# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a0bf18c6-9441-5369-a911-38248d39a798
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-21
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 21.11.2025 SBK.2025.314
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2025-314_2025-11-21.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2025.314
(ST.2025.84; STA.2024.11177)
Art. 355

Entscheid vom 21. November 2025

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichter Giese
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führer

A._____, […]
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Stefan Semela,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Baden,
Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG

Anfechtungs-
gegenstand

Beschluss des Bezirksgerichts Baden vom 24. Oktober 2025 betreffend
Gesuch um Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug

in der Strafsache gegen A._____

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Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
1.1.
Das Bezirksgericht Baden verurteilte den Beschwerdeführer wegen Dro-
hung, mehrfacher (teilweise versuchter) Nötigung, Sachbeschädigung und
mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen mit Urteil vom
26. Juni 2024 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten, einer
bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 30.00 und einer Busse von
Fr. 2'000.00. An die Freiheitsstrafe rechnete es ihm 367 Tage Untersu-
chungshaft (i.S.v. Art. 110 Abs. 7 StGB) an. Zudem sprach es zum Schutz
von B._____ ein dreijähriges Kontakt- und Rayonverbot aus. Am 4. Sep-
tember 2024 erfolgte – bei einem Strafrest von 50 Tagen – die vom Amt für
Justizvollzug angeordnete bedingte Entlassung des Beschwerdeführers
aus der Freiheitsstrafe.

1.2.
Wegen Missachtung des vom Bezirksgericht Baden mit Urteil vom 26. Juni
2024 angeordneten Kontaktverbots widerrief die Staatsanwaltschaft Zofin-
gen-Kulm die bedingte Entlassung des Beschwerdeführers mit Strafbefehl
vom 15. Oktober 2024 und verurteilte ihn gestützt auf Art. 89 Abs. 6 StGB
und Art. 294 Abs. 2 StGB – unter Anrechnung von 2 Tagen Untersuchungs-
haft – zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten als Gesamtstrafe.

1.3.
Der Beschwerdeführer wurde wegen erneuter Missachtung des vom Be-
zirksgericht Baden mit Urteil vom 26. Juni 2024 angeordneten Kontaktver-
bots am 16. Dezember 2024 festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Baden
beantragte am 18. Dezember 2024 beim Zwangsmassnahmengericht des
Kantons Aargau die Versetzung des Beschwerdeführers in Untersuchungs-
haft für einstweilen drei Monate. Der Beschwerdeführer beantragte anläss-
lich der Haftverhandlung vom 19. Dezember 2024 die Abweisung des
Haftantrags und seine Haftentlassung, eventualiter unter Anordnung eines
Kontakt- und Rayonverbots in Bezug auf B._____ als Ersatzmassnahme.

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau versetzte den Be-
schwerdeführer mit Verfügung vom 19. Dezember 2024 einstweilen bis
zum 15. März 2025 in Untersuchungshaft.

1.4.
Am 24. Februar 2025 bewilligte die Staatsanwaltschaft Baden dem Be-
schwerdeführer die Versetzung in den vorzeitigen Strafvollzug.

1.5.
Am 22. April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft Baden beim Bezirksgericht
Baden Anklage gegen den Beschwerdeführer wegen mehrfacher Nötigung

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und mehrfacher Missachtung eines Kontakt- und Rayonverbots. Sie bean-
tragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten, eine 5-jährige Lan-
desverweisung und ein 5-jähriges Kontakt- und Rayonverbot in Bezug auf
B._____.

1.6.
Das Bezirksgericht Baden sprach den Beschwerdeführer mit Urteil vom
10. Juli 2025 der mehrfachen Nötigung und der mehrfachen Missachtung
eines Kontakt- und Rayonverbots schuldig (Dispositiv-Ziff. 1). Es verurteilte
ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten, unter Anrech-
nung von 207 Tagen ausgestandener Haft (Dispositiv-Ziff. 2 und 3), wider-
rief den dem Beschwerdeführer mit Urteil des Bezirksgerichts Baden vom
26. Juni 2024 für die Geldstrafe von 60 Tagessätzen gewährten bedingten
Vollzug (Dispositiv-Ziff. 4), sprach ein 5-jähriges Kontakt- und Rayonverbot
in Bezug auf B._____ aus (Dispositiv-Ziff. 5.1 und 5.2) und verwies den
Beschwerdeführer für 5 Jahre des Landes (Dispositiv-Ziff. 6).

Zudem ordnete das Bezirksgericht Baden mit im Rahmen des Urteils er-
gangenem Beschluss an, dass der Beschwerdeführer zur Sicherung des
Strafvollzugs zurück in Haft gehe.

1.7.
Der Beschwerdeführer meldete gegen dieses Urteil am 22. Juli 2025 die
Berufung an.

2.
2.1.
Der Beschwerdeführer stellte am 14. Oktober 2025 beim Bezirksgericht Ba-
den ein Gesuch um sofortige Entlassung aus der Sicherheitshaft.

2.2.
Die Staatsanwaltschaft Baden teilte dem Bezirksgericht Baden mit Eingabe
vom 20. Oktober 2025 mit, auf eine Stellungnahme zum Haftentlassungs-
gesuch zu verzichten.

2.3.
Der Beschwerdeführer stellte am 22. Oktober 2025 beim Bezirksgericht Ba-
den in Ergänzung zu seinem Haftentlassungsgesuch für den Fall der Ab-
weisung desselben den Antrag, es sei ihm die Fortsetzung des vorzeitigen
Strafvollzugs zu bewilligen.

2.4.
Die Staatsanwaltschaft Baden teilte dem Bezirksgericht Baden am 22. Ok-
tober 2025 mit, keine Einwände gegen eine allfällige Bewilligung des vor-
zeitigen Strafvollzugs zu haben.

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2.5.
Das Bezirksgericht Baden wies mit Beschluss vom 24. Oktober 2025 das
Haftentlassungsgesuch ab und trat auf den Antrag des Beschwerdeführers,
es sei ihm der vorzeitige Strafvollzug zu bewilligen, mangels sachlicher Zu-
ständigkeit nicht ein.

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden bewilligte mit Verfügung vom
24. Oktober 2025 die Versetzung des Beschwerdeführers in den vorzeiti-
gen Strafvollzug.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer erhob gegen den ihm nach eigener Aussage am
27. Oktober 2025 zugestellten Beschluss des Bezirksgerichts Baden vom
24. Oktober 2025 am 6. November 2025 Beschwerde. Er beantragte (unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen) die Einholung eines Führungs- und
Entlassungsberichts der Justizvollzugsanstalt Lenzburg und die Gutheis-
sung seines Haftentlassungsgesuchs.

3.2.
Die Staatsanwaltschaft Baden teilte am 10. November 2025 mit, auf eine
Stellungnahme zur Beschwerde zu verzichten.

3.3.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden teilte mit Eingabe datiert vom
11. November 2025 (Postaufgabe am 13. November 2025) mit, auf eine
Vernehmlassung zur Beschwerde zu verzichten, und informierte die Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts über den Wunsch von
B._____, in der Sache keine eingeschriebenen Sendungen zugestellt zu
erhalten, über eine allfällige Haftentlassung aber informiert zu werden.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
Der Beschwerdeführer ist berechtigt, die Abweisung seines Haftentlas-
sungsgesuchs mit Beschluss des Bezirksgerichts Baden vom 24. Oktober
2025 mit Beschwerde anzufechten (Art. 222 Satz 1 StPO; Art. 393 Abs. 1
lit. b StPO; zur Zuständigkeit des Bezirksgerichts Baden zum Entscheid
über das Haftentlassungsgesuch vgl. E. 11.1 des angefochtenen Haftbe-
schlusses). Auf die gültig erhobene Beschwerde ist einzutreten.

2.
2.1.
Stellt die beschuldigte Person, die ihre Einwilligung zum vorzeitigen Straf-
vollzug erteilt hat, ein Entlassungsgesuch, sind die gesetzlichen Haftgründe

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nach den Bestimmungen über die Anordnung von Untersuchungs- oder Si-
cherheitshaft zu prüfen (BGE 143 IV 160 Regeste).

2.2.
Sicherheitshaft nach Art. 221 Abs. 1 StPO setzt einen dringenden Tatver-
dacht auf ein Verbrechen oder Vergehen und einen besonderen Haftgrund
in Form von Flucht- (lit. a), Kollusions- (lit. b) oder Wiederholungsgefahr
(lit. c) StPO voraus. Als strafprozessuale Zwangsmassnahme muss Sicher-
heitshaft zudem verhältnismässig sein (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
1B_106/2022 vom 24. März 2022 E. 3).

3.
Das Bezirksgericht Baden bejahte (in seiner E. 12.2) mit sinngemässem
Verweis auf sein Urteil vom 10. Juli 2025 einen dringenden Tatverdacht auf
mehrfache Nötigung und mehrfache Missachtung eines Kontakt- und Ra-
yonverbots. Ausserdem bejahte es (in seiner E. 12.3) den besonderen Haft-
grund der Wiederholungsgefahr. Nachdem der Beschwerdeführer diese
Feststellungen mit Beschwerde unbeanstandet liess und auch ansonsten
kein Grund ersichtlich ist, darauf zurückzukommen, ist ohne Weiteres da-
rauf abzustellen.

Zur Wiederholungsgefahr ist präzisierend festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer mit seinem Verhalten nicht nur die Freiheit von B._____ zu
bedrohen scheint, sondern auch ihre psychische Gesundheit und allenfalls
auch ihre körperliche Integrität. So äusserte sich B._____ gegenüber der
Gerichtsschreiberin des Bezirksgerichts Baden am 17. Oktober 2025 offen-
bar dahingehend, dass sie Angst habe, dass der Beschwerdeführer sie um-
bringen werde, wenn er freigelassen werde (vgl. die hierzu erstellte Ge-
sprächsnotiz in den Akten ST.2025.84 des Bezirksgerichts Baden;
vgl. etwa auch den ärztlichen Bericht von C._____, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, Zürich, vom 14. Januar 2025 [Akten der Staats-
anwaltschaft Baden ST.2024.11177, act. 54]). Die Präsidentin des Bezirks-
gerichts Baden wies B._____ gemäss bereits erwähnter Aktennotiz telefo-
nisch einerseits auf die Möglichkeit hin, sich bei Panikattacken auch not-
fallmässig bei der psychiatrischen Klinik Königsfelden melden zu können,
andererseits aber auch auf die Möglichkeit, im Falle einer akuten Bedro-
hungssituation die Polizei avisieren zu können.

Dass diese Befürchtungen zumindest nicht geradezu haltlos sind, ergibt
sich ohne Weiteres aus dem am 8. Januar 2024 erstatteten forensisch-psy-
chiatrischen Sachverständigengutachten, erstellt von D._____, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Schwerpunkt Forensische Psychiat-
rie und Psychotherapie FMH, Psychiatrische Dienste Aargau AG (Verfah-
rensakten der Staatsanwaltschaft Baden ST.2022.4998, Ordner 1/2, Reg.
2, act. 94 ff.; elektronisch abgelegt in den Akten der Staatsanwaltschaft Zo-
fingen-Kulm ST.2024.6631). In diesem Gutachten wurde u.a. ausgeführt,

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dass die wiederholten Zurückweisungen durch B._____ beim Beschwerde-
führer zu "psychopathologischen Reaktionen" hin bis zu selbstschädigen-
dem Verhalten geführt hätten (zu Frage 3.2) und dass der Umstand, dass
der Beschwerdeführer bislang gegenüber B._____ "nicht psychisch gewalt-
tätig" geworden sei, für die Prognose ("endgültige Entscheidung") nicht
zwangsläufig ausschlaggebend sei (zu Frage 3.1). Zur Prognose selbst
wurde ausgeführt, dass im Falle der Entlassung aus dem Gefängnis mit
hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten sei, dass der Beschwerdeführer –
auch ohne Erlaubnis – die Nähe zu B._____ suchen werde. Bei wiederhol-
ten Zurückweisungen sei mit psychopathologischen Reaktionen zu rech-
nen, umfassend nicht nur autoaggressiv-suizidales Verhalten, sondern mit
"geringer bis mässiger" Wahrscheinlichkeit auch schwere Gewalthandlun-
gen gegenüber B._____ (zu Frage 2.3.3; vgl. auch forensisch-psychiatri-
sches Gutachten, S. 36, wonach der Beschwerdeführer der Gruppe "zu-
rückgewiesener Stalker" zuzuordnen sei, die unter den verschiedenen
Stalker-Typen am stärksten für Gewaltanwendungen prädestiniert seien;
wonach es im Allgemeinen im Rahmen von stalkingassoziierter Gewalt
zwar nur in Ausnahmefällen zu lebensgefährlichen Verletzungen oder Tod
des Opfers komme, Studienergebnisse aber zeigten, dass die als Hochri-
sikofälle identifizierten Personen in 80 % auch tatsächlich Gewalttaten
begingen).

4.
4.1.
4.1.1.
Der Beschwerdeführer begründete sein Haftentlassungsgesuch vom
14. Oktober 2025 einzig mit drohender Überhaft. Er befinde sich seit rund
10 Monaten in Haft und habe damit drei Viertel der erstinstanzlich ausge-
sprochenen Freiheitsstrafe von 13 Monaten verbüsst. In Beachtung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei die weitere Aufrechterhaltung sei-
ner Inhaftierung aufgrund des Verbots der Überhaft nur noch ausnahms-
weise bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Solche lägen nicht vor.

4.1.2.
Das Bezirksgericht Baden führte mit Beschluss vom 24. Oktober 2025 (in
seiner E. 12.4.2) aus, dass der Beschwerdeführer knapp über 10 Monate
und damit mehr als drei Viertel der 13-monatigen Freiheitsstrafe verbüsst
habe, die im Berufungsverfahren nur noch verkürzt werden könne. Weiter
legte es mit entsprechender Begründung dar, dass dem Beschwerdeführer
keine günstige Prognose zu stellen sei, weshalb die Voraussetzungen ei-
ner bedingten Entlassung i.S.v. Art. 86 Abs. 1 StGB nicht gegeben seien
und keine Gefahr von Überhaft bestehe.

4.1.3.
Der Beschwerdeführer führte mit Beschwerde aus, dass einzig er Berufung
angemeldet habe und dass die Möglichkeit bestehen müsse, dass im

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Berufungsverfahren seine Freiheitsstrafe ohne Gewährung einer Entschä-
digung wegen Überhaft verkürzt werde. Nach Verbüssung von drei Vierteln
einer Freiheitsstrafe könne Sicherheitshaft oder ein vorzeitiger Strafvollzug
nur bei "ganz besonderer Rechtfertigung" noch aufrechterhalten werden.
Weil solche besonderen Gründe vorliegend fehlten, sei er in Freiheit zu
entlassen.

Der Führungs- und Entlassungsbericht, dessen Einholung er beantrage,
werde positiv ausfallen und belegen, dass die Voraussetzungen für eine
bedingte Entlassung gestützt auf Art. 86 Abs. 1 StGB erfüllt seien. Er werde
nach seiner Entlassung wieder an seinem letzten Arbeitsort arbeiten kön-
nen, sich wohl verhalten und auch das Kontakt- und Rayonverbot respek-
tieren. Zwar könne die Legalprognose sicher nicht als "sehr günstig" be-
zeichnet werden. Allerdings habe er nun gelernt, dass er sich von B._____
fernhalten müsse. Damit sei von einer günstigen Legalprognose auszuge-
hen. Die Voraussetzungen für eine bedingte Entlassung seien gegeben.

4.2.
Nach Art. 212 Abs. 3 StPO dürfen Untersuchungs- und Sicherheitshaft
nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe, wobei nach stän-
diger Praxis bereits zu vermeiden ist, dass die Haftdauer in grosse Nähe
zur zu erwartenden Freiheitsstrafe rückt. Diese Grenze ist insbesondere
deshalb bedeutsam, weil das erkennende Gericht dazu neigen könnte, die
Dauer der erstandenen Haft bei der Strafzumessung mitzuberücksichtigen
(BGE 145 IV 179 E. 3.1). Die Möglichkeit einer bedingten Entlassung aus
dem Strafvollzug ist im Grundsatz nicht zu berücksichtigen (BGE 145 IV
179 E. 3.4). Der Verhältnismässigkeitsgrundsatz verlangt, umso zurückhal-
tender zu sein, als sich die Haft der zu erwartenden Freiheitsstrafe nähert;
dabei ist jedoch nicht das Verhältnis der erstandenen Haftdauer zur zu er-
wartenden Freiheitsstrafe als solches entscheidend, sondern ist vielmehr
auf die Umstände des Einzelfalls abzustellen (BGE 145 IV 179 E. 3.5).

4.3.
Hat der Gefangene zwei Drittel seiner Strafe, mindestens aber drei Monate
verbüsst, so ist er durch die zuständige Behörde bedingt zu entlassen,
wenn es sein Verhalten im Strafvollzug rechtfertigt und nicht anzunehmen
ist, er werde weitere Verbrechen oder Vergehen begehen (Art. 86 Abs. 1
StGB).

Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer bereits über drei Viertel der
vom Bezirksgericht Baden mit Urteil vom 10. Juli 2025 ausgesprochenen
Freiheitsstrafe von 13 Monaten verbüsst hat. Eine bedingte Entlassung
nach Verbüssung von zwei Dritteln der Freiheitsstrafe erfolgte offensicht-
lich nicht, was in Übereinstimmung mit den überzeugenden Ausführungen
des Bezirksgerichts Baden vom 24. Oktober 2025 (E. 12.4.2) nahelegt,
dass die bedingte Entlassung daran scheiterte und weiterhin daran

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scheitert, dass dem Beschwerdeführer keine günstige Legalprognose ge-
stellt werden kann. Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, weshalb
die Möglichkeit der bedingten Entlassung vorliegend bei der Beurteilung
der Verhältnismässigkeit der laufenden Sicherheitshaft bzw. des laufenden
vorzeitigen Strafvollzugs ausnahmsweise zu berücksichtigen und hierzu
ein Führungs- und Entlassungsbericht der Justizvollzugsanstalt Lenzburg
einzuholen sein soll.

4.4.
Weil der Beschwerdeführer bereits über drei Viertel der vom Bezirksgericht
Baden mit Urteil vom 10. Juli 2025 ausgefällten Freiheitsstrafe verbüsst
hat, besteht nunmehr zwar zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass die
Berufungsinstanz bei der Strafzumessung die bereits ausgestandene straf-
prozessuale Haft in an sich nicht sachgerechter Weise zur Vermeidung ei-
ner Entschädigung mitberücksichtigen könnte.

Faktisch kann dieses Risiko für dieses Beschwerdeverfahren jedoch als
vernachlässigbar klein ausgeschlossen werden, zumal summarisch be-
trachtet – ohne dem Berufungsgericht vorgreifen zu wollen – nicht ansatz-
weise zu erkennen ist, dass die vom Bezirksgericht Baden mit Urteil vom
10. Juli 2025 vorgenommene Strafzumessung unangemessen streng oder
sonstwie zum Nachteil des Beschwerdeführers rechtsfehlerhaft ausgefal-
len sein könnte. So ging das Bezirksgericht Baden in Berücksichtigung ei-
ner verminderten Schuldfähigkeit bereits von einem nur leichten Verschul-
den aus und setze die Einsatzstrafe für die mehrfache Nötigung im tiefen
Bereich des möglichen Strafrahmens bei lediglich sieben Monaten an
(E. 6.9). Auch die wegen mehrfacher Missachtung eines Kontakt- und Ra-
yonverbots vorgenommene Asperation der Einsatzstrafe um lediglich zwei
Monate auf neun Monate (E. 6.10) erscheint summarisch betrachtet in Be-
achtung der (mutmasslich) verübten Delinquenz bereits moderat. Warum
es zu beanstanden sein soll, dass das Bezirksgericht Baden dem Be-
schwerdeführer bei der Beurteilung der Täterkomponenten mit überzeu-
gender Begründung fehlende Reue und Einsicht sowie eine "egozentrische
Sichtweise" attestierte und diese Uneinsichtigkeit vor dem Hintergrund der
(mutmasslich) wiederholten Tatbegehungen und einschlägigen Vorstrafen
als "äusserst stossend" bezeichnete, ist summarisch betrachtet ebenso we-
nig zu erkennen, wie dass die deswegen vorgenommene Straferhöhung
von neun auf dreizehn Monate überhöht sein könnte (E. 6.11).

Ohne der Berufungsinstanz vorgreifen zu wollen, erscheint die Berufung
des Beschwerdeführers, soweit sie gegen die 13-monatige Freiheitsstrafe
gerichtet sein sollte, aus den genannten Gründen als nicht erfolgsverspre-
chend. Deshalb und weil mit erheblicher Wahrscheinlichkeit davon auszu-
gehen ist, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Haftentlassung seine
(mutmasslichen) Nötigungshandlungen zum Nachteil von B._____ ver-
zugslos wieder aufnehmen würde, besteht keine begründete

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Veranlassung, den Beschwerdeführer wegen drohender Überhaft aus der
Sicherheitshaft bzw. dem vorzeitigen Strafvollzug zu entlassen, bloss weil
er Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Baden vom 10. Juli 2025
erhoben hat.

Somit ist nicht zu beanstanden, dass das Bezirksgericht Baden mit Be-
schluss vom 24. Oktober 2025 die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Gefahr von Überhaft verneinte und das Haftentlassungsgesuch ab-
wies. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet
und ist abzuweisen, zumal auch nicht davon auszugehen ist, dass sich der
Beschwerdeführer nunmehr an ein als Ersatzmassnahme ausgesproche-
nes Kontakt- oder Rayonverbot halten würde.

5.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss dem mit sei-
ner Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Die Entschädigung seines amtlichen Verteidigers für dieses
Beschwerdeverfahren ist am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal
zuständigen Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2 Satz 1 StPO).

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 60.00, zusammen
Fr. 1'060.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

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Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 21. November 2025

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard

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