# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3461eb56-3f18-57b9-b390-046f36e2826c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.03.2021 E-6896/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6896-2018_2021-03-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6896/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger, 

Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiber Urs David. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Katarina Socha, Caritas Schweiz, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 7. November 2018 / N (…). 

 

 

 

E-6896/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stellte am 8. November 2015 im damaligen Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Anlässlich der 

Befragung zur Person (BzP) vom 1. Dezember 2015, einer schriftlichen 

Gesuchsergänzung vom 2. Februar 2017 sowie der Anhörungen vom 

17. Mai und 5. Juli 2018 zu den Asylgründen machte er im Wesentlichen 

Folgendes geltend:  

Er sei ethnischer Tadschike, und stamme aus dem Dorf B._______ (Pro-

vinz Logar), wo er während vier Jahren, aber nur sehr unregelmässig, die 

Schule besucht habe. Gelernt habe er nichts; er sei Analphabet. Sein Dorf 

werde tagsüber vom afghanischen Staat regiert, wogegen nachts die Tali-

ban das Sagen hätten. Mit seiner Frau habe er (…) Kinder. Neben seiner 

Familie seien auch noch weitere Angehörige und Verwandte in B._______ 

wohnhaft (gewesen). Beruflich sei er nach der Schule als Bauer und später 

hauptsächlich als angelernter (…) tätig gewesen, wobei er diese Tätigkei-

ten an verschiedenen Orten als (Temporär-) 

Angestellter beziehungsweise Tagelöhner beziehungsweise selbstständig 

im Auftrag von Arbeitsvermittlern ausgeführt habe, die auch Aufträge der 

Amerikaner und der Regierung vermittelt hätten. Sein Bruder habe um (…) 

beziehungsweise (…) im Iran eine Frau geheiratet, um deren Hand auch 

sein Cousin C._______ erfolglos angehalten habe. Aus Neid, Eifersucht 

und Rache habe C._______ deshalb seinen Bruder umgebracht, woraufhin 

C._______ im Iran festgenommen und inhaftiert worden, jedoch aus ihm 

unerfindlichen Gründen alsbald wieder freigekommen und nach Afghanis-

tan zurückgekehrt sei. In der Folge habe sich C._______ den Taliban in 

D._______ angeschlossen. Um das Jahr (…) habe er selber im noch ju-

gendlichen Alter die Frau seines getöteten Bruders geheiratet. Etwa drei 

Monate nach Ausführung von (…)arbeiten am von den Amerikanern unter-

stützten Polizeihauptquartier in E._______ – der Auftrag sei ihm durch 

F._______ weitervermittelt worden und die Amerikaner hätten ihn für die 

geleistete Arbeit gelobt – hätten zwei bewaffnete Männer seinen Vater mit 

dem Tod der Familie bedroht, sollte er (Beschwerdeführer) weiterhin Arbei-

ten für die Amerikaner verrichten. Er vermute C._______ als Drahtzieher 

der Drohung. Noch gleichentags habe er aus Angst um seine Familie die 

Arbeit niedergelegt. Durch Vermittlung von G._______, dem Inhaber einer 

Baufirma, habe er jedoch rund zwei Wochen später Aufträge in H._______ 

und I._______ als (…) erhalten, welche von der Provinzverwaltung verge-

ben worden seien. Nach eineinhalb Monaten sei er auf der Baustelle durch 

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einen jungen Mann davor gewarnt worden, weiterhin hier zu arbeiten. Er 

habe die Warnung nicht ernst genommen, zumal er deren Hintergrund 

nicht gekannt habe und es sich bei diesem Mann auch um einen Konkur-

renten beziehungsweise Interessenten für die Fortsetzung seiner Arbeit 

hätte handeln können. Einige Tage später – ungefähr im April 2015 – sei er 

am Arbeitsplatz beziehungsweise auf dem Nachhauseweg von Vermumm-

ten beziehungsweise von Taliban angehalten, aus dem Sammeltaxi geholt 

und mit verbunden Augen ohne Angabe eines Grundes beziehungsweise 

unter dem Vorhalt der Arbeitsverrichtung für die Regierung und für Auslän-

der in ein Haus in D._______ verschleppt und geschlagen worden, 

wodurch er zwei Zähne verloren habe sowie am Arm und am Kopf verletzt 

worden sei. Forderungen hätten die Peiniger keine gestellt. Sein von Fahr-

gästen des Sammeltaxis informierter Vater habe nunmehr Kontakt mit dem 

Mullah und den Dorfältesten aufgenommen, welche nach zwei bezie-

hungsweise vier Tagen seine Freilassung hätten erwirken können. Als er 

kurz darauf in H._______ seinen letzten Lohn abgeholt habe, habe er von 

seinem Vater erfahren, dass ein Drohbrief vor ihr Haus geworfen worden 

sei. Der Vater habe ihm von einer Rückkehr nach Hause abgeraten. Statt-

dessen sei er ungefähr Anfang September 2015 mit dem ausbezahlten 

Lohn beziehungsweise mit finanzieller Unterstützung durch seinen Vater in 

den Iran ausgereist, wo er zunächst rund acht Monate geblieben sei. In der 

Folge sei er via die Türkei, Griechenland, Serbien, verschiedene weitere 

europäische Länder und letztlich Deutschland illegal in die Schweiz weiter-

gereist, wo er am 8. November 2015 angekommen sei. Seine Familie be-

ziehungsweise sein Vater sei im Dezember 2016 von einer unbekannten 

Person beziehungsweise von den Taliban mit der Vernichtung der Familie 

beziehungsweise der Tötung der Kinder bedroht worden, sollte er (Be-

schwerdeführer) nicht nach Afghanistan zurückkehren; Grund hierfür seien 

seine früheren Arbeitstätigkeiten für die Regierung und die Ausländer. Ge-

gen Ende 2016 beziehungsweise um April 2017 hätten zudem Unbekannte 

eine Handgranate auf das Haus seiner Familie geworfen, wobei seine (…) 

getötet worden sei. Kurz darauf sei auch sein (…) ermordet beziehungs-

weise durch eine auf das Haus abgefeuerte Rakete getötet worden. Eine 

Woche nach dem Anschlag beziehungsweise etwa im November 2017 sei 

seine Familie angesichts der Bedrohungslage via H._______ nach Pakis-

tan ausgereist, wo sie seither ohne Aufenthaltsrecht lebe; er mache sich 

grosse Sorgen um sie. In Afghanistan (insb. B._______, I._______, 

H._______ und D._______) lebten aber nach wie vor Verwandte. Ange-

sprochen auf allfällige gesundheitliche Beeinträchtigungen nannte der Be-

schwerdeführer nebst den bei seiner Verschleppung erlittenen Verletzun-

gen eine durch einen Bombenanschlag unbekannter Urheberschaft um 

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das Jahr 2000 verursachte (…)verletzung, die ihm aber keine Schmerzen 

mehr bereite. 

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer im Verlaufe des erstinstanzli-

chen Verfahrens insbesondere seine Taskara, Taskara-Kopien seiner Frau 

und Kinder, diverse Fotos (v.a. von Familienangehörigen und Verwandten), 

eine Arbeitskarte, zwei angeblich von einem Cousin angefertigte Fotos von 

zwei Taliban, die ihn angeblich bedroht beziehungsweise geschlagen hät-

ten, und den erwähnten Drohbrief mitsamt einer Übersetzung zu den Ak-

ten. Gemäss der Übersetzung werde er unter Androhung seiner Tötung 

durch die Mudschaheddin aufgefordert, sich bei der Gerichtskommission 

zu melden, weil er trotz einer bereits erfolgten früheren Festnahme wieder 

den ungläubigen Behörden gedient habe. Seinen Reisepass habe er zu-

hause zurückgelassen und er werde ihn beschaffen beziehungsweise er 

habe gar keinen Reisepass. Für die weiteren abgegebenen Beweismittel, 

insbesondere medizinische Unterlagen und solche, mit denen Vollzugshin-

dernisse dokumentiert werden sollen, wird auf die Akten verwiesen. 

B.  

Mit Verfügung vom 7. November 2018 – eröffnet am 9. November 2018 – 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, und lehnte dessen Asylgesuch ab (Ziff. 1 und 2 des Disposi-

tivs). Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an (Ziff. 3 

des Dispositivs). Infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges (auf-

grund der prekären Sicherheitslage in Afghanistan) verzichtete es jedoch 

auf den Vollzug der Wegweisung und gewährte dem Beschwerdeführer die 

vorläufige Aufnahme (Ziff. 4 bis 6 des Dispositivs). 

C.  

Am 20. November 2018 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer auf 

dessen Gesuch vom 13. November 2018 hin Einsicht in die aus seiner 

Sicht editionspflichtigen Akten. 

D.  

Mit Eingabe vom 5. Dezember 2018 (und Ergänzungen vom 5. April, 

17. Juli und 9. September 2019) erhob der Beschwerdeführer gegen die 

Verfügung vom 7. November 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-

gericht. Darin beantragt er die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3, die 

Gewährung von Asyl unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft so-

wie eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neube-

urteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem beantragt, das 

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SEM sei anzuweisen, unverzüglich Einsicht in alle eingereichten Beweis-

mittel zu gewähren (vgl. Beschwerde Ziff. B/II/2.2). 

E.  

Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. Dezem-

ber 2018 wurde der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschus-

ses von Fr. 750.– bis zum 27. Dezember 2018 aufgefordert. Mit derselben 

Zwischenverfügung wurde das SEM antragsgemäss zur unverzüglichen 

Behandlung des Gesuchs um Einsicht in alle eingereichten Beweismittel 

angewiesen. 

Der Beschwerdeführer leistete den eingeforderten Kostenvorschuss am 

17. Dezember 2018 vollumfänglich. 

Am 18. Dezember 2018 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer Ein-

sicht in die von ihm eingereichten Beweismittel. 

F.  

Mit Schreiben vom 12. Februar 2019 ersuchte der Beschwerdeführer das 

SEM um Zustellung seiner Taskara an ihn oder direkt an das afghanische 

Konsulat in Genf, da er das Dokument im Hinblick auf die dortige (…) be-

nötige. 

Das SEM beantwortete das Gesuch mittels Schreiben vom 5. März 2019 

abschlägig und verwies hierzu auf die geltenden gesetzlichen Bestimmun-

gen, wonach Ausweisschriften grundsätzlich beim SEM hinterlegt bleiben 

müssten. 

G.  

Mit Schreiben vom 16. Dezember 2019, vom 20. Juli 2020 und (zwei Mal) 

vom 27. Januar 2021 ersuchte der Beschwerdeführer unter Hinweis auf 

seinen Wunsch nach einem Besuch seiner inzwischen in J._______ leben-

den Frau, Kinder und kranken Mutter um einen baldigen Abschluss des 

Beschwerdeverfahrens. 

 

  

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1  

3.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu 

werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor 

zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die 

Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im 

Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger 

Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beru-

hendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfin-

dung der betroffenen Person als subjektives Element andererseits. Be-

gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, 

wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) 

für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden 

(vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, 

je m.w.H.). Gemäss Praxis (vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4.1) sind die in Art. 3 

Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive über ihre sprachlich allen-

falls engere Bedeutung hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung we-

gen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder 

Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt. Verfolgung im Sinne des 

Asylgesetzes und der Flüchtlingskonvention erfolgt immer wegen des 

Seins, nicht wegen des Tuns.  

3.1.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-

sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 

die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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3.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM begründete den ablehnenden Asylentscheid damit, dass die 

geltend gemachten Verfolgungsvorbringen den Anforderungen von Art. 3 

AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügten. Die ver-

schiedenen Benachteiligungen (Verschleppung, Drohungen, Handgrana-

tenangriff auf das Haus seiner Familie sowie Tötung seines […]) stellten 

zwar eine intensive und lebensbedrohliche, aber nicht durch ein von Art. 3 

AsylG erfasstes Motiv getriebene Verfolgung dar. Dies erhelle daraus, dass 

der Beschwerdeführer den genauen Hintergrund der Drohungen nicht 

kenne, die Bedrohungslage auch nach seiner Niederlegung der (…)arbei-

ten für die Regierung und die Amerikaner ihren Fortgang genommen habe 

sowie seine Verdächtigung von C._______ als Drahtzieher auf reiner Ver-

mutung basiere und dessen Motivation (persönliche Rachenahme am Be-

schwerdeführer aufgrund seiner Heirat mit einer bereits von C._______ 

Auserwählten) nicht asylrelevant sei. Der Beschwerdeführer erfülle daher 

die Flüchtlingseigenschaft nicht. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung 

des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz. 

4.2 In seiner Beschwerde und den Ergänzungseingaben macht der Be-

schwerdeführer zunächst darauf aufmerksam, dass das SEM seine Anhö-

rungen erst drei Jahre nach der Gesuchseinreichung durchgeführt habe. 

Ebenso macht er darauf aufmerksam, dass das SEM zwar die Röntgenbil-

der seines Gebisses als Beweismittel zu den Akten genommen, diese aber 

nicht in die Entscheidfindung miteinbezogen habe. Sie seien somit im Rah-

men des Beschwerdeurteils noch zu würdigen und die Vorinstanz für die-

sen Fehler zu rügen. Weiter hält er fest, dass das Verfolgungsmotiv in sei-

nem Fall das politische sei. Dieses Motiv der politischen Anschauung sei 

offen formuliert und weit auszulegen. Gemäss SFH (Schweizerische 

Flüchtlingshilfe) enthalte es alle Meinungen, Haltungen, Überzeugungen 

und Handlungen, die sich auf das politische, wirtschaftliche oder gesell-

schaftliche System beziehen würden. Der Zweck der Flüchtlingseigen-

schaft liege darin, eine Person, die aus einem in ihrer Persönlichkeit lie-

genden Grund schutzlos einer Verfolgung ausgesetzt ist, internationalen 

Schutz zukommen zu lassen. Entscheidend sei, dass die Verfolgung ob-

jektiv betrachtet – aus der Perspektive des Verfolgers – als entsprechend 

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motiviert erscheine. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, UN-

HCR und anderen Beobachtern und Quellen gehörten zu den besonders 

verfolgungsexponierten Gruppen neben Mitarbeitenden von internationa-

len Organisationen, Unternehmen oder NGOs insbesondere westlich ori-

entierte oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Grün-

den nicht entsprechende Personen, die mit den internationalen Truppen 

zusammenarbeiten, und speziell solche, die regelmässig bei den Militärba-

sen gesehen würden und eng mit den Militärangehörigen zusammenarbei-

teten. Diese würden seitens extremistisch oder fanatisch eingestellter 

Gruppierungen – insbesondere der Taliban – als Verräter betrachtet, die es 

hart zu bestrafen gelte. Zum gefährdeten Personenkreis gehörten ebenso 

deren Familienangehörige. Die Vorinstanz habe es in der angefochtenen 

Verfügung versäumt, seine aktenkundige berufliche Tätigkeit für die Ame-

rikaner beziehungsweise die afghanische Regierung und die daraus resul-

tierende Verfolgung zu prüfen statt bloss auf das Verfolgungsmotiv der per-

sönlichen Rache hinzuweisen. Zudem sei entscheidend, aufgrund welcher 

Motivation die Verfolger tatsächlich handeln. Er vereine in seiner Person 

verschiedene gefährdungsbegründende Eigenschaften in diesem Sinne, 

nämlich eine höhere Position als Angestellter und Selbständiger, seine ge-

bietsweise berufliche Bekanntheit, seine Arbeitsverrichtungen als (…) für 

die Amerikaner beziehungsweise die afghanische Regierung (insb. […]ar-

beiten im Polizeihauptquartier), seine auf diese Arbeiten für die Amerikaner 

und die Regierung zurückzuführende persönliche Bedrohung und Ver-

schleppung sowie die Bedrohungen und Benachteiligungen seiner Fami-

lienangehörigen und Verwandten. Die Vorinstanz habe es in Verletzung 

seines Anspruchs auf Wahrung des rechtlichen Gehörs unterlassen, den 

von ihm eingereichten Drohbrief als Beweisstück und objektives Sachver-

haltselement seiner Verfolgungslage in ihrem Entscheid zu berücksichti-

gen; diese Unterlassung sei zu rügen und nun zu beheben, zumal aus dem 

Passus «den ungläubigen Behörden gedient» und der Aufforderung, wo-

nach er sich der «Gerichtskommission» zu stellen habe, auch das politi-

sche Verfolgungsmotiv hervorgehe. Aus der aktualisierten Lagebeurteilung 

des Bundesverwaltungsgerichts im Referenzurteil D-5800/2016 vom 

13. Oktober 2017 ergebe sich eine deutliche Verschlechterung der Sicher-

heitslage seit dem Länderurteil BVGE 2011/7. Es sei unklar, ob sich die 

afghanischen Sicherheitskräfte gegen die regierungsfeindlichen Gruppie-

rungen behaupten könnten. Die Menschenrechtslage sei kritisch und die 

lokalen Polizeibehörden gälten in der afghanischen Bevölkerung als kor-

rupt. Eine Schutzfähigkeit des afghanischen Staates gegen seine Verfol-

gung sei daher nicht anzunehmen, weshalb er Anspruch auf internationa-

len Schutz im Sinne der Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und der 

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Gewährung des Asyls habe. Im Übrigen macht er darauf aufmerksam, dass 

die von seiner Familie, seinen Eltern und weiteren Verwandten vor deren 

Wegzug im Jahre 2017 bewohnte Liegenschaft in B._______ zwischen-

zeitlich – im Jahre 2019 – durch Unbekannte, vermutlich die ihn verfolgen-

den Taliban, zerstört worden sei; den Vorfall könne er nun mit einer Bestä-

tigung der örtlichen Ländereikontrollbehörde und zwei Fotos belegen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend 

in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla-

gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 

VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei-

standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen 

ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht-

liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvoll-

ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Be-

schwerdegrund und dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss 

Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine 

umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel-

lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-

grunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollstän-

dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-

stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-

verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, 

Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler- oder lü-

ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und 

weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserhebli-

chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-

BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, 

Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungs-

grundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal-

tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

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Seite 11 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. 

5.2 Einer Würdigung unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG zugänglich ist 

grundsätzlich ein festgestellter Sachverhalt. Dieser wird aus Sachverhalts-

vorbringen, Beweismitteln und nötigenfalls aus weiteren Abklärungen 

durch das SEM ermittelt, wobei sich die Rechtserheblichkeit auf den be-

wiesenen oder im Sinne von Art. 7 AsylG zumindest glaubhaft gemachten 

und zudem subsumptionsfähigen Sachverhalt beschränkt. Erweist sich ein 

Sachverhaltsvortrag nach Massgabe von Art. 7 AsylG als unglaubhaft, fehlt 

es an einem unter Art. 3 AsylG subsumierbaren Sachverhalt; Art. 7 AsylG 

nimmt dann die Funktion einer eigentlichen Rechtswürdigung (Würdigung 

eines vorgetragenen Sachverhalts) ein (vgl. hierzu auch das am 23. Sep-

tember 2020 ergangene Urteil E-3836/2020 des BVGer, dort E. 6.2.1). 

Durchaus denkbar und in der Praxis gar relativ häufig ist umgekehrt das 

Abstellen auf einen bloss vorgetragenen statt festgestellten Sachverhalt 

dann, wenn sich der Sachverhaltsvortrag unbesehen seines Wahrheitsge-

halts als nicht flüchtlingsrechtlich beachtlich im Sinne von Art. 3 AsylG er-

weist. Ein solcher Verzicht auf die Glaubhaftigkeitsprüfung hat dabei durch-

aus auch eine prozessökonomische Berechtigung (vgl. hierzu z.B. das am 

27. August 2019 ergangene Urteil E-3030/2019 des BVGer, dort E. 6). 

Im vorliegenden Fall hat das SEM eine Rechtswürdigung nur nach Mass-

gabe von Art. 3 AsylG vorgenommen und auf eine Prüfung der Glaubhaf-

tigkeit der Asylvorbringen unter dem Aspekt von Art. 7 AsylG gänzlich ver-

zichtet. Unklar und aus den Erwägungen der angefochtenen Verfügung 

nicht ersichtlich ist, ob das SEM aus prozessökonomischen Gründen auf 

die Glaubhaftigkeitsprüfung verzichtet hat oder den vom Beschwerdeführer 

vorgetragenen Sachverhalt als unbestritten und mithin erstellt erachtet. 

Dieser Frage kommt in casu deshalb besondere Relevanz zu, weil das 

Bundesverwaltungsgericht aufgrund nachfolgender Erwägungen die 

Rechtswürdigung des SEM nach Massgabe von Art. 3 AsylG als unvoll-

ständig und fehlerhaft erkennt und es daher bedeutsam ist, welche geltend 

gemachten Sachverhaltsteile als erstellt gelten und welche nicht.  

5.3 Das SEM anerkennt im Rahmen seiner Prüfung und Würdigung der 

Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers unter dem Aspekt von 

Art. 3 AsylG deren flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit insoweit, als die ver-

schiedenen Benachteiligungen (Verschleppung, Drohungen, Handgrana-

tenangriff auf das Haus seiner Familie sowie Tötung seines […]) genügend 

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Seite 12 

intensiv und lebensbedrohlich seien. Hingegen verneint es das Vorliegen 

eines von Art. 3 AsylG erfassten Motivs der Verfolgung, da der Beschwer-

deführer den genauen Hintergrund der Drohungen nicht kenne, die Bedro-

hungslage auch nach seiner Niederlegung der (…)arbeiten für die Regie-

rung und die Amerikaner ihren Fortgang genommen habe sowie seine Ver-

dächtigung von C._______ auf reiner Vermutung basiere und dessen Mo-

tivation (persönliche Rachenahme am Beschwerdeführer aufgrund seiner 

Heirat mit einer bereits von C._______ Auserwählten) nicht asylrelevant 

sei. 

Diese Erkenntnisse betreffend das fehlende flüchtlingsrechtlich bedeut-

same Motiv lassen sich in dieser knappen, vereinfachenden, pauschalen 

und indifferenzierten Form nicht stützen: Zwar ist der Hinweis auf das nach 

Art. 3 AsylG nicht bedeutsame Motiv der persönlichen Rache (bzw. des 

Neids, der Eifersucht) bei C._______ für sich besehen durchaus berech-

tigt, denn ein solcherart Verfolgungsmotiv ist in Art. 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, 

Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, 

politische Anschauungen) und in der Praxis nicht erfasst. Das SEM ver-

kennt dabei aber, dass weite Teile der Verfolgungshandlungen beziehungs-

weise Befürchtungen bloss auf einer vom Beschwerdeführer recht vage 

geäusserten Vermutung einer Urheberschaft von C._______ beruhen. 

Deutlicher, wenngleich seitens des Beschwerdeführers nach wie vor ohne 

klarere Konturen erscheint seine Zuordnung der Verfolgungshandlungen in 

die Urheberschaft der Taliban als gesellschaftliche, religiöse und politische 

Gruppierung. Das SEM äussert sich nicht näher zur durchaus bedeutsa-

men Frage, ob C._______ – sollte er hypothetisch tatsächlich hinter den 

Verfolgungshandlungen stecken – einzig von persönlichen Rachegelüsten 

oder (bzw. und) von der gesellschaftlichen, politischen und religiösen Ide-

ologie der Taliban getrieben sei, denen sich dieser nach seiner Rückkehr 

vom Iran nach Afghanistan angeschlossen habe. Der vom Beschwerdefüh-

rer wiedergegebene und insbesondere auch aus dem vorgelegten, vom 

SEM aber nicht gewürdigten Drohbrief hervorgehende Inhalt sowohl der 

Drohungen als auch der seitens seiner Widersacher angeführten Begrün-

dung der ihm zugefügten Nachteile lässt recht klar erkennen, dass haupt-

sächlich seine objektiv wahrnehmbare Arbeitstätigkeit für die Regierung 

und die Amerikaner ein auf ihn gerichtetes Verfolgungsinteresse habe auf-

kommen lassen (vgl. z.B. vorinstanzliche Akte A24 F54-56, F128-130, 

F155-159, F187, F244, F259; A28 F28-33, F49, F91-93). Der einge-

schränkte Fokus des SEM auf die Verfolgerperson des C._______ und auf 

ein fehlendes asylrelevantes Motiv blendet vor allem aus, dass der Be-

schwerdeführer seinen Angaben zufolge unschwer erkennbar (…)arbeiten 

E-6896/2018 

Seite 13 

für die Regierung und die Amerikaner verrichtet hat, zumal diese Arbeiten 

im Freien und ortsgebunden (vor Regierungsgebäuden, bei der Errichtung 

von Strassen und Wegen oder andern staatlichen Infrastruktureinrichtun-

gen) auszuführen sind. Dabei ist aus objektiver Perspektive unerheblich, 

ob der Beschwerdeführer solche angeblichen Aufträge selber akquiriert hat 

und er sie als Selbständiger, (Temporär-)Angestellter, Taglöhner, Unterak-

kordant oder in anderer Eigenschaft verrichtet hat. Entscheidend ist die 

äussere Wahrnehmung. In den Augen der Taliban begibt sich ein Arbeiter 

in der Verrichtung solcher Tätigkeiten unschwer zumindest in die Nähe der 

«ungläubigen» afghanischen Regierung und der mit dieser verbündeten 

Amerikaner, welche offensichtlich Auftraggeber der vom Beschwerdeführer 

erwähnten (…)arbeiten sein mussten. Diese augenfällige Erkennbarkeit 

macht einen (…)arbeiter zwar noch nicht zwingend zum lohnenswerten 

und nach Art. 3 AsylG flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsziel insbe-

sondere der Taliban. Hierbei sind auch die konkrete Art der Arbeiten, die 

spezifische Funktion, Exponierung, Profilierung und erkennbare Entscheid-

befugnis des Arbeitsverrichters (Meister, Selbständiger, Angestellter, 

Handlanger usw.) sowie die Qualität und das Anforderungsprofil des jewei-

ligen Arbeitsauftrags mitentscheidend. Solche Komponenten – auch wenn 

sie in der Beschwerde augenfällig überzeichnet erscheinen ([…]) – belässt 

das SEM in der angefochtenen Verfügung ungeprüft. Ebenso bedeutsam 

ist die Frage, ob bei Annahme einer tatsächlichen objektiv und subjektiv 

begründeten Verfolgungssituation oder -gefahr seitens der Taliban von ei-

ner staatlichen Schutzfähigkeit und/oder vom allfälligen Bestehen zumut-

barer innerstaatliche Ausweichmöglichkeit auszugehen ist. Die vom SEM 

unterlassene Beantwortung dieser nebst dem Verfolgungsmotiv ebenso 

bedeutsamen Fragen bei der Prüfung der Asylrelevanz bedarf einer vor-

gängigen Feststellung des Sachverhalts. 

5.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst (reformatorisch) oder weist diese ausnahmsweise 

mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Wie sich aus obi-

gen Erwägungen ergibt, ist der rechtserhebliche Sachverhalt nicht genü-

gend erstellt oder dessen Feststellung zumindest unklar. Es ist nicht Sache 

des Gerichts, als letzte Beschwerdeinstanz die Sachverhaltsfeststellung  

oder gar umfassende Sachverhaltsabklärungen selber vorzunehmen und 

erstmals über sich allenfalls neu stellende Rechtsfragen zu entscheiden. 

Ein abschlägiger Entscheid nach neuer Sachverhaltsfeststellung durch das 

Gericht würde für den Beschwerdeführer den Verlust der einzigen Rechts-

mittelmöglichkeit und mithin eine Verletzung seines Anspruchs auf Wah-

rung des rechtlichen Gehörs bedeuten. Die Kassation der angefochtenen 

E-6896/2018 

Seite 14 

Verfügung ist daher vorliegend gerechtfertigt und gar geboten. Auf den wei-

teren Beschwerdeinhalt ist angesichts des Kassationsausganges einstwei-

len nicht weiter einzugehen. Die betreffenden Ausführungen und Beweis-

mittel sind jedoch vom SEM im Rahmen des wiederaufzunehmenden erst-

instanzlichen Verfahrens zur Kenntnis zu nehmen.  

Aus dem Erwogenen ergibt sich die Notwendigkeit einer Wiederaufnahme 

des erstinstanzlichen Verfahrens durch das SEM. Sofern sich das SEM 

nicht zu einer direkten Asylgewährung unter Feststellung der Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers veranlasst sieht, hat es klarzustellen, 

welche Teile des geltend gemachten Sachverhalts es als glaubhaft im 

Sinne von Art. 7 AsylG oder gar als bewiesen erachtet und welche es aus 

welchen Gründen als unglaubhaft einstuft. Eine solche Klarstellung drängt 

sich nicht zuletzt angesichts verschiedener augenfälliger Unstimmigkeiten 

(nicht nur im chronologischen Ereignisablauf) auf. Die Schwierigkeit der 

Erfassung des Sachvortrags in Bst. A oben (z.B. häufige Verwendung des 

Worts «beziehungsweise») gibt unschwer Aufschluss über die Notwendig-

keit einer sachverhaltlichen Klarstellung durch das SEM. Bei sich ergeben-

dem Bedarf ist der Sachverhalt auch weiter abzuklären. Auf Basis eines 

solchermassen vollständig ermittelten und festgestellten Sachverhalts hat 

das SEM diesen einer Würdigung nach Massgabe der gesamten gesetzes- 

und praxisgemässen Voraussetzungen der flüchtlingsrechtlichen Beacht-

lichkeit nach Art. 3 AsylG (vgl. oben E. 3.1.1) zu unterziehen und eine Neu-

beurteilung vorzunehmen. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung, so-

weit sie die angefochtenen Dispositivziffern 1 bis 3 betrifft, Bundesrecht 

verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig beziehungsweise 

unvollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die angefochtene Verfü-

gung ist aufzuheben und die Beschwerde insoweit gutzuheissen. Die Sa-

che ist im Sinne der Erwägungen (E. 5) zur vollständigen und richtigen 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde und ihre Ergänzungen 

bilden dabei Bestandteil der erweiterten N-Akten. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 17. Dezember 2018 geleistete Kos-

tenvorschuss im Betrag von Fr. 750.– ist dementsprechend dem Beschwer-

deführer zurückzuerstatten. 

E-6896/2018 

Seite 15 

7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechts-

vertreterin präsentiert in der Beschwerde (dort S. 9) und in der Ergänzungs-

eingabe vom 17. Juli 2019 einen Zeitaufwand von 8 Stunden und 50 Minu-

ten bei einem Stundenansatz von Fr. 193.85 und dazu Auslagen im Betrag 

von («pauschal») Fr. 53.85 (alles einschliesslich Auslagen und MwSt). Der 

ausgewiesene Aufwand erscheint leicht überhöht. Gestützt auf die in Be-

tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 8-13 VGKE) ist dem Be-

schwerdeführer zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von 

insgesamt Fr. 1'400.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im 

Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6896/2018 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darin die Aufhebung der Dispo-

sitivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung werden aufge-

hoben. Die Sache wird im Sinne der Erwägungen (E. 5) zur vollständigen 

und richtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der am 17. Dezember 2018 

geleistete Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 750.– wird dem Beschwer-

deführer zurückerstattet. 

4.  

Dem Beschwerdeführer wird zulasten des SEM eine Parteientschädigung 

von Fr. 1’400.– zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Urs David 

 

 

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