# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f3097e6-1007-5b48-9887-007de81c015b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-25
**Language:** de
**Title:** Kausalität einer Diskushernie. Als der Bf stürzte, trug er eine Last von 30kg. Diese fiel ihm auf Nacken u. Schulter. In der Folge wurde eine DH C5/6 festgestellt. Unfallereignis ist nach Rechtsprechung grundsätzlich geeignet, eine DH zu verursachen. Rückweisung zu weiteren Abklärungen.
**Docket/Reference:** UV.2014.00239
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2014.00239.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2014.00239
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiber Wyler
Urteil
vom
25. April 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene
X.___
war seit dem 1
2.
August 2013 als
Flach
dachbauer
bei der
Y.___
AG angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (
Suva
) obligatorisch gegen die Fol
gen von Unfällen versichert, als er am 1
9.
November 2013 eine
Dachpappen
rolle
auf den Schultern transportierte und ausrutschte. Dabei fiel ihm die Rolle auf die Schulter (Unfallmeldung vom 2
0.
November 2013, Urk.
8/1).
X.___
war in der Folge arbeitsunfähig (vgl.
Arztz
eugnis
s
e
von
Z.___
und von
A.___
, Assistenzä
rzt
e
Chirurgie
des
B.___
, vom 1
9.
und 2
1.
November 2013,
Urk.
8/8
und
Urk.
8/6
) und die
Suva
richtete Taggelder
aus
und kam für Heilbehandlungskosten auf
(vgl. Schreiben
der
Suva
vom 2
2.
Novem
ber 2013,
Urk.
8/3).
Am 1
7.
Februar 2014 wurde
X.___
von Kreisarzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Chirurgie,
MAS Ver
sicherungsmedizin,
untersucht (Be
richt vom 1
8.
Februar 2014,
Urk.
8/30).
Nach
dem am 2
6.
Juni 2014
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Neuro
chirur
g
i
e
a
m
B.___
,
der
Suva
be
richtete hatte
(
Urk.
8/57)
, nahm
Kreisarzt
Dr.
C.___
am
2.
Juli 2014
eine
Akten
beurteilung
vor (
Urk.
8/60). Die
Suva
stellte daraufhin m
it Verfügung vom
8.
Juli 2014 ihre Leistunge
n per 3
1.
August 2014 ein (Urk.
8/61). Am
5.
August 2014 erhob
X.___
dagegen
Einsprache (
Urk.
8/65).
Nachdem
Dr.
D.___
am 1
4.
August 2014 erneut der
Suva
berichtete (
Urk.
8/70) und
Kreisarzt
Dr.
C.___
dazu
am 2
1.
August 2014
Stellung genommen
hatte (
Urk.
8/71), wies die
Suva
die Einsprache mit
Einsprache
ent
scheid
vom
9.
September 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am
7.
Oktober 2014
, vertreten
durch die Sozia
l
en D
ienste
der
Stadt Zürich
, Rechtsanwalt Oliver
Streiff
,
Beschwerde und bean
tragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und
es seien
ihm
Leis
tungen der Unfallversicherung (berufliche Massnahmen, eventuell Invali
den
rente) zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Anordnung eines
zwei
ten Schriftenwechsels und die Gewäh
rung der unentgeltlichen
Prozess
füh
rung
(
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin be
antragte mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Okto
ber 2014 die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
7). Mit Verfügung vom
4.
November 2014 wurde auf das Gesuch
des Beschwerdeführers
um unent
gelt
liche Prozessführung nicht eingetreten und ein zweiter Schriftenwechsel ange
ordnet (
Urk.
9). Der Beschwerdeführer reichte innert Frist keine Replik ein, was
den Parteien am 1
7.
Dezember 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
12). Am 1
9.
Dezem
ber
2014 teilte
Rechtsanwalt
Streiff
mit,
dass der Bes
chwerdeführer nicht mehr von ihm
vertreten werde (
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer auch nach dem 3
1.
August 2014 noch Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin hat.
2.
2.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invaliden
rente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
Ein Anspruch auf berufliche Massnahmen sieht das UVG hingegen nicht vor.
2.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krank
haften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänz
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entspre
chen
de Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
2.
4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei,
das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begrün
det sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
3.
3.1
Der noch am Unfalltag 1
9.
November 2013 erstbehandelnde Assistenzarzt
Z.___
attestierte dem Beschwerdeführer
bis 2
1.
November 2013 eine
100%ige Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
8/8).
3.2
Dr.
med.
E.___
, Leitender Arzt Neurologie des
B.___
,
welcher den Beschwerdeführer am 2
5.
November 2013 untersuchte, nannte mit Bericht vom 2
7.
November 2013 als Di
agnose:
-
m
ediolaterale
Diskushernie HWK5/6 mit Verdacht auf Irritation der
Ner
venwurzel
C7 rechts, klinisch
radikuläre
Schmerzen C7 sowie leichte Schwäche der rechtsseitigen Handmuskulatur
-
Status nach Schulterkontusion rechts vom 1
9.
November 2013
-
Thoraxkontusion
vom 1
9.
November 2013
Der Beschwerdeführer berichte, er sei am 1
9.
November 2013 ausgerutscht, wobei ihm eine Rolle Dachpappe auf die rechte Schulter gefallen sei. Seit dem Er
eignis habe er in den rechten Arm ausstrahlende Schmerzen, insbesondere dann, wenn er den Kopf nach hinten oder zur rechten Seite beuge. Zudem sei die Kraft im Arm und besonders in der Hand vermindert.
De
r
Arzt hielt fest, er
habe am 2
6.
November 2013 ein MRI durchfü
hren lassen. Dabei habe sich
eine Diskushernie mit Irritation der Wurzel C7 rechts gezeigt, welche die Symptomatik erkläre
.
Nach Rücksprache mit
Dr.
D.___
habe er dem Be
schwerdeführer aus diagnostischen und therapeutischen Gründen ein
e
periradi
kuläre
Infil
tration dieser Wurzel angeboten. Der Beschwerdeführer
habe aus Angst vor der Injektion
jedoch
zunächst abwarten wollen, so habe er ihm jetzt Steroide verordnet und werde ihn dann Anfang kommender Woche noch
mals sehen (
Urk.
8/18).
3.
3
Kreisarzt
Dr.
C.___
diagnostizierte
mit
Bericht vom 1
8.
Februar 2014 ein
belas
tungsabhängiges
zervikothorakales
Schmerzsyndrom mit/bei
Diskopa
th
ie
C5/
6.
Anamnestisch gebe der Beschwerdeführer an, dass es in den letzten Wo
chen zu einer Besserung gekommen s
ei
. Die Sensibilitätsstörung des rechten Armes habe sich vollständig zurückgebildet. Unter Entlastung wären die
Na
ckenbe
schwer
den
rückläufig. Am Wochenende sei es, nachdem er seine Tochter angehoben habe, zu einem Schmerzschub gekommen. Klinisch finde sich eine lokale
Druck
dolenz
im Bereich des
Musculus
trapezius
sowie des
Musculus
sternocleido
mastoideus
rechts bei seite
n
gleiche
m
Tonus. Eine relevante Ein
schränkung der HWS-Funktion sei nicht festzustellen und die Kraft sei weitge
hend seitengleich.
Schonungszei
ch
en
fänden sich nicht. D
er Beschwerdeführer habe am 19.
Novem
ber 2013 ein Trauma der rechten Schulter mit Beschwerden im Bereich des
zer
viko
thorakalen
Überganges erlitten. Anfänglich seien aus
strahlende Symptome in den rechten Arm aufgetreten, wobei eine Irritation der Nervenwurzel C7 diskutiert worden sei. Mittlerweile habe sich die Sensibilität erholt und er beklage belastungsabhängige
zervikothorakale
Schmerzen. Ein aktives
Aufbau
pro
gramm
werde nicht durchgeführt. Klinisch fänden sich Hin
weise auf eine muskuläre
Dysbalance
bei einer Hyperlordose der LWS und einer langge
zogenen thorakalen Kyphose. Sein aktive
s
Trainingspr
ogramm mittels Yoga und Liegestütz
en habe der Beschwerdeführer aufgrund des Ereignisses sistiert.
Passive Massnahmen mittels Akupunktur und Magnetfeldtherapie führe er durch.
Aufgrund des Verlaufes sollte umgehend ein aktives
Traini
ngspro
gramm
be
gonnen werden. Zu
Beginn sei Physiotherapie indiziert, wobei nach ein bis zwei Serien auf
Medizinische Trainingstherapie
umgestellt w
erden sollte. Ebenfalls habe er dem Beschwerdeführer
empfohlen seine Yogaübungen wieder aufzu
nehmen. Unter einem aktiven Trainingsprogramm sei eine Arbeitsauf
nahme in vier bis sechs Wochen zu erwarten (
Urk.
8/30).
3.
4
Dr.
D.___
hielt mit Bericht an die Hausärztin des Beschwerdeführers vom 2
3.
Mai 2014 als Diagnosen fest:
-
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom rechts mit diffuser Ausstrahlung in den rechten Arm, jedoch betont im C6-Dermatom bei Diskushernie HWK5/6 paramedian rechts mit
Pelottierung
des
Myelo
n
s
-
Lumbago (MRI unauffällig)
Inwieweit der Beschwerdeführer in seinem erlernten
(richtig: angelernten)
Beruf als Dachdecker noch tätig sein könne,
müss
e aus seiner Sicht im Rahmen eines arbeitsmedizinischen Gutachtens geklärt werden (
Urk.
8/51).
3.
5
Kreisarzt
Dr.
C.___
erklärte
mit Stellungnahme vom
2.
Juni 2014, radiologisch
seien die Befunde der HWS unverände
rt, wobei die Aufnahmen vom 26.
Novem
ber 2013 zum Vergleich nicht vorlägen. Eine Besserung der
Radi
kulopathie
habe
der Beschwerdeführer anlässlich der kreisärztlichen Untersu
chung vom 1
8.
(rich
tig:
17.)
Februar 2014 bestätigt. Aufgrund des
Unfallme
chanismus
sei bio
me
chanisch eine richtunggebende Verschlimmerung nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit zu erklären. Eine langfristige Arbeitsunfä
higkeit könne nicht begründet werden (
Urk.
8/52).
3.
6
Am 2
6.
Juni 2014 berichtete
Dr.
D.___
der Beschwerdegegnerin, beim Beschwerdeführer sei aufgrund des
zervikobrachialen
C6-Syndrom rechts bei bekannter Diskushernie HWK5/6 paramedian rechts am 2
3.
Mai 2014 eine
F
a
cettengelenks
- und Nervenwurzelblockade in den Segmenten HWK5/6 und HWK6/7 erfolgt. Der Beschwerdeführer habe sehr gut von dieser Infiltration profitiert, weshalb sie aufgrund einer erneuten Exazerbation der Beschwerden am 2
5.
Juni 2014
nochmals eine
Facettengelenksinfiltra
t
ion in diese
n
Seg
men
t
en
durchgeführt hätten. Bei Therapieresistenz müsste eine
mikrochirurgi
sche
Dekompression über einen ventralen Zugang nach
Clowar
d
in Erwägung gezo
gen werden (
Urk.
8/57).
3.
7
Kreisarzt
Dr.
C.___
erklärte
mit Beurteilung
vom
2.
Juli 2014, d
er Verlauf sei protrahiert. Es sei von einer Reizung der Radix bei Einengung des
Neurofora
mens
und gleichzeitigem
Zug bei
Schlag auf die Schulter auszugehen. Bis zur kreisärztlichen Untersuchung hätten sich die Sensib
i
litätsstörungen vollständig zurückgebildet. Es persistiere die bekannte Diskushernie C5/
6.
Während der kreisärztlichen Untersuchung vom Februar 2014 habe der Beschwerdeführer unter anderem festgehalten, dass es zu einer erneuten Schmerzverstärkung beim Hochheben seiner Tochter gekommen sei.
Schonungszeichen
seien im Februar 2014 nicht festzustellen gewesen. In den weiteren Berichten werde durch den Neurochirurgen ein
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom mit Ausstrahlung in den rechten Arm festgehalten. Er habe Infiltrationen in den Segmenten C5/6 und C6/7 durchgeführt. Eine isolierte Infiltration im Bereich des
Neuroforamens
C6 werde nicht erwähnt. Daraufhin sei es zu einer Beschwerdebesserung gekom
men. Im Juni 2014 sei nochmals eine I
nfiltration vorgenommen worden.
Die
radikuläre
Symptomatik hab
e sich innerhalb weniger Monate
gebessert, wie dies nach einer unfallbedingten Auslösung der Symptomatik anzunehmen sei. Während der kreisärztlichen Untersuchung hätten sich keine spezifischen
radi
kulären
Symptome mehr gefunden. Im weiteren Verlauf sei durch den Neu
ro
chirurgen erneut eine diffuse Schmerzausstrahlung in den Arm beschrieben worde
n. Die Diskushernie habe sich insgesamt nicht wesentlich verändert. Es sei somit von einer vorübergehenden unfallbedingten Verschlimmerung eines über
wiegend wahrscheinlich degenerativen Vorzustandes auszugehen. Eine struktu
relle Läsion infolge des Traumas habe nicht mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit bestätigt werden können. Die
Reizung der Nerven
wurzel C6 bzw. C7 sei
im Verlauf ein
ig
er Wochen bzw. weniger Monate abgeheilt und eine spe
zifische
Radikulopathie
habe im Februar 2014 nicht mehr vorgelegen. Entspre
chend sei davon auszugehen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Unfallfolge
n abgeheilt seien (
Urk.
8/60).
3.
8
Dr.
D.___
berichtete der Beschwerdegegnerin am 1
4.
August 2014 und
hielt als Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
fest:
-
z
ervikobrachiales
C6-Syndrom rechts bei Diskushernie HWK5/6,
para
median
rechts
-
Lumbago, bestehend seit Sturzereignis am 1
9.
November 2013
-
Status nach Schulterkontusion rechts und
Thoraxkontusion
Die
Kopfbeweglichkeit
des Beschwerdeführers
sei bei Drehung nach rechts wie auch bei
R
e
klination
endgradig
schmerzhaft eingeschränkt. Es l
ie
ge eine Hypästhes
i
e im C6-Dermatom rechts vor. Paresen bestünden nicht. Die
Mus
kel
eigenreflexe
seien seitengleich. Es zeigten sich keine pathologisch
en Reflexe. Es
lägen keine Zeichen
der langen Bahnen
vor. Kernspintomographisch sei eine grosse Diskushernie im Bewegungssegment HWK 5/6 rechts nachgewi
e
sen wor
den, die zu einer Kompression der Nervenwurzel C6 sowie zu einer leichten
Pelo
ttierung
des
Myelo
n
s
(korrelier
end zu
m klinischen
Beschwerdebild)
führe
. Da der Beschwerdeführer
von der
kombinierte
n
Vorgehensweise
Manualtherapie
plus medikamentös
e Therapie und
interventionelle
schmerztherapeutische Be
handlungen (Infiltrationen) profitiere, empfehle er zunächst die For
t
setzung der konservativen Behandlungsmassnahmen und gegenwärtig keine operative In
ter
vention. Bei Th
erapieresistenz müsste eine mik
r
o
chirurgische Dekompression über einen ventralen Zugang nach
Clowar
d
in Erwägung gezogen werden. Die Prognose sei daher günstig. D
i
e Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers sei unfallbedingt. Er empfehle eine arbeitsmedi
zinische Abklärung (
Urk.
8/70).
3.9
Kreisarzt
Dr.
C.___
erklärte
mit Stellungnahme vom 2
1.
August 2014, der neu eingegangene Bericht von
Dr.
D.___
ergebe keine neuen Tatsachen. Eine Problematik bei bekannten degenerativen Veränderungen der HWS mit
Dis
kus
hernie
C5/6 werde nochmals bestätigt. Eine Anpassung der bisherigen Beur
tei
lung sei somit nicht vorzunehmen. Eine richtunggebende Verschlimmerung eines
degenerativen Vorzustandes sei nicht überwiegend wahrscheinlich zu be
jahen
(
Urk.
8/71)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging
unter Berufung auf
Kreisarzt
Dr.
C.___
davon aus,
dass beim Beschwerdeführer aufgrund des Unfalls vom 1
9.
November 2013 keine
objektivierbaren, somatischen Unfallfolgen struktureller Art bestünden
, insbe
son
dere sei die Diskushernie
C5/6
nicht
unfallkau
sal
(
Urk.
2).
4.2
Wie die Beschwerdegegnerin im angefocht
enen
Einspracheentscheid
vom 9.
Septem
ber 2014 festhielt
(vgl.
Urk.
2 S. 6)
,
entspricht
es
gemäss Recht
sprechung einer
medizinische
n
Erfahrungstatsache, dass praktisch alle
Diskus
her
nien
bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfall nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigent
liche Ursache in Betracht fällt. Eine Diskushernie kann als weitgehend
unfallbe
dingt
betrachtet werden, wenn der Unfall von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie - vertebrales oder
radikuläres
Syndrom - unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. Ein Unfall ist somit nur in Aus
nahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen, zumal eine gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gewalteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. Be
züglich der Verschlimmerung eines vorbestehenden Gesundheitsschadens gelten dieselben Kriterien. Die Dauer, während der eine vorbestehende
Wirbelsäulener
krankung
durch einen Unfall - bei Fehlen unfallbedingter
Wirbelkörperfraktu
ren
oder struktureller Läsionen an der Wirbelsäule - im Sinne einer vorüberge
henden Verschlimmerung beeinflusst wird, beträgt nach unfallmedizinischer Erfahrung sechs bis neun Monate, längstens jedoch ein Jahr.
Diskusprotrusio
nen
sind nach medizinischer Lehrmeinung in der Regel Folge eines degenerati
ven Prozesses (Urteil des Bundesgerichts 8C_492/2009 vom 2
1.
Dezember 2009 E. 6.3.2)
.
Als Beispiele
für Unfälle, welche eine Diskushernie auslösen können, werden höchstrichterlich
etwa ein freier Sturz aus er
heblicher Höhe, ein Sprung aus zehn
Meter
Höhe, ein Sturz beim Tragen von Lasten oder ein Zusammenstoss bei grosser Geschwindigkeit genannt.
Es sind massivste Gewalteinwirkungen auf den Körper notwendig
(vgl.
Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_811/2012 vom 4.
März 2013 E. 6.2
;
Urteile des damaligen Eidgenössischen
Versicherungsge
richts
[EVG] U 408/04 vom
9.
Mai 2005 E. 3.1 und U 24/00 vom 2
6.
Juli 2000 E. 3c)
4.3
Gemäss Angaben des Beschwerdeführers lief der Unfall vom 19. November 2013 wie folgt ab: Er trug eine Rolle mit Dachpappe von etwa 30 Kilogramm Gewicht auf der Schulter. Er ist ausgerutscht und nach vorne zu Boden gestürzt. Dabei habe die Rolle ihn heftig auf die rechte Schulter getroffen (Unfallmeldung vom 20. November 2013, Urk. 8/1; Angaben gegenüber behandelndem Arzt: Urk. 8/18, E. 3.2) bzw. auf die rechte Schulter und im Nacken getroffen (Rapport
vom 31. Januar 2014 am Wohnort des Beschwerdeführers, Urk. 8/20). Seither wird
er von den behandelnden Ärzten (unfallbedingt) zu 100 % arbeitsunfähig ge
schrieben (vgl. E.
3.1, E.
3.8) und klagt er über zumindest anfänglich
radiku
läre
Schmerzen im rechten Arm und in die rechte Schulter, die in Zusam
men
hang mit der Diskushernie HWK5/6 gesehen werden, ohne dass zur Kausalität der Bandscheibenveränderungen Stellung genommen oder über einen entspre
chen
den, degenerativen Vorzustand berichtet wird (E. 3.2, E. 3.4, E. 3.6, E. 3.8). Den Akten ist auch kein Bericht über einen krankhaften Vorzustand an der HWS, allenfalls bildgebende Befunde vor dem Unfallereignis, zu entnehmen.
4.4
Kreisarzt Dr.
C.___
führte in seiner Stellungnahme vom 2. Juni 2014
zur Be
gründung der Verneinung der Unfallkausalität der Diskushernie C5/6 an, dass
aufgrund des Unfallmechanismus biomechanisch eine richtunggebende Ver
schlim
me
rung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erklären sei (E.
3.5). Auch im Bericht vom 2. Juli 2014 behauptet Dr.
C.___
, die Diskushernie habe sich nicht wesentlich verändert, und schloss daraus, dass von einer vor
übergehenden unfallbedingten Verschlimmerung eines überwiegend wahr
schein
lich degenerativen Vorzustandes auszugehen sei (E. 3.6). Diese Schlussfolgerung ist jedoch für den Rechtsanwender nicht nachvollziehbar (vgl. Urteil des Bun
des
gerichts U 14/05 vom 29.
Mai
2066 E.
2.2). Angesichts der mit dem vorlie
genden Unfallmechanismus durchaus zu vergleichenden zitierten Beispiele aus der Rechtsprechung (E. 4.2), fehlender
Vorakten
und der unmittelbar nach dem Unfallereignis aufgetretenen Symptome ist nicht schlüssig dargelegt, weshalb keine traumatisch verursachte Diskushernie vorliegt oder weshalb die
unfallbe
dingte
Gewalteinwirkung einen allenfalls überwiegend wahrscheinlich zu ver
mutenden degenerativen Vorzustand nicht anhaltend verschlimmern konnte. Die Beurteilungen von Dr.
C.___
in Bezug auf die Unfallkausalität (E. 3.3, E. 3.5, E. 3.7 und E. 3.9) stellen damit keine hinreichende Beurteilungsgrundlage dar. Da auch die behandelnden Ärzte entweder keine Angaben zur Unfallkausalität
machten (E.
3.2) oder keine Begründung für ihre Annahme, die anhaltende Arbeits
unfähigkeit sei unfallbedingt (E. 3.8), darlegten, kann gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Abklärungen nicht festgestellt wer
den, ob die vom Beschwerdeführer über den 31. August 2014 hinaus geklag
ten Beschwerden und die allenfalls darüber hinaus bestehende Arbeitsun
fähig
keit durch den Unfall vom 19. November 2013 verursacht wurden.
5.
Die Sache ist
entsprechend
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese zur Beurteilung der Unfallkausalität weitere medizinische Abklärungen vornimmt und hernach über den Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers
neu
entscheidet.
In Bezug auf die sinngemäss
anbegehrten
beruflichen Massnahmen ist die Beschwerde abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom
9.
September 2014 aufgehoben und die Sache an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä
gungen über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheide.
In Bezug auf berufliche
Massnahmen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstWyler