# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21bb9240-9d89-5458-899b-4bde97ed1c13
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 05.06.2024 SB230110
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230110_2024-06-05.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230110-O/U/ad-cs

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Bertschi, Präsidentin, Oberrichterin lic. iur. 

Wasser-Keller und Oberrichter lic. iur. Amsler sowie Gerichtsschrei-

ber MLaw Andres

Urteil vom 5. Juni 2024

in Sachen

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, 
vertreten durch stv. Leitende Jugendanwältin lic. iur. A._____, 

Anklägerin und Erstberufungsklägerin

sowie

1. B._____, 
2. C._____, , 
3. D._____, 
4. Massnahmenzentrum E._____, vertreten durch F._____, 
5. G._____, 
Privatkläger

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____, 

gegen

H._____, 
Beschuldigter und Zweitberufungskläger

bis 26. April 2023 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw Y1._____, 

- 2 -

ab 26. April 2023 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____, 

betreffend versuchte Tötung etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Jugendgericht, 
vom 12. Dezember 2022 (DJ220001)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft See/Oberland vom 15. Juni 2022 

(Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Beschuldigte ist schuldig

 der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1),

 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB (An-

klageziffer 1.2),

 der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.3),

 der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im 

Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Anklageziffern 1.1, 1.3 und 1.4),

 der Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG 

(Anklageziffer 1.1),

 des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 SVG (An-

klageziffer 1.1),

 der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffern 1.1 und 1.5),

 der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB (Ankla-

geziffer 1.1),

 der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB (Anklageziffer 1.1).

2. Vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Abs. 1 StGB (Anklagezif-

fer 1.1) und der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.2) wird 

der Beschuldigte freigesprochen.

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3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren und 

6 Monaten, wovon 584 Tage als durch Freiheitsentzug bzw. Haft bis und mit 

heute als geleistet gelten, sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

Fr. 30.–.

4. Die Freiheitsstrafe wie auch die Geldstrafe werden vollzogen.

5. Auf die Anordnung einer Massnahme nach StGB oder JStGB wird verzichtet. 

6. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils werden die folgenden, mit Verfü-

gung der Jugendanwaltschaft See/Oberland vom 13. Juni 2022 als Beweis-

mittel beschlagnahmten Gegenstände an den Privatkläger 1 herausgegeben:

 1 Pullover von B._____, Spurnummer 114539, act. 1/5/18 und 7.9
 1 Unterhosen von B._____, Spurnummer 114540, act. 1/5/18 und 7.9
 1 Paar Socken von B._____, Spurnummer 114541, act. 1/5/18 und 7.9
 1 Pullover von B._____, Spurnummer 114542, act. 1/5/18 und 7.9
 1 Jeanshose von B._____, Spurnummer 114543, act. 1/5/18 und 7.9
 1 Paar Schuhe von B._____, Spurnummer 114544, act. 1/5/18 und 7.9
 1 Pullover von B._____, Spurnummer 114545, act. 1/5/18 und 7.9.

Dem Privatkläger 1 wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst 

(oder durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Urteils und 

eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der 

Kantonspolizei Basel-Landschaft, Forensik, … [Adresse], abzuholen. 

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, wer-

den sie vernichtet.

7. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils werden folgende, mit Verfügung 

der Jugendanwaltschaft See/Oberland vom 13. Juni 2022 als Beweismittel 

beschlagnahmten Gegenstände an das Massnahmezentrum I._____ heraus-

gegeben: 

 Messerschärfer, Marke Victorinox, ca. 20 cm lang, Spurnummer 
115257

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 1 Metallrohr, 40 cm, Spurnummer 113881.

Dem Massnahmezentrum I._____ wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegen-

stände durch eine bevollmächtigte Person unter Vorlage dieses Urteils, einer 

Vollmacht und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, 

bei der Polizei Basel-Landschaft, Forensik, … [Adresse], abzuholen. 

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, wer-

den sie vernichtet.

8. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils werden die folgenden, mit Verfü-

gung der Jugendanwaltschaft See/Oberland vom 13. Juni 2022 als Beweis-

mittel beschlagnahmten Gegenstände an den Beschuldigten herausgegeben:

 1 Pullover des Beschuldigten, Spurnummer 109882, act. 1/5/19; 7/9
 1 T-Shirt des Beschuldigten, Spurnummer 109883, act. 1/5/19; 7.9
 1 Jeanshose des Beschuldigten, Spurnummer 109884, act. 1/5/19; 7/9
 1 Jacke des Beschuldigten, Spurnummer 109885, act. 1/5/19; 7.9
 1 Paar Schuhe des Beschuldigten, Spurnummer 109886, act. 1/5/19; 7.9

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst 

(oder durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Urteils und 

eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der Kan-

tonspolizei Basel-Landschaft, Forensik, … [Adresse], herauszuverlangen.

Das Portemonnaie Louis Vuitton, schwarz, kann vom Beschuldigten innert ei-

ner Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils bei der Be-

zirksgerichtskasse Pfäffikon ZH herausverlangt werden. 

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, wer-

den sie vernichtet.

9. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit J._____ verpflichtet, dem 

Privatkläger 1 (B._____) Schadenersatz im Umfang von Fr. 11'398.45 (Stand 

per 1. Dezember 2022); Forderungseingabe zuzüglich Zins zu 5% auf 

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Fr. 1'979.55 seit dem 16. Mai 2022 und auf Fr. 9'418.90 seit dem 5. Dezember 

2021 zu bezahlen.

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 (B._____) Fr. 5'000.– 

zuzüglich Zins zu 5 % ab 9. Mai 2021 als Genugtuung zu bezahlen. 

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 4 (Massnahmezentrum 

E._____) Schadenersatz im Umfang von Fr. 339.80 zu bezahlen.

12. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 2'000.–   Gebühr für das Vorverfahren

Fr. 1'500.–   Auslagen

Fr. 40'695.30   Auslagen Gutachten

Fr. 20'363.25   Kosten der amtl. Verteidigerin RAin Y1._____ (inkl. Aus-

lagen und MwSt)

  Es wird vorgemerkt, dass zusätzlich Fr. 9'450.– an RA 

Y2._____ bereits ausbezahlt wurden

Fr. 2'619.90   Kosten des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privat-

klägers 1, RA X._____ (ab 6. Juni 2021) (inkl. Auslagen 

und MwSt)

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten im Umfang von Fr. 2'000.– auferlegt.

14. Im Übrigen werden die Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidi-

gung und der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft, definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen.

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Berufungsanträge: 

a) Der Vertreterin der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich: 

(Urk. 237 S. 1 f.)

1. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen.

2. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass Dispositivziffer 1, 2. bis 

9. Spiegelstrich, sowie die Dispositivziffern 2 - 4, 6 - 8 sowie 10 und 11 

des Urteils des Jugendgerichts Pfäffikon ZH vom 12. Dezember 2022 

in Rechtskraft erwachsen ist.

3. Dispositivziffer 1, 1. Spiegelstrich (Schuldspruch wegen versuchter Tö-

tung), Dispositivziffer 3 und 4 (Strafe) und Dispositivziffer 9 (Schaden-

ersatzforderung des Privatklägers B._____) des Urteils des Jugendge-

richts Pfäffikon vom 12. Dezember 2022 seien zu bestätigen.

4. Ziff. 5 des Dispositivs des jugendgerichtlichen Urteils sei aufzuheben 

und es sei eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von 

Art. 59 StGB anzuordnen, eventualiter sei nebst der Freiheitsstrafe 

eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 

StGB anzuordnen.

5. Die Kosten seien dem Beschuldigten im Umfang von Fr. 2'000.– aufzu-

erlegen.

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 238 S. 2 f.)

1. Es sei Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon, Ju-

gendgericht, vom 12. Dezember 2022 (Geschäfts-Nr. DJ220001) in Be-

zug auf den Schuldspruch des Berufungsklägers wegen versuchter Tö-

tung (erster Spiegelstrich, Anklageziffer 1.1) aufzuheben und es sei der 

Berufungskläger vom Vorwurf der versuchten Tötung im Sinne von Art. 

111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs.1 StGB freizusprechen;

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2. Es sei der Berufungskläger der versuchten schweren Körperverletzung 

im Sinne von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil 

von B._____ schuldig zu sprechen (Anklageziffer 1.1); 

3. Es sei Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon, Ju-

gendgericht, vom 12. Dezember 2022 (Geschäfts-Nr. DJ220001) auf-

zuheben und es sei der Berufungskläger zu einer angemessenen, re-

duzierten Freiheitsstrafe von maximal 41 Monaten, wovon 1'125 Tage 

als durch Freiheitsentzug bzw. Haft geleistet gelten, sowie einer Gelds-

trafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.– zu verurteilen;

4. Es sei in Bestätigung von Dispositiv-Ziffer 5 des Urteils des Bezirksge-

richts Pfäffikon, Jugendgericht, vom 12. Dezember 2022 (Geschäfts-

Nr. DJ220001) auf die Anordnung einer Massnahme nach StGB und 

JStG zu verzichten;

5. Es sei Dispositiv-Ziffer 9 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon, Ju-

gendgericht, vom 12. Dezember 2022 (Geschäfts-Nr. DJ220001) auf-

zuheben und es seien die Schadenersatzforderungen des Privatklä-

gers B._____ abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen;

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) gemäss dem 

Ausgang des Verfahrens.

c) Des Vertreters des Privatklägers 1: 

(Urk. 232, schriftlich, sinngemäss)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

_______________________________

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung

1. Verfahrensgang

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Sachentscheid sei auf die 

Erwägungen des Bezirksgerichts Pfäffikon, Jugendgericht, im Urteil vom 12. De-

zember 2022 verwiesen (Urk. 91 S. 5 f.). Das eingangs im Dispositiv erwähnte Ur-

teil wurde nach durchgeführter Hauptverhandlung vom 7. Dezember 2022 und der 

Beratung an mehreren Tagen am 12. Dezember 2022 gefällt und den Parteien am 

15. Dezember 2022 mündlich eröffnet und im Dispositiv mitgeteilt (Prot. I S. 18 ff., 

S. 20; Urk. 70 S. 8 f.). 

1.2. Sowohl die Jugendanwaltschaft als auch der Beschuldigte meldeten gegen 

das Urteil (Urk. 91) fristgerecht Berufung an (Urk. 72, 75 und 78), woraufhin die 

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich (nachfolgend: Anklägerin) mit Ein-

gabe vom 16. Februar 2023 als Erstberufungsklägerin und der Beschuldigte mit 

Eingabe vom 14. Februar 2023 als Zweitberufungskläger fristgerecht ihre Beru-

fungserklärungen erstatteten (Urk. 97 und 93). Mit Präsidialverfügung vom 22. Fe-

bruar 2023 wurde den Parteien Frist zur Anschlussberufung angesetzt (Urk. 100). 

Die Anklägerin erklärte innert Frist mit Eingabe vom 6. März 2023 (Datum des 

Poststempels), auf Erhebung einer Anschlussberufung zu verzichten und an der 

eigenen Hauptberufung festzuhalten (Urk. 168). Die übrigen Parteien äusserten 

sich nicht. 

1.3. Auf Antrag des Beschuldigten wurde seine bisherige Rechtsvertreterin, 

Rechtsanwältin MLaw Y1._____, mit Beschluss vom 26. April 2023 als amtliche 

Verteidigerin entlassen und entschädigt und an ihrer Stelle ab 26. April 2023 

Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____ als neuer amtlicher Verteidiger bestellt (Urk. 120). 

1.4. Nach Rücksprache mit den Parteien wurde zur Berufungsverhandlung auf 

den 12. Januar 2024 vorgeladen (Urk. 127). Überdies wurde nach Einsicht in die 

Beweisanträge der Anklägerin, die sie bereits mit der Berufungserklärung gestellt 

hatte, mit Beschluss vom 14. Juli 2023 die Ergänzung des forensisch-psychiatri-

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schen Gutachtens vom 9. Januar 2018 (recte: 5. Dezember 2021; Urk. 10/28) 

durch den Gutachter, Prof. Dr. med. K._____, Facharzt für Psychiatrie und Psy-

chotherapie FMH, im Hinblick auf die Aktualität des Gutachtens angeordnet, der 

Antrag auf Befragung des Gutachters anlässlich der Berufungsverhandlung je-

doch einstweilen abgewiesen (Urk. 131 und 133). Mit Präsidialverfügung vom 

24. Juli 2023 wurde der Verteidigung und der Anklägerin Frist angesetzt, um all-

fällige Ergänzungsfragen zu beantragen (Urk. 135). Die mit Eingabe vom 11. Au-

gust 2023 von der Anklägerin beantragten Ergänzungsfragen (Urk. 143) wurden 

zugelassen und dem Gutachter zur Beantwortung unterbreitet (Urk. 145). Die Ver-

teidigung verzichtete auf Ergänzungsfragen, stellte in ihrer Stellungnahme vom 

15. August 2023 jedoch die Eignung des Gutachters grundsätzlich in Frage 

(Urk. 144). Das Ergänzungsgutachten wurde schriftlich mit Datum vom 17. No-

vember 2023 erstattet (Urk. 184). Mit Verfügung vom 21. November 2023 wurde 

der Verteidigung und der Oberjugendanwaltschaft Frist zur freigestellten schriftli-

chen Stellungnahme zum Ergänzungsgutachten angesetzt (Urk. 187), worauf sei-

tens der Anklägerin ausdrücklich (Urk. 193) und seitens der Verteidigung still-

schweigend verzichtet wurde.  

1.5. Am 3. Oktober 2023 stellte der Beschuldigte ein Gesuch um Gewährung des 

vorzeitigen Strafvollzugs, welcher ihm – nach Einholung eines Führungsberichts 

(Urk. 167) und der Stellungnahmen der Parteien (Urk. 159; 171) – mit Präsidial-

verfügung vom 6. November 2023 mit der Auflage, dass dieser zwingend im ge-

schlossenen Vollzug zu erfolgen habe, gewährt wurde (Urk. 175). 

1.6. Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurde sodann das Urteil des 

Kreisgerichts Toggenburg, Jugendgericht, 1. Abteilung, vom 1. Juli 2022 gegen 

den Mitbeschuldigten J._____, das in Rechtskraft erwachsen ist, zusammen mit 

dem Protokoll der Hauptverhandlung von Amtes wegen beigezogen (Urk. 201 und 

Urk. 207/1-3) und den Parteien zur Kenntnis zugestellt (Urk. 202/1-2 und 

Urk. 208). Im Zusammenhang mit dem hier noch relevanten und zu prüfenden 

Vorfall vom 9. Mai 2021 wurde J._____ der versuchten schweren Körperverlet-

zung schuldig gesprochen (Urk. 201 S. 15 und 23). Er wurde unter Einbezug di-

verser weiterer Schuldsprüche zu einem Freiheitsentzug von 20 Monaten verur-

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teilt (Urk. 201 S. 23 Ziff. 3 und 4). Die Zivilklage des Privatklägers B._____ betref-

fend Schadenersatz wurde dem Grundsatz nach geschützt und im Übrigen auf 

den Zivilweg verwiesen. Überdies wurde J._____ aufgrund seiner teilweisen Aner-

kennung der in der Höhe von Fr. 10'000.– geltend gemachten Genugtuung ver-

pflichtet, B._____ eine Genugtuung von Fr. 3'000.– zuzüglich 5% Zins seit 9. Mai 

2021 zu bezahlen (Urk. 201 S. 21 und 23 Ziff. 7a und b). 

1.7. Nachdem die Vorladungen für die auf 12. Januar 2024 angesetzte Verhand-

lung infolge krankheitsbedingten Ausfalls des amtlichen Verteidigers am 8. Januar 

2024 kurzfristig abgenommen werden mussten (Urk. 208A-C), wurde – nach 

Rücksprache betreffend terminlicher Verfügbarkeit mit der Vertreterin der Anklage 

und den anwaltlich vertretenen übrigen Parteien – am 27. Februar 2024 neu auf 

21. Juni 2024 vorgeladen (Urk. 215). Am 4. März 2024 liess der amtliche Verteidi-

ger über sein Sekretariat mitteilen, dass ihm bei der Terminabsprache ein Fehler 

unterlaufen sei und er am 21. Juni 2024 aufgrund einer Terminkollision an der 

Verhandlung nicht teilnehmen könnte (Urk. 246). Mit Verfügung vom 4. März 2024 

wurde dem amtlichen Verteidiger Frist angesetzt, um ein schriftlich begründetes 

Verschiebungsgesuch zu stellen (Urk. 218), welches am 15. März 2024 einging 

(Urk. 220). In der Folge wurde nach erneuter Rücksprache mit der Jugendanwalt-

schaft und den anwaltlich vertretenen Parteien auf den 5. Juni 2024 neu vorgela-

den (Urk. 224). Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurde noch ein aktuel-

ler Führungsbericht und ein Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt 

(Urk. 228 und 230). Zur Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte mit 

seinem amtlichen Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____ sowie Jugendanwäl-

tin lic. iur. A._____ für die Anklägerin (Prot. II S. 17). Der unentgeltliche Rechts-

vertreter des Privatklägers 1 hat seinen Verzicht auf Teilnahme an der Berufungs-

verhandlung schriftlich mitgeteilt (Urk. 283). Die übrigen Privatkläger haben eben-

falls auf Teilnahme verzichtet. Nach durchgeführter Berufungsverhandlung und 

Befragung des Beschuldigten erweist sich der Fall als spruchreif.

2. Gegenstand des Berufungsverfahrens

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

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sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es na-

heliegend, dass weitere nicht angefochtene Punkte in die Überprüfung des Urteils 

einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den angefochtenen Punkten 

besteht. Bei Anfechtung des Schuldspruchs mit Antrag auf Freispruch gelten für 

den Fall der Gutheissung automatisch auch damit zusammenhängende Folge-

punkte des Urteils, wie zum Beispiel Nebenfolgen von Entscheiden über Einzie-

hungen, Zivilpunkte sowie Kosten- und Entschädigungsregelungen, als angefoch-

ten. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch, sind die weiteren nicht an-

gefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu überprü-

fen (BGE 147 IV 93 E. 1.5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 

12. Januar 2022 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 22]; vgl. auch JOSITSCH/SCHMID, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar [kurz: Praxiskommentar 

StPO], 4. Aufl. 2023, Art. 399 N 18; HUG/SCHEIDEGGER in: Donatsch/ Lieber/Sum-

mers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung 

StPO [kurz: SK StPO], 3. Aufl. 2020, N 19 und 20 zu Art. 399). Auch wenn das 

Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein 

insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche 

Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2 mit Hin-

weisen).

2.2. Der Beschuldigte schränkt seine Berufung auf die Verurteilung wegen ver-

suchter Tötung ein. Er verlangt diesbezüglich einen Freispruch bzw. die Verurtei-

lung wegen versuchter schwerer Körperverletzung statt wegen versuchter vor-

sätzlicher Tötung. Entsprechend beantragt er eine mildere Strafe von höchstens 

41 Monaten Freiheitsstrafe und 20 Tagessätzen Geldstrafe zu je Fr. 30.–, unter 

Bestätigung des erstinstanzlichen Verzichts auf eine stationäre Massnahme. Er 

beantragt ausserdem die Abweisung der Schadenersatzforderung des Privatklä-

gers 1 bzw. eventualiter deren Verweisung auf den Zivilweg, unter ausgangsge-

mässer Kosten- und Entschädigungsregelung (Urk. 93 S. 2 f. und Prot. II S. 18 f.).

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2.3. Die Anklägerin beanstandet mit ihrer Berufung den Verzicht der Vorinstanz 

auf Anordnung einer Massnahme gegen den Beschuldigten. Sie beantragt die An-

ordnung einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 

StGB, eventualiter einer vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme, unter 

Kostenauflage zu Lasten des Beschuldigten (Urk. 97 S. 1; Prot. II S. 17 f.). 

2.4. Unangefochten geblieben sind somit die Schuldsprüche wegen einfacher 

und versuchter schwerer Körperverletzung, der mehrfachen Gewalt und Drohung 

gegen Behörden und Beamte, der Entwendung zum Gebrauch, des Fahrens ohne 

Berechtigung, der mehrfachen Sachbeschädigung, der Hinderung einer Amts-

handlung und der Beschimpfung (Dispositivziffer 1), die Freisprüche von den Vor-

würfen des Raubes und der versuchten schweren Körperverletzung betreffend 

Anklageziffern 1.1 und 1.2 (Dispositivziffer 2), und ferner die Dispositivziffern 6-8 

(Anordnungen betreffend die beschlagnahmten Beweismittel), 11 (Schadenersatz 

an den Privatkläger 4) und 12 (Kostenfestsetzung). Obwohl der Beschuldigte die 

ihm zugunsten des Privatklägers 1 auferlegte Genugtuungszahlung und die ihm 

auferlegten Gerichtskosten (Dispositivziffern 10 und 13) nicht anficht, hängt die 

Regelung der Zivilforderungen des Privatklägers 1 vom Sachentscheid im Ankla-

gepunkt 1.1 ab und folgen die Kostenregelungen naturgemäss dem Entscheid in 

der Hauptsache, weshalb das vorinstanzliche Urteil in diesen Punkten (Dispositiv-

ziffern 9-10 und 13-14) nicht rechtskräftig wird. Es kann jedoch nach dem vorste-

hend Gesagten in Bezug auf den zu fällenden Entscheid in diesen Punkten gege-

benenfalls (bei Bestätigung des Schuldspruchs) ohne weiteres auf die vorinstanz-

liche Regelung zurückgegriffen werden.

II. Prozessuales

1. Anwendbares Recht

1.1. Das Bundesgesetz vom 20. Juni 2003 über das Jugendstrafrecht (JStG; SR 

311.1) regelt die Sanktionen, welche gegenüber Personen zur Anwendung kom-

men, die vor Vollendung des 18. Altersjahres eine nach dem StGB oder einem 

andern Bundesgesetz mit Strafe bedrohte Tat begangen haben (Art. 1 Abs. 1 

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JStG). Ergänzend sind die in Art. 1 Abs. 2 JStG aufgezählten Bestimmungen des 

StGB sinngemäss anwendbar. 

a) Das JStG gilt für Personen, die zwischen dem vollendeten 10. und dem voll-

endeten 18. Altersjahr eine mit Strafe bedrohte Tat begangen haben (Art. 3 Abs. 1 

JStG). Die mit der Änderung der Strafprozessordnung vom 17. Juni 2022 per 

1. Januar 2024 in Kraft getretenen Änderungen auch anderer Gesetze (darunter 

auch das JStG) lassen sich der amtlichen Publikation AS 2023 468 entnehmen. 

Aus Ziffer II des Beschlusses in Verbindung mit Anhang I Ziff. 5 ist ersichtlich, 

dass Art. 3 Abs. 2 JStG geändert wird, dessen Inkraftsetzung jedoch nicht per 

1. Januar 2024, sondern später erfolgt, wie Ziffer 3.b des Entscheids des Bundes-

rates vom 23. August 2023 betreffend die Inkraftsetzung entnommen werden 

kann (AS 2023 468). Daher ist auf das vorliegende Verfahren noch die ursprüngli-

che und nach wie vor gültige Fassung von Art. 3 Abs. 2 JStG anzuwenden. 

b) Wurde ein Verfahren gegen Jugendliche eingeleitet, bevor die nach Vollen-

dung des 18. Altersjahres begangene Tat bekannt wurde (sog. "gemischte Fälle"), 

bleibt grundsätzlich das Jugendstrafverfahren anwendbar (Art. 3 Abs. 2 Satz 4 

JStG). Für die Festlegung von Strafen – auch von Zusatzstrafen (Art. 49 Abs. 2 

StGB) für Straftaten, die vor der Volljährigkeit verübt wurden – ist jedoch aussch-

liesslich das StGB massgeblich (Art. 3 Abs. 2 Sätze 1-2 JStG). Eine Ausnahme 

von der ausschliesslichen Anwendbarkeit des StGB greift Platz, wenn der Täter 

einer Massnahme bedarf; in diesem Fall ist diejenige Massnahme nach dem 

StGB oder nach dem JStG anzuordnen, die nach den Umständen erforderlich ist 

(Art. 3 Abs. 2 Satz 3 JStG; vgl. BGE 149 IV 342 E. 2.4.1; 135 IV 206 E. 5.3; Ur-

teile des Bundesgerichts 7B_197/2023 vom 14. Juli 2023 E. 4.2.1; 6B_1037/2021 

vom 3. März 2022 E. 6.3.1).

1.2. Der Beschuldigte wurde tt. November 2002 geboren und hatte zum Zeit-

punkt der Verübung der noch strittigen Straftat der versuchten vorsätzlichen Tö-

tung vom 9. Mai 2021 das 18. Altersjahr bereits vollendet. Die übrigen angeklag-

ten und eingestandenen Straftaten beging der Beschuldigte allesamt vor Beendi-

gung des 18. Altersjahres. Das Verfahren gegen ihn wurde entsprechend vor Voll-

- 15 -

endung seines 18. Altersjahres eingeleitet, womit vorliegend das jugendstrafrecht-

liche Verfahren vor dem Jugendgericht Anwendung fand (Urk. 91). 

1.3. Zur intertemporalrechtlichen Regelung betreffend die konkreten Strafnormen 

sei auf die nachstehende Erwägung V.2.2 verwiesen.

2. Verfahrenstrennung

2.1. Straftaten werden gemeinsam verfolgt und beurteilt, wenn Mittäterschaft     

oder Teilnahme vorliegt (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO). Die Staatsanwaltschaft und 

die Gerichte können aus sachlichen Gründen Strafverfahren trennen oder verei-

nen (Art. 30 StPO). 

Art. 29 StPO statuiert den Grundsatz der Verfahrenseinheit. Dieser bildet gemäss 

der Rechtsprechung des Bundesgerichts schon seit Langem ein Wesensmerkmal 

des schweizerischen Strafprozessrechts. Er bezweckt die Verhinderung sich wi-

dersprechender Urteile, sei dies bei der Sachverhaltsfeststellung, der rechtlichen 

Würdigung oder der Strafzumessung, und gewährleistet insofern das Gleichbe-

handlungs- und Fairnessgebot (Art. 8 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO). Überdies dient 

er der Prozessökonomie (Art. 5 Abs. 1 StPO). Eine Verfahrenstrennung ist ge-

mäss Art. 30 StPO nur bei Vorliegen sachlicher Gründe zulässig und muss die 

Ausnahme bleiben. Die sachlichen Gründe müssen objektiv sein. Getrennte Ver-

fahren sollen vor allem der Verfahrensbeschleunigung dienen bzw. eine unnötige 

Verzögerung vermeiden helfen und nicht auf organisatorischen Aspekten seitens 

der Strafverfolgungsbehörden beruhen. Als sachlicher Trennungsgrund gilt etwa 

die grosse Zahl von Mittätern, die länger dauernde Unerreichbarkeit einzelner mit-

beschuldigter Personen, die bevorstehende Verjährung einzelner Straftaten oder 

der Umstand, dass Tätergruppen zur Hauptsache unabhängig voneinander ge-

handelt haben (BGE 144 IV 97 E. 3.3; 138 IV 214 E. 3.2; Urteile des Bundesge-

richts 7B_9/2021 vom 11. September 2023 E. 10.3; 6B_1149/2020 vom 17. April 

2023 E. 2.1.2; 6B_23/2021 vom 21. Juli 2021 E. 3.3; je mit Hinweisen). 

Die Abtrennung des Verfahrens ist unter dem Gesichtswinkel des Anspruchs auf 

ein faires Verfahren (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK) namentlich bei mut-

masslichen Mittätern und Teilnehmern besonders problematisch, wenn der Um-

- 16 -

fang und die Art der Beteiligung wechselseitig bestritten ist und damit die Gefahr 

besteht, dass der eine Mitbeschuldigte die Verantwortung dem andern zuweisen 

will. Belasten sich Mittäter und Teilnehmer gegenseitig und ist unklar, welcher Be-

schuldigte welchen Tatbeitrag geleistet hat, besteht bei getrennten Verfahren die 

Gefahr sich widersprechender Entscheide (Urteile des Bundesgerichts 7B_9/2021 

vom 11. September 2023 E. 10.3; 6B_23/2021 vom 21. Juli 2021 E. 3.3; 

1B_92/2020 vom 4. September 2020 E. 4.2; 6B_135/2018 vom 22. März 2019 

E. 1.2; je mit Hinweisen). Die Verfahrenstrennung kann auch aus folgendem 

Grund problematisch sein. Da nach der Rechtsprechung bei Einvernahmen in se-

parat geführten Verfahren kein Anspruch auf Teilnahme nach Art. 147 StPO be-

steht (BGE 141 IV 220 E  4.5; 140 IV 172 E. 1.2.3), geht die getrennte Verfah-

rensführung mit einer massiven Beschränkung der Teilnahmerechte einher. Der 

separat Beschuldigte hat in den abgetrennten Verfahren zudem nicht denselben 

Anspruch auf Akteneinsicht wie eine Partei (Art. 101 Abs. 1 StPO). Diese Ein-

schränkung der Teilnahmerechte von Beschuldigten in getrennten Verfahren im 

Vergleich zu Mitbeschuldigten im gleichen Verfahren ist vom Gesetzgeber implizit 

vorgesehen und hinzunehmen (BGE 140 IV 172 E. 1.2.3). Durch eine Verfahrens-

trennung geht dem Beschuldigten (bezogen auf Beweiserhebungen der anderen 

Verfahren) auch das Verwertungsverbot des Art. 147 Abs. 4 StPO verloren, weil 

er insoweit keine Verletzung seines Teilnahmerechts geltend machen kann. An-

gesichts dieser schwerwiegenden prozessualen Folgen ist an die Voraussetzun-

gen einer Verfahrenstrennung ein strenger Massstab anzulegen (Urteile des Bun-

desgerichts 7B_9/2021 vom 11. September 2023 E. 10.3; 6B_23/2021 vom 

21. Juli 2021 E. 3.3; 1B_92/2020 vom 4. September 2020 E. 4.2; 6B_135/2018 

vom 22. März 2019 E. 1.2; je mit Hinweisen).

In dieser Hinsicht relevant ist im vorliegenden Fall allerdings auch die Gerichts-

standbestimmung des Jugendstrafprozessrechts: Gemäss Art. 10 Abs. 1 JStPO 

ist für die Strafverfolgung die Behörde des Ortes zuständig, an dem die oder der 

beschuldigte Jugendliche bei Eröffnung des Verfahrens den gewöhnlichen Aufent-

halt hat. Im Gegensatz zum in Art. 33 StPO vorgesehenen gemeinsamen Ge-

richtsstand des Erwachsenstrafrechts, der im Jugendstrafverfahren jedoch nicht 

- 17 -

anwendbar ist (Art. 3 Abs. 2 lit. c JStPO), können die Gerichtsstände bei mehre-

ren Beteiligten an einer Straftat entsprechend auseinander fallen.

2.2. Da der Beschuldigte und J._____ hinsichtlich des Vorfalls vom 9. Mai 2021 

(Anklageziffer 1.1) Mittäter sind, wovon auch die im Verfahren gegen J._____ zu-

ständige Anklagebehörde (Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen / Jugend-

anwaltschaft Wil) und das Kreisgericht Toggenburg (Jugendgericht) ausgegangen 

sind (Urk. 201 S. 11-14 und 15), wäre es zwar im Prinzip durchaus wünschens-

wert, dass das Verfahren gegen sie mit Blick auf diesen Sachverhalt zusammen 

geführt worden wäre. Wie die Anklägerin jedoch zu Recht festhält (Prot. II S. 46 

ff.), war zum Zeitpunkt dieses Vorfalls gegen den Beschuldigten jedoch bereits ein 

Jugendstrafverfahren bei der Jugendanwaltschaft See / Oberland hängig, welches 

die ihm in Anklageziffern 1.2 - 1.4 vorgeworfenen Taten, die er noch vor Erreichen 

der Volljährigkeit begangen hatte, zum Gegenstand hatte. Die örtliche Zuständig-

keit der Jugendanwaltschaft See / Oberland war insofern auf der vorerwähnten 

Gerichtsstandbestimmung des Jugendstrafprozessrechts (Art. 10 Abs. 1 StPO) 

begründet, da der Beschuldigte – ungeachtet zwischenzeitlicher Aufenthalte in 

verschiedenen Anstalten – seinen Wohnort in L._____ ZH hatte (vgl. dazu insbe-

sondere Gerichtsstandanfrage Jugendanwaltschaft Basel-Stadt und Übernahme-

verfügung der Jugendanwaltschaft See / Oberland hinsichtlich der zeitlich ältesten 

hier gegenständlichen Straftat am 30. März 2020 zum Nachteil des Privatklä-

gers 2, Anklageziffer 1.2, Urk. 4/1 und 4/2). Vor diesem Hintergrund war auch hin-

sichtlich des hier noch strittigen Vorfalls im I._____ (Anklageziffer 1.4) die Jugend-

anwaltschaft See / Oberland weiterhin zuständig, nachdem – obwohl der Beschul-

digte zwar die Volljährigkeit bereits erreicht hatte – das Jugendstrafprozessrecht 

gestützt auf den bereits erwähnten Art. 3 Abs. 2 JStG (gemischte Fälle, vgl. vorne 

E. II. 1.1.b) auch für dieses Delikt anwendbar bleibt (vgl. entsprechende Gerichts-

standanfrage Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft und Übernahmeverfügung Ju-

gendanwaltschaft See / Oberland, Urk. 4/24 und 4/25). Ähnlich präsentierte sich 

auch die Ausgangslage hinsichtlich J._____ (geb. tt. September 2003) mit Wohn-

sitz in M._____, dem ebenfalls verschiedene andere (nicht mit dem Beschuldigten 

zusammen) als Jugendlicher begangene Taten zu Vorwurf gemacht wurden (vgl. 

Urk. 207/3 S. 4-7 und Urk. 201) und der selbst beim fraglichen Vorfall im I._____ 

- 18 -

noch nicht volljährig war, weshalb gestützt auf die Gerichtsstandregelung der Ju-

gendstrafprozessordnung die Jugendanwaltschaft Wil SG für die Strafuntersu-

chung zuständig war. 

2.3. Zusammenfassend ergibt sich die Notwendigkeit getrennter Verfahren vor-

liegend somit bereits aus der gesetzlichen Zuständigkeitsregelung. Und selbst 

Überlegungen zum Beschleunigungsgebot würden zu keinem anderen Ergebnis 

führen, sind doch einerseits die verschiedenen anderen Delikte zu berücksichti-

gen, welche die beiden ohne Beteiligung des jeweils anderen begingen. Ander-

seits ist zu beachten, dass hinsichtlich des Beschuldigten eine aufwendige psych-

iatrische Begutachtung mit entsprechend längerer Verfahrensdauer durchzufüh-

ren war, dagegen eine solche beim Mitbeschuldigten J._____ nicht notwendig war 

und J._____ sowohl bezüglich des Vorfalls vom 9. Mai 2021 als auch bezüglich 

der anderen ihm zur Last gelegten Delikte weitestgehend geständig war 

(Urk. 201). Festzuhalten ist ferner, dass die beiden Mitbeschuldigten nach erfolg-

ten Erstaussagen zur Sache im Untersuchungsverfahren mindestens einmal kon-

frontiert wurden (Urk. 4/41) und ihnen gemeinsam bezüglich der Einvernahme des 

Privatklägers 1 B._____ (in der Folge in diesem Urteil kurz "Privatkläger" genannt) 

das Teilnahmerecht gewährt worden war (Urk. 4/40), womit sich die getrennte 

Verfahrensführung nicht zum Nachteil des Beschuldigten ausgewirkt hat. Die Un-

tersuchungshandlungen erweisen sich damit auch unter diesen Gesichtspunkten 

nicht als nichtig, so dass eine Einstellung des Verfahrens ausser Betracht fällt. Da 

das Konfrontationsrecht bereits im Untersuchungsverfahren regelkonform gewährt 

wurde, bestünde vorliegend auch kein Anlass, das Verfahren zurückzuweisen.

3. Anklageprinzip

3.1. Die Verteidigung rügt in ihrem Plädoyer an der Berufungsverhandlung eine 

Verletzung des Anklagegrundsatzes hinsichtlich des Anklagesachverhaltes ge-

mäss Ziffer 1.1 der Anklageschrift. Aus der Anklageschrift gehe einerseits nicht 

hervor, wie lange der angebliche Unterarmwürgegriff des Beschuldigten gedauert 

habe. Hinsichtlich des Kicks mit dem rechten Bein des Beschuldigten, der als 

"Gesichtspenalty" bezeichnet werde, sei aus der Anklageschrift zudem nicht er-

sichtlich, mit welchem Teil seines Beines dieser Tritt erfolgt sein soll (Urk. 238 

- 19 -

Rz 11 und 21). Ohnehin könne dem Anklagesachverhalt nicht entnommen wer-

den, welche durch den Beschuldigten vorgenommene Handlung einen angebli-

chen Tötungsversuch hätte darstellen sollen (Urk. 238 Rz 7).

3.2. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a 

und b EMRK abgeleiteten Anklagegrundsatz (Art. 9 und 325 StPO) bestimmt die 

Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). 

Die Anklage hat darin die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Be-

schreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung möglichst 

kurz, aber genau zu bezeichnen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Sodann hat die An-

klage gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. g StPO die nach Auffassung der Staatsanwalt-

schaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwendbaren Gesetzesbestim-

mungen anzugeben. Die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte sind 

somit in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in ob-

jektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt 

das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person 

und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Unter 

diesem Gesichtspunkt muss die beschuldigte Person aus der Anklage ersehen 

können, wessen sie angeklagt ist. Dies bedingt eine zureichende Umschreibung 

der Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter 

Handlungen er beschuldigt und welchen Straftatbestand er durch sein Verhalten 

erfüllt haben soll, damit er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Un-

genauigkeiten sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die be-

schuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr ange-

lastet wird (BGE 143 IV 63 E. 2.2; 141 IV 132 E. 3.4.1; 133 IV 235 E. 6.2 f.; je mit 

Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_460/2020 vom 10. März 2021 E. 1.4 mit 

Hinweisen). 

3.3. Die Einwände der Verteidigung sind unbegründet. Mit Blick auf den Würge-

griff umschreibt die Anklageschrift den Vorwurf dahingehend, dass der Beschul-

digte den Privatkläger nach hinten zu Boden gezogen habe, wobei er ihn "mit sei-

nem rechten Arm von hinten am Hals gewürgt habe (Unterarmwürgegriff)" und 

zwar "so stark, dass dieser keine Luft mehr bekam, schwer atmete und in Panik 

- 20 -

geriet", er um Hilfe geschrien und mit der rechten Hand an den Arm des Beschul-

digten gegriffen habe, um Luft zu bekommen. Der Beschuldigte habe dem Privat-

kläger dabei auch mit der linken Faust ins Gesicht geschlagen, "während er ihn 

mit dem rechten Arm weiter würgte" und der Privatkläger durch das Würgen des 

Beschuldigten Atemnot gehabt habe und ihm Schwarz vor den Augen geworden 

sei (Urk. 19 S. 3 f.). Auch aus der weiteren sehr detaillierten Beschreibung des 

Vorfalls bzw. der Übergriffe auf den Privatkläger wird aus dem Anklagesachver-

halt klar, dass der Beschuldigte diesen weiterhin im Würgegriff behalten habe, 

insbesondere als ihn J._____ mit dem Messerschleifer habe stechen wollen, es in 

der Folge zu einem Gerangel um den Messerschleifer gekommen sei und er (der 

Privatkläger) den Autoschlüssel aus seiner Hosentasche hervorgeholt habe, wo-

bei der Beschuldigte den Würgegriff erst gelockert habe, als es dem Privatkläger 

– nach weiteren eingesteckten Schlägen und fortgesetztem Ringen um den Mes-

serschleifer – gelungen sei, den Notfallknopf am Telefon zu drücken (Urk. 19 

S. 4). Dass sich in der Anklageschrift keine Erwähnung einer genauen Zeitdauer 

in Minuten und Sekunden findet, ist in Anbetracht dieser detaillierten und chrono-

logischen Schilderung der Abläufe unter dem Gesichtspunkt des Anklagegrund-

satzes nicht zu beanstanden. Es steht ausser Frage, dass der Beschuldigte ge-

stützt darauf wusste, was ihm vorgeworfen wird und wogegen er sich zu verteidi-

gen hat. Nicht nachvollziehbar ist sodann die Rüge hinsichtlich der angeblich un-

genauen Umschreibung des Kicks gegen den Kopf des Privatklägers. Gemäss 

Anklageschrift soll der Beschuldigte den Privatkläger "in Fussballmanier mit voller 

Wucht mit dem rechten Bein ins Gesicht gekickt" haben, wobei in Klammern im 

Sinne einer Präzisierung noch der Begriff "Penalty" hinzugefügt wurde. Mit dieser 

sehr bildlichen Umschreibung des dem Beschuldigten vorgeworfenen Kicks unter 

Zuhilfenahme von Fussballmetaphern wird unmissverständlich klar, was ihm an-

gelastet wird. Nicht gefolgt werden kann der Verteidigung ferner, wenn sie be-

mängelt, dem Anklagesachverhalt könne nicht entnommen werden, welche durch 

den Beschuldigten vorgenommene Handlung einen angeblichen Tötungsversuch 

hätte darstellen sollen. Die Umschreibung der potentiell tödlichen Handlungen fin-

det sich in der Anklageschrift insbesondere im drittletzten Abschnitt des Anklage-

sachverhalts unter Ziffer 1.1: Demnach habe der Beschuldigte durch "die wuchti-

- 21 -

gen Schläge mit dem Messerschärfer sowie die mehrfachen heftigen Faust-

schläge und gezielten Kicke gegen den Kopf zumindest in Kauf [genommen], 

B._____ lebensgefährlich bzw. tödlich zu verletzen und [...] ihn durch das heftige 

und länger andauernde Würgen im Unterarmwürgegriff in Lebensgefahr" ge-

bracht. Der Beschuldigte habe auch gewusst, dass er "durch das Schlagen mit 

dem Messerschleifer gegen den Kopf von B._____ diesen hätte töten können" 

und habe dadurch, dass er diesen bis zur Atemnot würgte, dessen Tod billigend 

in Kauf genommen (Urk. 19 S. 6). 

3.4. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Sachverhalt zum Vorfall am 9. Mai 

2021 im I._____ in der Anklageschrift genügend umschrieben ist. Das Anklage-

prinzip wurde nicht verletzt. 

III. Sachverhalt

1. Ausgangslage / Anklage

1.1. Unbestritten und erstellt ist, dass der Beschuldigte am Sonntag, 9. Mai 2021 

zwischen ca. 02.15 Uhr und 03.15 Uhr zusammen mit J._____ (sep. Verfahren) 

aus dem Massnahmezentrum I._____ in N._____ zu fliehen versuchten und sie 

bei diesem Fluchtversuch den die Nachtwache versehenden Privatkläger, 

B._____, unter einem Vorwand in den Pavillon D lockten und ihn dort angriffen, 

um ihm den Autoschlüssel zu entwenden und sein Auto für die Flucht zu benut-

zen. Sie fügten ihm bei diesem Angriff diverse Verletzungen zu. Unbestritten und 

erstellt ist zudem, dass der Fluchtversuch mit dem Auto des Privatklägers auf-

grund der bereits eingetroffenen Polizeipatrouille misslang und die beiden alsdann 

zu Fuss Geflüchteten bald darauf im angrenzenden Waldgebiet gestellt und ver-

haftet wurden. 

1.2. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten – soweit noch nicht rechtskräf-

tig beurteilt – zusammengefasst im Wesentlichen vor, er sei mit J._____ zusam-

men auf den Privatkläger zugegangen, der nach Rücksprache in den Pavillon D 

zurückgekommen war und J._____ die Medikamente habe übergeben wollen. 

J._____ habe dem Privatkläger dessen Mobiltelefon entrissen und der Beschul-

- 22 -

digte habe dem Privatkläger darauf ohne Vorwarnung in den Bauch gekickt, habe 

den mitgebrachten Messerschleifer in die rechte Hand gleiten lassen und damit 

mindestens zweimal gegen die linke Gesichtshälfte des Privatklägers geschlagen. 

Nachdem J._____ ihm ein Glas gegen den Rücken geworfen gehabt habe, habe 

der Privatkläger die Flucht ergriffen und sei in Panik ins Erdgeschoss Richtung 

Ausgang gerannt. J._____ und der Beschuldigte seien ihm nachgerannt. Als der 

Privatkläger die Ausgangstür geöffnet gehabt habe, sei der Beschuldigte bereits 

hinter ihm gewesen und habe ihm mit dem ca. 30 cm langen Messerschleifer von 

hinten mit voller Wucht gegen den Kopf geschlagen, wodurch der Privatkläger 

beinahe das Bewusstsein verloren habe. Der Beschuldigte habe diesen dann im 

Aussenbereich angesprungen und nach hinten zu Boden gezogen, wobei er den 

Privatkläger mit seinem rechten Arm von hinten am Hals gewürgt habe (Unter-

armwürgegriff). Er habe den Privatkläger so stark gewürgt, dass dieser keine Luft 

mehr bekommen und schwer geatmet habe und in Panik geraten sei. Er habe um 

Hilfe geschrien und mit der rechten Hand an den Arm des Beschuldigten gegrif-

fen, um Luft zu bekommen. J._____ sei dazu gekommen und habe den Privatklä-

ger mindestens einmal gegen den Kopf und den Körper geschlagen. Der Privat-

kläger habe den beiden Angreifern gesagt, er habe drei Kinder und habe gefragt, 

was sie wollten. Diese hätten mit Fluchworten und Beleidigungen geantwortet und 

der Beschuldigte habe den Privatkläger daraufhin mehrfach mit der linken Faust 

ins Gesicht geschlagen, während er ihn weiter gewürgt habe. J._____ habe ihn 

derweil in den Bauch und gegen den Kopf gekickt. Der Privatkläger habe durch 

das Würgen Atemnot gehabt und es sei ihm schwarz vor den Augen geworden. 

Während der Beschuldigte den Privatkläger immer noch festgehalten und diesen 

mit seinen Beinen um den Bauch und die Beine umklammert habe, habe sich 

J._____ auf den auf dem Rücken liegenden Privatkläger gesetzt und diesem min-

destens drei Faustschläge ins Gesicht verpasst. Dann habe J._____ den am Bo-

den liegenden Messerschleifer geholt und habe versucht, mit diesem auf Hals und 

Gesicht des Privatklägers einzustechen bzw. ihn ihm Gesicht oder Hals zu verlet-

zen. Der Privatkläger habe dies verhindern können, indem er den Messerschleifer 

mit der linken Hand zu fassen bekommen und festgehalten habe. Währenddes-

sen habe der Beschuldigte wiederholt den Privatkläger mit der linken Faust gegen 

- 23 -

den Kopf geschlagen, damit dieser den Messerschleifer loslasse. Nachdem der 

Privatkläger, der Todesangst gehabt habe, erneut gefragt habe, was sie von ihm 

wollten, habe J._____ ihn unter Drohungen nach seinem Autoschlüssel gefragt. 

Der Privatkläger habe schliesslich den Autoschlüssel selbst aus seiner Hosenta-

sche genommen, den J._____ sofort behändigt habe. Der Privatkläger habe den 

beiden dann gesagt, sie hätten ja nun alles und sie sollten ihn in Ruhe lassen, 

worauf die beiden erwidert hätten, dass sie ihn töten würden. Der Beschuldigte 

habe den Privatkläger weiter mit der Faust ins Gesicht geschlagen, während der 

Privatkläger und J._____ um den Messerschleifer gekämpft hätten. Dabei habe 

J._____ das Telefon des Privatklägers fallen lassen. Mit letzter Kraft habe der Pri-

vatkläger J._____ den Messerschleifer entreissen und diesen so weit wie möglich 

wegwerfen können. Bei dieser Gelegenheit habe der Privatkläger sein Telefon er-

greifen, den Notfallknopf drücken und sich aus dem Würgegriff des Beschuldigten 

lösen können. Während er versucht habe, aufzustehen, habe ihn der Beschul-

digte wiederholt mit den Fäusten gegen seinen Kopf geschlagen, insbesondere im 

Bereich der Augen. Als sich der Privatkläger beim Aufstehen auf einer Bank abge-

stützt habe, habe der Beschuldigte in Fussballermanier mit voller Wucht mit dem 

rechten Bein ins Gesicht gekickt ("Penalty"). J._____ habe ihm schliesslich ge-

sagt, er solle sich verpissen, sonst bringe er ihn um. Der Privatkläger sei darauf in 

Richtung der geschlossenen Abteilung geflüchtet, wo er Hilfe habe holen können, 

währenddessen J._____ und der Beschuldigte zum parkierten Auto gegangen 

seien und mit diesem hätten fliehen wollen. Die Anklagebehörde wirft dem Be-

schuldigten vor, er habe durch die wuchtigen Schläge mit dem Messerschleifer 

sowie den mehrfachen heftigen Faustschlägen und gezielten Kicks gegen den 

Kopf zumindest in Kauf genommen, den Privatkläger lebensgefährlich bzw. töd-

lich zu verletzen. Er habe ihn durch das heftige und länger andauernde Würgen 

im Unterarmgriff in Lebensgefahr gebracht und habe gewusst, dass Schläge und 

Kicks gegen den Kopf einer Person geeignet seien, das Gehirn dieser Person ir-

reparabel zu schädigen und zum Tod zu führen. Er habe auch gewusst, dass sich 

der Privatkläger kaum wirksam habe gleichzeitig gegen den Würgegriff und die 

Schläge gegen seinen Kopf zur Wehr setzen können und die Angriffe gegen den 

am Boden liegenden Privatkläger daher von besonderer Gefährlichkeit gewesen 

- 24 -

seien. Schliesslich habe der Beschuldigte gewusst, dass er durch das Schlagen 

mit dem Messerschleifer gegen den Kopf den Privatkläger hätte töten können. In-

dem der Beschuldigte, in Mittäterschaft mit J._____, trotz Kenntnis dieser Risiken 

bei dem Angriff massive Gewalt gegen den am Boden liegenden Privatkläger an-

gewendet und ihn bis zur Atemnot gewürgt habe, habe er dessen Tod billigend in 

Kauf genommen (Urk. 19 S. 2-6).

1.3. Vom Beschuldigten unangefochten blieben zur vorliegend noch relevanten 

Anklageziffer 1.1 die Schuldsprüche betreffend Gewalt und Drohung gegen Be-

hörden und Beamte, die Hinderung einer Amtshandlung, die Beschimpfung und 

die Sachbeschädigung sowie die SVG-Delikte. Die diesbezüglichen Sachverhalts-

abschnitte können daher als erstellt betrachtet und zur Beweiswürdigung heran-

gezogen werden.

1.4. Dass der Privatkläger im Rahmen des Angriffs durch J._____ und den Be-

schuldigten eine Gehirnerschütterung, eine Vielzahl von Schwellungen und Haut-

unterblutungen im Bereich des Gesichts (dabei auch unter die Bindehaut beider 

Augen [Hyposphagmen]), der linken Schläfe und der rechten Wange, eine 5cm 

lange Riss-Quetsch-Wunde im Scheitelbereich, Hautdurchtrennungen sowie 

Hautunterblutungen und - schürfungen am Oberkopf, Gesicht, an den Beinen und 

dem Ellbogen erlitt, so dass er sich aufgrund dieser Verletzungen bis am 17. Mai 

2021 in Spitalpflege im Kantonsspital BF._____ befand, wird von keiner Seite be-

stritten. Die Verletzungsfolgen werden einzeln in der Anklageschrift unter Zif-

fer 1.1 aufgezählt (Urk. 19 S. 5) und sind insbesondere belegt durch das Gutach-

ten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel (kurz: IRM Basel) vom 

26. August 2021, das sich auf die Befunde der rechtsmedizinischen Untersuchung 

am 9. Mai 2021 ab 7.40 Uhr auf der Notfallstation des Kantonsspitals BF._____, 

BG._____, stützt (Urk. 8/12). Die Verletzungen sind zudem teilweise auf den Fo-

tos zu sehen, die vom Privatkläger offensichtlich im Spital aufgenommen wurden 

(Urk. 8/8 Beilagen).

- 25 -

2. Standpunkt des Beschuldigten / Beweisthema

2.1. Der Beschuldigte bestreitet, die Tat geplant zu haben und macht geltend, er 

habe spontan gehandelt. Betreffend die Tathandlungen anerkannte der Beschul-

digte, mit dem Messerschleifer gegen das Gesicht des Privatklägers einen Schlag 

geführt zu haben, machte aber geltend, er hätte die Schultern treffen wollen, da 

sich der Privatkläger bewegt habe, habe er ihn stattdessen aber am Kopf getrof-

fen. Weiter bestreitet der Beschuldigte insbesondere, den Privatkläger aktiv und 

sinngemäss gezielt am Hals angegriffen und ihn mit Absicht gewürgt zu haben. Er 

habe den Privatkläger um den Brustbereich/Bauch festhalten wollen und sei dann 

im Gerangel aus Versehen zum Hals hochgerutscht. Bei diesem Standpunkt blieb 

der Beschuldigte grundsätzlich auch in der Befragung an der Berufungsverhand-

lung, wobei er im Übrigen zur Sache von seinem Aussageverweigerungsrecht Ge-

brauch machte (Prot. II S. 36 ff.).

2.2. Die Verteidigung des Beschuldigten bestreitet zudem, dass sich der Privat-

kläger durch die Faustschläge, Fusstritte und das Würgen in unmittelbarer Le-

bensgefahr befunden habe. Es wird hauptsächlich geltend gemacht, die Schläge, 

Kicks und das Würgen seien nicht stark genug gewesen, um potenziell tödlich zu 

sein und damit den Tatbestand der versuchten Tötung zu erfüllen. Der vom Be-

schuldigten verwendete Messerschleifer sei aufgrund der geringen kinetischen 

Energie, die sich bei einem Schlag mit einem solchen erzeugen lasse, von vorn-

herein nicht geeignet, lebensgefährliche Verletzungen zuzufügen (Urk. 238 Rz 8). 

Hinsichtlich des "Gesichtspenaltys" sei – sofern dieser überhaupt als erstellt gel-

ten könne – jedenfalls nicht erstellt, mit welchem Teil des Beines und falls über-

haupt, mit welcher Wucht der Beschuldigte den Privatkläger am Kopf getroffen 

haben solle. Beim Privatkläger seien generell keine schweren oder lebensgefährli-

chen Verletzungen festgestellt worden (Urk. 238 Rz 18 ff.). Mit Blick auf das Wür-

gen sei nicht erstellt, dass dieses mehr als nur kurz gedauert habe. Jedenfalls 

lasse sich nicht erstellen, dass es genügend lange gedauert hätte, um daraus auf 

eine Gefährdung des Lebens oder eine Inkaufnahme einer Tötung zu schliessen. 

Es fehle an typischen Anzeichen wie Stuhl- und Urinabgang oder Punktblutungen, 

aus welchen auf ein lebensgefährliches Würgen geschlossen werden könnte. 

- 26 -

Auch eine Bewusstlosigkeit habe nie vorgelegen. Damit sei auch diesbezüglich 

nicht von einer Lebensgefahr auszugehen (Urk. 238 Rz 9 ff.). In subjektiver Hin-

sicht wendet die Verteidigung ein, es fehle am Vorsatz und auch am Eventualvor-

satz für eine Tötung. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass die bei-

den Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger die Absicht verfolgt hätten, diesen 

zu töten oder dass sie mit ihren Handlungen – soweit sich diese erstellen lassen 

würden – dessen Tod in Kauf genommen hätten. Im Ergebnis sei von einer ver-

suchten schweren Körperverletzung auszugehen (Urk. 238 Rz 23 ff.). 

2.3. Es ist mithin dem angeklagten Lebenssachverhalt folgend einerseits rechts-

genügend zu erstellen, dass der Schlag mit dem Messerschleifer von hinten auf 

den Kopf des Privatklägers, das Würgen am Hals sowie die Faustschläge und 

Fusstritte gegen Kopf und Körper des Privatklägers geeignet waren, diesen le-

bensgefährlich zu verletzen. Andererseits sind die Sachumstände zu erstellen, 

aufgrund derer auf das Wissen und den Willen des Beschuldigten in Bezug auf 

die ihm vorgeworfene versuchte vorsätzliche Tötung zu schliessen ist.

3. Vorbemerkungen

3.1. Nach dem im Strafprozess geltenden Untersuchungsgrundsatz gemäss 

Art. 6 StPO haben die Strafbehörden von Amtes wegen alle für die Beurteilung 

der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen abzuklären 

(Abs. 1). Dabei sind die belastenden und entlastenden Umstände mit gleicher 

Sorgfalt zu untersuchen (Abs. 2). Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht nur für 

die Strafverfolgungsbehörden, sondern auch für die Gerichte (BGE 147 IV 409 

E. 5.3.1; 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_574/2021 vom 

22. November 2021 E. 1.2; je mit Hinweisen). 

3.2. Zur freien Würdigung der Beweismittel und zur Unschuldsvermutung kann 

vorab auf die Erwägungen der Vorinstanz sowie auf die einschlägige Rechtspre-

chung des Bundesgerichts verwiesen werden (BGE 146 IV 88 E. 1.3.1; 145 IV 

154 E. 1.1; 144 IV 345 E. 2.2.3.2; 138 V 74 E. 3; 124 IV 86 E. 2a; je mit Hinwei-

sen). Die nachfolgenden allgemeinen Ausführungen verstehen sich als Ergänzun-

gen bzw. punktuelle Hervorhebungen zur Vorinstanz:

- 27 -

a) Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfah-

ren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Nach dem in Art. 10 Abs. 3 

StPO verankerten und aus der Verfassung fliessenden Grundsatz der Unschulds-

vermutung ("in dubio pro reo"; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) geht das 

Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus, wenn un-

überwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen Voraussetzungen 

der angeklagten Tat erfüllt sind. Der Grundsatz verbietet es, bei der rechtlichen 

Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt auszuge-

hen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte Zweifel 

bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine 

für die beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise nicht ausge-

schlossen werden kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt somit nicht. Auf 

der anderen Seite kann auch keine absolute Gewissheit verlangt werden; abs-

trakte und theoretische Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 

E. 2.2; 138 IV 74 E. 7; Urteil 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 13.1, nicht publ. 

in: BGE 143 IV 214). 

b) Die in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerte Unschuldsver-

mutung bedeutet, dass es Sache der Strafverfolgungsbehörden ist, der beschul-

digten Partei ihre Täterschaft nachzuweisen. Gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO muss 

sich die beschuldigte Person nicht selbst belasten. Sie hat namentlich das Recht, 

die Aussage und Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern. Sie muss sich aber 

den gesetzlich vorgesehenen Zwangsmassnahmen unterziehen. Das Recht zu 

schweigen und sich nicht selbst zu belasten, gehört zum allgemein anerkannten 

internationalen Standard eines fairen Verfahrens (BGE 147 I 57 E 5.1; 144 I 242 

E. 1.2.1; je mit Hinweis). Gegen das Verbot des Selbstbelastungszwangs ver-

stösst zum Beispiel ein strafbewehrter Befehl an die beschuldigte oder an eine 

andere aussageverweigerungsberechtigte Person, potentiell belastende Beweis-

unterlagen herauszugeben oder belastende Aussagen gegen sich oder (im Rah-

men des Aussageverweigerungsrechts) eine andere Person zu machen 

(BGE 142 IV 207 E. 8.3.1 mit Hinweisen). Unzulässig wäre es ferner auch, das 

Schweigen der beschuldigten Person als Indiz für ihre Schuld zu werten 

(BGE 138 IV 47 E. 2.6.1 mit Hinweisen). Demgegenüber ist es – wie das Bundes-

- 28 -

gericht unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichts-

hofs für Menschenrechte in Sachen John Murray gegen Vereinigtes Königreich 

(Urteil vom 8. Februar 1996, Nr. 18731/91) festgestellt hat – nicht ausgeschlos-

sen, das Aussageverhalten der beschuldigten Person in die freie Beweiswürdi-

gung miteinzubeziehen, so insbesondere, wenn sie sich weigert, zu ihrer Entlas-

tung erforderliche Angaben zu machen, bzw. es unterlässt, entlastende Behaup-

tungen näher zu substantiieren, obschon eine Erklärung angesichts der belasten-

den Beweiselemente vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des Bundes-

gerichts 6B_1202/2021 vom 11. Februar 2022 E. 1.8.2; 6B_1302/2020 vom 3. Fe-

bruar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in BGE 147 IV 176]; 6B_289/2020 vom 1. Dezem-

ber 2020 E. 7.8.1; je mit weiteren Hinweisen).

c) Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein in-

direkter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, 

die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu be-

weisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Der 

Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig. Eine Mehrzahl von Indizien, 

welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen 

lassen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den 

vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt (Urteile des Bundes-

gerichts 6B_790/2021 vom 20. Januar 2022 E. 1.2.3; 6B_1019/2021 vom 8. De-

zember 2021 E. 1.3.3; 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 [nicht publ. in: 

BGE 147 IV 176]; je mit Hinweisen). Der Indizienprozess als solcher verletzt we-

der die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teilrechte (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1097/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 3.2; 6B_1018/2021 vom 

24. August 2022 E. 2.1.1 f.; 6B_188/2022 vom 17. August 2022 E. 3.2; 

6B_245/2020 vom 6. Mai 2020 E. 3.3.3). Der Grundsatz "in dubio pro reo" als Ent-

scheidregel verlangt nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbe-

sehen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Ent-

scheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2; Urteile des 

- 29 -

Bundesgerichts 6B_1019/2021 vom 8. Dezember 2021 E. 1.3.3; 6B_1302/2020 

vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 [nicht publ. in: BGE 147 IV 176]; je mit Hinweisen). 

3.3. Zieht das Gericht mangels eigener Fachkenntnis eine sachverständige Per-

son bei, ist es bei der Würdigung des Gutachtens grundsätzlich frei. Ob das Ge-

richt die in einem Gutachten enthaltenen Erörterungen für überzeugend hält oder 

nicht und ob es dementsprechend den Schlussfolgerungen der Experten folgen 

will, ist mithin eine Frage der Beweiswürdigung. Die Beweiswürdigung und die Be-

antwortung der sich stellenden Rechtsfragen sind Aufgabe des Gerichts. Nach 

dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung entscheiden die Organe der Straf-

rechtspflege frei von Beweisregeln und nur nach ihrer persönlichen Ansicht auf-

grund gewissenhafter Prüfung darüber, ob sie eine Tatsache für erwiesen halten 

(vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Das Gericht ist somit nicht an den Befund oder die 

Stellungnahme des Sachverständigen gebunden. Es hat vielmehr zu prüfen, ob 

sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernst-

hafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen auf-

drängen. Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gutachten grundsätzlich der freien 

Beweiswürdigung unterliegt, darf das Gericht in Fachfragen nicht ohne triftige 

Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen begründen. Auf der anderen 

Seite kann das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf 

die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen gegen das Verbot der willkürli-

chen Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (BGE 146 IV 114 E. 2.1; 142 IV 49 

E. 2.1.3; 141 IV 369 E. 6.1; 136 II 539 E. 3.2; je mit Hinweisen). 

Erscheint dem Gericht die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punk-

ten zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zwei-

fel zu erheben. Ein Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügliche 

Grundlage dar, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien 

die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern. Das trifft etwa zu, 

wenn der Sachverständige die an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, seine 

Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in sich wider-

sprüchlich sind oder die Expertise sonstwie an Mängeln krankt, die derart offen-

sichtlich sind, dass sie auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind 

- 30 -

(BGE 141 IV 369 E. 6.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_356/2022 vom 23. Juni 

2023 E. 2.3.2; 6B_1087/2021 vom 22. Mai 2023 E. 3.3.2; 6B_766/2022 vom 

17. Mai 2023 E. 3.3, nicht publ. in BGE 149 IV 325; 6B_79/2023 vom 5. April 2023 

E. 1.4.1; 6B_1468/2021 vom 28. September 2022 E. 1.2.1; je mit Hinweisen).

3.4. Auf die einzelnen Beweismittel wird in den nachfolgenden Erwägungen – so-

weit für die Urteilsfindung relevant – zurückzukommen sein. Dabei ist schon an 

dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs zwar 

die Pflicht zur Berücksichtigung rechtzeitig und formrichtig gestellter Beweisan-

träge folgt, dies indessen nicht bedeutet, dass sämtliche angebotenen Beweise 

abgenommen werden müssen. Auch auf die Argumente des Beschuldigten bzw. 

der Verteidigung und der Vertretung des Privatklägers zur Sache ist im Rahmen 

der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 

Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in 

seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Ent-

scheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Partei-

standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrü-

cklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen 

Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt wer-

den, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid 

stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_259/2017 vom 

21. Dezember 2017 E. 1.2 je mit Hinweisen).

4. Tathandlungen

4.1. Angriff mit Messerschleifer

a) Durch übereinstimmende (und im Kontext auch einzeln als glaubhaft zu be-

urteilende) Aussagen ist zunächst einmal erstellt, dass der Beschuldigte für den 

Fall der Abwehr seitens des Privatklägers den Messerschärfer bzw. Messerschlei-

fer in der Form ähnlich eines grossen Schraubenziehers (siehe Foto des sicher-

gestellten Gegenstandes [Urk. 1/5/14; 1/5/22 letzte Seite]) mit einem ca. 11,5 cm 

langen Griff und einem ca. 31,5 cm langen Schleifstab aus Metall (gemäss Bericht 

der Forensik, Urk. 1/5/12-1/5/16) aus der Küche behändigt und gegen den Privat-

kläger eingesetzt hat, wobei ausser diesem kein anderer Gegenstand eingesetzt 

- 31 -

worden war (Beschuldigter [Urk. 1/5/8 Rz 152 ff., 156; insb. Urk. 3/3 Rz 32-42; 

Urk. 62 S. 22]; J._____ [Urk. 4/33 F/A 40-43, 56 und 80; Urk. 4/41 F/A 13]; Privat-

kläger [Urk. 1/5/7 S. 3; Urk. 4/31 Rz 183 ff.; Urk. 4/40 S. 9]), obwohl J._____ nach 

eigenen Angaben eine Kleiderstange in der Dusche für eine allfällige Verteidigung 

bereit gelegt hatte (Urk. 4/33 F/A 39-40), die ebenfalls sichergestellt wurde 

(Urk. 1/5/16 S. 7 und 1/5/22 [Foto]).

b) Gemäss den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und von 

J._____ setzte der Beschuldigte den Messerschleifer bereits auf dem Gang im 

Bereich der Duschen/WCs im 1. Obergeschoss des Pavillons ein, als er unvermit-

telt auf den Privatkläger losging, während dieser J._____ dessen Medikamente 

geben wollte, und jedenfalls noch bevor der Privatkläger die Treppe zum Ausgang 

hinunterrannte (Urk. 1/5/8 F/A 26-27; Urk. 62 S. 22 [Beschuldigter]; Urk. 4/33 F/A 

54 ff. [J._____]).

c) Erstellt ist somit, dass der Beschuldigte den Privatkläger bei den Duschen/ 

WC im 1. Obergeschoss des Pavillons unvermittelt angriff und ihm dabei den 

Messerschleifer gegen die linke Schläfe schlug, als der Privatkläger J._____ die 

Medikamente übergeben wollte, und nachdem J._____ diesem das Mobiltelefon 

vom Gürtel gerissen hatte. Dass der Privatkläger diesen Vorgang insofern abwei-

chend schildert, als dass er dann auf der linken Seite "glaube noch eine Faust" 

(Urk. 4/31 Rz 171) bzw. einen Kick und eine "Faust" (Urk. 4/40 S. 6) erhalten 

habe, vermag daran nichts zu ändern. Es ist nachvollziehbar, dass er aufgrund 

des überraschenden Angriffs nicht unterscheiden konnte, ob er einen Schlag mit 

der Faust oder mit einem Gegenstand erhielt, den er zuvor nicht gesehen hatte, 

da der Beschuldigte ihn ja im Ärmel versteckt hielt und ihn dann gemäss Aussage 

von J._____ aus dem Ärmel habe fallen lassen (Urk. 4/33 F/A 44). Ebenso ver-

mag der Umstand, dass er diesen Faustschlag in der Aussage der ersten Einver-

nahme morgens ab ca. 06.16 Uhr – und damit nur drei Stunden nach dem Angriff, 

als er sich noch im Spital in BG._____ befand (Urk. 1/5/7 S. 1) – in einen Kick ge-

gen den Bauch korrigierte (Urk. 1/5/7 S. 3) bzw. in einen Kick gegen den Bauch 

und einen Faustschlag gegen die linke Seite des Gesichts (Urk. 4/31 Rz 171; 

Urk. 4/40 S. 6), nichts an der im Übrigen absolut glaubhaften und überzeugenden 

- 32 -

Aussage des Privatklägers zu ändern (siehe dazu auch nachstehende 

Erw. III. 4.2.b). Aufgrund der übereinstimmenden Angaben der beiden Mitbeschul-

digten verbleibt kein Zweifel, dass beim Schlag gegen den Kopf des Privatklägers 

der Messerschleifer vom Beschuldigten eingesetzt worden war. Dabei wurde die-

ser Schlag gemäss den Aussagen der Beiden im 1. Obergeschoss des Pavillons 

im Bereich des Eingangs zu den Duschen/WCs gegen das Gesicht des Privatklä-

gers geführt. Aufgrund der von Anfang an erfolgten und anlässlich der vorinstanz-

lich wiederholten Zugabe seitens des Beschuldigten ist ebenfalls erstellt, dass er 

den Messerschleifer schwungvoll bzw. mit Wucht gegen den Kopf des Privatklä-

gers geschlagen hat (Urk. 1/5/8 F/A 21, 25; Urk. 3/3 Rz 28 ff.; Urk. 62 S. 22). 

d) Nach übereinstimmenden Aussagen der drei Beteiligten rannte der Privat-

kläger, nachdem ihm J._____ das Mobiltelefon vom Gurt gerissen hatte, vom 1. 

Obergeschoss nach unten zur Ausgangstüre und wollte fliehen. Zuerst der Be-

schuldigte und nach ihm auch J._____ rannten dem Privatkläger hinterher, wobei 

der Beschuldigte Letzteren bei der Ausgangstüre einholte (Privatkläger [Urk. 1/5/7 

S. 3; 4/31 S. 5; 4/40 S. 7]; Beschuldigter [Urk. 1/5/8 F/A 27; Urk. 62 S. 22]; 

J._____ [Urk. 4/33 F/A 12]). Dass es dort zu einem Gerangel zwischen dem Be-

schuldigten, der den Privatkläger an der Flucht hindern wollte, und diesem kam, 

ist unbestritten. Erstellt ist zudem aufgrund der übereinstimmenden Aussagen, 

dass der Beschuldigte dort vor der Türe im Aussenbereich des Pavillons den Pri-

vatkläger von hinten packte und ihn mit angewinkeltem Arm um den Hals würgte 

(Unterarmwürgegriff), worauf sie beide zu Boden gingen (Beschuldigter 

[Urk. 1/5/8 F/A 27; Urk. 3/3 Rz 63 ff.; Urk. 62 S. 22]; Privatkläger [Urk. 1/5/7 S. 3; 

4/31 S. 5 Rz 178, 193-195, 208-209, S. 8 Rz 321-337; S. 10 Rz 392; 4/40 S. 7]; 

J._____ [Urk. 4/33 F/A 12]). 

e) Auch wenn sich die Aussagen der beiden Mitbeschuldigten zum Einsatz des 

Messerschleifers durch den Beschuldigten gegen den Privatkläger samt und son-

ders auf die Vorgänge bei der Medikamentenübergabe im 1. Obergeschoss be-

ziehen (siehe vorstehende Erw. a-c) und der Privatkläger in der ersten Einver-

nahme noch keinen Schlag gegen den Kopf im Ausgangsbereich des Pavillons 

erwähnt hatte (Urk. 1/5/7), ist dieser feste Schlag durch den Beschuldigten von 

- 33 -

hinten gegen den Kopf des Privatklägers gemäss Anklage dennoch als erstellt zu 

betrachten. Wie nachfolgend noch im Einzelnen dargestellt wird, sind die Aussa-

gen des Privatklägers als sehr authentisch und glaubhaft zu qualifizieren. Dass er 

nach dem Schock, den er durch den Überfall erlitten hatte, später mit etwas Ab-

stand die genaueren und detaillierteren Angaben machen konnte (Urk. 4/31), ent-

spricht einer bei Opfern erfahrungsgemäss nach Schockzuständen oft vorkom-

menden Verfeinerung und Ergänzung der Erinnerung, welche die Glaubhaftigkeit 

der späteren genaueren Angaben nicht zu schmälern vermag. So sagte der Pri-

vatkläger bereits in seiner zweiten Einvernahme vom 21. Mai 2021 – mithin nur 

knapp zwei Wochen nach dem Vorfall – diesmal gegenüber der Staatsanwalt-

schaft – aus, kaum habe er die Türe geöffnet, habe ihn H._____ (H._____) "ge-

packt, von hinten einen Würgegriff gemacht und dann habe er etwas fest auf den 

Kopf bekommen", er sei nach draussen bei der Türe, es sei ein fester Schlag auf 

den Kopf gewesen; sie seien beide auf den Boden, H._____ habe ihn fest ge-

würgt, er habe nach Hilfe geschrien, gerufen, Angst gehabt, er habe ihm den 

Mund zugehalten (Urk. 4/31 Rz 174-179). Auf spätere Nachfrage in der gleichen 

Einvernahme, wer zuerst auf ihn losgegangen sei, nachdem er nach unten habe 

fliehen können, sagte der Privatkläger: "Ich habe nur den Arm gespürt, dass mich 

jemand würgt, ich habe einen Gegenstand auf den Kopf geschlagen erhalten, et-

was Festes, ich habe nicht gesehen mit was. Ich bin dann nach vorne zur Türe, 

der, der mich gehalten hat, war H._____, er hat mich nicht losgelassen" (Urk. 4/31 

S. 8 Rz 318-320). Damit übereinstimmend gab der Beschuldigte bereits in der 

ersten Befragung an, der Privatkläger sei nach unten gerannt; so wie er reagiert 

habe, habe er im Hof Hilfe holen wollen; er sei ihm die Treppe hinunter nachge-

rannt, habe ihn zurück gepackt, am Brustbereich gehalten und habe ihn ins Haus 

zurück zerren wollen. Irgendwie hätten sie es dann doch hingekriegt, dass sie 

beide vor der Türe gestanden seien, also draussen. Dann sei das Gerangel losge-

gangen. Er (sc. der Privatkläger) habe begonnen zu schreien. Er (der Beschul-

digte) sei noch nervöser geworden; er habe noch mehr nicht gewusst, wie er rea-

gierten sollte. Es habe ein grosses Gerangel gegeben. Sie seien dann am Boden 

gelegen (Urk. 1/5/8 F/A 27). Dass der Beschuldigte in seiner Deposition wie im 

übrigen auch in seinen späteren anderen Aussagen den konkreten Einsatz des 

- 34 -

Messerschleifers gegen den Privatkläger verschweigt, zeigt – angesichts der dies-

bezüglich klaren Aussage von J._____ – auch vor dem Hintergrund seines baga-

tellisierenden und dem Privatkläger implizit eine Mitschuld zuweisenden Aussage-

verhaltens (siehe nachstehende Erw. III. 4.2.b), III. 4.3, insb. III. 4.3.c) auf, dass 

auf seine Aussagen, soweit sie keine Zugaben sind, zweifelsfrei nur abgestellt 

werden kann, wenn sie durch weitere andere Personen und/oder Sachbeweise 

gestützt werden. Angesichts der Umstände, dass der Beschuldigte selbst und in 

Übereinstimmung mit J._____ zugab, den Messerschleifer behändigt und bei sich 

gehabt zu haben, und der Aussage des Privatklägers, dass dieser Gegenstand 

auch im Aussenbereich zum Einsatz kam, indem er diesen umgriff und nicht los-

zulassen versuchte, während er vom Beschuldigten gewürgt wurde (Urk. 1/5/7 

S. 3; Urk. 4/31 Rz 189 f., Urk. 4/40 S. 7), erscheint es auch logisch und nachvoll-

ziehbar, dass der Beschuldigte den Messerschleifer, den er bereits in der Hand 

gehalten und im 1. Obergeschoss eingesetzt hatte, nun auch gegen den Privat-

kläger einsetzte, als dieser aus dem Pavillon zu fliehen versuchte, zumal er die-

sen nach übereinstimmenden Aussagen als erster eingeholt hatte. Es bestehen 

nach dem Gesagten keine unüberwindbaren Zweifel, dass es sich bei dem Ge-

genstand, mit welchem dem Privatkläger im Bereich der Aussentüre auf den Kopf 

geschlagen wurde, um den Messerschleifer gehandelt hat und dass es der Be-

schuldigte war, der den Schlag ausführte. Mithin ist ebenfalls erstellt, dass der Be-

schuldigte diesen Messerschleifer im Ausgangsbereich des Pavillons mit Wucht 

von hinten gegen den Kopf des Privatklägers schlug. Dies ist auch mit dem Ver-

letzungsbild vereinbar, wies der Privatkläger doch am Oberkopf im Scheitelbe-

reich eine ca. 5 cm lange klaffende Hautdurchtrennung auf, deren Entstehung 

vom IRM Basel zwar nicht genau bestimmt und eine Zufügung mit der Faust nicht 

ausgeschlossen wurde, welche aber als mit einem Schlag mit einem Gegenstand 

durchaus vereinbar erachtet wurde (Urk. 8/12 S. 3 f.).

f) Im Rahmen der rechtlichen Würdigung wird allerdings aufgrund der erstell-

ten Fakten zu klären sein, ob aus diesen auf Vorsatz oder Eventualvorsatz zu 

schliessen ist oder nicht, da der Beschuldigte bereits in der ersten polizeilichen 

Einvernahme angegeben hatte, er habe den Privatkläger nur an der Schulter tref-

fen wollen, nicht jedoch am Kopf (Urk. 1/5/8 F/A 25). Wenn der Beschuldigte in 

- 35 -

der ersten Befragung diesbezüglich weiter erklärt, er habe aber die Kontrolle ver-

loren, weil sich der Privatkläger gewehrt habe und auf ihn zugerannt sei 

(Urk. 1/5/8 F/A 25), ist dies in Bezug darauf, dass der Privatkläger auf ihn zuge-

rannt sei, als unglaubhafte Schutzbehauptung zu qualifizieren. Der Privatkläger 

beschreibt detailliert und konstant, wie er für die Medikamentenübergabe den 

Raum, in dem sich die beiden befanden, nicht betreten, sondern vor dem Eingang 

gewartet und die rechte Hand mit den Medikamenten hingestreckt habe, als die 

beiden auf ihn zugelaufen und ihn angegriffen bzw. ihm das Telefon entrissen hät-

ten, worauf er sehr Angst bekommen und versucht habe, so schnell wie möglich 

die Treppe hinunter zu gelangen, um aus dem Gebäude zu flüchten (Urk. 1/5/7 

S. 6; Urk. 4/31 Rz 167 ff.; Urk. 4/40 S. 6). Nicht nur spricht der Umstand, dass der 

Privatkläger bewusst nicht in den Raum zu den beiden hineinging bzw. hernach 

sofort floh und wegrannte, gegen die Darstellung des Beschuldigten, wonach die-

ser auf ihn (den Beschuldigten) "zugerannt" sei, sondern auch seine eigenen Zu-

gaben, wonach er den Privatkläger "angegriffen" habe bzw. auf ihn losgegangen 

sei, "auf Adrenalin" gewesen sei (Urk. 1/5/8 F/A 20, 21) und die Kontrolle verloren 

habe (Urk. 1/5/8 F/A 28). Schliesslich sagt auch J._____ klar aus, der Beschul-

digte habe – nachdem er diesem selbst das Mobiltelefon vom Gürtel gerissen ge-

habt habe – auf einmal den Messerschleifer hervorgeholt und damit zweimal ge-

gen den Kiefer des Privatklägers geschlagen (Urk. 4/33 F/A 12). 

4.2. Faustschläge/Tritte gegen Kopf/Körper im Aussenbereich vor Pavillon 

a) Der Privatkläger sagte von Anbeginn in detaillierter freier Schilderung der 

Geschehnisse authentisch aus, was sich weiter ereignete, nachdem er unten bei 

der Ausgangstüre von den Angreifern eingeholt wurde.

aa) In der ersten Einvernahme knapp drei Stunden nach dem Angriff sagte der 

Privatkläger im Spital gegenüber der Polizei gemäss handschriftlichem Protokoll 

des befragenden Polizeibeamten Kpl. O._____ (Urk. 1/5/7 S. 1) aus, der Beschul-

digte habe ihn bei der Ausgangstüre beim Verlassen des Pavillons von hinten mit 

dem Würgegriff um den Hals gepackt, wobei sie beide zu Boden gegangen seien. 

Er habe um Hilfe geschrien, worauf ihm H._____ (H._____) den Mund zugehalten 

habe. J._____ (J._____) habe ihn in den Bauch gekickt und H._____ habe immer 

- 36 -

noch den Arm um seinen Hals gehabt. Er selbst habe seine rechte Hand am Arm 

von H._____ gehabt, damit er habe atmen können. Sie hätten seinen Autoschlüs-

sel gewollt und ihn immer wieder beschimpft. Er habe ihnen gesagt, er sei in sei-

ner rechten Hosentasche und er habe diesen J._____ ausgehändigt. Als er den 

scharfen Gegenstand, den J._____ in der Hand gehalten habe (sc. der Messer-

schleifer), mit seiner linken Hand habe festhalten können, habe ihm H._____ 

mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, damit er den Gegenstand los-

lasse (Urk. 1/5/7 S. 3-4). Er habe gesagt, sie sollten ihn nun in Ruhe lassen, sie 

hätten ja nun die Autoschlüssel, worauf sie ihm gesagt hätten, er solle die 

"Schnurre" halte. Er habe Angst gehabt, dass sie ihn nun fertig machen wollten. 

Da sei J._____ das Telefon heruntergefallen. Er habe das gesehen, habe sich be-

freien wollen, so dass er den Notfallknopf drücken könne. Darauf habe J._____ 

beim Gegenstand ein wenig locker gelassen, so dass er diesen habe wegreissen 

können. Er habe ihn weit weggeworfen, J._____ sei dem Gegenstand hinterher-

gerannt. Er habe den Alarmknopf beim Telefon drücken können. H._____ sei wü-

tend geworden und habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. J._____ sei 

zurückgekommen und habe mit dem Fuss gegen seinen Kopf geschlagen. Er 

habe sich befreien können, aber sie hätten weiter auf ihn eingeschlagen. Als er 

habe aufstehen können, habe J._____ mit dem scharfen Gegenstand vor ihm 

herum gefuchtelt und ihm gesagt, er solle abhauen, sonst würde er ihn abstechen 

(Urk. 1/5/7 S. 4).

bb) Diese Aussagen bestätigte der Privatkläger hernach konstant und ebenfalls 

mit eigenen Worten in freier Erzählung oder auf offene Fragestellungen in den 

weiteren Einvernahmen (Urk. 4/31 S. 2-7; Urk. 4/40 S. 4-6, 7-8, 11 ff.). In der par-

teiöffentlichen Befragung bei der Jugendanwaltschaft See/Oberland vom 8. Fe-

bruar 2022 schilderte er zudem eindrücklich, wie er seine rechte Hand an seinem 

Hals gehabt habe, damit er Luft bekomme und wie J._____ ihn dann überall hin 

gekickt habe, er habe ihn überall hin geschlagen, in den Bauch, er sei ihm in den 

Kopf "getrampt", auf die rechte Seite, als er am Boden gelegen sei (Urk. 4/40 

S. 7, 10). Er habe dann versucht mit ihnen zu sprechen, was sie wollten, was er 

ihnen gemacht habe, er habe drei Kinder, worauf sie ihm beschieden, den Mund 

zu halten. Sie hätten ihn dann weiter gekickt und H._____ habe ihm mit der Faust 

- 37 -

ins Gesicht geschlagen. Sie seien immer noch am Boden gewesen, H._____ hin-

ter ihm. Mit den Beinen habe er ihn im Bauchbereich umklammert, mit dem rech-

ten Arm habe er ihn gewürgt und mit der linken Hand habe er ihn gegen den Kopf 

geboxt. Als er ihn mit den Beinen eingeklemmt habe, habe ihm J._____ nochmals 

ein paar Tritte gegeben (Urk. 4/40 S. 7). Als H._____ ihn gewürgt habe, habe 

J._____ ihn gekickt und geschlagen, in den Bauch und mehrmals in den Kopf 

(Urk. 4/40 S. 10).

cc) Die vom Privatkläger geschilderte Abfolge der Ereignisse und die Beschrei-

bung der erfolgten Übergriffe erscheinen dabei durch die Art und Weise der Schil-

derung als äusserst realistisch, lebensnah und zeugen von selbst Erlebtem. Sie 

erweisen sich als durch und durch glaubhaft. Besonders glaubhaft wird die Aus-

sage zudem durch die Schilderung, wonach er wirklich sehr Angst gehabt habe 

und den beiden gesagt habe, er habe drei Kinder und er mache, was sie wollten, 

sie sollten ihn in Ruhe lassen (Urk. 1/5/7 S. 3, 4; Urk. 4/31 Rz 186 und 198 f., Rz 

364; Urk. 4/40 S. 11). Der Beschuldigte gab denn auch schon in der ersten Befra-

gung noch gegenüber der Polizei diesbezüglich an, dass ihm der Privatkläger ge-

sagt habe, er habe eine Familie und Kinder (Urk. 1/5/8 F/A 42). Die wenigen Un-

stimmigkeiten, so der erwähnte Einsatz des Messerschleifers im 1. Oberge-

schoss, aber auch der Umstand, dass er den Kick gegen den Kopf, der von den 

Mitbeschuldigten als "Penalty" bezeichnet wird (siehe nachstehende Erw. 4.2.c), 

zuerst J._____ zuordnet, statt wie später dem Beschuldigten (Urk. 4/40 S. 12), 

vermögen der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Privatklägers keinen Ab-

bruch zu tun. Bezeichnenderweise bestätigte der Beschuldigte vor Vorinstanz 

selbst, dass er betreffend die Konfrontationseinvernahme des Privatklägers 

(Urk. 4/40) den Eindruck gehabt habe, dieser habe die Wahrheit erzählt (Urk. 62 

S. 21).

dd) Nicht nur die übereinstimmenden Schilderungen des Privatklägers zu den 

einzelnen Tathandlungen der beiden Angreifer erscheinen realitätsnah und au-

thentisch, sondern insbesondere auch seine Darstellung, wie er Angst um sein 

Leben hatte, mit aller Kraft am Leben bleiben wollte und verzweifelt versuchte, 

sich zu befreien und wie es ihm dann im Einzelnen gelang: Dabei erwähnt der Pri-

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vatkläger, dass er für sich gedacht habe, dass er heute nicht sterben wolle und 

nochmals gefragt habe, was sie von ihm wollten, worauf sie ihm den Autoschlüs-

sel genannt hätten (Urk. 4/40 S. 7 f.). Er habe diesen aus seiner rechten Hosenta-

sche genommen, damit sie ihm glaubten, obwohl er dafür seine Hand am Arm 

von H._____ habe wegnehmen müssen. Als sie die Autoschlüssel gehabt hätten, 

habe er gesagt sie hätten ja jetzt alles, und sie gefragt, ob sie ihn loslassen könn-

ten, worauf sie gesagt hätten, er solle "die Schnurre halten", geflucht hätten und 

ihm gesagt hätten, sie würden ihn heute töten. Dann habe er immer weiter daran 

gedacht, wie er sich befreien könnte. Vom Schlag gegen den Kopf habe er sich 

kaum bewegen können. Er habe dann am "Schraubenzieher" gezogen, er (sc. 

J._____) auch, es sei hin und her gegangen. Er sei zwar Rechtshänder, aber er 

habe gezogen so fest er gekonnt habe. Bei diesem Hin und Her habe er (sc. 

J._____) das Telefon fallen lassen, das er von ihm genommen gehabt habe 

(Urk. 4/40 S. 8). J._____ habe dann den Griff etwas gelockert und er habe den 

Messerschleifer ergreifen können und so weit weg wie möglich weggeworfen. Als 

J._____ damit beschäftigt gewesen sei, den Schraubenzieher zu holen, habe er 

sich vom Griff von H._____ ein wenig lösen können, weil er nur noch mit einer 

Hand gewürgt und mit der anderen geschlagen habe. So habe er den Notfallknopf 

erreichen können. J._____ habe den Schraubenzieher gefunden und sei zurück-

gekommen, da habe H._____ ihm gesagt "das Arschloch hat den Alarm ge-

drückt". J._____ sei dann mit dem Schraubenzieher nahe zu ihm gekommen und 

habe gesagt, er solle sich "verpissen", sonst bringe er ihn um. Er sei dann in Rich-

tung geschlossene Abteilung weggegangen (Urk.4/40 S. 8). Auf Nachfrage präzi-

sierte der Privatkläger zum Ende des Überfalls, dass ihm der Beschuldigte, als er 

sich von ihm gelöst habe, ihm ein paar Fäuste gegeben habe. Als er sich auf der 

Bank abgestützt habe, um aufzustehen, habe ihm H._____ einen Kick ins Gesicht 

mit dem rechten Bein gegeben. Er habe nicht sofort aufstehen können, weil sein 

Kopf so schwer gewesen sei und sein Körper nicht ganz funktioniert habe 

(Urk. 4/40 S. 12). Diese Depositionen zeigen seine Überlegungen und Gefühle in 

durch und durch authentischer Weise auf. Da die Gedanken ans Überleben und 

die Befreiung für ihn in der damaligen Situation so zentral waren, erstaunt es 

- 39 -

nicht, dass er sich im Detail an die Umstände, wie er sich schliesslich befreien 

konnte, erinnert. An ihrem Wahrheitsgehalt bestehen daher keinerlei Zweifel.

b) Die Aussagen des Privatklägers werden im Grundsatz von den Angaben der 

beiden Beschuldigten bestätigt: Gemäss den Aussagen von J._____ habe der Be-

schuldigte den Privatkläger im Bereich der Ausgangstüre von hinten angesprun-

gen und in den Würgegriff genommen (Urk. 4/33 F/A 12, 76; Urk. 4/41 F/A 8), 

worauf beide zu Boden gegangen seien und der Beschuldigte den Privatkläger 

von hinten mit seinen Beinen umklammert habe. Sie hätten den Autoschlüssel 

vom Privatkläger gewollt, den dieser schliesslich aus seiner Hosentasche ausge-

händigt habe. Der Privatkläger habe sich gewehrt und J._____ mit den Füssen 

getreten, worauf sich dieser – immer noch gemäss eigenen Angaben – auf den 

Privatkläger gesetzt und ihn mit der Faust ins Gesicht (gegen den Kiefer, die 

Nase und unter das Auge) geschlagen habe, während der Beschuldigte den Pri-

vatkläger mit dem Ellenbogen auf die Nase geschlagen habe (Urk. 4/33 F/A 12, 

71, 77; Urk. 4/41 F/A 8). Nachdem der Privatkläger den Alarmknopf habe drücken 

und aufstehen können, als ihn der Beschuldigte losgelassen habe, habe ihm der 

Beschuldigte einen Penalty gegeben (Urk. 4/33 S. 3 F/A 12), wobei es sich dabei 

um einen Kick ins Gesicht handle, wie beim Fussball (Urk. 4/33 S. 3 F/A 13). Der 

Beschuldigte gab namentlich zu, versucht zu haben, dem Privatkläger während 

der Umklammerung von hinten den Mund zuzuhalten, ihn gewürgt und dabei wie-

derholt geschlagen zu haben und ihn gegen den Kopf getreten zu haben, nach-

dem er ob der Alarmierung wütend geworden sei, bevor sie dann weggerannt 

seien (Urk. 1/5/8 F/A 27, 37, 42 43 und 46; Urk. 3/3 S. 2 und 3; Urk. 62 S. 21 f.). 

Allerdings kann der Angabe des Beschuldigten in der ersten polizeilichen Einver-

nahme, wonach es bei ihm "gleich eine Grenze gezogen" habe, dass er "ihn nicht 

mehr weiter schlagen" würde, als der Privatkläger ihm gesagt habe, dass er eine 

Familie und Kinder habe, keinen Glauben geschenkt werden. Sie ist im Kontext 

des weiteren Verlaufs der Tathandlungen als weitere beschönigende Schutzbe-

hauptung zu qualifizieren, zumal erstellt ist, dass er dem Privatkläger vor dem fi-

nalen Wegrennen aus Wut noch einen Kick in Fussballermanier in den Kopf (von 

J._____ als "Penalty" beschrieben) gegeben hat, was – in dem Zeitpunkt – nicht 

einmal aus der Sicht der Beschuldigten ein anderes Ziel haben konnte, als ihn für 

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die Alarmierung noch kräftig zu "bestrafen", bzw. ihn nochmals richtig stark zu 

verletzen (Urk. 1/5/ Rz. 183 f: "Ich wurde tatsächlich wütend. Ich glaube, ich habe 

ihm dabei einmal gegen den Kopf getreten. Dann sind wir Richtung Auto wegge-

rannt." und Rz. 197 f. "Ich habe ihm einen Tritt gegen den Kopf verpasst.").

c) Gestützt auf die mit den detaillierten und authentischen Angaben des Privat-

klägers übereinstimmenden Aussagen der beiden Mitbeschuldigten sind die in der 

Anklage einzeln aufgezählten Tathandlungen im Aussenbereich des Pavillons 

ebenfalls beweismässig erstellt. Zur Intensität und Dauer des Würgens ist nach-

folgend noch im Einzelnen einzugehen.

4.3. Würgen im Aussenbereich vor dem Pavillon

a) Dass der Beschuldigte den Privatkläger mit dem angewinkelten Arm von hin-

ten würgte, als sie sich beide vor dem Pavillon draussen am Boden befanden, ist 

unbestritten. So antwortete der Beschuldigte vor Vorinstanz auf die Frage, ob er 

bestätigen könne, dass die Attacke gegen den Sicherheitsbeamten genauso ab-

gelaufen sei, wie in der Anklage beschrieben: "Zum grossen Teil ja. Ich wollte 

nicht im Kopfbereich mit der Stange treffen. Ich wollte die Schultern treffen. Weil 

er sich bewegt hat, habe ich den Kopf getroffen. Im Gerangel draussen habe ich 

ihn unbewusst gewürgt. Das beides wollte ich nicht" (Urk. 62 S. 22). 

b) Bestritten wird vom Beschuldigten insbesondere, dass er den Privatkläger 

von Anfang an am Hals würgte, indem er zum einen angibt, gemäss Protokoll sei-

ner Anwältin habe er ihn (sc. den Privatkläger) gewürgt. Wenn es so gewesen sei, 

dann sicher nicht extra. Sein Ziel sei es gewesen, ihn am Boden zu halten, indem 

ich ihn im Brustbereich festgehalten habe. Trotz dem grossen Gerangel sei er 

aber offenbar doch an seinem Hals angekommen. Er (der Privatkläger) habe sich 

so gewehrt, da sei es für ihn nicht einfach gewesen, ihn unter den Armen festzu-

halten. Dann sei er "offenbar an seinen Hals geraten", was er wirklich nicht ge-

wollt habe (Urk. 1/5/8 F/A 27). Auf Nachfrage, weshalb er nicht vom Privatkläger 

abgelassen habe, wenn sich dieser (nach den Aussagen des Beschuldigten) so 

gewehrt habe, sagt der Beschuldigte: "Weil ich gewusst habe, wenn er jetzt auf-

steht, dass er umgehend Hilfe holen würde und er den Alarm auslösen würde. Es 

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arbeiten immer zwei Leute im Nachtdienst. Einer in der Geschlossenen und einer 

draussen. Ich wollte ihn folglich nicht loslassen" (Urk. 1/5/7 F/A 28). In der Haf-

teinvernahme beschreibt er dies so, er sei wegen dem vielen Gewehre des Privat-

klägers von der Umfassung um dessen Brust zum Hals "hochgerutscht" (Urk. 3/3 

Rz 70-72). Er habe ihn "nicht aktiv" gewürgt (Urk. 3/3 Rz 74). Auf die Frage, wie 

lange dies gedauert habe, antwortete der Beschuldigte, das könne er nicht sagen, 

es sei schnell gegangen, aber die Zeit sei auch nicht vorbeigegangen (Urk.3/3 

Rz 79). Auf die Nachfrage, ob es ein paar Sekunden, eine halbe Minute oder län-

ger gedauert habe, antwortete der Beschuldigte "schon Minuten, doch" (Urk. 3/3 

Rz 81-82). Erst auf weitere Nachfrage, ob das Würgen oder das Gerangel Minu-

ten gedauert habe, antwortete er, das Gerangel habe Minuten gedauert, das Wür-

gen ein paar Sekunden (Urk. 3/3 Rz 84). Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte an, 

er habe den Privatkläger am Bauch halten wollen, im Gerangel habe er aber nicht 

denken können und sei dann zum Hals hinaufgerutscht. Auf den Einwand der 

Vorsitzenden, der Privatkläger habe geschildert, dass das Würgen lange gedauert 

habe, erklärte der Beschuldigte, er sei unter Stress gewesen und in der Situation 

unter Adrenalin sei kein Denken möglich gewesen. Weiter wendet er ein, es sei 

nicht absichtlich lange am Hals gewesen und dass es passiert sei, weil sich der 

Privatkläger massiv gewehrt habe (Urk. 62 S. 22-23).

c) Diese Aussagen des Beschuldigten zeigen deutlich auf, wie er seine Tat-

handlung bagatellisiert und die Verantwortung von sich weist. So beschreibt er 

den Würgevorgang in der passiven Form, so quasi es sei ihm passiert, dass er 

hochgerutscht sei, obwohl ein Würgevorgang von hinten gegen eine fliehende 

Person einem praktisch nicht "einfach so passieren" kann, sondern eine aktive 

Handlung erfordert. Abgesehen davon zeigt das Aussageverhalten des Beschul-

digten auf, dass er gar die Schuld auf das Opfer schiebt, wenn er sagt, das Wür-

gen sei auf dessen Abwehr zurückzuführen. Dies trifft auch auf seine Aussage in 

der ersten Befragung zu, wo er angab, der Privatkläger habe angefangen zu 

schreien, als das Gerangel angefangen habe und er selbst sei nervöser geworden 

und habe noch mehr nicht gewusst, wie er reagieren solle (Urk. 1/5/8 F/A 27 Rz 

96 ff.). Dabei blendet der Beschuldigte vollständig aus, dass die Türe zum Pavil-

lon gemäss unbestrittener Darstellung des Privatklägers nie verschlossen ist, 

- 42 -

bzw. dass sie mittels Drehknopf von innen ohne weiteres zu öffnen ist, und die 

beiden Angreifer einfach hätten durch die Türe gehen und davonrennen können 

(Urk. 1/5/7 S. 3; Urk. 4/31 Rz 173, 347; Urk. 4/40 S. 6), nachdem der Privatkläger 

vor ihnen weggerannt war. Auch bezüglich der Dauer des Würgens bagatellisiert 

der Beschuldigte seine erste Aussage. Da räumte er selbst auf Frage noch ein, 

dass das Würgen "schon Minuten gedauert" habe, um dann, erneut konfrontiert, 

dahingehend abzuschwächen, dass das "Gerangel" und nicht das Würgen so 

lange gedauert habe. Im Gegensatz dazu hatte er noch in der ersten Aussage auf 

die Frage, wie es denn hätte weitergehen sollen, wenn sich der Privatkläger so 

gewehrt habe und er ihn nicht habe loslassen können, weil er sonst Hilfe geholt 

hätte, angegeben "Wenn ich ehrlich bin, habe ich da nicht so weit überlegt. Wenn 

es so gekommen wäre, hätte ich ihn einfach weiter festgehalten und gehofft, dass 

alles gut kommt" (Urk. 1/5/8 F/A 29). Das Aussageverhalten des Beschuldigten 

macht deutlich, dass er seine Tatanteile beschönigt und was ihn belastet, so weit 

wie möglich bestreitet. Auf seine Aussagen kann daher nur abgestellt werden, 

wenn sie von Sachbeweisen oder anderen glaubhaften Aussagen bestätigt wer-

den.

d) Wesentlich kann daher auch zum Würgen auf die Aussagen des Privatklä-

gers abgestellt werden, zumal der Beschuldigte selbst vor Vorinstanz dessen An-

gaben in der parteiöffentlichen Einvernahme vom 8. Februar 2022 gegenüber der 

Jugendanwaltschaft See/Oberland als wahrheitsgemäss bestätigte (Urk. 62 

S. 21). Der Privatkläger sagte zum Würgen im Einzelnen wie Folgt aus: 

aa) In der ersten Befragung rund drei Stunden nach der Tat gab er an, J._____ 

(J._____) habe ihn in den Bauch gekickt und H._____ habe immer noch den Arm 

um seinen Hals gehabt. Er selbst habe seine rechte Hand am Arm von H._____ 

gehabt, damit er habe atmen können (Urk. 1/5/7 S. 3). In der Befragung knapp 

zwei Wochen später schildert er den Angriff ausführlicher und detaillierter. Zum 

Vorfall mit dem Würgen sagte er aus, H._____ habe ihn "fest gewürgt", er habe 

nach Hilfe geschrien, gerufen, er habe Angst gehabt (Urk. 4/31 S. 5 Rz 178). 

H._____ habe ihm den Mund zugehalten und gesagt, er solle nicht schreien; er 

habe gesagt "ok, aber macht mir nichts" (Urk. 4/31 S. 5 Rz 180). H._____ habe 

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dann angefangen, mit der Faust immer "wie mehr" zu schlagen, damit er den 

"Schraubenzieher" loslasse, damit der andere ihm damit in den Hals stechen 

könne. Er habe gesagt, der Autoschlüssel sei in seiner Hosentasche (Urk. 4/31 S. 

5 Rz 190-192). Erneut schildert der Privatkläger sodann, dass seine rechte Hand 

bei H._____, der ihn gewürgt habe, gewesen sei, damit er noch Luft bekomme 

(Urk. 4/31 S. 5 Rz 193-195). Als J._____ den Autoschlüssel genommen habe, 

habe er (der Privatkläger) ihnen gesagt "jetzt habt ihr den Autoschlüssel, jetzt 

könnt ihr mich in Ruhe lassen". Sie hätten aber gesagt "wir werden dich nicht in 

Ruhe lassen, wir werden dich töten". Nachdem er alles gemacht habe, was sie 

von ihm verlangt hätten, habe er für sich gedacht, das sei für ihn die Endstation 

(Urk. 4/31 S. 5 Rz 195-198). Er schildert, wie J._____ den Autoschlüssel gehabt 

und immer noch den Schraubenzieher zu entreissen versucht habe, während 

H._____ immer noch auf ihn eingeschlagen habe, er selbst aber mit letzter Kraft, 

auch wenn sein Kopf so schwer gewesen sei, den Schraubenzieher nicht habe 

loslassen wollen, weil er nicht habe sterben wollen und ihn schliesslich habe so 

weit wie möglich wegwerfen können (Urk. 4/31 S. 5 Rz 200-207). Als J._____ den 

Schraubenzieher holen gegangen sei, habe er eine Hand frei gehabt, die andere 

sei noch immer da (greift sich an den Hals) gewesen, und habe den Knopf am Te-

lefon gedrückt, den Alarm in der Zentrale, bei der Polizei in BG._____, ausgelöst 

(Urk. 4/31 S. 5 Rz 208-210). Er habe sich dann versucht von H._____ zu befreien 

und sei langsam vom Boden hoch, der andere (sc. der Beschuldigte) auch. Er 

habe ihm ein paar Fäuste aufs Auge gegeben, dann habe sich der Beschuldigte 

etwas entfernt und er sich selbst auch (Urk. 4/31 S. 6 Rz 210-212). Auf Nachfrage 

wie er gewürgt worden sei, demonstriert dies der Privatkläger mit angewinkeltem 

Arm und erläutert, es sei das "Würgeding, bei dem man keine Luft mehr be-

kommt" gewesen. Er habe mit seiner rechten Hand ihn so gefasst, dass man Luft 

bekomme. Er (der Beschuldigte) sei auch einer der boxt. Der Beschuldigte habe 

gesagt, er sei Boxer und dass er dies im Gefängnis gelernt habe. Er (der Beschul-

digte) sei ziemlich schnell und kräftig (Urk. 4/31 S. 8 Rz 322-326). Den Einwand 

des Beschuldigten, er sei aus Versehen an seinen Hals gekommen, bestreitet der 

Privatkläger. Er sagt aus, der Beschuldigte sei direkt an seinem Hals gewesen, 

auch am Boden. Er sei mit ihm auf dem Boden gewesen, bis er den Schrauben-

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zieher (sc. den Messerschleifer) habe wegwerfen können. Erst dann, als der an-

dere den Schraubenzieher holen gegangen sei, habe er sich befreien können; bis 

dahin sei er (sc. der Beschuldigte) ihn am Würgen und Schlagen gewesen und 

der andere zuvor mit Fusstritten (Urk. 4/31 S. 8 Rz 331-334). Er habe am Hals 

wie Muskelkater gehabt, er habe Schmerzen im Halsbereich gehabt, nicht in der 

Brust (Urk. 4/31 S. 8 Rz 336-337).

bb) In der parteiöffentlichen Befragung am 8. Februar 2022 bestätigte der Privat-

kläger diese Aussagen, indem er die Geschehnisse noch einmal in freier Rede 

schilderte (Urk. 4/40; siehe dazu auch oben Erw. 4.1.c und 4.2). Zum Würgevor-

gang bestätigte er zum einen, dass ihn der Beschuldigte bis zum Zeitpunkt, als er 

den Messerschleifer wegwerfen konnte, gewürgt habe. Zum anderen verneinte er, 

sich gewehrt und auch geschlagen zu haben. Er sagte aus, H._____ und er seien 

am Boden gewesen und er habe ihn von hinten gewürgt, er sei dort fast "K.O." 

gewesen. Bis er zu sich gekommen sei, sei es eine Weile gegangen (Urk. 4/40 

S. 9). Weiter sagte er aus, der Beschuldigte habe ihn, kaum sei die Ausgangstüre 

aufgegangen, sofort am Hals gewürgt. Er habe einfach keine Luft mehr bekom-

men. Er habe schwer geatmet. Da habe er seine rechte Hand genommen, um 

sich ein wenig zu lösen, und habe dann "Hilfe, Hilfe" geschrien, worauf der Be-

schuldigte ihm mit der anderen Hand den Mund zugehalten habe. Er bestreitet, 

dass der Beschuldigte ihn zuerst am Bauch gewürgt habe und sagt aus, er habe 

ihn direkt am Hals gewürgt. Er habe dann auch Schmerzen am Hals gehabt und 

längere Zeit Muskelkater am Hals; beim MRI sei aber nichts gefunden worden 

(Urk. 4/40 S. 10).

cc) Wie zuvor ausgeführt, bestehen an der Authentizität und dem Erlebnisgehalt 

der Aussagen des Privatklägers keinerlei Zweifel. Es fehlt auch jeglicher Belas-

tungseifer oder übertriebene Belastungstendenz.

dd) Es ist daher als erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte den Privatklä-

ger im Bereich der Ausgangstüre sofort von hinten mit dem Unterarmwürgegriff 

am Hals attackierte. Dabei bekam der Privatkläger kaum mehr Luft, konnte seine 

Atmung schliesslich aber dadurch erleichtern, dass er seine rechte Hand an den 

Hals nahm, wo er vom Beschuldigten gewürgt wurde, so dass er besser atmen 

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konnte. Anders wäre auch nicht erklärbar, wie er während des Würgevorgangs 

nach allseits übereinstimmenden Angaben noch mit dem Beschuldigten und 

J._____ hätte kommunizieren können. Dass ein gegenseitiger Austausch, na-

mentlich betreffend der Autoschlüssel und zur familiären Situation des Privatklä-

gers, stattfand, ist nach den Erwägungen zu den Tathandlungen draussen erstellt. 

Einhergehend mit den als glaubhaft zu beurteilenden und konstanten Aussagen 

des Privatklägers auch zu den resultierenden Halsschmerzen bzw. dem Muskel-

kater am Hals ist ebenfalls erstellt, dass ihm durch das Würgen zumindest zeit-

weise das Atmen derart erschwert wurde, dass er fast "K.O." war, bzw. nur 

schwer atmen konnte. Gestützt auf die detaillierte Beschreibung des Ablaufs der 

Ereignisse durch den Privatkläger, die im Kern von J._____ bestätigt werden, und 

die ersten Aussagen des Beschuldigten zur Dauer des Würgens (siehe vorste-

hende Erw. 4.3.b) sowie die glaubhaft vom Privatkläger geschilderten Folgen, 

ist schliesslich davon auszugehen, dass das Würgen nicht nur Sekunden, son-

dern durchaus einige Minuten gedauert hat, wobei dem Privatkläger zwischenzeit-

lich auch kurz schwarz vor den Augen wurde, wie er gegenüber den ihn untersu-

chenden Ärzten angegeben hatte (Urk. 8/12 S. 2). Soweit die Verteidigung argu-

mentiert, die Dauer und Intensität des Würgens könne bereits deshalb nur sehr 

kurz bzw. gering gewesen sein, da der Privatkläger sonst relativ schnell ohnmäch-

tig geworden sein müsste, ist zu konstatieren, dass die vom Privatkläger auf sei-

nen Hals erfahrene Einwirkung sicherlich nicht durgehend gleich stark gewesen 

sein konnte. Das vermag den Beschuldigten jedoch nicht zu entlasten, insofern 

dies nicht auf eine allfällige Zurückhaltung seinerseits zurückzuführen ist, sondern 

vielmehr auf den Umstand, dass sich der Privatkläger wie dargelegt heftig wehrte 

und es ihm mit seiner Hand gelang, den Druck auf seinen Hals zwischenzeitlich 

etwas abzumildern und bei Bewusstsein zu bleiben. Gleichzeitig machte es die 

fortwährende Dynamik des Gerangels zwischen dem Beschuldigten und dem Pri-

vatkläger am Boden unter gleichzeitiger verschiedentlicher Einwirkung durch 

J._____ (Schläge, Bedrohung mit dem Messerschleifer, den der Privatkläger zu 

fassen bekam und festhalten konnte) für den Beschuldigten gerade unmöglich, 

die Intensität des Würgens genau zu dosieren. 

e) Nach dem Gesagten ist der Anklagesachverhalt auch diesbezüglich erstellt.

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4.4. Geplante oder spontane Tat?

a) Mit seinen bagatellisierenden Einwendungen blendet der Beschuldigte zu-

dem ebenfalls vollständig aus, dass der Angriff auf den Privatkläger mit J._____ 

geplant und nicht aus dem Moment heraus entstanden war. Er lässt bei seinen 

Aussagen unberücksichtigt, dass der Angriff der Flucht aus dem Massnahmezen-

trum I._____ dienen sollte und insbesondere beabsichtigt war, dazu das Auto des 

Privatklägers zu benutzen. Es trifft nicht zu, dass die Flucht eine spontane Aktion 

gewesen sei, wie der Beschuldigte manchmal geltend machte (Urk. 3/3 Rz 110). 

Wie er in seiner ersten Befragun