# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e998eeb-1555-5f01-9635-8cdfbe245029
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.08.2023 F-3813/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3813-2023_2023-08-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3813/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  A u g u s t  2 0 2 3    

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry;   

Gerichtsschreiberin Youlo Wujohktsang. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kamerun,  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 29. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

F-3813/2023 

Seite 2 

Sachverhalt:  

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 2. Februar 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit 

der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass ihr die 

Belgische Vertretung in Kamerun in Vertretung von Österreich ein vom 

7. Dezember 2022 bis zum 29. Dezember 2022 gültiges Schengen-Visum 

ausgestellt hatte.  

B.  

Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin am 17. März 2023 das recht-

liche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-

keit der Überstellung nach Österreich, dessen Zuständigkeit für die Be-

handlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Die Beschwer-

deführerin führte aus, sie sei mit einem Visum nach Europa gelangt. Der 

Schlepper habe alles organisiert, wobei das Ziel «von Anfang an die 

Schweiz» gewesen sei. Sie wolle überhaupt nicht nach Österreich zurück-

kehren, zumal nur die Schweiz imstande sei, ihr Problem zu lösen. Die 

Schweiz – Sitzstaat der Vereinten Nationen – kümmere sich um die Flücht-

linge. Sie habe gemerkt, dass die Schweizer Bürger sehr gut und respekt-

voll mit ihr umgingen. Mit einer Reise nach Österreich sei sie nicht einver-

standen. Zum medizinischen Sachverhalt befragt, gab sie an, nicht gesund 

zu sein und sich nicht wohl zu fühlen. Ihr Bein tue weh. Das Militär und die 

Polizei hätten sie geschlagen. Sie habe Schlafstörungen und sei gestresst, 

wobei ihr dann schwindlig werde und sie zu Boden falle. Auch beim Laufen 

sei sie wie betrunken, wenn sie gestresst sei. Sie habe Schlaftabletten er-

halten.  

C.  

Die österreichischen Behörden hiessen das Übernahmeersuchen des 

SEM vom 30. März 2023 am 19. Mai 2023 gut.  

D.  

Mit Verfügung vom 29. Juni 2023 (eröffnet am 3. Juli 2023) trat das SEM 

auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ordnete ihre Über-

stellung nach Österreich an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

E.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. Juli 2023 gelangte die Beschwerdeführerin 

F-3813/2023 

Seite 3 

an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss, die ange-

fochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache «im Sinne der Souve-

ränitätsklausel» neu zu beurteilen. 

F.  

Am 7. Juli 2023 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG 

[SR 142.31]). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], 

Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG] sind offen-

sichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1. Gemäss Akten hat die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin nicht 

am Dublin-Gespräch teilgenommen. 

3.2. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in den kürzlich ergangenen 

Urteilen E-5608/2022 vom 31. Mai 2023 E. 5 und D-221/2023 vom 8. März 

2023 mit der Frage der Notwendigkeit der Anwesenheit der Rechtsvertre-

tung während des Dublin-Gesprächs auseinandergesetzt. Das Gericht 

kam darin zum Schluss, dass gemäss Art. 102j Abs. 2 AsylG bei rechtzei-

tiger Mitteilung der Termine die Handlungen des SEM – es sei denn, es 

F-3813/2023 

Seite 4 

liegen kurzfristige Verhinderungen aus entschuldbaren und schwerwiegen-

den Gründen vor – ihre Rechtswirkung entfalten, selbst wenn die Rechts-

vertretung dabei nicht anwesend war respektive mitgewirkt hat. Bei recht-

zeitiger Mitteilung bleibt somit – ungeachtet der Frage, ob ein impliziter 

oder expliziter Verzicht auf die Teilnahme der Rechtsvertretung vorliegt be-

ziehungsweise ob die asylsuchende Person ihr entsprechendes Einver-

ständnis erteilt hat – für die Feststellung einer Verletzung des rechtlichen 

Gehörs grundsätzlich kein Raum (D-221/2023 E. 3.5). 

3.3. Gemäss Akten wurde die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin 

mit Vorladung vom 14. März 2023 über das bevorstehende Dublin-Ge-

spräch vom 17. März 2023 in Kenntnis gesetzt. Ihr wurde somit mehrere 

Tage im Voraus – und damit rechtzeitig – der Termin mitgeteilt. Eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.   

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

4.3. Besitzt der Antragsteller ein gültiges Visum, so ist der Mitgliedstaat der 

das Visum erteilt hat, für die Prüfung des Antrags auf internationalen 

Schutz zuständig, es sei denn, dass das Visum im Auftrag eines anderen 

Mitgliedstaats im Rahmen einer Vertretungsvereinbarung gemäss Art. 8 

der Verordnung (EG) Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft (Visako-

dex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009) erteilt wurde. In diesem Fall ist der 

vertretene Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen 

Schutz zuständig (Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO). Besitzt die antragstellende 

Person ein oder mehrere Visa, die seit weniger als sechs Monaten abge-

laufen sind, aufgrund deren sie in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats 

einreisen konnte, so sind die Absätze 1, 2 und 3 anwendbar, solange die 

antragstellende Person das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten nicht verlas-

sen hat (Art. 12 Abs. 4 erster Satz Dublin-III-VO). 

F-3813/2023 

Seite 5 

4.4. Der Beschwerdeführerin wurde gemäss dem Eintrag in der europäi-

schen Visa-Datenbank (CS-VIS) durch Belgien in Vertretung von Öster-

reich ein vom 7. Dezember bis zum 29. Dezember 2022 gültiges Schen-

gen-Visum ausgestellt. Im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs am 2. 

Februar 2023 war das Visum seit weniger als 6 Monaten abgelaufen, und 

die Beschwerdeführerin hat das Hoheitsgebiet der Mitliedstaaten nicht ver-

lassen. Somit ist gemäss Art. 12 Abs. 2 und Abs. 4 erster Satz Dub-

lin-III-VO Österreich als vertretener Mitgliedstaat für die Prüfung des Asyl-

antrags grundsätzlich zuständig. Die österreichischen Behörden haben 

dem Übernahmeersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Dub-

lin-III-VO denn auch zugestimmt.  

5.  

Die Beschwerdeführerin bringt zu Recht nicht vor, dass in Österreich sys-

temische Schwachstellen i.S.v. Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dub-

lin-III-VO, die eine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung im Sinne von 

Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden, 

vorlägen (vgl. Urteile des BVGer F-3706/2023 vom 12. Juli 2023 E. 5.1 und 

F-3130/2023 vom 22. Juni 2023 E. 5.1). 

6.  

6.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

6.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Schlepper habe sich um 

alle organisatorischen Belange gekümmert. Ihr sei gesagt worden, ihre 

Reise gehe von Kamerun über Nigeria und die Türkei nach Genf, wo sie 

sich aufzuhalten geglaubt habe. «Danach» sei sie von uniformierten Män-

nern, von denen sie angenommen habe, sie seien Polizisten, in die 

F-3813/2023 

Seite 6 

Schweiz gefahren worden. Sie sei sehr verwirrt gewesen in der neuen Um-

gebung. Sie sei dann ins Bundesasylzentrum in Basel gebracht worden. 

Beim Gespräch mit dem SEM habe sie aus Angst und Scham verschwie-

gen – und es falle ihr auch jetzt noch extrem schwer, dies auszusprechen 

–, dass sie von diesen uniformierten Männern geschlagen und vergewaltigt 

worden sei. Ihr sei zudem mit dem Tod gedroht worden, sollte sie irgendje-

mandem davon erzählen. Daher habe sie panische Angst vor einer Über-

stellung nach Österreich. Sie wisse nicht, wer diese Männer gewesen seien 

und über welche Möglichkeiten sie verfügten, jedoch fürchte sie um ihr Le-

ben bei einer Rückkehr nach Österreich. Die Beschwerdeführerin bringt 

demnach sinngemäss vor, ein Opfer von Folter i.S.v. Art. 1 Abs.1 des Über-

einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 

0.105) und Art. 3 EMRK geworden zu sein.  

6.2.1. Gemäss der Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folteraus-

schusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real 

risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Überstel-

lung nach Österreich Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127). Geht die Gefahr nicht von staat-

lichen Organen aus, hat sie zudem die fehlende Schutzfähigkeit und -wil-

ligkeit der österreichischen Behörden darzutun (vgl. Urteile des EGMR F.H. 

gegen Schweden vom 20. Januar 2009, 32621/06, § 97; Bensaid gegen 

Vereinigtes Königreich vom 6. Februar 2001, 44599/89, § 34).  

6.2.2. Die Beschwerdeführerin bringt erst auf Beschwerdeebene vor, ver-

gewaltigt und geschlagen worden zu sein. Zwar anerkennt das Bundesver-

waltungsgericht in konstanter Rechtsprechung, dass das verspätete Vor-

bringen einer solchen durch kulturell bedingte Schuld- und Schamgefühle 

beziehungsweise einen Selbstschutzmechanismus erklärbar sein kann 

(vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.3 und Urteil des BVGer F-3214/2022 vom 

1. September 2022 E.4.2 f.). Unabhängig davon obliegt es im Kontext von 

Art. 3 EMRK bzw. Art. 1 FoK der Beschwerdeführerin, die erlittene oder 

drohende Folter bzw. unmenschliche Behandlung so detailliert als möglich 

darzulegen. Dies unterlässt sie. Die von ihr geltend gemachte Gewaltan-

wendung und Vergewaltigung seitens der «uniformierten Männer», die sie 

für Polizisten gehalten habe, werden weder belegt noch weiter substanti-

iert. Die Beschwerdeführerin gibt dabei selber an, dass sie nicht wisse, wer 

diese Männer gewesen seien. Aufgrund ihrer Schilderungen – sie gab an, 

diese Männer hätten sie in die Schweiz gefahren – ist jedoch nicht davon 

auszugehen, dass dies österreichische Polizisten waren. Vielmehr ist – 

F-3813/2023 

Seite 7 

sollten sich diese Vorfälle so zugetragen haben – anzunehmen, dass es 

sich bei diesen Männern um Schlepper gehandelt haben dürfte, zumal sie 

die Beschwerdeführerin in die Schweiz gebracht haben sollen. Auch ist 

mangels Angaben unklar, wo sich die geltend gemachten Vorfälle ereignet 

haben sollen. Die Beschwerdeführerin hat keinerlei Angaben zum Tatzeit-

punkt, Tatort und Tatgeschehen gemacht (vgl. zum diesbezüglich geforder-

ten Beweismass und der Beweislast etwa Urteil des EGMR D.F. gegen 

Lettland vom 29. Oktober 2013, 11160/07, § 51). Es liegen sodann auch 

keine Arztberichte vor, die ihr Vorbringen stützen könnten. Es bestehen so-

mit keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin 

in Österreich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK 

und Art. 1 FoK verbotenen Behandlung erlitten hat oder einer solchen nach 

ihrer Überstellung ausgesetzt wäre. Die Beschwerdeführerin hat somit kein 

konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die österreichischen Behörden 

würden in ihrem Fall ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nach-

kommen. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihr zu-

stehenden Aufnahmebedingungen könnte sie sich – nach Registrierung im 

österreichischen Asylsystem – nötigenfalls an die zuständigen Behörden 

wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 der 

Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]). Österreich ist 

ein funktionierender Rechtsstaat und die Behörden sind grundsätzlich ge-

willt und fähig, staatlichen Schutz zu gewähren. 

6.2.3. Weiter liegen keine Hinweise vor, wonach die Gesundheit der Be-

schwerdeführerin bei einer Überstellung nach Österreich ernsthaft gefähr-

det würde. Gemäss medizinischem Datenblatt vom 21. April 2023 wurden 

bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung, 

eine posttraumatische medialbetonte Gonarthrose, eine Retropatellararth-

rose sowie Eisenmangel festgestellt. Ihr wurde daraufhin eine Physiothe-

rapie verordnet sowie Tardyferon und Quietiapin verschrieben. Gemäss 

Datenblatt war ein weiterer Arzttermin für den 7. Juni 2023 vorgesehen; ob 

dieser Termin tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht aktenkundig. Ange-

sichts dessen, dass sich die medizinischen Befunde zwischen dem 

22. März und 19. April 2023 nicht verändert haben und darüber hinaus auf-

grund der bisherigen Anamnese und Untersuchungen keine Anzeichen für 

eine (überstellungsrelevante) Verschlechterung des Gesundheitszustands 

vorliegen, ist keine Verletzung von Art. 3 EMRK zu befürchten. Bei Bedarf 

können der Beschwerdeführerin Medikamente auf Vorrat mitgegeben wer-

den.  

F-3813/2023 

Seite 8 

Im Übrigen verfügt Österreich über eine ausreichende medizinische Infra-

struktur, welche die Beschwerdeführerin im Bedarfsfall in Anspruch neh-

men kann. Der Zugang für asylsuchende Personen zum österreichischen 

Gesundheitssystem über die Notversorgung hinaus ist grundsätzlich ge-

währleistet (vgl. E. 5). Sollte sie nach der Rückkehr nach Österreich wei-

terhin eine medizinische bzw. psychotherapeutische Behandlung benöti-

gen, ist darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den 

Antragstellenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zumin-

dest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von 

Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu 

machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden Personen 

mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sons-

tige Hilfe, einschliesslich psychologischer Betreuung, zu gewähren (Art. 19 

Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Öster-

reich ihr eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde.  

6.3. Es ist ferner nicht ersichtlich, inwiefern humanitäre Gründe einen 

Selbsteintritt der Schweiz gebieten würden. Die Vorinstanz hat ihr Ermes-

sen korrekt ausgeübt. 

6.4. Die Vorinstanz hat das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Dublin-III-

VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch 

liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-

den. 

7.  

Die Vorinstanz ist zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Weg-

weisung nach Österreich angeordnet. 

8.  

Die Beschwerde ist abzuweisen.  

9.  

Der am 7. Juli 2023 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor-

liegenden Urteil dahin. 

10.  

Die Verfahrenskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des 

F-3813/2023 

Seite 9 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

11.   

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

F-3813/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Youlo Wujohktsang 

 

 

Versand: