# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36f6f965-04c7-5b20-bbe8-0e5ebea9e8ec
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.02.2025 F-5212/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5212-2024_2025-02-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5212/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  F e b r u a r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Christa Preisig (Vorsitz), 

Richter Sebastian Kempe,  

Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiberin Joana Maria Mösch. 
 

 
 

Parteien 
 A. _______,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6,  

3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen;  

Verfügung des SEM vom 20. Juni 2024. 

 

 

 

F-5212/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin (geb. […], Staatsangehörige von Eritrea) lebt in 

Addis Abeba. 

Am 23. Januar 2024 beantragte sie bei der Schweizer Vertretung in Addis 

Abeba die Ausstellung eines humanitären Visums, was letztere mit Formu-

larverfügung vom 26. Januar 2024 ablehnte. 

B.  

Mit Verfügung vom 20. Juni 2024 (Ausgang am Folgetag, Zustelldatum un-

bekannt) wies die Vorinstanz die hiergegen geführte Einsprache der Be-

schwerdeführerin ab. 

C.  

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin Beschwerde bei der Vorinstanz 

(Eingang gemäss Stempel auf dem Briefumschlag am 16. August 2024), 

welche die Eingabe zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht 

weiterleitete, und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-

gung sowie die Erteilung eines humanitären Visums.  

D.  

Aus organisatorischen Gründen wurde Anfang 2025 die vorsitzende Rich-

terin im Spruchkörper aufgenommen. 

  

F-5212/2024 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide betreffend huma-

nitäre Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfecht-

bar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). In diesem Bereich entscheidet 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde berechtigt (vgl. Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde enthält weder ein Datum noch eine Unter-

schrift. Allerdings befindet sich auf dem Zustellcouvert eine Unterschrift, 

welche sich gestützt auf die Akten der Beschwerdeführerin zuordnen lässt. 

Ausnahmsweise verzichtet das Bundesverwaltungsgericht deshalb auf 

eine diesbezügliche Beschwerdeverbesserung (vgl. Art. 52 VwVG). Auf die 

fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 22a Abs. 1 Bst. b VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verlet-

zung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch 

des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-

gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-

deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

2.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann bei Beschwerden, die sich – wie 

vorliegend – als zum Vornherein unbegründet erweisen, auf die Durch-

führung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 57 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Als Staatsangehörige Eritreas mit Aufenthalt in Äthiopien unterliegt die 

Beschwerdeführerin der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 

15. August 2018 über die Einreise und die Visumerteilung (VEV, 

SR 142.204). Mit ihrem Gesuch beabsichtigt sie einen längerfristigen Auf-

enthalt, weshalb nicht die Erteilung von Schengen-Visa zu prüfen ist, son-

dern mit Art. 4 VEV nationales Recht zur Anwendung gelangt. 

F-5212/2024 

Seite 4 

3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann ein humanitäres Visum erteilt werden, 

wenn die betreffende Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und 

konkret an Leib und Leben gefährdet ist. Praxisgemäss werden humanitäre 

Visa nur unter sehr restriktiven Bedingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 

E. 4.1.3). Diese werden dann als erfüllt angesehen, wenn bei einer Person 

aufgrund der konkreten Umstände offensichtlich davon ausgegangen wer-

den muss, dass sie sich im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonde-

ren Notsituation befindet, die ein behördliches Eingreifen zwingend erfor-

derlich macht und es rechtfertigt, ihr – im Gegensatz zu anderen Personen 

in derselben Lage – ein Einreisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei 

akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individu-

ellen Gefährdung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft, gegeben 

sein. Hingegen genügt eine rein hypothetische Gefahr aufgrund eines le-

diglich abstrakten Risikoprofils nicht, um ein humanitäres Visum zu erhal-

ten (vgl. statt vieler Urteile des BVGer F-406/2024 vom 15. Juli 2024 E. 4.2, 

F-4179/2022 vom 2. Oktober 2023 E. 6.3 f.). 

Befindet sich die betroffene Person bereits in einem Drittstaat oder ist sie 

nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Her-

kunftsland zurückgekehrt und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den 

Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, dass keine Ge-

fährdung mehr besteht. Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der 

aktuellen Gefährdung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person 

und der Lage im Heimat- oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei 

können auch weitere Kriterien wie das Bestehen von Bindungen zur 

Schweiz und die hier bestehenden Integrationsaussichten oder die Un-

möglichkeit, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, berücksich-

tigt werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; statt vieler zuletzt 

Urteil des BVGer F-3476/2023 vom 6. Juni 2024 E. 4.2). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids an, die Be-

schwerdeführerin sei in Äthiopien nicht unmittelbar an Leib und Leben be-

droht. Es liege keine besondere Notsituation vor, welche im Gegensatz zur 

Lage anderer Personen ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich 

mache. Die Beschwerdeführerin befinde sich bereits in einem sicheren 

Drittstaat und habe nicht darlegen können, inwiefern sie Probleme mit den 

äthiopischen Behörden gehabt habe. Humanitäre Gründe für die Erteilung 

eines Einreisevisums für einen längerfristigen Aufenthalt lägen daher nicht 

vor.  

F-5212/2024 

Seite 5 

4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie in Äthiopien den glei-

chen Bedrohungen ausgesetzt sei, die sie vor zehn Jahren zur Flucht aus 

ihrem Heimatland Eritrea veranlasst hätten. In Eritrea seien ihre Grossel-

tern der Hexerei («evil eye») bezichtigt worden und die Familie habe des-

halb als Ausgestossene gelebt. Dies habe die Beschwerdeführerin zum 

christlichen Glauben geführt. In der Folge sei sie von ihrer Familie verstos-

sen worden und aus ihrem Heimatland Eritrea geflohen. Die Gerüchte über 

ihre angebliche Hexerei hätten sich auch im Flüchtlingslager in Addis Ab-

eba verbreitet, weshalb die Beschwerdeführerin weiterhin diskriminiert und 

mit Schimpfwörtern belästigt worden sei. Sie sei in Äthiopien wiederholt 

Opfer von Übergriffen ihrer Landsleute geworden. Aus diesem Grund habe 

sie dort die gleiche Angst wie damals in Eritrea. Sie könne der äthiopischen 

Regierung nicht trauen. 

5.  

5.1 Die Beschwerdeführerin lebt gemäss eigenen Angaben seit 2014 in 

Äthiopien und ist dort – soweit aus den Akten ersichtlich – als Flüchtling 

anerkannt. Entsprechend ist vorliegend die Situation in Äthiopien zu be-

rücksichtigen.  

Die Sicherheitslage in Äthiopien ist seit Ausbruch des Tigray-Konflikts im 

November 2020, der sich in einen Bürgerkrieg ausgeweitet hat, insgesamt 

volatil (vgl. Deutsches Auswärtiges Amt, Äthiopien: Reise- und Sicherheits-

hinweise, <https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/ae-

thiopiensicherheit/209504>, abgerufen am 22.01.2025). Auch wenn dies-

bezüglich die neuesten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem verein-

barten Friedensabkommen als positiv zu werten sind, bleibt die Lage in der 

Region Tigray und den benachbarten Regionen unsicher (vgl. Eidgenössi-

sches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Reisehinweise 

für Äthiopien, <https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/vertretungen-und-

reisehinweise/aethiopien/reisehinweise-fueraethiopien.html#edaefedf2>, 

abgerufen am 22.01.2025). 

Die Beschwerdeführerin lebt indes in der Hauptstadt und damit ausserhalb 

des Hauptkonfliktgebietes. Ihren sehr allgemein gehaltenen Schilderungen 

lassen sich keine konkreten Angaben über ihre Lebensumstände entneh-

men. So bleibt namentlich unklar, ob sie sich derzeit in Addis Abeba in ei-

nem Flüchtlingslager befindet, in dem sie als alleinstehende Frau ein er-

höhtes abstraktes Risikoprofil aufweisen würde (vgl. Schweizerische 

Flüchtlingshilfe [SFH], Äthiopien: Situation von alleinstehenden Frauen, 

Auskunft der SFH Länderanalyse vom 16. September 2022, 

F-5212/2024 

Seite 6 

< https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/-

Herkunftslaenderberichte/Afrika/Aethiopien/220916_ETH_femmes_seu-

les_de.pdf >, abgerufen am 22.01.2025). Eine rein abstrakte Gefährdung 

reicht jedoch – wie ausgeführt (siehe vorn E. 3.2) – für die Erteilung eines 

humanitären Visums ohnehin nicht aus. Neben dem Vorliegen eines Risi-

koprofils müssen die Betroffenen individuell, unmittelbar und konkret an 

Leib und Leben bedroht sein. Ihre Situation muss sich zudem erheblich von 

derjenigen anderer Personen unterscheiden, die sich in der gleichen Lage 

befinden. Die vorliegend behauptete Gefährdung durch Dritte genügt hier-

für nicht. Die Beschwerdeführerin konnte sodann nicht darlegen, weshalb 

sie gegen die behauptete, nicht weiter substantiierte Bedrohung durch 

Landsleute nicht die äthiopischen Behörden um Hilfe ersuchen kann. Sie 

hat selbst eingeräumt, sich noch nie an diese gewandt zu haben (vgl. etwa 

Einsprache, SEM-act. 3/13). 

5.2 Eine Gesamtwürdigung der Situation der Beschwerdeführerin in Äthio-

pien führt zum Schluss, dass ihre Situation – insbesondere als alleinste-

hende Frau – zweifellos belastend ist. Eine unmittelbare, ernsthafte und 

konkrete Gefährdung an Leib und Leben vermag sie jedoch nicht rechts-

genüglich zu begründen.  

6.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die Vor- 

aussetzungen für die Ausstellung eines humanitären Visums zwecks Ein-

reise in die Schweiz nicht erfüllt. Die angefochtene Verfügung erweist sich 

im Licht von Art. 49 VwVG als rechtmässig. Die Beschwerde ist abzuwei-

sen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrens-

kosten können erlassen werden, wenn Gründe in der Sache oder in der 

Person der Partei es als unverhältnismässig erscheinen lassen, sie der 

Partei aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 letzter Satz VwVG i.V.m. Art. 6 Bst. 

b VGKE des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Gestützt auf diese Bestimmungen ist in Anbetracht der gesamten Um-

stände vorliegend auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-5212/2024 

Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Preisig Joana Maria Mösch 

 

 

 

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