# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6bb8b1ab-97c4-5118-a8f7-65ecc807893a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.02.2022 E-4920/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4920-2020_2022-02-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4920/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Thomas Segessenmann, 

Richter David R. Wenger, 

Gerichtsschreiberin Martina Stark 

 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 2. September 2020 / N (…). 

 

 

 

E-4920/2020 

Seite 2 

Sachverhalt:  

A.  

Der Beschwerdeführer stellte am 20. Januar 2020 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch. Am 24. Januar 2020 fand die Aufnahme seiner Personalien und 

am 28. Januar 2020 das sogenannte Dublin-Gespräch statt. Der Be-

schwerdeführer machte dabei geltend, er habe mit seiner Ehefrau und zwei 

Kindern (darunter ein gemeinsames) im Herbst 2018 in Griechenland Asyl-

gesuche gestellt. Am 10. Januar 2020 habe er sich allein auf die Reise in 

die Schweiz gemacht; seine Angehörigen würden sich weiterhin in Grie-

chenland aufhalten. Auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand gab 

der Beschwerdeführer an, abgesehen von seinen verstümmelten Händen 

und Schmerzen in den Beinen gehe es ihm gut; er sei aber durch die 

schlimmen Erlebnisse in Afghanistan vergesslich geworden. 

B.  

In der Folge wurden verschiedene Unterlagen der Pflegeabteilung des 

Bundesasylzentrums zu den Akten des Beschwerdeführers gereicht. Am 

19. März 2020 legte die ihm zugewiesene Rechtsvertretung die Original-

Tazkira ihres Mandanten ins Recht.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. März 2020 beendete das SEM das (zuvor 

eingeleitete) Dublin-Zuständigkeitsverfahren. 

C.  

Am 14. April 2020 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu seinen Asyl-

gründen angehört.  

Er brachte dabei zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, 

er sei ein Hazara aus der Provinz Ghazni. Er habe als (…) gearbeitet und 

sich später ein Auto gekauft, mit dem er Personen und Güter transportiert 

habe. In diesem Zusammenhang habe er auch für seinen Schwager gear-

beitet, der als Ingenieur bei einer Telefonantennen-Gesellschaft angestellt 

gewesen sei. In seinem Auftrag habe er defekte Antennen nach B._______ 

transportiert und diese nach der Reparatur zurück zum Schwager ge-

bracht, damit sie wieder hätten montiert werden können. Bei solchen 

Transporten sei er zweimal von den Taliban angehalten worden. Die erste 

Kontrolle sei glimpflich abgelaufen. Beim zweiten Mal sei er aber gezwun-

gen worden, die Taliban in eine abgelegene Gegend zu begleiten, wo sein 

Fahrzeug und auch er selber durchsucht worden seien. Im Auto seien Spei-

cherkarten seines Schwagers mit Videoaufnahmen zum Vorschein gekom-

men, auf denen defekte Mastanlagen sowie der Schwager und sein Bruder 

E-4920/2020 

Seite 3 

an dessen Arbeitsplatz in der Kommandantur zu sehen gewesen seien. In 

den auf seinem Mobiltelefon gespeicherten persönlichen Fotodateien sei 

er (Beschwerdeführer) mit dem Kommandanten auf dem Polizeiposten ab-

gebildet gewesen. Er sei daraufhin von den Taliban aufgefordert worden, 

die Wohnadressen des Schwagers und des Kommandanten anzugeben, 

was er verweigert habe. Die Taliban hätten ihn einem ihrer Anführer vorge-

führt, der ihn das Gleiche gefragt habe. Als er gesagt habe, den Aufent-

haltsort der beiden nicht zu kennen, hätten die Taliban begonnen, mit den 

auf ihren Gewehren aufgesteckten Bajonetten auf ihn einzustechen – zu-

nächst immer wieder in seine Hände und dann auch in seinen rechten 

Oberschenkel. Er habe sehr stark geblutet und rasch das Bewusstsein ver-

loren. Ein Transporteur habe ihn später in einer Blutlache neben der 

Strasse gefunden und ihn in ein Spital gebracht, wo er nach einigen Stun-

den wieder zu Bewusstsein gekommen sei. Als er am nächsten Tag aufge-

wacht sei, habe er bemerkt, dass die Verbände um seine Hände kleiner als 

am Vortag gewesen seien; ein Arzt habe ihm dann erklärt, dass man seine 

Finger habe amputieren müssen. Er habe dann knapp einen Monat in Spi-

talpflege verbracht und sei dort auch noch mehrmals operiert worden. Ei-

nige Monate nach seiner Entlassung habe ihn seine erste Ehefrau verlas-

sen und sich von ihm scheiden lassen. Später sei er einmal in einem Sam-

meltaxi unterwegs gewesen, das von den Taliban angehalten worden sei. 

Diese hätten ihn erkannt und ihm eine Nachricht an zwei Personen über-

geben, die sich an eine bestimmte Adresse zu begeben und eine Telefon-

nummer anzurufen hätten. Dabei sei ihm bedeutet worden, dass ihm weit 

Schlimmeres passieren würde, falls er diesen Auftrag nicht erfüllen würde. 

Aus Furcht davor sei er – trotz seiner noch nicht verheilten Hände und 

Beine – am folgenden Tag ausser Landes geflohen und habe sich in den 

Iran begeben. Dort habe er bei der Tochter seines Onkels wohnen dürfen, 

die kurz zuvor mit einem Neugeborenen Witwe geworden sei. Im (…) hät-

ten sie dann im Iran geheiratet. Später sei die Familie dann wegen der 

drohenden Abschiebung nach Afghanistan nach Griechenland weiterge-

reist.  

D.  

Am 21. April 2020 wurde der Beschwerdeführer vom SEM dem erweiterten 

Asylverfahren zugeteilt. Seine zugewiesene Rechtsvertretung erklärte da-

raufhin das Mandat für beendet. Am 25. Mai 2020 reichte ein Mitarbeiter 

der (…) seine Vertretungsvollmacht zu den Akten. 

  

E-4920/2020 

Seite 4 

E.  

E.a Am 31. Juli 2020 teilte das SEM dem neuen Rechtsvertreter mit, die 

griechischen Behörden hätten am 23. Juli 2020 ein Gesuch um Über-

nahme der Familienangehörigen des Beschwerdeführers an die Schweiz 

gerichtet, dem das SEM am 27. Juli 2020 zugestimmt habe.  

E.b Den Akten der Angehörigen und den Eintragungen im Zentralen  

Migrationssystem ist zu entnehmen, dass die Ehefrau des Beschwerde-

führers mit den beiden Kindern (im Rahmen eines Dublin-IN-Verfahrens) 

am (…) April 2021 legal in die Schweiz einreiste und sie für sich und die 

Kinder gleichentags Asylgesuche stellte. Mit (unangefochten gebliebener) 

Verfügung vom 25. Mai 2021 wies das SEM ihre Asylgesuche ab, ordnete 

aber ihre vorläufige Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs an. Am gleichen Tag wurden die Angehörigen dem Aufenthalts-

kanton ihres Ehemanns / Vaters zugewiesen. 

F.  

Mit Verfügung vom 2. September 2020 (eröffnet am 4. September 2020) 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit 

zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob.  

G.  

G.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. Oktober 2020 liess der 

Beschwerdeführer den Asylentscheid der Vorinstanz beim Bundesverwal-

tungsgericht anfechten und inhaltlich beantragen, diese Verfügung sei im 

Hauptpunkt aufzuheben und es sei ihm unter Feststellung seiner Flücht-

lingseigenschaft Asyl in der Schweiz zu gewähren. In einem Eventual- 

begehren wurde beantragt, die Sache sei zur rechtskonformen Neu- 

beurteilung an das SEM zurückzuweisen. 

G.b Mit der Beschwerde wurden unter anderem Fotografien der Hände und 

Beine des Beschwerdeführers sowie zwei Arztberichte vom 30. März und 

29. September 2020 zu den Akten gereicht. 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2020 hiess die damalige Instruk-

tionsrichterin die prozessualen Anträge des Beschwerdeführers auf Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung 

gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses; der 

Rechtsvertreter wurde als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt und das 

SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. 

E-4920/2020 

Seite 5 

I.  

In ihrer Vernehmlassung vom 30. Oktober 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer 

Verfügung fest. Diese Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 

9. November 2020 zur Kenntnis gebracht. 

J.  

Am 10. November 2020 reichte der amtliche Rechtsbeistand seine Kosten-

note zu den Akten. 

K.  

K.a Mit Schreiben vom 29. Oktober 2021 erkundigte sich der amtliche 

Rechtsbeistand nach dem Stand des Beschwerdeverfahrens. 

K.b Der vorsitzende Richter teilte dem Beschwerdeführer am 3. November 

2021 mit, die Leitung der Abteilung V des Bundesverwaltungsgerichts habe 

sein Verfahren aus organisatorischen Gründen ihm zur weiteren Bearbei-

tung zugewiesen. Der Wunsch nach einem baldigen Ende des Verfahrens 

sei zur Kenntnis genommen worden, und das (derzeit mit vielen älteren 

Verfahren belastete) Gericht bemühe sich um einen baldigen Verfahrens-

abschluss. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

  

E-4920/2020 

Seite 6 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Asylpunkt in erster Linie 

damit, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Arbeitstätigkeit und seiner 

Beziehung zu einem Polizeikommandanten Probleme mit den Taliban ge-

habt habe. Aus seinen Schilderungen könnten aber "keine offensichtlichen 

Verfolgungsmotive" im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsylG abgeleitet werden. Die 

von ihm geltend gemachten Motive für die Übergriffe der Taliban seien nicht 

nachvollziehbar. Soweit der Beschwerdeführer angebe, die Taliban seien 

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Seite 7 

grundsätzlich gegen gewisse Firmen und Leute und würden oft Antennen-

masten in die Luft sprengen, habe er diese pauschalen Feststellungen 

nicht zu konkretisieren oder in Beziehung zu seinen konkreten Vorbringen 

zu setzen vermocht. Dass die Taliban keine flüchtlingsrechtlich relevanten 

Verfolgungsmotive gehabt hätten, zeige sich auch daran, dass er anläss-

lich seiner ersten Anhaltung keine Probleme mit ihnen gehabt habe, ob-

wohl er schon damals grosse Batterien im Auto mitgeführt habe und als 

Besitzer des Wagens ganz genau ausgefragt worden sei. Angesichts der 

offensichtlich fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz könne auf die Be-

urteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ver-

zichtet werden. Trotzdem sei darauf hinzuweisen, dass er mit dem Vorbrin-

gen einer Reflexverfolgung offensichtlich versucht habe, sich mit der Auf-

bauschung des Sachverhalts ein Risikoprofil anzueignen, das eine "chan-

cenreichere Grundlage zur Erlangung der Flüchtlingseigenschaft" geboten 

hätte. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer oder 

sein Schwager so unvorsichtig gewesen wären, in einem Gebiet, in dem 

sie mit Kontrollen durch die Taliban hätten rechnen müssen, kompromittie-

rendes Bildmaterial in Form von Videos und Fotos mit sich zu führen; dass 

die Taliban auf die geltend gemachte Art und Weise Kenntnis von der Ar-

beitstätigkeit und den persönlichen Beziehungen des Beschwerdeführers 

erlangt hätten, sei demnach nicht glaubhaft. Es sei zwar nicht von der Hand 

zu weisen, dass das Anhörungsprotokoll teilweise Realkennzeichen ent-

halten würden. In der Gesamtwürdigung seien seine Ausführungen jedoch 

nicht glaubhaft, weil er teilweise auch "ausweichend, vage und wider-

sprüchlich" geantwortet habe. Zudem habe der Beschwerdeführer zu Über-

treibungen geneigt und beispielsweise angegeben, die Taliban hätte sich 

bei einem erneuten Zusammentreffen nicht mehr damit begnügt, seine 

Hände abzuhacken – gemäss seinen Aussagen hätten sie dies aber gar 

nicht getan, sondern seine Finger seien im Spital wegen Komplikationen 

amputiert worden.  

Die vom Beschwerdeführer beschriebene Präsenz der Taliban oder ande-

rer bewaffneter Gruppierungen und die ungenügende staatliche Schutz-

Infrastruktur in seiner Heimatregion sei flüchtlingsrechtlich nicht relevant, 

weil die schlechte Sicherheitslage eine Vielzahl von Menschen betreffe und 

daher keine gezielte Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG darstelle. 

  

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Seite 8 

4.2  

4.2.1 In der Beschwerde wurde vorab gerügt, die Vorinstanz habe ihre Ver-

fügung nur sehr rudimentär begründet und insbesondere die Glaubhaf-

tigkeit im Wesentlichen mit pauschalen Argumenten verneint, zu denen be-

schwerdeweise gar nicht Stellung genommen werden könne. Dass dem 

Beschwerdeführer vorgeworfen werde, seine Asylvorbringen aufbauschen 

zu wollen und zu Übertreibungen zu neigen, sei befremdlich angesichts 

seiner körperlichen Verstümmelungen und der äusserst substanziierten 

freien Sachverhaltsschilderung. In diesem Zusammenhang sei darauf hin-

zuweisen, dass die Behörden gerade bei Opfern von massiven Gewalt-

taten zu einem respektvollen Umgang angehalten seien. Es sei von der 

Vorinstanz sodann nicht erkennbar in Betracht gezogen worden, dass es 

sich beim Beschwerdeführer um einen schiitischen Hazara handle (eine 

Personengruppe, die bekanntlich besonders im Visier der Taliban stehe). 

Mit diesem Vorgehen habe das SEM seine Untersuchungs- und Begrün-

dungspflicht verletzt.  

4.2.2 Angesichts der ausserordentlich substanziierten, realitätsnahen und 

stringenten Sachverhaltsschilderung sei offensichtlich von der Glaubhaf-

tigkeit der geltend gemachten Asylgründe des Beschwerdeführers auszu-

gehen.  

4.2.3 Die Vorinstanz verkenne offenkundig die flüchtlingsrechtliche Rele-

vanz der Verfolgungsmassnahmen der Taliban gegenüber dem Beschwer-

deführer. Mehrere Quellen würden beschreiben, dass die gezielte Zerstö-

rung der staatlichen Telekommunikations-Infrastruktur in Afghanistan seit  

einem guten Jahrzehnt zur Taktik der Taliban gehöre. Diese wolle damit 

einerseits die Kommunikation des Gegners unterbrechen und die Bereit-

stellung dieser Infrastruktur durch das offizielle Afghanistan – eine der we-

nigen staatlichen Erfolge der letzten Jahre – sabotieren. Zudem würden sie 

offenbar vermuten, dass die westlichen Militärs und die Regierungstruppen 

die Mobilfunksignale zur Ortung ihrer Kämpfer verwenden würden. Dar-

über habe der Guardian schon im Jahr 2011 berichtet, und diverse Artikel 

jüngeren Datums würden zeigen, dass die Telekommunikations-Infrastruk-

tur bis heute im Visier der Taliban geblieben sei. Der Beschwerdeführer sei 

wegen der vermuteten Kollaboration mit den Behörden respektive den 

ebenfalls im Fokus stehenden Telekommunikations-Providern ins Blickfeld 

der Taliban geraten. Sie hätten ihn wegen der aufgefundenen Fotografien 

zudem mit der afghanischen Polizei in Verbindung gebracht. Im afghani-

schen Kontext würden die Taliban Kollaborateuren der Regierung und den 

mit ihr zusammenarbeitenden Infrastruktur-Providern – gerade in einem 

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Seite 9 

sensiblen Bereich wie der Telekommunikation – politische Motive unterstel-

len. Der Beschwerdeführer habe sich zudem ja geweigert, ihnen seinen 

Schwager und dessen Bruder auszuliefern. Schliesslich komme hinzu, 

dass es sich bei ihm um einen Hazara und Schiiten handle, mithin also 

sowohl die Ethnie als auch die Religion als zusätzliche Verfolgungsmotive 

mitgespielt hätten, worauf der Beschwerdeführer schon anlässlich der An-

hörung hingewiesen habe. Bei ihm seien demnach gleich mehrere ein-

schlägige Verfolgungsmotive gegeben. Er sei in seinem Heimatland wegen 

seiner Rasse, seiner Religion sowie der ihm unterstellten politischen An-

schauung an Leib und Leben und in seiner Freiheit gefährdet worden und 

erfülle die Flüchtlingseigenschaft. 

4.2.4 Mit der Beschwerde wurden unter anderem mehrere Fotografien der 

verstümmelten Hände und Beine des Beschwerdeführers, ein Arztbericht 

vom 30. März 2020 und ein Bestätigungsschreiben eines Psychologen 

vom 29. September 2020 zu den Akten gereicht.  

4.3 In ihrer Vernehmlassung vom 30. Oktober 2020 verzichtete die Vor- 

instanz auf eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Beschwerde- 

vorbringen. Sie merkte inhaltlich einzig an, die in ihrer Verfügung nicht ex-

plizit erwähnte Glaubenszugehörigkeit des Beschwerdeführers ergebe sich 

aus seiner (im Asylentscheid thematisierten) Ethnie. 

5.  

5.1 Bei Durchsicht der angefochtenen Verfügung fällt zunächst auf, dass 

die Vorinstanz darin einerseits die flüchtlingsrechtliche Relevanz (Motiva-

tion) der geltend gemachten Asylgründe verneinte und zweimal ausdrück-

lich festhielt, angesichts der "offenkundig" beziehungsweise "offensichtlich" 

fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz könne auf eine Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit der Vorbringen verzichtet werden (vgl. Verfügung S. 3 

und 4). Trotzdem wurde die Glaubhaftigkeit anschliessend geprüft, was mit 

folgender Feststellung abgeschlossen wurde: "Sie konnten nicht glaubhaft 

darlegen, dass Sie zum Zeitpunkt Ihrer Ausreise aus dem Heimatland aus 

den von Ihnen genannten Gründen einer individuellen Verfolgung durch die 

Taliban ausgesetzt waren. Deshalb ist auch nicht davon auszugehen, dass 

Sie bei einer allfälligen Rückkehr alleine aufgrund der Tatsache, dass Sie 

als einfacher Fahrer einer Antennenfirma gearbeitet hätten, ernsthaften 

Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt wäre[n]". 

E-4920/2020 

Seite 10 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht befasst sich in der nachfolgenden E. 6 

mit der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen und bejaht diese. Nach-

dem in E. 7 auch die flüchtlingsrechtliche Relevanz der Sachverhaltsdar-

stellung zu bestätigen sein wird, kann auf die Behandlung des – ausdrück-

lich eventualiter gestellten (vgl. hierzu auch Beschwerdebegründung S. 9) 

– Rückweisungsantrags unterbleiben. 

6.  

6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen glaubhaft gemacht, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht wider-

sprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der 

allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substanziiert, 

wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen stützen. 

Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhörung, zwi-

schen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine Widersprü-

che aufweisen. Kleine, marginale Widersprüche sowie solche, die nicht die 

zentralen Asylvorbringen betreffen, sollen zwar in die Gesamtbetrachtung 

einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung für die Verneinung der 

Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Per-

son persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der 

Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar-

stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder un-

begründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verwei-

gert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Be-

weis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse 

Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. 

Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachver-

haltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objek-

tivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 und 2010/57 

E. 2.2 f.; KNEER / SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfah-

ren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungs- 

gerichts, in: ASYL 2/2015 S. 5 ff). 

6.2 Nach Auffassung des Gerichts vermögen die Vorbringen des  

Beschwerdeführers zu den Geschehnissen vor seiner Ausreise aus Afgha-

nistan diesen Anforderungen zu genügen: 

  

E-4920/2020 

Seite 11 

6.3 Bei Durchsicht des Anhörungsprotokolls hinterlassen die Aussagen 

des Beschwerdeführers einen substanziierten, authentischen und – gerade 

auch im Länderkontext – plausiblen Eindruck. Dass die protokollierten Vor-

bringen Realitätskennzeichen aufweisen, scheint auch die Vorinstanz an-

zuerkennen (vgl. Verfügung S. 5: "Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, 

dass Sie einen Teil der Vorbringen ausschweifend und mit Details, die als 

Realkennzeichen gewertet werden könnten, erzählen konnten […]"). Der 

unmittelbar anschliessenden pauschalen Feststellung, die protokollierten 

Antworten des Beschwerdeführers seien "In der Gesamtwürdigung […] 

ausweichend, vage und widersprüchlich" zu qualifizieren (vgl. a.a.O.), kann 

sich das Gericht nicht anschliessen. Vielmehr fielen die Aussagen des Be-

schwerdeführers sowohl betreffend die Umstände der zweiten Anhaltung 

durch die Taliban als auch hinsichtlich seiner Tätigkeit für seinen Schwager 

sehr konkret und detailliert aus (vgl. A30 ad F56 zu den Einzelheiten seiner 

Reiseroute, zum genauen Ort seiner Übernachtung sowie die Uhrzeit sei-

ner Weiterreise am Folgetag und ad F60 f. sowie F68 zur Antennenfirma). 

Der Beschwerdeführer antwortete sodann keineswegs ausweichend auf 

Folgefragen, sondern machte stets nachvollziehbare ausführliche Anga-

ben (vgl. beispielsweise a.a.O., ad F67, F70 f., F80. und F83). 

6.4 Zu den wenigen konkreten Unglaubhaftigkeitsargumenten des SEM ist 

Folgendes festzuhalten: 

6.4.1 Der einzige vom SEM thematisierte Aussagewiderspruch betrifft den 

Umstand, dass der Beschwerdeführer einmal gesagt habe, die Taliban hät-

ten sich bei einer nächsten Begegnung nicht damit begnügt, seine Hände 

abzuhacken, während er an anderer Stelle angegeben habe, die Finger 

seien erst im Spital amputiert worden (vgl. Verfügung a.a.O. unter Hinweis 

auf die Protokollstellen). Diese Vorhaltung ist in der Tat gesucht (vgl. Be-

schwerde S. 9 f.). Aus den Schilderungen des Beschwerdeführers ist zu 

schliessen, dass die Bajonett-Verletzungen seiner Hände derart schlimm 

waren, dass seine Finger unmittelbar nach der Einlieferung in das Spital 

amputiert werden mussten (vgl. Anhörungsprotokoll A30 ad F56: "Als ich 

dann wieder zu mir kam, sah ich mich in einem Krankenhaus bei einem 

Arzt. Als ich zu mir kam, habe ich gesehen, dass meine Hände verbunden 

waren. Es hat zwei, drei, vier Stunden gedauert, bis ich zu mir kam. Ich 

fragte den Arzt, was mit meinen Händen sei. Er hätte mir meine Hände 

verbunden, damit sie abheilen. Er hat mir nicht gesagt, was genau passiert 

ist. Am nächsten Tag sah ich, dass der Verband meiner Hand kleiner 

wurde. Ich fragte: 'Warum ist der Verband jetzt so klein?'. Er sagte: 'Ihre 

Hand ist zerstört gewesen. Die mussten wir amputieren. Hätten wir das 

nicht gemacht, wäre die Entzündung weitergegangen und man hätte weiter 

E-4920/2020 

Seite 12 

oben amputieren müssen')". Die Bajonett-Attacke war gemäss diesen Aus-

sagen unmittelbar ursächlich für die Amputation der Finger.  

Die Aussage, die Taliban hätten die Hände abgehackt (vgl. a.a.O. ad F58 

"[…] Beim letzten Mal hätten sie mir die Hände abgehackt, dieses Mal wür-

den sie mir den Hals abschneiden" […]), mag etwas verkürzt erscheinen; 

dies kann unter den gegebenen Umständen bei der Glaubhaftigkeitsbeur-

teilung aber nicht im Ernst gegen den Beschwerdeführer ins Feld geführt 

werden.  

6.4.2 Soweit das SEM dem Beschwerdeführer vorzuhalten scheint, die 

Verfolgungsmassnahmen durch die Taliban seien auch deshalb nicht 

glaubhaft, weil die erste Kontrolle der Taliban schliesslich glimpflich verlau-

fen sei, obschon er bereits damals grosse Batterien im Auto mitgeführt 

habe (vgl. Verfügung S. 4), erweist sich auch diese Vorhaltung bei Betrach-

tung der protokollierten Angaben des Beschwerdeführers – auf die Frage, 

wie diese erste Kontrolle sich abgespielt habe – als schwer nachvollziehbar 

(vgl. Anhörungsprotokoll A30 ad F67: "[…] Ich habe die Batterien abgeholt 

und bin nach B._______ gefahren. Unterwegs habe ich dann noch fünf, 

sechs Passagiere mitgenommen. Als wir unterwegs waren, haben die Ta-

liban uns angehalten und weil das Auto mir gehörte, haben die Taliban mich 

ganz fest ins Visier genommen und mich wegen der Batterien ausgefragt. 

Wem die gehören? Wohin ich die bringen würde? Solche Sachen. Ein paar 

Passagiere haben dann auf die Taliban eingeredet. Der eine sagte, die eine 

Batterie gehöre ihm. Der andere sagte, die andere gehöre ihm, und so 

habe ich mich von den Taliban retten können […]"). 

Auch dieses Unglaubhaftigkeitsargument des SEM vermag demnach nicht 

zu überzeugen. 

6.4.3 Schliesslich hielt das SEM in seiner Verfügung fest, es sei wenig 

glaubhaft, dass der Beschwerdeführer so unvorsichtig gewesen wäre, sei-

nen Verfolgern kompromittierendes Bildmaterial in Form von Videos und 

Fotos zu liefern; dass die Taliban auf diese Art und Weise Kenntnis von 

seiner Arbeitstätigkeit und seinen persönlichen Beziehungen erlangt  

hätten, sei demnach ebenfalls nicht glaubhaft (vgl. Verfügung S. 5).  

In der Beschwerde wird zu Recht einerseits darauf hingewiesen, dass es 

zur Aufgabe des Beschwerdeführers gehört habe, das Material der Anten-

nenfirma zu transportieren, zu welchem neben den Batterien oft auch eine 

Kamera und/oder Speicherkarten gehört hätten (vgl. Anhörungsprotokoll 

A30 ad F56 sowie F68: "Es waren Fotos der Anlagen. Wenn irgendwelche 

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Seite 13 

Seiten nicht funktioniert haben, gab es Störungen bei den Anlagen. So  

haben sie die Anlagensysteme der Antennen fotografiert oder gefilmt. Sie 

wurden dann auf diese RAM/Speicherkarte gespeichert und im Büro von 

NTN konnten sie genau sehen, wo die Störung an der Anlage war und was 

kaputt war. Wenn ich diese Speicherkarten in die Vertretung nach 

B._______ brachte, haben sie es angeschaut und gesehen, was und wo 

kaputt war. So haben sie nach C._______ angerufen und gebeten, dass 

die von C._______ die Ersatzteile schicken. Als die Ersatzteile von 

C._______ kamen, musste ich die wieder abholen und wieder an die An-

lage bringen. Diese Antennen hatten ja so satellitenartige Schüsseln. Die 

musste man mit so einem Seil runterbringen und reparieren und das alles 

wurde gefilmt, um zu zeigen, was man alles repariert hatte"). Andererseits 

lässt der Beschwerdeführer in seinem Rechtsmittel vorbringen, dass er 

beim zweiten Transport mit seinem Mobiltelefon auch noch die Speicher-

karte mit seinen privaten Aufnahmen mitgeführt habe, könne im Nach-

hinein sicher als Fehler bezeichnet werden; gleichzeitig sei es nach allge-

meiner Lebenserfahrung aber auch nachvollziehbar, dass man sich im All-

tag nicht ständig jedes Risikos bewusst sei. Jedenfalls scheine diese Un-

vorsichtigkeit nach allgemeiner Lebenserfahrung nicht unplausibel, son-

dern durchaus realitätsnah und menschlich (vgl. Beschwerde S. 10).  

Hingegen schliesst sich das Gericht der Argumentation der Vorinstanz  

in diesem Punkt insoweit an, dass das Mitführen des persönlichen Mobil-

telefons respektive der Speicherkarte mit den privaten Fotografien anläss-

lich der zweiten Taliban-Kontrolle als (schwaches) Indiz gegen die Glaub-

haftigkeit der Sachverhaltsdarstellung zu werten ist. 

6.5  

6.5.1 Der Beschwerdeführer hat mit seinem Rechtsmittel einerseits Foto-

grafien zu den Akten gereicht, welche seine verstümmelten Hände und 

sein (…) Bein zeigen, das insbesondere im Bereich des unteren  

Oberschenkels ebenfalls Spuren massiver Verletzungen aufweist. Der  

eingereichte "Sprechstundenbericht" der Orthopädie-Abteilung der Univer-

sitätsklinik D._______ vom 30. März 2020 (im Zusammenhang mit Knie- 

beschwerden respektive der Gehbehinderung des Beschwerdeführers)  

diagnostiziert unter anderem einen "St.n. Bajonett-Trauma Oberschenkel 

(…)". Dabei dürfte es sich zwar nur um einen anamnestisch erhobenen 

Befund handeln; immerhin ist aber davon auszugehen, dass die behan-

delnden Ärzte der Universitätsklinik es in ihrem Bericht erkennbar gemacht 

hätten, wenn sie das Bild der angetroffenen Körpernarben als nicht verein-

bar mit der geltend gemachten Ursache eingeschätzt hätten. Soweit im 

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Seite 14 

Arztbericht von einer "operativen Versorgung [des Bajonetttraumas] 

02/2019 in Afghanistan" die Rede ist, beruht diese Aussage offensichtlich 

auf einem – vermutlich sprachlich bedingten – Missverständnis: Der Be-

schwerdeführer hat angegeben, bereits im Herbst 2018 in Griechenland 

eingereist zu sein (vgl. Protokoll Personalienaufnahme A9 S. 5), was durch 

die beim SEM eingereichten Asylausweise der griechischen Behörden be-

stätigt wird (vgl. Beweismittelverzeichnis A19: "Date of application: 

06/10/2018"; vgl. auch die identische Angaben im Informationsschreiben 

der griechischen Behörden an das SEM vom 24. März 2020, Aktenstück 

A25). 

6.5.2 Andererseits bestätigt der Psychologe FSP in seinem Schreiben vom 

29. September 2020, dass der Beschwerdeführer seit 27. Mai 2020 wegen 

einer Posttraumatischen Belastungsstörung bei ihm in Behandlung stehe. 

6.5.3 Diese Beweismittel stehen in Einklang mit der Sachverhaltsdarstel-

lung des Beschwerdeführers und sind bei der Beurteilung der Glaubhaf-

tigkeit zu seinen Gunsten zu berücksichtigen. 

6.6  

6.6.1 Ein Beizug der Akten der Ehefrau (gleiche N-Nummer […]) ergibt, 

dass deren Sachverhaltsschilderung mit derjenigen ihres Mannes überein-

stimmen. In ihrem Anhörungsprotokoll ist im Zusammenhang mit der Er-

werbstätigkeit ihres (heutigen) Ehemannes im Iran zunächst folgender Di-

alog aufgeführt: "F72: Hat Ihr jetziger Mann im Iran gearbeitet? A: Als er zu 

mir kam, konnte er nicht arbeiten. F73: Und danach? A: Danach  

reisten wir aus. F74: Heisst das, dass er im Jahr als er in Teheran gelebt 

hat, gar nicht gearbeitet hat? A: Er konnte nicht arbeiten. F75: Also nein? 

A: Nein." (vgl. Anhörungsprotokoll A17 S. 7). Erst ganz am Ende dieser  

Anhörung wurde die Ehefrau gefragt, ob sie wisse, welche Probleme der 

Beschwerdeführer in Afghanistan gehabt habe. Ihre Antwort lautete: "Mein 

Mann hatte Probleme mit den Taliban. Seine körperlichen Verletzungen 

wurden ihm auch durch die Taliban zugefügt. Er wurde von den Taliban 

gefoltert und bedroht" (vgl. a.a.O. ad F107). 

6.6.2 Naturgemäss haben verheiratete oder verwandte Asylsuchende ein 

Interesse daran, die Asylgründe ihrer Angehörigen nicht durch ihre Aussa-

gen zu schwächen. Es darf auch ohne Weiteres vermutet werden, dass sie 

sich über ihre Erlebnisse – und über allfällige diesbezüglichen Angaben 

gegenüber den schweizerischen Asylbehörden – aussprechen. Aus die-

sem Grund stellen die bestätigenden Angaben der Ehefrau grundsätzlich 

nicht ein sehr starkes Indiz für die Richtigkeit des Sachvortrags dar.  

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Seite 15 

Verstärkend wirken vorliegend allerdings die auffällig zurückhaltende  

Beschreibung der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers und ins- 

besondere die Tatsache, dass die Ehefrau seine Sachverhaltsdarstellung 

nicht von sich aus, sondern erst auf konkrete Frage hin erwähnte: Beides 

deutet darauf hin, dass es ihr nicht darum ging, das SEM von den (allenfalls 

nicht-authentischen) Asylgründen ihres Mannes überzeugen zu wollen. 

6.7 Die Asylentscheide der Ehefrau und des Beschwerdeführers wurden 

von unterschiedlichen Mitarbeitenden des SEM verfasst. Dass die  

Vorinstanz vor dem Erlass der hier zu beurteilenden Verfügung vom 

2. September 2020 die zuvor protokollierten Aussagen seiner Ehefrau zur 

Kenntnis genommen hätte, ist diesem Asylentscheid (und auch sonst den 

Akten) nicht zu entnehmen. 

6.8 Bei Durchsicht der Akten fällt auf, dass die chronologische Einordnung 

der geltend gemachten Ereignisse schwerfällt, weil trotz der wenigen (teil-

weise nur ungefähren) zeitlichen Angaben des Beschwerdeführers durch 

das SEM diesbezüglich nicht gezielt nachgefragt wurde. So lässt sich auf-

grund der beiden Befragungsprotokolle namentlich nicht feststellen, wann 

genau die folgenschwere zweite Begegnung mit den Taliban stattgefunden 

haben soll und wie lange es dann bis zur dritten Konfrontation dauerte. 

Immerhin ergibt sich unmissverständlich, dass die Ausreise aus dem  

Heimatstaat innert weniger Tage nach der dritten Taliban-Kontrolle organi-

siert wurde und die mühsame Reise bis zur iranischen Landesgrenze,  

die im November / Dezember 2015 überschritten worden sei, ungefähr 

zwei bis drei Wochen dauerte (vgl. Protokoll Anhörung F58 S. 11, Protokoll 

Personalienaufnahme A9 S. 5). Nachdem sich demnach der zeitliche und 

inhaltliche Kausalzusammenhang zwischen diesem fluchtauslösenden 

Vorbringen und der Ausreise klar feststellen lässt (und die zeitlich zusätz-

lich einzuordnenden Ereignisse sich vor sechs bis sieben Jahren ab- 

gespielt haben müssen), kann auf eine Rückweisung der Sache an die Vor-

instanz zur Abklärung der chronologisch noch offenen Punkte verzichtet 

werden. Der rechtserhebliche Sachverhalt erweist sich insoweit als hin- 

reichend erstellt. 

6.9 Nach einer Gesamtwürdigung aller aktenkundigen Umstände gelangt 

das Gericht zum Schluss, dass zwar gewisse Zweifel an der Sachverhalts-

darstellung des Beschwerdeführers verbleiben, seine Asylvorbringen  

jedoch überwiegend glaubhaft erscheinen. Die Vorinstanz hat zu hohe  

Anforderungen an das Glaubhaftmachen eines flüchtlingsrechtlich relevan-

ten Sachverhalts gestellt und mit diesem Vorgehen Bundesrecht verletzt. 

E-4920/2020 

Seite 16 

7.  

7.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu 

werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz 

erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). 

Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung der Aktualität der Verfolgungs-

furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Hei-

matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten 

und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen 

(vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6 S. 1016 f. oder 2011/50 E. 3.1.1 und 

3.1.2 S. 996 ff., m.w.H.). 

7.2 Die massive Vorverfolgung des Beschwerdeführers durch die Taliban 

erfolgte offensichtlich, weil sie ihn als Kollaborateur der staatlichen Behör-

den betrachteten. Das Verfolgungsmotiv der (unterstellten) politischen  

Anschauungen ist offensichtlich gegeben; das Bundesverwaltungsgericht 

schliesst sich hier den überzeugenden Beschwerdevorbringen an, denen 

es nichts beizufügen gibt (vgl. Beschwerde S. 12 ff. und die Ausführungen 

in der vorstehenden E. 4.2.3).  

Ob darüber hinaus auch die Ethnie und die Glaubenszugehörigkeit des Be-

schwerdeführes einen Grund für seine Misshandlungen durch die Taliban 

bildeten, kann damit offenbleiben. 

7.3 Die übrigen materiellen Voraussetzungen für die Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat 

(Gezieltheit, Intensität und Aktualität der Verfolgung, Fehlen einer zumut-

baren innerstaatlichen Flucht- bzw. Schutzalternative) sind ebenfalls klar 

erfüllt.  

7.4 Praxisgemäss besteht die Regelvermutung, dass von erlittener, mit der 

Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung ohne Weite-

res auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger 

Verfolgung zu schliessen ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Dabei 

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Seite 17 

ist auch zu beachten, dass eine Person, die bereits einmal Verfolgung aus-

gesetzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht 

vor erneuten Verfolgungsmassnahmen hat (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2, 

2011/50 E. 3.1.1 und 2010/57 E. 2, jeweils m.w.H.). Vorliegend besteht 

schon aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten Übernahme der Macht über 

das ganze Staatsgebiet durch die Taliban kein Grund, von dieser Regel-

vermutung abzuweichen. Die Voraussetzungen für die Anerkennung der 

originären Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG sind demnach 

auch im heutigen Zeitpunkt erfüllt. 

7.5 Aus den Akten sind sodann auch keine Hinweise ersichtlich, die auf 

das Bestehen von Asylausschlussgründen (insbesondere im Sinn von 

Art. 53 AsylG) hindeuten würden.  

8.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die Verfügung des 

SEM vom 2. September 2020 ist aufzuheben und die Vorinstanz ist anzu-

weisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) 

10.  

Dem Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung 

von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Feb-

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm not-

wendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der aus- 

gewiesene zeitliche Aufwand in der am 10. November 2020 eingereichten 

Kostennote (11½  Honorarstunden) ist als angemessen zu qualifizieren; 

der – für den Fall des Obsiegens relevante – Stundenansatz von Fr. 300.– 

ist reglementskonform (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die von der Vorinstanz aus- 

zurichtende Parteientschädigung ist unter Berücksichtigung des Aufwands 

für die nachträgliche Eingabe vom 29. Oktober 2021 demnach auf ins- 

gesamt Fr. 3800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzulegen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 2. September 2020 wird aufgehoben. Die  

Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl 

zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3800.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark