# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d6da326c-4847-568f-98cb-8db604034954
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-16
**Language:** de
**Title:** Befristeter Rentenanspruch ausgewiesen, Rückweisung zu weiteren medizinischen Abklärungen
**Docket/Reference:** IV.2019.00722
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00722.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00722
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
16. Oktober 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Christe
Christe & Isler Rechtsanwälte
Obergasse 32, Postfach 1663, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, gebo
ren 1965, arbeitete seit dem
1.
Oktober 2013 als Decken
monteur bei der
Y.___
(
Urk.
6/15)
. Am 1
7.
August 2014 vertrat er sich beim
Joggen den linken Fuss und verletzte sich dabei
am oberen Sprunggelenk (OSG;
Urk.
6/11/58
).
A
m 1
9.
März 2015 (Eingangsdatum) meldete sich der
V
er
sicherte wegen Beschwerden am linken Fuss
und
am
rechten Knie bei der Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2).
Die IV-Stelle zog die Akten der
zuständigen
Unfallversicherung Suva
(
Urk.
6/11 und
Urk.
6/19-20
)
bei
und nahm beruflich-erwerbliche und medizini
sche Abklärungen vor.
Vom 1
5.
Dezember 2015 bis zum 1
9.
Januar 2016 wurde der Versicherte in der
Z.___
behandelt (Urk.
6/26/
147-169). Am 3
0.
Mai 2016 teilte die IV-Stelle
ihm
mit, dass
zurzeit
keine beruflichen Einglie
derungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
6/23
). In der Folge zog
die IV-Stelle
weit
ere Akten der Suva
(
Urk.
6/24,
Urk.
6/26-27 und Urk.
6/35
)
bei
und gab
bei
A.___
des
B.___
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am 2
8.
August 2018 erstattet wurde (
Urk.
6/78). Nach durch
geführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 1
1.
Oktober 2018,
Urk.
6/86, und Einwand vom 1
2.
November 2018 bzw. 1
1.
Januar 2019,
Urk.
6/88 und
Urk.
6/92)
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 1
7.
Sep
tember 2019 (
Urk.
2) mit Wirkung ab
dem 1.
September 2015 bis zum 3
1.
Januar 2016 eine ganze Rente zu. Für die Zeit ab Februar 2016 verneinte sie einen Ren
tenanspruch bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 21
%
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
5.
Oktober 2019 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
1.
Dem Beschwerdeführer sei ab
1.
September 2015 bis
3
0.
April 2016 und ab
1.
Juli 2017 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
2.
Eventualiter sei die Sache zur Klärung des Rentenanspruchs ab Juli 2017
zu ergänzenden Abklärungen und zum Neuentscheid an die
Beschwerdegeg
-
nerin
zurückzuweisen.
3
.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
4.
Es sei dem Beschwerdeführer die unentg
eltliche Prozessführung und in
der Person des Unterzeichneten die unentg
eltliche
Rechtsverbeiständung
zu bewilligen.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
8.
November 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5),
was dem Beschwerdeführer am 11.
November 2019 angezeigt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom
men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestim
men lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Renten
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Ren
tenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
IV191130
Revision, zeitliche Voraussetzungen für die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente, einer Hilflosenentschädigung oder eines Assistenzbeitrages, Verordnungstext
07.2020
Gemäss Art. 88a Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Leistungs
anpassung in der Regel erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der Änderung vorzunehmen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5.3; vgl. ZAK 1984 S. 134; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_32/2015 vom 10. September 2015 E. 4.1 und I 583/05 vom 15. März 2006 E. 2.3.2 je mit Hinweisen).
Bei
rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente
sind
die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
der Beschwerdeführer von
Oktober 2014 bis Januar 2016
in sämtlichen Tätigkeiten arbeitsunfähig gewesen sei.
Es sei ihm deshalb nicht mehr möglich gewesen, ein
E
inkommen
zu
erwirtscha
ften.
Ab September 2015 habe der
Beschwerdeführer
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
Anspruch auf eine ganze Rente. S
eit spä
testens Januar 2016
sei
ihm
eine überwiegend sitzende
,
körperlich leichte bis mittelschwe
re, wechselbelastende Tätigkeit
aber
wieder in einem 80%-
Pensum
zumutbar.
Sein Gesundheitszustand habe sich
somit
verbessert.
Ohne gesund
heitliche Einschränkung könnte
er
ein Einkommen von
Fr.
67'600.-- erzielen, mit gesundheitlicher Einschränkung ein solches von
Fr.
53’641.9
0.
Demgemäss resultiere eine Erwer
bseinbusse von
Fr.
13'958.10 und
ein Invaliditätsgrad von 21
%
. Da der Invaliditätsgrad unter 40
%
liege, bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr.
Die
Rente
werde somit
per Januar 2016 eingestellt (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
erst im Ansch
luss an die Operation am
OSG
links
von Mitte Februar 2016 von einer
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei.
Da die
Rentenaufhebung auf drei Monate nach der eingetreten
en Verbesserung zu terminieren sei, bestehe im Zusammenhang mit der Unfallverletzung
Anspruch auf eine g
anze Invalidenrente bis zum 30.
April 201
6.
Im Weiteren enthalte das
A.___
-Gutachten wesentliche Anhalts
pu
n
kte fü
r durch den Schlaganfall vom
7.
April 2017
ausgelöste neurokognitive Defizite.
Diese
Defizite
seien
aufgrund der angeb
lich nicht validen Testergebnisse nicht als erwiesen betrachtet
worden
. Mit der
von lic. phil. C.___
, Neuropsychologin/Psychologin FSP, und
Dr.
med. D.___
, FMH Neurologie, durchgeführten
er
neuten neuropsychologischen Tes
tung vom 3
0.
November 2018
hätten diese Unsicherheiten
indessen
beseitigt werden
kön
nen
.
Bei
ausgewiesener Kooperations- und Leistungsbereitschaft des Beschwer
deführers
hätten sich
Resultate ergeben, die
auf
derart
gravierende neuropsycho
logische Defizite hinweisen
würden
,
dass
keine
verwertbare Arbeitsfähigke
it
mehr gegeben sei
. A
b Juli 2017,
mithin drei Monate
nach der in
folge des ischä
mischen Infarkts eingetretenen Verschlech
terung des Gesundheitszustands
,
bestehe daher Anspruch auf
eine un
befristete ganze Invalidenrente.
Sollte
nicht
auf den neuropsychologischen Bericht vom 3
0.
November 2018 abge
stellt wer
den können,
wären die betreffenden
Ergebnisse z
umindest in eine ergänzende gut
achterlich
e Beurteilung miteinzubeziehen (
Urk.
1 S. 3 ff.
).
3.
3.1
Die bis zur Begutachtung im
A.___
aufliegenden medizinischen Akten wurden im Gutachten vom
2
8.
August 2018 (Urk. 6/78/17-35
) zusammengefasst, weshalb sie vorliegend nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen jedoch darauf
Bezug
genommen.
3.2
Die Ärzte des
A.___
hielten im polydisziplinären Gutachten vom 28. August 2018 folgende Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die
Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 6/78/9
):
(1)
symptomatische OSG-Arthrose links
(2)
i
schämischer Infarkt Pons links am
7.
April 2017
Als Diagnosen ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit führten sie an (Urk.
6/78/10
):
(1)
Schulter-
Impingement
links
(2)
arterielle Hypertonie, Erstdiagnose April 2014
(3)
Diabetes mellitus Typ 2, Erstdiagnose April 2017
(4)
Status nach
PFO
-Verschluss mittels
Amplat
z
er
-Device 25 mm eines offenen
Foramen
ovale am 1
4.
Juli 2017
(5)
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
Die
Gutachter des
A.___
erklärten, dass
die Belastung im Rahmen der bisherigen Tätigkeit als Deckenmonteur aufgrund der noch bestehenden Einschränkungen des OSG bei Arthrose nach mehrfachen Operationen zu hoch sei. Erst recht gelte diese Einschätzung nach der erlittenen Pons-Ischämie aufgrund der verbliebenen Residuen, die eine körperlich und koordinativ anspruchsvolle Tätigkeit und das Arbeiten in absturzgefährdeten Positionen (Leitern, Gerüste) verunmöglichen würden.
Die Einschränkung sei bleibend.
Bei einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit sollte es sich unter Berücksichtigung der chronischen Schmerzsympto
matik im Bereich des linken Fusses um eine überwiegend sitzende, körperlich lei
chte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit handeln. Aktuell
bestün
den leichte Einschränkungen im
Bereich der Schulter, so dass Überkopftätigkei
ten mit dem linken Arm nicht möglich seien. Ebenso sei das Heben mit dem linken Arm von über 5 kg zurzeit nicht realisierbar. Unter fortgesetzter Schulter
behandlung sei von einer Normalisierung dieser Einschränkung nach Ablauf von vier bis sechs Wochen auszugehen.
Grundsätzlich könne von einer Arbeitsfähig
keit von 80
%
in einer optimal angepassten Tätigkeit seit
Januar 2016 ausgegan
gen werden
(
Urk.
6/78/12
).
Betreffend medizinische Massnahmen und Therapien hielten die Gutachter fest, zentral erscheine die Unterstützung bei der beruflichen Integration (Urk.
6/78/13)
.
3.3
Lic. phil.
C.___
und
Dr.
D.___
führten
im an
Dr.
med.
E.___
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, gerichteten
Bericht vom 30.
November 2018
aus
, dass sich in der aktuellen
verhaltensneurol
ogisch-neu
ropsychologischen Untersuchung beim allseits orientierten, während der gesam
ten Untersuchung trotz ausgeprägter Kopfschmerzsymptomatik kooperativ mit
arbeitenden u
nd etwas affektlabilen Beschwerdeführer
folgende kognitive Befunde
zeigen würden
: v
erbale Lern- sowie Abrufstörung, mittelgradig bis schweres
attentional-dysexekutives
Syndrom (schwere Beeinträchtigung der ver
balen Ideenproduktion, der gerichteten und geteilten Aufmerksamkeit sowie der Konzentrationsleistung bei einem Durchstreichtest zur Überprüfung der Dauer
aufmerksamkeit, leichte Beeinträchtigung der figuralen Ideenproduktion). Die leichten visuo-konstruktiv-p
lanerischen Schwierigkeiten seien
am ehesten bil
dungsbed
ingt. Auf Verhaltensebene zeige
sich im Verlauf der
Untersuchung, dass der Beschwerdeführer
von den
Struktur-
und Motivationshilfe
n profitiere
und das psychomotorische sowie
kognitiv
e Arbeitstempo steigern könne.
Die
Befunde
würden
aktuell einer mittelschweren Funktionsstörung
fronto
-limbischer Hirn
areale mit Betonung in der sprachdominanten Hemis
phäre
entsprechen
, gut pas
send zu den
residuellen
Auswirkungen der vaskul
ären Lä
sionen
pontin
und
zerebellär
sowie
aggraviert
durch eine zusätzliche
affektpathologische Störung (mit dafür typischer Hypofunkt
ion der sprachdominanten Hemisphäre; differen
tialdiagnostisch sei die
Entwicklung einer Anpassungsstörung nicht aus
geschlos
sen). Das Auftreten neu
ropsychiatrischer Symptome im
Rahmen
zerebellärer
Läsionen sei bekannt und lasse
sich als
«
cerebellar
cogni
tive
affective
syndrome» zusammenfass
en. Mindestens ein Teil der neuropsychiatrischen Symptome sei
damit organisch begründet (Affektla
bilität, Impulsivität, Depressi
vität).
Auch die Schwindelsymptome
mit reaktiver Verspannung im Nacken
- und Schultergürtel
bereich
sowie Verstärkung eines
zervikozephalen
Syndrom
s
seien
im Rahmen der fokalen vaskulären Läsionen
hinreichend
erklärbar.
Aktuell sei aufgrund der obi
gen Befunde von keiner verwertbar
en Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
6/91/3-4
).
3.4
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) erklär
te in der Stellungnahme vom 16.
April 2019, dass der Bericht von lic. phil.
C.___
und
Dr.
D.___
vom 3
0.
November 2018 im Wesentlichen die Untersuchungsbefunde
bestätige
, die im neuropsychologischen Teil des
A.___
-Gutachten
s vom 2
8.
August 2018 erhoben worden seien. Lic. phil.
C.___
und
Dr.
D.___
würden dem Beschwerde
führer eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit attestieren, ohne sich mit der kurz zuvor erfolgten neuropsychologischen Begutachtung im Rahmen der
A.___
-Begutach
tung auseinandergesetzt zu haben. Es liege hier eine differente Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts vor (
Urk.
6/96/3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegneri
n
stützte sich in der angefochtenen Verfügung in medizi
nischer Hinsicht
im Wesentlichen
au
f
das Gutachten des
A.___
vom 28.
August 2018 (
Urk.
6/78).
4.2
Das Gutachten des
A.___
basiert auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen (internistisch, rheumatologisch, neurologisch, neuropsychologisch und psy
chiatrisch) und wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben. Die Gutachter des
A.___
haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt
. Die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation haben sie grundsätzlich einleuchtend dargelegt
(vgl. E. 1.5
).
4.3
4.3.1
Was die Fussbeschwerden links
betrifft, legten die Gutachter des
A.___
in der Kon
sensbeurteilung
dar,
dass der Beschwerdeführer
am 1
7.
August 2014
eine
OSG
-Distorsion mit
köchernem
Ausriss des Ligamentum
deltoideus
und
tibio
talare
erlitten habe.
Am
8.
Mai 2015 sei eine
offene
AMIC
-Plastik laterale
Talusschulter
links
vorgenommen worden. Daraufhin sei eine
pos
toperative Wundheilungsstö
rung aufgetreten. S
chliesslich
sei am 1
2.
Februar 2016 eine
Reoperation
mit
a
nteriorer
OSG
-Arthroskopie
mit
Narbendébridement
und Abtragen
tibialer
sowie
talarer
Spur
erfolgt. Der Verlauf
sei
komplex gewesen.
Das Schmerzsyn
drom des linken OSG
persistiere (
Urk.
6/78/6).
Die Gutachter
des
A.___
kamen zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Deckenmonteur seit dem Unfallereignis vom 1
7.
August 2014 nicht mehr zumutbar sei.
In
einer leidensadaptierten Tätigkeit
, bei welcher die chronische Schmerzsymptomatik im Bereich des linken Fusses berücksichtigt werde, sei
er
seit
Januar 2016
zu 80
%
arbeitsfähig.
Zu diesem Zeitpunkt seien die Behandlungen des OSG von orthopä
discher Seit
e
her abgeschlossen und ein Endzustand vorläufig erreicht gewesen
(
Urk.
6/78/12
).
4.3.2
Dass die Gutachter
des
A.___
von einer ab dem
1
7.
August 2014 bestehenden vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten ausgingen,
ist mit Blick auf
die erfolgten operativen Eingriffe am OSG
links
und die aufgetretenen
Kompl
ikationen,
die unter anderem auch
zu
eine
r
stationäre
n
Behandlung vom
1
5.
Dezember 2015 bis zum 1
9.
Januar
2016 in de
r
Z.___
führten
(
vgl. Sachverhalt E. 1
),
nachvollziehbar.
Deren
Beurteilung, dass ab Januar 2016 in einer angepa
ssten Tätigkeit wieder eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit bestanden habe,
vermag
j
edoch nicht zu überzeugen, zumal
die
zweite Operation
am linken OSG
a
m 1
2.
Februar 2016
durchgeführt wurde
.
Überwiegend wahrscheinlich
trat
die erhebliche
Verbesserung des Gesundheitszustands
betreffend den linken Fuss
erst Ende Februar 2016 ein
(vgl. auch Beurteilung der arbeitsbezogenen Leis
tungsfähigkeit der
Z.___
vom 15. Januar 2016 [
Urk.
6/24/34])
.
4.3.3
Nachdem der von der Beschwerdegegnerin per 2016 vorgenommene Einkom
mensvergleich, der einen Invaliditätsgrad von
21
%
ergab (
Urk.
2),
vom Beschwerdeführer nicht in Zweifel gezogen wurde
(
Urk.
1) und nicht Anlass zu Weiterungen gibt,
ist die mit Wirkung ab dem
1.
September 2015 (sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs am
1
9.
März 2015,
Urk.
6/2
; vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG) zugesprochene ganze Rente daher – analog der für die Ren
tenrevision geltenden Bestimmungen (
Art.
17 ATSG in Verbindung mit Art.
88a IVV; vgl. E. 1.4) - bis zum 3
1.
Mai 2016 zu befristen. Dieser Anspruch kann als ausgewiesenen betrachtet werden.
4.4
4.4.1
Was
den
am
7.
April 2017 erlittenen ischämischen Infarkt
pons
links anbelangt, erklärten die Gutachter des
A.___
in
der Konsensbeurteilung,
dass die
vom Beschwerdeführer
berichteten Beeinträchtigungen im Bereich der Gedächtnis
funktion und
der Konzentration im Rahmen
der
neuropsychologischen Begut
achtung evaluiert worden seien. Ob und gegebenenfalls in welchem Ausm
ass neurok
ognitive Folgen
zurückgeblieben seien, lasse sich aufgrund der nicht validen Testergebnisse
jedoch
nicht quantifiz
ieren. Es sei theoretisch
gut denkbar, dass als Folge der
mikroangiopathischen
Veränderungen und aufgrund der
infra
tentoriellen
Ischämie neurokognitive Defizite vorhanden seien
(
Urk.
6/78/8)
.
Die nicht validen Testbefunde
würden sie im Rahmen einer unbewusste
n Symptom
verdeutlichung werten
(
Urk.
6/78/11
).
Lic. phil
.
C.___
und
Dr.
D.___
gaben im Bericht vom 3
0.
November 2018 sodann an, dass die
Leistungsmotiva
tion und Anstrengungsbereitschaft
des Beschwerdeführers bei ihrer Untersu
chung durchwegs gut gewesen sei, so dass die von ihnen erhobenen Befunde als valide zu beurteilen seien.
Den
Beschwerdeführer
erachteten sie
als
aktuell
nicht arbeitsfähig,
wiesen
aber gleichzeitig
darauf hin, dass bei einer Verbesserung
der affe
ktpathologischen Symptomatik
auch
von einer
Verbesserung
der k
ognit
iven Leistungsfähigkeit auszugehen sei.
Zur Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf äusserten sich lic. phil.
C.___
und Dr.
D.___
nicht (
Urk.
6/91/1-4
).
4.4.2
Aufgrund dieses
Bericht
s
von lic. phil.
C.___
und
Dr.
D.___
, der im
Ein
wandverfahren
eingereicht wurde, wäre
es angezeigt gewesen, das
s die Beschwerdegegnerin von den Gutachtern des
A.___
eine Stellungnahme
eingeholt hätte.
Die Einschätzung des RAD-Arztes
Dr.
F.___
, won
ach hier
lediglich eine andere Beurteilung des gleichen
medizinischen
Sa
chverhalts vorliege (vgl. E. 3.4
),
überzeugt nicht
.
Hinzu kommt, dass der Orthopäde
Dr.
F.___
nicht über die erforderliche Ausbildung als Neuropsychologe
verfügt und
damit fachlich nicht in der Lage
war
, die Schlussfolgerungen von lic. phil.
C.___
und
Dr.
D.___
ernsthaft in Zweifel zu z
iehen (
vgl.
BGE 137 V 210 E. 1.2.1
; Urteil des Bun
desgerichts 8C_188/2018 vom 1
7.
September 2018 E. 4.2
).
Dass
es
vorliegend – wie die Beschwerdegegnerin vorbrachte (
Urk.
5) -
an einem psychiatrischen
oder neurologischen Krankheitssubstrat fehle
, weshalb sich weitere neuropsychologi
sche Abklärungen als obsolet erweise
n
würden
(
Urk.
5), ist
unzutreffend.
Beim ischämischen Infarkt im Bereich der Pons, welcher der Beschwerdeführer im April 2017 erlitten hat, handelt es sich um eine Läsion in einem zum Hirnstamm (Brü
cke) gehörenden Teil des Gehirns (vgl. Pschyrembel online, <https://www.pschy
rembel.de>, besucht am 14.10.2020), mithin um einen Gesundheitsschaden, der gemäss den
A.___
-Gutachtern neurologische Defizite erklären könnte.
Der medizinische Sachverhalt erweist sich deshalb als ungenügend abgeklärt.
5.
Die angefochtene Verfügung ist demnach insoweit aufzuheben, als darin ein Anspruch auf eine Rente über Januar 2016 hinaus verneint wurde
,
und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer vom
1.
September 2015 bis zum 3
1.
Mai 2016 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Im Weiteren
ist die Sache zur ergän
zenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie von den Gutachtern des
A.___
eine Stellungnahme zum Bericht von lic. phil.
C.___
und
Dr.
D.___
vo
m 3
0.
November 2018 einholt,
falls nötig
zusätzliche
medizinische Abklärungen tätigt und danach über den Anspruch des Beschwer
deführers auf eine
Rente
nach April 2017
neu verfügt.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Be
sch
werdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Ver
bind
ung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rigkei
t des Prozesses auf Fr. 1‘
8
00.--
(inkl. Bar
auslagen und MWSt) festzusetzen.
6
.3
Das Gesuch des Beschwerdeführers
um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung
und Rechtsvertretung
(
Urk.
1) ist damit gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gut
ge
heissen, dass
die
angefochtene Verfügung vom 1
7.
September 2019
insoweit aufgehoben wird, als darin ein Anspruch auf eine Rente über Januar 2016 hinaus verneint wurde
,
und es wird festgestellt, dass der Beschwer
deführer
vom
1.
September 2015 bis zum 3
1.
Mai 2016 Anspruch auf eine
ganze Rente hat. Im Weiteren
wird die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Anspruch des Beschwer
deführers
auf eine Rente
nach April 2017 neu verfügt.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1’800
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Daniel Christe
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl