# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a983ae35-b6f0-5fbc-b3ef-e86d20dfdb8a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.12.2023 D-6504/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6504-2023_2023-12-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6504/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Thomas Segessenmann, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;   

Gerichtsschreiberin Selina Sutter. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,  

c/o Regionalgefängnis (…),   

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 15. November 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6504/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 12. März 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Er gab auf dem Personalienblatt an, am (…) geboren und somit 

minderjährig zu sein. Am 20. März 2023 beauftrage er die Mitarbeitenden 

des Rechtsschutzes im Bundesasylzentrum Region B._______ mit der 

Wahrung seiner Interessen und am 29. März 2023 erfolgte die Erstbefra-

gung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA).  

A.b In einem vom SEM beim Institut für Rechtsmedizin (…) in Auftrag ge-

gebenen Altersgutachten vom 21. April 2023 wurde zunächst festgehalten, 

die Beurteilbarkeit der Altersschätzung sei aufgrund einer nicht klassifizier-

baren Formvariante der medialen Schlüsselbeinanteile eingeschränkt. An-

hand der zahnröntgenologischen Untersuchung liege das durchschnittliche 

Alter bei 18.3 Jahren. Anhand der radiologischen Untersuchung der linken 

Hand sei ein Mindestalter von 16.1 Jahren zu benennen. Im Ergebnis sei 

die Minderjährigkeit somit nicht ausgeschlossen und das angegebene Alter 

von 16 Jahren und 11 Monaten erscheine möglich.  

A.c Am 2. Mai 2023 erklärte die Vorinstanz das Dublin-Verfahren für been-

det.  

A.d Die auf den 23. Mai 2023 angesetzte Anhörung zu den Asylgründen 

musste nach kurzer Zeit abgebrochen werden, weil der Beschwerdeführer 

angab, es gehe ihm nicht gut, er sei krank und wolle nicht erneut über seine 

schlimmen Erlebnisse sprechen (vgl. SEM-act. 24/5). Anlässlich der schrift-

lichen Stellungnahme vom 30. Mai 2023 zum rechtlichen Gehör bezüglich 

der Mitwirkungspflichtverletzung entschuldigte sich der Beschwerdeführer 

und erklärte, am Tag der geplanten Anhörung psychisch sehr krank gewe-

sen und aufgrund seiner familiären Situation sehr gestresst zu sein. Er be-

nötige eine psychologische Behandlung und warte aktuell auf einen Ter-

min. 

A.e Mit Schreiben vom 5. Juni 2023 wurde der Beschwerdeführer zu einer 

erneuten Anhörung vorgeladen. Gemäss Mitteilung des Sicherheitsdiens-

tes galt der Beschwerdeführer seit demselben Tag als verschwunden. Das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde deshalb am 27. Juni 2023 

durch die Vorinstanz als gegenstandslos geworden abgeschrieben.  

A.f Am 28. Juni 2023 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM 

mit, dass das Mandatsverhältnis beendet sei.  

D-6504/2023 

Seite 3 

B.  

B.a Mit Eingabe vom 20. September 2023 ersuchte der Beschwerdeführer 

das SEM um Wiederaufnahme des Asylverfahrens. Er gab einen viermo-

natigen Gefängnisaufenthalt in (…) als Grund für seine Abwesenheit an. 

Am 21. September 2023 gab das SEM dem Gesuch statt, nahm das Asyl-

verfahren wieder auf und wies ihn für die Dauer des Asylverfahrens dem 

Kanton B._______ zu. Am 27. September 2023 beauftrage der Beschwer-

deführer erneut die Mitarbeitenden des Rechtsschutzes im Bundesasyl-

zentrum Region B._______ mit der Wahrung seiner Interessen. 

B.b Mit Schreiben vom 9. Oktober 2023 teilte die Jugendanwaltschaft (…) 

dem SEM mit, dass sich der Beschwerdeführer wegen eines (…) seit dem 

6. Oktober 2023 in Untersuchungshaft befinde. Er sei bereits unter ande-

rem wegen (…) rechtskräftig vorbestraft. 

B.c Am 26. Oktober 2023 fand die Anhörung des Beschwerdeführers zu 

seinen Asylgründen im Regionalgefängnis C._______ statt. Dabei machte 

er geltend, zusammen mit seinem Zwillingsbruder bei Adoptiveltern in 

D._______ aufgewachsen zu sein. In der 5. Klasse habe er herausgefun-

den, dass er adoptiert sei. Später sei er von der Schule verwiesen worden, 

habe fortan auf der Strasse gelebt und sich mit dem Verkauf von Drogen, 

mit Überfällen und mit Arbeiten in einer Aluminiumfabrik durchgeschlagen. 

Manchmal habe er für eine Bande Drogen verkauft. Als diese von ihm ver-

langt habe, Kinder zu entführen, habe er sich geweigert. Daraufhin sei sein 

Bruder entführt worden. Damit dieser wieder freigelassen werde, habe er 

schliesslich doch für diese Leute gearbeitet. Es sei dann aber zu einem 

Streit mit dem Anführer der Bande gekommen und sie hätten auf ihn ge-

schossen und ihn mit einem Messer verletzt. Er habe entkommen können. 

Am Hafen von E._______ habe er während mehrerer Jahre als Schlepper 

gearbeitet. Deshalb habe er Probleme mit der Polizei bekommen. Ausser-

dem hätten die Bewohner aus seinem Quartier gedacht, er arbeite für die 

Kindesentführer, weshalb es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit 

ihnen gekommen sei. Daraufhin habe er Marokko im Jahr 2019 verlassen. 

Er habe seinen leiblichen Vater in F._______ an der Grenze zur Schweiz 

gefunden, dieser habe ihn jedoch nicht als Sohn akzeptiert und ihn töten 

lassen wollen. Sein Bruder habe in Marokko eine zehnjährige Gefängnis-

strafe erhalten, lebe aber mittlerweile in G._______.  

Der Beschwerdeführer gab schliesslich an, keine weiteren Fragen mehr 

beantworten zu wollen und brach die Anhörung ab. 

D-6504/2023 

Seite 4 

B.d Mit Schreiben vom 1. November respektive vom 6. November 2023 

gab die Vorinstanz dem Beschwerdeführer Gelegenheit, sich zu Wider-

sprüchen in seinen Vorbringen und zur beabsichtigten Anpassung des Ge-

burtsdatums im ZEMIS auf den (…) 2005 zu äussern. Mit Eingabe vom 

9. November 2023 wies der Beschwerdeführer auf seinen schlechten psy-

chischen Zustand während der Erstbefragung hin und fügte an, sämtliche 

Angaben in der Anhörung entsprächen der Wahrheit. Er beantragte, es sei 

eine psychiatrische Abklärung vorzunehmen und entsprechend mit dem 

Asylentscheid bis zur vollständigen Erstellung des medizinischen Sachver-

halts und bis er seine Ausweisdokumente nachreichen könne, zuzuwarten.  

B.e Am 13. November 2023 wurde der zugewiesenen Rechtsvertretung 

des Beschwerdeführers der Entwurf des ablehnenden Asylentscheids zur 

Stellungnahme zugestellt. Diese hielt vollumfänglich an der Stellungnahme 

vom 9. November 2023 fest.  

B.f Mit Verfügung vom 15. November 2023 – gleichentags eröffnet – stellte 

die Vorinstanz fest, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers werde im 

Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) 2005 fest-

gelegt und mit einem Bestreitungsvermerk versehen (Dispositiv-Ziff. 1). 

Weiter verneinte sie die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

(Dispositiv-Ziff. 2), lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositiv-Ziff. 3) und ord-

nete die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositiv-Ziff. 4) sowie den Weg-

weisungsvollzug an (Dispositiv-Ziff. 5), beauftragte den Kanton B._______ 

mit dem Vollzug der Wegweisung (Dispositiv-Ziff. 6) und verfügte die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten (Dispositiv-Ziff. 7).  

B.g Am 17. November 2023 zeigte die Rechtsvertretung die Beendigung 

des Mandatsverhältnisses an.  

C.  

C.a Mit Eingabe vom 24. November 2023 erhob der Beschwerdeführer 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den vorinstanzlichen 

Entscheid und beantragte dessen Aufhebung und die Prüfung seines Asyl-

gesuchs in der Schweiz. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um 

Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses.   

D-6504/2023 

Seite 5 

C.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

27. November 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

Am selben Tag bestätigte es den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden ge-

gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführun-

gen – einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG.  

1.4 Gemäss den vorformulierten Rechtsbegehren in der Formularbe-

schwerde wird in materieller Hinsicht die Prüfung des Asylgesuchs in der 

Schweiz verlangt – was das SEM in der angefochtenen Verfügung offen-

kundig auch getan hat. Aus der Begründung der Beschwerde geht indes-

sen mit hinreichender Klarheit hervor, dass der Beschwerdeführer die voll-

umfängliche Aufhebung des Asylentscheids vom 15. November 2023 und 

sinngemäss die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung von Asyl, eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wie 

auch die Anpassung seines Geburtstags im ZEMIS (…) beantragt.   

1.5 Der vorliegenden Beschwerde kommt von Gesetzes wegen die auf-

schiebende Wirkung zu (Art. 42 AsylG) und diese wurde von der Vorinstanz 

nicht entzogen (Art. 55 VwVG). Entsprechend ist auch auf den Antrag auf 

Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nicht einzutreten.  

1.6 Betreffend die beantragte Änderung des im ZEMIS vermerkten Ge-

burtsdatums wird praxisgemäss in einem separaten Beschwerdeverfahren 

entschieden (Geschäftsnummer D-6530/2023).  

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Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Ge-

stützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schrif-

tenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Nach Lehre und Praxis trägt die asylsuchende Person die Beweislast 

für die von ihr behauptete Minderjährigkeit. Mithin ist diese zu beweisen 

oder zumindest glaubhaft zu machen (vgl. dazu Mitteilungen der Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5 ff.). Die Vor-

instanz hat die Richtigkeit der Volljährigkeit nicht zusätzlich zu beweisen 

(vgl. Urteil des BVGer E-6883/2016 vom 28. November 2016 E. 2.3; 

EMARK 2000 Nr. 19 E. 8b, 2001 Nr. 22 E. 3b und 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). 

Bestehen Hinweise, dass eine angeblich minderjährige asylsuchende 

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Person das Mündigkeitsalter bereits erreicht hat, so kann das SEM ein Al-

tersgutachten veranlassen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG). Im Rahmen der Fest-

stellung des Sachverhalts kann mit Unterstützung wissenschaftlicher Me-

thoden abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person 

dem tatsächlichen Alter entspricht (Art. 7 Abs. 1 AsylV 1).  

4.4 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheids zunächst aus, es 

sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die behauptete Minderjährigkeit 

glaubhaft zu machen. Auch das aufgrund der erheblichen Zweifel erstellte 

Altersgutachten – wonach der Beschwerdeführer ein durchschnittliches Le-

bensalter von 18.3 Jahren und ein Mindestalter von 16.1 Jahren aufweise 

– spreche nicht automatisch für die von ihm geltend gemachte Minderjäh-

rigkeit, zumal die Beurteilbarkeit aufgrund der nicht klassifizierbaren Form-

varianten der medialen Schlüsselbeine eingeschränkt gewesen sei und 

sich die Untersuchung daher auf die linke Hand und die Zähne des Be-

schwerdeführers beschränkt habe. Somit liessen sich aus dem vorliegen-

den Altersgutachten keine eindeutigen Aussagen für oder gegen seine Min-

derjährigkeit entnehmen und die übrigen Indizien würden bei der Gesamt-

würdigung an Bedeutung gewinnen. Schliesslich habe der Beschwerdefüh-

rer, trotz mehrfacher Aufforderung, bisher keine Identitätsdokumente ein-

gereicht. Was seine medizinischen Probleme betreffe, könne in antizipier-

ter Beweiswürdigung auf weitere Abklärungen verzichtet werden, da sie 

nicht geeignet wären, den Verfahrensausgang zu ändern und er zudem in 

seinem Heimatstaat behandelt werden könne. Sodann sei hinsichtlich der 

Probleme mit einer Bande, die in Drogengeschäfte und Kindesentführun-

gen verwickelt gewesen sei, der daraus resultierenden Auseinanderset-

zungen mit den Dorfbewohnern, den Problemen mit der örtlichen Polizei 

oder mit seinem leiblichen Vater, festzuhalten, dass das Verfolgungsmotiv 

in kriminellen Absichten respektive in persönlichen Schwierigkeiten gründe 

und nicht auf einem in Art. 3 AsylG genannten Motiv basiere. Zusätzlich 

müsste sich der Konflikt mit der Bande vor ungefähr fünf oder sechs Jahren 

ereignet haben, weshalb kein zeitlicher und kausaler Zusammenhang zu 

seiner Ausreise Jahre später ersichtlich sei. Was die genannten Probleme 

mit der Polizei aufgrund seiner Tätigkeit als Schlepper betreffe, handle es 

sich dabei um kriminelle Handlungen, welche auch in der Schweiz als 

Straftat eingestuft würden und deren Ahndung keine flüchtlingsrechtlich re-

levante Verfolgung darstelle. Was die Probleme mit seinem leiblichen Vater 

in Europa betreffe, sei nicht davon auszugehen, dass er auch in Marokko 

entsprechende Nachteile zu befürchten hätte, weshalb diesbezüglich auf 

eine Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorbringen verzichtet werden könne. 

Auch wenn nicht ausgeschlossen werde, dass er unter schwierigen 

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Bedingungen aufgewachsen sei, so seien seine Antworten zu seiner Kind-

heit, seiner Schulbildung und seiner familiären Situation kurz, wenig sub-

stantiiert und widersprüchlich ausgefallen. Die teilweise sehr grundlegen-

den Widersprüche zu seiner Biografie ergäben insgesamt kein schlüssiges 

Bild seines Lebens und weckten ernsthafte Zweifel an seiner Glaubwürdig-

keit. Auch die kurz gehaltene Erklärung anlässlich des rechtlichen Gehörs, 

wonach es ihm an der Anhörung psychisch nicht gut gegangen sei und er 

die Wichtigkeit der Befragung nicht verstanden habe, sei nicht geeignet um 

die zahlreichen widersprüchlichen Aussagen zu erklären. Ebenso wenig 

würden die Vorbringen in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf zu ei-

ner anderen Einschätzung führen.  

4.5 Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerdeschrift geltend, mit 

dem Entscheid nicht einverstanden zu sein. Er habe dem SEM erklärt, dass 

er Ausweisdokumente besorgen könne. Dies sei bisher nicht möglich ge-

wesen, da er in Haft sei. Er werde weiterhin versuchen, diese zu erhalten.  

5.  

5.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit überzeugender 

Begründung die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjährig-

keit als unglaubhaft eingestuft, seine Vorbringen als nicht asylrelevant res-

pektive unglaubhaft qualifiziert, die Flüchtlingseigenschaft verneint und das 

Asylgesuch abgewiesen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann des-

halb vollumfänglich auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung 

sowie auf hiervor E. 4.4 verwiesen werden. Diesen Erwägungen hält der 

Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe nichts Wesentliches ent-

gegen. 

5.2 Hervorzuheben ist namentlich, dass der Beschwerdeführer bislang 

keine Identitätsdokumente vorgelegt und im Laufe des erstinstanzlichen 

Verfahrens zahlreiche, äusserst widersprüchliche Aussagen zu seiner Bio-

grafie gemacht hat, insbesondere bezüglich seines Geburtsorts, der Dauer 

seiner Schulbildung und des Grund für den Schulabbruch sowie zur Dauer 

und zur Art seiner Tätigkeiten nach dem Schulabbruch, zum Zeitpunkt und 

der Art seiner Ausreise aus Marokko und zur Dauer seiner Aufenthalte in 

Spanien, Italien und Frankreich. Weiter gab er zunächst mehrfach an, dass 

seine Adoptiveltern im Jahr 2016 bei einem Autounfall ums Leben gekom-

men seien, später erklärte er jedoch, seine Adoptiveltern würden noch le-

ben, er wisse jedoch nicht wo. Betreffend seinen leiblichen Vater gab der 

Beschwerdeführer zunächst an, dieser lebe in H._______ in Spanien, zu 

einem späteren Zeitpunkt führte er schliesslich aus, dieser lebe in 

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I._______ in Frankreich und seine leibliche Mutter sei gestorben (vgl. SEM-

act. 11/10, Ziff. 1.07, Ziff. 1.17.04, Ziff. 3.01, Ziff. 5.01, Ziff. 5.02, 7.01; 

SEM-act. 3/1, SEM-act. 24/05 F14, F23; SEM-act. 26/6 S. 1; SEM-

act. 34/2; SEM-act. 46/24 F15, F16, F30, F35, F36, F54, F72, F76, F90-

F95, F96, F102-F106, F110-F112, F137, F178, F201). Die vielfältigen wi-

dersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers lassen erhebliche Zwei-

fel an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit, insbesondere aber an seinem 

Alter aufkommen. Mithin ist es ihm nicht gelungen, seine Minderjährigkeit 

zu beweisen oder glaubhaft zu machen, auch wenn das von ihm angege-

bene Alter gemäss dem vom SEM in Auftrag gegebenen Altersgutachten 

als möglich bezeichnet wurde (vgl. zum Erfordernis einer Gesamtwürdi-

gung BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Was die Asylvorbringen anbelangt, ist fest-

zustellen, dass der Beschwerdeführer zwar möglicherweise unter schwie-

rigen Bedingungen aufgewachsen ist. Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, 

liegen den dem Beschwerdeführer angeblich drohenden Nachteilen, kein 

asylbeachtliches Motiv zugrunde. Aufgrund der mehrfachen und teilweise 

grundlegenden Widersprüche in seinen Schilderungen, sind im Übrigen 

auch die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht erfüllt.  

5.3 Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu 

Recht abgelehnt.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

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Seite 10 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. 

7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen.  

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.4  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

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Seite 11 

7.5 Weder die in Marokko herrschenden Verhältnisse noch individuelle 

Umstände sprechen vorliegend gegen eine Rückkehr in den Heimatstaat 

des Beschwerdeführers.  

In Marokko herrscht keine Lage der allgemeinen Gewalt. Es sind vorlie-

gend auch keine individuellen Gründe ersichtlich, welche gegen den Weg-

weisungsvollzug sprechen würden. Es handelt sich beim Beschwerdefüh-

rer um einen jungen, alleinstehenden und grundsätzlich arbeitsfähigen 

Mann, der einen Grossteil seines Lebens in Marokko verbracht hat. Neben 

Arabisch spricht er auch etwas Französisch und Deutsch (vgl. SEM-act 

11/10 Ziff. 1.17.03; 24/5 F10 und F11). Die Angaben zu seinem familiären 

Umfeld sind – wie bereits dargelegt wurde (vgl. hiervor E. 5.2) – überaus 

widersprüchlich. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerde-

führer in Marokko über ein familiäres Beziehungsnetz verfügt, auf welches 

er bei einer Rückkehr in sein Heimatland zurückgreifen kann. Allfällige an-

fängliche wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten vermögen keine 

existenzbedrohende Situation zu begründen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6).  

Von einer Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund einer me-

dizinischen Notlage ist gemäss konstanter Praxis nur dann auszugehen, 

wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung 

steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein-

trächtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen 

würde (vgl. dazu etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.2 je m.w.H.). 

Der Beschwerdeführer leidet gemäss seinen Angaben an Kopfschmerzen 

und psychischen Beschwerden. Ausserdem bestehen Hinweise auf eine 

Medikamentenabhängigkeit und das Bestehen einer Suizidalität. Zwar er-

reicht die medizinische Versorgung in Marokko nicht dieselbe Qualität wie 

jene in der Schweiz. Angesichts der dort bestehenden medizinischen Inf-

rastruktur muss der Beschwerdeführer im Fall ihrer Rückkehr aber keine 

drastische oder lebensbedrohliche Verschlechterung seines Gesundheits-

zustands befürchten, zumal er offenbar bereits in Marokko wegen psychi-

scher Probleme medikamentös behandelt worden war (vgl. SEM-act.46/24 

F129). In Bezug auf die allenfalls bestehende Suizidalität ist festzuhalten, 

dass vom Vollzug der Wegweisung gemäss konstanter Rechtsprechung 

nicht Abstand zu nehmen ist, solange Massnahmen zur Verhütung der Um-

setzung einer Suiziddrohung getroffen werden können (vgl. etwa Urteil des 

BVGer D-172/2021 vom 5. Januar 2023 E. 9.3.3 und auch Urteil des BGer 

2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Sollte im Zusammenhang 

mit dem negativen Ausgang des Beschwerdeverfahrens eine Verschlech-

terung der psychischen Gesundheit eintreten, so wäre einer solchen bei 

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Bedarf im Rahmen des Vollzugs der Wegweisung Rechnung zu tragen und 

auf entsprechendes Gesuch hin medizinische Rückkehrhilfe zu gewähren.  

Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer 

gerate bei einer Rückkehr nach Marokko in eine existenzbedrohende Situ-

ation oder eine medizinische Notlage. Der Vollzug der Wegweisung erweist 

sich daher als zumutbar.  

7.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. In der Beschwerdeschrift 

wurde zudem die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG beantragt. Aus den vorstehenden Erwägungen 

ergibt sich, dass die gestellten Begehren als zum vornherein aussichtslos 

zu erachten sind, weshalb das entsprechende Gesuch abzuweisen ist.  

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Über das Begehren betreffend Datenänderung im ZEMIS wird im Verfahren 

D-6530/2023 entschieden. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Thomas Segessenmann Selina Sutter