# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22afa27f-dba6-5c41-b195-6dd23e995044
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 16.08.2010 IV 2009/409
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2009-409_2010-08-16.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2009/409

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 13.07.2020

Entscheiddatum: 16.08.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 16.08.2010
Art. 12, 14 IVG. Medizinische Massnahme. Zur ambulanten Psychotherapie 
bei schwerer depressiver Episode gehört auch die medikamentöse 
antidepressive Behandlung (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 16. August 2010, IV 2009/409).

Entscheid Versicherungsgericht, 16.08.2010

Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Philia Roth

Entscheid vom 16. August 2010

in Sachen

CSS Versicherung, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern,

Beschwerdeführerin,

und

H.___,

Beigeladener,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

medizinische Massnahmen für H.___

Sachverhalt:

A.       

A.a   H.___ (geboren am 18. Mai 1991) wurde am 17. Januar 2008 von seinem Vater 

zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet. Unter anderem leide 

er an einer mittelschweren depressiven Episode seit dem Tod seiner Mutter im April 

2007. Seit September 2007 befinde er sich in der Klinik A.___ (IV-act. 1). Im Rahmen 

der Frühinterventionsphase nahm die zuständige Ärztin des Regionalen Ärztlichen 

Dienstes (RAD) Ostschweiz mit dem behandelnden Arzt der Klinik für Kinder- und 

Jugendpsychiatrie A.___ Kontakt auf. Der behandelnde Arzt gab an, zur Einweisung 

habe eine depressive Symptomatik mit Suizidalität geführt. Es bestehe auch ein 

Verdacht auf eine Persönlichkeits-Entwicklungsstörung. Eine Eingliederungsfähigkeit 

könne bestätigt werden. Der Versicherte habe nach Abschluss der Sekundarschule 

keine Ausbildung begonnen (vgl. IV-act. 7). Am 28. Januar 2008 teilte die IV-Stelle des 

Kantons St. Gallen dem Vater des Versicherten mit, dass dem Versicherten 

Berufsberatung gewährt werde (IV-act. 11). Am 29. Februar 2008 trat der Versicherte 

von der Klinik in eine therapeutische Wohngemeinschaft über (IV-act. 15 und 22). Am 

16. Dezember 2008 teilte die IV-Stelle mit, die Kosten für die berufliche Abklärung des 

Versicherten durch die B.___ würden von der IV-Stelle übernommen (IV-act. 20).

A.b   Am 5. Januar 2009 beantragte der Vater des Versicherten die Übernahme der 

bisher von der Krankenkasse übernommenen Leistungen für psychologische Hilfe beim 

Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (KJPD), St. Gallen (IV-act. 21). Die 

behandelnde Ärztin des KJPD, C.___, teilte der IV-Stelle am 20. Februar 2009 mit, der 

Versicherte leide an einer schweren depressiven Episode mit selbstverletzendem 

Verhalten und latenter bis akuter Suizidalität auf dem Hintergrund einer psychosozialen 

Überforderungssituation (ICD-10: F32.2), einer sozialen Phobie mit 

Vermeidungsverhalten (ICD-10: F40.1) sowie psychosozialen Belastungsfaktoren (Tod 

der Kindsmutter, Erkrankung des Kindsvaters, erschwerte Berufsfindung). Der 

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Versicherte benötige Psychotherapie unter Einbezug des Kindsvaters und von 

Bezugspersonen der therapeutischen Wohngemeinschaft, betreutes Wohnen und 

medikamentöse antidepressive Behandlung mit zur Zeit Fluoxetin und Seroquel (IV-act. 

24-2/7). Am 21. April 2009 teilte die IV-Stelle dem Vater des Versicherten mit, die 

Kosten für die ambulante Psychotherapie nach ärztlicher Verordnung ab 20. Juni 2008 

würden bis 30. Juni 2010 übernommen (IV-act. 28).

A.c   Die IV-Stelle übernahm gemäss Mitteilung vom 1. Mai 2009 die Kosten für eine 

erstmalige berufliche Massnahme vorab in Form eines Vorbereitungskurses am 

Berufswahlzentrum sowie für die Fortsetzung der Wohnheimbetreuung in der 

Wohngemeinschaft vom 27. April bis 3. Juli 2009 (IV-act. 32). Sodann übernahm die IV-

Stelle am 9. Juli 2009 die Kosten für die Ausbildung zum Kaufmann (mit 

eidgenössischem Fähigkeitszeugnis) sowie die Wohnheimbetreuung vom 4. Juli 2009 

bis 31. Januar 2011 (IV-act. 44).

A.d   Am 15. Juli 2009 verlangte die Krankenversicherung des Versicherten, die CSS 

Versicherung (CSS), die Kostengutsprache für die Arzneimittel Fluoxetin und Seroquel 

(IV-act. 46). Die IV-Stelle verneinte am 22. Juli 2009 die Übernahme der 

Medikamentenkosten (IV-act. 47). Die CSS war mit dieser Ablehnung nicht 

einverstanden und verlangte am 26. August 2009 eine anfechtbare Verfügung (IV-act. 

49). Mit Vorbescheid vom 7. September 2009 stellte die IV-Stelle die Abweisung der 

Kostengutsprache für die verordneten Medikamente in Aussicht (IV-act. 51). Dagegen 

liess die CSS am 21. September 2009 einwenden, die medikamentöse Therapie stelle 

einen Bestandteil der von der IV-Stelle gutgesprochenen Psychotherapie vom 20. Juni 

2008 bis 30. Juni 2010 dar. Liege ein medizinischen Massnahmen grundsätzlich 

zugänglicher Zustand vor, umfasse der Behandlungsanspruch alle vom Arzt selber 

oder auf seine Anordnung durch medizinische Hilfspersonen vorgenommenen 

therapeutischen Massnahmen unter Einschluss der erforderlichen diagnostischen 

Untersuchungen (IV-act. 54). Mit Verfügung vom 5. Oktober 2009 wies die IV-Stelle das 

Leistungsbegehren ab (IV-act. 55).

B.        

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B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der CSS vom 3. November 

2009 (Poststempel: 4. November 2009). Die Beschwerdeführerin beantragt, die 

angefochtene Verfügung sei insofern aufzuheben, als dass die Kostenübernahme für 

ärztlich verordnete Medikamente im Rahmen der zugesprochenen Psychotherapie 

abgewiesen worden sei. Sodann sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, im 

Rahmen der zugesprochenen Psychotherapie für den Versicherten auch die Kosten der 

ärztlich verordneten Medikamente zu bezahlen. Der Umfang medizinischer 

Massnahmen (sowohl nach Art. 12 als auch nach Art. 13 IVG) richte sich nicht nach Art. 

12 IVG, sondern nach Art. 14 IVG und umfasse dort auch explizit die Abgabe der vom 

Arzt verordneten Arzneien. Auch aus den Ausführungsbestimmungen des 

Kreisschreibens über medizinische Massnahmen der Invalidenversicherung (KSME) zu 

Art. 14 IVG (Rz 1200 und 1205) ergebe sich klar, dass die Abgabe von Arzneien zu den 

medizinischen Eingliederungsmassnahmen gehöre. Die Ärztin C.___ habe im Bericht 

vom 20. Februar 2009 die dringend notwendige Behandlung mit Seroquel 50 mg pro 

Tag und Fluoxetin 40 mg pro Tag erwähnt. Die medikamentöse Behandlung gehöre 

somit zweifelsfrei in den Kontext der gesamten psychotherapeutischen Behandlung 

des Versicherten. Die Beschwerdegegnerin habe deshalb die entsprechenden Kosten 

zu übernehmen (G act. 1).

B.b   In der Beschwerdeantwort vom 18. Januar 2010 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gemäss Art. 12 IVG hätten 

Versicherte Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des 

Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in 

den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet seien, die Erwerbsfähigkeit oder die 

Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd oder wesentlich zu 

verbessern oder vor wesentlichen Beeinträchtigungen zu bewahren. Als medizinische 

Massnahmen im Sinn von Art. 12 IVG gälten namentlich chirurgische, 

physiotherapeutische und psychotherapeutische Vorkehren (Art. 2 Abs. 1 IVV). Weil 

vorliegend keine Kostengutsprache für das Grundleiden im Rahmen von medizinischen 

Massnamen gewährt worden sei, könnten die Kosten für Antidepressiva nicht 

übernommen werden (G act. 4).

B.c   Die Beschwerdeführerin verzichtet am 25. Januar 2010 auf eine Replik (G act. 6).

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B.d   Am 26. Januar 2010 wird der Versicherte zum Gerichtsverfahren beigeladen 

(G act. 7). In der angesetzten Frist lässt er sich nicht dazu vernehmen (G act. 8).

Erwägungen:

1.        

Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil 

in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei 

der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V 

466, E. 1; 132 V 215, E. 3.1.1), und die IV-Anmeldung im Januar 2008 erfolgte, sind 

vorliegend die ab 1. Januar 2008 gültigen materiellen Bestimmungen anzuwenden.

2.       

Nach Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; 

SR 831.20) haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf 

medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern 

unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich 

gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im 

Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor 

wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Der Leistungsumfang der 

Invalidenversicherung bezüglich medizinischer Massnahmen ergibt sich aus Art. 14 

IVG. Art. 12 IVG trägt den Titel "Anspruch im Allgemeinen", Art. 14 IVG "Umfang der 

Massnahmen". Beide gehören zum Abschnitt "II. Die medizinischen Massnahmen". 

Gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. b IVG umfassen die medizinischen Massnahmen auch die 

Abgabe der vom Arzt verordneten Arzneien. Die Aufzählung in Art. 2 Abs. 1 der 

Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.20) ist lediglich beispielhaft 

und nicht abschliessend, wie die Wortwahl zeigt: Als medizinische Massnahmen im 

Sinn von Art. 12 IVG gelten namentlich chirurgische, physiotherapeutische und 

psychotherapeutische Vorkehren […]. Die systematische Stellung der Art. 12 und 14 

IVG zeigt, dass einer Übernahme von Kosten medikamentöser Therapien grundsätzlich 

nichts entgegensteht. Die Rechtsprechung hat jedoch weitere Kriterien für die 

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Übernahme medizinischer Massnahmen der Invalidenversicherung entwickelt, die 

nachfolgend zu prüfen sind.

3.        

3.1    Art. 12 Abs. 1 IVG schliesst die Leistungen für eine Behandlung des Leidens an 

sich aus. Um die Behandlung des Leidens an sich geht es in der Regel bei der Heilung 

oder Linderung labilen pathologischen Geschehens. Die Invalidenversicherung 

übernimmt grundsätzlich nur solche medizinische Vorkehren, die unmittelbar auf die 

Beseitigung oder Korrektur stabiler oder wenigstens relativ stabilisierter 

Defektzustände oder Funktionsausfälle hinzielen und welche die Wesentlichkeit und 

Beständigkeit des angestrebten Erfolges gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG voraussehen 

lassen (BGE 131 V 9 E. 4.2 mit Hinweisen; BGE 120 V 279 E. 3a mit Hinweisen). Art. 12 

IVG ist als gesetzliche Abgrenzungsnorm gegenüber dem Aufgabenbereich der 

sozialen Kranken- und Unfallversicherung zu verstehen. Das Unterscheidungskriterium 

ist deshalb in erster Linie rechtlicher und nicht medizinischer Natur (Rz 31 KSME; BGE 

104 V 81 E. 1, 102 V 41). Der Eingliederungserfolg ist für sich allein betrachtet im 

Rahmen des Art. 12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium, zumal praktisch jede 

ärztliche Vorkehr, die medizinisch erfolgreich ist, auch im erwerblichen Bereich eine 

entsprechende Verbesserung bewirkt (BGE 102 V 42). Stabilisierende Vorkehren 

richten sich nach der Rechtsprechung stets gegen labiles pathologisches Geschehen. 

Deshalb muss eine kontinuierliche Therapie, die notwendig ist, um das Fortschreiten 

eines Leidens zu verhindern, als Behandlung des Leidens an sich bewertet werden. 

Keine stabile Folge von Krankheit, Unfall oder Geburtsgebrechen ist daher ein Zustand, 

der sich nur dank therapeutischer Massnahmen einigermassen im Gleichgewicht halten 

lässt, gleichgültig welcher Art die Behandlung ist (BGE 98 V 205 E. 2). Ein solcher 

Zustand ist, solange er im Gleichgewicht bewahrt werden kann, wohl stationär, aber 

nicht im Sinn der Rechtsprechung stabil. Die medizinischen Vorkehren, die zur 

Aufrechterhaltung des stationären Zustandes erforderlich sind, können daher nicht von 

der Invalidenversicherung übernommen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 

18. Januar 2008 i.S. G. [I 63/07] E. 2.2 mit Hinweisen).

3.2    Bei nicht erwerbstätigen Minderjährigen ist zu beachten, dass diese als invalid 

gelten, wenn ihr Gesundheitsschaden künftig wahrscheinlich eine ganze oder teilweise 

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Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG). Nach der Rechtsprechung 

können daher medizinische Vorkehren bei Jugendlichen schon dann überwiegend der 

beruflichen Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen 

Leidenscharakters von der Invalidenversicherung übernommen werden, wenn ohne 

diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand 

einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide 

beeinträchtigt würden (BGE 105 V 20; AHI 2003 S. 104 E. 2). In diesem Sinn werden die 

Kosten einer Behandlung von Versicherten vor dem vollendeten 20. Altersjahr von der 

Invalidenversicherung übernommen, wenn das Leiden mit hinreichender 

Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und 

Erwerbstätigkeit erheblich behindernden oder gar verunmöglichenden stabilen 

pathologischen Zustand führte. Umgekehrt kommen medizinische Massnahmen der 

Invalidenversicherung nach der Rechtsprechung auch bei Versicherten vor dem 20. 

Altersjahr - die oben erwähnte Ausdehnung wieder einschränkend - dann nicht in 

Betracht, wenn sich solche Vorkehren gegen Krankheiten richten, welche nach heutiger 

Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ohne kontinuierliche Behandlung nicht 

dauerhaft gebessert (wohl: nicht geheilt, aber beispielsweise auf besserem Niveau 

gehalten) werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts i.S. K. vom 18. November 

2003 [I 334/03]; BGE 105 V 20; AHI 2000 S. 64 E. 1). Eigentliche Krankheitsprophylaxe 

sowie Vorkehren, die lediglich die Entstehung eines stabilisierten Zustandes 

hinausschieben, sind ebenfalls ausgeschlossen (Rz 54 KSME). Die Massnahmen zur 

Verhütung oder Verzögerung einer Defektheilung oder eines sonst wie stabilisierten 

Zustandes können wohl eine gewisse Zeit andauern, sie dürfen jedoch nicht 

Dauercharakter tragen, das heisst zeitlich nicht unbegrenzt erforderlich sein. Dabei 

muss eine hinlänglich Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass die Prognose günstig ist 

(Rz 63 und 32 KSME). Diese für unter 20-Jährige geltende Praxis hat auch nach der im 

Rahmen der 5. IV-Revision per 1. Januar 2008 in Kraft getretene Änderung des Art. 12 

IVG weiterhin Gültigkeit (vgl. den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons 

St. Gallen vom 13. August 2010 [IV 2009/443]).

3.3    Die von der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 21. April 2009 für die Dauer 

vom 20. Juni 2008 bis 30. Juni 2010 zugesprochene Übernahme der ambulanten 

Psychotherapie als medizinische Eingliederungsmassnahme zu Lasten der 

Invalidenversicherung wird zu Recht von keiner Seite in Frage gestellt. Ein 

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Geburtsgebrechen (Art. 13 IVG) liegt unbestrittenermassen nicht vor. Strittig ist 

demgegenüber, ob der Versicherte Anspruch auf die Übernahme der medikamentösen 

Behandlung der psychischen Beschwerden als medizinische 

Eingliederungsmassnahme hat. Der Versicherte leidet gemäss Bericht von Ärztin C.___ 

vom 20. Februar 2009 an einer schweren depressiven Episode mit selbstverletzendem 

Verhalten und latenter bis akuter Suizidalität auf dem Hintergrund einer psychosozialen 

Überforderungssituation (ICD-10: F32.2), einer sozialen Phobie mit 

Vermeidungsverhalten (ICD-10: F40.1) sowie psychosozialen Belastungsfaktoren (Tod 

der Kindsmutter, Erkrankung des Kindsvaters, erschwerte Berufsfindung). Unter Punkt 

2.7 'Behandlungsplan, Prognose' des Arztberichts hat die Ärztin ausgeführt, eine 

ambulante jugend-psychiatrische Behandlung sei vom 20. Juni bis 19. September 2007 

erfolgt. Danach habe sich der Versicherte vom 20. September 2007 bis 29. Februar 

2008 in stationärer jugend-psychiatrischer Behandlung in der Klinik A.___, befunden. 

Seit 17. März 2008 erfolge die ambulante jugend-psychiatrische Behandlung in 

wöchentlicher Frequenz ohne Unterbruch unter Einbezug des Kindsvaters und der 

Bezugspersonen der Therapeutischen Wohngemeinschaft. Während des 

Behandlungsverlaufs habe erreicht werden können, dass der Versicherte sein soziales 

Funktionsniveau leicht habe verbessern können sowie Stimmungseinbrüche weniger 

häufig aufgetreten seien. Damit habe er auch das selbstverletzende Verhalten in der 

Frequenz reduzieren können. Weiterhin bestehe eine depressive Grundstimmung, 

intermittierend seien aber auch aufgehellte Phasen möglich. Suizidgedanken 

bestünden intermittierend. Es bestünden weiterhin Zukunftsängste und damit 

verbunden eine hohe Leistungsblockade in Bezug auf die Berufsfindung. Der 

Versicherte habe regelmässig an einem Berufsförderungskurs teilnehmen können. Es 

zeichne sich ein Fortschritt in kleinen und langsamen Entwicklungsschritten ab. Damit 

der Versicherte den nächsten Entwicklungsschritt, den Beginn einer Lehre, angehen 

könne, sei eine weitere intensive psychotherapeutische Begleitung dringend indiziert. 

Der Beginn der Lehre sei sicherlich nur in einem geschützten Rahmen möglich. 

Ebenfalls weiter dringend indiziert sei die Platzierung in der Therapeutischen 

Wohngemeinschaft zur Unterstützung des psychosozialen Funktionsniveaus. Zudem 

sei dringend eine medikamentöse Behandlung aktuell mit Fluoxetin 40 mg pro Tag und 

Seroquel 50 mg pro Tag notwendig zur Stabilisierung der Stimmungsschwankungen, 

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Stimmungsaufhellung sowie besseren Ich-Abgrenzung. Daher werde um 

Kostengutsprache für weitere zwei bis drei Jahre ersucht (IV-act. 24-6/7).

3.4    Der Behandlungsplan für den Versicherten ergibt sich aus dem Arztbericht von 

Ärztin C.___ vom 20. Februar 2009, Punkt 2.7. Vorgesehen ist eine kombinierte 

Behandlung mit einzelpsychotherapeutischer Behandlung unter Einbezug des 

Kindsvaters und der Bezugspersonen der Therapeutischen Wohngemeinschaft, 

betreutes Wohnen sowie eine medikamentöse Behandlung. Ärztin C.___ hat denn im 

Beiblatt 'Spezielle Fragen zum Kostengutspracheantrag für Psychotherapie gemäss 

Art. 12 IVG' die medikamentöse Behandlung nicht explizit erwähnt. Bei Punkt 3 'Beginn 

der Behandlung, Therapiemethode, Therapiefrequenz, voraussichtliche Dauer der 

Behandlung' hat sie jedoch auf den Arztbericht Punkt 2.7 verwiesen (IV-act. 24-7/7). 

Wie oben ausgeführt, ist unter Punkt 2.7 neben der Psychotherapie und dem betreuten 

Wohnen auch die medikamentöse Behandlung als dringend erforderlich beschrieben 

worden, und erst nach Aufführen aller drei Behandlungsansätze ist der Antrag auf 

Kostengutsprache gestellt worden. Somit stellt auch die medikamentöse Behandlung 

Gegenstand des Gesuchs um Kostengutsprache dar und nicht nur die 

psychotherapeutische Behandlung im engeren Sinn. Auch ist die medikamentöse 

Therapie vorliegend als medizinische Eingliederungsmassnahme und nicht als 

Behandlungsmethode eines chronischen Grundleidens zu betrachten (anders etwa im 

Entscheid des Bundesgerichts vom 18. Januar 2008 [I 63/2007] E. 5.2.3, bei dem es 

um die medikamentöse Behandlung eines in seinem Bestand und Verlauf nicht zu 

beeinflussenden Grundleiden ging, dessen Behandlung an sich zudem nicht als 

medizinische Massnahmen im Sinn von Art. 12 IVG galt). Der Versicherte leidet 

hauptsächlich an einer schweren depressiven Phase. Es liegt keine Schizophrenie oder 

manisch-depressive Krankheit vor und somit auch keine Krankheit, die ohne 

andauernde Behandlung nicht gebessert werden könnte. Die depressive Episode ist 

der Besserung zugänglich (wie bereits das Wort "Episode" anzeigt), und beim 

Versicherten ist eine gute Prognose gestellt worden. Aufgrund der vorliegenden 

Diagnose hat der Versicherte auf ärztliche Verordnung hin antidepressive Medikamente 

zu nehmen. Diese bewirken eine Stabilisierung der Stimmungsschwankung, eine 

Stimmungsaufhellung und bessere Ich-Abgrenzung. Diese Wirkung dient ebenso 

hauptsächlich dem Eingliederungszweck wie die begleitende Psychotherapie. Daraus 

folgt, dass die Beschwerdegegnerin die Kosten für die medikamentöse Behandlung 

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ebenso zu übernehmen hat wie für die ambulante Psychotherapie und das betreute 

Wohnen (vgl. auch den Entscheid der sozialrechtlichen Abteilung des 

Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 14. November 2008 [S 07 148], indem 

die IV ebenfalls zur Bezahlung von im Rahmen der Psychotherapie verwendeten 

Medikamente verpflichtet wurde).

4.       

4.1    Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Verfügung vom 5. Oktober 2009 bei 

Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten der 

im Rahmen der ambulanten Psychotherapie verordneten Medikamente Fluoxetin und 

Seroquel zu übernehmen.

4.2    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt und hat deshalb die gesamte 

Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der obsiegenden Krankenversicherung ist 

der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. Sie hat hingegen als mit öffentlich-

rechtlichen Aufgaben betraute Organisation keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung (BGE 126 V 149 E. 4a).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 

5. Oktober 2009 gutgeheissen. Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten der im 

Rahmen der ambulanten Psychotherapie verordneten Medikamente Fluoxetin und 

Seroquel zu übernehmen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.

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