# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 739205ad-b4cb-53e5-8079-fd65bdd96fdf
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-10
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 10.01.2024 A 2023 26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2023-26_2024-01-10.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

A 23 26

4. Kammer 

Vorsitz Righetti

RichterInnen Brun und Audétat

Aktuarin Lanfranchi

URTEIL

vom 10. Januar 2024

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____ AG, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Holenstein, 

Beschwerdeführerin

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend Ermessensveranlagung

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I. Sachverhalt:

1. Die A._____ AG mit Sitz in B._____ war bis zum 16. November 2018 

Eigentümerin einer Liegenschaft in der Gemeinde C._____. Dadurch 

begründete die Gesellschaft gemäss Art. 75 Abs. 1 lit. c des 

Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 720.000) eine 

beschränkte Steuerpflicht im Kanton Graubünden. Die Liegenschaft wurde 

während der Steuerperiode 2019 verkauft. Demzufolge bestand die 

Steuerpflicht nach Art. 74 Abs. 4 StG für die gesamte Steuerperiode 2019.

2. Die ordentliche Frist zur Einreichung der Steuererklärung 2019 dauerte bis 

am 31. März 2020. Da die Beschwerdeführerin innert Frist keine 

Steuererklärung einreichte, wurde sie durch die Steuerverwaltung des 

Kantons Graubünden (nachfolgend: Steuerverwaltung) mit Schreiben vom 

13. Mai 2020 erstmals und am 16. Juni 2020 ein weiteres Mal gemahnt. 

Mit dieser zweiten Mahnung wurde der A._____ AG sowohl eine Busse 

als auch eine Ermessenstaxation angedroht.

3. Daraufhin ersuchte die A._____ AG um eine Fristverlängerung bis zum 

31. Dezember 2020, welche von der Steuerverwaltung bewilligt wurde.

4. Da auch diese Frist ungenutzt verstrich, erliess die Veranlagungsbehörde 

am 7. April 2021 eine Bussverfügung gemäss Art. 173 Abs. 1 StG wegen 

Nichteinreichens der Steuererklärung unter Gewährung einer weiteren 

Frist von acht Tagen zur Einreichung der Steuererklärung 2019. Da die 

Steuererklärung 2019 auch nach längerem Zuwarten wiederum nicht 

eingereicht wurde, veranlagte die Beschwerdegegnerin die Steuerperiode 

2019 am 3. Oktober 2022 nach pflichtgemässem Ermessen gemäss 

Art. 131 Abs. 1 lit. a StG. 

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5. Dagegen erhob die A._____ AG am 1. November 2022 fristgerecht 

Einsprache und stellte dabei die folgenden Anträge:

a) Die angefochtene Veranlagungsverfügung 2019 betr. Kantons- und 

Gemeindesteuern sei aufzuheben.

b) Es sei mit dem Einsprache-Entscheid zuzuwarten, bis die rechtskräftige 

Steuerveranlagung 2019 des Kantons B._____ vorliegt.

c) Es sei der Einsprecherin Gelegenheit zu geben, die Einsprache noch 

mündlich zu begründen, für den Fall, dass die Einsprache nicht ohne 

weiteres gutgeheissen werden sollte

Zusammen mit der Einsprache wurden die Steuererklärung und die 

provisorische Jahresrechnung mit dem provisorischen Revisionsbericht 

des Jahres 2019 eingereicht.

6. Mit Einspracheentscheid vom 17. Mai 2023 trat die Steuerverwaltung auf 

die Einsprache nicht ein. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, 

dass mit der Einsprache lediglich ein provisorischer Revisionsbericht 2019 

und eine provisorische Steuererklärung eingereicht worden seien mit dem 

Vermerk, dass die Jahresrechnung von der Generalversammlung nicht 

genehmigt worden sei. Die unterlassenen Mitwirkungspflichten seien 

deshalb nicht vollständig und formell ordnungsgemäss nachgeholt 

worden. Somit sei die offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessenstaxation 

nicht nachgewiesen worden. Bezüglich dem Antrag, dass mit dem 

Einspracheentscheid zuzuwarten sei, ist im Einspracheentscheid 

begründet worden, dass sowohl nach dem harmonisierten Steuerrecht als 

auch nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung der 

Nebensteuerdomizilkanton die Veranlagung des Hauptsteuerdomizils 

nicht abwarten müsse. Dies sei auch in einem Entscheid des Zürcher 

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Verwaltungsgerichts bestätigt worden. Der beantragte Vortritt sei von der 

A._____ AG nicht beansprucht worden.

7. Gegen diesen Einspracheentscheid reichte die A._____ AG (nachfolgend: 

Beschwerdeführerin) am 19. Juni 2023 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ein und beantragt darin:

"1. Es sei der angefochtene Nichteintretensentscheid aufzuheben und die Sache zur 
materiellen Beurteilung an die Steuerverwaltung zurückzuweisen. Es sei die 
Steuerverwaltung anzuweisen, mit der Veranlagung abzuwarten, bis über die von 
der Beschwerdeführerin eingeleiteten Grundbuchberichtigungsverfahren betreffend 
der Grundstücke in D._____ und C._____ rechtskräftig entschieden ist.

 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdegegners."

Als Begründung führte sie im Wesentlichen an, sie sei aktuell – aufgrund 

hängiger Grundbuchberichtigungsverfahren mit denen sie die 

Rückabwicklung der (unterpreislich) verkauften Grundstücke in C._____ 

und D._____ anstrebe – nicht in der Lage eine definitive Jahresrechnung 

zu erstellen. Dies werde auch im provisorischen Jahresbericht erläutert. 

Durch den Hinweis auf den in der provisorischen Jahresrechnung 

ausgewiesene Gesamtverlust habe die Beschwerdeführerin die 

offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung umfassend 

begründet. Durch die Einreichung der – wenn auch provisorischen – 

Jahresrechnung und der Begründung für die noch nicht erfolgte 

Fertigstellung der Jahresrechnung habe die Beschwerdeführerin 

sinngemäss eine ordentliche Veranlagung entsprechend dem 

Jahresergebnis verlangt und somit die Begründungspflicht erfüllt. Die 

Steuerverwaltung hätte also auf die Einsprache eintreten und im Rahmen 

der Behandlung der Einsprache prüfen müssen, ob tatsächlich ein 

Gesamtverlust entstanden ist. Da sich diese Frage derzeit, aufgrund der 

hängigen Verfahren, nicht abschliessend beurteilen lasse, hätte die 

Steuerverwaltung dem Anliegen der Beschwerdeführerin stattgeben 

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sollen und mit den Veranlagungen zuwarten müssen, bis die laufenden 

Verfahren abgeschlossen sind.

8. Mit Eingabe vom 7. Juli 2023 reichte die Beschwerdeführerin das 

Schlichtungsgesuch der A._____ AG vom 19. Juni 2023 betreffend 

Grundbuchberichtigung und Feststellung des Alleineigentums an der 

Stockwerkeigentümereinheit Nr. E._____ auf dem Grundstück 5663 in 

C._____ sowie die Verfügung des Regionalgerichts F._____, mit welcher 

das Grundbuchamt C._____ angewiesen wurde, die A._____ AG vorläufig 

als Alleineigentümerin vorzumerken, ein.

9. Mit Vernehmlassung vom 25. August 2023 beantragte die 

Steuerverwaltung (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die 

vollumfängliche Abweisung der Beschwerde; unter gesetzlicher 

Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Begründend bringt sie im 

Wesentlichen vor, dass die Ermessensveranlagung nur wegen 

offensichtlicher Unrichtigkeit angefochten werden könne; die Einsprache 

sei zu begründen und müsse allfällige Beweismittel nennen. Genüge die 

Einsprache diesen Erfordernissen nicht, werde auf sie gemäss Art. 137 

Abs. 4 StG nicht eingetreten. Die Beschwerdeführerin habe die 

unterlassenen Mitwirkungspflichten nicht vollständig und formell 

ordnungsgemäss nachgeholt. Zudem sei der Nachweis der 

offensichtlichen Unrichtigkeit der Ermessenstaxation nach 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung umfassend zu führen. Diese 

Voraussetzung sei nicht erfüllt, wenn etwa die Steuererklärung 

unvollständig ausgefüllt ist oder bloss geschätzte Angaben enthält, 

Bestandteile des amtlichen Steuererklärungsformulars fehlen, die 

Jahresrechnung einer Aktiengesellschaft nicht von der 

Generalversammlung genehmigt oder die Geschäftsbuchhaltung formell 

ordnungswidrig ist. Im Zuge der Einsprache habe die Beschwerdeführerin 

lediglich ein provisorischer Revisionsbericht 2019 und eine provisorische 

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Steuererklärung eingereicht mit dem Vermerk, dass die Jahresrechnung 

von der Generalversammlung nicht genehmigt worden sei. Damit habe die 

Beschwerdeführerin den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit nicht 

erbracht. Die Beschwerdegegnerin sei daher zu Recht nicht auf die 

Einsprache eingetreten.

10. In der Replik vom 18. September 2023 räumte die Beschwerdeführerin 

ein, dass der Gesetzgeber an die Einsprache gegen eine 

Ermessenstaxation höheren Anforderungen stelle, als an eine Einsprache 

gegen eine ordentliche Veranlagung. Hingegen überspanne die 

Beschwerdegegnerin vorliegend die Anforderungen an die Einsprache, 

wenn sie den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit bzw. das 

vollumfängliche Nachholen der versäumten Mitwirkungspflichten zur 

Prozessvoraussetzung erhebe. Prozessvoraussetzungen seien bei einer 

Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung lediglich eine Begründung 

und die Nennung der Beweismittel. Rechtsprechungsgemäss sei das 

Nachreichen der bisher nicht vorgelegten Steuererklärung nicht 

Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache. Ob der Unrichtigkeitsnachweis 

effektiv gelinge, sei keine Frage des Eintretens, sondern der materiellen 

Beurteilung der Einsprache. Vorliegend genüge die von der 

Beschwerdeführerin eingereichte Einsprache den 

Begründungsanforderungen.

11. Mit Duplik vom 2. Oktober 2023 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren 

bisherigen Ausführungen fest und betonte, dass die von der 

Beschwerdeführerin eingereichte provisorische Jahresrechnung 2019, 

welche von der Generalversammlung nicht genehmigt wurde, nicht als 

geeignetes Beweismittel für die Begründung der offensichtlichen 

Unrichtigkeit anerkannt werden könne, da das ausgewiesene Ergebnis 

jederzeit abänderbar sei. Der in der provisorischen Jahresrechnung 2019 

ausgewiesene Verlust von CHF 25'759.97 resultiere ausschliesslich 

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aufgrund der Wertberichtigung der Forderung gegenüber G._____ von 

CHF 887'342.88, welche sehr fraglich scheine und durch die 

Generalversammlung nicht bestätigt worden sei. Ohne diese 

Wertberichtigung hätte die Beschwerdeführerin im Geschäftsjahr 2019 

einen Gewinn von CHF 861'582.91 erzielt. Die Forderung gegenüber 

G._____ sowie deren vollständige Wertberichtigung würden gemäss 

Anhang zur provisorischen Jahresrechnung 2019 auf Annahmen und 

Schätzungen beruhen. Eine offensichtliche Unrichtigkeit könne jedoch 

nicht mittels Schätzungen und Annahmen beseitigt werden. Daher sei die 

Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Einsprache nicht eingetreten.

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II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 139 Abs. 1 StG kann der Steuerpflichtige gegen 

Einspracheentscheide innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheides 

beim Verwaltungsgericht schriftlich Beschwerde erheben. Die Frist beginnt 

am Tag nach der Zustellung zu laufen (Art. 124 Abs. 3 StG i.V.m. Art. 7 

des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, VRG; BR 370.100). Die 

vorliegende Beschwerde wurde am 19. Juni 2023 einer schweizerischen 

Poststelle übergeben und erfolgte somit rechtzeitig (vgl. Art. 8 Abs. 1 

VRG). Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen 

Bemerkungen Anlass, sodass auf die formgerechte Beschwerde 

einzutreten ist.

2. Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 14. Mai 2023, 

wonach die Beschwerdegegnerin auf die Einsprache der 

Beschwerdeführerin betreffend Ermessenstaxation nicht eingetreten ist. 

Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet also die 

Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Einsprache 

eingetreten ist.

3. Laut Art. 131 Abs. 1 lit. a StG wird die Veranlagung nach pflichtgemässem 

Ermessen vorgenommen, wenn der Steuerpflichtige trotz Mahnung und 

Androhung einer Ermessenseinschätzung seine Verfahrenspflichten nicht 

erfüllt hat. Gemäss Art. 131 Abs. 2 StG erfolgt die Veranlagung unter 

Berücksichtigung aller im Zeitpunkt der Einschätzung bekannten 

Tatsachen und ist zu begründen. Insbesondere können Erfahrungszahlen, 

Vermögensentwicklung und Lebensaufwand des Steuerpflichtigen 

berücksichtigt werden.

3.1. Die Veranlagung nach Ermessen ist ein Mittel zur Erreichung einer 

angemessenen Einschätzung, wenn die steuerpflichtige Person ihre 

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Mitwirkungspflicht nicht erfüllt (namentlich keine Steuererklärung 

einreicht) oder wenn die Steuerfaktoren aus anderen Gründen mangels 

zuverlässiger Unterlagen (zumindest der Höhe nach) nicht genau ermittelt 

werden können. Eine Ermessenseinschätzung dient also dazu, einen 

Untersuchungsnotstand der Steuerbehörde zu beheben. Auch bei der 

Ermessensveranlagung hat die Steuerbehörde – wie bei der ordentlichen 

Veranlagung – von Amtes wegen alle Unterlagen zu berücksichtigen, die 

ihr zur Verfügung stehen. Da sich jedoch bei der Ermessensveranlagung 

der betragsmässige Umfang nicht genau feststellen lässt, ist er zu 

schätzen. Diese Schätzung beruht notwendigerweise auf Annahmen und 

Vermutungen (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 2C_304/2022 vom 17. 

November 2022 E.4.2.2; 2C_922/2016, 2C_923/2016 vom 20. März 2017 

E.3.2.3; vgl. zum Untersuchungsnotstand das Urteil des Bundesgerichts 

2C_1101/2014, 2C_1104/2014 vom 23. November 2015 E.3; vgl. auch die 

Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] A 06 42 

vom 28. November 2006 E.3 und A 07 45 vom 10. Mai 2007 E.4).

3.2. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage der Zulässigkeit der 

Ermessenstaxation ist das bisherige Verhalten des Steuerpflichtigen 

gegenüber dem Fiskus bezüglich Auskunft und Selbstdeklaration der 

(allfällig) geschuldeten Steuern. Nachdem dazu aktenkundig ist, dass die 

Beschwerdeführerin auf die zwei Aufforderungen zur Einreichung der 

erforderlichen Steuerunterlagen vom 13. Mai 2020 und vom 16. Juni 2020 

nicht reagiert – obschon sie mittels letzter Mahnung auf die allfälligen 

Konsequenzen (Busse nach Art. 173 StG sowie Ermessenstaxation nach 

Art. 131 StG) bei fortgesetzter Untätigkeit hingewiesen wurde – und auch 

nach Erhalt der Bussverfügung vom 7. April 2021 (worin die 

Ermessenstaxation bei erneut nutzlos verstrichener Eingabefrist von 8 

Tagen wiederum angedroht wurde) keine Steuererklärung eingereicht hat 

und somit ein Untersuchungsnotstand vorlag, ist für das Gericht 

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hinreichend erstellt, dass die vorgenommene Ermessensveranlagung zu 

Recht erfolgt ist (vgl. hierzu Bg-act. 2 und 3).

4. Streitig und damit zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin die 

gesetzlichen Gültigkeitsanforderungen an die Einsprache gegen die 

Ermessensveranlagung erfüllt hat. Dabei ist relevant, ob die Nachreichung 

der (definitiven) Steuererklärung und die Erbringung des 

Unrichtigkeitsnachweises jeweils Prozessvoraussetzungen darstellen (bei 

deren Fehlen auf die Einsprache nicht eingetreten wird) oder nicht (was 

wiederum zur Folge hätte, dass auf die Einsprache einzutreten und der 

Unrichtigkeitsnachweis im Rahmen der materiellen Beurteilung zu prüfen 

ist).

4.1. Die Beschwerdeführerin stellt sich diesbezüglich auf den Standpunkt, 

Prozessvoraussetzungen seien bei einer Einsprache gegen eine 

Ermessensveranlagung lediglich eine Begründung und die Nennung der 

Beweismittel. Das Nachreichen der bisher nicht vorgelegten 

Steuererklärung sei nicht Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache. Ob 

der Unrichtigkeitsnachweis effektiv gelinge, sei keine Frage des 

Eintretens, sondern der materiellen Beurteilung der Einsprache. Die 

Beschwerdegegnerin überspanne vorliegend die Anforderungen an die 

Einsprache, wenn sie den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit 

bzw. das vollumfängliche Nachholen der versäumten Mitwirkungspflichten 

zur Prozessvoraussetzung erhebe.

4.2. Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Auffassung, der 

Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit sei umfassend zu führen. 

Insbesondere müsse der Steuerpflichtige, der seine Mitwirkungspflichten 

im Veranlagungsverfahren nicht erfüllt und dadurch eine 

Ermessensveranlagung bewirkt habe, die versäumte 

Mitwirkungshandlung (Steuererklärung samt Beilagen bzw. fehlende 

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Belege) umfassend nachholen, um die Einsprache genügend zu 

begründen. Die Beschwerdeführerin habe die unterlassenen 

Mitwirkungspflichten nicht vollständig und formell ordnungsgemäss 

nachgeholt, zumal die von ihr eingereichte provisorische Steuererklärung 

2019 auf einer provisorischen Jahresrechnung beruht, die von der 

Generalversammlung gar nicht genehmigt wurde. Damit habe die 

Beschwerdeführerin den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit nicht 

erbracht. Die Beschwerdegegnerin sei daher zu Recht nicht auf die 

Einsprache eingetreten.

4.3. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Art. 48 Abs. 2 des Bundesgesetzes 

über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und 

Gemeinden (Steuerharmonisierungsgesetz, StHG; SR 642.14) – und in 

der Folge auch Art. 137 Abs. 4 StG sowie die entsprechende Bestimmung 

in anderen kantonalen Steuergesetzen [namentlich Art. 140 des Zürcher 

Steuergesetzes]) – mit Art. 132 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die 

direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) wörtlich übereinstimmen. 

Hinsichtlich der Anforderungen an die Einsprache gegen eine 

Ermessenstaxation kann daher die Rechtsprechung und Literatur zur 

direkten Bundessteuer und auch diejenige zu den anderen kantonalen 

Steuererlassen herangezogen werden (vgl. statt vieler die Urteile des 

Bundesgerichts 2C_36/2017, 2C_37/2017 vom 30. Januar 2017 E.3, 

2C_799/2017, 2C_800/2017 vom 18. September 2018 E.9.1).

4.4. Nach dem Wortlaut von Art. 137 Abs. 4 StG kann die 

Ermessensveranlagung nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit 

angefochten werden (Satz 1). Die Einsprache ist zu begründen und muss 

allfällige Beweismittel nennen (Satz 2). Genügt die Einsprache diesen 

Erfordernissen nicht, wird auf sie nicht eingetreten (Satz 3). Art. 137 Abs. 4 

StG überbindet daher der steuerpflichtigen Person im Einklang mit Art. 48 

Abs. 2 StHG den mit der Einsprache anzutretende und im Verfahren zu 

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leistende Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit der 

Ermessenseinschätzung. Die genannten erhöhten prozessualen 

Anforderungen finden ihre Erklärung in der besonderen Natur der 

Ermessenseinschätzung. Da eine Ermessenseinschätzung auf 

Annahmen und Vermutungen beruht und somit naturgemäss eine gewisse 

Unschärfe aufweist, ist die Möglichkeit, sie anzufechten, entsprechend 

eingeschränkt. Die steuerpflichtige Person kann sie deshalb nur wegen 

offensichtlicher Unrichtigkeit in Frage stellen. Steuerpflichtige, die nach 

pflichtgemässem Ermessen veranlagt worden sind, haben im 

Einspracheverfahren die offensichtliche Unrichtigkeit der Einschätzung 

nachzuweisen (Urteil des Bundesgerichts 2C_404/2019 vom 29. Januar 

2020 E.2.3; siehe zum Ganzen: RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, 

Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 4. Auflage 2021, § 140 Rz. 64). 

Dadurch soll aber nicht das Einspracherecht des Steuerpflichtigen im Sinn 

eines zusätzlichen Gültigkeitserfordernisses eingeschränkt werden. 

Vielmehr soll die Veranlagungsbehörde eine Ermessensveranlagung im 

Einspracheverfahren bloss dann aufheben oder abändern können und 

dürfen, wenn sich diese als offensichtlich unrichtig erweist. Beschränkt 

wird somit die Prüfungsbefugnis der Einsprachebehörde (vgl. Urteil des 

Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich SB.2019.00053 vom 

13. November 2019 E.3.3.1). Ob die Veranlagung offensichtlich unrichtig 

und zu korrigieren ist, bildet demgegenüber eine Frage der materiellen 

Beurteilung. Dabei reicht es nicht aus, die Schätzung bloss in Zweifel zu 

ziehen; vielmehr hat der Steuerpflichtige nachzuweisen, dass die 

Ermessensveranlagung den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_404/2019 vom 29. Januar 2020 E.2.3; 

2A.39/2004 vom 29. März 2005 E.5; VGU A 06 42 vom 28. November 

2006 E.3). Wenn die steuerpflichtige Person den Nachweis der 

offensichtlichen Unrichtigkeit nicht erbringen kann, führt dies dazu, dass 

die Einsprache abzuweisen ist, mit der Folge, dass die angefochtene 

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Ermessenstaxation weiterhin als solche bestehen bleibt (siehe zum 

Ganzen: ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, Schweizerisches 

Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 

2018, § 20 Rz. 19 f., RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, § 140 Rz. 73 ff.).

Die Gültigkeitserfordernisse der Einsprache sind also (lediglich) eine 

Begründung und die Nennung von allfälligen Beweismitteln. Mit Blick auf 

die Eintretensfrage dürfen an die Begründung nicht allzu hohe 

Anforderungen gestellt werden. Immerhin muss ihr entnommen werden 

können, was der Einsprecher an der angefochtenen Verfügung bemängelt 

(z.B. Zulässigkeit der Ermessensveranlagung; Höhe der Schätzung) und 

auf welche sachbezogenen tatsächlichen oder rechtlichen Überlegungen 

er sich dabei stützt. Der Einsprecher muss sich mit anderen Worten mit 

der angefochtenen Verfügung sachbezogen befassen. Genügt die 

Einsprache diesen Erfordernissen nicht, enthält sie lediglich 

Beanstandungen allgemeiner Art oder ist auch sonst nicht erkennbar, 

worauf der Einsprecher hinauswill, ist auf die Einsprache nicht einzutreten 

(siehe zum Ganzen: ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, § 20 Rz. 19 f., 

RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, § 140 Rz. 66 f., 74). Gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung ergibt sich die Begründung in aller 

Regel aus der nachzureichenden Steuererklärung. Die Pflicht zur 

Einreichung der Steuererklärung besteht im Veranlagungsverfahren (Art. 

124 Abs. 2 DBG bzw. Art. 42 Abs. 1 StHG), grundsätzlich aber auch im 

Verfahren der Einsprache gegen eine Veranlagungsverfügung nach 

pflichtgemässem Ermessen (BGE 131 II 548 E.2.3). Denn 

verfahrensrechtlich soll nicht besser dastehen, wer den 

Mitwirkungspflichten im Veranlagungsverfahren nicht nachgekommen ist 

(Urteil des Bundesgerichts 2C_741/2021 vom 11. Oktober 2021 E.3.3.2; 

in diesem Sinne auch Botschaft vom 25. Mai 1983 zu den Bundesgesetzen 

über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und 

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Gemeinden sowie über die direkte Bundessteuer, BBl 1983 III 1 ff., insb. 

S. 210 zu Art. 135 E-DBG). Eine Ausnahme besteht, wenn das Nachholen 

fehlender Elemente oder das Ausfüllen der Steuererklärung unzumutbar 

ist. Sachurteilsvoraussetzung ist und bleibt aber nur die 

Einsprachebegründung, nicht die eingereichte Steuererklärung (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_741/2021 vom 11. Oktober 2021 E.3.3.2). Das 

Nachreichen der Steuererklärung – bzw. generell das Nachholen der 

versäumten Mitwirkungshandlung – ist keine Prozessvoraussetzung (vgl. 

hierzu das Urteil des Bundesgerichts 2A.72/2004 vom 4. Juli 2005 E.6, 

bestätigt in: 2C_620/2007 vom 2. Juli 2008 E.3.2 und 2C_579/2008 vom 

29. April 2009 E.2.2; vgl. auch RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, § 140 

Rz. 68 und ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, § 20 Rz. 20). Die 

Einsprache kann folglich auch auf andere Weise als durch Vorlage der 

Steuererklärung rechtsgenüglich begründet werden (siehe zum Ganzen 

auch Urteil des Bundesgerichts 2C_741/2021 vom 11. Oktober 2021 mit 

Hinweis auf 2C_36/2017, 2C_37/2017 vom 30. Januar 2017 E.2.2.4).

4.5. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin mit der Einsprache eine 

Begründung angegeben und gleichzeitig die provisorische 

Steuererklärung 2019 und die provisorische Jahresrechnung 2019 sowie 

der provisorische Revisionsbericht 2019 eingereicht. In der Einsprache 

führt sie aus, aufgrund des provisorische Abschlusses 2019 sei ersichtlich, 

dass die ermessensweise Veranlagung nicht den Tatsachen entspreche, 

die Steuerfaktoren 2019 viel zu hoch seien und die Verlustverrechnung 

nicht berücksichtigt worden sei. Aufgrund der hängigen Zivil- und 

strafrechtlichen Verfahren sei die Beschwerdeführerin mit der 

Steuerverwaltung B._____ übereingekommen, mit den offenen 

Veranlagungen ab 2014 so lange zuzuwarten, bis diese Verfahren 

rechtskräftig abgeschlossen sind. Dies sei der Grund, weshalb keine 

Steuererklärungen in den Jahren 2018 ff. eingereicht worden seien. Vom 

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Ausgang dieser Verfahren hänge unter anderem der Verkaufspreis der 

Liegenschaft C._____ sowie das Gesamtergebnis der A._____ AG ab, 

was sich wiederum auf die mit allfälligen Ertragsüberschüssen im Kanton 

Graubünden verrechenbaren Verluste auswirke. Daher sei die 

ermessensweise Verfügung 2019 aufzuheben und mit der Veranlagung 

2019 ff. so lange zuzuwarten, bis die offenen Rechtsverfahren 

abgeschlossen sind.

4.6. Nach dem Gesagten, ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass die 

Beschwerdegegnerin den Unrichtigkeitsnachweis zu Unrecht als 

Eintretensvoraussetzung beurteilt hat. Nach Auffassung dieses Gerichts 

waren die Begründung und die Beweismittel (rein formell betrachtet) 

hinreichend, sodass die Beschwerdegegnerin auf die Einsprache hätte 

eintreten müssen. Der Einspracheentscheid ist daher aufzuheben (vgl. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug A 2018 12 vom 9. April 

2019 E.4d). 

5. Ist die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf die Einsprache 

eingetreten, ist die Sache i.d.R. an diese zurückzuweisen (vgl. VGU A 22 

45 vom 9. Mai 2023 E.5.1). Die Beschwerdeinstanz kann materiell selbst 

entscheiden, wenn sie hierzu in der Lage ist (vgl. die Urteile des 

Bundesgerichts 2A.39/2004 vom 29. März 2005 E.5.2 und 2A.72/2004 

vom 4. Juli 2005 E.3; vgl. auch das Urteil des Verwaltungsgerichts des 

Kantons Zug A 2018 12 vom 9. April 2019 E.5a). Die Beschwerdegegnerin 

hat im vorliegenden Fall den Unrichtigkeitsnachweis (zwar nicht als 

materielle Voraussetzung, aber als Eintretensvoraussetzung) schon 

geprüft und verneint. Zudem hat sie sich auch materiell mit der Einsprache 

befasst und aufgezeigt, weshalb diese aus ihrer Sicht voraussichtlich 

abzuweisen wäre (vgl. Bf-act. 2 S. 3). Es wäre daher ein formalistischer 

Leerlauf, die Sache nochmals zu neuem Entscheid an die Vorinstanz 

zurückzuweisen (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 2A.39/2004 vom 

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29. März 2005 E.5.2 und VGU A 15 60 vom 4. April 2017 E.9b und A 21 

26 vom 20. September 2022 E.3.2). Das streitberufene Gericht prüft 

demnach nachfolgend, ob die Beschwerdeführerin mit der in der 

Einsprache aufgeführten Begründung und den eingereichten 

Beweismitteln den Unrichtigkeitsnachweis erbracht hat (vgl. zum Ganzen 

auch das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug A 2018 12 vom 

9. April 2019 E.5b).

5.1. Die Beschwerdeführerin führt in ihren Eingaben im Wesentlichen aus, sie 

habe den Nachweis dadurch erbracht, dass sie der Beschwerdegegnerin 

eine provisorische Steuererklärung sowie eine provisorische 

Jahresrechnung 2019 eingereicht habe. Letztere weise einen 

Gesamtverlust von CHF 25'759.97 auf, sodass dem Liegenschaftskanton 

(GR) kein steuerbarer Gewinnanteil zustehe. Kantone mit 

Kapitalanlageliegenschaften hätten ein negatives Gesamtergebnis der 

steuerpflichtigen Gesellschaft zu übernehmen. Resultiere in einer 

Steuerperiode ein Gesamtverlust, sei für die Gewinnbesteuerung keine 

Ausscheidung vorzunehmen, sondern der Verlust auf die folgende 

Steuerperiode vorzutragen. Im konkreten Fall seien Zivilverfahren 

betreffend den Verkauf einer Liegenschaft im Kanton B._____ und im 

Kanton Graubünden rechtshängig. Eine allfällige Rückabwicklung des 

Kaufvertrages im Rahmen der Grundbuchberichtigungsklagen gegen 

H._____ und I._____ / J._____ führe zur Beseitigung der Steuerfolgen "ex 

tunc". Sollte dieser Fall eintreten, wiese die Beschwerdeführerin gemäss 

provisorischer Jahresrechnung einen Verlust von CHF 25'759.97 auf. Die 

Jahresrechnung 2019 sei allerdings noch nicht durch die 

Generalversammlung genehmigt worden, da die Zivilverfahren 

(Grundberichtigungsklagen) noch nicht mit einem rechtskräftigen 

Entscheid abgeschlossen worden seien.

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Die Beschwerdegegnerin vertritt ihrerseits die Auffassung, dass die nicht 

genehmigte Jahresrechnung 2019 nicht beweiskräftig sei, da diese nicht 

ordnungsgemäss erstellt worden und jederzeit abänderbar sei.

5.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der 

Unrichtigkeitsnachweis umfassend zu erbringen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 2C_36/2017, 2C_37/2017 vom 30. Januar 2017 E.2.2.1). 

Dies bedeutet, dass der Nachweis formell (durch Nachholen der 

Mitwirkungspflicht, sei es durch eine ordentlich ausgefüllte 

Steuererklärung, sei es durch gleichwertige Unterlagen) und materiell 

(durch Aufzeigen der Unzulänglichkeiten der Veranlagungsverfügung) 

erbracht werden muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_36/2017, 

2C_37/2017 vom 30. Januar 2017 E.2.3.4). Hat der Steuerpflichtige im 

Veranlagungsverfahren nicht gehörig mitgewirkt, muss er mit der 

Einsprache die versäumten Verfahrenspflichten nachholen. Die 

versäumten Mitwirkungshandlungen müssen dabei vollständig und formell 

ordnungsgemäss nachgeholt werden. Diese Voraussetzung ist nicht 

erfüllt, wenn etwa die Steuererklärung unvollständig ausgefüllt ist oder 

bloss geschätzte Angaben enthält, Bestandteile des amtlichen 

Steuererklärungsformulars fehlen, die verlangten Auskünfte oder der 

Lohnausweis unvollständig, die Jahresrechnung einer Aktiengesellschaft 

nicht von der Generalversammlung genehmigt oder die 

Geschäftsbuchhaltung formell ordnungswidrig ist (vgl. zum Ganzen: Urteil 

des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug A 2018 12 vom 9. April 2019 

E.5b/aa; ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, § 20 Rz. 25 f.).

5.3. Gegenstand der Gewinnsteuer ist der Reingewinn, der sich wiederum aus 

dem Saldo der Erfolgsrechnung ergibt (vgl. Art. 79 Abs 1 lit. a StG). Die 

handelsrechtliche Buchhaltung ist somit als Grundlage für die 

steuerrechtliche Gewinnermittlung massgebend (Massgeblichkeitsprinzip, 

Art. 79 StG). Demnach ist der in der Handelsbilanz ausgewiesenen 

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Gewinn sowohl für die Steuerverwaltung als auch für die steuerpflichtige 

Person grundsätzlich bindend; letztere muss sich darauf behaften lassen 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_153/2021 vom 25. August 2021 

E.3.2.4). Diese Bindungswirkung wiederum setzt voraus, dass bei 

juristischen Personen die Jahresrechnung durch das zuständige Organ 

(bei Aktiengesellschaften die Generalversammlung, Art. 698 Abs. 2 Ziff. 4 

OR) genehmigt wird, da nur diesfalls der Reingewinn verbindlich feststeht. 

Solange die Jahresrechnung nicht genehmigt ist, vermag sie keine solche 

Bindungswirkung zu entfalten. Die darin verbuchten Angaben können also 

nicht als Grundlage für die Veranlagung und für die Bestimmung des 

steuerbaren Gewinns herangezogen werden. Folglich ist die von der 

Beschwerdeführerin eingereichte provisorische Jahresrechnung nicht 

bindend und somit auch nicht (hinreichend) beweiskräftig, um daraus die 

offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessenveranlagung ableiten zu 

können. Aus dem provisorischen Revisionsbericht 2019 und der 

provisorischen Steuererklärung 2019 kann die Beschwerdeführerin auch 

nichts für sich ableiten, zumal diesen Dokumenten eine nicht 

beweiskräftige Jahresrechnung zugrunde liegt. Die nicht genehmigte 

Jahresrechnung 2019 sowie die darauf beruhende provisorische 

Steuererklärung und der provisorische Revisionsbericht der 

Beschwerdeführerin sind also (formell) nicht geeignet, die offensichtliche 

Unrichtigkeit der Ermessenstaxation nachzuweisen. 

Im Übrigen sind die Mitwirkungshandlungen rechtsprechungsgemäss 

vollständig und formell ordnungsgemäss nachzuholen. Diese 

Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn die von einer Aktiengesellschaft 

nachgereichte Jahresrechnung – wie vorliegend – nicht von der 

Generalversammlung genehmigt wurde. Da auch keine gleichwertigen 

Unterlagen eingereicht wurden, hat die Beschwerdegegnerin 

schlussendlich zu Recht erwogen, dass die Beschwerdeführerin ihre 

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Mitwirkungspflicht nicht vollständig und formell ordnungsgemäss 

nachgeholt hat. 

5.4. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, vermögen die eingereichten 

Unterlagen auch inhaltlich nicht zu überzeugen.

5.4.1. Der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Gesamtverlust von 

CHF 25'759.97 – der dazu führen soll, dass der Kanton Graubünden, als 

Liegenschaftskanton, keinen Gewinn besteuern darf – sei auf die in der 

provisorischen Jahresrechnung im Aufwand verbuchte Wertberichtigung 

der Forderung gegenüber G._____ in der Höhe von CHF 887'342.88 

zurückzuführen. Gemäss dem Bericht der Revisionsstelle habe der 

Verwaltungsrat zur Bemessung der Forderungen gegenüber G._____ 

Schätzungen vorgenommen. Infolge des unklaren Ausgangs der hängigen 

Gerichtsverfahren sei diese Position vollständig wertberichtigt worden (vgl. 

Bf-act. 4).

5.4.2. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Rückstellungen 

bzw. Wertberichtigungen zu Lasten der Erfolgsrechnung für unmittelbar 

drohende Verlustrisiken, die im Geschäftsjahr bestehen grundsätzlich 

zulässig sind (vgl. Art. 32 Abs. 1 lit. b StG; Urteil des Bundesgerichts 

2C_1082/2014 vom 29. September 2016 E.2.1). Der Umfang der 

geschäftsmässig begründeten Wertberichtigung richtet sich dabei nach 

dem Grad der Verlustwahrscheinlichkeit der einzelnen Forderung. Das 

Periodizitätsprinzip verbietet jedoch eine Schmälerung des steuerbaren 

Gewinns mittels übersetzter Rückstellungen. Die Berechtigung von 

Rückstellungen ist daher laufend zu überprüfen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 2C_1101/2014 / 2C_1104/2014 vom 23. November 2015 

E.3). Die Steuerbehörden bewilligen für inländische Schuldner offiziell ein 

Delkredere von pauschal 5% des Debitorenbestands (offene 

Rechnungen). Bei ausländischen Schuldnern sind es 10%. In der Praxis 

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akzeptieren die meisten kantonalen Steuerbehörden aber 10% auf den 

gesamten Debitorenbestand (vgl. 

https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-

wissen/finanzielles/buchhaltung-und-revision/was-tun-bei-drohendem-

zahlungsausfall.html, [zuletzt besucht am 10. Januar 2024]). Die 

Beschwerdeführerin hat die Forderungen gegenüber G._____ in der Höhe 

von CHF 887'342.88 vollständig wertberichtigt (vgl. Bf-act. 4). Im Rahmen 

des Einspracheverfahrens hat sie aber nicht nachgewiesen, dass 

hinsichtlich dieser Forderungen die Gefahr des Totalausfalls besteht. 

Ohne diese Wertberichtigung hätte die Beschwerdeführerin einen Gewinn 

von CHF 861'582.91 erzielt und selbst wenn man ihr eine angemessene 

Wertberichtigung zugestünde, würde deswegen noch immer ein Gewinn 

resultieren. Der durch diese (fragwürdige) Wertberichtigung geltend 

gemachte Verlust kann also vorliegend nicht berücksichtigt werden. Es ist 

damit nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin den 

behaupteten Gesamtverlust nicht weiter in Betracht gezogen hat.

5.4.3. Sodann begründen auch die hängigen Zivilverfahren und namentlich die 

Grundbuchberichtigungsklage betreffend das Grundstück in C._____ 

keine Tatsachen, die die Ermessenstaxation zum jetzigen Zeitpunkt als 

offensichtlich unrichtig erscheinen lassen. Die in diesem Rahmen von der 

Beschwerdeführerin geltend gemachte Rückabwicklung des Kaufvertrags 

"ex tunc" stellt nämlich nur ein mögliches zukünftiges Ereignis dar, das mit 

erheblicher Ungewissheit belastet ist. Fakt ist, dass das Grundstück in 

C._____ mit Kauvertrag vom 16. November 2018 veräussert wurde, 

dieses Geschäft grundbuchlich vollzogen wurde, aus diesem Verkauf für 

die Beschwerdeführerin ein Gewinn resultierte und entsprechend von der 

Beschwerdegegnerin veranlagt wurde. Die blosse Möglichkeit, dass dieser 

Kauf in der Zukunft rückgängig gemacht wird, vermag zum jetzigen 

https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/finanzielles/buchhaltung-und-revision/was-tun-bei-drohendem-zahlungsausfall.html
https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/finanzielles/buchhaltung-und-revision/was-tun-bei-drohendem-zahlungsausfall.html
https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/finanzielles/buchhaltung-und-revision/was-tun-bei-drohendem-zahlungsausfall.html

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Zeitpunkt nicht die offensichtliche Unrichtigkeit der 

Ermessensveranlagung darzulegen.

5.5. Es ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin mit ihrer 

Einsprache (und namentlich mit der darin enthaltenen Begründung und 

den beigelegten Beweismitteln) der Nachweis, dass die 

Ermessenstaxation offensichtlich unrichtig ist, nicht gelungen ist. Im 

Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin – wenn auch fälschlicherweise 

bereits im Rahmen der Eintretensvoraussetzungen, statt in der materiellen 

Prüfung – die Erbringung des Unrichtigkeitsnachweises durch die 

Beschwerdeführerin also zu Recht verneint. Somit bleibt es bei der 

Ermessensveranlagung vom 3. Oktober 2022. 

6.1. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass Tatsachen, die erst nach einem 

Urteil entstanden sind (echte Noven), gegebenenfalls zur neuen 

Verfügung seitens der Veranlagungsbehörde führen können, wenn diese 

einem Wiedererwägungsgesuch stattgibt (Urteil des Bundesgerichts 

9C_674/2021 vom 20. März 2023 E.3.3.3). Abgesehen davon ist es nicht 

ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin – wie sie selbst vorbringt – 

eine allfällige Verletzung des Verbots der interkantonalen 

Doppelbesteuerung auch nach Rechtskraft der Veranlagung des Kantons 

Graubünden zusammen mit der Veranlagung des zweitveranlagenden 

Kantons B._____ vor Bundesgericht anfechten kann (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_674/2021 vom 20. März 2023 E.2.3). 

6.2. Die von der Beschwerdeführerin in der Beschwerde vorgebrachten 

Argumente, wonach bei einer Abweisung der 

Grundbuchberichtigungsklage der Vorwurf im Raum stünde, dass die 

Veräusserung des Grundstücks in C._____ zu einem untersetzten Preis 

erfolgte und die Steuerverwaltung (weil ihr dieser Umstand bereits bekannt 

war) kein Nachsteuerverfahren einleiten könne, vermögen an den obigen 

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Ausführungen nichts zu ändern. Es bleibt dabei, dass die 

Beschwerdeführerin den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit der 

Ermessensveranlagung nicht erbracht hat.

6.3. Nach dem Gesagten, ist es also nicht zu beanstanden, wenn die 

Beschwerdegegnerin mit der Veranlagung nicht zugewartet hat bis die 

hängigen Zivilverfahren abgeschlossen sind. Da das Gericht zum Schluss 

gekommen ist, dass die Sache nicht an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen ist, erübrigt sich somit auch der diesbezügliche Antrag der 

Beschwerdeführerin.

7. Da die Beschwerdeführerin mit dem Antrag durchdringt, wonach der 

angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben sei, kommt es zu einer 

teilweisen Gutheissung der Beschwerde. Indessen unterliegt die 

Beschwerdeführerin im Hauptpunkt, weil sie den Nachweis der 

offensichtlichen Unrichtigkeit nicht erbringen konnte und die 

Ermessensveranlagung im Ergebnis bestätigt wird. Bei diesem Ergebnis 

gilt die Beschwerdeführerin als unterliegende Partei (vgl. hierzu auch das 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug A 2018 12 vom 9. April 

2019 E.6).

8.1. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die 

Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). In casu ist das Gericht zum 

Schluss gekommen, dass die Beschwerdegegnerin eigentlich auf die 

Einsprache hätte eintreten müssen, sodass die Beschwerde teilweise 

gutzuheissen ist. Da aber die Beschwerdegegnerin zu Recht davon 

ausgegangen ist, dass die Beschwerdeführerin den 

Unrichtigkeitsnachweis nicht erbracht hat und die vorliegende Beschwerde 

im Ergebnis abzuweisen ist, unterliegt die Beschwerdeführerin gesamthaft 

betrachtet. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die 

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Gerichtskosten von CHF 2'000.00 gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG somit 

vollumfänglich der Beschwerdeführerin auferlegt.

8.2. Eine aussergerichtliche Entschädigung steht der Beschwerdegegnerin 

(Vorinstanz) indes nicht zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen 

Wirkungskreis obsiegte (Art. 78 VRG).

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und der Einspracheentscheid 

vom 17. Mai 2023 insoweit aufgehoben, als die Steuerverwaltung des 

Kantons Graubünden auf die Einsprache nicht eingetreten ist. Im Übrigen 

wird die Beschwerde abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend aus

- einer Staatsgebühr von CHF 2'000.00

- und den Kanzleiauslagen von CHF 428.00

zusammen CHF 2'428.00

gehen zulasten der A._____ AG.

3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilung]

[Mit Urteil 9C_113/2024 vom 6. August 2024 hat das Bundesgericht die gegen diesen 

Entscheid erhobene Beschwerde abgewiesen.]