# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2914ca0-991c-58ca-89b1-057594206e29
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.06.2024 F-62/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-62-2024_2024-06-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-62/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Basil Cupa (Vorsitz), 

Richter Yannick Antoniazza-Hafner,  

Richter Sebastian Kempe,    

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

(…),   

vertreten durch B._______,  

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Erlöschen der vorläufigen Aufnahme;  

Verfügung des SEM vom 1. Dezember 2023. 

 

 

 

F-62/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (geboren [...] 1993, sri-lankischer Staatsangehöriger) reiste zu-

sammen mit seiner Stiefmutter und seinem Halbbruder am 11. Januar 2010 

zu seinem als Flüchtling anerkannten Vater in die Schweiz ein und stellte 

ein Asylgesuch. Mit Asylentscheid vom 25. Januar 2010 verneinte das da-

malige Bundesamt für Migration BFM die originäre Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 AsylG (SR 142.31), bezog A._______ aber 

gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft seines Vaters 

ein und gewährte ihm Asyl. Er erhielt am 12. März 2010 eine Aufenthalts-

bewilligung B.  

B.  

In der Folge ergingen gegen A._______ zahlreiche Strafentscheide, unter 

anderem wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Übertretung des Be-

täubungsmittelgesetzes. Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte ihn am 

12. August 2015 unter anderem wegen Brandstiftung mit Gefahr für Leib 

und Leben von Menschen zu einer Freiheitsstrafe von 54 Monaten, wobei 

es den Vollzug zugunsten einer stationären Massnahme für junge Erwach-

sene aufschob. Aufgrund der Delinquenz widerrief das Staatssekretariat für 

Migration SEM am 27. September 2017 das Asyl. Mit Verfügung vom 5. Au-

gust 2020 verweigerte das Migrationsamt (…) die Verlängerung seiner Auf-

enthaltsbewilligung und wies A._______ aus der Schweiz weg.  

C.  

Mit Verfügung vom 5. Oktober 2020 schob das SEM den Vollzug der Weg-

weisung wegen Unzulässigkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme 

auf. Zur Begründung hielt es fest, A._______ erfülle weiterhin die Flücht-

lingseigenschaft, weshalb eine Rückführung nach Sri Lanka gegen den ab-

soluten Rückschiebungsschutz von Art. 3 EMRK verstosse.  

D.  

Am 7. Juli 2023 verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich A._______ 

wegen mehrfacher Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu einer Frei-

heitsstrafe von 50 Monaten. Den Vollzug der Freiheitsstrafe schob es zum 

Zweck einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 

StGB (Behandlung von psychischen Störungen) auf. Gleichzeitig verwies 

das Obergericht A._______ im Sinne von Art. 66a Abs. 1 Bst. h StGB für 

acht Jahre des Landes und ordnete die Ausschreibung der Landesverwei-

sung zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung im Schengener Informati-

onssystem an.  

F-62/2024 

Seite 3 

E.  

Das SEM gewährte A._______ am 25. Oktober 2023 das rechtliche Gehör 

betreffend das Erlöschen seiner vorläufigen Aufnahme zufolge Rechtskraft 

der Landesverweisung. In Ersetzung einer am 1. Dezember 2023 ergan-

genen Verfügung stellte das SEM mit Verfügung vom 20. Dezember 2023 

fest, die am 5. Oktober 2020 angeordnete vorläufige Aufnahme sei per 

25. September 2023 erloschen. 

F.  

Am 1. Januar 2024 liess A._______ gegen die Feststellungsverfügung vom 

1. Dezember 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einrei-

chen. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, zu Unrecht wegen Verge-

waltigung verurteilt und des Landes verwiesen worden zu sein. Aufforde-

rungsgemäss liess der Beschwerdeführer am 18. Februar 2024 eine Be-

schwerdeverbesserung einreichen. Sinngemäss beantragt er, die vo-

rinstanzliche Feststellungsverfügung vom 20. Dezember 2023 aufzuhe-

ben. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Ausländer-

rechts betreffend das Erlöschen der vorläufigen Aufnahme (vgl. Art. 31 ff. 

VGG i.V.m. Art. 5 VwVG; Art. 112 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-

gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Die Beschwerde erweist sich, wie nachfolgend aufgezeigt, als offen-

sichtlich unbegründet, weshalb gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG kein 

Schriftenwechsel durchgeführt wurde. 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

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von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und, im Falle von Bundesbehörden, die Unangemes-

senheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). 

3.  

Strittig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz rechtens feststellte, die am 

5. Oktober 2020 angeordnete vorläufige Aufnahme sei erloschen.  

4.  

Gemäss Art. 83 Abs. 9 AIG erlischt die vorläufige Aufnahme, wenn eine 

Landesverweisung nach Art. 66a StGB rechtskräftig geworden ist. Die 

rechtskräftige Landesverweisung hat automatisch das Erlöschen der vor-

läufigen Aufnahme zur Folge; einer Gestaltungsverfügung bedarf es nicht 

(vgl. Urteile des BVGer E-6450/2023 vom 18. Januar 2024 E. 6.3;  

D-1297/2022 vom 27. April 2022 E. 5.1; E-4970/2021 vom 16. Februar 

2022 E. 6.3; E-695/2020 vom 27. März 2020 E. 1.2.5; PETER BOLZLI, in: 

Spescha et al. [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, Art. 83 

N. 44). Vor Bundesverwaltungsgericht kann daher prinzipiell einzig gerügt 

werden, das Strafurteil und die Landesverweisung seien nicht rechtskräftig 

(vgl. Urteile des BVGer E-1471/2022 vom 23. Mai 2022 E. 3.1; E-695/2020 

E. 1.2.5). 

5.  

5.1 Gemäss Rechtskraftbescheinigung der Strafkammer des Zürcher 

Obergerichts vom 25. September 2023 ist das Urteil vom 7. Juli 2023 – und 

damit auch die achtjährige Landesverweisung – mit dem Tage seiner Aus-

fällung in Rechtskraft erwachsen. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, 

durch die Strafbehörden zu Unrecht wegen Vergewaltigung und sexueller 

Nötigung verurteilt worden und unschuldig zu sein, ist er damit im vorlie-

genden Verfahren nicht mehr zu hören (vgl. E. 4 hiervor). Es stand ihm 

offen, das Strafurteil an das Bundesgericht weiterzuziehen, worauf er ver-

zichtete. Das Bundesverwaltungsgericht ist an das rechtskräftige Strafver-

dikt und die Landesverweisung durch das Obergericht gebunden. Das Er-

löschen der vorläufigen Aufnahme ist die gesetzliche Folge, die mit dem 

Eintritt der Rechtskraft einer Landesverweisung einhergeht (Art. 83 Abs. 9 

AIG; Urteil des BVGer E-5911/2023 vom 20. November 2023 E. 3.2; E. 4 

hiervor). Die strafrechtlich abgeurteilte Sachlage kann daher nicht noch-

mals überprüft werden. Insbesondere steht es dem Bundesverwaltungsge-

richt nicht zu, darüber zu befinden, ob die sexuellen Kontakte des Be-

schwerdeführers einvernehmlich erfolgten oder nicht. Auf die Anträge, er 

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sei nochmals anzuhören und ihm Gelegenheit zu geben, sich nochmals zu 

den strafrechtlichen Vorwürfen zu äussern, ist daher nicht einzutreten.  

5.2 Eine Verhältnismässigkeitsprüfung hat im vorliegenden Verfahren be-

treffend Feststellung des Erlöschens der vorläufigen Aufnahme nicht zu er-

folgen (vgl. Urteil D-1297/2022 E. 5.1). Eine solche wurde bereits im Rah-

men der Prüfung der Härtefallklausel gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB durch-

geführt (vgl. BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 145 IV 364 E. 3.2; Urteil E-5911/2023 

E. 3.2; Urteil des OGer ZH SB220464-O/U10 vom 7. Juli 2023 Ziff. VII.). 

Ob der Beschwerdeführer eine Möglichkeit bekommen soll, durch Ausset-

zung der Landesverweisung sich im Alltag neu zu beweisen, und ihm die 

Chance für einen Neuanfang zu geben ist, bildet nicht Gegenstand des 

vorliegenden Verfahrens. Es ist Sache der kantonalen Vollzugsbehörden, 

gegebenenfalls zu überprüfen, ob der Landesverweisung Vollzugshinder-

nisse entgegenstehen und ob diese aufzuschieben sein wird (vgl. Art. 66d 

Abs. 1 StGB; BGE 147 IV 453 E. 1.4.7; 145 IV 455 E. 9.4; Urteile  

E-5911/2023 E. 3.2; D-1297/2022 E. 4). Die Konsequenz, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund der Landesverweisung seine bisherigen Rechts-

ansprüche verliert und in der Schweiz allenfalls dauerhaft ohne ausländer-

rechtliche Regelung verbleiben wird, entspricht der Konzeption von Verfas-

sung und Gesetz mit der Einführung des Rechtsinstituts der obligatori-

schen Landesverweisung (vgl. Urteil E-6450/2023 E. 6.6).  

6.  

Zusammenfassend hat die Vorinstanz ausgehend von einer rechtskräftigen 

Landesverweisung zu Recht das Erlöschen der vorläufigen Aufnahme des 

Beschwerdeführers festgestellt. Die angefochtene Verfügung verletzt kein 

Bundesrecht (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.  

7.  

Anzufügen bleibt, dass die Vorinstanz im Dispositiv der Verfügung vom 

20. Dezember 2023 vom falschen Zeitpunkt des Erlöschens der vorläufi-

gen Aufnahme ausging. Unzutreffend stellte sie nämlich auf das Datum der 

Ausstellung der Rechtskraftbescheinigung durch die Strafkammer des Zür-

cher Obergerichts vom 25. September 2023 ab (vgl. E. 5.1 hiervor). Mass-

gebend ist jedoch der Eintritt der Rechtskraft der Landesverweisung, näm-

lich der Tag der Ausfällung des obergerichtlichen Entscheids, das heisst 

der 7. Juli 2023. Das Dispositiv der Verfügung vom 20. Dezember 2023 ist 

reformatorisch entsprechend anzupassen.  

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8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– fest-

zusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

9.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Dispositiv der Verfügung des SEM vom 20. Dezember 2023 wird wie 

folgt geändert: «Die am 5. Oktober 2020 angeordnete vorläufige Aufnahme 

ist per 7. Juli 2023 erloschen.» 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden 

Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und das Mig-

rationsamt des Kantons Zürich. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Basil Cupa Mathias Lanz 

 

 

 

Versand: