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**Case Identifier:** dd9495fd-462b-5f9a-9361-14d0a83e63d8
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 12.11.2014 SK.2014.29
**Docket/Reference:** SK.2014.29
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2014-29_2014-11-12

## Full Text

Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz.;;Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz.;;Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz.;;Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz.

Urteil vom 12. November 2014 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Einzelrichter, 

Gerichtsschreiber David Heeb  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch 

Peter Lehmann, Staatsanwalt des Bundes, 

 gegen 

  A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Christoph 

Zobl, 

 

Gegenstand  Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2014.29 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

Vorfrageweise: 

Der Antrag auf Einstellung des Verfahrens sei abzuweisen. 

In der Hauptsache: 

Die Bundesanwaltschaft beantragt dem Gericht, den Schuldspruch und die ausgefällten 
Strafen im Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 22. Juli 2014 zu bestätigen oder 
allenfalls die Sanktionen nach eigenem Ermessen zu erhöhen. 

Das heisst, es wird beantragt: 

1. A. sei der Förderung der Herstellung von Kernwaffen im Sinne von Art. 34 Abs. 1 
lit. c i.V.m. lit. a KMG schuldig zu sprechen. 

2. A. sei mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 250.–, entsprechend 
Fr. 30'000.–, zu bestrafen. 

 Der Vollzug der Geldstrafe sei gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB aufzuschieben. Die 
Probezeit sei auf 2 Jahre festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB).  

3. A. sei zudem mit einer Busse von Fr. 6'000.– zu bestrafen; bei schuldhaftem Nicht-
bezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 24 Tagen. 

4. A. sei zur Bezahlung einer Ersatzforderung in der Höhe von Fr. 30'000.– zu verurtei-
len. 

5. Die Kosten des Verfahrens, pauschal auf Fr. 4'500.– festgelegt, seien der beschul-
digten Person zur Bezahlung aufzuerlegen. 

  

Anträge der Verteidigung: 

Vorfrageweise:  

1. Das Strafverfahren gegen A. sei einzustellen. 

In der Hauptsache: 

2. Der Beschuldigte A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

3. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien auf die Kasse 
der Eidgenossenschaft zu nehmen. 

4. Von der Auferlegung einer Ersatzforderung sei antragsgemäss abzusehen. 

5. Dem Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung von Fr. 16'607.95 zzgl. Haupt-
verhandlung sowie eine Genugtuung von Fr. 5'000.– zu bezahlen. 

6. Es sei festzustellen, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft gegenüber A. aus 
dem vorliegenden Strafverfahren schadenersatzpflichtig wird. 

- 3 - 

7. Eventualiter sei die Schweizerische Eidgenossenschaft zu verpflichten, an A. Scha-
denersatz in der Höhe von Fr. 620'000.– zu bezahlen. 

 

 

Sachverhalt: 

A. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 13. Oktober 2004 gegen die Gebrüder 

Marco Tinner und Urs Tinner sowie allfällige Mitbeteiligte ein gerichtspolizeiliches 

Ermittlungsverfahren wegen Widerhandlungen gegen Art. 7 des Bundesgesetzes 

über das Kriegsmaterial (Kriegsmaterialgesetz, KMG, SR 514.51) i.V.m. Art. 34 

KMG und Art. 14 des Bundesgesetzes über die Kontrolle zivil und militärisch 

verwendbarer Güter sowie besonderer militärischer Güter (Güterkontrollgesetz, 

GKG, SR 946.202) sowie Art. 4 der Verordnung über die Aus-, Ein- und Durch-

fuhr zivil und militärisch verwendbarer Güter sowie besonderer militärischer Güter 

(Güterkontrollverordnung, GKV, SR 946.202.1). 

B. Am 15. Dezember 2005 und am 27. Oktober 2006 durchsuchte die Bundesan-

waltschaft in der Strafuntersuchung gegen Friedrich Tinner, Marco Tinner und 

Urs Tinner die Räumlichkeiten von A. (pag. 8-9-0006; pag. 8-9-0021). Dabei be-

schlagnahmte sie diverse Gegenstände und Dokumente (pag. BA-8-9-0007 f.; 

pag. 8-9-0022 f.), die auf Beschluss der Landesregierung zum Teil vernichtet 

wurden. 

C. Am 31. Juli 2007 dehnte die Bundesanwaltschaft die Strafuntersuchung auf A. 

aus wegen mutmasslicher Widerhandlungen gegen Art. 34 KMG (pag. 1-1-0016). 

D. Am 7. März 2008 eröffnete der Eidg. Untersuchungsrichter die Voruntersuchung 

gegen Friedrich Tinner, Marco Tinner, Urs Tinner und A., welche er am 20. De-

zember 2010 abschloss (pag. 1-1-0032 f.; pag. 24-0001 f.). Der Eidg. Untersu-

chungsrichter beantragte der Bundesanwaltschaft die Anklageerhebung gegen 

alle 4 Beteiligten, betreffend A. eventuell die Erledigung des Verfahrens mittels 

Strafbefehls (pag. 24-0006 f.). 

E. Am 8. Dezember 2011 trennte die Bundesanwaltschaft die Strafuntersuchung 

gegen A. von dem gegen die Tinners geführten Verfahren ab (pag. BA-01-00-

0001).  

F. Am 12. Dezember 2011 erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Friedrich 

Tinner, Marco Tinner und Urs Tinner. Am 25. September 2012 wurden Friedrich 

Tinner, Marco Tinner und Urs Tinner vom Bundesstrafgericht wegen Förderns 

- 4 - 

der Herstellung von Kernwaffen (Art. 34 Abs. 1 Iit. c i.V.m. Iit. a KMG) schuldig 

gesprochen. 

G. Die Bundesanwaltschaft erliess am 4. Dezember 2012 einen Strafbefehl gegen 

A. wegen Förderns der Herstellung von Kernwaffen i.S.v. Art. 34 Abs. 1 Iit. c 

i.V.m. Iit. a Kriegsmaterialgesetz (KMG), bestrafte ihn mit einer bedingten Geld-

strafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 250.– bei einer Probezeit von zwei Jahren 

und einer Busse von CHF 6'000.– und legte ihm die Verfahrenskosten in der Hö-

he von Fr. 3'000.– auf (pag. BA-03-00-0001–0005). 

H. A. erhob mit Schreiben vom 16. Dezember 2012 fristgerecht Einsprache gegen 

den Strafbefehl vom 4. Dezember 2012 (pag. BA-16-01-0002). 

I. Zur Beurteilung der Einsprache wurden im Sinne von Art. 355 StPO weitere Be-

weise erhoben. Nach Abschluss dieses zusätzlichen Beweisverfahrens hielt die 

Bundesanwaltschaft am Strafbefehl fest und erliess am 22. Juli 2014 einen neu-

en Strafbefehl (pag. BA-03-00-0006–0010). 

J. Mit Schreiben vom 26. Juli 2014 erhob A. durch seinen Rechtsvertreter Christoph 

Zobl Einsprache gegen den Strafbefehl vom 22. Juli 2014 (pag. BA-16-01-0021). 

K. Die Bundesanwaltschaft überwies der Strafkammer des Bundesstrafgerichts am 

9. September 2014 im Sinne von Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO 

den Strafbefehl als Anklageschrift (pag. TPF 3-100-001–007). Das Gericht regi-

strierte das Verfahren unter der Geschäftsnummer SK.2014.29. 

L. Einer gerichtlichen Aufforderung entsprechend klärte die Bundesanwaltschaft mit 

Schreiben vom 6. Oktober 2014 den Tatort (Z.), welcher bisher "im Lauftext des 

Strafbefehls … sinngemäss genannt" worden sei. Die Tatzeit präzisierte sie mit 

"19. Juni 2003 bis 11. September 2003" (pag. TPF 3-510-002 f.). Obwohl damit 

die Anklage vom Strafbefehl präzisierend abwich, opponierten die Parteien der 

Ansicht des Einzelrichters nicht, wonach trotzdem von einem Festhalten am 

Strafbefehl im Sinne von Art. 355 Abs. 3 lit. a bzw. Art. 356 Abs. 1 StPO gespro-

chen werden könne (pag. TPF 3-300-002). 

M. Mit Schreiben vom 14. Oktober 2014 beantragte A., es sei das Einvernahmepro-

tokoll seiner Befragung vom 22. Dezember 2005, eventuell 21. Dezember 2005, 

beizuziehen (pag. TPF 3-520-002 f.). 

N. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2014, nach Eingang einer erläuternden Stellung-

nahme der Bundesanwaltschaft, wonach eine einzige Einvernahme am 22. De-

zember 2005 stattfand, erklärte der Einzelrichter den Beweisantrag von A. als 

- 5 - 

gegenstandslos, da sich das Einvernahmeprotokoll in den Akten befand 

(pag. TPF 3-280-001). 

O. Mit Schreiben an die Parteien vom 28. Oktober 2014 behielt sich der Einzelrichter 

vor, den Anklagevorwurf auch unter dem "entfernteren" Aspekt des Förderns des 

Förderns der Herstellung von Kernwaffen ("Kettenbeihilfe"; ebenfalls in Anwen-

dung von Art. 34 Abs. 1 lit a i.V.m. lit c KMG) zu prüfen (pag. TPF 3-280-001). 

P. Am 4. November 2014 forderte der Einzelrichter die Verteidigung auf, ihre Hono-

rarnote und belegte Entschädigungsansprüche spätestens an der Hauptverhand-

lung einzureichen, damit gegebenenfalls über Entschädigungsfolgen im Sachur-

teil befunden werden könne (pag. TPF 3-720-001). 

Q. Mit Datum vom 5. November 2014 beantragte die Bundesanwaltschaft, es sei der 

Beschluss des Bundesstrafgerichts vom 2. Februar 2012 in Sachen SK.2011.29 

(Tinner) zu den Akten zu nehmen (pag. TPF 3-510-012). Der Einzelrichter hiess 

den Antrag gut (pag. TPF 3-280-003). 

R. Am 12. November 2014 fand die Hauptverhandlung in Anwesenheit der Parteien 

am Sitz des Bundesstrafgerichts statt (pag. TPF 3-920-001–008). Dabei reichte 

der Verteidiger seine Honorarnote und eine handschriftliche Auflistung betreffend 

Schadenspositionen für das (Eventual-)Schadenersatzbegehren ein (pag. TPF 3-

925-061–066). 

 

Der Einzelrichter erwägt: 

1.  

1.1 Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet auf 

Widerhandlung gegen Art. 34 des Bundesgesetzes über das Kriegsmaterial vom 

13. Dezember 1996 (Kriegsmaterialgesetz, KMG; SR 514.51). Gemäss Art. 40 

Abs. 1 KMG unterstehen Verfolgung und Beurteilung der Widerhandlungen ge-

gen jenes Gesetz der Bundesgerichtsbarkeit. Die sachliche Zuständigkeit des 

Bundesstrafgerichts ist somit gegeben (Art. 40 Abs. 1 KMG i.V.m. Art. 23 Abs. 2 

der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 [StPO; 

SR 312.0]). 

Die Kompetenz des Einzelgerichts ergibt sich in Anbetracht der beantragten 

Geldstrafe und Busse aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 des 

Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes (StBOG; 

SR 173.71). 

- 6 - 

1.2 Das Gericht entscheidet gemäss Art. 356 Abs. 2 StPO vorfrageweise über die 

Gültigkeit des Strafbefehls und der Einsprache. 

Der Strafbefehl vom 4. Dezember 2012 ist infolge Einsprache und neuen Straf-

befehls ohne Relevanz für das Weitere. Der Strafbefehl vom 22. Juli 2014 

(pag. BA-03-00-0006–0010) beinhaltete die in Art. 353 Abs. 1 StPO aufgelisteten 

Kriterien insofern nicht, als der Tatort nicht und die Tatzeit unklar umschrieben 

waren (Art. 353 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Er wurde formge-

recht eröffnet (Art. 353 Abs. 3 StPO). Die Einsprache (pag. TPF 3-100-008) er-

folgte frist- und formgerecht (Art. 354 Abs. 1 und 2 StPO).  

Mit Schreiben vom 9. September 2014 hält die Bundesanwaltschaft am Strafbe-

fehl vom 22. Juli 2014 fest (pag. TPF 3-100-001 f.). Der oben erwähnte Mangel 

wurde im Einverständnis mit der Verteidigung nach Einreichen der Anklage beim 

Gericht durch die Bundesanwaltschaft korrigiert (pag. TPF 3-510-002 f.). Der 

Strafbefehl gilt nach Art. 356 Abs. 1 StPO (und mit Akzept der Parteien trotz 

punktueller Vervollständigung) demnach als Anklageschrift. Er enthält die ge-

mäss Art. 325 StPO für das Hauptverfahren erforderlichen Elemente. 

1.3 Die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO) trat am 1. Januar 2011 in Kraft. 

Bis dahin wurde das Vorverfahren unter altem Prozessrecht (BStP) geführt. Ge-

mäss den geltenden Übergangsbestimmungen werden Verfahren, die am 1. Ja-

nuar 2011 hängig sind, grundsätzlich nach dem neuem Recht fortgeführt, wobei 

Verfahrenshandlungen, die bereits angeordnet oder durchgeführt worden sind, 

ihre Gültigkeit behalten (Art. 448 StPO). 

2. Die Verteidigung beantragt vorfrageweise, das Verfahren gestützt auf Art. 8 

StPO einzustellen, nachdem der Bundesrat im Zusammenhang mit dem Verfah-

ren gegen Friedrich, Marco und Urs Tinner (SK.2011.29) in Ausübung von Not-

recht Akten vernichtet habe, worunter insbesondere Skype Chatprotokolle über 

den Austausch zwischen A. (nachfolgend: Beschuldigter) und Marco Tinner ge-

wesen seien, welche den Beschuldigten hätten vom Anklagevorwurf entlasten 

können. 

2.1 Gemäss Art. 8 StPO sehen Staatsanwaltschaft und Gerichte in den gesetzlich 

umschriebenen Fällen von der Strafverfolgung ab. Gemäss Art. 8 Abs. 4 StPO 

verfügen sie in diesen Fällen, dass kein Verfahren eröffnet oder das laufende 

Verfahren eingestellt wird. 

2.2 Für die Anwendungsfälle von Art. 52, 53 oder 54 StGB bzw. Art. 8 Abs. 1 StPO 

hat das Bundesgericht festgehalten, dass wenn ein Straftatbestand gegeben ist 

- 7 - 

und auch die übrigen Voraussetzungen für einen Schuldspruch erfüllt sind, 

schuldig zu sprechen und von einer Bestrafung abzusehen sei (BGE 139 IV 220 

E. 3.4.5). Zu den in Art. 8 Abs. 2 und 3 StPO erwähnten Fällen hat sich das Bun-

desgericht nicht geäussert. Dass das Gericht in diesen Fällen das Verfahren 

gemäss Art. 8 Abs. 4 StPO einstellen müsste, ist wohl naheliegend, braucht hier 

aber nicht beantwortet zu werden, weil weder Art. 8 Abs. 2 noch Abs. 3 StPO 

den Fall einer Beweisnot ansprechen. Vielmehr ist eine Beweisnot materiell zu 

Gunsten des Beschuldigten zu würdigen. Aus diesem Grund hatte der Einzelrich-

ter die Vorfrage auf Einstellung des Verfahrens zu verneinen. 

3. Der Umgang mit Kriegsmaterial wird auf Bundesebene durch das Kriegsmateri-

algesetz und das Güterkontrollgesetz geregelt. 

3.1 Mit dem Kriegsmaterialgesetz wird die Herstellung und der Transfer von Kriegs-

material sowie der entsprechenden Technologie hoheitlich kontrolliert (Art. 1 

KMG). Zu Kriegsmaterial werden nicht nur Waffen, Munition u.ä., sondern auch 

Ausrüstungsgegenstände gerechnet, welche für den Kampfeinsatz oder die Ge-

fechtsführung konzipiert oder modifiziert wurden und welche in der Regel so für 

zivile Zwecke nicht verwendet werden (Art. 5 Abs. 1 KMG). Zum Kriegsmaterial 

gehören auch Einzelteile und Baugruppen, "sofern erkennbar ist, dass diese Tei-

le in derselben Ausführung nicht auch für zivile Zwecke verwendbar sind" (Art. 5 

Abs. 2 KMG); es handelt sich gewissermassen um "Single-Use"-Güter. Die Kon-

trolle wird dadurch erreicht, dass Herstellung und Transfer einer Bewilligungs-

pflicht unterworfen sind (Art. 9 ff. KMG). Eine besondere Behandlung erfährt 

Kriegsmaterial, soweit es durch internationale Abkommen – an denen die 

Schweiz beteiligt ist – einem totalen Verwendungs-/Produktionsverbot unterwor-

fen ist; das sind nach aktuellem Rechtsstand Kernwaffen, biologische und chemi-

sche Waffen – sog. ABC-Waffen –, sowie Antipersonenminen. Diesbezüglich gilt 

ein absolutes Verbot der Entwicklung, Herstellung und Verfügung (Art. 7 Abs. 1, 

Art. 8 Abs. 1 KMG). Soweit es Kernwaffen betrifft, beruht das Gesetz auf der völ-

kerrechtlichen Verpflichtung aus dem Atomsperrvertrag (Vertrag über die Nicht-

verbreitung von Kernwaffen, vom 1. Juli 1968, SR 0.515.03): Nach dessen Art. II 

verpflichten sich die Nichtkernwaffenstaaten, 

Kernwaffen und sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber 

von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen, Kernwaffen oder son-

stige Kernsprengkörper weder herzustellen noch sonstwie zu erwerben und kei-

ne Unterstützung zur Herstellung von Kernwaffen oder sonstigen Kernspreng-

körpern zu suchen oder anzunehmen. 

Mit dem Art. 7 KMG löst die Schweiz ihre Verpflichtung aus dem Atomsperrver-

trag ein; mit der Kontrolle von zivilen Gütern, die sich zur Herstellung von Kern-

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waffen eignen, wird diese Verpflichtung ergänzt (Botschaft vom 15. Februar 1995 

zur Volksinitiative "für ein Verbot der Kriegsmaterialausfuhr" und zur Revision 

des Bundesgesetzes über das Kriegsmaterial, BBl 1995 II, S. 1027 ff., 1057–

1058, nachfolgend: Botschaft KMG). Allerdings reicht das Verbot nach Art. 7 

KMG weiter, indem der Atomsperrvertrag den Nichtkernwaffenstaaten bloss die 

Eigenbewaffnung untersagt; das Verbot die fremde Atombewaffnung zu unter-

stützen, trifft nach seinem Art. I allein die Kernwaffenstaaten (Botschaft vom 

30. Oktober 1974 betreffend den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaf-

fen, BBl 1974 II, S. 1009 ff., S. 1022–1025). 

3.2 Das Bundesgesetz über die Kontrolle zivil und militärisch verwendbarer Güter 

sowie besonderer militärischer Güter vom 13. Dezember 1996 (Güterkontrollge-

setz, GKG; SR 946.202) schafft die Grundlage für eine Bundeskontrolle von dop-

pelt verwendbaren Gütern ("dual use"); zu diesen gehören auch Technologien 

und Software (Art. 1, 2 Abs. 1, 3 lit. a, b und d GKG). Auch dieser Erlass betrifft 

den Bereich von ABC-Waffen (Botschaft vom 22. Februar 1995 betreffend das 

Bundesgesetz über die Kontrolle zivil und militärisch verwendbarer Güter [Güter-

kontrollgesetz, GKG], BBl 1995 II, S. 1301 ff., 1334). Das Kontrollinstrument ist 

ebenfalls eine Bewilligungspflicht und zwar für die Ausfuhr solcher Güter, soweit 

sie in einem Anhang auf Verordnungsstufe (Art. 3 Güterkontrollverordnung, GKV; 

Quelle der Anhänge 1–3 gemäss Fn. 55 zur GKV) genannt sind, ergänzt durch 

eine Meldepflicht für andere Güter, soweit der Exporteur vermutet oder weiss, 

dass sie u.a. für die Herstellung oder die Verwendung oder den Bau von ABC-

Waffen bestimmt sind oder sein könnten (Art. 4 Abs. 1 GKV). Deren Durchfüh-

rung obliegt dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Die Bewilligung muss 

verweigert werden, u.a. wenn Grund zur Annahme besteht, dass die Ausfuhrgü-

ter zur Entwicklung, zur Herstellung oder zum Gebrauch von A-Waffen verwendet 

werden oder der Weiterverbreitung solcher Waffen dienen (Art. 6 Abs. 1 lit. b 

GKV). Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass nach Art. IV Abs. 2 des Atomsperr-

vertrages die Vertragsstaaten berechtigt sind, am "Austausch von Ausrüstungen, 

Material und wissenschaftlichen und technologischen Informationen zur friedli-

chen Nutzung der Kernenergie … teilzunehmen".  

3.3 In der Tat besteht bei der Kernwaffenproliferation ein überschneidender Anwen-

dungsbereich: Weiss der Exporteur, dass ein in den Anhängen GKV nicht ge-

nanntes Gut der Entwicklung oder Herstellung von ABC-Waffen dient, so unter-

wirft ihn Art. 4 Abs. 1 GKV der Meldepflicht, Art. 7 Abs. 1 KMG der Unterlas-

sungspflicht; die Strafsanktion unterscheidet sich deutlich: Die vorsätzliche Un-

terlassung der Meldepflicht bzw. die Ausfuhr während des der Meldung automa-

tisch folgenden einstweiligen Ausfuhrverbots werden mit Übertretungsstrafe ge-

ahndet (Art. 4 Abs. 5 und Art. 15 Abs. 1 GKV i.V.m. Art. 333 Abs. 3 StGB), die 

Missachtung der Unterlassungspflicht mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren 

- 9 - 

(Art. 34 Abs. 1 KMG). Auch bei bewusster Fahrlässigkeit besteht eine Über-

schneidung; allerdings reduziert sich die Obergrenze nach Kriegsmaterialgesetz 

auf Freiheitsstrafe von 12 Monaten (Art. 34 Abs. 3 KMG).  

Für die Abgrenzung zwischen Kriegsmaterialgesetz und Güterkontrollgesetz ist 

die gesetzliche Subsidiaritätsklausel massgeblich, welche den Vorrang des er-

steren bestimmt (Art. 2 Abs. 3 GKG). 

4.  

4.1 Die Anklageschrift muss den als strafbar erachteten Sachverhalt und die als er-

füllt erachtete Strafnorm anführen (Art. 353 Abs. 1 lit. c und d bzw. Art. 325 

Abs. 1 lit. f und g StPO). Das Gericht ist an den in der Anklageschrift bezeichne-

ten Sachverhalt gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Will es ihn rechtlich anders 

würdigen als die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift, so eröffnet es dies den 

anwesenden Parteien und gibt ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme (Art. 344 

StPO). 

4.2 Die Anklageschrift vom 9. September 2014 lautet auf Förderung der Herstellung 

von Kernwaffen (Art. 34 Abs. 1 lit. c i.V.m. lit. a KMG). Die Bundesanwaltschaft 

wirft dem Beschuldigten in objektiver Hinsicht vor, er hätte in der Zeit ab dem 

19. Juni 2003 bis 11. September 2003 in Z. im Auftrag von Marco Tinner die 

Steuerung für eine Produktionsanlage zur Hochanreicherung von Uran, beste-

hend aus 64 Gasultrazentrifugen (P64) entwickelt. Ziel sei es gewesen, die bis-

her in der Anlage eingesetzte zentrale Ventilsteuerung zu dezentralisieren. Der 

Beschuldigte habe die Steuerung derart entwickelt, dass die Vakuumventile und 

der Motor jeder Gasultrazentrifuge einzeln hätte angesteuert werden können, 

wobei die Idee einer dezentralen Steuerung allein von ihm gestammt hätte. Die 

Steuerung der Vakuumventile sollte von einem übergeordneten Industriecompu-

ter erfolgen und mehrere schwächere Netzgeräte für mehrere Ventilgruppen an-

steuern. Beim Ausfall eines Netzgerätes würde dieses durch ein anderes über-

brückt und so ein lückenloser Antrieb der Gasultrazentrifugenkaskade garantiert. 

Der Beschuldigte habe die Elektronik zum Zusammenschalten der Ventile mit 

der Verrohrung der Produktionsanlage P64 sowie die Ansteuerung der Gasultra-

zentrifugenmotoren selbst konzipiert. Für seine Tätigkeit habe er von Marco Tin-

ner Fr. 30'000.– als Anzahlung für die Entwicklungstätigkeit erhalten. Marco Tin-

ner habe ausserdem die Summe von Fr. 100'000.– in die B. AG des Beschuldig-

ten investiert. 

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4.3 Der Einzelrichter hat sich vorbehalten, den Sachverhalt auch unter dem Aspekt 

"Fördern des Förderns" der Herstellung von Kernwaffen im Sinne von Art. 34 

Abs. 1 lit. a i.V.m. lit c KMG (analog "Kettenbeihilfe") zu prüfen. 

5. Gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. a KMG wird – wenn er nicht eine hier nicht in Betracht 

fallende Ausnahme nach Art. 7 Abs. 2 KMG in Anspruch nehmen kann – be-

straft, wer Kernwaffen, biologische oder chemische Waffen (ABC-Waffen) ent-

wickelt, herstellt, vermittelt, erwirbt, jemandem überlässt, einführt, ausführt, 

durchführt, lagert oder anderweitig über sie verfügt. Gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. c 

KMG wird auch bestraft, wer eine der bezeichneten Handlungen fördert.  

5.1 Die Strafnorm von Art. 34 Abs. 1 KMG übernimmt im objektiven Tatbestand die 

Verbotsnorm von Art. 7 Abs. 1 KMG. Das Handlungsobjekt – ABC-Waffen – ist 

ein Unterfall von Kriegsmaterial, welches das KMG in der allgemeinen Bestim-

mung von Art. 5 definiert. Dort umschreibt es den Begriff des Kriegsmaterials 

nach Massgabe von "strikt objektiven und zudem leicht kontrollierbaren Merkma-

len", so dass es auf die mutmasslichen Absichten ihres Anwenders nicht an-

kommt (vgl. Botschaft KMG, a.a.O., S. 1055–1056). Diese objektivierte Begriffs-

bestimmung ist sachgerecht, wo es um die Bewilligung zu Herstellung, den 

Transit von und den Handel mit militärischem Material geht; auf solche Handlun-

gen und Objekte ist die Strafnorm von Art. 33 Abs. 1 KMG ausgerichtet. In Bezug 

auf ABC-Waffen wird die rein objektive Sichtweise jedoch durch den Wortlaut 

des Tatbestandes von Art. 34 Abs. 1 KMG erweitert; denn er erfasst nicht nur 

den Verkehr mit ABC-Waffen, sondern schon deren Entwicklung und Herstellung 

(lit. a), ausserdem auch das Verleiten zu einer solchen Handlung (lit. b) und ihre 

Förderung (lit. c). Damit ist jede Art der Beteiligung eingeschlossen, wie es bei 

gleichem Wortlaut in Art. 261bis al. 3 StGB angenommen wird (NIGGLI, Rassen-

diskriminierung, 2. Aufl., Zürich etc. 2007, Rn. 1231) – bis hin zu Gehilfenschaft 

(SCHLEIMINGER METTLER, Basler Kommentar, 3. Aufl. Basel 2013, Art. 261bis 

StGB N. 43; STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht – Besonderer 

Teil II, 6. Aufl., Bern 2008, § 39 N. 35), Vorbereitungshandlungen (CORBOZ, Les 

infractions en droit suisse, Band II, 3. Aufl., Bern 2010, Art. 261bis StGB N. 25a) 

und jeder anderen Art von Erleichterung tatbestandsmässigen Handelns durch 

einen Dritten (NIGGLI, a.a.O., Rn. 1235). Mit dieser Ausweitung werden – nach 

den Grundsätzen der Gehilfenschaft – auch Unterstützungshandlungen strafbar, 

welche für sich den Charakter von harmlosem Alltagsverhalten haben (TRECH-

SEL/JEAN-RICHARD, Schweizerisches Strafgesetzbuch – Praxiskommentar, 

2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 25 StGB N. 7). Erforderlich ist allerdings auf 

der objektiven Seite, dass das prinzipale Handeln anders abgelaufen wäre, wäre 

es nicht unterstützt worden (BGE 120 IV 265 E. 2c/aa). Entscheidend ist das fi-

nale Moment: In der Literatur wird dafür etwa vorausgesetzt, dass die Unterstüt-

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zungshandlung das Risiko eines strafbaren Erfolges per se erhöhte (STRATEN-

WERTH, Schweizerisches Strafrecht – Allgemeiner Teil I, 4. Aufl., Bern 2011, § 13 

N. 120; DONATSCH/TAG, Strafrecht I, 9. Aufl., Zürich etc. 2013, S. 167 f.); das 

Bundesgericht bejaht Gehilfenschaft, wenn ein legaler Zweck der Beihilfe prak-

tisch nicht denkbar war (BGE 119 IV 289 E. 2 c/cc), oder wenn sonst mindestens 

in Kauf genommen wurde, zur Begehung einer strafbaren Haupttat beizutragen 

(BGE 132 IV 49 E. 1.1; zustimmend FORSTER, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 

2013, Art. 25 StGB N. 33; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O.).  

5.2 Art. 25 StGB stellt die vorsätzliche Hilfeleistung zu einem Verbrechen oder Ver-

gehen unter Strafe. Mit der analogen Begründung, wieso Beihilfe zur Gehilfen-

schaft ("Kettenbeihilfe" oder "entfernte" Gehilfenschaft) dann strafbar ist, wenn 

für die betreffenden Teilnahme(Haupt-)handlungen zumindest eine Freiheitsstra-

fe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe angedroht ist (FORSTER, a.a.O. Art. 25 

StGB N. 59), ist es nach dem in E. 5.1 Gesagten auch das Fördern des mit Frei-

heitsstrafe bis zu zehn Jahren bedrohten Förderns im Sinne von Art. 34 Abs. 1 

lit. c KMG.  

6.  

6.1 Der objektive Anklagesachverhalt, wie er vorne in E. 4.2 wiedergegeben ist, wird 

vom Beschuldigten, soweit seine eigene Tätigkeit betreffend, in den wesentli-

chen Teilen nicht bestritten und vielmehr in seinen Einvernahmen anerkannt 

(Zeugenaussage bei der Bundesanwaltschaft im Verfahren gegen Friedrich, Mar-

co und Urs Tinner vom 22. Dezember 2005: pag. 12-32-027; Aussage als Be-

schuldigter vom 16. Oktober 2007 gegenüber der BKP: pag. 13-4-0008 f.; Aus-

sage als Beschuldigter vom 9. Dezember 2008 vor dem Eidg. Untersuchungs-

richter: pag. 13-4-116; Aussage als Beschuldigter vom 17. Dezember 2010 vor 

dem Eidg. Untersuchungsrichter: pag. 13-4-0122; Aussage als Beschuldigter 

vom 9. Oktober 2013 gegenüber der Bundesanwaltschaft: pag. BA-13-01-0011). 

In zeitlicher Hinsicht steht fest, dass Marco Tinner den Auftrag an den Beschul-

digten spätestens anfangs 2003 erteilt hat, evtl. aber auch bereits im Herbst 

2002 (pag. 13-2-324; pag. 12-32-027), dass die CIA im Frühjahr/Sommer 2003 

bei Marco Tinner in Y. auftauchte und dieser damals eine Zusammenarbeit mit 

den Amerikanern begann (pag. 12-32-009 [ca. drei Monate vor dem Aufbringen 

des Schiffes "BBC China" in Italien, was im Oktober 2003 war; pag. 24-0043]); 

pag. 13-4-0008; pag. 13-4-0123; pag. BA-13-01-0013), dass Marco Tinner den 

Beschuldigten nach diesem CIA-Besuch wissen liess, dass er jetzt mit den Ame-

rikanern zusammenarbeite (pag. BA-12-01-0011; pag. 13-4-0008; …-0118; pag. 

12-32-010 f.; …-039; …-041), dass Marco Tinner den Beschuldigten im August 

2003 aufforderte, mit der Entwicklung der Steuerung aufzuhören (pag. 13-2-324; 

pag. 13-4-0118; pag. 12-32-041) sowie dass der Beschuldigte seine diesbezügli-

- 12 - 

che Arbeit zu Ende führen wollte und am 11. September 2003 beendete 

(pag. 12-32-042). Der objektive Sachverhalt kann daher insoweit als erwiesen 

gelten. 

6.2 Alle dem rechtskräftigen Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2011.29 vom 

25. September 2012 gegen Friedrich Tinner und seine Söhne Marco und Urs 

Tinner (pag. TPF 3-290-001–044) zugrunde liegenden Handlungen im Zeitraum 

ab 1998 (Friedrich Tinner) bzw. 1999 (Urs und Marco Tinner) bis Juni 2003 wa-

ren auf die Herstellung von Gasultrazentrifugen ausgerichtet, sowie auf den Be-

trieb derselben in Kaskaden. Davon kann hier in sachverhaltlicher Hinsicht aus-

gegangen werden. Gemäss jenem Urteil sagte Friedrich Tinner in der Hauptver-

handlung aus, sie hätten 100 bis 200 Ventile geliefert, zudem eine Einspeisean-

lage, welche eine andere Firma hergestellt habe. Die Ventile seien eingesetzt 

worden für die Ein- und Ausspeisung von Gas und Flüssigkeiten. Die Anlage ha-

be zur Einspeisung von Uranhexafluorid in fester Form gedient. Die Dienstlei-

stungen und Teile-Lieferungen waren – immer gemäss jenem Urteil – auf die 

Herstellung von Gasultrazentrifugen und deren Betrieb in Kaskaden ausgerich-

tet, welche zur Hochanreicherung von Uran dienen sollten. Eine solche Tätigkeit 

hat keine Atomwaffe zum Gegenstand, sondern Anlagen, in denen spaltbares 

Material hergestellt werden kann, also solche zur Urananreicherung. Dafür sind 

verschiedene Methoden bekannt, darunter der hier thematisierte Einsatz von 

Gaszentrifugen. Soll waffenfähiger Kernsprengstoff gewonnen werden, so muss 

der Gehalt des spaltbaren U235-Atoms im natürlichen Uran auf das ca. 130-fa-

che angehoben werden bis auf einen Anteil von 90%. Diese Anreicherung kann 

mithilfe von Uranaufbereitung – natürliches Uran wird mit Fluor verbunden und in 

gasförmigen Zustand versetzt – und anschliessender Konzentration in schnell 

drehenden Zentrifugen geschehen, welche die U235-Atome von den schwere-

ren, nicht spaltbaren U238-Atomen separieren. Weil die Konzentrationskapazität 

der einzelnen Zentrifuge bescheiden ist, werden solche in grosser Zahl in Serie 

betrieben (zunehmende Verdichtung) respektive parallel geschaltet (zunehmen-

de Materialmenge). Diese Methode der Anreicherung wurde von den Niederlan-

den, Grossbritannien und Deutschland entwickelt und wird in einem gemeinsa-

men Unternehmen, URENCO, bis heute für die Herstellung von U235-Brenn-

stäben für Atomkraftwerke angewandt. Für die letzteren Zwecke ist allerdings ei-

ne viel geringere Anreicherung, nämlich auf einen Gesamtanteil von 3 bis 5% an 

U235-Atomen, erforderlich. Mit einer vergleichsweise hohen Zahl von Zentrifu-

gen – Kaskaden – lässt sich entweder eine hohe Menge an schwach angerei-

chertem Uran für Energieerzeugung oder eine geringe Menge an hoch angerei-

chertem Material für militärische Zwecke gewinnen; dieselbe Anlage kann durch 

Änderung der internen Gasverbindungen auf den einen oder den anderen Zweck 

kalibriert werden. Obwohl Grossbritannien bekanntlich zu den Kernwaffenstaaten 

(gemäss Atomsperrvertrag) gehört, ist URENCO dort nur auf die Herstellung von 

- 13 - 

Spaltmaterial für die Energiegewinnung ausgerichtet (http://www.urenco.com/ 

content/41/Urenco-UK-Ltd-(Capenhurst).aspx). In China wiederum, dessen 

Staatsbetrieb nuklearen Brennstoff für militärische und für Zwecke der Energie-

gewinnung herstellt (http://www.cnnc.com.cn/tabid/141/Default.aspx), basiert die 

Produktion ebenfalls mindestens teilweise auf der Anreicherung durch Gaszentri-

fugen (Zum Ganzen die entsprechende Darstellung unter http://de.wikipedia.org/ 

wiki/Urananreicherung).  

6.3 Der Unterschied zwischen Entwicklung und Herstellung ist darin zu sehen, dass 

mit jener das Know-how der Produktion (Methode) erarbeitet wird, und in dieser 

das Produkt selbst. Jede Entwicklung umfasst aber auch praktische Anwen-

dungstests und schliesst die Produktion und Verbesserung am Fertigungs-Know-

how mit ein. Der Beschuldigte umschreibt seine Aufgabe für Marco Tinner mit 

"Abklärung der Machbarkeit der Verwirklichung des Projektes, die Erarbeitung 

eines Konzeptes sowie die Kostenabschätzung" (pag. BA-13-01-0012). Der Fort-

schritt seiner Entwicklung im Vergleich zu Bestehendem wäre gewesen, dass 

man die fünf Ventile, den Motor und Druckwächter, welche man früher jeweils mit 

einem Kabel mit der zentralen Steuerung verbinden musste, mit nur zwei Leitun-

gen separat ansteuern konnte. Das vereinfacht nach Aussage des Beschuldigten 

nicht nur den Service sondern in concreto auch die Steuerung der Gasultrazen-

trifugen an sich (pag. 13-4-119). In diesem Lichte waren die Handlungen des 

Beschuldigten solche zur Förderung der Entwicklung von Know-how für die Pro-

duktion. Sie fanden mit dem Erstellen der notwendigen schematischen Zeich-

nungen und der theoretischen Konzeption der Steuerung ihren Abschluss. In ob-

jektiver Hinsicht dienten die Entwicklungsergebnisse des Beschuldigten der För-

derung der Arbeiten der Tinners. Letztere wiederum dienten der Schaffung von 

Anlagen für die Anreicherung von Uran.  

7. Die Urananreicherung mithilfe von Gaszentrifugen ist nun aber entsprechend 

den Ausführungen in E. 6.2 hiervor kein Vorgang, der zwingend auf die Herstel-

lung von atomarem Sprengstoff in Kernwaffen hinaus läuft. Die Zentrifugen wer-

den als Dual-Use-Güter definiert (Anhang 2 zur GKV Ziff. 0B001 lit. a und b, 

Ziff. 0D, Ziff. 0E; verbindliche Fassung im Internet [siehe Fn. 55 zur GKV]). Damit 

stellt sich die Frage, ob der Beschuldigte durch die angeklagten Aktivitäten in ob-

jektiver Hinsicht tatsächlich eine Förderung der Hochanreicherung für waffenfä-

higen Kernsprengstoff seinerseits förderte. 

7.1 Die dem Urteil SK.2011.29 in Sachen Tinner zugrunde liegenden Handlungen 

bildeten einen Bestandteil der durch Libyen angestrebten und durch A. Q. Khan 

organisierten Beschaffung von waffenfähigem Uran. Dies gilt in erster Linie für 

die Beschaffung von Komponenten für eine Anlage zur Hochanreicherung von 

- 14 - 

Uran, aber auch für Schulung und administrative Leistungen, wie Neuanfertigung 

oder Digitalisierung von technischen Unterlagen. Die unter der Leitung von Urs 

Tinner in Dubai hergestellten respektive verarbeiteten Komponenten, etwa Venti-

le und Testmodule, wurden nach Libyen verschifft (E. 3.5 des zitierten Urteils). 

Friedrich, Marco und Urs Tinner wurden für ihr Handeln im Zeitraum 1998 

bzw. 1999 bis Juni 2003 vom Bundesstrafgericht der Förderung der Herstellung 

von Kernwaffen schuldig gesprochen. 

7.2 Der Beschuldigte entwickelte im Auftrag von Marco Tinner eine Steuerung, mit 

welcher die Vakuumventile und der Motor jeder der 64 von den Tinners herge-

stellten Gasultrazentrifugen (P64) dezentral angesteuert werden konnten, anstatt 

wie bisher mit einer zentralen Steuerung. Dies garantierte den lückenlosen An-

trieb der Gasultrazentrifugenkaskade. Marco Tinner umschreibt die Arbeit des 

Beschuldigten in seiner Zeugenaussage vom 26. September 2012 so: "Das ein-

zige was ich gesehen habe, ist ein Blockdiagramm, welches er erstellt hat, wie 

diese Steuerung funktionieren soll. Dabei präsentierte er einen Preis, der offen-

bar so Handgelenk mal Pi berechnet wurde. Ob er Schemata gezeichnet hat, 

weiss ich nicht" (pag. BA-12-01-0007). Den an den Beschuldigten erteilten Auf-

trag umschreibt er mit "detaillierte Umschreibung zu den Originalinvertern, das 

war auf der CD inklusive den elektrischen Schemas"; dann: "Beschreibung der 

Steuerung für die P64"; "ist es machbar und wie hoch der Aufwand wäre, resp. 

wie viel ein solches Produkt kosten würde" (pag. BA-12-01-0008). Indem er dies 

tat, hat der Beschuldigte die oben in E. 6.2 umschriebene, auf die Herstellung 

von Gasultrazentrifugen sowie auf den Betrieb derselben in Kaskaden ausgerich-

tete Tätigkeit der Tinners gefördert. 

7.3 Das Handeln des Beschuldigten würde in objektiver Hinsicht – da die Tätigkeit 

der Tinners ihrerseits im Zeitraum 1998 bzw. 1999 bis Juni 2003 die Herstellung 

von Kernwaffen förderte (vorne E. 7.1) – im gleichen Zeitraum ein Fördern die-

ses Förderns bzw. ein "entferntes" Fördern der Herstellung von Kernwaffen be-

deuten. Die Anklageschrift umschreibt den Sachverhalt so, dass auch diese 

rechtliche Subsumtion abgedeckt wäre ("[Der Beschuldigte] entwickelte … im 

Auftrag von Marco Tinner die Steuerung für eine Produktionsanlage … [Er] er-

fuhr …, dass die Steuerung für eine Produktionsanlage zur Hochanreicherung 

von Uran in einer P64 für das libysche Urananreicherungsprogramm zur Herstel-

lung von Atomwaffen bestimmt war …") und der Einzelrichter hat sich die Prü-

fung der Anklage unter diesem rechtlichen Aspekt vorbehalten. 

Als Zeitraum der deliktischen Tätigkeit nennt die Anklageschrift bzw. deren Prä-

zisierung vom 6. Oktober 2014 jedoch "19. Juni 2003 bis 11. September 2003". 

Sie knüpft damit bezüglich Beginn der angeklagten Tätigkeit an den Umstand an, 

dass Marco Tinner am 18. Juni 2003 dem Beschuldigten "über die Ereignisse 

- 15 - 

des Tages und die Kooperation mit den amerikanischen Diensten" berichtete 

(pag. TPF 3-520-002) und geht offensichtlich davon aus, dass beim Beschuldig-

ten vor dem 18. Juni 2003 ein Vorsatz fehlte. Ob dies zutrifft, ist hier nicht zu prü-

fen, denn das Gericht ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt ge-

bunden (Art. 350 Abs. 1 StPO).  

7.4 Das Bundesgericht bekennt sich in gefestigter Rechtsprechung zur Unrechtsteil-

nahmetheorie (BGE 115 IV 230 E. 2b). Demnach setzt die Gehilfenschaft eine 

strafbare Haupttat voraus. Das Unrecht, dessen Begehung der Beschuldigte 

gemäss Anklage gefördert haben soll, besteht in concreto darin, dass die Tinners 

die Herstellung von Kernwaffen gefördert haben sollen. Da sich die Strafbarkeit 

der fördernden Handlungen des Beschuldigten nur mit der Begehung dieses 

"Unrechts" begründen liesse, bleibt auch der Beschuldigte straffrei, nachdem 

feststeht, dass die Tinners ihr strafbares "Fördern" mit Aufnahme der Kooperati-

on mit den amerikanischen Diensten, d.h. ab 18. Juni 2003 nicht weiterführten. 

Der objektive Tatbestand des Art. 34 Abs. 1 lit a i.V.m. lit. c KMG im Sinne der 

gemäss Art. 344 StPO vorbehaltenen rechtlichen Würdigung ist daher nicht er-

füllt. 

7.5 Der Vorwurf eines direkten – nicht über die Tinners gehenden – Förderns der 

Herstellung von Kernwaffen durch den Beschuldigten (selbstständige Tat eines 

Einzeltäters, wie sich die Bundesanwaltschaft im Plädoyer ausdrückt) ist im an-

geklagten Sachverhalt nicht zu finden. Es sind in der Anklage für keinen Zeit-

punkt direkte Kontakte zwischen ihm und den Exponenten des libyschen Kern-

waffenprogramms umschrieben. Solche sind aufgrund der Akten auch nicht er-

kennbar. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn der Beschuldigte daran in-

teressiert gewesen sein sollte, nach dem Rückzug der Tinners einen direkten 

Verkauf seiner Entwicklung an die Exponenten des libyschen Atomprogramms 

ins Auge zu fassen. Über eine straflose Vorbereitung ging sein Handeln nicht 

hinaus. 

7.6 Im Ergebnis ist der objektive Tatbestand des Art. 34 Abs. 1 lit a i.V.m. lit. c KMG 

nicht erfüllt. 

8. Auch eine Betrachtung unter zivilrechtlichen Aspekten führte zum gleichen Er-

gebnis: 

8.1 Zwischen Marco Tinner und dem Beschuldigten bestand ab Ende 2002/Anfang 

2003 ein offenbar formloses Vertragsverhältnis. Der Beschuldigte hatte – wie 

Marco Tinner sich ausdrückt – "die Spezifikation zu studieren und eine Lösung 

und deren Kosten auszuarbeiten" (pag. 13-4-0022 f.) bzw. mit den Worten des 

- 16 - 

Beschuldigten: "Abklärung der Machbarkeit der Verwirklichung des Projektes, die 

Erarbeitung eines Konzeptes sowie die Kostenabschätzung" (pag. BA-13-01-

0012) und "Ich kam gar nie über die Planungsphase hinaus. Es wurden von mir 

keine Teile hergestellt" (pag. 13-4-0012). Marco Tinner durfte vom Beschuldigten 

die Entwicklungsarbeit, aber kein Produkt erwarten. Vielmehr liess die vertragli-

che Vereinbarung offen, ob das Produkt überhaupt realisierbar sei und ob Marco 

Tinner es dann – abhängig vom Preis – auch wirklich haben wolle. Aufgrund die-

ser Sachlage bestand zwischen den Parteien ein Auftragsverhältnis im Sinne 

von Art. 394 ff. OR, welches formlos begründet und nach Art. 404 Abs. 1 OR je-

derzeit formlos widerrufen werden konnte (Art. 11 Abs. 1 OR). 

8.2 Als Marco Tinner am 18. Juni 2003 dem Beschuldigten sagte, er arbeite jetzt für 

die amerikanischen Dienste, musste es für den Beschuldigten klar sein, dass 

sein Auftraggeber die Basis seiner bisherigen Tätigkeit aufgegeben hatte und 

somit seine (des Beschuldigten) Arbeit nicht mehr benötigte. Damit war der Auf-

trag, für ihn erkennbar, stillschweigend dahingefallen. Der Beschuldigte sagte 

diesbezüglich, damals am 22. Dezember 2005 noch als Zeuge in der Vorunter-

suchung gegen die Tinners: "Für mich war klar, dass nachdem die CIA bei ihm 

war, die Sache gelaufen ist" (pag. 12-32-041). Daran ändert nichts, dass Marco 

Tinner ihm erst ungefähr im August 2003 explizit sagte, er solle mit dem Projekt 

P64 aufhören (ebd.).  

8.3 Sobald die Zwecksetzung des Förderns eines Kernwaffenprogramms weggefal-

len war, d.h. ab 19. Juni 2003, durfte der Beschuldigte seine Arbeit, die auch zivi-

len Zwecken dienen konnte und für deren Verwendung er nun mit niemandem 

mehr in einem Vertragsverhältnis stand, ohne Weiteres weiterführen und been-

den. 

9. Fehlt es bereits am objektiven Tatbestand, so muss der subjektive nicht mehr 

geprüft werden. Der Beschuldigte ist vom Anklagevorwurf freizusprechen. 

10. Mit dem Freispruch entfällt ein Grund für eine Einziehung oder Ersatzforderung 

nach Art. 69 ff. StGB. 

11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Bund die Verfahrenskosten 

(Art. 426 Abs. 1 StPO). Diese belaufen sich in Anwendung von Art. 6 und 7 des 

Reglements des Bundesstrafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädi-

gungen in Bundesstrafverfahren vom 31. August 2010 (BStKR; SR 173.713.162) 

auf Fr. 4'500.-- Gebühren und Auslagen der Bundesanwaltschaft, wie von jener 

- 17 - 

Stelle geltend gemacht, und eine Gerichtsgebühr inkl. Auslagenpauschale von 

Fr. 500.--. 

12. Gemäss Art. 429 StPO hat die beschuldigte Person bei vollständigem oder teil-

weisem Freispruch oder bei Einstellung des Verfahrens Anspruch darauf, für ihre 

Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (lit. a) 

sowie für die wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteili-

gung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b) entschädigt zu werden und eine 

Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnis-

se, insbesondere bei Freiheitsentzug, zu erhalten (lit. c). Art. 429 StPO regelt die 

Entschädigungs- und Genugtuungsansprüche der beschuldigten Person für den 

Fall von vollständigem oder teilweisem Freispruch oder von Einstellung des 

Strafverfahrens gegen sie. Der Gesetzesartikel begründet eine Kausalhaftung 

des Staates. Der Staat muss den gesamten Schaden wieder gutmachen, der mit 

dem Strafverfahren in einem Kausalzusammenhang im Sinne des Haftpflicht-

rechts steht (GRIESSER, in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schwei-

zerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2010, Art. 429 StPO N. 2). Somit 

stellt Art. 429 StPO, soweit die Ansprüche der beschuldigten Person betreffend, 

eine in Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Verantwortlichkeit des Bundes 

sowie seiner Behördemitglieder und Beamten vom 14. März 1958 (Verantwort-

lichkeitsgesetz; VG; SR 170.32) vorbehaltene besondere Haftpflichtbestimmung 

dar. Allfällige Ansprüche dritter, nicht beschuldigter Personen hingegen werden 

aufgrund des klaren Wortlauts nicht gestützt auf Art. 429 StPO beurteilt, d.h. 

nicht vom Strafgericht. 

Gemäss Art. 429 Abs. 2 StPO prüft die Strafbehörde den Anspruch von Amtes 

wegen. Sie kann die beschuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern 

und zu belegen. Den Freigesprochenen trifft eine Mitwirkungspflicht bzw. ein 

Mitwirkungsrecht zur Bemessung der Höhe des Entschädigungsanspruchs. Be-

ziffert und belegt die beschuldigte Person trotz Aufforderung ihre Ansprüche 

nicht, so darf die Strafverfolgungsbehörde von einem impliziten Verzicht ausge-

hen. Eine Entschädigung kann dann auch in einem späteren Verfahrensschritt 

nicht mehr geltend gemacht werden (WEHRENBERG/BERNHARD, Basler Kommen-

tar, Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2011, Art. 429 StPO N. 31). 

Die Entschädigung wird im Sachurteil festgelegt (Art. 81 Abs. 4 lit. b StPO; 

BGE 139 IV 199 E. 5). 

12.1 Es besteht ein Anspruch des Beschuldigten auf Entschädigung für seine Auf-

wendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 429 

Abs. 1 lit. a StPO). Der Verteidiger macht einen Zeitaufwand von 46,7 Stunden 

- 18 - 

plus Hauptverhandlungszeit und Nachbesprechung zu einem unterschiedlichen 

Stundenansatz von Fr. 240. – und Fr. 300.–, Auslagen von Fr. 1'046. – und 8% 

Mehrwertsteuer geltend (pag. TPF 3-925-061–064).  

12.1.1 Die Entschädigung richtet sich nach dem Reglement des Bundesstrafgerichts 

über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren vom 

31. August 2010 (BStKR; SR 173.713.162). Auf die Berechnung der Entschädi-

gung der Wahlverteidigung sind die Bestimmungen über die Entschädigung der 

amtlichen Verteidigung anwendbar (Art. 10 BStKR). Gemäss Art. 11 Abs. 1 

BStKR umfasst die Entschädigung an die amtliche Verteidigung das Honorar und 

die notwendigen Auslagen, namentlich für Reise, Verpflegung und Unterkunft 

sowie Porti und Telefonspesen. Das Honorar wird nach dem notwendigen und 

ausgewiesenen Zeitaufwand des Anwalts für die Verteidigung bemessen, wobei 

der Stundenansatz mindestens 200 und höchstens 300 Franken beträgt (Art. 12 

Abs. 1 BStKR). Gemäss Art. 13 Abs. 1 BStKR werden die Auslagen aufgrund der 

tatsächlichen Kosten entschädigt, höchstens aber zu den Ansätzen nach Art. 13 

Abs. 2 BStKR. Gemäss Art. 14 BStKR kommt die Mehrwertsteuer zum Honorar 

und den Auslagen hinzu. 

12.1.2 Der Straffall warf keine ausserordentlichen Schwierigkeiten in tatsächlicher und 

rechtlicher Hinsicht auf. Der Stundenansatz wird deshalb in Anwendung des er-

wähnten Reglements für Arbeitszeit praxisgemäss auf Fr. 230.– festgesetzt. Der 

Stundenansatz für die zu vergütende Reisezeit beträgt gemäss ständiger Praxis 

des Bundesstrafgerichts Fr. 200.– (vgl. TPF SK.2007.15 vom 26. September 

2007 E. VIII).  

12.1.3 Der geltend gemachte Zeitaufwand und die geltend gemachten Auslagen er-

scheinen insgesamt angemessen. Als Reisezeit sind 9,7 Stunden auszuschei-

den, als Zeitaufwand für die Hauptverhandlung und den Nachbereitungsaufwand 

rund 7 Stunden hinzuzurechnen. Bei den Reisespesen des Verteidigers sind die 

Auto- durch Billetspesen zu ersetzen (Art. 13 Abs. 2 lit a BStKR). Mitzuberück-

sichtigen sind 8% Mehrwertsteuer. Unter Einbezug der genannten Faktoren 

ergibt sich gerundet eine Entschädigung für die Kosten einer angemessenen 

Verteidigung von Fr. 14'000.–. 

12.2 Die freigesprochene beschuldigte Person hat gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO 

auch Anspruch auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ih-

rer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind.  

12.2.1 Für seine Teilnahme an Verfahrenshandlungen (Einvernahmen, Hauptverhand-

lung) und Anwaltsterminen stellt der Beschuldigte keinen Spesenanspruch. Es ist 

offensichtlich, dass ein solcher besteht. Aus den gesamten Umständen ist zu 

- 19 - 

schliessen, dass der Beschuldigte nicht beabsichtigt, generell auf Ansprüche zu 

verzichten (vgl. nachfolgend). Anhand der aktenkundigen Termine und Reisen ist 

die entsprechende Entschädigung nach Recht und Billigkeit mit Fr. 1'000.– fest-

zulegen. 

12.2.2 Der Beschuldigte beantragt, es sei festzustellen, dass die Eidgenossenschaft 

gegenüber dem Beschuldigten aus dem vorliegenden Strafverfahren im Grund-

satz schadenersatzpflichtig sei. Einer richterlichen Feststellung rein zum grund-

sätzlichen Bestand einer Schadenersatzpflicht steht in concreto der Umstand im 

Wege, dass der Einzelrichter bereits im Vorfeld der Hauptverhandlung zum Be-

ziffern und Belegen des Anspruchs aufgefordert hatte. Eine grundsätzliche rich-

terliche Feststellung eines Anspruchs hätte wiederum bloss zur Folge, dass die-

ser anschliessend zu beziffern und zu belegen wäre, brächte also das Entschä-

digungsverfahren nicht weiter. Wie der Einzelrichter entschieden hätte, wenn der 

Beschuldigte geltend gemacht hätte, er hätte zum Beziffern und Belegen mehr 

Zeit gebraucht, muss hier nicht entschieden werden, denn solches wurde nicht 

vorgebracht. Somit kann der Hauptantrag auf grundsätzliche Feststellung von 

Schadenersatz nicht gutgeheissen werden. Es ist der Eventualantrag zu prüfen. 

12.2.3 Der Beschuldigte beantragt eventualiter, die Eidgenossenschaft sei zu verpflich-

ten, dem Beschuldigten Fr. 620'000.– zu bezahlen. Aus der handschriftlichen 

Auflistung gehen die einzelnen Positionen hervor, aus denen sich die 

Fr. 620'000.– zusammensetzen (pag. TPF 3-925-066). Dabei handelt es sich ei-

nerseits um beschlagnahmte Hard- und Software, um Datenlogger und 600 CDs, 

was – gemäss Plädoyer und Schlusswort des Beschuldigten – alles infolge der 

bundesrätlich angeordneten Vernichtung verloren sei, anderseits um Lohnkosten 

für Entwicklungsarbeiten für sich selber und C.. 

12.2.4 Trotz Aufforderung zum Beziffern und Belegen des Schadens begnügt sich der 

Beschuldigte mit einer unbelegten Auflistung der Posten. Dass bei den Haus-

durchsuchungen Hard- und Software sowie CDs mitgenommen wurden, die heu-

te nicht mehr da sind, ist aktenkundig (Verzeichnis sichergestellte Gegenstände: 

pag. 8-9-0007 f.; pag. 8-9-0022 f.). Nicht bekannt ist hingegen, zu welchem Preis 

diese Dinge angeschafft wurden, wie alt sie bei der Beschlagnahme waren, wel-

chen effektiven oder ideellen Wert sie haben. Der Einzelrichter ist somit auf eine 

Schätzung nach Ermessen angewiesen. Der Beschuldigte bezeichnet die ent-

sprechenden Werte mit (jeweils ca.) Fr. 7'000.–, Fr. 5'000.–, Fr. 6'000.–, 

Fr. 7'500.–, Fr. 4'000.–, Fr. 7'000.–, Fr. 2'000.– und Fr. 12'000.–, ausmachend to-

tal Fr. 50'500.– (pag. TPF 3-925-066). Was die Entwicklungsarbeiten von C. be-

trifft (geltend gemacht sind Fr. 240'500.–), so ist nicht bekannt, um was es sich 

handelte und ob der Beschuldigte persönlich an C. etwas bezahlt hat oder ihm 

etwas schuldet. Diesbezügliche Verträge, Rechnungen oder Buchungen wurden 

- 20 - 

nicht vorgelegt. Dasselbe gilt mutatis mutandis bezüglich eigenen Entwicklungs-

arbeiten des Beschuldigten (Fr. 338'000.–). Zudem ist nicht bekannt, ob ein 

Schaden, sollte er tatsächlich bestehen, beim Beschuldigten selbst oder bei der 

B. AG eingetreten ist. Ein Schaden bei der Letzteren wäre nicht im Verfahren 

nach Art. 429 StPO zu entschädigen, da sie nicht freigesprochene Beschuldigte 

ist (vorne E. 12). 

12.2.5 Als Folge des Gesagten schätzt der Einzelrichter die nach Art. 429 Abs. 1 lit. b 

StPO zu entschädigenden Einbussen ermessensweise auf Fr. 20'000.–.  

12.3 Der Beschuldigte beantragt eine Genugtuung von Fr. 5'000.–. Im Plädoyer be-

gründet der Verteidiger diesen Anspruch mit den zwei beim Beschuldigten 

durchgeführten Hausdurchsuchungen, der medialen Aufmerksamkeit für den Fall 

Tinner und die mentale Blockierung des Beschuldigten wegen jahrelanger 

Strafuntersuchung (pag. TPF 3-925-059 f.). 

12.3.1 Wie in Art. 429 lit. c StPO verankert, muss eine besonders schwere Verletzung 

der persönlichen Verhältnisse vorliegen, damit eine Anspruchsgrundlage für eine 

Genugtuung vorhanden ist. Was unter einer "besonders schweren Verletzung 

der persönlichen Verhältnisse" gemeint sein kann, wird z.B. durch die Art. 28 

Abs. 2 ZGB oder Art. 49 OR definiert (WEHRENBERG/BERNHARD, a.a.O., Art. 429 

StPO N. 27). Gemäss Art. 49 OR hat derjenige Anspruch auf Leistung einer 

Geldsumme als Genugtuung − sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt 

und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist −, der in seiner Persönlich-

keit widerrechtlich verletzt wurde. Art. 49 OR kommt zur Anwendung, wenn der 

Schadensverursacher aufgrund einer anderen Gesetzesbestimmung rechtswid-

rig gehandelt hat und aus Verschulden oder kausal haftet (BGE 126 III 161 

S. 167 E. 5 b). Die Verletzung der Persönlichkeit gilt stets als unerlaubte Hand-

lung (BREHM, Berner Kommentar, Obligationenrecht, Die Entstehung durch uner-

laubte Handlungen, Art. 41-61 OR, 4. überarbeitete Aufl., Bern 2013, Art. 49 OR 

N. 13). Genugtuung kann erhalten, wer an Leib und Leben, seiner persönlichen 

oder Handels- und Gewerbefreiheit, der Ehre, seiner persönlichen Sphäre, in 

seinem geistigen Eigentum, durch Vertragsverletzung oder in seiner Psyche ver-

letzt wurde (vgl. Aufzählung bei BREHM, a.a.O., Art. 49 OR). Jedoch wird nicht 

jede Verletzung der Persönlichkeit entschädigt. Vielmehr muss eine gewisse 

Schwere der Verletzung vorliegen (BREHM, a.a.O., Art. 49 OR N. 14a). Eine 

gleichzeitige Anwendung von Art. 47 und 49 OR ist möglich, da die Tatbestände 

beider Bestimmungen in einem Fall gleichzeitig eintreten können (z.B. Urteil des 

Bundesgerichts 1C.1/1998 vom 5. März 2002; der Kläger erhielt für eine zu Un-

recht erfolgte Verhaftung, die eine psychische Krankheit zur Folge hatte, nach 

seinem Freispruch eine Genugtuung aufgrund von Art. 47 OR wegen der Er-

- 21 - 

krankung und eine solche wegen der unbegründeten Verhaftung aufgrund von 

Art. 49 OR). 

12.3.2 Die zwei beim Beschuldigten durchgeführten Hausdurchsuchungen stellen als 

solche, auch wenn sie zweifelsohne für ihn unangenehm waren, keine beson-

ders schwere Verletzung im genannten Sinne dar und begründen demzufolge 

keinen Genugtuungsanspruch. 

12.3.3 Der Beschuldigte belegte trotz Aufforderung nicht, inwiefern die mediale Auf-

merksamkeit für den Fall Tinner ihn selber betreffen sollte. Selbst wenn in seiner 

nahen Umgebung aus den medial ausgebreiteten Fakten Rückschlüsse auf sei-

ne Person und sein Verhalten gezogen worden wären, sind solche nicht ohne 

Weiteres genugtuungsbegründend und ist in keiner Weise erkennbar, wieso sie 

es sein sollten. 

12.3.4 Eine mentale Blockierung des Beschuldigten wegen jahrelanger Strafuntersu-

chung ist nicht völlig ausgeschlossen, aber ebenso wenig zwingend. Indizien da-

für, dass eine solche bestanden hätte, wurden nicht vorgebracht und sind nicht 

erkennbar, sodass auch in dieser Hinsicht kein Genugtuungsanspruch besteht. 

12.4 Im Total ergibt sich somit eine Entschädigung an die beschuldigte Person zu 

Lasten der Eidgenossenschaft von Fr. 14'000.– für Verteidigung, Fr. 1'000.– für 

Spesen plus Fr. 20'000.– für wirtschaftliche Einbussen, ausmachend insgesamt 

Fr. 35'000.–. 

- 22 - 

Der Einzelrichter erkennt: 

I. 

1. A. wird vom Vorwurf der Förderung der Herstellung von Kernwaffen (Art. 34 Abs. 1 lit. 

c i.V.m. lit. a KMG) freigesprochen. 

2. Es wird keine Ersatzforderung begründet. 

3. Die Kosten des Verfahrens in der Höhe von Fr. 5'000.– (inkl. Fr. 500.– Gerichtsge-

bühr) werden von der Eidgenossenschaft getragen.  

4. A. wird von der Eidgenossenschaft mit Fr. 35'000.– entschädigt. Die weitergehenden 

Begehren werden abgewiesen. 

 

II. 

Dieses Urteil wird in der Hauptverhandlung eröffnet und durch den Einzelrichter münd-

lich begründet. Den Parteien wird das Urteilsdispositiv ausgehändigt.  

 

 

Im Namen der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter Der Gerichtsschreiber 

Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an: 

- Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde (vollständig) 

 

Eine vollständige schriftliche Ausfertigung wird zugestellt an 

- Bundesanwaltschaft, Staatsanwalt des Bundes Peter Lehmann 

- Rechtsanwalt Christoph Zobl (Verteidiger von A.) 

- 23 - 

Rechtsmittelbelehrung  

Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Strafkammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bundes-
gericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Ausfertigung Beschwer-

de eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). 

Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a 
und b BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist 
oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für 
den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). 

 

 Versand: 25.11.2014