# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 385f435f-c7d3-58a7-9a04-74eea8d5192e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-8/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8-2007_2011-08-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­8/2007

U r t e i l   v om   2 9 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz),
Richter Gérald Bovier, Richterin Gabriela Freihofer,
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, 
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2006 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer  die Türkei  am 
1. September 2006 und gelangte am 6. November 2006  in die Schweiz, 
wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 9. November 2006 wurde er 
im Empfangs­ und Verfahrenszentrum Vallorbe erstmals befragt. Das BFM 
hörte  ihn  am  27.  November  2006  zu  den  Asylgründen  an.  Der 
Beschwerdeführer  machte  geltend,  er  stamme  aus  B._______  (Provinz 
C._______) und sei kurdischer Ethnie. Im Jahre 2002 habe er mit seiner 
Familie  B._______  verlassen  und  sei  in  das  Haus  seines  Bruders  in 
D._______ übersiedelt. Dort habe er bis kurz vor der Ausreise  in einem 
Restaurant  gearbeitet.  Er  sei  politisch  nie  aktiv  gewesen.  Als  Kurden 
seien  er  und  seine  Familie  aber  immer  unter  Druck  gestanden.  Sein 
Bruder  habe  nicht  E._______  werden  und  sein  Vater  seinen  Beruf  als 
F._______  nicht  bei  einem  staatlichen  Betrieb  ausüben  können.  Bei 
jedem Vorkommnis in ihrer Gegend seien sie von der Polizei aufgesucht 
worden.  Zudem  sei  seine  Familie  wegen  seines  Cousins  G._______, 
welcher die PKK unterstützt habe, über Jahre hinweg unter polizeilichem 
Druck  gestanden.  Als  sein  Cousin  zu  einer  sechs­  bis  siebenjährigen 
Freiheitsstrafe  verurteilt  worden  sei,  sei  seine  Familie  die  einzige 
gewesen,  die  ihn  während  der  Haftzeit  besucht  und  ihm  Briefe 
geschrieben  habe.  In  dieser  Zeit  seien  sie  seitens  der  Polizei  nicht 
belästigt worden. Nachdem der Cousin seine Strafe verbüsst habe und in 
die  Schweiz  ausgereist  sei  (Frühjahr  2005),  habe  sich  der  Druck  auf 
seine  Familie  und  insbesondere  auf  ihn  –  den  Beschwerdeführer – 
erheblich verstärkt. Am 31. August 2006 sei er von vier Polizisten  in Zivil 
auf  der  Strasse  abgefangen  und  gezwungen  worden,  in  deren  Auto 
einzusteigen. Mit  verbundenen Augen sei er an einen  ihm unbekannten 
Ort  gebracht  und  dort  unter  Schlägen  nach  dem  Aufenthaltsort  von 
G._______  befragt  worden.  Da  er  diesen  nicht  habe  nennen  können, 
hätten ihn die Polizisten freigelassen, mit der Auflage, innerhalb von zwei 
Tagen  den  Aufenthaltsort  seines  Cousins  zu  melden.  Sein  Vater  habe 
ihm  dann  geraten,  das  Land  umgehend  zu  verlassen  und  zu  seinen 
Verwandten  in die Schweiz  zu  reisen. Gleichentags habe er D._______ 
verlassen und sich nach H._______ zu Verwandten begeben.

B. 
Mit  Verfügung  vom  6.  Dezember  2006  verneinte  das  BFM  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers,  lehnte  sein  Asylgesuch 

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ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug 
an. 

C. 
Mit  Eingabe  vom  29.  Dezember  2006  an  die  damals  zuständige 
Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  beantragt  der 
Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter, die Verfügung des BFM 
sei  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Feststellung  des  vollständigen  und 
richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen.  Eventualiter  sei  die  Verfügung  aufzuheben  und  die 
Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Subeventuell seien die Punkte 4 und 
5  der  angefochtenen  Verfügung  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs aufzuheben. 

D. 
D.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Januar  2007  setzte  der 
Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  Frist  zur  Leistung  eines 
Kostenvorschusses.

D.b.  Innert  der  angesetzten  Frist  suchte  der  Beschwerdeführer,  unter 
Beilage  einer  Bestätigung  des  I._______  vom  23.  Januar  2007,  um 
Verzicht  auf  die Erhebung  des Kostenvorschusses  nach.  Ferner  reichte 
er  fünf  Familienregisterauszüge  ein  und  ersuchte  um  Ansetzung  einer 
angemessenen Frist zwecks Erläuterung dieser Beweismittel. 

D.c.  Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  Februar  2007  hiess  der 
Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  des  einverlangten 
Kostenvorschusses. 

E. 
Am 16. Februar 2007 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme 
zu  den  eingereichten  Einwohnerregisterauszügen,  den  familiären 
Verhältnissen und der geltend gemachten Reflexverfolgung ein. 

F. 
Mit  Eingabe  vom  9.  März  2007  ersuchte  der  Beschwerdeführer,  unter 
Beilage  einer  entsprechenden  Ermächtigungserklärung  von  G._______, 
um Einsicht in dessen Asylakten. 

G. 
Mit  Zwischenverfügung  14. März  2007  entsprach  der  Instruktionsrichter 

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dem Gesuch um Einsicht in die Asylakten von G._______ und stellte dem 
Beschwerdeführer  die  entscheidwesentlichen  Akten  zu.  Gleichzeitigt 
setzte er  ihm Frist zur Einreichung einer Stellungnahme. Diese ging am 
29. März 2007 beim Gericht ein.

H. 
Am  25.  Mai  2010  gab  der  Beschwerdeführer  zwei  Schreiben  des 
türkischen Verteidigungsministeriums  vom 26.  Januar  2009  und  6. April 
2010 zu den Akten.

I.  
I.a. Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 27. April 2011 an seinem 
Entscheid  und  dessen  Begründung  fest,  bezeichnete  die 
Militärdienstpflicht  des  Beschwerdeführers  beziehungsweise  seine 
mögliche Verurteilung wegen der Entziehung von den Dienstpflichten als 
flüchtlingsrechtlich  irrelevant  und  beantragte  die  Abweisung  der 
Beschwerde. 

I.b.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  Mai  2011  unterbreitete  der 
Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  die  Vernehmlassung  zur 
Stellungnahme  und  wies,  nachdem  das  BFM  sich  darüber 
ausgeschwiegen  hat,  ausdrücklich  ihn  darauf  hin,  dass  der  Cousin 
G._______ im Februar 2011 auf die Flüchtlingseigenschaft verzichtet hat 
und das  ihm gewährte Asyl mit Verfügung des BFM vom 30. März 2011 
erloschen ist. 

I.c. Innert der angesetzten Frist replizierte der Beschwerdeführer mit Brief 
vom 19. Mai  2011, wobei  er  sich  auf  Ausführungen  zum ausstehenden 
Militärdienst beschränkte.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 

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Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die 
Beurteilung  der  bei  der  ARK  hängigen  Rechtsmittel  übernommen.  Das 
neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art.  53  Abs.  2  VwVG).  Das 
Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  richtet  sich  nach  dem 
VGG, soweit dieses nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

2. 
Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist mithin  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert.  Auf 
die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG,  Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und  Art. 52 
VwVG).

3. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für 
gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 
oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

5. 
5.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  ab,  da  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers weder  den Anforderungen an das Glaubhaftmachen 
gemäss  Art.  7  AsylG  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss  Art.  3  AsylG  standhalten  würden.  Zur  Begründung  führte  die 
Vorinstanz  aus,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht  in  der  Lage,  die 
politischen  Aktivitäten  seines  Cousins  beziehungsweise  die  Gründe  für 
dessen  Verurteilung  darzulegen.  Solche  Unkenntnisse  seien  umso 
erstaunlicher, als die Familie des Beschwerdeführers seit dessen Kindheit 
mit  den angeführten Problemen  konfrontiert  gewesen  sei  und der Vater 
des  Beschwerdeführers  den  Cousin  in  der  Haft  besucht  habe.  Ferner 
habe  der  Beschwerdeführer  angegeben,  der  Druck  auf  ihn  und  die 
Familie habe seit der Ausreise des Cousins im Jahre 2005 zugenommen. 
Indes  sei  er  nicht  in  der  Lage  gewesen,  diesen  Druck  näher  zu 
umschreiben. Vielmehr habe er sich auf das Erwähnen des Vorfalls vom 
31.  August  2006  beschränkt.  Es  sei  daher  nicht  glaubhaft,  dass  der 
Beschwerdeführer  erst  über  ein  Jahr  nach  der  Ausreise  des  Cousins 
nach dessen Aufenthaltsort gefragt worden sei.

Weiter  anerkannte  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung,  dass  die 
geltend gemachten Belästigungen der kurdischen Bevölkerung durch die 
türkischen  Behörden  vorkommen.  Indes  stellt  es  fest,  dass  solche 
Benachteiligungen,  denen  die  gesamte  kurdische  Bevölkerung 
ausgesetzt  sei,  den  Anforderungen  für  die  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  genügen  würden.  Namentlich  würden  auch 
die  vom Beschwerdeführer  angeführten  Benachteiligungen  –  Befragung 
bei  Zwischenfällen  im Dorf, Mitnahme  in  den  Jahren  1994  bis  1996  als 
Zeuge  ins  Leichenhaus  und  der Umstand,  dass  der Vater  seinen Beruf 
als  F._______  in  der  Verwaltung  nicht  habe  ausüben  können  –  keine 
asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. 

Obwohl  G._______  und  seine  Ehefrau  in  der  Schweiz  als  Flüchtlinge 
anerkannt  worden  seien  und  ihnen  Asyl  erteilt  worden  sei,  habe  der 
Beschwerdeführer  keinen  Anhaltspunkt  für  eine  familiäre 
Mitverantwortung  geliefert.  Da  der  Beschwerdeführer  kein  eigenes 

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politisches Engagement für eine illegale Organisation geltend mache, sei 
die  Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexverfolgung  sehr  gering.  Er  könne 
mithin nicht wegen seines Verwandten verfolgt sein.

5.2. 
5.2.1.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  gerügt,  das  BFM  habe  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  weder  vollständig  noch  richtig  abgeklärt. 
Der Beschwerdeführer habe bereits anlässlich der Erstbefragung darauf 
hingewiesen, dass seine Verfolgung mit derjenigen seines in der Schweiz 
als Flüchtling anerkannten Cousins  zusammenhängen würde. Das BFM 
erachte  indes  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  als  nicht 
glaubwürdig,  da  er  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  das  politische 
Engagement seines Cousins zu umschreiben. Allein aus dem Umstand, 
dass  der  Beschwerdeführer  keine  Kenntnisse  über  die  politischen 
Aktivitäten seines Cousins habe, könne nicht geschlossen werden, dass 
er  durch die Sicherheitskräfte  nicht  verfolgt werde. Da das BFM bereits 
anlässlich  der  Erstbefragung  gewusst  habe,  dass  die  Verfolgung  des 
Beschwerdeführers mit derjenigen des Cousins in Zusammenhang stehe, 
hätte  es  dessen  Dossier  beiziehen  müssen,  um  sich  über  den 
Hintergrund  der  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  und  somit  über 
die Basis der geltend gemachten Reflexverfolgung zu informieren. Indem 
die  Vorinstanz  dies  unterlassen  habe,  habe  es  den  Sachverhalt  nicht 
richtig und unvollständig festgestellt. 

Weiter wird in der Rechtsmitteleingabe ausgeführt, eine Reflexverfolgung 
folge gewissen Gesetzmässigkeiten. Sie setze voraus, dass die Person, 
derentwegen  die Verfolgung  bestehe,  in  ihren  politischen Aktivitäten  für 
die  türkischen  Sicherheitskräfte  eine  gewisse  Wichtigkeit  erlangt  habe. 
Die türkischen Behörden würden zunächst die nahen und erst später die 
entfernteren  männlichen  Verwandten  belangen.  Da  keine  nahen 
männlichen  Verwandten  von  G._______  mehr  in  der  Türkei  leben 
würden,  sei  der  Beschwerdeführer  der  einzige  gewesen,  den  die 
türkischen  Behörden  noch  kontaktieren  konnten.  In  Kenntnis  dieser 
Vorgehensweise  hätte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  dazu  näher 
befragen müssen.  Insoweit  habe  es  den  Sachverhalt  weder  vollständig 
noch richtig abgeklärt.

5.2.2.  In der Eingabe vom 16. Februar 2007 wird unter Verweis auf die 
eingereichten  Familienregisterauszüge  dargelegt,  welche  der  insgesamt 
13  männlichen  Verwandten  der  Familie  von  G._______  und  des 
Beschwerdeführers  –  welche  denselben  Grossvater  hätten  –  sich  im 

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Ausland befinden würden und welche vier in der Türkei verblieben seien. 
Dass von 13 männlichen Familienangehörigen nur noch vier in der Türkei 
leben würden, deute klar auf eine systematische Verfolgung der Familie 
Demir hin. Deshalb rechtfertige sich eine Botschaftsabklärung.

5.2.3. In der Eingabe vom 29. März 2007 wird ausgeführt, G._______ sei 
wegen  Aktivitäten  für  die  J._______  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zwölf 
Jahren verurteilt worden und nach der Teilnahme an einem Hungerstreik 
vorzeitig  aus  der Haft  entlassen worden.  In  der  Folge  sei  er wiederholt 
zusätzlich behelligt worden. Ferner  sei gegen  ihn wegen der Teilnahme 
an  K._______  ein  Strafverfahren  eröffnet  worden,  das  nach  wie  vor 
hängig sei. Mit seiner Ausreise in die Schweiz habe sich der Cousin den 
türkischen Strafverfolgungsbehörden entzogen, was die Grundlage für die 
Reflexverfolgung  des  Beschwerdeführers  darstelle.  Selbst  wenn  dieser 
Sachverhalt  als  nicht  genügend  intensiv  für  die  Annahme  einer 
asylrelevanten  Verfolgung  erachtet  werde,  bestehe  für  den 
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung. Bei den 
jederzeit  möglichen  Kontrollen  würde  er  erneut  mit  diesen 
Angelegenheiten  konfrontiert,  wobei  es  während  dieser  Verhöre  und 
Festnahmen auch zu Misshandlungen kommen könnte.

5.2.4. Mit Eingabe vom 25. Mai 2010 macht der Beschwerdeführer unter 
Verweis  auf  zwei  Schreiben  des  Verteidigungsministeriums  geltend,  er 
werde  in  der  Türkei  wegen  Nichtleistens  des  Militärdienstes  gesucht. 
Dieser  Umstand,  in  Kombination  mit  der  geltend  gemachten 
Reflexverfolgung, erhöhe seine asylrelevante Gefährdung.

5.3. Das  BFM  führt  in  der  Vernehmlassung  aus,  bei  den  eingereichten 
Auszügen  handle  es  sich  um  solche  aus  dem  Zivilstandsamtregister. 
Diese  seien  nicht  geeignet,  die  geltend  gemachte Reflexverfolgung  des 
Beschwerdeführers  zu  belegen.  Im  Übrigen  hätten  vor  allem  die 
Verwandten des Cousins  in der Schweiz Asyl  erhalten. Was die beiden 
Schreiben  des  Verteidigungsministeriums  anbelange,  sei  festzuhalten, 
dass Desertion keinen Grund nach Art. 3 AsylG darstelle. Dies sei nur der 
Fall, wenn eine Person aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit mit einer 
unverhältnismässig  schweren  Strafe  zu  rechnen  habe  oder  wenn  das 
Strafmass  für  ihn  höher  ausfalle,  als  für  eine  Person  ohne  diesen 
spezifischen  Hintergrund  oder  wenn  die  Erfüllung  der  Wehrpflicht  den 
Betroffenen  einer  gezielten  menschenrechtswidrigen  Behandlung 
aussetze.

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5.4. In der Replik führte der Beschwerdeführer aus, es dürfte unbestritten 
sein,  dass  er  in  der  Türkei  wegen  des  ausstehenden  Militärdienstes 
gesucht werde. Bei einer Rückkehr werde er einerseits wegen Refraktion 
bestraft,  andererseits  müsse  er  noch  den  ausstehenden  Militärdienst 
leisten. Während dieses Dienstes habe er mit einer "Sonderbehandlung" 
als Angehöriger einer politisch aktiven Familie zu rechnen. 

6. 
6.1.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  gerügt,  obwohl  der 
Beschwerdeführer  seine  Asylvorbringen  in  Zusammenhang  mit 
derjenigen seines als Flüchtling anerkannten Cousins gestellt habe, habe 
es  das  BFM  unterlassen,  dessen  Dossier  beizuziehen.  Ferner  habe  es 
den  Sachverhalt  insoweit  nicht  richtig  ermittelt,  als  es  den 
Beschwerdeführer  nicht  hinreichend  betreffend  die  geltend  gemachte 
Reflexverfolgung befragt habe. Damit habe es den Sachverhalt unrichtig 
sowie unvollständig  ermittelt. Diese Rüge  ist  vorweg  zu prüfen,  da eine 
allenfalls  ungenügende  Sachverhaltsermittlung  eine  materielle 
Beurteilung des Falles verunmöglichen würde. 

Aufgrund  der  Akten  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  bereits  zu 
Beginn der Erstbefragung seinen Cousin, G._______, erwähnt und seine 
persönliche  Verfolgung  mit  dessen  politischen  Engagement  sowie 
insbesondere  dessen  Verurteilung  in  Verbindung  gebracht 
beziehungsweise  begründet  hat.  In  der  Folge  haben  die  Befrager  des 
BFM  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Erstbefragung  sowie  der 
Anhörung  einerseits  offene,  andererseits  konkrete  Fragen  namentlich 
auch  betreffend  den  Cousin,  sein  politisches  Engagement  und  seine 
Verurteilung gestellt. Aufgrund dieser Fragestellungen wird offensichtlich, 
dass  sich  das  BFM  jederzeit  bewusst  war,  dass  der  Beschwerdeführer 
seine Verfolgung auf diejenige des Cousins zurückführt. Insoweit hat das 
BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  auch  das  Vorliegen  einer 
Reflexverfolgung  geprüft.  Indes  ist  es  nicht  allein  Sache  der  Befrager, 
anlässlich  der Anhörungen  jede Einzelheit  zu  erfragen;  vielmehr  obliegt 
es  dem  Asylsuchenden  im  Rahmen  seiner  gesetzlich  statuierten 
Mitwirkungspflicht, von sich aus seine Vorbringen detailliert, substantiiert 
und  mit  Realkennzeichen  sowie  persönlichen  Merkmalen  versehen, 
mithin glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG darzutun. Vorliegend ergibt die 
Durchsicht  der  Protokolle,  dass  die  Angaben  des  Beschwerdeführers 
wenig detailliert, vage und ohne persönlichen Bezug ausgefallen sind. 

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Im Übrigen wird auf dem Deckblatt des BFM­Dossiers auf das Verfahren 
des  Cousins  (N…)  verwiesen.  Eine  Recherche  in  dem  für  das 
Bundesverwaltungsgericht  einsehbaren  Dossierverwaltungssystem  des 
BFM (Zentrales Migrationssystem ZEMIS) hat zudem ergeben, dass das 
Dossier N  (…) sich am 29. November 2006 – also zwei Tage nach der 
Anhörung  zu  den Asylgründen  –  bei  der  im  erstinstanzlichen Verfahren 
zuständigen  BFM­Sachbearbeiterin  befunden  hat.  Auch  wenn  aus  der 
Begründung  des  angefochtenen  Entscheides  nicht  explizit  hervorgeht, 
dass die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerdeführers mit denjenigen 
seines Cousin in dessen Verfahren verglichen hat, ist doch ohne weiteres 
davon  auszugehen,  dass  sie  dessen  Dossier  nicht  nur  beigezogen, 
sondern auch konsultiert hat.

Vor diesem Hintergrund gelangt das Gericht zum Schluss, dass das BFM 
den  Sachverhalt  sowohl  richtig  als  auch  vollständig  festgestellt  hat.  In 
Anbetracht  der  vorstehenden  Erwägungen  erweist  sich  die  erhobene 
Rüge als unzutreffend und es besteht keine Veranlassung, die Akten an 
die Vorinstanz zurückzuweisen. 

6.2. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt, da 
seine  Vorbringen  weder  den  Anforderungen  an  das  Glaubhaftmachen 
gemäss  Art.  7  AsylG  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss Art. 3 AsylG standhalten würden. 

6.2.1. Zunächst  ist  festzuhalten,  dass die Vorinstanz die Asylvorbringen 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  als  nicht  glaubhaft  bewertet  hat.  Die 
Durchsicht der das Asylverfahren des Cousins betreffenden Akten – das 
Dossier N  (…) wurde auch auf Beschwerdeebene beigezogen –  lassen 
die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers,  entgegen  der  von  ihm 
vertretenen Ansicht, nicht  in einem anderen Lichte erscheinen. Vielmehr 
wird  offensichtlich,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
betreffend seines Cousins zu einem wesentlichen Teil unrichtig sind. Dies 
erstaunt  umso  mehr,  als  die  Familienangehörigen  des 
Beschwerdeführers  als  einzige  Verwandte  den  Cousin  während  der 
mehrjährigen  Haftzeit  besucht  und  mit  ihm  in  Briefkontakt  gestanden 
haben  sollen.  Vom  Beschwerdeführer  hätten  daher  ohne  Weiteres  zu 
gewissen  Vorbringen  korrekte  sowie  insbesondere  konkretere  Angaben 
erwartet  werden  dürfen.  Dass  er  erstmals  mehr  als  ein  Jahr  nach  der 
Ausreise  seines  Cousins  von  den  heimatlichen  Behörden  kontaktiert 
worden  sein  soll,  ist  wenig  wahrscheinlich:  Hätten  die  Behörden 
tatsächlich  ein  Interesse  am  Aufenthaltsort  des  Cousins  gehabt,  hätten 

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sie wohl  bereits  kurz  nach  seiner Ausreise  in  seinem  familiären Umfeld 
und  auch  beim  Beschwerdeführer  nach  ihm  gesucht.  Die  absolute 
Unkenntnis  des  Beschwerdeführers  über  die  politischen  Aktivitäten  und 
die  Verurteilung  seines  Cousins  beziehungsweise  dessen 
Gefängnisaufenthalt steht  in einem eklatanten Spannungsverhältnis zum 
Umstand, dass die Familie des Beschwerdeführers den Kontakt mit dem 
Cousin  während  des  Gefängnisaufenthalts  dauernd  aufrechterhalten 
haben sollen. Da sich der Beschwerdeführer  in der Rechtsmitteleingabe 
zu  den  einzelnen  vom  BFM  aufgezeigten  Unstimmigkeiten  in  seinen 
Aussagen  nicht  äussert,  kann,  um  Wiederholungen  zu  vermeiden, 
vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen 
Verfügung  verwiesen  werden.  Dies  gilt  auch  hinsichtlich  der  korrekten 
Feststellung  des  BFM,  wonach  die  allgemeinen  Benachteiligungen  der 
kurdischen  Bevölkerung  in  der  Türkei  praxisgemäss  nicht  zur 
Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  genügen.  Zudem  ist 
diesbezüglich  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  dem 
Wegzug  von  B._______  nach  D._______  laut  seinen  Angaben  keinen 
solchen  Behelligungen  mehr  ausgesetzt  war.  Offensichtlich  verfügte  er 
damit  über  die  Möglichkeit,  sich  allfälligen  lokalen  Behelligungen  zu 
entziehen.

6.2.2.  Der  Beschwerdeführer  macht  weiter  geltend,  wegen  seines 
politisch aktiven Cousins, welcher in der Schweiz als Flüchtling anerkannt 
worden sei, habe er begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne 
einer Reflexverfolgung.

Unter  Reflexverfolgung  versteht  man  behördliche  Belästigungen  oder 
Behelligungen  von  Angehörigen  aufgrund  des  Umstandes,  dass  die 
Behörden  einer  gesuchten,  politisch  unbequemen  Person  nicht  habhaft 
werden  oder  schlechthin  von  deren Polit­Malus  auf  einen  solchen  auch 
bei  Angehörigen  schliessen.  Der  Zweck  einer  solchen Reflexverfolgung 
kann  insbesondere  darin  liegen,  Informationen  über  effektiv  gesuchte 
Personen zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaftierten zu 
erzwingen.  Eine  "Sippenhaft"  in  diesem  weiteren  Sinn  ist  von  den 
türkischen  Behörden  namentlich  in  den  Jahren  des  intensiven 
militärischen  Konflikts  in  den  Süd­  und  Ostprovinzen  nicht  selten 
angewandt  worden,  wenn  es  galt,  den  Aufenthaltsort  von  flüchtigen 
Angehörigen  der  PKK  oder  anderer  staatsfeindlicher  Organisationen  zu 
ergründen.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung  zu 
werden,  ist  namentlich  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen 
Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung 

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hat,  dass  jemand  mit  dem  Gesuchten  in  engem  Kontakt  steht.  Diese 
Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  der Reflexverfolgte  aus  einer  den 
türkischen  Sicherheitskräften  als  "staatsfeindlich"  bekannten  Familie 
stammt  respektive  mehrere  illegal  politisch  tätige  Verwandte  aufweist. 
Auch  ein  eigenes,  nicht  unbedeutendes  Engagement  seitens  des 
Reflexverfolgten  für  illegale politische Organisationen erhöht das Risiko, 
Opfer  einer Sippenhaft  im weiteren Sinne  zu werden  (vgl.  die weiterhin 
zutreffende  Praxis  der  ARK  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5).

Obwohl die politische Lage in der Türkei verglichen mit derjenigen in den 
1980­er­ und 1990­er­Jahren sich stark entspannt hat und die allgemeine 
Sicherheitslage wesentlich  besser  geworden  ist,  kann auch  im heutigen 
Zeitpunkt  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  die  türkischen 
Sicherheitsorgane  gegenüber  Familienmitgliedern  mutmassslicher 
Aktivisten  der  PKK  oder  anderer  als  separatistisch  eingestufter 
Gruppierungen Repressalien ergreifen, die  in gewissen Fällen sogar die 
Intensität  einer  politischen Verfolgung  im Sinne  der  Flüchtlingsdefinition 
erreichen  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21  E.  10.2.3:  reduzierte 
Wahrscheinlichkeit,  aber  weiterbestehende  Möglichkeit  von 
Reflexverfolgung in der Türkei im Jahr 2005, welche Analyse auch für die 
Situation im heutigen Zeitpunkt zutreffend ist).

Wie  vorstehend  dargelegt  bestehen  überwiegende  Zweifel  an  der 
Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  namentlich  an 
der  geltend  gemachten  Inhaftierung  vom  31.  August  2006.  Damit  ist 
insoweit  der  geltend  gemachten  Reflexverfolgung  die  Grundlage 
entzogen.  Allein  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  mit 
G._______  verwandt  ist,  vermag  keine  hinreichende  Furcht  vor  einer 
künftigen Verfolgung im Sinne einer Reflexverfolgung zu begründen. Dies 
umso weniger,  als  der Beschwerdeführer  kein  eigenes  politisches Profil 
aufweist.  Insoweit  vermag der Beschwerdeführer  aus  den eingereichten 
Registerauszügen nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Zudem bedarf es 
weder  einer  Befragung  des  Beschwerdeführers  durch  das  Gericht  zur 
Familienstruktur noch Abklärungen vor Ort, weshalb die entsprechenden 
Anträge abzuweisen sind.

Schliesslich  ist  in  diesem  Zusammenhang  darauf  hinzuweisen,  dass 
G._______  mit  Schreiben  vom  1.  Februar  2011  auf  seinen 
Flüchtlingsstatus  verzichtete  und  die  Rückgabe  seiner  heimatlichen 
Dokumente  verlangte,  um  in  die  Türkei  einreisen  zu  können.  Mit 

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Verfügung vom 30. März 2011 stellte das BFM fest, dass das G._______ 
gewährte Asyl gestützt auf Art. 64 Abs. 1 Bst. c AsylG erloschen sei. Der 
Cousin G._______  ist mithin  im heutigen Zeitpunkt nicht  (mehr)  verfolgt 
und hat keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung. Damit verlieren 
die  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  29.  März  2007, 
wonach  noch  ein  Strafverfahren  gegen  G._______  hängig  sei,  an 
Bedeutung. Ein allfälliges Strafverfahren, sollte es denn zwischenzeitlich 
noch nicht abgeschlossen sein,  ist  in Anbetracht des Asylverzichts unter 
flüchtlingsrechtlichen Aspekten offensichtlich irrelevant. In Anbetracht der 
vorliegenden  Sachlage  ist  die  Gefahr  einer  Reflexverfolgung  für  den 
Beschwerdeführer zu verneinen. 

6.2.3. Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, er hätte  in den 
Militärdienst  einrücken  müssen.  Dazu  ist  festzuhalten,  dass  gemäss 
konstanter  Rechtsprechung  eine  allfällige  Strafe  wegen Refraktion  oder 
Desertion  grundsätzlich  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG 
darstellt. Es gehört zu den legitimen Rechten eines Staates, seine Bürger 
zum  Militärdienst  einzuberufen  und  zur  Durchsetzung  der  Wehrpflicht 
strafrechtliche  oder  disziplinarische  Sanktionen  zu  verhängen  (vgl.  z.B. 
BVGE  D­5392/2010  vom  30. August  2010  und  D­1896/2009  vom 
22. September  2009).  Allerdings  ist  eine  wegen  Missachtung  der 
Dienstpflicht drohende Strafe dann asylrelevant, wenn der Wehrpflichtige 
wegen  seines  Verhaltens  mit  einer  Strafe  zu  rechnen  hat,  welche 
entweder aus Gründen nach Art.  3 AsylG diskriminierend höher ausfällt 
oder an sich unverhältnismässig hoch ist, oder wenn die Einberufung zum 
Wehrdienst darauf abzielt, einem Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 
AsylG genannten Gründe erhebliche Nachteile zuzufügen oder diesen in 
völkerrechtlich verpönte Handlungen zu verstricken (EMARK 2004 Nr. 2). 
Wehrpflichtige  Männer  werden  in  der  Türkei  aufgrund  der 
Staatsangehörigkeit und ihres Jahrgangs für das Militär aufgeboten, ohne 
dass dieser Verpflichtung eine asylrechtlich relevante Verfolgungsabsicht 
des  Staates  zugrunde  liegen  würde.  Eine  allfällige  Bestrafung  des 
Beschwerdeführers  wegen  Wehrdienstverweigerung  wäre  mithin  als 
asylrechtlich  nicht  relevant  zu  qualifizieren. Kurdische Refraktäre  haben 
ihrer  Ethnie  wegen  nicht  generell  strengere  Strafen  im  Sinne  eines 
"Politmalus"  zu  befürchten.  Aufgrund  der  Akten  besteht  kein Grund  zur 
Annahme,  dass  ein  allfälliges  Verfahren  gegen  den  Beschwerdeführer 
aus anderen als militärstrafrechtlichen Gründen angehoben und er härter 
als andere Dienstverweigerer bestraft würde. Allerdings ist bekannt, dass 
während  des Militärdienstes  Schikanen  von  türkischen  Kameraden  und 
Vorgesetzten  gegen  Kurden  vorkommen  können.  Solche  Behelligungen 

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sind indes in der Regel nicht derart gravierend, als dass es sich dabei um 
ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes handeln würde. Es liegen 
somit keine Hinweise für das Vorliegen einer objektiv begründeten Furcht 
vor  Verfolgung  vor.  An  dieser  Einschätzung  respektive  der  Irrelevanz 
allfälliger  staatlicher  Massnahmen  unter  flüchtlingsrechtlichen 
Gesichtspunkten  vermögen  auch  die  beiden  eingereichten  Schreiben 
nichts  zu  ändern.  Dasjenige  vom  26.  Januar  2009  bezieht  sich  zudem 
nicht  auf  den  Beschwerdeführer,  sondern  auf  seinen  Bruder,  und  stellt 
eine  behördeninterne  Mitteilung  handelt,  in  deren  Besitz  der 
Beschwerdeführer grundsätzlich nicht gelangen kann. 

6.2.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen  oder  nachweisen 
kann.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen  in  den  Rechtsmitteleingaben  einzugehen,  da  sie  an  der 
vorstehenden  Feststellung  nichts  zu  ändern  vermögen.  Die  Vorinstanz 
hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  demnach  zu  Recht 
abgelehnt.

7. 
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.1. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 32 
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfrage [AsylV 
1, SR 142.311]).

8. 
8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 

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Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

8.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 
AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 

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ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in  der  Türkei 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

8.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  davon  aus,  dass  die  allgemeine 
Lage  in  der  Türkei  nicht  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnet  ist,  aufgrund  derer  die 
Zivilbevölkerung  als  konkret  gefährdet  bezeichnet  werden  müsste.  Der 
Vollzug  der  Wegweisung  ist  unter  diesen  Umständen  generell  als 
zumutbar  zu  bezeichnen.  Bezogen  auf  den  Beschwerdeführer  ist 
festzuhalten, dass er bis zu seiner Ausreise in der Türkei gelebt hat und 
mit  diesem  Land  und  seiner  Tradition  verwurzelt  ist.  Gemäss  seinen 
Angaben  hat  sein  älterer  Bruder  in  D._______  ein  eigenes  Haus,  in 
welches  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  2002  mit  seinen  Eltern  und 
seinen anderen Geschwistern übersiedelte. Ferner hat er auch zumindest 
Bekannte  H._______,  bei  welchen  er  während  zwei  Monaten  vor  der 
Ausreise lebte. Damit verfügt der Beschwerdeführer in der Türkei über ein 
soziales  Beziehungsnetz,  auf  welches  er  bei  einer  Rückkehr 
zurückgreifen kann. Sodann hat er vor seiner Ausreise während mehrerer 
Jahre als C._______  in D._______ gearbeitet. Zudem hat er hier  in der 
Schweiz  weitere  Arbeitserfahrungen  gesammelt,  arbeitet  er  doch  seit 
August  2009  als  C._______  in  einem  Restaurant  in  N._______.  Vor 
diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in 
den  Heimatstaat  sich  ohne  Weiteres  wieder  ins  Erwerbs­  und 
Alltagsleben  integrieren  werden  wird,  zumal  blosse  soziale  und 

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wirtschaftliche  Schwierigkeiten  gemäss  ständiger  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  keine  existenzbedrohende  Situation 
darstellen, die den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen 
liesse.  Schliesslich  kann  der  Beschwerdeführer  zusammen  mit  seinem 
Bruder O._______, dessen Asylgesuch ebenfalls mit heutigem Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts abgewiesen wird, in die Türkei zurückkehren. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

8.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG; 
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung 
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 ­ 4 AuG).

9. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10. 
Mit Zwischenverfügung vom 12. Februar 2007 hat der  Instruktionsrichter 
das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  aufgrund 
der  eingereichten Fürsorgebestätigung  gutgeheissen. Dementsprechend 
sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Seite 18

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Stöckli Barbara Balmelli

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