# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a8f10631-75ed-5907-9b4b-c11aaddd8382
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.04.2010 E-7845/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7845-2007_2010-04-20.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7845/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  A p r i l  2 0 1 0

Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 
Richter Gérard Scherrer, Richter Bruno Huber, 
Gerichtsschreiber Rudolf Raemy.

A._______,
Irak,
vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 19. Oktober 2007 / 
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7845/2007

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  irakischer  Staatsangehöriger  aus 
B._______, stellte am 11. Januar 1995 in der Schweiz ein Asylgesuch. 
Dieses  wurde  mit  Verfügung  der  Vorinstanz  vom 4. Dezember  1995 
gutgeheissen,  und dem Beschwerdeführer wurde unter Anerkennung 
der Flüchtlingseigenschaft Asyl erteilt. 

B.
Das C._______ gelangte mit Schreiben vom 15. November 2006 unter 
Hinweis auf gerichtliche Bestrafungen des Beschwerdeführers an das 
BFM und  ersuchte  dieses  um Prüfung,  ob  die  Voraussetzungen  für 
einen Asylwiderruf erfüllt seien.

C.
Am 9. August  2007 teilte  die  Vorinstanz dem Beschwerdeführer  mit, 
dass  sie  aufgrund  der  verschiedenen  von  ihm  verübten  Straftaten 
beabsichtige, das Asyl zu widerrufen, und gewährte ihm diesbezüglich 
das rechtliche Gehör.

D.
Nach Erhalt der beantragten Akteneinsicht liess der Beschwerdeführer 
durch seinen Rechtsvertreter am 19. und 28. September 2007 - innert 
der von der Vorinstanz verlängerten Frist - Stellungnahmen zu den Ak-
ten reichen, in welchen er unter anderem mangels Kenntnis des Urteils 
des  Landgerichtes  D._______  (Deutschland)  ein  Absehen  vom 
Asylwiderruf beantragte.

E.
Das BFM widerrief mit Verfügung vom 19. Oktober 2007 das dem Be-
schwerdeführer gewährte Asyl und hielt fest, dass sich der Asylwider -
ruf nicht auch auf die Flüchtlingseigenschaft erstrecke.

F.
Der  Beschwerdeführer  reichte  am  20. November  2007  gegen  diese 
Verfügung Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung vom 19. Ok-
tober 2007 sei aufzuheben und vom Asylwiderruf  abzusehen. Weiter 
sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und die Rechtsverbeiständung 
zu gewähren. Auf die Begründung der Begehren ist, soweit wesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

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G.
Das  Bundesverwaltungsgericht  hiess  mit  Zwischenverfügung  vom 
26. November  2007  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltliche 
Rechtspflege gut und wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltli -
chen  Rechtsverbeiständung  ab.  Gleichzeitig  wurde  die  Beschwerde 
zur Vernehmlassung an das BFM überwiesen.

H.
Das  BFM  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  7. Dezember  2007, 
welche dem Beschwerdeführer am 11. Dezember 2007 zur Kenntnis 
gebracht wurde, die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich 
des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

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(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG und  Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und 
Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG widerruft das Bundesamt das Asyl, 
wenn Flüchtlinge die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz 
verletzt haben, gefährden oder besonders verwerfliche strafbare Hand-
lungen begangen haben. Der  Widerruf  des  Asyls  wegen "besonders 
verwerflicher strafbarer Handlungen" (Art. 63 Abs. 2 AsylG) setzt pra-
xisgemäss  eine  qualifizierte  Asylunwürdigkeit  voraus:  Die  in  Art.  63 
Abs. 2 AsylG vorausgesetzten "besonders verwerflichen" Handlungen 
müssen qualitativ eine Stufe über den einfachen verwerflichen Hand-
lungen im Sinne von Art. 53 AsylG (Asylunwürdigkeit) stehen. Um als 
"besonders verwerfliche" Handlung bezeichnet zu werden, muss die in 
Frage stehende Straftat demnach mit einer erheblichen Strafe bedroht 
sein und eine gewisse Intensität aufweisen (vgl. dazu Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2003 Nr. 11 E. 7 S. 75).

3.2 Nach gefestigter Praxis gelten als "verwerfliche" Handlungen, wel-
che die Asylunwürdigkeit  gemäss Art. 53 AsylG nach sich ziehen, in 
der Regel  solche Delikte, welche dem abstrakten Verbrechensbegriff 
des  Strafgesetzbuches  entsprechen  (vgl.  EMARK  2003  Nr. 11  E. 7 
S. 75, EMARK 1998 Nr. 28, EMARK 1993 Nr. 23; WALTER STÖCKLI, Asyl, 
in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
Basel/Genf/München  2009,  Rz. 11.51).  Gemäss  Art. 9  Abs. 1  des 
Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 in der bis 
zum 31. Dezember 2006 gültigen Fassung (aStBG, SR 311.0) galten 
die  mit  Zuchthaus bedrohten  Handlungen als  Verbrechen. In  Art.  35 
aStGB wurde festgehalten: "Zuchthaus ist die schwerste Freiheitsstra-
fe. Ihre kürzeste Dauer ist  ein Jahr, die längste Dauer 20 Jahre. Wo 
das Gesetz es besonders bestimmt, ist sie lebenslänglich."

3.3 Am 1. Januar 2007 trat mit der Gesetzesänderung gemäss Ziff. 1 
des  Bundesgesetzes  vom 13. Dezember  2002  der  neue  allgemeine 
Teil des StGB in Kraft  (vgl. AS  2006  3459; BBl  1999  1979).  Gemäss 

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dem seit Anfang 2007 gültigen Art. 10 StGB sind Verbrechen jene Ta-
ten,  die  mit  Freiheitsstrafe  von  mehr  als  drei  Jahren  bedroht  sind 
(Abs. 2). Als Vergehen werden demgegenüber Taten bezeichnet, wel-
che mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht  
sind (Abs. 3). Die Unterscheidung zwischen Zuchthaus- und Gefäng-
nisstrafe wurde aufgegeben.

3.4 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM das Asyl des Beschwerde-
führers zu Recht beziehungsweise unter Wahrung der relevanten Ver-
fahrensgrundsätze  widerrufen  hat.  Vorauszuschicken  ist  indessen, 
dass die vom Beschwerdeführer vor dem 1. Oktober 1999 begangenen 
Straftaten – unbesehen der Frage, ob es sich dabei um besonders ver-
werfliche strafbare Handlungen im hier zu beachtenden Sinn handelt – 
nicht als Grundlage für den Asylwiderruf in Betracht fallen, weil Art.  63 
Abs. 2 AsylG damals noch nicht in Kraft war (vgl. dazu BVGE 2009/3).

4.

4.1 Das BFM führte  zur  Begründung seiner  Verfügung aus,  der  Be-
schwerdeführer sei der Begehung verschiedener Straftaten für schul-
dig befunden worden. Er habe eine gerichtliche Bestrafung erwirkt we-
gen mehrfacher  Anstiftung zu  Irreführung  der  Rechtspflege,  mehrfa-
cher Anstiftung zu Begünstigung, Fahrens ohne Führerschein und Ver-
letzung von Verkehrsregeln (Urteil des Bezirksgerichts E._______ vom 
28. August 1997; 5 Monate bedingt, Probezeit zwei Jahre). Mit Verfü-
gung  des  C._______  vom  26. Januar  1998  sei  er  zudem  verwarnt 
worden.  Das  Landesgericht  D._______  habe  ihn  mit  Urteil  vom 
1. Februar  2005  wegen  unerlaubter  Einfuhr  von  Betäubungsmitteln 
und unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in jeweils nicht 
geringer Menge zu 4 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt 
und nach  der  Strafverbüssung  am 18. Oktober  2006  den  Schweizer 
Behörden übergeben.

Gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG werde das Asyl widerrufen, wenn Flücht-
linge die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben, 
gefährden oder besonders verwerfliche strafbare Handlungen began-
gen  haben.  Unter  verwerflichen  Handlungen  würden  Straftaten  ver-
standen, die mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht 
seien  und  damit  unter  den  Begriff  des  Verbrechens  gemäss  Art. 10 
StGB fallen würden. Darunter würden namentlich die dem Beschwer-
deführer  von  den  deutschen  Behörden  zur  Last  gelegte  unerlaubte 

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Einfuhr von Betäubungsmitteln und das unerlaubte Handeltreiben mit 
Betäubungsmitteln in  nicht  geringen Mengen fallen,  wobei  einzig die 
abstrakte Strafdrohung massgebend sei. Das Begehen einer verwerfli -
chen strafbaren Handlung habe zwingend den Asylwiderruf zur Folge, 
und die verfügende Behörde habe dabei keinen Ermessensspielraum.

4.2 Der Beschwerdeführer weist in seiner Beschwerde vorab auf seine 
Stellungnahmen im erstinstanzlichen  Verfahren,  welche er  zum inte-
grierenden Bestandteil seiner Beschwerde erklärt. Bezüglich das Urteil 
des  Bezirksgerichts  E._______  vom  28. August  1997  hält  er  fest, 
dieses dürfe nicht mehr berücksichtigt werden, weil der entsprechende 
Strafregistereintrag  zwischenzeitlich  gelöscht  worden  sei.  Sodann 
anerkennt er die Verurteilung durch das Landesgericht D._______ vom 
1. Februar 2005. Zum Strafurteil aus Deutschland hält er jedoch fest, 
dass er nicht über ein motiviertes Urteil verfüge. Falls den Akten des 
BFM ein entsprechendes Urteil beiliege, werde darum ersucht, dieses 
unter Gewährung einer Frist zur Stellungnahme offen zu legen.

Betreffend die Anwendbarkeit von Art. 63 Abs. 2 AsylG stellt sich der 
Beschwerdeführer  auf  den  Standpunkt,  dass  besonders  verwerfliche 
Straftaten in der Schweiz begangen worden sein müssten, um als Wi-
derrufsgrund  in  Betracht  zu  kommen.  Nach  publizierter  Rechtspre-
chung der Schweizerischen Asylrekurskommission sei zudem die Fest-
stellung  der  Vorinstanz  unzutreffend,  wonach  für  die  Wertung  einer 
Straftat  als  besonders  verwerfliche Handlung die  abstrakte  Strafdro-
hung  des  schweizerischen  Strafrechts  massgebend  sei.  Zu  Unrecht 
werde  sodann  bei  der  Auslegung  des  Begriffs  einer  besonders  ver-
werflichen strafbaren Handlung im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG vom 
formellen Verbrechensbegriff im Sinne von Art. 10 StGB ausgegangen. 
Ein  Asylwiderruf  dürfe  nur  bei  ausserordentlich  schwerwiegenden 
Straftaten in Betracht gezogen werden, wobei in jedem Fall eine Ver-
hältnismässigkeitsprüfung  vorzunehmen  sei.  Der  Gesetzgeber  be-
trachte den Asylwiderruf als ultima ratio. Weiter rügt der Beschwerde-
führer, dass das BFM nicht darlege, weshalb dem Beschwerdeführer 
besonders verwerfliche Straftaten zur Last gelegt würden.

Im Zusammenhang mit dem in Deutschland gefällten Urteil argumen-
tiert der Beschwerdeführer, dass eine Verurteilung wegen gleichartiger 
Delikte in der Schweiz allenfalls ein anderes Erkenntnis des Gerichts 
ergeben und wohl eine andere – höchstwahrscheinlich kürzere – Stra-
fe  nach  sich  gezogen  hätte.  Eine  Beurteilung  der  Strafzumessung 

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durch das Landesgericht (D._______) sei nicht möglich, weil die ange-
wendeten Strafzumessungsfaktoren unbekannt seien. 

Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, der vom BFM verfügte Asylwi-
derruf  sei  unverhältnismässig  und  habe  im  Ergebnis  einen  zusätzli -
chen pönalen Charakter  im Sinne einer  Doppelbestrafung. Das Lan-
desgericht habe die strafrechtlichen Sanktionen gegen den Beschwer-
deführer  verbindlich  und  abschliessend  festgelegt,  und  dieser  habe 
sein Strafe verbüsst.

5.

5.1 Die Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt vor ihrem 
Entscheid  von Amtes wegen vollständig  und  richtig  abzuklären  (vgl. 
Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; Art. 32 und 49 VwVG). Dabei muss 
sie  die  für  das  Verfahren  erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  be-
schaffen und die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber 
ordnungsgemäss  Beweis  führen.  Sie  ist  im Rahmen des  rechtlichen 
Gehörs  (Art. 29  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 (BV, SR 101),  Art. 29 VwVG, 
Art. 32 Abs. 1 VwVG) ferner gehalten, die Vorbringen der betreffenden 
Person tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in 
der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen,  was  sich  entsprechend  in 
der Entscheidbegründung niederschlagen muss (Art. 35 Abs. 1 VwVG 
sowie die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 2004 Nr. 38 
E. 6.3). Die Begründung soll es ermöglichen, einen Entscheid gegebe-
nenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich so-
wohl  diese  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des 
Entscheides ein Bild machen können (BGE 129 I 232 E. 3.2). Die ver-
fügende Behörde muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; 
vielmehr darf sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken (BGE 126 I 97 E. 2b). Die Begründungsdichte hat sich nach dem 
Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen 
der  betreffenden  Person  zu  richten,  wobei  die  bundesgerichtliche 
Rechtsprechung bei  schwerwiegenden Eingriffen in  die  rechtlich  ge-
schützten  Interessen  einer  Person  eine  sorgfältige  Begründung  ver-
langt (EMARK 2006 Nr. 24 E.5.1 S. 256 f.).

5.2 Die  angefochtene  Verfügung  vermag  diesen  Anforderungen  in 
mehrfacher Hinsicht nicht zu genügen.

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5.2.1 Das BFM führt in der Verfügung aus, dass entsprechend der gel-
tenden Doktrin diejenigen Straftaten als besonders verwerfliche Hand-
lungen  zu  betrachten  seien,  welche  mit  einer  Strafandrohung  von 
mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht seien und damit unter den 
Verbrechensbegriff  des StGB fielen. Darunter würden namentlich die 
dem Beschwerdeführer  zur  Last  gelegte unerlaubte Einfuhr und das 
unerlaubte  Handeltreiben  mit  Betäubungsmitteln  in  nicht  geringen 
Mengen fallen. Dies widerspricht der geltenden Praxis, wonach – wie 
oben  ausgeführt –  diese Definition  für  die  verwerfliche Handlung im 
Sinne von Art. 53 AsylG Geltung erlangt, nicht aber für die besonders 
verwerfliche  Handlung  gemäss  Art. 63  Abs. 2  AsylG.  Das  BFM  be-
schränkt sich sodann darauf, die vom Beschwerdeführer in Deutsch-
land verübten Betäubungsmitteldelikte zu erwähnen, und gelangt ohne 
detaillierte Abwägung zum Schluss, dass die Voraussetzungen für den 
Asylwiderruf gegeben seien. Dazu ist festzuhalten, dass das BFM kei -
ne  konkreten  Ausführungen  zur  besonderen  Verwerflichkeit  gemäss 
Art. 63  Abs. 2  AsylG  macht  beziehungsweise  der  Subsumtion  einen 
falschen Massstab zu Grunde legt (vgl. vorstehend Ziff. 3.1. und 3.2.). 
Das BFM wäre gehalten gewesen darzutun, inwiefern die Delinquenz 
des  Beschwerdeführers  qualitativ  über  den  einfachen  verwerflichen 
Handlungen liegt.

5.2.2 Sodann ist mit Verweis auf EMARK 2003 Nr. 11 E. 7 S. 75 fest-
zuhalten,  dass  bei  einem  Asylwiderruf  gestützt  auf  Art. 63  Abs. 2 
AsylG der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten ist. Dabei 
muss eine Ausgewogenheit hinsichtlich Eingriffsschwere und Gewicht 
des verfolgten öffentlichen Interesses gegeben sein; der mit einer be-
hördlichen Anordnung verbundene Eingriff  darf  im Vergleich  zur  Be-
deutung  des  verfolgten  öffentlichen  Interesses  nicht  unangemessen 
schwer wiegen. Diesbezügliche Abwägungen sind dem angefochtenen 
Entscheid nicht zu entnehmen, was als erheblicher Mangel zu qualifi -
zieren ist.

5.2.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass sich für eine Prüfung sowohl 
der  besonderen  Verwerflichkeit  der  begangenen  Taten  als  auch  der 
Verhältnismässigkeit  eines  Asylwiderrufs  der  Sachverhalt  im  vor-
liegenden Verfahren als  nicht  genügend erstellt  erweist,  liegen doch 
aus dem Strafverfahren des Landesgerichtes D._______ keine Akten, 
nicht einmal die Urteilsschrift, vor, was jedoch für eine Beurteilung im 
vorstehend beschriebenen Sinn unabdingbar gewesen wäre.

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5.3 In Anbetracht dieser Sachlage ergibt sich, dass die Vorinstanz die 
Begründungspflicht verletzt und den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich 
festgestellt  hat. Die  Verletzung der  Begründungspflicht  kann auf  Be-
schwerdeebene im Allgemeinen nicht  ohne Weiteres geheilt  werden, 
zumal  es nicht  Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem 
Bundesverwaltungsgericht  sein  kann,  Unterlassungen der  Vorinstanz 
nachzuholen.  Gegen  eine  Heilung  dieses  Verfahrensmangels  spricht 
weiter die Tatsache, dass dem Beschwerdeführer eine Instanz verloren 
ginge (vgl. dazu EMARK 1998 Nr. 34 E. 10d S. 292). Dies wiegt umso 
schwerer,  als  ein  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  im 
Bereich  des  Asyls  durch  kein  ordentliches  Rechtsmittel  mehr 
angefochten  werden  könnte,  was  für  den  Beschwerdeführer  einen 
erheblichen Nachteil darstellen würde. 

5.4 Zusammenfassend ist  festzuhalten,  dass die Vorinstanz den An-
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt und den 
Sachverhalt  nicht  rechtsgenüglich  erstellt  hat.  Da  eine  Heilung  der 
Verfahrensmängel im Rahmen des Rekursverfahrens vorliegend nicht 
angebracht  ist,  ist  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben  und  die 
Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz 
zurückzuweisen.

6.
Die  Beschwerde  ist  nach  dem Gesagten  insoweit  gutzuheissen,  als 
darin  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  beantragt  wird. 
Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Beschwerdevor-
bringen einzugehen.

7.

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer 
keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Eine  obsiegende  Partei  hat  Anspruch  auf  eine  Parteientschädi-
gung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig 
hohen Kosten (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE,  SR 173.320.2]). Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers 
hat  bis  anhin  keine Kostennote  eingereicht.  Auf  eine  entsprechende 
Nachforderung  kann  verzichtet  werden,  da  sich  der  Parteiaufwand 
zuverlässig abschätzen lässt. Die von der Vorinstanz zu entrichtende 

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Parteientschädigung  ist  von  Amtes  wegen  auf  Fr. 1500.– (inklusive 
Auslagen und MWSt) festzusetzen (Art. 14 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 19. Oktober 2007 wird aufgehoben und 
die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM 
zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  vom  Fr. 1500.– 
zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das 
BFM sowie die kantonale Migrationsbehörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Rudolf Raemy

Versand: 

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