# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 32e3d13b-b4a3-5149-9622-570d974ea058
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-19
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 19.09.2018 BRGE III Nr. 0117/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-III-Nr--0117-20_2018-09-19.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

 

 

 
G.-Nr. R3.2017.00133 
BRGE III Nr. 0117/2018 

 
 
 
  Entscheid vom 19. September 2018 
 
 
 

 

Mitwirkende Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichter Martin Farner, Ersatzrichterin 
Gabriele Kisker, Gerichtsschreiber Roland Blaser     

 
 
 
 

in Sachen Rekurrentin 

R. N., [….] 

 

gegen Rekursgegnerschaft 

1. Bauausschuss Gossau, Berghofstrasse 4, 8625 Gossau  

2. X AG, [….]  

 

 

 
betreffend Bauausschussbeschluss vom 9. August 2017 und Verfügung der Baudirek-

tion Kanton Zürich BVV-Nr. 17-1151 vom 10. Juli 2017; Baubewilligung und 
strassenrechtliche Bewilligung für Laden- und Wohngebäude 
_______________________________________________________ 

 

 

R3.2017.00133 Seite 2 

hat sich ergeben: 

A.  

Mit Beschluss vom 9. August 2017 bewilligte der Bauausschuss Gossau 

der X AG die Erstellung eines Wohn- und Geschäftsgebäudes auf den Par-

zellen Kat.-Nrn. 5234 und 5235 am Lindenweg 2 bzw. an der Grünin-

gerstrasse 14 in Grüt - Gossau. Mit der kommunalen Baubewilligung wurde 

die Gesamtverfügung Nr. BVV 17-1151 der Baudirektion Kanton Zürich 

vom 10. Juli 2017 betreffend Lage des Projekts an einer Staatsstrasse und 

Einhaltung der Lärm-Belastungsgrenzwerte eröffnet. 

B.  

Dagegen rekurrierte R. N. mit Eingabe vom 29. August 2017 fristgerecht an 

das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung 

der angefochtenen Baubewilligung. 

C. 

Mit Verfügung vom 31. August 2017 wurde der Eingang des Rekurses vor-

gemerkt, diesem die aufschiebende Wirkung zuerkannt und das Vernehm-

lassungsverfahren eröffnet.  

D.  

In ihren Rekursantworten vom 3. bzw. 4. Oktober 2017 beantragten sowohl 

die Vorinstanz als auch die private Rekursgegnerin die Abweisung des Re-

kurses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrentin.  

E.  

Am 13. März 2018 führte die 3. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein 

der Parteien einen Augenschein vor Ort durch. Im Anschluss daran wurde 

das Verfahren zwecks Einreichung von zusätzlichen Baugesuchsplänen 

betreffend die Platz- und Umgebungsgestaltung informell sistiert. Die ent-

sprechenden Pläne und Informationen liess die Vorinstanz dem Baurekurs-

gericht in der Folge zukommen. Eine einvernehmliche Lösung zwischen 

den Parteien kam nicht zustande. 

 

 

R3.2017.00133 Seite 3 

F.  

Auf die Vorbringen der Parteien und die Ergebnisse des Augenscheins 

wird, soweit entscheidrelevant, in den nachstehenden Erwägungen Bezug 

genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Wohnliegenschaft der Rekurrentin befindet sich in der Nähe der Bau-

grundstücke [….]. Die Rekurrentin ist damit mehr als irgendwelche Dritte 

oder die Allgemeinheit in ihren eigenen Interessen betroffen sowie aufgrund 

ihrer Rügen im Sinne von § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) 

unbestrittenermassen rechtsmittellegitimiert. Weil die übrigen Prozessvo-

raussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auf ihren Rekurs einzutreten. 

2. 

Die private Rekursgegnerin will den bestehenden Gebäudekomplex Lin-

denweg 2 / Grüningerstrasse 14 und 16 (Gasthaus Linde und Bäckereila-

den/Wohnungen) abbrechen und die entsprechenden Grundstücke neu 

überbauen.  

Mit Beschluss vom 1. Oktober 2014 hatte der Gemeinderat Gossau die ge-

nannten Gebäude aus dem kommunalen Inventar der Schutzobjekte von 

kommunaler Bedeutung entlassen und auf eine Unterschutzstellung ver-

zichtet. Dieser Beschluss blieb unangefochten.  

Mit der geplanten strittigen Neuüberbauung will die private Rekursgegnerin 

ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftsgebäude realisieren (vgl. die 

nachfolgen Fassadenpläne 1:100; act. 17.1.7). Geplant ist die Erstellung 

eines Bäckereiladens mit Restaurant/Café im Erdgeschoss und insgesamt 

 

 

R3.2017.00133 Seite 4 

 
Ansicht Südfassade 

 
Ansicht Nordfassade 

sechs Wohnungen im 1. und 2. Obergeschoss. Zudem ist eine Unternive-

augarage mit 10 Autoabstellplätzen vorgesehen.  

Die beiden Baugrundstücke Kat.-Nrn. 5234 und 5235 (blaue Umrandung) 

liegen, wie der nachfolgende Ausschnitt aus dem kommunalen Zonenplan  

 

 

 

R3.2017.00133 Seite 5 

zeigt, am Rande einer grösseren Kernzone (KA) im historischen Zentrum 

des Ortsteils Grüt und grenzen nördlich und östlich an die Wohnzone W2.4. 

3.1.  

Die Rekurrentin rügt neben zahlreichen anderen Einwänden die mangelhaf-

te Einordnung der geplanten Überbauung in die von einer Kernzone mit 

zweigeschossigen Flarzbauten geprägte bauliche Umgebung. Gerade die 

geschützten Flarzhäuser Lindenweg 5 und 7 mit Baujahr 1780 würden vom 

Neubauvorhaben förmlich erdrückt. Die Kernzonenvorschriften, insbeson-

dere die Vorschrift über die zulässige Dachform in Art. 6 der kommunalen 

Bau- und Zonenordnung (BZO), würden nicht eingehalten. Es fehle jegli-

cher gestalterische Bezug zum empfindlichen baulichen Umfeld. Die positi-

ve Beurteilung der Ortsbildkommission sei nicht nachvollziehbar. 

3.2. 

Die Vorinstanz hält zur Thematik der Gestaltung und Einordnung demge-

genüber zur Hauptsache fest, die gemäss Art. 7 Abs. 3 BZO im vorliegen-

den Fall beigezogene Ortsbildkommission, eine unabhängige Fachkommis-

sion, habe das strittige Bauvorhaben als gut ins Ortsbild passend beurteilt. 

Dieser Ansicht schliesse sich die Baukommission voll und ganz an. Die 

gewählte Dachform sei auf das abwechslungsreich gestaltete Gebäude mit 

seinen leicht unterschiedlichen Fassaden und verschiedenen Fenstertiefen 

abgestimmt. Ein Satteldach mit beidseitig gleicher Dachneigung würde bei 

der gewählten Architektur hingegen wie die berühmte Faust aufs Auge wir-

ken. Insgesamt ergebe sich trotz des etwas massig wirkenden Volumens 

und des architektonischen Kontrastes zur ortsbaulichen Umgebung ein vor-

teilhafter ortsbildprägender Eckpunkt bei der Einmündung der Lang-

weidstrasse in die Grüningerstrasse. Trotzdem bestehe vor allem bezüglich 

der Materialisierung sowie der Fassaden, der Fenstergestaltung, der Dach-

abschlüsse und des Daches selbst Handlungsbedarf. Die Bauherrschaft 

habe diesbezüglich vor Baubeginn entsprechende Vorschläge auszuarbei-

ten und bewilligen zu lassen. Die Kernzonenvorschriften würden keines-

wegs verletzt. Die Bezugnahme auf die ortsbauliche Umgebung sei trotz 

der modernen Architektursprache ausgezeichnet und rechtsgenügend. Das 

gelte insbesondere für die architektonische Adaption der Dächer der Nach-

bargebäude. Die Geschosszahlvorschriften sowie die anderen Baubegren-

zungsnormen würden hier unbestrittenermassen eingehalten, weshalb die 

 

 

R3.2017.00133 Seite 6 

private Rekursgegnerin einen gesetzlichen Anspruch habe, das vorgese-

hene Gebäudevolumen realisieren zu können. Die umliegenden Flarzhäu-

ser, die im Übrigen keineswegs alleine das Zentrum von Grüt prägten, wür-

den in ihrem Erscheinungsbild nicht relevant tangiert. Bauliche Verände-

rungen müssten im Laufe der Zeit selbst in einer Kernzone hingenommen 

werden. Der Umstand, dass sich die Flarzreihenhäuser am Lindenweg so-

wie andere Bauten im kommunalen Inventar der Denkmalschutzobjekte be-

fänden, sei bei der pflichtgemässen Würdigung des strittigen Baugesuchs 

durch die Baukommission im Sinne von § 238 Abs. 2 PBG hinreichend be-

rücksichtigt worden. 

3.3. 

Die private Rekursgegnerin führt zu den Aspekten der Gestaltung und Ein-

ordnung im Wesentlichen an, das heutige Restaurant Linde sei von einer 

heterogenen Bebauungsstruktur umgeben und trete bereits jetzt als mar-

kanter Solitärbau in Erscheinung. Gleiches gelte für den geplanten Neubau, 

welcher zwar die Ausrichtung der benachbarten Gebäude an der Grünin-

ger- und Langweidstrasse aufnehme, sich im Übrigen aber als Solitärbau 

bewusst vom baulichen Umfeld absetze. Ihr Projekt sei in enger Zusam-

menarbeit mit der Ortsbildkommission entwickelt worden. Entgegen rekur-

rentischer Auffassung werde die Kernzone von Grüt nicht nur durch zwei-

geschossige Flarzbauten mit Satteldächern, sondern von einer Vielzahl von 

Gebäudetypen mit unterschiedlichen Volumina geprägt. Die benachbarten 

Flarzbauten am Lindenweg würden keineswegs beeinträchtigt, sondern 

durch den vorgesehenen grösseren Abstand zum Lindenweg freigespielt 

und erhielten durch den Abbruch eines bisherigen Pavillons auf der Nach-

barparzelle Kat.-Nr. 5219 sogar eine höhere Präsenz. 

4.1. 

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich 

und in ihrem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen Um-

gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine 

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird, welche Anforderung auch für 

Materialien und Farben gilt. Die genannte Bestimmung enthält eine Grund-

anforderung an Bauten, Anlagen und Umschwung. Verlangt wird sowohl 

eine gewisse Qualität der Gestaltung in sich als auch der Einordnung in die 

bauliche und landschaftliche Umgebung. Die Frage, ob eine befriedigende 

 

 

R3.2017.00133 Seite 7 

Gesamtwirkung erreicht wird, ist aufgrund objektiver, nachvollziehbarer Kri-

terien zu beantworten.  

4.2. 

Gestützt auf § 238 Abs. 2 PBG ist auf Objekte des Natur- und Heimat-

schutzes besondere Rücksicht zu nehmen, sofern diese aufgrund ihrer La-

ge und Distanz vom Neubauvorhaben beeinträchtigt werden können. In der 

Rechtspraxis wird in solchen Fällen nicht nur eine befriedigende, sondern 

eine gute Einordnung verlangt. Das betrifft im vorliegenden Fall das kom-

munale Schutzobjekt Flarzreihenhaus Lindenweg 5 und 7 sowie Brunnen-

weg 23 (Inventarnummer F069; Foto Prot. S. 5), das Kleingebäude Grünin-

gerstrasse 31 (Inventarnummer D001; Foto Prot. S. 6), die zusammenhän-

genden Wohngebäude Grüningerstrasse 13, 15a und 15b (Inventarnum-

mer F068; Foto Prot. S. 5) sowie schliesslich die ebenfalls zusammenge-

bauten Wohnhäuser Böschacherstrasse 1 und Grüningerstrasse 3/5/7 (In-

ventarnummer F067; Fotos Prot. S. 8 und 13). Diese Schutzobjekte sind im 

Minimum lediglich zwischen rund 15 m-30 m vom strittigen Bauvorhaben 

entfernt, wobei jeweils unmittelbarer Sichtkontakt besteht. 

Die Baugrundstücke liegen bekanntlich in der Kernzone KA, weshalb hier 

zudem die spezifischen Gestaltungsvorschriften dieser Zone massgebend 

sind, nämlich Art. 3 BZO (Ersatzbauten), Art. 6 BZO (Dachgestaltung) und 

Art. 7 BZO (Gestaltung der Bauten und der Umgebung). 

Im Kontext mit der angrenzenden Wohnzone W2.4 gilt hingegen der bereits 

genannte § 238 Abs. 1 PBG. 

4.3.  

Das Baurekursgericht ist bei der Anwendung von Bestimmungen des kan-

tonalen Rechts grundsätzlich nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflich-

tet, seine gesetzliche Überprüfungsbefugnis auszuschöpfen (§ 20 Abs. 1 

des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). In erster Linie ist die kom-

munale Baubewilligungsbehörde verpflichtet, die in der Norm verwendeten 

offenen Formulierungen ortsbezogen anzuwenden. Die Rekursinstanz hat 

die im konkreten Fall angeführten Entscheidgründe gebührend zu berück-

sichtigen und sich mit den Kriterien auseinanderzusetzen, welche von der 

Baubehörde im Rahmen der ortsbezogenen Konkretisierung der Vorschrift 

entwickelt worden sind. Darüber hinaus rechtfertigt sich jedoch keine wei-

 

 

R3.2017.00133 Seite 8 

tergehende Einschränkung der grundsätzlich vollen Kognition des Baure-

kursgerichts (VB.2013.00468 in BEZ 2014 Nr. 3; VB.2014.00232 und 

VB.2014.00248 vom 27. März 2015, E. 4.3.1 und dort zitierte Entscheide). 

Immer vorauszusetzen ist, dass die kommunale Behörde die genannte 

Konkretisierung rechtzeitig, d.h. spätestens mit der Rekursantwort, vorge-

nommen hat (VB.2012.00365 vom 21. November 2012). Dies trifft hier oh-

ne weiteres zu.  

Ob eine Bestimmung des kantonalen Rechts den Gemeinden einen auto-

nomen Entscheidungsspielraum einräumt, ist durch Auslegung zu ermitteln 

(Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, 

§ 20 Rz. 62). Nach ständiger Praxis der kantonalen Instanzen gilt solches 

u.a. für die Einordnungsbestimmung von § 238 PBG. 

Sofern es hingegen um die Auslegung und Anwendung von kommunalen 

Gestaltungs- und Einordnungsvorschriften geht, wie vorliegend im Zusam-

menhang mit den bereits genannten Kernzonenvorschriften, ist der Ermes-

sensspielraum der Gemeinden grösser (BRGE IV Nr. 0106/2017 vom 

31. August 2017, E. 4.4; www.baurekursgericht-zh.ch). Bei dieser Konstel-

lation weicht das Baurekursgericht nicht ohne weiteres vom kommunalen 

Entscheid ab, falls dieser plausibel und stichhaltig begründet ist. Ist dieser 

jedoch objektiv nicht nachvollziehbar oder gar offensichtlich rechtswidrig, 

endet auch hier der Ermessensspielraum der kommunalen Behörde (dazu 

u.a.: VB.2014.00232 und VB.2014.00248 in BEZ 2015 Nr. 29).  

4.4. 

Die nähere ortsbauliche Umgebung der streitbetroffenen Baugrundstücke 

weist bezüglich Volumetrie, Gestaltung und Situierung eine teilweise hete-

rogene Überbauungsstruktur auf, vor allem in der östlich und nördlich an-

grenzenden Wohnzone W2.4. Im umliegenden Kernzonengebiet ist das 

Ortsbild deutlich homogener. Weit einheitlicher ist hingegen im gesamten 

baulichen Umfeld die Dachform. Mit ganz wenigen Ausnahmen (so etwa 

beim bereits über 30 m entfernten Flachdach-Mehrfamilienhaus Lang-

weidstrasse 4 in der Wohnzone W2.4) weisen alle Gebäude Satteldächer 

oder Varianten davon auf. Dies zeigen u.a. die folgenden, anlässlich des 

Augenscheins vom 13. März 2018 erstellten Aufnahmen exemplarisch. Aus 

diesen ist zudem die Lage der vier bereits erwähnten kommunalen Denk-

malschutzobjekte (Inventarnummern D001, F067, F068 und F069) ersicht-

lich.  

 

 

R3.2017.00133 Seite 9 

 

 

 

 

 

 

R3.2017.00133 Seite 10 

 

 

4.5. 

Die Baugesuchspläne zeigen das Streitobjekt als modern gestaltetes und 

architektonisch eigenwilliges Wohn- und Geschäftshaus (act. 17.1.7; vgl. 

auch die Planausschnitte voranstehend unter Ziffer 2 der Erwägungen), 

welches sich in seiner Architektursprache und Volumetrie markant von den 

benachbarten Kernzonenbauten abgrenzt. Auffallend sind u.a. das fassa-

denbündige Schrägdach sowie die unterschiedlichen Fenstertiefen. Auch 

bezüglich der Materialisierung und der Farbgebung der Gebäudehülle, was 

aber alles im Nachhinein noch festgelegt und bewilligt werden muss (darauf 

wird nachfolgend noch eingegangen), wird sich das Streitobjekt auffällig 

vom bestehenden Ortsbild unterscheiden. 

In ihrem Bericht vom 25. Juni 2017 an die kommunale Baubehörde charak-

terisiert die im Sinne von Art. 7 Abs. 3 BZO beigezogene Ortsbildkommissi-

on das Bauvorhaben folgendermassen: 

"Die Ortsbildkommission (OBK) nimmt die Weiterentwicklung des Projekts 

wohlgesonnen zur Kenntnis. Die städtebauliche Setzung und volumetrische 

Ausformulierung des Gebäudes werden begrüsst. Die vorgeschlagenen Fas-

saden unterscheiden sich jeweils leicht und es wird mit verschiedenen Fens-

tertiefen, -grössen und den Loggien gespielt. Dies ergibt eine feine, abwechs-

lungsreiche Fassadenwirkung. Ebenfalls begrüsst wird die Unterscheidung des 

Sockels mit der Betonung des Ladenlokals mithilfe des Vordaches. Das Fas-

sadenspiel charakterisiert den Gebäudeausdruck und hilft dem eher massig 

wirkenden Volumen mit seiner Verspieltheit. Besonderes Augenmerk ist des-

halb auch in der Materialwahl der Fassadenelemente erwünscht. Die Materiali-

sierung der Leibungen wird wichtiger Bestandteil genauso wie die Wahl des 

Materials der Gebäudehülle, des Dachabschlusses und des Dachmaterials. 

Hier wünscht die die OBK einen sensibleren Kontrast. Die vorgeschlagenen 

 

 

R3.2017.00133 Seite 11 

Naturschieferplatten wirken zu massig und ungeeignet an diesem zentralen 

Standort. Der Verputz wiederum kommt der Bedeutung des Gebäudes nicht 

genügend entgegen. Vorschläge sind aufzuzeigen wie die Form, die Bedeu-

tung an diesem Ort und die Materialisierung in Übereinstimmung gebracht 

werden können, wobei die OBK auch für Sichtbeton offen wäre" (act. 13.1).  

Mit diesen nichtssagenden beliebigen Formulierungen, welche im Wesent-

lichen auch Bestandteil der Erwägungen in der angefochtenen Baubewilli-

gung sind (act. 3, S. 2 f.), wird keinerlei Bezug auf die konkrete ortsbauliche 

Umgebungssituation in der Kernzone Grüt genommen.  

Ein gestalterischer Konnex zum bestehenden Ortsbild ist denn auch nicht 

zu erkennen. Das strittige Bauvorhaben setzt ausschliesslich auf Kontraste, 

ohne die bauliche Umgebung im Sinne der massgebenden Kernzonenvor-

schriften einzubeziehen. Danach dürfen die bestehenden Gebäude her-

kömmlicher Art unter Beibehaltung des Erscheinungsbildes und des bishe-

rigen Gebäudeprofils ersetzt werden. Geringfügige Abweichungen sind zu-

lässig, sofern sie keine Verschlechterung des Ortsbildes bewirken (Art. 3 

Abs. 1 BZO). Als Dachform sind Satteldächer mit beidseitig gleicher Nei-

gung vorzusehen. Andere Dachformen sind zulässig, wenn sie sich in Be-

zug auf die bestehenden umgebenden Bauten gut einordnen (Art. 6 Abs. 1 

BZO). Bauten sind bezüglich Grösse, Gestaltung, Gliederung der Fassade 

sowie Materialwahl so zu gestalten, dass sie im Rahmen ihrer Umgebung 

eine gute Gesamtwirkung erreichen (Art 7 Abs. 1 BZO). 

Diesen Kernzonenvorschriften wird die am vorgesehenen exponierten 

Standort ausgesprochen klotzig wirkende, von der herkömmlichen Kernzo-

nenbauweise völlig losgelöste Solitärbaute nicht gerecht. Im Übrigen be-

zeichnet sogar die Vorinstanz die Baute als "eher massig wirkend". Die 

vorschriftswidrige Dachform wird keinesfalls, wie von Art. 6 Satz 2 BZO ge-

fordert, durch eine gute Einordnung in die bestehenden benachbarten Bau-

ten kompensiert. Es fehlt im Gegenteil jeglicher Bezug zur herkömmlichen 

Dachlandschaft. 

Von der vorgeschriebenen guten Einordnung ins ortsbauliche Umfeld bzw. 

guten Gesamtwirkung ist das Bauvorhaben der privaten Rekursgegnerin 

weit entfernt. Die gegenteiligen ausführlichen Darlegungen der Rekursgeg-

nerschaft vermögen hingegen nicht zu überzeugen und gehen zudem teil-

weise an der bereits geschilderten Realität vorbei. Mit der Befürwortung 

des strittigen Baugesuchs hat die Vorinstanz ihren Ermessenspielraum 

 

 

R3.2017.00133 Seite 12 

deutlich überschritten. Bereits deshalb ist die angefochtene Baubewilligung 

aufzuheben. 

4.6. 

Die Realisierung des überaus dominierenden Streitobjekts würde, was u.a. 

der Augenschein ohne weiteres gezeigt hat, auch zu einer starken und 

nicht akzeptablen Beeinträchtigung der bereits beschriebenen vier kommu-

nalen Denkmalschutzobjekte führen. Von einer besonderen Rücksichtnah-

me im Sinne von § 238 Abs. 2 PBG kann unter diesen Umständen jeden-

falls keine Rede sein. 

5.1. 

Äusserst problematisch ist schliesslich, die Materialisierung und Farbge-

bung der Fassaden und Dächer im Rahmen der angefochtenen Baubewilli-

gung offenzulassen und die Bauherrschaft stattdessen nebenbestim-

mungsweise zu verpflichten, im Nachhinein entsprechende Vorschläge zu 

machen und bewilligen zu lassen (act. 3, S. 2). Die entsprechende Neben-

bestimmung in Dispositiv-Ziffer 3.5 lautet wie folgt: "Die in Aussicht ge-

nommene Material- und Farbwahl ist zu bemustern und durch den Bauaus-

schuss genehmigen zu lassen." 

5.2. 

Können inhaltliche oder formale Mängel des Bauvorhabens ohne besonde-

re Schwierigkeiten behoben werden oder sind zur Schaffung oder Erhal-

tung des rechtmässigen Zustands Anordnungen nötig, so sind mit der Be-

willigung die gebotenen Nebenbestimmungen (Auflagen, Bedingungen, Be-

fristungen) zu verknüpfen (§ 321 Abs. 1 PBG). 

Dieses Vorgehen kommt nach gefestigter Rechtsprechung allerdings nur 

infrage, wenn die Mängel des Bauvorhabens untergeordneter Natur sind. 

Führen diese zu einer wesentlichen Projektänderung oder ist ohne grösse-

ren planerischen Aufwand nicht beurteilbar, wie sie zu beheben sind und 

welche baurechtlichen, konzeptionellen, gestalterischen und allenfalls im-

missionsrechtlichen Auswirkungen die Behebung der Mängel nach sich 

zieht, können sie nicht mittels einer Nebenbestimmung behoben werden. 

Es ist in solchen Fällen folglich nicht ohne besondere Schwierigkeiten mög-

lich, konkrete Vorgaben zur Mängelbehebung zu statuieren. Bei dieser 

 

 

R3.2017.00133 Seite 13 

Konstellation ist vielmehr eine Bauverweigerung auszusprechen und die 

Bauherrschaft hat ein entsprechend überarbeitetes Baugesuch einzu-

reichen. Nur auf diesem Wege ist die Einhaltung des Grundsatzes der Ein-

heit der Baubewilligung bzw. die notwendige Transparenz im baurechtli-

chen Verfahren gewährleistet, was nicht zuletzt auch im nachbarlichen Inte-

resse zu verlangen ist.  

In diesem Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob der zur Diskussion ste-

hende Mangel grundsätzlich behoben werden kann. Es ist nicht Sache der 

Rechtsmittelinstanzen, planerische Überlegungen anzustellen, um beurtei-

len zu können, auf welche Weise die Mängelbehebung zu erfolgen hat, um 

die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen (VB.2015.00120 in BEZ 2015 

Nr. 46; in Bestätigung von BRGE IV Nr. 0010/2015 vom 22. Januar 2015).  

Die bereits zitierte Nebenbestimmung, welche schlussendlich zu einer ge-

setzeskonformen Einordnung des Streitobjekts führen soll, hat die Vor-

instanz sehr unverbindlich und undifferenziert formuliert. Zudem lässt sich 

den Verfahrensakten etwa bezüglich der Materialisierung lediglich entneh-

men, dass der Vorinstanz bzw. der Ortsbildkommission die zuerst von der 

Bauherrschaft vorgesehenen Naturschieferplatten zu massig und verputzte 

Fassaden zu banal sind. Hingegen wäre Sichtbeton offenbar eine mögliche 

Lösung. Das definitive Erscheinungsbild des strittigen Bauvorhabens ist je-

denfalls im jetzigen Zeitpunkt gar nicht abschätzbar, und dies in einer Kern-

zone sowie in der Umgebung mehrerer Schutzobjekte. Damit genügt Dis-

positiv-Ziffer 3.5 dem notwendigen Konkretisierungsgehalt einer Nebenbe-

stimmung bei weitem nicht. Die angefochtene Baubewilligung ist auch des-

halb als rechtswidrig aufzuheben. 

6.  

Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt sich die Prüfung der weiteren re-

kurrentischen Rügen. 

7.  

Der Rekurs ist gutzuheissen und die angefochtene Baubewilligung ist an-

tragsgemäss aufzuheben.    [….]