# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d239ab1e-0e23-5114-b7ad-e40200cc95bc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-02-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.02.2015 BVGE 2015/3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2015-3_2015-02-18.pdf

## Full Text

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

32 BVGE / ATAF / DTAF 

 

3 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i.S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

D‒5553/2013 vom 18. Februar 2015 

Begründung der Flüchtlingseigenschaft durch Wehrdienstverweige-

rung oder Desertion. Analyse der diesbezüglichen Lage in Syrien. 

Grundsatzurteil. 

Art. 3 AsylG. 

1. Die Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG hat die Rechtslage nicht 
verändert. Die bisherige Praxis in Bezug auf Personen, die ihr 

Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im 

Heimatstaat begründen, ist weiterhin gültig. Danach vermag eine 

Wehrdienstverweigerung oder Desertion für sich allein die 

Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur wenn 

damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbun-

den ist, mit anderen Worten die betroffene Person aus den in 

dieser Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverwei-

gerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die 

ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt 

(E. 4.3‒4.5 und 5). 

2. Entwicklung der Situation in Syrien seit dem Ausbruch des 
Bürgerkriegs im März 2011. Dienstverweigerung oder Desertion 

werden vom staatlichen Regime in Syrien insbesondere dann als 

Unterstützung einer gegnerischen Konfliktpartei interpretiert, 

wenn der Betroffene in der Vergangenheit bereits als Regime-

gegner aufgefallen ist. Diesfalls erscheint die Furcht vor politisch 

motivierter Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG als objektiv 

begründet. Dabei besteht auch keine innerstaatliche Fluchtal-

ternative in den kurdisch kontrollierten Regionen Nordsyriens 

(E. 6‒7). 

Qualité de réfugié motivée par le refus de servir ou la désertion. 

Analyse de la situation à cet égard en Syrie. Arrêt de principe. 

Art. 3 LAsi. 

1. L'introduction de l'art. 3 al. 3 LAsi n'a pas modifié la situation 
juridique. La pratique actuelle applicable aux cas de personnes 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 33 

 

qui ont motivé leur demande d'asile par un refus de servir ou par 

une désertion dans leur pays d'origine est toujours valable. Le 

refus de servir ou la désertion ne peut en soi fonder la qualité de 

réfugié, à moins qu'il n'en résulte une persécution au sens de 

l'art. 3 al. 1 LAsi ou, en d'autres termes, si la personne concer-

née, en vertu des motifs prévus par cette disposition, doit craind-

re en raison du refus de servir ou de la désertion, de subir un 

traitement qui s'apparente à de sérieux préjudices au sens de 

l'art. 3 al. 2 LAsi (consid. 4.3‒4.5 et 5). 

2. Evolution de la situation en Syrie depuis le début de la guerre 
civile en mars 2011. Les autorités syriennes interprètent, en par-

ticulier, le refus de servir ou la désertion comme étant l'expres-

sion d'un soutien aux opposants au régime lorsque l'intéressé a 

déjà par le passé été identifié comme tel. Dans ce cas, la crainte 

de subir une peine pour des motifs politiques au sens de l'art. 3 

LAsi semble objectivement fondée. En l'espèce, il n'existe pas non 

plus de possibilité de refuge interne dans les régions du nord de 

la Syrie, contrôlée par les Kurdes (consid. 6‒7). 

Qualità di rifugiato motivata dal rifiuto di servire o dalla diserzione. 

Analisi della situazione in Siria sotto questo profilo. Sentenza di 

principio. 

Art. 3 LAsi. 

1. L'adozione dell'art. 3 cpv. 3 LAsi non ha modificato la situazione 
giuridica. La prassi sinora seguita riguardo alle persone che 

motivano una domanda d'asilo con il rifiuto di servire o la 

diserzione nel loro paese d'origine rimane valida. Siffatti motivi 

non sono di per sé sufficienti a fondare la qualità di rifugiato, a 

meno che ne risulti una persecuzione ai sensi dell'art. 3 cpv. 1 

LAsi; in altri termini, in virtù dei motivi menzionati in questa 

disposizione, alla persona interessata deve essere riconosciuta la 

qualità di rifugiato soltanto se, in seguito alla sua renitenza o 

diserzione, deve temere un trattamento che comporta seri pre-

giudizi ai sensi dell'art. 3 cpv. 2 LAsi (consid. 4.3‒4.5 e 5). 

2. Evoluzione della situazione in Siria dallo scoppio della guerra 
civile nel marzo 2011. Il regime siriano considera, in particolare, 

la renitenza o la diserzione come sostegno agli oppositori del re-

gime se in passato l'interessato è già stato identificato come tale. 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

34 BVGE / ATAF / DTAF 

 

In tal caso il timore di subire una pena motivata politicamente ai 

sensi dell'art. 3 LAsi è oggettivamente fondato. Nella fattispecie 

non esiste nemmeno un'alternativa di rifugio interno nelle re-

gioni del nord della Siria controllate dalle milizie curde 

(consid. 6‒7). 

 

Der Beschwerdeführer ist syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie 

und stammt aus dem Distrikt al-Malikiyah (kurdisch: Dêrik) in der Pro-

vinz al-Hasakah (kurdisch: Hesiça). Am 11. März 2011 stellte er in der 

Schweiz ein Asylgesuch. 

Zur Begründung machte er geltend, obwohl er nicht politisch aktiv gewe-

sen sei, habe ihn am 10. September 2010 der staatliche Geheimdienst 

Idarat al-Amn as-Siyasi (Abteilung für politische Sicherheit) vorgeladen. 

Es sei ihm vorgehalten worden, dass er bei sich zuhause politische Sit-

zungen organisiert habe, was er aber bestritten habe. Auch sei er nach 

verschiedenen Verwandten gefragt worden, unter anderen nach einem 

Onkel, der von den Behörden im Gefängnis gefoltert und im Jahr 2004 

getötet worden sei. Weiter sei er gefragt worden, warum er noch keinen 

Militärdienst geleistet habe. Es sei von ihm verlangt worden, dass er für 

den Geheimdienst als Spitzel arbeite. Am 23. September 2010 hätten die 

Sicherheitskräfte bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei 

kurdische Bücher und Flaggen beschlagnahmt. 

Mit Verfügung vom 30. August 2013 lehnte das damalige Bundesamt für 

Migration (BFM; nunmehr Staatssekretariat für Migration [SEM]) das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers ab. Gleichzeitig ordnete es wegen 

Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme 

in der Schweiz an. Die Ablehnung des Asylgesuchs wurde im Wesent-

lichen damit begründet, die betreffenden Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers seien nicht glaubhaft. 

Mit Beschwerde vom 2. Oktober 2013 beantragte der Beschwerdeführer 

die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des 

Asyls. Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens reichte er unter anderem 

sein syrisches Militärbüchlein, eine Vorladung zur Leistung des Militär-

diensts sowie eine Bestätigung betreffend dessen Verschiebung ein. 

Im Rahmen der Vernehmlassung hob das BFM mit Verfügung vom 8. Ja-

nuar 2014 die Ziff. 4‒7 der Verfügung vom 30. August 2013 wiedererwä-

gungsweise auf, stellte fest, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig sei, 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 35 

 

und ordnete die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an. Zur Be-

gründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, der Beschwerde-

führer habe ‒ implizit durch die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens 

eingereichten syrischen Dokumente ‒ glaubhaft machen können, dass er 

sich durch seine Ausreise aus Syrien der Militärdienstpflicht entzogen 

habe. 

Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 16. Januar 2014 

wurde der Beschwerdeführer angefragt, ob er an seiner Beschwerde fest-

zuhalten gedenke. Mit Eingabe vom 29. Januar 2014 teilte der Beschwer-

deführer mit, er halte an seiner Beschwerde fest.  

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 

Aus den Erwägungen: 

4.3 Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes (AsylG, SR 
142.31) vom 28. September 2012 wurde mit Art. 3 Abs. 3 AsylG eine 

neue Norm eingefügt. Gemäss dieser Bestimmung sind keine Flüchtlinge 

Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften 

Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nach-

teilen ausgesetzt zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30). 

4.4 Im vorliegenden Fall macht der Beschwerdeführer zur Begrün-
dung seines Asylgesuchs geltend, er habe Syrien unter anderem auch 

deswegen verlassen, weil er seinen Militärdienst nicht habe leisten 

wollen, in welchen er im Zeitraum seiner Ausreise hätte einrücken müs-

sen. In diesem Zusammenhang reichte er im Rahmen des erstinstanz-

lichen wie auch im vorliegenden Verfahren als Beweismittel verschie-

dene amtliche syrische Dokumente ein. Indem der Beschwerdeführer 

somit geltend macht, er werde in seinem Heimatstaat unter anderem we-

gen Wehrdienstverweigerung verfolgt, werden seine Fluchtgründe durch 

den Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 AsylG erfasst und sind folglich auch 

unter dem Gesichtspunkt dieser Bestimmung zu prüfen. 

4.5 Im Hinblick auf Art. 3 Abs. 3 AsylG fragt sich zunächst, auf 
welche Verfahren diese neue Bestimmung anzuwenden ist, nachdem die 

Gesetzesänderung ‒ auf dem Weg der Dringlichkeit gemäss Art. 165 

Abs. 1 BV ‒ am 29. September 2012 in Kraft getreten ist. Das neue 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

36 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Recht gilt ohne Weiteres für alle seit diesem Stichtag gestellten Asyl-

gesuche. Jedoch hat der Gesetzgeber keine übergangsrechtlichen Regeln 

dazu erlassen, ob die Gesetzesänderung auch auf Verfahren Anwendung 

findet, die am 29. September 2012 beim BFM oder beim Bundesver-

waltungsgericht bereits hängig waren. Die sich damit ergebende Frage 

der intertemporalen Anwendbarkeit von Art. 3 Abs. 3 AsylG hat das 

Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2013/20 dahingehend beantwortet, 

dass auf die Rechtslage zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung abzu-

stellen ist. Art. 3 Abs. 3 AsylG ist folglich in Beschwerdeverfahren 

bezüglich Verfügungen, die das BFM vor dem Zeitpunkt des Inkraft-

tretens der Norm am 29. September 2012 erliess, nicht anzuwenden. 

Hingegen findet Art. 3 Abs. 3 AsylG in jenen Fällen Anwendung, die ‒ 

ungeachtet des Zeitpunkts der Asylgesuchstellung ‒ seit dem 29. Sep-

tember 2012 vom BFM oder vom SEM entschieden wurden beziehungs-

weise werden. Daraus ergibt sich im Übrigen, dass das BFM beziehungs-

weise das SEM in seinen seit dem 29. September 2012 ergangenen 

Verfügungen das neue Recht anzuwenden hat (BVGE 2013/20 E. 3.2.7). 

Im vorliegenden Fall wurde das vom Beschwerdeführer am 11. März 

2011 eingereichte Asylgesuch durch das BFM mit Verfügung vom 

30. August 2013 entschieden, womit Art. 3 Abs. 3 AsylG anzuwenden 

ist. 

5. Nachdem die Anwendbarkeit von Art. 3 Abs. 3 AsylG gegeben 
ist, stellt sich die Frage nach dem rechtlichen Sinngehalt dieser Norm. 

5.1  
5.1.1 Art. 3 Abs. 3 AsylG lautet folgendermassen: 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung 

oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Vorbe-

halten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge. 

Ne sont pas des réfugiés les personnes qui, au motif qu'elles ont re-

fusé de servir ou déserté, sont exposées à de sérieux préjudices ou 

craignent à juste titre de l'être. Les dispositions de la Convention du 

28 juillet 1951 relative au statut des réfugiés sont réservées. 

Non sono rifugiati le persone che sono esposte a seri pregiudizi o 

hanno fondato timore di esservi esposte per aver rifiutato di prestare 

servizio militare o per aver disertato. È fatto salvo il rispetto della 

Convenzione del 28 luglio 1951 sullo statuto dei rifugiati. 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 37 

 

5.1.2 Mit Blick auf den Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 AsylG in allen drei 
Amtssprachen ergibt sich eine unklare Bedeutung der neuen Bestim-

mung. So liesse sich aus Satz 1 einerseits eine normative Übereinstim-

mung mit der bisher bereits geltenden Rechtspraxis ableiten, wonach 

ernsthafte Nachteile aufgrund einer Wehrdienstverweigerung oder Deser-

tion nur dann die Flüchtlingseigenschaft begründen, wenn damit eine 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. zur bis-

herigen Praxis im Einzelnen anschliessend E. 5.7.1). Diesfalls würde sich 

die Frage stellen, worin überhaupt die Novität von Art. 3 Abs. 3 AsylG 

‒ der auf dem Dringlichkeitsweg gemäss Art. 165 Abs. 1 BV legiferiert 

wurde ‒ zu sehen ist. Ebenso würde unter dieser Annahme der Vorbehalt 

der FK keinen Sinn machen, entspricht doch die erwähnte Praxis der 

unbestrittenen Auslegung des Flüchtlingsbegriffs gemäss FK. 

Andererseits erscheint aufgrund des Wortlauts von Satz 1 auch ein Ver-

ständnis der Norm denkbar, wonach Personen, die geltend machen, sie 

seien in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat Verfolgungsmassnahmen 

ausgesetzt oder von solchen bedroht, weil sie den Wehrdienst verweigert 

hätten oder desertiert seien, die Flüchtlingseigenschaft grundsätzlich 

nicht zu erfüllen vermögen. Sollte der Sinn der Bestimmung dahin ge-

hen, dass Personen, die als Folge einer Wehrdienstverweigerung oder De-

sertion ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG aus-

gesetzt sind oder solche Nachteile befürchten, generell ‒ unbesehen 

allfälliger weiterer Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 

AsylG ‒ von der Flüchtlingseigenschaft auszuschliessen sind, so könnte 

sich ein Normkonflikt mit Art. 1 FK ergeben, welcher die völkerrechtlich 

für die Schweiz gültige Definition des Flüchtlingsbegriffs vorgibt. Dem 

steht gegenüber, dass durch Art. 3 Abs. 3 Satz 2 AsylG die Einhaltung 

der FK ausdrücklich vorbehalten wird. Sollte der Vorbehalt bezüglich der 

Einhaltung der FK dahingehend zu verstehen sein, dass damit sicherge-

stellt werden soll, dass auch Personen, die sich auf ernsthafte Nachteile 

im Zusammenhang mit Wehrdienstverweigerung oder Desertion berufen, 

unter bestimmten Voraussetzungen als Flüchtlinge anerkannt werden 

können, so bliebe die Frage, worin die gesetzgeberische Neuerung mit-

tels Art. 3 Abs. 3 AsylG bestehen soll. 

5.2 Gemäss der geltenden höchstrichterlichen Auslegungsmethodik 
‒ welcher sich das Bundesverwaltungsgericht anschliesst (vgl. BVGE 

2009/8 E. 7.1; 2012/2 E. 3.1) ‒ muss ein Gesetz in erster Linie aus sich 

selbst heraus, das heisst nach Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zu-

grunde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen Ver-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

38 BVGE / ATAF / DTAF 

 

ständnismethode, ausgelegt werden. Auszurichten ist die Auslegung auf 

die ratio legis, die zu ermitteln dem Gericht allerdings nicht nach seinen 

eigenen, subjektiven Wertvorstellungen, sondern nach den Vorgaben des 

Gesetzgebers aufgegeben ist. Die Auslegung des Gesetzes hat zwar nicht 

entscheidend historisch zu erfolgen, ist im Grundsatz aber dennoch auf 

die Regelungsabsicht des Gesetzgebers und die damit erkennbar getrof-

fenen Wertentscheidungen auszurichten, da sich die Zweckbezogenheit 

des rechtsstaatlichen Normenverständnisses nicht aus sich selbst begrün-

den lässt, sondern aus den Absichten des Gesetzgebers abzuleiten ist, die 

es mit Hilfe der herkömmlichen Auslegungselemente zu ermitteln gilt. 

Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass 

nicht schon der Wortlaut die Rechtsnorm darstellt, sondern erst das an 

Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die 

sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf 

ein befriedigendes Ergebnis aus der ratio legis. Dabei befolgt das Bun-

desgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es na-

mentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer hierarchischen Pri-

oritätenordnung zu unterstellen (dazu BGE 131 III 33 E. 2; 131 III 314 

E. 2.2; 130 II 202 E. 5.1; 119 II 183 E. 4b/aa; BVGE 2007/7 E. 4.1; 

2007/24 E. 2.3; 2008/9 E. 6; 2013/50 E. 5.2.2; vgl. auch HÄFELIN/ 

MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, 

S. 46; MOOR/FLÜCKIGER/MARTENET, Droit administratif, Bd. I, 3. Aufl. 

2012, S. 131 ff.; THIERRY TANQUEREL, Manuel de droit administratif, 

2011, S. 139 ff.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwal-

tungsrecht, 3. Aufl. 2009, S. 197). 

5.3 Nachdem sich der materielle Gehalt von Art. 3 Abs. 3 AsylG 
aufgrund des Wortlauts (d.h. mittels einer grammatikalischen Auslegung) 

nicht eindeutig erschliessen lässt, ist auf weitere Auslegungsmethoden 

zurückzugreifen, wobei sich in einem ersten Schritt die Frage nach der 

Regelungsabsicht des Gesetzgebers (historische Auslegung) stellt (zur 

Reihenfolge in der Anwendung der Auslegungsmethoden etwa MOOR/ 

FLÜCKIGER/MARTENET, a.a.O., S. 131 f.; vgl. auch HÄFELIN/HALLER/ 

KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl. 2012, S. 31 ff.). 

Angesichts des geringen Alters der auszulegenden Norm ist dabei von 

der Übereinstimmung der historischen mit der geltungszeitlichen (auch: 

zeitgemässen) Auslegung ‒ welche auf das Normverständnis und die 

Verhältnisse zur Zeit der Rechtsanwendung abstellt ‒ auszugehen. 

5.4 Ein Überblick über die inhaltliche Entwicklung von Art. 3 
Abs. 3 AsylG im Gesetzgebungsprozess ergibt folgendes Bild. 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 39 

 

Gemäss dem Entwurf des Bundesrats in der betreffenden Botschaft vom 

26. Mai 2010 zur Änderung des Asylgesetzes (BBl 2010 4455) lautete 

Art. 3 Abs. 3 AsylG folgendermassen:  

Keine Flüchtlinge sind Personen, die einzig wegen Wehrdienstver-

weigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. 

Ne sont pas des réfugiés les personnes qui sont exposées à de sérieux 

préjudices ou qui craignent à juste titre de l'être au seul motif qu'elles 

ont refusé de servir ou déserté. 

Non sono rifugiati le persone che sono esposte a seri pregiudizi o 

hanno fondato timore di essere esposte a tali pregiudizi unicamente 

per aver rifiutato di prestare servizio militare o per aver disertato. 

Im Verlauf der Beratungen der asylgesetzlichen Revisionsprojekte im 

Parlament wurde der Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 AsylG gegenüber dem 

bundesrätlichen Entwurf zunächst ‒ zurückgehend auf einen Antrag der 

Staatspolitischen Kommission des Nationalrats als Zweitrat ‒ folgender-

massen geändert: 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung 

oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. 

Ne sont pas des réfugiés les personnes qui sont exposées à de sérieux 

préjudices ou qui craignent à juste titre de l'être au motif qu'elles ont 

refusé de servir ou déserté. 

Non sono rifugiati le persone che sono esposte a seri pregiudizi o 

hanno fondato timore di essere esposte a tali pregiudizi per aver 

rifiutato di prestare servizio militare o per aver disertato. 

Gestützt auf einen im Rahmen der Differenzbereinigung eingebrachten 

Antrag der Staatspolitischen Kommission des Ständerats wurde der 

Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 AsylG schliesslich in folgende endgültige Fas-

sung gebracht: 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung 

oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Vorbe-

halten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge. 

Ne sont pas des réfugiés les personnes qui, au motif qu'elles ont 

refusé de servir ou déserté, sont exposées à de sérieux préjudices ou 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

40 BVGE / ATAF / DTAF 

 

craignent à juste titre de l'être. Les dispositions de la Convention du 

28 juillet 1951 relative au statut des réfugiés sont réservées. 

Non sono rifugiati le persone che sono esposte a seri pregiudizi o 

hanno fondato timore di esservi esposte per aver rifiutato di prestare 

servizio militare o per aver disertato. È fatto salvo il rispetto della 

Convenzione del 28 luglio 1951 sullo statuto dei rifugiati. 

Mithin wurde der Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 AsylG gegenüber dem Ent-

wurf des Bundesrats einerseits durch die Streichung des Worts « einzig », 

andererseits durch die Hinzufügung eines Vorbehalts in Bezug auf die FK 

abgeändert. 

5.5 Mit Blick auf die relevanten Materialien ist zunächst auf die 
betreffende Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes (BBl 2010 4455) 

einzugehen. Hier wurde zur gesetzgeberischen Zielsetzung und zur in-

haltlichen Tragweite der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG (gemäss 

damaliger Fassung: « […] Personen, die einzig wegen Wehrdienstver-

weigerung oder Desertion […] ») Folgendes ausgeführt. 

Unter dem Titel « Grundzüge der Vorlage » legte der Bundesrat dar, im 

Jahr 2006 habe das Bundesverwaltungsgericht (recte: die vormalige 

Schweizerische Asylrekurskommission [ARK]) ein Grundsatzurteil (Ent-

scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-

sion [EMARK] 2006 Nr. 3) gefällt, wonach die Bestrafung von Dienst-

verweigerung und Desertion in Eritrea unverhältnismässig streng und 

deshalb als politisch motiviert einzustufen sei. Die betroffenen Personen 

seien deshalb in der Schweiz als Flüchtlinge anzuerkennen. Nach der 

Veröffentlichung dieses Grundsatzurteils hätten Asylgesuche eritreischer 

Staatsangehöriger deutlich zugenommen, und Eritrea sei im Jahr 2009 

das zweitwichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden in der Schweiz 

gewesen. Mit Art. 3 Abs. 3 AsylG werde vorgeschlagen, dass Personen, 

die einzig wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften 

Nachteilen ausgesetzt seien oder begründete Furcht hätten, solchen 

Nachteilen ausgesetzt zu werden, in der Schweiz nicht als Flüchtlinge 

anerkannt würden und kein Asyl erhielten. Erweise sich jedoch nach 

Ablehnung des Asylgesuchs der Vollzug der Wegweisung als unzulässig 

(etwa, weil im Herkunftsland eine unmenschliche Behandlung drohe), 

werde eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz angeordnet. Lägen hin-

gegen asylrelevante Gründe vor, werde eine betroffene Person als Flücht-

ling anerkannt, und es werde ihr in der Schweiz Asyl gewährt. Mit der 

vorgeschlagenen Änderung sei gewährleistet, dass die Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts auch in Zukunft Beachtung finde. Die 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 41 

 

langjährigen Erfahrungen des BFM würden aber zeigen, dass Wehr-

dienstverweigerung und Desertion immer wieder als Asylgrund geltend 

gemacht würden, selbst wenn keine asylrelevante Verfolgung vorliege. 

Daher solle auf Gesetzesstufe klar festgehalten werden, dass bei Wehr-

dienstverweigerung und Desertion zusätzlich asylrelevante Gründe nötig 

seien, um in der Schweiz den Flüchtlingsstatus zu erhalten (BBl 2010 

4455, 4467). 

Im Zusammenhang mit den Ergebnissen des Vernehmlassungsverfahrens 

wurde ausgeführt, Wehrdienstverweigerer und Deserteure, deren Vorbrin-

gen asylrelevant seien, sollten in der Schweiz weiterhin als Flüchtlinge 

anerkannt werden. Der Ausschluss von Wehrdienstverweigerern und De-

serteuren aus der Flüchtlingseigenschaft auch bei Vorliegen asylrelevan-

ter Vorbringen ‒ wie im Vernehmlassungsverfahren vorgeschlagen wor-

den sei ‒ würde die FK verletzen und wäre völkerrechtswidrig (BBl 2010 

4455, 4471). 

Bei den Erläuterungen zu den einzelnen Artikeln wurde weiter aus-

geführt, bei der Leistung von Militärdienst handle es sich in der Regel 

um eine staatsbürgerliche Pflicht. Komme eine Person dieser Verpflich-

tung nicht nach, so habe der Staat grundsätzlich das Recht, dieses Ver-

halten strafrechtlich zu sanktionieren. Gemäss der bisherigen Praxis des 

BFM und des Bundesverwaltungsgerichts sei eine solche strafrechtliche 

Sanktion für sich alleine nicht asylrelevant. Diene eine Wehrdienstver-

weigerung oder Desertion hingegen als Anlass dazu, eine Person wegen 

ihrer Rasse, Religion oder Staatszugehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung 

unverhältnismässig streng zu bestrafen, werde ihr nach Art. 3 Abs. 1 

AsylG in der Schweiz weiterhin Asyl gewährt. Sie sei gestützt auf das 

AsylG und die FK als Flüchtling anzuerkennen. Mit dem vorgeschla-

genen Art. 3 Abs. 3 AsylG sei gewährleistet, dass die Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts auch in Zukunft Beachtung finde. Auf Ge-

setzesstufe solle jedoch klar festgehalten werden, dass bei Wehrdienst-

verweigerung und Desertion zusätzlich asylrelevante Gründe nötig seien, 

um in der Schweiz den Flüchtlingsstatus zu erhalten. Dies entspreche der 

bisherigen Praxis des BFM und des Bundesverwaltungsgerichts. Der vor-

geschlagene Art. 3 Abs. 3 AsylG schränke den Anwendungsbereich des 

Flüchtlingsbegriffs, wie er in der FK und in Art. 3 AsylG verankert sei, 

nicht ein. Diese Bestimmung sei nicht anwendbar, wenn eine asylsuchen-

de Person aus den in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründen (Rasse, Re-

ligion, Nationalität, bestimmte soziale Gruppe oder politische Anschau-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

42 BVGE / ATAF / DTAF 

 

ung) wegen einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion unverhältnis-

mässig streng bestraft werde oder begründete Furcht habe, unverhältnis-

mässig bestraft zu werden. Umfasse der verweigerte Militärdienst verbo-

tene Handlungen wie zum Beispiel Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen 

die Menschlichkeit oder schwere nicht politische Verbrechen, liege wie 

bis anhin in der Regel eine politische Verfolgung vor, und die Betroffe-

nen erhielten Asyl. Auch das verfassungs- und völkerrechtlich garantierte 

Non-Refoulement-Gebot (Art. 5 AsylG; Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 33 FK; 

Art. 3 EMRK) werde durch die vorgeschlagene Bestimmung nicht tan-

giert. Werde ein Wehrdienstverweigerer oder Deserteur nicht als Flücht-

ling anerkannt, dürfe diese Person nicht in ihr Herkunftsland rückgeführt 

werden, wenn ihr dort eine nach Verfassung und Völkerrecht verbotene 

Behandlung oder Bestrafung drohe. In diesem Fall werde sie gestützt auf 

Art. 83 des Ausländergesetzes (AuG, SR 142.20) vorläufig aufgenom-

men (BBl 2010 4455, 4485 f.). 

Unter dem Aspekt der Kompatibilität der schweizerischen Gesetzgebung 

mit dem Recht der Europäischen Union führte der Bundesrat in der Bot-

schaft schliesslich aus, als Verfolgung im Sinne von Art. 9 Abs. 1 der 

Qualifikationsrichtlinie (Richtlinie 2004/83/EG des Rates vom 29. April 

2004 über Mindestnormen für die Anerkennung und den Status von 

Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder als Per-

sonen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen, und über den 

Inhalt des zu gewährenden Schutzes) gelte eine Strafverfolgung oder Be-

strafung wegen Militärdienstverweigerung in einem Konflikt, wenn der 

Militärdienst schwerwiegende Verbrechen (Verbrechen gegen die 

Menschlichkeit oder gegen den Frieden, Kriegsverbrechen) umfassen 

würde (Art. 9 Abs. 2 Bst. e i.V.m. Art. 12 Abs. 2 Bst. a Qualifikations-

richtlinie). Auch eine unverhältnismässige oder diskriminierende Straf-

verfolgung oder Bestrafung solle gemäss dieser Richtlinie als Verfolgung 

im Sinne der FK gelten (Art. 9 Abs. 2 Bst. c Qualifikationsrichtlinie). Die 

vorgeschlagene Änderung in Art. 3 Abs. 3 AsylG sei damit vereinbar 

(BBl 2010 4455, 4526). 

5.6 Bei der parlamentarischen Beratung der dringlichen Änderungen 
des AsylG vom 28. September 2012 wurden in Bezug auf die Einführung 

von Art. 3 Abs. 3 AsylG die folgenden Standpunkte vertreten. 

5.6.1 Die Stellungnahmen zugunsten der Einführung von Art. 3 Abs. 3 
AsylG fielen im Wesentlichen folgendermassen aus: Im Jahr 2006 habe 

das Bundesverwaltungsgericht (recte: die vormalige ARK) ein Grund-

satzurteil veröffentlicht, wonach die Bestrafung von Dienstverweigerung 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 43 

 

und Desertion in Eritrea unverhältnismässig streng sei und deshalb als 

politisch motiviert einzustufen sei; die betroffenen Personen seien des-

halb in der Schweiz als Flüchtlinge anzuerkennen. Als Konsequenz 

dieses Urteils habe seither die Zahl der Asylgesuche von eritreischen 

Staatsangehörigen deutlich zugenommen. Dies habe die zuständige 

Staatspolitische Kommission des Ständerats dazu bewogen, die genannte 

Bestimmung ganz klar anzunehmen. Mit Art. 3 Abs. 3 AsylG werde be-

antragt, dass Personen, die einzig wegen Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt seien oder begründete Furcht 

hätten, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, in der Schweiz nicht als 

Flüchtlinge anerkannt würden und kein Asyl erhielten. Erweise sich 

jedoch nach Ablehnung des Asylgesuchs der Vollzug der Wegweisung 

als unzulässig, weil zum Beispiel im Herkunftsland eine unmenschliche 

Behandlung drohe, so werde eine vorläufige Aufnahme angeordnet. Die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts solle auch mit der vor-

geschlagenen Änderung Beachtung finden. Dies bedeute, dass Wehr-

dienstverweigerer und Deserteure, die eine asylrelevante Verfolgung 

glaubhaft machen würden, weiterhin als Flüchtlinge anerkannt würden 

und in der Schweiz Asyl erhielten. Dies werde auch von der Flüchtlings-

konvention verlangt. Wehrdienstverweigerung und Desertion würden in 

der Praxis aber oft als Asylgrund geltend gemacht, selbst wenn keine 

asylrelevanten Gründe vorlägen (SR Christine Egerszegi-Obrist, für die 

Staatspolitische Kommission des Ständerats, AB 2011 S 1121; diese 

Stellungnahme bezog sich auf die Fassung von Art. 3 Abs. 3 AsylG 

gemäss bundesrätlicher Botschaft, die das Wort « einzig » enthielt). In 

der Schweiz sei es bis 2006 immer so gewesen, dass Dienstverweigerung 

und Desertion nicht als automatische Anerkennung für Flüchtlinge ge-

golten hätten. Das heisse nicht, dass Leute, die bedroht seien, zum Bei-

spiel Dienstverweigerer aus Eritrea oder Deserteure aus Eritrea im 

Kriegsfall, für den Moment nicht hierbleiben könnten; sie sollten aber 

nicht automatisch als Flüchtlinge anerkannt werden. Dienstverweigerung 

und Desertion dürften nicht automatisch Grund für die Anerkennung als 

Flüchtling sein. Man habe diese Selbstverständlichkeit jetzt ins Gesetz zu 

schreiben, weil ein anderer Entscheid getroffen worden sei (NR 

Christoph Blocher, AB 2012 N 1091; diese und die nachfolgenden Stel-

lungnahmen bezogen sich auf die Fassung von Art. 3 Abs. 3 AsylG nach 

der Streichung des Worts « einzig » auf Antrag der Staatspolitischen 

Kommission des Nationalrats). Der Antrag, Dienstverweigerung solle 

kein Asylgrund mehr sein, sei zu unterstützen. Zwar lasse sich damit das 

Problem Eritrea nicht lösen. Aber dank dem Entscheid des Bundesver-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

44 BVGE / ATAF / DTAF 

 

waltungsgerichts (recte: der vormaligen ARK) sei die Schweiz nun fast 

das einzige Land auf der Welt, das diesen Asylgrund anerkenne, und das 

könne eine Magnetwirkung auf andere Länder haben. Es werde immer 

wieder Länder geben, wo Kriege stattfänden, heute beispielsweise Sy-

rien, und das wolle man nicht. Trotzdem würden solche Menschen wei-

terhin Aufnahme finden, allerdings nicht unter dem Titel « Asylrecht » 

(NR Martin Bäumle, AB 2012 N 1092). Es sei unbestritten, dass das 

Bundesgerichtsurteil (recte: Urteil der vormaligen ARK) betreffend 

Wehrdienstverweigerung beziehungsweise Desertion eine Sogwirkung 

zur Folge gehabt habe, was die Gesuche aus Eritrea betreffe. Der Bun-

desrat schlage jetzt vor, Wehrdienstverweigerung und Desertion nicht 

mehr als einzige Fluchtgründe zuzulassen. Der Vorschlag des Bundes-

rates sei richtig. Wichtig sei auch der Hinweis ‒ wie von Bundesrätin 

Simonetta Sommaruga betont ‒, dass bei diesem Entscheid die Normen 

der Flüchtlingskonvention gälten (NR Gerhard Pfister, AB 2012 N 

1092). Die Einschränkung des Flüchtlingsbegriffs sei zu unterstützen, 

wobei zu präzisieren sei, dass die Änderungen zweifellos nicht derart 

wichtig seien, wie es auf den ersten Blick erscheine. Soweit es sich um 

jene Personen handle, die den Dienst verweigert oder desertiert hätten, 

laufe es selbstverständlich auf eine vorläufige Aufnahme hinaus (« D'une 

part, il s'agit de ceux qui ont refusé de servir ou qui ont déserté. Le pen-

dant, bien sûr, c'est l'admission provisoire. ») Falls die Desertion Aus-

druck eines anderen Asylgrunds sei, kämen die üblichen Kriterien zum 

Tragen. (« Dans l'hypothèse où la désertion est l'expression d'un autre 

motif d'asile, on se retrouve dans les critères habituels. ») Diese Ein-

schränkungen seien daher angemessen und ihre Wirkung hauptsächlich 

abschreckend (« dissuasif ») (NR Alain Ribaux, AB 2012 N 1093). Die 

Mehrheit der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats habe die 

Version des Bundesrats, die auch durch den Ständerat unterstützt worden 

sei, in Bezug auf den Gehalt von Art. 3 Abs. 3 AsylG unterstützt. Jedoch 

sei zum Gehalt dieses Absatzes eine Änderung angebracht worden, in-

dem der Begriff « einzig » gestrichen worden sei. Eine Minderheit der 

Kommission verlange die Streichung dieses Absatzes. Dass der Begriff 

« einzig » gestrichen werden solle, hätte gemäss der Minderheit zur Fol-

ge, dass andere vorgebrachte Gründe nicht berücksichtigt werden könn-

ten. Für die Mehrheit der Kommission sei es in der Tat nicht zulässig, 

Personen als Flüchtlinge zu anerkennen, die absichtlich ihre Dienstpflicht 

verweigert oder aus freiem Willen desertiert hätten. Es handle sich dabei 

um Wehrdienstverweigerer oder Personen, die dies als Vorwand für ein 

Asylgesuch verwenden würden. Gemäss der Auslegung von Bundesrätin 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 45 

 

Sommaruga werde die Problematik der Eritreer durch diese Bestimmung 

nicht berührt, da das Recht, in der Schweiz Zuflucht zu finden, von ande-

ren Regeln abhänge. Tatsächlich sei es nicht das AsylG, das die betref-

fende Frage regle, sondern Bestimmungen des humanitären Rechts, denn 

ein Deserteur werde in Eritrea als Landesverräter behandelt und könne in 

Lebensgefahr geraten. Beim Vorschlag der Kommissionsmehrheit gehe 

es darum, die Geltendmachung der Desertion nicht zu ermutigen, die es 

zulasse, dass einer Person ein Flüchtlingsstatus zuerkannt werde, die sich 

absichtlich den Regeln ihres Herkunftsstaats entzogen habe (NR André 

Bugnon, für die Staatspolitische Kommission des Nationalrats, AB 2012 

N 1095). Die Staatspolitische Kommission des Ständerats halte daran 

fest, dass keine Flüchtlinge Personen seien, die wegen Wehrdienstver-

weigerung oder Desertion verfolgt würden. Die Kommission sei sich 

vollkommen bewusst, dass auch noch andere Gründe dazu führen könn-

ten. Man habe sich hier dem Nationalrat angeschlossen, jedoch mit dem 

Zusatz: « Vorbehalten bleibt die Einhaltung der Flüchtlingskonvention. » 

Das stelle sicher, dass die Flüchtlingseigenschaft ebenfalls anerkannt 

werde, wenn andere Fluchtgründe vorhanden seien. Dieser Absatz richte 

sich vor allem gegen Gesuche aus Eritrea. Dies sei bereits heute beste-

hende Praxis des BFM und des Bundesverwaltungsgerichts. Es ändere 

nicht viel an der Tatsache, dass Personen, die nur wegen Wehrdienstver-

weigerung oder aus Desertionsgründen flüchteten, nicht als Flüchtlinge 

anerkannt würden (SR Egerszegi-Obrist, für die Staatspolitische Kom-

mission des Ständerats, AB 2012 S 686 f.). 

5.6.2 Gegen die Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG wurden im We-
sentlichen folgende Stellungnahmen abgegeben: Art. 3 Abs. 3 AsylG 

ziele in erster Linie darauf hin, die Zahl der Gesuche eritreischer Deser-

teure zu verringern. Allerdings hätten eritreische Deserteure die Flücht-

lingseigenschaft niemals einzig aufgrund ihrer Desertion erhalten. Die 

geltende Rechtsprechung habe niemals verlangt, dass allen Deserteuren 

das Asyl zu gewähren sei. Tatsächlich würden die blosse Dienstverwei-

gerung oder die Desertion keine Elemente bilden, die ein Recht auf Asyl 

begründen würden. Vielmehr gebe es Isolation, Folter sowie Vergewalti-

gung und sexuelle Gewalt, die auch Frauen beträfen. Derartige Verfol-

gung nicht zu anerkennen, käme einer teilweisen Verletzung des Flücht-

lingsbegriffs gemäss der FK gleich (SR Claude Hêche, AB 2011 S 1121; 

bezogen auf die Fassung von Art. 3 Abs. 3 AsylG gemäss bundesrät-

licher Botschaft, unter Einschluss des Worts « einzig »). Der vorgeschla-

gene Ausschluss von Wehrdienstverweigerern und Deserteuren von der 

Flüchtlingseigenschaft stelle eine Abweichung vom Flüchtlingsbegriff 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

46 BVGE / ATAF / DTAF 

 

der FK dar, was im internationalen Kontext ein Alleingang wäre. Zudem 

habe Bundesrätin Sommaruga in der Kommission ausgeführt: « Was 

auch immer Sie mit diesem Absatz machen, es ändert nichts an der Situa-

tion. Das ist Politik im Symbolbereich. Sie können den Absatz annehmen 

oder ablehnen, aber es geht um Personen aus Ländern, in denen Leute 

wegen Desertion gefoltert und eingesperrt werden, und diese Leute wer-

den weiterhin nicht zurückgeschickt werden. Ihr Gesuch gilt als politisch 

motiviert, und sie erhalten auch Asyl, wenn Sie diesen Absatz gemäss 

Bundesrat annehmen. » Angesichts dessen bringe es nichts, eine Bestim-

mung anzunehmen, die offensichtlich praktisch keine Auswirkungen 

habe (SR Urs Schwaller, AB 2011 S 1122; bezogen auf die Fassung von 

Art. 3 Abs. 3 AsylG gemäss bundesrätlicher Botschaft, unter Einschluss 

des Worts « einzig »). Wer in Eritrea den Militärdienst verweigere, sei an 

Leib und Leben bedroht, und es handle sich also um einen echten Flücht-

ling (NR Silvia Schenker, AB 2012 N 1088; diese und die nachfolgenden 

Stellungnahmen bezogen sich auf die Fassung von Art. 3 Abs. 3 AsylG 

nach der Streichung des Worts « einzig »). In Eritrea würden Deserteure 

durch die Behörden, von denen sie politischen Oppositionellen gleichge-

setzt würden, schwer unterdrückt. Jene, die den Dienst verweigern 

würden, seien Folter und weiteren brutalen Sanktionen ausgesetzt, was in 

zahlreichen Fällen auch zum Tod führe (NR Christian van Singer, AB 

2012 N 1091). Der Bundesrat habe mit seinem Vorschlag die heutige 

ohnehin schon sehr restriktive Praxis sozusagen verdeutlicht und ver-

deutscht. Man könne weder heute noch mit der bundesrätlichen Fassung 

Asyl bekommen, wenn man nur als Dienstverweigerer Asyl beantrage. 

Man müsse zusätzlich zur Wehrdienstverweigerung einen der Gründe 

gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG oder gemäss der FK ‒ die Bedrohung aus 

ethnischen, nationalen, religiösen oder politischen Gründen oder die Zu-

gehörigkeit zu einer sozialen Gruppe ‒ anführen. Sollte das Wort 

« einzig », mit dem eine solche doppelte Betroffenheit berücksichtigt 

werde, gestrichen werden, so sei dies nicht statthaft und entspreche nicht 

der FK: Jemand, der Wehrdienstverweigerer sei, habe dann nicht mehr 

das Recht, um Asyl zu ersuchen, und er könne keinen Flüchtlingsstatus 

mehr erhalten. Eine solche Bestimmung sei völkerrechtswidrig (NR 

Andreas Gross, AB 2012 N 1093). Das Bundesamt für Justiz habe in 

einem Rechtsgutachten geschrieben: « L'adaptation de l'art. 3 al. 3 LAsi 

vise les personnes venant d'Erythrée. La pratique de l'ODM et la juris-

prudence du Tribunal administratif fédéral excluent déjà que l'on recon-

naisse une sanction pénale encourue pour refus de servir, à elle seule, 

comme motif d'asile. Si une personne se voit infliger, ou risque de se voir 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 47 

 

infliger, pour avoir refusé de servir ou avoir déserté, une peine excessive-

ment sévère en raison de sa race, de sa religion, de sa nationalité, de son 

appartenance à un groupe social ou de ses convictions politiques, l'asile 

lui sera toujours accordé en Suisse après l'entrée en vigueur du nouvel 

art. 3 al. 3. Vu la situation politique actuelle en Erythrée, les requérants 

d'asile de ce pays obtiennent souvent le statut de réfugié. L'art. 3 al. 3 

précisera donc la pratique actuelle. » (SR Raphaël Comte, AB 2012 S 

687). Mit dem eingefügten Passus, wonach die Einhaltung der FK ge-

geben sein müsse, sei eigentlich klar ‒ wie dem Ständerat auch immer 

wieder bestätigt worden sei ‒, dass sich in der Praxis nicht viel ändern 

werde (SR Pascale Bruderer Wyss, AB 2012 S 687). 

5.6.3 Die zuständige Bundesrätin Sommaruga äusserte sich im Rah-
men der Debatten in den beiden Parlamentskammern im Wesentlichen 

folgendermassen: Der Bundesrat habe im Rahmen der aktuellen Revision 

des AsylG beschlossen, ein Zeichen zu setzen, um darauf hinzuweisen, 

dass einzig Desertion als Asylgrund nicht ausreiche. Es müssten asylrele-

vante Gründe genannt werden. Aber asylrelevant sei es natürlich auch, 

wenn man, falls man zurückgeschickt würde, zum Beispiel damit rech-

nen müsste, wegen Desertion gefoltert zu werden. Das sei dann ein asyl-

relevanter Grund, denn er gelte als politisch motiviert. Es werde an der 

Ausgangslage nichts ändern, wenn Art. 3 Abs. 3 AsylG in der vorliegen-

den Fassung angenommen werde (AB 2011 S 1122). Die Situation in 

Eritrea sei folgende: Wer hier zurzeit den Dienst verweigere oder deser-

tiere, müsse damit rechnen, dass er nicht wie in der Schweiz in Verlet-

zung einer Bürgerpflicht eine gewisse Zeit ins Gefängnis komme, son-

dern als Staatsfeind gelte und auch behandelt werde. Das heisse, dass er 

unverhältnismässig eingesperrt werde, mit Folter bedroht werde oder 

Folter in Kauf nehmen müsse. Eritreische Staatsangehörige würden auch 

in Zukunft in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt, und zwar nicht, weil 

sie Dienstverweigerer seien, sondern weil sie in ihrem Land als Staats-

feinde behandelt würden, wenn sie den Dienst verweigerten. Es sei auch 

die Grundlage der FK, dass die Schweiz diesen Menschen, die wegen 

ihres Verhaltens als Staatsfeinde gälten und politisch verfolgt würden, 

Schutz gebe. Wenn Art. 3 Abs. 3 AsylG im Sinne der Staatspolitischen 

Kommission des Nationalrats behandelt werde, so würden spezifisch die 

eritreischen Staatsangehörigen, die in die Schweiz kämen, weil sie in 

ihrem Land als Staatsfeinde betrachtet und behandelt würden, auch wei-

terhin den Schutz der Schweiz bekommen, weil die FK von der Schweiz 

weiterhin beachtet werde. Der Antrag der Mehrheit der Staatspolitischen 

Kommission des Nationalrats, das Wort « einzig » zu streichen, werde an 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

48 BVGE / ATAF / DTAF 

 

dieser Praxis nichts ändern. Der Bundesrat empfehle dem Nationalrat, 

den Antrag der Mehrheit seiner Kommission anzunehmen, da aus den 

Materialien klar hervorgehe, dass Art. 3 Abs. 3 AsylG nicht anwendbar 

sei, wenn die betroffene Person aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationa-

lität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen 

ihrer politischen Ansichten aufgrund einer Dienstverweigerung oder De-

sertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei oder befürchten müsse, 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu sein (AB 2012 N 1094). Wenn die 

betreffende Person, die beispielsweise aus Eritrea komme, als Staatsfeind 

erachtet werde und somit politisch verfolgt werde, werde sie in der 

Schweiz als Flüchtling anerkannt (auf die Frage von NR Jacques 

Neirynck, ob ein Dienstverweigerer aus einem Rechtsstaat, in dem weder 

Bürgerkrieg herrsche noch Kriegsverbrechen bekannt seien, gemäss der 

von Bundesrätin Sommaruga vertretenen Auslegung von Art. 3 Abs. 3 

AsylG nicht einzig deswegen als Asylsuchender [sic] anerkannt werde, 

dass er Dienstverweigerer sei und mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen 

habe; AB 2012 N 1094). Auch mit der Formulierung von Art. 3 Abs. 3 

AsylG, in welcher das Wort « einzig » gestrichen sei, werde ein Deser-

teur, der eine unverhältnismässige Strafe riskiere, weil er als Staatsfeind 

betrachtet werde, künftig weiterhin in der Schweiz als Flüchtling aner-

kannt werden und Asyl erhalten (auf die Frage von NR van Singer, ob 

nach der Streichung des Worts « einzig » Deserteure, die unverhältnis-

mässigen Strafdrohungen ausgesetzt seien und als Oppositionelle be-

trachtet würden, gleichwohl ihren Flüchtlingsstatus behalten würden; AB 

2012 N 1095). Wehrdienstverweigerer seien bisher nicht als Flüchtlinge 

anerkannt worden, weil sie wegen Wehrdienstverweigerung in ihrem 

Land wie in der Schweiz bestraft würden, also mit strafrechtlichen Sank-

tionen rechnen müssten, sondern weil sie, wenn sie den Dienst verwei-

gerten, an Leib und Leben bedroht und gefoltert würden. Das sei der 

Inhalt der FK und nicht eine Schweizer Spezialität. Aber allein die 

Wehrdienstverweigerung, die in einem Rechtsstaat wie der Schweiz oder 

in anderen Staaten zu einer strafrechtlichen Sanktion führe, sei kein 

Grund, um in der Schweiz als Flüchtling anerkannt zu werden. Dies sei 

gängige Praxis des Bundesverwaltungsgerichts wie auch des BFM (auf 

die Feststellung von SR Peter Föhn, man habe in der Vergangenheit 

Wehrdienstverweigerer aufgenommen; AB 2012 S 688). 

5.6.4 Ergänzend ist schliesslich auf die Erläuterungen des Bundesra-
tes (« Abstimmungsbüchlein ») zur Volksabstimmung vom 9. Juni 2013 

über die dringliche Änderung des AsylG vom 28. September 2012 

hinzuweisen, wo die Stimmberechtigten in Bezug auf Art. 3 Abs. 3 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 49 

 

AsylG folgendermassen informiert wurden: « Die Vorlage präzisiert 

zudem, dass Wehrdienstverweigerung und Fahnenflucht alleine nicht als 

Asylgrund anerkannt werden. Wehrdienstverweigerer und Deserteure er-

halten aber weiterhin Asyl, wenn die Strafe, die ihnen im Heimatland 

droht, unverhältnismässig hoch ist und man davon ausgehen muss, dass 

sie verfolgt werden wegen ihrer Rasse, ihrer Religion oder ihren poli-

tischen Anschauungen. » 

5.7 In der bundesrätlichen Botschaft wie auch in den parlamenta-
rischen Beratungen wurde wiederholt das Urteil der vormaligen ARK 

vom 20. Dezember 2005 in Sachen L.H., Eritrea (publiziert in EMARK 

2006 Nr. 3), erwähnt und als ursächlich für die erforderliche Einführung 

von Art. 3 Abs. 3 AsylG auf dem Weg einer dringlichen Gesetzesän-

derung bezeichnet. Mit anderen Worten bildete die Bezugnahme auf die 

Eritrea-Rechtsprechung der ARK beziehungsweise des Bundesverwal-

tungsgerichts einen wesentlichen argumentativen Faktor im Gesetzge-

bungsprozess. Es stellt sich daher die Frage, welche Bedeutung dem ge-

nannten Urteil für die Rechtspraxis tatsächlich zukommt und inwiefern 

sich dies auf die Auslegung von Art. 3 Abs. 3 AsylG auszuwirken ver-

mag. Zur Beantwortung dieser Frage werden nachfolgend die massgeb-

lichen Aussagen des Urteils verkürzt wiedergegeben, um diese anschlies-

send den Aussagen in der bundesrätlichen Botschaft sowie den Voten bei 

den parlamentarischen Beratungen in Bezug auf Art. 3 Abs. 3 AsylG ge-

genüberzustellen. 

5.7.1 Das Urteil EMARK 2006 Nr. 3 war bislang ‒ auch wenn es ent-
gegen den Angaben in der Botschaft und in verschiedenen parlamentari-

schen Voten nicht in der qualifizierten Form eines Grundsatzentscheids 

erging ‒ in Fällen mit vergleichbarem Sachverhalt, in denen sich die 

Frage nach der asylrechtlichen Qualifizierung von Dienstverweigerung 

und Desertion stellte, auch für die Rechtsprechung des seit dem 1. Januar 

2007 bestehenden Bundesverwaltungsgerichts weiterhin massgeblich. 

Der genannte Entscheid enthielt im Wesentlichen die folgenden Aus-

sagen. 

Der Grundsatz, dass jeder Staat das legitime Recht habe, eine Armee zu 

unterhalten und seine Bürger zum Dienst in dieser Armee zu verpflich-

ten, werde ebenso wie die Folgerung, dass Sanktionen, die im Falle einer 

Missachtung der Dienstpflicht vorgesehen seien, ebenfalls legitim und 

daher im Prinzip flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien, von der flücht-

lingsrechtlichen Lehre und Praxis in der Schweiz einhellig anerkannt. Er 

gelte indessen nicht ohne Ausnahmen. Eine wegen Missachtung der 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

50 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Dienstpflicht drohende Strafe stelle eine asylrelevante Verfolgung dar, 

wenn der Wehrpflichtige wegen seines Verhaltens mit einer Strafe zu 

rechnen habe, welche entweder aus Gründen nach Art. 3 AsylG diskrimi-

nierend höher ausfalle oder an sich unverhältnismässig hoch sei. Die 

Lehre verwende für den ersten Fall den Begriff des relativen, für den 

zweiten den Begriff des absoluten Malus. Ebenfalls illegitim und daher 

flüchtlingsrechtlich relevant sei eine Einberufung zum Wehrdienst, wenn 

sie darauf abziele, einem Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 AsylG 

genannten Gründe erhebliche Nachteile zuzufügen oder diesen in völker-

rechtlich verpönte Handlungen zu verstricken. Schliesslich seien Sank-

tionen für die Verweigerung des Dienstes nur dann legitim, wenn die 

Bürger zu diesem Dienst gesetzlich verpflichtet seien (EMARK 2006 

Nr. 3 E. 4.2, unter Hinweis auf EMARK 2004 Nr. 2 E. 6b; 2002 Nr. 19 

E. 6 f.; 2001 Nr. 15 E. 8d). 

In Bezug auf die Verhältnisse in Eritrea, dem Heimatstaat des Beschwer-

deführers im betreffenden Fall, stellte der Entscheid im Wesentlichen 

fest, das eritreische Recht sehe Bussen oder Gefängnisstrafen von bis zu 

fünf Jahren für Verletzungen der Dienstpflicht in Friedenszeiten vor, wo-

bei eine Flucht ins Ausland strafverschärfend wirke. In Kriegszeiten und 

in Zeiten der Not würden Dienstverweigerern und Deserteuren Gefän-

gnisstrafen von fünf Jahren bis lebenslänglich und in besonders schweren 

Fällen die Todesstrafe drohen. Zwar würden die gesetzlich vorgesehenen 

Strafen und Verfahren in der Praxis nicht zur Anwendung kommen, da 

Justiz und Strafvollzug als Folge der prekären wirtschaftlichen Lage und 

der massenhaften Einberufung qualifizierter Fachkräfte in weiten Teilen 

des Landes nicht in der Lage seien, ihre Funktionen wahrzunehmen. Hin-

gegen habe das Militär im Wesentlichen die Aufgaben der Justiz über-

nommen und führe Spezialgerichte, die rechtsstaatlichen Ansprüchen in 

keiner Weise zu genügen vermöchten. Das eigentliche Militärstrafrecht 

sei justizmässigen Verfahren gänzlich entzogen. Der Missachtung der 

entsprechenden Vorschriften Verdächtige oder Angeschuldigte würden 

ihren Einheiten zugeführt, wo die Bestrafung durch den jeweiligen Kom-

mandanten nach dessen Gutdünken erfolge (EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.4). 

Die vom Militär vollzogenen Strafmassnahmen (wie auch die vom Straf-

recht unabhängigen Disziplinarmassnahmen bei Insubordination oder 

Befehlsverweigerung) würden sich durch ein hohes Mass an Brutalität 

auszeichnen. Verdächtigen und Angeschuldigten drohten typischerweise 

unbefristeter Freiheitsentzug und körperliche Strafen. Der Freiheitsent-

zug werde mangels adäquater Gebäude in notdürftig errichteten Verhauen 

aus Ästen und Sträuchern ohne Schutz gegen die Sonne, in Metallcontai-

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 51 

 

nern oder unterirdischen Kerkern mit unzureichender Luftzufuhr vollzo-

gen. Die Gefangenen würden zudem geschlagen, in schmerzhaften Posi-

tionen gefesselt und über längere Zeit, oft mehrere Tage hintereinander, 

gefesselt der Sonne ausgesetzt. Es scheine, dass diese Methoden in der 

eritreischen Armee als herkömmliche Strafmethoden generell angewandt 

würden. Die Anordnung der Strafmassnahmen im Einzelfall liege im Er-

messen des zuständigen Kommandanten, welcher für seine Entscheidun-

gen niemandem Rechenschaft schuldig sei. Der Europäische Gerichtshof 

für Menschenrechte (EGMR) habe erkannt, dass die Behandlung von 

Dienstverweigerern in Eritrea den Tatbestand der Folter im Sinne von 

Art. 3 EMRK erfüllt (unter Hinweis auf das Urteil des EGMR Said gegen 

Niederlande vom 5. Juli 2005, 2345/02, Ziff. 54), und auch deutsche und 

britische Gerichte seien zum selben Schluss gekommen. Demgegenüber 

erfolge der Strafvollzug für gemeinrechtliche Kriminelle in ordentlichen 

Vollzugsanstalten, die im Wesentlichen internationalen Standards ent-

sprächen (EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.6). 

Soweit erkennbar, würden weder die Einberufung zum Dienst noch die 

Sanktionen bei Missachtung der Dienstpflicht systematisch in diskrimi-

nierender Weise im Sinne eines relativen Malus angewandt. Alle Eritreer 

seien grundsätzlich unabhängig von ihrer ethnischen, religiösen oder so-

zialen Zugehörigkeit in gleichem Mass betroffen. Nur Angehörige sehr 

wohlhabender und einflussreicher Familien könnten sich der Dienst-

pflicht unter Umständen entziehen; unter gewissen Umständen scheine 

zudem die Möglichkeit zu bestehen, dass Mütter mit Kleinkindern, 

Schwangere und Behinderte zumindest temporär dispensiert würden 

(EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.7). 

Demgegenüber sei festzustellen, dass die Missachtung militärrechtlicher 

Vorschriften generell sehr streng bestraft werde. Die beschriebenen Fol-

termethoden und die Bedingungen der unbefristet angeordneten Haft 

seien geeignet, schwerste psychische und physische Schädigungen zu be-

wirken, und könnten ohne Weiteres zum Tod führen. Aufgrund des Um-

standes, dass die Bestrafung absolut willkürlich erfolge und dem Er-

messen des zuständigen Kommandanten keine Grenzen gesetzt seien, 

könne davon ausgegangen werden, dass die Intensität der Bestrafung von 

Fall zu Fall unterschiedlich sei. Ungeachtet dessen müsse angesichts der 

Erkenntnis, dass die beschriebenen Methoden in der eritreischen Armee 

als herkömmliche Strafmethoden weit verbreitet seien und auch als Dis-

ziplinarmassnahmen Anwendung fänden, befürchtet werden, dass jede 

Person, die in den militärischen Strafvollzug gerate, einer mehr oder we-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

52 BVGE / ATAF / DTAF 

 

niger intensiven körperlichen Bestrafung ausgesetzt und unter erbärm-

lichen Bedingungen festgehalten werde (EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.8). 

Die ARK habe sich mit dem absoluten Malus zunächst im Rahmen der 

Bestrafung von Dienstverweigerern und Deserteuren in unveröffentlich-

ten Urteilen bezüglich irakischer Asylsuchender auseinandergesetzt. 

Unter der Herrschaft des damaligen Machthabers Hussein hätten Dienst-

verweigerern und Deserteuren schmerzhafte und erniedrigende Strafen 

gedroht, in gewissen Fällen auch die Todesstrafe. Die ARK habe aner-

kannt, dass diese Strafen nicht lediglich der Sicherstellung der Wehr-

pflicht und der Ahndung des mit der Dienstverweigerung verbundenen 

kriminellen Unrechts gedient hätten, sondern dass darüber hinaus auch 

eine vermutete staatsfeindliche Gesinnung habe getroffen und eliminiert 

werden sollen (unter Hinweis auf das Urteil der ARK vom 4. Juli 2001 in 

Sachen A.M., Irak, auszugsweise wiedergegeben in ASYL 2001/3 S. 43). 

In einem weiteren Entscheid habe die ARK befunden, die angedrohte 

Ausbürgerung von türkischen Militärdienstverweigerern stelle keinen 

absoluten Malus dar. Ausschlaggebend sei dabei die Erkenntnis gewesen, 

dass die Ausbürgerung rückgängig gemacht werden könne, wenn der 

Betroffene sich bereit erkläre, den versäumten Dienst nachzuholen (unter 

Hinweis auf EMARK 2004 Nr. 2 E. 6b). Es gelte in diesem Zusammen-

hang anzumerken, dass unverhältnismässig hohe Strafen an sich einen 

absoluten Malus darstellen würden. Wenn die unverhältnismässige Höhe 

der Strafe festgestellt sei, werde eine über den legitimen Strafzweck hin-

ausgehende und damit flüchtlingsrechtlich relevante Motivation vermutet 

(EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.8). 

Gestützt auf die genannten Erwägungen und Grundsätze erachte die ARK 

die Bestrafung von Deserteuren und von Dienstverweigerern in Eritrea 

als unverhältnismässig streng. Die drohenden Sanktionen und deren Aus-

wirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen 

stünden in keinem Verhältnis zum kriminellen Unrecht einer Missach-

tung militärrechtlicher Bestimmungen. Diese Einschätzung werde nicht 

dadurch beeinträchtigt, dass die Bestrafung abhängig von Persönlichkeit 

und Temperament des ausführenden Kommandanten unterschiedlich aus-

falle. Unter Umständen könne bereits ein härteres Verfahren einen Malus 

darstellen. Die spezielle, von aussergewöhnlicher Willkür und Brutalität 

gekennzeichnete Bestrafung von Dienstverweigerern und Deserteuren 

gehe weit über das zur Sicherung der Dienstpflicht und der Ahndung des 

kriminellen Unrechts Erforderliche hinaus. Die militärrechtlichen Strafen 

und Strafverfahren stünden in dieser Hinsicht in markantem Kontrast zu 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 53 

 

den Strafen für gemeinrechtliche Delikte, welche in justizmässigen Ver-

fahren ausgefällt würden und im Wesentlichen adäquat seien. Angesichts 

dieser speziellen Behandlung von Dienstverweigerern sei davon auszu-

gehen, dass die eritreischen Behörden in Dienstverweigerung und De-

sertion nicht nur eine gesetzlich verbotene Handlung, sondern zusätzlich 

den Ausdruck einer staatsfeindlichen und oppositionellen Haltung erken-

nen würden. Diese Haltung solle mit drakonischen Mitteln getroffen und 

bekämpft werden. Das Bestreben, sich diesem Dienst durch Verweige-

rung oder Desertion zu entziehen, werde daher nicht nur als Schädigung 

der Kampfkraft der Truppen, sondern als Infragestellung der Legitimität 

der politischen Führung und des Staates als solchem verstanden 

(EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.8). 

Die unverhältnismässig harten Strafen und speziellen Verfahren für mi-

litärrechtliche Delikte müssten nach dem Gesagten als Versuch der eri-

treischen Regierung verstanden werden, Angriffe auf ihre Legitimität 

abzuwehren. Der Zweck, dem die Sanktionen dienten, und die dahinter-

stehende Motivation gingen demnach im Sinne eines absoluten Malus 

weit über die Ahndung kriminellen Unrechts hinaus. Dienstverweigerung 

und Desertion würden in Eritrea nicht bloss als Gesetzeswidrigkeiten, 

sondern als Ausdruck einer als oppositionell wahrgenommenen Einstel-

lung dem Staat und seiner Führung gegenüber bestraft. Die Bestrafung 

erfolge aus politischen Gründen und sei nach Art. 3 AsylG relevant 

(EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.8). 

Das Urteil EMARK 2006 Nr. 3 enthält im Zusammenhang mit der Frage, 

ob die Furcht des Beschwerdeführers im betreffenden Fall begründet sei, 

einer solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, weitere Ausführungen 

zum Vorgehen der eritreischen Behörden bei der Rekrutierung zum 

Wehrdienst und bei der Durchsetzung der Dienstpflicht (EMARK 2006 

Nr. 3 E. 4.9 ff.). 

5.7.2 Eine zusammenfassende Gegenüberstellung der Grundzüge der 
auf EMARK 2006 Nr. 3 basierenden Rechtsprechung, der wesentlichen 

Aussagen in der bundesrätlichen Botschaft in Bezug auf Art. 3 Abs. 3 

AsylG sowie der diesbezüglichen Voten bei den parlamentarischen Bera-

tungen ergibt im Wesentlichen Folgendes. 

Im vorliegenden Zusammenhang ist zunächst die Aussage von EMARK 

2006 Nr. 3 relevant, dass staatliche Sanktionen, die aufgrund einer Miss-

achtung der Dienstpflicht vorgesehen sind, grundsätzlich legitim und 

daher im Prinzip flüchtlingsrechtlich nicht relevant sind. Eine Ausnahme 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

54 BVGE / ATAF / DTAF 

 

von diesem Grundsatz liegt dann vor, wenn eine wegen Missachtung der 

Dienstpflicht drohende Strafe entweder aus Gründen nach Art. 3 AsylG 

diskriminierend höher ausfällt (relativer Malus) oder an sich derart un-

verhältnismässig hoch ist, dass bereits daraus auf das flüchtlingsrechtlich 

relevante Verfolgungsmotiv geschlossen werden muss (absoluter Malus). 

Auch kann bereits die Einberufung zum Wehrdienst illegitim und daher 

flüchtlingsrechtlich relevant sein, wenn sie darauf abzielt, einem Wehr-

pflichtigen aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe erhebliche 

Nachteile zuzufügen oder diesen in völkerrechtlich verpönte Handlungen 

zu verstricken. (Wobei das Vorliegen der letztgenannten Konstellation in 

der schweizerischen Praxis betreffend Eritrea bislang nicht angenommen 

wurde.) 

In Bezug auf die konkrete Situation in Eritrea stellte der Entscheid im 

Wesentlichen fest, dass in diesem Land Dienstverweigerern eine Be-

handlung droht, die durch den EGMR wie auch von verschiedenen natio-

nalen Gerichten als Folter im Sinne von Art. 3 EMRK erachtet wird. 

Zweck und Motivation dieser Sanktionen gehen im Sinne eines absoluten 

Malus weit über die Ahndung kriminellen Unrechts hinaus. Dienstver-

weigerung und Desertion werden in Eritrea nicht bloss als Gesetzeswid-

rigkeiten, sondern als Ausdruck einer als oppositionell wahrgenommenen 

Einstellung dem Staat und seiner Führung gegenüber bestraft. Angesichts 

dessen gelangte die ARK im Entscheid EMARK 2006 Nr. 3 zum Schluss, 

dass die Bestrafung von Dienstverweigerung und Desertion in Eritrea aus 

politischen Gründen erfolgt und daher im Sinne von Art. 3 AsylG asyl-

rechtlich relevant ist. 

Bezugnehmend auf diese Rechtsprechung wurde in der bundesrätlichen 

Botschaft hinsichtlich Art. 3 Abs. 3 AsylG ‒ damals in der Formulierung 

mit dem Zusatz « einzig » ‒ ausgeführt, eine strafrechtliche Sanktion we-

gen Dienstverweigerung alleine sei gemäss der bisherigen Praxis des 

BFM und des Bundesverwaltungsgerichts nicht asylrelevant. Diene eine 

Wehrdienstverweigerung oder Desertion hingegen als Anlass dazu, eine 

Person wegen ihrer Rasse, Religion oder Staatszugehörigkeit, Zugehörig-

keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen 

Überzeugung unverhältnismässig streng zu bestrafen, sei sie gestützt auf 

Art. 3 Abs. 1 AsylG und die FK als Flüchtling anzuerkennen. Mit dem 

vorgeschlagenen Art. 3 Abs. 3 AsylG sei gewährleistet, dass die Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts auch in Zukunft Beachtung 

finde. Auf Gesetzesstufe solle jedoch klar festgehalten werden, dass bei 

Wehrdienstverweigerung und Desertion zusätzlich asylrelevante Gründe 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 55 

 

nötig seien, um in der Schweiz den Flüchtlingsstatus zu erhalten. Dies 

entspreche der bisherigen Praxis des BFM und des Bundesverwaltungs-

gerichts. Der vorgeschlagene Art. 3 Abs. 3 AsylG schränke den Anwen-

dungsbereich des Flüchtlingsbegriffs, wie er in der FK und in Art. 3 

AsylG verankert sei, nicht ein. 

Es erweist sich somit zum einen, dass der Aussagegehalt von EMARK 

2006 Nr. 3 in der bundesrätlichen Botschaft zutreffend wiedergegeben 

wurde. Zum anderen wurde mit der Botschaft zum Ausdruck gebracht, 

dass die bestehende, auf EMARK 2006 Nr. 3 gestützte Praxis des BFM 

und des Bundesverwaltungsgerichts zu keiner inhaltlichen Korrektur An-

lass gebe, jedoch mit der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG eine Ver-

deutlichung der geltenden Rechtslage angestrebt werde. 

Dieser Ansatz, die geltende Praxis weiterzuführen, ihre rechtliche Trag-

weite jedoch mittels einer Gesetzesergänzung zu verdeutlichen, wurde 

‒ soweit die Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG befürwortet wurde ‒ 

mehrheitlich auch in den parlamentarischen Beratungen vertreten. So 

wurde ausgeführt, die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

solle auch mit der vorgeschlagenen Änderung weiterhin Beachtung fin-

den, wobei dies bedeute, dass Wehrdienstverweigerer und Deserteure, die 

eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen würden, weiterhin als 

Flüchtlinge anerkannt würden und in der Schweiz Asyl erhielten. Dies 

werde auch von der Flüchtlingskonvention verlangt (SR Egerszegi-

Obrist, für die Staatspolitische Kommission des Ständerats, AB 2011 S 

1121). Der Vorschlag des Bundesrates, Wehrdienstverweigerung und De-

sertion nicht mehr als einzige Fluchtgründe zuzulassen, sei richtig. Wich-

tig sei dabei der Hinweis, dass bei diesem Entscheid die Normen der 

Flüchtlingskonvention gälten (NR Pfister, AB 2012 N 1092). Falls die 

Desertion Ausdruck eines anderen Asylgrunds sei, kämen die üblichen 

Kriterien zum Tragen (NR Ribaux, AB 2012 N 1093). Beim Vorschlag 

der Kommissionsmehrheit gehe es darum, die Geltendmachung der De-

sertion nicht zu ermutigen (NR Bugnon, für die Staatspolitische Kom-

mission des Nationalrats, AB 2012 N 1095). Die Staatspolitische Kom-

mission des Ständerats sei sich vollkommen bewusst, dass ‒ abgesehen 

von Wehrdienstverweigerung oder Desertion ‒ auch noch andere Gründe 

zu Verfolgung führen könnten. Man habe sich hier dem Nationalrat ange-

schlossen, jedoch mit dem Zusatz: « Vorbehalten bleibt die Einhaltung 

der Flüchtlingskonvention. » Das stelle sicher, dass die Flüchtlingseigen-

schaft ebenfalls anerkannt werde, wenn andere Fluchtgründe vorhanden 

seien. Dies sei bereits heute bestehende Praxis des BFM und des Bundes-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

56 BVGE / ATAF / DTAF 

 

verwaltungsgerichts (SR Egerszegi-Obrist, für die Staatspolitische Kom-

mission des Ständerats, AB 2012 S 686 f.). 

Schliesslich erläuterte die zuständige Bundesrätin Sommaruga mehrfach 

die in der bundesrätlichen Botschaft vom 26. Mai 2010 enthaltene Argu-

mentation, wobei sie ausserdem auf die in den parlamentarischen Bera-

tungen vorgebrachten Voten und Fragen einging. Dabei gab sie im We-

sentlichen dem Standpunkt des Bundesrats Ausdruck, dass es im Rahmen 

der aktuellen Revision des AsylG darum gehe, ein Zeichen zu setzen, 

indem darauf hingewiesen werden solle, dass einzig Desertion als 

Asylgrund nicht ausreiche. Die Annahme von Art. 3 Abs. 3 AsylG werde 

aber an der Ausgangslage nichts ändern (AB 2011 S 1122). Aus den Ma-

terialien gehe klar hervor, dass Art. 3 Abs. 3 AsylG nicht anwendbar sei, 

wenn die betroffene Person aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität, 

Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Ansichten aufgrund einer Dienstverweigerung oder Desertion 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei oder befürchten müsse, ernsthaften 

Nachteilen ausgesetzt zu sein (AB 2012 N 1094). Allein die Wehrdienst-

verweigerung, die in einem Rechtsstaat wie der Schweiz oder in anderen 

Staaten zu einer strafrechtlichen Sanktion führe, sei kein Grund, um in 

der Schweiz als Flüchtling anerkannt zu werden. Dies sei gängige Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts wie auch des BFM (AB 2012 S 688). 

5.7.3 Wie bereits festgehalten wurde (E. 5.4), erfuhr der Wortlaut von 
Art. 3 Abs. 3 AsylG im Verlauf der parlamentarischen Debatten zwei 

Anpassungen gegenüber dem Entwurf des Bundesrats. Zum einen erfolg-

te dies durch die Streichung des Worts « einzig », zum anderen durch die 

Hinzufügung eines Vorbehalts in Bezug auf die FK. Dies gibt Anlass zur 

Frage, ob und inwiefern damit auch der Bedeutungsgehalt der Bestim-

mung verändert wurde. 

Hierzu wurde im Rahmen der Parlamentsdebatten von Seiten der Min-

derheit (welche die dringliche Gesetzesänderung ablehnte) die Frage auf-

geworfen, ob die Streichung des Worts « einzig » dazu führe, dass Wehr-

dienstverweigerer vom Flüchtlingsstatus ausgeschlossen würden (NR 

Gross, AB 2012 N 1093; NR van Singer, AB 2012 N 1095). 

Soweit diesen Zusammenhang betreffend, wurde von Mehrheitsseite fest-

gehalten, der Zusatz « vorbehalten bleibt die Einhaltung der Flücht-

lingskonvention » stelle sicher, dass die Flüchtlingseigenschaft ebenfalls 

anerkannt werde, wenn andere Fluchtgründe vorhanden seien (SR 

Egerszegi-Obrist, für die Staatspolitische Kommission des Ständerats, 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 57 

 

AB 2012 S 686 f.). Die zuständige Bundesrätin Sommaruga hielt in 

diesem Kontext ausserdem fest, der Antrag der Mehrheit der Staatspoli-

tischen Kommission des Nationalrats, das Wort « einzig » zu streichen, 

werde nichts daran ändern, dass eritreische Staatsangehörige, die in die 

Schweiz kämen, weil sie in ihrem Land als Staatsfeinde betrachtet und 

behandelt würden, auch weiterhin den Schutz der Schweiz erhielten, weil 

die FK von der Schweiz weiterhin beachtet werde (AB 2012 N 1094). 

Auch mit der Formulierung von Art. 3 Abs. 3 AsylG, in welcher das Wort 

« einzig » gestrichen sei, werde ein Deserteur, der eine unverhältnis-

mässige Strafe riskiere, weil er als Staatsfeind betrachtet werde, künftig 

weiterhin in der Schweiz als Flüchtling anerkannt werden und Asyl 

erhalten (auf die Frage von NR van Singer, ob nach der Streichung des 

Worts « einzig » Deserteure, die unverhältnismässigen Strafdrohungen 

ausgesetzt seien und als Oppositionelle betrachtet würden, gleichwohl 

ihren Flüchtlingsstatus behalten würden; AB 2012 N 1095). 

Mithin geht aus den diesbezüglichen Stellungnahmen im Parlament her-

vor, dass die Streichung des Worts « einzig » aus dem Wortlaut des bun-

desrätlichen Vorschlags durch den Vorbehalt der Einhaltung der FK aus-

geglichen werden soll, mit der identischen Wirkung, dass die bisherige 

Rechtspraxis weiterhin gültig ist. 

5.8  
5.8.1 Eine historische Auslegung ‒ die sich im vorliegenden Fall wie 
erwähnt (E. 5.3) mit der geltungszeitlichen deckt ‒ führt somit zu folgen-

dem Ergebnis: Den Anstoss zur Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG gab 

die politische Absicht, die als zu hoch empfundene Zahl namentlich der 

Asylgesuche von eritreischen Staatsangehörigen, die als Fluchtgrund 

Dienstverweigerung oder Desertion angeben, einzudämmen. Dieses Ziel 

sollte aber nicht durch eine materielle Änderung des Flüchtlingsbegriffs 

erreicht werden, sondern ‒ insofern in Übernahme des bundesrätlichen 

Vorschlags ‒ durch eine Verdeutlichung der geltenden Rechtslage im Ge-

setzestext. Aus den parlamentarischen Beratungen ergibt sich zusammen-

fassend, dass ‒ abgesehen von offensichtlichen Missverständnissen in 

Bezug auf Inhalt und Bedeutung von EMARK 2006 Nr. 3 und die darauf 

aufbauende Rechtsprechung ‒ weit überwiegend der Standpunkt vertre-

ten wurde, dem bundesrätlichen Vorschlag sei zu folgen, indem die gel-

tende Praxis weiterzuführen, ihre rechtliche Tragweite aber durch die 

Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG zu verdeutlichen sei. Dabei geht aus 

der wiederkehrenden Bezugnahme auf einen Anstieg von Asylgesuchen 

durch Personen, die Wehrdienstverweigerung oder Desertion als alleini-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

58 BVGE / ATAF / DTAF 

 

gen Asylgrund geltend machen würden, hervor, dass mit der Gesetzesän-

derung auch eine auf derartige Gesuche zielende abschreckende Wirkung 

beabsichtigt ist. Dieses Ziel soll nach dem Willen des Gesetzgebers durch 

die Signalwirkung (« Zeichensetzung ») erreicht werden, die mit der in 

Art. 3 Abs. 3 AsylG enthaltenen Klarstellung verbunden ist. Hingegen 

wird mit der Gesetzesänderung nicht bezweckt, eine Einschränkung des 

Flüchtlingsbegriffs im bisher geltenden Sinne von Art. 3 AsylG herbeizu-

führen. Vielmehr soll der Vorbehalt der Einhaltung der FK dazu dienen, 

die Weiterführung der bisherigen Praxis sicherzustellen. 

5.8.2 Bei der vorliegenden Auslegungsfrage ‒ deren normativer Ge-
genstand, Art. 3 Abs. 3 AsylG, vom 28. September 2012 datiert und mit 

Volksabstimmung vom 9. Juni 2013 angenommen wurde ‒ kommt der 

historischen Auslegungsmethode, die überdies mit der geltungszeitlichen 

zusammenfällt, eine vorrangige Bedeutung zu. Diesbezüglich lässt sich 

wiederholen, was in BVGE 2007/7 E. 4.4 ausgeführt wurde: Insbeson-

dere bei jungen Erlassen ‒ wie dem vorliegenden ‒ muss dem Willen des 

Gesetzgebers ein grosses Gewicht beigemessen werden. Es gilt dabei 

insgesamt, die mit der Norm verbundenen Zweckvorstellungen (ratio 

legis) zu ermitteln, dies allerdings nicht nach richterlichen subjektiven 

Wertvorstellungen, sondern nach den Vorgaben des Gesetzgebers. Im 

Grundsatz ist die Auslegung auf die Regelungsabsicht des Gesetzgebers 

und die damit erkennbar getroffenen Wertentscheidungen auszurichten, 

da sich die Zweckbezogenheit des rechtsstaatlichen Normverständnisses 

nicht aus sich selbst begründen lässt, sondern aus den Absichten des 

Gesetzgebers abzuleiten ist. Angesichts dessen kann den weiteren Ausle-

gungsmethoden, nachdem die Materialien in Bezug auf die Regelungs-

absicht des Gesetzgebers, wie dargestellt, keinen Raum für Zweifel 

lassen, lediglich ‒ aber immerhin ‒ eine punktuell ergänzende Bedeutung 

zukommen. 

5.8.3 Mittels der systematischen Auslegungsmethode wird der Sinn 
der Rechtsnorm bestimmt durch ihr Verhältnis zu anderen Rechtsnormen 

und durch den systematischen und logischen Zusammenhang (BVGE 

2007/7 E. 4.3). Mit Blick auf Art. 3 Abs. 3 AsylG ist unter diesem 

Gesichtspunkt festzuhalten, dass der Gesetzgeber theoretisch ‒ um dem 

politischen Wunsch nach einem restriktiveren Umgang mit Asylsuchen-

den, die Dienstverweigerung oder Desertion geltend machen, eine nor-

mative Wirkung zu geben ‒ einen entsprechenden Asylausschlussgrund 

hätte einführen können. Mit anderen Worten hätte durch die Einführung 

eines entsprechenden Ausschlussgrunds tatsächlich die gesetzgeberische 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 59 

 

Möglichkeit bestanden, die bisher geltende Rechtslage in restriktiver 

Weise zu verändern. Im Unterschied zur Definition der Flüchtlingseigen-

schaft, die völkerrechtlich durch die FK vorgegeben ist, stünde eine 

restriktivere Gewährung des Asylstatus auch nicht in einem potenziellen 

Konflikt mit internationalem Vertragsrecht. Indessen hat der Gesetzgeber 

diese legislative Möglichkeit weder ergriffen noch wurde sie überhaupt 

als alternative Variante in Betracht gezogen. Dies unterstützt im systema-

tischen Zusammenhang die zuvor getroffene Einschätzung, dass mit 

Art. 3 Abs. 3 AsylG keine Neuerung mit normativ einschränkender 

Wirkung, sondern ausschliesslich eine Klarstellung der bereits geltenden 

Rechtslage angestrebt wird. 

5.8.4 Die teleologische Auslegungsmethode, die auf den Regelungs-
zweck abstellt, der mit einer Rechtsordnung verbunden ist, lässt sich nur 

schwierig von der historischen Auslegung abgrenzen, die nach der Rege-

lungsabsicht und mithin den Zweckvorstellungen des Gesetzgebers fragt 

(BVGE 2007/7 E. 4.4; 2013/50 E. 5.2.4). Als eigenständige Methode hat 

die teleologische Auslegung dadurch Gewicht, dass sich der Zweck einer 

Norm im Lauf der Zeit in einem gewissen Rahmen wandeln und somit 

von den zeitgebundenen historischen Vorstellungen abheben kann (vgl. 

etwa HÄFELIN/HALLER/KELLER, a.a.O., S. 38). Im vorliegenden Fall 

einer sehr jungen Gesetzesnorm ist ein derartiger Wandel offensichtlich 

nicht auszumachen. Somit ‒ und angesichts des Umstands, dass bezüg-

lich der Zweckvorstellungen des Gesetzgebers Klarheit herrscht ‒ besteht 

keine Veranlassung, nach Ergebnissen einer gesonderten teleologischen 

Auslegung zu fragen. 

5.8.5 Werden durch eine Gesetzesnorm potenziell völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz tangiert, kommt ausserdem der Ausle-

gungsmethode, die nach der Völkerrechtskonformität der rechtlichen 

Neuerung fragt, Bedeutung zu. Bereits in der Botschaft des Bundesrats 

wurde auf die Vereinbarkeit von Art. 3 Abs. 3 AsylG mit dem geltenden 

Völkerrecht eingegangen. Ebenso wurde in der parlamentarischen De-

batte wiederholt thematisiert, inwiefern die nun geltende Regelung mit 

den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz in Einklang steht, die 

sich aus der FK ergeben. Mit dem Vorbehalt in Bezug auf die FK gemäss 

Satz 2 der Norm wurde das Ziel der Vereinbarkeit mit diesen Ver-

pflichtungen ausdrücklich gesetzlich festgeschrieben. Soweit das Ergeb-

nis der sonstigen ‒ insbesondere der historischen ‒ Auslegungsmethoden 

darin besteht, dass der Flüchtlingsbegriff durch Art. 3 Abs. 3 AsylG keine 

Einschränkung erfährt, steht dies offensichtlich auch mit einer völker-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

60 BVGE / ATAF / DTAF 

 

rechtskonformen Auslegung in Übereinstimmung. Mit anderen Worten 

führt die Anwendung dieser Auslegungsmethode ebenfalls zum genann-

ten Resultat, da sie die völkerrechtliche Verpflichtung der Schweiz im 

vertraglichen Rahmen der FK sowie kraft des zwingenden Völkerrechts 

(Verbot des Refoulements) zu berücksichtigen hat. Ergänzend lässt sich 

anmerken, dass dies unter dem spezifischen Blickwinkel der völker-

rechtskonformen Auslegung im Übrigen auch dann der Fall wäre, wenn 

Art. 3 Abs. 3 AsylG keinen ausdrücklichen Vorbehalt in Bezug auf die 

FK enthielte. Die mögliche Konstellation, dass sich der Gesetzgeber be-

wusst für eine Norm entscheidet, die von geltendem Völkerrecht ab-

weicht, ist im vorliegenden Kontext nicht gegeben. 

5.9 Als Ergebnis der Auslegung erweist sich somit, dass nach der 
Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug 

auf Personen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion im Heimatstaat begründen, weiterhin gültig ist. Danach ver-

mag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht alleinig, sondern 

nur dann die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn damit eine Ver-

folgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit anderen 

Worten die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen 

(Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia-

len Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstver-

weigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die 

ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. 

6. Gestützt auf diese Rechtslage sind nunmehr die vom Beschwer-
deführer vorgebrachten Asylgründe zu beurteilen. 

6.1 Bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft interessiert zwar in 
erster Linie die im Zeitpunkt der Ausreise der asylsuchenden Person(en) 

bestehende Verfolgungssituation. Nach Lehre und Praxis wird jedoch 

dann auf die Gefährdungslage im Moment des Asylentscheides ab-

gestellt, wenn sich die Lage im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asyl-

entscheid massgeblich zugunsten oder zulasten der asylsuchenden 

Person(en) verändert hat (vgl. etwa WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Aus-

länderrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17; zur Relevanz des Zeitpunkts des 

Entscheides für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft ferner 

EMARK 1994 Nr. 6 E. 5; 1995 Nr. 2 E. 3a). 

6.2 Dieser Gesichtspunkt ist im vorliegenden Fall insofern von Be-
deutung, als sich im Heimatstaat des Beschwerdeführers, Syrien, die po-

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 61 

 

litische und menschenrechtliche Lage seit dessen Ausreise in erheblicher 

Weise verändert hat. 

6.2.1 Die Entwicklungen in Syrien in den vergangenen drei Jahren 
lassen sich im Sinne eines Überblicks wie folgt zusammenfassen (vgl. 

anstelle vieler etwa Amnesty International, Report 2013, London 2013, 

S. 258 ff.; Human Rights Watch [HRW], World Report 2014 ‒ Syria, 

Januar 2014; HRW, Razed to the Ground ‒ Syria's Unlawful Neighbor-

hood Demolitions 2012‒2013, Januar 2014; International Crisis Group 

[ICG], Syria's Metastasising Conflicts. Middle East Report No 143, Juni 

2013; United Nations Human Rights Council, Report of the Independent 

International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic, Ver-

sion vom 12. Februar 2014; ebenda, Version vom 13. August 2014; 

U. S. Congressional Research Service, Armed Conflict in Syria: Over-

view and U. S. Response, Version vom 10. September 2014; U. S. De-

partment of State/Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, 2013 

Country Reports on Human Rights Practices: Syria, Februar 2014). Im 

Gefolge der politischen Umwälzungen des sogenannten Arabischen 

Frühlings in verschiedenen arabischen und nordafrikanischen Staaten 

‒ so namentlich in Ägypten, Libyen und Tunesien ‒ wurden in Syrien 

seit Beginn des Jahres 2011 ebenfalls Forderungen nach demokratischen 

Reformen laut. Die politische Unrast wurde dabei nicht zuletzt durch 

Ereignisse in der Stadt Dar'a im März 2011 entfacht, als staatliche 

Sicherheitskräfte Kinder verhafteten und bei anschliessenden Protesten 

mehrere Demonstrierende töteten. Durch das zunehmend gewaltsame 

Vorgehen des syrischen Regimes gegen eine landesweite Protestwelle 

mit Hunderten von Todesopfern, der Inhaftierung und Folterung Zehn-

tausender von Personen, darunter selbst Kindern (vgl. HRW, Torture 

Archipelago. Arbitrary Arrests, Torture and Enforced Disappearances in 

Syria's Underground Prisons since March 2011, Juli 2012; HRW, Syria: 

Witnesses Corroborate Mass Deaths in Custody Claims, August 2014), 

folgte eine Eskalation des Konflikts, die schliesslich in einen offenen 

Bürgerkrieg mündete. Dieser Bürgerkrieg ist zum einen durch die Betei-

ligung an den Kampfhandlungen einer Vielzahl von Parteien und rivali-

sierenden Gruppierungen mit unterschiedlicher politischer, ethnischer 

und religiöser Prägung gekennzeichnet, die zudem in wechselnden Koali-

tionen zueinander stehen. Zum anderen ist insbesondere zu beobachten, 

dass im Konflikt auch gegen die Zivilbevölkerung in willkürlicher 

Weise, mit massivster Gewalt und unter Einsatz von Kriegswaffen vor-

gegangen wird, so mittels Artillerie- und Bombenangriffen sowie sogar 

der Verwendung von Giftgas. Gemäss Einschätzung des Hochkommissa-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

62 BVGE / ATAF / DTAF 

 

riats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) gehört zu den 

Methoden und Taktiken der Kriegsführung in Syrien insbesondere seitens 

des staatlichen Regimes die kollektive Bestrafung jener, denen die tat-

sächliche oder vermeintliche Unterstützung einer gegnerischen Konflikt-

partei zugeschrieben wird, durch systematische Belagerung, Bombardie-

rung, Plünderung und Zerstörung von Wohnungen und sonstiger ziviler 

Infrastruktur (UNHCR, International Protection Considerations with re-

gard to people fleeing the Syrian Arab Republic, Update III, vom 27. Ok-

tober 2014). Infolge der das ganze Land erfassenden Kriegshandlungen 

kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis Dezember 2014 

mindestens 191 000 Menschen ums Leben, mehr als 3,2 Millionen Men-

schen sind aus Syrien geflohen, und 7,6 Millionen Menschen gelten als 

intern vertrieben (Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Resolution 2191 

vom 17. Dezember 2014), wobei die Zahl der Flüchtlinge monatlich im 

Durchschnitt um 100 000 Personen ansteigt (UNHCR, a.a.O.). Sämtliche 

Bemühungen, eine friedliche Beilegung des Konflikts zu erreichen, sind 

bislang gescheitert, so insbesondere im Rahmen der Friedensgespräche in 

Genf vom Januar und Februar 2014 (zu den jüngsten Entwicklungen der 

Situation in Syrien die seit dem 20. Juni 2014 monatlich erscheinenden 

Berichte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen an den Sicher-

heitsrat: Implementation of Security Council resolutions 2139 [2014], 

2165 [2014] and 2191 [2014], Report of the Secretary General, zuletzt 

vom 22. Januar 2015). 

6.2.2 Über diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Entwick-
lungen seit März 2011 hinaus lässt sich die Feststellung treffen, dass die 

Situation in Syrien anhaltend instabil und in stetiger Veränderung begrif-

fen ist. Angesichts des Scheiterns aller bisherigen Bemühungen um eine 

Beilegung des Konflikts sind zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Anzei-

chen für eine baldige substanzielle Verbesserung der Lage erkennbar. Im 

Gegenteil ist davon die Rede, dass sich die Situation zunehmend und in 

dramatischer Weise weiter verschlechtert (UNHCR, a.a.O., mit weiteren 

Nachweisen). Ebenso ist in keiner Weise abzuschätzen, ob eine Beibe-

haltung oder eine (wie auch immer beschaffene) Änderung des bisheri-

gen staatlichen Regimes zu erwarten ist. Dabei ist ebenfalls als vollkom-

men offen zu bezeichnen, in welcher Weise ethnische, religiöse und/oder 

politische Zugehörigkeiten im Rahmen einer künftigen Herrschaftsord-

nung eine Rolle spielen werden. Die Offenheit der Situation ist aus asyl-

rechtlicher Sicht insofern von erheblicher Bedeutung, als sich die Frage 

stellt, inwiefern in der Vergangenheit liegende Asylgründe angesichts der 

stetigen Veränderungen sowohl unter dem Aspekt der heute bestehenden 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 63 

 

Lage als auch der möglichen künftigen Entwicklungen zu beurteilen 

sind. 

6.3 Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asyl-
gesuchs geltend, er sei am 10. September 2010 durch den staatlichen Ge-

heimdienst Idarat al-Amn as-Siyasi vorgeladen worden. Es sei ihm vor-

geworfen worden, dass er im Haus seiner Familie politische Sitzungen 

organisiert habe. Ausserdem sei er nach verschiedenen Verwandten und 

insbesondere nach einem Onkel namens C. gefragt worden, welcher mit 

der syrisch-kurdischen Partei PYD (Partiya Yekitîya Demokrat; Demo-

kratische Einheitspartei) zusammengearbeitet habe und im Gefängnis ge-

foltert und getötet worden sei. Im Verlauf des Verhörs sei von ihm ver-

langt worden, dass er für den Geheimdienst als Spitzel arbeite. Ferner sei 

er gefragt worden, warum er noch keinen Militärdienst geleistet habe. 

Am 23. September 2010 hätten die Sicherheitskräfte während seiner Ab-

wesenheit eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei kurdische Bü-

cher und Flaggen gefunden, die er in seinem Zimmer für einen anderen 

Onkel namens D. aufbewahrt habe. Aus diesem Grund und weil er weder 

weiterhin als Spion habe arbeiten noch in den Militärdienst habe einrü-

cken wollen, habe er Syrien verlassen. 

6.4 Das BFM erachtete in der angefochtenen Verfügung vom 
30. August 2013 weder die geltend gemachte Bedrohung seitens des syri-

schen Geheimdiensts Idarat al-Amn as-Siyasi noch die Verpflichtung 

zum Militärdienst als glaubhaft. Indessen anerkannte das Bundesamt im 

Rahmen der Verfügung vom 8. Januar 2014, mit welcher es die Ziff. 4‒7 

der Verfügung vom 30. August 2013 wiedererwägungsweise aufhob und 

die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs feststellte, dass der Be-

schwerdeführer ‒ implizit durch die im Rahmen des Beschwerdever-

fahrens eingereichten syrischen Dokumente ‒ habe glaubhaft machen 

können, dass er sich durch seine Ausreise aus Syrien der Militärdienst-

pflicht entzogen habe. 

6.5  
6.5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet 
‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und 

lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbrin-

gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise ab-

zustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung 

eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

64 BVGE / ATAF / DTAF 

 

substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilde-

rung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung 

einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekt-

heit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. 

Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei 

wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine 

Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des we-

sentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, 

persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach 

nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Wür-

digung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände 

gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 

2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1; 1996 Nr. 27 

E. 3c/aa; 1996 Nr. 28 E. 3a). 

6.5.2 Bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten 
Bedrohung durch den syrischen Geheimdienst Idarat al-Amn as-Siyasi 

stellte sich das BFM zunächst auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer 

habe weder bei der Erstbefragung erwähnt, dass in seinem Haus geheime 

Sitzungen stattgefunden hätten, noch habe er anlässlich der Anhörung er-

läutert, worum es bei diesen geheimen Sitzungen gegangen sei. Da diese 

angeblichen Sitzungen ein zentrales Element des Verhörs durch den Ge-

heimdienst gewesen seien, wäre indes nach Einschätzung des Bundes-

amts zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer darüber berichtet 

hätte. Dieser Standpunkt des BFM beruht offensichtlich auf einem fal-

schen Verständnis der Aussagen des Beschwerdeführers im Rahmen der 

durchgeführten Befragungen. Anlässlich der Erstbefragung gab der Be-

schwerdeführer zu Protokoll, es sei ihm von den staatlichen Behörden 

gesagt worden, man wisse, dass er bei sich zuhause Sitzungen organisiert 

habe. Auf die Frage hin, ob er bei sich tatsächlich solche Sitzungen 

organisiert habe, verneinte er dies (…). Im Rahmen seiner Anhörung 

sagte der Beschwerdeführer aus, der Geheimdienstoffizier, der ihn ver-

hört habe, habe ihm gesagt, dass die Behörden Informationen darüber 

hätten, dass er bei sich zuhause Sitzungen abgehalten habe. Diesen Vor-

wurf habe er zurückgewiesen und gesagt, dass er mit Politik nichts zu tun 

habe. Auf die Frage des Offiziers, weshalb viele junge Leute zu ihm nach 

Hause kämen, habe er geantwortet, dies seien seine Schulkollegen (…). 

Aus den Angaben des Beschwerdeführers anlässlich seiner Befragungen 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 65 

 

im Asylverfahren geht somit hervor, dass er zwar davon berichtete, der 

syrische Geheimdienst habe ihm die Abhaltung von geheimen Sitzungen 

vorgeworfen. Indessen gab er auch dem BFM gegenüber klar zum Aus-

druck, dass dieser Vorwurf nicht den Tatsachen entsprochen habe. Viel-

mehr wiederholte er mehrfach, er sei zu keiner Zeit selbst politisch aktiv 

gewesen. Der Vorwurf des Bundesamts, der Beschwerdeführer habe im 

Asylverfahren die Abhaltung der angeblichen geheimen Sitzungen ver-

schwiegen, erweist sich somit als haltlos. 

6.5.3 Das BFM vertritt weiter den Standpunkt, die angeblichen gehei-
men Sitzungen seien der einzige ersichtliche Grund gewesen, weshalb 

sich der syrische Geheimdienst für den Beschwerdeführer hätte interes-

sieren können. Dabei wird durch das Bundesamt in der angefochtenen 

Verfügung jedoch mit keinem Wort erwähnt, dass der Beschwerdeführer 

im Rahmen der Anhörung ausführte, er sei im Verhör durch den Geheim-

dienst zu verschiedenen Verwandten befragt worden, wobei insbesondere 

über seinen Onkel C. gesprochen worden sei. Diesem Onkel, der von den 

syrischen Behörden im Gefängnis gefoltert und getötet worden sei, habe 

der Geheimdienst vorgeworfen, mit der syrisch-kurdischen Partei PYD 

zusammengearbeitet zu haben. Weiter erwähnte er, dass auch jener On-

kel namens D., von welchem er die am 23. September 2010 beschlag-

nahmten kurdischen Bücher und Flaggen erhalten habe, früher einmal im 

Gefängnis gewesen sei. Mithin machte der Beschwerdeführer gegenüber 

dem BFM deutlich und mit gewisser Ausführlichkeit geltend, dass er mit 

Personen verwandt sei, die aufgrund ihres politischen Engagements zu-

gunsten der kurdischen Sache beziehungsweise für die führende syrisch-

kurdische Partei PYD mit den syrischen Behörden in Konflikt gestanden 

hätten. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb dieser Aspekt in der ange-

fochtenen Verfügung nicht einmal erwähnt, geschweige denn bei der 

Beurteilung des Asylgesuchs berücksichtigt wurde. Angesichts des Inte-

resses der syrischen Behörden an verschiedenen Verwandten des Be-

schwerdeführers ist es jedenfalls keineswegs als unwahrscheinlich zu er-

achten, dass der Genannte durch den Geheimdienst verhört und zur 

Erbringung gewisser Spitzeldienste aufgefordert worden ist. 

6.5.4 Ferner erachtet die Vorinstanz auch das Vorbringen des Be-
schwerdeführers als unglaubhaft, am 23. September 2010 hätten die syri-

schen Sicherheitskräfte eine Hausdurchsuchung durchgeführt, wobei in 

seinem Zimmer kurdische Bücher und Flaggen gefunden und beschlag-

nahmt worden seien, die er dort versteckt gehalten habe. Diesbezüglich 

führte das Bundesamt in der angefochtenen Verfügung aus, der Be-

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

66 BVGE / ATAF / DTAF 

 

schwerdeführer habe zur Frage, wo er sich zu dem Zeitpunkt befunden 

habe, als er von der Hausdurchsuchung erfahren habe, widersprüchliche 

Angaben gemacht. In der Tat gab der Beschwerdeführer im Rahmen der 

Anhörung zunächst an, er sei bei einem Onkel in al-Qamishli (arabisch) 

beziehungsweise Qamişlo (kurdisch) gewesen, der ihm die entsprechen-

de Mitteilung gemacht habe (…). Im späteren Verlauf der Anhörung 

führte er demgegenüber aus, er sei zwar in al-Qamishli gewesen, sei aber 

nicht zu seinem dort wohnhaften Onkel gegangen, sondern habe die 

Nachricht von der Hausdurchsuchung am Autobusterminal von al-

Qamishli telefonisch durch einen Onkel vernommen, der gegenüber dem 

Haus des Beschwerdeführers in B. wohne (…). Jedoch ist zugleich fest-

zustellen, dass es sich bei diesem Widerspruch, soweit ersichtlich, um die 

einzige Unstimmigkeit in den protokollierten Aussagen des Beschwer-

deführers handelt. 

6.5.5 Im Übrigen erweist sich, dass die weiteren Aussagen des Be-
schwerdeführers zu seinen Asylgründen durchgehend detailliert, lebens-

nah und ohne wesentliche Widersprüche ausgefallen sind. Im Sinne einer 

Gesamtbetrachtung aller Glaubhaftigkeitsindizien erscheint die vom Be-

schwerdeführer geltend gemachte Bedrohung durch den Geheimdienst 

Idarat al-Amn as-Siyasi daher ‒ entgegen der Einschätzung der Vorin-

stanz ‒ überwiegend als glaubhaft. 

6.6 Nachdem somit sowohl die Bedrohung durch den staatlichen 
syrischen Geheimdienst Idarat al-Amn as-Siyasi als auch die Verpflich-

tung des Beschwerdeführers zum Militärdienst in der syrischen Armee 

als glaubhaft einzuschätzen sind, ist in einem weiteren Schritt die asyl-

rechtliche Relevanz dieser jeweiligen Verfolgungsaspekte zu prüfen. Da-

bei stellt sich auf den ersten Blick die Frage, ob die Tatsache eines 

einmaligen Verhörs durch den Geheimdienst, der Anwerbung zu Spitzel-

diensten und des Auffindens kurdischer Bücher und Flaggen im Haus des 

Beschwerdeführers ‒ wobei die genannten Gegenstände nicht einmal die-

sem selbst gehörten ‒ zum damaligen Zeitpunkt die erforderliche Intensi-

tät für die Annahme einer asylrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne 

von Art. 3 AsylG aufwies. Jedoch erweist sich diese Frage insofern von 

vornherein als nicht entscheidwesentlich, als zum einen die Probleme mit 

dem Geheimdienst Idarat al-Amn as-Siyasi durch den Umstand überla-

gert werden, dass der Beschwerdeführer damals bereits zur Ableistung 

seiner militärischen Dienstpflicht in der syrischen Armee einberufen 

worden war und sich dem Militärdienst durch seine Ausreise aus Syrien 

entzog. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass sich die politische und 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl 2015/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 67 

 

menschenrechtliche Lage in Syrien seit der Ausreise des Beschwerdefüh-

rers in erheblicher Weise verändert hat (vgl. E. 6.2). 

6.7 Im Vordergrund steht somit im vorliegenden Fall die Beurtei-
lung der Frage, welche asylrechtliche Relevanz der Entziehung von der 

Dienstpflicht in der staatlichen syrischen Armee unter Berücksichtigung 

der im syrischen Bürgerkrieg entstandenen Situation zukommt. 

6.7.1 In der Verfügung vom 8. Januar 2014, kraft welcher das BFM 
wiedererwägungsweise die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung 

nach Syrien feststellte, führte die Vorinstanz zwar aus, der Beschwerde-

führer habe glaubhaft machen können, dass er sich durch seine Ausreise 

aus Syrien der Militärdienstpflicht entzogen habe. Damit lägen konkrete 

Anhaltspunkte dafür vor, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Hei-

matstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK 

verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Indessen gab das BFM keine 

Begründung ab, die erklären würde, weshalb es die Entziehung von der 

Leistung der militärischen Dienstpflicht lediglich im Zusammenhang mit 

dem Wegweisungsvollzug und dessen Zulässigkeit, nicht aber unter dem 

Aspekt der Flüchtlingseigenschaft prüfte. 

6.7.2 Diesbezüglich stellt sich gestützt auf die geltende Praxis (vgl. 
E. 5.7‒5.9) die Frage, welche Behandlung Dienstverweigerer und Deser-

teure seitens der staatlichen syrischen Behörden zu erwarten haben. Wie 

bereits ausgeführt wurde (E. 6.2.1), geht aus einer Vielzahl von Berich-

ten hervor, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Aus-

bruch des Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche oder vermeintliche 

Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. 

Das syrische Militärstrafrecht sieht nach Erkenntnissen des Bundesver-

waltungsgerichts für verschiedene Abstufungen der Entziehung von der 

militärischen Dienstpflicht unterschiedliche Strafmasse vor. Diese variie-

ren zwischen kürzeren Freiheitsstrafen (beispielsweise zwei Monate bis 

ein Jahr bei Nichterscheinen nach einem militärischen Aufgebot in Frie-

denszeiten, wenn der Dienstpflichtige innerhalb von 15 Tagen nach dem 

festgesetzten Termin bei seiner Einheit erscheint; Art. 102 Abs. 1 des 

syrischen Gesetzes über den Militärdienst vom 3. Mai 2007, vgl. 

< http://parliament.sy/forms/uploads/laws/Law/2007/kk_30_2007.htm >, 

abgerufen am 12.12.2014) über lange Haft (so etwa von fünf bis zehn 

Jahren bei Desertion ins Ausland; Art. 101 Abs. 2 des syrischen Militär-

strafgesetzes [syrMStG] vom 13. März 1950 in der Fassung vom 17. Juli 

1979, vgl. < http://parliament.sy/forms/uploads/laws/Decree/00002365. 

tif >, abgerufen am 12.12.2014) bis zur Todesstrafe (bei Desertion mit 

2015/3 Flüchtlingseigenschaft und Asyl 

 

 

68 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Überlaufen zum Feind; Art. 102 Abs. 1 syrMStG). Abgesehen von die-

sem gesetzlichen Strafrahmen geht allerdings aus zahlreichen Berichten 

hervor, dass Personen, die sich dem Dienst in der staatlichen syrischen 

Armee entzogen haben ‒ etwa, weil sie sich den Aufständischen an-

schliessen wollten oder in der gegebenen Bürgerkriegssituation als 

Staatsfeinde und als potenzielle gegnerische Kombattanten aufgefasst 

werden ‒ seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur von Inhaftierung, 

sondern auch von Folter und aussergerichtlicher Hinrichtung betroffen 

sind (vgl. DAVIS/TAYLOR/MURPHY, Gender, conscription and protection, 

and the war in Syria, in: Forced Migration Review Nr. 47/2014, S. 35 ff.; 

HRW, « By All Means Necessary ». Individual and Command 

Responsibility for Crimes against Humanity in Syria, Dezember 2011, 

S. 62 ff.; Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Syrien: Rekrutierung 

durch die syrische Armee, Bern 2014, S. 3 f.; UK Home Office, 

Operational Guidance Note: Syria, vom 21. Februar 2014, Ziff. 3.20.4 ff. 

mit weiteren Nachweisen). 

6.7.3 Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass der Beschwerdefüh-
rer der kurdischen Ethnie angehört, einer oppositionell aktiven Familie 

entstammt und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der 

staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hat. Des Wei-

teren ist zu berücksichtigen, dass er ‒ nachdem er bereits zur mili-

tärischen Dienstleistung einberufen worden war, deren Antritt jedoch 

verschoben hatte ‒ im Zeitraum unmittelbar vor seiner Ausreise von den 

syrischen Behörden auf seine Militärdienstpflicht hingewiesen wurde 

und das Land nur wenige Monate vor Ausbruch des Bürgerkriegs ver-

liess. Angesichts dieses persönlichen Hintergrunds und der erwähnten 

Vorgehensweise des syrischen Regimes ist mit überwiegender Wahr-

scheinlich