# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c90d5864-4240-5004-ad21-6a3482c0a9ea
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.04.2008 A-1546/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1546-2006_2008-04-30.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1546/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  A p r i l  2 0 0 8

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 
Richterin Salome Zimmermann, 
Richter Thomas Stadelmann (Kammerpräsident), 
Gerichtsschreiberin Jeannine Müller.

X._______, 
vertreten durch Y._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung, 
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (3. Quartal 2000 - 3. Quartal 2001).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1546/2006

Sachverhalt:

A.
Im Januar 2002 führte  die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) 
bei X._______ [...]  eine Kontrolle durch. Gestützt auf deren Ergebnis 
trug die Verwaltung X._______ für den Betrieb eines Erotiketablisse-
ments rückwirkend für die Zeit ab 1. Juli 2000 ins Register der Mehr-
wertsteuerpflichtigen ein [...]. Ferner erhob sie mit Ergänzungsabrech-
nung (EA) Nr. ... vom 31. Januar 2002 für das 3. und 4. Quartal 2000 
(Zeit  vom 1. Juli  bis  31. Dezember  2000)  eine  Steuernachforderung 
von Fr. 40'807.--,  zuzüglich Verzugszins,  sowie mit  der EA Nr. ... für 
das  1.  bis  3.  Quartal  2001  (Zeit  vom  1. Januar  bis  30.  September 
2001) eine solche von Fr. 57'367.--, zuzüglich Verzugszins. Die Nach-
forderung umfasste einerseits die bislang nicht entrichtete Mehrwert-
steuer  auf  den  verbuchten  Umsätzen  im  Betrag  von  Fr. 18'363.50 
(3. und 4. Quartal  2000)  bzw. Fr. 25'815.30 (1. bis  3. Quartal  2001) 
sowie  andererseits  einen  ermessensweise geschätzten Steuerbetrag 
in Höhe von Fr. 22'444.25 (3. und 4. Quartal 2000) bzw. Fr. 31'552.-- 
(1. bis 3. Quartal 2001). Dieser resultierte aus dem Vorhalt, der formel-
le Zustand der Geschäftsbücher sei mangelhaft und X._______ hätte 
Erlöse,  welche in  indirekter  Stellvertretung erzielt  worden seien,  nur 
teilweise verbucht. In der Folge schrieb die ESTV X._______ mit Gut-
schriftsanzeigen Nr. ... und Nr. ... vom 11. April 2002 aufgrund diverser 
eingereichter Belege Beträge in Höhe von Fr. 862.-- bzw. Fr. 1'980.-- 
gut, welche je an die Ergänzungsabrechnungen angerechnet wurden. 
Am 7. Juni 2002 liess X._______ die Nachforderungen bestreiten.

B.
Die ESTV erliess am 10. Oktober 2002 je einen Entscheid, in welchen 
sie festhielt, X._______ sei ab 1. Juli 2000 steuerpflichtig und schulde 
für die Steuerperiode 3. und 4. Quartal 2000 Fr. 39'945.-- bzw. für die 
Steuerperiode 1. bis 3. Quartal  2001 Fr. 55'387.-- Mehrwertsteuer, je 
zuzüglich  Verzugszins.  Betreffend  die  schätzungsweise  festgelegten 
Erlöse hielt  sie dafür,  die  im Etablissement tätigen Frauen seien als 
unselbständig  und  nicht  als  selbständig  erwerbend  zu  qualifizieren. 
Diese  formelle  Ergänzung  habe  auf  den  jeweiligen  Steuerbetrag  je-
doch  keinen  Einfluss.  Mit  Eingaben  vom  4. November  2002  liess 
X._______  je  Einsprache  erheben  und  beantragen,  die  geschuldete 
Mehrwertsteuer  auf  Fr. 15'408.--  (3.  und  4. Quartal  2000)  bzw. 
Fr. 19'649.-- (1. bis 3. Quartal 2001) herabzusetzen. Zur Begründung 
trug sie  im Wesentlichen vor,  der  Umsatz,  den die Sexarbeiterinnen 

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erzielten,  dürfe  nicht  ihr  zugerechnet  werden.  Die  Frauen  seien  als 
selbständig  erwerbend  zu  qualifizieren. Ferner  beanstandete  sie  die 
Auffassung der ESTV, es bestehe keine Verpflichtung zur Schätzung 
der bezahlten Vorsteuern.

C.
Mit Einspracheentscheid vom 4. Januar 2006 vereinigte die ESTV die 
Verfahren, wies die Einsprachen ab und bestätigte die Steuerschulden 
in Höhe von Fr. 39'945.-- bzw. Fr. 55'387.--, je zuzüglich Verzugszins. 
Zur  Begründung  hielt  sie  im  Wesentlichen  dafür,  das  Etablissement 
und die Damen würden von den Besuchern  als  Einheit  wahrgenom-
men. Nach aussen trete das Etablissement als Leistungserbringer in 
Erscheinung.  Daher  seien  die  durch  die  Frauen  erzielten  Umsätze 
ebenfalls  X._______  zuzurechnen.  Vorliegend  hätten  die  Buchhal-
tungsunterlagen  nicht  den  gesetzlichen  Anforderungen  entsprochen, 
weshalb die ESTV die Umsätze nach pflichtgemässem Ermessen ha-
be schätzen müssen. Sie sei von der Annahme ausgegangen, der ver-
buchte,  von  den  Damen  als  Entschädigung  für  die  Infrastrukturbe-
nützung an X._______ abzuliefernde Umsatzanteil  betrage 45% des 
Gesamtumsatzes  aus  der  Erbringung  erotischer  Dienstleistungen. 
Schliesslich sei die beantragte Ermittlung der Vorsteuern mangels ent-
sprechender Belege zu verweigern.

D.
Am  6.  Februar  2006  lässt  X._______  (Beschwerdeführerin)  bei  der 
Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  (SRK)  Beschwerde  erhe-
ben und die Aufhebung des Einspracheentscheids beantragen. Es sei 
festzustellen,  dass sie in  grundsätzlicher Hinsicht  sowie für  das von 
den Prostituierten vereinnahmte Entgelt  nicht mehrwertsteuerpflichtig 
sei; allenfalls sei die Sache zum Erlass eines Entscheids zur Steuer-
pflicht an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei für den Fall der 
Steuerpflicht  der  Vorsteuerabzug  ermessensweise  zu  veranschlagen 
durch  Anwendung  des Saldosteuersatzes  von 4,5% oder  die  Sache 
zur Neufestlegung der Steuer an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-
eventuell  sei  die  Steuer  gemäss  den  Einspracheanträgen  auf 
Fr. 32'057.-- festzulegen; dies alles unter Kosten- und Entschädigungs-
folge.

Mit Vernehmlassung vom 17. März 2006 schliesst die ESTV auf Abwei-
sung der Beschwerde.

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In  der  Replik  vom 23. Mai  2006 und der  Duplik  vom 20. Juni  2006 
werden die gestellten Anträge jeweils bestätigt.

E.
Am 7. Februar  2007 teilt  das  Bundesverwaltungsgericht  den Verfah-
rensbeteiligten mit, es habe das vorliegende Verfahren zuständigkeits-
halber übernommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis  zum 31. Dezember  2006 konnten  Einspracheentscheide der 
ESTV auf dem Gebiet der Mehrwertsteuer nach Art. 44 ff. des Bundes-
gesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) innert 30 Tagen nach Eröffnung mit Beschwerde 
bei der SRK angefochten werden (aArt. 65 des Bundesgesetzes vom 
2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.201], 
in der Fassung vom 1. Januar 2001 [AS 2000 1300]; aufgehoben per 
31. Dezember  2006).  Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  so-
fern es zuständig ist,  die Ende 2006 bei  der SRK hängigen Rechts-
mittel. Die Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (Art. 53 des 
Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungs-
gericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 172.32]). Das Verfahren 
richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt 
(Art. 37 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der 
Beschwerde  sachlich  wie  funktionell  zuständig  (Art. 31,  32  und  33 
Bst. d VGG).

1.2 Am 1. Januar 2001 sind das MWSTG sowie die zugehörige Ver-
ordnung (Verordnung vom 29. März 2000 zum Bundesgesetz über die 
Mehrwertsteuer [MWSTGV, SR 641.201]) in Kraft getreten. Die Beur-
teilung des vorliegenden Sachverhalts richtet sich nach dieser Gesetz-
gebung,  soweit  er  sich  in  deren  zeitlichen  Geltungsbereich  ereignet 
hat  (1.  Januar  bis  30.  September  2001).  Soweit  sich  hingegen  der 
Sachverhalt vor Inkrafttreten des Mehrwertsteuergesetzes zugetragen 
hat  (1.  Juli  bis  31. Dezember  2000),  ist  auf  die  vorliegenden  Be-
schwerde grundsätzlich noch die Verordnung vom 22. Juni 1994 über 
die  Mehrwertsteuer  (MWSTV  von  1994,  AS  1994  1464)  anwendbar 
(Art. 93 und 94 MWSTG).

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2.

2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen u.a. die im Inland gegen Entgelt 
erbrachten  Lieferungen  von  Gegenständen  und  Dienstleistungen 
(Art. 4 Bst. a und b MWSTV; Art. 5 Bst. a und b MWSTG). Als Dienst-
leistung gilt jede Leistung, die keine Lieferung eines Gegenstands ist 
(Art. 6 Abs. 1 MWSTV; Art. 7 Abs. 1 MWSTG).

2.2

2.2.1 Steuerpflichtig  ist,  wer  eine  mit  der  Erzielung  von  Einnahmen 
verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt, 
auch wenn die Gewinnabsicht fehlt, sofern seine Leistungen im Inland 
jährlich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen (Art. 17 Abs. 1 MWSTV; 
Art. 21 Abs. 1 MWSTG). Steuerpflichtig sind insbesondere natürliche 
Personen, Personengesellschaften, juristische Personen des privaten 
und  öffentlichen  Rechts,  unselbständige  öffentliche  Anstalten  sowie 
Personengesamtheiten ohne Rechtsfähigkeit,  die  unter  gemeinsamer 
Firma  Umsätze  tätigen  (Art.  17  Abs.  2  MWSTV;  Art.  21  Abs.  2 
MWSTG). Die  Voraussetzung  der  Ausübung  einer  gewerblichen  und 
beruflichen Tätigkeit umfasst jede Art von Aktivität, bei welcher zur Er-
zielung von Einnahmen Dritten gegenüber wirtschaftliche Leistungen 
erbracht  werden  und  welche  auf  gewisse  Dauer  angelegt  ist,  d. h. 
welche nachhaltig, und nicht nur einmalig oder gelegentlich ausgeübt 
wird. Die Begriffe  "gewerblich"  und "beruflich"  stellen  keine weiteren 
Anforderungen auf und sind weit zu interpretieren. Jede Art von Aktivi-
tät  kann in Betracht kommen, soweit  sie das Element der Dauerhaf-
tigkeit aufweist (Urteil  des Bundesgerichts 2A.520/2003 vom 29. Juni 
2004 E. 2.1; Entscheide der SRK vom 11. Januar 2000, veröffentlicht 
in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden [VPB]  64.80 E. 3a/aa mit 
Hinweisen, vom 14. Juli 2005, veröffentlicht in VPB 70.6 E. 3a, Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1351/2006  vom  29. Oktober  2007 
E. 3.1; GERHARD SCHAFROTH/DOMINIK ROMANG, mwst.com, Kommentar zum 
Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer,  Basel  2000,  N. 24 ff.  zu 
Art. 21;  ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER, Handbuch 
zum Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], Bern 2003, 2. Aufl., S. 345 ff.).

2.2.2 Des  Weitern  bedingt  die  Steuerpflicht  die  selbständige  Aus-
übung der gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit. Wichtige Kriterien 
hierfür sind beispielsweise, dass die steuerbare Tätigkeit  im eigenen 
Namen, auf eigenes wirtschaftliches und unternehmerisches Risiko, in 
betriebswirtschaftlicher  oder  arbeitsorganisatorischer  Unabhängigkeit 

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von einem Arbeitgeber erbracht wird (statt vieler: Urteile des Bundes-
gerichts 2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3, vom 27. Oktober 2000, ver-
öffentlicht  in  Revue de Droit  Administratif  et  de  Droit  Fiscal  [RDAF] 
2001 II  56 und in Archiv für  Schweizerisches Abgaberecht  [ASA] 71 
S. 653 f.; Entscheide der SRK vom 21. Februar 2000, veröffentlicht in 
VPB  64.113  E. 3a,  vom 23. März  1999,  veröffentlicht  in  VPB  63.91 
E. 3b, vom 21. Januar 1997, veröffentlicht in VPB 64.46 E. 2a). Ob der 
Leistungserbringer selbständig im mehrwertsteuerlichen Sinn handelt, 
ist aber aufgrund der Gesamtheit der wirtschaftlichen Verhältnisse zu 
beurteilen. Angesichts des Wesens der Mehrwertsteuer als allgemeine 
Verbrauchsteuer  ist  der  Selbständigkeitsbegriff  eher  weit  auszulegen 
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1580/2006 vom 16. Mai 2007 
E. 2.2; vgl. DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allgemei-
ne Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkungen auf das 
schweizerische Recht, Bern 1999, S. 115, 175).

Die Frage, ob ein Unternehmer im eigenen Namen auftritt oder nicht, 
ist aber nicht nur für den Tatbestand der Selbständigkeit massgeblich, 
sondern  nach  konstanter  Rechtsprechung  auch  dafür,  ob  der  Un-
ternehmer  überhaupt  als  mehrwertsteuerlicher  Leistungserbringer 
oder -empfänger zu gelten hat. Denn das Handeln wird grundsätzlich 
demjenigen mehrwertsteuerlich zugerechnet, der nach aussen, gegen-
über  Dritten  im  eigenen  Namen  auftritt  (Urteil  des  Bundesverwal-
tungsgerichts A-1341/2006 vom 7. März 2007 E. 2.3.1; Entscheide der 
SRK vom 4. Dezember 2003, veröffentlicht in VPB 68.71 E. 2b, vom 
15. November 2002, veröffentlicht in VPB 67.50 E. 2b, vom 21. Januar 
1997, veröffentlicht in VPB 64.46 E. 3a und b).

In wessen Namen aufgetreten wird, ist ferner von zentraler Bedeutung 
beim  mehrwertsteuerlichen  Stellvertretungstatbestand  von  Art. 10 
MWSTV bzw. Art. 11 MWSTG. Denn als blosser Vermittler einer Leis-
tung gilt nur, wer diese ausdrücklich im Namen und für Rechnung des 
Vertretenen tätigt, so dass das Umsatzgeschäft direkt zwischen dem 
Vertretenen und dem Dritten zustande kommt (Abs. 1). Handelt bei ei-
ner Leistung der Vertreter zwar für fremde Rechnung, tritt er aber nicht 
ausdrücklich im Namen des Vertretenen auf, so liegt sowohl zwischen 
dem Vertretenen und dem Vertreter als auch zwischen dem Vertreter 
und dem Dritten eine mehrwertsteuerliche Leistung vor (Abs. 2).

2.3 Die Steuer wird vom Entgelt berechnet. Dazu gehört alles, was der 
Leistungsempfänger oder ein Dritter für ihn als Gegenleistung für die 

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Leistung aufwendet. Die Gegenleistung umfasst auch den Ersatz aller 
Kosten,  selbst  wenn  diese  gesondert  in  Rechnung  gestellt  werden 
(Art. 26 Abs. 1 und 2 MWSTV; Art. 33 Abs. 1 und 2 MWSTG).

2.4 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in 
erster Linie aus einer zivil-,  sprich vertragsrechtlichen Sicht, sondern 
nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien  zu  erfolgen  (Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.304/2003  vom  14.  November  2003  E.  3.6.1,  mit 
Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1434/2006  vom 
14. Mai 2007 E. 2.3; Entscheide der SRK vom 5. Juli 2005, veröffent-
licht in VPB 70.7 E. 2a, vom 18. November 2002, veröffentlicht in VPB 
67.49 E. 3c/aa; ausführlich: RIEDO, a.a.O., S. 112).

2.5

2.5.1 Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt 
nach  dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art. 37 f.  MWSTV;  Art.  46 f. 
MWSTG; vgl.  ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizeri-
schen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 421 ff.). Der Steuerpflich-
tige hat selbst und unaufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern 
abzurechnen  und  innerhalb  von  60 Tagen  nach  Ablauf  der  Abrech-
nungsperiode  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag  (Steuer  vom 
Umsatz abzüglich Vorsteuern) an die ESTV abzuliefern. Das Selbstver-
anlagungsprinzip  bedeutet  auch,  dass  der  Leistungserbringer  selbst 
für  die  Feststellung der  Mehrwertsteuerpflicht  verantwortlich  ist  (vgl. 
Urteile  des  Bundesgerichts  2A.109/2005 vom 10. März  2006 E. 2.1, 
2A.304/2003 vom 14. November 2003 E. 3.5; Entscheid der SRK vom 
16. Juni  2004,  veröffentlicht  in  VPB 68.157  E. 2b/aa mit  Hinweisen; 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1429/2006  vom  29.  August 
2007  E.  2.1  mit  Hinweisen).  Die  Verwaltung  ermittelt  die  Höhe  des 
geschuldeten Mehrwertsteuerbetrags nur dann an Stelle des Steuer-
pflichtigen,  wenn  dieser  seinen  Pflichten  nicht  nachkommt  (Art. 48 
MWSTV;  Art.  60  MWSTG;  vgl.  CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER,  a.a.O., 
S. 569 ff.). Ein Verstoss des Steuerpflichtigen gegen diesen Grundsatz 
ist als schwerwiegend anzusehen, da er durch die Nichtbeachtung die 
ordnungsgemässe Erhebung der Mehrwertsteuer gefährdet  (vgl. Ent-
scheid der SRK vom 19. Mai 2004, veröffentlicht in VPB 68.131 E. 2b; 
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1531/2006 vom 10. Januar 
2008  E. 2.2,  A-1397/2006  vom 19. Juli  2007  E. 2.2,  je  mit  weiteren 
Hinweisen).

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2.5.2 Der  Mehrwertsteuerpflichtige  hat  seine  Geschäftsbücher  ord-
nungsgemäss zu führen und so einzurichten, dass sich aus ihnen die 
für  die  Feststellung  der  Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die  Berech-
nung  der  Steuer  und  der  abziehbaren  Vorsteuern  massgebenden 
Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen  (Art. 47  Abs. 1 
MWSTV; Art. 58 Abs. 1 MWSTG). Die ESTV kann hierüber nähere Be-
stimmungen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie mit dem Erlass der 
Wegleitung  1997  für  Mehrwertsteuerpflichtige  (vom  Frühling  1997 
[Wegleitung 1997]) und der Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer (vom 
Sommer 2000 [Wegleitung 2001]) Gebrauch gemacht. Darin sind ge-
nauere Angaben enthalten, wie eine derartige Buchhaltung auszuge-
stalten ist. Insbesondere müssen alle Geschäftsfälle fortlaufend, chro-
nologisch  und  lückenlos  aufgezeichnet  werden  (Wegleitung  1997, 
Rz. 874; Wegleitung 2001, Rz. 890).

2.5.3 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor, oder 
stimmen  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen  Sach-
verhalt offensichtlich nicht überein, so nimmt die ESTV eine Schätzung 
nach  pflichtgemässem  Ermessen  vor  (Art. 48  MWSTV;  Art.  60 
MWSTG). Die Ermessensveranlagung wird unabhängig von den Ursa-
chen vorgenommen und hat keinen Strafcharakter, sondern ist ledig-
lich ein Mittel zur Erreichung einer vollständigen und richtigen Veranla-
gung (UELI MAUSER, mwst.com, a.a.O., N. 3 zu Art. 60). Diesfalls hat die 
Verwaltung diejenige Schätzungsmethode zu wählen, die den individu-
ellen Verhältnissen im Betrieb der Steuerpflichtigen soweit als möglich 
Rechnung trägt,  auf  plausiblen Angaben beruht  und deren Ergebnis 
der wirklichen Situation möglichst nahe kommt (Urteile des Bundesge-
richts 2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 3.2, 2A.253/2005 vom 
3. Februar  2006  E. 4.1;  Entscheid  der  SRK  vom  24. Oktober  2005, 
veröffentlicht in VPB 70.41 E. 2d.aa; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-1397/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.4). In Betracht fallen einer-
seits Methoden, die auf eine Ergänzung oder Rekonstruktion der un-
genügenden Buchhaltung hinauslaufen, andererseits Umsatzschätzun-
gen aufgrund unbestrittener Teil-Rechnungsergebnisse in Verbindung 
mit  Erfahrungssätzen. Die  Anwendung  von Erfahrungszahlen  kommt 
namentlich in Betracht, wenn die Lohnsumme unbestritten feststellbar 
ist.  Bei  der  Anwendung  von  Erfahrungszahlen  ist  allerdings  deren 
Streubreite  zu  beachten,  wenn  eine  den  individuellen  Verhältnissen 
gerecht werdende Schätzung erfolgen soll (Urteile des Bundesgerichts 
vom 4. Mai 1983, veröffentlicht in ASA 52 S. 234 E. 4, vom 31. März 
1983,  veröffentlicht  in  ASA 50 S. 669  E. 2; Entscheid  der  SRK vom 

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24. Oktober  2005,  veröffentlicht  in  VPB  70.41  E. 2d.aa  und 
E. 4e.bb.aaa; vgl. zum Ganzen auch  PASCAL MOLLARD,  TVA et taxation 
par  estimation,  veröffentlicht  in  ASA  69  S. 526 ff.;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1527/2006  vom  6.  März  2008  E.  2.3, 
A-1397/2007  vom  19. Juli  2007  E. 2.4).  Die  brauchbaren  Teile  der 
Buchhaltung und allenfalls vorhandene Belege sind soweit als möglich 
bei der Schätzung mitzuberücksichtigen. Sie können durchaus als Ba-
siswerte der Ermessenstaxation fungieren (vgl. HANS GERBER, Die Steu-
erschätzung  [Veranlagung  nach  Ermessen],  in  Steuer  Revue  [StR] 
1980, S. 307).

2.5.4 Ob die Voraussetzungen für die Vornahme einer Ermessensver-
anlagung  gegeben  sind,  überprüft  das  Bundesverwaltungsgericht 
uneingeschränkt; es auferlegt sich allerdings bei der Überprüfung von 
zulässigerweise  erfolgten  Ermessensveranlagungen  eine  gewisse 
Zurückhaltung und führt so die gefestigte Praxis der SRK weiter (Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1454/2006  vom  26.  September 
2007 E. 2.1 mit  Hinweisen). Sind die Voraussetzungen einer Ermes-
senstaxation erfüllt,  obliegt es dem Steuerpflichtigen, den Beweis für 
die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen. Erst wenn er den Nach-
weis dafür erbringt, dass der Vorinstanz bei der Schätzung erhebliche 
Ermessensfehler  unterlaufen  sind,  nimmt  das  Bundesverwaltungs-
gericht eine Korrektur der vorinstanzlichen Schätzung vor (Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1531/2006  vom  10. Januar  2008 
E. 2.5.2, A-1429/2006 vom 29. August 2007 E. 2.4, A-1397/2006 vom 
19. Juli  2007  E. 2.5.2;  vgl.  Entscheid  der  SRK vom 5. Januar  2000, 
veröffentlicht  in  VPB 64.83  E. 2). Insoweit  erfolgt  somit  eine  Abkehr 
von der allgemeinen Beweislastregel,  wonach die Steuerbehörde die 
Beweislast  für  Tatsachen  trägt,  welche  die  Steuerpflicht  als  solche 
begründen oder die Steuerforderung erhöhen, das heisst für die steu-
erbegründenden und -mehrenden Tatsachen, währenddem der Steuer-
pflichtige für  die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen be-
weisbelastet  ist,  das  heisst  für  solche  Tatsachen,  welche  Steuerbe-
freiung oder Steuerbegünstigung bewirken (statt vieler: Urteil des Bun-
desgerichts  vom  14. Juli  2005,  veröffentlicht  in  ASA  75  S. 495 ff. 
E. 5.4; Entscheid  der  SRK vom 18. November  2002,  veröffentlicht  in 
VPB  67.49,  E. 3b/bb;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1503/2007 vom 5. Dezember 2007 E. 1.3, A-1373/2006 vom 16. No-
vember 2007 E. 2.1 und A-1429/2006 vom 29. August 2007 E. 2.4, je 
mit Hinweisen).

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2.6

2.6.1 Verwendet  die  steuerpflichtige  Person  Gegenstände  oder 
Dienstleistungen für steuerbare Ausgangsleistungen, so kann sie in ih-
rer Steuerabrechnung die ihr von anderen Steuerpflichtigen in Rech-
nung gestellte Steuer für Lieferungen und Dienstleistungen abziehen. 
Die Rechnungen bzw. Belege müssen mit den Angaben nach Art. 28 
MWSTV bzw. Art.  37  MWSTG versehen  sein  (Art.  29  Abs. 1  und  2 
MWSTV; Art. 38 Abs. 1 und 2 MWSTG). Erfüllen die Vorsteuerbelege 
die formellen Anforderungen nicht,  muss der Vorsteuerabzug verwei-
gert werden (Entscheide der SRK vom 25. März 2002, veröffentlicht in 
VPB 66.97 E. 4b, vom 15. Oktober 1999, veröffentlicht in VPB 64.47 
E. 4;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1438/2006  vom  11. 
Juni 2007 E. 3.1, 3.2, A-1476/2006 vom 26. April 2007 E. 4.2.1).

Nach neuem Verordnungsrecht (in Kraft seit 1. Juli 2006) hat die ESTV 
auch  Rechnungen  und  Rechnungen  ersetzende  Dokumente  anzuer-
kennen,  welche  die  Anforderungen  an  die  Angaben  zu  Namen  und 
Adresse der steuerpflichtigen Person und zum Empfänger  der Liefe-
rung oder der Dienstleistung nach Art. 37 Abs. 1 Bst. a und b MWSTG 
(entspricht Art. 28 Abs. 1 Bst. a und b MWSTV) nicht vollumfänglich 
erfüllen, sofern die tatsächlich vorhandenen Angaben die betreffenden 
Personen  eindeutig  identifizieren  (Art.  15a  der  Verordnung  vom 
29. März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer 
[MWSTGV,  SR  641.201]).  Allein  aufgrund  von  Formmängeln  wird 
überdies keine Steuernachforderung erhoben, wenn erkennbar ist oder 
die steuerpflichtige Person nachweist, dass durch die Nichteinhaltung 
einer  Formvorschrift  des  Gesetzes  oder  dieser  Verordnung  für  die 
Erstellung von Belegen für den Bund kein Steuerausfall entstanden ist 
(Art. 45a MWSTGV; zur Rechtmässigkeit dieser neuen Bestimmungen 
und  deren  rückwirkenden  Anwendung  ausführlich:  Urteile  des  Bun-
desverwaltungsgerichts  A-1437/2006  und  A-1438/2006  vom  11. Juni 
2007 E. 3.3,  A-1476/2006 vom 26. April  2007 E. 4.2.3,  A-1352/2006 
vom  25. April  2007  E.  6,  A-1455/2006  vom  25.  April  2007  E.  5.4). 
Allerdings bleibt das Vorhandensein einer Rechnung (oder eines ent-
sprechenden  Belegs)  eine  unabdingbare,  materiellrechtliche  Voraus-
setzung  für  den  Vorsteuerabzug.  Fehlt  die  Rechnung,  kann  dieser 
Mangel  nicht  durch  Art.  15a  oder  45a  MWSTGV  geheilt  werden 
(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1389/2006 vom 21. Januar 
2008  E. 4.1,  A-1438/2006  vom  11.  Juni  2007  E.  3.2  und  3.3, 
A-1476/2006 vom 26. April 2007 E. 5.2.2).

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2.6.2 Im Rahmen einer  Ermessensveranlagung obliegt  es der ESTV 
grundsätzlich  bloss,  den  pflichtwidrig  nicht  oder  falsch  deklarierten 
Umsatz  des  Mehrwertsteuerpflichtigen  zu  ermitteln.  Die  Geltendma-
chung  der  eventuell  angefallenen  Vorsteuern  ist  demgegenüber  ein 
Recht  des Steuerpflichtigen, ihm ist  es anheim gestellt,  ob er  davon 
Gebrauch machen will. Es ist nicht die Aufgabe der ESTV, ein Recht, 
das  dem  Mehrwertsteuerpflichtigen  zusteht,  für  diesen  auszuüben. 
Sofern er von der selbst deklarierten bzw. von der ESTV geschätzten 
Ausgangsumsatzsteuer Vorsteuern abziehen will, so hat er dafür den 
vollen Nachweis gemäss Art. 29 Abs. 1 i.V.m Art. 28 Abs. 1 MWSTV 
bzw. Art. 38 Abs. 1 i.V.m. Art. 37 Abs. 1 MWSTG zu erbringen (Vor-
steuerabzug als steuermindernde Tatsache; vgl. E. 2.5.4 hievor). Ohne 
diesen Nachweis kann nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit davon 
ausgegangen werden, dass der Leistungserbringer selber steuerpflich-
tig war und den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag auch tatsächlich 
abgeliefert  hat  oder  noch  abliefern  wird  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.558/2005  E.  2.3;  Entscheid  der  SRK  vom  12. Mai  2005  [SRK 
2003-167] E. 4b.b.aaa). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuwei-
sen, dass es dem Steuerpflichtigen unbenommen ist,  sogar noch im 
Rahmen einer Beschwerde gegen eine Schätzung mittels Belegen den 
Nachweis für angefallene Vorsteuern zu erbringen (Entscheid der SRK 
vom 12. Mai 2005 [SRK 2003-167] E. 4b.bb; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1535/2006 vom 14. März 2007 E. 2.5.4).

3.

3.1 Im vorliegenden Fall betreibt die Beschwerdeführerin für die mass-
gebliche Zeit das Erotiketablissement "...". Sie stellt den in ihrem Be-
trieb  tätigen Sexarbeiterinnen nach eigenen Angaben gegen Entgelt 
ihre  Infrastruktur  (u. a. die  Räumlichkeiten,  wo sich  die  Kunden und 
Frauen kennen lernen können, die verschiedenen Zimmer und die Ein-
richtungen für  das Inkasso) zur Verfügung. Entgegen der Auffassung 
der  Beschwerdeführerin  handelt  es sich  nach dem Gesagten klarer-
weise  um  eine  mehrwertsteuerrechtlich  relevante  gewerbliche  oder 
berufliche  Tätigkeit  (vgl.  E. 2.2.2  hievor),  die  sie  zudem selbständig 
ausübt. Unzutreffend ist daher der vorab pauschale Einwand, es hand-
le sich nicht um eine wirtschaftliche Leistung. Soweit die Beschwerde-
führerin  geltend  macht,  die  Prostitution  als  sittlich  missbilligtes  Ge-
schäft sei nicht Gegenstand der Mehrwertsteuer, scheint sie jedenfalls 
zu verkennen, dass selbst Umsätze aus unerlaubten oder strafbaren 

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Tätigkeiten  der  Mehrwertsteuer  grundsätzlich  unterstehen  (BVGE 
2007/23 S. 263 E. 4 ff., insbesondere E. 4.5 und 4.6).

Nach  unwidersprochen  gebliebener  Darstellung  der  ESTV  betrugen 
die  Einnahmen  gemäss  den  vorhandenen  Geschäftsbüchern  vom 
1. Juli  bis  31. Dezember  2000  Fr. 263'210.--  und  vom 1. Januar  bis 
30. September  2001 Fr. 365'490.--.  Unter  diesen Umständen hat  die 
ESTV zu Recht rückwirkend auf den 1. Juli  2000 die Eintragung der 
Beschwerdeführerin  ins  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  vor-
genommen  (vgl.  E.  2.2.1  hievor).  Die  Höhe  der  Steuer,  welche  die 
ESTV direkt  infolge der Eintragung mit  der angefochtenen EA nach-
gefordert  hat,  wurde  von  der  Beschwerdeführerin  nicht  beanstandet 
(Fr. 18'363.50 sowie  Fr. 25'815.30 verbuchter  Umsatz  gemäss Ziff. 1 
der Beiblätter zu den Ergänzungsabrechnungen Nr. ... und Nr. ...). Die-
se ist demnach nicht in Zweifel zu ziehen.

3.2 Im Weitern ist zu prüfen, ob auch die Umsätze aus den erotischen 
Dienstleistungen,  welche die im Etablissement tätigen Frauen erziel-
ten, mehrwertsteuerlich der Beschwerdeführerin zuzuordnen sind, wie 
die ESTV geltend macht. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies und 
macht  sinngemäss  die  mehrwertsteuerliche  Selbständigkeit  der  Da-
men geltend.

3.2.1 Zunächst  betreibt die  Beschwerdeführerin  in  Zeitschriften  und 
auf ihrer Homepage für ihr Etablissement bzw. für die Damen Werbung 
und weist dabei auf das Sexangebot hin. Bei den Akten liegende Aus-
drucke von Homepage-Aufritten (vom 4. Dezember 2000 und 10. Sep-
tember  2001,  Vernehmlassungsbeilagen  15)  verdeutlichen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  jeweils im eigenen Namen (des Etablissements) 
die einzelnen Leistungen anbietet bzw. anpreist. Auf der Startseite wird 
der Besucher mit  den folgenden Worten begrüsst: "Etablissement ..., 
Herzlich willkommen [...]". Neben dem Firmenemblem befindet sich ein 
Foto, das ausschliesslich die Beschwerdeführerin zeigt. Unter der Rub-
rik "Preise" werden die verschiedenen Parties beworben: "Party Time: 
Montag und Mittwoch, jeweils von 15.00 bis 01.00 Uhr, für Fr. 400.--; 
jeden  Freitag  die  Mega  Nacht-Party  ab  19.00  bis  05.00  Uhr,  für 
Fr. 500.--. An allen Parties sind Girls, Snacks und Drinks à discretion 
inbegriffen". Unter der Rubrik "Special" kann eingesehen werden, wel-
che Damen an welchen Tagen bzw. an welchen Parties wieder bzw. 
neu  anwesend  sind. Die  Frauen  werden  dabei  ausdrücklich  als  "...-
Girls"  bezeichnet.  Für  eine  allfällige  Kontaktaufnahme  wird  auf  der 

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gesamten Homepage ausschliesslich auf die Adresse und die Telefon-
nummern des Etablissements bzw. die Handy-Nummer der Beschwer-
deführerin verwiesen. Eine Direktkontaktnahme mit der jeweiligen Sex-
arbeiterin ohne Zuhilfenahme der Beschwerdeführerin bleibt dem Kun-
den also verwehrt. Die Beschwerdeführerin behauptet nicht,  dass für 
die Leistungen der Damen in ihrem Etablissement Werbung an ande-
rer  Stelle  auch  im Namen der  eigentlichen  Leistungserbringerinnen, 
d.h. aller dort arbeitenden und auch verfügbaren Damen je einzeln mit 
Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme etc., erfolgen würde und er-
bringt jedenfalls keinen entsprechenden Nachweis. Es liegen überdies 
ganz  generell  keine  Hinweise  bzw.  Belege  (namentlich  auf  Damen 
ausgestellte Rechnungen, Geschäftspapiere mit eigenem Briefkopf, ei-
gene Prospekte usw.) dafür vor, dass die Frauen nach aussen als selb-
ständige Unternehmerinnen, unter eigener Firma, in Erscheinung tre-
ten. Vielmehr tragen die anlässlich der Kontrolle vorgefundenen Kredit- 
und  EC-Karten-Abrechnungsbelege  von  verschiedenen  Parties  die 
Aufschrift  "...",  wobei  die  Zahlungen  unbestrittenermassen  über  das 
Konto der Beschwerdeführerin erfolgt sind. Folglich fehlt es für die An-
nahme der mehrwertsteuerlichen Selbständigkeit der Sexarbeiterinnen 
mit Bezug auf die durch die Beschwerdeführerin angepriesenen Leis-
tungen zunächst am rechtsgenügenden Auftritt  der einzelnen Damen 
nach aussen im eigenen Namen (vgl. Entscheid der SRK vom 15. No-
vember  2002,  a.a.O.,  E.  3;  siehe  auch  Urteile  des  Bundesver-
waltungsgerichts  A-1382/2006  und  A-1383/2006  vom  19.  Juli  2007 
E. 3.1,  noch  nicht  rechtskräftige  Urteile  des  Bundesverwaltungs-
gerichts  A-1399/2006 und A-1400/2006 vom 6. Februar  2008 E. 3.1; 
A-1392/2006 vom 29. Oktober  2007 E. 4.1; vgl. E. 2.2.3  hievor). Die 
Behauptung,  für  die  in  concreto  in  Frage stehenden Steuerperioden 
sei noch keine Werbung im Internet erfolgt, erweist sich nach den vor-
stehenden Darstellungen als schlicht tatsachen- und aktenwidrig. 

3.2.2 Ferner kann nicht gesagt werden, die Sexarbeiterinnen handel-
ten  in völliger  betriebswirtschaftlicher  bzw.  arbeitsorganisatorischer 
Unabhängigkeit: Montags, mittwochs und freitags bietet die Beschwer-
deführerin Parties an, wobei sie auch die jeweiligen Tarife festlegt. In 
den Pauschalbeträgen sind sämtliche sexuellen Dienstleistungen wäh-
rend  der  Party  inbegriffen.  Der  Umsatz  wird  dabei  nach  einem  be-
stimmten Schlüssel auf die anwesenden Damen verteilt. Diese können 
demnach die genauen Preise für die jeweils konkret erbrachten Leis-
tungen in keiner Weise mitbestimmen. Es ist durchaus möglich, dass 
die Preise gegenüber denjenigen im Einzelservice stark verbilligt sind. 

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Jedenfalls beeinträchtigt die Preisvorgabe der Beschwerdeführerin die 
betriebswirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen (vgl. Entscheid der 
SRK vom 15. November 2002, a.a.O., E. 3; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts  vom  19.  Juli  2007,  a.a.O.,  E.  3.2;  noch  nicht  rechts-
kräftige Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Februar 2008, 
a.a.O., E. 3.2, vom 29. Oktober 2007, a.a.O., E. 4.2).

Nicht nur das spricht gegen eine mehrwertsteuerliche Selbständigkeit 
der Damen, sondern auch der Umstand, dass sie in einer weitgehen-
den  arbeitsorganisatorischen  Abhängigkeit  zur  Beschwerdeführerin 
stehen. Denn es sind jeweils mehrere Frauen, welche die Infrastruktur 
und die weiteren Betriebsmittel gleichzeitig oder nacheinander für ihre 
Sexangebote  nutzen.  Zudem  legt  die  Beschwerdeführerin  die  Öff-
nungszeiten des Etablissements bzw. die Dauer der Parties fest. Um-
fang und Zeitpunkt der Leistungserbringung der einzelnen Damen sind 
folglich  direkt  von  der  Belegungsdichte  der  beschwerdeführerischen 
Betriebsmittel abhängig. Leistungsumfang und -zeit können die Sexar-
beiterinnen dementsprechend nur bedingt frei wählen. Sie bestimmen 
sich  vielmehr  nach  Massgabe  der  betrieblichen  Möglichkeiten  und 
weitgehend auch der Bedürfnisse bzw. des Willens der Beschwerde-
führerin (Entscheid der SRK vom 15. November 2002, a.a.O., E. 3; Ur-
teile des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juli 2007, a.a.O., jeweils 
E.  3.2,  noch  nicht  rechtskräftige  Urteile  des  Bundesverwaltungsge-
richts  vom 6.  Februar  2008,  a.a.O.,  E.  3.2,  vom 29.  Oktober  2007, 
a.a.O., E. 4.2). Es steht im ureigensten Interesse der Beschwerdefüh-
rerin,  dass  die  Zimmer  bestmöglich  ausgelastet  sind  und  dass 
Friktionen weitestgehend vermieden werden, weshalb sich die Damen 
zwangsläufig  einer  entsprechenden  betrieblichen  Ordnung  der  Be-
schwerdeführerin unterziehen müssen. So werden die Anwesenheiten 
der  Sexarbeiterinnen  wohl  derartig  zusammengestellt,  dass  sie  die 
Bedürfnisse der Kunden bestmöglich abdecken und so eine möglichst 
hohe Auslastung des Etablissements der Beschwerdeführerin erreicht 
werden kann.

3.2.3 Zusammenfassend ist  festzustellen,  dass  die angebotenen se-
xuellen  Dienstleistungen  aufgrund  des  nach  aussen  sichtbaren  Er-
scheinungsbildes  einen  integrierten  Zweig  des  Erotiketablissements 
der  Beschwerdeführerin  darstellen.  Massgebend  ist,  dass  sie  nach 
aussen im eigenen Namen auftritt, und nicht die einzelnen Damen. Die 
Umsätze sind den Beschwerdeführerin  mehrwertsteuerlich zuzurech-
nen.

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3.2.4 Es  bleibt,  auf  die  übrigen  Argumente  der  Beschwerdeführerin 
einzugehen, soweit  sie nicht bereits durch die vorangehenden Erwä-
gungen ausdrücklich oder implizite widerlegt sind.

3.2.4.1 Sie macht vorab geltend, die Frauen führten ihre Tätigkeit als 
Selbständigerwerbende aus. Sie allein seien aus ihrer Dienstleistungs-
beziehung berechtigt und verpflichtet. Soweit die Beschwerdeführerin 
damit  auf  die  arbeitsrechtliche  Selbständigkeit  der  Sexarbeiterinnen 
hinweisen will,  ist  ihr  entgegenzuhalten, dass die Analyse der Frage 
nach der Selbständigkeit unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten höch-
stens  eine  Auslegungshilfe  –  mithin  ein  Indiz  –  darstellt,  jedenfalls 
nicht  allein  entscheidend  sein  kann (E. 2.4  hievor). Im vorliegenden 
Fall  wird den Damen die mehrwertsteuerliche Selbständigkeit  jedoch 
nicht etwa aufgrund der Annahme abgesprochen, sie stünden in einem 
arbeitsrechtlichen Verhältnis zur Beschwerdeführerin, sondern weil für 
die  sexuellen  Dienstleistungen  im Etablissements  nicht  sie,  sondern 
die Beschwerdeführerin  im eigenen Namen nach aussen in  Erschei-
nung  tritt  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  19.  Juli 
2007,  a.a.O.,  jeweils  E.  3.4.2,  noch  nicht  rechtskräftige  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Februar 2008, a.a.O., E. 3.4.1, vom 
29. Oktober 2007, a.a.O., E. 4.3). Als mehrwertsteuerliche Leistungs-
erbringerin hat folglich die Beschwerdeführerin zu gelten (E. 2.2.3 hie-
vor).

3.2.4.2 Die Beschwerdeführerin hält zudem dafür, die schweizerische 
Rechtsordnung lasse das gelegentliche oder gewerbsmässige Anbie-
ten  oder  Preisgeben  des  eigenen  Körpers  an  beliebige  Personen 
gegen Entlöhnung in Geld oder andern materiellen Werten nur in selb-
ständiger  und  unabhängiger  Tätigkeit  zu  (Art.  195  des  Schweizeri-
schen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember  1937 [StGB,  SR 311.0]). 
Die im Etablissement tätigen Frauen seien selbständig, unbeeinflusst 
und  unüberwacht  mit  direktem  Leistungsanspruch  gegenüber  ihren 
Kunden tätig  gewesen. Mit  der  gegenteiligen Behauptung bezichtige 
die ESTV die Beschwerdeführerin der Förderung der Prostitution.

Laut Art. 195 Abs. 3 StGB wird jemand, der die Handlungsfreiheit einer 
Person,  die  Prostitution  betreibt,  dadurch  beeinträchtigt,  dass  er  sie 
bei  dieser Tätigkeit  überwacht,  oder Ort,  Zeit,  Ausmass oder andere 
Umstände  der  Prostitution  bestimmt,  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  zehn 
Jahren  oder  Geldstrafe  bestraft.  Gemäss  Rechtsprechung  setzt  die 
Strafbarkeit von Art. 195 Abs. 3 StGB voraus, dass auf die Prostituierte 

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ein gewisser Druck ausgeübt wird, dem sie sich nicht ohne weiteres 
entziehen kann, so dass sie in ihrer Entscheidung, ob und wie sie dem 
Gewerbe nachgehen will, nicht mehr vollständig frei ist, und dass die 
Überwachung oder die bestimmende Einflussnahme ihrem Willen oder 
ihren Bedürfnissen zuwiderläuft (BGE 129 IV 81 E 1.2, BGE 126 IV 76 
E. 2, BGE 125 IV 269 E. 1).

Inwieweit  das  Verhalten  der  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Etablisse-
ment den Sexarbeiterinnen gegenüber in irgendeiner Weise im Sinne 
von Art. 195 Abs. 3 StGB strafrechtlich relevant sein könnte, ist nicht 
vom Bundesverwaltungsgericht zu beurteilen und ohnehin nicht mass-
gebend für das vorliegende Verfahren. Die mehrwertsteuerliche Selb-
ständigkeit wird den Damen nicht abgesprochen, weil auf sie ein un-
zulässiger Druck ausgeübt wird, sondern weil sie sich in die Organisa-
tion der Beschwerdeführerin  einfügen und gegen aussen letztere für 
die durch die Dienstleistungen der Frauen erzielten Umsätze als mehr-
wertsteuerliche Leistungserbringerin in Erscheinung tritt. Wie die Ge-
gebenheiten im Innenverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und 
den Frauen allenfalls in strafrechtlicher Hinsicht zu qualifizieren wären, 
ist  dabei  ebenso wenig entscheidend wie die Natur des Vertragsver-
hältnisses.

3.2.4.3 Die Beschwerdeführerin bringt des Weitern an, die Frauen un-
terlägen keiner Rechenschafts- und Erscheinungspflicht. Sie handelten 
auf eigene Rechnung und Gefahr, zumal sie ihren Einsatz unabhängig 
und ohne an Weisungen gebunden zu sein  nach Belieben festlegen 
würden. Abgesehen  davon,  dass  die  Beschwerdeführerin  diese  Vor-
bringen nicht  belegt,  kommt es im vorliegenden Fall  darauf  nicht  im 
Wesentlichen an. Massgebend ist  zunächst wiederum die Frage, wie 
das Sexangebot für die Allgemeinheit, für den neutralen Dritten objek-
tiv erkennbar in Erscheinung tritt (Entscheid der SRK vom 15. Novem-
ber 2002,  a.a.O.,  E. 4d; Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 
19. Juli  2007,  a.a.O.,  E. 3.4.1  3. Abschnitt,  noch nicht  rechtskräftige 
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Februar 2008, a.a.O., 
E.  3.4.2,  vom  29. Oktober  2007,  a.a.O.,  E.  4.3  3. Abschnitt).  Unter 
diesem Blickwinkel erscheint – wie gezeigt (E. 3.2.1 hievor) – jeweils 
die Beschwerdeführerin als Anbieterin der sexuellen Dienstleistungen 
am Markt. Selbstverständlich vereinbart der Kunde letztlich mit der ein-
zelnen Dame die Einzelheiten der zu erbringenden Leistung. Dies ver-
ändert jedoch genauso wenig wie die Behauptung, das jeweilige Ent-
gelt werde direkt durch die Prostituierten gefordert und bezogen (was 

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jedoch nur für den Fall der Barzahlung gelten kann), das nach aussen 
vermittelte Gesamtbild, wonach die Beschwerdeführerin mit der Zuhil-
fenahme der im Etablissement anwesenden Damen als  Leistungser-
bringerin auftritt. Denn, falls die Sexarbeiterinnen im Betrieb der Be-
schwerdeführerin  tätig  sind,  unterliegen  sie  der  beschriebenen  be-
triebswirtschaftlichen- und arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit (vgl. 
E. 3.2  hievor).  Bei  diesem Ergebnis  sind  die  Ausführungen  der  Be-
schwerdeführerin, wonach sie nicht Beteiligte des die Mehrwertsteuer 
auslösenden Leistungsaustauschverhältnisses sei, folglich nicht zu hö-
ren.

3.2.5 Der  Vollständigkeit  halber  sei  ferner  darauf  hingewiesen,  dass 
sich  von vornherein nicht  die Frage nach einer  allfälligen mehrwert-
steuerlichen Stellvertretung durch die Beschwerdeführerin, ob nun in 
direkter (als blosse Vermittlerin) oder indirekter Form, stellen kann (vgl. 
E. 2.2.3 letzter Abschnitt hievor), da es den Sexarbeiterinnen in Bezug 
auf die im Etablissement der Beschwerdeführerin erbrachten sexuellen 
Dienstleistungen an der mehrwertsteuerlichen Selbständigkeit mangelt 
und die entsprechenden Umsätze der Beschwerdeführerin zuzurech-
nen sind.

4.
Da feststeht, dass die Beschwerdeführerin für die Dienstleistungen der 
Sexarbeiterinnen in ihrem Etablissement in mehrwertsteuerlicher Hin-
sicht  als  Leistungserbringerin  zu betrachten ist,  ist  als  Nächstes die 
Rechtmässigkeit  der  von  der  ESTV vorgenommenen Ermessensein-
schätzung des entsprechenden Umsatzes zu beurteilen (jeweils Ziff. 2 
der Ergänzungsabrechnungen Nr. 280'563 und 280'564 vom 31. Janu-
ar 2002).

4.1 Die  Beschwerdeführerin hat  unbestrittenermassen  die  von  den 
Prostituierten vereinnahmten Entgelte nirgends in ihren Geschäftsbü-
chern und -unterlagen erfasst. Auch hat  sie der ESTV diesbezüglich 
keinerlei  Belege  vorgelegt.  Da  die  entsprechenden  Umsätze  indes 
mehrwertsteuerlich ihr zuzurechnen sind, ist  die Vorinstanz zu Recht 
zum Schluss gekommen, dass die Buchhaltungsunterlagen nicht den 
gesetzlichen  Anforderungen  entsprechen;  sie  sind  nicht  vollständig 
und die ausgewiesenen Ergebnisse stimmen mit dem wirklichen Sach-
verhalt offensichtlich nicht überein (vgl. E. 2.5.2 und 2.5.3). Unter die-
sen Umständen war  die  ESTV klarerweise  dazu berechtigt  und ver-
pflichtet, den fraglichen Umsatz durch Schätzung zu ermitteln. Die Fra-

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ge,  inwieweit  die  Geschäftsbücher  und  -unterlagen  – wie  die  ESTV 
geltend  macht  –  noch  andere  Mängel  aufweisen,  d. h.  ob  die  Be-
schwerdeführerin weder eine Buchhaltung im eigentlichen Sinne noch 
ein Kassabuch führte  und die Tageseinnahmen lediglich handschrift-
lich auf Blätter notierte, welche keine Auskunft über deren Zusammen-
setzung geben, kann demnach offenbleiben. 

4.2 Die ESTV ging bei ihrer Schätzung von der Annahme aus, der sei-
tens der Beschwerdeführerin verbuchte, von den Damen als Entschä-
digung für die Infrastrukturbenützung abzuliefernde Umsatzanteil ent-
spreche  45%  des  Gesamtumsatzes  aus  der  Erbringung  erotischer 
Dienstleistungen. Nach eigener Darstellung hat  sie sich dabei  einer-
seits auf ihr vorliegende Angaben von anderen Steuerpflichtigen, wel-
che im gleichen Bereich tätig sind, sowie andererseits auf mündliche 
Aussagen der Sittenpolizei C._______ gestützt. Demnach mache der 
von  den  Prostituierten  an  das  jeweilige  Etablissement  abzuliefernde 
Umsatzanteil  in  vergleichbaren  Einrichtungen  regelmässig  40  -  45% 
des Gesamtumsatzes aus.

4.2.1 Sind,  wie  im vorliegenden Fall,  die  Voraussetzungen einer  Er-
messenstaxation erfüllt, obliegt es der Beschwerdeführerin, den Nach-
weis zu erbringen, dass die Schätzung der Vorinstanz unrichtig ist bzw. 
dieser dabei erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind. Sie hat sich 
mit  den  einzelnen  Elementen  der  vorgenommenen  Ermessensein-
schätzung im Einzelnen zu befassen und – unter Hinweis auf Beweis-
mittel  –  die  Schätzung  der  Verwaltung  zu  widerlegen  (vgl.  oben 
E. 2.5.4).

Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  die  vorgenommene  Schätzung 
bloss in genereller und allgemeiner Hinsicht, indem sie behauptet, die-
se beruhe auf unzutreffenden, sachwidrigen Annahmen, auf mangeln-
den  Erfahrungszahlen  und  einer  falschen  Schätzungsmethode.  Es 
habe gar keine Vorgabe eines Prozentsatzes bestanden. Zudem fehle 
eine  repräsentative  Erfassung  anderer  Steuerpflichtiger.  Auch  seien 
die Grundlagen der  Schätzung von der ESTV nicht  offengelegt  wor-
den. Eine substanziierte Begründung sowie Belege, welche die Unrich-
tigkeit  der  Schätzung  nachweisen  könnten,  fehlen indes  vollständig. 
Darüber hinaus hat die Beschwerdeführerin in einem Interview im "..." 
selber ausgesagt, sie verdiene ihr Geld durch prozentuale Beteiligung 
am Umsatz ihrer Angestellten [...]. Anlässlich eines TV-Auftritts in der 
Sendung "...",  welche vom Schweizer Fernsehen am ... ausgestrahlt 

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worden ist, hat sie in dieser Hinsicht ferner ausdrücklich erklärt, dass 
ihre Beteiligung am Umsatz der Damen aus den erotischen Dienstleis-
tungen branchenübliche  40% betrage (vgl. Videokassette,  Duplikbei-
lage).  Diese  Prozentangabe  entspricht  denn  auch  in  etwa  den  Ver-
hältnissen in vergleichbaren Fällen, die das Bundesverwaltungsgericht 
zu  beurteilen  hatte  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1399/2006 und A-1400/2006, a.a.O., jeweils E. 3.4.1).

In  Anbetracht  aller  Umstände  erscheint  deshalb  die  Schätzung  des 
abzuliefernden Umsatzanteils der Prostituierten auf 45% des Gesamt-
umsatzes weder als sachwidrig noch als mit den konkreten Verhältnis-
sen des vorliegenden Falls unvereinbar; sie hält einer zurückhaltenden 
Prüfung durch das Bundesverwaltungsgericht  stand. Zu berücksichti-
gen ist  dabei  insbesondere  auch,  dass  sich  die  Annahme von 45% 
(gegenüber den 40%) zugunsten der Beschwerdeführerin auswirkt, er-
gibt sich dadurch doch ein geringerer geschätzter Gesamtumsatz. Fer-
ner fiel eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buch-
haltung mittels Umlage von vornherein ausser Betracht (vgl. E. 2.5.3 
hievor):  die  fraglichen  Umsätze  der  Damen wurden  nirgends  in  den 
Geschäftsbüchern  erfasst.  Den  Akten  kann  zudem entnommen wer-
den, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Kontrolle keine Anga-
ben zur konkreten Abrechnungsart zwischen ihr und den Frauen bzw. 
zur Umsatzbeteiligung machen wollte bzw. konnte.

4.2.2 Die  Beschwerdeführerin  beanstandet  ferner,  die  ESTV  lasse 
ausser Betracht, dass sie die von ihr erzielten Erlöse aus ihrer eigenen 
Tätigkeit als Sexarbeiterin ebenfalls in der Buchhaltung als Einnahmen 
verbucht  habe. Diese müssten in einer kalkulatorischen Aufrechnung 
abgezogen werden. Zudem seien auch die ins Gewicht fallenden Ein-
nahmen  aus  Konsumation,  Begleitservice  etc.  sowie  sonstige,  nicht 
von den Prostituierten erbrachten Dienstleistungen im verbuchten Um-
satz enthalten.

Der  Beschwerdeführerin  ist  entgegenzuhalten,  dass  sie  auch  diese 
Vorbringen in keiner Weise belegt und es sich insoweit um reine Be-
hauptungen handelt; dies hat  im besonderen Masse für  die Position 
der "sonstigen Dienstleistungen" zu gelten, welche nicht einmal näher 
substanziiert wird. Ihre angeblichen Einnahmen aus erotischen Dienst-
leistungen betreffend steht die Rüge ausserdem im Widerspruch zum 
erwähnten  TV-Auftritt,  wo  sie  selber  ausgeführt  hat,  seit  14  Jahren 
nicht mehr als Sexarbeiterin tätig zu sein. Betreffend die Umsätze aus 

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Konsumation ist zudem anzufügen, dass – wie in E. 3.2.1 hievor auf-
gezeigt  –  beispielsweise  in  den  Eintrittspreisen  für  die  an  verschie-
denen  Wochentagen  stattfindenden  Parties  nicht  nur  die  erotischen 
Dienstleistungen, sondern namentlich auch Snacks und Drinks à dis-
cretion  regelmässig  inbegriffen  sind.  Überdies  ist  wenig  glaubhaft, 
dass "ins Gewicht fallende Einnahmen" der Beschwerdeführerin nicht 
gesondert in den Geschäftsbüchern erfasst worden wären.

4.2.3 Insgesamt misslingt der Beschwerdeführerin der Nachweis, dass 
der Vorinstanz bei  der  Schätzung erhebliche Ermessensfehler  unter-
laufen sind. Im Übrigen sind gewisse Fehlerquellen bzw. Unschärfen 
einer  Schätzung  grundsätzlich  inhärent.  Es  wäre  Aufgabe  der  Be-
schwerdeführerin gewesen, durch ordnungsgemäss geführte, vollstän-
dige Aufzeichnungen von vornherein Klarheit über sämtliche erzielten 
Einnahmen zu schaffen. Dieser Obliegenheit ist sie nicht nachgekom-
men und sie hat allfällig nun sich daraus ergebende Konsequenzen zu 
ihren Lasten zu tragen. Die Beschwerde ist in dieser Hinsicht ebenfalls 
abzuweisen.

4.3 Die Beschwerdeführerin rügt des Weitern, die ESTV hätte anläss-
lich der Ermessenseinschätzung auch zu prüfen gehabt, inwieweit Vor-
steuern abzuziehen sind.

Für  eine  Schätzung  der  Vorsteuer  durch  pflichtgemässes  Ermessen 
besteht  nach  der  Rechtsprechung  keine  Veranlassung  (vgl.  E. 2.6.2 
hievor). Gründe für eine Ausnahme liegen nicht vor (Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts A-1553/2006 vom 26. September 2007 E. 2.6 
und 3.1, A-1580/2007 vom 16. Mai 2007 E. 3.2). Da die Beschwerde-
führerin hinsichtlich der angeblich angefallenen Vorsteuern darüber hi-
naus weder im Verfahren vor der ESTV noch im Beschwerdeverfahren 
irgendwelche Belege zum Nachweis eingereicht haben, ist ein Vorsteu-
erabzug auch aus diesem Grund zu verweigern. Der Antrag, zur Er-
mittlung des Vorsteuerabzugs sei auf  den Saldosteuersatz  von 4,5% 
abzustellen, ist demnach abzuweisen. Ohnehin würde dies im Endef-
fekt dazu führen, dass die Beschwerdeführerin im Nachhinein die Ab-
rechnung nach der Saldosteuersatzmethode bewilligt würde. Die annä-
herungsweise Ermittlung der Steuer mittels Saldosteuersätzen als ad-
ministrative  Vereinfachung  des  Abrechnungswesens  im  Sinne  von 
Art. 47 Abs. 3 MWSTV ist jedoch vorgängig bei der ESTV zu beantra-
gen und der jeweils anzuwendende Saldosteuersatz muss von dieser 
bewilligt  werden (vgl. zum Ganzen,  insbesondere  auch zur  Befugnis 

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der ESTV, die Bedingungen bei der Abrechnung nach der Saldosteuer-
satzmethode festzulegen: Entscheid der SRK vom 24. Juni 1999, ver-
öffentlicht  in  VPB 64.111.  E.  3;  Entscheid  der  SRK vom 16. August 
2005  [SRK  2003-041]  E.  4;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1403/2006 vom 5. Juli 2007 E. 2.1, A-1377/2006 vom 20. März 2007 
E. 2.3.). Im Übrigen bildet diese Kompetenzbestimmung keine Grund-
lage  dafür,  gesetzlich  indizierte  Steuernachforderungen  nachträglich 
zu  korrigieren  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1489/2006 
vom 14. Januar 2008 E. 3.3). Mangels fehlender Rechnungen bzw. Be-
lege  ist  ferner  auch  der  Antrag,  die  Vorsteuer  in  dem  von  der  Be-
schwerdeführerin  in  den  Einsprachen  vom 4. November  2002  selbst 
geschätzten Umfang zu berücksichtigen, abzuweisen.

Nicht gehört werden kann die Argumentation der Beschwerdeführerin, 
es sei ihr nicht mehr möglich gewesen, die für den Vorsteuerabzug er-
forderlichen Unterlagen zu beschaffen und vorzulegen,  da die Vorin-
stanz erst mehr als fünf Jahre nach Inkrafttreten der Mehrwertsteuer-
verordnung ihr Etablissement der Steuerpflicht unterstellen wollte. Ob 
und wann die Mehrwertsteuerpflicht erfüllt  ist, hätte die Beschwerde-
führerin  aufgrund  des  Selbstveranlagungsprinzips  selber  abklären 
müssen (E. 2.5.1  hievor). Gestützt  darauf  wäre  sie  auch  verpflichtet 
gewesen,  sich  in  hinreichender  Weise  Kenntnis  über  die  einzelnen 
Verordnungsbestimmungen  zu  verschaffen.  Gemäss  Art.  47  Abs.  2 
MWSTV bzw. Art. 58  Abs. 2  MWSTG hat  der  Steuerpflichtige  seine 
Geschäftsbücher,  Belege,  Geschäftspapiere  und sonstigen Aufzeich-
nungen – unter Vorbehalt von Art. 962 Abs. 2 des Obligationenrechts 
vom 30. März  1911 (OR,  SR 220)  – nämlich  während sechs Jahren 
(Mehrwertsteuerverordnung) bzw. 10 oder bei unbeweglichen Gegen-
ständen 20 Jahren (Mehrwertsteuergesetz) bzw. bis zum allfällig spä-
teren Eintritt der Verjährung der Steuerforderung ordnungsgemäss auf-
zubewahren.

5.
Nach dem Gesagten ist  die  Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. 
Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 2'500.-- sind der Beschwerdefüh-
rerin  aufzuerlegen  (Art. 63.  Abs.  1  VwVG)  und  mit  dem  geleisteten 
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Eine Parteientschä-
digung  an  die  Beschwerdeführerin  ist  nicht  zuzusprechen  (Art.  64 
Abs. 1 VwVG e contrario).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'500.-- verrechnet.

3.
Eine wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Stadelmann Jeannine Müller

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat, 
beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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