# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d668708a-2e88-5f25-80b2-bf24b8b59307
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240021-O1
**Docket/Reference:** SB240021-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240021-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240021-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

M. Knüsel und Oberrichter lic. iur. R. Faga sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Donatsch

Urteil vom 24. April 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigte und Berufungsklägerin

gegen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Sachentziehung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Einzelgericht, 

vom 15. Mai 2023 (GG220056)

- 2 -

Anklage: 

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  vom  29.  August 

2022 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 32).

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 61 S. 22 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Die  Beschuldigte  A._____  ist  schuldig  der  Sachentziehung  im  Sinne  von  Art.  141 

StGB.

2.

Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB wird die Beschul-

digte freigesprochen.

3.

Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 30.– 

sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.

4.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-

setzt. Die Busse ist zu bezahlen.

5.

Bezahlt  die  Beschuldigte  die  Busse  schuldhaft  nicht,  so  tritt  an  deren  Stelle  eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

6.

Der  Antrag  auf  Anordnung  einer  Landesverweisung  im  Sinne  von  Art.  66a  wird 

abgewiesen.

7.

8.

Die Zivilansprüche der Privatklägerin werden auf den Zivilweg verwiesen.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:

3'000.–   Gebühr für das Vorverfahren

281.–   Zeugenentschädigung B._____

11'674.–   Amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt.)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

Wird  auf  eine  schriftliche  Begründung  des  Urteils  verzichtet,  so  reduziert  sich  die 

Entscheidgebühr um einen Drittel.

- 3 -

9.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschul-

digten zur Hälfte auferlegt und zur Hälfte auf die Gerichtskasse genommen. Davon 

ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche zur Hälfte einst-

weilen  und  unter  dem  Vorbehalt  von  Art.  135  Abs. 4 StPO  von  der  Gerichtskasse 

übernommen  werden.  Zur  Hälfte  werden  die  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung 

definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

10.

(Mitteilungen)

11.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 6 f.)

a)

Der vormaligen amtlichen Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 2)

1)  Das Urteil vom 15.05.2023 des Bezirksgerichts Bülach sei aufzuheben 

und wie folgt neu zu fassen:

1.

2.

3.

4.

Die Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen.

Die Zivilforderungen der Privatklägerin werden abgewiesen.

Die Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse genommen.

Die amtliche Verteidigerin wird mit CHF 11'674.00 aus der Staats-

kasse entschädigt.

2)  Die amtliche Verteidigerin sei für das Berufungsverfahren angemessen 

aus der Staatskasse zu entschädigen.

3)

Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  (zzgl.  gesetzl.  MwSt.)  zu 

Lasten der Staatskasse.

b)

Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 68)

Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

- 4 -

Erwägungen:

I. Verfahrensgang   

1.   Die  Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  (nachfolgend  "Staatsanwalt-

schaft") erhob am 29. August 2022 beim Bezirksgericht Bülach Anklage gegen die 

Beschuldigte wegen Diebstahls etc. (Urk. 32). Am 15. Mai 2023 fällte die Vorinstanz 

das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil (Urk. 61). Zum Verfahrensgang 

im  Einzelnen  ist  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  Darstellung  der 

Vorinstanz zu verweisen (Urk. 61 S. 3). 

2.   Gegen  das  Urteil  vom  15.  Mai  2023  meldete  die  Beschuldigte  rechtzeitig 

Berufung an (Urk. 51 i.V.m. Urk. 53). Das begründete Urteil wurde der Beschuldig-

ten am 21. Dezember 2023 zugestellt (Urk. 57). Die Berufungserklärung der Be-

schuldigten vom 4. Januar 2024 wurde innert Frist erstattet (Urk. 63). 

3.   Mit Präsidialverfügung vom 24. Januar 2024 wurde der Privatklägerin sowie 

der  Staatsanwaltschaft  Frist  zur  Erhebung  einer  Anschlussberufung  bzw.  zum 

Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt (Urk. 66). Mit Eingabe vom 

26. Januar  2024  erklärte  die  Staatsanwaltschaft  innert  Frist  ihren  Verzicht  auf 

Anschlussberufung  und  beantragte  die  Bestätigung  des  erstinstanzlichen  Urteils 

(Urk. 68). Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.

4.   Mit Präsidialverfügung vom 31. Mai 2024 wurde der Beschuldigten das recht-

liche  Gehör  zur  Frage  eines  allfälligen  Widerrufs  der  amtlichen  Verteidigung 

gewährt (Urk. 69). Mit Eingabe vom 13. Juni 2024 liess die Beschuldigte die Fort-

führung der amtlichen Verteidigung beantragen (Urk. 71). Am 8. Juni 2024 verfügte 

die Verfahrensleitung den Widerruf der amtlichen Verteidigung (Urk. 72). Mit Datum 

vom 16. Juli 2024 reichte die bisherige amtliche Verteidigerin ihre Honorarrechnung 

ein, wobei sie gleichzeitig mitteilte, dass sie die Beschuldigte fortan nicht als erbe-

tene Verteidigerin vertreten werde (Ur. 74-75).

5.   Am  19.  Juli  2024  wurden  die  Parteien  zur  Berufungsverhandlung  auf  den 

14. November 2024 vorgeladen (Urk. 76). 

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6.   Am  31.  Oktober  2024  wurde  über  die  Beschuldigte  ein  neuer  Strafregister-

auszug eingeholt (Urk. 78). 

7.  

In  Gutheissung  eines  Verschiebungsgesuchs  der  Beschuldigten  (Urk.  79-

80A) wurde die Ladung für die auf den 14. November 2024 angesetzte Berufungs-

verhandlung  abgenommen  (Urk.  81).  Am  14.  Februar  2025  wurde  neu  auf  den 

24. April 2025 vorgeladen (Urk. 82).

8.   Zur  Berufungsverhandlung  erschien  nur  die  Beschuldigte  (Prot.  II  S.  6  f.). 

Vorfragen waren anlässlich der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden und 

– abgesehen von der Befragung der Beschuldigten (Urk. 84) – auch keine Beweise 

abzunehmen (Prot. II S. 7). Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsver-

handlung (Prot. II S. 8 ff.).

II. Prozessuales

1.

Umfang der Berufung

1.1. Die  Berufung  hat  im  Umfang  der  Anfechtung  aufschiebende  Wirkung 

(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechts-

kraft. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den 

angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).

1.2. Die Beschuldigte verlangte mit ihrer Berufungserklärung einen vollumfäng-

lichen  Freispruch  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolge  (Urk.  63  S.  2).  Eine 

explizite Beschränkung der Berufung unter Bezugnahme auf die einzelnen Dispo-

sitiv-Ziffern des Urteils vom 15. Mai 2023 nahm die vormalige Verteidigung nicht 

vor. Aus der Berufungserklärung ist aber zu schliessen, dass der Freispruch vom 

Hausfriedensbruch nicht angefochten ist (Dispositiv-Ziff. 2), indem heute ein voll-

umfänglicher Freispruch beantragt wird. Ebenso ist als Folge davon anzunehmen, 

dass das Nichtanordnen einer Landesverweisung anerkannt ist (Dispositiv-Ziff. 6). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschuldigte diese Annahmen 

und erklärte sodann auf entsprechende Frage, die Kostenfestsetzung (Dispositiv-

Ziff. 8 des vorinstanzlichen Urteils) werde ebenfalls nicht angefochten (Prot. II S. 7).

- 6 -

1.3. Unangefochten  blieben  mithin  der  Freispruch  in  Bezug  auf  den  Haus-

friedensbruch,  das  Absehen  von  einer  Landesverweisung  und  die  Kostenfest-

setzung (Dispositiv-Ziff. 2, 6 und 8 des vorinstanzlichen Urteils). In diesem Umfang 

ist  der  vorinstanzliche  Entscheid  in  Rechtskraft  erwachsen,  was  vorab  mittels 

Beschlusses vorzumerken ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO).

1.4.

Im  Übrigen  steht  der  angefochtene  Entscheid  unter  Berücksichtigung  des 

Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.

2.

Anwendbares Recht

Per 1. Januar 2024 ist die revidierte StPO in Kraft getreten. Gemäss Art. 448 Abs. 1 

StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes hängig sind, nach 

neuem Recht fortgeführt, soweit die nachfolgenden Bestimmungen nichts anderes 

vorsehen. Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes angeord-

net oder durchgeführt worden sind, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 StPO). 

Ist  ein  Entscheid  vor  Inkrafttreten  dieses  Gesetzes  gefällt  worden,  so  werden 

Rechtsmittel dagegen nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen Behör-

den,  beurteilt  (Art.  453  Abs.  1  StPO).  Das  Verfahren  richtet  sich  folglich  nach 

bisherigem Recht. 

3.

Privatklägerschaft

3.1. C._____ hat am 21. Februar 2020 Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs 

und Diebstahls gestellt (Urk. 2), womit sie sich gleichzeitig als Privatklägerin kon-

stituiert hat (Art. 118 Abs. 2 StPO).

3.2. Mit dem genannten Strafantrag wollte die Privatklägerin eine Strafverfolgung 

gegen  die  Beschuldigte  u.a.  in  Bezug  auf  das  Entwenden  von  Kleidungstücken 

("[…] entwendete div. Kleidungsstücke"). Damit wäre auch dem Strafantragserfor-

dernis der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB sowie der unrechtmässigen 

Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 2 StGB Genüge getan (vgl. hierzu nachfol-

gende Ziff. II 4). 

- 7 -

4.

Anklagegrundsatz 

4.1. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 

BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK; BGE 143 IV 63 E. 2.2; 141 IV 132 

E. 3.4.1; je mit Hinweisen). Wie Art. 9 Abs. 1 StPO ausdrücklich festlegt, kann eine 

Straftat nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine 

bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zustän-

digen Gericht Anklage erhoben hat.

4.1.1. Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die Anklageschrift insbesondere 

möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit 

Beschreibung von Ort, Datum, Zeit sowie Art und Folgen der Tatausführung (lit. f) 

und  die  nach  Auffassung  der  Staatsanwaltschaft  erfüllten  Straftatbestände  unter 

Angabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen (lit. g). Die Anklage hat die der 

beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu 

umschreiben,  dass  die  Vorwürfe  in  objektiver  und  subjektiver  Hinsicht  genügend 

konkretisiert sind (BGE 147 IV 439 E. 7.2; 141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). 

Entscheidend  ist,  dass  die  betroffene  Person  genau  weiss,  welcher  konkreter 

Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit 

sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, 

erst  an  der  Gerichtsverhandlung  mit  neuen  Anschuldigungen  konfrontiert  zu 

werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen). 

4.1.2. Das Gericht ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht aber 

an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO; 

sog.  Immutabilitätsprinzip).  Der  Anklagegrundsatz  ist  verletzt,  wenn  die  be-

schuldigte  Person  für  Taten  verurteilt  wird,  bezüglich  welcher  die  Anklageschrift 

den  inhaltlichen  Anforderungen  nicht  genügt  bzw.  wenn  das  Gericht  mit  seinem 

Schuldspruch  über  den  angeklagten  Sachverhalt  hinausgeht  (so  etwa  BGer 

6B_1262/2021 Urteil vom 23. März 2022 E. 3.1; BGer 6B_1298/2021 Urteil vom 

14.  Januar  2022  E.  1.2;  BGer  6B_721/2021  Urteil  vom  22.  Dezember  2021 

E. 2.3.1).

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4.2. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich die Beschuldigte mit dem in 

der  Anklageschrift  umschriebenen  Verhalten  des  Hausfriedensbruchs  und  des 

Diebstahls schuldig gemacht (Urk. 32).

4.3. Die  Vorinstanz  sprach  die  Beschuldigte  vom  Vorwurf  des  Hausfriedens-

bruchs frei (Urk. 61, Dispositiv-Ziffer 2). Dieser Freispruch wurde nicht angefochten 

und ist damit nicht mehr Gegenstand des Berufungsverfahrens.

4.3.1.  In  Bezug  auf  den  Anklagepunkt  "Diebstahl"  kam  die  Vorinstanz  –  nach 

Gewährung des rechtlichen Gehörs an der Hauptverhandlung (Prot. I S. 13 f.) – in 

Würdigung der Personal- und Sachbeweise, ohne Berücksichtigung der umstritte-

nen Videoaufzeichnung vom 19. Oktober 2020 – zum Schluss, es sei mit an Sicher-

heit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschuldigte im Zeitraum vom 

1.  Februar  bis  21.  Februar  2020  die  in  der  Anklageschrift  aufgeführten 

22 Kleidungsstücke,  welche  nicht  ihr  allein  gehört  hätten,  aus  dem  Showroom 

entwendet habe (Urk. 61 S. 14). Hingegen verneinte die Vorinstanz eine diesbe-

zügliche Aneignungsabsicht der Beschuldigten, weshalb ein Diebstahl ausscheide 

(Urk. 61 S. 15). Hingegen erachtete die Vorinstanz den Tatbestand der Sachent-

ziehung gemäss Art. 141 StGB als erfüllt, was zum entsprechenden Schuldspruch 

führte (Urk. 61 S. 15 f.). 

4.3.2.  Auf den ursprünglich angeklagten Diebstahl kann aufgrund des Verschlech-

terungsverbots nicht mehr zurückgekommen werden (Art. 391 Abs. 2 StPO). Hin-

gegen ist zu prüfen, ob sich der von der Staatsanwaltschaft gelieferte Sachverhalt 

tatsächlich unter den Tatbestand der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB 

subsumieren lässt, wie es die Vorinstanz tat (Urk. 61 S. 15 f. und Dispositiv-Ziff. 1).

4.4. Der Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB macht sich strafbar, wer dem 

Berechtigten ohne Aneignungsabsicht eine bewegliche Sache entzieht und ihm da-

durch einen erheblichen Nachteil zufügt. Der Täter muss durch sein Verhalten klar 

seinen Willen zu erkennen geben, den dinglich Berechtigten an der Ausübung sei-

nes  Verfügungsrechts  über  die  Sache  jedenfalls  in  wesentlichem  Masse  zu  hin-

dern. Ein Nachteil ist erheblich, wenn er nicht gering im Sinne von Art. 172ter StGB 

ist, mithin im Falle einer Vermögenseinbusse Fr. 300.00 übersteigt (BSK StGB II-

- 9 -

Weissenberger,  Art.  141  N  27).  Bei  immateriellen  Nachteilen  bedarf  es  einer 

Einzelfallbetrachtung für die Beurteilung der Erheblichkeit, wobei verhältnismässig 

geringfügige  Beeinträchtigungen  von  der  Strafbarkeit  ausgenommen  werden 

(BSK StGB II-Weissenberger, Art. 141 N 27). Mit dem Erfordernis der Erheblichkeit 

des  erlittenen  Nachteils  sollen  Bagatellfälle  ausgeschlossen  werden  (BGer 

6B_729/2020 Urteil vom 3. Februar 2021 E. 2.4.2.). 

4.4.1.  Gemäss Anklage ("Diebstahl") soll die Beschuldigte das Kleidergeschäft an 

der D._____-strasse …, … E._____ (F._____ [Gemeinde]), nach Kleidungsstücken 

durchsucht haben, in der Absicht, möglichst viele zu behändigen. Dabei habe sie 

aus den Räumlichkeiten des Showrooms zum Nachteil der heutigen Privatklägerin 

diverse  Kleidungsstücke,  nämlich  die  in  der  Anklageschrift  einzeln  mit  Sachwert 

angeführten, entwendet. Weiter sagt die Anklageschrift: "Diese nicht ihr gehören-

den  Sachwerte  im  Wert  von  insgesamt  ca.  CHF  936.00  nahm  die  Beschuldigte 

wissen- und willentlich an sich, um diese für ihre eigenen Bedürfnisse zu verwen-

den  (durch  anschliessende  Verwertung  und  /  oder  Selbstgebrauch)  oder  einer 

Eigentümerin gleich darüber zu verfügen, wobei sie bei ihrem Tun in der Absicht 

handelte, möglichst viel zu erbeuten" (Urk. 32 S. 3). 

4.4.2.  Damit  beschreibt  die  Anklage  in  objektiver  Hinsicht  das  Entziehen  von 

Sachen in konkreter Zahl mit jeweiliger Wertangabe und in subjektiver Hinsicht die 

Aneignungs- und Bereicherungsabsicht der Beschuldigten. Dass die Beschuldigte 

der Berechtigten bzw. hier der Privatklägerin dadurch überhaupt, geschweige denn 

welcher Art, vorsätzlich einen erheblichen Nachteil zufügen wollte und dies auch 

tat, ergibt sich hingegen in keiner Art und Weise aus der Anklage. Damit fehlt es an 

einem objektiven Tatbestandsmerkmal der Sachentziehung. Es findet sich ferner 

nichts  zum  Vorsatz,  der  sich  bei  der  Sachentziehung  auch  auf  den  erheblichen 

Nachteil erstrecken muss (PK StGB-Trechsel/Crameri, Art. 141 N 9). 

4.4.3.  Wenn die Vorinstanz in ihrem Urteil festhält, dass der Privatklägerin mit der 

Vorenthaltung des Gewahrsams an den 22 Kleidungsstücken ein erheblicher Nach-

teil  entstanden  sei,  da  diese  Kleider  –  wie  die  Beschuldigte  gewusst  habe  – 

Bestandteile der Kollektion des Showrooms dargestellt hätten und daher für den 

Betrieb  des  Showrooms  von  erheblicher  Bedeutung  gewesen  seien  und  eine 

- 10 -

äusserst lange Gebrauchsvorenthaltung vorgelegen habe (Urk. 61 S. 16), so mag 

dies denkbar sein. Ein entsprechender Sachverhaltsvorwurf müsste sich aber aus 

der Anklageschrift selber ergeben. Das ist bei der Anklageschrift vom 22. August 

2022 gerade nicht der Fall. 

4.4.4.  Die  Anklageschrift  vom  22.  August  2020,  die  (u.a.)  auf  einen  Diebstahl 

ausgerichtet war, liefert damit keinen tauglich umschriebenen Vorwurf für den Tat-

bestand der Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB. Die Vorinstanz ging mit ihrer 

abweichenden rechtlichen Würdigung – und somit auch mit dem Schuldspruch – 

unzulässigerweise über den angeklagten Sachverhalt hinaus. Eine Rückweisung 

der Anklage zur Ergänzung in Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO (vgl. BGE 147 IV 167 

E. 1.5.1.  ff.)  zum  Thema  "Zufügen  eines  erheblichen  Nachteils"  erübrigt  sich 

sodann, zumal aus den Untersuchungsakten nicht ersichtlich ist, dass respektive in 

welcher Art der Privatklägerin ein erheblicher Nachteil im Sinne von Art, 141 StGB 

(vgl. BSK StGB II-Weissenberger, Art. 141 N 27) entstanden sein soll beziehungs-

weise die Beschuldigte ihr einen entsprechenden zufügen wollte.

4.4.5. Hingegen bleibt der Tatbestand  der unrechtmässigen Aneignung im Sinne 

von Art. 137 Ziff. 1 StGB – wozu der Beschuldigten anlässlich der Berufungsver-

handlung das rechtliche Gehör gewährt wurde (Urk. 84 S. 8) – zu prüften, zumal 

die  Tatbestandsmerkmale,  insbesondere  die  Aneignungs-  und  Bereicherungsab-

sicht, in der Anklageschrift genügend umschrieben sind.

III. Sachverhalt

1.

Hinsichtlich der allgemeinen Grundsätze der Sachverhaltserstellung und rich-

terlichen Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 

verwiesen werden (Urk. 61 S. 4 f.).

2.

Im vorliegenden Fall erscheint es angebracht, zunächst das Beweisthema auf 

die Aneignungsabsicht zu beschränken. Hierzu hat die Vorinstanz nach Würdigung 

der vorhandenen Beweismittel überzeugend geschlossen, es könne nicht erstellt 

werden, dass die Beschuldigte die Kleider an sich genommen habe, um diese für 

ihre Bedürfnisse zu verwenden oder einer Eigentümerin gleich darüber zu verfügen 

- 11 -

(Urk. 61 S. 12 ff.). Dem ist beizupflichten. Sollte die Beschuldigte die Kleider tat-

sächlich – wie ihr in der Anklage vorgeworfen wird – genommen haben, dann ist – 

wie die Vorinstanz erwogen hat (Urk. 61 S. 14) – davon auszugehen, dass sie diese 

als "Pfand" für die gegenüber der Privatklägerin (angeblich) bestehenden Forde-

rungen zu verwenden gedachte. Dies hat denn selbst die Privatklägerin als vermu-

tetes Motiv ausgeführt (Urk. 4/1 F/A 47; Urk. 4/2 F/A 26). Und wird so ebenfalls von 

der  Zeugin  G._____  geschildert  (Urk. 7/1  F/A  20;  Urk.  7/2  F/A  13).  Eine  Aneig-

nungsabsicht kann mithin nicht erstellt werden. Entsprechend erübrigt sich die Prü-

fung der weiteren Tatbestandsmerkmale der unrechtmässigen Aneignung im Sinne 

von Art. 137 Ziff. 1 StGB.

3.

Die Beschuldigte ist demzufolge vollumfänglich freizusprechen.

IV. Zivilansprüche

Ausgangsgemäss  ist  die  Privatklägerin  mit  ihrer  Zivilforderung  auf  den  Weg  des 

Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  der  Untersuchung,  des  erstinstanzlichen 

Verfahrens und des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der vormali-

gen amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die zweitinstanz-

liche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz.

2.  Die vormalige amtliche Verteidigerin der Beschuldigten hat ihre Aufwendun-

gen dargelegt (Urk. 75). Diese sind ausgewiesen. Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

ist dementsprechend für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren mit Fr. 881.35 

aus der Gerichtskasse zu entschädigen (vgl. entsprechende Akontozahlung vom 

17. Juli 2024; Urk. 75 A). 

3.  Die Beschuldigte hat ausdrücklich auf eine Umtriebsentschädigung verzichtet 

(Urk. 84 S. 10).

- 12 -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Einzelgericht, 

vom 15. Mai 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

(…)

Vom  Vorwurf  des  Hausfriedensbruchs  im  Sinne  von  Art.  186  StGB  wird  die 

1.

2.

Beschuldigte freigesprochen.

3.-5. (…) 

6.

Der Antrag auf Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a wird 

7.

8.

abgewiesen.

(…) 

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'200.–

3'000.–

281.–

; die weiteren Auslagen betragen:

  Gebühr für das Vorverfahren

  Zeugenentschädigung B._____

11'674.–

  Amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt.)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich 

die Entscheidgebühr um einen Drittel.

9.

(…)

10.

(Mitteilungen)

11.

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

- 13 -

Es wird erkannt:

1.

2.

Die Beschuldigte A._____ wird vollumfänglich freigesprochen.

Die Privatklägerin C._____ wird mit ihrer Zivilforderung auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

3.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren 

Kosten betragen:

Fr.

881.35 

  vormalige amtl. Verteidigerin, RAin lic. iur. X._____ 
  (bereits ausbezahlt)

4.

Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Verfahrens und des 

Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der vormaligen amtlichen 

Verteidigung, werden vollumfänglich auf die Gerichtskasse genommen.

5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die Beschuldigte (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (versandt)

die Privatklägerin C._____ (versandt)

(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer 
eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird der Privatklägerin nur 
zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs 
verlangt.)

die vormalige amtliche Verteidigerin im Dispositiv-Auszug des 
Beschlusses sowie Ziff. 3 und 4 (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die Beschuldigte 

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

die vormalige amtliche Verteidigerin im Auszug (Erwägungen V.1.-2.) 
und Dispositiv-Auszug des Beschlusses sowie Ziff. 3 und 4

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an





die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich

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die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten 
gemäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 78

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 24. April 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. Ch. Prinz

MLaw A. Donatsch