# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e03e63d0-1586-568f-bb12-1f68827460c8
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-11
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 11.06.2020 SB190331
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB190331_2020-06-11.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB190331-O/U 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

R. Affolter und Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie die  

Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle 

Urteil vom 11. Juni 2020 
 

in Sachen 
 
A._____,  
Privatklägerin und I. Berufungsklägerin 

vertreten durch Rechtsanwältin MLaw, LL.M. X._____,  
 

sowie 
 
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. D. Kloiber, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 
 

gegen 
 
B._____,  
Beschuldigter und II. Berufungskläger 

verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____,  

 
betreffend einfache Körperverletzung etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,  
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 28. März 2019 (GG180245) 
 
 
 
 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. November 2018 

(Urk. 35) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 89 S. 49 f.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig  

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in 

Verbindung mit Art. 15 und Art. 16 Abs. 1 StGB sowie 

− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

Fr. 300.– (entsprechend Fr. 18'000.–), wovon 1 Tagessatz als durch Haft geleistet 

gilt. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-

gesetzt. 

4. Es wird die Löschung des DNA-Profils sowie des ED-Materials mittels separatem 

Löschformular angeordnet. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz von Fr. 432.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 10. Mai 2017 zu bezahlen. Im Übrigen wird die Zivilklage auf 

den Zivilweg verwiesen.  

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 200.– zuzüglich 5 % Zins 

ab 10. Mai 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

 

 

 

-   3   - 

7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'110.–   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 862.45   Ärztliches Gutachten. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-

schuldigten zu 2/3 auferlegt und zu 1/3 auf die Gerichtskasse genommen. 

9. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 5'500.– (inkl. MwSt.) 

für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft für das gesamte Verfah-

ren eine reduzierte Prozessentschädigung im Umfang von 2/3 in der Höhe von 

Fr. 2000.– zu bezahlen. 

11. [Mitteilungen] 

12. [Rechtsmittel]" 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 8 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten B._____: 

 (Urk. 131 S. 1 f.) 

1. In Gutheissung der Berufung sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe 

freizusprechen betreffend der Vorwürfe der einfachen Körperverletzung und 

der Sachbeschädigung. 

2. Es sei zusätzlich zur Löschung der Daten zum erhobenen DNA-Profil und zu 

den ED-Materialien des Beschuldigten auch die Vernichtung der DNA- und 

ED-Materialien anzuordnen. 

3. Es sei die Vernichtung der Daten und Unterlagen zur Odara-Standard-

interpretation zum Rückfallrisiko des Beschuldigten als Gewalttäter als allen 

Datensammlungen und die diesbezügliche Mitteilung an den Beschuldigten 

anzuordnen. 

-   4   - 

4. Die Verfahrenskosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfah-

rens seien gesamthaft auf die Staatskasse zu nehmen. 

5. Dem Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung für die Untersuchung 

und das erstinstanzliche Verfahren in der Höhe von CHF 16'500.– inkl. MwSt 

zuzusprechen. 

6. Dem Beschuldigten sei für zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung 

in Höhe von CHF 200.– zzgl. 5 % Zins ab dem 10. Mai 2017 auszurichten. 

7. Die Forderung der Privatklägerin betreffend Prozessentschädigung sei voll-

umfänglich abzuweisen. 

8. Die weiteren Zivilforderungen der Privatklägerin aus Schadenersatz und 

Genugtuung seien abzuweisen, dies auch dem Grundsatze nach. Eventuell 

seien diese gesamthaft auf den Zivilweg zu verweisen.  

Alles unter Kostenfolgen für das zweitinstanzliche Verfahren zulasten der Staats-

kasse und Zusprechung einer Entschädigung an den Beschuldigten nach richter-

lichem Ermessen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 101; schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Der Privatklägerschaft A._____: 

(Urk. 129 S. 2) 

1. Der Beschuldigte B._____ sei der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Mit Bezug auf den Schuldspruch wegen Sachbeschädigung im Sinne von 

Art. 144 Abs. 1 StGB sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 28. März 

2019 (Geschäfts-Nr. GG180245) zu bestätigen. 

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3. Der Beschuldigte sei neben dem bereits vorinstanzlich zugesprochenen 

Schadenersatz (Dispositiv Ziffer 5) zu verpflichten, der Berufungsklägerin 

Schadenersatz wie folgt zu bezahlen: 

− CHF 1'062.70 zzgl. 5% Zins seit 27. Juni 2018, 

− CHF 432.70 zzgl. 5 % Zins seit 8. Februar 2019 und 

− CHF 399.40 zzgl. 5 % Zins seit 6. März 2019. 

4. Der Berufungsklägerin seien keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

5. Der Berufungsklägerin sei eine angemessene Prozessentschädigung 

(zzgl. MwSt) für das Berufungsverfahren auszurichten. 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung 

1. Die Privatklägerin und der Beschuldigte lernten sich Ende Mai 2014 über die 

Datingplattform C._____ kennen. Ab August 2014 führten sie für rund ein Jahr ei-

ne Lebensgemeinschaft. Am tt.mm.2015 gebar die Privatklägerin den gemein-

samen Sohn D._____. Im August 2015 verliess der Beschuldigte die gemeinsame 

Wohnung in Zürich und bezog im Herbst 2015 die nunmehr fertiggestellte, ur-

sprünglich für die Familie gekaufte Eigentumswohnung in E._____.  

Hintergrund des vorliegenden Verfahrens ist eine angeblich vorgefallene verbale 

und körperliche Auseinandersetzung zwischen der Privatklägerin und dem Be-

schuldigten vom 10. Mai 2017, ca. 18.15 Uhr anlässlich der Übergabe des damals 

zweijährigen Sohnes vom Beschuldigten an die Privatklägerin nach Ausübung 

des Besuchsrechts. Die Privatklägerin und der Beschuldigte erhoben am 11. Mai 

2017 und am 23. Mai 2017 je gegeneinander Strafanzeige (Urk. D1/1 und D2/1). 

Diese mündeten am 6. November 2018 je in Anklagen, einerseits wegen einfa-

cher Körperverletzung und Sachbeschädigung (vgl. Urk. 35, vorinstanzliches Ver-

fahren GG180245 sowie vorliegendes Verfahren SB190331 gegen den Beschul-

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digten B._____) und anderseits wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten (vgl. Urk. 

36, vorinstanzliches Verfahren GG180247 sowie Parallelverfahren SB190332 ge-

gen die Privatklägerin A._____).  

Die zwei Gerichtsverfahren werden mit umgekehrten Parteirollen geführt. Auch 

wenn die Parteien sowohl als Privatklägerschaft wie auch als beschuldigte Perso-

nen auftreten, werden sie im jeweiligen Verfahren aufgrund ihrer Rolle bezeich-

net. Dasselbe gilt für ihre Rechtvertreter, die sich sowohl als Rechtsbeistände wie 

auch als Verteidigerinnen betätigen.  

2. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Aus-

führungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 89 S. 4-6). Wie schon 

in erster Instanz, werden die beiden Verfahren infolge Sachzusammenhangs 

(thematisch und personell) gleichzeitig verhandelt und beurteilt.  

3.1 Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 

10. Abteilung, Einzelgericht vom 28. März 2019 liessen die Privatklägerin durch 

ihren damaligen Rechtsvertreter am 29. März 2019 und der Beschuldigte durch 

seine Verteidigerin am 1. April 2019 fristgerecht je die Berufung anmelden 

(Urk. 75 und 76). Mit Eingabe vom 25. Juni 2019 liess die Privatklägerin durch ih-

re neue Rechtsvertreterin in der Frist die Berufungserklärung übermitteln (Urk. 90 

und 92; Urk. 87/3). Die Berufungserklärung des Beschuldigten erfolgte ebenfalls 

rechtzeitig durch dessen Verteidigerin mit Schreiben vom 27. Juni 2019, wobei 

zugleich Beweisanträge gestellt wurden (Urk. 93; Urk. 87/2). Die Privatklägerin 

leistete die ihr auferlegte Prozesskaution rechtzeitig (Urk. 96-98). 

3.2 Mit Präsidialverfügung vom 6. August 2019 wurde dem Beschuldigten, der 

Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um schriftlich zu er-

klären, ob Anschlussberufung (bezüglich Berufung der Gegenseite) erhoben wer-

de oder begründet ein Nichteintreten zu beantragen. Weiter wurde der Privat-

klägerin sowie der Staatsanwaltschaft eine Frist angesetzt, um zu den Beweis-

anträgen des Beschuldigten Stellung zu nehmen. Schliesslich wurde dem Be-

schuldigten Frist angesetzt, Unterlagen betreffend seine finanziellen Verhältnisse 

einzureichen (Urk. 99). Die Staatsanwaltschaft verzichtete ausdrücklich auf An-

-   7   - 

schlussberufung (Urk. 101), der Beschuldigte und die Privatklägerin liessen sich 

diesbezüglich nicht vernehmen.  

Innert je erstreckter Frist erstattete die Privatklägerin eine kurze Stellungnahme 

zu den Beweisanträgen des Beschuldigten (Urk. 109) und der Beschuldigte reich-

te das Datenerfassungsblatt samt Beilagen ein (Urk. 111-116). Die Beweisanträge 

des Beschuldigten wurden mit Präsidialverfügung vom 19. September 2019 ab-

gewiesen (Urk. 117).  

3.3 Der Beschuldigte beantragt auch in zweiter Gerichtsinstanz Freisprechung 

von Schuld und Strafe. Entsprechend ficht er das Urteil grundsätzlich vollumfäng-

lich an. Ausgenommen sind einzig die Dispositivziffern 4 (Löschung DNA-Profil 

und ED-Material) und 7 (Kostenfestsetzung; vgl. Urk. 93 S. 2 f.; Urk. 131 S. 1 f.). 

Die Privatklägerin verlangt Änderungen im Schuldpunkt und in der Schaden-

ersatzregelung (Urk. 90 S. 2; Urk. 129 S. 2). Es ist daher vorab mit Beschluss 

festzustellen, dass das Urteil in den Dispositivziffern 4 und 7 in Rechtskraft er-

wachsen ist (Prot. II S. 11).  

4. Die Berufungsverhandlung fand am 11. Juni 2020 in Anwesenheit des Be-

schuldigten in Begleitung seiner erbetenen Verteidigung und der Privatklägerin in 

Begleitung ihrer Rechtsvertreterin statt. Das Urteil erging gleichentags und wurde 

den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. II S. 8 und S. 18 ff.). 

5. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen). 

Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken.  

 

 

 

-   8   - 

II. Prozessuales 

1. Strafantrag und Konstituierung Privatklägerschaft 

Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass in den beiden Verfahren die erfor-

derlichen Strafanträge der Parteien vorliegen und dass sich die Parteien recht-

zeitig als Privatklägerin bzw. Privatkläger konstituierten (Urk. 89 S. 6 f.).  

2. Beweisanträge 

2.1 Mit der Berufungserklärung erhob der Beschuldigte Beweisanträge auf Ein-

vernahme von 12 Personen als Zeugen, nämlich von (1) F._____ und (2) 

G._____ sowie – eventualiter – (3) H._____, (4) I._____, (5) J._____, 

(6) K._____, (7) L._____, (8) M._____, (9) N._____, (10) O._____, (11) P._____ 

und (12) Q._____ (Urk. 93 S. 3 ff.). Die erwähnten Zeugeneinvernahmen wurden 

schon vor Vorinstanz bergründet beantragt (Urk. 62 S. 2 ff.; Urk. 39) und – in ähn-

licher Zusammensetzung – im Vorverfahren (Urk. D1/10 S. 7 ff.).  

Zur Begründung wird angeführt, die Zeugen könnten Angaben zu analogen Vor-

fällen machen, bei welchen sie miterlebt hätten, wie die Privatklägerin in gleicher 

Weise wie vorliegend verbal und physisch übergriffig gegen den Beschuldigten 

gewesen sei. Insbesondere hätten die Eltern des Beschuldigten, (1) F._____ und 

(2) G._____, die angeklagten Beschimpfungen seitens der Privatklägerin mitanhö-

ren und erleben müssen, wie die Privatklägerin dem Beschuldigten den Säugling 

aus dem Arm habe reissen wollen und – als dieser zu schreien angefangen und 

die Privatklägerin ihren Willen nicht bekommen habe – die Fäuste erhoben und 

den Beschuldigten geschlagen habe. Es gebe daher Zeugen dafür, dass die Pri-

vatklägerin schon früher exakt gleich wie angeklagt gegen den Beschuldigten 

vorgegangen sei und dabei keinerlei Rücksicht auf den kleinen D._____ genom-

men habe. Die Einvernahme der Zeugen (3) bis (12) wird nur für den Eventualfall 

beantragt, dass die Privatklägerin die von diesen miterlebten früheren Vorfälle 

und Übergriffe bestreiten sollte. Dann könnten die Glaubwürdigkeit der Privatklä-

gerin und die Glaubhaftigkeit ihrer Behauptungen bezüglich ihrer Gewaltbereit-

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schaft zum Nachteil des Beschuldigten und von D._____ einer genaueren Über-

prüfung unterzogen werden (Urk. 93 S. 5 f.).  

2.2 An der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte die erwähnten Zeugen-

einvernahmen nochmals mit derselben Begründung beantragen (Urk. 125). Zu-

dem wurden vom Beschuldigten Schilderungen von 5 Personen (F._____, 

H._____, K._____, L._____ und J._____) über frühere Vorfälle sowie ein Be-

schluss und Urteil des Bezirksrates Zürich vom 6. Juni 2019 und ein Auszug eines 

Beschlusses der KESB Stadt Zürich vom 4. Juli 2019 als Beweisofferten zu den 

Akten gereicht (Urk. 126/1/1-5 und Urk. 126/2/1+2).  

2.3 Wie bereits im Beweisergänzungsentscheid der Staatsanwaltschaft vom 

25. Oktober 2018 (Urk. D1/13), in den Verfügungen des vorinstanzlichen Einzel-

gerichts vom 15. Januar 2019 und 21. März 2019 (Urk. 45 S. 5 f.; Prot. I S. 39 f.), 

im angefochtenen Urteil vom 28. März 2019 (Urk. 89 S. 8) und zuletzt in der ober-

gerichtlichen Präsidialverfügung vom 19. September 2019 (Urk. 117) – womit 

die Beweisanträge einstweilen abgelehnt wurden – ausgeführt, ist vorliegend ein 

4-Augen-Delikt zu beurteilen. Den als Zeugen angerufenen Personen fehlt es 

mangels persönlicher Anwesenheit anlässlich des angeklagten Geschehens an 

eigener Wahrnehmung. Sie könnten daher keine Angaben zum angeklagten Vor-

fall selber machen, was auch der Beschuldigte einräumt. Auch Bezeugungen zu 

früher stattgefundenen gleichartigen Ereignissen blieben ohne hinreichende Rele-

vanz für die vorliegende Entscheidfindung. Solchen Aussagen von unbeteiligten 

Drittpersonen würde nicht mehr als untergeordnete Bedeutung zukommen. Je-

denfalls liesse sich damit weder Gewaltbereitschaft noch Gewalttätigkeit 

der Privatklägerin im hier zu beurteilenden Fall einer Kindsübergabe belegen. Seit 

den vorläufigen Abweisungen dieser erneut beantragten Beweiserhebungen hat 

sich keine Veränderung in der Ausgangslage ergeben. Die beantragten Zeugen-

einvernahmen des Beschuldigten sind daher abzuweisen.  

Die Entscheide des Bezirksrates Zürich vom 6. Juni 2019 und der KESB Stadt  

Zürich vom 4. Juli 2019 über die Regelung der elterliche Sorge und das Besuchs-

recht betreffend das Kind D._____ sind für die vorliegend zu beurteilende Straf-

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sache ebenso wenig von Relevanz. Sie werden jedoch als Unterlagen zu den   

Akten genommen (Urk. 126/2/1+2).  

Anzufügen ist, dass im Zusammenhang mit den Beweisanträgen diverse weitere 

schriftliche Unterlagen – etwa WhatsApp Chat-Verläufe sowie Beschlüsse und 

Schreiben von Behörden (Urk. D1/11/2 ff.; Urk. 63/3 ff.) – zu den Akten genom-

men wurden.      

2.4 Die Privatklägerin liess an der Berufungsverhandlung den Beweisantrag 

stellen, dass R._____ als Zeugin zu befragen sei. R._____ sei ca. von November 

2017 bis Ende Mai 2018 mit dem Beschuldigten in einer Beziehung gewesen. 

Gegenüber ihr habe sich der Beschuldigte mehrfach und auch widersprüchlich 

über den Vorfall vom 10. Mai 2017 geäussert. Sie könne mit Verweis auf ihre E-

Mail vom 23. März 2020 an die Privatklägerin auch Angaben zum Motiv des Be-

schuldigten machen (Urk. 127 und Urk. 128/1). 

R._____ ist die ehemalige Freundin des Beschuldigten und nach Angaben des 

Beschuldigten nicht gut auf ihn zu sprechen (Prot. II S. 12). Sie war am inkrimi-

nierten Vorfall nicht dabei und ihre Aussagen beruhen ebenfalls nur auf Hörensa-

gen. Auch dieser Beweisantrag ist deshalb abzuweisen.  

3. Nichtanhandnahmeverfügung 

3.1 Die Verteidigung des Beschuldigten beanstandet, dass im Urteil der Vor-

instanz der Schutz des Kindes D._____ nicht berücksichtigt worden sei, da der 

Beschuldigte den Sohn D._____ während des inkriminierten Vorfalls auf dem Arm 

getragen und grosse Angst um D._____ gehabt habe, weshalb auch von Not-

wehrhilfe auszugehen sei (Urk. 131 S. 5 f.).  

3.2 Am 20. Februar 2020 ist gestützt auf Art. 310 StPO die Nichtanhandnahme-

verfügung der Staatsanwaltschaft betreffend die Strafanzeige des Beschuldigten 

vom 28. November 2018 hinsichtlich einer mutmasslichen Gefährdung der Ge-

sundheit zum Nachteil des Sohnes D._____ ergangen (vgl. Urk. 96 in SB190332). 

Die Staatsanwaltschaft begründete ihren Entscheid im Wesentlichen dahin, es 

bestehe weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht ein Anfangsverdacht, die 

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Voraussetzungen für die Eröffnung einer Untersuchung seien nicht gegeben. Der 

Beschuldigte habe erst in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ein Jahr 

nach dem Vorfall erstmals erwähnt, dass er aufgrund der Angriffe durch die Pri-

vatklägerin auch um das Wohl seines Kindes gefürchtet habe, namentlich, dass 

sie den Sohn treffen würde, dieser herunterfallen und sich schwer verletzen könn-

te. Die Befürchtung erweise sich als spekulativ. Selbst wenn der Beschuldigte 

sein auf dem Arm getragenes Kind hätte fallen lassen, wäre beim damals knapp 

26 Monate alten Sohn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge davon auszuge-

hen gewesen, dass dieser auf seinen Füssen gelandet wäre, weshalb eine 

schwere Verletzung als abwegig erscheine. Damit entfalle auch der Nachweis ei-

nes Vorsatzes seitens der Privatklägerin. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft 

ist rechtkräftig (vgl. in SB190332 Urk. 95 und 96). 

Dementsprechend ist auf den Einwand der Verteidigung, es sei neben Notwehr 

auch von Notwehrhilfe zugunsten des Kindes D._____ auszugehen, in den nach-

folgenden Erwägungen nicht weiter einzugehen. Bei der Bemessung des subjek-

tiven Verschuldens ist der Umstand, dass der Beschuldigte seinen Sohn auf dem 

Arm gehalten hat und ihn schützen wollte, jedoch wie noch zu zeigen sein wird, 

Rechnung zu tragen.  

III. Schuldpunkt – Eingeklagte Sachverhalte 

Vorab ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten im vorliegenden Verfahren und 

der Privatklägerin im Parallelverfahren SB190332 verschiedene, gegeneinander 

verübte Delikte zur Last gelegt werden. Da diese im Rahmen desselben Lebens-

sachverhaltes begangen worden sein sollen, drängt es sich mit der Vorinstanz 

auf, bei der Sachverhaltserstellung sämtliche Erkenntnisse beider Verfahren zu 

berücksichtigen (vgl. Urk. 89 S. 24).  

1.  Anklagevorwürfe gegenüber dem Beschuldigten 

1.1 Dem Beschuldigten wird von der Staatsanwaltschaft zusammengefasst die 

Begehung einer einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB; Anklagesach-

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verhalt 1) sowie einer Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB; Anklagesach-

verhalt 2) jeweils zum Nachteil der Privatklägerin vorgeworfen (Urk. 35 S. 2 f.). 

Konkret wird ihm vorgeworfen, am 10. Mai 2017 um ca. 18.15 Uhr anlässlich ei-

nes verbalen Streits mehrere Male mit der linken Hand der Privatklägerin gegen 

den linken Kopf- bzw. Schläfenbereich geschlagen zu haben. Anschliessend habe 

er ihr einen Stoss gegen den Oberkörper versetzt, wodurch sie zu Boden gefallen 

sei. Durch das Verhalten des Beschuldigten habe die Privatklägerin zwei 

Quetsch-Risswunden erlitten, eine an der linken Stirn und eine am Hinterkopf, 

sowie Schürfungen an der linken Augenbraue, am rechten Ellbogen und am  

linken Oberarm. Durch den Sturz sei die Privatklägerin zudem kurz bewusstlos 

gewesen. Diese Verletzungen habe der Beschuldigte durch sein Tun zumindest 

billigend in Kauf genommen (Urk. 35 S. 2).  

Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, dass die Sonnenbrille der Privat-

klägerin zu Boden gefallen und beschädigt worden sei, als er sie ins Gesicht ge-

schlagen habe. Den Sachschaden von ca. Fr. 400.– habe der Beschuldigte durch 

sein Tun zumindest in Kauf genommen (Urk. 35 S. 3). 

1.2 Der Beschuldigte machte von Beginn weg im Wesentlichen geltend, er sei 

das Opfer von verbalen und physischen Übergriffen der Privatklägerin gewesen 

und nicht der Täter. Er habe ausschliesslich versucht, in rechtfertigender Notwehr 

für sich und in Notwehrhilfe für den sich auf seinem Arm befindlichen 2-jährigen 

Sohn mit der linken Hand die Schläge und Fusstritte der Privatklägerin abzu-

wehren. Aus Furcht, dass er wegen eines Treffers stürzen und das Kind fallen 

lassen könnte, sei er vor der Privatklägerin rückwärts die Aussentreppe hinauf zu-

rückgegangen. Die Privatklägerin habe aber erst von ihren Trittversuchen abge-

lassen, als sie selber hingefallen sei. Zur Sachbeschädigung an der Sonnenbrille 

gab der Beschuldigte an, es sei nicht feststellbar, wann im Zuge der Auseinan-

dersetzung diese zu Boden gefallen sei. Die Privatklägerin habe sich diesen 

Sachschaden aufgrund ihrer Faust- und Fussattacken gegen ihn primär selber 

zuzurechnen (Prot. I S. 17 f.; Urk. 93 S. 4 f.). An diesem Standpunkt hielt der Be-

schuldigte auch an der Berufungsverhandlung fest (Urk. 124 S. 3 f.; Urk. 131). 

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Der Beschuldigte bestreitet somit, sich der einfachen Körperverletzung und der 

Sachbeschädigung schuldig gemacht zu haben.   

2. Anklagevorwürfe gegenüber der Privatklägerin im Parallelverfahren  

2.1 Der Privatklägerin wird im Parallelverfahren SB190332 von der Staats-

anwaltschaft zusammengefasst eine Beschimpfung (Art. 177 StGB; Anklage-

sachverhalt 1) sowie Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB; Anklagesachverhalt 2) 

jeweils zum Nachteil des Beschuldigten vorgeworfen (Urk. 36 S. 2 f.). 

Die Vorwürfe lauten konkret dahin, dass sie dem Beschuldigten anlässlich der 

Auseinandersetzung vom 10. Mai 2017 folgende Fragen gestellt habe: "Hast 

du dich wieder in den Arsch ficken lassen?" sowie "Wie viele Schwänze hast du 

gelutscht?". Sie sei sich dabei bewusst gewesen, dass diese Worte geeignet ge-

wesen seien, den Beschuldigten in seiner Ehre zu verletzen (Urk. 36 S. 2). 

Zudem habe die Privatklägerin den Beschuldigten anlässlich der erwähnten Aus-

einandersetzung ca. 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten und ihm dadurch  

eine Schürfung am Unterarm zugefügt (Urk. 36 S. 2 f.). 

2.2 Die Privatklägerin bestritt durchwegs, die in der Anklageschrift im Parallel-

verfahren SB190332 genannten Äusserungen gemacht zu haben. Zudem ver-

neinte sie, den Beschuldigten 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten zu haben. 

Sie beruft sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtfertigungsgrund der Not-

wehr. Sie habe lediglich auf den durch den Beschuldigten gegen ihren Kopf aus-

geführten Schlag resp. die Schläge reagiert. In rechtlicher Hinsicht lässt sie be-

streiten, die Tatbestände der Beschimpfung und der Tätlichkeiten erfüllt zu haben. 

3. Unstrittige Sachverhalte 

3.1 Gemäss den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der Pri-

vatklägerin kam es am 10. Mai 2017 um ca. 18.15 Uhr zu einer Auseinanderset-

zung, nachdem die Privatklägerin 15 Minuten zu spät zur Übergabe von D._____ 

erschienen war.  

-   14   - 

3.2 Der Beschuldigte räumte ein, dass es beim Aufeinandertreffen zu einer tät-

lichen Auseinandersetzung gekommen sei, ferner, dass er die Privatklägerin ge-

stossen habe, so dass sie zu Boden gestürzt sei und sich durch den Sturz den 

Hinterkopf aufgeschlagen habe. Die Verletzungen der Privatklägerin sind durch 

das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der 

Universität Zürich vom 18. Mai 2017 (Urk. D1/6/3) sowie durch die Fotos der Ver-

letzungen unmittelbar nach dem Vorfall (Urk. D1/3/1) aktenkundig. Gemäss dem 

genannten Gutachten lagen folgende Verletzungen vor: Je eine Quetsch-

Risswunde am Hinterkopf und an der Stirn, Schürfungen an der linken Augen-

braue, dem rechten Ellbogen sowie am linken Oberarm und ein Bluterguss an der 

rechten Wange. Abschliessend erklärte der Beschuldigte, dass die damals durch 

die Privatklägerin getragene Sonnenbrille während der Auseinandersetzung auf 

den Boden gefallen sei. 

3.3 Die Privatklägerin bestreitet nicht, an einer zunächst verbalen und im An-

schluss körperlichen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten beteiligt gewe-

sen zu sein, wobei sie sich gegenseitig verbal provoziert hätten. Sie räumte ferner 

ein, während dieser Auseinandersetzung den Beschuldigten insgesamt vier bis 

sechs Mal mit den Füssen getreten bzw. geschlagen zu haben (Prot. I S. 29). 

4. Beweismittel  

Die Staatsanwaltschaft stützt sich hinsichtlich der angeklagten Delikte hauptsäch-

lich auf die Aussagen der Parteien in ihrer jeweiligen Rolle als Privatklägerin 

resp. Privatkläger. Als weitere Beweismittel liegen namentlich bei den Akten: der 

Polizeirapport vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/1), verschiedene Fotodokumentationen 

resp. Fotos (Urk. D1/3/1-5; Urk. D1/8/3; Urk. D1/17; Urk. D2/3; Urk. 63/1-2), diver-

se von den Parteien oder ihren Rechtsvertretern eingereichte Dokumente 

(Urk. D1/8/1-2 und Urk. D1/8/5-6; Urk. D1/11/1-10, Urk. 49/1-2; Urk. 53 und 55; 

Urk. 63/3-8; Urk. 126/1/1-5; Urk. 126/2/1+2; Urk. 128/1 und Urk. 130/1-6), das 

IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin vom 18. Mai 

2017 (Urk. D1/6/3) sowie die Strafanzeige des Beschuldigten (Urk. D2/1). Anhand 

dieser Beweismittel ist nachfolgend zu prüfen, ob die bestrittenen Vorwürfe 

rechtsgenügend nachgewiesen werden können. 

-   15   - 

5. Grundsätze der Beweiswürdigung 

Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung, namentlich zu den Kriterien der Beur-

teilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen, ist auf die korrekten und vollständigen 

Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 89 S. 12 f.). 

Was die Erwägungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der beteiligten Per-

sonen betrifft (vgl. Urk. 89 S. 13 und 15), ist relativierend festzuhalten, dass der 

allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen Person im Sinne einer dau-

erhaften personalen Eigenschaft gegenüber der Glaubhaftigkeit der konkreten 

Aussage für die Wahrheitsfindung nur untergeordnete Bedeutung zukommt 

(BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1051/2019 

vom 9. April 2020 E. 4.2 und 6B_1094/2017 vom 11. Juni 2019 E. 3.1). Entschei-

dend ist letztlich die Glaubhaftigkeit der Aussage zum Tathergang bzw. die Über-

zeugung des Gerichts betreffend deren Wahrheitsgehalt (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_382/2019 vom 8. August 2019 E. 1.1 mit Hinweisen). 

6. Aussagen der Privatklägerin 

6.1  In der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/4) führte die 

Privatklägerin allgemein zur Beziehung zwischen den Parteien aus, diese habe 

gut angefangen, sie sei in den gemeinsamen Ferien schwanger geworden. Es sei 

jedoch bald zu Streitigkeiten über die jeweiligen Eigenschaften des andern ge-

kommen. Der Beschuldigte habe sie bereits in der Schwangerschaft über ihr Aus-

sehen, ihre Herkunft und ihren Charakter beleidigt und sie zum Beispiel eine 

Missgeburt genannt. Nach 9 Monaten ständiger Beleidigungen und nachdem sie 

ihn unzählige Male angefleht habe, damit aufzuhören, habe sie im April 2015 

ebenfalls begonnen, ihn zu beleidigen. Das Ganze habe sich in der Folge gestei-

gert. Es sei zunächst zu verbalen und dann auch mehrmals zu körperlichen Über-

griffen des Beschuldigten durch Schubsen gekommen. Verletzungen habe sie 

dabei keine erlitten. Die Belastung sei zu gross geworden und habe im Auszug 

des Beschuldigten im August 2015 gegipfelt. Es habe sich eine gewisse Tren-

nungsroutine eingestellt. Der Beschuldigte habe gewünscht, dass D._____, der 

damals Trennungsängste gehabt habe, auch bei ihm übernachten könne und dies 

-   16   - 

gegen ihren Willen mittels Beschwerde beim Bezirksrat per April 2017 durchge-

setzt. Das habe sich natürlich nicht förderlich auf die Beziehung ausgewirkt 

(Urk. D1/4 S. 2 f. Fragen 8 ff.). 

In Bezug auf den angeklagten Vorfall führte die Privatklägerin aus, dass der Be-

schuldigte den Sohn um 16.30 Uhr in der Kindertagesstätte abgeholt habe und 

ihn ihr um 18.00 Uhr wieder habe zurückbringen müssen. Da sie etwas verspätet 

gewesen sei, habe sie den Beschuldigten kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt te-

lefonisch darüber informiert. Bei ihrer Ankunft zu Hause um ca. 18.15 Uhr habe 

der Beschuldigte mit dem Sohn auf dem rechten Arm bei seinem parkierten Auto 

gewartet. Er sei wütend gewesen und habe wissen wollen, wo sie gewesen 

sei, was zu einem verbalen Streit geführt habe. Da sie am Tag darauf mit dem 

gemeinsamen Sohn in die Ferien habe reisen wollen, habe der Beschuldigte ihr 

gesagt: "Pass gut auf D._____ auf, sonst schneide ich dir den Hals ab." Dann ha-

be er begonnen sie zu beleidigen, worauf sie sich gegenseitig beleidigt hätten. 

Plötzlich habe er ihr, D._____ auf dem rechten Arm haltend, mit der linken Hand, 

vermutlich der Handkante, einmal gegen den Kopf, den linken Stirn- bzw. Schlä-

fenbereich geschlagen. Von dem Schlag sei ihre Sonnenbrille verbogen worden 

und das linke Glas herausgefallen. Zudem habe sie oberhalb der linken Augen-

braue eine Platzwunde sowie, möglicherweise von der Brille, einen kleinen Schnitt 

erlitten. Um sich zu wehren, habe sie ihm mit der Oberseite beider Füsse zwei 

oder drei Tritte gegen die Beine versetzt und auch versucht, ihn zwischen den 

Beinen zu treffen. Daraufhin habe er sie heftig gegen den Oberkörper geschubst, 

so dass sie zu Boden gefallen sei. Schmerzen habe sie in diesem Moment keine 

gespürt, weil sie voller Adrenalin gewesen sei. Sie sei aufgestanden, auf ihn zu-

gegangen und habe das noch immer auf seinem Arm befindliche Kind nehmen 

wollen. Er habe D._____ auf den Boden gestellt, worauf sie das Kind genommen 

habe und in die Wohnung gegangen sei (Urk. D1/4 S. 3 f. Frage 22).  

Auf Nachfrage verneinte sie weitere Schlägen durch den Beschuldigten 

(Urk. D1/4 S. 4 Frage 23). Sodann führte sie aus, mit seinem Hinweis, sie solle 

gut auf D._____ aufpassen, habe der Beschuldigte zum Beispiel gemeint, dass 

D._____ gut esse, gut schlafe, einen ausgeglichenen und gesunden Rhythmus 

-   17   - 

habe. Sie vermute, es sei für ihn eine Möglichkeit gewesen, sie auf einer persön-

lichen Ebene anzugreifen (Urk. D1/4 S. 4 f. Frage 28 f.). Ferner gab sie an zu 

vermuten, dass sie als Folge des Sturzes kurz ohnmächtig gewesen sei oder zu-
mindest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt (Urk. D1/4 S. 5 Frage 30).  

6.2 Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 

15. Mai 2018 (Urk. D1/7) schilderte die Privatklägerin, der Beschuldigte habe sie 

aufgrund ihrer Verspätung gefragt, wo sie gewesen sei und mit wem sie was ge-

macht habe. Als sie ihm geantwortet habe, dass sie jemanden Neues kennen-

gelernt habe, habe er gesagt, er wisse, dass bei ihr alte und junge Männer nach 

Hause kommen würden. Daraufhin habe sie ihm geantwortet, dies sei so wie bei 

ihm. Nach einer kurzen Pause habe der Beschuldigte ihr den aus der Beziehung 

bereits bekannten Satz gesagt: "Pass gut auf mein Kind auf, sonst schneide ich 

dir den Hals ab!". Auf dem Weg zur Eingangstüre hätten sie sich gegenseitig be-

leidigt. Der Beschuldigte habe ihr unter anderem unterstellt, eine Hure zu sein und 

sich für Geld zu verkaufen und sie ihn im Gegenzug gefragt, ob er seine Männer 

auch bezahlen müsse. Vor der Eingangstüre habe sie ihn gefragt, weshalb er sie 

so beleidige und ihm erklärt, sie habe nun jemanden gefunden, der sie auf allen 

Ebenen unterstütze, so dass sie sich finanziell alles, auch Ferien leisten könne. 

Dass sie keine gemeinsame Familie mehr seien sei seine Schuld. Er solle sein 

Leben anschauen, jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen und eine Stunde nach   

Winterthur fahren und wieder zurück. Sie denke, diese Aussage habe den Be-

schuldigten gekränkt. Die ganze Zeit über habe sie ihre Umhängetasche, eine 

Windjacke, eine Einkaufstasche, einen Schal und den Rucksack von D._____ in 

den Händen gehabt, bis zur Ankunft in der Wohnung (Urk. D1/7 S. 3 f., 15). Sie 

habe die Haustüre arretiert und – ihre Arme soweit wie möglich nach oben aus-

streckend und eine entsprechende Geste machend – gewartet, dass der Be-

schuldigte ihr das Kind gebe. Keine halbe Sekunde danach habe sie unvermittelt 

Schläge gegen den Kopf verspürt, wodurch auch ihre Sonnenbrille, welche sie zu 

diesem Zeitpunkt getragen habe, auf den Boden gefallen sei. Nach mehreren 

Schlägen des Beschuldigten habe sie eine Abwehrhaltung eingenommen. Sie ha-

be ihren noch in den Armen des Beschuldigten befindlichen Sohn nicht in Gefahr 

sehen können und deshalb begonnen, mit dem Fuss Tritte gegen den Beschuldig-

-   18   - 

ten auszuführen. Damit habe sie ihn zu Fall bringen wollen (Urk. D1/7 S. 4 und 9). 

Nach ein paar Tretversuchen habe sie einen Filmriss erlitten, da sie aufgrund der 

Schläge des Beschuldigten zu Boden gefallen sei und durch den Aufprall kurzzei-

tig das Bewusstsein verloren habe. Was danach passiert sei wisse sie nicht, habe 

aber eine Szene im Kopf, wo sie sich ohne ihr Kind entweder im Treppenhaus 

oder in der Wohnung befunden habe. Danach sei es erneut zu einem Filmriss ge-

kommen und sie könne sich erst wieder erinnern, wie sie mit D._____ die Treppe 

hochgestiegen sei. Im Spiegel in der Wohnung habe sie festgestellt, dass sie ge-

blutet habe und daraufhin ihren Lebenspartner kontaktiert (Urk. D1/7 S. 4). 

Auf Vorhalt einiger ihrer Aussagen in der polizeilichen Befragung vom 11. Mai 

2017 erklärte sie, jenen Aussagen mehrfach zu widersprechen. Als sie nach 

Rückkehr aus den Ferien die Eingabe des Beschuldigten gegen das Kontaktver-

bot an das Bezirksgericht im Gewaltschutzverfahren gelesen habe, seien ihr die 

Filmrisse bewusst geworden und nachträglich zusätzliche Erinnerungen in den 

Sinn gekommen (Urk. D1/7 S. 8 ff.).  

Auf die Diskrepanz in ihren Aussagen hinsichtlich der Anzahl erlittener Schläge 

angesprochen – dass bei der Polizei nur von einem einzigen Schlag des Beschul-

digen die Rede gewesen sei – gab die Privatklägerin zu Protokoll, dass sie meh-

rere Schläge vom Beschuldigten erhalten habe, entnehme sie dem Bericht des 

Universitätsspitals Zürich. Aufgrund ihrer darin dokumentierten Verletzungen 

müsse es sich um mehrere Schläge durch den Beschuldigten gehandelt haben. 

Es sei so gewesen, er habe geschlagen, sie habe getreten, er habe geschlagen, 

geschlagen, geschlagen und dann sei ihr Sturz erfolgt (Urk. D1/7 S. 9). Auch be-

tonte sie erneut den Verlust des Bewusstseins und wendete abschliessend ein, 

sich nach dem Vorfall in einem schlechten Gemütszustand befunden zu haben. 

Zwar habe sie der Einvernahme bei der Polizei folgen können, aber richtige Aus-

sagen machen und Erinnerungen hervorrufen habe sie nicht gekonnt. Sie habe 

damals nicht präsent gehabt, was sie nun beim Staatsanwalt beschrieben habe 

(Urk. D1/7 S. 8 ff.).  

6.3 Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 21. März 2019 

(Prot. I S. 26 ff.) schilderte die Privatklägerin zusammengefasst und auf ent-

-   19   - 

sprechende Fragen den Vorfall vom 10. Mai 2017 weitestgehend wie schon in der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Mai 2018. Sie hielt fest an einer 

Mehrzahl von Schlägen seitens des Beschuldigen gegen und auf ihren Kopf, an 

Bewusstseinsschwund und erst später auftauchenden Erinnerungen (Prot. I S. 27, 

29 und 33). An den (verbalen) Streit mit den Beleidigungen könne sie sich noch 

genau erinnern. Sie bestritt, den Beschuldigten anklagegemäss gefragt zu haben, 

ob er sich wieder in den Arsch habe ficken lassen und wie viele Schwänze er ge-

lutscht habe (vgl. Urk. 36 S. 2), denn an jenem Tag habe sie sich auf die bevor-

stehenden Ferien in Fuerteventura mit einer Freundin und deren gleichaltrigem 

Jungen gefreut. Mit diesen Worten habe sie es nicht gesagt, sondern ihn bei der 

Auseinandersetzung lediglich gefragt, ob er seine Männer auch bezahlen müsse. 

Dies sei eine Reaktion auf die Unterstellung des Beschuldigten gewesen, dass sie 

sich für Geld verkaufe. Die Privatklägerin räumte aber ein, dass sie während der 

Beziehung sehr viel Streit in Bezug auf seine von ihr vermutete Homosexualität 

gehabt hätten. Sie habe ihn aufgrund von Indizien immer wieder darauf auf-

merksam gemacht und diesbezüglich beschimpft (Prot. I S. 28). Zudem legte die 

Privatklägerin auf Frage nochmals dar, was sie kurz vor Beginn der körperlichen 

Auseinandersetzung vor der Haustüre geäussert hatte: nämlich, dass sie dem 

Beschuldigten die Schuld am Bruch der Familie zugewiesen und ihm mitgeteilt 

habe, dass sie nun jemanden habe, der sie unterstütze und er nun wisse, woher 

das Geld für ein Auto, die Reisen, neue Kleider etc. stamme. Sie habe sich noch 

einmal hin und her bewegt und die Arme nach oben genommen. Sie habe endlich 

das Kind entgegennehmen, packen und in die Ferien gehen wollen. Deshalb habe 

sie die Gestik mit den Händen gemacht (Prot. I S. 32 f., 34 f.).   

Dass sie den Beschuldigen 10 bis 20 Mal geschlagen bzw. getreten habe, wie 

dies in der Anklageschrift stehe (Urk. 36 S. 2 f.), dementierte sie. Sie habe ihn 

zwei bis drei Mal getreten, Schläge von ihm gegen/auf den Kopf bekommen, ihn 

wieder zwei bis drei Mal getreten und sei dann "weg" gewesen. Ihre Tritte mit der 

Schuhspitze habe sie dem Beschuldigten zwischen seinem Knie und der Hälfte 

des Oberschenkels zugefügt, so hoch, wie es ihr möglich gewesen sei. Sie habe 

lange Beine und sei sehr schlank. Es seien jedoch nur kurze Schläge, ganz leich-

te "Stiche"  gewesen. Sie habe so versucht, sich gegen die Schläge des Beschul-

-   20   - 

digten zu wehren (Prot. I S. 28 ff., 35). Woher die Schürfung des Beschuldigten 

am Unterarm stamme, wisse sie nicht (Prot. I S. 30). 

Die Frage, warum sie nicht davon gelaufen sei, habe sie sich auch gestellt. Viel-

leicht habe sie aus Angst oder im Affekt zugeschlagen oder gedacht, dadurch 

würde er sich beruhigen. Zudem habe sie gedacht, dass er sie wegen der Anwe-

senheit des Kindes nicht verprügeln könne. Nach den ersten zwei Tritten sei die 

Dynamik da gewesen (Prot. I S. 31). Er hätte jederzeit das Kind ablegen können 

(Prot. I S. 35). Die von ihm getätigte Aussage, wonach sie versucht habe, ihm 

D._____ zu entreissen, entspreche nicht der Wahrheit. Als mögliches Motiv seiner 

Schläge nannte die Privatklägerin Eifersucht. Der Beschuldigte sei auf die Situati-

on, dass sie sich Ferien mit dem Sohn leisten könne, eifersüchtig gewesen. Die 

aus ihrer Sicht falschen Belastungen des Beschuldigten gegen sie erklärte sie 

sich damit, dass es für ihn als angesehene Person eine Niederlage wäre, wenn 

herauskäme, dass er sie geschlagen habe. Zuletzt bestätigte sie, dass derzeit 

drei Verfahren bei der KESB betreffend das Kind hängig seien und sie den Antrag 

auf das alleinige Sorgerecht gestellt habe (Prot. I  S. 37 f.). 

6.4 An der Berufungsverhandlung sagte die Privatklägerin – einvernommen als 

Beschuldigte im Parallelverfahren SB190332 (Urk. 100) – zusammengefasst aus, 

der Beschuldigte habe sie nach ihrer Ankunft gefragt, mit wem sie unterwegs ge-

wesen sei. Sie habe ihm mitgeteilt, dass sie jemanden Neues kennengelernt ha-

be. Daraufhin habe er gesagt, er wisse, dass alte und junge Männer bei ihr ins 

Haus kämen. Woraufhin sie gesagt habe, wie bei ihm auch. Er habe gesagt, sie 

sei eine Hure und verkaufe sich fürs Geld. Er habe das Kind im rechten Arm ge-

halten und gesagt, sie soll gut auf den Sohn aufpassen, ansonsten werde er ihr 

den Hals abschneiden. Sie habe ihn gefragt, ob er die Männer auch bezahle, 

wenn sie bei ihm zuhause seien. Sie sei weiter zum Eingang gegangen und habe 

gewartet, bis er ihr das Kind gebe. Sie habe die Arme vollgepackt gehabt, mit ei-

nem Rucksack, einer Windjacke, einer Einkaufstasche und einem Schal und die 

Arme seien angezogen gewesen. Sie habe die Hände nach vorne gestreckt. Etwa 

eine halbe Sekunde danach habe er ihr eins gegen den Kopf geschlagen. Sie ha-

be Angst bekommen und habe sich aufgrund der vollgepackten Arme nur mit den 

-   21   - 

Beinen schützen können. Sie habe sich mit den Füssen wehren müssen. Die Ab-

wehr sei leicht gewesen. Sie sei wie benommen gewesen und wisse, dass sie 

umgefallen sei. 

7. Aussagen des Beschuldigten 

7.1 In der polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 (Urk. D1/5) führte der 

Beschuldigte betreffend den eingeklagten Vorfall vom 10. Mai 2017 zusammenge-

fasst aus, nach Eintreffen der Privatklägerin um ca. 18.15 Uhr seien sie zu dritt 

vom Parkplatz, wo er mit dem gemeinsamen Sohn gewartet habe, zum Haus-

eingang gegangen. Als er seinen Sohn habe verabschieden wollen, habe ihn die 

Privatklägerin wie schon oftmals früher aus dem Nichts heraus aufs Übelste zu 

beschimpfen begonnen, ihn als "Schwanzlutscher" und "Arschficker" betitelt. Die-

se seit zwei Jahren vorkommenden Behauptungen, dass er sich mit Männern tref-

fen würde, entsprächen absolut nicht der Tatsache. D._____ habe Papa gerufen 

und offensichtlich noch bei ihm bleiben wollen. Dies habe die Privatklägerin be-

merkt und versucht, ihm D._____ zu entreissen und ihn (Beschuldigten) dabei am 

linken Unterarm gekratzt. Das sei der Auslöser einer tätlichen Auseinander-

setzung gewesen. Er habe versucht, sie mit der linken Hand abzuwehren. Die 

Privatklägerin habe weiter mit den Füssen Tritte ausgeteilt und versucht, ihn zwi-

schen den Beinen zu treffen, während er D._____ noch immer im Arm gehalten 

habe. D._____ habe in der Folge zu weinen begonnen. Er sei vom Hauseingang 

zurückgewichen und habe D._____ und sich verteidigen und vor ihren Schlägen 

schützen wollen, indem er die Privatklägerin weggeschubst habe, wodurch sie 

gestolpert und rückwärts zu Fall gekommen sei. Dabei habe sie den Hinterkopf an 

der Mauer an- bzw. auf dem Boden aufgeschlagen, so dass sie zu bluten begon-

nen habe. Er habe sich sofort nach ihrem Wohlbefinden erkundigt. D._____ auf 

seinem Arm habe laut geschrien. Nach ca. dreissig Sekunden sei die Privatkläge-

rin aufgestanden und wortlos ins Haus gegangen. Er habe versucht, seinen Sohn 

zu beruhigen und sei mit ihm zum Auto zurück gegangen. Etwa drei bis fünf Minu-

ten später sei sie wieder gekommen und habe ihn in der gleichen Art und Weise 

lautstark weiter beschimpft. Er habe ihr den Sohn übergeben. Sie habe gefasst 

gewirkt. Auch seien keine weiteren Blutungen sichtbar gewesen. Sie sei mit  

-   22   - 

D._____ ins Haus gegangen und er nach Hause gefahren (vgl. Urk. D1/5 Frage 7 

ff.). 

Auf entsprechende Nachfrage verneinte der Beschuldigte, dass seine Eifersucht 

der Auslöser der Auseinandersetzung gewesen sei. Er habe sie wegen ihrer Ver-

spätung gefragt und sie ihm erklärt, am Flughafen Tickets für die Ferien abgeholt 

zu haben. Auch stellte er entschieden in Abrede, der Privatklägerin gedroht zu 

haben. Lediglich wegen der bevorstehenden Badeferien habe er gesagt, sie solle 

gut auf D._____ aufpassen. Dass er ihr plötzlich gegen den Kopf geschlagen ha-

be, stimme so nicht. Sie habe begonnen, ihn tätlich anzugreifen, als D._____ sig-

nalisiert habe, noch bei ihm bleiben zu wollen. Er räumte jedoch ein, dass er sie 

möglicherweise bei der Abwehr ihrer Angriffe mit der linken Hand am Kopf getrof-

fen habe und dass ihre Sonnenbrille während des Gerangels zu Boden gefallen 

sei. Sodann bestätigte er die umschriebenen Fusstritte der Privatklägerin gegen 

ihn und dass er während des Rückwärtsgehens mit der linken Hand ihre Fusstritte 

und Schläge abgewehrt und sie und letztlich weggestossen habe, worauf sie rück-

lings gestürzt sei (Urk. D1/5 Frage 12 ff.). Ferner hielt er die im Waidspital bei der 

Privatklägerin diagnostizierten Verletzungen an der linken Schläfe und am Hinter-

kopf aufgrund seines Treffers mit der linken Hand und ihres Sturzes für möglich. 

Den geltend gemachten Schaden von Fr. 400.– wegen der beschädigten Son-

nenbrille nahm er zur Kenntnis (Urk. D1/5 Frage 18 f., 23). 

Konfrontiert mit der Behauptung der Privatklägerin, fortwährende Diffamierungen 

und Kritik seinerseits wegen ihres äusseren Aussehens hätten zum Bruch der  

Beziehung geführt, reagierte der Beschuldigte empört und nannte als wahren 

Trennungsgrund ihre im Oktober 2014 aus heiterem Himmel begonnenen Unter-

stellungen seiner angeblichen Homosexualität, was er als unhaltbar und unwahr 

bezeichnete. Deshalb sei für ihn das weitere Zusammenleben mit ihr dann unzu-

mutbar geworden (Urk. D1/5 Frage 20; Urk. D1/7 S. 7 f.). Zudem erwähnte er 

psychische Labilität und sehr starke Stimmungsschwankungen bei der Privat-

klägerin, was ihn während des Zusammenlebens zweimal veranlasst habe, den 

Notfallpsychiater aufzubieten, die Privatklägerin aber keine Behandlung zuge-

lassen habe. Nicht er habe die Privatklägerin während des Zusammenlebens ge-

-   23   - 

schubst, sondern sie immer wieder ihn angegriffen und auch einmal eine Tasse 

nach ihm geworfen. Er hoffe, sie begebe sich in psychotherapeutische Behand-

lung, er sorge sich um das Wohl des gemeinsamen Sohnes. Es sei ihm ein gros-

ses Anliegen zu erläutern, dass nie Aggressionen seinerseits gegen die Privatklä-

gerin erfolgt seien, sondern dass es sich stets um seine Abwehr auf ihre Attacken 

gehandelt habe (Urk. D1/5 Fragen 20 ff. und 8). 

7.2 Wie eingangs erwähnt, erstattete der Beschuldigte am 23. Mai 2017 wegen 

des Vorfalls vom 10. Mai 2017 seinerseits Strafanzeige gegen die Privatklägerin 

(Urk. D2/1) und äusserte sich darin im Wesentlichen wie bereits anlässlich der  

polizeilichen Einvernahme vom 11. Mai 2017. Abweichend schilderte er, 

die Privatklägerin habe ihn neben "Schwanzlutscher" mit den Worten "Hast du 

dich wieder von Männern in den Arsch ficken lassen" beschimpft und beleidigt. 

Diese Worte benütze sie schon seit 1 ½ Jahren regelmässig bei der Kindesüber-

gabe. Beim Versuch, ihm D._____ aus den Händen zu entreissen, habe sie be-

gonnen auf ihn einzuschlagen. Er betonte erneut, dass er sich sehr um D._____ 

gesorgt habe und deshalb reflexartig die linke Hand gehoben und sich 

und D._____ zu schützen versucht habe. Da die Privatklägerin die "Attacke" trotz 

seines Zurückweichens nicht eingestellt habe, habe er sich gezwungen gesehen, 

sie wegzustossen. In der Folge sei sie nach hinten gefallen und habe sich dabei 

am Kopf verletzt (Urk. D2/1 S. 3 f.). 

7.3 In der Konfrontationseinvernahme vom 15. Mai 2018 (Urk. D1/7) gab der 

Beschuldigte den Vorfall vom 10. Mai 2017 erneut detailliert zu Protokoll. Er schil-

derte wiederum, wie die Privatklägerin ihn die ca. 50 Meter vom Parkplatz zum 

Hauseingang mit den Worten "Hast du dich wieder in den Arsch ficken lassen?" 

oder "Wie viele Schwänze hast du gelutscht?" beschimpft habe, wie schätzungs-

weise 100 Mal zuvor. Er habe keine Erklärung für diese Beschimpfungen, da er 

früher wie auch aktuell in Beziehungen mit Frauen gewesen sei. Bei der Überga-

be des Sohnes habe dieser gezögert und sich geweigert, zur Privatklägerin zu 

gehen, worauf diese versucht habe, ihm den Sohn zu entreissen. Er (Beschuldig-

ter) habe sich gewehrt und dabei die Privatklägerin mit der Hand am Kopf getrof-

fen. Es habe sich um eine Abwehrhaltung gegen die Aggressionen gegen seinen 

-   24   - 

Sohn und sich gehandelt. Zehn bis zwanzig Mal habe die Privatklägerin mit 

den Händen und Füssen auf ihn eingeschlagen und versucht, ihn zwischen den 

Beinen zu treffen. Auch seine ausweichende Rückwärtsbewegung habe sie nicht 

dazu veranlasst, ihre Angriffe einzustellen. Daher sei er gezwungen gewesen, die 

Attacken mit der linken Hand abzuwehren. Die Privatklägerin sei zu Boden ge-

stürzt und anschliessend in die Wohnung gegangen, er zum Auto zurückgekehrt 

um zu warten, bis die Privatklägerin nach drei bis fünf Minuten erschienen sei, um 

den Sohn entgegenzunehmen (Urk. D1/7 S. 5 f.).  

7.4  Im Rahmen der Hauptverhandlung vor Vorinstanz vom 21. März 2019 schil-

derte der Beschuldigte zusammengefasst erneut zunächst in freiem Bericht und 

ergänzend auf diverse Nachfragen (vgl. Prot. I S. 16 ff.), wie er am 10. Mai 2017 

gegen 18.00 Uhr bei der Privatklägerin zu Hause gewesen und sie – wie vorgän-

gig telefonisch angekündigt – erst um 18.15 Uhr erschienen sei. Im Zusammen-

hang mit ihren anstehenden Ferien habe er ihr gesagt, sie solle gut auf D._____ 

aufpassen, worauf sie mit Beschimpfungen begonnen habe. Als er mit D._____ 

auf dem Arm und ihr vom Parkplatz zum Hauseingang gelaufen sei, habe sie ihn 

– wie schon hundert Mal bei vorherigen Übergaben – mit "Schwanzlutscher" und 

"Arschficker" beschimpft. Er bestritt jedoch, dass er auch sie beschimpft oder be-

droht habe. Aufgrund ihrer Beschimpfungen sei D._____ eingeschüchtert gewe-

sen und habe sich an ihn geklammert. Daraufhin habe sie versucht, ihm D._____ 

aus den Armen zu entreissen, worauf er mit seiner linken Hand eine Abwehrhal-

tung eingenommen habe, um sie fernzuhalten. Er habe grosse Angst um D._____ 

gehabt und ihn stets auf dem rechten Arm getragen. Er bezeichnete es als mög-

lich, die Privatklägerin bei dieser Abwehr am Kopf und an ihrer Sonnenbrille ge-

troffen zu haben. Das habe sie in Rage versetzt und sie habe versucht, ihn mit 

Tritten zwischen den Beinen zu treffen. Um seinen Sohn vor den Schlägen und 

Tritten der Privatklägerin zu schützen, sei er reflexartig zurückgewichen, denn er 

habe befürchtet, D._____ bei einem Treffer zwischen seine Beine fallen zu las-

sen. Er sei überzeugt, dass sie nicht D._____ habe treffen wollen, das würde er 

nie  behaupten. Da die Privatklägerin weiterhin geschlagen habe, habe er sie mit 

der linken Hand von sich ferngehalten, worauf sie rückwärts zu Fall gekommen 

sei. Nach dem Sturz sei sie zwar benommen, aber sicher nicht bewusstlos gewe-

-   25   - 

sen, sondern nach ein paar Sekunden wieder aufgestanden und dann wortlos für 

mehrere Minuten in ihrer Wohnung verschwunden. Anschliessend sei sie zu ihm 

und D._____ zurückgekehrt und habe ihn weiter beschimpft (Prot. I S. 16 ff., 25). 

Auf entsprechende Nachfragen erklärte er, seine "Abwehrreaktion" resp. die Zu-

fügung der Verletzungen der Privatklägerin seien verhältnismässig gewesen. Er 

begründete dies damit, dass er während des ganzen Vorfalls seinen Sohn auf 

dem Arm getragen und befürchtet habe, diesen bei einem Tritt zwischen seine 

Beine fallen zu lassen. Er habe sie von sich und D._____ fernhalten müssen und 

dabei auf ihren Oberkörper gewirkt, was zum Sturz geführt habe. Er habe ihren 

Sturz nicht gesucht, sie nicht zu Fall bringen, sondern sie lediglich fernhalten wol-

len. Sie sei in Rage gewesen, habe mit ihrer Attacke nicht aufgehört und er habe 

keinen anderen Ausweg gesehen. Der Beschuldigte bekräftigte abschliessend, 

Angst um sich und seinen Sohn gehabt zu haben (Prot. I S. 20 ff.). Zu den Um-

ständen der Beschädigung der Sonnenbrille konnte er keine Angaben mehr ma-

chen (Prot. I S. 22). Ein Motiv, weshalb die Privatklägerin ihn zu Unrecht belasten 

sollte, sah der Beschuldigte in den laufenden Verfahren bei der KESB betreffend 

das Sorge- und Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn D._____. Er könne 

sich gut vorstellen, dass sie ihn im Hinblick auf die genannten Verfahren in ein 

schlechtes Licht rücken wolle. Im Oktober 2018 habe sie das alleinige Sorgerecht 

für den gemeinsamen Sohn beantragt (Prot. I S. 23 f.).  

7.5 An der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte zusammengefasst 

aus, er habe während des ganzen Vorfalls den Sohn D._____ auf dem Arm ge-

habt. Die Privatklägerin habe ihn aufs Übelste – als "Schwanzlutscher" und "in 

den Arsch ficken" – beschimpft. Dies habe er während den Übergaben und der 

Beziehung immer wieder gehört. D._____ habe gezögert zu ihr zu gehen. Sie sei 

dann total ausgerastet, in Rage gewesen und habe auf ihn eingeschlagen. Er ha-

be sich wehren müssen und eine Abwehrhaltung mit der Hand vorgenommen. Sie 

habe weiter auf ihn eingeschlagen. Er sei zurückgewichen. Sie habe ihn getroffen 

und gekratzt. Dann hätten die Fusstritte begonnen. Er habe Angst gehabt, zu Fall 

zu kommen und habe sich nochmals gewehrt. Sie sei dann zu Fall gekommen. Er 

habe grosse Sorge um sich und D._____ gehabt. Sie dann wieder aufgestanden, 

-   26   - 

in die Wohnung gegangen, wieder rausgekommen und habe ihn nochmals be-

schimpft. Er habe ihr D._____ gegeben und sei dann ins Auto gegangen 

(Urk. 124). 

8.  Beweiswürdigung 

8.1 Mit der Vorinstanz steht aufgrund des Untersuchungsergebnisses zunächst 

fest, dass es zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten am 10. Mai 

2017 zu einer erst verbalen und im Anschluss tätlichen Auseinandersetzung ge-

kommen ist. Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen der Involvierten ist 

sodann erstellt, dass die Privatklägerin den Beschuldigten im weiteren Verlauf 

mehrmals mit den Füssen getreten und der Beschuldigte sie schliesslich wegge-

stossen hat, so dass sie rücklings auf den Boden stürzte und sich dabei am Kopf 

verletzte. Zudem steht fest, dass die Privatklägerin während des Vorfalls eine 

Sonnenbrille trug, welche im Zuge der Auseinandersetzung zu Boden fiel. Bezüg-

lich der verbalen Äusserungen sowie zur Frage, von wem die tätliche Auseinan-

dersetzung ausging, divergieren die Angaben. Das ist nachfolgend zu prüfen. 

8.2 Anklagesachverhalt 1 betreffend Beschimpfung (Urk. 36 S. 2) 

Aufgrund der Schilderungen des Beschuldigten, der teilweisen Zugeständnisse 

der Privatklägerin und ergänzend der aktenkundigen Chat-Korrespondenz zwi-

schen den zwei Beteiligten ist in Übereinstimmung mit dem Bezirksgericht vorerst 

als erwiesen anzusehen, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin in der (im 

Parallelverfahren SB190332) angeklagten Art und Weise beschimpft wurde 

(Urk. 36 S. 2).   

8.2.1  Wie sich aus seinen vorne dargelegten Aussagen ergibt, hat der Beschul-

digte während des gesamten Verfahrens authentisch, konstant, im Ausdruck sehr 

ähnlich und im Ergebnis überaus glaubhaft ausgeführt, dass die Privatklägerin ihn 

nach ihrem Eintreffen am 10. Mai 2017 im Zusammenhang mit seiner von ihr 

vermuteten Homosexualität massiv beschimpfte, ihn konkret als "Schwanz-

lutscher" und "Arschficker" betitelt und ihn gefragt hat, "wie viele Schwänze" er 

gelutscht und ob er sich "wieder in den Arsch hat ficken lassen". Nachvollziehbar 

-   27   - 

hat der Beschuldigte umschrieben, dass die Unterstellung einer angeblichen  

Homosexualität aus heiterem Himmel begonnen hat und Beschimpfungen durch 

die Privatklägerin wie die hier zu beurteilende im Anschluss an die Trennung ab 

August 2015 in grosser Zahl und regelmässig bei der Kindesübergabe vorkamen.  

Die Mutmassung einer angeblichen Homosexualität des Beschuldigten durch die 

Privatklägerin lässt sich zusätzlich den eigenen Aussagen der Privatklägerin und 

ihren Chat-Nachrichten an den Beschuldigten entnehmen. Dieser Thematik kam 

offensichtlich sogar ein zentraler Stellenwert in der Beziehung der Beteiligten so-

wie betreffend deren Scheitern zu (vgl. nachstehende Erw. 8.2.2 und 8.2.3).  

8.2.2  Auch die Privatklägerin räumte ein, dass es an besagtem Vorfall zu (ge-

genseitigen) Beschimpfungen gekommen sei. Im Verlaufe der Untersuchung und 

anlässlich der Hauptverhandlung konkretisierte sie ihre Beschimpfungen und be-

stätigte, dass diese im Zusammenhang mit der mutmasslichen Homosexualität 

des Beschuldigten geäussert worden waren. Ihre Mutmassung der Homosexuali-

tät begründete sie mit ihrem Gespür, dass er fremdgehe. Weil sie keine An-

zeichen dafür gehabt habe, dass es um Frauen ging, habe sie ihn mit der Homo-

sexualität konfrontiert. Auf die Frage, ob sie dies konkretisieren könne, führte die 

Privatklägerin aus, einerseits wisse sie aus der Intimität ihr gegenüber, dass er 

eine grosse Erregung im Analbereich verspürt habe, dies die einzige Möglichkeit 

gewesen sei für ein funktionierendes Sexualleben. Überdies, wenn er am Abend 

von der Arbeit nach Hause gekommen sei, habe er jeweils Flecken gleicher 

Art auf den Unterleibchen gehabt, die trotz zweimaligem Waschen mit 90 Grad 

nicht ausgegangen seien. Zudem habe er sich komisch verhalten. Das habe sie 

misstrauisch gemacht (Urk. D1/7 S. 12 f.). Die Privatklägerin erklärte sodann, sie 

hätten während der Beziehung sehr viel Streit in Bezug auf seine von ihr vermute-

te Homosexualität gehabt. Immer wieder habe sie ihn aufgrund von Indizien da-

rauf aufmerksam gemacht und ihn in diesem Zusammenhang schon beschimpft. 

Sie anerkannte sogar, den Beschuldigten auch schon früher im Sinne der ihr vor-

gehaltenen Anklage, aber nicht mit diesen Worten, beschimpft zu haben (Prot. I 

S. 28 f.). Diese Zugeständnisse stützen die Sachdarstellung des Beschuldigten, 

-   28   - 

auch wenn die Privatklägerin bis zuletzt pauschal bestritt, am 10. Mai 2017 die in 

der Anklageschrift genannten Wörter resp. Formulierungen benutzt zu haben.  

8.2.3  Aus den zahl- und umfangreichen Chat-Verläufen (vgl. Urk. D1/11/2) geht 

hervor, dass die Privatklägerin geradezu besessen war von der Vorstellung, dass 

der Beschuldigte homosexuelle Beziehungen unterhalte. Während es dem Be-

schuldigten in sachlichen und knappen Mitteilungen des Chats jeweils um die  

elterliche Koordination betreffend Besuchsrecht ging, warf die Privatklägerin dem 

Beschuldigten zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit immer wieder eine 

"Sucht" vor und machte ihn resp. diese Sucht für ihre Trennung verantwortlich. 

Sie verlangte wiederholt von ihm, mit dieser "Sache" (die es laut dem Beschuldig-

ten nicht gibt, vgl. u.a. Urk. D1/11/2/10), aufzuhören oder dann halt die Folgen 

tragen zu müssen.  

Zur Veranschaulichung einige Beispiele: Am 12. August 2015 schrieb die Privat-

klägerin dem Beschuldigten, sie spüre und denke etwas über ihn mit dem sie 

nicht zurechtkomme, sie könne so nicht leben, das mache sie kaputt 

(Urk. D1/11/2/1). Am 9. Oktober 2015 schrieb sie dem Beschuldigten, ihr Gefühl 

habe sie noch nie getäuscht, es sei ihre sehr grosse Hoffnung, dass er sich für die 

Familie entscheide und mit dieser Sache aufhöre. Sie werde die Sache von ihrer 

Seite aus begraben, sobald er damit aufhöre. Sie sehe dies als ganz wichtige Vor-

aussetzung für ihr (gemeinsames) Vorhaben als vereinte Familie (Urk. D1/11/2/2). 

Weiter teilte die Privatklägerin am 14. November 2015 dem Beschuldigten unter 

anderem mit, es gehe ihr so schlecht, er wisse, dass wenn er sie kaputt mache, er 

seinem Sohn sehr schade und das werde er sich später nicht verzeihen können. 

Die Sache, die er mache sei vergänglich, aber die Narben in der Seele würden 

bleiben. Diese Sucht zerstöre nicht nur D._____, sondern auch sie, die Familie 

und nicht zuletzt auch ihn selber. Viel Vergnügen und Ausdauer wünsche sie ihm. 

Sie werde ihren eigenen Weg gehen (Urk. D1/11/2/3). Aufgrund der Sache, die er 

mache – so ihre Worte vom 4. Dezember 2015 –, könne sie mit ihm nie leben. 

Wenn er nie aufhöre mit der Sache, dann werde diese Situation auf ewig so blei-

ben. Er habe es nur seiner Sucht (zuzuschreiben), dass er D._____ nicht immer 

bei sich habe (Urk. D1/11/2/4). In ihrer Nachricht vom 18. Dezember 2015 be-

-   29   - 

zeichnete die Privatklägerin den Beschuldigten als aussichtslosen Fall, der vor 

Unglück in seiner Sucht versinken werde. Er solle gehen und diese Sache ma-

chen, aber sie in Ruhe lassen. Sie sei sehr enttäuscht von ihm und das töte alle 

Gefühle ab. Schwarze Weihnachten alleine in den Bergen werde er haben, das 

sei, was er erreicht habe. Dazu wünschte sie ihm viel Spass (Urk. D1/11/2/5). Am 

19. Dezember 2015 betonte die Privatklägerin mehrfach, obwohl sie wolle, könne 

sie nicht mit ihm leben, solange er diese Sache mache. Während fast einer hal-

ben Stunde bis kurz vor Mitternacht fügte sie kurze Botschaften an den Beschul-

digten aneinander, des Inhalts, es müsse echt hart für ihn sein, so viele Opfer zu 

erbringen, nur weil er diese Sache mache. Sie ertrage es wirklich nicht zu sehen, 

wie er immer ins Bad gehe und sich da abwische. Die ganzen Hinweise würden 

ihr keine Ruhe lassen. Wie arm er dran sein müsse so was zu tun. Wenn sie sich 

vorstelle was er alles in den Mund nehme wenn er diese Sache mache, wie eklig 

und erniedrigend das für ihn sein müsse, und trotzdem sei er verrückt danach. Sie 

warf ihm vor, D._____ deswegen keine vereinte Familie bieten zu können, was 

fast verantwortungslos sei. Er habe mit seiner Sucht zu leben und die ganzen 

Konsequenzen zu tragen. Sie habe es bereits öffentlich gemacht, weil sie die 

Wahrheit gerne mit den Leuten teile. Alle würden sich ihren Teil denken. So viel 

Schmutz auf einem Menschen habe sie noch nie gesehen. Zuletzt folgten die 

Worte: "lebe wohl mit deiner traurigkeit und muntere dich dann wieder auf mit der 

Sache" (Urk. D1/11/2/6). Noch in derselben Nacht in den frühen Morgenstunden 

des 20. Dezember 2015 machte die Privatklägerin den Beschuldigten verantwort-

lich dafür, dass D._____ kein Geschwisterchen bekomme, dass er selber leide, 

seine Familie leide und sie leide. Dass D._____ leiden werde sei das Schlimmste. 

Ihr Familientraum gehe nicht in Erfüllung und sein (des Beschuldigten) Alptraum 

beginne. Das alles, weil er nicht mit der Sache aufhöre. Und sie bezeichnete den 

Beschuldigten als armseligen süchtigen Menschen, nur noch zum Bedauern 

(Urk. D1/11/2/7). Analog äusserte sie sich in ihren Chat-Nachrichten vom 

21. Dezember 2015: Sein Sohn werde erfahren was er mache und am meisten 

darunter leiden. Sie wünsche sich von tiefstem Herzen, dass diese Sache ver-

schwinde, er sich für die Familie entscheide und sie glücklich als Familie zu-

-   30   - 

sammen leben würden. Sie möge auch seine kleinen Macken und würde versu-

chen gut zu machen, was ihn an ihr störe (Urk. D1/11/2/8).  

Auch die folgenden zahlreichen Chat-Nachrichten aus dem Jahr 2016 – hervor-

zuheben ist etwa Urk. D1/11/2/10 – sind einerseits von analogen, ständig wieder-

kehrenden Schuldzuweisungen der Privatklägerin an den Beschuldigten geprägt, 

ergänzt durch die mehrfache Aufforderung an ihn, seine Sucht zu beenden, er sei 

krank, solle sich behandeln lassen. Anderseits enthalten sie wiederholte, teilweise 

mit Fotos unterlegte Zukunftsvisionen der Privatklägerin betreffend eine vereinte 

und glückliche (sowie durch ein zweites Kind erweiterte) Familie, deren Verwirk-

lichung aber zwingend eine Abkehr des Beschuldigten von seiner Sucht bedinge 

(Urk. D1/11/2/9-20).  

Diese WhatsApp-Auszüge belegen, dass die Privatklägerin der fixen Idee verfal-

len war, dass sich der Beschuldigte in promiskuitiver Weise homosexuell betätige, 

und ebenso, dass sie ihn deswegen laufend diffamierte. Sie bestärken die Aus-

sagen des Beschuldigten. Auch ergeben sich daraus wiederholt abrupte Stim-

mungswechsel der Privatklägerin zwischen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit 

einerseits, aus ihrer Sicht verursacht durch den Beschuldigten, und geradezu   

leidenschaftlichen Beziehungs- und Familienwünschen anderseits. Die Privatklä-

gerin sprach selber einmal von einer Achterbahn der Emotionen (Urk. D1/11/2/9).  

8.2.4  Der vormalige Vertreterin der Privatklägerin wendete ein, dass der Be-

schuldigte die mutmasslichen Beschimpfungen in der polizeilichen und staatsan-

waltschaftlichen Einvernahme unterschiedlich wiedergegeben habe. An der Beru-

fungsverhandlung wurde dies erneut vorgebracht und behauptet, der Beschuldig-

te hätte sich die Beschimpfungen der Privatklägerin nur ausgedacht (vgl. Urk. 102 

in SB190332 N 25 ff.). Dies trifft insoweit zu, als dass der Wortlaut nicht völlig 

kongruent ist. Dem ist jedoch mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass zwi-

schen diesen Einvernahmen des Beschuldigten ein Jahr liegt. Zudem erhellt auf-

grund seiner ansonsten durchwegs plausiblen Sachdarstellung und der eben zi-

tierten Chat-Verläufe, dass ihm entsprechende Vorwürfe bereits seit dem Jahr 

2015 wiederholt und in hoher Frequenz gemacht wurden. Es ist deshalb davon 

auszugehen, dass der Beschuldigte – wie er auch stimmig und von Beginn weg 

-   31   - 

ausführte – sehr häufig, er sprach mehrfach von schätzungsweise 100 Mal, 

im Zusammenhang mit der angeblichen Homosexualität von der Privatklägerin 

beschimpft worden war. Aus dem Umstand, dass er die hier angeklagten Be-

schimpfungen anlässlich seiner Befragungen nicht im exakt gleichen Wortlaut 

wiedergegeben hat, ist daher nichts zu seinen Ungunsten abzuleiten. Im Kern-

gehalt sind seine diesbezüglichen Aussagen jedenfalls übereinstimmend und 

glaubhaft. Die Erklärung der Verteidigung des Beschuldigten, der Beschuldigte 

habe sich auch geschämt, zu sagen, dass solche Äusserungen gefallen seien, ist 

zudem ebenfalls nachvollziehbar (Prot. II S. 13 im Parallelverfahren SB190332). 

Die pauschale Bestreitung der Privatklägerin und der von ihrer Rechtsvertreterin 

vorgebrachte Einwand vermögen die überzeugenden Schilderungen des Be-

schuldigten nicht zu erschüttern.  

8.2.5  Es steht somit fest, dass sich die Privatklägerin auf dem Weg vom Park-

platz zum Hauseingang gegenüber dem Beschuldigten in der von der Anklage-

schrift genannten Art und Weise geäussert hat. Der Anklagesachverhalt 1 be-

treffend Beschimpfung (vgl. Urk. 36 S. 2) ist erstellt.  

Nur der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass der Beschuldigte der Privat-

klägerin keinerlei ersichtlichen Grund für diese Beschimpfungen gegeben hatte. 

Wie sich den Aussagen des Beschuldigten entnehmen lässt – und was durch die 

zitierten Chat-Nachrichten untermauert wird –, waren Beschimpfungen solcher Art 

vielmehr eine regelmässige Begleiterscheinung bei den Kindesübergaben. Der 

damalige Hinweis des Beschuldigten, sie solle gut auf D._____ aufpassen, bezog 

sich nach seinen plausiblen Angaben auf die bevorstehenden Ferien der Privat-

klägerin mit dem Kind am Meer, was bei einem fürsorglichen Vater verständlich 

ist. Auch die Privatklägerin führte auf diesbezügliche Nachfrage konkretisierend 

aus, der Beschuldigte habe zum Beispiel damit gemeint, dass D._____ gut esse, 

gut schlafe sowie einen ausgeglichenen und gesunden Rhythmus habe 

(Erw. III. 6.1 a.E.). Dafür, dass der Beschuldigte der Privatklägerin im gleichen 

Atemzug mit "Halsabschneiden" gedroht haben soll, wie die Privatklägerin geltend 

machte, fehlt es an jeglichem nachvollziehbaren Anlass. Solches ist im Übrigen 

nicht angeklagt und folglich auch nicht Verfahrensgegenstand.  

-   32   - 

8.3 Anklagesachverhalt 2 betreffend Tätlichkeiten (Urk. 36 S. 2 f) 

Diesbezüglich ergibt sich übereinstimmend mit der Vorinstanz (Urk. 89 S. 25 f.) 

und teilweise in Ergänzung dazu das Nachstehende:  

Gemäss den widerspruchsfreien und konstanten Aussagen des Beschuldigten 

haben die erwiesenen Beschimpfungen durch die Privatklägerin auf dem Weg zur 

Haustüre stattgefunden. Dort hätte es zur Übergabe des Sohnes kommen sollen. 

Es ist davon auszugehen, dass der gemeinsame Sohn D._____, der sich damals 

auf dem Arm des Beschuldigten befunden hat, aufgrund der verbalen Auseinan-

dersetzung eingeschüchtert war und sich deshalb an den Beschuldigten klammer-

te. Die Ausführungen des Beschuldigten sind lebensnah. Gleichermassen leuch-

tet ein, dass D._____ vor dem Hintergrund der verbalen Angriffe der Privatkläge-

rin zögerte, zu ihr zu gehen. Dafür spricht überdies sein bald darauf einsetzendes 

Weinen. Namentlich die Tonalität des Gesprochenen dürfte dazu geführt haben, 

dass D._____ Geborgenheit beim Beschuldigten suchte. Das ist beim damals erst 

2-jährigen Knaben auch nicht verwunderlich, konnte er doch das Geschehen nicht 

begreifen. Schon kleine Kinder verfügen aber über ein feines Gespür betreffend 

angespannter Atmosphäre in ihrem unmittelbaren Umfeld, und sie reagieren ent-

sprechend mit Angst. Das Vorbringen der Rechtsvertreterin der Privatklägerin, der 

Beschuldigte habe D._____ unnötig lange auf dem Arm gehalten, um Macht bzw. 

physische Überlegenheit zu demonstrieren, ist demnach nicht nachvollziehbar 

(Urk. 129 N 27). Die Privatklägerin hat laut der ebenfalls schlüssigen Sachdarstel-

lung des Beschuldigten dann versucht, D._____ aus dem Arm des Beschuldigten 

zu entreissen. Das stellte die Privatklägerin zwar entschieden in Abrede und führ-

te aus, lediglich die Arme ausgestreckt zu haben, um D._____ in Empfang neh-

men zu können. Ihre Darstellung lässt sich jedoch nicht mit dem übrigen Untersu-

chungsergebnis in Einklang bringen. Aufgrund der in den Akten liegenden Fotos 

besteht kein Zweifel darüber, dass der Beschuldigte am linken Unterarm gekratzt 

wurde (vgl. Urk. D1/3/5; Urk. 63/1). Dies deckt sich mit seinen diesbezüglichen 

Aussagen und widerspricht denjenigen der Privatklägerin, welche ihn lediglich 

leicht mit den Füssen im unteren Körperbereich traktiert haben will. Die Behaup-

tung der Privatklägerin, der Beschuldigte habe sich den Kratzer an ihrer spitzen 

-   33   - 

Haarspange selber zugefügt, indem er ihr mit seiner linken Hand gegen den Kopf 

geschlagen habe, ist sehr abenteuerlich, als abwegig und nicht überzeugend zu 

erachten (Urk. 129 N 6). Die Schilderungen der Privatklägerin sind demnach an-

gesichts des übrigen Beweisergebnisses als Schutzbehauptungen zu werten. 

Somit steht zweifelsfrei fest, dass die Privatklägerin den Beschuldigten am linken 

Arm kratzte und ihm eine Schürfung zufügte, als sie versuchte, ihm den auf dem 

Arm befindlichen Sohn D._____ zu entreissen. Ihr Vorgehen kommt einer physi-

schen Attacke auf den Beschuldigten gleich. Der Einwand der Rechtsvertreterin 

der Privatklägerin, dass die Anklage von einem Kratzer am Unterarm ausgehe, 

wogegen die Untersuchungsakten und die Vorinstanz von einer Schürfung spre-

chen, ist nicht weiter von Belang (Urk. 102 N 63 ff. im Parallelverfahren 

SB190332). Handelt es sich dabei doch entgegen der Auffassung der Privatkläge-

rin um Synonyme.  

Wie vorne dargelegt (vgl. Erw. III. 3.3 und III. 8.1), anerkennt die Privatklägerin 

zudem, dass sie den Beschuldigten in der Folge mehrere Male, jedenfalls vier bis 

sechs Mal – wovon auszugehen ist –, mit den Füssen getreten hat, was wiederum 

physischen Angriffen entspricht. Aufgrund der Ausgangslage vor der Haustüre 

war sie fraglos negativ tangiert und geriet in Rage, wie es der Beschuldigte tref-

fend umschrieb. Auch die Privatklägerin selber sprach davon, voller Adrenalin 

gewesen zu sein und dass nach den ersten zwei Tritten die Dynamik dagewesen 

sei (vgl. Erw. III. 6.1 und 6.3). Betreffend diese Fusstritte ist gemäss ihrer eigenen 

Darstellung in der Erstaussage davon auszugehen, dass sie dabei versuchte, den 

Beschuldigten zwischen den Beinen zu treffen (vorne Erw. III. 6.), was auch der 

Beschuldigte so berichtete. Das steht ebenso im Einklang mit ihrer Aussage vor 

Vorinstanz, sie habe so hoch getreten, wie es ihr möglich sei. Sie habe lange Bei-

ne und sei sehr schlank. Ihre Behauptung, es seien nur ganz leichte Stiche vom 

Knie bis Mitte des Oberschenkels gewesen, um zu zeigen, dass er aufhören solle 

(Prot. I S. 30 f., 35) bzw. abwehrende leichte "Tritte" oder "Schläge" mit den   

Füssen gewesen (Urk. 129 N 32), steht in frappantem Widerspruch dazu. Der Be-

hauptung der Rechtsvertreterin der Privatklägerin an der Berufungsverhandlung, 

dass in der rumänischen Sprache "mit den Füssen treten" bedeute, dass man 

ausschliesslich mit der Unterfläche des Fusses getreten werde, alles andere be-

-   34   - 

deute "mit den Füssen schlagen", weswegen vorliegend "mit den Füssen schla-

gen" gemeint sei, dass die Privatklägerin mit der Oberseite des Fusses leicht   

gegen die Beine des Beschuldigten getreten habe (vgl. dazu Urk. 102 N 52 f. im 

Parallelverfahren SB190332), ist die Aussage der Privatklägerin entgegenzuhal-

ten, wonach sie den Beschuldigten [mit den Tritten] habe zu Fall bringen wollen 

(vgl. hiervor Erw. III 6). Diese Verharmlosungen der Tritte der Privatklägerin über-

zeugen mithin nicht. 

Es ist somit auch erstellt, dass die physischen Angriffe von der Privatklägerin 

ausgingen. Neben der Schürfung erwiesen sind jedenfalls vier bis sechs Tritte. 

8.4 Anklagesachverhalt 1 betreffend einfache Körperverletzung (Urk. 35 S. 2) 

8.4.1  Schlag gegen den Kopf 

Der Beschuldigte führte gleichbleibend aus, er habe die Angriffe der Privatklägerin 

mit seiner linken Hand abzuwehren versucht, wobei er sie bei seiner Abwehr-

haltung am Kopf getroffen habe.  

Sowohl das IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung als auch die in den 

Akten befindlichen Fotos sprechen hingegen eine andere Sprache. Es ist hinläng-

lich nachgewiesen, dass die Privatklägerin im Rahmen der Auseinandersetzung 

an der linken Stirnseite eine Quetsch-Risswunde und an der linken Augenbraue, 

nahe dem Aussenrand, eine 1.5 cm lange, strichförmige, nicht wegdrückbare 

Hautverfärbung mit darin befindlicher, ca. 0.5 cm langer, strichförmiger Haut-

abtragung erlitt (Urk. D1/6/3 S. 3). Die Quetsch-Risswunde dürfte gemäss dem 

Gutachten infolge stumpfer Gewalteinwirkung entstanden sein, wobei als nicht 

entscheidend taxiert wird, ob die stumpfe Gewalteinwirkung erfolgte, indem sich, 

wie bei einem Schlag, ein Gegenstand auf den Kopf zu bewegte oder indem sich 

der Kopf, wie bei einem Sturz, auf einen Gegenstand/Untergrund zu bewegte. 

Die an der linken Augenbraue festgestellten Schürfungen dürften durch eine tan-

gential-schürfende Gewalteinwirkung entstanden sein (Urk. D1/6/3 S. 4). Die Ent-

stehung der dokumentierten Verletzungen an der Stirn und an der linken Augen-

braue durch stumpfe Gewalteinwirkung – konkret Schlag mit der Hand ins Ge-

-   35   - 

sicht, wobei auch die Sonnenbrille verbogen wurde und dann das linke Glas her-

ausfiel, wie die Privatklägerin in der Untersuchung wiederholt geltend machte – ist 

plausibel. Entscheidend ist überdies der Umstand, dass diese Verletzungen auch 

auf den unmittelbar nach dem Vorfall durch Funktionäre der Stadtpolizei Zürich 

erstellten Fotos sichtbar sind (vgl. Urk. D1/3/1). Es kann deshalb auch offen ge-

lassen werden, ob die mit Eingabe vom 30. Oktober 2018 eingereichten Fotos 

(vgl. Urk. D1/16-17) unmittelbar nach dem Vorfall und ohne Hilfe von Make-up 

oder Ähnlichem aufgenommen wurden. Vielmehr drängt sich aufgrund der Foto-

dokumentation der Stadtpolizei Zürich sowie des IRM-Gutachtens zur körper-

lichen Untersuchung der Schluss auf, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit 

der flachen Hand und einer gewissen Intensität geschlagen hat. Der Standpunkt 

des Beschuldigten, wonach der Kontakt zwischen der Hand und dem Kopf bei 

blossen Abwehrhaltungen seinerseits entstanden sein soll, ist vor dem Hinter-

grund des übrigen Beweisergebnisses und in Übereinstimmung mit dem ange-

fochtenen Urteil als Schutzbehauptung zu qualifizieren.  

Angeklagt ist, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mehrere Male gegen den 

Kopf geschlagen habe (Urk. 35 S. 2). Völlig zu Recht ist die Vorinstanz von einem 

einzigen Schlag ausgegangen (Urk. 89 S. 27). Die Privatklägerin verstrickte sich 

bei der Frage nach der Anzahl Schläge nämlich in erhebliche Widersprüche. Bei 

der Polizei sagte sie unmissverständlich aus, der Beschuldigte habe einmal ge-

gen ihren Kopf, den linken Stirn- bzw. Schläfenbereich geschlagen, und von dem 

Schlag sei ihre Sonnenbrille verbogen worden. Auch auf Nachfrage verneinte sie 

ausdrücklich weitere Schläge durch den Beschuldigten (vgl. vorne Erw. III. 6.1). In 

der Konfrontationseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft und vor Vorinstanz 

sprach sie dann durchwegs von mehreren Schlägen gegen den Kopf (vgl. vorne 

Erw. III. 6.2 und 6.3). Diese Aggravierung erscheint bewusst und gezielt; die Be-

hauptung einer Mehrzahl von Schlägen ist unglaubhaft. Auch wenn den Fotos 

zweifelsfrei zu entnehmen ist, dass die Privatklägerin eine stumpfe Gewalteinwir-

kung gegen den Kopf mit gewisser Intensität erlitten hat, liegen keine Anzeichen 

vor, dass dies mehrfach der Fall gewesen wäre. Nicht ausser Acht zu lassen ist in 

diesem Zusammenhang auch, dass die Privatklägerin selber ausführte, lediglich 

aufgrund der ärztlichen Berichte auf eine Mehrzahl von Schlägen zu schliessen 

-   36   - 

(Urk. D1/7 S. 8 f.). Dieser Auffassung ist jedoch nicht zu folgen. Träfen die Aus-

führungen resp. Annahmen der Privatklägerin zu, müssten aufgrund der dy-

namischen Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten mehrere Stellen ihres 

Körpers, namentlich ihres Gesichts, solche Verletzungen aufweisen. Dies kann 

aufgrund des Gutachtens und der Fotos jedoch ausgeschlossen werden 

(Urk. D1/3/1 und D1/6/3).  

Als der Privatklägerin hinsichtlich der Diskrepanz zur Anzahl erlittener Schläge die 

Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde, machte sie geltend, einen 

Filmriss erlitten und deshalb bei der Polizei nicht korrekt resp. vollständig ausge-

sagt zu haben (Urk. D1/7 S. 8 ff.). Dieser Einwand wird jedoch von den Akten 

nicht im Ansatz bestätigt. Zu Beginn der polizeilichen Befragung, welche nur we-

nige Stunden nach dem inkriminierten Vorfall bei noch frischer Erinnerung statt-

fand, erklärte die Privatklägerin auf entsprechende Fragen, zwar müde zu sein 

und aufgrund des Geschehens Schmerzen zu haben, sich aber dennoch einver-

nahmefähig zu fühlen und auch Aussagen machen zu wollen (Urk. D1/4 S. 1 Fra-

gen 3, 5 f.). In der Folge äusserte sie sich während rund drei Stunden präzis und 

relativ detailliert, ohne Anzeichen irgendwelcher Schwierigkeiten, zu ihrer Sicht 

des Ereignisses. Ihre Schilderungen erfolgten über grössere Strecken auch in 

freier Rede. Am Ende der Einvernahme und auf entsprechende Frage sah sie 

sich nicht veranlasst, Ergänzungen und/oder Korrekturen zum Einvernahmeproto-

koll anzubringen. Überdies bejahte sie, dass sie ihre Aussagen wenn nötig vor der 

Staatsanwaltschaft oder dem Gericht wiederholen würde (Urk. D1/4 S. 5 Fragen 

34 und 38). Das Verhalten der Privatklägerin während der polizeilichen Befragung 

ist unauffällig und in jeder Hinsicht als adäquat zu bezeichnen. Aufgrund der ge-

samten Umstände gibt es keinen Grund, die volle Einvernahmefähigkeit der Pri-

vatklägerin bei der Polizei anzuzweifeln. Dass sie sich damals nach dem Ereignis 

in einem schlechten Gemütszustand befunden haben soll (Urk. D1/7 S. 9), was 

durchaus nachvollziehbar ist, ändert nach all dem Gesagten aber nichts daran, 

dass von uneingeschränkter Einvernahmefähigkeit auszugehen ist.    

Auch die ärztlichen Unterlagen vermögen einen möglichen Filmriss oder eine gel-

tend gemachte Bewusstlosigkeit (aufgrund des nachfolgenden Sturzes; siehe 

-   37   - 

Erw. III. 8.4.2 hiernach) nicht zu stützen. Laut dem IRM-Gutachten präsentierte 

sich den Expertinnen 2 ½ bis 3 ½ Stunden nach dem Vorfall eine zwar sehr auf-

geregte und psychisch erregte Frau, die aber vollumfänglich orientiert wirkte 

(Urk. D1 /6/3 S. 3). Von einer erlittenen Ohnmacht ist nirgends die Rede. Das 

deckt sich auch mit der Angabe der behandelnden Ärztin im Waidspital, med. 

pract. S._____, die eine Bewusstlosigkeit verneinte (Urk. D1/1 S. 2) und schliess-

lich ebenso mit der Beobachtung des am Vorfall beteiligten Beschuldigen und 

seiner dezidierten Aussage, dass die Privatklägerin sicher nicht bewusstlos ge-

wesen sei, sondern (nur) benommen (Prot. I S. 18). Die Diskrepanz in den Aus-

sagen des Beschuldigten, nach wie vielen Sekunden sie wieder aufgestanden sei, 

ist nicht weiter relevant. Die Privatklägerin erwähnte in der polizeilichen Einver-

nahme von sich aus nichts von Ohnmacht; erst auf Nachfrage äusserte sie die 

Vermutung, kurz ohnmächtig oder zumindest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt 

gewesen zu sein. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bei der Staats-

anwaltschaft und ebenso vor Vorinstanz und vor Berufungsgericht statuierte sie 

dann, kurzzeitig das Bewusstsein verloren zu haben mit erst später auftauchen-

den Erinnerungen (vgl. vorne Erw. III. 6.1 - 6.3). Die Berufung der Privatklägerin 

auf Bewusstlosigkeit und (vorübergehenden) Erinnerungsverlust erscheint daher 

ebenfalls konstruiert und nachgeschoben. Es liegt mit der Vorinstanz der Schluss 

nahe, dass sie versucht, den Beschuldigten übermässig zu belasten und in einem 

schlechten Licht darzustellen. Dies wird auch durch die Akten gestützt. Die Privat-

klägerin zielt offensichtlich darauf ab, den Beschuldigten in allgemeiner Hinsicht 

zu diffamieren (z.B. Urk. 54 f. und 60 f.). Das ist als blosse Stimmungsmache ge-

gen den Beschuldigten zu qualifizieren. Demgegenüber beschränken sich die 

Eingaben des Beschuldigten darauf, ein mögliches Motiv für Übertreibungen der 

Privatklägerin zu liefern. Die Aussagen der Privatklägerin erscheinen auch vor 

dem Hintergrund ihres übrigen Verhaltens im Verfahren als übertrieben und nicht 

glaubhaft.  

Zusammengefasst ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz erwiesen, dass der 

Beschuldigte mit der linken flachen Hand gegen den Kopf der Privatklägerin ge-

schlagen hat (Urk. 89 S. 27). Dabei bestehen aber keine Zweifel, dass es bei die-

-   38   - 

sem einen Schlag blieb. Die dadurch erlittenen und angeklagten Verletzungen der 

Privatklägerin sind erstellt (Urk. 35 S. 2).  

8.4.2  Stoss gegen den Oberkörper 

Wie eingangs erwähnt, ist der angeklagte Stoss gegen den Oberkörper der Pri-

vatklägerin mit deren anschliessendem Sturz samt den daraus resultierenden 

Verletzungen durch den Beschuldigten anerkannt (vorne Erw. III. 3.2). Wie in der 

vorstehenden Erw. III. 8.4.1 aufgezeigt, ist aber weder eine Bewusstlosigkeit der 

Privatklägerin noch ein Filmriss erwiesen. Es gilt analog das dort Gesagte. Die 

gemäss Anklage durch den Sturz bewirkten Verletzungen sind ebenfalls erstellt. 

8.5 Anklagesachverhalt 2 betreffend Sachbeschädigung (Urk. 35 S. 3) 

Der Anklagesachverhalt ist aufgrund der Akten ebenfalls erstellt. Gemäss Aus-

sage der Privatklägerin wurde die Sonnenbrille durch den Schlag des Beschuldig-

ten in ihr Gesicht in Mitleidenschaft gezogen und fiel in der Folge auch zu Boden. 

Das leuchtet ein. Diese Darstellung wird vom Beschuldigten nicht substantiiert 

bestritten. Er lässt zwar vortragen, es sei aus den Akten nicht feststellbar, ob die 

Sonnenbrille beim Schlag an den Kopf der Privatklägerin, beim Stoss gegen ihren 

Oberkörper oder bei ihrem Sturz zu Boden heruntergefallen und ein Glas aus der 

Fassung gesprungen sei (Urk. 93 S. 5). Die Privatklägerin habe erst bei der 

Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass der Schlag ihre Brille getroffen hätte und die-

se zu Boden gefallen sei. Es sei daher anzunehmen, dass der Schaden an der 

Brille beim Sturz der Privatklägerin entstanden sei und damit sei der Sachscha-

den Folge der gerechtfertigten Abwehr des Angriffs der Privatklägerin (Urk. 131 

S. 7. Dieser Argumentation ist entgegenzuhalten, dass der Anklagesachverhalt 

sowohl bezüglich des Schlages als auch des Stosses zu Lasten des Beschuldig-

ten erwiesen ist und dass die Sonnenbrille bereits durch den Schlag tangiert wur-

de. Die Privatklägerin sagte schon in der polizeilichen Einvernahme aus, dass die 

Sonnenbrille durch den Schlag verbogen und das linke Glas herausgefallen sei 

(vgl. Erw. III S. 6), so dass sie in der Folge – wann genau kann offen bleiben – zu 

Boden fiel. Den geltend gemachten Sachschaden bzw. den Wert der Sonnenbrille 

in der Höhe von Fr. 432.–, der im Übrigen belegt ist (Urk. 69/1), hat der Beschul-

-   39   - 

digte ohne Widerspruch zur Kenntnis genommen (Urk. D1/5 Frage 18 f.; Prot. I 

S. 22 f.). Es wird vom Beschuldigten aber die Abweisung der Schadenersatz-

forderung der Privatklägerin beantragt, worauf später eingegangen wird (Erw. VII).  

8.6 Fazit Sachverhaltserstellung 

Somit steht aufgrund der Beweiswürdigung fest, dass die Privatklägerin nach ih-

rem Eintreffen gemeinsam mit dem Beschuldigten vom Parkplatz zum Haus-

eingang lief und ihn währenddessen fragte, ob er sich wieder in den Arsch habe 

ficken lassen und wie viele Schwänze er wieder gelutscht habe. Sodann ist er-

wiesen, dass die Privatklägerin vor dem Hauseingang den Beschuldigten auch 

physisch zu attackieren begann und versuchte, dem Beschuldigten den gemein-

samen Sohn aus dem rechten Arm zu entreissen und ihn dabei kratzte. Der Be-

schuldigte seinerseits hat in der Folge mit der linken flachen Hand gegen die linke 

Seite des Kopfes der Privatklägerin geschlagen, wodurch sie eine Quetsch-

Risswunde und eine Schürfung erlitt. Im Anschluss daran trat die Privatklägerin 

mehrfach gegen den Beschuldigten, dies zumindest vier bis sechs Mal. Schliess-

lich stiess der Beschuldigte die Privatklägerin mit der flachen Hand von sich weg, 

wodurch diese rückwärts stürzte und mit dem Kopf auf der sich dort befindlichen 

Mauer resp. dem Boden aufschlug, was am Hinterkopf zu einer zweiten Quetsch-

Risswunde sowie Schürfungen an Ellbogen und Oberarm führte. Die Sonnen-

brille, welche die Privatklägerin während des Vorfalles getragen hatte, fiel infolge 

der Auseinandersetzung zu Boden, wobei ein Glas aus der Fassung sprang.  

IV. Schuldpunkt – Rechtliche Würdigung 

1. Einfache Körperverletzung (Anklagesachverhalt 1, Urk. 35 S. 2)  

Die Vorinstanz hat die Tatbestandselemente der Gesetzesbestimmung von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB vollständig und richtig aufgelistet und ebenso korrekt dar-

gelegt, welche Art Körperschädigungen unter diesen Straftatbestand zu subs-

umieren sind. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt (vgl. vorne Erw. III. 8.4 und 

8.5) und mit zutreffender Begründung ist sie zum Ergebnis gelangt, dass die von 

der Privatklägerin erlittenen Verletzungen in objektiver und subjektiver Hinsicht als 

-   40   - 

geringfügig und das Ausmass einer Tätlichkeit nur leicht überschreitend zu quali-

fizieren sind. Sie hielt dem Beschuldigten mit Recht zugut, dass weder ein direkter 

Vorsatz noch die Absicht vorlag, der Privatklägerin mehr als geringfügige Verlet-

zungen zuzufügen, dass er jedoch gewisse leichte Schädigungen in Kauf nahm, 

auch wenn er sich in einer emotional aufgeladenen Stresssituation befand. So-

wohl für den Schlag ins Gesicht wie auch für den Stoss gegen den Oberkörper 

sowie – dies als Ergänzung – für die erlittenen Verletzungen ist lediglich Even-

tualvorsatz gegeben. In Berücksichtigung aller relevanten Umstände erachtete die 

Vorinstanz es als gerechtfertigt, das Verhalten des Beschuldigten als leichten Fall 

im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB zu würdigen (Urk. 89 S. 29-31). Diese 

Einschätzung ist ohne weiteres zu teilen (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2. Sachbeschädigung (Anklagesachverhalt 2, Urk. 35 S. 3) 

Wiederum in zutreffender Würdigung des erstellten Sachverhalts hat die Vor-

instanz den objektiven und subjektiven Tatbestand der Sachbeschädigung im 

Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB als erfüllt angesehen (Urk. 89 S. 32 f.; Art. 82 

Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte nahm zumindest billigend in Kauf, dass durch 

seinen Schlag gegen den Kopf der Privatklägerin deren Sonnenbrille beschädigt 

würde. Da diese erwiesenermassen einen Wert von Fr. 432.– aufwies (Urk. 69/1) 

und das Bundesgericht den Grenzwert für einen geringfügigen Fall gemäss 

Art. 172ter Abs. 1 StGB bei Fr. 300.– festgelegt hat (BGE 142 IV 129 E. 3.1 mit 

Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018), findet 

dieser privilegierende Tatbestand vorliegend keine Anwendung. Es ist jedoch zu 

vermerken, dass der Grenzwert nur um wenig überschritten wurde. 

3. Rechtfertigungsgründe 

3.1  Allgemeines 

Der Beschuldigte beruft sich auf Notwehr und gibt an, sich lediglich gegen die an-

greifende Privatklägerin verteidigt zu haben (vgl. Urk. D1/5 S. 2 ff., Urk. D1/7 S. 7, 

Urk. D2/1 S. 4; Prot. I S. 17 ff.; Urk. 124 S. 3 und Urk. 131 S. 3 f.). 

-   41   - 

Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB bezeichnet die rechtmässige Abwehr gegen 

einen rechtswidrigen Angriff. Das Recht auf Notwehr setzt das Vorliegen einer 

Notwehrlage voraus. Eine solche liegt vor bei einem gegenwärtigen oder un-

mittelbar drohenden Angriff, worunter ein auf die Verletzung eines Individual-

rechtsguts gerichtetes menschliches Verhalten zu verstehen ist. Der Angriff muss 

rechtswidrig sein; der Angreifer darf sich bei seinem Handeln nicht auf einen 

Rechtfertigungsgrund berufen können. Ist die Notwehrlage durch absichtliche 

Provokation verschuldet, entfällt das Abwehrrecht (TRECHSEL/GETH, in: Trechsel/ 

Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/ 

St. Gallen 2018, Art. 15 N 4 ff.). Die Abwehr muss sodann bestimmten Anforde-

rungen genügen, um rechtmässig zu sein. 

Ein sog. Notwehrexzess liegt dann vor, wenn der Täter in einer mindestens in 

seiner Vorstellung bestehenden Notwehrsituation die durch den Grundsatz der 

Verhältnismässigkeit gezogenen Grenzen überschreitet (z.B. BGE 99 IV 187 oder 

102 IV 5). Art. 16 StGB umfasst somit nur den intensiven, quantitativen Exzess 

(TRECHSEL/GETH, a.a.O., Art. 16 N 1). 

3.2 Schlag gegen den Kopf / Sachbeschädigung 

3.2.1  Wie schon die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, steht aufgrund des ge-

würdigten Untersuchungsergebnisses fest, dass die Privatklägerin den Beschul-

digten vor dem Hauseingang physisch angriff. Der Beschuldigte musste sodann 

aufgrund der gesamten Umstände davon ausgehen, dass sie diesen Angriff so-

lange fortführt, bis sie ihr Ziel, nämlich den gemeinsamen Sohn D._____ zu sich 

zu holen, erreicht. Dieser Angriff seitens der Privatklägerin gegen die physische 

Integrität des Beschuldigten erfolgte offensichtlich rechtswidrig. Es lag somit ein 

gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff gegen die physische Integrität des Beschul-

digten vor. Demnach ist erwiesen, dass sich dieser in einer Notwehrlage befand. 

Folglich stand ihm das Recht auf Notwehr zu. 

3.2.2  Es ist jedoch mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es sich bei den unmit-

telbaren Angriffen der Privatklägerin in dieser ersten Phase um solche von noch 

eher geringer Intensität handelte. Die Reaktion des Beschuldigten mittels Schla-

-   42   - 

ges gegen das Gesicht der Privatklägerin erfolgte somit angesichts der geschil-

derten Umstände in einer zu heftigen Art und Weise. Der Schlag wies immerhin 

eine gewisse Intensität auf und führte zu Verletzungen im Gesicht der Privat-

klägerin. Das Verhalten des Beschuldigten steht nicht im Verhältnis zur Attacke 

der Privatklägerin gegen seine physische Integrität. Auch unter Berücksichtigung 

der erwiesenermassen bestehenden angespannten und aufgeladenen Situation 

zwischen den beiden Widersachern ist der ausgeführte Schlag gegen den Kopf 

der Privatklägerin als unangemessen bzw. unverhältnismässig einzustufen.  

3.2.3  In Würdigung der gesamten Umstände ist festzuhalten, dass die Reaktion 

des Beschuldigten bis zu einem gewissen Grad zwar nachvollziehbar ist, aber 

letztlich dennoch unangemessen und unverhältnismässig war. Die Angriffe der 

Privatklägerin führten aufgrund der noch eher geringen Intensität nicht zu einer 

entschuldbaren Aufregung oder Bestürzung im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB. 

Für die Entschuldbarkeit ist ein strenger Massstab anzulegen (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_480/2011 vom 17. August 2011 E. 2.3), wobei es auch auf die indivi-

duellen Verhältnisse des konkret Betroffenen ankommt (BSK StGB I-Niggli/ 

Göhlich, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 16 N 3 mit Hinweisen). Vorliegend waren der 

physischen Attacke durch die Privatklägerin ihre Beschimpfungen vorange-

gangen, sie war erkennbar in einer aggressiven Stimmung. Zudem hatte der Be-

schuldigte gemäss seiner Darstellung schon bei früheren Gelegenheiten nebst 

den verbalen auch physische Attacken der Privatklägerin gegen sich erlebt. Sein 

damaliges Befinden bezeichnete er auf Nachfrage als angespannt, aber nicht als 

Rage (vgl. Prot. I S. 21 f.); letzteres wäre gleichbedeutend mit Aufregung. Unter 

all diesen Umständen fällt die Anwendung von Art. 16 Abs. 2 StGB ausser Be-

tracht. Das Vorgehen des Beschuldigten ist nach dem Gesagten allerdings als 

Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB zu werten, was strafmildernd zu 

berücksichtigen ist. 

Ein Rechtfertigungsgrund liegt somit nicht vor, wohl aber ein Strafreduktions-

grund, was im Rahmen der konkreten Strafzumessung zu berücksichtigen ist. 

3.2.4  Im Berufungsverfahren lässt der Beschuldigte durch seine Verteidigerin 

ausführen, das angefochtene Urteil habe die Schläge der Privatklägerin mit den 

-   43   - 

Fäusten, namentlich den erwähnten schmerzhaften Treffer an den Kopf des Be-

schuldigten, übergangen (Urk. 93 S. 4; Urk. 131 S. 5). Der Beschuldigte habe am 

Tag darauf immer noch Kopfschmerzen gehabt (Urk. 131 S. 3 und S. 5). 

Dieses Vorbringen ist nicht stichhaltig. Wohl hat der Beschuldigte zu Beginn sei-

ner polizeilichen Einvernahme am Morgen nach dem Vorfall auf die Frage nach 

seiner Einvernahmefähigkeit erklärt, leichte Kopfschmerzen zu verspüren, zumal 

er am Tag zuvor einen leichten Schlag an den Kopf erhalten habe (Urk. D1/5 Fra-

ge 3). In der Folge erwähnte der Beschuldigte aber weder in der betreffenden Be-

fragung noch in einer der späteren Einvernahmen im Zuge der Sachdarstellung 

einen ihm durch die Privatklägerin an seinen Kopf verabreichten schmerzhaften 

Schlag, dies, obwohl er jeweils den Geschehensablauf aus seiner Sicht zuerst in 

freiem Bericht zu Protokoll gab und anschliessend weitere Fragen beantwortete 

(vgl. Urk. D1/4, D1/7; Prot. I S. 16 ff.). Auch in seiner eigenen Strafanzeige gegen 

die Privatklägerin findet sich kein diesbezüglicher Hinweis (Urk. 40). Folgerichtig 

ist ein derartiger Treffer an seinen Kopf auch nicht angeklagt. Weitere Ausführun-

gen hierzu erübrigen sich daher.  

3.3 Stoss gegen den Oberkörper 

3.3.1  Die Vorinstanz hat den Stoss des Beschuldigten gegen den Oberkörper der 

Privatklägerin als rechtfertigende Notwehr gewürdigt (Urk. 89 S. 35 f.). Dem ist 

zuzustimmen. Nachdem der Beschuldigte die Privatklägerin gegen den Kopf ge-

schlagen hatte, schaukelte sich die bereits emotional belastete Situation weiter 

hoch. Die Privatklägerin begann nun, den Beschuldigten mehrfach zu treten. Sie 

wollte ihn zugegebenermassen mit ihren Fusstritten zwischen den Beinen treffen 

und ihn zu Fall bringen (vgl. Urk. D1/4 Frage 22 und D1/7 S. 9). Aus diesem 

Grund war der Beschuldigte in berechtigter Sorge, dass er bei einem Treffer der 

Privatklägerin das Gleichgewicht verlieren und sein Sohn auf den Boden fallen 

könnte, obschon wie eingangs erwähnt, eine konkrete Gefährdung des Sohnes 

nicht anzunehmen ist (Erw. II Ziff. 3). Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass 

die Privatklägerin den Sohn gefährden wollte. Sie befand sich in Rage. Der Be-

schuldigte musste fürchten, durch die Tritte verletzt zu werden. Aufgrund des Um-

standes, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten mehrere Tritte versetzte, 

-   44   - 

musste sie teilweise zwingend auf einem Bein stehen, wodurch ihr Gleichgewicht 

erheblich beeinträchtigt war. Der Stoss des Beschuldigten gegen den Oberkörper 

der Privatklägerin war angesichts der Vehemenz ihrer Attacken nicht unangemes-

sen. Der daraus resultierende Sturz der Privatklägerin war auch der Rücklage 

bzw. dem bestehenden Ungleichgewicht geschuldet. Es trifft sie somit ein nicht 

unbeträchtliches Selbstverschulden für den erfolgten Sturz auf den Boden. Ange-

sichts der noch geringen Intensität des Stosses ist davon auszugehen, dass die 

Privatklägerin nicht umgefallen wäre, wenn sie mit beiden Beinen stabil auf dem 

Boden gestanden hätte. Der Stoss durch den Beschuldigten war somit in An-

betracht der gestiegenen physischen Einwirkung durch die Privatklägerin ange-

messen sowie verhältnismässig. 

3.3.2  Der Stoss gegen den Oberkörper stellt somit rechtfertigende Notwehr im 

Sinne von Art. 15 StGB dar, weshalb dieses Verhalten des Beschuldigten straflos 

bleibt. Insoweit ist er von Schuld und Strafe freizusprechen, was auch im Urteils-

dispositiv festzuhalten ist.  

4. Fazit 

Der Beschuldigte hat sich der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 Abs. 2 StGB sowie der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB 

schuldig gemacht. Wie gesehen, liegt nur in Bezug auf den Stoss gegen den Kör-

per der Rechtfertigungsgrund der Notwehr (Art. 15 StGB) vor, welcher der Bestra-

fung des Beschuldigten entgegensteht. Die Strafe für den Schlag gegen den Kopf 

wird aufgrund des Notwehrexzesses (Art. 16 Abs. 1 StGB), wegen Provokationen 

und aufgrund des leichten Falls der einfachen Körperverletzung zu reduzieren 

sein. Weitere Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht gegeben. 

V. Strafzumessung und Vollzug 

1. Anwendbares Recht, Strafrahmen, Strafzumessungskriterien 

Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz das alte, vor dem 1. Januar 2018 

geltende Sanktionenrecht für anwendbar erklärt, den anzuwendenden Strafrah-

-   45   - 

men korrekt abgesteckt, die Strafart festgelegt, die Methodik der Strafzumessung 

umschrieben, die Strafmilderungsgründe des leichten Falles und des Notwehr-

exzesses sowie die weiteren massgebenden Strafzumessungskriterien genannt. 

Auf diese Ausführungen kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen 

werden (Art. 89 S. 36 ff., 42; Art 82 Abs. 4 StPO).  

2. Einfache Körperverletzung durch Schlag gegen den Kopf 

2.1 Tatkomponente 

2.1.1  In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Privat-

klägerin (nur) ein Mal gegen den Kopf geschlagen hat. Die daraus resultierenden 

Verletzungen sind wie erwähnt im untersten Bereich des massgebenden Tat-

bestands einzuordnen, da das Ausmass einer Tätlichkeit nur geringfügig über-

schritten wurde (vgl. vorne Erw. IV. 1.). Zudem gingen dem tatbestandsmässigen 

Handeln Aggressionen und Provokationen seitens der Privatklägerin voraus, nicht 

nur die erstellten Beschimpfungen, sondern auch – noch vor dem eigentlichen 

Beginn der körperlichen Auseinandersetzung bei der Haustüre – ihre äusserst 

abwertenden Bemerkungen zum Berufsalltag des Beschuldigten und dass sie nun 

einen Partner habe, der sie auf allen Ebenen, auch finanziell unterstütze (vorne 

Erw. III. 6.2 und 6.3). Das wirkt sich zusätzlich zum Umstand, dass ein Notwehr-

exzess vorliegt, verschuldensmässig zu Gunsten des Beschuldigten aus. Das 

Verschulden des Beschuldigten erweist sich in Berücksichtigung all dieser Aspek-

te in objektiver Hinsicht daher als gerade noch sehr leicht. 

2.1.2  Bei der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte le-

diglich mit Eventualvorsatz handelte, was sein Verschulden reduziert. Zum Motiv 

ist zu sagen, dass er im Rahmen eines von der Privatklägerin angezettelten 

Streits delinquierte, was bereits berücksichtigt wurde. Obwohl die Tat demnach in 

einem emotional geladenen Moment geschah, ist das Verhalten des Beschuldig-

ten dennoch nicht völlig entschuldbar. Unweigerlich leistete auch er seinen Bei-

trag zur angespannten Atmosphäre zwischen den Beteiligten am Ereignisabend. 

Die Tatsache, dass der Beschuldigte seinen Sohn auf dem Arm gehalten hat und 

-   46   - 

ihn schützen wollte, fällt jedoch ebenfalls zu seinen Gunsten aus. Insgesamt ver-

mag das subjektive Tatverschulden das objektive Tatverschulden zu relativieren.  

2.1.3  Das Tatverschulden für d