# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d5cad179-c7f8-500c-9552-b5a92e0e82b8
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-29
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 29.11.2022 UV.2022.12 (SVG.2023.1)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_UV-2022-12_2022-11-29.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 29.
November 2022

 

 

Mitwirkende

 

Dr. G. Thomi (Vorsitz), Dr. med. W.
Rühl , lic. phil. D. Borer     

und
Gerichtsschreiber lic. iur. H. Dikenmann 

 

 

 

 

Parteien

 

A____ 

vertreten durch B____

                                                                                                 Beschwerdeführer

 

 

 

SUVA

Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1,
Postfach, 6002 Luzern   

                                                                                            Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

UV.2022.12

Einspracheentscheid vom 17.
Februar 2022

Eintritt des medizinischen
Endzustandes aufgrund prospektiver Beurteilung bejaht. Rentenanspruch mangels
Erwerbseinbusse verneint.

 

Tatsachen

I.        

a)        Der Versicherte war seit 1. Juni 2014 bei der Firma C____,
[...], angestellt und in diesem Rahmen bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl. Schadenmeldung
vom 30. Januar 2019, SUVA-Akte zu Schaden-Nr. 23.48825.19.7 = SUVA-Akte I 1).

aa)      Am 23. Januar 2019 fiel der Versicherte bei
Fassadenarbeiten rückwärts von einer Leiter (Schadenmeldung vom 30. Januar 2019,
SUVA-Akte I 1). In der Schadenmeldung wurden unter der Rubrik
"Verletzung" als betroffene Körperteile der Rücken (Stauchung
Wirbelsäule sowohl links als auch rechts) sowie die Schulter (Quetschung,
sowohl links als auch rechts) notiert. Mit Bericht vom 21. Februar 2019
(SUVA-Akte I 7) diagnostizierte das D____spital [...], Orthopädie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, bezüglich des Oberen Sprunggelenks (OSG)
link eine anterolaterale posttraumatische Rotationsinstabilität mit/bei Status
nach OSG-Distorsion Grad II – III am 23. Januar 2019. Es folgen zahlreiche
Untersuchungen und Behandlungen. Gemäss Austrittsbericht der Orthopädie Klinik
des [...]spitals [...], E____, vom 17. Juli 2020 (SUVA-Akte I 51) erfolgte am
17. Juli 2020 eine Operation am linken Fuss (OSG Arthroskopie, AMIC Plastik
medialer Talus, Mediale und laterale Bandplastik). Jedoch persistierten
Restbeschwerden. Die [...]klinik F____ schlug gemäss Bericht vom 6. Mai 2021
(SUVA-Akte I 107) mit Hinweis auf Restbeschwerden eine kreisärztliche
Untersuchung vor.

bb)      Am 28. November 2019, stürzte der Versicherte,
nachdem ein Brett beim Herausziehen plötzlich nachgab, auf den Rücken (Schadenmeldung
vom 5. Dezember 2019, SUVA-Akte zu Schaden-Nr. 27.67312.19.1, SUVA-Akte II 1). In
der Schadenmeldung wurde unter der Rubrik "Verletzung" als
betroffener Körperteil die Schulter (Prellung) angegeben. G____, FMH Allgemeine
Innere Medizin, Basel, attestierte gemäss Arztzeugnis UVG vom 6. Februar 2020
(SUVA-Akte II 16) ein akutes lumbovertebrales Schmerzsyndrom. 

cc)       Anlässlich der Besprechung mit einem Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin
vom 5. November 2020 (vgl. Bericht vom 5. November 2020, SUVA-Akte I 63) gab
der Versicherte an, er sei anfangs Oktober beim Betreten des Hauseingangs mit
beiden Gehstöcken auf dem regennassen Plattenboden ausgerutscht. Den drohenden
Sturz habe er reflexartig vermeiden können, jedoch habe er mit seinem
operierten Fuss resp. mit der Orthese heftig am Boden aufgetreten, was für
einige Stunden zu verstärkten Ruheschmerzen im Bereich des Rückfusses geführt
habe. 

 

b)        aa) Zu den Restfolgen des Ereignisses vom 23. Januar 2019
äusserte sich die kreisärztliche Stellungnahme vom 9. Juni 2020 (sig. H____,
SUVA-Akte II 42). Eine abschliessende kreisärztliche Untersuchung erfolgte am
4. August 2021 (Bericht vom 4. August 2021, sig. Kreisarzt. I____, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, SUVA-Akte I
123). Der Kreisarzt erachtete aufgrund des "mittlerweile deutlich
protrahierten Verlaufes mit beginnender Chronifizierung einer
Schmerzproblematik … den medizinischen Endzustand als erreicht". Ferner
nahm der Kreisarzt eine Schätzung des Belastbarkeitsprofils auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt bezogen auf das linke obere Sprunggelenk vor. Ebenso schätzte der
Kreisarzt die Höhe des Integritätsschadens (vgl. Beurteilung des
Integritätsschadens vom 4. August 2021, SUVA-Akte I 122).

bb)      Zu den Folgen des Unfalles vom 28. November 2019
äusserte sich der Kreisarzt am 29. Mai 2020 (sig. H____, SUVA-Akte II 39). Er
verwies auf ein MRI bzw. MRT der Lendenwirbelsäule vom 15. Mai 2020 (Bericht
der J____ vom 15. Mai 2020, SUVA-Akte II 37), wonach sich an der
Lendenwirbelsäule beginnende degenerative Veränderungen zeigten, jedoch kein
Nachweis von unfallkausalen strukturellen Läsionen vorliege. Eine Kontusion der
Lendenwirbelsäule sei nach 2 bis 3 Monaten folgenlos ausgeheilt.

c)         Mit Schreiben vom 5. August 2021 (SUVA-Akte I 127)
kündigte die Beschwerdegegnerin die Einstellung der Heilkosten- und
Taggeldleistungen per 30. September 2021 an. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2021
(SUVA-Akte I 149) verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine
Invalidenrente (Invaliditätsgrad 0%) und sprach dem Beschwerdeführer eine
Integritätsentschädigung beruhend auf einer Integritätseinbusse von 5% zu.
Hiergegen erhob der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2021 Einsprache (SUVA-Akte I
154, vgl. Einsprachebegründung vom 3. Dezember 2021, SUVA-Akte I 159).
Ergänzend äusserte sich der Kreisarzt am 9. Februar 2022 (sig. I____, SUVA-Akte
165) zur Schätzung der Integritätseinbusse. Am 15. Februar 2022 (SUVA-Akte I 167)
äusserte er sich zu den in der Einsprache angeführten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen. Mit Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 (SUVA-Akte I 170)
wies die Beschwerdegegnerin die Einsprache ab.

II.       

a)        Mit Beschwerde vom 21. März 2022 beantragt der
Versicherte, es sei der Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 aufzuheben. Es
seien ergänzende Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen und es seien die
gesetzlichen Leistungen ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt zuzusprechen. Eventualiter
sei die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz und
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt
der Beschwerdeführer, es sei die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer sämtliche seit dem 28. Oktober 2021 neu eingegangenen Akten
zuzustellen.

b)        Mit Beschwerdeantwort vom 30. März 2022 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.

c)         Mit Replik vom 23. Mai 2022 wird an der Beschwerde
festgehalten. In Nachachtung der Verfügung des Instruktionsrichters vom 30. Mai
2022 reicht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 22. August 2022 medizinische
Unterlagen ein. Zu beidem äussert sich die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 9.
September 2022. Die Beschwerdegegnerin gibt dabei bekannt, dass sie einen
Rückfall anerkannt und ab dem 31. März 2022 wieder Taggelder ausgerichtet habe.
Mit Eingabe vom 14. Oktober 2022 äussert sich nochmals der Beschwerdeführer.

III.     

Die Urteilsberatung der Kammer des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Basel-Stadt findet am 29. November 2022 statt.

Entscheidungsgründe

1.              
 

1.1.         
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale
Instanz zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit zuständig (§ 82 Abs. 1
des basel-städtischen Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation der
Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SG
154.100). Die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).      

1.2.         
Da auch die übrigen formellen Beschwerdevoraussetzungen erfüllt
sind, ist auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde einzutreten.

2.              
 

2.1.         
Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf das
rechtliche Gehör.

Er verweist auf den Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022,
welcher unter Ziffer 2.2 den Bericht der F____klinik vom 18. Januar 2022 (SUVA-Akte
I 162) und einen Bericht von K____ vom 24. Januar 2022 (Bericht der Neurologie L____
sig. K____, Bericht vom 24. Januar 2022, SUVA-Akte I 163) erwähnt. Diese
Berichte seien von der Beschwerdegegnerin offenbar im Rahmen des
Einspracheverfahrens eingeholt worden und seien "offenbar für die
Beurteilung der Einsprache wesentlich". Jedoch habe die Beschwerdegegnerin
es unterlassen, dem Beschwerdeführer diese Berichte zuzustellen. 

In der Beschwerdeantwort (S. 2 Ziff. 4.1) wird zur Rüge der
Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgeführt, die angeführten Berichte seien
nicht von der Beschwerdegegnerin eingeholt worden, sondern sie seien ihr von
den untersuchenden Ärzten unaufgefordert zugestellt worden. Dem Versicherten
bzw. seiner Rechtsvertreterin müssten zudem die Untersuchungen durch die
berichtenden Ärzte bekannt gewesen sein.

2.2.         
Die Garantie eines fairen Verfahrens konkretisiert sich im Anspruch
nach Art. 29 Abs. 2 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV,
SR 101) und beinhaltet den Anspruch, sich in einem Verfahren zu allen
wesentlichen Punkten vorgängig äussern zu können und von den Behörden sämtliche
dazu notwendigen Informationen zu erhalten (Jörg
Paul Müller/Markus Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., S.
860). Nimmt die Behörde neue Akten in das Verfahren auf, die ihr als
Entscheidgrundlage dienen, hat sie die Betroffenen im Rahmen des Rechts auf
Akteneinsicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs darüber in Kenntnis zu
setzen (vgl. hierzu BGE 124 II 132, 137 E. 2b).  

Das vorliegend vom Beschwerdeführer gerügte Recht auf
Akteneinsicht ist als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör formeller
Natur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht führt daher ungeachtet der
Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen
Verfügung oder des angefochtenen Einspracheentscheids. Vorbehalten bleiben
praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Akteneinsichtsrechts nicht
besonders schwer wiegt und dadurch geheilt werden, dass die Partei, deren
rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche
volle Kognition hat und sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen
uneingeschränkt überprüft (BGE 115 V 305 E. 2h; RKUV 1992 Nr. U 152 S. 199 E.
2e). Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an
die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwer
wiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen
führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wären (BGE 132 V 387, 390 mit Hinweis auf BGE 116 V 187 E. 3d).  

Die Nichtzustellung eines Berichts im Einspracheverfahren
stellt dann keine schwere, einer Heilung nicht zugänglichen Verletzung des
rechtlichen Gehörs dar, wenn die der Verfügung zugrunde gelegte Beurteilung in
allen wesentlichen Punkten bestätigt wird und der Bericht keine neuen
entscheidrelevanten Gesichtspunkte enthält (BGE 132 V 387 E. 5.2 S. 390). Die
vom Beschwerdeführer angeführten Berichte vom 28. Januar 2021 sowie vom 24.
Januar 2022 befassen sich mit der vom Kreisarzt als unfallkausal anerkannten
neurologischen Schädigung (sensible Nervenschädigung). Die Berichte enthalten
somit keine neuen entscheidrelevanten Punkte. 

Damit würde es als formalistischer Leerlauf erweisen, würde die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Folglich besteht kein Grund,
den Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 aus einem formellen Grund
aufzuheben. 

3.              
 

3.1.         
Mit Schreiben vom 5. August 2021 (SUVA-Akte I 127) kündigte die
Beschwerdegegnerin die Einstellung der Heilkosten- und Taggeldleistungen per
30. September 2021 an. Mit der durch den Einspracheentscheid vom 17. Februar
2022 (SUVA-Akte I 170) geschützten Verfügung vom 8. Oktober 2021 (SUVA-Akte I 149)
verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Invalidenrente
(Invaliditätsgrad 0%) und sprach dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung
beruhend auf einer Integritätseinbusse von 5% zu. Sie verwies hierbei auf
kreisärztliche Beurteilungen. 

Der Beschwerdeführer macht hierzu im Wesentlichen geltend, die
kreisärztlichen Beurteilungen, auf welche die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid
stütze, seien nicht beweistauglich. 

Ob der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. Februar 2022 zu
schützen ist, ist nachfolgend zu prüfen. 

3.2.         
Hinsichtlich des Zeitraums der strittigen Rentenleistung ist zu
bemerken, dass die Taggeldleistungen wie erwähnt per 30. September 2021
eingestellt wurden. Auf diesen Zeitpunkt hin erachtete die Beschwerdegegnerin
den medizinischen Endzustand zur Prüfung der Rentenfrage als erreicht an. In
der Duplik führt die Beschwerdegegnerin an, aufgrund der ab April 2022 wieder
intensiveren Beschwerden sowie der medizinischen Abklärungen habe sie einen Rückfall
anerkannt und habe ab dem 31. März 2022 wieder Taggelder ausgerichtet. Dies
ändere jedoch nichts daran, dass per 30. September 2021 der Endzustand
eingetreten sei und für die Zeit bis zum 31. März 2022 - also während 6 Monaten
- von einer Erwerbsfähigkeit im Umfang des vom Kreisarzt festgelegten
Zumutbarkeitsprofils auszugehen sei.

Mit Blick auf diese Ausführungen stellt sich somit die
Rentenfrage (lediglich) für die Zeitspanne ab 1. Oktober 2021 bis 31. März
2022. Es bleibt mit anderen Worten in medizinsicher Hinsicht einzig zu prüfen,
ob die vom Kreisarzt am 4. August 2021 (sig. I____, SUVA-Akte I 123)
vorgenommene medizinische Beurteilung mit Blick auf diese Zeitspanne beweiskräftig
ist.

3.3.         
In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin wie
erwähnt auf die Einschätzung anstaltsinterner Ärzte ab. Das Bundesgericht
anerkennt nach ständiger Praxis den grundsätzlichen Beweiswert solcher
Abklärungen. Jedoch kommt ihnen praxisgemäss nicht dieselbe hohe Beweiskraft
wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom
Versicherungsträger in Auftrag gegebenen externen Gutachten zu (BGE 125 V 351,
352 E. 3a und BGE 125 V 351, 353 E. 3b/bb). Soll ein Versicherungsfall ohne
Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V
465, 469 f. E. 4.4).        

4.              
 

4.1.         
In seiner Beurteilung vom 4. August 2021 (SUVA-Akte I 123 S. 7 f.)
hielt der Kreisarzt mit Bezugnahme auf die vom Unfall vom 23. Januar 2019
herrührenden Beschwerden am OSG links fest, unfallkausal sei es im Bereich des
linken oberen Sprunggelenkes zu einer osteochondralen Läsion im Bereich des
medialen Talus und zu einer Rotationsinstabilität mit Beteiligung des medialen
und lateralen Bandapparates gekommen. 

Als unfallfremde Diagnosen führte der Kreisarzt Beschwerden im
Bereich der Lendenwirbelsäule und im Bereich der linken Hüfte an.

4.2.         
Der Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin bzw. die
involvierten Kreisärzte äussern bezüglich des vom Kreisarzt als unfallkausal
bezeichneten Schadens am linken oberen Sprunggelenk kontrovers zur Frage, ob
der medizinische Endzustand per 30. September 2021 erreicht war. Damit sprechen
sie Art. 19 Abs. 1 UVG an.

Gemäss dieser Bestimmung entsteht der Rentenanspruch, wenn von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit
dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin.

Der Beschwerdeführer macht mit Hinweis auf mit der Replik
eingereichte Unterlagen (Bericht der [...]klinik F____, sig. M____, Facharzt
Orthopädie und Traumatologie, vom 12. Mai 2022, Replikbeilage 3) geltend (Replik
S. 4 Ziff. 5 sowie S. 5 Ziff. 6), auch bezogen auf gesundheitliche Beschwerden
im linken oberen Sprunggelenk sei der medizinische Endzustand noch nicht
erreicht.  

Nach der Praxis (vgl. von der Beschwerdegegnerin angeführtes
Urteil des Bundesgerichts 8C_651/2016 vom 15. Dezember 2016 E. 4.1 mit
Hinweisen) ist die Frage der namhaften Besserung des Gesundheitszustands prospektiv
(vgl. Urteil 8C_210/2018 vom 17. Juli 2018 E. 3.2.3.1 mit Hinweisen) bezogen
auf den Zeitpunkt des Fallabschlusses zu prüfen (Urteil 8C_604/2021 vom 25.
Januar 2021 E. 7.1; Urteil 8C_58/2010 vom 28. Juni E. 2.2 und U 244/04 E. 3.1
mit Hinweisen, publ. in: RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388). Ergänzend ist
festzuhalten, dass nach der Praxis (vgl. Urteil 8C_604/2021 vom 25. Januar 2021
E. 7.1 sowie Urteil 8C_682/2021 vom 13. April 2022 E. 5.3.2.) angesichts der
Massgeblichkeit des Zeitpunkts des Fallabschlusses spätere medizinische
Berichte nicht rechtsrelevant sind, auch wenn sie noch vor Erlass des
Einspracheentscheides erstellt worden sind. Erst recht hat dies zu gelten, wenn
Unterlagen zu einem noch späteren Zeitpunkt ins Recht gelegt werden.

4.3.         
4.3.1. Der Kreisarzt führt in seiner Beurteilung vom 4. August 2021
aus, am 17. Juli 2020 sei operativ eine Arthroskopie am oberen Sprunggelenk links
mit AMIC-Plastik des medialen Talus und Rekonstruktion des medialen und
lateralen Bandapparats im [...]spital [...] durchgeführt worden (vgl. Austrittsbericht
der Orthopädie Klinik des [...]spitals [...], E____ vom 17. Juli 2020, SUVA-Akte
I 51). Anschliessend sei ein protrahierter Verlauf zu verzeichnen gewesen.
Schliesslich sei in der neurologischen Untersuchung durch N____ vom 28. Januar
2021 im Bereich des Nervus saphenus, Nervus cutaneus dorsalis intermedius links
sowie Nervus plantaris medialis eine entsprechende Beeinträchtigung
dokumentiert. Im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 4. August 2021 konnte
der Kreisarzt zwar klinisch keine motorischen Beeinträchtigungen im Bereich der
linken unteren Extremität erkennen, er hielt jedoch fest, es handle sich
"offensichtlich" um Schädigungen sensibler Anteile von peripheren
Nerven. Die beschriebenen sensiblen Schädigungen von Nerven gemäss Bericht der
Klinik Neurologie der E____ vom 28. Januar 2021 (sig. N____, SUVA-Akte I 95) sieht
der Kreisarzt als unfallkausal an.

Aufgrund des mittlerweile deutlich protrahierten Verlaufes mit
beginnender Chronifizierung einer Schmerzproblematik sah der Kreisarzt den
medizinischen Endzustand als erreicht an. Nach Meinung des Kreisarztes war zum
Untersuchungszeitpunkt von weiteren operativen bzw. interventionellen
Massnahmen mit Infiltrationen im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes nicht
mehr mit einer namhaften Besserung zu rechnen.

4.3.2.  Die Einschätzung des Kreisarztes steht in Einklang mit
dem Bericht der [...]klinik F____ vom 28. Juni 2021 (sig. O____, Leitender
Arzt, sowie P____, Stv. Oberarzt, SUVA-Akte I 119). Im Rahmen der Sprechstunde
vom 21. Juni 2021 habe eine erneute Evaluation im Beisein von O____
stattgefunden. Die Klinik hielt fest, dass sofern keine zusätzliche
Nervenpathologie bestünde, eine Lockerung der nach Einschätzung der [...]klinik
F____ zu straffen lateralen Bandrekonstruktion zu empfehlen gewesen wäre. In
der jetzigen Situation erachteten die Untersucher dies aber "nicht für
zielführend". Der Bericht schloss mit dem Ersuchen um ein Aufgebot durch
die Beschwerdegegnerin für eine entsprechende kreisärztliche Einschätzung. Die
Verfasser des Berichts sahen sich aktuell nicht in der Lage zu beurteilen
("zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht sagen"), ob der Versicherte
für schwere körperliche Tätigkeiten je wieder arbeitsfähig werde. Eine gewisse
Regeneration der Nerven sei zu erwarten, jedoch sei eine definitive Prognose
nicht möglich. Deshalb würden "momentan keine Folgetermine" vereinbart.

Diese kurz vor der kreisärztlichen Untersuchung gemachten
Äusserungen machen klar, dass die Behandler keine therapeutische Option mit
Besserung der Arbeitsfähigkeit vorschlagen konnten. Sie gingen offensichtlich
ihrerseits davon aus, dass der Kreisarzt zu einer Abschlussuntersuchung im
Hinblick auf die Prüfung der Rentenfrage schreiten solle.

Wie unter Erw. 3.2. ausgeführt, erfolgt die Beurteilung, ob der
medizinische Endzustand eingetreten ist, prospektiv. Zeitlicher Ausgangspunkt
dieser prognostischen Beurteilung ist dabei der anvisierte Fallabschluss.
Aufgrund des mit der Replik eingelegten Berichts der [...]klinik F____ vom 12.
Mai 2022 ist die am 4. August 2021 vom Kreisarzt vorgenommene Beurteilung
deswegen nicht widerlegt. Die Beschwerdegegner selbst hat mit der Duplik
bekannt gegeben, dass sie aufgrund der ab April 2022 wieder intensiveren
Beschwerden sowie der medizinischen Abklärungen einen Rückfall anerkannt und ab
dem 31. März 2022 wieder Taggelder ausgerichtet habe. Die Prognose des
Kreisarztes war darauf ausgerichtet, eine Einschätzung abzugeben, ob weitere
medizinische Massnahmen eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwarten
liessen. Diese Einschätzung wird jedoch aufgrund einer im April 2022
festgestellten Verschlechterung des Zustandes nicht falsifiziert.

4.4.         
Soweit es die von der Beschwerdegegnerin und mit ihr vom Kreisarzt
als unfallkausal anerkannten Beschwerden am linken oberen Sprunggelenk
betrifft, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten, es sei der
medizinische Endzustand per 30. September 2021 erreicht.

 

 

5.              
 

5.1.         
Nicht strittig sind nach dem bereits Dargelegten unfallkausale
Restfolgen am linken oberen Sprunggelenk. Der Beschwerdeführer macht jedoch
geltend, die Beschwerdebeklagte habe weitere für die Beurteilung der
Unfallrestfolgen relevante Faktoren unberücksichtigt gelassen.

5.1.1.  Der Beschwerdeführer hat im Einspracheverfahren (vgl.
Einsprachebegründung vom 3. Dezember 2021, SUVA-Akte I 159 S. 4) geltend
gemacht, der Kreisarzt habe in seinem Bericht vom 4. August 2021 die im Bericht
der F____klinik vom 28. Juni 2021 (SUVA-Akte I 119, sig. O____, Leitender Arzt
sowie P____, Stv. Oberarzt) erwähnten sensiblen Schädigungen der Nerven als
unfallkausal anerkannt, jedoch habe er diese Nervenschädigungen anschliessend
nicht weiter berücksichtigt.

In der ärztlichen Beurteilung vom 15. Februar 2022 (SUVA-Akte I
167) hält der Kreisarzt zutreffend fest, dass er unter im Abschnitt
"versicherungsmedizinische Aspekte" seines Berichts vom 4. August
2021 die von der Orthopädie Klinik des [...]spitals [...], E____ gemäss Bericht
vom 28. Januar 2021 (SUVA-Akte I 95) beschriebenen Nervenschädigungen als
unfallkausal anerkenne. Zu folgen ist dem Kreisarzt darin, dass angesichts
dieser Übereinstimmung mit dem Behandler kein Anlass zu Zweifeln am Beweiswert
der kreisärztlichen Beurteilung ersichtlich ist; einer ergänzenden
fachärztlichen Beurteilung durch einen Neurologen bedarf es nicht. Zutreffend
hält der Kreisarzt auch fest (SUVA-Akte I 167 S. 4), dass er aufgrund dieser
Nervenschädigung einen Integritätsschaden anerkannt hat.

5.1.2.  Der Beschwerdeführer hat im Einspracheverfahren (vgl.
Einsprachebegründung vom 3. Dezember 2021, SUVA-Akte I 159 S. 3) sodann im
Zusammenhang mit der Beurteilung des Zumutbarkeitsprofils geltend gemacht, es seien
Beschwerden auch im unteren Sprunggelenk zu berücksichtigen. Der Kreisarzt hat
diesbezüglich klargestellt (SUVA-Akte I 167 S. 4), es lägen zwar im linken
unteren Sprunggelenk nachweislich keine strukturellen objektivierbaren
Unfallfolgen vor. Jedoch gelte das am 4. August 2021 beschriebene
Belastbarkeitsprofil bezogen sowohl auf das linke obere als auch das linke
untere Sprunggelenk. Dabei handle es sich um eine anatomisch funktionelle
Einheit. Eine zusätzliche Einschränkung durch Beschwerden im Bereich des linken
unteren Sprunggelenkes entstehe bezogen auf das gemäss kreisärztlichem Bericht
vom 4. August 2021 umschriebene Belastbarkeitsprofil auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nicht. Dazu äussert sich die vorliegende Beschwerde nicht und es
besteht kein Anlass, in diesem Punkt von der kreisärztlichen Beurteilung
abzugehen.

5.1.3.  Der Beschwerdeführer rügt, für die Beurteilung der
Restfolgen sei unberücksichtigt geblieben, ob und inwieweit das Ereignis von
Anfang Oktober 2020 den Heilungsverlauf beeinträchtigt habe (Beschwerde S. 7
Ziff. 13). 

In der Beschwerdeantwort (S. 3 Ziff. 4.4) wird auf einen
Bericht über die Besprechung vom 5. November 2020 (SUVA-Akte I 63) verwiesen.
Dort wird festgehalten, der Beschwerdeführer sei aufgrund eines Berichts des [...]spitals
[...], E____ vom 13. Oktober 2020 (SUVA-Akte I 60) angesprochen worden. Er
hatte gemäss diesem Bericht angegeben, dass er Anfang Oktober beim Betreten des
Hauseingangs mit beiden Gehstöcken auf dem regennassen Plattenboden
ausrutschte. Den drohenden Sturz habe er reflexartig vermieden, dabei sei er
mit seinem operierten Fuss resp. mit der Orthese allerdings heftig am Boden
aufgetreten. Im Bericht ist wörtlich festgehalten, danach habe der Versicherte
"einige Tage wieder etwas vermehrte Schmerzen im Bereich des operierten
Rückfusses verspürt". 

Diese Schilderung erlaubt den Schluss, dass der Vorfall keine
richtungsändernde Verschlechterung des Zustandes am linken Fuss zur Folge
hatte.

5.2.         
5.2.1. Der Kreisarzt hat in seiner Beurteilung vom 4. August 2021
Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie im Bereich der linken Hüfte
unter den unfallfremden Diagnosen aufgeführt (SUVA-Akte I 123 S. 7).

Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, sowohl der Zustand am
Hüftgelenk (vgl. Beschwerde S. 4 f. Ziff. 10) als auch an der Lendenwirbelsäule
(Beschwerde S. 5 f. Ziff. 11) sei auf die vorliegend in Betracht fallenden
Unfallereignisse zurückzuführen. Schon im Einspracheverfahren (vgl. ergänzende
Einsprachebegründung vom 3. Dezember 2021, SUVA-Akte I 159 S. 2 ff.) machte der
Beschwerdeführer hinsichtlich des von ihm geltend gemachten Kausalzusammenhangs
eine unvollständige Sachverhaltsabklärung geltend. Beim Unfall vom 23. Januar
2019 sei der Versicherte von der Leiter gestürzt und aus einer Höhe von
mindestens 1,5 Metern direkt auf den Rücken gefallen. Ein Sturz aus dieser Höhe
sei relevant für die geltend gemachten Beschwerden an der Lendenwirbelsäule und
der Hüfte. Auch beim Unfall vom 28. November 2019 sei der Versicherte auf den
Rücken gefallen, dabei sei die Lendenwirbelsäule retraumatisiert worden. Auch durch
das Ereignis im Oktober 2022 (vgl. Bericht vom 5. November 2020, SUVA-Akte I
63), als der Versicherte mit den Krücken ausgerutscht und auf dem frisch
operierten Fuss gelandet sei, sei eine Retraumatisierung der Rückenproblematik
erfolgt.

Zu diesen Vorbringen des Beschwerdeführers hat der Kreisarzt in
der ärztlichen Beurteilung vom 15. Februar 2022 Stellung genommen (SUVA-Akte I 167).

5.2.2.  Der Kreisarzt führt zur den geltend gemachten
Beeinträchtigungen der Lendenwirbelsäule vorweg aus, im Zusammenhang mit
dem Ereignis vom 23. Januar 2019 seien keine Beschwerden im Bereich der
Lendenwirbelsäule oder sonstige lumbale Beschwerden beschrieben worden.

Dazu ist allerdings zu sagen, dass in der Schadenmeldung vom
30. Januar 2019 (SUVA-Akte I 1) unter der Rubrik "Verletzung" als
betroffener Körperteil u.a. der Rücken (Stauchung Wirbelsäule sowohl links als
auch rechts) notiert worden war. Jedoch finden sich in den nachfolgenden, vor
dem Ereignis vom 28. November 2019 erstellten Arztberichten Befunde bzw.
Behandlungsberichte zum linken oberen Sprunggelenk keine Hinweise zu Befunden
an der Lendenwirbelsäule (vgl. u.a. Bericht des D____spitals [...]. Orthopädie
und Traumatologie des Bewegungsapparates vom 21. Februar 2019, SUVA-Akte I 7,
Bericht des D____spitals [...], Institut für Radiologie und Nuklearmedizin, vom
20. Februar 2019, SUVA-Akte I 10, Arztzeugnis von Q____, FMH Allgemein Medizin,
vom 18. August 2019, SUVA-Akte I 12). Der Bericht vom 21. Februar 2019 erwähnt
zwar ein eingeschränktes Gangbild (vgl. Beschwerde S. 6), jedoch ist der ganze
Bericht ausschliesslich auf die diagnostizierte Rotationsinstabilität im linken
oberen Sprunggelenk fokussiert.

Den in der Beschwerde (S. 6) Ziff. 11) angeführten
Sprechstundenberichten der F____klinik vom 19. März 2019 (SUVA-Akte I 18 S. 5
f.), 4. April 2019 (SUVA-Akte I 22), 6. Mai 2019 (SUVA-Akte I 18 S. 1 f.), 17.
Juni 2019 (SUVA-Akte I 25) sowie auch dem Bericht der Orthopädie Klinik des [...]spitals
[...], E____ vom 4. Juni 2020 (SUVA-Akte I 32) ist als Diagnose die
OSG-Distorsionsverletzung am 23. Januar 2019 vorangestellt. Sie befassen sich
mit den Folgen dieser Verletzung. Eine Rückenverletzung wird nicht
thematisiert.

Die Akten enthalten somit keinen Hinweis darauf, dass der
Versicherte sich am 23. Januar 2019 eine behandlungsbedürftige Beeinträchtigung
im Bereich der Lendenwirbelsäule zugezogen hat. 

Das Ereignis vom 28. November 2019 hat nach Einschätzung des
Kreisarztes (Ärztliche Beurteilung vom 15. Februar 2022, SUVA-Akte I 167) zu
einer vorübergehenden Verschlimmerung im Bereich der Lendenwirbelsäule geführt.
Nach dem Ereignis vom 28. November 2019 werde im Bericht der R____ Basel (vgl.
Bericht vom 6. Februar 2020, SUVA-Akte II 16, sig. G____) ein akutes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom festgehalten. Es handle sich bei diesem Syndrom
um ein plötzlich aufgetretenes Beschwerdebild im Bereich der Lendenwirbelsäule.
Zwecks Abklärung dieser Beschwerdesymptomatik habe am 15. Mai 2020 eine
MRI-Diagnostik der Lendenwirbelsäule bei der J____ (vgl. Bericht vom 15. Mai
2020, SUVA-Akte II 37) stattgefunden. Als unfallfremd könnten im Bereich der
Vorderkanten der Segmente auf Höhe der Lendenwirbelköper (LWK) 3, LWK 2/3 und
4/5 fettige Veränderungen mit leichtem Ödem erkannt werden. Der befundende
Radiologe ordne diese als unfallfremd bzw. als beginnende Degeneration ein. Es
seien aufgrund des MRI vom 15. Mai 2020 weder knöcherne Läsionen noch
ligamentäre Verletzungen im Bereich der Lendenwirbelsäule feststellbar. Der
Kreisarzt bezeichnet es als zusätzlich bezeichnend, dass keinerlei Hinweis auf
eine Bandscheibenvorwölbung oder Bandscheibenprolaps sowie eine neurale
Kompromittierung bestünden. Der Kreisarzt kommt darum gut nachvollziehbar zum
Schluss, durch das Ereignis vom 28. November 2019 sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine Distorsion im Bereich der Lendenwirbelsäule aufgetreten.
Eine solche vorübergehende Verschlimmerung im Bereich der Lendenwirbelsäule
durch eine Distorsion erachtet der Kreisarzt als überwiegend wahrscheinlich bis
spätestens Ende Mai 2020 folgenlos abgeheilt. Somit spielten Unfallfolgen im
Bereich der Lendenwirbelsäule aufgrund des Ereignisses vom 28. November 2019
spätestens ab Ende Mai 2020 keine Rolle mehr. 

Abschliessend hält der Kreisarzt fest (SUVA-Akte I 167 S. 2),
dass wenn es entweder durch das Ereignis vom 23. Januar 2019 oder das Ereignis
vom 28. November 2019 zu einer unfallkausalen Schädigung im Bereich der
Lendenwirbelsäule gekommen wäre, der Versicherte echtzeitlich nach dem Ereignis
entsprechende neurologische Beschwerden im Bereich der unteren Extremitäten hätte
entwickeln müssen. Dies sei nachweislich nicht der Fall gewesen. 

5.2.3.  Bezüglich der Beschwerden am linken Hüftgelenk
verweist der Kreisarzt auf den Befund vom 16. Juni 2020 aufgrund einer 3-Phasen-Skelettszintigraphie
und eines SPECT-CT des linken Fusses (Bericht des S____spitals [...],
Radiologie und Nuklearmedizin vom 18. Juni 2020, SUVA-Akte I 47). Erläuternd
führt er aus, die 3-Phasen-Skelettszintigraphie stelle eine knochenspezifische
Untersuchungsmethode mit Darstellung der Stoffwechselaktivität im Bereich der
Knochen des gesamten menschlichen Körpers dar.

In der Befundung der 3-Phasen-Skelettszintigraphie vom 16. Juni
2020 werden gemäss den Darlegungen des Kreisarztes keinerlei Auffälligkeiten
bezüglich des linken Hüftgelenkes beschrieben. Wäre es am 23. Januar 2019 im
Bereich des linken Hüftgelenkes zu einer Fraktur oder sonstigen Schädigung der
Knochen gekommen, so müsste nun in der Skelettszintigraphie-Darstellung vom 16.
Juni 2020 eine Auffälligkeit im Bereich des linken Hüftgelenkes nachweisbar
sein. Tatsächlich zeige sich keine Auffälligkeit in der
3-Phasen-Skelettszintigraphie im Bereich des linken Hüftgelenkes. 

Der Beschwerdeführer macht geltend, mit der 3-Phasenskelettszintigraphhie
(vgl. Pschyrembel, 266. Auflage: Untersuchung des Skeletts nach Verabreichen
eines osteotropen Radiopharmakons zur Darstellung von röntgenologisch unter
Umständen noch nicht nachweisbarer Zonen vermehrter
Knochenstoffwechselaktivität und Durchblutung) sei keine Untersuchung der linken
Hüfte erfolgt. Dies ist unzutreffend. Gemäss dem Bericht vom 16. Juni 2020 erfolgte
zwar eine sich auf den linken Fuss beschränkende SPECT-Untersuchung (SPECT-steht
für: Single-Photon-Emissionscomputertomographie). Die 3-Phasenskelettszintigraphie
betraf gemäss Bericht aber den ganzen Körper. Dem Versicherten war eine
"Bolusartige Injektion von 672 MBq99m Tc-DPD" injiziert
("DPD" steht für: Diphosphono-1,2-propandicarbonsäure) worden. Gemäss
Bericht vom 16. Juni 2020 ergab sich eine Mehrspeicherung dieser Substanz an
verschiedenen Lokalisationen (z.B. mandibulär bzw. an den AC-Gelenken und
intensiv hinsichtlich der linken medialen Talusrolle), nicht jedoch im Bereich
der Hüftgelenke. Der Schluss des Kreisarztes, dass mit diesem Verfahren kein
Befund im Bereich der Hüftgelenke erhoben wurde, ist somit gut nachvollziehbar.

Der Kreisarzt hebt hervor, sowohl nach dem Ereignis vom 23.
Januar 2019 als auch nach dem Ereignis vom 28. November 2019 habe sich der
Versicherte in engmaschiger medizinischer Abklärung und Behandlung befunden.
Wäre es zu unfallkausalen Schädigungen im Bereich des linken Hüftgelenkes
entweder durch das Ereignis vom 23. Januar 2019 oder durch das Ereignis vom 28.
November 2019 gekommen, so hätten hier ebenfalls weitere diagnostische
Abklärungen stattgefunden. Diese Ausführungen leuchten ein.

5.2.4.  Der Beschwerdeführer macht allerdings noch geltend
(Beschwerde S. 6 f. Ziff. 12), es sei abzuklären, ob eine zu straffe
Bandrekonstruktion die Hüfte und die Lendenwirbelsäule beeinträchtigt haben
könnten.  Die F____klinik hat gemäss ihrem Bericht vom 28. Juni 2021 (SUVA-Akte
I 119, sig. O____, Leitender Arzt, sowie P____, Stv. Oberarzt) die
Rückenbeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Folge einer «zu straffen»
lateralen Bandrekonstruktion bezeichnet. Dazu hält der Kreisarzt fest
(SUVA-Akte I 167 S. 3), im Bericht vom 28. Juni 2021 werde erwähnt, dass ohne
zusätzliche Nervenpathologie eine Lockerung einer zu straffen lateralen
Bandrekonstruktion im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes empfohlen worden
wäre. Aufgrund einer bestehenden Nervenpathologie sehe die F____klinik von der
Massnahme einer Lockerung der zu straffen lateralen Bandrekonstruktion ab. 

Der Kreisarzt hebt hervor, dass die Prüfung des Bandapparates
aufgrund sehr subjektiver Kriterien erfolge. Am 17. Juli 2020 sei eine
Operation am linken Fuss erfolgt (vgl. Bericht der Orthopädie Klinik des [...]spitals
[...], E____ vom 17. Juli 2020, SUVA-Akte I 51: OSG Arthroskopie, AMIC Plastik
medialer Talus, Mediale und laterale Bandplastik). In der postoperativen
Kontrolle seien (vgl. Bericht der gleichen Stelle vom 31. August 2020,
SUVA-Akte I 57) reizfreie Wundverhältnisse dokumentiert worden. Im Bericht vom
13. Oktober 2020 (gleiche Klinik, SUVA-Akte I 60) seien im Bereich des linken
oberen Sprunggelenks postoperativ noch Schwellungsbeschwerden dokumentiert. Im
Bericht vom 23. März 2021 (SUVA-Akte I 104) seien nach Konsultation vom 16.
März 2021 stabile Sprunggelenksverhältnisse sowohl im Bereich des medialen als
auch lateralen Bandapparates ohne vermehrten Talusvorschub verzeichnet. Der
Kreisarzt betont, von einer zu straffen Bandrekonstruktion sei hier keine Rede.
Der Kreisarzt geht aufgrund der Berichte grundsätzlich von einer stabilen
Rekonstruktion im Bereich des medialen und lateralen Bandapparates des linken
oberen Sprunggelenks aus. Eine biomechanische Beeinträchtigung durch eine zu
straffe laterale Bandrekonstruktion, wie beschrieben im Bericht der F____klinik
vom 28. Juni 2021, sei aufgrund der Gesamtsituation nicht nachvollziehbar.
Insofern könne keine Beeinträchtigung im Sinne einer Fehlhaltung infolge einer
zu straffen lateralen Bandrekonstruktion im Bereich der Lendenwirbelsäule bzw.
linken Hüftgelenkes abgeleitet werden. Diese Überlegungen des Kreisarztes werden
auch gestützt durch einen Bericht der Orthopädie Klinik des [...]spitals [...],
E____, vom 5. Juli 2022 (Beilage 5 zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 22.
August 2022). Die Klinik hält in der Beurteilung nach durchgeführtem Arthro-CT
am OSG links vom 26. Juni 2022 fest, der laterale Schmerz werde im Sinne eines
Impingements nach Bandplastik interpretiert. Hier bestehe aber "keine
erneute Instabilität, die die Beschwerden erklären könnte". Eine erneute
Operation wird dagegen erwogen wegen Beschwerden auf der Innenseite im Sinne
einer progredienten Läsion subchondral mit entsprechenden Schmerzen. 

5.3.         
Zusammenfassend ergibt sich kein Anlass zu Zweifeln an der
kreisärztlichen Beurteilung, wonach Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule
und des linken Hüftgelenks keine Unfallfolge sind. 

6.              
 

In seinem Bericht vom 4. August 2021 (SUVA-Akte I 123 S. 8) hat
der Kreisarzt eine Schätzung des Belastbakreitsprofils auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt bezogen auf das linke obere Sprunggelenk vorgenommen. Er erachtete
eine ganztägige Tätigkeit, leicht bis mittelschwer, wechselbelastend als
zumutbar, mit folgenden Vorgaben: Kein Besteigen von Leitern und Gerüsten, kein
Gehen in unebenem Gelände, keine Vibrationsbelastung für die linke untere
Extremität, keine Tätigkeiten in Zwangshaltungen oder kauernden Tätigkeiten. 

Rein bezogen auf die unfallkausalen Restfolgen am linken oberen
Sprunggelenk hat der Beschwerdeführer diese Einschätzung nicht in Frage
gestellt. Auf sie ist darum abzustellen.

In der Zusammenfassung der Entscheidgrundlagen (SUVA-Akte I
144) hat die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Tabellen der
Lohnstrukturerhebungen (LSE, TA1, Total, Kompetenzniveau 1 Männer) des
Bundesamts für Statistik ein Invalideneinkommen von CHF 68'717.-- ermittelt.
Bei Gegenüberstellung mit dem Validenlohn von CHF 68'536.-- resultierte keine
Erwerbseinbusse (vgl. SUVA-Akte I 145).

Arithmetisch hat der Beschwerdeführer auch dies nicht
angezweifelt. Anlass, in die Berechnungen korrigierend einzugreifen, besteht nicht.

Die Beschwerdegegnerin hat folglich den Anspruch auf eine
Invalidenrente zu Recht verneint.

7.              
 

Anspruch auf eine Integritätsentschädigung nach Art. 24 UVG
hat, wer durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Ein Integritätsschaden gilt als
dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in
gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder
psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder
stark beeinträchtigt wird (Art. 36 Abs. 1 der Verordnung vom 20. Dezember 1982
über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]). In Anhang 3 zur UVV hat der
Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und
in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 32
E. 1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual
gewichtet. In Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala hat die SUVA weitere
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet (zur
Vereinbarkeit des Feinrasters mit Anhang 3 zur UVV vgl. BGE 116 V 157 E. 3a).  

Der Kreisarzt schätzte den Integritätsschaden (vgl. Beurteilung
des Integritätsschadens vom 4. August 2021, SUVA-Akte I 122) auf 5%.

Zum Befund hielt er fest, der Beschwerdeführer habe ein
Distorsionstrauma im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes erlitten. Dabei
sei eine osteochondrale Läsion des medialen Talus und eine Ruptur im Bereich
des medialen und lateralen Bandapparates am linken oberen Sprunggelenk
aufgetreten. Im Verlauf sei operativ eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks
links mit Débridement, AMIC-Plastik (mediale Talusschulter und mediale und
laterale transossäre Bandrefixation links) durchgeführt worden. Hinzugetreten
seien neurologisch sensible Beeinträchtigungen peripherer Nerven (Nervus
saphenus, Nervus cutaneus dorsalis intermedius sowie Nervus plantaris
medialis). Der Kreisarzt erachtet die Beschwerden als unfallbedingt, dauernd
und erheblich.

Zur Schätzung zog der Kreisarzt die Tabelle 2.2 des Feinrasters
bei. Für Sprunggelenke und Mittelfuss wird bei einer Funktionseinschränkung in
den unteren Sprunggelenken (z.B. nach Calcaneusfraktur [USG-Arthrose]) ein Wert
im Intervall von 5 bis 30% angegeben. Bei einer subtalaren Arthrodese hält die
Tabelle einen Wert von 15% fest. Vorliegend ist die Funktionsbehinderung im
aufgrund des Schadens des linken oberen Sprunggelenks gegeben.

Im Bericht vom 4. August 2021 (SUVA-Akte I 123 S. 6) hält der
Kreisarzt fest: 

-      
Extension/Flexion: rechts 40/0/50° und links 25/0/40°

-      
Pro-/Supination: rechts 10/015° und links 5/0/5°

Die angeführten Werte bei Extension und Flexion bzw. bei Pro-
und Supination des linken Fusses weisen zwar auf eine Bewegungseinschränkung hin.
Ein Zustand wie bei einer Arthrodese, die zu einer mit 15% zu bewertenden Integritätseinbusse
führt, liegt aber offensichtlich nicht vor. Wenn der Kreisarzt die Einbusse mit
5% geschätzt hat, so erscheint dies gut nachvollziehbar. 

Es besteht damit zusammenfassend kein Anlass, von seiner
Beurteilung abzugehen, es sei gesamthaft aufgrund der klinischen
Bewegungseinschränkung bei minimalen Verschleisserscheinungen und der
peripheren sensiblen Nervenproblematik ein Wert von 5 % bezogen auf das linke
obere Sprunggelenk geschuldet.

8.              
 

Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin für das Intervall ab
1. Oktober 2021 bis 31. März 2022 (vgl. Erw. 3.2.) den Anspruch auf eine
Invalidenrente zur Recht verneint und ist die Zusprache einer
Integritätsentschädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 5% zu
schützen.

Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.

9.              
 

Das Verfahren ist kostenlos.

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die
ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen.

 

Demgemäss erkennt das
Sozialversicherungsgericht:

://:        Die Beschwerde wird abgewiesen.

            Das Verfahren ist kostenlos.

            Die ausserordentlichen Kosten werden
wettgeschlagen.

            

            

 

Sozialversicherungsgericht
BASEL-STADT

 

Der Präsident                                                            Der
Gerichtsschreiber

 

 

 

Dr. G. Thomi                                                              lic.
iur. H. Dikenmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die
Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die
Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht
verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführer

–          Beschwerdegegnerin

–          Bundesamt für Gesundheit

 

Versandt am: