# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bcb7e80e-b6f5-5d25-895b-913fac7a6461
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 22.06.2023 SST.2022.295
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-295_2023-06-22.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

 

SST.2022.295 
(ST.2021.91; STA.2021.774) 

 

 

Urteil vom 22. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiberin Boog Klingler        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Borer,  

[…] 

 

    
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1999, von Irak, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Kathrin Albrecht,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit einem Kind 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob am 8. Dezember 2021 fol-

gende Anklage gegen den Beschuldigten:  

 

"1. Sexuelle Handlungen mit einem Kind (Straftatendossier 1) 

 

Der Beschuldigte nahm mit einem Kind unter 16 Jahren sexuelle Hand-

lungen vor, indem er Folgendes tat: 

 

Der Beschuldigte und die damals 15-jährige Straf- und Zivilklägerin A., 

geb. tt.mm.2006, hatten am Abend des 3. Februars 2021 in einem Zim-

mer im 1. Stock an der Y-Strasse in Q. Geschlechtsverkehr. Insbeson-

dere legte sich der Beschuldigte auf die Straf- und Zivilklägerin und 

führte seinen Penis vaginal ein. Ausserdem verübte der Beschuldigte 

bei der Straf- und Zivilklägerin Oralverkehr. Der Beschuldigte hätte 

keine Kenntnis vom Alter der Straf- und Zivilklägerin, schätze sie jedoch 

auf 19 Jahre alt. Der Beschuldigte fragte die Straf- und Zivilklägerin je-

doch auch nicht nach ihrem Alter, obwohl er damit den Irrtum leicht 

hätte vermeiden können. Damit nahm er in Kauf, dass die Straf- und 

Zivilklägerin jünger als 16 Jahre alt war.  

 

2. Fahren eines Motorfahrzeugs trotz Aberkennung (Straftaten-

dossier 2) 

 

Der Beschuldigte führte ein Motorfahrzeug, obwohl ihm der Führeraus-

weis aberkannt worden war, indem er Folgendes tat: 

 

Der Beschuldigte fuhr am 22. Juni 2021 um ca. 02:05 Uhr mit Wissen 

und Willen mit dem Motorfahrzeug D. [Kennzeichen] auf der X-Strasse 

in Q., obwohl sein Führerausweis auf Probe mit Verfügung des Stras-

senverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern vom 15. Januar 

2021 per sofort annulliert worden war." 

 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm stellte folgende Anträge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.  

 

2. 

Der Beschuldigte sei zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten 

zu verurteilen, unter Festsetzung einer Probezeit von 2 Jahren, unter 

Anrechnung der ausgestandenen Haft von 3 Tagen. 

 

3. 

Der Beschuldigte sei zudem zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Ta-

gessätzen zu CHF 30.00 zu verurteilen, unter Festsetzung einer Pro-

bezeit von 2 Jahren. 

 - 3 - 

 

 

 

4. 

Der Beschuldigte sei zu einer Verbindungsbusse von CHF 1'500.00 zu 

verurteilen. Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so sei der Beschul-

digte zu verpflichten, eine Ersatzfreiheitsstrafe von 50 Tagen zu ver-

büssen. 

 

5. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolge." 

 

2. 

2.1. 

Mit Eingabe vom 13. Juli 2022 stellte die Privatklägerin folgende Anträge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und 

angemessen zu bestrafen. 

 

2. 

Es sei der Beschuldigte für inskünftig aus und im Zusammenhang mit 

den verurteilten Straftaten anfallende Kosten dem Grundsatz nach bei 

einer Haftungsquote von 100% für haftpflichtig zu erklären. 

 

3. 

Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Zivil- und Strafklägerin eine 

Genugtuung von CHF 1'500.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 3. Februar 

2021 zu bezahlen. 

 

4. 

Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin sei aus der 

Staatskasse angemessen zu entschädigen. Auf eine Rückforderung 

durch die Privatklägerin sei gestützt auf das Opferhilfegesetz zu ver-

zichten (Art. 30 Abs. 3 OHG).  

 

5. 

Die Honorarnote der unentgeltlichen Rechtsvertreterin sei zu genehmi-

gen (inkl. MWST) und auf die Staatskasse zu nehmen ohne Festset-

zung einer Rückerstattungspflicht für die Privatklägerin (Art. 30 Abs. 3 

OHG). 

 

6. 

Die unterzeichnende Rechtsanwältin sei von der Teilnahme an der 

Hauptverhandlung zu dispensieren. 

 

7. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldig-

ten." 

 

2.2. 

Am 14. Juli 2022 fand vor dem Bezirksgericht Kulm die Hauptverhandlung 

statt, anlässlich welcher der Beschuldigte befragt wurde. 

 - 4 - 

 

 

 

Der Beschuldigte stellte die folgenden Anträge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem 

Kind (Straftatendossier 1) freizusprechen. 

 

2. 

Der Beschuldigte sei wegen Fahren eines Motorfahrzeugs trotz Aber-

kennung des Führerausweises im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG 

(Straftatendossier 2) schuldig zu sprechen. 

 

3. 

Der Beschuldigte sei für seine Tat gemäss vorstehender Ziff. 2 mit einer 

bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 10.00 zu bestrafen, 

wobei die bereits ausgestandene Haft von 3 Tagen im Sinne von Art. 51 

StGB auf diese Strafe anzurechnen sei. Die Probezeit sei auf zwei 

Jahre anzusetzen. 

 

4. 

Von einer Verbindungsbusse sei abzusehen; eventualiter sei die Ver-

bindungsbusse auf lediglich CHF 300.00 festzulegen. 

 

5. 

Die Zivilklage sei gesamthaft entweder abzuweisen, eventualiter auf 

den Zivilweg zu verweisen.  

 

6. 

Die Verfahrenskosten und insbesondere auch die Kosten der amtlichen 

Verteidigung seien gesamthaft auf die Staatskasse zu nehmen." 

 

2.3. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Kulm fällte am 14. Juli 2022 folgendes 

Urteil:  

 

"1. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 4 

StGB (irrige Vorstellung über das Alter)  

- des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Aberkennung des Aus-

weises gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG 

 

  2. 

  2.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 187 Ziff. 4 StGB und ge-

stützt auf Art. 47 StGB zu 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 

 

 - 5 - 

 

 

 

2.2. 

Die ausgestandene Haft von drei Tagen (4. Februar 2021 – 6. Februar 

2021) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die ausgefällte Freiheitsstrafe 

angerechnet. 

 

2.3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Freiheitsstrafe 

der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf 

Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG und 

gestützt auf Art. 34 und Art. 47 StGB zu 60Tagessätzen Geldstrafe ver-

urteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 30.00 festgesetzt. Die Geldstrafe be-

läuft sich auf Fr. 1'800.00. 

 

3.2. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe 

der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf 

Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre festgesetzt. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 3.1. erwähnten Best-

immungen und gestützt auf Art. 106 und Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer 

Verbindungsbusse von Fr. 500.00 verurteilt. 

 

4.2. 

Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheits-

strafe von 16 Tagen vollzogen. 

 

5. 

5.1. 

Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen.  

 

5.2. 

5.2.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin eine Pro-

zessentschädigung in Höhe ihrer richterlich genehmigten Anwaltskos-

ten von Fr. 2'822.55 (inkl. MwSt.) zu bezahlen. 

 

5.2.2. 

Die Gerichtskasse Kulm wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertre-

terin der Zivil- und Strafklägerin die Prozessentschädigung von 

Fr. 2'822.55 (inkl. MwSt.) gemäss Ziff. 5.2.1. hiervor zu bezahlen. 

 

5.2.3. 

Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

unentgeltliche Verbeiständung der Straf- und Zivilklägerin, d.h. 

 - 6 - 

 

 

 

Fr. 2'822.55 , zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-

nisse erlauben (Art. 138 Abs. 2 und Art. 426 Abs. 4 StPO).  

 
6. 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Gerichtsgebühr von Fr. 800.00 

b) der Anklagegebühr Fr.  1'050.00 

c) den Beweisführungskosten von Fr.  1'846.00 

d) andere Auslagen Fr.  84.00 

Total Fr.  3'780.00 

 

Dem Beschuldigten werden die Gebühren sowie die Kosten gemäss 

lit. b) bis d) im Gesamtbetrag von Fr. 3'780.00 auferlegt. 

 

7. 

7.1. 

Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten wird aus der Staatskasse 

honoriert. Die Gerichtskasse Kulm wird angewiesen, der amtlichen Ver-

teidigerin des Beschuldigten das richterlich genehmigte Honorar im Be-

trag von Fr. 10'357.15 (inkl. Fr. 740.50 MwSt.) zu überweisen. 

 

7.2. 

Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO)." 

 

2.4. 

Mit Eingabe vom 5. August 2022 meldete der Beschuldigte gegen das ihm 

am 27. Juli 2022 zugestellte Urteil die Berufung an. 

 

3. 

3.1. 

Nachdem das schriftlich begründete Urteil dem Beschuldigten (gemäss ei-

genen, unbestritten gebliebenen Angaben) am 28. November 2022 zuge-

stellt worden war, erklärte der Beschuldigte am 1. Dezember 2022 die Be-

rufung und stellte die folgenden Anträge: 

 

"1. 

Es seien Ziffer 1, 2, 5.2.1 und 5.2.3 und 6 des Dispositivs des Urteils 

des Bezirksgerichts Kulm, Präsidium des Strafgerichts, vom 14. Juli 

2022 (Geschäfts-Nr.: ST.2021.91) aufzuheben und durch folgende 

Fassungen zu ersetzen resp. folgende Ziffern neu hinzuzunehmen: 

 

«1. [neu] 

Der Beschuldigte B. wird freigesprochen vom Vorwurf der se-

xuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 4 

StGB. 

 

 - 7 - 

 

 

 

Der Beschuldigte ist schuldig des Führens eines Motorfahr-

zeugs trotz Aberkennung des Ausweises gemäss Art. 95 

Abs. 1 lit. b SVG. 

 

[2. fällt weg] 

 

[…] 

 

3.3. [neu] 

Die ausgestandene Haft von drei Tagen (4. Februar 2021 - 

6. Februar 2021) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Geld-

strafe angerechnet. 

 

[…] 

 

[5.2.1 fällt weg] 

 

[…] 

 

[5.2.3. fällt weg] 

 

[…] 

 

6. [neu] 

Dem Beschuldigten werden die Verfahrenskosten lediglich zu 

1/10 auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genom-

men. 

 

7.2. [neu] 

Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kos-

ten für die amtliche Verteidigung im Umfang von 1/10 zurück-

zuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau-

ben." 

 

2. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Berufungsgeg-

nerin." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 7. Dezember 2022 verzichtete die Staatsanwaltschaft Zo-

fingen-Kulm darauf, einen Nichteintretensantrag zu stellen bzw. Anschluss-

berufung zu erklären. Sie erklärte sich mit der Durchführung des schriftli-

chen Berufungsverfahrens einverstanden. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 15. Dezember 2022 beantragte der Beschuldigte die 

Durchführung des mündlichen Berufungsverfahrens mit Befragung der Pri-

vatklägerin sowie die Auswertung des Mobiltelefons der Privatklägerin. 

 

 - 8 - 

 

 

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 16. Dezember 2022 ordnete die Verfahrensleiterin die 

Durchführung des mündlichen Berufungsverfahrens an. 

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 27. Januar 2023 erstattete der Beschuldigte die Beru-

fungsbegründung und hielt an seinen mit Berufungserklärung gestellten 

Anträgen fest.  

 

3.6. 

Mit Eingabe vom 6. Februar 2023 erstattete die Staatsanwaltschaft Zofin-

gen-Kulm die Berufungsantwort und beantragte die kostenfällige Abwei-

sung der Berufung. 

 

3.7. 

Mit Eingabe vom 22. Februar 2023 reichte die Privatklägerin die Berufungs-

antwort ein und beantragte die kostenfällige Abweisung der Berufung.  

 

3.8. 

Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 verzichtete die Staatsanwaltschaft Zo-

fingen-Kulm auf eine Stellungnahme zur Berufungsantwort der Privatkläge-

rin. 

 

3.9. 

Mit Verfügung vom 17. April 2023 wurden die Beweisanträge des Beschul-

digten einstweilen abgewiesen. Gleichzeitig wurde der Privatklägerin die 

unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren bewilligt. 

 

3.10. 

Am 22. Juni 2023 fand vor dem Obergericht des Kantons Aargau die Beru-

fungsverhandlung statt, anlässlich welcher der Beschuldigte befragt wurde. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-

fochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StGB).  

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der sexuellen 

Handlungen mit einem Kind (Straftatendossier 1) sowie eine Anpassung 

der damit zusammenhängenden Strafzumessung und der Kosten- und Ent-

schädigungsfolgen. Das vorinstanzliche Urteil ist entsprechend zu überprü-

fen.  

 

 - 9 - 

 

 

 

Keine Überprüfung erfolgt hingegen bezüglich der unangefochten geblie-

benen Verweisung der Zivilforderung auf den Zivilweg. 

 

Nicht zu überprüfen ist weiter der nicht angefochtene Schuldspruch wegen 

Führens eines Motorfahrzeugs trotz Aberkennung des Ausweises gemäss 

Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG (Straftatendossier 2) und die damit verbundene 

Strafe. 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm wirft dem Beschuldigten in der An-

klage vor, dass er am 3. Februar 2021 vaginalen und oralen Geschlechts-

verkehr mit der damals 15-jährigen Privatklägerin gehabt habe. Er habe 

das Alter der Privatklägerin nicht gekannt, habe sie auf 19 Jahre alt ge-

schätzt, jedoch nicht nach ihrem Alter gefragt, obwohl er seinen Irrtum da-

mit leicht hätte vermeiden können. Damit habe er in Kauf genommen, dass 

die Privatklägerin jünger als 16 Jahre alt gewesen sei und habe sich der 

sexuellen Handlungen mit einem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 4 StGB schuldig 

gemacht. 

 

2.2. 

Gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB macht sich u.a. strafbar, wer mit einem Kind 

unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt. Die Handlung ist nicht 

strafbar, wenn der Altersunterschied zwischen den Beteiligten nicht mehr 

als drei Jahre beträgt (Art. 187 Ziff. 2 StGB). Hat der Täter zur Zeit der Tat 

oder der ersten Tathandlung das 20. Altersjahr noch nicht zurückgelegt und 

liegen besondere Umstände vor oder ist die verletzte Person mit ihm die 

Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft eingegangen, so kann die zu-

ständige Behörde von der Strafverfolgung, der Überweisung an das Gericht 

oder der Bestrafung absehen (Art. 187 Ziff. 3 StGB). Handelte der Täter in 

der irrigen Vorstellung, das Kind sei mindestens 16 Jahre alt, hätte er je-

doch bei pflichtgemässer Vorsicht den Irrtum vermeiden können, unterliegt 

die Tat nach Art. 187 Ziff. 4 StGB einer milderen Strafandrohung. 

 

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 187 Ziff. 1 StGB Vorsatz, wobei Even-

tualvorsatz genügt. Dabei braucht der Täter keine exakte Vorstellung dar-

über zu haben, welche Bedeutung sein Verhalten für das betroffene Opfer 

hat. Der Täter sollte sich aber die zugrundeliegende soziale Wertung sei-

nes Verhaltens in groben Zügen vorstellen können. Zudem ist erforderlich, 

dass der Täter weiss oder zumindest in Kauf nimmt, dass das Kind unter 

16 Jahre alt ist und mehr als drei Jahre jünger ist als er (PHILIPP MAIER, in: 

Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 21 zu Art. 187 StGB). 

 

Art. 187 Ziff. 4 StGB regelt den Fall, dass sich der Täter bezüglich des Al-

ters des Kindes fahrlässig geirrt hat. Hat der Täter ernsthaft mit der Mög-

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lichkeit gerechnet, dass das Kind noch im Schutzalter stehe, so liegt Even-

tualvorsatz vor. Irrt der Täter hinsichtlich der Altersdifferenz zum Opfer, so 

bleibt er selbst bei pflichtwidriger Unvorsicht straflos, denn Ziff. 4 dehnt die 

Strafbarkeit bei fahrlässigem Sachverhaltsirrtum nicht auf die Altersdiffe-

renz aus (TRECHSEL/BERTOSSA, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Pra-

xiskommentar, 4. Aufl. 2021, N. 15 zu Art. 187 StGB). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Entsprechend den zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen (vo-

rinstanzliches Urteil E. 2 und 2.2) steht gestützt auf die übereinstimmenden 

Aussagen der beteiligten Personen fest (und blieb auch im Berufungsver-

fahren unbestritten), dass sich die Privatklägerin am 3. Februar 2021 mit F. 

verabredete. Sie seien zusammen in ein von F. gemietetes Zimmer 

("Rümli") an der Y-Strasse in Q. gefahren, wo es zu einem Treffen mit dem 

ihr bis dahin unbekannten Beschuldigten, drei weiteren Männern und einer 

Frau gekommen sei. Im Verlaufe des Abends sei es zum Geschlechtsver-

kehr zunächst zwischen der Privatklägerin und F. und später zwischen der 

Privatklägerin und dem Beschuldigten gekommen (Eröffnung Festnahme 

betreffend den Beschuldigten vom 4. Februar 2021 act. 165 ff.; Einver-

nahme des Beschuldigten vom 8. Februar 2021 act. 176 ff.; Protokoll HV 

S. 5; Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.; delegierte Einvernahme von 

F. vom 4. Februar 2021 act. 140 ff.; Eröffnung Festnahme betreffend F. 

vom 4. Februar 2021 act. 154 ff.; delegierte Einvernahme der Privatklägerin 

vom 8. Februar 2021 act. 210 ff.). 

 

Wie die Vorinstanz zutreffend festhält (E. 2.2.), war der Beschuldigte im 

Tatzeitpunkt rund 21 ½ Jahre alt. Die Privatklägerin war rund drei Wochen 

vor der Tat 15 Jahre alt geworden.  

 

Die Privatklägerin zog anlässlich der Befragung vom 8. Februar 2021 den 

anfänglich erhobenen Vorwurf der Vergewaltigung zurück und bezeichnete 

den vaginalen und oralen Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten als 

einvernehmlich, wenn auch nicht gewollt (delegierte Einvernahme der Pri-

vatklägerin vom 8. Februar 2021 act. 210 ff.). 

 

2.3.2. 

Indem der Beschuldigte mit der damals noch nicht 16 Jahre alten Privatklä-

gerin den vaginalen und oralen Geschlechtsverkehr vollzog, erfüllte er den 

objektiven Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB. 

 

Der Beschuldigte ist rund 6 ½ Jahre älter als die Privatklägerin und war im 

Tatzeitpunkt rund 21 ½ Jahre alt, womit weder Art. 187 Ziff. 2 StGB noch 

Art. 187 Ziff. 3 StGB zur Anwendung gelangen (dazu vorinstanzliches Urteil 

E. 2.2). 

 

 - 11 - 

 

 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Anklage hält – entsprechend den Aussagen des Beschuldigten (Eröff-

nung Festnahme vom 4. Februar 2021 act. 168; delegierte Einvernahme 

vom 8. Februar 2021 act. 178; Protokoll HV S. 5) – fest, dass der Beschul-

digte nicht gewusst habe, wie alt die Privatklägerin gewesen sei, und er sie 

auf 19 Jahre geschätzt habe. Sie wirft dem Beschuldigten lediglich Fahr-

lässigkeit i.S.v. Art. 187 Ziff. 4 StGB vor und hält fest, dass der Irrtum leicht 

hätte vermieden werden können. Trotz der Formulierung, der Beschuldigte 

habe in Kauf genommen, dass die Straf- und Zivilklägerin jünger als 16 

Jahre gewesen sei, ist damit aufgrund des Anklageprinzips (Art. 9 Abs. 1 

StPO) vorsätzliches Handeln nicht zu prüfen. Ein entsprechender Schuld-

spruch wäre im Übrigen auch aufgrund des Verschlechterungsverbots 

i.S.v. Art. 391 Abs. 2 StPO ausgeschlossen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_375/2013 vom 13. Januar 2014 E. 5.1.1). Entsprechend ist nachfolgend 

zu prüfen, ob der Beschuldigte bei seiner (hinsichtlich ihrer tatsächlichen 

Vornahme nicht zu überprüfenden) Alterseinschätzung mit hinreichender 

Sorgfalt vorgegangen ist. 

 

2.4.2. 

2.4.2.1. 

Die Vorinstanz hielt gestützt auf das Foto der Privatklägerin in den Akten 

(act. 131) fest, dass die Privatklägerin runde, weiche Gesichtszüge habe 

und auch mit künstlichen Wimpern jugendlich, wenn nicht gar kindlich aus-

sehe. Das Aussehen der Privatklägerin lasse den sicheren Schluss, dass 

es sich um eine 18- oder 19-jährige Frau handle, nicht zu. Verglichen mit 

den Fotos des Beschuldigten und von F. sei ein erheblicher Altersunter-

schied offensichtlich. Das Grössenwachstum von Mädchen sei im Alter von 

16 Jahren in der Regel abgeschlossen, womit aus der Grösse der Privat-

klägerin nicht auf ihre Volljährigkeit geschlossen werden könne 

(E. 2.2.3.1.). Auch aus der Tatsache, dass die Privatklägerin geschminkt 

gewesen sei, künstliche Wimpern, Schmuck und einen Tanga getragen 

habe, könne nicht abgeleitet werden, dass die Privatklägerin mindestens 

18 oder 19 Jahre alt sei. Es sei bekannt, dass sich viele junge Mädchen für 

den Ausgang zurechtmachen, wobei es auch häufig darum gehe, älter aus-

zusehen, was auch dem Beschuldigten mit Sicherheit bekannt sei 

(E. 2.2.3.2.). Der – vom Beschuldigte behauptete, von der Privatklägerin 

indessen bestrittene – freizügige Umgang mit intimen Bildern und Videos 

lasse keineswegs auf eine fortgeschrittene Persönlichkeitsentwicklung 

schliessen. Vielmehr sei eher das Gegenteil der Fall (E. 2.2.3.4.). Ob die 

Privatklägerin schon sexuelle Erfahrungen gemacht habe oder nicht, sei 

nicht relevant (E. 2.2.4.). Der Beschuldigte habe die Privatklägerin weder 

nach ihrem Alter gefragt noch, ob sie z.B. eine Ausbildung mache. Es ma-

che den Anschein, dass er sich über das Alter der Zivil- und Strafklägerin 

keine Gedanken gemacht habe und an ihr einzig als Sexualpartnerin inte-

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ressiert gewesen sei. Angesichts der zweifelsfrei vorliegenden Anhalts-

punkte für das junge Alter der Privatklägerin wäre der Beschuldigte ver-

pflichtet gewesen, sich vor den sexuellen Handlungen über ihr Alter zu er-

kundigen. Bei pflichtgemässer Vorsicht hätte er seinen Irrtum über das Alter 

der Privatklägerin ohne Weiteres vermeiden können, zumal keinerlei Hin-

weise vorliegen würden, dass sie ihr Alter verschleiert habe. So habe sie 

etwa gegenüber F. keinen Hehl daraus gemacht, Schülerin zu sein 

(E. 2.2.5).  

 

2.4.3. 

2.4.3.1. 

In der Berufungsbegründung wird geltend gemacht, dass der Beschuldigte 

sich in einem nicht vermeidbaren Irrtum befunden habe. Entgegen der Vo-

rinstanz liege mit 6 ½ Jahren kein erheblicher, sondern vielmehr ein kleiner 

Altersunterschied vor. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung seien pri-

mär das äussere Erscheinungsbild des jugendlichen Beteiligten, seine 

Grösse, die Gesichtszüge und seine körperliche Entwicklung massgeblich 

für die Vermeidbarkeit bzw. Entschuldbarkeit des Irrtums i.S.v. Art. 187 

Ziff. 4 StGB. Das Kind müsse erheblich älter aussehen. Wirke es 16 bis 17-

jährig, so sei erhöhte Sorgfalt am Platz. Ausserdem gelte bei einem Alters-

unterschied von zehn oder mehr Jahren zwischen den Beteiligten ein stren-

gerer Massstab als unter nahezu gleichaltrigen Jugendlichen (Berufungs-

begründung S. 4). Eine eigentliche Pflicht, sich stets vor sexuellen Hand-

lungen nach dem Alter des Gegenübers zu erkundigen, bestehe nicht. Die 

Privatklägerin wirke massiv älter als 16 Jahre. Der Beschuldigte habe sie 

gar auf 18 oder 19 Jahre geschätzt. Er habe davon ausgehen dürfen, dass 

es sich um sexuelle Handlungen unter annähernd Gleichaltrigen handle. 

Es komme damit nicht die erhöhte Sorgfaltspflicht zum Tragen. Es sei viel-

mehr der ordentliche Sorgfaltsmassstab anwendbar. Wenn der Jugendli-

che aufgrund seines äusseren Erscheinungsbilds massiv älter wirke als 16 

Jahre, sei der Irrtum nicht vermeidbar (Berufungsbegründung S. 5). Der 

Beschuldigte habe bei der Alterseinschätzung keine Zweifel gehabt. Er 

habe sich entsprechend auch keine weiteren Gedanken zum Alter der Pri-

vatklägerin gemacht. Hätte er sich Gedanken gemacht oder sie nach dem 

Alter gefragt, würde dies nahelegen, dass er Zweifel an seiner Altersein-

schätzung gehabt hätte, was aber nicht der Fall gewesen sei (Berufungs-

begründung S. 6 f.). Dass der Beschuldigte an der Privatklägerin einzig als 

Sexualpartnerin interessiert gewesen sei, sei nicht relevant. Auch die an-

deren anwesenden Männer hätten die Privatklägerin 18, 19 oder 20 Jahre 

alt geschätzt, worauf die Vorinstanz nicht eingegangen sei (Berufungsbe-

gründung S. 7). Die Vorinstanz habe die Alterseinschätzung des Beschul-

digten und der anderen Personen einzig gestützt auf die in den Akten be-

findlichen Fotos und ohne sich selbst einen unmittelbaren, persönlichen 

und umfassenden Eindruck von der Privatklägerin zu verschaffen, verwor-

fen. Dies, obwohl die Vorinstanz selbst festgehalten habe, dass eine si-

chere Einschätzung des Alters gerade von jungen Menschen im Übergang 

 - 13 - 

 

 

 

zum Erwachsenenalter aufgrund des Aussehens schwierig sei. Die Fotos, 

auf welche die Vorinstanz abgestellt habe, zeige nur den Kopf der Privat-

klägerin von vorne, ausschnittsweise deren Halshaut links, deren rechte 

Oberarminnenseite und die rechte Hand, Streckseite. Fotos von Brüsten 

und Hüfte, welche als sekundäre Geschlechtsmerkmale das äussere Er-

scheinungsbild einer Frau prägen würden und welche gerade für die Alters-

einschätzung von Relevanz sei, würden jedoch fehlen. Die Fotos seien wei-

ter gestellt und würden nicht vermitteln, wie sich die Privatklägerin tatsäch-

lich gegeben und bewegt habe (wie sie etwa die Hüfte beim Gehen ge-

schwungen habe). Gerade solche Eindrücke hätten einen massgeblichen 

Einfluss auf die unterbewusst vorgenommene Alterseinschätzung (Beru-

fungsbegründung S. 8). Sollte die Privatklägerin an der mündlichen Beru-

fungsverhandlung anwesend sein, werde das Obergericht nicht (mehr) ein-

schätzen können, wie alt die Privatklägerin im Zeitpunkt des massgeblichen 

Geschlechtsverkehrs gewirkt habe, zumal seit dem Vorfall bereits über 

zwei Jahre vergangen seien und sich die körperliche Entwicklung im ju-

gendlichen Alter viel schneller verändere als im Erwachsenenalter. Die 

Schätzung des Beschuldigten sei absolut nachvollziehbar. Auf den Fotos 

sehe die Privatklägerin in der Tat viel älter aus, als sie sei. Die Privatkläge-

rin sei im Zeitpunkt des Aufeinandertreffens 175 cm gross und 62 bis 63 kg 

schwer gewesen, wobei gemäss dem Bundesamt für Statistik 15-24-jährige 

Frauen durchschnittlich lediglich eine Grösse von 165.8 cm aufweisen. Die 

Geschädigte sei somit überdurchschnittlich gross und insbesondere auch 

grösser als der Beschuldigte gewesen, welcher lediglich 170 cm gross sei. 

Diese stattliche Grösse habe sie älter wirken lassen. Kinder seien im Ver-

gleich zu Erwachsenen in der Regel "klein", woraus sich schliessen lasse, 

dass eine grosse Person zu den Erwachsenen gehöre. Aufgrund dieses 

Erfahrungswerts würden grössere Menschen auch älter wirken als sie 

seien, selbst wenn dies ein Trugschluss sei. Auch das Bundesgericht habe 

die Grösse u.a. als massgebliche Beurteilungsgrundlage genannt (Beru-

fungsbegründung S. 10). Die Geschädigte habe weiter künstliche Wimpern 

und diversen Schmuck mit Diamanten getragen, was für ein Kind von 15 

Jahren ungewöhnlich sei. Kein Kind trage falsche Wimpern. Solche würden 

von erwachsenen Frauen getragen. Runde und weiche Gesichtszüge seien 

zudem mitnichten ein Indiz dafür, dass es sich bei der Person um ein Kind 

handle, zumal auch erwachsene Frauen runde, weiche Gesichtszüge ha-

ben könnten. Die von der Vorinstanz für die Alterseinschätzung angewand-

ten Kriterien seien damit unhaltbar und würden mit Sicherheit nicht den 

Schluss zulassen, dass die Privatklägerin geradezu kindlich anmute (Beru-

fungsbegründung S.11). Auch ein objektiver und sexuell nicht interessierter 

Betrachter hätte die Privatklägerin auf mindestens 18 Jahre geschätzt. In-

wiefern die Vorinstanz aufgrund der Fotos einen erheblichen Altersunter-

schied zum Beschuldigten habe erkennen können, sei nicht nachvollzieh-

bar und werde nicht begründet. Der Beschuldigte sei schliesslich auch vom 

Verhalten der Privatklägerin beeinflusst worden, da diese ihm erzählt habe, 

schon in Shisha-Bars gewesen zu sein, sie mit ihm über Sex gesprochen 

 - 14 - 

 

 

 

habe und ihm Videos gezeigt habe, auf welchen sie Sex mit anderen Män-

nern gehabt habe. Eine solche Verhaltensweise lasse eher vermuten, dass 

die Privatklägerin bereits volljährig sei und müsse dazu führen, dass der 

Sorgfaltsmassstab bei der Beurteilung eines Irrtums herabgesetzt werde. 

Die Privatklägerin habe selbst zur falschen Alterseinschätzung beigetragen 

(Berufungsbegründung S. 12 f.). Die Behauptung der Vorinstanz, dass von 

einer erwachsenen Person mit fortgeschrittener Persönlichkeitsentwick-

lung ein zurückhaltender Umgang mit intimen Videos zu erwarten wäre, sei 

unzutreffend. Sex werde statistisch gesehen eher von Erwachsenen ge-

pflegt als von Kindern. Wie offen man mit dem Thema Sex dann umgehe, 

sei eine Frage des Typs und habe nichts mit dem Alter zu tun. Selbst wenn 

davon auszugehen sei, dass die Privatklägerin ihr Alter nicht bewusst ver-

schleiert habe, so lasse doch ihr gesamtes Verhalten und ihre Aussagen 

zu ihren Shisha-Bar Besuchen den Schluss zu, dass sie bereits volljährig 

sei. Dass sie F. geschrieben habe, sie sei in der Schule, könne dem Be-

schuldigten nicht entgegengehalten werden, da er diese Nachricht weder 

empfangen noch gelesen habe. Die Privatklägerin habe damit aufgrund ih-

res Erscheinungsbildes, ihrer Grösse, ihrer Gesichtszüge und ihrer körper-

lichen Entwicklung erheblich älter als 16 Jahre gewirkt, was durch ihr an 

den Tag gelegtes Verhalten noch verstärkt worden sei, weshalb der Irrtum 

des Beschuldigten betreffend das Alter der Privatklägerin nicht vermeidbar 

gewesen und er entsprechend freizusprechen sei (Berufungsbegründung 

S. 14). 

 

2.4.3.2. 

In der Berufungsantwort der Privatklägerin wird zusammengefasst ausge-

führt, dass die Vorinstanz den Altersunterschied von 6 ½ Jahren zurecht 

als erheblich bzw. deutlich bezeichnet habe. Den Fotos sei klar zu entneh-

men, dass die Privatklägerin nicht wie knapp 20 Jahre alt, sondern sehr viel 

jünger ausgesehen habe (Berufungsantwort S. 2). Aus der Grösse ihrer 

Brust lasse sich nicht auf das Alter schliessen, was auch dem fast 22-jäh-

rigen Beschuldigten habe bekannt sein müssen. Das Untersuchungsproto-

koll des IRM G. gebe ausreichend Auskunft über die körperliche Entwick-

lung der Privatklägerin. Wäre diese aus der Norm gefallen, wäre dies ver-

zeichnet worden. Die Privatklägerin sei für alle erkennbar im Schutzalter 

gewesen. Daran vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, dass sie 

einen Fingerring und falsche Wimpern getragen habe (Berufungsantwort 

S. 3). Der Beschuldigte sei einzig daran interessiert gewesen, Sex mit der 

Privatklägerin zu haben, weshalb er es auch vermieden habe, nach dem 

Alter zu fragen. Es sei eine reine Schutzbehauptung des Beschuldigten, 

dass er die Privatklägerin auf mindestens 19 Jahre alt geschätzt habe. Die 

Privatklägerin sei im Tatzeitpunkt ein 15-jähriges Kind gewesen. Der Ge-

setzgeber schütze sämtliche junge Menschen in diesem Alter vor unange-

messenen sexuellen Handlungen, weshalb sich der Beschuldigte nicht auf 

eine Opfermitverantwortung aufgrund ihres Aussehens berufen und ange-

ben könne, dass er in die Irre geführt worden sei (Berufungsantwort S. 4 f.). 

 - 15 - 

 

 

 

 

2.4.3.3. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führt in ihrer Berufungsantwort ne-

ben dem Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen aus, es sei gerichts-

notorisch, dass 15-jährige Mädchen mitten in der Pubertät mit Makeup, 

Beautygadgets (wie künstlichen Wimpern) und Accessoires experimentie-

ren würden. Daraus zu schliessen, dass der Sorgfaltsmassstab in Bezug 

auf den Irrtum zu Gunsten des Beschuldigten herabzusetzen sei, könne 

nicht angehen. Gleiches gelte für das Verhalten des Opfers. Es sei verwerf-

lich, die sexuelle Integrität eines Kindes davon abhängig zu machen, ob es 

bereits Geschlechtsverkehr gehabt oder Shisha-Bars besucht habe. 

 

2.4.3.4. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte im Wesentli-

chen ausführen, dass die Strafbehörden den Beweis zur Vermeidbarkeit 

des Irrtums hätten erbringen müssen, was nur mit Ganzkörperfotos der Pri-

vatklägerin oder einem der dem Beschuldigten gezeigten Videos, welche 

sie beim Sex mit anderen Männern zeigen würden, möglich gewesen wäre. 

Nach Ablehnung der entsprechenden Beweisanträge müsse in dubio pro 

reo davon ausgegangen werden, dass der Irrtum des Beschuldigten nicht 

vermeidbar gewesen sei, zumal nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung primär das äussere Erscheinungsbild, die Grösse, die Gesichtszüge 

und die körperliche Entwicklung für die Vermeidbarkeit des Irrtums mass-

geblich seien (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 4 f.). Es sei erlaubt, eine 

eigene Alterseinschätzung mittels eines Augenscheins vorzunehmen. Eine 

Pflicht, nach dem Alter zu fragen, bestehe nicht (Plädoyer Berufungsver-

handlung S. 6; Protokoll Berufungsverhandlung S. 9). Auch der Mitbeschul-

digte F. sowie H. hätten die Privatklägerin auf 18 bis 20 Jahre alt geschätzt. 

Zudem habe sich die Privatklägerin gemäss den dem Beschuldigten ge-

zeigten Bildern und Videos in der Vergangenheit Zutritt zu Orten verschafft, 

welche nur für über 16-jährige Personen zugänglich seien. Auch sei sie 

bereits in sexueller Hinsicht erfahren gewesen. Andere Männer hätten die 

Privatklägerin damit ebenfalls als bereits volljährig eingeschätzt, was ein 

klarer Beweis dafür sei, dass der Irrtum des Beschuldigten vermeidbar ge-

wesen sei (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 8 f.). Wenn sich eine Person 

an einem Ort aufhalte, der nur Erwachsenen zugänglich sei, dürfe man da-

von ausgehen, dass diese Person erwachsen sei (Protokoll Berufungsver-

handlung S. 9).   

 

2.4.3.5. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm verwies an der Berufungsverhand-

lung zusammengefasst erneut darauf, dass das Foto aus den Untersu-

chungsakten rechtsgenüglich zeige, dass es sich bei der Privatklägerin um 

ein unter dem Schutzalter liegendes Mädchen gehandelt habe, womit der 

Beschuldigte an seiner Alterseinschätzung hätte zweifeln und zumindest 

 - 16 - 

 

 

 

nach dem Alter hätte fragen müssen. Von einer sorgfältigen Alterseinschät-

zung könne keine Rede sein. Im Übrigen könne man den Mitbeschuldigten 

F. und seinen Kollegen nicht als Durchschnittspersonen bezeichnen. Die 

Privatklägerin treffe keine Opfermitverantwortung. Sie habe den Beschul-

digten nicht in die Irre geführt. Vielmehr habe es ihn einfach nicht interes-

siert, wie alt die Privatklägerin sei (Plädoyer S. 1 ff.). 

 

2.4.3.6. 

Die Privatklägerin liess anlässlich der Berufungsverhandlung auf die Aus-

führungen der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm und das vorinstanzliche 

Urteil verweisen. Ihr Alter sei dem Beschuldigten egal gewesen. Er habe 

nur den Sex gewollt und sich nicht über sie informiert. Der Beschuldigte 

habe ein Machtgefälle geschaffen und ausgenutzt (Plädoyer S. 1).  

 

2.4.4. 

2.4.4.1. 

Massgebliche Beurteilungsgrundlagen für die Vermeidbarkeit bzw. Ent-

schuldbarkeit des Irrtums i.S.v. Art. 187 Ziff. 4 StGB sind primär das 

äussere Erscheinungsbild des jugendlichen Beteiligten, seine Grösse, die 

Gesichtszüge und seine körperliche Entwicklung. Das Kind muss erheblich 

älter aussehen. Wirkt es 16- bis 17-jährig, so ist erhöhte Sorgfalt am Platz. 

Ausserdem gilt bei einem Altersunterschied von zehn oder mehr Jahren 

zwischen den beiden Beteiligten ein strengerer Massstab als unter nahezu 

gleichaltrigen Jugendlichen (Urteil des Bundesgerichts 6B_214/2007 vom 

13. November 2007 E. 3.3). An die Sorgfaltspflicht werden hohe Anforde-

rungen gestellt. Gemildert wurden die Sorgfaltsanforderungen lediglich in 

Fällen von Jugendliebe. Bei Anlass zu Zweifeln kann sich der Täter nicht 

einfach mit der Antwort des Opfers auf seine entsprechende Frage begnü-

gen, sondern muss sich allenfalls bei Dritten erkundigen. Nach allgemeiner 

Erfahrung neigen junge Mädchen dazu, sich älter auszugeben, um von rei-

feren Männern ernst genommen zu werden und deren Interesse aufrecht 

zu erhalten (Urteil des Bundesgerichts 6B_813/2009 vom 20. Mai 2010 

E. 2.2; MAIER, a.a.O., N. 36 zu Art. 187 StGB).  

 

2.4.4.2. 

Der Beschuldigte leitete die Volljährigkeit der Privatklägerin gemäss eige-

nen Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm aus dem 

Aussehen der Privatklägerin sowie den gemeinsam angeschauten Videos 

ab, gemäss welchen sie in Shisha-Bars gehe und Alkohol konsumiere (Er-

öffnung Festnahme vom 4. Februar 2021 act. 168; delegierte Einvernahme 

vom 8. Februar 2021 act. 178 f.). In der Hauptverhandlung gab er auf die 

Frage, ob sie auch jünger hätte sein können, an, dass sie aufgrund ihrer 

Grösse, der Art wie sie Sex mache, wie sie rausgehe und Schmuck trage, 

älter als 16 Jahre alt sei (Protokoll HV S. 5). Anlässlich der Berufungsver-

handlung führte er aus, dass er aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit in 

 - 17 - 

 

 

 

Shisha-Bars wisse, dass niemand unter 18 Jahren eine Shisha-Bar betre-

ten könne, weshalb es nicht nötig gewesen sei, die Privatklägerin nach ih-

rem Alter zu fragen. Auch aufgrund ihrer Grösse und "Struktur" habe er sie 

nicht als minderjährig eingeschätzt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 4 

f.). 

 

2.4.4.3. 

Es ist in keiner Weise zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Aussehen 

der Privatklägerin auf dem in der Nacht des Vorfalls vom IRM G. aufge-

nommenen Fotos (act. 131), insbesondere aufgrund ihrer runden und wei-

chen Gesichtszüge und trotz der Schminke und künstlichen Wimpern als 

jugendlich bezeichnete (E. 2.2.3.1). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das 

Foto (Portrait) eine solche Einschätzung nicht zulassen würde. Insbeson-

dere ist der Einwand des Beschuldigten, dass darauf die Brüste und die 

Hüfte der Privatklägerin sowie die Art, wie sie gehe, nicht erkennbar seien, 

nicht zielführend, zumal die körperliche Entwicklung bei Mädchen in diesem 

Alter bekanntlich in der Regel bereits sehr weit fortgeschritten ist und ent-

sprechend weder eine weibliche Köperform noch eine grosse Körpergrösse 

gegen ein jugendliches Aussehen sprechen. Dass gemäss der genannten 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung u.a. auch die Grösse und körperliche 

Entwicklung als grundsätzliche Anhaltspunkte genannt werden, vermag da-

ran nichts zu ändern, zumal es sich hierbei um allgemeine Kriterien handeln 

dürfte, die je nach Alter und Geschlecht des betroffenen Opfers mehr oder 

auch weniger bedeutend sind. Im Untersuchungsbericht des IRM wurde der 

Körperbau der Privatklägerin denn auch als "regelgerecht" beschrieben 

(act. 127).  

 

Dass sich die Alterseinschätzung bei jugendlichen Mädchen schwierig er-

weist, die körperliche Entwicklung oft schon sehr weit fortgeschritten und 

das Tragen von Schminke, Schmuck und dergleichen nicht aussergewöhn-

lich ist (vorinstanzliches Urteil E. E. 2.2.3.1. f.), ist allgemein bekannt, und 

musste auch dem Beschuldigten, welcher die Privatklägerin immerhin deut-

lich jünger als er selbst einschätzte und welcher nach eigenen Angaben 

schon diverse sexuelle Kontakte (auch mit jungen Frauen ab 16 Jahren) 

gehabt habe (delegierte Einvernahme vom 8. Februar 2021 act. 190), be-

wusst sein. Damit konnte er weder aufgrund ihrer Grösse und körperlichen 

Entwicklung noch aufgrund des von ihr getragenen Schmucks, der 

Schminke, der aufgeklebten Wimpern oder dem Umstand, dass sie schon 

sexuelle Erfahrungen gehabt habe, sicher darauf schliessen, dass die Pri-

vatklägerin bereits 18 oder 19 Jahre alt gewesen sei. Auch der Besuch von 

Shisha-Bars lässt nicht den sicheren Schluss zu, dass die Privatklägerin 

volljährig gewesen sei, zumal der Beschuldigte selbst angab zu wissen, 

dass die Eingangskontrollen nicht überall streng gehandhabt würden (Pro-

tokoll HV S. 6). Es kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführun-

gen verwiesen werden (E. 2.2.3.1 ff.) 

 

 - 18 - 

 

 

 

Damit bestand für den Beschuldigten durchaus Anlass, an seiner Einschät-

zung, dass die Privatklägerin bereits volljährig gewesen sei, zu zweifeln. 

Hätte er sich überhaupt weitere Gedanken gemacht, hätte sich ihm auf-

drängen müssen, dass die Privatklägerin auch jünger als von ihm einge-

schätzt hätte sein können. Bei diesem Beweisergebnis erübrigen sich die 

vom Beschuldigten beantragte Auswertung des Mobiltelefons der Privat-

klägerin sowie die beantragte Befragung der Privatklägerin anlässlich der 

Berufungsverhandlung. Im Übrigen trifft die (auch vom Beschuldigten ver-

tretene; Berufungsbegründung S. 9) Ansicht zu, dass aus dem heutigen 

Aussehen der Privatklägerin nichts zur Alterseinschätzung im Tatzeitpunkt 

abgeleitet werden kann.  

 

Nach der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist bereits ein 

erhöhter Sorgfaltsmassstab anzuwenden, wenn ein Mädchen 16 bis 17 

Jahre alt (oder jünger) wirkt, was vorliegend offensichtlich der Fall ist. Bei 

einem (in diesem Alter noch als erheblich einzustufenden) Altersunter-

schied von 6 ½ Jahren sind der Beschuldigte und die Privatklägerin auch 

nicht nahezu gleichaltrig, womit die Altersdifferenz vorliegend nicht zu einer 

Herabsetzung der erforderlichen Sorgfalt führen kann. Wie die Vorinstanz 

zutreffend ausführt, hätte pflichtgemässes Handeln damit (über die anhand 

von offensichtlich untauglichen Kriterien vorgenommene Einschätzung hin-

aus) Abklärungen des Beschuldigten zum Alter der Privatklägerin erfordert 

(E. 2.2.5.).  

 

Der Beschuldigte, welchem das Schutzalter von 16 Jahren nach eigenen 

Angaben bekannt war (Protokoll HV S. 5), fragte die Privatklägerin jedoch 

weder nach ihrem Alter oder ihrer Ausbildung noch versuchte er in irgend-

einer anderen Weise aktiv etwas darüber zu erfahren (Eröffnung Fest-

nahme vom 4. Februar 2021 act. 168; delegierte Einvernahme vom 8. Feb-

ruar 2021 act. 179; Protokoll HV S. 5). Nach eigenen Angaben machte er 

sich vielmehr keine Gedanken darüber (Protokoll HV S. 5). Der Beschul-

digte kam damit seiner (vorliegend gar erhöhten) Sorgfaltspflicht in keiner 

Weise nach. Er verliess sich einzig auf seine (wie erwähnt anhand offen-

sichtlich nicht geeigneter Faktoren getroffene) Einschätzung. Er handelte 

damit pflichtwidrig. Hinweise, dass die Privatklägerin bei entsprechender 

Nachfrage ein falsches Alter angegeben hätte, liegen keine vor, zumal sie 

(wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, E. 2.2.5.) gegenüber F. 

ohne Weiteres angegeben habe, Schülerin zu sein (delegierte Einver-

nahme von F. vom 4. Februar 2021 act, 141), womit auch gegenüber dem 

Beschuldigten – hätte er irgendein Interesse an ihrem Alter gezeigt – keine 

Falschangaben zu erwarten gewesen wären. Mit der Vorinstanz ist damit 

festzuhalten, dass der Irrtum des Beschuldigten bei pflichtgemässer Vor-

sicht vermeidbar gewesen wäre (vorinstanzliche Urteil E. 2.2.5.). Der Be-

schuldigte handelte damit fahrlässig i.S.v. Art. 187 Ziff. 4 StGB. 

 

 - 19 - 

 

 

 

2.5. 

Zusammengefasst erfüllte der Beschuldigte den Tatbestand der sexuellen 

Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 4 StGB, indem er mit der 

im Tatzeitpunkt erst 15-jährigen Privatklägerin Geschlechtsverkehr hatte, 

ohne (trotz ihres jugendlichen Aussehens) zuvor nach ihrem Alter zu fragen 

oder in anderer Weise Abklärungen hierzu vorzunehmen. 

 

2.6. 

Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich. 

Der vorinstanzliche Schuldspruch ist damit zu bestätigen. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich der sexuellen Handlungen mit einem Kind ge-

mäss Art. 187 Ziff. 4 StGB schuldig gemacht, wofür das Gesetz Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe androht.  

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; 144 IV 217; 141 IV 61 E. 6.1.1; 

136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.3. 

Die Vorinstanz, welche die Strafzumessung für den Tatbestand der sexu-

ellen Handlungen mit einem Kind sowie den Tatbestand des Führens eines 

Motorahrzeugs trotz Aberkennung des Ausweises vorzunehmen hatte, er-

achtete eine Gesamtgeldstrafe aufgrund der Begrenzung der Geldstrafe 

auf 180 Tagessätze gemäss Art. 34 StGB als nicht mehr angemessen und 

hielt fest, dass daher für den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit ei-

nem Kind eine Freiheitsstrafe und für das SVG-Delikt eine Geldstrafe aus-

zufällen sei (E. 5.2). Sie verurteilte den Beschuldigten im Zusammenhang 

mit dem Schuldspruch wegen sexueller Handlungen mit einem Kind ge-

mäss Art. 187 Ziff. 4 StGB zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 6 Mona-

ten, unter Einrechnung der ausgestandenen Haft von drei Tagen, Probezeit 

2 Jahre, sowie hinsichtlich des (unangefochten gebliebenen) Tatbestands 

des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Aberkennung des Ausweises ge-

mäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Ta-

gessätzen à Fr. 30.00, Probezeit 3 Jahre, und einer Verbindungsbusse von 

Fr. 500.00 (bei schuldhafter Nichtbezahlung 16 Tage Ersatzfreiheitsstrafe).  

 

3.4. 

Der Beschuldigte beantragte einen Freispruch. Er äusserte sich für den Fall 

eines Schuldspruchs nicht zur Strafzumessung.  

 - 20 - 

 

 

 

 

3.5. 

3.5.1. 

Die gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Strafzumessung 

anwendbare sog. "konkrete Methode" verlangt die Würdigung der einzel-

nen Straftaten und damit auch die Wahl der jeweiligen Strafart in einem 

separaten Schritt. Erst nach Festsetzung der Einzelstraftaten kann festge-

legt werden, ob die Einzelstrafen gleichartig sind oder nicht (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_382/2021 vom 25. Juli 2022 E. 3.2.1 mit Verweis auf 

BGE 144 IV 313 E. 1 und BGE 144 IV 217 E. 4.1). Fällt das Gericht im 

konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen aus, 

so ist eine Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips nach 

Art. 49 Abs. 1 StGB zu bilden (BGE 144 IV 217; BGE 142 IV 265 E. 2.3.2; 

BGE 138 IV 120 E. 5.2). 

 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind unter Beachtung des Prinzips der Ver-

hältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweckmässigkeit einer be-

stimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Um-

feld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 

E. 4.2; 134 IV 82 E. 4.1). Gemäss Art. 41 StGB kann das Gericht anstatt 

auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche 

geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen 

oder Vergehen abzuhalten (lit. a) oder eine Geldstrafe voraussichtlich nicht 

vollzogen werden kann (lit. b). Erkennt das Gericht an Stelle einer Geld-

strafe auf eine Freiheitsstrafe, hat es diese Wahl näher zu begründen 

(Art. 41 Abs. 2 StGB; BGE 144 IV 313).  

 

3.5.2. 

Die Vorinstanz begründete die Wahl der Strafarten (Freiheitsstrafe und 

Geldstrafe) mit der Angemessenheit des Gesamtergebnisses (E. 5.2), was 

angesichts der genannten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu-

lässig ist. Vielmehr hätte sie die Strafart für jede Straftat einzeln festlegen 

müssen. Angesichts der von ihr für den Tatbestand der sexuellen Handlun-

gen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 4 StGB als angemessen erachte-

ten 180 Strafeinheiten hätte sie darlegen müssen, inwiefern der Beschul-

digte der milderen Geldstrafe nicht (mehr) zugänglich sei.  

 

3.5.3. 

Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erscheint indessen (entgegen der 

Vorinstanz) für den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 4 StGB eine 180 Strafeinheiten übersteigende Strafe 

angemessen, womit eine Geldstrafe gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB nicht 

mehr möglich und eine Freiheitsstrafe gemäss Art. 40 StGB auszusprechen 

ist. 

  

 - 21 - 

 

 

 

3.6. 

3.6.1. 

Betreffend Tatkomponenten ist zunächst darauf zu verweisen, dass der 

vollzogene orale und vaginale Geschlechtsverkehr im obersten Bereich der 

unter den Tatbestand fallenden möglichen sexuellen Handlungen einzustu-

fen und damit als schwerwiegend zu bezeichnen ist. Die Privatklägerin war 

erst drei Wochen vor der Tat 15 Jahre alt geworden und befand sich noch 

deutlich im Schutzalter. Der Beschuldigte ist rund sechseinhalb Jahre älter, 

womit ein erheblicher Altersunterschied besteht. Die Privatklägerin wurde 

von ihrem flüchtigen Bekannten F. in ein Zimmer geführt, wo sich neben 

dem ihr unbekannten Beschuldigten zunächst noch drei weitere, ihr unbe-

kannte Männer sowie eine Frau aufhielten, die schliesslich das Zimmer ver-

liessen (vgl. delegierte Einvernahme der Privatklägerin vom 8. Februar 

2021 act. 223). Die Privatklägerin blieb zunächst mit F. und anschliessend 

mit dem Beschuldigten alleine zurück. Auch wenn der Geschlechtsverkehr 

mit dem Beschuldigten einvernehmlich stattfand, befand sie sich in einer 

Überforderungssituation, was aus ihrem Aussageverhalten – sie bezich-

tigte den Beschuldigten und F. zunächst der Vergewaltigung, revidierte ihre 

Aussagen jedoch später und bezeichnete den Geschlechtsverkehr als ein-

vernehmlich, jedoch auch immer wieder als nicht gewollt und brachte wie-

derholt zum Ausdruck, sich unwohl gefühlt zu haben, da die Männer unter-

einander nur kurdisch gesprochen hätten und F. einfach weggegangen sei 

(act. delegierte Einvernahme der Privatklägerin vom 8. Februar 2021 214 

f.; vgl. auch delegierte Einvernahme des Beschuldigten vom 8. Februar 

2021 act. 180 und 188, vgl. dazu auch vorinstanzliches Urteil E. 2.1.) – 

deutlich wird. Zumindest das Bestehen eines bereits durch die Situation 

bedingten Ungleichgewichts (fremder Ort, fremde Sprache, unbekannte 

bzw. nur flüchtig bekannte Personen) hätte dem Beschuldigten auffallen 

müssen. Dieser war indessen einzig auf die Befriedigung seiner sexuellen 

Bedürfnisse bedacht und fragte die ihm bis dahin unbekannte Privatkläge-

rin trotz ihres jugendlichen Aussehens und der schwierig vorzunehmenden 

Alterseinschätzung nicht einmal nach ihrem Alter, was ihm ohne weiteres 

möglich gewesen wäre. Vielmehr beliess er es bei seiner anhand von of-

fensichtlich ungeeigneten Faktoren getroffenen ersten Einschätzung. Wie 

die Vorinstanz zutreffend ausführt, ist sein Verhalten als egoistisch zu be-

zeichnen. Die ohne Weiteres vermeidbare Sorgfaltspflichtverletzung des 

Beschuldigten wiegt damit erheblich. Insgesamt ist mit der Vorinstanz von 

einem mittelschweren Verschulden auszugehen (E. 5.4.1). Ein solches 

würde jedoch angesichts des möglichen Strafrahmens von Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren eine höhere Strafe als die von der Vorinstanz als ange-

messen erachtete Freiheitsstrafe von sechs Monaten verlangen. 

 

3.6.2. 

Hinsichtlich des Tatbestands der sexuellen Handlungen mit einem Kind ist 

die Täterkomponente (mit der Vorinstanz, E. 5.5.2) neutral zu werten, zu-

 - 22 - 

 

 

 

mal der Beschuldigte nicht einschlägig vorbestraft ist und er sich im Straf-

verfahren zwar kooperativ verhielt, indessen aber keine Reue zeigte, die 

sich schuldmindernd auswirken würde. 

 

3.6.3. 

Damit wäre vorliegend eine Freiheitsstrafe von über sechs Monaten dem 

Verschulden und den persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ange-

messen. Angesichts des Verschlechterungsverbots gemäss Art. 391 

Abs. 2 StPO hat es jedoch bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe von sechs Monaten sein Bewenden.  

 

3.7. 

Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung den bedingten Strafvollzug 

gewährt und eine Probezeit von zwei Jahren festgesetzt. Darauf kann ver-

wiesen werden (E. 5.4.3.2). 

 

3.8. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte wegen sexueller Handlungen mit 

einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 4 StGB zu einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 6 Monaten, Probezeit 2 Jahre, zu verurteilen. 

 

3.9. 

Die ausgestandene Haft von drei Tagen (4. Februar 2021 – 6. Februar 

2021) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die ausgefällte Freiheitsstrafe an-

gerechnet. 

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschul-

digte unterliegt mit seinen Anträgen im Berufungsverfahren vollumfänglich. 

Er hat damit die obergerichtlichen Verfahrenskosten zu tragen.  

 

4.1.2. 

Die amtliche Verteidigerin machte mit der anlässlich der Berufungsver-

handlung eingereichten Kostennote bei einem Aufwand von 34.55 Stun-

den, einem Stundenansatz von Fr. 200.00 und Auslagen von insgesamt 

Fr. 236.70 eine Entschädigung von Fr. 7'696.95 (inkl. MwSt) geltend.  

 

Für die Berufungsbegründung, welche rund 12 Seiten (ohne Rubrum und 

bereits gestellte Anträge) umfasst, wurde ein Aufwand von 13 Stunden gel-

tend gemacht. Für die Ausarbeitung des 8 Seiten (ohne Rubrum) umfas-

senden Plädoyers für die Berufungsverhandlung wurden erneute 10.3 

Stunden veranschlagt. Auch wenn die Berufungsbegründung im Vergleich 

zum vorinstanzlichen Plädoyer nicht denselben Aufbau aufweist und auch 

 - 23 - 

 

 

 

nicht eine blosse Wiederholung desselben darstellt, konnte die Verteidige-

rin massgeblich von Synergien profitieren, welche den zu erbringenden 

Aufwand reduzieren. So konnte sie hinsichtlich der rechtlichen Erörterun-

gen aber auch bezüglich der Ausführungen zur durch den Beschuldigten 

vorgenommenen Alterseinschätzung, zum Aussehen und Verhalten der 

Privatklägerin und den gezeigten Videos und Bilder weitgehend auf ihre 

Vorarbeiten Rückgriff nehmen. Damit erscheint der für die Ausarbeitung der 

Berufungsbegründung geltend gemachte Aufwand von 13 Stunden deutlich 

überhöht. Gleiches gilt für den geltend gemachten Aufwand von 10.3 Stun-

den für die erneute Aufzeigung der (bereits in der Berufungsbegründung 

ausführlich dargelegten) relevanten Punkte im rund achtseitigen Plädoyer 

(ohne Rubrum). Insgesamt erscheint ein Aufwand von sieben Stunden für 

die Erstellung der Berufungsbegründung ausreichend, um sich mit dem vo-

rinstanzlichen Urteil auseinanderzusetzen, bisherige Argumente erneut 

vorzubringen und Ergänzungen vorzunehmen. Für die Ausarbeitung des 

Plädoyers erscheint ein Aufwand von drei Stunden angemessen. Der gel-

tend gemachte Stundenaufwand ist damit um 13.3 Stunden zu reduzieren. 

Hinzu kommt eine Kürzung von 1.5 Stunden für die lediglich zwei Stunden 

(anstatt wie in der Honorarnote geschätzt 3.5 Stunden) dauernde Beru-

fungsverhandlung. Insgesamt ist nach einer Kürzung um 14.8 Stunden von 

einem angemessenen Aufwand von 19.75 Stunden auszugehen. Bei ei-

nem Stundenansatz von Fr. 200.00, den geltend gemachten Auslagen von 

Fr. 236.70 sowie 7.7 % MwSt ergibt sich eine angemessene Entschädigung 

von Fr. 4'509.10, welche aus der Staatskasse auszurichten ist (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

4.1.3. 

Die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin ist für das Berufungsver-

fahren gestützt auf die von ihr eingereichte Kostennote mit Fr. 1'937.56 aus 

der Staatskasse zu entschädigen (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT. 

 

Der Beschuldigte befindet sich nicht in günstigen wirtschaftlichen Verhält-

nissen, weshalb er die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der 

Privatklägerin nicht zu tragen hat (Art. 426 Abs. 4 StPO). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie  

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

 - 24 - 

 

 

 

4.2.2. 

Nachdem der Beschuldigte schuldig gesprochen wird, ist die vorinstanzli-

che Kostenverlegung nach wie vor korrekt (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die erst-

instanzlichen Verfahrenskosten sind deshalb vollumfänglich dem Beschul-

digten aufzuerlegen. 

 

4.2.3. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zugespro-

chene Entschädigung ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb 

im Berufungsverfahren nicht mehr darauf zurückzukommen ist (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3 f.). 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückverlangt, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

4.2.4. 

Die Höhe der der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin für das erst-

instanzliche Verfahren zugesprochenen Entschädigung ist mit Berufung 

nicht angefochten worden, weshalb im Berufungsverfahren nicht mehr da-

rauf zurückzukommen ist. Der Beschuldigte befindet sich nicht in günstigen 

wirtschaftlichen Verhältnissen, weshalb er (entgegen der Vorinstanz) die 

Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerin nicht zu 

tragen hat (Art. 426 Abs. 4 StPO) und Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO nicht zur 

Anwendung gelangen kann (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 8.1 sowie Dispo-

sitiv-Ziffer 5.2.1). Die unentgeltliche Vertreterin ist gemäss Art. 138 Abs. 1 

i.V.m. Art. 135 StPO vom Staat zu entschädigen. Es handelt sich dabei um 

Auslagen und somit Verfahrenskosten (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO). 

 

Damit ist die vorinstanzliche Gerichtskasse anzuweisen, der unentgeltli-

chen Vertreterin die von der Vorinstanz festgesetzte und im Berufungsver-

fahren unangefochten gebliebene Entschädigung auszurichten (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3 f.).  

 

5. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt Art. 408 StPO; 

Art. 81 StPO). 

  

 - 25 - 

 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 4 StGB 

(irrige Vorstellung über das Alter)  

- des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Aberkennung des Ausweises 

gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG [in Rechtskraft erwachsen] 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 187 Ziff. 4 StGB und gestützt 

auf Art. 47 StGB zu 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 

 

2.2. 

Die ausgestandene Haft von drei Tagen (4. Februar 2021 – 6. Februar 

2021) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die ausgefällte Freiheitsstrafe an-

gerechnet. 

 

2.3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Freiheitsstrafe 

der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 

 

3.  

3.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG und ge-

stützt auf Art. 34 und Art. 47 StGB zu 60 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. 

Der Tagessatz wird auf Fr. 30.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich 

auf Fr. 1'800.00. 

 

3.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44     

Abs. 1 StGB auf 3 Jahre festgesetzt. 

 

4. 

4.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 3.1. erwähnten Bestim-

mungen und gestützt auf Art. 106 und Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer Verbin-

dungsbusse von Fr. 500.00 verurteilt. 

 

4.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe 

von 16 Tagen vollzogen. 

 

 - 26 - 

 

 

 

5. 

5.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen.  

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00, zuzüglich Ausla-
gen von Fr. 214.00, total Fr. 2'214.00, werden dem Beschuldigten auferlegt. 
  
6.2.  
Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für 
das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 4'509.10 (inkl. Ausla-
gen und MwSt) auszurichten. 
  
Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 
  
6.3.  
Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin 
der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 
Fr. 1'937.56 (inkl. Auslagen und MwSt) auszurichten. 

 

7. 

7.1. 

Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 3'780.00 (inkl. An-

klagegebühr und Beweisführungskosten) werden dem Beschuldigten auf-

erlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung er-

folgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 10'357.15 (inkl. 

MwSt) auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung er-

folgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Zivil- und Straf-

klägerin eine Entschädigung von Fr. 2'822.55 (inkl. MwSt) zu bezahlen. 

 

 

 

 

 

 

 

 - 27 - 

 

 

 

 Zustellung an: […] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 22. Juni 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:     Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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