# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 19ca0ae0-da15-5f31-ad24-1a3012fb71ec
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-12-03
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 03.12.2003 SB 2003 44
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2003-44_2003-12-03.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 3. Dezember 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 03 44 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Schäfer und Vital
Aktuarin ad hoc Wacker

——————

In der strafrechtlichen Berufung

des X., Berufungskläger,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Hinterrhein vom 22. Mai 2003, mitgeteilt 
am 11. Juli 2003, in Sachen des Berufungsklägers,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 15. April 1953 in A. geboren. Er ist deutscher Staatsan-
gehöriger, verheiratet mit B. und Vater von vier Kindern. X. arbeitet als Rechtsanwalt 
in der Anwaltskanzlei „X. & Kollegen“ in C. und erzielt gemäss eigenen Angaben ein 
jährliches Einkommen von rund 60'000 Euro. 

Im schweizerischen Zentralstrafregister und im SVG-Massnahmeregister 
(ADMAS) des Strassenverkehrsamtes Graubünden ist X. nicht verzeichnet.

B. Am 30. März 2002, um 17.50 Uhr, beobachteten zwei Beamte der 
Kantonspolizei Graubünden, wie X. als Lenker des Personenwagens der Marke VW 
Multivan, Kennzeichen E. am Ende der Ausfahrt H. in die I.-Strasse einbog und 
dabei das Verkehrssignal „STOP“ sowie die Bodenmarkierung „Haltelinie“ und 
„Stop“ missachtete. X. war in Begleitung seiner Ehefrau und fünf weiteren Personen 
unterwegs in den Skiurlaub.

Anlässlich der umgehend durchgeführten polizeilichen Einvernahme 
bestätigte X., soeben ohne anzuhalten über die Stopstelle gefahren zu sein. Zuvor 
jedoch habe er angehalten. Überdies habe die Geschwindigkeit beim Überfahren 
höchstens 10 bis 15 km/h betragen, wobei er als Lenker seines VW Busses eine 
bessere Übersicht gehabt habe.

C. Mit Strafmandat vom 15. August 2002, mitgeteilt am 3. September 
2002, erkannte der Kreispräsident Domleschg wie folgt:

„1. X. ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von 
Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

2. Dafür wird er bestraft mit einer Busse von Fr. 400.—

3. Der Verurteilte bezahlt die Kosten des Verfahrens, bestehend aus

Busse Fr. 400.00
Gebühren Fr. 250.00
Kompetenzentscheid des Staatsanwaltschaft Fr. 50.00
Total Fr. 700.00
abzüglich geleistetes Depositum Fr. 501.20
Restanz zu Lasten des Verurteilten Fr. 198.80
zahlbar innert 30 Tagen auf das Konto CG 191.139.200 der 
Graubündner Kantonalbank, 7001 Chur, (Swiftcode GKBCH 
2270A, Bankleitzahl 07749), PC 70-216-5.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung an:).“

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Gegen dieses Strafmandat erhob X. am 20. September 2002 Einsprache 
beim Kreisamt Domleschg. Er habe die Stopstelle lediglich überrollt, weshalb ihm 
nicht eine Busse, sondern lediglich ein Verwarnungsgeld in der Höhe von Fr. 60.— 
aufzuerlegen sei.

D. Gestützt auf Art. 175 StPO überwies das Kreisamt Domleschg die Ver-
fahrensakten in der Folge dem Bezirksgericht Hinterrhein zur Ergänzung der Unter-
suchung. Anlässlich einer durch das Amtsgericht D. durchgeführten rechtshilfewei-
sen Einvernahme vom 5. Dezember 2002 führte X. aus, dass er das Stopsignal 
nicht wahrgenommen und daher die Stopstelle nicht als solche erkannt habe. Den-
noch habe er den Vortritt achten wollen, weshalb er sich der Kreuzung nur mit etwas 
mehr als Schrittgeschwindigkeit genähert habe. Auf der I.-Strasse habe kein Ver-
kehr geherrscht, worauf er ungefähr im Schrittempo in die Kreuzung eingefahren 
und anschliessend nach links abgebogen sei. Im Übrigen erachte er die ihm aufer-
legte Geldbusse als unverhältnismässig. Seine Ehefrau, welche als Zeugin eben-
falls einvernommen wurde, führte ergänzend aus, dass das Fahrzeug mit sieben 
Personen und viel Gepäck beladen gewesen sei, weshalb es beim Anfahren ohne-
hin nicht zügig reagiere. Sie habe nicht darauf geachtet, ob ihr Mann beim Stopsi-
gnal angehalten habe; er sei aber ungefähr mit Schrittgeschwindigkeit in die I.-
Strasse eingebogen.

E. Am 28. März 2003 wurde X. mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsi-
diums Hinterrhein wegen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 27 Abs. 
1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG in den Anklagezustand versetzt. Gleich-
zeitig wurde der Fall gestützt auf Art. 346 StGB und Art. 48 StPO dem Bezirksge-
richtsausschuss Hinterrhein zur Beurteilung überwiesen. Dieser erkannte mit Urteil 
vom 22. Mai 2003, mitgeteilt am 11. Juli 2003 wie folgt:

„1. X. wird der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 
27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig ge-
sprochen. 

2. Dafür wird er mit einer Busse von Fr. 500.— bestraft.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- Verfahrenskosten des Kreises Domleschg Fr. 300.—

- Untersuchungskosten Fr. 420.—

- Gerichtskosten Fr. 1'300.—

total somit Fr. 2'020.—

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gehen zu Lasten von X.. Dieser Betrag ist zusammen mit der 
Busse von Fr. 500.--, abzüglich des bereits geleisteten Deposi-
tums von Fr. 501.20, total somit Fr. 2'018.80, innert 30 Tagen seit 
Mitteilung des Entscheides an das Bezirksamt Hinterrhein auf das 
Konto 70-4650-5 zu überweisen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung an:).“

Zur Begründung wurde insbesondere geltend gemacht, dass der Aussage 
von X. jene Aussagen der beiden Polizisten F. und G. gegenüberstünden, wonach 
die Stopstelle „in einem Zuge (kein Rollstop)“ überfahren worden sei. Es gebe kei-
nen Grund, an den Ausführungen der beiden Polizeibeamten zu zweifeln, zumal es 
an jenem Tage gerade deren Aufgabe gewesen sei, das Stopsignal bei der Ausfahrt 
H. zu überwachen. Unter diesen Umständen würden ihre Aussagen glaubhafter er-
scheinen als jene von X.. Im Rahmen der Strafzumessung schliesslich sei zu 
berücksichtigen, dass es sich bei der fraglichen Kreuzung um eine gefährliche und 
unfallträchtige Stelle handle. So seien denn auch von der Ausfahrt H. (Südspur) der 
Autostrasse A 13 bis zur Querverbindung des Anschlusses H. insgesamt fünf Stop-
Signale angebracht worden. X. habe diese Signale allesamt missachtet. Unter 
Berücksichtigung dieser Tatsache, sowie aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse 
von X. werde eine Busse von Fr. 500.— als angemessen erachtet.

F. Mit strafrechtlicher Berufung vom 6. August 2003 beantragte X. beim 
Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden die Aufhebung des vorinstanzlichen 
Urteils. Dabei beanstandete er insbesondere die fehlende Einvernahme der beiden 
Polizeibeamten F. und G., wodurch sowohl sein Anspruch auf rechtliches Gehör als 
auch der Unmittelbarkeitsgrundsatz verletzt worden sei. Im Übrigen habe seine 
Ehefrau B. X. bestätigt, dass er beim Abbiegemanöver mit ungefährer Schrittge-
schwindigkeit gefahren sei. Die Höhe der auferlegten Busse schliesslich verstosse 
gegen den auf europäischer Ebene geltenden Verhältnismässigkeitsgrundsatz. 

Der Kantonsgerichtsausschuss vertagte die Verhandlung mit Beschluss vom 
17. September 2003, mitgeteilt am 3. Oktober 2003, gestützt auf Art. 145 Abs. 3 
StPO zur Ergänzung des Beweisverfahrens. Die Würdigung der vorhandenen Be-
weismittel führe zum Schluss, dass der X. zur Last gelegte Sachverhalt nicht rechts-
genüglich nachgewiesen sei. Diese Zweifel an der Sachlage könnten jedoch mögli-
cherweise durch eine Einvernahme der beiden Polizeibeamten F. und G. aus-
geräumt werden. Diese Einvernahmen seien ausnahmsweise durch das Kantons-

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gerichtspräsidium durchzuführen, wobei dem Berufungskläger und der Staatsan-
waltschaft in der Folge Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt werde. 

G. Mit Verfügung des Kantonsgerichtspräsidiums vom 14. Oktober 2003 
wurden G. und F. auf den 7. November 2003 zu einer Zeugeneinvernahme vorge-
laden. X. reichte dem Gericht am 6. November 2003 ein Zeugenfragethema ein, 
sowohl in Bezug auf den Polizeibeamten F. wie auch ergänzend bezüglich seiner 
Ehefrau B. X.. Der Polizeibeamte F. sei insbesondere zu jenem Fahrzeuglenker ein-
zuvernehmen, welcher zum Tatzeitpunkt vor X. ohne vollständig anzuhalten in den 
Kreuzungsbereich eingefahren und anschliessend vom Kollegen des Zeugen F. an-
gehalten worden sei. F. sei zu befragen, ob diesem Autofahrer ebenfalls eine Geld-
busse auferlegt worden sei.

An der Zeugeneinvernahme vom 7. November 2003 war lediglich der Poli-
zeibeamte F. anwesend. Der Zeuge G. blieb der Einvernahme krankheitshalber 
fern, teilte dem Gericht jedoch telefonisch mit, dass er nichts anderes sagen könne 
als sein Kollege F.. Wie im Rapport festgehalten, sei X. zügig in die I.-Strasse ein-
gefahren. 

Mit Schreiben vom 12. November 2003 verzichtete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden auf die Einreichung einer Vernehmlassung zum Zeugeneinvernahme-
protokoll vom 7. November 2003. X. machte demgegenüber mit Schreiben vom 21. 
November 2003 geltend, dass F. gemäss Einvernahmeprotokoll den erhobenen 
Vorwurf nicht mehr bestätigt habe. Gegebenenfalls sei der Kollege von F. zu jenem 
Fahrzeuglenker zu befragen, welcher vor X. in die I.-Strasse eingebogen sei. Im 
Übrigen sei darauf hinzuweisen, dass B. X. anlässlich ihrer Einvernahme vom 5. 
Dezember 2002 bekundet habe, dass der Berufungskläger „ungefähr mit Schrittge-
schwindigkeit“ in den Kreuzungsbereich eingefahren sei.

H. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie auf 
die Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwä-
gungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse können der 
Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erhe-
ben (Art. 141 Abs. 1 StPO). Die Berufung ist innert zwanzig Tagen seit der schriftli-

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chen Eröffnung des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen 
und hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden 
und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 
Abs. 1 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung von X. zu 
genügen. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

2. a). Wird im Berufungsverfahren eine Änderung des vorinstanzlichen Ur-
teils zu Ungunsten des Verurteilten beantragt, so sollte in der Regel eine mündliche 
Berufungsverhandlung durchgeführt werden. In den übrigen Fällen hat der Kantons-
gerichtspräsident die Möglichkeit, eine solche von sich aus oder auf Antrag der Par-
teien anzuordnen (Art. 144 Abs. 1 StPO). Findet keine mündliche Verhandlung statt, 
so trifft der Kantonsgerichtsausschuss seinen Entscheid ohne Parteivortritt auf-
grund der Akten (Art. 144 Abs. 3 StPO). Unabhängig von der kantonalen Verfah-
rensordnung hat der Angeschuldigte auch gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK Anspruch 
darauf, dass seine Sache in billiger Weise öffentlich gehört wird. Dieser Anspruch 
ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein faires Verfahren. Das Gebot der 
Verfahrensöffentlichkeit gilt dabei nicht nur für das erstinstanzliche Strafverfahren, 
sondern erstreckt sich auf die Gesamtheit des Strafverfahrens inklusive des gesam-
ten Rechtsmittelweges; also auch auf das Berufungsverfahren gemäss Art. 141 ff. 
StPO. Keinesfalls aber ist eine Rechtsmittelinstanz verpflichtet, in jedem Falle eine 
mündliche Hauptverhandlung durchzuführen (vgl. BGE 119 Ia 318 f.). Von einer 
mündlichen Verhandlung kann insbesondere dann abgesehen werden, wenn die 
erste Instanz tatsächlich mündlich verhandelt hat, wenn nur Rechtsfragen oder aber 
Tatfragen, die sich leicht aufgrund der Akten beurteilen lassen, zur Diskussion ste-
hen, oder wenn eine reformatio in peius ausgeschlossen oder die Sache von gerin-
ger Tragweite ist und sich keine Fragen zur Person oder deren Charakter stellen 
(vgl. BGE 119 Ia 316 E. 2b; ZGRG 2/99 S. 46). Schliesslich darf einem nichtöffent-
lichen Verfahren keinerlei öffentliches Interesse entgegenstehen. 

Der Betroffene ist berechtigt, auf eine mündliche Berufungsverhandlung zu 
verzichten. Voraussetzung für einen wirksamen Verzicht ist jedoch, dass er aus-
drücklich erklärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des Betroffenen eindeutig 
ergibt. Im vorliegenden Fall hat der Berufungskläger stillschweigend auf eine münd-
liche Berufungsverhandlung verzichtet, indem er deren Durchführung zu keinem 
Zeitpunkt beantragte. Es ist daher im folgenden zu prüfen, ob die Voraussetzungen 
für das Absehen von einer mündlichen Berufungsverhandlung erfüllt sind. 

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b). Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Hinterrhein 
wurde am 22. Mai 2003 im Anschluss an eine mündliche Hauptverhandlung erlas-
sen. Da im vorliegenden Berufungsverfahren lediglich Rechtsfragen zur Diskussion 
stehen, eine reformatio in peius ausgeschlossen ist und sich keinerlei Fragen zur 
Person und zum Charakter des Berufungsklägers stellen, welche sich nicht auch 
aufgrund der Akten beantworten liessen, kann grundsätzlich auf die Durchführung 
einer mündlichen Verhandlung verzichtet werden (vgl. BGE 119 Ia 318 f.; PKG 2001 
Nr. 19). Ein öffentliches Interesse gegen die Durchführung einer nichtöffentlichen 
Verhandlung liegt ebenfalls nicht vor. Der Kantonsgerichtsausschuss kommt dem-
nach zum Schluss, dass die streitige Strafsache gestützt auf die vorliegenden Akten 
ohne mündliche Verhandlung sachgerecht entschieden werden kann. Von einer 
mündlichen Berufungsverhandlung ist demzufolge abzusehen. 

3. a). Wer Verkehrsregeln des Strassenverkehrsgesetzes oder der Vollzie-
hungsvorschriften des Bundes verletzt, wird gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG mit Haft 
oder Busse bestraft. Eine für sämtliche Strassenbenützer geltende Verkehrsregel 
ist beispielsweise jene von Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SVG, wonach Signale und Markie-
rungen sowie Weisungen der Polizei befolgt werden müssen. 

In Art. 1 Abs. 1 OBG wird demgegenüber festgehalten, dass Übertretungen 
der Strassenverkehrsvorschriften des Bundes in einem vereinfachten Verfahren mit 
Ordnungsbussen bestraft werden können. Die entsprechenden Übertretungen sind 
mit den jeweiligen Bussenbeträgen im Anhang 1 zur Ordnungsbussen-verordnung 
aufgeführt (vgl. Art. 3 OBG i.V.m. Art. 1 OBV). So wird beispielsweise das mit „Roll-
stop“ bezeichnete, nicht vollständige Anhalten bei Stop-Signalen mit einer Busse 
von Fr. 60.— geahndet (vgl. OBV, Anhang 1, Ziffer 308).

b). Der Berufungskläger bestätigte im Rahmen des Strafverfahrens wie-
derholt, dass er sein Fahrzeug an der Stopstelle bei der Autobahnausfahrt H. nicht 
angehalten habe. Er sei in der Folge jedoch lediglich ungefähr mit Schrittgeschwin-
digkeit in die I.-Strasse eingebogen. Bei der ihm angelasteten Verkehrsregelverlet-
zung sei daher im Sinne der Ordnungsbussenverordnung von einem „Rollstop“ aus-
zugehen. Die Vorinstanz macht demgegenüber unter Berufung auf die zwei beob-
achtenden Polizeibeamten geltend, dass die Voraussetzungen eines Rollstops nicht 
vorgelegen hätten. Der Berufungskläger habe die Stopstelle vielmehr zügig und 
ohne anzuhalten überfahren. 

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Nachstehend gilt es daher zu prüfen, ob das dem Berufungskläger angelas-
tete Überfahren der Stopstelle im Sinne der Ordnungsbussenverordnung als „nicht 
vollständiges Anhalten“ beziehungsweise als „Rollstop“ bezeichnet werden kann, 
oder ob X. eine gewöhnliche Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 27 Abs. 1 
SVG begangen hat. Dabei gilt es zu beachten, dass dem Kantonsgerichtsaus-
schuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte Kognition 
zukommt (Art. 146 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil grundsätzlich nur im 
Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft (vgl. W. Padrutt, Kom-
mentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, 1996, S. 
375). 

4. a). Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss 
Art. 144 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StPO nach freier Überzeu-
gung. Dieser Grundsatz der freien Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 
des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP). So hat das Gericht 
von Bundesrechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner 
persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Be-
weise darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht 
(vgl. BGE 115 IV 268 f.). Freie Beweiswürdigung gilt auch dort, wo Aussage gegen 
Aussage steht. Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle 
Wahrheit wegleitend, so kann für diese Beurteilung einzig die freie Meinung des 
Gerichts massgebend sein (vgl. Robert Hauser/ Erhard Schweri, Schweizerisches 
Strafprozessrecht, 4. Auflage, Basel 1999, § 54 N 2, S. 215). 

b). Neben der Würdigung der Beweise stellt sich dem Richter die Frage, 
wann er eine bestimmte Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann nicht. 
Lehre und Rechtsprechung führen hierzu aus, dass eine blosse Wahrscheinlichkeit 
für eine Verurteilung nicht genüge, eine absolute Sicherheit aber auch nicht erfor-
derlich sei. Entsprechend rechtfertige eine theoretisch entfernte Möglichkeit eines 
anderen Sachverhalts aber auch noch keinen Freispruch (vgl. Hauser /Schweri, 
a.a.O., § 54 N 11, S. 217). An den Beweis der zur Last gelegten Tat sind mit anderen 
Worten hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahr-
scheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Aufgabe des Ge-
richts ist es, ohne Bindung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu über-
winden und sich mit Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entschei-
den, wobei die Bildung der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein 
muss. Die Schuld des Angeklagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und 
Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen 

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vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; W. Padrutt, a.a.O., S. 307; Niklaus Schmid, Straf-
prozessrecht, 3. Auflage, Zürich 1997, N 289). Bei Zeugen interessiert nicht in erster 
Linie deren persönliche Glaubwürdigkeit, sondern vielmehr die sachliche Glaubhaf-
tigkeit einer konkreten Aussage (vgl. Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Straf-
prozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Die Aus-
sage muss dabei auf ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem 
Ergebnis der übrigen Beweiserhebungen geprüft werden. Kriterien des glaubwürdi-
gen Aussageinhalts sind der Grad der Detaillierung und der inhaltlichen Besonder-
heit sowie die Homogenität der Aussage (vgl. Friedrich Arntzen / Else Michaelis-
Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 
3. Auflage, München 1993, S. 15 ff.).

Schliesslich darf sich der Strafrichter nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 
6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel "in dubio pro reo" nicht von der 
Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären, 
wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen ei-
nes verurteilenden Erkenntnisses bestehen (vgl. BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoreti-
sche und abstrakte Zweifel sind nicht massgebend, da solche immer möglich sind 
und eine absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr 
um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln; Zweifel, welche sich 
nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 120 Ia 37). Es ist also stets anhand 
sämtlicher sich aus den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Dar-
stellung der Staatsanwaltschaft oder jene des Angeklagten den Richter zu überzeu-
gen vermag. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der 
anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz "in dubio pro reo" 
der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen werden (PKG 1978 
Nr. 31; W. Padrutt, a.a.O., S. 307 f.). Die dem Kantonsgerichtsausschuss vorliegen-
den Beweismittel und Indizien sind daher einer eingehenden Prüfung und Würdi-
gung zu unterziehen, um abzuklären, ob der X. zur Last gelegte Sachverhalt be-
weismässig erstellt ist.

5. a). Der vorinstanzliche Schuldspruch stützt sich auf die Beobachtungen 
der beiden Beamten der Kantonspolizei Gaubünden, Wm mbA F. und Wm G., deren 
Feststellungen im Polizeirapport vom 31. März 2002 festgehalten wurden. 

Einem Polizeirapport kommt durchaus ein gewisser Beweiswert zu. So kann 
der Inhalt eines Rapports bei der Beweiswürdigung berücksichtigt werden, soweit 
er mit den Angaben des Angeklagten und den Akten übereinstimmt und Ermittlungs-

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ergebnisse festhält, welche auf eigenen Feststellungen beruhen und allenfalls veri-
fizierbar sind. Gleiches gilt, wenn weitere Abklärungen getroffen wurden, dank de-
nen das Gericht die Glaubhaftigkeit der Angaben überprüfen kann (vgl. Urteil des 
Kantonsgerichts Graubünden vom 4. März 2001, SF 02 1, S. 16 mit Hinweisen auf 
BGE 98 Ia 253 und ZR 86 Nr. 87, E. 1). So sind beispielsweise verzeigende Polizis-
ten als Zeugen zu hören, wenn ihre Beobachtungen umstritten sind (vgl. Willy 
Padrutt, a.a.O., S. 211, Ziff. 1.3.). Fehlen diese Voraussetzungen, darf nicht allein 
auf die in einem Polizeirapport enthaltenen Angaben abgestellt werden (vgl. Urteil 
des Kantonsgerichts Graubünden vom 4. März 2001, SF 02 1, S. 16 mit Hinweisen). 

Ein Polizeirapport muss demzufolge bei der Beweiswürdigung ausser Acht 
gelassen werden, wenn die darin enthaltenen Angaben von denjenigen des Ange-
klagten abweichen und nicht durch weitere Beweismittel gestützt werden. Hinzu 
kommt, dass dem Beschuldigten nach der Rechtsprechung grundsätzlich eine an-
gemessene und hinreichende Gelegenheit einzuräumen ist, eine belastende Aus-
sage in Zweifel zu ziehen und den entsprechenden Zeugen zu befragen (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts vom 26. Januar 2001 in Sachen X gegen URA Chur, Kreisge-
richt Ilanz, Staatsanwaltschaft Graubünden und Kantonsgerichtsausschuss 
Graubünden, 1P.650/2000, publiziert in Pra 6/2001, Nr. 93, S. 547; BGE 125 I 127 
E. 6a; 124 I 274 E. 5b). Dieser Anspruch gehört zu den Grundzügen des fair trial 
und den Garantien eines rechtsstaatlichen Verfahrens nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und 
Art. 4 aBV (vgl. BGE 125 I 135 E. 6).

b). Der im Polizeirapport vom 31. März 2002 geschilderte Tathergang 
wird – wie nachstehend noch zu zeigen sein wird (vgl. Erwägung 6) - vom zwischen-
zeitlich einvernommenen Polizeibeamten F. bestätigt. Da mit anderen Worten die 
im Bericht enthaltenen Ausführungen von einem zwischenzeitlich erhobenen, zu-
sätzlichen Beweismittel gestützt werden, kann der Polizeirapport vom 31. März 
2002 bei der Beweiswürdigung ohne weiteres mitberücksichtigt werden. 

c). In diesem Zusammenhang ist anzufügen, dass X. in seiner Stellung-
nahme vom 21. November 2003 zur Zeugeneinvernahme vom 7. November 2003 
die fehlende Einvernahme von G. oder seiner Ehefrau B. X. nicht beanstandet hat. 
Insbesondere ersucht er nicht um Befragung des Polizeibeamten zu der vom Beru-
fungskläger gefahrenen Geschwindigkeit. Sein Antrag in Bezug auf G. lautet viel-
mehr einzig dahingehend, dass dieser über den angeblich vor dem Berufungskläger 
in die I.-Strasse eingebogenen Fahrzeuglenker zu befragen sei (vgl. act. 19). Das 
Verhalten dieses Lenkers, beziehungsweise die Beantwortung der Frage, ob jenem 

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Lenker eine Busse auferlegt wurde, ist indessen für die Beurteilung des Fahrverhal-
tens von X. ohne jegliche Bedeutung. Für den Kantonsgerichtsausschuss ist es mit 
anderen Worten nicht ersichtlich, inwiefern eine solche Befragung des Polizeibeam-
ten G. zusätzliche Erkenntnisse bringen könnte. Das Gericht kann sich bereits an-
hand der vorhandenen Entscheidgrundlagen ohne weiteres ein hinreichendes Bild 
über den Vorfall vom 30. März 2002 verschaffen. Diese Erkenntnisse gestatten 
durchaus eine zuverlässige Beurteilung des rechtlich relevanten Sachverhalts. Im 
Sinne einer vorweggenommenen Beweiswürdigung ist demnach festzuhalten, dass 
die Überzeugung des Gerichts durch die beantragte Zeugenbefragung nicht geän-
dert würde. Lehre und Rechtsprechung anerkennen, dass die Strafverfolgungs-
behörden nicht alle möglichen Beweise zusammenzutragen haben. Vielmehr kann 
auf die Erhebung weiterer Beweise dann verzichtet werden, wenn die für die Beur-
teilung der Sache erforderlichen Tatsachen bereits aufgrund der vorhandenen Be-
weismittel feststehen und nicht zu erwarten ist, dass neue Beweismittel das Ergeb-
nis der freien Würdigung der vorhandenen Beweismittel zu erschüttern vermögen 
(sogenannte antizipierte Beweiswürdigung, vgl. unveröffentlichtes Urteil 
1P.245/2000 des Bundesgerichts vom 21. Juni 2000 in Sachen B.L., Seite 5 f.; BGE 
121 I 308 f. = Pr 85 Nr. 143, Seite 488; BGE 115 Ia 100 f.; PKG 1993 Nr. 27; Niklaus 
Schmid, Strafprozessrecht, 3. Auflage, Zürich 1997, N 291 mit Hinweisen; Robert 
Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 4. Auflage, Basel 
1999, § 54 N 1 und § 55 N 10 mit Hinweisen). G. hat zudem – wenn auch nicht als 
Zeuge – glaubhaft ausgeführt, er könne nicht mehr sagen als F.. Die Ehefrau des 
Berufungsklägers wurde bereits am 5. Dezember 2002 als Zeugin befragt. Mit Be-
zug auf den vorausfahrenden Fahrzeuglenker gilt das oben gesagte. Zum Fahrver-
halten des Berufungsklägers wurde sie – wie erwähnt – bereits befragt. Der ent-
sprechende Beweisantrag des Berufungsklägers auf Befragung von G. (Stellung-
nahme vom 21. November 2003) und nochmalige Befragung seiner Ehefrau 
(Schreiben vom 6. November 2003) ist daher abzuweisen.

6. Der Polizeibeamte F. gab anlässlich der Einvernahme vor dem Kan-
tonsgerichtspräsidium zu Protokoll, dass X. beim Stopsignal bei der Ausfahrt H. in 
einem Zug durchgefahren sei. Seine Geschwindigkeit sei mit mehr als Schrittge-
schwindigkeit taxiert worden (vgl. act. 06, Nr. 4). Diese Aussagen decken sich mit 
dem Inhalt des Polizeirapportes vom 31. März 2002. In diesem Bericht hielten die 
beiden Polizisten F. und G. wörtlich fest, dass X. „mit seinem Fahrzeug in einem 
Zuge (kein Rollstop) in die I.-Strasse“ eingefahren sei. Mit dieser unmittelbar nach 
dem Vorfall gewählten Formulierung verneinten die Polizeibeamten explizit das Vor-
liegen eines Rollstops. Der Kantonsgerichtsausschuss sieht vorliegend keine Ver-

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anlassung, den Inhalt des Polizeirapportes beziehungsweise die Zeugenaussage 
des befragten Polizeibeamten F. in Frage zu stellen, zumal letzterer ausdrücklich 
auf die Straffolgen von Art. 307 StGB hingewiesen wurde. So wird in regelmässiger 
Praxis erkannt, dass Verkehrspolizisten auf Grund ihrer Ausbildung im Beobachten 
und Beurteilen von Verkehrssituationen besonders geschult und erfahren sind. Zu-
dem sind sie sich zweifellos der Tragweite einer leichtfertigen und ungenauen An-
schuldigung bewusst. Ihrer Sachverhaltsdarstellung kommt daher grundsätzlich 
eine gewisse Glaubhaftigkeit und Beweiskraft zu. Hinzu kommt, dass Verkehrspoli-
zisten gemäss Aussagen von F. solche Regelverstösse grundsätzlich zu Gunsten 
des Fahrzeuglenkers beurteilen. Sofern die Fahrweise als Rollstop bezeichnet wer-
den könne, werde auch eine Ordnungsbusse ausgesprochen (vgl. act. 13, S. 2 f.). 
Dies erscheint nach Ansicht des Kantonsgerichtsausschusses durchaus glaubhaft, 
zumal das Auferlegen von Ordnungsbussen – welche ja auf der Stelle erhoben wer-
den können (vgl. Art. 178 Abs. 4 StPO in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 GAV zum 
SVG ) - den sicheren Eingang des Geldes garantiert und mit erheblich weniger Ver-
waltungsaufwand verbunden ist als dies bei einer nach einer gewöhnlichen Ver-
kehrsregelverletzung zu erlassenden Bussverfügung der Fall ist. In Übereinstim-
mung mit dem Polizeirapport und den Aussagen des Beamten F. ist daher davon 
auszugehen, dass X. die Stopstelle am Ende der Ausfahrt H. zügig überfahren und 
damit eine gewöhnliche Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 27 Abs. 1 SVG 
begangen hat. Die Berufung ist daher diesbezüglich abzuweisen. Daran vermag 
auch die Aussage von B. X. nichts zu ändern, welche nicht genau auf die Fahrweise 
ihres Ehemannes geachtet haben will, das Tempo beim Einbiegen in die I.-Strasse 
aber mit „ungefähr Schrittgeschwindigkeit“ bezeichnete (vgl. act. 05, Nr. 7.2.). Diese 
unbestimmte Aussage der Zeugin B. X. vermag die Beobachtungen der Polizeibe-
amten im Kerngehalt nicht zu widerlegen, wonach X. eben in einem Zug und nicht 
mit mehr als Schrittgeschwindigkeit durchgefahren sei. 

7. a). Zu überprüfen bleibt die vorinstanzliche Strafzumessung. Der Bezirks-
gerichtsausschuss Hinterrhein verurteilte den Berufungskläger zu einer Busse von 
Fr. 500.--. Zur Begründung wurde angeführt, dass das Verschulden von X. mittel-
schwer wiege. Sein Verhalten dürfe nicht bagatellisiert werden, zumal es bei gebo-
tener Vorsicht ein leichtes gewesen wäre, die Verkehrsregel einzuhalten. Strafmin-
dernd sei ihm sein guter bürgerlicher und automobilistischer Leumund zugutezuhal-
ten. 

b). Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Strafzumessung setzt der 
Kantonsgerichtsausschuss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz und 

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wendet die Regeln über die Strafzumessung selbständig an. Gemäss Art. 63 StGB 
hat der Richter die Strafe innerhalb des für den betreffenden Tatbestand geltenden 
Strafrahmens nach dem Verschulden des Täters zu bemessen. Der Begriff des Ver-
schuldens bezieht sich nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf den gesam-
ten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat (vgl. BGE 117 IV 113 f.).

Grundlage für die Bemessung der Schuld bildet die Schwere der Tat. Bei den 
Strafzumessungsgründen kann im weiteren zwischen der Tat- und der Täterkom-
ponente unterschieden werden. Bei der Tatkomponente sind insbesondere das 
Ausmass des verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise seiner Herbeiführung, die 
Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe zu be-
achten (BGE 117 IV 112 ff.). Die Täterkomponente umfasst demgegenüber das Vor-
leben, insbesondere auch allfällige Vorstrafen, die persönlichen Verhältnisse, sowie 
das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht 
und Strafempfindlichkeit (mit Hinweis auf Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht 
AT II, Bern 1989, § 7 N 7 ff.; BGE 127 IV 101 ff.; vgl. zu den einzelnen Strafzumes-
sungsgründen Hans Wiprächtiger, Basler Kommentar, StGB I, Basel/Genf/München 
2003, N 49 ff.; zu den Tatkomponenten N 51 ff. und zu den Täterkomponenten N 
72 ff.). Die den Täter belastenden oder entlastenden Umstände sind jeweils als 
Straferhöhungs- bzw. Strafminderungsgründe innerhalb des ordentlichen Strafrah-
mens zu berücksichtigen. Im weiteren sieht das Gesetz eine Strafrahmenerweite-
rung vor, wenn einer oder mehrere der besonders aufgeführten Strafschärfungs- 
oder Strafmilderungsgründe erfüllt sind (vgl. Art. 64 bis Art. 68 StGB).

c). Grundlage für die Strafzumessung im vorliegenden Fall ist der in Art. 
90 Ziff. 1 SVG vorgesehene Strafrahmen von Haft oder Busse. Zieht man seitens 
der Tatkomponente die Beweggründe, das Ausmass des verschuldeten Erfolges 
sowie die Art und Weise seiner Herbeiführung in Betracht und berücksichtigt man 
in subjektiver Hinsicht das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters, 
kommt vorliegend allein die Ausfällung einer Busse in Frage. Deren Betrag ist 
gemäss Art. 48 Ziff. 2 StGB je nach den Verhältnissen des Verurteilten zu bestim-
men, so dass dieser durch die Einbusse die Strafe erleidet, die seinem Verschulden 
angemessen ist. Für die Verhältnisse des Täters sind namentlich von Bedeutung 
sein Einkommen und sein Vermögen, sein Familienstand und seine Familienpflich-
ten, sein Beruf und Erwerb sowie sein Alter und seine Gesundheit. 

Das Verschulden des Berufungsklägers wiegt aufgrund der Tatumstände 
nicht allzu schwer, zumal auf der I.-Strasse zum Tatzeitpunkt offensichtlich kein Ver-

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kehr herrschte (vgl. act. 05, Nr. 7.2.; act. 13, S. 3). X. hat mit seinem Fahrverhalten 
weder einen Unfall noch eine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer 
verursacht. Er muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, verschiedene Stopsi-
gnale missachtet und dadurch eine abstrakte Gefahr geschaffen zu haben. Straf-
mindernd kann X. sein guter allgemeiner und automobilistischer Leumund zugute 
gehalten werden. Weitere Strafminderungs-, sowie Strafschärfungs- und Strafmil-
derungsgründe sind nicht vorhanden. X. ist Vater von vier Kindern und von Beruf 
Rechtsanwalt; mit einem jährlichen Einkommen von rund 60'000 Euro. Unter 
Berücksichtigung dieser Umstände und der übrigen Strafzumessungsgründe er-
scheint dem Kantonsgerichtsausschuss die vom Bezirksgerichtsausschuss Hin-
terrhein ausgesprochene Busse von Fr. 500.— unangemessen hoch, weshalb sie 
auf den Betrag von Fr. 300.— zu reduzieren ist. In diesem Sinne ist die Berufung 
von X. teilweise gutzuheissen. 

8. X. ist nach dem Gesagten einzig in Bezug auf die beanstandete Bus-
senhöhe teilweise durchgedrungen. Der vorinstanzliche Schuldspruch indessen 
wird vom Kantonsgerichtsausschuss vollumfänglich bestätigt. Damit steht fest, dass 
der Berufungskläger mit seinem Verhalten begründeten Anlass für die Strafuntersu-
chung und das nachfolgende Gerichtsverfahren gegeben hat, so dass an der vorin-
stanzlichen Kostenverteilung keine Korrektur angebracht ist (Art. 158 Abs. 1 StPO). 
Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2'000.-- gehen demgegenüber auf-
grund des teilweisen Obsiegens nur zu drei Vierteln zu Lasten von X. und zu einem 
Viertel zu Lasten des Kantons Graubünden (Art. 160 StPO). 

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und die Ziffer 2 des angefochtenen 
Urteils wird aufgehoben.

2. X. wird mit einer Busse von Fr. 300.— bestraft.

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2000.— gehen zu drei Vierteln 
zu Lasten von X. und zu einem Viertel zu Lasten des Kantons Graubünden.

4. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

5. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: