# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 254f7cad-8fa1-5be5-b1c4-3a4917dd0fd0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.08.2010 E-5901/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5901-2008_2010-08-05.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5901/2008/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, 
Richter François Badoud, 
Gerichtsschreiber Nicholas Swain.

A._______,
B._______,
C._______,
Armenien,
alle vertreten durch Isabelle A. Müller, Rechtsanwältin,
(...)
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 18. August 2008 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5901/2008

Sachverhalt:

A.
Mit Urteil vom 27. August 2004 wies das damals zuständige Bundes-
amt für Flüchtlinge (BFF) die Asylgesuche der Beschwerdeführenden 
vom 23.  Februar  2004  ab  und  ordnete  deren  Wegweisung  aus  der 
Schweiz sowie den Vollzug an. 

B.
Mit Urteil vom 23. Oktober 2006 hiess die Schweizerische Asylrekurs-
kommission (ARK) die gegen die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen 
Verfügung  gerichtete  Beschwerde  der  Beschwerdeführenden  vom 
29. September  2004 gut  und wies  die  Sache zur Neubeurteilung an 
die Vorinstanz zurück. 

C.
Am 11. Januar  2007 fanden  zusätzliche Anhörungen der  Beschwer-
deführerin sowie des Sohnes B._______ statt. Die Beschwerdeführerin 
reichte  bei  dieser  Gelegenheit  eine  Bestätigung  der  „(...)“  vom  21. 
November  2006,  einen  Bericht  der  heilpädagogischen  Tagesschule 
D._______  vom  24.  Dezember  2006  und  Berichte  von  Dr.  med. 
E._______, F._______, vom 23. Dezember 2006 sowie von Dr. med. 
G._______, H._______, vom 22. Dezember 2006 zu den Akten. 

D.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 8. Februar 2007 reichten die 
Beschwerdeführenden ein an eine Freundin  in  Armenien gerichtetes 
Schreiben vom 18. Januar 2007 in Kopie, betreffend Beschaffung der 
geforderten Dokumente,  inklusive Postquittung,  ein  und führten aus, 
die Adressatin sei aufgrund familiärer Verpflichtungen derzeit kaum in 
der Lage, diese Beweismittel zu beschaffen. Im Weiteren ersuchten sie 
darum, es sei ihnen im Falle eines negativen Verfahrensausgangs vor 
der Entscheidfällung Akteneinsicht zu gewähren. 

E.
Einer  Vorladung  des  BFM  zu  einem  Treffen  mit  einer  armenischen 
Delegation am 26. Februar 2007 leistete die Beschwerdeführerin keine 
Folge. Mit Schreiben vom 1. März 2007 teilte die Fremdenpolizei des 
Kantons I._______ dem BFM unter Beilage eines Bestätigungsschrei-
bens des Kinderspitals J._______ vom 28. Februar 2007 mit, dass der 

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Sohn  C._______  der  Beschwerdeführerin  am  24. Februar  2007 
unverzüglich habe hospitalisiert werden müssen.

F.
Mit  Eingabe  vom  24.  Mai  2007  reichten  die  Beschwerdeführenden 
einen  Arztbericht  von  Dr. med.  G._______,  H._______.vom 17.  Mai 
2007 ein. 

G.
Mit  Schreiben  vom  13.  August  2008  gewährte  die  Vorinstanz  den 
Beschwerdeführenden entsprechend ihrem Begehren vom 8. Februar 
2007 Akteneinsicht.

H.
Mit  Verfügung  vom 18.  August  2008  stellte  das  BFM fest,  dass  die 
Punkte 1 bis 3 der Verfügung vom 27. August 2004 rechtskräftig seien. 
Ferner bezeichnete es den Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführen-
den aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Auf die detaillierte Begrün-
dung wird -  soweit  entscheidwesentlich – in den Erwägungen einge-
gangen.

I.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 14. September 2008 liessen 
die Beschwerdeführenden Beschwerde gegen diese Verfügung erhe-
ben und beantragten, die Ziffern 2 bis 4 derselben seien aufzuheben 
und es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumut-
bar sei und ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessu-
aler Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege  und  um Verzicht  auf  die  Erhebung eines  Kostenvorschusses. 
Auf die Begründung wird - soweit entscheidwesentlich – in den Erwä-
gungen eingegangen.

J.
Mit Zwischenverfügung vom 23. September 2008 hiess der zuständige 
Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  ge-
mäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  gut und verzich-
tete  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. 
Gleichzeitig  wurde  das  BFM zur  Einreichung  einer  Vernehmlassung 
eingeladen.

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K.
In ihrer Vernehmlassung vom 24. September 2008 hielt die Vorinstanz 
an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwer-
de.

Die Vernehmlassung des BFM wurde den Beschwerdeführenden mit 
Sendung  vom  7.  Oktober  2008  ohne  Replikrecht  zur  Kenntnis 
gebracht.

L.
Mit Eingabe vom 20. November 2008 reichten die Beschwerdeführen-
den  ein  fallspezifisches  Gutachten  der  Schweizerischen  Flüchtlings-
hilfe  (SFH)  zu  den  Behandlungsmöglichkeiten  in  Armenien  vom 
19. November 2008 zu den Akten.

M.
Mit Eingabe vom 31. August 2009 reichten die Beschwerdeführenden 
einen  Bericht  des  Sozialzentrums K._______  vom 21. August  2009, 
einen  Lehrvertrag  des  Sohnes  B._______ vom 14. Mai  2009,  einen 
Arbeitsvertrag der Beschwerdeführerin sowie eine Kopie der Honorar-
note ihrer Rechtsvertreterin vom 31. August 2009 ein.

N.
Mit  Eingabe  vom  2.  März  2010  reichten  die  Beschwerdeführenden 
folgende Dokumente ein:

- Bericht  der  L._______  Privatschule,  M._______,  vom 31.  Januar 
2010 über die Schulzeit des Sohnes B._______, 

- Schreiben der Bildungsdirektion Kanton J._______ vom 3. Juli 2009 
und  vom 22.  Januar  2010  betreffend  Lehrvertrag  von  B._______ 
beziehungsweise dessen Auflösung,

- Schreiben  der  Volkswirtschaftsdirektion  des  Kantons  J._______ 
vom  30. September  2009  und  Schreiben  der  N._______  AG, 
J._______,  vom 8.  Oktober  2009  betreffend  Auflösung  des  Lehr-
vertrags von B._______,

- Arbeitsbestätigung der N._______ AG vom 9. Oktober 2009,
- 3 Unterstützungsschreiben zugunsten von B._______,
- Arbeitszeugnis  der  O._______  AG,  P._______,  vom  26.  Januar 

2010,
- Arbeitszeugnis von Herrn Q._______, Arbeitgeber der Beschwerde-

führerin vom 4. Februar 2010,

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- 2  Referenzschreiben  zugunsten  der  Beschwerdeführerin  vom 
25. und 27. Januar 2010.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört 
zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwal -
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und 
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legi -
timiert (Art. 108 AsylG sowie 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Die Verfügung des BFF vom 27. August 2004 ist soweit die Frage des 
Asyls  und  der  Flüchtlingseigenschaft  betreffend  unangefochten  in 
Rechtskraft erwachsen. Im Urteil der ARK vom 23. Oktober 2006 wur-
de eine Neubeurteilung nur hinsichtlich der Frage des Wegweisungs-
vollzugs angeordnet. Gegenstand der angefochtenen  vorinstanzlichen 
Verfügung vom 18. August 2008 sowie des vorliegenden Beschwerde-
verfahrens bildet  somit  lediglich die  Frage,  ob anstelle  des Wegwei-
sungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  ist  (vgl.  Art.  44 

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Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  2-4  des  Bundesgesetzes  vom 
16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

4.  
4.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

4.2 Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei -
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet  (Art.  44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 

5.
5.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. AuG).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

6.
6.1 Das Bundesamt führte zur Begründung der angefochtenen Verfü-
gung  aus,  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  B._______  hätten 
anlässlich der ergänzenden Befragungen vom 11. Januar 2007 derart 
ausweichende Angaben zu ihrer Wohnadresse in R._______, dem Ver-
bleib des Ehemanns beziehungsweise Vaters, sowie zu ihren Bezugs-
personen  im  Heimatstaat  gemacht,  dass  weitere  Abklärungen  nicht 
möglich seien. Zudem hätten sie sich nicht  in zumutbarer Weise um 
die Beschaffung von Identitätsdokumenten und weiteren Beweismitteln 
bemüht. Insbesondere sei als tatsachenwidrig zu bezeichnen, dass die 
Beschwerdeführerin angeblich in R._______ nicht registriert gewesen 
sei.  Dem  eingereichten  Dokument  eines  armenischen  Spitals  vom 

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21. November  2006  sei  wegen  dessen  Form kein  Beweiswert  zuzu-
messen  und  es  könnten  aufgrund  dessen  rudimentären  Inhalts 
gestützt darauf keine weiteren Abklärungen vorgenommen werden. Im 
Weiteren sei die Beschwerdeführerin einem vorgesehenen Treffen mit 
einer  armenischen  Delegation  am 26.  Februar  2007  ohne  überzeu-
gende  Begründung  ferngeblieben.  Auch  unter  Berücksichtigung  des 
Umstands,  dass  ihr  Sohn  C._______  an  diesem Tag in  Spitalpflege 
gewesen sei, wäre ihr die Einhaltung des Termins zumutbar gewesen. 
Das Verhalten der Beschwerdeführenden sei dahingehend zu deuten, 
dass  sie  ihrer  Mitwirkungspflicht  nicht  nachkommen  und  absichtlich 
ihre  Identifizierung  sowie  weitere  Abklärungen  verunmöglichen  wür-
den.  Die  von  der  ARK  im  Urteil  vom 23.  Oktober  2006  angeregten 
Abklärungen  könnten  demnach  nicht  durchgeführt  werden.  Es  sei 
somit  anzunehmen,  dass  die  Beschwerdeführenden  kein  Interesse 
daran  hätten,  wahrheitsgetreue  Angaben  zu  ihrem  sozialen  Bezie-
hungsnetz und ihren Lebensverhältnissen zu machen und folglich sei 
davon  auszugehen,  dass  sie  entgegen  ihren  Angaben  in  Armenien 
über eine gewisse Infrastruktur  und ein soziales Netz verfügen wür-
den. Im Weiteren sei in Armenien der Zugang behinderter Kinder zu 
medizinischen und schulischen Leistungen in staatlichen Institutionen 
gewährleistet und die Kosten der Behandlung werde vom Staat über-
nommen.  Es  seien  adäquate  medizinische  Strukturen  vorhanden. 
Darüber  hinaus  werde  Unterstützung  durch  eine  grosse  Zahl  von 
NGOs und Hilfswerken angeboten.

6.2 Die  Beschwerdeführenden  stellten  sich  in  ihrer  Beschwerdeein-
gabe auf den Standpunkt, sie hätten durchaus überprüfbare Angaben 
gemacht und ein Beweismittel eingereicht. Diese ärztliche Bestätigung 
weise die in Armenien übliche Form auf. Angesichts des Fehlens einer 
schweizerischen Vertretung in Armenien sei ohnehin fraglich, ob ent-
sprechende  Abklärungen  möglich  wären.  Im  Weiteren  habe  die  Be-
schwerdeführerin für ihre Absenz beim Termin vom 26. Februar 2007 
eine  begründete  Entschuldigung  abgegeben.  Ihr  Sohn  C._______, 
welcher nicht sprechen könne, sei während der Dauer seines Spital-
aufenthalts  auf  eine  dauernde  Begleitung  angewiesen  gewesen. 
Zudem hätten zu dieser Zeit intensive Gespräche mit den behandeln-
den  Ärzten  über  die  Ursachen  von  dessen  Krampfanfällen  und  die 
mögliche Behandlung stattgefunden. Unter diesen Umständen könne 
aus ihrem Nichterscheinen nicht auf mangelnde Kooperation geschlos-
sen  werden.  Die  Einschätzung  des  BFM  betreffend  die  Möglichkeit  
einer  adäquaten  Behandlung  der  gesundheitlichen  Probleme  des 

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Sohns C._______ im Heimatstaat stehe im Widerspruch zu den ent-
sprechenden Ausführungen im Urteil der ARK vom 23. Oktober 2006. 
Es  sei  zu  berücksichtigen,  dass  die  medizinische  Behandlung  mit 
zunehmendem Alter des Kindes teurer werde. Zudem sei fraglich, ob 
im Heimatstaat eine gezielte heilpädagogische Förderung, wie er sie 
in der Schweiz erfahre, möglich wäre. Der Wegweisungsvollzug würde 
einen  schweren  Bruch  in  seiner  Entwicklung  bedeuten.  Ferner  sei 
auch die Beschwerdeführerin  wegen Symptomen einer  posttraumati-
schen Belastungsstörung sowie diversen körperlichen Beschwerden in 
therapeutischer  Behandlung,  und  es  sei  zu  befürchten,  dass  sie  im 
Falle  einer  erzwungenen  Rückkehr  die  erlangte  Stabilität  verlieren 
würde. Schliesslich habe der Sohn B._______ prägende Jugendjahre 
in  der  Schweiz  verbracht  und  habe  sich  schulisch  und  kulturell  gut 
integriert.     

7.
7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtung-
en der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers 
in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen 
(Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.2 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwer-
deführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

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dung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements 
im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr 
der  Beschwerdeführenden  nach  Armenien  ist  demnach  unter  dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-
renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall 
einer Ausschaffung nach Armenien dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müssten die  Beschwerdeführenden eine konkrete 
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im 
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung dro-
hen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil  
vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124-127,  mit 
weiteren Hinweisen ). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in 
Armenien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt kla-
rerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der 
Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völ-
kerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März  2002,  BBl  2002  3818).  Neben  einer  konkreten  Gefährdung 
können aber auch andere Umstände im Heimat- oder Herkunftsstaat 
dazu  führen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  -  aus  humanitären 
Überlegungen  -  nicht  zumutbar  ist. So kann  sich  der  Wegweisungs-
vollzug gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG auch aus medizinischen Grün-
den als  unzumutbar  erweisen,  was aber  grundsätzlich  nur  dann der 
Fall ist, wenn für die betroffene Person bei einer Rückkehr in ihre Hei -
mat eine wesentliche medizinische Behandlung nicht erhältlich wäre. 
Der  Umstand alleine,  dass  die  Spitalinfrastruktur  oder  das medizini -
sche Fachwissen im Heimatstaat nicht dasselbe Niveau aufweisen wie 
in der Schweiz, führt praxisgemäss nicht zur Unzumutbarkeit des Weg-

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weisungsvollzugs. Von einer solchen Unzumutbarkeit ist erst dann aus-
zugehen,  wenn  die  ungenügende  Möglichkeit  der  Weiterbehandlung 
eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes nach sich zieht. Bei der Prüfung der Voraussetzungen 
von Art.  83  Abs. 4 AuG sind humanitäre  Überlegungen im Einzelfall 
gegen andere öffentliche Interessen abzuwägen, die allenfalls für den 
Vollzug  der  Wegweisung  sprechen  würden,  was  den  Asylbehörden 
einen  Ermessensspielraum lässt. Entsprechend bilden etwa gesund-
heitliche  Probleme,  welche  für  sich  allein  betrachtet  den  Wegwei-
sungsvollzug  nicht  bereits  als  unzumutbar  erscheinen  lassen,  ein 
Beurteilungselement, welches in die vorzunehmende Interessenabwä-
gung einbezogen werden muss und zusammen mit weiteren humanitä-
ren Aspekten zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs  führen  kann  (vgl.  zum  Ganzen  EMARK  2004  Nr.  7  E. 5d 
S. 50 ff.; 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b S. 157 f.; 2001 Nr. 16 E. 6b S. 123).

7.4
7.4.1 Den zu den Akten gereichten ärztlichen Berichten ist zu entneh-
men,  dass der  Sohn C._______ der  Beschwerdeführerin unter  einer 
schweren geistigen und körperlichen Behinderung leidet. Es  wurden 
bei ihm eine schwere allgemeine Entwicklungsverzögerung mit fehlen-
der  Sprachentwicklung  sowie  ataktischen  Bewegungsstörungen  und 
Muskelzuckungen (Myoklonien) und einem alternierenden beidseitigen 
Schielen diagnostiziert. Zudem hat er mehrmals epileptische  Krampf-
anfälle  erlitten.  Es  besteht  der  Verdacht  eines  Angelman-Syndroms. 
C._______ benötigt regelmässige neurologische und epileptische Kon-
trollen sowie eine dauernde medikamentöse anti-epileptische Therapie 
mit entsprechender Überwachung (Schreiben von Dr. med. G._______, 
H._______, vom 20. August 2008, 17. Mai 2007, 22. Dezember 2006, 
14. September  2005  und  1.  März  2005;  Berichte  des  Kinderspitals 
J._______  vom  9.  Juli  2008,  13.  April  2007,  25.  Oktober  2005, 
9. November  2004,  2. September  2004  und  23.  April  2004).  Zudem 
besucht er seit 2006 die Tagesschule im Heilpädagogischen Zentrum 
D._______,  wo er  nebst  einer  heilpädagogischen Förderung Physio-
therapie und Logopädie erhält. Es wird festgestellt,  dass ein Wegfall 
dieser Massnahmen zu einem schweren Bruch in seiner Entwicklung 
führen  würde (Berichte  des heilpädagogischen Zentrums D._______ 
vom 25. August 2008 und 24. Dezember 2006).

7.4.2 Gemäss Erkenntnissen des Gerichts gehören behinderte Kinder 
unter  18  Jahren zu  den durch das  armenische staatliche  Unterstüt-

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zungsprogramm  BBP  (basic  benefits  package)  festgelegten  sozial 
gefährdeten  Gruppen  („vulnerable  groups“),  welche  grundsätzlich 
Anspruch auf kostenlose medizinische Behandlung und den unentgelt -
lichen Bezug von gewissen Medikamenten haben. Zu den Medikamen-
ten  auf  der  „essential  drugs  list“  (Liste  der  Basismedikamente,  die 
theoretisch kostenfrei sein sollten) gehören auch solche zur Behand-
lung von Epilepsie. Indessen ist gerade im Gesundheitswesen die Kor-
ruption  weit  verbreitet,  und  es  werden  häufig  informelle  Zahlungen 
auch für eigentlich unentgeltliche Leistungen verlangt. Es kommt daher 
verbreitet vor, dass bedürftige Personen eine ihnen theoretisch unent-
geltlich  zustehende  Behandlung  mangels  finanzieller  Mittel  nicht  in 
Anspruch nehmen können. Das Bekenntnis zu einem frei zugänglichen 
Gesundheitswesen besitzt  folglich vorwiegend deklarativen Charakter 
(vgl. Country  of  Return Information Project,  Country  Sheet Armenia, 
Juni 2009, S. 78 ff., Internal Displacement Monitoring Centre, Armenia; 
Need to monitor progress towards durable solutions, 23. Februar 2010, 
S. 6; HAKOBYAN ET AL. (2006): Armenia, Health System Review. In: Health 
systems in transitions. Vol.8,  No.6. European Observatory on Health 
Systems and Policies [Hrsg.], S. 31 ff.). 

7.4.3 Demnach ist davon auszugehen, dass die vom Sohn C._______. 
benötigten  antiepileptischen  Medikamente  in  seinem  Heimatland 
grundsätzlich erhältlich sind. Ob die notwendigen regelmässigen Kon-
trollen  in  Armenien  durchgeführt  werden  können,  erscheint  fraglich 
(Gutachten der SFH-Länderanalyse,  DR. TESSA SAVVIDIS, 19. November 
2008). Es muss zudem damit gerechnet werden, dass die Beschwer-
deführenden zumindest einen Teil der Kosten der Medikamente sowie 
der Behandlung von C._______ selber tragen müssten. 

Aufgrund der Aktenlage muss jedoch bezweifelt werden, dass die Be-
schwerdeführerin in der Lage wäre, die dafür notwendigen finanziel len 
Mittel aufzubringen, zumal es sich bei der Erkrankung von C._______ 
um  ein  chronisches  Leiden  mit  unbestimmter  Behandlungsdauer 
handelt.  Die  Aufnahme einer  eigenen  Erwerbstätigkeit  dürfte  für  die 
Beschwerdeführerin aufgrund der Notwendigkeit, die Betreuung ihres 
Sohnes  sicherzustellen,  sowie  in  Anbetracht  ihrer  bloss  geringen 
beruflichen Qualifikationen und der hohen Arbeitslosenquote in Arme-
nien kaum möglich sein. Zudem ist zu berücksichtigen, dass sie wegen 
psychosomatischen  Symptomen  und  einer  posttraumatischen  Belas-
tungsstörung selbst  in ärztlicher und psychologischer Behandlung ist 
(Bericht von Dr. S._______, T._______, vom 28. August 2008; Bericht 

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von Dr. med. E._______, F._______ vom 23. Dezember 2006) und die 
erzwungene Rückkehr in den Heimatstaat allenfalls gar zu einer Ver-
stärkung ihrer psychischen Symptome führen dürfte. Es kann im Wei -
teren nicht davon ausgegangen werden, dass der inzwischen volljährig 
gewordene Sohne B._______ in der Lage wäre, die erforderliche Hilfe 
zu  leisten,  da  er  noch  über  keine  Berufsausbildung  und  nur  über  
geringfügige berufliche Erfahrung verfügt. 

Aufgrund dieser Umstände ist in Übereinstimmung mit dem Urteil der 
ARK vom 23.  Oktober  2006  festzustellen,  dass  die  Beschwerdefüh-
rerin nur mithilfe finanzieller und tätiger Unterstützung eines tragfähi-
gen sozialen Netzes in der Lage wäre, die allfälligen Kosten der medi-
zinischen Behandlung ihres Sohnes C._______ zu tragen, die notwen-
dige  Betreuung  sicherzustellen  sowie  eine  wirtschaftliche  Existenz 
aufzubauen. 

7.4.4 Gemäss eigenen Aussagen verfügen die Beschwerdeführenden 
in ihrem Herkunftsland über kein familiäres Netz. Diese Angaben sind 
zwar  in  Zweifel  zu  ziehen,  nachdem  bereits  im  ARK-Urteil  vom 
23. Oktober  2006 festgestellt  wurde,  dass  die  Beschwerdeführenden 
den schweizerischen Asylbehörden gewisse Informationen, namentlich 
über den Verbleib des Ehemanns beziehungsweise Vaters, vorenthal-
ten haben und sie zudem ihren Obliegenheiten im Zusammenhang mit 
den von der Vorinstanz getroffenen Massnahmen zu der von der ARK 
geforderten näheren Sachverhaltsabklärung nicht hinreichend nachge-
kommen sind. Jedenfalls ist aber festzustellen, dass - auch wenn die 
Beschwerdeführenden  möglicherweise  nähere  Kenntnisse  über  den 
Verbleib  des Ehemanns/Vaters  haben  -  nicht  sichergestellt  ist,  dass 
dieser in der Lage und Willens wäre, ihnen die notwendige Unterstüt-
zung zukommen zu  lassen. Ferner  liegen  keine  konkreten Hinweise 
dafür vor, dass sie entgegen ihren Aussagen darüber hinaus in ihrem 
Heimatland über Bezugspersonen verfügen, auf deren Unterstützung 
sie  sich  verlassen  könnten.  Aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage 
erscheint somit nicht gewährleistet, dass die Beschwerdeführenden in 
ein gesichertes und tragfähiges familiäres Umfeld zurückkehren könn-
ten,  welches  die  von  ihnen  benötigte  persönliche  Unterstützung 
sicherstellen könnte.

7.4.5 Zusammenfassend gelangt das Gericht aufgrund einer Gesamt-
abwägung  aller  dargelegten  massgeblichen  Elemente  zum  Schluss, 
dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  C._______  im  Falle  der 

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Rückschaffung in ihren Heimatstaat einer existenziellen Gefährdung in 
gesundheitlicher  und  wirtschaftlicher  Hinsicht  ausgesetzt  wären  und 
sich daher der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erweist.

7.5 Der  Sohn  B._______  der  Beschwerdeführerin,  welcher  am  (...) 
volljährig geworden ist,  kann nicht in die vorläufige Aufnahme seiner 
Mutter und seines Bruders einbezogen werden, da der asylrechtliche 
Familienbegriff  nur  Ehegatten  und  minderjährige  Kinder  umfasst 
(Art. 1a  Bst.  e  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). B._______ war im Zeitpunkt 
der Einreise in die Schweiz (...)-jährig. Den eingereichten Dokumenten 
kann entnommen werden, dass ihm in der Schweiz eine bemerkens-
wert gute Integration gelungen ist. Er besuchte in den Jahren 2007 bis 
2009 die Sekundarstufe in  der  Privatschule  (...),  wo er sich gemäss 
vorliegenden Berichten sozial gut integriert hat, viel Einsatz und Leis-
tungswillen  zeigte  und  bei  Schülern  und  Lehrerschaft  beliebt  war 
(Berichte  des  Schulleiters  vom  8.  September  2008  und  31. Januar 
2010). Es gelang ihm in der Folge, eine Lehrstelle als Zahntechniker 
bei  der  N._______  AG,  J._______,  zu  finden.  Das  Lehrverhältnis 
musste jedoch wegen verweigerter Bewilligung seitens der kantonalen 
Behörden aufgrund des Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers auf-
gelöst  werden. Daraufhin  hat  er  eine  befristete  Praktikumsstelle  bei 
der  O._______ AG, P._______ angetreten. Beide Arbeitgeber  haben 
ihm  in  ihren  Arbeitszeugnissen  gute  Arbeitsleistungen,  Fleiss  und 
Pünktlichkeit sowie ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Mitarbei-
tenden bescheinigt (Arbeitsbescheinigung N._______ AG vom 9. Okto-
ber 2009, Beurteilung der O._______ AG vom 26. Januar 2010). Wei-
tere  Referenzschreiben  von  Bekannten  nehmen  ebenfalls  in  aus-
schliesslich positiver Weise zu seiner Integration und seinem sozialen 
Verhalten Stellung.

Es  kann  somit  festgestellt  werden,  dass  B._______  den  für  das 
anstehende Berufsleben wesentlichen Teil der Sozialisation in der hie-
sigen Kultur erlebt hat. Aus den Akten geht nicht hervor, dass er in den 
über sechs Jahren seines Aufenthaltes in  der  Schweiz eine mit  den 
hiesigen Bindungen vergleichbare Beziehung mit Bezugspersonen sei-
nes Heimatlandes hat unterhalten können. Er würde heute somit aus 
einer Lebensstruktur  herausgerissen,  welche sich erheblich von der-
jenigen  in  Armenien  unterscheiden  dürfte  und  welche  während  der 
letzten  Jahre  seine  Persönlichkeitsentwicklung  und  seinen  Alltag 
geprägt  hat. Da er seit  mehr als sechs Jahren im Kanton I._______ 

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lebt,  dort  die  Schule  besucht,  eine  Ausbildung  geplant  und  sich  in 
sozialer Hinsicht überdurchschnittlich integriert hat, dürfte er an diese 
Kultur und Lebensweise assimiliert sein. Wie bereits erwähnt, kann die 
Verwurzelung in der Schweiz eine reziproke Wirkung auf die Frage der 
Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke 
Assimilierung  in  der  Schweiz  eine  Entwurzelung  im Heimatstaat  zur 
Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als 
unzumutbar  erscheinen  lässt.  Angesichts  der  weit  fortgeschrittenen 
Integration B._______, der während fast sechseinhalb Jahren erfolg-
ten,  sämtliche Lebensbereiche betreffenden Prägung,  dem bevorste-
henden Abbruch der persönlichen Beziehungen zu seinen Familienan-
gehörigen sowie der beruflichen Projekte zeichnet sich vorliegend eine 
solche, mit  dem Zumutbarkeitsgedanken nicht zu vereinbarende Ent-
wurzelungssituation geradezu ab. Zusammenfassend kommt das Bun-
desverwaltungsgericht deshalb zum Schluss, dass auch ein Wegwei-
sungsvollzug des Sohnes B._______ heute als unzumutbar zu gelten 
hat.

7.6 Im Übrigen liegen gemäss Aktenlage keine Gründe für den Aus-
schluss von der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG vor. 
Somit  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  vorläufigen 
Aufnahme erfüllt. 

8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfü-
gung der Vorinstanz vom 18. August 2008 ist aufzuheben. Das BFM ist 
anzuweisen,  die  Beschwerdeführenden  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen  (vgl. 
Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG).

9.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) 

10.
Sodann  ist  den  vertretenen  Beschwerdeführenden  angesichts  ihres 
Obsiegens  in  Anwendung von Art.  64  VwVG und  Art.  7  Abs. 1  des 
Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä-
digungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) 
eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Par-
teikosten  zuzusprechen.  Diese  wird  unter  Berücksichtigung  der  als 
angemessen zu erachtenden Kostennote ihrer Rechtsvertreterin  vom 

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31. August  2009  sowie  der  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungs-
faktoren (Art. 9-13 VGKE) auf pauschal Fr. 2'500.– (inklusive Auslagen 
und Mehrwertsteueranteil) festgesetzt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 18. August 2008 wird aufgehoben. Das 
BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden in der Schweiz vor-
läufig aufzunehmen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Das BFM wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  für  das  Ver-
fahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in 
der Höhe von Fr. 2'500.– auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde. 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Nicholas Swain

Versand: 

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