# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 52b5eb2d-ad21-5121-8828-c2320469254d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-02-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.02.2010 D-1018/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1018-2010_2010-02-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1018/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  F e b r u a r  2 0 1 0

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

1. A._______, geboren (...),
2. B._______, geboren (...),
3. C._______, geboren (...),
4. D._______, geboren (...),
Rumänien,
c/o Schweizer Botschaft in Budapest
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 7. Januar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1018/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass  die  Beschwerdeführenden  1,  2  und  4  am  23.  Juli  2008  im 
Empfangs- und Verfahrenszentrum E._______ ein erstes Asylgesuch 
einreichten, 

dass die Beschwerdeführenden 1, 2 und 4 am 27. November 2008 ihre 
am 23. Juli 2008 eingereichten Asylgesuche zurückzogen, worauf die 
Vorinstanz die Asylgesuche am 2. Dezember 2008 als gegenstandslos 
geworden abschrieb,

dass  die  Beschwerdeführenden  1,  2  und  4  am  8.  Dezember  2008 
kontrolliert auf dem Landweg Richtung Ungarn ausreisten, 

dass  die  sich  in  F._______  (Ungarn)  aufhaltenden  Beschwerde-
führenden mit auf den 12. November 2009 datierter, beim BFM am 18. 
November 2009 eingegangener deutschsprachiger Eingabe erneut ein 
Asylgesuch einreichten, 

dass das BFM mit  Verfügung vom 7. Januar 2010 -  eröffnet  am 20. 
Januar  2010  -  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ablehnte 
und ihnen die Einreise in die Schweiz nicht bewilligte, 

dass die Beschwerdeführenden mit deutschsprachiger Eingabe vom 4. 
Februar  2010  (Eingang:  8.  Februar  2010)  bei  der  Schweizerischen 
Botschaft  in  Budapest  Beschwerde  einreichten  und  sinngemäss  die 
Aufhebung der Verfügung des BFM vom 7. Januar 2010 und die Ge-
währung von Asyl sowie die Bewilligung zur Einreise beantragten, 

dass in der Folge die Beschwerde von der Schweizerischen Vertretung 
in  Budapest  zusammen mit  den eingereichten Beweismitteln  an das 
BFM überwiesen wurde (Eingang: 18. Februar 2010), 

dass  das  BFM  gleichentags  die  Beschwerde  mit  den  eingereichten 
Beweismitteln zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht 
weiterleitete (Eingang: 19. Februar 2010), 

und zieht in Erwägung, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden 
gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM 

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entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m. Art. 31  -  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass  die  Beschwerdeführenden  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders berührt  sind,  ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung 
der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 und 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) 
und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer 
schweizerischen Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem 
Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG), wobei die 
schweizerische Vertretung mit der asylsuchenden Person in der Regel 
eine Befragung durchführt  (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 
11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]),

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dass, wenn eine Befragung nicht möglich ist, die asylsuchende Person 
von der Vertretung aufgefordert  wird,  ihre Asylgründe schriftlich fest-
zuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1), 

dass  gemäss  Praxis  im  Auslandverfahren  von  einer  Befragung  der 
asylsuchenden Person nur abgewichen werden kann, wenn eine Be-
fragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen 
Gründen unmöglich ist (vgl. BVGE 2007/30 E. 5 S. 362 ff.), 

dass,  wenn  die  Befragung  nicht  durchgeführt  werden  kann,  die 
gesuchstellende Person - soweit möglich und notwendig - mittels eines 
individualisierten und konkretisierten Schreibens aufgefordert  werden 
muss, ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen und sie 
dabei auf die allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids infolge 
Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen ist, 

dass sich eine persönliche Befragung ebenfalls erübrigen kann, wenn 
der  Sachverhalt  schon  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs 
entscheidreif erstellt ist, 

dass der asylsuchenden Person das rechtliche Gehör zu gewähren ist, 
wenn sich ein negativer Entscheid abzeichnet,

dass das Bundesamt gehalten ist, den Verzicht auf eine Befragung im 
Ausland  in  der  Verfügung  zu  begründen  (vgl.  BVGE  2007/30  E.  5 
S. 362 ff.),

dass  im vorliegenden Auslandverfahren davon auszugehen ist,  dass 
eine Befragung der  Beschwerdeführenden durch die Schweizerische 
Vertretung  in  Budapest  möglich  gewesen  wäre,  weshalb  sie  zu  Un-
recht unterlassen wurde, 

dass  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  gemäss  Rechtsprechung 
des Bundesverwaltungsgerichts zudem zwingend das rechtliche Gehör 
zu  dem  sich  abzeichnenden  negativen  Entscheid  hätte  gewähren 
müssen, worauf jedoch verzichtet wurde, 

dass diese Mängel auf Beschwerdeebene nicht zu heilen sind, zumal 
es  aufgrund  der  in  der  Beschwerde  geltend  gemachten  Vorbringen, 
welche näherer Prüfung bedürfen, zur vollständigen Sachverhaltsfest-
stellung notwendig  erscheint,  die  Beschwerdeführenden zu befragen 

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oder diesen zumindest Gelegenheit zu geben, zu einzelnen konkreten 
Fragen schriftlich Stellung zu nehmen, 

dass  indessen  den  Beschwerdeführenden  nicht  allein  aufgrund  der 
unterlassenen Gewährung des rechtlichen Gehörs die Einreise in die 
Schweiz zu bewilligen ist, 

dass  im  Weiteren  aufgrund  der  Aktenlage  nicht  genügend  konkrete 
Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, den Beschwerdeführenden 
wäre ein Verbleib in Ungarn für die Dauer der weiteren, noch erforder-
lichen  Verfahrenshandlungen  nicht  zumutbar  im  Sinne  von  Art. 20 
Abs. 2 AsylG,

dass  nach  dem  Gesagten  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben 
und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie zur Neubeurteilung 
im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, 

dass  somit  die  Beschwerde  gutzuheissen,  die  vorinstanzliche  Ver-
fügung  vom  7.  Januar  2010  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzu-
weisen  ist,  den  Beschwerdeführenden  das  rechtliche  Gehör  zu  ge-
währen, den rechtserheblichen Sachverhalt gegebenenfalls ergänzend 
vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass die Beschwerdeführenden im vorliegenden Beschwerdeverfahren 
nicht  anwaltlich  vertreten  wurden,  weshalb  nicht  davon  auszugehen 
ist,  ihnen seien durch die Beschwerdeführung verhältnismässig hohe 
Kosten  erwachsen,  weswegen  keine  Parteientschädigung  zuzu-
sprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und das Verfahren wird 
im Sinne der Erwägungen zum neuen Entscheid an das BFM zurück-
gewiesen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführenden (durch Vermittlung der Schweizerischen 
Botschaft in Budapest)

- die Schweizerische Botschaft  in Budapest  (unter  Hinweis auf  ihre 
Referenznummer (...), mit der Bitte um Eröffnung des Urteils an die 
Beschwerdeführenden  sowie  um  Zustellung  der 
Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungsgericht)

- das BFM, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand:

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