# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e202cb21-b9e9-570a-ac3c-f021fd6e5423
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-06-06
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 06.06.2017 SB160507
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB160507_2017-06-06.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    

 

 

Geschäfts-Nr.: SB160507-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, die Oberrichterinnen  

Dr. Janssen und lic. iur. Affolter sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. Karabayir 

 
Urteil vom 6. Juni 2017 

 

in Sachen 

 

A._____,  

Privatkläger und Erstberufungskläger 

 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Kaegi,  

Anklägerin und Zweitberufungsklägerin 

 

gegen 

 
B._____,  

Beschuldigter und Drittberufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 
betreffend schwere Körperverletzung etc. 

 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 
28. September 2016 (DG160161) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 17. Mai 

2016 (Urk. 31) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der schweren Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 Abs. 2 StGB (Anklageziffer 1.2). 

2. Von den Vorwürfen der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB und des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe 

an Kinder im Sinne von Art. 136 StGB (Anklageziffer 1.1) wird der Beschul-

digte freigesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 356 Tage durch Haft erstanden sind. 

4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Schadenersatz in der 

Höhe von Fr. 2'135.– zuzüglich 5% Zins ab 2. März 2016 (mittlerer Verfall) 

zu bezahlen. 

Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privat-

kläger aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist und es wird vorgemerkt, dass sich der Privatkläger die Gel-

tendmachung weiterer Schadenersatzforderungen vorbehält. 

5.  Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 25'000.– zuzüglich 

5 % Zins ab 2. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

6.  Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 10. Mai 2016 beschlagnahmten und derzeit beim Forensischen Institut 

Zürich lagernden Gegenstände: 

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–  2 Holzstäbe (Asservat-Nr. A008'623'447 und A008'623'469), 

–  1 Hosengurt Marke "Appenzeller Chüeligurt" (Asservat-
Nr. A008'629'729), 

–  1 Rucksack (Asservat-Nr. A008'740'645) 

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf 

erstes Verlangen herausgegeben und nach unbenutztem Ablauf einer drei-

monatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet. 

7.  Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 7. Dezember 2015 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse 

lagernden Gegenstände: 

–  1 Mobiltelefon der Marke Samsung GT-E1050 inkl. Netzteil (Asservat-
Nr. A008'623'356), 

–  1 Mobiltelefon der Marke Samsung GT-E2200 (Asservat-Nr. 
A008'623'390), 

–  1 Mobiltelefon der Marke Apple iPhone 4S inkl. Schutzhülle, Netzteil 
sowie USB-Kabel (Asservat-Nr. A008'623'425) 

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf 

erstes Verlangen herausgegeben und nach unbenutztem Ablauf einer drei-

monatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet. 

8. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

7. Januar 2016 beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse lagernde 

Pfefferspray der Marke "TW 1000" inkl. Gehäuse schwarz wird dem Privat-

kläger nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben und nach unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist von 

der Lagerbehörde vernichtet. 

9.  Die beiden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

10. Mai 2016 beschlagnahmten und derzeit beim Forensischen Institut Zü-

rich lagernden Bambusstöcke (Asservat-Nr. A008'468'551) werden der La-

gerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

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10.  Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 8'000.–   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 316.60   Auslagen (Gutachten) 

Fr. 1'350.–   Auslagen Polizei 

Fr. 42.–   Zeugenentschädigung 

Fr. 11'813.70   Vertreter Privatkläger (RA X._____) 

Fr. 16'870.70   amtliche Verteidigung RA Y._____ 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11.  Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechts-

beistandes des Privatklägers, werden dem Beschuldigten zu 3/4 auferlegt. 

Die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen. 

Die dem Beschuldigten auferlegten Kosten der amtlichen Verteidigung und 

des unentgeltlichen Rechtsbeistandes des Privatklägers werden einstweilen 

auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 138 StPO. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 85 S. 1 f.) 

" 1. Dispositiv Ziffern 1, 3, 4, 5, und 11 des Urteils des Bezirksgerichts 
Zürich, 2. Abteilung, vom 28. September 2016 (Geschäfts-Nr. 
DG160161) seien aufzuheben.  

 2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der schweren Körperverletzung 
(Art. 122 Abs. 2 StGB) freizusprechen.  

 3. Für die erlittene Haftzeit sei dem Beschuldigten eine angemesse-
ne Entschädigung und Genugtuung zuzusprechen. 

 4. Die Untersuchungskosten, die erst- und zweitinstanzlichen Ge-
richtskosten sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung und der 

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unentgeltlichen Geschädigtenvertretung seien auf die Staatskas-
se zu nehmen.  

 5.1. Eventualiter sei der Beschuldigte der schweren Körperverletzung 
i.S. von Art. 122 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig 
zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von maximal 20 Mona-
ten zu bestrafen.  

 5.2. Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug zu gewähren 
unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.  

 5.3. Die dem Geschädigten zu leistende Genugtuung sei auf maximal 
Fr. 10'000.--, nebst Zins zu 5 % ab 2.8.2015, festzusetzen.  

 5.4. Die Untersuchungskosten, die erst- und zweitinstanzlichen Ge-
richtskosten sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung und der 
unentgeltlichen Geschädigtenvertretung seien dem Beschuldigten 
teilweise aufzuerlegen, doch seien diese Kosten angesichts der 
finanziellen Situation des Beschuldigten unter dem Nachforde-
rungsvorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 StPO 
einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen."  

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:  

(Urk. 82 S. 1) 

" 1. Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils betreffen den Schuld-
spruch der vollendeten schweren Körperverletzung im Sinne von 
Art. 122 Abs. 2 StGB gemäss Urteils-Dispositiv Ziffer 1.  

 2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren zu be-
strafen.  

 3. Es seien dem Beschuldigten sämtliche Kosten dieses Verfahrens, 
inklusive Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechts-
beistandschaft seien auf die Staatskasse zu nehmen."  

c) Des Vertreters der Privatklägerschaft: 

(Urk. 83 S. 1) 

" 1.  In Abänderung von Ziffer 5 des Urteils vom 28. September 2016, 
sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger den Betrag 
von CHF 60'000 nebst 5% Zins seit 2. August 2015 als Genugtu-
ung zu bezahlen.  

 2. Eventualiter sei die Anklage an die StA zur Ergänzung des Ankla-
gesachverhalts zurückzuweisen.  

 3. Kostenauflage Beschuldigter." 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung 

1. Die Verfahrensgeschichte und der Prozessverlauf vor erster Instanz ergeben 

sich aus dem angefochtenen Urteil (Urk. 71 S. 4-6).  

Die eingeklagten Handlungen ereigneten sich am 2. August 2015. Am 9. Oktober 

2015, 06.00 Uhr, kam es zur Verhaftung des Beschuldigten. Mit Verfügung des 

Bezirksgerichtes Zürich, Zwangsmassnahmengericht, vom 10. Oktober 2015 wur-

de der Beschuldigte in Untersuchungshaft versetzt, welche zweimal verlängert 

wurde (Urk. 25/10 und 25/11; Urk. 25/14 und 25/16). Am 30. Mai 2016 ordnete 

das Bezirksgericht Zürich, Zwangsmassnahmengericht, die Sicherheitshaft an 

(Urk. 33). Aktuell befindet sich der Beschuldigte in der Justizvollzugsanstalt 

Pöschwies (Urk. 88). 

2.   Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 28. September 2016 

wurde der Beschuldigte der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

Abs. 2 StGB schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren unter 

Anrechnung der bis dahin erstandenen Haft bestraft. Von den Vorwürfen der ein-

fachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und des Ver-

abreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder im Sinne von Art. 136 

StGB sprach das Gericht den Beschuldigten frei. Der Beschuldigte wurde ver-

pflichtet, dem Privatkläger Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2'135.– und eine 

Genugtuung von Fr. 25'000.– zu bezahlen, je zuzüglich Zins ab dem schädigen-

den Ereignis. Weiter entschied die Vorinstanz über das Schicksal zahlreicher be-

schlagnahmter Gegenstände (Urk. 71 S. 54 ff.).  

3.1 Gegen dieses Urteil meldeten alle Parteien rechtzeitig Berufung an: der Pri-

vatkläger mit Eingabe vom 29. September 2016 (Urk. 61), die Staatsanwalt-

schaft IV mit Eingabe vom 30. September 2016 (Poststempel 3. Oktober 2016; 

Urk. 62) und der Verteidiger mit Eingabe vom  5. Oktober 2016 (Urk. 64). Das 

schriftliche Urteil in begründeter Fassung wurde den Parteien am 12. Dezember 

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2016 zugestellt (Urk. 70/1-3). Daraufhin erstatteten wiederum alle Parteien fristge-

recht ihre vom 15., 16. resp. 22. Dezember 2016 datierten Berufungserklärungen 

(Urk. 72, 73 und 74). Auf entsprechende Fristansetzung verzichtete die Staatsan-

waltschaft auf Anschlussberufung und hielt an ihren Anträgen in der eigenständi-

gen Berufung vom 15. Dezember 2016 fest (Urk. 78). Der Privatkläger und der 

Beschuldigte liessen sich nicht vernehmen.  

Beweisanträge wurden keine gestellt.  

3.2 Am 24. März 2017 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 6. Juni 2017 

vorgeladen (Urk. 80).  

4.1 Von der Verteidigung angefochten sind die Dispositivziffern 1 (Schuld-

spruch), 3 (Sanktion), 4 (Schadenersatz), 5 (Genugtuung) und 11 (Kostenaufla-

ge). Verlangt wird ein Freispruch sowie eine angemessene Entschädigung und 

Genugtuung für die erlittene Haftzeit. Für den Eventualfall eines Schuldspruchs 

wegen schwerer Körperverletzung wird eine Bestrafung mit maximal 20 Monaten 

bedingter Freiheitsstrafe beantragt (Urk. 74; Urk. 85). Der Privatkläger ficht die 

Dispositivziffer 5 des vorinstanzlichen Urteils an und macht eine Genugtuung von 

Fr. 60'000.– zuzüglich Zins geltend (Urk. 73; Urk. 83). Die Staatsanwaltschaft be-

antragt eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren (Urk. 72; Urk. 82).  

4.2 Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den folgenden Dispositivziffern in 

Rechtskraft erwachsen: 2 (Freisprüche), 6 - 9 (Beschlagnahmungen) und 10 

(Kostenfestsetzung). Das ist vorab mit Beschluss festzustellen.  

5. Auf die Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung ist im Rahmen 

der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 

Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in 

seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Ent-

scheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Partei-

standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-

drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen 

Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt 

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werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-

scheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; BGE 141 III 28 E. 3.2.4; BGE 139 IV 179 

E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_957/2016 bzw. 

6B_1022/2016 vom 22. März 2017 und 6B_401/2015 vom 16. Juli 2015 E. 1.1; je 

mit Hinweisen). 

II. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Der eingeklagte Sachverhalt der im Berufungsverfahren noch strittigen Anklage-

ziffer 1.2 findet sich in der Anklageschrift (Urk. 31 S. 3 f.) und zusammengefasst 

im angefochtenen Urteil (Urk. 71 S. 23 f.). 

2. Standpunkt des Beschuldigten 

Betreffend den objektiven Sachverhalt anerkennt der Beschuldigte, dem Privat-

kläger unbemerkt nachgefolgt zu sein, als dieser zwischen 20 Uhr und 21 Uhr die 

Wiese vor der ...anlage C._____ verliess und sich via die D._____-Strasse auf 

den Heimweg begab; ferner, dass er diesem einmal mit einem Gürtel von oben 

herab auf die Hände geschlagen hat sowie mit einem ca. 1 Meter langen Bam-

busstock, den er mit beiden Händen hielt, einmal von vorne horizontal gegen den 

Privatkläger gestochen und ihn am linken Auge verletzt hat. Weiter anerkennt der 

Beschuldigte die in der Anklageschrift aufgelisteten Verletzungen des Privatklä-

gers als vollständig richtig (Urk. 11/2 S. 8  f. und 14; Urk. 11/3 S. 3, 9, 12 und 16; 

Prot. I S. 16 ff.; Prot. II S. 11 ff.). Weitere Attacken mit einem nicht näher bekann-

ten Holzstock von hinten oder von vorne gegen Oberkörper und Kopf des Privat-

klägers und erneutes mehrmaliges Einstechen mit dem Bambusstab in Richtung 

Kopf des Privatklägers bestreitet der Beschuldigte jedoch. 

In subjektiver Hinsicht macht er geltend, sich infolge Lebensgefahr lediglich ver-

teidigt bzw. auf einen unmittelbar drohenden Angriff des Geschädigten den Bam-

busstock zum Einsatz gebracht und deshalb damit zugestochen zu haben. Es sei 

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alles aus Instinkt passiert; er habe den Privatkläger nicht derart am Auge verlet-

zen wollen (Urk. 11/3 S. 12; Prot. I S. 22 f.; Prot. II S. 11-13). 

3. Allgemeine Beweisregeln 

3.1 Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere mit den Grund-

sätzen "in dubio pro reo" und der freien Beweiswürdigung sowie mit der (generel-

len) Glaubwürdigkeit von Personen und der Glaubhaftigkeit von Aussagen hat 

sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass vorab darauf verwie-

sen werden kann (Urk. 71 S. 7 f., 10 f.).  

3.2 Bezüglich der Glaubwürdigkeit des Privatklägers erwog die Vorinstanz unter 

anderem, dass er eigene, auch finanzielle Interessen am Ausgang des Verfah-

rens habe, denn er mache Schadenersatz- und (hohe) Genugtuungsansprüche 

geltend. Aufgrund der gestellten Zivilansprüche könne ihm ein finanzielles Inte-

resse am Verfahrensausgang nicht abgesprochen werden (Urk. 71 S. 10 f.). Das 

trifft zwar grundsätzlich zu, ist aber zu relativieren.  

Zum einen handelt es sich bei den erhobenen Zivilforderungen um eine der übli-

chen Konsequenzen eines unheilvollen Ereignisses wie des vorliegenden. Die 

medizinischen Folgen des Vorfalls werden vom Beschuldigten allesamt aner-

kannt. Im Übrigen war es nicht der Privatkläger selber, der Anzeige (zunächst ge-

gen Unbekannt) erstattete, sondern dies geschah durch eine Fachperson von der 

Augenklinik des Universitätsspitals Zürich (vgl. Urk. 71 S. 4), was zeigt, dass es 

dem Privatkläger jedenfalls nicht darum geht, den Beschuldigten finanziell auszu-

nehmen. Auch ist keine nähere persönliche Beziehung des Privatklägers zum Be-

schuldigten ersichtlich; die Beiden kennen sich nur vom Sehen. Wenn der Privat-

kläger im Nachhinein schlecht auf den Beschuldigten zu sprechen ist und sich 

negativ über dessen Person äussert (vgl. Urk. 12/2 S. 6 und 12/3 S. 10 ff.), kann 

ihm dies nicht verübelt werden. Ohnehin weitaus bedeutender für die Wahrheits-

findung als die allgemeine Glaubwürdigkeit der einvernommenen Person ist die 

Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage (BGE 133 I 33 E. 4.3, Urteil des Bundes-

gerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Insgesamt 

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ist daher festzuhalten, dass die Glaubwürdigkeit des Privatklägers, des Beschul-

digten und des Zeugen E._____ auf der gleichen Stufe anzusiedeln ist. 

3.3 Zur Glaubhaftigkeit von Aussagen ist anzufügen, dass als Kennzeichen 

wahrheitsgetreuer Aussagen sind namentlich die innere Geschlossenheit und 

Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufes, spontane, detailrei-

che Schilderungen, individuell geprägte, originelle oder aussergewöhnliche Ge-

schehnisse enthaltende Äusserungen und die Verflechtung der Aussage mit be-

wiesenen Umständen und inhaltliche Konstanz des für den Befragten subjektiv 

Wichtigen zu werten. Demgegenüber führen innere Hemmungen und die Gefahr, 

entdeckt zu werden, insbesondere beim nicht die Wahrheit Aussagenden zu einer 

unklaren, zweideutigen, blassen und strukturbrüchigen Aussage sowie zu einer im 

Tatsachenkern mageren Kurzaussage. Auf eine nicht glaubhafte Aussage weist 

vor allem das Fehlen von Realitätskriterien, aber auch das Vorhandensein soge-

nannter Fantasie- oder Lügensignale hin (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der 

Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] S. 53 ff.; BENDER/NACK/TREU-

ER, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, 

Vernehmungslehre, 3. Aufl., München 2007, N 310 ff. und N 350 ff.). Als Indizien 

für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen gelten ferner Unstimmigkeiten  

oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, unklare oder ausweichende 

Antworten, gleichförmige oder eingeübt wirkende Aussagen (HAUSER, Der Zeu-

genbeweis im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, 

S. 316). 

4. Beweismittel  

Zur Erstellung des strittigen Sachverhalts dienen insbesondere die Aussagen des 

Beschuldigten (Urk. 11/1-3 und Prot. I S. 16 ff.; Prot. II S. 11 ff.) und des Privat-

klägers (Urk. 12/1-3) sowie teilweise jene des Zeugen E._____ (Urk. 13/1-2). Als 

weitere Beweismittel zu nennen sind die Kurz- und Spurenberichte des Forensi-

schen Instituts Zürich (Urk. 9/1-5) sowie der ärztliche Bericht der Augenklinik des 

Universitätsspitals Zürich vom 15. Oktober 2015 (Urk. 10/7). Die von beiden Be-

teiligten beantragte Auswertung der Videoaufnahme der Tatortumgebung lieferte 

keine sachdienlichen Resultate (Urk. 11/2 S. 10; Urk. 12/1 S. 2: Urk. 16/1). 

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5. Aussagen des Privatklägers und Würdigung 

Die Aussagen des Privatklägers wurden von der Vorinstanz einlässlich und kor-

rekt dargestellt (Urk. 71 S. 29-31; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammenfassend und 

teilweise ergänzend hat der Privatkläger das Geschehen wie folgt geschildert:  

5.1 Bei seiner ersten Befragung als Auskunftsperson durch die Stadtpolizei im 

…spital ... vom 17. August 2015 (Urk. 12/1) berichtete er, auf dem Heimweg von 

einem Treffen mit Kollegen am Zürichsee habe er in der D._____-Strasse plötz-

lich von hinten ein Geschrei vernommen und sei von einer Person von hinten mit 

einer Holzstange oder so etwas Ähnlichem attackiert worden. Der erste Schlag 

habe seinen Rucksack getroffen, danach habe er sich mit diesem geschützt. Von 

diesen Schlägen habe er keine Verletzungen davongetragen (Urk. 12/1 S. 2 f.). 

Auf einmal sei der Mann (dessen Rufname er kannte, den er beschreiben konnte 

und welcher sich als der Beschuldigte entpuppte; vgl. auch Urk. 12/2 S. 5, 7 und 

Urk. 12/2/1) weg gewesen und nach rund zwei bis drei Sekunden wieder aufge-

taucht und habe ihm mit etwas ins Auge gestochen. Er glaube, dass der Beschul-

digte den Bambusstecken geholt habe, um ihn zu verletzen, weil er gemerkt habe, 

dass dieser ihn anders nicht verletzen könne. Der Privatkläger sprach von nur ei-

nem Stich direkt ins Auge und dass ab diesem Moment alles sehr konfus gewe-

sen sei und er sich nicht mehr genau erinnern könne. Am nächsten Tag sei er 

aufgewacht und habe sich verletzt gefühlt, weshalb er zum Augenarzt gegangen 

sei, der ihn ins Spital geschickt habe. Danach gefragt, weshalb er nicht direkt die 

Polizei kontaktiert habe, erklärte er, in den ersten Tagen unter Schock gestanden 

und nicht realisiert zu haben, was eigentlich passiert sei (Urk. 12/1 S. 3 f.). Der 

Privatkläger erwähnte schon ab dieser ersten Einvernahme auch, dass es mit 

dem Beschuldigten zuvor eine Diskussion gegeben habe (vgl. Urk. 31 S. 2 f., An-

klagesachverhalt 1.1; Urk. 12/1 S. 3 und Urk. 12/3 S. 5). 

5.2 Anlässlich der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 15. September 2015 

(Urk. 12/2) bestätigte der Privatkläger seine Ausführungen vom ersten Mal. Auf 

entsprechende Frage beschrieb er das Tatgeschehen so, dass der Beschuldigte 

zunächst von hinten fünf bis sechs Mal mit einem unbekannten Gegenstand, wie 

ein Holz, auf ihn eingeschlagen habe, zuerst auf seinen Rucksack. Diesen habe 

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er dann genommen und sich einigermassen schützen und so verteidigen können. 

Nach einer Weile habe der Beschuldigte diesen Bambusspeer geholt. Wegen sei-

ner Kurzsichtigkeit und weil es schon Nacht gewesen sei, habe er nicht identifizie-

ren können, womit der Beschuldigte auf ihn zugekommen sei. Aus einer Entfer-

nung von ca. 1 - 1 ½ Meter habe er einen Stich im Auge verspürt und einen gros-

sen Schmerz und er habe geblutet. Auf Frage bejahte er, dass der Beschuldigte 

sein linkes Auge habe treffen wollen, weil er direkt ins Auge gestochen habe. Er 

hätte ihn ja auf den Kopf schlagen können, aber er habe eine Stich- und keine 

Schlagbewegung gemacht. Ab dann seien seine Erinnerungen sehr vage. Das 

Ganze habe drei, fünf Minuten gedauert, nicht lange (Urk. 12/2 S. 3, 7-10).  

Zudem führte der Privatkläger aus, dass er aufgrund eines psychischen Leidens –  

wenn ihm etwas geschehe, verdränge sein Bewusstsein dies – erst nach drei Ta-

gen gemerkt habe, was mit ihm geschehen sei. Das Problem bestehe fort, und er 

habe dies heute noch nicht 100-prozentig begriffen. Darüber habe er mit der Psy-

chiaterin gesprochen und deswegen im Spital bleiben wollen (Urk. 12/2 S. 8).  

5.3 Gegenüber der Staatsanwaltschaft bestätigte der Privatkläger am 6. Januar 

2016 (Urk. 12/3), dass er bisher die Wahrheit gesagt habe und alle Aussagen 

stimmen würden. Auf allfällige Ergänzungen angesprochen vermerkte er, er habe 

zwei Angriffe erwähnt und möchte noch hinzufügen, dass der Beschuldigte ihn 

noch ein drittes Mal angegriffen habe. Bei diesem dritten Angriffsversuch habe er 

sich dann mit dem Pfefferspray, den er aus dem Rucksack genommen habe, ge-

wehrt. Zu diesem Zeitpunkt sei sein linkes Auge bereits verletzt gewesen. Der 

Beschuldigte habe auch sein rechtes Auge zu verletzen versucht, aber er (Privat-

kläger) habe sich mit seinem Rucksack und dem Pfefferspray schützen können. 

Auf entsprechende Frage erklärte der Privatkläger, dass er diesen dritten Angriff 

und den Pfefferspray bei der Polizei nicht erwähnt habe, weil er sich nicht daran 

habe erinnern können und ein Durcheinander gehabt habe. Als er im September 

oder Oktober den Brief von der Staatsanwaltschaft erhalten habe, dass der Be-

schuldigte im Gefängnis sei, habe er sich erinnern können, und er habe sich Ge-

danken über den Vorfall gemacht (Urk. 12/3 S. 4 f.). 

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Zum ersten Angriff erläuterte der Privatkläger wie bis anhin, von hinten mit einem 

Stock geschlagen worden zu sein, wobei er nicht gemerkt habe, dass der Be-

schuldigte ihn verfolgte. Es habe sich um eine Art "Gartenhag-Stock" von einer 

Länge von ca. 50 cm und einem Durchmesser von ca. 12 cm gehandelt (er zeigte 

diese Masse auf einem Massstab). Aufgrund der Dunkelheit konnte er nicht ge-

nau sagen, ob der Stock aus Holz war. Er ging von einem Holzstock aus, da in 

dieser Gegend keine anderen Gegenstände zu finden seien, ausser solche aus 

Holz (Urk. 12/3 S. 5 f.). Erneut schilderte er, dass er sich umdrehte, sodass man 

frontal zueinander stand, dass er sich mit dem Rucksack schützen konnte und 

kaum verletzt wurde. Von hinten und von vorne seien es vielleicht je fünf bis 

sechs Schläge gewesen, er habe sie nicht gezählt. Da der Beschuldigte bei die-

sem Angriff nicht wirklich auf seinen Körper habe treffen können, habe er dann 

von ihm abgelassen, sei zurückgegangen, aber nach ein paar wenigen Sekunden 

wieder auf ihn losgekommen, und dann habe er (Privatkläger) umgehend einen 

Stich im linken Auge gespürt, wodurch er verletzt worden sei. Der Beschuldigte 

habe nur einmal auf ihn eingestochen und sein linkes Auge getroffen. Bei diesem 

zweiten Angriff habe es sich um einen Bambusstock von ca. einem Meter Länge 

und zwei Zeigefinger Dicke gehandelt; dies vermute er zumindest, da es in dieser 

Gegend sehr viele frisch renovierte und bepflanzte Gärten mit vielen Bambus-

pflanzen und jeder Menge Bambusstecken gebe (Urk. 12/3 S. 5 f., 12-15).  

Nur ein paar Sekunden später habe der Beschuldigte mit dem dritten Angriff noch 

versucht, mit diesem Stock sein rechtes Auge zu verletzen. Er könne dies sagen, 

weil der Beschuldigte es mehrmals versucht habe, er habe mehrere Stichbewe-

gungen gegen sein rechtes Auge gemacht, dabei seinen Kopf aber nicht getrof-

fen. Er selber habe sich weiterhin mit dem Rucksack geschützt und aus der vor-

deren Tasche des Rucksacks den Pfefferspray nehmen können, den er seit über 

zehn Jahren aus Sicherheitsgründen immer mitführe, aber nur bei diesem Vorfall 

benützt habe. Er habe einmal den Spray-Knopf betätigt, aber den Beschuldigten 

leider nicht wirklich im Gesicht getroffen, dies wegen Orientierungsverlusts infolge 

seiner Augenverletzung. Der Beschuldigte habe dann Angst gekriegt und sei da-

von gegangen, während er verletzt zurückgeblieben sei. Ab diesem Moment habe 

er ziemlich wenige Erinnerungen, was danach passiert sei. Er habe am linken 

-   14   - 

Auge sein Augenlicht verloren, sei ca. sechs bis sieben Wochen in der Augenkli-

nik des Universitätsspitals und danach noch in der psychiatrischen Universitäts-

klinik gewesen, weil er psychische Probleme, eine gravierende und schwere De-

pression, als Folge dieses Vorfalls gehabt habe und alleine lebe. Zuvor bestehen-

de psychische Probleme hätten sich durch diesen Vorfall noch verstärkt, weshalb 

er – im Gegensatz zu früher – nun auch Medikamente gegen Depressionen ein-

nehme (Urk. 12/3 S. 6, 13 f., 16 f.). Im Ergebnis hielt sich der Privatkläger zwi-

schen Anfang August 2015 und Anfang Oktober 2015 mehrere Wochen in statio-

närer Behandlung auf, nämlich im Universitätsspital Zürich, Augenklinik, im 

…spital ... und in der Psychiatrischen Universitätsklinik PUK (vgl. Urk. 10/2 ff. und 

10/8 S. 2; Urk. 48/1-3). 

5.4 Vorläufige Würdigung 

Zum ersten und zum zweiten Angriff – nur letzterer als das zentrale Geschehen 

bewirkte laut dem Privatkläger überhaupt, dafür aber eine gravierende Verletzung 

– sind die Ausführungen des Privatklägers von Anfang an sehr detailreich, inhalt-

lich und in der zeitlichen Dimension durchwegs konstant, in sich stimmig und in 

der geschilderten Abfolge einleuchtend. Die beschriebenen eigenen Empfindun-

gen stehen mit der Sachdarstellung im Einklang, seine Angaben zur Umgebung 

des Tatortes entsprechen der Realität und die erlittenen Verletzungen sind medi-

zinisch belegt und unbestritten. Zudem sagte der Privatkläger vorsichtig aus, ohne 

offensichtliche Übertreibungen, und er deklarierte stets, wenn er etwas nicht 

(mehr) wusste. Bei Mutmassungen – so etwa zu den Tatwaffen, zu welchen er 

auch eine klare Differenzierung vornahm – untermauerte er diese regelmässig mit 

nachvollziehbaren Überlegungen. Er kommunizierte auch ein vorbestehendes 

psychisches Leiden und führte die vorgängige Auseinandersetzung mit dem Be-

schuldigten an (vgl. Anklageziffer 1.1, Urk. 31 S. 2 f.), ohne seine dortige Rolle zu 

beschönigen, indem er insbesondere darlegte, wie er den Beschuldigten (auch) 

habe schlagen wollen, was aber durch das Dazwischentreten einer Drittperson 

verhindert wurde. Damit stellte er auch sein eigenes Verhalten in ein unvorteilhaf-

tes Licht. Bei diesem im Berufungsverfahren nicht weiter zu erörternden Sachver-

halt belastete der Privatkläger den Beschuldigten ebenfalls nur zurückhaltend 

-   15   - 

(vgl. Urk. 71 S. 18 f. und dortige Hinweise; Art. 82 Abs. 4 StPO). Allerdings er-

staunt, dass der Privatkläger erst in der dritten Einvernahme, aber immerhin von 

sich aus, einen dritten Angriff seitens des Beschuldigten sowie seine Pfeffer-

sprayabwehr erwähnte. Darauf ist im Rahmen der Gesamtwürdigung zurückzu-

kommen (hinten Erw. II. 10.5). Insgesamt erweist sich seine Sachdarstellung als 

folgerichtig, wirklichkeitsnah und plausibel, dies auch bezüglich der dritten, um die 

Pfefferspraysequenz erweiterten Aussage bei der Staatsanwaltschaft. Die im 

Raume stehenden Zivilansprüche vermögen die Glaubhaftigkeit seiner Darlegun-

gen nicht zu schmälern.  

6. Aussagen des Beschuldigten und Würdigung 

Die Sachdarstellung des Beschuldigten findet sich ausführlich im angefochtenen 

Urteil (Urk. 71 S. 25-29; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgend ein Überblick mit we-

nigen Ergänzungen:  

6.1 In der Hafteinvernahme vom 9. Oktober 2015 (Urk. 11/2) führte der Be-

schuldigte aus, der Privatkläger habe sich gegen 20.00 Uhr verabschiedet, und – 

den Zeigefinger auf ihn gerichtet – gesagt: "Du schuldest mir noch was". Darauf-

hin sei er dem Privatkläger ca. 100 Meter in die D._____-Strasse hinein gefolgt 

und habe zu ihm gesagt, dass er mit ihm reden wolle. Dieser habe sich zu ihm 

umgedreht und gleichzeitig seine Hand in seine Hosentasche gesteckt. Er habe 

gedacht, dass der Privatkläger nun ein Klappmesser hervorziehe, weshalb er so-

fort seinen Gürtel aus seiner Hose gezogen und dem Privatkläger einmal damit 

auf die Hände geschlagen habe. Dann sei er wieder zurückgewichen. Als er be-

reits zehn Meter entfernt gewesen sei, habe der Privatkläger zu ihm gesagt: 

"Komm, hab keine Angst du Schwuchtel". Deshalb habe er gedacht, er gehe ein-

mal zum Privatkläger und frage ihn, was er habe. Als er ca. drei bis vier Meter von 

ihm entfernt gestanden sei und sich entsprechend erkundigt habe, habe der Pri-

vatkläger ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Danach sei er komplett blind ge-

wesen, habe Schmerzen gehabt und alles im Gesicht habe gebrannt. Er habe ge-

dacht, der Privatkläger wolle ihn umbringen und habe dann blind irgendwo im 

Beet neben dem Trottoir zwischen den Pflanzen nach irgendwelchen Gegenstän-

den gesucht, beispielsweise einem Stein. Beim blinden Herumtasten mit der Hand 

-   16   - 

in diesen Pflanzen habe er dort einen alten Bambusspeer gefunden, wobei er auf 

Nachfrage dessen Länge mit ca. einem Meter und den Durchmesser mit ca. 2 cm 

angab. 

Damit habe er nicht schlagen können, weil dieser so alt gewesen sei, dass er zer-

brochen wäre. So habe er gedacht, dass er mit der Spitze gegen den Privatkläger 

einsteche. Er sei blind gewesen und habe nur dessen Lachen gehört, sich danach 

orientiert und mit dem Bambusspeer einmal in diese Richtung eingestochen. Da 

er blind gewesen sei, habe er nicht gesehen, wo er den Privatkläger getroffen ha-

be. Dies sei ihm bis heute nicht bekannt. Dann sei er zurückgekehrt. Er habe 

noch ein paar kalte Biere in seinem Rucksack gehabt, womit er sich die Augen 

gewaschen habe (Urk. 11/2 S. 8 ff.). 

Weiter beschrieb der Beschuldigte, wo er den Bambusstab gefunden habe und 

dass er diesen während des Einstechens mit beiden Händen gehalten habe, mit 

der einen Hand gleichzeitig auch noch seinen Gürtel. Auf Nachfrage erklärte er, 

da der Bambusstab ein bisschen alt gewesen sei, habe er auf einer Skala von 1 

bis 10 mit einer Stärke von etwa 4 auf den Privatkläger eingestochen. Wäre der 

Stab neu gewesen, hätte er mit einer Stärke von 9 zugestochen. Der Bambusstab 

sei im Nachhinein dann auch zerbrochen, nicht, als er auf den Privatkläger einge-

stochen habe, sondern erst, als er (Beschuldigter) sein Gesicht gewaschen habe 

und ein Junge aus der Gruppe (F._____ aus Peru, Urk. 11/2 S. 11 f.) zu ihm ge-

kommen und die Spitze dieses Stabes angefasst habe. Er habe den Stab an-

schliessend weggeworfen und nicht mehr gefunden (Urk. 11/2 S. 9 ff.). 

Auf die Frage, was passieren könne, wenn man mit einem Holzstock gegen den 

Kopf eines Menschen steche, erklärte der Beschuldigte, man könne die Person 

überall im Gesicht verletzen, wobei man den Ort nicht genau kontrollieren könne. 

Wenn man mit der Stockspitze auf ein Auge treffe, könne das Auge dermassen 

verletzt werden, dass es blute oder auch dass diese Person das Auge verliere. Es 

könne aber auch sein, dass nichts passiere. Eine Brille habe der Privatkläger 

nicht getragen. Er (Beschuldigter) habe nicht die Absicht gehabt, jemanden anzu-

greifen und noch weniger, jemanden zu verletzen. Es sei nur Selbstverteidigung 

gewesen (auch Prot. I S. 22 f.). Beim Zustechen habe er schon gespürt, dass er 

-   17   - 

etwas getroffen habe, aber was, habe er nicht gewusst. Der Privatkläger sei nach 

dem Einstechen weggegangen, dies nehme er an, weil dieser nicht mehr hinter 

ihm her gekommen sei (Urk. 11/2 S. 13 f.). 

6.2 Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 11. Mai 2016 (Urk. 11/3) bestätigte 

der Beschuldigte gegenüber der Staatsanwaltschaft im Wesentlichen seine bishe-

rigen Ausführungen, gab jedoch abweichend an, er sei dem Privatkläger nicht in 

der Absicht gefolgt, mit ihm zu sprechen. Er habe mit ihm die Sache klären wol-

len, weil der Privatkläger vorgängig, also nach dem Zwischenfall mit dem Bier, 

Morddrohungen ihm gegenüber ausgesprochen habe (Urk. 11/3 S. 3). Auf Vorhalt 

der Verletzungen des Privatklägers verneinte er die Absicht, diesen derart zu ver-

letzen (Urk. 11/3 S. 12), er habe aber auf den Angriff des Geschädigten mit dem 

Pfefferspray reagiert. Er sprach von einem Tierinstinkt, er habe sich verteidigen 

müssen (Urk. 11/3 S. 7) bzw. von einem Impuls, einer "panischen" Reaktion aus 

Angst. Es sei Selbstverteidigung gewesen (Urk. 11/3 S. 12; auch Prot. I S. 22 f.).  

Aufgefordert, den Bambusstab zu beschreiben, erklärte der Beschuldigte, dies 

nicht zu wissen, da er selber blind gewesen sei. Hinsichtlich der Ausmasse blieb 

er bei ca. einem Meter Länge und einem Durchmesser von, leicht modifiziert, 

höchstens 3 cm. Er wisse noch, dass E._____ (F._____) beim Anblick des Sto-

ckes gelacht und ihn gefragt habe, ob er mit diesem kleinen Stock geschlagen 

habe. Auf die Frage, woher dieser Bambusstab stamme, umschrieb er erneut, wie 

er nach dem Pfeffersprayeinsatz Angst bekommen habe, dass der Privatkläger 

ihm noch etwas Schlimmeres antun könnte und in den Büschen gewesen sei, 

weshalb der Privatkläger ihn in diesem Moment nicht habe angreifen können. Er 

sei dann mit diesem Stab aus den Büschen hervorgetreten und habe eine Hand-

bewegung gemacht, d.h. den Bambusstock mit beiden Händen gehalten und ein-

mal horizontal gegen den Privatkläger gestochen. Auf keinen Fall habe er dem 

Privatkläger ins Auge stechen wollen (Urk. 11/3 S. 7 f.). Wie der Privatkläger da-

rauf reagiert habe, könne er nicht sagen, denn seine Augen seien ja voll Pfeffer 

gewesen. Er sei direkt gegangen und habe den Stab mitgenommen, denn er habe 

gedacht, der Privatkläger könnte ihm nachlaufen (Urk. 11/3 S. 9).  

-   18   - 

6.3 In der Befragung vor Vorinstanz am 28. September 2016 (Prot. I S. 16 ff.) 

wiederholte der Beschuldigte einerseits seinen Standpunkt in der Schlusseinver-

nahme, dass er dem Privatkläger nachgegangen sei in der Meinung, mit diesem 

allein ausserhalb seiner Gruppe besser sprechen zu können. Er sei ihm trotz der 

Morddrohungen hinterhergelaufen, weil er nicht gedacht habe, der Privatkläger 

sei in der Lage und fähig, ihn dort alleine umzubringen. Er habe insbesondere die 

Sache klären wollen, damit er in Frieden nach Hause gehen könne (Prot. I S. 17). 

In Abweichung zu seinen Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft – wonach 

nicht der Privatkläger ihm nachfolgte, sondern er selber wieder zum Privatkläger 

hinging – führte der Beschuldigte nun aus, der Privatkläger sei ihm nach dem 

Gürtelschlag hinterhergelaufen und, ebenfalls neu, habe seine Mutter beleidigt, 

ihn als Faulenzer bezeichnet und gesagt, er (Beschuldigter) solle nicht weggehen. 

Darauf habe er (Beschuldigter) sich umgedreht und sei etwas auf den Privatkläger 

zugegangen, lediglich um zu fragen, was los sei. Diese abgewandelte Version er-

fuhr überdies in den weiteren Ausführungen des Beschuldigten noch zusätzliche 

Varianten. Dann habe der Privatkläger ihn mit dem Pfefferspray angespritzt 

(Prot. I S. 18 f.).  

Zum Stich mit dem Bambusspeer führte er aus, als er horizontal gegen das La-

chen des Privatklägers geschlagen bzw. gestochen habe, habe er nicht gewusst, 

wo er ihn treffen würde, ob am Bein, am Bauch, an der Brust, am Kopf oder am 

Gesicht. Er habe an nichts gedacht (Prot. I S. 21 f.).  

Als er sich nach der Rückkehr zum See mit zwei Dosen Bier die Augen ausgewa-

schen habe, habe ein Herr aus der zu ihm gekommenen Personengruppe wissen 

wollen, ob er "mit diesem alten Stück" (gemeint: dem Bambusstab) ihn (den Pri-

vatkläger) geschlagen habe, habe dann gelacht, die Spitze dieses Stücks in die 

Hand genommen und zerdrückt, es einfach zermahlen und gesagt: "Es ist viel zu 

alt" (Prot. I S. 22). 

6.4 Anlässlich der Berufungsverhandlung anerkannte der Beschuldigte wieder-

um, dass er den Privatkläger durch Einstechen mit einem Bambusstab am linken 

Auge verletzt habe. Er stellte aber im Wesentlichen nach wie vor in Abrede, den 

-   19   - 

Privatkläger überhaupt mit einem Holzstock geschlagen, mehrmals mit dem Bam-

busstab gegen dessen Gesicht gestochen und den einen (anerkannten) Stich in 

der Absicht ausgeführt zu haben, den Privatkläger anzugreifen und zu verletzen. 

Vielmehr habe er das getan, um sein eigenes Leben zu retten. Konkret schilderte 

er den Vorfall wie folgt: Nach der verbalen Auseinandersetzung vor der ...anlage 

C._____ sei er dem Privatkläger in der guten Absicht nachgelaufen, alles zu klä-

ren und Frieden zu schliessen. Der Privatkläger habe aber nicht so friedlich auf 

ihn reagiert und sei drei Schritte Richtung Strasse gesprungen. Er habe seine 

Hand in seine Hosentasche gesteckt, so dass er (Beschuldigter) gedacht habe, 

der Privatkläger nehme ein Messer hervor. Aus Notwehr habe er seinerseits sei-

nen Gürtel herausgezogen und den Privatkläger einmal damit geschlagen. Dieser 

habe sich ihm daraufhin genähert, sei ihm gefolgt und habe ihn provoziert. Er ha-

be sich umgedreht und sei mit dem Pfefferspray angesprüht worden, woraufhin er 

nichts mehr gesehen und sich verloren gefühlt habe. Er habe sich dort in einem 

Gebüsch versteckt und habe am Boden blind nach irgendeinem Gegenstand 

("Flasche", "Stein") herumgetastet. Unglücklicherweise habe er dann den Bam-

busstock gefunden. Der Privatkläger habe gelacht. Er (Beschuldigter) habe ein-

mal mit dem Bambusstock in Richtung des Lachens gestochen. Dass er den Pri-

vatkläger dadurch am Auge verletzt habe, habe er erst später erfahren (Prot. II 

S. 11 f., 14-16). 

6.5 Zum einen hat der Beschuldigte den für die rechtliche Würdigung massgeb-

lichen objektiven Sachverhalt weitgehend anerkannt und sich auch in seinen ab-

weichenden Darlegungen überwiegend konstant geäussert. Es bestehen ander-

seits aber nicht unwesentliche Widersprüche, insbesondere zur Frage, ob der Pri-

vatkläger ihm nach dem behaupteten Gürtelschlag nachgefolgt ist bzw. ihn (den 

Beschuldigten) aufforderte, sich nicht zu entfernen (was der Logik widerspricht, 

befand sich der durch den angeblichen Gürtelschlag traktierte Privatkläger doch 

bereits auf dem Heimweg in die entgegengesetzte Richtung), oder aber ob es nur 

der Beschuldigte war, der erneut auf den Privatkläger zuging, wie in den ersten 

zwei Einvernahmen geltend gemacht. Weiter finden sich Abwandlungen innerhalb 

dieser unterschiedlichen Versionen (vgl. Prot. I S. 18 ff. und Erw. II. 6.3 hiervor). 

Vor allem aber erweist sich die vom Beschuldigten behauptete Reihenfolge der 

-   20   - 

Geschehnisse als nicht folgerichtig. Ferner leuchtet nicht ein, weshalb der Be-

schuldigte dem Privatkläger alleine nachgegangen ist, nachdem letzterer bei der 

ca. drei Stunden vorher stattgefundenen Auseinandersetzung konkrete Morddro-

hungen gegenüber dem Beschuldigten ausgestossen haben soll: Nachdem die 

Leute den Privatkläger zurückgehalten hätten, habe dieser nicht locker gelassen, 

sein Hemd/T-Shirt ausgezogen und ihn, den Beschuldigten, aufgefordert hinter 

einen Baum zu gehen mit den Worten "Dort werde ich dich umbringen" (vgl. 

Urk. 11/2 S. 8); der Privatkläger habe ihn im Anschluss an die Auseinanderset-

zung zu einem Kampf in einem nahegelegenen Garten mit Bäumen aufgefordert, 

habe zu diesem Zweck sein T-Shirt ausgezogen, sei in diese Richtung gegangen, 

nach Ignorieren durch ihn (Beschuldigten) zurückgekommen habe und vor der 

Gruppe zweimal zu ihm gesagt "Ich bringe dich um, ich bringe dich um", Urk. 11/3 

S. 3; auch hinten Erwägung II. 10.). Schon an dieser Stelle ist festzuhalten, dass 

die Aussagen des Beschuldigten insgesamt nicht sehr glaubhaft sind.  

7. Aussagen des Zeugen E._____ und Würdigung 

Diese Aussagen (Urk. 13/1 und 13/2) sind ebenfalls im Wesentlichen im vor-

instanzlichen Urteil enthalten (Urk. 71 S. 31; Art. 82 Abs. 4 StPO). Es kann auf  

einen Nenner gebracht festgestellt werden, dass E._____ (F._____) ein langjähri-

ger Bekannter beider Beteiligter ist, als neutral erscheint, durchgängig um Objek-

tivität bemüht war, Nichtwissen stets offenlegte und nicht einfach Spekulationen 

anstellte. Seine Darlegungen sind glaubhaft.  

Aus seinen Schilderungen ergibt sich, dass der Beschuldigte sogleich dem Privat-

kläger nachgefolgt ist, als sich dieser verabschiedet hatte, dass er nach rund drei 

Minuten mit einem Holzstock in der Hand wieder zurückkehrte, dann auf einer 

Sitzbank sass, wo er auch den Stock hinlegte, sich die Augen rieb und auf Frage, 

was passiert sei, mitteilte, der Privatkläger habe ihn mit einem Pfefferspray ge-

pfeffert und er habe den Privatkläger mit einem Stock geschlagen. Weiter habe er 

nichts erzählt. Er (Zeuge) sei wieder zur Gruppe gegangen und der Beschuldigte 

sitzen geblieben (Urk. 13/1 S. 1 f.; Urk. 13/2 S. 4 und 11). Der Zeuge konnte nicht 

sagen, wer wen zuerst angegriffen habe (Urk. 13/2 S. 10, 12). Davon, dass er 

selber diesen Holzstock – der aus Bambus gewesen sein könnte und nach seiner 

-   21   - 

Beschreibung mindestens 1.80 m lang war, nämlich etwas mehr als die eigene 

Körpergrösse – angefasst habe und dass der Stock bzw. die Spitze daraufhin 

zerbrochen sei, findet sich in den Aussagen des Zeugen nichts. Auch von 

Morddrohungen des Privatklägers gegenüber dem Beschuldigten ist seitens des 

Zeugen, der mehrmals nach Korrekturen oder Ergänzungen gefragt wurde 

(Urk. 13/1 S. 4; Urk. Urk. 13/2 S. 15), nirgends die Rede. Vielmehr bekundete 

E._____, er habe alles gesagt, was er gesehen habe oder wisse (Urk. 13/1 S. 4). 

8.  Berichte Forensisches Institut Zürich (FOR) 

Zum Inhalt und den Resultaten der Kurz- und Spurenberichte des Forensischen 

Instituts (Urk. 9/1-5), wonach keine relevanten Spuren auf den untersuchten Holz-

stäben und dem Gürtel des Beschuldigen sichergestellt werden konnten, ist voll-

umfänglich auf das angefochtene Urteil zu verweisen (Urk. 71 S. 32 und 34). Die-

se Negativbefunde tangieren das übrige Beweisergebnis indessen nicht, denn der 

Sachverhalt lässt sich auch ohne solche Spuren erstellen. 

9. Arztbericht Augenklinik Universitätsspital Zürich (USZ) 

Vollständig und richtig durch die Vorinstanz wiedergegeben sind auch die Verlet-

zungen des Privatklägers und die möglichen Ursachen dafür. Darauf kann ohne 

Ergänzung verwiesen werden (Urk. 71 S. 32 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO; vgl. ferner die  

nachfolgende Erw. 10.4.1).    

10.  Gesamtwürdigung und Fazit 

10.1 Aufgrund der vorne zitierten Aussagen steht fest, dass der Beschuldigte 

dem Privatkläger mit einem beidhändig gehaltenen (nicht mehr gefundenen) 

Bambusstock ins linke Auge stach, worauf der Privatkläger gravierende Augen-

verletzungen erlitt, im Ergebnis das Augenlicht verlor und dass der in der Anklage 

beschriebene Tathergang mit der Stichverletzung ohne Weiteres vereinbar ist 

(Urk. 10/7 S. 2; für Einzelheiten siehe das angefochtene Urteil, Urk. 71 S. 33). Mit 

welcher Tatwaffe der erste Angriff des Beschuldigten erfolgte, liess sich nicht eru-

ieren, was indessen unerheblich ist, da daraus keine Verletzung resultierte. Wei-

-   22   - 

ter erstellt gemäss den Angaben der beiden Beteiligten und des Zeugen E._____ 

ist der Pfeffersprayeinsatz des Privatklägers gegen den Beschuldigten.  

10.2 Zunächst ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass es der Beschuldigte 

war, der wegen der einige Stunden zuvor stattgefundenen Auseinandersetzung 

die Konfrontation mit dem Privatkläger suchte und diesem nachging. Ein anderer 

Grund ihn zu verfolgen ist in der Tat nicht ersichtlich. Die Aggression lag klarer-

weise beim Beschuldigten. Seine uneinheitlichen und schwammigen Erklärungs-

versuche – insbesondere die geltend gemachte verbale Provokation durch den 

Privatkläger beim Verabschieden, der Beschuldigte schulde ihm noch etwas so-

wie seine Bekundung, mit dem Privatkläger wegen der (behaupteten) vorgängi-

gen Morddrohungen sprechen bzw. die Sache klären zu wollen, damit er (Be-

schuldigter) in Frieden nach Hause gehen könne oder aber gegenteilig, dass er 

dem Privatkläger nicht gefolgt sei, um mit ihm zu sprechen – sind mit der Vor-

instanz als unglaubhaft und damit Schutzbehauptungen zu taxieren. Die über-

mässig betonten Morddrohungen sind dem Beschuldigten auch deshalb nicht ab-

zunehmen, weil sie vom Zeugen E._____, der ebenfalls vor Ort war und dies hät-

te mitbekommen müssen, nicht wahrgenommen wurden, obwohl der Privatkläger 

sie deutlich und wiederholt vor der Gruppe geäussert haben soll (Urk. 11/3 S. 3). 

Der Beschuldigte verneinte vor Vorinstanz denn auch explizit, sich vor dem Pri-

vatkläger gefürchtet zu haben (Prot. I S. 17). Dass die Drohungen ihn nicht beein-

druckten, ergibt sich im Übrigen schon aus der Hafteinvernahme: "Ich bin auf die-

se Herausforderung nicht eingegangen. Wir spielten weiter Musik" (Urk. 11/2 

S. 8). Vielmehr ging es ihm offensichtlich darum, sich den Privatkläger vorzuknöp-

fen, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, und zwar unter vier Augen, "in aller Ruhe", 

ohne den Schutz von dessen Gruppe (Prot. I S. 17). Zu diesem Zweck pirschte er 

diesem – der den Heimweg angetreten hatte – nach und überfiel ihn hinterrücks. 

Die "Ankündigung" mittels eines Geschreis (vgl. Urk. 12/1 S. 2) ändert nichts an 

der Perfidität dieses Vorgehens. Der Privatkläger war entsprechend gänzlich un-

vorbereitet und wurde (als erstes mit einem Schlag von hinten) überrascht. Eben-

so als reiner Vorwand zum Losschlagen – sei es mit einem Gürtel oder einem an-

dern Schlaginstrument wie in der Anklage aufgeführt – erscheint der Standpunkt 

des Beschuldigten, dass der sich auf dem Heimweg befindliche und bei Gewahr 

-   23   - 

werden des ihn verfolgenden Beschuldigten sich umdrehende Privatkläger für den 

Beschuldigten den Anschein erweckt haben soll, aus seiner Hosentasche ein 

Messer zu holen. In Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Ansicht fehlt es an 

einem nachvollziehbaren Grund, weshalb der Beschuldigte sich berechtigt gese-

hen haben soll, den Privatkläger bei diesem ersten Angriff zu schlagen. Von einer 

Notwehrhandlung kann nicht die Rede sein (vgl. Urk. 71 S. 35). Hingegen ist der 

Anklage folgend von mehreren unvermittelten Schlägen gegen den Privatkläger 

von hinten und von vorne auszugehen. Auch wenn mangels Verletzung in diesem 

Stadium wie erwähnt offen bleiben kann, womit diese erste Attacke erfolgte, ist 

doch anzufügen, dass weder der Privatkläger als direkt Beteiligter noch der Zeuge 

E._____ gestützt auf den Bericht des Beschuldigten einen Gürtel erwähnten. Der 

Zeuge erklärte stattdessen wiederholt, wie der Beschuldigte unmittelbar nach 

Rückkehr zum See gesagt hatte, den Privatkläger "mit dem Stock geschlagen" zu 

haben (Urk. 13/1 S. 1; Urk. 13/2 S. 4 und 11), was die These des Beschuldigten 

vom Gürteleinsatz zusätzlich entkräftet.  

10.3 Zur strittigen Frage, wann der Pfefferspray zum Einsatz gekommen ist, ob, 

wie vom Beschuldigten geltend gemacht, nach dem ersten Angriff oder, wie durch 

den Privatkläger geschildert, nach der zweiten Attacke, jener mit dem Bambus-

stab, hat die Vorinstanz auf die Aussagen des Beschuldigten abgestellt und ist 

nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" von dem für ihn günstigeren Sachverhalt 

ausgegangen.  

Einerseits zeigte sich die Vorinstanz nicht überzeugt von den Aussagen des Pri-

vatklägers, der erst in der dritten Einvernahme die Pfeffersprayabwehr und einen 

dritten Angriff erwähnte sowie von seiner Erklärung für diese Verzögerung und 

weil seine Schilderungen Aggravationstendenzen aufweisen würden. Überdies 

zweifelte sie an der Glaubhaftigkeit seiner Angaben, weil er selbst keine Anzeige 

erstattet und gegenüber den behandelnden Ärzten zunächst einen Feuerwerks-

körper als Verletzungsursache genannt hatte (Urk. 71 S. 34 f.; Urk. 10/3 S. 1 und 

10/7 S. 2). Auf diese Argumente der Vorinstanz zum Aussageverhalten des Pri-

vatklägers ist zurückzukommen (hinten Erw. II. 10.5). Mit Ausnahme der Schilde-

rung bezüglich des ersten Angriffs mit dem Gürtel (wie eben dargelegt, vgl. Erw. 

-   24   - 

II. 10.2) betrachtete die Vorinstanz die Beschuldigtenaussagen als konstanter und 

realitätsnaher (Urk. 71 S. 34 f.).  

10.4 Entgegen der Vorinstanz und der Verteidigung (Urk. 85 S. 3), aber der 

Staatsanwaltschaft folgend erscheint die Darstellung des Privatklägers, welche in 

die Anklageschrift geflossen ist (Urk. 31 S. 3; Urk. 54), aus mehreren Gründen als 
viel plausibler. Danach hat der Privatkläger den Pfefferspray nach dem zweiten 

Angriff, jenem des Beschuldigten mit dem Bambusstab und dem fatalen Stich in 

sein linkes Auge zum Einsatz gebracht, indem er damit in die Richtung des Be-

schuldigten sprühte, der zu einem (von der Vorinstanz als nicht erstellt erachte-

ten) dritten Angriff ansetzte bzw. zwei bis drei Stichbewegungen in Richtung Kopf 

des Privatklägers machte.  

10.4.1  Beim hier verwendeten Pfefferspray – den der Privatkläger wie in Aussicht 

gestellt gleich am Tag nach der dritten Einvernahme der Staatsanwaltschaft über-

gab – handelt es sich um die Marke "TW 1000" mit dem Wirkstoff "OC" (vgl. die 

Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 7. Januar 2016, 

Urk. 22/10; Urk. 12/3 S. 4 ff.). Der Wirkstoff Capsaicin wird aus dem Harzöl (Oleo-

resin) der Tabasco-Pflanze (Capsicum frutescens) gewonnen, weswegen als 

Wirkstoff auch die Bezeichnung Oleoresin Capsicum (OC) angegeben wird. Die 

Freisetzung von Capsaicin löst sofort oder innerhalb weniger Sekunden sehr 

schmerzhafte Reaktionen der Augen, der Atmung und der besprühten Haut auf. 

Unter anderem erfolgt eine Schwellung der Augenschleimhäute, was das soforti-

ge Schliessen der Augenlider für ungefähr fünf bis zehn Minuten bewirkt, worauf-

hin der Betroffene für die Dauer von mehreren Minuten nahezu blind ist und damit 

handlungsunfähig wird. Die tangierten Hautstellen brennen und zeigen Rötung 

sowie Juckreiz. Ein Einatmen des freigesetzten Gases führt zu Husten und Atem-

not (https://de.wikipedia.org/wiki/Pfefferspray [04.04.2017]; http://www.pepper-

spray.ch/ist-pfefferspray-erlaubt-in-der-schweiz-nach-waffengesetz/ [04.04.2017]; 

http://www.obramo-security.de/Infos-rund-ums-Reizgas [04.04.2017]). Wenn die 

Vorinstanz demgegenüber ausführt, der Pfefferspray habe aufgrund der Latenz-

zeit nicht sofort gewirkt, weshalb der Beschuldigte weiterhin uneingeschränkt 

handlungsfähig gewesen sei und im Gebüsch einen der zahlreichen herumliegen-

-   25   - 

den Bambusstöcke habe finden und behändigen können (Urk. 71 S. 36), so kann 

dem mit der Verteidigung nicht beigepflichtet werden (Urk. 85 S. 7). Da das Gas 

über das Schmerzzentrum des Körpers wirkt, reagieren Personen mit reduziertem 

Schmerzempfinden, was beispielsweise bei unter Alkohol- oder Drogeneinfluss 

stehenden Personen der Fall sein kann, jedoch kaum darauf (http://www.obramo-

security.de/Infos-rund-ums-Reizgas [04.04.2017]).  

Diese Fakten stimmen mit den geschilderten Empfindungen des Beschuldigten 

überein. Nachdem der Privatkläger ihm aus ca. drei bis vier Metern Distanz mit 

Pfefferspray ins Gesicht gesprüht habe, sei er komplett blind geworden, habe 

Schmerzen gehabt, und es habe alles im Gesicht gebrannt. Diese Blindheit dau-

erte laut seiner Darstellung auch bei den anschliessenden Handlungen – der Su-

che nach einem Verteidigungsgegenstand am Boden zwischen Pflanzen bzw. im 

Gebüsch, dem Zustechen mit dem Bambusspeer und der Rückkehr zu seinem 

Rucksack bzw. zu seiner Gruppe am See beim "…platz" – fort (Urk. 11/2 S. 8 ., 

13 f.; Urk. 11/3 S. 8; Prot. I S. 20 f., 23, 25). Hinzu kommen die berichteten 

Schmerzen und das Brennen im ganzen Gesicht. Die Schmerzgefühle deuten da-

rauf, dass der Beschuldigte nicht oder nur wenig alkoholisiert war. Auch das kor-

respondiert mit seinen Aussagen, wonach er am Nachmittag vor dem Vorfall, der 

sich gemäss seiner Angabe bei Dunkelheit ca. um 21 Uhr ereignete (Urk. 11/2 

S. 12 und 14), lediglich zwei Halbliter Dosenbier konsumiert, auch noch gegessen 

und sich gut, ganz normal gefühlt habe (Urk. 11/2 S. 13 f., 17, 24; Urk. 11/3 S. 4).  

Gestützt darauf scheint es naheliegend, dass der Beschuldigte schon im Besitz 

des Stabes war und zugestochen hatte, bevor der Pfefferspray ihn traf. 

10.4.2  Es mutet denn auch schleierhaft an, wie der Beschuldigte bei plötzlicher 

absoluter Blindheit und entsprechendem Orientierungsverlust, schmerzenden Au-

gen und brennendem Gesicht infolge des Pfeffersprayeinsatzes imstande gewe-

sen sein soll, neben dem Trottoir in einem Beet zwischen Pflanzen kniend bzw. 

kriechend durch Herumtasten mit der Hand einen Verteidigungsgegenstand zu 

suchen, einen Bambusspeer zu finden und mit diesem zum Privatkläger zurück-

zukehren, wozu er wieder aufstehen und – gemäss seiner Skizze im Google-

Maps Ausschnitt (Urk. 11/2 Anhang) – etliche Meter in die korrekte Richtung ge-

-   26   - 

hen musste, was alles auch eine gewisse Zeit beanspruchte (Urk. 11/2 S. 8 und 

24). Daran ändert nichts, dass am Vortag der 1. August gefeiert worden war und 

da und dort noch besonders viele Holz- oder Bambusstecken herumgelegen sein 

mögen. Das behauptete Vorgehen mutet umso erstaunlicher an, als der nach ei-

genem Bekunden völlig hilflose und schmerzgeplagte Beschuldigte angab, Angst 

gehabt zu haben, der Privatkläger würde ihm noch Schlimmeres antun, ihn (z.B. 

mit einem Klappmesser aus dem Hosensack) umbringen (Urk. 11/2 S. 8-10 und 

20; Urk. 11/3 S. 8). Bereits durch das Abwenden und Weggehen vom Privatklä-

ger, dies pfefferspraybedingt wohl eher mit Vorsicht – rennen konnte er nicht 

(Prot. I S. 21) bzw. widersprüchlich dazu: dass er nach dem Ansprayen (gar) nicht 

mehr weggehen konnte (Prot. I S. 18) –, setzte sich der erheblich angeschlagene 

Beschuldigte dem behaupteten Angreifer schutzlos aus. Wer aber um sein Leben 

fürchtet, praktisch hilflos und damit in einer überaus inferioren Situation ist, ent-

schliesst sich nach der allgemeinen Lebenserfahrung zum schnellstmöglichen de-

finitiven Rückzug oder er versteckt sich und sucht nicht nochmals die Konfrontati-

on mit dem (pfefferspray)bewaffneten Peiniger, indem er trotz anhaltender Furcht 

(Prot. I S. 21; Prot. II S. 16) erneut auf diesen zugeht. Auch diese Gegebenheiten 

sprechen klar dagegen, dass der Beschuldigte erst nach dem Pfeffersprayeinsatz 

den Bambusspeer aufspürte, behändigte, zum Privatkläger zurückkehrte und da-

mit zustach. Vielmehr drängt sich die umgekehrte Reihenfolge auf. Jedenfalls 

ergibt sich aus der Darstellung des Beschuldigten kein unmittelbar bevorstehen-

der Angriff des Privatklägers, weshalb die darauf aufbauenden Ausführungen der 

Verteidigung zur Notwehr ins Leere laufen (Urk. 85 S. 3 ff.). 

Andernorts liess der Beschuldigte denn auch durchblicken, es sei schon proble-

matisch gewesen, und er habe selbstverständlich im Sinn gehabt, zu fliehen bzw. 

ins Gebüsch zu gehen, damit er nicht von hinten angegriffen werden könne, um 

aber sogleich – inkonsistent – zu relativieren, dass der Privatkläger dann hinter 

ihm hergekommen wäre und er eben wenigstens dieses Stück, den gefundenen 

Bambusstock, zur Verteidigung gehabt hätte (Prot. I S. 20 f.). Wie er sich im Zu-

stand der (vorübergehenden) Blindheit – mit oder ohne Bewaffnung – effizient 

hätte wehren können, steht auf einem andern Blatt. Wie vorstehend dargelegt 

-   27   - 

wurde, finden sich solch windiges Aussageverhalten und blosse Spekulationen 

beim Beschuldigten wiederholt.  

Mit dem Staatsanwalt ist sodann festzuhalten, dass von Pfefferspray tangierte 

Personen üblicherweise sofort mit intensivem Augenreiben reagieren, verbunden 

mit dem Versuch, die Augen mit Wasser auszuwaschen (vgl. Urk. 54 S. 4), was 

der Beschuldigte laut seiner Schilderung nach Rückkehr zum Rucksack zunächst 

mit Bier und dann mit Wasser aus dem das Gebäude von der D._____-Strasse … 

umgebenden Wasserkanal auch gemacht hat (Prot. I S. 21). Auch so betrachtet 

ist nicht einsichtig, dass der besprühte Beschuldigte stattdessen vorab eine Viel-

zahl von Handlungen vorgenommen haben will (vgl. Urk. 54 S. 4). Es liegt auch 

unter diesem Aspekt der Schluss nahe, dass der Beschuldigte vor dem verhäng-

nisvollen Zustechen, d.h. spätestens, als er dem Privatkläger in die D._____-

Strasse hinein nachlief, in der näheren Umgebung und im Schein der normalen 

Strassenbeleuchtung (Urk. 11/2 S. 14) gezielt nach einem brauchbaren Schlag- 

oder Stechinstrument Ausschau gehalten haben muss und rasch fündig wurde 

(ebenso Urk. 54 S. 5).  

10.4.3  Verwunderlich ist darüber hinaus, dass sich der Beschuldigte nur nach 

dem wahrgenommenen Lachen des Privatklägers orientiert und beidhändig, ohne 

etwas zu sehen, mit dem Bambusstab in die Richtung dieses Lachens eingesto-

chen haben will, um sich zu verteidigen (Urk. 11/3 S. 7; Prot. I S. 21; Prot. II 

S. 14).  

Zum einen konnte er bei der behaupteten Blindheit gar nicht erkennen, ob über-

haupt Gefahr drohte. Hinzu kommt, dass er auf einer Skala von 1-10 mit einer 

Stärke von 4 horizontal auf den Widersacher eingestochen habe, dies mit der Be-

gründung, der Bambusstab sei ein bisschen alt bzw. "so alt" gewesen und wäre 

bei der wünschbaren Stärke von 9 gebrochen, weshalb er den Privatkläger damit 

auch nicht habe schlagen können (dazu auch die nachfolgende Erw. II. 10.4.4). Er 

habe eben gestochen, weil er mit Schlagen nicht so viel erreicht hätte, ohne zu 

wissen, wo er ihn treffen würde (Urk. 11/2 S. 8 und 10; Urk. 11/3 S. 8; Prot. I 

S. 22). Abgesehen davon, dass äusserst zweifelhaft ist, ob auf solche Weise in 

lebensbedrohlicher Lage wirksame Abwehr geleistet werden kann, steht seine 

-   28   - 

Darstellung, die auf totaler Blindheit basiert und den Zufall impliziert, in frappan-

tem Gegensatz zur Tatsache, dass er genau das linke Auge traf, dies – wie er 

selber ausführte – mit einer bewusst horizontalen Bewegung "weil der Privatklä-

ger so gross ist wie ich". Er wollte den Privatkläger treffen (nicht in den Himmel 

stechen) und dabei auch etwas erreichen. Dass er beim Zustechen an nichts ge-

dacht habe bzw. auch die Beine oder den Bauch hätte treffen können, sind un-

taugliche Ausreden (Prot. I S. 21 f.) Der Umstand, dass der Beschuldigte dem 

Privatkläger ins Gesicht, d.h. präzis ins linke Auge stach, kann nicht einer Zufäl-

ligkeit zugeschrieben werden, sondern ist ein weiteres gewichtiges Indiz dafür, 

dass er beim Zustechen über die volle Sehkraft verfügte und diese Attacke vor 

dem Pfeffersprayeinsatz stattfand.   

10.4.4  Fragwürdig ist weiter, wie der angeblich gänzlich seiner Sehfähigkeit be-

raubte und darüber hinaus bei Dunkelheit und in Todesangst agierende Beschul-

digte in der Lage gewesen sein soll, Alter und Beschaffenheit des Bambusstabes 

zu bestimmen und entsprechend überlegt und dosiert vorzugehen, abgesehen 

davon, dass er vor Vorinstanz selber einräumte, wegen der Blindheit beim Auffin-

den des Bambusstockes diesen selbstverständlich nicht gesehen, sondern des-

sen Zustand erst später festgestellt zu haben (Prot. I S. 21). Folglich kann er bei 

der Tathandlung auch nicht in der Lage gewesen sein, den Bambusspeer ent-

sprechend dessen Beschaffenheit nur schonend einzusetzen, zumal die behaup-

tete altersbedingte Brüchigkeit mitnichten belegt, sondern entkräftet ist (vgl. Erw. 

II. 10.4.5 hiernach). Mit seiner auffallend oft hervorgehobenen Charakterisierung 

des Bambusspeers als alt und brüchig bezweckt der Beschuldigte unübersehbar 

eine Verharmlosung der Tat.  

10.4.5  Die ärztlichen Berichte des Unispitals Zürich, Augenklinik, vom 15. Okto-

ber 2015 zu den Verletzungen des Privatklägers (vgl. Urk. 10/7 S. 2 und 

Urk. 10/8) widerlegen ein relativ sanftes Vorgehen mit einem brüchigen Gegen-

stand. Die Verletzungen müssen durch äussere Gewalteinwirkung entstanden 

und mit einem schmalen, jedoch länglichen und stabilen Gegenstand zugefügt 

worden sein. Für Gewalteinwirkung und damit erhebliche Intensität des Zuste-
chens spricht, dass es sich um eine tiefe [Hervorhebung nicht im Original] penet-

-   29   - 

rierende Orbitaverletzung des linken Auges handelt bei tiefer [Hervorhebung nicht 

im Original] Lidwunde, mit Fraktur der medialen Orbitawand und resultierenden 

kleinen intraorbitalen knöchernen Fragmenten. Als Orbita bezeichnet man die 

knöcherne Augenhöhle, eine beim Menschen ca. 4-5 cm tiefe Grube am Schädel, 

in der das Auge und seine Anhangsorgane liegen 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Orbita [06.04.2017]). Hinzu kommt eine partielle 

Ruptur des Musculus rectus medialis, des inneren geraden Augenmuskels 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Augenmuskeln#Musculus_rectus_medialis 

[06.04.2017]) und eine Verletzung des etwa 4 mm dicken, teilweise in der Augen- 

bzw. Schädelhöhle verlaufenden Sehnervs (https://de.wikipedia.org/wiki/Sehnerv 

[06.04.2017]), wobei insbesondere letztere die Erblindung des linken Auges zur 

Folge hatte. Der verwendete Gegenstand war gemäss den Experten einerseits 

schmal genug – der Beschuldigte erwähnte einen Durchmesser von 2, höchstens 

3 cm (vgl. Urk. 11/2 S. 10 und Urk. 11/3 S. 7) –, um zwischen dem Auge und der 

nasenseitigen Augenhöhlenwand die Oberlidhaut zu penetrieren, zudem stabil 

genug, um keine Fremdkörper in der Augenhöhle zu hinterlassen. Als Beispiel 

wird unter anderem ein hölzerner Gegenstand genannt (Urk. 10/7 S. 2).  

Mit diesen Befunden kontrastiert die unglaubhafte und offensichtlich hinterher zu-

rechtgelegte Darstellung des Beschuldigten, ein Junge aus seiner Gruppe habe 

im Nachhinein die Spitze des Bambusstabes angefasst, worauf sie zerbrochen sei 

(Urk 11/2 S. 11 und 25; Urk. 11/3 S. 8 f.). Der offenkundig damit angesprochene 

Zeuge E._____ (F._____), ein Peruaner mit dem Geburtsjahr 1965 und somit im 

Tatzeitpunkt 50-jährig, hat allerdings nichts solches geschildert, obwohl ihm wie-

derholt die Gelegenheit zu Ergänzungen offeriert worden war. Nach dessen 

schlüssiger Aussage hat der Beschuldigte den Bambusstab lediglich auf die Sitz-

bank gelegt, auf welcher er bereits selber sass und sich die Augen rieb. Der Zeu-

ge entfernte sich wieder und begab sich zurück zur Gruppe.  

10.4.6  Ferner verblüfft, dass der Beschuldigte trotz gänzlicher Blindheit den 

Fundort des Bambusstabes präzis beschreiben konnte: "Gleich beim ersten Ge-

bäude am See auf der rechten Seite gibt es einen Eingang. Gleich zwei Meter da-

von entfernt habe ich diesen Bambusspeer im Gebüsch gefunden" und auf dem 

-   30   - 

vorgehaltenen Google-Maps Ausschnitt mit einem Punkt auch einzeichnete 

(Urk. 11/2 S. 9 f.; Urk. 11/2 Anhang). Die Örtlichkeit entspricht dem Grundstück 

mit dem durch einen untiefen Wasserkanal umsäumten Gebäude der G._____ 

AG, D._____-Strasse …. Auch diese genaue Bezeichnung des Fundortes weist 

darauf hin, dass der Beschuldigte den Bambusstab bereits initial behändigte, als 

er dem Privatkläger in die D._____-Strasse hinein folgte, zumal sein Weg an die-

sem Grundstück vorbeiführte.  

10.4.7  Zur Glaubhaftigkeit der Darstellung des Beschuldigten bleibt anzufügen, 

dass seine Schilderungen nicht nur gespickt sind von etlichen Ungereimtheiten, 

Widersprüchen, Ausflüchten und Annahmen, sondern auch offensichtliche Über-

treibungen enthalten, so etwa, dass 99,9 % der Aussagen des Privatklägers 

falsch seien (Urk. 11/3 S. 4), dass – auf die Frage nach allfälligen Auseinander-

setzungen mit dem Privatkläger in der Vergangenheit – dieser ihn immer provo-

ziert habe, unzählige Male, die ganze Zeit, aber er nie darauf eingegangen sei, 

dieses Mal sei das erste Mal gewesen (Urk. 11/2 S. 15) sowie betreffend dessen 

in Anwesenheit Dritter ausgesprochener Aufforderung zum Zweikampf bzw. der 

geäusserten Morddrohungen, wovon der Zeuge E._____ freilich nichts mitbekam. 

Das Aussageverhalten ist daher auch von Lügensignalen geprägt. Das gilt eben-

so hinsichtlich der vehementen Verneinung des Beschuldigten, den Privatkläger 

am fraglichen Sonntag einmal beschimpft zu haben (Urk. 11/2 S. 20), ist doch ei-

ne verbale Auseinandersetzung mit gegenseitigen Beschimpfungen und Beleidi-

gungen anlässlich des Vorfalles mit dem 4-jährigen Jungen und dem Bier (Ankla-

geziffer 1.1, Urk. 31. S. 2 f.) aufgrund diverser Zeugenaussagen als erwiesen an-

zusehen (Urk. 71 S. 20-22). Diesen Sachverhalt anerkannte der Beschuldigte 

immerhin in der Schlusseinvernahme als richtig (Urk. 11/3 S. 10). Der Beschuldig-

te sparte im Zuge seiner Einvernahmen auch nicht mit allerlei generellen oder 

wohl überspannten Gegenanschuldigungen, die keinen Zusammenhang zur vor-

liegenden Sache aufweisen (u.a. Urk. 11/2 S. 7 und 9; Prot. I S. 14 f.; Prot. II 

S. 13).    

10.4.8  Bei gesamthafter Würdigung verbleiben keine vernünftigen Zweifel, dass 

sich der Privatkläger mit seinem legal erworbenen Pfefferspray zur Wehr setzte, 

-   31   - 

nachdem er infolge des zweiten Angriffs durch das Zustechen mit dem Bam-

busspeer am linken Auge verletzt worden war und wohl befürchtete, dass der Be-

schuldigte nicht von ihm ablasse und ihm womöglich weitere Verletzungen zufü-

ge. Zweifellos setzte der Privatkläger den Pfefferspray somit zur Abwehr einer be-

fürchteten oder eingeleiteten neuerlichen Attacke ein, was sich denn auch be-

wahrheitete durch zwei bis drei weitere, folgenlos gebliebene, Stichbewegungen 

des Beschuldigten gegen den Kopf des Privatklägers. Jedenfalls gelang es dem 

Privatkläger gemäss seinen plausiblen Schilderungen, diese weiteren Stichbewe-

gungen mit seinem Rucksack abzufangen und dann durch einen Sprühstoss in 

Richtung des Beschuldigten mit dem Pfefferspray, den er aus der Aussentasche 

des Rucksacks hervorgenommen hatte, gänzlich zu unterbinden. Demzufolge 

sprach er nur von einem Angriffsversuch (Urk. 12/3 S. 4). Ob diese zusätzlichen 

Stichbewegungen vor, während oder unmittelbar nach dem Sprühstoss erfolgten 

– von letzterem scheint die Anklage auszugehen (vgl. Urk. 31 S. 3 f.) – ist sowohl 

für die Sachverhaltserstellung und die rechtliche Würdigung als auch für die wei-

teren Folgen in diesem Verfahren ohne Belang, zumal daraus für den Privatkläger 

keine weiteren Nachteile resultierten.  

Dass der Privatkläger zur Verteidigung gegen befürchtetes oder schon begonne-

nes weiteres Zustechen zu einem wirkungsvolleren Mittel als bloss dem Rucksack 

als Schutzschild griff, indem er konkret den für Notsituationen wie die vorliegende 

mitgeführten Pfefferspray behändigte und auslöste, erscheint bei der gegebenen 

Situation jedenfalls verständlich. Hätte sich der Beschuldigte nach dem Zustechen 

und der dadurch verursachten Augenverletzung vom Privatkläger abgewendet 

und davon gemacht, hätte für den Privatkläger keinerlei Anlass bestanden, den 

Pfefferspray hervorzunehmen. Fadenscheinig ist daher auch das Argument des 

Beschuldigten, der Privatkläger habe ihn vor dem Sprühstoss verbal am Wegge-

hen hindern wollen, weshalb er nochmals in dessen Richtung gegangen und da-

raufhin eingesprüht worden sei.  

Umgekehrt handelte der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt in einer Notwehrsitua-

tion. Vielmehr ging die Aggression beim zu beurteilenden Anklagesachverhalt 

einzig vom Beschuldigten aus (auch hinten Erw. II. 10.7).  

-   32   - 

10.5  In Anbetracht aller aufgelisteten Erkenntnisse tritt das durchaus kritisch zu 

beleuchtende Verhalten des Privatklägers, der sich als Tatopfer nicht selber an 

die Polizei wandte (vgl. auch vorne Erw. II. 3.2), gegenüber den ihn behandelnden 

Ärzten zunächst einen Feuerwerkskörper als Verletzungsursache bezeichnete 

und erst in der dritten Einvernahme einen dritten Angriff(sversuch) des Beschul-

digten und seinen Pfeffersprayeinsatz erwähnte, völlig in den Hintergrund. Jeden-

falls wird das gewonnene Beweisergebnis dadurch nicht wesentlich tangiert.  

Im Übrigen finden sich für dieses Gebaren mehrere plausible Erklärungen:  

10.5.1  Der aus Chile stammende, alleinlebende und psychisch eher labile Privat-

kläger (vgl. vorne Erw. II. 5.) erlitt durch den Vorfall eine schwere Körperverlet-

zung (vgl. hinten Erw. III.), um welche in den Tagen und auch Wochen danach all 

seine Gedanken und Sorgen kreisten und ihn in Zukunftsängste stürzten, weshalb 

er nach der zweimaligen Hospitalisierung infolge der Augenverletzung auch noch 

stationär psychiatrisch behandelt werden musste. Es ist nachvollziehbar, dass für 

den aus dem Nichts in gravierender Weise gesundheitlich beeinträchtigten und 

kurz darauf hospitalisierten Privatkläger eine Strafanzeige in den Tagen nach dem 

Geschehen nicht prioritär gewesen sein dürfte, zumal er auch angesichts seines 

Migrationshintergrundes und der konkreten Lebenssituation mit dem Schweizeri-

schen Rechtssystem kaum vertraut scheint. Zudem kann nicht ausgeschlossen 

werden, dass sich in dieser Phase das von ihm offen deklarierte psychische Lei-

den manifestierte, mithin Verdrängungsmechanismen mitspielten, indem er die 

Realität erst verzögert wahrzunehmen vermochte und darüber hinaus längere Zeit 

das Geschehene nicht richtig begreifen konnte. So hat der Privatkläger in sämtli-

chen Einvernahmen erwähnt, ab dem Moment der Stichverletzung sei alles sehr 

konfus gewesen; er habe Erinnerungsprobleme aufgewiesen, die Erinnerungen 

seien sehr vage gewesen. Vor allem aber ist einfühlbar, dass die Diagnose, das 

Augenlicht links definitiv verloren zu haben, den Privatkläger stark getroffen ha-

ben muss. Das löste offensichtlich eine Überforderung aus, weshalb der Privat-

kläger kaum, da er ca. Mitte August 2015 aus dem Universitätsspital nach Hause 

entlassen worden war, ein zweites Mal, nun im …spital ..., hospitalisiert werden 

musste. Daran schloss sich der ebenfalls medizinisch indizierte Aufenthalt in der 

-   33   - 

Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) an, weil sich beim Privatkläger Anzei-

chen einer Depression zeigten (auch vorne Erw. II. 5.3 und dortige Hinweise). Im 

Ergebnis befand sich der Privatkläger mehrere Wochen in stationärer Betreuung. 

Unter diesen Umständen kann ihm nicht nachteilig ausgelegt werden, dass ihn of-

fenbar erst ein Informationsschreiben der Anklagebehörde von ca. Anfang Okto-

ber 2015 betreffend die Verhaftung des Beschuldigten aufrüttelte und zum Nach-

denken über das Tatgeschehen bewegte.   

Da wie eingangs erwähnt elf Tage nach der Tat die Strafanzeige von Spitalseite, 

d.h. der Augenklinik des Unispitals, erfolgte, bestand insoweit auch kein Hand-

lungsbedarf mehr.  

10.5.2  Sein anfänglicher Hinweis auf einen Feuerwerkskörper kann über das Ge-

sagte hinaus darauf zurückzuführen sein, dass der Privatkläger praktisch unmit-

telbar vor dem unheilvollen Ereignis einen Zwist mit dem Beschuldigten hatte, 

wobei er den Beschuldigten zurechtgewiesen hatte und was ohne Dazwischentre-

ten Dritter wohl in eine tätliche Auseinandersetzung der beiden gemündet hätte 

(vgl. Anklageziffer 1.1, Urk. 31 S. 2 f.). Hier mögen anders ausgedrückt Schamge-

fühle oder zumindest das Bewusstsein eines allfälligen eigenen Fehlverhaltens 

den Privatkläger zusätzlich davon abgehalten haben, auf Anhieb die wirkliche Ur-

sache seiner Verletzung zu offenbaren. Dass sich der Privatkläger hier allenfalls 

zur Wahrheit durchringen musste, beeinträchtigt die Glaubhaftigkeit seiner Aus-

sagen zum Tatgeschehen jedoch nicht.    

10.5.3  Für das erst späte Berichten seines Pfeffersprayeinsatzes und eines drit-

ten Angriffes durch den Beschuldigten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

II. 10.5.1 und 10.5.2 verwiesen werden. Ferner ist zu beachten, dass es in den 

ersten beiden Einvernahmen (Urk. 12/1 und 12/2) noch schwergewichtig um die 

Eruierung der Täterschaft ging. Zudem standen für den Privatkläger zweifellos die 

Geschehnisse im Vorfeld der erlittenen Verletzung und vor allem die eigentliche 

Tathandlung im Zentrum, während die dritte Attacke wie gesehen keine Verwun-

dung mehr zeitigte. Zu bemerken bleibt, dass der Privatkläger wie gezeigt ohne 

äusseren Anstoss gleich zu Beginn der dritten Einvernahme die Pfeffersprayab-

wehr und den weiteren Angriff(sversuch) des Beschuldigten vorbrachte (Urk. 12/3 

-   34   - 

S. 4). Diese staatsanwaltschaftliche Einvernahme von Januar 2016 war in der 

Folge denn auch die ausführlichste.  

10.6  In Bezug auf den subjektiven Sachverhalt hat die Vorinstanz dem Beschul-

digten zutreffend das Wissen um die Gefahr einer schweren Verletzung ange-

rechnet (Urk. 71 S. 36).  

Einerseits gilt als allgemein bekannt, dass Stiche mit einem spitzen Gegenstand 

in den Gesichtsbereich eines Menschen geeignet sind, schwerwiegende Augen-

verletzungen in der Art der eingetretenen hervorzurufen. Auch aufgrund der Aus-

sagen des Beschuldigten, dass durch das Auftreffen einer Stockspitze am Auge 

schwere blutende Verletzungen und sogar der Verlust eines Auges verursacht 

werden könnten, ist zu schliessen, dass der Beschuldigte um die Gefahr des Ver-

ursachens solch irreversibler Schäden wusste (Urk. 11/2 S. 9 ff.).  

10.7  Völlig zu Recht hat die Vorinstanz selbst auf Basis des für den Beschuldig-

ten günstigeren Sachverhalts eine Notwehrsituation klarerweise verneint (Urk. 71 

S. 37). Weder hat der Beschuldigte die behaupteten Morddrohungen ernst ge-

nommen noch stand ein Angriff des Privatklägers bevor oder gab dieser Anlass 

zu einer solchen Annahme. Eine Notwehrsituation lag zu keinem Zeitpunkt vor, 

und der Beschuldigte hatte keinerlei Grund zur Selbstverteidigung oder instinkti-

vem Handeln. Nachdem durchgängig er als Aggressor fungierte, hat – so oder 

anders – der Privatkläger sich mit dem Pfefferspray gegen den Beschuldigten 

gewehrt und nicht umgekehrt. Gegen eine "Instinkt-" bzw. Panikreaktion spricht 

ein weiteres Mal auch das gezielte und überlegte Vorgehen des Beschuldigten.    

10.8  Was das Handlungsmotiv und -ziel angeht, kann schon den eigenen Schil-

derungen des Beschuldigten zum Tatvorgehen entnommen werden, dass er den 

Privatkläger treffen wollte, weshalb er sich entsprechend überlegte, dass er zu-

stechen müsse, um etwas zu erreichen, und er wollte den Privatkläger verletzen, 

wenn auch – so seine Einschränkung – nicht derart schwer. Wie bereits die Vor-

instanz richtig konstatierte, führte der Beschuldigte zu diesem Zweck den Stich 

gezielt horizontal mit beiden Händen aus (Urk. 71 S. 36 f.). Aufgrund des erstell-

ten Sachverhalts steht darüber hinaus und abweichend zum angefochtenen Urteil 

-   35   - 

fest, dass der Beschuldigte den Speerstich vor dem Pfeffersprayeinsatz und da-

her bei intakter Sehschärfe und nicht eingetrübtem Augenlicht sowie mit Gewalt 

(vorne Erw. II. 10.4.5) vornahm. Das deckt sich mit der durchgängig offenbarten 

Aggression des Beschuldigten sowie seiner Bemerkung, dass er auf einer Skala 

von 1 bis 10 mit der Stärke 9 und nicht bloss mit 4 zugestochen hätte, wenn der 

Zustand des Bambusstabes das erlaubt hätte (Urk. 11/2 S. 10). Diese Relativie-

rung wurde indes als Beschönigung entlarvt. Daher ist erwiesen, dass der Stich 

jedenfalls mit ganz erheblicher Intensität erfolgte, ohne dass die exakte Stärke 

eruiert bzw. festgelegt zu werden braucht. Damit in klarem Widerspruch steht die 

Beteuerung des Beschuldigten, er habe dem Privatkläger auf keinen Fall ins Auge 

stechen wollen (Urk. 11/3 S. 7 f.). Wer wie der Beschuldigte derart vorgeht, zeigt 

mit aller Deutlichkeit seinen Willen, das fraglos anvisierte Auge des Opfers nicht 

nur zu treffen, sondern es auch zu zerstören, unbrauchbar zu machen, was vor-

liegend auch geschah. Der Beschuldigte hat diese Folge bewusst und gewollt 

herbeigeführt. Es ist dem Hauptstandpunkt der Staatsanwaltschaft (Urk. 54 S. 8 

und Prot. I S. 27) folgend und abweichend von der Vorinstanz von direktvorsätzli-

chem Tathandeln auszugehen. Eine allfällige gewisse Verwunderung über den 

bewirkten Handlungserfolg im Nachhinein kann den Tatvorsatz nicht beseitigen.  

10.9  Der Anklagesachverhalt von Ziffer 1.2 ist demnach wie aufgezeigt erstellt.  

11. Rechtliche Würdigung 

Übereinstimmend mit der Staatsanwaltschaft hat die Vorinstanz den Sachverhalt 

zutreffend als schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB (Un-

brauchbarmachung eines wichtigen Organs) qualifiziert (Urk. 71 S. 38). Wie dar-

gelegt, ist direkter Vorsatz zu bejahen und eine Notwehrsituation des Beschuldig-

ten zu verwerfen. Liegt keine Notwehrsituation vor, ist grundsätzlich auch ein 

Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 StGB zu verneinen (so die Verteidigung in 

Urk. 85 S. 11 f.). Da Rechtsfertigungs- oder Schuldausschlussgründe fehlen, ist 

der Beschuldigte in Bestätigung des angefochtenen Urteils der schweren Körper-

verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. 

-   36   - 

III. Sanktion 

1. Allgemeine Strafzumessungskriterien und Strafrahmen 

Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung einschliesslich der Un-

terscheidung zwischen Tat- und Täterkomponenten wurden von der Vorinstanz 

unter Hinweis auf die Lehre und Rechtsprechung korrekt und umfassend wieder-

gegeben (Urk. 71 S. 39-42). Die zu beurteilende schwere Körperverletzung ist mit 

Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen 

zu bestrafen (Art. 122 Abs. 4 StGB). Es besteht kein Grund, den ordentlichen 

Strafrahmen zu erweitern (BGE 136 IV 55 E. 5.8).  

2. Tatkomponente 

2.1 Objektive Tatschwere 

2.1.1  Ohne weiteres kann zur objektiven Tatschwere zunächst den vorinstanzli-

chen Überlegungen gefolgt werden (vgl. Urk. 71 S. 42 f.), wonach der Beschuldig-

te erheblich und in rücksichtsloser Weise in die körperliche Unversehrtheit des 

Privatklägers eingriff und diesem sinnlos mehrere gravierende Verletzungen am 

Augenmuskel, an der Augenhöhlenwand und am linken Sehnerv zufügte, welche 

letztlich im vollständigen und dauernden Verlust des Augenlichtes linksseitig und 

einem längeren Spitalaufenthalt resultierten.  

Aufgrund dieser klaren und irreversiblen körperlichen Folgen gesellten sich ver-

ständlicherweise erhebliche psychische Probleme hinzu (vgl. vorne Erw. II. 10.5; 

Urk. 55 S. 3 f.). Da beim getroffenen Auge auch der Tränensack verletzt wurde, 

tränt es häufig und errötet schnell, was sich auch in den Einvernahmen zeigte, 

weshalb der Privatkläger zum Schutz eine getönte Brille trägt und monatlich zur 

Augenkontrolle geht (u.a. Urk. 12/3 S. 6; Urk. 55 S. 2). Seinen angestammten Be-

ruf als Elektriker, auf welchem er früher zu 100% gearbeitet hatte, kann er kaum 

mehr ausüben, da die Tätigkeit räumliches Sehen bedingt. Namentlich darf er 

keine Maschinen mehr bedienen und keine heiklen Arbeiten verrichten. Vor dem 

Vorfall übte er allerdings nicht mehr seinen Beruf aus, sondern ging einer 50% -

Tätigkeit im Sozialprogramm der … nach (Urk. 12/3 S. 17 f.).  

-   37   - 

2.1.2  Auch bezüglich des Tatvorgehens sind vorab die vorinstanzlichen Erwä-

gungen zu übernehmen: Der Beschuldigte hat einige kriminelle Energie offenbart, 

indem er dem Privatkläger grundlos gefolgt ist, ihn zuerst schlug und dann in ei-

ner zweiten Attacke gezielt, beidhändig und kraftvoll den Stich mit dem Bambus-

stab von vorne ins linke Auge ausführte. Seine Vorgehensweise zeugt von einer 

besonderen Grausamkeit, Dreistigkeit und Rücksichtslosigkeit, indem er das Op-

fer einerseits überraschend und von hinten sowie bei Dunkelheit anging und weil 

er sich Gedanken machte zur Effizienz seines Tuns, es ihm darum ging, dadurch 

auch etwas zu erreichen (Urk. 71 S. 43). Darin widerspiegelt sich eine Hartnä-

ckigkeit im Handeln und eine Steigerung der Aggressivität sowie der Gefährlich-

keit betreffend des Verletzungsrisikos und dessen Schwere. Eine relativierende 

Berücksichtigung wie im angefochtenen Urteil, weil der Beschuldigte den Bam-

busstab zufällig vor Ort gefunden habe, entfällt angesichts der im Berufungsver-

fahren abweichenden Sachverhaltserstellung. Das objektive Tatverschulden ist 

ohne weiteres als mittelschwer bis sehr erheblich zu bezeichnen. Bei dieser Be-

wertung resultiert eine hypothetische Einsatzstrafe in der oberen Hälfte des mittle-

ren Drittels des anwendbaren Strafrahmens, mindestens bei sechs Jahren Frei-

heitsstrafe.  

2.2 Subjektive Tatschwere   

In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des subjektiven Verschuldens vor-

zunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere 

tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der Schuldfähigkeit 

gemäss Art. 19 StGB – wer in seiner Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit be-

einträchtigt ist, den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf; sein Ver-

schulden ist minder, was zu einer tieferen Strafe führen muss – sowie die Willens-

richtung und das Motiv. Ferner sind allfällige weitere subjektive Verschuldens-

komponenten (zum Beispiel Art. 48 StGB) zu berücksichtigen. 

2.2.1  Wie im angefochtenen Urteil zutreffend erwogen, hat der Beschuldigte bei 

voll erhaltener Schuldfähigkeit gehandelt (Urk. 71 S. 43 f.), so dass unter diesem 

Titel keine Strafreduktion in Frage kommt. Auch wenn mit der Vorinstanz anzu-

nehmen ist, dass sowohl der Privatkläger als auch der Beschuldigte im Tatzeit-

-   38   - 

punkt einen gewissen Alkoholpegel aufgewiesen haben, ist dennoch gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung erst bei einer Blutalkoholkonzentration ab 

ca. 2 Promille eine Vermutung für eine verminderte Schuldfähigkeit gegeben. In 

casu bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte im Tatzeit-

punkt auch nur einen annähernd hohen Promillewert aufgewiesen hat. Im Übrigen 

macht dies nicht einmal er selber geltend. 

2.2.2  Was die Willensrichtung betrifft, verübte der Beschuldigte die Tat wie darge-

legt mit direktem Vorsatz. Diesbezüglich fällt einzig zu Gunsten des Beschuldigten 

in Betracht, dass er die Tat nicht lange im Voraus plante, sondern dass sich sein 

Verhalten wohl mehr aus der Situation am späten Nachmittag und Abend heraus 

entwickelte. Das rechtfertigt aber nur eine ganz minime Strafminderung. 

2.2.3  Das Motiv des Beschuldigten erscheint mit der Vorinstanz als nicht vollends 

klar. Im Vordergrund dürften Racheüberlegungen oder Kränkungsgefühle stehen, 

nachdem der Privatkläger den Beschuldigten am späten Nachmittag zur Rede 

gestellt hatte, weil er – unbestrittenermassen (Prot. I S. 13) – einem vierjährigen 

Knaben eine Bierdose unter die Achsel gedrückt und diesem eine Rassel wegge-

nommen hatte, was zu einem verbalen Disput zwischen dem Privatkläger und 

dem Beschuldigten führte. Ob es sich dabei um ein Missverständnis gehandelt 

haben mag (vgl. Prot. I S. 14), kann offen bleiben. Gewiss aber lag wie gezeigt 

keine Provokation oder Bedrohung durch den Privatkläger vor, auch nicht im Zuge 

des Tatgeschehens auf der D._____-Strasse. Strafreduktionsgründe nach Art. 48 

StGB wie achtenswerte Beweggründe, schwere Bedrängnis oder schwere Dro-

hung fallen ausser Betracht. Die Aggression ging klarerweise von ihm aus und 

entsprechend beharrlich suchte er die Konfrontation mit dem Privatkläger. Die Tat 

fusst jedenfalls auf einem nichtigen Anlass. Das Motiv kann den Beschuldigten 

daher in keiner Weise entlasten.   

2.2.4  Dem Beschuldigten stand stets die volle Entscheidungsfreiheit zur Verfü-

gung. Zunächst hätte er die Besorgnis des Privatklägers betreffend die Gabe von 

Bier an den kleinen Jungen ernst nehmen und sich überhaupt ruhig verhalten 

können, so dass es gar nicht zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen 

wäre. Sodann hätte er davon absehen können, dem nach Hause gehenden Pri-

-   39   - 

vatkläger nachzufolgen und diesen unvermittelt zu attackieren. Auch im Tatge-

schehen anerbot sich ihm mehrere Male die Gelegenheit, die Ereigniskette abzu-

brechen und sich wieder definitiv zurückzuziehen, statt seine Offensive gegen den 

Privatkläger mit weiteren Handlungen fortzusetzen.     

2.3 Fazit Tatkomponente 

Die subjektive Tatschwere vermag die objektive Tatschwere nur marginal zu rela-

tivieren. Es bleibt insgesamt bei einem mittelschweren bis sehr erheblichen Tat-

verschulden. Die Einsatzstrafe liegt bei 5 ¾ Jahren.  

3. Täterkomponente 

3.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse 

Die Biografie des heute 62-jährigen Beschuldigten, die sich weitestgehend auf 

seine Angaben abstützt (Urk. 11/1; Urk. 11/2 S. 2-6; Urk. 11/3 S. 16; Prot. I      

S. 8-2), ist im angefochtenen Urteil detailliert aufgeführt. Es kann vollumfänglich 

auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden (Urk. 71 S. 44 f.; Art. 82 

Abs. 4 StPO), zumal der Beschuldigte diese anlässlich der Berufungsverhandlung 

bestätigte (Prot. II S. 7 ff.). Anzufügen ist, dass der Beschuldigte keine Kinder hat 

und alleine lebt.  

Aus dieser Biografie ergeben sich keine Aspekte, die für die Strafzumessung re-

levant wären.  

3.2 Vorstrafen 

Gemäss dem aktuellen Strafregisterauszug weist der Beschuldigte keine Vorstra-

fen auf (Urk. 51). Die Vorstrafenlosigkeit wirkt sich gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung neutral aus (BGE 136 IV E. 2.6.4.).   

3.3 Nachtatverhalten 

3.3.1  Zum Nachtatverhalten zählen namentlich Geständnis, Einsicht und Reue, 

ferner das Verhalten im Strafverfahren. Bei einem umfassenden Geständnis von 

-   40   - 

allem Anfang an, einschliesslich echter Einsicht in das Unrecht der Tat(en) und 

aufrichtiger Reue betreffend die bewirkte Schädigung oder Verletzung kann sich 

eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel rechtfertigen (BGE 121 IV 202 

E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in 

welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Verzicht auf 

Strafminderung ist zulässig, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht er-

leichtert hat, namentlich weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweis-

lage oder gar erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig gewor-

den ist (Urteil des Bundesgerichts vom 21. November 2011 6B_558/2011 E. 2.3). 

Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen positives Nach-

tatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen kann. Zu 

einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an und aus 

eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach Vorlage ent-

sprechender Beweise. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung 

dazu, wozu zählt, dass beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldig-

ten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden 

können, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. 

Schliesslich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all die-

se Faktoren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Feh-

len einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern 

(BSK StGB I - Wiprächtiger/Keller, 3. Aufl. Basel 2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB; 

Trechsel/Affolter-Eijsten, in: Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 22 und N 24 zu 

Art. 47 StGB). 

3.3.2  Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten eine Strafminderung von rund 30% 

zugestanden (Urk. 71 S. 45 f.). Diesem Rabatt kann aus den folgenden Gründen 

nicht zugestimmt werden:  

Zum einen hat sie selber zu Recht erwogen, dass vorliegend von Einsicht und 

echter Reue nicht gesprochen werden kann und dass lediglich ein Teilgeständnis 

vorliegt, indem der Beschuldigte einräumte, die Augenverletzung des Privatklä-

gers verursacht zu haben. Ansonsten präsentierte er einen andern Tatablauf, 

-   41   - 

stellte grundsätzlich den Privatkläger als Provokateur und teilweise als Angreifer 

hin, berief sich auf eine Notwehrsituation und schlüpfte entsprechend auch selber 

in die Opferrolle. Seine Standpunkte haben sich aber nicht bewahrheitet. Daher 

resultierte aus dem Teilgeständnis auch keine wesentliche Verfahrensvereinfa-

chung. Ein Bestreiten hätte dem Beschuldigten auch nicht viel genützt, nachdem 

sich an jenem Sonntag eine grössere Zahl von (gemeinsamen) Bekannten, die 

sich laut dem Beschuldigten seit vielen Jahren alle vom Sehen kennen und ge-

genseitig jedenfalls den Rufnamen wissen, auf dem "…-Platz" beim Hafen 

C._____ versammelt, musiziert und gefeiert hatten (vgl. Urk. 11/2 S. 12). Einige 

hatten die nachmittägliche verbale Auseinandersetzung zwischen dem Privatklä-

ger und dem Beschuldigten mitbekommen (vgl. Urk. 71 S. 19 ff.) und namentlich 

der Zeuge E._____ hatte darüber hinaus selbst beobachtet, wie der Beschuldigte 

dem Privatkläger sogleich nachgefolgt war, und er war vom Beschuldigten unmit-

telbar nach dessen Rückkehr persönlich über die noch stattgehabte, tätliche Aus-

einandersetzung orientiert worden. Das Teilgeständnis erfolgte im Übrigen auch 

nicht besonders spontan, sondern der Beschuldigte stellte zunächst in Abrede, 

dass es seine Absicht gewesen sei, jemanden anzugreifen und zu verletzen 

(Urk. 11/2 S. 7). 

Der Beschuldigte stellte sich nach dem Vorfall auch nicht etwa von sich aus, ob-

wohl er offensichtlich mit einem Verfahren rechnete: So suchte er zwei Tage nach 

dem Geschehen vor Ort (vergeblich) nach dem Bambusstab, den er unbedingt 

haben wollte, damit er diesen dann dem Richter zeigen könne (Urk. 11/2 S. 11).  

Schliesslich kann auch seiner halbherzigen Entschuldigung vor Vorinstanz, die 

allgemeingehalten ist und nicht an den Privatkläger gerichtet, begleitet vom 

Kommentar, es sei ausserhalb von seinem Willen passiert und worin er um ge-

rechte Beurteilung für sich ersucht (Prot. I S. 38), keine aufrichtige Reue entnom-

men werden. Anlässlich der Berufungsverhandlung sprach der Beschuldigte fer-

ner ebenfalls nur davon, dass er "unglücklicherweise einen Bambusstock gefun-

den" habe (Prot. II S. 13 und 15). 

3.3.3  Unter all diesen Umständen ist für das Nachtatverhalten lediglich eine leich-

te Strafminderung angebracht. 

-   42   - 

3.4 Strafempfindlichkeit 

3.4.1  Zur Täterkomponente zählt auch die Strafempfindlichkeit, welche von der 

Vorinstanz zwar einleitend erwähnt (Urk. 71 S. 40, "Wirkung der Strafe auf das 

Leben des Täters"), in der Folge aber nicht weiter thematisiert wurde. So sind bei 

der Festsetzung der Strafe deren Folgen für den Verurteilten und dessen soziales 

Umfeld zu beachten. Zu berücksichtigen ist die „Wirkung der Strafe auf das Leben 

des Täters“ (Art. 47 Abs. 1 a.E. StGB). Da jede Strafe Folgen für den Täter hat, 

sind von vornherein nur solche zu berücksichtigen, welche den Täter überdurch-

schnittlich treffen. Gemeint ist eine erhöhte Strafempfindlichkeit, welche sehr zu-

rückhaltend und nur bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände zu bejahen ist 

(Urteile des Bundesgerichts 6B_1065/2010 vom 31. März 2011 E. 1.10; 

6B_415/2010 vom 1. September 2010 E. 5.8; 6B_470/2009 vom 23. November 

2009 E. 2.5). So kann eine erhöhte Strafempfindlichkeit etwa bei fortgeschritte-

nem Alter oder Krankheit gegeben sein. Beides trifft auf den Beschuldigten nicht 

zu und es sind auch sonst keine aussergewöhnlichen Umstände dargetan oder 

ersichtlich. 

Gemäss konstanter höchstrichterlicher Praxis stellt die Verbüssung einer langjäh-

rigen Freiheitsstrafe für jeden sogar in ein familiäres oder soziales Umfeld einge-

betteten Verurteilten eine gewisse Härte dar (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 

6B_312/2016 vom 23. Juni 2016 E. 1.5.3; 6B_1032/2014 vom 8. Januar 2015 

E. 1.3.1; 6B_375/2014 vom 28. August 2014 E. 2.6; 6B_605/2013 vom 13. Januar 

2014 E. 2.4.3; 6B_499/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 1.4; je mit Hinweisen; auch 

BSK StGB I - Wiprächtiger/Keller, 3. Aufl. Basel 2013, Art. 47 N 150 ff.). Ebenso 

unbestritten ist, dass ein Strafvollzug für die Angehörigen eine grosse Belastung 

darstellt. Einschränkungen im sozialen und beruflichen Umfeld sind aber eine ge-

setzmässige und damit unvermeidliche Konsequenz jeder freiheitsentziehenden 

Sanktion. Daran würde sogar der Verlust einer selbständigen Arbeitstätigkeit 

nichts ändern. Jedes Strafverfahren bringt neben dem Schuldspruch und der 

Sanktion zusätzliche Belastungen mit sich (Urteil des Bundesgerichts 

6B_107/2011 vom 23. Mai 2011 E. 3.3.2). Wenn der Gesetzgeber für schwere 

Delikte langjährige Freiheitsstrafen vorsieht, gibt er damit zu erkennen, dass es 

-   43   - 

Strafen immanent ist, dass sie tief ins Leben von Bestraften eingreifen können. 

Diese Folge ist gewollt und kann nicht als Begründung für eine besondere Straf-

empfindlichkeit dienen (BSK StGB I – Wiprächtiger/Keller, a.a.O. Art. 47 

N 150 ff.); Urteil des Bundesgerichts 6P.39/2004 vom 23. Juli 2004 E. 7.4).  

3.4.2  Der Beschuldigte ist weder besonders alt noch krank. Als alleine Lebender 

ohne feste Partnerin und ohne Kinder ist er nicht in ein familiäres Umfeld einge-

bettet. Die Kündigung des Arbeitsvertrages (Urk. 11/1 S. 3 f.; Urk. 26/9) ist eine 

unvermeidliche Konsequenz des Freiheitsentzugs.  

Somit lässt sich eine besondere Strafempfindlichkeit weder aus persönlichen 

noch beruflichen Gründen ableiten, die strafmindernd zu berücksichtigen wäre. 

4. Fazit Freiheitsstrafe 

Ausgehend von der Einsatzstrafe für das Tatverschulden von 5 ¾ Jahren führt die 

Täterkomponente angesichts des zu berücksichtigenden Teilgeständnisses zu  

einer Reduktion der Strafe auf 5 Jahre. Die durch Haft bis und mit heute erstan-

denen 607 Tage sind gemäss Art. 51 StGB an diese Strafe anzurechnen.  

IV. Zivilansprüche 

1. Grundlagen 

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen für die Geltendmachung von zivilen 

Ansprüchen im Strafverfahren sowie der Voraussetzungen zur Zusprechung von 

Schadenersatz und Genugtuung kann vorab auf die entsprechenden Ausführun-

gen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 71 S. 47-49).  

2. Schadenersatz 

Mit sorgfältiger und zutreffender Begründung hat die Vorinstanz den Beschuldig-

ten antragsgemäss verpflichtet, dem Privatkläger Schadenersatz in der Höhe von 

Fr. 2'135.– – insbesondere aus Verdienstausfall und für Therapiekosten – zuzüg-

lich 5% Zins ab 2. März 2016 (mittlerer Verfall) zu bezahlen. Darüber hinaus hat 

-   44   - 

sie die grundsätzliche Schadenersatzpflicht des Beschuldigten aus dem einge-

klagten Ereignis festgestellt und vorgemerkt, dass sich der Privatkläger die Gel-

tendmachung weiterer Schadenersatzforderungen vorbehält. Dieser Entscheid ist 

zu bestätigen und die diesbezüglichen Erwägungen im angefochtenen Urteil sind 

ohne Ergänzung zu übernehmen (Urk. 71 S. 48 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3. Genugtuung 

3.1 Die Ausrichtung einer Geldleistung als Genugtuung bezweckt einen (scha-

denersatzunabhängigen) Ausgleich für einen erlittenen physischen und/oder see-

lischen Schmerz. Diese Geldleistung soll beim Geschädigten ein materielles Ge-

gengewicht für den erlittenen immateriellen Schaden darstellen. Da eine Genug-

tuungssumme unter Würdigung der besonderen Umstände zuzusprechen ist, hat 

das Gericht gemäss Art. 4 ZGB die Frage, ob eine Genugtuung auszusprechen ist 

und wie hoch sie sein soll, nach Recht und Billigkeit zu entscheiden. Bei der Be-

messung der Genugtuungssumme kommt es auf die Art und Weise der Verlet-

zung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Be-

troffenen sowie auf den Grad des Verschuldens am Schadenereignis an, das den 

Schädiger trifft. Je schwerwiegender die Umstände sind und je intensiver die Un-

bill auf den Anspruchsteller eingewirkt hat, umso höher ist grundsätzlich die Ge-

nugtuungssumme. Dem Gericht kommt bei der Bemessung und Festsetzung der 

Genugtuungsleistung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BSK OR I - Kess-

ler, 6. Auflage Basel 2015, Art. 47 N 20 f.). Bei der Festsetzung der Höhe der Ge-

nugtuung spielen die finanziellen Verhältnisse des Pflichtigen wie auch des Ge-

schädigten keine Rolle.  

3.2 Mit Recht hat die Vorinstanz einen Genugtuungsanspruch des Privatklägers 

aufgrund der Schwere der Persönlichkeitsverletzung bejaht und sodann konsta-

tiert, dass die sozialversicherungsrechtliche Integritätsentschädigung – auf welche 

sich der Privatkläger bei der auch im Berufungsverfahren geltend gemachten 

Summe von Fr. 60'000.– beruft (Urk. 55; Urk. 83) – ein für das Gericht unverbind-

licher Richtwert darstellt, die zuzusprechende Genugtuungssumme indessen 

nach richterlichem Ermessen festzulegen ist (Urk. 71 S. 50).  

-   45   - 

Die Vorinstanz erachtete gestützt auf das Verschulden des Täters, die Tatfolgen 

für das Opfer und die Intensität der erlittenen Unbill eine Genugtuung in der Höhe 

von Fr. 25'000.– als angemessen. Konkret berücksichtigte sie, dass der Beschul-

digte dem Privatkläger durch die Gewalttat eine traumatisierende Verletzung zu-

gefügt hat und dass den Privatkläger keinerlei Verschulden an der Verletzung 

trifft. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt nach Ansicht der Vorinstanz be-

trächtlich. Selbst ausgehend von eventualvorsätzlichem Handeln gelangte die  

Vorinstanz haftpflichtrechtlich zu einem hohen Verschuldensgrad. Weiter führte 

sie an, dass die Verletzung, obwohl gravierend, keine sichtbare kosmetische Be-

einträchtigung zur Folge hatte, da von aussen betrachtet die Erblindung auf dem 

linken Auge nicht sichtbar ist und der Privatkläger dieses auch nach wie vor be-

wegen kann. Ausserdem sei aktenkundig, dass der Privatkläger bereits vor dem 

Ereignis an Augenproblemen sowie an psychischen Störungen gelitten habe und 

die letzteren teilweise nicht durch die Gewalttat des Beschuldigten entstanden 

seien (Urk. 48/2 S. 2). Schliesslich erwog die Vorinstanz, der Privatkläger sei im 

Tatzeitpunkt bereits vom Sozialamt unterstützt worden und habe seit längerem 

nicht mehr auf seinem Beruf als Elektriker gearbeitet, weshalb er durch die Tat 

nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Leben und seinem bekannten Ar-

beitsumfeld gerissen worden sei (Urk. 71 S. 51). 

3.3 Diesen Erwägungen ist mit den nachstehenden Abweichungen zuzustim-

men:  

3.3.1  Wie aufgezeigt, ist im Unterschied zur vorinstanzlichen Auffassung von di-

rektem Vorsatz auszugehen, d.h. aggressivem, sehr gezieltem und niederträchti-

gem Vorgehen aus nichtigem Anlass, ohne dass etwa ein langjähriger schwelen-

der Konflikt der beiden