# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64d0b043-6002-51ab-be2c-5dbcfa24e266
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-15
**Language:** de
**Title:** Medizinische Abklärungen ungenügend; angesichts des fortgeschrittenen Alters ist speziell zu prüfen, ob die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit möglich ist
**Docket/Reference:** IV.2020.00419
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00419.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00419
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiber Brügger
Urteil
vom
15. Juni 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Britta Keller
Fertig Keller Rechtsanwälte
Lutherstrasse 2, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1957, arbeitete vom 2
7.
Juli 2009 bis zum 30. Septem
ber
2019 (letzter effektiver Arbeitstag im Dezember 2018) bei der
Y.___
AG als Hausdienstmitarbeiterin (
Urk.
6/27). Am
9.
Juli 2019 (Eingangs
da
tum) meldete sie sich bei der Invalidenversicherung zum
Bezug von Orthopä
di
schen Schuhzurichtungen als Hilfsmittel an (
Urk.
6/1). Am 1
1.
Juli 2019 (Ein
gangsdatum) meldete sie sich
zu
dem zum Bezug von Leistungen für die berufliche Integration sowie einer Invalidenrente an (
Urk.
6/6). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm Unterlagen der Krankentaggeld
ver
sicherung Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG zu den Akten (
Urk. 6/8
,
Urk. 6/9
) und nahm Abk
lärungen über die medizinische Notwendigkeit der bean
tragten Schuhzurichtung vor
(Urk. 6/25)
. Am 2
3.
September 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten für die Schuh
zurichtungen nach ärztlicher Verordnung übernehme (
Urk.
6/26). Ausserdem
holte sie den Arbeit
geberbericht der
Y.___
AG
vom 23. September 2019 (
Urk.
6/27) sowie d
en Arztbericht
von
Dr.
med. Z.___
vom 3.
Oktober
2019 (
Urk.
6/29/1-4) ein.
Am
9.
Oktober 2019 teilte die IV-Stelle
der Versicherten
mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien
(Urk.
6/30). In der Folge holte sie den Arztbericht der Universitätsklinik
A.___
vom 2
4.
Februar 2020 ein (
Urk.
6/33/7-11). Mit Vorbescheid vom 29. April 2020 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
, insbesondere auf eine Invalidenrente,
verneinen werde,
da die Versicherte dank der orthopädischen Schuhzurichtung die bisherige Tätigkeit weiterhin ohne wes
entliche Einschränkung ausüben könne und somit keine Invalidität im Sinne des Gesetzes bestehe (
Urk.
6/39). Nachdem gegen diesen Vorbescheid kein Einwand erhoben worden war, wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
9.
Juni 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
die Versicherte
am 2
4.
Juni 2020 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es seien weitere medizinische Abklärungen vorzu
neh
men und ihr Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen (Urk. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
August 2020 die Abwei
sung der Beschwerde und verwies dabei insbesondere auf die Stellung
nahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) vom 1
0.
August 2020, namentlich
von
B.___
, Fachärztin orthopädis
che Chirurgie und Traumatologie (
Urk.
7
)
.
Die Beschwerdeführerin stellte durch Rechtsanwältin Britta Keller mit Replik vom 2
1.
Oktober 2019 folgende Anträge (
Urk.
14 S. 2):
«
1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
9.
Juni 2020 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
2.
Eventualiter sei die Beschwerdeführerin medizinisch zu begutachten und gestützt darauf seien die IV-Leistungen zu bestimmen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl.
MwSt
zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin.»
Sodann stellte die Beschwerdeführerin den Antrag um Gewährung der unent
gelt
lichen Rechtspflege (
Urk.
14 S. 6,
Urk.
15). Die Beschwerdegegnerin verzichte
te am 3
0.
November 2020 auf Duplik (
Urk.
19), was der Beschwerdeführerin am
7.
Dezember 2020 mitgeteilt wurde (
Urk.
20).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9.
Juli 2015 E. 2.1 mit Hinweis).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zu
mut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leis
tungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nich
t nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbei
tungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeits
struktur, vorhan
dene
Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder An
wend
barkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138
V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
tätig
keit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Er
werbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuver
lässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; vgl. BGE 138
V 457 E. 3.4).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
). Nach Art. 49
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung
(
IVV
)
beurteilen die RAD die medizi
nischen Vorausset
zun
gen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rah
men ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE
135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
–
ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben
-
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
2) aus, den medizinischen Akten sei zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin seit dem
1.
März 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Vorfussbeschwer
d
en bestehe. Der Beschwerdeführerin sei am 23. September 2019 Kostengutsprache für eine Schuhzurichtung zugesprochen
worden. Damit sei es ihr zumutbar, die bisherige Tätigkeit weiterhin ohne wesen
t
liche Einschränkung auszuüben. Aus versicherungs
medizinischer Sicht liege keine gesundheitliche Einschränkung vor, die eine langandauernde und wesent
liche Erwerbsunfähigkeit begründen könne. Es bestehe keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. In der Beschwerdeantwort vom 1
4.
August 2020 (
Urk.
5) führte die Beschwerdegegnerin ausserdem aus, aus der Beurteilung des RAD gehe hervor, dass in einer angepassten Tätigkeit seit jeher eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehe.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, es werde ihr seit dem 1. März 2019 eine vollständig
e
Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Es treffe nicht zu, dass sie dank der Schuhzurichtung keine gesundheitlichen Einschränkungen mehr erleide (
Urk.
1). Sie sei 63 Jahre alt und stehe kurz vor der Pensionierung. Sie verfüge über keine Berufsausbildung und ihre Berufserfahrungen beschränk
ten sich im Wesentlichen auf die Reinigung und den Service. Auch sei sie der deutschen Sprache nur beschränkt mächtig. Es sei nicht realistisch, dass sie noch auf eine behinderungsangepasste Tätigkeit umstellen könne. Selbst wenn noch eine gewisse Restarbeitsfähigkeit vorhanden wäre, sei diese nicht mehr verwert
bar. Es sei der Beschwerdeführerin deshalb eine ganze Invalidenrente zuzuspre
chen (
Urk.
14).
3.
3.1
Laut dem Arztbericht des Hausarztes
Dr.
Z.___
vom
3.
Oktober
2019 (Urk. 6/29) bestehen bei der Beschwerdeführerin eine Vorfussüberlastung rechts, ein
Halux
Valgus
links und rechts, eine symptomatische
Sesamoidalarthrose
, eine verkürzte Wadenmuskulatur, eine
Metatarsalgie
Dig
II, III, IV bei Bursitis interdigital II/III und III/IV, eine
Nuchalgie
und schmerzhafte C7-Radikulopathie rechts bei
Foramenstenose
C3/4 rechts, C4/5 links, C6/7 rechts sowie ein Karpal
tunnelsyndrom rechts. Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
3.
Januar 2019 auf unbestimmte Zeit zu 100
%
arbeitsunfähig für Aktivitäten, welche grosse körper
liche Anstrengungen erforderten sowie für stehende Aktivitäten und solche in ständiger Bewegung.
3.2
Gemäss dem Arztbericht der Universitätsklinik
A.___
vom 2
4.
Februar 2020 bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (
Urk.
6/33/7):
1.
Vorfussüberlastung rechts mit/bei
•
weiterhin nicht verheilter I
nsuffizienzfraktur
Metatarsa
le
II-Basis mit
•
symptomatischer
Sesamoidalarthrose
•
Hallux
valgus
links > rechts, beginnender MTP I-Arthrose,
late
ra
lisierten
Sesamoiden
, HVA rechts 30°, IMA I/II rechts 15°
•
Pes
planovalgus
links > rechts
•
verkürzter Wadenmuskulatur
•
Metatarsalgie
Dig
. II, III und IV bei Bursitis interdigital II/III und III/IV
•
Status nach älterer Insuffizienzfraktur
Metatarsale
II-Basis
2.
Nuchalgie
und schmerzhafte C7-Radikulopathie rechts mit/bei
•
Foramenstenosen
C3/4 rechts, C4/5 beidseits, C5/6 links, C6/7 rechts
•
aktenanamnestisch Carpaltunnelsyndrom rechts
3.
Status nach
Lipomresektion
Oberarm rechts
4.
Osteoporose
•
DXA vom 10.12.2019: T-Score LWS (L3, L4): -2.4, Schenkelhals -2.9, Hüfte -1.9
•
Therapie: Calcium und Vitamin D Supplementation
Für die Tätigkeit als Reinigungskraft sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeits
unfähig. Eine sitzende Tätigke
it sollte sie wahrnehmen können.
E
s sei aber zu beachten, dass sie auch den Arbeitsweg und die Belastungen während der Arbeit bewältigen könne. In der Haushaltführung sei die Beschwerdeführerin ebenfalls eingeschränkt, insbesondere bei der Wohnungspflege und beim Einkaufen.
3.3
RAD-Ärztin
B.___
führte in der Stellungnahme vom 1
0.
August 2020 (Urk. 7) aus, bei der angestammten Tätigkeit handle es sich um eine überwiegend gehend und stehend ausgeübte Reinigungstätigkeit mit häufigen Hebe- und Trage
be
lastungen über 25 kg. Diese Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin aufgrund der Wirbelsäulenschädigung, der Osteoporose und der therapie
resistenten Vorfuss-Überbelastung nicht mehr zumutbar. Es bestehe bei der Beschwerdeführerin eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges und schwere
s
Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, mit Schlag- und Vibrationsbelastungen des Schultergürtels, für ausschliesslich stehende und gehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen.
Leichte (angepasste) Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Tr
ansportieren von Lasten über 10
kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Armvorhalte
belastungen und Überkopfarbeiten seien weiterhin zumutbar. Es bestehe ein erhöhter Pausen- und Erholungsbedarf. In einer solchermassen angepassten Tätigkeit sei die Be
schwerdeführerin seit jeher zu 80
%
arbeitsfähig. Eine Besserung sei aufgrund des degenerativen Charakters der Gesundheitsschädigung nicht wahrscheinlich.
4.
4.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, dass die Beschwer
deführerin nach der Schuhzurichtung ihre bisherige Tätigkeit als Hausdienstmit
arbeiterin weiterhin ohne wesentliche Einschränkung ausüben könne und somit keine gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse erleide (
Urk.
2). Zu dieser Einschät
zung gelangte die Beschwerdegegnerin trotz der gegenteiligen Angaben der be
handelnden Ärzte und ohne, dass sie die Sache dem RAD zur Beur
teilung vor
gelegt hatte (
Urk.
6/38/
3-4).
Obwohl RAD-Ärztin
B.___
in der im Rahmen der Beschwerdeantwort nachträglich abgegeben
en
Stellungnahme vom 10. August 2020 (
Urk.
7) die bisherige Tätigkeit als nicht mehr zumutbar beurteilte, verwies die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 14. August 2020 noch einmal ausdrücklich auf die Begründung der angefoch
tenen Verfügung (
Urk.
5). Diese war aber
schon ursprünglich ungenü
gend.
E
s war nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin nach der orthopädischen Schuhausrichtung in ihrer angestammten Tätigkeit wieder voll arbeitsfähig hätte sein sollen, es lag keine ärztliche Einschätzung vor,
welche diesen Schluss zuliess. Warum die Be
schwerdegegnerin trotz der gegenteiligen Beurteilu
ng von RAD-Ärztin
B.___
an der Begründung der angefochtenen Verfügung festhalten will, wonach
die Beschwerdeführerin in ihrer ursprünglichen
Tätigkeit voll arbeitsfähig ist
, ist mithin unklar und nicht nachvollziehbar.
4.2
Die Beschwerdegegnerin verweist sodann in ihrer Beschwerdeantwort vom 14. August 2020 darauf, dass laut Einschätzung des RAD in einer angepassten Tätigkeit seit jeher eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
bestehe. Sie setzt sich aber nicht weiter damit auseinander, welches Einkommen die Beschwerdeführerin mit dieser Restarbeitsfähigkeit noch sollte erzielen können. Zumal die Beschwerde
führerin im September 2021 das ordentliche AHV-Rentenalter erreichen wird und sich somit zweifellos in einem fortgeschrittenen Alter befindet, erscheint es als äusserst fraglich, ob
ihr
die Verwertung
der
Resterwerbs
fähigkeit auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
noch zugemu
tet
werden
kann.
Der Zeit
raum, welcher der Beschwerdeführerin für die Aufnahme einer neuen berufli
chen Tätigkeit noch zur Verfügung steht, erscheint als äusserst kurz und es ist zu be
rücksichtigen, dass sie auch in einer angepassten Tätigkeit keine volle Leist
ung erbringen kann
.
Die Beschwerdegegnerin selber hat denn auch im Feststellungs
blatt am
8.
April 2020 festgehalten, eine Eingliederung der Beschwerdeführerin sei aufgrund des Alters nicht möglich (
Urk.
6/38/3).
4.3
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Abklärungen der
Beschwerdegegnerin
und die Begründung der angefochtenen Verfügung ungenügend sind. Es kann
entge
gen der Begründung in der angefochtenen Verfügung
nicht darauf geschlossen
werden, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Erwerbs
tätigkeit als Hausdienstmitarbeiterin weiterhin
voll
arbeitsfähig ist. Die Beschwer
de
gegnerin wird sich in einem ersten Schritt mit der Frage auseinander zu setzen haben
, ob der Beschwerdeführerin angesichts ihres fortgeschrittenen Alters die Aufnahme einer anderen Erwerbstätigkeit noch zumutbar ist bzw. ob ihre Arbeitskraft auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch nachgefragt wird.
Sollte diese Frage grundsätzlich zu bejahen sein, wird die Beschwerdegegnerin in einem weiteren Schritt zusätzliche medizinischen Abklärungen über den Umfang der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit vorzunehmen haben. Bei der Einschätzung von RAD-Ärztin
B.___
vom 1
0.
August 2020 (
Urk.
7) handelt es sich um eine reine Aktenbeurteilung, eine persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin fand nicht statt. Dies erscheint zur Bestimmung der Restarbeitsfähigkeit nicht genügend.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die medizinische Aktenlage für eine
abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
und damit
des Invaliditätsgrades als unzureichend erweist.
Ausserdem
ist von der Beschwer
degegnerin nicht geprüft worden, ob der Beschwerdeführerin die Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfähigkeit angesichts ihres fortgeschrittenen Alters noch zumutbar ist. Folglich ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefoch
tene Verfügung vom
9.
Juni 2020 (Urk. 2) aufzu
heben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen ist, damit diese nach ergänzender Abklä
rung im Sinne der obigen Erwägun
gen eine neue Beurteilung vornehme und so
dann über den Leistungs
an
spruch
der Beschwerdeführerin
neu verfüge.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Proze
ssentschädi
gung hat. Vorliegend erscheint eine Entschädigung von
Fr.
1'500.-- (inkl. Baraus
lagen und
MWSt
) den Umständen angemessen.
Damit erweist sich das Gesuch de
r
Beschwerdeführer
in
um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege (Urk.
14 S. 6
) als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutge
heissen, dass die angefochtene Verfügung
vom
9.
Juni 2020
aufgehoben
wird
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklä
rung im Sinne der Erwägungen, über d
en Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin
neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1’500
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Britta Keller
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstBrügger