# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2bb3735-a5d8-5108-8d9c-67c614cfb784
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-25
**Language:** de
**Title:** Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten, hat jedoch den somatischen und psychischen Gesundheitszustand nicht genügend abgeklärt. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2021.00402
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00402.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00402
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Engesser
Urteil
vom
2
5.
April 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1965, war seit dem 2
8.
Mai 2008 als Elektromonteur bei der
Y.___
AG angestellt, als er am 1
0.
Februar 2011 beim Arbeiten auf einer Leiter mitsamt der Leiter umfiel und sich verschiedene Verletzungen zuzog (
Urk.
7/13/330
)
.
Die Suva erbrachte
als zuständiger Unfallversicherer
in der Folge die ge
setzlichen Leistungen
und übernahm unter anderem die Kosten für eine am 1
1.
Januar 2012 durchgeführte Schulterarthroskopie links mit Teno
tomie/
Tenodese
der langen
Bizepssehne
und
Akromio
plastik
. Nachdem die kreis
ärztliche Untersuchung vom 2
3.
Janu
ar 2013 ergeben hatte, dass
zwar weiterhin ein
myofasciales
Schmerzsyndrom
der linken Schulter persistiere
, der Versicherte in einer angepassten Tätigkeit jedoch zu 10
0
%
arbeitsfähig sei
(
Urk.
7/109/468 ff.
), stellte die Suva die vorübergehenden Leistungen pe
r 3
0.
April 2013 ein (
Urk.
7/109/460
)
und verneinte mit
Einspracheentscheid
vom 2
5.
Oktober 2013 einen Anspruch auf eine Invalidenrente
,
sprach dem Versicherten
jedoch
eine Integritätsentsc
hädigung von 10
%
zu (
Urk.
7/109/368 ff.
).
1.2
Am
2.
Juli 2012
hatte
sich
der Versicherte
unter Hinweis auf eine Bewegungs
einschränkung und in den Arm und Nacken ausstra
hlende Schmerzen in der linken
Schulter sowie Rückenschmerzen und Schmerzen im Becken
links
auch
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge medizinische und erwerbliche Abklärungen durch und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom
3
0.
Mai 2014 eine vom
1.
Januar
bis am 3
0.
April 2013 befristete ganze Invalidenrente zu (
Urk.
7/64).
1.
3
Der Versicherte meldete
sich am 2
1.
Mai 2019
unter anderem
unter Hinweis auf eine
Frozen
Shoulder
links nach dem Unfa
ll
im Jahr
2012, ein
Zervikalsyndrom
und eine Depression erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/70). Nach dem Eingang zusätzlicher
medizinischer
Unterlagen
ver
neinte die IV-Stelle
ein
en Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 1
7.
Oktober 2019 (
Urk.
7/95).
1.
4
Nachdem
der inzwischen arbeitslose Versicherte
a
m 2
4.
September 2018
auf der Treppe aus
gerutscht
und auf den Ellenbogen
gestürzt war
, erbrachte die Suv
a weitere Leistungen im Rahmen ein
es Rückfalls.
P
er 3
1.
Mai 2019 zeigte
die Suva den Fallabschluss an und verneinte m
it Verfügung vom 1
2.
August 2019 einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente sowie eine (zusätzliche) Inte
gritätsentschädigung (
Urk.
7/109/29 ff.
). Die vom Versicherten dagegen am 1
6.
September 2019 erhobene Einsprache wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom
2.
Dezember 2020 ab
.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
8.
Januar 2021 Beschwerde vor dem hiesigen Gericht. Das in diesem Zusammenhang angelegte Verfahren UV
.2021.00019 wird
ebenfalls mit Entscheid heutigen Datums erledigt.
1.
5
Am 2
0.
August 2020
hatte
sich der Versicherte unter Hinweis auf eine erhebliche Verschlechterung des somat
ischen Befundes und zusätzliche psychische
Beschwerden
auch bei der IV-Stelle
erneut zum Leistungsbezug an
gemeldet
und
gleichzeitig
entsprechende fachspezifische Berichte ein
gereicht
(
Urk.
7/102).
Die IV-Stelle holte medizinische U
nterlagen
- und insbesondere die Akten der Suva (
Urk.
7/109) -
ein und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
7.
Februar 2021 die Abweisu
ng seines Leistungsbegehrens in
Aussicht (
Urk.
7/118).
Nach
dem der Versicherte am 1
9.
März 2021 dagegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
7/125)
,
verfügte die IV-Stelle am 1
2.
Mai 2021 im
angekündigten
Sinne (
Urk.
7/131 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt M
ark A.
Glavas
, am 1
2.
Juni 2021 Beschwerde mit dem Antrag, es sei die angefochtene Verfügung vom 1
2.
Mai 2021 aufzuheben und die vorliegende Streitsache sei zu weiteren Abklärungen (insbesondere einer
bidisziplinären
Begutachtung) an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1
S. 2
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerde
antwort vom 2
5.
August 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Replik vom 3
0.
September 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
9), worauf die Beschwerdegegnerin am 1
3.
Oktober 2021 auf das Einreichen einer Duplik verzichtete (
Urk.
12).
Hiervon wurde
dem Beschwerdeführer
mit Ver
fügung vom 1
8.
Oktober 2021 Kenntnis
gegeben
(
Urk.
13).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischen
zeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensverfügungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begründungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechts
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerb
lichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herab
gesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der
angefochtene
n
Verfügung
aus
,
der An
spruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
sei
zuletzt
aufgrund der
Neu
anmeldung des
Beschwerdeführers
vom 2
8.
Mai 2019 geprüft worden
.
M
angels
einer medizinischen Veränderung
seit der letzten Verfügung vom 3
0.
Mai 2014
seien
keine Leis
tungen zugesprochen worden
. Am 2
1.
August 2020 habe sich der Beschwerdeführer
wiederum
zum Leistungsbezug angemeldet. Die daraufhin ein
geholten Unterlagen hätten
erneut
keine dauerhafte Veränderung des Gesund
heitszustandes ergeben (
Urk.
2 S. 1).
A
uch aufgrund der
Oper
a
tion vom
7.
Mai 2021 sei
en
keine langandauernde Arbeitsunfähigkeit und Verschlechterung der Situation zu erwarten (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
beanstandete
dagegen in formeller Hinsicht, dass die Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch entschieden habe, obwohl noch gar kein definitiver Gesundheitszustand vorliege. Zudem habe
sie es
trotz offen
sichtlicher wesentlicher Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der letzten A
nmeldung unterlassen, eine Begutachtung zu veranlassen. Aus diesem Grund werde eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gemäss
Art.
43 ATSG moniert (
Urk.
1 S. 2).
Weiter brachte er vor, e
r habe sich am 2
1.
August 2020 erneut angemeldet, nach
dem sich sowohl die unfallbedingte als auch die psychisch
e Situation verschlechtert habe
.
PD
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
habe
am
2.
Juni 2020
eine ausgesprochene
Supraspinatusunterseh
nenpartialruptur
diagnostiziert und eine Operation
empfohlen (
Urk.
1 S. 4).
Am 1
7.
Februar 2021 hab
e
PD
Dr.
Z.___
vermutet, dass sich
die Ruptur verschlimmert habe
, worauf
am
7.
Mai 202
1
eine
Operatio
n durchgeführt worden
sei.
Weiterhin bestünden
starke Schmerzen
. Ob diese
nach der Heilungsphase geringer würden, so dass eine leidens
angepasste Tätigkeit möglich wäre
, könne noch nicht beurteilt werden
. Die
Beurteilung
der Beschwerdegegnerin
, dass er nach drei Monaten wieder voll ein
setzbar sei
n werde,
sei weder stichhaltig noch stehe sie in Übereinstimmung mit der Aktenlage (
Urk.
1 S. 5)
.
Darüber hinaus habe er
sich ab Dezember 2019 in Psychotherapie befunden,
zur
z
eit
sei er
bei med.
pract
.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und der delegierten Psychologin
Dr.
phil.
B.___
in Behandlung, die eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, eine generalisierte Angststörung sowie einen Verdacht auf eine post
traumatische Belastungsstörung diagnostiziert
hätten
und die Arbeitsfähigkeit noch nicht
hätten
beurteilen können,
jedoch
zumindest eine Unterstützung bei der Eingliederung für erforderlich gehalten
hätten
(
Urk.
1 S. 4)
.
Auch dies
bezüglich wäre die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, den Therapieverlauf abzuwarten und nach einigen Monaten wiederum einen Bericht einzuholen
(
Urk.
1 S. 6).
Zusammenfassend sei von einer relevanten Verschlechterung des psychischen und somatischen Gesundheitszustandes auszugehen, wobei der Zustand noch labil sei. Zumindest seit dem Verschlechterungsgesuch bis zur erhofften wesentlichen Verbesserung der somatischen Beschwerden s
ei von einer länger andauernden Arbeitsunfähigkeit auszugehen, weshalb zumindest ein Anspruch auf
eine
befristete Rente
bestehe
beziehu
ngsweise geprüft werden müsse.
Aller
dings würden die aktuell von der Beschwerdegegnerin eingeholten Akten nicht ausreichen, um sich ein schlüssiges Bild machen zu können. Aus diesem Grund sei es notwendig, die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, da
mit diese nach
der
Einholung aktueller Berichte ein externes Gutachten mit den Fachdisziplinen Chirurgie und Psychiatrie in Auftrag gebe und hernach über den Anspruch auf berufliche Massnahmen und Invalidenrente neu entscheide (
Urk.
1 S. 6 f.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in der Beschwerdeantwort hinsichtlich der psychischen Beeinträchtigung, dass der Beschwerdeführer sich zwar in der Zeit von Dezember 2019 bis Januar 2020 in Behandlung begeben habe, was sicherlich auf einen gewissen Lei
den
sdruck schliessen lasse. Es sei jedoch festzuhalten, dass es Psychiatern vorbehalten bleibe, Diagnosen zu stellen. Folglich könne auf den Bericht der Fachpsychologin nicht abgestellt werden. Gleiches gelte für den Bericht von
Dr.
phil
.
B.___
vom
8.
Februar 202
1.
Gestützt auf die Akten
lage habe bisher keine fachpsychiatrische Behandlung stattgefunden. Aus soma
tischer Sicht gehe sie bezüglich der im Mai 2021 stattgefundenen Operation post
operativ von einer rund drei Monate andauernden Verschlechterung und danach von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus. Gegenüber dem Entscheid vom 1
7.
Oktober 2019 s
e
i daher nicht von einer langdauernden Ver
schlechterung auszugehen (
Urk.
6 S. 2).
2.4
Der Beschwerdeführer legte in der Replik dar, entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin
habe med.
pract
.
A.___
den Bericht vom
8.
Februar 2021 zu
sammen mit der delegierten Psychologin geschrieben und
es
sei
daher
erstellt, dass er sich in fachpsychiatrischer
Behandlung befinde
. Gemäss diesem Bericht leide er an einer relevante
n
psychischen Störung
. Somit seien die Ausführungen der Beschwerdegegnerin klar aktenwidrig und es sei von einer Verschlechterung des psychischen Zustandes auszugehen. Zumindest
wäre der
Verlauf der Behandlung abzuwarten
gewesen
. Aus somatischer Sicht habe zwischenzeitlich die Operation stattgefunden und die Suva erbringe wiederum die Versicherungs
leistungen. Ob und wann eine Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten
Tätigkeit bestehen werde, sei offen. Es sei zumindest von einer längerdauernden Arbeits
unfähigkeit auszugehen (
Urk.
9 S. 2).
2.5
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerde
führers vom
2
0.
August 2020 (
Urk.
7/102
) eingetreten. Demnach gilt es zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten rechtskräftigen Ver
fügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht, verändert hat (
vgl
. E. 1.5
hiervor). Vorliegend bildet die Verfügung vom
3
0.
Mai 2014
,
mit welcher die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine vom
1.
Januar bis am 3
0.
April 2013 befristete ganze Invalidenrente zugesprochen hatte (
Urk.
7/64)
, die massgebend
e Vergleichsbasis
. Denn dieser Verfügung lag eine umfassende Abklärung sämtlicher gesundheit
licher Einschränkungen des Beschwerdeführers
zugrunde. Demgegenüber basierte die Verfügung vom
1
7.
Oktober 2019
(
Urk.
7/95
) lediglich auf punktuellen Ab
klärungen
,
weshalb sie nicht als Vergleichs
basis herangezogen werden kann
.
3.
3.1
Die Verfügung vom
3
0.
Mai 2014 (
Urk.
7/64) beruhte hauptsächlich auf der Stellungnahme von
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie, vom Regionalärztlichen Dienst
(RAD)
, vom 1
1.
Januar 201
4. Dr.
C.___
stützte sich einerseits
auf die Akten des Unfallversicherers Suva
(
Urk.
7/13)
, wonach der Beschwerdeführer beim Unfall am 1
0.
Februar 2012 eine
undislozierte
Fraktur
des
Processus
Transversus
LWK 3, eine Fissur der Clavicula rechts, eine
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
rechts, Kontusionen der linken Schulter, des linken
Hemithorax
, des linken Ellenbogen
s
und des Handgelenks sowie des Beckens un
d des ISG links erlitten
hatte. Andererseits lag ihm der
Bericht von
Dr.
med.
D.___
,
Facharzt für
Rheuma
tologie
,
vom 1
7.
Januar 2013
vor, worin dieser
einen Status nach Schulter
kontusion links und Arthroskopie
der
linken Schulter im Januar 2012 mit Teno
tomie,
Tenodese
der langen
B
i
zepssehne
bei schmerzhafter SLAP-Läsion links und
Akromioplastik
diagnostizierte
(Urk.7/20).
Dr.
C.___
hielt
fest
, ab
dem 1
0.
Februar 2011 sei der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Elektriker und
auch
in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Ab dem 1
7.
Januar 2013 sei er in einer angepassten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig. Zumutbar seien leicht
e
bis mittelschwere Tätigkeiten ohne Ein
schränkungen der Belastung des dominanten rechten Arms. Mit dem linken Arm seien keine Tätigkeiten über Schulterniveau und keine regelmässige / dauernde Gewichtsbelastung über 2 kg und eine maximale Gewichtsbelastung körpernah von 5 kg zumutbar
.
In psychischer Hinsicht hätten gemäss dem Bericht der
Klinik I.___
vom
9.
Dezember 2013
(
Urk.
7/44)
in einem Abklärungsgespräch zu
dem ein Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.25) und eine Anpassungs
störung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) festgestellt werden können
.
Eine weitere Behandlung habe danach nicht stattgefunden
(
Urk.
7/47/6)
. Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer in der Folge
gestützt auf diese Zumutbarkeitsbeurteilung
eine von Januar bis April 2013 befristete Invalidenrente
zu (
Urk.
7/64).
3.2
Die Verfügung vom 1
7.
Oktober 2019, mit der ein Rentenanspruch verneint wor
den war, basierte auf einem Zeugnis von
Dr.
h.
c.
med.
E.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom 2
1.
Juni 2019
,
wonach massive Schmerzen bei einer neu entwickelten
Kapsulitis
an der
linken
Schulter bestünden und der Beschwerdeführer den
(linken)
Arm nicht mehr über die Horizontale zu heben vermöge und keine Gewichte über 5 kg tragen könne (
Urk.
7/79/1).
Dieses Belastungsprofil entsprach gemäss der Beschwerdegegnerin demjenigen der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
C.___
vom 1
1.
Januar 2014 (
Urk.
7/83/3).
Die Beschwerdegegnerin hielt zudem fest, im Einwand werde eine psychische Einschränkung erwähnt, es seien jedoch keine psychiatrischen Arzt
berichte eingegangen. Zwar werde in der Verfügung der Suva vom 1
2.
August 2019 etwas von einer psychogenen Beeinträchtigung erwähnt, dies ändere jedoch nichts am Sachverhalt (
Urk.
7/94/2).
3.3
3.3
.1
Im aktuellen
V
erfahren nahm die Beschwerdegegnerin die folgenden medizinischen Unterlagen zu den Akten:
Dr.
med.
F.___
, Fachärztin für Chirurgie und Kreisärztin des für die Unfallfolgen zuständigen Unfallversicherers Suva
,
stellte anlässlich ihrer Unter
suchung vom 1
1.
April 2019 die Diagnose von Restbeschwerden im Bereich der linken Schult
er bei adhäsiver
Kapsulitis
bei
Status nach Schulterarthroskopie links mit Tenotomie,
Tenodese
und
Akromioplastik
im Januar 2012 und
Schmerz
exazerbation
im Rahmen eines neuen Sturzes im September 2018 (
Urk.
7/302/4). Sie kam zum Schluss, dass ein stationärer Zustand vorliege, welcher sich objektiv im Vergleich zur letzten kreisärztlichen Untersuchung im Januar 2013 nicht gravierend verändert habe. Dementsprechend habe das damals erstellte Zumutbarkeitsprofil weiterhin Gültigkeit mit der Präzisierung, dass bezüglich des linken Oberarmes keine repetitiven manuellen Tätigkeiten und nur eine sehr leichte bis leichte Tätigkeit unterhalb der Horizontalen, ohne kraftvolle Zug-, Stoss- und Drehbewegungen, Schläge, Vibrationen und ohne einseitiges Ab
stützen mit
dem
link
en Arm
zumutbar seien (
Urk.
7/109/303
).
3.3
.2
PD
Dr.
Z.___
diagnostizierte
in seinem Bericht vom 2
0.
Mai 2020 eine posttraumatische
AC-
Arthropathie
der linken Schulter sowie Hinweise auf ein
subacromiales
Impingement
, Differenzialdiagnose
low
-grade Infekt.
Er hielt fest, entweder könne die Situation so belassen oder eine erneute
arthroskopische
Behandlung durchgeführt werden
,
und veranlasste eine
Arthro
-MRI-Untersuchung.
D
er Beschwerdeführer
habe
- sollten die Beschwerden so bleiben -
sicherlich Anspruch auf eine Berentung durch die Invalidenversicherung (
Urk.
7/116/10).
Anlässlich der Verlaufskontrolle vom
2.
Juni 2020 und n
ach Vorliegen der Ergebnisse
des
Arthro
-MRI
,
diagnostizierte
PD
Dr.
Z.___
zusätzlich eine ausgesprochene
Supraspinatusunt
erflächenpartialruptur
links und
führte aus,
er habe dem Beschwerdeführer die Möglichkeit der
arthroskopischen
Reparatur dar
gelegt und diese auch empfohlen. Die Prognose dieser Operation sei reduziert, die Erfolgsrate etwa 65
%
. Ob der Beschwerdeführer danach wieder als Elektriker arbeiten könne, sei unsicher (
Urk.
7/102/2 f.).
3.3
.3
Dr.
med.
G.___
, praktische Ärztin,
vom Regionalärztlichen Dienst (RAD), hielt in ihrer Stellungnahme vom 3
1.
August 2020 fest, aus versicherungs
medizinischer Sicht sei anhand der vorgelegten Berichte keine dauerhafte Ver
änderung des gesamthaften Gesundheitszustandes begründbar. Aus psychiatrischer Sicht werde eine Anpassungsstörung thematisiert, die unter leitliniengerechter fachärztlich-psychiatrischer Behandlung erfahrungsgemäss remittiere.
Es
sei zu prüfen, ob
eine solche
bereits begonnen worden sei. Aus somatischer Sicht (
die
linke obere Extremität betreffend) werde empfohlen, mit der Beurteilung der Suva zu koordinieren, die von einem unveränderten Zustand
und unveränderter
Arbeitsfähigkeit ausgehe (
Urk.
7/117/3)
.
3.3.4
Der Beschwerdeführer begab sich ab dem
3.
Deze
mber 2020 bei med.
pract
.
A.___
und
Dr.
phil.
B.___
in Behandlung (
Urk.
7/116/4), die
im Bericht vom
8.
Februar 2021
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), eine generalisierte Angstst
örung (ICD-10 F41.1) sowie einen Verdacht
auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F
43.1)
diagnostizierten und festhielten
, der Beschwerdeführer könne seinen linken Arm nur beschränkt betätigen, darüber hinaus best
ünden
eine Erschöpfung, eine Konzentrations
schwäche und fehlende Ausdauer (
Urk.
7/116/5 f.). Inwiefern die bisherige oder eine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar sei, könne derzeit noch nicht gesagt werden.
Sie merkten zudem an, dass eine
Unterstützung bei der Ein
gliederung in eine Tätigkeit hilfreich
wäre
(
Urk.
7/116/7).
3.3.5
Nachdem
PD
Dr.
Z.___
am 1
7.
Februar 2021 bereits einen dies
bezüglichen Verdacht geäussert hatte (
Urk.
3/3),
hielt
er
am
5.
März 2021 fest, die Ruptur habe im Vergleich zu den Voraufnahmen vom 2
7.
Mai 2020 leicht zugenommen. Die Therapieoptionen seien besprochen worden und der Beschwerdeführer möchte nicht länger warten. Vorgesehen sei deshalb am
7.
Mai 2021 eine
arthroskopische
Supra
spinatussehnenrekonstruktion
,
Ak
romioplastik
, Co-
Planing
und Entnahme von Gewebsproben. Die Prognose sei gut (
Urk.
7/127/1).
3.3.6
Gemäss einer Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 1
2.
Mai 2021
wurde
mit RAD-Arzt
Dr.
H.___
, Facharzt für Chirurgie, Rücksprache gehalten
, ob nach der Operation von einer langandauernden Arbeitsunfähig
keit ausgegangen werden könne. Dieser habe erläutert, dass postoperativ
eine Arbeitsunfähigkei
t von rund drei Monaten adäquat sei.
Danach sollte der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit wieder voll einsetzbar sein (
Urk.
7/130).
4.
4.1
Zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Verfügung vom
3
0.
Mai 2014 ist den Akten zu entnehmen, dass anlässlich eines Abklärungsgesprächs in der
Klinik I.___
am 2
8.
Juni 2012 die Diagnosen eines Alkoholabhängigkeitssyndroms, am ehesten vom Typ des Pegeltrinkens (ICD-10 F10.25), eines Nikotinabhängigkeitssyndroms, gegenwärtig seit 17 Jahren abstinent (ICD-10 F17.20)
,
und einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F
43.3) gestellt wurden (
Urk.
7/43/2). Da der Beschwerdeführer in der Folge dort keine Therapie aufnahm oder sich überhaupt in psychiatrische Behandlung begab, verzichtete die Beschwerdegegnerin auf weitere Abklärungen zum psychischen Zustand des Beschwerdeführers und auch RAD-Arzt
Dr.
C.___
befasste sich
nicht mit dem psychiatrischen Krankheitsbild (vgl.
Urk.
7/47/6).
Zwar befand sich der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Neuanmeldung vom 2
0.
August 2020 weiterhin nicht in psychiatrischer Behandlung und zu seinem psychischen Zustand
lag
in diesem Zeitpunkt einzig
der Bericht der Psychologin
lic
. phil
.
J.___
vom 2
3.
Mai 2020 vor,
die
mit dem Beschwerdeführer vom 2
7.
Dezember 2019 bis am 3
1.
Januar 2020 fünf Einzelgespräche
durchgeführt
und die Diagnosen einer Anpassungsstörung Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) und einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
gestellt hatte
(
Urk.
7/102/4 f.).
Da sie nicht in der Lage gewesen war, eine psychopharma
kologische Behandlung sicherzustellen
,
aber der Meinung gewesen war, der Beschwerdeführer benötige eine solche
,
habe sie
ihn
an einen Kollegen über
wiesen
(
Urk.
7/102/5). RAD-Ärztin
Dr.
G.___
kam
gestützt
auf diesen Bericht
in ihrer Stellungnahme vom 3
1.
August 2020
zum Schluss
, es werde eine Anpassungsstörung thematisiert, die unter leitliniengerechter fachärztlich-psychiatrischer Behandlung erfahrungsgemäss remittiere.
Zudem
befand sie es für notwendig, zu prüfen, ob eine solche Behandlung
bereits
begonnen worden sei (
Urk.
7/117/3).
Tatsächlich begab sich der
Beschwerdeführer
im weiteren Ver
lauf
ab dem
3.
Dezember 2020 bei med.
pract
.
A.___
und
Dr.
phil.
B.___
in Behandlung. Diese stellten in ihrem Bericht vom
8.
Februar 2021 die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) sowie eines Verdachts auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1
;
Urk.
7/116/5)
.
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers konnten sie sich noch nicht äussern und hielten lediglich fest, der Beschwerdeführer sei eigentlich motiviert, der Ein
gliederung entgegen stünden jedoch der Umstand, dass er seinen linken Arm nur beschränkt betätigen könne
,
sowie
s
eine Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und fehlende Ausdauer (
Urk.
7/116/6 f.).
Obwohl somit psychische Einschränkungen
mit im Berichtszeitpunkt
noch
unklaren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dokumentiert wurden,
ver
zichtete die B
eschwerdegegnerin auf e
ine inhaltliche
Würdigung des Berichtes von med.
pract
.
A.___
und
Dr.
phil.
B.___
-
und insbesondere den
Beizug
eines fachlich qualif
izierten RAD-Arztes
-
und
hielt
dazu
einzig fest, gestützt auf die Aktenlage habe bisher keine fachpsychiatrische Behandlung stattgefunden (
Urk.
6 S. 2).
Dies trifft indessen angesichts des
Facharzttitels in Psychiatrie und Psychotherapie von med.
pract
.
A.___
nicht zu
.
Zwar
ist
der genannte Bericht auf
grund des
fehlenden
psychiatrischen Befundes für sich alleine als Nachweis für eine rentenrelevante Änderung des Gesu
ndheitszustandes nicht ausreichend
, zu
mal
die behandelnden Fachpersonen
sich noch nicht zur Arbeitsfähigkeit äussern konnten und zudem
fachfremde Beschwerden
in ihre B
eurteilung einbezogen
. Je
doch kann eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers gestützt auf diesen Bericht in Anbetracht der
zwischenzeitlich
aufgenommenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
und der gestützt
darauf gestellten Diagnosen
auch nicht von vornherein verneint werden.
Insgesamt ergeben sich damit aus den medizinischen Unterlagen Hinweise auf ein psychisches Krankheitsbild, dessen aktuelle Ausprägung und Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der vorliegenden Akten nicht
abschliessend
beurteilt werden kann. Die medizinische Aktenlage erweist sich daher
, was den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers betrifft,
als ergänzungsbedürftig.
4.2
In somatischer Hinsicht
ging die Beschwerdegegnerin gestützt a
uf die Beurteilung der RAD-Ärztin
Dr.
G.___
vom 3
1.
August 2020
und
die durch die Beschwerde
gegnerin in einer Aktennotiz vom 1
2.
Mai 2021 festgehaltene Einschätzung von RAD-Arzt
Dr.
H.___
davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht langandauernd verschlechtert habe (
Urk.
6 S. 2).
Bei den Stellungnahmen der RAD-Ärzte handelt es sich um Aktenbeurteilungen, da der Beschwerdeführer
von ihnen
nicht untersucht wurde.
Diesen
kann trotz
dem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 2
5.
Juni 2018 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Ob dies vorliegend der Fall ist, ist nach
folgend zu prüfen.
Dr.
G.___
ging in ihrer Stellungnahme
vom 3
1.
August 2020
zur
Eintretensfrage
g
estützt auf den Bericht von PD
Dr.
Z.___
vom
2.
Juni 2020
, worin dieser eine ausgesprochene
Supraspinatusunterflächenpartialruptur
links diagnostiziert und aus
ge
führt
hatt
e, er habe dem Beschwerdeführer die Möglichkeit der
arthro
skopischen
Reparatur dargelegt und diese auch empfohlen (
Urk.
7/102/2),
zu
nächst
von einem unveränderten Gesundhe
itszustand
mit einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit als Elektromonteur und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
aus
(
Urk.
7/117/3)
.
Im weiteren Verlauf des Verfahrens verschlimmerte sich
jedoch
die
diagnostizierte Ruptur
laut
PD
Dr.
Z.___
leicht
und
am
7.
Mai 20
21
wurde
die diesbezügliche Operation
durchgeführt
, worauf laut
Dr.
H.___
,
von einer rund drei Monate andauernden Arbeitsunfähigkeit und einer in der Folge zu erwartenden vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
a
uszug
ehen war
(
Urk.
7/130).
Die Beschwerde
gegnerin
verfügte
daraufhin
am 1
2.
Mai 2021
,
ohne den tatsächlichen Heilungs
verlauf abzuwarten
,
und
verneinte eine langandauernde Verschlechterung des Gesundheitszustandes (
Urk.
6 S. 2).
Die
Einschätzung von
Dr.
H.___
stütz
t
sich
nicht auf Beurteilungen des
konkreten
Heilungsverlaufs und der A
rbeitsfähigkeit durch die
behandelnden
Ärzte - solche befinden sich nicht bei den Akten -
sondern
erfolgte
wohl
basierend auf
Erfahrungswerte
n
in vergleichbaren
Fällen.
Ob es
dabei im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts ging
,
erscheint bereits
mangels
Verfügbarkeit des
Operationsbericht
s
und
fachärztlich erhobene
r
Befunde
zum darauffolgenden Heilungsverlauf
jedenfalls
als
fraglich.
Dementsprechend schätzte
auch
Dr.
H.___
die zu erwartende Arbeitsunfähigkeit nur vage auf «rund drei Monate»
Dauer
.
Dies greift
vorliegend
jedoch
bereits
a
ngesichts des Umstandes, dass
die Beschwerdegegnerin
von einer
fortbestehenden
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der bisherigen
Tätigkeit als Elektromonteur
(
Urk.
7/64
/8
, vgl.
Urk.
7/117/3)
aus
geht
,
und daher
wohl
das Wartejahr im Sinne von
Art.
28 Abs.1
lit
. a IVG im Operationszeitpunkt vom
7.
Mai 2021 bereits abgelaufen
wäre
, zu kurz
.
Denn l
iegt nun
auch
eine Arbeits
un
fähigkeit für angepasste Tätigkeiten vor
und
dauert
die verschlechterte Situation länger als drei Monate an (vgl.
Art.
88a IVV
; Urteil des Bundesgerichts
9C_496/2018 vom 21. November 2018 E. 4.2.1
),
wäre
ein
Revisionsgrund und ein
(allenfalls befristeter) Rentenanspruch des Beschwerde
führers nicht auszuschliessen. Ob dies der Fall ist, kann bei der Einschätzung einer
«rund» drei Monate
- also möglicherweise auch
darüberhinausgehend
-
an
dauernden Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten, nicht
abschliessend
beurteilt werden.
A
us der
pauschale
n
Einschätzung
von RAD-Arzt
Dr.
H.___
kann daher
nicht
von
v
ornherein
abgeleitet werden, dass
keine rentenrelevante Veränderung des Gesundheitszustandes vorliegt.
E
ine
zuverlässige Beurteilung des aktuellen somatischen Gesundheitszustandes ist somit
gestützt auf die vor
liegenden Akten
ebenfalls nicht möglich
4.3
Insgesamt erweisen sich die vorhandenen medizinischen Unterlagen für eine ab
schliessende Beurteilung des Verlaufs des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers und damit des vorliegend strittigen Leistungs
anspruchs als nicht genügend. Die Beschwerdegegnerin ist zwar auf die Neu
anmeldung des Beschwerdefüh
rers eingetreten (vgl.
Urk.
7/117/4
). Obwohl sie es mithin als möglich erachtet hat, dass eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten sein könnte, hat sie aber die nötigen medizinischen Abklärungen nicht vorgenommen.
Die Beschwerdegegnerin hat daher ergänzende medizinische Abklärungen vorzu
nehmen, die sämtliche Beschwerden des Beschwerdeführers umfassen und eine hinreichende fachärztliche Grundlage darste
llen, welche die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlauben. Hierzu
wird sie insbesondere Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte einzuholen haben
,
die sich zum Heilungsverlauf nach der Operation der linken Schulter sowie zum weiteren
psychiatrischen
Behandlungsverlauf äussern.
Allenfalls empfiehlt sich auch ei
ne
bidisziplinäre
Begutachtung
,
die
insbesondere eine Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes nach Massgabe der Standardindikatoren gemäss der mit BGE 141 V 281 begründeten Rechtsprechung ermöglicht. Hernach hat die Beschwerdegegnerin neu über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde
gutzuheissen
, die angefochtene Verfügung vom
1
2.
Mai 2021
(
Urk.
2)
aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid über den Rentenanspruch de
s
Beschw
erdeführer
s
zurückzu
weisen
.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
waltung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), ermessens
weise auf Fr. 700.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen ermessensweise auf
Fr.
2‘400.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
In
Gutheissung
der Beschwerde wird die
angefochtene Verfügung vom 1
2.
Mai 2021 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, zurückgewiesen
, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozess
entschädigung von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrEngesser