# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e8a84d2-5abc-5f1a-8040-6e3b464ef08d
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-10
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 10.08.2020 460 19 248 (460 2019 248)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-19-248_2020-08-10.pdf

## Full Text

Seite 1  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

10. August 2020 (460 19 248) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Strafrecht 

 

 

Versuchte schwere Körperverletzung etc. 

 
 

 
Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Stephan Gass (Ref.),                 

Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,                                       

Allgemeine Hauptabteilung,                                                        

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde 

 

A.____,  

vertreten durch Advokat Roger Wirz,                                              

Advokatur am Fischmarkt, Fischmarkt 12, 4410 Liestal,  

Privatkläger 

  

gegen 

 

 B.____, 

vertreten durch Advokat Patrick Frey,                                                   

Lindenhofstrasse 32, Postfach 2110, 4002 Basel,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

Gegenstand Versuchte schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 

26. Juli 2019 

 

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A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgericht) vom 26. Juli 2019 

wurde B.____ (nachfolgend: Beschuldigter bzw. Beurteilter) der versuchten schweren Körper-

verletzung, der mehrfachen Begünstigung, der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von 

Kontrollschildern sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz vom 3. Okto-

ber 1951 über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz, 

BetmG; SR 812.121) schuldig erklärt und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheits-

strafe von 27 Monaten, davon 6 Monate unbedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren, unter 

Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft vom 3. Juni 2018 bis zum 16. Juni 2018 

von insgesamt 14 Tagen, sowie zu einer Busse von CHF 200.00, wobei für den Fall schuldhafter 

Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen angedroht wurde (Dispositiv-

Ziffer 1). Demgegenüber wurde der Beschuldigte von der Anklage der mehrfachen Irreführung 

der Rechtspflege freigesprochen (Dispositiv-Ziffer 2) und das Verfahren betreffend mehrfache 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vom 1. Januar 2016 bis zum 26. Juli 2016 

wurde aufgrund des Eintritts der Verjährung eingestellt (Dispositiv-Ziffer 3). Sodann wurde über 

die beschlagnahmten Gegenstände entschieden (Dispositiv-Ziffer 4). In einem weiteren Punkt 

wurden die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 13‘916.65, bestehend aus den Kosten des 

Vorverfahrens von CHF 7‘916.65 und der Gerichtsgebühr von CHF 6‘000.00, in Anwendung von 

Art. 426 Abs. 1 StPO dem Beurteilten auferlegt (Dispositiv-Ziffer 5). Zudem wurde der Beurteilte 

dazu verurteilt, A.____ (nachfolgend: Privatkläger) CHF 1‘000.00 als Genugtuung zu bezahlen; 

allfällige weitere Zivilforderungen wurden auf den Zivilweg verwiesen (Dispositiv-Ziffer 6). So-

dann wurde das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt CHF 11‘088.25 

(CHF 8‘061.70 für den Aufwand vor Anklageerhebung sowie CHF 3‘026.55 für den Aufwand 

nach Anklageerhebung, inkl. Auslagen und 7.7% MwSt) unter Vorbehalt der Rückzahlungsver-

pflichtung des Beurteilten aus der Gerichtskasse entrichtet. Der Beurteilte wurde, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen 

Verteidigung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung die allfällige Differenz zwischen 

der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und 

lit. b StPO; Dispositiv-Ziffer 7). Schliesslich wurde das Gesuch des Privatklägers auf unentgelt-

liche Verbeiständung mit Roger Wirz, Advokat, mangels Belegen abgewiesen. Der Beurteilte 

wurde jedoch dazu verurteilt, dem Privatkläger gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Parteient-

schädigung in der Höhe von CHF 1‘330.00 (CHF 883.30 für den Aufwand vor Anklageerhebung 

sowie CHF 446.70 für den Aufwand nach Anklageerhebung, inkl. Auslagen und 7.7% MwSt) zu 

bezahlen (Dispositiv-Ziffer 8).  

 

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Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Parteianträge wird, so-

weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

B. Gegen das obgenannte Urteil meldete der Beschuldigte, vertreten durch Advokat Patrick 

Frey, am 30. Juli 2019 beim Strafgericht die Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 

5. November 2019 an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: 

Kantonsgericht), beantragte der Beschuldigte, (1.) es sei das Urteil des Strafgerichts vom 

26. Juli 2019 bezüglich Dispositiv-Ziffer 1 insofern aufzuheben, als dass der Beschuldigte zu 

einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu verurteilen sei, (2.) auch für das Berufungs-

verfahren sei dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung mit Advokat Patrick Frey zu bewilli-

gen, (3.) unter o/e-Kostenfolge. 

 

C. Mit Eingabe vom 13. November 2019 verzichtete die Staatsanwaltschaft Basel-Land-

schaft, Allgemeine Hauptabteilung (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), auf eine Anschlussberu-

fung. Ebenso wenig stellte sie einen Antrag auf Nichteintreten auf die Berufungserklärung des 

Beschuldigten vom 5. November 2019.  

 

D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. November 2019 wurde unter anderem Advo-

kat Patrick Frey als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten im vorliegenden Berufungsverfah-

ren eingesetzt. 

 

E. In seiner Berufungsbegründung vom 25. Februar 2020 hielt der Beschuldigte an seinen 

Anträgen gemäss Berufungserklärung vom 5. November 2019 fest. 

 

F. Mit weiterer Eingabe vom 26. Februar 2020 reichte der Beschuldigte dem Kantonsgericht 

einen auf den 20. November 2019 datierten Einsatzvertrag zwischen ihm und der C.____ AG, 

D.____, ein. Der Beschuldigte führte ergänzend aus, es handle sich um einen Einsatzvertrag 

für die vorläufige Dauer von drei Monaten, wobei jedoch eine Übernahme und eine Festanstel-

lung vorgesehen seien. 

 

G. Demgegenüber schloss die Staatsanwaltschaft in ihrer Berufungsantwort vom 10. März 

2020 auf vollumfängliche Abweisung der Berufung des Beschuldigten und Bestätigung des vor-

instanzlichen Urteils. 

 

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H. Mit Eingabe vom 20. März 2020 ersuchte Advokat Patrick Frey unter Hinweis auf die ak-

tuelle Corona-Situation um Bewilligung der ebenfalls eingereichten Zwischenabrechnung für die 

bisherigen anwaltlichen Bemühungen. 

 

I. Das Kantonsgericht wies dieses Gesuch mit Verfügung vom 24. März 2020 vorerst ab. 

 

J. Sodann schloss das Kantonsgericht mit Verfügung vom 25. März 2020 den Schriften-

wechsel, ordnete das mündliche Verfahren gemäss Art. 405 StPO der Schweizerischen Straf-

prozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312) an und lud die Parteien zur kantonsge-

richtlichen Verhandlung, wobei dem Privatkläger das Erscheinen ins freie Ermessen gestellt 

wurde. 

 

K. Zur Berufungsverhandlung vom 10. August 2020 erscheinen der Beschuldigte, vertreten 

durch Advokat Patrick Frey, sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte wird 

anlässlich der kantonsgerichtlichen Verhandlung eingehend zur Person wie auch zur Sache 

befragt. Im Übrigen wiederholen die Parteien ihre schriftlich gestellten Anträge, wobei der Be-

schuldigte präzisiert, er sei von der Anklage der mehrfachen Begünstigung freizusprechen.  

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, 

mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Laut Art. 398 Abs. 3 

StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschrei-

tung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die 

unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit 

(lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend über-

prüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Die Legitimation des Beschuldigten zur Berufung ergibt sich 

aus Art. 382 Abs. 1 StPO. Der Beschuldigte rügt sowohl die unrichtige Feststellung des Sach-

verhalts als auch Rechtsverletzungen. Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zu-

nächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder 

mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung 

des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Aus den Akten ergibt 

sich, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichts dem Beschuldigten am 30. Juli 2019 zugestellt 

worden ist. Mit seiner gleichentags erhobenen Berufungsanmeldung hat der Beschuldigte die 

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zehntägige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Frist zur Berufungserklä-

rung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurde vorliegend gewahrt: Das begründete Urteil des Straf-

gerichts wurde dem Beschuldigten am 17. Oktober 2020 zugestellt und am 5. November 2020 

hat er die Berufungserklärung eingereicht. Was die Form betrifft, so erfüllen die Eingaben des 

Beschuldigten die Anforderungen von Art. 385 Abs. 1 StPO. Schliesslich ergibt sich die Zustän-

digkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur 

Beurteilung der vorliegenden Berufung aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a EG 

StPO. Es ist demnach auf die Berufung des Beschuldigten einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufung 

Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in 

den angefochtenen Punkten. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich lediglich gegen den 

Schuldspruch wegen mehrfacher Begünstigung gemäss den Anklageziffern 1, 2 und 4 sowie 

gegen die vorinstanzlich vorgenommene Strafzumessung, somit gegen die Dispositiv-Ziffern 1 

und 2 des strafgerichtlichen Urteils.  

 

Alle übrigen Teile des vorinstanzlichen Urteils, nämlich die Schuldsprüche wegen versuchter 

schwerer Körperverletzung, mehrfacher widerrechtlicher Aneignung von Kontrollschildern sowie 

mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Dispositiv-Ziffer 1), der Frei-

spruch von der Anklage der mehrfachen Irreführung der Rechtspflege (Dispositiv-Ziffer 2), die 

Verfahrenseinstellung betreffend mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-

setz vom 1. Januar 2016 bis zum 26. Juli 2016 zufolge Eintritts der Verjährung (Dispositiv-Ziffer 

3), der Entscheid über die beschlagnahmten Gegenstände (Dispositiv-Ziffer 4), die vorinstanz-

liche Auferlegung der Verfahrenskosten (Dispositiv-Ziffer 5), die Verurteilung zur Zahlung der 

Zivilforderung (Dispositiv-Ziffer 6), die Entschädigung der amtlichen Verteidigung (Dispositiv-

Ziffer 7) sowie der Entscheid betreffend Entschädigung des Privatklägers (Dispositiv-Ziffer 8) 

stehen hingegen nicht mehr zur Debatte. Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 

Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in 

Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie die-

ser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente ein-

zugehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (vgl. DANIELA 

BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 82 

N 10). Vorliegend wird daher in Anwendung der obgenannten Bestimmung bezüglich Sachver-

haltsfeststellung und rechtliche Würdigung in den unangefochten gebliebenen Punkten bereits 

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an dieser Stelle auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen und nur auf neu im Berufungsverfahren 

vorgebrachte Argumente eingegangen. 

 

Gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil der 

beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden 

ist. Diese Konstellation des Verbots der reformatio in peius liegt in casu vor, so dass das Kan-

tonsgericht das strafgerichtliche Urteil nicht zu Lasten des Beschuldigten verschärfen, sondern 

es entweder nur bestätigen oder zu seinen Gunsten abändern darf. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Mehrfache Begünstigung 

1.1 Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 5. Dezember 2018, Ziffer 1, habe 

der Beschuldigte in der Einvernahme auf dem Polizeistützpunkt D.____ am 27. Dezember 2017, 

von 9.04 Uhr bis 11.52 Uhr, zugestanden, im Zeitraum vom 1. November 2017 bis zum 28. No-

vember 2017 den mit entwendeten Kontrollschildern versehenen Personenwagen Opel D Astra 

G20 (VlN: XXX) mehrfach gefahren zu haben, ohne über den erforderlichen Führerausweis zu 

verfügen. Dieses Geständnis habe der Beschuldigte in der Einvernahme durch die Staatsan-

waltschaft in Muttenz am 12. Juli 2018, zwischen 9.55 Uhr und 14.35 Uhr, bestätigt. Sämtliche 

dieser zugestandenen Taten habe der Beschuldigte allerdings nicht begangen und sich somit 

in den genannten Einvernahmen selbst fälschlicherweise beschuldigt, ein Fahrzeug ohne Fahr-

zeugausweis, ohne Kontrollschilder und ohne Versicherungsschutz und ohne Besitz der Fahr-

berechtigung gefahren zu haben. Der Beschuldigte habe dieses Geständnis abgelegt, um sei-

nen Kollegen E.____, welcher zu jener Zeit noch im Strafvollzug gewesen und der Taten ver-

dächtigt worden sei, zu schützen und der Strafverfolgung zu entziehen. Erst in der Einvernahme 

bei der Staatsanwaltschaft am 30. Oktober 2018 habe der Beschuldigte seine Aussagen korri-

giert und bestritten, die obgenannten Delikte begangen zu haben (vgl. act. 981).  

 

Des Weiteren legte die Anklageschrift dem Beschuldigten in Ziffer 2 zur Last, in der Einver-

nahme durch die Staatsanwaltschaft in Muttenz am 12. Juli 2018, zwischen 9.55 Uhr und 14.35 

Uhr, zugestanden zu haben, dass er am 26. oder 27. Januar 2018 den mit entwendeten Kon-

trollschildern versehenen Personenwagen Opel D Astra G20 (VlN: XXX) von F.____ via G.____ 

nach H.____ gefahren habe, ohne über den erforderlichen Führerausweis zu verfügen. Diese 

Tat habe der Beschuldigte allerdings nicht begangen und sich somit in der genannten Einver-

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nahme selbst fälschlicherweise beschuldigt, ein Fahrzeug ohne Fahrzeugausweis, ohne Kon-

trollschilder und ohne Versicherungsschutz und ohne Besitz der Fahrberechtigung gefahren zu 

haben. Der Beschuldigte habe dieses Geständnis abgelegt, um seinen Kollegen E.____, wel-

cher zu jener Zeit noch im Strafvollzug gewesen und der Tat verdächtigt worden sei, zu schützen 

und der Strafverfolgung zu entziehen. Erst in der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 

30. Oktober 2018 habe der Beschuldigte seine Aussagen korrigiert und bestritten, die obge-

nannten Delikte begangen zu haben (vgl. act. 981 f.).  

 

Schliesslich habe der Beschuldigte, so die Anklageschrift in Ziffer 4, in der Einvernahme auf 

dem Polizeistützpunkt D.____ am 30. Mai 2018, von 9.55 Uhr bis 11.00 Uhr, ausgesagt, Mitte 

April 2018 das Motorrad BMW YYY, gelb, in AA.____ bzw. in P.____ abgeholt zu haben und 

anschliessend damit nach D.____ gefahren zu sein, obwohl er nicht über den erforderlichen 

Führerausweis verfügt habe. Er habe ausgesagt, insgesamt ca. 200 km mit dem Motorrad ge-

fahren zu sein. Am Tag der Übernahme des Motorrads habe er zudem auf dem Parkplatz der 

Psychiatrie Baselland in D.____ ein Kontrollschild entwendet und am Motorrad BMW YYY, gelb, 

montiert. Dieses Geständnis habe der Beschuldigte in der Einvernahme durch die Staatsanwalt-

schaft in Muttenz am 12. Juli 2018, zwischen 9.55 Uhr und 14.35 Uhr, bestätigt. Sämtliche dieser 

zugestandenen Taten habe der Beschuldigte allerdings nicht begangen und sich somit in den 

genannten Einvernahmen selbst fälschlicherweise beschuldigt, ein Fahrzeug ohne Fahrzeug-

ausweis, ohne Kontrollschilder und ohne Versicherungsschutz und ohne Besitz der Fahrberech-

tigung gefahren zu haben. Am 10. August 2018 sei der dem Beschuldigten bekannte E.____ 

durch die Staatsanwaltschaft zum vorgenannten Sachverhalt befragt worden. Dieser habe nach 

Konfrontation mit der eindeutigen Beweislage mitgeteilt, dass er und nicht der Beschuldigte das 

Motorrad geführt und in I.____ abgestellt habe. Der Beschuldigte habe dieses Geständnis ab-

gelegt, um seinen Kollegen E.____, welcher zu jener Zeit noch im Strafvollzug und der Tat ver-

dächtigt gewesen sei, zu schützen und der Strafverfolgung zu entziehen. Erst in der Einver-

nahme bei der Staatsanwaltschaft am 30. Oktober 2018 habe er seine Aussagen korrigiert und 

bestritten, die obgenannten Delikte begangen zu haben (vgl. act. 983 f.). 

 

1.2 Das Strafgericht erachtete in tatsächlicher Hinsicht mit Blick auf die glaubhaften Ge-

ständnisse des Beschuldigten und der Aktenlage den angeklagten Sachverhalt als erstellt (vgl. 

S. 3 f. des angefochtenen Urteils). 

 

In rechtlicher Hinsicht erwog die Vorinstanz, gemäss dem erstellten Sachverhalt habe der Be-

schuldigte mehrfach im Rahmen von Einvernahmen vom 27. Dezember 2017 und 12. Juli 2018 

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falsche Aussagen zugunsten von E.____ gemacht. Die Richtigstellung seitens des Beschuldig-

ten sei erst anlässlich seiner Einvernahme vom 30. Oktober 2018 erfolgt. Der Beschuldigte sei 

fast ein Jahr lang bei seinen falschen Aussagen zugunsten von E.____ geblieben. Während 

dieser Zeit sei zwar auch E.____ der Tat verdächtigt und folglich mehrfach als beschuldigte 

Person einvernommen worden, jedoch habe der Beschuldigte durch seine Aussagen die Sach-

aufklärung und damit verbunden das Strafverfahren gegen E.____ in nicht mehr geringfügigem 

Masse verzögert. Obwohl bereits früh im Verfahren mehrere Indizien für eine Tatbegehung 

durch E.____ gesprochen hätten, seien die Strafverfolgungsbehörden durch die falschen Ge-

ständnisse des Beschuldigten dazu angehalten gewesen, eine derart lückenlose Beweisdichte 

herbeizuführen, die trotz der Geständnisse des Beschuldigten keine Zweifel an einer Tatbege-

hung durch E.____ zuliessen. Die falschen Aussagen des Beschuldigten hätten somit zu einer 

zeitlichen oder inhaltlichen Erschwernis der Strafverfolgung geführt. Dieses Erschweren der 

Strafverfolgung sei vom Beschuldigten auch klar beabsichtigt worden. Der objektive und sub-

jektive Tatbestand der Begünstigung nach Art. 305 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbu-

ches vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0) sei folglich erfüllt (vgl. S. 7 des angefochtenen 

Urteils).  

 

Was das Vorbringen des Beschuldigten betreffe, dessen Verhalten sei als entschuldbar zu be-

zeichnen und in Anwendung von Art. 305 Abs. 2 StGB von einer Bestrafung abzusehen, so 

reiche eine gemeinsame Zugehörigkeit zu einer Biker-Gruppierung jedenfalls nicht aus, um ein 

Näheverhältnis i.S.v. Art. 305 Abs. 2 StGB zu begründen. Selbst wenn Loyalität innerhalb sol-

cher Gruppierungen grossgeschrieben sein sollte, führe die Mitgliedschaft in einer Biker-Gruppe 

noch nicht zu einer engen, persönlichen Beziehung der Mitglieder untereinander. Auch die Tat-

sache, dass der Beschuldigte und E.____ miteinander befreundet gewesen seien, könne für die 

Annahme einer nahen Beziehung i.S.v. Art. 305 Abs. 2 StGB nicht ausreichen, da regelmässig 

ein gewisses Näheverhältnis zwischen dem Begünstigtem und dem Täter vorliegen werde und 

die Annahme einer nahen Beziehung bei Freundschaftsverhältnissen in der Praxis zu ausufern-

den Ergebnissen führen würde. lm vorliegenden Fall erscheine das Verhalten des Beschuldig-

ten, der seinen sich im Strafvollzug befindenden Kollegen vor weiteren Sanktionen habe schüt-

zen wollen, auch auf moralischer Ebene nicht gerechtfertigt. Das Gericht sehe deshalb von der 

Anwendung von Art. 305 Abs. 2 StGB ab. lm Ergebnis seien im vorliegenden Fall keine weiteren 

Schuldausschliessungs- oder Rechtfertigungsgründe ersichtlich. Der Beschuldigte habe sich 

somit durch seine wiederholten Falschaussagen der mehrfachen Begünstigung i.S.v. Art. 305 

Abs. 1 i.V.m. Art. 49 Abs. 1 StGB schuldig gemacht (vgl. S. 8 des angefochtenen Urteils).  

 

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1.3 Der Beschuldigte macht demgegenüber auch im Rahmen seiner Berufungsbegrün-

dung vom 25. Februar 2020 geltend, es sei notorisch bekannt, wie eng Biker-Gruppen innerhalb 

ihrer Gruppierung agierten. Freundschaft und Brüderlichkeit stünden an erster Stelle. Man be-

schütze sich gegenseitig und jeder stehe für den anderen ein. Es gebe wohl kaum eine Grup-

pierung, in welcher die Loyalität und der Zusammenhalt derart wichtig seien, wie in einer Biker-

Gruppierung. Dies ergebe sich bereits durch einen Blick in die Berichterstattung zu diesem 

Thema in der Presse. Immer wieder sei zu lesen, wie etwa Verrat oder illoyales Benehmen 

brutal geahndet werde. Das oberste Gebot sei die Freundschaft und Verbundenheit. Dies gelte 

auch für die Biker-Gruppe des Beschuldigten. Hinzu komme in der vorliegenden Konstellation, 

dass der Begünstigte dem Beschuldigten hierarchisch überstellt gewesen sei. Es sei auch der 

Begünstigte gewesen, welcher den Beschuldigten in die Gruppierung gebracht habe. Es habe 

ein sehr nahes Verhältnis zwischen den beiden und nicht bloss ein "gewisses Näheverhältnis" 

bestanden. Beim Beschuldigten und dem Begünstigten habe es sich schlichtweg um beste 

Freunde gehandelt, verstärkt durch die gemeinsame Mitgliedschaft in der Biker-Vereinigung. 

Seine Freizeit habe der Beschuldigte ausschliesslich mit dem Begünstigten verbracht sowie 

sämtliche Probleme und Sorgen mit ihm geteilt. Diese Tatsache werde (leider) auch dadurch 

gestützt, dass bei sämtlichen dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikten der Begünstigte eben-

falls anwesend oder beteiligt gewesen sei. Nicht zuletzt aufgrund dieses engen Verhältnisses 

habe sich der Beschuldigte sodann auch verpflichtet gefühlt, die Begünstigung zu begehen und 

die Schuld auf sich zu nehmen. Wären der Beschuldigte und der Begünstigte nicht derart eng 

miteinander verbunden gewesen, hätte er dies sicherlich auch nicht getan. Zu erwähnen sei 

auch der Umstand, dass der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft nicht etwa Briefe an seine 

Familie, sondern an den Begünstigten geschickt habe. Gleichzeitig habe der Beschuldigte an-

lässlich einer Einvernahme angegeben, dass er und der Begünstigte sich täglich gesehen hätten 

und er zur Familie gehöre. Auch der Begünstigte habe explizit angegeben, ein nahes Verhältnis 

zum Beschuldigten zu haben und ihn täglich zu sehen. Der Beschuldigte habe den Begünstigten 

auch immer wieder in der Haftanstalt besucht. Dadurch zeige sich deren tiefe Freundschaft. 

Entgegen dem Strafgericht sei es augenscheinlich, dass der Beschuldigte i.S.v. Art. 305 Abs. 2 

StGB zu privilegieren und Umgang von der Bestrafung zu nehmen sei (vgl. S. 2 f. der Beru-

fungsbegründung). 

 

Anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht führt der Verteidiger im Rahmen seines 

Parteivortrages ergänzend ins Feld, bei der dem Beschuldigten angehörigen Biker-Gruppierung 

habe es sich nicht um eine kriminelle Organisation gehandelt. Jedoch sei es eine klassische 

Gruppierung von Gleichgesinnten gewesen, in welcher auch eine gewisse Hierarchie geherrscht 

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habe. Die Freundschaft zwischen Bikern gehe weiter, als dies normalerweise zwischen Täter 

und Begünstigtem ohnehin vorliege. Dies zeige sich auch dadurch, wie beeindruckt der Be-

schuldigte früher von der Biker-Gruppierung und insbesondere von E.____ gewesen sei. Er 

habe ihn als Mentor betrachtet und sei ein sehr enger Freund gewesen. Die (ehemals) enge 

Freundschaft des Beschuldigten zu E.____ sei aktenkundig und ein klassischer Anwendungsfall 

von Art. 305 Abs. 2 StGB. Es frage sich, wann diese Bestimmung jemals angewandt werden 

würde, wenn nicht hier. Wäre der Gesetzgeber von einer Privilegierung nur in Fällen von Ver-

wandtschaft ausgegangen, hätte er dies mit dem entsprechenden Wortlaut im Gesetz stipuliert. 

Es sei unumstritten, dass auch Freundschaften darunter fielen. Zwischen dem Beschuldigten 

und E.____ habe eine Freundschaft plus bestanden. Auch der Familie des Beschuldigten sei 

es immer ein Dorn im Auge gewesen, dass er eine derart enge Freundschaft zu E.____ gepflegt 

habe (vgl. S. 2-4 des Parteivortrages).  

 

1.4 Die Staatsanwaltschaft sodann wendet in ihrer Berufungsantwort vom 10. März 2020 

ein, es sei kein Grund ersichtlich, warum der Staat Loyalität und Zusammenhalt, wie sie der 

Beschuldigte geltend mache, schützen sollte, wenn sich diese im illegalen Bereich bewegten. 

Andernfalls könnten sich auch Mitglieder von kriminellen Organisationen auf diese Bestimmung 

berufen, was kaum im Sinne des Gesetzgebers gewesen sein könne. Eine besondere Nähe des 

Beschuldigten zum Begünstigten i.S.v. Art. 305 Abs. 2 StGB sei daher zu verneinen. 

 

Anlässlich der Berufungsverhandlung weist die Staatsanwaltschaft in ihrem Parteivortrag zu-

sätzlich darauf hin, dass auch die Zugehörigkeit zu einer nicht per se kriminellen Organisation 

wie einer Biker-Gruppe keinen Rechtfertigungsgrund darstelle. So offensichtlich, wie geltend 

gemacht, werde die Abhängigkeit zwischen dem Beschuldigten und dem Begünstigten nicht 

gesehen. Es zeige sich auch, dass diese Freundschaft heute nicht mehr bestehe. Doch selbst 

bei einer Bejahung der Anwendung von Art. 305 Abs. 2 StGB falle dies beim Verschulden des 

Beschuldigten wesentlich weniger ins Gewicht als geltend gemacht (vgl. Protokoll Hauptver-

handlung Kantonsgericht, S. 12).  

 

1.5.1 Hinsichtlich des Tatbestands der Begünstigung gemäss Art. 305 Abs. 1 StGB und der 

Erfüllung dieses Tatbestands im vorliegenden Fall kann zunächst vollumfänglich auf die zutref-

fenden und unbestrittenen tatsächlichen wie auch rechtlichen Erwägungen der Vorinstanz auf 

S. 6 f. des angefochtenen Urteils verwiesen werden.  

 

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1.5.2.1 Wie vor Strafgericht, so macht der Beschuldigte auch vor Kantonsgericht einen Anwen-

dungsfall von Art. 305 Abs. 2 StGB geltend. Diesfalls kann das Gericht von einer Bestrafung 

Umgang nehmen, wenn der Täter in so nahen Beziehungen zum Begünstigten steht, dass sein 

Verhalten entschuldbar ist.  

 

Gelangt diese Bestimmung zur Anwendung, ist die Strafbefreiung eine fakultative; auch eine 

Strafmilderung ist zulässig (vgl. STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 305 N 17; VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, Basler Kom-

mentar Strafrecht II, 4. Aufl., Art. 305 N 31, beide unter Hinweis auf BGE 74 IV 164, 168). Ein 

Freispruch ist demgegenüber nicht möglich (vgl. STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, a.a.O.).  

 

1.5.2.2 Art. 305 Abs. 2 StGB privilegiert besonders "nahe Beziehungen" zum Begünstigen. 

Dieser Begriff ist zwar nicht auf Angehörige i.S.v. Art. 110 Abs. 1 StGB beschränkt; denn es 

können selbst solche Angehörige wegfallen, wenn z.B. zu ihnen eine feindselige Haltung be-

steht (vgl. VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, a.a.O.). Auch weitere verwandtschaftliche wie auch 

freundschaftliche Beziehungen und Abhängigkeitsverhältnisse können darunter fallen. Dennoch 

werden in der Praxis hohe Anforderungen gestellt (vgl. VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, a.a.O.; 

WOLFGANG WOHLERS, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl., Art. 305 

N 9, m.w.H.). Es kommt mithin nicht auf die rechtliche Qualifikation der Beziehung an (vgl. 

STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, a.a.O., unter Hinweis auf SJZ 57 [1961] Nr. 131); entscheidend 

ist vielmehr, ob die Tat menschlich verständlich, sogar moralisch gerechtfertigt erscheint (vgl. 

STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, a.a.O., unter Hinweis auf SJZ 58 [1962] Nr. 32; VERA 

DELNON/BERNHARD RÜDY, a.a.O., unter Hinweis auf BGer 6B_660/2016 vom 23. November 

2016; GÜNTER STRATENWERTH/FELIX BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 

7. Aufl., § 57 N 20; BGE 106 IV 193). Letztlich trifft das Gericht über die Einstufung des entspre-

chenden Verhaltens einen Ermessensentscheid (vgl. BGer 6B_660/2016 vom 23. November 

2016, E. 3.1). 

 

Ein Blick in die gerichtliche Praxis zeigt, dass eine Privilegierung nur in den wenigsten Fällen 

bejaht wurde, so u.a. bei einer Zahnarztgehilfin gegenüber ihrem Lehrmeister, bei dem sie auch 

wohnte (vgl. STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, a.a.O., unter Hinweis auf RS 1944 Nr. 44). Dem-

gegenüber fehlte es an einer menschlich verständlichen bzw. moralisch gerechtfertigten Tat, 

wenn nur gemeinsamer Schulbesuch und gemeinsame Delinquenz vorlagen und der Begüns-

tigte überdies egoistische Ziele verfolgte (vgl. STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, a.a.O., unter Hin-

weis auf PKG 1974 Nr. 36). Im Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt (Ausschuss) vom 

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19. November 1975 in Sachen Z. (BJM 1976, S. 170 f.) wurde selbst bei einem Vater/Sohn-

Verhältnis, welches eine zweifellos nahe Beziehung darstellt, die Privilegierung verneint, da im 

konkreten Fall die zusätzliche Voraussetzung der Entschuldbarkeit des Verhaltens des Täters 

aufgrund dieser engen Beziehung nicht vorlag. Das Appellationsgericht Basel-Stadt (Aus-

schuss) hielt in einem weiteren Urteil vom 24. November 1999 in Sachen W. (BJM 2002, S. 23, 

26) ebenfalls fest, dass für die Strafbefreiung nicht jede persönliche Beziehung zwischen Täter 

und Begünstigtem genüge. Eine solche werde im Falle einer Begünstigung regelmässig vorlie-

gen, da kaum jemand einen ihm völlig unbekannten Menschen der Strafverfolgung entziehe 

(vgl. BJM, a.a.O., S. 23, 27). Auch das Bundesgericht schützte in BGer 6B_660/2016 vom 

23. November 2016 eine Verneinung der Privilegierung gemäss Art. 305 Abs. 2 StGB durch die 

Vorinstanz bei einer Mutter/Sohn-Beziehung, da das Verhalten der Täterin im konkreten Fall 

nicht mehr menschlich verständlich oder moralisch gerechtfertigt erschien (vgl. BGer a.a.O., 

E. 3.1).  

 

1.5.2.3 Das Kantonsgericht folgt den Erwägungen der Vorinstanz, wonach allein die Freund-

schaft zwischen dem Beschuldigten und E.____ sowie deren gemeinsame Zugehörigkeit zu 

einer Biker-Gruppierung, in welcher Loyalität durchaus grossgeschrieben sein mag, nicht genü-

gen, um ein Näheverhältnis gemäss Art. 305 Abs. 2 StGB zu begründen, zumal zwischen Täter 

und Begünstigtem ohnehin regelmässig ein gewisses Grundverhältnis besteht. Ebenso wenig 

ist der vorinstanzliche Ermessenentscheid, wonach das konkrete Verhalten des Beschuldigten, 

nämlich der Schutz von E.____ vor weiteren Sanktionen, nicht als moralisch gerechtfertigt er-

scheint (vgl. S. 8 des angefochtenen Urteils), zu beanstanden. Ergänzend ist darauf hinzuwei-

sen, dass der Beschuldigte selbst vor Kantonsgericht E.____ nicht als seinen (damals) besten 

Freund, sondern bloss einen seiner "besten Kollegen" bezeichnet hat (vgl. Prot. Hauptverhand-

lung Kantonsgericht, S. 3). Eine über dieses Grundverhältnis hinausgehende qualifizierte Nähe 

in der Art eines "Familienersatzes" ist jedoch nicht ersichtlich. Daran vermag auch der vom Be-

schuldigten erwähnte Umstand, dass er und E.____ sich täglich sahen und selbst während de-

ren Inhaftierung in brieflichem oder persönlichem Kontakt standen, nichts zu ändern. Was so-

dann ein allfällig moralisch nachvollziehbares Handeln des Beschuldigten betrifft, so geht weder 

aus den Akten hervor noch wird seitens des Beschuldigten geltend gemacht, dass dieser im 

Rahmen der Freundschaft oder der gemeinsamen Zugehörigkeit zur Biker-Gruppierung E.____ 

gegenüber in irgendeiner Form abhängig, hörig oder hierarchisch unterstellt gewesen wäre und 

sich darum moralisch verpflichtet gesehen habe, E.____ vor einer Strafverfolgung zu schützen. 

So trifft gerade nicht zu, dass E.____ den Beschuldigten in die Biker-Gruppierung hineinge-

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bracht haben soll; laut Depositionen des Beschuldigten vor Kantonsgericht war es genau um-

gekehrt und abgesehen davon bestand auch innerhalb dieser Gruppierung keinerlei Hierarchie 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 5). Zudem ist auf die Gerichtspraxis (vgl. 

Erw. 1.5.2.2) zu verweisen, wonach bei einer gemeinsamen Delinquenz, wie sie vorliegend un-

bestrittenermassen vorliegt, eine menschlich verständliche bzw. moralisch gerechtfertigte Tat 

ohnehin zu verneinen ist. Die Staatsanwaltschaft wendet in diesem Zusammenhang richtig ein, 

dass es nicht Aufgabe des Staates sein kann, den Zusammenhalt in einer Biker-Gruppierung 

zu schützen, wenn diese oder einzelne Mitglieder von ihnen kriminell werden. Nicht zuletzt zeigt 

sich die fehlende Abhängigkeit des Beschuldigten gegenüber E.____ in dessen strafbarem Ver-

halten gemäss Ziffer 5 der Anklageschrift (versuchte schwere Körperverletzung): Wie nachfol-

gend zu zeigen sein wird, wurde die gesamte Situation allein durch den Beschuldigten be-

herrscht, ohne dass E.____ einen Einfluss darauf gehabt hätte (vgl. nachfolgend, Erw. 2.4.4). 

Der vorliegende Fall ist somit nicht vergleichbar mit den seltenen Konstellationen, in welchen 

Art. 305 Abs. 2 StGB bisher zur Anwendung kam, weshalb sich eine entsprechende Privilegie-

rung verbietet. 

 

1.5.3 Zusammenfassend liegt in casu kein Anwendungsfall von Art. 305 Abs. 2 StGB vor. 

Die Vorinstanz hat einen solchen somit zu Recht verneint. Die Berufung des Beschuldigten er-

weist sich daher in diesem Punkt als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 

 

2. Strafzumessung 

2.1 Das Strafgericht sprach den Beschuldigten der versuchten schweren Körperverlet-

zung, der mehrfachen Begünstigung, der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von Kontroll-

schildern sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig 

und verurteilte ihn zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 27 Monaten, davon 6 

Monate unbedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen 

Untersuchungshaft vom 3. Juni 2018 bis zum 16. Juni 2018 von insgesamt 14 Tagen, sowie zu 

einer Busse von CHF 200.00, wobei für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung der Busse eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen angedroht wurde (vgl. Dispositiv-Ziffer 1). Die Vorinstanz 

stellte eine mehrfache Delinquenz i.S.v. Art. 49 Abs. 1 StGB fest und setzte eine Gesamtstrafe 

fest. Als schwerste Tat wertete sie die versuchte schwere Körperverletzung, welche einen abs-

trakten Strafrahmen zwischen 6 Monaten und 10 Jahren Freiheitsstrafe aufweise. Bei der ob-

jektiven Tatschwere berücksichtigte das Strafgericht die bloss versuchte Tatbegehung leicht zu 

Gunsten des Beschuldigten: Da es vorliegend nur reines Glück gewesen sei, dass der Taterfolg 

der schweren Körperverletzung ausgeblieben sei, könne sich der Versuch als ein fakultativer 

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Strafmilderungsgrund nicht massgeblich auf die Strafe auswirken. Bezüglich Art und Weise des 

Vorgehens des Beschuldigten sei zu berücksichtigen, dass sich dieser ohne Vorwarnung eines 

Klappmessers mit 8 cm langer Klinge bedient habe, was als rücksichtslos und folglich als ver-

werflich angesehen werde. Bei der subjektiven Tatschwere gehe zu Lasten des Beschuldigten, 

dass er die Tat ohne wirklichen Grund begangen habe und es scheine, als ob er am Abend der 

Tat einfach auf der Suche nach einer Konfrontation gewesen sei, um seine schlechte Laune 

auszulassen. Auch dass er die Tat an dem ihm bis zur Begegnung unbekannten Opfer began-

gen habe, wirke sich zu Lasten des Beschuldigten aus. Nur leicht zu seinen Gunsten werde 

seine zum Tatzeitpunkt bestehende Blutalkoholkonzentration von 1,54 Promille, womit gerichts-

notorisch eine gewisse Enthemmung verbunden sei, berücksichtigt. Die Gesamteinschätzung 

des Tatverschuldens erachtete das Strafgericht als nicht mehr leicht. Es setzte die Einsatzstrafe 

für die versuchte schwere Körperverletzung auf 20 Monate fest (vgl. S. 18 f. des angefochtenen 

Urteils). Des Weiteren erhöhte die Vorinstanz diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen 

Straftaten zu einer (hypothetischen) Gesamtstrafe. Während sie die mehrfache Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz separat berücksichtigte, da hierfür nur eine Sanktion mittels 

Busse in Frage komme, wertete sie bezüglich der mehrfachen Begünstigung und der mehrfa-

chen widerrechtlichen Aneignung von Kontrollschildern leicht zu Gunsten des Beschuldigten, 

dass er sich hinsichtlich des Vorwurfs der ungerechtfertigten Aneignung von Kontrollschildern 

bereits zu Beginn der Untersuchung geständig gezeigt habe und er auch die mehrfache Be-

günstigung - wenngleich erst nach rund einem Jahr - noch im Vorverfahren eingeräumt habe. 

Die übrigen Tatkomponenten beider Delikte wertete das Strafgericht als neutral. Es erhöhte die 

Einsatzstrafe um 4 Monate, woraus eine hypothetische Gesamtstrafe von 24 Monaten gebildet 

wurde (vgl. S. 19 des angefochtenen Urteils). Schliesslich berücksichtigte die Vorinstanz hin-

sichtlich der Täterkomponenten dessen Vorleben als neutral. Leicht zu seinen Lasten wirke sich 

hingegen die Vorstrafe wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz vom 20. Juni 1997 über 

Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz, WG; SR 514.54) vom 26. Juni 2015 aus. 

In nicht unerheblichem Masse zu Lasten des Beschuldigten wurde sodann berücksichtigt, dass 

dieser während dem laufenden Verfahren mehrfach weiter delinquiert habe. So sei der Beschul-

digte am 27. Dezember 2017 von der Polizei als beschuldigte Person einvernommen und es sei 

ihm dabei erläutert worden, dass gegen ihn ein Vorverfahren wegen mehrerer Delikte gegen 

das Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) eingeleitet worden sei. 

Trotzdem habe sich der Beschuldigte nur wenige Zeit später am 27. Januar 2018 erneut wider-

rechtlich Kontrollschilder angeeignet. Auch die Auseinandersetzung vom 3. Juni 2018 habe in 

unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Einvernahme vom 30. Mai 2018 stattgefunden. Die Täterkom-

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ponenten fielen somit straferhöhend ins Gewicht, weshalb eine Anhebung der Strafe um 3 Mo-

nate auf insgesamt 27 Monate angezeigt sei (vgl. S. 19 f. des angefochtenen Urteils). Sodann 

erachtete die Vorinstanz für die mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

angesichts der finanziellen Situation des Beschuldigten eine Busse von CHF 200.00 als ange-

messen (vgl. S. 20 des angefochtenen Urteils). In Anwendung von Art. 51 StGB rechnete die 

Vorinstanz die vom 3. bis zum 16. Juni 2018 in Untersuchungshaft verbrachte Zeit von insge-

samt 14 Tagen an diese Strafe an (vgl. S. 20 des angefochtenen Urteils). Bei der Prüfung eines 

allenfalls bedingten bzw. teilbedingten Vollzugs der Freiheitsstrafe hielt das Strafgericht fest, 

dass die im vorliegenden Fall als angemessen erachtete Freiheitsstrafe von 27 Monaten auf-

grund Art. 42 Abs. 1 StGB e contrario nicht mehr bedingt ausgesprochen werden könne. Ein 

unbedingt ausgesprochener Teil der Freiheitsstrafe von 6 Monaten erscheine dem Verschulden 

des Beschuldigten angemessen. Der Beschuldigte weise eine Vorstrafe wegen Widerhandlung 

gegen das Waffengesetz auf. Diese Vorstrafe, obwohl nicht einschlägig, weise zumindest einen 

objektiven Berührungspunkt zur vorliegenden schweren Körperverletzung auf. Der Beschuldigte 

habe ausserdem anlässlich der Hauptverhandlung ausgesagt, dass sich sein soziales Umfeld 

eigentlich nicht geändert habe, wobei dieses Umfeld auch eine Gefahr für eine Rückfälligkeit 

des Beschuldigten berge, zumal E.____ einen schlechten Einfluss auf den Beschuldigten zu 

haben scheine. Aus diesen Gründen sei eine Probezeit von 3 Jahren angezeigt (vgl. S. 20 des 

angefochtenen Urteils).  

 

2.2 Der Beschuldigte vertritt demgegenüber in seiner Berufungsbegründung vom 25. Feb-

ruar 2020 die Auffassung, der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 5 sei zu seinen Gunsten zu 

berücksichtigen. So müsse die Art und Weise des Vorgehens des Beschuldigten entgegen der 

Vorinstanz relativiert werden. Denn es sei durch mehrere Personen ausgesagt worden, dass es 

beim ersten Zusammentreffen der beiden Gruppierungen vor dem J.____-Restaurant in D.____ 

zu gegenseitigen Provokationen gekommen sei. Der Privatkläger und der Beschuldigte hätten 

dort miteinander gestritten, so dass die Auskunftsperson K.____ habe dazwischen gehen müs-

sen. Auch die Auskunftsperson L.____ habe ausgesagt, dass sich der Beschuldigte und der 

Privatkläger vor dem J.____-Restaurant angeschrien hätten und dass es zu gegenseitigen Pro-

vokationen gekommen sei. Ferner hätte die Gegengruppierung den Beschuldigten auch "ange-

zündet". Es seien beidseitig Herausforderungen ausgesprochen worden, so die Auskunftsper-

son M.____. Ebenso sei es beim späteren Aufeinandertreffen beim N.____-Turm zu Provokati-

onen und Tätlichkeiten seitens der Gegengruppierung gekommen; zumindest habe der Be-

schuldigte dies so wahrgenommen. Einzig die Aussagen des Beschuldigten seien stringent, in-

dem er immer wieder klar ausgesagt habe, vom Privatkläger angestachelt bzw. angerempelt 

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worden zu sein. Es lasse sich nicht mehr zweifelsfrei eruieren, wer tatsächlich mit den Provo-

kationen begonnen habe und was gesagt worden sei. Es könne jedoch auch nicht zweifelsfrei 

ausgeschlossen werden, dass es die andere Gruppierung gewesen sei, welche den Beschul-

digten zuerst angegriffen (angerempelt) und beleidigt habe. Die Tat sei nicht, wie von der Vor-

instanz ausgeführt, ohne Grund geschehen. Zudem gebe der Beschuldigte an, vom Privatkläger 

eine Ohrfeige erhalten zu haben. Diese Vorgeschichte berücksichtige die Vorinstanz in keiner 

Weise zu Gunsten des Beschuldigten. Wäre der Beschuldigte tatsächlich lediglich auf „Stress“ 

aus gewesen, wie dies die Vorinstanz annehme, so hätte er bereits beim ersten Aufeinander-

treffen auf den Privatkläger losgehen können. Doch die Eskalationsstufe sei erst zu einem spä-

teren Zeitpunkt überschritten worden. Schliesslich seien mehrere Personen, auch der anderen 

Gruppierung, anwesend gewesen. Es sei daher fraglich, wieso der Beschuldigte gerade den 

Privatkläger „ausgesucht“ habe. Das gezielte Vorgehen in casu spreche dafür, dass zwischen 

dem Privatkläger und dem Beschuldigten zuvor etwas passiert sein müsse, sei dies nun in Form 

von (gegenseitigen) Provokationen, Beleidigungen oder Tätlichkeiten. Die Vorwürfe seien somit 

bei der subjektiven Tatschwere nicht zu Lasten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Schliess-

lich sei der Umstand, dass der Beschuldigte den Privatkläger nicht kannte, nicht als strafschär-

fend, sondern lediglich als neutral zu werten (vgl. S. 3-6 der Berufungsbegründung). Die Beur-

teilung der Tat an sich sei zudem als neutral zu werten. So weiche das Vorgehen des Beschul-

digten nicht von dem für die Tatbestandsverwirklichung „Notwendigen“ ab. Im Vergleich mit an-

deren denkbaren Varianten sei die Tat des Beschuldigten vom äusseren Ablauf her eher als 

neutral zu beurteilen. Denn der Beschuldigte hätte auch fester oder mehrmals zustechen kön-

nen. Insofern könne auch nicht von einer rücksichtslosen und besonders verwerflichen Tat aus-

gegangen werden (vgl. S. 6 der Berufungsbegründung). Des Weiteren sei die Blutalkoholkon-

zentration von 1,54 Promille entgegen der Vorinstanz deutlich zu Gunsten des Beschuldigten 

zu bewerten. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte zusätzlich positiv 

auf Cannabis und Kokain getestet worden sei. Der Konsum von Drogen und der doch sehr hohe 

Alkoholpegel könnten eine Erklärung dafür sein, dass der Beschuldigte auf die Provokationen 

etc. der Gegenseite stärker reagiert habe, als dies sonst der Fall gewesen wäre. Auch die Aus-

sagen der Auskunftspersonen und des Privatklägers deuteten auf einen starken Alkohol- bzw. 

Drogeneinfluss des Beschuldigten hin. Wenn dies sämtlichen involvierten Personen unabhängig 

voneinander derart krass auffalle, habe dieser Konsum unweigerlich einen grossen Einfluss auf 

die Sinneswahrnehmung und Schuldfähigkeit des Beschuldigten (vgl. S. 6 f. der Berufungsbe-

gründung). Sodann erwähne die Vorinstanz mit keinem Wort, dass der Beschuldigte von der 

ersten Minute an vollumfänglich geständig gewesen sei und zugegeben habe, auf den Privat-

kläger eingestochen zu haben. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Zum Zeitpunkt 

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der Hafteinvernahme habe kein notwendiger Anlass bestanden, die Tat zu gestehen, womit das 

Geständnis ohne Not erfolgt sei. Ferner habe der Beschuldigte auch freiwillig sehr ausführlich 

den Vorgang erläutert. Das Nachtatverhalten und insbesondere auch das Verhalten während 

den gesamten Untersuchungen müsse klarerweise zu Gunsten des Beschuldigten gewertet 

werden. Die Einsatzstrafe sie daher auf maximal 18 Monate festzusetzen. Betreffend die mehr-

fache Begünstigung müsse von einer Bestrafung Umgang genommen werden. Im Raum stehe 

noch die widerrechtliche Aneignung von Kontrollschildern, welche der Beschuldigte von Anfang 

an vollumfänglich zugestanden habe. Leicht zu Ungunsten wirke sich demgegenüber seine De-

linquenz während des laufenden Strafverfahrens aus, weshalb die Einsatzstrafe um 2 Monate 

auf insgesamt 20 Monate zu erhöhen sei (vgl. S. 7 f. der Berufungsbegründung). Schliesslich 

sei ein bedingter Vollzug vorliegend angezeigt. Der Beschuldigte sei in einem behüteten famili-

ären Umfeld auf dem Land aufgewachsen. Er habe stets einen grossen Freundeskreis gehabt 

und sei immer ein Familienmensch gewesen. Abgesehen von einer geringen Vorstrafe sei der 

Beschuldigte nie negativ strafrechtlich aufgefallen. Insofern bestünden keine einschlägigen Vor-

strafen. Problematisch im Verlauf des Lebens des Beschuldigten sei die (damals) neue Freund-

schaft mit E.____ gewesen. Dadurch habe sich der Beschuldigte auch zu Dummheiten wie 

SVG-Delikten hinreissen lassen und Drogen probiert. Der schlechte Einfluss von E.____ sei 

augenscheinlich und der ganzen Familie, insbesondere auch dem Bruder des Beschuldigten, 

bewusst gewesen. Die tiefe Freundschaft und Abhängigkeit, womöglich gar Drucksituation, 

habe unweigerlich zu den SVG-Delikten geführt. Selbst E.____ habe ausgesagt, dass der Be-

schuldigte ein anständiger Mensch sei. Spätestens die versuchte schwere Körperverletzung 

habe dem Beschuldigten jedoch die Augen geöffnet. Die Tatsache, dass er einen Menschen 

verletzt habe und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden sei, habe ihn geschockt. Die Auswir-

kungen seines Handelns seien ihm bewusst geworden. So habe er bereits anlässlich der Ein-

vernahme dem Privatkläger die Zivilforderung zugestanden. Er habe sich von E.____ und dem 

ehemaligen Umfeld definitiv abgewandt und sei aus der Biker-Gruppierung ausgetreten. Auch 

gehe er derzeit kaum mehr in den Ausgang. Sein älterer Bruder und seine Mutter begleiteten 

den Beschuldigten nun auf diesem Weg. Ein Zurück in die Vergangenheit komme für den Be-

schuldigten auf keinen Fall in Frage. Insofern habe er entgegen der Vorinstanz sein soziales 

Umfeld sehr geändert. Der Beschuldigte habe eine Ausbildung als Logistiker und gehe einer 

geregelten, vollzeitigen und unbefristeten Arbeit nach. Er sei bei der Mutter ausgezogen und 

lebe mit neuen Freunden zusammen in einer Wohngemeinschaft. Es sei somit keinesfalls zu 

befürchten, dass er nochmals delinquiere. Hingegen würde eine unbedingte Haftstrafe das neue 

soziale und berufliche Umfeld des Beschuldigten zerstören. Ihm tue das Geschehene sehr leid 

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und er werde Wiedergutmachung leisten. Es sei ihm im Sinne einer zweiten (und letzten) 

Chance folglich der bedingte Vollzug zu gewähren (vgl. S. 8-10 der Berufungsbegründung). 

 

Im Rahmen seines Parteivortrages vor Kantonsgericht ergänzt der Verteidiger, der Beschuldigte 

werde für seine Fehler die Verantwortung übernehmen. Die Vorinstanz habe ihn jedoch zu hart 

bestraft und verbaue ihm so womöglich seine Zukunft. Die versuchte schwere Körperverletzung 

könne nicht alleine wegen des Einsatzes eines Klappmessers als verwerflich und rücksichtslos 

angesehen werden. Wie es zu dieser Tat gekommen sei, sei nicht eindeutig erstellt. Bis zu 

diesem Zeitpunkt sei der Beschuldigte noch nie gewaltsam aufgefallen. Er werde von sämtlichen 

Personen als friedlich bezeichnet. Es sei daher nicht logisch, dass er grundlos zugestochen 

haben solle. Auch der Umstand der geistigen Beeinträchtigung zur Tatzeit sei stärker zu Guns-

ten des Beschuldigten zu werten. Sodann seien die volle Kooperationsbereitschaft und die voll-

umfängliche Geständigkeit des Beschuldigten bei der Strafzumessung durch die Vorinstanz gar 

nicht berücksichtigt worden. Heute konsumiere er weniger Alkohol und Drogen. Es sei in keiner 

Weise nötig, den Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten und es sei noch weniger 

nötig, an ihm ein Exempel zu statuieren. Augenscheinlich sei der Beschuldigte an die falschen 

Leute geraten. Die heutige Hauptverhandlung habe ihn beeindruckt. Er habe nochmals eine 

Chance verdient, wobei eine lange Probezeit möglich sei. Dass der Beschuldigte die anerkannte 

Genugtuungsforderung noch nicht bezahlt habe, sei legitim, da er zuerst den Abschluss des 

Verfahrens abwarten wolle. Als Fazit sei dem Beschuldigten somit eine gute Prognose zu stellen 

(vgl. S. 4-10 des Parteivortrages). 

 

2.3 Die Staatsanwaltschaft führt demgegenüber in ihrer Berufungsantwort vom 10. März 

2020 aus, die angebliche Provokation von Seiten der Gruppe um den Privatkläger werde durch 

die Verteidigung zu Unrecht hochstilisiert. Selbst wenn es dazu gekommen sein sollte bzw. der 

Beschuldigte dies so empfunden habe, stelle dies weder einen Rechtfertigungsgrund für den 

Messereinsatz noch einen Grund dar, die Strafe zu reduzieren. Es sei nur dem Glück und der 

korpulenten Konstitution des Privatklägers zu verdanken, dass keine lebensgefährlichen Folgen 

eingetreten seien. Selbst als Reaktion auf eine Beleidigung sei die versuchte schwere Körper-

verletzung als derart unverhältnismässig zu werten, dass sie nach wie vor als grundlos anzuse-

hen sei (vgl. S. 2 der Berufungsantwort). 

 

In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht ergänzt die Staatsanwaltschaft, es sei üblich, dass 

man sich mit zunehmendem Zeitablauf seit der Tat distanziere und diese bagatellisiere. Der 

Beschuldigte habe vor Kantonsgericht eine neue Version der Vorgeschichte zum Messereinsatz 

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gebracht. Es sei nicht ganz nachvollziehbar, dass der Beschuldigte Angst gehabt haben solle 

bei einer Begleitung durch E.____. Eines Messers hätte es jedenfalls nicht bedurft. Der ange-

gebene Zusammenhang zwischen "fehlendem Anstand" seitens der Gegengruppierung und 

dem Messereinsatz sei erstaunlich; dies könne nicht zu Gunsten des Beschuldigten berücksich-

tigt werden. Angeblich schwere Provokationen seien aber ohnehin nicht erstellt, insbesondere 

nicht mit Blick auf die Aussagen selbst der Kollegen des Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft 

komme zu keinem anderen erstellten Sachverhalt als das Strafgericht. Die ausgefällte Strafe 

sei nicht übermässig hoch und der unbedingte Teil von 6 Monaten bedeute nicht, dass der Be-

schuldigte aus seinem Leben herausgerissen werde, da er insbesondere weiterarbeiten könne 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 12 f.).  

 

2.4.1 In Anwendung von Art. 408 StPO fällt das Kantonsgericht ein neues Urteil, welches 

das erstinstanzliche Urteil ersetzt. Für die Strafzumessung hat dies zur Folge, dass sich die 

Berufungsinstanz nicht auf eine blosse Ermessensüberprüfung beschränkt, sondern auch die 

Strafe nach eigenem Ermessen festsetzt.  

 

2.4.2 Hinsichtlich des Grundsatzes der Strafzumessung gemäss Art. 47 StGB, der Bewer-

tung des Verschuldens gemäss Art. 50 StGB sowie der Bildung einer Gesamt- bzw. einer ku-

mulativen Strafe gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB kann zunächst auf die allgemeinen dogmatischen 

Ausführungen der Vorinstanz auf S. 17 f. des angefochtenen Urteils verwiesen werden.  

 

2.4.3 Auch betreffend den Strafrahmen im konkreten Fall gilt das auf S. 18 des angefochte-

nen Urteils Ausgeführte: Da mehrere Straftatbestände zu beurteilen sind, bildet die vorliegend 

mit der höchsten abstrakten Strafe angedrohte Straftat der versuchten schweren Körperverlet-

zung gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, welche einen Strafrahmen von zwischen 6 

Monaten und 10 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen vorsieht, 

Ausgangspunkt. Hinzu kommen als weitere Delikte die mehrfache Begünstigung, die mehrfache 

widerrechtliche Aneignung von Kontrollschildern sowie die mehrfache Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz. Die mehrfache Begünstigung gemäss Art. 305 Abs. 1 StGB sowie 

die mehrfache widerrechtliche Aneignung von Kontrollschildern gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. g SVG 

sehen als Sanktion Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren, die mehrfache Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Konsum) gemäss Art. 19a Ziff. 1 Betäubungsmittelge-

setz lediglich Busse vor. Wie das Strafgericht (vgl. S. 18 des angefochtenen Urteils) richtig aus-

führt, erfolgt eine Strafschärfung aufgrund von Deliktsmehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB nur, 

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wenn vorliegend gleichartige Strafen, d.h. mehrere Freiheitsstrafen oder mehrere Geldstrafen, 

auszusprechen sind.  

 

2.4.4 Hinsichtlich der schwersten Tat der versuchten schweren Körperverletzung kann zu-

nächst auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz auf S. 9-12 des angefochtenen Urteils 

zum angeklagten Sachverhalt verwiesen werden.  

 

2.4.4.1 Da im vorliegenden Fall für die objektiven und subjektiven Tatkomponenten nur wenige 

objektiven Beweise vorliegen, sind insbesondere die Aussagen der beteiligten Personen zu be-

leuchten, wie dies bereits die Vorinstanz getan hat.  

 

Da diese Aussagen in den wesentlichen Punkten nicht übereinstimmen, sind sie im Rahmen 

der Beweiswürdigung auf Glaubhaftigkeitsmerkmale bzw. Lügensignale hin zu analysieren. 

Aussagen sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen Realkennzeichen zu beurteilen, wobei 

zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussagedetails, Individualität, Verflechtung), strukturellen 

Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchsfreiheit bzw. Homogenität) sowie 

Wiederholungsmerkmalen (Konstanz, Erweiterung) unterschieden wird. Das Vorliegen von Re-

alitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit hoher Wahrscheinlichkeit über erleb-

nisfundierte Geschehnisse berichtet. Zwar besitzt jedes Realitätskriterium für sich allein betrach-

tet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau aller Indikatoren kann jedoch einen we-

sentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage haben, wobei sie in der Regel in 

solchen mit realem Erlebnishintergrund signifikanter und ausgeprägter vorkommen als in sol-

chen ohne (MARTIN HUSSELS, Von Wahrheiten und Lügen – Eine Darstellung der Glaubhaftig-

keitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; ANDREAS 

DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 162 N 15). 

 

Was zunächst die Aussagen des Beschuldigten selbst betrifft, so werden seine Depositionen in 

der Voruntersuchung wie auch vor Strafgericht im Wesentlichen auf S. 9 ff. des angefochtenen 

Urteils wiedergegeben; es ist insofern darauf zu verweisen. Hervorzuheben ist, dass der Be-

schuldigte in der Voruntersuchung, so in einer Einvernahme vom 3. Juni 2018, unter anderem 

ausgesagt hat, er sei von K.____ geschubst worden und habe ihm daraufhin in sein rechtes 

Schienbein gekickt. Nach einem Anrempeln und Beleidigen seitens des Privatklägers habe der 

Beschuldigte sein Messer gezückt und die Klinge geöffnet. Der Beschuldigte habe zudem eine 

Stichbewegung in Richtung des Privatklägers getätigt, woraufhin dieser sogar auf ihn zugekom-

men sei. Auch habe er dem Privatkläger nach dem Messerstich noch eine Ohrfeige verpasst 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 21  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

(vgl. act. 739 f.). Anlässlich der Hafteröffnungseinvernahme vom 4. Juni 2018 gab der Beschul-

digte an, er habe aus Sicherheitsgründen immer ein Messer dabei bzw. er habe dieses zum 

Geburtstag erhalten (act. 33, 39). Auch habe er noch fünf Tage vor dem Vorfall Kokain konsu-

miert (act. 35) und die Begleitpersonen des Privatklägers seien "anständig" zu ihm gewesen 

(act. 37). Vor dem Zwangsmassnahmengericht sagte der Beschuldigte am 6. Juni 2018 dem-

gegenüber aus, er habe das Messer zur Arbeit dabeigehabt (act. 69). Anlässlich der Einver-

nahme vom 12. Juli 2018 gab der Beschuldigte des Weiteren zur Deposition, die beiden Kolle-

gen des Privatklägers hätten ihn nicht angefasst, sondern nur beleidigt. Es treffe nicht zu, dass 

er nach dem Messerstich gegenüber dem Privatkläger auch noch K.____ nachgerannt sei (act. 

211). Er sei zum Tatzeitpunkt gereizt gewesen wegen eines Telefonats mit seiner Exfreundin 

(act. 215). Es stimme aber nicht, dass er das Messer vor dem Stich gezeigt habe (act. 217). 

Sodann gab der Beschuldigte vor dem Strafgericht neu zur Deposition, das Messer in der Ar-

beitshose getragen zu haben. Auch habe er den Privatkläger vor dem Messerstich geschlagen. 

Des Weiteren führte der Beschuldigte wiederum abweichend aus, er habe das Messer vor dem 

Einsatz aufgeklappt, so dass es alle gesehen hätten (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, 

S. 4). Nunmehr wartet der Beschuldigte vor Kantonsgericht mit einer weiteren Version auf, wo-

nach er den Privatkläger sowohl vor dem Messerstich eine Ohrfeige als auch nach dem Mess-

erstich einen Faustschlag verpasst habe. Auch habe er am fraglichen Abend selbst nicht nur 

Alkohol konsumiert, sondern zusätzlich einen Joint und Kokain. Zugestochen habe er – wiede-

rum abweichend – aus Angst und zum Selbstschutz. Schon vor dem J.____-Restaurant sei es 

zu einem Wortgefecht mit der anderen Gruppierung gekommen; die Gegenseite habe keinen 

"Respekt" gezeigt. Beim N.____-Turm sei man ein zweites Mal aufeinandergestossen. Nach 

der Ohrfeige des Privatklägers habe der Beschuldigte eine solche zurückgegeben; danach 

seien alle drei Personen der Gegengruppe auf ihn zugekommen, hätten ihn geschubst, beleidigt 

und provoziert. Er habe keinen Ausweg gesehen. Weil er "keine Lust" auf das Ganze gehabt 

habe und um wegzukommen, habe er zugestochen. Er habe "es" beenden wollen, aber es sei 

"dumm gelaufen". Er habe nicht vorausgedacht. Die Aussagen der Gegengruppe, wonach er 

nach dem Einstechen auf den Privatkläger auch noch auf K.____ losgegangen sei, stimme 

nicht, obwohl der Beschuldigte auch mit ihm eine Auseinandersetzung gehabt habe. Ebenso 

wenig treffe die Aussage von K.____ zu, dass er "richtig rumgeschrien" habe. Nicht einmal die 

Aussagen seines eigenen Kollegen L.____ seien zutreffend. Er habe E.____ vor dem Messer-

einsatz angerufen, aber nicht, um Ärger zu machen, sondern nur, um ihn zu informieren. Die 

Aussagen von K.____ und E.____, wonach er selbst auf den Boden geworfen und zurückge-

halten worden sei, seien nicht wahr. Das Messer habe er "einfach aus Sicherheitsgründen" da-

beigehabt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 5-11). 

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Seite 22  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Demgegenüber ist laut den Aussagen des Privatklägers (act. 855-868) und dessen Gruppierung 

(M.____, act. 829-854, O.____, act. 735, 805-828, K.____, act. 751-776) der Beschuldigte als 

alleiniger Aggressor aufgetreten. So führte K.____ anlässlich der Einvernahme als Auskunfts-

person vom 4. Juni 2018 unter anderem aus, der Beschuldigte habe den Privatkläger angerem-

pelt und "richtig rumgeschrien". Auch habe der Beschuldigte "einfach zu viel Drogen konsumiert" 

und "einfach jemanden zum Schlagen" gesucht. Nach dem Messerangriff gegenüber dem Pri-

vatkläger sei der Beschuldigte auch ihm nachgerannt (vgl. act. 753 ff.).  

 

Selbst gemäss den Aussagen der Mitglieder der Gruppierung um den Beschuldigten, nämlich 

laut E.____ und L.____, ging die Initiative vom Beschuldigten aus (vgl. act. 781, 791). So schil-

derte L.____ anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperson vom 5. Juni 2018 (act. 777-

804) insbesondere, dass es der Beschuldigte gewesen sei, welcher aktiv auf die andere Grup-

pierung losgegangen sei. L.____ und E.____ hätten versucht, ihn zurückzuhalten (act. 781). 

Auch sei der Beschuldigte "mit Absicht" an den Privatkläger gestossen, er sei wohl "auf Kon-

frontation aus" gewesen und danach sei es zu den verbalen Provokationen gekommen (vgl. act. 

787). Der Beschuldigte habe regelrecht "Ärger suchen" wollen mit der Gegengruppe (act. 789), 

währenddem diese nicht tätlich geworden sei (act. 791). Der ebenfalls als Auskunftsperson be-

fragte E.____ bestätigte in seiner Einvernahme vom 12. Juni 2018 (act. 869-882) unter anderem 

die Angabe von K.____, dass der Beschuldigte auf jemanden habe "losgehen" wollen (act. 873).  

 

Das Kantonsgericht stellt mit dem Strafgericht (vgl. S. 11 des angefochtenen Urteils) fest, dass 

sich die Aussagen des Beschuldigten im Laufe des Verfahrens immer wieder geändert haben, 

wobei sich die verschiedenen Versionen untereinander widersprechen, so betreffend die an-

gebliche "Vorwarnung" mit dem Messer, das Verhalten der übrigen Gruppenmitglieder, den 

Grund für das Mitführen und den Einsatz des Messers, die Anzahl und den Zeitpunkt der 

Schläge gegenüber dem Privatkläger, die Art und den Zeitpunkt der eingenommenen Betäu-

bungsmittel sowie die Handlungen gegenüber K.____. Allein schon aus diesem Grund wirken 

die Depositionen des Beschuldigten wenig glaubhaft. Abgesehen davon sind seine Versionen 

zum Teil auch nicht nachvollziehbar. So ist beispielsweise nur schwer vorstellbar, dass der Pri-

vatkläger auf den Beschuldigten losgegangen und ihm quasi ins offene Messer gelaufen sein 

soll, nachdem er ihm das Messer mit einer Klingenlänge von 8 cm gezeigt habe. Die Aussagen 

des Beschuldigten entbehren damit in den wesentlichen Zügen der zur Annahme einer gewis-

sen Glaubhaftigkeit erforderlichen Realkennzeichen. Hinzu kommt, dass die Schilderungen des 

Beschuldigten in völligem Widerspruch zu den Aussagen aller übrigen sechs Beteiligten stehen, 

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Seite 23  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

welche demgegenüber untereinander im Wesentlichen übereinstimmende und konstante Ver-

sionen, entsprechend dem Sachverhalt gemäss Anklageschrift, vorgebracht haben. Wie die   

Vorinstanz (vgl. S. 12 des angefochtenen Urteils) sieht auch das Kantonsgericht bei keinem der 

Beteiligten ein Motiv für eine Falschaussage zum Kerngeschehen zu Lasten des Beschuldigten. 

In besonderem Masse gilt dies für die Aussagen der dem Beschuldigten nahestehenden Per-

sonen wie L.____ und E.____, welche ebenfalls entgegen den Depositionen des Beschuldigten, 

aber entsprechend denjenigen der Mitglieder der Gegengruppierung, ausgesagt haben. Insbe-

sondere die Aussagen von L.____ erachtet das Kantonsgericht als erhöht glaubhaft. So sind sie 

nicht nur innerlich und äusserlich widerspruchsfrei, sondern enthalten auch räumlich-zeitliche 

Verknüpfungen und stehen mit den übrigen, objektiven Tatsachen im Einklang. L.____ blieb bei 

seinen Aussagen absolut nüchtern, schilderte darin plausible Interaktionen und gab diverse In-

halte von Gesprächen wieder. Insbesondere dessen Schilderung eigener psychologischer Vor-

gänge, ohne dass er hierzu befragt worden wäre, und ein Beschrieb der Verfassung des Be-

schuldigten, ohne diesen übermässig zu belasten, sprechen für die Glaubhaftigkeit der Aussa-

gen von L.____. Dasselbe gilt hinsichtlich der Aussagen von K.____, sofern es hierbei nicht um 

eigene strafbare Handlungen ging. Wie das Strafgericht (vgl. S. 11 f. des angefochtenen Urteils) 

nimmt auch das Kantonsgericht lediglich in einem Punkt eine von den Depositionen des Privat-

klägers und damit vom Sachverhalt gemäss Anklageschrift leicht abweichende Version an: Der 

Privatkläger hat als einziger eine zweimalige Stichbewegung mit dem Messer seitens des Be-

schuldigten geschildert. Dies wird jedoch von keinem der übrigen fünf Beteiligten bestätigt. So-

mit wird zugunsten des Beschuldigten von einer bloss einmaligen Stichbewegung ausgegan-

gen. Zusätzlich hat das Beweisverfahren anlässlich der kantonsgerichtlichen Verhandlung er-

geben, dass der Beschuldigte dem Privatkläger vor dem Messerstich eine Ohrfeige und nach 

Messerstich einen Faustschlag verpasst hat (vgl. Erw. 2.4.4.1). 

 

Nachfolgend ist somit bei der Prüfung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten von dem 

oben dargestellten Sachverhalt auszugehen.  

 

2.4.4.2 Im Rahmen der objektiven Tatkomponenten sind das Ausmass der Verletzung und der 

Gefährdung des Rechtsgutes sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen 

(vgl. Art. 47 Abs. 2 StGB sowie HANS MATHYS, Leitfaden zur Strafzumessung, 2. Aufl., Rn. 89 

ff., 96 ff., m.w.H.). 

 

Was zunächst das Ausmass des verschuldeten Erfolgs betrifft, so befanden sich laut Bericht 

des Kantonsspitals Baselland vom 3. Juni 2018 5 cm der insgesamt 8 cm langen Klinge des 

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Messers des Beschuldigten im Bauch des Privatklägers (vgl. act. 673). Gemäss dem Gutachten 

des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) P.____ vom 9. Juli 2018 betreffend den Privatkläger (act. 

701 ff.) wurde bei diesem sowohl eine Quetschwunde an der linken Augenhöhle, wohl aufgrund 

eines Faustschlags, als auch eine Stichverletzung relativ zentral an der Bauchdecke im rechten 

oberen Quadranten als Zeichen einer scharfen Gewalteinwirkung festgestellt (act. 707 f.). Der 

Privatkläger habe sich zwar nicht in unmittelbarer Lebensgefahr befunden. Die Stichverletzung 

wird allerdings als potentiell lebensgefährlich eingestuft. Bei einer Person mit geringerer Bauch-

fettschicht oder bei einer rechtwinkligen Stichrichtung wäre die Bauchhöhle eröffnet und mit 

grosser Wahrscheinlichkeit der Darm perforiert worden. Auch die Leber befinde sich in nächster 

Nähe. Die Stichverletzung am Bauch des Privatklägers dürfte unter Zurückbleiben einer Narbe, 

ohne anderweitige Folgen, abheilen (vgl. act. 709). Es ist angesichts dessen mit dem Strafge-

richt (vgl. S. 15 des angefochtenen Urteils) festzustellen, dass eine schwerwiegendere Verlet-

zung oder gar der Tod des Privatklägers nur aus Zufall nicht eingetreten ist.  

 

Hinsichtlich des konkreten Tatvorgehens ist nach einer Gesamtwürdigung der vorliegenden Be-

weise und Indizien auf den Sachverhalt abzustellen, wie er in Erw. 2.4.4.1, insbesondere unter 

Zugrundelegung der Aussagen der beteiligten Personen, festgestellt worden ist. Auch wenn 

schwerwiegendere Vorgehensweisen durchaus denkbar wären – so hätte der Beschuldigte 

auch mehrmals oder mit grösserer Wucht zustechen können – ist dessen konkretes Vorgehen 

sicher nicht als neutral zu werten: Nachdem zu konstatieren ist, dass der Privatkläger – anders 

als sonst in Fällen von Messereinsätzen – vorliegend nicht in der Lage war, im Rahmen seiner 

Aussagen das Messer zu beschreiben, ist davon auszugehen, dass der fragliche Messereinsatz 

sehr schnell erfolgte. Das Kantonsgericht geht angesichts dessen davon aus, dass der Beschul-

digte ohne Vorwarnung, verdeckt und gezielt mit dem Messer einen tiefen und geraden Stich in 

den Oberbauch des Privatklägers verübte, was per se als hinterhältiges und rücksichtsloses 

Vorgehen zu werten ist. Damit handelte der Beschuldigte im konkreten Fall nicht mit der leich-

testen Vorgehensweise, die zur Erfüllung des Tatbestands nötig und denkbar wäre. Das kon-

krete Vorgehen ist mithin als verschuldenserhöhend einzustufen. Die Rüge des Beschuldigten, 

die Vorinstanz habe die Umstände der Tat vom äusseren Ablauf her neutral werten müssen, da 

eine schwerere Tatbegehung möglich wäre, kann somit nicht gehört werden. 

 

2.4.4.3 Die subjektiven Tatkomponenten umfassen insbesondere die Beweggründe und die 

sog. kriminelle Energie des Täters (vgl. Art. 47 Abs. 2 StGB sowie HANS MATHYS, a.a.O., Rn. 

144 ff., 148 ff., m.w.H.). Auch bezüglich dieser schliesst sich das Kantonsgericht den vorinstanz-

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Seite 25  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

lichen Erwägungen an, wonach der Beschuldigte ohne wirklichen Grund den ihm bis dahin un-

bekannten Privatkläger mit dem Messer attackiert hat, was zu dessen Lasten zu berücksichtigen 

ist. Ebenso ist der Feststellung zu folgen, dass sich dabei die vorhandene Blutalkoholkonzent-

ration zum Tatzeitpunkt von 1,54 Promille, welche gerichtsnotorisch zu einer gewissen Enthem-

mung führt, nur leicht zu Gunsten des Beschuldigten auswirkt (vgl. S. 18 f. des angefochtenen 

Urteils). 

 

In diesem Zusammenhang kann nach dem vorliegenden Beweisergebnis, insbesondere nach 

Würdigung der Aussagen der beteiligten Personen (vgl. Erw. 2.4.4.1), zunächst der Einwand 

des Beschuldigten, es habe eine gegenseitige Provokation vorbestanden und er habe aus Angst 

und Ausweglosigkeit gehandelt, kein Thema sein. Zumindest lässt sich diese Situation nicht in 

dem Ausmass und in der Dramatik, wie sie der Beschuldigte dargestellt hat, erstellen. Auch 

wenn die Anklageschrift und das strafgerichtliche Urteil offen lassen, wer letztlich wen heraus-

gefordert hat, ist nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte grundlos vorab durch die Ge-

genseite geschubst und beleidigt und damit "provoziert" worden wäre. Ebenso wenig ist von 

einer Angst des Beschuldigten auszugehen, ansonsten er wohl kaum nach dem Messerstich 

gegenüber dem Privatkläger diesen ein weiteres Mal geschlagen und zusätzlich noch K.____ 

hinterhergerannt wäre. Vielmehr ist das Kantonsgericht davon überzeugt, dass der Beschuldigte 

der einzige Aggressor in der fraglichen Situation war. Denn nach übereinstimmenden Aussagen 

aller beteiligten Personen war der Beschuldigte von Beginn weg in einem äusserst gereizten 

Zustand und regelrecht auf Konfrontation aus. Selbst die dem Beschuldigten nahestehenden 

Mitglieder seiner Gruppierung wie insbesondere E.____ beschreiben den Beschuldigten als 

zum Tatzeitpunkt wütend, aufgedrängt und "auf Ärger aus" (vgl. oben, Erw. 2.4.4.1). Dies zeigt 

sich unter anderem darin, dass er in der Art einer Vorbereitungshandlung nach dem ersten, aber 

vor dem zweiten Zusammenstoss mit der Gegengruppierung E.____ anrief und auch sonst alles 

unternahm, um die Lage zur Eskalation zu bringen, anstatt zu deren Deeskalation beizutragen 

oder ihr einfach zu entgehen. Dadurch brachte sich der Beschuldigte gewissermassen auch 

selbstverschuldet in diesen Zustand. Augenscheinlich stellte das Vorgehen des Beschuldigten 

eine blanke Aggressionshandlung dar, die er wohl benötigte, um seine Wut, seine Frustration 

oder einfach seine schlechte Laune abzubauen. Das den Beschuldigten während der Tatbege-

hung beherrschende aufgebrachte Gemüt zeigt sich insbesondere auch darin, dass er schon 

vor dem Messereinsatz dem Privatkläger eine Ohrfeige und nach dem Messereinsatz einen 

Faustschlag verpasste, obwohl der Privatkläger bereits sichtbar blutete. Auch zeugt das Han-

deln des Beschuldigten, nämlich der unvermittelte Einsatz eines Messers, von einer beachtli-

chen kriminellen Energie. Laut eigenen Angaben des Beschuldigten vor Kantonsgericht wollte 

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er "es" beenden und sich den nötigen "Respekt" verschaffen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kan-

tonsgericht, S. 6, 9). Dies lässt sein Handeln weder als einfühlbar noch als in einer schweren 

Konfliktsituation erfolgt erscheinen, sondern weist vielmehr auf niedrige, innere Beweggründe 

hin. Ein äusserer Anlass für das Handeln des Beschuldigten ist somit, im Einklang mit den Fest-

stellungen der Vorinstanz, nicht ersichtlich. Im Zweifel kann hier allerhöchstens eine leichte Wut 

des Beschuldigten wegen eines vorangegangenen Streits mit seiner damaligen Freundin leicht 

zu seinen Gunsten gewürdigt werden (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 6). Doch 

selbst wenn von einer wie vom Beschuldigten beschriebenen Provokationssituation auszuge-

hen wäre, hätte diese bei Weitem noch keinen Messereinsatz gerechtfertigt, wie die Staatsan-

waltschaft richtig ins Feld führt. Der Beschuldigte handelte schliesslich im Wissen um die Ge-

fährlichkeit von Messerstichen in die Bauchgegend, in welcher sich lebenswichtige Organe be-

finden. 

 

Was des Weiteren den seitens des Beschuldigten geltend gemachten Einfluss von Alkohol und 

Drogen angeht, so hat, wie bereits erwähnt, das Strafgericht den Alkoholeinfluss leicht zu Guns-

ten des Beschuldigten berücksichtigt. Gemäss dem Bericht der Polizei Basel-Landschaft vom 

3. Juni 2018 ist der Beschuldigte nach einem Drogenschnelltest positiv auf Cannabis und Ko-

kain getestet worden und die Atemalkoholprobe mit dem Testgerät ergab 0,55 mg/l (act. 21 f.). 

Gemäss dem forensisch-toxikologischen Gutachten des IRM P.____ vom 25. Juni 2018 wurde 

beim Beschuldigten eine Blutalkoholkonzentration von 0,85 Promille gemessen, wobei von einer 

Konzentration im Tatzeitpunkt von maximal 1,54 Promille ausgegangen wurde (act. 717 f.); 

ebenso wurde der Beschuldigte positiv auf Kokain getestet (act. 719). Zusammenfassend sei 

der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter Wirkung von Alkohol gestanden. Eine zusätzliche Wir-

kung durch THC sei nicht gänzlich ausgeschlossen und Hinweise für eine zusätzliche Beein-

trächtigung durch andere Betäubungsmittel (so auch Kokain) lägen nicht vor (act. 721). Hin-

sichtlich einer allfällig eingeschränkten Schuldfähigkeit wegen Alkohol ist zu beachten, dass ge-

mäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erst ab einem Blutalkoholgehalt von 2 Promille 

die Vermutung einer eingeschränkten Schuldfähigkeit besteht (vgl. BGE 122 IV 50 f.). Richtig-

erweise hat die Vorinstanz daher angesichts der festgestellten Blutalkoholkonzentration von 

1,54 Promille keine verminderte Schuldfähigkeit nach Art. 19 Abs. 2 StGB angenommen, son-

dern jene lediglich als strafmindernd eingestuft (vgl. S. 15, 18 f. des angefochtenen Urteils). 

Nachdem laut dem Gutachten des IRM P.____ vom 25. Juni 2018 eine Wechselwirkung von 

Alkohol und Drogen nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann und auch die beteiligten Per-

sonen den Beschuldigten einerseits als "alkoholisiert", "besoffen", "betrunken", andererseits 

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aber auch als "hysterisch" und "unter Drogeneinfluss" stehend (vgl. nur act. 813, 841) beschrie-

ben haben, ist zu dessen Gunsten ein Einfluss sowohl durch Alkohol- als auch durch Drogen-

konsum anzunehmen. Auch dieser Mischkonsum wirkt sich jedoch nur leicht verschuldensmin-

dernd aus. 

 

Insgesamt ist demnach festzustellen, dass die subjektiven Tatkomponenten das objektive Tat-

verschulden in erhöhendem Masse beeinflussen, weshalb die Argumente des Beschuldigten 

nicht zu hören sind. 

 

2.4.4.4 In einer Gesamteinschätzung ist das Tatverschulden für das Kantonsgericht nicht nur 

als nicht mehr leicht (vgl. S. 19 des angefochtenen Urteils), sondern als mittelschwer im unteren 

Bereich einzustufen. Als Strafmilderungsgrund ist vorliegend zu berücksichtigen, dass der tat-

bestandsmässige Erfolg nicht eingetreten ist, weshalb ein Versuch i.S.v. Art. 22 Abs. 1 StGB 

vorliegt. Jedoch war es in casu nur der konkreten Einstichstelle und der körperlichen Konstitu-

tion des Privatklägers, mithin dem Zufall zu verdanken, dass es nicht zu einer schweren Kör-

perverletzung oder gar zum Tod des Privatklägers kam. Aus diesem Grund kann der Versuch 

insgesamt nur leicht strafmildernd berücksichtigt werden (vgl. HANS MATHYS, a.a.O., Rn. 299 f., 

unter Hinweis u.a. auf BGer 6B_42/2015 vom 22. Juli 2015, E. 2.4.1). Bei einer vollendeten 

schweren Körperverletzung müsste die hypothetische schuldangemessene Einsatzstrafe auf 36 

Monate festgesetzt werden. Angesichts des Versuchs wird diese bei 30 Monaten (entsprechend 

2 ½ Jahren) angesetzt. Mit Blick auf den Strafrahmen von Art. 122 StGB zeigt sich, dass eine 

Geldstrafe angesichts der Überschreitung der 180 Tagessätze (entsprechend 6 Monaten) nicht 

mehr in Frage kommt, sondern allein eine Freiheitsstrafe. Demgemäss wird die hypothetische 

Einsatzstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung bei 30 Monate Freiheitsstrafe ange-

setzt. 

 

2.4.5 Was sodann die übrigen Delikte betrifft, so sieht die mehrfache Widerhandlung gemäss 

Art. 97 Abs. 1 lit. g SVG einen Strafrahmen von Geldstrafe (bis zu 180 Tagessätzen) oder Frei-

heitsstrafe bis zu 3 Jahren vor, ebenso die mehrfache Begünstigung gemäss Art. 305 Abs. 1 

StGB. Die Vorinstanz hat es unterlassen, die Wahl der Sanktionsart zu begründen (vgl. S. 19 

des angefochtenen Urteils). Abweichend zum vorinstanzlichen Urteil erscheint gestützt auf 

Art 41 Abs. 1 lit. a StGB und damit auf die nicht negative Prognose (vgl. dazu nachfolgend, 

Erw. 2.4.8) das Aussprechen einer Geldstrafe anstatt einer Freiheitsstrafe als geboten, um den 

Beschuldigten von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Mangels 

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Seite 28  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Gleichartigkeit der Geldstrafe für diese Delikte im Verhältnis zur oben festgesetzten Freiheits-

strafe sind somit separate Geldstrafen auszusprechen. Diese wiederum gelten untereinander 

als gleichartig, weshalb für sie nach Festlegung einer Einsatzstrafe für die schwerste Straftat 

eine Asperation zu einer Gesamtstrafe für die weiteren Delikte zu erfolgen hat. Geldstrafen kön-

nen in der Höhe von 3 bis 180 Tagessätzen ausgesprochen werden (vgl. Art. 34 Abs. 1 StGB), 

wobei die Tagessatzhöhe grundsätzlich zwischen CHF 30.00 und CHF 3'000.00 festzusetzen 

ist (vgl. Art. 34 Abs. 2 StGB). In casu erscheint die erste Begünstigung gemäss Anklageziffer 1 

als die konkret schwerste Straftat. Wie das Strafgericht, so wertet auch das Kantonsgericht die 

objektiven und subjektiven Tatkomponenten für dieses Delikt als grundsätzlich neutral. Insge-

samt ist das Tatverschulden als eher gering einzustufen. Für die weiteren Begünstigungen so-

wie für die mehrfache widerrechtliche Aneignung von Kontrollschildern erfolgt eine entspre-

chende Asperation. Auch für diese Delikte erscheinen sowohl das objektive als auch das sub-

jektive Tatverschulden als neutral. Insgesamt erachtet das Kantonsgericht für alle diese Delikte 

zusammen eine Gesamtstrafe in der Höhe einer Geldstrafe von 42 Tagessätzen als dem Ge-

samttatverschulden angemessen.  

 

Schliesslich hat die Vorinstanz richtig festgehalten, dass die mehrfache Widerhandlung gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG nur mit einer Busse geahndet werden (vgl. S. 19 des angefochtenen 

Urteils), weshalb diese als separate Strafe zu den oben festgelegten Strafen (Freiheitsstrafe 

und Geldstrafe) auszusprechen ist. Das Tatverschulden ist hierbei angesichts des Konsums von 

bloss geringen Mengen an Marihuana und Kokain als leicht einzustufen, weshalb sich eine Bus-

senhöhe von CHF 200.00 rechtfertigt. 

 

2.4.6 Bei den Täterkomponenten geht es um Faktoren, die beim Täter liegen und geeignet 

sind, ihn im Hinblick auf die Höhe der Strafe zu belasten oder zu entlasten. Wesentlich sind 

insbesondere das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse, das Verhalten nach der Tat und im 

Strafverfahren sowie die Strafempfindlichkeit des Täters (vgl. Art. 47 Abs. 1 StGB sowie HANS 

MATHYS, a.a.O., Rn 311 ff., m.w.H.). Diesbezüglich wird wiederum zunächst auf die vorinstanz-

lichen Ausführungen auf S. 19 f. des angefochtenen Urteils verwiesen.  

 

2.4.6.1 Was zunächst das Vorleben des Beschuldigten betrifft, so ist dieses im Einklang mit 

der Vorinstanz (vgl. S. 19 des angefochtenen Urteils) als neutral zu werten. Demgegenüber 

wirkt sich die Vorstrafe wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Allgemeine Abteilung, vom 26. Juni 2015, we-

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gen Mitführens/Tragens eines Teleskop-Schlagstocks (vgl. act. 7) leicht straferhöhend aus, er-

scheint doch der Beschuldigte durch seine erneute Straffälligkeit in einem ähnlich gelagerten 

Bereich (versuchte schwere Körperverletzung mit einem Messer) als unbelehrbar und unein-

sichtig (vgl. HANS MATHYS, a.a.O., Rn 320, unter Hinweis auf BGE 136 IV 1, E. 2.6.2). 

 

2.4.6.2 Der Beschuldigte gibt anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht zu den per-

sönlichen Verhältnissen befragt an, er sei in D.____ geboren und habe danach in Q.____ und 

F.____ gewohnt. Als er sechs bis sieben Jahre alt gewesen sei, habe seine Mutter einen neuen 

Freund kennengelernt und man sei nach R.____ gezogen. Später sei die Familie wieder nach 

F.____ gezogen und habe zeitweilig auch kurz in G.____ gewohnt. Der Beschuldigte habe nach 

Abschluss der obligatorischen Schulzeit eine Lehre als Logistiker absolviert und arbeite nun seit 

sechs Wochen im Warenhaus S.____ im Lager. Er sei derzeit im Stundenlohn von CHF 33.00 

und temporär für drei Monate angestellt, wobei Aussicht auf Verlängerung des Vertrages be-

stehe. Der Monatslohn variiere zwischen CHF 4‘400.00 und CHF 4‘900.00 netto. Er bezahle 

damit auch seine Krankenkassenprämie und seinen Mietanteil von CHF 600.00. Schulden habe 

er keine. Früher seien E.____, T.____, U.____, V.____ und sein Bruder, seine jetzigen Mitbe-

wohner W.____ und X.____ seine besten Kollegen gewesen. Mit E.____ habe er damals täglich 

Kontakt gehabt; er sei die nächste Bezugsperson für ihn gewesen. Den L.____ hingegen habe 

er nicht so gut gekannt. Damals sei der Beschuldigte auch etwa sechs bis sieben Jahre lang in 

einem Supportclub in der Rockerszene gewesen, E.____ ebenfalls. Dort habe er das Mitführen 

eines Messers noch "cool" gefunden. Inzwischen sei der Beschuldigte älter geworden und 

würde in einer brenzligen Situation weglaufen und sicher kein Messer einsetzen. Er würde heute 

auch weniger feiern gehen, Alkohol trinken und Betäubungsmittel konsumieren. Heute habe er 

im Vergleich zu früher eine Arbeitsstelle, neue Freunde, ein neues Umfeld und wohne in einer 

Wohngemeinschaft. Seine heutigen Bezugspersonen seien seine Mutter, sein Bruder, seine 

Grosseltern, U.____ und V.____. Im Gefängnis habe er sich sehr einsam gefühlt, aber auch viel 

nachdenken können. Ihm gingen derzeit eine berufliche Weiterbildung und eine Familiengrün-

dung in den nächsten zehn bis 15 Jahren durch den Kopf. Wenn der Beschuldigte heute für 6 

Monate ins Gefängnis gehen müsste, würde er sicher seinen Job verlieren. Auch seine Familie 

würde er weniger sehen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 2-5, 12). 

 

Aus dem mit Eingabe vom 26. Februar 2020 eingereichten Einsatzvertrag zwischen der C.____ 

AG, D.____, und dem Beschuldigten, datierend vom 20. November 2019, geht hervor, dass der 

Beschuldigte für die maximale Dauer von 3 Monaten als Logistiker in der Y.____ AG, Q.____, 

und zu einem Stundenlohn von brutto CHF 31.10 eingesetzt gewesen ist.  

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 30  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Im Vergleich zum Strafgericht, welches die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten als 

neutral gewertet hat, attestiert das Kantonsgericht dem Beschuldigten eine seither stattgefun-

dene positive Entwicklung sowohl in sozialer als auch in beruflicher Hinsicht. Insbesondere ist 

davon auszugehen, dass der Beschuldigte nunmehr gar keinen Kontakt mehr zu E.____ hat, 

womit wohl auch dessen (negative) Beeinflussung ein Ende gefunden zu haben scheint. 

 

2.4.6.3 Was sodann das Nachtatverhalten bzw. das Verhalten im Verfahren betrifft, so ist ent-

gegen der Auffassung des Beschuldigten gerade hinsichtlich der versuchten schweren Körper-

verletzung auch heute noch keine regelrechte Geständigkeit, welche Ausdruck von Einsicht und 

Reue ist und die Strafverfolgung erleichtert hat (vgl. HANS MATHYS, a.a.O., Rn 363, unter Hin-

weis auf BGE 121 IV 202, E. 2d; 6B_687/2016 vom 12. Juli 2017, E. 1.5.2, 6B_891/2017 vom 

20. Dezember 2017, E. 3.5.2), festzustellen. Vielmehr hat der Beschuldigte jeweils nur so viel 

zugestanden, als ihm ohnehin nachgewiesen werden konnte, weshalb dieses Verhalten als 

neutral zu werten ist. Bemerkungen des Beschuldigten, es sei "dumm" bzw. "blöd" gelaufen (vgl. 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 10), zeugen von dessen fehlenden Einsicht in das 

Unrecht seiner aktuell zu beurteilenden Tat wie auch hinsichtlich der Vorstrafe betreffend das 

Mitführen eines Schlagstocks. Hierzu passt, dass der Beschuldigte sein eigenes Verhalten bis 

vor Kantonsgericht immer wieder bagatellisiert und die Verantwortung auf andere Personen zu 

schieben versucht. Wie das Strafgericht richtig festgestellt hat (vgl. S. 19 des angefochtenen 

Urteils), liegt ein eigentliches Geständnis bereits zu Beginn der Strafuntersuchung bzw. immer 

noch im Vorverfahren nur hinsichtlich der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von Kontroll-

schildern sowie der mehrfachen Begünstigung vor. Dies wirkt sich leicht zu Gunsten des Be-

schuldigten aus. Demgegenüber ist mit dem Strafgericht die mehrfache Delinquenz während 

des laufenden Verfahrens klar als erschwerend zu berücksichtigen: So wurde der Beschuldigte 

am 27. Dezember 2017 erstmals als beschuldigte Person einvernommen (vgl. act. 373 ff.). Den-

noch delinquierte er ab dem 27. Januar 2018, indem er zunächst widerrechtlich Kontrollschilder 

entwendete (Anklageziffer 3). Am 30. Mai 2018 erfolgte eine weitere Einvernahme des Beschul-

digten als beschuldigte Person (vgl. act. 571) und kurz darauf, am 3. Juni 2018, verübte der 

Beschuldigte eine versuchte schwere Körperverletzung (Anklageziffer 5). Dies zeugt von einer 

besonderen Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit. Ein Wohlverhalten des Beschuldigten seit 

der letzten Tatbegehung stellt demgegenüber keine besondere Leistung dar, sondern ist viel-

mehr zu erwarten (vgl. BGer 738/2014 vom 25. Februar 2015, Erw. 3.4). 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 31  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

2.4.6.4 Ebenso wenig ist eine erhöhte Strafempfindlichkeit des Beschuldigten als Strafminde-

rungsgrund anzunehmen, zumal gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die An-

nahme einer solchen nur aussergewöhnliche Umstände in Frage kommen (vgl. BGer 

6B_860/2018 vom 18. Dezember 2018, E. 5.4; 6B_1001/2016 vom 3. April 2017, E. 1.4.2). 

 

2.4.6.5 Insgesamt wertet das Kantonsgericht, wie bereits das Strafgericht (vgl. S. 20 des an-

gefochtenen Urteils), die Täterkomponenten als leicht straferhöhend. Hinsichtlich der für die 

versuchte schwere Körperverletzung auszusprechenden Freiheitsstrafe erscheint eine Erhö-

hung der provisorischen Strafe von 30 Monaten um 1 weiteren Monat auf insgesamt 31 Monate 

als angemessen. Die Täterkomponenten betreffend die mehrfache Begünstigung und die mehr-

fache widerrechtliche Aneignung von Kontrollschildern wirken sich ebenfalls leicht straferhö-

hend aus. Zur hierfür angesetzten provisorischen, separaten Gesamtstrafe von 42 Tagessätzen 

Geldstrafe sind 3 weitere Tagessätze hinzuzurechnen, woraus eine Gesamtstrafe von 45 Ta-

gessätzen Geldstrafe resultiert. Die Tagessatzhöhe ist mit Blick auf die finanziellen Verhältnisse 

des Beschuldigten auf CHF 100.00 festzulegen. Was schliesslich die für die mehrfache Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz auszusprechende zusätzliche Busse betrifft, so 

besteht mit Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Beschuldigten kein Anlass, von 

der oben festgesetzten provisorischen Höhe von CHF 200.00 abzuweichen. In Anwendung von 

Art. 106 StGB ist für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung dieser Busse eine Ersatzfreiheits-

strafe von 2 Tagen anzudrohen, wie dies bereits das Strafgericht getan hat. 

 

2.4.7 In einem weiteren Punkt ist bei der Bemessung der zu verhängenden Sanktion das 

bereits in Erwägung II erwähnte Verbot der reformatio in peius zu beachten (vgl. NIKLAUS 

SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl., 

Art. 391 N 3). Angesichts dessen darf die durch die Vorinstanz verhängte Sanktion, eine Frei-

heitsstrafe von 27 Monaten sowie eine Busse von CHF 200.00, im vorliegenden Berufungsver-

fahren nicht überschritten werden. Die in Erw. 2.4.6 auf 31 Monate festgesetzte Freiheitsstrafe 

ist aus diesem Grund in einem ersten Schritt auf die maximal möglichen 27 Monate reduzieren. 

In einem zweiten Schritt ist ein zusätzlicher Abzug für die auszusprechende Geldstrafe von 45 

Tagessätzen, entsprechend 1 ½ Monaten, vorzunehmen, so dass im Resultat die Freiheitsstrafe 

auf 25 ½ Monate herabzusetzen ist. In Anwendung von Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StPO 

ist die vom 3. bis 16. Juni 2018 ausgestandene Untersuchungshaft von 14 Tagen an diese Frei-

heitsstrafe anzurechnen. Die Busse von CHF 200.00 bleibt demgegenüber bestehen, da sie 

bereits durch die Vorinstanz ausgesprochen worden ist. 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 32  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

2.4.8 Was schliesslich die Frage des bedingten bzw. teilbedingten Vollzug betrifft, so kommt 

ein solcher nach Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 43 StGB sowohl für die Freiheitsstrafe von 25 ½ 

Monaten als auch für die Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je CHF 100.00 bei Fehlen einer 

ungünstigen Prognose in Frage (vgl. STEFAN TRECHSEL/BRUNO STÖCKLI, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 42 N 9 ff., mit zahlreichen Hinweisen auf die bun-

desgerichtliche Rechtsprechung). Das Kantonsgericht folgt dem Strafgericht (vgl. S. 20 des an-

gefochtenen Urteils), wonach grundsätzlich keine formellen oder materiellen Gründe gegen die 

Gewährung des (teil-)bedingten Vollzugs dieser Strafen sprechen. Der Hinweis der Vorinstanz, 

dass die Vorstrafe (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Allgemeine 

Abteilung, vom 26. Juni 2015: Verurteilung wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu 

einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 50.00 sowie zu einer 

Busse von CHF 250.00, bei einer Probezeit von 2 Jahren) angesichts des Mitführens/Tragens 

eines Teleskop-Schlagstocks (vgl. act. 7) zumindest einen objektiven Berührungspunkt zur vor-

liegenden Körperverletzung aufweist, ist ebenfalls zutreffend. Einzig hinsichtlich des aktuellen 

beruflichen und sozialen Umfelds des Beschuldigten ist im Vergleich zum vorinstanzlichen Urteil 

eine weitere Verbesserung und Stabilisierung festzustellen, was sich weitergehend positiv auf 

die Prognose auswirkt. So schenkt das Gericht dem Beschuldigten insofern Glauben, als sich 

dieser in persönlicher und sozialer Hinsicht weiterentwickelt und insbesondere von seiner alten 

Umgebung losgelöst hat. Im Verhältnis zur Situation vor Strafgericht ist für das Kantonsgericht 

daher das Fehlen einer ungünstigen Prognose umso mehr zu bejahen. Die Freiheitsstrafe ist 

somit teilbedingt auszusprechen, wobei ein unbedingt ausgesprochener Teil von 6 Monaten 

Freiheitsstrafe auch dem Kantonsgericht als dem Verschulden des Beschuldigten angemessen 

erscheint. Anlässlich der Hauptverhandlung konnte sich das Kantonsgericht ein eigenes Bild 

von der aktuellen Persönlichkeit des Beschuldigten machen und dabei feststellen, dass dessen 

Persönlichkeitsentwicklung noch nicht vollends ausgreift erscheint. Es bestehen somit nach wie 

vor Bedenken, weshalb sich das Kantonsgericht veranlasst sieht, die diesbezügliche Probezeit 

– wie das Strafgericht – in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre anzusetzen. Was 

sodann die Geldstrafe wegen der übrigen Delikte (mehrfache Begünstigung und mehrfache wi-

derrechtliche Aneignung von Kontrollschildern) betrifft, so ist das Fehlen einer negativen Prog-

nose ebenso zu bejahen. Die Geldstrafe ist daher – wie bereits durch die Vorinstanz – vollstän-

dig bedingt auszusprechen. Angesichts der vor Kantonsgericht gezeigten noch nicht abge-

schlossenen Persönlichkeitsentwicklung des Beschuldigten, gerade was die Selbstbeherr-

schung in herausfordernden Lebenslagen betrifft, ist die Probezeit von 3 Jahren auch für diese 

Strafe zu bestätigen. 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 33  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

2.4.9 Zusammenfassend wird der Beschuldigte somit zu einer teilbedingt vollziehbaren Frei-

heitsstrafe von 25 ½ Monaten, davon 6 Monate unbedingt, zu einer bedingt vollziehbaren Geld-

strafe von 45 Tagessätzen zu je CHF 100.00, jeweils bei einer Probezeit von 3 Jahren, sowie 

zu einer Busse von CHF 200.00 verurteilt. Mit Blick auf die konkreten Anträge des Beschuldigten 

erweist sich dessen Berufung auch in diesem Punkt als unbegründet, weshalb sie abzuweisen 

ist. 

 

 

IV. Kosten 

1. Ordentliche Kosten 

In Anwendung von § 12 der kantonalen Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren 

der Gerichte (Gebührentarif, GebT; SGS 170.31) werden die ordentlichen Kosten des Beru-

fungsverfahrens hinsichtlich der Urteilsgebühr auf CHF 8'250.00 festgesetzt. Hinzu kommen 

Auslagen von CHF 200.00, was zu Verfahrenskosten von insgesamt CHF 8'450.00 führt.  

 

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach 

Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Nachdem die Berufung des Beschuldigten im 

vorliegenden Fall vollumfänglich abgewiesen wird, sind ihm die obgenannten Verfahrenskosten 

aufzuerlegen. 

 

 

2. Ausserordentliche Kosten 

Die amtliche Verteidigung durch Advokat Patrick Frey wurde bereits mit Verfügung des Kan-

tonsgerichts vom 15. November 2019 gewährt. 

 

Mit Leistungsabrechnung vom 7. August 2020 macht der Verteidiger für den Zeitraum vom 

30. Juli 2019 bis zum 6. August 2020 einen Aufwand von 14,5 Stunden zu je CHF 200.00, Aus-

lagen von CHF 54.15 sowie 7,7% MwSt, somit insgesamt CHF 3'181.65, geltend. Dieser Auf-

wand enthält auch die bereits in der Zwischenabrechnung vom 20. März 2020 aufgeführten 

Positionen und ist mit Blick auf die Tarifordnung vom 17. November 2003 für die Anwältinnen 

und Anwälte (SGS 178.112) nicht zu beanstanden. Zusätzlich stehen dem amtlichen Verteidiger 

weitere 7 Stunden zu je CHF 200.00 für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu. Insge-

samt belaufen sich damit die Kosten der amtlichen Verteidigung durch Advokat Patrick Frey auf 

CHF 4’354.15 (inkl. Auslagen) zuzüglich 7,7% MwSt (= CHF 335.25), somit insgesamt 

CHF 4'689.40. Dieser Betrag geht zu Lasten der Staatskasse.  

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 34  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Nachdem der Beschuldigte vollumfänglich zur Tragung der Verfahrenskosten verurteilt worden 

ist, ist er dementsprechend auch vollumfänglich zur Rückzahlung der obgenannten Entschädi-

gung der amtlichen Verteidigung an den Staat sowie zur Erstattung der Differenz zwischen der 

amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
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Demnach wird erkannt: 

 
://: I. I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 26. Juli 2019, auszugs-

weise lautend: 

 

"1. B.____ wird der versuchten schweren Körperverletzung, der mehrfachen Be-

günstigung, der mehrfachen widerrechtlichen Aneignung von Kontrollschil-

dern sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-

setz schuldig erklärt und verurteilt 

 

zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 27 Monaten, davon 6 

Monate unbedingt, 

bei einer Probezeit von 3 Jahren, 

 

unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft vom 3. Juni 2018 

bis zum 16. Juni 2018 von insgesamt 14 Tagen,  

 

sowie zu einer Busse von CHF 200.00, 

im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Er-

satzfreiheitsstrafe von 2 Tagen, 

 

in Anwendung von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 305 Abs. 1 

StGB, Art. 97 Abs. 1 lit. g SVG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 40 StGB, Art. 42 

Abs. 1 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 

StGB sowie Art. 106 StGB. 

 

 2. B.____ wird von der Anklage der mehrfachen Irreführung der Rechtspflege 

freigesprochen. 

 

 3. Das Verfahren betreffend mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz vom 1. Januar 2016 bis zum 26. Juli 2016 wird aufgrund des 

Eintritts der Verjährung eingestellt. 

 

 4.a) Die beschlagnahmte Kleidung des Privatklägers (G64209 bis G64211) wird 

nach Rechtskraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt auf Art. 267 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 

 
 
Seite 36  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Privatkläger zurückgegeben. Der Privatkläger 

wird nach der Rechtskraft des Urteils vom Fund- und Verwertungsdienst, 

Oristalstrasse 100, 4410 Liestal - unter Androhung der Verwertung oder 

Vernichtung der Gegenstände im Unterlassungsfalle - eine Frist gesetzt, um 

die Gegenstände dort abzuholen. 

 

b.) Der beschlagnahmte weisse Motorradhelm (ZZZ) wird zufolge Verzichts des 

Beurteilten zur Vernichtung eingezogen. 

 

c.) Das beschlagnahmte Klappmesser wird in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 

und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen. 

 

5. Die Verfahrenskosten betragen insgesamt CHF 13‘916.65, bestehend aus 

den Kosten des Vorverfahrens von CHF 7‘916.65 und der Gerichtsgebühr 

von CHF 6‘000.00. 

 

Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrens-

kosten. 

 

6. Der Beurteilte wird dazu verurteilt, A.____ CHF 1‘000.00 als Genugtuung zu 

bezahlen. Allfällige weitere Zivilforderungen werden auf den Zivilweg ver-

wiesen. 

 

7. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt 

CHF 11‘088.25 (CHF 8‘061.70 für den Aufwand vor Anklageerhebung sowie 

CHF 3‘026.55 für den Aufwand nach Anklageerhebung, inkl. Auslagen und 

7.7% MwSt) wird unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von 

B.____ aus der Gerichtskasse entrichtet. 

 

B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflich-

tet, dem Staat