# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ffbcaf27-f109-5497-bd97-828808750d97
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-01-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.01.2014 E-5755/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5755-2012_2014-01-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-5755/2012 

 

 

  U r t e i l  v o m  7 .  J a n u a r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;   

Gerichtsschreiberin Simona Risi. 

   Parteien 
 

A._______, 

Sri Lanka,   

vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 3. Oktober 2012 / N (…). 

 

 

E-5755/2012 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer, ein Tamile aus B._______ (Distrikt Jaffna), 

seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) März 2010 auf dem 

Luftweg verliess und am 24. März 2010 im Empfangs- und Verfahrens-

zentrum Vallorbe um Asyl nachsuchte, 

dass er anlässlich der Befragung zur Person vom 7. April 2010 und der 

eingehenden Anhörung zu den Asylgründen vom 23. April 2010 im We-

sentlichen vorbrachte, sein Bruder sei Mitglied der Liberation Tigers of 

Tamil Eelam (LTTE) gewesen, 

dass er (Beschwerdeführer) sich in Sri Lanka gemeinsam mit einem Kol-

legen namens C._______ als Fischer betätigt habe, 

dass sie auf Geheiss des Präsidenten der Fischervereinigung die LTTE 

unterstützt hätten, 

dass er (Beschwerdeführer) seit 2004 regelmässig Waren auf seinem Fi-

scherboot für die LTTE transportiert habe, 

dass sein Kollege Ende 2006 von der Sri Lanka Army (SLA) mitgenom-

men worden sei und seither jede Spur von ihm fehle, 

dass er (Beschwerdeführer) aus Angst davor, dass ihm dies ebenfalls ge-

schehen könnte, mit seiner Familie nach D._______ (Vanni-Gebiet) um-

gezogen sei, 

dass er am 21. April 2009 mit (…) weiteren Personen in ein Camp der Sri 

Lanka Army (SLA) gebracht und dort aufgrund des Vorwurfs der Unter-

stützung der LTTE während dreier Monate festgehalten worden sei, bis er 

durch Bestechung freigekommen sei, 

dass er sich anschliessend bis zur Ausreise in Negombo aufgehalten ha-

be, 

dass für die detaillierten Vorbringen auf die Befragungsprotokolle (vgl. die 

vorinstanzlichen Akten A1/12 und A8/13) zu verweisen ist, 

dass er zum Nachweis seiner Identität seine Identitätskarte zu den Akten 

reichte, 

E-5755/2012 

Seite 3 

dass das BFM das Asylgesuch mit Verfügung vom 3. Oktober 2012 ge-

stützt auf Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 

ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anord-

nete, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 5. November 2012 durch 

seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht er-

heben liess und in materieller Hinsicht insbesondere die Aufhebung der 

vorinstanzlichen Verfügung wegen der Verletzung des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör und die Rückweisung der Sache an das BFM, eventua-

liter die Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache zur 

Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver-

haltes und zur Neubeurteilung beantragte, 

dass für die übrigen Anträge (vgl. im Einzelnen die Antragsziffern 3 bis 5 

S. 2) sowie die Begründung auf die Beschwerdeschrift zu verweisen ist, 

dass der Beschwerdeführer mit der Beschwerdeeingabe sowie mit 

Schreiben vom 29. November 2012 42 Beweismittel (insbesondere einen 

Ausdruck des Prevention Act of Terrorism, Internet- und Zeitungsartikel 

sowie Berichte von Menschenrechtsorganisationen; vgl. im Einzelnen die 

Beschwerdeschrift S. 37 ff. und die Eingabe vom 29. Oktober 2012 S. 4) 

zu den Akten reichte, 

dass das Bundesverwaltungsgericht ihn mit Zwischenverfügung vom 

14. November 2012 zur Zahlung eines Kostenvorschusses in der Höhe 

der mutmasslichen Verfahrenskosten aufforderte, der fristgerecht geleis-

tet wurde, 

  

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 

über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah-

rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM 

entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 

17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),  

E-5755/2012 

Seite 4 

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 

vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist 

(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),  

dass das Bundesverwaltungsgericht die angefochtene Verfügung auf Ver-

letzung von Bundesrecht, unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit überprüft 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass die Begründung der Beschwerdeanträge das Bundesverwaltungsge-

richt nicht bindet und es die Beschwerde auch aus anderen als den gel-

tend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid 

im Ergebnis mit einer von jener der Vorinstanz abweichenden Begrün-

dung bestätigen kann (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), 

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 

sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, 

weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 

111a Abs. 2 AsylG), 

dass vorliegend gestützt auf Art. 111a AsylG auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet wurde, 

dass der Beschwerdeführer formell rügt, das BFM habe seinen Anspruch 

auf rechtliches Gehör verletzt, indem es den angefochtenen Entscheid 

zweieinhalb Jahre nach der einlässlichen Anhörung ohne Abklärung der 

aktuellen Verfolgungssituation getroffen habe, 

dass er mittlerweile erfahren habe, dass sein Kollege C._______ der SLA 

von der Unterstützung der LTTE durch ihn erzählt habe und ersterer al-

lenfalls zusätzliche Beweise seiner Verfolgung beibringen könne, 

E-5755/2012 

Seite 5 

dass überdies davon auszugehen sei, dass sein Bruder E._______ noch 

immer flüchtig sei, was bei einer Rückkehr (des Beschwerdeführers) nach 

Sri Lanka zwangsläufig zu Fragen im Rahmen eines Verhöres führen 

werde, 

dass sich seine Familie mittlerweile wahrscheinlich in Indien aufhalte und 

er zurzeit Hinweisen über deren Verbleib nachgehe, 

dass aufgrund dieser zusätzlichen Informationen sowie des fehlenden 

Beizugs von länderspezifischen Informationen der rechtserhebliche 

Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt worden sei,  

dass sich eine Beurteilung dieser formellen Rügen angesichts der nach-

folgenden Erwägungen erübrigt, 

dass die Vorinstanz nach der Inhaftierung zweier abgewiesener tamili-

scher Asylsuchender durch die sri-lankischen Behörden bei der Wieder-

einreise im August 2013 eine Untersuchung durch das Hochkommissariat 

für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) eingeleitet sowie eine 

Dienstreise nach Sri Lanka beschlossen hat, 

dass sie in der Folge in Asylverfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas 

tamilischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen ist, bereits 

angeordnete Ausreisefristen aufzuheben und keine neuen mehr anzuset-

zen, bis eine vertiefte Abklärung der Vorfälle sowie der allgemeinen Lage 

in Sri Lanka stattgefunden hat (vgl. dazu die Medienmitteilung des BFM 

vom 3. Oktober 2013, "Sri Lanka gibt bekannt, warum zwei ehemalige 

Asylsuchende in Haft sind", abrufbar unter <https://www.bfm.admin.ch/ 

content/bfm/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/2013/2013-

1003.html>, besucht am 24. Dezember 2013), 

dass sie dadurch faktisch sämtliche Verfahren – praktisch unbesehen der 

konkreten Umstände im Einzelfall – in Wiedererwägung zieht und implizit 

davon ausgeht, deren Sachverhalte seien nicht (mehr) vollständig festge-

stellt, 

dass sich bereits daher der der vorinstanzlichen Verfügung vom 3. Okto-

ber 2012 zugrunde liegende Sachverhalt als nicht vollständig erweist,  

 

dass dieser formelle Mangel nicht im Beschwerdeverfahren zu heilen, 

sondern die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zur 

https://www.bfm.admin.ch/content/%20bfm/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/2013/2013-1003.html
https://www.bfm.admin.ch/content/%20bfm/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/2013/2013-1003.html
https://www.bfm.admin.ch/content/%20bfm/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/2013/2013-1003.html

E-5755/2012 

Seite 6 

Wahrung des Instanzenzuges an das für die Feststellung des Sachver-

halts primär zuständige BFM zurückzuweisen ist,  

 

dass dieses die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und die 

Frage des Asyls sowie der Wegweisung unter Berücksichtigung der neu-

en Erkenntnisse sowie der Vorbringen auf Beschwerdeebene erneut zu 

beurteilen haben wird, 

 

dass die Beschwerde mithin gutzuheissen und die angefochtene Verfü-

gung aufzuheben ist,  

 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind 

und der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten ist (vgl. Art. 63 

Abs. 1 VwVG), 

 

dass der Vertreter des Beschwerdeführers am 29. November 2012 eine 

Kostennote eingereicht hat, diese jedoch zu kürzen ist, da lediglich der 

notwendige Vertretungsaufwand zu entschädigen ist und sich ein grosser 

Teil der Beschwerde ohne konkreten Bezug zum Beschwerdeführer in 

allgemeinen Ausführungen zur Situation im Heimatstaat erschöpft, 

dass dem Beschwerdeführer gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) zu Lasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 

zuzusprechen ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5755/2012 

Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung vom 

3. Oktober 2012 wird aufgehoben und das Verfahren wird im Sinne der 

Erwägungen zur Wiederaufnahme an das BFM zurückgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor-

schuss von Fr. 600.– wird dem Beschwerdeführer vom Bundesverwal-

tungsgericht zurückerstattet. 

3.  

Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi-

ge kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Simona Risi 

 

 

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