# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ac58c93-afb2-5f06-bf85-951202d82516
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-06-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 25.06.2010 IV 2008/432
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-432_2010-06-25.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/432

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 14.07.2020

Entscheiddatum: 25.06.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 25.06.2010
Art. 28 IVG. Gutachten nicht mehr aktuell. Rückweisung zu weiteren 
Abklärungen und zu neuer Ermittlung des Valideneinkommens bei 
Versicherter, die im Zeitpunkt des Unfalls über keine Berufsausbildung 
verfügte und in der Folge durch IV zur Kauffrau ausgebildet wurde 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Juni 
2010, IV 2008/432).

Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Marie-

Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Andrea Keller

Entscheid vom 25. Juni 2010

in Sachen

R.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Schmucki, Marktgasse 3, Postfach,

9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

Sachverhalt:

A.  

A.a R.___ (Jahrgang 1982) meldete sich am 15. Mai 2000 erstmals zum Bezug von IV-

Leistungen (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Arbeitsvermittlung) 

an. Sie verfüge über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Derzeit absolviere sie bei 

der A.___ eine Bürofachschule (Abschluss Juli 2000); bis 2. Februar 2000 

(Unfallzeitpunkt) habe sie zudem zu 50% als Serviceangestellte in einem Café 

gearbeitet. Sie gab weiter an, diverse Bänder (im rechten Handgelenk) gerissen zu 

haben und operiert worden zu sein. Es sei noch nicht ersichtlich, ob die Operation 

etwas gebracht habe, da unklar sei, wie viele Bänder betroffen seien (act. G 4.1.3). In 

der Folge tätigte die IV-Stelle verschiedene Abklärungen in medizinischer und 

beruflicher Hinsicht. Nachdem die Versicherte eine Arbeitsstelle im administrativen 

Bereich gefunden hatte, schloss die IV-Stelle den Fall mit Verfügung vom 15. Januar 

2001 ab (act. G 4.1.16).

A.b Am 23. Januar 2002 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum 

Leistungsbezug an. Anfangs sei es mit ihrer Tätigkeit im Büro ziemlich gut gegangen. 

Nach und nach hätten sich jedoch wieder Beschwerden eingestellt, welche sie zu einer 

zweiten Hand-Operation gezwungen hätten. Sie habe noch bis Ende Dezember (2001) 

weitergearbeitet. Heute sei es ihr unmöglich, weiterhin in einer Tätigkeit zu arbeiten, bei 

welcher sie tippen müsse (act. G 4.1.17). Mit Arztbericht vom 1. Februar 2002 

attestierte das Kantonsspital St. Gallen, Handchirurgie, der Versicherten als 

Büroangestellte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 3. Februar 2000. Sie könne die 

rechte Hand nicht einsetzen (act. G 4.1.18). Das Kantonsspital Thurgau, Handchirurgie, 

führte im Bericht vom 19. Februar 2002 aus, da die Versicherte die rechte Hand nicht 

mehr gebrauchen könne, könne sie leichteste Gegenstände nicht herumtragen. Zudem 

sei das Arbeiten am Computer nur einhändig möglich. Dadurch komme es zu einer 

extremen Verlangsamung der Arbeitsleistung. Die bisherige Tätigkeit sei ihr fünf 

Stunden pro Tag mit einer Arbeitsleistungsproduktion von 50% zumutbar, so dass 

maximal eine Leistungsfähigkeit von 30% resultieren dürfte. Zur Frage nach der 

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Zumutbarkeit anderer Tätigkeiten führte das Spital aus, es wären lediglich beratende 

Arbeiten ohne grössere Büroarbeiten angezeigt; vor allem Arbeiten, bei denen die 

rechte Hand nahezu nicht gebraucht werde. Die Arbeitsfähigkeit wäre in einem solchen 

Umfeld bis zu 80% realisierbar. Auch ohne Belastung träten aber Beschwerden im 

rechten Handgelenk auf, so dass eine ganztägige Präsenz unter Umständen nicht 

möglich sein dürfte (act. G 4.1.20). Im Verlaufsbericht vom 4. März 2003 attestierte das 

Kantonsspital Thurgau der Versicherten einen stationären Gesundheitszustand (act. G 

4.1.33).

A.c Am 20. August 2004 wurde die Versicherte im Auftrag der Unfallversicherung durch 

Dr. med. B.___, Orthopädische Chirurgie/Handchirurgie, Schulthess Klinik, untersucht 

und begutachtet. Im Gutachten vom 30. August 2004 diagnostizierte Dr. B.___ 

Restbeschwerden des rechten Handgelenks mit zum Teil krampfartigen, zum Teil 

Dauerschmerzen sowie auch belastungsunabhängigen Schmerzen des rechten 

Handgelenks, Bewegungseinschränkung sowie Kraftverlust der rechten dominanten 

Hand im Seitenvergleich bei Status nach Kontusionstrauma mit operativer Versorgung 

einer partiellen lunotriquetralen Bandläsion mittels intrinsischer und extrinsischer 

Kapsel-Bandverstärkung vom 03.03.00, Denervation des rechten Handgelenks am 

17.07.01 sowie Arthroskopie des rechten Handgelenks und Lösen von Verwachsungen 

vom 23.04.02. In einer adaptierten Tätigkeit wäre eine Arbeitsfähigkeit von 75% 

denkbar (act. G 4.2).

A.d Am 15. Oktober 2004 erteilte die IV-Stelle einen Abklärungsauftrag betreffend 

berufliche Massnahmen (act. G 4.1.43). In der Folge erteilte die IV-Stelle der 

Versicherten Kostengutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen 

Ausbildung in der Zeit vom 24. April 2006 bis 22. März 2008 (act. G 4.1.89, 4.1.121 bis 

125, 4.1.149). Die Versicherte absolvierte diese erfolgreich und erlangte am 31. März 

2008 das Kaufmännische Kaderdiplom BVS sowie das interne Diplom der Technischen 

Kauffrau BVS des Bildungszentrums BSV St. Gallen (act. G 4.1.150). Im Schlussbericht 

vom 27. März 2008 hielt die Berufsberaterin fest, die Versicherte mache unter Berufung 

auf die Einschätzung von Dr. med. C.___, FMH Handchirurgie und Chirurgie (vgl. act. G 

4.1.143), geltend, sie sei (nur) zu 50% arbeitsfähig (act. G 4.1.147). Auf Anfrage der IV-

Stelle führte der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (RAD) am 14. 

April 2008 aus, es könne an der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. B.___ festgehalten 

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werden (act. G 4.1.151). Mit Mitteilung vom 25. Juli 2008 schloss die IV-Stelle die 

beruflichen Massnahmen ab (act. G 4.1.155).

B.  

Mit Vorbescheid vom 25. Juli 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, 

dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (act. G 4.1.157). Hiergegen 

erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Schmucki, am 26. 

August 2008 Einwand und beantragte weitere medizinische Abklärungen bzw. die 

Zusprache einer halben Invalidenrente (act. G 4.1.160). Mit Verfügung vom 4. 

September 2008 entschied die IV-Stelle gemäss Vorbescheid und verneinte einen 

Rentenanspruch der Versicherten unter Hinweis auf die neu eingeholte Stellungnahme 

des RAD vom 29. August 2008. Sie ermittelte einen Invaliditätsgrad von 22% (act. G 

4.1.162 f.).

C.  

C.a Mit Eingabe vom 6. Oktober 2008 erhebt der Vertreter der Versicherten 

Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 4. September 2008 sei aufzuheben, 

und die Sache sei zur Festlegung eines Invaliditätsgrads von über 50%, eventuell 

zwischen 40% und 50%, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventuell sei 

ein Invaliditätsgrad von über 50%, subeventuell zwischen 40% und 50% festzulegen 

und die Sache zur Berechnung der Rente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, Dr. B.___ habe lediglich 

festgehalten, dass eine Arbeitsfähigkeit von 75% unter bestimmten Voraussetzungen 

denkbar sei. An dieser subjektiven Einschätzung seien Zweifel angebracht. Aktuell 

betrage die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gemäss Beurteilung von Dr. C.___ 

lediglich 50%. Zudem sei der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt worden 

(act. G 1).

C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. November 2008 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im 

Wesentlichen aus, beim Gutachten von Dr. B.___ handle es sich um eine objektive 

Einschätzung. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich der Gesundheitszustand der 

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Beschwerdeführerin seit der Begutachtung verschlechtert habe. Die 

Beschwerdegegnerin stellte einen neuen Einkommensvergleich an und ermittelte so 

einen Invaliditätsgrad von 18% (act. G 4).

C.c Mit Replik vom 11. Februar 2009 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an 

seinen Anträgen fest. Unter Hinweis auf ein Gutachten des Inselspitals Bern vom 12. 

Dezember 2008, den Bericht einer ergotherapeutischen Abklärung vom 12. Januar 

2009 sowie das Ergebnis der BTE-Belastungsprobe am Simulator vom 12. Januar 2009 

macht er geltend, das Gutachten von Dr. B.___ gebe nicht den aktuellen 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wieder (act. G 9 bis 9.3).

C.d Mit Duplik vom 17. Februar 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag 

fest. Es sei keine Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin 

ausgewiesen (act. G 12).

Erwägungen:

1.   

Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über 

die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In 

materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, 

dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des 

angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den 

materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 

1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 4. 

September 2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der 

revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher 

und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche 

noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen 

intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals 

geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-

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Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des 

Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage 

zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des 

Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber 

der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die 

seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG, des IVG und der IVV 

wiedergegeben.

2.   

2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit 

ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 

verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in 

Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der 

für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 

ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die 

versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der 

notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht 

Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 

70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein 

Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente 

und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.

2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad 

bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf 

Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur 

Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den 

Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang 

und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 

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261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und 

demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung 

des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte 

Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung 

aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens 

eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, 

besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien 

gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).

3.   

3.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung auf das 

Gutachten von Dr. B.___ vom 30. August 2004 (act. G 4.2). Die Beschwerdeführerin 

bestreitet zu Recht nicht, dass dieses Gutachten den oben genannten Anforderungen 

an beweiskräftige Gutachten grundsätzlich genügt, setzt es sich doch eingehend mit 

den von ihr geklagten Beschwerden sowie den medizinischen Vorakten auseinander.

3.2 Allerdings macht die Beschwerdeführerin geltend, Dr. B.___ habe ihr keine 75%ige 

Arbeitsfähigkeit attestiert. Er habe lediglich ausgeführt, dass eine Arbeitsfähigkeit von 

75% unter bestimmten Voraussetzungen denkbar sei. Es handle sich somit um eine 

subjektive Einschätzung. Wenn eine Arbeitsfähigkeit im bestimmten Umfang denkbar 

sei, bedeute dies nicht, dass sie auch im angenommenen denkbaren Ausmass 

tatsächlich vorhanden sei. Zweifel an der subjektiven Schätzung seien insbesondere 

deshalb angebracht, weil das von Dr. B.___ aufgelistete Tätigkeitsprofil den Schluss auf 

eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 75% nicht zulasse, da die geforderten Pausen 

nicht berücksichtigt worden seien.

Dieser Einwand vermag nicht zu überzeugen. Dr. B.___ wurde von der 

Unfallversicherung ausdrücklich damit beauftragt, (u.a.) eine detaillierte 

Zumutbarkeitsbeurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer 

adaptierten Tätigkeit vorzunehmen (vgl. Ziff. 6.2 des Gutachtens). Es war denn auch 

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Sinn und Zweck dieses Gutachtens, (u.a.) Aufschluss über die der Beschwerdeführerin 

noch zumutbare Arbeit zu erhalten. Daher ist davon auszugehen, dass Dr. B.___ der 

Beschwerdeführerin für die von ihm als zumutbar erachteten Tätigkeiten effektiv eine 

75%ige Arbeitsfähigkeit attestierte, auch wenn er diese nur als "denkbar" bezeichnete. 

Ob die im Gutachten als zumutbar erachtete Tätigkeit als Leiterin einer Spielgruppe 

oder Mitarbeiterin in einem Kinderhort oder Kindergarten (die sich die 

Beschwerdeführerin damals gemäss eigenen Angaben durchaus vorstellen konnte) 

tatsächlich mit deren Einschränkungen vereinbar ist, ist vorliegend nicht von 

Bedeutung, zumal diese sich in der Folge zur Kauffrau ausbilden liess. Entscheidend ist 

vielmehr die generelle Umschreibung der Anforderungen an ein zumutbares 

Tätigkeitsprofil. Dr. B.___ hat in diesem Zusammenhang ausgeführt: "1. Tätigkeit, die 

über einen längeren Zeitraum (Tag) verteilt werden kann und mit unterschiedlicher 

momentaner Aktualität durchgeführt werden kann. Diese beinhaltet die Möglichkeit bei 

Bedarf grössere Pausen einzuschalten. 2. Tätigkeit, die einen repetitiven Charakter 

unter Belastung des rechten Handgelenkes aufweist. Längere Tastaturarbeiten sowie 

das Bedienen einer Computermaus rechts ist nicht möglich. Auch hier müsste, wenn 

ein Bedarf für eine solche Arbeit besteht, diese über einen längeren Zeitraum mit zum 

Teil grösseren Pausen verteilt werden. 3. Keine Tätigkeiten, die grob manuellen Einsatz 

der rechten Hand verlangt mit einer Gewichtslimite rechts zum einmaligen Heben von 

ca. 5 kg und repetitiv 1 kg oder weniger." Der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. 

B.___ lag dieses Tätigkeitsprofil zugrunde, weshalb davon auszugehen ist, dass der 

Pausenbedarf der Beschwerdeführerin in der attestierten Restarbeitsfähigkeit von 75% 

berücksichtigt wurde, geht Dr. B.___ doch von einer ganztägigen Präsenz der 

Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz (mit entsprechend reduzierter Leistung) aus. Diese 

Einschätzung erscheint plausibel, zumal sie sich in etwa mit der Beurteilung des 

Kantonsspitals Thurgau deckt, das im Verlaufsbericht vom 4. März 2003 (act. G 4.1.33) 

ausgeführt hatte, es wäre voraussichtlich eine ganztägige Arbeit mit reduzierter 

Leistung angezeigt, wobei diese Reduktion beim Vorliegen einer für die 

Beschwerdeführerin optimalen Arbeit bei maximal 30% liegen könnte.

3.3 Allerdings weist die Beschwerdeführerin zu Recht auf den Umstand hin, dass das 

Gutachten von Dr. B.___ im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung 

bereits mehr als vier Jahre alt war. Zudem war es vor der Ausbildung der 

Beschwerdeführerin zur Kauffrau erstellt worden. Abgesehen davon, dass es sinnvoll 

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gewesen wäre, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nach abgeschlossener 

Ausbildung zur technischen Kauffrau nochmals zu überprüfen, ergeben sich aus den 

Akten Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 

seit der Begutachtung durch Dr. B.___ bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung 

verschlechtert hat. So geht aus dem Gutachten des Inselspitals vom 12. Dezember 

2008 (act. G 9.1) hervor, dass die Beschwerdeführerin seit zwei Jahren an einem 

Einklemmgefühl wie einer Blockade des rechten Handgelenks leidet. Diese könne zum 

Teil in Ruhe oder nach leichter Belastung auftreten. Selbst provozieren könne sie diese 

Blockade nicht; sie wisse auch nicht, wie sie zu verhindern sei. Nachts schlafe sie 

zeitweilig schlecht und erwache wegen krampfartiger Schmerzen ausstrahlend bis in 

die rechte Schulter. Tagsüber könne sie diese krampfartigen Schmerzen besser 

ertragen, da sie sich besser ablenken könne. Nach der letzten Operation vom 23. April 

2002 bis zirka Oktober 2006 seien die Beschwerden etwa stabil gewesen. In den 

letzten zwei Jahren hingegen sei wieder eine leichte Verschlechterung eingetreten, seit 

diese Blockaden und damit verbundene krampfartige Schmerzzustände aufträten. 

Insgesamt werde die rechte Hand sehr schnell müde. Die Expertin stellte neu die 

Diagnose eines CRPS Typ I nach Retinakulumaugmentation zwischen Radius, 

Lunatum, Triquetrum und Scaphoid vom 03.03.2000 wegen lunotriquetraler 

Bandverletzung und erachtete eine neue Evaluation der Arbeitsfähigkeit in geeignetem 

Umfeld für angezeigt. Zwar datiert das Gutachten des Inselspitals erst nach Erlass der 

angefochtenen Verfügung, doch erging es nur rund drei Monate später. Zudem nimmt 

es ausdrücklich Bezug auf die Entwicklung des Gesundheitszustands der 

Beschwerdeführerin im Verlauf der letzten Jahre. Unter diesen Umständen ist davon 

auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bereits vor 

Erlass der angefochtenen Verfügung verschlechtert hat, weshalb weitere medizinische 

Abklärungen angezeigt gewesen wären. Für eine Verschlechterung des 

Gesundheitszustands vor Verfügungserlass spricht auch der Umstand, dass der 

Unfallversicherer, der das Gutachten bei Dr. B.___ in Auftrag gegeben hatte, der 

Beschwerdeführerin seit Abschluss der beruflichen Eingliederung bzw. seit 23. März 

2008 Taggelder auf der Basis einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausrichtet (act. G 

4.1.153).

3.4 Damit basiert die angefochtene Verfügung in medizinischer Hinsicht auf einem 

unzureichend abgeklärten Sachverhalt. Die Verfügung ist daher aufzuheben, und die 

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Sache ist zur ergänzenden Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, 

wobei sich das neue Gutachten ausdrücklich mit der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin als Kauffrau auseinandersetzen müssen wird.

4.   

4.1 Was den Einkommensvergleich anbelangt ermittelte die Beschwerdegegnerin in der 

angefochtenen Verfügung ein Valideneinkommen von Fr. 54'498.-- und ein 

Invalideneinkommen von Fr. 42'385.--, woraus sich ein Invaliditätsgrad von 22% ergab 

(act. G 4.1.163). Das Valideneinkommen dürfte sie dabei aufgrund der vor der 

Wiederanmeldung ausgeübten Bürotätigkeit der Beschwerdeführerin im Jahr 2001 (vgl. 

act. G 4.1.19), aufgerechnet auf das Jahr 2008, ermittelt haben, während sie für das 

Invalideneinkommen auf die Angaben gemäss Lohnempfehlung KV-Schweiz (vgl. act. 

G 4.1.147) abgestellt hat (act. G 4.1.154-2). In der Beschwerdeantwort macht die 

Beschwerdegegnerin geltend, die Beschwerdeführerin habe vorgehabt, eine 

Ausbildung als Servicefachangestellte zu beginnen. Es sei davon auszugehen, dass sie 

diese Ausbildung ohne das Unfallereignis erfolgreich absolviert hätte. Entsprechend sei 

das Valideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen (Sektor Gastgewerbe, 

Anforderungsniveau 3) zu ermitteln, was ein Valideneinkommen von Fr. 47'951.-- 

ergebe. Für das Invalideneinkommen dürfe gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung nicht auf die unverbindlichen Salärempfehlungen des kaufmännischen 

Verbands abgestellt werden. Vielmehr seien auch hier Tabellenlöhne (Sektor 

Dienstleistungen, Anforderungsniveau 3) heranzuziehen, was einem Einkommen von Fr. 

61'312.-- entspreche. Unter Berücksichtigung eines 15%igen Leidensabzugs könne die 

Beschwerdeführerin in einem 75%-Pensum ein Invalideneinkommen von Fr. 39'086.-- 

erzielen. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 18%.

Die Beschwerdeführerin hat das in der angefochtenen Verfügung ermittelte 

Valideneinkommen nicht beanstandet. Demgegenüber hat sie betreffend das 

Invalideneinkommen geltend gemacht, es sei von den Lohnempfehlungen der KV-

Schweiz für die Ostschweiz auszugehen. Zudem sei dem Invalideneinkommen eine 

Arbeitsfähigkeit von 50% zugrundezulegen und es sei ein Leidensabzug von 15% zu 

berücksichtigen. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 57%.

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4.2 Während über das Invalideneinkommen erst nach Durchführung der weiteren 

medizinischen Abklärungen befunden werden kann, erscheinen in Bezug auf das 

Valideneinkommen folgende Bemerkungen angebracht.

4.2.1 Vorliegend geht aus den Akten hervor und ist im Übrigen unbestritten, dass die 

Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls über keine Berufsausbildung verfügte und 

eine solche in jenem Zeitpunkt auch nicht absolvierte.

4.2.2 Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden 

beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als 

Nichtinvalide erzielen könnte, den nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich 

aktualisierten Medianwerts gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für 

Statistik (Art. 26 Abs. 1 IVV). Konnte eine versicherte Person wegen der Invalidität eine 

begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen, entspricht das 

Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, dem durchschnittlichen 

Einkommen von Erwerbstätigen im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde (Art. 

26 Abs. 2 IVV). Unter diese Bestimmung fallen auch Personen, die wegen der Invalidität 

in Bezug auf die ursprünglich beabsichtigte Ausbildung eine weniger qualifizierte 

Ausbildung aufnehmen mussten. Unter der beabsichtigten Ausbildung ist die Situation 

zu verstehen, in der eine junge Person feststehende Ausbildungspläne hat, kurz vor 

dieser Ausbildung jedoch invalid wird (Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit 

in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Februar 2010, Rz 3039, mit Hinweis auf 

ZAK 1973 S. 579).

4.2.3 Nachdem die Beschwerdeführerin, wie bereits erwähnt, im Zeitpunkt des Unfalls 

über keine Berufsausbildung verfügte, erscheint es nicht angebracht, für das 

Valideneinkommen auf den von ihr zuletzt erzielten Lohn als Büroangestellte 

abzustellen, wie dies in der angefochtenen Verfügung getan wurde, ist doch nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie diese Tätigkeit im 

hypothetischen Gesundheitsfall (weiter) ausgeübt hätte. Auch das in der 

Beschwerdeantwort geltend gemachte Abstellen auf Art. 26 Abs. 2 IVV erscheint nicht 

angemessen. So trifft es zum einen nicht zu, dass die Beschwerdeführerin wegen der 

Invalidität eine in Bezug auf die ursprünglich beabsichtigte eine weniger qualifizierte 

Ausbildung aufnehmen musste. Zum anderen kann nicht von einem "feststehenden 

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Ausbildungsplan" der Beschwerdeführerin ausgegangen werden, hatte die 

Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt doch noch keine konkreten Pläne; sie hatte 

damals die Handelsschule begonnen und arbeitete nebenbei im Service.

4.3 Im Rahmen der Rückweisung wird die Beschwerdegegnerin damit auch über die 

Vergleichseinkommen neu zu befinden haben. Beim Valideneinkommen wird sie dabei 

insbesondere prüfen müssen, ob bei der Beschwerdeführerin ein Anwendungsfall von 

Art. 26 Abs. 1 IVV gegeben ist.

5.   

5.1 Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die 

angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache ist zu weiteren Abklärungen 

und anschliessender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.-- 

erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt 

praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat 

deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend ist 

der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückzuerstatten.

5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen 

werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung 

der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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St.Galler Gerichte

1.  In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

4. September 2008 aufgehoben, und die Sache wird zu weiteren Abklärungen und 

anschliessender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.  Die Beschwerdegegnerin bezahlt die Gerichtskosten von Fr. 600.--. Der 

Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.  Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 25.06.2010
	Art. 28 IVG. Gutachten nicht mehr aktuell. Rückweisung zu weiteren Abklärungen und zu neuer Ermittlung des Valideneinkommens bei Versicherter, die im Zeitpunkt des Unfalls über keine Berufsausbildung verfügte und in der Folge durch IV zur Kauffrau ausgebildet wurde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Juni 2010, IV 2008/432).

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		2025-07-19T13:39:47+0200
	"9001 St.Gallen"
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