# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3decff2c-7225-53da-b983-e1cd14cfeeab
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.06.2020 D-2454/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2454-2020_2020-06-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2454/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,  

vertreten durch Idris Hajo, c/o Damas, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 8. April 2020 / N (…). 

 

 

 

D-2454/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge zusammen mit ihrer Tochter B._______ (N […]; vgl. D-2455/2020) 

zu einem ihr nicht mehr erinnerlichen Zeitpunkt, gelangte zunächst via die 

Türkei nach Griechenland und reiste sodann am 10. Oktober 2018 in die 

Schweiz ein. Am 11. Oktober 2018 suchte sie im Empfangs- und Verfah-

renszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nach und wurde dort am 16. Okto-

ber 2018 zu ihrer Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Ge-

suchsgründen befragt. Die ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand 

am 19. September 2019 statt.  

A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen aus, sie sei ethnische Kurdin und habe zuletzt zusammen 

mit ihrer Tochter B._______ in D._______, Distrikt Afrin, gelebt. Ihre übri-

gen Kinder seien allesamt schon zu einem früheren Zeitpunkt ins Ausland 

gegangen, darunter auch ein Sohn, welcher aus der Armee desertiert sei. 

Eines Tages, ungefähr Ende 2016 oder Anfang 2017, seien Angehörige der 

Yekîneyên Parastina Gel (YPG) zu ihr nach Hause gekommen und hätten 

ihr mitgeteilt, da sie keine Söhne mehr zuhause habe, müsse sie ihre Toch-

ter B._______ zu ihnen in den Militärdienst schicken. Sie seien in einer 

Woche zweimal vorbeigekommen und hätten gesagt, sie würden die Toch-

ter in zwei- bis drei Tagen abholen. Sie habe zum Schein eingewilligt, aber 

danach sei sie noch am selben Tag zusammen mit ihrer Tochter zu Fuss 

illegal aus Syrien ausgereist und in die Türkei gegangen. Ihre Brüder hätten 

sie bei der Finanzierung der Ausreise unterstützt. Da sie in der Türkei kein 

Auskommen gefunden hätten, seien sie schliesslich in Richtung Europa 

weitergereist. Sie habe in Syrien noch zwei Brüder. Vom einen Bruder, des-

sen Haus gleich neben dem ihren stehe, habe sie erfahren, dass die YPG-

Leute nach ihrer Ausreise vorbeigekommen seien und an ihre Tür geklopft 

hätten. Ausserdem hätten beide Brüder gesagt, dass ihr Haus inzwischen 

von Angehörigen der Freien Syrischen Armee (FSA) besetzt und geplün-

dert und ihre Olivenbäume gefällt worden seien (vgl. dazu das als Beweis-

mittel eingereichte Foto). Bei einer Rückkehr nach Syrien befürchte sie, 

infolge ihrer illegalen Ausreise Probleme zu bekommen. Zudem habe sie 

dort keine Lebensgrundlage mehr.  

A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-

fahrens ihre Identitätskarte, einen Auszug aus dem Zivilstandsregister vom 

12. Oktober 2016 sowie ein Foto zu den Akten.  

D-2454/2020 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 8. April 2020 – eröffnet am 14. April 2020 – stellte die 

Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz. Gleichzeitig ordnete das SEM infolge Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. 

C.  

Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit Eingabe an das Bun-

desverwaltungsgericht vom 11. Mai 2020 (Datum Poststempel) an. Dabei 

beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihr 

Asyl zu gewähren, eventuell sei sie als Flüchtling anzuerkennen und vor-

läufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses ersucht. Ausserdem wurde beantragt, es sei bei Be-

darf eine angemessene Frist zur Nachreichung einer Übersetzung des auf 

der eingereichten CD befindlichen Fernsehberichts einzuräumen.  

Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: die angefochtene Verfü-

gung, eine Vollmacht vom 27. April 2020, eine Unterstützungsbestätigung 

vom 22. April 2020 (alles in Kopie) sowie eine CD. 

D.  

Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer  

Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das 

Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. 

Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung 

von Beschwerden gegen Entscheide des SEM, welche in Anwendung des 

Asylgesetzes ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich in der Re-

gel – und so auch vorliegend - endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG).  

D-2454/2020 

Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.108 

Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-

nes zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-

risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet.  

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-

chen aus, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verfolgung 

durch die YPG richte sich nicht gegen sie, sondern gegen ihre Tochter. Es 

sei nicht erkennbar, inwiefern die Beschwerdeführerin selbst dadurch ge-

fährdet sein könnte. Im Übrigen seien gemäss Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts die Rekrutierungsbemühungen der YPG mangels 

hinreichender Intensität und aufgrund des Fehlens eines Verfolgungsmo-

tivs im Sinne von Art. 3 AsylG ohnehin nicht als asylrelevant zu erachten 

(Verweis auf das Referenzurteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 

D-2454/2020 

Seite 5 

2015). Demnach sei auch eine allfällige, damit zusammenhängende Re-

flexverfolgung der Beschwerdeführerin auszuschliessen. Bei der geltend 

gemachten Hausbesetzung und den Plünderungen durch die FSA handle 

es sich um Nachteile, welche auf die aktuell herrschenden allgemeinen Le-

bensbedingungen in Syrien zurückzuführen seien; diese stellten keine 

asylbeachtliche Verfolgung dar. Aufgrund der fehlenden Asylrelevanz 

könne darauf verzichtet werden, auf die vorhandenen Unglaubhaftigkeits- 

elemente einzugehen. Den beigezogenen Asylakten der beiden Söhne 

E._______ (vgl. N […]) und F._______ (vgl. N […]) seien sodann keine 

Hinweise darauf zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ihretwegen 

einer Reflexverfolgung ausgesetzt sein könnte. Insgesamt sei die Flücht-

lingseigenschaft der Beschwerdeführerin zu verneinen und das Asylge-

such abzulehnen.  

4.2 In der Beschwerde wird entgegnet, der Entscheid der Vorinstanz sei 

nicht plausibel und beruhe auf realitätsfremden Mutmassungen. Auch das 

in der Verfügung genannte einschlägige Referenzurteil des Bundesverwal-

tungsgerichts stütze sich auf Annahmen und Spekulationen und sei zudem 

veraltet, insbesondere da sich die Situation ständig verändere. Die Be-

schwerdeführerin habe aus politischer und pazifistischer Überzeugung ver-

hindert, dass ihre Tochter der Aufforderung der kurdischen Behörden, in 

den Reihen der YPG Militärdienst zu leisten, nachgekommen sei, und sei 

mit ihr zusammen ins Ausland geflüchtet. Sie habe zuvor schon ihren an-

deren Kindern zur Flucht verholfen; kein einziges sei der YPG beigetreten. 

Sie werde deswegen als Oppositionelle und Verräterin betrachtet, und es 

drohe ihr eine willkürliche und lebensbedrohliche Verfolgung. Es sei eine 

Tatsache, dass die YPG Zwangsrekrutierungen durchführe, und davon 

seien auch Frauen und Minderjährige betroffen (Verweis auf Berichte von 

verschiedenen Organisationen sowie eines Journalisten). Bei einer Weige-

rung drohten – auch den Familienangehörigen – asylrelevante Vergel-

tungsmassnahmen. Im vorliegenden Fall seien entsprechende Massnah-

men bereits ergriffen worden: Der Bruder der Beschwerdeführerin, 

G._______, sei am 2. Dezember 2019 festgenommen worden und werde 

weiterhin an einem geheimen Ort festgehalten. Der TV-Sender (…) habe 

darüber berichtet, dabei sei die Tochter von G._______ interviewt worden 

(vgl. die als Beweismittel eingereichte CD). Dem Bruder werde vorgewor-

fen, der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter zur Flucht verholfen zu ha-

ben. Wäre die Beschwerdeführerin nicht ausgereist, hätte ihr dieselbe Re-

flexverfolgung und damit ebenfalls eine Verhaftung gedroht. Die Beschwer-

deführerin habe zudem begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung sei-

tens des syrischen Regimes im Zusammenhang mit ihrem desertierten 

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Seite 6 

Sohn (F._______, vgl. N […]), welcher in der Schweiz Asyl erhalten habe. 

Falls sie sich vor der Ausreise in ein vom syrischen Regime kontrolliertes 

Gebiet begeben hätte, wäre sie schon damals reflexverfolgt worden, und 

die Gefahr dauere weiterhin an. Angehörige von Deserteuren seien in Sy-

rien systematisch von Reflexverfolgung betroffen. Diese Verfolgung sei po-

litisch motiviert, und es drohten unverhältnismässig hohe Strafen. Dieser 

Umstand respektive der enge Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung 

und Flucht sei im Asylentscheid nicht berücksichtigt worden. Das SEM 

habe den Sachverhalt unvollständig festgestellt und die vorgetragenen 

Asylgründe ungenügend geprüft. Es hätte die Angaben der Beschwerde-

führerin weiter abklären müssen. Die Beschwerdeführerin habe im Zeit-

punkt der Ausreise begründete Furcht vor asylrelevanten Nachteilen ge-

habt. Diese Gefährdung dauere weiterhin an. Sie hätte keine Möglichkeit, 

sich vor den Reflexverfolgungsmassnahmen der kurdischen Behörden 

(aufgrund der Dienstverweigerung ihrer Tochter) sowie den Vergeltungs-

massnahmen des syrischen Regimes (aufgrund der Desertion ihres Soh-

nes) zu schützen. Eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe nicht. Sie 

habe die Flüchtlingseigenschaft zumindest glaubhaft gemacht. Sie sei da-

her als Flüchtling anzuerkennen, und es sei ihr Asyl zu gewähren. 

5.  

In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, das SEM habe den 

rechtserheblichen Sachverhalt im Zusammenhang mit der drohenden Re-

flexverfolgung unvollständig festgestellt, notwendige Abklärungen unter-

lassen und die vorgebrachten Asylgründe und Beweismittel ungenügend 

geprüft. Dazu ist vorab Folgendes festzustellen: Die Beschwerdeführerin 

hat im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens keine Reflexverfolgung im 

Zusammenhang mit ihrem Sohn F._______ geltend gemacht. Folglich ist 

nicht zu beanstanden, dass sich in der vorinstanzlichen Verfügung keine 

entsprechenden Sachverhaltsfeststellungen finden. Seiner Abklärungs-

pflicht ist das SEM sodann dadurch nachgekommen, dass es die Asylakten 

der beiden in der Schweiz wohnhaften beiden Söhne der Beschwerdefüh-

rerin von Amtes wegen beigezogen hat. Es ist dabei zum Schluss gekom-

men, es seien diesen Akten keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass 

der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit ihren Söhnen eine Re-

flexverfolgung drohen könnte. Für weitergehende Sachverhaltsabklärun-

gen bestand keine Veranlassung; von Seiten der Beschwerdeführerin wird 

denn auch nicht gesagt, was genau das SEM näher hätte abklären müs-

sen. Auch für den ebenfalls nur pauschal formulierten Vorwurf, das SEM 

habe seine Prüfungspflicht verletzt, finden sich in den Akten keine Hin-

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Seite 7 

weise. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Umstand, dass die Beschwer-

deführerin mit den Erwägungen des SEM inhaltlich nicht einverstanden ist, 

für sich genommen keine Verletzung der Prüfungspflicht darstellt. Nach 

dem Gesagten sind die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen als 

unbegründet zu erachten. Auf die Stellung eines Kassationsantrags hat die 

Beschwerdeführerin im Übrigen ohnehin verzichtet. Das Verfahren erweist 

sich ohne weiteres als spruchreif, und es besteht auch keine Veranlassung, 

eine Nachfrist zwecks Übersetzung des auf CD eingereichten TV-Berichts 

einzuräumen. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-

schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-

haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-

handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-

glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu 

wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht 

entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-

tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt 

hat. 

7.2 Hinsichtlich der geltend gemachten versuchten Zwangsrekrutierung 

der Tochter der Beschwerdeführerin durch die YPG und der in diesem Zu-

sammenhang befürchteten Nachteile ist in Übereinstimmung mit der Vor- 

instanz festzustellen, dass dieses Vorbringen – ungeachtet der Frage sei-

ner Glaubhaftigkeit – nicht asylrelevant ist. Diese behördliche Massnahme 

hat sich nicht gegen die Person der Beschwerdeführerin, sondern gegen 

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Seite 8 

ihre Tochter gerichtet. Die Beschwerdeführerin selber war in Syrien den 

Akten zufolge keinen gegen sie persönlich gerichteten Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt. Zudem stellt eine Rekrutierung durch die YPG grund-

sätzlich keine asylbeachtliche Verfolgung dar, zumal ihr kein Motiv im Sinne 

von Art. 3 AsylG zugrunde liegt. Es bestehen sodann auch keine Hinweise 

dafür, dass eine Verweigerung der Dienstpflicht asylrelevante Sanktionen 

nach sich zieht (vgl. dazu das Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 

2015 E. 5.3 [als Referenzurteil publiziert]). Die Tochter der Beschwerdefüh-

rerin hat darüber hinaus nichts vorgebracht, was drauf schliessen lassen 

könnte, dass ihr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG gedroht 

haben respektive zukünftig drohen könnten (vgl. dazu das datumsgleiche 

Beschwerdeurteil betreffend die Tochter [vgl. D-2455/2020]). Es ist daher 

auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin eine asylre-

levante Reflexverfolgung gedroht hätte respektive zukünftig drohen würde, 

weil ihre Tochter dem Aufgebot der YPG keine Folge geleistet hat.  

7.3 In der Beschwerde erwähnt die Beschwerdeführerin erstmals, ihr Bru-

der G._______ sei im Dezember 2019 von den kurdischen Behörden ver-

haftet worden, weil er ihr und ihrer Tochter zur Flucht verholfen habe. Die-

ses Vorbringen ist indessen aus nachfolgenden Gründen als unglaubhaft 

zu erachten: Zum einen ist es nicht plausibel, dass die Behörden erst rund 

drei Jahre nach der Ausreise der Beschwerdeführerin deswegen Sanktio-

nen gegen den Bruder ergriffen. Zum anderen ist festzustellen, dass die 

eingereichte Aufnahme einer Nachrichtensendung von (…) TV offensicht-

lich nicht geeignet ist glaubhaft zu machen, dass dieser Bruder aufgrund 

seiner Fluchthilfe zugunsten der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter ver-

haftet wurde. Zwar kann aufgrund der Aktenlage nicht ausgeschlossen 

werden, dass es sich bei der verhafteten Person, H._______, um einen 

Bruder der Beschwerdeführerin handelt (vgl. ihre Angaben in A6, S. 5 so-

wie A15 F27). Jedoch geht aus dem eingereichten TV-Beitrag nicht hervor, 

dass H._______ wegen Fluchthilfe verhaftet respektive entführt wurde, und 

auch die Beschwerdeführerin oder ihre Mutter werden im Beitrag mit kei-

nem Wort erwähnt. In zumindest einer öffentlich zugänglichen Quelle wird 

vielmehr spekuliert, H._______ sei entführt worden, weil der Besitzer einer 

anderen (…) einen potenziellen Konkurrenten habe aus dem Weg räumen 

wollen (vgl. https://www.afrin-lekolin.[...]). Ferner wurde H._______ offen-

bar nicht von der YPG, sondern von den Syrian Democratic Forces (SDF) 

entführt oder verhaftet. Nach dem Gesagten vermag dieses Vorbringen 

nicht zu einer anderen Schlussfolgerung hinsichtlich der Frage der Asylre-

levanz des geltend gemachten Rekrutierungsversuchs durch die YPG zu 

führen. 

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Seite 9 

7.4 Sodann ist auch das Vorliegen einer asylbeachtlichen (Reflex-)Verfol-

gung respektive entsprechenden Verfolgungsgefahr im Zusammenhang 

mit dem bereits im Jahr 2013 aus Syrien ausgereisten Sohnes F._______ 

(N […]) zu verneinen. Die Beschwerdeführerin hat nie geltend gemacht, sie 

sei vor der Ausreise aus Syrien Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge-

wesen, weil ihr Sohn aus dem syrischen Militär desertiert und ins Ausland 

geflüchtet sei. Auf entsprechende Frage hin erklärte sie gegenteils, sie 

habe keine Probleme mit dem syrischen Regime gehabt (vgl. A6 S. 9). Es 

ist daher äusserst unwahrscheinlich, dass sie im Zusammenhang mit der 

Desertion ihres Sohnes bei einer Rückkehr nach Syrien mit einer asylbe-

achtlichen Reflexverfolgung rechnen müsste. Dieses Vorbringen ist dem-

nach als nicht asylrelevant zu erachten. 

7.5 Insofern, als die Beschwerdeführerin befürchtet, aufgrund ihrer illega-

len Ausreise aus Syrien im Falle ihrer Rückkehr verfolgt zu werden, ist 

schliesslich Folgendes festzustellen: Die illegale Ausreise aus Syrien ver-

mag für sich genommen keine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung im 

Falle einer Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihr Heimatland zu begrün-

den. Bei längerer Landesabwesenheit muss zwar damit gerechnet werden, 

dass sie bei einer (kontrollierten) Wiedereinreise nach Syrien einer Befra-

gung durch die heimatlichen Behörden unterzogen würde. Da sie jedoch 

vor ihrer Ausreise keinen behördlichen Verfolgungsmassnahmen ausge-

setzt war und insbesondere keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie 

als regimefeindliche Person registriert war, ist nicht davon auszugehen, 

dass sie allein aufgrund der illegalen Ausreise eine flüchtlingsrechtlich re-

levante Verfolgung respektive Bestrafung zu befürchten hätte.  

7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-

gründe und (subjektiven) Nachfluchtgründe (vgl. vorstehend E. 7.5) nicht 

geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entsprechende Ver-

folgungsfurcht nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz 

hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge-

such der Beschwerdeführerin abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

D-2454/2020 

Seite 10 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 8. April 2020 infolge Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Beschwer-

deführerin in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss 

weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher 

abzuweisen. 

11.  

11.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen. 

Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-

ten, ist damit gegenstandslos geworden.  

11.2 Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend 

gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen, da sich aus den vor-

stehenden Erwägungen ergibt, dass die Beschwerdebegehren als aus-

sichtslos zu erachten waren.  

11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2454/2020 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

Versand: