# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc025439-3f7c-5a36-bba7-67962f4a9d0c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.12.2008 E-4162/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4162-2006_2008-12-10.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4162/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richter Hans Schürch,
Richterin Marianne Teuscher, 
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A_______, geboren _______,
B_______, geboren _______,
C_______, geboren _______,
D_______, geboren _______,
Zimbabwe,
alle vertreten durch lic. iur. Claudia Scheitlin,
_______,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom
20. Juni 2005 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4162/2006

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführenden,  eine  Familie  zimbabwscher  Staatsange-
hörigkeit  mit  letztem  Wohnsitz  in  (...),  verliessen  ihren  Heimatstaat 
eigenen  Angaben  zufolge  am  30.  März  2002  und  gelangten  über 
Südafrika per Flugzeug am 23. April 2002 in die Schweiz, wo sie am 
30.  April  2002  im  Flughafen  Zürich  um  Asyl  nachsuchten.  Die 
Beschwerdeführerin  A (in  der  Folge  Beschwerdeführerin  genannt) 
wurde  am  27.  April  2002  von  der  Kantonspolizei  Zürich  zu  ihren 
Asylgründen  befragt.  Mit  Verfügung  vom 29.  April  2002  erteilte  das 
Bundesamt  für  Flüchtlinge (BFF; ab 1. Januar  2005: Bundesamt  für 
Migration [BFM]) den Beschwerdeführenden die Einreisebewilligung in 
die  Schweiz. Am 3. Mai  2002 wurde  die  Beschwerdeführerin  in  der 
Empfangsstelle  Kreuzlingen  befragt;  die  kantonale  Anhörung  (SZ) 
wurde am 17. Juni  2002 durchgeführt  und die zusätzliche Anhörung 
des BFM fand am 30. Mai 2005 statt. 

Zur  Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin 
im  Wesentlichen  geltend,  sie  sei  in  ihrem  Heimatstaat  Mitglied  der 
MDC (Movement  for  Democratic  Change)  gewesen und habe mehr-
mals  im  Monat  an  Veranstaltungen  der  Partei  teilgenommen.  Diese 
habe  bereits  seit  einigen  Jahren  Probleme  mit  den  Anhängern  der 
ZANU P.F. (Zimbabwe African National Union Patriotic Front) gehabt. 
Letztere hätten der Beschwerdeführerin und den anderen Mitgliedern 
beispielsweise  vorgeworfen,  dass  sie  die  Weissen  unterstützen wür-
den. Am (...) zwischen (...) und (...) Uhr, nach einem Treffen der MDC, 
seien Anhänger  der  ZANU P.F. zur  Beschwerdeführerin  nach Hause 
gekommen  und  hätten  ihr  gesagt,  dass  sie  sie  nun  nicht  schlagen 
würden, weil sie eine Frau sei; sie würden sie vergewaltigen. Sie sei in 
der Folge zuerst an die Wand gedrückt und mit einem Messer bedroht 
worden; anschliessend sei ihr  gesagt  worden,  sie  solle sich auf  den 
Boden legen, wo sie vom einen Mann gehalten und von einem Zweiten 
ausgezogen  worden  sei.  Einer  nach  dem  anderen  habe  sie  dann 
vergewaltigt,  wobei  sie  versucht  habe,  sich  zu wehren; sie  sei  auch 
getreten worden. Einer der Männer sei ihr bekannt gewesen. Nachdem 
diese verschwunden gewesen seien, habe sie sich überlegt, ob sie zur 
Polizei  gehen  wolle;  sie  habe  jedoch  gewusst,  dass  diese  ihr  nicht 
helfen würde. Am nächsten Tag habe sie darüber nachgedacht, ob sie 
sich umbringen wolle.

Seite 2

E-4162/2006

B.
Mit Verfügung vom 20. Juni 2005 – eröffnet am 21. Juni 2005 –  lehnte 
das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführenden ab und ordnete 
die Wegweisung aus der Schweiz an; infolge Unzumutbarkeit (medizi-
nische Gründe) schob es den Vollzug der Wegweisung jedoch auf und 
verfügte die vorläufige Aufnahme.

C.
Mit  Beschwerde  vom  11.  Juli  2005  (Poststempel)  an  die  vormalige 
Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) liessen die Beschwerde-
führenden durch ihre Rechtsvertreterin beantragen, die Ziffern 1-3 der 
Verfügung  des  BFM  vom  20.  Juni  2005  seien  aufzuheben  und  die 
Sache  sei  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen; 
eventualiter  sei  den  Beschwerdeführenden  Asyl  zu  gewähren.  In 
prozessualer  Hinsicht  ersuchten  sie  um  Gewährung  der  unentgelt-
lichen Rechtspflege.

D.
Mit  Zwischenverfügung vom 15. Juli  2005 verzichtete die zuständige 
Instruktionsrichterin  der  ARK  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses;  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

E.
Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 26. Juli 2005 vollumfänglich 
an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Be-
schwerde.

F.
Mit  Schreiben vom 13. April  2007  teilte  das  Gericht  den  Beschwer-
deführenden mit, dass das bei der ARK anhängig gemachte Verfahren 
per  1.  Januar  2007  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommen 
worden ist.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

Seite 3

E-4162/2006

schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021) VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG 
und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine 
das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 
[AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die 
Beurteilung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführenden  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Die Beschwerdeführenden sind daher zur 
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 und 6 AsylG 
i.V.m. Art. 48 Abs.1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.4 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die 
unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106 
Abs. 1 AsylG).

2.  

2.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimat-
staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, 
Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen 
Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nach-
teilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nach-
teilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament-
lich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 
Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 
AsylG).

Seite 4

E-4162/2006

2.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis 
genügt  es  daher,  wenn  der  Richter  das  Vorhandensein  der  zu  be-
weisenden Tatsache für wahrscheinlich hält, selbst wenn er noch mit 
der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte 
(WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel  1990,  S. 302 f.). 
Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamt-
beurteilung aller Elemente, die für oder gegen die Gesuchstellenden 
sprechen.  Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsdarstellung  nur,  wenn  die 
positiven Elemente überwiegen. Für  die Glaubhaftmachung reicht  es 
demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, 
aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  über-
wiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung 
sprechen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 28 S. 270).

3.  

3.1 Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Ent-
scheides im Wesentlichen aus, dass die Aussagen der Beschwerde-
führerin bezüglich der geltend gemachten Vergewaltigung unsubstan-
ziiert  seien.  Erfahrungsgemäss  seien  bei  Personen,  die  derart  ein-
schneidende  Eingriffe  erlebt  hätten,  die  Schilderungen  ihrer  Wahr-
nehmungen  von  einem  gewissen  Detailreichtum  geprägt.  Die  Schil-
derungen der Beschwerdeführerin  würden jedoch jeglicher  Substanz 
entbehren.  So  habe  sie  auf  entsprechende  Fragen  hin  weder  das 
Aussehen der drei Männer genauer zu beschreiben noch irgendwelche 
Wahrnehmungen  wiederzugeben  vermocht,  welche  sich  erfahrungs-
gemäss in ihr Gedächtnis hätten einprägen sollen. Bei der Beschrei-
bung  der  Männer  sei  sie  oberflächlich  geblieben  und  habe  nur  die 
Kleider,  das  Alter  und  deren  unfreundliches  Aussehen  erwähnt. 
Ebenso sei die Beschwerdeführerin auch bezüglich Wahrnehmungen 
und  Eindrücken  während  der  Vergewaltigung  sehr  oberflächlich  ge-
blieben. So habe sie lediglich schreiende Stimmen erwähnt, welche sie 
jedoch nicht weiter ausgeführt habe. Andere Sinneseindrücke wie Ge-
rüche, Bilder oder auch Emotionen, welche sich ihr bei einem solchen 
Eingriff  in  die  körperliche  Integrität  erfahrungsgemäss  hätten  nach-
haltig verankern müssen, habe sie nicht vorgebracht. Auch angesichts 
dessen, dass der Übergriff  bei der Beschwerdeführerin derart grosse 

Seite 5

E-4162/2006

Schuld-  und  Schamgefühle  provoziert  haben  solle,  dass  sie  diesen 
zuerst  nicht  einmal  bei  den  Behörden,  die  sie  um Schutz  ersuchte, 
vorgebracht habe, erstaune es umso mehr, dass dieses Ereignis bei 
ihr nicht mehr Eindrücke hinterlassen haben soll. Weiter sei die Dar-
stellung,  wonach  die  Beschwerdeführerin  nach  der  Vergewaltigung 
nicht  ihre  Freundin  gewarnt  haben  wolle,  mit  welcher  sie  zuvor  vor 
dem MDC-Treffpunkt gesehen worden sei, realitätsfremd. Erstere habe 
nämlich davon ausgehen müssen, dass ihrer Freundin wegen dieses 
Zusammentreffens  auch  Gefahr  drohe.  Zudem  sei  es  unrealistisch, 
dass sich die MDC im Quartier jede Woche im selben Haus getroffen 
habe,  obwohl  die  Parteimitglieder  immer  wieder  Übergriffen  der 
ZANU P.F. ausgesetzt  gewesen seien. Die Zweifel  an den Aussagen 
der Beschwerdeführerin würden auch noch dadurch erhärtet, dass das 
behauptete Verhalten, sich wegen der Scham über die Vergewaltigung 
eine total neue Geschichte auszudenken, die Identität zu ändern, eine 
Ausweisfälschung zu veranlassen sowie die Geschwisterzahl und den 
eigenen Beruf  anders anzugeben, realitätsfremd anmuten und erfah-
rungsgemäss  auch  nicht  dem  Verhalten  von  tatsächlichen  Verge-
waltigungsopfern entsprechen würde.

Die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden  somit  den  Anforde-
rungen an die Glaubwürdigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, 
so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.

3.2 In  der  Beschwerde  wird  der  Argumentation  der  Vorinstanz  Fol-
gendes entgegengehalten: Verschiedene Äusserungen der Befragerin 
an  der  zusätzlichen  Bundesanhörung  in  Givisiez  vom 30.  Mai  2005 
würden  die  Vermutung  aufkommen  lassen,  dass  sie  befangen  sein 
könnte.  So  sei  die  Anhörung  auf  09:45  Uhr  angesetzt  gewesen, 
obwohl  bereits  für  14:00 Uhr eine andere Frau vorgeladen gewesen 
sei.  Am  Anfang  der  Befragung  sei  die  Stimmung  zwischen  der 
Befragerin  und  der  Beschwerdeführerin  sehr  schlecht  gewesen. 
Erstere sei  sichtlich genervt  gewesen, dass Letztere nochmals habe 
vorgeladen werden müssen. Es sei der Eindruck entstanden, dass die 
Befragerin  gar  nichts  mehr  über  die  wahren  Fluchtgründe  habe 
erfahren wollen und dass sie ihre Meinung bereits gefasst hätte. Nach 
einer Intervention der Rechts-  und der Hilfswerksvertreterin,  wonach 
die  Anhörung  so  keinen  Sinn  mache,  sei  sich  die  Befragerin  der 
Situation nun bewusst  geworden. Sie habe dabei  Folgendes gesagt: 
"Wir  führen  die  Anhörung  weiter,  die  Beschwerdeführerin  soll  ihre 
neue  Geschichte  erzählen.  Sie  müsste  sie  aber  schon  sehr  über-

Seite 6

E-4162/2006

zeugend erzählen, für dass ich ihr jetzt noch glaube." In der Folge sei 
die  Befragerin  zwar  freundlich  gewesen und die  Anhörung sei  ohne 
weitere  Zwischenfälle  durchgeführt  worden.  Aufgrund  der  vorge-
nannten Aussage habe es jedoch den Anschein gemacht, als wolle die 
Befragerin ihre Befangenheit mit ihrem weiteren Verhalten gegenüber 
der Beschwerdeführerin vertuschen.

Entgegen der Meinung des BFM sei  die Schilderung der Vergewalti-
gung  absolut  glaubhaft.  Diese sei  mit  vielen  Details  und  Emotionen 
vorgetragen worden; auch die Hilfswerksvertreterin  habe diesen Ein-
druck  erhalten.  Berücksichtige  man,  dass  das  Erlebnis  mittlerweile 
schon einige Jahre zurückliege, so lasse sich feststellen, dass die Be-
schwerdeführerin noch erstaunlich viele Details in Erinnerung behalten 
habe. Sie habe es aus Scham vorgezogen, niemandem etwas von der 
Vergewaltigung zu erzählen; so sei es auch nachvollziehbar, dass sie 
ihre Freundin nicht noch davor gewarnt habe. Um auch in der Schweiz 
zu vermeiden, dass jemand von ihrer Vergewaltigung erfahren könnte, 
habe  sie  eine  Fluchtgeschichte  erfunden.  Ein  solches  Verhalten  sei 
öfters  zu  beobachten;  es  sei  als  Selbstschutzmechanismus  zu  ver-
stehen und könne ihr  nicht  vorgeworfen werden. Es sei  weiter  nicht 
zutreffend, dass es sich bei den zuletzt vorgebrachten Fluchtgründen 
um  einen  völlig  anderen  Sachverhalt  handle  als  beim  ersten.  Auch 
würden ihre Angaben zu den Eltern und Geschwistern nur in einigen 
Punkten auseinandergehen.

3.3 Zu  dem  von  der  Beschwerdeführerin  gestellten  Antrag  der 
Rückweisung an die  Vorinstanz  wegen angeblicher  Befangenheit  sei 
Folgendes ausgeführt: Die von der Befragerin zu Beginn der Anhörung 
gemachten Äusserungen waren zweifelsfrei  ungeschickt. Jedoch füh-
ren  sie  angesichts  der  Tatsache,  dass  die  Anhörung  in  der  Folge 
korrekt hat durchgeführt werden können, nicht dazu, dass das Verfah-
ren an die Vorinstanz zurückgewiesen werden müsste; es handelt sich 
hierbei nicht um einen wesentlichen Verfahrensfehler. Hinzuweisen ist 
in  diesem  Zusammenhang  auf  den  Umstand,  dass  das  BFM  über 
einen Zeitraum von zwei Jahren – unter anderem mittels Botschafts-
abklärungen – einen grossen Aufwand betrieben hat, um den von der 
Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Sachverhalt  abzuklären,  bis 
Letztere  im Schreiben vom 11. Mai  2005 erklärte,  dass dieser  nicht 
den Tatsachen  entspricht.  Sodann  ist  vorliegend  zu  berücksichtigen, 
dass es sich nicht um eine Erstanhörung, sondern um eine zusätzliche 
Anhörung gehandelt  hat,  für  welche immerhin  mehrere  Stunden  zur 

Seite 7

E-4162/2006

Verfügung  standen.  Ausserdem  hat  die  Beschwerdeführerin  das 
Protokoll  schliesslich  im  Beisein  ihrer  Rechtsvertreterin  vorbehaltlos 
unterschrieben. Insgesamt besehen ist zwar davon auszugehen, dass 
es anlässlich der zusätzlichen Anhörung gewisse Probleme gegeben 
hat, diese jedoch nicht ausreichen, um eine Befangenheit begründen 
zu können.

3.4 Vorderhand  ist  der  Argumentation  in  der  Beschwerde  insofern 
beizupflichten,  als  der  Umstand,  dass  eine  Vergewaltigung  erst  zu 
einem späteren Zeitpunkt vorgebracht wird, durch Gefühle von Schuld 
und Scham sowie die vom Opfer entwickelten Selbstschutz – Mecha-
nismen erklärt  werden kann. Besagter Umstand alleine spricht daher 
nicht  gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerde-
führerin.  Zu  prüfen  ist  somit  die  Zahl  und  Qualität  der  Realitäts-
kriterien in ihrer Aussage.

3.4.1 Für die subjektive Wahrheit spricht einerseits, wenn die Aussage 
zahlreiche und qualitativ hochwertige Details enthält,  welche sich zu 
einem  stimmigen  Ganzen  zusammenfügen  (beispielsweise  wechsel-
seitige Gespräche und Interaktionen, nachträgliche Ergänzungen oder 
Komplikationen); andererseits,  wenn die befragte Person über ihre – 
bei  dem  Ereignis  aufgetretenen  –  Gefühle,  Assoziationen,  unver-
standenen  Erscheinungen  oder  Missverständnisse  berichtet.  Für  ein 
realitätsbegründetes Ereignis spricht weiter, wenn der rechtsrelevante 
Tatbestand  gleich  bleibt;  dazu  zählen  insbesondere  die  Schilderung 
des zentralen Kerngeschehens und der eigenen Rolle, die Benennung 
der  unmittelbar  am  Kerngeschehen  beteiligten  Personen,  des 
fraglichen Tatortes,  von unmittelbar handlungsrelevanten Gegenstän-
den oder Angaben über unangenehme Empfindungen (beispielsweise 
Schmerzen). Sodann spricht  für  den Wahrheitswillen der  angehörten 
Person,  je unvorteilhafter  sie ihre eigene Rolle  darstellt,  je mehr sie 
auf Schutzbehauptungen verzichtet, die nahe liegen und je mehr ent-
lastende Umstände bedeutsamer Art für denjenigen vorgebracht wer-
den,  den  sie  mit  anderen  Teilen  ihrer  Aussage  belastet.  Gegen  die 
subjektive Wahrheit spricht hingegen, wenn die Aussage detailarm ist, 
obwohl beim betreffenden Erlebnis ein Mindestmass an Detailreichtum 
erwartbar  gewesen  wäre  oder  wenn  auch  auf  Aufforderung  nähere 
Einzelheiten  und  auch  Nebensächlichkeiten  nicht  berichtet  werden 
(BENDER/NACK/TREUER,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  3.  Auflage, 
München 2007, S. 72 ff.).

Seite 8

E-4162/2006

3.4.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  schliesst  sich  der  Ansicht  der 
Vorinstanz  an,  wonach die  von der  Beschwerdeführerin  nachträglich 
vorgebrachte  Vergewaltigung  nicht  glaubhaft  erscheint.  So  ist  fest-
zuhalten, dass ihre Schilderungen sehr allgemein ausgefallen sind und 
kaum  spezifische  Details  enthalten.  Dies  betrifft  einerseits  ihre  Be-
schreibung der angeblichen Täter; auch wenn sie auf Nachfrage etwas 
spezifiziert hat, beschrieb sie diese zuerst als "normal" mit "normaler 
Kleidung". Sodann weist auch das von ihr geschilderte Kerngeschehen 
keine auf Glaubhaftigkeit schliessenden Besonderheiten auf, sondern 
führt  lediglich  einen  detailarmen  und  allgemein  zutreffenden  Ablauf 
des Geschehens an: die Männer hätten geschrien, sie habe sich auf 
den Boden legen müssen, sei ausgezogen, festgehalten und von allen 
Dreien vergewaltigt worden, wobei sie versucht habe, sich zu wehren. 
In der Darstellung der Beschwerdeführerin finden sich weder Kompli-
kationen  noch  wechselseitige  Gespräche  oder  Einzelheiten,  welche 
darauf  schliessen  lassen  würden,  dass  die  Schilderung  realitäts-
bezogen  ist.  Allgemein  gehalten  und  nicht  selber  erlebt  erscheinen 
auch die von ihr geschilderten Gedanken, welche sie sich anlässlich 
der  angeblichen  Vergewaltigung  gemacht  haben  will.  Bei  einem 
prägenden Erlebnis dieser Art wäre von der Beschwerdeführerin mehr 
zu erwarten gewesen, als der Gedanke, dass sie sterben werde; dies 
nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, wonach sie behauptete, gleich 
von allen drei Männern vergewaltigt worden zu sein. Auf Nachfrage hin 
konnte  sie  kaum  Ergänzungen  anbringen.  Somit  ist  es  unwahr-
scheinlich, dass es sich in der Art und Weise zugetragen hat, wie von 
der Beschwerdeführerin behauptet.

Das Bundesamt hat daher das Asylgesuch der Beschwerdeführenden 
zu Recht abgelehnt.

4.  

4.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

4.2 Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländer-
rechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf 
Erteilung  einer  solchen. Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

Seite 9

E-4162/2006

5.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

6.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  den 
Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG)  . 
Nachdem  aber  aufgrund  der  Aktenlage  von  der  Bedürftigkeit  der 
Beschwerdeführenden auszugehen ist  und die Beschwerde nicht  als 
aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte,  ist  in  Gutheissung  des 
Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege von einer 
Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

E-4162/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- die _______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Jonas Tschan

Versand: 

Seite 11