# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 204bc4d3-0708-5fc7-bb2f-1c0ef4357c0b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.11.2009 D-1678/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1678-2008_2009-11-04.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1678/2008/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  4 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Kurt Gysi, Richter Martin Zoller, 
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

X._______, geboren _______, Türkei,
wohnhaft _______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 14. Februar 2008 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1678/2008

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland _______ im Alter von 
sechs Jahren zusammen mit seiner Familie und gelangte _______ in 
die Schweiz. Am 3. März 1993 gewährte die Vorinstanz ihm und seinen 
Angehörigen unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl. 

B.
B.a Mit Urteil vom 26. Juni 2002 beschloss das _______ (gerichtliche 
Behörde) im Rahmen des vorzeitigen Massnahmeantrittes die Einwei-
sung  des  Beschwerdeführers  in  eine  Arbeitserziehungsanstalt.  Im 
Schuldspruch wurden ihm unter anderem folgende Delikte – begangen 
im Zeitraum ab Juni 2000 – angelastet: _______ (Aufzählung der De-
likte). 

B.b
Wegen  Hinderung  einer  Amtshandlung  und  Übertretung  des  Betäu-
bungsmittelgesetzes  wurde  der  Beschwerdeführer  mit  Strafbefehl 
_______ zu fünf Tagen Gefängnis unbedingt  verurteilt. Aufgrund von 
Strassenverkehrsdelikten  wurde er  mit  Strafbefehl  _______ zu einer 
Zusatzstrafe von 14 Tagen Gefängnis unbedingt und zu einer Geldbus-
se verurteilt. 

B.c
Mit Urteil des _______ vom 23. Februar 2005 wurde die im Urteil vom 
26. Juni 2002 angeordnete Massnahme aufgehoben. Der Beschwerde-
führer wurde unter Anrechnung der in Vollzugsanstalten  bereits ver-
brachten Zeit zu einer Gefängnisstrafe von 36 Monaten verurteilt. Ein 
Teil davon wurde ihm unter Ansetzung einer dreijährigen Probezeit be-
dingt erlassen. Entsprechend galt er als aus dem Justizvollzug entlas-
sen. 

B.d
In  der  Folge  wurde  der  Beschwerdeführer  wiederholt  in  Untersu-
chungshaft genommen. Am 18. Juni 2007 verurteilte ihn das _______ 
wegen  erneut  begangener  Straftaten  zu  einer  Gesamtstrafe  von 
36 Monaten Haft unbedingt. Im Schuldspruch wurden ihm unter ande-
rem folgende Delikte angelastet: _______ (Aufzählung der Delikte).

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B.e
Mit Verfügung vom 28. Januar 2008 teilte das BFM dem Beschwerde-
führer mit, die von ihm wiederholt begangenen Straftaten stellten be-
sonders  verwerfliche  Handlungen  im  Sinne  von  Art.  63  Abs.  2  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) dar. Es werde da-
her in Betracht gezogen, das Asyl zu widerrufen. Es wurde ihm Gele-
genheit  gegeben,  sich  innert  Frist  zu  diesen Feststellungen zu äus-
sern. Gleichzeitig wurde ihm das rechtliche Gehör zu einem allfälligen 
Vollzug der Wegweisung in die Türkei gewährt. Die eingeräumte Frist 
verstrich in der Folge ungenutzt.

C.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2008 widerrief  das BFM gestützt auf 
Art. 63 Abs. 2 AsylG das dem Beschwerdeführer am 3. März 1993 ge-
währte Asyl. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im 
Wesentlichen aus, das Asyl werde gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG unter 
anderem  dann  widerrufen,  wenn  Flüchtlinge  besonders  verwerfliche 
strafbare Handlungen begangen hätten. Gemäss geltender Praxis sei-
en  diejenigen  Straftaten  als  besonders  verwerfliche  Handlungen  zu 
betrachten, welche gestützt auf Art. 9 des StGB mit einer Zuchthaus-
strafe bedroht seien und daher unter den Verbrechensbegriff des StGB 
fielen.  Diese  Voraussetzungen  seien  in  Anbetracht  der  wiederholten 
Straffälligkeit des Beschwerdeführers und der ihm angelasteten Delik-
te vorliegend erfüllt.

D.
Mit  Beschwerde  seiner  damaligen  Rechtsvertretung  vom  12.  März 
2008  beantragte  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsge-
richt  die  Aufhebung  des  vorinstanzlichen  Entscheids,  das  Absehen 
vom Asylwiderruf und in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Pro-
zessführung (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes 
vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021]).  Zur  Begründung 
brachte er vor, praktisch sein ganzes Leben in der Schweiz verbracht 
zu haben. Zur Türkei habe er keinen Bezug. Seine mehrfache Straffäl-
ligkeit bereue er mittlerweile sehr. Im damaligen Zeitpunkt sei es ihm 
aufgrund seines jugendlichen Alters nicht möglich gewesen, das Un-
recht und die Folgenschwere seiner Taten zu begreifen. Aktuell leide er 
an psychischen Beschwerden, welche professioneller Hilfe bedürften. 
Es sei  offensichtlich, dass er weder die innere noch die äussere Si-
cherheit der Schweiz im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG gefährde oder 
gefährden  wolle.  Ein  Asylwiderruf  stehe  seiner  Resozialisierung  als 

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jungem Erwachsenem diametral entgegen und müsse als unverhältnis-
mässig qualifiziert werden. 

E.
Die Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts wies das Ge-
such um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) mit Zwi-
schenverfügung vom 20. März 2008 ab, verzichtete auf die Erhebung 
eines Kostenvorschusses und hiess das Gesuch im Sinne von Art. 65 
Abs. 1 VwVG gut. 

F.
Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 27. März 2008 vollum-
fänglich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.  Die  vorinstanzliche  Stellungnahme  wurde  dem  Be-
schwerdeführer am 31. März 2008 zur Kenntnis gebracht. 

G.
Eine Anfrage der kantonalen Behörde betreffend Verfahrensstand vom 
12.  März  2009  beantwortete  das  Bundesverwaltungsgericht  am 
16. März 2009. 

H.
Am 2. April 2009 legte der vormalige Vertreter des Beschwerdeführers 
sein Mandat nieder. 

I.
Eine  erneute  Anfrage  der  kantonalen  Behörde  vom  28.  September 
2009  betreffend  Verfahrensstand  beantwortete  das  Bundesverwal-
tungsgericht am 6. Oktober 2009. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM, welche in An-
wendung des Asylgesetzes ergangen sind; das Bundesverwaltungsge-
richt entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

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1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Er ist  daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutre-
ten.

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet-
zung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung 
des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG widerruft das Bundesamt das Asyl, 
wenn Flüchtlinge die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz 
verletzt haben, gefährden oder besonders verwerfliche strafbare Hand-
lungen begangen haben. Der  Widerruf  des  Asyls  wegen "besonders 
verwerflicher strafbarer Handlungen" (Art. 63 Abs. 2 AsylG) setzt pra-
xisgemäss  eine  qualifizierte  Asylunwürdigkeit  voraus:  Die  in  Art.  63 
Abs. 2 AsylG vorausgesetzten "besonders verwerflichen" Handlungen 
müssen qualitativ eine Stufe über den einfachen verwerflichen Hand-
lungen im Sinne von Art. 53 AsylG (Asylunwürdigkeit) stehen. Um als 
"besonders verwerfliche" Handlung bezeichnet zu werden, muss die in 
Frage stehende Straftat demnach mit einer erheblichen Strafe bedroht 
sein und eine gewisse Intensität aufweisen (vgl. dazu Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2003 Nr. 11 E. 7 S. 75).

3.2 Nach gefestigter Praxis gelten als "verwerfliche" Handlungen, wel-
che die Asylunwürdigkeit gemäss Art. 53 AsylG nach sich ziehen, in 
der Regel  solche Delikte, welche dem abstrakten Verbrechensbegriff 
des  Strafgesetzbuches entsprechen (vgl. EMARK 2003 Nr. 11,  E. 7, 
S. 75; 1998 Nr. 28; 1993 Nr. 23; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Ru-
din/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Genf/München 
2009, Rz. 11.51). Gemäss Art. 9 Abs. 1  aStGB galten die mit Zucht-
haus bedrohten Handlungen als Verbrechen. In Art. 35 aStGB wurde 
festgehalten: "Zuchthaus ist die schwerste Freiheitsstrafe. Ihre kürzes-
te Dauer ist ein Jahr, die längste Dauer 20 Jahre. Wo das Gesetz es 
besonders bestimmt, ist sie lebenslänglich."

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3.3 Am 1. Januar 2007 trat mit der Gesetzesänderung gemäss Ziff. 1 
des Bundesgesetzes vom 13. Dezember  2002 der neue AT StGB in 
Kraft (vgl. AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Gemäss dem seit 1. Januar 
2007 gültigen Art. 10 StGB sind Verbrechen jene Taten, die mit Frei-
heitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht sind (Abs. 2). Als Verge-
hen werden demgegenüber Taten bezeichnet, welche mit Freiheitsstra-
fe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht sind (Abs. 3). Die Un-
terscheidung zwischen Zuchthaus- und Gefängnisstrafe wurde aufge-
geben. 

4.

4.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM das Asyl des Beschwerde-
führers  zu  Recht  beziehungsweise  unter  Wahrung  der  relevanten 
Grundsätze des rechtlichen Gehörs widerrufen hat. Vorauszuschicken 
ist, dass der Beschwerdeführer die ihm angelasteten Delikte allesamt 
nach der  am 1. Oktober  1999 erfolgten Inkraftsetzung des heutigen 
Asylgesetzes  beging  (vgl.  wiederum B 7).   Die  im Entscheid  BVGE 
2009/3 thematisierte Frage der Zulässigkeit einer (echten oder unech-
ten)  Rückwirkung  stellt  sich  vorliegend  demnach  nicht,  da  Art.  63 
Abs. 2 AsylG als Grundlage für den Asylwiderruf im Zeitpunkt der Be-
gehung sämtlicher relevanter Delikte bereits in Kraft war. 

4.2 Die  Behörde  ist  gemäss Untersuchungsmaxime verpflichtet,  von 
Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 VwVG). Sie ist im Rahmen 
des  rechtlichen  Gehörs  (Art. 29  Abs.  2  BV,  Art.  29  VwVG,  Art.  32 
Abs. 1 VwVG) ferner gehalten, die Vorbringen der betroffenen Person 
tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Ent-
scheidfindung zu berücksichtigen, was sich entsprechend in der Ent-
scheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG so-
wie die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 2004 Nr. 38 
E. 6.3). Die Begründung soll  es der betroffenen Person ermöglichen, 
den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur mög-
lich ist, wenn sich sowohl diese als auch die Rechtsmittelinstanz über 
die  Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können 
(BGE 129 I 232 E. 3.2). Die verfügende Behörde muss sich nicht aus-
drücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen 
Einwand auseinandersetzen; vielmehr  darf  sie  sich  auf  die wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b). Die Begrün-
dungsdichte  hat  sich  nach  dem Verfügungsgegenstand,  den  Verfah-

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rensumständen und den Interessen der betroffenen Person zu richten, 
wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden 
Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen der betroffenen Per-
son eine sorgfältige Begründung verlangt (EMARK 2006 Nr. 24 E.5.1 
S. 256 f.). 

4.3 Die Begründung des Asylwiderrufs des BFM vermag in drei Punk-
ten offensichtlich nicht zu überzeugen. 

4.3.1 Vorab fällt  auf, dass sich die Vorinstanz im angefochtenen Ent-
scheid auf Art. 9 aStGB beruft und ausführt, gemäss geltender Doktrin 
würden diejenigen Straftaten als besonders verwerfliche Handlungen 
gelten, welche mit einer Zuchthausstrafe bedroht seien und daher un-
ter  den Verbrechensbegriff  des  Strafgesetzbuches fielen. Der  vor-in-
stanzliche Entscheid  vom 14. Februar  2008 erwähnt  gemäss diesen 
Erwägungen  mithin  eine  Gesetzesgrundlage,  welche  bereits  damals 
seit mehr als einem Jahr nicht mehr geltendes Recht darstellte. Auch 
der  Begriff  der  Zuchthausstrafe  war  als  Begründungselement  offen-
sichtlich untauglich. Eine Heilung dieses Mangels für sich alleine bese-
hen erschiene indes als durchaus möglich. So ist zu berücksichtigen, 
dass sich die Vorinstanz bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs 
vom 28. Januar 2008 richtigerweise auf Art. 10 StGB und demnach auf 
geltendes Recht berief. Der Fehler im angefochtenen Entscheid dürfte 
so unter Umständen lediglich auf die unsorgfältige Verwendung eines 
veralteten Textbausteins zurückzuführen sein und erscheint als wenig 
gewichtig, zumal im Ergebnis Folgendes zu berücksichtigen ist: Durch 
die  Neufassung  der  Begriffsbestimmungen  in  Art.  10  (bisher  Art.  9) 
StGB hat sich inhaltlich an der Abgrenzung zwischen Verbrechen und 
Vergehen praktisch nichts geändert. Es wurde lediglich die Unterschei-
dung  zwischen  Zuchthaus und  Gefängnis  aufgegeben,  weshalb  nun 
die  Abgrenzung  zwischen  Verbrechen  und  Vergehen  nicht  mehr  an 
diesem begrifflichen Unterschied festgemacht werden kann,  sondern 
jetzt auf die (abstrakte) Höchst-Strafdrohung abzustellen ist. Im Prinzip 
handelt  es sich um dieselbe Abgrenzung wie  im aStGB, da die Ge-
fängnisstrafe früher maximal  drei  Jahre betrug, sofern nicht  das Ge-
setz ausdrücklich etwas anderes vorsah (Art. 36 aStGB). Abgesehen 
von diesen Sonderfällen, in denen bisher eine Gefängnisstrafe bis zu 
5 Jahren angedroht war, ändert sich somit an der bisherigen Abgren-
zung zwischen Verbrechen und Vergehen im Ergebnis nichts (vgl. dazu 
Botschaft  zur  Revision des StGB, BBl  1999 1979 ff.,  Kommentar  zu 
Art. 10, S. 2000 f.). Es gibt ferner keine Hinweise darauf, dass der Ge-

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setzgeber  mit  der  Neuformulierung  des  Verbrechensbegriffs  indirekt 
auch den in den Art. 53 und Art. 63 Abs. 2 AsylG verwendeten Begriff 
"verwerflich" inhaltlich neu definieren wollte. Es besteht somit kein An-
lass, die Verknüpfung des Begriffs der "verwerflichen Handlungen" im 
Sinne von Art. 53 bzw. Art. 63 Abs. 2 AsylG mit demjenigen des "Ver-
brechens" gemäss Art. 10 StGB aufzugeben. Daraus folgt mit Blick auf 
die vorstehenden Ausführungen, dass unter den Begriff der "verwerfli-
chen Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG (weiterhin) diejenigen 
Taten zu subsumieren sind, welche mit einer Freiheitsstrafe von mehr 
als drei Jahren bedroht sind. Demnach ist der festgestellte Mangel der 
angefochtenen Verfügung zu relativieren. 

4.3.2 Wesentlich im vorliegenden Verfahren ist  jedoch, dass die Vor-
instanz ausführt: „Gemäss der geltenden Doktrin sind diejenigen Straf-
taten  als  besonders verwerfliche  Handlungen  zu  betrachten,  welche 
gestützt  auf  Art. 9 StGB mit  einer Zuchthausstrafe bedroht  sind und 
daher  unter  den Verbrecherbegriff  des StGB fallen,  wobei  einzig die 
abstrakte Strafandrohung massgebend ist“. Dies widerspricht der gel-
tenden Praxis, wonach – wie oben ausgeführt – diese Definition für die 
„verwerfliche Handlung“ im Sinne von Art. 53 AsylG Geltung erlangt, 
nicht  aber  für  die  „besonders verwerfliche  Handlung“  aus  Art. 63 
Abs. 2 AsylG. Das BFM beschränkt sich sodann darauf, eine Vielzahl 
von  Straftaten,  wegen  derer  der  Beschwerdeführer  verurteilt  wurde, 
aufzulisten, und gelangt so ohne detailliertes Abwägen zur Konklusion, 
aufgrund  der  wiederholten  Straffälligkeit  und  der  ihm  angelasteten 
"Vergehen" seien die Voraussetzungen für den Asylwiderruf gegeben. 
Dazu ist  festzuhalten,  dass  das  BFM keine konkreten Ausführungen 
zur besonderen Verwerflichkeit gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG macht be-
ziehungsweise  der  Subsumtion  einen  falschen  Massstab  zu  Grunde 
legt  (vgl.  vorstehend  Ziff.  3.1.).  Insoweit  bleibt  die  Behauptung  des 
BFM, die  relevanten Voraussetzungen gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG 
seien vorliegend erfüllt, letztlich unbegründet; das BFM wäre gehalten 
gewesen darzutun,  inwiefern  die Delinquenz des  Beschwerdeführers 
qualitativ über den einfachen verwerflichen Handlungen liegt. 

4.3.3 Schliesslich ist erneut auf EMARK 2003 Nr. 11 E. 7 S. 75 zu ver-
weisen, wonach bei der Würdigung, ob ein Delikt  als besonders ver-
werfliche Handlung erscheint, der Grundsatz der Verhältnismässigkeit 
beachtet werden muss. Dabei muss unter anderem eine Ausgewogen-
heit  hinsichtlich Eingriffsschwere und Gewicht des verfolgten öffentli-
chen Interesses gegeben sein, das heisst, der mit einer behördlichen 

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Anordnung verbundene Eingriff  darf  im Vergleich zur Bedeutung des 
verfolgten öffentlichen Interesses nicht  unangemessen ausfallen. Ab-
wägungen der Vorinstanz zu dieser Problematik sind dem angefochte-
nen Entscheid indes auch nicht ansatzweise zu entnehmen, was wie-
derum als erheblicher Mangel zu qualifizieren ist.

4.4 In Anbetracht dieser Sachlage ergibt sich, dass die Vorinstanz die 
Begründungspflicht verletzt hat. Dieser Mangel kann auf Beschwerde-
ebene im Allgemeinen nicht ohne weiteres geheilt  werden, zumal es 
nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesver-
waltungsgericht  ist,  Unterlassungen  des  BFM  nachzuholen.  Gegen 
eine Heilung der festgestellten Verfahrensmängel spricht insbesondere 
auch die Tatsache, dass dem Beschwerdeführer eine Instanz verloren 
ginge (vgl. dazu EMARK 1998 Nr. 34 E. 10d S. 292). Dies wiegt umso 
schwerer,  als  es  vorliegend  um die  zentrale  Frage der  Prüfung  des 
Vorliegens von Asylwiderrufsgründen geht  und dieser  Entscheid des 
Bundesverwaltungsgerichts  durch ein  ordentliches  Rechtsmittel  nicht 
mehr angefochten werden könnte, was für den Beschwerdeführer ei-
nen erheblichen Nachteil darstellen würde. Die Vorinstanz hat es denn 
in  ihrer  Vernehmlassung  auch  unterlassen,  nachträgliche  Begrün-
dungselemente  aufzuführen,  weshalb  eine  entsprechende  Überprü-
fung für die Beschwerdeinstanz unmöglich bleibt. 

4.5 Zusammenfassend ist  festzuhalten,  dass die Vorinstanz den An-
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. Da 
eine Heilung dieses Verfahrensmangels im Rahmen des Rekursverfah-
rens nicht angebracht ist, ist der angefochtene Entscheid aufzuheben 
und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die 
Vorinstanz zurückzuweisen. 

5.
Die  Beschwerde  ist  nach  dem Gesagten  insoweit  gutzuheissen,  als 
damit  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  beantragt  wird. 
Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Beschwerdevor-
bringen detaillierter einzugehen.

6.

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer 
keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

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6.2 Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteientschädi-
gung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig 
hohen Kosten (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  vormalige  Rechtsvertretung  des  Be-
schwerdeführers  hat  es  unterlassen,  eine  Kostennote  einzureichen. 
Auf  eine  entsprechende  Nachforderung  kann  jedoch  verzichtet  wer-
den, da sich der Parteiaufwand zuverlässig abschätzen lässt. Die von 
der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung ist  demnach von 
Amtes wegen auf Fr. 600.– (inklusive Spesen und allfällige Mehrwert-
steuer) festzusetzen (Art. 14 VGKE). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2.
Die Verfügung des BFM vom 14. Februar 2008 wird aufgehoben. Die 
Sache wird zur neuen Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückge-
wiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das BFM hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 600.– (inklusi-
ve Ausgaben und allfällige MwSt) auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref. Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- _______

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand:

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