# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 125a76cf-2b0d-576e-aa51-b902705158f4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-15
**Language:** de
**Title:** Eingliederungsmassnahmen: leistungsspezifische Invalidität. Arbeitsunfähigkeit bei narzisstischer Persönlichkeitsakzentuierung und mittelgradiger Depression.
**Docket/Reference:** IV.2015.01209
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.01209.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.01209
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Meier-Wiesner
Urteil
vom
15. Juni 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwältin Vanessa
Heimgartner
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X.___
meldete sich am 17. Dezember 2014 unter Hinweis auf
ein
Burnout, Depressionen
sowie eine
Fibromyalgie bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/4). Insbesondere ersuchte er um Durchführung von Eingliederungsmass
nahmen (Urk. 8/1).
Daraufhin tätigte die IV-Stelle
Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht
. Mit Vorbescheid
vom 26. August 2015
stellte sie
die Ablehnung des Leistungsgesuchs
unter Verneinung eines
invalidenversi
cherungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschadens
in Aussicht (Urk. 8/19)
und verfügte am
22. Oktober 2015
im angekündigten Sinne
(Urk.
2
)
.
2.
Dagegen erhob
X.___
am 23. November 2015 Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Abklärung möglicher Eingliederungsmass
nahmen, eventualiter zwecks ergänzender medizinischer Abklärung. Daneben ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Am
18. Januar 2016
schloss die Verwaltung
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7),
worüber
der Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 22. März 2016
ori
entiert
wurde
. Gleichzeitig
wurde ihm die unentgeltliche Prozessführung ge
währt (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
1.2
Der Beschwerdeführer
rügt
e
, dass die Besch
werdegegnerin
weder im Vorbe
scheid vom 26. August 2015 noch
in der angefochte
nen Verfügung vom
22. Oktober 2015
auf
seinen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen Bezug genommen und
dadurch ihre Begründungspflicht verletzt habe (Urk. 1 S.
6 f.
).
1.3
Die Beschwerdegegnerin führte in der Verfügung vom
22. Oktober 2015
zu
nächst aus,
dass beim Beschwerdeführer eine gesundh
eitliche Einschränkung vorliege
, welche die Arbeits- und Leistungsfähigkeit in
subjektiver
Weise
ein
schränke
.
A
ufgrund
der
aktuelle
n
fachärztliche
n
Behandlung und
der vielen Ressourcen des Beschwerdeführers, zum Beispiel die absolvierten Aus- und Weiterbildungen sowie die verschiedenen ausgeübten Tätigkeiten,
gehe sie von der Möglichkeit einer weiteren Steigerung der Arbeitsfähigkeit aus
. Unter dem Hinweis, dass die vorliegenden Diagnosen
nach der Rechtsprechung mangels der erforderlichen Intensität
nicht als invalidisierend gelten würden, verneinte die Beschwerdegegnerin
schliesslich
einen invalidenversicherungsrechtlich rele
vanten Gesundheitsschaden
und damit den Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung
(Urk. 2 S. 1 f.).
1.4
Zwar äusserte sich die Beschwerdegegneri
n nicht ausdrücklich zu den vom Be
schwerdeführer
mit der Anmeldung beantragten Eingliederungsmassnahmen (Urk. 8/1)
. Dies war aber
aus ihrer Sicht
nicht nötig,
verneinte
sie doch
einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden (Art. 8 ATSG) und damit
auch den
Anspruch auf
sämtliche Leistungen der Invalidenversiche
rung.
Dass sie dabei insbesondere die Eingliederungsmassnahmen
nach Art. 8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) im Auge hatte, lässt sich aus deren Erwähnung unter den rechtlichen
Grundlagen
des
Entscheids (Urk.
2
S. 1)
schliessen
.
Dadurch
ist
die Beschwerdegegnerin den an Verfügungen der
Massen
verwal
tung
gestellten Anforderungen
wenn a
uch teilweise formelhaft
genü
gend nachgekommen
und
die Verfügung vom
22. Oktober 2015
ist
unter dem Ge
sichtspunkt des Grundsatzes des recht
lichen Gehörs nicht zu beanstan
den.
2
.
2.1
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geisti
gen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufga
benbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
2
.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG
).
Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2
.3
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
Drohende Invalidität liegt gemäss Art. 1
novies
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähig
keit ist unerheblich.
3
.
Wie bereits erwähnt begründet die Beschwerdegegnerin die Leistungsablehnung
einerseits
damit, dass
dem Beschwerdeführer
die aktuelle fachärztliche Behand
lung und seine Ressourcen wie Aus- und Weiterbildungen sowie die verschie
denen ausgeübten Tätigkeiten eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit ermöglich
ten. Andererseits hätten die vorliegenden Diagnosen nach der Rechtsprechung nicht die erforderliche Intensität, als dass sie
als
invalidisierend gelten könnten (Urk. 2).
In der Beschwerdeantwort vom 18. Januar 2016 ergänzt sie, dass beim Beschwerdeführer weder eine Invalidität ausgewiesen, noch der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit nach Art. 1
novies
IVV überwiegend wahrscheinlich sei. Dem Beschwerdeführer sei die Selbsteingliederung auf dem allgemeinen ausgegliche
nen Arbeitsmarkt zumutbar, weshalb kein Anspruch auf berufliche Eingliede
rungsmassnahmen bestehe (Urk. 7).
Demgegenüber stellt sich der Beschw
erdeführer
auf den Standpunkt, dass
auch von Invalidität bedrohte Versicherte gegebenenfalls Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen
hätten
.
Seine Ärzte hätten
eine Unterstützung bei der beruf
lichen Eingliederung übereinstimmend als sinnvoll beziehungsweise notwendig erachtet, um
die
Teilerwerbsfähigkeit zu verbessern. Da er auch in angepassten Tätigkeiten zu 50 % arbeitsunfähig sei, erfülle er die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Integrationsmassnahmen (Urk. 1 S. 7 f.).
Schliesslich rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung der
Untersuchungspflicht
und die Anwen
dung der Überwindbarkeitspraxis (Urk. 1 S. 8).
4
.
4
.1
Den von der Beschwerdegegnerin beigezogenen ärztlichen Stellungnahmen lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer wegen unklaren migrierenden Schmerzen an den unteren Extremitäten beidseits vom 1. September bis 15. Oktober 2014 im
Y.___
in
ambulante
r
Behandlung war. Als Differentialdiagnosen wurden eine Infektion, eine paraneoplastische
Kryoglobu
linämie
und
eine Fibromyalgie ge
nannt
.
Daneben
besteh
e
ein Verdacht auf eine depressive Störung sowie
ein Status nach Hepatitis C.
Die behandelnden Ärzte stellten eine grundsätzlich nicht negative Prognose, empfahlen jedoch einen Arbeitseinstieg mit reduziertem Pensum
und Steigerung der schmerzbedingt eingeschränkten Belastbarkeit bei
Schmerzregredienz
(
Bericht des
Y.___
vom 2. Februar 2015,
Urk. 8/10).
Weiter
ergibt
sich
aus
den
bei den Akten liegenden Arztberichten
, dass der Be
schwerdeführer seit
12.
September 2014 im
Z.___
in psychologischer Behandlung steht. Infolge einer suizidalen Krise wurde er vom 23. Dezember 2014 bis 12. Januar 2015 im
A.___
hospitalisiert.
Aus psychiatrischer Sicht wurde
n
eine seit
dem Jahr
2000 beste
hende rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1),
sowie eine narzisstische
Persönlichkeitsakzentuierung
diagnos
tiziert
.
Deswegen wurde ihm seit Behandlungsbeginn eine
Arbeitsunfähigkeit
von
50 %
beziehungsweise 100 % während der
Hospitalisation
attestiert
.
Die Behandler gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Depres
sion vor allem unter einer jeweils
leichten
bis mittelgradigen Antriebsstörung mit sozialem Rückzug leide. In der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben und in der Durchhaltefähigkeit sei er leichtgradig eingeschränkt. Weiter best
änden
eine mittelgradig eingeschränkte Fähigkeit zu familiären be
ziehungsweise intimen Beziehungen und eine leichtgradig eingeschränkte Fä
higkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten.
Schliesslich wird von den Therapeuten
eine schrittweise Eingliederung
empfohlen
(Berichte des
A.___
vom 16. Januar und 27. März 2015 sowie Bericht des
Z.___
vom 7. April 2015;
Urk. 8/13, Urk. 8/16/5-8, Urk. 8/16/1-4).
4
.2
In seiner Stellungnahme
für den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
vom 29. April 2015
fasste
med.
pract
.
B.___
, Facharzt für Arbeitsmedizin,
die medizinische Aktenlage zusammen und kam gestützt darauf
zum Schluss, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht das Prüfen von beruflichen Massnahmen im Sinne einer beruflichen Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sinnvoll scheine. Ob bei den genannten Diagnosen die gesundheitlichen Ein
schränkungen als überwindbar anzunehmen seien, müsse letztlich vom
Rechts
anwender
geprüft werden (Urk. 8/25 S. 3 f.).
5
.
5.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte unter Hinweis auf Art. 8 ATSG und Art. 8 IVG das Vorliegen eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesund
heitsschadens
. Dabei übersieht sie jedoch, dass d
as IVG keinen einheitlichen
In
validitätsbegriff
kennt
, sondern dem System der leistungsspezifischen Invalidi
tät
folgt
(BGE 126 V 241 E. 4). Die für den Rentenanspruch geltenden Voraus
setzungen können daher nicht unbesehen auf die einzelnen Eingliederungs
massnahmen übertragen werden. Was inhaltlich in Bezug auf die Invalidität erforderlich ist, kann daher nur im Zusammenhang mit einer bestimmten Ein
gliederungsmassnahme gesagt werden. Es rechtfertigt sich diesbezüglich, die In
validität nicht primär nach Art. 8 Abs. 1 IVG zu definieren, sondern nach der von der fraglichen Massnahme verlangten Einschränkung (vgl. dazu Silvia Bu
cher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 64 f.
Rz
101 und
Rz
103-104). Denn andernfalls werden die Versicherten mit Krankheitsbil
dern, welche die Rechtsprechung mit Blick auf den Rentenanspruch als über
windbar qualifiziert, von den Eingliederungsmassnahmen von vornherein aus
geschlossen, was dem nicht zuletzt von der 5. IV-Revision verfolgten Zweck der Unterstützung beim Erhalt der Erwerbstätigkeit und dadurch auch der besseren gesellschaftlichen Integration
auch von psychisch Kranken
entgegenläuft.
5.
2
5.
2
.1
Unter dem Blickwinkel der leistungsspezifischen Invalidität ist im Folgenden zunächst zu prüfen,
ob dem
Beschwerdeführer die mit der Anmeldung zum Leistungsbezug (Urk. 8/1)
anbegehrte
Ausbildung zum
Arbeitsagogen
zu ge
währen ist
. Eine solche kann grundsätzlich
als Umschulung nach Art. 17 IVG
zugesprochen werden
.
5.
2
.2
Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Als Umschulung gelten gemäss Art. 6
Abs.
1
IVV
Ausbil
dungsmassnahmen
, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen berufli
chen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsein
busse
von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2; AHI 2000 S. 27 E. 2b und S. 62 E. 1 je mit Hinweisen).
5.
2
.3
Demzufolge ist die Invalidität im Sinne von Art. 17 IVG nach Art. 7 und 8 ATSG zu prüfen (E. 2.2).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
E
s gilt
dabei
zu beachten, dass ein medizinischer Bericht zwar zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen hat und diese Ausführungen eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden, es jedoch letztlich der rechtsanwendenden Behörde
der Verwaltung oder, im Streitfall, dem Gericht
obliegt, zu beurteilen, ob eine Invalidität im Rechtssinne, bejahendenfalls eine solche leistungsbegründender Art eingetreten ist. Weil die Arbeitsfähigkeit so
mit keine rein medizinische, sondern letztlich auch eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der in einem medizini
schen Bericht festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass die
ser seinen Beweiswert verlöre (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1-2 mit Hinweisen; Ur
teil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hin
weisen).
5
.
2
.
4
Rechtsprechungsgemäss stellt eine diagnostizierte rezidivierende depressive Stö
rung als solche keinen psychischen Gesundheitszustand dar, der eine Arbeits
unfähigkeit dauerhaft zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 10. November 2014 E. 4.2). Leichte bis höchstens mittel
schwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten zudem grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom 4. März 2014 E. 3.6.1 mit Hinweisen). Bei mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht regelmässig
deren invalidisierende Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3. April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen). Die Annahme der invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung bedingt, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
Die therapeutischen Bemühungen des Beschwerdeführers sind - nach einer Ende 2013 abgeschlossenen Behandlung - ab 1
2.
September 2014 dokumentiert, als er sich in ambulante Behandlung beim
Z.___
begab, wo er Ende Jahr bis Anfang 2015 während drei Wochen hospitali
siert war. Die Behandlungsfrequenz lag bei zwei Konsultationen monatlich (
Urk.
8/13/1-5
Ziff.
1.5). Die Fachpersonen bestätigten im April 2015 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und empfahlen eine schrittweise Eingliederung unter Hinweis auf eine mögliche Verbesserung (
Urk.
8/13/1-5
Ziff.
1.7 f.).
Bei dieser Ausgangslage und bei Verfügungserlass erst gut einjähriger
Therapie
dauer
kann noch nicht von einer konsequenten Depressionstherapie gesprochen werden, welche als gescheitert zu bezeichnen wäre. Im Gegenteil sahen die Ärzte durchaus Fortschritte und schlossen die Wiedererlangung der uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit nicht aus. Auch die Therapiefrequenz lässt nicht auf ein Ausschöpfen der Möglichkeiten schliessen (vgl. hierzu
Urteil des Bundesge
richts 9C_454/2013 vom 2
9.
Oktober 2013 E. 4.1
).
Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer
während der
Hospitalisation
im
A.___
zu seinem Tagesablauf
an
gab
(vgl. Austrittsbericht vom 16. Januar 2015, Urk. 8/16/5-8
S. 2 f.
)
, dass
er noch Sport mache und nach draussen spazieren gehe.
In seiner Freizeit male er gern, gehe schwimmen und spiele Gesellschaftsspiele. Gerne würde er ins Fitnessstudio gehen, könne sich dies jedoch aufgrund der finanziellen Situation nicht leisten.
Zu seiner 27-jäh
rigen Tochter bestehe ein guter
Kontakt.
Aufgrund der
vo
m Beschwerdeführer
dargelegten Gestaltung des Alltags
kann nicht ausgeschlossen werden
, dass die diagnostizierte Depression eine
nicht be
hebbare
Beeinträchtigung der Gesundheit nach sich zieh
t, zumal
eine erhebliche Diskrepanz zwischen der
gemäss
den behandelnden Therapeuten
eingeschränk
ten Leistungsfähigkeit im Beruf und dem aktiven Freizeitverhalten
des Be
schwerdeführers
auszumachen
ist
.
Mit Blick auf
die
von diesem
geschilderte Freizeit
gestaltung
und den hierfür aufgewendeten Ressourcen ist somit eine
untherapierbare
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht
ausgewiesen
(vgl.
auch
BGE 140 V 290 E. 3.3.2).
5
.
2
.5
In Bezug auf die festgestellte Diagnose einer narzis
s
tischen
Persönlichkeitsakzen
tuierung
ist zu berücksichtigen, dass akzentuierte
Persönlich
keitsanteile
mit Selbstwertproblematik keine psychische Erkrankung nach den diagnostischen Kriterien darstellen, etwa im Sinne einer
Persönlich
keitsstörung
. Diese Belastungen sind vielmehr den akzentuierten
Persönlich
keitszügen
zuzuordnen und fallen als solche nicht unter den Begriff des rechts
erheblichen Gesundheitsschadens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.2.2).
Vorliegend kann nichts anderes gelten. Trotz
der narzisstisch akzentuierten
Per
sönlichkeitsanteile
schloss der Beschwerdeführer eine Kochlehre und anschlies
send eine KV-Lehre erfolgreich ab. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Finanz- und Versicherungsberater. Ausserdem bildete er sich zum
Ernährungs
berater
und
Shiatsumasseur
aus (vgl. dazu Bericht des
Z.___
vom 7. April 2015, Urk. 8/13 S. 2). Auch war er
teilweise gleichzeitig
an verschiedenen Stellen erwerbstätig
(
Urk.
8/7)
, was
offenbar
nicht zuletzt seinen vielen Ressourcen zur Bewältigung der
Persönlich
keitsproblematik
zumindest
im Erwerbsbereich zu verdanken
sein dürfte
. Des
halb ist davon auszugehen, dass diese Störung die Arbeitsfähigkeit für sich
al
lein
gesehen nicht beeinträchtigt.
D
ie nach Einschätzung der Therapeuten des
Z.___
mittelgradige Einschränkung der Fähigkeit zu familiären bezie
hungsweise intimen Beziehungen
sowie die
leichtgradige Einschränkung der Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten (Bericht vom 7. April 2015, Urk. 8/13 S. 3)
stehen einer Arbeitsfähigkeit nicht entgegen
, zumal diese Einschränkungen
nur
das Privatleben und die Freizeit des Beschwerdeführers betreffen
. Somit
ist das Vorliegen lediglich einer
narzi
s
stischen Persönlichkeitsakzentuierung
nach
vollziehbar dargelegt, weshalb diesbezüglich
kein invalidisierende
r
Gesund
heitsschaden
gegeben ist
.
5
.
2
.6
Nach dem Gesagten und in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin bleibt das psychische Leiden aufgrund der gestellten Diagnosen
bei der Beur
teilung der Invalidität
ohne Relevanz. Da auch aus somatischer Sicht keine dau
erhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist (Bericht des
Y.___
vom 2. Februar 2015, Urk. 8/10 S. 7), ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen.
Mangels Invalidität (Art. 8 Abs. 1 ATSG) hat der Beschwerdeführer kein Anspruch auf
die Übernahme der Kosten für die
Ausbildung zum
Arbeitsagogen
durch die Invalidenversicherung unter dem Titel der Umschulung
(Art. 8
in Verbindung mit
Art. 17 IVG)
.
In Bezug auf
die Umschulung
ist die Beschwerde daher abzuweisen.
5.
3
5.
3
.1
Es bleibt zu prüfen,
wie es sich mit dem
Anspruch auf die im Beschwerde
-
verfah
ren beantragten
(vgl. Urk. 1 S. 7 f.)
Integrationsmassnahmen
nach
Art. 14a IVG
verhält
.
5.
3
.2
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 %
arbeitsunfä
hig (Art.
6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vor
bereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen berufli
cher Art geschaffen werden können (
Art.
14a
Abs.
1
IVG
). Als
Integrations
massnahmen
gelten
gemäss Abs. 2
gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
.
a) und
Be
schäftigungsmassnahmen
(
lit
.
b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu er
halten (
BBl
2005 4521
ff., 4564; Erwin
Murer
, Invalidenversicherung: Präven
tion, Früherfassung und Integration, Bern 2009, N.
4 und 31 zu Art.
14a IVG; Silvia Bucher, Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art.
14a IVG, in: Soziale Sicherheit
–
Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin
Murer
zum 65.
Geburtstag, 2010, S.
111). Ist aber jemand in einer anderen zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine Integrationsmassnahmen mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustellen. Es gibt keinen Grund, Mass
nahmen zur Ermöglichung einer beruflichen Eingliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits um
gesetzt werden kann (BGE
137 V 1 E.
7.2.3).
5.
3
.3
Die in Art.
14a IVG geregelten Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung wurden durch die
5.
IV-Revision eingeführt. Sie sollen bei der betroffenen Person die Voraussetzungen für Massnahmen berufli
cher
Art schaffen (Art.
14a Abs. 1 IVG) bzw. die betr
offene Person auf den (Wieder-)
Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten. Sie sind insbesondere für Personen mit Eingliederungspotenzial konzipiert, die psychisch noch nicht hinreichend stabil sind, um den direkten Einstieg in eine Erwerbstätigkeit in der freien Wirtschaft oder in eine Massnahme beruflicher Art bewältigen zu können (Silvia Bucher, Rentenaufhebung/
herabsetzung
und Begleitmassnahmen nach
der IV-Revision 6a, in: Luzerner Beiträge zur Rec
htswissenschaft Band/Nr. 81, 2014,
Rz
55).
Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung sollen möglichst niederschwellig ausgestaltet werden
(BGE 137 V 1 E.
5.3). Es soll rasch, einzelfallbezogen und auf die berufliche Eingliederung gerichtet in
terveniert werden können. Dies ist sinnvoll und notwendig, um
Chronifizie
rungsprozessen
so weit wie möglich vorzubeugen. Diese Massnahmen sollen versicherten Personen zugesprochen werden, deren massgebender
Gesundheits
schaden
eine Art und Schwere erreicht, welche die bisherige Arbeitstätigkeit seit mindestens sechs Monaten in einem Umfang von mindestens 50 % einschränkt (Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
5. Revision, S.
4523 Mitte).
5.
3
.4
Anspruch auf sozialberufliche Rehabilitation besteht nur, wenn die
Eingliede
rungsfähigkeit
auf Massnahmen beruflicher A
rt noch nicht gegeben ist (Art.
4
quater
Abs. 2 IVV); der Anspruch auf Beschäftigungsmassnahmen setzt voraus, dass die Eingliederungsfähigkeit in Bezug auf Massnahmen beruflicher Art ver
loren zu gehen droht (Art.
4
quater
Abs. 3 IVV).
Damit die Voraussetzungen zur Durchführung beruflicher Massnahmen geschaf
fen werden können, legte der Bundesrat fest, die versicherte Person müsse eine Präsenzzeit von mindestens zwei Stunden während mindestens vier Tagen pro Woche erfüllen können (
Art.
4
quater
Abs. 1 IVV).
5.
3
.5
Anders als z.B. die Umschulung (Art. 17 IVG) setzen
Integrationsmassnahmen keine Invalidität
nach Art. 8 IVG
voraus,
verweist doch Art.
14a Abs.
1 IVG auf Art.
6 ATSG, der die Arbeitsfähigkeit definiert. De
m Beschwerdeführer
wird seit
12. September
2014 nicht nur in der bisherigen, sondern in jeder Tätigkeit eine
aus psychischen Gründen um 50 % eingeschränkte Arbeits
fähigkeit attestiert. Unter diesen Umständen ist die quantitative Voraussetzung der sechsmonatigen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % jedenfalls erfüllt (vgl. dazu auch BGE 137 V 1 E. 7.2.3).
Immerhin ist erforderlich, dass die Arbeitsunfähigkeit durch eine Beeinträchti
gung der psychischen Gesundheit bedingt ist
(E. 2
.1
hievor
), was die
Beschwer
degegnerin
sinngemäss
in Abrede stellte. Dies ist in Bezug auf die
Diagnose ei
ner narzisstischen Persönlichkeitsakzentuierung nicht
zu beanstanden, da diese rechtsprechungsgemäss nicht unter den Begriff des rechtserheblichen
Gesund
heitsschadens
fällt
(vgl. E. 5.2.5).
Die weiter diagnostizierte
rezidivierende de
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1),
gilt
vorlie
gend (noch)
nicht
als invalidisierendes psychisches Leiden (vgl.
E. 5.2.4
)
.
Allerdings verkennt die Beschwerdegegnerin
, dass für die nach Art.
6 ATSG geforderte Arbeitsunfähigkeit mit Blick auf die leistu
ngsspezifische Invalidität (E. 5
.1
hievor
) die Frage der Überwindbarkeit und der Invalidisierung des Lei
dens
im Sinne von Art.
7 Abs. 2 ATSG ausser Acht zu bleiben hat. Im Einklang mit dieser Betrachtungsweise steht, dass das Bundesamt für Sozialversicherun
gen in der im Zusammenhang mit der 5. IV-Revision herausgegebenen Bro
schüre Fragen und Antworten zur 5. IV
Revision
, ergänzte Fassung vom 5.
Juni 2007 (abrufbar
unter
http://www.bsv.admin.ch/dokumentation/gesetzgebung/ 00092/01581
)
, unter Frage 7 Folgendes ausführte: „Die
5.
IV-Revision ist auf diejenigen Personen ausgerichtet, die nicht an schweren, unheilbaren Krankheiten oder Unfallfolgen leiden. Es geht darum, bei Erkrankungen, die leicht
chronifizieren
, aber grund
sätzlich
sofern schnell gehandelt wird
nicht schwer verlaufen müssen, rasch und richtig einzugreifen, um einen
Invalidisierungsprozess
zu vermeiden. Dies sind z.B. mittlere Depressionen, Burnout-Situationen, Schleudertraumata oder somatoforme Schmerzstörungen.“
5.
3
.6
Damit ist zu schliessen, dass
der Beschwerdeführer
die seitens der gesundheitli
chen Einschränkungen geforderten Anspruchsvoraussetzungen für
Integrati
onsmassnahmen
sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht er
füllt.
Selbst RAD-Arzt
pract
. med.
B.___
erachtete die Prüfung von „BM im Sinne einer beruflichen Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt“ als sinnvoll (Stellungnahme vom
29. April 2015, Urk. 8/25 S. 3 f.).
Mangels weiter
gehende
r
Erhebungen durch die Beschwerdegegnerin bleibt
allerdings
unklar, welche konkreten Integrationsmassnahmen überhaupt in Betracht fallen und wie es sich mit der
hiefür
jeweils geforderten Eingliederungsfähigkeit (Fehlen für sozialberufliche Rehabilitation, drohender Verlust für
Beschäftigungs
mass
nahme
; Art.
4
quater
Abs.
2-3 IVV) verhält, weshalb sie darüber noch zu entschei
den haben wird.
6
.
Zusammengefasst führt dies zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde; soweit die angefochtene Verfügung den Anspruch auf Integrationsmassnahmen ver
neint, wird sie aufgehoben mit der Feststellung, dass
der Beschwerdeführer
seit wenigstens sechs Monaten arbeitsunfähig im Sinn
e von Art.
14a IVG ist und Anspruch hat auf Integrationsmassnahmen, sofern die
weiteren
Anspruchsvor
aussetzungen erfüllt sind. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
,
auf Fr. 700.
--
anzusetzen
und ausgangsgemäss der
Be
schwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 22. Oktober 2015 aufgehoben, insoweit sie den Anspruch auf Integrationsmassnahmen verneint, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer seit wenigstens sechs Monaten arbeitsunfähig im Sinne von Art. 14a IVG ist und Anspruch hat auf Integrationsmassnahmen, sofern die weiteren Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMeier-Wiesner