# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0fa39257-05f8-5835-917c-f9eaa962f3d2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-04-27
**Language:** de
**Title:** Rückweisung zur rechtskonformen Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes
**Docket/Reference:** IV.2020.00114
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00114.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00114
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichterin Senn
Gerichtsschreiber Weber
Urteil
vom
2
7.
April 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Dextra
Rechtsschutz AG
Rechtsanwalt Urs
Wüthrich
Hohlstrasse 556, 8048 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene und zur diplomierten Pflegefachfrau ausgebildete (
Urk.
7/5/6)
X.___
war
zuletzt
als
selbständige Verkäuferin und Beraterin tätig
(
Urk.
7/5/7)
. Am
3
1.
Januar 2017 (Eingangsdatum,
Urk.
7/5)
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine mittelgradige depressive Episode und eine Familienzerrüt
tung durch Trennung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte daraufhin beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen.
Sodann gewährte die IV-Stelle
Massnahmen der
Frühintervention
und Eingliederung (
Potenzialabklärung
,
Urk.
7/26; Job Coaching,
Urk.
7/33
;
Belastbarkeits-
und
Aufbautraining
,
Urk.
7/46, 52).
Unter
Hinweis darauf, dass keine 50%ige Arbeitsfähigkeit habe erreicht werden
können,
wurde der Versicherten
mitgeteilt,
dass
die Integrations
massnahmen beendet
würden
und nunmehr ein Rentenanspruch geprüft
werde
(Mitteilung vom
6.
August 2019,
Urk.
7/62).
Nach Aktualisierung der Aktenlage teilte di
e IV-Stelle der Versicherten mit, das Leistungsbegehren
werde
mangels eines versicherten Gesundheitsschadens
abgewiesen
(V
orbescheid vom 2
4.
Sep
tember 2019,
Urk.
7/70).
Die Versicherte
erhob daraufhin
am 2
2.
Oktober 2019
Einwand (
Urk.
7/71)
und liess weitere Berichte auflegen (
Urk.
7/79-80)
.
Mit
Verfügung vom
8.
Januar 2020
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten
ab
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 1
0.
Februar 2020 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicher
ungs
gericht (
Urk.
1) und beantragte, der
Entscheid
vom
8.
Januar 2020 sei aufzuheben und
ihr
sei
eine ganze Invalidenrente zuzuspre
chen, eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen,
subeventualiter
sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
5.
März 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), wovon der Beschwerdeführerin am
9.
März 2020 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen
Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbring
en (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswir
ken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren mit der Begründung ab, die Arbeitsunfähigkeit
sei
infolge
einer durch die
Scheidung
hervorgerufene
n
Belas
tung
ausgelöst worden und
werde
dadurch
auch
aufrechterhalten. Infolge dieser
bestehenden
psychosoziale
n
Belastungsfaktoren sei ein Rentenanspruch nicht ausgewiesen.
Die nunmehr beklagten kognitiven Beeinträchtigungen seien eben
falls durch die Scheidung ausgelöst worden und würden durch diese aufrecht
erhalten.
Im Weiteren
sei
zu berücksichtigen, dass mittels einer Anpassung der Medikation eine erhebliche Verbesserung der Situation erreicht werden könne. Zudem
werde eine
konsequente Therapie
nicht befolgt
(
Urk.
2
, 6).
2.2
Die Beschwerdeführe
rin machte demgegenüber geltend, eine bei ihr vorliegende vollständige Arbeitsunfähigkeit sei ausgewiesen, weshalb sie Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Im Weiteren und für den Fall, dass das Gericht nicht von einem Rentenanspruch
ausgehen würde
, sei zu berücksichtigen, dass der Sachverhalt nicht hinreichend abgeklä
rt worden sei. So seien die für die
Durch
führung des strukturierten Beweisverfahrens
notwendigen Indikatoren nicht erhoben worden. Im Weiteren
läge
n
mehrere Berichte im Recht, welche erhebliche Zweifel an der
von der
Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung
aufkommen liessen
,
wonach
der Gesundheitsschaden durch psychosoziale Belastungsfaktoren aufrechterhalten
werde
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Dr.
med. Y.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
(vormalig)
behandelnde Ärztin
,
nannte in ihrem Verlaufsbericht vom 1
6.
August 2019 (
Urk.
7/66) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive S
törung, gegenwärtig langandauer
nde mittel
gradige Episode (ICD
-
10
F33.1)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit abhängigen und perfektionistischen Zügen (ICD-10 F
48.9, DD: ICD-10 F61.0)
-
Familienzerrüttung durch Trennung im Juli 2015 (ICD-10 Z63.5), Kampf
scheidung (ICD-10 Z63.7)
Dr.
Y.___
attestierte der Beschwerdeführerin in Bezug auf die angestammte Tätig
keit eine vollständige Arbeits
un
fähigkeit. Hinsichtlich einer adaptierten Tätigkeit
schloss
sie auf eine Leistungsfähigkeit von «maximal» 20 % (
Urk.
7/66/2). Im psychopathologischen Befund wies sie unter anderem auf eine deutlich einge
schränkte Konzentrations- und Merkfähigkeit sowie auf Zukunftsängste im Sinne existenzieller Ängste und
solcher
bezogen auf den Gesundheitszustand hin (
Urk.
7/66/1).
Im Weiteren machte sie darauf aufmerksam, das laufende Schei
dungsverfahren habe - infolge einer im März 2019 vom Ehemann eingereichten Klageschrift - zu einer deutlichen D
estabilisierung im psychischen B
efinden mit einer Zunahme der depressiven Symptomatik verbunden mit Ängsten, Selbst
zweifeln, ausgeprägter Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebsverminderung, «
Dünn
häutigkeit
» und
Konzentrationsstörungen geführt
. Dies habe den Prozess der Wiedereingliederung deutlich beeinträchtigt (
Urk.
7/66/3). Das psychische Befin
den sei von Schwankungen gekennzeichnet, wobei insbesondere Konfrontationen mit dem Ehemann im Rahmen des Scheidungsverfahrens, Auseinandersetzung
en
mit Versicherungen sowie die Planung der beruflichen Wiedereingliederung jeweils zu Stimmungseinbrüchen und vermehrter Stimmungslabilität geführt hätten (
Urk.
7/66/4).
Zur (langfristigen) Prognose hielt
Dr.
Y.___
fest, eine solche lasse sich aufgrund des bisherigen langdauernden Verlaufs mit anhaltender depressiver Symptomatik und ausgeprägter Erschöpfung zur
z
eit nicht stellen (
Urk.
7/66/2).
3.2
Dr.
med.
Z.
___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behan
delnder Arzt, nannte in seinem Bericht vom
4.
Dezember 2019 (
Urk.
7/80) fol
gende Diagnosen:
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Neuropsychologisch festgestellte kognitive Störungen im Rahmen einer mittelschweren bis schweren depressiven Störung
Dr.
Z.___
attestierte
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, wobei er dies
auf die (schwere) depressive
Symptomatik mit damit einhergehenden kognitiven Ein
schränkungen
zurückführte
.
Demgegenüber verneinte er einen (anhaltenden) Einfluss von psychosozialen Belastungsfaktoren auf die vorhandene Arbeitsun
fähigkeit, hielt jedoch fest, dass diese
die Depression ausgelöst
hätten
(
Urk.
7/80/8). In
befundmässiger Hinsicht wies
Dr.
Z.___
auf aus klinischer Sicht bestehende Konzentrationsstörungen (
Urk.
7/80/2) sowie auf eine Störung der Affektqualitäten im Sinne einer übermässigen Niedergestimmtheit, einer inneren Leere und
von
Insuffizienzgefühlen (
Urk.
7/80/4) hin. Im Weiteren
stellte
er eine Störung des Antriebs im Sinne einer mittelgradig ausgeprägten Antriebshem
mung
fest
. Zudem konstatierte er ein
en
Interessenverlust (
Urk.
7/80/4).
Eine in absehbarer Zeit eintretende substanzielle Verbesserung des Gesundheitszustan
des, welche ein
e
Rückkehr in den Arbeitsprozess
ermöglichen würde
, ersah
Dr.
Z.___
- unter Hinweis auf einen mehrjährigen Krankheitsverlauf mit weiter
hin bestehender schwerer depressiver Symptomatik - als we
nig wahrscheinlich (
Urk.
7/80
/8).
4.
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und seine Auswirkung auf
deren Leistungsfähigkeit
lassen sich aufgrund der aktuellen Aktenlage nicht abschlies
send beurteilen.
Der Beschwerdegegnerin ist zwar dahingehend beizupflichten, dass psychosoziale Belastungsfaktoren
(Depression des Ehemannes
[
Urk.
7/10/4, 7/16/3, 7/80/6
]
, Scheidung
[
Urk.
7/15/2, 7/16/3, 7/66/3, 7/80/8
]
, Existenzängste
[
Urk.
7/66/1
]
und Überforderung am Arbeitsplatz
[
Urk.
7/16/5, 7/59/6
]
)
Auslöser der Beeinträchti
gungen de
r
Beschwerdeführer
in
waren
(vgl. auch E. 3.2)
. Zudem wies der
regio
nale ärztliche Dienst (RAD)
grundsätzlich
zutreffend
auf ei
ne geringe Therapiefre
quenz (vierzehntäglich psychotherapeutisch und monatlich psychiatrisch, vgl. Bericht von
Dr.
Y.___
vom 1
6.
August 2019
[
Urk.
7/66/3
]
) hin
(
Urk.
7/69/4)
.
Aufgrund der vorliegenden Arztberichte
kann jedoch nicht ausgeschlossen werden
, dass die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit auf eine von den Folgen der belastenden psychosozialen Faktoren verselbständigte psychische Störung mit Krankheitswert zurückzuführen ist und
damit ein allfällig invalidisierender Gesundheitsschaden nicht ohne
W
eiteres verneint werden kann
(E. 1.3.2)
.
Diese Frage lässt sich anhand der Akten jedoch nicht abschliessend beurteilen
, zumal die für die Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens notwendigen Indi
katoren nicht erhoben wurden (E. 1.4)
.
Zwar wiesen
die behandelnden Psychiater
auf kogni
tive Einschränkungen, eine Störung der Affektqualitäten, namentlich im Sinne einer übermässigen Niederge
stimmtheit, eine Antriebsstörung sowie einen Interessenverlust hin
(
E. 3.1, 3.2
)
.
Zudem
wird im
Bericht von
Dr.
Z.___
vom
4.
Dezember 2019
die Diagnose
eine
r
schwere
n
depressive
n
Episode ohne psychotische Symptome
genannt
(E. 3.2)
, was
,
im Vergleich zur zuvor
von
Dr.
Y.___
am 1
6.
August 2019
diagnostizierte
n
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig langandauernd mittelgradige Episode (E. 3.1), auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes hin
deutet
.
Währen
d
d
em
sich
Dr.
Y.___
jedoch gänzlich darüber
ausschwieg
, ob von einem verselbständigen Gesundheitsschaden auszugehen sei (vgl.
Urk.
7/66), vermag die von
Dr.
Z.___
vorgenommene Differenzierung nicht zu überzeugen. So
hielt er fest
,
dass sich
der Gesundheitszustand
kaum gebessert
habe
, obgleich die Belas
tung durch die Scheidung
nach Angaben der Beschwerdeführerin
geringer geworden sei
(
Urk.
7/80/8).
Aus dem
neuropsychologischen Bericht vom 2
8.
No
vember 2019
geht jedoch
hervor, dass die Scheidung
- gemäss Angaben der Beschwerdeführerin -
hoch konfliktgeladen sei und immer noch andaure (
Urk.
7/79/2)
.
Die von
Dr.
Z.___
getroffene Annahme, die psychosozialen Belas
tungsfaktoren seien im Begriff abzuklingen, lässt sich deshalb nicht bestätigen
.
5.
Nach dem Gesagten ist es bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Mithin
kann deshalb
weder auf die Beurteilung der behandelnden Psychiater (E. 3.1, 3.2) abgestellt werden, noch findet die Annahme des RAD, aus versicherungsmedizi
nischer Sicht sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (
Urk.
7/69/4), in den Akten eine hinreichende Stütze.
Die Be
schwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
8.
Januar 2020 (
Urk.
2) auf
zuheben und die Sache zur Durchführung einer psychiatrischen Abklärung und zu neuem Entscheid an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Dabei wird die Beschwerdegegnerin insbesondere abzuklären haben, ob in Bezug auf (allfäl
lige) psychosoziale Belastungsfaktoren von einem verselbständigten Gesund
heitsschaden auszugehen ist (E. 1.3.2).
Im Rahmen der weiteren Abklärungen wird sodann gegebenenfalls
den Erfordernissen des strukturierten Beweisverfahrens
Beachtung zu schenken sein
(
E. 1.4
).
6.
6.1
Die
Verfahrensko
sten sind auf Fr. 6
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
6.2
Ausgangsgemäss steht der
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3
des
Gesetz
es
über das Sozialversi
cherungsgericht (
GSVGer
)
eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
zu bemessen und
auf Fr.
1’3
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom
8.
Januar 2020
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet, der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung von Fr. 1’3
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Dextra
Rechtsschutz AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten
Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
VogelWeber