# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac1079cd-ce98-5584-9676-ad2aff219957
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-07-10
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 10.07.2014 SU130083
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SU130083_2014-07-10.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SU130083-O/U/cs

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, und lic. iur. Ruggli, die 

Ersatzoberrichterin lic. iur. Bertschi sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw Mondgenast 

Urteil vom 10. Juli 2014

in Sachen

A._____, 

Beschuldigte und Berufungsklägerin

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Stadtrichteramt Zürich, 

Untersuchungsbehörde und Berufungsbeklagte

betreffend Nichtgewähren des Rechtsvortritts  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung -

Einzelgericht, vom 5. September 2013 (GC130129)

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Strafverfügung:

Der Strafbefehl des Stadtrichteramts Zürich vom 24. Juni 2011 ist diesem Urteil 

beigeheftet (Urk. 2/1).

Urteil der Vorinstanz:

1. Die Einsprecherin ist schuldig des Nichtgewährens des Rechtsvortritts im 

Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 aSVG und 

Art. 14 Abs. 1 VRV.

2. Die Einsprecherin wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–.

3. Bezahlt die Einsprecherin die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 600.–. Allfällige weitere Ausla-

gen bleiben vorbehalten. 

5. Die Gerichtskosten werden der Einsprecherin auferlegt. Über diese Kosten 

stellt die Gerichtskasse Rechnung.

Die Kosten des Strafbefehls Nr. … vom 24. Juni 2011 und die nachträgli-

chen Untersuchungs- sowie Überweisungskosten von insgesamt Fr. 900.–

werden der Einsprecherin auferlegt. Über diese Kosten sowie die Busse von 

Fr. 300.– stellt die Kasse des Stadtrichteramts Rechnung.

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Berufungsanträge:

des Verteidigers der Beschuldigten:

(Urk. 46 S. 2)

1. Der Entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom 5. September 2013 sei 

vollumfänglich aufzuheben;

2. Die Berufungsklägerin sei von Schuld und Strafe freizusprechen; 

3. Die Berufungsklägerin sei von der Pflicht zur Bezahlung einer Ein-

schreibegebühr für das Berufungsverfahren zu befreien. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

_____________________________

Erwägungen:

I. Verfahren

Am 24. Juni 2011 wurde die Beschuldigte mittels Strafbefehl des Stadtrich-

teramts Zürich wegen Nichtgewährens des Rechtsvortritts im Sinne von Art. 90 

Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 aSVG und Art. 14 Abs. 1 VRV mit 

einer Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 2/1). Die Beschuldigte erhob mit Schrei-

ben vom 8. Juli 2011 (Poststempel vom 11. Juli 2011) fristgerecht Einsprache ge-

gen den Strafbefehl und hielt auch nach Abschluss der Untersuchung durch das 

Stadtrichteramt daran fest (Urk. 3, 4 und 19). Mit Eingabe vom 22. Mai 2013 

überwies das Stadtrichteramt die Akten ans Bezirksgericht Zürich mit dem Antrag, 

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den Strafbefehl zu bestätigen und die Untersuchungskosten der Beschuldigten 

aufzuerlegen (Urk. 22). 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 

5. September 2013 wurde die Beschuldigte wegen Nichtgewährens des Rechts-

vortritts im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 aSVG 

und Art. 14 Abs. 1 VRV mit einer Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 35). Dagegen 

meldete sie mit Eingabe vom 12. September 2013 Berufung an (Urk. 27). Mit Prä-

sidialverfügung vom 7. Januar 2014 wurde festgehalten, dass die genannte Beru-

fung den Anforderungen, welche das Gesetz an eine Berufungserklärung stellt, 

genügt und die Berufungserklärung sodann dem Stadtrichteramt zugestellt 

(Urk. 38). Anschlussberufung wurde nicht erhoben. 

Mit Beschluss vom 7. Februar 2014 wurde die schriftliche Durchführung der 

Berufungsverhandlung angeordnet (Urk. 41). Mit Schreiben vom 21. Februar 2014 

beantragte die erbetene Verteidigung, der Beschuldigten sei die unentgeltliche 

Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren (Urk. 43), was mit Be-

schluss vom 27. Februar 2014 wegen Vorliegens eines Bagatellfalls ohne beson-

dere rechtliche und tatsächliche Schwierigkeiten abgewiesen wurde (Urk. 44). Die 

Berufungsbegründung der Beschuldigten erfolgte innert erstreckter Frist mit Ein-

gabe vom 19. März 2014, mit dem Antrag, das vorinstanzliche Urteil sei vollum-

fänglich aufzuheben; sie sei von Schuld und Strafe freizusprechen und von der 

Pflicht zur Bezahlung einer Einschreibegebühr für das Berufungsverfahren zu be-

freien (Urk. 46). Anschliessend wurde mit Präsidialverfügung vom 21. März 2014 

dem Stadtrichteramt Frist zur Einreichung der Berufungsantwort angesetzt und 

der Vorinstanz Gelegenheit zur freigestellten Vernehmlassung eingeräumt 

(Urk. 48). Der vorinstanzliche Verzicht auf Vernehmlassung erfolgte mit Datum 

vom 27. März 2014 (Urk. 50/1). Innert Frist ging keine Berufungsantwort des 

Stadtrichteramts ein, weshalb androhungsgemäss von einem Verzicht auszuge-

hen ist. Damit erweist sich das Berufungsverfahren als spruchreif. 

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II. Prozessuales 

Bildeten ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen 

Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-

teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich 

unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Be-

weise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO). Mit der Berufung 

bei Übertretungen können Fehler bei der Anwendung des anwendbaren materiel-

len oder formellen Rechts geltend gemacht werden, insbesondere des StGB und 

der StPO. Gerügt werden können sodann Überschreitungen und Missbrauch des 

Ermessens sowie Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, nicht aber blosse 

Unangemessenheit (Schmid, Handbuch StPO, N 1538). Soweit die Beweiswürdi-

gung bzw. die Feststellung des (rechtmässig erhobenen) Sachverhalts gerügt

wird, beschränkt sich die Überprüfung auf offensichtliche Unrichtigkeit, also auf 

Willkür (Hug in: Donatsch, Hansjakob, Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-

schen Strafprozessordnung, Art. 398 N 23). Gerügt werden können damit nur kla-

re Fehler bei der Sachverhaltsermittlung, wobei zunächst an Versehen und Irrtü-

mer, ferner an Diskrepanzen zwischen der sich aus den Akten sowie der Haupt-

verhandlung ergebenden Beweislage und den Feststellungen im Urteil zu denken 

ist. In Betracht fallen sodann Fälle, in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung 

auf einer Verletzung von Bundesrecht, vorab der StPO selbst beruht. Zu denken 

ist weiter an Fälle, in denen die an sich zur Verfügung stehenden Beweismittel of-

fensichtlich ungenügend ausgeschöpft wurden, also der Sachverhalt unvollständig 

festgestellt und damit der Grundsatz der Wahrheitsforschung von Amtes wegen 

missachtet wurde (Schmid, a.a.O., N 1538).

III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Im Strafbefehl des Stadtrichteramts Zürich vom 24. Juni 2011 wird der 

Beschuldigten vorgeworfen, sie habe am 8. April 2011 um ca. 11.10 Uhr auf Höhe 

des Hauses …-platz …, Fahrtrichtung …-strasse in Zürich 1, infolge mangelnder 

Aufmerksamkeit als Lenkerin des Personenwagens BMW ZH … den Rechtsvor-

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tritt nicht gewährt, wobei es zur Kollision mit einem von rechts kommenden Per-

sonenwagen gekommen sei, dessen Lenkerin (B._____) ebenfalls (wegen Nicht-

anhaltens trotz Kollisionsgefahr) bestraft worden sei (Urk. 2/1). 

2. Die Vorinstanz hielt fest, es sei unbestritten, dass B._____ als von 

rechts kommende Lenkerin vortrittsberechtigt gewesen sei. Die Beschuldigte hät-

te grundsätzlich vor der Einmündung der Spur von B._____ anhalten müssen, um 

diese nicht in ihrer Fahrt zu behindern, was ihr an besagter Stelle durchaus mög-

lich gewesen wäre; ihre Behauptung, sie wäre dabei auf den Tramgeleisen zum 

Stehen gekommen, sei faktenwidrig. Die Beschuldigte sei unbestrittenermassen 

zugefahren, obwohl sich B._____ bereits an bzw. nahe der Kreuzung befunden 

habe und sie diese auch gesehen habe (Urk. 35 S. 8 f.). 

3. Die Verteidigung macht eine offensichtlich unrichtige Feststellung des 

Sachverhalts geltend. Sie führte in ihrer Berufungsbegründung diesbezüglich aus, 

die Vorinstanz habe sich für die Sachverhaltserstellung auf den Polizeirapport 

vom 28. April 2011 gestützt, welcher zwar grösstenteils im Beisein der Beschul-

digten und B._____ verfasst, jedoch von beiden nicht unterzeichnet worden sei. 

Mangels Protokollierung seien die im Rahmen der polizeilichen Unfallaufnahme 

angeblich gemachten Aussagen für die Sachverhaltsermittlung schlicht unver-

wertbar. Die angeblichen Aussagen nach dem Unfall bzw. das Polizeiprotokoll 

seien demzufolge nicht zu berücksichtigen. Die Vorinstanz habe zur Sachver-

haltsfeststellung weder den rapportierenden Stadtpolizisten noch Zeugen des Un-

falls einvernommen. Auch sei B._____ erst zwei Jahre nach dem Unfallzeitpunkt 

und entsprechend zu spät zum Protokoll befragt worden, weshalb sie aufgrund 

fehlender Erinnerung keine Aussagen machen konnte. Deshalb sei die protokol-

lierte Aussage der Beschuldigten vom 12. Februar 2013 das einzig verlässliche 

Beweismittel. Aufgrund des Ausgeführten sei davon auszugehen, dass die Be-

schuldigte am Unfalltag als letzte in ihrer Kolonne langsam über die Kreuzung ge-

fahren sei, während B._____ aufgrund von Fussgängern am Fussgängerstreifen 

habe warten müssen. Die Beschuldigte habe sich, ebenfalls durch die Vielzahl der 

Fussgänger beeinträchtigt, zum Abbremsen gezwungen gesehen und sei nach 

den Tramgeleisen auf Höhe des erwähnten Fussgängerstreifens, bereits im Ver-

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zweigungsbereich, zum Stillstand gekommen. Sie habe sich einer Pflichtenkollisi-

on gegenüber gesehen, weshalb ihr kein Vorwurf gemacht werden könne und sie 

freizusprechen sei (Urk. 46 S. 3 f.). 

4. Die Vorinstanz stützt sich für die Erstellung des Sachverhalts auf die 

Aussagen der Beschuldigten und B._____. Beide wurden nach dem Unfall durch 

die Polizei befragt, was im Polizeirapport festgehalten wurde (Urk. 1/1 S. 5). An-

lässlich der Durchführung der Untersuchung wurde die Beschuldigte sodann am

12. Februar 2013 und B._____ am 21. März 2013 (in Anwesenheit der Beschul-

digten) durch die Stadtrichterin einvernommen. Die Beschuldigte hatte die Mög-

lichkeit, B._____ Ergänzungsfragen zu stellen und beiden wurde der Polizeirap-

port vorgehalten. B._____ verwies zudem auf ihr unmittelbar nach dem Unfall ver-

fasstes Schreiben zuhanden ihrer Versicherung (Urk. 16/2). Weiter berücksichtig-

te die Vorinstanz auch die Einsprache der Beschuldigten sowie ihre Aussagen an-

lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 5. September 2013 (Urk. 3 

und Prot. I S. 5 ff.). Sodann liegen die polizeilichen Übersichts- und Schadensfo-

tografien sowie eine Skizze zum Unfallhergang in den Akten (Urk. 1/1 S. 8; Urk. 

1/2). 

Entgegen der Auffassung der Verteidigung ist der Polizeirapport nicht durch 

die Befragten zu unterzeichnen. Der Polizeirapport ist ein schriftlicher Bericht, 

worin die Polizei ihre Feststellungen und die von ihr getroffenen Massnahmen lau-

fend festhält (vgl. Art. 307 Abs. 3 StPO). Dieser Bericht unterliegt der freien Be-

weiswürdigung; indes ist sein Beweiswert relativ gering, da es sich dabei nicht um 

die wörtliche Wiedergabe der Aussagen der Beteiligten handelt, sondern um eine 

durch den Polizeibeamten vorgenommene knappe Zusammenfassung einer ers-

ten summarischen Befragung vor Ort. Die Vorinstanz stützt sich bei der Würdi-

gung der vorhandenen Beweismittel lediglich ergänzend auf den Polizeirapport; 

für das Beweisergebnis ist er letztlich nicht von Belang. 

Nach Würdigung aller Beweise und der Gegenüberstellung der verschiede-

nen Aussagen der Beschuldigten, kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass die 

uneinheitliche Darstellung der Geschehnisse durch die Beschuldigte Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen aufkommen lassen. Im Gegensatz dazu habe 

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B._____ wenige aber konstante Aussagen getätigt, welche die Vorinstanz als 

plausibel erachtete. 

Dieser Schluss der Vorinstanz stellt keine offensichtlich unrichtige Feststel-

lung des Sachverhalts dar. Die Aussagen der Beschuldigten wurden von der Vor-

instanz berücksichtigt, aber als uneinheitlich und insgesamt wenig glaubhaft ge-

würdigt. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht willkürlich und der Sach-

verhalt somit nicht offensichtlich unrichtig erstellt, weshalb vom Sachverhalt, so 

wie die Vorinstanz ihn erstellt hat, ausgegangen werden kann. Auf die dies-

bezügliche Rüge der Beschuldigten der unrichtigen Sachverhaltserstellung 

braucht daher nicht weiter eingegangen zu werden.

5. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen von Art. 36 Abs. 2 aSVG 

und Art. 14 Abs. 1 VRV korrekt dargelegt und sich insbesondere ausführlich mit 

der Rechtsprechung des Bundesgerichts auseinandergesetzt. Darauf, sowie auf 

ihre zutreffenden Ausführungen zum anwendbaren Recht, kann verwiesen wer-

den (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 35 S. 4 ff.). Das Vortrittsrecht des von rechts kom-

menden Lenkers gilt in der Regel auch dann, wenn dieser einen Sicherheitshalt 

einlegt (BGE 90 IV 36). Unabhängig davon, ob B._____ beim Fussgängerstreifen 

anhalten musste oder nicht, war die Beschuldigte demnach vortrittsbelastet und 

hätte B._____ den Vortritt gewähren müssen. 

Die Beschuldigte anerkennt denn auch ihr pflichtwidriges Verhalten betref-

fend Nichtgewährung des Rechtsvortritts, rechtfertigt ihr Verhalten jedoch mit dem 

ungeschriebenen Rechtfertigungsgrund der Pflichtenkollision. Um Passanten 

passieren zu lassen habe sie abbremsen müssen und sei bereits im Verzwei-

gungsbereich stehend zum Stillstand gekommen. Eine Weiterfahrt wäre mit einer 

unzumutbaren Gefährdung der wahllos die Strasse überquerenden Fussgänger 

einhergegangen (Urk. 46 S. 4). 

Der übergesetzliche Rechtfertigungsgrund der Pflichtenkollision liegt vor, 

wenn zwei Rechtspflichten in derselben Situation so zusammentreffen, dass der 

Verpflichtete keine von ihnen ohne Verletzung der anderen erfüllen kann. Wer bei 

zwei konkurrierenden Handlungspflichten die höhere oder auch nur gleichwertige 

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Pflicht auf Kosten der anderen erfüllt, handelt somit nicht rechtswidrig (BGer 

6S.127/2003 E. 7; BSK StGB I-Seelmann, N 16 zu Art. 17 StGB). 

Bei pflichtgemässen Verhalten hätte die Beschuldigte bereits vor der Ein-

mündung des …-platz in die …-strasse anhalten und B._____ den Vortritt gewäh-

ren müssen. Dieses Vorgehen hätte sich umso mehr aufgedrängt, als sich, wie 

von der Beschuldigten geltend gemacht, viele Passanten auf und neben dem 

Fussgängerstreifen befunden haben, so dass sie nicht damit rechnen konnte, oh-

ne Behinderung der von rechts kommenden B._____ durchfahren zu können. Es 

lag somit keine Situation vor, in welcher die Beschuldigte eine Rechtspflicht nur in 

Verletzung einer anderen hätte erfüllen können. 

6. Die Vorinstanz hat weder den Sachverhalt unrichtig festgestellt, noch 

ist ihr Urteil rechtsfehlerhaft. Der Schuldspruch der Vorinstanz ist somit zu bestä-

tigen und die Beschuldigte des Nichtgewährens des Rechtsvortritts im Sinne von 

Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 aSVG und Art. 14 Abs. 1 

VRV schuldig zu sprechen. 

IV. Strafzumessung 

Die Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch und stellt kei-

nen Eventualantrag bezüglich der Strafzumessung.

Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt dargelegt und zutreffende Aus-

führungen zur Strafzumessung gemacht, worauf verwiesen werden kann (Urk. 35 

S.10 f.). Die Abweichung der Beschuldigten vom ordentlichen Fahrverhalten war 

geringfügig und den dadurch entstandenen Schaden hat sie nur teilweise zu ver-

antworten. Sie war mit geringer Geschwindigkeit unterwegs und über den Sach-

schaden hinaus erfolgte keine weitere Gefährdung. Zudem ist der langen Verfah-

rensdauer Rechnung zu tragen. Mit der Vorinstanz ist somit von einem leichten 

Verschulden auszugehen. Angesichts der finanziellen Verhältnisse der Beschul-

digten, welche gemäss eigenen Angaben ca. Fr. 3'300.– netto pro Monat verdient 

und Schulden in der Höhe von Fr. 15'000.– hat (Urk. 40), sowie unter Berücksich-

tigung ihres Verschuldens, erweist sich die von der Vorinstanz ausgesprochene 

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Busse von Fr. 300.– als angemessen. Die Beschuldigte ist folglich mit einer Bus-

se von Fr. 300.– zu bestrafen. 

Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfrei-

heitsstrafe auszufällen (Art. 106 Abs. 2 StGB). Diese ist nach den Verhältnissen 

des Täters so zu bemessen, dass sie seinem Verschulden angemessen ist (Art. 

106 Abs. 3 StGB), wobei dem Gericht bei der Bemessung ein weiter Ermessens-

spielraum zusteht (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3.). Vorliegend erscheint eine Ersatzfrei-

heitsstrafe von drei Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse als ange-

messen. 

V. Kosten 

Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) zu 

bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unterliegt 

mit ihrer Berufung vollständig, weshalb ihr die Kosten des Berufungsverfahrens 

aufzuerlegen sind. 

Es wird erkannt:

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig des Nichtgewährens des Rechtsvor-

tritts im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 

aSVG und Art. 14 Abs. 1 VRV.

2. Die Beschuldigte wird mit einer Busse von Fr. 300.– bestraft. 

3. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

4. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) wird bestätigt.

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5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 800.–.

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.

7. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten

 das Stadtrichteramt Zürich 

 die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich

sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger Rechtsmit-

tel an

 die Vorinstanz.

8. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 10. Juli 2014

Der Präsident:

Oberrichter Dr. Bussmann

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Mondgenast