# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e1d7b455-1c28-5dbd-9278-9e4a039d9812
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-04-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.04.2007 RR.2007.2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2007-2_2007-04-25.pdf

## Full Text

Entscheid vom 25. April 2007 
II. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Bernard Bertossa, Vorsitz, 
Cornelia Cova und Roy Garré,  
Gerichtsschreiberin Brigitte Brun 

   
 
Parteien 

  
BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, ABTEILUNG INTER-
NATIONALE RECHTSHILFE, 

Antragstellerin 
und Beschwerdegegnerin 

 
 gegen 
   

A., zur Zeit in Auslieferungshaft, vertreten durch Für-
sprecher Peter Huber, 

Antragsgegnerin 
und Beschwerdeführerin 

 
Gegenstand  Auslieferung an die Türkei 

 
Beschwerde gegen Auslieferungsentscheid, Einrede 
des politischen Deliktes (Art. 55 Abs. 1 und 2 i.V.m. 
Art. 25 IRSG), unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 
Abs. 1 und 2 VwVG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  RR.2007.2+25 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Die Oberstaatsanwaltschaft in Erzurum / Türkei führt gegen A. ein Ermitt-
lungsverfahren wegen Versuchs zur Veränderung der Verfassung der Tür-
kischen Republik durch Gewaltanwendung. In diesem Zusammenhang wird 
A. verdächtigt, als Mitglied der Vereinigung TKP/ML-TIKKO im Zeitraum 
zwischen 1992 und 2001 in der Türkei an mehreren Kämpfen mit staatli-
chen Sicherheitskräften beteiligt gewesen zu sein sowie eine Person ent-
führt und anschliessend getötet zu haben. 
 
Gestützt auf einen Haftbefehl des staatlichen Sicherheitsgerichts in Erzu-
rum vom 25. Dezember 2001 veranlasste Interpol Ankara am 14. Mai 2002 
die internationale Ausschreibung zur Verhaftung von A. (act. 1.3). 
 
Am 21. Juni 2006 wurde A. in der Schweiz verhaftet und in provisorische 
Auslieferungshaft versetzt. Nachdem sie sich mit einer vereinfachten Aus-
lieferung an die Türkei nicht einverstanden erklärte, erliess das Bundesamt 
für Justiz (nachfolgend "BJ") am 23. Juni 2006 einen Auslieferungshaftbe-
fehl (Verfahrensakten BJ act. 15-18 und 23A).  
 
Mit Schreiben vom 23. Juni 2006 informierte das BJ die türkische Botschaft 
in Bern über die Verhaftung von A. und ersuchte um Abgabe von Garantie-
erklärungen, welche von der türkischen Botschaft am 4. Juli 2006 ausge-
sprochen wurden (act. 1.5 und 1.6). Aufgrund der neuesten bundesgericht-
lichen Rechtsprechung forderte das BJ am 2. Februar 2007 eine weitere 
Garantieerklärung ein (act. 6). Die von der türkischen Botschaft in der Fol-
ge abgegebene Erklärung vom 16. Februar 2007 erachtete das BJ als nicht 
ausreichend und ersuchte die türkische Botschaft am 21. Februar 2007 um 
Übermittlung einer im Wortlaut präzis vorgegebenen Garantie, welche mit 
Datum vom 9. März 2007 abgegeben wurde (act. 12, 12.1 und 17).  
 
Am 10. Juli 2006 übermittelte die türkische Botschaft dem BJ das Ersuchen 
um Auslieferung von A. (act. 1.6, S. 2 und act. 1.7). Am 12. Septem-
ber 2006 ersuchte das BJ die Türkische Botschaft um Sachverhaltsergän-
zungen (act. 1.8). Diese Ergänzungen der Oberstaatsanwaltschaft Erzurum 
datieren vom 15. September 2006 und wurden dem BJ am 21. Septem-
ber 2006 übermittelt (act. 1.9; Verfahrensakten BJ act. 92). 
 
Mit Entscheid vom 16. Januar 2007 bewilligte das BJ die Auslieferung von 
A. an die Türkei für die ihr als Mitglied der TKP/ML-Tikko zur Last gelegte 
mutmassliche Entführung und anschliessende Tötung einer Person in der 
Türkei am 7. Oktober 1993. Dies unter der Auflage, dass die türkischen 

- 3 - 

 

 

Behörden A. wegen allfälliger politischer Hintergründe der Straftat nicht ver-
folgen oder bestrafen dürfen, auch nicht in Form einer Erhöhung oder Ver-
schärfung der Strafe. Hinsichtlich der übrigen A. vorgeworfenen Delikte 
wurde die Auslieferung mangels genügender Sachverhaltsschilderung ab-
gelehnt (act. 1.1). 
 

B. Am 16. Januar 2007 beantragt das BJ beim Bundesstrafgericht, dass die 
im Rahmen der Stellungnahme von A. erhobene Einrede des politischen 
Deliktes bezüglich ihrer Auslieferung an die Türkei abzulehnen sei (act. 1). 
 
Gegen den Auslieferungsentscheid vom 16. Januar 2007 lässt A. beim 
Bundesstrafgericht mit Eingabe vom 16. Februar 2007 Beschwerde einrei-
chen mit den Anträgen, die Ziffern 1 und 4 des Auslieferungsentscheides 
des BJ vom 16. Januar 2007 seien aufzuheben, die Auslieferung von A. an 
die Türkei sei abzulehnen, A. sei so rasch als möglich, spätestens aber mit 
dem Beschwerdeentscheid aus der Auslieferungshaft zu entlassen, und es 
sei A. die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren unter Beiordnung 
von Fürsprecher Peter Huber als amtlicher Anwalt. Zum Antrag des BJ vom 
16. Januar 2007 wird beantragt, dieser sei abzuweisen und die Einrede des 
politischen Deliktes zu schützen (act. 9). 
 
Das BJ beantragt in seiner Antragsreplik und Beschwerdeantwort vom 
26. Februar 2007 die Abweisung der Beschwerde und hält im Übrigen an 
seinem Antrag, dass die Einrede des politischen Deliktes abzulehnen sei, 
fest (act. 13). 
 
Mit (verspäteter) Antragsduplik und Beschwerdereplik vom 28. März 2007 
hält A. an ihren Anträgen fest (act. 19), welche Eingabe dem BJ zur Kennt-
nis zugestellt wurde (act. 20). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 
 
 
Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1. Die Beurteilung von Auslieferungsersuchen der Türkei richtet sich primär 
nach den Bestimmungen des Europäischen Auslieferungsübereinkommens 
vom 13. Dezember 1957 (EAUe, SR 0.353.1) sowie des Zweiten Zu-
satzprotokolles zum EAUe vom 17. März 1978 (SR 0.353.12), denen beide 
Staaten beigetreten sind. Soweit der Verfolgten die Beteiligung an einer ter-
roristischen Gruppierung vorgeworfen wird, ist sodann das Europäische 

- 4 - 

 

 

Übereinkommen zur Bekämpfung des Terrorismus vom 27. Januar 1977 
(EÜBT, SR 0.353.3) zu berücksichtigen. Wo die genannten Staatsverträge 
bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, findet auf das Verfahren der 
Auslieferung ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung 
(Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz über internationale 
Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. März 1981 (IRSG, SR 351.1) und die 
dazugehörende Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV, SR 351.11; vgl. 
Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG; BGE 1A.203/2006 vom 23. Januar 2007 mit Hin-
weisen). 

 
2.  
2.1 Die Antragsgegnerin und Beschwerdeführerin (nachfolgend "Beschwerde-

führerin") hat im Auslieferungsverfahren geltend gemacht, sie werde aus 
politischen Gründen strafrechtlich verfolgt.  
 
Über ausländische Auslieferungsersuchen entscheidet das BJ (Art. 55 
Abs. 1 IRSG). Macht der Verfolgte geltend, er werde eines politischen De-
liktes bezichtigt, oder ergeben sich bei der Instruktion ernsthafte Gründe für 
den politischen Charakter der Tat, so entscheidet die Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichtes darüber auf Antrag des BJ und nach Einholung 
einer Stellungnahme des Verfolgten (Art. 55 Abs. 2 IRSG in der seit 1. Ja-
nuar 2007 geltenden Fassung). 
 
Der Antrag der Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (nachfolgend "Be-
schwerdegegnerin") datiert vom 16. Januar 2007. Die Stellung des Antra-
ges erfolgte mithin nach dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen 
des IRSG über die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundes-
strafgerichts zum Entscheid in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 
am 1. Januar 2007 und der damit verbundenen Schaffung einer zweiten 
Beschwerdekammer. Die II. Beschwerdekammer ist daher für die Beurtei-
lung des vorliegenden Antrages zuständig (Art. 9 Abs. 3 des Reglementes 
für das Bundesstrafgericht, SR 173.710). 
 

2.2 Auslieferungsentscheide des BJ unterliegen der Beschwerde an die Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art 25 
Abs. 1 IRSG). Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage nach Eröffnung der 
Verfügung (Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG, SR 172.021). 
 
Der Auslieferungsentscheid der Beschwerdegegnerin datiert vom 16. Ja-
nuar 2007 (act. 1.1) und die Beschwerde vom 16. Februar 2007 mit Post-
stempel vom gleichen Tag (act. 9). Die Beschwerde wurde somit fristge-
recht eingereicht, und es ist darauf einzutreten. 

- 5 - 

 

 

 
2.3 Da im Beschwerdeverfahren und im Verfahren betreffend der Einrede des 

politischen Deliktes inhaltlich konnexe auslieferungsrechtliche Fragen zu 
klären sind, rechtfertigt sich eine gemeinsame Behandlung im Rahmen des 
vorliegenden Entscheides und eine Vereinigung der beiden Verfahren. 

 
2.4 Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes ist an die Begehren der 

Parteien nicht gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). In Analogie mit der bisheri-
gen Praxis des Bundesgerichtes prüft das Bundesstrafgericht die Ausliefe-
rungsvoraussetzungen grundsätzlich mit freier Kognition (Urteil des Bun-
desgerichtes 1A.163/2006 vom 23. Januar 2007, E. 1.4; TPF RR.2007.34 
vom 29. März 2007, E. 3). 
 

3. Mit Präsidialverfügung vom 28. Februar 2007 wurde der Beschwerdeführe-
rin Frist bis 12. März 2007 angesetzt zwecks Einreichung einer allfälligen 
Antragsduplik / Beschwerdereplik (act. 14). Mit Schreiben vom 12. März 
2007 beantragte die Beschwerdeführerin eine Fristerstreckung bis 28. März 
2007 (act. 16). Der Präsident der II. Beschwerdekammer entsprach diesem 
Gesuch am 13. März 2007 nur teilweise, indem die Frist bis 20. März 2007 
erstreckt wurde (act. 16). In der Antragsduplik und Beschwerdereplik vom 
28. März 2007 führte die Beschwerdeführerin aus, keine Präsidialverfügung 
erhalten zu haben, weshalb sie davon habe ausgehen dürfen, dass die 
Frist antragsgemäss erstreckt worden sei (act. 19, S. 2 f.). 
 
Die Präsidialverfügung vom 13. März 2007 wurde der Beschwerdeführerin 
per Fax übermittelt, wobei das Faxübermittlungsprotokoll eine einwandfreie 
Übermittlung bestätigt (act. 16, zweite Seite). Es kann offen bleiben, ob 
dies als Zustellnachweis ausreichend ist. Die Bemessung und die Erstre-
ckung von Fristen liegen im pflichtgemässen Ermessen des Richters, der 
bestrebt sein muss, den Prozess rasch und ökonomisch zu führen, weshalb 
er sich nur in begründeten Fällen zu einer Fristverlängerung entscheiden 
darf (ROBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI, Kommentar zum zürcheri-
schen Gerichtsverfassungsgesetz, Zürich 2002, N. 35 und 37 zu §195 Ge-
richtsverfassungsgesetz). Ein genereller Anspruch darauf, dass eine Frist 
im beantragten Umfang erstreckt wird, besteht nicht. Wird ein Fristerstre-
ckungsgesuch abgewiesen, ist lediglich eine kurze Nachfrist anzusetzen 
(RENÉ RHINOW / BEAT KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungs-
rechtsprechung, Ergänzungsband, Nr. 91 Ziff. IVc, S. 311). Dementspre-
chend hätte sich die Beschwerdeführerin, nachdem sie auf ihr Gesuch hin 
angeblich keine Reaktion erfahren hatte, frühzeitig erkundigen müssen, ob 
ihr Gesuch beim Gericht eingetroffen und wie es behandelt worden ist. Aus 
dem Gesagten ergibt sich, dass die Antragsduplik und Beschwerdereplik 

- 6 - 

 

 

vom 28. März 2007 nicht fristgerecht eingegangen ist und daher nicht be-
rücksichtigt werden kann. 
 

4.  
4.1 Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst und nach Themenberei-

chen gegliedert folgendes geltend: Sie sei in der Gegend U. aufgewachsen, 
einem Gebiet, das nach dem Militärputsch vom 12. September 1980 unter 
Kriegsrecht bzw. Ausnahmezustand gestanden habe und Ort schwersten 
Staatsterrors der türkischen Streitkräfte gegen die praktisch ausschliesslich 
kurdisch-alevitische Bevölkerung der Region gewesen sei. Die maoistische 
TKP-ML/TIKKO, welche mit Propaganda und bewaffnetem Widerstand ge-
gen die türkischen Sicherheitskräfte eine Volksbefreiung angestrebt habe, 
sei in der Gegend von U. aktiv gewesen und habe in der örtlichen Bevölke-
rung einen grossen Rückhalt genossen. Als 16-Jährige sei die Beschwer-
deführerin zur TKP-ML gekommen und sei bei einer deren Logistikgruppen 
tätig gewesen. Sie bestreitet jedoch, mit der ihr zur Last gelegten Tat etwas 
zu tun zu haben (act. 9, S. 3 – 6 und 9). 

 
Die Sachverhaltsschilderung auch des ergänzten Ersuchens sei ungenü-
gend und weise zahlreiche, offensichtliche und gravierende Widersprüche 
auf. So werde nicht nur die Beschwerdeführerin sondern auch B. der ei-
genhändigen Tötung von C. am 7. Oktober 1993 beschuldigt. Die Ober-
staatsanwaltschaft bezeichne die Tatwaffe als Pistole, während der Be-
schuldigte D. gemäss Belastungsprotokoll von Kalaschnikov-Salven ge-
sprochen habe (act. 9, S. 10).  
 
Das türkische Verfahren weise wesentliche Mängel auf. Der Haftbefehl vom 
25. Dezember 2001 sei von einem Staatssicherheitsgericht erlassen wor-
den, welches weder unparteiisch noch unabhängig sei (act. 9, S. 7). 
 
Die von der türkischen Botschaft abgegebenen Garantieerklärungen seien 
im Lichte der neuesten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ungenügend. 
Selbst wenn sie ergänzt würden, fehle es an der Durchsetzung und Durch-
setzbarkeit der abgegebenen Erklärungen, denn das Sondergericht von Er-
zurum würde eine Einmischung der Regierung in seine Richtertätigkeit un-
ter Anrufung seiner richterlichen Würde und Unabhängigkeit zurückweisen 
(act. 9, S. 22 – 25). 
 
Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, dass die ihr vorgewor-
fene und bestrittene Tat in einem bürgerkriegsähnlichen Umfeld stattgefun-
den habe. Im fraglichen Zeitraum habe ein Krieg des türkischen Staates 
gegen den Selbstbestimmungsanspruch der kurdisch-alevitischen Bevölke-

- 7 - 

 

 

rung in der Provinz U. stattgefunden. Schwerste militärische Mittel der Ar-
mee seien nicht nur zur Aufreibung der aufständischen Kämpfer, sondern 
auch zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung eingesetzt worden. Die sys-
tematische Anwendung von Folter durch staatliche Organe sei weit verbrei-
tet gewesen, wie auch summarische Exekutionen, Vergewaltigungen und 
Brandstiftungen. Bei der der Beschwerdeführerin vorgeworfenen Tat hand-
le es sich mithin um ein relativ politisches Delikt (act. 9, S. 14 - 19). 
 

4.2 Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin erfüllt der im Ersuchen geschilderte 
Sachverhalt den Tatbestand der kriminellen Organisation i.S.v. Art. 260ter 

Ziff. 1 StGB. Die Beschwerdeführerin soll als Mitglied der TKP-ML/TIKKO 
eine von dieser Organisation entführte Person getötet haben. Zudem könne 
der Sachverhalt auch unter Art. 111 StGB i.V.m. Art. 185 StGB subsumiert 
werden (act. 13, S. 5 mit Verweis auf act. 1.1). Sodann sei bei Gewalt-
verbrechen, namentlich Tötungsdelikten der politische Charakter der Tat in 
der Regel zu verneinen (act. 13, S. 7). Die von der Türkei abgegebenen 
Garantien seien glaubwürdig und es bestünden keine konkreten Hinweise 
darauf, dass der Beschwerdeführerin in der Türkei trotz der abgegebenen 
Garantien eine EMRK-widrige Behandlung drohe (act. 13, S. 6). 
 

5.  
5.1 Gemäss Art. 1 EAUe sind die Vertragsparteien grundsätzlich dazu ver-

pflichtet, einander Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des 
ersuchenden Staates wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur 
Vollstreckung einer Strafe oder einer sichernden Massnahme gesucht wer-
den. Auszuliefern ist wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des 
ersuchenden als auch nach dem des ersuchten Staates mit einer Freiheits-
strafe oder die Freiheit beschränkenden sichernden Massnahme im 
Höchstmass von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe 
bedroht sind (Art. 2 Ziff. 1 EAUe; Art. 35 Abs. 1 IRSG). Das Erfordernis der 
beidseitigen Strafbarkeit setzt nicht voraus, dass die anwendbaren Strafbe-
stimmungen des ersuchten und des ersuchenden Staates identisch sind 
(BGE 129 II 462 E. 4.6 mit Hinweisen). 
 

5.2 Die Auslieferung wird nicht bewilligt, wenn die strafbare Handlung, derent-
wegen sie begehrt wird, vom ersuchten Staat als eine politische oder eine 
mit einer solchen zusammenhängende strafbare Handlung angesehen wird 
(Art. 3 Ziff. 1 EAUe und Art. 3 Abs. 1 IRSG). 
 
Weder das EAUe noch das EÜBT definieren den Begriff des politischen 
Deliktes näher, weshalb die Vertragsstaaten hier über ein weites Ermessen 
verfügen. In seiner Praxis unterscheidet das Bundesgericht zwischen "ab-

- 8 - 

 

 

solut" politischen und "relativ" politischen Delikten. "Absolut" politische De-
likte stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit politischen Vorgängen. 
Darunter fallen namentlich Straftaten, welche sich ausschliesslich gegen 
die soziale und politische Staatsorganisation richten, wie etwa Angriffe ge-
gen die verfassungsmässige Ordnung, Landes- oder Hochverrat. Ein "rela-
tiv" politisches Delikt liegt vor, wenn einer gemeinrechtlichen Straftat im 
konkreten Fall ein vorwiegend politischer Charakter zukommt (BGE 130 II 
337 E. 3.2 mit Hinweisen). Der vorwiegend politische Charakter ergibt sich 
aus der politischen Natur der Umstände, Beweggründe und Ziele, die den 
Täter zum Handeln bestimmt haben und die in den Augen des Rechtshilfe-
richters vorherrschend erscheinen. Das Delikt muss stets im Rahmen eines 
Kampfes um die Macht im Staat begangen worden sein und in einem en-
gen Zusammenhang mit dem Gegenstand dieses Kampfes stehen. Dar-
über hinaus müssen die fraglichen Rechtsgüterverletzungen in einem an-
gemessenen Verhältnis zu den angestrebten Zielen stehen, und die auf 
dem Spiel stehenden politischen Interessen müssen wichtig und legitim 
genug erscheinen, um die Tat zumindest einigermassen verständlich er-
scheinen zu lassen (BGE 130 II 337 E. 3.2 mit Hinweisen). Bei schweren 
Gewaltverbrechen, namentlich Tötungsdelikten, wird der politische Charak-
ter in der Regel verneint. Ausnahmen könnten allenfalls bei eigentlichen of-
fenen Bürgerkriegsverhältnissen gegeben sein (BGE 130 II 337 E. 3.3 mit 
Hinweisen). 

 

Die Unterscheidung zwischen "legitimen" Widerstandskämpfern, bzw. Bür-
gerkriegsparteien und Terroristen ist heikel. Das schweizerische Strafrecht 
unterscheidet zwischen kriminellen Organisationen (Art. 260ter StGB), 
staatsgefährdenden rechtswidrigen Vereinigungen (Art. 275ter StGB) sowie 
gemeinrechtliche Formen kollektiver Kriminalität bzw. Teilnahme an Strafta-
ten. Neben mafiaähnlichen Verbrechersyndikaten fallen auch hochgefährli-
che terroristische Gruppierungen unter den Begriff der kriminellen Organi-
sation. Nicht dazu gezählt werden jedoch in der Regel extremistische Par-
teien, oppositionelle politische Gruppen sowie Organisationen, die mit an-
gemessenen (nicht verbrecherischen) Mitteln um die politische Macht in ih-
rem Heimatland ringen oder einen Freiheitskampf gegen diktatorische Re-
gimes führen (BGE 130 II 337 E. 3.4 mit Hinweisen). 
 
Das inkriminierte Verhalten ist im Lichte der konkreten Verhältnisse im 
Zeitpunkt der mutmasslichen Delikte zu beurteilen. Dies gilt besonders für 
Gewalttaten im Rahmen von Bürgerkriegen und bürgerkriegsähnlichen 
Auseinandersetzungen (BGE 1A.163/2006 vom 23. Januar 2007 E. 4). 
 

- 9 - 

 

 

5.3 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im 
Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem Er-
suchen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, 
dass das ausländische Verfahren den Grundsätzen der Konvention zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 
(EMRK; SR 0.101) oder des Internationalen Paktes über bürgerliche und 
politische Rechte vom 16. Dezember 1966 (UNO-Pakt II; SR 0.103.2) nicht 
entspricht oder andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 Abs. 1 lit. a und d 
IRSG). Das Völkerrecht verbietet insbesondere die Folter (Art. 3 EMRK; 
Art. 7 UNO-Pakt II) und gewährt einen Anspruch auf ein faires Verfahren, 
insbesondere ein unabhängiges und unparteiisches Gericht (Art. 6 EMRK; 
Art. 14 UNO-Pakt II). 

 
5.4 In der Regel reicht es aus, wenn die Angaben im Auslieferungsersuchen 

sowie in dessen Ergänzungen und Beilagen es den schweizerischen Be-
hörden ermöglichen zu prüfen, ob ausreichende Anhaltspunkte für eine 
auslieferungsfähige Straftat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben 
sind und für welche mutmasslichen Delikte dem Begehren allenfalls ent-
sprochen werden muss. Dies beinhaltet namentlich die Prüfung, ob die 
Voraussetzungen der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt sind. Dabei ist der 
Rechtshilferichter an die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen gebunden, 
soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche 
entkräftet wird. Die Prüfung von Tat- und Schuldfragen sowie eine Beweis-
würdigung ist nicht Aufgabe des Rechtshilferichters (BGE 132 II 81 E. 2.1 
mit Hinweisen). Mit Blick auf das Erfordernis der zweiseitigen Strafbarkeit 
muss die Sachverhaltsdarstellung des Ersuchens insbesondere die Prü-
fung ermöglichen, ob sich die Ermittlungen gegen Schwerverbrecher bzw. 
terroristische Organisationen im Sinne von Art. 260ter Ziff. 1 StGB richten, 
wobei der historische bzw. völkerrechtlich-humanitäre Kontext zu berück-
sichtigen ist (BGE 130 II 337 E. 6.1). Es ist Aufgabe des für das Ausliefe-
rungsverfahren zuständigen BJ, die entsprechenden sorgfältigen Sachab-
klärungen zu treffen und dem Gericht ausreichende Entscheidungsgrund-
lagen zu unterbreiten (BGE 130 II 337 E. 7.7). 
 
Nach Massgabe des EAUe hat das Auslieferungsersuchen namentlich eine 
Sachverhaltsdarstellung mit Zeit und Ort der verfolgten Straftat zu enthal-
ten, dessen rechtliche Würdigung (Art. 12 Ziff. 2 lit. b EAUe) sowie den 
Wortlaut der anwendbaren Gesetzesbestimmungen (Art. 12 Ziff. 2 lit. c 
EAUe). Wenn, wie im vorliegenden Fall, die dem Verfolgten vorgeworfenen 
Delikte eine politische Konnotation haben, sind erhöhte Anforderungen an 
die Ausführlichkeit, Widerspruchsfreiheit und Verlässlichkeit des Ersuchens 
zu stellen (BGE 1A.181/2006 vom 23. Januar 2007 E. 2.3 mit Hinweisen). 

- 10 - 

 

 

 
5.5 Im angefochtenen Entscheid (act. 9.1) wird der Sachverhalt wie folgt zu-

sammengefasst: Die Verfolgte soll als Mitglied der TKP/ML-TIKKO am 
7. Oktober 1993 in der Türkei eine Person entführt haben, wobei diese in 
der Folge von der Verfolgten selbst getötet worden sein soll. Bei der 
TKP/ML-TIKKO handle es sich um eine terroristische Organisation, die ih-
ren Aufbau und ihre personelle Zusammensetzung zumindest teilweise ge-
heim halte und u.a. den Zweck verfolge, Gewaltverbrechen bzw. terroristi-
sche Akte zu begehen.  

 
Zusammengefasst kann dem Auslieferungsersuchen vom 23. Juni 2006 
samt Beilagen sowie den Ergänzungen vom 15. September 2006 (act. 1.7 
und 1.9) folgender Sachverhalt entnommen werden: Die "Terrorvereini-
gung" TKP/ML-TIKKO sei eine Weiterführung der 1977 gegründeten kom-
munistischen Partei / marxistisch-leninistischen "Terrorvereinigung". Das 
Ziel der Vereinigung sei, die bestehende Grundverfassung des türkischen 
Staates durch bewaffneten Volkaufstand (Terrortaten und Gewaltanwen-
dung) zu zerstören und stattdessen eine marxistisch-leninistische Ordnung 
zu schaffen. Zu diesem Zweck seien Arbeiter und Bauern mit Waffen aus-
gestattet worden. Das Ersuchen beschreibt im Weiteren die Auseinander-
setzungen innerhalb der Vereinigung und ihre Aufspaltung in verschiedene 
Gruppen. Eine davon habe 1997 im Gebiet V. ein mit Bomben geladenes 
Fahrzeug auf dem Parkplatz des Gouvernementes und der Polizeidirektion 
abgestellt, "Störungsfeuer" in der Kreisstadt W. abgegeben, das Holzlager 
in X. angegriffen und zwei Personen getötet mit der Begründung, dass sie 
Spitzel seien. Sodann habe diese Gruppe das Fahrzeug einer Strafanstalt 
und das Gebäude des Unternehmens "E." in Y. mit Bomben angegriffen. 
Die Verfolgte, mit dem Codenamen "F.", sei Angehörige dieser illegalen 
Terrorvereinigung gewesen und von ihr politisch und militärisch ausgebildet 
worden. Als bewaffnete Aktivistin und Gruppenführerin habe sie am 7. Ok-
tober 1993 zusammen mit sechs weiteren Aktivisten einen bewaffneten 
Angriff auf das Dorf Z. durchgeführt, dort den C. entführt und ihn danach 
eigenhändig mit einer Pistole getötet. 
 

5.6 Unter einer kriminellen Organisation i.S.v. Art. 260ter StGB versteht man ei-
nen hierarchisch aufgebauten, auf Dauer ausgelegten Personenzusam-
menschluss von mehreren Personen, der seinen internen Aufbau sowie 
den Kreis der Mitglieder und Hilfspersonen qualifiziert und systematisch 
verschleiert und den Zweck verfolgt, Gewalt- oder Bereicherungsverbre-
chen zu begehen (HANS BAUMGARTNER, Basler Kommentar, N. 6 – 8 zu 
Art. 260ter StGB; ANDREAS DONATSCH / WOLFGANG WOHLERS, Straf-
recht IV – Delikte gegen die Allgemeinheit, 3. Aufl., Zürich 2004, S. 192). 

- 11 - 

 

 

Dem Rechtshilfeersuchen samt Beilagen und Ergänzungen kann in Bezug 
auf den Aufbau und die Strukturen der TKP/ML-TIKKO sowie deren Ge-
heimhaltungsvorkehrungen nichts entnommen werden. Der angefochtene 
Entscheid stützt sich hinsichtlich der Qualifikation der fraglichen Organisa-
tion (TKP/ML-TIKKO) als kriminelle Organisation in erster Linie auf einen 
Bericht des Bundesamtes für Polizei (Dienst für Analyse und Prävention; 
nachfolgend "DAP") vom 21. September 2006 (act. 7.1). Gemäss diesem 
Bericht weist die TKP/ML-TIKKO in Teilbereichen eine hierarchische Orga-
nisationsstruktur auf, die weitgehend austauschbar ist und nach innen wie 
auch nach aussen geheim gehalten wird. Ob dies auch im deliktsrelevanten 
Zeitraum der Fall war, kann dem Bericht nicht entnommen werden. Weiter 
fehlen konkrete Angaben dazu, ob diese Organisation im Herbst 1993 ter-
roristisch tätig war und worin zu diesem Zeitpunkt die verbrecherischen Ak-
tivitäten bestanden. Ohne minimale Angaben zum Kontext des bewaffneten 
Konfliktes zwischen der TKP/ML-TIKKO und den türkischen Sicherheits-
kräften im Herbst 1993 lässt sich die terroristische Natur der beteiligten Or-
ganisation im strafrechtlichen Sinne nicht prüfen. Umso weniger wären aus 
dem DAP-Bericht genügend Elemente eruierbar, um das Vorliegen eines 
politischen Deliktes beurteilen zu können.  

 
5.7 Die Prüfung der Frage, ob eine beidseitige Strafbarkeit vorliegt, hat auf-

grund der Sachverhaltsschilderung im Ersuchen zu erfolgen. Wie aufge-
zeigt entbehrt diese jedoch Ausführungen zu wesentlichen objektiven Tat-
bestandsmerkmalen der kriminellen Organisation und ermöglicht somit kei-
ne Subsumption unter Art. 260ter StGB, weshalb diesbezüglich mangels 
gegenseitiger Strafbarkeit keine Auslieferung erfolgen kann.  
 

5.8 Gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB begeht eine Freiheitsberau-
bung, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder je-
manden in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. Eine Entfüh-
rung i.S.v. Art. 183 Ziff. 1 Abs. 3 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt, 
List oder Drohung entführt. Die Freiheitsberaubung beinhaltet somit die 
Aufhebung der körperlichen Fortbewegungsfreiheit des Opfers, während 
bei der Entführung das Opfer mittels der Tatmittel Gewalt, List oder Dro-
hung an einen anderen Ort verbracht wird, wo es sich in der Gewalt des 
Täters oder eines Dritten befindet (VERA DELNON / BERNHARD RÜDY, 
Basler Kommentar, a.a.O., N. 20, 29, 31 zu Art. 183 StGB; GÜNTER 
STRATENWERTH / GUIDO JENNY, Schweizerisches Strafrecht, Bes.  
Teil I, 6. Aufl. 2003, § 5 N. 22, 36). Das Rechtshilfeersuchen erwähnt ledig-
lich, dass C. am 7. Oktober 1993 aus dem Dorf Z. entführt worden sei. Aus-
führungen dazu, wohin das Opfer verbracht worden war und mittels wel-
cher Tatmittel fehlen gänzlich. Die Sachverhaltsschilderung ermöglicht folg-

- 12 - 

 

 

lich keine Subsumption unter Art. 183 StGB, weshalb auch diesbezüglich 
mangels rechtsgenügender Sachverhaltsschilderung gemäss Art. 12 Ziff. 2 
lit. b EAUe die Auslieferung nicht in Frage kommt. 

 
5.9 Neben dem Sachverhalt vom 7. Oktober 1993, für welchen die Beschwer-

degegnerin die Auslieferung bewilligt hat, ersuchte die Türkei um Ausliefe-
rung der Beschwerdeführerin noch für weitere Taten. Im Konkreten werden 
ihr die Teilnahme an folgenden weiteren Delikten als bewaffnete Aktivistin 
und Gruppenführerin der TKP/ML-TIKKO vorgeworfen (act. 1.7, S. 19 – 21 
und 34): 
25. September 1992: Kampfverwicklung zwischen den Aktivisten der 
TKP/ML-TIKKO und den staatlichen Sicherheitskräften in UU., wobei ein 
Gendarmeriesoldat getötet und seine Waffe gewaltsam weggenommen 
worden sei; 
29. Juni 1994: Abgabe von Schüssen auf den vorübergehenden Dorfshüter 
in VV; 
4. Juni 1997: Kampfverwicklung zwischen den Aktivisten der TKP/ML-
TIKKO und den staatlichen Sicherheitskräften in der Nähe des Dorfes 
WW., wobei ein Gendarmeriesoldat und der Dorfshüter gestorben und eine 
weitere Person verletzt worden sei; 
8. / 9. September 2001: Kampfverwicklung zwischen den Aktivisten der 
TKP/ML-TIKKO und den staatlichen Sicherheitskräften in XX., wobei ein 
Angehöriger der Sicherheitskräfte verletzt worden sei. 
 
Die Beschwerdegegnerin erachtete die Schilderungen sowohl bezüglich 
des Sachverhaltes vom 7. Oktober 1993 als auch betreffend der restlichen 
Taten als nicht ausreichend und ersuchte die türkischen Behörden um Er-
gänzungen, wobei konkrete Fragen zum Tatvorwurf gestellt wurden 
(act. 1.8). Die Oberstaatsanwaltschaft in Erzurum beantwortete die Fragen 
mit Schreiben vom 15. September 2006 (act. 1.9). Im Auslieferungsent-
scheid hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass eine Auslieferung für die 
vorerwähnten, weiteren Handlungen abzulehnen sei, da die Sachverhalts-
schilderungen auch nach entsprechender Rückfrage zu wenig konkret sei-
en (act. 1.1, Ziff. 4.2). Zur Diskussion steht demnach nur noch die Tat vom 
7. Oktober 1993. 
 
Mit Bezug auf den Sachverhalt vom 7. Oktober 1993 stellte die Beschwer-
degegnerin der ersuchenden Behörde folgende, konkrete Fragen: "In wel-
cher Art und Weise und aus welchem Grunde wurde diese Person entführt 
und welche Rolle soll die Verfolgte bei dieser Entführung gespielt haben? 
In welcher Art und Weise und aus welchem Grunde soll die Verfolgte diese 
Person getötet haben und weshalb wird die gleiche Tathandlung auch ei-

- 13 - 

 

 

nem anderen mutmasslichen Täter (G.) zur Last gelegt?" (act. 1.8). Der 
Antwort der Oberstaatsanwaltschaft Erzurum vom 15. September 2006 
kann folgendes entnommen werden: Der Tatvorwurf gehe auf die Aussa-
gen eines weiteren Aktivisten, nämlich D. zurück. Dieser habe ausgesagt, 
"dass die Angeschuldigte A. am 7.10.1993 zusammen mit den sechs An-
gehörigen der Terrorvereinigung TKP/ML-TIKKO auf das Dorf Z. der Pro-
vinz YY. bewaffnet angegriffen hat, dass sie die Person namens C. aus 
dem gleichen Dorf entführt haben, dass C. durch die Angeschuldigte A. 
selbst mit der Pistole getötet worden ist" (act. 1.9). 
 
Diese ergänzenden Schilderungen der türkischen Behörden beantworten 
die Fragen der Beschwerdegegnerin nicht. Insbesondere fehlen erneut 
konkrete Angaben zum modus operandi ("in welcher Art und Weise"). So 
fehlen beispielsweise bezüglich des geltend gemachten Tötungsdeliktes 
nähere Angaben zu Todesart und –ursache. Gänzlich unbeantwortet bleibt 
sodann die Frage, weshalb die gleiche Tat auch einem anderen Täter zur 
Last gelegt wird. Denn gemäss deutscher Übersetzung der Anklageschrift 
vom 22. Oktober 2002 wird auch dem Angeklagten G. vorgeworfen, C. am 
7. Oktober 1993 selbst getötet zu haben (act. 1.7, S. 36-37). Da, wie aus-
geführt, bei Delikten mit möglicher politischer Implikation erhöhte Anforde-
rung an die Sachverhaltsschilderung hinsichtlich Ausführlichkeit und Wider-
spruchsfreiheit zu stellen sind, kommt auch eine Auslieferung wegen eines 
Tötungsdeliktes i.S.v. Art. 111 ff. StGB nicht in Betracht. 

 
5.10 Zusammengefasst hat sich somit ergeben, dass dem Auslieferungsersu-

chen, auch in Bezug auf die Tat vom 7. Oktober 1993 zufolge mangelnder 
Sachverhaltsschilderung und daraus resultierender Unmöglichkeit der  
Überprüfung der gegenseitigen Strafbarkeit sowie zufolge eines gravieren-
den Widerspruches, nicht entsprochen werden kann. 

 
5.11 Es stellt sich die Frage, ob sich im vorliegenden Fall eine nochmalige Er-

gänzung des Ersuchens rechtfertigt. Der untersuchte Sachverhalt liegt rund 
14 Jahre zurück. Nach derart langer Zeit können kaum wesentliche und 
verlässliche Ergänzungen des Sachverhaltes erwartet werden. Zudem hat-
te die Türkei bereits Gelegenheit, diesen zu präzisieren und zum Wider-
spruch Stellung zu nehmen. Hinzu kommt, dass bei einer Rückfrage auch 
weitere Punkte zu klären wären: Der dem ganzen Auslieferungsverfahren 
zugrunde liegende Haftbefehl vom 25. Dezember 2001 wurde von einem 
Richter des staatlichen Sicherheitsgerichtes in Erzurum erlassen (act. 1.7, 
S. 27 f.). Die Anklageschrift vom 22. Oktober 2002 wurde von der Ober-
staatsanwaltschaft bei dem staatlichen Sicherheitsgericht in Erzurum ver-
fasst (act. 1.7, S. 29). Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Men-

- 14 - 

 

 

schenrecht halten fest, dass diese staatlichen Sicherheitsgerichte, welche 
ihre Urteile mit drei Richtern fällten, wovon einer ein Militärangehöriger war, 
nicht als unabhängig und unparteilich gelten können (vgl. EGMR i.S. Incal 
gegen Türkei vom 9. Juni 1998, Recueil CourEDH 1998-IV, S. 1573, 
Ziff. 73; EGMR i.S. Çiraklar gegen Türkei vom 28. Oktober 1998, Recueil  
CourEDH 98-VII, S. 3073, Ziff. 40). Auch wenn diese staatlichen Sicher-
heitsgerichte offenbar im Jahre 2004 abgeschafft wurden und die Gerichte 
nunmehr nur noch mit zivilen Richtern besetzt sind (vgl. EGMR i.S. H.K. 
gegen Türkei vom 9. Januar 2007, Ziff. 31), wäre die Rechtmässigkeit des 
Haftbefehls, welcher damals von einem als nicht unabhängig und unpartei-
lich geltenden Gericht ausgestellt worden ist, zu überprüfen. Ebenfalls im 
Lichte der EMRK zu überprüfen wäre die Verwertbarkeit der Beweismittel, 
die damals zur Anklage und zum darauf folgenden Haftbefehl geführt ha-
ben. Wie das Bundesgericht im Urteil 1.A.163/2006 vom 23. Januar 2007, 
E. 4.2 – 4.4, unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte ausführt, ist dokumentiert, dass besonders 
in den Jahren 1992 bis 1997 in den von Kurden bewohnten Gebieten der 
Türkei schwerste Menschenrechtsverletzungen erfolgten, dass u.a. na-
mentlich bei der Bekämpfung mutmasslicher Terroristen durch die türki-
schen Sicherheitskräfte systematisch gefoltert worden sei. Die Anklage ge-
gen die Beschwerdeführerin stützt sich offenbar mehrheitlich auf die Aus-
sagen eines Mittäters ab. Die genauen Umstände des Zustandekommens 
dieser Aussagen müsste ebenfalls abgeklärt werden; insbesondere müsste 
ausgeschlossen werden können, dass sie unter Folter erzwungen worden 
sind. Schliesslich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in der Tür-
kei wegen des Deliktes "Versuch zur Veränderung der Verfassung der Tür-
kischen Republik durch Gewaltanwendung" angeklagt ist, ähnlich etwa der 
Gefährdung der verfassungsmässigen Ordnung gemäss Art. 275 StGB. 
Dabei handelt es sich um ein absolut politisches Delikt (JEAN-DOMINIQUE 
SCHOUWEY, Conséquence de l'entrée en vigueur en Suisse de l'EIMP en 
matière de délits politiques et d'imprescriptibilité, in: Revue internationale 
de criminologie et de police technique, 1984/1, S. 83; CLAUDE ROUILLER, 
ZStrR, Bd. 103 (1986), S. 27). Eine Verurteilung der Beschwerdeführerin 
wegen dieses Deliktes wäre somit unzulässig. Mithin wäre zu klären, ob 
das Gericht an die rechtliche Würdigung der Anklage gebunden ist und 
diesfalls die Anklageschrift vom 22. Oktober 2002 zurückgezogen und neu 
eingebracht werden kann. Es ist nicht zu erwarten, dass all diese umfang-
reichen Abklärungen und Ergänzungen innert angemessener Frist erhält-
lich zu machen sind. Zudem befindet sich die Beschwerdeführerin seit bald 
einem Jahr in Auslieferungshaft.  
 

- 15 - 

 

 

Bei dieser Sachlage rechtfertigt sich keine weitere Verzögerung des Auslie-
ferungsverfahrens und keine Fortdauer der Auslieferungshaft. Die Be-
schwerde ist daher gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben, 
das Auslieferungsersuchen abzuweisen und die Haftentlassung der Be-
schwerdeführerin anzuordnen (Verfahren RR.2007.25). Das Verfahren 
betreffend Einrede des politischen Deliktes (RR.2007.2) ist als gegen-
standslos geworden abzuschreiben. 
 

6. Angesichts dieses Verfahrensausganges ist das Gesuch der Beschwerde-
führerin um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos geworden ab-
zuschreiben (TPF RR.2007.1, E. 5). 

 
7.  
7.1 Die Beschwerdeinstanz auferlegt die Verfahrenskosten in der Regel der un-

terliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG). Keine 
Verfahrenskosten werden Vorinstanzen oder beschwerdeführenden und 
unterliegenden Bundesbehörden auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG), weshalb 
vorliegend keine Gerichtsgebühr zu erheben ist.  

 
7.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG kann die Beschwer-

deinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen 
oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und 
verhältnismässig hohe Kosten zusprechen. Im Verfahren vor Bundesstraf-
gericht besteht die Parteientschädigung aus den Anwaltskosten (Art. 1 Abs. 
1 des Reglements über die Entschädigungen in Verfahren vor dem Bun-
desstrafgericht vom 26. September 2006, SR 173.711.31). Die Beschwer-
degegnerin hat nach vollständigem Obsiegen der Beschwerdeführerin die-
se für ihre Anwaltskosten zu entschädigen. Das Honorar bzw. die Entschä-
digung wird im Verfahren vor Beschwerdekammer nach Ermessen festge-
setzt, wenn spätestens mit der einzigen oder letzten Eingabe keine Kos-
tennote eingereicht wird (Art. 3 Abs. 2 des Reglements über die Entschädi-
gungen in Verfahren vor dem Bundesstrafgericht). Vorliegend erscheint ei-
ne Entschädigung von Fr. 2’500.00 inkl. MwSt. angemessen. 

 

- 16 - 

 

 

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Verfahren RR.2007.2 und RR.2007.25 werden vereinigt. 
 
2. Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Auslieferungsentscheid des Bun-

desamtes für Justiz vom 16. Januar 2007 aufgehoben, das Auslieferungser-
suchen abgewiesen und die Haftentlassung der Beschwerdeführerin ange-
ordnet (Verfahren RR.2007.25). 

 
3. Das Verfahren betreffend Einrede des politischen Deliktes wird als gegens-

tandslos geworden abgeschrieben (Verfahren RR.2007.2).  
 

4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird als gegenstandslos ge-
worden abgeschrieben. 

 
5. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 
6. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin für beide 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 2’500.00 inkl. MwSt. zu bezahlen. 
 
 

Bellinzona, 26. April 2007 
 
Im Namen der II. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Bundesamt für Justiz, Abteilung Internationale Rechtshilfe 
- Fürsprecher Peter Huber 
 
 

- 17 - 

 

 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann 
innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesge-
richt Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist 
die Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Her-
ausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informa-
tionen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall 
handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn 
Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind 
oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).