# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 40256c2c-491a-5317-9d20-e465389d1ed9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.08.2010 D-5522/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5522-2010_2010-08-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5522/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richter Walter Lang;
Gerichtsschreiberin Corinne Krüger.

A._______, geboren (...), 
Nigeria,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 26. Juli 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5522/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer,  ein  katholischer  Haussa  mit  letztem 
Wohnsitz in B._______ (C._______ State), seinen Heimatstaat Nigeria 
eigenen Angaben zufolge am 3. oder  4. März 2010 verliess und am 
21. März 2010 illegal in die Schweiz einreiste,

dass  er  am  21. März  2010  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum 
D._______ um Asyl nachsuchte, von wo aus er am 24. März 2010 ins 
Transitzentrum E._______ transferiert wurde,

dass  das  BFM  am  1. April  2010  im  Transitzentrum  E._______  die 
Personalien des Beschwerdeführers  erhob und ihn summarisch zum 
Reiseweg sowie zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes 
befragte,

dass das BFM dem Beschwerdeführer am 8. April 2010 das rechtliche 
Gehör zu einem möglichen Dublin-Verfahren gewährte,

dass ihn das BFM am 23. Juli 2010 einlässlich zu seinen Asylgründen 
anhörte,

dass  der  1960  geborene  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines 
Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  stamme  aus 
B._______ (C._______ State)  und habe dort  mit  seiner Ehefrau und 
seinem Sohn zusammen in einer Mietwohnung gelebt,

dass er nie zur Schule gegangen sei und keinen Beruf erlernt habe,

dass  er  früher  für  einen  gewissen  F._______  und  seit  1987 
selbstständig als Geldwechsler gearbeitet habe,

dass er 1995 bzw. 2005 vom Islam zum Christentum konvertiert sei,

dass er deshalb zu Hause von einer Gruppe Moslems attackiert  und 
mit Messern verletzt worden sei,

dass diese Gruppierung "Dan Iska" (Kriegskämpfer) genannt würden,

dass er zur Polizei gegangen sei, diese ihn aber aus dem Posten ge-
worfen hätten,

Seite 2

D-5522/2010

dass die islamische Gruppe ihn Anfang März 2010 noch ein weiteres 
Mal angegriffen habe, dieses Mal seien sie in Begleitung der Polizei 
gekommen,

dass sie ihn hätten niederstechen wollen, er aber seine Frau vor sich 
hergeschoben habe, wobei sie in den Bauch gestochen worden sei,

dass er  daraufhin  sein Messer  gezogen und einem Polizisten in  die 
Brust gestochen habe,

dass er dann geflüchtet sei und sein Heimatland verlassen habe,

dass er mit dem Bus von B._______ nach G._______ gefahren sei,

dass  er  von  dort  aus  mit  einem  anderen  Bus  an  einen  ihm  un-
bekannten  Ort  in  Niger  und  weiter  mit  dem Bus  nach  Algerien  und 
Marokko gereist sei,

dass er von dort aus mit einem Boot nach Spanien und von dort aus 
wieder mit dem Bus in die Schweiz gelangt sei,

dass er auf der ganzen Reise nicht kontrolliert worden sei,

dass  der  Beschwerdeführer  angab,  2006  sei  er  für  eine  Woche  mit  
einem falschen Pass in Deutschland gewesen,

dass er dort  für F._______, den Führer der "Dan Iska" ein bzw. zwei 
Fahrzeuge gekauft und nach Nigeria gebracht habe,

dass gemäss einer Mitteilung der deutschen Behörden vom Beschwer-
deführer  identische  Fingerabdrücke  (jedoch  unter  einem  anderen 
Namen) vorliegen, aufgenommen am 15. November 2006 in München 
wegen Betäubungsmittelhandels, 

dass das BFM mit Verfügung vom 26. Juli 2010 – eröffnet am 27. Juli 
2010 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und 
die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  das  BFM zur  Begründung  im Wesentlichen  anführte,  es  lägen 
keine entschuldbaren Gründe vor, die es dem Beschwerdeführer ver-

Seite 3

D-5522/2010

unmöglicht  hätten,  innerhalb  von 48 Stunden Reise-  oder  Identitäts-
papiere einzureichen,

dass das BFM festhielt, auf Vorhalte zu seiner Papierlosigkeit habe der 
Beschwerdeführer  am  1.  April  2010  ausgesagt,  er  habe  sich 
zwischenzeitlich  nicht  bemüht,  der  Aufforderung vom 21. März  2010 
Folge zu leisten, zumal er keine Ausweispapiere beschaffen könne,

dass er durch sein passives Verhalten gegenüber  dem BFM die zu-
mutbare Mitwirkungspflicht willentlich verletzt habe,

dass er eingangs der Bundesanhörung vom 23. Juli 2010 sinngemäss 
geltend gemacht habe, er habe keinen Zugang zu seinem Sohn und zu 
seiner Frau, die er in Nigeria zurückgelassen habe,

dass es sich indessen um eine Schutzbehauptung handle,  da seine 
Vorbringen, er und die Mitglieder seiner Kernfamilie hätten seitens der 
Islamisten in B._______ Verfolgung erlitten, nicht glaubhaft seien,

dass sich daher der Schluss aufdränge, der  Beschwerdeführer habe 
dem BFM die Abgabe rechtsgenüglicher Reise- bzw. Identitätspapiere 
innert  Frist  bewusst  vorenthalten,  um seine Identität  zu  verschleiern 
und /oder einen allfälligen Wegweisungsvollzug zu erschweren oder zu 
verhindern, zumal seine Angaben, von 1966 bis anfangs März 2010 in 
C._______ State gewohnt zu haben, nicht glaubhaft seien,

dass deshalb keine entschuldbaren Gründe vorlägen, die es ihm ver-
unmöglicht hätten, Reise- oder Identitätspapiere einzureichen,

dass das BFM hinsichtlich der Asylvorbringen des Beschwerdeführers 
ausführte, es bestünden erhebliche Zweifel daran, dass er tatsächlich 
in  B._______  gelebt  habe;  so  habe  er  nicht  anzugeben  gewusst, 
welche zwei Flüsse bei B._______ zusammentreffen,

dass  ihm auch  die  Städte  auf  der  Strecke  B._______  –  G._______ 
nicht bekannt seien,

dass er ferner gesagt habe, die Strecke B._______ – G._______ (An-
merkung des BFM: gegen 900 km Luftlinie) habe er im Bus in etwas 
über fünf Stunden zurückgelegt,

Seite 4

D-5522/2010

dass des weiteren festzustellen  sei,  der  Beschwerdeführer  habe bei 
seiner Befragung zur Person (BzP) am 1. April 2010 hinsichtlich seiner 
Taufe ausgesagt, Priester H._______ habe für ihn gebetet und ihn mit  
einem Öl bekreuzigt; dem sei  entgegen zu halten,  dass beim christ-
lichen Taufritus immer Wasser zur Anwendung gelange,

dass  sich  der  Beschwerdeführer  überdies  in  seinen  Aussagen  in 
Widersprüche verstricke,

dass er  anlässlich der Anhörung vom 23. Juli  2010 zu Protokoll  ge-
geben habe, im Jahre 2005 sei er konvertiert und getauft worden,

dass  er  im  gleichen  Jahr  von  den  Verfolgern  schwer  misshandelt 
worden sei,

dass  er  bezüglich  des  Vorfalls  von  Anfang  März  2010  angegeben 
habe,  einem  der  Angreifer  das  Messer  entrissen  und  damit  einen 
Polizisten niedergestochen zu haben,

dass er gegenüber diesen Angaben bei seiner BzP am 1. April 2010 
angeführt  habe,  seine  Konversion,  seine  Taufe  und  die  Miss-
handlungen durch die Islamisten seien im Jahr 1995 erfolgt,

dass er zudem erklärt habe, mit seinem eigenen Messer im März 2010 
einen Polizisten niedergestochen zu haben,

dass es offenkundig sei, dass es sich bei den Verfolgungsvorbringen 
des Beschwerdeführers um ein Sachverhaltskonstrukt handle,

dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art.  3 
und  7  AsylG  daher  nicht  erfülle  und  zusätzliche  Abklärungen  zur 
Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvoll -
zugshindernisses aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich seien,

dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom 3. August 2010  gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob 
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das 
Verfahren sei zwecks materieller Prüfung an das BFM zurückzuweisen,

dass er zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei ihm 
die Bezahlung des Kostenvorschusses sowie der Verfahrenskosten zu 

Seite 5

D-5522/2010

erlassen und es sei ihm eine angemessene Parteientschädigung aus-
zurichten,

dass die I._______ am 4. August 2010 für den Beschwerdeführer beim 
Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorgebestätigung einreichte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 4. August 2010 beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

Seite 6

D-5522/2010

dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichtein-
tretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen 
materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und 
die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  indessen  im  Falle  des  Nichteintretens  auf  ein  Asylgesuch  ge-
mäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbestehen 
der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, 
soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. 
BVGE 2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.),

dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerde-
verfahren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  for-
mellen  Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft 
Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73),

dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich 
volle Kognition zukommt,

dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um 
eine solche handelt,  weshalb der  Beschwerdeentscheid  nur  summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten wird,  wenn Asylsuchende 
den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des 
Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abgeben (Art.  32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG),

dass diese Bestimmung jedoch keine Anwendung findet,  wenn Asyl-
suchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuld-
baren  Gründen  nicht  in  der  Lage  (Art. 32  Abs. 3  Bst. a  AsylG),  auf 
Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flücht-
lingseigenschaft  festgestellt  wird  (Art. 32  Abs. 3  Bst. b  AsylG)  oder 

Seite 7

D-5522/2010

sich auf  Grund der Anhörung erweist,  dass zusätzliche Abklärungen 
zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungs-
vollzugshindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  keine  entschuldbaren  Gründe  für  die 
Nichtabgabe eines beweistauglichen Identitätsdokuments (vgl. BVGE 
2007/7 E. 4-6) innerhalb der Frist von 48 Stunden nach Einreichen des 
Asylgesuchs  glaubhaft  zu  machen  vermag  (Art. 32  Abs. 3  Bst. a 
AsylG; vgl. BVGE 2007/8 E. 3.2),

dass hierzu vollumfänglich auf die ausführlichen und zutreffenden Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz verwiesen 
werden kann,

dass das Vorbringen des Beschwerdeführers,  er  sei  auf  der  ganzen 
Reise in die Schweiz nicht kontrolliert worden, nicht den tatsächlichen 
Begebenheiten entsprechen kann,

dass er sich zudem offensichtlich in keiner Weise um den Erhalt von 
Identitätspapieren bemühte, und auch weiterhin nicht gewillt ist, solche 
zu beschaffen,

dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  den  diesbezüg-
lichen Ausführungen der Vorinstanz nichts entgegenhält, 

dass es ihm somit nicht gelingt, entschuldbare Gründe für die Nicht-
abgabe  von  echten,  beweistauglichen  Identitätspapieren  geltend  zu 
machen,

dass sodann im vorliegenden Fall aufgrund der Aktenlage, wie sie sich 
nach der Direktanhörung vom 23. Juli 2010 präsentierte, unter Verzicht 
auf  zusätzliche tatbestandliche oder  rechtliche Abklärungen im Rah-
men einer bloss summarischen Prüfung der Schluss gezogen werden 
konnte, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft offenkundig nicht,  (Art.  32 
Abs. 3 Bst. b AsylG; vgl. BVGE 2007/8 E. 5.5. und 5.6.),

dass  der  Beschwerdeführer  auch  den  diesbezüglichen  Erwägungen 
des BFM nichts Konkretes und Substanziiertes entgegenhält, sondern 
lediglich erklärt, seine Vorbringen seien glaubwürdig,

dass er aus der ausführlichen Argumentation des BFM lediglich drei 
Punkte hervorhebt, die er zu erklären bzw. zu widerlegen versucht,

Seite 8

D-5522/2010

dass er erklärte, die Vorinstanz halte ihm vor, es sei nicht glaubwürdig, 
dass  er  aus  B._______  stamme,  weil  er  angegeben  habe,  für  die 
Strecke B._______  –  G._______  (900  km Luftlinie)  etwas  über  fünf 
Stunden benötigt zu haben,

dass dies nicht ganz den Tatsachen entspreche, da er anlässlich der 
Frage nach der Dauer der Busfahrt zu Protokoll gegeben habe, dass 
es sehr weit gewesen sei, er habe immer wieder geschlafen und die 
Fahrt habe sicher länger als fünf Stunden gedauert, 

dass er selber zu Protokoll gegeben habe, er benutze keine Uhr, wes-
halb  die  relative  Zeitangabe  von  sicher  mehr  als  fünf  Stunden  bei  
mehrmaligem Einschlafen für eine Strecke von 900 km (Luftlinie) nicht 
unglaubwürdig i.S.v. Art. 7 AsylG sei,

dass dieses Argument für sich alleine tatsächlich nicht reichen würde, 
um die Herkunft des Beschwerdeführers aus B._______ ernsthaft  zu 
bezweifeln,

dass das BFM in seiner Verfügung vom 26. Juli 2010 jedoch genügend 
weitere  stichhaltige  Argumente  vortrug,  welche,  alle  zusammen  be-
trachtet,  erhebliche  Zweifel  an  der  Herkunft  des  Beschwerdeführers 
aus B._______ zu begründen vermögen,

dass der oben angeführte Einwand des Beschwerdeführers somit nicht 
geeignet ist, diese Zweifel zu beseitigen,

dass  mit  dem BFM einig  zu  gehen  ist,  der  Beschwerdeführer  habe 
seine Herkunft aus B._______ nicht glaubhaft darlegen können,

dass der Beschwerdeführer bezüglich des widersprüchlichen Datums 
der Konversion – einmal gab er an, diese sei 1995 (A1/12) gewesen, 
später  erklärte  er,  sie  habe  2005  (A21/10)  stattgefunden  –  erklärt, 
diese sei auf Probleme mit dem Übersetzer zurückzuführen,

dass  der  Übersetzer  bei  der  ersten  Befragung  nämlich  nicht  immer 
übersetzt habe, was er gesagt habe, und ihn ausserdem angewiesen 
habe, andere Sachen zu sagen,

dass sie dann während des Interviews auch eine verbale Auseinan-
dersetzung gehabt hätten, 

Seite 9

D-5522/2010

dass er bei der Rückübersetzung nicht gehört habe, dass protokolliert  
worden sei, er sei im Jahre 1995 attackiert worden,

dass  er  glaube,  der  Übersetzer  habe  ihm  diese  Stelle  nicht  rück-
übersetzt, sonst hätte er die Stelle mit Sicherheit korrigiert,

dass er  1995 nämlich  noch Moslem gewesen sei  und die  Probleme 
erst 2005 stattgefunden hätten, als er zum Christentum konvertiert sei,

dass  beim  zweiten  Interview  ein  anderer  Übersetzer  anwesend  ge-
wesen sei, und ihm dieser den Widerspruch 1995 – 2005 vorgehalten 
habe,

dass er (der Beschwerdeführer) dies nicht habe glauben können und 
deshalb durchgedreht sei, wofür er sich entschuldigen wolle,

dass er daran festhalte, er sei im Jahr 2005 konvertiert und attackiert  
worden,

dass der Widerspruch nur darauf zurückzuführen sei, dass er während 
des ersten Interviews Probleme mit dem Übersetzer gehabt habe,

dass  aus  den  Protokollen  der  beiden  Anhörungen  nicht  hervorgeht, 
der  Beschwerdeführer  habe  Verständigungsprobleme  mit  dem  Dol-
metscher gehabt,

dass  in  den  Protokollen  weder  die  vom  Beschwerdeführer  vor-
gebrachten Vorfälle noch sonst Schwierigkeiten vermerkt sind,

dass auch der Hilfswerkvertreter keine entsprechenden Einwände an-
brachte,

dass dem Beschwerdeführer die Protokolle rückübersetzt wurden und 
er durch seine Unterschrift bestätigte, diese entsprächen seinen Aus-
sagen und der Wahrheit,

dass  es  sich  bei  der  Jahreszahl  1995  auch  nicht  um  einen  Über -
setzungsfehler handeln kann, da diese vom Beschwerdeführer selber 
und als Wiederholung vom Befrager insgesamt mindestens sieben Mal 
genannt wurde (vgl. A1/12, S. 5 f.),

Seite 10

D-5522/2010

dass deshalb auch nicht glaubhaft ist, der Beschwerdeführer habe die 
Jahreszahl bei der Rückübersetzung nicht gehört,

dass  es  sich  deshalb  bei  dem  Einwand  mit  den  Dolmetscher-
Problemen  lediglich  um  einen  nachgeschobenen  Erklärungsversuch 
handelt, 

dass das BFM somit richtigerweise von einem eklatanten Widerspruch 
ausgegangen ist,

dass  das  BFM zudem zahlreiche  weitere  Widersprüche  in  den  Vor-
bringen des Beschwerdeführers aufdeckte, gegen die er in seiner Be-
schwerde keine Einwände erhob,

dass seine Vorbringen darüber hinaus in weiten Teilen sehr vage und 
realtitätsfremd blieben,

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers somit aufgrund ihrer zahl-
reichen Widersprüche und der fehlenden Realkennzeichen als haltlos 
zu werten sind,

dass auf  die übrigen Beschwerdevorbringen nicht  weiter  einzugehen 
ist,  da  auch  diese  nicht  geeignet  sind,  eine  von der  Vorinstanz  ab-
weichende Betrachtungsweise herbeizuführen,

dass unter diesen Umständen ohne weitere Erörterungen festgestellt 
werden kann, dass das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers  ohne  Weiteres  ausgeschlossen  werden  kann  und 
auch  zusätzliche  Abklärungen  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 3  Bst. c 
AsylG offensichtlich nicht notwendig sind,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat  (Art. 44  Abs. 1 AsylG),  vorliegend der  Kanton keine Aufenthalts-
bewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein  Anspruch auf  Erteilung einer 
solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Weg-
weisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht  und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

Seite 11

D-5522/2010

dass  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetz-
lichen Bestimmungen über  die  vorläufige  Aufnahme von Ausländern 
regelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumut-
bar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2 AsylG; Art.  83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel, Rz. 11.148), 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrecht-
liche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig 
ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wes-
halb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung 
im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
ersichtlich sind, die dem Beschwerdeführer in Nigeria droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 

Seite 12

D-5522/2010

Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass weder die allgemeine Lage in Nigeria noch individuelle Gründe 
auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen 
lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den 
Heimatstaat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse be-
stehen (Art. 83 Abs. 2 AuG),  und es dem Beschwerdeführer obliegt, 
bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 
AsylG),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, 

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG – unbesehen der Bedürftigkeit des Be-
schwerdeführers – abzuweisen ist,  da sich die Beschwerdebegehren 
als  aussichtslos  erwiesen  haben,  weshalb  die  kumulativen  Voraus-
setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht 
erfüllt sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 13

D-5522/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...)

(per Kurier; in Kopie)
- die zuständige kantonale Behörde (per Telefax)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Bendicht Tellenbach Corinne Krüger

Versand:

Seite 14