# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0975348-3384-5b4c-a5e9-00520dd891be
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-14
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 14.06.2018 SK 2018 9
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-9_2018-06-14.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 18 9

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 14. Juni 2018 

Besetzung Oberrichter Vicari (Präsident), Oberrichter Zihlmann, 
Oberrichter Gerber
Gerichtsschreiberin Segessenmann

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

 

Gegenstand Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 31. Oktober 2017 (PEN 17 285)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Am 31. Oktober 2017 sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelgericht) 
A.________ (nachfolgend Beschuldigter) der einfachen Verkehrsregelverletzung, 
begangen am 26. September 2016 auf der A6 Süd Höhe Wichtrach, begangen 
durch mangelnde Aufmerksamkeit als Lenker eines Personenwagens, schuldig, 
und verurteilte ihn hierfür zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00 (Ersatzfrei-
heitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 3 Tage) sowie zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten von CHF 2‘099.00 (pag. 109 f.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, am 10. November 2017 form- und fristgerecht die Berufung an 
(pag. 134). In der ebenfalls form- und fristgerecht erfolgten Berufungserklärung 
vom 31. Januar 2018 erklärte der Beschuldigte die vollumfängliche Anfechtung des 
erstinstanzlichen Urteils (pag. 149 f.). Mit Verfügung vom 5. Februar 2018 gewährte 
die Verfahrensleitung der Generalstaatsanwaltschaft Gelegenheit, innert 20 Tagen 
Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung 
zu beantragen. Weiter wurde der Generalstaatsanwaltschaft die Möglichkeit ein-
geräumt, innert gleicher Frist zum Beweisantrag Stellung zu nehmen (pag. 152 f.). 
Mit Schreiben vom 8. Februar 2018 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass 
sie auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren verzichte (pag. 155). Mit 
Verfügung vom 21. Februar 2018 ordnete die Verfahrensleitung die Durchführung 
eines schriftlichen Verfahrens an und forderte den Beschuldigten auf, innert 30 Ta-
gen eine schriftliche Begründung der Berufung einzureichen, ansonsten die Beru-
fung als zurückgezogen gelte (pag. 157 f.). Nach zweimalig gewährter Fristerstre-
ckung (pag. 163 f., pag. 167 f.) reichte der Beschuldigte am 9. Mai 2018 die schrift-
liche Berufungsbegründung (pag. 170 ff.) samt Beilagen (Fotodokumentation, 
pag. 179 ff.) ein. Mit Verfügung vom 11. Mai 2018 wurde der Schriftenwechsel als 
geschlossen erachtet und Rechtsanwalt B.________ zur Einreichung seiner Hono-
rarnote aufgefordert (pag. 193 f.). 

3. Anträge des Beschuldigten

In seiner schriftlichen Berufungsbegründung vom 9. Mai 2018 stellte Rechtsanwalt 
B.________ namens des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 171):

1. Es sei das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 31. Oktober 2017 vollumfänglich 
aufzuheben und der Beschuldigte sei vom Vorwurf der einfachen Verkehrsregelverletzung 
freizusprechen.

2. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

3. Sämtliche erstinstanzlichen Parteikosten des Beschuldigten seien dem Kanton Bern aufzuer-
legen.

3

4. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

5. Die oberinstanzlichen Parteikosten des Beschuldigten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

In seiner Berufungserklärung vom 31. Januar 2018 beantragte Rechtsanwalt 
B.________ namens des Beschuldigten, es sei beim Bundesamt für Strassen 
ASTRA der Signalisationsplan resp. das Signalisationskonzept für das Autobahn-
teilstück A6 Süd L Wichtrach, Kiesen-Rubigen, für den Zeitraum der Sanierung im 
Jahr 2016 gerichtlich zu edieren (pag. 150). Mit Verfügung vom 21. Februar 2018 
wies die Verfahrensleitung den Beweisantrag ab (pag. 157 f.). 

Mit der schriftlichen Berufungserklärung zusammen reichte Rechtsanwalt 
B.________ eine Fotodokumentation des Baustellenbereichs im Autobahnabschnitt 
A6 zwischen Thun-Nord und Thun-Süd in Fahrtrichtung Spiez ein (pag. 179 ff.). 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Zufolge vollumfänglicher Anfechtung hat die Kammer das erstinstanzliche Urteil 
sowohl im Schuld- als auch im Sanktionenpunkt sowie bezüglich der Kosten- und 
Entschädigungsfolgen zu überprüfen. Das Urteil darf aufgrund der fehlenden An-
schlussberufung durch die Generalstaatsanwaltschaft nicht zu Ungunsten des Be-
schuldigten abgeändert werden, es gilt das Verschlechterungsverbot 
(Art. 391 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). 

Da ausschliesslich eine einfache Verkehrsregelverletzung und damit eine Übertre-
tung Gegenstand des Verfahrens bildet (Art. 90 Abs. 1 des Strassenver-
kehrsgesetzes [SVG; SR 741.01] i.V.m. Art. 103 des Schweizerischen Strafgesetz-
buches [StGB; SR 311.0]), überprüft die Kammer das erstinstanzliche Urteil bloss 
mit eingeschränkter Kognition. Mit der Berufung kann somit lediglich geltend ge-
macht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft, oder die Feststellung des Sachver-
halts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Be-
hauptungen oder Beweise können nicht vorgebracht werden 
(Art. 398 Abs. 4 StPO). 

II. Formelles – Beweisanträge des Beschuldigten

In seiner Berufungserklärung vom 31. Januar 2018 beantragte Rechtsanwalt 
B.________ namens des Beschuldigten, es bei beim Bundesamt für Strassen 
ASTRA der Signalisationsplan resp. das Signalisationskonzept für das betreffende 
Autobahnstück und den betreffenden Zeitraum gerichtlich zu edieren (pag. 150). 
Mit der schriftlichen Berufungserklärung zusammen reichte Rechtsanwalt 
B.________ eine Fotodokumentation des Baustellenbereichs im Autobahnabschnitt 
A6 zwischen Thun-Nord und Thun-Süd in Fahrtrichtung Spiez ein (pag. 179 ff.).

Gemäss Art. 398 Abs. 4 StPO können – wenn ausschliesslich Übertretungen Ge-
genstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens waren – neue Behauptungen und 
Beweise im oberinstanzlichen Verfahren nicht vorgebracht werden. Neu im Sinne 

4

dieser Bestimmung sind Tatsachen und Beweise, die im erstinstanzlichen Verfah-
ren nicht vorgebracht wurden. Nicht darunter fallen demgegenüber Beweise, die 
beantragt, erstinstanzlich jedoch abgewiesen oder gar nicht geprüft wurden. Der 
Berufungskläger kann im Berufungsverfahren namentlich rügen, die erstinstanzlich 
angebotenen Beweise seien in antizipierter Beweiswürdigung willkürlich nicht ab-
genommen oder abgewiesen worden (LUZIUS EUGSTER, in: Basler Kommentar 
Schweizerische Strafprozessordnung, Niggli/Heer/Wiprächtiger (Hrsg.), 2. Auflage 
2014, N 3a zu Art. 398). 

Wie der Beschuldigte darlegt, enthalten die amtlichen Akten im vorliegenden Straf-
verfahren keine Unterlagen zur Strassenmarkierung (pag. 173). Er hat deswegen 
im oberinstanzlichen Berufungsverfahren einen Beweisantrag auf Einholung des 
entsprechenden Signalisationsplans beim Bundesamt für Strassen ASTRA gestellt 
(pag. 150). Die Strassenmarkierung war nicht Gegenstand des erstinstanzlichen 
Verfahrens. Der Beschuldigte hat im erstinstanzlichen Verfahren auch nicht den 
Beizug solcher Unterlagen beantragt. Der entsprechende Beweisantrag wurde da-
her durch die Verfahrensleitung abgewiesen, wobei zur Begründung an dieser Stel-
le vollumfänglich auf die Ausführungen in der Verfügung vom 21. Februar 2018 
verwiesen werden kann (pag. 157 f.). 

Die durch den Beschuldigten zusammen mit der Berufungsbegründung eingereich-
ten Fotoaufnahmen der Strassenmarkierungen im Baustellenbereich Autobahnab-
schnitt A6 zwischen Thun-Nord und Thun-Süd in Fahrtrichtung Spiez stellen 
grundsätzlich ebenfalls neue Beweismittel dar, welche im Berufungsverfahren nicht 
vorgebracht werden können. Die Beweismittel sind jedoch insofern nicht neu, als 
sie lediglich Strassenmarkierungen (in einem anderen Autobahnabschnitt) aufzei-
gen, welche so ähnlich bereits durch den Zeugen C.________ (nachfolgend Zeuge 
C.________) bzw. die Unfallinvolvierten beschrieben, und durch die Polizei aufge-
zeichnet worden sind (vgl. pag. 3 und pag. 80). Wie nachfolgend aufzuzeigen sein 
wird, sind sie für die vorliegend zu beurteilenden Beweisfragen ohnehin nicht von 
praktischer Relevanz, zumal sie wie erwähnt nicht den betreffenden Autobahnab-
schnitt aufzeigen. Sie sind daher zu Wert und Unwert zu den Akten zu erkennen. 

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Strafbefehl

Dem Beschuldigten wird gemäss Strafbefehl vom 16. November 2016 vorgeworfen, 
am 26. September 2016 auf der Autobahn A6 Süd L Wichtrach, Kiesen - Rubigen 
aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit zum Strassenverlauf im Baustellenbereich 
auf dem Normalstreifen kontinuierlich immer mehr nach links gefahren zu sein. Als 
ihn die Geschädigte auf gleicher Höhe auf dem Überholstreifen links überholt habe, 
soll der Beschuldigte mit den linken Rädern seines Personenwagens über die Leit-
linie zwischen den beiden Fahrstreifen gefahren und so mit seiner linken Fahr-
zeugseite die rechte Fahrzeugseite der Geschädigten touchiert haben (pag. 13). 

5

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Der Sachverhalt ist im Wesentlichen unbestritten. Der Unfall fand auf der Auto-
bahnstrecke A6 Süd L, Wichtrach, Kiesen - Rubigen statt. Der Autobahnabschnitt 
wurde im Zeitpunkt des Unfalls saniert. Dabei wurden die Fahrstreifen (Normal- 
und Überholspur) verschmälert und mit temporären orangen Bodenmarkierungen 
gekennzeichnet. Ein Pannenstreifen war nicht vorhanden. Zwischen dem BMW des 
Beschuldigten und dem von der Auskunftsperson gelenkten Alfa Romeo kam es 
auf einem geraden Autobahnabschnitt, wo die Überholspur auf 2 Meter verengt 
war, zu einer Streifkollision. 

Bestritten ist hingegen, wie es zur Kollision kam bzw. wer diese verursacht hat. Be-
stritten ist insbesondere, ob der Beschuldigte die Leitlinien zwischen den beiden 
Fahrstreifen überfahren hat. 

8. Beweismittel

Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel zutreffend wiedergegeben. Auf 
ihre Ausführungen wird verwiesen (pag. 120 ff., S. 8-13 der Entscheidbegründung). 
Der Kammer liegen damit folgende Beweismittel vor:

- Fotodokumentation der beiden in den Unfall involvierten Fahrzeuge 
(pag. 41 ff.);

- Ausführungen zu den beiden in den Unfall involvierten Fahrzeugtypen bzw. 
Fahrzeugspezifikationen (pag. 89 ff.);

- Anzeigerapport vom 25. Oktober 2016 samt Unfallaufnahmeprotokoll und Zu-
satzblatt (pag. 1 ff.);

- Aussagen des Beschuldigten vor Ort am 26. September 2016 (pag. 6);

- Aussagen des Beschuldigten anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 31. Oktober 2017 (pag. 78 ff.);

- Aussagen von D.________ (nachfolgend Auskunftsperson) vor Ort am 26. Sep-
tember 2016 (pag. 10);

- Aussagen der Auskunftsperson anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 31. Oktober 2017 (pag. 84 f.);

- Telefonisch eingeholte Aussage des Zeugen C.________ am 29. Septem-
ber 2016 (pag. 12);

- Aussagen des Zeugen C.________ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung vom 31. Oktober 2017 (pag. 80 f.);

- Aussagen von E.________ (nachfolgend Zeuge E.________) anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 31. Oktober 2017 (pag. 82 f.). 

9. Beweiswürdigung durch die Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte in Würdigung der ihr vorliegenden Beweismittel zusam-
mengefasst zum Ergebnis, dass anhand der objektiven Beweismittel festgestellt 
werden könne, dass die Schäden und damit auch die Kollision von geringer Inten-

6

sität gewesen seien. Weiter ging die Vorinstanz davon aus, dass das Fahrzeug der 
Auskunftsperson inkl. Seitenspiegel 1828 mm und das Fahrzeug des Beschuldig-
ten 1698-1710 mm breit war. Die Vorinstanz erachtete die Aussagen des Beifah-
rers und Zeugen E.________ als grundsätzlich glaubhaft. Aufgrund der wenig de-
taillierten Angaben sei jedoch davon auszugehen, dass er den Vorfall nicht bzw. 
nicht vollständig mitbekommen habe. Dass die Auskunftsperson ihre Spur verlas-
sen habe, stelle offenbar eine Annahme seinerseits dar. Er habe zudem angege-
ben, dass der Beschuldigte nahe an der Leitlinie gefahren sei, was sich mit den 
Aussagen des Zeugen C.________ decke (pag. 126, S. 14 der Entscheidbegrün-
dung). 

Der Zeuge C.________ gebe den Fall als aussenstehender Dritter ohne persönli-
che Motivation nachvollziehbar und ohne Widersprüche wieder. Er beschreibe das 
Fehlverhalten des Beschuldigten als Abdriften nach links, also weg von der Mitte 
seiner Fahrspur in Richtung des Überholstreifens (pag. 126, S. 14 der Entscheid-
begründung). 

Auch die Auskunftsperson gebe den Vorfall konsistent, logisch nachvollziehbar und 
annähernd lückenlos wieder. Sie erwähne, was sie nicht selbst gesehen habe und 
verzichte auf Schuldzuweisungen. Indem sie angebe, zuerst erschrocken, aber 
dann froh gewesen zu sein, dass nichts Schlimmes passiert sei, gebe sie eigene 
Gefühle wieder, was ein Realitätskriterium darstelle. Auch hätte sie die anfangs 
komisch anmutende Aussage, sie habe nach der Kollision in den Seitenspiegel ge-
blickt um festzustellen, ob sie die eigene Spur gehalten habe, anlässlich der 
Hauptverhandlung nachvollziehbar erklären können (pag. 127, S. 15 der Ent-
scheidbegründung). 

Der Beschuldigte gebe den Vorfall hingegen sehr allgemein und wenig detailliert 
wieder. Aus seinen Aussagen ergebe sich, dass er den Vorfall bis zur Kollision gar 
nicht wahrgenommen habe. An der Hauptverhandlung habe er jedoch angegeben, 
«von hinten sei ihm einer entgegengekommen». Diese Präzisierung erachtet die 
Vorinstanz als Schutzbehauptung, welche den Aussagen des Zeugen C.________ 
widersprechen würde. Sie sei über ein Jahr nach dem Vorfall erfolgt und würde 
auch den eigenen Angaben des Beschuldigten vor Ort widersprechen. In seinen 
Aussagen, er könne sich nicht erklären, wie sich die Auskunftsperson die Nummer 
des Zeugen C.________ habe merken können, sei der Versuch erkennbar, deren 
Aussage in Zweifel zu ziehen. Seine Schilderung sei insgesamt wenig detailliert 
und farblos, was darauf hindeute, dass er bis zur Kollision sein eigenes Fehlverhal-
ten nicht wahrgenommen habe. Da ihm ein Entzug des Führerausweises auf Probe 
drohe, habe er zudem ein handfestes Interesse daran, freigesprochen zu werden 
(pag. 127 f., S. 15 f. der Entscheidbegründung).

Die Aussagen des Zeugen C.________ und der Auskunftsperson würden sich wi-
derspruchsfrei zusammenfügen lassen. Dass die Schilderungen auf einer gegen-
seitigen Absprache beruhen könnten, hielt die Vorinstanz aufgrund der fehlenden 
Bekanntschaft für ausgeschlossen. Zudem schildere auch der Zeuge E.________, 
dass der Beschuldigte nahe der Leitlinie gefahren sei. In diesem Punkt widerspre-
che er den als Schutzbehauptungen zu qualifizierenden Aussagen des Beschuldig-
ten. Den Ausführungen der Verteidigung, wonach der Beschuldigte aufgrund der 

7

bestehenden Verhältnisse die Leitlinie gar nicht habe überfahren können, ansons-
ten das Fahrzeug der Auskunftsperson mit der Leitplanke kollidiert wäre, sei entge-
genzuhalten, dass die Kollision nicht von besonderer Heftigkeit gewesen sei. Es 
würden keine Hinweise darauf bestehen, dass es mehr als zu einer leichten 
Berührung gekommen sei. Das leichte Nach-Links-Driften des Beschuldigten sei 
deshalb nicht geeignet gewesen, die Auskunftsperson von der Spur abzubringen. 
Insgesamt erachtete es die Vorinstanz als erstellt, dass sich der Vorfall wie von der 
Auskunftsperson und dem Zeugen C.________ geschildert, zugetragen habe und 
damit der Beschuldigte auf dem Normalstreifen immer mehr nach links gefahren 
und so seitlich mit dem Fahrzeug der Auskunftsperson kollidiert sei. Der Beschul-
digte habe seine Fahrspur nur minim verlassen, ansonsten das Fahrzeug der Aus-
kunftsperson die Leitplanke touchiert hätte (pag. 128 f., S. 16 f. der Entscheidbe-
gründung).

10. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung macht zusammengefasst geltend, dass die Vorinstanz die ver-
schiedenen Strassenmarkierungen falsch bezeichnet und deren Lage unrichtig 
festgestellt habe, was zur Folge habe, dass auch die Lage der in die Kollision ver-
wickelten Fahrzeuge auf ihren Fahrstreifen falsch eingeschätzt worden sei 
(pag. 172). Aus den eingereichten Fotografien folge, dass im Tatzeitpunkt eine 
weisse ununterbrochene Randlinie zur Begrenzung des temporär aufgehobenen 
Pannenstreifens, eine gelb-orange unterbrochene Leitlinie zur Abgrenzung der 
Fahrstreifen, sowie je zwei gelb-orange ununterbrochene Randlinien zur Markie-
rung des Fahrbahnrands vorhanden gewesen seien (pag. 175). Entgegen den Aus-
führungen der Vorinstanz habe der Zeuge E.________ nicht ausgeführt, dass der 
Beschuldigte nahe der Leitlinie gefahren sei. Vielmehr habe er ausgesagt, das 
Fahrzeug sei knapp am weissen Streifen gewesen. Dabei handle es sich aber um 
die ununterbrochene Randlinie zur Begrenzung des temporär aufgehobenen Pan-
nenstreifens, welche gemäss der eingereichten Fotografien innerhalb des Fahr-
streifens der Normalspur liege. Daraus folge wiederum, dass der Beschuldigte in 
der Mitte des Fahrstreifens der Normalspur gefahren sei, wie er dies zu Protokoll 
gegeben habe (pag. 175). 

Die Aussagen des Zeugen E.________ würden dementsprechend auch nicht im 
Widerspruch zu den Aussagen des Zeugen C.________ stehen, welcher ausge-
sagt habe, dass der Fahrer nach links gedriftet bzw. nur einen kleinen Schlenker 
gemacht habe. Da der Beschuldigte innerhalb seiner Spur gefahren sei, hätte ein 
solcher leichter Schlenker noch nicht zur Folge gehabt, dass der Beschuldigte sei-
nen Fahrstreifen verlassen hätte. Dies liesse sich im Übrigen auch nicht aus den 
Aussagen der Auskunftsperson ableiten, denn sie habe erst nach der Wahrneh-
mung der Kollision in den rechten Aussenspiegel geblickt, mithin also erst nach der 
sogenannten Schrecksekunde, wobei sich die beiden Fahrzeuge zu diesem Zeit-
punkt bereits 22 Meter von der Unfallposition entfernet hätten, und deshalb die 
Fahrzeuglage im Unfallzeitpunkt nicht mehr festgestellt werden könne. Zusammen-
gefasst könne nicht festgestellt werden, wer als Verursacher der Streifkollision in 
Frage komme (pag. 176). Ein blosser Verdacht oder Vermutungen würden für eine 

8

Verurteilung des Beschuldigten nicht ausreichen, welcher daher nach dem Grund-
satz in dubio pro reo freizusprechen sei (pag. 177). 

11. Beweiswürdigung

11.1 Vorbemerkung zur Willkürprüfung

Willkür in der Beweiswürdigung liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid offen-
sichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, 
eine Norm oder einen unbestrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stos-
sender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Dabei genügt es nicht, 
wenn der angefochtene Entscheid sich nur in der Begründung als unhaltbar er-
weist; eine Aufhebung rechtfertigt sich erst, wenn er auch im Ergebnis willkürlich 
ist. Dass das angefochtene Urteil mit der Darstellung der berufungsführenden Par-
tei nicht übereinstimmt oder eine andere Lösung oder Würdigung vertretbar er-
scheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt für die Begründung von Willkür nicht 
(vgl. BGE 141 IV 305). 

11.2 Beweiswürdigung durch die Kammer

Zwar kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr mit Bestimmtheit eruiert werden, wie 
die Strassenmarkierung an der Unfallstelle ausgesehen hat. Nach Ansicht der 
Kammer ist der Verteidigung jedoch insofern zu folgen, als sie ausführt, dass der 
Zeuge E.________ entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht bestätigt ha-
be, dass der Beschuldigte nahe an der temporären Leitlinie gefahren sei. Der Zeu-
ge E.________ gab vielmehr an, dass der Beschuldigte knapp am weissen Streifen 
gefahren sei (pag. 82). Dem Anzeigerapport kann entnommen werden, dass am 
Unfallort zwei Fahrstreifen vorhanden waren, welche schmaler als im Normalfall 
waren. Im Baustellenbereich war kein Pannenstreifen vorhanden, was bedeutet, 
dass der vorhandene Pannenstreifen aufgehoben und zum Normalstreifen umfunk-
tioniert wurde (pag. 3 und auch Aussagen des Zeugen C.________ pag. 80). Der 
Zeuge C.________ hat glaubhaft bestätigt, dass der Normalstreifen normal breit, 
die Überholspur jedoch schmaler, also lediglich ca. 2 Meter breit war (pag. 80). 
Daraus schliesst, dass sich die weisse aufgehobene Linie rechts von der tem-
porären orangen Bodenmarkierung, also noch innerhalb des Normalstreifens, be-
funden haben muss. Der Zeuge E.________ hat damit entgegen den Ausführun-
gen der Vorinstanz nicht bestätigt, dass der Beschuldigte knapp an der temporären 
orangen Bodenmarkierung, welche die beiden Fahrspuren unterteilte, gefahren ist. 
Vielmehr soll der Beschuldigte gemäss seinen Aussagen innerhalb des Normal-
streifens gefahren sein. Aus den Aussagen des Zeugen E.________ lässt sich da-
mit nichts zu Ungunsten des Beschuldigten ableiten. Dies ist jedoch – wie nachfol-
gend aufzuzeigen sein wird – nicht von entscheidender Bedeutung und lässt die 
vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht als willkürlich erscheinen.

Die Vorinstanz hat im Folgenden zutreffend und willkürfrei dargelegt, dass sich aus 
den grundsätzlich glaubhaften Aussagen des Zeugen E.________ ergibt, dass die-
ser dem Geschehen bis zum Kollisionszeitpunkt keine Beachtung schenkte, was im 
Übrigen auch nicht verwundert, war dieser doch lediglich Beifahrer. So gab er an, 
dass das andere Fahrzeug «auf einmal zu schnell gekommen sei» (pag. 82). Im 
Moment der Kollision seien sie still gewesen; als sie das Auto gestreift hätten, sei-

9

en sie erschrocken (pag. 82). Der Zeuge E.________ konnte damit die Ereignisse 
bis zur Kollision – also die entscheidenden Momente – nicht schildern. Aus seinen 
weiteren Aussagen ergibt sich denn auch, dass seine Sicht der Dinge eine Interpre-
tation darstellt und er das Fahrzeug der Auskunftsperson vor der Kollision nicht 
wahrgenommen hat. So führte er aus, dass es ja manchmal passiere, dass ein 
Lastwagen auf der Normalspur fahre und es dann auf dem Überholstreifen kaum 
Platz zum Überholen habe. Der Beschuldigte sei knapp am weissen Streifen gefah-
ren, weswegen die Auskunftsperson zu wenig Platz zum Überholen hatte. Er neh-
me an, sie sei dann nervös geworden (pag. 82). Die Aussagen des Zeugen 
E.________ sind daher für die Klärung des vorliegend relevanten Geschehens 
nicht von Bedeutung. 

Im vorliegenden Fall kann insbesondere auf die Aussagen des Zeugen 
C.________ abgestellt werden. Zum einen konnte er aus seinem Blickwinkel – er 
ist den beiden fraglichen Fahrzeugen gefolgt – das Geschehen am besten beob-
achten. Zum anderen war er weder in den Unfall involviert, noch steht er in einer 
Beziehung zum Beschuldigten oder zur Auskunftsperson. Er hat damit kein Inter-
esse daran, nicht wahrheitsgetreue Aussagen zu machen. Wie die Vorinstanz zu-
treffend und willkürfrei feststellte, gab der Zeuge C.________ den Ablauf der Streif-
kollision nachvollziehbar, widerspruchsfrei, detailliert und damit glaubhaft wieder. 
Auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz kann verwiesen werden 
(pag. 126, S. 14 der Entscheidbegründung). Die Verteidigung hält dem entgegen, 
dass sich aus den Aussagen des Zeugen C.________ nicht ableiten lasse, dass 
der Beschuldigte die gelb-orange Leitlinie überschritten habe. Gemäss der Vertei-
digung schildere auch der Zeuge C.________ (in Übereinstimmung mit den Aussa-
gen des Zeugen E.________), dass der Beschuldigte nach links gedriftet sei, es 
sich dabei aber nur um einen Schlenker gehandelt habe. Da zwischen der gelb-
orangen Leitlinie und der aufgehobenen durchgezogenen weissen Linie, welche 
den aufgehobenen Pannenstreifen begrenze, rund 50 cm Abstand bestehe, könne 
aus den Aussagen des Zeugen C.________ nicht abgeleitet werden, dass der Be-
schuldigte die markierte Normalspur verlassen habe (pag. 176). Diese Ausführun-
gen der Verteidigung gehen fehl und vermögen keine Willkür der Vorinstanz aufzu-
zeigen. Der Zeuge C.________ hat stets den Beschuldigten als Unfallverursacher 
benannt. So hielt er gemäss telefonischer Einvernahme fest, dass der Beschuldigte 
unvermittelt, langsam und kontinuierlich nach links gekommen sei, wobei es nicht 
so ausgesehen habe, als hätte er einen Spurwechsel vollziehen wollen. Als beide 
Fahrzeuge auf gleicher Höhe gewesen seien, sei der BMW des Beschuldigten mit 
beiden linken Rädern komplett über der Leitlinie gewesen. Dabei sei er mit dem 
schwarzen PW der Auskunftsperson kollidiert (pag. 12). Auch anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung bestätigte der Zeuge C.________ diese Angaben, 
obwohl er sich – aus nachvollziehbaren Gründen – gemäss eigenen Angaben nicht 
mehr detailgetreu an den Vorfall erinnern konnte (pag. 80). Zwar führte er an der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung denn auch nicht mehr explizit aus, dass der 
Beschuldigte über die Leitlinie gefahren sei, er gab jedoch an, dass er nach links 
gedriftet sei (pag. 80). Es sind keine Gründe ersichtlich, an den ersten Angaben 
des Zeugen C.________ zu zweifeln, zumal diese unmittelbar nach dem Vorfall er-
folgt sind, als dieser die Geschehnisse noch präsent hatte. Der Zeuge C.________ 

10

bestätigte explizit, dass der Beschuldigte mit beiden Rädern über der Leitlinie ge-
wesen sei. 

Schliesslich erweist sich die vorinstanzliche Beweiswürdigung auch mit Blick auf 
die Aussagen der Auskunftsperson und des Beschuldigten selbst nicht als willkür-
lich. Es kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (pag. 127 f., S. 15 f. der Entscheidbegründung). Die Verteidigung rügt in sach-
verhaltsmässiger Hinsicht, dass die Auskunftsperson angegeben habe, dass sie 
erst nach Wahrnehmung der Streifkollision – mithin also nach einer sog. Schreck-
sekunde – in den rechten Aussenspiegel geblickt habe, was zur Folge gehabt ha-
be, dass sich beide Fahrzeuge bereits mindestens 22 Meter aus der Unfallposition 
heraus entfernt hätten. Sie habe demnach auch nicht angegeben, dass der Be-
schuldigte die Spur verlassen habe (pag. 176). Die Ausführungen der Verteidigung 
sind insofern zutreffend, als die Auskunftsperson – genauso wie der Beschuldigte – 
die Situation vor der Kollision nicht beobachtet hat und demnach auch keine Aus-
sagen dazu machen konnte, wo sich das Fahrzeug des Beschuldigten befand. Die 
Auskunftsperson bestätigte sowohl unmittelbar nach dem Unfall als auch anlässlich 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, dass sie nach der Kollision in den Aus-
senspiegel geblickt und festgestellt habe, dass sie sich innerhalb ihrer Fahrspur be-
funden hat (pag. 10 und 84). Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass sie 
ihren Standort zwischen der Kollision und dem Blick in den Aussenspiegel verän-
dert hat. Dies ist jedoch mit Blick darauf, dass ein unabhängiger Dritter – also der 
Zeuge C.________ – bestätigt hat, dass der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug 
seine Fahrspur verliess, unerheblich. Der Zeuge C.________ hat damit die Aussa-
gen der Auskunftsperson, wonach sie sich innerhalb ihrer Fahrspur befunden habe, 
explizit bestätigt. Daran vermögen auch die Aussagen des Beschuldigten nichts zu 
ändern. Denn – wie eben auch die Auskunftsperson – konnte er keine Angaben zu 
den Geschehnissen vor der Kollision machen. Dies ergibt sich aus seiner Aussage, 
wonach er plötzlich eine Kollision bemerkt hätte (pag. 6). Auch anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung gab er an, dass alles sehr schnell gegangen sei 
(pag. 78). Genauso wie die Auskunftsperson hat er damit die Situation erst zu ei-
nem Zeitpunkt beachtet, als die Kollision schon passiert war und sich die Fahrzeu-
ge bereits von der Unfallstelle entfernt hatten. Auch seinen Aussagen kommt daher 
nur eine untergeordnete Bedeutung zu.

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass sich die vorinstanzliche Beweiswürdigung 
insgesamt nicht als willkürlich erweist. Vorliegend kommen mit Blick darauf, dass 
die beiden Unfallinvolvierten die Geschehnisse rund um ihre Fahrzeuge erst nach 
der Kollision wahrnahmen, den Aussagen des unabhängigen Zeugen C.________ 
entscheidende Bedeutung zu. Dieser hat konstant, nachvollziehbar und detailliert 
dargelegt, wie es zur Kollision gekommen ist bzw. dass der Beschuldigte mit bei-
den Rädern seine Fahrspur nach links verlassen und so die Kollision verursacht 
hat. Die Vorinstanz hat zu Recht auf diese Aussagen abgestellt und die Kammer 
schliesst sich dem willkürfrei hergeleiteten Beweisergebnis der Vorinstanz an 
(pag. 128 f., S. 16 f. der Entscheidbegründung). Es ist damit davon auszugehen, 
dass der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug infolge Unaufmerksamkeit seine Spur 
langsam und konstant nach links verlassen, und so mit dem schneller auf der 
Überholspur fahrenden Fahrzeug der Auskunftsperson seitlich kollidiert ist. 

11

IV. Rechtliche Würdigung

12. Einfache Verkehrsregelverletzung durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen des Tatbestands zutreffend wieder-
gegeben. Darauf wird verwiesen (pag. 129, S. 17 der Entscheidbegründung). 

Indem der Beschuldigte im Baustellenbereich, wo die Verkehrsführung erhöhte 
Aufmerksamkeit erforderte, infolge mangelnder Aufmerksamkeit langsam aber kon-
tinuierlich von seiner Fahrspur abgedriftet und mit dem links korrekt fahrenden 
Fahrzeug der Auskunftsperson kollidiert ist, hat er den objektiven Tatbestand er-
füllt. 

Der Beschuldigte handelte aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit und damit aus 
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit fahrlässig. Auch der subjektive Tatbestand ist erfüllt. 

Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. Der Beschul-
digte hat sich daher der einfachen Verkehrsregelverletzung durch Nichtbeherr-
schen des Fahrzeugs schuldig gemacht.

V. Strafzumessung

13. Allgemeines, Strafrahmen und Strafart

Bezüglich der allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung bzw. zur Anwendung 
der Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands Bernischer Richterinnen und 
Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (VBRS-Richtlinien) kann auf die vor-
instanzlichen Ausführungen verwiesen werden (pag. 130 f., S. 18 f. der Entscheid-
begründung).

Die einfache Verkehrsregelverletzung stellt eine Übertretung dar und wird mit Bus-
se bis zu CHF 10‘000.00 bestraft (Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 106 Abs. 1 StGB). 

14. Strafzumessung in concreto

Der Beschuldigte hat vorliegend dem Halten der Spur während einer verhältnis-
mässig kurzen Zeitspanne zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, ist auf einer gera-
den Autobahnstrecke von seiner Fahrspur abgekommen und mit dem Fahrzeug der 
korrekt auf dem Überholstreifen fahrenden Auskunftsperson seitlich kollidiert. Er 
hat im Ergebnis eine leichte Streifkollision verursacht. Der Beschuldigte handelte 
fahrlässig. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist von einem sehr leichten 
Verschulden auszugehen. 

Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, ist die drohende Ausweisannullation 
strafmindernd zu berücksichtigen, da der Beschuldigte als selbstständigerwerben-
der Gipser zur Ausübung seines Berufes zwingend auf sein Fahrzeug angewiesen 
ist und dadurch erheblich in seinem wirtschaftlichen Fortkommen getroffen würde. 
Hinsichtlich der Täterkomponenten sind keine Änderungen ersichtlich.

Unter Berücksichtigung der Tat- und Täterkomponenten sowie der VBRS-
Richtlinien erachtet die Kammer zusammen mit der Vorinstanz eine Busse von 

12

CHF 300.00 als dem Verschulden des Beschuldigten angemessen. Die Ersatzfrei-
heitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung beträgt drei Tage.

VI. Kosten und Entschädigung

Der Beschuldigte trägt die Verfahrenskosten, wenn er verurteilt wird 
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien 
nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).

Der Beschuldigte hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die erstinstanzlichen 
Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 2‘099.00 sowie als unterliegende Partei im 
Berufungsverfahren die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf 
CHF 2‘000.00, zu tragen.

Eine Entschädigung ist bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zu sprechen.

13

VII. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen am 26.09.2016 auf der A6 Süd Höhe 
Wichtrach durch mangelnde Aufmerksamkeit als Lenker eines Personenwagens,

und in Anwendung der Artikel

47, 106 StGB
31 Abs. 1, 90 Abs. 1, 100 Ziffer 1 SVG
3 Abs. 1 VRV
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaf-
ter Nichtbezahlung wird auf 3 Tage festgesetzt;

2. zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2‘099.00;

3. zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2‘000.00.

II.

1. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern, Abteilung Adminis-

trative Verkehrssicherheit (nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. 
nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)

14

Bern, 14. Juni 2018 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident:

Oberrichter Vicari

Die Gerichtsschreiberin:

Segessenmann

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 
173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.