# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0183dd6-753b-562f-97e5-c753cbf0f78d
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-01-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.01.2011 RR.2010.92
**Docket/Reference:** RR.2010.92
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2010-92_2011-01-19

## Full Text

Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).
;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).
;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).
;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frankreich. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).

Entscheid vom 19. Januar 2011 
II. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, 
Andreas J. Keller und Joséphine Contu,  
Gerichtsschreiber Tornike Keshelava  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Fürsprecher Ismet Bardakci, 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

BUNDESANWALTSCHAFT,  
Beschwerdegegnerin 

 
Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frank-

reich 
 
Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  RR.2010.92 + RP.2010.25 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Gegen B., geb. 5. August 1989, und weitere Personen wird in Frankreich 
ein Strafverfahren wegen Verdachts der Beteiligung an einer kriminellen 
Vereinigung sowie der Vorbereitung terroristischer Handlungen geführt. 

 
In diesem Zusammenhag ersuchte die Staatsanwaltschaft von Paris mit 
Schreiben vom 18. Dezember 2008 die Schweiz unter anderem um Infor-
mationen betreffend A. und seine Stellung innerhalb der Arbeiterpartei Kur-
distans (nachfolgend „PKK“) sowie seine Rolle bei der Rekrutierung von 
jungen Kurden und Organisation von Ausbildungslagern in der Schweiz 
und in Europa (Akten Bundesanwaltschaft, Band I, Klappe 3). 

 
B. Am 29. Januar 2009 übertrug das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) 

gestützt auf Art. 79 Abs. 2 IRSG das vorerwähnte Rechtshilfeersuchen der 
Bundesanwaltschaft zum Vollzug (Akten Bundesanwaltschaft, Band I, Klap-
pe 5). 

 
Mit Eintretensverfügung vom 6. Februar 2009 beauftragte die Bundesan-
waltschaft die Bundeskriminalpolizei (nachfolgend „BKP“), die erforderli-
chen Abklärungen zu treffen (Akten Bundesanwaltschaft, Band I, Klappe 4). 
 
Mit Schlussverfügung vom 19. März 2010 entsprach die Bundesanwalt-
schaft dem Rechtshilfeersuchen und ordnete die Herausgabe diverser Un-
terlagen und Dateien im Zusammenhang mit den Erhebungen der BKP 
betreffend A. an die ersuchende Behörde an (act 1.1). 
 

C. Dagegen führt A. mit Eingabe vom 27. April 2010 Beschwerde bei der 
II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit folgenden Anträgen 
(act. 1): 

„1. Es sei die Schlussverfügung der Bundesanwaltschaft vom 19. März 2010 aufzuheben 

und das Gesuch um Rechtshilfe abzuweisen. 

 

2. Eventuell: In Aufhebung der angefochtenen Schlussverfügung sei die Sache zur Neu-

beurteilung und Begründung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

 

3. Es sei in einer Zwischenverfügung festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebende 

Wirkung zukommt.  

 

- 3 - 

 

 

4. Es sei dem Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren das Recht zur 

unentgeltlichen Prozessführung zu erteilen und ihm der unterzeichnende Anwalt amt-

lich beizuordnen.  

 

  - unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Bundesanwaltschaft -.“ 

 

Die Bundesanwaltschaft und das BJ beantragen in ihren Beschwerdeant-
worten vom 9. bzw. 28. Juni 2010 die kostenfällige Abweisung der Be-
schwerde (act. 5 und 8). In der Beschwerdereplik vom 15. Juli 2010 hält A. 
sinngemäss an seinen Anträgen fest (act. 11). Die Bundesanwaltschaft hält 
in ihrer Beschwerdeduplik vom 29. Juli 2010 an ihren Anträgen fest 
(act. 13), während das BJ mit Schreiben vom 30. Juli 2010 auf die Einrei-
chung einer Beschwerdeduplik verzichtet (act. 14), wovon dem Rechtsver-
treter von A. am 2. August 2010 Kenntnis gegeben wurde (act. 15). 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 

 
Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 
 

1. Für die akzessorische Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Frankreich 
sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe 
in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1), der zwischen dem 
Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Französischen Repu-
blik abgeschlossene Vertrag vom 28. Oktober 1996 zur Ergänzung des 
EUeR (SR 0.351.934.92) sowie die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Über-
einkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens 
von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsüberein-
kommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 – 62) massge-
bend.  

 
Soweit das Staatsvertragsrecht bestimmte Fragen nicht abschliessend re-
gelt, gelangt das schweizerische Landesrecht, namentlich das Bundesge-
setz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen 
(IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über interna-
tionale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11), zur Anwendung 
(vgl. Art. 1 Abs. 1 IRSG). Das innerstaatliche Recht gilt nach dem Günstig-
keitsprinzip auch dann, wenn dieses geringere Anforderungen an die 
Rechtshilfe stellt (BGE 129 II 462 E. 1.1 S. 464). Das Günstigkeitsprinzip 
gilt auch innerhalb der massgebenden internationalen Rechtsquellen 

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(vgl. Art. 59 SDÜ). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte 
(vgl. BGE 123 II 595 E. 7c S. 616 ff.). 

 
2.  
2.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführen-

den Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, 
unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der 
Beschwerde an die II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 
(Art. 80e IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes, 
StBOG; SR 173.71; Art. 19 Abs. 2 des Organisationsreglements vom 
31. August 2010 für das Bundesstrafgericht, BStGerOG; SR 173.713.161). 

 
2.2 Die Beschwerdefrist gegen die Schlussverfügung beträgt 30 Tage ab der 

schriftlichen Mitteilung der Verfügung (Art. 80k IRSG). Die angefochtene 
Verfügung ist dem Beschwerdeführer am 29. März 2010 eröffnet worden 
(act. 16). Die Beschwerde vom 27. April 2010 ist demnach fristgerecht ein-
gereicht worden. 

 
2.3  
2.3.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer 

Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an 
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG).  

Nach der Rechtsprechung liegt ein schutzwürdiges Interesse nicht schon 
dann vor, wenn jemand irgendeine Beziehung zum Streitobjekt zu haben 
behauptet. Vielmehr ist zur Bejahung der Legitimation erforderlich, dass der 
angefochtene Entscheid den Beschwerdeführer in stärkerem Masse be-
rührt als die Allgemeinheit der Bürger, bzw. eine vom einschlägigen Bun-
desrecht erfasste spezifische Beziehungsnähe gegeben ist. Die Rechtspre-
chung anerkennt deshalb die Legitimation jeder natürlichen oder juristi-
schen Person, die von einer Rechtshilfemassnahme unmittelbar berührt 
wird, verneint dagegen die Beschwerdebefugnis von Personen, die nur mit-
telbar von der angefochtenen Verfügung betroffen sind (zum Ganzen 
BGE 130 II 162 E. 1.1 S. 163; 128 II 211 E. 2.3 S. 217; 123 II 153 E. 2b 
S. 156, je m.w.H.). 

2.3.2 Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf die Herausgabe von Foto- 
und Videomaterial, das die Beschwerdegegnerin aus den Dateien hat 
erstellen lassen, welche auf dem im Rahmen des gegen den Beschwerde-
führer geführten gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens sichergestell-
ten Mobiltelefon und MP3-Player des Beschwerdeführers vorgefunden 
worden sind. Bei den zur Herausgabe vorgesehenen Akten handelt es sich 

- 5 - 

 

 

mithin um Unterlagen, die durch die Auswertung von den beim Beschwer-
deführer zwangsweise erhobenen Gegenständen erstellt worden sind. Ge-
mäss Art. 267 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 
5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0), die gemäss Art. 448 Abs. 1 StPO ab 
dem 1. Januar 2011 auch auf hängige Strafverfahren zur Anwendung ge-
langt, ist die Beschlagnahme aufzuheben und sind die Gegenstände und 
Vermögenswerte der berechtigten Person auszuhändigen, wenn der Grund 
für die Beschlagnahme weggefallen ist. Mit dem Rückgabeanspruch wäre 
es nicht zu vereinbaren, wenn die berechtigte Person keine Möglichkeit 
hätte, sich gegen die Herausgabe der durch die Auswertung der beschlag-
nahmten Gegenstände erstellten Akten zu wehren. Auch wenn die Be-
schlagnahme vorliegend nicht im Rahmen des Rechtshilfeverfahrens, son-
dern im nationalen Strafverfahren angeordnet worden ist, ist dem Be-
schwerdeführer daher die Betroffenenstellung im Sinne von Art. 80h lit. b 
IRSG einzuräumen (vgl. in diesem Sinne auch Entscheid des Bundesstraf-
gerichts RR.2007.112 vom 19. Dezember 2007, E. 2.5 m.w.H.). Auf die Be-
schwerde ist folglich einzutreten. 

 
2.4 Vorliegender Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wir-

kung zu (Art. 21 Abs. 4 Iit. b IRSG), weshalb über den entsprechenden An-
trag nicht zu befinden ist. 

 
3. Die II. Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebun-

den (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Rechtshilfevoraussetzungen grund-
sätzlich mit freier Kognition. Die II. Beschwerdekammer befasst sich jedoch 
nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 
(Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.2 vom 9. Juli 2009, E. 2.4; 
RR.2007.34 vom 29. März 2007, E. 3, je m.w.H.). Nach der bundesgericht-
lichen Rechtsprechung muss sich die urteilende Instanz sodann nicht mit 
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne 
Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn die Behörde 
wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess 
und auf welche sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 
1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2 m.w.H.). 

4.  
4.1 Der Beschwerdeführer rügt unter anderem die mangelhafte Sachverhalts-

schilderung im Rechtshilfeersuchen sowie das Fehlen des Rechtshilfeer-
fordernisses der beidseitigen Strafbarkeit. Zusammengefasst macht er 
diesbezüglich geltend, dass im Rechtshilfeersuchen ohne jegliche Begrün-
dung davon ausgegangen werde, dass es sich bei der PKK um eine terro-
ristische Organisation handle. Sodann gehe aus der Sachverhaltsschilde-

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rung des Ersuchens nicht hervor, auf welche Weise B. in ihrer körperlichen 
Fortbewegungsfreiheit beeinträchtigt oder mittels welcher Tatmittel sie an 
einen anderen Ort verbracht worden sei. Der im Rechtshilfeersuchen dar-
gelegte Sachverhalt lasse sich daher entgegen der Beschwerdegegnerin 
weder unter den Tatbestand der kriminellen Organisation im Sinne von 
Art. 260ter StGB noch den der Freiheitsberaubung und Entführung gemäss 
Art. 183 StGB subsumieren (act. 1 Ziff. III.B.3-5). 

4.2 Ein Rechtshilfeersuchen muss insbesondere Angaben über den Gegen-
stand und den Grund des Ersuchens enthalten (Art. 14 Ziff. 1 lit. b EUeR). 
Ausserdem muss das Ersuchen in Fällen wie dem vorliegenden die strafba-
re Handlung bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts ent-
halten (Art. 14 Ziff. 2 EUeR). Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG i.V.m. Art. 10 IRSV 
stellen entsprechende Anforderungen an das Rechtshilfeersuchen. Diese 
Angaben müssen der ersuchten Behörde die Prüfung erlauben, ob die 
doppelte Strafbarkeit gegeben ist (vgl. Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob die 
Handlungen, wegen denen um Rechtshilfe ersucht wird, nicht politische 
oder fiskalische Delikte darstellen (Art. 2 lit. a EUeR) und ob der Grundsatz 
der Verhältnismässigkeit gewahrt wird (BGE 129 II 97 E. 3.1 S. 98 f. 
m.w.H.). 

Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-
hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Von den Behörden des ersu-
chenden Staates kann nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt, der 
Gegenstand des hängigen Strafverfahrens bildet, bereits lückenlos und völ-
lig widerspruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des 
Rechtshilfeverfahrens nicht vereinbar, ersucht doch ein Staat einen ande-
ren gerade deswegen um Unterstützung, damit er die bisher im Dunkeln 
gebliebenen Punkte aufgrund von Beweismitteln, die sich im ersuchten 
Staat befinden, klären kann. Es reicht daher aus, wenn die Angaben im 
Rechtshilfeersuchen den schweizerischen Behörden ermöglichen zu prü-
fen, ob ausreichend konkrete Verdachtsgründe für eine rechtshilfefähige 
Straftat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. in welchem 
Umfang dem Begehren allenfalls entsprochen werden muss. Es kann auch 
nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvorwürfe be-
reits abschliessend mit Beweisen belegt. Der Rechtshilferichter hat weder 
Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweis-
würdigung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachdarstellung im 
Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken 
oder Widersprüche sofort entkräftet wird (BGE 133 IV 76 E. 2.2 S. 79; 132 
II 81 E. 2.1 S. 85; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.39 vom 
22. September 2009, E. 8.1; RR.2008.158 vom 20. November 2008, E. 5.3, 
je m.w.H). 

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4.3 Die Vertragsparteien des EUeR können sich das Recht vorbehalten, die Er-
ledigung von Rechtshilfeersuchen um Durchsuchung oder Beschlagnahme 
von Gegenständen der Bedingung zu unterwerfen, dass die dem Ersuchen 
zugrunde liegende strafbare Handlung sowohl nach dem Recht des ersu-
chenden als auch nach dem des ersuchten Staates strafbar ist (Art. 5 Ziff. 1 
lit. a EUeR). Die Schweiz hat für die Vollziehung von Rechtshilfeersuchen, 
mit welchen Zwangsmassnahmen beantragt werden, einen entsprechen- 
den Vorbehalt angebracht. Art. 64 Abs. 1 IRSG bestimmt für die akzessori-
sche Rechtshilfe, dass prozessuale Zwangsmassnahmen nur angewendet 
werden dürfen, wenn aus der Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen hervor- 
geht, dass die im Ausland verfolgte Handlung die objektiven Merkmale ei-
nes nach schweizerischem Recht strafbaren Tatbestandes aufweist. 

Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist 
der im Rechtshilfeersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie 
wenn die Schweiz wegen des analogen Sachverhalts ein Strafverfahren 
eingeleitet hätte (BGE 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90; 129 II 462 E. 4.4 S. 465). Zu 
prüfen ist mithin, ob der im Ausland verübte inkriminierte Sachverhalt, so- 
fern er – analog – in der Schweiz begangen worden wäre, die Tatbe-
standsmerkmale einer schweizerischen Strafnorm erfüllen würde. Die 
Strafnormen brauchen nach den Rechtssystemen der Schweiz und des er-
suchenden Staates nicht identisch zu sein (Urteil des Bundesgerichts 
1A.125/2006 vom 10. August 2006, E. 2.1 m.w.H.). Dabei genügt es, wenn 
der im Rechtshilfeersuchen geschilderte Sachverhalt unter einen einzigen 
Straftatbestand des schweizerischen Rechts subsumiert werden kann. Es 
braucht dann nicht weiter geprüft zu werden, ob darüber hinaus auch noch 
weitere Tatbestände erfüllt sein könnten (BGE 129 II 462 E. 4.6 S. 466). 
Ebenfalls nicht erforderlich ist, dass dem von der Rechtshilfemassnahme 
Betroffenen im ausländischen Strafverfahren selbst ein strafbares Verhal-
ten zur Last gelegt wird (Urteil des Bundesgerichts 1A.245/2006 vom 
26. Januar 2007, E. 3). 

Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob der von der ersuchenden Behörde dar-
gelegte Sachverhalt unter eine Strafbestimmung des schweizerischen 
Rechts subsumiert werden kann. 

4.4 Dem Rechtshilfeersuchen vom 18. Dezember 2008 ist folgender Sachver-
halt zu entnehmen: Am 11 April 2008 habe der stellvertretende Schulleiter 
im Beisein der Eltern von B. das Verschwinden ihrer Tochter bei der Polizei 
gemeldet. Dies, nachdem B. seit dem 6. April 2008 nicht mehr am Schulun-
terricht teilgenommen habe. Die Eltern sollen dabei die Vermutung geäus-
sert haben, dass ihre Tochter von PKK-Mitgliedern entführt worden sei. Am 
8. April 2008 habe man ihnen im kurdischen Kulturzentrum, in dem B. ge-

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arbeitet habe, gesagt, dass die Leute, die ihre Tochter „genommen“ hätten, 
sich bei ihnen melden würden. Am gleichen Abend sollen sich drei Perso-
nen bei ihnen gemeldet und ihnen mitgeteilt haben, dass sie bald von ihrer 
Tochter hören würden. Später habe B. sie angerufen und gebeten, Nach-
forschungen zu unterlassen. Am nächsten Tag sollen die Eltern einen ge-
wissen „C.“ getroffen haben, der ihnen mitgeteilt habe, dass ihre Tochter 
mit anderen Jugendlichen nach Deutschland gereist sei, um dort eine von 
der PKK erteilte Ausbildung zu absolvieren. Danach seien sie nicht mehr 
kontaktiert worden und hätten nichts mehr von ihrer Tochter gehört, obwohl 
sie diese auf ihrem Mobiltelefon vergeblich zu erreichen versucht hätten. 
Nach ihrer Ansicht hätte sich ihre Tochter nicht aus eigener Initiative nach 
Deutschland begeben. Die Eltern von B. sollen ferner angegeben haben, 
dass ein gewisser „D.“, der in den türkischen Kreisen als ehemaliger Kämp-
fer und Aktivist der PKK bekannt sei, am Ursprung des Verschwindens ih-
rer Tochter stehe. Diese Person sei bekannt dafür, dass er in der Region 
Paris Menschen anwerbe, die über Deutschland in die Türkei, in den Irak, 
nach Syrien und in den Iran zum Kämpfen geschickt werden. Im Zuge der 
Ermittlungen sei bekannt geworden, dass B. am 16. Juni 2008 bei der 
Rückkehr aus Italien in einem Auto zusammen mit weiteren Personen kon-
trolliert worden sei. Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs seien Notizen 
über einen von der PKK organisierten einmonatigen Ausbildungskurs si-
chergestellt worden. Allem Anschein nach seien diese Personen von einem 
Ausbildungslager der terroristischen Organisation PKK zurückgekehrt. Dies 
sei auch dadurch bestätigt worden, dass B. in einem abgehörten Telefon-
gespräch ihren Eltern gesagt haben soll, dass sie an einem solchen Aus-
bildungslager teilgenommen habe und dass sie, die Eltern, der Polizei ge-
genüber lügen sollten, falls sie diesbezüglich befragt würden. Aufgrund der 
Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass B. Rekrutiererin der terroristi-
schen Organisation PKK geworden sei, wie auch die weiteren im Ersuchen 
genannten Personen. Gemäss den Erkenntnissen der Telefonüberwa-
chung, sollen die Verfolgten unter anderem mit A. in Verbindung gestanden 
haben, der am 9. September 2008 in der Schweiz verhaftet worden sei und 
verdächtigt werde, in die Organisation von Jugendcamps für Kurden in der 
Schweiz und in Europa verwickelt zu sein. 

4.5  
4.5.1 Gemäss Art. 260ter Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren 

oder Geldstrafe bestraft, wer sich an einer Organisation beteiligt, die ihren 
Aufbau und ihre personelle Zusammensetzung geheim hält und die den 
Zweck verfolgt, Gewaltverbrechen zu begehen oder sich mit verbrecheri-
schen Mitteln zu bereichern. Ebenso macht sich strafbar, wer eine solche 
Organisation in ihrer verbrecherischen Tätigkeit unterstützt.  

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Unter den Begriff der kriminellen Organisationen fallen neben den mafia-
ähnlichen Verbrechersyndikaten auch terroristische Gruppierungen. Nicht 
zu den kriminellen Organisationen gezählt werden hingegen (grundsätzlich) 
extremistische Parteien, oppositionelle politische Gruppen sowie Organisa-
tionen, die mit angemessenen (nicht verbrecherischen) Mitteln um die poli-
tische Macht in ihrem Heimatland ringen oder einen Freiheitskampf gegen 
diktatorische oder systematisch die Menschenrechte verletzende Regimes 
führen (BGE 133 IV 58 E. 5.3.1 S. 70; 131 II 235 E. 2.12 S. 241; 130 II 337 
E. 3.4 S. 344; 128 II 355 E. 4.3 S. 365 f., je m.w.H.). Die Abgrenzung zwi-
schen mutmasslichen Terroristen und Schwerverbrechern einerseits und 
„legitimen“ Widerstandskämpfern bzw. Konfliktparteien anderseits gehört 
zu den schwierigsten Fragen des internationalen Strafrechts (BGE 130 II 
337 E. 6 S. 344 f. mit Hinweisen auf die Literatur). In entsprechenden Fäl-
len sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts höhere Anforderun-
gen an die Ausführlichkeit, Widerspruchsfreiheit und Verlässlichkeit des Er-
suchens zu stellen als in den üblichen Fällen der Rechtshilfe wegen ge-
meinrechtlichen Straftaten ohne starke politische Konnotation. Im Rahmen 
der Rechtshilfevoraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit muss die Sach-
darstellung des Ersuchens namentlich die Prüfung ermöglichen, ob sich die 
Ermittlungen wegen angeblich "terroristischer" Umtriebe gegen eine terro-
ristische Organisation im Sinne von Art. 260ter Ziff. 1 StGB richten (vgl. BGE 
130 II 337 E. 6.1 S. 345 mit Hinweis). Bei Anhängern von separatistischen 
Widerstandsorganisationen, die sich gegen ethnische Verfolgung und Un-
terdrückung wehren, kann nach der Praxis des Bundesgerichtes nicht ohne 
weiteres auf internationalstrafrechtlich verfolgungswürdige "terroristische" 
Schwerverbrechen geschlossen werden. Bei der notwendigen Abgrenzung 
ist den konkreten Aktivitäten der fraglichen Organisation im Zeitpunkt der 
verfolgten Straftaten Rechnung zu tragen. Dabei können sich auch Abklä-
rungen zum politischen und völkerrechtlich-humanitären Kontext aufdrän-
gen (vgl. BGE 133 IV 58 E. 5 S. 64 m.w.H.; 130 II 337 E. 6.1 S. 345). Es ist 
Aufgabe der für das Rechtshilfeverfahren zuständigen Behörde, die ent-
sprechenden sorgfältigen Sachabklärungen zu treffen und dem Gericht 
ausreichende Entscheidungsgrundlagen zu unterbreiten (vgl. BGE 133 IV 
76 E. 2.3 S. 80; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.2 vom 25. Ap-
ril 2007, E. 5.4, je m.w.H.). 

4.5.2 Vorliegend wird den Verfolgten das Rekrutieren neuer Mitglieder für die 
PKK zur Last gelegt. Im Rechtshilfeersuchen wird diese Organisation als 
terroristisch bezeichnet. In Bezug auf den Aufbau und die Strukturen der 
PKK sowie deren Geheimhaltungsvorkehren kann dem Rechtshilfeersu-
chen indessen nichts entnommen werden. Ebenso wenig finden sich darin 
Hinweise darauf, dass die PKK im hier interessierenden Zeitraum Gewalt-
verbrechen bzw. terroristische Akte begangen bzw. den entsprechenden 

- 10 - 

 

 

Zweck verfolgt hat. Die Sachdarstellung des Ersuchens entbehrt mithin 
Ausführungen zu wesentlichen objektiven Tatbestandsmerkmalen der kri-
minellen Organisation und ermöglicht daher keine Subsumtion unter 
Art. 260ter StGB.  

Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin hat die Prüfung der 
Rechtshilfevoraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit aufgrund der Sach-
verhaltsschilderung im Ersuchen zu erfolgen (vgl. Entscheid des Bundes-
strafgerichts RR.2007.2 vom 25. April 2007, E. 5.7). Es genügt daher nicht, 
dass die PKK in der EU als terroristische Organisation gilt und seit 2002 auf 
der sog. EU-Terrorliste (zuletzt Beschluss 2010/386/GASP des Rates vom 
12. Juli 2010 zur Aktualisierung der Liste der Personen, Vereinigungen und 
Körperschaften, auf die die Artikel 2, 3 und 4 des Gemeinsamen Stand-
punkts 2001/931/GASP über die Anwendung besonderer Maßnahmen zur 
Bekämpfung des Terrorismus Anwendung finden; ABl. L 178 vom 13. Ju-
li 2010, S. 28 – 30) steht (act. 1.1 Ziff. II.5.1 sowie act. 5 S. 3), zumal diese 
keine Angaben enthält, welche zu prüfen erlauben würden, ob die PKK ei-
ne kriminelle Organisation nach schweizerischem Recht darstellt. 

Auch der von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort geltend 
gemachte Umstand, dass es im Zusammenhang mit der PKK in Frankreich 
Gerichtsurteile gebe (z.B. das von der Beschwerdegegnerin eingereichte 
Urteil des Tribunal de Grande Instance de Paris vom 13. Januar 2009 [Ak-
ten Bundesanwaltschaft, Band. II, Klappe 12]), welche die PKK als terroris-
tische Organisation qualifizieren (act. 5 S. 3), vermag nichts daran zu än-
dern, dass das vorliegende Rechtshilfeersuchen den oben dargestellten 
Anforderungen nicht genügt. Wohl trifft es zu, dass es bei gerichtsnotorisch 
kriminellen Organisationen nicht erforderlich ist, dass das betreffende 
Rechtshilfeersuchen Ausführungen zu den Tatbestandsmerkmalen der kri-
minellen Organisation enthält. Dies betrifft jedoch nur jene Organisationen, 
die in der Schweiz gerichtsnotorisch als kriminell gelten, was bei der PKK 
gerade nicht der Fall ist (vgl. z.B. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts    
D-3417/2009 vom 24. Juni 2010, E. 4.6.2 und 4.6.3.). 

Die Mangelhaftigkeit der Sachverhaltsschilderung des Rechtshilfeersu-
chens kann vorliegend auch dadurch nicht wettgemacht werden, dass die 
Beschwerdegegnerin Amtsberichte betreffend die PKK ins Recht legt, die 
sie im Rahmen des unabhängig vom Rechtshilfeverfahren geführten ge-
richtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens gegen den Beschwerdeführer we-
gen Verdachts der Beteiligung an bzw. Unterstützung einer kriminellen Or-
ganisation (Art. 260ter StGB) bei den verschiedenen Amtsstellen des Bun-
des eingeholt hat (Akten Bundesanwaltschaft, Band III, Klappe 14). Zwar ist 
es in Konstellationen wie der vorliegenden, bei der sowohl ein nationales 

- 11 - 

 

 

Strafverfahren als auch ein Rechtshilfeverfahren im gleichen Kontext ge-
führt werden, zulässig, dass die ersuchte Behörde für ihre Schlussverfü-
gung einen wenig detaillierten Sachverhaltsbeschrieb des Rechtshilfeersu-
chens aufgrund von Erkenntnissen aus dem nationalen Ermittlungsverfah-
ren ergänzt. Derartige Erkenntnisse können jedoch immer nur der Vervoll-
ständigung des Sachverhalts dienen. Nicht zulässig ist es hingegen – wie 
hier geschehen –, dass die ersuchte Behörde die im Rechtshilfeersuchen 
und seinen Beilagen und Ergänzungen nicht enthaltenen Informationen zur 
Grundlage der Rechtshilfegewährung macht (vgl. Entscheid des Bundes-
strafgerichts RR.2009.15 vom 9. Juli 2009, E. 3.4).  

Es kommt hinzu, dass die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Ent-
scheid keine Würdigung der von ihr eingeholten Amtsberichte und anderen 
ins Recht gelegten Unterlagen vornimmt. Vielmehr begnügt sie sich dies-
bezüglich mit dem blossen Hinweis, dass im Zusammenhang mit der PKK 
in der Schweiz ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Ver-
dachts der Beteiligung an bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisati-
on (Art. 260ter StGB) geführt werde. Abgesehen von der Bemerkung, dass 
nach der Praxis der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei 
für Finanzintermediäre eine Pflicht nach Art. 9 des Bundesgesetzes vom 
10. Oktober 1997 über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terro-
rismusfinanzierung im Finanzsektor (GWG; SR 955.0) bestehe, Geschäfts-
beziehungen mit Personen und Organisationen zu melden, die, wie die 
PKK, auf der erwähnten EU-Terrorliste figurieren, was ein Indiz dafür sei, 
dass die PKK als terroristische Organisation im Sinne von Art. 260ter StGB 
angesehen werden könne, enthält die Schlussverfügung im Übrigen keine 
weiteren Erwägungen bezüglich der Subsumierbarkeit des im Rechtshilfe-
ersuchen dargestellten Sachverhalts unter den Tatbestand der kriminellen 
Organisation nach schweizerischem Recht. Die Beschwerdegegnerin geht 
fehl, wenn sie duplicando geltend macht, nach französischem Recht und 
französischer Rechtsprechung gelte die PKK als terroristische Organisati-
on, weshalb es im Rahmen des Rechtshilfeverfahrens nicht beurteilt zu 
werden brauche, ob die PKK auch nach schweizerischem Recht eine kri-
minelle bzw. terroristische Organisation sei (act. 13 S. 2). Der Sinn des 
Grundsatzes der beidseitigen Strafbarkeit besteht gerade darin, dass 
Rechtshilfe nur dann gewährt werden kann, wenn neben der Strafbarkeit 
nach dem Recht des ersuchenden Staates auch die Strafbarkeit nach dem 
Recht des ersuchten Staates gegeben ist. Dadurch dass sich die Be-
schwerdegegnerin mit diesem Grunderfordernis für die Gewährung der 
Rechtshilfe nur marginal auseinandergesetzt hat, fehlt es der Schlussver-
fügung an einem wesentlichen Argument für den Entscheid. Die Beschwer-
degegnerin hat insofern ihre Begründungspflicht und damit das rechtliche 
Gehör des Beschwerdeführers verletzt. Ob die Verletzung des rechtlichen 

- 12 - 

 

 

Gehörs im vorliegenden Beschwerdeverfahren geheilt werden kann, kann 
indessen aufgrund vorstehender und nachfolgender Erwägungen offen blei-
ben. 

Dem Gesagten nach ist die Sachdarstellung des Rechtshilfeersuchens der 
Staatsanwaltschaft Paris zu wenig konkret, um eine Subsumtion unter den 
Tatbestand der kriminellen Organisation im Sinne von Art. 260ter StGB zu 
ermöglichen, weshalb diesbezüglich mangels rechtsgenügender Sachver-
haltsschilderung gemäss Art. 14 Ziff. 2 EUeR und Art. 28 Abs. 3 lit. a IRSG 
i.V.m. Art. 10 IRSV keine Rechtshilfe gewährt werden kann. 

4.6  
4.6.1 Den Tatbestand der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB erfüllt, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält 
oder jemandem in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. Den 
Tatbestand der Entführung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 2 StGB erfüllt, wer 
jemanden durch Gewalt, List oder Drohung entführt. Eine Entführung nach 
Art. 183 Ziff. 2 StGB begeht, wer jemanden entführt, der urteilsunfähig, wi-
derstandsunfähig oder noch nicht 16 Jahre alt ist. Freiheitsberaubung bein-
haltet die Aufhebung der körperlichen Bewegungsfreiheit des Opfers, wäh-
rend bei der Entführung das Opfer mittels der Tatmittel Gewalt, List oder 
Drohung an einen anderen Ort verbracht wird, wo es in der Gewalt des Tä-
ters oder eines Dritten steht. Bei der Entführung einer Person, die urteils- 
oder widerstandsunfähig oder noch nicht 16 Jahre alt ist, werden die ge-
nannten Tatmittel nicht vorausgesetzt (vgl. TRECHSEL/FINGERHUTH, Praxis-
kommentar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 183 StGB N 1 und 14 ff.). 

4.6.2 Dem Rechtshilfeersuchen ist lediglich zu entnehmen, dass die Eltern von 
B. bei der Anzeigeerstattung wegen des Verschwindens ihrer Tochter den 
Polizeibehörden gegenüber erklärt hätten, sie würden vermuten, ihre Toch-
ter sei von PKK-Mitgliedern entführt worden. Die Aussage der Eltern einer 
in den im Rechtshilfeersuchen geschilderten Sachverhalt verwickelten Per-
son darf allerdings nicht mit der Sachdarstellung der ersuchenden Behörde 
gleichgesetzt werden. In dieser finden sich gerade keine Ausführungen da-
zu, dass B. mit Gewalt, List oder Drohung nach Italien verbracht worden 
sein soll, um dort eine von der PKK erteilte Ausbildung zu absolvieren.     
Ebenso fehlen Hinweise darauf, dass die körperliche Bewegungsfreiheit 
von B. aufgehoben worden sein soll. Die Sachdarstellung der ersuchenden 
Behörde bietet mithin, wie im Übrigen auch die von der Beschwerdegegne-
rin eingereichten Einvernahmeprotokolle von B. aus dem französischen 
Strafverfahren (Akten Bundesanwaltschaft, Band I, Klappe 10), keinen An-
haltspunkt dafür, dass sich B. unfreiwillig in das Ausbildungslager der PKK 
begeben habe, weshalb vorliegend keine Subsumtion unter Art. 183 Ziff. 1 

- 13 - 

 

 

StGB vorgenommen werden kann. Ebenso wenig kommt Art. 183 Ziff. 2 
StGB in Betracht, da gemäss dem Rechtshilfeersuchen B. zum massgebli-
chen Zeitpunkt knapp 19 Jahre alt war und vorliegend keine Hinweise aus-
zumachen sind, dass sie urteils- oder widerstandsunfähig gewesen wäre. 
Die beidseitige Strafbarkeit im Sinne von Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR i.V.m. Art. 
64 Abs. 1 IRSG ist somit auch diesbezüglich nicht gegeben. 

4.6.3 Im Übrigen erweist sich die zu beurteilende Rechtshilfemassnahme, selbst 
wenn der im Rechtshilfeersuchen dargestellte Sachverhalt unter Art. 183 
StGB subsumierbar wäre, auch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnis-
mässigkeit als unzulässig. Gemäss Art. 63 Abs. 1 IRSG ist die akzessori-
sche Rechtshilfe nur zulässig, soweit sie für ein Verfahren in strafrechtli-
chen Angelegenheiten im Ausland erforderlich erscheint oder dem Beibrin-
gen der Beute dient. Massgeblich ist die potentielle Erheblichkeit der zur 
Übermittlung vorgesehenen Aktenstücke: Den ausländischen Strafverfol-
gungsbehörden sind alle diejenigen Aktenstücke zu übermitteln, die sich 
auf den im Rechtshilfeersuchen dargelegten Sachverhalt beziehen können; 
nicht zu übermitteln sind hingegen diejenigen Akten, die für das ausländi-
sche Strafverfahren mit Sicherheit nicht erheblich sind (BGE 122 II 367 
E. 2c S. 371). Keine Rechtshilfe kann somit geleistet werden, wenn die ver-
langten Unterlagen mit der verfolgten Straftat keinen Zusammenhang ha-
ben und offensichtlich ungeeignet sind, die Untersuchung voranzutreiben 
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 1A.234/2005 vom 31. Januar 2006, E. 3.2; 
1A.182/2001 vom 26. März 2002, E. 4.2, je m.w.H.). Bei den zur Übermitt-
lung vorgesehenen Aktenstücken handelt es sich um Foto- und Videoauf-
nahmen, welche mehrheitlich mutmassliche Ausbildungslager der PKK zei-
gen und damit dem Nachweis der Beteiligung des Beschwerdeführers an 
deren Organisation dienen könnten. Nicht einzusehen ist hingegen, in wel-
chem Zusammenhang diese Aufnahmen zur angeblichen Entführung von 
B. stehen bzw. inwiefern sie zur deren Aufklärung beitragen könnten, zumal 
keine dieser Aufnahmen, soweit ersichtlich, aus der Zeit stammt, in der B. 
vermisst gewesen sein soll. Die Herausgabe der fraglichen Aktenstücke 
müsste demzufolge als unverhältnismässig qualifiziert werden. 

4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Rechtshilfeersuchen der 
Staatsanwaltschaft Paris vom 18. Dezember 2008 die Voraussetzungen 
der rechtsgenügenden Sachverhaltsschilderung gemäss Art. 14 Ziff. 2   
EUeR und Art. 28 Abs. 3 lit. a IRSG i.V.m. Art. 10 IRSV und der beidseiti-
gen Strafbarkeit gemäss Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR und Art. 64 Abs. 1 IRSG 
nicht erfüllt. Dies führt dazu, dass die Beschwerde gutzuheissen und die 
angefochtene Schlussverfügung aufzuheben ist. Damit erübrigt sich die 
Prüfung aller weiteren vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen. In 
Anbetracht dessen, dass die erhobenen Akten durch die Auswertung der 

- 14 - 

 

 

im Rahmen des in der Schweiz hängigen Strafverfahrens beschlagnahmten 
Gegenstände des Beschwerdeführers erstellt worden sind, braucht vorlie-
gend auch nicht darüber befunden zu werden, ob sie dem Beschwerdefüh-
rer auszuhändigen bzw. zu vernichten sind. 

Der ersuchenden Behörde bleibt es indes unbenommen, mit einem neuen, 
entsprechend ergänzten Rechtshilfeersuchen den Vorwurf der kriminellen 
Organisation zu substanziieren. 

5. Angesichts des Obsiegens des Beschwerdeführers ist das Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos geworden abzuschreiben 
(vgl. Entscheid des Bundesstraggerichts RR.2007.1 vom 29. Januar 2007, 
E. 5). 

6.  
6.1 Die Beschwerdeinstanz auferlegt die Verfahrenskosten in der Regel der un-

terliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG 
und Art. 22 Abs. 3 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. Au-
gust 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundes-
strafverfahren, BStKR; SR 173.713.162). Keine Verfahrenskosten werden 
Vorinstanzen oder beschwerdeführenden und unterliegenden Bundesbe-
hörden auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG), weshalb vorliegend keine Ge-
richtsgebühr zu erheben ist. 

6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG kann die 
Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes 
wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwen-
dige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen. Im Verfahren vor 
Bundesstrafgericht besteht die Parteientschädigung aus den Anwaltskosten 
(Art. 11 BStKR). Die Beschwerdegegnerin hat nach vollständigem Obsie-
gen des Beschwerdeführers diesen für seine Anwaltskosten zu entschädi-
gen. Das Honorar bzw. die Entschädigung wird im Verfahren vor der Be-
schwerdekammer nach Ermessen festgesetzt, wenn spätestens mit der 
einzigen oder letzten Eingabe keine Kostennote eingereicht wird (Art. 12 
Abs. 2 BStKR). Vorliegend erscheint eine Entschädigung von Fr. 4’000.-- 
(inkl. MWST) angemessen. 

 

- 15 - 

 

 

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Schlussverfügung der Bundes-

anwaltschaft vom 19. März 2010 aufgehoben. 
 
2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird als gegenstandslos ge-

worden abgeschrieben. 
 
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 
 
4. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesstrafgericht mit insgesamt Fr. 4'000.-- (inkl. MWST) zu entschä-
digen. 

 
 
 

Bellinzona, 20. Januar 2011 
 
Im Namen der II. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 

 
 

 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Fürsprecher Ismet Bardakci 
- Bundesanwaltschaft 
- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 
 

 

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Rechtsmittelbelehrung 

 
Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).