# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3590806-7ca8-59fe-9376-56d9e8503714
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 1998 3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-1998-3_0000-00-00.pdf

## Full Text

3    -  Vormundschaftsbehörde; Ausstand (Art. 361 
ZGB; Art. 4, Art. 58 BV; Art. 42 ff. EG zum ZGB; Art. 18 
GVG). Für den Ausstand von Mitgliedern der 
Vormundschaftsbehörde gelten ähnlich strenge 
Ausstandsgründe wie für Gerichts- personen.

Aus den Erwägungen:
Die richtige Zusammensetzung einer kantonalen Verwaltungs- 

oder Gerichtsbehörde bestimmt sich in erster Linie nach dem kantonalen 
Orga- nisations- und Verwaltungsrecht. Dieses regelt auch, unter 
welchen Voraus- setzungen Behördenmitglieder (die Angehörigen von 
Vormundschaftsbe- hörden etwa) in den Ausstand treten müssen bzw. 
abgelehnt werden können (Häfelin/Müller, Grundriss des Allgemeinen 
Verwaltungsrechts, 3. Aufl., Zürich 1993, S. 108, Rz. 439; 
Schnyder/Murer, Berner Kommentar, Das Vormundschaftsrecht, 3. 
Aufl., Bern 1984, N. 115 zu Art. 361 ZGB). Da- neben gewährleistet Art. 
58 Abs. 1 BV, dass eine Streitsache durch ein un- parteiisches und 
unabhängiges Gericht beurteilt wird. Entscheidet nicht eine gerichtliche 
Instanz, sondern eine Verwaltungsbehörde oder ein Parla- ment, ergibt 
sich aus Art. 4 BV ein gleichartiger Anspruch (BGE 120 la 186 f., 119 
V 465, 117 la 409; Häfelin/Müller, ebenda). Da politische Behör- den 
(Kantonsregierungen, Gemeindeexekutiven etc.) anders als Gerichte 
nicht allein zur neutralen Rechtsanwendung oder Streitentscheidung 
beru- fen sind, haben ihre Mitglieder nach der bundesgerichtlichen 
Rechtspre- chung gestützt auf Art. 4 BV nur dann in den Ausstand zu 
treten, wenn sie an der zu behandelnden Sache ein persönliches 
Interesse haben (ZBI 99 [1998] S. 291 f.). Geht es aber wie hier um 
Vormundschaftsbehörden, gilt es zu berücksichtigen, dass ihre 
Aufgaben in einzelnen Kantonen von gericht- lichen Instanzen 
wahrgenommen werden (Tuor/Schnyder/Schmid, Das Schweizerische 
Zivilgesetzbuch, 11. Aufl., Zürich 1995, S. 378) und dass sie
die Rechtsstellung des Betroffenen empfindlich beschränkende 
Zwangs- massnahmen anordnen können, die sonst grundsätzlich 
gerichtlichen Behörden vorbehalten sind. Dies legt es nahe, bei der 
Beurteilung der Be- fangenheit von Mitgliedern einer 
Vormundschaftsbehörde einen ähnlich strengen Massstab 
anzuwenden wie gegenüber Justizpersonen. Dann aber
kann offen bleiben, ob die in Art. 18 des Gerichtsverfassungsgesetzes 
des Kantons Graubünden aufgezählten, von den Justizpersonen zu 
beachten- den Ausstandsgründe trotz Fehlens eines Verweises im 
entsprechenden Ab- schnitt des bündnerischen EG zum ZGB (Art 42 ff.) 
auch für die Mitglieder von Vormundschaftsbehörden gelten. Art. 18 
GVG konkretisiert lediglich die sich bereits aus Art. 58 Abs. 1 BV 
ergebenden Grundsätze und schafft keine weitergehenden Ansprüche.
ZF 98 79 Urteil vom 1. Dezember 1998

13