# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cbf2cc3b-8c73-5430-80f3-1b2e5f26d160
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-06-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.06.2014 D-973/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-973-2014_2014-06-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-973/2014 
 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  J u n i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch, Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   Parteien 
 

A._______, 

geboren (…), Afghanistan, 

vertreten durch Hans Peter Roth, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 24. Januar 2014 / N (…). 

 

 

D-973/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, gemäss eigenen Angaben ein afghanischer 

Staatsangehöriger aus B._______ (Provinz Kabul) mit letztem Wohnsitz 

in Kabul, verliess seinen Heimatstaat Mitte Oktober 2010. Er reiste via 

Athen, wo er sich acht Monate lang aufhielt, am 23. Juni 2011 in die 

Schweiz ein, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. 

B.  

Am 11. Juli 2011 erhob das BFM im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) Altstätten die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn 

summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen des 

Heimatlandes.  

Im Wesentlichen machte er dabei zur Begründung seines Asylgesuchs 

geltend, er habe acht Monate lang als Putzkraft für eine ausländische 

Firma namens C._______ (phonetisch) in der (…) in Kabul gearbeitet, wo 

afghanische (…) ausgebildet würden. Eines Tages, als er um zehn Uhr 

dreissig die Arbeitsstelle verlassen habe, hätten zwei Angehörige der Ta-

liban seinen Namen gerufen und ihn gefragt, wo er gewesen sei. Er habe 

angegeben, er sei bei Verwandten gewesen. Die Männer hätten jedoch 

gewusst, dass er bei jener ausländischen Firma angestellt sei und sich 

ziemlich gut im Areal auskenne. Sie hätten ihn aufgefordert, mit ihnen zu-

sammenzuarbeiten und ihnen zu helfen, die Firma in die Luft zu spren-

gen, was er abgelehnt habe. Der eine habe ihm sodann eine Waffe in die 

rechte Seite gedrückt und gesagt, er solle mitarbeiten, sonst würde er 

abdrücken. Er habe um drei Tage Bedenkzeit gebeten, um seine Familie 

um Rat zu fragen. Der Mann habe ihm gesagt, er solle den Mund halten 

und niemandem davon erzählen. Daraufhin liessen sie ihn gehen. Am fol-

genden Tag sei er den Männern wieder begegnet und sie hätten ihren 

Vorschlag wiederholt. Er gab an, er habe noch nicht mit seiner Familie 

sprechen können. Zuhause habe er dann alles seiner Mutter erzählt. Sei-

ne Eltern hätten dann entschieden, dass er das Land verlassen solle. Am 

nächsten Tag sei er nach E._______ und von dort mit einem Schlepper 

nach Griechenland aufgebrochen. Seit seiner Abreise, sei zu Hause 

nichts vorgefallen. 

C.  

Am 22. September 2011 reichte der Beschwerdeführer je eine Kopie sei-

nes Passes und seines Betriebsausweises beim BFM ein und ersuchte 

um eine Namenskorrektur. Am 20. Oktober 2011 reichte er je das Original 

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seiner Tazkara und seins Arbeitsausweises zu den Akten und machte gel-

tend, dass sich die afghanische Post weigere, den Originalpass zu 

versenden. 

D.  

Mit Schreiben vom 26. Oktober 2011 wies das BFM den Beschwerdefüh-

rer darauf hin, dass es für eine Namensänderung den Originalpass benö-

tige, den er mit einem Kurierdienst in die Schweiz senden könne, und der 

Name auf der Passkopie nicht mit jenem übereinstimme, den er gemäss 

dem Schreiben vom 22. September 2011 angegeben habe. 

E.  

Am 13. November 2013 hörte das BFM den Beschwerdeführer einlässlich 

zu seinen Asylgründen an. 

Dabei brachte er im Wesentlichen vor, er habe für eine kleine ausländi-

sche Reinigungsfirma bei den (…) gearbeitet. Dort, wo die nationale 

G._______ ausgebildet werde und von wo ausländische Firmen (…) 

transportiert hätten. Eines Tages als er von der Arbeit nach Hause ge-

kommen sei, sei er von drei Paschtunen aufgehalten worden. Sie hätten 

sich nach seiner Arbeit erkundigt und wissen wollen, was er dort mache 

und wie er dort reingehe. Er habe mit seinen Eltern darüber gesprochen, 

die ihm geraten hätten, das Land zu verlassen. Am zweiten Tag seien die 

Männer wieder gekommen und hätten verlangt, dass er für sie Spreng-

stoff deponiere, und ihn bedroht. Er habe Angst bekommen, ihnen zuge-

sagt und sei geflüchtet. An dem Tag, als er geflüchtet sei, hätten nicht 

einmal seine Eltern davon gewusst. Er habe sie erst nach drei bis vier Ta-

gen angerufen und ihnen mitgeteilt, wo er sei. Seine Eltern und die meis-

ten Geschwister seien vier bis fünf Monate nach seiner Flucht nach 

B._______ ins Dorf in ihr eigenes Haus zurückgekehrt, wo sie ein Stück 

Land besitzen würden, da sein Vater nicht genug verdient habe. 

F.  

Mit Verfügung vom 24. Januar 2014 – eröffnet am 27. Januar 2014 – stell-

te das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, und lehnte sein Asylgesuch vom 23. Juni 2011 ab. Es verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz und forderte den Beschwerdeführer – unter 

Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz 

bis zum 21. März 2014 zu verlassen.  

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Seite 4 

G.  

Mit Eingabe vom 25. Februar 2014 liess der Beschwerdeführer mittels 

seines Rechtsvertreters gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene 

Verfügung sei aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei er 

vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem 

beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-

zichten. 

H.  

Mit Verfügung vom 7. März 2014 stellte die Instruktionsrichterin des Bun-

desverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang 

des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Er-

lass von der Kostenvorschussleistungspflicht gut. Gleichzeitig gab sie 

dem BFM Gelegenheit, eine Vernehmlassung zur Beschwerde vom 

25. Februar 2014 einzureichen. 

I.  

Mit Vernehmlassung vom 14. März 2014 hielt das BFM fest, die Be-

schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel, die eine Änderung seines Entscheides rechtfertigen könnten, 

und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

J.  

Die Instruktionsrichterin stellte dem Beschwerdeführer am 19. März 2014 

eine Kopie der Vernehmlassung des BFM zu und gab ihm die Gelegen-

heit, eine Replik einzureichen. 

K.  

Am 3. April 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme zur 

Vernehmlassung ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be-

hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

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waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31], 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

[BGG, SR 173.110]).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) und die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei-

le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche 

ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des 

Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind 

beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 

S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes 

setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, 

dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden 

Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7 S. 1017 ff.; 2008/12 

E. 7.2.6.2 S. 174 f.; 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beur-

teilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der 

Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer sol-

chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rah-

men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls we-

sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwi-

schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten 

der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.4 S. 38 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 

Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.17 und 11.18).  

4.  

4.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaub-

haftmachung nicht standhalten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft 

werden müsse. 

Im Einzelnen führte es im Wesentlichen aus, der eingereichte Dienstaus-

weis des Beschwerdeführers zur Untermauerung seiner Vorbringen eigne 

sich nicht, den asylrelevanten Sachverhalt glaubhaft zu machen. Im Übri-

gen handle es sich offensichtlich um ein eigenhändig angefertigtes Do-

kument, dem keinerlei Beweiskraft zukomme. Es erübrige sich daher, nä-

her darauf einzugehen. Seine Ausführungen enthielten eine Reihe wider-

sprüchlicher Angaben einerseits zu seiner Anstellung bei der ausländi-

schen Firma und andererseits zu seiner geltend gemachten Verfolgung 

durch Angehörige der Taliban: Anlässlich der Befragung im EVZ habe er 

angegeben, die ausländische Firma hiesse "C._______". Dieser Name 

stimme in keiner Weise mit dem abgegebenen Arbeitsausweis mit der 

Bezeichnung "H._______" überein und anlässlich der Anhörung habe er 

sich überraschenderweise nicht mehr an den Namen erinnert. Ebenso 

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habe er im Gegensatz zur Befragung im EVZ anlässlich der Anhörung 

nicht mehr gewusst, wie lange er dort angestellt gewesen sei. Er habe 

sich auch nicht mehr an das Jahr, in welchem er die Drohungen erhalten 

und Afghanistan verlassen habe, erinnert. Auch zu den Standorten der 

Firma habe er unterschiedliche Angaben gemacht. Auf Vorhalt hin sei es 

ihm nicht gelungen, diese Widersprüchlichkeiten zu erklären und aufzulö-

sen. Im Weiteren habe er anlässlich der Befragung im EVZ von zwei an-

lässlich der Anhörung von drei Personen gesprochen. Ausserdem habe er 

im EVZ zu Protokoll gegeben, die Unbekannten hätten ihn bereits bei der 

ersten Begegnung unter Druck gesetzt und mit einer Waffe bedroht. An-

lässlich der Anhörung gab er an, erst beim zweiten Mal bedroht worden 

zu sein. Dass die Bedrohung mit Waffengewalt erfolgt sei, habe er mit 

keinem Wort mehr erwähnt. Konfrontiert mit seinen unterschiedlichen 

Aussagen, sei es ihm nicht gelungen, eine überzeugende Erklärung ab-

zugeben. Er habe lediglich die Richtigkeit des Protokolls der Erstbefra-

gung und die Kompetenz der übersetzenden Person bemängelt. Ange-

sichts dessen, dass ihm beide Protokolle rückübersetzt worden seien, er 

dabei nichts bemängelt habe, sondern deren Richtigkeit mit der Unter-

schrift bestätigt habe, vermöge dieses Argument nicht zu überzeugen. 

Seine widersprüchlichen Angaben sprächen vielmehr für die Unglaubhaf-

tigkeit seiner Asylvorbringen. Da es sich bei seiner Dienstkarte um ein 

zweifelhaftes Dokument handle, sei es höchst unwahrscheinlich und wi-

derspreche der allgemeinen Erfahrung, dass ein einfacher Reinigungs-

mitarbeiter ohne besondere Anforderungen eine Anstellung in einem so 

heiklen Umfeld erhalte, Zutritt zu geheimen Gebäulichkeiten bekomme 

und von seinem Vorgesetzten keinerlei Informationen über sicherheits-

technische Vorkehrungen erhalte. So müsse auch seine Aussage, wo-

nach er die Aufforderung der Unbekannten, bei der Durchführung eines 

Bombenattentats behilflich zu sein, nicht bei seinem Vorgesetzten oder 

bei der Polizei hätte melden können, weil der Verdacht sonst auf ihn ge-

fallen wäre, als unglaubhaft eingestuft werden. Im Weiteren widerspreche 

es der allgemeinen Erfahrung und Logik bei der Planung und Durchfüh-

rung eines Bombenattentats, dass unbekannte und nicht eingeweihte 

Personen wie er auf der Strasse angesprochen und Tage zuvor über ein 

kriminelles Vorhaben informiert würden. Seine Schilderung, wonach er 

von Angehörigen der Taliban, die er nie zuvor gesehen habe, angespro-

chen und bei der ersten Begegnung sogleich über einen geheim geplan-

ten Anschlag in Kenntnis gesetzt worden sei, könne nicht geglaubt wer-

den. Ebenso unglaubhaft sei auch seine Aussage, er sei zwar bei den 

Begegnungen mit diesen Männern mit dem Tod bedroht worden, schliess-

lich habe man ihn aber laufen lassen beziehungsweise ihm eine Bedenk-

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zeit gewährt, so dass er rechtzeitig habe fliehen können. Die Taliban wür-

den potentielle Mitwisser und Helfer bekanntermassen nicht wahllos und 

zufällig auf der Strasse auswählen, sondern gingen wählerisch und um-

sichtig vor. Vorzugsweise würden Mitglieder innerhalb des eigenen Clans 

rekrutiert, wobei eine islamische Geisteshaltung vorausgesetzt werde. 

Nicht selten seien dabei auch die Bezahlung hoher Gehälter bezie-

hungsweise Geldsummen im Spiel. Gemäss seinen Angaben, hätten ihm 

die unbekannten Männer keinen Profit beispielsweise in Form von Geld in 

Aussicht gestellt, um ihnen zu helfen, was äusserst ungewöhnlich sei. 

4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge-

macht, dass die Bedenken hinsichtlich des Zugangs des Beschwerdefüh-

rers in die (…) Sperrzone nachvollziehbar seien. Das BFM übersehe je-

doch, dass die Anstellung als Reinigungsangestellter und die abgegebe-

ne Sicherheitskarte nur Zutritt zu einer limitierten Anlage der Sperrzone 

gewährt hätten, nämlich zum J._______. Dieses J._______ sei in erster 

Linie ein (…) für afghanische (…). Die Personalauswahl erfolge nicht 

nach westlichen Kriterien zur Überprüfung des Leumunds eines Bewer-

bers, weil die entsprechenden staatlichen Strukturen, welche die Zuver-

lässigkeit eines Bewerbers oder einer Bewerberin überprüfen könnten 

weitgehend fehlen würden. Bewerber würden deshalb eine persönliche 

Empfehlung eines Clan- Oberhauptes benötigen, was relativ zuverlässig 

funktioniere. Denn die politische Zuverlässigkeit eines Clan-Oberhauptes 

sei bekannt und der soziale Druck innerhalb eines Clans sei so stark, 

dass kaum jemand durch Vorspiegelung falscher Loyalität zu einem Job 

in der militärischen L._______ gelangen könne. Da im J._______ die Af-

ghanen die Mehrheit stellen würden, sei die Sicherheitsprüfung zum Zu-

tritt in dieses J.________ anders als in rein ausländischen Militärstruktu-

ren. Im J._______ seien weder besonders wertvolle Waffen stationiert, 

noch würden dort ausländische Armeeangehörige wohnen. Deshalb sei 

das Risiko eines Anschlags auf die dortige Einrichtung etwas geringer als 

anderswo in der L._______. Nicht vergessen dürfe man, dass der Be-

schwerdeführer nur geringe Schulbildung habe und sich selbst als Anal-

phabeten bezeichne. Solche Asylsuchende würde es in der Regel beson-

ders schwer haben, ihre Asylgründe in einer Weise zu präsentieren, wel-

che schweizerische Befrager/innen auf Anhieb überzeugen könnten. Es 

sei deshalb besonders wichtig, auf allfällige Realitätskennzeichen zu ach-

ten. Solche fänden sich in den Aussagen des Beschwerdeführers zum 

Beispiel, wenn er seinen Arbeitsort im (…) ansiedle, dort wo früher die 

(…) stattgefunden hätten. Die vom BFM vorgenommene Glaubhaftig-

keitsprüfung erscheine unsorgfältig und einseitig. Es fehle an einer ge-

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wissenhaften Würdigung des gesamten Aussageverhaltes des Be-

schwerdeführers. Das BFM entwickle eine recht eigenartige Definition 

des Glaubwürdigkeitsbegriffs. Es lege seiner Beurteilung eigene Interpre-

tationen der geschilderten Handlungsabläufe zugrunde, die nicht einer 

zwingenden Logik entspringen würden und durchwegs zum Nachteil des 

Beschwerdeführers ausgelegt seien. Das BFM lasse dabei ausser Be-

tracht, dass in der geltenden Rechtspraxis die Anforderungen an die 

Glaubhaftmachung kleiner seien als bei einer Beweisführung. 

4.3 In der Vernehmlassung vom 14. März 2014 führte das BFM aus, dass 

insofern das J._______ in der Beschwerde als eigentlicher Arbeitsort des 

Beschwerdeführers geltend gemacht werde, der Beschwerdeführer wäh-

rend seines Asylverfahrens zu keinem Zeitpunkt erwähnt habe, dass die-

ses J._______ sein Arbeitsort gewesen sei. Es handle sich dabei folglich 

um ein nachgeschobenes Element, das ohne zwingenden Grund erst auf 

Beschwerdeebene geltend gemacht werde und die Zweifelhaftigkeit sei-

ner Vorbringen bekräftige. 

4.4 In der Replik wird geltend gemacht, das BFM lasse unberücksichtigt, 

dass der Beschwerdeführer Analphabet sei und sich bemüht habe, den 

Namen seine Arbeitsgebers phonetisch wiederzugeben. Gemäss Akte A5 

S. 2 habe er "C._______" als seinen Arbeitgeber und den Arbeitsort als 

(…) bezeichnet. Der Arbeitgeber sei für die Ausbildung afghanischer (…) 

zuständig. Aufgrund von geografischen Angaben zur Stadt Kabul habe 

der Rechtsvertreter mit dem Beschwerdeführer herausgefunden, dass es 

sich beim Arbeitgeber "C._______" um das "J._______" handeln müsse. 

Analphabeten könnten sich fremdsprachige Bezeichnungen nur über das 

Ohr merken. Es dürfe deshalb dem Beschwerdeführer nicht angelastet 

werden, dass er das "J._______" nicht schon in den Befragungen richtig 

habe benennen können. 

5.  

Übereinstimmend mit der Einschätzung des BFM gelangt das Bundes-

verwaltungsgericht zur Auffassung, dass der Beschwerdeführer mit sei-

nen in den Befragungen erteilten Auskünften in den für die Prüfung der 

Flüchtlingseigenschaft relevanten Punkten den Anforderungen des 

Glaubhaftmachens nicht zu genügen vermag. 

Wie vom BFM zutreffend festgestellt wurde, konnte der Beschwerdeführer 

keine konkreten Angaben über die Bedrohungssituation machen. Er 

wusste zwar um welche Uhrzeit und wo er ungefähr bedroht worden sei 

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(vgl. Akte A19/11 F48 ff.), vermochte jedoch ansonsten keine Details an-

zugeben und insbesondere die Szenen der Bedrohung nicht kohärent zu 

erzählen, so dass zumindest der Kern der Aussage erhalten geblieben 

wäre. So gab der Beschwerdeführer im EVZ an, er sei von zwei Taliban 

bedroht worden (vgl. Akte A5/13 S. 6). Anlässlich der Anhörung hat er 

hingegen von drei Personen gesprochen, die ihn bedroht hätten (vgl. Akte 

A19/11 F41 f.). Zudem erwähnte er anlässlich der Befragung im EVZ, es 

sei ihm bei der ersten Bedrohungssituation gesagt worden, er solle ihnen 

helfen, die Firma in die Luft zu sprengen und sie hätten ihm, als er sich 

geweigert habe, eine Waffe in die rechte Seite gedrückt. Demgegenüber 

erwähnte er anlässlich der Anhörung weder die Waffe noch die Bedro-

hung anlässlich des ersten Zusammentreffens mit den Unbekannten. Erst 

am zweiten Tag hätten sie ihn unter Druck gesetzt. Die Waffe wird von 

ihm anlässlich der Anhörung gar nicht zur Sprache gebracht. Selbst wenn 

die Anhörung erst zwei Jahre nach der Befragung im EVZ stattfand, ist 

davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer daran hätte erinnern 

vermögen, wenn er tatsächlich mit einer Waffe bedroht worden wäre. 

Weiter hat er sich auch widersprochen hinsichtlich, wann er den Eltern 

von den Drohungen berichtet habe. Im EVZ gab er an, erst nachdem er 

ein zweites Mal den beiden Männern begegnet sei, habe er alles seiner 

Mutter erzählt (vgl. Akte A5/13 S. 6). Demgegenüber gab er anlässlich der 

Anhörung an, er habe nachdem er die drei Personen das erste Mal gese-

hen habe, mit seinen Eltern darüber gesprochen (vgl. Akte A19/11 F42). 

Nebst den nicht übereinstimmenden Angaben zur Bedrohungssituation, 

ist festzustellen, dass seine Angaben auch nicht logisch sind. Es ist nicht 

davon auszugehen, dass ihn die Männer gehen liessen und ihm drei Tage 

Bedenkzeit gaben, damit er deren Vorschlag mit den Eltern diskutieren 

könne und ihm gleichzeitig sagten, er solle den Mund halten und nieman-

dem davon erzählen. Das BFM hat auch zutreffend ausgeführt, dass ihn 

die Männer wohl nicht sogleich beim ersten Treffen über den Sprengstoff-

anschlag informiert hätten. Schliesslich erwähnte er anlässlich der Anhö-

rung, als er geflüchtet sei, hätten seine Eltern nichts davon gewusst. Er 

habe sie erst nach drei bis vier Tagen informiert (vgl. Akte A19/11 F42). 

Gemäss seinen Ausführungen anlässlich der Befragung sei er am Tag 

nachdem er mit den Eltern darüber gesprochen habe, geflüchtet (vgl. Ak-

te A5/13 S. 6). Abgesehen davon, dass diese Angaben nicht korrespon-

dieren, sind sie auch nicht mit der Finanzierung seiner plötzlichen Flucht 

in Übereinstimmung zu bringen, wonach sein Vater ihm die Reise finan-

ziert habe, indem er das Auto für USD 7000.– verkauft und Geld geliehen 

habe (vgl. Akte A5/13 S. 10). Aufgrund dieser Finanzierung der Flucht von 

Kabul bis in die Schweiz und der hohen Summe, welche er dazu benötig-

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Seite 11 

te, ist viel mehr davon auszugehen, dass die Flucht eine länger dauernde 

Planung in Anspruch genommen hat, als dass diese von einem auf den 

anderen Tag beziehungsweise ohne die Eltern zu informieren, hätte statt-

finden können und einen anderen als den vom Beschwerdeführer geltend 

gemachten Hintergrund hat.  

Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass seine Schilderung der 

Bedrohungsszenen selbst unter Berücksichtigung seiner geringen Schul-

bildung nicht zu einem in sich geschlossenen konsistenten Bild rekon-

struiert werden kann. Seine Asylvorbringen sind deshalb unabhängig da-

von, ob er tatsächlich als Putzkraft in einer (…) gearbeitet hat, als für 

nicht glaubhaft zu erachten. 

6.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine asyl-

rechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder 

zumindest glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als Flüchtling an-

erkannt werden kann. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abge-

lehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen (Art. 44 AsylG, Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 

1999 [AsylV 1, SR 142.311], BVGE 2011/24 E. 10.1 m.w.H.). Die Weg-

weisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 

über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).  

Bei der Geltendmachung von Vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der 

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Seite 12 

Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG).  

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Nach Art. 25 Abs. 3 

der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 

18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der 

Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der 

Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand 

der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-

lung unterworfen werden. 

8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 

darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement 

nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden 

Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh-

rers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig.  

Sodann ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten 

Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

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müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft 

machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschli-

che Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi ge-

gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, 

§§ 124 ff., m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Af-

ghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 

als unzulässig erscheinen.  

8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Wegweisungsvollzug im Sinne der asyl- 

und der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 

und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-

fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Grundsatzurteil 

BVGE 2011/7 vom 16. Juni 2011 ausführlich mit der aktuellen Lage in Af-

ghanistan auseinandergesetzt und kommt zum Ergebnis, dass in weiten 

Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Grossstädten – eine derart 

schlechte Sicherheitslage herrscht und schwierige humanitäre Bedingun-

gen bestehen, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von 

Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9.1). Dem-

gegenüber gehört der Bereich der Hauptstadt Kabul trotz vereinzelter 

spektakulärer Anschläge weiterhin zu den relativ stabilen Landesteilen. 

Somit ist die Situation in der Hauptstadt etwas anders zu beurteilen. Dort 

hat sich die Sicherheitslage nicht weiter verschlechtert und die humanitä-

re Situation ist im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dra-

matisch. Der Vollzug der Wegweisung nach Kabul kann demnach unter 

Umständen als zumutbar qualifiziert werden (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9.2). 

Solche Umstände könnten namentlich dann gegeben sein, wenn es sich 

beim Rückkehrenden um einen jungen, gesunden Mann handle. Ange-

sichts der bisher aufgezeigten konstanten Verschlechterung der Lage 

über die vergangenen Jahre hinweg und der auch in Kabul schwierigen 

Situation verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits in Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

2003 Nr. 10 formulierten strengen Bedingungen in jedem Einzelfall sorg-

fältig geprüft und erfüllt sein müssten, um einen Wegweisungsvollzug 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51

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nach Kabul als zumutbar zu qualifizieren. Unabdingbar sei in erster Linie 

ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiederein-

gliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise. Ohne Unterstützung 

durch Familie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse 

auch in Kabul unweigerlich in eine existenzielle beziehungsweise lebens-

bedrohende Situation führen. Für einen Rückkehrer aus Europa bestehe 

aufgrund der Vermutung, dass er Devisen auf sich trage, gleich nach sei-

ner Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu wer-

den. Verfüge er auf der anderen Seite über keine genügenden finanziel-

len Mittel, hätte er ohne soziale Vernetzung kaum Aussicht auf eine zu-

mutbare Unterkunft. Auch bei der Arbeitssuche sei die Einstellung, selbst 

von unqualifizierten Arbeitskräften, regelmässig von persönlichen Bezie-

hungen abhängig. Eine die Gesundheit nur einigermassen garantierende 

Ernährung wäre ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls 

kaum möglich, und der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig; Un-

terstützungsmassnahmen der Regierung oder internationaler Organisati-

onen könnten laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. Kämen in 

einer solchen Situation noch gesundheitliche Umstellungsschwierigkeiten 

hinzu, geriete auch ein junger gesunder Mann ohne soziale Vernetzung 

unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine existenzbedrohende Situation 

(vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.).  

8.3.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich gemäss Akten um einen al-

leinstehenden, 27-jährigen Mann. Der Beschwerdeführer lebte seit sei-

nem 14. Lebensjahr mit seinen Eltern und sechs Geschwistern in Kabul. 

Gemäss seinen Angaben anlässlich der Anhörung sei seine Familie aus 

finanziellen Gründen vier bis fünf Monate nach seiner Ausreise im Okto-

ber 2010 zurück nach B._______ gezogen, wo sie über ein Haus und ein 

Stück Land verfüge (vgl. Akte A19/11 F57 ff.). Allerdings gab der Be-

schwerdeführer anlässlich der Befragung zur Person im Juli 2011 an, sei-

ne Familie wohne in Kabul (vgl. Akte A5/13 S. 3). Unabhängig von diesen 

widersprüchlichen Aussagen zum Aufenthaltsort seiner Familie, gab er 

selber an, dass B._______ zur Stadt Kabul gehöre und im Norden von 

Kabul liege (vgl. Akte A19/11 F58). Ferner verfügt er mit einer verheirate-

ten Schwester in der Nähe von Kabul, zwei Onkel mütterlicherseits in Ka-

bul sowie zwei Onkel und eine Tante väterlicherseits und zwei Tanten 

mütterlicherseits in der Umgebung von Kabul über ein grosses Bezie-

hungsnetz in und um Kabul (vgl. Akte A5/13 S. 3 f.). Es ist deshalb davon 

auszugehen, dass ihm seine soziale Vernetzung auch bei der Arbeitssu-

che behilflich sein kann. Der Beschwerdeführer gab an, dass er nur zwei 

Klassen Grundschule und vier bis fünf Monate Koranschule besucht habe 

D-973/2014 

Seite 15 

und Analphabet sei. Er habe auf dem Bazar als Tagelöhner und als Putz-

kraft für ein ausländisches Unternehmen gearbeitet. Damit verfügt er 

zwar nicht über besondere berufliche Qualifikationen. Dennoch sollte es 

dem 27-jährigen, alleinstehenden und gesunden (vgl. Akte A19/11 F65) 

Beschwerdeführer mit Hilfe seines Beziehungsnetzes möglich sein, sich 

eine wirtschaftliche Existenzgrundlage zu erarbeiten und sich zu integrie-

ren. Zur Überbrückung allfälliger Anfangsschwierigkeiten kann er beim 

BFM zudem Rückkehrhilfe beantragen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Es 

ist demnach nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei der 

Rückkehr nach Kabul aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer 

oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten 

würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher nicht als unzu-

mutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

demnach abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-

richt [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi-

ge kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Sarah Ferreyra 

 

 

Versand: