# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e45732f4-d66b-5845-b4c4-7945443eb848
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-07-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.07.2018 D-8230/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8230-2015_2018-07-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-8230/2015, D-8234/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  J u l i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi, Richterin Contessina Theis,    

Gerichtsschreiberin Sandra Sturzenegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Söhne 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

alle Kosovo,   

alle vertreten durch Stefan Hery,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügungen des SEM vom 27. November 2015 / N (…). 

 

 

 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin – eine kosovarische Staatsangehörige alba-

nischer Ethnie – gelangte am 26. März 2008 mit ihren beiden Söhnen 

B._______ (damals […]jährig) und C._______ (damals […]jährig) in die 

Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Zur Begründung der 

Asylgesuche machte sie geltend, ihr Ehemann sei im Juli 1999 von Serben 

ermordet worden. Sie hätte daraufhin einen der Brüder ihres Ehemannes 

heiraten sollen, was sie nicht gewollt habe. Sie sei daher von der Familie 

ihres Ehemannes, welche gleichzeitig ihre beiden Söhne zurückbehalten 

habe, des Hauses verwiesen worden. Sie habe die folgenden Jahre um 

das Sorgerecht für ihre Söhne kämpfen müssen. Im März 2006 seien ihr 

die Söhne gerichtlich zugesprochen worden. Sie und ihre Söhne seien in 

der Folge von der Familie ihres verstorbenen Ehemannes bedroht und be-

lästigt worden. Diese habe die beiden wieder in ihrer Obhut haben wollen. 

Vor diesem Hintergrund habe sie ihre Heimat zusammen mit ihren Söhnen 

verlassen. 

A.b Mit Verfügung vom 6. April 2009 lehnte das damalige BFM die Asylge-

suche mangels Asylrelevanz ab und verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. Die dagegen erhobene Be-

schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2918/2009 vom 

29. November 2011 ab. 

A.c Das BFM setzte den Beschwerdeführenden daraufhin eine Frist bis 

zum 27. Dezember 2011 zum Verlassen der Schweiz. Mit Eingabe vom 

20. Dezember 2011 ersuchte die Beschwerdeführerin – unter Hinweis auf 

das beim kantonalen Migrationsamt eingereichte Gesuch um Erteilung ei-

ner Härtefallbewilligung – um Erstreckung der Ausreisefrist. Das BFM ge-

währte in seinem Schreiben vom 22. Dezember 2011 keine entsprechende 

Verlängerung.  

A.d Mit Entscheid vom 4. Januar 2012 trat das kantonale Migrationsamt 

sodann auf das Gesuch um Erteilung einer Härtefallbewilligung nicht ein. 

Der dagegen beim kantonalen (…) erhobene Rekurs wurde mit Entscheid 

vom 21. März 2012 abgewiesen.  

B.  

B.a Mit Gesuch vom 30. Januar 2012 beziehungsweise 20. April 2012 be-

antragte die Beschwerdeführerin beim BFM, die Verfügung vom 6. April 

2009 wiedererwägungsweise abzuändern und eine vorläufige Aufnahme 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 3 

anzuordnen. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, sie habe 

kurz nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erfahren, dass ihre 

Schwiegerfamilie im Kosovo erneut ein Verfahren bezüglich des Sorge-

rechts für ihre beiden Söhne eingeleitet habe. 

B.b Mit Verfügung vom 21. Mai 2012 wies die Vorinstanz das Wiedererwä-

gungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom 6. April 2009 für rechts-

kräftig und vollstreckbar. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwer-

de wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-3288/2012 vom 6. Au-

gust 2012 ab.  

C.  

C.a Eigenen Angaben zufolge verliessen die Beschwerdeführenden die 

Schweiz am 20. August 2012 und reisten nach Mazedonien. Dort hielten 

sie sich einige Monate auf, bevor sie am 25. Februar 2013 erneut in die 

Schweiz gelangten. Am folgenden Tag reichten sie hier ein zweites Asylge-

such ein.  

C.b Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 5. März 2013 sowie 

der Anhörungen zu den Asylgründen vom 28. Juni 2013 brachten sie im 

Wesentlichen vor, sie hätten Mazedonien verlassen müssen, weil die Brü-

der ihres verstorbenen Ehemannes respektive Vaters herausgefunden hät-

ten, dass sie sich dort aufhalten würden. So habe die Beschwerdeführerin 

in Mazedonien ihren Schwager D._______ gesehen. Erstmals machte sie 

sodann geltend, dass D._______ sie früher sexuell belästigt habe und sie 

im Jahr 1999 von Serben vergewaltigt worden sei. 

C.c Die Beschwerdeführerin reichte mehrere heimatliche Dokumente (teil-

weise in Kopie und teilweise mit französischsprachiger Übersetzung) zu 

den Akten. 

D.  

Das kantonale Migrationsamt teilte dem BFM mit Schreiben vom 29. Juli 

2014 mit, dass die Beschwerdeführenden seit dem 21. Juli 2014 unbe-

kannten Aufenthaltes seien. Das BFM schrieb daraufhin die Asylgesuche 

als gegenstandslos geworden ab, nahm das Verfahren jedoch wieder auf, 

nachdem die Beschwerdeführenden am 31. Juli 2014 erneut aufgetaucht 

waren.  

 

 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 4 

E.  

E.a Mit Eingabe vom 17. April 2015 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter 

dem SEM seine Mandatierung an und ersuchte das SEM um baldmöglichs-

ten positiven Abschluss des Asylverfahrens. Er führte aus, die Familie lebe 

– mit einem kurzen Unterbruch – seit über sieben Jahren in der Schweiz. 

Die beiden Söhne würden mittlerweile besser Deutsch als ihre Mutterspra-

che sprechen. Sie hätten die Schule jedoch aufgrund des Umzugs in die 

Nothilfeunterkunft abbrechen müssen. Dennoch sei die Familie im Rahmen 

ihrer begrenzten Möglichkeiten äusserst bestrebt und motiviert, sich best-

möglich zu integrieren und einem geregelten Tagesablauf nachzugehen. 

Alle drei seien überaus gut integriert und beliebt, würden aktiv am öffentli-

chen Leben teilnehmen und über ein sehr gutes soziales Netzwerk verfü-

gen. Dies würden zahlreiche Schreiben von Freunden, Bekannten, Schul-

kollegen, Lehrern und Arbeitgebern belegen. In der Schule seien die Söhne 

durch ihre ausgezeichneten Leistungen und ihr überdurchschnittlich gutes 

Verhalten aufgefallen. Der ältere Sohn B._______ dürfe zurzeit bei der (…) 

AG ein Praktikum absolvieren und habe dort im Fall eines positiven Aus-

gangs des Asylverfahrens auch eine Festanstellung in Aussicht. Auch die 

Beschwerdeführerin bemühe sich aktiv um Beschäftigung. So habe sie sich 

in verschiedenen Programmen der jeweiligen Wohnunterkunft engagiert 

und habe unter anderem als (…) gearbeitet. Eine Rückkehr in den Kosovo 

käme für die Familie einer sozialen und emotionalen Entwurzelung gleich 

und wäre für die Entwicklung und Zukunft der beiden Söhne verheerend. 

E.b Dieser Eingabe lagen – neben persönlichen Schreiben sowie diversen 

Unterstützungsschreiben – folgende Dokumente (teilweise in Kopie) bei:  

- betreffend alle Beschwerdeführenden: eine Bestätigung der Gruppen-

unterkunft E._______, eine Bestätigung des Sozialamtes F._______ 

und eine Bestätigung des Zentrums für Asylsuchende G._______; 

- betreffend die Beschwerdeführerin: eine Bestätigung des (…), ein Ar-

beitsvertrag und ein Arbeitszeugnis des (…), drei Bewerbungsabsagen, 

ein Zertifikat (Ausbildungsprogramm „[…]“); 

- betreffend die beiden Söhne: Schulzeugnisse, eine Schulbestätigung 

des Zentrums für Asylsuchende G._______, eine Bestätigung des Fuss-

ballclubs (…); 

- betreffend den älteren Sohn B._______: eine Bestätigung der (…) AG 

sowie eine weiter Bestätigung zu seiner Arbeit in diesem Unternehmen, 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 5 

eine „Bestätigung Schulassistenz“ des Zentrums für Asylsuchende 

H._______. 

F.  

Mit Eingabe vom 6. November 2015 kündigte der Rechtsvertreter der Be-

schwerdeführenden dem SEM die Einreichung einer Rechtsverzögerungs-

beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht an, sollte es nicht innerhalb 

von vier Wochen einen Asylentscheid eröffnen oder die Gründe nennen, 

weshalb ein Entscheid noch nicht möglich sei. Gleichzeitig reichte er als 

weiteren Beweis für die ausserordentlich weit fortgeschrittene Integration 

der Beschwerdeführenden eine Kopie des Lehrvertrags von B._______ 

ein. 

G.  

G.a Mit zwei Verfügungen vom 27. November 2015 – die eine betrifft alle 

drei Beschwerdeführenden (recte: A._______ und C._______), die andere 

den zu diesem Zeitpunkt bereits volljährigen B._______ – stellte das SEM 

fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfül-

len, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegwei-

sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, und erhob eine 

Gebühr in der Höhe von jeweils Fr. 600.–.  

G.b Zur Begründung führte es zusammengefasst an, die Beschwerdefüh-

renden hätten im Wesentlichen dieselben Asylgründe geltend gemacht, die 

sie bereits im erstinstanzlichen Verfahren (recte: im ersten Asylverfahren) 

und im Wiedererwägungsverfahren vorgebracht hätten. Es werde daher 

auf die bisherigen vorinstanzlichen Verfügungen und Urteile des Bundes-

verwaltungsgerichtes zurückverwiesen. Die seitens der Beschwerdeführe-

rin erstmals vorgebrachte Vergewaltigung durch Serben im Jahr 1999 sei 

als offensichtlich nachgeschoben zu betrachten und liege – selbst wenn sie 

geglaubt werden könnte – schon zu lange zurück, um noch Asylrelevanz 

zu entfalten. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM sodann als 

zulässig, zumutbar und möglich, wobei es bezüglich der Zumutbarkeit 

hauptsächlich ebenfalls auf die bisherigen die Beschwerdeführenden be-

treffenden Entscheide verwies. 

 

 

H.  

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 6 

Gegen diese am 30. November 2015 eröffneten Verfügungen liessen die 

Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 18. Dezember 2015 beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde erheben und dabei beantragen, die 

Verfahren betreffend die Beschwerdeführerin und deren Sohn C._______ 

sowie den Sohn B._______ seien zu vereinigen, die beiden Verfügungen 

des SEM vom 27. November 2015 seien in den Dispositionspunkten 4 bis 

6 aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung 

unzumutbar sei, weshalb die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei, even-

tualiter seien die Verfügungen aufzuheben und die Sache zur erneuten Ent-

scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Gleichzeitig liessen sie um 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses ersuchen. 

Auf die Begründung der Beschwerdebegehren und die mit der Beschwerde 

eingereichten Beweismittel (ein handschriftliches Schreiben von 

B._______, zwei Unterstützungsschreiben sowie ein Themenpapier der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH]) wird – soweit für den Entscheid 

wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

I.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit zwei Schreiben vom 22. De-

zember 2015 den Eingang der Beschwerde. 

J.  

Mit Eingabe ebenfalls vom 22. Dezember 2015 reichte der Rechtsvertreter 

der Beschwerdeführenden eine Arbeitsbestätigung betreffend C._______ 

sowie eine Honorarrechnung zu den Akten.  

K.  

Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Januar 

2016 wurden die Verfahren D-8230/2015 (betreffend A._______ und 

C._______) und D-8234/2015 (betreffend B._______) vereinigt. Die In-

struktionsrichterin hielt ausserdem fest, dass die Beschwerdeführenden 

den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürften. Sie verzich-

tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verschob den Ent-

scheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt. Gleichzei-

tig lud sie das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.  

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 7 

L.  

Mit Eingabe vom 26. Januar 2016 liessen die Beschwerdeführenden eine 

Fürsorge- respektive Nothilfebestätigung zu den Akten reichen.   

M.  

Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2016 nahm das SEM zu den Be-

schwerdevorbringen Stellung. Die Beschwerdeführenden machten darauf-

hin mit Eingabe vom 23. Februar 2016 (vorab per Telefax) von dem ihnen 

mit Verfügung vom 5. Februar 2016 eingeräumten Replikrecht Gebrauch. 

Auf die Ausführungen in der Vernehmlassung und in der Replik wird – so-

weit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen ein-

gegangen.  

N.  

Mit Schreiben vom 5. April 2016 reichte der Rechtsvertreter der Beschwer-

deführenden eine aktualisierte Kostennote zu den Akten.  

O.  

Mit Eingabe vom 1. Juli 2016 liessen die Beschwerdeführenden eine Kopie 

des Lehrvertrags von C._______ sowie einen ärztlichen Bericht betreffend 

die Beschwerdeführerin (ebenfalls in Kopie) zu den Akten reichen.  

P.  

Mit Eingabe vom 11. Juli 2017 reichten die Beschwerdeführenden erneut 

einen Arztbericht betreffend die Beschwerdeführerin (in Kopie), mehrere 

Dokumente zum Lehrabschluss von B._______ (je in Kopie), eine Kopie 

des Führerausweises von B._______ sowie ein Schlusszeugnis des (…) 

betreffend C._______ (in Kopie) zu den Akten. Sie wiesen zudem – unter 

Einreichung entsprechender Dokumente – darauf hin, dass der Lehrvertrag 

von C._______ habe aufgelöst werden müssen, weil ihm keine Arbeitser-

laubnis erteilt worden sei. Er sei deswegen von der Staatsanwaltschaft vor-

geladen, jedoch mit Einstellungsverfügung vom 6. März 2017 vom (…) vom 

Vorwurf der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung freigesprochen worden. 

Q.  

Am 26. September respektive 20. Dezember 2017 reichten die Beschwer-

deführenden beim kantonalen Migrationsamt Gesuche um Erteilung einer 

humanitären Aufenthaltsbewilligung ein.  

 

 

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Seite 8 

R.  

Mit Schreiben vom 1. Mai 2018 ersuchten die Beschwerdeführenden das 

Bundesverwaltungsgericht um beförderliche Behandlung des Beschwer-

deverfahrens. Das Gericht beantwortete dieses Schreiben am 4. Mai 2018.  

S.  

Mit Verfügungen vom 2. Mai 2018 trat das kantonale Migrationsamt auf die 

vorerwähnten Gesuche um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilli-

gung respektive auf die Gesuche zur Unterbreitung als Härtefall nicht ein, 

wobei es in den Entscheiden auch anführte, es wäre nicht zur Unterbrei-

tung als Härtefall bereit.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Die beiden Beschwerdeverfahren D-8230/2015 und D-8234/2015 wur-

den aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs 

bereits mit Zwischenverfügung vom 15. Januar 2016 vereinigt. Es ist daher 

über beide Beschwerdeverfahren in einem Urteil zu befinden.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 9 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerde richtet sich gemäss den Rechtsbegehren und der Begrün-

dung ausschliesslich gegen den Vollzug der von der Vorinstanz verfügten 

Wegweisung. Die Verfügungen des SEM vom 27. November 2015 sind, 

soweit sie die Fragen der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung 

betreffen (Ziffn. 1 und 2 der Dispositive der vorinstanzlichen Verfügungen), 

in Rechtskraft erwachsen, und auch die Anordnung der Wegweisung 

(Ziff. 3 der Dispositive) ist nicht mehr zu überprüfen (vgl. Entscheidungen 

und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission 

[ARK; EMARK] 2001 Nr. 21). Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bil-

det somit – abgesehen von der formellen Rüge – lediglich die Frage, ob 

das SEM zu Recht den Vollzug der Wegweisung angeordnet hat. 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführenden machen in formeller Hinsicht – namentlich 

unter Berufung auf das Kindeswohl – geltend, dass das SEM die Begrün-

dungspflicht respektive ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, 

indem es sich bei der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

mit keinem Wort zu ihren Vorbringen während des zweiten Asylverfahrens 

geäussert habe und sich weder mit den eingereichten Dokumenten, noch 

mit ihrer Integration in der Schweiz auseinandergesetzt habe. Diese for-

melle Rüge ist vorab zu prüfen.  

4.2 Das SEM führte dazu in seiner Vernehmlassung aus, der Aspekt des 

Kindeswohls sei in den Verfügungen nicht unberücksichtigt geblieben. Es 

sei vielmehr im Sinne der unnötigen Wiederholung auf die bereits mehr-

mals ausgesprochenen eingehenden Auseinandersetzungen unter diesem 

Aspekt „zurückverwiesen“ worden, insbesondere auf das in casu ergan-

gene Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes.  

4.3 In der Replik wurde diesen Ausführungen entgegengehalten, dass es 

Aufgabe des SEM sei, im Asylentscheid zu prüfen, ob persönliche Gründe 

der Gesuchstellenden vorliegen würden, die den Vollzug der Wegweisung 

als nicht zumutbar erscheinen lassen würden. Dabei sei entscheidend, ob 

heute beziehungsweise im Zeitpunkt des Asylentscheids Wegweisungs-

vollzugshindernisse vorliegen würden, nicht zu einem früheren Zeitpunkt. 

Ein Verweis auf Verfügungen, die vor über drei Jahren erlassen worden 

seien, könne daher nicht genügen.  

http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 10 

4.4 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Ansicht des Rechtsvertreters 

der Beschwerdeführenden. Zumindest die Verfügung, die auch den im Zeit-

punkt der Entscheidfällung minderjährigen C._______ betrifft, ist unter dem 

Gesichtspunkt des Kindeswohls als ungenügend zu bezeichnen. Ange-

sichts des Umstandes, dass sich C._______ seit dem (letzten) Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts vom 6. August 2012 bis zur angefochtenen 

Verfügung beinahe weitere drei Jahre in der Schweiz aufgehalten hat, geht 

es nicht an, nur auf die bisherigen Verfügungen und Urteile zu verweisen. 

Dies gilt umso mehr, als im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 

29. November 2011 noch festgehalten wurde, dass der (damals) erst drei-

einhalbjährige Aufenthalt der Beschwerdeführenden in der Schweiz einen 

eindeutig zu kurzen Zeitrahmen darstelle, um unter integrationsrechtlichen 

Gesichtspunkten eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs zu rechtfertigen. Aufgrund der nachfolgenden Erwä-

gungen kann jedoch auf eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

verzichtet werden. 

5.  

5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von 

Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

5.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Wegwei-

sungsvollzug (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind al-

ternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der Vollzug 

als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der be-

troffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläu-

fige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2014/32 E. 9.2 m.w.H.). 

6.  

6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 11 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

6.2 Sind von einem Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im 

Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichtspunkt 

von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich aus einer völkerrechtskonfor-

men Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des 

Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes 

(KRK [SR 0.107]). Unter diesem Aspekt sind in die Beurteilung der Zumut-

barkeit sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hin-

blick auf den Vollzug der Wegweisung eines Kindes wesentlich erscheinen. 

Namentlich können dabei folgende Kriterien im Rahmen einer Gesamtbe-

urteilung von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art 

(Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner 

Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähig-

keit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung beziehungsweise Ausbil-

dung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufent-

halt in der Schweiz. Die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz ist im Hin-

blick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im 

Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten. Kinder sollten 

nicht ohne triftigen Grund aus einem vertrauten Umfeld herausgerissen 

werden. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das un-

mittelbare persönliche Umfeld des Kindes (das heisst seine Kernfamilie) zu 

berücksichtigen, sondern es sind auch seine weiteren sozialen Beziehun-

gen in die Überlegungen miteinzubeziehen. Die Verwurzelung in der 

Schweiz kann – auch und insbesondere bei jungen Erwachsenen – eine 

reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs haben, indem eine starke Integration in der Schweiz eine Entwurze-

lung im Heimatstaat zur Folge haben kann, die unter Umständen die Rück-

kehr in den Heimatstaat unzumutbar erscheinen lässt (vgl. Urteil des 

BVGer D-5462/2016 vom 9. Mai 2017 E. 6.2 m.w.H.). 

7.  

7.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die allgemeine Lage im Kosovo nicht 

auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführenden im Falle ihrer 

Rückkehr dorthin schliessen lässt. Zu prüfen bleibt die Frage, ob eine 

Rückkehr in den Kosovo für die Beschwerdeführenden aus individuellen 

Gründen nicht mehr zumutbar ist.  

 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 12 

7.2  

7.2.1 Diesbezüglich ist vorweg festzuhalten, dass dem Aspekt der Integra-

tion insbesondere der beiden Söhne der Beschwerdeführerin und ihrem 

langjährigen Aufenthalt in der Schweiz – entgegen dem in der Vernehmlas-

sung vertretenen Standpunkt des SEM – im vorliegenden Fall vollumfäng-

lich Rechnung zu tragen ist. Es ist in dieser Hinsicht zwar zu bemerken, 

dass sich die (damals noch minderjährigen) Söhne mit ihrer Mutter nach 

rechtskräftigem Abschluss des ersten Asylverfahrens am 29. November 

2011 weiterhin in der Schweiz aufhielten, obwohl sie verpflichtet gewesen 

wären, die Schweiz zu verlassen (vgl. Bst. A.c vorstehend). Fest steht 

auch, dass die Mutter daraufhin um Wiedererwägung der vorinstanzlichen 

Verfügung vom 6. April 2009 ersuchte. Dieses Gesuch basierte allerdings 

auf nachvollziehbaren Gründen. So begründete die Beschwerdeführerin 

das Wiedererwägungsgesuch – wenn auch erfolglos – damit, dass sie kurz 

nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erfahren habe, dass im 

Heimatstaat von ihrer Schwiegerfamilie erneut ein Verfahren betreffend 

eine Neuzuteilung des Sorgerechts für ihre beiden Söhne eingeleitet wor-

den sei. Nach dem diesbezüglichen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

vom 6. August 2012 blieb die Beschwerdeführerin einem für den 20. Au-

gust 2012 vereinbarten Gespräch betreffend Rückkehrhilfe / Rückkehrbe-

ratung unentschuldigt fern (vgl. Verfügung des kantonalen Migrationsam-

tes vom 2. Mai 2018 S. 4). Ihren eigenen Angaben zufolge reiste sie – statt 

diesen Termin wahrzunehmen – mit ihren Söhnen nach Mazedonien (vgl. 

Akten SEM C5/14 S. 4 f.). Am 26. Februar 2013 stellte sie bekanntlich mit 

ihren damals (…) beziehungsweise (…) Jahre alten Söhnen erneut ein 

Asylgesuch in der Schweiz, welches sie mit einer in Mazedonien stattge-

fundenen Begegnung mit ihrem Schwager und der in den bisherigen Ver-

fahren nicht erwähnten sexuellen Belästigung durch diesen sowie der Ver-

gewaltigung durch serbische Soldaten im Jahr 1999 begründete. Zwar 

knüpfte die erneute Asylbegründung zum einen Teil an die bereits in den 

vorherigen Verfahren geltend gemachten und für nicht asylrelevant befun-

denen Asylgründe an und basierte zum anderen Teil auf Gründen, welche 

die Beschwerdeführerin grundsätzlich schon zu einem früheren Zeitpunkt 

hätte vorbringen können. Daraus ergibt sich aber noch nicht, dass die Be-

schwerdeführerin durch die erneute Asylgesuchstellung in rechtsmiss-

bräuchlicher Weise sich und ihren Söhnen ein Bleiberecht in der Schweiz 

zu verschaffen versuchte. Ausserdem bleibt festzuhalten, dass sich die Be-

schwerdeführenden seit der erneuten Asylgesuchstellung vom 26. Februar 

2013 legal in der Schweiz aufhalten (vgl. Art. 42 AsylG) und ihr seitheriger 

Aufenthalt allein auf die lange Behandlungsdauer sowohl der Vorinstanz 

als auch des Bundesverwaltungsgerichts zurückzuführen ist. 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 13 

7.2.2  

7.2.2.1 Die beiden Beschwerdeführer gelangten im März 2008 – und somit 

vor über zehn Jahren – im Alter von (…) respektive (…) Jahren in die 

Schweiz. Seither halten sie sich – abgesehen von einem kurzen Unter-

bruch von ein paar Monaten (vgl. Bst. C.a vorstehend) – hier auf. Sie haben 

somit nicht nur einen Teil ihrer Kindheit, sondern die gesamten Jahre ihrer 

Adoleszenz und mithin die Hälfte ihres Lebens in der Schweiz verbracht. 

Beide sprechen angesichts ihres langjährigen Aufenthaltes in diesem Land 

sowohl Schweizer- als auch Hochdeutsch, was in den eingereichten Un-

terlagen mehrfach bestätigt wird. Ihre Anhörungen vom 28. Juni 2013 wur-

den denn auch auf Deutsch durchgeführt (vgl. C23/8 S. 2 und C24/8 S. 2).  

7.2.2.2 Bereits im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Novem-

ber 2011 wurde festgehalten, dass B._______ und C._______ in der 

Schweiz im September 2008 in die (…). beziehungsweise (…). Primar-

schulklasse eingeschult worden seien, grossen Lernwillen zeigen würden, 

schulisch rasche Fortschritte machen würden und in ihren Klassen beliebt 

seien (vgl. ebenda E. 6.3.4). Im Zeitpunkt jenes Urteils besuchte 

B._______ die (…). Realklasse der Oberstufe und C._______ die (…). 

Klasse der Primarschule. Diese Klassen schlossen die beiden in der Folge 

auch ab, was mit entsprechenden Zeugnissen belegt wurde. Neben der 

Schule spielten die Brüder Fussball im örtlichen Fussballverein, wo sie 

ebenfalls Kontakte knüpfen und Freundschaften aufbauen konnten. Nach 

ihrer Ausreise aus der Schweiz im August 2012 und ihrer Wiedereinreise 

im Februar 2013 respektive nach ihrem Umzug in die Nothilfeunterkunft 

wurden ihre Integrationsbemühungen gestoppt. So konnten sie bezüglich 

eines allfälligen (weiteren) Oberstufenbesuchs nur je ein Zeugnis für das 

2. Semester (…) einreichen, wobei B._______ zu diesem Zeitpunkt die 

(…). Realklasse der Oberstufe und C._______ die (…). Realklasse der 

Oberstufe besuchte. Gemäss Ausführungen in der Eingabe der Beschwer-

deführenden vom 17. April 2015 mussten die Brüder die Schule aufgrund 

des Umzugs in die Nothilfeunterkunft abbrechen. Trotz dieser schwierigen 

Situation bemühten sich beide weiterhin um bestmögliche Integration, was 

zu ihren Gunsten zu berücksichtigen ist. 

7.2.2.3 Der ältere Bruder B._______ assistierte im Jahr 2013 während 

mehrerer Monate in der Kinderschule des Zentrums für Asylsuchende 

H._______. Gemäss der eingereichten Bestätigung ist es deren Ziel, die 

SchülerInnen so gut wie möglich auf die öffentliche Schule vorzubereiten, 

wobei der Schwerpunkt auf dem Erlernen der deutschen Sprache liege. 

B._______ habe sich im Umgang mit den Kindern liebevoll und geduldig 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 14 

gezeigt. Er habe das Unterrichten eines (…)jährigen Jungen übernommen 

und ihn während eines Monats selbständig und mit viel Engagement be-

gleitet. Die Lehrerin und die Leitung der Schule beschreiben B._______ als 

offenen, zuverlässigen und geduldigen Klassenassistenten, der die an ihn 

gestellten Aufgaben gewissenhaft und zur vollsten Zufriedenheit erledigt 

habe (vgl. Beilage zu C30/3). Ab Oktober 2014 konnte B._______ sodann 

ein Praktikum bei der (…) AG absolvieren. Gemäss der diesbezüglich ein-

gereichten Bestätigung der (…) AG vom 7. April 2015 sei er als interessier-

ter, motivierter und freundlicher Arbeiter wahrgenommen worden, der sich 

sehr gut integriert habe und gutes Deutsch spreche (vgl. Beilagen zu 

C30/3). B._______ konnte denn auch ab August 2015 bei diesem Unter-

nehmen eine zweijährige Berufslehre als (…) absolvieren, welche er mit 

einer Gesamtnote von (…) und damit äusserst erfolgreich abschloss. Dem 

Lehrzeugnis vom 9. Juni 2017 ist zu entnehmen, dass B._______ während 

seiner Ausbildung im Unternehmen grosses Interesse in den ihm zugewie-

senen Arbeitsbereichen gezeigt habe und stets bereit gewesen sei, Neues 

zu lernen. Die ihm übertragenen Arbeiten habe er zur vollen Zufriedenheit 

seines Lehrbetriebes erledigt. Er sei aufgrund seiner freundlichen Art und 

seiner Hilfsbereitschaft sehr beliebt gewesen und habe sich sehr schnell in 

das Team integriert (vgl. Beilagen zu BVGer-act. 13). 

7.2.2.4 Auch der jüngere Bruder C._______ bemühte sich – trotz nicht vor-

handenen Schulabschlusses und seines Aufenthaltsstatus – um berufliche 

Integration in der Schweiz. So arbeitete er vom 25. März bis 7. August 

2015 (pro Monat zwischen vier und acht Arbeitstagen) als Hilfskraft beim 

(…) der Gemeinde I._______. Er sei dabei als umgängliche und freundli-

che Person wahrgenommen worden und habe die ihm übertragenen Auf-

gaben zuverlässig ausgeführt (vgl. Beilage zu BVGer-act. 3). Es gelang 

ihm sodann, eine Lehrstelle als (…) zu erhalten. Sein Lehrvertrag mit dem 

(…) in I._______ wurde am 27. Juni 2016 vom Amt (…) des Kantons 

J._______ genehmigt, musste jedoch später aufgelöst werden, weil 

C._______ über keine Arbeitsbewilligung verfügte. Das in diesem Zusam-

menhang gegen C._______ eingeleitete Strafverfahren wurde am 

21. März 2017 von der Staatsanwaltschaft des Kantons J._______ ([…]) 

eingestellt. Dem Schlusszeugnis seines Vorgesetzten vom 15. Juni 2017 

ist zu entnehmen, dass C._______ Einsatz und Interesse für seine Ausbil-

dung gezeigt und viel Initiative entwickelt habe sowie darauf bedacht ge-

wesen sei, seine Kenntnisse im (…) immerzu zu vergrössern. Er sei ein 

aufmerksamer Lehrling gewesen, der die Anordnungen und Anweisungen 

seines Lehrchefs ohne Widerrede befolgt habe. Durch seine offene Art und 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 15 

seine Fröhlichkeit sei er sehr schnell im jungen Team akzeptiert und innert 

kurzer Zeit sozial voll integriert worden (vgl. Beilage zu BVGer-act. 13). 

Betreffend C._______ wurde mit der Beschwerde sodann auch ein Unter-

stützungsschreiben des Trainers der 2. Mannschaft des FC (…) vom 14. 

Dezember 2015 eingereicht. Darin wird erwähnt, dass C._______ seit 

Sommer 2015 regelmässig am Trainingsbetrieb teilnehme und es ihm dank 

seinem perfekten Schweizerdeutsch und durch seine offene Art ziemlich 

leicht gefallen sei, sich in die Mannschaft zu integrieren. Da er sich bisher 

nicht offiziell als Fussballer in der Schweiz habe registrieren lassen kön-

nen, sei es ihm noch nicht möglich, an der Meisterschaft teilzunehmen. 

Dennoch unterstütze er den Trainer bei der Matchvorbereitung und moti-

viere die Mannschaft. Der Trainer und die Mannschaft könnten es nicht 

verstehen, wenn eine derart integrierte Person wie C._______ die Schweiz 

verlassen müsste.  

7.2.2.5 Nach dem Gesagten ist im heutigen Zeitpunkt davon auszugehen, 

dass B._______ und C._______ – trotz ihrer beschränkten Möglichkeiten 

– an die schweizerische Lebensweise assimiliert und dadurch in erhebli-

chem Masse durch das hiesige kulturelle und soziale Umfeld geprägt wor-

den sind. Ebenfalls darf aufgrund des vorstehend Ausgeführten angenom-

men werden, dass sich die beiden nach der Regelung ihres Aufenthaltes 

in der Schweiz (weiter) beruflich integrieren werden. Dagegen würde an-

gesichts ihrer zehnjährigen Abwesenheit und des Umstandes, dass sie die 

albanische Schriftsprache wohl nicht mehr ausreichend beherrschen dürf-

ten, die berufliche Integration im Kosovo in erheblichem Masse erschwert 

sein. Sie verfügen im Kosovo zwar über ein familiäres Beziehungsnetz und 

stehen vor allem mit der Grossmutter in Kontakt (vgl. C23/8 F9 und C24/8 

F7). Dies ändert allerdings – wobei ohnehin fraglich ist, ob sich das Bezie-

hungsnetz als tragfähig erweisen würde (vgl. C8/10 und C10/10 je S. 7) – 

nichts an der Einschätzung, dass eine erzwungene Rückschaffung von 

B._______ und C._______ zum heutigen Zeitpunkt aus humanitärer Sicht 

als unverhältnismässig zu qualifizieren ist. 

7.3 Die Beschwerdeführerin selbst ging insbesondere im Jahr 2011 einer 

Arbeitstätigkeit als (…) nach. Im Jahr 2013 nahm sie an einem sechsmo-

natigen Ausbildungsprogramm „(…)“ teil, wobei ihr ein grosses Interesse 

und Engagement attestiert wurde. Ausserdem besuchte sie verschiedene 

Deutschkurse und knüpfte Kontakte zur einheimischen Bevölkerung, was 

durch verschiedene Unterstützungsschreiben belegt wird (vgl. Beilagen zu 

C30/3). Dass sie in der Schweiz ebenso gut integriert ist wie ihre beiden 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 16 

Söhne, ist indes nicht anzunehmen. Fakt ist jedoch, dass sie bereits seit 

zehn Jahren in der Schweiz und damit seit geraumer Zeit ausserhalb ihres 

Heimatlandes lebt. Angesichts dieser langen Landesabwesenheit dürfte 

auch für sie eine Reintegration im Kosovo, wo sie zwar noch über Ver-

wandte verfügt, mit Schwierigkeiten verbunden sein. Hinzu kommen ihre 

durch die eingereichten ärztlichen Berichte belegten psychischen Prob-

leme. Aufgrund der gesamten Umstände – wozu auch ihre Erlebnisse im 

Heimatland zu zählen sind – erscheinen eine Trennung der Beschwerde-

führerin von ihren Söhnen und ihre alleinige Rückschaffung in den Kosovo 

aus humanitärer Sicht zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls als unverhältnis-

mässig.  

7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass unten den konkreten Um-

ständen im vorliegenden Einzelfall im Sinne einer Gesamtbetrachtung der 

Vollzug der Wegweisung sowohl für die beiden Brüder B._______ und 

C._______ als auch für deren Mutter als unzumutbar im Sinne von Art. 83 

Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise 

auf ein unbotmässiges Verhalten der Beschwerdeführenden, welches eine 

nähere Prüfung unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe von 

Art. 83 Abs. 7 AuG bedingen würde. Die Voraussetzungen für eine vorläu-

fige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz gemäss Art. 83 

Abs. 4 AuG sind damit gegeben. Eine Prüfung der Zulässigkeit und Mög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigt sich demzufolge (vgl. E. 5.2 vor-

stehend).  

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügungen 

vom 27. November 2015 sind in den Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben, 

und das SEM ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden wegen Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 

9.  

Das SEM erhob in den ebenfalls angefochtenen Ziffern 6 der Dispositive 

eine Gebühr in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘200.–. Diese Gebühr ist an-

gesichts dessen, dass die Beschwerdeführenden mit ihrer Beschwerde 

durchgedrungen sind, nicht in vollem Umfang gerechtfertigt und praxisge-

mäss um die Hälfte zu kürzen (vgl. Art. 111d Abs. 1 Satz 2 AsylG). Für den 

Fall, dass die Gebühr von den Beschwerdeführenden in vollem Umfang 

bezahlt wurde, ist das SEM anzuweisen, ihnen Fr. 600.– zurückzuerstat-

ten. 

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 17 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1-3 VwVG). Damit ist das mit der Beschwerde gestellte Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG gegenstandslos geworden.  

10.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsie-

gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden reichte zuletzt mit Eingabe 

vom 5. April 2016 eine Kostennote zu den Akten (BVGer-act. 11). Dem-

nach beliefen sich seine Bemühungen im Zusammenhang mit dem Be-

schwerdeverfahren bis dahin auf 10.25 Stunden bei einem Stundenansatz 

von Fr. 200.–. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von Fr. 30.– geltend 

gemacht. Dieser Aufwand – insbesondere für das Aktenstudium respektive 

die Abfassung der Beschwerde – erscheint angesichts der Vertretung der 

Beschwerdeführenden bereits im vorinstanzlichen Verfahren als nicht voll-

umfänglich notwendig, weshalb er zu kürzen ist. Am 1. Juli 2016, 11. Juli 

2017 und 1. Mai 2018 machte der Rechtsvertreter zusätzliche Ausführun-

gen (BVGer-act. 12-14). Auf das Einfordern einer ergänzenden Kostennote 

kann indes verzichtet werden, da sich der zusätzlich notwendige Vertre-

tungsaufwand aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abschätzen 

lässt. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 9-13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden zulasten der Vorinstanz 

eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2‘045.– (inkl. Auslagen) zuzu-

sprechen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-8230/2015, D-8234/2015 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügungen vom 27. November 2015 

werden aufgehoben und das SEM wird angewiesen, die Beschwerdefüh-

renden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufzunehmen. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden die mit Verfügun-

gen vom 27. November 2015 erhobene Gebühr von insgesamt Fr. 1‘200.– 

im Umfang von Fr. 600.– zurückzuerstatten, falls die Beschwerdeführen-

den die Gebühr bezahlt haben sollten.  

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge-

samt Fr. 2‘045.– auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Sturzenegger 

 

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