# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f4b6b45-9211-5f37-8962-4de19ceacb8e
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-03
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 03.02.2021 (publiziert) 63/2013/21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_63-2013-21_2021-02-03.pdf

## Full Text

2014 

1 

Art. 41 ATSG; § 15 KVD; § 15 Abs 2 KVV/SH. Prämienverbilligung; 

Wiederherstellung der Antragsfrist (OGE 63/2013/21 vom 20. Juni 2014) 

 

Veröffentlichung im Amtsbericht 

 

 Die Frist zur Einreichung des Prämienverbilligungsgesuchs kann wie-

derhergestellt werden. Für das Wiederherstellungsverfahren ist Art. 41 ATSG 

als subsidiäres kantonales Verfahrensrecht sinngemäss anwendbar. 

 Im vorliegenden Fall kann offenbleiben, ob der Krankheitszustand des 

Versicherten einen Wiederherstellungsgrund dargestellt habe. Der Versicher-

te hat jedenfalls nach Wegfall des Hindernisses nicht rechtzeitig um Wieder-

herstellung ersucht. 

 

 Am 16. Januar 2013 stellte X. beim Sozialversicherungsamt Schaff-

hausen/AHV-Ausgleichskasse das Gesuch um Prämienverbilligung in der 

Krankenversicherung für das Jahr 2012. Die Ausgleichskasse verfügte hier-

auf, X. stehe wegen verspäteter Einreichung des Anmeldeformulars keine 

Prämienverbilligung zu. Eine hiegegen gerichtete Einsprache wies sie ab. X. 

erhob Beschwerde ans Obergericht; er ersuchte unter anderem um Wieder-

herstellung der Anmeldefrist. Das Obergericht wies die Beschwerde ab. 

 

Aus den Erwägungen: 

 

 2.–  a)  Anspruch auf Prämienverbilligung haben Personen mit steuer-

rechtlichem Wohnsitz im Kanton Schaffhausen, die durch die Prämien der 

obligatorischen Krankenversicherung stark belastet sind (§ 9 Abs. 1 KVD
1
).  

 Die kantonale Steuerbehörde stellt der AHV-Ausgleichskasse die zur Er-

mittlung der Beitragsberechtigung benötigten Steuer- und Personendaten der-

jenigen Personen, die nach ihrem Kenntnisstand Anspruch auf Prämienverbil-

ligung haben, zur Verfügung (§ 14 Abs. 1 Satz 1 KVD). Personen, die dabei 

nicht berücksichtigt wurden und einen Anspruch geltend machen wollen, 

müssen bei der Ausgleichskasse ein Antragsformular einfordern (§ 15 Abs. 1 

KVD). Die Anträge sind innerhalb der durch Verordnung des Regierungsrats 

festgelegten Frist bei der Ausgleichskasse einzureichen (§ 15 Abs. 2 KVD). 

                                              
1
  Dekret über den Vollzug des Krankenversicherungsgesetzes vom 10. Juni 1996 (KVD, 

SHR 832.110). 

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2 

Beim Vorliegen wichtiger Gründe kann die ordentliche Frist durch die Aus-

gleichskasse erstreckt werden (§ 15 Abs. 2 KVV/SH
2
). Wird innerhalb der ge-

setzten Frist kein Antrag eingereicht, ist der Anspruch auf Prämienverbilli-

gung verwirkt (§ 15 Abs. 3 KVD). 

 Für die hier in Frage stehende Prämienverbilligung 2012 war die ordent-

liche Frist zur Einreichung der Anträge der 30. Juni 2012. Letzte Nachfrist 

beim Vorliegen wichtiger Gründe war der 15. August 2012 (Anhang Ziff. 4 

Abs. 1 lit. b und lit. c KVV/SH, Fassung vom 13. Dezember 2011
3
).  

 b)  Der Beschwerdeführer hat den Antrag auf Prämienverbilligung für 

2012 unbestrittenermassen erst am 16. Januar 2013 und damit rund fünf Mo-

nate nach Ablauf der festgesetzten letzten Nachfrist eingereicht. Vom Zeit-

ablauf her war der Anspruch somit grundsätzlich verwirkt. 

 c)  Der Beschwerdeführer ist der Meinung, er habe Anspruch auf Wie-

derherstellung der Frist, weil er im fraglichen Zeitraum aus gesundheitlichen 

Gründen nicht in der Lage gewesen sei, seine Verantwortung wahrzunehmen 

und dem Antragsprinzip gerecht zu werden. 

 Die Ausgleichskasse macht dagegen geltend, die vorgesehene letzte 

Nachfrist für die Antragsstellung schliesse eine nachträgliche Wiederherstel-

lung der Frist aus. Diese Spezialbestimmung gehe den allgemeinen Be-

stimmungen über die Wiederherstellung einer Frist vor. Der Gesetzgeber hät-

te auf das Gewähren einer Nachfrist verzichten können, wenn auch zu einem 

späteren Zeitpunkt noch zu prüfen wäre, ob allenfalls Gründe für das Wieder-

herstellen einer (ausserordentlichen) Frist vorlägen. 

 Das Obergericht hat schon bei anderer Gelegenheit darauf hingewiesen, 

dass die speziellen Vorschriften über die Ansetzung der Frist zur Einreichung 

des Gesuchs um Prämienverbilligung den allgemeinen Verfahrensbestim-

mungen über das Ansetzen von Fristen vorgehen. Dabei wird aber gemäss 

Wortlaut lediglich die – nur beschränkt mögliche – Erstreckung dieser spezi-

fischen Frist geregelt. Nicht geregelt wird die allfällige Wiederherstellung der 

Frist, wenn sie nicht eingehalten wird. Zwischen Fristerstreckung und Frist-

wiederherstellung ist zu unterscheiden. Aus dem Umstand als solchem, dass 

die Möglichkeit einer Fristwiederherstellung im Krankenversicherungsdekret 

und in der Vollzugsverordnung nicht erwähnt wird, kann nicht geschlossen 

werden, dass eine Wiederherstellung nach Ablauf der Nachfrist nicht mehr 

möglich sei. Vielmehr entspricht es einem allgemeinen Rechtsgrundsatz, dass 

eine nicht gewahrte Frist unter bestimmten Voraussetzungen wiederherge-

                                              
2
  Verordnung über den Vollzug des Krankenversicherungsgesetzes vom 9. Juli 1996 

(KVV/SH, SHR 832.111). 
3
  ABl 2011, S. 1738. 

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3 

stellt werden kann. Deshalb ist die Fristwiederherstellung auch zulässig, wenn 

das Gesetz sie nicht vorsieht.
4
 Nach der Rechtsprechung des Obergerichts ist 

daher eine Wiederherstellung der Frist zur Einreichung des Prämienverbilli-

gungsgesuchs prinzipiell zulässig.
5
 Es besteht kein Grund, diese Praxis hier in 

Frage zu stellen. 

 d)  Das Verfahren zur Durchführung der Prämienverbilligung richtet sich 

nach kantonalem Recht. Insbesondere ist das eidgenössische ATSG
6
 – mit 

den darin geregelten Verfahrensbestimmungen – grundsätzlich nicht anwend-

bar (Art. 1 Abs. 2 lit. c KVG
7
). Das Obergericht ist daher seinerzeit ohne nä-

here Prüfung davon ausgegangen, dass für die Fristwiederherstellung die für 

das kantonale verwaltungsinterne Verfahren geltende Bestimmung von 

Art. 11 VRG
8
 analog anwendbar sei. Ob das tatsächlich zutreffe, war insoweit 

unerheblich, als die Voraussetzungen für eine Wiederherstellung ohnehin 

nicht als erfüllt betrachtet wurden. 

 Im Kanton Schaffhausen wird die Durchführung der Prämienverbilligung 

insbesondere im Krankenversicherungsdekret geregelt. Soweit dieses keine 

Regelung enthält, werden die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Al-

ters- und Hinterlassenenversicherung
9
 sinngemäss angewendet (§ 26 KVD). 

Dieses bezeichnet seinerseits die Bestimmungen des ATSG als anwendbar, 

soweit es nicht ausdrücklich eine Abweichung davon vorsieht (Art. 1 Abs. 1 

AHVG). Auf das kantonale Prämienverbilligungsverfahren ist demnach das 

ATSG als subsidiäres kantonales Verfahrensrecht sinngemäss dennoch an-

wendbar. 

 e)  Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeter-

weise abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wieder her-

gestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall 

des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt 

(Art. 41 ATSG). 

                                              
4
  Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 41 N. 4, S. 526, mit 

Hinweisen. 
5
  OGE 63/2013/3 vom 31. Dezember 2013, E. 2c; vgl. schon OGE 63/2011/2 vom 14. Dezem-

ber 2012, E. 2b. 
6
  Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 

(ATSG, SR 830.1). 
7
  Bundesgesetz über die Krankenversicherung vom 18. März 1994 (KVG, SR 832.10). 

8
  Gesetz über den Rechtsschutz in Verwaltungssachen vom 20. September 1971 (Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRG, SHR 172.200). 
9
  Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 

(AHVG, SR 831.10). 

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4 

 Das Gesetz lässt demnach die Wiederherstellung nur zu, wenn der Partei 

(und gegebenenfalls ihrer Vertretung) kein Vorwurf gemacht werden kann. 

Ein Krankheitszustand bildet nach der Rechtsprechung ein unverschuldetes, 

zur Wiederherstellung führendes Hindernis, wenn und solange er jegliches 

auf die Fristwahrung gerichtetes Handeln verunmöglicht. Die Erkrankung 

muss derart sein, dass der Rechtsuchende durch sie davon abgehalten wird, 

innert Frist selbst zu handeln oder eine Drittperson mit der Vornahme der 

Prozesshandlung zu betrauen. Demzufolge dauert das Hindernis nur solange 

an, als der Betroffene wegen seiner körperlichen oder geistigen Beeinträchti-

gung weder selbst die Rechtshandlung vornehmen noch einen Dritten be-

auftragen kann. Eine Fristwiederherstellung wird nach der bundesgericht-

lichen Praxis nur gewährt, wenn die darum ersuchende Partei klarerweise kein 

Verschulden an der Säumnis trifft und sie auch bei gewissenhaftem Vorgehen 

nicht rechtzeitig hätte handeln können. Dabei gilt ein strenger Massstab.
10

  

 Das Hindernis gilt dann als weggefallen, wenn die Fristversäumnis er-

kannt wird oder wenn der Grund, durch welchen die Handlungsunfähigkeit 

verursacht wurde (z.B. Krankheit) weggefallen ist. Im Gesuch ist der Grund, 

auf den die Fristversäumnis zurückzuführen ist, zu nennen.
11

  

 f)  Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei seit längerer Zeit gesund-

heitlich angeschlagen … Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, sich um sei-

ne administrativen Pflichten zu kümmern und die Verantwortung für seine 

materielle Basis zu übernehmen. Daher sei er nicht in der Lage gewesen, dem 

Antragsprinzip gerecht zu werden. Er habe Briefe nicht geöffnet, weil er sich 

von der Beantwortung überfordert gefühlt habe. Weil er die Beantwortung des 

EL-Revisionsfragebogens immer hinausgeschoben habe, sei die Auszahlung 

der Ergänzungsleistung per 1. Februar 2012 eingestellt worden. Da er bis Ja-

nuar 2012 die Prämienverbilligung immer über die Ergänzungsleistungen er-

halten habe, habe er nicht gewusst, dass er die Prämienverbilligung beim So-

zialversicherungsamt hätte beantragen müssen. Erfahrungsgemäss dauere es 

bei sozialen Destabilisierungen wie beim Beschwerdeführer länger, bis das 

Umfeld und die Krankheitsbetroffenen selbst reagierten, als für das Ein-

reichen der Prämienverbilligung zur Verfügung stehe. Die Androhung der 

Wohnungskündigung allein habe nicht ausgereicht, um den Beschwerdeführer 

zur Inanspruchnahme von Unterstützung zu bewegen. Es habe zusätzlich die 

Bestrebungen seiner Betreuungspersonen … gebraucht, bis er im September 

2012 widerstrebend bei der Fachstelle für Gesundheitsförderung, Prävention 

und Suchtberatung angeklopft und sich entschieden habe, deren Unter-

stützung anzunehmen und ihr die Einkommensverwaltung zu übergeben.  

                                              
10

  BGer 6B_318/2012 vom 21. Januar 2013, E. 1.2, mit Hinweisen. 
11

  Kieser, Art. 41 N .10, S. 527. 

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 Der Beschwerdeführer hat sodann ein ärztliches Zeugnis eingereicht. 

Darin wird ausgeführt, der Beschwerdeführer leide seit vielen Jahren an einer 

depressiven Erkrankung, welche schliesslich auch zur Arbeitsunfähigkeit und 

Invalidisierung geführt habe. ... Dadurch sei er in ein apathisches, reaktions-

loses Verhalten hineingeraten, wo er sämtliche sozialen und schriftlichen An-

forderungen der Umwelt nicht mehr beantwortet habe. Er habe auch keine 

komplementäre Hilfe aktiv in Anspruch genommen. Durch die eingerichtete 

Vermögensverwaltung bei der Fachstelle für Gesundheitsförderung, Prä-

vention und Suchtberatung bestehe nun die Hoffnung, die Problemberge nicht 

noch grösser anwachsen zu lassen.  

 Es kann offenbleiben, ob die geschilderten gesundheitlichen Probleme 

als andauerndes Hindernis zu betrachten seien, welches dem Beschwerde-

führer jegliches auf die Fristwahrung gerichtetes Handeln verunmöglicht habe 

und damit im Grundsatz einen Wiederherstellungsgrund darstelle. Der Be-

schwerdeführer hat jedenfalls im September 2012 die Unterstützung seiner 

nunmehrigen Vertreterin angenommen und ihr die Vermögensverwaltung 

übergeben. Damit ist aber das Hindernis weggefallen. Wieso der Beschwerde-

führer das Gesuch um Prämienverbilligung trotz der nunmehrigen Unter-

stützung durch seine Vertreterin erst vier Monate später stellen konnte, tut er 

nicht dar. Im Gesuchsformular hat er sodann nicht darauf hingewiesen, aus 

welchem Grund er die Frist nicht eingehalten habe. Soweit ersichtlich, hat er 

erst in der Einspracheschrift, d.h. weitere drei Monate später, die seinerzeiti-

gen gesundheitlichen Probleme zum ersten Mal erwähnt. 

 Selbst wenn die seinerzeitige gesundheitliche Einschränkung tatsächlich 

als Wiederherstellungsgrund zu betrachten wäre, ist somit jedenfalls nicht 

dargetan, dass der Beschwerdeführer nach Wegfall des Hindernisses recht-

zeitig um Wiederherstellung ersucht habe. Die versäumte Eingabefrist kann 

daher nicht wiederhergestellt werden. 

 g)  Die Ausgleichskasse ist demnach zu Recht davon ausgegangen, dass 

dem Beschwerdeführer wegen verspäteter Einreichung des Gesuchs keine 

Prämienverbilligung zustehe. Die Beschwerde erweist sich damit als un-

begründet; sie ist abzuweisen.