# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b7fab37-b9cc-5d42-ba5b-67d776525d2c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-28
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 28.07.2015 100 2014 200
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2014-200_2015-07-28.pdf

## Full Text

100.2014.200/201U
HAT/GSE/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 28. Juli 2015

Verwaltungsrichter Häberli
Gerichtsschreiberin Gschwind

A.________ AG 
handelnd durch die statutarischen Organe
Beschwerdeführerin 

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Bern
Brünnenstrasse 66, Postfach 8334, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

und

Steuerrekurskommission des Kantons Bern
Sägemattstrasse 2, Postfach 54, 3097 Liebefeld

betreffend Steuerstrafverfahren; Bussen wegen Hinterziehung von Kantons- 
und Gemeindesteuern sowie direkter Bundessteuer 2006 (Entscheide der 
Steuerrekurskommission des Kantons Bern vom 24. Juni 2014; 100 13 65, 
200 13 58)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28.07.2015, Nrn. 100.2014.200/
201U, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Am 14. April 2008 wurde die A.________ AG von der Steuerverwaltung 
des Kantons Bern (Steuerverwaltung) für das Steuerjahr 2006 nach 
Ermessen veranlagt, da sie keine Steuererklärung eingereicht hatte; ihr 
steuerbarer Gewinn wurde sowohl bei den Kantons- und Gemeindesteuern 
als auch bei der direkten Bundessteuer auf je Fr. 3'100.-- und ihr 
steuerbares Kapital auf Fr. 50'000.-- bestimmt.

Am 7. Dezember 2009 eröffnete die Steuerverwaltung ein Nachsteuer- und 
Steuerstrafverfahren gegen die A.________ AG, weil die 
Ermessensveranlagungen für das Steuerjahr 2006 zu tief ausgefallen 
seien. Mit Nachsteuer- und Bussenverfügungen vom 26. März 2012 
verpflichtete sie die A.________ AG zur Nachzahlung von Fr. 12'527.40 für 
die Kantons- und Gemeindesteuern und Fr. 6'528.-- für die direkte 
Bundessteuer (je ohne Verzugszinsen) und auferlegte der A.________ AG 
Steuerbussen von Fr. 6'263.70 für die Kantons- und Gemeindesteuern und 
von Fr. 3'264.-- für die direkte Bundessteuer. Die dagegen erhobenen 
Einsprachen wies die Steuerverwaltung am 14. Januar 2013 ab.

B.

Am 5. Februar 2013 gelangte die A.________ AG erneut an die 
Steuerverwaltung, welche die Eingabe an die Steuerrekurskommission des 
Kantons Bern (StRK) weiterleitete. Diese nahm die «Einsprache» der 
A.________ AG als Rekurs und Beschwerde entgegen. Nachdem die StRK 
offenbar die Nachsteuerverfahren zuvor abgetrennt hatte, wies sie die 
gegen die Steuerbussen gerichteten Rechtsmittel am 24. Juni 2014 ab.

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201U, Seite 3

C.

In einer einzigen Rechtsschrift vom 15. Juli 2014 hat die A.________ AG 
Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen die Entscheide der StRK erhoben. 
Sie beantragt (sinngemäss) deren Aufhebung.

Mit Verfügung vom 21. Juli 2014 hat die Abteilungspräsidentin i.V. die Ver-
fahren betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern sowie die direkte 
Bundessteuer vereinigt.

Die StRK und die Steuerverwaltung schliessen mit Vernehmlassung vom 
28. Juli 2014 bzw. Beschwerdeantwort vom 3. September 2014 je auf Ab-
weisung der Beschwerden.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerden als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 201 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 
21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 145 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] 
sowie Art. 9 Abs. 3 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Voll-
zug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Beschwerde-
führerin hat am vorinstanzlichen Rekurs- und Beschwerdeverfahren teil-
genommen, ist durch die angefochtenen Entscheide besonders berührt und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung 
(Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 201 Abs. 2 StG sowie Art. 145 Abs. 2 
i.V.m. Art. 140 Abs. 1 DBG).

1.2 Sind sowohl Entscheide bezüglich der Kantons- und Gemeindesteu-
ern als auch der direkten Bundessteuer angefochten, so muss das Verwal-

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tungsgericht zwei Urteile fällen, zumal es sich um zwei verschiedene Steu-
ern handelt, die unterschiedlichen Gemeinwesen zustehen und in getrenn-
ten Verfahren veranlagt werden. Allerdings können die Entscheide in ein 
und derselben Urteilsschrift getroffen werden (vgl. BGE 135 II 260 E. 1.3.1, 
130 II 509 E. 8.3). Die für die Erhebung der Strafsteuern massgeblichen 
Bestimmungen des StG und des DBG lauten soweit hier relevant gleich, 
weshalb sich die gemeinsame Beurteilung der Streitigkeit hinsichtlich kom-
munaler, kantonaler und eidgenössischer Steuern rechtfertigt.

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtenen Entscheide auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).

1.4 Da der Streitwert beider Verfahren unter Fr. 20'000.-- liegt, fällt die 
Behandlung der Beschwerden in die einzelrichterliche Zuständigkeit 
(Art. 57 Abs. 1 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

2.

2.1 Gemäss Handelsregistereintrag bezweckt die Beschwerdeführerin 
Verwaltung, Betreuung und Vermittlung von Liegenschaften und übernimmt 
überdies Mandate in den Bereichen Betriebsberatung, Controlling und 
Treuhandwesen. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1973 ist 
B.________ einziges Verwaltungsratsmitglied, Geschäftsführer und 
Alleinaktionär. Er übernimmt deshalb alle anfallenden Aufgaben, 
namentlich Führung der Buchhaltung, Erstellen der Jahresabschlüsse und 
Ausfüllen sowie Einreichen der Steuererklärungen (vgl. 
Einvernahmeprotokoll vom 3.10.2012, Vorakten Steuerverwaltung [in 
act. 4A], pag. 136 f.). Im Jahr 2006 erstellte B.________ keinen 
Buchhaltungsabschluss und reichte keine Steuererklärung ein. Die 
Beschwerdeführerin wurde deshalb nach Ermessen veranlagt, wobei die 
Steuerverwaltung den steuerbaren Gewinn auf Fr. 3'100.-- und das 
steuerbare Kapital auf Fr. 50'000.-- bestimmte (Vorakten Steuerverwaltung, 
pag. 2 und 4; Art. 174 Abs. 2 StG; Art. 130 Abs. 2 DBG); die 
entsprechenden Verfügungen erwuchsen in Rechtskraft. Im Rahmen des 
Veranlagungsverfahrens für das Steuerjahr 2007 gelangte die 

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Steuerverwaltung alsdann zum Schluss, dass die Ermessensveranlagun-
gen 2006 zu tief ausgefallen seien (Vorakten Steuerverwaltung, pag. 24). 
Auf Aufforderung vom 29. April 2010 hin reichte B.________ Erfolgs-
rechnung, Bilanz und Kontoblätter für das Jahr 2006 nach (vgl. Be-
schwerde, S. 2; Vorakten Steuerverwaltung, pag. 79). Aus diesen Unter-
lagen war ersichtlich, dass der Saldo der (nachträglich erstellten) Erfolgs-
rechnung einen Gewinn von Fr. 99'992.20 und die Bilanz ein Kapital von 
Fr. 139'003.90 auswies (Vorakten Steuerverwaltung, pag. 73 und 77). Im 
Nachsteuer- und Bussenverfahren berücksichtigte die Steuerverwaltung 
unter Abzug von Steuerrückstellungen einen steuerbaren Gewinn von 
Fr. 79'992.-- und ein steuerbares Kapital von Fr. 119'004.-- (Vorakten 
Steuerverwaltung, pag. 117 und 119).

2.2 Die Veranlagungsbehörde stellt zusammen mit der steuerpflichtigen 
Person die für eine vollständige und richtige Besteuerung massgebenden 
tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse fest (Art. 166 Abs. 2 StG; 
Art. 123 Abs. 1 DBG). Die steuerpflichtige Person muss dabei alles tun, um 
eine vollständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen (Art. 167 Abs. 1 
StG; Art. 126 Abs. 1 DBG). Insbesondere hat sie das Formular für die 
Steuererklärung wahrheitsgemäss und vollständig auszufüllen und innert 
Frist einzureichen (Art. 170 Abs. 2 StG; Art. 124 Abs. 2 DBG). Die steuer-
pflichtige Person trägt die Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständig-
keit der Steuererklärung (statt vieler BGer 2C_656/2013 vom 17.9.2013, 
E. 2.1, 2C_533/2012 und 2C_534/2012 vom 19.2.2013, E. 5.1).

2.3 Eine vollendete Steuerhinterziehung nach Art. 217 Abs. 1 Bst. a StG 
bzw. Art. 175 Abs. 1 DBG begeht, wer als steuerpflichtige Person vorsätz-
lich oder fahrlässig bewirkt, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterbleibt 
oder dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist. Als strafbares 
Verhalten kommt jedes Tun oder Unterlassen in Frage, das als Verletzung 
von Verfahrenspflichten zu würdigen ist. Weiteres notwendiges Tat-
bestandsmerkmal der vollendeten Steuerhinterziehung ist der Erfolg. Dem-
nach ist die Steuerhinterziehung erst vollendet, wenn beim Gemeinwesen 
ein Steuerausfall eingetreten ist (vgl. BGE 122 I 257 E. 6c; 
BGer 2C_656/2013 vom 17.9.2013, E. 2.2.2, 2C_851/2011 vom 15.8.2012, 
E. 2.3, je mit Hinweisen; VGE 2012/17/18 vom 30.5.2013, E. 5.5 [bestätigt 

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durch BGer 2C_629/2013 und 2C_630/2013 vom 22.2.2014]; Roman 
Sieber, in Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen 
Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, Art. 175 DBG N. 2). Werden mit 
Wirkung für eine juristische Person Verfahrenspflichten verletzt, Steuern 
hinterzogen oder Steuern zu hinterziehen versucht, so wird die juristische 
Person gebüsst (Art. 222 Abs. 1 StG; Art. 181 Abs. 1 DBG).

3.

Unbestritten ist, dass B.________ im Steuerjahr 2006 als Organ der Be-
schwerdeführerin tätig war, wobei er es in dieser Funktion pflichtwidrig 
unterliess, eine Steuererklärung einzureichen. Die Beschwerdeführerin 
wurde deshalb nach Ermessen veranlagt. Dabei schätzte die Steuerverwal-
tung den steuerbaren Gewinn um Fr. 76'892.-- (Fr. 79'992.-- abzüglich 
Fr. 3'100.--) bzw. das Kapital um Fr. 69'004.-- (Fr. 119'004.-- abzüglich 
Fr. 50'000.--; vorne E. 2.1) zu tief ein. Dies bewirkte eine auf Verletzung 
von Verfahrenspflichten zurückzuführende Steuerverkürzung beim Gemein-
wesen. Der objektive Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung ist 
damit erfüllt.

4.

4.1 Der subjektive Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung 
setzt Vorsatz oder Fahrlässigkeit voraus (Art. 217 Abs. 1 Bst. a StG; 
Art. 175 Abs. 1 DBG). Vorsatz ist gemäss Art. 12 Abs. 2 des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) gegeben, wenn die Tat mit 
Wissen und Willen ausgeführt wird (sog. direkter Vorsatz) bzw. wenn der 
Erfolgseintritt für möglich gehalten und in Kauf genommen wird (sog. Even-
tualvorsatz; vgl. BGE 131 IV 1 E. 2.2 mit Hinweisen). Eventualvorsatz ist zu 
bejahen, wenn sich der Täterschaft der Erfolg ihres Verhaltens als so wahr-
scheinlich aufgedrängt hat, dass dieses vernünftigerweise nur als Inkauf-
nahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (VGE 2013/20/21 vom 
15.5.2014, E. 6.1; Roman Sieber, a.a.O., Art. 175 DBG N. 29). Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt in Steuerstrafverfahren der Nach-

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weis des Vorsatzes als erbracht, wenn mit hinreichender Sicherheit fest-
steht, dass sich die steuerpflichtige Person der Unrichtigkeit oder Unvoll-
ständigkeit der gemachten Angaben bewusst war. Ist dieses Wissen er-
wiesen, so muss angenommen werden, dass sie auch mit dem Willen han-
delte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden beabsichtigt und eine zu 
niedrige Veranlagung bezweckt (direkter Vorsatz) oder zumindest in Kauf 
genommen hat (Eventualvorsatz). Diese Vermutung lässt sich nicht leicht 
entkräften, weil ein anderer Beweggrund für die Unrichtigkeit und Unvoll-
ständigkeit der gemachten Angaben in der Regel nur schwer vorstellbar ist 
(vgl. BGE 114 Ib 27 E. 3a; BGer 2C_290/2011 und 2C_291/2011 vom 
12.9.2011, E. 2.1; Roman Sieber, a.a.O., Art. 175 DBG N. 31). Auch bei 
der Bestrafung einer juristischen Person wird ein Verschulden vorausge-
setzt, wobei dieser das Verhalten ihrer Organe zugerechnet wird (vgl. 
Art. 222 Abs. 1 StG; Art. 181 Abs. 1 DBG; Roman Sieber, a.a.O., Art. 181 
DBG N. 6 ff.; Hannes Teuscher, in Leuch/Kästli/Langenegger [Hrsg.], 
Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Bd. 2, Art. 126 bis 293, 2011, 
Art. 222 N. 5).

4.2 Im Einspracheverfahren ging die Steuerverwaltung von einer even-
tualvorsätzlichen Steuerhinterziehung aus. Zur Begründung führte sie aus, 
B.________ hätte die Ermessensveranlagungen als zuständiges Organ der 
Beschwerdeführerin auf ihre Richtigkeit hin überprüfen müssen. In diesem 
Zusammenhang hätte er feststellen müssen, dass Gewinn und Kapital in 
den Ermessensveranlagungen wesentlich zu tief eingeschätzt worden 
waren. Weil er es unterlassen habe, Einsprachen gegen die Veranlagungs-
verfügungen zu erheben, sei der subjektive Tatbestand der Steuerhinterzie-
hung erfüllt (Einspracheentscheide vom 14.1.2013, act. 4A, pag. 8-7 E. 8). 
In den angefochtenen Entscheiden erkannte die StRK ebenfalls auf even-
tualvorsätzlich begangene Steuerhinterziehung, wobei auch sie argumen-
tierte, die Beschwerdeführerin hätte gegen die zu tiefen Ermessenstaxatio-
nen Einsprachen erheben müssen (angefochtene Entscheide, E. 6.5). Ihre 
Annahme eventualvorsätzlichen Handelns begründete sie allerdings in 
erster Linie wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe im Jahr 2006 erstmals 
Erträge aus Treuhanddienstleistungen und aus einer Verkaufsprovision aus 
der Vermittlung einer Liegenschaft erzielt. Dass B.________ diese im 
Vergleich zu den Vorjahren aussergewöhnlichen Erträge von rund 

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Fr. 51'000.-- vergessen habe, erscheine unglaubwürdig. Zudem müsse er 
sich aufgrund seiner Fachkenntnisse der steuerlichen Auswirkungen der zu 
tief ausgefallenen Ermessensveranlagungen bewusst gewesen sein. Indem 
er untätig geblieben sei, habe B.________ die unrichtige bzw. unvollstän-
dige Veranlagung der Beschwerdeführerin in Kauf genommen (vgl. ange-
fochtene Entscheide, E. 7.3). – Werden die Ausführungen in der Beschwer-
deschrift wörtlich verstanden, so bestreitet die Beschwerdeführerin in die-
sem Zusammenhang lediglich eine absichtliche Steuerhinterziehung (direk-
ter Vorsatz), nicht hingegen das ihr tatsächlich vorgeworfene eventual-
vorsätzliche Handeln (zur Abgrenzung vorne E. 4.1). Dessen ungeachtet 
prüft das Verwaltungsgericht von Amtes wegen, ob und inwiefern der sub-
jektive Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung erfüllt ist (Art. 20a 
Abs. 1 VRPG; BVR 2013 S. 521 E. 2.4).

4.3 Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, musste B.________ 
als diplomierter Buchhalter mit steuerrechtlichen Fachkenntnissen wissen, 
dass die Beschwerdeführerin verpflichtet ist, eine ordnungsgemässe Buch-
haltung zu führen und fristgerecht eine vollständige Steuererklärung bei 
den Steuerbehörden einzureichen. Nichtsdestotrotz hat er diese Pflichten 
im Steuerjahr 2006 missachtet. Dass er die in den Ermessensveranlagun-
gen festgesetzten Steuerbeträge als «in vernünftiger Höhe» liegend ein-
schätzte, erscheint sodann unglaubwürdig: Die Beschwerdeführerin erzielte 
im Steuerjahr 2006 ungewöhnlich hohe Erträge, die namentlich auf Erlöse 
aus Treuhanddienstleistungen (Fr. 28'727.65) und aus einer Liegenschafts-
vermittlung (Fr. 23'080.--) zurückzuführen waren (vgl. Vorakten Steuer-
verwaltung, pag. 76; angefochtene Entscheide, E. 6.3). Bei einem Gewinn 
von insgesamt Fr. 79'992.-- fielen diese Teilbeträge erheblich ins Gewicht. 
Zudem gilt es zu beachten, dass der Jahresgewinn 2006 wesentlich höher 
ausfiel als jener der Vorjahre (2005: Verlust von Fr. 1'805.--; 2004: Verlust 
von Fr. 2'665.14; 2003: Gewinn von Fr. 3'582.--; vgl. act. 4A, pag. 98, 118 
und 145). Mit Blick auf dieses insofern ausserordentliche Geschäftsjahr 
sollte B.________ bereits im Zeitpunkt der Eröffnung der Veranlagungen 
bewusst gewesen sein, dass der ermessensweise festgesetzte Gewinn von 
Fr. 3'100.-- wesentlich zu tief ausgefallen war. Spätestens anlässlich der 
nachträglichen Erstellung von Bilanz und Erfolgsrechnung 2006 Ende des 
Jahres 2008 (vgl. act. 4A, pag. 37, 41 und 78) muss er die Fehlerhaftigkeit 

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der Ermessensveranlagungen mit Sicherheit festgestellt haben. Als zu-
ständiges Organ der Beschwerdeführerin hätte B.________ die Steuer-
behörden gestützt auf seine Mitwirkungspflichten auf geeignete Art und 
Weise auf die fehlerhaften Veranlagungsverfügungen aufmerksam machen 
müssen, damit ein Nachsteuerverfahren hätte eingeleitet werden können. 
Indem er dies unterliess und erst auf Nachfrage hin Erfolgsrechnung, Bi-
lanz und Kontoblätter für das Jahr 2006 nachreichte, nahm er eine (end-
gültige) Täuschung der Steuerbehörden und einen dadurch eintretenden 
teilweisen Steuerausfall in Kauf. Dabei gibt es allerdings keine Hinweise für 
ein absichtliches Handeln, weshalb die Vorinstanz zu Recht von einer 
eventualvorsätzlich begangenen Steuerhinterziehung ausgegangen ist.

4.4 Es drängt sich an dieser Stelle noch folgender Hinweis auf: Soweit 
die Vorinstanzen die Auffassung vertreten, die Beschwerdeführerin hätte 
gegen die sie begünstigenden fehlerhaften Ermessensveranlagungen Ein-
sprache erheben müssen (vgl. vorne E. 4.2), kann ihnen nicht gefolgt wer-
den. Die in Art. 167 StG und Art. 126 DBG verankerte allgemeine Mitwir-
kungspflicht ist zwar umfassender Natur, so dass die steuerpflichtige Per-
son alles Notwendige und Zumutbare zu tun hat, um ihre vollständige und 
richtige Veranlagung zu ermöglichen; insbesondere hat sie die Sachver-
haltsermittlung auch dann aktiv zu unterstützen, wenn nicht sie die Beweis-
last trägt (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 
2. Aufl. 2009, Art. 126 N. 5; Martin Zweifel, in Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kom-
mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, 
Art. 126 DBG N. 1 ff.). Von der Beschwerdeführerin gestützt auf deren Mit-
wirkungspflicht zu verlangen, gegen sie zu Unrecht begünstigende Veran-
lagungsverfügungen Einsprachen zu erheben und so im Rechtsmittel-
verfahren nicht die eigenen Interessen, sondern jene der Steuerbehörden 
zu wahren, ist jedoch abwegig (vgl. VGE 2009/73/74 vom 15.9.2010, 
E. 4.2.1; BGer 2A.706/2006 vom 1.3.2007, E. 3.3). Im Übrigen hätte es 
einem Antrag, mit dem die Beschwerdeführerin zur Bezahlung von höheren 
Steuern verpflichtet werden will, wohl ohnehin an einem schutzwürdigen 
Interesse gefehlt (vgl. Art. 53 Abs. 2 i.V.m. Art. 65 Abs. 1 Bst. c VRPG).

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5.

Die Busse wegen vollendeter Steuerhinterziehung beträgt in der Regel das 
Einfache der hinterzogenen Steuer, kann aber bei leichtem Verschulden bis 
auf einen Drittel ermässigt und bei schwerem Verschulden bis auf das Drei-
fache erhöht werden (Art. 217 Abs. 2 StG; Art. 175 Abs. 2 DBG). Die 
Bussenbemessung bei juristischen Personen richtet sich nach den gleichen 
Grundsätzen wie bei natürlichen Personen (vgl. Roman Sieber, a.a.O., 
Art. 181 DBG N. 8 f.; Hannes Teuscher, a.a.O., Art. 222 N. 8). Zu berück-
sichtigen ist dabei die Höhe des Verschuldens der Organe, deren Verhalten 
nach Massgabe ihrer jeweiligen Stellung und Einflusses auf das steuerlich 
relevante Handeln der juristischen Person zu gewichten ist (vgl. 
BGE 135 II 86 E. 4.4). Die StRK erwog diesbezüglich, B.________ hätte 
als Organ der Beschwerdeführerin aufgrund seiner kaufmännischen Ausbil-
dung über das nötige Fachwissen verfügt, um die steuerrechtlichen Konse-
quenzen der erzielten Mehreinnahmen abzuschätzen. Strafmindernd wirke 
sich indes aus, dass in absehbarer Zukunft mit der Einstellung der Ge-
schäftstätigkeit zu rechnen sei. Insgesamt sei von einem mittelschweren 
Verschulden auszugehen. «Obwohl am absolut untersten Rahmen lie-
gend» bestätigte sie die durch die Steuerverwaltung festgesetzte Bussen-
höhe im Umfang von der Hälfte der hinterzogenen Steuern (vgl. angefoch-
tene Entscheide, E. 8.2). Die Beschwerdeführerin macht hierzu keinerlei 
Ausführungen. Dass die Höhe der ausgefällten Bussen 2006 mit 
Fr. 6'263.70 bei den Kantons- und Gemeindesteuern sowie Fr. 3'264.-- bei 
der direkten Bundessteuer rechtsfehlerhaft wäre, ist nicht ersichtlich. Es 
kann auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den.

6.

Damit erweisen sich die Beschwerden als unbegründet und sind abzu-
weisen. Bei diesem Ausgang der Verfahren wird die Beschwerdeführerin 
kostenpflichtig (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 1 VRPG; Art. 145 Abs. 2 
i.V.m. Art. 144 Abs. 1 DBG). Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 151 
StG i.V.m. Art. 108 Abs. 3 sowie Art. 104 Abs. 3 VRPG; Art. 145 Abs. 2 

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i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG und Art. 64 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2006 
(Strafsteuern) wird abgewiesen.

2. Die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer 2006 (Straf-
steuern) wird abgewiesen.

3. Die Kosten der Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'500.--, werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

5. Zu eröffnen:
- der Beschwerdeführerin
- der Steuerverwaltung des Kantons Bern
- der Steuerrekurskommission des Kantons Bern
- der Eidgenössischen Steuerverwaltung

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.