# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 259faec9-77d3-5cad-8fd4-51729708476c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.09.2011 D-1742/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1742-2009_2011-09-02.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1742/2009
law/mah/sed

U r t e i l   v om   2 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richterin Nina Spälti Giannakitsas,
Richterin Contessina Theis,
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

Parteien A._______, geboren am (…),
Irak,
vertreten durch Guido Ehrler, Advokat,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Widerruf 
des Asyls;
Verfügung des BFM vom 13. Februar 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Mit  Verfügung  vom  7. Dezember  2000  anerkannte  das  damalige 
Bundesamt  für Flüchtlinge  (BFF;  heute Bundesamt  für Migration  [BFM]) 
den  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  als  Flüchtlinge  und  gewährte 
ihnen in der Schweiz Asyl.

B. 
Das BFM  aberkannte mit  Verfügung  vom  20. Januar  2003  erstmals  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Familie  und 
widerrief deren Asyl.

C. 
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 20. Februar 2003 
wurde  von  der  damals  zuständigen  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (ARK)  mit  Beschluss  vom  7. März  2006  als 
gegenstandslos  geworden  abgeschrieben,  da  das  BFM  am  27. Februar 
2006 seine Verfügung vom 20. Januar 2003 in Wiedererwägung gezogen 
und diese aufgehoben hatte.

D. 
Nachdem  das  BFM  aus  dem  Grenzkontrollrapport  der  deutschen 
Grenzpolizei vom 15. Februar 2008 und den Kopien des Reiseausweises 
des  Beschwerdeführers  entnehmen  konnte,  dass  dieser  sich  vom  6. ­
20. November  2007  im  Irak  aufgehalten  habe,  erwog  das  BFM  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  abzuerkennen  und  sein 
Asyl  zu  widerrufen  und  gab  dem Beschwerdeführer mit  Schreiben  vom 
7. Januar 2009 die Möglichkeit, hierzu Stellung zu nehmen.

E. 
Am  4. Februar  2009  nahm  der  Beschwerdeführer  mittels  seines 
Rechtsvertreters  Stellung  zur  beabsichtigten  Aberkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft und zum Widerruf des Asyls.

F. 
Mit  Verfügung  vom  13. Februar  2009  –  eröffnet  am  16. Februar  2009 – 
aberkannte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft 
und widerrief das ihm gewährte Asyl.

G. 
Der  Beschwerdeführer  liess  mit  Eingabe  vom  18. März  2009  (Datum 

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Poststempel)  mittels  seines  Rechtsvertreters  gegen  diesen  Entscheid 
beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen, 
es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben. Er legte eine Kopie einer 
Bestätigung von B._______ mit einer deutschen Übersetzung bei.

H. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  24. März  2009  forderte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  unter  Androhung  des 
Nichteintretens  auf  die  Beschwerde  auf,  bis  zum  14. April  2009  einen 
Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten.

I. 
Mit  Einzahlung  vom  6. April  2009  leistete  der  Beschwerdeführer  den 
verlangten Kostenvorschuss.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

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und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 
Nachdem  der  einverlangte  Kostenvorschuss  innert  angesetzter  Frist 
geleistet  wurde,  ist  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte 
Beschwerde  (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG  i. V. m. Art. 37 VGG 
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) einzutreten.

3. 
Gemäss  Art. 63  Abs. 1  Bst. b  AsylG  wird  das  Asyl  widerrufen  oder  die 
Flüchtlingseigenschaft aberkannt, wenn Gründe nach Art. 1 Bst. C Ziff. 1­
6  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen. Art. 1 Bst. C Ziff. 1­6 FK enthält 
die  Beendigungsklauseln  betreffend  den  Flüchtlingsstatus.  Namentlich 
fällt eine Person unter anderem nicht mehr unter die Bestimmungen der 
FK und  endet  ihr  Flüchtlingsstatus, wenn  sie  sich  freiwillig wieder  unter 
den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit  sie besitzt, gestellt 
hat (Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK). 

4. 
4.1.  Im  Einzelnen  führt  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  aus, 
Art. 1  Bst. C  Ziff. 1  FK  komme  gemäss  Rechtsprechung  nur  dann  zur 
Anwendung, wenn die  drei  folgenden Voraussetzungen  kumulativ  erfüllt 
seien: Erstens müsse die Handlung des Flüchtlings freiwillig erfolgt sein, 
das heisst ohne äusseren Zwang durch die Umstände  im Asylland oder 
durch  die  Behörden  dieses  Landes.  Zweitens  müsse  die  betroffene 
Person  in  der  Absicht  gehandelt  haben,  sich  erneut  dem  Schutz  des 
Heimatstaates  zu  unterstellen.  Drittens  müsse  die  Schutzgewährung 
durch  den  Heimatstaat  tatsächlich  erfolgt  sein.  Der  Beschwerdeführer 
habe erklärt,  in den  Irak gereist zu sein, weil  ihn seine Ehefrau zu einer 
Rückkehr gedrängt habe, und er sich deshalb habe erkundigen wollen, ob 
er  im  Irak  immer  noch  verfolgt  werde.  Somit  habe  er  ohne  äusseren 
Zwang durch die Umstände  im  Irak oder durch die  irakischen Behörden 
gehandelt.  Ausserdem  versäume  der  Beschwerdeführer  zu  erklären, 
warum  es  nötig  gewesen  sei,  persönlich  in  den  Irak  zu  reisen.  Den 
Angaben  des  Beschwerdeführers  zufolge,  habe  sein  Onkel  ihm  erklärt, 
dass  er  im  Irak  immer  noch  gefährdet  sei.  Es  entbehre  jeglicher  Logik, 
warum  der  Beschwerdeführer  das  Risiko  auf  sich  genommen  habe, 
persönlich  in  den  Irak  zu  reisen,  hätte  er  doch  telefonisch  oder  über 
andere Kommunikationswege durch seinen Onkel zur selben Information 
gelangen  können.  Was  die  Voraussetzung  der  effektiven 

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Schutzgewährung  im  Heimatland  anbelange,  so  sei  diese  erfüllt,  wenn 
objektive  Anhaltspunkte  dafür  bestünden,  dass  die  betreffende  Person 
tatsächlich  nicht  mehr  gefährdet  sei.  Es  bestünden  dadurch,  dass  der 
Beschwerdeführer  offensichtlich  problemlos  legal  in  den  Irak  ein­  und 
ausgereist sei und sich zwei Wochen  in seinem Heimatland aufgehalten 
habe,  objektive  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  im  Irak  effektiv  geschützt 
worden  sei.  Die Erklärung,  der  Aufenthalt  des Beschwerdeführers  habe 
sich ungewollt verlängert, weil beim Rückflug Probleme aufgetreten seien 
– ohne  dies  zu  belegen  und  zur  spezifizieren,  um was  für Probleme es 
sich  gehandelt  habe  –  ändere  nichts  an  der  Sachlage.  Auch  sei  aus 
seiner Stellungnahme nicht ersichtlich, wie der Beschwerdeführer, gegen 
den  ein  rechtskräftiges Urteil  vorliege,  die Grenzkontrolle  am Flughafen 
problemlos  habe  passieren  können.  Aus  diesen  Gründen  vermöge  die 
Aussage,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  unter  den  Schutz  seines 
Onkels und nicht unter den Schutz des  irakischen Staates gestellt, nicht 
zu  überzeugen.  Weil  die  obigen  Bedingungen  erfüllt  seien,  werde  das 
Asyl widerrufen und die Flüchtlingseigenschaft aberkannt.

4.2.  In  der  Beschwerde  wird  im  Wesentlichen  ausgeführt,  der 
Beschwerdeführer  habe  sich  unbestritten  während  14 Tagen  im 
kurdischen  Irak aufgehalten. Die ursprüngliche Absicht habe wegen des 
nach wie vor gegebenen Verfolgungsrisikos nur  in einem Aufenthalt von 
zwei  Tagen  bestanden.  Der  Aufenthalt  habe  sich  verlängert,  weil  der 
Rückflug  verschoben worden  sei.  Nach  dem Handbuch  des  Amtes  des 
Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  führe 
dieser Sachverhalt nicht zur Beendigung der Flüchtlingseigenschaft. Der 
Beschwerdeführer  habe  nie  die  Absicht  gehabt,  sich  dauernd  im  Irak 
niederzulassen. Er habe die Reise nicht mit dem irakischen, sondern mit 
dem  von  der  Schweiz  ausgestellten  Flüchtlingspass  unternommen. Wie 
aus  dem Wortlaut  von Art. 1  Bst. C  Ziff. 4  FK  hervorgehe,  beziehe  sich 
die  Freiwilligkeit  auf  die  definitive  Niederlassung.  Ein  einmaliger  kurzer 
Aufenthalt von (ungewollt) zwei Wochen erfülle den Tatbestand von Art. 1 
Bst. C Ziff. 4 FK von vornherein nicht. Die Freiwilligkeit sei nicht gegeben. 
Die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  habe  in  der  Schweiz  keine 
Verwandten.  Sie  leide  sehr  unter  der  Trennung  von  ihrer  Familie.  Sie 
habe den Beschwerdeführer andauernd gedrängt, mit der ganzen Familie 
zurückzukehren.  Dies  habe  zu  erheblichen  Spannungen  in  der  Ehe 
geführt.  Der  Beschwerdeführer  sei  vor  der  Alternative  gestanden, 
entweder  das  Scheitern  der  Ehe  zu  riskieren,  gegebenfalls  seine  Frau 
und  seine  Kinder  zu  verlieren,  oder  aber  im  Irak  zu  erkunden,  ob  eine 
Rückkehr möglich  wäre. Wäre  er  nicht  gegangen,  hätte  seine  Frau  die 

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Reise  allenfalls  selber  unternommen  und  die  beiden  Kinder 
mitgenommen. Das Risiko, seine Partnerin und seine Kinder zu verlieren, 
habe  der  Beschwerdeführer  nicht  eingehen  können.  Er  habe  die  Reise 
nicht  freiwillig,  sondern  unter  massivem  psychischen  Druck 
unternommen.  Die  seelische  Notlage  sei  so  stark  gewesen,  dass  der 
Beschwerdeführer das Risiko auf sich genommen habe, im Irak verhaftet 
zu  werden.  Das  BFM  habe  eingewendet,  die  Reise  entbehre  jeglicher 
Logik,  da  sich  der  Beschwerdeführer  telefonisch  oder  über  andere 
Kommunikationswege  bei  seinem  Onkel  informieren  und  zum  selben 
Resultat  hätte  gelangen  können.  Das  BFM  verkenne,  dass  die 
grundlegende  Entscheidung  der  Rückkehr  in  den Heimatstaat  nicht  per 
Telefon getroffen werden könne. Der Beschwerdeführer habe persönlich 
Gespräche  mit  seinem  Onkel  führen  müssen,  um  die 
Realisierungschancen  des  Loskaufes  von  der  Strafe  zu  erkunden  und 
das Gefahrenpotenzial einzuschätzen, das von der Familie des Getöteten 
C._______  ausgehe.  Der  Beschwerdeführer  habe  ursprünglich  gehofft, 
dies in zwei Tagen erledigen zu können. Er habe deshalb gute Gründe für 
die  Reise  in  den  Irak  gehabt.  Sein  Aufenthalt  entbehre  nicht  jeglicher 
Logik,  wie  das  BFM  wahrhaben  wolle.  In  D._______  habe  sich  der 
Beschwerdeführer unter den Schutz seines Onkels und  (…) B._______, 
der  (…)  der  Patriotischen  Union  Kurdistans  (PUK)  sei,  begeben.  Als 
Vorsichtsmassnahme  habe  er  dessen  Haus  immer  nur  in  seiner 
Begleitung  verlassen.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  nicht  unter  den 
Schutz  des  kurdischen  Staates,  sondern  unter  denjenigen  seines 
einflussreichen  Onkels  begeben.  Da  sein  Onkel  ein  angesehener  (…), 
(…) und Mitglied der  (…)  sei,  habe er davon ausgehen dürfen,  dass er 
nicht  in  seiner Anwesenheit  verhaftet werden würde. Er  sei  von seinem 
Onkel  von  der  nach  wie  vor  bestehenden  Verfolgungsgefahr  geschützt 
worden.  Der  Beschwerdeführer  habe  nie  beabsichtigt,  sich  unter  den 
Schutz  des  kurdischen  Staates  zu  stellen.  Gemäss  Art. 61  Abs. 4  des 
Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung 
der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121;  recte:  Art. 61  Abs. 2  letzter  Satz  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]) könne die Niederlassungsbewilligung nach 
der  Abmeldung  aus  der  Schweiz  während  vier  Jahren  aufrechterhalten 
werden.  Der  Gesetzgeber  wolle  damit  den  Versuch  der 
Wiedereingliederung  im  Heimatstaat  erleichtern,  ohne  dass  der  Verlust 
des  Aufenthaltsrechts  riskiert  werden  müsse.  Diese  grundlegende 
gesetzgeberische  Wertung  spreche  dafür,  dass  auch  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht allein deshalb entzogen werden dürfe, wenn 
der  Flüchtling  eine  Erkundigung  zu  den  Rückkehrmöglichkeiten 

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unternehme. Die strenge Praxis des BFM erscheine  in diesem Fall nicht 
verhältnismässig.  Das  BFM  habe  im  ersten  Widerrufsverfahren 
anerkannt,  dass  die  Vollstreckung  des  im  Jahre  (…)  ausgesprochenen 
Urteils des (…) E._______ drohe. Sein (…) und Onkel habe  ihm erklärt, 
dies sei insbesondere dann der Fall, wenn die Verwandten des Getöteten 
C._______ dies beim Strafgericht beantragen würden. Würde er sich mit 
seiner  Familie  niederlassen,  würde  dieses  Urteil  vollstreckt.  Er  habe 
vergeblich  versucht,  sich  von  dieser  Strafe  loszukaufen.  Er  sei  deshalb 
trotz  seiner  Reise  nach  wie  vor  gefährdet,  im  Irak  Opfer  von 
asylrelevanter Verfolgung  zu werden. Es bestünden  trotz  der Heimreise 
keine  objektiven  Anhaltspunkte,  dass  dieses  Urteil  nicht  vollstreckt 
werden  könnte.  Zudem  sei  auch  die  Gefahr  der  Verwandten  von 
C._______, welche ihn für dessen Tod verantwortlich machten, nicht aus 
der Welt geschafft. Das BFM wende ein, der Beschwerdeführer habe an 
der Grenze  die  Kontrolle  problemlos  passieren  können. Diese Aussage 
sei  richtig.  Trotzdem habe eine Unterschutzstellung  nicht  stattgefunden. 
Die erstinstanzlichen Urteile der Strafgerichte würden im Irak nicht zentral 
erfasst.  Auch  wenn  die  politischen  Gegensätze  in  jüngster  Zeit  an 
Bedeutung verloren hätten, seien die Polizei­ und Sicherheitskräfte sowie 
die  gerichtlichen  Instanzen  nach  wie  vor  entlang  der  Parteigrenzen 
orientiert.  Das  Urteil  des  Jahres  (…)  sei  vom  (…)  E._______  im  PUK­
Gebiet  getroffen  worden,  währendem  sich  der  Beschwerdeführer  in 
D._______  im  Gebiet  der  Kurdischen  Demokratischen  Partei  (KDP) 
aufgehalten  habe.  Die  Sicherheitskräfte  am  Flughafen  hätten  deshalb 
keine Kenntnis von der zehn Jahre zurückliegenden Verurteilung gehabt, 
weswegen  er  die  Grenze  unbehelligt  habe  passieren  können.  Eine 
Unterschutzstellung  könne  daraus  nicht  abgeleitet  werden.  Wie  bereits 
erwähnt, würde aber bei einer definitiven Rückkehr die Verwandten des 
Getöteten auf die Vollstreckung des Urteils drängen oder aber das Heft in 
die eigenen Hände nehmen. Der Beschwerdeführer sei  im Irak nach wie 
vor gefährdet.

5. 
5.1. Wie  das  BFM  zutreffend  festhält,  setzt  die  Anwendung  von  Art. 1 
Bst. C Ziff. 1 FK kumulativ voraus, dass der Flüchtling freiwillig in Kontakt 
mit seinem Heimatstaat getreten ist, er mit der Absicht gehandelt hat, von 
seinem  Heimatstaat  Schutz  in  Anspruch  zu  nehmen,  und  er  diesen 
Schutz auch tatsächlich erhalten hat (BVGE 2010/17 E. 5.1.1 S. 202). 

5.2. 

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5.2.1.  Das  Kriterium  der  Freiwilligkeit  bedingt,  dass  der  Akt  des 
Flüchtlings,  (welcher  auf  eine  Unterschutzstellung  hinweist)  ohne 
äusseren Zwang weder durch die Umstände im Asylland noch durch die 
Behörden des Heimatstaates geschieht  (BVGE 2010/17 E. 5.2.1 S. 202 
f.).

5.2.2.  Nach  der  Darstellung  in  der  Stellungnahme  und  der 
Beschwerdeschrift  hat  sich  der  Beschwerdeführer  auf  Drängen  seiner 
Frau  zurück  in  den  Irak  begeben,  um  seine  aktuelle  Gefährdung 
abzuschätzen. Er habe keine andere Wahl gehabt, weil sonst seine Ehe 
auf dem Spiel gestanden hätte.

In  diesem  Erklärungsversuch  des  Beschwerdeführers  ist  keine 
Zwangslage  zu  erkennen,  von  der  auf  eine  fehlende  Handlungsfreiheit 
seinerseits geschlossen werden müsste. Auch wenn seine Frau unter der 
Trennung ihrer Familie im Irak leidet und den Beschwerdeführer zu einer 
Rückkehr drängte, ist kaum vorstellbar, dass sie gewollte hätte, dass sich 
ihr Mann  in  den  Irak  begibt, wenn  ihm dort  noch  immer  eine Haftstrafe 
und  ein Racheakt  drohen würde. Es  ist  auch  nicht  ersichtlich,  inwiefern 
die Reise  in den  Irak die einzige Möglichkeit hätte darstellen sollen, um 
die  aktuelle  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  zu  eruieren  und 
abzuschätzen, ob eine Rückkehr der Familie in Betracht gezogen werden 
könnte.  Entgegen  der  Darstellung  in  der  Beschwerde  ist  mit  dem  BFM 
davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  sehr  wohl  von  der 
Schweiz aus die nötigen Schritte hierfür hätte veranlassen können, zumal 
sein Onkel  im Irak, der zugleich sein (…) gewesen  ist und über Einfluss 
bei  der  PUK  verfügt,  durchaus  hätte  abklären  können,  ob  die  ihm 
drohende Haftstrafe im Irak noch vollzogen und die Familie des Getöteten 
allenfalls gegen Geld von einem Racheakt absehen würde. Es ist deshalb 
nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich 
gezwungen  war,  in  den  Irak  zu  reisen.  Die  Voraussetzung  der 
Freiwilligkeit der Kontaktnahme mit dem Heimatstaat ist demnach erfüllt.

5.3. Weiter sind auch die Kriterien der beabsichtigten Unterschutzstellung 
und die effektive Schutzgewährung durch den Heimatstaat gegeben. Wie 
den Akten zu entnehmen  ist und vom Beschwerdeführer nicht bestritten 
wird,  hielt  sich  dieser  14 Tage  im  kurdischen  Irak  auf.  Die  in  der 
Beschwerde  in  Aussicht  gestellten  Buchungsbelege,  welche  hätten 
bestätigen sollen, dass sich der beabsichtigte Aufenthalt von zwei Tagen 
wegen  der  Verschiebung  des  Rückflugs  auf  14 Tage  verlängert  hat, 
wurden bis heute nicht nachgereicht. Ausserdem hat sich das BFM in der 

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Verfügung  nicht  auf  Ziffer 4  sondern  auf  Ziffer 1  des  Art. 1  Bst. C  FK 
abgestützt.  Ziffer  1  bedingt  keine  beabsichtigte  Niederlassung  als 
Voraussetzung  (vgl.  Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  des  UNHCR  Rz. 118  f.).  In  der 
Beschwerde wird zudem auf Art. 61 Abs. 2 letzter Satz AuG und dessen 
Botschaft  verwiesen,  wonach  die  Niederlassungsbewilligung  eines 
Ausländers,  der  die  Schweiz  verlässt,  auf  Gesuch  hin  vier  Jahre 
aufrechterhalten  werden  könne.  Daraus  kann  jedoch  nicht  der  Schluss 
gezogen  werden,  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  dürfe  nicht  entzogen 
werden,  wenn  der  Flüchtling  eine  Erkundigung  zu  den 
Rückkehrmöglichkeiten  unternehme.  Ein  Flüchtling  ist  im Gegensatz  zu 
einem Ausländer oder einer Ausländerin in ihrer beziehungsweise seiner 
Heimat ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt oder 
hat begründete Furcht, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Zudem 
gilt  bei  Flüchtlingen  das  Rückschiebungsverbot  (vgl.  Art. 5  AsylG).  Die 
Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  den  Widerruf  des  Asyls 
gemäss  Art. 63  AsylG  können  deshalb  nicht  mit  dem  Erlöschen  und 
Widerruf  von  Bewilligungen  eines  Ausländers  oder  einer  Ausländerin 
gleichgesetzt werden. Ferner wird in der Beschwerde bestätigt, dass der 
Beschwerdeführer mit seinem Flüchtlingspass in den Irak kontrolliert ein­ 
und  ausgereist  ist.  Dieses  Verhalten  zeigt  auf,  dass  der 
Beschwerdeführer  den  Kontakt  mit  den  Organen  des  Staates  nicht  zu 
vermeiden  versuchte,  und  insofern  –  was  bereits  ausreicht  –  die 
Unterschutzstellung zumindest in Kauf genommen hat (BVGE 2010/17 E. 
5.2.3  S.  203).  In  der  Beschwerde  wird  zwar  ausgeführt,  die 
Sicherheitskräfte in D._______ hätten keine Kenntnis von der zehn Jahre 
zurückliegenden  Verurteilung  in  E._______  gehabt,  weswegen  er  die 
Grenze  unbehelligt  habe  passieren  können.  Gemäss  seinen 
Ausführungen  in  der  Stellungnahme  vom  4. Februar  2009  hat  sich  der 
Beschwerdeführer  aber  nicht  nur  in  D._______,  sondern  auch  in 
E._______  aufgehalten  (vgl.  act. C5/4  S. 1).  Er  macht  zwar  geltend,  er 
habe das Haus nie ohne seinen einflussreichen Onkel verlassen und sich 
in Anwesenheit  seines Onkels  nicht  vor  einer Verhaftung  gefürchtet,  da 
dieser  ein  angesehener  (…),  (…)  und  Mitglied  der  (…)  sei.  Einerseits 
erstaunt  diese  Aussage,  zumal  ihm  dieser  Onkel  den  Schutz  vor  einer 
Verhaftung  vor  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  im  Jahre  1998  angeblich 
nicht  geben konnte  (vgl.  act. A1/8 S. 4, A4/27 S. 12). Andererseits  lässt 
diese Aussage aber auch darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer 
sich  im  Nordirak  in  der  Öffentlichkeit  bewegte  und  nicht  beabsichtigte, 
seinen  Aufenthalt  zu  verheimlichen.  Vor  diesem  Hintergrund  sind  dem 
Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  im  Nordirak  insgesamt  hinreichende 

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Anhaltspunkte  zu  entnehmen,  um  unzweifelhafte  Rückschlüsse  auf  das 
Fehlen  einer  Verfolgungsfurcht  und  auf  die  subjektive  Empfindung – 
ausreichenden, effektiven Schutz zu erhalten – ziehen zu können. Unter 
diesen  Umständen  ist  insgesamt  festzustellen,  dass  sowohl  die 
Inanspruchnahme  von  Dienstleistungen  irakischer  Grenzbehörden  wie 
auch  der  Aufenthalt  im  Irak  selbst  als  Unterschutzstellung  unter  den 
Heimatstaat  zu werten  sind.  Schliesslich  rechtfertigt  der Umstand,  dass 
der Beschwerdeführer offenbar  in den  Irak einreisen, sich  in D._______ 
und  E._______  während  zwei  Wochen  ohne  Zwischenfälle  aufhalten 
konnte und  in der Folge über einen offiziellen Grenzübergang und unter 
Inanspruchnahme der grenzpolizeilichen Formalitäten wieder ungehindert 
aus  dem  Land  ausreisen  konnte,  die  Annahme,  er  sei  während  des 
Aufenthaltes im Nordirak nicht mehr gefährdet gewesen, sondern effektiv 
geschützt worden (BVGE 2010/17 E. 5.3 S. 204). 

5.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die in Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK und 
Art. 63  Abs. 1  Bst. b  AsylG  statuierten  Voraussetzungen  für  die 
Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  als  erfüllt  zu  erachten  sind.  Es 
erübrigt  sich deshalb auf die weiteren Ausführungen  in der Beschwerde 
und  die  eingereichten  Beweismittel  einzugehen,  da  sie  an  dieser 
Würdigung des Sachverhalts  nichts  zu ändern  vermögen. Das BFM hat 
dem  Beschwerdeführer  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  aberkannt 
und  das  Asyl  widerrufen.  Die  Beschwerde  ist  demnach  ohne 
Durchführung  eines  Schriftenwechsels  (Art.  111a  Abs.  1  AsylG) 
abzuweisen.

6. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  in  der  Höhe  von 
insgesamt  Fr. 600.–  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  und  mit  dem 
am  6. April  2009  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  zu 
verrechnen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG i. V. m. Art. 1–3 des Reglements 
vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.– 
verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand:

 

D­1742/2009

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Zustellung erfolgt an:

– den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
– das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit 

den Akten N (…) (per Kurier; in Kopie)
– (…)