# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6afa4a91-7f40-5148-ab87-a1ca22479901
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-28
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 28.07.2015 470 15 122 (470 2015 122)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_470-15-122_2015-07-28.pdf

## Full Text

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

28. Juli 2015 (470 15 122) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Strafprozessrecht 

 

Antrag auf vorzeitigen Strafvollzug 

 

 

Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Peter Tobler (Ref.), Richter Edgar 

Schürmann; Gerichtsschreiber i.V. Basil Frey 

 

 

Parteien A.____, 

vertreten durch Rechtsanwalt Dominic Nellen, Marktgasse 15, 

3000 Bern,  

Beschwerdeführer 

  

 

gegen 

 

 

 Strafgericht Basel-Landschaft, Grenzacherstrasse 8, 

4132 Muttenz,  

Beschwerdegegner 

 

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei-

lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Beschwerdegegnerin 

 

 

Gegenstand Antrag auf vorzeitigen Strafvollzug 

Beschwerde gegen die Verfügung des Strafgerichtspräsidiums vom 

27. Mai 2015 

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A. Mit Eingabe vom 24. April 2015 stellte A.____ beim Strafgericht Basel-Landschaft ein 

Gesuch um vorzeitigen Strafantritt. In ihrer Stellungnahme vom 5. Mai 2015 erhob die Staats-

anwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) keine Einwände gegen eine 

allfällige Bewilligung. Der Straf- und Massnahmenvollzug Basel-Landschaft erklärte in seiner 

Stellungnahme vom 12. Mai 2015, dass eine Versetzung von A.____ in die Vollzugsabteilung 

innert kurzer Zeit möglich sei. Mit Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts Basel-

Landschaft vom 27. Mai 2015 wurde der Antrag von A.____ auf Bewilligung des vorzeitigen 

Strafvollzuges jedoch abgewiesen.  

 

Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachfolgend aufgeführten Parteianträge wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

 

B. Gegen obgenannte Verfügung erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Dominic 

Nellen, mit Eingabe vom 28. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, 

Abteilung Strafrecht, und beantragte, (1.) es sei die Verfügung aufzuheben und der vorzeitige 

Strafantritt zu gewähren, (2.) eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und zur neuen Beurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen, (3.) für das vorliegende Beschwerdeverfahren sei 

Rechtsanwalt Dominic Nellen als amtlicher Verteidiger beizuordnen, (4.) eventualiter sei für das 

Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Beiordnung von 

Rechtsanwalt Dominic Nellen als amtlicher Anwalt, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

C. In ihren Stellungnahmen vom 1. und 2. Juni 2015 begehrten der Straf- und Massnah-

menvollzug Basel-Landschaft sowie die Staatsanwaltschaft die Abweisung der Beschwerde. 

 

D. Auch der Strafgerichtspräsident beantragte in seiner Stellungnahme vom 8. Juni 2015, 

(1.) die Beschwerde sei abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden könne, (2.) unter o/e-

Kostenfolge. 

 

E. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 14. Juli 2015 wurde A.____ zu einer 

Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt und die am 19. Dezember 2012 vom kantonalen Jugend-

gericht Bern bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 10 Monaten, abzüglich 41 Tage Un-

tersuchungshaft, für vollziehbar erklärt. Weiter wurde mit Beschluss desselben Gerichts und 

Datums die Sicherheitshaft von A.____ um weitere 3 Monate bis zum 14. Oktober 2015 verlän-

gert. 

 

Erwägungen 

1. Formelles 

Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Strafprozessordnung 

(StPO, SR 312.0) zulässig gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie Verfahrenshandlungen 

der erstinstanzlichen Gerichte; ausgenommen sind verfahrensleitende Entscheide. Gemäss 

Lehre müssen die Entscheide, gegen welche die Beschwerde in Anwendung dieser Bestim-

mung ausgeschlossen ist, restriktiv definiert werden. Das Bundesgericht geht deshalb davon 

aus, dass verfahrensleitende Entscheide, die einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil ver-

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ursachen, mittels Beschwerde anfechtbar sind (BGer 1B_569/2011 E.2 = Pra 2012 Nr. 68, 

S. 466 f.; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 393 N 13). NIKLAUS 

SCHMID (Praxiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 393 N 12 f.) unterscheidet in diesem Zu-

sammenhang zwischen formell-prozessleitenden Verfügungen, die sich allein mit dem Verfah-

rensablauf befassen, und materiell-prozessleitenden Entscheiden, die direkt Interessen und 

Rechte Verfahrensbeteiligter tangieren (NIKLAUS SCHMID, a.a.O.). Der Strafgerichtspräsident 

macht in seiner Stellungnahme vom 8. Juni 2015 geltend, dem Beschwerdeführer sei durch die 

Verweigerung des vorzeitigen Strafvollzugs kein konkreter rechtlicher Nachteil entstanden, 

weshalb auf eine Rechtsmittelbelehrung in der Verfügung vom 27. Mai 2015 verzichtet worden 

und auf die vorliegende Beschwerde nicht einzutreten sei. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt 

werden: Die Lebensbedingungen im Strafvollzug sind regelmässig vorteilhafter als in der Si-

cherheitshaft (MATTHIAS HÄRRI, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 236 N 6), weshalb 

die Ablehnung des vorzeitigen Vollzuges zu einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil führt. 

MARKUS HUG und ALEXANDRA SCHEIDEGGER (Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 236 

N 17) halten denn auch explizit fest, dass gegen Entscheide betreffend die Verweigerung des 

vorzeitigen Vollzuges die Beschwerde nach Art. 393 ff. StPO und anschliessend die Beschwer-

de in Strafsachen ans Bundesgericht möglich sind (MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, 

a.a.O.). Die Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts vom 27. Mai 2015 bildet somit ein 

taugliches Beschwerdeobjekt.  

 

Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, die falsche Feststellung des Sach-

verhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel des an-

gefochtenen Entscheids geltend gemacht werden können, verfügt die Rechtsmittelinstanz über 

volle Kognition (PATRICK GUIDON, a.a.O., N 15). Die Beschwerdefrist gegen schriftlich oder 

mündlich eröffnete Entscheide beträgt zehn Tage, wobei die Beschwerde schriftlich und be-

gründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit Eingabe vom 

28. Mai 2015 wurde die Rechtsmittelfrist gewahrt sowie die Begründungspflicht wahrgenom-

men.  

 

Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der 

Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Verfügung hat, zur Beschwerde legitimiert. Als 

beschuldigte Person und Adressat der angefochtenen Verfügung ist der Beschwerdeführer un-

mittelbar in seinen Rechten betroffen und somit beschwert. Sein Rechtsschutzinteresse ist im-

mer noch aktuell, da die Sicherheitshaft mit Beschluss des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 

14. Juli 2015 um weitere 3 Monate bis zum 14. Oktober 2015 verlängert wurde. Die Zuständig-

keit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Be-

schwerdeinstanz ist gemäss § 15 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf-

prozessordnung (EG StPO, SGS 250) ebenfalls gegeben.  

 

Aus den genannten Gründen ist auf die Beschwerde einzutreten. 

  

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2. Materielles 

2.1 In der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2015 begründet der Strafgerichtspräsi-

dent die Verweigerung des vorzeitigen Strafvollzuges im Wesentlichen damit, dass das Gericht 

im Rahmen der am 13. und 14. Juli 2015 stattfindenden Hauptverhandlung über eine allfällige 

Strafe oder Massnahme entscheiden werde. Die Bewilligung des vorzeitigen Strafvollzuges 

durch die Verfahrensleitung könne für das Gericht eine präjudizielle Wirkung haben, welche im 

Vorfeld der Verhandlung gestützt auf Art. 10 Abs. 2 StPO zu vermeiden sei.  

 

2.2 Demgegenüber führt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 28. Mai 2015 

aus, die Strafuntersuchung sei in casu abgeschlossen, Anklage bereits erhoben worden und 

der Termin der Hauptverhandlung stehe fest. Die wesentlichen Beweise seien erhoben und der 

Beschwerdeführer sei geständig. Es liege keine Kollusionsgefahr vor und der Stand des Verfah-

rens erlaube – unbestrittenermassen – die Gewährung des vorzeitigen Strafantritts. Der Be-

schwerdeführer erkenne in der von der Vorinstanz genannten Gesetzesbestimmung zur Be-

weiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) kein Hindernis für die Gewährung des vorzeitigen Strafan-

tritts. Es sei selbstverständlich, dass das erstinstanzliche Gericht die Beweise frei würdige. Ob 

der Beschwerdeführer aus einem Gefängnis mit Untersuchungs- resp. Sicherheitshaftregime 

oder einem Vollzugsgefängnis der Hauptverhandlung zugeführt werde, habe für das urteilende 

erstinstanzliche Gericht und dessen Beweiswürdigung überhaupt keine Relevanz. Würde der 

vorinstanzlichen Argumentation gefolgt, verkäme das Institut des vorzeitigen Strafantritts zur 

reinen Theorie: Jedes Gesuch um vorzeitigen Strafantritt könnte (und müsste) vor Durchführung 

der erstinstanzlichen Hauptverhandlung – und sogar noch danach – unter Hinweis auf eine prä-

judizielle Wirkung abgewiesen werden. Der Grundrechtseingriff durch Haft wäre für den Be-

schwerdeführer bedeutend geringer, wenn er bereits zum jetzigen Zeitpunkt in eine Vollzugsan-

stalt oder -abteilung verlegt würde. Es könne dem Beschwerdeführer nicht zugemutet werden, 

für längere Zeit noch in Sicherheitshaft – und damit in einem strengen Haftregime praktisch oh-

ne Aussenkontakte und Beschäftigungsmöglichkeiten – zu verbleiben, wenn zugleich Haft im 

Vollzugsregime angezeigt und durchführbar wäre. Der Grundsatz, dass Grundrechte nur soweit 

eingeschränkt werden dürften, wie es notwendig sei, ergebe sich aus Art. 36 Abs. 3 BV und für 

die Sicherheitshaft explizit aus Art. 235 Abs. 1 StPO. Indem die Vorinstanz den vorzeitigen 

Strafantritt trotz Vorliegens der gesetzlichen Voraussetzungen verweigere, verstosse sie gegen 

Grundrechte des Beschwerdeführers (Art. 7, 10, 14, 17, 36 Abs. 3 BV) und Art. 235 Abs. 1 

StPO. Ferner verletze die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers in der ange-

fochtenen Verfügung gleich in mehrfacher Weise, indem sie unter anderem nicht auf die im Ge-

such um vorzeitigen Strafantritt vorgebrachten Argumente eingehe, die beiden Stellungnahmen 

der Staatsanwaltschaft sowie des Straf- und Massnahmenvollzugs Basel-Landschaft unbeach-

tet lasse, jegliche Ausführungen zur Kollusionsgefahr unterlasse und auch sonst der Begrün-

dungspflicht nicht nachkomme (vgl. S. 4-7 der Beschwerde). 

 

2.3 Mit Stellungnahme vom 8. Juni 2015 bringt der Strafgerichtspräsident zusammenfas-

send vor, der zuständigen Verfahrensleitung komme für die Gewährung des vorzeitigen Straf- 

oder Massnahmenvollzuges aufgrund der Kann-Vorschrift in Art. 236 StPO ein relativ grosses 

Ermessen zu. Dies führe unter anderem dazu, dass der Antragsteller grundsätzlich kein An-

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spruch auf Gewährung des vorzeitigen Straf- und Massnahmenvollzuges habe. In der Verfü-

gung vom 27. Mai 2015 sei bewusst auf Ausführungen zur Kollusionsgefahr verzichtet worden, 

da das Vorliegen von Kollusionsgefahr nicht zwingend vorausgesetzt werde, um die Ablehnung 

des vorzeitigen Strafantritts zu rechtfertigen, weshalb auch weiterhin offen gelassen werde, ob 

eine Kollusionsgefahr bestehe oder nicht. Im Hauptverfahren werde dem gerichtlichen Ent-

scheid über eine allfällig auszufällende Strafe oder Massnahme eine grosse Bedeutung zu-

kommen. Eine vorzeitige Anordnung des Strafvollzuges präjudiziere faktisch diesen Entscheid 

des Sachgerichts. Deshalb solle ausser in dringenden Fällen davon abgesehen werden, diese 

Entscheidung kurz vor der anstehenden Hauptverhandlung vorwegzunehmen. Dringlichkeit 

könne sich beispielsweise durch die möglichst rasche Behandlung einer Suchtproblematik er-

geben. Im vorzeitigen Strafvollzug hingegen würden den Beschwerdeführer, anders als beim 

vorzeitigen Massnahmenantritt, keine speziellen Therapien oder Behandlungen erwarten, aber 

im Vergleich zur Sicherheitshaft würde sich das Vollzugsregime lockern. Dies führe jedoch un-

ter Verweis auf BGer 1B_113/2008 vom 22. Mai 2008 nicht zu einer Dringlichkeit, welche einen 

sofortigen Entscheid über den vorzeitigen Strafantritt notwendig erscheinen lasse (vgl. S 3-5 der 

Stellungnahme).  

 

2.4 Der Straf- und Massnahmenvollzug Basel-Landschaft erklärt in seiner Stellungnahme 

vom 1. Juni 2015, dass gemäss gutachterlicher Einschätzung eine Freiheitsstrafe nicht ausrei-

che, um das Rückfallrisiko zu senken und daher eine stationäre Massnahme für junge Erwach-

sene empfohlen werde. Eine Bewilligung für den vorzeitigen Strafvollzug könne sich sodann 

ungünstig auf die Motivation des Beschwerdeführers zu einem Massnahmenantritt auswirken.  

 

2.5 Auch die Staatsanwaltschaft erwähnt in ihrer Stellungnahme vom 2. Juni 2015, dass 

ein vorzeitiger Strafvollzug im Widerspruch zur empfohlenen Massnahme stehe, welche selbst 

gegen den Willen des Beschwerdeführers nicht undurchführbar sei. 

 

2.6 Gemäss Art. 236 Abs. 1 StPO kann die Verfahrensleitung der beschuldigten Person 

bewilligen, Freiheitsstrafen oder freiheitsentziehende Massnahmen vorzeitig anzutreten, sofern 

der Stand des Verfahrens es erlaubt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte 

Kann-Vorschrift, weshalb der zuständigen Behörde ein relativ grosses Ermessen eingeräumt 

wird. Indessen ist der vorzeitige Vollzug mit zahlreichen Vorteilen verbunden, sodass eine zu 

restriktive Praxis mit Art. 236 StGB nicht vereinbar wäre. Je nach Sachlage besteht daher ein 

Anspruch auf Gewährung des vorzeitigen Vollzugs (MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, 

a.a.O., N 12). Sofern die Voraussetzungen für den vorzeitigen Vollzug gegeben sind, ist dieser 

demnach zu bewilligen und der Ermessensspielraum nur noch gering. Als einzige Vor-

aussetzung nennt das Gesetz, wie bereits erwähnt, dass der Verfahrensstand den Sanktionsan-

tritt erlaubt. Dies bedeutet, dass die Untersuchungshandlungen weitgehend abgeschlossen sind 

und der Beschuldigte, beispielsweise für Einvernahmen, nicht mehr ständig zur Verfügung zu 

stehen hat (NIKLAUS SCHMID, a.a.O., Art. 236 N 2). Weiter ist vorausgesetzt, dass keine wesent-

liche Kollusionsgefahr mehr besteht. Präzisier formuliert, darf die Kollusionsgefahr nicht derart 

hoch sein, dass mit der Gewährung des vorzeitigen Strafantritts der Haftzweck und die Ziele 

des Strafverfahrens gefährdet würden (MATTHIAS HÄRRI, a.a.O., N 18). Ein Geständnis des Be-

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schuldigten bildet allerdings keine Voraussetzung. Dessen Fehlen ist jedoch in Bezug auf die 

Beurteilung der Kollusionsgefahr zu berücksichtigen (MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, 

a.a.O., N 10). 

 

2.7 Im vorliegend zu beurteilenden Fall erhob die Staatsanwaltschaft am 1. April 2015 An-

klage gegen den Beschwerdeführer. Das Untersuchungsverfahren war demzufolge bereits vor 

dem Gesuch um vorzeitigen Strafantritt vom 24. April 2015 abgeschlossen. Der Beschwerde-

führer ist über weite Strecken geständig. Soweit aus den Akten ersichtlich, hat er bis anhin nie 

Kollusionshandlungen vorgenommen. Diesbezüglich wird vom Präsidenten des Strafgerichts 

auch nichts vorgebracht. Ein weiteres gewichtiges Indiz für die fehlende Kollusionsgefahr bildet 

die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft vom 5. Mai 2015 zum Gesuch des Beschwerdefüh-

rers, in der sie keinerlei Einwände gegen eine allfällige Bewilligung des vorzeitigen Strafvollzugs 

erhebt. Auch das Zwangsmassnahmengericht hat es in seinem Entscheid vom 9. April 2015 in 

Erwägung 2.2 als höchst fraglich angesehen, ob der Haftgrund der Kollusionsgefahr gegeben 

ist. Im Ergebnis ist daher davon auszugehen, dass im Zeitpunkt des Gesuchs des Beschwerde-

führers bzw. im Zeitpunkt der ablehnenden Verfügung des Strafgerichtspräsidenten keine derart 

hohe Kollusionsgefahr bestand, die den Haftzweck und die Ziele des Strafverfahrens gefährdet 

hätte und somit alle Voraussetzungen für einen vorzeitigen Strafantritt vorlagen. 

 

2.8 Demgegenüber vermag das von der Vorinstanz aufgeführte Argument, die Bewilligung 

des vorzeitigen Strafvollzuges habe eine präjudizielle Wirkung auf das Sachgericht, nicht zu 

überzeugen: Der Spruchkörper darf und wird sich bei Beachtung des verfassungsmässigen 

Prinzips der richterlichen Unabhängigkeit nicht von einem diesbezüglichen Entscheid der Ver-

fahrensleitung beeinflussen lassen. Würde man den Aspekt der präjudiziellen Wirkung gelten 

lassen, dürften praktisch keine Anträge auf Bewilligung des vorzeitigen Strafvollzuges gutge-

heissen werden, was offensichtlich nicht dem Sinn und Zweck von Art. 236 Abs. 1 StPO ent-

spricht. Wie der Beschwerdeführer richtig ausführt, macht es für die Entscheidungsfindung kei-

nen Unterschied, ob der Beschwerdeführer aus der Sicherheitshaft oder aus dem Strafvollzug 

an die Hauptverhandlung kommt. Der Strafgerichtspräsident hat sich mit der Ablehnung des 

Gesuchs auch über die Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft und des Straf- und Massnah-

menvollzuges Basel-Landschaft hinweggesetzt, welche damals beide keine Problematik mit 

einer allfälligen präjudiziellen Wirkung sahen, ohne sich in der angefochtenen Verfügung damit 

materiell auseinanderzusetzen. Der Strafgerichtspräsident beruft sich dabei, laut seiner Stel-

lungnahme zur Beschwerde, auf ein Urteil des Bundesgerichts, welches bei nicht vorhandener 

Dringlichkeit die Verweigerung eines vorzeitigen Massnahmenvollzugs aufgrund einer befürch-

teten präjudiziellen Wirkung stützte (BGer 1B_113/2008 vom 22. Mai 2008 E. 2.2 und 2.5). In 

einem neueren Leitentscheid (BGE 136 IV 70) nahm das Bundesgericht jedoch in Erwähnung 

des genannten Urteils deutlich Abstand von dieser Rechtsprechung. Es führt darin aus, dass 

der Auffassung, mit dem vorzeitigen Massnahmenantritt werde der Entscheid des Sachgerichts 

präjudiziert und der vorzeitige Massnahmenantritt sei deshalb nur in dringenden Fällen zuzulas-

sen, nicht gefolgt werden könne. Werde der vorzeitige Massnahmenantritt bewilligt, binde dies 

den Sachrichter in rechtlicher Hinsicht nicht. Er bleibe frei, die vorzeitig angetretene Massnah-

me definitiv oder eine andere Massnahme anzuordnen oder auf eine solche gänzlich zu ver-

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zichten. Der vorzeitige Massnahmenantritt binde den Sachrichter auch faktisch nicht so, dass er 

die vorzeitig angetretene Massnahme nur noch bestätigen könne (BGE 136 IV 70 E. 2.4). Die 

Ausführungen des Bundesgerichts müssen auch für den im vorliegenden Fall in Frage stehen-

den vorzeitigen Strafantritt gelten.  

 

Allenfalls könnte aufgrund praktischer Überlegungen ein vorzeitiger Straf- oder Massnahmen-

vollzug verweigert werden, wenn die Hauptverhandlung unmittelbar bevorsteht und deshalb der 

Wechsel in den Vollzug einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten würde. In casu lehnte 

der Strafgerichtspräsident am 27. Mai 2015 knapp 7 Wochen vor der Hauptverhandlung vom 

13. und 14. Juli 2015 das Gesuch des Beschwerdeführers ab. Im Hinblick auf die einschnei-

dende Wirkung, welche die Sicherheitshaft auf den Beschwerdeführer hat, erscheint diese Zeit-

spanne jedoch zu lange, um lediglich aus praktischen Gründen ein Gesuch trotz Vorliegen aller 

sonstigen Voraussetzungen abzuweisen, zumal der Straf- und Massnahmenvollzug Basel-

Landschaft in seiner Stellungnahme zum Gesuch ausdrücklich erklärte, dass eine Versetzung in 

die Vollzugsabteilung innert kurzer Zeit möglich sei. 

 

2.9 In Anbetracht der oben ausgeführten Erwägungen ist die Beschwerde somit gutzuheis-

sen, die Verfügung des Strafgerichtspräsidenten vom 27. Mai 2015 aufzuheben und dem Be-

schwerdeführer den Antritt des vorzeitigen Strafvollzugs zu bewilligen. Das Strafgericht Basel-

Landschaft wird als verfahrensleitende Behörde angewiesen, den Antritt des vorzeitigen Voll-

zugs in Zusammenarbeit mit dem Straf- und Massnahmenvollzug Basel-Landschaft unverzüg-

lich in die Wege zu leiten. Dieses Ergebnis drängt sich im Übrigen erst recht im heutigen Zeit-

punkt, d.h. 2 Wochen nach der Hauptverhandlung vom 13. und 14. Juli 2015 auf, in der das 

Strafgericht eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren gegen den Beschwerdeführer verhängte und die 

am 19. Dezember 2012 vom kantonalen Jugendgericht Bern bedingt ausgesprochene Frei-

heitsstrafe von 10 Monaten für vollziehbar erklärte. Spätestens jetzt besteht ganz offenkundig 

keinerlei Anlass für allfällige Befürchtungen in Bezug auf eine präjudizielle Wirkung der Bewilli-

gung des vorzeitigen Strafvollzugs mehr. 

 

3. Kosten 

Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, nach Art. 428 Abs. 1 StPO die ordentlichen 

Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von Fr. 1‘100.--, bestehend aus einer Gerichts-

gebühr von Fr. 1‘000.-- sowie Auslagen von Fr. 100.--, dem Staat aufzuerlegen. Zufolge Bewilli-

gung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsan-

walt Dominic Nellen, ein Honorar von Fr. 1‘200.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich 8 % Mehrwert-

steuer von Fr. 96.--, somit total Fr. 1‘296.--, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 

  

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Demnach wird erkannt: 

 

://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung des Präsidenten 

des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 27. Mai 2015 aufgehoben. 

Dem Beschwerdeführer wird der Antritt des vorzeitigen Strafvollzugs 

bewilligt. 

 

 2. Das Strafgericht Basel-Landschaft wird als verfahrensleitende Behör-

de angewiesen, den Antritt des vorzeitigen Strafvollzugs in Zusam-

menarbeit mit dem Straf- und Massnahmenvollzug Basel-Landschaft 

unverzüglich in die Wege zu leiten. 

 

 3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von Fr. 1‘100.--, 

bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.-- sowie Auslagen 

von Fr. 100.--, gehen zu Lasten des Staates. 

 

 4. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver-

treter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Dominic Nellen, für das 

Beschwerdeverfahren ein Honorar von Fr. 1‘200.-- (inklusive Ausla-

gen) zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer von Fr. 96.--, somit total Fr. 

1‘296.--, ausgerichtet. 

 

 

Präsident 

 

 

 

Dieter Eglin 

Gerichtsschreiber i.V. 

 

 

 

Basil Frey 

 

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