu ent-

nehmen, dass die Traurigkeit, das Ausgeliefertsein und die Ohnmacht des Privat-

klägers C._____ spürbar seien (Urk. 12/3 S. 2). Schliesslich ist selbst in der Ein-

-   20   - 

vernahme vom 16. März 2016, also rund vier Monate nach dem Vorfall, nach wie 

vor eine gewisse Ohnmacht und Mitgenommenheit spürbar. So kommen ihm die 

Tränen, als er schildert, er habe nach dem Vorfall jeweils Angst gehabt, wenn die 

Nachtwache zu ihm ins Zimmer gekommen sei (Urk. 12/6, ca. 00:16). 

2.5.2. Des Weiteren belastet der Privatkläger C._____ den Beschuldigten nicht 

übermässig. Er erklärt einleitend von sich aus, er habe den Beschuldigten "bis 

vordäm" einen "coolen Menschen" gefunden (Urk. 12/1 S. 2). Auf entsprechende 

Frage führt der Privatkläger C._____ aus, bis zu diesem Vorfall habe es mit dem 

Beschuldigten "normal lustig" gehabt (Urk. 12/1 S. 5) und ihn "än coole" gefun-

den. Man habe gut Witze mit ihm machen können (Urk. 12/1 S. 20). Der Privat-

kläger C._____ erklärt mehrfach, er sei sehr enttäuscht vom Beschuldigten 

(Urk. 12/1 S. 5). Er hätte nie gedacht, dass genau der Beschuldigte so etwas ma-

chen könnte. Er könne sich das nicht erklären und sei einfach sehr enttäuscht 

(Urk. 12/1 S. 20). Mithin ist beim Privatkläger C._____ ein grosses Unverständnis 

über die Handlung des Beschuldigten spürbar, was äusserst authentisch wirkt. 

Sodann ist insbesondere kein Motiv erkennbar, weshalb der Privatkläger C._____ 

diesen Vorfall erfinden und den Beschuldigten fälschlicherweise so schwer belas-

ten sollte. Auch ist nicht ersichtlich, weshalb der Privatkläger C._____ sich einbil-

den sollte, der Beschuldigte habe ihm den Finger in den Anus gesteckt, wenn die-

ser ihn bloss an den Gesässbacken berührt hätte, wie dies der Beschuldigte gel-

tend macht. 

2.5.3. Der Vorinstanz ist daher vollumfänglich zuzustimmen, wenn sie zum 

Schluss kommt, dass die emotionalen Reaktionen des Privatklägers C._____ 

derart spontan und ehrlich wirken, dass keine Zweifel an der Richtigkeit seiner 

Aussagen bestehen. An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand, dass die 

Aussagen des Privatklägers C._____ dazu, wer die Umlagerung bei ihm durchge-

führt habe, im Widerspruch zu den Aussagen des Privatklägers B._____, des Be-

schuldigten sowie von D._____ stehen. Die Vorinstanz hat nachvollziehbar aus-

geführt, dass die Umlagerung mitten in der Nacht stattgefunden hat und zu be-

denken gegeben, dass die Privatkläger jede Nacht mindestens einmal umgelagert 

werden müssen (Urk. 70 S. 19 u. 25). Mithin ist es für die Privatkläger alltäglich, 

-   21   - 

dass jemand in der Nacht ihr Zimmer betritt und sie im Bett dreht. Abgesehen da-

von, dass sie bereits eine Vielzahl Umlagerungen erlebt haben, ist auch davon 

auszugehen, dass sie dabei nicht hellwach sind und alle Details registrieren, zu-

mindest solange nichts Spezielles vorfällt. Nicht alltäglich ist hingegen der ge-

schilderte Vorfall, welchen der Privatkläger C._____ konstant und widerspruchs-

frei schildert. Da der Privatkläger registriere, wie der Beschuldigte bei ihm am Bett 

stand und ihn berührte, ist auch nachvollziehbar, dass er meinte, dieser habe 

auch die Umlagerung durchgeführt. 

2.5.4. Entgegen der Vorinstanz lässt sich auch aus den verschiedenen Zeitanga-

ben des Privatklägers C._____ zur Dauer des Einführens des Fingers in den Anus 

nichts zugunsten des Beschuldigten ableiten (vgl. Urk. 57 S. 12). Zwar ist es zu-

treffend, dass der Privatkläger C._____ in der ersten Einvernahme antwortete, es 

sei nur zwei Sekunden oder so gewesen (Urk. 12/1 S. 14) und anlässlich der 

zweiten Einvernahme, welche rund vier Monat später stattfand, von "vielleicht 

10 Sekunden oder so" sprach, wobei er bestätigte, der Beschuldigte habe den 

Finger bloss einmal eingeführt (Urk. 12/5 S. 8). Mit der unterschiedlichen Zeitan-

gabe konfrontiert antwortete der Privatkläger C._____, es sei einfach ungefähr in 

diesem Zahlenbereich. Er wisse einfach noch, dass es sich etwa so lange ange-

führt habe. Er glaube aber, es seien nur zwei Sekunden gewesen. Als der Befra-

ger ihm mittels Zählen den Unterschied von zwei Sekunden zu zehn Sekunden 

demonstriert, erklärte der Privatkläger C._____, es habe sich wie 10 Sekunden 

angefühlt, habe aber eher ca. 2 Sekunden gedauert (Urk. 12/5 S. 17 f.). Mithin 

kann der Privatkläger C._____ die unterschiedliche Zeitdauer nachvollziehbar er-

klären, zumal es als allgemein bekannt angesehen werden kann, dass ein solcher 

Übergriff subjektiv als viel länger empfunden werden kann, als er tatsächlich dau-

erte.  

2.5.5. Schliesslich liegt auch keine "technische Unmöglichkeit" des angeklagten 

Vorfalls vor, wie dies die Verteidigung und der Beschuldigte geltend machen. Der 

Privatkläger C._____ lag mit nackten Po auf der Seite im Bett. Dass er derart kor-

pulent ist, wie die Verteidigung geltend macht, wurde bereits vorstehend widerlegt 

(vgl. Ziff. I.3.5.2). Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, einen Finger ca. 

-   22   - 

einen Zentimeter tief anal in den Geschädigten C._____ eingeführt zu haben 

(Urk. 32 S. 2). Weshalb es nicht möglich sein sollte, einer mit nacktem Unterkör-

per auf der Seite liegenden Person den Finger einen Zentimeter tief in den Anus 

einzuführen, vermag die Verteidigung nicht überzeugend darzutun, zumal es hier-

für nicht notwendigerweise beide Hände braucht. Selbst wenn der Beschuldigte 

über keine pflegerische Ausbildung verfügt, war er bereits vor dem Vorfall mehre-

re Jahre im Pflegebereich tätig und folglich wohl auch mit der Anatomie eines 

Menschen durchaus vertraut war. 

2.6. Auch der Privatkläger B._____ wurde zweimal einvernommen und die Ein-

vernahmen auf Video aufgezeichnet (Urk. 13/2 und 13/6).  

2.6.1. Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass die Aussagen des 

Privatklägers B._____ insgesamt weniger präzise sind als die Aussagen des Pri-

vatklägers C._____ (Urk. 70 S. 23). Insbesondere fällt in Bezug auf die zweite po-

lizeiliche Einvernahme vom 16. März 2016 auf, dass dieser sich an nicht mehr viel 

erinnern kann und viele seiner Aussagen auf Nachfrage hin relativiert (Urk. 13/5). 

2.6.2. In Bezug auf das Kerngeschehen schilderte der Privatkläger B._____, der 

Beschuldigte habe ihm gesagt, er habe C._____ "dä Finger is Füdli gesteckt". 

Weil er immer Witze mache, habe er gedacht, das sei ein Witz. Dann habe er es 

aber bei ihm auch gemacht und er habe "wähh" gesagt. Er habe nicht so richtig 

begriffen, was passiert sei, erst am nächsten Tag (Urk. 13/1 S. 2 und S. 11). Es 

habe sich komisch angefühlt, er habe einfach einen Finger gespürt. Er habe durch 

die Pyjamahose durch gedrückt. Es sei schwierig zu erklären, es habe sich ein-

fach komisch angefühlt. Er habe einfach dort gedrückt, die Pyjamahosen seinen 

"zersch au innecho". Es habe sich "glich so grusig" angefühlt. Er sei vielleicht un-

gefähr zwei Zentimeter eingedrungen (Urk. 13/1 S. 12 f.).  

2.6.3. Die die Befragung beobachtende Psychologin F._____ hielt in ihrem Bericht 

der Videobefragung vom 5. November 2015 fest, dem Privatkläger B._____ 

scheine es etwas peinlich zu sein, über das Erlebte zu sprechen. Er schildere es 

aber doch recht spontan, bestimmt und chronologisch und könne auch auf detail-

liere Fragen gut antworten. Sodann sage er, wenn er etwas nicht wisse (Urk. 13/3 

-   23   - 

S. 2). Diese Einschätzung ist auch seitens des urteilenden Gerichts zutreffend. 

Bei der zweiten Befragung wirkt er hingegen unsicher und überfordert, hat Mühe 

sich zu konzentrieren und weiss vieles nicht mehr (vgl. auch Urk. 13/7 S. 2). 

Nichtsdestotrotz kann daraus nicht einfach abgeleitet werden, seine Aussagen 

seien per se unglaubhaft. So untermalt er seine Schilderungen teilweise mit den 

Gedanken, welche die Handlungen bei ihm ausgelöst haben, weshalb auch seine 

Schilderung, wonach er sich aufgrund der üblichen Witze des Beschuldigten ge-

dacht habe, dieser mache einen Witz, als er sagte, er habe C._____ den Finger 

ins "Füdli" gesteckt, besonders authentisch wirkt. Demgegenüber fehlen solche 

authentischen Aussagen zum Kerngeschehen und seine diesbezüglichen Aussa-

gen sind – im Gegensatz zu den Aussagen des Privatklägers C._____ – insbe-

sondere bei der zweiten Einvernahme äusserst karg. So erzählt er in der ersten 

Einvernahme, wie der Beschuldigte den vermeintlichen Witz gemacht habe, wo-

raufhin er dasselbe bei ihm auch gemacht habe. Er führte diesbezüglich aus, er 

habe "wähh" gesagt, aber "ich has nämlich gar nöd richtig tschägt […] ersch am 

nächschte Tag, han ichs tschägt was überhaupt passiert isch" (Urk. 13/1 S. 2). 

Der Beschuldigte habe ihn von der rechten Seite auf die linke Seite gedreht 

(Urk. 13/1 S. 5 f.). Er habe ihn gedreht, und nachher sei das passiert. Es sei nach 

dem Drehen passiert (Urk. 13/1 S. 6 und 8). Es sei ausgeschlossen, dass der Be-

schuldigte ausversehen mit dem Finger "ins Füdli" gerutscht sei, weil er ja erzählt 

habe, dass er es bei C._____ gemacht habe (Urk. 13/1 S. 9 und S. 17). Beim 

Drehen habe er ihm gesagt, er habe C._____ "dä Finger is Arsch gsteckt" und 

nachher habe er es bei ihm auch gemacht (Urk. 13/1 S. 10). Er habe ihm den 

Zeigfinger ins Füdli gesteckt. Auf Nachfrage erklärte der Privatkläger B._____, er 

sei sich nicht sicher, ob es der Zeigfinger gewesen sei, aber er habe das Gefühl 

gehabt. Es habe sich komisch angefühlt, er habe den Finger gespürt. Wiederum 

auf Nachfrage erklärte er, er habe die Pyjamahose angehabt und "dänn häts 

eifach dört druckt", "aso sind Pyschamahosä zersch au inne cho…", was sich 

"grusig" angefühlt habe (Urk. 13/1 S. 11 f.). Auf die Frage, wie er sich nachher ge-

fühlt habe, antwortete der Privatkläger, er habe einfach schlafen wollen. Er habe 

sich keine grossen Gedanken mehr gemacht und sei eingeschlafen. Ihm sei erst 

am nächsten Tag klar geworden, was passiert sei. Es sei ein ganz komisches Ge-

-   24   - 

fühl gewesen, weil er gar nicht genau verstanden habe, warum der Beschuldigte 

das gemacht habe (Urk. 13/1 S. 18 f.). In der zweiten Einvernahme kann der Pri-

vatkläger B._____ hingegen viele Fragen nicht mehr beantworten. Er erklärte, er 

wisse von dieser Szene nur noch, dass er ihm den Finger ins Füdli gesteckt habe 

(Urk. 13/5 S. 8). Er wisse nicht mehr, wie sich das angefühlt habe, als der Be-

schuldigte ihm den Finger ins Füdliloch gesteckt habe (Urk. 13/5 S. 9). Er sei sich 

nicht ganz sicher ob die Pyjamahose ins Füdliloch gekommen sei (Urk. 13/1 

S. 10). Auf die Frage, was geschehen sei, nachdem die Betreuer das Zimmer ver-

lassen hatten, erklärte der Privatkläger B._____, es sei nicht mehr viel passiert, 

sie hätten glaublich noch ein wenig darüber gesprochen, zwei, drei Worte, dann 

hätten sie geschlafen. C._____ habe ihm gesagt, dass der Beschuldigte das ge-

macht habe. Auf Nachfrage, ob er ihm das in jener Nacht gesagt habe, erklärte 

B._____: "ich ha gmeint scho", er wisse es aber nicht mehr (Urk. 13/5 S. 13 f.). 

Zusammenfassend fällt auf, dass B._____ bei der zweiten Einvernahme keine ei-

genständigen Schilderungen zum Geschehenen machen kann, sondern bloss 

noch auf immer detailliertere Fragen antwortet, wobei er selbst dann meistens 

sagt, er könne sich nicht mehr erinnern bzw. wisse es nicht. 

2.6.4. Auch der Privatkläger B._____ betonte wiederholt, er habe den Beschuldig-

ten einen coolen Typen gefunden. Dieser habe halt immer Witze gemacht 

(Urk. 13/1 S. 2 f., S. 19). Er könne nicht verstehen, weshalb er das gemacht habe 

(Urk. 13/1 S. 19). Mithin ist auch beim Privatkläger B._____ kein Grund ersicht-

lich, weshalb er den Beschuldigten falsch belasten sollte, zumal er ihn folglich vor 

diesem Vorfall positiv wahrgenommen hatte. Nichtsdestotrotz verbleiben aber 

aufgrund der Aussagen von B._____ gewisse Zweifel, ob sich der Vorfall tatsäch-

lich wie angeklagt ereignet hat, insbesondere da er sich rund vier Monate später 

praktisch nicht mehr erinnern kann. Nicht ganz auszuschliessen ist jedenfalls, 

dass der Privatkläger B._____ aufgrund der Gespräche mit C._____ die nächtli-

che Situation falsch interpretierte. So unterhielten sich die beiden Privatkläger am 

nächsten Morgen darüber, was in der Nacht geschehen war. Bei der ersten Ein-

vernahme schilderte er die Aussage des Beschuldigten, wonach dieser C._____ 

den Fingern in den Arsch gesteckt habe, und untermauert diese auch mit den 

Gedanken, welche ihm dabei durch den Kopf gegangen seien. Auch dass der Be-

-   25   - 

schuldigte ihn versehentlich berührt habe, schloss er aufgrund dessen Aussage, 

wonach dieser C._____ den Fingern in den Arsch gesteckt habe, aus. Mithin fällt 

auf, dass ihm diese Aussage zentral in Erinnerung geblieben ist, während er den 

eigentlichen Vorfall nur vage und auf Nachfrage beschreiben konnte. Des Weite-

ren trug der Privatkläger B._____ an jenem Abend unbestrittenermassen Pyjama-

hosen, was ein Eindringen in den Anus zweifelsohne erschwert. 

2.7. Der Beschuldigte sagte in sämtlichen Einvernahmen aus, er habe die Pri-

vatkläger lediglich mit den Fingern an einer Gesässbacke angestupst. 

2.7.1. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 5. November 2015 führte der 

Beschuldigte zum Kerngeschehen aus, er habe herumgealbert und dabei dem 

Privatkläger B._____ durch die Pyjamahose gegen seine Pobacke gedrückt und 

gesagt, "chasch en Ilauf ha". Anschliessend sei er zu C._____ gegangen, welcher 

nackt schlafe und gelacht habe, habe einen Stift aus seinem Hosensack genom-

men, ihn angetippt und gesagt, "pass uf, susch chasch au grad eine ha" 

(Urk. 10/1 S. 4 f.). Mit dem Tatvorwurf konfrontiert erklärte er, das stimme nicht, 

und wenn, dann hätte er das mit dem Schreiber gemacht. Um in den Anus zu ge-

langen müsse man die Pobacken auseinanderdrücken, man müsse zielen. Sonst 

wäre es ein Zufallstreffer mit dem Schreiber (Urk. 10/1 S. 6). Anlässlich der 

Hafteinvernahme vom 6. November 2015 erklärte er, er habe zuerst C._____ am 

Gesäss angestupst und gesagt, er solle nicht lachen, dann habe er das Gleiche 

mit B._____ gemacht (Urk. 10/2 S. 2). Ausserdem korrigierte er seine ersten Aus-

sagen dahingehen, dass er sich nicht sicher sei, ob er C._____ mit dem Stift be-

rührt habe. Auch habe er das mit dem Einlauf nicht gesagt. Die Reihenfolge sei so 

gewesen, dass er zuerst C._____ angestupst habe und dann B._____ (Urk. 10/2 

S. 3). Seiner Meinung könne der Tatvorwurf so nicht passieren. C._____ habe 

grosse Pobacken. Um in den Anus einzudringen, hätte er mit einer Hand die Po-

backen spreizen und den Anus suchen müssen, was allenfalls mit Vaseline gelin-

gen könnte. B._____ habe ein Pyjama getragen, deshalb könne es gar nicht sein, 

dass er in seinen Anus eingedrungen sei (Urk. 10/2 S. 8). Auch anlässlich der 

Konfrontationseinvernahme hielt der Beschuldigte daran fest, die beiden Privat-

kläger bloss gegen die "Füdlibacken" gestupst zu haben, nicht aber mit seinem 

-   26   - 

Finger in deren Anus eingedrungen zu sein (Urk. 10/3 S. 3 f.). Er habe sich einen 

Spruch zu B._____ gemacht, könne sich aber nicht erinnern, dass er gesagt habe 

"Ich han am C._____ de Finger is Füdliloch inegsteckt" (Urk. 10/3 S. 5). Ferner 

bestritt er die Aussage von D._____, wonach er seinen Finger in den Gesässspalt 

von C._____ gesteckt habe (Urk. 10/63 S. 7 f.). Sodann bestritt er auch in der 

Schlusseinvernahme den Schlussvorhalt (Urk. 10/4 S. 5) und hielt auch vor Vo-

rinstanz daran fest, die Privatkläger bloss an der Pobacke berührt zu haben. Sei-

ner Meinung nach sei das auch technisch nicht möglich. Er könne sich nicht vor-

stellen, dass er diesen Spruch gemacht habe, aber er wisse nicht mehr genau, 

was er gesagt habe (Prot. I S. 19 f.). Im Berufungsverfahren brachte er schliess-

lich im Wesentlichen vor, er habe zunächst einen "Joke" gemacht und das Bett 

von B._____ gekehrt. Dann habe er zu C._____ einen dummen Spruch gemacht, 

von wegen "Du kannst auch einen Einlauf haben" oder so etwas, er wisse es nicht 

mehr genau. Dabei habe er ihn an den Gesässbacken berührt, um ihn zu er-

schrecken. Daraufhin habe B._____ irgendwie reagiert und er sei zu ihm gegan-

gen und habe ihn ebenfalls am Gesäss berührt. Es sei alles sehr schnell gegan-

gen (Urk. 118 S. 6 ff.). Es sei möglich, dass er einen Spruch in diese Richtung 

gemacht habe, er wisse es nicht mehr, aber sicher einen dummen Spruch. Es 

stimme nicht oder er könne sich nicht daran erinnern, dass er zu B._____ gesagt 

habe, er habe C._____ "än finger is Füdli" gesteckt. (Urk. 118 S. 9). Er könne sich 

nicht vorstellen, wie er bloss mit einer Hand und ohne den Anus zu suchen einen 

Finger in den Anus gesteckt haben sollte, das sei technisch nicht möglich 

(Urk. 118 S. 11). Die Jungs hätten wahrscheinlich miteinander gesprochen und 

etwas aufgebauscht (Urk. 118 S. 12).  

2.7.2. Mit der Vorinstanz fällt auf, dass der Beschuldigte darum bemüht ist, sich 

selber in einem guten Licht darzustellen. So ist beispielsweise durch die kon-

stanten Aussagen von D._____ belegt, dass Auslöser der Berührung des Be-

schuldigten wohl ein Spruch betreffend Darmspülung oder Analtampons war (vgl. 

nachfolgend Ziff. III.2.7.), was der Beschuldigte zunächst selber einräumte, später 

aber wieder bestritten hatte und anlässlich der Berufungsverhandlung wieder für 

möglich erklärte. Er beschreibt ausführlich und detailliert, wie er das Bett von 

B._____ scherzeshalber gedreht habe, während seine Schilderung zum Kernge-

-   27   - 

schehen, dem Anstupsen der Privatkläger weniger detailliert und auch nicht wi-

derspruchsfrei sind. Demgegenüber betont er immer wieder die technische Un-

möglichkeit des Tatvorwurfs. Allerdings ist der Vorinstanz zuzustimmen ist, dass 

das Eindringen eines Fingers von bloss 1 bis 2 cm auch ohne Vaseline und Aus-

einanderdrücken der Pobacken möglich ist. Zu bedenken ist diesbezüglich auch, 

dass der Beschuldigte selber ausführte, der Privatkläger C._____ erhalte jeden 

Morgen Micro-Klits, damit sein Stuhlgang flüssiger werde (Urk. 10/4 S. 2). Mithin 

ist sich der Privatkläger folglich gewohnt, dass ihm etwas rektal in den Anus ein-

geführt wird. Hinzu kommt, dass der Privatkläger in besagtem Moment beinahe 

schlafend im Bett lag und nicht damit rechnete, dass ihm der Beschuldigte anal 

einen Finger einführt, weshalb er wohl auch nicht verkrampft war, was das Ein-

dringen eines Fingers auch ohne Vaseline erleichtert. Schliesslich fällt mit der Vo-

rinstanz auch auf, dass der Beschuldigte dazu neigt, seine eigenen Handlungen 

zu bagatellisieren (vgl. zum Ganzen Urk. 70 S. 30 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2.7.3. Entscheidend gegen die Darstellung des Beschuldigten und für die Darstel-

lung der Privatkläger spricht aber insbesondere, dass kein Grund ersichtlich ist, 

weshalb insbesondere der Privatkläger C._____ derart aufgewühlt sein sollten, 

wenn der Beschuldigte die Privatkläger tatsächlich bloss im Scherz an die Poba-

cken gestupst haben sollte, zumal diese ja betonten, den Beschuldigten einen 

"coolen Typ" gefunden zu haben, weil dieser immer Witze gemacht habe.  

2.8. Die ehemals Mitbeschuldigte D._____, welche zum Zeitpunkt der ange-

klagten Vorfälle die Freundin des Beschuldigten war und sich als Nacht-

wachenhilfe ebenfalls im Zimmer der Privatkläger befand, sagte anlässlich der 

ersten Einvernahme bei der Stadtpolizei Zürich am 6. November 2015 aus, der 

Beschuldigte habe manchmal "eine saudumme Fresse". Er habe C._____ gesagt, 

er bekomme jetzt einen Analtampon und diesen mit dem Finger "angetöppelt". Er 

habe C._____ am Füdli angefasst. Auf die Frage, ob am Anus, antwortete sie 

"Mmm. Ich glaube ja, oder nebendran". Für sie habe es nicht so ausgesehen, als 

sei er mit dem Finger anal eingedrungen (Urk. 11/1 S. 4 ff.). Auch anlässlich der 

Einvernahme vom 14. Januar 2016 durch die Staatsanwaltschaft erklärte sie, der 

Beschuldigte habe herumgeblödelt und zu C._____ gesagt, er erhalte eine 

-   28   - 

Darmspülung oder einen Analtampon. Dabei habe er auch gegen das Gesäss von 

C._____ gestupst (Urk. 11/2 S. 5). Sie habe eine Berührung gesehen. Der Be-

schuldigte habe den Hintern von C._____ mit seinem Zeigefinger gestupst. Auf 

die Frage, wo genau er den Hintern berührt habe, antwortete sie: "Ich würde 

schon sagen, dass es in der Nähe des Anus von C._____ war.". Sie könne nicht 

bestätigen, dass der Beschuldigte mit dem Finger oder sonst etwas in den Anus 

von C._____ eingedrungen sei, das habe sie nicht gesehen (Urk. 11/2 S. 7). An-

lässlich der Konfrontationseinvernahme vom 5. Juli 2016 erklärte sie zur Aussage 

des Beschuldigten, er habe C._____ an die "Füdlibacken" gestupst, sie könne zu 

100% sagen, dass er ihn so angestupst, habe, weil er herumgewitzelt habe. Auf 

die Frage, wo am Gesäss er den Geschädigten C._____ angestupst habe, ant-

wortete sie, sie denke schon in der Nähe des Gesässes. Sie denke, in der Nähe 

des "Füdlis". Auf die Frage, wo am Gesäss erklärte sie, sie nehme schon an in 

der Nähe des Anus. Sie habe aber nicht gesehen, dass er eingedrungen sei. Er 

habe einen Spruch gemacht von wegen Einlauf und so. Auf die Frage, ob er den 

Geschädigten im Gesässspalt angefasst habe, erklärte sie, sie denke es, sie kön-

ne es aber nicht zu 100% sagen. Sie nehme an, dass er ihn dort berührt habe. 

Ferner relativierte sie ihre ursprüngliche Aussage betreffend Analtampon. Es kön-

ne sein, dass er das mit der Darmspülung gesagt habe, weil er immer solche 

Sprüche gemacht habe. Sie wisse aber nicht, ob er das mit dem Analtampon ge-

sagt habe. Es sei einfach ein Spruch, den er auch schon einmal gemacht habe 

(Urk. 10/3 S. 4 f.). D._____ führte sodann aus, sie wisse nicht mehr, dass der Be-

schuldigte zu B._____ gesagt habe, er habe C._____ einen Finger ins Füdliloch 

gesteckt. Sie wisse gar nicht, ob er das gesagt habe oder nicht, aber sie sei ein 

bisschen schockiert gewesen, weil sie das gar nicht gehört habe. Falls er das 

wirklich gesagt habe, habe sie das nicht gehört. Sie habe dem keine Beachtung 

geschenkt, also dem Herumblödeln allgemein habe sie keine grosse Beachtung 

geschenkt (Urk. 10/3 S. 6). Schliesslich erklärte sie auf die Abrede des Beschul-

digten, er habe die "Füdlibacke" und nicht den Gesässspalt berührt, "Das ist noch 

schwierig, er muss wissen was er gemacht hat. Wenn es zwischen den Gesäss-

backen war… Ich konnte ja nicht so genau hinsehen. Ich habe es einfach ange-

nommen. Ich müsste ja ganz nahe hingehen, um dies zu sehen (Urk. 10/3 S. 7). 

-   29   - 

Auf erneute Nachfrage, ob sie gesehen habe, wohin der Beschuldigte mit dem 

Zeigefinger gestupst habe, erklärte sie wiederum "Einfach beim Gesäss. Danach 

hat es ausgesehen." "Zwischen den Gesässbacken." Das habe sie selber gese-

hen (Urk. 10/3 S. 8). In der Schlusseinvernahme erklärte sie demgegenüber, sie 

wolle ihre bisherigen Aussagen dahingehend korrigieren, als das mit dem "Füdli-

schlitz" nicht stimme. Sie habe bisher immer von "Füdlibacke" gesprochen. Sie 

wisse nicht, warum sie das so gesagt habe. Sie stehe im Moment enorm unter 

Druck, es sei wie eine Art Prüfungsangst (Urk. 11/3 S. 2). Zum Schlussvorhalt 

führte sie aus, sie habe so etwas nicht gesehen (Urk. 11/3 S. 7). Vor Vorinstanz 

hielt sie an dieser Version fest. Der Beschuldigte habe C._____ einfach an den 

Pobacken berührt. Sie habe nicht gesehen, dass der Beschuldigte in den Anus 

von C._____ eingedrungen sei. Die Berührung sei ihr nicht komisch vorgekom-

men, es sei sehr schnell geschehen. Sie habe auch nicht gehört, dass der Be-

schuldigte zu B._____ gesagt habe, "ich han am C._____ de Finger in Arsch ge-

steckt" (Prot. I S. 27 f.).  

2.8.1. Mit der Vorinstanz fällt auf, dass die Aussagen von D._____ in Bezug auf 

die dem Beschuldigten vorgeworfene Tathandlung bis zur Schlusseinvernahme 

konstant und detailreich und damit grundsätzlich glaubhaft sind (vgl. Urk. 70 

S. 33 f.). Allerdings kommt es in der Schlusseinvernahme und anschliessend in 

der Hauptverhandlung zu einem Strukturbruch, welcher nicht nachvollziehbar er-

scheint, selbst wenn sie sich während der Befragung unter Druck gefühlt haben 

sollte. Während drei Befragungen erklärte sie immer, der Beschuldigte habe 

C._____ im Gesässspalt berührt. Insbesondere hielt sie daran anlässlich der Kon-

frontationseinvernahme fest, obwohl der Beschuldigte dies in Abrede stellte und 

mehrfach nachgefragt worden war. Wenn sie nun ab der Schlusseinvernahme auf 

einmal vorbringt, sie habe jeweils "Füdlibacke" gemeint anstelle von "Füdlispalt", 

so erscheint das nicht glaubhaft.  

2.8.2. Somit ergibt sich auch aus den Aussagen von D._____, dass der Beschul-

digte den Privatkläger C._____ im Gesässspalt berührte und dabei einen Witz be-

treffend Darmspülung oder Analtampons machte. Demgegenüber lässt sich zum 

Vorfall in Bezug auf den Privatkläger B._____ den Aussagen von D._____ nichts 

-   30   - 

Wesentliches entnehmen, ausser dass sie nicht gehört hatte, wie der Beschuldig-

te diesem sagte, er habe C._____ einen Finger ins "Füdli" gesteckt, wobei sie 

aber auch ausführte, sie habe dem Herumblödeln keine grosse Beachtung ge-

schenkt. 

2.9. Schliesslich lässt sich auch aus den Gutachten des Instituts für Rechtsme-

dizin der Universität Zürich vom 11. bzw. 14. Dezember 2015 (Urk. 16/1 und 16/3) 

sowie aus dem Kurzbericht des Forensischen Instituts Zürich vom 19. Dezember 

2015 (Urk. 15/4) nicht zugunsten des Beschuldigten ableiten. Dass keine DNA-

Spuren des Beschuldigten gefunden wurden deckt sich mit den Darstellungen der 

Privatkläger, wonach der Beschuldigte Plastikhandschuhe getragen habe. So-

dann konnten bei den Privatklägern zwar keine Verletzungen am Anus festgestellt 

werden, was jedoch gemäss den Gutachten nicht ausschliesst, dass ein Finger in 

den Anus eingeführt worden sei (Urk. 16/1 S. 3 und Urk. 16/2 S. 3).  

2.10. Mit der Vorinstanz ist daher der Sachverhalt gemäss Anklageschrift nach 

Würdigung sämtlicher Beweismittel und insbesondere gestützt auf die äusserst 

glaubhaften Aussagen des Privatklägers C._____ sowie die ebenfalls durchaus 

glaubhafte Aussage des Privatkläger B._____, wonach der Beschuldigte ihm ge-

sagt habe, er habe C._____ "än Finger is Füdli gsteckt", in Bezug auf die Hand-

lung zum Nachteil von C._____ als erstellt anzusehen (vgl. Urk. 70 S. 35).  

2.11. Demgegenüber verbleiben in Bezug auf die Handlung zum Nachteil von 

B._____ gewisse Zweifel, welche nicht bloss abstrakter Natur sind. Ausser den 

Aussagen von B._____, welcher sich nur vier Monate nach dem Vorfall praktisch 

nicht mehr erinnern konnte, liegen keinerlei Beweismittel vor, zumal auch 

D._____ – im Gegensatz zum Vorfall bei C._____ – keine Beobachtungen ma-

chen konnte. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter 

nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts 

überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich 

der Sachverhalt so verwirklicht hat. Eine Verletzung dieses Grundsatzes liegt vor, 

wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen, 

wobei bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend sind, weil sol-

che immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es 

-   31   - 

muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um 

solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (statt vieler: BGE 120 

Ia 31 E. 2.c). Angesichts der vorerwähnten Zweifel ist der Beschuldigte daher in 

Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo vom Vorwurf der Schändung im 

Sinne von Art. 191 StGB sowie der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne 

von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers B._____ freizu-

sprechen. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten in Überein-

stimmung mit der Anklage als mehrfache Schändung im Sinne von Art. 191 StGB 

sowie mehrfache sexuelle Handlung mit einem Kind im Sinne von Art. 187 StGB 

(Urk. 70 S. 35 ff.; Urk. 32 S. 3).  

2.1. Die Verteidigung stellte sich demgegenüber vor Vorinstanz wie auch im Be-

rufungsverfahren auf den Standpunkt, die angeklagten Handlungen seien keine 

"sexuellen Handlungen" im Sinne von Art. 187 und 191 StGB. Gemäss der 

Rechtsprechung seien nur Verhaltensweisen als sexuelle Handlungen zu quali-

fizieren, welche nach ihrem äusseren Erscheinungsbild eindeutig sexualbezogen 

seien. Vorliegend gebe es keine Anzeichen, dass die Handlungen ein sexuelles 

Verlangen bei den Geschädigten oder dem Beschuldigten hätten hervorrufen oder 

befriedigen können, sondern es sei direkte Folge des "Herumblödelns" des Be-

schuldigten gewesen, zumal bekannt sei, dass der Beschuldigte oft Witze mache, 

welche Dritte möglicherweise als derb empfinden hätten können. Ferner gehöre 

der Anus streng genommen auch nicht zu den männlichen Genitalien bzw. der 

Anus sei kein Sexualorgan. Das Einführen eines Fingers beim Herumblödeln 

durch den heterosexuellen Beschuldigten sei nicht auf die Erregung oder Be-

friedigung geschlechtlicher Lust gerichtet gewesen. Somit fehle der nach der 

Rechtsprechung nötige eindeutige Sexualbezug, weshalb der objektive Tat-

bestand nicht erfüllt sei. In Bezug auf die sexuelle Handlung mit Kindern sei der 

objektive Tatbestand auch deshalb nicht erfüllt, weil das kurzzeitige und nicht tiefe 

-   32   - 

Einführen eines Fingers in den Anus die sexuelle Entwicklung der Privatkläger 

nicht gefährde. Schliesslich sei auch der subjektive Tatbestand nicht erfüllt, da 

sich der Beschuldigte des sexuellen Charakters seines Tuns nicht bewusst gewe-

sen sei und zwar auch nicht im Sinne eines Eventualvorsatzes (Urk. 57 S. 16 f.; 

Urk. 120 S. 16 ff.). 

2.2. Die Staatsanwaltschaft wendet demgegenüber ein, die Vorinstanz habe die 

rechtliche Würdigung korrekt vorgenommen. Es habe keine medizinische oder 

pflegerische Indikation vorgelegen, gemäss welcher der Beschuldigte mit dem 

Finger in den Anus der Geschädigten hätte eindringen müssen, weshalb die 

Handlung sexualbezogen gewesen sein. Eine erhebliche Gefährdung des Kindes 

sei zudem nicht erforderlich, da sexuelle Handlungen mit Kindern abstrakte Ge-

fährdungsdelikte seien. Auch sei nicht vorausgesetzt, dass die Handlung auf die 

Erregung bzw. Befriedigung geschlechtlicher Lust ausgerichtet sei (Prot. II 

S. 13 f.).  

3.1. Nach Art. 187 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer mit einem Kind unter 16 Jahren 

eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es 

in eine sexuelle Handlung einbezieht. Eine Schändung nach Art. 191 StGB 

begeht, wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in 

Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer 

anderen sexuellen Handlung missbraucht.  

3.2. Als sexuelle Handlungen im Sinne von Art. 187 und Art. 191 StGB gelten 

Verhaltensweisen, die für den Aussenstehenden nach ihrem äusseren Erschei-

nungsbild vom Standpunkt eines objektiven Betrachters aus eindeutig sexualbe-

zogen sind. Das Tatmotiv, das subjektive Empfinden oder die Bedeutung solcher 

eindeutig sexualbezogenen Handlungen für Täter und Opfer sind dabei belanglos 

(Trechsel/Bertossa, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 187 N 5 und Art. 191 N 6). 

Entgegen der Verteidigung liegt bei einer objektiven Betrachtungsweise beim Ein-

führen eines Fingers in den Anus eindeutig ein Sexualbezug vor, wenn keine me-

dizinische Notwendigkeit dafür besteht, wie beispielsweise beim Einführen eines 

Zäpfchens oder eines Einlaufs. So wird auch in der Lehre das Einführen von Ge-

-   33   - 

genständen in den Anus als Beispiel für sexuelle Handlungen genannt (Maier, in 

Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Balser Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl., Basel 2013, 

Art. 187 N 11). Das Motiv des Beschuldigten ist daher unerheblich, zumal unbe-

strittenermassen keine medizinische Notwendigkeit für das Einführen des Fingers 

bestand. Schliesslich weist die Staatsanwaltschaft zu Recht darauf hin, dass es 

sich bei Art. 187 StGB um ein abstraktes Gefährdungsdelikt handelt (Maier, 

a.a.O., Art. 187 N 7), weshalb unerheblich ist, ob die sexuelle Handlung die kör-

perlich-seelische Entwicklung des Kindes tatsächlich beeinträchtigt (Weder, in: 

Donatsch [Hrsg.], OF Kommentar StGB, 20. Aufl., Zürich 2018, Art. 187 N 11a). 

3.3.  In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. 

Dabei braucht der Täter keine exakte Vorstellung darüber zu haben, welche Be-

deutung sein Verhalten für das betroffene Opfer hat. Der Täter sollte sich aber die 

zugrundeliegende soziale Wertung seines Verhaltens in groben Zügen vorstellen 

können. Zudem ist erforderlich, dass der Täter weiss oder zumindest in Kauf 

nimmt, dass das Kind unter 16 Jahre alt ist und mehr als 3 Jahre jünger ist als er 

(Maier, in Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Balser Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl., Ba-

sel 2013, Art. 187 N 21). Der Beschuldigte musste sich bewusst sein, dass sein 

Verhalten gesellschaftlich inadäquat war, auch wenn er nicht aus sexuellen Moti-

ven handelte. Ferner wusste der Beschuldigte, dass der Privatkläger C._____ 

aufgrund seiner Erkrankung widerstandsunfähig war. Auch nahm er – wie die Vo-

rinstanz zutreffend ausführte – zumindest in Kauf, dass C._____ noch keine 

16 Jahre alt war (vgl. Urk. 70 S. 37). Somit ist Eventualvorsatz sowohl in Bezug 

auf die Schändung als auch auf die sexuellen Handlungen mit Kindern gegeben. 

4. Zusammenfassend ist die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz korrekt 

(vgl. Urk. 70 S. 35 ff.), weshalb sich der Beschuldigte der Schändung im Sinne 

von Art. 191 StGB sowie der sexuellen Handlung mit einem Kind im Sinne von 

Art. 187 StGB zum Nachteil des Privatklägers C._____ schuldig gemacht hat. 

https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/1fb2d91c-389e-48f8-96d1-85b780d05f44?source=document-link&SP=4|hmqwkc
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/1fb2d91c-389e-48f8-96d1-85b780d05f44?source=document-link&SP=4|hmqwkc

-   34   - 

IV. Sanktion 

1. Strafzumessung 

1.1. Die Vorinstanz hat im Rahmen ihrer Strafzumessung einleitende Erwägun-

gen zu den allgemeinen Grundsätzen der Strafzumessung sowie zum Straf-

rahmen gemacht. Auf diese zutreffenden und mit der einschlägigen Lehre und 

Rechtsprechung im Einklang stehenden Erwägungen kann zur Vermeidung unnö-

tiger Wiederholungen in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO vorab verwiesen 

werden (Urk. 70 S. 38 f.).  

1.2. Zu berücksichtigen ist ferner, dass per 1. Januar 2018 ein neues  

Sanktionenrecht in Kraft getreten ist, wonach eine Geldstrafe höchstens 

180 Tagessätze und der Tagesansatz mindestens Fr. 30.– beträgt, wobei eine 

Senkung auf Fr. 10.– möglich ist, wenn die persönlichen und wirtschaftlichen Ver-

hältnisse des Täters dies gebieten (Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB). Im vorliegenden 

Berufungsverfahren beantragt die Anklagebehörde für den Beschuldigten eine 

Geldstrafe von 300 Tagessätzen (Urk. 71 S. 3), während die Vorinstanz ihn zu ei-

ner Geldstrafe von 180 Tagessätzen verurteilte (Urk. 70 S. 48). Mithin stellt sich 

im Falle einer Korrektur des Strafmasses durch das Berufungsgericht die Frage 

nach dem anwendbaren Recht. Gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist das mildere Recht 

anwendbar, wenn ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten einer Ge-

setzesänderung begangen wurde, die Beurteilung aber erst nachher erfolgt. Weil 

eine Geldstrafe gegenüber einer Freiheitsstrafe milder ist (BGE 134 IV 82 

E. 7.2.2), sind für vor dem 1. Januar 2018 begangene Straftaten mittlerer Krimi-

nalität, die nach altem Recht eine Geldstrafe von 180 bis 360 Tagessätzen indi-

zieren, weiterhin solche Geldstrafen auszufällen (Heimgartner, in: Donatsch/ 

Heimgartner/ Isenring/Weder [Hrsg.], OFK/StGB Kommentar, 20. Aufl., Zürich 

2018, Art. 34 N 7). 

1.3. Die Vorinstanz ging in Bezug auf die Schändung zum Nachteil des Privat-

klägers C._____ von einem sehr leichten Verschulden aus und setzte die hypo-

thetische Einsatzstrafe auf 100 Tagessätze Geldstrafe fest. Die Schändung zum 

Nachteil des Privatklägers B._____ sowie die sexuellen Handlungen mit Kindern 

-   35   - 

berücksichtigte sie aufgrund des sehr engen Zusammenhanges mit 50 Tagessät-

zen bzw. mit 30 Tagessätzen leicht straferhöhend, weshalb sie insgesamt eine 

Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 70.– aussprach sowie auf die Ausfällung 

einer Verbindungsstrafe verzichtete (Urk. 70 S. 39 ff.). 

1.4. Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich wendet demgegenüber ein, 

es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz das objektive Tatverschulden 

als sehr leicht bis leicht einstufe, wenn sie – zu Recht – erwogen habe, dass er-

schwerend ins Gewicht falle, dass der Privatkläger besonders schutzbedürftig sei 

und es grosses Vertrauen gegenüber den ihn betreuenden Pflegern bedürfe, wel-

ches massiv missbraucht worden sei. Aufgrund des grossen Vertrauensmiss-

brauchs einerseits und der Ausnützung der Schutzbedürftigkeit andererseits sei 

das Verschulden vielmehr als eher leicht einzustufen. In subjektiver Hinsicht sei 

sodann nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz dem Beschuldigten habe zu-

gutehalten können, dass er nicht erkannt habe, dass er eine Grenze überschritten 

habe und sich der Auswirkung seiner Tat nicht bewusst gewesen sei. Gesamthaft 

sei von einem eher leichten Tatverschulden auszugehen, weshalb unter Be-

rücksichtigung des Strafrahmens von einer Einsatzstrafe von 200 Tagessätzen 

auszugehen sei. Weil diese Ausführungen auch für das Delikt zum Nachteil von 

B._____ zutreffend seien, sei auch hierfür von einer Einsatzstrafe von 

200 Tagessätzen auszugehen. Demgegenüber seien die Ausführungen für die 

sexuellen Handlungen mit Kindern sowie die diesbezügliche Einsatzstrafe von 

30 Tagessätzen zutreffend. In Anwendung des Asperationsprinzips sowie unter 

Berücksichtigung der Täterkomponente, welche sich strafzumessungsneutral 

auswirke, erscheine daher eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen dem Verschul-

den und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. 

Schliesslich habe die Vorinstanz die Tagessatzhöhe zu Recht auf Fr. 70.– festge-

legt (Urk. 71 S. 2 f.; Urk. 122 S. 2).  

1.5. Die Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, der Vorinstanz sei beizu-

pflichten, dass die objektive und subjektive Tatschwere als sehr leicht einzustufen 

sei. Dass die Geschädigten schutzbedürftig seien, werde bereits bei der Sub-

sumtion unter den Tatbestand der Schändung berücksichtigt und dürfe bei der 

-   36   - 

Strafzumessung nicht zweimal berücksichtigt werden. In subjektiver Hinsicht liege 

keine absichtliche Grenzüberschreitung vor. Gesamthaft sei daher von einem 

sehr leichten Verschulden auszugehen. Zu berücksichtigen sei schliesslich, dass 

der Beschuldigte inzwischen Vater geworden sei und er bereits kurz nach der in-

kriminierten Tat bei ehemaligen Bewohnern des Heims wieder als Pfleger gear-

beitet und sich auch nicht gescheut habe, Nachtdienst zu leisten (Urk. 120 

S. 21 ff.9.). 

1.6. Schändung 

1.6.1. In Bezug auf die objektive Tatschwere zum Nachteil des Privatklägers  

C._____ hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass die Tathandlung im wei-

ten Spektrum aller denkbar möglichen Tathandlungen im Sinne von Art. 191 StGB 

im unteren Bereich anzusiedeln ist, da er dem Privatkläger den Finger lediglich für 

wenige Sekunden ca. 1-2 Zentimeter tief in den Anus einführte. Zugunsten des 

Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass die Tat nicht von langer Hand geplant 

war, sondern spontan während des "Herumblödelns" erfolgte. Mit der Staatsan-

waltschaft ist aber erschwerend zu berücksichtigen, dass der Privatkläger 

C._____ besonders schutzbedürftig ist und auf die Hilfe des Beschuldigten ange-

wiesen war. Er kann aufgrund seiner Krankheit lediglich seine Arme und seinen 

Kopf bewegen und ist daher – insbesondere nackt im Bett liegend – absolut wehr-

los. Entsprechend muss er seinen Pflegepersonen grosses Vertrauen entgegen-

bringen, welches der Beschuldigte massiv missbrauchte (vgl. Urk. 70 S. 39). Ent-

gegen der Verteidigung ist dieser Umstand sehr wohl erschwerend zu berücksich-

tigen, da durchaus auch Schändungen denkbar sind, bei welchen das Opfer nicht 

in einem solchen Abhängigkeitsverhältnis zum Täter steht. Gesamthaft betrachtet 

ist daher in objektiver Hinsicht von einem leichten Verschulden auszugehen, wes-

halb die hypothetische Einsatzstrafe unter Berücksichtigung des Strafrahmens 

von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe auf 180 Tagessätze festzusetzen ist. 

1.6.2. In subjektiver Hinsicht kann dem Beschuldigten mit der Staatsanwaltschaft 

und entgegen der Vorinstanz nicht zugute gehalten werden, dass er nicht er-

kannte, eine Grenze zu überschreiten. Der Beschuldigte verfügt über langjährige 

Berufserfahrung in der Pflege, weshalb er zweifellos wissen musste, dass der  

-   37   - 

– wehrlose – Privatkläger C._____ ihm uneingeschränktes Vertrauen gegenüber 

brachte. Selbst beim Herumalbern musste ihm bewusst sein, wo die objektiven 

Grenzen liegen und dass er nicht einfach aus vermeintlich lustigen Absichten eine 

solche Grenzüberschreitung begehen dufte. Zu Gunsten des Beschuldigten ist 

einzig zu berücksichtigen, dass er nicht aus sexuellen Motiven und lediglich even-

tualvorsätzlich handelte. Insgesamt vermag das subjektive das objektive Ver-

schulden lediglich leicht zu relativieren, weshalb gesamthaft von einem leichten 

Verschulden auszugehen und die hypothetische Einsatzstrafe auf 

160 Tagessätze zu reduzieren ist. 

1.7. Sexuelle Handlungen mit Kindern 

In Bezug auf den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 

Art. 187 Ziff. 1 StGB kann in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich 

auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 70 

S. 40 f.). Aufgrund des sehr engen Zusammenhangs der Schändung und der se-

xuellen Handlungen mit Kindern sowie der sehr ähnlichen Rechtsgüter, welche 

durch diese beiden Tatbestände geschützt werden, sowie insbesondere in Anbe-

tracht des Umstandes, dass die Handlung des Beschuldigten gleichzeitig beide 

Tatbestände erfüllt, erscheint in Anwendung des Asperationsprinzips eine Er-

höhung der Einsatzstrafe um 20 Tagessätze angemessen. 

1.8. Täterkomponente 

1.8.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten in den 

wesentlichen Punkten korrekt zusammengefasst und wiedergegeben. Darauf ist 

vorab zu verweisen (Urk. 70 S. 41; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Beru-

fungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte zudem, seit 1. Januar 2018 mit sei-

ner Partnerin und dem gemeinsamen Kind, welches am tt.mm.2017 geboren sei, 

in G._____ zu wohnen. Er habe sein Pensum aufgrund der Kinderbetreuung ein 

bisschen reduziert, sorge aber weiterhin für die beiden Pflegefälle, welche auch 

im H._____-Heim gewesen seien. Er erziele ungefähr Fr. 3'000.– bis Fr. 3'500.– 

pro Monat, was jedoch unterschiedlich sei, weil er im Stundelohn arbeite. Sein 

Vermögen belaufe sich auf Fr. 7'000.– bis Fr. 8'000.– (Urk. 118 S. 2 ff.). Mit der 

-   38   - 

Vorinstanz lässt sich aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen 

nichts ableiten, was die Strafzumessung in massgeblicher Weise beeinflussen 

würde. Dass der Beschuldigte inzwischen Vater geworden ist, ist entgegen der 

Verteidigung für die Strafzumessung irrelevant. Zutreffend ist schliesslich, dass 

die Vorinstanz die nicht einschlägige Vorstrafe wegen Militärdienstverweigerung 

nicht straferhöhend berücksichtigte.  

1.8.2. Der Beschuldigte ist nicht geständig, was sein Recht und daher neutral zu 

werten ist. Ferner lässt sich aus dem Nachtatverhalten nichts zugunsten des Be-

schuldigten ableiten, da er weder aufrichtige Reue noch Einsicht zeigt. 

1.9. Folglich erscheint eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen dem Verschulden 

sowie den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. 

1.10. Schliesslich wurde die von der Vorinstanz festgesetzte Höhe eines Tages-

satzes von Fr. 70.– von keiner Seite beanstandet. Nachdem der Beschuldigte in-

zwischen Vater eines Kindes geworden ist, welches er finanziell unterstützt 

(Urk. 118 S. 5), rechtfertigt es sich jedoch, den Tagessatz aufgrund der wirtschaft-

lichen Verhältnisse des Beschuldigten auf Fr. 50.– zu reduzieren. 

1.11. Zusammenfassend ist der Beschuldigte daher zu einer Geldstrafe von 

180 Tagessätzen zu Fr. 50.– zu verurteilen.  

2. Vollzug 

2.1. Nachdem auch die Staatsanwaltschaft für den Beschuldigten den beding-

ten Strafvollzug unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren beantragt 

(Urk. 71 S. 2, Urk. 122 S. 1), ist dem Beschuldigten mit Verweis auf die zutreffen-

den Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 70 S. 43 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) der be-

dingte Strafvollzug zu gewähren und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.  

2.2. Ferner steht der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft im Um-

fang von 3 Tagen nichts entgegen (Art. 51 StGB). 

-   39   - 

3. Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 StGB 

3.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt im Berufungsverfahren ein Tätigkeitsver-

bot im Sinne von Art. 67 StGB (Urk. 122 S. 1). Zur Begründung führte sie aus, 

Art. 67 StGB sehe bei einer Strafe über 6 Monaten oder 180 Tagessätzen ein ob-

ligatorisches Tätigkeitsverbot vor (Prot. II S. 14).  

3.2. Die Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, es sei die neue Fassung 

von Art. 67 StGB anwendbar, weil diese für den Beschuldigten günstiger sei. Die-

se erlaube kein Tätigkeitsverbot bei Geldstrafen, weshalb selbst bei einer Verur-

teilung kein Tätigkeitsverbot auszusprechen sei (Prot. II S. 20).  

3.3. Der Beschuldigte ist heute zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 

verurteilen, weshalb selbst bei Anwendbarkeit von aArt. 67 StGB die Anordnung 

eines Tätigkeitsverbotes nicht zwingend wäre, wie dies die Vorinstanz zutreffend 

dargelegt hat. Ferner hat sie überzeugend begründet, dass angesichts der güns-

tigen Legalprognose des Beschuldigten in casu darauf zu verzichten sei (Urk. 70 

S. 44). Nachdem die Staatsanwaltschaft diese Ausführungen nicht weiter kritisiert, 

kann folglich offen gelassen werden, ob im Berufungsverfahren aArt. 67 StGB  

oder Art. 67 StGB in der seit 1. Januar 2018 anwendbar ist, da auf die Anordnung 

eines Tätigkeitsverbotes ohnehin zu verzichten ist.  

V. Genugtuung 

1.1. Die Vorinstanz sprach den beiden Privatklägern je eine Genugtuung von 

Fr. 1'500.– zu (Urk. 70 S. 45 ff.).  

1.2. Der Beschuldigte machte vor Vorinstanz geltend, die Privatkläger würden 

nicht ausreichend substantiieren, weshalb ihnen eine Genugtuung zustehe. Der 

Privatkläger C._____ führe selber aus, die Verängstigung sei zeitlich beschränkt 

gewesen und der Privatkläger B._____ lege nicht dar, welche seelische Leiden er 

erlitten habe. Nicht jede Beeinträchtigung und jeder Eingriff in ein Rechtsgut sei 

mit Genugtuung auszugleichen, sondern nur seelische Leiden, welche derart ein-

schneidend seien, dass sie die Lebensqualität der Geschädigten anhaltend beein-

flusse (Urk,. 57 S. 20 i.V.m. Prot. I S. 32 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung 

-   40   - 

ergänzte die Verteidigung, die Zivilforderungen seien selbst bei einer Verurteilung 

abzuweisen, da die Vorinstanz verkenne, dass in den Zivilklagen keine immateri-

elle Unbill substantiiert worden sei und nicht jede strafbare Handlung gegen die 

sexuelle Integrität eine Genugtuung rechtfertige (Urk. 120 S. 24).  

1.3. Der Vertreter des Privatklägers C._____ beantragt im Berufungsverfahren 

die Bestätigung der dem Privatkläger von der Vorinstanz zugesprochenen Genug-

tuung mit der Begründung, der Privatkläger akzeptiere die mehr symbolische Ge-

nugtuung, da es ihm viel wichtiger sei, dass der Beschuldigte für seine Tat be-

straft werde (Urk. 123 S. 10 f).  

2. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen einer Genugtuung so-

wie deren Bemessung zutreffend ausgeführt, worauf verwiesen werden kann 

(Urk. 70 S. 46; Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Privatkläger C._____ wurde durch die 

Handlung des Beschuldigten in seiner sexuellen Integrität verletzt. Ei-

ne Verletzung der sexuellen Integrität ist per se als genugtuungsbegründende 

Persönlichkeitsverletzung zu qualifizieren (H. Landolt, in: Gauch/Schmid [Hrsg.], 

Zürcher Kommentar Band/Nr. V/1c/2, 3. Aufl., Zürich 2007, Art. 49 OR N 465). 

Der Privatkläger C._____ ist weitestgehend gelähmt und aufgrund seiner Krank-

heit im Alltag ständig auf Hilfe Dritter angewiesen. Er hat annähernd keine Chan-

ce, sich gegen allfällige Übergriffe zu wehren, sondern ist seinen Betreuungsper-

sonen praktisch vollständig ausgeliefert. Entsprechend muss er diesen vollum-

fänglich vertrauen können. Der Beschuldigte hat dieses Vertrauen des Privatklä-

gers C._____ nachhaltig zerstört, was insbesondere auch bei dessen Befragung 

rund vier Monate nach dem Vorfall gut ersichtlich ist. Er hat Tränen in den Augen 

und wirkt sichtlich mitgenommen, als er erzählt, wie er nach dem Vorfall jeweils 

Angst gehabt habe, wenn die Nachtwache ins Zimmer gekommen sei (Urk. 12/6, 

bei ca. 00:16 Minuten). Selbst wenn zweifelsohne schwerwiegendere Eingriffe in 

die sexuelle Integrität denkbar sind, ist dem Privatkläger C._____ vorliegend auf-

grund der konkreten Umstände eine Genugtuung zuzusprechen, wobei die von 

der Vorinstanz festgesetzte Höhe angemessen scheint, zumal diese im Beru-

fungsverfahren auch nicht beanstandet wird.  

-   41   - 

3. Folglich scheint die von der Vorinstanz für den Privatkläger C._____ festge-

setzte Genugtuung von Fr. 1'500.– angemessen und ist daher zu bestätigen.  

4. Demgegenüber ist die Forderung des Privatklägers B._____ auf den Zivil-

weg zu verweisen, da die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen ist, wenn die 

die beschuldigte Person freigesprochen wird, ohne dass der Sachverhalt spruch-

reif ist (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). In Anbetracht dessen, dass das Zivilgericht bei 

der Beurteilung von Zivilansprüchen nicht an die strafrechtliche Beurteilung ge-

bunden ist (Art. 53 OR) und der Freispruch aufgrund des Grundsatzes in dubio 

pro reo erfolgt, weshalb eine zivilrechtliche Haftung der Beschuldigten nicht von 

vornherein ausgeschlossen werden kann, ist das Genugtuungsbegehren des Pri-

vatklägers B._____ daher auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.  

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Erstinstanzlichen Verfahrens 

1.1. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung wurde im Berufungsverfahren – mit 

Ausnahme der Entschädigung der amtlichen Verteidigung, welche jedoch erst 

nachträglich festgesetzt worden war (vgl. nachfolgend Ziff. 3) – nicht beanstandet, 

weshalb die erstinstanzliche Kostenfestsetzung in Dispositiv-Ziffer 6 – mit Aus-

nahme der Kosten der amtlichen Verteidigung – zu bestätigen ist. 

1.2. Nachdem der erstinstanzliche Schuldspruch heute nur teilweise zu bestäti-

gen ist, sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 

dem Beschuldigten ausgangsgemäss zur Hälfte aufzuerlegen und zur Hälfte auf 

die Gerichtskasse zu nehmen (vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

1.3. Schliesslich ist auch die von der Vorinstanz festgesetzten Prozessent-

schädigungen für anwaltliche Vertretung des Privatklägers C._____ zu bestätigen 

(Urk. 70 Dispositiv Ziffer 10), zumal die Verteidigung im Berufungsverfahren keine 

Einwendungen dagegen erhebt (Urk. 120), wobei die Entschädigungen nachfol-

gend aufgrund des Berufungsverfahrens entsprechend anzupassen ist. Demge-

-   42   - 

genüber ist dem Privatkläger B._____ ausgangsgemäss keine Entschädigung zu-

zusprechen (Art. 433 Abs. 1 StPO e contrario). 

2. Berufungsverfahrens 

2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf 

Fr. 3'000.– festzusetzen.  

2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft 

obsiegt zwar mit ihrer Berufung in Bezug auf die Erhöhung des Strafmasses 

mehrheitlich, während der Beschuldigte mit seinem Antrag auf Freispruch aber 

ebenfalls zur Hälfte obsiegt. Ausgangsgemäss rechtfertigt es sich daher, die Kos-

ten, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zur 

Hälfte aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten 

für die amtliche Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, 

wobei eine Rückzahlungspflicht des Beschuldigten für die Hälfte dieser Kosten 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten ist.  

2.3. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. 

X._____, reichte mit Eingabe vom 11. Juni 2018 seine Honorarnote ins Recht 

(Urk. 117). Darin macht er einen Aufwand von 56.9 Stunden sowie Auslagen von 

CHF 306.– geltend. 

2.3.1. Vorab ist festzuhalten, dass in der Honoraraufstellung– zumindest teilweise 

– auch die Aufwendungen für das Beschwerdeverfahren des amtlichen Vertei-

digers gegen die erstinstanzliche Entschädigung enthalten sind (vgl. Urk. 117 

S. 1, Eintrag vom 5. Juni 2018), welche jedoch nachfolgend separat zu entschä-

digen sind (vgl. Ziff. VII). 

2.3.2. Der geltend gemachte Aufwand erscheint unter Berücksichtigung des Um-

standes, dass Rechtsanwalt lic. iur. X._____ den Beschuldigten bereits vor Vor-

instanz und in der Untersuchung vertreten hatte, mithin mit den Verfahrensakten 

bereits bestens vertraut war, als deutlich zu hoch. So macht der amtliche Vertei-

diger für das Verfassen der Berufungserklärung, welche inklusive den Anträgen 

-   43   - 

sowie Beweisanträgen rund 4 Seiten umfasst (Urk. 75), beispielsweise einen 

Aufwand von 5.2 Stunden geltend. Für die ebenfalls rund 4 Seiten umfassende 

Vernehmlassung zu den Beweisanträgen vom 22. November 2017 (Urk. 95) wer-

den wiederum 5.1 Stunden geltend gemacht, nachdem für das kursorische Studi-

um der Stellungnahmen der Gegenpartei bereits am 29. September 2017 

0.6 Stunden geltend gemacht wurden. Schliesslich wird am 11. Juni 2018 erneut 

1.5 Stunden für das Verfassen von Beweisanträgen geltend gemacht. Somit fällt 

auf, dass allein für die Beweisanträge ein Aufwand von über 10 Stunden geltend 

gemacht wird, obschon sämtliche Beweisanträge – mit Ausnahme des Beweisan-

trages betreffend das Beschwerdeverfahren, dessen Aufwand jedoch nachfolgend 

separat zu entschädigen ist – bereits vor Vorinstanz vorgebracht worden sind. Für 

die Ausarbeitung des Plädoyers, welches 28 Seiten umfasst (Urk. 120), macht die 

Verteidigung insgesamt 23.7 Stunden geltend. Zusätzlich werden 8.6 Stunden für 

Aktenstudium sowie Sichtung der Videobefragung geltend gemacht. Wiederum ist 

bei der Festsetzung der Entschädigung jedoch zu berücksichtigen, dass viele 

Vorbringen im Plädoyer bereits vor Vorinstanz vorgebracht wurden, wie bei-

spielsweise die prozessualen Rügen (Urk. 120 S. 2-6), weshalb folglich der Auf-

wand im Berufungsverfahren geringer war. Da die Entschädigung jedoch nach 

Pauschaltarif festzusetzen ist, kann darauf verzichtet werden, sich mit den einzel-

nen Positionen in der Honorarnote auseinanderzusetzen (BGE 141 I 124, E. 4.5.). 

2.3.3. Auch für die Entschädigung im Berufungsverfahren ist die kantonale  

Anwaltsgebührenverordnung anwendbar (Art. 135 Abs. 1 StPO; § 23 Abs. 1  

AnwGebV), gemäss welcher sich die Gebühr im Berufungsverfahren grund-

sätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden Regeln bemisst (§ 18 Abs. 1  

AnwGebV). Die Grundgebühr, welche die Hauptverhandlung und die Vorbereitung 

des Parteivortrags beinhaltet, beträgt vor dem Einzelgericht in der Regel Fr. 600.– 

bis 8'000.– (§ 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Grundlage für die Festsetzung der Ge-

bühr bilden die Bedeutung des Falls, die Verantwortung der Anwältin oder des 

Anwalts, der notwendige Zeitaufwand der Anwältin oder des Anwalts und die 

Schwierigkeit des Falls (§ 2 Abs. 1 AnwGebV). 

-   44   - 

2.3.4. Die Grundgebühr für das erstinstanzliche Verfahren ist angesichts der Be-

deutung des Falles und der Verantwortung des amtlichen Verteidigers auf das 

Maximum von Fr. 8'000.– festzusetzen (vgl. nachstehend Ziff. VII.3.5.3). In An-

betracht dieses Umstandes sowie unter Berücksichtigung, dass der amtliche Ver-

teidiger den Beschuldigten bereits seit der Untersuchung vertritt, er mithin mit den 

Akten bereits bestens bekannt war und sich bei der Ausarbeitung des Plädoyers 

sowie der Beweisanträge – zumindest teilweise – auf sein vorinstanzliches Plädo-

yer stützen konnte, rechtfertigt es sich daher, die Gebühr für das Berufungsver-

fahren auf Fr. 6'500.– festzusetzen. Für die Vernehmlassung im Zusammenhang 

mit den Beweisanträgen ist dem amtlichen Verteidiger sodann ein Zuschlag von 

Fr. 500.– zu gewähren (§17 Abs. 2 lit. b AnwGebV). Zusätzlich sind dem Verteidi-

ger die Auslagen von CHF 306.– sowie ein Zuschlag für die MwSt. von 8 % (für 

die Aufwendungen bis 31. Dezember 2017) bzw. 7.7 % (für die Aufwendungen ab 

1. Januar 2018) zu entschädigen, weshalb es sich rechtfertigt, den amtlichen Ver-

teidiger der Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._____, für das Berufungs-

verfahren mit pauschal Fr. 8'000.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu ent-

schädigen. 

2.4. Der Vertreter des Privatklägers C._____, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, 

machte mit Honorarnote vom 11. Juni 2018 Aufwendungen von Fr. 7'323.– für 

das Berufungsverfahren geltend (Urk. 124). Der Privatkläger C._____ hat auf-

grund seines Obsiegens auch im Rechtsmittelverfahren Anspruch auf Entschädi-

gung seiner notwendigen Aufwendungen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs. 1 

lit. a StPO). Zu berücksichtigen ist aber, dass der Privatkläger C._____ auf die 

Erhebung einer Anschlussberufung verzichtet hat und im Zivilpunkt lediglich die 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt (Urk. 84 S. 2; Urk. 123). Die 

Ansprüche der Privatklägerschaft beschränken sich auf die für ihre Interessen-

wahrung im Strafverfahren selbst erforderlichen Aufwendungen. Sie betreffen in 

erster Linie die Anwaltskosten, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfah-

ren selbst verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatklä-

gerschaft notwendig waren (Schmid/Jositsch, Schweizerische Strafprozessord-

nung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 433 N 3). Zwar war 

der Beizug eines Anwaltes vorliegend zweifelsohne gerechtfertigt, jedoch er-

-   45   - 

scheinen dessen Aufwendungen in Bezug auf den Strafpunkt übersetzt, zumal die 

Staatsanwaltschaft als Berufungsklägerin vor dem Berufungsgericht zu erschei-

nen und die Anklage im Strafpunkt zu vertreten hatte (vgl. Urk. 71 und Prot. II 

S. 7 ff.). Die Aufwendungen der Verteidigung, welche den Zivilpunkt betreffen, 

sind sodann äusserst überschaubar (vgl. Urk. 123 S. 9 f.). Gemäss der Verord-

nung über die Anwaltsgebühren beträgt die Gebühr für das Berufungsverfahren in