# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ccafe427-7a57-57ae-a55e-df3409438305
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 D-306/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-306-2010_2011-09-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­306/2010/sed

U r t e i l   v om   2 2 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richter Thomas Wespi;  
Gerichtsschreiberin Nina Hadorn.

Parteien A._______, geboren (…),
Afghanistan,   
vertreten durch Dr. iur. Reza Shahrdar, 
B._______,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010 / N _______.

D­306/2010

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland 
am 30. November 2009 verliess und auf dem Luftweg via C._______ und 
anschliessend  auf  dem  Landweg  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  am 
17. Dezember 2009 um Asyl nachsuchte,

dass  er  keine  Ausweispapiere  vorlegte,  worauf  er  mit  einem 
Informationsblatt zur Abgabe von Identitätsdokumenten innerhalb von 48 
Stunden aufgefordert wurde,

dass  er  am  31.  Dezember  2009  summarisch  befragt  und  am 
7. Januar 2010  zu  seinen  Fluchtgründen  angehört  wurde  (vgl.  Art.  26 
Abs. 2  und Art.  29 Abs.  1  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG, 
SR 142.31]),

dass der Beschwerdeführer zu seiner Person angab, er sei ein ethnischer 
D._______ und stamme aus E._______ (Provinz Bamyan), 

dass  er  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend 
machte,  er  sei  am  (…  […])  frühmorgens  auf  dem  Weg  zur 
Bewirtschaftung  der  Felder  von  drei  Unbekannten  entführt  worden, 
welche Taliban oder deren Anhänger gewesen seien, 

dass er von diesen Personen während zirka zehn Tagen  in einem Haus 
festgehalten und auch misshandelt worden sei,

dass  die  Entführer  vom  Vater  des  Beschwerdeführers  eine 
Lösegeldsumme von 25'000 Dollar verlangt hätten, welche dieser bis zum 
(… […]) hätte bezahlen müssen,

dass  dem  Beschwerdeführer  einen  Tag  vor  dem  genannten  Datum  die 
Flucht gelungen sei und er den Weg nach Hause gefunden habe,

dass  ihm  die  Entführer  drei  Tage  später  einen  Drohbrief  übermittelt 
hätten,

dass er sich ungefähr einen Monat zu Hause versteckt habe, bis er dank 
einem  durch  den  Vater  organisierten  Schlepper  sein  Heimatland  habe 
verlassen können,

D­306/2010

Seite 3

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15.  Januar  2010  –  gleichentags 
eröffnet  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  das 
Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 
Vollzug anordnete,

dass das BFM zur Begründung des Nichteintretens auf das Asylgesuch 
zusammenfassend  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  innert  48 
Stunden  nach  Gesuchseinreichung  ohne  entschuldbare  Gründe  keine 
Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben,  er  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht, und zusätzliche 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses  seien  in  seinem  Fall  aufgrund  der 
Aktenlage nicht erforderlich,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  18.  Januar  2010  gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 
dabei  beantragte,  die  Verfügung  vom  15.  Januar  2010  sei  aufzuheben, 
auf  das  Gesuch  sei  einzutreten,  ihm  sei  Asyl  zu  gewähren 
beziehungsweise er sei eventuell vorläufig aufzunehmen,

dass  er  in  prozessrechtlicher  Hinsicht  sinngemäss  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersuchte, 

dass er zudem beantragte, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde 
sei  wieder  herzustellen  und  ihm  sei  eine  Nachfrist  zur  Ergänzung  der 
Beschwerde zu gewähren, 

dass er zur Begründung vorbrachte, ihm sei es aufgrund des sehr kurzen 
Aufenthaltes  in der Schweiz nicht möglich gewesen, Identitätspapiere zu 
beschaffen, er sich jedoch bemühe, Identitätsdokumente nachzureichen,

dass  in Afghanistan  in  den  letzten  Jahren  oft  Personen  zur Erpressung 
von Lösegeldsummen entführt worden seien,

dass  er  am  19.  Januar  2010  eine  (…)  Kopie  einer  Bestätigung  seiner 
afghanischen Staatsangehörigkeit der Afghanischen Botschaft in Genf ins 
Recht legte, 

D­306/2010

Seite 4

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  26. 
Januar  2010  auf  den  Antrag,  die  aufschiebende  Wirkung  sei  wieder 
herzustellen,  mit  Verweis  auf  das  Aufenthaltsrecht  des 
Beschwerdeführers  während  des  Asylverfahrens  nicht  eintrat  und  das 
Gesuch  um  Gewährung  einer  Nachfrist  zur  Beschwerdeergänzung 
abwies,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unter  der  Voraussetzung  des 
Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  sowie  unter  Vorbehalt  der 
Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gutgeheissen 
wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  am  23.  Januar  2010  das  Original  der 
Bestätigung der Afghanischen Botschaft  in Genf und die Seiten 3 und 4 
des  Updates  August  2005  zur  aktuellen  Sicherheitslage  in  Afghanistan 
der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  einreichte  und  um  Sistierung  der 
Wegweisungsverfügung  beziehungsweise  Gewährung  der 
aufschiebenden Wirkung ersuchte, 

dass  er  am  2.  Februar  2010  eine  Sozialhilfebestätigung  der  Caritas 
Schweiz des gleichen Datums ins Recht legte,

dass  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 
24. Februar  2010  das  BFM  ersucht  wurde,  eine  Vernehmlassung 
einzureichen,

dass das Bundesamt die vorinstanzliche Verfügung vom 15. Januar 2010 
am 21. März 2011 teilweise  in Wiedererwägung zog, die Ziffern 3 und 4 
des  Dispositivs  des  angefochtenen  Entscheids  aufhob  sowie  den 
Wegweisungsvollzug  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer 
vorläufigen Aufnahme aufschob,

dass  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit  Schreiben  vom 
22. März 2011 auf diese Verfügung der Vorinstanz Bezug nahm und dem 
Bundesverwaltungsgericht  den  Vertretungsaufwand  für  das 
Beschwerdeverfahren mitteilte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  15. 
April 2011  den  Beschwerdeführer  anfragte,  ob  er  an  der  Beschwerde 
festhalte oder diese zurückzuziehen gedenke,

D­306/2010

Seite 5

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Rückzugserklärung 
beziehungsweise  zur  Stellungnahme  Frist  ansetzte  und  gleichzeitig 
mitteilte,  bei  ungenutzter  Frist  werde  vom  Festhalten  an  den 
Rechtsbegehren  ausgegangen  und  das  Verfahren  in  der  gesetzlich 
vorgesehenen Weise fortgeführt, 

dass innert Frist keine Mitteilung beim Bundesverwaltungsgericht einging,

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 43 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 
selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 

D­306/2010

Seite 6

aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den 
Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs 
Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG),

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG 
die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird  (Art.  32 Abs. 3 Bst.  b AsylG) 
oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit  zusätzlicher 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG), 

dass  vorliegend  die  Nichtabgabe  von Reise­  oder  Identitätspapieren  im 
Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 Bst. a AsylG innerhalb von 48 
Stunden  nach Einreichung  des Asylgesuchs  sachverhaltsmässig  erstellt 
ist,

dass  es  nämlich  der  Beschwerdeführer  unterliess,  im  Moment  der 
Einreichung  seines  Asylgesuchs  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
Kreuzlingen  beziehungsweise  in  den  48  Stunden  nach  der 
diesbezüglichen  Aufklärung  mittels  eines  Informationsblattes  ein 
Dokument  zu  seiner  zweifelsfreien  Identifizierung  (vgl.  BVGE  2007/7 
E. 5.1­5.2 S. 65 ff.) abzugeben,

dass  somit  die  in  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  statuierte 
Grundvoraussetzung  für  ein  Nichteintreten  wegen  fehlender  Papiere 
erfüllt ist,

dass  vorliegend  zu  prüfen  bleibt,  ob  eine  Ausnahme  gemäss  Art.  32 
Abs. 3 AsylG vorliegt,

dass  der  Beschwerdeführer  angab,  mit  dem  Bus  von  E._______  über 
F._______  nach G._______  gereist  zu  sein  (Akte  A1  S.  7),  wo  er  sich 
während  ungefähr  zwei  Wochen  im  Haus  des  Schleppers  namens 
H._______ (Akte A9 S. 3 F21) aufgehalten habe,

D­306/2010

Seite 7

dass er von G._______ mit einem gefälschten afghanischen Reisepass, 
welcher  auf  den  Vornamen  I._______  gelautet  habe,  mit  der 
Fluggesellschaft J._______ nach C._______ geflogen sei (Akte A1 S. 7),

dass  er  anschliessend mit  zwei  verschiedenen  Lastwagen,  in  denen  er 
sich  in  der  Nähe  der  Räder  beziehungsweise  im  Laderaum  versteckt 
habe, in den Raum K._______ gefahren worden sei (Akte A1 S. 7 und S. 
8),

dass  er  seine  Taskara  bei  der  Ankunft  in  der  Schweiz  dem  Schlepper 
habe übergeben müssen,

dass diese Ausführungen zwar recht detailliert ausgefallen sind,

dass die Einreise  in C._______ mit gefälschten Papieren  jedoch Zweifel 
weckt, zumal dort strenge Kontrollen gemacht werden,

dass  der  Beschwerdeführer  sodann  nicht  in  der  Lage  war,  den  vollen 
Namen  und  das  Geburtsdatum  im  angeblich  gefälschten  Pass 
wiederzugeben,

dass  schliesslich  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  der  Beschwerdeführer 
neben  dem  gefälschten  Pass  auch  eine  auf  seinen  Namen  lautende 
Taskara  auf  sich  getragen  habe,  da  ihn  dies  im  Falle  einer  Kontrolle 
offensichtlich verraten hätte,

dass schliesslich nicht zu überzeugen vermag, der Beschwerdeführer 
habe nie einen Pass besessen, zumal er bereits zweimal eine Pilgerreise 
L._______ unternommen habe, zuletzt im Alter von 20 Jahren,

dass  insgesamt  der Eindruck  entsteht,  der  Beschwerdeführer  habe  den 
Asylbehörden  diejenigen  Papiere,  mit  denen  er  gereist  ist,  absichtlich 
vorenthalten,  was  nach  dem  Willen  des  Gesetzgebers  sanktioniert 
werden soll (vgl. dazu BVGE 2007/7),

dass  daran  auch  die  nachträglich  von  der  Botschaft  ausgestellte 
Bestätigung  seiner  afghanischen  Staatsangehörigkeit  und  die 
Ausführungen  zu  seinen  Versuchen,  die  Taskara  vom  Schlepper 
erhältlich zu machen, nichts zu ändern vermögen, zumal er es bis heute 
unterlassen hat, seine Taskara einzureichen,

D­306/2010

Seite 8

dass  auch  die  relativ  kurze  Zeit  zwischen  der  Einreichung  des 
Asylgesuchs vom 17. Dezember 2009 und der angefochtenen Verfügung 
nichts  ändert,  zumal  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer 
verfüge über Papiere, mit denen er gereist ist, 

dass somit die Nichtvorlage von Reise­ oder  Identiätspapieren  innerhalb 
von 48 Stunden als nicht entschuldbar zu erkennen ist,

dass  die  Vorinstanz  sodann  zu  Recht  davon  ausgegangen  ist,  es 
erübrigten  sich  zusätzliche  Abklärungen  zur  Flüchtlingseigenschaft  (vgl. 
Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG), 

dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zur  geltend  gemachten 
Entführung offensichtlich nicht geglaubt werden können,

dass  der  Beschwerdeführer  zwar  zu  Recht  vorbringt,  in  Afghanistan 
würde es zu Entführungen wohlhabender Einwohner kommen,

dass damit  jedoch noch nicht  dargelegt  ist,  der Beschwerdeführer  habe 
das Vorgebrachte tatsächlich erlebt,

dass vielmehr zahlreiche Unglaubhaftigkeitselemente dagegen sprechen,

dass  insbesondere  die  Umstände  der  Flucht  äusserst  unglaubhaft 
anmuten,  zumal  davon  auszugehen  wäre,  die  Entführer  hätten  den 
Beschwerdeführer in einem besser gesicherten Zimmer untergebracht,

dass  auch  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  nach 
zehn  Tagen  von  Misshandlungen  und  wenig  Nahrung  gezeichnet 
eineinhalb Stunden ununterbrochen rennen konnte, 

dass  sich  der  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  ernsthaften Gefährdung 
ferner kaum direkt nach Hause begeben und sich dort über einen Monat 
aufgehalten hätte,

dass  schliesslich  nicht  geglaubt  werden  kann,  die  Taliban  hätten  sich 
damit  begnügt,  nach  seiner  Flucht  seinem  Cousin  einen  Drohbrief  zu 
Handen des Vaters zu übergeben, 

dass  in  der  Beschwerde  diesbezüglich  nichts  Stichhaltiges  vorgebracht 
werden konnte,

D­306/2010

Seite 9

dass  die  Vorinstanz  damit  zu  Recht  im  Rahmen  einer  summarischen 
Prüfung  festgestellt  hat,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht,

dass  sich  schliesslich  auch  weitere  Abklärungen  zum 
Wegweisungsvollzug im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG erübrigten,

dass  zwar  die  Sicherheitslage  und  die  humanitäre  Situation  in 
Afghanistan  immer  wieder  Anlass  zu  einlässlichen  Abklärungen  und 
Lageanalysen  der Asylbehörden  geben  (vgl.  zuletzt  den  zur Publikation 
vorgesehenen Entscheid E­7625/2008 vom 16. Juni 2011),

dass  der  Beschwerdeführer  denn  auch  nachträglich  infolge 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen 
worden ist,

dass  jedoch  der  Begriff  der  Wegweisungsvollzugshindernisse  im  Sinne 
von  Art.  32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG  ausschliesslich  diejenigen  Hindernisse 
umfasst, welche sich auf die Zulässigkeit des Vollzugs auswirken können 
(vgl. BVGE 2009/50 E. 8.4),

dass der Beschwerdeführer nichts Konkretes vorbringen konnte, das auf 
eine mögliche Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs hätte schliessen 
lassen,

dass  es  sich  unter  den  gegebenen  Umständen  erübrigt,  auf  weitere 
Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, da sie nichts am Ergebnis 
ändern können,

dass  bei  dieser  Sachlage  der  Nichteintretensentscheid  gemäss  Art.  32 
Abs. 2 Bst. a AsylG zu bestätigen ist,

dass  die Anordnung der Wegweisung  im Einklang mit  den gesetzlichen 
Bestimmungen  steht,  da  der  Beschwerdeführer  –  abgesehen  vom 
bisherigen  Asylbewerberstatus  –  über  keine  Aufenthaltsbewilligung 
verfügt und auch einen Anspruch auf Erteilung eines solchen hat (vgl. Art. 
44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9), 

dass  das  Bundesamt  mit  der  Wiedererwägungsverfügung  vom 
21. März 2011  gemäss  Art.  58  Abs.  1  VwVG  die  Ziffern  3  und  4  des 
Dispositivs der angefochtenen Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010 

D­306/2010

Seite 10

(Wegweisungsvollzug)  aufhob  und  den  Beschwerdeführer  vorläufig 
aufnahm,

dass  die  Gründe  für  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  im 
Einzelnen  vom  Bundesverwaltungsgericht  nicht  näher  zu  prüfen  sind, 
zumal  die  entsprechenden  Bedingungen  alternativer  Natur  sind  und 
gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme wiederum eine 
Beschwerdemöglichkeit besteht (vgl. BVGE 2009/51),

dass die Beschwerde demnach, soweit sie den Vollzug der Wegweisung 
betrifft,  gegenstandslos  wurde  und  die  Beschwerde  diesbezüglich 
abzuschreiben ist,

dass  die  angefochtene  Verfügung  demnach  hinsichtlich  des  zur 
Beurteilung  verbliebenen  Prozessgegenstandes  Bundesrecht  nicht 
verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig 
feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG), 

dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  abzuweisen  ist,  soweit  sie 
nicht gegenstandlos wurde,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  reduzierte  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen wären  (Art.  63 Abs.  1 VwVG und Art.  5 des Reglementes 
vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), 

dass  jedoch  mit  Zwischenverfügung  vom  26.  Januar  2010  die 
unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt 
wurde, weshalb auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten 
ist,

dass  dem  Beschwerdeführer  unter  den  gegebenen  Umständen – 
Gegenstandslosigkeit  nach  teilweiser  Wiedererwägung  der 
angefochtenen  Verfügung  durch  die  Vorinstanz  –  eine  um  die  Hälfte 
reduzierte Parteientschädigung auszurichten ist (vgl. Art. 5  i.V.m. Art. 15 
VGKE) 

dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 22. März 2011 eine 
Kostennote zu den Akten gereicht hat, worin ein zeitlicher Aufwand von 
8 ½  Stunden  zu  Fr.  250.­­  inklusive  Spesen  und  MWSt  ausgewiesen 
werden, 

D­306/2010

Seite 11

dass  indes  der  damit  ausgewiesene  Zeitaufwand  als  der  Sache  nicht 
angemessen  hoch  bezeichnet  werden  muss,  zumal  die 
Rechtsmitteleingabe  des  Beschwerdeführers  lediglich  zwei  Seiten 
umfasst und die vier folgenden Begleitschreiben sehr kurz sind, 

dass  demnach  der  geltend  gemachte  zeitliche  Aufwand  deutlich  zu 
kürzen  und  unter  Berücksichtigung  des  Aufwandes  in  vergleichbaren 
Verfahren der Vertretungsaufwand auf Fr. 800.­­  festzusetzen  ist, wobei 
davon  die  Hälfte  als  Parteientschädigung  von  der  Vorinstanz 
auszurichten ist.

(Dispositiv nächste Seite)

D­306/2010

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde vom 18. Januar 2010 wird abgewiesen, soweit  sie das 
Nichteintreten  auf  das Asylgesuch  und  die Anordnung  der Wegweisung 
betrifft.

2. 
Die  Beschwerde  wird  als  gegenstandslos  geworden  abgeschrieben, 
soweit sie den Vollzug der Wegweisung betrifft.

3.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag von 
Fr.  400.­­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt)  an  den  Beschwerdeführer  zu 
entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Nina Hadorn

Versand: