# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42de42ce-1612-54b0-8858-709e2223d05c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.07.2020 E-4199/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4199-2018_2020-07-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4199/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  J u l i  2 0 2 0   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt,   

vertreten durch MLaw Céline Benz-Desrochers,  

(…) Beratungsstelle für Asylsuchende,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 14. Juni 

2018 / N (…). 

 

 

 

E-4199/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste am 15. November 2015 in die Schweiz ein, 

wo er gleichentags im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum Alt-

stätten ein Asylgesuch einreichte. 

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er anlässlich der Befragung 

zur Person (BzP) vom 24. November 2015 und der Anhörung zu den Asyl-

gründen vom 5. Dezember 2017 im Wesentlichen folgenden Sachverhalt 

vor:   

Er sei afghanischer Staatsangehöriger, in B._______, Distrikt C._______, 

Provinz Ghazni geboren, gehöre der Ethnie der Hazara an und sei schiiti-

schen Glaubens. Als etwa Zweijähriger habe er mit seinen Eltern Afghanis-

tan verlassen und habe seither in Quetta, Pakistan, gelebt. Er habe die 

Schule nie besucht und habe als Tagelöhner gearbeitet. Er habe insbeson-

dere von dem Quartier (…) Waren ins Quartier (…), welche sich beide in 

Quetta befänden, transportiert. Nach etwa drei Jahren sei er das erste Mal 

auf dem Weg von Belutschen angehalten worden und man habe ihn ge-

fragt, ob er Schiit oder Sunnit sei. Nachdem er gesagt habe, er sei Schiit, 

habe man ihm mitgeteilt, er dürfe den Weg nicht noch einmal nehmen, an-

sonsten sie ihn töten würden. Er habe jedoch keine Wahl gehabt und habe 

die Strecke erneut nehmen müssen. Dabei sei er wieder angehalten wor-

den und man habe ihn verprügelt. Er sei erneut gewarnt worden, man 

werde ihn töten, wenn er nochmals dort vorbeikommen würde. Am Abend 

habe er seiner Mutter davon erzählt und sie hätten entschieden, er solle 

Pakistan verlassen. Sein Arbeitgeber habe ihm geholfen, einen Schlepper 

zu finden und auch seine Reise bezahlt. Er sei über Afghanistan, den Iran, 

die Türkei, Griechenland und unbekannte Länder (darunter Slowenien) 

nach Österreich gelangt, wo er am 15. November 2015 einen Zug in die 

Schweiz genommen habe. 

Er reichte während der Anhörung zu den Asylgründen eine pakistanische 

Aufenthaltsbewilligung für Afghanen (Afghan Citizen – Proof of Registra-

tion) zu den Akten. 

C.  

Am 4. April 2018 informierte das SEM den Beschwerdeführer, man beab-

sichtige seine Nationalität in «Staat unbekannt» zu ändern, da er im Laufe 

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Seite 3 

seines Verfahrens widersprüchliche Angaben zu seinen Personalien ge-

macht habe, und gewährte ihm hierzu das rechtliche Gehör. 

D.  

Mit seiner Stellungnahme (datiert April 2018; SEM Akte A28) reichte der 

Beschwerdeführer eine afghanische Tazkara im Original zu den Akten und 

führte aus, seine Mutter sei gemeinsam mit seinem Arbeitgeber namens 

(…) nach Afghanistan gereist und sie hätten für ihn in seinem Heimatort die 

Tazkara ausstellen lassen. In kleinen Dörfern sei es noch möglich, dass 

Verwandte für eine Person eine Tazakara ausstellen lassen würden. Seine 

Eltern hätten damals bei der Flucht aus Afghanistan seine Tazkara abge-

ben müssen, um einen pakistanischen Flüchtlingsausweis zu erhalten. Ge-

mäss verschiedenen Berichten habe Pakistan in der letzten Zeit den Druck 

auf Flüchtlinge erhöht, weshalb viele nach Afghanistan zurückgekehrt oder 

nach Europa geflohen seien. Eine Rückkehr nach Pakistan sei unter die-

sen Umständen nicht zumutbar. Mit der eingereichten Tazkara sowie dem 

pakistanischen Ausweis habe er seine afghanische Staatsangehörigkeit 

hinreichend bewiesen beziehungsweise zumindest glaubhaft gemacht. 

E.  

Mit Verfügung vom 14. Juni 2018, eröffnet am 21. Juni 2018, verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asyl-

gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Voll-

zug an. Einen Vollzug nach Afghanistan schloss das SEM aus. 

In Bezug auf die Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers hielt die  

Vorinstanz fest, dass sich hierzu im Laufe des Verfahrens zahlreiche Un-

gereimtheiten ergeben hätten, welche er aufgrund seiner vagen und wider-

sprüchlichen Angaben bezüglich seiner Biographie nicht zu erklären ver-

mocht habe. Er habe sich zu Beginn seines Asylverfahrens als [Vorname 

1] [Nachname 1], geboren im Jahr [Geburtsjahr 1] in Afghanistan, ausge-

geben. Im Rahmen der Anhörung habe er eine pakistanische Muhajir-Karte 

– eine Registrierungskarte für Afghanen in Pakistan – zu den Akten ge-

reicht und erklärt, sein richtiger Name laute [Vorname 2] [Nachname 1]. Er 

habe sich den falschen Namen in Griechenland angeeignet. Der Name 

[Vorname 3], welcher auf dem Ausweis vermerkt sei, sei der Name seines 

Vaters. In der BzP habe er diesen Namen als Namen seines Vaters ange-

geben. Es sei jedoch nicht nachvollziehbar, weshalb er das Asylgesuch 

nicht unter seinem richtigen Namen gestellt, sondern diesen erst zwei 

Jahre später mittels einer nachgereichten pakistanischen Ausweiskarte 

korrigiert habe. Ausserdem stehe der Name [Nachname 1] nicht auf dem 

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pakistanischen Ausweis, worauf er erklärt habe, es handle sich um einen 

gefälschten Namen, andererseits aber auch gesagt habe, sein Bruder 

heisse auch [Nachname 1]. Zudem sei auf dem Ausweis das Geburtsjahr 

[Geburtsjahr 2] angegeben, während er dem SEM gesagt habe, er sei [Ge-

burtsjahr 1] geboren. Weiter stehe in dem Ausweis der Distrikt D._______ 

als Herkunftsort, während er in der BzP erklärt habe, er stamme aus dem 

Distrikt C._______. Die erheblichen Divergenzen zwischen den von ihm 

ursprünglich gemachten Personalangaben und den nachträglich korrigier-

ten Personalien, welche wiederum nicht mit dem abgegebenen Ausweis-

dokument übereinstimmen würden, würden Zweifel an seiner Identität und 

der Authentizität des Ausweises aufkommen lassen. Ferner habe er ange-

geben, er sei seit seinem Aufenthalt in Pakistan im Besitz des Ausweises 

gewesen, sein Vater habe diesen alle drei Jahre bis zum Jahr 2009 erneu-

ern lassen, er habe sich immer damit ausgewiesen und dieser sei auch 

seine Arbeitserlaubnis gewesen. Obwohl er die Wichtigkeit des Dokuments 

betont habe, habe er diesen seit dem Jahr 2009 nicht mehr verlängert. Zur 

Begründung habe er vorgebracht, er habe nicht gewusst, wie man den Aus-

weis verlängern könne, da sein Vater dies jeweils gemacht habe. Dies er-

scheine jedoch wenig glaubhaft, da er an der BzP gesagt habe, man müsse 

das Dokument jedes dritte Jahr im Registrierungsbüro in Quetta erneuern 

lassen. Nach dem Gesagten könne davon ausgegangen werden, dass es 

sich bei der Muhajir-Karte um eine Fälschung handle beziehungsweise 

diese ihm nicht zustehe und es sich um ein unrechtmässig erworbenes 

Dokument handle. 

Des Weiteren habe er gesagt, er habe keine Verwandten mehr in Afgha-

nistan. Er wisse nicht, woher seine Grosseltern väterlicherseits (vs.) stam-

men würden und habe angegeben, seine Grosseltern mütterlicherseits 

(ms.) hätten bereits vor der Ausreise seiner Familie aus Afghanistan in Pa-

kistan gelebt. Er habe nur einen Onkel ms., welcher ebenfalls in Pakistan 

lebe. Hinzukommend habe er bezüglich kultureller Eigenheiten, Traditio-

nen und Gebräuche der afghanischen Diaspora in Quetta, insbesondere 

der Hazara in Abgrenzung zu anderen Ethnien, keinerlei Angaben machen 

können. Er habe weder die afghanische Nationalflagge beschreiben noch 

habe er afghanische TV-Sender nennen können. Dies erwecke nicht den 

Eindruck, dass seine Familie Afghanistan verlassen habe, als er ein Klein-

kind gewesen sei. Zudem wisse er nicht, weshalb seine Familie damals 

aus Afghanistan geflohen sei. Ausserdem habe er an der BzP gesagt, we-

der lesen noch schreiben zu können, was jedoch offensichtlich nicht mit 

seinem Schriftbild auf dem Personalienblatt übereinstimme. Somit würden 

auch Zweifel an der Angabe bestehen, dass er die Schule nie besucht habe 

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beziehungsweise ihm der Schulbesuch als Ausländer in Quetta nicht mög-

lich gewesen sei. Aufgrund seines Aussageverhaltens bestünden begrün-

dete Zweifel an der geltend gemachten Herkunft und Staatsangehörigkeit. 

Daran vermöge auch die eingereichte Tazkara nichts zu ändern. Es sei we-

nig glaubhaft, dass seine Mutter tatsächlich von Pakistan nach D._______ 

gereist sei, um eine Tazkara für ihn zu besorgen; andererseits seien afgha-

nische Identitätskarten käuflich leicht erwerbbar, so dass diese nur einen 

geringen Beweiswert hätten. Das SEM stelle zwar nicht in Frage, dass es 

sich bei ihm um einen ethnischen Hazara schiitischen Glaubens handle. 

Es würden jedoch massive Zweifel an seiner geltend gemachten afghani-

schen Staatsangehörigkeit bestehen und seine Identität stehe nach wie vor 

nicht fest. 

Zur Begründung der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft führte das 

SEM im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe sinngemäss eine 

Kollektivverfolgung von schiitischen Hazara in Pakistan geltend gemacht. 

An eine Kollektivverfolgung seien gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher 

Rechtsprechung in der Regel hohe Anforderungen zu stellen. Gemäss Ur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts E-4269/2013 vom 25. November 2014 

(= BVGE 2014/32) sei die Lage der Hazara in Pakistan und insbesondere 

in Quetta als bedenklich zu betrachten. Die für die Anerkennung einer Kol-

lektivverfolgung erforderliche Dichte an gewaltsamen Verfolgungshandlun-

gen könne hingegen nicht bejaht werden. Vorliegend sei auch keine zu-

sätzliche individuelle Gefährdung des Beschwerdeführers festzustellen. 

Bis auf zwei Ereignisse, bei welchen er auf dem Fahrrad angehalten wor-

den sei, sei er nicht im Fokus von Belutschen oder anderen Drittpersonen 

gestanden. Er sei nie politisch aktiv gewesen und auch sonst in keiner 

Weise aus der Masse der Hazara hervorgetreten. Die zwei Übergriffe ver-

möchten für sich alleine die gemäss Art. 3 AsylG geforderte asylrelevante 

Intensität nicht zu begründen. Die geschilderten Vorbringen würden die An-

forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht erfül-

len. 

In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung stellte das SEM fest, dass der 

Beschwerdeführer seine afghanische Herkunft nicht habe glaubhaft ma-

chen können. Es würden Indizien für eine Herkunft ausserhalb Afghanis-

tans, insbesondere Pakistan, bestehen. Bei einer Person, welche die 

wahre Herkunft verschleiere, könne mutmasslich davon ausgegangen wer-

den, dass sie eine Aufenthaltsbewilligung oder Duldung in einem Drittstaat 

oder gar eine andere Staatsangehörigkeit besitze. Dennoch sei eine Her-

kunft aus Afghanistan nicht gänzlich auszuschliessen, weshalb der Vollzug 

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der Wegweisung nach Afghanistan ausgeschlossen werde. Angesichts der 

unglaubhaften Vorbringen könne nicht angenommen werden, dass er über 

kein familiäres Beziehungsnetz mehr verfüge. Im Übrigen sei er jung, ge-

sund und arbeitsfähig, weshalb es ihm auch an einem früheren Wohnort 

ohne die Unterstützung eines familiären Netzes zumutbar wäre, erneut 

Fuss zu fassen. 

Weiter führte das SEM aus, dass er in Bezug auf Pakistan die Flüchtlings-

eigenschaft nicht erfülle, weshalb das flüchtlingsrechtliche Rückschie-

bungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] und Art. 5 AsylG nicht an-

wendbar sei. Aus den Akten seien auch keine konkreten Anhaltspunkte er-

sichtlich, wonach er im Falle einer Ausschaffung nach Pakistan dort mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des 

Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Voll-

zug sei somit zulässig. Das SEM komme zum Schluss, dass keine flücht-

lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den 

bisherigen Aufenthaltsort bestehen würden. Ausserdem könne zum jetzi-

gen Zeitpunkt nicht davon ausgegangen werden, dass der Vollzug der 

Wegweisung nicht möglich oder technisch nicht durchführbar sei. Auch das 

Bundesverwaltungsgericht erachte den Vollzug einer Wegweisung grund-

sätzlich als möglich, auch wenn ein Asylsuchender seine wahre Identität 

oder Nationalität verheimliche.  

F.  

Diese Verfügung liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin 

mit Eingabe vom 19. Juli 2018 beim Bundesverwaltungsgericht anfechten. 

Er beantragte, die angefochtene Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, 

seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen, ihm sei Asyl zu gewähren 

und seine afghanische Nationalität anzuerkennen, eventualiter sei die Un-

zulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustel-

len und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter sei die Sa-

che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und 

die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen. 

In der Beschwerde hält der Beschwerdeführer an seiner afghanischen 

Staatsangehörigkeit fest und führt zunächst aus, seine Angaben, er sei in 

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Afghanistan geboren, stamme aus dem Dorf B._______, C._______, Dis-

trikt D._______, Provinz Ghazni und sei im Alter von zwei Jahren mit sei-

nen Eltern nach Pakistan gegangen, habe er übereinstimmend in der An-

hörung und der BzP vorgebracht. Der Beschwerdeführer habe zum Nach-

weis seine pakistanische «Afghan Citizen – Proof of Registration» Karte 

eingereicht. Der Vater des Beschwerdeführers habe die Ausweise der Fa-

milienmitglieder verlängern lassen, was nicht ungewöhnlich sei. Das SEM 

habe nicht nachgewiesen, dass der Ausweis falsch oder unrechtmässig er-

worben worden sei. Auf Aufforderung des SEM habe der Beschwerdefüh-

rer nach seiner Anhörung Kontakt mit seiner Mutter aufgenommen, worauf-

hin sie mit dem ehemaligen Arbeitgeber des Beschwerdeführers nach Af-

ghanistan gereist sei, um eine Tazkara für den Beschwerdeführer ausstel-

len zu lassen. Gemäss einem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe 

(SFH) und diversen Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts sei es in klei-

nen Dörfern möglich, dass Verwandte die Tazkara in Vertretung von Per-

sonen ausstellen lassen würden, insbesondere, wenn sich diese im Aus-

land befänden. Die Begründung des SEM, dass solche Dokumente leicht 

käuflich erwerbbar seien, reiche nicht aus. Der auf der Tazkara angege-

bene Name und Herkunftsdistrikt stimme zudem mit dem Namen auf der 

«Afghan Citizen – Proof of Registration» Karte und mit den Aussagen des 

Beschwerdeführers überein. Der Beschwerdeführer sei von anderen Asyl-

suchenden schlecht beraten worden und er habe deswegen in der Schweiz 

zunächst einen falschen Namen angegeben. Dies sei indes entschuldbar, 

da die eingereichten Dokumente seine afghanische Nationalität und Sozi-

alisierung in Pakistan untermauern würden. Er habe somit "seine Pflicht 

erfüllt" und seine Identität sei glaubhaft. 

In Bezug auf seine Asylgründe moniert der Beschwerdeführer, er gehöre 

aufgrund seines Berufes und seiner Religion einer bestimmten sozialen 

Gruppe an. Er sei als "Lieferer"/Fahrradtransporteur persönlichen Drohun-

gen und Gewalt ausgesetzt gewesen. Dazu komme, dass er Hazara sei. 

Die Begründung des SEM in Bezug auf die kollektive Verfolgung der Ha-

zara gehe fehl. 

Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung wird in der Rechtsmitteleingabe 

zunächst darauf hingewiesen, dass die pakistanische Regierung Pläne ge-

äussert habe, alle im Land registrierten Flüchtlinge bis Ende 2017 aus Pa-

kistan wegzuweisen. Pakistan habe den Druck auf Flüchtlinge, nach Af-

ghanistan zurückzukehren, erhöht. Es fänden Deportationen, Polizeiraz-

zien, Einschüchterungen, Zerstörungen von Wohnhäusern und Erpressun-

gen statt und die physische Gewalt gegen Afghanen und Afghaninnen habe 

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zugenommen. Die Furcht vor Festnahmen und Räumungen habe dazu ge-

führt, dass (auch registrierte) afghanische Flüchtlinge nach Afghanistan zu-

rückgekehrt seien. In Bezug auf den Beschwerdeführer sei festzustellen, 

dass er kein Beziehungsnetz in Afghanistan habe und die Sicherung des 

Existenzminimums bei einer Rückkehr nach Afghanistan nicht gegeben 

sei. Zudem herrsche in Afghanistan Krieg und als Hazara und Schiite sei 

er Diskriminierung ausgesetzt. Angehörige der Hazara seien jüngst Opfer 

zahlreicher Anschläge geworden, weshalb er in Afghanistan besonders ge-

fährdet sei. Der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan sei unzumutbar 

und unzulässig. Auch eine Rückkehr nach Pakistan komme nach den obi-

gen Ausführungen zur Situation von Afghanen in Pakistan nicht in Betracht. 

Den afghanischen Flüchtlingen würden in Pakistan Drangsalierungen, Po-

lizeigewalt, Festnahmen, Haft und Räumungen drohen. Ausserdem leide 

der Beschwerdeführer gemäss der beigelegten ärztlichen Bestätigung an 

einer [Krankheit], weshalb sein wirtschaftliches Fortkommen zusätzlich er-

schwert sei. 

G.  

Am 25. Juli 2018 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be-

schwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2018 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und 

ordnete die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Gleichzei-

tig lud sie die Vorinstanz ein, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen. 

I.  

Mit Schreiben vom 17. August 2018 teilte die Vorinstanz mit, dass sie auf 

die Einreichung einer Vernehmlassung verzichte. 

J.  

Am 21. August 2018 wurde das Schreiben des SEM vom 17. August 2018 

dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt. 

 

 

 

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Seite 9 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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Seite 10 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM hat die vom Beschwerdeführer angegebene afghanische 

Staatsangehörigkeit als unglaubhaft befunden und in der Folge die Staats-

angehörigkeit des Beschwerdeführers in «Staat unbekannt» geändert. Der 

Beschwerdeführer hat während des gesamten Verfahrens an seiner afgha-

nischen Staatsangehörigkeit festgehalten. Im Asylverfahren ist die Her-

kunft – der allgemeinen asylrechtlichen Beweisregel folgend – von der asyl-

suchenden Person zumindest glaubhaft zu machen. Über die Glaubhaf-

tigkeit ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu befinden. Im Folgenden 

ist zunächst zu prüfen, ob das SEM zu Recht die Staatsangehörigkeit des 

Beschwerdeführers in «Staat unbekannt» geändert hat.  

4.2 Der Beschwerdeführer hat während des gesamten Asylverfahrens und 

auch schon bei den slowenischen Behörden angegeben, er sei afghani-

scher Staatsangehöriger. Auch hat er im Laufe des Asylverfahrens über-

einstimmende Angaben zur Herkunft seiner Familie aus Afghanistan ge-

macht. In der BzP gab er an, er sei im Ort B._______, Distrikt C._______, 

Provinz Ghazni geboren (SEM Akte A4, Ziff. 1.07). Die eingereichte 

Tazkara wurde am 15. April 2018 in Ghazni, Distrikt D._______, 

C._______, ausgestellt. Seine einheitlichen Angaben zu seiner Herkunft 

aus Afghanistan sind als ein positives Element, welches für die Glaubhaf-

tigkeit der afghanischen Herkunft sprechen könnte, zu werten. 

4.3 In Bezug auf seinen Namen und sein Geburtsdatum hat er indes mehr-

fach abweichende Angaben gemacht. Auf dem Personalienblatt gab er an, 

er heisse [geringfügige Abweichung Vorname 1/bzw. Nachname 2] [Nach-

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Seite 11 

name 1] und habe Jahrgang [Geburtsjahr 1], sein Vater heisse [geringfü-

gige Abweichung Vorname 3] (SEM Akte A1). Bei der Einreise in die 

Schweiz wurde er von der eidgenössischen Zollverwaltung unter dem Na-

men [Vorname 3] [Nachname 2], geboren am [Geburtsjahr 3] registriert 

(SEM Akte A3). An der BzP wurde er mit dem Namen [Vorname 1] [Nach-

name 1] und Jahrgang [Geburtsjahr 1] registriert (SEM Akte A4). In Slowe-

nien und Griechenland wurde er wiederum gemäss einem slowenischen 

beziehungsweise griechischen Dokument, welches er bei der Einreise auf 

sich trug, unter dem Namen [geringfügige Abweichung Vorname 1] [Nach-

name 1], geboren am [Geburtsjahr 3], erfasst. Im Laufe der Anhörung zu 

den Asylgründen reichte er eine «Afghan Citizen – Proof of Registration» 

Karte lautend auf den Namen [Vorname 4] [Nachname 3 (ähnlich wie Vor-

name 2)], Jahrgang [Geburtsjahr 2], Name des Vaters [Vorname 3], zu den 

Akten, und wies darauf hin, dass sein Name falsch geschrieben worden sei 

(SEM Akte A19, F45). Erst auf spätere Nachfrage des SEM führte er aus, 

dass er in der Schweiz einen falschen Namen angegeben habe, da ihm 

dies von anderen Personen bei der Ankunft in der Schweiz geraten worden 

sei (a.a.O., F157). Sein korrekter Name sei derjenige, welcher auf dem pa-

kistanischen Ausweis stehe. Auf konkrete Nachfrage des SEM machte er 

erneut widersprüchliche Angaben, schien jedoch gemäss einer Anmerkung 

im Anhörungsprotokoll verwirrt über die Fragen zu sein. Im Wesentlichen 

gab er an, er habe sich den Namen [Vorname 1] in Griechenland angeeig-

net (a.a.O., F161). Sein Vater heisse [Vorname 3], er selbst heisse [Vor-

name 2] zum Vornamen und zum Nachnamen [Nachname 1], wie auch 

sein Bruder. Kurz darauf gab er wiederum an, [Nachname 1] sei ein ge-

fälschter Name. Nachdem das SEM ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, 

dass [Nachname 1] nicht auf dem pakistanischen Ausweis steht, einigten 

sich das SEM und der Beschwerdeführer, ihn unter dem Namen, welcher 

auf dem Ausweis steht, zu registrieren (a.a.O., F160-F168). Auf der später 

eingereichten Tazkara steht nun in Übereinstimmung mit der pakistani-

schen Karte der Name [Vorname 4] [geringfügige Abweichung Nachname 

3], Name des Vaters [Vorname 3], im Jahr [entspricht Geburtsjahr 1 oder 

2] 2-jährig. Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer im Laufe seines 

Asylverfahrens erheblich abweichende Aussagen in Bezug auf seinen Na-

men und seinen Jahrgang gemacht, welche er nicht nachvollziehbar erklä-

ren konnte. Diese unterschiedlichen Angaben lassen erhebliche Zweifel an 

seiner Identität aufkommen. 

4.4 Auch zu seinen Familienangehörigen machte er unterschiedliche An-

gaben. In der BzP gab er an zwei Stellen an, nur einen Bruder zu haben, 

welcher bei seiner Mutter in Quetta lebe (SEM Akte A4, Ziff, 3.03 und 

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Seite 12 

1.17.05). In der Anhörung sagte er hingegen, er habe auch eine Schwester, 

er habe dies bereits in der BzP angegeben (SEM Akte A19, F99 und F103). 

Ferner fällt auf, dass er angab, er sei mit seinen Eltern und seinen Ge-

schwistern als Zweijähriger von Afghanistan nach Pakistan gereist. Seine 

Geschwister sind jedoch gemäss seinen Angaben deutlich jünger als er, 

weshalb diese bei der Flucht aus Afghanistan nach Pakistan noch nicht 

geboren worden sein können (a.a.O., F99, F105f.). Des Weiteren gab er 

zunächst an, sein Onkel ms. und sein Grossvater ms. würden ebenfalls in 

Quetta leben. Er konnte aber nicht sagen, wann der Grossvater ms. nach 

Pakistan gekommen sei, er wisse lediglich, dass dieser vor ihm und seiner 

Kernfamilie nach Pakistan gereist sei, inzwischen sei er verstorben (a.a.O., 

F37ff.). Über seine Grosseltern vs. konnte er keinerlei Angaben machen 

und erklärte, er wisse nichts über sie und könne nicht sagen, in welchem 

Land diese gelebt hätten (a.a.O., F41ff.). Später gab er demgegenüber an, 

seine Grosseltern ms. seien in Afghanistan begraben und die Grosseltern 

vs. in Pakistan (a.a.O., F94ff.). Er konnte somit keine nachvollziehbaren 

und überzeugenden Angaben zu seinem familiären Hintergrund machen, 

was weitere Zweifel an seiner behaupteten afghanischen Identität aufkom-

men lässt. 

4.5 Eine weitere Ungereimtheit ergibt sich aus seiner Angabe, dass er in 

Quetta nie die Schule besucht habe (SEM Akte A4, Ziff. 1.17.04). Er sei nie 

zur Schule gegangen, da er gearbeitet habe. Auf Nachfrage führte er aus, 

er habe circa als Zwölfjähriger angefangen zu arbeiten, nachdem sein Va-

ter verstorben sei. Es habe "Vorfälle gegeben", weshalb er davor nie in die 

Schule habe gehen können. Als Ausländer habe er ein schweres Leben 

gehabt (SEM Akte A19, F60ff.). Demgegenüber geht aus den Akten hervor, 

dass er das Personalienblatt (SEM Akte A1) selber ausgefüllt hat und dem-

nach nicht wie von ihm in der BzP angegeben, Analphabet zu sein scheint 

(SEM Akte A4, Bst. e). Im Übrigen lässt sich seine Aussage, sein Vater sei 

verstorben, als er etwa 12 Jahre alt gewesen ist, auch nicht mit seinen 

Angaben, sein Vater habe für ihn die pakistanische Aufenthaltskarte aus-

stellen lassen, vereinbaren. Die eingereichte Karte ist im Jahr 2009 abge-

laufen und wurde gemäss Erkenntnissen des Gerichts im Jahr 2007 aus-

gestellt (vgl. nachfolgend E.4.7). Im Jahr 2007 war er gemäss dem Ge-

burtsdatum auf dem eingereichten Ausweis bereits [deutlich älter als 12 

Jahre alt] Jahre alt. In der Anhörung (im Jahr 2017) gab er zudem in Wi-

derspruch zu seiner späteren Aussage an, sein Vater sei vor etwa acht 

Jahren verstorben (SEM Akte A19, F32), demnach wäre er in Widerspruch 

zu seiner späteren Aussage bei dessen Tod etwa [ebenfalls deutlich älter 

als 12 Jahre alt] Jahre alt gewesen. 

E-4199/2018 

Seite 13 

4.6  Dem Beschwerdeführer kann demgegenüber zu Gute gehalten wer-

den, dass er bereits zu Beginn der BzP angegeben hat, er habe eine Aus-

länder- beziehungsweise Flüchtlingskarte in Pakistan gehabt, welche man 

jeweils im Registrierungsbüro in Quetta habe ausstellen lassen müssen 

und er könne sich diese schicken lassen (SEM Akte A4, Ziff. 2.04 und 4.06). 

Diese hat er dann während der Anhörung zu den Asylgründen eingereicht 

(SEM Akte A19, F45). Angesichts der Ungereimtheiten mit dem unter-

schiedlichen Namen, sind jedoch erste Zweifel an dem Dokument anzu-

bringen. Daneben blieben auch seine Ausführungen, wie er diese Karte 

habe ausstellen und verlängern lassen, äusserst oberflächlich und er ver-

wies im Wesentlichen darauf, sein Vater habe diese für ihn ausstellen und 

verlängern lassen. Nachdem sein Vater verstorben sei, habe er diese nicht 

mehr verlängern lassen, da er nicht gewusst habe, wie das Vorgehen sei 

(SEM Akte A19, F56). Hierzu fällt auf, dass er an der BzP angab, den Aus-

weis habe man jedes dritte Jahr erneuern lassen müssen und er habe je-

weils zum Registrierungsbüro in Quetta gehen müssen (SEM Akte A4, Ziff. 

2.04). In der Anhörung wiederum sagte er, den Ausweis habe man alle fünf 

oder sechs Jahre verlängern lassen müssen (SEM Akte A19, F52). Sein 

Ausweis sei verlängert worden, er könne sich aber nicht erinnern wann, da 

sein Vater dies jeweils für ihn getan habe. Nach 2009 habe er diese aber 

nicht mehr verlängern lassen (a.a.O., F52ff.). Seine Aussagen, ob und 

wann sein Ausweis verlängert worden sei, sind somit wirr und ergeben kein 

klares Bild. In der Anhörung ist es zwar in Bezug auf das Ablauf- bezie-

hungsweise Ausstellungsdatum des Ausweises zu Missverständnissen ge-

kommen, da der Befrager des SEM und die Hilfswerksvertretung jeweils 

davon gesprochen haben, dass der Ausweis 2009 ausgestellt worden sei 

(a.a.O., F53). Gemäss dem eingereichten Ausweis ist dieser aber am 31. 

Dezember 2009 abgelaufen. Der Beschwerdeführer hätte somit seit 2009 

bis zu seiner Ausreise im Jahr 2015, mithin sechs Jahre lang, ohne gültigen 

Ausweis in Pakistan gelebt. Es hätte sodann von ihm erwartet werden kön-

nen, dass er das Missverständnis zumindest bei der Frage der Hilfswerks-

vertretung, wie er sich nach Ablauf der Gültigkeit seines Ausweises im Jahr 

2014 ausgewiesen habe, da gemäss seinen Aussagen sein Ausweis fünf 

Jahre lang gültig gewesen und somit 2014 abgelaufen sein müsste, aufge-

löst hätte (a.a.O., F155).  

4.7 Hinzukommend sind seine Aussagen auch nicht mit den Erkenntnissen 

des Gerichts über den Ablauf der Ausstellung und die Gültigkeitsdauer die-

ser Ausweise (Afghan Citizen – Proof of Registration) zu vereinbaren. Die 

ersten solchen Ausweise wurden im Jahr 2007 ausgestellt und waren bis 

Dezember 2009 gültig (Afghanistan Analysts Network [AAN], Caught Up in 

E-4199/2018 

Seite 14 

Regional Tensions? The mass return of Afghan refugees from Pakistan, 

22.12.2016, https://www.afghanistan-analysts.org/en/reports/migra-

tion/caught-upin-regional-tensions-the-mass-return-of-afghan-refugees-

from-pakistan/, abgerufen am 18.05.2020). Ab September 2010 konnten 

die Karten wiederholt erneuert werden und hatten jeweils eine Gültigkeits-

dauer zwischen sechs Monaten und zwei Jahren (NADRA, Secure Cards 

For Afghan Citizen, undatiert, https://car.pun-

jab.gov.pk/secure_cards_for_afghan_citizen, abgerufen am 26.05.2020; 

Human Rights Commission of Pakistan [HRCP], State of Human Rights in 

2018, 03.2019, http://hrcpweb.org/publication/wp-content/uplo-

ads/2019/04/State-of-Human-Rights-in-2018-English.pdf, abgerufen am 

18.05.2020). Bei der Ausstellung der Karte musste die gesamte Familie 

sich in einem Registrierungsbüro einfinden (UN High Commissioner for Re-

fugees [UNHCR], Afghans in Pakistan get registered for first ever identifi-

cation, 16.10.2006, https://reliefweb.int/report/afghanistan/afghans-pakis-

tan-get-registered-firstever-identification, abgerufen am 18.05.2020). Für 

die Verlängerung der Karte genügte indessen die Präsenz einer Person für 

die Verlängerung der Karte einer Familie (Office of Immigration and Natio-

nality [Hungary], Fact Finding Mission in Pakistan – Country Report for 

2015, 27.02.2015, https://coi.easo.europa.eu/administra-

tion/hungary/PLib/HU_FACT_FINDING_MISSION_PAKISTAN_2015.pdf, 

abgerufen am 18.05.2020). Die Aussage des Beschwerdeführers, sein Va-

ter habe für ihn die Karte ausstellen lassen, ist somit mit den Angaben des 

UNHCR, dass sich für die erstmalige Registrierung die gesamte Familie 

beim Registrierungsbüro einfinden musste, wiederum nicht vereinbar. Zu-

dem entsprechen auch seine Angaben zur Gültigkeitsdauer eines solchen 

Ausweises nicht den Informationen gemäss oben genannten Quellen. 

Seine Angaben zu seiner Person und seiner Biografie, wie auch der einge-

reichte pakistanische Ausweis «Afghan Citizen – Proof of Registration» 

weisen somit insgesamt erhebliche Ungereimtheiten auf und lassen nicht 

auf die Glaubhaftigkeit einer afghanischen Herkunft schliessen.  

4.8  Demgegenüber hat der Beschwerdeführer jedoch eine afghanische 

Tazkara eingereicht. Zu der eingereichten Tazkara ist einerseits festzuhal-

ten, dass diese das meistverbreitete Identitätspapier Afghanistans ist. Es 

handelt sich um ein amtliches Dokument mit Fotografie, welches zum 

Zweck des Nachweises der Identität seines Inhabers ausgestellt wird 

(BVGE 2013/30, E. 4.2.2). Der Beschwerdeführer hat das Dokument indes 

nicht in seiner Anwesenheit ausstellen lassen, sondern seine Mutter habe 

diese für ihn ausgestellt, nachdem er sich bereits in der Schweiz befunden 

habe (SEM Akte A28). Es erscheint jedoch wenig nachvollziehbar, dass die 

E-4199/2018 

Seite 15 

gemäss Angaben des Beschwerdeführers kranke Mutter zum ersten Mal 

nach ihrer Flucht aus Afghanistan dorthin gereist sein soll und den be-

schwerlichen Weg auf sich genommen habe, um eine Tazkara für ihn aus-

stellen zu lassen (a.a.O.). Gemäss dem eingereichten Zustellungsum-

schlag wurde dem Beschwerdeführer die Tazkara zwar tatsächlich aus Af-

ghanistan aus der Provinz Ghazni zugeschickt. Daraus allein kann der Be-

schwerdeführer indes nichts für sich ableiten, da nicht klar wird, wer ihm 

die Tazkara zugestellt hat beziehungsweise um wen es sich beim Absender 

handelt. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass 

Tazkaras aufgrund ihrer Fälschungsanfälligkeit und des Umstands, dass 

sie ohne weiteres auch käuflich erworben werden können, grundsätzlich 

nur ein verminderter Beweiswert zukommt (vgl. BVGE 2013/30, E.4.2.2; 

Entscheid D-6598/2019 vom 4. Februar 2020, E. 6.2, zur Publikation be-

stimmt). Zudem hat der Beschwerdeführer neben seiner Tazkara keine wei-

teren afghanischen Dokumente, welche auf eine afghanische Staatsange-

hörigkeit schliessen lassen könnten, wie beispielsweise eine Tazkara der 

Eltern, eingereicht. Hierzu gab er in der Anhörung an, seine Eltern hätten 

nie eine Tazakara besessen und es gebe keinerlei Dokumente, welche die 

afghanische Herkunft belegen könnten (SEM Akte A19, F58f.). Vor dem 

Hintergrund, dass er auch keinerlei Angaben zu Afghanistan hat machen 

können, erscheint dies wenig glaubwürdig. Er konnte weder die afghani-

sche Nationalflagge beschreiben noch kannte er die Nationalhymne (SEM 

Akte A19, F87f.), was zwar nach einer derart langen Landesabwesenheit 

für sich genommen entschuldbar sein könnte; andererseits wären gewisse 

Kenntnisse von jemandem, der angeblich in einem afghanischen Familien-

verband gelebt habe, durchaus zu erwarten. Des Weiteren konnte der Be-

schwerdeführer auch keine afghanischen Fernsehsender nennen, obwohl 

er angab, zu Hause eine Satellitenschüssel gehabt zu haben (a.a.O., 

F90ff), und wusste auch sonst nichts über Afghanistan, beispielsweise über 

die Fluchtgründe der Eltern (a.a.O., F131f.) oder den Wohnort seiner   

Grosseltern vs. (a.a.O., F101). Gemäss seinen Aussagen habe nichts an 

die Heimat in Afghanistan erinnert (a.a.O., F85f). Abgesehen von der ein-

gereichten Tazkara hat er somit seine afghanische Abstammung nicht mit 

weiteren Dokumenten belegen oder zumindest aufgrund seiner Aussagen 

glaubhaft machen können, weshalb die Tazkara – welcher wie oben dar-

gelegt nur ein geringer Beweiswert zukommt – für sich genommen die af-

ghanische Staatsangehörigkeit angesichts der zahlreichen Unstimmigkei-

ten bezüglich seiner Identität nicht glaubhaft zu machen vermag. 

4.9 Nach einer Abwägung aller Elemente, welche für oder gegen die 

Glaubhaftigkeit der afghanischen Staatsangehörigkeit sprechen, kommt 

E-4199/2018 

Seite 16 

das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Aussagen des Be-

schwerdeführers in Bezug auf seine Identität und Herkunft erhebliche Un-

gereimtheiten aufweisen und es ihm nicht gelungen ist, eine afghanische 

Staatsangehörigkeit beziehungsweise Herkunft glaubhaft darzulegen. Viel-

mehr ist mit erheblicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer pakistanischer Staatsangehörigkeit ist. Das SEM hat 

somit zu Recht seine Staatsangehörigkeit zu «Staat unbekannt» geändert. 

5.  

5.1 In Bezug auf seine geltend gemachten Vorbringen in Pakistan, nament-

lich seine Probleme als Hazara in Quetta, ist in Übereinstimmung mit dem 

SEM festzustellen, dass diese die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begrün-

den vermögen. Die vom Beschwerdeführer während der Anhörung be-

schriebenen Vorfälle, bei denen er zwei Mal auf dem Fahrrad von Belut-

schen angehalten worden sei (SEM Akte A19, F108), erreichen keine asyl-

rechtlich relevante Intensität im Sinne des Art. 3 AsylG und vermögen für 

sich genommen die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen. Das SEM 

hat zudem korrekt dargelegt, dass nicht von einer Kollektivverfolgung von 

Hazaras in Quetta auszugehen ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich 

in BVGE 2014/32 eingehend mit der Situation der schiitischen Hazara in 

Quetta auseinandergesetzt. Darin gelangte das Gericht zum Schluss, dass 

diese zwar häufig Opfer von gezielten, von einem Verfolgungsmotiv getra-

genen Übergriffen würden. Dennoch wurde die Zahl der Verfolgungshand-

lungen nicht als genügend erachtet, als dass eine Kollektivverfolgung 

durch Dritte beziehungsweise durch staatliche Organe angenommen wer-

den könnte (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2). Es muss angenommen werden, 

dass viele Hazara ihre Mobilität – wie auch vom Beschwerdeführer be-

schrieben – aus Sicherheitsgründen selbst einschränken. Dies ändert je-

doch nichts an der Einschätzung, dass die Übergriffe auf Hazara in Quetta 

zahlenmässig nach wie vor nicht eine derart grosse Dimension erreichen, 

um die hohen Anforderungen der Rechtsprechung an eine Kollektivverfol-

gung zu erfüllen (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/32 E. 7.2 sowie in jüngerer 

Zeit Urteil des BVGer D-6993/2015 vom 6. Februar 2019 E. 6). Die geltend 

gemachten Schwierigkeiten als Hazara in Quetta vermögen somit die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers nicht zu begründen. 

5.2 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer erst in 

der Anhörung von konkreten Drohungen gegen ihn berichtet hat (SEM Akte 

A19, F108, F124ff.), während er in der BzP noch angab, keine persönlichen 

Probleme in Quetta gehabt zu haben (SEM Akte A4, Ziff.7.01f.). Da die in 

der Anhörung vorgebrachten Vorfälle wie oben dargelegt asylrechtlich nicht 

E-4199/2018 

Seite 17 

relevant sind, kann die Glaubhaftigkeit der Drohungen offenbleiben, ob-

wohl diese mit Zweifeln behaftet sind. 

5.3 Eine asylrechtliche Verfolgung des Beschwerdeführers in Pakistan ist 

zu verneinen. Das SEM hat im Ergebnis die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers gemäss Art. 3 AsylG zu Recht verneint und das Asylge-

such zutreffend abgelehnt. 

6.  

Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).  

7.2  

7.2.1 In Bezug auf den Wegweisungsvollzug führte das SEM aus, dass die-

ser auch nicht verhindert werde, wenn ein Asylsuchender eine sinnvolle 

Prüfung, ob ihm in seinem tatsächlichen Heimat- oder Herkunftsstaat Ge-

fahr drohe, verunmögliche. Der Beschwerdeführer habe die Folgen seiner 

unglaubhaften Angaben zu tragen, indem davon auszugehen sei, es stün-

den einem Wegweisungsvollzug an seinen bisherigen Aufenthaltsort keine 

Vollzugshindernisse entgegen. Es sei ihm nicht gelungen, seine afghani-

sche Herkunft darzulegen, vielmehr bestünden Hinweise auf eine Herkunft 

ausserhalb Afghanistans, namentlich Pakistan. 

E-4199/2018 

Seite 18 

Soweit eine afghanische Staatsangehörigkeit nicht gänzlich ausgeschlos-

sen werden könne, sei mit Verweis auf die Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts ein Wegweisungsvollzug nach Afghanistan auszu-

schliessen.  

7.2.2 Die Erwägungen sind im Ergebnis zu bestätigen. Das SEM hat den 

Vollzug des Beschwerdeführers nach Afghanistan insofern zu Recht aus-

geschlossen, als keine einlässliche Prüfung von Wegweisungsvollzugshin-

dernissen nach Afghanistan erfolgte. 

7.3 Das Gericht geht wie oben dargelegt von einer mutmasslichen pakis-

tanischen Staatsangehörigkeit aus, weshalb im Folgenden ein Wegwei-

sungsvollzug nach Pakistan zu prüfen ist. 

7.4  

7.4.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und der 

Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 

erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.4.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

E-4199/2018 

Seite 19 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation und die be-

kanntermassen schwierige Situation der Hazara in Pakistan lässt den Weg-

weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.5  

7.5.1  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

7.5.2 In Pakistan herrscht weder Bürgerkrieg noch eine Lage allgemeiner 

Gewalt (vgl. Urteil des BVGer E-3954/2018 vom 24. Juli 2018 E. 9.4.1 

m.H.). Die Lage in Quetta ist für Schiiten und insbesondere für Hazara als 

gefährlich einzustufen und die Sicherheitslage gilt als bedrohlich und insta-

bil. Es besteht für Schiiten die ernstzunehmende Gefahr von religiös moti-

vierten Anschlägen, wobei diese Gefahr für Hazara zusätzlich gesteigert ist 

(BVGE 2014/32 E.9.4). Es ist zwar nicht von einer Situation allgemeiner 

Gewalt auszugehen; die Zugehörigkeit zur ethnisch-religiösen Minderheit 

der schiitischen Hazara ist aber als starkes Indiz für die Annahme der Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu qualifizieren. Ergibt sich aus 

der persönlichen Situation einer beschwerdeführenden Person ein zusätz-

liches Gefährdungsindiz, das über die schwierige generelle Lage der Ha-

zara in Quetta hinausgeht, ist der Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu 

bezeichnen (a.a.O.). Das Bestehen von internen Aufenthaltsalternativen ist 

für Hazara nur mit äusserster Zurückhaltung anzunehmen (vgl. a.a.O. 

E. 9.5). Diese Lageeinschätzung ist nach wie vor aktuell und das Bundes-

verwaltungsgericht stützt sich weiterhin darauf ab (vgl. statt vieler das Urteil 

des BVGer E-4132/2018 vom 4. Mai 2020, 5.1.f. m.w.H.). 

7.5.3 Es wäre somit zu prüfen, ob individuelle Gründe vorliegen, welche 

eine Rückkehr nach Pakistan als unzumutbar erscheinen liessen. Wie un-

ter E.4 dargelegt, hat der Beschwerdeführer indes widersprüchliche und 

E-4199/2018 

Seite 20 

unglaubhafte Angaben zu seiner Identität gemacht, weshalb es dem Ge-

richt nicht möglich ist, sich in voller Kenntnis über allfällige zusätzliche Ge-

fährdungsindizien, welche einem Vollzug der Wegweisung entgegenste-

hen würden, zu äussern. Er hat die Folgen seiner fehlenden Mitwirkung 

insofern zu tragen, als vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine 

wegweisungsrechtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen 

Aufenthaltsort sprechen. Letztlich bleibt festzuhalten, dass es sich beim 

Beschwerdeführer auch bei Wegfall mehrerer besonders begünstigender 

Umstände um einen jungen und abgesehen von dem [Krankheit] auch um 

einen gesunden Mann handelt, der gemäss seinen Aussagen Berufserfah-

rung in Pakistan und gemäss Aktenlage auch in der Schweiz aufweisen 

kann. Gemäss seinen Angaben leben zudem seine Mutter und zwei Ge-

schwister, sowie ein Onkel ms., welcher die Mutter unterstütze, in Quetta 

(SEM Akte A19, F16). Hinweise auf individuelle Gefährdungsfaktoren im 

Sinne der Praxis BVGE 2014/32, welche über die schwierige generelle 

Lage der Hazara hinausgehen, ergeben sich aus den Akten – soweit über-

prüfbar – keine. 

7.5.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als 

zumutbar. 

7.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischen-

verfügung vom 8. August 2018 wurde diesem jedoch die unentgeltliche 

E-4199/2018 

Seite 21 

Prozessführung gewährt. Nachdem weiterhin von seiner Bedürftigkeit aus-

zugehen ist, ist von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. 

9.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 8. August 2018 wurde das Ge-

such um eine amtliche Verbeiständung gutgeheissen und dem Beschwer-

deführer MLaw Céline Benz-Desrochers als amtliche Rechtsbeiständin 

beigeordnet. Ihr ist zu Lasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar für 

die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten 

(vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Feb-

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

Die Rechtsvertreterin hat der Beschwerdeschrift vom 19. Juli 2018 eine 

Kostennote beigelegt, welche als angemessen zu erachten ist. Der Hono-

raransatz ist mit Verweis auf die Zwischenverfügung vom 8. August 2018 

auf Fr. 150.- zu kürzen. Das amtliche Honorar beläuft sich somit auf insge-

samt Fr.1295.- (inkl. Auslagen). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-4199/2018 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Frau MLaw Céline Benz-Desrochers wird zu Lasten der Gerichtskasse ein 

amtliches Honorar von Fr. 1295.- ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Tina Zumbühl 

 

 

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