# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 23abbae5-9c4f-5104-a5cf-c790fb335ea3
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-15
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 15.11.2021 100 2021 79
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2021-79_2021-11-15.pdf

## Full Text

100.2021.79U
BDE/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 15. November 2021

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichterin Steinmann
a.o. Verwaltungsrichterin Baerfuss Klossner
Gerichtsschreiberin Marti

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

betreffend Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung 
(Entscheid der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern vom 10. Februar 
2021; 2020.SIDGS.289)   

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
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Sachverhalt:

A.

A.________ (Jg. 1978), Staatsangehörige von Brasilien, reiste am 21. Mai 
2006 zwecks Vorbereitung der Heirat in die Schweiz ein. Am 5. September 
2006 heiratete sie den Schweizer Bürger B.________, worauf ihr gestützt 
auf die Ehe eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde, zuletzt gültig bis 
4. September 2007. Im Sommer 2007 reisten ihre beiden Töchter (Jg. 1997 
und 1999) aus einer früheren Beziehung illegal zu ihr und ihrem Ehemann in 
die Schweiz ein. Die Eheleute C.________ lebten seit dem 16. August 2007 
getrennt; am 26. August 2011 wurde die kinderlos gebliebene Ehe 
geschieden. Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 
1. April 2010 verweigerte das damalige Bundesamt für Migration (BFM; 
heute Staatssekretariat für Migration [SEM]) seine Zustimmung zur 
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und wies A.________ aus der 
Schweiz weg. Dieser Ausreisepflicht ist A.________ nie nachgekommen. 

Am … 2010 gebar A.________ die Tochter D.________, deren Vater 
unbekannt ist. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.________ wurde 
A.________ mit Verfügung vom 12. April 2017 der zuständigen Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Mittelland-Nord entzogen; D.________ 
wurde fremdplatziert und unter Beistandschaft gestellt. Mit Verfügung vom 
2. Mai 2017 wies das Amt für Migration und Personenstand des Kantons 
Bern (MIP), Migrationsdienst (MIDI), das Gesuch von A.________ vom 
11. April 2017 um Verlängerung bzw. Erteilung der Aufenthaltsbewilligung 
ab und wies sie aus der Schweiz weg.

B.

Gegen diese Verfügung erhob A.________ am 7. Juni 2017 Beschwerde bei 
der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern (POM; heute: 
Sicherheitsdirektion [SID]). Diese wies die Beschwerde mit Entscheid vom 
19. Dezember 2017 unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab 
und setzte A.________ eine Ausreisefrist. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
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C.

Hiergegen erhob A.________ am 18. Januar 2018 Verwal-
tungsgerichtsbeschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen 
Entscheids sowie die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an sie und ihre 
jüngste Tochter D.________. Mit Urteil vom 14. August 2018 wies das 
Verwaltungsgericht die Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat, und 
gewährte A.________ die unentgeltliche Rechtspflege unter amtlicher 
Beiordnung ihres damaligen Rechtsanwalts (Verfahren 100.2018.19). 

D.

Gegen dieses Urteil erhob A.________ am 13. September 2018 beim 
Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten sowie 
subsidiäre Verfassungsbeschwerde. Das Bundesgericht hiess die 
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit Urteil vom 
12. Februar 2020 gut, hob das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 14. Au-
gust 2018 auf und wies die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts sowie 
neuem Entscheid an das Verwaltungsgericht zurück. Auf die subsidiäre Ver-
fassungsbeschwerde trat es nicht ein (Urteil 2C_800/2018). 

E.

Mit Urteil vom 16. März 2020 wies das Verwaltungsgericht die Sache zur Er-
gänzung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid an die SID zurück (Ver-
fahren 100.2020.86). Nach Ergänzung des Sachverhalts wies die SID die 
Beschwerde mit Entscheid vom 10. Februar 2021 ab und setzte A.________ 
eine neue Ausreisefrist auf den 10. April 2021. Zudem gewährte sie ihr die 
unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als 
amtliche Anwältin.

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F.

Gegen diesen Entscheid hat A.________ am 19. März 2021 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragt, der angefochtene 
Entscheid sei aufzuheben und ihr sei eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. 
Gleichzeitig hat sie um unentgeltliche Rechtspflege unter amtlicher 
Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin ersucht. 

Die SID beantragt mit Vernehmlassung vom 20. April 2021 die Abweisung 
der Beschwerde. Hinsichtlich des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege 
enthält sie sich eines Antrags. 

Auf Ersuchen der Instruktionsrichterin hat die Beiständin von D.________ 
am 21. Mai 2021 den Beistandsbericht vom 6. Mai 2021 zur Periode 1. Mai 
2019 bis 30. April 2021 zu den Akten gereicht; die KESB Mittelland-Nord hat 
mit Eingabe vom 2. Juni 2021 Fragen zu allfälligen weiteren KESB-
Entscheiden sowie zur Prognose betreffend eine Rückplatzierung von 
D.________ beantwortet. 

Auf Anfrage teilte die Beschwerdeführerin am 29. Juni 2021 mit, dass sie an 
ihrer Beschwerde festhalte. Sie halte sich seit Februar 2021 in Brasilien auf, 
weil sie coronabedingt nicht wieder habe ausreisen können. Die Rückkehr in 
die Schweiz sei per 1. Juli 2021 geplant. 

Am 12. Juli 2021 hat die KESB Mittelland-Nord ihren rechtskräftigen Geneh-
migungsentscheid vom 1. Juni 2021 zum Rechenschaftsbericht der Beistän-
din zu den Akten gereicht. 

Mit Schreiben vom 6. August 2021 hat Fürsprecherin … mitgeteilt, dass sie 
sich aufgrund des zerrütteten Vertrauensverhältnisses gezwungen sehe, das 
Mandat niederzulegen. 

A.________ hat am 26. August 2021 (Posteingang) diverse Unterlagen 
eingereicht. Von der Gelegenheit, sich zum Beistandsbericht vom 6. Mai 
2021 und zur Stellungnahme der KESB Mittelland-Nord vom 2. Juni 2021 zu 
äussern und darzulegen, wie sich der Kontakt mit D.________ gestaltet, hat 
sie keinen Gebrauch gemacht. 

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Die SID hält mit Eingabe vom 24. September 2021 am angefochtenen Ent-
scheid fest. Auf zusätzliche Bemerkungen zum aktualisierten Sachverhalt 
hat sie verzichtet. 

Erwägungen:

1.

1.1 Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Sa-
che zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück, darf sich diese von Bun-
desrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundesge-
richt kassierte. Die anderen Teile des Urteils der Vorinstanz haben Bestand. 
Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem Rückweisungsentscheid 
formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil aufhebt. Entscheidend 
ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des bundesgericht-
lichen Entscheids. Die Vorinstanz hat sich an die Erwägungen des Bundes-
gerichts zu halten und darf ihren Entscheid insbesondere nicht auf Überle-
gungen stützen, die dieses ausdrücklich oder stillschweigend verworfen hat. 
Der neue Entscheid ist somit auf die Thematik beschränkt, die sich aus den 
bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung 
ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies not-
wendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rech-
nung zu tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; BGer 2D_5/2019 vom 26.2.2021 
E. 2.1; VGE 2021/120 vom 6.10.2021 E. 1.1, 2020/466 vom 25.2.2021 
E. 1.1). – Das Bundesgericht ist zu folgendem Schluss gekommen: Der Be-
schwerdeführerin sei «für die Dauer der Aufrechterhaltung der Kindesschutz-
massnahme mit gleichzeitigem Verbleib ihrer Tochter in der Schweiz ein Auf-
enthaltsrecht zuzuerkennen, und zwar unter den Voraussetzungen, dass 
noch Aussicht auf eine ersatzlose Aufhebung der angeordneten provisori-
schen Kindesschutzmassnahme besteht bzw. keine definitive Fremdplatzie-
rung des Kindes erfolgt und die Beschwerdeführerin nicht in rechtsmiss-
bräuchlicher Weise zwecks Verlängerung ihres Anwesenheitsrechts auf die 
Aufrechterhaltung der Kindesschutzmassnahme hinwirkt». Da das ange-

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fochtene Urteil zur Beantwortung dieser Fragen keine genügenden Sachver-
haltsfeststellungen enthielt, wies es die Angelegenheit zur Ergänzung des 
Sachverhalts zurück (BGer 2C_800/2018 vom 12.2.2020 E. 5.6 f., E. 6). Auf 
die subsidiäre Verfassungsbeschwerde gegen die Wegweisung ist das Bun-
desgericht mangels Begründung nicht eingetreten (BGer 2C_800/2018 vom 
12.2.2020 E. 1.1). Die SID hat demnach zu Recht vorab die sich nunmehr 
auch vor Verwaltungsgericht stellende Frage geprüft, ob die vom Bundesge-
richt formulierten Voraussetzungen erfüllt sind und der Beschwerdeführerin 
daher für die Dauer der Aufrechterhaltung der Kindesschutzmassnahme ge-
stützt auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; 
SR 0.101) eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen ist. Die SID hat weiter er-
neut geprüft, ob der Beschwerdeführerin ermessensweise eine Aufenthalts-
bewilligung (sog. Härtefallbewilligung) zu erteilen ist.

1.2 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teil-
genommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung 
(Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind einge-
halten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutre-
ten.

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Der Beschwerdeführerin wurde der Aufenthalt in der Schweiz ursprünglich 
gestützt auf die am 5. September 2006 mit einem Schweizer Bürger ge-
schlossene Ehe gestattet (vorne Bst. A). Es ist unbestritten, dass ihre Auf-
enthaltsbewilligung nach Auflösung dieser Ehe nicht mehr verlängert wurde 
und auch heute kein gesetzlicher Aufenthaltsanspruch (mehr) besteht. Die 

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Beschwerdeführerin beruft sich aber hinsichtlich ihrer Beziehung zu ihrer 
minderjährigen Tochter D.________ auf Art. 8 EMRK. 

2.1 Art. 8 EMRK bzw. der inhaltlich deckungsgleiche Art. 13 Abs. 1 der 
Bundesverfassung (BV; SR 101) gewährleisten das Recht auf Achtung des 
Privat- und Familienlebens. Hat eine ausländische Person nahe Verwandte 
mit gefestigtem Anwesenheitsrecht in der Schweiz, denen es nicht zumutbar 
ist, ihr ins Heimatland zu folgen, und wird die intakte familiäre Beziehung 
tatsächlich gelebt, kann es diese Garantien verletzen, wenn ihr die Anwe-
senheit in der Schweiz untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird 
(vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1, 143 I 21 E. 5.1). – Die heute 11-jährige 
D.________ ist in der Schweiz geboren und hier eingeschult. Seit April 2017 
ist sie fremdplatziert. Soweit aktenkundig ist ihr Aufenthaltsstatus bis heute 
nicht geregelt (vgl. Beistandsbericht vom 6.5.2021 [act. 7A] S. 7; Akten SID 
pag. 27). Gemäss bindender Feststellung des Bundesgerichts ist indes 
aufgrund der behördlich angeordneten Platzierung davon auszugehen, dass 
D.________ über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügt, 
welches der Beschwerdeführerin grundsätzlich ein Aufenthaltsrecht nach 
Art. 8 EMRK vermitteln kann (vgl. BGer 2C_800/2018 vom 12.2.2020 E. 5.2). 

2.2 Das Bundesgericht hat erwogen, dass die Rechtsprechung zum Auf-
enthaltsrecht eines nicht sorge- bzw. hauptsächlich betreuungsberechtigten 
Elternteils nicht sinngemäss herangezogen werden kann, wenn – wie hier – 
das Kind aufgrund einer kindesschutzrechtlichen Fremdplatzierung getrennt 
von seinem einzigen bekannten Elternteil lebt (vgl. BGer 2C_800/2018 vom 
12.2.2020 E. 5.4 f.). Anders als eine Neuregelung der nachehelichen elterli-
chen Sorge aufgrund veränderter Verhältnisse sei die Platzierung eines Kin-
des durch Kindesschutzmassnahmen leichter an veränderte Umstände 
anzupassen, weshalb in diesem Fall eher damit zu rechnen sei, dass ein 
entzogenes Aufenthaltsbestimmungsrecht dem betroffenen Elternteil rück-
übertragen werde. Weiter sei zu berücksichtigen, dass mit einer Verweige-
rung des Aufenthaltsrechts der Mutter in Widerspruch zur Konzeption der 
Kindesschutzmassnahmen als vorübergehender Massnahmen vollendete 
Tatsachen geschaffen würden. Dies würde auf eine unzulängliche Koordina-
tion des ausländerrechtlichen Verfahrens und des Kindesschutzverfahrens 
hinauslaufen. Auch würde damit dem Umstand zu wenig Rechnung getra-

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gen, dass die Beschwerdeführerin die einzige elterliche Bezugsperson sei 
und deshalb dem persönlichen Kontakt zwischen ihr und D.________ 
besondere Bedeutung zuzumessen sei. Das Erfordernis des weitgehend 
tadellosen Verhaltens sei in der vorliegenden Konstellation (jedenfalls für die 
Dauer der provisorischen Kindesschutzmassnahme) nicht sachgerecht (vgl. 
BGer 2C_800/2018 vom 12.2.2020 E. 5.5). Das Bundesgericht schloss 
daher, dass der Beschwerdeführerin für die Dauer der Aufrechterhaltung der 
Kindesschutzmassnahme mit gleichzeitigem Verbleib ihrer Tochter in der 
Schweiz ein Aufenthaltsrecht zuzuerkennen ist, «unter den Voraussetzun-
gen, dass noch Aussicht auf eine ersatzlose Aufhebung der angeordneten 
provisorischen Kindesschutzmassnahme besteht bzw. keine definitive 
Fremdplatzierung des Kindes erfolgt und die Beschwerdeführerin nicht in 
rechtsmissbräuchlicher Weise zwecks Verlängerung ihres Anwesenheits-
rechts auf die Aufrechterhaltung der Kindesschutzmassnahme hinwirkt» 
(BGer 2C_800/2018 vom 12.2.2020 E. 5.6).

2.3 Die Vorinstanz hat den Sachverhalt im Sinn der bundesgerichtlichen 
Erwägungen ergänzt und neu entschieden: Sie erachtet es als nicht realis-
tisch, dass die für D.________ angeordneten Kindesschutzmassnahmen in 
absehbarer Zeit ersatzlos aufgehoben werden. Trotz laufender 
kindesschutz- und ausländerrechtlicher Verfahren sei eine 
Veränderungsbereitschaft der Beschwerdeführerin vollkommen inexistent, 
weshalb nicht davon auszugehen sei, dass sie ihr Verhalten bei Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung ändern werde (vgl. angefochtener Entscheid 
E. 6.4). Ihre strikte Abwehrhaltung gegenüber den offensichtlich 
begründeten Kindesschutzmassnahmen könne zudem als 
Rechtsmissbrauch gewertet werden, da sie damit sowie mit ihrem gesamten 
Verhalten bewirke, dass die angeordneten Massnahmen auf unbestimmte 
Zeit aufrechterhalten blieben (angefochtener Entscheid E. 6.5). 
Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, dass die Fremdplat-
zierung keineswegs definitiv sei. Aufgrund des vorübergehenden Charakters 
der Kindesschutzmassnahme, des zunehmenden Alters von D.________ 
und aufgrund der Tatsache, dass eine Veränderung der Verhältnisse in 
Bezug auf die Notwendigkeit von Fremdplatzierungen von Kindern nie 
ausgeschlossen werden könne, sei davon auszugehen, dass Aussicht auf 
eine Aufhebung der Kindesschutzmassnahme bestehe. Eine 

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Aufenthaltsbewilligung würde ihr ermöglichen, die notwendigen 
Veränderungen ihrer Lebenssituation und Haltung vorzunehmen. Etliche 
Risikofaktoren aufgrund ihrer finanziell und sozial prekären Lage würden 
wegfallen. Sie könnte endlich einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen 
und Stabilität in ihrem Leben finden. Es bestünden keine Hinweise darauf, 
dass sie in rechtsmissbräuchlicher Weise auf die Aufrechterhaltung der 
Kindesschutzmassnahme hinwirken würde. Die Beziehung zu D.________ 
habe für sie oberste Priorität (vgl. Beschwerde S. 5 ff.). Ihre Wegweisung 
hätte zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Folge, dass der Kontakt 
zwischen ihr und D.________ abbrechen würde, was mit dem Kindeswohl 
nicht vereinbar wäre, weil sie der einzige bekannte Elternteil von D.________ 
sei (vgl. Beschwerde S. 7).

3.

Hinsichtlich der Kindesschutzmassnahmen und der Mutter-Kind-Kontakte ist 
den Akten Folgendes zu entnehmen:

3.1 Gestützt auf die Meldung der zuständigen Schulleitung vom 15. De-
zember 2016 einer eventuellen Kindeswohlgefährdung von D.________ 
eröffnete die KESB Mittelland-Nord am 28. Dezember 2016 ein 
Kindesschutzverfahren und gab entsprechende Abklärungen in Auftrag. 
Diese führten zum Schluss, dass das Wohl von D.________ «massiv 
gefährdet» sei. Die KESB entzog mit Entscheid vom 12. April 2017 (Akten 
MIDI pag. 847 ff.) der Beschwerdeführerin vorsorglich das Aufent-
haltsbestimmungsrecht über D.________, brachte diese bei deren ältesten 
Halbschwester und deren Ehemann unter und errichtete eine Beistand-
schaft. Die Beiständin wurde beauftragt, der KESB zu berichten, ob die 
Mutter ein kindeswohlgerechtes Umfeld für das Kind in Brasilien organisiert 
hat und eine Ausreise von D.________ zur Mutter erfolgen kann oder ob die 
Unterbringung von D.________ bei der Halbschwester und deren Ehemann 
weiterzuführen sei. Die Beiständin empfahl in ihrem Bericht vom 23. Oktober 
2017 (Akten MIDI pag. 992 ff.), die Platzierung bei der Halbschwester aktuell 
und längerfristig weiterzuführen. Falls die Mutter innerhalb von zwei Jahren 
glaubhaft belegen könne, dass sie in stabilen Lebensverhältnissen lebe, 

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könne eine Zusammenführung von Mutter und Kind erneut geprüft werden. 
In Bestätigung der vorsorglichen Massnahme vom 12. April 2017 entzog die 
KESB mit Entscheid vom 8. Dezember 2017 (vgl. Akten MIDI pag. 999 ff.) 
der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 310 Abs. 1 des Schweizerischen 
Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) das Aufenthaltsbestimmungsrecht über 
D.________, bestätigte deren Unterbringung bei der ältesten Halbschwester 
und deren Ehemann sowie die Anordnung einer Beistandschaft gemäss 
Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB. Die KESB hielt dabei fest, dass es nicht darum 
gehe, einen dauerhaften Verbleib von D.________ in der Schweiz zu 
sichern. Vielmehr solle mit den Massnahmen das Kindeswohl gewahrt und 
nicht weiter gefährdet werden, indem eine allfällige spätere Ausreise von 
D.________ zur Mutter kindesgerecht vorbereitet werden und D.________ 
am Zielort in ein vorab geklärtes sicheres Umfeld kommen könne. Gegen 
diese Kindesschutzmassnahmen ergriff die Beschwerdeführerin keine 
Rechtsmittel.

3.2 Die Beschwerdeführerin befand sich vom 2. Mai 2017 bis am 9. De-
zember 2017 im Strafvollzug (vgl. Akten MIDI pag. 954 ff.). Nach ihrer Ent-
lassung wurde das Besuchsrecht auf den Mittwochnachmittag sowie die 
Wochenenden inkl. Übernachtungen bei der Mutter festgelegt. Nachdem 
D.________ jedoch jeweils sehr übermüdet von den Wochenenden 
zurückkehrte und in der Schule traurig, oft fast apathisch wirkte, wurden die 
Besuche auf jeden Samstag ohne Übernachtung beschränkt. Die 
Beschwerdeführerin konnte sich in der Folge trotz verschiedener Optionen 
nicht auf eine Regelung einlassen und diese akzeptieren, weshalb die 
Besuche zeitweise eingestellt wurden. Ab Oktober 2018 wurden die Besuche 
schrittweise wieder aufgebaut und D.________ verbrachte jeweils den 
Samstag sowie monatlich ein Wochenende mit Übernachtung bei der Mutter. 
Zur Zusammenarbeit mit der sozialpädagogischen Familienbegleiterin zeigte 
sich die Beschwerdeführerin nicht bereit (vgl. Akten MIDI pag. 1195; 
Beistandsbericht vom 2.5.2019 S. 2, in Akten SID 3A2).

3.3 Mit Entscheid vom 17. Oktober 2018 lehnte die KESB den Antrag der 
Beschwerdeführerin auf Rückplatzierung von D.________ ab; die 
Verhältnisse hätten sich nicht derart verändert, dass das Kindeswohl eine 
Anpassung der Massnahmen zulasse (vgl. Akten MIDI pag. 1194 ff.). Eine 

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hiergegen erhobene Beschwerde wies das Obergericht des Kantons Bern 
mit Entscheid vom 28. Februar 2019 ab (vgl. Akten MIDI pag. 1224 ff.). Auf 
Empfehlung der Beiständin veranlasste die KESB am 9. September 2019 ein 
Ausreiseverbot für D.________. Am 14. September 2019 wurde die 
Beschwerdeführerin mit D.________ am Flughafen von Lissabon 
angehalten, von wo aus sie nach Brasilien hätten ausreisen wollen. In der 
Folge erhob die KESB am 19. September 2019 Strafantrag gegen die 
Beschwerdeführerin wegen Entziehung von Unmündigen (vgl. Akten MIDI 
pag. 1267 ff.). Mit Entscheid vom 4. September 2019 bzw. 
superprovisorischem Entscheid vom 16. September 2019 brachte die KESB 
D.________ per 16. September 2019 bis auf weiteres in einer Sozial-
pädagogischen Wohngruppe unter. Zur Begründung führte sie an, dass für 
D.________s Wohlbefinden und positive Entwicklung ein stabiles Umfeld mit 
verlässlichen Bezugspersonen ausschlaggebend sei. Gegenwärtig sei das 
emotionale Wohl von D.________ zunehmend gefährdet. Die 
Halbschwester, bei der sie bisher untergebracht gewesen sei, sei dem stark 
manipulativen Einfluss der Mutter auf D.________ ebenfalls ausgesetzt 
gewesen. Die Halbschwester sei deshalb zur Einsicht gelangt, dass sie die 
nötige Kraft und Zeit, welche für die Erziehung und Förderung von 
D.________ erforderlich wären, auch mit der Unterstützung der 
sozialpädagogischen Familienbegleitung nicht aufbringen könne. Sie 
befürworte die Umplatzierung. Für die KESB war weiter nicht erkennbar, 
dass die Kindsmutter eine Entwicklung im Umgang mit D.________ gemacht 
hat, welche sie befähigt, die Verantwortung gegenüber ihrem Kind 
wahrzunehmen. Während des gesamten Aufenthalts von D.________ bei 
ihrer Halbschwester sei die Mutter nicht in der Lage gewesen, eine stabile 
zuverlässige Beziehung zu ihrem Kind zu pflegen. Sie äussere zwar, Mutter 
sein zu wollen. Es seien jedoch über den Zeitraum von zwei Jahren keine 
tatsächlichen Bemühungen in diese Richtung zu erkennen (vgl. Akten MIDI 
pag. 1249 ff.; Akten SID 3A2). Die superprovisorische Unterbringung von 
D.________ in der sozialpädagogischen Wohngruppe bestätigte die KESB 
mit Entscheid vom 18. September 2019 (vgl. Akten SID 3A2). Die gegen die 
KESB-Entscheide vom 4. und 18. September 2019 erhobene Beschwerde 
wies das Obergericht mit Entscheid vom 15. Januar 2020 ab; die 
Umplatzierung sei nicht nur geeignet, sondern auch erforderlich und 
verhältnismässig (vgl. Akten SID 3A2). 

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3.4 Dem Beistandsbericht vom 6. Mai 2021 für den Zeitraum vom 1. Mai 
2019 bis 30. April 2021 (act. 7A) ist Folgendes zu entnehmen: 

3.4.1 D.________ lebt seit September 2019 in einer sozialpädagogischen 
Wohngruppe. Jedes zweite Wochenende verbringt sie bei ihrer 
Halbschwester E.________. Die beiden weiteren Wochenenden finden 
alternierend bei der Halbschwester F.________ und der Kontaktfamilie statt. 
Die Ferien verbringt D.________ zum grössten Teil bei der Halbschwester 
E.________, mit der Wohngruppe und bei der Kontaktfamilie (act. 7A S. 2). 
Vor der Ausreise der Kindsmutter nach Brasilien im Februar 2021 fanden die 
Besuche zwischen ihr und D.________ 14-täglich statt, aufgrund 
geäusserter Entführungsabsichten begleitet auf der Wohngruppe. 
Alternierend standen die Mutter und D.________ in den dazwischenliegen-
den Wochen jeweils einmal telefonisch in Kontakt. Wenn sich D.________ 
bei ihren Schwestern aufgehalten habe, sei teilweise auch die Mutter 
anwesend gewesen. Dies habe gegen die Vereinbarung verstossen, was 
D.________ emotional belastet habe. Die Anwesenheit der Mutter werde 
deshalb seit Herbst 2020 gestattet, die Verantwortung für die Erfüllung und 
Wahrung der Bedürfnisse von D.________ obliege in dieser Zeit jedoch den 
betreuenden Schwestern; Übernachtungen bei der Mutter seien untersagt. 
Für die Stabilität und das Wohl von D.________ erachten die involvierten 
Fachpersonen und -behörden einen Ausbau der Besuche der Kindsmutter 
aktuell als nicht angezeigt; auch D.________ wünsche keinen Ausbau 
(act. 7A S. 3, 5 f.). Die Beschwerdeführerin nehme die Besuche auf der 
Wohngruppe verlässlich wahr. Im Vordergrund stünde jeweils eine 
«gemeinsame lustige Zeit» (Musikhören, Videos schauen, Zeichnen, 
Singen). Die Beziehungsgestaltung bleibe sehr oberflächlich. 
Rückmeldungen zeigten, dass die Beschwerdeführerin D.________ bei den 
gemeinsamen Telefonaten teilweise unter Druck setze. Zwischen der Be-
schwerdeführerin und D.________ bestehe grundsätzlich eine liebevolle 
Beziehung. Die Mutter freue sich jeweils, D.________ zu sehen. Auch 
D.________ freue sich auf die Besuche. Der Wunsch nach Kontakt zur 
Mutter werde von D.________ jedoch während der Zeit zwischen den 
Besuchen nicht geäussert. Seitens der Institution werde D.________s 
Vorfreude, Zeit bei der Kontaktfamilie oder bei der älteren Schwester zu 
verbringen, als präsenter erlebt (act. 7A S. 5 f.). 

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3.4.2 Bei der Beschwerdeführerin sei wenig Problemeinsicht vorhanden. 
Deshalb sei eine Zusammenarbeit mit ihr hinsichtlich Veränderungs- und 
Entwicklungsschritten oder Erziehungsthemen nicht möglich. Auch die Zu-
sammenarbeit mit der früheren Familienbegleiterin habe sie verweigert. Ge-
spräche bezüglich persönlicher oder pädagogischer Themen lehne die Be-
schwerdeführerin ab. Hinsichtlich des Wohlergehens, des Verlaufs und der 
Entwicklung von D.________ frage sie nicht nach. Auch das Angebot, sich 
telefonisch über das Befinden von D.________ auszutauschen, nehme die 
Beschwerdeführerin nicht wahr (act. 7A S. 8 f.). Während der 
Berichtsperiode seien bei der Beschwerdeführerin jedoch merkliche 
Verbesserungen spürbar geworden. Nachdem sie zeitweise versucht habe, 
das Setting zu torpedieren oder zu umgehen, halte sie sich aktuell 
weitgehend an die getroffenen Abmachungen. Die Beschwerdeführerin 
wirke gefasster und ausgeglichener; sie äussere zudem, nun viel mehr Ruhe 
in ihrem Leben zu haben, und dass es ihr besser gehe. Dies habe zwar zu 
keinen Veränderungen hinsichtlich der elterlichen Kompetenzen geführt, 
reduziere jedoch den Druck, den die Beschwerdeführerin in belasteteren 
Phasen auf D.________ ausgeübt habe (act. 7A S. 3, 8).

3.4.3 Die Beiständin erachtet die Weiterführung der Fremdplatzierung als 
zwingend notwendig; eine dauerhafte Rückplatzierung von D.________ in 
den kommenden Jahren sei derzeit nicht realistisch. Diese Einschätzung 
werde von der Platzierungsinstitution gestützt. D.________ bedürfe eines 
sozialpädagogischen Settings. Sie sei sehr belastet und weise in ihrer 
Entwicklung sowohl sozial, emotional als auch schulisch grosse Defizite auf. 
Sie benötige Sicherheit und Stabilität, um zur Ruhe zu kommen und 
Kapazitäten für die kommenden Entwicklungsschritte freisetzen zu können. 
Obwohl zu den familiären Bezugspersonen eine liebevolle Beziehung 
vorhanden sei, führten die familiären Spannungen, der massive 
Loyalitätskonflikt, die fehlenden erzieherischen Kompetenzen und 
mangelnde Bedürfniswahrnehmung dazu, dass dieses Umfeld nur durch 
eine pädagogische Institution geschaffen werden könne. Der Prozess der 
vergangenen Jahre mit dem Fokus, diese Voraussetzungen zu verändern, 
habe gezeigt, dass seitens der Kindsmutter die Möglichkeit oder Bereitschaft 
zur Veränderung wenig vorhanden sei und sich diesbezüglich auch aktuell 
keine Veränderung zeige (act. 7A S. 9 f.). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 14

3.5 Hinsichtlich der Frage einer allfälligen Rückplatzierung von 
D.________ schliesst sich die KESB mit Schreiben vom 2. Juni 2021 der 
Einschätzung der Beiständin im Beistandsbericht vom 6. Mai 2021 
vollumfänglich an (act. 8). Für die gesunde Entwicklung von D.________ von 
hoher Relevanz seien ein Umfeld mit Struktur und adäquater Förderung und 
Unterstützung sowie verlässliche, emotionale Verfügbarkeiten und klare 
Haltungen ihrer Bezugspersonen, welche die Bedürfnisse von D.________ 
adäquat wahrnehmen und darauf eingehen können. Eine Rückplatzierung 
von D.________ in den kommenden Jahren sei nicht realistisch. 

3.6 Die Beschwerdeführerin hielt sich von Anfang Februar 2021 bis ca. 
Ende Juni 2021 in Brasilien auf (vgl. Beistandsbericht vom 6.5.2021 S. 2; 
act. 10). Zu den Mutter-Kind-Kontakten während dieser Zeit sowie seit ihrer 
Rückkehr ist den Akten nichts zu entnehmen. Die Beschwerdeführerin hat 
sich hierzu nicht geäussert (vorne Bst. F). Zugunsten der Beschwerdeführe-
rin wird im Folgenden unterstellt, dass sie den Kontakt von Brasilien aus 
telefonisch aufrechterhielt und die Besuche seit ihrer Rückkehr wieder im 
vereinbarten Umfang (zwei Stunden begleitet 14-täglich) stattfinden.  

4.

In Würdigung der dargelegten Umstände erwägt das Gericht Folgendes:

4.1 Seit Beginn der Kindesschutzmassnahmen sind keine wesentlichen 
positiven Verhaltensänderungen erkennbar. Anzeichen, dass die Beschwer-
deführerin mittel- oder längerfristig in der Lage sein könnte, sich eigenver-
antwortlich um D.________ zu kümmern, bevor diese volljährig wird, 
bestehen nicht. Die heute 11-jährige D.________ ist seit 4,5 Jahren 
fremdplatziert. Während dieser Zeit ist es der Beschwerdeführerin nicht 
ansatzweise gelungen, ihre elterlichen Kompetenzen zu verbessern und 
konstruktiv daran mitzuwirken, die Mutter-Kind-Kontakte kontinuierlich 
auszubauen und die Voraussetzungen für eine Rückplatzierung zu schaffen. 
Sowohl die Beiständin als auch die KESB erachten eine Rückplatzierung in 
den folgenden Jahren als unrealistisch (vgl. vorne E. 3.4.3 und 3.5). Aus dem 
bisherigen Verlauf der Massnahme kann die Beschwerdeführerin nichts für 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 15

sich ableiten: Nach der Entlassung aus dem Strafvollzug im Dezember 2017 
wurde das Besuchsrecht zunächst eingeschränkt, weil es der 
Beschwerdeführerin nicht gelungen war, D.________ angemessen zu 
betreuen. Aufgrund ihres unkooperativen Verhaltens musste das 
Besuchsrecht sogar einige Zeit ausgesetzt werden, bevor es im Herbst 2018 
in reduzierter Form wieder aufgenommen werden konnte. Im Herbst 2019 
musste D.________ in eine sozialpädagogische Wohngruppe umplatziert 
werden, nicht zuletzt weil die Beschwerdeführerin mit ihrem manipulativen 
Einwirken eine Weiterführung der Unterbringung bei der Halbschwester 
verunmöglichte (vorne E. 3.2 f.). Nachdem die Beschwerdeführerin im Sep-
tember 2019 unrechtmässig versucht hatte, mit D.________ nach Brasilien 
zu gelangen, wurde das Besuchs- und Kontaktrecht erneut auf den heutigen 
Umfang eingeschränkt (14-täglich zweistündige, begleitete Besuche in der 
Institution, 14-tägliche Telefonate, Kontakte, wenn D.________ das 
Wochenende bei einer ihrer Halbschwestern verbringt). Ein Ausbau der 
Besuche und Kontakte ist behördlicherseits nicht geplant und wird von 
D.________ auch nicht gewünscht. Aufgrund des Aufenthalts der 
Beschwerdeführerin in Brasilien ab Februar 2021 fanden während mehrerer 
Monate keine Besuche statt. Dass sie in dieser Zeit in Brasilien 
Vorkehrungen im Hinblick auf eine Rückplatzierung von D.________ 
getroffen hätte (Organisation einer adäquaten Wohnmöglichkeit, einer 
angemessenen Beschulung, eines sozialen Empfangsraums [vgl. auch 
KESB-Entscheid vom 18.9.2019, in Akten SID 3A2]), macht die Be-
schwerdeführerin nicht geltend.

4.2 Die Beschwerdeführerin pflegt zwar eine liebevolle Beziehung zu 
D.________. Die Beziehung ist jedoch sehr oberflächlich; die 
Beschwerdeführerin interessiert sich wenig für das Befinden und die 
Erlebnisse ihrer Tochter und erkundigt sich auch bei den involvierten 
Fachpersonen nicht über die Entwicklung von D.________ (vorne 
E. 3.4.1 f.). Der Beschwerdeführerin gelingt es nach wie vor nicht, eine 
Perspektive hinsichtlich des Wohls von D.________ einzunehmen. Sie ist 
nicht in der Lage, die massiven Belastungen für D.________ aufgrund des 
Loyalitätskonflikts sowie die Bedeutung einer konstanten und verlässlichen 
Kontaktpflege zwischen ihr und D.________ zu reflektieren und sich 
demgemäss zu verhalten (vgl. Beistandsbericht vom 6.5.2021 S. 3). Anzuer-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 16

kennen ist, dass sie sich inzwischen weitgehend an die Abmachungen hält 
und die Besuche in der Institution (bis zur ihrer Ausreise im Februar 2021) 
verlässlich wahrnimmt; weitere Veränderungsbemühungen liegen jedoch 
nicht vor. 

4.3 Das Gericht verkennt nicht, dass sich die Beschwerdeführerin man-
gels einer Aufenthaltsberechtigung in einer schwierigen Lebenssituation 
befindet (vgl. Beschwerde S. 6). Indes hat sie sich diese Umstände selber 
zuzuschreiben, indem sie während Jahren ihrer Ausreiseverpflichtung nicht 
nachgekommen ist und sich bei der Papierbeschaffung unkooperativ verhal-
ten hat (vgl. VGE 2018/19 vom 14.8.2018 E. 2.2). Ihre Lebenssituation ver-
mag sodann das Fehlen jeglicher Veränderungsbereitschaft im Hinblick auf 
ihre Tochter nicht zu erklären, zumal ihr das Bundesgerichtsurteil vom 
12. Februar 2020 (nochmals) deutlich vor Augen geführt hat, dass es ihrer 
Mitwirkung bedarf, um die Kindesschutzmassnahmen überflüssig werden zu 
lassen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern erst die Erteilung der Aufenthaltsbe-
willigung ihr ermöglichen würde, die notwendigen Veränderungen ihrer Le-
benssituation sowie ihrer Haltung vorzunehmen (vgl. Beschwerde S. 6). Seit 
Beginn der Kindesschutzmassnahmen im Jahr 2017 kann die Beschwerde-
führerin auf die Unterstützung von Fachpersonen zählen. Sie verschliesst 
sich jedoch Gesprächen über Veränderungsmöglichkeiten sowie pädagogi-
schen Themen in Bezug auf die Mutterrolle und ist auf Schuldzuweisungen 
fokussiert (vgl. Beistandsbericht vom 6.5.2021 S. 7). Auch die Zusammenar-
beit mit der sozialpädagogischen Familienbegleitung verweigerte sie (vorne 
E. 3.4.2). Der Beschwerdeführerin ist es trotz laufender kindesschutz- und 
ausländerrechtlicher Verfahren nicht gelungen, ihre eigenen Anteile an der 
aktuellen Situation anzuerkennen und auf eine Verbesserung hinzuwirken. 
Im Gegenteil hat das Verhalten der Beschwerdeführerin dazu geführt, dass 
das Besuchs- und Kontaktrecht weiter eingeschränkt werden musste. 
Obschon ihr Leben seit Anfang 2019 ruhiger geworden sei (vgl. vorne 
E. 3.4.2; Beistandsbericht vom 2.5.2019 S. 3, in Akten SID 3A2), ist nicht 
erkennbar, dass sie sich ernsthaft um eine Verbesserung ihrer elterlichen 
Kompetenzen bemüht. Dass sich der persönliche Kontakt zwischen der Be-
schwerdeführerin und D.________ weiter vertiefen würde, wenn sie in der 
Schweiz verbleiben könnte, erscheint angesichts der bisherigen Entwicklung 
mehr als fraglich. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 17

(Beschwerde S. 6) spricht auch das zunehmende Alter von D.________ 
nicht für eine absehbare Aufhebung der Kindesschutzmassnahme. 
D.________ weist in diversen Bereichen Defizite auf und bedarf einer engen 
und verlässlichen Begleitung. Seit April 2021 wird sie zusätzlich 
psychotherapeutisch begleitet; eine ADS-Abklärung zu einem späteren 
Zeitpunkt ist nicht ausgeschlossen (vgl. Beistandsbericht vom 6.5.2021 
S. 4). Gerade die kommenden Jahre werden für D.________s Entwicklung 
sehr wichtig sein (vgl. Beistandsbericht vom 6.5.2021 S. 10). Sie wird daher 
auch mit zunehmenden Alter auf ein stabiles und tragendes Umfeld 
angewiesen sein, welches sie ihren Bedürfnissen entsprechend fördert und 
begleitet. Die Beschwerdeführerin hat gezeigt, dass sie hierzu nicht in der 
Lage ist. Inwiefern ihr dies (besser) gelingen sollte, wenn für D.________ 
eine angemessene Behandlung installiert ist (Beschwerde S. 6), führt sie 
nicht näher aus. 

4.4 Bei dieser Sachlage ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass auch 
bei Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerdeführerin nicht 
mit einer Verhaltensänderung zu rechnen ist, die mittel- oder längerfristig 
eine Rückplatzierung als wahrscheinlich erscheinen liesse (angefochtener 
Entscheid E. 6.4). Die vom Bundesgericht formulierte Voraussetzung, wo-
nach noch Aussicht auf eine ersatzlose Aufhebung der angeordneten provi-
sorischen Kindesschutzmassnahme besteht bzw. das Kind nicht definitiv 
fremdplatziert ist, ist demnach nicht erfüllt.

4.5 Die Vorinstanz hat weiter erwogen, dass die Beschwerdeführerin ein 
rechtsmissbräuchliches Verhalten an den Tag lege und damit auch die 
zweite Voraussetzung des Bundesgerichts nicht erfülle (angefochtener Ent-
scheid E. 6.5). Dieser Schluss ist nicht zu beanstanden. Das Handeln der 
Beschwerdeführerin ist seit Jahren darauf ausgerichtet, unter Ausschöpfung 
aller Mittel in der Schweiz zu verbleiben: Im Sommer 2007 liess sie ihre bei-
den in Brasilien zurückgelassenen Töchter illegal zu sich in die Schweiz ein-
reisen. Nachdem sie und die Töchter im Jahr 2010 rechtskräftig aus der 
Schweiz ausgewiesen worden waren, weigerte sie sich während Jahren aus-
zureisen und an der Papierbeschaffung mitzuwirken. Erst als die KESB 2017 
das Kindesschutzverfahren betreffend die jüngste Tochter eröffnete, legte 
die Beschwerdeführerin gültige Reisepässe vor und erklärte sich zur Rück-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 18

kehr nach Brasilien bereit, jedoch nur in Begleitung von D.________ (vgl. 
VGE 2018/19 vom 14.8.2018 E. 2.1 ff.). Seither hat sie indes keinerlei 
Bemühungen gezeigt, die auf eine Aufhebung der Kindesschutzmassnahme 
gerichtet sind. Mit ihrer strikten Abwehrhaltung, der Weigerung, mit den 
involvierten Fachbehörden zusammenzuarbeiten, und ihrem gesamten 
Verhalten bewirkt sie vielmehr die Aufrechterhaltung der 
Kindesschutzmassnahme. Nichts für sich ableiten kann die 
Beschwerdeführerin aus dem Umstand, dass sie im Jahr 2018 die 
Rückplatzierung von D.________ beantragt und gegen diverse KESB-
Entscheide Rechtsmittel ergriffen hat (Beschwerde S. 6). Angesichts des 
Fehlens jeglicher Veränderungsbereitschaft war von vornherein nicht 
ernsthaft mit der Aufhebung oder Abänderung der angeordneten Mass-
nahmen zu rechnen.

4.6 Nach dem Erwogenen kann die Beschwerdeführerin keinen Anwe-
senheitsanspruch aus Art. 8 EMRK ableiten. Das Gericht übersieht nicht, 
dass die KESB in ihrem Bericht vom 23. Juni 2020 (Akten SID pag. 26 ff.) 
mit Blick auf das Kindeswohl Vorbehalte gegen eine ausländerrechtliche 
Wegweisung der Beschwerdeführerin geäussert hat. Insbesondere be-
schrieb sie es als unsicher, ob die Beschwerdeführerin in der Lage wäre, den 
Kontakt und die Beziehung zu ihrem in der Schweiz verbleibenden Kind über 
die modernen Kommunikationsmittel tatsächlich zu leben. Ein vollständiger 
Beziehungs- und Kontaktabbruch könne daher nicht ausgeschlossen wer-
den. Seither ist jedoch wieder ein Jahr vergangen, ohne dass eine positive 
Verhaltensänderung der Beschwerdeführerin oder eine gefestigtere Mutter-
Tochter-Beziehung feststellbar wären. Ein Ausbau der Besuche und Kon-
takte hat nicht stattgefunden und wird von D.________ auch nicht 
gewünscht. Die unangekündigte Ausreise nach Brasilien im Februar 2021 
hat erneut gezeigt, dass die Beschwerdeführerin für D.________ keine 
verlässliche Bezugsperson ist. Zu einem vollständigen Kontaktabbruch ist es 
aber trotz der örtlichen Distanz offenbar nicht gekommen (vgl. 
Beistandsbericht vom 6.5.2021 S. 2 f.). Angesichts der eher kurzen und 
oberflächlichen Kontakte ist nicht von einer besonders engen Mutter-
Tochter-Bindung auszugehen. D.________ pflegt eine gute und stabile 
Beziehung zu ihren beiden hier lebenden Halbschwestern. Damit ist 
sichergestellt, dass D.________s familiäre Wurzeln nicht verloren gehen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 19

Zumindest eine der beiden Halbschwestern steht zudem in regelmässigem 
Kontakt mit D.________ und der Beschwerdeführerin, weshalb sie als 
Bindeglied zwischen den beiden die Fortführung der Beziehung und 
Kontakte sicherstellen kann. Daneben werden auch die Beiständin und die 
Pflegeverantwortlichen den Weiterbestand der Mutter-Kind-Beziehung zu 
gewährleisten und die heute 11-jährige D.________ darin zu unterstützen 
haben. Dabei können die heutigen Kommunikationsmittel helfen (vgl. VGE 
2015/224 vom 15.2.2017 E. 6.4.5 mit Hinweisen [bestätigt durch BGer 
2C_320/2017 vom 21.12.2017]). Angesichts der vorliegenden Umstände 
gelangt das Verwaltungsgericht insgesamt zur Auffassung, dass das 
Entfallen persönlicher Begegnungen mit der Mutter nicht zu einer 
schwerwiegenden Beeinträchtigung des Kindeswohl führen wird. 

5.

Fehlt es an einem Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz, entscheidet die 
zuständige Behörde nach pflichtgemässem Ermessen über die Bewilligungs-
verlängerung (Art. 3, Art. 33 Abs. 3 sowie Art. 96 des Bundesgesetzes vom 
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die 
Integration [Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20]). Die SID 
hat (erneut) auch die ermessensweise Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 
verweigert (angefochtener Entscheid E. 7). Die Beschwerdeführerin kritisiert 
dies zu Recht nicht. Die Vorinstanz hat die massgebenden Gesichtspunkte 
und Interessen in Einklang mit der publizierten Praxis des Verwaltungsge-
richts vollständig einbezogen und zutreffend gewichtet, eingeschlossen die 
Integration und die intakten Wiedereingliederungsmöglichkeiten im Heimat-
land (vgl. zu den strengen Anforderungen BVR 2015 S. 105 E. 2.2, 2013 
S. 73 E. 3.3 f.).

6.

Der angefochtene Entscheid hält somit der Rechtskontrolle stand. Die Be-
schwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. Da die von der 
Vorinstanz angesetzte Ausreisefrist abgelaufen ist, ist eine neue anzusetzen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 20

(vgl. BVR 2019 S. 314 E. 7). Sie beträgt nach der Praxis des Verwaltungs-
gerichts in der Regel sechs Wochen, wobei bei der Bemessung besondere 
Umstände zu berücksichtigen sind (vgl. Art. 64d Abs. 1 AIG). Die gegenwär-
tige besondere Lage aufgrund des Coronavirus rechtfertigt eine etwas län-
gere Frist bis 15. Januar 2022. Sollte die Ausreise bis zu diesem Zeitpunkt 
aufgrund von Reisebeschränkungen nicht möglich sein, ist es Sache der 
Migrationsbehörde, eine neue Frist anzusetzen.

7.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten und ihre Parteikosten grundsätzlich selber zu tra-
gen (Art. 108 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Sie hat indes (auch) 
für das verwaltungsgerichtliche Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege 
und Beiordnung ihrer (vormaligen) Rechtsvertreterin als amtliche Anwältin 
ersucht. 

7.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Verfahrenskosten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel 
verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 
VRPG; vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 
19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272]). Unter den glei-
chen Voraussetzungen kann einer Partei überdies eine Anwältin oder ein 
Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhält-
nisse es rechtfertigen (Art. 111 Abs. 2 VRPG). Ein Prozess ist nicht aus-
sichtslos, wenn berechtigte Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, das heisst 
wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren sich ungefähr die Waage hal-
ten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Als aussichtslos sind nach 
der bundesgerichtlichen Praxis demgegenüber Prozessbegehren anzuse-
hen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Ver-
lustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. 
Massgebend ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich 
bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen oder aber 
davon absehen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene 
Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb austragen können, 
weil er sie nichts kostet (statt vieler BVR 2019 S. 128 E. 4.1; BGE 142 III 138 
E. 5.1; zum Ganzen Lucie von Büren, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
Seite 21

zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 111 N. 29 ff.). – Die Prozessbe-
dürftigkeit der Beschwerdeführerin ist aufgrund ihrer Sozialhilfeabhängigkeit 
hinreichend erstellt (vgl. Beschwerdebeilage 6). Die Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde kann sodann noch gerade nicht als von vornherein aussichtslos 
bezeichnet werden. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist somit 
gutzuheissen, und der Beschwerdeführerin ist für das verwaltungsgerichtli-
che Beschwerdeverfahren bis zum Erlöschen des Mandatsverhältnisses am 
6. August 2021 (vgl. vorne Bst. F; act. 13) ihre Rechtsvertreterin als amtliche 
Anwältin beizuordnen. 

7.2 Mit Blick auf den in der Sache gebotenen Aufwand, die Bedeutung 
der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses gibt die Kostennote von 
Fürsprecherin … (act. 13A) zu keinen Bemerkungen Anlass. Der tarif-
mässige Parteikostenersatz ist dementsprechend auf Fr. 3'645.85, zuzüglich 
Fr. 115.20 Auslagen und Fr. 289.60 MWSt, insgesamt Fr. 4'050.65, festzu-
setzen (Art. 41 Abs. 3 i.V.m. Art. 42a Abs. 3 des Kantonalen Anwaltsgeset-
zes vom 28. März 2006 [KAG; BSG 168.11]).

7.3 Die amtliche Entschädigung bestimmt sich nach Art. 112 Abs. 1 
VRPG i.V.m. Art. 42 KAG. Demnach bezahlt der Kanton den amtlich bestell-
ten Anwältinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich 
nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar ge-
mäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht (Art. 42 Abs. 1 
Satz 1 KAG). Der Stundenansatz beträgt Fr. 200.-- (Art. 42 Abs. 4 KAG 
i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung 
der amtlichen Anwältinnen und Anwälte [EAV; BSG 168.711]). Auslagen und 
Mehrwertsteuer werden zusätzlich entschädigt (Art. 42 Abs. 1 Satz 3 KAG). 
Bei einem massgeblichen Zeitaufwand von 14 Std. 35 Min. ist die amtliche 
Entschädigung auf Fr. 2'916.65 (14,583 x Fr. 200.--), zuzüglich Fr. 115.20 
Auslagen und Fr. 233.45 MWSt (7,7 % von Fr. 3'031.85), insgesamt 
Fr. 3'265.30, festzusetzen.

7.4 Die Verfahrenskosten sind vorerst durch den Kanton Bern zu tragen 
und Fürsprecherin … ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die Be-
schwerdeführerin ist gegenüber dem Kanton bzw. Fürsprecherin … zur 
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 113 VRPG 
i.V.m. Art. 42a Abs. 2 KAG und Art. 123 ZPO).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.11.2021, Nr. 100.2021.79U, 
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Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Der Beschwerdeführerin wird eine 
neue Ausreisefrist gesetzt auf den 15. Januar 2022.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 3ʹ000.--, werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Die Kosten trägt vorerst der Kanton Bern. Vorbehalten bleibt die 
Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin.

4. Für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wird der Beschwerdefüh-
rerin Fürsprecherin …, Bern, als amtliche Anwältin beigeordnet. Der 
tarifmässige Parteikostenersatz wird in diesem Verfahren auf Fr. 4'050.65 
(inkl. Auslagen und MWSt) festgesetzt. Davon wird Fürsprecherin … aus 
der Gerichtskasse eine auf Fr. 3'265.30 (inkl. Auslagen und MWSt) 
festgesetzte Entschädigung vergütet. Vorbehalten bleibt die 
Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin. 

5. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerin
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern 
- Staatssekretariat für Migration
- Fürsprecherin … (nur Rubrum, E. 7 und Dispositiv)

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und mitzuteilen:
- Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Mittelland-Nord (auch zuhan-

den der Beiständin)

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.