# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4ca84ebe-f27d-5db3-8e41-309a0fde5b70
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-10
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 10.12.2018 IV 2016/319
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2016-319_2018-12-10.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2016/319

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 25.09.2019

Entscheiddatum: 10.12.2018

Entscheid Versicherungsgericht, 10.12.2018
Art. 28 IVG. Art. 28a IVG. Art. 5 IVG. Art. 8 ATSG. Art. 16 ATSG. Art. 26 IVV. 
Invalidenrente. Gemischte Methode. Einkommensvergleich. Frühinvalidität 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. 
Dezember 2018, IV 2016/319).

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.  

IV 2016/319

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng,

Anwaltskanzlei St. Jakob, St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen, 

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gegenstand 

Rente

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ meldete sich im Oktober 2014 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Sie gab an, sie habe eine Berufslehre zur Coiffeuse 

begonnen, habe diese aber nach drei Monaten abgebrochen. Zuletzt habe sie als 

Reinigungsmitarbeiterin in einem Pensum von 60 Prozent gearbeitet. Der Psychiater 

med. pract. B.___ hatte am 16. September 2014 berichtet (IV-act. 1), die Versicherte 

leide an einem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), an einer 

emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus sowie an einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven 

Episode. Die Arbeitgeberin der Versicherten teilte der IV-Stelle im November 2014 mit 

(IV-act. 10), die Versicherte habe ab dem 1. September 2011 als Hauswartin in einem 

Pensum von 60 Prozent gearbeitet. Der Monatslohn habe sich ab dem 1. Januar 2014 

auf 2’400 Franken belaufen. Das Arbeitsverhältnis sei per Ende Juni 2014 gekündigt 

worden. Am 11. Dezember 2014 gab der Psychiater B.___ an (IV-act. 14), seines 

Erachtens habe die Versicherte ihre Berufslehre aus gesundheitlichen Gründen 

abbrechen müssen, weil sie wegen des ADHS und wegen der Persönlichkeitsstörung in 

zwischenmenschliche Konflikte geraten sei, die zur Auflösung des Lehrverhältnisses 

geführt hätten. Vor diesem Hintergrund sei eine Unterstützung der Versicherten bei 

einer erstmaligen beruflichen Ausbildung zu prüfen. Die Versicherte interessiere sich für 

eine Ausbildung im Bereich der Informationstechnologie. Aus psychiatrischer Sicht 

erscheine eine Ausbildung in diesem Bereich als sinnvoll. Im Februar 2015 notierte Dr. 

med. C.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), aus medizinischer Sicht 

sei angesichts des „biographischen Musters“ nachvollziehbar, dass die Versicherte aus 

medizinischen Gründen keine berufliche Ausbildung habe absolvieren können (IV-act. 

21). Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle hielt im März 2015 fest (IV-act. 

30), die Versicherte habe im Erstgespräch angegeben, dass sie unter den ständigen 

Stellenverlusten leide. Sie wäre gerne langfristig beziehungsweise lebenslang an einem 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeitsplatz tätig. Die letzte Tätigkeit habe sie eigentlich im Vollpensum ausüben 

wollen, aber die Arbeitgeberin sei dagegen gewesen. Während der Dauer des 

Beschäftigungsverhältnisses sei die Versicherte deshalb als (teilweise) arbeitslos 

gemeldet gewesen. Aus der Sicht der Eingliederungsverantwortlichen sei grundsätzlich 

offen, ob die Versicherte einen Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung 

habe; eine solche würde die Versicherte aber im Moment sicherlich überfordern. 

Deshalb sei die Versicherte zunächst mit einer Arbeitsvermittlung zu unterstützen. Auf 

eine entsprechende telefonische Mitteilung der Eingliederungsverantwortlichen 

reagierte die Versicherte enttäuscht; im Mai 2015 teilte der Psychiater B.___ mit, die 

Versicherte sei nicht vermittelbar, weshalb eine Rentenprüfung gewünscht werde (IV-

act. 32). Am 28. Mai 2015 gab er an (IV-act. 41), die Versicherte sei aktuell nicht in der 

Lage, einer Tätigkeit nachzugehen. Selbst in einem geschützten Rahmen würde sie 

wohl wegen zwischenmenschlicher Konflikte eine Arbeitsstelle rasch wieder verlieren. 

Die Enttäuschung über die Weigerung der IV-Stelle, sie bei einer beruflichen 

Ausbildung zu unterstützen, habe die Versicherte in eine depressive Reaktion gestürzt. 

Bereits am 15. Mai 2015 hatte der Neurologe Dr. med. D.___ berichtet, die Versicherte 

leide seit dem Jugendalter an einer Migräne ohne Aura. Ein Schädel-MRI aus dem Jahr 

2005 zeige offenbar einen unauffälligen Befund. Dieses habe er aber nicht eingesehen. 

Am 7. August 2015 teilte der Neurologe Prof. Dr. med. E.___ mit (IV-act. 51), aufgrund 

der anamnestischen Angaben der Versicherten bestehe der Verdacht auf eine Migräne 

ohne Aura. Von vier vereinbarten Terminen habe die Versicherte drei Termine 

unentschuldigt nicht wahrgenommen, weshalb keine Absicherung der Diagnose 

möglich gewesen sei. Aus neurologischer Sicht könne keine Arbeitsunfähigkeit 

attestiert werden.

A.b  Am 14. Dezember 2015 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt. 

Der Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle hielt in seinem Bericht fest (IV-act. 57), die 

Versicherte habe angegeben, dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig 

erwerbstätig wäre. Der Arbeitswille sei ihr gewissermassen in die Wiege gelegt worden. 

Die Schwiegermutter könne bei der Betreuung der drei Kinder mithelfen. Aus 

finanziellen Gründen sei die Familie auf einen zweiten Verdienst angewiesen. Der 

Abklärungsbeauftragte notierte, die Versicherte habe offenbar schon in den 

vergangenen Jahren alles – selbst das Wohl der Kinder – dem Ziel untergeordnet, 

vollzeitig erwerbstätig sein zu können. Es könne aber nicht sein, dass eine Person mit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

einem limitierten Leistungspotential und seit der Jugend bestehender Migräne ein 

Vollpensum geltend machen und sich gleichzeitig wünschen könne, ihren drei 

schulpflichtigen Kindern eine bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Damit 

desavouiere die Versicherte jede vernünftig denkende und handelnde 

Durchschnittsfrau in unserer Gesellschaft. Eine Überforderung, die zur Erkrankung 

führe, begründe keine Invalidität. Das zuletzt ausgeübte Pensum von 60 Prozent sei 

angesichts der aktuellen familiären Situation vertretbar. Die Angaben der Versicherten 

zu ihren Einschränkungen im Haushalt seien völlig unrealistisch. Diesbezüglich müsse 

auf anerkannte Normwerte abgestellt werden. Der Psychiater B.___ berichtete im 

Februar 2016 über einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand der 

Versicherten (IV-act. 59). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medexperts AG am 18. 

Juli 2016 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 75). Der psychiatrische 

Sachverständige hielt fest, die Versicherte habe in einer neuropsychologischen Testung 

überwiegend normgerechte Ergebnisse erzielt, aber im Aufmerksamkeits- und 

Konzentrationsbereich hätten sich eine verminderte Reaktionsgüte mit Fehlreaktionen 

und Auslassungen gezeigt, die mit der Diagnose eines ADHS gut zu vereinbaren seien. 

Im psychiatrischen Explorationsgespräch habe die Versicherte etwas unkonzentriert 

gewirkt. Sie habe dem Gespräch aber problemlos folgen und direkt und adäquat 

Antwort geben können. Die Grundstimmung sei nach unten geschoben gewesen. Die 

Schwingungsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen. Die bisherigen Berichte des 

behandelnden Psychiaters B.___ zeigten „ein etwas verworrenes Bild“. So habe dieser 

teilweise dieselben Gründe angeführt, um einmal eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

und ein anderes Mal eine Ausbildungsfähigkeit zu belegen. Seine Angabe, eine 

Ausbildung im Bereich der Informationstechnologie sei sinnvoll, stehe im Widerspruch 

zur Diagnose eines ADHS, da für eine solche Ausbildung eine hohe 

Konzentrationsfähigkeit notwendig sei. Gesamthaft liessen sich anhand der 

ausführlichen Schilderungen die Diagnosen einer depressiven Erkrankung und eines 

ADHS nachvollziehen; die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei dagegen nicht 

hinreichend begründet worden. Zusammenfassend leide die Versicherte an einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode 

sowie an einem ADHS. Diese beiden Beschwerdebilder beeinflussten sich gegenseitig 

und schränkten die Arbeitsfähigkeit der Versicherten für sämtliche Tätigkeiten um 70 

Prozent ein. Die orthopädische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unspezifischen Rückenbeschwerden und an einer Hyperlaxizität. Ihre Arbeitsfähigkeit 

werde dadurch aber nicht eingeschränkt. Der neurologische Sachverständige hielt fest, 

die von der Versicherten geschilderten Kopfschmerzen erfüllten die Kriterien der 

International Headache Society zur Diagnose einer episodischen Migräne ohne Aura. 

Zusätzlich bestehe ein chronischer Spannungskopfschmerz. Aufgrund der 

Kopfschmerzen seien statische Zwangshaltungen zu vermeiden; der Arbeitsplatz sollte 

so flexibel gestaltet sein, dass dem kopfschmerzbedingt vermehrten Pausenbedarf 

Rechnung getragen werden könne. In einer entsprechend leidensadaptierten Tätigkeit 

bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Der RAD-Arzt Dr. med. Poppele 

erachtete das Gutachten als überzeugend und empfahl, darauf abzustellen (IV-act. 76).

A.c  Mit einem Vorbescheid vom 22. Juli 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit 

(IV-act. 80), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung 

führte sie an, dass kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vorliege. Dieser sei 

nämlich anhand der sogenannten gemischten Methode zu ermitteln, wobei der 

Erwerbsanteil auf 60 Prozent und der Haushaltsanteil auf 40 Prozent festzusetzen 

seien. Die Einschränkung im Erwerbsbereich betrage 50 Prozent, da die Versicherte 

ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Pensum von 60 Prozent arbeiten 

würde, ihr gemäss dem Gutachten der medexperts AG aber nur noch ein halb so 

hohes Pensum (nämlich 30 Prozent) zumutbar sei. Im Aufgabenbereich betrage die 

Einschränkung 14,5 Prozent. Der Invaliditätsgrad belaufe sich auf insgesamt 36 

Prozent. Am 13. September 2016 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte 

dagegen einwenden (IV-act. 91), die Anwendung der gemischten Methode sei EMRK-

widrig, was die IV-Stelle aber offenbar „nicht übermässig zu kümmern scheint“. Zudem 

habe die Versicherte von Beginn weg angegeben, sie wäre ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Vollzeitpensum erwerbstätig. Am 15. September 

2016 fragte die IV-Stelle die ehemalige Arbeitgeberin der Versicherten an, ob sich diese 

während der Anstellung um ein höheres Pensum bemüht habe. Diese Frage wurde von 

der ehemaligen Arbeitgeberin verneint (IV-act. 96). Mit einer Verfügung vom 22. 

September 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 

97).

B. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.a  Am 28. September 2016 liess die Versicherte (nachfolgend: die 

Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. September 2016 

erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung und die Zusprache einer ganzen Rente ab wann rechtens, allerspätestens 

ab Mai 2015. Zur Begründung führte er an, die Anwendung der gemischten Methode 

sei EMRK-widrig. Selbst wenn die gemischte Methode grundsätzlich anwendbar wäre, 

dürfte sie vorliegend nicht zur Anwendung kommen, da die Beschwerdeführerin ohne 

die Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig wäre.

B.b  Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 9. November 

2016 die Abweisung der Beschwerde und eventualiter die Rückweisung der Sache zur 

weiteren Abklärung (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, hier liege kein 

Anwendungsfall des vom Bundesamt für Sozialversicherungen bezüglich der 

gemischten Methode erlassenen IV-Rundschreibens Nr. 355 vor, weshalb die 

Beschwerdeführerin aus dem Urteil des EGMR in Sachen „Di Trizio gegen die Schweiz“ 

nichts zu ihren Gunsten ableiten könne. Die Angaben der Beschwerdeführerin 

bezüglich ihres Wunsches nach einem Vollzeitpensum seien nicht glaubwürdig, da 

diese bislang nie in einem Vollzeitpensum gearbeitet habe, da die ehemalige 

Arbeitgeberin einen von der Beschwerdeführerin geäusserten Wunsch nach einer 

Erhöhung des Pensums von 60 Prozent verneint habe und da die Beschwerdeführerin 

aufgrund ihrer Betreuungspflichten gar nicht in der Lage wäre, einer vollzeitigen 

Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zudem enthalte das Gutachten der medexperts AG 

keine überzeugende Begründung für das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 70 

Prozent. In einer dreistündigen neuropsychologischen Testung habe die 

Beschwerdeführerin überwiegend normgerechte Ergebnisse erzielt. Die Testung sei 

ohne eine Pause durchgeführt worden. Auch bei der fast zwei Stunden dauernden 

psychiatrischen Exploration sei nur ein etwas unkonzentrierter Eindruck aufgefallen. 

Der psychiatrische Sachverständige habe sein Arbeitsunfähigkeitsattest nicht mittels 

objektiver klinischer Befunde begründet. Aus den Akten ergäben sich Hinweise auf 

schwerwiegende psychosoziale Belastungsfaktoren, auf eine fehlende adäquate 

Medikation und auf erhebliche Ressourcen der Beschwerdeführerin, denn diese habe 

immerhin nicht nur drei Kinder aufgezogen, sondern daneben noch ausserhäuslich 

gearbeitet.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.c  Die Beschwerdeführerin liess am 10. Januar 2017 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 14). Der Replik lag unter anderem eine Stellungnahme des behandelnden 

Psychiaters B.___ vom 2. Dezember 2016 bei (act. G 14.30), der geltend gemachte 

hatte, es gehe nicht an, dass eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes der 

Beschwerdegegnerin eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung an die Stelle der 

weitgehend übereinstimmenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Fachärzte setze.

B.d  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 16).

B.e  Die Beschwerdeführerin liess ihren Antrag auf eine mündliche Verhandlung am 5. 

Dezember 2018 zurückziehen (act. G 18).

Erwägungen

1. 

1.1  Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit 

nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern kann, die während eines Jahres durchschnittlich mindestens 40 Prozent 

arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 

Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die 

Bemessung der Invalidität wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem 

Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

1.2  Die Beschwerdeführerin hat während des gesamten Verwaltungsverfahrens 

konstant angegeben, dass sie ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung vollerwerbstätig 

wäre. Sie ist zwar unmittelbar vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung nur 

teilerwerbstätig gewesen, aber aus diesem Umstand lässt sich bezüglich der fiktiven 

Berufskarriere im sogenannten „hypothetischen Gesundheitsfall“ nichts ableiten, denn 

die tatsächliche Berufskarriere der Beschwerdeführerin ist gemäss den 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

übereinstimmenden und überzeugenden Angaben in den medizinischen Akten 

überwiegend wahrscheinlich von Beginn weg durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung 

der Beschwerdeführerin beeinflusst gewesen, was bedeutet, dass die 

Beschwerdeführerin tatsächlich gar nie als Gesunde erwerbstätig gewesen ist. Ihre 

Berufskarriere ist mit anderen Worten von Beginn weg gesundheitsbedingt 

beeinträchtigt gewesen. Daraus kann folglich für die hier massgebende fiktive 

Validenkarriere nichts abgeleitet werden. Der Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle, der 

nach der Haushaltsabklärung maximal ein Pensum von 60 Prozent als zumutbar 

erachtet hat, hat diese Einschätzung unter anderem mit der 

Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin begründet, was zeigt, dass er 

einem Irrtum unterlegen ist. Für die Bestimmung des Erwerbspensums im 

„hypothetischen Gesundheitsfall“ hätte er nämlich sämtliche gesundheitsbedingten 

Einschränkungen konsequent ausblenden müssen. Auch die übrigen Argumente des 

Abklärungsbeauftragten, die angeblich gegen ein Vollpensum im „hypothetischen 

Gesundheitsfall“ sprechen sollen, überzeugen nicht. Es ist durchaus nicht unüblich, 

dass beide Elternteile einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen, obwohl sich ihre 

Kinder noch in einem betreuungsbedürftigen Alter befinden. Insbesondere wenn der an 

sich allein erwerbstätige Ehegatte nur ein tiefes Erwerbseinkommen erzielt, sieht sich 

der andere Ehegatte in aller Regel gezwungen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Im 

vorliegenden Fall haben die effektiv erzielten Löhne der beiden Ehegatten 

(umgerechnet auf ein Vollpensum) jeweils nicht einmal ganz den Zentralwert der 

Hilfsarbeiterlöhne erreicht. Vor diesem Hintergrund hätte es augenscheinlich nicht 

ausgereicht, wenn die Beschwerdeführerin nur in einem Teilpensum erwerbstätig 

gewesen wäre. Zudem hat der Abklärungsbeauftragte selbst darauf hingewiesen, dass 

die Beschwerdeführerin ihrem Wunsch nach einer Vollzeitstelle alles andere – auch das 

Wohl der Kinder – untergeordnet habe. Diese Prioritätensetzung der 

Beschwerdeführerin muss ohne jede Wertung ernst genommen werden. Für die Kinder 

wäre zudem gesorgt gewesen. Dass sich der Abklärungsbeauftragte mit einer eigenen 

– fragwürdigen – Wertung über die Umstände und die eindeutigen Angaben der 

Beschwerdeführerin hinweggesetzt hat, ist nicht nachvollziehbar. Daran ändert der 

Umstand, dass die ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin angegeben hat, 

ihr sei nichts von einem Wunsch der Beschwerdeführerin nach einem Vollpensum 

bekannt gewesen, nichts, denn diese Angabe bezieht sich ja nicht auf die (fiktiven) 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verhältnisse im „hypothetischen Gesundheitsfall“, sondern auf die tatsächlichen 

Verhältnisse mit einer bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigung. Selbst in 

Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zur gemischten Methode muss also von 

einer Vollerwerbstätigkeit im „hypothetischen Gesundheitsfall“ ausgegangen werden, 

da mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ feststeht, dass die Beschwerdeführerin 

unter Berücksichtigung ihrer eigenen Angaben und sämtlicher Umstände in einem 

Vollpensum gearbeitet hätte, wenn sie nicht an einer Gesundheitsbeeinträchtigung 

gelitten hätte.

2. 

2.1  Für die Bestimmung der Validenkarriere ist entscheidend, ob die 

Beschwerdeführerin als Frühinvalide im Sinne des Art. 26 Abs. 1 IVV zu qualifizieren ist, 

das heisst ob sie durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung daran gehindert gewesen 

ist, eine ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Berufsausbildung zu 

absolvieren. Die Akten enthalten einige Hinweise darauf, dass dies der Fall gewesen 

sein könnte: Die Beschwerdeführerin hat eine Berufslehre nach wenigen Monaten 

abgebrochen und später diverse Arbeitsstellen teilweise nach kurzer Zeit wieder 

verloren. Der behandelnde Psychiater B.___ hat dies auf ein von ihm diagnostiziertes 

ADHS zurückgeführt; die Sachverständigen  der medexperts AG haben das Vorliegen 

eines ADHS bestätigt. Die RAD-Ärztin Dr. F.___ hat eine Beteiligung des ADHS beim 

Scheitern einer Berufsausbildung als wahrscheinlich qualifiziert. Gesamthaft vermögen 

diese Hinweise aber nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu beweisen, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich 

krankheitsbedingt daran gehindert gewesen ist, eine ihren Neigungen und Fähigkeiten 

entsprechende Berufsausbildung zu absolvieren. Auch das Gegenteil ist aber nicht mit 

dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt. Mit 

anderen Worten ist beim aktuellen Aktenstand fraglich, ob das (erst kürzlich 

festgestellte) ADHS eine wesentliche Rolle beim Scheitern der Berufsausbildung 

gespielt hat. Diesbezüglich ist nicht ausgeschlossen, dass aus weiteren Abklärungen 

ein wesentlicher Erkenntnisgewinn resultieren könnte. Möglicherweise ergeben sich 

aus den Akten der behandelnden Ärzte aus der Zeit, als die Beschwerdeführerin die 

schulische Ausbildung abgeschlossen und die berufliche Ausbildung angetreten hat, 

weitere Hinweise. Ein medizinischer Sachverständiger könnte zudem in der Lage sein, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

retrospektiv weitere Angaben zur Frage zu liefern, ob die Beschwerdeführerin 

krankheitsbedingt daran gehindert gewesen ist, eine ihren Neigungen und Fähigkeiten 

entsprechende Ausbildung zu absolvieren. Diesbezüglich erweist sich der Sachverhalt 

folglich als ungenügend abgeklärt, weshalb die angefochtene Verfügung wegen einer 

Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) als rechtswidrig aufzuheben 

und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.

2.2  Bezüglich des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist die 

medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung ausschlaggebend. Wie die 

Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten hat, überzeugt das von ihr eingeholte 

Gutachten der medexperts AG nicht. Der psychiatrische Sachverständige hat nämlich 

eine Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent und damit eine praktisch aufgehobene 

Arbeitsfähigkeit attestiert, aber in seinem Teilgutachten keine objektiven klinischen 

Befunde angeführt, die diese weitgehende Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Der 

Umstand, dass die Beschwerdeführerin während der rund zweistündigen Exploration in 

der Lage gewesen ist, ihre Aufmerksamkeit und ihre Konzentration aufrecht zu 

erhalten, respektive dass sie nur einen leicht unkonzentrierten Eindruck hinterlassen 

hat, spricht gegen die vom psychiatrischen Sachverständigen attestierte fast 

vollständige Arbeitsunfähigkeit. Auch die Ergebnisse der neuropsychologischen 

Testung, auf die der psychiatrische Sachverständige nur am Rande beziehungsweise 

nur bezüglich der Diagnose eines ADHS eingegangen ist, sprechen deutlich gegen eine 

erhebliche psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit. Die Untersuchungsergebnisse sind 

nämlich weitgehend unauffällig gewesen; die Beschwerdeführerin hat fast durchgehend 

durchschnittliche Resultate erzielt. Auch ihr Verhalten ist weitgehend unauffällig 

gewesen, obwohl die Testung insgesamt drei Stunden gedauert und hohe 

Anforderungen an die Aufmerksamkeit und die Konzentration der Beschwerdeführerin 

gestellt hat. Auch der behandelnde Psychiater B.___ hat keine objektiven klinischen 

Befunde angeführt, die sein Attest einer vollständig aufgehobenen Arbeitsfähigkeit 

begründen könnten. Zudem hat er keine neuropsychologischen Tests durchgeführt, die 

aber für eine zuverlässige Arbeitsfähigkeitsschätzung bei dem im Raum stehenden 

ADHS wohl unabdingbar gewesen wären. Gesamthaft fehlt in den Akten also eine 

überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung. Da es nicht die Sache des 

Versicherungsgerichtes sein kann, die ureigenste Aufgabe der Beschwerdegegnerin – 

nämlich die Sachverhaltsabklärung – zu übernehmen respektive das Versäumnis der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin (das diese selbst erkannt, aber unverständlicherweise nicht zum 

Anlass genommen hat, ihre Verfügung zu widerrufen, um weitere Abklärungen zu 

tätigen) wiedergutzumachen, ist kein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Vielmehr 

ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, die folglich auch 

diesbezüglich weitere Abklärungen wird tätigen müssen. In Betracht fällt insbesondere 

eine neuropsychologische und psychiatrische Untersuchung. Die Entscheidung, 

welche Untersuchungen durchzuführen sind und in welchem Rahmen (RAD-

Untersuchung, versicherungsexterne Begutachtung, MEDAS-Begutachtung) dies zu 

geschehen hat, bleibt aber selbstverständlich der Beschwerdegegnerin respektive 

ihrem RAD überlassen.

3. 

Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 22. September 2016 in 

teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren 

Sachverhaltsabklärung bezüglich der Validenkarriere und der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Rechtsprechungsgemäss gilt dieser Verfahrensausgang hinsichtlich der Kosten- und 

Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der Beschwerdeführerin. Die 

Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

Diese hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Angesichts 

des eher geringen Aktenumfangs ist von einem insgesamt leicht 

unterdurchschnittlichen erforderlichen Vertretungsaufwand auszugehen, weshalb die 

Parteientschädigung praxisgemäss auf 3’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 22. 

September 2016 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Sachverhaltsabklärung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. 

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen.

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit 3’000 Franken zu 

entschädigen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 10.12.2018
	Art. 28 IVG. Art. 28a IVG. Art. 5 IVG. Art. 8 ATSG. Art. 16 ATSG. Art. 26 IVV. Invalidenrente. Gemischte Methode. Einkommensvergleich. Frühinvalidität (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Dezember 2018, IV 2016/319).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte