# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a0312d7-8200-5346-ba5e-672e0b1b1298
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-01
**Language:** de
**Title:** Wohnsiedlung "Hard Ost" Zürich. Aufhebung der Unterschutzstellung.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0184-0185/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0184-2017_vom_1._dezember_2017_1.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE I Nrn. 

R1S.2017.05013 und R1S.2017.05028 
0184/2017 und 0185/2017 

Entscheid vom 1. Dezember 2017 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Walter  Linsi,  Baurichter  Claude  Reinhardt,  Baurichter 
Jürg Trachsel, Gerichtsschreiberin Karin Rüsch     

in Sachen 

Rekurrentin 

Baugenossenschaft Rotach Zürich, Gertrudstrasse 69, 8003 Zürich  

gegen 

Rekursgegnerschaft 

R1S.2017.05013 
Stadtrat von Zürich, Stadthaus, 8022 Zürich  

R1S.2017.05028 
Vorsteher Hochbaudepartement Stadt Zürich,   
vertreten durch Stadtrat von Zürich, Stadthaus, 8022 Zürich  

betreffend 

R1S.2017.05013 
Beschluss  des  Stadtrates  von  Zürich  vom  30.  November  2016;  Unter-
schutzstellung  der  Wohnsiedlung  "Hard  Ost",  Kat.-Nrn.  AU3812  und 
AU4241,  Bullingerstrasse  22-26,  Hardstrasse  70-72  und  Hirzelstrasse  30, 
Zürich 4 - Aussersihl 

R1S.2017.05028 
Fristverlängerung  für  Schutzabklärungen  betreffend  Wohnsiedlung  "Hard 
Ost",  Kat.-Nrn.  AU3812  und  AU4241,  Bullingerstrasse  22-26,  Hardstrasse 
70-72 und Hirzelstrasse 30, Zürich 4 - Aussersihl 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Beschluss  vom  30.  November  2016  stellte  der  Stadtrat  von  Zürich  die 

Wohnsiedlung  "Hard  Ost"  auf  den  Grundstücken  Kat.-Nrn.  AU3812  und 

AU4241  an  der  Bullingerstrasse  22-26,  Hardstrasse  70-72  sowie  Hirzel-

strasse 30, welche im Eigentum der Baugenossenschaft Rotach steht, un-

ter Schutz. Vorgängig zu diesem Entscheid wurde mit Verfügung des Vor-

stehers  des  Hochbaudepartementes  vom  2.  Dezember  2015  die  Frist  für 

den  Abschluss  der  Schutzabklärungen  und  den  Entscheid  über  einen  Er-

lass definitiver Schutzmassnahmen um ein Jahr verlängert. 

B. 

Gegen beide Verwaltungsakte erhob die Baugenossenschaft Rotach Zürich 

mit  Eingabe  vom  9.  Januar  2017  Rekurs  beim  Baurekursgericht  des  Kan-

tons Zürich mit den folgenden Anträgen: 

"1.  Es  sei  die  Nichtigkeit  der  Verfügung  des  Vorstehers  des  Hochbaude-
partements  vom  2.  Dezember  2015  und  damit  die  Unzulässigkeit  der 
Anordnung von Schutzmassnahmen gemäss § 213 Abs. 3 PBG festzu-
stellen. 

2.  Der  angefochtene  Beschluss  sei  aufzuheben  und  die  Wohnsiedlung 
"Hard  Ost"  aus  dem  Inventar  der  kunst-  und  kulturhistorischen 
Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung zu entlassen. 

3.  Eventualiter sei die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung an 
die  Vorinstanz  zurückzuweisen  und  dazu  eine  angemessene  Bearbei-
tungsfrist festzusetzen. 

4.  Es sei ein Augenschein vor Ort durchzuführen. 

5.  Alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zu  Lasten  der  Vo-

rinstanz." 

C. 

Mit  Verfügung  vom  11.  Januar  2017  wurde  vom  Rekurseingang  Vormerk 
genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

R1S.2017.05013 

Seite 2 

 
 
D. 

Die  Vorinstanz  schloss  in  ihrer beide  Verfahren  betreffenden  Vernehmlas-

sung vom 7. Februar 2017 auf Abweisung der Rekurse unter  Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrentin. 

E. 

Auf Begehren der Rekurrentin wurde ein zweiter Schriftenwechsel durchge-

führt.  Die  Replik  datiert  vom  28.  Februar  2017;  die  Duplik  vom  21.  März 

2017. 

F. 

Im Nachgang zum Schriftenwechsel wurde das Verfahren in zwei Geschäf-

te  aufgeteilt  und  die  Verfahren  unter  den  Geschäfts-Nrn.  R1S.2017.05013 

und R1S.2017.05028 weitergeführt. 

G. 

Am  3.  Mai  2017  führte  das  Baurekursgericht  in  Anwesenheit  der  Parteien 

einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

H. 

Auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die anlässlich des Lokaltermins 

gemachten Feststellungen wird, soweit für die Entscheidbegründung erfor-

derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  Rekursverfahren  G.-Nrn.  R1S.2017.05013  und  R1S.2017.05028  sind 

zu vereinigen. 

R1S.2017.05013 

Seite 3 

 
 
2. 

Die Rekurrentin ist als Eigentümerin der streitbetroffenen Liegenschaft und 

Adressatin  der  angefochtenen  Entscheide  grundsätzlich  zur  Rekurserhe-

bung  legitimiert  (§ 338a  des Planungs-  und Baugesetzes [PBG]). Da  auch 

die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Rekurse grund-

sätzlich einzutreten. Soweit dies nicht zutreffen sollte, wird dies bei der Be-

handlung der entsprechenden Rügen darzulegen sein. 

3.1. 

Die  Rekurrentin  macht  vorab  geltend,  die  mit  Verfügung  des  Hochbaude-

partementvorstehers vom 2. Dezember 2015 statuierte Fristerstreckung für 

die Vornahme der Schutzabklärungen sei nichtig, da die verfügende Person 

nicht zum Entscheid zuständig gewesen sei. 

Aus dem Wortlaut von § 213 Abs. 3 PBG ergebe sich ohne weiteres, dass 

für  eine  in  Ausnahmefällen  mögliche  Fristverlängerung  dieselbe  Behörde 

zuständig sei, wie für den Schutzentscheid. Der Vorsteher des Hochbaude-

partements  habe  sich  demnach  eine  Kompetenz  angemasst,  die  dem 

Stadtrat zugestanden hätte. 

3.2. 

Die Ausführungen der Rekurrentin betreffend die Zuständigkeit für Fristver-

längerungen erscheinen nachvollziehbar und zutreffend. Somit wäre für die 

Fristverlängerung der Stadtrat und nicht der Vorsteher des  Hochbaudepar-

tementes  zuständig  gewesen.  Gleichwohl  führt  dies  aber  im  vorliegenden 

Fall nicht zur Nichtigkeit der angefochtenen Anordnung. 

Der  verfügende  Vorsteher  des  Hochbaudepartementes  ist  nämlich  stimm-

berechtigtes Mitglied des Stadtrates Zürich. Folglich hat er nicht als ein of-

fensichtlich,  das  heisst  qualifiziert,  sachlich  unzuständiges  Behördenmit-

glied  verfügt  (vgl.  dazu  auch  VB.2015.00576  vom  17.  November  2016, 

www.vgr.zh.ch). Die mit Verfügung vom 2. Dezember 2015 bewilligte Frist-

verlängerung für die Schutzabklärungen ist deshalb als bloss anfechtbare, 

nicht  aber  nichtige  Anordnung  einzustufen.  Da  die  Anfechtungsfrist  längst 

verstrichen ist, kann diese Verfügung im vorliegenden Verfahren nicht mehr 
aufgehoben werden. Auf den Rekurs im Verfahren G.-Nr. R1S.2017.05028 
ist demzufolge nicht einzutreten. 

R1S.2017.05013 

Seite 4 

 
 
4. 

Das  streitbetroffene  Grundstück  liegt  gemäss  der  geltenden  Bau-  und  Zo-

nenordnung  der  Stadt  Zürich  (BZO)  in  der  Quartiererhaltungszone.  Die 

Parzelle  grenzt  im  Westen  an  die  Hardstrasse,  im  Süden  an  die  Bullin-

gerstrasse, im Osten an die Hirzelstrasse und im Norden an das ebenfalls 

der  Quartierhaltungszone  zugehörige  Grundstück  der  Kirche  St.  Felix  und 

Regula an. Das Grundstück ist überstellt mit der Wohnsiedlung "Hard Ost". 

Die Siedlung ist im Inventar der Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung 

verzeichnet. 

Die  rekurrierende  Grundeigentümerin  stellte  ein  Provokationsbegehren  im 

Hinblick  auf  einen  allfälligen  Neubau.  Es  wurden  deshalb  durch  die  Vo-

rinstanz Schutzabklärungen vorgenommen. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit ein denkmalpflege-
risches Gutachten bei der Denkmalpflege der Stadt Zürich (act. 8.2 im Ver-
fahren G.-Nr. R1S.2017.05013) in Auftrag gegeben.  

R1S.2017.05013 

Seite 5 

 
 
 
Gemäss  den  Ausführungen  im  Gutachten  bildet  die  nach  den  Plänen  des 

Architekten  Joseph  Löhlein  erstellte  Wohnsiedlung  "Hard  Ost"  die  erste 

Bauetappe  einer  strassenübergreifenden  Siedlungsanlage  im  Bereich  der 

Strassenkreuzung von Bullinger- und Hardstrasse. Die Siedlung sei in den 

Jahren 1931/32 durch die vom Architekten Georg Huber realisierte, westli-

che Eckbebauung "Hard West" (nicht im Inventar verzeichnet) ergänzt wor-

den. Die streitbetroffene Siedlung gehe auf das umfassende Planungswerk 

des  Sihlfeld-Quartiers  zurück,  das  von  der  Tieferlegung  der  linken  See-

bahnlinie (1927) ausgelöst worden sei. Das einheitlich geplante Wohnquar-

tier zwischen Seebahn-, Hard-, Hohl- und Badenerstrasse sei eine heraus-

ragende  städtebauliche  Leistung  der  Zwischenkriegszeit,  die  mit  der  Kon-

zentration an genossenschaftlichen Wohnsiedlungen von der grossen Bau-

periode des gemeinnützigen Wohnungsbaus in Zürich (1924-1931) zeuge. 

Die  Festlegung  der  sternförmig  auf  den  Bullingerplatz  zulaufenden  Stras-

senzüge mit den dazugehörigen Baulinien orientiere sich an den von Camil-

lo Sitte propagierten Grundsätzen des "künstlerischen Städtebaus", mit de-

nen  in  Stadterweiterungsgebieten  wie  im  Sihlfeld  gesonderte  Wohnzonen 

mit  reduzierter  Baudichte,  begrünten  Aussenräumen  sowie  die  Schaffung 

von Plätzen und die Abstaffelung der grossen Bauvolumen gegen die städ-

tische Peripherie durchgesetzt worden seien. 

Die Bau- und Planungsgeschichte der Wohnsiedlung "Hard Ost" habe ihren 

Anfang  mit  einem  privaten  Bauvorhaben  im  Auftrag  von  Zimmermeister 

Daniel  Larcher  genommen.  Auf  der  Eckparzelle  bei  der  Einmündung  der 

Hirzel-  in  die  Bullingerstrasse  habe  dieser  ein  freistehendes  Mehrfamilien-

haus geplant. Mit der Projektierung sei der Architekt Joseph Löhlein (1884 

–  1930;  Hausarchitekt  der  rekurrierenden  Baugenossenschaft)  beauftragt 

worden.  Auf  dem  Nachbargrundstück  habe  sodann  gleichzeitig  die  Rekur-

rentin die Planung einer Wohnsiedlung in Angriff genommen. 

Die  für die Entwicklung  des  Sihlfeld-Quartieres  heikle  städtebauliche  Lage 

der  Siedlung 

"Hard  Ost"  an  der  Strassenkreuzung  der  Bullin-

ger-/Hardstrasse  habe  die  Zürcher  Baubehörden  zu  einer  Intervention  be-

züglich der architektonischen Gestaltung veranlasst. Darauf hätten sich die 

beiden  Eigentümerschaften  zusammengeschlossen.  Zwei  unabhängige 

Projekte  für  ein  privates  Mehrfamilienhaus  und  eine  genossenschaftliche 

Wohnsiedlung seien strassenseitig zu einem einheitlich gestalteten Bauvo-

lumen  im  Übergangsbereich  von  der  geschlossenen  zur  offenen  Block-
randbebauung geworden. Mit dieser Massnahme sollten auch die in unmit-

R1S.2017.05013 

Seite 6 

 
 
telbarer Nachbarschaft situierten Sakral- und Schulhausbauten nicht domi-

niert  werden.  Mit  der  schlichten  Gestaltung  der  auf  vier  Geschosse  redu-

zierten  Bauhöhe  und  der  ruhigen  Walmdachneigung  ohne  Dachaufbauten 

knüpfe  die  Siedlung  "Hard  Ost"  an  die  grossmassstäblichen  Siedlungen 

entlang  der  Seebahnstrasse  und  am  Bullingerplatz  an.  Als  eine  über  Eck 

gestellte  Schaufront  übernehme  die  Siedlung  "Hard  Ost"  zusammen  mit 

den  an  der  Strassenkreuzung  von  Bullinger-  und  Hardstrasse  gelegenen 

Wohnsiedlungen  eine  Raum  bildende  Funktion,  die  als  städtebauliches 

Äquivalent zum Bullingerplatz fungiere. Die markant in Erscheinung treten-

den  Erkertürme  würden  das  Thema  der  sich  kreuzenden  Strassen  zum 

städtebaulichen  Motiv  erheben.  Mit  dem  Bullingerhof  bilde  die  Siedlung 

"Hard  Ost"  eine  Strassenwandung  mit  einheitlichem,  unverwechselbarem 

Charakter,  der  sich  ebenso  in  der  vom  Stadtrat  im  westlichen  Sihlfeld-

Quartier  geforderten  Abstaffelung  der  Bauhöhe  niederschlage.  Die  Sied-

lung "Hard Ost" sei Teil eines städtebaulichen Gesamtkunstwerks, das den 

Wohnungsbau primär als Städtebau und als probate Massnahme gegen die 

unkontrollierten  Urbanisierungsprozesse  des  19.  Jahrhunderts  habe  ver-

standen  wissen  wollen.  Mit  einer  aktiven  Bodenpolitik,  dem  Mittel  der 

Wohnbauförderung und dem Instrument des Quartierplanverfahrens sei es 

dem Stadtrat gelungen, die bauliche Entwicklung des Sihlfeld-Quartiers im 

gewünschten Sinne zu steuern. Die aus der Reformarchitektur des Heimat- 

und Jugendstil von Joseph Löhlein in den Typus der genossenschaftlichen 

Siedlungskolonie  übertragene  sachliche  Formensprache  der  Siedlung  be-

kräftige eine homogene städtebauliche Gesamtwirkung, welche die von or-

namentalen  Zierarten  geprägte  architektonische  Einzelform  zurückdränge. 

Im städtebaulichen Kontext des Sihlfeld-Quartiers versinnbildliche die Sied-

lung "Hard Ost" eine Kollektivleistung, welche im Sinne einer zeitgemässen 

Stadtbaukunst im 19. Jahrhundert manifest gewordene soziale Gegensätze 

aufheben wolle. 

5.2. 

Aufgrund dieses  Gutachtens  stellte der Stadtrat  Zürich  mit dem  angefoch-

tenen Beschluss die Wohnsiedlung "Hard Ost" wie folgt unter Schutz: 

Aussen: 

-  

Die strassenseitige Gebäudehülle mit dem Fassadenverputz und den 
Erkerbauten und Balkonen mit sämtlichen Metallbrüstungen und Ver-
zierungen 

R1S.2017.05013 

Seite 7 

 
 
- 

- 

- 

- 

- 

- 

- 

Die strassenseitigen Loggien mit den Kunststeingesimsen 

Die  strassen-  und  hofseitig  erhaltenen,  bauzeitlichen  Türen  mit  dem 
Eisengitterwerk und den Gewänden 

Die  strassenseitigen  Fensteröffnungen  und  bauzeitlichen  Fenster  mit 
allen  Einfassungen  und  Gewänden  aus  Kunststein  sowie  die  Holz-
klappläden mit den verstellbaren Holzbrettern 

Das durchlaufende Traufgesims der Strassen- wie auch der Hoffassa-
de 

Das strassenseitige Gurtgesims über dem Erdgeschoss 

Die Sohlbank- und Sturzgesimse der Erkeranbauten 

Das  Walmdach  mit  den  Dachuntersichten  und  der  Eindeckung  aus 
Biberschwanzziegeln 

Äusseres zusätzlich im Hausteil Hirzelstrasse 30: 

- 

- 

- 

Die gerundeten Küchenloggien mit den Kunststeinsimsen 

Die erhaltenen bauzeitlichen Holzfenster 

Die bauzeitliche Blechkrönung des Wohnerkers 

Innen: 

- 

- 

- 

- 

Die Primärkonstruktion mit den tragenden Mauern 

Die Geschossdecken und das Dachgebälk 

In  den  Wohnungen  das  bauzeitliche  Parkett  mit  den  Lambrien,  das 
Wandtäfer,  die  Holztüren,  die  Tür-  und  Fenstereinfassungen  und  die 
bauzeitlichen Schrankeinbauten 

Die  Treppenhäuser  mit  sämtlichen  Bodenflächen  und  Treppen  in 
Kunststein und Holz, den Treppengeländern samt Handlauf aus Metall 
und Holz, die bauzeitlichen Schrankbauten und Fensterbretter 

Inneres zusätzlich im Hausteil Hirzelstrasse 30: 

- 

- 

Die bauzeitlichen Heizkörper 

In den Küchen und Bädern die bauzeitlichen Schrankeinbauten 

R1S.2017.05013 

Seite 8 

 
 
- 

- 

In den Küchen die bauzeitlichen Bodenflächen 

Im Treppenhaus die bauzeitlichen Holzfenster mit den Fenster-Gittern, 
die Wohnungstüren,  die  Rupfen-Wandbespannung  und  im  Eingangs-
bereich die Wandverkleidung aus Keramikplatten 

Umgebung: 

- 

Die Einfriedung mit der Sockelmauer und den Postamenten und dem 
bauzeitlichen Staketenzaun 

6.1. 

Die Rekurrierenden wenden gegen die erfolgte Unterschutzstellung im We-

sentlichen  ein  (act.  2  und  11  im  Verfahren  G.-Nr.  R1S.2017.05013),  das 

streitbetroffene Objekt habe keine wichtige Zeugenschaft oder wesentliche 

prägende Wirkung. 

Die Siedlung "Hard Ost" sei nicht besonders exemplarisch für den Genos-

senschaftsbau in Zürich. In der Umgebung befänden sich eine Vielzahl von 

Objekten  mit  denselben  Kriterien.  Eine  wichtige  Zeugenschaft  bestehe 

nicht. Auch die Platzsituation an der Kreuzung Bullinger-/Hardstrasse wer-

de  deutlich  überbewertet.  Die  gegenüberliegende  Blockrandbebauung  sei 

nicht  einmal  inventarisiert.  Bezeichnend  für  den  Entscheid  der  Vorinstanz 

sei, dass die tatsächliche Situation vor Ort vollständig ausser Acht gelassen 

und  auch  das  von  den  Rekurrentin  eingereichte  Gutachten  offensichtlich 

kaum beachtet worden sei. Anders lasse es sich nicht erklären, dass stras-

senseitige  Loggien  mit  Kunststeingesimsen  geschützt  werden  sollen,  wel-

che seit dem Jahre 1988 nicht mehr existierten. Die Strassenfassaden prä-

sentierten sich damit bei weitem nicht mehr so authentisch, wie dies die Vo-

rinstanz darstelle. Die Wohnungsgrundrisse seien weit verbreitet und damit 

nicht  schutzwürdig.  Auch  die  zum  Hof  hin  orientierte  Einheit  von  Küche, 

Bad und Treppenhaus sei keine Besonderheit. Es werde zudem mit keinem 

Wort dargetan, dass dem Streitobjekt mit Bezug auf den genossenschaftli-

chen  Wohnungsbau  eine  besondere  Bedeutung  zukäme.  Der  Umstand, 

dass die Siedlung Teil dieses Konzeptes sei, genüge selbstredend nicht. Im 

gleichen  Zeitraum  von  1924  bis  1945  seien  45  gemeinnützige,  von  der 

Stadt  unterstützte  Baugenossenschaften  entstanden.  So  sei  auch  in  der 

einschlägigen Literatur kein Hinweis auf die Siedlung "Hard Ost" oder den 

Architekten  Joseph  Löhlein  zu  finden.  Das  von  der  Stadt  eingeholte  Gut-

R1S.2017.05013 

Seite 9 

 
 
achten weise wie aufgezeigt Irrtümer und Lücken auf. Im Weitern sei auch 

keine genügende Interessenabwägung vorgenommen worden. 

6.2. 

Diesen Vorbringen hält die Vorinstanz entgegen (act. 7 und 14 im Verfah-

ren G.-Nr. R1S.2017.05013), dass der angefochtene Beschluss die städte-

bauliche,  baukünstlerische  und  typologische  sowie  die  sozial-  und  wirt-

schaftsgeschichtliche Bedeutung der Wohnsiedlung "Hard Ost" umfassend 

darstelle.  Aufgrund  dieses  Sachverhaltes  werde  sie  als  ein  Objekt  gewür-

digt, welches grossen Zeugenwert aufweise und ausserordentlich gut erhal-

ten sei. Die Rüge, die wichtige Zeugenschaft werde nicht begründet, werde 

zurückgewiesen.  

Grundsätzlich  sei  nochmals  festzuhalten,  dass  die  beiden  zwischen  1929 

und 1931 entstandenen Siedlungsetappen "Hard Ost" und "Hard West" an 

der  Strassenkreuzung  von  Bullinger  und  Hardstrasse  eine  diagonale  Eck-

stellung  der  Blockränder  präsentierten,  die  zu  Beginn  der  1930er  Jahre 

durch  die  nördliche  Blockrandbebauung 

(Bullingerstrasse  32-36, 

Hardstrasse  63-67)  übernommen  worden  sei.  Diese  Art  der  Blockrandbe-

bauung  ergebe  eine  platzbildende  Funktion,  die  sich  auf  ein  städtebauli-

ches  Motiv  des  Barocks  beziehe,  das  in  Zürich  am  Pelikanplatz  zu  finden 

sei. Der Verlauf der Baulinien sichere auch künftig bei den nicht inventari-

sierten  Bauten  auf  der  gegenüberliegenden  Strassenseite  die  wichtige 

Übereckstellung  der  Fassaden.  Dass  sich  der  gegenüberliegende  Bullin-

gerhof  nicht  an  diese  Bebauungsstruktur  halte,  werde  nicht  verschwiegen 

und  sei  dem  Umstand  der  Funktion  als  öffentlicher  Park  geschuldet.  Dies 

schmälere hingegen den Wert der raumbildenden Funktion der Baugruppe 

als  Gegenstück  zum  Bullingerplatz,  der  eine  vom  Verkehr  befreite  Insel 

zeige nicht.  

Aus  dem  Stadtratsbeschluss  gehe  unmissverständlich  hervor,  dass  die 

wichtige  Zeugenschaft  "in  der  sachlichen  Architektursprache  der  Genos-

senschaftskolonie"  der  1920er  Jahre  begründet  sei  und  in  Beziehung  zu 

den damaligen stadtplanerischen Zielen der Zürcher Baubehörde unter der 

Ägide  von  Stadtbaumeister  Hermann  Herter  und  Konrad  Hippenmeier  als 

Chef des Bebauungsplanbüros stehe. 

Die Rekurrentin verkenne die baukünstlerische Bedeutung der Erkertürme, 
die  sich  auf  barocke  Wohnbauten  am  Pelikanplatz  bezögen,  welche  zur 

R1S.2017.05013 

Seite 10 

 
 
Bauzeit der Siedlung noch bestanden hätten und erst in der zweiten Hälfte 

der  1940er  Jahre  abgerissen  worden  seien  (Wohnhäuser  Neuegg  [1724] 

und Grünenhof [1705/1715]). Gewichtig sei der gezielte Einsatz und die be-

sondere  Funktion  des  traditionellen  Erkermotivs,  das  im  Reform-  und  Hei-

matstil  der  Jahrhundertwende  aus  der  Barockarchitektur  entlehnt  worden 

sei  und  in  dieser  Ausführung  im  sachlichen  Baustil  der  genossenschaftli-

chen  Wohnkolonie  der  1920er  Jahre  als  einzigartig  gelte.  Die  Erkertürme 

würden ein auf räumlich-plastische Wirkung zielendes Gestaltungselement 

darstellen,  das  von  besonderer  baukünstlerischer  und  städtebaulicher  Be-

deutung sei. 

Im  Innern  seien  die  Loggien  nach  wie  vor  gut  erkennbar.  Aber  auch  von 

aussen  seien  die  ehemals  offenen  Loggien  durch  eine  dunklere  Farbge-

bung von den übrigen Fassadenpartien deutlich zu unterscheiden. In Bezug 

auf die traditionellen Grundrisse der Wohnungen sei festzuhalten, dass der 

Schutzwert der Siedlung in typologischer Hinsicht darin begründet sei, dass 

im Vergleich zu anderen Genossenschaftskolonien ein geringeres Mass an 

Standardisierung und Typisierung vorliege und damit eine leicht gehobene 

genossenschaftliche  Wohnkultur  demonstriert  werde.  In  der  Stadt  Zürich 

sei sodann kein einziger ähnlich gelagerter Fall bekannt, bei dem sich das 

Einzelhaus eines privaten Bauträgers im Dienst eines homogenen Stadtbil-

des in die einheitliche Strassengestaltung habe einordnen müssen. 

Die  sich  gegenüberstehenden  Interessen  seien  im  angefochtenen  Be-

schluss ausführlich dargelegt und gewichtet worden. 

7.1. 

Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-

ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen,  die 

als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen  oder  bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen  wesentlich mitprägen,  samt der für ihre Wirkung  wesentlichen  Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden 

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis, 

dass  ein  Objekt,  über  welches  Schutzmassnahmen  verhängt  werden  sol-
len,  namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstat-

R1S.2017.05013 

Seite 11 

 
 
tungsmässigen  Eigenschaften  von  einer  Epoche  Zeugnis  abzulegen,  d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft  noch  nicht  ausreichend.  Zudem  lässt  das  Gesetz  auch  die  blosse 

Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-

denen,  hier  nicht  abschliessend  aufzuzählenden  Gründen  ergeben.  Ein 

wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf 

Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-

tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. 

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-

siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im 

Allgemeinen  kaum  als  "Epochen"  zu  bezeichnen  wären.  Namentlich  mit 

Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die 

Übergänge  zwischen  solchen  bezeugen,  Schutzobjekte  sein  können.  Zu 

verlangen  ist  allerdings  stets,  dass  die  betreffende  politische,  wirtschaftli-

che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann. 

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften 

oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen,  bezweckt  §  203  Abs.  1  lit.  c  PBG 

anders  als  mit  dem  Schutz  wichtiger  Zeugen  nicht  die  Dokumentation  ge-

schichtlicher  Epochen,  sondern  die  Erhaltung  qualifizierter  Landschafts- 

und  Siedlungsbilder.  In  der  Praxis  wird  hierbei  oftmals  auch  vom  Situati-

onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-

zungen  für  eine  Unterschutzstellung  –  Zeugeneigenschaft  oder  prägende 

Wirkung  –  alternativ  aufzählt,  lässt  sich  auch  allein  schon  mit  letzterer die 

Anordnung  von  Schutzmassnahmen  an  Gebäuden  oder  Gebäudegruppen 

begründen.  Allerdings  rechtfertigt  nicht  jede  Optimierung  von  Siedlungs- 

oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-

tiv  prägende Wirkung  muss  vielmehr  objektiv  ausgewiesen  und  begründet 

sein, was etwa bei für das geschützte Ortsbild wichtigen Kernzonenbauten 

der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011). 

7.2. 
Nach der Lehre kommt bei sich auf § 203 PBG stützenden denkmalpflege-
rischen  Anordnungen den  kommunalen  und kantonalen  Denkmalpflegebe-

hörden eine besondere Entscheidungsfreiheit zu, da sie dabei im Grenzbe-

R1S.2017.05013 

Seite 12 

 
 
reich  zwischen  Rechtsanwendung  und  Ermessensbetätigung  handeln.  Die 

Entscheidungsfreiheit  der  Denkmalpflegebehörde  bezieht  sich  namentlich 

auf die Frage der Qualifikation eines Objekts als wichtiger Zeuge, auf den 

konkret  erforderlichen  Umfang  einer  Schutzmassnahme  und  gegebenen-

falls auf die Auswahl unter mehreren in Betracht fallenden Schutzobjekten. 

Die Rekursinstanz darf eine noch vertretbare Wertung der Denkmalpflege-

behörde nicht durch eine abweichende eigene Wertung ersetzen. Auch bei 

Inventarentlassungen  greift  die  Rekursinstanz  nur  bei  sachlich  nicht  mehr 

vertretbaren  Entscheiden  ein.  Die  Rekursinstanz  verfügt  damit  insoweit 

über  keine  weitere  Prüfungsbefugnis  als  das  auf  Rechtskontrolle  be-

schränkte Verwaltungsgericht. 

Die  von  der Rekursinstanz  zu  wahrende  Zurückhaltung,  so  die Lehre  wei-

ter,  steht  nicht  im  Zusammenhang  mit  der  Gemeindeautonomie.  Die  Zu-

rückhaltung greift daher nur, soweit es um die Würdigung örtlicher Verhält-

nisse  oder  um  technische  oder  andere  Fragen  geht,  die  ein  bestimmtes 

Fachwissen voraussetzen, zumal die Beratung durch Fachstellen ausdrück-

lich  im  Gesetz  vorgesehen  ist  (§  216  PBG).  Dies  ist  nicht  der  Fall  bei  der 

Beantwortung der Frage, was unter einem wertvollen Baum oder Baumbe-

stand bzw. Feldgehölze im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. f PBG zu verstehen 

ist (Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, 

§ 20 Rz. 85 f.). 

Aus  dem  vorstehend  Wiedergegebenen  ergibt  sich  zutreffend,  dass  das 

Baurekursgericht (auch) die Frage, was unter einem Schutzobjekt im Sinne 

von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu verstehen ist, frei beantworten kann. Zuzu-

stimmen ist auch der Auffassung, dass die Kognition des Baurekursgerichts 

nicht davon abhängt, ob Anordnungen kommunaler oder kantonaler Denk-

malpflegebehörden zu überprüfen sind. Im Übrigen kann der Lehre nur ein-

geschränkt beigetreten werden. Soweit dem Baurekursgericht die örtlichen 

Verhältnisse hinreichend bekannt sind, kann es diese in der Regel frei wür-

digen. Geht es um bautechnische Fragen, namentlich um solche der Erhal-

tungs-  und  Renovationsfähigkeit  von  Schutzobjekten  oder von Teilen  hier-

von,  ist  das  Baurekursgericht  als  Fachgericht  in  Bausachen  zu  deren  Be-

antwortung  nicht  weniger  berufen  als  die  Denkmalpflegebehörden,  womit 

auch  in  dieser Hinsicht  eine Kognitionseinschränkung  nicht  begründet  wä-

re. 

R1S.2017.05013 

Seite 13 

 
 
Eine gewisse Zurückhaltung ist demgegenüber namentlich dann angezeigt, 

wenn es um die Frage der Qualifikation eines Objekts als wichtiger Zeuge, 

die  Bestimmung  des  Umfangs  einer  Schutzmassnahme  oder  die  Auswahl 

unter  mehreren  Schutzobjekten  geht.  Diesbezügliche  Beurteilungen  sind 

mit  einem  spezifisch  denkmalpflegerischen  Fachwissen  verbunden.  Aller-

dings  führt  diese  Zurückhaltung  nicht  etwa  dazu,  dass  das  Baurekursge-

richt  gleich  wie  das  Verwaltungsgericht  auf  eine  reine  Rechtskontrolle  be-

schränkt wäre (§ 20 Abs. 1 und § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes 

[VRG]).  Konsequenz  ist  vielmehr,  dass  das  Baurekursgericht  den  ange-

fochtenen  Entscheid  unter  gebührender  Berücksichtigung  der  Entscheid-

gründe  der Denkmalpflegebehörde und  in  sorgfältiger, einlässlicher  Ausei-

nandersetzung  mit  diesen  zu  überprüfen  hat.  Dergestalt  ist  zwischen  der 

Entscheidungsfreiheit  der  Denkmalpflegebehörde  einerseits  und  dem  An-

spruch  auf  wirksamen  Rechtsschutz  andererseits  (Art.  77  der Kantonsver-

fassung [KV] und Art. 29a der Bundesverfassung [BV]) praktische Konkor-

danz herzustellen (Donatsch, § 20 Rz. 64 ff.). Im Übrigen kommt dem Bau-

rekursgericht  bei  der  Überprüfung  von  sich  auf  §  203  PBG  stützenden 

denkmalpflegerischen  Anordnungen  in  der  Regel  volle  Kognition  zu  (§ 20 

Abs. 1 VRG). 

8.1. 

Aufgrund  der  vorliegenden  Akten,  sowie  aufgrund  der  Feststellungen  an-

lässlich des Augenscheines ergibt sich, dass der Siedlung "Hard Ost" keine 

wichtige Zeugenschaft zukommt; dies weder mit Bezug auf den Eigenwert 

des Streitobjektes noch mit Bezug auf den Situationswert.  

Mit  Bezug  auf  den  Eigenwert  der  Siedlung  ist  festzuhalten,  dass  sich  an-

lässlich  des  vom  Gericht  durchgeführten  Augenscheins  deutlich  zeigte, 

dass  die  von  der  Vorinstanz  hervorgehobene  Besonderheit  der  Siedlung 

von  aussen  überhaupt  nicht  mehr  ablesbar  und  von  innen  auch  nur  sehr 

begrenzt nachvollziehbar ist.  

So  sind  die  erwähnten  typischen  Loggien  von  aussen  betrachtet  in  keiner 

Weise mehr zu erkennen. Die als Ersatz angebrachte farbliche Akzentuie-

rung dieser Elemente vermag daran nichts zu ändern. Ein Bezug zwischen 

dem  Farbstreifen  und  den  ehemaligen  Loggien  lässt  sich  für  den  durch-

schnittlichen Betrachter nicht herstellen. Selbst mit dem Hintergrundwissen 
der  Baugeschichte  vermag  dieser  Farbstreifen  kein  Ersatz  für  ein  derart 

R1S.2017.05013 

Seite 14 

 
 
markantes  gestalterisches  Element  darzustellen.  Auch  im  Innern  sind  die 

Loggien  nicht  mehr  als  solche  erkennbar  und  werden  durch  die  Zuschla-

gung zum Wohnraum auch nicht mehr entsprechend genutzt. 

Ebensowenig  ist  für das  Gericht nachvollziehbar, inwiefern  die  Erkertürme 

– wie  von der Vorinstanz betont  – einen Bezug  zu den Gebäuden im Hei-

matstil  am  Pelikanplatz  aufweisen  sollen.  Erkertürme  sind  ein  durchaus 

gängiges und traditionelles Architekturelement, das nicht auf eine bestimm-

te  Zeitepoche  beschränkt  ist.  Der  angebliche  Bezug  zum  Pelikanplatz  er-

scheint allein schon aufgrund der räumlichen Distanz gesucht.  

Diese  Auffassung  des  Gerichts  wird  insbesondere  durch  das  von  der  Ei-

gentümerin  eingereichte  Gutachten  der  IBID  AG  gestützt,  welche  in  ihrem 

äusserst  ausführlichen  und  nachvollziehbaren  Gutachten  aus  dem  Jahre 

2014  (act.  8.5  im  Verfahren  G.-Nr.  R1S.2017.05013),  welches  der  Vo-

rinstanz  bei  ihrer  Entscheidfindung  ebenfalls  vorlag,  zum  Schluss  kommt, 

dass das Gebäude in architekturhistorischer und baukünstlerischer Hinsicht 

keinen  wichtigen  Zeugen  darstellt.  Das  Gutachten  hält  fest,  dass  die  Fas-

sadengestaltung, die Grundrissdisposition und die Innenausstattung einem 

gängigen  weitverbreiteten  Standard  der  1920er  und  1930er  Jahre  in  der 

Stadt Zürich entspräche. Hinzu komme, dass indes typische Elemente wie 

etwa Gemeinschaftsräume, ein Hort oder Kindergarten, welche typisch ge-

wesen seien für den kommunalen und genossenschaftlichen Siedlungsbau, 

gänzlich fehlen würden. Die Siedlung sei damit bloss eines von zahlreichen 

Beispielen  des  gemeinnützigen-  genossenschaftlichen  Wohnungsbaus. 

Auch  in  städtebaulicher  Hinsicht  gäbe  es  in  der  näheren  Umgebung  rund 

um  den  Bullingerplatz  weitaus  wichtigere  Objekte  als  die  streitbetroffene 

Siedlung.  Typologisch  zeitgemässer  sei  beispielsweise  die  südlich  an-

schliessende  Siedlung  "Bullingerhof.  Diese  Schlussfolgerungen  decken 

sich  vollumfänglich  mit  den  gewonnenen  Feststellungen  des  Gerichts  an-

lässlich des Lokaltermins. 

Es mutet vor diesem Hintergrund geradezu etwas seltsam an, dass die Vo-

rinstanz  ihre  Unterschutzstellung  fast  ausschliesslich  mit  Argumenten  un-

termauert,  welche  dafür  sprechen,  dass  es  sich  bei  der  streitbetroffenen 

Siedlung gerade nicht um einen typischen Vertreter seiner Epoche handelt, 

sondern um einen Sonderfall. So wird seitens der Vorinstanz mehrfach da-

rauf  hingewiesen,  dass  die  Siedlung  einen  Ausnahmefall  darstelle;  dies 
aufgrund des Umstandes, dass ein Teil der Siedlung von einer Privatperson 

R1S.2017.05013 

Seite 15 

 
 
erstellt worden sei. Zum einen ist dies wie bereits vorstehend festgehalten, 

kaum  erkennbar  und  zum  anderen  würde  dies  auch  nicht  dem  Sinn  und 

Zweck  der  Unterschutzstellung  von  Zeitzeugen  entsprechen.  Ein  wichtiger 

Zeuge liegt wie vorstehend erwähnt, namentlich dann vor, wenn die betref-

fende Baute auf Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche beson-

ders aussagekräftig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. In der Re-

gel ist daher ein typischer Vertreter einer Bauzeit und nicht ein Ausreisser 

von  der  Norm  unter  Schutz  zu  stellen,  da  eine  Ausnahme  eben  gerade 

nicht Zeugnis für eine typische Bauweise dieser Zeit ablegen kann. 

In Bezug auf den Eigenwert ist somit festzuhalten, dass die streitbetroffene 

Siedlung  zwar  durchaus  zahlreiche  zeugenhafte  Elemente  für  den  genos-

senschaftlichen Wohnungsbau der 1920/30er Jahre aufweist, ihr indes aber 

auch zahlreiche typische Elemente dieser Zeit fehlen oder diese zumindest 

von aussen betrachtet nicht mehr erkennbar sind. Eine besondere Qualität 

oder  Aussagekraft  der  streitbetroffenen  Siedlung  ist  damit  nicht  gegeben. 

Es ist daher nicht angezeigt, gerade diese Siedlung als Zeuge für eine ge-

nossenschaftliche  Siedlung  der  entsprechenden  Zeitperiode  unter  Schutz 

zu  stellen.  Eine  wichtige  Zeugenschaft  mit  Blick  auf  den  Eigenwert  der 

Siedlung ist somit zu verneinen. 

Ebensowenig ist ein schützenswerter Situationswert erkennbar. Die von der 

Vorinstanz  betonte  wichtige  Übereckstellung  der  Fassaden  wird  auf  allen 

Seiten durch Baulinien gesichert. Die städtebaulich wichtige und prägnante 

Platzsituation  Hardstrasse/Bullingerstrasse  hängt  nicht  von  der  bestehen-

den  Bausubstanz  ab,  sondern  kann  zufolge  der  bestehenden  Baulinien 

auch mittels eines Neubaus/Ersatzbaus problemlos wieder erreicht werden.  

Aus diesem Grund sind wohl auch die gegenüberliegenden Siedlungen (da-

runter die Siedlung "Hard West") nicht inventarisiert. Würde die gemäss der 

Vorinstanz  wichtige  Platzsituation  von  der  Bausubstanz  der  umliegenden 

Gebäude abhängen, hätte zumindest auch die gegenüberliegende Siedlung 

"Hard West" inventarisiert bzw. unter Schutz gestellt werden müssen. Dies 

ist indes nicht erfolgt. Die Siedlung "Hard-West" befindet sich vielmehr be-

reits im Umbau.  

Unbestrittenermassen ist die Siedlung "Hard Ost" auf das umfassende Pla-
nungswerk des Sihlfeldquartiers zurückzuführen, das von der Tieferlegung 
der linken Seebahnlinie ausgelöst wurde. Es handelt sich um ein einheitlich 

geplantes  Wohnquartier  zwischen  Seebahn-,  Hard-,  Hohl-  und  Baden-

R1S.2017.05013 

Seite 16 

 
 
erstrasse,  das  eine  hohe  Konzentration  an  genossenschaftlichen  Wohn-

siedlungen  aufweist  und  damit  von  der  grossen  Bauperiode  des  gemein-

nützigen  Wohnungsbaus  in  Zürich  zeugt.  Städtebaulich  wichtig  ist  in  die-

sem  Zusammenhang  vor  allem  auch  die  sternförmige  Anordnung  der 

Strassen im ganzen Quartier in Richtung Bullingerplatz, welcher den Mittel-

punkt dieses sternförmigen Gebiets bildet. 

Es  handelt  sich  unbestrittenermassen  um  ein  beindruckendes  Ensemble 

von  kommunalen  und  genossenschaftlichen  Wohnsiedlungen.  Dies  kann 

indes nicht zur Unterschutzstellung sämtlicher Gebäude im Geviert  führen, 

sondern  es  sind  die  wichtigsten  und  aussagekräftigsten  Objekte  unter 

Schutz  zu  stellen  und  die  übrigen  städtebaulich  relevanten  Elemente 
(Strassenfluchten  etc.)  sind  mittels  anderen  planerischen  Mitteln  wie  etwa 

den  bereits  vorhandenen  Baulinien  bzw.  der  ebenfalls  bereits  erfolgten 

Festsetzung  einer  Quartiererhaltungszone  zu  sichern.  Die  Siedlung  "Hard 

Ost" ist in diesem weiten baulichen Umfeld nicht derart prägnant und situa-

tionsprägend,  dass  eine  Unterschutzstellung  zu  rechtfertigen  wäre.  Es  fin-

den  sich  im  Quartier durchaus  gewichtigere  Zeugen  (wie  etwa  den  Bullin-

gerhof),  welchen  zudem  allenfalls  auch  noch  ein  Eigenwert  zugesprochen 

werden kann. Eine Unterschutzstellung ist daher auch im Hinblick auf den 
Situationswert der Siedlung nicht angezeigt. 

R1S.2017.05013 

Seite 17 

 
 
 
Zusammenfassend  ist  daher  festzuhalten,  dass  die  streitbetroffene  Sied-

lung  nach  dem  vorstehend  Gesagten  sicherlich  ein  Zeuge  für  den  genos-

senschaftlichen Wohnungsbau der 1920er/30er Jahre ist, ihr indes sowohl 

im näheren als auch im weiteren baulichen Umfeld keine wichtige Zeugen-

schaft zukommt.  

Damit hat die Vorinstanz, das ihr zustehende Ermessen nicht mehr vertret-

bar gehandhabt. 

9.1. 

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass auf den Rekurs im Verfah-

ren G.-Nr. R1S.2017.05028 nicht einzutreten ist. 

Der  Rekurs  im  Verfahren  G.-Nr.  R1S.2017.05013  ist  hingegen  gutzuheis-

sen.  Demnach  ist  der  angefochtene  Beschluss  des  Stadtrates  von  Zürich 

vom 30. November 2016 betreffend die Unterschutzstellung der Wohnsied-

lung "Hard Ost" (Kat.-Nrn. AU3812 und AU4241) aufzuheben und das Ob-

jekt  aus  dem  Inventar  der  Schutzobjekte  von  kommunaler  Bedeutung  zu 

entlassen. 

[….] 

R1S.2017.05013 

Seite 18