# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d858d95b-2cbf-50f1-8c52-4bea5c434de3
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-21
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 21.02.2024 SB230308
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230308_2024-02-21.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230308-O/U/ad

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Hoffmann und Oberrichter Dr. iur. Rauber sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Lazareva

Urteil vom 21. Februar 2024

in Sachen

A._____, 
Privatkläger und Berufungskläger

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____

sowie

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,
Anklägerin

gegen

B._____, 
Beschuldigter und Berufungsbeklagter

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____

betreffend fahrlässige Körperverletzung

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 13. Januar 2023 (GG220188)

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Anklage:
(Urk. 35)

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 29. Juni 2022 ist 

diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 61 = Urk. 64 S. 18)

1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen.

2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers werden 

abgewiesen.

3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:

Fr. 1'100.00   Gebühr für das Vorverfahren.

4. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen.

5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 5'846.50 für die 

anwaltliche Vertretung aus der Gerichtskasse zugesprochen.

6. Dem Privatkläger wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.

Berufungsanträge:

a) Der Vertretung des Privatklägers:

(Urk. 66 S. 2)

1. Es sei das Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Zürich (10. Ab-

teilung) vom 13. Januar 2023 vollumfänglich aufzuheben und es sei der 

Beschuldigte wegen fahrlässiger Körperverletzung schuldig zu spre-

chen und angemessen zu bestrafen.

2. Die Zivilklage des Privatklägers sei gutzuheissen.

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3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten, 

wobei dem Privatkläger eine angemessene Parteientschädigung (zu-

züglich MwSt. und Spesen) zuzusprechen ist.

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 79 S. 2)

1. Die Berufung sei abzuweisen und der Beschuldigte und Berufungsbe-

klagte sei freizusprechen.

2. Die Kosten der Gerichtsverfahren beider Instanzen seien auf die 

Staatskasse zu nehmen und es sei dem Beschuldigten eine Entschädi-

gung gemäss Ziff. 5 des vorinstanzlichen Dispositivs (von Fr. 5'846.50) 

sowie für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von weiteren 

Fr. 2'465.90 zuzüglich Fr. 237.80 (inkl. 8.1% MwSt.) pro Stunde Dauer 

der heutigen Hauptverhandlung zuzusprechen.

3. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Privatklägers 

seien abzuweisen.

_______________________________________

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Hinsichtlich des Gangs des Verfahrens bis zum erstinstanzlichen Urteil kann 

auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 64 

S. 3 f.). Das Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, sprach den Be-

schuldigten mit Urteil vom 13. Januar 2023 vom Vorwurf der fahrlässigen Körper-

verletzung zum Nachteil des Privatklägers A._____ frei (Urk. 61 = Urk. 64). Das 

Urteil wurde in Anwesenheit des Beschuldigten, seines Verteidigers sowie der 

Vertreterin des Privatklägers mündlich eröffnet (Prot. I S. 19). Letztere meldete 

namens des Privatklägers mit Schreiben vom 20. Januar 2023 fristwahrend Beru-

fung an (Urk. 59).

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2. Nach Zustellung der begründeten Ausfertigung des Urteils liess der Privat-

kläger mit Eingabe vom 8. Juni 2023 rechtzeitig die schriftliche Berufungserklä-

rung erstatten (Urk. 66) und leistete ebenso rechtzeitig die ihm mit Verfügung vom 

12. Juni 2023 (Urk. 68) auferlegte Prozesskaution (Urk. 70). Hernach wurde der 

Staatsanwaltschaft sowie dem Beschuldigten Frist angesetzt, um zu erklären, ob 

Anschlussberufung erhoben werde (Urk. 71). Mit Schreiben vom 3. Juli 2023 er-

klärte die Staatsanwaltschaft Verzicht auf Anschlussberufung und auf das Stellen 

von Anträgen. Ferner hielt sie fest, sie werde sich am weiteren Verfahren nicht ak-

tiv beteiligen (Urk. 73). Der Beschuldigte bzw. die Verteidigung liess sich nicht 

vernehmen. Die Parteien wurden sodann zur heutigen Berufungsverhandlung vor-

geladen (Urk. 75). Erschienen sind der Beschuldigte in Begleitung seines Vertei-

digers Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ sowie der Privatkläger in Begleitung seiner 

Rechtsvertreterin Rechtsanwältin lic. iur. X._____. Der mündlichen Urteilseröff-

nung blieb der Privatkläger fern (Prot. II S. 5 und S. 19).

II. Umfang der Berufung

Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402 

StPO) und hemmt damit die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides entspre-

chend. Der Privatkläger lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten 

(Urk. 66 S. 2). Die erstinstanzliche Kostenauflage sowie die Zusprechung einer 

Prozessentschädigung an den Beschuldigten wurden dabei zwar nicht explizit an-

gefochten, sind aber untrennbar mit dem Ausgang des Verfahrens in der Haupt-

sache verbunden, weshalb auch diese Punkte zur Disposition stehen.

III. Sachverhalt

1. Tatvorwurf

Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er sei auf die C._____-

strasse in Zürich getreten. Dabei habe er aus mangelnder Aufmerksamkeit den 

Privatkläger übersehen, welcher mit seinem Fahrrad von rechts kommend gefah-

ren sei. Daher sei es zu einer Kollision gekommen. Dabei sei der Privatkläger zu 

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Boden gestürzt und habe eine Oberschenkelhalsfraktur erlitten. Dies sei für den 

Beschuldigten vorhersehbar und vermeidbar gewesen (Urk. 35 S. 2).

2. Allgemeines zur Beweiswürdigung

2.1 Was die vorliegenden Beweismittel und die allgemeinen Grundsätze der Be-

weiswürdigung angeht, kann auf die Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 64 

Erw. III.4. und III.5.1.) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend und 

verdeutlichend ist festzuhalten, was folgt:

2.2 Selbst dann, wenn die Aussagen einer beschuldigten Person als unglaub-

haft einzustufen wären oder sie sogar der Lüge überführt wäre, wäre damit für 

sich alleine noch kein Schuldnachweis erbracht. Ein allfälliges Widerlegen der 

Sachverhaltsdarstellung der beschuldigten Person bedeutet nicht automatisch die 

Verwirklichung des Anklagesachverhaltes. Der blosse Ausschluss einer bestimm-

ten Alternative ist (von Ausnahmen abgesehen) grundsätzlich keine geeignete 

Grundlage für die persönliche Gewissheit des Gerichts. Eine Erklärungshypo-

these kann erst dann als eine sicher richtige Beschreibung der zugrunde liegen-

den Realität akzeptiert werden, wenn sie allein in der Lage ist, eine restlose und 

annehmbare Erklärung des vorliegenden Informationsmaterials zu bieten 

(Bender / Häcker / Schwarz, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 5. Aufl., 2021, 

S. 140 Rz. 581).

2.3 Ferner ist zu berücksichtigen, dass insbesondere bei überschaubaren Sach-

verhalten und wenigen Aussagen ein glaubhaftes Lügen durchaus möglich ist. 

Ohne Kenntnis und Reflexion möglicher Motive fehlt der Beweiswürdigung ein we-

sentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es erscheint, dass die Aussageperson zu 

einer Lüge motiviert sein könnte, desto eindeutiger müssten die Ergebnisse der 

Beweisaufnahme und der Aussageanalyse sein, damit man sich trotzdem von der 

Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen kann (vgl. Bender / Häcker / Schwarz, 

Tatsachenfeststellung vor Gericht, 5. Aufl., 2021, S. 70-72 Rz 292 und 298 sowie 

S. 132 Rz 550 f.).

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2.4 Insgesamt ist die Antwort auf die Frage entscheidend, ob die einvernom-

mene Person ihre Aussagen vernünftigerweise so hätte deponieren können, wenn 

sie das Berichtete nicht erlebt hätte. Das Vorhandensein von Realitätskriterien be-

deutet noch nicht, dass eine Aussage wahr ist. Vielmehr muss eine Kompetenz-

analyse ergeben, dass eine Person nicht in der Lage wäre, den dargelegten 

Sachverhalt zu erfinden (vgl. Bender / Häcker / Schwarz, Tatsachenfeststellung 

vor Gericht, 5. Aufl., 2021, S. 78 Rz 332-334).

3. Motivlage

3.1 Abgesehen davon, dass der Beschuldigte ein Interesse haben dürfte, den 

Sachverhalt auf Grund einer drohenden Verurteilung möglichst in einem günsti-

gen Licht erscheinen zu lassen, ist bei ihm kein Motiv für Falschaussagen ersicht-

lich.

3.2 Der Privatkläger hat sich dagegen anlässlich der vorliegend relevanten Kolli-

sion erhebliche Verletzungen zugezogen, die ihm offenkundig - auch emotional - 

schwer zu schaffen machen (vgl. Urk. 5 F/A 2 und Urk. 28 F/A 22, vgl. auch 

Urk. 66 S. 7 Rz 15-17). Ferner stellt er namhafte Zivilforderungen (Urk. 30/2, 

Urk. 52 und Urk. 53/1-4 sowie Prot. I S. 5). Er dürfte somit ein gewisses Interesse 

an einem verurteilenden Erkenntnis haben.

3.3 Diese Motivlage hat zur Folge, dass die Aussagen der beiden Kollisionsbe-

teiligten sorgfältig und mit der gebotenen Zurückhaltung zu würdigen sind.

4. Würdigung der einzelnen Beweise

4.1.1Bezüglich Polizeirapport sowie Fotodokumentationen kann unter Vorbehalt 

nachstehender Erwägungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-

wiesen werden (Urk. 64 Erw. III.5.2.).

4.1.2Soweit der Privatkläger selber erklärt bzw. erklären lässt, der Unfallort sei 

entgegen der Ansicht der Polizei und der Vorinstanz nicht unverändert dokumen-

tiert worden (Urk. 5 S. 3 F/A 4, Urk. 66 S. 8 Rz 18), so ist dies - sofern es relevant 

ist - im Rahmen der Würdigung seiner Aussagen zu berücksichtigen. Es bedeutet 

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indes nicht, dass die bei den Akten liegende Fotodokumentation nicht in die Be-

weiswürdigung einbezogen werden kann.

4.1.3Die im Polizeirapport zusammengefassten ersten Aussagen des Privatklä-

gers sind zwar informelle Angaben gegenüber der Polizei, können aber, da sie 

Teil des Polizeirapports und damit eines Beweismittels sind, verwertet werden, 

zumal der Beschuldigte im Verlauf des Verfahrens mit den Aussagen des Privat-

klägers konfrontiert wurde (s. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_75/2023 vom 

18. April 2023 E.3.3.1).

4.1.4Die am Fahrrad des Privatklägers festgestellten Beschädigungen (Urk. 2 

S. 2 f.), deren Ursache unzweifelhaft der Sturz des Privatklägers ist, geben keine 

Auskunft über den Grund des Sturzes und tragen damit nichts zur Klärung des 

umstrittenen Sachverhaltes bei.

4.2.1Sowohl die Aussagen des Beschuldigten als auch diejenigen des Privatklä-

gers wurden von der Vorinstanz zutreffend wiedergegeben (Urk. 64 Erw. III.5.3. 

und III.5.4.). Darauf kann verwiesen werden. Sodann kann vorab hinsichtlich der 

Würdigung der Aussagen beider Kollisionsbeteiligter festgehalten werden, dass 

der Sachverhalt sehr einfach ist, das eigentliche Kerngeschehen einen extrem 

kurzen Zeitraum betrifft und zwischen dem Unfallgeschehen und den ersten kor-

rekt durchgeführten Einvernahmen geraume Zeit vergangen ist. So fand die poli-

zeiliche Einvernahme des Beschuldigten rund eineinhalb Monate nach der Kolli-

sion statt (Urk. 4). Der Privatkläger wurde sogar erst 10 Monate nach dem Unfall 

detailliert dazu befragt (Urk. 5). Schon dies erschwert eine Prüfung der relevanten 

Aussagen auf ihre Zuverlässigkeit und es ist daher bei ihrer Würdigung mit der 

gebotenen Sorgfalt und Zurückhaltung vorzugehen.

4.2.2Hinsichtlich der Aussagen des Beschuldigten kann im Wesentlichen mit der 

Vorinstanz festgehalten werden, dass sie widerspruchsfrei und nicht übertrieben 

wirken. Sie enthalten Details und stimmen mit der Fotodokumentation überein 

(Urk. 64 Erw. III.5.5.2.). Der Beschuldigte hat zudem über mehrere Einvernahmen 

hinweg konstant ausgesagt, dass er sein Fahrzeug in der blauen Zone auf der 

rechten Seite der C._____-strasse in Fahrtrichtung parkiert, danach die C._____-

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strasse mit drei Taschen - eine in der linken und die andere in der rechten Hand 

sowie eine über die Schulter gehängt - überquert habe und dann auf dem Trottoir 

bergabwärts entgegen der Fahrtrichtung gelaufen sei. Ca. 20 bis 30 Meter von 

seinem parkierten Fahrzeug entfernt sei er dann zwischen zwei in der blauen 

Zone parkierte Fahrzeuge getreten, da er sich nicht mehr sicher gewesen sei, ob 

er sein Fahrzeug abgeschlossen habe. Mit einem Blick zu den Seitenspiegeln, die 

eingeklappt gewesen seien, habe er festgestellt, dass er sein Fahrzeug tatsäch-

lich abgeschlossen habe. Gerade als er wieder zum Trottoir habe zurückkehren 

wollen, habe es dann gegen die Einkaufstasche in seiner rechten Hand geknallt. 

Das Vorderrad des Fahrrads sei in seine Tasche gefahren, der Fahrradlenker 

habe seinen Torso leicht gestreift und sei dann zu Boden gefallen (Urk. 4 F/A 4 

und 8; Urk. 27 F/A 5; Prot. I S. 11). Mit der Vorinstanz ist dieser Umstand ange-

sichts dessen hervorzuheben, dass das Verfahren mehrere Jahre in Anspruch ge-

nommen hat und teilweise grosse Zeitabstände zwischen dem Ereignis und den 

einzelnen Einvernahmen liegen. Diese inhaltliche Konstanz zeigte sich auch im 

Berufungsverfahren. Obschon der Beschuldigte zu Beginn seiner Befragung an-

lässlich der Berufungsverhandlung angab, seine Erinnerung an den Vorfall vom 

18. April 2019 aufgefrischt zu haben, indem er die Akten nochmals angeschaut 

habe (Prot. II S. 11), wirken seine in der Folge deponierten Aussagen nicht aus-

wendig gelernt. So konnte er zunächst - ein weiteres Mal - in freier Rede schil-

dern, was am besagten Tag vorgefallen war (Prot. II S. 11). Anschliessend konnte 

er auch widerspruchsfrei zu seinen bisherigen Aussagen auf die einzelnen Fragen 

der Präsidentin jeweils erklären, wie er sich vor der Kollision mit dem Privatkläger 

verhalten habe (vgl. Prot. II S. 11-15). Weiter erläuterte der Beschuldigte schlüs-

sig und nachvollziehbar, dass er nicht die Absicht gehabt habe, die Fahrbahn, 

nachdem er sie bereits zuvor nach dem Parkieren seines Fahrzeugs überquert 

habe, nochmals zu überqueren (Prot. I S. 10 f.; Prot. II S. 13). Im Gegenteil sei er 

lediglich zwischen die seitlich parkierten Fahrzeuge getreten, um zu prüfen, ob er 

sein Fahrzeug abgeschlossen habe (Urk. 4 F/A 4; Urk. 27 F/A 5 und 9; Prot I 

S. 11; Prot. II S. 11 und 13). Überdies ist hervorzuheben, dass der Beschuldigte - 

im Gegensatz zum Privatkläger (vgl. dazu nachfolgend) - zurückhaltend aussagte. 

So gab er zwar an, dass der Privatkläger nach der Kollision geschimpft habe, 

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wollte sich dazu aber nicht im Detail äussern (Urk. 4 F/A 4; Urk. 27 F/A 5). 

Schliesslich erwog bereits die Vorinstanz zutreffend, dass sich die Aussagen des 

Beschuldigten mit den äusseren Umständen verflechten lassen. Gemäss seiner 

Darstellung habe er sich kurz vor der Kollision noch in der blauen Zone befunden. 

Mit einem Fuss sei er auf dem Strich der blauen Zone gestanden und der andere 

sei sicher noch innerhalb der blauen Zone gewesen (Urk. 4 F/A 4; Urk. 27 F/A 5 

und 14; Prot. I S. 10 und 12; Prot. II S. 13 und 15). Dies deckt sich mit der Posi-

tion seiner Taschen, welche gemäss der Fotodokumentation nach der Kollision 

auf oder knapp neben der blauen Linie zu Boden fielen (vgl. Urk. 2 S. 1 und 2).

4.2.3 Insgesamt können die Aussagen des Beschuldigten als glaubhaft gewertet 

werden. Darauf kann daher abgestellt werden. 

4.3.1Hinsichtlich der Würdigung der Aussagen des Privatklägers kann vollum-

fänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 

Erw. III.5.5.1.). Ergänzend ist auszuführen, was folgt:

4.3.2Die Aussagen des Privatklägers weisen gewisse Auffälligkeiten auf, die ihre 

Glaubhaftigkeit in Frage stellen:

a) Der Privatkläger ist auffallend bemüht, wortreich zu erklären, wie schlimm das 

Geschehene für ihn ist, und den Beschuldigten möglichst schlecht aussehen zu 

lassen (vgl. z.B. Urk. 5 F/A 4). Gleichzeitig stellt er sich selber in ein möglichst gu-

tes Licht ("Ich bin diese Strasse schon 100 Mal gefahren", Urk. 5 F/A 4 S. 2 oben; 

"Ich konnte nicht mehr reagieren. Wenn jemand reagieren kann, dann ich.", 

Urk. 28 F/A 8 letzte beiden Sätze).

b) In diesem Kontext fällt auch auf, dass der Privatkläger nicht davor zurück-

schreckt, den nicht plausiblen und auch nicht eingeklagten Vorwurf zu erheben, 

der Beschuldigte habe ihn absichtlich (und nicht etwa nur aus mangelnder Auf-

merksamkeit) vom Fahrrad gestossen. So sagt er anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 19. Februar 2020 aus: "Ich hoffe, er ist nicht raus, 

weil er dachte: 'Hee wieso fährt der nicht ganz links?' Man will einfach die Schuld 

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auf mich abwälzen. Herr B._____ war total vorbereitet (…) es war wie ein Check." 

In derselben Antwort führt er aus: "(…) er war gefasst auf mich", (Urk. 5 F/A 4).

c) Die Aussagen des Privatklägers zu den Umständen, wie sich der Unfall seiner 

Ansicht nach zugetragen haben soll, sind widersprüchlich. So ist unbestritten, 

dass er vor dem Unfall in Richtung des Beschuldigten fuhr. Der Beschuldigte war 

demgemäss in seinem Blickfeld. Der Privatkläger gibt denn auch mehrfach zu 

Protokoll, er habe den Beschuldigten vor dem Unfall gesehen. Dabei fällt auf, 

dass er in seiner ersten Einvernahme am 19. Februar 2020 nur zu Protokoll gibt, 

mutmasslich unmittelbar vor der Kollision den Kopf des Beschuldigten gesehen zu 

haben (Urk. 5 F/A 5). Dass er ihn sonst vor dem Unfall gesehen hätte, erwähnt er 

zu diesem Zeitpunkt nicht. In seiner zweiten Einvernahme - am 9. Juni 2022 - 

führt er dann aus, er habe den Beschuldigten die Strasse von rechts kommend 

überqueren sehen (Urk. 28 F/A 8 S. 3). Anschliessend sagt er aus, er hätte den 

Beschuldigten gesehen, wenn dieser den Kopf zwischen den Autos herausge-

streckt hätte, was impliziert, dass er ihn zu diesem Zeitpunkt - nach dem Queren 

der Strasse - nicht mehr gesehen haben will (Urk. 28 F/A 9 S. 3). Das würde ei-

nerseits bedeuten, dass er die Präsenz des Beschuldigten wahrgenommen hatte, 

und anderseits erscheint es trotz der parkierten Autos nicht nachvollziehbar, dass 

der Beschuldigte für den Privatkläger kurz vor dem Unfall komplett unsichtbar ge-

wesen sein soll. So sagt er in der Folge auch aus, er habe gesehen, dass dort 

eine Person [der Beschuldigte] stand (Hervorhebung hinzugefügt). Der Beschul-

digte habe ihn auch gesehen. Er [der Beschuldigte] könne über die Autos sehen 

(Urk. 28 F/A 11 S. 3). Dies kann zwanglos so interpretiert werden, dass der Pri-

vatkläger den Beschuldigten kurz vor dem Unfall zwischen den Autos stehen sah. 

Dies steht aber im Widerspruch zu seiner Aussage, er habe ihn vor dem Unfall 

gerade nicht gesehen (Urk. 28 F/A 9 und F/A 20 "Ich sah ihn nicht"). Wenig plau-

sibel ist damit auch, dass der Privatkläger nicht gesehen haben will, wie der Be-

schuldigte an den Rand der blauen Parkzone getreten sei (Urk. 28 S. 18).

d) Der Privatkläger stellt sich auf den Standpunkt, der Beschuldigte sei unvermit-

telt in die Fahrbahn bzw. zwischen den Autos auf die Fahrbahn hinausgetreten 

(vgl. Urk. 5 F/A 6 und Urk. 28 F/A 16), wobei hierzu eine konsistente Sachver-

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haltsdarstellung fehlt. Der Beschuldigte sei in ihn hinein "gekommen" (Urk. 28 

F/A 16). Dagegen sagt er in der ersten Einvernahme, er sei in den Beschuldigten 

gefahren: "Die Taschen [mutmasslich des Beschuldigten] waren unter dem Velo 

als ich in ihn rein bin." Der Privatkläger macht mithin zur nicht unerheblichen 

Frage, ob die Kollision aus seiner Sicht frontal oder seitlich erfolgt sei, wider-

sprüchliche Angaben. Gleichzeitig ist wenig nachvollziehbar, wie sich die Taschen 

des Beschuldigten zum Zeitpunkt der Kollision bereits unter dem Velo befunden 

haben sollen.

e) Der Privatkläger gibt in der Einvernahme vom 19. Februar 2020 zu Protokoll, 

der Beschuldigte habe sich wenigstens entschuldigt (Urk. 5 F/A 4 S. 2), nur um in 

derselben Antwort auszusagen, er - der Privatkläger - hätte nicht so ein Lamento 

gemacht, wenn die Versicherung alles gezahlt hätte und er - mutmasslich der Be-

schuldigte - sich entschuldigt hätte (Urk. 5 F/A 4 S. 3).

f) Es drängt sich aufgrund der weitgehend unspezifischen, teils widersprüchlichen 

Aussagen des Privatklägers der Schluss auf, dass der Privatkläger den Beschul-

digten, noch bevor er über den Schachtdeckel fuhr, welcher sich - wie in der Foto-

dokumentation ersichtlich (Urk. 2 S. 1) - in Fahrtrichtung gesehen in der linken 

Hälfte der Fahrbahn befindet, gesehen hat und irrtümlicherweise davon ausge-

gangen ist, dieser würde die Strasse überqueren (vgl. Urk. 28 F/A 8 S. 3 und 

Urk. 1 S. 2), wie er es bereits unmittelbar nach dem Unfall gegenüber der Polizei 

erklärt hatte (Urk. 1 S. 2). Offensichtlich hat er sich in der Folge - als er mit sei-

nem Fahrrad nach links zog und über den Schachtdeckel, mithin in der linken 

Fahrbahnhälfte, fuhr - zu wenig darauf geachtet, was vor ihm geschah, sodass er 

den vor ihm stehenden (und nicht die Strasse überquerenden) Beschuldigten un-

mittelbar vor der Kollision übersehen hat. So sagt er anlässlich seiner Einver-

nahme vom 19. Februar 2020 auf die Frage, wohin sein Blick anlässlich des Un-

falls gerichtet gewesen sei, ausweichend aus, das sei eine gute Frage. Ein Velo-

fahrer könne nicht immer alles sehen. Er wisse, dass er nach vorne geschaut 

habe, als es runter gegangen sei (Urk. 5 F/A 10), was auf Grund seiner eigenen 

Darstellung durchaus die Möglichkeit eröffnet, dass er davor gerade nicht nach 

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vorne geschaut habe, insbesondere in der falschen Annahme, der Beschuldigte 

habe die Strasse in der Zwischenzeit wohl bereits überquert.

4.3.3 Insgesamt ergibt sich, dass die Aussagen des Privatklägers nicht zuverläs-

sig erscheinen.

4.3.4Nachfolgend ist auf die relevanten Einwendungen des Privatklägers gegen 

die vorinstanzliche Beweiswürdigung einzugehen, sofern dies nicht bereits ge-

schehen ist:

a) Vorab ist festzuhalten, dass entgegen der Ansicht des Privatklägers (vgl. 

Urk. 66 S. 6 Rz 12 und S. 9 Rz 24) für den Sachverhalt und die Frage, wer wen 

wann gesehen hat, und wer wann wo hinausgetreten oder wer wo gefahren ist, 

nicht relevant ist, ob entsprechende Verhaltensweisen rechtlich als Verkehrsregel-

verletzungen zu qualifizieren wären. Wäre der Privatkläger zu Unrecht zu weit 

links gefahren, würde das den Beschuldigten nicht legitimieren, ihn umzustossen. 

Wäre der Beschuldigte unberechtigterweise auf die Fahrbahn getreten, würde das 

den Privatkläger nicht legitimieren, in ihn hineinzufahren.

b) Dass sich der Beschuldigte beim Privatkläger entschuldigte, folgt gesellschaftli-

chen Gepflogenheiten und ist entgegen der Ansicht des Privatklägers (Urk. 66 

S. 4 Rz 6) kein Schuldeingeständnis.

c) Unerfindlich ist, was der Privatkläger aus der E-Mail des Beschuldigten an die 

Anwältin des Privatklägers herleiten will, wonach er auf der Fahrbahn angefahren 

worden sei (Urk. 66 S. 4 Rz 7). Dass er nicht zwischen den parkierten Autos an-

gefahren worden sein kann, liegt auf der Hand und sagt nichts darüber, wer die 

Kollision verursacht hat.

d) Wenn der Privatkläger ausführen lässt, die Erwägungen der Vorinstanz würden 

an Anmassung und mangelnden Respekt grenzen (Urk. 66 S. 7 Rz 15), so ist er 

daran zu erinnern, dass es Aufgabe des Gerichtes ist, die vorliegenden Beweis-

mittel zu würdigen. Dabei kann bei der Wahrheitssuche nicht Rücksicht auf die 

Befindlichkeiten der Parteien genommen werden. Immerhin ist darauf hinzuwei-

sen, dass die Feststellung, Aussagen seien nicht glaubhaft, nicht bedeutet, dass 

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sie gelogen sind. Es bedeutet nur (aber immerhin), dass ihr Wahrheitsgehalt un-

bekannt ist, was dazu führt, dass man darauf nicht abstellen kann.

e) Der Privatkläger lässt sodann ausführen, er habe die fragliche Strecke sehr oft 

gefahren und sei ein sehr guter Velofahrer (Urk. 66 S. 7 Rz 17). Das schliesst je-

doch nicht aus, dass er zu gegebener Zeit unaufmerksam gewesen sein könnte. 

Ebenso wenig wird dadurch die Schuld des Beschuldigten nachgewiesen.

5. Beweisantrag

5.1 In der Untersuchung und vor Vorinstanz liess der Privatkläger einen Augen-

schein am Unfallort sowie das Einholen einer Expertise über den streitgegen-

ständlichen Unfallhergang beantragen (Urk. 13/1, Urk. 49 und Prot. I S. 7). Im Be-

rufungsverfahren wird noch das Einholen einer Expertise beantragt (Urk. 66 S. 9 

und S. 12 f.).

5.2 Beweisanträge können abgelehnt werden, wenn damit die Beweiserhebung 

über Tatsachen verlangt wird, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde be-

kannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind (Art. 139 Abs. 2 StPO und 

Art. 318 Abs. 2 StPO, dessen Grundsatz auch für die Gerichte gilt, BSK StPO - 

Wiprächtiger, Art. 343 StPO N 33 f.).

5.3.1Die Notwendigkeit einer Expertise wird zunächst damit begründet, dass auf 

Grund der Topographie der C._____-strasse der Beschuldigte entgegen seinen 

Ausführungen nicht ohne Weiteres habe sehen können, ob die Spiegel seines 

Fahrzeuges eingeklappt gewesen seien. Um sich diesbezüglich zu vergewissern, 

habe er in die Fahrbahn hineintreten müssen. Die Distanz vom Ort, wo der Be-

schuldigte auf die Fahrbahn getreten sei, und dem Standort seines Fahrzeuges 

sei denn auch einiges mehr als 20 bis 30 Meter gewesen (Urk. 13/1 S. 3 Rz 7).

Dabei ist daran zu erinnern, dass nicht relevant ist, ob der Beschuldigte die Spie-

gel seines Fahrzeuges sehen konnte. Dies mag lediglich eine Erklärung seines 

Verhaltens sein. Relevant ist vielmehr in diesem Kontext, dass er teilweise die 

Fahrbahn betrat, was unbestritten ist. Zur Frage, wie weit, wie lange oder wie 

plötzlich er die Fahrbahn betrat, kann eine Expertise keine Auskunft geben.

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5.3.2Ferner wird ausgeführt, dass der Privatkläger nicht gehalten gewesen sei, 

vor jedem Wechsel der Parkreihe sozusagen im rechten Winkel die Fahrlinie zu 

ändern. Er sei zweifellos innerhalb der Fahrbahn der Einbahnstrasse gefahren. Er 

habe angesichts der Fahrbahnbreite, der Tatsache des Seitenwechsels der 

Parkreihen und dem einzuhaltenden Abstand von einem Meter zu den parkierten 

Autos so fahren müssen, wie er gefahren sei (Urk. 13/1 S. 3 f. Rz 8-10). Diesbe-

züglich ist jedoch nicht ersichtlich, auf Grund welcher objektiver Umstände wor-

über eine Expertise Auskunft geben sollte. Ausserdem würden allfällige Erkennt-

nisse über die theoretisch optimale Fahrlinie keine Auskunft über die konkrete 

Fahrweise des Privatklägers geben.

5.3.3Weiter macht der Privatkläger geltend, auf Grund der vollen Einkaufstasche 

des Beschuldigten habe dieser über einen Meter in die Fahrbahn geragt. Ausser-

dem sei es unsinnig anzunehmen, dass er - der Privatkläger - so nahe an die links 

parkierten Fahrzeuge gefahren sei, wie es in der Polizeiskizze dargelegt werde. 

Seine Ausführungen zu den herumliegenden Taschen und Lebensmitteln seien 

nicht berücksichtigt worden (Urk. 13/1 S. 4 Rz 13).

Auch in diesem Punkt erschliesst sich nicht, wozu eine Expertise dienen soll. So-

weit der Unfallort fotographisch dokumentiert ist, ist eine Expertise unnötig. Sofern 

er nicht dokumentiert ist, kann daran auch eine Expertise nichts mehr ändern, 

kann doch eine Expertise einen veränderten Tatort in Unkenntnis der vorgenom-

menen Änderungen nicht nachstellen. Ausserdem ist auch an dieser Stelle daran 

zu erinnern, dass unbestritten ist, dass der Privatkläger auf der Fahrbahn unter-

wegs war und sich der Beschuldigte damit zwangsläufig zumindest teilweise auch 

auf der Fahrbahn befunden haben muss, ansonsten es nicht zur Kollision gekom-

men wäre. Einer Expertise bedarf es hierfür nicht.

5.3.4Der Privatkläger lässt ausserdem ins Feld führen, seine Schuhe seien mit 

den Pedalen verbunden gewesen, so dass er versucht habe, sich beim Zusam-

menstoss auszuklicken, was ihm auf Grund des überraschenden Zusammenstos-

ses nicht gelungen sei. Durch die Ausklickbewegung während des Fallens sei das 

Velo näher an die parkierten Fahrzeuge gestossen worden (Urk. 13/1 S. 5 Rz 14). 

Welche Relevanz dieser Umstand jedoch haben sollte, ist nicht ersichtlich, sagt 

- 15 -

doch der Versuch des Privatklägers, sich von den Pedalen zu lösen, nichts dar-

über aus, wer sich wann wo aufgehalten und wer was übersehen hat. Nicht er-

sichtlich ist denn auch, wozu diesbezüglich eine Expertise nützlich sein sollte.

5.3.5Der Privatkläger führt weiter aus, die Aussagen des Beschuldigten seien 

nicht glaubhaft, weil er ihn - den Privatkläger - bei genügender Vorsicht zwingend 

hätte sehen müssen. Ferner sei es die Pflicht des Beschuldigten gewesen, sich 

zu vergewissern, dass die Fahrbahn frei sei. Es könne nur so gewesen sein, dass 

der Beschuldigte unvermittelt auf die Fahrbahn getreten sei, als er - der Privatklä-

ger - sich auf seiner Höhe befunden habe. Der Unfall könne sich nicht so zugetra-

gen haben, wie es der Beschuldigte darstelle. Diesen Schluss würden weder die 

vom Beschuldigten an den Rand des Parkfeldes zurück genommenen Taschen 

noch die Endposition des Fahrrades zulassen. Letztere lasse vielmehr erkennen, 

dass er - der Privatkläger - so gefahren sei, wie er es angegeben habe. Ausser-

dem sei die Verschiebung des Fahrrades durch den Sturz in Richtung der parkier-

ten Fahrzeuge zu beachten (Kratzer am Velo).

Diesbezüglich ist nicht ersichtlich, was der Privatkläger durch eine Expertise über-

prüfen möchte. Ob der Beschuldigte den Privatkläger vor dem Unfall sah, kann 

eine Expertise nicht erstellen. Dass der Beschuldigte ihn theoretisch hätte sehen 

können, wenn er sich auf der C._____-strasse befand und in Richtung des Privat-

klägers blickte (wenn er dies getan hat), steht ausser Frage. Eine Auswertung des 

Unfallortes, sofern ihn die aktenkundigen Fotos nicht authentisch wiedergeben 

sollten, erscheint nicht möglich, da der ursprüngliche Unfallort nach einer allfälli-

gen Veränderung nicht mehr rekonstruiert werden könnte. Eine Auswertung der 

Kratzer am Velo des Privatklägers könnte sodann ebenso wenig Informationen 

dazu liefern, wer wen wann gesehen (oder übersehen) hat. 

5.3.6Sofern der Privatkläger im Rahmen seiner Berufungserklärung vom 8. Juni 

2023 erneut eine Expertise zum Unfallhergang verlangt (Urk. 66 S. 9 und S. 12 f.), 

bringt er hierzu im Wesentlichen keine neuen Argumente vor, die die verlangte 

Beweisabnahme notwendig und überhaupt zielführend durchführbar erscheinen 

liessen.

- 16 -

5.4 Auf Grund dieser Erwägungen ist keine Expertise anzuordnen. Entspre-

chend ist nicht zu beanstanden, dass bereits die Vorinstanz kein Gutachten zum 

Unfallhergang angeordnet hat.

6. Ergebnis

6.1 Nach Würdigung sämtlicher Beweismittel ergibt sich, dass der Anklagesach-

verhalt nicht erstellt werden kann. Daran könnten auch die Beweisanträge des 

Privatklägers nichts ändern. So steht nach Würdigung der Aussagen beider Kolli-

sionsbeteiligter fest, dass der Privatkläger den Beschuldigten vor der Kollision 

wahrgenommen hat und irrtümlicherweise davon ausgegangen ist, dass dieser 

die C._____-strasse überqueren wollte. Der Beschuldigte hat indes plausibel dar-

gelegt, das er dies gerade nicht beabsichtigt hat, sondern vielmehr lediglich zwi-

schen die beiden in der blauen Zone parkierten Fahrzeuge getreten ist, um zu 

prüfen, ob er sein kurz zuvor ca. 20 bis 30 Meter in Fahrtrichtung entfernt parkier-

tes Fahrzeug abgeschlossen hat (was dem Privatkläger indes zweifellos nicht be-

kannt war). Hierfür drehte der Beschuldigte seinen Kopf in Richtung Fahrtrichtung. 

Weiter steht mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 64 Erw. III.5.5.1. und III.5.5.3.) fest, dass 

der Privatkläger kurz vor der Kollision mit seinem Fahrrad nach links zog und über 

den Schachtdeckel fuhr, der sich in Fahrtrichtung gesehen in der linken Hälfte der 

Fahrbahn sowie unmittelbar vor der Unfallstelle befindet. Der Beschuldigte muss 

zwar im Zeitpunkt der Kollision zwangsläufig zumindest teilweile mit seinem Kör-

per bzw. der Einkaufstasche etwas in den Fahrbahnbereich geragt sein, ansons-

ten es nicht zur Kollision mit dem Privatkläger hätte kommen können. Irrelevant ist 

jedoch letztlich, wie weit dies tatsächlich der Fall war. Massgebend ist vielmehr, 

dass der Privatkläger, welcher in Fahrtrichtung fuhr und den Beschuldigten zuvor 

zwischen den Autos wahrgenommen hatte, kurz vor der Kollision in der linken 

Hälfte der Fahrbahn und damit in einem Gefahrenbereich fuhr. Notorischerweise 

ist in einer solchen Umgebung regelmässig mit aussteigenden Autofahrern, An-

wohnern und auch mit die Strasse betretenden Kindern und Tieren zu rechnen. 

Dieser Gefahr war sich der Privatkläger durchaus bewusst, wie aus seinen Aussa-

gen hervorgeht (vgl. Urk. 5 F/A 4 S. 3). Aufgrund des Rechtsfahrgebotes für den 

Privatkläger auf seinem Fahrrad musste denn auch der Beschuldigte nicht damit 

- 17 -

rechnen, dass ein Velofahrer derart links auf der Fahrbahn herannaht und ihn am 

Rand der blauen Parkzone übersehen könnte. Somit lag es nicht an einer man-

gelnden Aufmerksamkeit des Beschuldigten, dass es zur Kollision mit dem Privat-

kläger kam. Mithin kann nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte den Privat-

kläger aus mangelnder Aufmerksamkeit übersah und deshalb mit dem Fahrrad 

des Privatklägers kollidierte. Stattdessen drängt sich gestützt auf sämtliche Be-

weismittel der Schluss auf, dass es zur Kollision kam, weil der Privatkläger, wel-

cher den Beschuldigten zwischen den parkierten Fahrzeugen wahrgenommen 

hatte und die Situation fälschlicherweise so einschätzte, dass dieser die Strasse 

überqueren würde, mit seinem Fahrrad nach links - mithin in den Gefahrenbereich 

- zog und aus mangelnder Aufmerksamkeit schliesslich in den Beschuldigten fuhr. 

Der Beschuldigte ist daher in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils vollum-

fänglich freizusprechen.

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigen sich Erwägungen zur rechtli-

chen Qualifikation des Sachverhaltes.

IV. Zivilansprüche

1. Die Vorinstanz hat die Zivilansprüche des Privatklägers abgewiesen. Sie be-

gründet dies damit, dass der Beschuldigte nicht tatbestandsmässig und damit 

nicht widerrechtlich gehandelt habe (Urk. 64 Erw. V.).

2.1 Gemäss Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO wird über die Zivilklage bei einem Frei-

spruch materiell dann entschieden, wenn der Fall spruchreif ist. Ist der Fall nicht 

spruchreif, so wird die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. d 

StPO). Spruchreif ist der Sachverhalt, wenn auf Grund der im bisherigen Verfah-

ren gesammelten Beweise ohne Weiterungen über den Zivilanspruch entschieden 

werden kann, er mithin ausgewiesen ist (BGE 146 IV 211 E. 3.1 mit Hinweisen). 

Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwen-

dig, kann das Gericht die Zivilklage nach Art. 126 Abs. 3 StPO nur dem Grundsatz 

nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen. Zivilansprüche, 

die auf einem Vertrag beruhen, können nicht Gegenstand einer adhäsionsweise 

- 18 -

erhobenen Zivilklage im Strafverfahren sein (BGE 148 IV 432 E. 3.3; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_57/2021 vom 27. April 2023 E. 4.2.2).

Die im Strafverfahren gestellten Zivilforderungen (Schadenersatz, Genugtuung) 

stützen sich meist auf den Rechtstitel der unerlaubten Handlung (Art. 41 ff., 47 f. 

OR; Art. 58 und 62 SVG). Weitere mögliche Anspruchsgrundlagen sind die Per-

sönlichkeitsrechte (Art. 28 ff. ZGB), die Eigentums- (Art. 641 ZGB) und Besitzes-

rechte (Art. 927, 928 und 934 ZGB) oder auch Art. 9 und 23 UWG (BGE 148 IV 

432 E. 3.1.3 mit Hinweisen). Zivilansprüche, die auf einem Vertrag beruhen, kön-

nen hingegen nicht Gegenstand einer adhäsionsweise erhobenen Zivilklage im 

Strafverfahren sein. Denn soweit jemand einen vertraglichen Anspruch besitzt, ist 

er nicht geschädigte Person (Art. 115 Abs. 1 StPO), weil sich die Forderung nicht 

auf eine unmittelbar durch die Straftat verursachte Verletzung von Rechten stützt 

(BGE 148 IV 43 E. 3.2 und 3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_57/2021 vom 

27. April 2023 E. 4.2.2).

2.2 Nachdem der Privatkläger seine Forderung auf Art. 41 Abs. 1 OR stützt, wo-

bei sich die Widerrechtlichkeit aus der vom Beschuldigten angeblich begangenen 

Verkehrsregelverletzung ergibt, der Beschuldigte vorliegend jedoch freizuspre-

chen ist, fehlt es an einer Anspruchsgrundlage für die Adhäsionsklage aus 

Art. 41 OR. Die Zivilklage ist daher abzuweisen.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.1 Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass bei diesem Ausgang des Ver-

fahrens die Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen sind, dem Beschuldigten 

eine Prozessentschädigung auszurichten und dem Privatkläger keine Prozessent-

schädigung zuzusprechen ist (Urk. 64 Erw. VI.). Entsprechend dem Ausgang des 

zweitinstanzlichen Verfahrens bleibt es dabei.

1.2 Hinsichtlich der Höhe der Kosten und der dem Beschuldigten zuzusprechen-

den Entschädigung ist das vorinstanzliche Urteil ebenfalls nicht zu beanstanden. 

Diesbezüglich wurde auch nichts Abweichendes geltend gemacht.

- 19 -

1.3 Damit ist insgesamt die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen 

des erstinstanzlichen Urteils zu bestätigen.

2.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Privatkläger 

praktisch vollständig unterliegt, sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens auf-

zuerlegen. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'600.– zu veranschla-

gen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 GebV OG und § 14 

Abs. 1 lit. a GebV OG) und entsprechend mit der vom Privatkläger geleisteten 

Prozesskaution von Fr. 4'000.– zu verrechnen.

2.2 Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO 

hat die beschuldigte Person, wenn sie freigesprochen wird, Anspruch auf Ent-

schädigung für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-

rensrechte. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach den Anwaltstarifen und 

nach dem Zeitaufwand, den der Verteidiger aufgewendet hat. Die Bemühungen 

des Anwaltes müssen im Umfang aber den Verhältnissen entsprechen, das heisst 

sachbezogen und angemessen sein. Die Verteidigungskosten müssen mithin in 

einem vernünftigen Verhältnis zur Komplexität bzw. Schwierigkeit des Falles und 

zur Wichtigkeit der Sache stehen (BSK StPO - Wehrenberg/Frank, Art. 429 StPO 

N 15 f.). Eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 3'300.– (inkl. Mehrwertsteuer 

und Barauslagen; vgl. Urk. 77) für das Berufungsverfahren erweist sich als ange-

messen.

2.3 Im Berufungsverfahren kann die unterliegende Privatklägerschaft sowohl 

betreffend Offizial- wie auch Antragsdelikten verpflichtet werden, der beschuldig-

ten Person die Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrens-

rechte zu ersetzen (Art. 436 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 432 Abs. 2 StPO; 

vgl. BGE 147 IV 47 E. 4.2.6 und BGE 138 IV 248 E. 5.3). Entsprechend ist der 

Privatkläger zu verpflichten, dem Beschuldigten die festgesetzte Entschädigung 

von Fr. 3'300.– zu entrichten.

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Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte B._____ wird vollumfänglich freigesprochen.

2. Die Zivilklage des Privatklägers wird abgewiesen.

3. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 3-6) wird 

bestätigt.

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Privatkläger auferlegt.

6. Der Privatkläger wird verpflichtet, dem Beschuldigten für das Berufungs-

verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'300.– zu bezahlen.

7. Die durch den Privatkläger geleistete Prozesskaution von Fr. 4'000.– wird 

zunächst zur Deckung der Gerichtskosten und hernach zur Deckung der 

Entschädigung gemäss vorstehenden Dispositivziffern 4 und 6 verwendet.

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des 
Privatklägers (übergeben)

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des 
Privatklägers

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 

Abs. 1 PolG)

- 21 -

 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten ge-
mäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 65.

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-
chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 21. Februar 2024

Die Präsidentin:

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Lazareva