# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2bb86f9-cec4-5d77-b108-568bfad87cb4
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.10.2023 VBE.2023.149
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-149_2023-10-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2023.149 / sb / fi  
Art. 126 

 

 

Urteil vom 17. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____  

vertreten durch B._____  

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Öffentliche Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau,  

Bahnhofstrasse 78, 5001 Aarau  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 20. Februar 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Beschwerdeführerin meldete sich am 25. Februar 2022 zur Arbeitsver-

mittlung an und beantragte am 3. März 2022 Arbeitslosenentschädigung 

aufgrund einer Vermittlungsfähigkeit im Umfang einer Vollzeitstelle ab dem 

8. Februar 2022. Mit Verfügung vom 23. Juni 2022 verneinte die Beschwer-

degegnerin einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenent-

schädigung "ab 25.02.2022". Eine dagegen von der Beschwerdeführerin 

erhobene Einsprache vom 29. Juni 2022 wies sie mit Einspracheentscheid 

vom 20. Februar 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Beschwerdeführerin am 

16. März 2023 rechtzeitig Beschwerde und beantrage im Wesentlichen 

sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 20. Februar 

2023 und die Zusprache einer Arbeitslosenentschädigung. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 1. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

In ihrem Einspracheentscheid vom 20. Februar 2023 (Vernehmlassungs-

beilage [VB] 15 ff.) geht die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen davon 

aus, die Beschwerdeführerin weise während der relevanten Rahmenfirst 

eine Beitragszeit von lediglich 5.913 Monaten statt der notwendigen 12 Mo-

nate auf und es lägen keine Gründe für eine Befreiung von der Erfüllung 

der Beitragszeit vor. Sie habe daher keinen Anspruch auf Arbeitslosenent-

schädigung. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen zusammengefasst 

vor, sie erfüllte die Beitragszeit von 12 Monaten. Sie habe daher Anspruch 

auf Arbeitslosenentschädigung. 

 

1.2. 

Damit ist strittig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 

den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung ab 

dem 25. Februar 2022 mit Einspracheentscheid vom 20. Februar 2023 zu 

Recht verneint hat. Nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdever-

fahrens sind demgegenüber allfällige Pflichten der (ehemaligen) Arbeitge-

berin der Beschwerdeführerin, hat die Beschwerdegegnerin doch darüber 

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im angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. Februar 2023 nicht ent-

schieden. Es fehlt damit diesbezüglich an einem Anfechtungsobjekt im 

Sinne von Art. 56 Abs. 1 ATSG, weshalb auf die Beschwerde in diesem 

Umfang nicht einzutreten ist. 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG muss, wer Arbeitslosenentschädigung be-

antragt, unter anderem die Beitragszeit erfüllt haben (Art. 13 AVIG) oder 

von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sein (Art. 14 AVIG). Die Rahmen-

frist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche 

Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG). Die Rahmen-

frist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 

AVIG). 

 

2.2. 

Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafür 

vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf 

Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Diese Bestim-

mung bezieht sich auf die Beitragspflicht und setzt daher grundsätzlich die 

Ausübung einer in der Schweiz beitragspflichtigen Beschäftigung voraus 

(BGE 139 V 88 E. 3.1 S. 91 und 128 V 182 E. 3b S. 186). Angerechnet 

werden auch die in Art. 13 Abs. 2 lit. a bis d AVIG genannten Zeiten, 

Dienste und Arbeitsunterbrüche.  

 

2.3. 

Personen sind von der Erfüllung der Beitragszeit im Sinne von Art. 14 

Abs. 1 AVIG befreit, wenn sie innerhalb der Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 

AVIG) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeits-

verhältnis standen und die Beitragszeit nicht erfüllen konnten, wegen einer 

Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung, sofern sie während 

mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten (lit. a); wegen 

Krankheit (Art. 3 ATSG), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Mutterschaft (Art. 5 

ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten 

(lit. b); oder wegen eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder 

Arbeitserziehungsanstalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrich-

tung (lit. c). 

 

3. 

3.1. 

Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin serbische 

Staatsangehörige ist (vgl. VB 195) und per 12. April 2021 mit der C._____ 

GmbH mit heutigem Sitz in Z._____ ein unbefristetes Arbeitsverhältnis 

eingegangen war. Die Probezeit betrug drei Monate und die 

Kündigungsfrist während der Probezeit eine Woche (vgl. den Arbeitsvertrag 

http://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgi4f65s7ge4de

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vom 14. April 2020 in VB 189 f.). Am 14. Juni 2021 kündigte die Arbeitge-

berin den Arbeitsvertrag per 30. Juni 2021, weil sie mit der Leistung der 

Beschwerdeführerin nicht zufrieden war (vgl. die schriftliche und von der 

Beschwerdeführerin gegengezeichnete Kündigung vom 14. Juni 2021 in 

VB 180 sowie die Angaben der Arbeitgeberin in der Arbeitgeberbescheini-

gung vom 29. März 2022 in VB 119). In den Akten finden sich entsprechend 

Lohnabrechnungen der Monate April bis Juni 2021 sowie für Juli 2021, wel-

che indes lediglich den anteiligen dreizehnten Monatslohn beinhaltet (vgl. 

VB 175 ff. sowie den Auszug aus dem von der Arbeitgeberin geführten 

Lohnkonto der Beschwerdeführerin vom 27. Januar 2022 in VB 117). Ab 

dem 16. Juni 2021 bis zum 28. September 2021 und vom 14. Oktober bis 

7. November 2021 wurde der Beschwerdeführerin infolge Schwanger-

schaft eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. VB 132 ff.). Der Geburts-

termin war am 7. November 2021 (vgl. VB 159). Vom 7. November 2021 

bis 12. Februar 2022 bezog die Beschwerdeführerin eine Mutterschaftsent-

schädigung nach EOG (vgl. die entsprechende Leistungsverfügung der 

Ausgleichskasse des Kantons Jura vom 11. März 2022 in VB 105 ff.). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Beschwerdeführerin meldete sich am 25. Februar 2022 zur Arbeitsver-

mittlung an (VB 197). Frühestmöglicher Anspruchsbeginn war damit der 

25. Februar 2022 (vgl. Art. 9 Abs. 2 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 AVIG). Die Rah-

menfrist für die Beitragszeit dauerte damit vom 25. Februar 2020 bis 

24. Februar 2022 (Art. 9 Abs. 3 AVIG).  

 

3.2.2. 

Nach Lage der Akten übte die Beschwerdeführerin lediglich für die Zeit vom 

12. April bis 30. Juni 2021 eine beitragspflichtige Beschäftigung aus. Ent-

gegen ihrer Ansicht erweist sich die Kündigung des Arbeitsvertrages durch 

die Arbeitgeberin vom 14. Juni 2021 nicht als "missbräuchlich", denn die 

Bestimmungen des Obligationenrechts über die Kündigung zur Unzeit gel-

tend nicht während der Probezeit (vgl. Art. 336c Abs. 1 OR), so dass wäh-

rend der Probezeit insbesondere weder Krankheit noch Schwangerschaft 

einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch Kündigung entgegenste-

hen. Hinweise, dass die Arbeitgeberin auf schriftliche Aufforderung hin die 

Kündigung "mündlich zurückgezogen" haben soll, wie dies die Beschwer-

deführerin geltend macht, ergeben sich aus den Akten nicht, zumal die Ar-

beitgeberin in der Arbeitgeberbescheinigung vom 29. März 2022 eine 

Dauer das Arbeitsverhältnisses vom 12. April bis 30. Juni 2021 angab 

(VB 119) und dies auch so in ihrem Lohnbuchhaltungssystem erfasste (vgl. 

den Auszug aus dem Lohnkonto der Beschwerdeführerin vom 27. Januar 

2022 in VB 117). Im Gegenteil führte die Beschwerdeführerin in ihrer Ein-

sprache vom 29. Juni 2022 noch selbst aus, es seien alle ihre diesbezügli-

chen Schreiben unbeantwortet geblieben und die Buchhalterin der Arbeit-

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geberin habe erklärt, dass der Geschäftsführer der Arbeitgeberin die Be-

schwerdeführerin "nicht mehr sehen wolle und dass sie nicht mehr zur Ar-

beit erscheinen soll" (VB 46; vgl. auch die E-Mail der Rechtsvertreterin der 

Beschwerdeführerin an deren Arbeitgeberin vom 17. Januar 2022 in 

VB 166, wonach die Kündigung trotz entsprechender Aufforderung nicht 

zurückgezogen worden sei).  

 

3.2.3. 

Neben der vom 12. April bis 30. Juni 2021 ausgeübten beitragspflichtigen 

Beschäftigung bezog die Beschwerdeführerin vom 7. November 2021 bis 

12. Februar 2022 eine Mutterschaftsentschädigung nach EOG, was eben-

falls als Beitragszeit anzurechnen ist (vgl. Art. 13 Abs. 2 AVIG und 

Ziff. B163 der AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft 

[seco]). Es ergibt sich damit die von der Beschwerdegegnerin errechnete 

Beitragsdauer von 5.913 Monaten (vgl. VB 16). Entgegen der Ansicht der 

Beschwerdeführerin können ihr allfällige in einem EU-Staat ausgeübte Er-

werbstätigkeiten bei der Bemessung der Beitragsdauer nicht im Sinne von 

Art. 5 respektive Art. 61 Verordnung Nr. 883/2004 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der 

Systeme der sozialen Sicherheit (GVO [SR 0.831.109.268.1]; vgl. hierzu 

Rz. E7 der Weisung des seco über die Auswirkungen der Verordnungen 

EG Nr. 883/2004 und 987/2009 auf die Arbeitslosenversicherung [Weisung 

ALE 883]) angerechnet werden, weil sie nicht über die Staatsangehörigkeit 

eines EU-Staates verfügt und damit der persönliche Geltungsbereich der 

GVO gemäss deren Art. 2 (vgl. auch Art. 1 des Abkommens zwischen der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge-

meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit 

[FZA]) nicht eröffnet ist (siehe hierzu auch Ziff. B16, B18 und B21 der Wei-

sung ALE 883). Schliesslich ergeben sich aus den Akten auch keine Hin-

weise für das Bestehen eines Befreiungstatbestands von Art. 14 Abs. 1 

AVIG (vgl. vorne E. 2.3.), was im Übrigen von der Beschwerdeführerin auch 

nicht geltend gemacht wird. 

 

3.3. 

Mit einer Beitragsdauer von 5.913 Monaten während der Rahmenfrist für 

die Beitragszeit erreicht die Beschwerdeführerin die von Art. 13 Abs. 1 

AVIG vorausgesetzte Beitragszeit von 12 Monaten nicht. Es ergibt sich da-

mit, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der Beschwerdeführe-

rin auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 25. Februar 2022 zu Recht mit 

Einspracheentscheid vom 20. Februar 2023 mangels Erfüllung der Bei-

tragszeit verneint hat.  

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-

zutreten ist.  

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4.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-

zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch 

auf Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

  

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Aarau, 17. Oktober 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Berner