# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1daea80f-1a5a-5bcd-b522-8bb1587de765
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-29
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 29.06.2023 VBE.2022.447
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-447_2023-06-29.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2022.447 / dr / nl  
Art. 61 

 
 
Urteil vom 29. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichter Roth 

Gerichtsschreiberin i.V. Reisinger 

 

 
   

Beschwerde- 

führer 

 A._____ 

vertreten durch lic. iur. Christian Haag, Rechtsanwalt, 

Schwanenplatz 7, Postfach, 6002 Luzern 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin 

 Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, 

Dufourstrasse 40, 9001 St. Gallen 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 4. November 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1972 geborene Beschwerdeführer war bis Dezember 2014 als Elektro-

monteur im von ihm gegründeten Unternehmen B. GmbH tätig. Am 14. Juli 

2015 fiel er bei einer Down Hill-Fahrt mit einem Trottinett in einen 1.5 m 

breiten und ebenso tiefen Entwässerungsschacht, wobei er sich verletzte. 

Die Beschwerdegegnerin erbrachte in der Folge im Zusammenhang mit 

diesem Unfall vorübergehend Leistungen (Heilbehandlung/Taggeld). Im 

Rahmen ihrer Abklärungen gab sie eine durch die Klinik C. AG durchge-

führte Funktionsorientierte medizinische Abklärung inklusive Evaluation der 

funktionellen Leistungsfähigkeit (Gutachten vom 2. Mai 2016) in Auftrag. 

Mit Schreiben vom 30. Mai 2016 informierte sie den Beschwerdeführer da-

raufhin über die Reduktion der Taggeldleistungen auf 50 % ab dem 1. Juni 

2016 und deren Einstellung ab dem 1. September 2016. Nach der Durch-

führung einer versicherungsinternen Untersuchung veranlasste die Be-

schwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten durch die GUTSO, in-

terdisziplinäre medizinische Begutachtungen GmbH (Gutachten vom 

3. Mai 2017). Am 29. Juni 2017 verfügte sie sodann die Leistungseinstel-

lung per 15. Mai 2017. Nach der dagegen erhobenen Einsprache des Be-

schwerdeführers holte die Beschwerdegegnerin eine versicherungsinterne 

Stellungnahme ein und liess den Beschwerdeführer durch die MEDAS 

Zentralschweiz polydisziplinär begutachten (Gutachten vom 23. Septem-

ber 2019). Dieses Gutachten legte sie ihrem beratenden Arzt vor. In der 

Folge stellte sie der psychiatrischen Gutachterin der MEDAS Ergänzungs-

fragen (Ergänzungsgutachten vom 18. Dezember 2019) und nach Eingang 

einer durch den Beschwerdeführer eingereichten ärztlichen Stellungnahme 

auch dem gastroenterologischen Gutachter (Ergänzungsgutachten vom 

26. Mai 2021). Die gegen die Verfügung vom 29. Juni 2017 erhobene Ein-

sprache vom 16. Juli 2017 hiess sie mit Einspracheentscheid vom 4. No-

vember 2022 insofern teilweise gut, als dass sie dem Beschwerdeführer 

eine Integritätsentschädigung in der Höhe von 15 % zusprach. Im Übrigen 

wies sie die Einsprache ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. Dezember 2022 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Der Einspracheentscheid vom 4.11.2022 sei aufzuheben. 
 
2. Es sei die UVG-Deckung des Versicherten festzustellen, eventualiter 

eine Rechtverweigerung oder Rechtsverzögerung bezüglich eines Ent-
scheids über eine Staatshaftung der Beschwerdegegnerin nach Art. 78 
ATSG. 

 

 - 3 - 

 

 

 

3. Die Beschwerdegegnerin habe die Unfallkausalität der Leberzirrhose 
zu anerkennen und dafür die gesetzlichen Leistungen auszurichten. 

 
4. Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer eine ganze 

Rente zu bezahlen. 
 
5. Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer für den Leber-

schaden eine Integritätsentschädigung von 30 % und für die psychi-
schen Unfallfolgen eine Integritätsentschädigung von 25 % auszurich-
ten. 

 
6. Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer die Gutachter-

kosten von Fr. 1’219 (entsprechend 1’120 Euro) gemäss E-mail vom 
30[.]11.2020 zurückzuerstatten. 

 
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWSt) zulasten der Be-

schwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 22. Februar 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 15. März 2023 reichte der Beschwerdeführer eine Replik 

ein. 

 

2.4. 

Mit Duplik vom 25. April 2023 hielt die Beschwerdegegnerin an den bisher 

gestellten Rechtsbegehren vollumfänglich fest. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einspracheentscheid vom 4. No-

vember 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 605) im Wesentlichen davon 

aus, der Fall sei per 15. Mai 2017 abzuschliessen, da ab diesem Zeitpunkt 

mit keinem namhaften Behandlungserfolg mehr zu rechnen gewesen sei. 

Die über dieses Datum hinaus persistierenden gastroenterologischen und 

psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers stünden nicht in einem 

natürlich bzw. adäquat kausalen Zusammenhang zum Unfallereignis vom 

14. Juli 2015. Es bestehe aus orthopädischer-traumatologischer Sicht eine 

erhebliche Integritätseinbusse, weshalb sie die Einsprache gegen Ziffer 2 

der Verfügung vom 29. Juni 2017 gutgeheissen und eine Integritätsent-

schädigung in der Höhe von 15 % zugesprochen hat. 

 

 - 4 - 

 

 

 

Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, die nach dem Unfall vom 

14. Juli 2015 eingenommenen Schmerzmittel hätten wesentlich zur Ver-

schlechterung und Dekompensation der zuvor kompensierten Leberzir-

rhose geführt. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass ohne die Ein-

nahme dieser Schmerzmittel eine Lebertransplantation im Februar 2019 

nicht erforderlich geworden wäre. Die über den 15. Mai 2017 hinaus vorlie-

genden gastroenterologischen und psychischen Beschwerden stünden da-

her sowohl in einem natürlichen als auch in einem adäquaten Kausalzu-

sammenhang zum Unfallereignis vom 14. Juli 2015, weshalb die diesbe-

züglichen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bzw. der Rentenanspruch 

zu prüfen seien und auch ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung 

bestehe. 

 

1.2. 

Streitig und zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin mit Ein-

spracheentscheid vom 4. November 2022 (VB 605) ihre Leistungen im Zu-

sammenhang mit dem Unfall vom 14. Juli 2015 zu Recht per 15. Mai 2017 

eingestellt hat. 

 

2. 

Hinsichtlich des Antrags des Beschwerdeführers, es sei die UVG-Deckung 

des Versicherten festzustellen (Ziffer 2 der Rechtsbegehren), ist darauf hin-

zuweisen, dass diese Frage, wie sich im Folgenden ergibt, offen bleiben 

kann. 

 

3. 

3.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst 

voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden 

(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. 

 

3.2. 

Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt neben dem natürlichen 

Kausalzusammenhang voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem 

eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. 

Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache ei-

nes Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er-

folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfol-

ges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 

V 177 E. 3.2 S. 181; 129 V 402 E. 2.2 S. 405; 125 V 456 E. 5a S. 461 f.). 

 

3.3. 

Im Sozialversicherungsrecht spielt die Adäquanz als rechtliche Eingren-

zung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden 

 - 5 - 

 

 

 

Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiese-

ner Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitge-

hend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit 

Hinweis auf BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Anders verhält es sich bei 

natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Be-

schwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen 

Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbe-

zogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit Hinweis 

unter anderem auf BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). Bei psychischen Fehl-

entwicklungen nach Unfall werden diese Adäquanzkriterien unter Aus-

schluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140; so-

genannte Psycho-Praxis), während bei Schleudertraumen und äquivalen-

ten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen auf eine Differen-

zierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet 

wird (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit Hinweisen; sogenannte Schleuder-

trauma-Praxis [vgl. BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130]). 

 

3.4. 

Die Adäquanzprüfung zwischen dem Unfallereignis und den geklagten ge-

sundheitlichen Beschwerden hat im Zeitpunkt des Fallabschlusses zu er-

folgen. Der Unfallversicherer hat Heilbehandlung und Taggeldleistungen 

nur solange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behand-

lung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet wer-

den kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vo-

rübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf 

eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen 

(vgl. auch: BGE 134 V 109 E. 3 ff. S. 112 ff., 133 V 64 E. 6.6.2; RKUV 2006 

U 571 S. 82). Unter namhafter Besserung ist die zu erwartende Steigerung 

oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beein-

trächtigt, zu verstehen. Dabei muss die zu erwartende Besserung ins Ge-

wicht fallen, während unbedeutende Verbesserungen nicht genügen. Bei 

der Schleudertrauma-Praxis darf der Fallabschluss dabei erst vorgenom-

men werden, wenn insgesamt keine namhafte Besserung des Gesund-

heitszustandes mehr zu erwarten ist, während bei der Psycho-Praxis be-

handlungsbedürftige psychische Gesundheitsschäden kein Hindernis für 

den Fallabschluss darstellen (vgl. RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die 

Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 144 mit Hinweisen auf die Rechtspre-

chung; Urteil des Bundesgerichts 8C_137/2014 E. 4.1 vom 5. Juni 2014). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem Einspracheentscheid vom 

4. November 2022 (VB 605) im Wesentlichen auf das polydisziplinäre ME-

DAS-Gutachten der Dres. med. D., Facharzt für Physikalische Medizin und 

Rehabilitation und für Rheumatologie, E., Fachärztin für Neurologie, F., 

 - 6 - 

 

 

 

Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-

apparates, G., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastroente-

rologie, und H., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

23. September 2019. Die Gutachter stellten folgende Diagnosen infolge 

des Ereignisses vom 14. Juli 2015 (VB 508 S. 44 f.): 

 

"Leicht eingeschränkte HWS-Rotation und Fehlstellung im oberen HWS-
Bereich nach: 
- Konservativ behandelter Basis-Fraktur des Dens axis (C2) am 

14.07.2015 
- Fraktur des Gelenks-Condylus C0 an der Schädelbasis rechts am 

14.07.2015 
 
Schmerzhaft eingeschränkte Handgelenks-Beweglichkeit nach: 
- Intraartikulärer Radius-loco-classico-Fraktur rechts am 14.07.2015 
- Unbehandelter Fraktur Processus styloideus ulnae am 14.07.2015 mit 

Bildung einer Pseudarthrose 
- Reposition und Fixation mit Fixateur externe am 14.07.2015 
- Osteosynthese mit volarer Radius-Platte und dorsaler Zugschraube 

am 17.07.2015 
 
Schmerzhaft eingeschränkte Vorfuss-Funktion links nach: 
- Intraartikulärer Fraktur der dorsalen Hälfte der Endphalanx am 

14.07.2015 
- Offener Reposition und Schrauben-Osteosynthese der Basis der End-

phalanx am 17.07.2015 
- Arthrodese des Grosszehen-Endgelenkes links am 14.07.2016 

 
Leichte depressive Störung gemäss F32.0 nach ICD-10, 
differenzialdiagnostisch rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 
leichte Episode gemäss F33.0 nach ICD-10, differenzialdiagnostisch bi-
polar-affektive Störung II mit hypomanischen neben depressiven Episo-
den (F31.80 nach ICD-10) 
 
Subsyndromale posttraumatische Belastungsstörung gemäss F43.1" 

 

Die Tätigkeit als Elektromonteur sei aus orthopädisch/rheumatologischer 

Sicht wegen den Unfallfolgen nicht mehr möglich. Die Tätigkeit als Ge-

schäftsführer sei möglich, sofern keine grösseren Gehleistungen erforder-

lich seien, wie z.B. Begehung von Baustellen, Beurteilung von Antennen-

Anlagen im Geländer etc. Reine Büro-Tätigkeit sei jedoch möglich. In einer 

dem Leiden angepassten Tätigkeit wären bezogen auf die Einschränkun-

gen am rechten Handgelenk und am linken Vorderfuss administrative Tä-

tigkeiten im Büro oder feinhandwerkliche Arbeiten, am Tisch sitzend, ganz-

tags zumutbar. Nicht zumutbar seien vorwiegend stehende Tätigkeiten 

oder solche mit regelmässigem Gehen, Gehen auf unebener Unterlage, 

häufiges Treppensteigen oder das Besteigen von Leitern und Gerüsten. 

Aus psychiatrischer Sicht sei eine leidensangepasste Tätigkeit etwa in der 

Grössenordnung von fünf Stunden täglich möglich. Es bestünden weitere 

Leistungseinschränkungen aus gastroenterologischer Sicht, aktuell bedingt 

durch den Zustand nach Lebertransplantation 2/2019, diese sei aber krank-

heitsbedingt (VB 508 S. 63 f.). 

 - 7 - 

 

 

 

 

Aus orthopädisch-traumatologischer Sicht könne von einer weiteren Heil-

behandlung sodann keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszu-

standes erwartet werden (VB 508 S. 67, 510 S. 40). Betreffend Integritäts-

schaden habe der Beschwerdeführer aufgrund der leicht eingeschränkten 

Rotation der Halswirbelsäule eine Integritätseinbusse von maximal 5 %, 

unter Berücksichtigung der zunehmenden Entwicklung der Handgelenks-

arthrose und der etablierten Pseudarthrose des Processus styloideus ulnae 

rechts eine solche von weiteren 5 % und wegen der schmerzhaften Ein-

schränkung der linken Vorfuss-Funktion eine Integritätseinbusse von 5 %, 

was einer Gesamtintegritätseinbusse von 15 % entspreche (VB 508 S. 68, 

510 S. 34 f.). Aus neurologischer Sicht bestehe hingegen kein Integritäts-

schaden (VB 510 S. 12), aus psychiatrischer Sicht jedoch ein solcher in der 

Höhe von 25 % (VB 510 S. 107). 

 

4.2. 

Mit ergänzender Stellungnahme vom 18. Dezember 2019 nahm die 

psychiatrische Gutachterin Dr. med. H. zu den Ergänzungsfragen der Be-

schwerdegegnerin und des Beschwerdeführers Stellung und hielt zusam-

menfassend an ihrer Beurteilung im Gutachten fest (VB 529). 

 

Nachdem der Beschwerdeführer eine Stellungnahme von Dr. med. I., Klinik 

für Innere Medizin, Klinikum J., Q., vom 27. November 2020 eingereicht 

hatte, in der dieser zum Schluss gelangte, dass die unfallbedingte Medika-

mentenaufnahme mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Ver-

schlechterung und Dekompensation der zuvor kompensierten Leberzir-

rhose geführt habe (VB 548), stellte die Beschwerdegegnerin diese dem 

Gutachter Dr. med. G. zur Stellungnahme zu. Dieser hielt mit Nachtrag vom 

26. Mai 2021 fest, eine unerwünschte Arzneimittelwirkung von Diclofenac 

sei als Teilursache der dekompensierten Leberzirrhose möglich. Insbeson-

dere könne eine vorübergehende Verschlechterung der Leberfunktion wäh-

rend der Einnahme nicht ausgeschlossen werden. Hypothetisch sei auch 

eine Beschleunigung der Zirrhose-Entwicklung denkbar, doch fehlten zu ei-

ner validen Einschätzung die nötigen wissenschaftlichen Daten. Die Indi-

zien reichten nicht aus, um einen eventuellen Zusammenhang als "über-

wiegend wahrscheinlich" einzustufen (VB 595 S. 7). 

 

4.3. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

 - 8 - 

 

 

 

4.4. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-

zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar 

zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 

E. 5.2.8 S. 105). 

 

4.5. 

Ein Parteigutachten besitzt nicht den gleichen Rang wie ein vom Gericht 

oder von einem Unfallversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrens-

recht eingeholtes Gutachten. Es verpflichtet indessen den Richter, den von 

der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung fol-

gend, zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassung und 

Schlussfolgerungen des vom Gericht oder vom Unfallversicherer förmlich 

bestellen Gutachten derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuwei-

chen ist (BGE 125 V 351 vom 14. Juni 1999 E. 3c S. 354). 

 

4.6. 

Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des MEDAS-Gutachtens fach-

ärztlich umfassend untersucht. Die Gutachter beurteilten die medizinischen 

Zusammenhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis der Vorak-

ten (VB 508 S. 2 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwer-

den einleuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten 

Schlussfolgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert 

im Sinne vorstehender Kriterien zu. 

 

4.7. 

Der Beschwerdeführer rügt einzig das gastroenterologische MEDAS-Teil-

gutachten von Dr. med. G.. Vorab ist auf das Vorbringen des Beschwerde-

führers einzugehen, wonach das gastroenterologische MEDAS-Teilgutach-

ten von Dr. med. G. vom 17. September 2019 und dessen Ergänzungsgut-

achten vom 26. Mai 2021 nicht neutral und unabhängig hätten durchgeführt 

werden können, weil der Gutachter einen Sachverhalt habe beurteilen müs-

sen, der sich am Kantonsspital K. ergeben hätte, wo dieser bis Okto-

ber 2019 gearbeitet habe. Dr. med. G. habe daher in einem potentiellen 

Interessenkonflikt gestanden (Beschwerde S. 13 f.). 

 

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4.8. 

Nach der in Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV) enthaltenen Garan-

tie des verfassungsmässigen Richters hat der Einzelne Anspruch darauf, 

dass seine Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und 

unbefangenen Gericht ohne Einwirken sachfremder Umstände entschie-

den wird. Liegen bei objektiver Betrachtungsweise Gegebenheiten vor, die 

den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit 

zu begründen vermögen, ist die Garantie verletzt (BGE 127 I 196 E. 2b 

S. 198 mit Hinweisen). Für Sachverständige gelten grundsätzlich die glei-

chen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für den Richter vorgese-

hen sind (BGE 120 V 357 E. 3a S. 364). Da sie nicht Mitglied des Gerichts 

sind, richten sich die Anforderungen zwar nicht nach Art. 30 Abs. 1 BV, 

sondern nach Art. 29 Abs. 1 BV. Hinsichtlich der Unparteilichkeit und Un-

befangenheit kommt Art. 29 Abs. 1 BV indessen ein mit Art. 30 Abs. 1 BV 

weitgehend übereinstimmender Gehalt zu (BGE 127 I 196 E. 2b S. 198). 

 

Bei der Befangenheit handelt es sich um einen inneren Zustand, der nur 

schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht 

nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich be-

fangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den An-

schein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu be-

gründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit 

und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjek-

tive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss viel-

mehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die er-

hebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungs-

recht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger 

Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1 S. 109). 

 

4.9. 

Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Tatsache, dass Dr. med. G. beim Kan-

tonsspital K. tätig war, auf eine mangelnde Objektivität oder Befangenheit 

des Gutachters schliessen liesse. So wurde der Beschwerdeführer nicht 

von Dr. med. G. behandelt. Zum Zeitpunkt der Durchführung des Ergän-

zungsgutachtens vom 26. Mai 2021 hat Dr. med. G. zudem nicht mehr 

beim Kantonsspital K. gearbeitet. Analog dazu wurde die frühere Tätigkeit 

eines Gerichtsgutachters bei einem regionalen ärztlichen Dienst vom Bun-

desgericht nicht als erhöhtes Gefahrenpotential für dessen Befangenheit 

angesehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_257/2016 vom 29. Juni 2016 

E. 4.2.2). 

 

Überdies wurde der Beschwerdeführer bereits im Oktober 2018 über die 

Begutachtung durch Dr. med. G. informiert (Schreiben der Beschwerde-

gegnerin vom 25. Oktober 2018 in VB 482). Verfahrensrechtliche Einwen-

dungen sind so früh wie möglich, das heisst nach Kenntnisnahme eines 

Mangels bei erster Gelegenheit, vorzubringen. Es verstösst gegen Treu 

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und Glauben, Mängel dieser Art erst in einem späteren Verfahrensstadium 

oder sogar erst in einem nachfolgenden Verfahren geltend zu machen, 

wenn der Einwand schon vorher hätte festgestellt und gerügt werden kön-

nen. Wer sich auf das Verfahren einlässt, ohne einen Verfahrensmangel 

bei erster Gelegenheit vorzubringen, verwirkt in der Regel den Anspruch 

auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten Verfahrensvorschrift. In-

dem der Beschwerdeführer allfällige Ausstandsgründe von Dr. med. G. erst 

im Beschwerdeverfahren vier Jahre später geltend macht, hat er seinen 

Anspruch auf Anrufung der Ausstandsbestimmungen verwirkt (BGE 143 V 

66 E. 4.3 S. 69; 138 I 1 E. 2.2. S. 4; Urteil 8C_456/2018 vom 12. Septem-

ber 2018 E. 4.2). Somit sind in objektiver Weise keine Umstände erkenn-

bar, die den Anschein der Befangenheit von Dr. med. G. zu begründen ver-

mögen. 

 

5. 

5.1. 

Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der Unfall vom 14. Juli 2015 bzw. 

die danach aufgrund der unfallbedingten Schmerzen erfolgte Einnahme 

des Schmerzmittels Diclofenac sei natürlich kausal für die Verschlechte-

rung und Dekompensation seiner zuvor kompensierten Leberzirrhose und 

es sei überwiegend wahrscheinlich, dass ohne die Einnahme von 

Diclofenac eine Lebertransplantation im Februar 2019 nicht erforderlich ge-

wesen wäre. Der Gutachter Dr. med. G. überspanne den Nachweis über-

wiegend wahrscheinlicher Teilkausalität und gehe diesbezüglich von über-

höhten Anforderungen aus, was gegen die rechtliche Beweiskraft seiner 

Beurteilung spreche. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Dr. med. I. führte in einem vom Beschwerdeführer in Auftrag gegebenen 

Gutachten vom 27. November 2020 aus, die histo-pathologischen Befunde 

aus der Leberbiopsie vom April 2017 (VB 353 S. 17 ff.) und dem Leberex-

plantat vom 4. Februar 2019 (VB 500) hätten eine "lymphozytär-histiozytär 

geprägte Interface-Hepatitis mit deutlicher Schädigung der Gallengänge 

und schwerer kanalikulärer und hepatozellulärer Cholestase" gezeigt. 

Diese Befunde würden typische Charakteristika arzneimittel-toxischer Le-

berschädigungen aufweisen und seien gut vereinbar mit dem Vorliegen ei-

ner Diclofenac-assoziierten Hepatitis. Das Bild einer Steatohepatitis (Fett-

leberentzündung) liege dagegen nicht vor, was gegen eine alkoholtoxische 

und/oder adipositas-assoziierte Schädigung spreche. Zusammenfassend 

könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, 

dass die Einnahme von Diclofenac wesentlich zur Verschlechterung und 

Dekompensation der zuvor kompensierten Leberzirrhose geführt habe. Es 

sei ebenfalls überwiegend wahrscheinlich, dass ohne die Einnahme von 

Diclofenac eine Lebertransplantation im Februar 2019 nicht erforderlich ge-

worden wäre (VB 548 S. 5). Diese Beurteilung wird von Dr. med. I. in seiner 

 - 11 - 

 

 

 

Ergänzung vom 23. November 2022 bestätigt (Beschwerdebeilage [BB] 3, 

welche darüber hinaus keine neuen Aussagen enthält).  

 

5.2.2. 

Mit E-Mail vom 18. November 2019 führte Dr. Dr. L., Facharzt für Chirurgie, 

sodann aus, auch wenn eine vorgeschädigte Leber bestanden habe, sei 

eine akute Dekompensation der Lebererkrankung durch die erwähnten Er-

eignisse aus seiner Sicht anzunehmen. Da er kein Hepatologe sei, würde 

er es jedoch für sinnvoll erachten, eine Stellungnahme eines behandelnden 

Hepatologen einzuholen (BB 8). 

 

5.3. 

5.3.1. 

Dr. med. G. führte in seinem gastroenterologischen Teilgutachten vom 

17. September 2019 aus, wesentliche Elemente der Vorgeschichte seien 

aus hepatologischer Sicht eine über Jahre allmählich zunehmende morbide 

Adipositas und abklärungsbedürftige erhöhte Leberwerte ab 2012 und ein 

damals regelmässiger, wenn auch nicht exzessiver Alkoholkonsum bemer-

kenswert. Der erhöhte Ferritin-Wert würde einem Begleitphänomen der 

chronischen Hepatopathie entsprechen und sei insbesondere bei der alko-

holischen und nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung zu beobachten 

(VB 510 S. 46, vgl. auch Nachtrag von Dr. med. G. vom 26. Mai 2021 in 

VB 595 S. 3). Die Gesamtkonstellation der Befunde würde in diesem Zeit-

punkt zu einer Adipositas-assoziierten Fettlebererkrankung passen, wobei 

als Beleg dafür jedoch das Schlüsselelement einer höhergradigen Steatose 

oder Steatohepatitis fehle, womit die Ätiologie der Lebererkrankung offen 

bleibe (VB 510 S. 46 f.). Unbemerkt sei es über die Jahre zu einer schlei-

chenden Entwicklung einer schliesslich fortgeschrittenen Zirrhose gekom-

men. Durch eine Reduktion des Übergewichts und eine Veränderung des 

Lebensstils habe sich die Leberfunktion verbessert (VB 510 S. 46; vgl. 

auch VB 595 S. 3, in welcher erwähnt wird, dass dies typisch für eine adi-

positas-assoziierte Hepatopathie sei). Erst durch den von der 

Grunderkrankung nicht direkt abhängigen Strangulationsileus sei es zu ei-

ner finalen hepatischen Dekompensation gekommen, welche eine Leber-

transplantation erforderlich gemacht habe. Auch die histologische Aufarbei-

tung des Explantates habe keine definitiven Rückschlüsse auf die Ätiologie 

der Hepatopathie zugelassen (VB 510 S. 46; vgl. auch VB 595 S. 3). Der 

postoperative Verlauf sei im Wesentlichen sehr günstig gewesen (VB 510 

S. 46). Bei unklaren Hepatopathien sei grundsätzlich die Möglichkeit einer 

"Drug Induced Liver Injury" (DILI) in Betracht zu ziehen. Beim Beschwerde-

führer sei zu diskutieren, ob und inwiefern die Medikamente, insbesondere 

Analgetika bzw. Antirheumatika, die er in Folge seines Unfalls vom 14. Juli 

2015 konsumiert habe, seine Lebererkrankung im Sinne einer alleini-

gen/vorrangigen DILI verursacht hätten oder ob sie den Zustand bzw. den 

Verlauf einer vorbestehenden Lebererkrankung im Sinne einer aufgepfropf-

ten DILI nachteilig beeinflusst hätten. Aufgrund der vorliegenden Angaben 

 - 12 - 

 

 

 

seien Paracetamol und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, genannt 

seien Olfen®/Diclofenac) im Visier. Paracetamol sei eine Substanz, welche 

einen dosisabhängigen toxischen Effekt auf die Leber ausübe. Wahr-

scheinlich sei die Sensitivität auch bei Leberzirrhose erhöht. Die direkte 

Folge sei ein akutes, durch die toxischen Metaboliten bedingtes Leberver-

sagen. Ein solches Geschehen könne beim Beschwerdeführer nicht identi-

fiziert werden. Sein akutes Leberversagen habe sich als Folge eines chi-

rurgischen Noteingriffes im Rahmen der Behandlung eines akuten interkur-

renten Ereignisses entwickelt. NSAR zeigten nicht selten eine Transamina-

sen-Erhöhung als unerwünschte Nebenwirkung, wobei es sich um eine do-

sisunabhängige, individuelle bzw. idiosynkratische Reaktion handle. Eine 

Fibrose- oder Zirrhoseentwicklung werde in der Literatur nicht beschrieben. 

Da beim Beschwerdeführer die Transaminasenerhöhung der Einnahme 

der NSAR lange vorausgegangen sei, sei ein Zusammenhang zwischen 

NSAR und Hepatopathie bzw. Verlaufsverschlechterung eher unwahr-

scheinlich (VB 510 S. 47). Es könne nicht mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit angenommen werden, die aktenkundigen Medikamente, die im Zu-

sammenhang mit dem Unfall vom 14. Juli 2015 eingenommen wurden, hät-

ten die Lebererkrankung verursacht oder den Verlauf wesentlich negativ 

beeinflusst (VB 510 S. 47 f.). 

 

5.3.2. 

In seinem Nachtrag vom 26. Mai 2021 zum Gutachten vom 17. September 

2019 ergänzte Dr. med. G., es habe in der Leberbiopsie im April 2017 zwar 

das Element der Verfettung gefehlt (wie auch schon im Gutachten vom 

17. September 2019 in VB 510 S. 47 erwähnt), jedoch sei ein für die "nicht-

/alkoholische Fettlebererkrankung typischer (wenn auch nicht 100% spezi-

fischer) Befund", nämlich Mallory-Hyalin, vorhanden gewesen. Eine adipo-

sitas-assoziierte Hepatopathie sei auch retrospektiv plausibel (VB 595 

S. 3). Im zu beurteilenden Fall habe sich über wenige Jahre hinweg eine 

chronische, bis zur Zirrhose progrediente Hepatopathie entwickelt, bevor 

interkurrent während sieben Monaten mutmasslich eine Medikation mit Dic-

lofenac verabreicht worden sei. Es spreche vieles dafür, dass zu Beginn 

der Diclofenac-Medikation im August 2016 das Stadium der Leberzirrhose 

bereits erreicht gewesen sei. Obschon die genaue Dauer und Dosierung 

der Diclofenac-Medikation unsicher sei, solle hier angenommen werden, 

dass eine mehr oder weniger kontinuierliche Einnahme zwischen Au-

gust 2016 und März 2017 erfolgt sei. Es seien keine engmaschigen Moni-

torisierungsdaten verfügbar, Laborbefunde unmittelbar vor, während und 

nach der Diclofenac-Therapie seien nicht aktenkundig. Eine Verschlechte-

rung der Leberfunktion unter Diclofenac sei zwar denkbar, lasse sich aber 

weder belegen noch ausschliessen. Es bleibe spekulativ, ob der Krank-

heitsverlauf alleine dem natürlichen Verlauf der zugrundeliegenden He-

patopathie zuzuschreiben sei oder ob sich eine idiosynkratische uner-

wünschte Wirkung von Diclofenac zusätzlich nachteilig ausgewirkt habe. 

 - 13 - 

 

 

 

Im Falle eine Diclofenac-assoziierten akuten Hepatitis wäre nach dem Ab-

setzen von Diclofenac jedoch eine Remission der akuten Hepatitis (bzw. 

eine Rückbildung der Aktivität auf den Status quo ante) zu erwarten gewe-

sen. Es seien jedoch weitere zwei Jahre bis zur finalen Dekompensation 

verstrichen. Das folgende akute Leberversagen habe nicht in einem direk-

ten Zusammenhang mit einer unerwünschten Wirkung von Diclofenac ge-

standen, sondern sei durch ein unabhängiges Ereignis präzipitiert gewesen 

(VB 595 S. 5). Eine vorbestehende Hepatopathie erhöhe das Risiko für 

idiosynkratische Reaktionen auf Medikamente nicht. Für das Szenario der 

Diclofenac-assoziierten Hepatitis sei keine verlässliche Einschätzung mög-

lich (VB 595 S. 6). Eine unerwünschte Arzneimittelwirkung von Diclofenac 

sei als Teilursache der dekompensierten Leberzirrhose möglich. Insbeson-

dere könne eine vorübergehende Verschlechterung der Leberfunktion wäh-

rend der Zeit der Einnahme nicht ausgeschlossen werden. Es bestünde 

jedoch keine überwiegende Wahrscheinlichkeit für einen eventuellen Zu-

sammenhang (VB 595 S. 7). 

 

5.4. 

Dr. med. I. führt in seinem Gutachten aus, die seit dem Jahr 2013 reprodu-

zierbar nachweisbare Trombozytopenie müsse als Hinweis für eine bereits 

zu diesem Zeitpunkt vorgelegene, kompensierte Leberzirrhose gewertet 

werden. Es müsse bei langjähriger morbider Adipositas von einer (nicht) 

alkoholischen Fettleberzirrhose ausgegangen werden (VB 548 S. 3; BB 3). 

Damit stimmt er mit der Beurteilung des Gutachters Dr. med. G. überein, 

der ebenfalls von einer Adipositas-assoziierten Fettlebererkrankung und ei-

nem bereits bei Beginn der Diclofenac-Medikation im August 2016 beste-

henden Stadium der Leberzirrhose ausging (vgl. E. 5.3.2. hiervor mit Ver-

weis auf VB 510 S. 46, vgl. auch Nachtrag von Dr. med. G. vom 26. Mai 

2021 in VB 595 S. 3). Betreffend das von Dr. med. G. erwähnte fehlende 

Bild einer Steatohepatitis (vgl. E. 5.3.1. hiervor) führt Dr. med. I. aus, eine 

Gewichtsreduktion hätte zu einem Rückgang des Steatosegrades geführt 

haben können (VB 548 S. 5). Dr. med. I. führt die deutliche Besserung der 

Leberfunktion im weiteren Krankheitsverlauf zwischen Mai 2017 und Ja-

nuar 2018 auf den Wegfall schädigender Auslöser, "nächstliegend Dicl-

ofenac" zurück (VB 548 S. 5), obwohl er auch ausführt, die in den folgen-

den Monaten dokumentierte Stabilisierung der Leberfunktion sei unter an-

derem durch den Gewichtsverlust von 40 kg zu erklären (VB 548 S. 4). Im 

Übrigen ist die von Dr. med. I. seiner Beurteilung zugrunde gelegte regel-

mässige Einnahme von Diclofenac durch den Beschwerdeführer mindes-

tens zweifelhaft. Dr. med. I. ging davon aus, dass der Beschwerdeführer 

über einen Zeitraum von sieben Monaten 75 mg bis 150 mg Diclofenac täg-

lich eingenommen habe (VB 548 S. 3 f.). Worauf er diese Angabe stützte, 

ist seinen Ausführungen jedoch nicht zu entnehmen. Dr. med. G. hielt da-

gegen gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers fest, dieser habe 

unpräzise Angaben, teils auch ausweichende Antworten zu Dauer und Do-

sierung der eingenommenen Schmerzmedikamente gemacht, was speziell 

 - 14 - 

 

 

 

die Einnahme von Diclofenac betreffe. So habe er unter anderem geäus-

sert, er habe "Medikamente immer nur sehr kurzzeitig genommen und den 

Rest in den Abfall geworfen" (vgl. auch die Angaben im Gutachten, VB 510 

S. 45). Das MEDAS-Gutachten, einschliesslich integrierte Teilgutachten, 

liefere zur Dosierung und zur Dauer der Medikamenteneinnahme keine 

präzisen Angaben. Er habe sich mit dem Beschwerdeführer zur Klärung 

dieser Frage telefonisch in Verbindung gesetzt. Dieser habe jedoch ange-

geben, sich nicht an jene Zeit erinnern zu können (vgl. VB 595 S. 1 f., worin 

die unpräzisen Angaben des Beschwerdeführers betreffend die Einnahme 

von Diclofenac dargetan werden). Dem GUTSO-Gutachten vom 3. Mai 

2017 sind keine konkreten Angaben zur Dosierung und Dauer der Medika-

menteneinnahme zu entnehmen. So hat der Beschwerdeführer angege-

ben, im Zusammenhang mit dem Unfall habe er längere Zeit Dafalgan ge-

nommen; er könne nicht sagen, wie lange und in welcher Dosierung. Wann 

genau man Dafalgan abgesetzt habe, wisse er nicht, später habe er noch 

Olfen 75 mg und Tilur retard 90 mg genommen, seit März 2017 aber gar 

nicht mehr (VB 508 S. 38). Anlässlich der neuropsychologischen GUTSO-

Begutachtung vom 27. Januar 2017 gab der Beschwerdeführer gar an, ne-

ben Schlaftabletten aus pflanzlichen Stoffen sowie Dafalgan keine weiteren 

Medikamente zu nehmen (VB 286 S. 29). Die tatsächlich eingenommene 

Dosis und die Dauer der Einnahme von Diclofenac lässt sich somit gestützt 

auf die Akten nicht verlässlich feststellen. Ebenfalls fehlen Laborbefunde 

aus dem fraglichen Zeitraum: So führte Dr. med. I. aus, es lägen keine La-

borbefunde aus diesem Zeitraum vor (VB 548 S. 4), worauf ebenfalls 

Dr. med. G. hinwies (E. 5.3.2. hiervor). Damit kann nicht festgestellt wer-

den, wie sich die Leberfunktion vor, während und nach der Einnahme von 

Diclofenac dargestellt hat. Dr. med. G. hielt entsprechend überzeugend 

fest, der formale Beweis für das Vorhandensein einer unerwünschten Dicl-

ofenac-Einwirkung sei nicht zu führen, da entsprechende Evidenz als Re-

sultat einer engmaschigeren Monitorisierung vor/während/nach der Thera-

pie oder ein Re-Expositionsversuch fehlten (VB 595 S. 5). Die Ausführun-

gen von Dr. med. G., es liege eine adipositas-assoziierte Fettlebererkran-

kung vor, die sich seit dem Jahr 2012 über die Jahre unbemerkt schlei-

chend zu einer schliesslich fortgeschrittenen Zirrhose entwickelt habe 

(VB 510 S. 46), welche jedoch bereits zu Beginn der Diclofenac-Medikation 

im August 2016 vorgelegen habe, und eine unerwünschte Arzneimittelwir-

kung von Diclofenac als Teilursache der dekompensierten Leberzirrhose 

sei zwar möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich (VB 595 S. 5), 

sind somit begründet und nachvollziehbar. Was schliesslich die Ausführun-

gen von Dr. Dr. L. in der E-Mail vom 18. November 2019 (BB 8) betrifft, 

wonach die akute Dekompensation der Lebererkrankung durch die erwähn-

ten Ereignisse aus seiner Sicht anzunehmen sei, begründet dieser nicht, 

worauf er seine Annahmen stützt, weshalb darauf nicht abgestellt werden 

kann. Dies gilt umso mehr, als dieser nicht über einen Facharzttitel für 

Gastroenterologie verfügt und selber angab, er sei kein Hepatologe und es 

sei eine Stellungnahme eines behandelnden Hepatologen einzuholen 

 - 15 - 

 

 

 

(BB 8). Der Beschwerdeführer vermag mit dem Gutachten von Dr. med. I. 

die Auffassung und Schlussfolgerungen von Dr. med. G. nicht zu erschüt-

tern, so dass davon abzuweichen wäre. Es ist somit auf das MEDAS-Gut-

achten und die Ausführungen von Dr. med. G. abzustellen, wonach nicht 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden könne, die 

Medikamente, die im Zusammenhang mit dem Unfall vom 14. Juli 2015 ein-

genommen wurden, hätten die Lebererkrankung verursacht oder den Ver-

lauf wesentlich negativ beeinflusst (VB 510 S. 47 f., VB 595 S. 6 f.). Der 

medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund insgesamt 

als vollständig abgeklärt. Auf die Einholung weiterer Beweismittel (vgl. Be-

schwerde) kann verzichtet werden, da von solchen keine weiteren Erkennt-

nisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 127 V 491 

E. 1b S. 494 mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4). 

 

6. 

6.1. 

Nach der Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwer-

deführer noch über den Zeitpunkt des per 15. Mai 2017 verfügten Fallab-

schlusses hinaus an psychischen bzw. sich nicht mit einer organisch ob-

jektivierbaren Ursache erklärbaren Beschwerden litt. Ob und gegebenen-

falls inwieweit der Unfall vom 14. Juli 2015 natürlich kausal für diese Beein-

trächtigungen ist, respektive war, kann – wie sich im Folgenden ergibt – 

offen bleiben. Die Beschwerdegegnerin prüfte den adäquaten Kausalzu-

sammenhang zwischen den psychischen Beschwerden des Beschwerde-

führers und dem Unfallereignis vom 14. Juli 2015 unbestrittenermassen zu 

Recht mittels der Kriterien der sog. Psycho-Praxis (E. 3.3 und 3.4). Auf-

grund des Umstandes, dass im Zeitpunkt der Beurteilung der Gutachter aus 

orthopädisch-traumatologischer und neurologischer Sicht von weiteren Be-

handlungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besse-

rung mehr zu erwarten (vgl. E. 4.1) und das Unfallereignis für die Leber-

schäden nicht natürlich kausal war (vgl. E. 5), ist der Fallabschluss per 

15. Mai 2017 somit nicht zu beanstanden und die Adäquanz wurde zu 

Recht geprüft. 

 

6.2. 

Das Eidgenössische Versicherungsgericht bzw. das Bundesgericht hat be-

sondere Regeln für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwick-

lungen nach einem Unfall entwickelt. Danach setzt die Bejahung des adä-

quaten Kausalzusammenhangs grundsätzlich voraus, dass dem Unfaller-

eignis für die Entstehung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit 

eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es ob-

jektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft 

ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7 S. 141). Für die Beurteilung dieser 

Frage ist gemäss BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 f. an das Unfallereignis an-

zuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – 

eine Katalogisierung der Unfälle in leichte (banale), im mittleren Bereich 

 - 16 - 

 

 

 

liegende und schwere Unfälle vorzunehmen ist. Bei leichten Unfällen kann 

der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Ge-

sundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint (BGE 115 V 133 

E. 6a S. 139), bei schweren Unfällen bejaht werden (BGE 115 V 133 E. 6b 

S. 140). Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage nicht 

auf Grund des Unfalls allein beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Um-

stände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder 

als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamt-

würdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen 

(BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183 f. mit Hinweis unter anderem auf BGE 115 

V 133 E. 6c/aa S. 140; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.): 

 

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere 
 Eindrücklichkeit des Unfalls; 
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen (somatischen) 

Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychi-
sche Fehlentwicklungen auszulösen; 

- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; 
- (körperliche) Dauerschmerzen; 
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich 
 verschlimmert; 
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; 
- Grad und Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit 

 

Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist 

jedoch nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen 

kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen 

Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit neben dem Unfall allen-

falls ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es 

sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittle-

ren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall 

zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein ein-

ziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt 

ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsun-

fähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkri-

terium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen meh-

rere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, 

je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im 

mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu-

zuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in ge-

häufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wer-

den kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven 

Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz (BGE 115 V 

133 E. 6b/bb S. 140 f.). Sofern keines der Kriterien in besonders ausge-

prägter oder auffallender Weise gegeben ist, bedarf es für die Bejahung 

des adäquaten Kausalzusammenhangs bei einem mittelschweren Unfall im 

Grenzbereich zu den leichten Fällen des Nachweises von vier Kriterien. 

Demgegenüber müssen bei einem Unfall im eigentlich mittleren Bereich 

 - 17 - 

 

 

 

drei Kriterien ausreichen (Urteil des Bundesgerichts 8C_897/2009 vom 

29. Januar 2010 E. 4.5; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_476/2010 

vom 7. September 2010 E. 2.4 mit Hinweisen). 

 

6.3. 

6.3.1. 

Wie die Beschwerdegegnerin richtigerweise ausgeführt hat (vgl. Ein-

spracheentscheid vom 4. November 2022 in VB 605 S. 43), werden Stürze 

aus einer Höhe zwischen zwei und vier Metern (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_596/2022 vom 11. Januar 2023 E. 4.4.1), sowie Kollisionen zwi-

schen Motorfahrzeugen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_627/2019 

vom 10. März 2020 E. 5.3.3 und 8C_518/2019 vom 19. Februar 2020) als 

mittlere Unfälle im mittleren Bereich qualifiziert. So wurde die Kollision ei-

nes Autofahrers mit einem anderen Personenwagen mit 60 bis 70 km/h und 

dessen mehrfache Überschlagung auf das Dach als mittlerer Unfall im mitt-

leren Bereich beurteilt (Urteil des Bundesgerichts 8C_598/2020 vom 3. De-

zember 2020 E. 9.2.2). Einfache Auffahrkollisionen (vgl. statt vieler Urteil 

des Bundesgerichts 8C_571/2011 vom 23. Dezember 2011 E. 6.1 mit Hin-

weis) sowie Fahrradunfälle (vgl. 8C_451/2011 vom 18. August 2011 E. 2.4; 

8C_768/2008 vom 3. Juni 2009 E. 4.1 und 8C_390/2010 vom 20. Juni 2010 

E. 2.3) gelten demgegenüber als mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu 

den leichten. So wurde der Sturz mit dem Fahrrad auf den Kopf auf einer 

vereisten Strasse als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten 

Unfällen qualifiziert (Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2017 vom 26. Feb-

ruar 2018 E. 3.6.). Mit Blick auf die hiervor dargelegte Rechtsprechung hat 

die Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 14. Juli 2015, bei welchem der 

Beschwerdeführer mit einem Trottinett ohne Kollision mit einem anderen 

Fahrzeug in einen 1.5 m tiefen Entwässerungsschacht stürzte (vgl. E. 1), 

zu Recht als mittleren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen ein-

gestuft (vgl. VB 605 S. 43). Somit müssten zur Bejahung eines adäquaten 

Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den psychischen Be-

schwerden vier Kriterien oder eines der Kriterien in besonders ausgepräg-

ter oder auffallender Weise erfüllt sein. 

 

6.3.2. 

Betreffend das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände 

oder einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles ist zunächst darauf 

hinzuweisen, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse 

Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für die Bejahung dieses 

Kriteriums ausreichen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_212/2019 vom 

21. August 2019 E. 4.3.3). Diesem Kriterium kann bei Verlust des Bewusst-

seins, welcher hier vorgelegen hat (vgl. Arztbericht des Kantonsspital K. 

vom 19. Juli 2015 in VB 8 S. 3 und Ausrückbericht vom 11. August 2015 in 

VB 13 S. 3), zudem nicht die gleiche Bedeutung zugemessen werden, wie 

wenn eine ungetrübte Erinnerung an den Unfall und die damit verbundenen 

 - 18 - 

 

 

 

Begleitumstände gegeben wäre. Diese Auffassung wurde vom Bundesge-

richt mehrfach bestätigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_15/2013 vom 

24. Mai 2013 E. 7.3.2; 8C_721/2011 vom 11. November 2011 E. 5.1). Da 

sonst kein Anhaltspunkt auf eine besondere Eindrücklichkeit hinweist, ist 

dieses Kriterium nicht erfüllt. 

 

Die Verletzungen, welche sich der Beschwerdeführer beim Unfall vom 

14. Juli 2015 zuzog (vgl. Diagnosen in E. 4.1), sind zwar geeignet, das Kri-

terium der Schwere oder besonderen Art der Verletzung zu erfüllen. So hat 

der Beschwerdeführer Frakturen an der Halswirbelsäule sowie am Hand-

gelenk und am Vorfuss erlitten (vgl. VB 508 S. 44 f.; E. 4.1) und wurde am 

Unfalltag per Helikopter ins Spital transportiert (vgl. Gutachten der Klinik C. 

in VB 70 S. 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_208/2014 vom 17. Oktober 

2014 E. 4.3) . Dieses ist jedoch nicht in besonders ausgeprägter oder auf-

fallender Weise erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2012 vom 

6. November 2012 E. 6.2.3). Den Akten sind ferner keine Anhaltspunkte für 

eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung zu entnehmen. 

 

Was die Kriterien der allfälligen vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

ärztlichen Fehlbehandlung, des schwierigen Heilungsverlaufs und der er-

heblichen Komplikationen angeht (Beschwerde S. 27 f.), so könnten diese 

allenfalls bezüglich der Leberzirrhose und der später notwendig geworde-

nen Lebertransplantation gegeben sein. Diese waren jedoch, wie hiervor 

ausgeführt (E. 5), nicht natürlich kausal zum Unfall. Nicht gegeben sind 

diese Kriterien aber bezüglich der restlichen somatischen Beschwerden. 

Die Prüfung der beiden letzten Kriterien (körperliche) Dauerschmerzen und 

Grad und Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit) kann damit 

offen bleiben, da diese auf jeden Fall nicht in besonders ausgeprägter oder 

auffallender Weise erfüllt wären. Die Beschwerdegegnerin hat einen adä-

quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 14. Juli 

2015 und den psychischen bzw. mit keinem organisch objektivierbaren Kor-

relat zu erklärenden Beschwerden des Beschwerdeführers somit zu Recht 

verneint. 

 

7. 

7.1. 

7.1.1. 

Streitig ist des Weiteren, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

29. Juni 2017 zu Recht nicht über den Rentenanspruch des Beschwerde-

führers verfügt (VB 316) und dies in ihrem Einspracheentscheid vom 4. No-

vember 2022 bestätigt hat (VB 605). 

 

7.1.2. 

Gemäss Rechtsprechung hängen die Einstellung der vorübergehenden 

Leistungen und der Fallabschluss mit Prüfung der Rentenfrage und der In-

 - 19 - 

 

 

 

tegritätsentschädigung derart eng zusammen, dass von einem einheitli-

chen Streitgegenstand auszugehen ist. Als leistungsbestimmende Teilas-

pekte (SVR 2017 UV Nr. 40 S. 138, 8C_43/2017 E. 2.3.1) sind sie daher 

zusammen zu beurteilen (BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 114 mit Hinweisen; vgl. 

auch SVR 2016 AHV Nr. 6 S. 19, 9C_827/2015 E. 3). Die Frage des Ren-

tenanspruchs kann – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin in 

den Ziffern 13 und 16 der Vernehmlassung vom 22. Februar 2023 – nicht 

gesondert in Rechtskraft erwachsen, weil das Entstehen des Anspruchs 

auf eine Rente der Unfallversicherung unter anderem auch vom Zeitpunkt 

des Eintritts des medizinisch-therapeutischen Endzustandes abhängig ist. 

Denn zum Anfechtungsgegenstand gehören nicht nur diejenigen Rechts-

verhältnisse, über welche die Verwaltung tatsächlich eine Anordnung ge-

troffen hat. Vielmehr bilden auch jene Rechtsverhältnisse Teil des Verfah-

rensgegenstandes, hinsichtlich deren es die Verwaltung zu Unrecht – in 

Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes sowie des Prinzips der Rechts-

anwendung von Amtes wegen – unterlassen hat zu befinden, obwohl dazu 

nach der Aktenlage oder den Parteivorbringen hinreichender Anlass be-

standen hätte (BGE 144 V 354 E. 4.2 S. 356 ff. mit Hinweisen). 

 

7.1.3. 

Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Unrecht nicht über den Rentenan-

spruch verfügt, weshalb dieser vorliegend zu prüfen ist. 

 

7.2. 

Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid 

(Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der 

Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 

Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit 

dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG; 

vgl. BGE 130 V 343 E. 3.3 S. 347 f.). 

 

7.3. 

Für die obligatorische Unfallversicherung besteht keine Leistungspflicht für 

vorbestehende oder nach dem Unfall aufgetretene Krankheiten, auf welche 

der Unfall keinen Einfluss ausgeübt hat (Urteil des Bundesgerichts 

8C_633/2020 vom 25 März 2021 E. 6.1 und 6.2 mit weiteren Hinweisen). 

Massgebend ist nicht das Unfalldatum, sondern der Zeitpunkt der Entste-

hung des Rentenanspruchs (Urteil des Bundesgerichts 8C_633/2020 vom 

25. März 2021 E. 6.1, mit Verweis auf das Urteil des Eidgenössischen Ver-

sicherungsgerichts U 97/06 vom 24. November 2006 E. 4.3). 

 

7.4. 

Ein allfälliger Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung wäre 

vorliegend frühestens im Mai 2017 entstanden (vgl. Verfügung vom 

29. Juni 2017 in VB 316 und Einspracheentscheid vom 4. November 2022 

in VB 605 S. 28). Zu diesem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer bereits 

 - 20 - 

 

 

 

krankheitshalber voll erwerbsunfähig und bezog eine ganze Rente der In-

validenversicherung (vgl. Verfügung vom 31. Januar 2018 in BB 9 mit der 

die IV-Stelle des Kantons Aargau dem Beschwerdeführer angesichts des 

Invaliditätsgrads von 100 % aufgrund der Leberzirrhose, welche nicht un-

fallkausal ist (vgl. E. 5), ab März 2017 eine ganze Invalidenrente gewährte). 

Somit konnte die unfallbedingte Einschränkung im frühesten Zeitpunkt der 

unfallversicherungsrechtlichen Rentenprüfung (Mai 2017) nach der Recht-

sprechung keinen Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung 

mehr begründen, denn das Valideneinkommen wäre im massgebenden 

Zeitpunkt angesichts der Verfügung der IV-Stelle mit Fr. 0.00 festzusetzen, 

so dass ungeachtet der Bemessung des Invalideneinkommens kein ren-

tenbegründender Invaliditätsgrad resultieren kann (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 8C_633/2020 vom 25. März 2021 E. 6.1 und 6.2). 

 

8. 

8.1. 

Gemäss Art. 24 UVG hat die versicherte Person, die durch den Unfall eine 

dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychi-

schen Integrität erleidet, Anspruch auf eine angemessene Integritätsent-

schädigung (Abs. 1). 

 

8.2. 

Die Schätzung des Integritätsschadens ist eine ärztliche Aufgabe (PHILIPP 

PORTWICH, Die Integritätsentschädigung für psychische Unfallfolgen nach 

dem schweizerischen Bundesgesetz über die Unfallversicherung: Grundla-

gen und Hinweise für die gutachterliche Praxis, SZS 53/2009 S. 344). Die 

Schwere des Integritätsschadens beurteilt sich ausschliesslich nach dem 

medizinischen Befund. Bei gleichem medizinischen Befund ist der Integri-

tätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär be-

messen (RUMO-JUNGO/HOLZER, Schweizerisches Unfallversicherungs-

recht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, S. 166 mit Hinweisen). 

 

8.3. 

Der Beschwerdeführer bringt weder etwas gegen die Ausführungen von 

Dr. med. E., wonach aus neurologischer Sicht kein Integritätsschaden be-

stehen würde, noch etwas gegen die Ausführungen von Dr. med. F., wo-

nach aus orthopädisch-traumatologischer Sicht ein Integritätsschaden in 

der Höhe von 15 % vorliegt (vgl. E. 4.1), vor. Letzteren hat der Beschwer-

deführer gar explizit anerkannt (vgl. E-Mail des Rechtsvertreters des Be-

schwerdeführers vom 12. Februar 2020 in VB 533) und die entsprechende 

Entschädigung wurde unbestrittenermassen ausbezahlt. Ein entschädi-

gungspflichtiger Integritätsschaden aufgrund der gastroenterologischen 

oder psychischen Beschwerden ist, wie auch der Rentenanspruch, zwar 

Gegenstand dieses Verfahrens (vgl. E. 7.1.2). Ein solcher besteht jedoch 

mangels natürlichen bzw. adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen 

 - 21 - 

 

 

 

diesen Beschwerden des Beschwerdeführers und dem Unfallereignis (vgl. 

E. 5) nicht. 

 

9. 

Die über den 15. Mai 2017 hinaus persistierenden gastroenterologischen 

und psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers stehen nicht in ei-

nem natürlich- bzw. adäquat-kausalen Zusammenhang zum Unfallereignis 

vom 14. Juli 2015 (vgl. E. 5). Da der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des 

Fallabschlusses bereits krankheitshalber voll erwerbsunfähig war und eine 

ganze Rente der Invalidenversicherung bezog, besteht zudem kein An-

spruch auf eine Invalidenrente (vgl. E. 7.4). Eine Integritätsentschädigung 

wurde bereits ausbezahlt und ist diesbezüglich unbestritten (vgl. E 8.3). 

Gemäss den Ausführungen der Beschwerdegegnerin, worauf diese zu be-

haften ist, werden die bereits erbrachten Versicherungsleistungen des Wei-

teren nicht zurückgefordert (Einspracheentscheid vom 4. November 2022 

in VB 605 S. 16; vgl. auch Vernehmlassung vom 22. Februar 2023 S. 3). 

Die Frage der Versicherungsdeckung kann somit, wie hiervor bereits er-

wähnt (E. 2), offen bleiben. 

 

10. 

Der Beschwerdeführer verlangt des Weiteren die Erstattung des privat ein-

geholten Gutachtens (Rechtsbegehren Ziffer 6). Unter dem Titel Parteient-

schädigung sind auch die notwendigen Kosten privat eingeholter Berichte 

bzw. Gutachten zu vergüten, soweit diese für die Entscheidfindung uner-

lässlich waren (Art. 45 Abs. 1 ATSG; BGE 115 V 62 E. 5c; Urteil 

8C_11/2022 vom 18. März 2022 E. 12). Es wurde vorliegend vollständig 

auf das MEDAS-Gutachten vom 23. September 2019 und die später ein-

geholten Ergänzungsgutachten vom 18. Dezember 2019 und 26. Mai 2021 

abgestellt. Die Einholung des privaten Gutachtens war für die Beurteilung 

somit nicht erforderlich, weshalb von einer Erstattung der Kosten abgese-

hen wird. 

 

11. 

11.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin den Fall mit Ein-

spracheentscheid vom 4. November 2022 zu Recht per 15. Mai 2017 ab-

geschlossen. Der Beschwerdeführer hat sodann weder einen Anspruch auf 

eine Invalidenrente noch auf eine über die bereits vergüteten 15 % hinaus 

gehende Integritätsentschädigung . Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

 

11.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

 - 22 - 

 

 

 

11.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

 - 23 - 

 

 

 

Aarau, 29. Juni 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

 

Kathriner     Reisinger