# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 39ff01e7-1da6-5362-a4d5-dc2cd721f972
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-04-05
**Language:** de
**Title:** Zonenkonformität. Tierpension in einer Wohnzone mit Gewerbeerleichterung.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0047/2018
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2019-34.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 47/2018 vom 5. April 2018 in BEZ 2019 Nr. 34 

(Bestätigt mit VB.2018.00277 vom 30. August 2018, dieser bestätigt mit  
BGr 1C_555/2018 vom 29. August 2019) 

Geplant  war  die  Umnutzung  gewisser  Räume  eines 

in  der 
dreigeschossigen  Wohnzone  mit  Gewerbeerleichterung  (WG3)  stehenden 
Einfamilienhauses  in  eine  Tierpension  für  20  Hunde  (im  Erdgeschoss)  und  14 
Katzen  (im  Dachgeschoss).  Das  Angebot  sollte  Tagesplätze,  Übernachtungen 
sowie Ferienplätze an 365 Tagen pro Jahr umfassen. Die Hunde sollten in vier 
Gruppen  gehalten,  im  Rudel  spazieren  geführt  und  gruppenweise  viermal 
täglich in den Garten gelassen werden. Die Vorinstanz hatte die Bewilligung für 
das  Bauvorhaben  mit  dem  angefochtenen  Beschluss  verweigert.  Die 
Bauherrschaft  gelangte  mit  Rekurs  an  das  Baurekursgericht  des  Kantons 
Zürich. 

Aus den Erwägungen: 

Beurteilung 

jedoch  seit 

5.2  Die  Rekurrierenden  machen  geltend,  das  Baugrundstück  liege  in  der 
Zone  WG3  mit  Lärmempfindlichkeitsstufe  III,  in  der  mässig  störende  Betriebe 
zulässig  seien.  Diesem  Begriff  komme 
Inkrafttreten  des 
Umweltschutzgesetzes  (USG) keine  selbständige  Bedeutung  mehr zu.  Bei der 
Tierpension  handle  es  sich  um  eine  neue  ortsfeste  Anlage,  welche  zu  keiner 
Überschreitung  der  Planungswerte  führe.  Massgebende  Lärmquelle  für  die 
lärmrechtliche 
Die 
Lärmschutzverordnung  (LSV) sehe für Tierlärm  keine  Grenzwerte  vor. Zwecks 
Sicherstellung  einer  schweizweit  einheitlichen  Beurteilung  von  Tierlärm  sei  es 
angezeigt,  die  vom  BAFU  herausgegebene  Vollzugshilfe  im  Umgang  mit 
Alltagslärm  heranzuziehen,  welche  auch  verschiedene  Beispiele  von 
Gewerbebetrieben mit Tieren enthalte. Die Rekurrierenden hätten durch die A. 
GmbH eine Lärmprognose erstellen lassen. Diese sei zum Schluss gekommen, 
dass  von  der  streitbetroffenen  Tierpension  höchstens  geringfügige  Störungen 
ausgehen  würden.  Somit  sei  die  Umnutzung  in  lärmrechtlicher  Hinsicht  zu 
bewilligen.  Die  Argumentation  der  Vorinstanz  erschöpfe  sich  in  unbelegten 
Mutmassungen und Befürchtungen. Eine nachvollziehbare Begründung fehle.  

Hunde. 

Bellen 

das 

der 

sei 

5.3  Wohnzonen  sind  in  erster  Linie  für  Wohnbauten  bestimmt;  dieser 
Nutzweise  zugerechnet  werden  auch  Arbeitsräume,  die  mit  einer  Wohnung 
zusammenhängen  und  in  einem  angemessenen  Verhältnis  zur  eigentlichen 
Wohnfläche  stehen.  Mässig  störende Betriebe  sind  gestattet,  wo  die  Bau- und 
Zonenordnung sie zulässt; stark störende und solche, die unverhältnismässigen 
Verkehr  auslösen,  sind  unzulässig  (§  52  PBG).  Nach  dem  vorliegend 
anwendbaren  Art.  43  BZO  sind  in  der  Wohnzone  mit  Gewerbeerleichterung 
höchstens mässig störende Betriebe zulässig.  

Die Begriffe «nicht störend», «mässig störend» und «stark störend» haben 
mit dem Inkrafttreten der Umweltschutzgesetzgebung ihre immissionsrechtliche 
Bedeutung  verloren  (BGE  114  Ib  214  ff.,  E.  4a).  Es  kann  ihnen  jedoch  raum- 
und 
funktionale 
Zonenverträglichkeit  einer  Baute  oder  Anlage  mitbestimmt.  Die  Baute  bzw. 

ortsplanerischer  Gehalt 

zukommen, 

der 

die 

 
 
 
- 2-  

ihr 
Anlage  muss  mit  anderen  Worten  nicht  nur  hinsichtlich  der  von 
ausgehenden  Emissionen  im  Sinne  des  Umweltschutzgesetzes,  sondern  auch 
von  ihrer  raumplanerischen  Zweckbestimmung  her  in  eine  bestimmte  Zone 
passen  (funktionale  Betrachtungsweise).  Die  eingangs  erwähnten  Begriffe 
beinhalten somit qualitative Abstufungen, mit denen Aspekte von Einwirkungen 
gewürdigt  werden,  die  umweltrechtlich  (möglicherweise)  nicht  zu  beanstanden 
sind,  aber  wegen  ihrer  speziellen  Charakteristik  oder  Erscheinungsform  als 
mehr oder weniger störend bzw. unangenehm empfunden werden.  

Zonenbedingte  Immissionsvorschriften  sollen  positiv  auf  eine  sinnvoll 
geordnete  Bodennutzung  hinlenken,  bei  der  immissionsstarke  Betriebe  von 
vorneherein  einer  bestimmten  Zone  zugewiesen  werden,  ohne  Rücksicht 
darauf,  ob  sie  tatsächlich  stören  oder nicht.  Welche  Arten  von  Betrieben  nach 
ihrer  Immissionsstärke  in  einer  Zone  zugelassen  bzw.  verboten  sind,  wird  in 
typisierten,  der  allgemeinen  Erfahrung  entsprechenden  Umschreibungen 
gesagt.  Ob  ein  Betrieb  durch  seine  Immissionen  eine  konkrete  Störung  oder 
Gefährdung  schaffe,  ist  unerheblich;  aus  bestimmten  Zonen  wird  er  als 
Kategorie  verbannt,  die  erfahrungsgemäss  durch  eine  spezifisch  abstrakte 
Gefährdungswirkung gekennzeichnet ist.  

5.4  Vorliegend  zu  beurteilen  ist  das  Gesuch  für  eine  gewerbliche 
Hundebetreuung.  Das  Verwaltungsgericht  hatte  mit  Entscheid  VB.2015.00019 
vom  9.  Juli  2015  die nachträgliche  Bewilligung  für die  Betreuung  von  maximal 
acht Hunden in einer Wohnzone zu beurteilen. Es kam zum Schluss, bei einer 
gewerblichen Hundebetreuung bestehe kein derart enger Bezug zum Wohnen, 
dass  sie  in  Zonen,  welche  lediglich  nicht  störende  Betriebe  erlauben  würden, 
zuzulassen wäre. Das Bundesgericht hatte im Entscheid 1C_538/2011 vom 25. 
Juni  2012  die  als  «Berner  Praxis»  bezeichnete  Rechtsprechung,  wonach  das 
gewerbsmässige  Halten  von  maximal  drei  Hunden  in  einer  Wohnzone  erlaubt 
sei,  als  zulässig  erachtet.  Das  Halten  von  20  Hunden  –  wie  dies  vorliegend 
vorgesehen ist – sprengt diesen Rahmen jedoch klar. Es handelt sich zwar um 
eine  Wohnzone  mit  Gewerbeerleichterung,  jedoch  überwiegt  nach  wie  vor  die 
Wohnnutzung.  Dies  ergibt  sich  einerseits  aus  der  Umschreibung  in  §  52  PBG 
sowie  andererseits  daraus,  dass  in  der  Gemeinde  X  auch  eine  Gewerbezone 
mit Wohnanteil GW3 vorgesehen ist, in welcher das Betreiben von Gewerbe im 
Vordergrund steht und die Wohnnutzung nur sekundär ist.  

Unter mässig störenden Betrieben werden regelmässig solche verstanden, 
die  sich  im  Rahmen  herkömmlicher  Handwerks-  und  Gewerbebetriebe  halten 
und  sich  auf  die  üblichen  Arbeitszeiten  während  des  Tages  beschränken.  Die 
Hundepension soll nach dem Betriebskonzept 365 Tage im Jahr geöffnet haben 
und  auch  Übernachtungen  sowie  Ferienplätze  anbieten.  Selbst  wenn  die 
Rekurrierenden  versichern,  es  würden  keine  Kläffer  aufgenommen,  ist  mit 
gewissen  Immissionen  zu  rechnen.  Hunde  bellen  bekanntlich,  wenn  sie 
Menschen  oder  Artgenossen  etwas  mitteilen  möchten.  Es  kann  sein,  dass  sie 
Aufmerksamkeit erregen, vor etwas warnen oder spielen wollen. Solches Bellen 
lässt sich auch mit einem Sprühhalsband nicht verhindern. Kommt hinzu, dass 
nach  Art.  76  Abs.  6  der  Tierschutzverordnung  (TSchV),  welcher  am  1.  März 
2018  in  Kraft  getreten  ist,  das  Anwenden  von  Mitteln  zur  Verhinderung  von 
laut 
Laut-  und  Schmerzensäusserungen  verboten 

ist.  Der  Garten  soll 

 
 
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Betriebskonzept  etwa  vier  Stunden  am  Tag  von  den  Hunden  genutzt  werden 
(vier  Gruppen  sollen  viermal  täglich  etwa  10  -  15  Minuten  in  den  Garten 
gelassen  werden).  Es  ist  jedoch  auch  mit  Immissionen  zu  rechnen,  wenn  die 
Hunde  im  Haus  sind,  dringt  doch  das  Bellen  eines  Hundes  –  je  nach  Grösse 
desselben  –  auch  von  innen  nach  aussen,  sowie  wenn  die  Hunde  gebracht, 
abgeholt  und  zum  Spazieren  ausgeführt  werden.  Da  die  geplante  Tierpension 
dauerhaft geöffnet haben soll, steht sie im Konflikt mit dem Ruhebedürfnis der 
Wohnbevölkerung.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich  somit,  dass  die  vorliegend 
beantragte  Tierpension  in  der  Wohnzone  mit  Gewerbeerleichterung  nicht 
zonenkonform ist – selbst wenn die Lärmgrenzwerte grundsätzlich eingehalten 
werden  könnten.  Dies  deckt  sich  sodann  auch  mit  der  Auffassung  des 
Verwaltungsgerichts,  wonach  sich  für  einen  solchen  Betrieb  primär  eine 
Industrie-  und Gewerbezone  eignet  (vgl.  VGr,  9.  Juli  2015, VB.2015.00019, E. 
6.3.2).