# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b7dd5ca-1fe0-5586-8806-f202a7b52d07
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.06.2023 F-3238/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3238-2023_2023-06-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3238/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richter Thomas Segessenmann,  

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch RA Lea Hungerbühler und Anne Mazzoni, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 24. Mai 2023 / N (…). 

 

 

 

F-3238/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am (…) Januar 2023 in der Schweiz um 

Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Finger- 

abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (…) Januar 2023 in Kro-

atien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist war.  

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 30. Januar 2023 das recht-

liche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-

keit der Überstellung nach Kroatien, dessen Zuständigkeit für die Behand-

lung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Der Beschwerdefüh-

rer führte aus, dass er in Kroatien lediglich einen Tag verbracht habe, wobei 

die Polizei und die Bevölkerung sehr unfreundlich gewesen seien. Man 

habe ihn nicht wie einen Menschen behandelt; er habe sich sehr unsicher 

und unwohl gefühlt und habe nur weiterreisen wollen. Zum medizinischen 

Sachverhalt befragt, gab er an, psychisch belastet zu sein und an Schlaf-

problemen zu leiden. Ferner würden ihn Herzschmerzen plagen. 

C.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 1. Februar 

2023 um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) 

am 31. März 2023 gut.  

D.  

Mit Verfügung vom 24. Mai 2023 (eröffnet am 30. Mai 2023) trat das SEM 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Über-

stellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

E.  

Am 6. Juni 2023 (Poststempel) gelangte der Beschwerdeführer an das 

Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung 

sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzu-

treten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter 

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sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-

eventualiter sei das SEM anzuweisen, von den zuständigen (kroatischen) 

Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft 

umgehend Obdach, Nahrung sowie eine adäquate und regelmässige me-

dizinische und psychologische Behandlung zur Verfügung stehe. Der Be-

schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbe-

hörden seien anzuweisen, bis zum Entscheid über die Beschwerde von 

einer Überstellung nach Kroatien abzusehen. Des Weiteren ersuchte er um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.  

F.  

Am 7. Juni 2023 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], 

Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind offen-

sichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1. Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz habe den Untersu-

chungsgrundsatz verletzt. Sie habe im Zusammenhang mit der Gesund-

heitsversorgung und den Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende 

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sowie Push-Backs, Kettenabschiebungen und Polizeigewalt wichtige Tat-

sachen, welche zur Zuständigkeit der Schweiz führen würden, nicht näher 

abgeklärt. Ein pauschaler Verweis auf die theoretisch bestehenden völker-

rechtlichen Verpflichtungen in Kroatien reiche bei derart klaren Hinweisen 

auf eine Verletzung derselben nicht aus, um eine Rückführung ohne wei-

tere Abklärungen zu rechtfertigen.  

3.2. Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) betrifft die Abklärungs-

pflicht der Behörde. Der entsprechende Beschwerdegrund erscheint in 

Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG. Er ist 

erfüllt, wenn die Behörde den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abge-

klärt, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände be-

rücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 

2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29). 

3.3. Das SEM hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend abge-

klärt. Insbesondere hat es unter Bezugnahme auf die Schilderungen des 

Beschwerdeführers und die vorliegenden Unterlagen dessen individuelle 

Situation, die von ihm angeführte Behandlung durch die kroatischen Be-

hörden sowie die allgemeine Situation in Kroatien inklusive der Push-Back-

Problematik, den Unterbringungsmöglichkeiten und der medizinischen Ver-

sorgung – unter Hinweis auf mehrere Abklärungen der Schweizer Vertre-

tung in Kroatien – abgeklärt. An den daraus gewonnenen Erkenntnissen 

vermag auch die vorübergehende Einstellung der Tätigkeit von Médecins 

du Monde als eine von mehreren karitativen Einrichtungen zur medizini-

schen Versorgung von Asylsuchenden in Kroatien nichts zu ändern. Zudem 

wurde der Beschwerdeführer in der Schweiz auf seinen Gesundheitszu-

stand untersucht. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Hinsicht hier noch kon-

krete weitere Abklärungen hätten vorgenommen werden müssen. Dem-

nach ist keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes festzustellen.  

3.4. Es besteht keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. Das entsprechende Eventualbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

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4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Nachdem die kroatischen Behörden innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-

VO festgelegten Frist dem Aufnahmegesuch der Vorinstanz zugestimmt 

haben, ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. 

5.   

5.1. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Sofern keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden 

kann, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige 

Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

5.2. In einem jüngst ergangenen Urteil hielt das Bundesverwaltungsgericht 

fest, es sei nicht davon auszugehen, das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen. Es be-

stätigte damit seine seit dem Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 

2016 bestehende Praxis, wonach Dublin-Überstellungen nach Kroatien 

grundsätzlich sowohl in "take-charge-" (Aufnahme) als auch in "take-back" 

(Wiederaufnahme) Verfahren zulässig sind (Referenzurteil E-1488/2020 

vom 22. März 2023 E. 9.5). Ferner hielt das Gericht fest, der Verdacht ei-

nes – angesichts der Situation in Kroatien auf den ersten Blick nicht unbe-

gründeten – Gefährdungszusammenhangs zwischen Push-Backs und 

Dublin-Rückkehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und 

Erkenntnisse nicht erhärten (siehe a.a.O. E. 9.4.4). Zum heutigen Zeit-

punkt bestünden keine genügenden Anzeichen, die befürchten liessen, 

Dublin-Rückkehrende würden ohne Eröffnung und Durchführung eines 

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Asylverfahrens aus Kroatien rechtswidrig ausgeschafft. Noch weniger sei 

aufgrund dieser Ausgangslage davon auszugehen, dass dies systematisch 

geschehe. Angesichts der verfügbaren Informationen seien keine Anhalts-

punkte ersichtlich, wonach Take-Charge-Konstellationen diesbezüglich an-

ders zu beurteilen wären als Take-Back-Verfahren, beziehungsweise dass 

für die erste Kategorie eine erhöhte Gefährdung von Abschiebungen ohne 

Durchführung eines Asylverfahrens bestehe (siehe a.a.O. E. 9.4.4). Im Er-

gebnis sei davon auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf 

die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen 

Asylverfahren erhalten würden. Insbesondere bestehe keine beachtliche 

Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verletzung 

ihrer aus dem Refoulement-Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt (vgl. 

a.a.O. E. 9.5). 

5.3. Sodann lassen die vom Beschwerdeführer bei seiner illegalen Einreise 

nach Kroatien geltend gemachten Vorkommnisse (Gewaltanwendung 

durch die Polizei sowie rassistische Beleidigungen) nicht den Schluss zu, 

er hätte bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit 

eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 

EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta zu gewärtigen. Gegen 

das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamten könnte er im Übrigen 

rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Orga-

nisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden 

und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht 

per se auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. 

das Urteil des BVGer E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 

5.4. Gemäss aktueller Rechtsprechung sind systemische Schwachstellen 

im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO in Bezug 

auf Kroatien zu verneinen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers erwei-

sen sich vor dem Hintergrund dieser Rechtsprechung als unbehelflich.  

6.  

6.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

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vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

6.2. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes Risiko dargetan, die kroati-

schen Behörden würden in seinem Fall ihren völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nicht nachkommen.  

6.2.1. Es steht ihm nach der Ankunft in Kroatien die Möglichkeit offen, ein 

Asylgesuch einzureichen und seine Fluchtgründe sowie allfällige Wegwei-

sungsvollzugshindernisse bei den kroatischen Behörden geltend zu ma-

chen. Es bestehen keine Gründe für die Annahme, Kroatien werde den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen 

würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Bei einer 

allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm – nach Einreichung 

des Asylgesuchs – zustehenden Aufnahmebedingungen könnte er sich im 

Übrigen nötigenfalls an die kroatischen Behörden wenden und seine 

Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

Des Weiteren steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen 

Organisationen zu kontaktieren. 

6.2.2. Bezüglich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers kann 

den vorinstanzlichen Akten entnommen werden, dass der Beschwerdefüh-

rer sich im Januar 2023 wegen Juckreiz beim medizinischen Personal ge-

meldet und entsprechende Arzneimittel erhalten hat. Entgegen den Vor-

bringen der Rechtsvertreterin wurde dem Beschwerdeführer nach bestä-

tigtem Verdacht auf Krätze am 9. Februar 2023 ein Arzttermin bei der Med-

base in B._______ organisiert, wo ihm das Medikament Ivermectin ver-

schrieben wurde (SEM act. 19/2). Am 7. März 2023 wendete sich der Be-

schwerdeführer auf Grund von Herzschmerzen erneut an Medic-Help und 

wurde am 10. März 2023 bei der Medbase in B._______ von einem Fach-

arzt für Allgemeine Innere Medizin auf Herzprobleme untersucht. Dieser 

konnte keinen Anhalt für eine wesentliche Herzerkrankung feststellen 

(SEM act. 20/2). Hinweise, wonach der Beschwerdeführer wegen seiner 

Schlafprobleme, erlittenen Verletzungen oder allfälliger psychischer Be-

schwerden bei der Pflege vorstellig geworden wäre, finden sich in den Ak-

ten nicht.  

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Seite 8 

6.3. Von zusätzlichen (medizinischen) Abklärungen wären somit keine 

neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf die Erhebung weiterer Be-

weise verzichtet werden kann, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdi-

gung den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV zu 

verletzen (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3). Der entsprechende Verfahrensantrag, 

es sei eine angemessene Frist zur Ergänzung der Beschwerde zu gewäh-

ren, wäre ohnehin abzuweisen, da die Voraussetzungen offensichtlich 

nicht erfüllt sind. 

6.4. Die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind ge-

samthaft nicht derart gravierend, dass in Anwendung von Art. 3 EMRK von 

einer Überstellung nach Kroatien abgesehen werden müsste (vgl. dazu Ur-

teil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse 

Kammer, 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). Im Übrigen verfügt das Land über 

eine ausreichende medizinische Infrastruktur und ist verpflichtet, den An-

tragstellenden die erforderliche medizinische Versorgung zugänglich zu 

machen (vgl. Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Entgegen den Ausführun-

gen in der Rechtsmitteleingabe ist auch der Zugang zu psychologischer 

Behandlung grundsätzlich gewährleistet (vgl. bspw. Urteile D-516/2023 

vom 11. April 2023 E. 6.5.2; F-12/2023 vom 27. März 2023 E. 7.4.3).  

6.5. Folglich droht keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die Vo-

rinstanz das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-VO sowie Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt hat. Weder ist die Schweiz völker-

rechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humani-

täre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden. 

6.6. Vor diesem Hintergrund ist auch der Eventualantrag, die Vorinstanz 

sei anzuweisen, individuelle Zusicherungen von den kroatischen Behörden 

bezüglich des Zugangs des Beschwerdeführers zum Asylverfahren, adä-

quater medizinischer Versorgung und Unterbringung einzuholen, abzuwei-

sen.  

7.  

Die Vorinstanz ist zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Weg-

weisung nach Kroatien angeordnet. 

8.  

Die Beschwerde ist abzuweisen.  

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Seite 9 

9.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der 

aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

Der am 7. Juni 2023 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor-

liegenden Urteil dahin. 

10.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 

Abs. 1 und 2 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den 

vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. 

Die Verfahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

11.   

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

(Dispositiv nachfolgende Seite) 

 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Maria Wende 

 

 

Versand: