# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 407e73d6-4b4a-5c01-845f-315b1addbfac
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-03
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.2015 sowie  Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2015
**Docket/Reference:** DB.2018.185
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/2-db.2018.185--2-st.2018.223-1588773182.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2018.185 
2 ST.2018.223 

Entscheid 

3. Juni 2019 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Christian Mäder und Gerichtsschreiberin Cécile Schmidlin 

A   A G ,   B    

Zustelladresse: C,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführerin/ 
Rekurrentin,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.2015 sowie  
Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2015 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Trotz Mahnung reichte die A AG (vormals D AG; nachfolgend die Pflichtige) 

keine  Steuererklärung  2015  ein.  Mit  Veranlagungsverfügung  und  Einschätzungsent-

scheid vom 2. Juni 2017 schätzte das kantonale Steueramt Zürich die Pflichtige für die 

direkte  Bundessteuer  und  die  Staats-  und  Gemeindesteuern,  Steuerperiode  2015, 

nach  pflichtgemässem  Ermessen  mit  einem  steuerbaren  Reingewinn  von  Fr. 10'000.- 

und einem steuerbaren Eigenkapital von Fr. 100'000.- ein.  

B.  Am  25./27.  Dezember  2017  reichte  die  Pflichtige  die  Steuererklärung  ein. 

Auf die als Einsprache entgegengenommene Eingabe trat das kantonale Steueramt mit 

Entscheiden  vom  28. September  2018  aufgrund  Verspätung  nicht  ein.  Im  Verfahren 

betreffend Staats-  und Gemeindesteuern  wurden der  Pflichtigen  Kosten  von  Fr.  250.- 

auferlegt.  

C.  Mit  Rekurs  vom  22./24.  Oktober  2018  liess  die  Pflichtige  beantragen,  die 

Veranlagung gemäss der eingereichten Steuererklärung vorzunehmen. 

Mit  Verfügung  vom  5.  November  2018  forderte  das  Steuerrekursgericht  die 

Pflichtige  auf,  zu  erklären,  ob  sie  mit  Eingabe  vom  22./24.  Oktober  2018  auch  Be-

schwerde  betreffend  die  direkte  Bundessteuer  habe  erheben  wollen.  Mit  Schreiben 

vom  7. November  2018 erklärte  die  Pflichtige, gegen  alle Einspracheentscheide  2015 

vorgehen  zu  wollen  und  legte  nochmals  ihre  Argumente  dar.  Mit  Schreiben  vom 

17. November 2018 nahm sie unaufgefordert erneut Stellung.  

Mit  Rekurs-  und  Beschwerdeantwort  vom  10.  Dezember  2018  schloss  das 

kantonale  Steueramt  auf  Abweisung  der  Rechtsmittel.  Dies  veranlasste  die  Pflichtige 

dazu, am 18. März/5. und 8. April 2019 erneut unaufgefordert Stellung zu nehmen. Das 

kantonale Steueramt äusserte sich in der Folge nicht mehr.  

Auf die Erwägungen der Einspracheentscheide und die Parteivorbringen ist  – 

soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. 

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Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1.  Erhebt  ein Steuerpflichtiger gegen  einen Nichteintretensentscheid  der Ein-

sprachebehörde  Beschwerde  bzw.  Rekurs,  so  ist  dem  Rekursgericht  die  materielle 

Prüfung des Rechtsmittels auf die Einschätzung bzw. Veranlagung hin verwehrt. Wür-

de  sich  der  Nichteintretensentscheid  der  Vorinstanz  als gesetzwidrig  erweisen,  wären 

die  Akten  zwecks Wahrung  des  gesetzlichen  Instanzenzugs  zur  materiellen  Überprü-

fung der Einschätzung an jene zurückzuweisen (RB 1979 Nr. 57). Auf die Beschwerde 

bzw.  den  Rekurs  ist  daher  nur  insoweit  einzutreten,  als  (sinngemäss)  die  Aufhebung 

der vorinstanzlichen Entscheide verlangt wird. 

2. a) Hat  ein  Steuerpflichtiger  trotz  Mahnung  seine  Verfahrenspflichten  nicht 

erfüllt  oder  können  die  Steuerfaktoren  mangels  zuverlässiger  Unterlagen  nicht  ein-

wandfrei  ermittelt  werden,  so  nimmt  die  Steuerbehörde  die  Veranlagung  bzw.  Ein-

schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  vor  (Art. 130 Abs. 2 Satz  1  des  Bundes-

gesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14.  Dezember  1990  [DBG]  bzw.  § 139 

Abs. 2  Satz  1  des  Steuergesetzes  vom  8.  Juni  1997  [StG]).  Die  Vornahme  einer  Er-

messensveranlagung  bzw.  -einschätzung  setzt  demnach  einen  Untersuchungsnot-

stand voraus. Dieser ist im Regelfall dadurch verursacht, dass der Steuerpflichtige trotz 

Mahnung  Verfahrenspflichten  nicht  oder  nicht  gehörig  erfüllt  hat,  d.h.  seinen  Mitwir-

kungspflichten nicht oder nur unvollständig nachgekommen ist.  

Beweispflichtig für  das Einreichen der  Steuererklärung  ist  die steuerpflichtige 

Person  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  3.  A.  2016, 

Art. 125  N  24  und  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3.  A.,  2013,  §  133  N  39). 

Somit hat sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. 

b)  Gemäss  eigenen  Aussagen  der  Pflichtigen  ist  die  Steuererklärung  2015 

eingereicht worden. Das kantonale Steueramt bestreitet den Empfang ebendieser.  

Die Pflichtige lässt einmal verlauten, die betreffenden Steuererklärungen seien 

im Oktober 2016 eingereicht worden, ein anderes Mal sollen sie davon abweichend im 

März  2017  eingereicht  worden  sein.  Zum  Beweis  beruft  sie  sich  auf  eine  E-Mail  des 

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Treuhandbüros  E  vom  24.  Oktober  2017,  wonach  die  Erklärungen  ordnungsgemäss 

versandt und deren Empfang zweimalig telefonisch nachgefragt worden war.  

Die  Aussagen  der  Pflichtigen  betreffend  Einreichung  der  Steuererklärungen 

divergieren  erheblich  und  lassen  so  Zweifel  an  deren  Glaubhaftigkeit  aufkommen. 

Auch die beigebrachte E-Mail des eigenen Treuhänders vermögen diese Zweifel nicht 

zu  beseitigen.  Tatsächliche  Nachweise  für  die  Postaufgabe  an  den  genannten  Daten 

fehlen  sodann.  Den  Beweis  der  eingereichten  Steuererklärung  konnte sie  damit  nicht 

erbringen. Nach dem Gesagten ist das kantonale Steueramt daher zu Recht zur Veran-

lagung bzw. Einschätzung geschritten.  

3.  a)  Die  Veranlagungsverfügung  und  der  Einschätzungsentscheid  vom 

2. Juni 2017 konnten der Pflichtigen mit dem Vermerk "Briefkasten/Postfach wird nicht 

mehr  geleert"  am  6.  Juni  2017  nicht  zugestellt  werden.  Die  Entscheide  wurden  dem 

kantonalen Steueramt von der Post gleichentags zurückgesandt.  

Mit E-Mail vom 26. Oktober 2017 meldete sich die Pflichtige beim kantonalen 

Steueramt  und  reichte  Unterlagen  für  das  Steuerjahr  2015  ein.  Sie  begründete  ihre 

Kontaktaufnahme  damit,  dass  ihr  Mahnungen  betreffend  die  Zahlung  der  Steuerrech-

nungen  zugestellt  worden  seien.  Sie  habe  aber  vorgängig  weder  die  Einschätzungs-

entscheide  noch  Rechnungen  erhalten.  Das  kantonale  Steueramt  wies  die  Pflichtige 

mit  Antwort  gleichentags  daraufhin,  dass  sie  sich  bezüglich  Fragen  zu  den  Rechnun-

gen an den Rechnungssteller wenden müsse oder gegen die Einschätzungsentscheide 

frist- und formgerecht Einsprache erheben müsse. Sie antwortete wiederum, dass sie 

keine Einsprache erheben könne, da sie nicht über die Einschätzungsentscheide ver-

füge.  Mit  E-Mail  vom  1.  November  2017  wies  das  kantonale  Steueramt  die  Pflichtige 

auf die genauen Voraussetzungen zur Einreichung einer Einsprache hin. Es führte wei-

ter aus, dass die Veranlagungen an die letztbekannte und im Handelsregister angege-

bene Adresse verschickt und nicht abgeholt worden seien. Bei einer schuldhaften Ver-

hinderung gelte die Sendung als am letzten Tag der Abholfrist zugestellt. Die dreissig-

tägige Einsprachefrist gegen die Einschätzungsentscheide sei mittlerweile abgelaufen. 

Sie könne aber auch gegen die Rechnung innert 30 Tagen Einsprache erheben.  

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Mit Schreiben vom 25./27. Dezember 2017 reichte die Pflichtige die Steuerer-

klärungen 2015 ein. Auf Abklärung des Einsprachewillens des kantonalen Steueramts 

hin erklärte sie unter anderem, die Einschätzungsentscheide nie erhalten zu haben. In 

der Folge forderte das kantonale Steueramt die Pflichtige mehrmals auf, einen beleg-

mässigen Nachweis für die unverschuldete Nichtannahme zu erbringen. Die Pflichtige 

antwortete  jeweils  auf  die  Auflagen,  ohne  Belege  beizubringen.  Am  28.  September 

2018 erfolgten die angefochtenen Einspracheentscheide. 

b)  aa)  Nur  eine  als  zugestellt  geltende  Veranlagung/Einschätzung  kann  in 

Rechtskraft  erwachsen  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art.  116  N  18  ff.  DBG  bzw. 

§ 126 N 22 ff. StG, je auch zum Folgenden) bzw. die Einsprachefrist von dreissig Ta-

gen gemäss Art. 132 Abs. 1 DBG bzw. § 140 Abs. 1 StG auslösen. Wenn hingegen die 

Veranlagung/Einschätzung  nicht  rechtswirksam  eröffnet  bzw.  zugestellt  wird,  kann 

dadurch  auch  die  Einsprachefrist  nicht  ausgelöst  werden,  da  dem  Pflichtigen  wegen 

Fehlern bei der Zustellung durch die Steuerbehörde keine Rechtsnachteile erwachsen 

dürfen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 116 N 51 ff. DBG bzw. § 126 N 70a ff. StG, 

je auch zum Folgenden).  

bb)  Die  Zustellung  ist  die  Übergabe  des  schriftlichen  Entscheids  an  die  Per-

son,  an  welche  diese  gerichtet  ist.  Die  Zustellung  von  Verfügungen  und  Entscheiden 

gilt u.a. dann als vollzogen, wenn sie an den Adressaten selbst erfolgt, d.h. ihm ausge-

händigt  wird  bzw.  in  seinen  Machtbereich  (z.B.  Einwurf  in  Briefkasten,  Zustellung  via 

Postfach)  gelangt  (§ 9  Abs.  1  der  Verordnung  zum  Steuergesetz  vom  1.  April  1998 

[VO StG]; vgl. BGr, 21. März 2011, 2C_780/2010). 

Da  die  Zustellung  nur  eine  empfangsbedürftige,  nicht  aber  eine  annahmebe-

dürftige  einseitige  Rechtshandlung  ist,  wird  für  eine  ordnungsgemässe  Zustellung  die 

Kenntnisnahme des Entscheids nicht vorausgesetzt.  

cc)  Beweispflichtig  für  die  rechtswirksame  Eröffnung  einer  Verfügung,  von 

welcher der Ablauf der Einsprachefrist abhängt, bzw. für den Zeitpunkt ihrer Mitteilung 

ist die zustellende Behörde (BGE 129 I 8; BGr, 21. März 2011, 2C_780/2010). Wird die 

Verfügung mit eingeschriebener Post zugestellt, so lässt sich der Zeitpunkt der Zustel-

lung  durch  Einholen  eines  Postlaufzettels  ermitteln,  wobei  es  dem  Empfänger  vorbe-

halten  bleibt,  die  Richtigkeit  oder  Verlässlichkeit  der  postamtlichen  Bescheinigung  im 

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Einzelfall zu entkräften (RB ORK 1947 Nr. 41 = ZR 46 Nr. 76; RB 1961 Nr. 55 = ZR 61 

Nr. 127; BGr, 24. Januar 2012, 2C_570/2011).  

dd) Nach § 9 Abs. 2 VO StG gilt bei schuldhafter Verhinderung der Zustellung 

eine eingeschriebene Sendung am letzten Tag der von der Post angesetzten siebentä-

gigen Abholungsfrist als zugestellt (sogenannte Zustellfiktion). Die Sendung gilt selbst 

dann  am  letzten  Tag  der  siebentägigen  Abholungsfrist  als  zugestellt,  wenn  der  Sen-

dungsempfänger  die  Abholfrist  verlängert  (StE  2001  B  96.21  Nr.  8;  StE 2013  B 93.6 

Nr. 34).  Nach  der  Rechtsprechung  liegt  eine  schuldhafte  Verhinderung  vor,  wenn  der 

Adressat  die  erforderlichen  Vorkehrungen  für  die  Entgegennahme  einer  Sendung  un-

terlässt, obwohl er aufgrund eines bestehenden Prozessrechtsverhältnisses nach Treu 

und Glauben ein behördliches Schreiben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erwar-

ten muss (VGr, 25. Juni 2008, SB.2008.00021, auch zum Folgenden;  www.vgrzh.ch). 

Unter dieser Voraussetzung rechtfertigt es sich, vom Betroffenen zu verlangen, dass er 

seine  Post  regelmässig  kontrolliert  und  allenfalls  längere  Ortsabwesenheiten  der  Be-

hörde  mitteilt  oder  einen  Stellvertreter  ernennt  (VGr,  25.  Juni 2008,  SB.2008.00033 

vom 25. Juni 2008, E. 3.2.) 

Nach  der  Praxis  des  Verwaltungsgerichts  befindet  sich  der  Steuerpflichtige 

bereits  mit  der  im  kantonalen  Amtsblatt  publizierten  öffentlichen  Aufforderung  zur 

Einreichung  der  Steuererklärung 

im  vorausgesetzten  Prozessrechtsverhältnis 

(VGr, 25. Juni  2008,  SB.2008.00021).  Spätestens  mit  Ablauf  der  angesetzten  Frist 

muss  ein  säumiger  Steuerpflichtiger  damit  rechnen,  vom  Gemeindesteueramt  zur 

Nachbringung  der  Steuererklärung  gemahnt  zu  werden.  Diese  Verpflichtung  gilt  zwar 

zeitlich nicht  unbegrenzt;  soweit  die Mahnung  aber  noch  im selben Jahr  erfolgt, kann 

nach  der  Praxis  des  Verwaltungsgerichts  nicht  gesagt  werden,  sie  sei  derart  spät  er-

folgt, dass mit ihr nicht mehr habe gerechnet werden müssen. 

Steht nicht fest, ob die Annahme einer Sendung schuldhaft verhindert wurde, 

so hat die Steuerbehörde, der die Sendung als "nicht abgeholt" zurückgesandt wurde, 

die Zustellung durch die Post zu wiederholen. Dies gilt es vor allem dann zu beachten, 

wenn  die  Sendung  mit  dem  Postvermerk  "Weggezogen.  Nachsendefrist  abgelaufen" 

zurückkommt. Dann kann die Zustellungsfiktion nicht greifen; vielmehr muss die Steu-

erbehörde  Nachforschungen  über  die  neue  Adresse  der  steuerpflichtigen  Person  an-

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stellen  und  die  Zustellung  wiederholen  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art. 116  N 39 

DBG und § 126 N 43 StG). Laut § 9 Abs. 2 VO StG sind nach Treu und Glauben bei 

Adressänderungen der steuerpflichtigen Person oder ihres bevollmächtigten Vertreters 

während  des  Verfahrens  Zustellungen  an  diese  als  erfolgt  zu  betrachten,  wenn  sie 

durch  die  Post  an  die  zuletzt  bekannte  Adresse  gemacht  worden  und  nicht  als  unzu-

stellbar  zurückgekommen  ist  (§  9  Abs.  3  der  Verordnung  zum  Steuergesetz  vom 

1. April  1998  [VO  StG]).  Ist  die  Zustellung  unmöglich,  kann  sie  kraft  Art.  116  Abs. 2 

DBG  durch  öffentliche  Bekanntmachung  im  Amtsblatt  ersetzt  werden  (VGr,  25.  Ju-

ni 2008, SB.2008.00033 vom 25. Juni 2008, E. 3.2).  

ee) Aus dem Gesagten folgt, dass in Fällen, in denen die postalische Zustel-

lung einer Verfügung nicht tatsächlich durch Entgegennahme der Sendung seitens des 

Adressaten oder einer von ihm ermächtigten Person erfolgt, eine Zustellung nur dann 

im Sinn einer Fiktion vermutet werden darf, wenn sie vom Adressaten schuldhaft ver-

hindert  wird.  Dies setzt voraus,  dass  er  zur  Entgegennahme bzw.  Abholung  der  Sen-

dung eingeladen worden ist, oder – bei unterlassener Mitteilung der Adressänderung – 

wenn  die  Sendung  nicht  als  unzustellbar  zurückgekommen  ist  (VGr,  25.  Juni  2008, 

SB.2008.00033 vom  25.  Juni  2008,  E.  3.3).  Eine  Zustellung,  welche  nicht  gehörig  er-

folgt,  zeitigt  keine  Rechtswirkungen  und  muss  wiederholt  werden  (vgl.  zum  Ganzen 

analog  auch  zur  Schweizerischen  Zivilprozessordnung  Lukas  Huber,  Kommentar  zur 

Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 2. A., 2016, Art. 138 N 60 ff.). 

ff)  Die  öffentliche  Aufforderung  zur  Einreichung  der  Steuererklärung  2015 

wurde am ... Januar 2016 im Amtsblatt veröffentlicht (ZStB Nr. 31/117). Gemäss kan-

tonalem  Steueramt  erging  am  16.  November  2016  die  Mahnung  zur  Einreichung  der 

Steuererklärung. Ein Nachweis für den Versand sowie den Erhalt dieser Mahnung fin-

det sich in den Akten nicht, dieser wurde von der Pflichtigen aber auch nicht bestritten. 

Da sie zudem selbst vorbringt, im Oktober 2016 bzw. im März 2017 Steuererklärungen 

eingereicht zu haben – ohne deren Aufgabe sowie Erhalt ihrerseits beweisen zu kön-

nen  –,  ist  davon  auszugehen,  dass  auch  sie  selbst  vom  Bestehen  eines  Prozessver-

hältnisses ausging. Sie musste demnach nach Treu und Glauben mit einer Zustellung 

rechnen. 

Das  kantonale  Steueramt  bringt  in  seiner  Beschwerde-/Rekursantwort  unter 

anderem  vor,  dass  mit  der  Retournierung  der  Einschätzung  bzw.  Veranlagung  2015 

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keine  "Unzustellbarkeit",  sondern  eine  "Nicht  in  Empfangnahme"  mit  dem  Vermerk 

"Briefkasten/Postfach wird nicht geleert", ausgewiesen worden sei. Das Amt habe folg-

lich  von  einer  schuldhaften  Nichtannahme  der  Postsendung  ausgehen  müssen.  Dass 

dies nicht zutreffe, sei ihm erst mit E-Mail vom 10. Februar 2018 mitgeteilt worden; zu-

vor sei nie erwähnt worden, dass die Pflichtige keinen Zugang zur  Post gehabt habe. 

Diese Behauptung sei sodann auch nie belegt worden.  

gg)  Wie  bereits  ausgeführt,  ist  Voraussetzung  für  die  Zustellfiktion,  dass  die 

Sendung tatsächlich avisiert und dann sieben Tage bei der Poststelle aufbewahrt wur-

de. Wird – wie vorliegend – keine Abholungseinladung im Briefkasten hinterlegt und die 

Sendung  an  den  Absender  retourniert,  so  kann  weder  eine  versuchte,  tatsächliche 

noch eine fingierte Zustellung erfolgen. Ohne Zustellung kann der Pflichtigen auch kei-

ne Verweigerung bzw. schuldhafte Verhinderung ebendieser vorgeworfen werden.  

An  diesem  Ergebnis  ändert  nichts,  dass  die  Pflichtige  das  kantonale  Steuer-

amt pflichtwidrig über die vorliegende Zustellproblematik (Postdiebstahl, fehlender Zu-

gang  zum  Briefkasten,  laufende  bzw.  geplante  Sitzverlegung)  nicht  informiert  hatte. 

Demnach  kann  auch  offenbleiben,  ob  das  kantonale  Steueramt  sich  trotz  Organisati-

onsmangels  auf  die  im  Handelsregister  eingetragene  Adresse  verlassen  durfte.  Das 

kantonale Steueramt hätte bei dieser Sach- und Rechtslage Nachforschungen anstel-

len und – falls diese erfolglos verlaufen wären  – eine entsprechende Veröffentlichung 

im Amtsblatt veranlassen müssen.  

Nach  dem  Gesagten  ist  weder  auf  die  weiteren  Ausführungen  der  Parteien, 

insbesondere zum Strafverfahren betreffend Postdiebstahl und zum damit zusammen-

hängenden Gesuch um Fristwiederherstellung, weiter einzugehen noch bilden die Aus-

führungen zu den Steuerperioden 2016 oder 2017 Gegenstand des vorliegenden Ver-

fahrens.  

c)  Zusammenfassend  kann  festgestellt  werden,  dass  die  Veranlagungsverfü-

gung und der Einschätzungsentscheid nicht ordnungsgemäss zugestellt wurden. Nicht 

zugestellte Entscheide können keine Rechtswirkungen entfalten.  

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4. Somit ist das kantonale Steueramt auf die Einsprache der Pflichtigen zu Un-

recht  nicht  eingetreten. Die  Sache  ist  –  unter  Aufhebung  der  Einspracheentscheide  – 

zur Wahrung  des  rechtlichen Gehörs  und  ordnungsgemässen  Eröffnung  der  Veranla-

gungsverfügung  bzw.  des  Einschätzungsentscheides  an  das  kantonale  Steueramt  in 

das Veranlagungs- bzw. Einschätzungsverfahren zurückzuweisen.  

5. Die Kosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin/dem unterliegen-

den Rekursgegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG). 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1. Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom

28. September  2018  wird  aufgehoben  und  die  Sache  zum  Neuentscheid  im  Sinn

der  Erwägungen  an  das  kantonale  Steueramt  ins  Veranlagungsverfahren  zurück-

gewiesen.  

2. Der  Rekurs  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom  28.  Sep-

tember 2018 wird aufgehoben und die Sache zum Neuentscheid im Sinn der Erwä-

gungen an das kantonale Steueramt ins Einschätzungsverfahren zurückgewiesen.

3. Die Kostenauflage des kantonalen Steueramts von Fr. 250.- wird aufgehoben.

[…] 

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