# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b28bfec-8420-583c-b7d9-1ccc5b93d7f9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.07.2010 BVGE 2010/40
**Docket/Reference:** BVGE-2010-40
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGE_001_BVGE-2010-40_2010-07-15

## Full Text

Amts- und Rechtshilfe | 
Amtshilfe. Massgeblichkeit völkerrechtlicher Verträge: Kollisions­regeln,
vorläufige Anwendbarkeit, Rückwirkung. Grundsatzurteil.
Art.&#160;190 BV. Art.&#160;25-Art.&#160;28, Art.&#160;30&#160;f. und
Art.&#160;46 Wiener Über­ein­kommen vom 23.&#160;Mai 1969 über das Recht der Verträge
(nach­fol­gend: VRK). Art.&#160;6, Art.&#160;7 und Art.&#160;8 EMRK. Art.&#160;17 des
Inter­na­tio­nalen Pakts vom 16.&#160;Dezember 1966 über bürgerliche und politische
Rechte (nachfolgend: UNO-Pakt II).
 

Vorrang des Völkerrechts (pacta sunt
servanda; E.&#160;3.1.1, E.&#160;3.3 und E.&#160;4.2). Welches Völkerrecht massgeblich ist, ist
insbe­son­dere anhand der Kollisionsregeln der VRK zu klären, nämlich vorab nach
den von den Parteien gewählten Kollisionsregeln und sub­si­diär nach der lex posterior-Regel.
Völkerrechtliches ius cogens bleibt vorbehalten (E.&#160;3.1.2, E.&#160;4.5, E.&#160;6.1.1-6.2.2
und E.&#160;6.3).
Ein völkerrechtlicher Vertrag kann für
nichtig erklärt werden, wenn kumulativ die Verletzung der innerstaatlichen Zuständig­keit
zum Abschluss des Vertrages für den Vertragspartner offen­sichtlich erkennbar war und eine
innerstaatliche Rechtsvor­schrift von grund­legender Bedeutung betraf. Eine allfällige
Ver­letzung der innerstaat­lichen Zuständigkeit ist für den Ver­trags­partner
nicht erkennbar, wenn bereits innerstaatlich um­strit­ten ist, ob ein Vertrag dem Referendum
unterstellt werden muss (E.&#160;4.2 und E.&#160;5.3.4). Ein vorläufig anwendbar erklärter
Vertrag entfaltet die gleichen Wirkungen, wie wenn er bereits in Kraft wäre (E.&#160;4.3 und E.&#160;5.3.5).
Die Verfahrensgarantien gemäss Art.&#160;6
EMRK und das Rück­wir­kungsverbot gemäss Art.&#160;7 Abs.&#160;1 EMRK sind auf Amtshilfe­verfahren
nicht anwendbar. Das Völkerrecht steht einer Rück­wir­kung von Verträgen nicht
entgegen (E.&#160;4.4, E.&#160;5.4.2&#160;f. und E.&#160;6.5.1&#160;f.).
Jüngeres Staatsvertragsrecht geht Art.&#160;8
EMRK (E.&#160;5.4.4) sowie Art.&#160;17 UNO-Pakt II (E.&#160;5.5) vor (E.&#160;6.3). Eine Einschränkung
von Art.&#160;8 Abs.&#160;1 EMRK ist gemäss dessen Abs.&#160;2 ohnehin mög­lich, wenn
sie gesetzlich vorgesehen und notwendig ist. Soweit Ver­fahrensrecht betroffen ist, werden keine
hohen Anforde­run­gen an die Rechtsgrundlage gestellt. Letztere kann auch im Staats­vertragsrecht
liegen (E.&#160;6.5.1-6.5.6). Gleiches gilt für die Einschränkung von Art.&#160;17 UNO-Pakt
II (E.&#160;6.6). 

2012-03-05T16:45:52Z