# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 73f46e27-97d0-5aa7-9797-40277fd8c204
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.09.2011 D-3526/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3526-2011_2011-09-20.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­3526/2011/wif

U r t e i l   v om   2 0 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli (Vorsitz),
mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; 
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

Parteien A._______, geboren am (…), Irak,
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 19. Mai 2011 / N_______.

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  den  Irak  am 
18. November 2008 und gelangte via die Türkei, Griechenland und Italien 
am 15. März 2009 illegal in die Schweiz. Hier stellte er am selben Tag ein 
Asylgesuch.  Am  23.  März  2009  fand  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  die  Befragung  zur  Person  (BzP) 
statt.  Am  27.  April  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  direkt  zu  seinen 
Asylgründen angehört.

B. 
Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer, ein 
irakischer Kurde mit  letztem Wohnsitz in C._______ (Provinz Dohuk),  im 
Wesentlichen  geltend,  er  habe  von  Geburt  an  bis  im  Jahr  2007  im 
Quartier  D._______  (Stadt  E._______,  Provinz  F._______)  gelebt, 
danach habe er sich bis zu seiner Ausreise in C._______ niedergelassen. 
Er sei nicht zur Schule gegangen,  jedoch habe er nach dem Tod seines 
Vaters während fünf Jahren dessen Geschäft geführt. Sein Bruder sei seit 
Beginn  des  Jahres  2007  verschwunden,  weshalb  ein  Onkel 
väterlicherseits  ihn, seine Mutter und seine Schwester eingeladen habe, 
bei  ihm  zu wohnen. Daraufhin  habe  seine Mutter  das  auf  ihren Namen 
registrierte Haus verkauft. Die Verkaufsurkunde wie auch den Erlös aus 
dem  Hausverkauf  habe  sie  dem  Onkel  anvertraut.  Dieser  habe  jedoch 
sein Versprechen,  für  die Familie  des Beschwerdeführers  in C._______ 
ein  Haus  zu  bauen,  nicht  eingehalten,  sondern  das  Geld  für  sich 
behalten.  Zudem  habe  der  Onkel  ihn  schlecht  behandelt,  indem  er  ihn 
verbal  erniedrigt  habe.  Er  habe  ihm  eine  Arbeit  als  Transporteur 
vermittelt,  ihn  für  sich  arbeiten  lassen  und  den  Lohn  des 
Beschwerdeführers  beansprucht.  Obwohl  sich  die  Familie  des 
Beschwerdeführers  ungerecht  behandelt  gefühlt  habe,  habe  sie  aus 
Furcht vor der Reaktion des Onkels keine Anzeige erstattet. Wegen der 
fortdauernden schlechten Behandlung durch seinen Onkel, gegen die er 
sich nicht habe zur Wehr setzen können, habe er jeweils die Hälfte eines 
Tageslohnes für die geplante Ausreise zur Seite gelegt. Ein Freund habe 
die  Ausstellung  des  Reisepasses  veranlasst  und  seine  Ausreise 
organisiert. 

C. 
Mit Verfügung vom 19. Mai 2011 – eröffnet am 23. Mai 2011 – lehnte das 
BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

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und  den Vollzug  an.  Zur Begründung wurde  unter  anderem ausgeführt, 
die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an 
die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art.3  des Asylgesetzes  vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31) nicht. 

Das  BFM  führte  insbesondere  aus,  dass  Übergriffe  durch  Dritte  oder 
Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur dann aslyrelevant 
seien, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in 
der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Generell  sei  Schutz  gewährleistet, 
wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu 
verhindern, beispielsweise durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur 
Ermittlung,  Strafverfolgung  und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen, 
und wenn Antragsteller Zugang zu diesem Schutz hätten (vgl. Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts D­4404/2006 vom 2. Mai 2008).

Bei  den  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorkommnissen 
handle  es  sich  um  Unregelmässigkeiten  durch  eine  Privatperson.  Aus 
den  Angaben  des  Beschwerdeführers  würden  sich  keine  konkreten 
Hinweise  darauf  ergeben,  dass  eine  Inanspruchnahme  des  staatlichen 
Schutzes nicht möglich gewesen wäre, zumal dem Beschwerdeführer laut 
eigenen Angaben bewusst  gewesen  sei,  dass die Behörden  ihm hätten 
helfen können (vgl. Akten der Vorinstanz A18/15 S. 7 F.57). Ausserdem 
seien die Behörden im kurdischen Nordirak grundsätzlich schutzwillig und 
schutzfähig  (vgl.  Entscheidungen  des  Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgericht [BVGE] 2008/5). Damit seien diese Vorbringen 
grundsätzlich für die Asylgewährung nicht relevant.

Überdies  sei  der  Beschwerdeführer  der  wiederholten  Aufforderung  zur 
Einreichung  von  Ausweispapieren,  letztmals  anlässlich  der 
Bundesanhörung vom 27. April 2011, nicht nachgekommen.

Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Es erübrige sich 
deshalb,  auf  vorhandene  Ungereimtheiten  und  Widersprüche  in  den 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einzugehen,  sie  würden  an  den 
ohnehin fehlende Asylgründen nichts ändern. 

Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  22.  Juni  2011 
liess  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen 
Verfügung  beantragen.  Es  sei  festzustellen,  dass  er  die 

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Flüchtlingseigenschaft  erfülle  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  der 
Wegweisung  festzustellen  und  als  Folge  davon  sei  von  Amtes  wegen 
dem  Beschwerdeführer  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In 
prozessualer  Hinsicht  wurde  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Verfahrenskostenvorschusses beantragt. 

Zur  Begründung  wiederholte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen 
seine bisherigen Vorbringen und hielt an deren Asylrelevanz fest. Er habe 
die Wahrheit gesagt und aus seinen Aussagen gehe hervor, dass er einer 
nichtstaatlichen  Verfolgung  ausgesetzt  sei.  Die  ehemalige 
Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  habe  in  einem 
Grundsatzurteil  vom 8. Juni  2006  (Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 18)  ihre 
Rechtsprechung  zur  flüchtlingsrechtlichen  Relevanz  nichtstaatlicher 
Verfolgung  geändert  und  sich  für  den  Wechsel  zu  Schutztheorie 
entschieden.  Diese  Theorie  sei  auch  auf  den  vorliegenden  Fall 
anwendbar.

C.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  6.  Juli  2011  teilte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  dem 
Beschwerdeführer  mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  wies  er  das  Gesuch  um  Befreiung  von 
der  Kostenvorschusspflicht  infolge  Aussichtslosigkeit  der  Begehren  ab, 
und  forderte den Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnisfolge 
auf,  bis  zum  26.  Juli  2011  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 
600.­­ zu leisten. 

C.b. Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvorschuss 
am 21. Juli 2011.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

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1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

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4. 

Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 
Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für 
gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 
oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

5. 

5.1. Die Vorbringen  in  der Rechtsmitteleingabe  vom 22.  Juni  2011  sind 
nicht  geeignet,  eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu 
bewirken.  Der  Argumentation  des  BFM  werden  keine  stichhaltigen  und 
substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Eine  diesbezügliche 
Auseinandersetzung  unterbleibt  zwar  nicht  gänzlich.  Die  Ausführungen 
des  Beschwerdeführers  vermögen  jedoch  die  nachvollziehbaren 
Erwägungen  des  BFM  nicht  umzustossen.  Der  Beschwerdeführer 
verweist zwar auf den in der Schweizer Asylpraxis mit EMARK 2006 Nr. 
18 erfolgten Wechsel von der Zurechenbarkeits­ zur Schutztheorie, doch 
vermag  er  daraus  nichts  zu  seinen  Gunsten  abzuleiten.  So  wird  im 
zitierten  Entscheid  ausdrücklich  festgehalten,  dass  der  Schutz  vor 
nichtstaatlicher  Verfolgung  im  Heimatstaat  dann  als  ausreichend  zu 
qualifizieren  sei,  wenn  die  betroffene  Person  effektiv  Zugang  zu  einer 
funktionierenden  und  effizienten  Schutz­Infrastruktur  habe  und  ihr  die 
Inanspruchnahme  eines  solchen  innerstaatlichen  Schutzsystems 

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individuell  zumutbar  sei  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  18  E.10.3).  Im 
vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, sich 
bei den Polizeibehörden vergeblich um Schutz vor seinem Onkel bemüht 
zu haben. Vielmehr hat er  seinen eigenen Aussagen zufolge aus Angst 
vor  dessen  Reaktion  darauf  verzichtet,  bei  der  Polizei  eine  Anzeige  zu 
erstatten  (vgl. A18/15 S. 7 F. 57). Er habe seinen Onkel  im Jahre 2008 
schon  einmal  anzeigen  wollen,  als  der  Onkel  jedoch  davon  erfahren 
habe, sei er noch strenger geworden (vgl. A18/15 S. 6 F. 52 und F. 54). 
Mangels  objektiv  und  subjektiv  zumutbarer  Inanspruchnahme  des 
irakischen Schutzsystems kann dem irakischen Staat weder ein fehlender 
Schutzwille  noch eine  fehlende Schutzfähigkeit  vorgeworfen werden.  Im 
Übrigen besteht für das Bundesverwaltungsgericht nach Überprüfung der 
Akten  keine  Veranlassung,  die  Erwägungen  des  Bundesamtes  zu 
beanstanden.  Um  Wiederholungen  zu  vermeiden,  kann  daher  auf  die 
zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen 
werden.

5.2. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen 
in  der  Beschwerde  im  Einzelnen  einzugehen,  da  diese  nicht  geeignet 
sind,  zu  einer  anderen  rechtlichen Würdigung  der  Aktenlage  zu  führen. 
Unter  diesen  Umständen  ist  somit  festzuhalten,  dass  der 
Beschwerdeführer  einen  flüchtlingsrechtliche  bedeutsamen  Sachverhalt 
weder  nachgewiesen noch glaubhaft  gemacht  hat. Die Feststellung des 
BFM,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss 
Art. 3 AsylG nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Das BFM hat das 
Asylgesuch zu Recht und mit zutreffender Begründung abgelehnt.

6. 

6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen).

7. 

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7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 

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AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im 
Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt 
klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der 
Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetzt  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818).  Im  hier  interessierenden 
Zusammenhang  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  seinem  Urteil 
BVGE  2008/5  eine  Einschätzung  der  Sicherheitslage  in  den  drei 
autonomen  kurdischen  Nordprovinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya 
vorgenommen,  die  auch  heute  weiterhin Gültigkeit  beanspruchen  kann. 
Es  wurde  festgestellt,  dass  in  den  drei  kurdischen  Provinzen  keine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  und  die  dortige  politische  Lage 
nicht  dermassen  angespannt  ist,  als  dass  eine Rückführung  dorthin  als 
generell unzumutbar betrachtet werden müsste beziehungsweise Anlass 
zur Annahme einer  konkreten Gefährdung bestehe. Die Anordnung des 
Wegweisungsvollzuges setzt jedoch voraus, dass die betreffende Person 
entweder ursprünglich aus der Region stammt oder eine längere Zeit dort 

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gelebt  hat  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder 
Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien 
verfügt  (vgl.  BVGE  2008/5  E.75;  insbesondere  E. 7.5.8).  Andernfalls 
dürfte  eine  soziale  und  wirtschaftliche  Integration  in  die  kurdische 
Gesellschaft  nicht  gelingen,  da  der  Erhalt  einer  Arbeitsstelle  oder  von 
Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen 
Beziehungen  abhängt.  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  ist  in 
der Regel  für alleinstehende, gesunde und  junge kurdische Männer, die 
ursprünglich aus der Region stammen, zumutbar.

7.5.  Die  Sicherheitslage  im  Nordirak  hat  sich  seit  der  Publikation  des 
erwähnten  Urteils  nicht  verschlechtert.  In  der  überwiegenden  Mehrheit 
der  Berichte  von  Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  sowie 
des UN­Sicherheitsrats wird eine insgesamt stabile Situation beschrieben 
(vgl.  dazu  UK  Home  Office,  Country  of  Origin  Information  Report  vom 
25. März 2011 über die Kurdistan Regional Government Area of Iraq). 

7.6. Der gemäss den Akten nunmehr fast 22­jährige Beschwerdeführer ist 
ein ethnischer Kurde, der seine prägenden Kinder­ und Jugendjahre bis 
im Jahr 2007 in der Stadt E._______ verbracht, und anschliessend bis zu 
seiner  Ausreise  im  November  2008  in  C._______  (Provinz  Dohuk). 
Sodann  leben  seinen  Aussagen  zufolge  seinen  nahen  Verwandten 
(neben  dem  bereits  erwähnten  Onkel,  ein  Onkel  mütterlicherseits,  eine 
Tante  väterlicherseits,  seine  Mutter  sowie  seine  Schwester)  in 
C._______, weshalb der Beschwerdeführer dort auch über ein familiäres 
Beziehungsnetz verfügt (vgl. A18/15 S. 3 f. F.23 f.). Da er über berufliche 
Erfahrung  als  Transporteur  wie  auch  über  verwandtschaftliche 
Unterstützung  verfügt,  hat  er  keinerlei  Veranlassung,  mit  einer 
existenzbedrohenden Situation zu rechnen. 

Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  vor  dem  Hintergrund  der  allgemeinen  Lage  im 
Nordirak als auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten.

7.7.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

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Seite 11

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt 
Fr. 600.­­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  21. 
Juli 2011 geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  sind  mit  dem  am  21.  Juli  2011  in  derselben  Höhe 
geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

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