# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8ef4cf5c-43b8-5dc6-8c7e-0a0ed8892508
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-01-29
**Language:** de
**Title:** Neubau eines Milchviehstalls in der Landwirtschaftszone. Zonenkonformität im Sinne von Art. 34 RPV. Bodenabhängige Tierhaltung. Umweltrechtliche Voraussetzungen.
**Docket/Reference:** BRGE III Nrn. 0014-0015/2020
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/anonymisiert_brge_iii_nr._00014-2020_vom_29.01.2020.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2019.00118 und R3.2019.00120 
0014/2020 und 0015/2020 

Entscheid vom 29. Januar 2020 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Ersatzrichterin Ruth Büchi-Vögeli, Bau-
richter Martin Farner, Gerichtsschreiberin Nicole Herzig     

in Sachen 

Rekurrierende 

R3.2019.00118 
1.  W. K., […] 
2.  H. F., […] 
3.  F. und B. Z., […] 
4.  D., N. und S. S., […] 
5.  M. S., […] 

alle vertreten durch […] 

R3.2019.00120 
F. AG, […] 

vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegnerschaft 

1.  Gemeinderat X, […] 
2.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

3.  R. B., […] 

Nr. 3 vertreten durch […] 

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss vom 9. Juli 2019 und Gesamtverfügung Baudirek-
tion Kanton Zürich Nr. BVV 18-0250_1 vom 24. Juni 2019; Baubewilligung 
bzw.  raumplanungsrechtliche  Bewilligung  für  Milchviehstall  mit  Futtersilo 
und Jauchegrube, […]  
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Beschluss  vom  9.  Juli  2019  erteilte  der  Gemeinderat  X  R.  B.  die  bau-

rechtliche Bewilligung für den Neubau eines Milchviehstalles mit Futtersilos 

und Jauchegrube auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der A.-Strasse in X. 

Integrierter Bestandteil der Bewilligung bildet die Verfügung der Baudirekti-

on  Kanton  Zürich  vom  24. Juni  2019,  mit  der  das  Bauvorhaben  in  Bezug 

auf seine Lage in der Landwirtschaftszone, im Waldabstandsbereich und im 

Uferstreifen  eines  Oberflächengewässers  sowie  in  lärmrechtlicher  Hinsicht 

bewilligt wurde. 

B. 

Gegen diese Entscheide wandten sich W. K., H. F., F. und B. Z., D., N. und 

S.  S.  sowie  M.  S.  (Rekurrentschaft  1)  mit  gemeinsamer  Rekurseingabe 

vom 12. August 2019 wie auch die F. AG (Rekurrentschaft 2) mit separater 

Rekursschrift  vom  14.  August  2019  an  das  Baurekursgericht  des  Kantons 

Zürich und beantragten die Aufhebung der angefochtenen Entscheide, un-

ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerschaft. 

C. 

Mit  Verfügungen  vom  13.  August  2019  bzw.  vom  19.  August  2019  wurde 

von  den  Rekurseingängen  Vormerk  genommen  und  es  wurden  die  Ver-

nehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Der  private  Rekursgegner  beantragte  mit  Rekursantworten  vom 

11. September  2019  die  Abweisung  der  Rekurse,  unter  Kosten-  und  Ent-

schädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden. 

Der  Gemeinderat  X  schloss  mit  Vernehmlassungen  vom  12. September 

2019 ebenfalls auf Abweisung der Rekurse. 

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Seite 2 

 
 
 
Auch  die  Baudirektion  Kanton  Zürich  schloss  mit  Stellungnahmen  vom 

10. und 13. September 2019 auf Abweisung der Rekurse. 

E. 

Mit  Repliken  vom  8.  Oktober  2019  hielten  die  Rekurrentschaften  an  ihren 

Anträgen fest. Der private Rekursgegner wie auch die Baudirektion Kanton 

Zürich blieben mit Dupliken vom 29. und 25. Oktober 2019 bei ihren Anträ-

gen. Der Gemeinderat X verzichtete auf eine Duplik.  

Die  Rekurrentschaft  1  nahm  mit  Triplik  vom  18.  November  2019  erneut 

Stellung  und  blieb  weiterhin  bei  ihren  Anträgen.  Ebenso  die  Rekurrentin 2 

mit Eingabe vom 7. Januar 2020. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekurse richten sich gegen die nämliche Baubewilligung für den Neu-

bau eines Milchviehstalles und weisen mehrheitlich die gleichen Rügen auf. 

Die Rekursverfahren sind entsprechend zu vereinigen. 

2. 

Das  streitbetroffene  Bauvorhaben  umfasst  den  Neubau  eines  Milch-

viehlaufstalls  auf  dem  noch  unüberbauten,  in  der  Landwirtschaftszone  ge-

legenen Baugrundstück Kat. Nr. 1. Der Stall mit einer Länge von 60,19 m, 

einer Breite von 27,90 m und einer Höhe von 10,80 m soll 86 Liegeboxen 

für Milchkühe, zehn Tiefstreuliegeplätze für zwei- bis dreijährige Rinder so-

wie  Tiefstreuliegebereiche  für  kalbernde  und  frischlaktierende  Kühe  oder 

kranke  Tiere,  zwei  Melkroboter  sowie  ein  Strohlager  umfassen.  Nordseitig 

soll ein Futterhaus mit einem zweiten Strohlager und Befüllern an den Stall 

angeschlossen  werden,  welches  eine  Länge  von  21  m,  eine  Breite  von 

12,70 m und eine Höhe von rund 8,30 m umfassen soll. An der Nordfassa-

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Seite 3 

 
 
de  des  Futterhauses  sind  zudem  zwei  Harvestore-Silos  mit  einem  Durch-

messer von je 5,20 m und einer Höhe von 18 m zur Futterlagerung geplant. 

Ein  Melkhaus  mit  Technikraum,  Büro,  Nasszelle  und  Aufenthaltsraum  soll 

an  die  Westseite  des  Stalles  angebaut  werden  (Länge  12  m,  Breite  10,45 

m, Höhe rund 8,30 m). Schliesslich beinhaltet das Bauvorhaben eine nörd-

lich  der  Silos  situierte,  gedeckte  und  teilweise  im  Terrain  versenkte  Jau-

chegrube mit einem Durchmesser von 18 m und eine südlich des Stallneu-
baus konzipierte Mistplatte mit einer Fläche von 120 m2. 

Mit  dem  Neubau  soll  der  bestehende  Betrieb  des  Bauherrn,  für  welchen 

das bisherige Betriebszentrum am C.-Weg 1 in X (Kat.-Nr. 2) die notwendi-

gen Voraussetzungen zur Anpassung an die tierschutzrechtlichen Anforde-

rungen  oder  zur  Erweiterung  des  Betriebes  nicht  mehr  bietet,  an  einem 

neuen  Standort  weitergeführt  werden.  Im  bisherigen  Stall  Assek.-Nr.  1  m 

C.-Weg  1  sollen  weiterhin  die  Kälber  und  das  kleinere  Jungvieh  unterge-

bracht werden. 

3. 

Gemäss § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ist zum Rekurs be-

rechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutz-

würdiges  Interesse  an  ihrer  Aufhebung  oder  Änderung  hat.  Der  Nachbar 

eines  Bauvorhabens  ist  dann  zum  Rekurs  berechtigt,  wenn  er  über  eine 

hinreichend  nahe  räumliche  Beziehung  zum  Baugrundstück  verfügt  und 

wenn  er  darüber  hinaus  durch  die  Erteilung  der  Baubewilligung  mehr  als 

die Allgemeinheit in eigenen Interessen berührt ist (BGE 103 Ib 149 f. Erw. 

4; 104 Ib 256 Erw. 7 d). 

Die  Rekurrierenden  sind  Eigentümer  der  östlich  und  nördlich  des  Bau-
grundstücks  gelegenen  Grundstücke.  Als  Nachbarn  sind  sie  somit  ange-

sichts  der  gerügten  Beeinträchtigungen  (insbesondere  Geruchsimmissio-

nen und Einordnung) mehr als beliebige Dritte vom Bauvorhaben betroffen 

und damit grundsätzlich zum Rekurs legitimiert.  

Da auch die übrigen formellrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf 

die Rekurse einzutreten. 

R3.2019.00118 

Seite 4 

 
 
4. 

Das nämliche Bauvorhaben wurde bereits mit Beschluss des Gemeinderats 

X vom 10. Juli 2018 und Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich vom 4. 

Juli  2018  bewilligt.  Die  Entscheide  wurden  von  den  gleichen  Rekurrieren-

den  beim  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  angefochten.  Die  Rekurse 

wurden mit Entscheid BRGE Nr. 0017 und 0018/2019 vom 6. Februar 2019 

teilweise gutgeheissen und die Sache wurde zur weiteren Abklärung, basie-

rend  auf  einem  durch  die  Bauherrschaft  einzureichenden,  detaillierten  Be-

triebskonzept und zum Neuentscheid an die Vorinstanzen zurückgewiesen. 

Als  ungenügend  hatten  sich  insbesondere  die  zur  Klärung  der  Bodenab-

hängigkeit der geplanten Tierhaltung notwenigen Angaben erwiesen. 

Die entsprechenden Akten wurden in die neuen Rekursverfahren beigezo-

gen  (act.  36 

im  Dossier  R3.2019.00118  und  act.  33 

im  Dossier 

R3.2019.00120).  

Nachdem  die  3. Abteilung  des  Baurekursgerichts  des  Kantons  Zürich  be-

reits  am  29. November  2018  im  Beisein  der  Parteien  einen  Augenschein 

auf dem Lokal durchgeführt hatte und sich die entscheidrelevanten Verhält-

nisse vor Ort nicht massgeblich verändert haben, war kein weiterer Augen-

schein durchzuführen. 

5. 

Das  ergänzte  Betriebskonzept  vom  8. Mai  2019  sieht  mit  86  Milchkühen, 

insgesamt  40 Aufzuchtrindern  und  21 Stück  Jungvieh  einen  Gesamtbe-

stand  von  108 Grossvieheinheiten  (GVE)  vor,  verteilt  auf  die  bisherigen 

Stallungen  am  C.-Weg  und  den  Neubau.  Es  wird  eine  durchschnittliche 

Milchleistung von 9'000 kg pro Kuh und Jahr angestrebt.  

Die  zur  Verfügung  stehende  landwirtschaftliche  Nutzfläche  soll  nach  dem 

Neubau rund 50 ha umfassen und soll ausschliesslich für die Futterproduk-

tion  für  den  Milchviehbestand  genutzt  werden.  Hierfür  sollen  auf  12 ha  Si-

lomais angebaut werden, während 30,86 ha intensiv genutzte Wiesen und 

Weiden,  3,02 ha  extensive  Wiesen  und  4,15 ha  Hecken,  Feldgehölze  und 

Streue  ausmachen  sollen.  Der  mithilfe  der  dem  Betriebskonzept  beigeleg-

ten  Suisse-Bilanz  vom  3. Mai  2019  errechnete  Raufutterbedarf  der 

108 GVE  von  6'982 dt  Trockensubstanz  (TS)  könne  damit  im  Umfang  von 

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6'482 dt  TS  abgedeckt  werden.  Die  fehlenden  500 dt TS  würden  dazuge-

kauft.  

6.1. 

Die Rekurrierenden machen geltend, der zu erbringende Nachweis der Bo-

denabhängigkeit der geplanten Tierhaltung sei mit diesem Betriebskonzept 

nach wie vor nicht erfolgt.  

Die Rekurrierenden 1 bringen dazu vor,  die eingereichte  Suisse-Bilanz  sei 

das  falsche  Instrument  zur  Klärung  der  Frage  der  bodenabhängigen  Pro-

duktion.  Die  Suisse-Bilanz  diene  bloss  dazu,  die  Nährstoffbelastung  der 

Böden  und  Gewässer  zu  bestimmen  und  zu  begrenzen  und  sage  nichts 

darüber  aus,  wie  viele  Tiere  mit  dem  Futter  der  eigenen  landwirtschaftli-

chen Nutzflächen (LN) ernährt werden könnten.  

Zudem  seien  die  Futter-Bedarfswerte  falsch  eingesetzt  worden.  So  werde 

die Milchleistung pro Kuh mit 9'000 kg/Jahr zu tief angesetzt. Die Leistung 

sei schon im  Kontrolljahr  2016/2017 höher  gewesen (9'717 kg)  und  würde 

über die nächsten Jahre auf mindestens 12'000 kg pro Kuh steigen, zumal 

Spitzenkühe diese Werte bereits heute erreichen würden. Es dürfe nicht auf 

die  heutige  Milchleistung  abgestellt  werden,  die  schon  in  wenigen  Jahren 

überholt  sein  werde.  Massgebend  sei  der  Wert,  wie er  während  des  lang-

jährigen Betriebs in 20 oder 25 Jahren erwartet werden dürfe.  

Falsch  sei  in  diesem  Zusammenhang  auch  die  Berechnung  der  Anzahl 

Milchkühe.  Der  Stall  weise  88 Liegeboxen  und  sechs  Tiefstreuplätze  für 

frischlaktierende Kühe, also 94 Plätze auf. Zudem handle es sich um einen 

Laufstall, bei dem die Boxe keiner Kuh dauernd zugeteilt seien.  

Betreffend das Futter sei der Kraftfutterverzehr mit 500 kg pro Tier und Jahr 

zu  tief  veranschlagt.  Gemäss  Wegleitung  zur  Suisse-Bilanz  sei  bei  Kühen 

mit  einer  Milchleistung  von  9'717 kg/Jahr  mit  1'600 kg  Kraftfutter  zu  rech-

nen.  Zudem  sei  völlig  unklar,  woher  der  Bauherr  das  nötige  Kraftfutter 

nehmen und wie er damit die Fruchtfolge-Anforderungen und den ökologi-

schen  Leistungsnachweis  (ÖLN)  der  Direktzahlungsverordnung  (DZV)  er-

füllen wolle. Schliesslich sei nicht abgeklärt, wie die Bodenverhältnisse auf 

den  Parzellen  des  Betriebs  seien.  Entsprechend  sei  unklar,  von  welchem 

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Ertrag bei den Wiesen auszugehen sei und es sei bekannt, dass 3,3 ha des 

Pachtlandes  in  Kürze  überbaut  werden  sollen und  dementsprechend nicht 

mehr zur Verfügung stünden.  

Die  Rekurrentin 2  macht  ergänzend  geltend,  das  Abstellen  auf  das  Tro-

ckensubstanzpotenzial erwecke den Eindruck, dass es sich um eine innere 

Aufstockung handle, was jedoch nicht der Fall sei. Zudem sei kein Standort 

in  der  Landwirtschaftszone notwendig,  wenn die  Kühe fast  ausschliesslich 

mit Silagefutter versorgt würden, zumal dieses ortsunabhängig sei.  

6.2. 

Das  Amt  für  Landschaft  und  Natur  (ALN)  der  Baudirektion  Kanton  Zürich 

führt  dazu  aus,  das  Betriebskonzept  auf  dessen  Plausibilität  überprüft  zu 

haben.  

Bezüglich  der  Suisse-Bilanz  räumt  das  ALN  vernehmlassungsweise  ein, 

das Tool sei nicht in erster Linie dazu bestimmt, den Anteil des auf eigener 

Fläche  produzierten  Futters  darzustellen.  Die  nötigen  Parameter  (Felder-

träge für jede einzelne Kultur, Futterbedarf) könnten dennoch daraus bezo-

gen werden und würden selbst bei Einsetzung der rekurrentischen Parame-

ter im Resultat aufzeigen, dass auf dem geplanten Betrieb bodenabhängig 

produziert werde.  

Die  Milchleistung  liege  als  Stalldurchschnitt  (effektiv  realisierter  Durch-

schnitt  des  gesamten  Milchviehbestandes)  aufgrund  der  kantonsinternen 

Daten  des  ALN  zum  streitbetroffenen  Betrieb  im  Jahre  2018  bei  9'246 kg 

(332'858 kg bei 36 Kühen). Ein Betriebskonzept diene u.a. dazu, die Trag-

fähigkeit  und  Finanzierung  eines  Bauvorhabens  aufzuzeigen,  weshalb  be-

wusst  vorsichtig  gerechnet  werde  und  vorliegend  von  einer  Milchleistung 
von 9'000 kg ausgegangen worden sei. Für die Plausibiltätsberechnung sei 

hingegen von der bisherigen Milchleistung von 9'717 kg auszugehen.  

Für die Futterproduktion ging das ALN von einer landwirtschaftlichen Nutz-

fläche  von  50,47 ha  mit  ca.  30 ha  sehr  fruchtbarem  und  intensiv  bewirt-

schaftbarem Ackerland aus. Für die geplanten 12 ha Silomaisanbau sei un-

ter diesen Voraussetzungen von einem Ertragspotenzial von 185 dt/ha und 

für das intensiv genutzte Wiesland von 125 dt/ha auszugehen. Beim stritti-

gen  Betriebsmodell  werde  das  nötige  Kraftfutter  vollumfänglich  zugekauft, 

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was legitim und nicht unüblich sei. Entscheidend sei, welcher Prozentanteil 

am gesamten Futterbedarf (Grund- und Kraftfutter) selber produziert werde. 

Der  Kraftfutterbedarf  hänge  vom  Fütterungsplan  ab.  Gemäss  Planbilanz 

werde mit einem gegenüber dem Basiswert der Suisse-Bilanz von 1'583 dt 

reduzierten  Kraftfuttereinsatz  von  430 dt  Kraftfutter  pro  Kuh  und  Jahr  ge-

rechnet.  Entsprechend  werde  in  der  Berechnung  des  Gesamtfutterbedarfs 

von einem erhöhten Grundfutterbedarf von 6'982 dt pro Kuh und Jahr aus-

gegangen.  Das  Raufutter  könne  damit  gemäss  Suisse-Bilanz  vom  3. Mai 

2019 zu über 92 % auf dem eigenen Betrieb produziert werden (6'482 dt TS 

von 6'982 dt TS). Bei einem zusätzlichen Kraftfutterbedarf von 430 dt decke 

das Trockensubstanzpotenzial somit den TS-Bedarf des geplanten Tierbe-

standes zu ca. 87 % ab.  

Das ALN hält zusätzlich fest, dass selbst bei einer Plausibiltätsberechnung 

mit  dem  Basiswert  der  Suisse-Bilanz  von  1'583 dt/Kuh/Jahr  (bei  einer 

Milchleistung von 9'717 kg) und einem Verlust von 3,3 ha Pachtland in den 

nächsten  Jahren,  wie  er  von  den  Rekurrierenden 1  behauptet  werde,  der 

Anteil an selbstproduziertem Futter immer noch bei 80 % liege. 

Die  von  den  Rekurrierenden 1  vorgebrachte  Milchleistung  von  12'000 kg 

treffe nur auf einzelne Spitzenleistungskühe zu und sei als Stalldurchschnitt 

nicht  plausibel,  führe  jedoch  mit  einem  entsprechend  höheren  Kraftfutter-

bedarf  von  2'640 dt/Kuh/Jahr  immer  noch  zu  einer  Futterbedarfsdeckung 

von 65 % aus dem eigenen Land. 

6.3. 

Der  private  Rekursgegner  hält  in  seiner  Rekursantwort  fest,  es  bestehe 

keine alternative Methode zur Ermittlung der Futterbasis. Die Suisse-Bilanz 

sei durchaus geeignet, die Futtermenge und auch die Frage zu klären, ob 
diese ausreicht, um die geplante Anzahl Tiere zu füttern. 

Die  erwarteten  Ertragswerte  für  Wiesen  und  Weiden  sowie  für  Silomais 

seien bewusst vorsichtig gewählt worden. Es werde mit realistischen Erträ-

gen gerechnet und es würden nur Kulturen berücksichtigt, welche von den 

auf dem Betrieb gehaltenen Tieren auch tatsächlich gefressen würden. 

Der Bauherr weist darauf hin, dass die Milchleistung einer Kuh nicht linear 

steige. Die Milchleistung auf seinem Betrieb sei in den letzten Jahren mehr 

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oder  weniger  konstant  geblieben  (act. 31).  Der  angestrebte  Durchschnitt 

von 9'000 kg sei bei einer optimalen Milchleistung durchaus realistisch. Der 

von der Rekurrentschaft 1 verlangte Wert von 12'000 kg sei nur mit einem 

enormen  Aufwand  hinsichtlich  Fütterung,  Zucht  und  Auswahl  möglich  und 

werde auf seinem Betrieb nicht angestrebt.  

Die Kraftfuttermenge sei nicht starr, sondern könne gemäss Wegleitung zur 

Suisse-Bilanz  auch  durch  Erhöhung  der  Grundfuttermenge  reduziert  wer-

den.  Die  Anpassung  erfolge  durch  das  Rechnungs-Tool  automatisch.  Die 

überwiegende Bodenabhängigkeit sei jedoch bei beiden Varianten deutlich 

erreicht und werde auch bei einem allfälligen Verlust von Pachtflächen nicht 

in Frage gestellt, wobei diese ohne Weiteres durch die Zupacht von Ersatz-

land kompensierbar wären.  

Bezüglich der ÖLN verweisen der private Rekursgegner wie auch das ALN 

auf  die  Regelung  in  Ziff. 4.1  und  4.2  des  Anhangs 1  zur  DZV,  wonach 

Kunstwiesen  als  Hauptkultur  gelten,  sofern  sie  mindestens  20  bzw.  30 % 

der  Ackerfläche  ausmachen.  Bei  mehr  als  30 %  zählten  sie  dabei  als  drei 

Kulturen,  womit  der  streitbetroffene  Betrieb  inkl.  Anbau  von  Silomais  über 

vier  Kulturen  verfüge  und  die  nötigen  Anforderungen  zum  Erhalt  von  Di-

rektzahlungen erfüllen werde.  

6.4. 

Die Suisse-Bilanz wird grundsätzlich als Vollzugs- und Planungsinstrument 

zum Nachweis einer "ausgeglichenen Stickstoff- bzw. Phosphorbilanz" ge-

mäss der Direktzahlungsverordnung (DZV) zur Erfüllung des ökologischen 

Leistungsnachweises (ÖLN) verwendet. Damit ist sie hauptsächlich darauf 

ausgerichtet, den Nährstoffhaushalt eines Betriebes zu erfassen (vgl. Weg-

leitung Suisse-Bilanz, Auflage 1.15 vom 15. Mai 2018, Ziff. 1). Insofern be-
zieht sich auch die für den Betrieb errechenbare Tragbarkeit des Tierbesat-

zes in erster Linie auf die Beurteilung Nährstoffverwertung. Demgegenüber 

ist  die  Bodenabhängigkeit  einer  Nutztierhaltung  danach  zu  beurteilen,  ob 

das  von  den  Tieren  benötigte  Futter  auch  tatsächlich  zum  überwiegenden 

Teil  auf  dem  Betrieb  selbst  produziert  wird  (vgl.  Bundesamt  für  Raument-

wicklung  [ARE],  Neues  Raumplanungsrecht,  Erläuterungen  zur  Raumpla-

nungsverordnung  und  Empfehlungen  für  den  Vollzug,  Deckungsbeitrags- 

und  Trockensubstanzkriterium  nach  Artikel 36 RPV,  Kap.  IV,  S. 10).  Dazu 

ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erforderlich, dass aufgrund 

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der  auf  dem  Betrieb  herrschenden  konkreten  Verhältnisse  ermittelt  wird, 

welcher  Landanteil  als  Futterbasis  für  die  Tierhaltung  dient  und  wie  viele 

Tiere  damit  ernährt  werden  können.  Dies  setzt  in  der  Regel  voraus,  dass 

der  Landwirtschaftsbetrieb  über  ein  Betriebskonzept  verfügt,  aus  welchem 

der  Umfang  der  verschiedenen  Betriebszweige  und  die  dafür  jeweils  zur 

Verfügung  stehenden  Landflächen  hervorgehen  (BGE  133 II  370  E.4.4). 

Dabei  ist  festzuhalten,  dass  die  Suisse-Bilanz  auch  die  nötigen  Angaben 

zur  Beurteilung  des  für  die  Frage  der  Bodenabhängigkeit  massgebenden 

Abdeckungsgrades  des  Futterbedarfs  durch  Eigenproduktion  enthält.  Die 

Entnahme dieser Werte aus der Suisse-Bilanz zur eigenständigen Berech-

nung ist somit nicht zu beanstanden.  

Die  Berechnung  erfolgt  aufgrund  der  Betriebszahlen.  Bei  geplanten  Ände-

rungen liegen diese naturgemäss noch nicht in allen Belangen vor. Die ma-

ximale Tierzahl ergibt sich jedoch aus den baulichen Plänen, zumal entge-

gen der Annahme der Rekurrierenden 2 auch in einem Laufstall nicht mehr 

Kühe gehalten werden dürfen, als Liegeboxen vorhanden sind (Tierschutz-

Kontrollhandbuch;  https://www.blv.admin.ch 

› 

tsch-kontrollhandbuch-

rinder.pdf.download.pdf).  Boxen  für  frischlaktierende  Kühe  sind  hierbei 

nicht  mitzuzählen,  da  davon  ausgegangen  werden  muss,  dass  sich  nicht 

ganzjährlich  eine  gewisse  Anzahl  Kühe  in  dieser  Phase  befindet.  Im  Rah-

men  des  Betriebskonzeptes  sind  die  übrigen,  realistischerweise  zu  erwar-

tenden  Parameter  darzulegen.  Die  landwirtschaftliche  Nutzfläche  wurde 

vorliegend  aufgrund  der  dem  künftigen  Betrieb  zugehörigen  Pachtflächen 

bestimmt. Mit gewissen Änderungen ist jedoch immer zu rechnen. Die von 

den  Rekurrierenden 1  vorgebrachten  möglichen  Verluste  sind  von  gerin-

gem  Umfang  und  wirken  sich  –  wie  durch  die  Rekursgegnerschaft  aufge-

zeigt – nicht massgeblich auf das Ergebnis aus. Die erwartete Milchleistung 

wurde  aufgrund  der  bisherigen  Betriebszahlen  eingesetzt,  wenn  auch  in 
eher  vorsichtigem  Umfang  (9'000 kg  statt  9'717 kg).  Allerdings  zeigt  auch 

diese  Differenz  -  wie  durch  das  ALN  berechnet  -  keine  wesentlichen  Aus-

wirkungen  auf  das  Ergebnis.  Die  von  den  Rekurrierenden 1  vorgebrachte 

Milchleistung  von  12'000 kg  gilt  als  Spitzenleistung  und  kann  nicht  als 

Durchschnitt  herangezogen  werden,  jedenfalls  nicht  mit  dem  vorgelegten 

Betriebskonzept,  welches  auf  einer  anteilsmässig  hohen  Fütterung  mit 

Grundfutter und mit nur wenig Kraftfutter basiert.  

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Bezüglich der Bodenverhältnisse zeigt ein Vergleich der im Betriebskonzept 

aufgezeigten  Landflächen  mit  der  Bodenkarte  der  Landwirtschaftsflächen 

im GIS-Browser des Kantons Zürich (besucht am 9. Dezember 2019), dass 

die dem Betrieb zugehörigen Flächen grösstenteils eben oder leicht geneigt 

(bis zu 10 %) und mässig bis sehr tiefgründig sind. Die Mehrheit entspricht 

dem  Bodentyp B  (Braunerde).  In  Bezug  auf  die  landwirtschaftliche  Nut-

zungseignung  sind  die  Flächen  grossmehrheitlich  den  Nutzungseignungs-

klassen  (NEK)  2  bis  5  (uneingeschränkte  Fruchtfolge  2. Güte,  getreidebe-

tonte  Fruchtfolgen  und futterbaubetonte Fruchtfolgen)  zugewiesen.  Nur  ei-

ne Minderheit gehört der NEK 6 oder 7 an (Futterbau bevorzugt, Ackerbau 

stark eingeschränkt / gutes bis mässig gutes Wies- und Weideland). Insge-

samt ist somit von für den Betriebszweck gutem bis sehr gutem Boden mit 

dem entsprechend zu erzielenden Ertrag auszugehen. Dieser liegt gemäss 

Anhang 1.15 zur Wegleitung Suisse-Bilanz bei intensiver Nutzung der unter 

600 m.ü.M.  gelegenen  Flächen  bei  Wiesen  und  Mähweiden  bei  135 dt/ha 

und bei ausschliesslicher Weidenutzung bei 110 dt/ha. Der angenommene 

Ertrag  von  125 dt/ha  für  das  intensiv  genutzte  Wiesland  ist  somit  nicht  zu 

beanstanden.  Ebenso  wenig  der  für  den  Silomais  eingesetzte  Ertrag  von 

185 dt/ha,  der  ebenfalls  den  Werten  der  Wegleitung  Suisse-Bilanz  ent-

spricht und bei dem kein Grund für eine massgebliche Abweichung auszu-

machen ist.  

Die eingesetzten Parameter sind auf einander abgestimmt und zeigen auf, 

dass bei dem Betriebskonzept entsprechendem Futteranbau ohne Weiteres 

von  einer  bodenabhängigen  Tierhaltung  ausgegangen  werden  kann.  Die 

von den Rekurrierenden 1 geforderten Berechnungsanpassungen erweisen 

sich als nicht begründet. Ebenso wenig kann aufgrund der Fütterung mit Si-

lage  davon  ausgegangen  werden,  dass  eine  Tierhaltung  nicht  zonenkon-

form sei. Einerseits kann die Frage der Bodenabhängigkeit nicht davon ab-
hängen, in welcher Form das produzierte Futter gelagert und verfüttert wird 

und andererseits könnte dann immer argumentiert werden, dass das Futter 

transportiert werden könne. Das Vorbringen erweist sich als nicht stichhal-

tig.  

In Bezug auf die ÖLN kann auf die Ausführungen der Rekursgegnerschaft 

und  die  DZV  mit  Anhang 1  verwiesen  werden,  zumal  diese  Frage  die  Di-

rektzahlungen und nicht die Zonenkonformität betrifft.  

R3.2019.00118 

Seite 11 

 
 
7. 

Voraussetzung  für  die  Erteilung  der  Baubewilligung  ist  gemäss  Art.  34 

Abs. 4  der  Raumplanungsverordnung  (RPV)  weiter,  dass  die  Baute  oder 

Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig ist (lit. a), der Baute 

oder  Anlage  am  vorgesehenen  Standort  keine  überwiegenden  Interessen 

entgegenstehen  (lit.  b)  und  der  Betrieb  voraussichtlich  längerfristig  beste-

hen kann (lit. c). 

Die  Rekurrentschaften  zweifeln  sowohl  die  betriebliche  Notwendigkeit  der 

Neubaute als auch die Sicherung des längerfristigen Bestandes des Betrie-

bes  an.  Zudem  machen  sie  geltend,  dem  Vorhaben  stünden  als  überwie-

gende  Interessen  diejenigen  des  Landschaftsschutzes  sowie  des  Umwelt-

schutzes  entgegen,  welcher  aufgrund  der  Geruchs-,  Lärm-  und  Ammoni-

akemissionen des Bauvorhabens tangiert werde. 

8. 

Die Rekurrierenden 2 machen diesbezüglich wie im ersten Rechtsgang gel-

tend, es seien nicht ernsthaft Alternativstandorte geprüft worden und es sei 

nicht  belegt,  dass  eine  Weiterentwicklung  am  bestehenden  Standort  nicht 

möglich sei. Im Rahmen des ersten Rechtsgangs wurde hierzu Folgendes 

ausgeführt, an dem weiterhin festzuhalten ist:  

Bei der Standortwahl für Bauten in der Landwirtschaftszone ist der Bauherr 

im  Hinblick  auf  Art. 34  Abs. 4  lit. b  RPV  nicht  frei,  sondern  er  muss  nach-

weisen,  dass  die  geplante  Baute  am  vorgesehenen  Standort  objektiv  not-

wendig ist (BGE 125 II 278 E. 3a S. 281), d.h. ein schutzwürdiges Interesse 

daran besteht, sie am gewählten Ort zu errichten und, nach Abwägung aller 

Interessen,  kein  anderer,  besser  geeigneter  Standort  in  Betracht  kommt 
(BGr 1C_429/2015 vom 28. September 2016 E. 5.1 mit Hinweisen). 

Die erforderliche Interessenabwägung hat sich an den Zielen und Grundsä-

tzen der Raumplanung zu orientieren (Art. 1 und 3 RPG; BGr 1C_397/2015 

vom 9. August 2016, E. 4.2 mit Hinweis). Dabei ist auf die rationelle Bewirt-

schaftung des Bodens, insbesondere die Einfügung in die bestehende Be-

triebsstruktur,  die  vorhandene  Erschliessung,  den  raumplanerisch  gebote-

nen  Schutz  des  Orts-  und  Landschaftsbilds,  die  Erhaltung  genügender 

Fruchtfolgeflächen,  die  Belange  des  Natur-  und  Heimatschutzes  sowie  al-

R3.2019.00118 

Seite 12 

 
 
lenfalls  den  Immissionsschutz  Rücksicht  zu  nehmen  (BGr  1C_567/2015 

vom 29. August 2016, E. 6.1 mit Hinweisen).  

Der Einreichung des Baugesuchs am geplanten Standort gingen mehrjähri-

ge  Abklärungen  voraus.  Neben  dem  nachgesuchten  Standort  wurden  fol-

gende Alternativstandorte in Betracht gezogen und überprüft:  

    Standort J.: abgelehnt aufgrund der Lage in der Zone IIIA der Land-

schaftsschutzverordnung P.; 

    Standort S./W.: abgelehnt mit Entscheid des Baurekursgerichts vom 
18. Dezember  2013  aufgrund  der  Nichteinhaltung  des  Waldabstan-
des; 

    Standort G.: nicht möglich wegen Terrain und Starkstromleitung der 

SBB; 

    Standorte L. und B.: nicht möglich, da Landabtausch nicht zustande 

kam. 

Dass ein Standort auf dem Grundstück des bestehenden Betriebszentrums 

nicht  weiter  evaluiert  wurde,  ist  nicht  zu  beanstanden,  zumal  auf  dem 

Grundstück  Kat.-Nr. 2  aufgrund  der  Nähe  zu  Wohnbauten  und  des  einzu-

haltenden  Waldabstandes  keine  baulichen  Erweiterungen  der  Stallungen 

realisierbar sind. 

Der nun streitbetroffene Standort wurde wie auch die übrigen von der Kan-

tonalen Siedlungskommission (KSK) begutachtet und in ihrem Bericht vom 

11. Oktober  2017  grundsätzlich  befürwortet.  Die  KSK  wies  dabei  auf  die 

umfangreichen  Vorabklärungen  und  Bemühungen  für  diese  Standortwahl 

sowie die daraus resultierende Notwendigkeit des gewählten Standorts hin. 

Allerdings  wurde  er  als  ortsbaulich  heikel  erachtet,  weshalb  der  Bauherr-
schaft  eine  bessere  Gliederung  der  Baute  nahegelegt  wurde.  Die  Anlage 

müsse  neben  ihrer  Funktionalität  in  ihrem  äusseren  Erscheinungsbild  so 

gestaltet werden, dass sie gut in die Umgebung eingebunden werden kön-

ne.  

Ob  die  durch  die  KSK  empfohlene  Anpassung  des  Erscheinungsbilds  ge-

nügend umgesetzt wurde, wird im Rahmen der Einordnungsfrage zu klären 

sein.  An  dieser  Stelle  kann  jedoch  festgehalten  werden,  dass  eine  sehr 

aufwändige  und  fundierte  Abklärung  aller  in  Frage  kommenden  Standorte 

R3.2019.00118 

Seite 13 

 
 
vorgenommen wurde, der beantragte Standort nicht leichtfertig gewählt und 

damit  dem  Gebot  einer  sorgfältigen  Standortwahl  im  Sinne  von  Art. 34 

Abs. 3  lit. b  RPV  nachgekommen  wurde.  Da  aufgrund  dieser  Abklärungen 

kein  zweiter  Standort mehr  in  Frage  kommt, erübrigt  sich  eine Interessen-

abwägung zwischen verbleibenden Alternativen.  

9. 

Betreffend den durch die Rekurrierenden in Frage gestellten Nachweis der 

längerfristigen Überlebensfähigkeit des Betriebes kann mit der Baudirektion 

Kanton Zürich festgehalten werden, dass aufgrund der persönlichen Situa-

tion des Baugesuchstellers mit bereits gesicherter Nachfolge sowie der ver-

traglichen  Situation  mit  der  Grundeigentümerin  von  einem  längerfristigen 

Bestand des Betriebes im Sinne von Art. 34 Abs. 3 lit. c RPV ausgegangen 

werden kann, zumal auch der Sohn des Bauherrn bereits im Betrieb mitar-

beitet  und  im  Sommer  2019  seine  Ausbildung  zum  Meisterlandwirt  ab-

schliessen konnte. Betreffend die Landsicherung bestätigt die Grundeigen-

tümerin  mit  Schreiben  vom  29. August  2018,  dass  das  Grundstück  dem 

Bauherrn  nach  Erteilung  der  Baubewilligung  für  40 Jahre  im  Baurecht  ab-

gegeben werde. Ebenso werde der Pachtvertrag für das bisher gepachtete 

Land  auf  dieselbe  Laufzeit  von  40 Jahren  festgelegt  (act. 21.8  im  Dossier 

G.-Nr. R3.2018.00120). Diese Baurechts- und Pachtverträge (für je mindes-

tens 30 Jahre) sind der kommunalen Vorinstanz gemäss Dispositiv-Ziff. 1.8 

des  Gemeinderatsbeschlusses  vor  Baufreigabe  einzureichen.  Damit  ist 

entgegen  den  Vorbringen  der  Rekurrierenden  genügend  gewährleistet, 

dass die Betriebserweiterung nicht ohne die Sicherung der nötigen Landflä-

chen realisiert werden kann. Diese Vorgehensweise ist nicht zu beanstan-

den,  zumal  von  den  Pachtparteien  nicht  verlangt  werden  kann,  dass  sie 

derart bindende Verträge abschliessen, solange die Bewilligung des Projek-
tes noch nicht feststeht. Ob und gegebenenfalls inwieweit den Nachbarre-

kurrenten Einsicht in die Pachtverträge zu geben sein wird, wird dannzumal 

von  der  Vorinstanz  zu  entscheiden  sein  (vgl.  § 9  des  Verwaltungsrechts-

pflegegesetzes  [VRG]  i.V.m.  §  23  Abs.  1  des  Gesetzes  über  Information 

und  Datenschutz  [IDG]).  Diese  Forderung  der  Rekurrierenden 2  erweist 

sich mithin als verfrüht.  

R3.2019.00118 

Seite 14 

 
 
10.1. 

Die Rekurrierenden 2 monieren zudem wie im ersten Rechtsgang eine un-

genügende Einordnung des Bauvorhabens in die Landschaft. Es habe kei-

ne genügende Auseinandersetzung mit  der Einordnung  stattgefunden,  an-

sonsten hätte festgestellt werden müssen, dass Bauten der vorgesehenen 

Dimension weder in das ansonsten kleinkörnig bebaute Umfeld noch in die 

landschaftliche Umgebung passen würden.  Aufgrund  der  Nähe zu zahlrei-

chen  grossräumigen  Schutzobjekten  seien  die  erhöhten  Anforderungen 

gemäss  § 238  Abs. 2  PBG  zu  verlangen.  So  figuriere  die  Umgebung  um 

den  […]see  im  Bundesinventar  für  Landschaften  und  Naturdenkmäler  von 

nationaler  Bedeutung  und  gelte  zugleich  als  archäologische  Zone.  Weiter 

sei  U  als  Teil  des  Industrielehrpfades  des  Zürcher  Oberlandes  durch  zeit-

historische Zeugen mit siedlungsmässig bedeutsamer Struktur geprägt und 

die  bestehenden  Gebäude  auf  den  östlich  und  nordöstlich  benachbarten 

Grundstücken Kat.-Nrn. 3 und 4 seien inventarisiert. 

Die inventarisierten Gebäude würden durch das überdimensionierte Projekt 

in ihrer äusseren Erscheinung verdeckt und beeinträchtigt. Der Neubau sei 

massiv und unförmig und wirke wie ein Fremdkörper in der Landschaft. Mit 

dem  projektierten  Standort  erfolge  eine  weitere  Zersiedelung  der  Land-

schaft  und  ein  optisches  Zusammenschmelzen  der  Ortschaften  Y  und  Z. 

Insbesondere  sprenge  der  Bau  die  im  ganzen  Gemeindegebiet  maximale 

Körnung. Selbst die Kantonale Siedlungskommission (KSK) bezeichne den 

Standort als "ortsbaulich heikel" und empfehle eine bessere Gliederung und 

Einbindung der Baute in die Landschaft.  

10.2. 

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich 

und  in  ihrem  Zusammenhang  mit  der  baulichen  und  landschaftlichen  Um-
gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine 

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für 

Materialien und Farben. 

Diese  Vorschrift  enthält  eine  Grundanforderung  an  Bauten,  Anlagen  und 

Umschwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in 

sich  als  auch  der  Einordnung  in  die  bauliche  und  landschaftliche  Umge-

bung. Dabei erfasst die Norm über den Wortlaut ihres Randtitels ("Gestal-

tung")  hinaus  nicht  nur  die  Gestaltungselemente  wie  beispielsweise  die 

R3.2019.00118 

Seite 15 

 
 
Dach-  oder  die  Fassadengestaltung,  sondern  auch  ortsbauliche  Aspekte 

wie  etwa  die  Stellung  der  Baukörper,  soweit  jene  nicht  durch  speziellere 

Bauvorschriften  geregelt  sind.  Die  Frage,  ob  eine  befriedigende  Gesamt-

wirkung  erreicht  wird,  ist  gestützt  auf  objektive,  nachvollziehbare  Kriterien 

zu  beantworten.  Blosses  Empfinden  rechtfertigt  keinen  Eingriff  in  das  Ei-

gentum. 

Nach § 238 Abs. 2 PBG ist auf Objekte des Natur- und Heimatschutzes be-

sondere  Rücksicht  zu  nehmen.  In  der  Nachbarschaft  von  Schutzobjekten 

bzw. bei Änderungen an solchen ist demnach mehr als eine bloss befriedi-

gende  Gesamtwirkung  zu  verlangen.  Was  als  Objekt  des  Natur-  und  Hei-

matschutzes  zu  betrachten  ist,  ergibt  sich  aus  der  Aufzählung  in  § 203 

Abs. 1  PBG.  Eine  förmliche  Unterschutzstellung  wird  für  die  Anwendung 

von § 238 Abs. 2 PBG nicht vorausgesetzt. Vielmehr genügt es, dass sich 

die  Schutzwürdigkeit  aus  der  Aufnahme  des  Objektes  in  ein  Inventar  im 

Sinne von § 203 Abs. 2 PBG ergibt. 

Das  Bauvorhaben  besteht  zur  Hauptsache  aus  dem  langgezogenen  Stall-

trakt  mit  versetztem  Giebeldach.  Das  Futterhaus,  das  Melkhaus  wie  auch 

das  Strohlager  sind  dazu  in  der  Höhe  abgestuft,  was  zu  einer  optischen 

Aufgliederung führt. Die beiden Silos sind nebeneinander nahe der Stirnsei-

te des Futterhauses vorgesehen. Die Fassaden der Gebäude sollen, soweit 

nicht  offen  bzw.  mit  sogenannten  Curtains  versehen,  mit  sägerohem  Holz 

verkleidet werden, die Dachflächen mit Sandwichpaneelen. Die Fassaden-

öffnungen sind sorgfältig gestaltet. Die Hochsilos sind in der Verlängerung 

der Baute geplant und in Bezug auf die von der Rekurrentschaft 1 befürch-

teten ästhetischen Einschränkung durch eine wilde Platzierung der Silobal-

len ist auf die Anforderungen der Baudirektion Kanton Zürich zu verweisen, 

welche  die  Umgebung  von  beliebig  angelegten  Siloballenlagern  bewahrt 
(act.  15  im  Dossier  R3.2019.00120).  Insgesamt  kann  nicht  beanstandet 

werden, wenn dieser an und für sich funktionalen Baute eine gute Gestal-

tung im Sinne von § 238 Abs. 2 PBG attestiert wird.  

Was die Einordnung in die Umgebung betrifft, so ist einzuräumen, dass es 

sich  um  eine  voluminöse  Baute  handelt.  Allerdings  hebt  sich  diese  grös-

senmässig nicht von den das U prägenden Industriebauten ab. Das Projekt 

sieht zudem mit Hilfe einer Geländeanpassung eine Einbettung der Haupt-

baute  in  den  Fussbereich  des  zur  Kernzone  hin  ansteigenden  Hangs  vor. 

R3.2019.00118 

Seite 16 

 
 
Das Bauvorhaben wird so in das Terrain der Umgebung eingepasst. Dass 

es, wie die Rekurrentschaft 2 geltend macht, mitten in der grünen Wiese zu 

stehen  kommen,  liegt  bei  landwirtschaftlichen  Stallungen  einerseits  daran, 

dass  die  Tiere  direkten  Zugang  zu  Weideflächen  haben  sollten  und  ande-

rerseits  am  Erfordernis,  die  Mindestabstände  zu  Wohnzonen  bzw.  Wohn-

bauten einzuhalten. Ein direkter Anschluss an eine bestehende Siedlung ist 

damit  ausgeschlossen.  Der  geplante Standort  befindet sich zwischen  dem 

erhöht gelegenen Weiler V und U. Der durch Industriebauten geprägte Ort 

U beginnt im Südosten optisch rund 130 m nach der Gemeindegrenze mit 

ersten, der Z.-Strasse entlang erstellten Bauten. Das Bauvorhaben wird in 

etwa in gleicher Distanz zur Grenze, jedoch von der Strasse zurückversetzt 

geplant. Mit Ausnahme zweier im Bereich der Gemeindegrenze bestehen-

der  Bauten  endet  auch  das  Siedlungsgebiet  von  Y  rund  300 m  vor  der 

Grenze.  Weshalb  nun  der  Neubau  die  optische  Trennung  der  beiden  Ge-

meinden  massgeblich  schmälern  oder  gar  aufheben  soll,  ist  deshalb  nicht 

ersichtlich.  

Die inventarisierten Gebäude befinden sich in erhöhter Lage eingangs des 

Weilers  U  bzw.  nordwestlich  davon  ausserhalb  der  Bauzone.  Sie  sind 

grundsätzlich von der Z.-Strasse aus zu sehen und können von dort aus mit 

dem  Neubau  zusammen  wahrgenommen  werden.  Allerdings  werden  sie 

von  diesem  nicht  oder  nur  marginal  verdeckt.  Von  der  ansteigenden  A.-

Strasse wie auch aus der Kernzone heraus gesehen bleibt eine unversehr-

te Situation rund um die Inventarobjekte ohne Weiteres erhalten, zumal das 

Bauvorhaben tiefer liegen wird. Ein Anspruch darauf, dass ein inventarisier-

tes  Objekt  zwingend  von  jeder  Position  aus  ungeschmälert  gesehen  wer-

den können muss, besteht nicht. Bei der Z.-Strasse handelt es sich um eine 

hochfrequentierte Durchgangsstrasse, gesäumt von diversen grossen (und 

nicht  nur  historischen)  Industriebauten.  Die  inventarisierten  Bauten  befin-
den  sich  von  hier  aus  für  den  Betrachter  in  einiger  Entfernung,  während 

sich  die  Objekte  von  der  A.-Strasse  oder  vom  Weiler  aus  deutlich  stärker 

positionieren. Da sie hingegen in diesem Rahmen nicht tangiert werden, ist 

nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanzen die Situation von der Durch-

gangsstrasse, die nicht zum Verweilen einlädt, weniger stark gewichten und 

insgesamt dem Projekt auch in Bezug auf die Einordnung den Inventarob-

jekten gegenüber nichts entgegenhalten. 

R3.2019.00118 

Seite 17 

 
 
11.1. 

Wie im ersten Rechtsgang bringen die Rekurrierenden weiter vor, das Pro-

jekt  halte  den  aufgrund  der  Geruchsbelastungen  notwenigen  Mindestab-

stand  nicht  ein.  Die  von  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  herangezogenen 

FAT-Richtlinien seien veraltet und nicht mehr anwendbar. Insbesondere sei 

die  Stallmitte  als  Ausgangspunkt  der  Messung  bei  den  heutigen  Stallsys-

temen überholt. Vielmehr sei im Sinne einer Emissionslinie von den äusse-

ren Gebäudeteilen auszugehen. Die Rekurrierenden stützen sich dabei auf 

den  revidierten,  jedoch  aufgrund  der  starken  Opposition  im  Vernehmlas-

sungsverfahren  zurückgezogenen  Entwurf  des  FAT-Berichts  Nr. 476  aus 

dem Jahre 2005 sowie auf eine Publikation des Eidgenössischen Departe-

ments für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) zu den "Grundlagen zu 

Geruch  und  dessen  Ausbreitung  für  die  Bestimmung  von  Abständen  bei 

Tierhaltungsanlagen" vom März 2018.  

Der  effektiv  kürzeste  Abstand  zwischen  dieser  Emissionslinie  und  der  Zo-

nengrenze betrage somit nur 57 m, womit der von der Baudirektion berech-

nete  Mindestabstand  von  64 m  nicht  eingehalten  werde.  Weiter  sei  auch 

die Berechnung des  Mindestabstandes in  Bezug auf  die Korrekturfaktoren 

unrichtig  erfolgt.  Der  umstrittene  Standort  befinde  sich  im  Talkessel  […] 

bzw. am Rande eines Hangs mit einem Gefälle von 15 % rund 24 m tiefer 

als die Wohnzone. Es sei diesbezüglich ein Korrekturfaktor von 1,2 anstatt 

1,0  einzusetzen,  da  Aufwinde  die  Gerüche  zu  ihren  Liegenschaften  trans-

portieren  würden.  Die  Rekurrentschaft 1  liess  diesbezüglich  ein  Parteigut-

achten erstellen, welches sich mit der Rechtsprechung zu anderen Projek-

ten  und  der  Komplexität  von  klimatischen  Verhältnissen  auseinandersetzt 

(act. 26  im  Dossier  G.-Nr.  R3.2019.00118).  Der  Gutachter  komme  dabei 

zum  Schluss,  dass  der  Korrekturfaktor  für  Geländeform  nicht  im  Zusam-

menhang  mit  Kaltluftabflüssen  stehe  und  der  Korrekturfaktor  von  1,2  des-
halb  bei  Hanglagen  und  Talkesseln  grundsätzlich  einzusetzen  sei.  Dabei 

sei beim umstrittenen Standort ohne Weiteres von einer Hanglage und ei-

nem kleinen Talkessel auszugehen.  

Ebenfalls  im  Rahmen  der  Korrekturfaktoren  sei  zu  berücksichtigen,  dass 

am vorgesehenen Standort sehr häufig ausgeprägte Westwindlagen aufträ-

ten.  Regelmässige  Messungen  des  Rekurrenten  H.  F.  im  Zeitraum  vom 

25. März  bis  zum  18. Juli  2018  hätten  ergeben,  dass  53,3 %  der  Winder-

eignisse  aus  den  Richtungen  West-Nord-West,  West,  West-Süd-West, 

R3.2019.00118 

Seite 18 

 
 
Süd-West oder Süd-Süd-West erfolgten und damit üble Gerüche vom neu-

en Stall zu den Rekurrierenden verfrachten würden. Diese Strömung werde 

dann  aufgrund  der  Aufwärtsbewegung  im  Bereich  der  höher  gelegenen 

Wohnbauten der Rekurrierenden gestaut. Entsprechend erwiesen sich eine 

Sonderbeurteilung  durch  einen  unabhängigen  Experten  und  ein  weiterer 

Korrekturfaktor von mindestens 1,8 als zwingend.  

Weiter würden auch die zwei Silos, die Jauchegrube und der Miststock zu 

Emissionen  führen  und  hätten  entsprechend  dem  revidierten  Entwurf  des 

FAT-Berichts  NR. 476  aus  dem  Jahre  2005  mit  einem  Korrekturfaktor  von 

1,1 in die Berechnung einzufliessen.  

Ebenso  sei  gemäss  den  Rekurrierenden 2  mit  einem  Korrekturfaktor  von 

mindestens 1,2 zu berücksichtigen, dass Silage gefüttert werde und Silofut-

ter bekanntlich geruchsintensiver sei. Dies werde in der Berechnungstabel-

le der Mindestabstände fälschlicherweise ausser Acht gelassen.  

Schliesslich monieren die Rekurrierenden 1, es sei auf eine Reduktion des 

Mindestabstandes  auf  70 %  aufgrund  der  Zuteilung  der  benachbarten 

Wohngebiete zur Kernzone zu verzichten, da die Kernzone U keinen einzi-

gen  Gewerbe-  oder  anderen  Betrieb  mehr aufweise  und  die  Zonierung  le-

diglich zum Schutz des Ortsbildes erfolgt sei. Die Kernzone U sei deshalb 

einer reinen Wohnzone gleichzusetzen. 

11.2. 

Die Baudirektion Kanton Zürich  brachte im ersten Verfahren dazu vor, der 

FAT-Bericht Nr. 476 habe nach wie vor Gültigkeit. Dementsprechend habe 

die  Berechnung  des  Mindestabstandes  vom  Stallmittelpunkt  resp.  vom 

Emissionspunkt  der  Abluft  (vorliegend  der  gegenüber  der  Fassade  um 
11 m Richtung Westen zurückversetzten Firstentlüftung) bis zu den beste-

henden Bauten bzw. zum Standort, an dem gemäss der heutigen Bau- und 

Zonenordnung  ein  Wohngebäude  erstellt  werden  könnte,  zu  erfolgen.  Ein 

Korrekturfaktor  für  die  Geländeform  sei  in  Bezug  auf  die  höher  gelegenen 

rekurrentischen Grundstücke nicht anzubringen, da diese von abendlichen 

Kaltluftabflüssen,  vor  welchen  dieser  Korrekturfaktor  schützen  solle,  nicht 

betroffen  sein  könnten.  Ebenso  wenig  sei  der  Korrekturfaktor  für  Flüssig-

mist  anzuwenden,  wenn  dieser  wie  hier  vorgesehen  ohne  Umspülsystem 

und im geschlossenen Behälter gelagert werde. Die Silos würden aufgrund 

R3.2019.00118 

Seite 19 

 
 
der  Untenentnahmefräse  nicht  zu  Geruchsimmissionen  führen.  Der  Mist-

stock sei nicht zu berücksichtigen, da er weiter von den Liegenschaften der 

Rekurrierenden entfernt liegen werde als der Emissionspunkt des Stalles.  

Die Windrichtungsmessungen des Rekurrenten H. F. seien dahingehend zu 

relativieren, dass für die rekurrentischen Liegenschaften nur Luftbewegun-

gen aus West und aus Westnordwest massgebend sein könnten und diese 

gemäss  den  Messungen  nur  13 %  ausmachen  würden.  Eine  diesbezügli-

che  Sonderbeurteilung  sei  somit  nicht  nötig.  Eine  Korrektur  aufgrund  von 

Schutzobjekten  im  Nahbereich  sei  standardmässig  als  eine  gewisse  "Si-

cherheitsreserve"  eingesetzt  worden.  Allerdings  hätte  auf  diesen  Korrek-

turfaktor  auch  verzichtet  werden  können.  Dieser  werde  eingesetzt,  wenn 

sich Orte, an denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit auf-

hielten,  nämlich  Wohn-,  Schlaf-  und  Arbeitsräume,  im  Umkreis  von  120 % 

des  Mindestabstandes  um  die  Tierhaltungsanlage  befänden.  Vorliegend 

stehe  das  nächstgelegene  rekurrentische  Wohnhaus  92 m  entfernt  und 

somit  ausserhalb  der  massgeblichen  Distanz  von  91,7 m.  Entsprechend 

könne maximal von einem Mindestabstand von 91,7 m (mit einer Korrektur) 

wenn nicht gar von 76,4 m (ohne Korrekturen) ausgegangen werden.  

Die Kernzonenkorrektur um 30 % sei entsprechend den Bestimmungen der 

Bau- und Zonenordnung anzuwenden. Der Minimalabstand von 64,2 m zur 

Kernzone (70 % von 91,7 m) werde vom Bauvorhaben eingehalten.  

Im  vorliegenden  Verfahren  werden  diesbezüglich  keine  weiterführenden 

oder abweichenden Ausführungen gemacht. 

11.3. 

Beim geplanten Vorhaben handelt es sich um eine Tierhaltungsanlage und 
damit  eine  stationäre  Anlage  im  Sinne  von  Art. 2  Abs. 1  der  Luftreinhalte-

Verordnung  des  Bundes  (LRV).  Ihr  Betrieb  erzeugt  unter  anderem  Ge-

ruchsstoff-Emissionen.  Die  von  der  Anlage  verursachten  Emissionen  sind 

zunächst so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich 

sowie  wirtschaftlich  tragbar  ist  (Art. 11  Abs. 2  des  Umweltschutzgesetzes 

[USG]).  Neue  stationäre  Anlagen  müssen  so  ausgerüstet  und  betrieben 

werden,  dass  sie  die  im  Anhang 1  LRV  und  allenfalls  die  in  den  Anhän-

gen 2  bis  4  LRV  festgelegten  Emissionsbegrenzungen  einhalten  (Art. 3 

LRV).  Emissionen,  für  welche  die  Luftreinhalte-Verordnung  keine  Emissi-

R3.2019.00118 

Seite 20 

 
 
onsbegrenzung  festlegt  oder  eine  bestimmte  Begrenzung  als  nicht  an-

wendbar  erklärt,  sind  von  der  Behörde  vorsorglich  so  weit  zu  begrenzen, 

als  dies  technisch  und  betrieblich  möglich  und  wirtschaftlich  tragbar  ist 

(Art. 4 Abs. 1 LRV). 

Für  Tierhaltungsanlagen  gelten  die  speziellen  Anforderungen  nach  An-

hang 2 Ziff. 512 LRV (Art. 3 Abs. 2 lit. a LRV). Bei der Errichtung derartiger 

Anlagen  müssen  die  nach  den  anerkannten  Regeln  der  Tierhaltung  erfor-

derlichen  Mindestabstände  zu  bewohnten  Zonen  eingehalten  werden.  Als 

solche  gelten  nach  Anhang 2  Ziff. 512  Abs. 1  LRV  insbesondere  die  ge-

mäss  den  Empfehlungen  der  Eidgenössischen  Forschungsanstalt  für  Be-

triebswirtschaft  und  Landtechnik  (FAT,  neu  bezeichnet  als  Forschungsan-

stalt  Agroscope  Reckenholz-Tänikon  ART)  berechneten  Abstände.  Die 

FAT-Richtlinien befassen sich mit der vorsorglichen Emissionsbegrenzung, 

dienen aber auch als Hilfsmittel zur Beurteilung, ob die Tierhaltungsanlage 

übermässige  Immissionen  verursacht  (BGE  126  II  43,  E. 4a  S. 45;  Urteil 

des  Bundesgerichts 1A.58/2001  vom  12. November  2001,  publ.  in:  URP 

2002 S. 97 ff., E. 2d).  

In den letzten Jahren hat sich die Bauweise der Tierhaltungsanlagen stark 

verändert. Die Veränderungen sind eine Folge der Forderungen nach tier-

gerechter  Haltung,  der  geltenden  Tierschutzbestimmungen  sowie  diverser 

diesbezüglicher Label- und Bundesprogramme. Am 7. März 2005 publizier-

te  Agroscope/FAT  Tänikon  zusammen  mit  dem  Bundesamt  für  Umwelt 

(damals  BUWAL)  einen  Vernehmlassungsentwurf  zur  Revision  des  FAT-

Berichts  Nr. 476  (nachfolgend:  Entwurf  2005).  Dieser  wurde  im  Frühsom-

mer  2005  den  interessierten  Kreisen  zur  Stellungnahme  unterbreitet  und 

aufgrund  der  starken  Opposition  im  Vernehmlassungsverfahren  zurückge-

zogen. Aufgrund dieser Stellungnahmen wurde im Jahre 2005 entschieden, 
in einer weiteren Gesprächsrunde gemeinsam mit den betroffenen Kreisen 

abzuklären,  in  welchem  Umfang  und  in  welcher  Weise  der  bestehende 

FAT-Bericht tatsächlich geändert werden soll. Der Bundesrat hielt hierzu in 

seiner  Stellungnahme  vom  23. November  2005  fest,  der  FAT-Bericht  von 

1995  bleibe  gültig,  bis  diese  Arbeiten  abgeschlossen  seien.  Zwischenzeit-

lich  hat  Agroscope  im  Auftrag  des  Bundesamtes  für  Umwelt  (BAFU)  und 

des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) einen neuen Bericht erarbeitet 

und im März 2018 teilweise publiziert (Beat Steiner/Margret Keck/Matthias 

R3.2019.00118 

Seite 21 

 
 
Frei, Grundlagen zu Geruch und dessen Ausbereitung für die Bestimmung 

von Abständen bei Tierhaltungsanlagen). 

Nach wie vor nicht erstellt ist hingegen eine für die Behörden verbindliche 

Vollzugshilfe. Diese soll gemäss telefonischer Auskunft der Verfasserin des 

Berichts,  Margret  Keck,  vom  26. November  2018  nicht  durch  Agroscope 

ausgearbeitet  werden 

(vgl.  Protokoll  S. 2 

in  den  Rekursverfahren 

R3.2018.00120  und  R3.2018.00131).  Ebenso  wenig  ist  bislang  eine  Ver-

nehmlassung  durch  die  betroffenen  Kreise  erfolgt.  Entsprechend  ist  nicht 

zu  beanstanden,  wenn  die  kantonalen  Behörden  mit  der  Anwendung  der 

neu  publizierten  Erkenntnisse  bis  zum  Vorliegen  einer  Vollzughilfe  abwar-

ten und diese somit auch noch nicht als Grundlage für den angefochtenen 

Entscheid  verwendet  haben.  Dies  zumal  auch  bereits  das  Verwaltungsge-

richt des Kantons Zürich im Zusammenhang mit der nicht in Kraft getrete-

nen  Revisionsvorlage  aus  dem  Jahr  2005  festhielt,  dass  es  nicht  Aufgabe 

des  Richters,  sondern  vielmehr  des  Gesetzgebers  sei,  die  Interessen  der 

Landwirtschaft  und  der  Wohnnutzung  gegeneinander  abzuwägen  und  ent-

sprechend zu normieren (VB.2015.00408, E. 5.3). Entsprechend ist bis zum 

Vorliegen  einer  verbindlichen  neuen  Richtlinie  nach  wie  vor  auf  den  FAT-

Bericht Nr. 476 aus dem Jahre 1995 abzustellen.  

11.4.1. 

Der Mindestabstand wird in einem dreistufigen Verfahren berechnet. In ei-

nem  ersten  Schritt  wird  die  Geruchsbelastung  nach  der  jeweiligen  Tierart 

bestimmt.  Danach  wird  basierend  auf  dieser  Geruchsbelastung  der  Norm-

abstand errechnet. Schliesslich wird der Normabstand durch Einflussfakto-

ren  des  Haltungssystems,  der  Lüftung,  des  Standorts  und  der  Geruchsre-

duktion im Bereich der Stallluft korrigiert und auf diese Weise der Mindest-

abstand  ermittelt.  Gegenüber  bewohnten  Zonen,  die  neben  der  Wohnnut-
zung  mässig  störende  Gewerbebetriebe  zulassen,  kann  der  Mindestab-

stand schliesslich um weitere 30 % herabgesetzt werden (vgl. FAT-Bericht 

1995, Ziff. 2.1 - 2.3). 

Der  Emissionspunkt  bildet  den  Ausgangspunkt  für  die  Messung  des  Min-

destabstandes.  Dieser  befindet  sich  gemäss  FAT-Bericht  Nr. 476  im  Stall-

mittelpunkt  (Schnittpunkt  der  Stallgrundflächendiagonalen,  FAT-Bericht 

Nr. 476, Ziff. 2.2). Eine Verlagerung an die den benachbarten Wohnbauten 

nächstgelegenen  Austrittsöffnungen  der  Stallabluft  ist  nur  bei  Stallungen 

R3.2019.00118 

Seite 22 

 
 
mit umbauten Raum und mit weniger als 50 m Abstand zwischen der Tier-

anlage  und  dem  nächstgelegenen  Gebäude  vorgesehen  (Ziff. 2.2).  Beim 

geplanten Stall handelt es sich weder um einen umbauten Raum – entlang 

der gesamten Ostseite des Stallteils wie auch entlang eines Grossteils der 

Westseite  sind  keine  geschlossenen  Fassaden  geplant  –  noch  bestehen 

Bauten  im  Umkreis  von  50 m.  Die  Berechnung  hat  dementsprechend  ge-

mäss der geltenden Richtlinie vom Stallmittelpunkt aus zu erfolgen. 

Der  hier  geplante  Tierhaltungsbetrieb  soll  in  der  Landwirtschaftszone,  d.h. 

ausserhalb einer bewohnten Zone zu liegen kommen. Diesfalls ist der Min-

destabstand  zur  Grenze  von  bewohnten  Zonen  einzuhalten,  wie  sich  be-

reits aus Ziff. 512 Anh. 2 LRV und auch aus den Begriffserläuterungen des 

FAT-Berichts  Nr. 476  (S. 16)  ergibt  (vgl.  auch  BGr 1C_260/2016).  Danach 

ist der Mindestabstand der von der Geruchsquelle einer Anlage zu bewohn-

ten Zonen einzuhaltende Abstand.  

Aufgrund der aus den Karten und Plänen sowie den anlässlich des Augen-

scheins  gewonnenen  Eindrücken  ist  nicht  zu  beanstanden,  wenn  die  kan-

tonale  Vorinstanz  bei  der  Berechnung  des  Mindestabstandes  gegenüber 

den  rekurrentischen  Grundstücken  keinen  Korrekturfaktor  aufgrund  einer 

Lage  in  einem  Talkessel  vorgenommen  hat.  Zum  einen  erweist  sich  U  an 

der streitbetroffenen Stelle aufgrund des Verhältnisses der Breite der Ebe-

ne  (rund  1 km)  zu  den  flankierenden  Erhebungen  (mit  Höhen  von  rund 

30 m) als nicht besonders eng. Allerdings wurde dem Tal und der Hanglage 

bei  den  Mindestabstandberechnungen  Rechnung  getragen,  indem  gegen-

über den tiefer liegenden Liegenschaften ein Korrekturfaktor von 1,2 ange-

wandt  wurde,  ebenso  gegenüber  einem  am  Kanal  in  Fliessrichtung  des 

Gewässers  gelegenen  Grundstück.  Praxisgemäss  wurde  demgegenüber 

auf  eine  Korrektur  für  die  Grundstücke  der  Rekurrierenden  verzichtet,  da 
diese aufgrund ihrer höheren Lage nicht von den Abwinden und den im Tal 

liegenbleibenden  Luftmassen  betroffen  sind,  welche  die  Immissionen  ver-

stärken  und  zu  einem  erhöhten  Schutzbedürfnis  hangabwärts  oder  eben-

falls im Tal gelegener Liegenschaften führen könnten. Diese Praxis erweist 

sich  als  nachvollziehbar  und  im  Ermessen  der  Vorinstanz  gelegen,  zumal 

aufwärtsfliessende Hangwinde nicht zum Phänomen eines Kaltluftsees füh-

ren, da die Luft entweichen und sich grossflächig verteilen kann. 

R3.2019.00118 

Seite 23 

 
 
Ein  weitergehender  Einbezug  der  Windrichtungen  ist  bei  den  Berechnun-

gen  der  Mindestabstände  gemäss  FAT-Bericht  Nr. 476  nicht  vorgesehen. 

Bei besonderen Windverhältnissen kann jedoch eine Sonderbeurteilung mit 

einer  fachlichen  Standortanalyse  und/oder  mit  Windmessungen  von  Wet-

terstationen der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt (SMA) erfolgen, 

welche zu einer Anpassung des Mindestabstandes führen kann. Die Wind-

messungen  des  Rekurrenten  H.  F.  auf  seinem  östlich  des  Bauvorhabens 

auf der Anhöhe gelegenen Grundstück Kat.-Nr. 5 haben ergeben, dass von 

insgesamt 9407 Messungen deren 213 aus Westnordwesten kamen, 1015 

aus Westen, 1062 aus Westsüdwesten, 2069 aus Südwesten und 657 aus 

Südsüdwesten. Daraus schliesst die Rekurrentschaft 1, ihre Liegenschaften 

wären  an  5016  der  gemessenen  9407  Windereignisse  oder  in  53,3 %  der 

Windereignisse  von  Windzufuhren  aus  der  Stallrichtung  betroffen.  Dabei 

verkennen sie, dass selbst diese knapp über 50 % liegende und ohne Mit-

einbezug  der  topographischen  Verhältnisse  entstandene  Zahl  bei  genaue-

rer Betrachtung bei keiner der rekurrentischen Liegenschaften erreicht wür-

de.  So  zeigt  selbst  die  rekurrentische  Darstellung  (act. 2  S. 15  im  Dossier 

G.-Nr. R3.2018.00120),  dass  beispielsweise  die  Liegenschaft  des  Rekur-

renten  H.  F.  (oder  auch  der  Rekurrierenden  W.  K.  und  F.  und  B.  Z.)  bei 

Winden aus den Richtungen Südsüdwest, Südwest und Westsüdwest nicht 

betroffen  wären.  Demgegenüber  können  höchstens  südsüdwestliche  und 

südwestliche  Winde  über  den  Stall  zur  Liegenschaft  der  rekurrierenden 

Familie S. gelangen. Insgesamt legen diese Ergebnisse somit keine Situa-

tion nahe, bei welcher die Windverhältnisse im Rahmen einer Sonderbeur-

teilung tiefer abzuklären gewesen wären. 

Der  FAT-Bericht  führt  Korrekturfaktoren  für  die  wesentlichen  örtlichen  und 

betrieblichen  Gegebenheiten  auf,  die  zu  aussergewöhnlichen  Auswirkun-

gen  führen  können.  Die  übrigen  Geruchsquellen,  wie  sie  im  Wesentlichen 
in jedem Betrieb vorkommen, wie Silos, Jauchegrube und Miststöcke oder 

auch  für  die  Fütterung  von  Silage,  stellen  keine  solchen  Besonderheiten 

dar  und  wurden  entsprechend  nicht  mit  Korrekturfaktoren  belegt.  Ein Aus-

nahmegrund für eine zusätzliche Berücksichtigung ist nicht ersichtlich. 

11.4.2. 

Schliesslich  stellt  sich  aufgrund  der  rekurrentischen  Rügen  die  Frage,  ob 

die kantonale Vorinstanz gegenüber der benachbarten Kernzone ohne Wei-

teres  auf  den  minimalen  Sicherheitszuschlag  von  30 %  gegenüber  Wohn-

R3.2019.00118 

Seite 24 

 
 
zonen,  in  denen mässig störende  Gewerbebetriebe zulässig sind,  verzich-

ten  darf.  Grundsätzlich  machen  die  Richtlinien  des  FAT-Berichts  Nr. 476 

diesen Verzicht nicht davon abhängig, ob aktuell tatsächlich solche Betrie-

be dort bestehen. In Ziff. 2.3 des Berichts wird festgehalten, dass bewohn-

ten  Zonen,  welche  nebst  der  Wohnnutzung  mässig  störende  Gewerbebe-

triebe  zulassen,  ein  höheres  Mass  an  Geruchsimmissionen  zumutbar  sei. 

Diese Formulierung stellt auf die Zonierung und nicht auf die tatsächlichen 

aktuellen Verhältnisse ab und ist insofern zweckmässig, als sich eine allen-

falls momentane Situation ohne mässig störende Betriebe jederzeit (mit ei-

nem  aufgrund  der  Kernzonenvorschriften  zulässigen  Baugesuch)  ändern 

könnte.  Allerdings  hält  der  Bericht  auch  fest,  dass  auf  den  Sicherheitszu-

schlag "in der Regel" verzichtet werden könne. Es sind somit Konstellatio-

nen denkbar, in denen ausnahmsweise ein Verzicht nicht statthaft wäre. So 

allenfalls,  wenn  in  einer  Zone  mässig  störende  Betriebe  zwar  zonenkon-

form  wären,  eine Ansiedlung eines  solchen  Betriebes  jedoch aus  anderen 

Gründen  faktisch  ausgeschlossen  werden  müsste.  Die  diesbezüglichen 

Ausführungen der Gemeinde X halten fest, dass aktuell keine mässig stö-

renden  Betriebe  in  der  Kernzone  U  ansässig  seien.  Es  seien  jedoch  noch 

freie Bauparzellen vorhanden und ein faktischer Ausschluss bestehe nicht. 

Vernehmlassungsweise hält sie unter Auflistung der konkreten Verhältnisse 

fest,  dass  der  Weiler  durchaus  noch  Möglichkeiten  für  Nutzungen  durch 

höchstens mässig störende Betriebe biete. Gemäss dem von den Rekurrie-

renden 1  im  Rahmen  ihrer  Rekursschrift  eingereichten  Bericht  zum  Ge-

samtplan  aus  dem  Jahre  1983 

(act. 2  S. 23 

im  Dossier  G.-Nr. 

R3.2019.00118)  stand  im  Vordergrund  der  ortspflegerischen  Bemühungen 

die Erhaltung der gewachsenen Dorfkerne. Dazu wurde Folgendes festge-

halten:  "Der  Schutz  der  baulichen  Struktur  kann  jedoch  nicht  unabhängig 

von der Funktion sichergestellt werden. Es ist deshalb von grosser Bedeu-

tung,  die  Voraussetzungen  für  die  Erhaltung  der  gemischten  Nutzung  die-
ser  Zonen  zu  schaffen  (Landwirtschaft,  Kleingewerbe,  Wohnen,  Dienstlei-

tungen,  etc.)".  Das  Ortsbild  von  U  wurde  sodann  auf  kommunaler  Ebene 

als  schutzwürdig  bezeichnet,  wobei  festgehalten  wurde,  dass  "eine  bauli-

che Verdichtung (insbesondere in U und S.) und eine nutzungsmässige Mi-

schung (…) anzustreben" sei. Dass der Ortsbildschutz damit rein optischer 

Natur sein solle und die Gewerbeerleichterung nur Mittel zum Zweck gewe-

sen sein soll, die gewachsenen Ortskerne zu erhalten, wie es die Rekurrie-

renden 1  auslegen,  erscheint  aufgrund  dieser  Unterlagen  nicht  als  offen-

sichtlich.  Vielmehr  wird  die  Nutzungsdurchmischung  als  wesentliches  Ziel 

R3.2019.00118 

Seite 25 

 
 
des Charaktererhalts der Ortskerne dargelegt. Auch wenn in U derzeit kein 

Gewerbe  angesiedelt  sein  soll,  so  bietet  jedenfalls  diese  Entstehungsge-

schichte  keinen  Anlass  zur  Beanstandung,  wenn  die  Baudirektion  Kanton 

Zürich in dieser Tatsache keinen Sondergrund für einen Reduktionsverzicht 

und eine Gleichstellung mit Bauvorhaben im Grenzbereich zu Wohnzonen 

ohne  Gewerbeerleichterung  erblickt.  Ein  tatsächliches  Ausbleiben  solchen 

Gewerbes dürfte in vielen Kernzonen vorkommen. Die Argumente der Re-

kurrentschaft 1 lassen entsprechend keine unsachgemässe Ausübung des 

Ermessens erkennen.  

Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  die  Berechnungsgrundla-

gen  für  die  Mindestabstände  nachvollziehbar  und  nicht  zu  beanstanden 

sind. 

12.1. 

Die Rekurrentschaft 2 bringt weiter vor, die Baudirektion Kanton Zürich hät-

te  für  die  Anlage  im  Uferstreifen  keine  Ausnahmebewilligung  gemäss 

Art. 41c  der  Gewässerschutzverordnung  (GSchV)  erteilen  dürfen,  da  sich 

diese nicht in dicht überbautem Gebiet befinde.  

12.2. 

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft der Baudirektion Kanton Zü-

rich  (AWEL)  führt  hierzu  aus,  beim  betroffenen  Wasserrechtskanal  handle 

es  sich  um  ein  künstliches  Gewässer  im  gelben  Hochwassergefahrenbe-

reich  (geringe  Gefährdung).  Gemäss  Art. 41  Abs. 5  lit. c  GSchV  könne 

deshalb  auf  die  Gewässerraumfestlegung  verzichtet  werden,  soweit  keine 

überwiegenden  Interessen  entgegenstehen.  Bis  zur  Ausscheidung  bzw. 

zum  Verzicht  auf  Ausscheidung  des  Gewässerraums  gälte  der  freizuhal-
tende  Uferstreifen  gemäss  Abs. 2  lit. a  der  Übergangsbestimmungen  zur 

Änderung vom 4. Mai 2011.  

Im übergangsrechtlichen Uferstreifen seien eine Terrainerhöhung und eine 

Entwässerungsleitung vorgesehen. Die geplante Terrainerhöhung sei zwar 

von ihrem Zweck her nicht auf einen Standort im Uferbereich angewiesen, 

sie liege jedoch im öffentlichen Interesse, da sie zu einer flachen Böschung 

und damit zu einer optimalen Eingliederung des Bauvorhabens in die Land-

schaft  führe.  Zudem  werde  damit  die  landwirtschaftliche  Nutzungseignung 

R3.2019.00118 

Seite 26 

 
 
des  Bodens  erweitert.  Die  geplante  Entwässerungseinleitung  sei  für  den 

landwirtschaftlichen  Betrieb  unerlässlich  und  damit  ebenfalls  standortge-

bunden.  Entgegenstehende,  überwiegende  Interessen  seien  nicht  ersicht-

lich.  

12.3. 

Gemäss  Art. 41c  Abs. 1  Satz 1  GSchV  dürfen  im  Gewässerraum  nur 

standortgebundene,  im  öffentlichen  Interesse  liegende  Anlagen  wie  Fuss- 

und  Wanderwege,  Flusskraftwerke  oder  Brücken  erstellt  werden.  Sofern 

keine  überwiegenden  Interessen  entgegenstehen,  kann  die  Behörde  aus-

serdem  die  Erstellung  standortgebundener  Teile  von  Anlagen,  die  der 

Wasserentnahme  oder  -einleitung  dienen,  bewilligen  (Art. 41c  Abs. 1  lit. c 

GSchV).  Hierfür  wird  im  Gegensatz  zur  Ausnahmebewilligung  für  andere, 

zonenkonforme Anlagen (lit. a) nicht verlangt, dass diese sich in dicht über-

bautem Gebiet befinden.  

Die bewilligte Entwässerungseinleitung ist somit nicht zu beanstanden, zu-

mal auch die Rekurrentschaft 2 keine konkreten, dem Bauvorhaben entge-

genstehenden, überwiegenden Interessen geltend macht.  

In  Bezug  auf  die  Terrainveränderung  wird  weder  von  den  Rekurrierenden 

geltend gemacht, noch ist sonst wie ersichtlich, inwiefern diese der besse-

ren  Einordnung  des  Bauvorhabens  dienende  Massnahme  dem  Gewässer 

schaden könnte, zumal es sich beim betroffenen Kanal nicht um ein natürli-

ches Gewässer handelt und die Bodenveränderungen gemäss den Plänen 

nicht  bis  an  den  Kanal  geführt  werden  sollen.  Insbesondere  aber  ist  nicht 

nachvollziehbar, inwiefern die Rekurrierenden von dieser Massnahme mehr 

als  beliebige  Dritte  betroffen  sein  sollten.  Da  eine  Aufhebung  dieser  Aus-

nahmebewilligung  auch  nicht  zur  angestrebten  Aufhebung  der  gesamten 
Baubewilligung  führen  könnte,  ist  auf  diese  Rüge  mangels  Legitimation 

nicht einzutreten. 

12.4. 

In Bezug auf den Gewässerschutz macht zudem die Rekurrentschaft 1 gel-

tend,  die  im  Futterbedarf  aufgeführten  Siloballen  würden  im  Gewässer-

schutzgebiet zu einer Gefährdung des Wassers führen. 

R3.2019.00118 

Seite 27 

 
 
Hierzu ist festzuhalten, dass das Baugrundstück gemäss Gewässerschutz-

karte  (GIS-Browser  des  Kantons  Zürich)  zwar  im  Gewässerschutzbereich 

Au liegt, in diesem jedoch gemäss Vollzugshilfe "Baulicher Umweltschutz in 

der Landwirtschaft" keine Restriktionen zur Lagerung von Siloballen vorlie-

gen. Solche gelten erst in den Grundwasserschutzzonen S1 bis S3.  

13. 

Inwiefern der "Betrieb mit zwei Standorten, 86 Kühen und zwei mal zwei Si-

loanlagen,  einem  24  Stunden  und  365  Tage  Betrieb  und  zusätzlichen 

200 Siloballen"  lärmmässig  das  Vorsorgeprinzip  gemäss  Art. 11  des  Um-

weltschutzgesetzes  (USG)  verletze  und  inwieweit  die  durch  das  Amt  für 

Wirtschaft  und  Arbeit  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  (AWA)  durchgeführ-

ten Lärmuntersuchungen unsachgemäss erfolgt sein sollen, wird durch die 

Rekurrierenden 2  nicht  weiter  substanziiert,  weshalb  auf  diese  Rüge  nicht 

einzutreten ist.  

14.1. 

Die  Rekurrierenden 1  machen  schliesslich  (wie  bereits  im  ersten  Rechts-

gang)  geltend,  das Bauvorhaben  schädige  mit  den  aus  dem  Kuhstall aus-

tretenden  Ammoniakemissionen  ihre  westlich  (recte:  südöstlich)  und  nörd-

lich  an  das  Baugrundstück  angrenzenden  Waldbestände  (0,7 ha  Wald  im 

Eigentum  des  Rekurrenten  H.  F.  im  Südosten  mit  einer  Entfernung  von 

75 m zum Stall sowie 1,2 ha Wald im Eigentum der Rekurrenten H. F. und 

W. K. im Norden mit einer Entfernung von 50 m zum Stall). Gemäss ihren 

Berechnungen mithilfe des vom BAFU erarbeiteten "Tools zur Abschätzung 

und Beurteilung der von einzelnen Ställen verursachten Stickstoffbelastung 

in  naturnahen  Ökosystemen"  entlasse  allein  der  neue  Kuhstall  NH3-
Emissionen von 1'488 kg/Jahr in die Luft. Damit würde im Norden des Stal-

les,  also  in  Querrichtung  zur  Hauptwindrichtung,  der  sogenannte  Critical 
Level  von  3 µgNH3/m3  für  Nadel-  und  Laubbäume  bis  in  eine  Distanz  von 
90 m  zum  Stall  überschritten.  Die  sogenannte  Critical  Load  von 

10 kg N/ha/a werde im Norden innerhalb einer Distanz von bis zu 120 m für 

Nadelbäume  und  90 m  für  Laubbäume  erreicht.  In  der  Hauptwindrichtung, 

in  der  sich  der  südöstlich  gelegene  Wald  befinde,  lasse  sich  eine  Über-

schreitung des Critical Level bis in eine Distanz von 120 m berechnen. Die 

Critical Load sei für Nadelbäume innerhalb einer Distanz von bis zu 180 m, 

R3.2019.00118 

Seite 28 

 
 
für  Laubbäume  bis  120 m,  zu  erwarten.  Dies  führe  zu  übermässigen  Im-

missionen,  die  gemäss  Art. 5  der  Luftreinhalteverordnung  (LRV)  durch  die 

Behörden zu beschränken seien. Zudem führten diese Immissionen zu ei-

ner  Einschränkung  der  Eigentumsfreiheit,  für  die  es  an  einer  gesetzlichen 

Grundlage wie auch an einem öffentlichen Interesse fehle.  

14.2. 

Die  Baudirektion  Kanton  Zürich  führt  diesbezüglich  aus,  ein  Grossteil  der 

Wälder  im  Kanton  Zürich  sei  bereits  heute  einer  kritischen  Stickstoff-

Belastung  aus  diffusen  Quellen  ausgesetzt,  weshalb  emissionsmildernde 

Massnahmen  praxisgemäss  nur  im  Nahbereich  von  Naturschutzobjekten 

angeordnet würden.  

14.3. 

Der  private  Rekursgegner  weist  darauf  hin,  dass  die  massgeblichen  bau- 

und  umweltrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  auch  der  Waldab-

stand,  durch  das  Bauvorhaben  eingehalten  würden.  Für  Ammoniak  kenne 

die  Luftreinhalteverordnung  keine  Immissionsgrenzwerte.  Die  geltend  ge-

machten Werte könnten zwar zur Beurteilung der Immissionen herangezo-

gen werden, würden jedoch gemäss der Rechtsprechung nur für sensitive 

Ökosysteme ausserhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen gelten.  

14.4. 

Nach  Art. 11  Abs. 3  USG  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  LRV  werden  Emissionsbe-

grenzungen  verschärft,  wenn  feststeht  oder  zu  erwarten  ist,  dass  die  Ein-

wirkungen  unter  Berücksichtigung  der  bestehenden  Umweltbelastung 

schädlich oder lästig (übermässig) werden.  

Übermässige  Immissionen  liegen  dann  vor,  wenn  einer  oder  mehrere  der 
Immissionsgrenzwerte (IGW) in Anhang 7 LRV überschritten werden, oder 

wenn eines der Kriterien lit. a bis lit. d in Art. 2 Abs. 5 LRV erfüllt ist.  

Anhang 7  LRV  enthält  keine  Immissionsgrenzwerte  für  Ammoniak  und 

Ammoniakverbindungen. Bestehen für einen Schadstoff keine Immissions-

grenzwerte, so gelten Immissionen nach Art. 2 Abs. 5 LRV als übermässig, 

wenn sie Menschen, Tiere, Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften oder ihre 

Lebensräume  gefährden  (lit. a),  aufgrund  einer  Erhebung  feststeht,  dass 

sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheb-

R3.2019.00118 

Seite 29 

 
 
lich stören (lit. b), sie Bauwerke beschädigen (lit. c) oder sie die Fruchtbar-

keit des Bodens, die Vegetation oder die Gewässer beeinträchtigen (lit. d). 

Demzufolge muss gestützt auf Art. 2 Abs. 5 LRV im Einzelfall beurteilt wer-

den, ob mit übermässigen Immissionen zu rechnen ist. Dazu können die im 

Rahmen  des  Übereinkommens  über  weiträumige  grenzüberschreitende 

Luftverunreinigung vom 13. November 1979 (SR 0.814.32) und ihrer Proto-

kolle  von  der  United  Nations  Economic  Commission  for  Europe  [UN/ECE] 

festgelegten  kritischen  Eintragsraten  (Critical  Loads)  und  kritischen  Kon-

zentrationen (Critical Levels) für Ammoniak herangezogen werden, bei de-

ren  Überschreitung  mit  Schäden  an  empfindlichen  Rezeptoren  gerechnet 

werden  muss.  Im  Zusammenhang  mit  Ammoniak  und  Ammoniakverbin-

dungen bilden die Critical Loads für Stickstoffeinträge in empfindliche Öko-

systeme  die  massgeblichen  Belastungsgrenzen,  oberhalb  welcher  mit 

schädlichen  Auswirkungen  gerechnet  werden  muss  und  bei  deren  Über-

schreitung  demnach  die  Immissionen  als  übermässig  beurteilt  werden 

müssen.  Sollten  die  vorsorglichen  Emissionsbegrenzungen  nicht  ausrei-

chen,  um  die  Critical  Loads  einzuhalten,  müssten  auch  Massnahmen  zur 

verschärften Emissionsbegrenzung angeordnet werden (BGr 1C_260/2016 

vom  6. Juni  2017,  E. 5.3;  BAFU/BLW,  Vollzugshilfe  Baulicher  Umwelt-

schutz in der Landwirtschaft, Mai 2012, Anhang B2-5 S. 109 f.).  

Im Bericht des Bundesrates vom 9. Dezember 2016 in Erfüllung des Postu-

lates Bertschy, wie auch im Bericht des Bundesrats vom 15. Februar 2017 

zum  Postulat  von  Siebenthal  wird  darauf  hingewiesen,  dass  bei  der  Über-

schreitung der Critical Loads langfristig negative Auswirkungen auf Struktur 

und Funktion der Ökosysteme zu erwarten seien. Diese Werte seien in Be-

zug  auf  Stickstoffeinträge  bei  95 %  der  Waldflächen  überschritten,  insbe-

sondere in Gebieten mit hoher Viehdichte. Von den Stickstoffeinträgen aus 
der  Luft  in  die  Wälder  stammten  ca.  zwei  Drittel  aus  der  Landwirtschaft. 

Massnahmen  an  der  Quelle  zu  Reduktion  der  Emissionen  seien  daher 

zwingend.  Zusätzlich  seien  Massnahmen  im  Wald  zu  prüfen,  um  negative 

Langzeitfolgen zu mindern. Im Bereich der Landwirtschaft seien die beste-

henden  beträchtlichen  Reduktionspotentiale  auf  struktureller,  betrieblicher 

und technischer Ebene konsequent auszuschöpfen. Verwiesen wird hierbei 

auf die im Bericht des Bundesrates vom 9. Dezember 2016 in Erfüllung des 

Postulates Bertschy wie auch im Statusbericht der Bundesämter BAFU und 

BLW  veröffentlichten  Bericht  (Wissenstransfer  Ammoniak,  Reduktion  der 

R3.2019.00118 

Seite 30 

 
 
Ammoniakverluste  aus  der  Landwirtschaft;  http://www.ammoniak.ch/mass-

nahmen/rindvieh) aufgeführten Instrumente und Massnahmen.  

Der  Kanton  Zürich  hat  seine  Verordnung  zum  Massnahmenplan  Luftrein-

haltung  vom  9. Dezember  2009  mit  Teilrevision  vom  13. Januar  2013  an-

gepasst. In Bezug auf die Landwirtschaft wurden mit § 17a Grenzwerte für 

den  Ammoniakausstoss  neuer  und  bestehender  Tierhaltungsanlagen  für 

Schweine und Geflügel eingeführt. Gemäss den Erläuterungen zur Teilrevi-

sion  wurde  auf  eine  Ausweitung  dieser  Bestimmung  auf  Rinderställe  ver-

zichtet, da Stallbauten für Rinder im Unterschied zu Schweine- und Geflü-

gelställen  immer  offen  und  meist  ohne  kontrollierbare  Zu-  und  Abluftrege-

lung  gebaut  würden.  Ebenso  wurde  in  Dispositiv  Ziffer I.B.2.b  des  Regie-

rungsratsbeschlusses vom 13. Januar 2016 der Baudirektion Kanton Zürich 

der  behördenverbindliche  Auftrag  zur  Prüfung  erteilt,  ob  Stickstoffeinträge 

aus  Landwirtschaftsbetrieben  mit  geeigneten  Massnahmen  gezielt  gemin-

dert  werden  könnten.  Allerdings  wurde  dieser  Auftrag  auf  Betriebe  im  na-

hen Umfeld von Naturschutzgebieten beschränkt.  

Entsprechend  fehlt  es  für  die  Forderung  von  Massnahmen  zur  Ammoni-

akreduktion für das streitbetroffene Projekt an einer rechtlichen Grundlage, 

auch  wenn  allenfalls  die  Parameter  darauf  hinweisen  könnten,  dass  das 

Neubauvorhaben  geeignet  sein  könnte,  Immissionen  im  Bereich  der  be-

nachbarten  Wälder  zu  verursachen,  welche  die  Critical  Load  überstiegen. 

Allerdings ist auch dies insoweit zur relativieren, als diese Messungen nicht 

durch  die  Bewilligungsbehörden  ausgeführt  oder  nachvollzogen  wurden, 

und  auch  nicht  berücksichtigt  wurde,  ob  das  Bauvorhaben  bereits  Mass-

nahmen  zur  Ammoniakreduktion  beinhaltet  und  ob  diese  die  Emissionen 

relevant  senken.  Gemäss  dem  Betriebskonzept  (act. 21.7  im  Dossier  G.-

Nr. R3.2018.00120)  soll  baulich  darauf  geachtet  werden,  dass  ammoniak-
mindernde Massnahmen, wie eine Überdachung des Jauchesilos oder die 

entsprechende  Ausgestaltung  von  Laufgängen,  umgesetzt  würden.  Die 

Überdachung des Jauchesilos ist aus den Plänen ersichtlich, wie auch der 

Verzicht auf einen befestigten Laufhof. Die Laufgänge weisen ein Längsge-

fälle  auf  und  die  Schieber  weisen  auf  die Möglichkeit  einer  regelmässigen 

Abführung  von  Kot  und  Harn  hin.  Weitere  Anforderungen  an  das  streitbe-

troffene  Projekt  lassen  sich  gestützt  auf  die  Verordnung  zum  Massnah-

menplan Luftreinhaltung nicht stellen.  

R3.2019.00118 

Seite 31 

 
 
15.1. 

Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  die  Rekurse  abzuweisen 

sind, soweit darauf einzutreten ist. 

15.2. 

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten der Rekurrentschaft 1 und der 

Rekurrentschaft 2 je zur Hälfte aufzuerlegen (§ 13 VRG).  

Nach  §  338  Abs.  1  PBG  bzw.  §  2  der  Gebührenverordnung  des  Verwal-

tungsgerichts  (GebV  VGr)  legt  das  Baurekursgericht  die  Gerichtsgebühr 

nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem 

bestimmbaren  Streitwert  oder  dem  tatsächlichen  Streitinteresse  fest.  Liegt 

wie  hier  ein  Verfahren  ohne  bestimmbaren  Streitwert  vor,  beträgt  die  Ge-

richtsgebühr in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 

Abs.  2  GebV  VGr).  In  besonders  aufwendigen  Verfahren  kann  die  Ge-

richtsgebühr  bis  auf  das  Doppelte  erhöht  werden  (§  4  Abs. 1  GebV  VGr). 

Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser 

Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3.  Aufl.,  Zü-

rich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).  

Im  Lichte  der  Vereinigung  zweier  Rekursverfahren,  des  getätigten  Verfah-

rensaufwandes mit mehrfachem  Schriftenwechsel und umfangreichen Ein-

gaben  sowie  des  sich  aus  den  zahlreichen,  teilweise  neuen  und  teilweise 

gegenüber dem ersten Rechtsgang ergänzten Rügen ergebenden Umfangs 

des  vorliegenden  Urteils  ist  die  Gerichtsgebühr  trotz  teilweiser  Wiederho-

lung  von  bereits  mit  BRGE III  Nrn. 0017/2019  und  0018/2019  behandelter 

Rügen  auf  Fr. 9'000.--  festzusetzen  (BGr  1C_566/2015  vom  18.  Februar 

2016,  E.  2;  BGr  1C_244/2013  vom  4.  Juli  2013,  E.  4;  BRGE  II  Nrn.  0162 

und  0163/2012  vom  23.  Oktober  2012,  E.  16,  in  BEZ  2014  Nr.  36;  Ent-
scheid bestätigt mit VB.2012.00774 vom 22. August 2013, dieser bestätigt 

mit BGr 1C_810/2013 vom 14. Juli 2014; www.baurekursgericht-zh.ch). 

15.3. 

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte  und  schwieriger  Rechtsfragen  besonderen  Aufwand  erforderte  o-

R3.2019.00118 

Seite 32 

 
 
der  den  Beizug  eines  Rechtsbeistandes  rechtfertigte.  Die  Bemessung  der 

Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16.  Oktober  2003,  E.  3.1).  Demnach  ist  vorliegend  dem  privaten  Rekurs-

gegner zulasten der Rekurrentschaften eine Umtriebsentschädigung zuzu-

sprechen.  Angemessen  erscheint  ein  Betrag  von  Fr.  3'000.--.  Da  die  Um-

triebsentschädigung  pauschal  festgelegt  wird,  entfällt  die  Zusprechung  ei-

nes  Mehrwertsteuerzusatzes  von  vornherein  (BRKE  II  Nrn.  0247  und 

0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch). 

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