# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 950914db-c591-57ea-a061-cf58f621dc5d
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-04
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Überschreiten der Immissionsgrenzwerte sowie der Alarmwerte. Ausnahmebewilligung für Arealüberbauung an lärmbelasteter Strasse.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0116-0118/2020
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nrn._0116-118-2020_vom_4._september_2020pdf.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2020.05028, R1S.2020.05030 und R1S.2020.05032 
0116/2020, 0117/2020 und 0118/2020 

Entscheid vom 4. September 2020  

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Walter Linsi, Baurichter Claude Reinhardt, Baurichterin 
Beatrice Bosshard, Gerichtsschreiber Paul Wegmann     

in Sachen 

Rekurrierende 

R1S.2020.05028 
Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), Aarbergergasse 61, Postfach 8676, 
3011 Bern  

vertreten durch VCS-Sektion Zürich, Zypressenstrasse 76, Postfach 820, 
8040 Zürich  

diese wiederum vertreten durch […] 

R1S.2020.05030 
1.  Verein IG W. […] 
2.  M. B. […] 
3.  P. B. […] 
4.  A. und N. D. M. […] 
5.  T. und C. H. […] 
6.  R. M. I. […] 
7.  J. K. und B. R. […] 
8.  B. S. und R. S.-W. […] 
9.  A. W. und S. L. […] 
10.  R. W. […] 
11.  R. und D. K. […] 
12.  Stockwerkeigentümergemeinschaft U. […] 

alle vertreten durch […] 

R1S.2020.05032 
Pensionskasse C. […]  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
vertreten durch Rechtsanwalt […]  

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Bausektion der Stadt Zürich, c/o Amt für Baubewilligungen, Rechtsab-

teilung, Amtshaus IV, 8021 Zürich  

R1S.2020.05030 
2.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

R1S.2020.05028 & R1S.2020.05030 
3.  Pensionskasse C. […] 

Nr. 3 vertreten durch […] 

Beigeladener 

R1S.2020.05032 
4.  Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), Aarbergergasse 61, Postfach 8676, 

3001 Bern  

vertreten durch VCS-Sektion Zürich, Zypressenstrasse 76, Postfach 
820, 8040 Zürich  

diese wiederum vertreten durch […]  

betreffend 

R1S.2020.05028 und R1S.2020.05032 
Beschluss der Bausektion […] Baubewilligung für Ersatzneubau […]  

R1S.2020.05030 
Beschluss der Bausektion […] und Gesamtverfügung der Baudirektion […] 
Baubewilligung für Ersatzneubau […] 
______________________________________________________ 

R1S.2020.05028 

Seite 2 

 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 
Mit Beschluss vom […] erteilte die Bausektion der Stadt Zürich der Pensi-

onskasse  C.  die  Bewilligung  für  den  Ersatzneubau  der  Arealüberbauung 

Siedlung  B.  mit  497  Wohnungen,  einem  Ladenzentrum  (Gewerbe,  Ver-

kaufs-  und  Gastronomieflächen)  und  einer  Unterniveaugarage  mit  695 

Fahrzeugabstellplätzen (davon neu 514) auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an 

der G.-Strasse […] sowie der W.-Strasse […] in Zürich […]. Zusammen mit 

dem Entscheid wurde die Gesamtverfügung der Baudirektion Kanton Zürich 

[…]  betreffend  Einbauten  im  Grundwasserträger,  Lage  in  einem  Perimeter 

gemäss  Kataster  der  belasteten  Standorte,  Lage  im  Konsultationsbereich 

Störfallvorsorge, Lage im Hochwassergefahrenbereich und Überschreitung 

der Lärm-Immissionsgrenzwerte eröffnet. 

B. 
Mit  Eingabe  vom  15.  April  2020  erhob  der  Verkehrs-Club  der  Schweiz 

(VCS) fristgerecht Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und 

beantragte  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Rekurs-

gegnerschaft,  der  Beschluss  der  Bausektion  sei  aufzuheben,  eventualiter 

sei die Sache im Sinne der Erwägungen gemäss der Rekursbegründung an 

die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  subeventualiter  seien  im  Sinne  der  Re-

kursbegründung die notwendigen Änderungen und Ergänzungen des ange-

fochtenen Entscheides vorzunehmen. 

Vom Rekurseingang wurde mit Präsidialverfügung vom 16. April 2020 unter 

der Geschäftsnummer R1S.2020.05028 Vormerk genommen und das Ver-

nehmlassungsverfahren eröffnet. 

C. 
Mit  gemeinsamer  Eingabe  vom  15.  April  2020  gelangten  auch  der  Verein 

IG W., M. B., P. B., A. und N. D. M., T. und C. H., R. M. I., J. K. und B. R., 

B. S. und R. S.-W., A. W. und S. L., R. W., R. und D. K. sowie die Stock-

werkeigentümergemeinschaft  U.  fristgerecht  an  das  Baurekursgericht  und 

beantragten,  der  Beschluss  der  Bausektion  und  die  Gesamtverfügung  der 

R1S.2020.05028 

Seite 3 

 
 
 
Baudirektion seien aufzuheben, unter gesetzlichen Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen. 

Von diesem Rekurs wurde mit Präsidialverfügung vom 20. April 2020 unter 

der Geschäftsnummer R1S.2020.05030 Vormerk genommen und das Ver-

nehmlassungsverfahren  eröffnet.  Zugleich  wurde  dem  Rechtsvertreter  der 

Rekurrierenden Frist zum Nachweis der Bevollmächtigung durch sämtliche 

Stockwerkeigentümer bzw. zum Nachweis der durch die Versammlung der 

Stockwerkeigentümer  erfolgten  Beschlussfassung  über  die  Rekurserhe-

bung angesetzt. Mit Eingabe vom 27. Mai 2020 wurden entsprechende Un-

terlagen eingereicht. 

D. 
Mit Eingabe vom 16. April 2020 erhob schliesslich die Bauherrschaft fristge-

recht Rekurs an das Baurekursgericht und beantragte – unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Bausektion  –  Dispositivziffer  II.B.1.d 

des  Beschlusses  der  Bausektion  sei  dahingehend  anzupassen,  „als  die 

Auflage  bezüglich  der  Wegabstände  (vgl.  Erwägungen  I.  a),  e),  f)  und  g)) 

aufzuheben und für die unterirdische Unterbauung und Unterschreitung der 

Wegabstände im Bereich des T.-Wegs eine Ausnahmebewilligung zu ertei-

len sei“; Dispositivziffer II.B.63 des Beschlusses der Bausektion sei ersatz-

los  aufzuheben  und  die  mit  dem  Baugesuch  beantragte  Anzahl  der  Park-

plätze  sei  ohne  Erbringung  eines  weitergehenden  Nachweises  zu  bewilli-

gen;  Dispositivziffer  II.B.64  des  Beschlusses  der  Bausektion  sei  ersatzlos 

aufzuheben  und  von  einer  Verpflichtung  der  Bauherrschaft  zur  Darlegung, 

wie  die  bestimmungsgemässe  Nutzung  der  verschiedenen  Parkplatzkate-

gorien sichergestellt wird, sei abzusehen. 

Vom Rekurs der Bauherrschaft wurde mit Präsidialverfügung vom 20. April 

2020  unter  der  Geschäftsnummer  R1S.2020.05032  Vormerk  genommen 

und  das  Vernehmlassungsverfahren  eröffnet.  Zugleich  wurden  die  Dritten, 

welche  ein  Gesuch  um  Zustellung  des  baurechtlichen  Entscheids  gemäss 

§ 315 des Planungs- und Baugesetzes (PBG) gestellt hatten, über die Mög-

lichkeit  der  Beiladung  ins  Rekursverfahren  in  Kenntnis  gesetzt.  Auf  ent-

sprechendes  Beiladungsgesuch  vom  23.  April  2020  wurde  der  Ver-

kehrsclub  der  Schweiz  (VCS)  mit  Präsidialverfügung  vom  15.  Mai  2020  in 

das Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 beigeladen. 

R1S.2020.05028 

Seite 4 

 
 
E. 
Im Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05028 beantragte die Bausektion mit 

Vernehmlassung vom 20. Mai 2020 die Abweisung des Rekurses. Mit Ver-

nehmlassung  vom  20.  Mai  2020  beantragte  auch  die  Bauherrschaft  die 

Abweisung  des  Rekurses,  unter Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulas-

ten des Rekurrenten. 

Mit Replik vom 6. Juli 2020 und Duplik vom 29. Juli 2020 hielten der Rekur-

rent und die Bauherrschaft an ihren Anträgen fest, während die Bausektion 

mit Schreiben vom 29. Juli 2020 auf Einreichung einer Duplik verzichtete. 

F. 
Im  Rekursverfahren  G.-Nr.  R1S.2020.05030  nahm  die  Baudirektion  mit 

Eingabe  vom  18.  Mai  2020  unter  Verweis  auf  den  Mitbericht  des  Tiefbau-

amtes (TBA) vom 13. Mai 2020 Stellung. Im Mitbericht des TBA wurde be-

antragt,  den  Rekurs  „aus  lärmschutzrechtlicher  Sicht  im  Sinne  der  obigen 

Erwägungen  abzulehnen“.  Mit  Vernehmlassung  vom  20.  Mai  2020  bean-

tragte die Bauherrschaft, der Rekurs sei abzuweisen, soweit darauf einge-

treten werden könne, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der 

Rekurrierenden.  Die  Bausektion  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom 

25. Mai  2020  ebenfalls  die  Abweisung  des  Rekurses,  soweit  auf  diesen 

einzutreten sei. 

Mit Replik vom 18. Juni 2020 hielten die Rekurrierenden an ihren Anträgen 

fest. Ebenso hielten die Baudirektion (unter Verweis auf den Mitbericht des 

TBA vom 6. Juli 2020) und die Bausektion mit Dupliken vom 10. Juli 2020 

und vom 13. Juli 2020 an ihren Anträgen fest. Mit Duplik vom 13. Juli 2020 

wiederholte die Bauherrschaft im Hauptstandpunkt ebenfalls ihren im Rah-
men der Vernehmlassung gestellten Antrag. Sodann stellte sie die Anträge, 

sofern  das  Bauvorhaben  in  lärmrechtlicher  Hinsicht  als  nicht  bewilligungs-

fähig  und  die  Bewilligung  der  Vorinstanzen  in  diesem  Punkt  als  unrecht-

mässig  beurteilt  werden  sollte,  sei  die  Baubewilligung  eventualiter  mit  der 

Auflage  zu  versehen,  die  Grundrisse  der  Wohnungen  entlang  der  G.-

Strasse gemäss den Plänen vom 10. Juli 2020 (Beilagen 19 und 20 = act. 

37.3 und 37.4) anzupassen; subeventualiter sei die Baubewilligung mit der 

Auflage  zu  versehen,  die  Grundrisse  der  Wohnungen  entlang  der  G.-

R1S.2020.05028 

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Strasse und beim Haus A gemäss den Plänen vom 10. Juli 2020 (Beilagen 

21 und 22 = act. 37.5 und 37.6) anzupassen. 

G. 
Im Rekursverfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 beantragte die Bausektion mit 

Vernehmlassung  vom  25.  Mai  2020,  der  Rekurs  sei  abzuweisen  und  der 

Stadt Zürich sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Mit 

Eingabe vom 23. Juni 2020 stellte der VCS als Beigeladener – unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Bauherrschaft – die folgenden 

Anträge:  „Es  wird  auf  die  eigenen  Rekursanträge  verwiesen  (Geschäfts-

Nummer  R1S.2020.05028).  Der  Rekurs  der  Rekurrentin  sei  abzuweisen, 

soweit  ihre  Anträge  den  Rekursanträgen  des  Rekursgegners  widerspre-

chen.“ 

Mit  Replik  vom  16.  Juli  2020  und  Dupliken  vom  5.  August  2020  und  vom 

10. August 2020 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. 

H. 
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung er-

forderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

R1S.2020.05028 

Seite 6 

 
 
 
 
Es kommt in Betracht: 

1. 
Die  Verfahren  G.-Nrn.  R1S.2020.05028,  R1S.2020.05030 

und 

R1S.2020.05032  betreffen  dasselbe  Bauvorhaben,  weshalb  sie  aus  pro-

zessökonomischen Gründen zu vereinigen sind. 

2.1 
Gemäss  Art.  55  Abs.  1  des  Umweltschutzgesetzes  (USG)  sind  gesamt-

schweizerisch  tätige  Umweltschutzorganisationen,  die  rein  ideelle  Zwecke 

verfolgen,  zur  Beschwerde  gegen  Verfügungen  über  Anlagen,  für  die  eine 

Umweltverträglichkeitsprüfung  nach  Art.  10a  USG  erforderlich  ist,  legiti-

miert.  Das  Beschwerderecht  erstreckt  sich  nur  auf  Rügen  in  Rechtsberei-

chen,  die  seit  mindestens  zehn  Jahren  Gegenstand  des  statutarischen 

Zwecks der Organisation bilden (Abs. 2). Der Bundesrat bezeichnet die zur 

Beschwerde  berechtigten  Organisationen  (Abs.  3).  Zuständig  für  die  Be-

schwerdeerhebung 

ist  das  oberste  Exekutivorgan  der  Organisation 

(Abs. 4). Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) als Rekurrent im Verfahren 

G.-Nr.  R1S.2020.05028  erfüllt  diese  Voraussetzungen  unbestrittenermas-

sen: Er ist im Anhang zur Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich 

des Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes beschwerdebe-

rechtigten  Organisationen  (VBO)  aufgeführt  und  die  Beschwerdeerhebung 

ist  durch  den  Zentralvorstand  beschlossen  worden  (act.  4.2).  Das  strittige 

Bauvorhaben  erfordert  unstreitig  eine  Umweltverträglichkeitsprüfung  ge-

mäss Art. 10a USG (vgl. Erwägung N.b der Baubewilligung). Der VCS rügt 

im  Zusammenhang  mit  Zahl,  Anordnung  und  Bewirtschaftung  der  geplan-

ten  Parkplätze  in  der  Betriebsphase  einerseits  gewisse  formelle  Mängel 

(Unvollständigkeit  des  Umweltweltverträglichkeitsberichts  sowie  des  ange-

fochtenen Entscheids), andererseits die Verletzung der massgeblichen ma-

teriellen  umweltrechtlichen  Bestimmungen.  Er  ist  daher  zur  Rekurserhe-

bung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, 

ist auf den Rekurs im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05028 einzutreten. 

2.2.1 
Im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05030 rekurrieren der Verein IG W. (Rekur-

rent  1),  die  Stockwerkeigentümergemeinschaft  U.  (Rekurrentin  12)  sowie 

R1S.2020.05028 

Seite 7 

 
 
10 weitere Parteien, bei denen es sich um 16 natürliche Personen handelt 

(Rekurrierende 2 bis 11). 

Bezüglich des Rekurrenten 1 weist die Bausektion in ihrer Vernehmlassung 

darauf hin, das Baurekursgericht habe zu überprüfen, ob dieser die Legiti-

mationsvoraussetzungen für eine egoistische Verbandsbeschwerde erfülle. 

Auch  sei  zu  überprüfen,  ob  es  sich  bei  den  Vereinsmitgliedern  nicht  um 

Personen  handle,  welche  die  zum  Abbruch  vorgesehenen  Gebäude  be-

wohnen  und  deren  Mietverhältnis  gekündigt  wurde  bzw.  noch  gekündigt 

werde, da es diesen an einem schützenswerten Anfechtungsinteresse feh-

len würde. Bezüglich der Rekurrierenden 2 bis 12 sei zu prüfen, ob diese, 

soweit es sich nicht um GrundeigentümerInnen handle, in einem ungekün-

digten Mietverhältnis lebten. Soweit die erwähnten Legitimationsvorausset-

zungen  nicht  gegeben  seien,  sei  auf  den  Rekurs  nicht  einzutreten.  Die 

Bauherrschaft  macht  geltend,  soweit  die  Rekurrierenden  Punkte  rügen 

würden, von denen sie in keiner ersichtlichen Weise betroffen seien, fehle 

es ihnen an der Legitimation. Dies gelte insbesondere bezüglich der Rügen 

betreffend  Lärm,  Etappierung  des  Bauvorhabens  sowie  Mindestanteil 

preisgünstiger  Wohnungen,  weshalb  auf  die  entsprechenden  Rügen  nicht 

einzutreten sei. 

2.2.2 
Zum Rekurs und zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochte-

ne Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhe-

bung  oder  Änderung  hat  (§  338a  Satz  1  PBG).  Mit  dieser  Umschreibung 

der Legitimation verlangt das Gesetz zunächst, dass der Rekurrent über ei-

ne  hinreichend  enge  nachbarliche  Raumbeziehung  zum  Baugrundstück 

bzw.  den  dort  vorgesehenen  Bauten  und  Anlagen  verfügt,  kraft  derer  er 

stärker  als  beliebige  Dritte  oder  die  Allgemeinheit  von  der  angefochtenen 
Anordnung betroffen ist. Das vom Gesetz alsdann verlangte schutzwürdige 

Interesse  (Anfechtungsinteresse)  setzt  voraus,  dass  der  Rekurrent  mit  der 

Gutheissung  des  Rechtsmittels  einen  Nutzen  erlangt  bzw.  einen  Nachteil 

abwendet.  Das  Interesse  des  Rekurrenten  kann  rechtlicher  oder  tatsächli-

cher  Natur  sein.  Der  angestrebte  Nutzen  muss  stets  ein  eigener  und  die 

Betroffenheit eine unmittelbare sein. Schliesslich ist zu verlangen, dass das 

Anfechtungsinteresse aktuell ist. 

R1S.2020.05028 

Seite 8 

 
 
Sind die vorstehend genannten Voraussetzungen erfüllt, können alle Argu-

mente  angeführt  und  Rechtsnormen  angerufen  werden,  die  im  Ergebnis 

zumindest zur teilweisen Gutheissung des Rechtmittels und damit zur (teil-

weisen)  Erlangung  des  angestrebten  Nutzens  führen  können  (BRKE  II 

Nr. 0047/2010  in  BEZ  2011  Nr.  17,  www.baurekursgericht-zh.ch,  bestätigt 

mit  VB.2010.00184  vom  17. November  2010,  dieser  bestätigt  mit 

BGr 1C_37/2011 vom 14. April 2011). Dies auch dann, wenn die Argumen-

te und Rechtssätze im Interesse Dritter oder der Allgemeinheit liegen. 

Ein als juristische Person konstituierter Verband kann – im eigenen Namen, 

aber  gewissermassen  stellvertretend  –  die  persönlichen  Interessen  seiner 

Mitglieder  geltend  machen,  wenn  es  sich  um  solche  handelt,  die  er  nach 

seinen Statuten zu wahren hat, die der Mehrheit oder doch einer Grosszahl 

seiner  Mitglieder  gemeinsam  sind  und  zu  deren  Geltendmachung  durch 

Rekurs  jedes  dieser  Mitglieder  befugt  wäre  (sogenannte  egoistische  Ver-

bandsbeschwerde;  vgl.  BGE  142  II  80,  E.  1.4.2.).  Diese  Voraussetzungen 

müssen  kumulativ  erfüllt  sein;  sie  sollen  die  Popularbeschwerde  aus-

schliessen. Die Wahrung der Interessen der Mitglieder muss zu den statu-

tarischen  Aufgaben  des  Verbands  gehören,  wobei  an  die  Formulierung  in 

den Statuten allerdings keine hohen Anforderungen gestellt werden. 

2.2.3 
Bei  den  Rekurrierenden  2  bis  11  handelt  es  sich  um  Eigentümer  von 

Grundstücken,  die  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  zum  Baugrundstück 

nordwestlich  desselben  an  der  U.-Strasse,  der  L.-Strasse  sowie  der  G.-

Strasse liegen. Sie machen unter anderem die Verletzung der Bestimmun-

gen  betreffend  Ausnützung,  Einordnung  und  Gestaltung  sowie  den  Schat-

tenwurf  geltend.  Sowohl  die  hinreichend  enge  nachbarliche  Raumbezie-

hung als auch das erforderliche schutzwürdige Interesse sind daher zu be-
jahen.  Gleiches  gilt  auch  bezüglich  der  Rekurrentin  12:  Zum  einen  ist  mit 

Eingabe 

vom  27.  Mai  2020  der  Beschluss  der  Stockwerk-

eigentümergemeinschaft U. eingereicht worden, mit welchem diese die Re-

kurserhebung befürwortet (act. 26.1). Dieser Beschluss entspricht den spe-

zifischen  Voraussetzungen  gemäss  Art.  712m  Abs.  2  des  Zivilgesetzbu-

ches  (ZGB)  in  Verbindung  mit  Art.  6b  der  seinerzeit  in  Kraft  stehenden 

COVID-19-Verordnung  2,  wonach  Beschlüsse  auf  schriftlichem  Weg  oder 

in elektronischer Form ergehen können, unter Verzicht auf das Erfordernis 

der  Einstimmigkeit  (vgl.  zu  letzterem  act.  26.4,  Antworten  auf  Fragen  22 

R1S.2020.05028 

Seite 9 

 
 
und 24). Weiter ergibt sich aus S. 4 des Reglements der Stockwerkeigen-

tümergemeinschaft (act. 26.2) in Verbindung mit dem genannten Beschluss 

(act. 26.1), dass sich an der Beschlussfassung sämtliche Stockwerkeigen-

tümer beteiligt haben. Was sodann die räumliche Beziehung der Rekurren-

tin  12  zum  Bauvorhaben  betrifft,  so  liegt  deren  Grundstück  ca.  65 m  vom 

Baugrundstück und ca. 120 m vom nächstgelegenen neu projektierten Ge-

bäude  entfernt.  Mit  Blick  auf  die  Dimensionen  des  Bauvorhabens  und  die 

damit einhergehende erhöhte Wahrnehmbarkeit desselben ist auch die Le-

gitimation der Rekurrentin 12 ohne Weiteres zu bejahen. 

Der Verein IG W., der gemäss Art. 2 der Statuten (act. 6.1) das Projekt „Er-

satzneubauten  und  Einkaufszentrum  -  G.-Strasse,  W.-Strasse“  bekämpft, 

ist  ausdrücklich  befugt,  „im  Namen  seiner  Mitglieder  Rechtsmittel  gegen 

das Bauprojekt zu ergreifen“. Mit dieser Formulierung kann sinnvollerweise 

nur  gemeint  sein,  dass  der  Verein  stellvertretend  für  seine  Mitglieder  im 

Sinne  der egoistischen  Verbandsbeschwerde  tätig  werden  kann.  Aufgrund 

des  Mitgliederverzeichnisses  (act. 6.2)  ergibt  sich  sodann,  dass  sämtliche 

Vereinsmitglieder  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  des  Bauvorhabens  west-

lich, nordwestlich und nördlich desselben wohnhaft sind. Insbesondere ge-

hören  dem  Verein  entgegen  dem  Hinweis  der  Bausektion  keine  Personen 

an,  die  auf  dem  Baugrundstück  selbst  wohnhaft  wären.  Sodann  ist  eine 

Mehrheit der Vereinsmitglieder Eigentümer der jeweiligen Grundstücke. Da 

damit  von  vornherein  eine  Mehrheit  der  Vereinsmitglieder  selbst  zur  Re-

kurserhebung befugt wäre, kann bezüglich der weiteren Vereinsmitglieder, 

bei  denen  es  sich  um  Mieter  handeln  dürfte,  auf  die  Einholung  von  Nach-

weisen  betreffend  das  Mietverhältnis  verzichtet  werden.  Die  Legitimation 

der  Rekurrentin  1  zur  Erhebung  einer  egoistischen  Verbandsbeschwerde 

ist nach dem Gesagten zu bejahen. 

Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  im  Verfahren  G.-Nr.  R1S.2020.05030 

die  Rekurslegitimation  sämtlicher  Rekurrierender  zu  bejahen  ist.  Da  auch 

die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs im Ver-

fahren G.-Nr. R1S.2020.05030 ebenfalls einzutreten. Dabei sind die Rekur-

rierenden  nach  dem  Gesagten  entgegen  dem  Vorbringen  der  Bauherr-

schaft  zur  Erhebung  sämtlicher  Rügen,  namentlich  auch  der  lärmrechtli-

chen,  befugt,  die  im  Ergebnis  zur  Gutheissung  des  Rekurses  führen  kön-

nen. 

R1S.2020.05028 

Seite 10 

 
 
2.3 
Die Bauherrschaft als Rekurrentin im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 ist 

in  ihrer  Eigenschaft  als  Adressatin  des  angefochtenen  Beschlusses  ohne 

Weiteres  im  Sinne  von  §  338a  PBG  zur  Rekurserhebung  legitimiert.  Da 

auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auch auf den Re-

kurs im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 einzutreten. 

3. 
Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des Ver-

waltungsrechtspflegegesetzes  [VRG]).  Das  Baurekursgericht  hat  unbese-

hen von Parteianträgen nur dann einen Augenschein durchzuführen, wenn 

die Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber 

noch unklar sind. Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt, so dass 

kein Augenschein durchzuführen war. 

4. 
Das Baugrundstück mit einer Fläche von 39‘488 m2 liegt in der Wohnzone 
W5  mit  einem  Mindestwohnanteil  von  60  %  und  ist  der  Lärm-Emp-

findlichkeitsstufe  (ES)  III  gemäss  der  Lärmschutzverordnung  (LSV)  zuge-

teilt. Es grenzt im Norden an die G.-Strasse, während sich nordwestlich die 

Siedlung L. befindet. Sowohl das Terrain des Baugrundstücks als auch die 

G.-Strasse steigen Richtung Nordwesten an. Projektiert ist eine Arealüber-

bauung mit 497 Wohnungen in acht Gebäuden (von Ost nach West: Haus 

A, B1, B2, C1, C2, D1, D2, E, wobei mit 1 und 2 jeweils das nördliche bzw. 

südliche  von  zwei  Gebäuden  mit  identischer  Positionierung  in  der  Ost-

West-Achse  bezeichnet  werden).  Die  Gebäude  A,  B1,  C1  und  D1  sind  im 

Norden  abgekröpft.  Die  dadurch  gebildeten  Kopfbauten  liegen  unmittelbar 
parallel  zur  G.-Strasse,  während  die  südlich  daran  anschliessenden  Ge-

bäuderiegel,  die  weiter  südlich  gelegenen  Gebäude  B2,  C2  und  D2  sowie 

aufgrund  der  Grundstücksform  auch  das  Gebäude  E  von  der  G.-Strasse 

zurückversetzt  sind.  Geplant  sind  weiter  eine  Tiefgarage  mit  den  neu  ge-

schaffenen 514 Fahrzeugabstellplätzen (Ebenen 1 und 2) sowie ein Laden-

zentrum, dessen (grösstenteils ebenfalls unterirdisch in den Ebenen 3 und 

4  angeordnete)  Verkaufsflächen  westlich  des  Gebäudes  C1  zu  liegen 

kommen. Im  auf  die G.-Strasse  ausgerichteten  jeweiligen  Erdgeschossbe-

reich,  der  teilweise  auch  das  unmittelbar  darüber  liegende  Geschoss  mit-

R1S.2020.05028 

Seite 11 

 
 
umfasst,  sind  sodann  weitere  Verkaufs-,  Gastronomie-  und  Gewerbeflä-

chen vorgesehen. 

5.1.1 
In Erwägung B.b der Baubewilligung wird festgehalten, gemäss dem Lärm-

gutachten  Strassenlärm  vom  5.  März  2019  (act.  13.9  [wobei  sich  hier  und 

im  Folgenden  Zitierungen  von  act.  13  auf  das  entsprechende  Aktorum  im 

Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 beziehen, da seitens der Bausektion die 

Vorakten  in  jenem  Verfahren  eingereicht  worden  sind])  würden  die  mass-

geblichen  Immissionsgrenzwerte  (IGW)  in  den  Fenstern  der  im  Einzelnen 

aufgelisteten  Räume  überschritten,  was  eine  Beurteilung  durch  die  Baudi-

rektion erforderlich mache. In Erwägung E. der Gesamtverfügung der Bau-

direktion  wird  hierzu  nach  Wiedergabe  der  massgeblichen  Rechtsgrundla-

gen Folgendes ausgeführt: „Im Rahmen der Prüfung durch die Fachstellen 

Lärmschutz  der  Stadt  und  des  Kantons  Zürich  wurden  alle  in  Frage  kom-

menden  Massnahmen  evaluiert  und  soweit  sinnvoll  und  tragbar  ins  Bau-

vorhaben  eingebracht.“  Sodann  wird  auf  ein  Schreiben  der  „zuständigen 

kommunalen  Behörde“  (vgl.  act.  13.20)  verwiesen,  in  welchem  diese  das 

den  Lärmschutz  überwiegende  Interesse  begründet  habe,  und  diese  Be-

gründung  wörtlich  wiedergegeben.  Schliesslich  heisst  es,  das  Tiefbauamt 

stimme dieser Begründung zu. In Dispositivziffer V.1 der Gesamtverfügung 

wird  die  lärmschutzrechtliche  Ausnahmebewilligung  erteilt  und  als  Neben-

bestimmung  festgehalten:  „Die  Vorbehalte  und  Nebenbestimmungen  ge-

mäss  Stellungnahme  der  Fachstelle  Lärmschutz  der  Stadt  Zürich  vom 

15. Mai 2019 sind verbindlich, insbesondere in Bezug auf den Einsatz von 

kontrollierter Be- und Entlüftung sowie die Schalldämmung der Aussenhül-

le“. Bei den entsprechenden Nebenbestimmungen dürfte es sich im Lichte 

von act. 13.21 um die Dispositivziffern II.B.69-74 i.V.m. II.B.1.u der Baube-
willigung handeln (vgl. in diesem Sinn auch die Vernehmlassung der Bau-

sektion, act. 22 Rz. 17.2). 

5.1.2 
Die Rekurrierenden machen geltend, längs der G.-Strasse würden auf allen 

Geschossen  die  Immissionsgrenzwerte  klar  überschritten.  An  den  stras-

senseitigen und teilweise auch an den seitlichen Fassaden seien Lärmbe-

lastungen von bis zu 71 dB (A) tagsüber und 64 dB (A) nachts vorhanden, 

womit die IGW tagsüber um 6 dB (A) und nachts um 9 dB (A) überschritten 

R1S.2020.05028 

Seite 12 

 
 
seien; tagsüber seien zudem die Alarmgrenzwerte überschritten. Ebenfalls 

nicht eingehalten seien die IGW für Betriebsräume bei den Eckräumen der 

Häuser B1 und C1. Die Ausnahmebewilligung sei zu Unrecht erteilt worden, 

da  die  Voraussetzungen  nach  Art.  31  Abs.  2  LSV  in  mehrfacher  Hinsicht 

nicht erfüllt seien. Weder die Bausektion noch die Baudirektion zeigten auf, 

dass  alle  zumutbaren  Lärmschutzmassnahmen  geprüft  worden  seien.  Die 

Baudirektion  verweise  lediglich  auf  Stellungnahmen  der  Fachstellen  Lärm 

der  Stadt  und  des  Kantons,  die  aber  bei  den  massgebenden  Unterlagen 

nicht erwähnt würden und in die die Rekurrierenden keine Einsicht gehabt 

hätten. Offensichtlich stütze sich die Baudirektion nicht auf Unterlagen, die 

belegen,  dass  das  Projekt  lärmoptimiert  sei.  Bei  150  Fenstern  mit  IGW-

Überschreitungen könne geschlossen werden, dass das Projekt nicht opti-

mal sei. Zudem werde bestritten, dass die  Grundrisse lärmoptimiert seien, 

zumal  viele  Wohn-  und  Essräume  sowie  Schlafzimmer  auf  die  lärmige 

Strassenseite  hin  ausgerichtet  seien.  Jedenfalls  genüge  die  Begründung 

der  Baudirektion  nicht  für  die  Erteilung  einer  Ausnahmebewilligung.  Nicht 

erfüllt sei weiter die Voraussetzung, wonach die IGW nicht erheblich über-

schritten sein dürften. Das Bundesgericht ziehe die Grenze der erheblichen 

Überschreitung in einer Zone mit ES II bei 4 dB (A). Das strittige Bauvorha-

ben liege in einer Zone mit ES III, weshalb eine geringere Toleranz für Ab-

weichungen  bestehe.  Gemäss  einem  neueren  verwaltungsgerichtlichen 

Entscheid  sei  sodann  eine  Überschreitung  der  IGW  bei  99  Fenstern  im-

mens, während vorliegend 150 Fenster betroffen seien. Die Überschreitung 

erweise  sich  offensichtlich  als  erheblich,  womit  eine  Ausnahmebewilligung 

ausgeschlossen  sei.  Weiter  sei  die  Voraussetzung,  dass  trotz  grosser 

Lärmbelastung ein angemessener Wohnkomfort möglich sein müsse, nicht 

geprüft  worden.  Ebenso  sei  keine  genügende  Interessenabwägung  vorge-

nommen  worden,  was  zufolge  fehlender  Prüfung  aller  Bewilligungsvoraus-

setzungen auch gar nicht möglich gewesen sei. Eine Begründung der Aus-
nahmebewilligung im Bauentscheid fehle. Unzulässig sei weiter die Neben-

bestimmung in der Ausnahmebewilligung (vgl. deren Zitierung in E. 5.1.1). 

Diese  nehme  auf  eine  Stellungnahme  der  Fachstelle  Lärmschutz  Bezug, 

die für die Rekurrierenden nicht einsehbar sei. Das Dokument werde daher 

ohne Kenntnis bestritten. Vorsorglich bestritten werde zudem die Zulässig-

keit der genannten Nebenbestimmung. Auch sei das rechtliche Gehör ver-

letzt.  Die  Rekurrierenden  machen  weiter  geltend,  der  Minergie-ECO-

Standard  verlange  eine  möglichst  geringe  Lärmbelastung,  was  vorliegend 

nicht erfüllt sei. Schliesslich  weisen sie darauf hin, aufgrund der massiven 

R1S.2020.05028 

Seite 13 

 
 
Grenzwertüberschreitungen  seien  die  für  Arealüberbauungen  geltenden 

besonders  hohen  Anforderungen  an  die  Wohnlichkeit  und  Wohnhygiene 

nicht erfüllt. 

5.1.3 
Die  Baudirektion  verweist  in  ihrer  Vernehmlassung  auf  die  Stellungnahme 

des  Tiefbauamtes,  Fachstelle  Lärmschutz.  In  dieser  wird  ausgeführt,  für 

Massnahmen  an  der  Lärmquelle  wie  Geschwindigkeitsreduktion  oder  Ein-

bau eines lärmarmen Belags sei das Baubewilligungsverfahren das falsche 

Verfahren.  Eine  Lärmschutzwand  entlang  der  G.-Strasse  hätte  höchstens 

eine  geringe  lärmreduzierende  Wirkung,  da  auf  Strassenniveau  gewerbli-

che  Nutzung  vorgesehen  sei,  während  man  bei  einer  Wandhöhe  von  2  m 

aus  den  oberen  Wohngeschossen  ungehindert  auf  die  Lärmquelle  blicke. 

Zudem  seien  Lärmschutzwände  im  Siedlungsgebiet  städtebaulich  heikel 

und  bei  Neubauten,  die  nach  kantonaler  Praxis  mit  den  Gebäudekörpern 

selbst Lärmschutzhindernisse schaffen müssten, nicht vertretbar. Bezüglich 

der  Massnahmen  am  Gebäude  stelle  sich  die  Situation  sodann  wie  folgt 

dar:  Entlang  der  G.-Strasse  seien  auf  Strassenniveau  und  z.T.  auch  auf 

Höhe des ersten Obergeschosses gewerbliche Nutzungen vorgesehen. Die 

Anordnung  der  Gebäudekörper  sei  zweckmässig,  da  die  Kopfbauten  die 

dahinterliegenden Gebäude vor zu hohen Lärmimmissionen schützen wür-

den. Die Kopfbauten lägen in geringer Distanz zur Strasse. Das Zurückset-

zen würde wenig bringen, da zur Einhaltung der Grenzwerte an den Fassa-

den der Kopfbauten eine Rückversetzung um rund 100 m erforderlich wäre, 

was unrealistisch sei. Zudem würden mit dem projektierten Vorhaben lärm-

abgewandt  möglichst  grosszügige  ruhige  Aussen-  und  Wohnräume  ge-

schaffen  und  vermieden,  dass  zwischen  Strasse  und  Gebäuden  schlecht 

nutzbares  Abstandsgrün  entstehe.  Mit  einer  geschlossenen  Fassade  ge-

genüber der G.-Strasse liesse sich die Lärmbelastung rückseitig weiter re-
duzieren.  Allerdings  wären  dann  noch  mehr  lärmempfindliche  Räume  von 

Grenzwertüberschreitungen  betroffen  und  die  Lösung  wäre  städtebaulich 

ungünstiger. Daher sei die gewählte Gebäudeform als optimiert zu beurtei-

len.  Wo  sinnvoll  und  zweckmässig  seien  sodann  gestalterische  Massnah-

men berücksichtigt worden. So verfügten die Kopfbauten auf einer Seiten-

fassade über jeweils zwei Gebäuderücksprünge. Die dadurch entstehenden 

Erkersituationen erlaubten ein vollständig lärmabgewandtes Lüften. Weitere 

gestalterische  Massnahmen  seien  nicht  zielführend.  Strassenseitige  Ge-

bäudevor- und Rücksprünge, Auskragungen oder Abwinklungen seien auf-

R1S.2020.05028 

Seite 14 

 
 
grund auftretender Reflexionen praktisch wirkungslos. Balkone oder Loggi-

en  zur  G.-Strasse  würden  realistischerweise  zu  einer  Pegelreduktion  von 

max.  4  dB  (A)  führen,  womit  die  IGW  immer  noch  überschritten  wären. 

Auch wäre die Aufenthaltsqualität an der lauten und schattigen Nordfassa-

de gering. Schliesslich arbeite das Projekt mit lärmoptimierten Grundrissen. 

Alle  Wohnungen  verfügten  über  eine  gute  Wohnqualität.  Sämtliche  Woh-

nungen mit roten Räumen (Anmerkung: Räume, bei denen die IGW an al-

len  Fenstern  überschritten  sind)  verfügten  über  lärmempfindliche  Räume, 

wo  sogar  die  IGW  der  ES  II  eingehalten  seien  sowie  über  einen  ruhigen 

Aussenraum, wo der IGW der ES II am Tag eingehalten sei. Für rote Räu-

me  sei  eine  kontrollierte  Lüftung  vorgeschrieben  worden.  Alle  Wohnungen 

hätten maximal einen  roten Raum. Im Übrigen könnte das Projekt nahezu 

ohne  Ausnahmebewilligung  auskommen,  wenn  bei  den  Kopfbauten  auf 

strassenseitige  und  seitlich  angeordnete  Zweitfenster  mit  Grenzwertüber-

schreitungen verzichtet würde. Damit würden aber einerseits wohnhygieni-

sche  Probleme  (Belichtung,  verunmöglichte  Stosslüftung),  andererseits  ei-

ne städtebaulich schwierige Situation („tote“ Fassade) geschaffen. Zusam-

menfassend  ergebe  sich,  dass  es  sich  um  ein  lärmoptimiertes  Projekt 

handle,  bei  dem  sämtliche  zweckmässigen  und  zumutbaren  Lärmschutz-

massnahmen  ins  Projekt  integriert  worden  seien.  Spezifisch  auf  einzelne 

Vorbringen  der  Rekurrierenden  bezogen  weist  die  Fachstelle  sodann  da-

rauf  hin,  die  lärmrechtliche  Beurteilung  von  Baugesuchen  in  der  Stadt  Zü-

rich erfolge in erster Linie durch die städtische Fachstelle, wobei die kanto-

nale  Fachstelle  grundsätzlich  von  einer  korrekten  lärmrechtlichen  Beurtei-

lung ausgehen dürfe. Auch die Vornahme der Interessenabwägung sei pri-

mär Aufgabe der städtischen Vollzugsbehörde. Sodann handle es sich bei 

der  Übernahme  der  Vorbehalte  und  Nebenbestimmungen  der  städtischen 

Lärmschutzfachstelle  um  eingespielte  Verfahrensabläufe.  Zu  beachten  sei 

weiter, dass es sich um einen Ersatzneubau handle, bei dem davon auszu-
gehen sei, dass sich die Lärmsituation insgesamt gegenüber heute verbes-

sere.  Sollte  eine  Ausnahmebewilligung  nicht  möglich  sein,  verbleibe  als 

einzige  Möglichkeit,  in  den  Kopfbauten  ausschliesslich  weniger  lärmemp-

findliche Gewerbenutzungen anzuordnen. Die Fachstelle Lärmschutz gehe 

jedoch  davon  aus,  dass  am  vorliegenden  Standort  aus  raumplanerischen 

Überlegungen  nicht  noch  mehr  Gewerbenutzung  realisiert  werden  solle. 

Insgesamt entspreche die Erteilung der Ausnahmebewilligung der lösungs-

orientierten  Vollzugspraxis  von  Stadt  und  Kanton  bei  unvermeidbaren 

Grenzwertüberschreitungen  im  städtischen  Umfeld.  Die  optimale  Ausnüt-

R1S.2020.05028 

Seite 15 

 
 
zung bestehender Bauzonen diene dem Ziel, mittels Verdichtung eine wei-

tere  Zersiedelung  der  Landschaft  zu  vermeiden.  Zudem  sei  der  grosse 

Wohnraumbedarf in der Stadt Zürich längstens ausgewiesen. 

Auch die Bausektion weist in ihrer Vernehmlassung darauf hin, mit der Aus-

richtung  der  Gebäudekörper  (Abschirmung  durch  die  Gebäudeköpfe),  der 

Anordnung  der  Nutzungen  und  der  Gestaltung  der  Wohnungsgrundrisse 

(Anordnung der Treppenhäuser und soweit möglich der Nasszellen an der 

strassenseitigen  Fassade)  reagiere  das  Bauprojekt  bestmöglich  auf  die 

lärmbelastete Situation. Durch Zumauern der strassenseitigen Fenster oder 

Ersatz derselben mittels transparenter Fassadenelemente würde gegen die 

Vorschriften betreffend Wohnhygiene (natürliche Belüftung) verstossen. Es 

existierten nicht derart viele lärmunempfindliche Räume, dass die Strassen-

fassaden  vollständig  von  ihnen  belegt  werden  könnten.  Zudem  wäre  eine 

wenig  befensterte  Strassenfassade  ein  städtebauliches  Unding.  Von  ca. 

150 lärmbetroffenen Räumen verfügten ca. 110 über ein zum Lüften geeig-

netes Fenster. Die Anzahl roter Räume pro Wohnung betrage maximal ei-

nen  Drittel.  Mit  den  gleichen  Argumenten  wie  in  der  Stellungnahme  der 

kantonalen  Fachstelle  Lärmschutz  wird  sodann  dargelegt,  andere  Mass-

nahmen als die Ausrichtung der Gebäudekörper und der Wohnungen fielen 

ausser  Betracht.  Schliesslich  wird  darauf  hingewiesen,  auch  die  relativ 

grosse Überschreitung der IGW könne nicht zu einem allgemeinen Bauver-

bot führen. Vielmehr sei der Einzelfall zu würdigen. Eine maximal zulässige 

Überschreitung um 4 dB (A) hätte zur Folge, dass in der Stadt Zürich ent-

lang  von  stark  befahrenen  Strassenachsen  keine  Ersatzneubauten  mit 

Wohnungen mehr realisiert werden könnten. Bezüglich der Anwendung des 

Minergie-P-Eco-Standards  seien  sodann  lediglich  die  Energiewerte  von 

Bedeutung, andere Anforderungen bestünden nicht. 

Die  Bauherrschaft  verweist  in  ihrer  Stellungnahme  primär  auf  die  Begrün-

dung  in  der  Gesamtverfügung  der  Baudirektion.  Ergänzend  wird  darauf 

hingewiesen, niemand könne ernsthaft in Frage stellen, dass an dieser La-

ge Neu- und Ersatzbauten zulässig sein müssten. Die Schaffung von zent-

rumsnahem  Wohnraum  liege  im  Interesse  der  raumplanerisch  gebotenen 

Verdichtung  nach  innen  und  der  haushälterischen  Nutzung  des  Bodens. 

Die  Kopfbauten  wirkten  abschirmend  für  die  dahinterliegenden  Gebäude. 

Die  kontrollierte  Lüftung  in  sämtlichen  Wohnungen  stelle  eine  hohe  Luft-

qualität  sicher  und  schütze  vor  Lärmimmissionen.  Von  Grenzwertüber-

R1S.2020.05028 

Seite 16 

 
 
schreitungen seien vor allem Küchen, Bäder und Treppenhäuser betroffen. 

Die Schlafzimmer seien mehrheitlich auf die lärmabgewandte Seite ausge-

richtet und verfügten mindestens über ein Fenster, bei dem die IGW einge-

halten seien. Die Grenzwertüberschreitungen beeinträchtigten daher die für 

die Gesundheit wichtige Nachtruhe nur weniger Bewohner. Von Grenzwer-

tüberschreitungen  seien  rund  150  Fenster  betroffen,  was  aber  nur  5-6  % 

der  geschätzten  Gesamtzahl  von  2500  Fenstern  entspreche.  Schliesslich 

handle es sich in den allermeisten Fällen um Überschreitungen zwischen 1 

bis 4 dB (A). Wenn gemäss der Rechtsprechung eine Überschreitung um 4 

dB  (A)  in  der  ES  II  erheblich  sei,  so  gelte  dies  nicht  automatisch  auch  für 

die ES III, da in dieser das Mass für eine erhebliche Überschreitung grösser 

sein  dürfte.  Auch  die  Alarmwerte  würden  nur  tagsüber  entlang  der  G.-

Strasse knapp und nur bei wenigen Fenstern erreicht. Insgesamt seien die 

Überschreitungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht von untergeord-

neter  Bedeutung,  weshalb  die  lärmrechtliche  Ausnahmebewilligung  zu 

Recht erteilt worden sei. 

5.1.4 
Im Rahmen der Replik führen die Rekurrierenden aus, die Bausektion habe 

lediglich  pauschal  festgehalten,  andere  Massnahmen  als  die  angepasste 

Ausrichtung  der  Baukörper  fielen  ausser  Betracht.  Dies  könne  angesichts 

der  Anzahl  betroffener  Fenster  sowie  der  teilweisen  Überschreitung  der 

Alarmwerte  nicht  ernsthaft  behauptet  werden.  Die  übrigen  Massnahmen 

würden anhand von reinen Vermutungen verworfen, ohne dass eine sachli-

che  Prüfung  nach  akustischen  Grundsätzen  erfolgen  würde.  Die  Überle-

gungen der Fachstelle Lärmschutz, die sich erstmals einlässlich zu den an-

geblich geprüften und verworfenen Lärmschutzrechtmassnahmen äussere, 

hätten bereits im Entscheid zur Zustimmung zur Ausnahmebewilligung auf-

geführt  werden  müssen  und  seien  daher  verspätet  und  nicht  zu  hören.  Im 
Übrigen gehe es entgegen der Fachstelle nicht um eine „alles oder nichts“-

Lösung, sondern um eine Optimierung der Lärmsituation, wobei die taugli-

chen  Massnahmen  im  Einzelfall  zu  ermitteln  seien.  Unterschlagen  werde, 

dass mit der Anordnung der Kopfbauten möglichst nahe an der Lärmquelle 

zwecks  Abschirmung  der  dahinterliegenden  Gebäude  bei  88  Wohnungen 

massivste  Lärmgrenzwertüberschreitungen  entstünden.  Die  von  der  Fach-

stelle erwähnten Erkerfenster seien gegenüber den anderen lärmbelasteten 

Fenstern  stark  in  der  Unterzahl.  Zudem  sei  aus  dem  Lärmgutachten  nicht 

klar ersichtlich, ob die Grenzwerte bei allen Erkerfenstern eingehalten sei-

R1S.2020.05028 

Seite 17 

 
 
en. Es handle sich um einen Tropfen auf den heissen Stein. Mit der Wirk-

samkeit von Gebäudevor- und Rücksprüngen habe sich die Fachstelle nicht 

bezogen auf die konkrete Situation vor Ort befasst. Der Hinweis, wonach es 

in  jeder  lärmbelasteten  Wohnung  auch  nicht  lärmbelastete  Räume  gebe, 

trage nichts zur Prüfung der Lärmsituation bei, da dadurch das lärmschutz-

rechtliche Problem nicht gelöst sei. Schliesslich zeige das Vorbringen, wo-

nach bei den betroffenen Räumen auf ein weiteres Fenster hätte verzichtet 

werden können, dass das Projekt überhaupt nicht lärmoptimiert sei. Wenn 

es  sich  bei  dieser  Massnahme  um  die  angeblich  einzig  wirksame  Lösung 

handle,  bestehe  ein  echtes  Problem,  aufgrund  dessen  die  Baukörper 

grundsätzlich anders gesetzt werden müssten. 

5.1.5 
Während sich den Dupliken von Bausektion und Baudirektion keine neuen 

Gesichtspunkte  entnehmen  lassen,  führt  die  Bauherrschaft  in  ihrer  Duplik 

primär mehrere der von den Behörden im Rahmen der Vernehmlassungen 

dargelegten Argumente an (unter Hinweis darauf, dass diese Ausführungen 

der anderen Rekursgegner nicht verspätet seien) und verweist darüber hin-

aus  auf  folgende  Punkte:  Die  Lärmbelastung  in  verhältnismässig  wenigen 

Wohnungen stehe nicht der besonders guten Qualität bezüglich Wohnlich-

keit und Wohnhygiene im Sinne von § 71 Abs. 2 PBG entgegen, zumal es 

gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung genüge, wenn  eine Are-

alüberbauung  die  bundesrechtlichen  Lärmschutzvorgaben  erfülle.  Die  An-

ordnung  des  Lärmriegels  sei  unter  Berücksichtigung  der  Topographie  der 

Parzelle ideal gewählt, da eine gute Belichtung und Besonnung der südsei-

tig  angeordneten,  lärmabgewandten  Aussenflächen  (Balkone  etc.)  erreicht 

werde. Das lärmoptimierte Projekt entspreche – zumindest im Zeitpunkt der 

Gesuchseinreichung – vollumfänglich der kantonalen Praxis der Baudirekti-

on. Die neusten Entscheide des Verwaltungsgerichts und des Baurekursge-
richts  zum  Thema  Lärmschutz  seien  in  dicht  bebauten  Städten  schlicht 

nicht  umsetzbar  bzw.  führten  bei  sklavischer  Umsetzung  zu  eindeutigen 

Nachteilen  für  die  Bewohner,  weshalb  diese  Entscheide  der  Korrektur  be-

dürften.  Es  lasse  sich  an  stark  befahrenen  Strassen  wenn  überhaupt  nur 

noch  mit  radikalsten  Ansätzen  (tote  Fassaden,  keine  Ausrichtung  von 

Wohnräumen  gegen  die  Strasse,  Festverglasungen)  ein  Bauprojekt  reali-

sieren,  das  die  Lärmschutzvorschriften  vollständig  einhalte.  Im  vorliegend 

zu  beurteilenden  Projekt  seien  sodann  von  insgesamt  497  Wohnungen 

bloss 89 (d.h. 18 %) von der Lärmproblematik überhaupt betroffen. Ledig-

R1S.2020.05028 

Seite 18 

 
 
lich 155 von total 1387 Zimmern (11 %) wiesen Grenzwertüberschreitungen 

auf, wobei es sich bei 44 Zimmern (3 %) um rote Räume handle. Von die-

sen befänden sich 20 an der Ostfassade des Hauses A mit einer Grenzwer-

tüberschreitung von nur 1 dB (A). Damit verblieben 24 rote Räume (1,75 %) 

entlang  der  G.-Strasse,  in  denen  eine  Grenzwertüberschreitung  vorliege, 

was aber die Grundlage für die Einhaltung der IGW bei den dahinter situier-

ten  Wohnungen  bilde.  Auch  wenn  gemäss  bundesgerichtlicher  Praxis  die 

gelben Räume (Anmerkung: Räume, bei denen die IGW wenigstens an ei-

nem  Lüftungsfenster  eingehalten  werden  können)  für  Regelbewilligungen 

als unzulässig beurteilt würden, sei die Unterscheidung von roten und gel-

ben  Räumen  elementar,  da  in  der  Praxis  und  unter  dem  Schutzgedanken 

der Bewohner kein Bewohner von gelben Räumen gezwungen werde, sich 

zwischen  frischer  Luft  aus  einem  offenen  Fenster  und  rechtsgenügender 

Ruhe zu entscheiden. 

Schliesslich  stellt  die  Bauherrschaft  wie  erwähnt  zwei  Eventualbegehren, 

die sich auf zusätzliche Massnahmen beziehen, mit denen eine allfällig feh-

lende  Bewilligungsfähigkeit  in  lärmrechtlicher  Hinsicht  vermieden  werden 

soll,  wobei  nach  dem  Dafürhalten  der  Bauherrschaft  mit  diesen  Lösungen 

jedoch  Abstriche  bei  der  Wohnqualität  oder  der  Grundrissgestaltung  ein-

hergehen.  In  einer  Variante  1  (Eventualbegehren)  ist  vorgesehen,  bei  den 

Eckwohnungen der Kopfbauten eine andere Raumaufteilung vorzunehmen, 

indem das jeweilige Schlafzimmer, das als roter Raum konzipiert ist, inner-

halb  des  Grundrisses  nach  Süden  verschoben  und  an  der  Längsseite  der 

dort  bestehenden  Loggia  positioniert  würde.  Dadurch  würden  die  roten 

Räume in den Kopfbauten eliminiert. Gemäss der Bauherrschaft habe man 

sich aber bei Gesuchseinreichung bewusst gegen diese Variante entschie-

den,  da  sie  die  folgenden  Beeinträchtigungen  der  Wohnqualität  mit  sich 

bringe: Verlust an Wohn- und Zunahme an Verkehrsflächen, Abnahme der 
Varianz  von  Wohnungstypen,  Verlust  der  in  den  bewilligten  Grundrissen 

bestehenden  attraktiven  Diagonalbezüge,  Verlust  der  Einbindung  des  Bal-

kons  in  die  Raumkomposition  der  umgebenden  Wohnräume.  Variante  2 

(Subeventualbegehren)  sieht  zusätzlich  zur  Grundrissanpassung  gemäss 

Variante 1 einerseits Änderungen der Grundrisse auch der Wohnungen an 

der  Ostfassade  von  Haus  A  vor:  Durch  Einbau  zusätzlicher  Balkone  und 

Verschieben  der  Lage  des  jeweiligen  roten  Raumes  würde  letzterer  elimi-

niert  (wobei  an  sich  ein  gelber  Raum  resultieren  würde)  und  zugleich  der 

bereits  bestehende  gelbe  Raum  in  einen  grünen  Raum  umgewandelt.  An-

R1S.2020.05028 

Seite 19 

 
 
dererseits würden in allen Gebäuden sämtliche Fenster mit Grenzwertüber-

schreitungen mit einer nicht öffenbaren Fensterverglasung ausgestattet, so 

dass  letztlich  nur  noch  grüne  Räume  bestehen  würden.  Als  Nachteile  und 

Qualitätseinbussen  „von  nicht  zu  unterschätzender  Tragweite“  werden  für 

Variante  2  (zusätzlich  zum  bereits  bei  Variante  1  Angeführten)  genannt: 

Verlust  von  Wohnraum  aufgrund  der  neuen  Lüftungsbalkone,  Einschrän-

kung  der  Flexibilität  der  Wohnnutzung  im  Haus  A  zufolge  nur  über  ein 

Schlafzimmer  zugänglichen  Nasszellen,  Verhinderung  der  offenen  Verbin-

dung  von  innen  nach  aussen  als  eines  wichtigen  faktischen  Zwecks  von 

Fenstern und Verhinderung der energetisch sinnvollen Stosslüftung, höhere 

Nebenkosten aufgrund des hohen Aufwands der Aussenreinigung bei Fest-

verglasungen. 

5.2 
Gemäss Art. 22 Abs. 1 des Umweltschutzgesetzes (USG) dürfen Baubewil-

ligungen  für  neue  Gebäude,  die  dem  längeren  Aufenthalt  von  Personen 

dienen, unter Vorbehalt von Abs. 2 nur erteilt werden, wenn die IGW nicht 

überschritten  werden.  Sind  die  IGW  überschritten,  so  werden  Baubewilli-

gungen für Neubauten, die dem längeren Aufenthalt von Personen dienen, 

nur  erteilt,  wenn  die  Räume  zweckmässig  angeordnet  und  die  allenfalls 

notwendigen  zusätzlichen  Schallschutzmassnahmen  getroffen  werden 

(Art. 22 Abs. 2 USG). Nach Art. 31 Abs. 1 LSV dürfen Neubauten und we-

sentliche  Änderungen  von  Gebäuden  mit  lärmempfindlichen  Räumen 

‒ wenn die IGW überschritten sind – nur bewilligt werden, wenn diese Wer-

te  durch  die  Anordnung  der  lärmempfindlichen  Räume  auf  der  dem  Lärm 

abgewandten Seite des Gebäudes (lit. a) oder durch bauliche oder gestal-

terische  Massnahmen,  die  das  Gebäude  gegen  Lärm  abschirmen  (lit. b), 

eingehalten  werden  können.  Können  die  IGW  durch  Massnahmen  nach 

Art. 31  Abs. 1  LSV  nicht  eingehalten  werden,  so  darf  die  Baubewilligung 
gemäss Art. 31 Abs. 2 LSV nur erteilt werden, wenn an der Errichtung des 

Gebäudes ein überwiegendes Interesse besteht und die kantonale Behörde 

zustimmt. Die Bejahung eines solchen Interesses setzt zwingend eine um-

fassende 

Interessenabwägung 

im 

konkreten  Einzelfall 

voraus 

(BGr 1C_106/2018 vom 2. April 2019, E. 4.2). Gemäss der bundesgerichtli-

chen  Rechtsprechung  können  Zielkonflikte  zwischen  dem  Lärmschutz  (als 

Gesundheitsschutz)  und  der  raumplanerisch  gebotenen  Siedlungsverdich-

tung  bestehen.  Dem  wichtigen  Anliegen  einer  hochwertigen  Siedlungsent-

wicklung  nach  innen  kann  jedoch  –  mit  Zustimmung  des  Kantons  (Art. 31 

R1S.2020.05028 

Seite 20 

 
 
Abs. 2  LSV)  –  auf  dem  Wege  der  Ausnahmebewilligung  Rechnung  getra-

gen  werden  (BGr 1C_106/2018  vom  2. April  2019,  E. 4.3,  auch  zum  Fol-

genden).  Bauvorhaben,  die  aus  dieser  Sicht  wünschenswert  erscheinen, 

kann  eine  Ausnahmebewilligung  erteilt  werden,  wenn  die  IGW  nicht  we-

sentlich überschritten sind, sofern sich deren Einhaltung nicht in städtebau-

lich  befriedigender  Weise  erreichen  lässt  und  mittels  Lüftungsfenstern  an 

den lärmabgewandten Seiten und allfälligen weiteren Massnahmen ein an-

gemessener  Wohnkomfort  sichergestellt  werden  kann  (BGE 142 II 100, 

E. 4.6; BGr 1C_313/2015 vom 10. August 2016). 

Art. 31  Abs. 2  LSV  setzt  somit  voraus,  dass  die  IGW  durch  Massnahmen 

nach  Art. 31  Abs. 1  LSV  nicht  eingehalten  werden  können.  Nach  Auffas-

sung  des  Bundesgerichts  muss  vor  Erteilung  der  Ausnahmebewilligung 

nachgewiesen  werden,  dass  alle  in  Betracht  fallenden  baulichen  und  ge-

stalterischen Massnahmen geprüft worden sind. Erst wenn erstellt sei, dass 

sämtliche  verhältnismässigen  Massnahmen  ausgeschöpft  worden  seien, 

komme als "ultima ratio" die Gewährung einer Ausnahme in Betracht (Sub-

sidiarität;  BGr 1C_106/2018  vom  2. April 2019,  E. 4.7  mit  Hinweis).  Das 

Verwaltungsgericht 

hat 

diese  Praxis  mit  VB.2018.00027 

vom 

18. Dezember 2019  übernommen  und  seither  bereits  mehrfach  bestätigt 

(VB.2019.00341  vom  27. Februar 2020;  VB.2019.00394  vom  27.  Febru-

ar 2020;  VB.2019.00654  vom  19. März 2020;  www.vgr.zh.ch).  Verlangt  für 

den  Nachweis,  dass  sämtliche  verhältnismässigen  Massnahmen  im  Sinn 

von Art. 31 Abs. 1 LSV ausgeschöpft sind, sind nachvollziehbar begründete 

Darlegungen,  welche  Massnahmen  geprüft,  gewählt  oder  verworfen  wur-

den. Diese Darlegungen haben grundsätzlich im Rahmen der Zustimmung 

der  kantonalen  Amtsstelle  (Ziff. 3.2  des  Anhangs  zur  Bauverfahrensord-

nung  [BVV])  zur  Ausnahmebewilligung  nach  Art. 31  Abs. 2  LSV  oder  aber 

anhand  eines  (privaten)  Gutachtens  zu  ergehen  (VB.2019.00394  vom  27. 
Februar 2020, E. 5.3.3). 

Wie  strikt  das  Bundesgericht  die  Voraussetzung  einer  nicht  wesentlichen 

Überschreitung  der  IGW  gehandhabt  haben  will  bzw.  ab  wann  von  einer 

wesentlichen Überschreitung der IGW auszugehen ist, welche die Erteilung 

einer  Ausnahmebewilligung  zum  vornherein  ausschliesst,  lässt  sich  der 

Praxis nicht mit Sicherheit entnehmen. Eine Überschreitung der IGW tags-

über um bis zu 4 dB (A) ist zumindest gemäss der Auffassung des Bundes-

amts für Umwelt (BAFU) keine unwesentliche mehr (vgl. BGr 1C_106/2018 

R1S.2020.05028 

Seite 21 

 
 
vom  2. April  2019,  E. 4.6  am  Ende).  In  einem  neueren,  in  der  amtlichen 

Sammlung publizierten Entscheid hat das Bundesgericht die Erteilung einer 

Ausnahmebewilligung bei einer Überschreitung der IGW um bis zu 6 dB (A) 

geschützt, dabei jedoch zum einen darauf hingewiesen, die IGW seien  in-

soweit  „fortement  dépassées“,  und  zum  andern  hervorgehoben,  die  Lärm-

belastung liege dennoch deutlich unter den Alarmwerten (BGE 145 II 189, 

Sachverhalt  lit.  D  sowie  E.  8.2  und  8.3.3).  Die  herausragende  Bedeutung 

der  Alarmwerte  ergibt  sich  gleichermassen  aus  der  verwaltungsgerichtli-

chen Rechtsprechung. So hat das Verwaltungsgericht in einem Fall betref-

fend Fluglärm festgehalten, die Alarmwerte seien stets einzuhalten und die 

Verweigerung  einer  Ausnahmebewilligung  zufolge  Überschreitung  der 

Alarmwerte  um  1  dB 

(A)  entsprechend  nicht  zu  beanstanden 

(VB.2008.00086 vom 23. September 2009, E. 5.2, 5.4 und 6, teilweise pu-

bliziert in BEZ 2009 Nr. 56). Festzuhalten ist jedenfalls, dass die neuere – 

auch vorliegend angewandte – kantonale Vollzugspraxis die Voraussetzung 

der  fehlenden  wesentlichen  Überschreitung  der  IGW  unbeachtet  lässt 

(VB.2018.00027 vom 18. Dezember 2019, E. 4.3 und 5.2). 

5.3.1 
Die  Belastung  des  Baugrundstücks  durch  Strassenlärm  ergibt  sich  auf-

grund  der  Lage  an  der  nordseitig  verlaufenden  G.-Strasse.  Die  IGW  für 

Wohnen betragen in der hier massgeblichen ES III 65 dB (A) am Tag und 

55 dB (A) in der Nacht (Ziff. 2 des Anhangs 3 zur LSV). Bei Betriebsräumen 

gelten um 5 dB (A) höhere Immissionsgrenzwerte (Art. 42 Abs. 1 LSV). Für 

Gebiete  und  Gebäude,  in  denen  sich  Personen  in  der  Regel  nur  am  Tag 

aufhalten, gelten für die Nacht keine Belastungsgrenzwerte (Art. 41 Abs. 3 

LSV). 

Gemäss  dem  Lärmgutachten  vom  5.  März  2019  (act.  13.9  S.  17  ff.)  erge-
in  Verbindung  mit  den  massgeblichen  Grundrissplänen 
ben  sich 

(act. 13.3.7  ff.)  folgende  Überschreitungen  der  IGW:  Bei  den  in  den  Kopf-

bauten  der  Gebäude  A,  B1,  C1  und  D1  geplanten  Wohnungen  sind  bei 

sämtlichen Fenstern der auf die G.-Strasse ausgerichteten Fassaden sowie 

bei  einem  Teil  der  Fenster  der  seitlich  abgewinkelten  Fassaden  die  IGW 

überschritten. Dies hat zur Folge, dass in jeder der vier Kopfbauten grund-

sätzlich  pro  Ebene  zwei  lärmbelastete  Wohnungen  bestehen,  von  denen 

die eine einen gelben Raum (Raum, bei dem die IGW wenigstens an einem 

Lüftungsfenster eingehalten werden können) aufweist, während bei der an-

R1S.2020.05028 

Seite 22 

 
 
deren zwei gelbe Räume und ein roter Raum (Raum, bei dem die IGW an 

allen  Fenstern  überschritten  sind)  bestehen.  Beide  Wohnungstypen  verfü-

gen darüber hinaus lediglich über einen einzigen grünen Raum (Raum, bei 

dem die IGW an allen Fenstern eingehalten sind). Diese Situation besteht 

im Haus A auf den Ebenen 4 bis 8, im Haus B1 auf den Ebenen 5 bis 9, im 

Haus C1 auf den Ebenen 6 bis 10 und im Haus D1 auf den Ebenen 7 bis 

10. Ebenfalls in den Kopfbauten finden sich sodann die folgenden weiteren 

lärmbelasteten Wohnungen: einerseits im Haus A auf Ebene 9, im Haus B1 

auf  Ebene  10  und  im  Haus  C1  auf  Ebene  11  je  eine  Wohnung  mit  einem 

gelben und eine Wohnung mit einem gelben und einem roten Raum; ande-

rerseits  im  Haus  A  auf  Ebene  3  eine  Wohnung  mit  einem  roten  und  zwei 

gelben Räumen, im Haus B1 auf Ebene 4 eine Wohnung mit einem gelben 

Raum,  im  Haus  C1  auf  der  Ebene  5  eine  Wohnung  mit  einem  roten  und 

zwei gelben Räumen sowie im Haus D1 auf der Ebene 6 eine Wohnung mit 

einem  und  eine  Wohnung  mit  zwei  gelben  Räumen  und  auf  den  Ebenen 

11, 12 und 13 je zwei Wohnungen mit je einem gelben Raum. Auch diese 

Wohnungen  weisen  darüber  hinaus  lediglich  einen  einzigen  grünen  Raum 

auf, mit Ausnahme einerseits der Wohnung auf Ebene 5 von Haus C1, bei 

der kein grüner Raum besteht, und andererseits einer der Wohnungen auf 

Ebene 11 von Haus D1, die zusätzlich über vier grüne Räume verfügt. Wei-

ter finden sich in den Kopfbauten auf Ebene 10 von Haus A, auf Ebene 11 

von Haus B1 und auf Ebene 12 von Haus C1 jeweils zwei Wohnungen mit 

je einem gelben Raum, bei denen bei der einen Wohnung zusätzlich zwei, 

bei der anderen drei grüne Räume bestehen. Schliesslich weist das Haus A 

im  Bereich  der  Abkröpfung  zwischen  Kopfbaute  und  dahinterliegendem 

Gebäuderiegel sowie in diesem Gebäuderiegel selbst weitere lärmbelastete 

Wohnungen auf, da an den Fenstern im nördlichen Teil der Ostfassade die 

IGW überschritten sind. Im Einzelnen befindet sich auf den Ebenen 3 bis 7 

im Übergang zwischen Kopfbaute und Gebäuderiegel je eine Wohnung mit 
jeweils einem gelben Raum und zusätzlich 1,5 (bzw. auf Ebene 4: 2,5) grü-

nen  Räumen.  Im  Gebäuderiegel  selbst  liegen  auf  den  Ebenen  3  und  4  je 

zwei und auf den Ebenen 5 bis 9 je fünf lärmbelastete Wohnungen: Auf der 

Ebene  3  eine  Wohnung  mit  einem  roten  und  einem  gelben  sowie  eine 

Wohnung  mit  einem  gelben  Raum,  die  zusätzlich  je  über  einen  grünen 

Raum  verfügen;  auf  Ebene  4  zwei  Wohnungen  mit  je  einem  roten  und  ei-

nem  gelben  Raum,  von  denen  die  eine  zusätzlich  einen,  die  andere  zwei 

grüne Räume aufweist; auf Ebene 5 bis 7 sodann je vier Wohnungen, die 

einen roten und einen gelben Raum sowie zusätzlich bei zwei Wohnungen 

R1S.2020.05028 

Seite 23 

 
 
einen, bei den anderen zwei Wohnungen zwei grüne Räume aufweisen; auf 

Ebene 8 und 9 je eine Wohnung, die über einen gelben Raum und je drei 

Wohnungen, die über einen roten und einen gelben Raum verfügen, wobei 

wiederum  zwei  dieser  Wohnungen  zusätzlich  einen,  die  zwei  anderen 

Wohnungen  zusätzlich  zwei  grüne  Räume  aufweisen;  schliesslich  auf  den 

Ebenen 5 bis 9 je eine Wohnung, die über einen roten Raum und zusätzlich 

über 2,5 grüne Räume verfügt. 

Damit  sind  insgesamt  95  Wohnungen  von  Grenzwertüberschreitungen  be-

troffen,  wobei  50  dieser  Wohnungen  einen  roten  Raum  aufweisen.  67  der 

95  Wohnungen  verfügen  sodann  lediglich  über  einen  einzigen  grünen 

Raum. In den Kopfbauten der Gebäude A, B1, C1 und D1 ist pro Ebene je-

weils  lediglich  maximal  eine  nach  Süden  ausgerichtete  Wohnung  nicht 

lärmbelastet (Haus A: Ebenen 3-9, Haus B: Ebenen 4-10, Haus C: Ebenen 

6-11,  Haus  D:  Ebenen  6-10).  Dabei  erklären  sich  gewisse  (geringfügige) 

Abweichungen der vorgenannten Zahlen gegenüber der Auflistung in Erw. 

B.b  der  Baubewilligung  dadurch,  dass  in  dieser  einzelne  lärmbelastete 

Wohnungen von vornherein unerwähnt blieben und zum Teil bei aufgeführ-

ten  Wohnungen  der  rote  Raum  entgegen  den  Plänen  nicht  berücksichtigt 

wurde.  Letzteres  betrifft  die  Wohnungen  A.C.041,  A.D.041,  B1.A.101  und 

C1.A.093  (während  bei  D1.A.111  zu  Unrecht  ein  roter  Raum  erfasst  ist), 

was von der Bauherrschaft anerkannt wird (vgl. act. 37.2). Ersteres betrifft 

zum  einen  die  Wohnung  C1.A.101,  was  die  Bauherrschaft  ebenfalls  aner-

kennt.  Darüber  hinaus  betrifft  es  unter  Zugrundelegung  des  Lärmgutach-

tens (act. 13.9 S. 20 betreffend die Ebenen 3-9) jedoch auch die Wohnung 

A.D.031, für die aufgrund des Grundrissplans nicht ersichtlich ist, dass die 

lärmbelasteten  Fenster  nicht  vorhanden  wären.  Gleiches  gilt  für  die  fünf 

Wohnungen  A.D.032,  A.D.042,  A.D.052,  A.D.062  und  A.D.072,  in  denen 

sich gemäss der zitierten Stelle des Lärmgutachtens der am weitesten süd-
lich gelegene rote Raum auf der Ostseite des Hauses A befindet. Demge-

genüber ergeben sich aufgrund des Abgleichs der Grundrisspläne mit dem 

Lärmgutachten auch gewisse Abweichungen von letzterem: Dazu gehören 

insbesondere  die  vorstehend  erwähnten  Differenzierungen  bezüglich  der 

auf S. 17 des Lärmgutachtens für das jeweilige Haus genannten untersten 

Ebene mit lärmbelasteten Wohnungen, Abweichungen gegenüber S. 17-19 

des Lärmgutachtens betreffend die Ebenen 11, 12 und 13 von Haus D so-

wie  Abweichungen  betreffend  die  auf  S.  20  des  Lärmgutachtens  an  sich 

mitumfassten,  jedoch  zufolge  Weglassung  des  lärmbelasteten  Fensters 

R1S.2020.05028 

Seite 24 

 
 
bzw. des lärmbelasteten Raumes unproblematischen Wohnungen A.B.081, 

A.D.082,  A.B.091  und  A.D.092  und  betreffend  das  Fehlen  roter  Räume  in 

den Wohnungen A.C.082 und A.C.092. 

Überschritten  sind  die  Grenzwerte  schliesslich  auch  bei  gewissen  Gewer-

beräumen  (act.  13.9  S.  20).  Dies  betrifft  unter  Beizug  der  Grundrisspläne 

jeweils  die  Ebenen  3  und  4  in  den  Häusern  B1  (Gewerberäume)  und  C1 

(Personalräume). 

5.3.2 
Den Ausführungen in Erw. E der kantonalen Gesamtverfügung, mit denen 

die  Fachstelle  Lärmschutz  des  Tiefbauamtes  die  Erteilung  einer  lärm-

schutzrechtlichen  Ausnahmebewilligung  begründet,  lässt  sich  nicht  ent-

nehmen, dass im Sinne der referierten Rechtsprechung alle in Betracht fal-

lenden  Massnahmen  gemäss  Art.  31  Abs.  1  LSV  geprüft  worden  wären, 

welche dieser Massnahmen aus welchen Gründen gewählt oder verworfen 

wurden  und  inwiefern  letztlich  sämtliche  verhältnismässigen  Massnahmen 

ausgeschöpft sein sollen. Soweit sich die kantonale Fachstelle in formeller 

Hinsicht  darauf  beruft,  die  lärmrechtliche  Beurteilung  erfolge  primär  durch 

die  städtische  Fachstelle,  ist  dem  entgegenzuhalten,  dass  diese  Aufgabe 

gestützt  auf  Ziff.  3.2  des  Anhangs  zur  BVV  klarerweise  der  beim  Tiefbau-

amt angesiedelten kantonalen Fachstelle obliegt. In materieller Hinsicht be-

schränken sich die in der Gesamtverfügung enthaltenen Ausführungen be-

treffend Prüfung von Lärmschutzmassnahmen auf den einen vorstehend in 

E.  5.1.1  zitierten  Satz.  Dieser  scheint  einem  Textbaustein  zu  entsprechen 

(vgl.  VB.2019.00394  vom  27.  Februar  2020,  E.  5.3.4).  Die  darüber  hinaus 

in  der  Gesamtverfügung  zustimmend  zitierte  Begründung  durch  die  kom-

munale  Behörde  betrifft  teilweise  nicht  die  Prüfung  der  Massnahmen  ge-

mäss Art. 31 Abs. 1 LSV, sondern die nachgelagerte Interessenabwägung 
im Sinne von Art. 31 Abs. 2 LSV. Bemerkungsweise ist insoweit darauf hin-

zuweisen, dass die kantonale Fachstelle, indem sie sich darauf beschränkt, 

auf die Interessenabwägung der kommunalen Behörde zu verweisen, eine 

Ermessensunterschreitung  begeht.  Soweit  sich  der  durch  die  kantonale 

Fachstelle  zitierten  Begründung  Hinweise  auf  die  Prüfung  von  Massnah-

men  gemäss  Art.  31  Abs.  1  LSV  entnehmen  lassen,  erweisen  sich  diese 

sodann  ebenfalls  als  zu  pauschal.  Die  relevante  Passage  lautet:  „Der 

massgebliche  IGW  für  den  Tag  und  die  Nacht  kann  weder  durch  die  An-

ordnung  der  lärmempfindlichen  Räume  auf  der  dem  Lärm  abgewandten 

R1S.2020.05028 

Seite 25 

 
 
Seite  des  Gebäudes,  noch  durch  eine  Abschirmung  mittels  baulicher  oder 

gestalterischer  Massnahmen  überall  eingehalten  werden.  Die  Grundrisse 

der  Wohnungen  sind  in  lärmschutztechnischer  Hinsicht  optimiert.“  Diese 

„Begründung“  lässt  jegliche  Auseinandersetzung  mit  konkret  geprüften 

Massnahmen vermissen. 

Nichts Zusätzliches lässt sich der Baubewilligung entnehmen und zwar we-

der  den  Erw.  B.a  und  B.b,  die  sich  wie  erwähnt  auf  die  Auflistung  der  be-

troffenen Räume beschränken, noch der Erw. N.e.mm, die lediglich auf das 

Lärmgutachten  verweist.  Von  vornherein  ausser  Betracht  fallen  mit  Blick 

auf die Anforderungen von Art. 31 Abs. 1 LSV zudem die in den Dispositiv-

ziffern  II.B.69-72  angeordneten  Auflagen.  Diese  betreffen  zum  einen  die 

Schalldämmung  der  Aussenhülle  der  Gebäude,  zum  andern  den  Einbau 

kontrollierter  Lüftungen,  was  beides  lediglich  der  Lärmreduktion  im  Innern 

bei  geschlossenen  Fenstern  dient,  jedoch  auf  die  massgeblichen  Grenz-

wertüberschreitungen,  die  am  offenen  Fenster  gemessen  werden  (Art.  39 

Abs. 1 LSV), ohne Einfluss bleibt. 

Im Lärmgutachten finden sich ebenfalls keinerlei Hinweise auf konkret ge-

prüfte Massnahmen im Sinne von Art. 31 Abs. 1 LSV. Die einzige mit dieser 

Frage befasste Passage lautet: „Die IGW der ES III können nicht bei allen 

Fenstern  lärmempfindlicher  Räume  eingehalten  werden.  Dies  ist  auch 

durch die Anordnung der lärmempfindlichen Räume auf der dem Lärm ab-

gewandten  Seite  des  Gebäudes  oder  durch  bauliche  oder  gestalterische 

Massnahmen,  die  das  Gebäude  gegen  Lärm  abschirmen,  nicht  möglich“ 

(act. 13.9 S. 22). Auch diese Formulierung weist den Charakter eines Text-

bausteins auf und erweist sich als eigentliche Leerformel. Nicht in den von 

der  Bausektion  eingereichten  Akten  findet  sich  die  Ergänzung  des  Lärm-

gutachtens vom 18. April 2019 (vgl. z.B. deren Erwähnung in Erw. N.e.mm 
der  Baubewilligung).  Aufgrund  des  Umstands,  dass  auf  diese  Ergänzung 

auch  im  vorliegenden  Verfahren  von  keiner  Seite,  insbesondere  auch  we-

der  von  der  Baudirektion  noch  der  Bausektion,  zur  Begründung  ihres 

Standpunktes eingegangen wird, kann geschlossen werden, dass sich der 

Ergänzung  keine  für  das  vorliegende  Rekursverfahren  wesentlichen  Er-

kenntnisse entnehmen lassen, so dass ein Beizug entbehrlich erscheint. 

Ebenfalls  keine  weitergehenden  Ausführungen  zu  Massnahmen  gemäss 

Art.  31  Abs.  1  LSV  enthält  der  Umweltverträglichkeitsbericht,  der  sich  in 

R1S.2020.05028 

Seite 26 

 
 
den  einschlägigen  Passagen  (vgl.  insb.  act.  13.4  S.  28,  30)  auf  eine  Wie-

dergabe  des  Lärmgutachtens  bzw.  den  Verweis  auf  dieses  beschränkt. 

Was  sodann  das  Schreiben  der  kommunalen  Bewilligungsbehörde  an  die 

Baudirektion  vom  6.  Juni  2019  (act.  13.20)  anbelangt,  so  lassen  sich  die-

sem  lediglich  die  in  der  Gesamtverfügung  zitierten  Ausführungen  entneh-

men,  zu  denen  bereits  vorstehend  im  Kontext  der  Gesamtverfügung  Stel-

lung genommen wurde. Schliesslich ergeben sich auch aus dem Schreiben 

vom 15. Mai 2019 (act. 13.21), das insbesondere die nachmals in der Bau-

bewilligung statuierten lärmbezogenen Auflagen enthält, keine Hinweise auf 

die Prüfung von Massnahmen gemäss Art. 31 Abs. 1 LSV. 

Soweit die Rekursgegnerschaft im Rahmen der Vernehmlassungen weiter-

gehende  Ausführungen  zur  lärmschutzrechtlichen  Problematik  tätigt,  sind 

diese  entgegen  der  Auffassung  der  Rekurrierenden  nicht  von  vornherein 

als  unbeachtlich  zurückzuweisen.  Generell  ist  es  den  Vorinstanzen  des 

Baurekursgerichts praxisgemäss nicht verwehrt, in den Vernehmlassungen 

Elemente  der  Begründung  angefochtener  Entscheide  nachzutragen.  In 

gleicher  Weise  hat  sich  denn  auch  das  Verwaltungsgericht  spezifisch  in 

Verfahren  betreffend  lärmschutzrechtliche  Ausnahmebewilligungen  durch-

aus mit zusätzlichen Begründungen der Bewilligungsbehörden im Rahmen 

der  Rechtsschriften  des  Beschwerdeverfahrens  auseinandergesetzt  (vgl. 

beispielsweise  VB.2019.00394  vom  27.  Februar  2020,  E.  5.3.4).  Indessen 

sind vorliegend auch die entsprechenden Darlegungen in den Vernehmlas-

sungen  materiell  nicht  ausreichend,  um  in  der  erforderlichen  Weise  nach-

vollziehbar  darzulegen,  dass  sämtliche  verhältnismässigen  Lärmschutz-

massnahmen  ausgeschöpft  worden  wären.  Insbesondere  bleiben  die  Aus-

führungen  über  weite  Strecken  zu  pauschal,  so  dass  es  an  einer  hinrei-

chend konkreten (und soweit erforderlich wissenschaftlich belegten) Abwä-

gung der in Frage kommenden Massnahmen fehlt. Entsprechend ist bezüg-
lich  zahlreicher  potentieller  Massnahmen  nicht  nachvollziehbar,  weshalb 

auf  deren  Realisierung  verzichtet  worden  ist.  So  fällt  zunächst  bezüglich 

der  angeblich  lärmoptimierten  Grundrisse  auf,  dass  naheliegende  Verbes-

serungen, wie einläufige Treppen oder die konsequentere Verlagerung von 

Sanitärräumen  an  die  auf  die  G.-Strasse  ausgerichtete  Fassade,  unterlas-

sen  wurden.  Nicht  plausibel  ist  insbesondere,  dass  solche  Anpassungen, 

mit denen ein grösserer Anteil der hauptsächlich problematischen Fassade 

auf Nebennutzungen und Erschliessungen entfiele, bei entsprechender Be-

fensterung nicht mit einem adäquaten Fassadenbild einhergehen könnten. 

R1S.2020.05028 

Seite 27 

 
 
Was  sodann  die  Stellung  der  Baukörper  betrifft,  so  ist  entscheidend,  dass 

es  sich  vorliegend  um  ein  sehr  grosses  Grundstück  handelt,  das  mit  Aus-

nahme der südwestlichen Ecke, in der ein bestehendes Gebäude erhalten 

bleiben  soll,  vollständig  neu  überbaut  wird.  In  dieser  Konstellation  verfügt 

die  Bauherrschaft  über  sehr  weit  gehende  Gestaltungsmöglichkeiten,  die 

eine  Setzung  der  Baukörper  mit  mehreren,  unmittelbar  entlang  der  G.-

Strasse  positionierten  Kopfbauten  keineswegs  zwingend  erscheinen  las-

sen.  Konkrete  alternative  Anordnungen  der  Bauten  werden  vorliegend  je-

doch  nicht  ausgewiesen.  Dabei  vermag  insbesondere  das  Argument,  wo-

nach die Kopfbauten als Lärmschutz für die dahinterliegenden Gebäuderie-

gel  fungierten,  für  sich  allein  noch  keine  zureichende  Begründung  zu  lie-

fern, werden doch dadurch umgekehrt gerade zahlreiche massiv lärmbelas-

tete Wohnungen geschaffen. Nicht näher diskutiert werden dabei auch die 

lediglich angetönten Varianten, die sich bezüglich der konkreten Ausgestal-

tung  der  Kopfbauten  ergeben,  namentlich  die  Fragen,  welche  konkreten 

Dimensionen  diese  Kopfbauten  gegenüber  der  G.-Strasse  aufweisen,  in 

welchen  Abständen  zueinander  sie  sich  befinden  und  welche  baulichen 

Lärmschutzmassnahmen  wiederum  in  diesen  Abstandsbereichen  (auch 

bezüglich  der  dahinter  befindlichen  Aussenflächen)  denkbar  wären.  Nicht 

zu verfangen vermag dabei auch der Hinweis, wonach eine Einhaltung der 

IGW  eine  Rückversetzung  der  Gebäude  um  ca.  100  m  bedingen  würde. 

Zum  einen  wäre  im  Rahmen  der  Lärmoptimierung  bereits  eine  Verbesse-

rung der Lärmbelastung anzustreben, unabhängig davon, ob damit letztlich 

auf eine Ausnahmebewilligung gänzlich verzichtet werden kann oder nicht. 

Zum andern wird bezüglich gestalterischer Massnahmen festgehalten, die-

se seien aufgrund des Ausmasses der Grenzwertüberschreitungen zweck-

los. In diesem Zusammenhang wäre es somit naheliegend gewesen zu klä-

ren,  inwieweit  beispielsweise  eine  Kombination  von  Rückversetzung  und 

gestalterischen  Massnahmen  zu  einer  signifikanten  Verbesserung  der 
Lärmbelastung  hätte  führen  können.  Unzureichend  begründet  ist  schliess-

lich auch, weshalb ausgehend von der gewählten Anordnung der Gebäude 

nicht  durch  eine  Anpassung  der  vorgesehenen  Nutzungen  eine  teilweise 

Entschärfung insbesondere der nächtlichen Lärmproblematik herbeigeführt 

werden kann. Der pauschale Hinweis, wonach aus raumplanerischen Über-

legungen nicht mehr Gewerbenutzung vorgesehen sei, ist angesichts eines 

Mindestwohnanteils von 60 % und eines effektiven Wohnanteils von 83,7 % 

jedenfalls ohne nähere Begründung nicht nachvollziehbar. 

R1S.2020.05028 

Seite 28 

 
 
Zusammenfassend  wurde  vorliegend  auch  unter  Einbezug  der  Vernehm-

lassungen  nicht  nachvollziehbar  dargelegt,  dass  alle  verhältnismässigen 

Massnahmen nach Art. 31 Abs. 1 LSV ausgeschöpft wurden. Da auch die 

von  der  Bauherrschaft  ins  Spiel  gebrachten  beiden  Alternativen  keine  Lö-

sung der Problematik herbeiführen können (vgl. dazu E. 5.3.4), hat dies zur 

Folge,  dass  die  Erteilung  einer  Ausnahmebewilligung  von  vornherein  aus-

ser  Betracht  fallen  muss,  was  zur  Aufhebung  der  Baubewilligung  und  der 

kantonalen Gesamtverfügung führt. Bemerkungsweise ist darauf hinzuwei-

sen, dass damit entgegen der Rekursgegnerschaft nicht die generelle Un-

möglichkeit, auf dem betroffenen Grundstück Ersatzneubauten zu erstellen, 

einhergeht. Vielmehr ist (bei Einhaltung der übrigen Voraussetzungen) die 

Erteilung  einer  Ausnahmebewilligung  auch  gemäss  der  verschärften  Ge-

richtspraxis denkbar, soweit vorgängig in nachvollziehbarer Weise die Aus-

schöpfung aller verhältnismässigen Massnahmen nach Art. 31 Abs. 1 LSV 

dargelegt worden ist. 

5.3.3 
Die  Unzulässigkeit  der  vorliegend  erteilten  lärmschutzrechtlichen  Ausnah-

mebewilligung  ergibt  sich  auch  aus  einem  weiteren  Grund.  Wie  sich  dem 

Lärmgutachten entnehmen lässt, werden in den meisten Ebenen der Kopf-

bauten die massgeblichen IGW von 65 dB (A) am Tag und 55 dB (A) in der 

Nacht  an  den  Fenstern  der  auf  die  G.-Strasse  ausgerichteten  Fassade 

tagsüber  um  5  bis  6  dB  (A)  und  in  der  Nacht  um  9  dB  (A)  überschritten. 

Dabei ist grundsätzlich davon auszugehen, dass für die Qualifikation einer 

Überschreitung als erheblich entgegen der Bauherrschaft bei der ES III kein 

grösserer Spielraum als bei der ES II besteht. Dies zum einen deshalb, weil 

bei  der  ES  III  aufgrund  der  höheren  IGW  von  einer  höheren  Grundbelas-

tung  auszugehen  ist,  was  eine  Überschreitung  entsprechend  problemati-

scher erscheinen lässt. Entsprechend weist die ES III denn auch keine hö-
heren,  sondern  die  gleichen  Alarmwerte  wie  die  ES  II  auf.  Zum  andern 

kann  bezüglich  einer  ES  II  im  Hinblick  auf  die  Erteilung  einer  Ausnahme-

bewilligung  gegebenenfalls  mit  der  Möglichkeit  einer  Aufstufung  gemäss 

Art. 43 Abs. 2 LSV argumentiert werden, die zur Folge hat, dass die bei der 

ES  II  festgestellten  Grenzwertüberschreitungen  nach  einer  allfälligen  Auf-

stufung  zur  ES  III  geringer  ausfallen.  Diese  Möglichkeit  besteht  bezüglich 

der  ES  III  aber  gerade  nicht,  so  dass  auch  insoweit  kein  Anlass  zu  einer 

Relativierung  der  festgestellten  Grenzwertüberschreitungen  besteht.  Nicht 

zu  verkennen  ist  zwar,  dass  das  Bundesgericht  im  erwähnten  BGE  145  II 

R1S.2020.05028 

Seite 29 

 
 
189 die Ausnahmebewilligung trotz Überschreitung um 6 dB (A) bezüglich 

eines  Grundstücks,  das  der  ES  III  zugewiesen  war,  geschützt  hat.  Unab-

hängig davon, ob damit die bisher im Raum stehende Ansetzung der Gren-

ze zur erheblichen Überschreitung bei 4 dB (A) eine gewisse Relativierung 

erfahren hat, ist jedoch offenkundig, dass eine Überschreitung um 9 dB (A), 

wie sie vorliegend teilweise besteht, als erheblich einzustufen ist. Dies um-

so mehr, als die fragliche Überschreitung in der Nacht erfolgt, davon vorlie-

gend nicht nur Wohnbereiche, sondern auch Zimmer betroffen sind und die 

durch Lärm verursachte Störung der Nachtruhe unter dem Aspekt des Ge-

sundheitsschutzes  als  besonders  gravierend  erscheint.  Hinzu  kommt  nun, 

dass in den Kopfbauten tagsüber bei den westlichen Eckräumen des Hau-

ses B1 und den östlichen Eckräumen des Hauses C1 mit 71 dB (A) sogar 

die  Alarmwerte  überschritten  sind,  was  nach  dem  Gesagten  der  Erteilung 

einer Ausnahmebewilligung von vornherein entgegensteht. 

Dabei  ist  den  Relativierungen,  die  die  Bauherrschaft  bezüglich  der  Anzahl 

betroffener Wohnungen und Räume mittels Ausweis des prozentualen An-

teils im Verhältnis zur gesamten Arealüberbauung vorträgt, entgegenzuhal-

ten, dass massgeblich primär die absolute Anzahl betroffener Wohneinhei-

ten ist. Diese ist mit 95 Wohnungen, von denen 50 über einen roten Raum 

verfügen, ausserordentlich hoch. Entsprechend erschiene es verfehlt, ledig-

lich  mit  Blick  auf  die  Dimensionen  des  gesamten  Bauvorhabens  für  eine 

signifikante  Anzahl  lärmbelasteter  Wohnungen  die  Vorgaben  des  Lärm-

schutzes  zu  lockern.  Da  bezüglich  des  Masses  der  Grenzwertüberschrei-

tungen  wie  dargelegt  von  einer  erheblichen  Überschreitung  der  IGW  und 

teilweise  sogar  von  einer  Überschreitung  des  Alarmwerts  auszugehen  ist, 

kann  dem  Bauvorhaben  in  der  projektierten  Form  auch  unter  diesem  As-

pekt keine Ausnahmebewilligung erteilt werden, was unabhängig vom vor-

stehend  in  E. 5.3.2  Dargelegten  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Ent-
scheide zur Folge hat. 

5.3.4 
An diesem Ergebnis vermögen auch die von der Bauherrschaft im Rahmen 

der Duplik präsentierten Alternativen nichts zu ändern: 

In formeller Hinsicht erscheint zunächst fraglich, ob auf die entsprechenden 

Vorbringen überhaupt materiell einzugehen ist. Zum einen ist nicht ersicht-

lich,  inwiefern  die  fraglichen  Darlegungen  im  Rahmen  der  Duplik  durch 

R1S.2020.05028 

Seite 30 

 
 
neue  Vorbringen  in  der  Replik  ausgelöst  worden  wären.  Vielmehr  war  so-

wohl die lärmschutzrechtliche Problematik als auch die massgebliche bun-

desgerichtliche sowie teilweise auch die in Umsetzung derselben ergange-

ne verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung bereits im Zeitpunkt der Einrei-

chung  der  Rekursantworten  bekannt,  so  dass  an  sich  bereits  damals  An-

lass für entsprechende Vorbringen bestanden hätte. Unabhängig davon er-

scheint  es  sodann  problematisch,  wenn  seitens  des  Baurekursgerichts  im 

Sinne einer Bewilligungsbehörde gänzlich neue Varianten eines Bauvorha-

bens  umfassend  überprüft  würden,  ginge  doch  damit  die  nachmals  unter-

liegende  Partei  im  Ergebnis  einer  Instanz  verlustig.  Als  unzulässig  erweist 

sich  ein  solches  Vorgehen  jedenfalls  dort,  wo  Fragen  zu  prüfen  sind,  bei 

deren  Beantwortung  der  Bewilligungsbehörde  ein  Ermessensbereich  zu-

kommt.  Dies  ist  vorliegend  gleich  in  mehrfacher  Hinsicht  der  Fall.  Zum  ei-

nen  führen  die  vorgeschlagenen  Anpassungen  zu  Änderungen  bezüglich 

der Wohnlichkeit und Wohnhygiene, die vorliegend den spezifischen Anfor-

derungen gemäss § 71 PBG zu genügen haben. In der Beurteilung dieser 

Frage steht den Bewilligungsbehörden ein eigenes Ermessen zu. Gleiches 

gilt  bezüglich  der  Prüfung  der  Einordnung,  die  in  Variante  2  aufgrund  der 

neu  geschaffenen  Balkone,  die  das  Erscheinungsbild  der  Ostfassade  von 

Haus A verändern würden, erforderlich wäre. Aus den genannten Gründen 

erweist sich die von der Bauherrschaft angestrebte Beurteilung neuer Vari-

anten des Bauvorhabens im Rekursverfahren als unzulässig. 

Selbst  wenn  aber  eine  Beurteilung  der  vorgeschlagenen  Varianten  als  zu-

lässig  erachtet  würde,  wären  diese  aus  materiellen  Gründen  nicht  bewilli-

gungsfähig.  Was  zunächst  Variante  1  anbelangt,  so  löst  diese  keines  der 

vorstehend  dargelegten,  zur  Aufhebung  der  Bewilligung  führenden  lärm-

schutzrechtlichen  Probleme.  Zwar  beseitigt  sie  die  in  den  Kopfbauten  ent-

haltenen roten Räume, wobei sich an der entsprechenden Stelle neu Teile 
von  ebenfalls  lärmempfindlichen  gelben  Räumen  befinden  würden.  Im  Er-

gebnis ändert sich damit aber nichts daran, dass lärmempfindliche Räume 

in  95  Wohnungen  im  vorstehend  dargelegten  Ausmass  (vgl.  E.  5.3.3)  von 

erheblichen  Grenzwertüberschreitungen  betroffen  sind,  womit  eine  Aus-

nahmebewilligung ausser Betracht fällt. Zugleich ist mit der minimalen An-

passung gewisser Grundrisse durch Verschiebung eines Zimmers selbstre-

dend  nicht  dargetan,  dass  alle  verhältnismässigen  Massnahmen  gemäss 

Art.  31  Abs.  1  LSV  ausgeschöpft  sind.  Nach  dem  Gesagten  ist  dies  nicht 

einmal bezüglich der denkbaren Grundrissoptimierungen, geschweige denn 

R1S.2020.05028 

Seite 31 

 
 
bezüglich aller weiteren möglichen Massnahmen der Fall. Auch aus diesem 

Grund  wäre  somit  eine  Ausnahmebewilligung  nicht  möglich.  Schliesslich 

stünde der Bewilligungsfähigkeit auch in Variante 1 das zusätzliche (nach-

stehend  in  E.  6.2  abgehandelte)  Problem  entgegen,  dass  eine  Arealüber-

bauung  nicht  realisierbar  ist,  wenn  zufolge  entsprechender  Lärmsituation 

bei einem Teil der Wohnungen das Kriterium der besonders guten Qualität 

bezüglich Wohnlichkeit und Wohnhygiene nicht erfüllt ist. 

In  Variante  2  wären  demgegenüber  die  lärmschutzrechtlichen  Probleme 

mutmasslich gelöst, wobei immerhin bezüglich des Einflusses des neu ge-

schaffenen Balkons auf den dahinter liegenden, bisher als gelb qualifizier-

ten Raum sowie bezüglich der Einhaltung der IGW beim neu geschaffenen 

und  nicht  verschlossenen  Fenster  des  verlegten  Zimmers  mangels  ent-

sprechenden Lärmgutachtens keine vollständige Sicherheit besteht. Varian-

te  2  erweist  sich  aber  aus  anderen  als  lärmschutzrechtlichen  Gründen  als 

nicht bewilligungsfähig. Insbesondere in den Kopfbauten würden durch die 

fehlende Möglichkeit, die zur G.-Strasse hin ausgerichteten Fenster zu öff-

nen,  sowohl  das  Eckzimmer  als  auch  der  grosse  Wohnbereich  nur  noch 

über ein Fenster bzw. (im Falle des Wohnbereichs) über die Balkontüre be-

lüftet. Fraglich erscheint damit zunächst, ob bezüglich öffenbaren Fenstern 

flächenmässig  die  Vorgaben  von  §  302  Abs.  2  PBG  eingehalten  werden 

können, die gemäss der kantonalen Vollzugspraxis für Räume ohne weitere 

öffenbare  Fenster  bei  zehn  Prozent  der  Bodenfläche  liegen.  Aufgrund  nä-

herungsweiser Messungen aus den Grundrissplänen unter Zugrundelegung 

der  beim  projektierten  Bauvorhaben  verwendeten  Fenstertypen  ist  aller-

dings  nicht  auszuschliessen,  dass  die  entsprechende  Anforderung  knapp 

eingehalten  würde.  Indessen  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  Areal-

überbauung. Deren besondere Qualität muss sich gemäss dem Kriterienka-

talog in § 71 Abs. 2 PBG u.a. auf Wohnlichkeit und Wohnhygiene beziehen 
(vgl. zu dieser Voraussetzung BGr 1C_313/2015 vom 10. August 2016, E. 

4.5;  VB.2019.00394  vom  27.  Februar  2020  E.  6).  Im  für  die  Kopfbauten 

massgeblichen Grundriss gemäss Variante 2 wären jedoch wie erwähnt ei-

ne Belüftung sowohl des grossen Wohnraums als auch sämtlicher Zimmer 

lediglich über ein Fenster bzw. die Balkontüre möglich, wobei aufgrund der 

Anordnung der Öffnungen eine Stosslüftung von vornherein verunmöglicht 

würde.  Ausserdem  würde  der  Wohnraum  bezüglich  der  Belichtung  fast 

ausschliesslich  gegen  Norden  orientiert  (was  auch  im  Lichte  von  §  301 

Abs. 1 PBG problematisch erscheint). Unter diesen Umständen muss eine 

R1S.2020.05028 

Seite 32 

 
 
besonders  gute  Qualität  bezüglich  Wohnlichkeit  und  Wohnhygiene  für  die 

meisten  Wohnungen  der  Kopfbauten  klarerweise  verneint  werden,  wobei 

die  Rekursgegnerschaft  selbst  auf  die  entsprechende  Problematik  hinge-

wiesen  hat  (vgl.  E  5.1.3  und  5.1.5).  Da  dieses  Kriterium  grundsätzlich  be-

züglich  jeder  einzelnen  Wohneinheit  einzuhalten  ist  (VB.2019.00394  vom 

27. Februar 2020 E. 6), wäre Variante 2 unter dem Aspekt der Vorausset-

zungen einer Arealüberbauung nicht bewilligungsfähig. 

Selbst  wenn  die  Berücksichtigung  der  Varianten  im  vorliegenden  Rekurs-

verfahren  grundsätzlich  als  zulässig  erachtet  würde,  wären  diese  somit 

nicht  bewilligungsfähig,  womit  eine  auflageweise  Behebung  (§  321  Abs.  1 

PBG) der lärmrechtlichen Mängel entfällt. Damit bleibt es bei der in den an-

gefochtenen  Entscheiden  geprüften  Hauptvariante  und  bezüglich  deren 

Bewilligungsfähigkeit  bei  der  vorstehend  (E.  5.3.2  und  5.3.3)  dargelegten 

Einschätzung. 

6.1 
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich grundsätzlich die Prüfung sämtlicher wei-

teren 

formellen 

und  materiellen  Rügen 

im  Verfahren  G-Nr. 

R1S.2020.05030.  Die  Verfahren  G-Nrn.  R1S.2020.05028 

und 

R1S.2020.05032  werden  zufolge  Aufhebung  der  Baubewilligung  gegen-

standslos.  Da  eine  adäquate  Berücksichtigung  der  lärmschutzrechtlichen 

Problematik  zu  einer  umfassenden  Umprojektierung  führen  dürfte,  er-

scheint es auch nicht angezeigt, zu den weiteren in den drei Verfahren er-

hobenen  Rügen  bemerkungsweise  Stellung  zu  nehmen,  da  bezüglich  der 

Grundlagen einer entsprechenden Beurteilung keine ausreichende Klarheit 

besteht. 

6.2 
Einzige  Ausnahme  bildet  insoweit  der  nachfolgende  Hinweis:  Aus  der  in 

E. 5.3.4  wiedergegebenen  bundesgerichtlichen  und  verwaltungsgerichtli-

chen Rechtsprechung ergibt sich wie erwähnt, dass im Rahmen einer Are-

alüberbauung eine besonders gute Qualität der Wohnlichkeit und Wohnhy-

giene grundsätzlich für jede einzelne Wohnung eingehalten sein muss, an-

dernfalls  es  an  der  Arealüberbauungswürdigkeit  fehlt.  Dabei  führt  eine 

Lärmsituation,  wie  sie  beim  vorliegend  zu  beurteilenden  Projekt  besteht, 

dazu,  dass  die  genannte  Voraussetzung  für  die  lärmbetroffenen  Wohnun-

R1S.2020.05028 

Seite 33 

 
 
gen nicht erfüllt ist (vgl. VB.2019.00394 vom 27. Februar 2020 E. 6). Mithin 

sind die für eine Arealüberbauung in § 71 PBG verlangten erhöhten Anfor-

derungen an die Wohnlichkeit und Wohnhygiene nicht erfüllt. 

7. 
Zusammengefasst  ist  der  Rekurs  gutzuheissen.  Demgemäss  sind  der  Be-

schluss  der  Bausektion  der  Stadt  Zürich  vom  10.  März  2020  und  die  Ge-

samtverfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  BVV  Nr.  19-1000  vom 

17. September 2019 aufzuheben. 

Die  Rekurse 

in  den  Verfahren  G-Nrn.  R1S.2020.05028  und 

R1S.2020.05032 sind als gegenstandslos geworden abzuschreiben. 

8.1 

Gemäss § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG tragen mehrere am Verfahren Beteiligte 

die  Kosten  in  der  Regel  entsprechend  ihrem  Unterliegen.  Bei  (teilweiser) 

Gutheissung eines Nachbarrekurses ist auch die Baubehörde bzw. die be-

treffende kantonale Amtsstelle als (teilweise) unterliegende Verfahrenspar-

tei zu betrachten. Sie wird damit im Rechtsmittelverfahren neben der Bau-

herrschaft  kostenpflichtig  (VB.2004.00481  in  RB  2005  Nr.  12).  Ausgangs-

gemäss  sind  die  Verfahrenskosten  zu  je  einem  Drittel  der  Bausektion  der 

Stadt  Zürich,  der  Baudirektion  des  Kantons  Zürich  und  der  Bauherrschaft 

aufzuerlegen. 

Nach  §  338  Abs.  1  PBG  bzw.  §  2  der  Gebührenverordnung  des  Verwal-

tungsgerichts  (GebV  VGr)  legt  das  Baurekursgericht  die  Gerichtsgebühr 

nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem 
bestimmbaren  Streitwert  oder  dem  tatsächlichen  Streitinteresse  fest.  Liegt 

wie  hier  ein  Verfahren  ohne  bestimmbaren  Streitwert  vor,  beträgt  die  Ge-

richtsgebühr in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 

Abs.  2  GebV  VGr).  In  besonders  aufwendigen  Verfahren  kann  die  Ge-

richtsgebühr  bis  auf  das  Doppelte  erhöht  werden  (§  4  Abs. 1  GebV  VGr). 

Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser 

Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3.  Aufl.,  Zü-

rich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).  

R1S.2020.05028 

Seite 34 

 
 
Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses (finanzi-

elle Bedeutung des Bauvorhabens im streitgegenständlichen Umfang, acht 

Mehrfamilienhäuser  mit  insgesamt  497  Wohnungen  und  Ladenzentrum, 

Bausumme  Fr.  210  Mio.),  des  getätigten  Verfahrensaufwandes  (doppelter 

Schriftenwechsel  in  allen  drei  Rekursverfahren),  des  Umfangs  des  vorlie-

genden Urteils sowie der Vereinigung mehrerer Rekursverfahren ist die Ge-

richtsgebühr auf Fr. 9‘000.-- festzusetzen (BGr 1C_566/2015 vom 18. Feb-

ruar  2016,  E.  2;  BGr  1C_244/2013  vom  4.  Juli  2013,  E.  4;  BRGE  II  Nrn. 

0162  und  0163/2012  vom  23.  Oktober  2012,  E.  16,  in  BEZ  2014  Nr.  36; 

Entscheid bestätigt mit VB.2012.00774 vom 22. August 2013, dieser bestä-

tigt mit BGr 1C_810/2013 vom 14. Juli 2014; www.baurekursgericht-zh.ch). 

8.2 
Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte  und  schwieriger  Rechtsfragen  besonderen  Aufwand  erforderte  o-

der  den  Beizug  eines  Rechtsbeistandes  rechtfertigte.  Die  Bemessung  der 

Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr.   

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend den Rekurrierenden im 

Verfahren  G-Nr.  R1S.2020.05030  zulasten  der  Bauherrschaft  eine  Um-

triebsentschädigung  zuzusprechen.  Angemessen  erscheint  ein  Betrag  von 

je  Fr.  250.--  (total  Fr.  3‘000.--).  Da  die  Umtriebsentschädigung  pauschal 

festgelegt wird, entfällt die Zusprechung eines Mehrwertsteuerzusatzes von 

vornherein  (BRKE  II  Nrn.  0247  und  0248/2007  in  BEZ  2007  Nr.  56; 
www.baurekursgericht-zh.ch).  Der  Bauherrschaft  und  der  Bausektion  ist 

aufgrund  des  Verfahrensausgangs  keine  Umtriebsentschädigung  zuzu-

sprechen.  

Eine  Umtriebsentschädigung  ist  unter  den  genannten  Voraussetzungen 

nicht  nur  dann  zuzusprechen,  wenn  ein  Entscheid  in  der  Sache  selbst 

ergeht, sondern auch dann, wenn das Rekursverfahren formell, d.h. durch 

Nichteintreten oder Verfahrensabschreibung zufolge Rückzug oder Gegen-

standslosigkeit  erledigt  wird  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3.  Aufl., 

R1S.2020.05028 

Seite 35 

 
 
Zürich/Basel/Genf 2014, § 17 Rz. 29 ff.). Die Entstehung von Rechtsverfol-

gungskosten ist nicht davon abhängig, ob die Erledigung des Rechtsmittel-

verfahrens mit oder ohne Anspruchsprüfung erfolgt. Auch ist für die Statuie-

rung  einer  Entschädigungspflicht  nicht  erforderlich,  dass  auf  Grund  eines 

Sachentscheides  eine  materiell  unterliegende  Partei  feststeht.  Vielmehr 

genügt  bereits  das  formelle  Unterliegen  einer  Partei.  Stets  vorbehalten 

bleiben Parteivereinbarungen über die Entschädigung.  

In den Verfahren G.-Nrn. R1S.2020.05028 und R1S.2020.05032 haben die 

Vorinstanz  und  die  Bauherrschaft  die  Gegenstandslosigkeit  zu  vertreten. 

Demgemäss ist dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) als Rekurrentin im 

Verfahren  G.-Nr.  R1S.2020.05028  eine  Umtriebsentschädigung  von 

Fr. 1'500.-- und als Beigeladene im Verfahren G.-Nr. R1S.2020.05032 eine 

solche  von  Fr. 1'100.--  zuzusprechen,  zahlbar  durch  die  Bauherrschaft 

(§ 17 Abs. 3 VRG). 

[…] 

R1S.2020.05028 

Seite 36