# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e3f3b898-88bb-5b3c-8c93-44e3e03a9679
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.03.2010 E-419/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-419-2010_2010-03-01.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-419/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  M ä r z  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A. _____, Irak,

Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Parteien

Gegenstand

Besetzung

E-419/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  am  20.  De-
zember 2008 den Irak verliess und über die Türkei sowie andere, ihm 
unbekannte Länder am 7. Januar 2009 in die Schweiz gelangte, wo er 
gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass er im B._____ am 21. Januar 2009 summarisch befragt und am 
28. Januar 2009 vom BFM zu seinen Asylgründen angehört wurde,

dass er zur Begründung des Asylgesuchs geltend machte, er habe seit 
seiner Geburt in C._____ (Provinz Mosul) gelebt,

dass  er  einen  Bruder  gehabt  habe,  welcher  von Terroristen  entführt 
und getötet worden sei,

dass sein  Vater  Angst  um ihn gehabt  und ihn  deshalb  in  die Türkei 
geschickt habe,

dass das BFM mit Verfügung vom 23. Dezember 2009 - eröffnet am 
29.  Dezember  2009  -  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab-
lehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an-
ordnete,

dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  seines  Entscheides  anführte, 
ein  Sprachtest  habe ergeben,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  aus 
der Region Mosul stammen könne,

dass aufgrund des Dialektes vielmehr davon auszugehen sei, dass er 
aus dem Raum Dohuk und der näheren Umgebung stamme,

dass daher  die Vorbringen,  sein  Bruder  sei  in  C._____ entführt  und 
getötet worden und er selber könne aus Angst vor den Entführern und 
Mördern nicht in die Heimat zurückkehren, nicht glaubhaft seien,

dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,

dass der Beschwerdeführer mit  Rechtsmitteleingabe vom 22. Januar 
2010 (Poststempel)  in materieller  Hinsicht  die Aufhebung der vorins-
tanzlichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, die 
Gewährung von Asyl  und eventualiter  die Anordnung der vorläufigen 
Aufnahme beantragt,

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dass er  in  prozessualer  Hinsicht  um die  Gewährung der  unentgeltli-
chen Rechtspflege ersucht,

dass er eine Identitätskarte zu den Akten reichte, welche seine Her-
kunft aus der Region Mosul belegen soll,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezem-
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des 
BFM  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 
[AsylG, SR 142.31], i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 50 und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfol-
gend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

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dass  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl  gewährt  (Art. 2 
Abs. 1  AsylG),  wobei  als  Flüchtling  eine  ausländische  Person  aner-
kannt wird, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie 
zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörig-
keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  (Art. 3  Abs. 1 
AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

dass ein vom BFM in Auftrag gegebenes Lingua-Gutachten (wissen-
schaftliche  Herkunftsabklärung)  vom  20.  August  2009  zum  Schluss 
gekommen ist, dass der Beschwerdeführer nicht in C._____, sondern 
vermutlich im Raum Dohuk sozialisiert worden ist,

dass  die  Kantonspolizei  Zürich,  Kriminaltechnische  Abteilung,  mit 
Schreiben vom 5. Februar 2010 festgestellt hat, dass es sich bei der 
vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Identitätskarte  um  eine  Total-
fälschung handelt,

dass  das  Dokument  in  Bezug  auf  (...)  und  den  (...)  eindeutig  von 
authentischen irakischen Identitätskarten der vorliegenden Generation 
abweicht,

dass  daher  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  geglaubt 
werden können und das BFM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,

dass  verfälschte  und  gefälschte  Dokumente  von  der  Beschwerde-
instanz eingezogen werden können (Art. 10 Abs. 4 AsylG),

dass  die  vom Beschwerdeführer  eingereichte  Identitätskarte,  welche 
sich als Totalfälschung herausgestellt hat, eingezogen wird,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung 
aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der 
Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  An-
spruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (Entscheidungen  und 
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission EMARK 2001 
Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetz-

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lichen Bestimmungen steht  und demnach vom Bundesamt zu Recht 
angeordnet wurde,

dass das BFM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be-
stimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän-
der [AuG, SR 142.20], 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrecht-
liche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  [Flüchtlingskon-
vention, FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig 
ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wes-
halb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung 
im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schut-
ze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschen-
rechtskonvention [EMRK, SR 0.101])  ersichtlich sind,  die im Heimat- 
oder Herkunftsstaat droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass sich das Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 14. März 2008 
(BVGE 2008/5 S. 57 ff.) ausführlich mit der aktuellen Situation in den 

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nordirakischen Provinzen befasst hat und zum Schluss gelangt ist, in 
den Provinzen Dohuk, Erbil und Suleymania herrsche keine Situation 
allgemeiner Gewalt und die politische Lage sei nicht dermassen ange-
spannt, als dass eine Rückführung dorthin generell unzumutbar sei, 

dass das Gericht im besagten Urteil zusammenfassend festhielt, dass 
die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinste-
hende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich  aus 
den vorerwähnten drei kurdisch kontrollierten Provinzen stammen und 
dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen ver-
fügen, zumutbar ist,

dass  demgegenüber  für  alleinstehende  Frauen  und  für  Familien  mit 
Kindern  sowie  für  Kranke und  Betagte  bei  der  Feststellung  der  Zu-
mutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  ange-
bracht ist,

dass  es  sich  beim Beschwerdeführer  um einen jungen  und gemäss 
Aktenlage  gesunden  Mann  handelt,  der  vermutlich  aus  dem  Raum 
Dohuk stammt,

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG) zwar grundsätzlich von Amtes 
wegen  zu prüfen sind,  diese  Untersuchungspflicht  jedoch  nach  Treu 
und  Glauben  ihre  Grenzen  an  der  Mitwirkungspflicht  der  beschwer-
deführenden  Person  findet  (Art.  8  AsylG),  die  im  Übrigen  auch  die 
Substanziierungslast  trägt  (Art.  7  AsylG),  und  es  nicht  Sache  der 
Asylbehörden sein kann, nach allfälligen Wegweisungshindernissen zu 
forschen,

dass der  Beschwerdeführer deshalb die  Folgen seiner  mangelhaften 
Mitwirkung  respektive  Verheimlichung  seiner  wahren  Herkunft  und 
Täuschung  der  Behörden  zu  tragen  hat,  indem  vermutungsweise 
davon auszugehen ist,  es würden einer  Wegweisung in  die tatsäch-
liche Herkunftsregion keine landesrechtlichen Vollzugshindernisse im 
Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 4 AuG (vgl. EMARK 
2005 Nr. 1 E.3.2.2 S. 4 f.) entgegen stehen,

dass somit  weder  die  allgemeine Lage im Heimat-  beziehungsweise 
Herkunftsstaat  des  Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf 
eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, 
weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

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dass  demzufolge  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegwei-
sung zu bestätigen ist,

dass aus den Akten nicht ersichtlich wird, inwiefern die angefochtene 
Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist, 

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG, ungeachtet der Frage der Bedürftigkeit des 
Beschwerdeführers, abzuweisen ist, da die Beschwerdebegehren nach 
dem Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Identitätskarte  (Totalfäl-
schung) wird eingezogen.

3.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

4.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

5.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, an das BFM und an das 
kantonale (...).

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

Versand: 

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