# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 52f5c70e-43d6-58ac-88ff-3cf16d9ed507
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-04
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 04.04.2022 200 2021 824
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-824_2022-04-04.pdf

## Full Text

200 21 824 UV
MAK/LUB/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 4. April 2022

Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiber Lüthi

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Suva
Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin

betreffend Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. April 2022, UV/21/824, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1964 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
arbeitet als … … bei der B.________ GmbH und ist dadurch bei der 
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva bzw. Beschwerdegeg-
nerin) obligatorisch unfallversichert. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 
26. April 2021 (Akten der Suva [act. II] 1) leide die Versicherte an einem 
stetigen Pfeifen im linken Ohr, nachdem am 19. April 2021 während des 
ganzen Tages in zehn Meter Entfernung zu ihrem Büro mit einem Bagger 
ein grosser Steinbrocken zerschlagen worden sei, wobei zu Beginn der 
lärmintensiven Zertrümmerung die Fenster offen gestanden hätten (Knall-
Trauma). In der Folge tätigte die Suva diverse Abklärungen. Insbesondere 
holte sie Auskünfte zum Geschehensablauf bzw. zur Hörschädigung bei 
der Versicherten ein (act. II 7) sowie Berichte der behandelnden Ärzte 
(act. II 10 f., 24), eine technische Beurteilung der ALCAK (Arbeitssicherheit 
Gesundheitsschutz Team Akustik; act. II 14) und oto-rhino-laryngologische 
Beurteilungen der Suva, Arbeitsmedizin (act. II 17, 31). Mit Verfügung vom 
9. August 2021 (act. II 34) verneinte die Suva ihre Leistungspflicht für die 
geltend gemachten Hörbeschwerden mangels natürlicher Kausalität. Daran 
hielt sie nach Einsprache (act. II 41) mit Entscheid vom 28. Oktober 2021 
(act. II 45) fest und ergänzte, dass im Übrigen auch der rechtliche Unfall-
begriff (mangels Erfordernis der Plötzlichkeit) nicht erfüllt sei.

B.

Mit Eingabe vom 29. November 2021 erhob die Versicherte Beschwerde 
mit folgenden Rechtsbegehren:

1. Die Suva sei zu verpflichten, die Gehörschädigung vom 19. April 2021 und 
deren gesundheitlichen Folgen als Unfall anzuerkennen und die ärztlich 
verordnete Therapie sowie allfällige Folgebehandlungen zu übernehmen.

2. Alternativ sei die Suva zu verpflichten, den Sachverhalt weiter abzuklären 
und ein unabhängiges medizinisches Gutachten einzuholen.

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Mit Beschwerdeantwort vom 24. Januar 2022 schloss die Beschwerdegeg-
nerin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. 
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 
ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des 
kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege 
[VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 28. Oktober 
2021 (act. II 45). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerde-
führerin auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung in Zusam-
menhang mit dem Ereignis vom 19. April 2021.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi-
cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines 
Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit (Art. 6 Abs. 1 UVG) sowie 
einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem 
Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 147 V 161 E. 3.1 
S. 162, 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181).

2.2 Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung 
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die 
eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge-
sundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).

2.2.1 Mit dem Kriterium der Plötzlichkeit wird ein zeitlicher Rahmen ge-
steckt. Die schädigende Einwirkung muss zwar nicht auf einen blossen 
Augenblick beschränkt sein, jedoch innerhalb eines relativ kurzen, ab-
grenzbaren Zeitraums erfolgen. Die Einwirkung muss plötzlich eingesetzt 
haben und eine einmalige gewesen sein (BGE 140 V 220 E. 5.1 S. 223). 
Dauert die Einwirkung länger als einige Sekunden, wird verlangt, dass es 
sich um einen einzelnen äusseren Faktor handelt, der Gesundheitsschaden 
somit nicht bloss durch die Summe repetitiver (aber für sich allein betrach-
tet unschädlicher) Einwirkungen immer gleicher äusserer Faktoren entsteht 
(Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 6. Mai 2019, 8C_842/2018, 
E. 3.3.3). 

2.2.2 Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objek-
tiven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweili-
gen Lebensbereich alltäglich und üblich ist. Das Merkmal des Ungewöhnli-
chen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vorfall. Einwirkun-
gen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in aller Regel nicht 
als Ursache einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somit allein im 
Innern des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslö-
sung des Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; Unfall 
setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhn-
lich ist, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht fällt (BGE 134 
V 72 E. 4.1 S. 76 und E. 4.1.1 S. 77). Das Begriffsmerkmal der Ungewöhn-

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lichkeit bezieht sich nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern 
nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit 
ist insoweit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwarte-
te Folgen nach sich zog. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere 
Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen 
Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Un-
gewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 S. 79; SVR 2021 UV Nr. 12 S. 60 
E. 4.2, 2020 UV Nr. 3 S. 9 E. 3). Bezieht sich das Begriffsmerkmal der Un-
gewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur 
auf diesen selbst, beurteilt sich die Ungewöhnlichkeit einer Lärm- bzw. 
Schallemission in erster Linie anhand der Schallexpositionspegelwerte 
(Entscheid des BGer vom 17. September 2020, 8C_368/2020, E. 4.3).

2.3 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind 
alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als 
eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit 
eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist 
für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, 
dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher 
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit 
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicher-
ten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge-
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche 
Störung entfiele ("conditio sine qua non"; BGE 147 V 161 E. 3.2 S. 163).

Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen 
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, 
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen 
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu be-
finden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhanges genügt für die 
Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 142 V 435 E. 1 S. 438, 
129 V 177 E. 3.1 S. 181; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1).

2.4 Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ur-
sache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der 
Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, 

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einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt die-
ses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint 
(BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181, 125 V 456 E. 5a S. 461; SVR 2010 UV Nr. 
30 S. 122 E. 5.2).

2.4.1 Bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen deckt sich die 
adäquate Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die 
Adäquanz hat hier praktisch keine selbstständige Bedeutung (BGE 140 V 
356 E. 3.2 S. 358; SVR 2020 UV Nr. 34 S. 137 E. 3.2). Sind die geklagten 
Beschwerden natürlich unfallkausal, aber nicht organisch objektiv 
ausgewiesen, so ist die Adäquanz besonders zu prüfen. Dabei ist vom 
augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls 
weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen. Hat die versicherte Person 
beim Unfall eine Verletzung erlitten, welche die Anwendung der 
Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durch 
BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. präzisierten Kriterien massgebend. Ist 
diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die 
Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem 
Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140; sog. Psycho-
Praxis), anzuwenden (BGE 138 V 248 E. 4 S. 251). 

2.4.2 Bei einem Tinnitus, der sich keiner organisch objektiv 
ausgewiesenen Unfallfolge zuordnen lässt, kann der adäquate 
Kausalzusammenhang zum Unfall, wie bei anderen organisch nicht 
ausgewiesenen Beschwerdebildern, nicht ohne besondere Prüfung bejaht 
werden (BGE 138 V 248; Entscheid des BGer vom 19. Mai 2015, 
8C_96/2015, E. 3.4.2). Liegt kein Schleudertrauma oder ein äquivalentes 
Beschwerdebild vor, so ist die Adäquanz gemäss Rechtsprechung nach 
Massgabe der Psychopraxis zu prüfen (vgl. Entscheid des BGer vom 8. Juli 
2014, 8C_241/2014, E. 4.2). 

2.4.3 Bei psychischen Unfallfolgen setzt die Bejahung des adäquaten 
Kausalzusammenhangs grundsätzlich voraus, dass dem Unfallereignis für 
die Entstehung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit eine mass-
gebende Bedeutung zukommt. Das trifft dann zu, wenn es objektiv eine 
gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht 
fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist gemäss BGE 115 V 133 E. 6 S. 

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138 an das objektiv erfassbare Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus-
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwi-
ckelnden Kräften – eine Katalogisierung der Unfälle in leichte (banale), im 
mittleren Bereich liegende und schwere Unfälle vorzunehmen ist. Die erlit-
tenen Verletzungen können dabei Rückschlüsse auf die Kräfte, die sich 
beim Unfall entwickelt haben, gestatten. Abhängig von der Unfallschwere 
sind je nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Diese 
werden unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 140 V 356 E. 
5.1 S. 359, 129 V 177 E. 4.1 S. 183; SVR 2018 UV Nr. 21 S. 76 E. 4.2, 
2011 UV Nr. 10 S. 36 E. 4.2.2).

2.5 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen 
Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte 
ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz besagt, dass die 
verfügende Instanz den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen, 
aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisan-
träge der Parteien, abklären und feststellen muss. Rechtserheblich sind alle 
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen An-
spruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Ver-
waltungsbehörden zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu 
veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich 
aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht 
(BGE 117 V 282 E. 4a S. 283).

3.

3.1 Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob das Ereignis vom 19. April 
2021 die Merkmale der Plötzlichkeit und der Ungewöhnlichkeit erfüllt und 
mithin ein Unfall im Rechtssinne vorliegt.

Mit Schadenmeldung UVG vom 26. April 2021 (act. II 1) liess die Be-
schwerdeführerin der Suva melden, am 19. April 2021 sei zehn Meter vom 
Büro entfernt an der Hauptstrasse mit einem Bagger ein grosser Steinbro-
cken zerschlagen worden. Dies habe den ganzen Tag angedauert und sei 
sehr lärmintensiv gewesen. Der Schreibtisch befinde sich direkt neben dem 
Fenster. Zu Beginn der lärmintensiven Zertrümmerung des Steinbrockens 

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seien die Fenster offen gestanden. Sehr rasch seien die Fenster geschlos-
sen worden. Seitdem habe sie im linken Ohr ein stetiges Pfeifen (Knall-
Trauma). Diese Ausführungen bestätigte sie im am 3. Mai 2021 unter-
zeichneten Formular "Hörschädigung Unfallereignis" (act. II 7 S. 1 Ziff. 2) 
und vermerkte zudem, angefragt nach der "Lärmquelle/Maschinen", dass 
es sich um einen Bagger mit Aufbauhammer gehandelt habe (act. II 7 S. 1 
Ziff. 1).

3.2 Hinsichtlich des umstrittenen Kriteriums der Plötzlichkeit vertritt die 
Beschwerdeführerin die Auffassung, die Hauptschädigung des Gehörs sei 
im relativ kurzen Augenblick eingetreten, als sie mit geöffnetem Fenster am 
Schreibtisch gesessen habe und direkt vor dem Büro ohne Vorwarnung die 
Steinbearbeitung begonnen habe (Beschwerde S. 6 Ziff. IV. lit. A.). Die 
Beschwerdegegnerin wendet dagegen ein, dies widerspreche den bisheri-
gen Schilderungen der Beschwerdeführerin zum Ereignis insofern, als so-
wohl in der Unfallmeldung als auch im Fragebogen die Rede von der ge-
samten Dauer gewesen sei (Beschwerdeantwort Ziff. III. Ziff. 5.1). Dass die 
Schädigung am Gehör auf einen einzelnen Moment zurückzuführen wäre, 
habe die Beschwerdeführerin noch unter dem Eindruck des tatsächlichen 
Geschehens nicht geschildert. Die abweichende Sachverhaltsdarstellung 
im Beschwerdeverfahren überzeuge nicht.

Dem Einwand der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden. Entge-
gen deren Ansicht hat die Beschwerdeführerin den Sachverhalt durchge-
hend konsistent und gleich geschildert, auch im hiesigen Beschwerdever-
fahren. Sie erwähnte stets, dass zu Beginn der ganztags dauernden Arbei-
ten mit dem Bagger die Fenster offen gestanden hätten und dann rasch 
geschlossen worden seien (vgl. act. II 1, 7 S. 1 Ziff. 2; Beschwerde S. 2 
Ziff. III. Ziff. 1). Wenn sie beschwerdeweise vorbringt, die Schädigung sei 
im kurzen Zeitraum eingetreten, als das Fenster noch offen gestanden ha-
be, ist dies keine abweichende bzw. widersprechende Schilderung des 
massgeblichen Sachverhalts. Aufgrund der schalldämmenden Wirkung von 
Fenstern (im geschlossenen Zustand) war der Schallpegel anfänglich, als 
die Fenster offenstanden, erfahrungsgemäss bedeutend grösser. 

Dauert die Lärmexposition längere Zeit an, fehlt es praxisgemäss an der 
Plötzlichkeit, wenn erst die Summe von wiederholten und kontinuierlichen 

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Einwirkungen des immer gleichen äusseren Faktors in einer Gesundheits-
schädigung resultiert (vgl. E. 2.2.1 hiervor). Insoweit, als am 19. April 2021 
die Zerschlagung/Zertrümmerung des Steinbrockens mit dem Bagger über 
den ganzen Tag andauerte, mithin es über Stunden zu wiederholten und 
kontinuierlichen Schalleinwirkungen kam, ist das Merkmal der Plötzlichkeit 
nicht gegeben. Dies trifft jedoch auf die geltend gemachte, kurzzeitige Lär-
mexposition bei offenem Fenster nicht zu, hat sich doch zu Beginn der Ar-
beiten, wie erwähnt, eine deutlich höhere Lärmbelastung ergeben, als 
während der anschliessenden Zeit, als das Fenster geschlossen war. Es 
handelt sich somit – zunächst – nicht um den immer gleichen äusseren 
Faktor, der eine Gesundheitsschädigung erst dann zu bewirken vermag, 
wenn er sich über eine längere Dauer hinweg aufsummiert. Der Beschwer-
deführerin ist damit insofern zu folgen, als dem Lärmereignis für die kurze 
Zeit, während der das Fenster offenstand, das Merkmal der Plötzlichkeit 
nicht abgesprochen werden kann. 

3.3 Zu prüfen ist daher weiter, ob dieses plötzliche, kurzzeitige Lärmer-
eignis bei offenstehendem Fenster ungewöhnlich war.

3.3.1 Lärm bzw. Baulärm ist im unfallversicherungsrechtlichem Sinn nur 
ungewöhnlich, wenn er bestimmte Schallexpositionswerte erreicht (vgl. 
BGer 8C_368/2020, E. 6.2 f. mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit der 
Prüfung des natürlichen Kausalzusammenhangs unterbreitete die Be-
schwerdegegnerin den Sachverhalt u.a. ihrer internen Organisationseinheit 
ALCAK zur Einschätzung der Schallpegelwerte. Diese nahm vor Ort keine 
Schallmessung mehr vor, da die Bautätigkeit zu diesem Zeitpunkt offen-
sichtlich bereits abgeschlossen war. Stattdessen bestimmte sie in der Ein-
schätzung vom 28. Juni 2021 (act. II 14) die verschiedenen Schallpegel 
gestützt auf eine nicht näher bezeichnete Lärmquellendatenbank der Suva. 
Auf die Einschätzung der ALCAK stützte sich sodann die Suva-Ärztin, 
Dr. med. C.________, Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie, als sie die 
Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang mit Stellungnahmen 
vom 30. Juni (act. II 17) und 5. August 2021 (act. II 31) verneinte; dies, 
nachdem der behandelnde Facharzt die natürliche Kausalität zwischen der 
Schallexposition und dem Tinnitus (zumindest implizit) für gegeben erklärt 
hatte (act. II 11).

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3.3.2 Der Bericht der nicht namentlich genannten Person der ALCAK mit 
dem Kürzel "hek" lautet wie folgt:

"Die vorliegende Beurteilung stützt sich auf Werte der Lärmquellendatenbank der 

Suva. Diese ergaben einen mittleren Schallpegel leq von maximal 100 dB (A) direkt 

an der Lärmquelle (Bagger). In 10 m Entfernung beträgt der Pegel am offenen 

Fenster noch 80 dB (A). Die Versicherte gab an, das (sic) die Fenster sehr rasch 

geschlossen wurde (sic), was eine weitere Reduktion des Schallpegels zur Folge 

hat. Es kann ausgeschlossen werden, dass bei dieser Konstellation Spitzenschall-

pegel Lpeak über 120 dB (C) auftraten."

3.3.3 Nach Angabe der Beschwerdeführerin in der Unfallmeldung vom 
26. April 2021 (act. II 1) wurde mithilfe eines Baggers ein Felsbrocken zer-
kleinert. Erst im Fragebogen "Hörschädigung Unfallereignis" erwähnte sie 
am 3. Mai 2021 auf ausdrückliche Frage nach der Lärmquelle bzw. der 
Maschine einen Bagger mit Hammeraufsatz (act. II 7 S. 1 Ziff. 1). Es be-
steht kein Anlass, an dieser ergänzenden Angabe, wonach der Felsbro-
cken mit einem Hydraulikhammer als Bagger-Anbaugerät zertrümmert 
wurde, zu zweifeln. Anderweitiges wird denn auch nicht geltend gemacht. 

Unklar ist hingegen, ob sich die ALCAK in ihrer Einschätzung vom 28. Juni 
2021 (act. II 14), in der sie als Lärmquelle bloss einen "Bagger" nennt, auf 
Lärmemissionen eines (Schaufel-)Baggers bezieht, wie er erfahrungs-
gemäss zum Lösen und Bewegen von Erdmasse, insbesondere zum Aus-
heben und Füllen von Baugruben und Schächten verwendet wird (und der 
umgangssprachlich schlicht "Bagger" genannt wird), oder ob ein Bagger mit 
hydraulischem Hammer- bzw. Meisselaufsatz gemeint ist, der zum Abbruch 
oder zur Zerkleinerung von gröberem Gestein, Felsblöcken oder Betontei-
len gebraucht wird und weit grössere Schallpegel erreicht. 

Ebenfalls unklar ist, auf welche Schallpegeltabelle der Lärmdatenbank der 
Suva (<www.suva.ch> Rubrik: Prävention/Sachthemen/Lärm und Vibratio-
nen/Verzeichnis der Schallpegeltabellen) sich die ALCAK gestützt hat. Soll-
te sie etwa naheliegenderweise diejenige des Baugewerbes 
(<www.suva.ch> Rubrik: Prävention/Sachthemen/Lärm und Vibrationen/
Material/Schallpegeltabellen/Schallpegeltabelle: Baugewerbe) herangezo-
gen haben, fällt diesbezüglich weiter auf, dass diese nur einen einzigen 

https://de.wikipedia.org/wiki/Baugrube

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Wert für die jeweilige Bagger-Art (Hydraulik-Bagger, Bagger mit Meissel, 
Bagger usw.) zu enthalten scheint, obschon es auf dem Markt eine Vielzahl 
von diesen Baumaschinen unterschiedlichster Hersteller, Bauart, Grös-
se/Dimension und Leistung gibt, die dementsprechend auch unterschiedli-
che Schallpegel (beim Zertrümmern von Steinbrocken) erreichen. Für den 
Fall, dass dies nicht zuträfe – demnach in Abweichung von der öffentlich 
einsehbaren Tabelle der Suva mehrere Baumaschinentypen zur Auswahl 
stünden –, hätte die ALCAK wohl zufällig, aufgrund von Mutmassungen, 
einen einzelnen Wert ausgewählt gehabt und ihren Erfahrungswerten zu-
grunde gelegt. Auch wenn für einen Laien nur schwer nachvollziehbar ist, 
dass das geschilderte Ereignis vom 19. April 2021 – Zertrümmerung eines 
grossen Steinbrockens in zumindest zehn Meter Entfernung, unabhängig 
davon mit welcher Baumaschine – überhaupt geeignet sein soll einen Tin-
nitus zu verursachen, kann das Gericht unter diesen Umständen nicht prü-
fen, ob korrekt vorgegangen wurde, zumal die von der ALCAK verwendete 
Lärmquellendatenbank bzw. Schallpegeltabelle in den Akten der Be-
schwerdegegnerin nicht einmal auszugsweise wiedergegeben wird. Auch 
lässt sich anhand der Akten nicht feststellen, welche Art bzw. welcher (Her-
steller-)Typ Baumaschine am 19. April 2021 tatsächlich im Einsatz war. 
Ebenso wenig lassen sich den Akten Angaben zum zertrümmerten Stein-
brocken entnehmen. Dies ist ebenfalls von Bedeutung, hat doch die Ge-
steinsbeschaffenheit (Härte, Porösität, Zusammensetzung) auch Einfluss 
auf die bei der mechanischen Bearbeitung entstehenden Schallwerte.

3.3.4 Zwar ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass die Be-
schwerdegegnerin auf Erfahrungswerte abgestellt hat, da eine Messung 
des Lärms vor Ort inzwischen nicht mehr möglich war. Unter den genann-
ten Umständen bestehen aber erhebliche Zweifel, ob die Beschwerdegeg-
nerin die Sachverhaltsabklärungen hinreichend sorgfältig vorgenommen 
hat. Gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin bzw. den Bericht 
der ALCAK vom 28. Juni 2021 (act. II 14) können jedenfalls weder die Fra-
ge der Ungewöhnlichkeit noch jene der natürlichen Kausalität zuverlässig 
beantwortet werden. Indem die Beschwerdegegnerin es unterliess, ihre 
Abklärungen zu belegen und zu dokumentieren, hat sie den Untersu-
chungsgrundsatz (vgl. E. 2.5 hiervor) verletzt.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. April 2022, UV/21/824, Seite 12

3.4 Nach dem Dargelegten ist der angefochtene Einspracheentscheid 
vom 28. Oktober 2021 (act. II 45) in Gutheissung der Beschwerde aufzu-
heben und die Sache dem Eventualantrag entsprechend an die Beschwer-
degegnerin zurückzuweisen, damit sie nach Vornahme der Abklärungen im 
Sinne der Erwägungen neu verfüge.

4.

4.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG 
(Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben.

4.2 Trotz ihres Obsiegens hat die nicht vertretene Beschwerdeführerin 
nach konstanter Praxis keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da 
der Aufwand zur Wahrung ihrer Interessen den Rahmen dessen nicht 
überschritten hat, was der Einzelne üblicher- und zumutbarerweise zur Be-
sorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat 
(BGE 127 V 205 E. 4b S. 207; SVR 2019 KV Nr. 7 S. 51 E. 9.2.1).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspra-
cheentscheid der Suva vom 28. Oktober 2021 aufgehoben und die Sa-
che an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach 
Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien-
tschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. April 2022, UV/21/824, Seite 13

3. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Suva  
- Bundesamt für Gesundheit

Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.