# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0988b585-3b2b-53d3-b932-efc945284e29
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.03.2010 D-1694/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1694-2010_2010-03-22.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1694/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  M ä r z  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______, Eritrea,
B._______
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 8. März 2010 / N_______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1694/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 14. Juli 2009 in der Schweiz ein Asyl-
gesuch stellte,

dass  dem Beschwerdeführer  gestützt  auf  die  Tatsache,  dass  er  am 
12. Dezember 2008 in Italien registriert  beziehungsweise daktylosko-
piert worden war, im Rahmen der Erstbefragung im C.______ vom 30. 
Juli  2009 das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach 
Italien gewährt wurde (vgl. BFM-Protokoll, A1, S. 12),

dass  er  dabei  unter  anderem  angab,  er  wolle  nicht  nach  Italien 
zurückkehren, da er dort 'schlecht gelebt habe' und befürchte, von dort 
womöglich nach Eritrea zurückgeschafft zu werden (vgl. A1, S. 12),

dass das BFM gestützt  auf  den oben erwähnten Eurodac-Treffer am 
8. September  2009 an Italien ein Ersuchen um Übernahme des Be-
schwerdeführers stellte, das in der Folge unbeantwortet blieb,

dass es mit  Verfügung vom 8. März 2010 in Anwendung von Art. 34 
Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz 
sowie den Vollzug anordnete,

dass  es  den  Beschwerdeführer  gleichzeitig  aufforderte,  die  Schweiz 
sofort zu verlassen, und festhielt, einer Beschwerde gegen diese Ver-
fügung komme keine aufschiebende Wirkung zu,

dass es zur Begründung seiner Verfügung anführte, der Beschwerde-
führer  sei  am 12. Dezember  2008  in  Italien  wegen illegaler  Einreise 
angehalten worden und habe vor seiner Weiterreise in die Schweiz in 
Rom gelebt, 

dass  Italien  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Euro-
päischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Be-
stimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem 
Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin-
Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR  0.142.392.68])  und  auf  das 
Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweize-
rischen Eidgenossenschaft,  der Republik  Island und dem Königreich 

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Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des 
Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags (Überein-
kommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32) für die Durchführung 
des Asylverfahrens zuständig sei,

dass Italien den Antrag auf Übernahme des Beschwerdeführers bis am 
9.  November  2009  nicht  beantwortet  habe,  weshalb  aufgrund  der 
Verfristung  davon  auszugehen  sei,  Italien  akzeptiere  die  Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers,

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs keine 
relevanten Gründe, welche die Durchführung des Dublin-Verfahrens in 
Frage stellen würden, geltend gemacht habe, weshalb auf sein Asyl-
gesuch nicht einzutreten sei, 

dass die Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Vollzugs zu 
bejahen seien,

dass der Beschwerdeführer mit  Eingabe vom 16. März 2010 an das 
BFM gelangte,

dass  das  BFM  am  18.  März  2010  dem  Bundesverwaltungsgericht 
diese  Eingabe  als  allfällige  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  vom 
8. März 2010 zur weiteren Behandlung überwies, 

dass das Bundesverwaltungsgericht die Eingabe vom 16. März 2010 
als  sinngemässe  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom 
8. März 2010 entgegennimmt,

dass die vorinstanzlichen Akten am 19. März 2010 beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden 
gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  ist  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass das genaue Datum der Eröffnung der angefochtenen Verfügung 
aus  den  Akten  zwar  nicht  hervorgeht,  die  Eröffnung  indessen 
frühestens  am  9.  März  2010  erfolgt  sein  kann  und  somit  die  am 
16. März  2010  aufgegebene und  am 17. März  2010  beim BFM ein-
gelangte Eingabe rechtzeitig ist,

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretens-
entscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen 
materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und 
die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

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dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  ent-
schieden wird (Art. 111 Bst. e  AsylG),  und es  sich,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass aufgrund der  Abklärungen des BFM bei  der EURODAC-Daten-
bank der Aufenthalt des Beschwerdeführers in Italien feststeht und er 
diesen auch nicht bestreitet,

dass  somit  Italien  für  die  Prüfung  seines  am  14.  Juli  2010  in  der 
Schweiz  eingereichten  Asylantrags  zuständig  ist  (vgl.  die  Be-
stimmungen  der  Verordnung  (EG)  Nr.  343/2003  des  Rates  vom 
18. Februar 2003 (Dublin II-Verordnung) zur Festlegung der Kriterien 
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung 
eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  ge-
stellten Asylantrags zuständig ist [VO Dublin] und die Verordnung [EG] 
Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durch-
führungsbestimmungen  zur  Dublin  II-Verordnung  des  Rates  [DVO 
Dublin], insbes. Art. 10 Abs. 1 VO Dublin),

dass  die  italienischen  Behörden  das  Ersuchen  der  Schweizer  Be-
hörden  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  innert  zweier 
Wochen  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens 
gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  so  genannten 
Verfristung definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Dublin-II-VO),

dass Asylsuchende in Italien zwar bei der Unterkunft, der Arbeit und 
dem Zugang zur medizinischen Infrastruktur gewissen Schwierigkeiten 
ausgesetzt sein können,

dass Italien aber sowohl  Signatarstaat  des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (FK,  SR 0.142.30)  als 

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auch  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist,

dass  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vorliegen,  wonach  sich  Italien 
nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen 
hält, 

dass  Dublin-Rückkehrende  betreffend  Unterbringung  von  den 
italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich – neben 
den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfs-
organisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen 
annehmen,

dass die  Organisation  "Arci  con Fraternità"  seit  dem 1. Januar  2009 
die  Betreuung  der  Flüchtlinge  im  Flughafen  Fiumicino  (Rom) 
organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung 
anbietet,

dass der Beschwerdeführer weder im Rahmen des rechtlichen Gehörs 
vom 30. Juli 2009 noch auf Beschwerdeebene hinreichend bestimmte 
Vorbehalte  gegenüber  einer  Rückkehr  nach  Italien  geltend  machte, 
weshalb keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, der Be-
schwerdeführer  würde  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Italien  in  eine 
existenzielle  Notlage  geraten  (vgl.  auch  Urteile  des  Bundesver-
waltungsgerichts E-4109/2009 vom 17. August 2009 und E-6195/2009 
vom 30. Oktober 2009), 

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 
Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-

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massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vorgehende 
Erwägungen),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheb-
lichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unan-
gemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art. 1-3 des Re-
glements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Be-
schwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), indessen 
angesichts  der  voraussichtlichen  Uneinbringlichkeit  auf  die  Kosten-
auferlegung verzichtet wird (Art 6 Bst. b VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N_____ (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

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