# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b8e2f442-a471-588a-8ceb-da1895e30307
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.10.2023 D-2773/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2773-2020_2023-10-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2773/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt; eigenen Angaben zufolge China  

(Volksrepublik),   

vertreten durch MLaw Nora Maria Riss,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. April 2020 / N (…). 

 

 

 

D-2773/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste am 10. Oktober 2019 als unbegleiteter Min-

derjähriger (UMA) in die Schweiz ein und suchte am folgenden Tag um Asyl 

nach. Am 23. Oktober 2019 fand eine Erstbefragung UMA statt und am 

9. Dezember 2019 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen angehört.  

B.  

Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus dem Dorf 

B._______ im Kreis C._______, wo er zusammen mit seinen Eltern und 

seinem älteren Bruder gelebt habe. Er sei nie zur Schule gegangen und 

habe den Eltern im Haushalt und in der Landwirtschaft geholfen. Am 18. 

Tag des Monats (…) im Jahr 2018 (entspricht dem […] 2018) seien Pilger 

zu ihnen gekommen und hätten gebeten, sie zu beherbergen. Sein Vater 

habe sich einverstanden erklärt und die Pilger seien zwei Tage bei ihnen 

geblieben und dann weitergezogen. Noch am gleichen Tag seien chinesi-

sche Soldaten vorbeigekommen und hätten zahlreiche Fragen zu den Pil-

gern gestellt, die sie nicht hätten beantworten können. Daraufhin hätten die 

Soldaten ihn und seinen Bruder mitgenommen und in ein Gefängnis ge-

bracht. Dort seien sie etwas mehr als einen Monat inhaftiert gewesen und 

mehrmals befragt und geschlagen worden. Nach ihrer Freilassung habe 

ihre Mutter sie in ein Krankenhaus in C._______ gebracht, damit die durch 

die Schläge erlittenen Verletzungen dort behandelt würden. Der Arzt habe 

sich aber geweigert, ihnen zu helfen, weshalb ihre Mutter sie zu Hause 

gepflegt habe. Kurz darauf seien wiederum Soldaten zu ihnen gekommen, 

welche Fragen gestellt und alle Familienmitglieder geschlagen hätten. Ei-

nige Tage später seien er und sein Bruder erneut ins Gefängnis gebracht 

worden. Zwar seien sie wieder freigelassen worden, aber bereits Anfang 

(…) 2018 sei es zu einer weiteren mehrtägigen Haft gekommen. Daraufhin 

habe seine Mutter gesagt, sie seien anhaltend in Gefahr und müssten sich 

in Sicherheit bringen. In der Folge seien sie mit einem Händler nach Nepal 

gereist. Dort habe er sich etwa ein Jahr lang aufgehalten, bevor er mithilfe 

eines Schleppers nach Europa gelangt sei. Er sei alleine gereist, weil das 

Geld nur für seine Reise und nicht auch für die des Bruders ausgereicht 

habe. 

C.  

Mit Verfügung vom 13. Dezember 2019 wurde der Beschwerdeführer dem 

erweiterten Verfahren zugewiesen.  

 

D-2773/2020 

Seite 3 

D.  

D.a Aufgrund von Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft beauftragte 

das SEM die Fachstelle Lingua mit der Durchführung einer entsprechen-

den Abklärung. Basierend auf einem Telefongespräch vom 18. Dezember 

2019 erstellte die sachverständige Person mit dem Kürzel «AS19» eine 

Evaluation der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwerdefüh-

rers und eine linguistische Analyse. In ihrem Bericht vom 13. Januar 2020 

(nachfolgend: Lingua-Analyse) kam sie zum Schluss, der Beschwerdefüh-

rer sei eindeutig in der exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volks-

republik China und eindeutig nicht im Kreis C._______ sozialisiert worden.  

D.b Mit Schreiben vom 30. Januar 2020 gewährte das SEM dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör zur Lingua-Analyse. Gemäss dieser 

habe er zwar einige landeskundlich-kulturelle Kenntnisse vorweisen und 

etwa die Namen einiger Orte, eines Flusses sowie von zwei Klöstern aus 

seiner angegebenen Herkunftsregion angeben können. Auch habe er ei-

nige Feldfrüchte gekannt, die im Kreis C._______ – aber auch in angren-

zenden Ländern – angebaut würden und gewusst, was aus Gerste herge-

stellt werden könne. In seinen Ausführungen habe sich aber auch eine 

Reihe von Lücken und Unstimmigkeiten gefunden. So habe er die admi-

nistrative Einheit «Provinzbezirk» verwendet, obwohl diese schon viele 

Jahre vor seiner Geburt abgeschafft worden sei. Zudem seien seine Ent-

fernungsangaben falsch gewesen und von zwei Klöstern in seinem Hei-

matdorf habe er gesagt, dass sie nicht existierten. Einige Angaben zur 

Landwirtschaft seien unzutreffend gewesen, etwa dass er in seinem Dorf 

keinen Blütenpfeffer gesehen habe, obwohl dieser dort grossflächig ange-

baut werde. Weiter habe er verneint, dass in seiner Heimat Schulpflicht 

herrsche, was nicht der Wahrheit entspreche. Sodann seien in seiner Spra-

che auf allen untersuchen Ebenen fast ausschliesslich Gemeinsamkeiten 

mit dem Lhasa-Dialekt festgestellt worden. Auch seine Chinesisch-Kennt-

nisse hätten die auf seiner Biografie basierenden Erwartungen nicht erfüllt. 

Insgesamt sei in der Lingua-Analyse daher der Schluss gezogen worden, 

dass er eindeutig in der exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volks-

republik China sozialisiert worden sei.  

D.c Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe seiner Rechtsvertretung 

vom 5. März 2020 zur Lingua-Analyse Stellung. Er betonte, dass er sehr 

gute landeskundlich-kulturelle Kenntnisse habe, zumal das Telefoninter-

view über eine Stunde gedauert habe und das SEM nur einige wenige Lü-

cken oder Unstimmigkeiten erwähne. Was mit der deutschen Bezeichnung 

«Provinzbezirk» genau gemeint sei, wisse er nicht. Es gelte aber darauf 

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Seite 4 

hinzuweisen, dass die Verwaltungseinheiten in China nicht denjenigen der 

Schweiz entsprächen und es oft sowohl chinesische als auch tibetische 

Bezeichnungen dafür gebe. Weiter könne er zum Vorhalt, er habe falsche 

Angaben zu Entfernungen gemacht, ohne nähere Spezifikation nicht Stel-

lung nehmen. In seinem Dorf gebe es sodann kein Kloster, nur einen heili-

gen Berg mit einer Pilgerstätte namens «(…)»; ein Kloster befinde sich dort 

aber nicht. Zwei Dörfer weiter gebe es das Kloster «(…)». Es werde gebe-

ten, die Quelle für die Aussage, dass es in seinem Herkunftsdorf zwei Klös-

ter habe, offenzulegen. Weiter sei er gefragt worden, welche Produkte in 

seiner Nachbarschaft angebaut würden und ob er gesehen habe, wie diese 

geerntet würden. Er habe die Frage nach dem Blütenpfeffer so verstanden, 

ob er wisse wie dieser geerntet werde, was er verneint habe, da er dies nie 

gesehen habe. Schliesslich wisse er nicht, ob die Schule offiziell obligato-

risch sei oder nicht. Sein Dorf sei aber weit von der Schule entfernt gewe-

sen und einige Kinder seien hingegangen, andere nicht. Da er nie erlebt 

habe, dass dies kontrolliert worden wäre oder eine Familie Probleme ge-

habt hätte, wenn die Kinder nicht zur Schule gegangen seien, habe er ge-

sagt, der Schulbesuch sei freiwillig. Zu den Chinesisch-Kenntnissen sei an-

zumerken, dass er aus einer ländlichen Region stamme und nicht zur 

Schule gegangen sei. Es sei auch vom Bundesverwaltungsgericht aner-

kannt, dass gerade in solchen Fällen fehlende oder nur sehr rudimentäre 

chinesische Sprachkenntnisse nicht automatisch ein Hinweis dafür seien, 

dass eine Person nicht aus der Volksrepublik China stamme. Sodann sei 

er in einem sehr jungen Alter aus Tibet ausgereist, habe mehr als ein Jahr 

in Nepal gelebt und halte sich nun seit einigen Monaten in der Schweiz auf. 

Zudem habe die Person am Telefon Lhasa-Tibetisch gesprochen, weshalb 

es für ihn nicht immer einfach gewesen sei, nicht auch in diesem – ihm 

bekannten – Dialekt zu antworten. Es sei darauf hinzuweisen, dass es zahl-

reiche Dialekte und Varietäten der tibetischen Sprache gebe. Der Dialekt 

von C._______ gehöre zu den südwestlichen Dialekten und werde linguis-

tisch von einigen Experten den nepalesischen Dialekten zugeordnet. Aus 

den Angaben des SEM gehe nicht hervor, ob die sachverständige Person 

selber C._______ spreche oder ob für die Analyse seiner Sprache ein Re-

ferenzdialekt hinzugezogen worden sei. Es werde daher gebeten, diese 

Informationen offenzulegen.  

E.  

Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 29. April 2020 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es 

lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den 

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Seite 5 

Vollzug der Wegweisung an – unter Ausschluss des Wegweisungsvollzugs 

in die Volksrepublik China.  

F.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

28. Mai 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen 

Entscheid. Darin beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung 

von Asyl. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, sube-

ventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen und er sei als Ausländer vorläufig auf-

zunehmen. Subsubeventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses, Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung sowie Beiordnung der unterzeichnenden Rechtsvertreterin als amtli-

che Rechtsbeiständin.  

G.  

G.a Die damals zuständige Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfü-

gung vom 9. Juni 2020 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und setzte MLaw Nora Maria Riss als 

amtliche Rechtsbeiständin ein. Zudem wurde die Vorinstanz eingeladen, 

eine Vernehmlassung einzureichen.  

G.b Das SEM teilte dem Gericht mit Schreiben vom 5. August 2020 mit, die 

Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismit-

tel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Es 

halte daher an seinem Entscheid fest. Das betreffende Schreiben wurde 

dem Beschwerdeführer am 7. August 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt.  

H.  

Die Rechtsvertreterin liess dem Gericht am 14. Januar 2021 eine Honorar-

note zukommen.  

I.  

Eine Anfrage des Beschwerdeführers zum Verfahrensstand vom 20. Juli 

2021 wurde vom Gericht mit Schreiben vom 27. Juli 2021 beantwortet.  

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Seite 6 

J.  

Aus organisatorischen Gründen wurde der Vorsitz des vorliegenden Ver-

fahrens am 6. Mai 2022 auf Richterin Susanne Bolz-Reimann übertragen.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, aufgrund der 

fehlenden Chinesisch-Kenntnisse, der Papierlosigkeit sowie der Aussagen 

des Beschwerdeführers hätten grosse Zweifel an seiner angegebenen 

Herkunft bestanden, weshalb eine Evaluation seiner landeskundlich-kultu-

rellen Kenntnisse sowie eine linguistische Analyse durchgeführt worden 

sei. Das Gutachten komme zum Schluss, dass seine Sozialisierung ein-

deutig nicht im Kreis C._______, sondern in der exiltibetischen Gemein-

schaft ausserhalb der Volksrepublik China stattgefunden habe. Es sei etwa 

aufgefallen, dass er angegeben habe, das Dorf B._______ liege im Kreis 

C._______ und gehöre zu «D._______ zhuanqu». Der chinesische Begriff 

«zhuanqu» werde indessen längst nicht mehr verwendet, da D._______ 

seit (…) als (…) gelte. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwer-

deführer eine seit Langem überholte administrative Einheit verwende. Wei-

ter habe er zwar einige umliegende Dörfer korrekt benennen können, ein-

zelne davon aber fälschlicherweise als Gemeinden bezeichnet. Letzteres 

sei gemäss dem Experten möglicherweise seinem jungen Alter geschuldet. 

Dieses vermöge aber nicht zu rechtfertigen, dass er die Kreishauptstadt 

unzutreffend am gleichnamigen Marktflecken lokalisiert und andere, durch-

aus bekannte Kreise aus seiner Region nicht gekannt habe. Weiter habe 

er nur eines von drei bei B._______ gelegenen Klöstern gekannt. Hinsicht-

lich der Landwirtschaft habe er ortsübliche Kulturen und eine nachvollzieh-

bare Feldgrösse angegeben. In Bezug auf die Art des Gemüseanbaus und 

die Tierhaltung in seinem Dorf habe er indessen unzutreffende Angaben 

gemacht. Ebenso hätten seine Aussagen zum Schulwesen – es bestehe 

keine Schulpflicht und an den Schulen werde nur Chinesisch, aber kein 

Tibetisch unterrichtet – nicht den Tatsachen entsprochen. Weiter sei er auf 

die ortsüblichen Bestattungsgebräuche angesprochen worden und habe 

gesagt, es gebe nur Luftbestattungen, was nachweislich falsch sei. Der 

Experte sei daher zum Schluss gekommen, dass die Erwartungen hinsicht-

lich der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse nur teilweise erfüllt seien. 

Sodann habe die Sprache des Beschwerdeführers in den untersuchten Be-

reichen an den Stellen, wo sich der Dialekt von C._______ von jenem von 

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Seite 8 

Lhasa respektive der exiltibetischen Koine unterscheide, fast ausschliess-

lich oder ausschliesslich Gemeinsamkeiten mit dem Lhasa-Dialekt aufge-

wiesen. Auch seine Chinesisch-Kenntnisse seien äusserst rudimentär. 

Zwar sei er in der Lage gewesen, eine chinesische Begrüssung zu äus-

sern, aber er habe weder alltägliche Begriffe noch für das Innertibetische 

übliche Lehnwörter gekannt. Die Erwartungen an die Sprache seien folg-

lich, auch unter Berücksichtigung seines jugendlichen Alters, nicht erfüllt 

gewesen.  

Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Herkunft sei daher nicht 

glaubhaft und seine Staatsangehörigkeit gelte als unbekannt. Der im Rah-

men des rechtlichen Gehörs vorgebrachte Einwand, es sei ihm schwerge-

fallen, beim Telefoninterview seinen Heimatdialekt zu verwenden, weil die 

Expertin den Lhasa-Dialekt gesprochen habe, gehe fehl. Er sei zu Beginn 

des Gesprächs aufgefordert worden, seinen Heimatdialekt zu verwenden, 

und die Verständigung mit der Expertin sei gut gewesen. Sodann werde 

die Expertise der sachverständigen Person in Frage gestellt sowie eine Of-

fenlegung von Quellen verlangt. Die Ergebnisse des Gutachtens seien in-

dessen so weit als möglich offengelegt worden, ebenso die Qualifikation 

der sachverständigen Person. Einer weitergehenden Offenlegung stünden 

wesentliche Geheimhaltungsinteressen entgegen. Das Ergebnis der Lin-

gua-Analyse belege jedoch eindeutig, dass der Beschwerdeführer nicht in 

der Volksrepublik China hauptsozialisiert worden sei. Den geltend gemach-

ten Asylgründen sei damit die Grundlage entzogen und es erübrige sich, 

diese näher zu prüfen. Es sei dennoch anzumerken, dass seine Angaben 

unsubstanziiert ausgefallen seien und die stereotypen Begrifflichkeiten so-

wie realitätsfremden Gedankengänge auf konstruierte Vorbringen hinwie-

sen. Zudem habe er seine einmonatige Inhaftierung in wenigen Sätzen ge-

schildert. Angesichts der unglaubhaften Herkunft sei vorliegend mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er vor seiner An-

kunft in der Schweiz in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Trotz 

mehrfachen Hinweisen des SEM auf die Folgen einer Verletzung der Mit-

wirkungspflicht habe er keine Identitätspapiere oder andere Dokumente 

eingereicht, welche Rückschlüsse auf seine Staatsangehörigkeit zulies-

sen. Durch sein Verhalten verunmögliche er weitere Abklärungen dazu, 

welchen effektiven Status er an seinem vorherigen Aufenthaltsort innege-

habt habe. Er habe die entsprechenden Folgen zu tragen und das SEM 

komme zum Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtli-

chen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort be-

stünden.  

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Seite 9 

4.2 Der Beschwerdeführer kritisiert in der Rechtsmitteleingabe, dass ihm 

in der angefochtenen Verfügung mehrere Elemente der Lingua-Analyse 

vorgehalten würden, die im rechtlichen Gehör vom 30. Januar 2020 mit 

keinem Wort erwähnt worden seien. Diese würden auch im angefochtenen 

Entscheid nur pauschal festgehalten, womit konkrete Einwände zur Her-

kunftsabklärung nicht möglich seien. Damit verletze die Vorinstanz seinen 

Anspruch auf rechtliches Gehör, da eine Beschwerde angesichts der deut-

lich ungenügenden Begründungsdichte nur erschwert möglich sei. Weiter 

gehe das SEM nicht ausreichend auf die Stellungnahme zur Lingua-Ana-

lyse vom 5. März 2020 ein. Darin sei bereits geltend gemacht worden, dass 

er den C._______-Dialekt spreche, der linguistisch sehr nahe an den ne-

palesischen Dialekten liege. Es sei daher fraglich, inwiefern ein Experte, 

der in den Sprachen Ü-Tsang, Kham und Amdo versiert sei, nicht aber in 

der Gruppe der (…)-Sprachen, überhaupt Aussagen über den C._______-

Dialekt machen könne. Da es in der tibetischen Sprache zahlreiche Dia-

lekte und Varietäten gebe, sei es gemäss einem Bericht der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe sehr schwierig, eine einzelne Person zu finden, wel-

che alle tibetischen Dialekte ausreichend beherrsche, um eine korrekte Be-

urteilung vorzunehmen. Hinsichtlich der landeskundlich-kulturellen Kennt-

nisse sei festzuhalten, dass er möglicherweise eine veraltete Bezeichnung 

für die administrative Einteilung verwende, weil er diese einfach von seinen 

Eltern übernommen habe und der Begriff im Dorf noch geläufig sei. Weiter 

solle er die Kreishauptstadt falsch lokalisiert und andere nahegelegene 

Kreise nicht gekannt haben. Dies sei im rechtlichen Gehör nicht erwähnt 

worden und es sei ohne nähere Angaben nicht möglich, dazu Stellung zu 

nehmen. Allenfalls würden die Ortsbezeichnungen in seinem Dialekt auch 

einfach anders ausgesprochen und er sei falsch verstanden worden. So-

dann sei ihm im rechtlichen Gehör vorgehalten worden, er habe von zwei 

Klöstern in seinem Heimatdorf gesagt, diese würden nicht existieren, wäh-

rend im Asylentscheid von zwei bei B._______ gelegenen Klöstern die 

Rede sei. Auch hier wäre eine Präzisierung nötig, um dazu Stellung neh-

men zu können. Weiter werde ihm vorgehalten, er habe zur Art des Gemü-

seanbaus und zur Tierhaltung falsche Angaben gemacht. Dies sei im recht-

lichen Gehör unerwähnt geblieben und ohne genauere Ausführungen sei 

es nicht möglich, hierzu Stellung zu nehmen. Zur Frage der Bestattungs-

gebräuche sei ihm das rechtliche Gehör ebenfalls nicht gewährt worden. 

Er habe diesbezüglich einfach angegeben, was er gesehen habe, wobei 

es in einem kleinen Dorf gut möglich sei, dass ein (…)jähriger noch nicht 

allzu vielen Bestattungen beigewohnt habe. Schliesslich sei festzuhalten, 

dass fehlende oder nur sehr rudimentäre chinesische Sprachkenntnisse 

nicht automatisch einen Hinweis darauf seien, dass eine Person nicht aus 

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Seite 10 

der Volksrepublik China stamme. Gemäss verschiedenen Quellen könnten 

viele Tibeterinnen und Tibeter nicht Chinesisch sprechen, zumal sie gerade 

in abgelegenen Gebieten kaum mit der chinesischen Sprache in Kontakt 

kämen. Insgesamt sei festzustellen, dass er sehr wohl detaillierte und sub-

stanziierte Angaben zu seinen Lebensumständen gemacht habe und vor 

allem angesichts seines jungen Alters genügend landeskundlich-kulturelle 

Kenntnisse habe vorweisen können.  

5.  

5.1 Das SEM hat einerseits die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt 

richtig und vollständig abzuklären (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und 

hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten Umstände zu ermitteln 

und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei hat es alle sach- 

und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten fest-

zuhalten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). Andererseits ergibt sich aus 

dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) das Recht der 

Parteien auf vorgängige Äusserung und Anhörung und damit Einfluss-

nahme auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts. Zudem besteht 

eine Pflicht der Behörde, die Vorbringen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen 

und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, was sich entsprechend in 

der Entscheidbegründung niederschlagen muss. Die Abfassung der Be-

gründung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenen-

falls sachgerecht anzufechten (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). 

5.2 Bei einer Lingua-Analyse handelt es sich um eine Herkunftsabklärung, 

welche von einem amtsexternen, von der Fachstelle Lingua beauftragten 

und mit den erforderlichen Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten 

Sachverständigen durchgeführt wird. Dabei werden sowohl die landes-

kundlich-kulturellen Kenntnisse als auch die sprachlichen Fähigkeiten ei-

ner asylsuchenden Person geprüft. Eine Lingua-Analyse stellt zwar kein 

Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundes-

gesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP,  

SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schriftliche Auskunft einer Dritt-

person (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. Sofern 

bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und 

Neutralität des Experten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und 

Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweis-

wert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1). Die Rechtsprechung de-

finierte ferner Mindeststandards, denen die Gewährung des rechtlichen 

Gehörs und der Akteneinsicht betreffend Lingua-Analysen zu genügen hat. 

Zwar stehen dem grundsätzlichen Anspruch auf Einsicht (Art. 26 VwVG) in 

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Lingua-Analysen überwiegende öffentliche und private Geheimhaltungsin-

teressen entgegen, die eine Verweigerung der vollumfänglichen Offenle-

gung gegenüber den Asylsuchenden rechtfertigen (Art. 27 Abs. 1 VwVG). 

Dazu zählen namentlich die Verhinderung eines Lerneffektes und einer 

missbräuchlichen Weiterverbreitung des Fragenkatalogs, wodurch ähnli-

che Abklärungen in zukünftigen Verfahren erschwert oder verunmöglicht 

würden, sowie der Sicherheitsanspruch des Sachverständigen. Zur Wah-

rung des Anspruchs auf rechtliches Gehör muss der asylsuchenden Per-

son aber vom wesentlichen Inhalt des Gutachtens Kenntnis gegeben wer-

den, mit der Möglichkeit, sich dazu zu äussern (Art. 30 VwVG) und Gegen-

beweise zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Dazu muss die Behörde der asyl-

suchenden Person in zusammenfassender Weise die von der Fachperson 

gestellten Fragen und den wesentlichen Inhalt der darauf erhaltenen Ant-

worten sowie die weiteren in den Akten enthaltenen Beweiselemente, auf 

welche die Fachperson ihre Einschätzung stützt, offenlegen, sei es in einer 

aktenkundigen schriftlichen Notiz, sei es anlässlich der Gewährung des 

rechtlichen Gehörs im Rahmen einer zu protokollierenden mündlichen An-

hörung. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör ist gemäss Rechtsprechung 

überdies nur dann Genüge getan, wenn den Betroffenen Herkunft, Dauer 

und Zeitraum des Aufenthalts der sachverständigen Person im umstritte-

nen Herkunftsland oder -gebiet sowie deren Werdegang, auf den sich ihre 

Sachkompetenz abstützt, zur Kenntnis gebracht wird. Nur so können sich 

die Betroffenen und im Übrigen auch das Gericht klare Vorstellungen über 

die gutachterliche Qualifikation machen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1).  

5.3 Vorliegend wurden dem Beschwerdeführer im Rahmen der Gewährung 

des rechtlichen Gehörs verschiedene zentrale Aspekte der Lingua-Analyse 

zur Kenntnis gebracht. Zudem wurde ihm mit Schreiben vom 14. Februar 

2020 der Werdegang und die Qualifikation der sachverständigen Person 

zugestellt und – auf seinen Wunsch hin – mitgeteilt, er könne sich die Auf-

nahme des Lingua-Gesprächs im Bundesasylzentrum E._______ anhören 

(vgl. SEM-Akte […]-34/1). Zwar trifft es zu, dass in der angefochtenen Ver-

fügung teilweise noch zusätzlich Elemente erwähnt wurden, welche im 

rechtlichen Gehör nicht enthalten waren. Der Beschwerdeführer konnte 

sich zu diesen aber in der Beschwerdeeingabe äussern und allfällige Ein-

wände und Anmerkungen dazu vorbringen. Damit sind die oben skizzierten 

Minimalanforderungen erfüllt und es liegt in diesem Zusammenhang keine 

Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor.  

Sodann erweist sich die in der Rechtsmitteleingabe mehrfach geäusserte 

Kritik, die Vorinstanz lege nicht genügend präzise dar, inwiefern seine 

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Seite 12 

Kenntnisse unzureichend oder fehlerhaft gewesen seien, als unbegründet. 

Aus der angefochtenen Verfügung geht mit ausreichender Klarheit hervor, 

zu welchen Aspekten der Beschwerdeführer unzutreffende oder lücken-

hafte Angaben gemacht hat. Einer weitergehenden Offenlegung des In-

halts der Lingua-Analyse stehen, wie das SEM zutreffend ausgeführt hat, 

wesentliche öffentliche Geheimhaltungsinteressen – insbesondere die Ver-

meidung eines Lerneffekts – entgegen. Zudem zeigt die vorliegende 

Rechtsmitteleingabe, dass es dem Beschwerdeführer durchaus möglich 

war, sich über die Tragweite der vorinstanzlichen Verfügung ein Bild zu ma-

chen und diese sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht ist daher ebenfalls zu verneinen.  

5.4  

5.4.1 Weiter wird in der Beschwerde die Kompetenz der sachverständigen 

Person zur Analyse der Sprache des Beschwerdeführers angezweifelt. 

Dieser bringt vor, er stamme aus dem Kreis C._______ und der dort ge-

sprochene Dialekt liege nahe bei den nepalesischen Sprachen, wobei der 

Experte nicht auf dieses Gebiet spezialisiert sei. Es ist indessen festzuhal-

ten, dass die sachverständige Person AS19 gemäss dem Qualifikations-

blatt (SEM-Akte […]-29/1) als Experte für die Volksrepublik China, vor al-

lem Zentraltibet, Khamtibet und Amdotibet, arbeitet. Selbst wenn er nicht 

besonders auf das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Herkunftsge-

biet – das geografisch zu Zentraltibet (Ü-Tsang) zählt – spezialisiert wäre, 

ist davon auszugehen, dass er über die erforderliche Expertise verfügt, um 

Abklärungen zu einer geltend gemachten Sozialisierung im Kreis 

C._______ vorzunehmen. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass auf dem 

Personalienblatt des Beschwerdeführers unter der Rubrik Muttersprache 

«Tibetan language Ütsang» aufgeführt wird (vgl. SEM-Akte […]-1/2). Im 

Protokoll der Erstbefragung wird festgehalten, seine Muttersprache sei 

Zentraltibetisch (vgl. SEM-Akte […]-13/12 [nachfolgend Akte 13], 

Ziff. 1.17.01). Die Erstbefragung wurde zudem ebenso wie die Anhörung in 

Zentraltibetisch durchgeführt, wobei nicht ersichtlich ist, dass es zu Ver-

ständigungsschwierigkeiten gekommen wäre (vgl. dazu auch SEM-Akte 

[…]-17/17 [nachfolgend Akte 17], F1 f. und S. 17). Diese Umstände lassen 

darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer muttersprachlich Zentralti-

betisch spricht und nicht einen Dialekt, welcher der nepalesischen Sprache 

nähersteht als dem Tibetischen und folglich von einem Experten für tibeti-

sche Sprachen, darunter Ü-Tsang, nicht beurteilt werden könnte.  

5.4.2 Sodann ist darauf hinzuweisen, dass sich das Bundesverwaltungs-

gericht in seinem Urteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 (zur Publikation als 

D-2773/2020 

Seite 13 

Referenzurteil vorgesehen) eingehend mit der Qualifikation und Arbeits-

weise der sachverständigen Person AS19 auseinandergesetzt hat. Nach 

einer umfassenden Prüfung des Werdegangs, der aktuellen beruflichen 

Tätigkeit sowie der wissenschaftlichen Reisetätigkeiten stellte es fest, dass 

AS19 kompetent sei, eine fachlich korrekte, neutrale und objektive Lingua-

Analyse zur Überprüfung der Sozialisation eines Asylsuchenden in der Au-

tonomen Region Tibet vorzunehmen (a.a.O. E. 7.4.2). Weiter wurde fest-

gehalten, dass die Arbeitsweise der Fachstelle Lingua in zwei Forschungs-

projekten untersucht worden sei und diese die daraus resultierenden Emp-

fehlungen umgesetzt habe. Lingua arbeite laufend an der Optimierung der 

allgemeinen Methodik und werde in einer dieser Studien als «best prac-

tice» im Bereich von LADO (language analysis for the determination of ori-

gin) bezeichnet (a.a.O. E. 7.8). Die Qualität der von AS19 erstellten Lingua-

Analysen sei somit nicht grundsätzlich zu beanstanden, was jedoch nichts 

daran ändere, dass diese in jedem Einzelfall auf ihre Aussagekraft hin ge-

prüft werden müssten (a.a.O. E. 7.9).  

5.4.3 Die Sprache des Beschwerdeführers wurde vorliegend in verschie-

denen Bereichen analysiert und konkret mit dem Dialekt von C._______, 

zu welchem sprachwissenschaftliche Forschung existiert, verglichen. Der 

resultierende Lingua-Bericht erscheint fundiert, schlüssig und objektiv 

nachvollziehbar. Zudem ist die Analyse inhaltlich als ausgewogen zu er-

achten, da dem geltend gemachten biografischen Hintergrund des Be-

schwerdeführers sowohl bei der Einschätzung der landeskundlich-kulturel-

len Kenntnisse als auch der sprachlichen Fähigkeiten Rechnung getragen 

wurde. Die sachverständige Person hält etwa fest, aufgrund des Aufent-

halts in Nepal und der Schweiz seien gewisse Einflüsse zu erwarten und 

es sei möglich, dass infolge des Kontakts mit Exiltibetern exiltibetische Ele-

mente in die Sprache aufgenommen wurden. Solche seien am ehesten auf 

der Ebene des Lexikons sowie allenfalls der Phonetik/Phonologie und we-

niger im Bereich der Morphologie/Morphosyntax zu erwarten, wobei diese 

Elemente angesichts des verhältnismässig kurzen Aufenthalts im Exil als 

sekundäre Sprachmerkmale zu erkennen sein sollten. Weiter wurde das 

junge Alter des Beschwerdeführers – welches möglicherweise dazu führe, 

dass exiltibetische Elemente stärker in seine Sprache Eingang gefunden 

hätten – sowie ein gewisser Akkomodationseffekt an die Sprache der Inter-

viewerin, die ein vom Lhasa-Tibetisch beeinflusstes Zentraltibetisch spre-

che, berücksichtigt. Schliesslich wurden in der Lingua-Analyse nicht nur die 

Aspekte abgehandelt, welche gegen eine Sozialisation in der angeblichen 

Heimatregion sprechen, sondern auch diejenigen, welche für eine solche 

sprechen.  

D-2773/2020 

Seite 14 

5.4.4 Die gegen die Aussagekraft der Lingua-Analyse vorgebrachten Ein-

wände vermögen nach dem Gesagten nicht zu überzeugen. Es ist davon 

auszugehen, dass die sachverständige Person über die erforderlichen 

Qualifikationen und Kompetenzen verfügt, um die von Beschwerdeführer 

geltend gemachte Herkunft zu beurteilen. Der Analyse ist folglich erhöhter 

Beweiswert beizumessen.  

5.5 Zusammenfassend ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf recht-

liches Gehör nicht verletzt und der Sachverhalt erweist sich als richtig und 

vollständig festgestellt. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

6.  

6.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts wird bei Personen ti-

betischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, 

vermutungsweise davon ausgegangen, dass keine flüchtlings- oder weg-

weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen 

Aufenthaltsort bestehen, zumal die Abklärungspflicht der Asylbehörden 

ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person findet. 

Verunmöglicht ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner 

Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in seinem 

Herkunftsstaat innehat, kann namentlich keine Drittstaatenabklärung im 

Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheimli-

chung und Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der 

Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives 

Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 

Vor diesem Hintergrund kommt der Frage, ob eine asylsuchende Person 

tatsächlich aus der Autonomen Region Tibet in der Volksrepublik China 

stammt, eine entscheidende Bedeutung zu.  

6.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Identität des Beschwerdeführers nicht 

feststeht. Er reichte weder Ausweisdokumente noch andere Beweismittel 

ein, die geeignet wären, etwas zur Klärung seiner Identität und Herkunft 

beizutragen. Eigenen Angaben zufolge besass er aufgrund seines jungen 

Alters keine Identitätskarte und auch keinen Reisepass (vgl. Akte 13, 

Ziff.4.02 f.). Er habe aber ein eigenes Familienbüchlein besessen, welches 

jedoch von Soldaten beschlagnahmt worden sei (vgl. Akte 13, S. 3 und 

Ziff. 4.03; Akte 17, F82). Angesichts der unsubstanziierten Aussagen zu 

seinen Fluchtgründen (vgl. dazu die nachstehende Erwägung) erweist sich 

auch diese Aussage als wenig überzeugend. Nicht nachvollziehbar ist – 

D-2773/2020 

Seite 15 

ungeachtet seiner vagen Angabe, die Chinesen würden sie beobachten – 

auch, weshalb er trotz Kenntnis der Telefonnummer seines Vaters nicht mit 

seiner Familie in Kontakt treten könne (vgl. Akte 13, S. 3 f.).  

6.3 Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen Fluchtgründen 

sind äusserst oberflächlich. Es fehlt ihnen an Details und Realkennzeichen. 

Angeblich wurden er und sein Bruder – nicht aber die Eltern – dreimal in-

haftiert, weil seine Familie Pilger beherbergt habe (vgl. Akte 17, F82). So-

wohl das Auftauchen der chinesischen Soldaten als auch die Festnahme 

sowie die rund einmonatige Haftzeit schilderte der Beschwerdeführer ohne 

jegliche persönlichen Bezüge, eigene Emotionen oder Gedankengänge. Er 

gab lediglich an, ihnen seien Fragen zu den Pilgern gestellt worden, die 

Identitätskarten sowie das Familienbüchlein seien beschlagnahmt und sie 

seien geschlagen worden (vgl. Akte 17, F111). Auch die Ankunft im Gefäng-

nis beschrieb er als Abfolge von Handlungen, ohne dass ersichtlich würde, 

wie er diese Vorfälle erlebt habe (vgl. Akte 17, F121 ff.). Es ist darauf hin-

zuweisen, dass er damals etwa (…) Jahre alt gewesen ist und sein Hei-

matdorf nur selten verlassen haben will (vgl. Akte 17, F25 f.). Bei der Fest-

nahme müsste es sich um ein äusserst einschneidendes Ereignis gehan-

delt haben, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass der Beschwerdefüh-

rer detailliert und erlebnisgeprägt darüber berichten kann. Eine solche 

Schilderung geht aus dem Protokoll jedoch nicht hervor. Es bestehen da-

her erhebliche Zweifel an den vorgebrachten Asylgründen.  

6.4 Zur Abklärung der Herkunft liess das SEM eine Lingua-Analyse durch-

führen, welche zum Schluss kam, dass der Beschwerdeführer eindeutig 

nicht im Kreis C._______ sozialisiert worden sei. Wie oben dargelegt, ist 

die Analyse inhaltlich schlüssig und ausgewogen und die sachverständige 

Person erfüllt die Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität 

und Neutralität. Der Analyse kommt somit ein erhöhter Beweiswert zu. Da-

rin wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer zwar gewisse landes-

kundlich-kulturelle Kenntnisse zur angegebenen Heimatregion vorgewie-

sen habe, wobei dieses faktische Wissen in Tibet selbst oder ausserhalb 

erworben werden könne. Seine Kenntnisse hätten aber auch verschiedene 

Lücken und Unstimmigkeiten aufgewiesen. So habe er etwa angegeben, 

dass er in seinem Dorf keinen Blütenpfeffer gesehen habe, obwohl dieser 

dort grossflächig angebaut werde. Sein Einwand, er habe die Frage miss-

verstanden und gemeint, er müsse beschreiben, wie dieser geerntet 

werde, erweist sich als unbehelflich. Selbst wenn er nie Blütenpfeffer ge-

erntet hätte, wäre zu erwarten gewesen, dass er dies zumindest einmal 

beobachtet hat, da sein Dorf relativ klein ist und er stets dort gelebt haben 

D-2773/2020 

Seite 16 

will. Die unzutreffenden Angaben zum Gemüseanbau und zur Tierhaltung 

verstärken die Zweifel daran, dass er tatsächlich (…) Jahre lang in 

B._______ gelebt habe und in der Landwirtschaft tätig gewesen sein will. 

Sodann wurden dem Beschwerdeführer zwei Klöster genannt, die sich bei 

seinem Dorf befinden. Ungeachtet der Frage, ob diese nun in oder bei 

B._______ liegen, wäre zu erwarten gewesen, dass dem Beschwerdefüh-

rer diese Namen bekannt sind. Hinsichtlich der Bestattungsrituale mag es 

zwar sein, dass er in seinem jungen Alter noch nicht allzu vielen Bestattun-

gen beigewohnt hat. Der Umstand, dass er nur eine einzige von mehreren 

üblichen Formen der Bestattung gekannt hat und ihm insbesondere ein für 

B._______ charakteristischer Brauch unbekannt war, spricht indessen ge-

gen die von ihm geltend gemachte Herkunft. Die Feststellung der sachver-

ständigen Person, dass die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des Be-

schwerdeführers die auf seinem angegebenen biografischen Hintergrund 

basierenden Erwartungen nur teilweise erfüllten, ist daher nachvollziehbar.  

6.5 Sodann weist die Sprache des Beschwerdeführers gemäss der lingu-

istischen Analyse an den Stellen, wo sich der Dialekt von C._______ von 

jenem von Lhasa respektive der exiltibetischen Koine unterscheidet, auf 

allen untersuchten Ebenen ausschliesslich (Morphologie/Morphosyntax 

sowie Lexikon) oder fast ausschliesslich (Phonetik/Phonologie) Gemein-

samkeiten mit dem Dialekt von Lhasa auf. Eigenen Angaben zufolge hielt 

er sich bis zur Ausreise in Tibet auf und er wurde zu Beginn des Lingua-

Telefongesprächs gebeten, seinen Heimatdialekt zu sprechen. Gemäss 

dem Experten seien Einflüsse anderer Varietäten aufgrund des Aufenthalts 

im Exil sowie eine gewisse Akkomodation an die Interviewerin zwar mög-

lich. Bei der von ihm angegebenen Biografie seien jedoch überwiegend 

Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt von C._______ zu erwarten, zumal die 

im Exil verbrachte Zeit relativ kurz sei. Da die Analyse indessen fast aus-

schliesslich Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt von Lhasa feststellt, erfüllte 

die Sprache des Beschwerdeführers die Erwartungen – auch unter Berück-

sichtigung seiner Jugend – nicht. In der Beschwerde wurden diesen Ein-

schätzungen in erster Linie Zweifel an der Fachkunde des Experten sowie 

eine mögliche Anpassung an die Interviewerin entgegengehalten. Diese 

Einwände vermögen jedoch nicht zu überzeugen, da die Qualifikation der 

sachverständigen Person für die Beurteilung der Sprache als ausreichend 

zu erachten ist und diese bei ihrer Analyse einen gewissen Akkomodations-

effekt berücksichtigt hat.  

6.6 Zusammenfassend sind hinsichtlich der durchgeführten Lingua-Ana-

lyse keine Mängel auszumachen, welche Zweifel an deren inhaltlichen 

D-2773/2020 

Seite 17 

Richtigkeit und Vollständigkeit aufkommen liessen und deren (eindeutiges) 

Ergebnis in Frage stellen würden. Der Beschwerdeführer hat zudem völlig 

unsubstanziierte Angaben zu seinen Fluchtgründen gemacht. Vor diesem 

Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass er tatsächlich aus der von 

ihm angegebenen Region stammt und im Dorf B._______ im Kreis 

C._______ sozialisiert worden ist. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet 

weder die geltend gemachten Asylgründe noch die illegale Ausreise aus 

der Volksrepublik China – welchen nach dem Gesagten die Grundlage ent-

zogen ist – als glaubhaft gemacht.  

6.7  

6.7.1 Aufgrund der Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-

von auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der 

Schweiz längere Zeit in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte 

exiltibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordame-

rika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher zu vermuten, dass er in 

Indien oder Nepal aufgewachsen ist beziehungsweise dort während vieler 

Jahre gelebt hat.  

6.7.2 Angesichts dieser Ausgangslage wäre von Bedeutung, ob er über die 

chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaats-

regelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG zur Folge hätte, oder ob er 

die Staatsangehörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, in welchem Fall 

das Vorliegen einer asylrechtlich relevanten Gefährdung im betreffenden 

Staat zu prüfen wäre. 

6.7.3 Der Beschwerdeführer hat – wie bereits vorstehend erwogen – keine 

Identitätspapiere oder anderen Dokumente eingereicht, die Rückschlüsse 

auf seine Staatsangehörigkeit (und damit einen Teilaspekt seiner Identität) 

zuliessen. Da er bis zum Urteilszeitpunkt auch keine Bemühungen auf-

zeigte, entsprechende Beweismittel beizubringen, hat er die ihm gemäss 

Art. 8 AsylG obliegende Mitwirkungspflicht verletzt und dadurch den Behör-

den nähere Abklärungen und eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen 

Herkunftsstaat verunmöglicht. Durch die Verletzung dieser Pflicht verhin-

dert er auch die Abklärung, welchen effektiven Status er in Indien oder Ne-

pal innehat. Er hat die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten und es 

ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder weg-

weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen 

Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 

D-2773/2020 

Seite 18 

6.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaub-

haft zu machen vermag und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden 

kann. Die Vorinstanz hat zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint 

und sein Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer 

verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch 

über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde 

demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 

2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen; die Untersuchungspflicht fin-

det ihre Grenzen aber an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers. 

Es ist nicht Aufgabe der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen 

Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu 

forschen. Vielmehr hat eine asylsuchende Person, welche ihre wahre Her-

kunft verschleiert beziehungsweise verheimlicht, die Folgen ihres Verhal-

tens zu verantworten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass 

keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine 

Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort des Beschwerdeführers, wobei 

insbesondere Nepal oder Indien in Betracht fallen, bestehen (vgl. BVGE 

2014/12 E. 5.10). Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China 

ist im angefochtenen Entscheid (Dispositivziffer 6) ausdrücklich ausge-

schlossen worden. Es obliegt sodann dem Beschwerdeführer, sich bei der 

zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-

digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu 

auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich so-

mit auch als möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete. Eine 

D-2773/2020 

Seite 19 

Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 

Abs. 1-4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfü-

gung vom 9. Juni 2020 wurde ihm jedoch die unentgeltliche Prozessfüh-

rung gewährt. Es ist daher auf die Erhebung von Kosten zu verzichten.  

10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde dem Beschwerdeführer 

MLaw Nora Maria Riss als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Diese 

reichte mit Eingabe vom 14. Januar 2021 eine Kostennote ein, in welcher 

ein Aufwand von zehn Stunden à Fr. 150.– sowie Auslagen für Dolmet-

scherkosten, Kopien und Porti geltend gemacht wurden, insgesamt 

Fr. 1'674.80. Dies ist als angemessen zu erachten und das amtliche Hono-

rar der Rechtsvertreterin ist entsprechend auf diesen Betrag festzusetzen.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2773/2020 

Seite 20 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, MLaw Nora Maria Riss, wird vom Bun-

desverwaltungsgericht ein Honorar in Höhe von Fr. 1'674.80 ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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