# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42a7fb11-2e0b-5cea-9f6a-41f90ccb7632
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.07.2020 D-5748/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5748-2018_2020-07-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5748/2018 

law/fes 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter Gérard Scherrer, 

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl;  

Verfügung des SEM vom 11. September 2018 / N (…). 

 

 

 

D-5748/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer 

Hazara aus dem Dorf B._______ bei C._______ (Distrikt D._______, Pro-

vinz Ghazni), verliess Afghanistan eigenen Angaben zufolge im Juli 2015 

Richtung Iran, von wo er via Türkei, Mazedonien, Serbien und weitere un-

bekannte Länder am 11. September 2015 in die Schweiz einreiste und glei-

chentags um Asyl nachsuchte. 

B.  

Am 22. September 2015 erhob das SEM die Personalien des Beschwer-

deführers und befragte ihn zum Reiseweg und summarisch zu den Grün-

den für das Verlassen des Heimatlandes (Befragung zur Person, BzP). Am 

14. Februar 2017 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer einlässlich 

zu den Asylgründen an und am 22. Februar 2017 fand eine ergänzende 

Anhörung statt. 

Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuches im 

Wesentlichen vor, er habe von 2007 bis 2013 in E._______ (…) studiert. 

Im Jahr 2009 hätten die Taliban den LKW seines Vaters für ein Fahrzeug 

der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) oder der Organisation des 

Nordatlantikvertrags (NATO) gehalten und deshalb eine Autobombe darun-

ter platziert. Sein Vater sei bei der Explosion verstorben. Nach dem Tod 

seines Vaters sei er für kurze Zeit nach Afghanistan zurückgekehrt. Auf-

grund seines damals ausländischen Haarschnittes und weil er keinen Voll-

bart getragen habe, hätten ihn die Taliban schikaniert, ihm die Haare abra-

siert und ihn zusammengeschlagen. Als er im Jahr 2011 erneut kurz nach 

Afghanistan zurückgekehrt sei, sei es wieder zu Problemen mit den Taliban 

gekommen. Sie hätten ihn schikaniert und zusammengeschlagen, weil er 

im Besitz eines Mobiltelefons gewesen sei. Nach seinem Studienabschluss 

im Jahr 2013 sei er definitiv nach Afghanistan zurückgekehrt. Er sei kaum 

aus dem Haus gegangen, weil er befürchtet habe, aufgrund seines gepfleg-

ten Aussehens die Aufmerksamkeit der Taliban auf sich zu lenken und von 

diesen mitgenommen zu werden.  

Am 24./25. Tag des Ramadans (11./12. Juli 2015) seien abends zwei gute 

Freunde zu ihm zu Besuch gekommen. Als er dabei gewesen sei, Tee zu-

zubereiten, hätten seine Freunde auf seinem Laptop eine elektronische Bi-

belausgabe auf Farsi entdeckt. Dies habe eine intensive Diskussion zwi-

schen ihm und seinen Freunden ausgelöst. Er habe seinen Freunden auf-

gezeigt, aus welchen Gründen er sich vom islamischen Glauben abgekehrt 

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Seite 3 

habe. Seine Freunde hätten diesbezüglich kein Verständnis gezeigt und 

ihm damit gedroht, seine Aussagen im Dorf zu verbreiten, sollte er nicht um 

Vergebung bitten. Seine Freunde hätten angegeben, sie hätten die ganze 

Diskussion auf ihrem Mobiltelefon aufgezeichnet. Er habe die Drohungen 

damals nicht ernst genommen und sie aus dem Haus weggeschickt. Am 

nächsten Morgen sei er im Garten gewesen, als seine jüngere Schwester 

ihm mitgeteilt habe, dass sechs bis sieben wichtige Dorfbewohner vor sei-

ner Haustüre stehen würden, um mit ihm zu sprechen. Er habe sofort ge-

wusst, dass seine Freunde diese Dorfbewohner auf ihn gehetzt hätten und 

habe Angst bekommen. Er sei deshalb über die Gartenmauer gesprungen 

und zu seiner Tante väterlicherseits geflohen, welche weit entfernt von ih-

rem Dorf lebe. Der Ehemann seiner Tante habe ihn zu dessen Freund in 

die Nähe von F._______ gebracht. Am nächsten Morgen habe er erfahren, 

dass die Dorfbewohner nicht nur den Mullah der Moschee über seinen Fall 

in Kenntnis gesetzt, sondern auch die Taliban und den (…) (schiitischer 

Religionsrat) über ihn informiert hätten. Am dritten Tag nach seiner Flucht 

habe er mit einer Burka getarnt fliehen können und sei schliesslich Mitte 

Juli über G._______ aus Afghanistan ausgereist. 

Nach der Ausreise hätten die Taliban bei ihm zuhause nach ihm gesucht 

und ein Fahndungsschreiben für ihn in der Moschee ausgehängt. Ein wei-

teres Fahndungsschreiben sei durch den schiitischen Religionsrat ausge-

stellt worden. Seine Mutter sei ausserdem aus Angst vor den Taliban eine 

Zeit lang nach H._______ geflohen. 

In der Schweiz habe er sich am 4. Dezember 2016 taufen lassen. Als sein 

Mitbewohner davon erfahren habe, habe dieser ihn schikaniert und ande-

ren Landsleuten von seiner Konversion erzählt.  

Der Beschwerdeführer reichte einen afghanischen Pass, eine (…) Aufent-

haltsbewilligung zusammen mit einem Registrierungsformular für Auslän-

der, eine Studienbescheinigung aus E._______, zwei Fahndungsschrei-

ben, seinen Taufschein aus der Schweiz, zwei Fotos von seiner Taufe in 

der Schweiz und ein Schreiben der (…) vom 25. April 2018 ein.  

C.  

Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 11. September 2018 stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht 

und lehnte sein Asylgesuch vom 11. September 2015 ab. Gleichzeitig ver-

fügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz, schob 

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Seite 4 

den Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen 

Aufnahme auf. 

D.  

Mit Eingabe vom 8. Oktober 2018 liess der Beschwerdeführer handelnd 

durch seinen Rechtsvertreter gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefoch-

tene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und 

ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Dispositivziffer 1 aufzuheben 

und festzustellen, dass er infolge subjektiver Nachfluchtgründe die Flücht-

lingseigenschaft erfülle. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem 

beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-

ten und ihm die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung 

zu gewähren. 

Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti-

gung vom 21. September 2018 und eine Honorarnote ein. 

E.  

Mit Verfügung vom 24. Oktober 2018 hiess der zuständige Instruktionsrich-

ter des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung unter dem Vorbe-

halt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des 

Beschwerdeführers gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und ordnete dem Beschwerdeführer den Rechtsvertreter als 

amtlichen Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig gab er dem SEM Gelegenheit, 

zur Beschwerde Stellung zu nehmen. 

F.  

In der Vernehmlassung vom 8. November 2018 beantragte das SEM die 

Abweisung der Beschwerde.  

G.  

Mit Verfügung vom 15. November 2018 wurde dem Beschwerdeführer die 

Gelegenheit gegeben, zur Vernehmlassung Stellung zu nehmen. 

H.  

Mit Replik vom 30. November 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen 

Vorbringen in der Beschwerde fest und reichte eine aktualisierte Honorar-

note ein. 

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Seite 5 

I.  

Mit Schreiben vom 28. April 2020 des Beschwerdeführers an den (…) und 

in Kopie ans Bundesverwaltungsgericht ersuchte er um die Akzeptanz des 

abgelaufenen afghanischen Pass als Identitätsausweis. Eventualiter ersu-

che er um eine Fristerstreckung zur Einreichung der heimatlichen Doku-

mente. Zudem teilte er mit, dass er seit einiger Zeit bemüht sei, über Ver-

wandte vorhandene heimatliche Papiere in die Schweiz bringen zu lassen. 

J.  

Am 28. April 2020 ersuchte er das Gericht um einen möglichst baldigen 

Abschluss des Beschwerdeverfahrens. Er möchte seit längerem seine Ver-

lobte heiraten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

 

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Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr 

gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-

matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-

hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf-

grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden 

kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-

gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-

gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation 

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im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-

ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen 

(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 

Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 

4.  

4.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers seien einerseits nicht glaubhaft und würden 

andererseits der Asylrelevanz entbehren. 

Im Einzelnen führte es aus, dass es dem Beschwerdeführer – ohne auf die 

Glaubhaftigkeit seiner Abkehr vom Islam einzugehen – nicht gelungen sei, 

glaubhaft darzulegen, dass die Dorfbewohner und die Taliban davon erfah-

ren hätten. Dies zumal er die aus der angeblichen Diskussion mit seinen 

Freunden entstandene Bedrohungslage nicht in nachvollziehbarer Weise 

zu schildern vermocht habe. So erstaune zunächst einmal, dass er sich 

seinen Freunden gegenüber überhaupt dermassen kritisch über die islami-

sche Religion geäussert habe. Dies obwohl er selbst gesagt habe, dass er 

nicht einmal seiner Familie davon habe erzählen können (vgl. Akte A15/18 

F64). Warum er diesen Zwang gegenüber seiner Familie nicht verspürt 

habe, habe er damit nicht erklärt. Die Erklärung sei auch vor dem Hinter-

grund, dass er sich der Gefahr einer solchen Diskussion offensichtlich sehr 

wohl bewusst gewesen sei, nicht nachvollziehbar. Hätten seine Freunde 

tatsächlich eine Bibelausgabe auf seinem Laptop entdeckt, wäre vielmehr 

zu erwarten gewesen, dass er das Thema so rasch wie möglich zu been-

den versucht hätte, anstatt in seiner Islamkritik dermassen ins Detail zu 

gehen, wie er es gemäss seinen Angaben getan habe (vgl. Akte A15/18 

F46 f.). Hinzu komme, dass er während der BzP gesagt habe, dass seine 

Freunde die Diskussion mit einem Mobiltelefon aufgezeichnet hätten (vgl. 

Akte A4/15 Ziff. 7.01), während er in der Anhörung plötzlich nicht mehr ge-

wusst habe, was für ein Gerät seine Freunde für die Aufnahme benutzt 

hätten (vgl. Akte A15/18 F57). Erst als er in der ergänzenden Anhörung 

erneut darauf angesprochen worden sei, habe er angegeben, dass es ein 

Mobiltelefon gewesen sei (vgl. Akte A17/9 F27). Nebst diesem Wider-

spruch habe er auch die Frage, woher er überhaupt gewusst habe, dass 

seine Freunde eine Aufnahme gemacht hätten, nicht zu beantworten ver-

mocht. Er habe auch keine Angaben über das Zustandekommen dieser 

Aufnahme machen können. So habe er sich immer wieder ausweichend 

geäussert (vgl. Akte A17/9 [recte: A15/8] F56 und F58) und schliesslich er-

klärt, die Aufnahme gar nie gesehen beziehungsweise gehört zu haben 

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(vgl. Akte A15/18 F59). Diese unsubstantiierten Antworten würden erstau-

nen. Denn hätten seine Freunde ihm tatsächlich mit einer Aufnahme ge-

droht, sei davon auszugehen, dass er hätte erfahren wollen, ob eine solche 

überhaupt existiert und wie seine Freunde diese Aufnahme gemacht hät-

ten. Während er zudem in der BzP angegeben habe, dass zwei bis drei 

Weissbärtige vor seiner Haustür gestanden hätten (vgl. Akte A4/15 

Ziff. 7.01), habe er anlässlich der Anhörung plötzlich von einer Person na-

mens I._______ gesprochen, welche zusammen mit fünf bis sechs ande-

ren wichtigen Dorfbewohnern zu ihm gekommen sei (vgl. Akte A15/18 

F47). Auf diesen Widerspruch angesprochen, habe er angegeben, dass er 

beide Male lediglich geschätzt habe. Da diese Personen jedoch seinen 

Ausreisegrund darstellen würden, wäre zu erwarten gewesen, dass er sich 

bei seiner Schwester genau danach erkundigt hätte, wer vor der Tür ge-

standen habe. Er habe diesen Widerspruch nicht glaubhaft aufzulösen ver-

mocht. Auch die Schilderung seiner Flucht am Folgetag wirke unsubstanti-

iert und widerspreche der allgemeinen Handlungslogik. Auf die Frage nach 

seiner Reaktion, als seine Schwester ihm gesagt habe, dass Dorfbewohner 

vor der Türe stünden, habe er lediglich angegeben, dass er sofort gewusst 

habe, worum es gehe und er habe Angst gehabt (vgl. Akte A15/18 F65). 

Danach habe er seiner Schwester gesagt „okay geh“ und sei über die Gar-

tenmauer gesprungen (vgl. Akte A15/18 F67). Ein solches Verhalten wirke 

äusserst stereotyp und wenig lebensnah. Seine Erklärung, dass er seine 

Schwester und Mutter nicht habe informieren wollen, damit diese nicht un-

ter Druck gesetzt werden könnten (vgl. Akte A15/18 F69), vermöge nicht 

zu überzeugen. Denn selbst wenn nachvollziehbar sei, dass er seiner Fa-

milie seinen genauen Zufluchtsort nicht habe verraten wollen, sei seine 

Schilderung der Ereignisse vage und erscheine realitätsfremd. Eine Per-

son, welche zur Flucht gezwungen werde, befinde sich in einer Ausnahme-

situation. Sie sei voller Emotionen, treffe Massnahmen, um unentdeckt zu 

bleiben, schmiede Pläne und wäge dabei Alternativen ab. Davon sei in sei-

nen Aussagen nicht die Rede. Somit habe er die Ereignisse, die mit der 

vorgebrachten Flucht verbunden gewesen seien, nicht in substantiierter 

und nachvollziehbarer Weise zu schildern vermocht. Obwohl nicht ausge-

schlossen werden könne, dass er sich vom Islam abgewendet habe, er-

scheine die Verfolgung, welche er vorgebracht habe, aufgrund dieser Er-

wägungen konstruiert. In Bezug auf die eingereichten Fahndungsschrei-

ben sei sodann anzumerken, dass solche Dokumente keinerlei Sicher-

heitsmerkmale enthielten und daher leicht fälschbar seien. Da solchen Do-

kumenten deshalb ein geringer Beweiswert zukomme, vermöge er die vor-

stehend angeführten Unglaubhaftigkeitsmerkmale in seinen Aussagen 

nicht umzustossen. Zusammenfassend könne ihm nicht geglaubt werden, 

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dass er wegen seiner islamkritischen Haltung in Afghanistan einer Verfol-

gung beziehungsweise Bedrohungslage ausgesetzt gewesen sei. Diese 

Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftmachung der 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 

Eine allfällige Konversion zum Christentum an sich entfalte keine Asylrele-

vanz, solange diese in Afghanistan nicht bekannt werde. Der Beschwerde-

führer habe sodann selbst angegeben, dass nur zwei seiner Freunde, die 

in J._______ leben würden, von seiner Konversion wüssten (vgl. Akte 

A17/9 F4). Er habe keinen Kontakt zu den Leuten aus seinem Heimatdorf 

und würde diesen niemals davon erzählen. Da sich zudem die Verfolgung 

durch die Dorfbewohner und die Taliban als unglaubhaft erwiesen habe, 

sei nicht davon auszugehen, dass er aufgrund der Konversion eine indivi-

duelle und gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Afghanistan zu 

befürchten hätte. Selbst wenn Landsleute aus der Schweiz von seiner Kon-

version erfahren hätten, bedeute dies nicht automatisch, dass diese auch 

in Afghanistan bekannt geworden sei. Er führe auch keine entsprechenden 

Hinweise an. Aufgrund der fehlenden Asylrelevanz dieses Vorbringens 

könne offengelassen werden, ob die in der Schweiz geltend gemachte 

Schikane durch seinen Mitbewohner überhaupt glaubhaft sei. Eine spätere 

Glaubhaftigkeitsprüfung bleibe jedoch ausdrücklich vorbehalten. 

In Bezug auf die zweimaligen Schikanen durch die Taliban in den Jahren 

2009 und 2011 sei festzuhalten, dass diese keine derart intensiven Mass-

nahmen darstellen würden, die ihm ein menschenwürdiges Leben in Af-

ghanistan verunmöglicht hätten. Dies zeige sich nur schon durch die Tat-

sache, dass er im Jahr 2013 wieder definitiv nach Afghanistan zurückge-

zogen sei. Sodann seien es gemäss seinen Angaben auch nicht diese zwei 

Vorfälle, welche im Jahr 2015 zu seiner letztmaligen Ausreise aus Afgha-

nistan geführt hätten. Diese Vorbringen seien somit mangels Intensität und 

aufgrund des fehlenden sachlichen sowie zeitlichen Kausalzusammen-

hangs nicht asylrelevant.  

Den Akten seien keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass er wegen sei-

nes Vaters im Visier der Taliban gestanden habe. Obwohl er zwei Mal von 

den Taliban angegangen worden sei, habe es jeweils andere Gründe dafür 

gegeben. Die allfälligen Probleme seines Vaters mit den Taliban würde so-

mit keine Asylrelevanz für ihn entfalten. 

4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer habe mit seinen Freunden zahlreiche sozial geächtete, 

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Seite 10 

wenn nicht sogar verbotene Tätigkeiten unternommen. Es habe häufig sol-

che reine Männerrunden unter Freunden gegeben, bei denen man zusam-

men geraucht, Fussball im Fernsehen geschaut und über Frauen gespro-

chen habe. Manchmal habe man sich auf dem grossen LED-Fernseher des 

Beschwerdeführers gar pornographische Filme angeschaut. Bei einer die-

ser Runden habe er auch erfahren, dass einer der beiden Freunde Sex mit 

der Frau von dessen Arbeitgeber gehabt habe (vgl. Akte A15/18 F47). Der 

Beschwerdeführer habe also in diesen Männerrunden immer offener sein 

können als vor der eigenen Familie. Auch in der Schweiz sei es häufig üb-

lich, gewisse Gedanken und Geheimnisse nur mit Freunden zu teilen und 

diese vor der Familie zu verheimlichen. Es sei also nicht erstaunlich, dass 

sich der Beschwerdeführer seinen Freunden erklärt habe und nicht seiner 

Familie, die davon nichts habe wissen sollen. Allerdings habe er seine 

Glaubenszweifel auch nie mit seinen Freunden besprochen. Er sei ge-

zwungen gewesen, darüber zu sprechen, da diese eben zufällig eine Bi-

belausgabe auf dem Laptop entdeckt hätten. Wenn das SEM meine, es 

wäre zu erwarten gewesen, dass er das Thema so rasch wie möglich zu 

beenden versuche, sei darauf hinzuweisen, dass er eben dies getan habe 

(vgl. A15/18 F46: „Ich habe es nicht so ernst genommen. Ich habe einfach 

gelacht. Ich habe gesagt, das ist ein Buch, das ist informativ, das ist nichts 

Wichtiges. Ich habe die ganze Situation nicht ernst genommen. … Dann 

haben sie mir ernsthaft gesagt, ich solle zu ihnen sitzen und ihnen erklären, 

warum ich so etwas lese und ich solle ihnen vertrauen und die Wahrheit 

erzählen. Ich habe gesagt: „Es reicht, lassen wir das, ich möchte nicht dar-

über gross diskutieren.“ …“). Es habe sich um Freunde gehandelt, mit de-

nen der Beschwerdeführer bislang über persönliche Dinge habe sprechen 

können und deren Geheimnisse er auch geteilt habe. Für den Beschwer-

deführer sei die Reaktion unerwartet, aber nicht so ausgefallen, wie er sich 

das gedacht habe. Seine Antworten hätten gar dazu geführt, dass die Si-

tuation eskaliert sei und man sich gegenseitig zu erpressen versucht habe. 

Eine Durchsicht der Antworten zu F46, F47, F53 bis F64 gebe sehr an-

schaulich und detailliert wieder, wie die Diskussion verlaufen sei. Daher 

könne es keine Zweifel geben, dass diese Auseinandersetzung mit den 

Freunden so abgelaufen sei, wie es der Beschwerdeführer schildere. Auch 

die vom SEM angeführten Widersprüche mit dem Mobiltelefon würden sich 

bei näherer Durchsicht der relevanten Aktenpassagen als konstruiert ent-

puppen. Der Beschwerdeführer habe angegeben, die Freunde hätten ihm 

gesagt, alle Aussagen seien aufgenommen worden (vgl. Akte A15/18 F47, 

F56). Dass er in der BzP gesagt habe, es sei ein Mobiltelefon gewesen, 

sei seine einzige Erklärung für die Aussage seiner Freunde gewesen, sie 

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hätten alles aufgenommen. Es sei vielmehr lebensfern, sich damit ausei-

nanderzusetzen, ob die Freunde die Aufnahme nun gemacht hätten oder 

nicht. Allein die Aussage der Freunde, sie hätten alles aufgenommen, habe 

den Beschwerdeführer in Unruhe versetzt. Warum er sich hätte vergewis-

sern sollen, ob die Aufnahme existiere oder nicht, bleibe nicht nachvollzieh-

bar. Allein die Aussage der Freunde vor Dritten, er habe Gotteslästerliches 

geäussert, reiche für eine Bestrafung aus. Er sei heute noch überrascht, 

dass seine Freunde dies dann auch in die Realität umgesetzt hätten, ob-

wohl er sie mit der angedrohten Preisgabe von intimem Wissen unter Kon-

trolle zu halten versucht habe.  

Der angebliche Widerspruch bezüglich der Anzahl der Weissbärtigen sei 

haltlos. In der BzP berichte er, dass seine Schwester ihm gesagt habe, es 

seien zwei bis drei Weissbärtige, die ihn gesucht hätten. In der Anhörung 

habe er gesagt: „Als ich im Garten war, kam meine Schwester zu mir. Es 

sind ein paar wichtige Leute von unserer Ortschaft zum Beispiel I._______ 

und fünf bis sechs andere Leute vor der Tür…“ Aus dieser Stelle gehe der 

angeführte Widerspruch vom SEM nicht hervor. Er habe nicht angegeben, 

fünf bis sechs Weissbärtige hätten nach ihm gefragt, sondern ein paar 

wichtige Leute. Er wisse alles nur vom Hörensagen seiner Schwester. Al-

lein der Name I._______ habe ihm aber ausgereicht, um zu wissen, dass 

seine Freunde vermutlich ihre Drohung in die Tat umgesetzt hätten. Dass 

die zwei bis drei Weissbärtigen von Gefolge umgeben gewesen seien, sei 

im afghanischen Kontext nachvollziehbar. Hinsichtlich der Zweifel bezüg-

lich der Flucht gehe das SEM von einem Idealtypus des Flüchtlings aus, 

den es so nicht gebe. Die Antworten des Beschwerdeführers zu Frage 49 

seien so detailliert (Namen, Beziehungen, Orte, rechte Seite und der De-

cke, etc.), dass vielmehr die pauschale Wertung des SEM nicht nachvoll-

ziehbar sei. Da das SEM die Abkehr vom Islam nicht ausschliessen könne, 

sei es bei näherer Betrachtung der Aussagen nicht auszuschliessen, dass 

sich die Ereignisse exakt so zugetragen hätten, wie der Beschwerdeführer 

sie schildere.  

Die Ansicht des SEM, dass die in der Schweiz erfolgte Konversion vom 

Islam zum Christentum den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 

nicht standhalte, da diese in Afghanistan nicht bekannt sei, sei falsch. Das 

Bundesverwaltungsgericht habe entschieden (Urteil D-4952/2014 vom 

23. August 2017), dass eine Person aufgrund ihrer Apostasie bei einer 

Rückkehr in ihr Heimatland Afghanistan einem unerträglichen psychischen 

Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt sei, da sie tagtäglich im 

Kontext der konservativ und religiös geprägten Gesellschaft Afghanistans 

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gezwungen wäre, ihre innere Überzeugung zu verstecken und zu verleug-

nen. Das SEM meine, es könne offengelassen werden, ob die in der 

Schweiz geltend gemachte Schikane durch einen Mitbewohner glaubhaft 

sei. Es handle sich um einen tatsächlichen Angriff, der der Polizei bekannt 

sei. Allerdings habe der Beschwerdeführer auf eine Anzeige gegen den An-

greifer verzichtet. Er werde die polizeiliche Bestätigung des Vorfalls, sobald 

er dieser habhaft sei, dem Gericht nachreichen. Neben dem individuellen 

Glauben und der neuen Identität als Christ äussere sich der Gesinnungs-

wandel des Beschwerdeführers auch gegenüber der Umwelt. So sei es in 

der Schweiz bereits mehreren Personen aus Afghanistan bekannt, dass er 

zum christlichen Glauben konvertiert sei. Es sei nicht auszuschliessen, 

dass diese Information über soziale Netzwerke gezielt nach Afghanistan 

übermittelt und dort bekannt gemacht worden seien. Es könne von ihm im 

Falle der Rückkehr nach Afghanistan nicht verlangt werden, sich einer Ver-

folgungsgefahr durch diskretes Verhalten zu entziehen, indem er seine 

Apostasie verheimliche, seinen christlichen Glauben und Lebensstil im 

Verborgenen lebe und sich gegen seiner Überzeugung gemäss den isla-

mischen und landesüblichen Sitten und Gebräuchen verhalte. Dies würde 

zu einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG führen. Er wäre gezwungen, ein riskantes Doppelleben zu führen 

und müsste bei jeder Äusserung, ja sogar Verhaltensweise ausserhalb der 

eigenen vier Wände bewusst seine Persönlichkeit verleugnen, um nicht 

Gefahr zu laufen, als Apostat und Christ enttarnt zu werden. So wäre er 

wahrscheinlich gezwungen, an religiösen Handlungen der muslimischen 

Mehrheitsbevölkerung aktiv teilzunehmen, da anderenfalls schwerwie-

gende Übergriffe durch staatliche oder nichtstaatliche Akteure nicht ausge-

schlossen werden könnten. Bereits einmal habe sein Verhalten – die Nicht-

teilnahme am schiitischen Qadr-Fest – für Aufmerksamkeit gesorgt (vgl. 

Akte A15/18 F46). Seine Mutter habe ihn bereits mehrfach am Telefon ge-

fragt, ob es denn stimme, was seine Freunde rumerzählt hätten. Er sage 

dann nicht „nein“, weil er sich nicht verstellen wolle, aber auch nicht „ja“, 

weil er wisse, dass seine Mutter dann unglücklich sei, sondern versuche 

das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Eine in der Schweiz be-

kannte Konversion habe eben auch im konkreten Fall zur Folge, dass diese 

bei Fortführung des neuen Lebensstils in Afghanistan mit allergrösster 

Wahrscheinlichkeit rasch bekannt werden würde, sollte sie es nicht schon 

längst sein. Es sei unverzichtbarer Bestandteil seiner religiösen Identität 

geworden, sich nicht mehr mit dem muslimischen Glauben zu identifizie-

ren, sondern frei, ernsthaft und mit innerer Überzeugung den neu gewon-

nenen christlichen Glauben jeden Tag leben zu dürfen. Es sei daher davon 

D-5748/2018 

Seite 13 

auszugehen, dass er seine nunmehrige Weltanschauung bei einer Rück-

kehr in sein Heimatland leben und praktizieren werde. Dies würde aber mit 

an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Entdeckung führen. 

Bei Verheimlichung seiner nichtmuslimischen religiösen Grundhaltung hin-

gegen wäre er einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt, da er 

sich entgegen seiner inneren Überzeugung verhalten müsste und jederzeit 

Gefahr laufen würde, durch eine unbedachte Äusserung oder Handlung als 

Apostat und Christ entdeckt zu werden. In beiden Fällen gewähre daher 

Art. 3 AsylG Schutz vor Verfolgung. 

4.3 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, im Urteil des Bundesver-

waltungsgerichts D-4952/2014 vom 23. August 2017 sei entschieden wor-

den, dass der betroffene afghanische Staatsangehörige aufgrund seiner 

Apostasie bei einer Rückkehr nach Afghanistan einem unerträglichen psy-

chischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt wäre. Aus 

dem Urteil gehe allerdings hervor, dass die Beurteilung der Frage, ob und 

inwieweit von einer Person vernünftigerweise erwartet werden könne, die 

drohende Verfolgung durch das eigene Verhalten abzuwenden, in einer 

Einzelfallprüfung zu erfolgen habe (E. 7.6.1). Dabei spiele das persönliche 

Umfeld der betroffenen Person eine wichtige Rolle. Die Annahme, das Ver-

heimlichen einer persönlichen Überzeugung beziehungsweise einer mit 

der Persönlichkeit untrennbar verknüpften Eigenschaft bewirke einen un-

erträglichen psychischen Druck, setze voraus, dass die betroffene Person 

in einem Umfeld zu leben gezwungen sei, in welchem sie Gefahr laufe, 

dass eben diese Überzeugung oder Eigenschaft entdeckt, denunziert und 

sanktioniert werde (E. 7.6.2). Sodann sei festzuhalten, dass der Beschwer-

deführer sich bereits vor dem Tod seines Vaters im Jahr 2009 von der isla-

mischen Religion abgekehrt habe (vgl. Akte A15/18 [recte A17/9] F5). Der 

Tod seines Vaters im Jahr 2009 sei schliesslich der Auslöser dafür gewe-

sen, dass der Beschwerdeführer sich vertieft mit dem Christentum zu be-

schäftigen begonnen habe. Er habe zum Zeitpunkt des Todes seines Va-

ters zwar noch in E._______ gelebt, jedoch habe er sich in den Jah-

ren 2009 und 2011 nach Afghanistan begeben und sich im Jahr 2013 wie-

der endgültig dort niedergelassen. Somit habe er sich offensichtlich bereits 

während der Zeit, in welcher er sich in Afghanistan aufgehalten habe, vom 

Islam abgekehrt. Ausserdem habe sich sein Glaube (seine Abkehr vom Is-

lam und seine Zuwendung zum Christentum) bereits damals in seinem Le-

ben widerspiegelt. Zwar habe er wegen seines ausländisch aussehenden 

Haarschnitts und weil er in Besitz eines Mobiltelefons gewesen sei, Prob-

leme mit den Taliban bekommen. Die Tatsache, dass die Taliban ihn des-

wegen zwei Mal geschlagen und schikaniert hätten, stelle allerdings keine 

D-5748/2018 

Seite 14 

genügend intensive Massnahme dar, um als asylrelevant eingestuft zu wer-

den oder einen unerträglichen psychischen Druck zu begründen. Schliess-

lich falle auf, dass er in Bezug auf die eigentlichen Dorfbewohner (welche 

keine Taliban seien) keine Probleme geltend gemacht habe. Als er beim 

zweiten Mal in eine Auseinandersetzung mit den Taliban geraten sei, seien 

sogar Dorfbewohner dazwischen gegangen und hätten die Taliban dazu 

bewegt, von ihm abzulassen (vgl. Akte A17/9 F30). In der Beschwerde er-

wähne er zudem, dass er in seinem Freundeskreis zahlreiche Tätigkeiten 

unternommen habe, welche gegen die islamischen und landesüblichen Sit-

ten verstossen hätten oder sogar verboten seien. Seine Darstellung in der 

Anhörung, wonach er in Afghanistan sein Haus aufgrund seiner andersar-

tigen Lebensart kaum habe verlassen können, erscheine somit äusserst 

überspitzt (vgl. Akte A15/18 F32 und F33). Ebenfalls sei zu bezweifeln, 

dass er tatsächlich von seinen Freunden dafür kritisiert worden sei, dass 

er nicht am dreitägigen schiitischen Qadr-Fest teilgenommen habe, zumal 

sich die fragliche Auseinandersetzung mit seinen Freunden als nicht glaub-

haft erwiesen habe. Vielmehr scheine es, dass der Beschwerdeführer sich 

trotz seines Glaubens und seiner Lebensart so habe arrangieren können, 

dass er in seinem persönlichen Umfeld in Afghanistan ohne grössere Prob-

leme habe leben können. Die Schwelle zur Annahme eines unerträglichen 

psychischen Drucks im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG sei somit vor seiner 

Ausreise nicht gegeben. Es sei dem Beschwerdeführer daher zuzumuten, 

dass er auch im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan wieder in derselben 

Art in seinem Dorf leben könnte, wie vor der Ausreise. 

4.4 In der Replik wird im Wesentlichen geltend gemacht, es sei in der Be-

schwerde ausführlich dargelegt worden, weshalb seine Auseinanderset-

zung mit seinen Freunden für glaubhaft zu erachten sei. Würde er heute in 

sein Dorf zurückkehren, drohe ihm eine Verfolgung aufgrund der erfolgten 

Denunziation als Christ durch seine ehemaligen Freunde. Die weiteren 

Ausführungen des SEM zu den Schikanen und Bedrohungen der Taliban 

bezögen sich auf Sachverhalte, die teilweise bis zu sieben Jahre zurücklä-

gen. Diese hätten gerade nicht stattgefunden, weil er sich dem Christentum 

zugewandt habe, sondern allein wegen seines vermeintlich „westlichen“ 

Aussehens. Moderne Haarschnitte seien in vielen islamischen Ländern 

Ausdruck der Beliebtheit westlicher Kultur- und Konsumgüter, aber gerade 

kein Zeichen für eine Verbundenheit mit christlichen Werten. Selbst wenn 

man den fluchtauslösenden Moment für nicht glaubhaft erachten sollte, 

wäre es ihm nicht zuzumuten, wieder in seinem Dorf zu leben. Er habe in 

den Jahren vor seiner Flucht aus Afghanistan versucht, sich mit der dorti-

gen Lebensweise zu arrangieren. Immer wieder habe er allerdings Zweifel 

D-5748/2018 

Seite 15 

am Lebensstil seines Umfeldes gehabt, den er als bedrückend und persön-

lich einschränkend empfunden habe. Schon die wiederkehrenden Mo-

scheebesuche, die er allein seiner Mutter zuliebe unternommen habe, 

seien ihm mehr und mehr zur Belastung geworden, da er sich schon in 

Afghanistan in Auseinandersetzung mit den Werten der christlichen sowie 

der islamischen Religion befunden habe. Mittlerweile sei diese Auseinan-

dersetzung allerdings zu einer Überzeugung geworden, die mit der in der 

Schweiz erfolgten Taufe deutlich zum Ausdruck gebracht worden sei. Auch 

sei er es sich gewöhnt, seine Meinung frei zu äussern und mit anderen 

darüber zu diskutieren. Er lebe in einem stark kirchlich geprägten Umfeld 

in der Schweiz und möchte die regelmässigen Kirchbesuche und Austau-

sche mit anderen Gläubigen nicht mehr missen. Es sei für ihn unvorstellbar 

geworden, diese Entwicklung, die sich durch seinen Aufenthalt und seine 

Erfahrungen in der Schweiz beschleunigt hätten, anzuhalten oder gar zu 

verleugnen. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan wäre er aber genau dazu 

gezwungen. Er müsste einen grossen Teil seiner Persönlichkeit aus Angst 

entdeckt zu werden, wieder verschleiern oder gar negieren. Diese Persön-

lichkeitsentwicklung übersehe das SEM gänzlich, wenn es lediglich 

schreibe, die Schwelle zur Annahme eines unerträglichen psychischen 

Drucks sei vor der Ausreise nicht gegeben gewesen. Ob aber mittlerweile 

die Schwelle zur Annahme eines unerträglichen psychischen Drucks durch 

die hier in der Schweiz gesammelten Eindrücke, Erfahrungen und Über-

zeugungen überschritten worden seien, erfahre er vom SEM nicht. Er sei 

anders als das SEM vermute, nicht mehr dieselbe Person wie in den Jah-

ren 2013 bis 2015. 

5.  

5.1 Das SEM hat zutreffend festgestellt, dass die Schikanen der Taliban 

gegen den Beschwerdeführer in den Jahren 2009 und 2011 asylrechtlich 

nicht relevant sind, weil es sich einerseits um zu wenig intensive Nachteile 

handelte und andererseits der zeitliche und sachliche Kausalzusammen-

hang zur Ausreise im Juli 2015 nicht gegeben ist. So kehrte der Beschwer-

deführer 2011 und 2013 trotz der angeblichen Schikanen aus E._______ 

nach Afghanistan zurück, im Jahre 2013 sogar, um seinen Wohnsitz dau-

erhaft nach Afghanistan zu verlegen.  

5.2 Auch aus der angeblichen Ermordung des Vaters durch die Taliban mit-

tels einer Autobombe (vgl. Akte A15/18 F22) hatte der Beschwerdeführer 

keine ihn betreffende asylrechtlich relevante Nachteile erfahren. Zudem ist 

anzufügen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP im Widerspruch 

D-5748/2018 

Seite 16 

zur Anhörung angegeben hat, sein Vater sei im Zusammenhang mit einem 

Minenunfall ums Leben gekommen (vgl. Akte A4/15 Ziff. 3.01). 

5.3 Der Beschwerdeführer brachte ferner vor, er werde in Afghanistan ver-

folgt, weil seine Freunde, die einen Bibeltext auf seinem Laptop entdeckt 

hätten, ihn an die Taliban verraten hätten. Er sei von Weissbärtigen zu-

hause gesucht worden. 

Dass es der Beschwerdeführer bevorzugte, mit seinen Freunden über die 

Abkehr vom Islam zu diskutieren statt mit seiner Familie, ist, wie in der 

Beschwerde zutreffend ausgeführt, durchaus nachvollziehbar und spricht 

nicht gegen die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens. Gleichwohl ist seine 

Schilderung über die Entdeckung der Bibel auf seinem Laptop und die da-

raufhin erfolgte Denunziation durch seine Freunde unglaubhaft. Der Be-

schwerdeführer konnte zwar die Diskussion mit seinen Freunden detailliert 

wiedergeben (vgl. A15/18 F46 f.). Da ihm bewusst war, wie heikel das 

Thema ist, ist jedoch bezweifeln, dass die Diskussion wie geschildert ab-

gelaufen ist. Es erstaunt insbesondere, dass der Beschwerdeführer, als er 

feststellte, dass seine Freunde kritische Fragen zu stellen beginnen und 

nicht seiner Meinung sind, als Grund für sein Fernbleiben von den drei 

Quadr-Nächten sogleich unumwunden erklärte, sein Gewissen lasse es 

nicht zu, in die Moschee zu gehen. Unverständlich ist ohnehin, dass der 

Beschwerdeführer einen Bibeltext auf dem Computer unter dem Titel «das 

heilige Buch», beziehungsweise eine Bibel direkt auf dem Desktop und da-

mit auf den ersten Blick einsehbar abgespeichert hatte (vgl. Akte A15/18 

F46), zumal er wusste, welche Konsequenzen die Entdeckung solcher 

Texte in Afghanistan haben kann. Als (…) hätte er derart heikle Daten vor 

den unerwünschten Blicken Dritter sicher auf dem Computer abgespei-

chert. Schliesslich wirkt auch die Schilderung, dass die beiden engen 

Freunde die ganze Diskussion auf ein Mobiltelefon aufgezeichnet hätten, 

konstruiert. Zudem konnte der Beschwerdeführer seine widersprüchlichen 

Angaben hinsichtlich der Anzahl Personen, die vor der Tür gestanden 

seien, nicht erklären. Dass es sich dabei um eine eigene Schätzung ge-

handelt habe, ist schon deshalb auszuschliessen, weil nicht er selbst, son-

dern seine Schwester den Weissbärtigen die Tür öffnete, und ihm alles nur 

vom Hörensagen seiner Schwester bekannt ist. Ferner wirkt auch die 

Flucht des Beschwerdeführers überstürzt, angesichts der Tatsache, dass 

er sich bei seiner Tante und dem Onkel, welchem er sogar über die Dis-

kussion über seine islamkritische Haltung problemlos berichten konnte, 

hätte verstecken können, bis Gras über die Sache gewachsen wäre, oder 

er sich nach E._______ zu seiner ehemaligen Vermieterin hätte begeben 

D-5748/2018 

Seite 17 

können, deren Freund mit ihm über das Christentum diskutiert habe. Es ist 

deshalb davon auszugehen, dass sich die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers nicht wie von ihm geltend gemacht zugetragen haben. Das SEM hat 

bezüglich der eingereichten Briefe der Taliban zudem zutreffend festge-

stellt, dass diese nur einen geringen Beweiswert hätten und deshalb nicht 

geeignet seien, die von ihm angeführten Unglaubhaftigkeitsmerkmale in 

seinen Aussagen umzustossen. Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelun-

gen, glaubhaft zu machen, dass seine islamkritische Haltung beziehungs-

weise sein Interesse für das Christentum in der Heimat bekannt geworden 

und er deswegen im Ausreisezeitpunkt durch die Taliban oder die Dorfbe-

wohner verfolgt worden ist.  

5.4 Es ist auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer unter 

einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG 

aufgrund seiner Abkehr vom Islam und seiner Zuwendung zum Christen-

tum in Afghanistan gelitten hat. Der Beschwerdeführer hat sich in 

E._______ bereits nach dem Tod seines Vaters dem Christentum zuge-

wendet. Er ist daraufhin im Jahr 2011 und im Jahr 2013 nach Afghanistan 

gereist. Wäre sein Glaube in jenem Zeitpunkt bereits so ausgeprägt gewe-

sen, dass er sich gefürchtet hätte, seine religiöse Überzeugung nicht ver-

stecken zu können, hätte er sich im Jahr 2013 nicht für ein Leben in Afgha-

nistan entschieden. Der Beschwerdeführer gab zwar an, er habe sich 

mehrheitlich zu Hause aufgehalten, weil er auf Grund seines gepflegten 

äusseren Erscheinungsbildes zu stark aufgefallen sei. Dies ist jedoch – wie 

in der Replik eingeräumt wird – nicht primär auf seine Religion zurückzu-

führen. Ferner verfügt der Beschwerdeführer nicht nur über Verwandte mit 

einer konservativ-religiösen Haltung, sondern auch über einen Onkel, der 

ihm bei der Flucht behilflich gewesen ist, welcher vom Beschwerdeführer 

anlässlich der Anhörung als offener, nicht religiöser Mensch beschrieben 

worden ist (vgl. Akte A15/18 F74). Zudem wird in der Beschwerde einge-

räumt, der Beschwerdeführer habe in Afghanistan mit seinen muslimischen 

Freunden vor dem afghanischen Hintergrund viel Anrüchiges und Verbote-

nes getan. Dies lässt nicht den Schluss zu, dass er vor der Ausreise aus 

Afghanistan unter einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG gelitten hätte, nachdem er sich dem Christentum zuge-

wandt hatte.  

5.5 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine im Zeitpunkt 

der Ausreise asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu 

machen. 

D-5748/2018 

Seite 18 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer reichte während dem erstinstanzlichen Asylver-

fahren seinen Taufschein aus der Schweiz, zwei Fotos von seiner Taufe in 

der Schweiz und ein Schreiben der (…) vom 25. April 2018 ein und macht 

geltend, er werde seine nunmehrige Weltanschauung bei einer Rückkehr 

in sein Heimatland leben und praktizieren. Dies würde aber mit an Sicher-

heit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Entdeckung der Konversion 

führen. Bei Verheimlichung seiner nichtmuslimischen religiösen Grundhal-

tung hingegen wäre er einem unerträglichen psychischen Druck ausge-

setzt, da er sich entgegen seiner inneren Überzeugung verhalten müsse 

und jederzeit Gefahr laufen würde, durch eine unbedachte Äusserung oder 

Handlung als Apostat und Christ entdeckt zu werden. In beiden Fällen ge-

währe daher Art. 3 AsylG Schutz vor Verfolgung. 

6.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im 

Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen 

zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch 

gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob 

sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen 

werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder 

glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. 

BVGE 2009/29 E. 5.1, 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 

6.3  

6.3.1 Gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts unterlie-

gen konvertierte Christen in Afghanistan keiner Kollektivverfolgung. Dies-

bezüglich ist vielmehr eine individuelle Prüfung der Gefährdung in jedem 

Einzelfall vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-

2245/2017 vom 26. November 2019 E 7.2 m.w.H.). Im als Referenzurteil 

publizierten Entscheid D-4952/2014 vom 23. August 2017 hielt das Bun-

desverwaltungsgericht unter anderem fest, dass Gläubige anderer Religi-

onen als des Islams gemäss der afghanischen Verfassung ihren Glauben 

innerhalb der gesetzlichen Grenzen frei ausüben könnten. Die afghanische 

Verfassung bezeichne den Islam jedoch gleichzeitig explizit als offizielle 

Staatsreligion und bestimme, dass keine andere Religion den Grundsätzen 

und Regeln des Islams zuwiderlaufen dürfe. Zwar werde Apostasie im af-

ghanischen Strafgesetzbuch nicht als Straftat definiert, falle aber nach af-

ghanischer Rechtsauffassung unter die nicht weiter definierten ‚ungeheu-

erlichen Straftaten‘, die laut Strafgesetzbuch nach der Hanafi-Rechtslehre 

D-5748/2018 

Seite 19 

bestraft würden. Gemäss dieser Lehre würden Frauen lebenslang respek-

tive bis zum Widerruf der Konversion in Haft genommen und Männer ent-

hauptet. Werde die Todesstrafe nicht verhängt, seien die vorgesehenen 

strafrechtlichen sowie gesellschaftlichen Konsequenzen äusserst hart. Die 

Äusserung von nicht-religiösen Überzeugungen werde verfolgt oder 

schlicht durch soziale Zwänge verunmöglicht, wobei die soziale Kontrolle 

und der soziale Druck in Afghanistan gross seien (vgl. a.a.O. E. 7.5.2). 

Im Referenzurteil wurde der Schluss gezogen, dass Personen, deren 

Apostasie öffentlich bekannt werde, objektiv begründete Furcht vor Nach-

teilen im Sinne von Art. 3 AsylG hätten. Es sei zu prüfen, inwieweit von 

einer Person vernünftigerweise erwartet werden könne, die drohende Ver-

folgung durch das eigene (diskrete) Verhalten abzuwenden, oder ob sol-

ches für sie zu einem unerträglichen psychischen Druck führe (vgl. a.a.O. 

E. 7.5.5 f.).  

6.3.2 Die Annahme, das Verheimlichen einer persönlichen Überzeugung 

beziehungsweise einer mit der Persönlichkeit untrennbar verknüpften Ei-

genschaft bewirke einen unerträglichen psychischen Druck, setzt voraus, 

dass die betroffene Person in einem Umfeld zu leben gezwungen sei, in 

welchem sie Gefahr läuft, dass eben diese Überzeugung oder Eigenschaft 

entdeckt, denunziert und sanktioniert wird. Je grösser die Gefahr sei, durch 

eine unbedachte Geste oder Äusserung entdeckt zu werden, und je gra-

vierender die staatliche oder private Sanktionierung im Falle der Entde-

ckung ausfällt, desto eher sei davon auszugehen, die betroffene Person 

stehe unter einem psychisch unerträglichen Druck, weil sie gezwungen sei, 

ihre Persönlichkeit zu verleugnen und ein Doppelleben zu führen, um nicht 

entdeckt zu werden (vgl. a.a.O. E. 7.6.2 m.w.H.).  

6.3.3 Anders als die im angeführten Referenzurteil zu beurteilende Person 

weist der Beschwerdeführer ein deutlich schwächeres persönliches Profil 

auf. Er gab zwar bereits auf dem Personalienblatt bei der Asylgesuchstel-

lung am 11. September 2015 an: “My previous religion was Islam, which I 

don’t believe in it. I‘m planning to convert to Christianism." Auch das SEM 

schloss eine Konversion nicht aus. Es ging jedoch davon aus, dass der 

Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Afghanistan wieder in dersel-

ben Art leben könne, wie vor seiner Ausreise, als er sich auch schon dem 

Christentum zugewandt gehabt habe. Der Beschwerdeführer hat sich in 

der Schweiz am 4. Dezember 2016 taufen lassen, was durch die einge-

reichten Beweismittel hinreichend belegt ist. Aus dem Schreiben der (…) 

D-5748/2018 

Seite 20 

vom 25. April 2018 geht hervor, dass er vor der Taufe häufig zum Gottes-

dienst gegangen sei, angefangen habe, die Bibel zu lesen, und einen Bi-

belkurs besucht habe. Als der Beschwerdeführer den Wunsch geäussert 

habe, sich taufen zu lassen, habe der Pfarrer mit ihm Gespräche geführt 

und sein Anliegen geprüft. Als er getauft worden sei, habe er der Gemeinde 

erzählt, was seine Beweggründe gewesen seien. Seit der Taufe sei er in 

der Gemeinde aktiv, helfe bei Veranstaltungen und nehme an Bibelaben-

den teil. Er sei Teilnehmer von christlichen Treffen, wie die (…) 2017 in 

L._______ oder im (…) in M._______, das von der (…) Kirche durchgeführt 

worden sei. Einige Male habe er im Gottesdienst von seinem Leben als 

Christ erzählt. Ein Mitbewohner der Wohngemeinschaft habe Landsleuten 

über die Konversion des Beschwerdeführers berichtet, so dass er für diese 

als Verräter gelte. Seine Familie habe schon damals mit ihm gebrochen, 

weil er anders geglaubt habe, als sie. Wenn er als Christ zurückkäme, wäre 

dies eine Familienschande und er müsse um sein Leben fürchten. Weil ihn 

dies bedrücke, sei er ein "stiller Christ". Er stehe zu seinem Glauben, aber 

trage ihn nicht öffentlich vor sich her.  

6.3.4 Die Hinwendung des Beschwerdeführers zum Christentum und sein 

religiöses Engagement sind nachgewiesen beziehungsweise glaubhaft ge-

macht. Nicht glaubhaft ist hingegen, dass seine Abkehr vom Islam im Hei-

matland zur Verfolgung des Beschwerdeführers geführt hat (vgl. E. 5) be-

ziehungsweise seine Familie deswegen mit ihm gebrochen hat. Der Be-

schwerdeführer telefonierte von der Schweiz aus regelmässig mit seiner 

Mutter und im Zusammenhang mit der Beschaffung von Dokumenten für 

eine Trauung in der Schweiz, schrieb der Beschwerdeführer am 28. April 

2020 an den (…), dass er in Kontakt mit Verwandten in Afghanistan sei. 

Insofern ist nicht davon auszugehen, dass die Verwandten über seine Kon-

version im Bild seien und er bei der Rückkehr mit asylrelevanten Nachteilen 

seitens seiner Familienmitglieder rechnen müsste. Zudem gab der Be-

schwerdeführer an, er habe bereits nach der Rückkehr aus E._______ den 

Ramadan nicht befolgt, sei nicht in die Moschee gegangen, habe nicht ge-

betet (vgl. Akte A17/9 F3) und in seinem Freundeskreis zahlreiche Tätig-

keiten unternommen, welche gegen die islamischen und landesüblichen 

Sitten verstossen hätten oder sogar verboten seien. Es ist deshalb nicht 

davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Afghanistan als Christ 

ein Doppelleben führen müsste, zumal auch sein Freundeskreis und ein 

Teil seiner Verwandtschaft kein religiös geprägtes Leben zu führen scheint. 

Der Beschwerdeführer wird vom Pfarrer seiner Kirchgemeinde ausserdem 

als "stiller Christ" beschrieben. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer sich im Falle der Rückkehr nach Afghanistan 

D-5748/2018 

Seite 21 

seine religiöse Überzeugung derart unterdrücken müsste, dass er einem 

unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt wäre. Vielmehr ist anzuneh-

men, dass er in Afghanistan – wie schon in der Vergangenheit – auch in 

Zukunft in einem Umfeld leben kann, in dem die soziale Kontrolle nicht der-

art ausgeprägt ist, dass seine religiöse Überzeugung von Interesse wäre 

beziehungsweise seine Abkehr vom Islam und seine Hinwendung zum 

Christentum zwangsläufig auffallen würde. An dieser Einschätzung vermö-

gen auch die spekulativen Ausführungen in der Beschwerde nichts zu än-

dern, wonach in der Schweiz bereits mehreren Personen aus Afghanistan 

bekannt sei, dass der Beschwerdeführer zum christlichen Glauben konver-

tiert sei, und nicht ausgeschlossen werden könne, dass diese Information 

über soziale Netzwerke gezielt nach Afghanistan übermittelt und dort be-

kannt gemacht worden seien. 

6.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. 

BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-

lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung wurde mit Verfügung vom 24. Oktober 

2018 unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage des Be-

schwerdeführers gutgeheissen. Die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers 

wurde mit einer Fürsorgebestätigung vom 21. September 2018 belegt. Der 

D-5748/2018 

Seite 22 

Beschwerdeführer arbeitet seit dem 18. Februar 2019 für die (…) in 

N._______ als (…). Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass er damit 

den prozessualen Notbedarf übersteigende Einkünfte erzielt. Da der Be-

schwerdeführer mithin nach wie vor als prozessual bedürftig zu betrachten 

ist, sind ihm vorliegend keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

9.2 Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistandes ist bei diesem Verfah-

rensausgang durch die Gerichtskasse zu vergüten. Mit der Replik wurde 

eine aktualisierte Kostennote eingereicht, worin der zeitliche Aufwand von 

neun Stunden, und weitere Auslagen von Fr. 30.– aufgeführt sind. Dies er-

scheint angemessen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Rechtsbeistand zu Lasten des 

Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von insgesamt Fr. 1'380.– (inkl. 

Auslagen) zuzusprechen. 

  

D-5748/2018 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird durch das Bundesverwaltungsgericht 

ein Honorar von Fr. 1'380.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

Versand: