# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 883f8259-abe5-5c8a-a290-0a925c8e769c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-12-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.12.2018 E-6097/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6097-2016_2018-12-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6097/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  D e z e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner,    

Gerichtsschreiberin Kinza Attou. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Judith Nydegger, BAS Beratungsstelle für 

Asylsuchende der Region Basel, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 1. September 2016 / N (…). 

 

 

 

E-6097/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer gelangte am 20. Juli 2014 in die Schweiz und er-

suchte am 22. Juli 2014 um Asyl. Am 7. August 2014 wurde er zu seiner 

Person sowie summarisch zum Reiseweg und zu den Gesuchsgründen 

befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 30. Juni 2016 wurde er einläss-

lich zu seinen Asylgründen angehört.  

Anlässlich der beiden Anhörungen zu seinen Gesuchsgründen machte der 

Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei eritreischer Staatsan-

gehöriger tigrynischer Ethnie, christlich-orthodoxen Glaubens und sei in 

B._______, Subzoba C._______, Zoba D._______ geboren und aufge-

wachsen. Er habe bis zum Jahr 2009 die Schule besucht, diese jedoch 

nach der Generalprüfung für den Übertritt in die 9. Klasse abgebrochen, 

weil ihm der Schuldirektor mitgeteilt habe, dass er als nun Volljähriger in 

den eritreischen Nationaldienst aufgefordert werde. In der Folge habe er 

sich aus Angst versteckt gehalten und für eine Zeit eine Abendschule in 

E._______ besucht. Aus familiären Gründen sei er nach etwa fünf Monaten 

zu seiner Familie nach B._______ zurückgekehrt. Er habe sich um seine 

blinden Grosseltern kümmern müssen. Am 21. August 2012 habe er seine 

Frau F._______ geheiratet.  

Schliesslich habe er im Jahr 2012 eine schriftliche Vorladung zum Militär-

dienst erhalten. Er habe dieser Aufforderung Folge geleistet und habe sich 

bei der Verwaltung in G._______ gemeldet. Er habe eine Waffe und ein 

Schreiben erhalten, und sei nach H._______ geschickt worden. Am nächs-

ten Tag sei er dem Camp I._______ zugeteilt worden, wo er eine Ausbil-

dung absolviert habe. Während dieser Ausbildung habe er etwa einen Mo-

nat lang (jeweils am Morgen) ein Schiesstraining absolviert und kaputte 

Häuser sanieren müssen. Nach der Ausbildung sei ihm mitgeteilt worden, 

für welche Tätigkeit er eingesetzt werde. Danach habe er etwa während 

eines Jahres Nationaldienst geleistet. In seiner Einheit habe er im Turnus 

Razzien und Strassenkontrollen durchgeführt oder beim Bau von Schulen 

und eines Staudamms mitgeholfen. Nach etwa einem Jahr, im Februar 

2013, habe er gemeinsam mit zwei anderen Kameraden den Auftrag von 

seinem Vorgesetzten J._______ erhalten, einen Schuldirektor der Schule 

in K._______ festzunehmen. Die Ausführung dieses Auftrages sei ihnen 

aber misslungen, da der Festzunehmende habe fliehen können, woraufhin 

er, der Beschwerdeführer, der Kollaboration bezichtigt und für vier Tage 

verhaftet worden sei. Er sei mit Schlägen bestraft worden und habe dabei 

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schwere Verletzungen an den Füssen erlitten. Nach vier Tagen sei er mit 

der Erlaubnis seines Vorgesetzten nach Hause geschickt worden, um sich 

von seinen Verletzungen zu erholen. Es sei vorgesehen gewesen, dass er 

sich danach wieder melden und in den Dienst einrücken solle. Aus Angst 

vor weiteren Bestrafungen sei er aber nicht mehr zu seiner Einheit zurück-

gekehrt. Stattdessen sei er untergetaucht und habe sich in der Nähe von 

L._______ in der Einöde versteckt gehalten. Während dieser Zeit hätten 

Soldaten von seiner Einheit mehrfach und in unregelmässigen Abständen 

nach ihm gesucht. Als die Militärbehörden im April 2014 begonnen hätten, 

seine Ehefrau unter Druck zu setzen und ihr angedroht hätten, sie seinet-

wegen in Haft zu nehmen, sei er Anfang Mai 2014 illegal von Eritrea nach 

Äthiopien gereist und von dort über den Sudan und Libyen nach Italien in 

die Schweiz gelangt. Bei einer Rückkehr in sein Heimatland befürchte er, 

aufgrund seiner Flucht aus dem eritreischen Nationaldienst inhaftiert zu 

werden. 

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im 

vorinstanzlichen Verfahren seine Identitätskarte, seinen Taufschein sowie 

seine Heiratsurkunde zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 1. September 2016 – eröffnet am 2. September 2016 – 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an. 

C.  

Mit Eingabe vom 3. Oktober 2016 erhob der Beschwerdeführer – handelnd 

durch seine bevollmächtigte Rechtsvertreterin – gegen diesen Entscheid 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Darin wurde beantragt, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigen-

schaft festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei das 

Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen und er sei als Flücht-

ling anzuerkennen. Allenfalls sei die Angelegenheit zur vertieften Sachver-

haltsprüfung möglicher subjektiver Nachfluchtgründe an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Subeventualiter sei die Verfügung aufgrund Unzulässigkeit 

der Praxisänderung bezüglich der subjektiven Nachfluchtgründe an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-Subeventualiter sei die Verfügung aufzu-

heben soweit sie den Vollzug der Wegweisung betreffe und es sei festzu-

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stellen, dass die Wegweisung nicht zumutbar sei und die Vorinstanz anzu-

weisen, den weiteren Aufenthalt nach den Bestimmungen über die vorläu-

fige Aufnahme zu regeln.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses. 

Der Beschwerde beigelegt war ein Arztbericht der Psychiatrie M._______ 

vom 28. September 2016 und eine Fürsorgebestätigung. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. Oktober 2016 hiess der damalige Instrukti-

onsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

E.  

Mit Schreiben vom 3. August 2017 zeigte die unterzeichnende vorsitzende 

Richterin dem Beschwerdeführer den Vorsitzwechsel im vorliegenden Be-

schwerdeverfahren an. 

F.  

Mit Schreiben vom 8. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer drei 

Briefe zu den Akten. Diese würden die engen verwandtschaftlichen Bezie-

hungen zwischen dem Beschwerdeführer und seinen in der Schweiz le-

benden Brüdern respektive zwischen ihm und seiner ebenfalls in der 

Schweiz lebenden Mutter belegen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Vorliegend wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet 

(Art. 111a Abs. 1 AsylG).  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-

satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

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Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der beschwer-

deführenden Person. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus, 

wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der 

gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die 

vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an 

die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.  

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdefüh-

rer habe hinsichtlich der angeblichen erlittenen Verfolgungen in zeitlicher 

und inhaltlicher Hinsicht widersprüchliche Aussagen gemacht. So habe er 

in der BzP ausgeführt, dass er von August 2013 bis März 2014 im Militär 

gewesen sei. In der Anhörung habe er hingegen von einer Zeitspanne zwi-

schen 2012 und 2013 gesprochen. Ob er sich nach seiner Flucht aus dem 

angeblichen Militärdienst noch ein Jahr oder lediglich zwei Monate in Erit-

rea aufgehalten haben soll, sei offensichtlich markant unterschiedlich. Wei-

ter habe sich der Beschwerdeführer nicht nur in Bezug auf seine Aussagen 

in der BzP widersprochen sondern auch während der Anhörung. So habe 

er anfangs vorgebracht, bis Ende 2013 im eritreischen Nationaldienst ge-

wesen zu sein. Später habe er jedoch geltend gemacht, dass er im Februar 

2013 in Haft gekommen und kurz darauf untergetaucht sei. Der Grund sei-

ner Verhaftung sei eine misslungene Verhaftung gewesen. In der BzP habe 

er zum Grund der Verhaftung angegeben, dass ein Kamerad geflohen sei 

und sie diesen hätten zurückbringen sollen. In der Anhörung habe er hin-

gegen davon gesprochen, dass er und zwei Kameraden einen Schuldirek-

tor hätten verhaften sollen. Zudem habe er in der BzP angegeben, dass er 

seine Aufträge vom Leiter des Ältestenrates erhalten habe, der N._______ 

heisse. In der Anhörung habe er hingegen ausgeführt, er habe den Auftrag 

von seinem Vorgesetzten J._______ erhalten. Auf diese Widersprüche an-

gesprochen, habe er rechtfertigend vorgebracht, dass er unmittelbar vor 

der BzP erfahren habe, dass sein Bruder O._______ bei der Flucht aus 

Eritrea gestorben sei. Diese Information habe ihn schockiert und ihn in 

tiefste Trauer versetzt. Zudem sei es an der BzP zu Missverständnissen 

mit dem Dolmetscher gekommen.  

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Weiter habe er hinsichtlich des angeblichen Militärdiensts zweifelhafte Aus-

sagen gemacht. So habe er zu Protokoll gegeben, dass er eine Waffe er-

halten habe. Zu dieser Waffe befragt, habe er zunächst von einer Pistole, 

beziehungsweise von einem Colt gesprochen. Während der Befragung 

habe er eine Skizze von der Waffe gemacht und diese (auf nochmalige 

Nachfrage) als Kalaschnikow bezeichnet. Er habe zudem angegeben, 

nicht zu wissen, wie man eine solche Waffe zerlege. Es liege daher auf der 

Hand, dass er das Geschilderte nicht selbst erlebt habe.  

Sodann ergebe sich auch aus der vom Beschwerdeführer vorgebrachten 

illegalen Ausreise keine asylrelevante Gefährdung. Nach aktuellen Er-

kenntnissen des SEM sei die Behandlung von Rückkehrenden durch die 

eritreischen Behörden hauptsächlich davon abhängig, ob die Rückkehr 

freiwillig oder unter Zwang erfolgt sei, sowie vom Nationaldienst-Status des 

Rückkehrers bei seiner Ausreise. Seine Vorbringen seien nicht glaubhaft. 

Es sei demnach nicht anzunehmen, dass er den Nationaldienst verweigert 

habe oder desertiert sei und damit gegen die „Proclamation on National 

Service“ von 1995 verstossen habe. Den Akten sei auch sonst nichts zu 

entnehmen, wonach er bei einer Rückkehr nach Eritrea ernsthafte Nach-

teile zu gewärtigen hätte. 

5.2 Der Beschwerdeführer bringt im Rahmen seiner Beschwerde vor, die 

Ausführungen der Vorinstanz seien nicht zutreffend. Entgegen der Ansicht 

der Vorinstanz seien die Divergenzen zwischen der BzP und der Anhörung 

nachvollziehbar. Er sei aufgrund der Nachricht vom Tod seines Bruders, 

wovon er am Tag der BzP erfahren habe, sehr verwirrt und erschüttert ge-

wesen. Diesem Umstand und der Tatsache, dass diese Nachricht für ihn 

einen äusserst einschneidenden Moment mit weitreichenden psychischen 

Folgen darstellte, sei entsprechende Bedeutung bei der Bewertung seiner 

Aussagen in der BzP beizumessen, welche im Übrigen in vielen Teilen als 

ungenau und verkürzt zu betrachten seien. Dem in der Anhörung verblei-

benden zeitlichen Widerspruch zum Ende des Militärdienstes sei zudem 

keine Bedeutung zuzumessen, da er die ungenaue Aussage, er habe bis 

Ende 2013 gearbeitet, lediglich einmal in einer zusammenfassenden Er-

zählung gemacht habe und anschliessend immer kohärent gewesen sei. 

Gerade auch vor dem Hintergrund, dass seine Ärztin attestiert habe, dass 

er an einer eingeschränkten Fähigkeit leide, Ereignisse zeitlich korrekt ein-

zuordnen, sei diese kleine Abweichung als vernachlässigbar zu erachten. 

Betreffend der in Frage gestellten Glaubhaftigkeit des Militärdienstes auf-

grund seines beschränkten Wissens zur Waffe, sei anzumerken, dass er 

lediglich ein einmonatiges Schiesstraining erhalten habe, welches jeweils 

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am Morgen stattgefunden habe. Wie bereits an der Anhörung ausgeführt, 

habe ein Grossteil seines Trainings und seiner eigentlichen Aufgaben im 

Nationaldienst aus nicht militärischen Aufgaben bestanden. Das (Nicht-) 

Wissen zur Waffe alleine könne somit nicht den gesamten von ihm geleis-

teten Nationaldienst und seine Flucht in Frage stellen.  

Zudem habe er während seiner ungerechtfertigten viertägigen Verhaftung 

schwere physische Verletzungen an den Füssen erfahren und sich danach 

in unerlaubter Weise dem Nationaldienst entzogen, obschon er sich nach 

seiner Erholung von den Verletzungen wieder bei seiner Einheit hätte mel-

den müssen. Mithin habe er gegen die Proclamation on National Service 

von 1995 verstossen und sei als Deserteur zu betrachten. Gemäss jüngst 

bestätigter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgericht müsse Deser-

teuren das Asyl gewährt werden, da nicht nur eine Haftstrafe, sondern eine 

Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen und Folter drohe (vgl. Ur-

teil D-7857/2015 vom 4. März 2016 E. 7.2.1).  

Weiter stelle sich die Frage, ob die Vorinstanz eine unzulässige Praxisän-

derung bezüglich der illegalen Ausreise vorgenommen habe. Im vorliegen-

den Entscheid habe es die Vorinstanz unterlassen, die Praxisänderung als 

Pilotverfahren anzukündigen und sie nehme auch keinen Bezug auf die 

geltende Praxis, weshalb die Voraussetzungen für einen Praxisänderung 

gemäss BVGE 2010/54 nicht erfüllt seien.   

6.  

6.1 In ihren Erwägungen ist die Vorinstanz zur zutreffenden Erkenntnis ge-

langt, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-

gen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz 

nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Auf die 

zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung 

und die Zusammenfassung in E. 5.1 kann verwiesen werden.  

6.1.1 Es ist bereits fraglich, ob der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise 

aus Eritrea den Militärdienst geleistet hat. Er konnte zwar gewisse Anga-

ben zur militärischen Ausbildung machen und beschreibt die Einteilung und 

die Aufgaben einer Einheit (A26/24, F64 ff., 77 ff., 80.). Doch erweisen sich 

die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Nationaldienst in zeitli-

cher Hinsicht als widersprüchlich. Zum einen führte er in der BzP aus, die-

sen von August 2013 bis März 2014 geleistet zu haben (A4/11 F.7.02 S. 7). 

Demgegenüber machte er in der Anhörung geltend, von Januar 2012 bis 

Ende Februar 2013 im Nationaldienst gewesen zu sein (A26/24 F38-45).  

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6.1.2 Als wesentlich zu erachten ist auch der Widerspruch zum Grund sei-

ner Desertion. So gab der Beschwerdeführer an, er sei in Haft genommen 

worden, nachdem es ihm nicht gelungen sei, einen geflohenen Kameraden 

festzunehmen und zur Einheit zurückzubringen (A4/11 F7.01 S. 6). Dem-

gegenüber führte er anlässlich der Anhörung aus, er sei dazu aufgefordert 

worden, den Schuldirektor des Ortes K._______ festzunahmen, welchem 

jedoch die Flucht gelungen sei, was zu seiner eigenen Inhaftierung geführt 

habe (A26/24 F16, 85 ff.). Konfrontiert mit diesen Widersprüchen konnte 

der Beschwerdeführer diese nicht plausibel auflösen (A26/24 F175-F177). 

Der Einwand des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene, er habe 

Mühe gehabt mit Daten und mit dem Dolmetscher, wirkt nachgeschoben, 

zumal dem Protokoll keine Hinweise auf Verständigungsschwierigkeiten 

entnommen werden können. Der Beschwerdeführer hat sowohl zu Beginn 

als auch vor Abschluss der Befragung die Verständigung mit dem Dolmet-

scher als gut bezeichnet und bestätigt, dass das Protokoll, das ihm auf 

Tigrinya rückübersetzt wurde, seinen Aussagen und der Wahrheit entspre-

che (A26/24 F1; A26/24, S. 22).  

6.1.3 Die aufgezeigten Widersprüche sind als wesentlich zu erachten und 

können schliesslich auch mit der Begründung der vermeintlichen Todes-

nachricht betreffend seinen Bruder nicht erklärt werden, zumal dem Proto-

koll der BzP hierzu keine Anhaltspunkte zu entnehmen sind. An dieser Ein-

schätzung vermögen die Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe, wo-

nach die anlässlich der Befragung protokollierten Aussagen nur summari-

schen Charakter hätten und aufgrund des reduzierten Beweismassstabs 

des Glaubhaftmachens auch bei Zweifeln an deren Richtigkeit eine Ge-

samtwürdigung aller für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Argu-

mente vorzunehmen sei, nichts zu ändern. Zwar trifft es gemäss geltender 

Praxis zu, dass den Aussagen der ersten Befragung aufgrund ihres sum-

marischen Charakters nur ein beschränkter Beweiswert zukommt. Indes-

sen haben die in den vorangehenden Erwägungen aufgeführten Wider-

sprüche gezeigt, dass sich der Beschwerdeführer nicht bei Nebensächlich-

keiten widersprochen hat, sondern dass diese Widersprüche wesentliche 

Aspekte seines Vorbringens betreffen. Unter diesen Umständen sprechen 

die vom späteren Anhörungsprotokoll abweichenden Aussagen trotz des 

summarischen Charakters des Erstprotokolls gegen die Glaubhaftigkeit 

der Aussagen.  

6.1.4 Darüber hinaus hat sich die fehlende Glaubhaftigkeit nicht nur aus 

widersprüchlichen Aussagen ergeben; vielmehr mangelt es den Ausfüh-

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Seite 10 

rungen des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten auch an Sub-

stanz. So sind insbesondere seine Schilderungen zur militärischen Ausbil-

dung und die Angaben zu den benutzten Waffen wenig detailreich ausge-

fallen (A26/24 F61 f., 66). Auffallend in diesem Zusammenhang ist, dass er 

nicht in der Lage war, die wesentliche Zusammensetzung einer Waffe dar-

zulegen (A26/24 F167 ff, 171). Im Sinne einer Gesamtwürdigung ist somit 

festzuhalten, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers einer Prüfung 

der Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten vermögen.  

6.1.5 Bei dieser Sachlage und in Würdigung der gesamten Umstände und 

Vorbringen des Beschwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, 

dass die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Be-

schwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen weiter einzuge-

hen.  

6.2  

6.2.1 Zur illegalen Ausreise des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass, 

wie bereits von der Vorinstanz ausgeführt, gemäss aktueller Praxis im Re-

ferenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 

2017 (vgl. E. 4.6 ff., 5.1 f.) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-

von auszugehen ist, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Aus-

reise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung droht. Nicht asylrelevant ist 

auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den National-

dienst eingezogen wird; ob eine drohende Einziehung in den National-

dienst unter dem Blickwinkel von Art. 3 und Art. 4 EMRK relevant ist, betrifft 

ausschliesslich die Fragen der Zulässigkeit beziehungsweise der Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs. Für die Begründung der Flüchtlingsei-

genschaft im eritreischen Kontext bedarf es neben der illegalen Ausreise 

zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils 

und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr füh-

ren können. 

6.2.2 Gemäss den vorangegangenen Erwägungen vermochte der Be-

schwerdeführer nicht glaubhaft zu machen, dass er aus dem eritreischen 

Nationaldienst desertiert und zuvor inhaftiert worden sei. Andere Anknüp-

fungspunkte, welche ihn in den Augen des eritreischen Regimes als miss-

liebige Person erscheinen lassen könnten, sind ebenfalls nicht ersichtlich. 

Aus diesen Gründen ist der vom Beschwerdeführer vorgebrachten illega-

len Ausreise aus seinem Heimatstaat praxisgemäss keine flüchtlingsrecht-

liche Relevanz beizumessen. 

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Seite 11 

6.2.3 Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-7898/2015 vom 

30. Januar 2017 die Praxisänderung des SEM mittlerweile bestätigt hat, ist 

die Rüge, wonach diese Praxisänderung unzulässig gewesen sei, nun-

mehr obsolet geworden. 

6.3 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, 

eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG beziehungs-

weise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flücht-

lingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Die Vorinstanz hielt in Bezug auf die Zulässigkeit des Wegweisungs-

vollzuges im Wesentlichen fest, im Falle des Beschwerdeführers ergäben 

sich keine Anhaltspunkte, wonach ihm bei einer Rückkehr mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand-

lung drohe. Der Wegweisungsvollzug sei vorliegend auch zumutbar und 

möglich. Insbesondere herrsche heute in Eritrea weder ein Bürgerkrieg 

noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Ebenso wenig lasse die individu-

elle Situation des Beschwerdeführers den Wegweisungsvollzug unzumut-

bar erscheinen. 

8.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe im We-

sentlichen geltend, der Wegweisungsvollzug sei angesichts der ihm in Erit-

rea drohenden Einziehung in den Nationaldienst unzulässig beziehungs-

weise unzumutbar. Er macht insbesondere geltend, der vom SEM ange-

ordnete Vollzug verletze seine durch Art. 3 und 4 EMRK geschützten Men-

schenrechte. Weiter habe es die Vorinstanz komplett unterlassen, individu-

elle Gründe zu prüfen, welche gegen eine Wegweisung nach Eritrea spre-

chen würden. Er leide seit dem Tod seines Bruders an psychischen Prob-

lemen, welche sich in Suizidgedanken äussern würden. Dem im 

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Seite 12 

vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Arztbericht könne entsprechend 

entnommen werden, dass bei ihm eine mittelgradige depressive Episode 

diagnostiziert worden sei. Zudem sei aus den Akten evident, dass sein bis-

heriges familiäres Netzwerk heute in Eritrea nicht mehr existiere. Seine 

Grosseltern, für die er in Eritrea gesorgt habe, seien gestorben und seine 

Frau und sein Kind seien in den Sudan geflüchtet. Er habe den Kontakt zu 

ihnen verloren und ihm sei es bis heute nicht gelungen, den Kontakt wieder 

aufzunehmen. Sein Vater lebe zwar noch in Eritrea, er kenne diesen aber 

kaum, da dieser getrennt von der Mutter gelebt habe und er ohne ihn auf-

gewachsen sei. Zu seiner Mutter P._______, welche in der Schweiz lebe, 

habe er hingegen ein enges Verhältnis. Sie sei eine grosse Unterstützung 

bei der Bewältigung seiner psychischen Probleme. Zudem habe er auch 

zwei Brüder, Q._______ und R._______, die in der Schweiz leben würden. 

8.3 Aufgrund der unglaubhaften Angaben des Beschwerdeführers kann 

letztlich nicht festgestellt werden, ob der Beschwerdeführer seinen Militär-

dienst bereits geleistet hat oder nicht. Er reiste eigenen Angaben zufolge 

im Mai 2014 aus. Mithin wäre er bei Wahrunterstellung des Ausreisezeit-

punktes beim Verlassen des Heimatstaates in einem Alter von 24 Jahren 

gewesen. Ein Ableisten des Militärdienstes oder eine ordentliche Entlas-

sung aus dem Dienst in diesem Alter ist nicht auszuschliessen (vgl. Ent-

scheid des Bundesverwaltungsgerichts D-2311/2016 vom 17. August 2017 

E. 13.2–13.4 [als Referenzurteil publiziert]). Gleichwohl würde auch für den 

Fall, dass der Beschwerdeführer noch keinen Militärdienst geleistet hat, ein 

allenfalls noch drohender Militärdienst keine Vollzugshindernisse begrün-

den. Dies aus den nachfolgenden Gründen:  

9.  

9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

9.2  

9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

E-6097/2016 

Seite 13 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Art. 4 EMRK beinhaltet die 

Verbote der Sklaverei und der Leibeigenschaft (Abs. 1) sowie der Zwangs- 

oder Pflichtarbeit (Abs. 2 und 3). 

9.2.2 Die Vorinstanz hat in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hingewiesen, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refou-

lement nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. 

Da es dem Beschwerdeführer gemäss rechtskräftiger Feststellung der  

Vorinstanz nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 

nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG  

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

9.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich jüngst im Koordinationsent-

scheid E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 (zur Publikation vorgesehen) mit 

der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung angesichts einer dro-

henden Einziehung in den eritreischen Nationaldienst als zulässig qualifi-

ziert werden könne. Dies hat das Gericht nach einer ausführlichen Auswer-

tung der zur Verfügung stehenden Länderinformationen mit den folgenden 

Erwägungen bejaht: 

9.2.3.1 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, 

Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus-

übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse durch den eritreischen Staat 

bezeichnet werden. Zudem kann, auch wenn der Nationaldienst formal 

nicht befristet ist und sich teilweise über Jahre erstreckt, nicht von jenem 

dauerhaften Zustand ausgegangen werden, der für die Annahme von Leib-

eigenschaft vorausgesetzt wäre. Beim eritreischen Nationaldienst handelt 

es sich demnach weder um Sklaverei noch um Leibeigenschaft im Sinn 

von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.4). 

9.2.3.2 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner 

Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte 

Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na-

tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts weder als 

Dienstleistung militärischer Art beziehungsweise Ersatzdienst im Sinne von 

E-6097/2016 

Seite 14 

Art. 4 Abs. 3 Bst. b EMRK noch als "übliche Bürgerpflicht" im Sinne von 

Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstanden werden. Die Bedingungen im Natio-

naldienst sind folglich grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 

Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die Annahme der Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs reicht diese Einschätzung jedoch nicht aus. Viel-

mehr wäre hierfür erforderlich, dass durch die Einziehung in den National-

dienst das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 

EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestimmung 

ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation liegt in-

dessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedrigen Be-

soldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe während 

der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O. E. 6.1 

insbes. 6.1.5). 

9.2.3.3 Ferner befasste sich das Bundesverwaltungsgericht im genannten 

Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea 

aufgrund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit 

einer allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Aus-

reise – eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder 

unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem 

Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun-

gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In-

haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück-

kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, 

selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein 

ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl. 

a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8). 

9.2.4 Nach dem oben Ausgeführten stehen einerseits das Verbot der Skla-

verei und der Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug der Weg-

weisung des Beschwerdeführers auch bei einer anstehenden Einziehung 

in den Nationaldienst nicht entgegen. Andererseits ist aufgrund der verfüg-

baren Quellen auch nicht davon auszugehen, dass generell das ernsthafte 

Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs- und Pflichtarbeit 

während des Nationaldiensts besteht (Art. 4 Abs. 2 EMRK). Zudem lässt 

sich nicht darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück-

kehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach 

Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung zu be-

fürchten hat. 

E-6097/2016 

Seite 15 

9.2.5 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich 

damit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-

mungen – als zulässig. 

9.2.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.2.7 Im Koordinationsurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Refe-

renzurteil publiziert) hat sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Frage 

der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea eingehend aus-

einandergesetzt. Dabei kam es nach Auswertung der zur Verfügung ste-

henden Quellen zum Schluss, dass angesichts der dokumentierten Ver-

besserungen in der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, im Bildungs-

wesen sowie im Gesundheitssystem Eritreas die frühere Praxis, wonach 

eine Rückkehr nur bei begünstigenden individuellen Umständen zumutbar 

ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12), nicht länger berechtigt ist. 

Angesichts der trotzdem noch zu bejahenden schwierigen allgemeinen – 

und insbesondere wirtschaftlichen – Lage des Landes muss bei Vorliegen 

besonderer individueller Umstände aber nach wie vor von einer Existenz-

bedrohung ausgegangen werden. Die Frage der Zumutbarkeit bleibt daher 

im Einzelfall zu beurteilen (vgl. a.a.O. E. 17.2).  

9.2.8 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich sodann im bereits zitierten 

Koordinationsentscheid E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 auch mit der Frage 

befasst, ob der Vollzug der Wegweisung im Falle einer drohenden Einzie-

hung in den eritreischen Nationaldienst als zumutbar zu qualifizieren ist. Es 

stellte fest, dass der drohende Einzug in den eritreischen Nationaldienst 

mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur 

Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss 

Art. 83 Abs. 4 AuG führt (vgl. a.a.O. E. 6.2). 

9.2.9 Der Beschwerdeführer führt in seiner Rechtsmitteleingabe aus, der 

Wegweisungsvollzug sei angesichts seines psychischen Gesundheitszu-

standes unzumutbar. Im vorinstanzlichen Verfahren reichte er einen ent-

sprechenden ärztlichen Bericht der Psychiatrie M._______ vom 28. Sep-

E-6097/2016 

Seite 16 

tember 2016 zu den Akten. Darin wurde bei ihm eine mittelgradige depres-

sive Episode diagnostiziert (ICD-10:F32.1). Seit dem 13. September 2016 

hätten zwei Konsultationen stattgefunden. Gestützt auf die heutige Akten-

lage, ist die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers nicht als 

Wegweisungsvollzugshindernis einzustufen.  

Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen Mann, der die 

Schule bis zur neunten Klasse besuchte, bevor er diese eigenen Angaben 

gemäss abbrach, um seine Grosseltern zu unterstützen (A26/24 F26). Der 

Beschwerdeführer stammt aus B._______, wo er bis im Mai 2014 mit sei-

ner Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn wohnte. Gemäss seinem Vor-

bringen auf Beschwerdeebene, hat er kein familiäres Netzwerk mehr in 

Eritrea. Insbesondere seien seine Grosseltern gestorben und zu seiner 

Frau und seinem Sohn habe er den Kontakt verloren. Auch zu seinem Vater 

habe er keinen Kontakt, da er ohne ihn aufgewachsen sei. Die Glaubhaf-

tigkeit dieser Angaben ist vorliegend zu bezweifeln. In diesem Zusammen-

hang ist festzustellen, dass die Mutter des Beschwerdeführers bereits im 

Jahr (…) in die Schweiz gelangt ist und anlässlich ihrer Befragung im Ok-

tober (…) ausführte, dass der Beschwerdeführer bei seinem Vater auf-

wachse (Dossier N […] act. A1 F11). Auf die Gewährung des rechtlichen 

Gehörs hierzu kann vorliegend jedoch verzichtet werden, da auch bei 

Wahrunterstellung der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht von der 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auszugehen ist. Zwar macht 

der Beschwerdeführer geltend, über keine Ausbildung zu verfügen. Er hat 

aber eigenen Angaben gemäss in den Jahren 2009-2012 seine Grossel-

tern unterstützt (A26/24 F34) und in den Jahren 2013-2014 in der Land-

wirtschaft gearbeitet (A26/24 F47 f.). Die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers zeigen somit, dass er schon vor seiner Ausreise in der Lage war, zur 

Unterstützung seiner Familie beizutragen. Zudem leben seine Mutter, sein 

Bruder Q._______ und sein Halbbruder R._______ in der Schweiz. Diese 

verfügen über einen geregelten Aufenthaltsstatus (Aufenthaltsbewilligung 

B) und der Beschwerdeführer steht mit ihnen in einem engen Kontakt (vgl. 

Beschwerde Ziff. 3.4 32 act. 1, Eingabe vom 8. Oktober 2018 act. 5). Es ist 

davon auszugehen, dass ihn seine in der Schweiz lebenden Verwandten 

im Bedarfsfall bei der Reintegration unterstützen könnten. Besondere indi-

viduelle Umstände, aufgrund derer bei einer Rückkehr nach Eritrea von 

einer existenziellen Bedrohung ausgegangen werden müsste, sind den Ak-

ten letztlich nicht zu entnehmen. Es ist mithin davon auszugehen, dass ihm 

eine soziale und wirtschaftliche Reintegration gelingen wird. Auch in der 

Rechtsmitteleingabe werden keine Umstände geltend gemacht, die im vor-

E-6097/2016 

Seite 17 

liegenden Einzelfall zur Annahme einer existenziellen Gefährdung in sei-

nem Heimatland führen könnten. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich 

demnach nicht als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 

10.  

Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea 

ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr 

steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Weg-

weisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich 

bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr 

notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und 

dazu auch BVGE 2008/34 E. 12).  

Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen 

(Art. 83 Abs. 2 AuG). 

11.  

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. 

Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

12.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

13.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch am 7. Okto-

ber 2016 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG 

gewährt wurde und davon auszugehen ist, dass sich seine finanzielle Situ-

ation nicht massgeblich verändert hat, hat er vorliegend keine Verfahrens-

kosten zu tragen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-6097/2016 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Kinza Attou 

 

 

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