# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d9fbae64-8608-5c38-ac9f-feaf3dc7c4df
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-07
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015
**Docket/Reference:** DB.2019.126
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/2-db.2019.126--2-st.2019.164.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2019.126 
2 ST.2019.164 

Entscheid 

 7. September 2021 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichter Christian Griesser, Ersatzrichter 
Claude Treyer und Gerichtsschreiber Marius Obertüfer 

In Sachen 

1.  A ,    

2.  B ,    

Nr. 2 vertreten durch Nr. 1,  

gegen 

K a n t o n   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

Beschwerde-/ 
Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  A  (nachfolgend  der  Pflichtige)  hat  in  im  Jahr  199X  das  Anwaltspatent  er-

worben  und  ist  seit  199X  selbstständig  als  Rechtsanwalt  mit  Spezialisierung  im 

……recht erwerbstätig. Seit 200X, d.h. auch in der vorliegend im Streit liegenden Steu-

erperiode  2015,  betrieb  er  zusammen  mit  C  unter  Anwendung  eines  Kostenteilungs-

systems die Anwaltskanzlei A & C in der Gemeinde D. Zudem führte er eine unabhän-

gige Anwaltskanzlei an seinem Wohnort E. Seine damalige Ehefrau, B (die Pflichtige), 

ebenfalls  patentierte  Rechtsanwältin,  arbeitete  in  unselbständiger  Stellung  mit  einem 

Teilzeitpensum in den Kanzleien mit. 

Bis  und  mit  Steuerperiode  2014  führte  der  Pflichtige  eine  Buchhaltung 

nach der IST-Methode und reichte anstatt Jahresrechnungen verschiedene Aufstellun-

gen  ein.  Aufgrund  des  Inkrafttretens  des  neuen  Rechnungslegungsrechts  (32. Titel 

[Art. 957  ff.]  des  Schweizerischen  Obligationenrechts  vom  30.  März  1911  in  der 

Fassung  vom  23. Dezember  2011)  per  1. Januar  2013  und  der  nach  Ablauf  einer 

Übergangsfrist zwingenden Anwendbarkeit der neuen Regelungen ab dem Geschäfts-

jahr 2015 liess der Pflichtige durch seinen beigezogenen Steuervertreter erstmals eine 

ordnungsgemässe  Buchführung  und  Rechnungslegung  nach  dem  neuen  Rechnungs-

legungsrecht  (SOLL-Methode)  erstellen,  da  er gemäss  Art. 957 Abs. 1  Ziff. 1 OR  auf-

grund eines  Vorjahresumsatzes  von  über  Fr.  500'000.-  die  Buchführung über  Einnah-

men  und  Ausgaben  sowie  über  die  Vermögenslage  im  Sinn  einer  IST-Methode  mit 

Aufstellungen nicht mehr fortführen durfte. 

In  ihrer  Steuererklärung  2015  deklarierten  die  Pflichtigen  für  die  direkte  Bun-

dessteuer 2015 ein steuerbares Einkommen von Fr.             bzw. für die Staats- und 

Gemeindesteuern 2015 ein steuerbares Einkommen von Fr.             sowie ein steuer-

bares Vermögen von Fr.               . In den Bemerkungen zur Steuererklärung führten 

sie aus, aufgrund der nicht freiwilligen erstmaligen Anwendung des neuen Rechnungs-

legungsrechts,  insbesondere  durch  die  zeitliche  Abgrenzung  der  Debitoren  und  nicht 

fakturierten  Dienstleistungen,  welche  im  Vergleich  zu den Abgrenzungen  auf  der  Auf-

wandseite deutlich höher ausfielen, werde das Ergebnis wesentlich besser dargestellt, 

als  es  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  entspreche.  Der  Jahresgewinn  vor  An-

passung an das neuen Rechnungslegungsrecht betrage lediglich Fr.          , weshalb 

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der  in  der  Jahresrechnung  ausgewiesene  Jahresgewinn  von  Fr.                        um  Fr. 

310'327.96  über  der  effektiven  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  liege.  Dementspre-

chend sei das satzbestimmende Einkommen zu reduzieren. 

Nach Durchführung einer Buchprüfung am 19./20. September 2018 unterbrei-

tete  das  kantonale  Steueramt  den  Pflichtigen  nach  verschiedenen  Korrekturen  im 

Vergleich zur  Deklaration  am  2.  November  2018  einen Veranlagungs-  bzw.  Einschät-

zungsvorschlag, mit welchem ohne Berücksichtigung einer Herabsetzung des satzbe-

stimmenden Einkommens für die direkte Bundessteuer 2015 ein steuerbares Einkom-

men  von  Fr.                           sowie  für  die  Staats-  und  Gemeindesteuern  ein  steuerbares 

Einkommen von Fr.           .- bzw. ein steuerbares Vermögen von Fr.          in Aussicht 

gestellt wurde. Die Pflichtigen retournierten die unterzeichneten Vorschläge am Folge-

tag,  erklärten  indes in diesen,  dass  sie mit  der  nicht  anhand genommenen  Herabset-

zung des satzbestimmenden Einkommens nicht einverstanden seien. In der Folge be-

stätigte das kantonale Steueramt die Steuerfaktoren mit Veranlagungsverfügung bzw. 

Einschätzungsentscheid vom 11. Dezember 2018. 

B.  Mit  Einsprache  vom  10.  Januar  2019  beantragten  die  Pflichtigen  für  die 

direkte  Bundessteuer  2015  bzw.  für  die  Staats-  und  Gemeindesteuern 2015  ein  satz-

bestimmendes Einkommen von Fr. 130'773.- bzw. Fr. 122'372.-, dies unter Hinweis auf 

den bisherigen Rechnungsstellungsmodus, die Unfreiwilligkeit des Systemwechsels bei 

der Rechnungslegung, die steuerliche Erfassung der während der 2. Hälfte des Jahres 

2015 zwar erbrachten, aber weder fakturierten noch bezahlten Dienstleistungen sowie 

auf  die  neu  erforderliche  zeitliche  Abgrenzung  der  Debitoren,  welche  im  Vergleich  zu 

den Abgrenzungen auf der Aufwandseite deutlich höher ausfalle. Aufgrund dieser Fak-

toren  werde  das  Geschäftsergebnis  insgesamt  um 68.5%besser  darstellt,  als  es  der 

tatsächlichen  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  im  Jahr  2015  entspreche.  Die  Ein-

schätzung  erfasse  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  von  mindestens  18 Monaten 

zuzüglich weiterer Leistungen, welche der Pflichtige in den Jahren zuvor erbracht und 

zwar  in  Rechnung  gestellt  habe,  von  denen  er  aber  nicht  wisse,  wann  und  ob  über-

haupt  diese  jemals  bezahlt  würden.  Ein  Vergleich  mit  den  Vorjahren  zeige  ebenfalls 

auf,  dass  die  Steuerfaktoren  2015  weit  über  der  tatsächlichen  wirtschaftlichen  Leis-

tungsfähigkeit lägen. Die Betreuung seines 2015 schwer erkrankten und zu Beginn des 

Folgejahrs  verstorbenen  Vaters  habe  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  sicherlich 

nicht erhöht, sondern vielmehr vermindert. Die Nichtberücksichtigung eines reduzierten 

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satzbestimmenden  Einkommens  führe  im  Vergleich  zur  Steuerlast  entsprechend  der 

tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu einer inakzeptablen Mehrbelastung 

im Umfang von 88%. 

Das  kantonale  Steueramt  wies  die  Einsprachen  insbesondere  unter  Hinweis 

auf eine fehlende gesetzliche Grundlage für die Anwendung eines reduzierten satzbe-

stimmenden Einkommens sowohl bezüglich der direkten Bundessteuer 2015 als auch 

bezüglich der Staats- und Gemeindesteuern mit Entscheiden vom 24. Juli 2019 ab. 

C.  Mit  Beschwerde  bzw.  Rekurs  vom  24.  August  2019  hielt  der  Pflichtige  an 

seinen Anträgen und seiner bisherigen Begründung fest und setzte sich mit der seines 

Erachtens  mangelhaften  Begründung  der  Einspracheentscheide  auseinander.  Wäh-

rend  sich  die  seit  2019  vom  Pflichtigen  geschiedene  Pflichtige,  die  Eidgenössische 

Steuerverwaltung und die Steuergemeinde Richterswil hierzu nicht vernehmen liessen, 

schloss das kantonale Steueramt am 13. September 2019 auf Abweisung der Rechts-

mittel. Der Pflichtige nahm hierzu in der Folge mit Eingabe vom 12. Juli 2021 Stellung. 

Auf die Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  Zwischen  den  Parteien  ist  streitig,  ob  die  Steuerfolgen  des  sich  aus  der 

Revision  des  Rechnungslegungsrechts  für  den  Pflichtigen  aufgrund  eines  Vorjahres-

umsatzes  von  über  Fr.  500'000.-  ergebenden  Zwangs,  im  Jahr  2015  seine  bisher  als 

Grundlage  für  die  Ermittlung  seines  steuerbaren  Einkommens  aus  selbstständiger 

Erwerbstätigkeit  (zuzügl.  ausländischer  Verwaltungsratshonorare)  dienenden  Auf-

zeichnungen im Sinn der sogenannten IST-Methode durch eine umfassende Buchfüh-

rung  bzw.  Rechnungslegung  im  Sinn  der  sogenannten  SOLL-Methode  inkl.  Aktivie-

rungszwang für nicht fakturierte Dienstleistungen gemäss Art. 957a ff. OR zu ersetzen, 

den  Grundsatz  der  Besteuerung  nach  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  gemäss 

Art. 127  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  

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18.  April  1999  (BV)  verletzen  und  deshalb  eine  Korrektur  auf  Stufe  der  Bestimmung 

des  satzbestimmenden  Einkommens  der  Pflichtigen  im  Sinn  ihres  Beschwerde-/Re-

kursantrags zu erfolgen hat. 

Vor  der  Prüfung  der  an  sich  einzig  Streitgegenstand  bildenden  Zulässigkeit 

dieser von den Pflichtigen beantragten Korrektur bei der Satzbestimmung ist vorfrage-

weise  in  einem  ersten  Schritt  zu  prüfen,  ob  das  kantonale  Steueramt  das  steuerbare 

Einkommen des Pflichtigen aus seiner selbstständigen Erwerbstätigkeit als Anwalt (zu-

zügl.  ausländischer  Verwaltungsratshonorare)  gemäss  der  SOLL-Jahresrechnung 

2015  in  der  Steuerperiode  2015  in  dem  Sinn  korrekt  ermittelt  hat,  dass  darin  als  Be-

messungsbasis  für  die  Besteuerung  sämtliche  im  Geschäftsjahr  2015  zugeflossenen 

Einkommensbestandteile  erfasst  worden  sind  und  deshalb  auf  Stufe  des  steuerbaren 

Einkommens von einer Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aus-

zugehen ist.  

2.  a)  Art.  957  Abs.  1  Ziff.  1  OR  in  der  Fassung  vom  23.  Dezember  2011,  in 

Kraft  gesetzt  auf  1.  Januar  2013,  sieht  vor,  dass  Einzelunternehmen,  die  einen  Um-

satzerlös  von  mindestens  Fr.  500'000.-  im  letzten  Geschäftsjahr  erzielt  haben,  einer 

umfassenden Buchführungs-  bzw.  Rechnungslegungspflicht  im  Sinn  der sogenannten 

SOLL-Methode  gemäss  Art.  957a  ff.  OR  unterliegen.  Diese  Regelung  findet  gemäss 

Art.  2  Abs.  1  der  einschlägigen  Übergangsbestimmungen  (vgl.  AS  2012,  S. 6696) 

erstmals Anwendung für das Geschäftsjahr, das zwei Jahre nach Inkrafttreten der Ge-

setzesänderung, d.h. im Jahr 2015, beginnt.  

b) Aufgrund eines Umsatzes im Geschäftsjahr 2014 von Fr.             wovon Fr.  

                   auf  Anwaltshonorare  des  Pflichtigen  entfallen  sind  (vgl.  Fragebogen  für 

selbständigerwerbende  Anwälte  ohne  kaufmännische  Buchhaltung,  Beilage  zur  Steu-

ererklärung  2014,  unterliegt  der  Pflichtige  unbesehen  des  Umstands,  dass  er  einen 

freien Beruf ausübt (Greter/Zihler, in: Pfaff/Glanz/Stenz/Zihler, Rechnungslegung nach 

Obligationenrecht,  veb.ch  Praxiskommentar,  2. A.,  2019,  Art. 957  N 24)  handelsrecht-

lich ab dem Geschäftsjahr 01.01. - 31.12.2015 zu Recht dieser umfassenden Buchfüh-

rungs- bzw. Rechnungslegungspflicht. Ebenso zu Recht ist der Pflichtige als Angehöri-

ger  eines 

liberalen  Berufs  vor  diesem  Stichtag  handelsrechtlich  keiner 

Buchführungspflicht unterstanden (Neuhaus/Schärer, in: Basler Kommentar, Obligatio-

nenrecht  II,  4.  A.,  2012,  Art.  957  N  17  OR)  und  steuerrechtlich  berechtigt  gewesen, 

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nach der sogenannten IST-Methode, gemäss welcher die Einnahmen im Zeitpunkt des 

Zahlungseingangs der Rechnung gutzuschreiben und die Aufwendungen erst im Zeit-

punkt der Zahlung zu belasten sind, vereinfacht Buch zu führen.  

3.  a)  Steuerrechtlich  gilt  Einkommen  in  Anwendung  der  SOLL-Methode  als 

realisiert,  sobald  die  steuerpflichtige  Person  Leistungen  vereinnahmt  oder  zumindest 

einen  festen  Rechtsanspruch  darauf  erwirbt,  über  den  sie  tatsächlich  verfügen  kann 

(Forderungserwerb).  Auf  den  Zeitpunkt  der  tatsächlichen  Erfüllung  im  Sinn  des  Zah-

lungseingangs  kommt  es  –  im  Gegensatz  zur  IST-Methode  –  grundsätzlich  nicht  an, 

es  sei  denn,  die  Erfüllung  der  Forderung  erweise  sich  als  ganz  besonders  unsicher. 

Honoraransprüche  aus  einem  Mandatsverhältnis  gelten  grundsätzlich  bei  Erledigung 

des  Auftrags als  einkommenssteuerrechtlich  zugeflossen,  wobei  die Praxis  aus  Grün-

den der Vereinfachung auch auf den Zeitpunkt der Rechnungsstellung abstellt. Hierbei 

ist  zu  beachten,  dass  das formale  Kriterium  der  Rechnungsstellung  insbesondere  bei 

verzögerter  Fakturierung  nicht  entscheidend  sein  kann.  Solche  Forderungen  sind  im 

Zeitpunkt ihres Erwerbs zu aktivieren und ertragsseitig zu erfassen (vgl. zum Ganzen: 

Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2. A., 2019, Art. 18 N 72 ff.; Reich/Weid-

mann, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direk-

te  Bundessteuer,  3. A.,  2017,  Art.  16  N  34  ff.  DBG;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Handkommentar  zum  DBG,  3. A.,  2016,  Art.  18  N  143  und  Art.  41  N 47  DBG;  Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Rohner,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  4. A.,  2021,  § 18 

N 125  i.V.m.  § 50  N 37  StG,  jeweils  mit  weiteren  Hinweisen).  Soweit  Aufträge  noch 

nicht erledigt und deshalb noch nicht in Rechnung gestellt sind, besteht seit der Einfüh-

rung des neuen Rechnungslegungsrechts – aufgrund der Aufnahme der nicht fakturier-

ten Dienstleistungen in die Mindestgliederungsvorschriften für das Umlaufvermögen in 

der  Bilanz  gemäss  Art. 959a  Abs  1  Ziff.  1  OR  –  überdies  neu  eine  handelsrechtliche 

Aktivierungspflicht  zu  den  Herstellungskosten  für  noch  nicht  fakturierte  Dienstleistun-

gen (vgl. Peter Böckli, OR-Rechnungslegungsrecht, 2. A., 2019, N 176 und 361), wobei 

gemäss zürcherischer Einschätzungspraxis bei der Berechnung die Herstellungskosten 

steuerrechtlich  mit  60%  des  noch  nicht  in  Rechnung  gestellten  Fakturawerts  berück-

sichtigt  werden  (Richner/Frei/Kaufmann/Rohner,  § 64  N 39  StG).  Bei  Anwendung  der 

IST-Methode hingegen erfolgt der steuerrechtliche Einkommenszufluss erst im Moment 

des  Zahlungseingangs.  Die  Aktivierung  eines  Debitorenbestands  ist  hierbei  ebenso 

wenig vorgesehen wie – bei freien Berufen – diejenige der nicht fakturierten Dienstleis-

tungen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Rohner, § 18 N 129 f. StG). 

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b)  Ein  Methodenwechsel  von  der  IST-  zur  SOLL-Methode  ist  steuerrechtlich 

zulässig, wobei jedoch Gewähr dafür zu bieten ist, dass das Einkommen kontinuierlich 

und lückenlos erfasst wird. Ein solcher darf jedenfalls nicht dazu führen, dass ein Teil 

des  Berufseinkommens  der  Besteuerung  entgeht.  Vielmehr  ist  sicherzustellen,  dass 

keine  Komponente  des  Berufseinkommens  der  Besteuerung  entzogen  wird.  Dies 

gilt  nicht  nur  bei  einer  freiwilligen  Methodenwahl  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Art. 118 N 150 DBG; Richner/Kaufmann/Frei/Rohner, § 18 N 132 StG; VGr, 24. August 

2016, SB.2016.00046/SB.2016.00047, E. 2.2, www.vgrzh.ch, mit weiteren Hinweisen), 

sondern  auch  bei  einem  erzwungenen  Methodenwechsel  (BGr,  11. Februar 2000, 

2A.338/1998  =  StE  2000  B  23.41  Nr. 3,  E.  2d  betreffend  den  obligatorischen  Metho-

denwechsel von der IST- zur SOLL-Methode bei der Einkommensermittlung [insb. Ge-

winnanteil] eines Anwalts als Gesellschafter einer als einfache Gesellschaft konstituier-

ten  grösseren  Anwaltskanzlei,  da  Letztere  u.a.  auch  für  die  Ermittlung  der  Gewinn-

anteile freiwillig eine Buchhaltung nach kaufmännischen Grundsätzen führte), weshalb 

der  dem  Pflichtigen  aufgrund  seiner  Umsätze  ab  dem  Geschäftsjahr  2015  auferlegte 

Zwang,  die  bisherige  Buchführung  seiner  Anwaltstätigkeit  nach  der  IST-Methode  in 

der Steuerperiode 2015 in eine solche nach der SOLL-Methode zu überführen, zu kei-

nem  Dispens  von  der  lückenlosen  Erfassung  seines  diesbezüglichen  Einkommens  in 

dieser Steuerperiode führen kann. 

4. a) Gemäss Darstellung des Pflichtigen hat dieser seit der Aufnahme seiner 

selbstständigen  Erwerbstätigkeit  im  Jahr  199X  und  der  damit  verbundenen  Buchfüh-

rung  nach  der  IST-Methode  seinen  Fakturierungsrhythmus  dergestalt  eingerichtet, 

dass im Januar eines Jahres jeweils die Dienstleistungen der zweiten Hälfte des Vor-

jahres sowie im Juli eines Jahres jeweils die Dienstleistungen der ersten Hälfte dieses 

Jahres  in  Rechnung  gestellt  worden  sind,  wobei  in  der  Regel  jeweils  innerhalb  von 

sechs  Monaten  mit  dem  Zahlungseingang  und damit  in Anwendung  der IST-Methode 

mit dem Einkommenszufluss habe gerechnet werden können. 

Dieser vom Pflichtigen gewählte Fakturierungsrhythmus führt im Fall von des-

sen  Beibehaltung in  den  Jahren  2014/2015  in der  ersten  nach der  SOLL-Methode  zu 

erstellenden Jahresrechnung 2015 – unter Vorbehalt von Wertberichtigungen und Ab-

schreibungen zufolge tatsächlicher Forderungsverluste – aufgrund der Kombination der 

nachfolgenden Faktoren zu einem im Vergleich zu den Vorjahren erhöhten steuerbaren 

Einkommen  aus  seiner  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  als  Anwalt  (zuzügl.  ausländi-

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scher Verwaltungsratshonorare):  

-  die im Januar 2015 fakturierten Arbeiten aus dem 2. Halbjahr 2014;  

-  die im Juli 2015 fakturierten Arbeiten aus dem 1. Halbjahr 2015; 

-  die vom  Pflichtigen  ab  Juli  2015 geleisteten  Stunden, für  welche  er  bei Beibehal-

tung des Abrechnungsrhythmus bis Ende 2015 noch keine Rechnung gestellt hat, 

um Umfang von 60%. Diese wirken sich aufgrund der erstmaligen Aktivierung auf-

grund der neuen Aktivierungspflicht für nicht fakturierte Dienstleistungen in diesem 

Umfang  ertragssteigernd  aus.  Sollte  der  Pflichtige  in Abweichung  vom  bisherigen 

Fakturierungsrhythmus  auch  im  zweiten  Halbjahr  2015  für  Dienstleistungen  aus 

dieser Periode Rechnung gestellt haben, ergäbe sich aufgrund einer Erhöhung der 

Erstaktivierung  der  Debitoren  derselbe  Effekt  (allerdings  zu  100%  des  Forde-

rungsbetrags). 

b) Unabhängig vom Fakturierungsrhythmus des Pflichtigen wirkt sich der Me-

thodenwechsel  in  der  Rechnungslegung  2015  auch  bezüglich  derjenigen  Honorarfor-

derungen ertragswirksam aus, welche der Pflichtige im Geschäftsjahr 2014 oder früher 

abgerechnet hat und diese Rechnungen entweder erst im Geschäftsjahr 2015 bezahlt 

worden  oder  aber  bis  Ende  des  Geschäftsjahres  2015  offengeblieben  und  deshalb 

erstmalig im Debitorenbestand Ende 2015 zu aktivieren gewesen sind. 

5. a) Der Pflichtige erachtet die sich aus dem Methodenwechsel bzw. der neu 

eingeführten  Aktivierungspflicht  für  nicht  fakturierte  Dienstleistungen  ergebende  er-

tragserhöhende Kombination der vorstehend beschriebenen Einkommensfaktoren ins-

besondere unter Hinweis auf seine Geschäftsergebnisse der Jahre 2007 bis 2014 als 

nicht mit dem in Art. 127 Abs. 2 BV verankerten Grundsatz der Besteuerung nach der 

wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vereinbar.  

b) Auch wenn diese Kritik aufgrund der langjährigen Buchführung des Pflichti-

gen  nach  der  IST-Methode  und  des  damit  verbundenen  Verständnisses  der  Anknüp-

fung  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  an  die  Zahlungseingänge  auf  den  ein-

schlägigen  Bankkonti  verständlich  ist,  greift  diese  in  der  vorliegenden  Steuerperiode 

des  Methodenwechsels  zur  SOLL-Methode  und  der  neu  eingeführten  Aktivierungs-

pflicht für nicht fakturierte Dienstleistungen zumindest bei der Ermittlung des steuerba-

ren Einkommens dennoch zu kurz.  

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aa)  Von  vornherein  nicht  zielführend  ist  der  vom  Pflichtigen  angeführte  Ver-

gleich  mit  den  erzielten  Gewinnen  aus  einer  Anwaltstätigkeit  (zuzügl.  ausländischer 

Verwaltungsratshonorare)  bzw.  den  Veranlagungen/Einschätzungen  aus  den  Jahren 

200X  bis  2014.  In  all  diesen  Jahren  fand  kein  Methodenwechsel  mit  den  sich  daraus 

ergebenden einkommenssteuerrechtlichen Konsequenzen statt und bestand auch kei-

ne Aktivierungspflicht für nicht fakturierte Dienstleistungen. Vielmehr erfolgte die Ermitt-

lung des Einkommens aus der Tätigkeit des Pflichtigen als Anwalt und Verwaltungsrat 

kontinuierlich  nach  der  IST-Methode,  wobei  die  in  einem  Geschäftsjahr  aufgrund  des 

Zahlungseingangs  steuerrechtlich  realisierten  Honorareinkünfte jeweils  auf  Dienstleis-

tungen des zweiten Halbjahrs des Vorjahres und des ersten Halbjahres des Geschäfts-

jahrs beruht haben. 

bb) Mit der 2015 erstmalig erfolgenden Erfassung insbesondere der Einkünfte 

nach der SOLL-Methode gemäss revidiertem Rechnungslegungsrechts verändert sich 

die Sichtweise über den Zeitpunkt der Realisation solcher Einkünfte. Im Vergleich zur 

IST-Methode kommt es zu einer Vorverschiebung des Realisationstatbestands, sei es, 

dass hierfür auf den Abschluss der Leistungserbringung oder aber spätestens auf den 

Zeitpunkt der Rechnungsstellung abgestellt wird. Bei der Prüfung, ob die Besteuerung 

des Pflichtigen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht, ist diese frühere Ein-

kommensrealisation zu berücksichtigen. Die im Jahr 2015 fakturierten Dienstleistungen 

haben  daher  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  des  Pflichtigen  –  unter  Vorbehalt 

einer  späteren Wertberichtigung  oder  Abschreibung  –  bereits  im  Zeitpunkt  der  Faktu-

rierung erhöht.  

Zu keinem anderen Ergebnis würde der Standpunkt führen, die Abrechnungen 

im Januar 2015 für abgeschlossene Dienstleistungen des zweiten Halbjahrs 2014 sei-

en aufgrund des Zeitdifferenz von bis zu sechs Monaten seit dem Abschluss der jewei-

ligen Dienstleistungen als verzögert zu betrachten und das Einkommen diesfalls nach 

dem  Massstab  der  SOLL-Methode  rückblickend  eigentlich  bereits  als  im  Jahr  2014 

zugeflossen  zu  würdigen.  Eine  solche  Betrachtungsweise  würde  indes  ausser  Acht 

lassen, dass der Pflichtige in der letzten Steuerperiode vor dem Methodenwechsel zu-

lässigerweise  noch  nach  der  IST-Methode  abgerechnet  hat  und  damit  eine  Verzöge-

rung in der Rechnungsstellung nicht bereits in jenem Jahr zu einem bestehenden und 

besteuerten Einkommenszufluss aufgrund der Aktivierung eines Debitorenbestands hat 

führen können, welcher Letzterer nach dem Methodenwechsel von den laufenden Ein-

gängen des ersten Geschäftsjahrs unter der SOLL-Methode ertragsmindernd abzugs-

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fähig wäre (vgl.  zum ganzen  auch  BGr,  11.  Februar  2000,  2A.338/1998).  Eine  solche 

durch  den  Methodenwechsel  begründete,  dem  Grundsatz  der  Besteuerung  nach  der 

wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  widersprechende  Besteuerungslücke  kann  nur 

durch die Erfassung dieser Einkünfte im ersten Geschäftsjahr unter der SOLL-Methode 

2015  geschlossen  werden.  Über  solche  verschiebungsbedingten  Differenzen  ist  mit 

anderen Worten  im  Systemwechselfall  steuerlich  abzurechnen (Greter/Zihler,  Art. 957 

N 49 a.E.). 

Dieselben  Erwägungen  rechtfertigen  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Besteue-

rung  nach  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  auch  die  Erfassung  sämtlicher  –  im 

Jahr  2015  bezahlen  oder  noch  offenen  –  Rechnungen  aus  dem  Jahr  2014  bzw.  der 

weiteren  Vorjahre.  Auch  hier  gilt,  dass  diese  Rechnungsstellungen  aufgrund  der  bis 

Ende  2014  zulässigerweise  getätigten  Methodenwahl  des  Pflichtigen  in  jenen  Jahren 

noch  zu  keinem  besteuerten  Einkommenszufluss  geführt  haben  und  eine  Nichterfas-

sung  im  Geschäftsjahr  2015  (als  eingegangenes  Honorar  bzw.  als  aktivierter  Debito-

renbestand) zu einer Besteuerungslücke im Zusammenhang mit dem Methodenwech-

sel  führen  würde.  Der  Aufschub  der  steuerlichen  Erfassung  der  älteren  noch  nicht 

beglichenen Forderungen während der Anwendung der IST-Methode kommt – wie das 

kantonale Steueramt in seiner äusserst knappen, aber gerade noch hinreichenden Be-

gründung der Einspracheentscheide anmerkt  – in seiner Wirkung der Schaffung einer 

stillen  Reserven  gleich.  Soweit  diese  Forderungen  noch  werthaltig  sind  und  daher  in 

der ersten Jahresrechnung nach der SOLL-Methode keiner Wertberichtigung oder Ab-

schreibung zufolge eines tatsächlichen Forderungsverlusts unterliegen, sind diese stil-

len  Reserven  durch  Aufnahme  in  den  erstmalig  zu  aktivierenden  Debitorenbestand 

aufzulösen. 

cc) Aufgrund des vom Pflichtigen gewählten Fakturierungsrhythmus von gros-

ser Bedeutung ist die ab dem Rechnungsjahr 2015 gesetzlich verbindlich vorgeschrie-

bene  Aktivierungspflicht für  nicht fakturierte  Dienstleistungen.  Soweit  der  Pflichtige  im 

Laufe  des  Jahres  2015  unter  Verzicht  späterer  Fakturierungsläufe daran festgehalten 

hat, letztmals im Juli 2015 seine zwischen Januar und Juni 2015 erbrachten Dienstleis-

tungen abzurechnen, führt dies per Bilanzstichtag 31. Dezember 2015 zu einem erheb-

lichen  erstmaligen  Aktivierungsbedarf  im  Umfang  eines  Halbjahres-Faktura-Volumens 

für  das  zweite  Halbjahr 2015 multipliziert  mit  dem  Faktor  0.6  als  Massstab für  die  Er-

mittlung  der  zu  aktivierenden  Herstellungskosten.  Diese  erstmalige  handelsrechtlich 

gebotene  Bilanzierung,  welche  aufgrund  der  Massgeblichkeit  der  Handelsbilanz  die 

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Basis  für  die  steuerrechtliche  Gewinnermittlung  bildet,  führt  als  rein  buchhalterischer 

Vorgang  zu einem steuerbaren  Ertrag,  obwohl  es  auf  den Bankkonti  zu keinerlei  Ein-

kommenszuflüssen gekommen ist. 

Dieser  zusätzliche  Ertrag  ist  aufgrund  der  ausdrücklichen  handelsrechtlichen 

Grundlage  auch  steuerrechtlich  hinzunehmen.  Die  erstmalige  Aktivierungspflicht 

verstösst denn auch in steuerrechtlicher Hinsicht nicht gegen das Gebot der Besteue-

rung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Es werden damit keine inexistenten 

Erträge der Besteuerung zugeführt, sondern es erfolgt im Umfang der Herstellungskos-

ten lediglich eine zeitlich frühere Erfassung des Ertrags in zeitlich engerem Konnex zur 

Dienstleistungserbringung.  Die  allenfalls  markanten  Ertragsfolgen  der  erstmalige  Akti-

vierung  dieser  nicht  fakturierten  Dienstleistungen  in  der  ersten  Jahresrechnung  nach 

neuem Rechnungslegungsrecht werden im Folgejahr dadurch kompensiert, dass der in 

diesem Folgejahr nunmehr fakturierte Betrag im Ergebnis – durch den steuermindern-

den  Wegfall  der  entsprechenden  Aktivierung  als  nicht  fakturierte  Dienstleistung  im 

Rahmen  der  Bestandsermittlung  am  Ende  des  Folgejahrs  –  nur  im  Umfang  der  Diffe-

renz zu den im Vorjahr aktivierten Herstellungskosten steuerlich erfasst wird.  

Zumindest  aus  der  rückblickenden  Perspektive  der  ab  dem  Geschäftsjahr 

2015  geltenden  SOLL-Methode  hat  der  vom  Pflichtigen  seit  Aufnahme  seiner  selbst-

ständigen Erwerbstätigkeit im zweiten Halbjahr 199X gewählte Fakturierungsrhythmus 

überdies dazu geführt, dass es für das Geschäftsjahr 199Xzu einer Nichtbesteuerung 

innerhalb  der  einschlägigen  Steuerperiode  bzw.  zu  einem  Besteuerungsaufschub  ins 

Folgejahr 199X+1 für die ab dem Gründungsdatum im September 199X bis zum Jah-

resende  199X  erfolgten  Dienstleistungen  gekommen  ist.  Diese  Dienstleistungen  sind 

dann zwar im Fall des Zahlungseingangs im Folgejahr 199X+1 steuerlich erfasst wor-

den, wobei es indes wiederum zu einem Steueraufschub für die Dienstleistungen des 

zweiten Halbjahrs des Folgejahrs 199X+1 gekommen ist. Diese von Periode zu Perio-

de  verschobene  steuerrechtliche  Erfassung  sowie  der  damit  verbundene  Steuerauf-

schub für  die  Dienstleistungen  des jeweiligen  zweiten  Halbjahrs kommt  in seiner Wir-

kung wiederum der Schaffung einer stillen Reserve gleich (vgl. BGr, 11. Februar 2000, 

2A.338/1998  =  StE  2000  B  23.41  Nr. 3,  E  3c),  welche  in  der  ersten  Jahresrechnung 

unter  Geltung  der  SOLL-Methode  (2015)  aufgrund  der  erstmaligen  Aktivierungspflicht 

für nicht fakturierte Dienstleistungen im Umfang der Herstellungskosten ertragswirksam 

aufzulösen  ist.  Auf  diesen  Umstand  hat  das  kantonale  Steueramt  –  wenn  auch  äus-

serst knapp und nicht sehr präzise – zurecht hingewiesen. 

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dd)  Soweit  der  Pflichtige  seine  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  durch  den 

Umstand vermindert sieht, dass sich seine Kunden zum grössten Teil im Ausland be-

fänden und es sich deshalb bereits aus Kostengründen als illusorisch erweise, bereits 

in Rechnung gestellte Forderungen zwangsvollstreckungsrechtlich oder gerichtlich ein-

treiben zu wollen, ist dem zu entgegnen, dass dieses Risiko im Rahmen des Abschlus-

ses  der  Jahresrechnung  2015  gemäss  der  SOLL-Methode  durch  die  vom  kantonalen 

Steueramt akzeptierte einkommensmindernde Erstverbuchung eines auf 10% des De-

bitorenbestands  pauschalierten  Delkredere  bereits  berücksichtigt  worden  ist.  Sofern 

der  Pflichtige  den  Umfang  dieses  Risikos  als  höher  erachtet,  hätte  es  ihm  offen  ge-

standen, die gefährdeten Forderungen unter Beilage aussagekräftiger Unterlagen und 

Erfahrungszahlen einer höheren einkommensmindernden Wertberichtigung durch Ein-

zelbewertung zuzuführen, worauf er jedoch im Jahresabschluss 2015 ebenso verzich-

tet hat wie auf die Geltendmachung tatsächlicher Forderungsverluste. 

ee) Der Einwand des Pflichtigen, wonach sich die wirtschaftliche Leistungsfä-

higkeit  der  Pflichtigen  aufgrund  einer  starken  familiären  Beanspruchung  (Pflege  des 

im  Sommer  2015  schwer  erkrankten  Vaters  des  Pflichtigen  bis  zu  dessen  Tod  im 

Januar  2016)  nicht  erhöht,  sondern  gegenteilig  vermindert  habe,  vermag  ebenfalls 

nicht  zu  überzeugen.  Soweit  diese  Doppelbelastung  im  zweiten  Halbjahr  2015  beim 

Pflichtigen  bzw.  dessen  damaligen  Ehefrau  zu  Einschränkungen  in  seiner/ihrer  Er-

werbstätigkeit als Anwalt/Anwältin oder Verwaltungsrat geführt hat, ist dieser Umstand 

bei  Beibehaltung  des  bisherigen  Abrechnungsrhythmus  in  Form  einer  Ende  2015  im 

Vergleich  zum  Normalbetrieb  verminderten  erstmaligen  Aktivierung  noch  nicht  faktu-

rierter  Dienstleistungen  in  den  Rechnungsabschluss  2015  nach  dem  neuen  Rech-

nungslegungsrecht  eingeflossen.  Sofern  der  Pflichtige  in  Abänderung  des  bisherigen 

Abrechnungsrhythmus auch noch in der zweiten Jahreshälfte 2015 Leistungen aus der 

Periode ab 1. Juli 2015 abgerechnet haben sollte, ergäbe sich im Vergleich zum Nor-

malbetrieb derselbe Verminderungseffekt beim Debitorenbestand. 

ff) Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass anlässlich der Veranlagung 

des  steuerbaren  Einkommens  der  Pflichtigen  für  die  direkte  Bundessteuer  2015  bzw. 

die  ebensolche  Einschätzung  des  steuerbaren  Einkommens  für  die  Staats-  und  Ge-

meindesteuern  2015  der  Grundsatz  der  Besteuerung  nach  der  wirtschaftlichen  Leis-

tungsfähigkeit gemäss Art. 127 Abs. 2 BV insofern nicht verletzt worden ist, als sämtli-

che  darin  enthaltenen  Einkommensbestandteile  korrekterweise  als 

in  der 

Steuerperiode 2015 zugeflossen und damit steuerrechtlich realisiert gelten. 

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6.  Dieses  Zwischenergebnis  auf  Stufe  der  Ermittlung  des  steuerbaren  Ein-

kommens  wird von  den  Pflichtigen trotz  der  angebrachten  Kritik  an  sich auch nicht  in 

Frage  gestellt.  Vielmehr  beantragen  diese  unter  Hinweis  darauf,  dass  aufgrund  des 

zwingenden  Methodenwechsels  in  der  Steuerperiode  2015  im  Ergebnis  das  Einkom-

men  von  über  18  Monaten  zuzüglich  noch  älterer,  d.h.  im  Jahr  2014  und  zuvor  in 

Rechnung  gestellter  Forderungen  besteuert  würde,  eine  steuerbelastungsmildernde 

Korrektur im Rahmen der Ermittlung des satzbestimmenden Einkommens. 

a) Auch wenn unter den Gesichtspunkten der Einkommensrealisation und des 

Periodizitätsprinzips  davon  auszugehen  ist,  dass  die  Erfassung  sämtlicher  in  einer 

Steuerperiode  realisierter  Einkommensbestandteile  im  Rahmen  der  Ermittlung  des 

steuerbaren  Einkommens  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  entspricht,  führen 

insbesondere Konstellationen mit aperiodischen Einkommenszuflüssen im Zusammen-

spiel  mit  der  progressiven  Ausgestaltung  der  Einkommenssteuertarife  zu  einem  Pro-

gressionseffekt,  welcher  nicht  mehr  mit  dem  Grundsatz  der  Besteuerung gemäss  der 

wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  vereinbar  ist  und  deshalb  auf  der  Stufe  der  Ermitt-

lung  des  satzbestimmenden  Einkommens  eine  steuerlastmindernde  Korrektur  erfor-

dert. Dies vor dem Hintergrund, dass ein progressiver Einkommenssteuertarif konzep-

tionell auf alljährlich zufliessende Einkünfte zugeschnitten ist und der Gesetzgeber bei 

der  Festlegung  der  verschiedenen  Tarifstufen  von  der  Vorstellung  ausgeht,  dass  die 

entsprechenden  Steuerpflichtigen  regelmässig  ein  Einkommen  in  etwa  dieser  Höhe 

erzielen  und  deshalb  wirtschaftlich  leistungsfähiger  sind  als  die  Vergleichsgruppen, 

welche  diese  Einkommensstufe  nicht  erreichen.  Schnellt  das  Einkommen  bei  Steuer-

pflichtigen, die gewöhnlich tiefere Einkommen aufweisen, in einer Bemessungsperiode 

aufgrund des Zuflusses von einmaligen Einkünften in atypischer Weise erheblich in die 

Höhe,  so  verlangt  das  Leistungsfähigkeitsprinzip  wegen  der  progressiven  Ausgestal-

tung  der  Tarife,  dass  diesem  Umstand  angemessen  Rechnung  getragen  wird  (vgl. 

Markus  Reich,  Steuerrecht,  3.  A.,  2020,  S.  436  f.;  Reich/Cavelti,  in:  Kommentar  zum 

Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die  Harmonisierung  der  direkten 

Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden,  3.  A.,  2017,  Art.  11  N  34  StHG;  Ivo  P.  Baum-

gartner,  in:  Kommentar zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die  di-

rekte Bundessteuer, 3. A., 2017, Art. 37 N 1 ff. und Art. 38 N 1 ff. DBG; Richner/Frei/ 

Kaufmann/Meuter,  Art.  37  N  2  DBG;  Locher,  Art.  37  N  1  f.;  Richner/Frei/Kaufmann/  

Rohner, § 36 N 4 StG; Michael Angehrn, in: Tarolli Schmidt/Villard/Bienz/Jaussi, Kom-

mentar zum Basler Steuergesetz, 2019, § 38 N 2 StG BS).  

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b)  In  der  Steuergesetzgebung  des  Bundes  (Art.  11  des  Bundesgesetzes  über 

die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden  vom  14.  De-

zember 1990 [StHG] sowie Art. 37, 37b und 38 des Bundesgesetzes über die direkte 

Bundessteuer  vom  14.  Dezember  1990  [DBG])  wie  auch  in  derjenigen  des  Kantons 

Zürich (§§ 36, 37 und 37b des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]) sind drei sol-

cher  Konstellationen  aperiodischer  Einkommenszuflüsse  als  Sonderfälle  erfasst,  in 

welchen deren Progressionswirkung gebrochen wird, sei es durch spezielle Regeln für 

die  Ermittlung  des  satzbestimmenden  Einkommens  (Kapitalabfindung  für  wiederkeh-

rende Leistungen), sei es in Form einer vom übrigen Einkommen getrennten Besteue-

rung  (Realisation  stiller  Reserven  in  den  letzten  zwei  Jahren  vor  Aufgabe  der  selbst-

ständigen  Erwerbstätigkeit)  oder  einer  Kombination  beider  Methoden  (Kapitalleistung 

aus Vorsorge). Da die Gesetzgeber anlässlich der Einführung des neuen Rechnungs-

legungsrechts  davon  abgesehen  haben,  allfällige  progressionswirksame  Folgen  des 

erzwungenen Methodenwechsels von der IST- zur SOLL-Methode abzumildern, bleibt 

zur  prüfen,  ob  diese  Konstellation  einem  der  bestehenden  Sonderfälle  zugeordnet 

werden kann. 

c) Da der Pflichtige im Jahr 2015 nicht vor der Aufgabe der selbstständigen Er-

werbstätigkeit  gestanden  hat  und  der  ausserordentliche  Einkommenszufluss  in  der 

Steuerperiode  auch  nicht  von  einem  Vorsorgeträger  geleistet  worden  ist,  kann  beim 

vorliegend massgebenden Sachverhalt einzig die Sonderbestimmung für Kapitalabfin-

dungen für wiederkehrende Leistungen gemäss Art. 11 Abs. 2 StHG, Art. 37 DBG bzw. 

§ 36 StG) infrage kommen.  

In  diesem  Zusammenhang  gilt  es  allerdings  zu  beachten,  dass  Lehre  und 

Rechtsprechung davon ausgehen, dass es sich bei der Realisierung von stillen Reser-

ven  auf  dem  Geschäftsvermögen  nicht  um  eine  Entschädigung  für  eine  periodisch 

wiederkehrende  Leistung  handelt,  auch  wenn  sich  dieser  Ertrag  steuerperiodenüber-

greifend gebildet  hat (Reich/Cavelti,  Art.  11  N  36b  StHG;  Ivo  P.  Baumgartner,  Art. 37 

N 10e  DBG;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art.  37  N  17  DBG;  Richner/Frei/Kauf-

mann/Rohner,  §  36  N  21  StG;  Angehrn,  §  38  N  5  StG  BS;  BGr,  5.  Oktober  2000, 

2A.68/2000 = StE 2001 B 29.2 Nr. 7, E. 4b). In gesetzessystematischer Hinsicht wird 

diese  Betrachtungsweise  untermauert  durch  die  per  1.  Januar  2009  (Art.  11  Abs. 5 

StHG),  2011  (Art.  37b  Abs.  1  DBG)  und  2015  (§  37b  Abs.  1  StG)  erfolgte  Inkraftset-

zung der Sonderbestimmungen für die Besteuerung von Liquidationsgewinnen bei der 

definitiven  Aufgabe  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  nach  dem  vollendeten 

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55. Altersjahr  oder  zufolge  Unfähigkeit  zur  Weiterführung  infolge  Invalidität,  welche 

einzig für diese spezielle Sachverhaltskonstellation eine progressionsbrechende sepa-

rate Besteuerung für die Summe der in den letzten beiden Geschäftsjahren realisierten 

stillen Reserven vorsieht. 

Wie  in  den  vorstehenden  Erwägungen  5b/bb  und  5b/cc  dargestellt,  kommen 

dem Aufschub der steuerlichen Erfassung älterer, d.h. im Jahr 2014 oder zuvor faktu-

rierter  und  noch  nicht  beglichener  Forderungen  während  der  Anwendung  der  IST-

Methode  ebenso wie der  von  Periode  zu  Periode  verschobenen  steuerrechtlichen  Er-

fassung und dem damit verbundenen Steueraufschub für die Dienstleistungen des je-

weiligen  zweiten  Halbjahrs  aufgrund  des  vom  Pflichtigen  gewählten  Fakturierungs-

hythmus  in  ihrer  Wirkung  der  Schaffung  stiller  Reserven  gleich.  Die  Auflösung 

derselben  aufgrund  der  Vorgaben  des  neuen  Rechnungslegungsrechts  sind  daher 

nicht anders zu behandeln wie die Auflösung anderer Arten von stillen Reserven aus-

serhalb  der  Sondersituation  der  alters-  oder  invaliditätsbedingten  Geschäftsaufgabe 

Selbstständigerwerbender.  Eine  ertrags-  bzw.  steuerlastmindernde  Übergangskorrek-

tur ist diesfalls ausgeschlossen (vgl. hierzu BGr, 11. Februar 2000, 2A.338/1998 = StE 

2000  B 23.41  Nr. 3,  E  3b  a.E.  betreffend  Ertragsminderung  sowie  Prozessgeschichte 

lit. A,  aus  welcher  hervorgeht,  dass  keine  Korrektur  auf  Ebene  der  Satzbestimmung 

erfolgt ist). 

7. Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass dem Pflichtigen in der Periode 

zwischen der Verabschiedung des neuen Rechnungslegungsrechts im Dezember 2011 

und  der  Verpflichtung  zur  ordnungsgemässen  Buchführung  und  Rechnungslegung 

nach  dem  neuen  Rechnungslegungsrecht  (SOLL-Methode)  ab  dem  Geschäftsjahr 

2015  die  Möglichkeit  offengestanden  hätte,  in  den  Geschäftsjahren  2012  bis  2014 

durch entsprechende Anpassungen seines Abrechnungsrhythmus – so z.B. insbeson-

dere  durch  eine  gestaffelt  spätere  Rechnungsstellung  der  zweiten  Tranche  innerhalb 

des  zweiten  Halbjahres  verbunden  mit  gestaffelt  kürzeren  Zahlungsfristen  –  die  sich 

aus  dem  absehbaren  obligatorischen  Methodenwechsel  ergebende  Progressionswir-

kung  im  Jahr  2015  zumindest  teilweise  abzumildern  und  auf  mehrere  Geschäftsjahre 

zu verteilen. Von solchen Anpassungen hat der Pflichtige indes – wohl mangels recht-

zeitiger steuerplanerischer Beratung – abgesehen. 

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8.  Die  vorstehenden  Erwägungen  führen  zur  Abweisung  der  Rechtsmittel. 

Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  den  Pflichtigen  aufzuerlegen 

(Art. 144 Abs. 1 DBG bzw. § 151 Abs. 1 StG) und bleibt ihnen die Zusprechung einer 

Parteientschädigung verwehrt (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  bzw.  § 152  StG 

i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

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