# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d5c54020-92fc-5cc2-b89e-c62b488afc5c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-13
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 13.12.2017 SK 2017 157
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-157_2017-12-13.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 17 157

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 13. Dezember 2017 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), Oberrichter J. Bähler, 
Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiberin Eggli

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie Wi-
derrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 7. März 2017 (PEN 16 1001)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (nachfolgend: Vorinstanz) sprach A.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 7. März 2017 (pag. 325 ff.) schuldig:

- der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung, begangen am 11. Oktober 
2015 auf der A6 Süd L Bern durch unerlaubten Fahrstreifenwechsel vor Stras-
senverzweigung mit Unfallfolge (pag. 325, Ziff. I.1 des erstinstanzlichen Urteils-
dispositivs);

- der groben Verkehrsregelverletzung, mehrfach begangen am 11. Oktober 2015 
auf der A6 Süd L Bern (pag. 325, Ziff. I.2.1 bis Ziff. I.2.2 des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs) durch:

- wiederholtes Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Hinter-
einanderfahren;

- unbegründetes, brüskes Abbremsen;

- der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrfähigkeit, begangen 
am 11. Oktober 2015 auf der A6 Süd L Bern (pag. 326, Ziff. I. 3 des erstinstanz-
lichen Urteilsdispositivs);

- der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen am 11. Oktober 2015 auf der 
A6 Süd L Bern durch Befahren einer Sperrfläche (pag. 326, Ziff. I.4 des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs);

- des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsunfall mit Sachschaden, 
begangen am 11. Oktober 2015 auf der A6 Süd L Bern (pag. 326, Ziff. 1.5 des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Der Beschuldigte wurde zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, einer Geldstrafe 
von 110 Tagessätzen zu CHF 170.00 (ausmachend total CHF 18‘700.00) und zu 
einer Übertretungsbusse von CHF 800.00 mit einer Ersatzfreiheitsstrafe bei 
schuldhafter Nichtbezahlung von 8 Tagen verurteilt. Des Weiteren wurden ihm die 
erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 7‘913.00 auferlegt (pag. 326). Aus-
serdem widerrief die Vorinstanz den von der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland mit 
Urteil vom 10. Januar 2014 gewährten bedingten Vollzug der Geldstrafe von 15 
Tagessätzen zu CHF 100.00. Die Kosten des Widerrufsverfahrens von CHF 300.00 
wurden dem Beschuldigten zur Bezahlung auferlegt (pag. 326 f., Ziff. II des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, verteidigt durch Rechtsanwalt 
B.________, am 14. März 2017 form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 390). 
Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 19. April 2017 (pag. 329 ff.). Die Be-
rufungserklärung ging form- und fristgerecht am 15. Mai 2017 beim Obergericht 

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des Kantons Bern ein (pag. 403 ff.). Gleichzeitig stellte der Berufungsführer mehre-
re Beweisanträge (vgl. Ausführungen unter Ziff. 3 hiernach).

Am 18. Mai 2017 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, sie beantrage kein 
Nichteintreten auf die Berufung. Hingegen erklärte sie Anschlussberufung, be-
schränkt auf die Frage der Strafzumessung (pag. 412 ff.). Dem Beschuldigten wur-
de mit Beschluss vom 23. Mai 2017 Gelegenheit gegeben, ein Nichteintreten auf 
die Anschlussberufung zu beantragen (pag. 415). Mit Eingabe vom 16. Juni 2017 
teilte dieser mit, es werde kein Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Gene-
ralstaatsanwaltschaft, welche er angesichts des erstinstanzlich beantragten Straf-
masses als in der Sache wenig nachvollziehbar bezeichnete, beantragt (pag. 460).

3. Oberinstanzliche Beweisanträge und -ergänzungen

Der Beschuldigte stellte in der Berufungserklärung vom 15. Mai 2017 die nachfol-
genden Beweisanträge (pag. 404 ff.):

1. Es sei der Berufungskläger A.________ im Berufungsverfahren gerichtlich einzuvernehmen;

2. Es sei Herr C.________ als Zeuge vorzuladen;

3. Es sei durch einen Sachverständigen zu erheben, ob das fotografisch dokumentierte Schadens-
bild am Fahrzeug BMW X5 xDrive 4.0d, schwarz, mit einer rechtsseitigen Leitplankenkollision in 
Einklang zu bringen ist;

4. Es sei der Mietvertrag für die Wohnung an der D.________strasse, ausgestellt zwischen der Ei-
gentümerschaft und den Töchtern des Berufungsklägers, E.________ und F.________, gericht-
lich zu erheben;

5. Es seien bei der Garage G.________AG in H.________ sämtliche durch den Berufungskläger in 
Auftrag gegebenen Carrosseriearbeiten seit Beginn der Kundenbeziehung gerichtlich zu erhe-
ben;

6. Es sei der automobilistische Leumund von I.________ gerichtlich zu erheben.

Die Generalstaatsanwaltschaft nahm am 18. Mai 2017 zu den Beweisanträgen des 
Beschuldigten Stellung und beantragte, die Beweisanträge 1, 4 und 5 gutzuheis-
sen. Hingegen seien die Beweisanträge 2, 3 und 6 abzuweisen (pag. 413 ff.). Mit 
Beschluss vom 23. Mai 2017 hiess die Kammer die Beweisanträge insoweit gut, als 
sie beschloss, den Beschuldigten oberinstanzlich zu befragen und bei der 
G.________AG Belege zu den durch den Beschuldigten (evtl. auch durch die 
J.________AG) seit Anbeginn der Kundenbeziehungen in Auftrag gegebenen Car-
rosseriearbeiten zu erheben. Soweit weitergehend wies sie die Beweisanträge ab 
(pag. 415 ff.).

Die bei der G.________AG edierten Reparaturrechnungen, lautend auf den Be-
schuldigten (28. Februar 2007 und 30. Juni 2012) bzw. die J.________AG (19. Ok-
tober 2015 und 28. September 2016), trafen am 31. Mai 2017 beim Gericht ein 
(pag. 425 ff.). Sie wurden mit Verfügung vom gleichen Tag zu den Akten erkannt 
und den Parteien in Kopie zugestellt (pag. 458 f.). Am 16. Juni 2017 reichte der 
Beschuldigte den zwischenzeitlich selber erhältlich gemachten Mietvertrag für die 
Wohnung an der D.________strasse in Bern ein und ersuchte darum, diesen zu 
den Akten zu erkennen (pag. 460 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft opponierte in-

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nert der ihr mit Verfügung vom 19. Juni 2017 angesetzten Frist nicht, so dass der 
Mietvertrag als zu den Akten erkannt gilt (pag. 467 f.).

Oberinstanzlich wurde von Amtes wegen ein aktueller Leumundsbericht (inkl. Er-
hebungsformular wirtschaftliche Verhältnisse), datierend vom 7. November 2017 
(pag. 473 ff.), ein aktueller Strafregisterauszug, datierend vom 9. November 2017 
(pag. 478), sowie ein aktueller Handelsregisterauszug der J.________AG 
(pag. 508 f.) vom 11. Dezember 2017 eingeholt.

Die Kammer hatte im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung vom 12. und 
13. Dezember 2017 vorfrageweise über die Verwertbarkeit einiger Beweismittel zu 
befinden (pag. 481 f.; vgl. Ausführungen unter Ziff. II hiernach). Der Beschuldigte 
wurde zur Person und zur Sache befragt (pag. 484 ff.). Im Übrigen wurde eine Sei-
te der Agenda des Beschuldigten (Einträge vom 10. und 11. Oktober 2015) kopiert 
und zu den Akten genommen (pag. 494; pag. 507).

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte in der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
12. Dezember 2017 die folgenden Anträge (pag. 494): 

1. Der Beschuldigte sei von allen Anschuldigungen freizusprechen.

2. Das Widerrufsurteil sei aufzuheben.

3. Es sei dem Beschuldigten eine symbolische Genugtuung von CHF 500.00 auszurichten.

4. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

5. Dem Beschuldigten sei eine Entschädigung für seine Verteidigungskosten gemäss eingereichter 
Kostennote zuzusprechen.

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte hingegen Folgendes (pag. 498; 
pag. 506):

1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen wie in erster Instanz.

2. Er sei zu verurteilen zu: 

2.1 einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten;

2.2 einer Übertretungsbusse von CHF 800.00;

2.3 den erst- und den oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

3. Der mit Strafbefehl vom 10.01.2014 für eine Geldstrafe gewährte bedingte Vollzug sei zu widerru-
fen.

4. Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Mitteilungen).

Beantragte Gebühr gemäss Art. 21 VKD: CHF 500.00.

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5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das erstinstanzliche Urteil wurde durch den Beschuldigten mit Berufungserklärung 
vom 15. Mai 2017 vollumfänglich angefochten (pag. 403). Dagegen beschränkte 
die Generalstaatsanwaltschaft die Anschlussberufung auf die Strafzumessung 
(pag. 412 f.).

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung des erstinstanzlichen Urteils über volle 
Kognition (Art. 398 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0]). Aufgrund der Anschlussberufung durch die Generalstaatsanwaltschaft 
ist die Kammer betreffend Strafzumessung nicht an das Verschlechterungsverbot 
(auch «Verbot der reformatio in peius» genannt) nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebun-
den.

II. Formelle Einwände

6. Zur Frage der Verwertbarkeit der rückwirkenden Telefonüberwachung

6.1 Vorbringen der Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ brachte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vor, 
die Ergebnisse der rückwirkenden Telefonüberwachung des Beschuldigten seien 
nicht verwertbar. Bei der Mitteilung der Telefonüberwachung an die überwachte 
Person handle es sich nicht nur um eine Ordnungsvorschrift. Eine solche Mitteilung 
könne auch nicht nachgeholt werden, zumal es nicht nur um die Möglichkeit der 
nachträglichen Überprüfung gehe, sondern auch um das Verteidigungsverhalten 
(pag. 481).

6.2 Ausführungen der Kammer

Am 6. April 2016 stellte die Staatsanwaltschaft beim Kantonalen Zwangsmass-
nahmengericht ein Gesuch um Genehmigung einer geheimen Überwachung nach 
Art. 273 StPO (rückwirkende Überwachung der Mobiltelefonnummer ________) be-
fristet auf den Zeitraum vom 11. bis zum 18. Oktober 2015 (pag. 187 ff.). Das Ge-
such wurde durch das Kantonale Zwangsmassnahmengericht mit Entscheid vom 
7. April 2016 genehmigt (pag. 193 ff.). Die Staatsanwaltschaft teilt der überwachten 
beschuldigten Person grundsätzlich spätestens mit Abschluss des Vorverfahrens 
Grund, Art und Dauer einer geheimen Überwachungsmassnahme mit 
(Art. 279 Abs. 1 StPO). Die Mitteilung im Sinne von Art. 318 StPO erfolgte vorlie-
gend am 1. November 2016 (pag. 271) und die Staatsanwaltschaft erhob am 
14. November 2016 Anklage vor der Vorinstanz (pag. 288 ff.). Mit Schreiben des-
selben Tages – mithin nur 13 Tage nach Abschluss des Vorverfahrens – wurde der 
Beschuldigte schliesslich schriftlich explizit über die Überwachungsmassnahme in-
formiert (pag. 278.1).

Nach Ansicht der Kammer führt die leicht verspätete Mitteilung nach Art. 279 StPO 
in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Vorinstanz (pag. 338 ff., S. 10 ff. 
der Urteilsbegründung) nicht zu einem Beweisverwertungsverbot. Nur Beweise, die 
Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschriften 
erhoben haben, dürfen nicht verwertet werden; es sei denn, ihre Verwertung sei zur 

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Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich. Beweise, bei deren Erhebung Ord-
nungsvorschriften verletzt worden sind, sind hingegen verwertbar (Art. 141 Abs. 2 
und 3 StPO). Der Beschuldigte war in casu bereits vor der Mitteilung vom 14. No-
vember 2016 hinreichend über die geheime Überwachungsmassnahme informiert, 
indem ihm am 1. Juni 2016 Akteneinsicht gewährt worden war (pag. 268 ff.). Die 
Überwachungsmassnahme war ihm somit bereits einige Wochen vor Abschluss 
des Vorverfahrens bekannt. Ferner wurde er in seiner Einvernahme vom 14. Ju-
ni 2016, bei welcher der ehemalige Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt 
K.________, teilgenommen hatte, dazu befragt (pag. 77, Z. 93 ff.). Der Beschuldig-
te hatte folglich die Gelegenheit, die Rechtmässigkeit der Überwachungsmass-
nahme hinreichend zu überprüfen. Seinem damaligen Verteidiger wäre es unbe-
nommen gewesen, eine beschwerdefähige Verfügung zu verlangen, was er aller-
dings nicht tat. Auch nach der Mitteilung vom 14. November 2016 verzichtete die 
Verteidigung auf eine Beschwerde. Die Vorinstanz kam daher zu Recht zum Er-
gebnis, die rückwirkende Telefonüberwachung sei verwertbar. Auf die zutreffenden 
Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen werden (pag. 338 ff., S. 10 ff. der Ur-
teilsbegründung).

7. Zur Frage der notwendigen Verteidigung

7.1 Vorbringen der Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ führte aus, der Beschuldigte habe erst am 26. Mai 2016 
einen Wahlverteidiger bestimmt. Zumindest dem Staatsanwalt sei indessen das 
Vorliegen eines Falls notwendiger Verteidigung bereits vorher bekannt gewesen. 
Die vor der Mandatierung von Rechtsanwalt K.________ erhobenen Beweise seien 
deshalb unverwertbar (pag. 481).

7.2 Ausführungen der Kammer

Ein Fall notwendiger Verteidigung liegt nach Art. 130 StPO unter anderem dann 
vor, wenn der beschuldigten Person eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr 
droht (Art. 130 Bst. b StPO). Gemäss Art. 131 StPO achtet die Verfahrensleitung 
darauf, dass in Fällen von Art. 130 StPO unverzüglich eine Verteidigung bestellt 
wird. In casu stand die Verurteilung zu einer qualifiziert groben Verkehrsregelver-
letzung nach Art. 90 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01), wel-
che mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren zu bestrafen ist, zur Dis-
kussion. Somit stellt sich die Frage, ab wann der Beschuldigte zwingend anwaltlich 
hätte vertreten sein müssen. 

Das Strafverfahren wegen Widerhandlungen gegen das SVG wurde vorliegend am 
23. November 2015 gegen unbekannte Täterschaft eröffnet (pag. 1). Zu Beginn der 
Untersuchungen wurde der Beschuldigte als Verwaltungsrat der J.________AG, 
welche Halterin des in die Geschehnisse vom 11. Oktober 2015 involvierten 
VW Amarok war, kontaktiert. Dabei war noch unbekannt, wer den VW Amarok zum 
Tatzeitpunkt gefahren hatte. Der Beschuldigte berief sich am 15. Oktober 2015 auf 
sein Aussageverweigerungsrecht, weil eine ihm nahestehende Person den 
VW Amarok gefahren sei (pag. 19). Danach wurden am 23. März 2016 seine Ehe-
frau L.________ sowie seine drei Töchter M.________, F.________ und 
E.________ einvernommen (pag. 27 ff.). Erst am 5. April 2016 dehnte die Staats-

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anwaltschaft die Untersuchungen wegen Widerhandlungen gegen das SVG, evtl. 
Begünstigung auf den Beschuldigten aus (pag. 2). Am 6. April 2016 – mithin einen 
Tag nach Eröffnung der Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten – stellte die 
Staatsanwaltschaft beim Kantonalen Zwangsmassnahmengericht ein Gesuch um 
Genehmigung einer geheimen Überwachung nach Art. 273 StPO (pag. 187 ff.).

Die Verpflichtung zur Sicherstellung der notwendigen Verteidigung kann mit der 
entgegenstehenden Notwendigkeit der einstweiligen Geheimhaltung von Zwangs-
massnahmen kollidieren. Soweit das Gesetz die Information über das Verfahren 
bzw. über die Zwangsmassnahme erst nachträglich vorsieht, braucht noch keine 
Verteidigung beigegeben zu werden (BOMMER, in: Verfahrensrecht am Beginn einer 
neuen Epoche, Festgabe zum Schweizerischen Juristentag 2011 – 150 Jahre 
Schweizerischer Juristenverein, Zürich 2011, S. 98 f.). Die Mitteilung über die ge-
heime Überwachungsmassnahme hatte – wie bereits ausgeführt – erst mit Ab-
schluss des Vorverfahrens zu erfolgen (Art. 279 Abs. 1 StPO; vgl. Ausführungen 
Ziff. 6.2 hiervor). Dem Beschuldigten brauchte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ver-
teidigung beigeordnet zu werden. Denn er wäre ohnehin – mit oder ohne Verteidi-
gung – noch nicht über die geheime Überwachungsmassnahme in Kenntnis ge-
setzt worden. Die Vollmacht von Fürsprecher K.________ datiert sodann vom 
26. Mai 2016. Zwischen dem 5. April 2016 (Eröffnung der Strafuntersuchung) und 
dem 26. Mai 2016 wurden – mit Ausnahme der geheimen Überwachungsmass-
nahme – keine wesentlichen Untersuchungshandlungen vorgenommen. Erst am 
14. Juni 2016 wurde der Beschuldigte erneut befragt (pag. 74 ff.). Bei dieser Ein-
vernahme wurde er bereits von seinem damaligen Verteidiger, Rechtsanwalt 
K.________, begleitet. Nach dem Gesagten erachtet die Kammer folglich sämtliche 
Beweiserhebungen als gültig und verwertbar.

8. Zur Frage der rechtsgenüglichen Belehrung

8.1 Vorbringen der Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ beantragte weiter, die schriftliche Anfrage bei der 
J.________AG vom 23. März 2016 (pag. 235) sei aus den Akten zu weisen. Denn 
darin sei keine Belehrung über das Aussageverweigerungsrecht erfolgt, obwohl 
dem Staatsanwalt bekannt gewesen sei, dass der Beschuldigte als Verwaltungsrat 
der J.________AG die Vertretung derselben übernehmen würde. Es fehle an einer 
rechtsgenüglichen Belehrung. Dies führe zur Unverwertbarkeit der erhobenen Be-
weise (pag. 481).

8.2 Ausführungen der Kammer

Gemäss Art. 145 StPO kann eine einzuvernehmende Person eingeladen werden, 
an Stelle einer Einvernahme oder zu ihrer Ergänzung einen schriftlichen Bericht 
abzugeben. Zum Schutz der schriftlich einvernommenen Person ist diese in geeig-
neter Form auf ihre Rechte aufmerksam zu machen. Die Aussage- oder Zeugnis-
verweigerungsrechte dürfen nicht unterlaufen werden (HÄRING, in: Basler Kommen-
tar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 10 zu Art. 145 StPO). 

Die Staatsanwaltschaft nahm erstmals am 23. März 2016 mit der J.________AG 
schriftlich Kontakt auf. Ziel der schriftlichen Anfrage war es, herauszufinden, ob der 

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VW Amarok am 11. Oktober 2015 im Zusammenhang mit einer geschäftlichen Ver-
richtung für die J.________AG im Einsatz gewesen war (pag. 235). Der Beschul-
digte ersuchte daraufhin (ebenfalls schriftlich) um Beantwortung der Frage, auf 
welche gesetzliche Grundlage sich die Staatsanwaltschaft stütze (pag. 236). Diese 
beantwortete dem Beschuldigten die Frage am 4. April 2016 schriftlich und machte 
ihn mit Blick auf Art. 179 Bst. g StPO [recte: Art. 178 Bst. g StPO] auf sein Aussa-
geverweigerungsrecht aufmerksam, falls er die J.________AG im Falle einer Aus-
dehnung des Verfahrens auf dieselbe vertrete (pag. 238). Auf entsprechende 
Nachfrage wurde dem Beschuldigten sein Aussageverweigerungsrecht mit Schrei-
ben vom 12. April 2016 zusätzlich erläutert (pag. 240). 

Der Beschuldigte wurde folglich bereits mit Schreiben vom 4. April 2016 auf sein 
Aussageverweigerungsrecht als Vertreter der J.________AG hingewiesen. Weder 
vor noch nach der Belehrung über sein Aussageverweigerungsrecht gab der Be-
schuldigte irgendwelche Auskünfte. Eine eigentliche Aussage ist den Schreiben 
nicht zu entnehmen. In den Eingaben des Beschuldigten für die J.________AG 
(pag. 236 und 239) belastete dieser folglich weder die J.________AG noch sich 
selbst. Mangels Relevanz wird darauf verzichtet, die Schreiben aus den Akten zu 
weisen.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Vorwürfe gemäss Anklageschrift und vorinstanzliche Sachverhaltsfeststel-
lung

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 14. November 2016 vorgewor-
fen, sich auf der Fahrt vom 11. Oktober 2015, zwischen 20.00 und 20.10 Uhr auf 
der A6 Süd L Bern als Führer des weissen Lieferwagens VW Amarok 
(BE ________, nachfolgend: VW Amarok) diverser Vergehen und Verbrechen ge-
gen das SVG schuldig gemacht zu haben. Konkret wird dem Beschuldigten Fol-
gendes vorgeworfen (pag. 288 ff.):

- Ziff. I.1 der Anklageschrift: Unerlaubter Fahrstreifenwechsel vor Strassenver-
zweigung mit Unfallfolge – Art. 90 Abs. 3 SVG (pag. 288 f.):

Der Beschuldigte sei hinter dem schwarzen BMW X5 (BE ________, nachfol-
gend: BMW X5) auf dem Autobahnabschnitt Bern-Ostring – Bern-Wankdorf auf 
der Überholspur gefahren. Nachdem der BMW X5 auf die Normalspur ge-
wechselt sei, habe der Beschuldigte diesen bei mässigem Verkehrsaufkom-
men mit ca. 80-90 km/h links überholt. Kurz vor Beendigung des Überhol-
manövers habe der Beschuldigte seinen Wagen kurz nach links und dann un-
vermittelt vom Überholstreifen nach rechts hin, zum ebenfalls rechts wegge-
henden Fahrstreifen Richtung Bern-Neufeld gezogen, sodass er den BMW X5 
mit der rechten Hinterseite des VW Amarok touchiert und abgedrängt habe. 
Der BMW X5 sei über die beiden rechten Fahrbahnen Richtung Bern-Neufeld 
und Bern-Wankdorf hinausgetrieben worden. Danach sei er mit der Leitplanke 
kollidiert und auf dem Pannenstreifen zum Stehen gekommen. Der Beschuldig-
te habe bei diesem Fahrmanöver die Verursachung eines Unfalls in Kauf ge-

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nommen, bei welchem sich der Lenker des BMW X5 oder andere Verkehrsteil-
nehmer erheblich verletzen oder zu Tode hätten kommen können.

- Ziff. I.2 der Anklageschrift: Wiederholtes Nichtwahren eines ausreichenden 
Abstandes beim Hintereinanderfahren – Art. 90 Abs. 2 SVG (pag. 289):

Der Beschuldigte sei auf der Überholspur im Autobahnabschnitt Kiesen – Ru-
bigen bei einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h und bei erheblichem Ver-
kehrsaufkommen zu nahe auf den vor ihm fahrenden BMW X5 aufgefahren. 
Der Fahrer des BMW X5 habe das vordere Kontrollschild des VW Amarok im 
Rückspiegel nicht mehr sehen können. Kurz darauf sei der Beschuldigte auf 
dem Autobahnabschnitt Rubigen – Bern-Wankdorf erneut bei ähnlicher Ge-
schwindigkeit ca. drei Mal zu nahe – teilweise mit einem Abstand von 
ca. 50 cm – auf den vor ihm fahrenden BMW X5 aufgefahren.

- Ziff. I.3 der Anklageschrift: Unbegründetes, brüskes Abbremsen – Art. 90 
Abs. 2 SVG (pag. 289):

Auf dem Autobahnabschnitt Rubigen – Muri b. Bern sei der Beschuldigte auf 
der Überholspur bei einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h vor dem unmittel-
bar hinter ihm fahrenden BMW X5 unerwartet und stark auf die Bremse getre-
ten, ohne dass es dafür einen Grund gegeben habe. Der Lenker des BMW X5 
habe sich deshalb dazu gezwungen gesehen, ebenfalls abrupt abzubremsen 
und nach rechts auf den Normalstreifen auszuweichen, um einen Auffahrunfall 
zu vermeiden.

- Ziff. I.4 der Anklageschrift: Befahren einer Sperrfläche – Art. 90 Abs. 1 SVG 
(pag. 289):

Der Beschuldigte habe kurz vor der physischen Nase zwischen den Fahrstrei-
fen Richtung Grauholz und Bern-Neufeld resp. Bern-Wankdorf abrupt von der 
Überholspur Richtung Grauholz auf den Fahrstreifen Richtung Bern-Neufeld 
gewechselt und habe so die schraffierte Sperrfläche überfahren. Dies kurz 
nachdem er den rechts vor ihm fahrenden BMW X5 touchiert und nach rechts 
abgedrängt habe.

- Ziff. I.5 der Anklageschrift: Pflichtwidriges Verhalten nach einem Verkehrsunfall 
mit Sachschaden – Art. 92 Abs. 1 SVG (pag. 289):

Auf dem Autobahnabschnitt Bern-Ostring – Bern-Wankdorf habe der Beschul-
digte den VW Amarok beschleunigt. Er sei ohne anzuhalten davongefahren, 
nachdem er kurz zuvor eine Streifkollision mit dem BMW X5 verursacht hatte 
und damit auch davon habe ausgehen müssen, einen Sachschaden verur-
sacht zu haben.

- Ziff. I.6 der Anklageschrift: Vereitelung von polizeilichen Massnahmen zur 
Feststellung der Fahrfähigkeit – Art. 91a Abs. 1 SVG (pag. 290):

Der Beschuldigte sei auf dem Autobahnabschnitt Bern-Ostring – Bern-
Wankdorf mit dem VW Amarok davongefahren ohne am Unfallort anzuhalten. 
Dies obwohl er aufgrund der kurz zuvor verursachten Streifkollision mit dem 
BMW X5 davon habe ausgehen müssen, dass er bei korrektem Verhalten 

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nach einem Unfall von der Polizei auf seine Fahrtüchtigkeit hin getestet worden 
wäre. Mit seinem Verhalten habe er diese Massnahmen vereitelt. 

Die Vorinstanz erachtete nach Würdigung sämtlicher Beweismittel den angeklagten 
Sachverhalt als erstellt (pag. 372, S. 44 der Urteilsbegründung).

10. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt und Beweisfragen

Der angeklagte Sachverhalt wird vom Beschuldigten weitestgehend bestritten. Ins-
besondere bestreitet er, den VW Amarok zum Tatzeitpunkt gefahren zu sein.

Nicht bestritten ist hingegen, dass die J.________AG Halterin des VW Amarok war 
und der Beschuldigte zum fraglichen Zeitpunkt als deren Verwaltungsratspräsident 
im Handelsregister eingetragen war. Oberinstanzlich ist ferner unbestritten, dass 
der VW Amarok am Abend des 11. Oktober 2015 in eine Streifkollision verwickelt 
war. 

Für die Kammer stellen sich folglich – wie bereits erstinstanzlich (vgl. pag. 337 f., 
S. 9 f. der Urteilsbegründung) – die Beweisfragen, ob der Beschuldigte am 11. Ok-
tober 2015 den VW Amarok lenkte und ob sich die ihm vorgeworfenen Sachverhal-
te wie angeklagt zugetragen haben. 

11. Beweismittel

Der Kammer liegen verschiedene subjektive Beweismittel in Form von Aussagen 
vor. Es handelt sich hierbei um die schriftlichen und telefonischen Angaben sowie 
die Einvernahmen des Beschuldigten (pag. 66 f.; pag. 68 ff.; pag. 74 ff.; 
pag. 315 ff.; pag. 484 ff.), von L.________ (pag. 27 ff.), E.________ (pag. 30 ff.), 
M.________ (pag. 33 ff.), F.________ (pag. 36 ff.), N.________ (pag. 22; pag. 39 
ff.), O.________ (pag. 21; pag. 44 ff.), P.________ (pag. 14 f.; pag, 48 ff.), 
C.________ (pag. 52 ff.), R.________ (pag. 56 ff.) und I.________ (pag. 10 ff.; 
pag. 60 ff.; pag. 313 f.). Auf eine Zusammenfassung dieser Aussagen wird verzich-
tet. Der Vollständigkeit halber wird vorliegend einzig die oberinstanzlich erfolgte 
Einvernahme des Beschuldigten zusammengefasst wiedergegeben (vgl. Aus-
führungen Ziff. 12.2 hiernach). Im Übrigen wird nur soweit notwendig im Rahmen 
der Beweiswürdigung auf die konkreten Aussagen eingegangen. Soweit weiterge-
hend wird vollumfänglich auf die amtlichen Akten und die korrekte Zusammenfas-
sung der Aussagen durch die Vorinstanz verwiesen (pag. 348 ff., S. 20 ff. der Ur-
teilsbegründung).

Zudem befinden sich die folgenden objektiven Beweismittel in den Akten: der An-
zeigerapport vom 10. November 2015 (pag. 3 ff.), der Handelsregisterauszug der 
J.________AG vom 22. Oktober 2015 und vom 11. Dezember 2017 (pag. 23; 
pag. 508), die Dokumentation des Unfalltechnischen Dienstes (UTD; pag. 81 ff.; 
pag. 96 ff.), die Akten des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes des Kantons 
Bern (SVSA; pag. 107; pag. 111; pag. 114; pag. 121 ff.), das Schreiben des Stras-
senverkehrsamtes des Kantons Zug vom 21. Juni 2016 (pag. 116), die Akten der 
S.________(Versicherung) (pag. 146 ff.; pag. 154 ff.), das Schreiben der Einwoh-
nergemeinde T.________ vom 11. Februar 2016 inkl. Niederlassungsausweis des 
Beschuldigten (pag. 164 f.), der Familienausweis des Beschuldigten vom 18. Fe-

11

bruar 2016 (pag. 167 ff.), die edierten Akten der Staatsanwaltschaft des Kantons 
Bern, Region Oberland im Verfahren O 15 2355 gegen den Beschuldigten 
(pag. 176 ff.), der Nachtrag des Polizeirapportes vom 4. Mai 2016 inkl. der rückwir-
kenden Telefonüberwachung für die Mobiltelefonnummer ________ (pag. 195 ff.), 
die ADMAS-Auszüge der Familienmitglieder des Beschuldigten (pag. 204 ff.), der 
ADMAS-Auszug des Beschuldigten vom 14. Juni 2016 (pag. 209 ff.), der Ausdruck 
des Autobahnabschnitts Bern-Ostring – Bern-Wankdorf von Geomaps (pag. 320), 
die Rechnungen und Fotoaufnahmen der G.________AG betreffend dem Beschul-
digten und der J.________AG (pag. 425 ff.), der Mietvertrag für die Wohnung an 
der D.________strasse in Bern (pag. 462 ff.) sowie eine Kopie der Einträge der 
Agenda des Beschuldigten vom 10. und 11. Oktober 2015 (pag. 507). Auch hier 
wird auf die amtlichen Akten und die Zusammenfassung der Vorinstanz verwiesen 
(pag. 341, S. 13 ff. der Urteilsbegründung) und nur soweit notwendig im Rahmen 
der Beweiswürdigung darauf eingegangen.

12. Würdigung durch die Kammer

12.1 Vorbemerkungen zur Beweiswürdigung

Betreffend die theoretischen Ausführungen zur Beweiswürdigung kann auf die kor-
rekten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 334 f., S. 6 f. der Ur-
teilsbegründung). Ergänzend ist Folgendes festzuhalten:

Beweise bzw. Indizien sind in ihrer Gesamtheit zu würdigen. Liegen keine direkten 
Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein indirekter Beweis zulässig. 
Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechts-
erheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar 
rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für 
sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die 
Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, 
können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeu-
gen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der 
Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_948/2016 vom 
22. Februar 2017 E. 2.2 und 6B_217/2012 vom 20. Juli 2012 E. 2.2.2). Der Indizi-
enbeweis ist dem direkten Beweis gleichgestellt und vollgültiger Beweis. Indizien 
sind sogar unentbehrlich zur Aufdeckung innerer Tatsachen wie des Vorsatzes. Es 
ist zulässig aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein 
betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache 
oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen 
rechtsgenüglichen Beweis von Tat oder Täter zu schliessen. Der Indizienprozess 
als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten 
Teilrechte. Der Grundsatz «in dubio pro reo» findet auf das einzelne Indiz keine 
Anwendung (Urteil des Bundesgerichts 6B_605/2016 vom 15. September 2016 
E. 2.8).

12

12.2 Zu den Aussagen des Beschuldigten vom 12. Dezember 2017

Im Rahmen der oberinstanzlichen Einvernahme vom 12. Dezember 2017 machte 
der Beschuldigte erstmals konkrete Aussagen zur Sache (pag. 484 ff.):

Der Beschuldigte führte aus, er habe den VW Amarok am Sonntagabend um 
ca. 20.00 Uhr zurück erhalten (pag. 486, Z. 6; Z. 18). Diesbezüglich habe er bei der 
Einvernahme vom 8. Februar 2016 gelogen (pag. 486, Z. 18 ff.). Später habe er ei-
nen Anruf entgegengenommen, bei welchem sich niemand gemeldet habe. Er ha-
be sich normal mit Namen gemeldet. Es habe aber niemand etwas gesagt, auch 
nach mehreren Sekunden nicht (pag. 486, Z. 7, Z. 32; pag. 490, Z. 17 ff.; pag. 492, 
Z. 7). Deshalb habe er wieder aufgelegt. Die darauf folgenden Anrufe habe er nicht 
entgegen genommen. Später habe er die Combox abgehört. Es sei eine Nachricht 
gewesen, dass er zurückrufen solle, von Polizei sei keine Rede gewesen. Die 
Comboxnachricht habe er in Beziehung mit dem Vorfall gesetzt, er habe aber nicht 
mehr reagiert. Er habe sie auch in Zusammenhang mit dem Anruf gebracht, bei 
dem sich niemand gemeldet habe (pag. 486, Z. 6 ff.; pag. 487, Z. 18 f.; pag. 492, 
Z. 13 f.). Der Beschuldigte führte wiederholt aus, er sei von einer «Faked-
Message» ausgegangen, da es sich um eine 079er-Nummer gehandelt habe und 
sich jeder als Polizist melden könne. Beim Anruf und auch bei der Comboxnach-
richt habe sich jedoch niemand als Polizist gemeldet (pag. 486, Z. 11 f., Z. 24 ff.; 
pag. 492, Z. 7 ff., Z. 19 ff.). Als Erklärung brachte der Beschuldigte diesbezüglich 
vor, die Comboxnachricht hätte von jemandem stammen können, der gesehen ha-
be, was geschehen sei – herausgefunden habe, wem das Fahrzeug gehöre und 
ihn dann angerufen habe (pag. 492, Z. 7 ff.). Er habe bereits im Zusammenhang 
mit einem Wirtschaftsdelikt mitten in der Nacht, auch an den Wochenenden, Anrufe 
erhalten. Seine Assoziation sei damals jedoch schon eine andere gewesen. Er ha-
be ja gewusst, was passiert sei (pag. 490, Z. 21 ff.). Er habe das Telefon am Mitt-
woch abgenommen, weil die Polizei bei der J.________AG gewesen und er vom 
Sekretariat darüber informiert worden sei. Auf Vorhalt, dass bei der J.________AG 
niemand die Tür geöffnet habe, gab der Beschuldigte an, dass die Polizei vielleicht 
durch jemanden gesehen worden sei, auf jeden Fall habe er dann die Information 
erhalten, dass die Polizei dort gewesen sei (pag. 488, Z. 28 ff.).

Auf Frage, was er am 11. Oktober 2015 gemacht habe, erklärte der Beschuldigte, 
er habe Besuch von einem französischen Freund gehabt. Sie seien zuerst noch in 
der Stadt gewesen und hätten danach den ganzen Tag Zuhause an der 
D.________strasse verbracht. Dies könne er aufgrund des Time-Systems (seiner 
nicht elektronischen Agenda) sagen (pag. 486 f., Z. 37 ff.). Seine Frau und eine 
Tochter seien damals auch in der Wohnung an der D.________strasse gewesen 
(pag. 487, Z. 1). Den Freund habe er dann zu Fuss zum Bahnhof begleitet. Danach 
habe er gegen 20.00 Uhr den VW Amarok zurück erhalten. Der Fahrer habe ihm 
sogleich dessen Version der Geschehnisse geschildert (pag. 486, Z. 6, Z. 18; 
pag. 487, Z. 9). Auf Vorhalt er habe von «er» gesprochen und dass er gegenüber 
einem «er» kein Zeugnisverweigerungsrecht habe, sagte der Beschuldigte, dies sei 
ein Versprecher gewesen. Er habe «diese Person» gemeint. Der Fahrer könne ein 
Mann oder eine Frau gewesen sein (pag. 487, Z. 21 ff.). «Er, der Fahrer» habe ihm 
erzählt, er sei auf der Autobahn von einem BMW an der Ausfahrt Richtung Freiburg 

13

behindert bzw. bedrängt worden. Er habe nicht in die Ausfahrt hineinfahren kön-
nen. Dies sei weder durch Gas geben noch durch Verlangsamen möglich gewesen, 
weil der BMW ihn bedrängt habe. Schliesslich habe der Fahrer vor den BMW hin-
einfahren können, damit er die Ausfahrt noch erwische. Allerdings habe er die Di-
mension des Amarok unterschätzt und habe deshalb den BMW beim Herausfahren 
noch touchiert. Der Fahrer habe keine Möglichkeit gehabt, dort anzuhalten. Dies 
sei für den Beschuldigten plausibel gewesen. Es sei ein sehr langes Fahrzeug, 
wenn man sich dieses nicht gewohnt sei (pag. 487, Z. 32 ff.; pag. 491, Z. 17 ff.). Er 
habe dem Fahrer nicht gesagt, er solle die Polizei verständigen, weil dieser ihm 
gesagt habe, er sei behindert worden. Der Fahrer habe folglich keinen Unfall verur-
sacht (pag. 491, Z. 28 ff.). Für ihn seien mindestens zwei Personen beteiligt und 
damit auch mitschuldig gewesen (pag. 487, Z. 42).

Am Montagmorgen habe er sich entschieden, den VW Amarok zur G.________AG 
zu bringen (pag. 488, Z. 1 ff.). Man habe beim Fahrzeug hinten rechts eine Strei-
fung erkennen können, es sei jedoch noch normal gefahren (pag. 487, Z. 15 f.). 
Von unterwegs habe er bei der G.________AG angerufen. Die Mitarbeiter hätten 
gleich Zeit gehabt (pag. 488, Z. 3 ff., Z. 22 ff.). Er habe gelogen, als er behauptet 
habe, am Auto sei nichts gemacht worden. Er stehe dazu. Das Auto habe er repa-
rieren lassen und er habe entschieden, den Fahrer so zu schützen (pag. 488, 
Z. 4 f.; pag. 491, Z. 39 f.). Weil er sich so entschieden habe, sage er nicht, wer ge-
fahren sei (pag. 492, Z. 1 f.). Er habe von Anfang an gewusst, wer gefahren sei. 
Auch diesbezüglich habe er den Polizisten R.________ angelogen. Dies lasse aber 
nicht auf dauerhafte Lügerei schliessen (pag. 488, Z. 1 ff.). Er habe entschieden, 
den Schaden auf sich zu nehmen. C.________ von der G.________AG habe ihm 
gesagt, dass aufgrund der Reparatur die Prämie der Versicherung steigen könne. 
Daher sei es ein Grenzfall gewesen, ob man den Schaden durch die Versicherung 
begleichen lassen wolle (pag. 488, Z. 15 ff.). Auf Frage, weshalb die Reparatur so 
geeilt habe, obwohl es sich nur um einen optischen Mangel gehandelt habe, sagte 
der Beschuldigte, er habe sich so entschieden (pag. 488, Z. 19 ff.).

Auf Vorhalt, auf dem Versicherungsantrag sei er (der Beschuldigte) als Hauptlenker 
angegeben, erklärte er, er habe als Geschäftsmann automatisch angeben müssen, 
wer der häufigste Fahrer sei. Zeitweise habe er «x Autos» gehabt, die über die 
Firma gelaufen seien. Dies heisse jedoch nicht, dass er der alleinige Fahrer gewe-
sen sei. Eine solche Angabe gegenüber der Versicherung sei so Usus gewesen 
(pag. 488, Z. 37 ff.). Der VW Amarok sei als Nutzfahrzeug gekauft worden, um Sa-
chen zu transportieren. Deshalb sei er für verschiedene Personen von Interesse. 
So sei das Fahrzeug auch am fraglichen Wochenende genutzt worden (pag. 488, 
Z. 42 ff.). 

Zu seinem automobilistischen Leumund erklärte der Beschuldigte, er sei geschäft-
lich viel unterwegs gewesen und er sei viele Kilometer gefahren. Es habe Wider-
handlungen gegen das SVG gegeben. Es seien fast immer Geschwindigkeitsüber-
tretungen gewesen. Er könne jeden einzelnen Vorfall kommentieren. So gab der 
Beschuldigte an, er sei «drei Mal gefeckt worden, d.h. gejagt und bedroht, von ei-
nem zivilen Polizeifahrzeug». Beim Vorfall, der jetzt wegen der Bewährungsfrist 
noch relevant sei, habe er niemanden abgeschossen oder bedrängt. Er sei damals 

14

mit einem Anhänger mit Einzelradaufhängung unterwegs gewesen. Dieser sei nur 
für 80 km/h zugelassen. Das habe er jedoch nicht gewusst (pag. 489, Z. 5 ff.). Auf 
Vorhalt bzw. Frage, es seien aber schon viele Vorfälle gewesen und er habe auch 
schon in anderem Zusammenhang von Komplott gesprochen, ob immer die ande-
ren Schuld seien, sagte der Beschuldigte, er stehe noch immer dazu. Es sei ein 
Komplott gewesen. Er habe das Urteil damals weiterziehen wollen, sein Anwalt ha-
be ihm jedoch davon abgeraten. Daraus könne man nicht schliessen, er sei ein 
Raser oder ein gefährlicher Automobilist (pag. 489, Z. 19 ff.).

12.3 Zur Beantwortung der Beweisfragen

12.3.1 Zur Frage, ob der Beschuldigte den VW Amarok am 11. Oktober 2015 fuhr

Der Beschuldigte bestritt, am Abend des 11. Oktober 2015 mit dem VW Amarok 
gefahren zu sein. Die nachfolgenden, teils gewichtigen Indizien sowie die wider-
sprüchlichen, nicht nachvollziehbaren und unglaubhaften Aussagen des Beschul-
digten sprechen jedoch in ihrer Gesamtheit eindeutig dafür, dass er und niemand 
anderes am fraglichen Abend der Lenker des VW Amarok war: 

Haltereigenschaft

Die Haltereigenschaft ist ein wichtiges Indiz für die Täterschaft (Urteile des Bun-
desgerichts 6B_515/2014 vom 26. August 2014 E. 4, E. 5.3 und 6B_556/2014 vom 
15. August 2014 E. 2.3). Halterin des VW Amarok ist die J.________AG. Im Tat-
zeitpunkt war der Beschuldigte deren Verwaltungsratspräsident (pag. 23 f.) und 
gemäss den von ihm am 19. August 2014 unterzeichneten Versicherungsunterla-
gen nicht nur der Hauptlenker des VW Amarok. Denn gegenüber der Versicherung 
gab der Beschuldigte nämlich explizit an, es würden keine weiteren Personen den 
VW Amarok fahren, sondern nur er als Hauptlenker (pag. 159: auf Frage, wie viele 
Personen [ausser dem/der häufigsten Lenker/in] das Fahrzeug lenken würden, gab 
der Beschuldigte an: «Keine [nur Hauptlenker]»). In der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 12. Dezember 2017 behauptete der Beschuldigte dann aller-
dings, er sei entgegen den Angaben im Versicherungsantrag nicht der alleinige 
Fahrer des VW Amarok gewesen. Zeitweise habe die J.________AG viele Autos 
besessen. Die Angabe gegenüber der Versicherung, alleiniger Hauptlenker zu sein, 
sei so Usus gewesen (pag. 488, Z. 37 ff.). Diese Aussage vermag jedoch nicht zu 
überzeugen, zumal sie im klaren Widerspruch zu den im Versichungsantrag ge-
machten Angaben steht. Zwar fuhr L.________, die Ehefrau des Beschuldigten, am 
16. Dezember 2015 den VW Amarok und verursachte damit einen Unfall (vgl. 
pag. 147). Allerdings vermag weder diese Tatsache noch der Umstand, dass der 
Beschuldigte heute nicht mehr im Verwaltungsrat ist (die Ehefrau ist einziges Mit-
glied des Verwaltungsrates; vgl. pag. 508 f.) oder die Angabe, jemand aus seiner 
Familie sei gefahren, ihn diesbezüglich entscheidend zu entlasten. Dies gilt umso 
mehr, als auch aus den weiteren Indizien nichts auf seine Ehefrau L.________ 
oder eine der drei Töchter als Lenkerin hindeutet.

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Aussagen zum Lenker des VW Amarok zum Tatzeitpunkt

Der Zeuge N.________ konnte als einziger Angaben zum Lenker des VW Amarok 
machen. In seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. August 2016 er-
klärte er, es sei ein Mann gewesen, der am 11. Oktober 2015 den VW Amarok ge-
fahren sei. Eine Frau sei Beifahrerin gewesen (pag. 41, Z. 87). Er gab unmissver-
ständlich an: «Ich kann sagen, dass es ein Mann war» (pag. 41, Z. 95). Entgegen 
den Ausführungen des Beschuldigten erachtet die Kammer die Aussagen von 
N.________ nicht als widersprüchlich. N.________ gab zwar am 14. Oktober 2015 
gegenüber der Polizei telefonisch an, er habe den Lenker im Dunkeln nicht sehen 
können, weshalb er eine Wiedererkennung ausschliessen könne (pag. 22). Nach 
dem Geschlecht wurde er aber da nicht explizit gefragt. Erst in der Einvernahme 
vom 19. August 2016 machte er dann Aussagen zum Geschlecht des Fahrzeug-
lenkers und zur Anzahl der Insassen im VW Amarok. Er bestätigte, er könne nur 
sagen, es seien ein Mann und eine Frau gewesen. Er könne den Mann allerdings 
weder beschreiben noch würde er ihn wiedererkennen, wenn man ihm mehrere 
Gesichter zeigen würde. Zum Alter könnte er jetzt so sagen, so um die 40, aber 
ohne Gewähr (pag. 41, Z. 93 ff.). Wenn er ausführte, er sei sich nicht 100% sicher, 
so bezog er sich auf seine Aussage, es seien zwei Personen im Auto gewesen, 
vorne ein Mann, der gefahren sei und eine Frau als Beifahrerin. Hinten habe es 
dunkle Scheiben gehabt, «aber vorne waren es zwei Personen» (pag. 41, Z. 88 ff.). 
Seine Unsicherheit bezog sich folglich auf die Frage, wie viele Personen gesamt-
haft (evtl. auch hinten) im Auto gesessen seien, nicht darauf, dass ein Mann am 
Steuer sass (vgl. pag. 41, Z. 86). Die Aussagen von N.________ sind glaubhaft. Er 
steht in keinerlei Beziehung zu den Unfallbeteiligten, weshalb kein Grund ersicht-
lich ist, warum er den Beschuldigten zu Unrecht hätte belasten sollen. N.________ 
ist hinsichtlich seiner Angabe zum Geschlecht des Fahrers auch deshalb glaubhaft, 
weil er detaillierte Angaben zum Nachfahrabstand machen konnte (vgl. Ausführun-
gen unter Ziff. 12.3.4 hiernach) sowie bei seinen zurückhaltenden Aussagen Über-
treibungen oder Spekulationen vermied (pag. 22). 

Hinsichtlich der Frage nach dem Lenker des VW Amarok sind die angeblichen Ver-
sprecher des Beschuldigten in der oberinstanzlichen Einvernahme, wonach ein 
«er» den VW Amarok gefahren sei, erstaunlich. Der Beschuldigte versuchte sie so 
zu erklären, dass er «er, den Fahrer» gemeint habe. Es könne damit ein Mann oder 
eine Frau gemeint sein (pag. 487, Z. 23 ff.). Diese Erklärung ist nach Ansicht der 
Kammer nicht einleuchtend. Insbesondere erschliesst sich der Kammer nicht, wes-
halb der Beschuldigte mehrfach spontan von «er» hätte sprechen sollen, wenn eine 
Frau – bei den dem Beschuldigten nahestehenden Personen handelt es sich aus-
schliesslich um Frauen – das Fahrzeug gelenkt hätte (vgl. pag. 167 ff.).

Dass I.________, der bedrängte Lenker des BMW X5, selber keine Angaben zum 
Lenker machen konnte, ist angesichts der konkreten Umstände während der Fahrt 
(vgl. nachfolgende Ausführungen) nicht weiter erstaunlich (pag. 64, Z. 145 ff.). Er 
musste sich auf den Verkehr konzentrieren und fuhr entweder vor oder hinter dem 
Beschuldigten.

16

Rückwirkende Telefonüberwachung/Kontaktversuche der Polizei

Die Ergebnisse der rückwirkenden Überwachung des Mobiltelefons des Beschul-
digten, d.h. die eruierten Antennenstandorte in der U.________(Quartier), über 
welche die nicht beantworteten Anrufe/SMS der Kantonspolizei Bern auf das Mobil-
telefon des Beschuldigten erfolgten, zeigen, dass sich dieser kurz nach dem Unfall, 
ab 20.30 Uhr, in dieser Gegend aufgehalten haben muss (pag. 198 ff.). Zeitlich er-
gibt sich zwanglos eine Übereinstimmung mit den Angaben des Zeugen 
P.________, der angab, er habe den VW Amarok noch vor dem Felsenauviadukt 
aus den Augen verloren (pag. 50, Z. 67 ff.). Die Kammer stimmt jedoch mit dem 
Beschuldigten überein, dass sich entgegen den Erwägungen der Vorinstanz 
(pag. 364 f., S. 36 f. Urteilsbegründung) allein aufgrund der verbundenen Anten-
nenstandorte nicht auf eine konkret gefahrene Route schliessen lässt. Erstellt ist 
einzig, dass sich der Beschuldigte am 11. Oktober 2015 um 20.30 Uhr in der 
U.________(Quartier) aufhielt. Indem der Beschuldigte ausführte, er habe sich am 
11. Oktober 2015 und zur fraglichen Zeit in der Wohnung an der 
D.________strasse aufgehalten, würde dies zwar den Aufenthalt im Umkreis der 
Antennenstandorte erklären. Die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten 
sind jedoch nicht glaubhaft. Denn der Beschuldigte erklärte oberinstanzlich erst-
mals, er sei am Sonntag, 11. Oktober 2015, von einem Freund aus Frankreich be-
sucht worden. Erst nachdem er diesen an den Bahnhof gebracht habe und danach 
wieder zurück in der Wohnung an der D.________strasse gewesen sei, habe er 
den VW Amarok gegen 20.00 Uhr vom angeblichen Lenker zurückerhalten 
(pag. 486, Z. 39 ff.; pag. 487, Z. 9 ff.). Es ist nicht nachvollziehbar und bleibt unver-
ständlich, warum der Beschuldigte ein auf der Hand liegendes Alibi so lange hätte 
verschweigen sollen, hätte er am fraglichen Sonntag effektiv von diesem Freund 
Besuch gehabt. Dies gilt umso mehr, als auch seine Frau und eine Tochter beim 
Besuch zugegen gewesen sein sollen (vgl. pag. 487, Z. 1). Folglich hätten auch 
diese beiden den Beschuldigten umgehend entlasten können. Dies taten sie aller-
dings nicht, sondern beriefen sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht (pag. 27 ff.). 

Warum der Beschuldigte die zahlreichen Kontaktversuche der Polizei vom 11. Ok-
tober 2015 zwischen 20.30 und 20.50 Uhr ignorierte, obwohl er vom angeblichen 
Lenker vom Vorfall mit dem VW Amarok auf der Autobahn erfahren haben will, 
lässt sich ebenfalls nicht plausibel erklären. Die Behauptung des Beschuldigten, es 
habe einen Anruf gegeben, aber es habe sich niemand gemeldet, bzw. es habe 
später nochmals so einen Anruf gegeben, glaublich mit einer anderen Nummer 
(pag. 70, Z. 78 ff.) ist schlicht falsch. Den Telefondaten können einzig Anrufe und 
SMS von Polizist V.________ entnommen werden (pag. 198). Entsprechend wurde 
die angebliche andere Nummer vom Beschuldigten in der oberinstanzlichen Ein-
vernahme auch nicht mehr ins Feld geführt (pag. 484 ff.). Der Beschuldigte gab 
hingegen weiterhin an, es habe sich beim von ihm entgegengenommenen Anruf 
niemand gemeldet und der Polizist habe sich auch in der Comboxnachricht nicht 
als solcher zu erkennen gegeben. Daher sei er von einem «Faked-Anruf» ausge-
gangen (pag. 486, Z. 6 ff., Z. 32 f.; pag. 490, Z. 17 ff.; pag. 492, Z. 7 ff.). Dass sich 
V.________ nicht als Polizist zu erkennen gegeben haben soll, ist schwer vorstell-
bar, zumal er einzig zur Aufklärung des fraglichen Vorfalls mit dem Beschuldigten 
Kontakt aufzunehmen versuchte und es schlicht keinen Sinn machen würde, bloss 

17

anzurufen um dann den Kontakt wortlos wieder zu beenden. Überdies gab auch 
Polizist R.________ an, V.________ habe sich beim angenommenen Anruf als Po-
lizist vorgestellt (pag. 56, Z. 47 ff.). Nach Ansicht der Kammer kann auf die Schilde-
rungen der involvierten Polizisten V.________ und R.________ abgestellt werden. 
Ihre schriftlichen Ausführungen zu den zahlreichen Kontaktversuchen wurden im 
Polizeirapport vom 10. November 2015 (pag. 3 ff.) festgehalten und stimmen mit 
den Ergebnissen der rund ein halbes Jahr später eingegangenen Auswertung der 
rückwirkenden Telefonüberwachung überein (vgl. pag. 198). Die Ausführungen des 
Beschuldigten – es habe ihn vielleicht jemand zu kontaktieren versucht, der gese-
hen habe, was geschehen sei und herausgefunden habe, wem das Fahrzeug 
gehöre (pag. 492, Z. 8 f.) – sind abwegig. Abgesehen davon, dass eine Abfrage der 
Kontrollschildnummer an einem Sonntag (ausser durch die Polizei) nur schwer 
möglich gewesen wäre, bleibt offen, was der angebliche Anrufer damit hätte be-
zwecken wollen. Die Annahme, es habe sich um «Faked-Messages» gehandelt ist 
angesichts der Tatsache, dass die Polizei innerhalb weniger Minuten mehrmals an-
rief und sogar eine Comboxnachricht und zwei SMS hinterliess, absurd. Was der 
Beschuldigte aus der Argumentation – es habe sich um eine 079-er-Nummer ge-
handelt und jeder könne sich als Polizist ausgeben (pag. 486, Z. 27 f.; pag. 492, 
Z. 19 ff.) – für sich ableiten will, bleibt ebenfalls unklar. Auch Diensttelefone der Po-
lizei verfügen über reguläre Telefonnummern. Die Aussagen des Beschuldigten 
sind somit alles andere als glaubhaft. Bezeichnend ist im Übrigen, wie sich der Be-
schuldigte bei der Einvernahme vom 8. Februar 2016 nach der sehr konkret formu-
lierten Erklärung, warum er nicht auf die Telefonanrufe und SMS der Polizei rea-
giert habe («[…] Es gab einen Anruf, es meldete sich aber niemand. Ich habe in 
meinem Business zwischendurch so Anrufe. Ich ging dann davon aus, dass es so 
ein Anruf war. Ich hängte dann auf und dachte mir ‚blaset mir i d Schueh‘. […]», 
pag. 70, Z. 78 ff.), sich auf weitere Fragen plötzlich ins «Nicht-mehr-Wissen» flüch-
tete: «Das weiss ich jetzt auch nicht mehr, ich kann es nicht mehr kommentieren, 
wie das lief» (pag. 70, Z. 86). In der oberinstanzlichen Einvernahme vom 12. De-
zember 2017 – fast zwei Jahre später – konnte er jedoch wieder detaillierte Anga-
ben zu den Telefonanrufen machen (vgl. obige Ausführungen). Auch das spricht 
nicht für glaubhafte Aussagen. Nach dem Gesagten überzeugt die Darstellung des 
Beschuldigten nicht. Die Erkenntnisse aus der rückwirkenden Telefonüberwachung 
sowie die Aussagen der Polizei sind überaus starke Hinweise auf eine Täterschaft 
des Beschuldigten. 

Vertuschung der Fahrzeugreparatur

Aus dem Umstand, dass der Beschuldigte bereits am Montag früh (vor 08.00 Uhr; 
siehe Mobiltelefonstandorte gemäss Telefonkontrolle, pag. 198) mit dem 
VW Amarok Richtung H.________ in die G.________AG fuhr, lässt sich hinsicht-
lich der Täterschaft des Beschuldigten für sich alleine noch nichts ableiten. Vor 
dem Hintergrund, dass der Beschuldigte der Polizei am 14. Oktober 2015 sagte, er 
müsse zuerst noch abklären, wer gefahren sei, am 15. Oktober 2015 dann jedoch 
erklärte, er habe das Auto schon am 12. Oktober 2015 von der Person entgegen-
genommen, die damit am 11. Oktober 2015 unterwegs gewesen sei (pag. 19), wirkt 
die Verbringung des Autos in die Garage allerdings überstürzt.

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Stark für die Täterschaft des Beschuldigten sprechen aber wiederum seine Aussa-
gen und sein ganzes Verhalten im Zusammenhang mit der Rückgabe des Fahr-
zeuges und der anschliessenden Reparatur. So behauptete der Beschuldigte bei 
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. Februar 2016, er habe den 
VW Amarok am Montagmorgen, 12. Oktober 2015, zurückerhalten (pag. 68, Z. 17). 
In der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 12. Dezember 2017 änderte der 
Beschuldigte diese Aussage und behauptete nun, den VW Amarok bereits am 
Sonntagabend vom angeblichen Fahrer zurückerhalten zu haben, wobei ihm dieser 
sogleich seine Version des Geschehens geschildert habe; in der Einvernahme vom 
8. Februar 2016 habe er gelogen (pag. 486, Z. 6, Z. 18 ff.; pag. 487, Z. 32 ff.). 
Warum sich der Beschuldigte datummässig korrigieren musste und nicht von An-
fang an sagte, was ihm angeblich geschildert worden war, ist nicht nachvollziehbar. 
Gegenüber der Polizei gab er am 14. Oktober 2015 an, er müsse zuerst abklären, 
wer überhaupt den VW Amarok gefahren sei. Am 15. Oktober 2015 machte er 
dann geltend, eine ihm nahestehende Person sei mit dem VW Amarok unterwegs 
gewesen und habe ihm das Auto am Montagmorgen zurückgegeben. Daraufhin 
machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (pag. 19). Zur Er-
klärung führte der Beschuldigte in der Einvernahme vom 8. Februar 2016 seinerzeit 
aus, er habe am 14. Oktober 2015 zwar gewusst, wer ihm das Fahrzeug überge-
ben habe. Er habe aber noch abklären müssen, ob diese Person den Wagen auch 
gehabt habe, als der Unfall geschehen sei. Daher habe er der Polizei erst am 
15. Oktober 2015 mitteilen können, dass eine ihm nahestehende Person gefahren 
sei (pag. 71, Z. 97 ff.). Auch dies steht im Widerspruch zu den Aussagen in der 
oberinstanzlichen Einvernahme. Der Beschuldigte hätte – hätte er den VW Amarok 
effektiv von einer ihm nahestehenden Person zurückerhalten – dies umgehend ge-
genüber der Polizei angeben können, ohne vorgängige Abklärungen tätigen zu 
müssen. Dies gilt umso mehr, als er sich bereits im Strafverfahren der Staatsan-
waltschaft Oberland im Jahr 2014 von Beginn an auf sein Aussageverweigerungs-
recht berufen hatte (pag. 176 ff.). Der Schluss, dass es einzig darum ging, die 
Schäden möglichst rasch reparieren zu lassen, Zeit zu gewinnen und letztlich sich 
selber aus der Schusslinie zu nehmen, liegt für die Kammer – in Übereinstimmung 
mit den Ausführungen der Vorinstanz (pag. 366, S. 38 Urteilsbegründung) – auf der 
Hand.

Dazu passt, dass der Beschuldigte am 15. Oktober 2015 nach der Untersuchung 
des Fahrzeuges durch den UTD gegenüber Polizist R.________ behauptete, es 
seien keine Reparaturen am Fahrzeug gemacht worden (Anzeige pag. 16 unten; 
pag. 58, Z. 73 ff.). Nachdem anhand der Telefonkontrolle ausfindig gemacht wer-
den konnte, dass das Fahrzeug in die G.________AG in H.________ verbracht 
worden war, steht fest, dass der Beschuldigte auch in diesem Punkt gelogen hat. 
Der VW Amarok wurde dort zwischen dem 12. und 15. Oktober 2015 repariert 
(pag. 433 ff.). Dies gab der Beschuldigte in der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung nunmehr auch zu (pag. 488, Z. 1 ff.). Durch die oberinstanzlich beigebrachten 
Reparaturrechnungen (pag. 425 ff.) ist andererseits belegt, dass der Beschuldigte 
in der G.________AG schon mehrfach Fahrzeuge hat reparieren lassen. Er wählte 
also nicht bewusst ein Unternehmen aus, mit welchem er bis anhin keine Ge-

19

schäftsbeziehungen pflegte. Daraus lässt sich indessen nichts zu seinen Gunsten 
ableiten. 

Nebst dem auf ein Vertuschen der Reparatur ausgerichteten Verhalten des Be-
schuldigten, kann auch seine telefonische Meldung an die 
S.________(Versicherung) am 17. Oktober 2015 zumindest nicht zu seinen Guns-
ten ausgelegt werden. Auch dort behauptete er wider besseres Wissen, sein Fahr-
zeug habe keinen Schaden erlitten. Zudem sagte er, weder ihm noch dem Lenker 
(sic!) sei bewusst, irgendeinen Schaden verursacht zu haben (pag. 146). Folglich 
log der Beschuldigte auch gegenüber seiner Versicherung zeitnahe zur Tat. In der 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte der Beschuldigte, es sei ein Grenzfall 
gewesen, ob man den Schaden der Versicherung melden solle. Er habe sich ent-
schieden, den Schaden auf sich zu nehmen bzw. nicht zu melden (pag. 488, Z. 14 
ff.). Mit dieser Aussage lässt sich die offensichtliche Falschangabe gegenüber der 
Versicherung nicht erklären. Hätte der Beschuldigte nur den tatsächlichen Fahrer 
schützen wollen, wäre diese Lüge weder gegenüber der 
S.________(Versicherung) noch gegenüber den Behörden nötig gewesen. Auf sei-
ne unglaubhaften Aussagen kann nicht abgestellt werden.

Vorstrafen und automobilistischer Leumund

Die bereits aus dem Strafregister entfernten Vorstrafen (inkl. die entsprechenden 
Verfügungen in den Administrativverfahren) dürfen entgegen der Vorinstanz nicht 
als Indiz dafür herangezogen werden, dass für den Vorfall vom 11. Oktober 2015 
einzig der Beschuldigte als Lenker des Fahrzeuges in Frage kommt. Die Kammer 
stimmt der Verteidigung zu (pag. 495 f.), dass aus dem Strafregister gelöschte 
Verurteilungen nicht für die Beurteilung des automobilistischen Leumunds bzw. als 
Beweismittel herangezogen werden dürfen (GRUBER, in: Basler Kommentar, Straf-
recht, 3. Aufl., N. 7 zu Art. 369). 

Nichtsdestotrotz ist der automobilistische Leumund des Beschuldigten auch ohne 
die gelöschten Einträge mehr als getrübt. Der ADMAS-Auszug vom 14. Juni 2014 
weist insgesamt vier zu berücksichtigende Einträge auf (pag. 209). Der Beschuldig-
te wurde gemäss Strafregisterauszug vom 9. November 2017 sowohl am 
10. April 2008 als auch am 10. Januar 2014 aufgrund einer groben Verletzung der 
Verkehrsregeln verurteilt (pag. 478). Der Führerschein wurde ihm seit dem Jahr 
2008 vier Mal für insgesamt neun Monate entzogen. Ein Führerausweisentzug von 
sechs Monaten wurde am 10. November 2008 verfügt (pag. 128). Weiter wurde 
dem Beschuldigten der Führerausweis am 6. Dezember 2010 (pag. 125), am 
2. April 2012 (pag. 123) und schliesslich am 3. Februar 2014 für jeweils einen Mo-
nat entzogen (pag. 121). Wiederholtes, nicht regelkonformes Verhalten im Stras-
senverkehr kann beim Beschuldigten nach dem Gesagten folglich nicht als persön-
lichkeitsfremd bezeichnet werden. Demgegenüber sind die ADMAS-Auszüge sei-
ner Ehefrau und der drei Töchter, bis auf eine vernachlässigbare Verwarnung ge-
genüber F.________ wegen Ablenkung, leer (pag. 204 ff.).

Angesprochen auf seinen automobilistischen Leumund, erklärte der Beschuldigte 
vor oberer Instanz, er sei kein Raser. Es habe Verfehlungen gegeben, aber es sei-
en fast immer Geschwindigkeitsübertretungen gewesen. Diese könne er alle kom-

20

mentieren. So sei er drei Mal von einem zivilen Polizeifahrzeug «gefeckt», d.h. ge-
jagt und bedroht worden (pag. 489, Z. 1 ff.). Hinsichtlich der Verurteilung vom 
3. Februar 2014 sprach er gar von einem Komplott der Gerichtsbehörden 
(pag. 489, Z. 19 ff.). Von Einsicht war bei seiner Befragung nichts zu spüren. Im 
Gegenteil, mit seinen wortreichen Ausführungen versuchte der Beschuldigte einzig 
seine Vorstrafen zu bagatellisieren.

Schliesslich deutet auch der Umstand, dass der Beschuldigte schon im Jahr 2014 
nach dem gleichen Verhaltensmuster agierte, auf ihn als Fahrzeuglenker hin. Auch 
damals machte er vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und wollte gegenü-
ber der Polizei zum strafrechtlich verantwortlichen Lenker (Halterin des Personen-
wagens war wie vorliegend die J.________AG) keine Angaben machen (pag. 20; 
pag. 176 ff.; insb. pag. 181; pag. 182). Gegen den auf ihn lautenden Strafbefehl 
vom 10. März 2015 wegen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 16 km/h 
innerorts machte er jedoch keine Einsprache. Der Strafbefehl wurde rechtskräftig 
(pag. 183 f.). Auch hier ist das Verhalten des Beschuldigten keineswegs persön-
lichkeitsfremd.

Fazit

Zusammenfassend steht für die Kammer fest, dass der Beschuldigte ein mehr-
schichtiges Vertuschungsmanöver inszenierte, um von seiner Täterschaft abzulen-
ken. Hätte er bloss eine ihm nahestehende Person schützen wollen, wäre kein der-
artiger Aufwand nötig gewesen. Seine konstruierten, widersprüchlichen Aussagen 
sind nicht glaubhaft. Es handelt sich um blosse Schutzbehauptungen, welche die 
starken, für eine Täterschaft des Beschuldigten sprechenden Indizien in keiner Art 
und Weise zu entkräften vermögen. Die Kammer hat keine Zweifel daran, dass der 
Beschuldigte am Abend des 11. Oktober 2015 den VW Amarok lenkte. 

12.3.2 Zu Ziff. I.1, Ziff. I.5 und Ziff. I.6 der Anklageschrift (zur Frage, ob eine Streifkollision 
stattfand und wie sich der Beschuldigte danach verhielt)

Zum Geschehen vom 11. Oktober 2015 liegen der Kammer wie bereits ausgeführt 
verschiedene Zeugenaussagen vor. I.________ wurde am 11. Oktober 2015 
schriftlich durch die Polizei (pag. 10 ff.) und am 15. September 2016 durch die 
Staatsanwaltschaft (pag. 60 ff.) als Auskunftsperson befragt. Anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung vom 7. März 2017 wurde er sodann als Zeuge ein-
vernommen (pag. 313 f.), wobei er die bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft 
gemachten Aussagen bestätigte. Nach Ansicht der Kammer sind die Aussagen von 
I.________ im Vergleich zu den anderen Zeugen demzufolge nicht von minderer 
Qualität. Was die dem Beschuldigten vorgeworfenen, von diversen Zeugen beob-
achteten und beschriebenen Fahrmanöver anbetrifft, kann vorab auf die zutreffen-
de Würdigung der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 368 ff., S. 40 ff. Urteilsbe-
gründung). Ergänzend hält die Kammer Folgendes fest:

Bei der Verzweigung Bern-Wankdorf handelt es sich um eine Autobahnverzwei-
gung, bei welcher insgesamt vier Spuren nebeneinander verlaufen. Zwei Spuren 
zweigen Richtung Bern-Neufeld/Fribourg rechts ab und die anderen zwei Spuren 
führen Richtung Grauholz/Basel/Biel gerade weiter (vgl. Unfallskizze pag. 5). Die 
Zeugen führten übereinstimmend aus, die Streifkollision habe sich bei einer Ge-

21

schwindigkeit von ca. 80-90 km/h zugetragen (I.________: pag. 12; P.________: 
pag. 14; O.________: pag. 45, Z. 55). Zum Tatzeitpunkt war es bereits dunkel 
(nachts, ca. 20.10 Uhr), bei guter Witterung. Während die Verkehrsbedingungen im 
Rapport als schwach bezeichnet werden (pag. 6), schätzten dies I.________ und 
P.________ leicht anders ein: Es seien «recht viele Autos» vorhanden gewesen, 
als es geschehen sei (I.________: pag. 63, Z. 115 ff.); hinter ihm seien noch Autos 
gefahren (P.________: pag. 49, Z. 56 f.). Diese Abweichungen sind nicht weiter 
von Belang. Wesentlich scheint, dass im Bereich der Verzweigung zumindest 
O.________, N.________ und P.________ jeweils mit ihrem Personenwagen hin-
ter dem VW Amarok des Beschuldigten und dem BMW X5 von I.________ unter-
wegs waren. Dabei wollten I.________ und O.________ gemäss ihren glaubhaften 
Aussagen auf dem Fahrstreifen Richtung Grauholz weiterfahren, P.________ Rich-
tung Bern-Neufeld. Weil der Beschuldigte sein Fahrzeug brüsk vom ganz linken auf 
den rechten Fahrstreifen (und dann auch noch auf den Richtung Bern-Neufeld ab-
gehenden Fahrstreifen) zog, kollidierte er mit dem Fahrzeug von I.________. Letz-
terer fuhr dann unkontrolliert (er kam ins Schleudern, pag. 62, Z. 77) über die bei-
den rechts abgehenden Fahrstreifen in die Leitplanke und kam schliesslich auf dem 
Pannenstreifen zum Stehen (pag. 12; pag. 62, Z. 77 ff.; pag. 63, Z. 90 f.). Seinen 
Personenwagen konnte er danach nicht mehr richtig fahren, weshalb dieser abge-
schleppt werden musste (pag. 63, Z. 108 ff.). Nach den konkreten Umständen 
(mehrere Fahrzeuge unterwegs) war es folglich entgegen den Behauptungen der 
Verteidigung (pag. 497) nur dem Zufall zu verdanken, dass das Fahrmanöver des 
Beschuldigten nicht zu weiteren Unfällen führte. 

Zur Heftigkeit bzw. zum Ablauf der Kollision sagte N.________ nicht nur bei der te-
lefonischen Befragung, der VW Amarok habe den BMW X5 absichtlich abgedrängt 
bzw. abgeschossen (pag. 22). Vielmehr sprach er auch bei der Staatsanwaltschaft 
davon, es habe sich nicht um ein leichtes seitliches Ankommen gehandelt, so dass 
der Fahrer das Steuer erschrocken herumgerissen hätte. «Sondern er hat ihn re-
gelrecht und sec zur Seite gedrängt» (pag. 41, Z. 60 ff.); bzw. der VW Amarok sei 
vor dem BMW X5 durchgefahren, bevor es zur Kollision gekommen sei (pag. 40, 
Z. 44). Er schilderte, der BMW X5 habe schon Platz gemacht, der VW Amarok sei 
aber noch mehrere Sekunden parallel neben ihm gefahren und habe dann plötzlich 
nach rechts gezogen (pag. 41, Z. 76 ff.). Der Fahrer des VW Amarok habe dieses 
Abdrängmanöver absichtlich durchgeführt (pag. 22; pag. 41, Z. 73 ff.). Ähnlich sag-
te auch O.________ aus. Er gab gegenüber der Polizei telefonisch bekannt, der 
VW Amarok sei noch nicht ganz am BMW X5 vorbeigefahren, da habe er sogleich 
nach rechts gewechselt. Er habe ihn «richtig abgeschossen». Solche Fahrmanöver 
habe er bisher nur in Filmen gesehen (pag. 21). Bei der Staatsanwaltschaft führte 
O.________ sogar aus, das mit dem Fahrmanöver sei noch harmlos ausgedrückt. 
Der VW Amarok habe zuerst leicht nach links ausgeholt und dann erst nach rechts 
hinübergezogen, um den BMW X5 zu treffen (pag. 45, Z. 27 ff.). Der VW Amarok 
habe den BMW X5 «richtig abgeschossen» und es habe ziemlich stark «tätscht» 
(pag. 46, Z. 67). Für ihn sei klar, der Fahrer des VW Amarok habe das absichtlich 
gemacht (pag. 46, Z. 75). P.________ konnte zwar selber nicht sagen, wie genau 
es zur Kollision kam (pag. 14), bzw. sah das Touchieren der beiden Wagen nicht 
(pag. 49, Z. 49). Er sprach jedoch ebenfalls davon, der VW Amarok habe den 

22

BMW X5 weggedrückt, obwohl er längst hätte vorbeifahren können (pag. 49, Z. 38 
f.). Das Fahrmanöver des Beschuldigten veranlasste P.________ im Übrigen dazu, 
die Verfolgung aufzunehmen, um sich die Kontrollschildnummer des VW Amarok 
notieren zu können und die Polizei zu avisieren (pag. 15; pag. 50, Z. 60 ff.). Auch 
für ihn stellte die Kollision folglich nicht nur eine Bagatelle dar. Er sei sogar ziemlich 
erschrocken, als er gesehen habe, wie der BMW X5 rechts ins Bord gefahren sei 
(pag. 49, Z. 51 f.). I.________ äusserte sich vor Ort eher zurückhaltend und schil-
derte einfach einen unmittelbar vor ihm erfolgten Fahrstreifenwechsel mit Kollision 
(VW Amarok hinten rechts mit BMW X5 vorne links). Bei der Staatsanwaltschaft 
beschrieb er die Streifkollision auf konkrete Fragen als «recht stark» (pag. 62, 
Z. 77). Er habe einen Schlag verspürt, der im Prinzip schlimmer gewesen sei, als 
die nachfolgende Kollision mit der Leitplanke (pag. 62, Z. 87 ff.). Bei der Kollision 
mit der Leitplanke habe es ihn noch in den Rücken gezwickt (pag. 63, Z. 99 f.). Die 
Zeugen sprachen folglich übereinstimmend und gleichbleibend von einer starken 
Streifkollision. Sie beurteilten das entsprechende Fahrmanöver denn auch unmiss-
verständlich als absichtlich durchgeführt. O.________ sprach als einziger davon, 
der VW Amarok habe zuerst nach links ausgeholt und erst danach nach rechts hin-
übergezogen. Die anderen Zeugen konnten ein solches Fahrmanöver nicht beob-
achten. Die Kammer stellt zugunsten des Beschuldigten folglich nicht auf diese 
Aussage von O.________ ab. Die Kammer hat allerdings keine Zweifel daran, dass 
der Beschuldigte zum einen vom linken Fahrstreifen brüsk nach rechts fuhr und 
zum anderen die Streifkollision wahrgenommen haben musste. Dies gilt umso 
mehr, als er an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung sagte, der angebliche 
Lenker habe ihm erzählt, er sei auf der Autobahn an der Ausfahrt Richtung Frei-
burg gehindert worden. Er habe weder durch Gas geben noch durch Verlangsamen 
die Ausfahrt nehmen können. Der BMW X5 habe ihn bedrängt, daher habe er Gas 
gegeben. Der Lenker habe vor dem BMW X5 noch auf die Ausfahrtspur fahren 
können, dabei habe er jedoch wohl die Dimension des VW Amarok unterschätzt 
und den BMW X5 touchiert (pag. 487, Z. 32 ff.; pag. 491, Z. 17 ff.). Der Beschuldig-
te schilderte also selber einen Vorfall, bei welchem die Streifkollision mit dem 
BMW X5 wahrgenommen wurde. Abgesehen davon, dass der Beschuldigte selber 
der Lenker war (vgl. Fazit in Ziff. 12.3.1 hiervor), geht die Kammer gestützt auf die 
Zeugenaussagen jedoch nicht davon aus, dass er den Abstand zum BMW X5 bzw. 
die Dimension des VW Amarok nur unterschätzte. Vielmehr ist unter Berücksichti-
gung des Umstands, dass er noch einige Sekunden auf der gleichen Höhe des 
BMW X5 auf der Überholspur fuhr, davon auszugehen, dass er den BMW X5 ge-
sehen hatte und er bewusst knapp vor diesem die Spur wechselte. Entgegen den 
Ausführungen der Verteidigung (pag. 495) erachtet die Kammer die Aussage von 
N.________, wonach der VW Amarok vor der Kollision noch einige Sekunden auf 
dem linken Fahrstreifen neben dem BMW X5 gefahren sei (pag. 40, Z. 43 f.), nicht 
als zu den Aussagen der übrigen Zeugen im Widerspruch stehend. Denn diese ga-
ben an, der VW Amarok sei am BMW X5 vorbeigefahren und habe dann nach 
rechts gewechselt (O.________: pag. 45, Z. 28 f.; P.________: pag. 49, Z. 37 f.; 
I.________: pag. 12). P.________ gab an, es habe nicht lange gedauert, der 
VW Amarok hätte neben dem BMW X5 vorbeifahren können, hätte diesen jedoch 
dann weggedrückt (pag. 49, Z. 37 f.). Ein Vorbeifahren, das bei etwa gleicher Ge-

23

schwindigkeit naturgemäss einige Sekunden dauert, steht sodann per se nicht im 
Widerspruch zur Aussage, der VW Amarok sei einige Sekunden neben dem 
BMW X5 gefahren.

Als die Polizei am 11. Oktober 2015 am Unfallort eintraf, befand sich der 
VW Amarok bzw. der Beschuldigte nicht am Tatort (pag. 16). Die Zeugen schilder-
ten übereinstimmend, der VW Amarok sei nach der Streifkollision ohne anzuhalten 
Richtung Bern-Neufeld davongefahren. P.________ führte aus, der VW Amarok 
sei, nachdem es mit dem BMW X5 zum Kontakt gekommen sei, Richtung Vevey 
weitergefahren. Er sei dem VW Amarok daher gefolgt, um sich die Kontrollschild-
nummer des Fahrzeugs zu notieren (pag. 15; pag. 50, Z. 60 ff.). O.________ schil-
derte ebenfalls, der VW Amarok sei nach der Kollision ohne anzuhalten Richtung 
Bern-Neufeld weitergefahren (pag. 21). Er habe gesehen, wie der VW Amarok be-
schleunigt und sich ziemlich schnell «aus dem Staub gemacht» habe (pag. 46, 
Z. 93 f.). Auch N.________ sprach davon, der VW Amarok habe nach der Streifkol-
lision seine Fahrt ohne anzuhalten fortgesetzt. Er könne allerdings nicht mehr sa-
gen, in welche Richtung der VW Amarok gefahren sei (pag. 22). In Übereinstim-
mung mit diesen Zeugenaussagen schilderte auch I.________, wie der 
VW Amarok ohne anzuhalten weitergefahren sei (pag. 13). Selbst der Beschuldigte 
sagte oberinstanzlich, der angebliche Fahrer sei nach der Streifkollision ohne an-
zuhalten weitergefahren. Allerdings machte er geltend, es habe keine Möglichkeit 
bestanden, am Tatort anzuhalten (pag. 487, Z. 36). Diese Aussage vermag jedoch 
nicht zu überzeugen, zumal jedenfalls N.________ am Unfallort anhalten konnte 
(vgl. pag. 42, Z. 99) und P.________ – zwecks Verfolgung des Beschuldigten – 
weiterfuhr, daraufhin aber wieder an den Unfallort zurückkehrte (pag. 16; pag. 50, 
Z. 62). Der Beschuldigte wäre somit ohne weiteres auch in der Lage gewesen, an-
zuhalten oder zumindest an den Unfallort zurückzukehren.

Nach dem Gesagten erachtet es die Kammer als erstellt, dass der Beschuldigte am 
11. Oktober 2015, um ca. 20.10 Uhr auf dem Autobahnabschnitt Bern-Ostring – 
Bern-Wankdorf mit seinem VW Amarok den BMW X5 von I.________ bei einer 
Geschwindigkeit von ca. 80-90 km/h bei einem mässigen Verkehrsaufkommen auf 
der Überholspur links überholte, unmittelbar vor der Verzweigung unvermittelt nach 
rechts zog und mit der hinteren rechten Seite seines Fahrzeugs die linke Vordersei-
te des BMW X5 stark touchierte. Der BMW X5 von I.________ wurde deshalb über 
die beiden rechts abgehenden Fahrstreifen Richtung Bern-Neufeld bzw. Bern-
Wankdorf hinausgetrieben. Er kollidierte mit der Leitplanke und kam auf dem Pan-
nenstreifen zum Stehen. Gestützt auf die konkreten Umstände und die entspre-
chenden Aussagen des Beschuldigten geht die Kammer ferner davon aus, dass 
der Beschuldigte die Streifkollision mit dem BMW X5 wahrgenommen hatte. Er 
musste davon ausgehen, zumindest einen leichten Sachschaden verursacht zu 
haben. Dennoch fuhr er ohne anzuhalten weiter Richtung Bern-Neufeld. Unter 
Berücksichtigung dieser Umstände waren dem Beschuldigten auch die weiteren 
Konsequenzen, die sich aus dem Unfall ergaben, bewusst – insbesondere eine 
drohende Überprüfung seiner Fahrfähigkeit durch die Polizei (vgl. Unfallaufnahme-
protokoll pag. 7, Verdacht auf Einfluss von Alkohol / Arznei- / Betäubungsmittel 
beim Lenker; sowie Alkoholtestergebnis von I.________, pag. 9). Die Kammer er-

24

achtet nach dem Gesagten neben dem obgenannten Beweisergebnis auch die an-
geklagten Sachverhalte gemäss Ziff. I.5 und Ziff. I.6 der Anklageschrift als erstellt.

12.3.3 Zu Ziff. I.4 der Anklageschrift (zur Frage, ob der Beschuldigte die Sperrfläche über-
fuhr)

Das Befahren der Sperrfläche kurz vor der physischen Nase zwischen den beiden 
Fahrstreifen Richtung Grauholz und denjenigen Richtung Bern-Neufeld bzw. Bern-
Wankdorf wurde von P.________ und I.________ übereinstimmend geschildert. 
I.________ erklärte, nachdem es zwischen dem VW Amarok hinten rechts und sei-
nem Personenwagen vorne links zu einer Streifkollision gekommen sei, sei der 
VW Amarok ohne anzuhalten weitergefahren. Er habe dabei die Sperrfläche über-
quert (pag. 12 f.). Auch P.________ schilderte, sowohl der VW Amarok als auch 
der BMW X5 hätten nach der Streifkollision die Sperrfläche von links nach rechts 
überfahren (pag. 14).

Die Kammer erachtet die Aussagen der Zeugen auch in diesem Punkt als glaub-
haft. Angesichts der von den Zeugen kurz vor der physischen Nase verorteten Kol-
lision und des Umstandes, dass der Beschuldigte mit dem VW Amarok auf den 
Fahrstreifen rechts Richtung Bern-Neufeld zog, war ein Überfahren der Sperrfläche 
unausweichlich (vgl. pag. 369, S. 41 der Urteilsbegründung).

12.3.4 Zu Ziff. I. 2 der Anklageschrift (zur Frage, ob der Beschuldigte wiederholt einen 
unzureichenden Abstand zum BMW X5 einhielt)

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen auf zwei Autobahnabschnitten wiederholt ei-
nen nicht ausreichenden Abstand zum BMW X5 eingehalten zu haben. 

Das erstmalige zu nahe Aufschliessen ereignete sich gemäss I.________ auf dem 
Überholstreifen im Baustellenbereich des Autobahnabschnitts Kiesen – Rubigen. 
Diesbezüglich liegen keine weiteren Zeugenaussagen vor. I.________ schilderte 
nachvollziehbar und anschaulich, auf dem Autobahnabschnitt Kiesen – Rubigen 
habe es im Baustellenbereich viel Verkehr gehabt. Er sei auf dem Überholstreifen 
gefahren. Der VW Amarok sei so nahe hinter ihm gefahren, dass er die vordere 
Kontrollschildnummer im Rückspiegel nicht habe erkennen können. Die Geschwin-
digkeit habe zu diesem Zeitpunkt ca. 80 km/h betragen und der Lenker des 
VW Amarok habe gleichzeitig mehrmals die Lichthupe betätigt. Erst als es auf der 
rechten Seite eine genügend grosse Fahrzeuglücke gehabt habe, habe er die Spur 
wechseln können und der Beschuldigte sei an ihm vorbeigefahren. Etwas weiter 
vorne habe er den VW Amarok wieder überholt. Daraufhin sei ihm der VW Amarok 
wieder mit sehr wenig Abstand gefolgt und der Fahrer habe die Lichthupe betätigt 
(pag. 10 f.; pag. 61, Z. 20 ff.). I.________ gab auch offen zu, er habe danach leicht 
das Bremspedal angetippt und so seinen Personenwagen leicht verlangsamt. Da-
mit habe er dem VW Amarok zeigen wollen, dass er mit der Lichthupe aufhören 
solle (pag. 11; pag. 61, Z. 42 ff.). 

Die Kammer erachtet die detaillierten und gleichbleibenden Aussagen von 
I.________ als glaubhaft. Er schonte sich bei seinen Aussagen nicht, gab er doch 
von sich aus an, den Beschuldigten wieder überholt zu haben und einmal sogar 
leicht auf die Bremse getreten zu sein. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb 
nicht auf seine Aussagen abgestellt werden könnte. Die Kammer erachtet den ers-

25

ten angeklagten Sachverhaltsabschnitt (Autobahnabschnitt Kiesen – Rubigen) 
gemäss Ziff. I.2 der Anklageschrift als erstellt. 

Hinsichtlich des zweiten Autobahnabschnitts (Rubigen – Bern-Wankdorf, ca. ab 
Höhe PostFinance Arena, kurz nach dem Sonnenhoftunnel) liegen der Kammer 
verschiedene, im Kern übereinstimmende Zeugenaussagen vor:

I.________ schilderte, nachdem er von der Normal- auf die Überholspur gewech-
selt habe, sei der VW Amarok wiederholt sehr nahe zu seinem Personenwagen 
aufgeschlossen (zeitlich nach Ziff. I.3 und vor Ziff. I.1 der Anklageschrift; pag. 12). 

P.________ sind nach dem Sonnenhoftunnel zwei Fahrzeuge aufgefallen, die ihn 
überholt hätten. Der VW Amarok sei dem BMW X5 sehr dicht aufgefahren. Er 
schätze, es sei ca. ein Meter Platz zwischen den Fahrzeugen gewesen. Zu diesem 
Zeitpunkt sei er ca. 75 km/h gefahren und die beiden Fahrzeuge hätten ihn mit ei-
ner nur minim schnelleren Geschwindigkeit überholt – daher schätze er ihre Ge-
schwindigkeit auf ca. 85 km/h (pag. 14). Er könne nicht genau sagen, wie lange der 
Beschuldigte diesen Abstand eingehalten habe. Es sei jedoch während der langen 
Kurve nach dem Sonnenhoftunnel gewesen (pag. 49, Z. 30 ff.).

O.________ führte aus, ihm seien nach dem Sonnenhoftunnel zwei Fahrzeuge 
aufgefallen. Der VW Amarok und der BMW X5 hätten den Überholstreifen befahren 
und seien unwesentlich schneller als er, mithin ca. 80 km/h gefahren. Der 
VW Amarok sei mehrmals sehr nahe zum BMW X5 aufgeschlossen. Er habe den 
Abstand im Verhältnis zur Fahrgeschwindigkeit extrem unterschritten. Dieses 
Fahrmanöver habe sich auf dem besagten Autobahnabschnitt mehrmals (pag. 21), 
bzw. ca. drei Mal (pag. 45, Z. 34), wiederholt. Die beiden Fahrzeuge hätten ihn 
ca. 700 m vor der Verzweigung überholt, zeitlich habe es bis zur Kollision vielleicht 
10-15 Sekunden gedauert, aber es sei schwierig einzuschätzen (pag. 45, Z. 49 ff.). 

Dieselbe Situation schilderte auch N.________ als er angab, er sei ca. 80 km/h ge-
fahren. Er sei vom BMW X5 und vom VW Amarok überholt worden. Beide Fahr-
zeuge seien nur wenig schneller als er gefahren. Der Abstand des VW Amarok 
zum vorabfahrenden BMW X5 sei extrem gering gewesen. Er schätze diesen auf 
höchstens 50 cm, eher sogar weniger (pag. 22; pag. 40, Z. 27 ff.). Es habe ca. 20-
30 Sekunden gedauert (pag. 40, Z. 37 f.).

Sämtliche Zeugen sprachen hinsichtlich des zweiten Autobahnabschnitts bei einer 
Geschwindigkeit von ca. 80 km/h folglich von einem wiederholt extrem geringen 
Abstand zwischen dem VW Amarok und dem BMW X5. Selbst wenn der vom Zeu-
gen N.________ auf lediglich 50 cm geschätzte Abstand auch von der Kammer als 
unwahrscheinlich erachtet wird (vgl. auch den Einwand der Verteidigung pag. 495), 
ist aufgrund der übrigen Aussagen (P.________, O.________, I.________) zumin-
dest auf einen sehr geringen, weniger als eine Fahrzeuglänge ausmachenden Ab-
stand zu schliessen. Wesentlich scheint der Kammer auch, dass keiner der Zeugen 
den Eindruck hatte, der Lenker des BMW X5 sei übermässig lange auf dem Über-
holstreifen verblieben und habe den VW Amarok bewusst nicht vorbeigelassen. Im 
Gegenteil, bevor der Beschuldigte nach rechts zog, fuhren die beiden Fahrzeuge 
einen Moment lang parallel, d.h. I.________ hatte den Überholstreifen frei gegeben 
und der Beschuldigte hätte seine Fahrt entweder auf dem Überholstreifen fortset-

26

zen oder sich hinter dem BMW X5 auf den Normalstreifen zurückfallen lassen kön-
nen, wenn er denn noch auf den Fahrstreifen Richtung Bern-Neufeld hätte wech-
seln wollen. Über welche Distanz der Beschuldigte jeweils einen zu knappen Ab-
stand einhielt, lässt sich nicht exakt in Metern ausdrücken. Die Zeugen jedenfalls 
konnten die extremen Situationen über einen längeren Zeitraum bzw. eine längere 
Strecke beobachten und sprachen von einem Zeitraum zwischen 20 und 30 Se-
kunden (N.________ pag. 40, Z. 37 f.) bzw. es sei über die ganze Strecke der lan-
gen Kurve nach dem Tunnel gewesen (P.________ pag. 49, Z. 32 f.). Es handelte 
sich mithin nicht nur um ein kurzes nahes Auffahren. Wesentlich ist zudem, dass 
alle Zeugen davon sprachen, der ausreichende Abstand sei vom Beschuldigten auf 
dem fraglichen Autobahnabschnitt wiederholt massiv unterschritten worden. 

Die Kammer erachtet es nach dem Gesagten als erstellt, dass der Beschuldigte am 
11. Oktober 2015 auf dem Autobahnabschnitt Rubigen – Bern-Wankdorf (zweiter 
Sachverhaltsabschnitt von Ziff. I.2 der Anklageschrift) über einen längeren Zeit-
raum (20 bis 30 Sekunden) erneut bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 80 km/h 
ca. drei Mal mit einem Abstand von weniger als einer Wagenlänge auf den vor ihm 
fahrenden BMW X5 auffuhr.

12.3.5 Zu Ziff. I. 3 der Anklageschrift (zur Frage, ob der Beschuldigte unbegründet und 
brüsk vor dem BMW X5 bremste)

Zu diesem Vorfall liegen einzig die Aussagen von I.________ vor. Dieser schilderte 
ausführlich, nachvollziehbar und eindrücklich, wie er seinen BMW X5 nach dem 
Baustellenbereich (zwischen dem ersten und zweiten Abschnitt nach Ziff. I.2 der 
Anklageschrift) auf der Überholspur auf 120 km/h beschleunigt habe. Weiter vorne 
habe sich der VW Amarok wieder vor ihm befunden. Auch er sei auf dem Überhol-
streifen gefahren. Auf einmal habe er die Bremslichter des VW Amarok aufleuchten 
sehen. Gleichzeitig habe er festgestellt, dass der VW Fahrer seinen Personenwa-
gen brüsk und ohne Grund abgebremst habe. Es sei ein richtiger Schikanestopp 
gewesen. Vor dem stark abbremsenden VW Amarok habe es keine anderen Fahr-
zeuge gehabt, die Fahrbahn sei frei gewesen. Um eine Auffahrkollision zu verhin-
dern, habe er seinen BMW X5 nach rechts auf den Normalstreifen lenken können 
und sei zwangläufig am VW Amarok vorbeigefahren (pag. 11 f.; pag. 62, Z. 55 ff.; 
pag. 313, Z. 25 ff.). Dies sei die einzige Möglichkeit gewesen, um nicht mit dem 
VW Amarok zu kollidieren (pag. 313, Z. 27 f.). 

Die Aussagen von I.________ sind im Kern gleichbleibend und stimmig. Im Ge-
gensatz zur Vorinstanz (pag. 370, S. 42 der Urteilsbegründung) kann die Kammer 
in seinen Aussagen keine Unstimmigkeit in Bezug auf den Ort, wo sich der fragli-
che Vorfall ereignet haben soll, erkennen. I.________ gab nie an, der Vorfall habe 
sich im Baustellenbereich zugetragen. Vielmehr erklärte er am Unfallort schriftlich, 
«nach dem Baustellenbereich, wo wieder die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h 
gilt» habe er beschleunigt und weiter vorne habe der VW Amarok brüsk abge-
bremst (pag. 11 f.). Seine Aussage, es habe vor dem Beschuldigten keine Autos 
gehabt, steht folglich auch nicht im Widerspruch zu den Angaben, es habe im Bau-
stellenbereich viel Verkehr gehabt. I.________ erklärte diesbezüglich nachvollzieh-
bar, der Verkehr habe sich nach der Baustelle wieder aufgelöst (pag. 313, Z. 37 f.). 
Wo sich das Bremsmanöver des Beschuldigten genau abspielte, kann offen gelas-

27

sen werden. Entscheidend ist vorliegend einzig, dass es sich in einem Autobahn-
abschnitt, wo Höchstgeschwindigkeit 120 km/h gilt, zutrug und beide Fahrzeuge in 
etwa mit dieser Geschwindigkeit unterwegs waren.

Aufgrund der glaubhaften Aussagen von I.________ erachtet die Kammer folglich 
auch den Sachverhalt gemäss Ziff. I.3 der Anklageschrift als erstellt.

IV. Rechtliche Würdigung

13. Zur ungenügenden Rücksichtnahme beim Fahrstreifenwechsel (Art. 90 Abs. 3 
SVG)

Wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Si-
cherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, wird gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG 
mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Der objektive Tatbe-
stand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist nach der Rechtsprechung erfüllt, wenn der Täter 
erstens eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und 
zweitens dadurch die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Die Gefahr für die Si-
cherheit anderer Personen ist nicht erst bei einer konkreten Gefährdung sondern 
bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung ernstlich im Sinne von 
Art. 90 Abs. 2 SVG. Eine rein abstrakte Gefahrschaffung vermag nur 
Art. 90 Abs. 1 SVG zu erfüllen. Zu den wichtigen bzw. grundlegenden Verkehrsvor-
schriften gehört unter anderen auch jene über die Abstände zwischen den Fahr-
zeugen (WEISSENBERGER, in: SVG Kommentar, 2. Aufl. 2015, N. 62 f. zu 
Art. 90 SVG). Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ein rück-
sichtsloses oder sonst wie schwerwiegend verkehrsregelwidriges Verhalten, d.h. 
ein schweres Verschulden. Dieses ist bei Vorsatz, einschliesslich Eventualvorsatz, 
oder bei grober Fahrlässigkeit gegeben (WEISSENBERGER, a.a.O. N. 68 zu 
Art. 90 SVG). Grobe Fahrlässigkeit ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allge-
meinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Sie kann 
aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer 
pflichtwidrig gar nicht erst in Betracht gezogen, also unbewusst fahrlässig gehan-
delt hat. In solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn der Täter ein 
bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern offenbart. Dieses kann 
auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder In-
teressen bestehen. Je schwerer dabei die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, 
desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine beson-
deren Gegenindizien vorliegen (WEISSENBERGER, a.a.O., N. 68 ff. zu Art. 90 SVG 
und Urteil des Bundesgerichts 6B_361/2011 vom 5. September 2011 E. 3.1).

Nach Art. 90 Abs. 3 SVG wird mit Freiheitsstrafe zwischen einem und vier Jahren 
bestraft, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe 
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich 
durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, wag-
halsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motor-
fahrzeugen (vgl. theoretische Ausführungen zu diesen drei nicht abschliessenden 
Tatbestandsvarianten im Urteil des Bundesgerichts 6B_1399/2016 vom 3. Oktober 
2017 E. 1.3.1, E. 1.3.3 f.).

28

Der objektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG erfordert zunächst die Verletzung 
elementarer Verkehrsregeln. Es genügt, wenn nur eine Verkehrsregel verletzt wur-
de, die in die Kategorie der elementaren Verkehrsregeln fällt. Jede Verkehrsregel, 
die der Sicherheit im Strassenverkehr dient, kann je nach den Umständen des Ein-
zelfalls als elementar gewertet werden. Für die Abgrenzung zwischen elementaren 
und anderen Verkehrsregeln ist die Intensität und das Ausmass der mit ihrer Ver-
letzung geschaffenen Gefährdung und die Nähe ihrer Verwirklichung im Sinne ei-
ner Beeinträchtigung erheblicher Rechtsgüter massgebend. Deshalb ist der Begriff 
der elementaren Verkehrsregel im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG nicht enger zu de-
finieren als im Rahmen von Abs. 2 der Norm. Die Abgrenzung hat über das Tatbe-
standselement der Gefahrschaffung und das Vorsatzerfordernis zu erfolgen (WEIS-
SENBERGER, a.a.O., N. 115 und 117 zu Art. 90 SVG).

Art. 90 Abs. 3 SVG fordert die Schaffung eines Risikos, welches sich auf einen Un-
fall mit Todesopfern oder Schwerverletzten bezieht und somit ein qualifiziertes 
Ausmass erreicht. «Der Erfolgseintritt muss zudem vergleichsweise nahe liegen; 
gefordert ist ein ‹hohes› Risiko. Der Gesetzgeber wollte damit offenbar zum Aus-
druck bringen, dass es sich um eine höhere Gefahr als die in Art. 90 Abs. 2 SVG 
geforderte ‹ernstliche› Gefahr handeln muss. Analog der Lebensgefährdung nach 
Art. 129 StGB muss die Gefahr eine unmittelbare sein, nicht jedoch eine unaus-
weichliche; die nahe Möglichkeit des Erfolgseintritts genügt» (Urteil des Bundesge-
richts 6B_148/2016 vom 29. November 2016 E. 1.3.2). Weiter führte das Bundes-
gericht im vorgenannten Urteil zum erforderlichen Ausmass der Gefahr Folgendes 
aus (E. 1.4.2):

[…] Die herrschende Lehre betrachtet ebenfalls alle Tatbestandsvarianten des Art. 90 SVG mit Blick 
auf die geschützten Rechtsgüter Leib und Leben als abstrakte Gefährdungsdelikte und lässt auch für 
die Abs. 2-4 den Nachweis einer - je nach Tatbestand abgestuften - erhöhten abstrakten Gefährdung 
genügen (GERHARD FIOLKA, Kommentar SVG, N. 9 und 116 zu Art. 90 SVG; ebenso PHILIPPE 
WEISSENBERGER, a.a.O., N. 123 zu Art. 90 SVG; YVAN JEANNERET, a.a.O., S. 35 f.; CÉDRIC 
MIZEL, a.a.O., S. 194; a.A. DÉLÈZE/DUTOIT, Le ‹délit de chauffard› au sens de l'art. 90 al. 3 LCR: 
éléments constitutifs et proposition d'interprétation, in: AJP 8/2013, S. 1208 und WOHLERS/COHEN, 
Verschärfte Sanktionen bei Tempoexzessen und sonstigen ‹elementaren› Verkehrsregelverletzungen, 
in: Strassenverkehr 4/2013, Sondernummer, S. 13). Dem Beschwerdeführer ist aber zuzustimmen, 
dass der Tatbestand gemäss herrschender Lehre eine gegenüber Abs. 2 gesteigerte, sozusagen qua-
lifiziert erhöhte abstrakte Gefahr verlangt. Da bereits die erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von 
Art. 90 Abs. 2 SVG die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung voraussetzt 
(BGE 142 IV 93 E. 3.1 S. 96; 131 IV 133 E. 3.2 S. 136), ist für die Erfüllung von Abs. 3 die besonders 
naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung zu verlangen. Die Gefahr muss mithin unmit-
telbar sein. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr kann in Anlehnung an 
Art. 90 Abs. 2 SVG nur genügen, wenn aufgrund besonderer Umstände, wie Tageszeit, Verkehrsdich-
te, Sichtverhältnisse usw. der Eintritt einer konkreten Gefahr oder gar einer Verletzung besonders na-
he lag und es letztlich nur vom Zufall abhing, dass sich diese nicht verwirklicht hat (vgl. Urteil 
6B_374/2015 vom 3. März 2016 E. 3.1 mit Hinweisen).

Über die in Art. 90 Abs. 3 SVG enthaltene, nicht abschliessende Aufzählung von 
Regelbeispielen hinaus, erfasst der Tatbestand je nach den Umständen weitere 
krasse Verkehrsregelverletzungen. WEISSENBERGER nennt als Beispiele, die von 

29

der Generalklausel regelmässig erfasst würden, etwa den Fahrzeugführer, der vor-
sätzlich auf einen Fussgänger oder auf eine Polizeisperre zufährt, Haltesignale vor 
einer unübersichtlichen Kreuzung missachtet, an Haltestellen der öffentlichen Ver-
kehrsbetriebe oder vor einer Schule kurz vor Mittag mit übersetzter, wenn auch 
nicht im Sinne von Art. 90 Abs. 4 SVG qualifiziert exzessiver Geschwindigkeit vor-
beifährt oder vorsätzlich in entgegengesetzter Richtung fährt (WEISSENBERGER, 
a.a.O., N. 154 zu Art. 90 SVG). Gemäss MAURER (OFK-StGB, 20. Aufl. 2018, N. 29 
zu Art. 90 SVG) ist der Tatbestand beispielsweise erfüllt, wenn ein Lenker bei ei-
nem Fluchtversuch im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle kumulativ Geschwin-
digkeitsvorschriften krass missachtet, Rotlicht- und Stoppsignale überfährt, gewag-
te Überholmanöver vornimmt, Trottoirs befährt und sich dabei anderen Verkehrs-
teilnehmern gegenüber besonders rücksichtslos verhält.

Der subjektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG erfordert Vorsatz, wobei Even-
tualvorsatz genügt. Dieser hat sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 
nicht nur auf die Verletzung der elementaren Verkehrsregel, sondern auch auf die 
Risikoverwirklichung eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern zu be-
ziehen (BGE 142 IV 137 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_136/2016 vom 
23. Januar 2017 E. 2.1). Ein (direkter) Gefährdungsvorsatz oder der Vorsatz, einen 
bestimmten Erfolg herbeizuführen, ist nicht erforderlich (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_148/2016 vom 29. November 2016 E. 1.3.2 in fine, u.a. mit Hinweis auf 
WEISSENBERGER, a.a.O., N. 159 f. zu Art. 90 SVG). Das Bundesgericht hielt im Ur-
teil 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 allerdings fest, Art. 90 Abs. 3 SVG setze 
hinsichtlich der Inkaufnahme eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern 
keinen Vorsatz voraus, sondern einzig das Eingehen eines «hohen Risikos» durch 
die vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln (Urteil des Bundesgerichts 
6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 5.5). Eventualvorsatz ist gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung im Strassenverkehr nicht leichthin anzunehmen (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 6B_863/2017 vom 27. November 2017 E. 2.3). Die An-
nahme, der Fahrzeuglenker habe sich gegen das geschützte Rechtsgut entschie-
den und nicht im Sinne der bewussten Fahrlässigkeit auf einen guten Ausgang ver-
traut, darf deshalb nicht leichthin angenommen werden (BGE 130 IV 58 E. 9.1 S. 
64 f. mit Hinweisen). 

Die Vorinstanz hat das unvorsichtige Überholen unter den Tatbestand von 
Art. 90 Abs. 3 SVG subsumiert, ohne die massgeblichen Bestimmungen des SVG 
und der Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) zu erwähnen (pag. 373, 
S. 45 der Urteilsbegründung). Vorliegend hat der Beschuldigte Art. 34 Abs. 3 SVG 
verletzt. Diese – wichtige (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_892/2009 vom 15. Ja-
nuar 2010 E. 3.2) – Verkehrsregel verpflichtet den Fahrzeugführer, beim Ändern 
der Fahrtrichtung auf den Gegenverkehr und auf die nachfolgenden Fahrzeuge 
Rücksicht zu nehmen (BGE 97 IV 34). Zur Rücksichtnahme auf die übrigen, na-
mentlich auf die überholten Strassenbenützer, gehört vor allem die Pflicht, mit dem 
Wiedereinbiegen zuzuwarten, bis für den überholten Verkehrsteilnehmer keine Ge-
fahr mehr besteht (vgl. Art. 10 Abs. 2 VRV). Der Abstand, der diesen Anforderun-
gen entspricht, hängt von der Geschwindigkeit der beteiligten Fahrzeuge, aber 
auch von den Strassen- und Sichtverhältnissen ab. Gemäss BGE 104 IV 194 
genügt bei Tag und auf trockener ebener Strasse regelmässig ein Abstand von 

30

halb so viel Metern, als die Geschwindigkeit in Kilometern beträgt (vgl. MAEDER, in: 
Basler Kommentar, SVG, 2014, N. 57 zu Art. 34 SVG und N. 37 zu Art. 35 SVG; 
vgl. auch GIGER, SVG-Kommentar, N. 20 zu Art. 35 SVG).

Der Vorinstanz ist dahingehend zuzustimmen, dass es sich beim Manöver des Be-
schuldigten nicht lediglich um ein unvorsichtiges Überholen handelte (pag. 373, 
S. 45 der Urteilsbegründung). Wie beweiswürdigend ausgeführt lenkte der Be-
schuldigte den VW Amarok – ein grosses, lieferwagenähnliches Fahrzeug (pag. 4; 
pag. 288 ff.) – mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h und bei Dunkelheit von 
der Überholspur der Autobahn Richtung Grauholz unvermittelt nach rechts über 
den Normalstreifen und die Sperrfläche zum rechts weggehenden Fahrstreifen 
Richtung Bern-Neufeld. Dabei kollidierte er mit dem auf dem Normalstreifen Rich-
tung Grauholz fahrenden BMW X5 von I.________. Dieser wurde derart abge-
drängt, dass er über beide rechts weggehenden Fahrstreifen (Bern-Neufeld und 
Bern-Wankdorf) hinausgetrieben wurde und sein Fahrzeug schliesslich an der Leit-
planke zum Stillstand kam. Der Beschuldigte seinerseits beschleunigte sein Fahr-
zeug und setzte die Fahrt auf dem Fahrstreifen Richtung Bern-Neufeld fort. Bei 
seinem (doppelten) Fahrstreifenwechsel hielt er zum überholten Fahrzeug nicht 
bloss einen ungenügenden Abstand inne. Faktisch hielt er gar keinen Abstand ein, 
sondern schnitt I.________ richtiggehend den Weg ab, so dass sein Fahrzeugheck 
rechts mit der Front links des BMW X5 kollidierte. Der Beschuldigte war als überho-
lender Fahrzeugführer gemäss Art. 34 Abs. 3 SVG verpflichtet, beim Wiedereinbie-
gen auf den Normalstreifen einen ausreichenden Abstand zum überholten Fahr-
zeug einzuhalten. Gleiches gilt für den zweiten, im gleichen Zug ausgeführten 
Wechsel auf den Fahrstreifen Richtung Bern- Neufeld. Auch hier war der Beschul-
digte zur Rücksichtnahme auf das überholte Fahrzeug und den gesamten nachfol-
genden Verkehr verpflichtet. Er nahm jedoch weder auf den BMW X5 von 
I.________ noch auf weitere Fahrzeuge, insbesondere auf diejenigen der Zeugen, 
Rücksicht. Es handelt sich um eine heikle Verzweigung, bei welcher damit gerech-
net werden muss, dass Fahrzeuge in drei verschiedene Richtungen fahren bzw. 
einspuren. Zum Zeitpunkt der Kollision befanden sich nebst dem VW Amarok des 
Beschuldigten und des BMW X5 seines «Kollisionsgegners» noch mindestens die 
drei Fahrzeuge der Zeugen in relativer Nähe, wobei der PW-Lenker P.________ 
Richtung Bern-Neufeld, die PW-Lenker O.________ und I.________ Richtung 
Grauholz weiterfahren wollten bzw. weiterfuhren. Mit seinem tollkühnen, krass ver-
kehrswidrigen Manöver verletzte der Beschuldigte eine im konkreten Zusammen-
hang als elementar zu bezeichnende Verkehrsregel: Zum einen nahm er bei sei-
nem zweimaligen Fahrstreifenwechsel keinerlei Rücksicht auf den PW von 
I.________, zum anderen entstand durch das nach rechts abgedrängte, über die 
Fahrstreifen Richtung Bern-Neufeld und Bern-Wankdorf hinaustreibende Fahrzeug 
von I.________ eine Gefahr für die nachfolgenden Fahrzeuge. 

Der Eintritt einer konkreten Gefahr oder gar einer Verletzung lag vorliegend beson-
ders nahe. Die Fahrzeuge waren mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h unter-
wegs. Die Kollision des VW Amarok mit dem BMW X5 war so heftig, dass der 
BMW X5 ins Schleudern geriet und unkontrolliert über zwei Fahrbahnen hinweg in 
die Leitplanke prallte. Allein aufgrund dieser Umstände und der gegebenen Örtlich-
keit (mehrspurige Autobahnverzweigung) lag eine unmittelbare Gefahr vor. Das 

31

Fahrmanöver des Beschuldigten war besonders gefährlich – bereits ohne Kollision 
mit dem BMW X5 war das Verhalten des Beschuldigten besonders riskant. Letztlich 
ist es dem Zufall zu verdanken, dass einzig Sachschäden aus dem Verhalten des 
Beschuldigten resultierten. Nach dem Gesagten ist der objektive Tatbestand von 
Art. 90 Abs. 3 SVG folglich erfüllt.

Auch subjektiv ist der Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung 
zu bejahen. Der Beschuldigte handelte hinsichtlich der Verletzung einer elementa-
ren Verkehrsvorschrift vorsätzlich. Er fuhr auf dem mehr oder weniger geradeaus 
weiterführenden Überholstreifen Richtung Grauholz, bevor er unvermittelt und 
brüsk nach rechts über zwei Fahrstreifen hinweg Richtung Bern-Neufeld zog und 
dabei mit dem auf dem Normalstreifen fahrenden BMW X5 kollidierte. Sämtliche 
Zeugen unterstellten dem Beschuldigten bei seinem Fahrmanöver Absicht und 
sprachen davon, der Beschuldigte habe den BMW X5 «richtig abgeschossen» bzw. 
«regelrecht und sec zur Seite gedrängt». Auch die Kammer hat keine Zweifel dar-
an, dass der Beschuldigte vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, ohne Rücksicht 
auf die anderen Verkehrsteilnehmer den Fahrstreifen wechselte. Einen anderen 
Schluss lässt sein Fahrverhalten nicht zu. Das Risiko eines Unfalls mit Schwerver-
letzten oder Todesopfern nahm der Beschuldigte zumindest in Kauf. Bei der Ver-
zweigung Bern-Wankdorf handelt es sich wie gesagt um eine neuralgische Stelle, 
die grosse Fahrdisziplin erfordert. Angesichts des nachfolgenden Verkehrs, der 
Dunkelheit und der gefahrenen Geschwindigkeit von ca. 80 km/h musste dem Be-
schuldigten die Gefahr seines überaus risikoreichen Manövers bewusst sein. Wer 
wissentlich ein so hohes Risiko eingeht, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, 
nicht mit dem Eintritt des Erfolges gerechnet zu haben oder überzeugt gewesen zu 
sein, diesen vermeiden zu können. Sein Vorsatz bezog sich folglich sowohl auf die 
Verletzung einer elementaren Verkehrsregel als auch (eventualvorsätzlich) auf das 
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern. Der subjektive Tatbe-
stand von Art. 90 Abs. 3 SVG ist mithin erfüllt. Dies gilt umso mehr, als das Bun-
desgericht in seinem Urteil 6B_698/2017 vom 3. Oktober 2017 die Notwendigkeit 
eines Doppelvorsatzes relativierte und einzig einen Vorsatz hinsichtlich des «hohen 
Risikos» durch die vorsätzliche Verletzung einer elementaren Verkehrsregel forder-
te (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_698/2017 vom 3. Oktober 2017 E. 5.5). 

Es sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschliessungsgründe gegeben. Der 
Beschuldigte machte sich folglich der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung 
nach Art. 90 Abs. 3 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 3 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV schul-
dig.

14. Zum Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren 
(Art. 90 Abs. 2 SVG)

Vorab kann in Bezug auf die grobe Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 
Abs. 2 SVG auf die allgemeinen Ausführungen unter Ziff. 13 hiervor und die zutref-
fende Subsumtion durch die Vorinstanz (pag. 375 f., S. 47 f. der Urteilsbegrün-
dung) verwiesen werden. Ergänzend hält die Kammer Folgendes fest:

Gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 VRV ist unter anderem beim Hin-
tereinanderfahren ein ausreichender Abstand zu wahren. Es handelt sich dabei um 

32

eine wichtige Verkehrsvorschrift, bzw. Art. 12 VRV konkretisiert, was unter einem 
ausreichenden Abstand beim Hintereinanderfahren zu verstehen ist: Dieser ist so 
zu wählen, dass der nachfolgende Fahrzeugführer auch bei überraschendem 
Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs (also auch bei einer Notbremsung) recht-
zeitig halten kann und damit ein Unfall vermieden wird. Die Vorschrift von Art. 34 
Abs. 4 SVG richtet sich klar an den nachfolgenden Fahrzeugführer (MAEDER, 
a.a.O., N. 1 und N. 48 zu Art. 34 SVG mit Hinweis; vgl. BGE 115 IV 248 E. 3a; Ur-
teil des Obergerichts des Kantons Bern SK 17 2 vom 8. September 2017).

Bei der Beurteilung des einzuhaltenden Abstandes beim Hintereinanderfahren gilt 
als Richtschnur, dass auf Autobahnen bei einem Abstand von weniger als «1/6-
Tacho» bzw. weniger als 0,6 Sekunden eine grobe Verkehrsregelverletzung anzu-
nehmen ist (MAEDER, a.a.O., N. 69 zu Art. 34 SVG; vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2.2; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_1004/2016 vom 14. März 2017 E. 2.3 mit Hinwei-
sen). Gemäss den Richtlinien für die Strafzumessung des Verbandes Bernischer 
Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (VBRS-Richtlinien) 
ist ein zu nahes Aufschliessen auf Autobahn und Autostrasse dann als grobe Ver-
kehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG zu qualifizieren, wenn der 
Abstand 0,5 Sekunden oder weniger beträgt (VBRS-Richtlinien, S. 21, S. 23). Die-
se Richtwerte wurden vom Beschuldigten sowohl im Baustellenbereich auf dem 
Autobahnabschnitt Kiesen – Rubigen als auch nach dem Sonnenhoftunnel, kurz 
vor der Verzweigung Be