# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9314fa22-d8a9-5921-9dd9-afcce611f0a7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.10.2023 E-4503/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4503-2023_2023-10-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4503/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richter Manuel Borla, Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiberin Kinza Brunner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,   

vertreten durch MLaw Lara Märki,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Rechtsverzögerung / N (…). 

 

 

 

E-4503/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reichte am 19. September 2021 im Bundesasyl-

zentrum (BAZ) B._______ ein Asylgesuch ein.  

B.  

Am 24. September 2021 fand die Personalienaufnahme statt. Dabei bestä-

tigte der Beschwerdeführer, die marokkanische Staatsangehörigkeit zu be-

sitzen.  

C.  

Am 4. Oktober 2021 unterzeichnete der Beschwerdeführer eine Vollmacht 

zugunsten der ihm im BAZ zugewiesenen Rechtsvertretung. 

D.  

Am 4. November 2021 teilte die damalige Rechtsvertretung dem SEM per 

E-Mail mit, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner sexuellen Ori-

entierung zum Teil sehr unwohl und unsicher fühle in seiner Unterkunft.  

E.  

Mit E-Mail vom 5. November 2021 wurde der Rechtsvertretung mitgeteilt, 

dass man den Beschwerdeführer vorerst im BAZ belassen werde, da eine 

Anhörung bereits für den 8. November 2021 geplant sei. 

F.  

Am 8. November 2021 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgrün-

den angehört. Im Wesentlichen machte er dabei geltend, er habe in Ma-

rokko die Schule abgeschlossen und in der Folge an der Universität 

C._______ studiert. Er habe Marokko aufgrund der dort herrschenden Ar-

mut verlassen. Auch die politische Lage sei schwierig; das Volk habe über-

haupt keinen Wert und keine Rechte. Politisch habe er sich zwar nicht be-

tätigt, aber über einen YouTube-Kanal über allgemeine Probleme in Ma-

rokko gesprochen. Wenn man in Marokko die Wahrheit sage, drohe einem 

Gefängnis. Im Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, er sei nicht 

gläubig, ausserdem fühle er sich zu seinem eigenen Geschlecht hingezo-

gen. Dies löse bei ihm ein Gefühl von Schuld aus, und er wolle deswegen 

nicht mehr belästigt werden, wie dies beispielsweise während der Schulzeit 

der Fall gewesen sei. Konkrete Probleme mit Drittpersonen habe er bis zu 

seiner Ausreise nicht gehabt, er habe aber Probleme vermeiden wollen, 

insbesondere auch seiner Mutter zuliebe.  

E-4503/2023 

Seite 3 

Im Rahmen dieser Anhörung wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, 

dass er aufgrund seiner Vorbringen bei einer zweiten Anhörung die Mög-

lichkeit haben werde, das Gespräch in einer reinen Frauenrunde zu führen. 

G.  

Mit Verfügung vom 10. November 2021 teilte das SEM dem Beschwerde-

führer über seine Rechtsvertretung mit, dass sein Asylgesuch aufgrund der 

Unterbringungssituation im BAZ im erweiterten Verfahren behandelt 

werde. Gleichentags legte die zugewiesene Rechtsvertreterin im BAZ das 

Mandatsverhältnis nieder, wobei sie dem SEM gleichzeitig mitteilte, der Be-

schwerdeführer habe ihr gegenüber im Rahmen eines Gesprächs am 

10. November 2021 geäussert, er habe grosse Mühe, über seine Probleme 

auf Arabisch zu berichten; sie beantrage deshalb in seinem Namen, alle 

zukünftigen Gespräche auf Englisch zu führen. 

In der Folge wurde der Beschwerdeführer dem Kanton D._______ zuge-

wiesen. 

H.  

Ab dem 10. November 2021 galt der Beschwerdeführer als verschwunden; 

am 16. November 2021 trat er in die ihm zugewiesene kantonale Unter-

kunft in E._______ ein. 

I.  

Am 11. Januar 2022 ersuchte die neu mandatierte Rechtsvertreterin des 

Beschwerdeführers das SEM um Mitteilung, wann dieser zu einer ergän-

zenden Anhörung vorgeladen werde; die Verfahrensdauer belaste den Be-

schwerdeführer sehr. Das Schreiben blieb seitens des SEM unbeantwortet. 

J.  

Ab dem 8. Juni 2022 galt der Beschwerdeführer als verschwunden. Das 

SEM kontaktierte in der Folge am 12. August 2022 die Rechtsvertreterin 

des Beschwerdeführers und gab dieser die Gelegenheit, sich bis zum 29. 

August 2022 zur vermuteten unkontrollierten Abreise zu äussern. 

K.  

Am 26. August 2022 legte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers 

das Mandat nieder. 

L.  

Am 8. November 2022 tauchte der Beschwerdeführer wiederum in der kan-

tonalen Unterkunft in E._______ auf und ersuchte um Wiederaufnahme 

E-4503/2023 

Seite 4 

beziehungsweise Weiterführung seines Asylverfahrens. Er begründete 

seine Abwesenheit damit, er habe die Untätigkeit in der Unterkunft nicht 

mehr ausgehalten und sei deshalb zu Freunden gegangen, bei welchen er 

aber nur zwei Wochen habe bleiben können. Dann habe er eine Zeit lang 

auf der Strasse gelebt, bevor er in verschiedene andere Länder gegangen 

sei. Welche Länder es gewesen seien, wolle er nicht sagen. Er habe dort 

aber nicht um Asyl ersucht und sich auch sonst nicht bei den Behörden 

gemeldet. 

M.  

Am 1. Februar 2023 zeigte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers 

dem SEM an, die Vertretung des Beschwerdeführers wieder übernommen 

zu haben. Gleichzeitig erinnerte sie an ihr Schreiben vom 11. Januar 2022 

und bat um möglichst rasche Ansetzung der ergänzenden Anhörung. Das 

Schreiben blieb seitens des SEM unbeantwortet. 

N.  

Am 13. April 2023 und am 16. Juni 2023 richtete die Rechtsvertreterin des 

Beschwerdeführers weitere Verfahrensstandsanfragen an das SEM. 

Gleichzeitig wurden verschiedene neue Beweismittel, namentlich Länder-

berichte zur Situation von Homosexuellen in Marokko, ein persönliches 

Schreiben des Beschwerdeführers sowie ein Einschätzungsbericht von 

Queeramnesty zur persönlichen Situation des Beschwerdeführers vom 

8. Juni 2023 eingereicht. Beide Anfragen blieben seitens des SEM unbe-

antwortet. 

O.  

Am 19. Juli 2023 zeigte die Rechtsvertretung dem SEM an, dass eine 

Rechtsverzögerungsbeschwerde in Betracht gezogen werde, sofern die 

Vorinstanz bis Anfang August keine Informationen zum Asylverfahren des 

Beschwerdeführers liefere. Auch dieses Schreiben blieb unbeantwortet.  

P.  

Mit Eingabe vom 21. August 2023 erhob der Beschwerdeführer über seine 

Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde wegen 

Rechtsverzögerung beziehungsweise Rechtsverweigerung. Er beantragte 

die Feststellung, dass sein Asylverfahren übermässig lange dauere; zudem 

sei das SEM anzuweisen, das Verfahren ohne weitere Verzögerung mit 

einem Asylentscheid abzuschliessen. 

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Seite 5 

Prozessual beantragte der Beschwerdeführer, ihm sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses sei zu verzichten. 

Q.  

Am 23. August 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

R.  

Mit Zwischenverfügung vom 31. August 2023 verzichtete die Instruktions-

richterin antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zu-

dem lud sie das SEM zur Vernehmlassung ein. Das SEM verzichtete still-

schweigend auf Einreichung einer Vernehmlassung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig. 

Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch  

vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG 

[SR 142.31]). Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern ei-

ner anfechtbaren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die 

Behandlung einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene 

Verfügung zuständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG). 

Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden 

Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig. 

1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass 

einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, 

dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer 

Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist 

anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-

deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG 

Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.).  

Der Beschwerdeführer hat am 19. September 2021 ein Asylgesuch ge-

stellt, über das die Vorinstanz in Form einer anfechtbaren Verfügung zu 

befinden hat. Der Beschwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung le-

gitimiert. 

E-4503/2023 

Seite 6 

1.3 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund-

sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den-

noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben 

der beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz von Treu und Glauben 

ist stets zu beachten. Die beschwerdeführende Person muss zudem dar-

legen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges – 

mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzö-

gerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden 

Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER ET AL., Prozessieren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 5.23). 

Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vornahme 

der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass 

die Vorinstanz bis anhin noch nicht in der Sache entschieden hat. Der Zeit-

punkt der Beschwerdeerhebung ist nicht zu beanstanden. 

1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-

gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-

treten. 

2.  

Das Prüfungsergebnis beschränkt sich vorliegend auf die Beantwortung 

der Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. 

Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist das Bundesverwaltungs-

gericht die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück 

(Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht befugt, sich dazu zu 

äussern, wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte aus-

fallen sollen, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle 

der untätig gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instan-

zenzug verkürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten ver-

letzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.). 

3.  

3.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der 

allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede 

Person unter anderem Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert 

angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsga-

rantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. 

BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). 

E-4503/2023 

Seite 7 

3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre 

und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei 

einer Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde 

nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv noch 

als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfah-

rens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu 

beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der 

Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die 

Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifi-

sche Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 f. 

m.w.H.). 

3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-

setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, 

wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-

sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 

190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Beurteilung 

der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen (vgl. zum 

Ganzen auch Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 

m.w.H.). 

4.  

Die Beschwerde wird zusammengefasst damit begründet, der Beschwer-

deführer werde seit seiner Zuweisung in den zuständigen Kanton seit zwei 

Jahren in totaler Unkenntnis über den Stand seines Asylverfahrens belas-

sen. Das SEM setze ihn über keine Verfahrensschritte in Kenntnis und 

habe alle seine Verfahrensstandanfragen unbeantwortet gelassen. Sein 

Asylverfahren sei gemäss Kenntnisstand der Rechtsvertreterin nicht 

spruchreif, da es zu einer ergänzenden Anhörung kommen solle, die bis 

anhin weder angekündigt noch durchgeführt worden sei. Es sei augen-

scheinlich, dass damit das Beschleunigungsgebot missachtet worden sei. 

Man könne sogar von einer Rechtsverweigerung ausgehen, da der Be-

schwerdeführer seit zwei Jahren im Ungewissen gelassen werde, wie es 

um sein Asylverfahren stehe. Beim Beschwerdeführer handle es sich auf-

grund seiner sexuellen Orientierung ausserdem um eine vulnerable Per-

son, deren Asylverfahren prioritär behandelt werden müsse. 

5.  

5.1 Nach Einreichung eines Asylgesuchs beginnt die Vorbereitungsphase 

(Art. 26 Abs. 1 Satz 1 AsylG). Während dieser Phase erhebt das SEM die 

Personalien (Art. 26 Abs. 2 AsylG); zudem kann es die Asylsuchenden zu 

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Seite 8 

ihrer Identität, zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen befragen, 

warum sie ihr Land verlassen haben (Art. 26 Abs. 3 AsylG). Soweit – wie 

vorliegend – kein Dublin-Verfahren vorliegt, soll die Vorbereitungsphase 

höchstens 21 Tage betragen (Art. 26 Abs. 1 AsylG). Nach Abschluss der 

Vorbereitungsphase folgt das beschleunigte Verfahren umgehend mit der 

Anhörung zu den Asylgründen (Art. 26c AsylG). Steht nach dieser Anhö-

rung fest, dass ein Entscheid im Rahmen des beschleunigten Verfahrens 

nicht möglich ist, namentlich weil weitere Abklärungen erforderlich sind, er-

folgt die Zuteilung in das erweiterte Verfahren und eine Zuweisung in einen 

der Kantone (Art. 26d AsylG). Entscheide im erweiterten Verfahren sollen 

gemäss Art. 37 Abs. 4 AsylG grundsätzlich innerhalb von zwei Monaten 

nach Abschluss der Vorbereitungsphase getroffen werden. Gemäss bun-

desrätlicher Botschaft handelt es sich hierbei um Ordnungsfristen, die 

überschritten werden können, wenn erforderliche Abklärungen mehr Zeit in 

Anspruch nehmen oder die personellen Ressourcen des SEM nicht aus-

reichen (vgl. Botschaft des Bundesrates zur Änderung des Asylgesetzes 

vom 26. Mai 2010, BBl 2010 4455 ff., insbesondere S. 4496). Allein aus 

dem Umstand, dass die Vorinstanz die Fristen von Art. 37 AsylG vorliegend 

deutlich überschritten hat, kann deshalb keine Verletzung des Rechtsver-

zögerungsverbots abgeleitet werden. Für die Beurteilung des vorliegenden 

Falles ist damit entscheidend, ob die Verfahrensdauer noch als angemes-

sen betrachtet werden kann (vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts D-5728/2019 vom 11. Februar 2020 E. 4.3; E-4711/2019 vom 29. 

November 2019 E. 4.1). 

5.2 Das Asylverfahren des Beschwerdeführers ist vom SEM nach Einrei-

chung des Asylgesuchs am 19. September 2021 zunächst innerhalb der 

vom Gesetzgeber vorgesehenen Ordnungsfristen vorangetrieben worden. 

Nicht zu beanstanden ist namentlich die Zeitdauer zwischen Einreichung 

des Asylgesuchs und Personalienaufnahme am 24. September 2021; auch 

die Anhörung des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen am 8. No-

vember 2021 erfolgte zeitnah. Nachdem das SEM offenbar weitere Abklä-

rungen im vorliegenden Verfahren für angezeigt erachtete, erfolgte die Zu-

teilung ins erweiterte Verfahren (SEM-act. 24/13, F71f., F77, act. 30/2). 

Hinsichtlich der Verfahrensdauer nach der Kantonszuteilung ist folgendes 

festzustellen: Aus der ersten Anhörung ergibt sich in der Tat, dass dem Be-

schwerdeführer eine zweite Anhörung in Aussicht gestellt wurde (SEM-act. 

24/13, F71f., F77). Eine solche erfolgte allerdings bis dato nicht. Da die 

Vorinstanz keine Vernehmlassung zur Rechtsverzögerungsbeschwerde zu 

den Akten reichte, lässt sich nicht schlüssig beantworten, ob das SEM eine 

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Seite 9 

ergänzende Anhörung durchzuführen gedenkt oder ob es den Sachverhalt 

grundsätzlich als liquide erachtet und deshalb in der Sache verfügen 

möchte. So oder anders ist aber zu konstatieren, dass der Beschwerdefüh-

rer durch sein zweimaliges Untertauchen (Zeitraum: 10. bis 16. November 

2021 und 8. Juni bis 8. November 2022) seine Mitwirkungspflichten, sich 

den schweizerischen Asylbehörden zur Verfügung zu halten, verletzt hat 

(vgl. insbesondere Art. 8 Abs. 3 AsylG) und mithin eine Mitverantwortung 

daran trägt, dass das Verfahren nach der Zuweisung in den Kanton nicht 

zügig vorangetrieben werden konnte. Der Beschwerdeeinwand, dass das 

SEM seit über zwei Jahren untätig geblieben sei, ist vor diesem Hinter-

grund zu relativieren. Beim Beschwerdeführer handelt es sich sodann – 

entgegen der Ansicht der Rechtsvertretung – nicht um eine Person, deren 

Verfahren prioritär zu behandeln wäre (vgl. auch Art. 17 Abs. 2bis AsylG). 

Zudem waren seit der Wiederaufnahme des Verfahrens bis zur Einreichung 

der Rechtsverzögerungsbeschwerde erst neun Monate vergangen und es 

ist festzustellen, dass mit den Eingaben vom 13. April 2023 und vom 

16. Juni 2023 seitens des Beschwerdeführers weitere Beweismittel zu den 

Akten gereicht wurden (vgl. oben, Bst. N).  Die Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers hat sodann in den Eingaben darum ersucht, dass der Be-

schwerdeführer in einem reinen Frauenteam und überdies in englischer 

Sprache ergänzend anzuhören sei. Im Lichte dieser Umstände, namentlich 

auch der weiteren Verfahrenshandlungen und des gewünschten Settings 

konnte zum Zeitpunkt der Erhebung der Rechtsverzögerungsbeschwerde 

im August 2023 noch nicht von einem übermässig langen Verfahren und 

einer Verletzung des Beschleunigungsgebots ausgegangen werden; noch 

weniger liegt eine Rechtsverweigerung vor.   

5.3 Festzustellen ist jedoch, dass die vorliegende Rechtsverzögerungsbe-

schwerde auch deshalb erhoben worden zu sein scheint, weil das SEM auf 

die wiederholten Verfahrensstandanfragen der Rechtsvertreterin des Be-

schwerdeführers nicht reagiert hat. Es erscheint unter dem Aspekt einer 

geordneten Verfahrensführung und des Vertrauens in die Arbeit der Behör-

den problematisch, wenn Verfahrensstandanfragen und Korrespondenz 

von Rechtssuchenden wie vorliegend generell unbeantwortet bleiben. Al-

lein der Umstand, dass einer Behörde der Vorwurf nachlässiger Korres-

pondenzführung gemacht werden kann, indiziert jedoch noch keine Verlet-

zung des Beschleunigungsgebots.  

5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend nicht von einer 

Verletzung des Beschleunigungsgebots gemäss Art. 29 Abs. 1 BV auszu-

gehen ist. Das Gericht geht im Übrigen davon aus, dass das SEM das 

E-4503/2023 

Seite 10 

Asylverfahren des Beschwerdeführers innert nützlicher Frist an handneh-

men respektive abschliessen wird.    

5.5  

Nach dem Gesagten ist die Rechtsverzögerungsbeschwerde abzuweisen.  

6.  

Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären die Verfahrenskos-

ten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da 

die Rechtsbegehren vorliegend – bei einer Betrachtung ex ante – nicht als 

aussichtslos bezeichnet werden können und aufgrund der Akten von der 

Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gut-

zuheissen. Es sind demnach keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Kinza Brunner 

 

 

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