# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 77c59644-4c8d-56f5-b88b-6fe70d8fead1
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 07.12.2023 VG.2023.00042 (VG.2024.1315)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00042_2023-12-07.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 7. Dezember 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Jolanda Hager,
  Verwaltungsrichterin Katia Weibel und Gerichtsschreiberin MLaw Valentina
  Flückiger

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00042

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Klägerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Sibylle Käser Fromm, Rechtsanwältin,

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Pensionskasse B.______

    	
    Beklagte

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Peter Rösler, Rechtsanwalt,

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente aus BVG

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  A.______, geboren am […],
  beantragte am 25. April 2013 Leistungen der Invalidenversicherung. Am 20.
  März 2014 sprach ihr die IV-Stelle […] ab dem 1. April 2012 eine halbe
  Invalidenrente zu, wobei sie bei der Statusfrage von einer hypothetischen
  Vollerwerbstätigkeit ausging. Infolge einer Verschlechterung des
  Gesundheitszustands sprach sie ihr am 13. Mai 2020 sodann rückwirkend ab dem
  1. Oktober 2016 eine ganze Invalidenrente zu. Dabei ging sie von einem
  unveränderten Status aus.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 A.______ erhob am 20. April 2023 Klage beim
  Verwaltungsgericht und beantragte insbesondere, dass ihr die Invalidenrente
  aus der beruflichen Vorsorge (obligatorische und überobligatorische Vorsorge)
  einschliesslich der Kinderrente vom 1. Oktober 2016 bis zum
  31. Dezember 2022 ungekürzt auszurichten sei, zuzüglich Zins zu 5 %
  seit dem 1. Oktober 2016; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
  der Pensionskasse B.______. Letztere schloss am 23. Juni 2023 auf
  Abweisung der Klage.

  
	
   

  
	
  2.2 A.______ hielt am 24. August 2023 ebenso an ihrem
  Rechtsbegehren fest wie die Pensionskasse B.______ am 27. Oktober 2023
  an dem ihrigen.

  
	
   

  
	
  2.3 Das Verwaltungsgericht edierte die Akten bei der
  IV-Stelle […], welche am 27. Oktober 2023 eingingen.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 109 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4.
  Mai 1986 (VRG) i.V.m. Art. 73 Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes über die
  berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge vom
  25. Juni 1982 (BVG) zur Behandlung der vorliegenden Klage
  zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
  die Klage einzutreten.

   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, die
  Beklagte sei bei der Festsetzung des mutmasslich entgangenen Verdiensts im
  Zusammenhang mit der Überentschädigungsberechnung zu Unrecht von einer
  hypothetischen Erwerbstätigkeit von 60 % ausgegangen. Gestützt auf die
  Feststellung der IV-Stelle […] betrage diese nämlich richtigerweise
  100 %. Der mutmasslich entgangene Verdienst liege dementsprechend bei
  Fr. 74'789.- pro Jahr. Ihre Invalidenrente und die Kinderrente sei
  folglich nicht bzw. nicht in dem von der Beklagten beabsichtigten Umfang
  zu kürzen.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beklagte führt demgegenüber aus, infolge
  fehlender Bindungswirkung und offensichtlicher Unrichtigkeit der IV-Verfügung
  vom 13. Mai 2020 in Bezug auf die 100%ige hypothetische Erwerbstätigkeit
  dürfe sie von den diesbezüglichen Feststellungen abweichen. Vor diesem
  Hintergrund sei sie zu Recht von einer hypothetischen Erwerbstätigkeit von
  60 % ausgegangen. Der mutmasslich entgangene Verdienst liege demgemäss
  bei Fr. 47'242.- pro Jahr, weshalb die Invalidenrente der Klägerin sowie
  die Kinderrente wie vorgesehen zu kürzen seien.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Es
  ist unbestritten und wurde rechtskräftig entschieden, dass die Klägerin
  gegenüber der Beklagten ab dem 1. Oktober 2016 Anspruch auf eine
  Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %, zuzüglich
  Zins zu 5 % seit dem 1. Oktober 2016, hat (vgl. VGer-Urteil
  VG.2018.00095 vom 20. Mai 2021). Unbestritten ist sodann die Höhe der
  Invalidenrenten aus beruflicher Vorsorge für die Klägerin (Fr. 18'056.-
  pro Jahr) sowie für ihre Tochter (Fr. 3'611.30 pro Jahr) vor
  Berücksichtigung einer allfälligen Überentschädigung im Sinne von
  Art. 34a Abs. 1 BVG. Unbestritten sind ferner die anrechenbaren
  Einkünfte bei der Berechnung der Überentschädigung. Darüber hinaus wird
  schliesslich zu Recht nicht bestritten, dass sowohl im Obligatorium als auch
  im Überobligatorium die Invalidenleistungen entsprechend Art. 34a
  Abs. 1 BVG gekürzt werden können, soweit die anrechenbaren Einkünfte
  90 % des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen (vgl. Art. 15
  Abs. 1 des Basisreglements
  der Beklagten vom 25. September 2014, Stand am 14. Dezember Kl.
  2016). Strittig und zu prüfen bleibt
  damit einzig die Festsetzung des mutmasslich entgangenen Verdienstes.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Entscheide der Invalidenversicherung über den
  erwerblichen Status einer invaliden Person (voll erwerbstätig,
  teilerwerbstätig, nicht erwerbstätig) sind für Vorsorgeeinrichtungen, sofern
  sie im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren einbezogen waren,
  grundsätzlich bindend. Dies gilt sowohl im obligatorischen als auch,
  vorbehaltlich einer abweichenden Bestimmung im Vorsorgereglement, im
  weitergehenden Bereich. Denn der Status einer versicherten Person ist
  hinsichtlich der Überentschädigung für die Pensionskassen von Bedeutung
  (BGE 141 V 127 E. 5.1, 129 V 150 E. 2.5). Die
  Bindungswirkung entfällt dann, wenn die Betrachtungsweise der Invalidenversicherung aufgrund
  einer gesamthaften Prüfung der Akten als offensichtlich unhaltbar erscheint
  (BGE 143 V 434
  E. 2.2, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Die IV-Stelle […] hat die Klägerin zuletzt am
  13. Mai 2020 als hypothetisch vollerwerbstätig eingestuft. Somit ist
  nach dem oben Dargelegten nachfolgend zu
  beurteilen, ob diese Festlegung des Status gegenüber der Beklagten
  Bindungswirkung entfaltet und, falls dies zu bejahen ist, ob diese nicht
  offensichtlich unhaltbar ist.

  
	
   

  
	
  5.2 Die Beklagte hat gemäss dem
  vorliegend anwendbaren Basisreglement vom 25. September 2014 (Stand am
  14. Dezember 2016; vgl. zum intertemporal anwendbaren Recht in BGE 122
  V 316 E. 3c) die
  Statusfestsetzung im Überobligatorium nicht separat reglementiert. Das
  Nachfolgende gilt dementsprechend sowohl für den obligatorischen als auch für
  den überobligatorischen Bereich.

  
	
   

  
	
  5.3 Es ist aktenkundig und wird von der Beklagten nicht
  bestritten, dass sie in das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren
  miteinbezogen wurde. Der Vorbescheid vom 17. März 2020 sowie die Verfügung
  vom 13. Mai 2020, welche im Vergleich zur ersten rentenzusprechenden
  Verfügung vom 20. März 2014 unverändert von einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit
  ausgingen, wurden der Beklagten denn auch zugestellt. Die Beklagte hat gegen
  diese Verfügungen indessen kein Rechtsmittel ergriffen und die Verfügung der
  IV-Stelle […] vom 13. Mai 2020 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

  
	
   

  
	
  Aus dem Dargelegten folgt,
  dass die IV-Verfügung vom 13. Mai 2020 hinsichtlich der Statusfestlegung
  gegenüber der Beklagten grundsätzlich Bindungswirkung entfaltet. Daran ändert
  das Vorbringen der Beklagten, sie habe die Verfügung in Ermangelung eines
  schutzwürdigen Interesses nicht anfechten können, nichts. Die Statusfrage hat
  im Bereich der Überentschädigung nämlich regelmässig Auswirkungen auf die
  Höhe der Invalidenrente aus der beruflichen Vorsorge, weshalb die Beklagte
  allfällige Einwände gegen den Vorbescheid oder die Verfügung hätte erheben
  können und müssen.

  
	
   

  
	
  5.4 Sodann wurde die Statusfestsetzung erstmals mit der
  rentenzusprechenden Verfügung vom 20. März 2014 vorgenommen. Indessen lässt
  sich dieser nicht entnehmen, aus welchen Gründen die IV-Stelle auf eine
  hypothetische Vollerwerbstätigkeit geschlossen hat. Folglich ist anhand der
  invalidenversicherungsrechtlichen Akten zu beurteilen, ob der Schluss auf
  eine hypothetische Vollerwerbstätigkeit nicht offensichtlich unhaltbar ist.

  
	
   

  
	
  5.4.1 Die Statusfrage ist mit Rücksicht auf die gesamten
  persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse zu
  beurteilen. Bei deren Beantwortung handelt es sich zwangsläufig um eine
  Beurteilung, die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten
  Person zu berücksichtigen hat. Diese sind als innere Tatsachen einer direkten
  Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus äusseren
  Indizien erschlossen werden (BGer-Urteil 8C_735/2020 vom 26. Januar 2021
  E. 5.1, mit Hinweisen). Eine Beweiswürdigung ist nicht bereits dann
  offensichtlich unrichtig, bzw. willkürlich, wenn eine andere Lösung
  ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann,
  wenn der Entscheid im Ergebnis offensichtlich unhaltbar ist, zur
  tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht oder auf einem
  offenkundigen Fehler beruht (BGE 144 I 28 E. 2.4, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  5.4.2 Die Klägerin absolvierte in den Jahren 1995-1997
  eine Lehre als kaufmännische Angestellte. Vom 28. Juli 1997 bis
  30. September 2002 arbeitete sie Vollzeit für verschiedene Arbeitgeber.
  Vom 1. Januar 2003 bis zum 31. Dezember 2005 war sie in einem
  80 % Pensum für die C.______ tätig. Am 19. Dezember 2005 gebar sie
  eine Tochter. Anschliessend reduzierte sie ihr Arbeitspensum bei C.______ auf
  65 % bis zum 31. Dezember 2006 und hernach bis am 31. Dezember
  2009 auf 50 % (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
  Glarus vom 20. Mai 2021, VG.2018.00095, E. 4.2). Vom 1. Mai 2010
  bis 31. Januar 2013 war sie ferner als kaufmännische Sachbearbeiterin bei der
  D.______ mit einem Pensum zwischen 50 und 60 % tätig. Am 20. März
  2014 sprach ihr die IV-Stelle […] schliesslich rückwirkend ab dem
  1. April 2012 eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
  50 % zu.

  
	
   

  
	
  5.4.3 In der IV-Anmeldung vom 25. April 2013 hielt die
  Klägerin fest, sie würde im Gesundheitsfall vollzeitig als kaufmännische
  Angestellte oder Sachbearbeiterin tätig sein. Anlässlich des Erstgesprächs im
  Rahmen der Frühintervention vom 25. Juni 2013 wiederholte sie diese
  Aussage. Darüber hinaus erklärte sie am 12. August 2013 gegenüber der
  IV-Stelle […], dass sie den Kindsvater sowie die gemeinsame Tochter am
  1. Januar 2011 räumlich verlassen und eine eigene Wohnung bezogen habe,
  wobei sie spätestens in diesem Zeitpunkt bei voller Gesundheit versucht
  hätte, 100 % zu arbeiten.

  
	
   

  
	
  5.4.4 Der
  Beklagten ist darin beizupflichten, dass die Klägerin bereits ab dem
  1. Januar 2003 bzw. drei Jahre vor der Geburt ihrer Tochter und
  über neun Jahre vor Eintritt der Teilinvalidität nicht mehr vollerwerbstätig
  war. Zutreffend ist darüber hinaus, dass das Bundesgericht in einem Entscheid
  festgehalten hat, dass die vorinstanzliche Betrachtungsweise, die Versicherte
  sei seit Oktober 2002 durchgehend zu mindestens 20 % in ihrer
  Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen und bis heute zu mindestens 50 %
  invalid, Bundesrecht verletze (BGer-Urteil 9C_856/2017 vom
  7. September 2018 E. 4.3). Dementsprechend lässt sich die
  Pensumsreduktion vor Geburt der Tochter bzw. vor Eintritt der
  Teilinvalidität nicht ohne Weiteres mit gesundheitlichen Gründen erklären,
  worauf die Beklagte zu Recht hinweist.

  
	
   

  
	
  Die Einwände der Beklagten
  lassen die Statusfestsetzung der IV-Stelle […] jedoch nicht als
  offensichtlich unhaltbar erscheinen. So war die Klägerin nach Abschluss der
  Lehre während etwa fünf Jahren für verschiedene Arbeitgeber vollzeitig
  erwerbstätig. Darüber hinaus hat sie bereits zu Beginn des IV-Verfahrens zu
  drei verschiedenen Zeitpunkten übereinstimmend geäussert, dass sie im
  Gesundheitsfall voll erwerbstätig wäre. Vor dem Hintergrund, dass sogenannte
  spontane "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und
  zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
  nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
  beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2), kommt
  diesen Aussagen der Klägerin besonderes Gewicht zu. Schliesslich hat die
  Klägerin am 19. Dezember 2005 eine Tochter geboren. Es ist überwiegend
  wahrscheinlich, dass dies zumindest mitursächlich für die darauffolgende Pensumsreduktion
  war. Offenbleiben kann demgegenüber, ob mit Blick auf sämtliche
  Sachverhaltselemente eine Statusfestsetzung
  auf teilerwerbstätig ebenfalls vertretbar oder der Festsetzung auf
  Vollerwerbstätigkeit gar vorzuziehen gewesen wäre. Die mehrjährige Vollzeiterwerbstätigkeit,
  die übereinstimmenden Aussagen der Klägerin zu Beginn des IV-Verfahrens sowie
  die Geburt der Tochter lassen den Schluss der IV-Stelle […] auf eine
  hypothetische Vollerwerbstätigkeit zumindest nicht als unhaltbar oder
  willkürlich erscheinen. Im Übrigen ist
  auch keine Willkür im invalidenversicherungsrechtlichen Revisionsverfahren
  auszumachen, indem die IV-Stelle […] den Status der Klägerin am 13. Mai
  2020 bei einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit belassen hat. So sind
  keine Tatsachen ersichtlich, welche eine Änderung des Status nahegelegt
  hätten. Etwas anderes ergibt sich weder aus den Akten noch bringt die
  Beklagte Entsprechendes vor. Die IV-Verfügung vom 13. Mai 2020 ist
  hinsichtlich des invalidenversicherungsrechtlichen Status für die Beklagte
  damit verbindlich. Demgemäss ist bei der Festsetzung des mutmasslich
  entgangenen Verdienstes i.S.v. Art. 34a Abs. 1 BVG auf eine
  (hypothetische) Vollerwerbstätigkeit abzustellen.

  
	
   

  
	
  5.5

  
	
  5.5.1 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von
  einer grundsätzlichen Kongruenz von Valideneinkommen und mutmasslich
  entgangenem Verdienst auszugehen (BGE 143 V 91 E. 4.2,
  mit Hinweisen). Da vorliegend keine Gründe ersichtlich sind, welche ein
  Abweichen von diesem Grundsatz gebieten, ist der mutmasslich entgangene
  Verdienst entsprechend dem der IV-Verfügung vom 13. Mai 2020
  zugrundeliegenden Valideneinkommen festzulegen.

  
	
   

  
	
  5.5.2 Das Jahreseinkommen ist für jedes Jahr einzeln zu
  indexieren (BGer-Urteil 8C_193/2013 vom 4. Juni 2013 E. 3.2). Für
  das Jahr 2015 betrug es dementsprechend Fr. 75'767.-. Angepasst an den
  Nominallohnindex gemäss der Tabelle T1.2.10 des Bundesamts für Statistik
  (Frauen, 2011-2022, Indexbasis 2010=100, Total aller Wirtschaftszweige)
  ergibt sich für das Jahr 2016 (Rentenbeginn: 1. Oktober 2016) sodann ein
  mutmasslich entgangener Verdienst von Fr. 76'373.15 (+ 0.8 %),
  für das Jahr 2017 Fr. 76'678.65 (+ 0.4 %), für das Jahr 2018
  Fr. 77'062.05 (+ 0.5 %), für das Jahr 2019 Fr. 77'832.65
  (+ 1 %), für das Jahr 2020 Fr. 78'533.15 (+ 0.9 %),
  für das Jahr 2021 Fr. 79'004.35 (+ 0.6 %) und für das Jahr
  2022 Fr. 79'636.40 (+ 0.8 %).

  
	
   

  
	
  5.6 Die Klägerin beantragt in der Hauptsache, der
  mutmasslich entgangene Verdienst sei für die Jahre 2016-2022 auf
  Fr. 74'789.- festzusetzen. Im Klageverfahren nach Art. 73 BVG
  herrscht die Dispositionsmaxime, womit die Parteien den Streitgegenstand
  definieren. Dieser bestimmt sich einzig nach Massgabe der Rechtsbegehren der
  Klage sowie einer allfälligen Widerklage. Indessen ist das
  Berufsvorsorgegericht innerhalb des Streitgegenstands in Durchbrechung der
  Dispositionsmaxime an die Begehren der Parteien nicht gebunden
  (BGE 135 V 23 E. 3.1; Marc Hürzeler/Barbara
  Bättig-Lischer, in: Basler Kommentar, Berufliche Vorsorge, 2020, N. 67
  zu Art. 73 BVG). Streitgegenstand ist vorliegend der mutmasslich
  entgangene Verdienst der Jahre 2016-2022. Dem Verwaltungsgericht steht es
  folglich frei, betragsmässig auf einen höheren mutmasslich entgangenen
  Verdienst zu erkennen als von der Klägerin beantragt wurde.

  
	
   

  
	
  5.7 Hinzuweisen ist weiter darauf, dass der mutmasslich
  entgangene Verdienst (anders als beispielsweise der Maximalbetrag des
  koordinierten Lohns) keiner oberen Grenze unterliegt (Marc Hürzeler, in:
  Jacques-André Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], BVG und FZG,
  2. A. 2019, N. 20 zu Art. 34a BVG). Auch aus dem von der
  Beklagten angeführten Urteil des Bundesgerichts kann nichts Anderes
  abgeleitet werden. Der dem Entscheid zugrundeliegende Sachverhalt
  unterscheidet sich nämlich diametral vom Vorliegenden. So erwies sich die
  dortige IV-Verfügung aus verschiedenen Gründen als nicht verbindlich.
  Dementsprechend konnte im Verfahren betreffend IV-Rente aus beruflicher
  Vorsorge von der Statusfestsetzung der IV-Stelle denn auch abgewichen werden
  (BGer-Urteil 9C_91/2013, 9C_110/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.3.1,
  5.3.3 und 5.4).

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Im Bereich der beruflichen Vorsorge ist die Pflicht
  zur Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
  Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines Alterskapitals
  oder bei Invalidenrenten anerkannt (BGer-Urteil 9C_588/2020 vom 18. Mai
  2021 E. 5.1.1 f., mit Hinweis). Enthält das Basisreglement eine
  Bestimmung über die Höhe des Verzugszinses, gelangt diese zur Anwendung. Der
  Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR,
  wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst
  vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an
  Verzugszinsen zu bezahlen hat (BGE 149 V 106 E. 7.1,
  119 V 131 E. 4a; Hans-Ulrich Stauffer, in Hans-Ulrich
  Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
  beruflichen Vorsorge, 4. A., Zürich/Basel/Genf 2019, S. 108).

  
	
   

  
	
  6.2 Die Klägerin reichte die vorliegend zu beurteilende
  Klage am 21. April 2023 (Datum der Postaufgabe) ein. Das am
  21. April 2023 gültige Basisreglement der Beklagten verweist
  hinsichtlich des Verzugszinses auf Art. 7 der Verordnung über die
  Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und
  Invalidenvorsorge vom 3. Oktober 1994 (FZV). Gemäss Art. 7 FZV
  entspricht dieser dem BVG-Mindestzinssatz plus einem Prozent. Im Jahr 2023
  betrug der BVG-Mindestzinssatz 1 %. Daraus ergibt sich, dass die aus der
  Anhebung der Überentschädigungsgrenze resultierenden Nachzahlungen zu 2 %
  zu verzinsen sind.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  Zusammenfassend entfaltet
  die Verfügung der IV-Stelle […] vom 13. Mai 2020 für die Beklagte
  hinsichtlich des invalidenversicherungsrechtlichen Status der Klägerin
  Bindungswirkung. Der mutmasslich entgangene Verdienst beträgt im Jahr 2016
  Fr. 76'373.15 und ist im Sinne der vorstehenden Erwägung (vgl. E.
  II/5.5.2) fortlaufend zu indexieren. Mit Blick darauf, dass die Klägerin in
  ihrem Rechtsbegehren keine konkret bezifferten Nachzahlungen formulierte,
  bleibt die Festsetzung des Leistungsanspruchs der Klägerin in masslicher
  Hinsicht der Beklagten überlassen. Gleiches gilt für die geforderten
  Kinderrenten (vgl. BGE 129 V 450 E. 3.2 f.). Die
  Beklagte ist dementsprechend zu verpflichten, allfällige Nachzahlungen unter
  Berücksichtigung des mutmasslich entgangenen Verdienstes, der
  Überentschädigungsgrenzen und der Nominallohnindexierung festzulegen und
  auszubezahlen. Die Nachzahlungen sind ab Klageeinleitung mit 2 % zu
  verzinsen.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Gutheissung
  der Klage. Die Sache ist an die Beklagte zur betragsmässigen Festsetzung der
  Invalidenrenten und zur Festlegung allfälliger Nachzahlungen zu überweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 73 Abs. 2
  BVG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die obsiegende Klägerin
  hat gemäss Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG zu Lasten der Beklagten Anspruch auf
  eine angemessene Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Klage wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin innert 30 Tagen nach Rechtskraft
    dieses Entscheids eine Parteientschädigung von Fr. 1'800.-
    (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]