# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6d08548-b610-599b-a2d7-6fd8372998b0
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2001 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2001-1_0000-00-00.pdf

## Full Text

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I. Urteile des Kantonsgerichts
a) Zivilurteile

1 – Bürgerrecht (Art. 38 Abs. 2 BV, Art. 161 ZGB; Art. 6 kBüG). 
Zum Verhältnis von Art. 6 kBüG zu Art. 161 ZGB, welcher
den Erwerb und Verlust des Kantons- und Gemeindebür- 
gerrechts durch Heirat regelt. Die Ehefrau erwirbt durch 
Heirat das Kantons- und Gemeindebürgerrecht ihres Ehe- 
mannes. Darauf kann sie weder verzichten noch darf ihr ein 
Bürgerrecht abgesprochen werden, das sie gemeinsam mit 
ihrem Mann besitzt.

Sachverhalt:
Als sich H. im Jahre 1989 mit L. verheiratete, besass sie durch Ab- 

stammung das Bürgerrecht von Stallikon. Durch Eheschliessung erwarb sie 
nunmehr die Bürgerrechte ihres Mannes von Hinterrhein und Meilen. Im 
Jahre 1996 liess sie sich schliesslich noch in Basel einbürgern. Gegenüber dem 
Amt für Zivilrecht des Kantons Graubünden erklärte sie auf entsprechende 
Aufforderung hin, dass sie das Bürgerrecht von Hinterrhein beibehalten wol- 
le. Das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement des Kantons Graubünden 
erliess am 8. Januar 2001 eine Verfügung, wonach im Familienregister von 
Hinterrhein nach dem Vermerk über den Bürgerrechtserwerb von Basel der 
Vermerk «dadurch Verlust des Bürgerrechts von Hinterrhein» anzubringen 
sei. Die Zivilstandsämter Basel, Stallikon und Meilen wurden ersucht, im 
Familienregister sämtliche Hinweise auf die Bürgerrechte von Hinterrhein 
zu streichen. Dagegen erklärte H. Berufung an das Kantonsgericht.

Aus den Erwägungen:
2. Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Gesetzes über Erwerb und Verlust des 

Kantons- und Gemeindebürgerrechtes vom 6. Juni 1993, in Kraft seit 1. Juli 
1993 (Bürgerrechtsgesetz [kBüG, BR 130.100]) verliert eine Kantonsbürge- 
rin, die sich in einer anderen Gemeinde des Kantons einbürgern lässt, ihre 
bisherigen (bündnerischen) Gemeindebürgerrechte. Geschieht die Einbür- 
gerung in einem anderen Kanton, geht auch das Kantonsbürgerrecht verlo- 
ren. Hiervon abweichend sieht Abs. 2 der genannten Gesetzesbestimmung 
vor, dass diese Rechtsfolgen vermieden werden könnten, wenn die Betrof- 
fene auf entsprechende Aufforderung hin schriftlich erkläre, sie wünsche die 
vom Verlust bedrohten Bürgerrechte beizubehalten. Eine solche Willens- 
äusserung bleibt freilich dann ohne Wirkung, wenn die Erklärende danach 
mehr als zwei schweizerische Gemeindebürgerrechte besitzen würde.

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Im Hinblick auf die parlamentarische Beratung der Revision des 
kantonalen Bürgerrechtsgesetzes von 1993 wird in der regierungsrätlichen 
Botschaft vom 1. September 1992 die Regelung in Art. 6 Abs. 1 kBüG vor al- 
lem damit begründet, dass dem Kantons- und Gemeindebürgerrecht nur 
dann eine selbständige Bedeutung zukomme, wenn es mit dem Wohnsitz zu- 
sammentreffe und dadurch das Stimmrecht in der Bürgerversammlung be- 
wirke sowie einen Anteil an einem allfälligen Bürgernutzen verschaffe. 
Fehle aber ein solcher Bezug, vermöge es lediglich das Schweizer Bürger- 
recht zu vermitteln, was es als völlig unsinnig erscheinen lasse, wenn Bür- 
gerrechte geradezu gesammelt würden, eine Einschätzung, die sich auch des- 
halb aufdränge, weil Mehrfachbürgerrechte einen nicht zu rechtfertigenden 
Verwaltungsaufwand zur Folge hätten, müsse doch in solchen Fällen in jeder 
Heimatgemeinde das umfangreiche Familienregister geführt werden. Die 
Schweizerische Konferenz der kantonalen Aufsichtsbehörden im Zivil- 
standswesen empfehle deshalb, dass Massnahmen ergriffen würden, welche 
darauf gerichtet seien, die Zahl der kantonalen und kommunalen Bürger- 
rechte zu reduzieren. Dies geschehe am besten über die Einbürgerung 
selbst. Wer nämlich ein entsprechendes Gesuch stelle, gebe zu verstehen, 
dass er mit den bisherigen Bürgerrechten nicht zufrieden sei und ihm jenes, 
das er nunmehr neu begehre, mehr bedeute als diejenigen, die er bereits be- 
sitze. Dann aber sei es nur billig, wenn die Einbürgerung in einer anderen in- 
ner- oder ausserkantonalen Gemeinde von Gesetzes wegen den Verlust der 
bisherigen (bündnerischen) Gemeindebürgerrechte (allenfalls auch jenes 
des Kantons) zur Folge habe (Art. 6 Abs. 1 kBüG) bzw. von einem ausser- 
kantonalen Bewerber der Nachweis verlangt werde, dass er in genügendem 
Umfang aus seinen Bürgerrechten entlassen worden sei (Art. 10 kBüG). Auf 
der anderen Seite dürfe aber nicht verkannt werden, dass möglicherweise 
schützenswerte emotionale Bindungen an bereits erworbene Bürgerrechte 
vorhanden seien, an das ursprüngliche der eigenen Familie etwa. Dem werde 
indessen in Art. 6 Abs. 2 kBüG und Art. 10 kBüG dadurch hinreichend Rech- 
nung getragen, dass dort Vorkehren getroffen worden seien, welche es er- 
laubten, wenigstens eines dieser Bürgerrechte beizubehalten (vgl. zum 
Ganzen Botschaften der Regierung an den Grossen Rat 1992/93 S. 326).

Bei der Behandlung des Geschäfts im Grossen Rat anlässlich der Sit-
zung vom 25. November 1992 wurde hierzu ausgeführt, dass die in Art. 6 der 
Vorlage enthaltene Regelung zwar nicht einfach als gegen geltendes Recht 
verstossend angesehen werden dürfe. Sie stelle aber immerhin eine Abkehr 
dar vom seit jeher beachteten Grundsatz, wonach einmal erworbene Bür- 
gerrechte unverzichtbar sein sollten. Wenn schon solche einschneidenden 
Änderungen vorgenommen würden, müssten hierfür wohl triftigere Gründe 
angerufen werden können, als sie in der regierungsrätlichen Botschaft ge- 
nannt würden. Abgesehen davon, dass die emotionale Bedeutung des Bür-

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gerrechts wohl zu wenig gewichtet worden sei, werde sich ein Schweizer Bür- 
ger wohl kaum um das Bürgerrecht seiner Wohnsitzgemeinde bemühen, weil 
das Verhältnis zu seiner Heimatgemeinde getrübt sei, sondern deshalb, weil 
er über Jahre hinweg eine enge Beziehung zu seinem Wohnort aufgebaut 
habe, und dem mit der Einbürgerung verbundenen Verwaltungsaufwand  
lasse sich durch die  Erhebung  angemessener  Gebühren  besser  begegnen 
als durch den auf wenig Verständnis stossenden Zwang, lieb gewordene 
Bürgerrechte aufgeben zu müssen (vgl. Grossratsprotokoll November 1992 
S. 649 f.).

Trotz dieser kritischen Bemerkungen im Parlament wurde an Art. 6 
kBüG inhaltlich nichts mehr geändert.

3. Die bisherigen Ausführungen bedeuten freilich noch nicht, dass 
die einschlägigen Bestimmungen des kantonalen Bürgerrechtsgesetzes stets, 
auch in Fällen wie dem vorliegenden, anwendbar seien. Sie stehen vielmehr 
in einem Spannungsverhältnis zu den das Bürgerrecht betreffenden Erlas- 
sen des Bundesgesetzgebers, dem gemäss Art. 38 Abs. 2 BV die alleinige Be- 
fugnis zukommt, den Erwerb und den Verlust des Kantons- und Gemeinde- 
bürgerrechts durch Abstammung, Heirat und Adoption zu regeln (vgl. 
Hausheer/Geiser/Kobel, Das Eherecht des Schweizerischen Zivilgesetz- 
buches, Bern 2000, Rz. 07.21). Art. 4 kBüG erwähnt denn auch ausdrücklich 
den Vorrang des Bundesrechts in diesem Bereich.

Auf der genannten Verfassungsbestimmung beruht unter  anderem 
Art. 161 ZGB, nach dessen klaren, unzweideutigen Wortlaut bei der Ehe- 
schliessung schweizerischer Staatsangehöriger die Ehefrau das  Kantons-  
und Gemeindebürgerrecht ihres Ehemannes erhält (vgl. Ivo Schwander, 
Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Schweizerisches Zivilgesetz- 
buch I, Basel und Frankfurt am Main 1996, N. 2 zu Art. 161 ZGB; Haus- 
heer/Reusser/Geiser,  Berner  Kommentar  Band  II/1/2,  2. Aufl.,  Bern 1999,
N. 8 Abs. 1 und N. 9 zu Art. 161 ZGB). Wie der Entstehungsgeschichte dieser 
Vorschrift zu entnehmen ist (vgl. hierzu BGE 125 III 214 ff.), dient sie der 
Verwirklichung des bereits im Zivilgesetzbuch von 1907/12 enthaltenen und 
durch die Revision des Eherechts von 1984/88 nicht geänderten Grundsatzes 
der Einheit des Bürgerrechtes in der Familie, der auch durch die Revisionen 
1984/85 und 1990/92 des eidgenössischen Bürgerrechtsgesetzes (BüG) – bei 
Letzterer erhielt Art. 161 ZGB seinen heutigen Wortlaut – nicht völlig preis- 
gegeben wurde (vgl. BGE 125 III 215). Der Gesetzgeber war sich dabei be- 
wusst, dass sich das Familienbürgerrecht mit der Forderung nach Gleichbe- 
handlung der Ehegatten nicht ohne weiteres vereinbaren lässt, und er nahm 
demzufolge in Kauf, dass durch das Festhalten an dieser Bürgerrechtseinheit 
die von der Verfassung verlangte Gleichstellung von Frau und Mann in die- 
sem Bereich nur teilweise verwirklicht wird. Aus all dem ist, wie in der Lehre 
zu Recht ausgeführt wird (vgl. Schwander, a. a. O., N. 7 zu Art. 161 ZGB;

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Hausheer/Reusser/Geiser, a. a. O., N. 25 zu Art. 161 ZGB), der Schluss zu zie- 
hen, dass die Ehefrau auf die Bürgerrechte, die ihr Mann ebenfalls besitzt, 
nicht allein verzichten kann, und dies selbst dann nicht, wenn sie dies nur mit 
Wirkung für sich selbst tun will, würde doch andernfalls der mit dem ersten 
Satzteil von Art. 161 ZGB verfolgte Zweck, wonach ihr alle Bürgerrechte 
zustehen sollen, die auch der Gatte hat, gerade vereitelt (vgl. Schwander,
a. a. O., N. 6 zu Art. 161 ZGB; Hausheer/Reusser/Geiser, a. a. O., N. 23 zu Art. 
161 ZGB). Sowenig aber nach dem eben Gesagten eine Frau einseitig auf ein 
Bürgerrecht verzichten kann, über welches auch der Ehemann verfügt, so- 
wenig darf ihr ein Bürgerrecht abgesprochen werden, das sie gemeinsam mit 
ihrem Mann besitzt. Art. 6 Abs. 1 kBüG hat also in solchen Fällen gegenüber 
der Vorschrift des Art. 161 ZGB zurückzutreten.

Dies führt zur Gutheissung der Berufung und zur Aufhebung der an- 
gefochtenen Verfügung.
ZF 01 7 Urteil vom 1. Mai 2001

2 – Öffentlichkeit des Grundbuchs (Art. 970 ZGB). Für die Ge- 
währung der Einsichtnahme in das Grundbuch muss ein
berechtigtes Interesse glaubhaft gemacht werden. Die 
zukünftige Erbenstellung eines pflichtteilsberechtigten 
Erben kann hiezu ausreichen (Erw. 1.a). Die blosse An- 
wartschaft kann eine hinreichende Grundlage für das von Art. 
970 Abs. 2 ZGB verlangte konkrete und aktuelle Inter- esse 
bilden. Im konkreten Fall stand dem Einsichtsinter- esse der 
pflichtteilsberechtigten Erbin ein weniger bedeu- tendes 
privates Geheimhaltungsinteresse ihrer Mutter gegenüber 
(Erw. 1.b).

Aus den Erwägungen:
1. Gemäss Art. 970 ZGB gilt der Grundsatz  der  Öffentlichkeit 

des Grundbuchs. Jedermann ist berechtigt, darüber Auskunft zu erhalten, 
wer als Eigentümer eines Grundstücks im Grundbuch eingetragen  ist 
(Art. 970 Abs. 1 ZGB). Einen Anspruch darauf, dass ihm Einsicht in das 
Grundbuch gewährt oder daraus ein Auszug erstellt wird, hat jedoch nur 
derjenige, welcher ein Interesse daran glaubhaft macht (Art. 970 Abs. 2 
ZGB). Entgegen dem strikten Beweis, wonach der Richter vom Beste- 
hen bestimmter Tatsachen der völligen Überzeugung sein muss, genügt es 
für die Glaubhaftmachung, wenn der Richter das Vorhandensein der be- 
haupteten Tatsache für wahrscheinlich hält, selbst wenn er noch mit der 
Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklichen könnte (BGE 120 II 
398).