# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a570a7d4-3859-5da4-a856-ab3d9c88e3ac
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240022-O1
**Docket/Reference:** SB240022-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240022-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240022-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. S. Volken und 

lic. iur. C. Maira sowie der Gerichtsschreiber MLaw W. Dharshing

Urteil vom 10. März 2025

in Sachen

A._____, 

Privatklägerin und Berufungsklägerin

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

sowie

gegen

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

Anklägerin

B._____, 

Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____

betreffend Vergewaltigung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 27. April 2023 

(DG220022)

-  2  -

Anklage

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 22. November 2022 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 36).

Urteil der Vorinstanz
(Urk. 58 S. 28 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte, B._____, ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freigespro-

chen. 

2.

Die folgenden, durch die Staatsanwaltschaft sichergestellten Gegenstände werden 

eingezogen und der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, zur Vernichtung über-

lassen:

–

–

–

A013'887'053 (Badewäsche)

A013'887'064 (Damenunterwäsche)

A013'887'075 (Sporthose)

3.

Die beim Forensischen Institut Zürich (FOR) unter der Geschäfts-Nr. 78078430 

bzw. K200616-010 gelagerten Spuren und Spurenträger sind nach Eintritt der 

Rechtskraft zu vernichten. 

4.

Es wird keine Abnahme einer DNA-Probe und keine Erstellung eines DNA-Profils 

des Beschuldigten angeordnet.

5.

Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 1 (A._____) sowie der 

Privatklägerin 2 (C._____ AG) werden abgewiesen.

6.

7.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 1 (A._____) wird abgewiesen.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–. 

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die 

Entscheidgebühr um einen Drittel. 

-  3  -

8.

Die weiteren Kosten betragen:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.– Gebühr für das Vorverfahren

2'318.85 Auslagen (Gutachten)

1'600.– Auslagen Polizei

65.– Entschädigung Zeuge

9.

Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen. 

10. Die Gerichtsgebühr gemäss Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 

16. August 2022 (Geschäfts-Nr.: UE210194-O) in Höhe von Fr. 1'700.– wird eben-

falls auf die Gerichtskasse genommen.

11. Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ wird für seine Bemühungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten mit insgesamt Fr. 15'551.– (inklusive Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

Es wird vorgemerkt, dass mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 21. Juni 2021 

bereits eine Akontozahlung in der Höhe von Fr. 2'993.40 ausbezahlt wurde. 

Dementsprechend ist Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ mit zusätzlich Fr. 12'557.60 

aus der Gerichtskasse zu entschädigen. 

Weiter wird vorgemerkt, dass Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____ für seine Bemühun-

gen als vormaliger amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit Verfügung der 

Staatsanwaltschaft vom 25. August 2020 bereits mit Fr. 1'923.50 entschädigt 

wurde. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichtskasse ge-

nommen.

12. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 565.95 für die vormals 

erbetene anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

13. Das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird abgewiesen. 

14. Die Privatklägerin 1 wird für das Beschwerdeverfahren vor dem Obergericht des 

Kantons Zürich (Geschäfts-Nr.: UE210194-O) mit Fr. 2'000.– aus der Gerichtskasse 

entschädigt.

-  4  -

15.

(Mitteilungssatz)

16.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

a)

Der Vertretung der Privatklägerin:

(Urk. 60 S. 2; Urk. 80 S. 2)

1.

Der  Beschuldigte  sei  anklagegemäss  wegen  Vergewaltigung  im  Sinne  von 

Art. 190  Abs. 1  StGB  für  schuldig  zu  sprechen  und  dafür  angemessen  zu 

bestrafen.

2.

Der Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zu verpflichten, der Privatklägerin 

1 sämtlichen Schaden zu ersetzen, der aus dem Ereignis vom 13. Juni 2020 

resultierte.

3.

Der  Beschuldigte  sei  zu  verpflichten,  der  Privatklägerin  1  eine  Genugtuung 

von Fr. 5'000.–, zuzüglich Zins von 5 % ab 13. Juni 2020, zu bezahlen.

4.

Der  Beschuldigte  sei  zu  verpflichten,  der  Privatklägerin  1  die  Kosten  ihrer 

Rechtsvertretung zu ersetzen.

5.

Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

b)

Der amtlichen Verteidigung:

(Urk. 82 S. 1)

1.

Das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 27. April 2023 sei vollumfänglich zu 

bestätigen.

2.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

-  5  -

Erwägungen:

I. Prozessuales

1.

Nachdem die Privatklägerin am 15. Juni 2020 bei der Polizei Anzeige gegen 

den Beschuldigten wegen Vergewaltigung erstattet hatte (Urk. 1), leitete die Staats-

anwaltschaft  eine  Strafuntersuchung  ein,  die  sie  zunächst  mit  Einstellungsverfü-

gung vom 21. Juni 2021 erledigte (Urk. 18). Da die dagegen erhobene Beschwerde 

der Privatklägerin mit Beschluss des Obergerichts vom 16. August 2022 gutgeheis-

sen wurde (Urk. 21/11), nahm die Staatsanwaltschaft die Untersuchung wieder auf 

und brachte das Verfahren zur Anklage. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten 

daraufhin mit Urteil vom 27. April 2023 vollumfänglich frei (Urk. 58). Innert Frist liess 

die Privatklägerin Berufung anmelden und erklären (Urk. 54 und 60). Die Staatsan-

waltschaft verzichtete auf eine Anschlussberufung (Urk. 63). Auch der Beschuldigte 

erhob  keine  Anschlussberufung.  Von  der  Privatklägerin  wurde  in  der  Folge  eine 

Sicherheitsleistung eingefordert, welche innert Frist einging (Urk. 64, 68 und 71). 

Auf  ihr  Ersuchen  hin  wurde  die  Privatklägerin  von  der  Berufungsverhandlung 

dispensiert (Urk. 73A). Am 10. März 2025 fand die Berufungsverhandlung statt, zu 

welcher  der  Beschuldigte  in  Begleitung  seiner  amtlichen  Verteidigers,  Rechtsan-

walt  lic. iur. Y1._____,  sowie  der  Vertreter  der  Privatklägerin,  Rechtsanwalt 

lic. iur. X._____, erschienen sind (Prot. II S. 6). 

2.

Die Privatklägerin führt in ihrer Berufungserklärung nicht näher aus, welche 

Dispositivziffern des vorinstanzlichen Urteil angefochten werden (Urk. 60). Nach-

dem sie aber einen anklagegemässen Schuldspruch, die Zusprechung von Scha-

denersatz  und  Genugtuung  sowie  die  Übernahme  der  Kosten  ihrer  Vertretung 

beantragt, gilt das vorinstanzliche Urteil als vollumfänglich angefochten.

3.

Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sach-

verhaltes  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen  wird,  so  erfolgt  dies  in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-

nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf 

rechtliches  Gehör  die  Pflicht  des  Gerichts  folgt,  seinen  Entscheid  zu  begründen. 

Die  Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen 

-  6  -

sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf 

sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Ent-

scheid  wesentlichen  Punkte  beschränken.  Ein  unverhältnismässiger  Motivations-

aufwand  kann  nicht  eingefordert  werden.  Ebenso  wenig  lässt  sich Art.  6  Ziff.  1 

EMRK in  der  Weise  auslegen,  dass  eine  detaillierte  Antwort  auf  jedes  Argument 

gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; 

BGer 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).

II. Sachverhalt

1.

Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe die Privat-

klägerin am frühen Morgen des 13. Juni 2020 in deren Wohnung gegen ihren Willen 

zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Im Einzelnen wird auf die Anklageschrift vom 

22. November 2022 verwiesen (Urk. 36). Der Beschuldigte räumt ein, dass es am 

13. Juni 2020 – mehrfach – zu Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der Privat-

klägerin gekommen sei. Er stellte sich in der Untersuchung und vor Vorinstanz aber 

stets auf den Standpunkt, es sei zwar "wilder Sex" gewesen, dieser sei aber jeder-

zeit einvernehmlich erfolgt. Die Privatklägerin habe mitgemacht und zu keinem Zeit-

punkt zu verstehen gegeben, dass sie mit dem Sex an sich oder der Art und Weise 

nicht einverstanden wäre. Dies erkenne man unter anderem daran, dass es nach 

dem ersten "wilden Sex" noch mehrmals zu weiterem Geschlechtsverkehr gekom-

men sei (Urk. 5/1 F/A 6, 36, 46, 49, 51 ff., 59 ff., 65 ff., 71 f., 74 f., 79, 81 ff., 86 und 

127; Urk. 5/2 F/A 4, 7, 9 f., 21 ff., 28 ff. und 39 ff.; Urk. 22 F/A 24; Prot. I S. 10 ff.).

2.

Die  Vorinstanz  hat  die  Grundsätze  der  Beweiswürdigung  zutreffend  aufge-

führt (Urk. 58 S. 5 ff.), darauf kann verwiesen werden. Teilweise rekapitulierend ist 

nochmals zu betonen, dass es der Staat ist, der einem Beschuldigten die ihm an-

gelastete Täterschaft hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Delikte rechtsgenügend 

nachweisen können muss bzw. es Aufgabe des Staates ist, dem Beschuldigten alle 

eine  Strafbarkeit  begründenden  Umstände  mittels  dazu  tauglicher  Beweismittel 

nachzuweisen  und  es  eben  gerade  nicht  Sache  des  Beschuldigten  ist,  nachzu-

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weisen, dass er die Tat nicht begangen hat. Stehen sich gegensätzliche Aussagen 

gegenüber  ("Aussage  gegen  Aussage"-Situation)  und  ist  es  nicht  möglich,  die 

einzelnen  Aussagen  als  glaubhafter  oder  weniger  glaubhaft  zu  bewerten,  so  hat 

nach  dem  Grundsatz  "in  dubio  pro  reo"  ein  Freispruch  zu  erfolgen.  Mit  anderen 

Worten bedingt ein Schuldspruch, dass die entscheidenden belastenden Aussagen 

glaubhaft und im Ergebnis überzeugender sind als die entlastenden des bestreiten-

den Beschuldigten. Dies gilt insbesondere, wenn typische "Vier-Augen-Delikte" zu 

beurteilen  sind,  bei  denen  oftmals  keine  bzw.  keine  direkten  objektiven  Beweise 

vorliegen, wie dies auch vorliegend – wie zu zeigen sein wird – der Fall ist.

3.1 Die Vorinstanz führte die relevanten Beweismittel allesamt auf (Urk. 58 S. 8) 

und  kam  nach  einer  sorgfältigen  und  überzeugenden  Beweiswürdigung  zum 

Schluss, dass sich weder die Darstellung des Beschuldigten noch jene der Privat-

klägerin rechtsgenügend beweisen lasse. In Anwendung des Grundsatzes in dubio 

pro reo sprach sie den Beschuldigte daher frei (Urk. 58 S. 9-22). Auf diese zutref-

fenden  Erwägungen  der  Vorinstanz  kann  zunächst  vollumfänglich  verwiesen 

werden. Die nachfolgenden Ausführungen dienen vorab deren Ergänzung bzw. der 

nochmaligen Hervorhebung der entscheidwesentlichen Punkte.

3.2 Der Beschuldigte führte – stark zusammengefasst – aus, es sei zwischen ihm 

und  der  Privatklägerin  zu  wildem  Sex  gekommen,  welcher  aber  jederzeit  einver-

nehmlich  gewesen  sei.  Er  habe  die  Privatklägerin  dabei  auch  gebissen  und  am 

Hals gehalten. Dies sei bei wildem Sex normal. Zudem habe er sie sicher nicht so 

stark  gehalten,  dass  sie  keine  Luft  mehr  bekommen  habe.  Die  Darstellung  der 

Privatklägerin, wonach sie sich aktiv gewehrt habe und ihre Trainerhose immer wie-

der hochgezogen habe, stellte er konstant in Abrede (Urk. 58 S. 9 f. mit Hinweisen). 

Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  ergab  sich  nichts  Neues.  Soweit  sich  der 

Beschuldigte noch an den Vorfall, der sich vor fast fünf Jahren ereignete, zu erin-

nern vermochte, bestätigte er im Wesentlichen, dass der Sex wild aber jederzeit 

einvernehmlich gewesen sei (Urk. 79 S. 3 ff.).

Zutreffend wies schon die Vorinstanz unter anderem darauf hin, dass die Schilde-

rungen des Beschuldigten betreffend den eigentlichen Geschlechtsverkehr und die 

Positionen detailarm sind, wohingegen er das Nebengeschehen wie den Kauf der 

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"Pille danach" ausführlich beschrieb (Urk. 58 S. 11). Hinsichtlich des Geschlechts-

verkehrs konnte er sich beispielsweise nicht mehr daran erinnern, wohin er ejaku-

liert habe. Zudem konnte er sich auch nicht an die genaue Position erinnern. Weiter 

sind  in  seinen  Aussagen  gewisse  Widersprüche  zu  erkennen,  beispielsweise 

hinsichtlich  der  Frage,  wer  wen  ausgezogen  habe  (a.a.O.).  Den  Ausführung  der 

Vorinstanz ist hinsichtlich dieser Punkte zuzustimmen. Als weitere Unstimmigkeit 

in seiner Darstellung erscheint seine Aussage, wonach er keine Erinnerungslücken 

habe (Urk. 5/2 Frage 11), zumal sie nicht zu seiner Chatantwort an die Privatkläge-

rin  passt,  wonach  er  "das"  (angebliche  Gewaltzufügung,  vgl. Urk. 4/1  Foto  3) 

wirklich nicht mehr wisse (Urk. 4/1 Foto 4). Die Chatnachricht könnte indessen auch 

auf  einem  gewissen  Abwehrreflex  beruhen  und  belegt  noch  nicht,  dass  der 

Beschuldigte  tatsächlich  relevante  Erinnerungslücken  hatte.  Hinsichtlich  des  von 

ihm  geschilderten  Ablaufs  des  Geschlechtsverkehrs  muss  zudem  berücksichtigt 

werden,  dass  er  sich  die  Positionen  des  Geschlechtsverkehrs  und  die  übrigen 

Details  weniger  genau  eingeprägt  haben  dürfte,  so  es  sich  aus  seiner  Sicht  um 

einvernehmlichen Sex gehandelt haben sollte. Die diesbezüglichen Unsicherheiten 

dürfen daher nicht überbewertet werden. 

Mit der Vorinstanz kann weiter festgehalten werden, dass der Beschuldigte an sich 

einen in sich konsistenten Geschehensablauf schilderte (Urk. 58 S. 10 ff.). Gleich-

zeitig erwog sie wie ausgeführt zutreffend, seine Aussagen seien in Bezug auf das 

eigentliche  Kerngeschehen  detailarm  und  wiesen  Widersprüchen  auf,  sie  seien 

daher nur beschränkt glaubhaft (Urk. 58 S. 12). Auch dieser Schlussfolgerung ist 

zuzustimmen.  Der  von  der  Vorinstanz  angeführte  Strukturbruch  hinsichtlich  des 

Detaillierungsgrads der Ausführungen zum Geschlechtsverkehr gegenüber jenen 

zum  Nebengeschehen  darf  indessen  ebenfalls  nicht  überbewertet  werden. 

Gewisse Unstimmigkeiten bzw. Ungenauigkeiten in den Aussagen des Beschuldig-

ten, wie die Schilderung, wer wen ausgezogen haben soll, sind gleichwohl auszu-

machen.  Gewichtige  Widersprüche  hinsichtlich  des  Kerngeschehens,  die  auf  ein 

erfundenes  Geschehen  hindeuteten,  sind  aber  entgegen  der  Ansicht  der  Privat-

klägervertretung  (vgl.  Urk. 80  S. 5  f.)  nicht  zu  erkennen.  Insbesondere  scheint 

nachvollziehbar, dass der Beschuldigte nicht mehr darlegen konnte, ob er innerhalb 

oder ausserhalb der Privatklägerin ejakulierte, zumal dies im dynamischen Gesche-

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hen  ("wilder  Sex")  wohl  nicht  ohne  weiteres  feststellbar  ist  und  zudem  unklare 

Situationen denkbar sind, wie die Verteidigung zu Recht einwendete (vgl. Prot. II 

S. 10,  "War  es  ganz  drin,  war  es  halb  drin.").  Dass  sich  der  Beschuldigte  daran 

erinnern konnte, dass die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr wollte, aber nicht 

mehr daran, wohin er ejakulierte, erscheint vor diesem Hintergrund entgegen der 

Ansicht der Privatklägervertretung (vgl. Urk. 80 S. 6) nicht als Widerspruch.

3.3 Die Privatklägerin führte ihrerseits stark zusammengefasst aus, der Beschul-

digte  sei,  nachdem  er  sich  zunächst  auf  das  obere  Sofa  gelegt  habe,  zu  ihr  ins 

Zimmer gekommen. Er habe gefragt, ob er sich zu ihr ins Bett legen dürfe, was sie 

nicht gestört habe. Sie habe ihm ein Kissen und eine Decke gegeben und sich mit 

dem Rücken zu ihm gewandt hingelegt. Der Beschuldigte habe sie im Bett irgend-

wann umarmt und geküsst. Er habe dann versucht, ihre Trainerhosen herunterzu-

ziehen, wobei sie diese immer wieder hochgezogen habe. Sie habe sich wegge-

dreht und sei mit dem Rücken zu ihm gelegen. Er habe ein Bein über sie geschla-

gen und habe nochmals die Trainerhose heruntergezogen, was ihm dann, zusam-

men mit ihrer Unterhose, in einem Ruck gelungen sei. Danach sei er gegen ihren 

Willen in sie eingedrungen. Beim Sex habe er sie mehrfach gewürgt, in die Wange, 

die Nase, die Zunge und die Ohren gebissen sowie geohrfeigt (Urk. 6/1 F/A 43 ff.; 

Urk. 6/2 F/A 14 ff.; Urk. 58 S. 12 ff. mit Hinweisen).

Zutreffend erwog die Vorinstanz, dass die Privatklägerin zum Geschlechtsverkehr 

an sich nur wenige Details zu Protokoll gab. Zudem sind auch ihre Aussagen ent-

gegen  der  Ansicht  der  Privatklägervertretung  (vgl.  Urk. 80  S. 4)  nicht  frei  von 

Widersprüchen.  So  führte  sie  hinsichtlich  des  ersten  Eindringens  in  der  polizei-

lichen  Einvernahme  zunächst  aus,  der  Beschuldigte  habe  sein  Bein  über  ihres 

geschlagen und nochmals die Trainerhose heruntergezogen. Dann habe es eigent-

lich begonnen und er sei in sie eingedrungen (Urk. 6/1 F/A 56). Auf Nachfrage gab 

sie in der gleichen Einvernahme an, er sei von hinten, seitlich in sie eingedrungen 

(Urk. 6/1 F/A 73 ff.). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab sie sodann 

zu Protokoll, ihre Beine seien auf den Schultern des Beschuldigten gewesen, als 

er in sie eingedrungen sei (Urk. 6/2 F/A 35 ff.). Wie die Vorinstanz bereits erwog, 

kann diese Unstimmigkeit auch dem dynamischen Ablauf geschuldet sein, zumal 

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die  Privatklägerin  bereits  in  der  polizeilichen  Einvernahme  zu  Protokoll  gab,  der 

Beschuldigte habe sie nach dem Eindringen umgedreht und sie sei danach auf dem 

Rücken gelegen (Urk. 6/1 F/A 80). Gleichwohl ist diese Inkohärenz in der Aussage 

der  Privatklägerin  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  ihrer  Darstellung  nicht 

völlig unerheblich.

Gewisse nicht unwesentliche Details gab sie zudem erstmals in der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme zu Protokoll. So führte sie dort erstmals aus, dass der 

Beschuldigte sie aufs Bett zurückgeworfen haben soll, als sie – nachdem sie einen 

Schlüssel gehört habe – habe schauen wollen, was unten in der Wohnung vor sich 

gehe. Dabei sei ihr Kopf auf der Bettkante aufgeschlagen (Urk. 6/2 F/A 14 S. 5; vgl. 

zum  Ganzen  Urk. 58  S. 12  ff.).  Weshalb  ein  derartiger  Vorfall  mit  einer  nicht  zu 

bagatellisierenden Gewaltkomponente nicht schon zu Beginn vorgebracht wurde, 

ist nicht einleuchtend. Weiter fällt auf, dass die Privatklägerin teilweise stark über-

trieben wirkende Aussagen zu Protokoll gab, worauf die Verteidigung zu Recht hin-

wies (vgl. Prot. II S. 8). Unter anderem führte sie beispielsweise aus, der Beschul-

digte habe "sicher 100 Mal" zu ihr gesagt "heb dini scheiss Fressi, du regsch mich 

so uf" (Urk. 6/2 F/A 14 S. 5). Letzteres darf nicht überbewertet werden, stützt indes 

die Glaubhaftigkeit der Darstellung ebenfalls nicht.

Sodann ist mit der Vorinstanz als Lügenmerkmal zu werten, dass die Privatklägerin 

ihre Schilderungen teilweise deutlich aggravierte (Urk. 58 S. 17). So führte sie hin-

sichtlich der Frage, weshalb sie nach dem von ihr beschriebenen Übergriff noch 

weitere Male mit dem Beschuldigten intim geworden sei, zunächst aus, sie habe 

dies getan, um herauszufinden, warum er zuvor so aggressiv gewesen sei (Urk. 6/1 

F/A 44, 88, 119, 122 und 135). In einer späteren Einvernahme steigerte sie diese 

Darstellung  und  gab  nunmehr  zu  Protokoll,  sie  habe  es  getan,  damit  sie  lebend 

davon komme (Urk. 6/2 F/A 14 f., 53, 117 und 136 ff.). Diese Steigerung ist nicht 

nachvollziehbar.  Zudem  wäre  im  Falle  von  Todesangst  auch  nicht  einleuchtend, 

warum  die  Privatklägerin  nicht  umgehend  nach  Beendigung  des  Übergriffs  die 

Flucht ergriffen oder anderweitig Hilfe geholt hätte, wozu sie ohne Weiteres Gele-

genheit gehabt hätte (vgl. dazu auch nachfolgend). Gleichzeitig ist der Vorinstanz 

zuzustimmen, so sie in den Aussagen der Privatklägerin auch Realitätsmerkmale 

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erkennt, wenn sie etwa wörtlich Gespräche wiedergibt, innere Vorgänge beschreibt 

oder das eigene Verhalten kritisch hinterfragt (vgl. dazu Urk. 58 S. 16 f.). 

Zumindest bemerkenswert erscheint sodann der Umstand, dass die Privatklägerin, 

obschon sie nach der angeblichen Vergewaltigung mehrfach das Zimmer verlassen 

hatte und nicht mehr im Zugriffsbereich des Beschuldigten war, keine Hilfe holte. 

Sie hat während des von ihr beschriebenen Übergriffs nicht versucht, den ebenfalls 

noch in der Wohnung anwesenden D._____ zu kontaktieren (Urk. 6/2 F/A 14 S. 4 

und Frage 15). Auch am nächsten Morgen hat sie ihren Schulkollegen, welchen sie 

um ca. 10 Uhr an der Wohnungstüre getroffen habe, nicht darüber in Kenntnis ge-

setzt, dass der Mann, der sie nur Stunden zuvor vergewaltigt habe, noch immer in 

ihrer Wohnung sei (Urk. 6/2 F/A 14 S. 6 und F/A 15). Vor diesem Hintergrund er-

scheint auch ihre bei der Staatsanwaltschaft gemachte Aussage, sie habe die wei-

teren  sexuellen  Handlungen  mit  dem  Beschuldigten  nur  deshalb  vorgenommen, 

damit sie nicht nochmals vergewaltigt werde bzw. damit sie lebend davon komme 

(Urk. 6/2 F/A 53), nicht plausibel. Hätte sie tatsächlich um ihr Leben gefürchtet und 

nur deshalb bzw. aus Angst vor einer weiteren Vergewaltigung noch weitere Male 

mit dem Beschuldigten geschlafen, wäre zu erwarten gewesen, dass sie schnellst-

möglich Hilfe holen und aus der Situation fliehen würde. In diesem Zusammenhang 

lässt es sich weiter nur schwer in einen stimmigen Kontext bringen, dass die Pri-

vatklägerin nach einer – angeblichen – Vergewaltigung einige Tage später gemein-

sam mit dem Beschuldigten die "Pille danach" einkaufen ging, wenn dieser Tage 

zuvor ein schweres Sexualdelikt an ihr verübt haben soll. All diese Umstände wi-

derlegen ihre Darstellung zwar nicht, werfen aber doch Fragen auf und nähren letzt-

lich die Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Schilderung. Die Vertretung der Privatklä-

gerin mag Recht haben, wenn sie ausführt, dass Opfer von sexueller Gewalt teil-

weise sehr unterschiedlich bzw. teilweise aus gesellschaftlicher Sicht irrational auf 

einen Übergriff reagieren würden (Urk. 48 S. 7 f.). Im Rahmen der Sachverhaltser-

stellung spricht das beschriebene Verhalten dennoch mehr gegen als für die Dar-

stellung der Privatklägerin.

Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Aussagen  der  Privatklägerin  zwar 

durchaus Realitätskennzeichen aufweisen, daneben aber – namentlich in Form von 

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nicht unerheblichen Ungereimtheiten, wenig überzeugenden Aggravierungen und 

teilweise schwer Nachvollziehbarem – auch Lügensignale enthalten, weshalb sie 

im Ergebnis mit der Vorinstanz ebenfalls nur beschränkt glaubhaft sind (vgl. in die-

sem Sinne Urk. 58 S. 19). 

3.4 Als objektive Beweismittel liegt je ein Gutachten des IRM über die körperliche 

Untersuchung  des  Beschuldigten  und  der  Privatklägerin  bei  den  Akten  (Urk. 8/6 

und  Urk. 10/6).  Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  erwog,  ergeben  sich  daraus  aber 

keine Erkenntnisse hinsichtlich der Frage, ob der Geschlechtsverkehr einvernehm-

lich  war  oder  nicht  (Urk. 58  S. 20).  Aus  dem  Gutachten  des  Instituts  für  Rechts-

medizin vom 28. September 2020 über die Privatklägerin geht hervor, dass zwar 

ein  Schleimhautdefekt  im  Scheidenvorhof  festgestellt  werden  konnte,  dies  aber 

einen  unspezifischen  Befund  darstelle,  der  bloss  auf  eine  mechanische  Irritation 

der  Schleimhaut,  beispielsweise  durch  Reibung,  wie  beim  Geschlechtsverkehr, 

hindeute, nicht aber belege, dass der Geschlechtsverkehr gegen den Willen erfolgt 

sei.  Auch  die  weiteren  Befunde,  wie  eine  Hautabschürfung  am  Rücken,  könnten 

sowohl  von  einvernehmlichem  oder  aus  erzwungenem  Geschlechtsverkehr  her-

rühren.  Weiter  konnten  keine  objektiven  Befunde  einer  kreislaufrelevanten  Hals-

kompression  gefunden  werden  (Urk.  10/6  S. 3 f.).  Beim  Beschuldigten  konnten 

gemäss Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 9. Juli 2020 ebenfalls nur 

Kratzer festgestellt werden, die sowohl mit einvernehmlichem als auch mit erzwun-

genem Geschlechtsverkehr in Einklang gebracht werden könnten. Konkret wurde 

bei ihm am Nacken, an beiden Armen sowie am rechten Handrücken teils kratzer-

artige, teils eher punktförmige Hautabschürfungen festgestellt, die als nicht mehr 

ganz frisch zu beurteilen seien und somit im betreffendem Ereigniszeitraum durch 

tangential-schürfende Gewalt entstanden sein könnten (Urk. 8/6 S. 3 f.). Im Resul-

tat liegen somit keine objektiven Befunde für erzwungenen Geschlechtsverkehr vor.

3.5 Aus dem ab dem Mobiltelefon der Privatklägerin sichergestellten Chat-Aus-

zug  einer  Konversation  mit  dem  Beschuldigten  ergibt  sich  sodann  mit  der 

Vorinstanz lediglich der an sich unbestrittene Umstand, dass beim Geschlechtsver-

kehr  Gewalt  von  Seiten  des  Beschuldigten  im  Spiel  war.  Inwiefern  die  sexuellen 

Handlungen gegen den Willen der Privatklägerin vorgenommen worden sein sollen, 

-  13  -

lässt sich daraus aber nicht ableiten (Urk. 58 S. 21 mit Verweis auf Urk. 4/1). Auf-

fallend  ist  im  Gegenteil,  dass  die  Privatklägerin  dem  Beschuldigten  am  Morgen 

nach  dem  fraglichen  Vorfall  ein  Foto  ihrer  nackten  Beine  in  der  Badewanne 

zusandte (Urk. 4/1 S. 6 Fotos 10 und 11), was nicht unbedingt für ihre Schilderung, 

wonach sie nur Stunden zuvor von ihm vergewaltigt worden sei, spricht. 

3.6 Weiter  liegt  in  den  Akten  ein  Chatverlauf  zwischen  der  Privatklägerin  und 

deren Freundin E._____ (Urk. 28/2). Diesem ist zu entnehmen, dass die Privatklä-

gerin ihrer Freundin zunächst davon berichtete, dass sie mit einem Mann geschla-

fen habe. Dabei ist anlässlich des umfangreichen Chat-Austauschs vom 13. Juni 

2020 in keiner Weise von Gewalt bzw. einer Vergewaltigung die Rede. Im Gegenteil 

erwecken die versendeten Emojis und die Nachrichten den Eindruck, als sei es für 

die  Privatklägerin  ein  erfreuliches  Ereignis  gewesen  (Urk. 28/2  bis  Foto  Nr.  17, 

bspw. "2 type sind da noch am schlafe. Eine natürlich bi mir im bett", "um die ziit 

bini wieder im bett gsi am [Penetrations-Emoji]", "Glaub mir haan es usgnutzt"). Wie 

die  Verteidigung  zu  Recht  bemerkte,  ist  der  Chatverlauf  vom  13. Juni  2020  zwi-

schen der Privatklägerin und ihrer Freundin E._____ (welche den Chatverlauf ein-

reichte) kaum damit vereinbar, dass der Beschuldigte wenige Stunden zuvor ein 

gravierendes Sexualdelikt gegen die Privatklägerin verübt haben soll. Erst tags dar-

auf am 14. Juni 2020, im Verlauf der Konversation bzw. allenfalls nach einem Te-

lefonat,  ändert  der  Tonfall  und  die  Privatklägerin  berichtet  von  Gewalt  (Urk. 28/2 

ca. ab Foto Nr. 29). Die Privatklägerin berichtet ihrer Freundin davon, dass der Be-

schuldigte sie gewürgt, gebissen und den Mund zugehalten habe. Zudem habe er 

ihre Beine zusammen gepresst (Urk. 28/2 Foto Nr. 53, Nr. 58 ff. und 87). Weiter 

berichtet sie davon, dass sie dem Beschuldigten auf dessen Frage, ob sie nun das 

Gefühl habe, dass er sie vergewaltigt habe, mit "ja" geantwortet habe (Urk. 28/2 

Foto Nr. 59). Daraus ergibt sich indessen noch nicht, dass der Geschlechtsverkehr 

an sich gegen ihren Willen erfolgte. Angaben dazu, inwiefern der Beschuldigte die 

Privatklägerin gezwungen haben soll, mit ihm zu schlafen, sind diesem Chatproto-

koll  nicht  zu  entnehmen.  Mit  keinem  Wort  schildert  die  Privatklägerin  gegenüber 

ihrer Freundin, dass der Beschuldigte sie festgehalten und gegen ihren Willen in 

sie eingedrungen wäre. Immerhin ergibt sich aus dieser Chatkonversation, dass die 

Privatklägerin das grobe Verhalten des Beschuldigten während des Sex – zumin-

-  14  -

dest in der Nachbetrachtung – nicht in Ordnung bzw. als respektlos empfand. Auch 

dass die Privatklägerin sein in den Folgetagen an den Tag gelegtes Verhalten als 

unangemessen empfand, lässt sich aus dem Chat herauslesen. Weiter lässt sich 

aus  den  Chatnachrichten  ableiten,  dass  der  Vorfall  die  Privatklägerin  belastete. 

Rückschlüsse, ob der Geschlechtsverkehr an sich nun einvernehmlich erfolgte oder 

nicht, können aus diesem Chatprotokoll aber keine gezogen werden (vgl. in diesem 

Sinne bereits Urk. 58 S. 21 f.).

3.7 Schliesslich  hielt  die  Vorinstanz  richtig  fest,  dass  die  befragten  Zeugen 

D._____, F._____, G._____ und E._____ (Urk. 24-27) keine relevanten Aussagen 

zum Sachverhalt machen konnten, da sie beim fraglichen Geschehen im Zimmer 

der Privatklägerin nicht dabei waren und, wenn überhaupt, nur vom Hören-Sagen 

berichten konnten (Urk. 58 S. 19). Wenn jedoch die beiden Zeuginnen F._____ und 

G._____  ausführten,  sie  hätten  bei  einem  Gespräch  mit  der  Privatklägerin  nach 

dem  Vorfall  das  Gefühl  gehabt,  sie  wolle  dem  Beschuldigten  eins  auswischen 

(Urk. 25 F/A 15 ff. und 50; Urk. 26 F/A 12 S. 5), so mag dies zwar eine interpretative 

Spekulation sein, lässt aber gleichwohl aufhorchen und kann vor dem Hintergrund 

des gesamten Ermittlungsergebnisses – insbesondere der von der Privatklägerin 

in der Chatkonversation mit ihrer Freundin E._____ gemachten Äusserungen, wo-

nach sie sich (unabhängig von der Frage, ob der Geschlechtsverkehr nun einver-

nehmlich  war  oder  nicht)  vom  Beschuldigten  respektlos  und  schlecht  behandelt 

fühlte wie auch der dargelegten Lügensignale in den Aussagen der Privatklägerin 

– nicht ausgeschlossen werden. 

3.8. Aus dem anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichten Therapiebericht 

des  Ambulatoriums  Römerhof  (Urk. 78)  ergibt  sich  nichts  Sachdienliches  für  die 

Beweiswürdigung. Der Bericht bzw. die von der Therapeutin gestellten Diagnose 

beruht offenkundig primär auf den Angaben der Privatklägerin zum Geschehen am 

fraglichen Abend. Alleine aus dem Umstand, dass sich die Privatklägerin in einer 

ambulant-psychiatrischen Behandlung befindet, lässt sich für die Beweiswürdigung 

nichts herleiten.

4.

Zusammenfassend bleibt es damit bei einer Aussage gegen Aussage Kon-

stellation, zumal sich anhand er objektiven Beweismittel (Chatauszüge; Gutachten 

-  15  -

über  körperliche  Untersuchungen)  sowie  der  Aussagen  der  weiteren  Befragten 

nicht ermitteln lässt, ob der unbestritten grobe Geschlechtsverkehr im gegenseiti-

gen Einvernehmen stattfand oder nicht. Die Darstellung der Privatklägerin erweist 

sich eindeutig nicht als klar glaubhafter als jene des Beschuldigten. Sowohl in ihren 

als auch in den Aussagen des Beschuldigten sind wie ausgeführt neben Realitäts-

kennzeichen  auch  nicht  unmassgebliche  Lügenmerkmale  und  Unstimmigkeiten 

auszumachen. Sodann spricht das gesamte Verhalten der Privatklägerin nach dem 

Vorfall  eher  gegen  ihre  Darstellung,  auch  wenn  dies  nicht  ausschlaggebend  ist. 

Eine strafrechtliche Verurteilung könnte nur dann ergehen, wenn das Gericht keine 

wesentlichen Zweifel daran hätte, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt zutrug, 

was jedoch wie gesehen nicht der Fall ist. Im vorliegenden Fall verbleiben damit 

wesentliche  Zweifel  daran,  dass  sich  der  eingeklagte  Sachverhalt  tatsächlich  so 

verwirklicht hat. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist deshalb der Beschul-

digte  in  Nachachtung  des  elementaren  strafprozessualen  Grundsatzes  "in  dubio 

pro reo" freizusprechen. 

III. Zivilansprüche

Ausgangsgemäss sind die Zivilansprüche der Privatklägerin auch zweitinstanzlich 

abzuweisen.

IV. Einziehungen und DNA-Profil

Unter Hinweis auf die Erwägungen der Vorinstanz sind die sichergestellten Gegen-

stände einzuziehen (Urk. 58 S. 23). Ebenfalls betreffend Absehen von der Erstel-

lung  eines  DNA-Profils  kann  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen 

werden  (Urk. 58  S.  23  f.).  Auch  diesbezüglich  ist  das  vorinstanzliche  Urteil  zu 

bestätigen.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Ausgangsgemäss  ist  die  vorinstanzliche  Kosten-  und  Entschädigungsrege-

lung (Ziff. 7- 14) zu bestätigen.

-  16  -

2.1 Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  praxisgemäss  auf 

Fr. 3'600.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 GebV 

OG)

2.2 Die Kosten des Berufungsverfahrens werden nach Obsiegen und Unterliegen 

der Parteien verteilt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatklägerin unterliegt mit ihrer 

Berufung vollständig, womit sie kostenpflichtig wird. Die Gerichtsgebühr ist daher 

ihr  aufzuerlegen.  Die  ihr  auferlegten  Verfahrenskosten  werden  aus  der  bereits 

geleisteten Prozesskaution bezogen.

2.3 Die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von Fr. 3'826.75 sind ausge-

wiesen und erscheinen angemessen (Urk. 76). Es ist daher eine Entschädigung in 

der beantragten Höhe aus der Gerichtskasse zuzusprechen.

Die  StPO  regelt  die  Auflage  der  Kosten  der  der  amtlichen  Verteidigung  bei 

Freispruch oder Einstellung des Verfahrens bzw. bei Obsiegen im Rechtsmittelver-

fahren  nicht  explizit.  Die  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Entschädigung  für 

die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte bei Freispruch oder Einstellung 

des Verfahrens (Art. 429 Abs. 1 lit. a und Art. 436 Abs. 2 StPO) betreffen die Kosten 

einer  Wahlverteidigung  und  sind  auf  die  amtliche  Verteidigung  nicht  anwendbar 

(BGE  139  IV  261  E.  2.2.2;  BGE  138  IV  205  E.  1).  Die  Auflage  der  Kosten  der 

amtlichen  Verteidigung  richtet  sich  demnach  einzig  nach  Art.  135  StPO.  Diese 

Bestimmung sieht keine Möglichkeit vor, die Kosten der amtlichen Verteidigung der 

Privatklägerschaft aufzuerlegen. Mangels gesetzlicher Grundlage sind die Kosten 

der amtlichen Verteidigung demnach vom Staat zu tragen.

1.

2.

Es wird erkannt:

Der Beschuldigte wird vollumfänglich freigesprochen.

Die folgenden, durch die Staatsanwaltschaft sichergestellten Gegenstände 

werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, zur 

Vernichtung überlassen:

–

A013'887'053 (Badewäsche)

-  17  -

–

–

A013'887'064 (Damenunterwäsche)

A013'887'075 (Sporthose)

3.

Die beim Forensischen Institut Zürich (FOR) unter der Geschäfts-

Nr. 78078430 bzw. K200616-010 gelagerten Spuren und Spurenträger sind 

nach Eintritt der Rechtskraft zu vernichten. 

4.

Es wird keine Abnahme einer DNA-Probe und keine Erstellung eines DNA-

Profils des Beschuldigten angeordnet.

5.

Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 1 (A._____) sowie der Privat-

klägerin 2 (C._____ AG) werden abgewiesen.

6.

7.

8.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 1 (A._____) wird abgewiesen.

Das erstinstanzliche Dispositiv betreffend die Ziffern 7- 14 wird bestätigt. 

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–. Die 

weiteren Kosten betragen: 

Fr.

3'826.75   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1% MWSt)

9.

Die Kosten des Berufungsverfahrens – mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung – werden der Privatklägerin auferlegt und aus der 

bereits geleisteten Prozesskaution bezogen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen.

10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten(übergeben)

die Staatsanwaltschaft See/Oberland (versandt)

die Vertretung der Privatklägerin A._____ im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (übergeben)

die Privatklägerin C._____ AG (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

-  18  -









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft See/Oberland 

die Vertretung der Privatklägerin A._____ im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft 

die Privatklägerin C._____ AG

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

die Kantonspolizei Zürich, KDM-FS-A (Asservatetriage), hinsichtlich 
Dispositivziffer 2

das Forensische Institut Zürich (FOR) hinsichtlich Dispositivziffer 3 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten ge-
mäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 77

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG).

11. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

-  19  -

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 10. März 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. B. Gut

MLaw W. Dharshing