# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e94189d-2dbf-56fa-876e-9cc4f42be8f0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-26
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 26.04.2022 BK 2022 184
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2022-184_2022-04-26.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 22 184

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 26. April 2022

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid,
Oberrichter Gerber
Gerichtsschreiberin Lienhard

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter/Beschwerdeführer

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Rückzug der Einsprache

Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das Strassenver-
kehrsgesetz

Beschwerde gegen die Verfügung des Regionalgerichts Emmen-
tal-Oberaargau, Einzelgericht, vom 7. April 2022 (PEN 21 195)

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Erwägungen:

1. Mit Strafbefehl EO 2020 11733 der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 11. Mai 2021 wurde 
A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wegen Missbrauchs von Ausweisen 
und Schildern (Nichtabgeben ungültiger oder eingezogener Ausweise oder Kon-
trollschilder trotz behördlicher Aufforderung) schuldig erklärt und zu einer Geldstra-
fe verurteilt. Am 24. März 2021 erhob der Beschwerdeführer Einsprache gegen den 
Strafbefehl. Mit Schreiben vom 27. Mai 2021 teilte die Staatsanwaltschaft dem Be-
schwerdeführer mit, dass die Verurteilung im Strafbefehl gestützt auf die vorliegen-
den Akten und in Anwendung der für solche Delikte massgebenden Richtlinien 
ausgefällt worden sei und die ausgefällte Sanktion nach nochmaliger Prüfung der 
Akten richtig und angemessen erscheine. Aus diesem Grund werde der Beschwer-
deführer gebeten zu prüfen, ob er an der Einsprache festhalten wolle, und die Ein-
sprache innert 10 Tagen zu begründen, sollte daran festgehalten werden. Der Be-
schwerdeführer liess sich nicht vernehmen. 

Mit Verfügung vom 28. Juni 2021 hielt die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl fest 
und überwies die Akten zur Durchführung des Hauptverfahrens an das Regionalge-
richt Emmental-Oberaargau (nachfolgend: Regionalgericht). Mit Vorladungsverfü-
gung vom 15. Juli 2021 wurde der Beschwerdeführer mit der Verpflichtung zum 
persönlichen Erscheinen zur Hauptverhandlung vom 7. April 2022 vorgeladen. In 
Ziffer 6 der vorgenannten Vorladungsverfügung wurde dem Beschwerdeführer zu-
dem Folgendes mitgeteilt: 
Wer von einer Strafbehörde vorgeladen wird, hat der Vorladung Folge zu leisten. Wer verhindert ist, 
hat dies dem Gericht unverzüglich mitzuteilen; er oder sie hat die Verhinderung zu begründen und 
soweit möglich zu belegen (Art. 205 Abs. 1 und 2 StPO). Bleibt die Einsprache erhebende Person der 
Hauptverhandlung fern, so gilt ihre Einsprache als zurückgezogen (Art. 356 Abs. 4 StPO; 
BGer 6B_7/2017 vom 05.05.2017).

Am 7. April 2022 verfügte das Regionalgericht, dass der Strafbefehl infolge Rück-
zugs der Einsprache in Rechtskraft erwachsen sei. Zur Begründung führt es aus, 
der Beschwerdeführer sei trotz gehöriger Vorladung der Verhandlung unentschul-
digt ferngeblieben und habe sich auch nicht vertreten lassen. Gegen diese Verfü-
gung erhob der Beschwerdeführer am 17. April 2022 Beschwerde. Darin beantragt 
er zum einen die Aufhebung der Verfügung vom 7. April 2022. Zum anderen bean-
tragt er, vom ihm vorgeworfenen Delikt freigesprochen zu werden. Zur Begründung 
führt er sinngemäss an, er sei und bleibe der Annahme, dass die Hauptverhand-
lung am 22. April 2022 stattfinde. Den Strafbefehl habe die Staatsanwaltschaft wi-
der besseres Wissen ausgefällt. So sei das Fahrzeug, dessen Ausweise und Schil-
der er hätte abgeben sollen, zu diesem Zeitpunkt von derselben Staatsanwaltschaft 
beschlagnahmt gewesen. Ein Gesuch um Wiederherstellung gemäss Art. 94 Abs. 1 
der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) stellte der Beschwerdeführer nicht.

Mit Blick auf das Nachfolgende verzichtete die Verfahrensleitung auf das Einholen 
einer Stellungnahme (Art. 390 Abs. 2 StPO). Es ergeht ein direkter Beschluss.

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2. Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie Verfahrenshandlungen erstinstanzli-
cher Gerichte kann innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt 
werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der StPO; Art. 35 des Geset-
zes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft 
[GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Ober-
gerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene 
Verfügung unmittelbar in seinen rechtlich geschützten Interessen betroffen und 
somit zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und 
fristgerechte Beschwerde ist – unter Vorbehalt des Nachstehenden – einzutreten. 

Da das Anfechtungsobjekt den Streitgegenstand definiert, kann auf die Ausführun-
gen des Beschwerdeführers zum Strafbefehl nicht eingegangen werden. Gegen-
stand des Beschwerdeverfahrens ist einzig die Verfügung des Regionalgerichts 
vom 7. April 2022 und nicht die materielle Überprüfung des Strafbefehls resp. die 
strafrechtliche Verantwortlichkeit des Beschwerdeführers.

3.

3.1 Die beschuldigte Person kann gegen einen Strafbefehl Einsprache erheben 
(Art. 354 Abs. 1 Bst. a StPO). Entschliesst sich die Staatsanwaltschaft, am Strafbe-
fehl festzuhalten, führt das erstinstanzliche Gericht eine Hauptverhandlung durch 
(Art. 356 Abs. 1 und 2 StPO). Wer vom Gericht vorgeladen wird, hat der Vorladung 
Folge zu leisten (Art. 205 Abs. 1 StPO). Die Erscheinungspflicht gilt unabhängig 
vom Willen der vorgeladenen Person, an der betreffenden Verfahrenshandlung 
mitzuwirken. Die Erscheinungs- bzw. Anwesenheitspflicht tangiert das prozessuale 
und verfassungsmässige Mitwirkungsverweigerungsrecht der beschuldigten Person 
gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO in keiner Weise (WEDER, in: Kommentar zur Schwei-
zerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Aufl. 2020, N. 4 zu Art. 205 StPO). Bleibt 
die Einsprache erhebende Person trotz Vorladung der Hauptverhandlung unent-
schuldigt fern, so gilt ihre Einsprache gemäss Art. 356 Abs. 4 StPO als zurückge-
zogen. Anders als im Rahmen von Art. 205 StPO kann eine Säumnis nach Art. 356 
Abs. 5 StPO zum Totalverlust des Rechtsschutzes führen. Dies, obwohl der Betrof-
fene ausdrücklich Einsprache erhoben und damit genau diesen Rechtsschutz bei 
der zuständigen Behörde beantragt hat. In Anbetracht der fundamentalen Bedeu-
tung des Rechts, sich einem Strafbefehl zu widersetzen, kann ein Rückzug der 
Einsprache durch konkludentes Verhalten nur angenommen werden, wenn sich 
aufgrund des Gesamtverhaltens des Einsprechers der Schluss aufzwingt, dass er, 
indem er sein Desinteresse an der Fortführung des Strafverfahrens zum Ausdruck 
bringt, bewusst auf seinen Rechtsschutz verzichtet. Die vom Gesetz für den Fall 
des unentschuldigten Nichterscheinens vorgesehene Fiktion des Rückzugs der 
Einsprache (Art. 355 Abs. 2 und 356 Abs. 4 StPO) setzt deshalb voraus, dass sich 
der Beschuldigte über die Konsequenzen seiner Unterlassung bewusst ist und in 
Kenntnis der massgeblichen Rechtslage auf seine Rechte verzichtet 
(BGE 140 IV 82 E. 2.3). Nach einer verfassungskonformen Auslegung kann die 
Fiktion des Rückzugs der Einsprache unter Berücksichtigung des Grundsatzes von 
Treu und Glauben (Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO) nur in Betracht kommen, wenn aus 
dem unentschuldigten Nichterscheinen auf ein Desinteresse der Einsprache erhe-

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benden Person an der Weiterführung des Strafverfahrens geschlossen werden 
kann (BGE 146 IV 286 E. 2.2; 142 IV 158 E. 3.1 und E. 3.3; 140 IV 82 E. 2.3 und 
E. 2.5). Entsprechend ist für die Anwendbarkeit von Art. 356 Abs. 4 StPO erforder-
lich, dass die der Hauptverhandlung fernbleibende Person von der Vorladung und 
den Säumnisfolgen effektiv Kenntnis genommen hat. 

3.2 Aufgrund der Akten ist offensichtlich, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer 
am 15. Juli 2021 zur Hauptverhandlung vom 7. April 2022 vorgeladen hat. Die Vor-
ladung wurde dem Beschwerdeführer am 23. Juli 2021 zugestellt. Sie erfolgte da-
mit ordnungsgemäss und in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmun-
gen, insbesondere auch unter Hinweis auf die Säumnisfolgen bei unentschuldigtem 
Fernbleiben (vgl. Ziffer 6 der Vorladung).

Mithin hatte der Beschwerdeführer am 23. Juli 2021 von der Vorladung, aus wel-
cher unmissverständlich hervorgeht, dass die Hauptverhandlung am 7. April 2022 
stattfindet, Kenntnis genommen. Der Beschwerdeführer machte in der Folge weder 
geltend, dass er aus wichtigen Gründen am Erscheinen an der Hauptverhandlung 
verhindert sei noch, dass mit Blick auf das Datum der Hauptverhandlung Unklarhei-
ten bestünden. Weshalb der Beschwerdeführer in der Annahme gewesen sein soll, 
dass die Hauptverhandlung statt am 7. April 2022 am 22. April 2022 stattfinden 
sollte, wird von ihm nicht begründet und ist auch nicht nachvollziehbar. 

Aufgrund des Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer trotz korrekter Vor-
ladung nicht zur Hauptverhandlung erschienen ist. Der Beschwerdeführer wusste 
sodann auch um seine Erscheinungspflicht und um die Folge, welche unentschul-
digte Fernbleiben von der Hauptverhandlung im Einspracheverfahren zeitigen wür-
de (vgl. Ziffer 6 der Vorladung). Der Beschwerdeführer hat mithin durch sein Nicht-
erscheinen an der Hauptverhandlung in Kenntnis der Sachlage auf seine Rechte 
verzichtet. Da er der Verhandlung vom 7. April 2022 unentschuldigt fernblieb, stell-
te das Regionalgericht in der angefochtenen Verfügung gestützt auf Art. 356 Abs. 4 
StPO zu Recht fest, dass die Einsprache als zurückgezogen gilt und der Strafbe-
fehl in Rechtskraft erwachsen ist. 

3.3 Die Beschwerde erweist sich als daher unbegründet und ist abzuweisen, soweit 
darauf einzutreten ist.

4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Verfahrenskosten, be-
stimmt auf CHF 600.00, sind somit dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Entschä-
digung ist bei diesem Verfahrensausgang keine zu sprechen.

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 600.00, werden dem Be-
schuldigten/Beschwerdeführer auferlegt.

3. Entschädigung wird keine gesprochen.

4. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Beschwerdeführer (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau, Gerichtspräsidentin B.________

(mit den Akten – per Einschreiben)
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau, Staatsanwältin 

C.________ (per B-Post)

Bern, 26. April 2022 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler
i.V. Oberrichter Schmid

Die Gerichtsschreiberin:

Lienhard

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.