# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b32e928-095b-5cdc-b5ae-0dc83dd0ecc7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.07.2020 B-4720/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-4720-2019_2020-07-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung II 

B-4720/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), 

Richterin Vera Marantelli, Richter David Aschmann, 

Gerichtsschreiberin Hanna Marti Adji. 
 

 
 

Parteien 
 X._______ S.A., 

vertreten durch die Rechtsanwälte 

Dr. Mani Reinert und Dr. Vera Naegeli, 

Beschwerdeführerin, 

 
 

 
gegen 

 
 

Wettbewerbskommission WEKO, 

Sekretariat, 

Vorinstanz. 

 
 

 
 

Gegenstand 
 Beschwerde gegen Nichteintreten auf Anträge 

im Verfahren 32-0224 gegen The Swatch Group AG. 

 

 

 

B-4720/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Wettbewerbskommission WEKO (nachfolgend: Vorinstanz oder 

WEKO) hatte mit Verfügung vom 21. Oktober 2013 eine in Sachen  

"32-0224: Swatch Group Lieferstopp" zwischen dem Sekretariat der 

WEKO (nachfolgend: Sekretariat) und der The Swatch Group AG (nachfol-

gend: Swatch Group) abgeschlossene einvernehmliche Regelung vom 

9. September 2013 (Dispositiv-Ziff. 3) genehmigt. Gleichzeitig stellte sie 

fest, dass die ETA SA Manufacture Horlogère Suisse (nachfolgend: ETA) 

auf dem Markt für mechanische, in der Schweiz hergestellte Swiss Made 

Uhrwerke (Dispositiv-Ziff. 1) und die Nivarox-FAR S.A. (nachfolgend: Ni-

varox) auf dem Markt für mechanische, in der Schweiz hergestellte Assor-

timents (Dispositiv-Ziff. 2) eine marktbeherrschende Stellung innehaben. 

B.  

Mit Schreiben vom 13. November 2018 zeigte das Sekretariat im Einver-

nehmen mit dem Präsidenten der Vorinstanz die Eröffnung eines Verfah-

rens nach Art. 30 Abs. 3 KG an. Es publizierte die Verfahrenseröffnung im 

Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) und im Bundesblatt (BBl) vom 

20. November 2019 (vgl. auch BBl 2018 7147 f.) mit der Begründung, es 

bestünden Anhaltspunkte dafür, dass ab dem Jahr 2020 nicht in ausrei-

chendem Masse alternative Bezugsquellen vorhanden sein könnten, um 

die Nachfrage der Uhrenhersteller nach mechanischen Uhrwerken bedie-

nen zu können. In diesem (neuen) Verfahren würden die aktuellen Markt- 

und Wettbewerbsverhältnisse geprüft, um beurteilen zu können, ob sich 

die Anhaltspunkte erhärteten und allenfalls ein Widerruf oder eine Ände-

rung des WEKO-Entscheids in Erwägung zu ziehen sei. 

C.  

Wie bereits im ersten Untersuchungsverfahren wurde der Beschwerdefüh-

rerin auch in diesem neuen, unter der alten Verfahrensnummer 32-0224 

laufenden Verfahren "Swatch Group Lieferstopp / Ablauf Lieferverpflich-

tung" Parteistellung im Sinne von Art. 6 des Verwaltungsverfahrensgeset-

zes (VwVG, SR 172.021) gewährt. 

D.  

Mit der Eingabe vom 22. März 2019 stellte die Beschwerdeführerin u.a. die 

folgenden Anträge (Anträge 1.1., 1.3. - 1.5.): 

B-4720/2019 

Seite 3 

"1. Die einvernehmliche Regelung mit The Swatch Group AG sei auf unbe-

stimmte Zeit zu verlängern und es seien darin folgende zusätzliche Verpflich-

tungen aufzunehmen: 

1.1. Nivarox-FAR SA sei zu verpflichten, X._______ uneingeschränkt mit 

Assortiments jeder Referenz und Technologie zu beliefern; dies beinhaltet ins-

besondere auch die Annahme und Durchführung neuer Entwicklungsaufträge 

von X._______ sowie die Belieferung von X._______ mit Assortiments bzw. 

deren Bestandteilen aller neuen Technologien (wie z.B. Spiralfedern aus Sili-

zium oder Titan/Nivachron)." 

"1.3. Nivarox-FAR S.A., The Swatch Group AG sowie allen mit The Swatch 

Group AG im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VKU verbundenen Gesellschaften sei zu 

verbieten, X._______ gegenüber Dritten und gegenüber mit The Swatch 

Group AG im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VKU verbundenen Gesellschaften zu 

diskriminieren. Als diskriminierend gilt dabei insbesondere jede der folgenden 

Verhaltensweisen: Verweigerung der Belieferung mit Produkten, die an an-

dere Dritte oder an mit The Swatch Group AG im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VKU 

verbundene Gesellschaften geliefert werden, Anwendung unterschiedlicher 

Geschäftsbedingungen oder Preise im Verhältnis zu Dritten oder zu mit The 

Swatch Group AG im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VKU verbundenen Gesellschaf-

ten. 

1.4. Nivarox-FAR S.A., The Swatch Group AG sowie allen mit The Swatch 

Group AG im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VKU verbundenen Gesellschaften sei zu 

verbieten, die Lieferung von Assortiments oder mechanischen Uhrwerken an 

Dritte an den Bezug anderer Produkte zu koppeln. 

1.5. Nivarox-FAR S.A., The Swatch Group AG sowie allen mit The Swatch 

Group AG im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VKU verbundenen Gesellschaften sei zu 

verbieten, von X._______ unangemessene Geschäftsbedingungen und 

Preise zu verlangen." 

Sie wiederholte diese mit Eingabe vom 19. Juni 2019 unter Antrag 2 als 

Eventualbegehren (als Anträge 2.1., 2.3. - 2.5.): 

"2. […] The Swatch Group AG und den mit ihr im Sinne von Art. 5 Abs.1 VKU 

verbundenen Gesellschaften seien auf unbestimmte Zeit folgende Verpflich-

tungen aufzuerlegen: 

[…]" 

und mit Eingabe vom 16. Juli 2019 ergänzte die Beschwerdeführerin diese 

Anträge mit einem zusätzlichen Hauptantrag unter Ziff. 1 (Antrag 1.5a) und 

wiederholte diesen zusätzlichen Antrag als Eventualantrag unter Ziff. 2 (als 

Antrag 2.5a.): 

"1.5a. Ohne die Geltung der übrigen Bestimmungen einzuschränken gilt im 

Bereich Nachverkaufsservice (Service Après-Vente) Folgendes: Zur Erfüllung 

des Nachverkaufsservice bieten ETA SA Manufacture Horlogère Suisse und 

Nivarox-FAR S.A. zusätzlich Verschleissteile mechanischer Uhrwerke und 

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Seite 4 

Assortiments im Umfang von jährlich bis zu 10% der durchschnittlich pro Jahr 

in den Jahren 2009-2011 effektiv gelieferten Menge an." 

E.  

Mit Schreiben vom 9. August 2019 bestätigte das Sekretariat der Be-

schwerdeführerin, dass ein Teil ihrer gestellten Anträge betreffend Nivarox 

resp. die Lieferung von Assortiments vom Gegenstand des laufenden Ver-

fahrens nach Art. 30 Abs. 3 KG nicht erfasst würden und auf diese in Bezug 

auf Nivarox nicht eingetreten würde (Anträge 1.1 und 2.1 sowie 1.3, 1.4, 

1.5., 1.5a, 2.3, 2.4, 2.5a). Darüber hinaus werde auf die Anträge der Be-

schwerdeführerin nur insoweit eingetreten, als sie die ETA und die Liefe-

rung von mechanischen Uhrwerken beträfen. 

F.  

Mit Eingabe vom 16. September 2019 hat die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde mit folgenden Rechtsbegehren er-

hoben: 

"1. Es sei festzustellen, dass die Verfügung des Sekretariats vom 9. August 

2019 nichtig ist. 

2. Eventualiter: Die Verfügung des Sekretariats sei aufzuheben und das Sek-

retariat sei anzuweisen, auf die in den Eingaben vom 22. März 2019, 19. Juni 

2019 und 16. Juli 2019 der Beschwerdeführerin gestellten Anträge 1.1 und 2.1 

sowie auf die Anträge 1.3, 1.4, 1.5, 1.5a, 2.3, 2.4, 2.5 und 2.5a auch in Bezug 

auf Nivarox-FAR SA einzutreten und diesbezüglich an die Wettbewerbskom-

mission in der Sache materiell Antrag gemäss Art. 30 Abs. 1 KG zu stellen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 4. Dezember 2019 hat die Vorinstanz folgende 

Anträge gestellt:  

"1. Auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. 

2. Eventualiter: Soweit Antrag 1 abgelehnt wird, sei die Beschwerde abzuwei-

sen. 

– unter Kostenfolgen zu Lasten der Beschwerdeführerin –". 

 

  

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-

nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-

schwerde einzutreten ist (BVGE 2007/6 E. 1 m.H.). 

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden 

Beschwerde grundsätzlich sachlich zuständig (Art. 39 des Kartellgesetzes 

vom 6. Oktober 1995 [KG, SR 251] i.V.m. Art. 33 Bst. f des Verwaltungsge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] und Art. 1 Abs. 1 und 

2 Bst. d des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 

[VwVG, SR 172.021]). 

1.2 Nach Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht als Be-

schwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG 

(vgl. auch Art. 44 VwVG). Art. 33 VGG bezeichnet weitere Beschwerde-

möglichkeiten in vorliegend nicht einschlägigen Spezialfällen. Das für das 

Bundesverwaltungsgericht nach Art. 37 VGG und Art. 2 Abs. 4 VwVG 

massgebende Verwaltungsverfahrensgesetz findet im Kartellrecht Anwen-

dung, soweit das Kartellgesetz nicht davon abweicht (Art. 39 KG). 

Anfechtungsgegenstand ist das Schreiben des Sekretariats vom 9. August 

2019, mit dem dieses auf einen Teil der Anträge der Beschwerdeführerin 

nicht eingetreten ist. Vorliegend ist umstritten, ob überhaupt ein taugliches 

Anfechtungsobjekt vorliegt. Als erstes stellt sich die Frage, ob es sich beim 

Schreiben des Sekretariats vom 9. August 2019 um eine Verfügung im 

Sinne von Art. 5 VwVG handelt (nachfolgend, E. 2).  

2.  

Die Beschwerdeführerin erklärt, das Schreiben des Sekretariats vom 

9. August 2019 erfülle alle materiellen Merkmale einer Verfügung nach 

Art. 5 VwVG. Es handle sich um eine verbindliche behördliche Anordnung, 

die individuell-konkret gegenüber der Beschwerdeführerin ergangen sei 

und mit der gestützt auf öffentliches Recht des Bundes, namentlich das 

Kartellgesetz, ein Rechtsverhältnis geregelt werden solle, indem das Sek-

retariat auf Begehren der Beschwerdeführerin nicht eintrete. 

2.1 Die Vorinstanz bestreitet, dass es sich beim Schreiben des Sekretariats 

vom 9. August 2019 um eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG handelt. 

Mit dem Schreiben habe die Vorinstanz – mit Blick auf den Verfahrensge-

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Seite 6 

genstand des laufenden Verfahrens – einzig ihre Sichtweise bekundet, wo-

nach sie sich im Rahmen des laufenden Verfahrens nicht inhaltlich mit den 

Vorwürfen betreffend Assortiments und Nivarox zu befassen habe. Das 

Schreiben des Sekretariats sei mithin nicht auf die Regelung eines Rechts-

verhältnisses gerichtet gewesen, sondern habe der Information gedient, 

dass das Sekretariat als Untersuchungsbehörde davon ausgehe, dass die 

Vorwürfe der Beschwerdeführerin betreffend den Bereich Assortiments/Ni-

varox nicht vom Untersuchungsgegenstand des laufenden Verfahrens er-

fasst seien. Es handle sich also um eine blosse Mitteilung, der ein Rege-

lungscharakter weder innewohne noch innewohnen solle. 

2.2 Als Verfügungen gelten gemäss Art. 5 Abs. 1 VwVG Anordnungen der 

Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen 

und zum Gegenstand haben: Begründung, Änderung oder Aufhebung von 

Rechten oder Pflichten (Bst. a); Feststellung des Bestehens, Nichtbeste-

hens oder Umfanges von Rechten und Pflichten (Bst. b); Abweisung von 

Begehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von 

Rechten und Pflichten oder das Nichteintreten auf ein solches Begehren 

(Bst. c). Als Verfügungen gelten mithin autoritative, einseitige, individuell-

konkrete Anordnungen der Behörde, die in Anwendung von Bundesverwal-

tungsrecht ergangen, auf Rechtswirkungen ausgerichtet sowie verbindlich 

und erzwingbar sind (BGE 139 V 72 E. 2.2.1; 135 II 38 E. 4.3 m.H.; BVGE 

2009/43 E. 1.1.4; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-

recht, 7. Aufl., 2016, Rz. 849 ff.). Diese vorgenannten Strukturmerkmale 

bzw. Elemente des Verfügungsbegriffs müssen kumulativ erfüllt sein 

(BENOÎT BOVAY, Procédure administrative, 2. Aufl. 2015, S. 329 f.; TSCHAN-

NEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 

Rz. 17; FELIX UHLMANN, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskom-

mentar VwVG [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG], 2. Aufl. 2016, Art. 5 

N 17). Allerdings ist einer Verfügung die Rechtswirksamkeit inhärent, wes-

halb den Merkmalen der Verbindlichkeit und Erzwingbarkeit regelmässig 

keine selbstständige Bedeutung zukommt (Urteil des BGer 2C_1184/2013 

vom 17. Juli 2014 E. 2.1 m.H.). Das Verfahrensstadium, in welchem ein 

Verwaltungsakt ergeht, präjudiziert dessen rechtliche Einordnung nicht (Ur-

teil des BGer 2C_1097/2014 vom 6. Oktober 2015 E. 3.1 m.H.). Art. 5 

Abs. 2 VwVG dehnt den Verfügungsbegriff aus auf Vollstreckungsverfü-

gungen (Art. 41 Abs. 1 Bst. a und b VwVG), Zwischenverfügungen (Art. 45 

und Art. 46 VwVG), Einspracheentscheide (Art. 30 Abs. 2 Bst. b und Art. 74 

VwVG), Beschwerdeentscheide (Art. 61 VwVG), Entscheide im Rahmen 

einer Revision (Art. 68 VwVG) und die Erläuterung (Art. 69 VwVG). Ferner 

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gelten Wiedererwägungen bzw. Abweisungen von Wiedererwägungsgesu-

chen, Verfügungen über einen Realakt (Art. 25a Abs. 2 VwVG) sowie Dis-

ziplinarentscheide nach Art. 60 VwVG als Verfügungen. Vom Verfügungs-

begriff erfasst sind naturgemäss auch Teilverfügungen, die ein Verfahren 

für einen bestimmten Teil abschliessen. Nicht als Verfügungen gelten na-

mentlich Erklärungen von Behörden über die Ablehnung oder Erhebung 

von Ansprüchen, die auf dem Klageweg zu verfolgen sind (Art. 5 Abs. 3 

VwVG). 

Vom Verfügungsbegriff zu trennen ist die Frage nach der Form der Verfü-

gung. Art. 34 f. VwVG schreiben den in Anwendung von Bundesverwal-

tungsrecht handelnden Behörden vor, dass Verfügungen als solche zu be-

zeichnen und den Adressaten schriftlich, begründet und mit einer Rechts-

mittelbelehrung versehen zu eröffnen sind. Formfehler führen grundsätz-

lich nicht zum Wegfall des Verfügungscharakters; die Formvorschriften 

sind nicht Voraussetzung, sondern Folge der Verfügung. Massgebend ist 

ein materieller Verfügungsbegriff, d.h. der tatsächliche rechtliche Gehalt 

(BGE 132 V 74 E. 2 m.H.; BVGE 2015/15 E. 2.1.2.1 in fine; HÄFELIN/MÜL-

LER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 872; FELIX UHLMANN, in: Praxiskommentar 

VwVG, Art. 5 N. 17, 131 f.). Eine Verfügung liegt folglich vor, wenn eine 

Verwaltungshandlung die vom Verfügungsbegriff geforderten Struktur-

merkmale (vgl. oben) aufweist (BVGE 2016/20 E. 1.2.1 m.H.; Urteil des 

BVGer B-198/2014 vom 5. November 2014 E. 2.3.2 m.H., bestätigt in Urteil 

des BGer 2C_1097/2014 vom 6. Oktober 2015, vgl. insb. E. 3.1). 

2.3 Zu prüfen ist somit, ob das angefochtene Schreiben des Sekretariats 

an die Beschwerdeführerin die Elemente bzw. Strukturmerkmale des Ver-

fügungsbegriffs erfüllt. 

Vorliegend kann nicht bezweifelt werden, dass das Sekretariat hoheitlich, 

einseitig, individuell-konkret – d.h. auf die Beschwerdeführerin bezogen – 

und in Anwendung von Bundesverwaltungsrecht gehandelt hat. Indem das 

Sekretariat mit seinem Schreiben vom 9. August 2019 bestätigte, dass auf 

gewisse Anträge der Beschwerdeführerin nicht eingetreten werde, traf es 

als Behörde eine einseitige Anordnung im Einzelfall, die sich auf öffentli-

ches Recht des Bundes stützt.  

Für die Qualifikation des Schreibens des Sekretariats als Verfügung ist 

folglich ausschlaggebend, ob es sich dabei um einen verbindlichen und 

erzwingbaren, mithin auf das Erzielen von Rechtswirkungen ausgerichte-

ten Akt handelt. 

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Ein Rechtsverhältnis liegt vor, wenn die Anordnung einer Behörde auf die 

Herbeiführung eines rechtlichen Erfolgs im Verhältnis zwischen Staat und 

Bürger gerichtet ist (vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 28 

Rz. 16 f. und 19 ff.). Die Ausrichtung auf Rechtswirksamkeit unterscheidet 

die Verfügung einerseits von solchem tatsächlichem oder informellem Ver-

waltungshandeln, das nicht auf einen rechtlichen, sondern auf einen tat-

sächlichen Erfolg abzielt (BGE 130 I 369 E. 6.1), indessen ausnahmsweise 

gleichwohl die Rechtsstellung von Privaten beeinträchtigen kann 

(BGE 138 I 6 E. 1.2; 130 I 369 E. 6.1; Urteil des BGer 2C_1097/2014 vom 

6. Oktober 2015 E. 3.1 m.w.H.). Mangels autoritativer Anordnung ebenfalls 

nicht auf Rechtswirksamkeit ausgerichtet und damit keine Verfügung ist 

andererseits das rechtsunverbindliche Handeln einer Behörde (FELIX UHL-

MANN, in: Praxiskommentar VwVG, Art. 5 N. 97 f.; HÄFELIN/MÜLLER/UHL-

MANN, a.a.O., Rz. 847, 868 ff. und 873 ff.; MÜLLER, in: Auer/Müller/Schind-

ler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren 

[VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 5 N. 28 sowie DERS., in: 1. Aufl. 2008, Art. 5 

N. 13), wobei aber auch dieses unter Umständen eine Beeinträchtigung 

der Rechtsstellung des Betroffenen zur Folge haben kann (BGE 103 Ib 350 

E. 2) 

Die Regelung eines Rechtsverhältnisses ist darin zu sehen, dass das Sek-

retariat im Schreiben vom 9. August 2019 durch die Darstellung seiner 

Rechtsauffassung die Zulässigkeit der Anträge im laufenden Verfahren ver-

neinte. Verbindlich ist das Schreiben insofern, als das Sekretariat damit 

festlegte, auf die Anträge der Beschwerdeführerin im laufenden Verfahren 

nicht einzutreten. Sie hat damit der Beschwerdeführerin das Recht abge-

sprochen, die gestellten Anträge im laufenden Verfahren prüfen zu lassen. 

Dabei ist für die Qualifizierung als Verfügung unerheblich, wie nach Auffas-

sung des Sekretariats oder nach Auffassung der Vorinstanz mit den Anträ-

gen zu verfahren wäre. Dass gemäss Rechtsprechung kein Anspruch auf 

Eröffnung einer Untersuchung besteht, die Eröffnung oder Nichteröffnung 

einer Untersuchung unmittelbar keine Rechte und Pflichten begründet, 

sondern nur eine Vorstufe zum Entscheid der WEKO darstellt und daher 

keine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG bildet, ist ebenfalls irrelevant 

(vgl. dazu BGE 135 II 60 E. 3.1.2; ZIRLICK/TAGMANN, in: Amstutz/Reinert 

[Hrsg.], Basler Kommentar, Kartellgesetz [nachfolgend: BSK-KG], 2010, 

Art. 27 N. 66 ff. und 72 ff. m.w.H.; JOACHIM FRICK, in: Baker & McKenzie 

[Hrsg.], Kartellgesetz, 2007, Art. 27 N. 2 ff.; IZUMI/BAUR, in: Zäch et al. 

[Hrsg.], Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschrän-

kungen, Kommentar [nachfolgend: DIKE-KG], 2018, Art. 27 N. 30 f.). Denn 

darum geht es – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – vorliegend 

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Seite 9 

nicht. Mit Schreiben vom 9. August 2019 hat das Sekretariat in einem lau-

fenden Verfahren in Bezug auf materielle Anträge einer Partei ein Nichtein-

treten verfügt. Somit sind die Strukturmerkmale des Verfügungsbegriffs er-

füllt. 

2.4 Wie bereits erwähnt, ist die Frage nach der Form der Verfügung vom 

Verfügungsbegriff zu trennen. Nach Art. 34 Abs. 1 VwVG hat die Verfü-

gungseröffnung grundsätzlich schriftlich zu erfolgen. Daneben sind Verfü-

gungen gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG als solche zu bezeichnen, zu begrün-

den und mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen. Dazu kommt 

schliesslich die Bezeichnung der verfügenden Behörde und des Adressa-

ten sowie die Formulierung eines Dispositivs (vgl. TSCHANNEN/ZIM-

MERLI/MÜLLER, a.a.O., § 29 Rz. 10; BENOÎT BOVAY, Procédure administra-

tive, 2. Aufl. 2015, S. 362 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 871). 

Werden die Formvorschriften des VwVG nicht eingehalten, so liegt ein Er-

öffnungsmangel vor. Aus einer mangelhaften Eröffnung darf den Parteien 

kein Nachteil erwachsen (Art. 38 VwVG). Formfehlerhafte Verfügungen 

sind anfechtbar, in seltenen Fällen gar nichtig. Eine mit formellen Mängeln 

behaftete Verfügung bleibt aber – abgesehen vom seltenen Fall der Nich-

tigkeit – eine Verfügung (BVGE 2015/15 E. 2.1.2.1 in fine; TSCHANNEN/ZIM-

MERLI/MÜLLER, a.a.O., § 28 Rz. 18; FELIX UHLMANN, in: Praxiskommentar 

VwVG, Art. 5 N. 132). Hat die Verfügung trotz ihres Mangels den Zweck 

erfüllt – das heisst dem Betroffenen ist kein Nachteil aufgrund des Form-

fehlers entstanden – so bleiben die Formfehler folgenlos, da sich der Sinn 

des Formzwanges im Schutz des Betroffenen gemäss Art. 38 VwVG er-

schöpft (Urteil des BVGer A-3766/2012 vom 5. August 2013 E. 1.4.3; 

TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 29 Rz. 2 und 20). 

Beim vorliegenden Schreiben fehlen die Bezeichnung als Verfügung und 

eine Rechtsmittelbelehrung. Hingegen beinhaltet das Schreiben, wenn 

auch nicht als solches benannt, ein Dispositiv, worin das Nichteintreten auf 

Anträge im laufenden Verfahren unmissverständlich bestätigt wird. Zudem 

hat das Sekretariat seine Rechtsauffassung betreffend Begründung des 

Nichteintretens relativ ausführlich dargelegt. Damit weist das Schreiben 

des Sekretariats in Verletzung von Art. 35 VwVG als Verfügung zwar klare 

formelle Mängel auf. Diese sind indessen nicht als gravierend zu erachten. 

Es ist davon auszugehen, dass die formellen Mängel keinen Nachteil für 

die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin bewirkten. Sie hat das 

Schreiben trotz Mangelhaftigkeit rechtzeitig als Verfügung angefochten. 

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Seite 10 

Aufgrund der Begründung waren ihr zudem die Argumente des Sekretari-

ats ausreichend bekannt, so dass sie diesen in der Beschwerde entgegnen 

konnte. 

2.5 Nachdem zu bejahen ist, dass das Schreiben vom 9. August 2019 

grundsätzlich eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG darstellt, wird 

nachfolgend festzustellen sein, um welche Art von Verfügung es sich han-

delt, (E. 3) bevor zu prüfen ist, ob diese rechtswirksam erlassen wurde 

(E. 4). 

3.  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Verfügung des Sekretariats sei 

nichtig. Diese sei von einer funktionell unzuständigen Behörde erlassen 

worden. Negative Entscheide, mit denen ein Begehren definitiv abgelehnt 

werden solle, seien als Endentscheide zu qualifizieren, die gemäss Art. 44 

VwVG der Beschwerde unterliegen würden. Mit einem Teilentscheid werde 

über eines oder mehrere Rechtbegehren abschliessend befunden. Mit der 

angefochtenen Verfügung entscheide das Sekretariat abschliessend, näm-

lich mit einem Nichteintretensentscheid, über Anträge der Beschwerdefüh-

rerin betreffend Nivarox und Assortiments. Es liege somit ein anfechtbarer 

Teilentscheid vor. 

3.1 Die Vorinstanz erklärt, die Voraussetzungen von Art. 46 VwVG seien 

nicht erfüllt, selbst wenn das Schreiben vom 9. August 2019 als «Verfü-

gung» zu qualifizieren wäre. Sie erklärt, das Schreiben sei als Zwischen-

verfügung im Sinne von Art. 46 VwVG und nicht als Teilentscheid zu quali-

fizieren. Denn mit der vorliegenden «Verfügung» würde nicht ein «Verfah-

ren beendet», sondern es würde abgelehnt, das laufende Verfahren aus-

zudehnen. 

3.2 Das Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVG) nennt Verfügungen (Art. 44 

VwVG) und Zwischenverfügungen (Art. 46 VwVG) ohne die möglichen Ar-

ten von Entscheiden zu definieren. Für die Bestimmung der Art einer Ver-

fügung, die einen Einfluss auf die Zuständigkeit wie auch die Anfechtbar-

keit hat, ist das Bundesgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (BGG, 

SR 173.110), analog beizuziehen, das zwischen End-, Teil- sowie Vor- und 

Zwischenentscheiden unterscheidet (Art. 90 bis 93 BGG; vgl. auch 

BGE 138 V 106 E. 1.1). 

3.2.1 Endentscheide bzw. Endverfügungen schliessen ein Verfahren – vor-

behältlich des Weiterzugs an eine höhere Instanz – ganz ab, indem in der 

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Seite 11 

Sache oder über eine prozessuale Frage (Nichteintreten, Abschreibung) 

abschliessend entschieden wird (UHLMANN/WÄLLE-BÄR, in: Praxiskom-

mentar VwVG, Art. 44 N 19; vgl. zu Art. 90 BGG: BGE 134 I 83 E. 3.1; 

133 V 477 E. 4.1.1 m.H.; NICOLAS VON WERDT, in: Seiler et al. [Hrsg.], Bun-

desgerichtsgesetz [BGG], Handkommentar [nachfolgend: SHK-BGG], 

2. Aufl. 2015, Art. 90 N. 4 m.H.; BERNARD CORBOZ, in: Corboz et al. [Hrsg.], 

Commentaire de la LTF [nachfolgend C-LTF], 2. Aufl. 2014, Art. 90 N. 9). 

3.2.2 Wird bloss über einen Teil der gestellten materiellrechtlichen Begeh-

ren oder des Streitgegenstands entschieden oder wird das Verfahren le-

diglich für einen Teil der Verfahrensbeteiligten abgeschlossen, liegt ein Teil-

entscheid bzw. eine Teilverfügung vor (UHLMANN/WÄLLE-BÄR, in: Praxis-

kommentar VwVG, Art. 44 N. 21; vgl. auch Art. 91 BGG). Der Teilentscheid 

bzw. die Teilverfügung ist eine Variante des Endentscheids (vgl. zu Art. 91 

BGG: BGE 134 III 426 E. 1.1; 133 V 477 E. 4.1.2 m.w.H.; FELIX UHLMANN, 

in: Niggli et al. [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz [nachfol-

gend: BSK-BGG], 3. Aufl. 2018, Art. 91 N. 1, 3 und 7; BERNARD CORBOZ, 

in: C-LTF, Art. 91 N. 9 ff. und N. 20 ff.; NICOLAS VON WERDT, in: SHK-BGG, 

Art. 91 N. 3 f. m.H.). 

In einer Teilverfügung wird – vorbehältlich des Weiterzugs an eine höhere 

Instanz – abschliessend über die behandelten Rechte und Pflichten ent-

schieden (BENOÎT BOVAY, Procédure administrative, 2. Aufl. 2015, S. 357 f.; 

KIENER ET AL., Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, N. 449). Ein Teil-

entscheid bzw. eine Teilverfügung erwächst mithin in materielle Rechts-

kraft. Diese kann und muss sofort angefochten werden; eine spätere An-

fechtung ist ausgeschlossen. Negative Entscheide, mit denen ein Begeh-

ren definitiv abgelehnt wird, sind im Allgemeinen als Endentscheide bzw. 

Endverfügungen zu qualifizieren (vgl. zu Art. 91 BGG: BGE 135 III 212 

E. 1.2.3; BERNARD CORBOZ, in: C-LTF, Art. 91 N. 17). 

3.2.3 Zwischenentscheide bzw. Zwischenverfügungen werden demgegen-

über als Zwischenschritt im Verfahren auf dem Weg zu einem Endent-

scheid erlassen; sie dienen als organisatorisches Instrument lediglich der 

Verfahrensführung (BENOÎT BOVAY, Procédure administrative, 2. Aufl. 2015, 

S. 358 ff.; KAYSER/PAPADOPOULOS/ALTMANN, in: Auer/Müller/Schindler 

[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 

2. Aufl. 2019, Art. 45 N. 5). Zwischenentscheide bzw. Zwischenverfügun-

gen schliessen das Verfahren nicht ab und qualifizieren weder als Teil- 

noch als Endentscheid i.S.v. Art. 90 f. BGG. Sie können prozessuale An-

B-4720/2019 

Seite 12 

ordnungen enthalten oder materiell-rechtlicher Natur sein. Materiell-recht-

liche Grundsatzentscheide, die einen Teilaspekt einer Streitsache, 

z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen, 

beantworten und früher in der verwaltungsrechtlichen Praxis des Bundes-

gerichts als (Teil-)Endentscheide betrachtet wurden, gelten nach der ge-

setzlichen Systematik nicht als Teil-, sondern als materiell-rechtliche Zwi-

schenentscheide bzw. Zwischenverfügungen. Sie brauchen nicht bereits 

nach ihrem Erlass, sondern können nach Art. 46 Abs. 2 VwVG noch mit 

Beschwerde gegen den Endentscheid angefochten werden, soweit sie sich 

auf dessen Inhalt auswirken (Urteil des BVGer A-3505/2011, A-3516/2011 

vom 26. März 2012 E. 7.2 m.w.H.; UHLMANN/WÄLLE-BÄR, in: Praxiskom-

mentar VwVG, Art. 44 N. 22; zu Art. 93 BGG vgl. auch: BGE 136 II 165 

E. 1.1; 133 V 477 E. 4.1.3 m.H. auf teilweise abweichende Lehrmeinungen; 

FELIX UHLMANN, in: Niggli et al. [Hrsg.], in: BSK-BGG, Art. 92 N. 3 ff. und 

Art. 93 N. 27; NICOLAS VON WERDT, in: SHK-BGG, Art. 93 N. 2 ff.).  

In einem materiellen Zwischenentscheid bzw. einer Zwischenverfügung 

wird vorweg bloss eine Teilfrage beantwortet, ohne dass bereits materielle 

Rechte oder Pflichten abgeurteilt würden (vgl. zu Art. 93 BGG: BGE 134 II 

137 E. 1.3.2; KIENER ET AL., Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, 

N. 452; BERNARD CORBOZ, in: C-LTF, Art. 93 N. 11a ff.). 

3.3 Vorliegend hat das Sekretariat in seinem Schreiben vom 9. August 

2019 klar und unmissverständlich festgehalten, dass es auf Anträge der 

Beschwerdeführerin im laufenden Verfahren nicht eintrete. Das Nichtein-

treten betrifft namentlich Anträge zu Handlungsverpflichtungen der Nivarox 

gegenüber der Beschwerdeführerin. Unbesehen dessen, ob die Anträge 

der Beschwerdeführerin als Partei des vorinstanzlichen Verfahrens zuläs-

sig sind oder nicht und wie damit zu verfahren ist, hat das Sekretariat mit 

dem Schreiben im hängigen Verfahren definitiv bzw. abschliessend über 

diese materiellen Begehren entschieden. Folglich ist das Schreiben ohne 

weiteres als Teilentscheid bzw. Teilverfügung im Sinne von Art. 44 VwVG 

und Art. 91 BGG zu qualifizieren und nicht – wie von der Vorinstanz geltend 

gemacht – als Zwischenverfügung im Sinne von Art. 46 VwVG und Art. 93 

BGG. 

4.  

Die Beschwerdeführerin führt aus, einen Nichteintretensentscheid im Rah-

men eines Untersuchungsverfahrens hätte gemäss dem Kartellgesetz die 

Wettbewerbskommission fällen müssen. Nur diese sei Entscheidungsor-

gan und kompetent, eine eröffnete Untersuchung mit Verfügung ganz oder 

B-4720/2019 

Seite 13 

teilweise förmlich zu beenden. Mangels Zuständigkeit und allgemeiner Ent-

scheidungsgewalt des Sekretariats erweise sich dessen Verfügung vom 

9. August 2019 bezüglich des Nichteintretens auf bestimmte Anträge der 

Beschwerdeführerin betreffend Nivarox und Assortiments als nichtig. Die 

Nichtigkeit gefährde die Rechtssicherheit nicht, insbesondere, weil die Ver-

fügung innerhalb der Beschwerdefrist angefochten worden sei. Die feh-

lende Zuständigkeit des Sekretariats sei angesichts des klaren Gesetzes-

wortlauts auch leicht erkennbar. 

4.1 Die Vorinstanz bringt vor, falls das Schreiben des Sekretariats vom 

9. August 2019 tatsächlich eine anfechtbare «Nichteröffnungsverfügung» 

sei, mit der die Ausdehnung eines Verfahrens bzw. die Eröffnung einer Un-

tersuchung abgelehnt würde, so sei allenfalls Art. 27 Abs. 1 KG verletzt, 

weil es an einer lnvolvierung eines Präsidiumsmitglieds der WEKO fehlen 

würde. An einer Beteiligung eines Präsidiumsmitglieds würde es auch mit 

Blick auf Art. 23 Abs. 1 KG fehlen, wenn das Schreiben des Sekretariats 

als Zwischenverfügung qualifiziert würde, mit der die Durchführung konkre-

ter Untersuchungsmassnahmen im Rahmen eines Verfahrens abgelehnt 

würden. Die Verletzung dieser Zuständigkeitsvorschriften würde aber kei-

nen schwerwiegenden Rechtsverstoss gemäss der Evidenztheorie darstel-

len. Entsprechend sei das Schreiben vom 9. August 2019 nicht nichtig, 

selbst wenn es als Verfügung qualifiziert würde. 

4.2 Gemäss Rechtsprechung ist für die Abgrenzung zwischen Anfechtbar-

keit und Nichtigkeit einer Verfügung der Evidenztheorie zu folgen. Dem-

nach ist eine Verfügung nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel beson-

ders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und die 

Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefähr-

det wird. Als Nichtigkeitsgrund kommen namentlich die sachliche oder 

funktionelle Unzuständigkeit der verfügenden Behörde sowie schwerwie-

gende Verfahrensfehler in Betracht (BGE 139 II 243 E. 11.2 m.H.; 138 II 

501 E. 3.1; 137 I 273 E. 3.1; 137 III 217 E. 2.4.3; 129 V 485 E. 2.3; Urteil 

des BGer 2C_657/2014 vom 12. November 2014 E. 2.2; BVGE 2015/15 

E. 2.5.2; BVGE 2008/59 E. 4.2 f.; Urteil des BVGer B-5290/2014 vom 

13. April 2016 E. 3; THIERRY TANQUEREL, Manuel de droit administratif, 

2. Aufl. 2018, § 11 Rz. 913 f.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 

Rz. 15 f.). 

Die Nichtigkeit ist jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von 

Amtes wegen zu beachten; sie kann auch im Rechtmittelverfahren festge-

stellt werden (BGE 140 III 651 E. 3; 139 II 243 E. 11.2; 138 II 501 E. 3.1; 

B-4720/2019 

Seite 14 

137 III 217 E. 2.4.3; 132 II 342 E. 2.1 m.H. und 127 II 32 E. 3 g) f.; 

BVGE 2015/15 E. 2.5.1 m.w.H.). Die Nichtigkeit kann von jedermann jeder-

zeit geltend gemacht werden (Urteil des BVGer B-5290/2014 vom 13. April 

2016 E. 3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., § 15 Rz. 1096). Entgegen 

der Ansicht der Vorinstanz ist somit kein schutzwürdiges Interesse nötig, 

um die Feststellung der Nichtigkeit einer Verfügung zu verlangen. Einer 

nichtigen Verfügung geht jede Verbindlichkeit und Rechtswirkung ab 

(BGE 132 II 342 E. 2.1. m.w.H; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., § 15 

Rz. 1096). 

4.3 Sollte sich das Schreiben vom 9. August 2019 als nichtige Verfügung 

erweisen, so wäre – mangels Anfechtungsobjekt – auf die Beschwerde 

nicht einzutreten; rechtlich gälte die Verfügung als inexistent. Die Nichtig-

keit wäre im Beschwerdeverfahren im Urteilsdispositiv festzustellen 

(BGE 132 II 342 E. 2.3; BVGE 2015/15 E. 2.5.1; Urteil des BVGer  

B-1286/2016 vom 15. August 2017 E. 1.5 m.w.H.).  

4.4 Zu prüfen ist, welche Behörde zum Erlass eines Nichteintretensent-

scheids betreffend materielle Begehren in einem laufenden Verfahren zu-

ständig ist. 

4.4.1 Die Aufgabenteilung des Sekretariats und der WEKO folgt dem 

Grundsatz der Trennung von Untersuchungs- und Entscheidbehörde (Bot-

schaft zu einem Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbe-

schränkungen vom 23. November 1994, BBl 1995 I 468 ff., 525, 599 f.). 

Nach Art. 18 Abs. 3 KG trifft die Wettbewerbskommission die Entscheide 

und erlässt die Verfügungen, die nicht ausdrücklich einer anderen Behörde 

vorbehalten sind. Namentlich entscheidet die Wettbewerbskommission auf 

Antrag des Sekretariats mit Verfügung über die zu treffenden Massnahmen 

oder die Genehmigung einer einvernehmlichen Regelung (Art. 30 Abs. 1 

KG). Nach dem Wortlaut dieser Bestimmung steht die Entscheidkompe-

tenz eindeutig der Wettbewerbskommission zu (vgl. auch Art. 53 und 

Art. 57 Abs. 2 KG sowie Art. 10 Abs. 1 des Geschäftsreglements der Wett-

bewerbskommission vom 15. Juni 2015 [GR-WEKO, SR 251.1]). Eine ge-

mäss Art. 27 Abs. 1 KG vom Sekretariat im Einvernehmen mit einem Mit-

glied des Präsidiums eröffnete Untersuchung wird mit einem Entscheid der 

WEKO, d.h. einer Verfügung, abgeschlossen. Für Teilverfügungen ist die 

Kammer für Teilverfügungen zuständig (Art. 19 Abs. 1 und 2 GR-WEKO). 

B-4720/2019 

Seite 15 

Demgegenüber ist das Sekretariat zuständig für Marktbeobachtungen, 

Vorabklärungen und die Durchführung von Untersuchungen. Es ist weiter 

zuständig für die Untersuchungseröffnung im Einvernehmen mit einem Mit-

glied des Präsidiums sowie für den Erlass verfahrensleitender Verfügun-

gen zusammen mit einem Mitglied des Präsidiums (Art. 23 Abs.1, Art. 27 

Abs. 1, Art. 53 und Art. 57 Abs. 2 KG sowie Art. 31 Abs. 1 GR-WEKO). Eine 

eigene Verfügungskompetenz, d.h. ohne Mitwirkung eines Mitglieds des 

Präsidiums, kommt dem Sekretariat nicht zu. 

4.4.2 Die Zuständigkeit zum Erlass eines Nichteintretensentscheids betref-

fend materielle Begehren in einem laufenden Kartellverfahren liegt somit 

nicht beim Sekretariat alleine oder beim Sekretariat zusammen mit einem 

Mitglied des Präsidiums der WEKO, sondern bei der WEKO als Gremium 

(Art. 30 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 18 Abs. 3 KG und Art. 19 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 10 Abs.1 GR-WEKO; Art. 23 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 1 KG e contrario). 

Mit Schreiben vom 9. August 2019 hat das Sekretariat in einem laufenden 

Untersuchungsverfahren einen Nichteintretensentscheid in Bezug auf ei-

nen Teil der materiellen Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin gefällt. 

Zuständig für den Erlass einer solchen Teilverfügung wäre jedoch klarer-

weise die WEKO. Damit war das Sekretariat zum Erlass des Nichteintre-

tensentscheids funktionell nicht zuständig. 

4.5 Nach der Rechtsprechung leidet ein Entscheid einer sachlich oder 

funktionell unzuständigen Behörde an einem schwerwiegenden Mangel, 

der nach der Praxis ein Nichtigkeitsgrund darstellt, es sei denn, der verfü-

genden Behörde komme auf dem betreffenden Gebiet allgemeine Ent-

scheidungsgewalt zu oder die Rechtssicherheit stehe einer Feststellung 

der Nichtigkeit entgegen (BGE 137 III 217 E.2.4.3 m.H.; BVGE 2015/15 

E. 2.5.1; Urteil des BVGer B-5290/2014 vom 13. April 2016 E. 5.8 m.w.H.). 

4.6 Dem Sekretariat der WEKO kommt auf dem Gebiet des Kartellrechts 

offensichtlich keine allgemeine Entscheidungsgewalt zu (Art. 18 Abs. 3 KG 

e contrario) und die Unzuständigkeit des Sekretariats für einen Teilent-

scheid ist leicht erkennbar. Damit erweist sich die vom Sekretariat erlas-

sene Verfügung als nichtig. Die Beschwerdeführerin hat das Schreiben 

vom 9. August 2019 innert der Beschwerdefrist und damit zeitnah ange-

fochten. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Nichtigkeitsfolge vorliegend 

die Rechtssicherheit gefährden sollte, weshalb diese einer Feststellung der 

Nichtigkeit nicht entgegensteht.  

B-4720/2019 

Seite 16 

Damit mangelt es an einem Anfechtungsobjekt, weshalb auf die Be-

schwerde vom 16. September 2019 nicht einzutreten ist. Die Nichtigkeit 

der Verfügung des Sekretariats ist jedoch im Urteilsdispositiv festzustellen. 

  

B-4720/2019 

Seite 17 

5.  

5.1 Tritt das Bundesverwaltungsgericht auf eine Beschwerde nicht ein, weil 

sich die angefochtene Verfügung als nichtig erwiesen hat, berücksichtigt 

es dies bei der Festlegung der Verfahrenskosten (Art. 63 VwVG; vgl. auch 

Urteil des BVGer B-5290/2014 vom 13. April 2016 E. 8 m.w.H.). 

Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdeführerin als 

obsiegend zu erachten, weshalb ihr keine Kosten aufzuerlegen sind 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz hat den Erlass der nichtigen Verfü-

gung ihres Sekretariats zu vertreten, weshalb auf die Erhebung von Ver-

fahrenskosten zu verzichten ist (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 

Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils ist der Beschwerdeführerin ihr 

Kostenvorschuss von Fr. 20'000.- zurückzuerstatten. 

5.2 Als obsiegende Partei hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine 

Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 

Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Diese umfasst die Kosten der Vertretung sowie 

allfällige weitere notwendige Auslagen der Parteien (Art. 8 ff. VGKE). Da 

keine Kostennote eingereicht wurde, setzt das Gericht die Entschädigung 

auf Grund der Akten fest. Unter den vorliegenden Umständen erscheint 

eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'000.- als angemessen. 

Die Entschädigung ist der im Sinne der Erwägungen im Ergebnis unterlie-

genden Vorinstanz aufzuerlegen (Art. 64 Abs. 2 VwVG), da diese für den 

Erlass der nichtigen Verfügung verantwortlich ist und die Beschwerdefüh-

rerin damit zum Beschreiten des Rechtsweges veranlasst hat. 

  

B-4720/2019 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Es wird festgestellt, dass die Verfügung des Sekretariats vom 9. August 

2019 in der Untersuchung 32-0224 "Swatch Group Lieferstopp / Ablauf Lie-

ferverpflichtung" nichtig ist. 

2.  

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird 

der geleistete Kostenvorschuss von CHF 20'000.– nach Eintritt der Rechts-

kraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 

4.  

Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe 

von CHF 2'000.– zu bezahlen. 

5.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: 

Rückerstattungsformular) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. 32-0224; Gerichtsurkunde) 

– das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, 

Bildung und Forschung (Gerichtsurkunde) 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniel Willisegger Hanna Marti Adji 

B-4720/2019 

Seite 19 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-

legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist 

gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim 

Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 

Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver-

tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in 

einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung 

mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde-

führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

Versand: 16. Juli 2020