# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7582f40b-2764-5d7c-a6bc-6223dc1e7930
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.11.2022 E-5190/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5190-2022_2022-11-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5190/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 

mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer;   

Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,   

vertreten durch lic. iur. Patrik Eggenberger,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 14. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

 

E-5190/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der minderjährige Beschwerdeführer suchte am 17. Juli 2022 in der 

Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete Min-

derjährige (UMA) vom 15. August 2022 und der Anhörung nach Art. 29 

AsylG (SR 142.31) vom 5. Oktober 2022 machte er im Wesentlichen gel-

tend, er sei marokkanischer Staatsangehöriger und ethnischer Araber aus 

dem Stadtviertel B._______, aus der Stadt C._______. Nach dem Tod sei-

nes Vaters im Jahr 20(…) habe er zuerst mit seiner Mutter und seiner 

Schwester alleine gelebt. Im Jahr 20(…) habe seine Mutter erneut gehei-

ratet. Mit der Heirat sei ein Wohnungswechsel nach D._______ einherge-

gangen. Dort habe er ungefähr zehn Tage gemeinsam mit seiner Mutter, 

seiner Schwester und seinem Stiefvater in einer Wohnung gelebt. Mit dem 

Stiefvater habe er sich nicht gut verstanden und habe darum zeitweise auf 

der Strasse oder bei Freunden übernachtet. Die Mutter eines Freundes 

habe ihn für etwas mehr als eine Woche bei sich aufgenommen. Seine 

Mutter habe er mit diversen Gelegenheitsjobs unterstützt, unter anderem 

habe er bei einem (…) und einem (…) gearbeitet. Die allgemeine wirt-

schaftliche Situation in Marokko sei nicht gut, es gebe allgemein wenig Ar-

beitsstellen und in seinem Heimatort dominiere die Kriminalität. Er sei im-

mer wieder zu seiner Mutter zurückgekehrt, bis die Situation mit seinem 

Stiefvater eskaliert sei. Bei einer Auseinandersetzung habe er, der Be-

schwerdeführer, seinen Stiefvater mit einer Pfanne geschlagen. Dieser 

habe ihn daraufhin erheblich mit einem Stock am Fuss verletzt, was dazu 

geführt habe, dass er 22 Tage nicht habe arbeiten können. Trotz Überle-

gungen, seinen Stiefvater bei der Gendarmerie zu melden, habe er sich 

am Schluss dagegen entschieden. Daraufhin sei er nach E._______ ge-

reist und habe für kurze Zeit bei einem (…) gearbeitet. Dieser habe für ihn 

die Ausreise organisiert. Der Beschwerdeführer gab einen Verlaufsbericht 

der F._______ zu den Akten (vgl. Akten der Vorinstanz 1183460-[nachfol-

gend SEM-act.] 24/5).  

A.b Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 14. Oktober 2022 verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte 

sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zudem händigte sie dem Beschwer-

deführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und 

lehnte den Antrag auf Zuteilung ins erweiterte Verfahren ab.  

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Seite 3 

B.  

Mit Beschwerde vom 14. November 2022 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und ihm sei die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Eventuali-

ter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerdeführer legte der Be-

schwerde die angefochtene Verfügung und eine gültige Vollmacht bei.  

C.  

Das Gericht bestätigte dem Beschwerdeführer am 15. November 2022 den 

Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-

deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten 

Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, 

handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu be-

gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG 

wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.  

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Seite 4 

4.  

Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den angeordneten Voll-

zug der Wegweisung (vgl. auch Beschwerde Ziffer 2 unter II.). Gegenstand 

des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet demnach die Frage, ob das 

SEM den Vollzug der Wegweisung zu Recht angeordnet hat (vgl. Art. 44 

AsylG), oder ob infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit desselben an 

Stelle des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme anzuordnen 

ist (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 4 AIG [SR 142.20]).  

5.  

5.1  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-

lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 

Abs. 1–4 AIG).  

5.2  

5.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG).  

5.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  

5.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.  

5.2.4 Vorliegend ist rechtskräftig festgestellt, dass der Beschwerdeführer 

die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, weshalb das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK nicht 

anwendbar ist. Sodann ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus 

den Akten glaubhafte Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung nach Marokko dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

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Seite 5 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Ma-

rokko lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-

zulässig erscheinen. 

5.2.5 Der Beschwerdeführer bringt vor, von seinem Stiefvater geschlagen 

worden zu sein, weshalb er aufgrund häuslicher Gewalt nicht mehr zurück-

kehren könne (vgl. Beschwerde Seite 4). Bei der Gendarmerie habe er den 

Stiefvater aber nicht angezeigt. Auf Nachfrage führte er aus, er wisse nicht, 

weshalb er ihn nicht angezeigt habe (vgl. SEM-act. 23/18 F52 f.). Das Ge-

richt hält diesbezüglich fest, dass Marokko über eine funktionierende Infra-

struktur zur Ahndung von Verfolgungshandlungen verfügt und grundsätz-

lich von der Schutzfähigkeit und dem Schutzwillen der dortigen Behörden 

auszugehen ist (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-232/2021 vom 9. Juni 

2021 E. 6.2). Der Beschwerdeführer kann sich bei allfälligen Nachstellun-

gen durch Privatpersonen an die dortigen Behörden wenden.  

5.2.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

5.3  

5.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Diese Bestimmung findet nicht 

nur auf Gewaltflüchtlinge Anwendung, sondern auch auf andere Personen, 

die nach ihrer Rückkehr einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie 

die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten 

oder wegen der im Heimatstaat herrschenden Verhältnisse mit grosser 

Wahrscheinlichkeit in völliger Armut leben müssten und damit dem Hunger 

und einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der 

Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/52 E. 

10.1, BVGE 2009/51 E. 5.5).  

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Seite 6 

Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet 

im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichts-

punkt von gewichtiger Bedeutung. Das Kindeswohl gemäss Art. 3 Abs. 1 

des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-

des (KRK, SR 0.107) und die aus der KRK fliessenden Rechte sind als 

gewichtiger Aspekt zu berücksichtigen. Namentlich können dabei folgende 

Kriterien im Rahmen einer Gesamtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter 

des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) sei-

ner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere 

Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich 

Entwicklung beziehungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten In-

tegration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2014/20 

E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). Ferner hat die zuständige Behörde ge-

mäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung von unbegleiteten minder-

jährigen Personen sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Fa-

milienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung überge-

ben werden, welche den Schutz des Kindes gewährleisten (vgl. BVGE 

2015/30 E. 7.3 m.w.H.). Die Rückreisemodalitäten (Begleitung der UMA, 

Ort und Zeit der Übergabe nach der Ankunft im Heimatland etc.) können 

allerdings erst im unmittelbaren Vorfeld der Rückkehr geregelt werden (vgl. 

EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.bb S. 100). 

Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

5.3.2 Das SEM erachtet den Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers 

als zumutbar. Es führt dazu aus, es sprächen keine individuellen Gründe 

gegen einen Wegweisungsvollzug. Der Beschwerdeführer habe in der Be-

fragung angegeben, unter Stress und Problemen zu leiden und deshalb in 

psychologischer Behandlung zu sein. Diese psychischen Probleme hätten, 

gemäss seinen Aussagen, nach dem Tod seines Vaters begonnen. Die Er-

lebnisse auf der Ausreise und die Auseinandersetzungen in der Asylunter-

kunft hätten sie jedoch verschärft. Bei der ärztlichen Konsultation in der 

Schweiz sei ihm (…) verschrieben worden. Marokko verfüge gemäss dem 

Mental Health Atlas 2011 der Weltgesundheitsorganisation WHO über 80 

Einrichtungen, die ambulante psychiatrische oder psychologische Thera-

pien anböten. Daher könne auch bei einer Rückkehr nach Marokko eine 

allfällige psychologische Behandlung bei Bedarf in Anspruch genommen 

werden. In seiner Heimat würden zurzeit unter anderem seine Mutter und 

seine Schwester leben. Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers 

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Seite 7 

würde sich seine Mutter über ein Wiedersehen mit ihm freuen. Sein Stief-

vater wohne zwar noch mit seiner Mutter zusammen, wolle sich aber von 

dieser trennen. Zudem würden noch weitere nahe Verwandte in seiner Hei-

mat wohnen, namentlich sein Onkel väterlicherseits aus Casablanca, mit 

welchem er in regelmässigem Kontakt stehe. Auch habe er zeitweise bei 

der Mutter eines Freundes gewohnt. Diese habe er «wie meine eigene Mut-

ter» bezeichnet und habe sich ihr auch anvertrauen können. Der Kontakt 

mit seiner Mutter und seinem Onkel pflege er weiterhin, auch von der 

Schweiz aus. Er verfüge daher in seiner Heimat über ein familiäres Bezie-

hungsnetz sowie weitere gefestigte Beziehungen. Auch in beruflicher Hin-

sicht habe er sich immer durchgeschlagen. Zudem unterstütze sein Onkel 

seine Mutter finanziell. Bei einer Rückkehr nach Marokko könne er erneut 

auf dieses Beziehungsnetz, respektive auf seine Familie, zurückgreifen. 

Ferner führte die Vorinstanz aus, die medizinischen Beeinträchtigungen 

seiner Mutter würden nicht zu einer Gefährdung des Kindeswohls führen. 

Zudem verfüge Marokko über eine Vielzahl an Einrichtungen, welche 

schutzbedürftige Kinder oder hilfsbedürftige Mütter unterstützen würden. 

Auch gehe aus den Aussagen des Beschwerdeführers hervor, dass ihn 

seine Mutter in Empfang nehmen und im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht für 

sein Wohl sorgen könne. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich somit 

als zumutbar.  

5.3.3 Der Beschwerdeführer erwidert in seiner Beschwerde, seine Mutter 

arbeite nicht, da sie gesundheitliche Probleme habe. Sollten diese sich 

nicht bessern, was derzeit ungewiss sei, werde sie nicht mehr in der Lage 

sein, zu arbeiten, und könne ihn auch nicht mehr unterstützen. Die Mutter 

könne derzeit kaum für sich, geschweige denn für ihre Kinder sorgen. Eine 

Trennung von ihrem Ehemann sei daher fraglich, weshalb er auch nicht 

dorthin zurückkehren könne, da dies unter diesen Umständen keinesfalls 

dem Kindeswohl förderlich sei. Dazu führt er aus, die Vorinstanz habe die 

gebotenen Abklärungen dazu nicht durchgeführt. Es sei nicht möglich, 

dass er weiterhin bei seiner Mutter leben könne, da diese finanziell von 

ihrem Ehemann abhängig und auch so lediglich für die Tochter genügend 

finanzielle Unterstützung gewährleistet sei. Anlässlich der Anhörung führte 

er aus, seine Mutter arbeite im Haushalt von anderen Personen. Früher 

habe sie in einem (…) als (…) gearbeitet. aktuell mache sie aber nichts. 

Sie befinde sich momentan in einer medizinischen Behandlung, da bei ihr 

«(…)» diagnostiziert worden sei. Wie sie die Behandlung finanziere, wisse 

er nicht. Sobald sie die Operation durchgeführt haben werde, würde sich 

die Situation vielleicht bessern und sie fände vielleicht wieder eine Arbeit 

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im (…) (vgl. SEM-act. 23/18 F80 ff.). Des Weiteren müsse auch seiner psy-

chischen Gesundheit Beachtung geschenkt werden. Diesbezüglich führt er 

aus, er könne in Marokko keine psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen, 

da die finanzielle Situation der Familie dies auch in der Vergangenheit nicht 

habe ermöglichen können. Ferner bestehe kein tragfähiges Beziehungs-

netz. Der Onkel, welcher die Mutter manchmal finanziell unterstützt habe, 

lebe in einem einzelnen Zimmer mit einem Kollegen zusammen. Er unter-

stütze seine Mutter, aber für viel reiche es nicht. Es sei daher keine Option, 

beim Onkel zu leben, da dieser nicht in der Lage sein würde, für eine ge-

eignete Wohnung und genügend Verdienst zu sorgen. Zur Tante bestehe 

kein Kontakt mehr. Ein weiterer Onkel baue Haschisch an, was auch kein 

geeigneter Ort zum Leben wäre. Bei der Frau, welche er als «wie eine Mut-

ter» bezeichnet habe, habe er lediglich zehn Tage gewohnt. Deren Sohn 

sei kriminell, die Frau selber arbeite hart, um sich durchzubringen. Weitere 

Unterbringungsmöglichkeiten habe er nicht, womit deutlich werde, dass er 

zu wenig Unterstützung in der Heimat erfahren würde und kein tragfähiges 

Beziehungsnetz bestehe.  

5.3.4  

5.3.4.1 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht 

zum Schluss, dass das SEM auch die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs des Beschwerdeführers zu Recht bejaht hat. Es kann vorab auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Zusam-

menfassung oben E. 5.3.2).  

5.3.4.2 In gesundheitlicher Hinsicht gab der Beschwerdeführer einen Ver-

laufsbericht der F._______ zu den Akten, in welchem ein Notfalleinsatz 

vom (…) 2022 sowie zwei Sitzungen vom (…) 2022 und vom (…) 2022 

dokumentiert sind und unter anderem die Abgabe von Medikamenten auf-

gezeigt wird (vgl. SEM-act. 24/5). Der genannte Bericht ist nicht als Arzt-

bericht zu qualifizieren, da darin keine medizinische Diagnose gestellt wird 

und der Bericht nicht von einem Arzt unterzeichnet ist. Weitere Berichte mit 

medizinischem Bezug sind seit dem (…) 2022 nicht aktenkundig. Hinsicht-

lich einer Rückkehr und seines geltend gemachten schlechten psychischen 

Gesundheitszustands ist – ergänzend zu den Ausführungen in der ange-

fochtenen Verfügung – zu entgegnen, dass Marokko über ein gut entwi-

ckeltes Gesundheitssystem verfügt. Es darf davon ausgegangen werden, 

dass – sofern notwendig – eine adäquate medizinische (Weiter-)Behand-

lung seiner gesundheitlichen Probleme dort gewährleistet ist. Überdies ist 

mit dem RAMED ein Mittel zur Sicherung der medizinischen Grundversor-

gung gegeben, das auch wirtschaftlich bedürftigen Personen den Zugang 

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Seite 9 

zum Gesundheitssystem gewährt (vgl. hierzu Urteile des BVGer D-

2391/2022 vom 24. Juni 2022 E. 9.6; und E-285/2020 vom 29. Januar 

2020 S. 15).  

5.3.5 Der Beschwerdeführer, der als unbegleiteter Minderjähriger von Ma-

rokko in die Schweiz gekommen ist, befindet sich bereits in seinem letzten 

Jahr vor der Volljährigkeit. Er hat bei einem (…) und bei einem (…) gear-

beitet und dadurch Arbeitserfahrungen sammeln können und Geld verdient 

(vgl. SEM-act. 13/11 Ziffer 1.17.05). Die diesbezüglichen Erfahrungen und 

das Übernehmen von Verantwortung, insbesondere für seinen Lebensun-

terhalt zu sorgen, zeugen von einer gewissen Reife. Die Beziehung zu sei-

ner Mutter scheint sodann innig zu sein, da er ausführte, seine Mutter 

würde sich freuen, würde er wieder zurückkehren, und sie liebe ihn über 

alles (vgl. SEM-act. 23/18 F99). Auch habe er ihr jeweils einen Teil seines 

Lohnes abgegeben, obwohl sie auch gearbeitet habe (vgl. SEM-act. 13/11 

Ziffer 1.17.05). Ferner habe er den Kontakt mit ihr auch in der Schweiz 

aufrechterhalten (vgl. SEM-act. 23/18 F11). Darüber hinaus hält sich der 

Beschwerdeführer erst seit kurzem in der Schweiz auf, womit er sich an die 

hiesigen Verhältnisse noch nicht angepasst und keine engeren Beziehun-

gen geknüpft haben dürfte. Die Weiteren in Marokko lebenden Verwandten 

stellen für ihn schliesslich – entgegen seinen Ausführungen – ein zumin-

dest soziales Beziehungsnetz dar, obschon sie den Beschwerdeführer ge-

mäss seinen Angaben nicht finanziell unterstützen können. Das Gericht 

stellt in einer Gesamtwürdigung der Sachlage und unter Verweis auf die 

angefochtene Verfügung fest, dass eine Rückkehr nach Marokko keinen 

Verstoss gegen das Kindeswohl darstellt und auch in individueller Hinsicht 

der Wegweisungsvollzug zumutbar ist.  

5.3.6 Aufgrund des Gesagten ist auch das Kassationsbegehren abzuwei-

sen, da das SEM der Situation des Beschwerdeführers unter dem Blick-

winkel des Kindeswohls hinreichend Rechnung getragen hat, mithin keine 

Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vorliegt.  

5.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

6.  

Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht 

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Seite 10 

als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor-

läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist (Art. 

49 Bst. c VwVG). Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde 

näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

8.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erlass des 

Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.  

8.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als 

aussichtslos zu erachten. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist daher ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürf-

tigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Ver-

fahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 

1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Stefan Trottmann 

 

 

Versand: