# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 29b24253-9048-5bd8-99ff-34edfff0d024
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-19
**Language:** de
**Title:** Für die Feststellung des IV-Grades (36.3 %, nichterwerbstätige Beschwerdeführerin) wird auf den detaillierten Haushaltsabklärungsbericht abgestellt. Das Gutachten befasste sich weder mit den einzelnen Haushaltsbereichen, noch wurden die familiären Mitwirkungspflichten berücksichtig.
**Docket/Reference:** IV.2013.00202
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00202.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00202
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Minder
Urteil
vom
19. Februar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Caterina
Nägeli
Bürgi
Nägeli
Rechtsanwälte
Grossmünsterplatz 9, 8001 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1959,
ohne
abgeschlossene
Schul- und Berufs
aus
bildung, reiste im September 1998 in
die
Schweiz ein und war als Hausfrau tätig (Urk.
12/1 Ziff. 6). Am
25.
März 20
08
meldete sie sich unter Hinweis auf
eine
schwere Arthrose
in beiden Knien
,
eine chronisch
posttraumatische
Belas
tungsstörung
, eine
depressive Symptomatik
infolge
eines
Verkehrs
unfalls sowie
ein generalisierte
s
Schmerzsyndrom
bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungs
bezug
an (Urk.
12/
8
Ziff. 7.2)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk.
12/20)
sowie
diverse Arztberichte (Urk.
12/12-13, Urk.
12/21, Urk. 12/32
, Urk.
12/41, Urk. 12/46-48
)
ein
und
zog die Akten des Unfallversicherers bei (Urk.
12/37)
.
Am 1. September 2009 wurde bei der Versicherten eine
Haushalts
abklärung
vor Ort und Stelle durchgeführt (Urk. 12/49).
Mit Vorbescheid vom 6. Oktober 2009 (Urk. 12/52) stellte die IV-Stelle die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach Einwanderhebung (Urk. 12/57
und Urk. 12/61) und dem Eingang weiterer Arz
t
berichte (Urk. 12/64, Urk. 12/67,
Urk.
12/70/5-6, Urk.
12/71-72, Urk.
12/74, Urk.
12/76, Urk.
12/84) liess sie zudem
ein Gutachten erstellen, welche das
Y.___
am 14. Juni 2012 (Urk. 12/88)
erstattete
.
Nach
erneut
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 12/94
und Urk. 12/104
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Januar 2013 (Urk. 2) einen An
spruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2
.
Gegen die Verfügung vom 23. Januar 2013 erhob die Versicherte am 13. Feb
ruar
2013 Beschwerde (Urk. 1) und beantrag
t
e, diese
sei
aufzuheben und
es sei
ihr
eine volle
(richtig: ganze)
,
eventualiter eine 60%ige IV-Rente zuzusprechen. Über
dies sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und in der Person
von Rechtsanwältin Dr. Caterina
Nägeli
eine unentgeltliche Rechtsvertret
erin
zu bestellen
(S. 2)
.
In der Beschwerdeantwort vom 30. April 2013 (Urk. 11) beantragte die IV-Stelle unter Verweis auf ihre Akten die Beschwerde abzuweisen, was der Beschwerde
führerin am 15. Mai 2013 (Urk. 13
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei Versicherten mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung
ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren
und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
So
zialversicherungsrechts
[
ATSG
]
ist sinngemäss anwendbar: Demnach sind für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Fol
gen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 8 Abs. 3 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung,
IVG).
1.2
Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind, und de
nen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Be
messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7
Abs.
2 ATSG ist sinngemäss anwendbar (Art. 28a Abs. 2
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung
[
IVG
]
in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG; spezi
fische Methode; statt vieler BGE 130 V 97 E. 3.3.1). Als Aufgabenbereich der im
Haushalt tätigen Versicherten gelten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haus
halt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Tätig
kei
ten
(Art. 27
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV).
1.3
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer ver
sicherten Person sind - analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) - verschiedene Faktoren zu
berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Per
son
verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen so
wie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen
und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu be
rücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzu
zeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und ange
messen
detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Über
ein
stimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I
733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93
f.
E.
4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege
und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im
Ab
klärungsbericht
enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines
Abklä
rungs
berichts
, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von
teiler
werbs
tätigen
Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des
Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine
grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann,
wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grund
sätz
lich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, d.h. wenn die Be
ur
teilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E.
5.3)
. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die
fach
medizinischen
Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohn
ten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil
es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des
psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu er
kennen (Urteile des Bundesgerichts 9C_086/2009 vom 11. November 2010 E. 7.
2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E. 5.1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2013 (Urk. 2) gestützt auf ihre Abklärungen bei der Beschwerdeführerin zu Hause
davon aus, dass diese in ihrem Aufgabenbereich (Haushalt
s
führung) zu 36 %
eingeschränkt sei. Diese Einschränkung entspreche gleichzeitig dem
Invalidi
täts
grad
, womit kein Rentenanspruch bestehe (S. 1).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, dass
zur Beurteilung
ihrer
einge
schränkten Arbeitsfähigkeit
nicht auf die Abklärungen der Beschwerde
gegnerin
, sondern auf das Gutachten des
Y.___
vom
14. Juni 2012
abzustellen
sei
, welches von einer 60%igen Arbeitsunfähig
keit
ausgehe, beziehungsweise auf die Angaben der Ärzte, welche eine vollum
fäng
liche
Arbeitsfähigkeit bescheinigten
(Urk. 1 S
.
7 ff.)
.
2.3
Unbestritten und aufgrund der Akten ohne weiteres
zutreffend
ist die Quali
fi
kation der Beschwerdeführerin als im Aufgabenbereich (Haushalt) tätige Person.
3.
3.1
Im Gutachten vom 14. Juni 2012 (Urk. 12/88)
nannten
die
Dres
. med.
Z.___
, FM
H Psychiatrie, und
A.___
, FMH Rheumatologie, des
Y.___
folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 36)
:
-
Posttraumatische Belastungsstörung
-
Depressive Störung, mittelschwere bis schwere Episode mit somatischem Syndrom und
Somatisierungstendenzen
-
Chronisches
cervikal
- und lumbalbetontes panvertebrales Syndrom
-
degenerative Veränderung der Wirbelsäule,
Fehlform
der Wirbelsäule, Haltungsinsuffizienz
-
mit muskulärer
Dysbalance
des Schultergürtels
-
mit
cephaler
Schmerzkomponente
-
Rotatorenman
s
chettenruptur
rechts
-
Ruptur der
Supraspinatussehne
rechts (MR-
Arthrographie
rechte Schulter
vom 12.05.2009)
-
Varusgonarthrose
rechts
-
St. n. Knietotalprothese links am 07.08.2000
-
b
ei
Valgusgonarthrose
/
Femoropatellararthrose
linkes Knie
-
St. n. Resektion des hinteren Kreuzbandes, Komponentenwechsel,
poste
rola
terale
Rekonstruktion mit
Semitendinosussehne
bei laterale
r
Flexionsinstabilität am 25.03.2002
Sie berichteten,
dass die Beschwerdeführerin aufgrund der somatischen Ein
schrän
kungen lediglich noch eine rein sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit
,
Pausen einzulegen, ausüben könne.
So
könne sie wegen
der medizinischen Pro
ble
matik
in der rechten Schulte
r
keine Überkopfarbeiten durchführen
.
Die Situ
a
tion
im linken Knie
sei
weitgehend stabil und
die
Beweglichkeit befriedigend.
Weiter führten sie aus,
die Beschwerdeführerin
sei
aufgrund des psychischen Lei
dens in ihrer psychophysischen Belastbarkeit, mithin in ihrer Ausdauer und ihrem Durchhaltevermögen, eingeschränkt
(S. 37)
. Seit dem Unfall im Jahr 2003 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 40 %, wobei diese auch für die Tätigkeit im Haushalt gelte
. Aufgrund des bisherigen Verlaufs sei von einer eher schlechten Prognose auszugehen
(S.
38)
.
3.2
Am 1. September 2009 wurde bei der Beschwerdeführerin eine
Haushalts
abklä
rung
vor Ort
durchgeführt. Mit Bericht vom 7.
September 2009 (Urk. 12/49) führ
te
n
die Abklärungsperson
en
aus, die Beschwerdeführerin wohne seit Dezem
ber 2008 mit ihrer Tochter
, geboren 1982 (Urk. 12/1 Ziff. 3),
und deren Sohn zu
sammen (Ziff. 1).
Sie nahm
folgende Gewichtung der Haushaltbereiche vor und erhob dabei folgende Einschränkungen (Ziff. 6.1-
7
):
Aufgabe
Gewichtung
Einschränkung
Behinderung
Haushaltführung
5 %
0 %
0 %
Ernährung
35 %
20 %
7 %
Wohnungspflege
18 %
50 %
9 %
Einkauf und weitere Besorgungen
10 %
0 %
0 %
Wäsche und Kleider
-
pflege
17 %
40 %
6.80 %
Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen
15 %
90 %
13.50 %
Verschiedenes
0 %
0 %
0 %
Total
100 %
36.30 %
Die Abklärungsperson
en
kam
en
zum Schluss
, es
sei
der Beschwerdeführerin zu
mutbar
,
sitzend zu rüsten, in Etappen zu kochen und leichte Reinigungsarbeiten auszuführen (S. 5).
Auch sei es ihr zumutbar
,
oberflächliche Arbeiten auf Körperhöhe zu erledigen (Badreinigung mit Spray) und abzustauben.
Dasselbe
gelte für den alltäglichen Einkauf. Ebenfalls könne sie
die Wäsche in Etappen be
sorgen (S. 6).
Die Abklärungsperson hielt fest, dass Arbeiten im Haushalt, welch
e
die Beschwerdeführerin invaliditätsbedingt nicht mehr verrichten könne, durch die
Tochter erledigt w
ü
rden (
S. 7
).
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass das
Y.___
-Gutachten vom 14. Juni 2012
(Urk. 12/88)
in Kenntnis der
V
orakten
(Anamnese) ergangen ist und
sich
eingehend
mit
den
i
n den Akten befindlichen Arztberichten a
useinandersetzt
e
.
Von
besonderer Bedeutung
ist
aber
, dass es sich
lediglich
auf die medizinische
Be
gründung
einer Arbeitsfähigkeit
beschränkt
und
sich
nicht
mit den
konkreten Gegebenheiten
im Haushalt
der Beschwerdeführerin
auseinandersetzt. Ohne
sich
mit den einzelnen Haushalt
bereichen
zu befassen, wird angenommen, die Be
schwer
deführerin sei ebenfalls in ihrem Aufgabenbereich zu 40 % einge
schränkt.
Dabei
werden im Gutachten
die
Mitwirkungspflichten von
den
im gleichen Haus
halt lebenden Familienmitgliedern nicht thematisiert.
4.2
Der Haushaltsabklärungsbericht vom 7. September 2009 (Urk. 12/49)
setzt sich
demgegenüber
detailliert mit den einzelnen Haushaltstätigkeiten auseinander
,
berücksichtig die familiären Mitwirkungspflichten
und legt nachvollziehbar
und schlüssig
dar, in welchem
Umfang
die Beschwerdeführerin noch in der Lage ist
,
leichte Haushaltstätigkeiten
zu verrichten
.
Hinsichtlich der festgestellten Tatbe
stände ist
der Bericht
schlüssig und nachvollziehbar.
So ist es
, entgegen der Auf
fassung der Beschwerdeführerin
(Urk. 1 S. 11)
,
durchaus nachvollziehbar, dass
sie in der Haushaltsführung aufgrund der Mitwirkungspflicht der Tochter nicht ein
geschränkt ist.
Auch ist es nachvollziehbar, dass sie trotz ihrer Einschrän
kung
in der Schulter kleinere Haushaltsarbeiten (wie Rüsten im Sitzen, oberflächliche
Reinigungen), welche
alles nicht Überkopfarbeiten sind
, erledigen kann. Wes
halb
,
wie von
der Beschwerdeführerin
geltend gemacht
(S. 13)
,
ihr
leichtes Abstauben und Abwischen
un
möglich sein soll
en
, vermag nicht einzuleuchten. Können diese leichten Arbeiten
etappenweise
doch auch mit der linken Hand ausgeführt werden.
Vorliegend sind keine
besonderen
Umstände gegeben, welche den
Haushalts
ab
klärungsbericht
vom 7. September 2009 (Urk. 12/49)
als mangelhaft oder unge
eignet erscheinen liessen.
Er
entspricht den an ihn gestellten Anforderungen, so das
s
für die
Entscheidungfindung
darauf abgestellt werden kann.
4.3
Ein Widerspruch zum
Y.___
-Gutachten ist dadurch nicht gegeben: Die gut
ach
terlich festgestellte medizinisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 60 % entsprich
t
nicht unbesehen dem Invaliditätsgrad im Haushaltbereich. Einerseits sind die Ge
gebenheiten im konkreten Haushalt zu berücksichtigen und die einzelnen Ar
beitsbereiche entsprechend zu gewichten, was von den Ärzten nicht gemacht wurde.
Dem Gutachten kann insbesondere nicht entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin in jeder Teiltätigkeit in gleich hohem Ausmass von 60 % eingeschränkt ist. Sodann ist der Mitwirkungspflicht der übrigen Haushalt
an
ge
hörigen entsprechend Beachtung zu schenken. Diese ist aufgrund der konkreten Situation zu beurteilen und nicht nach standardisierten Vorstellungen (vgl. hierzu das entsprechende Vorbringen der Beschwerdeführerin, Urk. 1 S. 15 f.).
In den klassischen Haushalttätigkeiten wurde denn auch von der
Abklä
rungs
person
eine hohe Einschränkung angenommen: Im Bereich Ernährung eine solche
von 35 %, was unter Berücksichtigung der angepassten und
etappierten
Essens
zubereitung
sowie unter Berücksichtigung der Mithilfe der Tochter einer me
dizinisch-theoretischen 60%igen Einschränkung nicht widerspricht. Ebenso ist eine Einschränkung in der Wohnungspflege von 50 % - unter Berücksichtigung der Mithilfe der Tochter bei schwereren Arbeiten - mit der gutachterlich fest
ge
legten 60%igen Arbeitsunfähigkeit vereinbar. Dass schwere Einkäufe durch die Tochter mit dem Auto erledigt werden, erklärt die bloss geringe Einschränkung
(10 %) bei medizinisch-theoretischer 60%iger Arbeitsunfähigkeit im Bereich Ein
kauf. Die Einschränkung in der Wäschebesorgung von 40 % ist ebenfalls mit der
60%igen Arbeitsunfähigkeit vereinbar, wird diese doch zum grossen Teil durch
die Tochter erledigt. Dass die Beschwerdeführerin das Enkelkind nicht selb
stän
dig
betreuen kann, führt zur Annahme einer 90%igen Einschränkung in diesem Teil
bereich und damit eines wesentlich höheren Wertes als die pauschale ärztliche
Einschätzung. Die Gewichtung mit 15 % (vgl. den entsprechenden Vorhalt der Be
schwerdeführerin, Urk. 1 S. 15 oben) ist angesichts der Fremdbetreuung an vier Tagen nicht zu beanstanden.
Nachdem sich die Tochter der Beschwerdeführerin wieder verheiratet, ein zwei
tes
Kind geboren hat, im Umfang von nunmehr 50 % arbeitet und mit ihrer Familie und der Beschwerdeführerin zusammenlebt (Urk. 1 S. 15) ist mittlerweile gar
eine erhöhte Mithilfe der übrigen Haushaltmitglieder, namentlich des Ehemannes
der Beschwerdeführerin, möglich. Insofern erübrigt sich der
Beizug
eines neuen Haushaltberichtes.
4.
4
Angesichts fehlender Angaben zur Arbeitsfähigkeit im Haushalt kann aus den äl
teren ärztlichen Berichten auf nichts Abweichendes geschlossen werden.
Zu
sammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführer
in
aufgrund
der ge
klagten Leiden und Behinderungen
zu 36.3 % im Aufgabenbereich einge
schränk
t und damit von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 36 % aus
zu
gehen ist.
Die angefochtene Verfügung vom 23. Januar 2013 erweist sich als korrekt, wes
halb die Beschwerde abzuweisen ist.
4.5
Bei diesem Ausgang des Verfahrens braucht auf die Frage, ob der Beschwer
de
führerin überhaupt ein eigener Aufgabenbereich im Sinne von Art. 27 IVV zuge
rechnet werden kann, nicht näher eingegangen zu werden.
Festzuhalten ist indes, dass als Nichterwerbstätige nur jene Versicherten an
spruchsberechtigt sind, die in einem Aufgabenbereich im Haushalt oder - was hier ausser Acht fällt - in einer klösterlichen Gemeinschaft tätig sind (Thomas
Ackermann, Die Bemessung des Invaliditätsgrades, in: Sozialversicherungs
rechts
tagung 2012, Kieser/Lendfers [Hrsg.], S. 54). Die Beschwerdeführerin ist allein stehend und lebt im Haushalt mit der Familie ihrer erwachsenen Tochter. Es ist
ungewiss, ob deren Haushalt als Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin heran
gezogen werden darf.
5.
5.1
Zu prüfen ist schliesslich der Anspruch der Beschwerdeführerin auf unent
gelt
liche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
im Beschwerdeverfahren (Urk. 1
S. 2).
5.2
Vorliegend sind die Voraussetzungen gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt, so dass das Gesuch zu bewilligen is
t
(Urk.
1 S.
2, vergleiche dazu auch Urk.
3/8 S. 9 ff. und Urk. 3/9-27
)
. Die Be
schwer
deführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen.
5.3
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
60
0.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang
des Verfahrens sind die Kosten de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, infolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
5.4
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Dr.
Nägeli
, ist ausgangsgemäss aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Nach Einsich
t in ihre Kostennote vom 27. Januar 2014 (Urk. 14/2) ist die Entschädigung auf Fr. 2‘259.75 festzulegen.
Das Gericht
beschliesst
:
In Bewilligung des Gesuchs vom 13. Februar 2013 wird der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Dr. Caterina Nägeli, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt und es wird ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt.
Sodann erkennt das Gericht:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Dr.
Caterina
Nägeli, Zürich,
wird mit Fr.
2'259.75
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hin
ge
wiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Dr. Caterina
Nägeli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMinder