# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11710d28-ad0a-58ff-b1ad-cbeb30607bb2
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-10
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 10.07.2020 CA.2019.30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_CA-2019-30_2020-07-10.pdf

## Full Text

Urteil vom 10. Juli 2020 
Berufungskammer 

Besetzung  Richter Olivier Thormann, Vorsitzender, 

Barbara Loppacher und Petra Venetz, 

Gerichtsschreiber Franz Aschwanden 

Parteien  A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Davide Cola-

cino,  

Berufungsführer / Anschlussberufungsgegner / 

 Beschuldigter  

 

gegen 

  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch 

Staatsanwältin des Bundes Sabrina Beyeler, 

Berufungsgegnerin / Anschlussberufungsführerin /  

Anklagebehörde 

 

Gegenstand 

 

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in 

verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) 

 

Berufung (vollumfänglich) vom 2. Dezember 2019 und 

Anschlussberufung (teilweise) vom 19. Dezember 2019 

gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstraf- 

gerichts SK.2019.35 vom 6. September 2019 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  CA.2019.30 

- 2 - 

Sachverhalt: 

A. Prozessgeschichte und erstinstanzliches Urteil 

A.1 Am 13. Mai 2017, um 19:25 Uhr, wurde anlässlich des Challenge League-Spiels 

zwischen dem FC Winterthur und dem FC Zürich im Fussballstadion Schützen-

wiese in Winterthur auf der Osttribüne im Sektor C ein pyrotechnischer Gegen-

stand («Thunder King») gezündet und auf das Spielfeld geworfen. Der Feuer-

werkskörper explodierte mit einem lauten Knall auf Höhe Mittelkreis / -linie in 

unmittelbarer Nähe eines Spielers des FC Winterthur, welcher in der Folge zu 

Boden ging. Es bestand der Verdacht, dass A. (nachfolgend: Beschuldigter) den 

pyrotechnischen Gegenstand geworfen hatte. 

 Die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland eröffnete auf Strafanzeige der 

Stadtpolizei Winterthur vom 15. Juni 2017 hin eine Strafuntersuchung gegen den 

Beschuldigten wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbre-

cherischer Absicht etc. (Akten-Nr. 1.). Mit Gerichtsstandsanfrage vom 25. August 

2017 ersuchte sie die Bundesanwaltschaft (nachfolgend: BA) um Übernahme 

des Verfahrens (BA pag. 02-00-0001). Am 31. August 2017 übernahm diese das 

Verfahren gegen den Beschuldigten (BA pag. 02-00-0002). 

Am 2. Oktober 2017 eröffnete die BA eine Strafuntersuchung gegen den Beschul-

digten wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB; BA pag. 01-00-0001). 

Die Bundeskriminalpolizei (nachfolgend: BKP) wertete die Fernsehbilder des 

Fussballspiels vom 13. Mai 2017 aus. Die Täterschaft konnte anhand der Video-

aufnahme nicht identifiziert werden (BA pag. 10-02-0005). 

 

A.2 Die BA erhob am 12. Juni 2019 gegen den Beschuldigten Anklage bei der Straf-

kammer des Bundesstrafgerichts wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige 

Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB; TPF pag. 3.100.002 ff.). 

 

A.3 Am 6. September 2019 fand die erstinstanzliche Hauptverhandlung in Anwesen-

heit der Parteien am Sitz des Bundesstrafgerichts statt. Das Urteil des Einzelrich-

ters der Strafkammer wurde gleichentags mündlich eröffnet und begründet (vgl. 

TPF pag. 3.720.006 f.; 3.930.001 ff.). Mit Schreiben vom 12. September 2019 

meldete der Beschuldigte Berufung an (TPF pag. 3.940.001; CAR pag. 

1.100.041). Das begründete Urteil wurde am 8. November 2019 an die Parteien 

versandt (vgl. TPF pag. 3.930.041; CAR pag. 1.100.049). 

 

 

 

- 3 - 

B.  Verfahren vor der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts 

B.1  Mit Eingabe vom 2. Dezember 2019 reichte der Beschuldigte die Beru-

fungserklärung ein (CAR pag. 1.100.051 ff.), mit folgenden Anträgen: 

 

 1.  Die Dispositivziffern I. 1 und I. 2 sowie die damit einhergehenden Dispositivziffern 

I. 3 und I. 4 des Urteils der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2019.35 

vom 6. September 2019 seien aufzuheben und der Berufungsführer sei von jeg-

licher Schuld und Strafe freizusprechen. 

 2.  AIIes unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der 

Staatskasse. (CAR pag. 1.100.052) 

 

 Zudem stellte der Beschuldigte folgende Beweisanträge: 

 

 1. Es sei Wm mbA DD. als Zeuge einzuvernehmen. 

 2. Es sei ein medizinisches Gutachten über den Gesundheitszustand des Beru-

fungsführers zu erstellen und abzuklären, welche Auswirkung die Marklager-

veränderungen, respektive die Marklagerläsionen auf den Gesundheitszustand 

des Berufungsführers haben konnten und ob diese Marklageveränderung, res-

pektive die Marklagerläsionen als Ursache der vom Berufungsführer beschrie-

benen “Aussetzer”, “Blackouts” in Frage kommen könnte. Des Weiteren soll un-

tersucht werden, welche Medikamente der Berufungsführer im Zeitpunkt der 

vorgeworfenen Tathandlung einnahm bzw. was für Auswirkungen solche 

(i.V.m. Alkohol) auf seinen Gesundheitszustand gehabt haben könnten. (CAR 

pag. 1.100.053) 

 

B.2  Die BA stellte mit Eingabe vom 19. Dezember 2019 keinen Antrag auf 

Nichteintreten und erklärte die Anschlussberufung (CAR pag. 2.100.006 ff.), 

mit folgenden Anträgen: 

 

 1. Es sei der vorinstanzliche Schuldspruch gegen A. wegen Gefährdung durch 

Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht im Sinne von Art. 224 

Abs. 1 StGB zu bestätigen. 

 2.  Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten. 

 3.  Es sei der Vollzug von 8 Monaten Freiheitsstrafe anzuordnen, für die restlichen 

12 Monate Freiheitsstrafe sei der bedingte Vollzug zu gewähren unter Anset-

zung einer Probezeit von 4 Jahren. 

 4.  Es sei der Kanton Zürich als Vollzugskanton zu bestimmen. 

 5.  Die Verfahrenskosten, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, 

seien vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen. (CAR pag. 2.100.010) 

 

 Des Weiteren stellte die BA folgende Beweisanträge: 

 

 1. Die von RA Davide Colacino am 2. Dezember 2019 gestellten Beweisanträge 

seien abzulehnen. 

- 4 - 

 2. Es seien die vollständigen Akten der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaff-

hausen, Verkehrsabteilung, gegen A. wegen Fahrens in fahrunfähigem Zu-

stand, Aktenzeichen VST.2019.2604, abgeschlossen mit Strafbefehl vom 4. Juli 

2019, beizuziehen. 

 3. Es seien die vollständigen Akten der Staatsanwaltschaft  Winterthur / Unter-

land gegen A. wegen Raub etc., Aktenzeichen 2019/10024081, beizuziehen. 

(CAR pag. 2.100.009 f.) 

 

B.3 Mit begründeter Verfügung über Beweismassnahmen vom 23. Januar 2020 

wurden die Beweisanträge Ziffern 1 und 2 des Beschuldigten vom 2. De-

zember 2019 abgewiesen und die Beweisanträge Ziffern 2 und 3 der BA 

vom 19. Dezember 2019 gutgeheissen (CAR pag. 6.400.001 ff.). 

 Die Verfahrensleitung reichte am 24. Januar 2020 bei der Staatsanwalt-

schaft des Kantons Schaffhausen, Verkehrsabteilung, sowie bei der Staats-

anwaltschaft Winterthur / Unterland je ein Gesuch um Aktenbeizug (Art. 

194 StPO) gemäss den gutgeheissenen Beweisanträgen Ziffern 2 und 3 

der BA vom 19. Dezember 2019 ein (CAR pag. 5.201.010 f., 5.202.001 f.). 

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen gewährte die Aktenein-

sicht am 3. Februar 2020 (CAR pag. 5.202.003 ff.) und die Staatsanwalt-

schaft Winterthur / Unterland am 6. Februar 2020 (CAR pag. 5.201.012 ff.). 

Die entsprechenden Akten wurden den Parteien am 10. Februar 2020 zur 

Einsicht zugestellt (CAR pag. 3.400.001 - 3.402.001). 

 

B.4 Das Gericht holte am 23. März 2020 von Amtes wegen betreffend den Be-

schuldigten Auszüge aus dem Straf- und Betreibungsregister sowie die ak-

tuellen Steuerunterlagen ein (CAR pag. 6.301.001 - 025). 

 

B.5 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 10. Juli 2020, zu welcher der 

Beschuldigte und sein Verteidiger sowie die Staatsanwältin des Bundes 

Sabrina Beyeler erschienen, wurde der Beschuldigte einvernommen (CAR 

pag. 8.401.001 ff.). Die Staatsanwältin hielt an den Anträgen Ziffern 1 - 5 

gemäss Anschlussberufungserklärung vom 19. Dezember 2019 fest (vgl. 

CAR pag. 8.200.00.006; 8.302.002). Der Beschuldigte hielt an den Anträ-

gen Ziffern 1 und 2 der Berufungserklärung vom 2. Dezember 2019 fest 

(CAR pag. 8.200.005; 8.300.009). Das Urteil des Gerichts wurde gleichen-

tags eröffnet, mündlich begründet und den Parteien das Urteilsdispositiv 

ausgehändigt (CAR pag. 8.200.010 ff.; 11.100.001 ff.). 

 

 

 

 

 

- 5 - 

Die Berufungskammer erwägt: 

I.           Formelle Erwägungen 

1. Eintreten / Fristen 

1.1 Sowohl die Berufungsanmeldung des Beschuldigten vom 12. September 2019 

als auch dessen Berufungserklärung vom 2. Dezember 2019 erfolgten jeweils 

unter Fristenwahrung (vgl. Art. 399 Abs. 1-3 StPO). Auch die Anschlussberufung 

der BA vom 19. Dezember 2019 erfolgte fristgerecht (Art. 400 Abs. 3 StPO). Die 

Berufung sowie die Anschlussberufung richten sich je gegen das Urteil der Straf-

kammer des Bundesstrafgerichts SK.2019.35 vom 6. September 2019, mit dem 

das Verfahren ganz abgeschlossen wurde (vgl. Art. 398 Abs. 1 StPO). Mit diesem 

Urteil wurde der Beschuldigte schuldig gesprochen wegen Gefährdung durch 

Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) 

und bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe, bedingt vollziehbar bei einer Probe-

zeit von 3 Jahren. Zudem wurde dem Beschuldigten von den Verfahrenskosten 

von Fr. 15'130.-- ein Anteil von Fr. 5'000.-- auferlegt.  

 

1.2 Das angeklagte Delikt fällt in die Bundesgerichtsbarkeit (Art. 23 Abs. 1 lit. d 

StPO). Der Beschuldigte ist im vorliegenden Strafverfahren durch die vorinstanz-

liche Verurteilung beschwert und hat ein rechtlich geschütztes Interesse an deren 

Aufhebung/Änderung (Art. 104 Abs. 1 lit. b, Art. 111 Abs. 1 und Art. 382 Abs. 1 

StPO). Die BA ist gemäss Art. 381 Abs. 1 StPO zur Erhebung der Anschlussbe-

rufung legitimiert. Die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts ist in der Be-

setzung mit drei Richterpersonen für die Beurteilung der vorliegenden Berufung 

örtlich und sachlich zuständig (Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO; Art. 33 lit. c, Art. 38a und 

Art. 38b des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bun-

des [StBOG; SR. 173.71]). Sämtliche Voraussetzungen, um auf die Berufung und 

die Anschlussberufung einzutreten, sind erfüllt. Verfahrenshindernisse liegen 

keine vor. Auf die Berufung und die Anschlussberufung ist somit einzutreten. 

 

2. Verfahrensgegenstand und Kognition; Möglichkeit der reformatio in peius 

2.1  Die vorliegende Berufung und Anschlussberufung richten sich je gegen das Urteil 

der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2019.35 vom 6. September 2019. 

Die Berufung ist vollumfänglich, d.h. das vorinstanzliche Urteil wird sowohl im 

Schuld- als auch im Strafpunkt sowie hinsichtlich der Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen angefochten. Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren ei-

nen Freispruch, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwert-

steuer) zulasten der Staatskasse. Der Beschuldigte macht geltend, es sei nicht 

erwiesen, dass er der Täter sei; subsidiär, dass wenn er es gewesen wäre, er 

schuldlos, oder zumindest mit verminderter Schuldfähigkeit gehandelt habe und 

- 6 - 

sub-subsidiär, dass eine Freiheitsstrafe von maximal 12 Monaten auszusprechen 

sei (CAR pag. 1.100.001 ff., 8.301.009 ff.). 

 

2.2  Die Anschlussberufung der BA weist einen teilweisen Charakter auf. Es wird aus-

drücklich eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 20 Monate verlangt, wovon 8 Mo-

nate unbedingt und 12 Monate bedingt, mit einer Bewährungsdauer von 4 Jahren 

(vgl. oben Sachverhalt lit. B.2) 

 

2.3  Gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO kann das Berufungsgericht das Urteil in allen ange-

fochtenen Punkten umfassend überprüfen. Aufgrund der Anschlussberufung be-

steht die Möglichkeit der reformatio in peius, wobei die Berufungskammer auch 

durch den Antrag der BA nicht beschränkt wird. Die Kognition der Berufungskammer 

ist vorliegend somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt 

(vgl. EUGSTER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 398 StPO N. 1). 

 

 

II. Materielle Erwägungen 

 

1. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

1.1 Anklagevorwurf / Standpunkte der Vorinstanz und der Parteien 

1.1.1  Der Anklagevorwurf der BA gegenüber dem Beschuldigten lautet im Wesentlichen 

wie folgt: Anlässlich des Challenge League-Spiels zwischen dem FC Winterthur 

und dem FC Zürich vom 13. Mai 2017 im Stadion Schützenwiese in Winterthur 

habe der Beschuldigte vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht Leib und Leben 

von Menschen sowie fremdes Eigentum in Gefahr gebracht: Er habe in der 85. 

Spielminute, um ca. 19:25 Uhr, einen von ihm mitgebrachten pyrotechnischen Ge-

genstand, Typ Thunder King, grün, ca. 15 cm lang (Kategorie F3), gezündet und 

auf das Spielfeld, in Richtung Mittelkreis/-linie geworfen, d.h. in den Bereich von 

Spielern, die sich in der Nähe aufhielten, sowie von Zuschauern in den angrenzen-

den Sektoren des Stadions. Beim Werfen des Feuerwerkskörpers habe er sich auf 

einem Stehplatz auf der Zuschauertribüne im Sektor C auf ca. mittlerer Höhe der 

Stufen inmitten von Zuschauern befunden und so die Wurfbahn des Gegenstands 

kaum überprüfen können und entsprechend Personen gefährdet, die sich in seiner 

unmittelbaren Umgebung (Sektor C), in den Nachbarsektoren (B und D) sowie auf 

dem Spielfeld befunden hätten. Über dem Rasen seien zwei Rauchwolken zu se-

hen gewesen, als der Feuerwerkskörper in der Nähe des Mittelkreises zu Boden 

gegangen sei, die Sprengkapsel herausgeschleudert worden sei, in die Richtung 

des Spielers EE., Spieler des FC Winterthur, geflogen sei und in ca. 2 Metern 

Entfernung von EE. mit einem lauten Knall explodiert sei. EE. sei infolge der Ex-

plosion kurz zu Boden gegangen. Er habe sich jedoch nebst vorübergehenden 

- 7 - 

Ohrenschmerzen wegen des Knalls keine darüberhinausgehenden, länger andau-

ernden körperlichen und / oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen zugezogen. 

Diese Art von Feuerwerkskörper dürfte nur an Personen ab 18 Jahren abgegeben 

werden und deren Verwendung sei in weiten offenen Bereichen im Freien vorge-

sehen, wenn der Lärmpegel bei bestimmungsgemässer Verwendung die mensch-

liche Gesundheit nicht gefährde. Durch die Zündung dieses pyrotechnischen Ge-

genstands sei deshalb für Personen (Spieler beider Mannschaften, Schiedsrichter 

und Zuschauer) und Gegenstände, die sich in der Nähe des weggeworfenen und 

dann explodierten Feuerwerkskörpers aufgehalten hätten bzw. dort gewesen 

seien, eine konkrete Gefährdung geschaffen worden. Der Beschuldigte habe wis-

sentlich und willentlich sowie in der verbrecherischen Absicht gehandelt, mit dem 

Wurf dieses pyrotechnischen Gegenstands auf das Spielfeld während des laufen-

den Fussballspiels das Spielfeld zu beschädigen und eine Verletzung der erwähn-

ten Personen aufgrund seiner eingeschränkten Sicht, der unkontrollierten Wurf-

bahn und der nicht eingehaltenen Benützungsvorschriften zumindest billigend in 

Kauf genommen (vgl. TPF pag. 3.100.003 f.). 

1.1.2 Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, es sei erstellt, dass der Be-

schuldigte am 13. Mai 2017 vor dem Fussballspiel seinem Kollegen D. den Böller 

«Thunder King» gezeigt habe. Der Beschuldigte habe sodann zugegebenermassen 

den Böller, der am 13. Mai 2017 in der 85. Spielminute auf dem Spielfeld explodierte, 

in seiner Jackentasche in den Sektor C im Stadion Schützenwiese in Winterthur mit-

genommen. Der Zeuge G. habe detailliert den Standort des Beschuldigten während 

des inkriminierten Ereignisses geschildert. Der Beschuldigte habe im Vorverfahren 

und zunächst an der Hauptverhandlung ausgesagt, seine Mannschaftkollegen inklu-

sive G. seien rechts von ihm gestanden. Es sei erstellt, dass der Beschuldigte im 

Fussballstadion am Ort auf der Tribüne gestanden sei, wo der Böller gezündet und 

geworfen worden sei. Der Beschuldigte sei nach der Explosion des Böllers laut den 

Aussagen seiner Eishockeykollegen von den Zuschauern gepackt und dem Sicher-

heitsdienst übergeben worden, was darauf schliessen lasse, dass er von den Zu-

schauern beim Werfen des Böllers beobachtet worden sei. Gemäss den glaubhaften 

Aussagen des Zeugen H. hätten die Zuschauer den Beschuldigten sogar als Werfer 

identifiziert. Diese Wahrnehmungen deckten sich mit den Aussagen des Zeugen E., 

wonach ein paar Zuschauer den Beschuldigten beschuldigt hätten, den Böller ge-

worfen zu haben. Laut den stimmigen Aussagen der Zeugen hätten die Zuschauer 

nach der Explosion auf den Beschuldigten gezeigt und sich die Aggressionen gegen 

ihn gerichtet. Selbst der Beschuldigte habe aufgrund der erdrückenden Beweislage 

gegen ihn schliesslich eingeräumt, seine Kollegen hätten ihm gesagt, er habe den 

Böller geworfen. Zudem habe der Zeuge G. gemäss mehrmaligen Aussagen beim 

gemeinsamen Abendessen nach dem inkriminierten Ereignis vom Beschuldigten ein 

eindeutiges diesbezügliches Geständnis gehört. Das alternative Szenario des Be-

schuldigten, wonach er – der zwar den pyrotechnischen Gegenstand ins Stadion 

- 8 - 

gebracht habe – zufälligerweise ein «Blackout» erlitten habe, und ausgerechnet 

dann irgendjemand den Böller aus seiner Jackentasche behändigt und in die Mitte 

des Stadions geworfen haben solle, sei höchst unwahrscheinlich. Die widerspruchs-

freie und eindeutige Indizienkette lasse nur den Schluss zu, dass sich der Sachver-

halt so abgespielt habe, wie in der Anklage aufgeführt (vgl. Urteil SK.2019.35 E. 2.4.4 

- 2.5.1.4; CAR pag. 1.100.016 - 022). 

 

1.1.3  Der Beschuldigte bestreitet den Anklagevorwurf und hält an seinen vor der BA und 

der Vorinstanz getätigten Aussagen fest. Er macht zusammengefasst geltend, im 

vorinstanzlichen Urteil seien diverse Beweise bzw. Aussagen falsch gewürdigt res-

pektive gar nicht erst beachtet worden. Es liege kein eindeutiges, schlüssiges Bild 

von der Täterschaft des Beschuldigten vor. Die im Urteil aufgeführten Argumente 

seien nicht bewiesen und stellten keine Indizien dar, mit welchen auf die zu bewei-

sende Tatsache geschlossen werden könne. Es liege keine eindeutige oder wider-

spruchsfreie Indizienkette vor. Es bestünden alternative Hypothesen. Betreffend 

Position des Beschuldigten sei lediglich erstellt, dass er im Fussballstadion auf der 

gleichen Tribüne gestanden sei, wo der Böller gezündet und geworfen worden sei. 

Im Gastsektor C gebe es keine Augenzeugen. Auch durch die Filmaufnahmen habe 

der Beschuldigte nicht identifiziert werden können. Er sei von den Zuschauern nicht 

erkannt worden, sondern diese hätten auf eine Mehrzahl Personen gezeigt. Es gebe 

auch Gründe, an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Zeugen G. bezüglich des 

angeblichen Geständnisses des Beschuldigten zu zweifeln. G.s Aussagen seien 

weder logisch noch stimmig und nicht glaubhaft. Es könne nicht ausgeschlossen 

werden, dass eine andere Person, welche Kenntnis vom Böller gehabt habe, die-

sen angezündet und auf das Spielfeld geworfen habe. Zudem handle es sich bei 

der Krankheitsgeschichte des Beschuldigten nicht um eine Schutzbehauptung, 

sondern um eine Tatsache. Der Beschuldigte habe stets widerspruchsfrei und kon-

kludent ausgesagt. Der Sachverhalt sei unrichtig und unvollständig festgestellt wor-

den. Die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör des Beschuldigten verletzt, indem 

sie zwar im Detail auf den medizinischen Zustand des Beschuldigten sowie auf das 

durch den Zeugen G. angeblich gehörte Geständnis eingehe, jedoch weder ein 

entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben noch DD. betreffend das vom Zeu-

gen G. angeblich gehörte Geständnis des Beschuldigten befragt habe. Der Be-

schuldigte habe auch nie die Absicht gehabt, den Böller zu zünden und zu werfen 

(vgl. CAR pag. 1.100.059 - 071). In der Berufungsverhandlung vom 10. Juli 2020 

hielt der Beschuldigte im Wesentlichen an diesen Ausführungen fest (vgl. CAR 

pag. 8.301.010 - 030; 8.200.009). 

 

1.1.4 In ihrer Stellungnahme zur Berufung und ihrer Anschlussberufung macht die BA 

insbesondere geltend, die Vorinstanz habe den Sachverhalt umfassend und korrekt 

festgestellt. Die rechtliche Würdigung treffe ebenso zu und stimme überein mit der 

aktuellen Lehre und Rechtsprechung. Der Schuldspruch im Sinne von Art. 224 StGB 

- 9 - 

sei zu bestätigen. Die BA verweist hierzu auf das Urteil der Vorinstanz, die Ankla-

geschrift und ihr Plädoyer vom 6. September 2019 (vgl. CAR pag. 2.100.007). Im 

Parteivortrag anlässlich der Berufungsverhandlung hielt die BA an dieser Einschät-

zung fest. Auf ihre entsprechenden Ausführungen ist, soweit erforderlich, im Rah-

men der Beweiswürdigung sowie der Subsumtion des objektiven und subjektiven 

Tatbestands näher einzugehen (vgl. unten E. II. 1.6 - 1.9). 

1.2 Rechtliches 

  Wer vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige 

Gase Leib und Leben von Menschen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt, 

wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft (Art. 224 Abs. 1 StGB). 

Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale des Art. 

224 Abs. 1 StGB sorgfältig und korrekt dargelegt, inkl. Erläuterungen zum Spreng-

stoffgesetz (SR 941.41) und zur Sprengstoffverordnung (SR 941.411), unter aus-

führlicher Berücksichtigung der entsprechenden Rechtsprechung und Lehre (Urteil 

SK.2019.35 E. 2.2 - 2.2.4). Diese einleitenden grundsätzlichen Ausführungen der 

Vorinstanz zum konkreten Gefährdungsdelikt des Art. 224 Abs. 1 StGB sind un-

bestritten. Auf sie kann im Sinne der Prozessökonomie im Wesentlichen verwie-

sen werden (vgl. Art. 82 Abs. 4 StGB). 

 

1.3 Beweisgrundsätze; Beweisthema 

1.3.1 Das Rechtsmittelverfahren beruht auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im 

erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Beweisabnahmen des 

erstinstanzlichen Gerichts werden nur wiederholt, wenn: a. Beweisvorschriften 

verletzt worden sind; b. die Beweiserhebungen unvollständig waren; c. die Akten 

über die Beweiserhebungen unzuverlässig erscheinen. Die Rechtsmittelinstanz 

erhebt von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzli-

chen Beweise (Art. 389 StPO). Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung 

alle nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel 

ein, die rechtlich zulässig sind. Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der 

Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Be-

weis geführt (Art. 139 Abs. 1 und 2 StPO). Art. 139 Abs. 2 StPO schränkt die ge-

richtliche Pflicht zur förmlichen Beweisführung wieder in engen Grenzen ein. Be-

stimmte Tatsachen müssen nicht bewiesen werden oder dürfen bereits vor dem 

Verfahren als bewiesen gelten. Art. 139 Abs. 2 StPO erlaubt damit in gewissem 

Umfang auch eine antizipierte Beweiswürdigung vor allem aus prozessökonomi-

schen Gründen (GLEISS, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 139 StPO N. 31). 

  

1.3.2  Eine unmittelbare Beweisabnahme hat im mündlichen Berufungsverfahren u.a. 

zu erfolgen, wenn die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfäl-

lung notwendig erscheint (vgl. BGE 143 IV 288 E. 1.4.1 f., mit Hinweisen), bzw. 

- 10 - 

wenn sie im Sinne von Art. 405 Abs. 1 i.V.m. Art. 343 Abs. 3 StPO den Ausgang 

des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn die Kraft 

des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner 

Präsentation entsteht, beispielsweise wenn es in besonderem Masse auf den un-

mittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so wenn die Aussage das 

einzige direkte Beweismittel (Aussage gegen Aussage) darstellt. Das Gericht ver-

fügt bei der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme erforderlich ist, über einen 

Ermessensspielraum (vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.2, mit Hinweisen). 

 

1.3.3 Das Bundesgericht führte im Urteil 6B_1427/2016 vom 27. April 2017 in E. 3 aus, 

nach der Rechtsprechung sei auch ein indirekter Beweis zulässig, falls keine di-

rekten Beweise vorliegen. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, 

die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu 

beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl 

von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit 

auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit 

des Andersseins offenlassen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das 

bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachver-

halt so verwirklicht hat. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig 

(mit Verweis auf die Urteile des BGer 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 12.1, 

und 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8, je mit Hinweisen). Sachver-

haltsalternativen sind nur zu prüfen, wenn die Indizienlage widersprüchlich oder 

ambivalent ist (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.7). Zu letzterem Punkt ist ergänzend an-

zumerken, dass die korrekte Einschätzung, ob eine Indizienlage eindeutig oder 

ambivalent ist, auch davon abhängen kann, wie stichhaltig eine Sachverhaltsalter-

native erscheint. Es ist somit grundsätzlich zu prüfen, ob eine Sachverhaltsalter-

native objektiv betrachtet als stichhaltig erscheint; falls dies zu bejahen ist, kann 

die Indizienlage nicht mehr als eindeutig bezeichnet werden. Das Gesagte 

schliesst eine antizipierte Beweiswürdigung im Sinne von Art. 139 Abs. 2 StPO 

jedoch nicht aus. 

 

1.3.4 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-

son günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, 

dass die tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese 

Bestimmung konkretisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Unschulds-

vermutung (in dubio pro reo; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK). 

 Der Grundsatz in dubio pro reo als Beweiswürdigungsregel besagt, dass sich der 

Strafrichter nicht von einem für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalt über-

zeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich 

der Sachverhalt so verwirklicht hat. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische 

Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewiss-

- 11 - 

heit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter-

drückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sach-

lage aufdrängen (Urteil des BGer 6B_781/2010 vom 13. Dezember 2010 E.3.2, 

mit Verweis auf BGE 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2c). 

 

1.3.5 Vorliegend ist im Wesentlichen nur strittig, ob der Beschuldigte am 13. Mai 2017 

im Fussballstadion Schützenwiese in Winterthur beim Fussballmatch zwischen 

dem FC Winterthur und dem FC Zürich in der 85. Minute im Sektor C den pyro-

technischen Gegenstand «Thunder King» gezündet und aufs Spielfeld geworfen 

hat. Ansonsten ist der angeklagte Sachverhalt in objektiver Hinsicht erstellt. 

 

1.4 Beweisanträge 

 Betreffend die im Vorfeld der Berufungsverhandlung gutgeheissenen und abge-

lehnten Beweisanträge der Parteien (vgl. oben Sachverhalt lit. B.1 - B.3) ist auf 

die Beweisverfügung vom 23. Januar 2020 zu verweisen (vgl. oben Sachverhalt 

lit. B.3; CAR pag. 6.400.001 ff.). 

 Der Beschuldigte stellte und begründete während der Berufungsverhandlung fol-

gende Beweisanträge: 

 1. Es sei Wm mbA DD. als Zeuge einzuvernehmen. 

 2. Es sei ein medizinisches Gutachten über den Gesundheitszustand des Berufungs-

führers zu erstellen und abzuklären: 

  - welche Auswirkung die Marklagerveränderungen, respektive die Marklagerläsionen 

auf den Gesundheitszustand des Berufungsführers haben konnte, und 

  - ob diese Marklageveränderung, respektive die Marklagerläsionen als Ursache der 

vom Berufungsführer beschriebenen «Aussetzer», «Blackouts» grundsätzlich und 

im relevanten Tatzeitpunkt in Frage kommen könnte. 

  - Des Weiteren soll untersucht werden, welche Medikamente der Berufungsführer 

im Zeitpunkt der vorgeworfenen Tathandlung einnahm bzw. was für Auswirkungen 

solche i.V.m. Alkohol auf seinen Gesundheitszustand gehabt haben könnten. 

(CAR pag. 8.301.002; 8.200.003 ff.) 

 

 Zu Antrag Ziffer 1 wurde begründend insbesondere ausgeführt, das angebliche 

Geständnis des Beschuldigten sei nicht gemäss Art. 160 StPO auf seine Glaub-

würdigkeit überprüft worden, nachdem eine (bei einer späteren Einvernahme be-

hauptete) Aussage von G. betreffend das angebliche Geständnis des 

Beschuldigten bei G.s Ersteinvernahme nicht protokolliert worden sei. Der 

Beschuldigte habe gerade kein eigentliches Geständnis abgelegt, sondern 

lediglich von Beginn an zugegeben, einen Böller mit in das Stadion genommen 

zu haben. An den angeblichen Wurf habe er sich nicht erinnern können. Bei 

einem solch unklaren Sachverhalt sei es mehr als fraglich, wieso die Wahr-

nehmung des Geständnisses durch den angeblichen Augenzeugen G. im 

- 12 - 

Rapport von DD. (Stadtpolizei Winterthur) vom 15. Juni 2017 nicht erwähnt 

werde. Das von der Strafkammer gemalte Bild des Zeugen G. entspreche nicht 

den Tatsachen. Dessen Aussagen seien in vielen Punkten weder logisch noch 

stimmig. Die Einvernahme von DD. sei besonders geeignet, die Glaubhaftigkeit 

der Aussagen des Zeugen G. in Frage zu stellen (vgl. CAR pag. 8.301.002 ff.). 

Der Antrag Ziffer 2 wurde im Wesentlichen wie folgt begründet: In diversen 

Berichten würden die Aussetzer des Beschuldigten klar beschrieben (mit Verweis 

auf BA pag. 10-01-0001, S. 6). Ein Gutachten könnte klären, ob das 

beschriebene Szenario des Beschuldigten (einen Aussetzer gehabt zu haben) 

grundsätzlich realistisch sei. Die Berufungskammer habe bei ihrer 

Beweisverfügung vom 23. Januar 2020 ausser Acht gelassen, dass die Einnah-

me von Medikamenten zusammen mit einer geringen Menge an Alkohol Symp-

tome wie Blackouts hervorrufen könnte. Anlässlich der Einvernahme vom 4. 

Februar 2019 habe der Beschuldigte denn auch angegeben, dass er Migräne-

medikamente genommen habe (BA pag. 12-01-0044 Rz. 6). Dem Arztbericht von 

Dr. med. M. sei auch zu entnehmen, dass der Beschuldigte die Medikamente 

Xanax, Sibelium, Diamox und Venflaxin zu sich genommen habe (BA pag. 18-

02-0005 und 0010; vgl. CAR pag. 8.301.006 ff.). 

 Die BA beantragte die Abweisung der beiden Beweisanträge (vgl. CAR pag. 

8.200.004). 

 Die Beweisanträge des Beschuldigten wurden während der Berufungsverhand-

lung abgelehnt. Zur Begründung ist grundsätzlich auf die Beweisverfügung vom 

23. Januar 2020 (CAR pag. 6.400.001 ff.) zu verweisen. Zusätzlich ist aufgrund 

der neu vorgebrachten Argumente und auch der Präzisierung des Antrags Ziffer 1 

Folgendes festzuhalten. Eine antizipierte Beweiswürdigung (vgl. Art. 139 Abs. 2 

StPO) ergibt: Die hypothetische Frage, ob eine Aussage des am 10. Juni 2017 

als Auskunftsperson einvernommenen G. (BA pag. 10-01-0006) protokolliert 

worden wäre, ist betreffend Beweiswert bezüglich der im kontradiktorischen 

Verfahren bestätigten Aussage sehr untergeordnet. Zudem wäre insofern nach 

rund drei Jahren eine zuverlässige Aussage eines Wachtmeisters mit beson-

deren Aufgaben, der seither eine grössere Anzahl von Verfahren betreut hat, 

höchstwahrscheinlich nicht mehr möglich. Man darf auch nicht aus den Augen 

verlieren, dass es nicht darum geht, die Beweisaussage von DD., sondern von 

G. einzuschätzen. Letzteres ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung durchaus 

möglich (vgl. CAR pag. 8.200.004 f. sowie unten insbesondere E. II. 1.6.4.5). Zu 

Beweisantrag Ziffer 2: Sofern das Beweisverfahren ergibt, dass der Beschuldigte 

den gezündeten Böller geworfen hat, schliesst dies ein Blackout aus; dahingegen 

kann kein Gutachten für den genauen Tatzeitpunkt ein Blackout beweisen. Im 

Ergebnis kann ein solches Gutachten somit weder über die Tatbegehung noch 

über eine allfällige Schuldunfähigkeit bzw. verminderte Schuldfähigkeit Beweis 

erbringen (vgl. CAR pag. 6.400.005 f.; 8.200.005 und unten E. II. 1.6.5.3). 

- 13 - 

1.5 Beweismittel 

1.5.1 Filmmaterial zum Fussballspiel vom 13. Mai 2017 

 Auf dem Filmmaterial der B. AG zum Fussballspiel vom 13. Mai 2017 zwischen 

dem FC Winterthur und dem FC Zürich im Fussballstadion Schützenwiese in Win-

terthur (USB-Stick BA pag. 07-01-0005) ist Folgendes zu sehen: Um ca. 85:09 

Minuten der Spielzeit schlägt auf dem Spielfeld in der Nähe der linken Seitenlinie 

ein Knallkörper auf. Dieser wurde von der vollbesetzten Osttribüne (Sektor C) ge-

worfen, wobei in der Videosequenz nicht die gesamte Flugbahn des Knallkörpers 

erkennbar ist. Es entsteht eine erste Rauchwolke; ein zischender Laut ist wahrnehm-

bar. Aus dem Knallkörper wird eine Sprengkapsel herausgeschleudert (85:10 Minu-

ten der Spielzeit). Diese explodiert etwas weiter vorne in der Nähe des Mittelkreises 

bzw. der -linie mit einem lauten Knall. Die Detonation verursacht einen Blitz und eine 

weitere, grössere Rauchwolke (85:11 Minuten der Spielzeit). In unmittelbarer Nähe 

des Explosionsorts zucken drei Spieler zusammen. Der C. des FC Winterthur, EE., 

steht rund zwei Meter vom Detonationsort entfernt und geht aufgrund der Explosion 

zu Boden (ab 85:12 Minuten der Spielzeit). Er hält die Hände auf die Ohren und 

muss am linken Ohr behandelt werden. Die übrigen Spieler und Beteiligten sind 

schockiert. Die Zuschauer pfeifen lautstark während rund einer Minute und fünf-

zig Sekunden. Die kriminaltechnische Auswertung der Fernsehbilder durch die 

BKP ergab keine Hinweise auf die Täterschaft (BA pag. 10-02-0005). 

 

1.5.2 Aussagen von D. (Eishockeykollege des Beschuldigten) 

D. sagte am 15. Oktober 2018 als Zeuge vor der BA aus, der Beschuldigte habe 

ihm den Böller am Bahnhof Winterthur gezeigt (BA pag. 12-04-0008 Rz. 12). Er 

habe dem Beschuldigten gesagt, dass er diesen nicht einsetzen solle (BA pag. 12-

04-0009 Rz. 9, 20, 25). Sie seien danach im Stadion auf der gleichen Höhe neben-

einander gestanden (BA pag. 12-04-0008 Rz. 25, 0012 Rz. 27 ff.). Er habe den 

Böller erst wieder gesehen, als dieser auf dem Spielfeld gelegen sei (BA pag. 12-04-

0008 Rz. 33). Nach dem Böllerwurf seien sehr viele Sachen, unter anderem Becher, 

auf sie geworfen worden. Es habe einen Radau gegeben. Er habe gesehen, wie der 

Beschuldigte von den Zuschauern «rausgedrückt» und zu den Security-Mitarbeitern 

getragen worden sei (vgl. BA pag. 12-04-0010 Rz. 4 - 12). Er selbst habe kein Feu-

erzeug dabeigehabt (BA pag. 12-04-0008 Rz. 28). Zum angeblichen «Aussetzer» 

des Beschuldigten befragt, erklärte D., der Beschuldigte habe einmal im Eisho-

ckeytraining auf die Toilette gehen müssen und habe ihm gesagt, er habe einen 

Aussetzer gehabt. Ansonsten habe er beim Beschuldigten keine Aussetzer beob-

achtet (vgl. BA pag. 12-04-0011 Rz. 17 - 20, 27). 

 

 

 

 

- 14 - 

1.5.3 Aussagen von E. (Eishockeykollege des Beschuldigten) 

Am 15. Oktober 2018 sagte E. als Zeuge vor der BA aus, der Beschuldigte sei 

im Stadion entweder auf gleicher Höhe oder oberhalb von ihm gestanden (BA 

pag. 12-05-0016 Rz. 3). Er (E.) habe den Böller auf dem Spielfeld liegen gese-

hen. Er habe nicht gesehen, wie und von wem der Böller geworfen worden sei 

(BA pag. 12-05-0012 Rz. 7 f., 0016 Rz. 6). Nach dem Böllerwurf sei Unruhe ent-

standen. Ein paar Zuschauer hätten auf den Beschuldigten gezeigt (BA pag. 12-

05-0014 Rz. 8 f.). Ein paar Zuschauer hätten den Beschuldigten beschuldigt, den 

Böller geworfen zu haben (BA pag. 12-05-0012 Rz. 8 f.). Der Beschuldigte sei dann 

von Security-Mitarbeitern hinausgebracht worden (vgl. BA pag. 12-05-0012 Rz. 

9 f., 0014 Rz. 9 f.). Er (E.) habe kein Feuerzeug dabeigehabt (BA pag. 12-05-

0013 Rz. 20). Er wisse nichts von «Aussetzern» des Beschuldigten und habe sol-

che bei ihm nie gesehen (vgl. BA pag. 12-05-0015 Rz. 8 f.). 

 

1.5.4 Aussagen von F. (Eishockeykollege des Beschuldigten) 

F. sagte am 6. Dezember 2018 als Zeuge vor der BA aus, der Beschuldigte habe 

auf ihn im Stadion einen ganz normalen Eindruck gemacht. Die Stimmung des 

Beschuldigten sei gut gewesen (BA pag. 12-06-0006 Rz. 33, 0007 Rz. 1 - 4). Er 

(F.) habe kein Feuerzeug dabeigehabt (BA pag. 12-06-0008 Rz. 2 ff.). Es seien 

ca. 4 bis 5 Personen zwischen ihm und dem Beschuldigten gestanden. Er könne 

nicht zu 100 Prozent sagen, dass der Beschuldigte den Böller geworfen habe 

(vgl. BA pag. 12-06-0007 Rz. 9 f.; 0008 Rz. 21 - 25). Er habe gesehen, dass der 

Böller unten auf dem Rasen gelegen habe. Wer ihn geworfen habe, habe er nicht 

gesehen (BA pag. 12-06-0009 Rz. 11 f.). Der Beschuldigte sei relativ locker mit-

gegangen, als er von den Zuschauern gepackt und dem Sicherheitsdienst über-

geben worden sei (vgl. BA pag. 12-06-0009 Rz. 19 - 21). Betreffend «Aussetzer» 

sagte F. im Wesentlichen aus, der Beschuldigte sei vielleicht ein paar Mal nicht 

zum Training erschienen, weil es ihm nicht gut gegangen sei (vgl. BA pag. 12-06-

0011 Rz. 6 - 13). 

 

1.5.5 Aussagen von G. (Eishockeykollege des Beschuldigten) 

G. sagte am 6. Dezember 2018 als Zeuge vor der BA aus, er habe im Fussball-

stadion etwas neben sich rauchen und auf das Feld fliegen sehen. Dann habe es 

einen «Chlapf» gegeben (BA pag. 12-07-0005 Rz. 13 - 15). Er habe gesehen, 

dass etwas rauche, aber nicht gesehen, dass der Beschuldigte den Böller gezün-

det und aufs Feld geworfen habe (BA pag. 12-07-0008 Rz. 29 - 31). Der Beschul-

digte habe sich mit seinen Kollegen im gleichen Sektor, ca. auf Höhe der Mittel-

linie befunden und sei rund 2 bis 3 Meter links von ihm gestanden. Er habe ziem-

lich entspannt gewirkt; er sei nicht völlig verändert oder geistesabwesend gewe-

sen (vgl. BA pag. 12-07-0007 Rz. 14 - 28 und 0008 Rz. 1 - 15). Der Beschuldigte 

habe sich nicht sonderlich auffällig verhalten (vgl. BA pag. 12-07-0008 Rz. 17 ff.). 

- 15 - 

Er habe einen ruhigen, aber normalen Eindruck gemacht (vgl. BA pag. 12-07-

0013 Rz. 19 - 21). Die Zuschauer hätten gesagt: «Sie [d.h. der Beschuldigte] 

sinds gsi». Der Beschuldigte sei schlussendlich vom Security-Dienst aus dem Sta-

dion geführt worden (vgl. BA pag. 12-07-0009 Rz. 21 - 25). Er nehme an, dass die 

Zuschauer gesehen hätten, dass der Beschuldigte den Böller aufs Feld geworfen 

habe. Sie seien auch von Familien umgeben gewesen. Auch Kinder seien scho-

ckiert gewesen, als es passiert sei. Es sei dann eine sehr aufgeheizte Stimmung 

gewesen (vgl. BA pag. 12-07-0010 Rz. 1 - 10). Auf die Frage, was der Beschuldigte 

zu ihm gesagt habe, als sie sich nach dem Spiel mit Eishockeykollegen in einem 

Restaurant getroffen hätten, antwortete G.: «Wir fragten ihn, ob er es gewesen sei. 

In dem Moment sagte er, er sei es gewesen.» Ihm sei einfach der Moment geblie-

ben, als er den Beschuldigten darauf angesprochen habe, ob er es gewesen sei, 

und er dies bejaht habe (vgl. BA pag.12-07-0011 Rz. 6 f.; 0012 Rz. 4 - 7; 0014 Rz. 

8 - 14; 0016 Rz. 26 - 33). Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, wonach 

dieser einen «Aussetzer» gehabt habe, sagte G. aus: «Aussetzer in Form von 

Blackouts, dass er ohnmächtig wird? Gut, dann könnte er ja keinen Böller werfen, 

sorry.» Der Beschuldigte habe dies einmal erwähnt und auch ein paar Trainings-

absenzen gehabt (BA pag. 12-07-0012 Rz. 21 - 28). Im Training habe er aber auf 

ihn immer präsent gewirkt. Auch am 13. Mai 2017 habe er auf ihn definitiv präsent 

gewirkt (vgl. BA pag. 12-07-0013 Rz. 7 - 10 und 23 - 26). G. verneinte, ein Feuer-

zeug dabeigehabt zu haben (BA pag. 12-07-0008 Rz. 23). Er (G.) habe vor dem 

Spiel bei der Eulach-Halle 5 dl Bier konsumiert und vor sowie im Stadion mindes-

tens 5 bis 6 3 dl-Becher Bier. Während dem Abendessen im Restaurant habe er 

sicher noch einmal 5 bis 6 3 dl-Gläser Bier getrunken. Natürlich sei er leicht ange-

trunken gewesen (vgl. BA pag. 12-07-0015 Rz. 28 - 32; 0016 Rz. 1 - 11). 

 

1.5.6 Aussagen von H. (Sicherheitsangestellter) 

H. sagte am 15. Mai 2018 vor der BKP als Zeuge aus, er habe aus dem Augen-

winkel heraus den Wurf aus der Menschenmasse heraus gesehen. Es habe da-

nach einen Tumult gegeben. Die Leute hätten den Beschuldigten bedrängt. Der 

Beschuldigte sei beschuldigt bzw. identifiziert worden, den Böller geworfen zu ha-

ben (vgl. BA pag. 12-01-0006 Rz. 13 - 33). H. verneinte die Frage, ob der Beschul-

digte abwesend oder schläfrig gewirkt habe (BA pag. 12-01-0007 Rz. 27 f.). 

 

1.5.7 Aussagen von I. (Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes) 

Am 15. Mai 2018 sagte I. vor der BKP als Zeuge aus, der Beschuldigte sei vom 

Publikum im Sektor C in die Hände des Sicherheitsdiensts heruntergeschubst 

worden, mit der Aussage, dass er den Böller geworfen habe. Das ältere Publikum 

im Sektor C habe noch nie so reagiert (vgl. BA pag. 12-02-0005 Rz. 27 - 32). Der 

Beschuldigte sei ruhig gewesen und habe mit dem Sicherheitsdienst normal und 

kooperativ gesprochen. Auf Frage, ob der Beschuldigte auf ihn einen wachen 

- 16 - 

und klaren Eindruck gemacht und verstanden habe, worum es gehe, sagte er 

aus: «Ja» (BA pag. 12-02-0006 Rz. 1 f. und 19 - 21). Der Beschuldigte sei normal 

gewesen und sie hätten nichts Aussergewöhnliches bei ihm festgestellt (vgl. BA 

pag. 12-02-0007 Rz. 6 - 9). 

  

1.5.8 Aussagen von J. (Sicherheitsangestellter) 

J. sagte am 15. Mai 2018 vor der BKP als Zeuge aus, der Grossteil der Tribüne 

C sei aufgebracht gewesen und habe die Aggressionen gegen den Beschuldig-

ten gerichtet. Es habe Aussagen von Zuschauern gegeben, man solle den Be-

schuldigten rausnehmen, sonst würden sie es machen. Sie hätten den Beschul-

digten zu seiner Sicherheit vom Mob weggebracht (vgl. BA pag. 12-03-0005 Rz. 

17 - 21). Laut Aussagen der aufgebrachten Zuschauer sei der Beschuldigte der 

Petardenwerfer gewesen. Das habe etwa ein Viertel der Tribüne gesagt. Primär 

seien es Beschimpfungen gewesen. Das «Arschloch» sei es laut Zuschauern ge-

wesen (vgl. BA pag. 12-03-0006 Rz. 1 - 16). 

  

1.5.9 Aussagen des Beschuldigten 

1.5.9.1 Der Beschuldigte sagte am 24. Mai 2017 bei der Einvernahme vor der Stadtpoli-

zei Winterthur aus, bis zum 2:0 (des Fussballspiels vom 13. Mai 2017) wisse er 

noch alles. Was danach gekommen sei, wisse er leider nicht mehr. Erst als er vor 

dem Stadion gewesen sei, wisse er wieder alles (BA pag. 13-01-0002 Frage 3). 

Seine Mannschaftskollegen, welche am Spiel dabei gewesen seien, hätten ge-

meint, dass er den Böller auf das Spielfeld geworfen habe (BA pag. 13-01-0003 

Frage 7). Auf die Frage, ob er selbst auch davon ausgehe, dass er den Böller auf 

das Spielfeld geworfen habe, antwortete der Beschuldigte: Ja, davon gehe er 

aus. Er wisse einfach nicht mehr, wie dies genau abgelaufen sei (BA pag. 13-01-

0003 Frage 8). Er habe die Szene später im Fernsehen gesehen. Zu diesem 

Zeitpunkt habe er bereits gewusst, dass er dafür verantwortlich gewesen sei (BA 

pag. 13-01-0003 Frage 9). Er habe den Böller in seiner Jacke gehabt. Er habe 

ihn auf der Zugfahrt von Dachsen nach Winterthur von einer ihm unbekannten 

Person erhalten (BA pag. 13-01-0003 Fragen 13 f.). Es sei ein Thunder King ge-

wesen (vgl. BA pag. 13-01-0003 Frage 18 f.). Er habe zu diesem Zeitpunkt nicht 

die Absicht gehabt, diesen auch während des Spiels zu benutzen (BA pag. 13-

01-0004 Frage 20). Auf die Frage, ob er diese Absicht zu einem späteren Zeit-

punkt einmal gehabt habe, antwortete der Beschuldigte: Nein, diese Absicht habe 

er nie bewusst gehabt (BA pag. 13-01-0004 Frage 21). Der Beschuldigte bejahte 

die Frage, ob ihm bewusst gewesen sei, dass er den Böller nicht hätte in das 

Stadion nehmen dürfen (BA pag. 13-01-0004 Frage 22). Auf die Frage, ob die 

Mannschaftskollegen im Nachhinein etwas zum Ablauf erzählt hätten, antwortete 

der Beschuldigte: «Ich meinte sie sagten, dass ich den ganzen Thunder aufs Feld 

geworfen hätte» (BA pag. 13-01-0004 f. Frage 28). Er habe an jenem Tag nicht 

- 17 - 

Betäubungsmittel konsumiert. Während dem Spiel habe er zwei Becher Bier ge-

trunken (BA pag. 13-01-0005 Frage 38). 

 

1.5.9.2 Anlässlich der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland 

vom 24. August 2017 bestätigte der Beschuldigte, dass er davon ausgehe, einen 

Böller geworfen zu haben (vgl. BA pag. 13-01-0009 Fragen 7 - 11). Er erinnere 

sich nicht genau daran, wie es dazu gekommen sei und wie er ihn geworfen habe 

(BA pag. 13-01-0009 Frage 12). Ihm fehlten oft Sequenzen von 2 - 3 Minuten 

(vgl. BA pag. 13-01-0010 Frage 13). D. und FF. (recte offenbar: E.) hätten ihm 

gesagt, er habe den Böller geworfen (vgl. BA pag. 13-01-0011 Frage 23). Dem 

Beschuldigten wurde vorgehalten, dass er vor Ort offenbar von der Menge als 

«Werfer» identifiziert und festgehalten worden sei. Er wurde gefragt, ob er aner-

kenne, den mitgeführten Böller vor dessen Explosion aufs Spielfeld geworfen zu ha-

ben, oder ob die Polizei mit weiteren Ermittlungen betraut werden müsse und ein 

Zeugenaufruf bzw. je nach Ergebnis Zeugeneinvernahmen zu veranlassen seien. 

Der Beschuldigte akzeptierte darauf den Vorwurf (vgl. BA pag. 13-01-0011 Frage 

24). Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er den Böller geworfen habe (vgl. BA pag. 

13-01-0012 Frage 38). Dem Beschuldigten wurde vorgehalten, es sei davon auszu-

gehen, er habe in etwa doch noch gewusst, was er getan habe. Er wurde gefragt, 

ob er dies anerkenne oder eine psychiatrische Begutachtung erforderlich sei. Der 

Beschuldigte antwortete darauf: «Ich will den Fall auch abschliessen. Ich mache 

nicht geltend, dass ich beim Vorfall schuldunfähig war. Ich will auch keine psychiat-

rische Begutachtung zu dieser Frage» (vgl. BA pag. 13-01-0013 Frage 44). Der Be-

schuldigte anerkannte den Vorwurf der Gefährdung durch Sprengstoffe oder giftige 

Gase ohne verbrecherische Absicht im Sinne von Art. 225 Abs. 1 StGB und erklärte 

sich geständig und schuldig (vgl. BA pag. 13-01-0013 f. Fragen 47 f.). 

 

1.5.9.3 Am 12. Dezember 2017 wurde der Beschuldigte durch die BA wegen Verdachts 

der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

(Art. 224 Abs. 1 StGB; vgl. BA pag. 13-01-0019) einvernommen. Er bestätigte 

einleitend seine während der Einvernahmen vom 24. Mai und 24. August 2017 

gemachten Aussagen (BA pag. 13-01-0021 Rz. 3). Er habe am 13. Mai 2017 vor 

dem Fussballspiel im Zug von einer unbekannten Person einen «Thunder King» 

geschenkt bekommen (vgl. BA pag. 13-01-0021 Rz. 13 - 28). Seine Kollegen 

seien im Stadion rechts von ihm gestanden (vgl. BA pag. 13-01-0025 Rz. 22 - 

24). Er habe während dem Match seine Jacke mit dem «Thunder King» in der 

Tasche ausgezogen und habe sie 2 bis 3 Meter entfernt deponiert. Er habe dann 

eine Erinnerungslücke bekommen und sei erst vor dem Stadion wieder zu sich 

gekommen (vgl. BA pag. 13-01-0025 Rz. 5 - 13). Er erinnere sich nicht mehr, 

dass er den «Thunder King» gezündet und geworfen habe (vgl. BA pag. 13-01-

0022 Rz. 1, 0024 Rz. 8 ff.). Der Grund dafür sei seine Krankheit mit Schwindelat-

tacken und teilweiser Bewusstlosigkeit (vgl. BA pag. 13-01-0024 Rz. 13 - 28). Die 

- 18 - 

Kollegen hätten ihm gesagt, dass er aus dem Stadion entfernt worden sei, nach-

dem er den Böller geworfen habe (BA pag. 13-01-0022 Rz. 20 f.). 

 

1.5.9.4 Am 4. Februar 2019 fand die Schlusseinvernahme des Beschuldigten vor der BA 

statt (BA pag. 13-01-0037 ff.). In Bezug auf die vorangehenden protokollarischen 

Einvernahmen wollte der Beschuldigte keine Ergänzungen oder Korrekturen an-

bringen (BA pag. 13-01-0038 Rz. 7 - 12). Er blieb bei seiner bisherigen Darstel-

lung (keine Erinnerung betreffend Werfen des Böllers, dies infolge eines «Black-

outs»; vgl. BA pag. 13-01-0038 Rz. 14 - 19). Der Beschuldigte sagte auch in der 

Folge weitgehend gleichbleibend aus. Auf Frage, warum in mehreren Arztberich-

ten der Vorfall mit der angeblichen Erinnerungslücke im Stadion nirgends er-

wähnt worden sei, antwortete er, dass er nie mit Ärzten darüber gesprochen habe 

(vgl. BA pag. 13-01-0039 Rz. 12 ff.; 0040 Rz. 29 ff.; 0041 Rz. 1 ff. und Rz. 22 ff.; 

0042 Rz. 1 ff.; 0043 Rz. 1 ff.; 0045 Rz. 19 ff.). Auf Vorhalt der Aussagen der 

Zeugen, wonach er von den Zuschauern bedrängt und beschuldigt worden sei, 

den Böller geworfen zu haben, sagte er mehrmals aus, das sei möglich; er könne 

sich aber nicht an den Böllerwurf erinnern (vgl. BA pag. 13-01-0046 Rz. 20 ff.; 

0048 Rz. 13 ff.; 0051 Rz. 1 ff. und Rz. 27 ff.; 0052 Rz. 14 ff.). Er könne sich erst 

wieder erinnern, als er vor dem Stadion gestanden sei (BA pag. 13-01-0050 Rz. 

10 f.). Nach dem Match sei er zusammen mit G. und den anderen zu einem Res-

taurant gegangen. Auf Vorhalt der Aussage von G., wonach er nach dem Match 

im Restaurant zugegeben habe, den Böller geworfen zu haben, sagte er aus: 

Dass er zugegeben habe, den Böller geworfen zu haben, stimme nicht. Er habe 

das nicht so direkt gesagt. Er habe nur gesagt, dass aufgrund der Tatsache, dass 

er aus dem Stadion geworfen worden sei, es möglich sei, dass er es gewesen 

sei (vgl. BA pag. 13-01-0055 Rz. 1 - 13). 

 

1.5.9.5 An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 6. September 2019 hielt der Be-

schuldigte an seiner Darstellung fest, wonach er sich nicht erinnern könne, ob er 

es gewesen sei, der den pyrotechnischen Gegenstand auf das Spielfeld gewor-

fen habe (vgl. TPF pag. 3.731.005 Rz. 38 ff. und 006 Rz. 1 f.). Er bestritt den 

Vorwurf, den Böller auf das Spielfeld geworfen zu haben (vgl. TPF pag. 3.731.007 

Rz. 4 ff.). Seine Kollegen seien rechts von ihm gestanden (vgl. TPF pag. 

3.731.007 Rz. 16 - 19). Es könne sein, dass jemand anderes den Böller geworfen 

habe, da seine Jacke mit dem Böller entfernt von ihm am Boden deponiert gewe-

sen sei (vgl. TPF pag. 3.731.008 Rz. 36 - 39). Wenn er solche Anfälle bekomme, 

würde dies 10 bis 15 Minuten dauern. Auf Frage, ob es möglich sei, mit einem 

«Blackout» gezielt einen Böller auf das Spielfeld zu werfen, antwortete er: «Nein» 

(vgl. TPF pag. 3.731.008 Rz. 20 - 34). Auf Frage des Verteidigers nach der Positi-

onierung seiner Kollegen im Stadion sagte der Beschuldigte aus, G. sei nach der 

Halbzeitpause nicht neben ihm gestanden (vgl. TPF pag. 3.731.010 Rz. 5 - 8). 

 

- 19 - 

1.5.9.6 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 10. Juli 2020 schilderte der Beschul-

digte nochmals den zu beurteilenden Lebenssachverhalt vom 13. Mai 2017, vom 

Antritt der Reise mit dem Zug bis und mit dem Abendessen mit den Kollegen 

(CAR pag. 8.401.009). Er hielt im Wesentlichen an seinen bisherigen Aussagen 

fest (vgl. CAR pag. 8.401.004 - 013). Darauf ist, soweit erforderlich, in den nach-

folgenden Erwägungen näher einzugehen. Auf ein Schlusswort verzichtete der 

Beschuldigte (vgl. CAR pag. 8.200.009). 

  

1.5.10 Amtsbericht des Forensischen Instituts Zürich 

Das Forensische Institut Zürich erstellte zum geworfenen Böller und den von die-

sem ausgehenden Gefahren aufgrund eines Fragenkatalogs der Vorinstanz und 

des zur Verfügung gestellten Aktenmaterials einen Amtsbericht (nachfolgend: 

FOR-Bericht; TPF pag. 3.264.1.012 - 062). Auf dessen Inhalt wird bei der Sub-

sumtion des objektiven Tatbestands näher eingegangen (siehe unten E. II. 1.7.1). 

  

1.5.11 Arztberichte 

 a) Gemäss Arztzeugnis von Dr. med. L. vom 2. Juni 2017 litt der Beschuldigte 

nach einem Autounfall vom 20. April 2017 an Kopfschmerzen und Schwindel (vgl. 

BA pag. 18-01-0014). 

 b) In einem Arztzeugnis vom 10. Mai 2017, ausgestellt somit drei Tage vor dem 

Fussballspiel zwischen dem FC Winterthur und dem FC Zürich, hielt Dr. med. K. 

als Indikationen beim Beschuldigten aktuell erneut zunehmenden Schwindel so-

wie Empfindungsstörungen an den oberen Extremitäten fest. Im Vergleich zu ei-

ner Voruntersuchung vom 18. März 2013 ergab sich der Befund zunehmender 

Marklagerläsionen, ca. 17 links (Voruntersuchung ca. 14) und ca. 15 rechts (Vor-

untersuchung 3). Im Übrigen war die Magnetresonanztomographie des Gehirn-

schädels unauffällig (vgl. BA pag. 18-01-0013). 

 c) Nach dem Fussballspiel zwischen dem FC Winterthur und dem FC Zürich vom 

13. Mai 2017 wurde der Beschuldigte mehrfach neurologisch untersucht. Es lie-

gen dazu folgende Arztberichte vor (in Reihenfolge der vorliegenden Akten): 

 - Dr. med. L., Dr. med. BB.; 24. Mai, 2. Juni und 18. August 2017  

  (BA pag. 18-01-0009 ff., 0014 f.) 

 - Dr. med. M., Dr. med. N.; 30. Juni 2017 (BA pag. 18-02-0003 ff.); 5. Oktober 

2017 (BA pag. 18-02-0008 ff., 0021 ff.); 23. November 2017 (BA pag. 18-02-

0014 ff.); 5. Januar 2018 (BA pag. 18-02-0018 ff.) 

 - Dr. med. P., Dr. med. Q., med. R., med. S.; 4. Juli 2017  

  (BA pag. 18-03-0005 ff.) 

 - Dr. med. T., Prof. Dr. med. AA.; 29. Juni 2017  (BA pag. 18-03-0011 f.) 

 - Dr. med. P., Dr. med. GG., med. HH.; 30. Juni 2017 (BA pag. 18-03-0013 ff.) 

- 20 - 

 - Dr. med. P., Dr. med. II., JJ.; 11. Juli 2017 (BA pag. 18-03-0023 ff.) 

 - Dr. med. KK., med. HH.; 11. August 2017 (BA pag. 18-03-0026 ff.) 

 - Dr. med. LL., Dr. med. MM.; 30. Juni 2017 (BA pag. 18-03-0037 f.) 

 - Dr. med. NN.; 6. Juli 2017 (BA pag. 18-03-0039 ff.) 

 Beim Beschuldigten werden zusammengefasst Schwindelgefühle, Kopfschmer-

zen, Schwankschwindel, teilweise episodenartige Bewusstlosigkeiten, Empfin-

dungsstörungen an den oberen Extremitäten und eine zunehmende Zahl kleiner 

Marklagerveränderungen bzw. -läsionen diagnostiziert (vgl. BA pag. 18-01-0009 

bis 18-03-0045).  

   

1.6 Beweiswürdigung 

1.6.1 Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche 

Würdigung des angeklagten Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz 

verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Diese Bestimmung dient der Prozessökonomie. 

Werden jedoch im Rechtsmittelverfahren erhebliche Einwände vorgebracht, wel-

che nicht Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens bildeten, entfällt die Mög-

lichkeit der Verweisung (vgl. STOHNER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 82 

StPO N. 9, mit Hinweisen). 

Direkte Sach- oder Personalbeweise, dass der Beschuldigte den Böller gezündet 

und geworfen bzw. den gezündeten Böller geworfen hat, liegen nicht vor. Man-

gels direkter objektiver Beweise bedarf es somit zum Nachweis der Täterschaft 

einer Indizienkette, die in ihrer Gesamtheit relevante Zweifel ausschliesst, dass 

der Beschuldigte dies getan hat. 

 

1.6.2 Betreffend Mitnahme des pyrotechnischen Gegenstands ins Stadion 

1.6.2.1 Es ist erstellt, dass der Beschuldigte am 13. Mai 2017 vor dem Fussballspiel von 

einer unbekannten Person den Böller erhielt (vgl. BA pag. 13-01-0010 Frage 19) 

und diesen seinem Kollegen D. zeigte (BA pag. 12-04-0008 Rz. 12; 13-01-0050 

Rz. 20 - 31). D. sagte dem Beschuldigten, dass er diesen nicht einsetzen solle, 

was auf D.s entsprechende Bedenken hindeutet (vgl. BA pag. 12-04-0009 Rz. 7 

- 20). Der Beschuldigte wusste jedenfalls bereits vor dem Eintritt ins Stadium um 

den Böller (vgl. dazu auch CAR pag. 8.401.013 Rz. 7 - 25). 

 

1.6.2.2 Betreffend den Grund für die Annahme des Böllers sagte der Beschuldigte in der 

Einvernahme vom 4. Februar 2019 aus, dass er sich «etwas eingeschüchtert» ge-

fühlt und nicht gewollt habe, dass wenn er nein sage, «die andern Personen Stress 

machen, dass es Probleme gibt» (vgl. BA pag. 13-01-0057 Rz. 1 - 10). Anlässlich 

der Berufungsverhandlung vom 10. Juli 2020 sagte der Beschuldigte aus, sie hät-

ten ihm den Böller zugeworfen. Sie seien schon recht betrunken und aufsässig 

- 21 - 

gewesen und hätten schon die ganze Fahrt relativ laut rumgeschrien und gegen-

seitig gepöbelt. Da habe er den Böller nicht ablehnen wollen, aus Respekt und weil 

er eingeschüchtert gewesen sei. Deshalb habe er nichts gesagt und den einge-

packt (vgl. CAR pag. 8.401.009 Rz. 24 ff.). Der Beschuldigte wurde gefragt, warum 

er erst in der Einvernahme vom 4. Februar 2019 den erwähnten Grund für die An-

nahme des Böllers angegeben habe. Er antwortete darauf, er wisse es auch nicht 

genau. Er sei nicht explizit danach gefragt worden. Deshalb habe er nichts von sich 

selbst aus dazu gesagt. Er sei auch ein Junge. Mit dem Ego, wenn man dazu 

stehe, dass man Angst habe – (er sei) nicht so selbstsicher (vgl. CAR pag. 

8.401.009 Rz. 38 ff.; 010 Rz. 1 ff.). 

 Es ist indes nicht wirklich erkennbar, weshalb es für den Beschuldigten «Prob-

leme» gegeben hätte, wenn er den Böller nicht angenommen hätte. Gemäss sei-

ner Aussage pöbelte die von ihm erwähnte Gruppe nicht gegenüber ihm, sondern 

nur unter sich; da habe er gedacht, das sei nicht sein Problem (vgl. CAR pag. 

8.401.009 Rz. 34 - 36). Die Erklärung des Beschuldigten vom 4. Februar 2019 

bzw. 10. Juli 2020 betreffend den Grund für die Annahme des Böllers ist nicht 

glaubhaft und als Schutzbehauptung einzustufen. Sie ändert jedenfalls nichts an 

der relevanten Tatsache, dass der Beschuldigte eingestanden hat, den Böller 

entgegengenommen und diesen auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion nicht 

entsorgt zu haben. 

 

1.6.2.3 Der Beschuldigte nahm zugegebenermassen den Böller, der am 13. Mai 2017 in 

der 85. Spielminute auf dem Spielfeld explodierte, in seiner Jackentasche in den 

Sektor C des Stadions Schützenwiese in Winterthur mit (vgl. oben E. II. 1.5.9.1 - 

1.5.9.6). Unbestritten ist auch, dass der Beschuldigte den Böller beim Verlassen 

des Stadions bzw. bei der entsprechenden Kontrolle durch das Sicherheitsperso-

nal nicht mehr bei sich hatte (vgl. BA pag. 13-01-0010 Frage 20). Auf diesen Tat-

sachen bauen die nachfolgend dargestellten Indizien auf. 

 

1.6.3  Betreffend Standort des Beschuldigten im Stadion 

1.6.3.1 Es ist unbestritten und insbesondere durch die Videoaufnahme belegt, dass der 

gezündete Böller aus dem Sektor geworfen wurde, in welchem sich der Beschul-

digte befand (vgl. oben E. II. 1.5.1). 

 

1.6.3.2 Der Beschuldigte sagte in der Einvernahme vom 4. Februar 2019 aus, seine Kol-

legen seien rechts von ihm gestanden (vgl. BA pag. 13-01-0025 Rz. 22 - 24). Auf 

Vorhalt, dass G. ausgesagt habe, relativ nahe neben ihm gestanden zu sein, mit 

dem Beschuldigten zu seiner Linken, antwortete der Beschuldigte: Das sei mög-

lich. Er wisse nicht, wie weit entfernt sie voneinander gestanden seien (vgl. BA pag. 

13-01-0053 Rz. 1 - 7). Erst anlässlich der Einvernahme durch die Vorinstanz sagte 

der Beschuldigte aus, soweit er sich erinnern könne, sei G. gar nicht in seinem 

- 22 - 

Blickfeld gewesen. Es seien so viele Mitspieler und Kollegen dazwischen gewesen, 

dass G. ihn gar nicht gesehen hätte (TPF pag. 3.731.008 Rz. 12 f.). Auf Frage des 

Verteidigers sagte der Beschuldigte zudem erstmals aus, dass G. nach der Halb-

zeitpause nicht neben ihm gestanden sei (vgl. TPF pag. 3.731.010 Rz. 5 - 8). Wie 

bereits die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, sind diese Aussagen wider-

sprüchlich und offenkundig dem Stand des Verfahrens angepasst, was gegen die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten spricht (vgl. Urteil SK.2019.35 E. 

2.4.4.3 lit. b). 

  Zur Einschätzung, ob die Aussagen des Beschuldigten glaubhaft sind, ist auch da-

rauf hinzuweisen, dass er am 12. Dezember 2017 gefragt wurde, ob er D. darüber 

orientiert habe, einen Böller erhalten zu haben. Der Beschuldigte antwortete: 

«Nicht, dass ich wüsste» (vgl. BA pag. 13-01-0026 Rz. 20). Bei der Einvernahme 

vom 4. Februar 2019 hingegen – rund 14 Monate später – sagte der Beschuldigte 

genau gegenteilig aus: Er habe D. den Böller am Bahnhof gezeigt. An diese Situ-

ation könne er sich noch gut erinnern (vgl. BA pag. 13-01-0050 Rz. 20 - 31). Die-

ses widersprüchliche und selektive Aussageverhalten deutet ebenfalls auf die 

mangelnde Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten hin. Die wiederholt 

vorgetragene Selbsteinschätzung des Beschuldigten, er habe «stets wider-

spruchsfreie sowie konkludente Aussagen getätigt» (CAR pag. 1.100.068 Rz. 36; 

8.301.025 Rz. 79), ist beschönigend und unzutreffend (vgl. dazu auch oben E. II. 

1.6.2.2 sowie unten E. II. 1.6.5.16). 

 

1.6.3.3 D. sagte als Auskunftsperson am 9. Juni 2017 aus, sie seien ungefähr 15 Perso-

nen gewesen, welche das Stadion gemeinsam besucht hätten. Er sei auf gleicher 

Höhe wie der Beschuldigte gestanden, jedoch nicht direkt neben ihm (BA pag. 

10-01-0006). Als Zeuge sagte D. am 15. Oktober 2018 weiter aus, er denke, der 

Beschuldigte sei im gleichen Sektor wie er (D.) gewesen. Er (D.) sei eher auf der 

linken Seite dieses Sektors gestanden. Wenn er umhergeschaut habe, habe er 

den Beschuldigten gesehen. Es seien jedoch noch ein paar Leute dazwischen 

gestanden. Sie seien damals auf der gleichen Höhe nebeneinander gestanden 

(vgl. BA pag. 12-04-0008 Rz. 19 - 25). 

 

1.6.3.4 E. sagte als Auskunftsperson am 9. Juni 2017 aus, sie seien ungefähr 15 Perso-

nen gewesen, welche das Spiel gemeinsam besucht hätten. Da das Stadion sehr 

voll gewesen sei und es wenig Platz gehabt habe, seien sie auf der Osttribüne 

alle etwas verteilt gewesen. Meist in kleineren Gruppen. Während des Spiels sei 

er auf einer tieferen Stufe als der Beschuldigte gestanden und etwa 10 Meter von 

ihm entfernt gewesen (BA pag. 10-01-0005 f.). Als Zeuge sagte E. am 15. Okto-

ber 2018 aus, der Beschuldigte habe sich auf der gleichen Tribüne wie er befun-

den. Der Beschuldigte sei nicht direkt neben ihm gestanden. Sie seien alle ein 

bisschen verteilt auf dieser Tribüne gewesen (vgl. CA pag. 12-05-0013 Rz. 10 - 

13). 

- 23 - 

 

1.6.3.5 F. sagte als Auskunftsperson am 12. Juni 2017 aus, er habe sich auf derselben 

Höhe wie der Beschuldigte befunden, ca. drei bis vier Meter neben ihm. Es habe 

jedoch noch eine oder zwei Personen zwischen ihnen gehabt (vgl. BA pag. 10-

01-0007). Als Zeuge sagte F. am 6. Dezember 2018 aus, sie seien ca. in der 

Mitte des Feldes gestanden. Welcher Sektor es gewesen sei, wisse er nicht. Es 

seien ca. 4 - 5 Personen zwischen ihm und dem Beschuldigten gewesen (vgl. BA 

pag. 12-06-0007 Rz. 6 - 10). 

 

1.6.3.6 OO. sagte als Auskunftsperson am 12. Juni 2017 aus, der Beschuldigte sei ganz 

am Rande ihrer Gruppe gestanden, etwas abseits (vgl. BA pag. 10-01-0007). 

 

1.6.3.7 Der Beschuldigte bringt vor, die Aussagen von G. zu dessen Standort im Stadion 

seien widersprüchlich (CAR pag. 8.301.014 ff. Rz. 39 - 43). Anlässlich der ersten 

Einvernahme vom 10. Juni 2017 habe G. (als Auskunftsperson) ausgesagt: «Ich 

befand mich etwas unterhalb von A..Wer unmittelbar neben ihm stand, kann ich 

nicht mehr sagen. (…) Plötzlich flog dann etwas auf das Feld und explodierte dort. 

Ich schaute nach oben, von wo der Gegenstand geflogen kam. Dort sah ich, wie 

andere Zuschauer A. packten und nach unten, zum Sicherheitsdienst brachten. 

Den Wurf selbst konnte ich nicht beobachten.» (BA pag. 10-01-0006). Anlässlich 

seiner zweiten Einvernahme vom 11. Oktober 2018 habe G. (nunmehr als Zeuge) 

wie folgt ausgesagt: «Ich sah in dem Moment etwas rauchen neben mir, in der 

Nähe, etwas aufs Feld fliegen, dann gab es einen ‘Klapf’.» (BA pag. 12-07-0005 

Rz. 13 - 15). Auf die Frage, wie weit entfernt sie voneinander gestanden seien, 

habe G. geantwortet: «Ca. 2-3 m. So wie ich es in Erinnerung habe, stand er links 

von mir.» (BA pag. 12-07-0007 Rz. 27 f.). «Wir standen relativ nahe beieinander. 

Er stand auf der gleichen Höhe wie ich.» (BA pag. 12-07-0008 Rz. 8). Auf die 

Frage, wie nahe der Rauch gewesen sei, habe G. geantwortet: «Ich überlege diese 

Situation noch einmal. Rechts von mir stand PP. Ich schätze, dass es ca. 2,5 m 

links von mir rauchte. Auf Frage: Das war auf derselben Höhe, wie ich stand.» (BA 

pag. 12-07-0009 Rz. 3 - 5). Da sich G.s Aussagen bezüglich seines eigenen Stand-

orts und damit auch des angeblichen Standorts des Beschuldigten widersprächen, 

erscheine seine Aussage im Rahmen der zweiten Einvernahme diesbezüglich als 

nicht glaubhaft (CAR pag. 8.301.016 Rz. 43). 

  Entgegen der Auffassung des Beschuldigten folgt daraus, dass es gewisse Unter-

schiede zwischen G.s erwähnten Aussagen vom 10. Juni 2017 und 11. Oktober 

2018 gibt, keineswegs, dass seine Aussage im Rahmen der zweiten Einvernahme 

diesbezüglich als «nicht glaubhaft» erscheint. Die Glaubwürdigkeit eines Zeugen ist 

im Rahmen einer Gesamtwürdigung einzuschätzen (vgl. dazu auch unten E. II. 

1.6.4.5). Sie kann, wie nachfolgend ausgeführt wird, gerade im Fall von G., der ins-

gesamt sehr ausführlich befragt wurde, nicht auf einen einzelnen Aspekt bzw. auf 

eine kleine Unstimmigkeit – die zudem erklärbar ist – reduziert werden. 

- 24 - 

  G.s erwähnte Aussagen stimmen in wesentlichen Punkten mit jenen von weiteren 

Personen überein. So sagte der Beschuldigte am 4. Februar 2019 selbst aus, seine 

Kollegen seien rechts von ihm gestanden (vgl. BA pag. 13-01-0025 Rz. 22 - 24; 

sowie BA pag. 13-01-0053 Rz. 1 - 7). OO. sagte zudem aus, dass der Beschuldigte 

ganz am Rande ihrer Gruppe gestanden sei, etwas abseits (vgl. BA pag. 10-01-

0007). G. beschrieb am 10. Juni 2017 seine Position als «etwas» (d.h. ein bisschen 

/ ein wenig) unterhalb des Beschuldigten (BA pag. 10-01-0006). Dies relativiert be-

reits seine Aussage bezüglich der Positionsangabe – ebenso wie der Umstand, dass 

er am 11. Oktober 2018 aussagte, so wie er es «in Erinnerung habe», sei der Be-

schuldigte links von ihm gestanden (vgl. BA pag. 12-07-0007 Rz. 28), bzw. er über-

lege sich diese Situation noch einmal (BA pag. 12-07-0009 Rz. 3).  

  Vor allem aber blendet der Beschuldigte eine weitere wesentliche Aussage von G. 

aus: Auf Vorhalt seiner Aussagen gegenüber der Polizei (BA pag. 10-01-0006) 

wurde G. gefragt, ob es dazu Änderungen oder Ergänzungen seinerseits gebe. Er 

antwortete darauf wie folgt: 

   «Es deckt sich mit dem, was ich ausgesagt habe. Ich überlege noch einmal, ob er eine 

Stufe über mir oder auf der gleichen Stufe wie ich stand. Gut, die Stufen sind ca. 40 cm 

hoch. Ich weiss noch, er, A., stand zu meiner Linken, ob das auf der gleichen Stufe oder 

eine oberhalb war, das weiss ich nicht mehr.» (BA pag. 12-07-0013 Rz. 28 - 33) 

  Als Protokollnotiz wurde in der Folge denn auch Folgendes festgehalten: 

   «Auf Frage der Verteidigung hin wird vereinbart, dass die Beilage 1 mit den Standorten 

des Zeugen und des Beschuldigten auf der unteren Ansicht nicht angepasst wird, son-

dern dass stattdessen mittels dieser Protokollnotiz auf die korrigierende Aussage des 

Zeugen auf S. 11, Antwort Z. 30-33, hingewiesen wird, wonach er nicht mehr sagen 

könne, ob er und der Beschuldigte auf der gleichen Stufe gestanden hätten im Stadion 

oder nicht.» (BA pag. 12-07-0015 Rz. 2 - 6) 

  Anhand dieser ergänzenden Aussagen von G. (sowie der entsprechenden Pro-

tokollnotiz) wird gesamthaft betrachtet erst recht deutlich, dass die vom Beschul-

digten hervorgehobenen Unterschiede in G.s Aussagen deren Glaubhaftigkeit 

keineswegs beeinträchtigen. Es ist vielmehr erkennbar, dass G. sehr darum be-

müht war, möglichst genau und detailliert auszusagen, und zugleich eigene Un-

sicherheiten bezüglich seines Erinnerungsvermögens klar offenlegte. Dadurch 

wird die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen erhöht. Dies muss umso mehr gelten, 

als G.s zweite Einvernahme rund ein Jahr und vier Monate nach der ersten statt-

fand (jedoch nicht «gut 1 Jahr und 7 Monate später», wie vom Beschuldigten 

behauptet, CAR pag. 8.301.015), was gewisse Erinnerungsschwierigkeiten nach-

vollziehbar macht. G.s Aussagen erscheinen konsistent und glaubhaft. Dafür 

spricht auch, dass er den Beschuldigten nicht ungebührlich belastete, da er aus-

sagte, nicht gesehen zu haben, wer den Böller geworfen und gezündet habe (vgl. 

BA pag. 12-07-0008 Rz. 25 - 31). 

 

- 25 - 

1.6.3.8 Entgegen der Auffassung des Beschuldigten vermag an dieser Einschätzung 

auch G.s Aussage «betreffend die Personengruppe im Stadion» (vgl. CAR pag. 

8.301.016) nichts zu ändern. Es handelt sich hier um einen weiteren Nebenas-

pekt, bei dem der Beschuldigte einen Widerspruch zu konstruieren versucht. Der 

Beschuldigte hebt hervor, G. habe ausgesagt, dass sie im Stadion ca. 15 Perso-

nen gewesen seien, welche in einer Gruppe gestanden seien (vgl. BA pag. 12-

07-0005 Rz. 13), während E. ausgesagt habe, sie seien alle ein bisschen verteilt 

auf dieser Tribüne gestanden (vgl. BA 10-01-0005; 12-05-0013 Rz. 12 f.; vgl. CAR 

pag. 8.301.016). Dabei blendet der Beschuldigte wiederum eine deutlich relativie-

rende Aussage von G. aus, nämlich, dass sie «über drei Stufen verteilt» gestanden 

seien (vgl. BA pag. 10-01-0006). Ebenso lässt der Beschuldigte ausser Acht, dass 

die Zuschauer bei einem Fussballspiel auf der Stehtribüne nicht völlig statisch da-

stehen, sondern sich in der Regel in einer gewissen Bewegung befinden und nicht 

in allen Spielphasen absolut identisch positioniert sind. Dazu kommt, dass G.s Aus-

sagen insofern auch mit jenen von D. (vgl. BA pag. 10-01-0006; 12-04-0008 Rz. 

21 - 25) und OO. (vgl. BA pag. 10-01-0007) ohne Weiteres vereinbar sind. Das 

Argument des Beschuldigten ist demnach nicht stichhaltig; es betrifft auch nicht 

das eigentliche Kerngeschehen. 

 

1.6.3.9 Der Beschuldigte bringt weiter vor, einzig der Zeuge G. behaupte, dass er einen 

pyrotechnischen Gegenstand vom angeblichen Standort des Beschuldigten auf 

das Spielfeld habe fliegen sehen. Die beiden anderen Zeugen F. und D. hätten 

gerade keine solche Beobachtung gemacht (vgl. CAR pag. 8.301.017 Rz. 45 f.). 

  Dieses Argument des Beschuldigten greift ebenfalls in verschiedener Hinsicht zu 

kurz. So haben E. und D. insofern nicht einfach nichts beobachtet, sondern na-

turgemäss ihre Aufmerksamkeit primär dem Spiel bzw. dem Spielfeld gewidmet. 

E. schilderte insbesondere, dass er plötzlich etwas auf das Spielfeld fliegen und 

dort explodieren gesehen habe. Kurze Zeit später habe er gesehen, dass viele 

Zuschauer den Beschuldigten als Täter bezeichnet hätten, welcher den Feuer-

werkskörper auf das Spielfeld geworfen hätte (vgl. BA pag. 10-01-0006; 12.05-

0012 Rz. 7 - 9; 0014 Rz. 5 - 10). D. sagte ebenfalls ähnlich aus, plötzlich sei ein 

Thunder auf das Feld geflogen und dort explodiert. Der Beschuldigte sei in der 

Folge von den anderen Zuschauern richtiggehend von der Tribüne gestossen 

worden (vgl. BA pag. 10-01-0006 und 12-04-0010 Rz. 1 - 12). Vor diesem Hinter-

grund und angesichts der glaubhaften und detaillierten Aussagen von G. kann der 

Beschuldigte aus dem Umstand, dass F. und D. «keine solche Beobachtung (wie 

G.) gemacht» hätten (vgl. CAR pag. 8.301.017 Rz. 46), nichts Wesentliches zu 

seinen Gunsten ableiten. 

1.6.3.10 Demgemäss ist zur Frage des Standorts des Beschuldigten im Stadion zusam-

menfassend Folgendes wesentlich: Wie G. glaubhaft aussagte, stand der Beschul-

digte ca. 2 - 3 m links von ihm (vgl. BA pag. 12-07-0007 Rz. 27 f.), wobei offenge-

- 26 - 

lassen werden kann, ob der Beschuldigte «auf der gleichen Stufe oder eine ober-

halb» (BA pag. 12-07-0013) von G. stand. G. führte am 11. Oktober 2018 aus, er 

schätze, dass es ca. 2,5 m links von ihm geraucht habe (BA pag. 12-07-0009 Rz. 

3 f.). Er beobachtete sodann, dass plötzlich etwas auf das Feld flog und dort ex-

plodierte. Er schaute nach oben, von wo der Gegenstand geflogen kam. Dort sah 

er, wie andere Zuschauer den Beschuldigten packten und nach unten, zum Sicher-

heitsdienst brachten (vgl. BA pag. 10-01-0006). Dass der Gegenstand aus G.s 

Perspektive von «oben» geflogen kam, ist auch deshalb plausibel, weil ein derar-

tiger Knallkörper in aller Regel in einem Bogenwurf (bzw. in einer Wurfparabel) 

aufs Spielfeld geworfen wird. 

  Somit ist auch erstellt, dass der Beschuldigte auf der Fussballtribüne an jenem Ort 

stand, wo der gezündete pyrotechnische Gegenstand geworfen wurde. 

 

1.6.4 Betreffend Wurf des gezündeten pyrotechnischen Gegenstands 

1.6.4.1 Der Beschuldigte bestreitet, den Böller gezündet und geworfen bzw. den gezün-

deten Böller geworfen zu haben (vgl. TPF 3.721.036 Rz. 5; 038 ff. Rz. 12 ff.; CAR 

pag. 8.301.026 ff.). Diesbezüglich indizieren allerdings – zusätzlich zum erwiese-

nen Standort des Beschuldigten (vgl. oben E. II. 1.6.3.10) – die Reaktionen der 

Zuschauer, welche durch die Aussagen der Sicherheitskräfte und der Kollegen des 

Beschuldigten belegt sind, dass der Beschuldigte als Werfer identifiziert wurde: 

- So sagte von den Kollegen der Zeuge E. aus, nach dem Böllerwurf sei Unruhe 

entstanden. Ein paar Zuschauer hätten auf den Beschuldigten gezeigt (BA pag. 

12-05-0014 Rz. 8 f.). bzw. ihn beschuldigt, den Böller geworfen zu haben (vgl. BA 

pag. 12-05-0012 Rz. 8 f.). Der Beschuldigte sei dann von Security-Mitarbeitern 

hinausgebracht worden (vgl. BA pag. 12-05-0012 Rz. 9 f., 0014 Rz. 9 f.). 

- Dem Zeugen F. wurde seine Aussage vom 12. Juni 2017 (BA pag. 10-01-

0007) vorgehalten, wonach diverse Zuschauer den Beschuldigten am Kragen 

gepackt und ihn dem Sicherheitsdienst unterhalb der Tribüne gebracht hätten. 

F. antwortete, soweit er sich erinnern könne, sei das so gewesen (vgl. BA-12-

0008 Rz. 17-30). 

- Gemäss der Schilderung des Zeugen G. hätten die Zuschauer gesagt: «Sie [d.h. 

der Beschuldigte] sinds gsi». Der Beschuldigte sei schlussendlich vom Security-

Dienst aus dem Stadion geführt worden (vgl. BA pag. 12-07-0009 Rz. 21 - 25). Er 

nehme an, dass die Zuschauer gesehen hätten, dass der Beschuldigte den Böller 

aufs Feld geworfen habe (vgl. BA pag. 12-07-0010 Rz. 1 - 10). 

Diese Aussagen der Kollegen des Beschuldigten decken sich betreffend Kernge-

schehen mit den nachfolgenden Aussagen der Sicherheitsleute: 

- 27 - 

- Der Zeuge H. sagte aus, es habe nach dem Böllerwurf einen Tumult gegeben. 

Die Leute hätten den Beschuldigten bedrängt; er sei beschuldigt bzw. identifiziert 

worden, den Böller geworfen zu haben (vgl. BA pag. 12-01-0006 Rz. 13 - 33). 

- Der Zeuge I. (Einsatzleiter) gab zu Protokoll, der Beschuldigte sei vom Publi-

kum im Sektor C in die Hände des Sicherheitsdiensts heruntergeschubst wor-

den, mit der Aussage, dass er den Böller geworfen habe (vgl. BA pag. 12-02-

0005 Rz. 27 - 32). 

- Entgegen der Ansicht des Beschuldigten (CAR pag. 1.100.062) ergibt sich aus 

den vorliegenden Aussagen keineswegs, dass er «von den Zuschauern nicht er-

kannt wurde, sondern diese auf eine Mehrzahl Personen» gezeigt hätten. Das 

Gegenteil ist der Fall. Soweit sich der Beschuldigte insofern auf den Sicherheits-

angestellten und Zeugen J. beruft (vgl. dazu auch CAR pag. 8.301.024), werden 

dessen Aussagen vom Beschuldigten nur selektiv und ohne Würdigung des Kon-

texts wiedergegeben. So blendet der Beschuldigte insbesondere J.s Aussagen 

aus, es habe sich herauskristallisiert, dass der Grossteil der Tribüne C die Ag-

gression gegen den Beschuldigten gerichtet und es Aussagen gegeben habe, 

man solle ihn rausnehmen, sonst würden sie es machen (vgl. BA pag. 12-03-

0005 Rz. 20 f.; 0006 Rz. 10); laut Aussagen der aufgebrachten Zuschauer sei 

der Beschuldigte der Petardenwerfer gewesen; das habe etwa ein Viertel der 

Tribüne gesagt; das «Arschloch» sei es laut Zuschauern gewesen (vgl. BA 

pag. 12-03-0006 Rz. 1 - 16). Aus dem Umstand, dass J. angesichts des Ge-

rangels auf der Tribüne versucht hat, «alle Personen zu trennen» und die Si-

cherheitsangestellten den Beschuldigten zu seiner Sicherheit weggebracht 

haben (vgl. BA pag. 12-03-0005 Rz. 19 - 23), kann der Beschuldigte nichts zu 

seinen Gunsten ableiten, da dies zu den Aufgaben des Sicherheitspersonals 

gehört. Am Gesagten ändert auch nichts, dass die Umstände aus J.s Sicht 

«nicht klar» waren (BA pag. 12-03-0005 Rz. 21 f.), zumal J. den Böller zuerst 

nur hörte und somit nicht selbst beobachten konnte, woher bzw. von wem die-

ser geworfen worden war. Letzteres ist auch deshalb verständlich und plausi-

bel, weil J. sich zu diesem Zeitpunkt beim Eingang C des Stadions aufhielt 

(vgl. BA pag. 12-03-0005 Rz. 14 ff.). 

 

1.6.4.2 Der Beschuldigte bringt vor, dass auf der Videoaufnahme in den ersten knapp 10 

Sekunden (auf welchen die Zuschauer im Bild seien) nach dem Wurf keine Ag-

gressionen oder Handlungen gegen eine bestimmte Person erkenntlich seien. 

Grundsätzlich genüge eine falsche Anschuldigung eines Zuschauers (des eigent-

lichen Täters), um ein Lauffeuer in der Menschenmenge auszulösen, welche 

dann trotz fehlender eigener Wahrnehmung jemanden beschuldige (vgl. CAR 

pag. 8.301.023 Rz. 70 - 74).  

- 28 - 

Diese Argumentation des Beschuldigten greift zu kurz. Um 85:11 Minuten der 

Spielzeit verursachte die Detonation der Sprengkapsel einen Blitz und eine wei-

tere, grössere Rauchwolke. Ab 85:12 Minuten zuckten in unmittelbarer Nähe des 

Explosionsorts drei Spieler zusammen. Der C. des FC Winterthur, EE., stand 

rund zwei Meter vom Detonationsort entfernt und ging aufgrund der Explosion zu 

Boden (vgl. oben E. II. 1.5.1). Bereits ab 85:12 Minuten sind auch die zunehmen-

den Proteste der Zuschauer deutlich zu hören. Ab 85:18 Minuten, d.h. bereits 6 

Sekunden nach Beginn der Proteste und dem Zusammenzucken der drei Spieler, 

sind die Zuschauer für längere Zeit nicht mehr auf der Videoaufnahme sichtbar, 

da die Kamera sich auf die Spieler und den Schiedsrichter fokussiert. Dass die 

Zuschauer einige Sekunden Zeit brauchten, um das Geschehene zu verarbeiten 

und sich deren Reaktionen erst dann auf den von ihnen als Werfer Erkannten 

richteten (indem sie auf den Beschuldigten zeigten und sich entsprechend verbal 

äusserten, sowie den Beschuldigten rausdrückten bzw. ihn zu den Sicherheitsan-

gestellten trugen, etc.), ist verständlich und nachvollziehbar. Entgegen der Auffas-

sung des Beschuldigten (vgl. CAR 1.100.061 Rz. 22) ist es unzutreffend und le-

bensfremd, angesichts der übereinstimmenden Aussagen seiner Kollegen und 

des Sicherheitspersonals zum Verhalten des Publikums von einer «trügerischen 

Massenreaktion» zu reden, oder zu behaupten, dass «jemand, aufgrund nicht 

erklärbarer Gründe, den Beschuldigten beschuldigt» habe (vgl. CAR 1.100.062 

Rz. 22). Dies gilt umso mehr, als gemäss Aussage des Zeugen H. das ältere 

Publikum im Sektor C noch nie so reagiert habe (vgl. BA pag. 12-02-0005 Rz. 27 

- 32). Zudem ist nicht ersichtlich, weshalb die Kollegen oder das Sicherheitsper-

sonal den Beschuldigten mit ihren Schilderungen zu Unrecht belasten sollten. 

Insbesondere sind keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Be-

denken des Beschuldigten gerechtfertigt wären, wonach die Sicherheitsmitarbei-

ter von Interessen ihres Arbeitgebers (dem FC Winterthur) beeinflusst sein und 

folglich gewisse Inhalte einseitig darstellen oder zurechtbiegen könnten (vgl. 

CAR pag. 8.301.23 Rz. 74). 

 

1.6.4.3 Zusammenfassend ergeben die erwähnten Aussagen aus verschiedenen Perspek-

tiven ein in sich stimmiges Gesamtbild betreffend Tathergang und Täterschaft des 

Beschuldigten. 

  Vor diesem Hintergrund vermag auch der vom Beschuldigten betonte Umstand, 

dass er bei der ersten Einvernahme angegeben habe, er habe kein Feuerzeug bei 

sich dabeigehabt und sei Nichtraucher (CAR pag. 8.301.026 Rz. 84 - 86), ihn nicht 

zu entlasten, zumal seine Aussagen in verschiedener Hinsicht nicht glaubhaft sind 

(vgl. oben E. II. 1.6.2.2 und 1.6.3.2; unten E. II. 1.6.5.16). Die Behauptung des Be-

schuldigten, dass er kein Feuerzeug dabeigehabt habe, wurde auch von keiner an-

deren einvernommenen Person bestätigt. Demgemäss erscheint es durchaus mög-

lich, dass er seine Aussage, kein Feuerzeug dabeigehabt zu haben, (ebenfalls) zu 

- 29 - 

seinem eigenen Schutz gemacht hat. Eine weitere plausible Möglichkeit besteht da-

rin, dass er im Stadion von einer anderen Person ein Feuerzeug oder Zündhölzer 

zwecks Zündung des Böllers ausgeliehen hat. Im Ergebnis kann dies aber offenblei-

ben. Entscheidend ist vorliegend, dass der Wurf eines (unmittelbar zuvor) gezünde-

ten Sprengkörpers erfolgte, den der Beschuldigte vor Spielbeginn in den Sektor 

C des Stadions mitgebracht hatte – und nicht, auf welche Weise genau die Zün-

dung erfolgte (ob mit einem Feuerzeug bzw. Zündholz des Beschuldigten, oder 

einem Feuerzeug bzw. Zündholz einer anderen Person). Das Argument, dass 

der Beschuldigte gemäss seiner Aussage kein Feuerzeug dabeigehabt habe, ist 

demnach gesamthaft betrachtet nicht relevant und entlastet ihn nicht. 

 

1.6.4.4 Bei der Würdigung der vorliegenden Indizien ist auch zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte bereits bei der Einvernahme durch die Stadtpolizei Winterthur vom 

24. Mai 2017 davon ausging, den Böller aufs Spielfeld geworfen zu haben (vgl. 

BA pag. 13-01-0003 Fragen 7 f.). Keine Erwähnung fand in diesem Zeitpunkt das 

angeblich fehlende Feuerzeug (vgl. BA pag. 13-01-0002 ff. bzw. oben E. II. 

1.6.4.3) – Letzterer Umstand sollte, da vorbestehend, auch nicht von einer Erin-

nerungslücke betroffen sein. Der Beschuldigte räumte ein, seine Mannschafts-

kollegen, welche am Spiel dabei gewesen seien, hätten gemeint, dass er den 

Böller aufs Spielfeld geworfen habe (BA pag. 13-01-0003 Frage 7; vgl. auch BA 

pag. 13-01-0011 Frage 23). Er sei sich bewusst, dass er als «Verdächtiger» aus 

dem Stadion entfernt worden sei (vgl. pag. BA pag. 13-01-0022 Rz. 1 - 7). D. und 

FF. (recte wohl: E.) hätten ihm gesagt, er habe geworfen (pag. BA pag. 13-01-

0011 Frage 23). Die Kollegen hätten ihm gesagt, er sei aus dem Stadion entfernt 

worden, nachdem er den Böller geworfen habe (vgl. BA pag. 13-01-0022 Rz.13 

- 22). 

  Am 24. August 2017 wurde dem Beschuldigten vorgehalten, dass er vor Ort of-

fenbar von der Menge als «Werfer» identifiziert und festgehalten worden sei. Er 

wurde gefragt, ob er anerkenne, den mitgeführten Böller vor dessen Explosion 

aufs Spielfeld geworfen zu haben, oder ob die Polizei mit weiteren Ermittlungen 

betraut werden müsse und ein Zeugenaufruf bzw. je nach Ergebnis Zeugenein-

vernahmen zu veranlassen seien. Der Beschuldigte akzeptierte darauf den Vor-

wurf, obwohl er aussagte, ihm sei bewusst, dass er eine teilbedingte Strafe und 

einen Strafregistereintrag erhalte (vgl. BA pag. 13-01-0011 Frage 24; vgl. dazu 

auch BA pag. 13-01-0021 Rz. 3 und 0038 Rz. 12). Auch angesichts dieses Ein-

geständnisses des Beschuldigten erschien ein Zeugenaufruf in der Folge somit 

nicht notwendig. Dass kein direkter Zeuge vorhanden ist, kann deshalb auch dem 

Umstand zugeschrieben werden, dass nach den erwähnten Aussagen des Be-

schuldigten kein Zeugenaufruf erfolgte. 

- 30 - 

  Soweit der Beschuldigte nunmehr vorbringt, es gebe «im ganzen Gastsektor C 

keine Augenzeugen» (CAR pag. 1.100.062 Rz. 20), bzw. dass der Sachverhalt un-

klar gewesen sei (vgl. CAR pag. 8.301.019 Rz. 53 f.), erscheint diese Argumen-

tation angesichts der erwähnten Vorgeschichte widersprüchlich und vermag die 

Indizien in Form der glaubhaft geschilderten Zuschauerreaktionen nicht zu ent-

kräften. Dass der Beschuldigte im vorinstanzlichen Hauptverfahren auf Frage hin 

nunmehr ausdrücklich nicht (mehr) anerkannte, den pyrotechnischen Gegen-

stand in Form des Thunder Kings gezündet und auf das Spielfeld geworfen zu 

haben (vgl. TPF pag. 3.731.005 Rz. 38 - 41), vermag an dieser Einschätzung 

nichts Wesentliches zu ändern. 

 

1.6.4.5 Auf die Frage, was der Beschuldigte zu ihm gesagt habe, als sie sich nach dem 

Spiel mit Eishockeykollegen in einem Restaurant getroffen hätten, antwortete der 

Zeuge G.: «Wir fragten ihn, ob er es gewesen sei. In dem Moment sagte er, er 

sei es gewesen.» Ihm sei einfach der Moment geblieben, als er den Beschuldigten 

darauf angesprochen habe, ob er es gewesen sei, und er dies bejaht habe (vgl. 

BA pag.12-07-0011 Rz. 6 f.; 0012 Rz. 4 - 7; 0014 Rz. 8 - 14; 0016 Rz. 26 - 33). 

Diese Aussagen von G. erscheinen ebenfalls glaubhaft (vgl. oben E. II. 1.6.3.7 ff.); 

sie erwecken erneut den Eindruck, dass G. möglichst objektiv und detailliert be-

richten will. Der vom Beschuldigten betonte Umstand, dass «weder PP. noch QQ., 

welche – gemäss Zeuge G. – während dem Essen neben bzw. vis-à-vis vom Zeu-

gen G. und dem Beschuldigten sassen, einvernommen wurden» (CAR pag. 

8.301.021 Rz. 66; vgl. BA pag. 12-07-0016 Rz. 17 ff.), ändert daran nichts Wesent-

liches. Im Gegenteil wird durch diesen Umstand entgegen der Auffassung des Be-

schuldigten (vgl. CAR pag. 8.301.021 Rz. 64 f.) auch erklärbar, dass «keine andere 

Person das angebliche Geständnis gehört» habe.  

  Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten vom 24. Mai und 24. August 2017 

(vgl. oben E. II. 1.6.4.4) erscheint es nachvollziehbar, dass die einvernehmenden 

Behörden bei der Befragung der Auskunftspersonen bzw. Zeugen nicht darauf 

fokussierten, ob diese das Eingeständnis des Beschuldigten bestätigen würden. 

Zudem liegt betreffend die (Erst-)Einvernahmen der Stadtpolizei Winterthur, da-

runter G.s Befragung vom 10. Juni 2017 als Auskunftsperson (BA pag. 10-01-

0006), kein exaktes Protokoll vor, sondern (wie ausdrücklich festgehalten wird) 

bloss eine sinngemässe Wiedergabe der jeweiligen Aussagen (vgl. BA pag. 10-

01-0004 - 0007). Der Umstand, dass sich dem Polizeirapport vom 15. Juni 2017 

keine entsprechende Aussage von G. entnehmen lässt (vgl. BA pag. 10-01-

0006), spricht somit – entgegen der Auffassung des Beschuldigten (vgl. CAR 

pag. 1.100.063 Rz. 25; 8.301.018) – nicht automatisch gegen G.s Glaubwürdigkeit. 

Entgegen der Darstellung des Beschuldigten (CAR pag. 1.100.063 Rz. 25) hat es 

G. anlässlich dieser Einvernahme ohnehin nicht «gänzlich unterlassen zu erwäh-

nen, dass der Beschuldigte ihm gegenüber geständig gewesen sei». Gemäss G.s 

Aussage habe er (stattdessen) «damals auch gegenüber dem Polizisten gesagt, 

- 31 - 

dass A. es war» (BA pag. 12-07-0017 Rz. 6 f.). G. hatte demnach – gemäss seiner 

geäusserten Erinnerung – anlässlich seiner Ersteinvernahme bloss seine Meinung 

betreffend die Täterschaft des Beschuldigten ausgedrückt, und gerade nicht – wie 

vom Beschuldigten in der Berufungsbegründung fälschlicherweise dargestellt – ein 

Geständnis des Beschuldigten geschildert. Entgegen der Auffassung des Beschul-

digten (CAR pag. 1.100.069 f. Rz. 38; 8.301.006 Rz. 14 f.) hat die Vorinstanz somit 

den Wachtmeister mit besonderen Aufgaben DD. zu G.s ursprünglicher Meinungs-

äusserung betreffend Täterschaft des Beschuldigten zu Recht nicht befragt (Art. 139 

Abs. 2 StPO). Im Vorfeld sowie anlässlich der Berufungsverhandlung vom 10. Juli 

2020 wurde ein entsprechender Beweisantrag des Beschuldigten jeweils wiederum 

abgelehnt (vgl. die Beweisverfügung vom 23. Januar 2020, CAR pag. 6.400.001 ff.; 

sowie oben E. II. 1.4). 

  Entgegen der Auffassung des Beschuldigten (vgl. CAR pag. 8.301.003 f.; 018 f.) 

wurde nach seinem erwähnten Eingeständnis vom 24. Mai / 24. August 2017 (vgl. 

BA pag. 10-01-0005; 13-01-0003 Rz. 8 und 9) auch nicht Art. 160 StPO verletzt. 

Der Tathergang – und damit die Glaubwürdigkeit des erwähnten Eingeständnis-

ses – wurde in der Folge vielmehr weiter bzw. noch detaillierter abgeklärt, indem 

der Beschuldigte, mehrere seiner Kollegen sowie einige Sicherheitskräfte aus-

führlich (und teilweise erneut bzw. wiederholt) einvernommen wurden. 

  Die Glaubwürdigkeit eines Zeugen ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung ein-

zuschätzen. Sie kann gerade im Fall von G., der insgesamt sehr ausführlich be-

fragt wurde, nicht auf einen einzelnen Aspekt bzw. auf eine kleine Unstimmigkeit, 

für welche es eine gut nachvollziehbare Erklärung gibt, reduziert werden. G. 

wurde am 6. Dezember 2018 zudem kontradiktorisch, in Gegenwart des Beschul-

digten und von dessen Verteidiger, als Zeuge einvernommen (BA pag. 12-07-

0003 ff.). Der Verteidiger stellte G. 13 Ergänzungsfragen (BA pag. 12-07-0014 - 

0017). Er fragte ihn auch, weshalb er das Geständnis des Beschuldigten gegen-

über der Polizei nicht erwähnt habe. G. betonte in seiner Antwort, die Polizei habe 

ihn in diesem Moment (d.h. am 10. Juni 2017) mehr zum Fussballspiel und zum 

geistigen Zustand des Beschuldigten befragt; ihn habe niemand direkt gefragt, 

ob der Beschuldigte zu einem späteren Zeitpunkt ein Geständnis abgelegt habe 

(vgl. BA pag. 12-07-0017 Rz. 4 - 8). 

  Des Weiteren ruft – entgegen der Ansicht des Beschuldigten (CAR pag. 

1.100.064 Rz. 27; 8.301-019 ff.) –  auch der von G. eingeräumte Alkoholkonsum 

am 13. Mai 2017 keine relevanten Zweifel an dessen Erinnerungsvermögen her-

vor, da er den Vorfall und das Gespräch im Restaurant detailliert und nachvoll-

ziehbar wiedergeben konnte. 

  Schliesslich gibt es auch keine stichhaltigen Hinweise für die erst anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vorgebrachte Behauptung des Beschuldig-

ten, dass die Beziehung zwischen ihm und G. nicht gut sei, «G. einen Groll» 

- 32 - 

gegen ihn hege, bzw. zwischen ihnen gar eine «Feindschaft» bestehe (vgl. CAR 

pag. 1.100.063 ff. Rz. 26 und 29; 8.301.022 Rz. 67 ff.). Insbesondere ist in G.s 

Aussagen bei objektiver Betrachtung nicht, wie vom Beschuldigten behauptet, 

ein «negativer Tonfall» zu erkennen. Wie erwähnt, hat G. den Beschuldigten nicht 

ungebührlich belastet, indem er aussagte, nicht gesehen zu haben, wer den Böl-

ler geworfen und gezündet habe (vgl. BA pag. 12-07-0008 Rz. 25 - 31). 

  Unter Würdigung aller Umstände bestehen demnach keine Zweifel an der Glaub-

haftigkeit von G.s Aussagen. 

  Zusammenfassend ist der Vorinstanz beizupflichten, dass G.s detaillierte, aus-

sagekräftige und glaubhafte Aussagen betreffend das Geständnis des Beschul-

digten (welches gemäss G.s Aussagen beim gemeinsamen Abendessen im Res-

taurant erfolgte) ein weiteres Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten darstellt. 

Die stimmige Indizienkette wird dadurch zusätzlich verstärkt (vgl. Urteil 

SK.2019.35 E. 2.4.4.6). 

 

1.6.5  Betreffend Alternativszenario des Beschuldigten 

1.6.5.1 Der Beschuldigte vertritt die Auffassung, es könne nicht ausgeschlossen werden, 

dass eine andere Person, die Kenntnis vom Böller gehabt habe, diesen angezün-

det und auf das Spielfeld geworfen habe; dieses Szenario sei wahrscheinlicher als 

der angeklagte Sachverhalt (vgl. CAR pag. 1.100.065 ff. Rz. 30 ff.; 8.301.026 ff.; 

8.301.030 Rz. 106). 

  Der Beschuldigte beruft sich dabei u.a. auf die in ärztlichen Untersuchungen be-

schriebenen Aussetzer und macht damit sinngemäss geltend, auch im Zeitpunkt, 

als der Böller gezündet und geworfen worden sei, einen «Aussetzer» bzw. ein 

«Blackout» erlitten zu haben (vgl. CAR pag. 1.100.056 ff. Rz. 8 ff. und 066 ff. 

Rz. 33 ff.; 8.301.006 ff.; 028 ff.). Hierzu ist Folgendes festzuhalten: 

 

1.6.5.2  Anlässlich der Einvernahme während der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 

vom 6. September 2019 wurde der Beschuldigte gefragt, ob es möglich sei, ge-

zielt einen Böller auf das Spielfeld zu werfen, wenn man quasi ein Blackout habe. 

Der Beschuldigte verneinte diese Möglichkeit (vgl. TPF pag. 3.731.008 Rz. 32 - 

34). Entsprechend machte der Beschuldigte während der Einvernahme durch die 

Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 24. August 2017 explizit nicht gel-

tend, beim Vorfall schuldunfähig (oder vermindert schuldfähig) gewesen zu sein. 

Er wolle auch keine psychiatrische Begutachtung zu dieser Frage (pag. BA-13-

01-0013 Ziff. 44). 

 

1.6.5.3 Grundsätzlich sind somit – wenn man die oben (E. II. 1.6.2 - 1.6.4.5) aufgezeigte 

eindeutige Indizienkette gedanklich vorübergehend ausser Acht lässt –  zwei Ge-

- 33 - 

schehensabläufe denkbar: Falls der Beschuldigte den Böller gezündet und ge-

worfen hat (Variante 1), kann er dies nicht während eines Blackouts getan haben. 

Falls der Beschuldigte den Böller hingegen nicht gezündet und geworfen hat (Va-

riante 2), spielt es auch keine Rolle, wie sein Gesundheitszustand im Tatzeitpunkt 

war, bzw. ob er zu diesem Zeitpunkt ein Blackout erlitten hat. In beiden Fällen 

spielt die These des Beschuldigten, er habe im Tatzeitpunkt ein Blackout gehabt, 

keine Rolle bzw. ist irrelevant. Vor allem aus diesem Grund wurde auch der An-

trag des Beschuldigten auf Erstellung eines medizinischen Gutachtens (CAR 

pag. 1.100.053 Ziffer 2) mit Beweisverfügung vom 23. Januar 2020 abgelehnt 

(vgl. CAR pag. 6.400.001 und 004 ff.); ein entsprechender, inhaltlich teilweise 

modifizierter Antrag wurde während der Berufungsverhandlung ebenfalls abge-

lehnt (vgl. oben E. II. 1.4). Es ist auch nicht anzunehmen, dass in einem medizi-

nischen Gutachten positiv festgestellt werden könnte, dass der Beschuldigte zum 

Tatzeitpunkt ein Blackout erlitten habe (vgl. CAR pag. 6.400.005). 

  Aufgrund der oben aufgezeigten, eindeutigen und widerspruchsfreien Indizien-

kette (E. II. 1.6.2 - 1.6.4.5), die nun wieder gedanklich berücksichtigt werden soll, 

ist jedoch zweifellos erstellt, dass der Beschuldigte den von ihm mitgebrachten 

Böller in gezündeter Form geworfen hat. Folglich kann er zu diesem Zeitpunkt, 

wie er sinngemäss selbst zugestanden hat (vgl. TPF pag. 3.731.008 Rz. 32 - 34), 

kein Blackout erlitten haben. Bereits aus diesem Grund ist der medizinische As-

pekt des vorliegenden Falles damit im Wesentlichen abgehandelt und benötigt 

an sich keine zusätzliche Würdigung (vgl. oben E. II. 1.6.5.2 und 1.6.5.3 Abs. 1; 

vgl. unten E. II. 1.6.5.8 ff.). 

1.6.5.4 Die vom Beschuldigten direkt nach der Intervention der Zuschauer bzw. des Si-

cherheitspersonals zu Tage gelegte Reaktion, sowie sein Aussageverhalten an-

lässlich der ersten Einvernahmen enthalten zudem nicht den geringsten Hinweis 

darauf, dass er sich als zu Unrecht beschuldigt empfand. Auch dies deutet auf 

seine Täterschaft hin. 

1.6.5.5 Für die Zuschauer bestand, nachdem der Beschuldigte aus dem Stadion entfernt 

worden war, kein Handlungsbedarf mehr. Bei der Blackout-These des Beschul-

digten dagegen wäre der Fall anders gelegen, da diesfalls eine falsche bzw. un-

schuldige Person aus dem Stadion entfernt worden wäre. Es wäre aber lebens-

fremd anzunehmen, dass 

  - eine «unbekannte Drittperson» (vgl. Berufungsbegründung des Beschuldig-

ten, S. 16 Rz. 32; CAR pag. 1.100.066 Rz. 32) unbemerkt den Böller, den sie 

auch noch zufällig entdeckt hätte (da sich bei der Jacke des Beschuldigten 

unbestrittenermassen keine Kollegen von ihm befanden), aus der Jacke des 

Beschuldigten entfernte und den gezündeten Böller gezielt warf; 

- 34 - 

  - das Publikum darauf eine falsche Person beschuldigte, welche zufälligerweise 

auch gerade jene ist, welche den Böller ins Stadion eingeführt hat – ohne dass 

diese falsche Reaktion des Publikums von einem direkten Zeugen geahndet 

worden wäre. 

  Dabei ist auch zu beachten, dass der Beschuldigte seine Jacke gemäss seinen 

Aussagen ca. 2 - 3 m links von ihm hingelegt hatte (vgl. CAR pag. 8.401.012 Rz. 

45 ff.; 013 Rz. 2 f.), was einen Irrtum des Publikums noch unwahrscheinlicher 

machte. Der Beschuldigte bestätigte zudem, dass er reagiert hätte, wenn er gese-

hen hätte, wie sich jemand an seine Jacke macht (CAR pag. 8.401.011 Rz. 39 f.). 

   Das Gesagte gilt umso mehr, als der Wurf aus einem ansonsten ruhigen Sektor 

mit einem Publikum über 40 Jahren erfolgte, in dem es zuvor praktisch nie einen 

Vorfall gegeben habe (vgl. die entsprechende Aussage des Zeugen I., BA pag. 

12-02-0005 Rz. 28 - 32). 

1.6.5.6 Daran ändert auch nichts, dass der Zeuge D. (wie der Beschuldigte bei der Be-

schreibung des «Alternativszenarios» betont, vgl. CAR pag. 1.100.066 Rz. 31; 

8.301.027 Rz. 89) Kenntnis vom Böller hatte – dies umso weniger, als D. seinen 

Eishockeykollegen, den Beschuldigten, vor dem Fussballspiel sogar ermahnt 

hatte, dass er diesen nicht einsetzen solle (vgl. BA pag. 12-04-0009 Rz. 9, 20, 

25). 

1.6.5.7 Auch soweit sich der Beschuldigte darauf beruft, dass mindestens ein Kollege 

(«RR.») während dem Fussballspiel «bemerkt oder gesehen habe», dass er ei-

nen pyrotechnischen Gegenstand in der Jackentasche gehabt habe (CAR pag. 

1.100.066 Rz. 31; 8.301.027 Rz. 88; vgl. BA pag. 13-01-0026 Rz. 22 - 32, 0027 

Rz. 1 - 13), ist dies unbehelflich. Es gibt keine stichhaltigen Hinweise, dass einer 

seiner Kollegen den Böller aus seiner Jacke genommen und den gezündeten 

Böller geworfen hätte. In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung berief der Be-

schuldigte sich insofern auf «eine unbekannte Drittperson», die «allenfalls den 

pyrotechnischen Gegenstand selber» angezündet habe (CAR pag. 1.100.066 

Rz. 32). Auch dafür gibt es nach dem Gesagten keine belastbaren Hinweise. In 

der Berufungsverhandlung behauptete der Beschuldigte hingegen, es sei gerade 

nicht abwegig anzunehmen, dass eine andere Person (beispielsweise RR.), wel-

che Kenntnis vom pyrotechnischen Gegenstand gehabt habe, diesen angezün-

det und auf das Spielfeld geworfen habe (CAR pag. 8.301.028 Rz. 94 ff.). Diese 

Mutmassungen und Spekulationen des Beschuldigten erscheinen jedoch nicht 

als stichhaltig und vermögen ihn angesichts der eindeutigen Indizienkette nicht 

zu entlasten. 

  Das Alternativszenario des Beschuldigten, dass eine Drittperson den Böller aus 

seiner Jacke genommen, gezündet und geworfen habe, ist demnach zu verwerfen. 

- 35 - 

1.6.5.8 Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen des Vorverfahrens und des 

erstinstanzlichen Verfahrens der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht rechtsge-

nügend abgeklärt wurde; es wurden umfassende medizinische Unterlagen zum 

Gesundheitszustand des Beschuldigten eingeholt, insbesondere über ein Dut-

zend Arztberichte (vgl. oben E. II. 1.5.11). Im Vorverfahren konnte der Beschul-

digte zu sämtlichen Inhalten detailliert und ohne Einschränkungen Stellung neh-

men. Die Rüge des Beschuldigten, der Sachverhalt sei unvollständig festgestellt 

und das rechtliche Gehör des Beschuldigten verletzt worden (vgl. CAR pag. 

1.100.069 f. Rz. 37 f.), ist unzutreffend und haltlos. Der Beschuldigte räumt selbst 

ein, dass die Vorinstanz in ihrem Urteil «im Detail auf den medizinischen Zustand 

des Beschuldigten» eingegangen sei (CAR pag. 1.100.069 Rz. 38). 

1.6.5.9 Bei der Einvernahme vom 24. August 2017 machte der Beschuldigte explizit nicht 

geltend, beim Vorfall schuldunfähig gewesen zu sein (BA pag. 13-01-0013 Frage 

44). In der Folge machte der Beschuldigte unter dem Aspekt des Vorsatzes bzw. 

der Schuld trotzdem sinngemäss für den Tatzeitpunkt eine fehlende Schuldfähig-

keit aufgrund eines «Blackouts» geltend (vgl. CAR pag. 1.100.056 ff. Rz. 8 ff. und 

066 ff. Rz. 33 ff.; 8.301.006 ff.; 028 ff.). Auch im Rahmen seiner Eventualbegrün-

dung (CAR pag. 1.100.071 f. Rz. 41 ff.) bringt der Beschuldigte vor, dass selbst 

wenn er die Tat verübt hätte, er dies unbewusst getan hätte und somit schuldun-

fähig wäre (CAR pag. 1.100.072 Rz. 45). 

1.6.5.10 Der Beschuldigte beruft sich u.a. auf die Diagnose von Dr. med. M. und Dr. med. 

N. vom 30. Juni 2017 betreffend die Konsultation vom 22. Juni 2017, lautend 

«Rezidivierende Episoden mit Schwindelgefühlen sowie Kopfschmerzen links 

parieto-okzipital und teilweise nachfolgender Bewusstlosigkeit unklarer Ätiologie 

seit 2013 mit passagerer Besserung» (BA pag. 18-02-0003 ff.; CAR pag. 

1.100.067 f. Rz. 34). Wie der Beschuldigte selbst einräumt, blieb die Ursache 

«letztlich unklar» (CAR pag. 1.100.068 Rz. 34) – trotz der erwähnten zahlreichen 

Untersuchungen bzw. Arztberichte. Auch unter diesem Gesichtspunkt konnte 

nach dem Vorverfahren darauf verzichtet werden, weitere medizinische Abklä-

rungen durchführen zu lassen, denn es gab und gibt keine Anzeichen dafür, dass 

dadurch die Ursache doch noch geklärt werden könnte. 

1.6.5.11 Der Beschuldigte verneinte, am 13. Mai 2017 Betäubungsmittel konsumiert zu 

haben (BA pag. 13-01-0005 Frage 38). Auch sein Alkoholkonsum erreichte ge-

mäss seinen Aussagen kein Ausmass, welches eine verminderte Schuldfähigkeit 

zu begründen vermöchte (vgl. BA pag. 13-01-0002 Frage 4: Kein Filmriss «we-

gen Alkohol oder so.»; BA pag. 13-01-0005 Frage 38: «Während dem Spiel trank 

ich zwei Becher Bier.» [vgl. auch BA pa