# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54d53448-0445-57bc-b959-bf64de3eb105
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-05-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.05.2016 E-2979/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2979-2016_2016-05-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-2979/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  M a i  2 0 1 6  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;     

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Irak,   

beide vertreten durch lic. iur. Christian Affentranger,  

Rechtsanwalt und Notar,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 14. April 2016 / N (…). 

 

 

 

E-2979/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden reisten am (…) Oktober 2015 in die Schweiz ein 

und suchten gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

C._______ um Asyl nach. Am 28. Oktober 2015 fanden die Kurzbefragun-

gen zur Person im EVZ und am 23. März 2016 die Anhörungen zu den 

Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. 

B.  

Die Beschwerdeführenden brachten zur Begründung ihrer Asylgesuche im 

Wesentlichen vor, die Familie des Beschwerdeführers sei mit ihrer Heirat 

nicht einverstanden gewesen, weil die Beschwerdeführerin Kurdin und ein 

"Dorfmädchen" sei. Der Bruder des Beschwerdeführers habe sie deshalb 

mehrmals ‒ in den Jahren 2008 und 2013 ‒ bedroht; unter anderem habe 

er der Beschwerdeführerin mit dem Tod gedroht, wenn der Beschwerde-

führer sich nicht von ihr scheiden lasse. Der Druck habe sich mit der Zeit 

vergrössert, weil sie keine Kinder bekommen hätten.  

C.  

Mit Verfügung vom 14. April 2016 (eröffnet am 16. April 2016) stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführer würden die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab, und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an. 

D.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 12. Mai 2016 reichten die Be-

schwerdeführenden Beschwerde gegen die Verfügung des SEM ein und 

beantragten, diese sei aufzuheben und ihre Asylgesuche seien gutzuheis-

sen; eventualiter sei ihnen die vorläufige Aufnahme gemäss Art. 83 AuG 

(SR 142.20) zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie 

darum, es sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung 

zu gewähren unter Beiordnung ihres Rechtsvertreters als unentgeltlichen 

Rechtsbeistand. Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdefüh-

renden zwei im Internet publizierte Medienberichte über die allgemeine Si-

tuation im Irak ein. 

 

Am 18. Mai 2016 (Datum der Postaufgabe) liessen die Beschwerdeführen-

den Fotokopien eines Haftbefehls und zweier Wohnsitzbestätigungen mit 

deutschen Übersetzungen zu den Akten reichen.  

E-2979/2016 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

  

E-2979/2016 

Seite 4 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Nach Auffassung des Gerichts hinterlässt die Argumentation der Vor-

instanz im Asylpunkt nach Durchsicht der Akten im Ergebnis einen über-

zeugenden und praxiskonformen Eindruck (vgl. angefochtene Verfügung 

S. 2 f.). Insbesondere in Bezug auf den Zeitpunkt und die Begleitumstände 

der angeblichen Drohungen durch den Bruder des Beschwerdeführers er-

weisen sich die Aussagen der Beschwerdeführenden als auffallend wider-

sprüchlich, detailarm und vage. Weiter erschüttert wird die Glaubhaftigkeit 

ihrer Asylvorbringen durch die klar widersprüchlichen Angaben des Be-

schwerdeführers zum Zeitpunkt, in welchem seine Familie angeblich 

Kenntnis von seiner Eheschliessung erhielt, sowie zu seiner ethnischen 

Zugehörigkeit, welche angeblich der Hauptgrund für die Ablehnung der Be-

schwerdeführerin durch seine Familie ist. Die Ausführungen in der Be-

schwerdeeingabe vermögen die in der angefochtenen Verfügung einläss-

lich dargelegten zahlreichen Widersprüche und Ungereimtheiten in den 

Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht auszuräumen. Der blosse Ver-

weis auf die starke Nervosität des Beschwerdeführers bei seiner Anhörung 

ist nicht stichhaltig, zumal sich hierfür aus dem Anhörungsprotokoll keine 

Hinweise ergeben und auch die Ausführungen der Beschwerdeführerin Un-

gereimtheiten aufweisen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann im 

Übrigen auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. In Über-

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Seite 5 

einstimmung mit dieser ist festzustellen, dass sich den Vorbringen der Be-

schwerdeführenden keine glaubhaften Hinweise auf das Bestehen einer 

begründeten Furcht vor Verfolgung in asylrelevantem Ausmass entnehmen 

lassen.  

5.2 Die beiden nach Beschwerdeerhebung eingereichten Wohnsitzbestäti-

gungen vom Mai 2013 belegen, dass die Beschwerdeführenden damals  

– wie von ihnen bei den Anhörungen zu Protokoll gegeben – im Dorf 

D._______ (Provinz E._______) gelebt haben.  

Der in Form einer Kopie nachgereichte Haftbefehl vom (…) 2013 ist hinge-

gen mit ihren Angaben offensichtlich nicht vereinbar: Die Beschwerdefüh-

renden hatten nie angegeben, dass gegen sie im Jahr 2013 eine Anzeige 

eingereicht worden wäre, weil "der Vater von A._______  [in] die Heirat sei-

nes Sohnes mit B._______ nicht eingewilligt" habe, und sie deshalb zur 

Verhaftung ausgeschrieben worden seien. Nachdem sie sich stets in dem 

im Haftbefehl erwähnten Dorf "D._______" aufgehalten haben, hätte dieser 

Auftrag im Übrigen zweifellos ausgeführt werden können – auch von einer 

Verhaftung habe sie indessen nichts berichtet. Schliesslich ist das angeb-

liche amtliche Dokument auch aus anderen Gründen kaum nachvollzieh-

bar: 

Einerseits wäre schwer vorstellbar, dass die kurdischen Justizbehörden auf 

eine solche Anzeige eines Angehörigen hin gleich direkt zur Verhaftung der 

Angezeigten schreiten würde; andererseits enthält das Dokument die in 

diesem Verfahrenszeitpunkt unsinnige Formulierung "Das Gericht hat ent-

schieden, die beiden zu verhaften und gemäss Art. 44 zu verurteilen". 

Schliesslich wird die Anzeige im Haftbefehl von Anfang 2013 damit begrün-

det, dass der Vater mit der Heirat nicht einverstanden sei, was sich schwer-

lich mit der wiederholten Aussage des Beschwerdeführers vereinbaren 

lässt, sein Vater sei im Jahr 2003 verstorben (vgl. Protokoll Anhörung Be-

schwerdeführer, S. 8 und 9); dies umso weniger, nachdem die Beschwer-

deführenden am (…) 2004 geheiratet haben wollen (vgl. Protokolle Befra-

gung zur Person, je S. 3). Diesem Beweismittel ist unter diesen Umständen 

jeder Beweiswert abzusprechen, und es vermag an den vorstehenden Er-

wägungen nichts zu ändern. 

5.3 Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift zur Schutzfähigkeit und 

zum Schutzwillen der nordirakischen Behörden sowie zum Vorliegen einer 

innerstaatlichen Schutzalternative und die von ihnen eingereichten Be-

weismittel erweisen sich bei dieser Sachlage als unbehelflich. 

E-2979/2016 

Seite 6 

5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-

den nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfol-

gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat 

ihre Asylgesuche demzufolge zu Recht abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;  

vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

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Seite 7 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 

Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden 

in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-

mässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat  dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-

weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung 

Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 

37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-

ation in der Herkunftsregion der Beschwerdeführenden lässt den Wegwei-

sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.4  

7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

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Seite 8 

7.4.2 Gemäss Rechtsprechung des Gerichts liegt aktuell in der Autonomen 

Kurdischen Region (KRG-Gebiet) keine Situation allgemeiner Gewalt im 

Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG vor, und der Wegweisungsvollzug gilt für aus 

dieser Region stammende Kurden weiterhin als zumutbar, sofern begüns-

tigende individuelle Faktoren vorliegen (vgl. Urteil des BVGer E-

3737/2015, als Referenzurteil publiziert, E. 7.4 mit Verweis auf BVGE 

2008/5). 

Die Beschwerdeführerin ist kurdischer Ethnie. Der Beschwerdeführer 

machte im erstinstanzlichen Verfahren widersprüchliche Angaben zu sei-

ner Ethnie sowie dem Zeitpunkt seines angeblichen Umzugs von seinem 

Geburtsort im Zentralirak in das KRG-Gebiet. Es kann aufgrund der Akten-

lage aber jedenfalls davon ausgegangen werden, dass er sich seit frühes-

tem Kindesalter im Nordirak aufgehalten und sich dort weitestgehend assi-

miliert hat. Die Annahme einer Gefährdung des Beschwerdeführers im 

Nordirak aufgrund seiner angeblichen ethnischen Herkunft erscheint des-

halb nicht gerechtfertigt. Im Weiteren sind die Beschwerdeführenden jung 

und aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf relevante gesundheit-

liche Probleme. Die Beschwerdeführerin gab anlässlich der BzP zu Proto-

koll, dass nebst ihren Eltern (…) Schwestern und (…) Brüder in ihrem Hei-

matdorf D._______ leben würden (Akten SEM A4 S. 5). Dass, wie in der 

Beschwerdeschrift vorgebracht, nur rund ein halbes Jahr später nur noch 

ihre gebrechliche Mutter sich in D._______ aufhalten soll, muss als unplau-

sibel und damit unglaubhaft erachtet werden. Es kann demnach davon 

ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführenden in ihrem Herkunfts-

ort über ein tragfähiges soziales Netz verfügen, auf dessen Unterstützung 

sie zählen können. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

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Seite 9 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 600.‒ festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Die Anträge auf Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und auf Beiordnung des 

Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden als unentgeltlicher Rechtsbei-

stand im Sinne von Art. 110a Abs. 1 AsylG sind abzuweisen, nachdem die 

Rechtsbegehren sich als aussichtslos erwiesen haben. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2979/2016 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

beiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1 AsylG wer-

den abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.‒ werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Markus König Nicholas Swain 

 

 

Versand: