# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc0b21ec-0338-5b3d-9ac5-67db0b2b09c7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-10
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 10.01.2023 200 2022 474
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-474_2023-01-10.pdf

## Full Text

200 22 474 IV
FUE/REL/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 10. Januar 2023

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiberin Bischof

A.________
vertreten durch B.________, 
Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 17. Juni 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1978 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), 
gelernte … im …bereich mit Fähigkeitszeugnis (Akten der Invalidenversi-
cherung, Antwortbeilage [AB] 7 S. 2), zuletzt von 2009 bis 2014 in diesem 
Bereich erwerbstätig gewesen (AB 15, 65 S. 2), meldete sich im Mai 2017 
aufgrund eines Kindheitstraumas, eines Burnouts und einer rezidivierenden 
Belastungsstörung mit depressiven Symptomen bei der Eidgenössischen 
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (AB 5). Die IV-Stelle 
Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) führte erwerbliche und medizinische 
Abklärungen durch und forderte die Versicherte auf, eine Abstinenz von 
Cannabis zu bestätigen und sich entsprechenden Laborkontrollen zu unter-
ziehen (AB 25). Weil die Versicherte nicht zu den vereinbarten Laborkon-
trollen erschien, trat die IVB mit unangefochten gebliebener Verfügung vom 
24. Mai 2018 (AB 44) infolge Verweigerung der Mitwirkung auf das Leis-
tungsbegehren nicht ein. 

Nach gemäss eigenen Angaben einjähriger Cannabisabstinenz meldete 
sich die Versicherte im November 2019 erneut zum Leistungsbezug an 
(AB 45 und AB 47 S. 2) und die IVB veranlasste nach neuerlichen medizi-
nischen und erwerblichen Abklärungen eine bidisziplinäre Begutachtung in 
den Fachrichtungen Psychiatrie und Neuropsychologie (Gutachten vom 
11. Dezember 2020 [AB 92-93]). Nach dem Einholen eines Abklärungsbe-
richts Haushalt (AB 100) und Durchführung des Vorbescheidverfahrens 
(AB 102, 107 und 110) sowie Einholen einer Stellungnahme des psychiatri-
schen Gutachters (AB 112) sprach die IVB der Versicherten mit Verfügung 
vom 17. Juni 2022 (AB 118) eine ganze Invalidenrente (IV-Rente) vom 
1. Mai 2020 bis zum 31. August 2020 zu. Für die Folgezeit verneinte sie bei 
einem Invaliditätsgrad (IV-Grad) von 36 % einen Rentenanspruch.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 3

B.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt C.________, 
B.________, mit Eingabe vom 22. August 2022 Beschwerde mit dem An-
trag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr auch ab 
September 2020 eine IV-Rente zuzusprechen. 

Mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2022 schliesst die Beschwer-
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 4

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 17. Juni 2022 
(AB 118). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf eine IV-Rente.

In anfechtungs- und streitgegenständlicher Hinsicht liegt ein Rechtsverhält-
nis vor, wenn rückwirkend eine abgestufte und/oder befristete IV-Rente 
zugesprochen wird. Wird nur die Abstufung oder die Befristung der Leis-
tungen angefochten, wird damit die richterliche Überprüfungsbefugnis nicht 
in dem Sinne eingeschränkt, dass die unbestritten gebliebenen Rentenbe-
zugszeiten von der richterlichen Prüfung ausgenommen blieben (BGE 125 
V 413; SVR 2019 IV Nr. 32 S. 100 E. 3.2; AHI 2001 S. 278 E. 1a). Folglich 
ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente zu prüfen unter 
Einschluss der unangefochten gebliebenen ganzen IV-Rente für die Zeit 
von Mai 2020 bis August 2020.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich 
besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 
364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die angefochte-
ne Verfügung vom 17. Juni 2022 (AB 118), womit sie nach dem Inkrafttre-
ten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indessen liegen der
frühestmögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Rentenan-
spruchs sowie der (einzige) Revisionsgrund vor dem 1. Januar 2022 (vgl. 
E. 5.2 und E. 5.4 hiernach), weshalb die Bestimmungen des IVG und dieje-

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nigen der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung 
(IVV, SR 831.201) in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fas-
sung (fortan: aArt.) massgebend sind (Rz. 9100-9102 des Kreisschreibens 
über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]; zur Bedeu-
tung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 
224 E 4.4.2 S. 228). 

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1).

Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechts-
anwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben 
tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 
E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die 
Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende 
Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten 
normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 
S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 
E. 7.2 S. 429).

2.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-

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reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem IV-Grad 
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem IV-Grad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.5 Für die Bestimmung des IV-Grades wird das Erwerbseinkommen, 
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch-
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass-
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits-
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, 
das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Einkom-
mensvergleich [Art. 16 ATSG]). 

Nach aArt. 28a Abs. 3 IVG wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbs-
tätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegat-
tin mitarbeiten, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. 
Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität 
für diese Tätigkeit gestützt auf einen Betätigungsvergleich ermittelt 
(aArt. 28a Abs. 2 IVG). In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit 
oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehe-
gattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der 
IV-Grad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; BGE 
145 V 370 E. 4.1 S. 373, 144 I 21 E. 2.1 S. 23).

2.6 Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten 
IV-Rente sind die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen analog 
anzuwenden, weil noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine an-
spruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist mit der Folge, dass dann 
gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird. Wird rückwirkend eine 
abgestufte oder befristete Rente zugesprochen, sind einerseits der Zeit-
punkt des Rentenbeginns und anderseits der in Anwendung der Dreimo-

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natsfrist von Art. 88a IVV festzusetzende Zeitpunkt der Anspruchsänderung 
die massgebenden Vergleichszeitpunkte (BGE 133 V 263 E. 6.1 S. 263; 
SVR 2020 IV Nr. 70 S. 244 E. 4.2.2).

2.7 Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, 
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende 
Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem 
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass 
sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu 
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Mona-
te angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a 
Abs. 1 IVV).

2.8 Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und 
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind 
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, 
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können 
(BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 
S. 181 E. 2.3).

3.

3.1 Nach dem unangefochtenen Nichteintreten auf das Leistungsbegeh-
ren (Verfügung vom 24. Mai 2018; AB 44) erklärte die Beschwerdeführerin 
mit erneuter Anmeldung vom 13. November 2019 (AB 45, 47) ihren Willen 
zur Mitwirkung. Eine solche nach verweigerter Mitwirkung erklärte Bereit-
schaft, die Mitwirkungspflichten erfüllen zu wollen, ist gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung als Neuanmeldung zu betrachten (SVR 2019 IV 
Nr. 8 S. 25 E. 5.1, 2017 IV Nr. 50 S. 151 E. 3.4). Weil der Leistungsan-
spruch der Beschwerdeführerin im Rahmen der ersten Anmeldung keiner 
materiellen Prüfung unterzogen worden war, ist der nun zu beurteilende 
Leistungsanspruch ohne Prüfung einer Änderung in den tatsächlichen Ver-

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hältnissen ab dem Zeitpunkt der Neuanmeldung mit Wirkung für die Zu-
kunft zu prüfen (Entscheide des Bundesgerichts vom 22. März 2022, 
8C_404/2021, E. 5.2.1, und vom 22. März 2010, 9C_994/2009, E. 5.1; vgl. 
dazu auch NICOLAI FULLIN, IV-Neuanmeldung nach Verletzung der Mitwir-
kungspflicht, HAVE 2022 S. 280).

3.2 Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-
führerin finden sich in den Akten insbesondere folgende Angaben:

3.2.1 Im interdisziplinären Gutachten vom 11. Dezember 2020 (AB 93.2) 
stellten die Experten nach neuropsychologischer und psychiatrischer Un-
tersuchung die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung 
vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31 [S. 15]). Die Experten legten dar, in 
der Vielgestaltigkeit und Variabilität dieser Persönlichkeitsstörung fänden 
sich auch immer wieder Symptome, welche formal unter rein phänomeno-
logischen Aspekten auch die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven 
Störung (ICD-10: F33.1) und einer generalisierten Angststörung (ICD-10: 
F41.1) begründen könnten. Diese vermeintlichen Diagnosen erklärten sich 
jedoch im Rahmen der Persönlichkeitsstörung und stellten sicher keine 
echten Komorbiditäten dar. Die seit dem 13. Lebensjahr entwickelten Resi-
duen einer posttraumatischen Belastungsstörung ("Komplex-PTBS", ICD-
10: F 43.1) seien seit langem weitestgehend abgeklungen (S. 16).

Dr. med. D.________, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und 
Psychotherapie, führte im psychiatrischen Gutachten vom 11. Dezember 
2020 (AB 93.1) aus, dass der bei der aktuellen Untersuchung gewonnene 
Eindruck von der Beschwerdeführerin sowie die erhobenen biographischen 
und anamnestischen Angaben die Diagnose einer emotional instabilen 
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ mittlerweile eindeutig und zwei-
felsfrei bestätigten. Damit erscheine bereits auf phänomenologischem Ni-
veau diese Diagnose gesichert. Noch eindeutiger werde diese Diagnose 
mit dem strukturellen Nachweis nach Otto Kernberg (S. 25). Die vermeint-
lich "depressiven" Symptome erklärten sich im Rahmen der durch die Per-
sönlichkeitsstörung bestehenden emotionalen Instabilität, so dass sich die 
Diagnose einer depressiven Episode bzw. einer rezidivierenden depressi-
ven Störung allenfalls allein dann unter phänomenologisch-formalen As-
pekten zu einem gewissen Zeitpunkt stellen liesse, sofern man jegliche 

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ätiologischen Überlegungen sowie das klinische Gesamtbild sträflich aus-
ser Acht liesse (S. 28 Ziff. 3.1.1). Aus denselben Gründen sei die zusätzli-
che Diagnose einer wie auch immer gearteten Angststörung kaum haltbar 
(Ziff. 3.1.2). Bezüglich der Diagnose einer posttraumatischen Belastungs-
störung (PTBS) sei bei strikter Anwendung der von der ICD-10 definierten 
Diagnosekriterien weder die Diagnose einer akuten PTBS noch die einer 
"anhaltenden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung" haltbar. Die 
seit langem von der Beschwerdeführerin gebotene Psychopathologie sei 
kaum durch eine PTBS zu erklären (S. 31). Die traumatischen Erlebnisse in 
der Jugend hätten wohl einen gewissen und möglicherweise auch einen 
nicht unerheblichen kausalen Anteil an der psychoneurotischen Fehlent-
wicklung im Sinne der Persönlichkeitsstörung, welche dann ohnehin erst 
mit Erreichen des Erwachsenenalters mit ausreichender Sicherheit zu dia-
gnostizieren gewesen sei. Die Diagnose der PTBS alleine begründe kei-
nesfalls die von der Beschwerdeführerin seit Jahren in zunehmender Aus-
prägung gebotene, umfangreiche psychoneurotische Symptomatik (S. 32). 
Grundsätzlich sei es schwierig, sich bei Patienten mit Persönlichkeitss-
törungen wie der Beschwerdeführerin zur Arbeitsfähigkeit zu äussern, da 
bei diesen neben allen psychopathologischen Dimensionen und Qualitäten 
auch die Arbeitsfähigkeit stark schwankend sei und selbst Menschen mit 
schweren Borderline-Störungen immer wieder über einen gewissen Zeit-
raum fähig seien, sich in Arbeit und Aufgabe zu vertiefen und sich sehr 
einzusetzen, ohne dabei jedoch ihre persönlichen Limiten zu erkennen und 
zu berücksichtigen, was dann schnell zu Erschöpfung und konsekutiven 
Abbrüchen führe (S. 33 Ziff. 4). Wegen der erhöhten Erschöpfbarkeit sei 
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als … zeitlich nur noch zu maximal fünf 
Stunden täglich zumutbar, wobei – je nach Anforderungen des tatsächli-
chen Arbeitsplatzes – eine Leistungsminderung von maximal 30 % anzuer-
kennen sei, was einer Arbeitsfähigkeit von rund 45 % (43.75 %) entspre-
che. Diese Einschätzung sei spätestens ab Juni 2020 gültig (Austritt aus 
der Tagesklinik). In einer angepassten Tätigkeit (je einfacher, ruhiger und 
besser strukturiert die Arbeit, umso geringer die Leistungsminderung und 
die Erschöpfbarkeit der Beschwerdeführerin, Tätigkeiten mit eher weniger 
Anforderungen an die Sozialkompetenzen, gut strukturierten Arbeitsabläu-
fen ohne allzu hohe Ansprüche an die Eigenorganisation und in einem ru-
higen Umfeld) liege die zeitliche Zumutbarkeit bei mindestens sechs Stun-

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den (zwei mal drei Stunden mit Pause) täglich, wobei die Leistungsminde-
rung geringer wäre und im Schnitt bei lediglich 20 % liegen würde, was 
einer Arbeitsfähigkeit von rund 60 % entspreche (S. 35 Ziff. 4.3).

Im neuropsychologischen Gutachten vom 11. Dezember 2020 (AB 92.1) 
legte lic. phil. E.________, Fachpsychologe für Neuropsychologie, nach 
verschiedenen neuropsychologischen Testungen an zwei Untersuchungs-
terminen dar, dass die objektivierbaren Defizite zusammen mit den klini-
schen Auffälligkeiten einer minimalen bis leichten neuropsychologischen 
Störung entsprächen, die im Rahmen der psychiatrisch attestierten psychi-
schen Störung entstanden sei. Es hätten sich keine Hinweise auf eine 
Aufmerksamkeitsstörung mit oder ohne Hyperaktivität gezeigt. Aktuell wür-
den zwar solche Symptome (jedoch nicht ganz konsistent) beschrieben, 
klinisch habe sich eine motorische Unruhe gezeigt, aber weder deutliche 
Aufmerksamkeitsprobleme noch Ablenkbarkeit noch impulsives Verhalten. 
Ein Aufmerksamkeitsdefizit(hyperaktivitäts)syndrom (AD[H]S) entstehe de-
finitionsgemäss in der Kindheit, die anamnestischen Angaben der Be-
schwerdeführerin sprächen jedoch gegen eine in der Kindheit bestandene 
AD(H)S (S. 9). Aus rein neuropsychologischer Sicht beständen keine Hin-
weise auf eine übermassig eingeschränkte kognitive Belastbarkeit und so-
mit keine Hinweise auf eine Reduktion der üblichen Präsenzzeiten in der 
bisherigen Tätigkeit. Die minimalen bis leichten kognitiven Einschränkun-
gen ergäben eine Reduktion der Leistungsfähigkeit von 10 %, da die Be-
schwerdeführerin etwas länger brauche, um sich neue Informationen anzu-
eignen und Mühe habe, sich zu konzentrieren (S. 12 Ziff. 8). In einer ange-
passten Tätigkeit ergäben sich aus neuropsychologischer Sicht keine Hin-
weise auf eine übermässig eingeschränkte kognitive Belastbarkeit, eine 
Reduktion der üblichen Präsenzzeiten oder auf eine Einschränkung der 
Leistungsfähigkeit (S. 13).

Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (AB 93.2) kamen die 
Experten zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei sowohl aus psychiatri-
scher wie auch aus neuropsychologischer Sicht aufgrund ihrer Störung in 
ihrer Arbeitsfähigkeit bis auf weiteres beeinträchtigt. Wegen der Persön-
lichkeitsstörung werde sie in Zukunft sicherlich völlig unabhängig von ihrer 
Tätigkeit immer wieder leicht in Streit geraten und auch vermehrt die Stel-

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len wechseln; das Muster von Idealisierung und Erwartung werde sich wie-
derholen. Dennoch sei die Beschwerdeführerin in der Lage, bei entspre-
chender Willensanstrengung und Prioritätensetzung einen geregelten Ta-
gesablauf mit auch ausserhäuslichen Aktivitäten einzuhalten und gewisse 
soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Sie könne sich um den Haus-
halt und ihre Tochter kümmern, Einkäufe erledigen und Freude bei ihr an-
genehmen Aktivitäten empfinden. Sie gebe sich gut informiert über ihre 
administrativen und finanziellen Angelegenheiten. Somit sei ihr auch die 
Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit zeitlich leicht reduziert und unter 
Anerkennung einer gewissen Leistungsminderung zumutbar (S. 20 
Ziff. 4.7). Wegen der erhöhten Erschöpfbarkeit sei die zuletzt ausgeübte 
Tätigkeit als … zeitlich nur noch zu maximal fünf Stunden täglich zumutbar, 
wobei – je nach Anforderungen des tatsächlichen Arbeitsplatzes – eine 
Leistungsminderung von maximal 30 % anzuerkennen sei, was einer Ar-
beitsfähigkeit von rund 45 % (43.75 %) in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit 
entspreche. Dieses Zumutbarkeitsprofil sei spätestens ab Juni 2020 gültig 
(Austritt aus der Tagesklinik), wobei zuvor möglicherweise von einer 
höhergradigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen gewesen sei. So habe zum 
Beispiel in den Jahren 2014 und 2017 möglicherweise eine zeitweilig 
höhergradige und phasenweise gar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 
bestanden (z.B. während der tagesklinischen Behandlungen). Allerdings 
sei sicherlich nicht anzunehmen, dass seit dem Jahre 2014 durchgehend 
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, wie es die Beschwer-
deführerin selber darzustellen versuche (S. 21). In einer optimal angepass-
ten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit rund 60 %, wobei auch dieses 
Zumutbarkeitsprofil ab spätestens Juni 2020 gültig sei. Auch diesbezüglich 
sei zu betonen, dass zuvor möglicherweise von einer höhergradigen Ar-
beitsunfähigkeit auszugehen sei (Ziff. 4.8). Diese Einschätzung der Ge-
samtarbeitsfähigkeit ergebe sich aufgrund der objektivierbaren psychiatri-
schen und neuropsychologischen Störungen, wobei rein aufgrund der neu-
ropsychologischen Störungen ohnehin nur eine Leistungsminderung von 
maximal 10 % zu begründen sei (S. 22 Ziff. 4.9).

3.2.2 Im Bericht des Spitals F.________, Psychiatrie Standort …, vom 
23. November 2021 zu Handen des Rechtsvertreters der Beschwerdefüh-
rerin (AB 110 S. 2 ff.) hielten Dr. med. G.________, Fachärztin für Psychia-

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trie und Psychotherapie, und die Psychologin M. Sc. H.________ fest, dass 
es sich bei der Beschwerdeführerin um eine Patientin mit langjähriger 
psychiatrischer Vorgeschichte handle, bei der es im Juni 2021 zu einer 
erneuten schweren psychischen Krise gekommen sei. Es zeige sich nach 
wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und aufgrund der Schwere der 
Symptomatik sowie der langjährigen Vorgeschichte sei von einer ungünsti-
gen Prognose auszugehen. Im Gutachten vom 11. Dezember 2020 
(AB 93.2) liege eine Fehleinschätzung der Arbeitsfähigkeit seit dem Austritt 
aus der Tagesklinik im Mai 2020 vor (S. 3 Ziff. 2), da der teilstationäre Auf-
enthalt nicht zu einer Zustandsverbesserung geführt habe und die Be-
schwerdeführerin nach wie vor zu 100 % arbeitsunfähig sei (S. 4). Auch in 
einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeits-
unfähig, selbst in einer wohlwollenden und stressfreien Umgebung mit ei-
nem stabilen und einfühlsamen Team sei eine längere Arbeitsfähigkeit aus 
heutiger Sicht unwahrscheinlich (S. 6 Ziff. 6).

3.2.3 In der Stellungnahme vom 15. Dezember 2021 (AB 112 S. 2 ff.) 
legte der psychiatrische Gutachter Dr. med. D.________ zu den Aus-
führungen der behandelnden Fachpersonen dar, dass letztere weder seine 
dargestellte Anamnese noch den psychopathologischen Befund noch die 
gestellten Diagnosen angezweifelt und auch keinerlei neuen oder anders-
lautende Diagnosen gestellt hätten. Es fänden sich im vorgelegten Arztbe-
richt keinerlei neuen Aspekte und insbesondere keinerlei neuen Befunde, 
die eine dauerhafte Verschlechterung belegten. Alle anxiodepressiven 
Symptome und vor allem die grosse emotionale Instabilität der Beschwer-
deführerin aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ seien 
im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung vorhanden und bekannt 
gewesen, sie seien erfasst und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ent-
sprechend berücksichtigt worden. Es bestehe damit kein Anlass, die gut-
achterliche Beurteilung insbesondere der Arbeitsfähigkeit zu ändern (S. 3).

3.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 13

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von 
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei 
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon-
krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 
V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; 
SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2).

3.4 Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung 
vom 17. Juni 2022 (AB 118) auf die Konsensbeurteilung des bidisziplinären 
Gutachtens von Dr. med. D.________ und lic. phil. E.________ vom 
11. Dezember 2020 (AB 93.2) und die dazugehörenden Teilgutachten 
(AB 93.1 und 92.1) gestützt. Diese Expertise des psychiatrischen Gutach-
ters samt neuropsychologischer Untersuchung ist für die streitigen Belange 
umfassend, beruht auf einlässlichen klinischen Explorationen und wurde in 
Kenntnis der Vorakten sowie in Berücksichtigung der geklagten Beschwer-
den erstattet. Sie überzeugt inhaltlich, indem die darin enthaltenen Darle-
gungen der medizinischen Zusammenhänge sowie der Beurteilung der 
medizinischen Situation einleuchten und die Schlussfolgerungen nachvoll-
ziehbar begründet sind. Insbesondere die einlässlichen Ausführungen zur 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 14

Diagnosestellung, gemäss welchen sich die rein unter phänomenologi-
schen Aspekten begründbaren Diagnosen einer rezidivierenden depressi-
ven Störung und einer generalisierten Angststörung ätiologisch im Rahmen 
der Persönlichkeitsstörung erklären und keine echten Komorbiditäten im 
Sinne weiterer, parallel zur Persönlichkeitsstörung bestehender psychi-
scher Krankheiten darstellen, überzeugen. Die Beurteilung des Gesund-
heitszustandes erfolgte unter Einbezug sämtlicher hier relevanter Fachdis-
ziplinen und beruht auf kongruenten Einschätzungen anlässlich mehrerer 
telefonischer und per E-Mail geführter Konsensbesprechungen (vgl. 
AB 93.2). Damit erfüllt die Expertise vom 11. Dezember 2022 (AB 93.2) die 
vorerwähnten höchstrichterlichen Beweisanforderungen (vgl. E. 3.3 hiervor) 
und erbringt vollen Beweis (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Die be-
handelnden Fachpersonen des Spitals F.________ qualifizierten das Gut-
achten denn auch als vollständig (AB 110 S. 4 Ziff. 3) bzw. gingen einzig in 
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit nicht mit dem Gutachter einig. Wie der 
psychiatrische Gutachter Dr. med. D.________ in seiner Stellungnahme 
vom 15. Dezember 2021 (AB 112 S. 2 ff.) zutreffend darlegte, enthält der 
Bericht des Spitals F.________ vom 23. November 2021 (AB 110 S. 2 ff.) 
indes keine im Gutachten ungewürdigt gelassenen Aspekte, was zu Recht 
(nunmehr im hiesigen Beschwerdeverfahren) nicht mehr umstritten ist. 

Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten vom 11. Dezember 2020 
(AB 93.2) ist damit erstellt, dass bei der Beschwerdeführerin als Diagnose 
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlich-
keitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31) vorliegt, woraus die 
Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von maximal fünf Stunden täglich mit einer 
Leistungsminderung von maximal 30 %, d.h. heisst eine Arbeitsunfähigkeit 
von rund 45 % in der bisherigen Tätigkeit seit spätestens Juni 2020 (Austritt 
aus Tagesklinik) und zuvor eine zeitweilig höhere und phasenweise gar 
vollständige Arbeitsunfähigkeit ableiteten (S. 20 f. Ziff. 4.7). In einer adap-
tierten Tätigkeit (mit eher weniger Anforderungen an die Sozialkompeten-
zen, gut strukturierten Arbeitsabläufen ohne allzu hohe Ansprüche an die 
Eigenorganisation und in einem ruhigen Umfeld) attestierten die Experten 
eine Arbeitsfähigkeit von mindestens sechs Stunden (zwei mal drei Stun-
den mit Pause) täglich mit einer 20%igen Leistungsminderung, d.h. eine 
Arbeitsfähigkeit von rund 60 % seit Juni 2020 und zuvor einer zeitweilig 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 15

höheren und phasenweise gar vollständigen Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 4.8). 
Auf diese Einschätzung, welche die mit BGE 141 V 281 normierten Be-
weisthemen berücksichtigt (S. 16 ff. Ziff. 4.3 ff., vgl. dazu E. 2.3 hiervor), ist 
abzustellen.

4.

Festzustellen ist weiter der Status der Beschwerdeführerin resp. der Um-
fang, in welchem sie als Gesunde erwerbstätig wäre.

4.1 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenan-
spruchs als auch anlässlich einer Rentenrevision stellt sich unter dem Ge-
sichtspunkt von Art. 8 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditäts-
bemessungsmethode (Art. 16 ATSG sowie aArt. 28a Abs. 2 und 3 IVG).

Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige 
oder als Nichterwerbstätige einzustufen ist – was je zur Anwendung einer 
anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, 
Betätigungsvergleich, gemischte Methode) führt –, ergibt sich aus der Prü-
fung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine 
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1 S. 20). 
Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versi-
cherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in 
welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 144 I 28 E. 2.3 
S. 30; SVR 2020 IV Nr. 72 S. 251 E. 4.1.1).

4.2 Die Beschwerdegegnerin hat im Abklärungsbericht Erwerb/Haushalt 
vom 19. Oktober 2021 gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin 
im Rahmen des Abklärungsgesprächs, wonach sie im Gesundheitsfall in 
einem Pensum von 60 - 70 % im sozialen Bereich arbeiten würde, da dies 
finanziell reichen würde und sie "früher so auch durchgekommen sei", den 
Status auf 65 % Erwerb und 35 % Haushalt festgelegt (AB 110 S. 5 
Ziff. 3.3). Die Angaben der Beschwerdeführerin bzw. ihre Begründung für 
das angegebene Erwerbspensum von gemittelt 65 % zeigen, dass die sie 
in der Lage war, sich konkrete Vorstellungen dazu zu machen, in welchem 
Bereich und in welchem zeitlichen Umfang sie als Gesunde erwerbstätig 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 16

wäre. Ferner belegen ihre Angaben, dass die Beschwerdeführerin bei ihren 
Überlegungen zum Erwerbspensum auch die finanziellen Aspekte mitein-
bezog, indem sie schlussfolgerte, mit einem solchen Pensum sei sie auch 
früher durchgekommen. Sodann ist sie gemäss gutachterlicher Beurteilung 
(AB 92.1 S. 12) nicht derart kognitiv eingeschränkt, dass sie nicht in der 
Lage gewesen wäre, die ihr gestellte Statusfrage einwandfrei zu erfassen 
und adäquat zu beantworten. Dass sie offenbar (langjährige) Schulden hat 
(vgl. AB 110 S. 5 Ziff. 3.4), belegt entgegen den Ausführungen in der Be-
schwerde (S. 5 Ziff. 6) nicht, dass ein Pensum von 60 - 70 % aus finanziel-
ler Hinsicht nicht ausreichend wäre, ist doch bereits unklar, zu welcher Zeit 
und weshalb die Schulden entstanden sind. Überdies geht aus den Akten 
hervor (AB 58 S. 2 Ziff. 1, 93.1 S. 39), dass der Vater ihrer Tochter die Ali-
mente zuverlässig entrichtete und die Familienzulagen ablieferte, womit 
eine finanzielle Notwendigkeit für ein höheres Erwerbspensum umso weni-
ger erstellt ist. Mithin ist davon auszugehen, dass die Angaben anlässlich 
des Abklärungsgesprächs vom 15. Oktober 2021 am ehesten dem subjek-
tiven Entschluss der Beschwerdeführerin entsprechen und ihnen damit 
höheres Gewicht beizumessen ist als den im Einwand- bzw. Beschwerde-
verfahren gemachten Aussagen, zumal Letztere von Überlegungen versi-
cherungsrechtlicher Art geprägt gewesen sein dürften. Dass der Be-
schwerdeführerin infolge des Alters der Tochter bzw. des Wegfalls der Be-
treuungsaufgaben nunmehr ein Vollpensum zumutbar wäre, wie in der Be-
schwerde geltend gemacht wird (S. 5 Ziff. 5), ändert am zu berücksichti-
genden Pensum nichts, ist doch eben gerade nicht entscheidend, welches 
Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall 
zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch 
erwerbstätig wäre (vgl. E. 4.1 vorstehend). 

4.3 Nach dem Dargelegten ist von einem Status 65 % Erwerb und 35 % 
Haushalt auszugehen und der IV-Grad ist anhand der gemischten Methode 
(vgl. E. 2.5 hiervor) zu bestimmen (vgl. E. 5 ff. hiernach).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 17

5.

Im Folgenden ist auf die Invalidität im Erwerbsbereich einzugehen. Dabei 
ist der IV-Grad nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs 
zu bestimmen (vgl. E. 2.5 hiervor).

5.1

5.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitli-
che Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau 
beziffern, ist auf statistische Werte wie die vom Bundesamt für Statistik 
(BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auf 
sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberück-
sichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten 
persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 144 I 103 
E. 5.3 S. 110; SVR 2019 UV Nr. 40 S. 153 E. 6.2.3).

5.1.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom BFS herausge-
gebenen LSE herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 
2021 Nr. 51 S. 168 E. 3.2).

5.2 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 18

ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 
S. 300, 129 V 222). Vorliegend ist der frühestmögliche Rentenbeginn unter 
Berücksichtigung des Wartejahres und der (Neu-)Anmeldung im November 
2019 (AB 45) in Anwendung von Art. 28 Abs. 1 i.V.m. Art. 29 Abs. 1 IVG 
auf Mai 2020 festzusetzen. 

5.3 Die Beschwerdegegnerin hat aufgrund der tagesklinischen Behand-
lung für den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am 1. Mai 
2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen (AB 100 S. 7 Ziff. 5.2), 
was den gutachterlichen Angaben entspricht und nicht zu beanstanden ist 
(vgl. AB 93.1 S. 35 Ziff. 4.3). Damit resultiert für diese Zeit ein IV-Grad im 
Erwerbsbereich von 100 % bzw. gewichtet 65 % (100 % x 0.65 [Status]).

5.4 In der Folge hat sich mit der Verbesserung des psychischen Zu-
standsbildes ab dem Austritt aus der Tagesklinik per Ende Mai 2020 (AB 
931.1 S. 35 Ziff. 4.3) ein Revisionsgrund verwirklicht, womit per Juni 2020 
der IV-Grad neu zu bestimmen ist.

5.4.1 Die Beschwerdeführerin war bis Februar 2014 als … im … (…) in 
einem Pensum von 60 % arbeitstätig (AB 100 S. 4 Ziff. 3.1 f.) und würde im 
Gesundheitsfall immer noch in diesem Beruf tätig sein (vgl. Ziff. 3.3 bzw. 
E. 4.2 hiervor). Dass sie aber dabei nach wie vor beim selben Arbeitgeber 
angestellt wäre, ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt und 
wird auch nicht geltend gemacht, weshalb das Valideneinkommen – ent-
sprechend dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin (S. 7 f. Ziff. 5.2) – an-
hand der statistischen Lohnangaben der LSE 2018, Tabelle TA1 festzule-
gen ist. Der monatliche Bruttolohn für Frauen, Zeile 86 - 88 "Gesundheits- 
und Sozialwesen", Kompetenzniveau 2 beträgt Fr. 5'170.--. Indexiert auf 
das Jahr 2020 (BFS, Tabelle "Nominallohnindex nach Geschlecht", Tabelle 
T1.2.10, Frauen, Periode 2015 bis 2020, Zeile 86 - 88 "Gesundheitswesen, 
Heime und Sozialwesen", Index 2018: 101.3 bzw. 2020: 103.3) und aufge-
rechnet auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.5 Stunden im 
Jahr 2020 (BFS, Tabelle "Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabtei-
lungen in Stunden pro Woche", Zeile 86 - 88 "Gesundheits- und Sozialwe-
sen", Jahr 2020 [alle Tabellen abrufbar unter www.bfs.admin.ch]) resultiert 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 19

ein Valideneinkommen von Fr. 65'637.30 pro Jahr (Fr. 5'170.-- x 12 / 101.3 
x 103.3 / 40 x 41.5).

5.4.2 Da die Beschwerdeführerin keine Verweistätigkeit im zumutbaren 
Rahmen aufgenommen hat, hat die Beschwerdegegnerin das Invalidenein-
kommen gestützt auf die Tabellenlöhne ermittelt (AB 100 S. 8 Ziff. 5.2), 
was korrekt ist. Gemäss der Tabelle TA1 der LSE 2018 (vgl. E. 5.4.1 hier-
vor) beträgt der massgebliche monatliche Bruttolohn (Total des Kompe-
tenzniveaus 1 [einfache Arbeiten körperlicher oder handwerklicher Art]) für 
Frauen Fr. 4'371.--. Aufgerechnet auf ein Jahr und angepasst sowohl an 
die Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2020 (Tabelle "Nominallohnindex 
nach Geschlecht", Tabelle T.2.15, Frauen, Periode 2015 bis 2020, Total, 
Index 2018: 101.7 bzw. 2020: 103.6 [vgl. E. 5.4.1 hiervor]) als auch an die 
betriebsübliche Wochenarbeitszeit im Jahr 2020 von 41.7 Stunden (vgl. 
E. 5.4.1 hiervor) ergibt sich im Jahr 2020 ein jährliches Einkommen von 
Fr. 55'702.80 (Fr. 4'371.-- x 12 / 101.7 x 103.6 / 40 x 41.7). Unter Berück-
sichtigung des Umstands, dass der Beschwerdeführerin eine angepasste 
Tätigkeit zu 60 % zumutbar ist (vgl. E. 3.4 hiervor), ergibt sich ein Einkom-
men von Fr. 33'421.70 (Fr. 55'702.80 x 0.6). Ein zusätzlicher Abzug vom 
Tabellenlohn (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481) 
wurde von der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht vorgenommen (AB 100 
S. 8 Ziff. 5.2).

5.4.3 Damit resultiert aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkom-
men im Erwerbsbereich per Juni 2020 eine Einschränkung von ungewichtet 
49.08 % ([Fr. 65'637.30 ./. Fr. 33'421.70] / Fr. Fr. 65'637.30 x 100) bzw. 
gewichtet 31.9 % (49.08 % x 0.65 [Status]).

6.

Im Folgenden ist die Einschränkung im Aufgabenbereich zu bestimmen.

6.1 Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene 
Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer 
qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli-
chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 20

benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Anga-
ben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Mei-
nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext 
schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein-
schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den 
an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab-
klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der 
die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein-
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die 
fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist 
als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 
S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63; SVR 2018 IV Nr. 69 S. 224 E. 3.2).

6.2 Der Abklärungsbericht Erwerb/Haushalt vom 19. Oktober 2021 
(AB 100) erfüllt die Anforderungen der Rechtsprechung (E. 6.1 hiervor) und 
überzeugt. Die Feststellungen der fachkundigen Abklärungsperson basie-
ren auf eigenen und in Anwesenheit der Beschwerdeführerin durchgeführ-
ten Erhebungen (S. 2). Dass die Erhebungen nicht am Wohnsitz der Be-
schwerdeführerin durchgeführt wurden, schmälert den Beweiswert nicht, 
konnte sich doch die Abklärungsperson anhand der vorgelegten Bilder ei-
nen genauen Eindruck der Wohnverhältnisse machen. Der Abklärungsbe-
richt ist zudem hinsichtlich der Gewichtung der Tätigkeiten im Haushalt 
ausreichend detailliert und den Einschränkungen sowie den Angaben der 
Beschwerdeführerin wurde angemessen Rechnung getragen. Die von den 
Gutachtern festgestellten gesundheitsbedingten Einschränkungen resp. 
das entsprechende Zumutbarkeitsprofil wurden berücksichtigt (S. 5 f. 
Ziff. 5.1). 

6.3 Damit beträgt die Einschränkung im Bereich Haushalt ungewichtet 
13 % bzw. gewichtet 4.55 % (13 % x 0.35 [Status]).

7.

Zusammenfassend ergibt sich unter Berücksichtigung eines Status von 
65 % Erwerbstätigkeit und 35 % Haushalt (vgl. E. 4 hiervor) ab Mai 2020 
eine gewichtete Einschränkung im erwerblichen Bereich von 65 % (vgl. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 21

E. 5.3 hiervor) und ab Juni 2020 eine solche von 31.9 % (vgl. E. 5.4.3 hier-
vor). Im Bereich Haushalt besteht eine gewichtete Einschränkung von 
4.55 % (vgl. E. 6.3 hiervor), wobei offenbleiben kann, ob die Einschränkung 
vor Juni 2020 allenfalls gar höher war. Somit liegt per Mai 2020 ein IV-Grad 
von gerundet 70 % (65 % + 4.55 %) vor, weshalb die Beschwerdeführerin 
Anspruch auf eine ganze Rente hat (vgl. E. 2.4 und E. 2.7 hiervor). Ab Juni 
2020 beträgt die Einschränkung im erwerblichen Bereich 31.9 % (vgl. 
E. 5.4.3) und im Bereich Haushalt weiterhin 4.55 % (vgl. E. 6.3 hiervor), 
sodass ein rentenausschliessender IV-Grad von gerundet 36 % resultiert 
(zur Rundung: BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123). Mithin hat die Ver-
waltung die IV-Rente unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV zu 
Recht per September 2020 aufgehoben. Die angefochtene Verfügung vom 
17. Juni 2022 (AB 118) ist folglich nicht zu beanstanden und die dagegen 
erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

8.

8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.–, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss 
gleicher Höhe entnommen.

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, IV/22/474, Seite 22

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.