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**Case Identifier:** b00910e7-7575-56f2-8f78-2443e0b174be
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-11
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 11.12.2012 R 2012 113
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2012-113_2012-12-11.pdf

## Full Text

R 12 113

5. Kammer 

URTEIL
vom 11. Dezember 2012

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baueinsprache

1. Am 9. März 2012 reichte … bei der Baubehörde … ein Baugesuch für die 

Erstellung eines Mehrfamilienhauses auf Parzellen Nrn. 2211 und 2273 in … 

ein. 

2. Die dagegen von … erhobene Einsprache vom 4. April 2012 wies der 

Gemeindevorstand … am 27. Juli, mitgeteilt am 21. August 2012, ab, soweit er 

darauf eintrat, und erteilte der Beschwerdegegner 2 gleichentags die 

Baubewilligung Nr. 23/2012 unter Bedingungen und Auflagen. Unter anderem 

verfügte der Gemeindevorstand als spezielle Auflage, dass zu Parzelle Nr. 

2212 entweder der Grenzabstand einzuhalten oder vor Baubeginn das 

Näherbaurecht zulasten Parzelle Nr. 2212 ins Grundbuch einzutragen sei. 

Weiter müssten die sieben Parkplätze vor Baubeginn nachgewiesen und im 

Grundbuch eingetragen werden. Begründend führte die Gemeinde unter 

anderem aus, der grosse Grenzabstand sei gemäss Art. 67 Abs. 2 BG von der 

Hauptfassade einzuhalten, wobei zur Bestimmung derselben in erster Linie die 

Orientierung der Hauptwohnräume massgebend sei. Hilfsweise seien die 

Stellung der Nachbargebäude, die Besonnung und die topografische Lage zu 

berücksichtigen. Betreffend Einhaltung der Grenzabstände sei das 

Bauvorhaben als ein Gebäude zu beurteilen. Vorliegend lägen hinter zwei 

Fassaden Hauptwohnräume, nämlich an der Süd- und an der Nordfassade. Die 

Baubehörde wende Art. 67 Abs. 2 BG an und beurteile die beiden Fassaden als 

gleichwertig. Weil die Hauptfassade aufgrund dieses Kriteriums nicht eindeutig 

bestimmt werden könne, müssten weitere Kriterien geprüft werden. Dabei 

könne nicht auf Kriterien wie flächenmässig grösste Fassade etc. abgestellt 

werden, weil dafür keine gesetzliche Grundlage bestehe. Es kämen folglich die 

ergänzenden Kriterien gemäss Art. 67 Abs. 2 BG zur Anwendung. Dabei sei 

auch die Praxis der Gemeinde einzubeziehen. Zudem habe die Gemeinde 

einen Ermessensspielraum. Unter Berücksichtigung der Stellung der 

Nachbargebäude in unmittelbarer Nähe könne festgestellt werden, dass kaum 

Gebäude bestünden, bei welchen die Hauptfassade nach Süden ausgerichtet 

sei. Hauptausrichtungen seien Westen und Norden. Dafür sei das 

langgezogene, an einem Nordhang gelegene Gemeindegebiet und die Aussicht 

in Richtung obere … und gegenüberliegende Talseite verantwortlich. Die 

Ausrichtung und die topographische Situation von … sprächen für die 

Berücksichtigung der Nordfassade. Nur auf das Kriterium der Besonnung 

bezogen könnte die Südfassade Hauptfassade sein. Von drei sprächen zwei 

Kriterien für die Nordfassade. Somit müsse die Nordfassade den grossen 

Grenzabstand einhalten, was sie tue. Die Praxis des Gemeindevorstands sei 

gerade im Quartier … gut sichtbar. Während der ganzen Erstellung der 

Siedlung sei mehrheitlich die Abparzellierung der jetzigen Grundstücke erst 

gemacht worden, nachdem der Bau erstellt worden sei. Dies ergebe die jetzt 

enge und verdichtete Bauweise mit den sehr unterschiedlich festgelegten 

grossen Grenzabständen. Mit den im Rahmen des Rechtsschriftenwechsels 

durch die Bauherrschaft eingereichten abgeänderten Plänen, welche den 

Einsprechern zur Wahrung des rechtlichen Gehörs zugestellt worden seien, 

werde der kleine Grenzabstand bezüglich der Gebäudehülle und der 

vorspringenden Gebäudeteile eingehalten. Gegenüber der Nachbarparzelle Nr. 

2212 sei aber die Grenzabstandslinie wohl falsch eingezeichnet worden und 

das Gebäude rage noch in den Grenzabstand hinein. Deswegen könne das 

Baugesuch aber nicht als Ganzes abgewiesen werden. Der Mangel könne 

entweder durch eine Verkleinerung des Balkons oder ein Näherbaurecht 

bereinigt werden. Deswegen sei in die Baubewilligung die entsprechende 

Auflage aufgenommen worden. 

3. Dagegen erhoben … am 21. September 2012 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragten die Aufhebung 

der Baubewilligung. Eventualiter sei die Baubewilligung zur Anmerkung 

betreffend Erstwohnung an die Gemeinde … zurückzuweisen. Der Beschwerde 

sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Dieser Antrag wurde am 10. Oktober 

2012 vom Instruktionsrichter abgelehnt. Im Zuge der Realisierung der 

Bauetappe „… 6“ sei auf der Parzelle Nr. 2215 eine unterirdische 

Autoeinstellhalle (AEH) erstellt worden, für deren Realisierung Teile der 

Parzellen Nrn. 2211, 2212 und 2273 beansprucht worden seien. Die AEH sei in 

26 Miteigentumsanteile aufgeteilt und sie seien Eigentümer eines 

Doppeleinstellplatzes und somit Mitglieder der Eigentümergemeinschaft AEH. 

Gemäss der vereinbarten Dienstbarkeit bilde unter anderem auch das 

sogenannte Garagenausgangsgebäude Teil der AEH, womit die 

Miteigentümergemeinschaft AEH dinglich daran berechtigt sei. Gemäss dem 

geplanten Neubau solle das Garagenausgangsgebäude Teil desselben werden. 

Die bisherige Aussenwand des Garagenausgangsgebäudes werde neu die 

Innenwand des Neubauprojekts bilden (vgl. Plan Querschnitt Haus B). Art. 89 

Abs. 3 KRG halte ausdrücklich fest, dass ein Baugesuch nur bewilligt werden 

könne, wenn es durch die Eigentümer mit unterzeichnet werde. 

Unbestrittenermassen würden hier Vorkehren am Garagenausgangsgebäude 

vorgenommen, welches Bestandteil der AEH bilde. Weiter seien gemäss Art. 67 

Abs. 2 BG für die Bestimmung der Hauptfassade die Orientierung der 

Hauptgebäude, evtl. die Stellung der Nachbargebäude, die Besonnung und die 

topografische Lage massgebend. Vorab sei indessen abzuklären, ob eine oder 

zwei Bauten erstellt würden. Die Gemeinde gehe von einem Bauvorhaben mit 

einem Mehrfamilienhaus aus. Gemäss Art. 113 BG gehörten auch die Baupläne 

zu den Bauunterlagen. Der planende Architekt stelle im Schnittplan die 

Querschnitte der Häuser A und B dar, gehe somit auch von zwei Häusern aus, 

was auch das äussere Erscheinungsbild mit zwei Häusern auf 

unterschiedlichem Niveau, mit unterschiedlicher Ausrichtung der Dächer und 

klar gekennzeichneten Hauptfassaden bestätige. Demnach würden sich die 

Haupträume der beiden Bauten nach Süden und Norden orientieren. Gegen 

Süden sei der Grenzabstand offensichtlich nicht eingehalten. Selbst wenn aber 

von bloss einer Baute ausgegangen werde, bleibe die Südfassade nach den 

erwähnten gesetzlichen Kriterien klar die für den grossen Grenzabstand 

massgebende Hauptfassade. Somit sei der gesetzlich vorgegebene 

Grenzabstand von 6 m verletzt. Überdies reiche gemäss Plan Grundriss 

Obergeschoss das Dach auf der Westseite des geplanten Neubaus rund 1.8 m 

über das Grundstück Nr. 2212 hinein, was nicht nur den Grenzabstand, 

sondern auch das Eigentum verletze. Auch rage der vorgesehene überdachte 

Sitzplatz an der nordöstlichen Ecke in den Grenzabstand zum Grundstück Nr. 

2125 ein, was nach Art. 77 Abs. 1 KRG nicht mit einer Auflage in der 

Baubewilligung einfach vorbehalten werden könne. Selbst wenn von einer 

offenen überdachten Fläche im Sinne von Art. 76 Abs. 1 KRG ausgegangen 

werde, sei der Grenzabstand ab Dachtraufe nicht eingehalten. Das typische 

Maissen-Haus aus der romanischen … passe sich ferner nicht in die 

Feriensiedlung „…“ ein, welche ein in sich abgeschlossenes Quartier mit 

aufeinander abgestimmten Walserhäusern bilde. Schliesslich könne nach der 

Annahme der Volksinitiative über die Zweitwohnungen am 11. März 2012 eine 

Baubewilligung für ein einzelnes Objekt nur noch bezogen auf Erstwohnungen 

bewilligt werden, was hier nicht eingehalten sei, da die Gemeinde keine 

entsprechende Auflage gemacht habe. 

4. Die Gemeinde … beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der 

Beschwerde. Die Frage der Zustimmung der Miteigentümer sei zivilrechtlicher 

Natur, weshalb sie nicht einer Beurteilung im Rahmen eines öffentlich-

rechtlichen Baubewilligungsverfahrens zugeführt werden könne. Vorliegend 

handle es sich um einen zusammengebauten Gebäudekomplex, der als 

Ganzes betrachtet werden müsse. Dies entspreche der Baupraxis in …, wo 

sehr oft solche Doppelhäuser vorkommen würden, welche aber immer als ein 

Gebäude betrachtet würden. Bezüglich des Sitzplatzes habe sie die Einhaltung 

des Grenzabstandes in der Baubewilligung ausdrücklich vorbehalten. Für die 

Aspekte der Einordnung in die Landschaft und die Umgebung verweise sie auf 

den Einspracheentscheid. Die Zweitwohnungsinitiative gelange hier nicht zur 

Anwendung, da das Baugesuch bereits am 9. März 2012 eingereicht worden 

sei. Auf jeden Fall finde die mittlerweile erlassene Bundesverordnung hier keine 

Anwendung. 

5. In seiner Vernehmlassung beantragte der Beschwerdegegner 2 ebenfalls die 

Abweisung der Beschwerde. Die zu bebauenden Grundstücke Nr. 2211 und 

2273 würden im Eigentum des Bauherrn sowie von mitbeteiligten Eigentümern 

stehen und inmitten der Walsersiedlung … in … liegen. Die Positionierung des 

gesamten neuen Baukörpers mit den Hausteilen A und B habe auf Grund der 

vorliegenden schwierigen Umstände sowie der umliegenden bereits erstellten 

Baukörper und der Parzellenformen eine besonders subtile Planung erfordert. 

Deshalb seien auch eine Reliefaufnahme sowie ein Plan mit allen 

Höhenangaben der bestehenden Dächer und Dachvorsprüngen veranlasst 

worden. Der Bauherr und Mitbeteiligte hätten sich für die Überbauung beider 

Grundstücke entschlossen, diese zusammengelegt und die Nutzung gegen 

Süd-Osten konzentriert. Damit seien hauptsächlich eine Abstufung der 

benachbarten Häuser und die Gliederung des Neubaus in zwei optisch 

verringerte Bauvolumen beabsichtigt gewesen. Die Rechte der Miteigentümer 

würden jedenfalls eingehalten und beachtet. Die Einfahrt zur Garage werde 

nicht verändert, sondern nur der Dachteil des Aufbaus werde neu erstellt. Die 

Aussentüre werde um 26 cm verbreitet, was nur zum Vorteil aller Mitbenutzer 

sei. Für die bisher erstellten weiteren Häuser mit direktem Zugang zur AEH, wie 

jenes der Beschwerdeführer auf Grundstück Nr. 2310, sie nie die Zustimmung 

aller Miteigentümer der AEH eingeholt worden, weshalb die jetzige Beschwerde 

schon etwas erstaune. Die Ausrichtung der Haupträume des Haupthauses A 

mit der grössten Wohnung sei klar nach Norden. Die durch die 

Beschwerdeführer verlangte Aufteilung in zwei Bauten mit Hauptfassade nach 

Süden sei völlig unsachlich. Die Hauptausrichtung nach Norden des 

Mehrfamilienhauses ergebe sich auch aus der Geometrie der Grundstücke Nr. 

2211 und 2273. Die Aufteilung des Neubaus in zwei Teile (A und B) komme 

allein den benachbarten Liegenschaften zugute, da sich dadurch das Volumen 

der Baute reduziere. Alle massgebenden Höhen würden damit nämlich 

wesentlich unterschritten. Sowohl der grosse als auch alle kleinen 

Grenzabstände seien vollständig eingehalten. Bezüglich Grundstück Nr. 2212 

würden die Pläne sogar noch angepasst und das erforderliche Näherbaurecht, 

welches an sich zugesichert worden sei, entfallen. Die vorhandene 

Fotodokumentation zeige, dass die Einordnung in die bestehende 

Walsersiedlung gut gelungen sei. Auf jeden Fall würden sich bei den 

bestehenden Häusern verschiedene Elemente finden, welche auch für das zu 

erstellende Mehrfamilienhaus vorgesehen seien. Das Dach werde neu anstatt 

mit Steinplatten mit Dachziegeln versehen, womit eine noch bessere 

Anpassung an die bestehenden Dächer erreicht werde. Weder die neue 

Verfassungsbestimmung noch die auf den 1. Januar 2013 in Kraft tretende 

Verordnung des Bundesrates würden vorliegend zur Anwendung gelangen. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie in den 

angefochtenen Entscheiden wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 

Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der 

Einspracheentscheid vom 27. Juli, mitgeteilt am 21. August 2012, der 

Beschwerdegegnerin 1, mit welchem die Einsprache der heutigen 

Beschwerdeführer gegen das vom Beschwerdegegner 2 eingereichte 

Baugesuch betreffend Neubau eines Mehrfamilienhauses auf den Parzellen 

Nrn. 2211 und 2273 abgewiesen worden ist sowie die am 27. Juli 2012 erteilte 

Baubewilligung Nr. 23/2012. Streitig und zu prüfen ist, ob die Einsprache zu 

Recht abgewiesen und die Baubewilligung folglich zu Recht erteilt worden ist.

2. a) Die Beschwerdeführer machen zunächst geltend, aufgrund der fehlenden 

Zustimmung der Eigentümer der Tiefgarage zur Integrierung des bestehenden 

Garagenausgangsgebäudes in das Bauvorhaben des Beschwerdegegners 2 

habe die Gemeinde … die Baubewilligung zu Unrecht erteilt. Wie es sich damit 

verhält, ist nachfolgend zu prüfen.

b) Das Baubewilligungsverfahren hat den Zweck, festzustellen, ob ein geplantes 

Bauvorhaben oder eine Nutzung mit den einschlägigen Vorschriften des 

öffentlichen Rechts übereinstimmt. Die Baubewilligung gilt nach herrschender 

Lehre und Rechtsprechung als Polizeibewilligung, auf deren Erteilung ein 

Rechtsanspruch besteht, sofern die gesetzlichen Vorschriften erfüllt sind. Die 

Baubewilligung stellt fest, dass dem ihr zugrunde liegenden Bauvorhaben keine 

öffentlich-rechtlichen, insbesondere baupolizeilichen und raumplanerischen 

Hindernisse entgegenstehen. Dies bedeutet einerseits, dass ein 

Rechtsanspruch auf Erteilung der Baubewilligung besteht, wenn alle öffentlich-

rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Andererseits dürfen die 

Baubewilligungsbehörden grundsätzlich keine privatrechtlichen Fragen 

beurteilen, sondern sich nur auf öffentlich-rechtliche Vorschriften berufen (vgl. 

zum Ganzen: Andreas Baumann, Das Baubewilligungsverfahren nach 

aargauischem Recht, Zürich 2007, S. 115 mit Hinweisen auf die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung). Nach der Praxis des 

Verwaltungsgerichtes sind die Gemeinden nur dann nicht verpflichtet, 

Baugesuche von Gesuchstellern zu behandeln, wenn die zivilrechtliche 

Bauberechtigung offensichtlich fehlt (PVG 1990 Nr. 25 und 1987 Nr. 20). Bei 

unterschiedlichen Auslegungen der zivilrechtlichen Berechtigung ist es nach 

konstanter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes Sache des Zivilrichters, 

über den Bestand bzw. den Umfang der Rechte zu richten und damit auch zu 

entscheiden, ob dem Bauherrn die Realisierung seines Bauvorhabens aus 

zivilrechtlicher Optik zu verbieten ist oder nicht (vgl. VGU R 09 73, R 07 22, R 

06 4). Einer differenzierten Betrachtung bedarf es dagegen, wenn eine 

materielle öffentlich-rechtliche Norm die zivilrechtliche Bauberechtigung 

zugleich explizit voraussetzt. Dann geht es eben im Ergebnis nicht um die 

Anwendung von Privatrecht durch die Baubehörde, sondern von öffentlichem 

Recht, welches diese von Amtes wegen anzuwenden hat. In diesem 

Zusammenhang kann es sich als notwendig erweisen, zivilrechtliche Fragen 

vorfrageweise zu prüfen (vgl. VGU R 10 67 vom 11. Februar 2011). Dies ist 

beispielsweise der Fall, wenn es um die Frage der Baureife eines Grundstückes 

geht. Wohl ist es schlussendlich Sache des Zivilrichters, endgültig über den 

Bestand und die Tragweite von bestrittenen dinglichen Rechten zu befinden. 

Indessen setzen Art. 19 des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes (RPG; 

SR 700) wie auch Art. 72 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton 

Graubünden (KRG; BR 801.100) für die Baureife eines Grundstückes voraus, 

dass die verkehrsmässige Erschliessung über ein fremdes Grundstück 

gesichert bzw. die privatrechtliche Berechtigung dazu ausgewiesen ist. Wenn 

diese Berechtigung im Baubewilligungsverfahren bestritten wird, hat sich die 

Baubehörde und im Weiterzugsfalle das Gericht zu dieser Frage zu äussern 

(vgl. VGU R 10 67).

c) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer fehlt die zivilrechtliche 

Berechtigung des Bauherrn zur Stellung des Baugesuchs vorliegend nicht 

offensichtlich. Zwar ist unstreitig, dass die Tiefgarage im Eigentum der 

Miteigentümer von Parzelle Nr. 2215, auf welcher sich die Einfahrt zur 

Autoeinstellhalle befindet, steht. Nicht klar ist zunächst indessen, wie weit das 

Recht der berechtigten Parzelle Nr. 2215 zulasten der Parzellen Nrn. 2211 und 

2273 geht. Im Grundbuch ist unter Dienstbarkeiten als Last „Überbaurecht für 

UN-Autoeinstellhallenteil zugunsten 2215“ eingetragen. Der Grundbucheintrag 

ist sodann Ausgangspunkt für die Auslegung eines Überbaurechts bezüglich 

dessen Inhalt und Umfang. Die Auslegung hat dabei grundsätzlich nach der in 

Art. 738 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) vorgesehenen 

Stufenordnung zu erfolgen (BSK ZGB II-Heinz Rey/Lorenz Strebel, 4. Aufl., 

Basel/Zürich/Bern 2011, Art. 674 Rz. 7a). Ausser dem Grundbucheintrag lag 

der Baubehörde indessen zur Auslegung des Umfangs der Berechtigung von 

Parzelle Nr. 2215 nichts Weiteres vor, das die Berechtigung der Bauherrschaft 

zur Stellung des Baugesuchs als offensichtlich nicht gegeben ausgewiesen 

hätte. Dementsprechend war aber eine Auslegung nach der in Art. 738 ZGB 

vorgesehenen Stufenordnung gar nicht möglich. Selbst, wenn dies aber anders 

gewesen wäre, ist es nicht Aufgabe der Bewilligungsbehörde, derartige 

Auslegungen im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens durchzuführen. Dies 

ist Sache des Zivilrichters. 

d) Vorliegend ist insbesondere der Umstand entscheidend, dass gemäss Art. 742 

ZGB der Eigentümer eines Grundstücks, welches teilweise durch die Ausübung 

einer Dienstbarkeit in Anspruch genommen wird, die Verlegung auf eine 

andere, für den Berechtigten nicht weniger geeignete Stelle verlangen kann, 

sofern er ein Interesse nachweist und die Kosten übernimmt. Hierzu ist er auch 

dann befugt, wenn die Dienstbarkeit im Grundbuch auf eine bestimmte Stelle 

gelegt worden ist. Dies ist eine logische Folge des Grundsatzes der 

schonenden Rechtsausübung. Der erwähnte Grundsatz gilt sodann auch im 

vorliegenden Fall, wo zwar nicht direkt eine Verlegung der Dienstbarkeit zur 

Diskussion steht, aber eine andere Gestaltung des Zugangs. Diese ist wohl 

kaum weniger geeignet als die jetzige. Im Gegenteil wird die Aussentüre des 

ehemaligen Garagenausgangsgebäudes gar verbreitert. Dass die neue Anlage 

einen erheblichen Nachteil für die Berechtigten bringt, machen diese denn auch 

nicht geltend. Zwar ist ein eigenmächtiges Vorgehen des Belasteten gemäss 

Lehre ausgeschlossen (vgl. zu alldem: BSK ZGB II-Etienne Petitpierre, a.a.O., 

Art. 742). Im vorliegenden Fall hat die Bauherrschaft aber erklärt, dass sie die 

betreffenden Arbeiten erst in Angriff nehmen werde, wenn sämtliche 

Unklarheiten bezüglich dieses Garagenzugangs ausgeräumt seien. Aufgrund 

dieser Ausführungen ist klar, dass nicht gesagt werden kann, der Bauherrschaft 

fehle die Berechtigung zur Stellung des Baugesuchs offensichtlich. Dies wäre 

aber Voraussetzung dafür, dass die Gemeinde auf ein Baugesuch nicht eintritt 

respektive nach Art. 44 der Raumplanungsverordnung für den Kanton 

Graubünden (KRVO; BR 801.110) vorgeht. Wenn die zivilrechtliche 

Bauberechtigung aber derart offen ist wie im vorliegenden Fall, ist es gemäss 

verwaltungsgerichtlicher Praxis zulässig, dass die Gemeinden im Rahmen ihrer 

öffentlich-rechtlichen Überprüfung der Baugesuche die Parteien auf den Gang 

zum Zivilrichter verweisen. Weil aber die Beurteilung des Baugesuchs auch aus 

öffentlich-rechtlicher Sicht eine gewisse Rolle spielen kann, ist der Erlass bzw. 

die Verweigerung der entsprechenden Baubewilligung von einer gewissen 

Bedeutung für die Bauherrschaft und die entsprechende Beurteilung des 

Baugesuchs deshalb auch angebracht. 

3. a) Die Beschwerdeführer rügen des Weiteren die Nichteinhaltung der 

Grenzabstandsvorschriften gemäss kommunalem Baugesetz. Bevor die 

Thematik der Grenzabstände geprüft werden kann, ist vorweg die Frage der 

Hauptfassade und damit zusammenhängend die Frage, ob es sich beim 

geplanten Mehrfamilienhaus um einen Gebäudekomplex oder um zwei Häuser 

handelt, zu beantworten. Während sich die Gemeinde … wie auch die 

Bauherrschaft auf den Standpunkt stellen, es handle sich beim zur Diskussion 

stehenden Bauvorhaben bloss um ein Mehrfamilienhaus, gehen die 

Beschwerdeführer von zwei Häusern und dementsprechend auch von zwei 

Hauptfassaden aus. 

b) Nach Ansicht des Gerichts handelt es sich beim angefochtenen Bauvorhaben 

offenkundig um einen Gebäudekomplex und nicht etwa um zwei Häuser. Im 

Erdgeschoss wird das Haus durch ein Treppenhaus erschlossen. Die 

Hauseingangstüre ist sodann allen drei Wohnungen gemeinsam. Gegenüber 

der Hauseingangstüre befindet sich die Eingangstüre zur Wohnung A 10. Diese 

weist intern eine Treppe ins Obergeschoss auf. Die beiden Wohnungen im 

Haus B (Wohnung B 20 im Erdgeschoss und Untergeschoss und Wohnung B 

10 im Obergeschoss und Dachgeschoss) haben ihre Eingangstüren, wie die 

Wohnung im Haus A, im Eingangsbereich des Treppenhauses und weisen 

ebenso interne Erschliessungen auf, Wohnung B 20 ins Untergeschoss, 

Wohnung B 10 ins Ober- und Dachgeschoss. Die drei Waschküchen wie auch 

die Keller der drei Wohnungen befinden sich im Untergeschoss. Die 

Aussenwände des Gebäudes weisen ausserdem wesentlich grössere 

Wandstärken auf als die zwischen den Hausteilen liegenden Wände. Vor 

diesem Hintergrund ist aber die Hauptfassade entgegen der Ansicht der 

Beschwerdeführer vom ganzen Mehrfamilienhaus als einem Gebäudekomplex 

zu bestimmen. Diesbezüglich kann unter Berücksichtigung der Tatsache, dass 

der Gemeinde bei der Bestimmung der Hauptfassade infolge ihrer Kenntnis der 

örtlichen Verhältnisse ein grosser Ermessensspielraum zukommt (vgl. VGU R 

10 41 E. 5) ohne weiteres auf deren überzeugende Qualifikation im 

angefochtenen Einspracheentscheid abgestellt werden, zumal die Gemeinde 

sämtliche für die Qualifikation als Hauptfassade massgeblichen Elemente, 

mithin die Orientierung der Hauptwohnräume, die Stellung der 

Nachbargebäude, die Besonnung und die topografische Lage (vgl. Art. 67 Abs. 

2 des Baugesetzes der Gemeinde … [BG]) berücksichtigt hat. 

Dementsprechend ist im Einklang mit der Gemeinde … und der Bauherrschaft 

die Nordfassade des Mehrfamilienhauses als Hauptfassade zu betrachten. An 

dieser Qualifikation vermag auch die Tatsache, dass die Bauherrschaft auf 

ihren Bauplänen die beiden Hausteile als „Haus A“ und „Haus B“ bezeichnet 

hat, nichts zu ändern, kommt es doch nicht auf die Bezeichnung in den 

Bauplänen, sondern vielmehr auf deren Inhalt an. 

c) Gemäss Art. 67 Abs. 2 BG ist der grosse Gebäudeabstand von der 

Hauptfassade aus einzuhalten, während die kleinen Grenzabstände von den 

übrigen Fassaden einzuhalten sind. In der Wohnzone 1, in der das 

angefochtene Bauprojekt liegt, beträgt der grosse Grenzabstand gemäss 

Art. 61 BG 6 m, während der kleine Grenzabstand 3 m beträgt. Die 

Beschwerdeführer bringen diesbezüglich insbesondere vor, das Dach auf der 

Westseite des geplanten Gebäudes reiche auf einer Länge von rund 1.8 m über 

das Grundstück Nr. 2212, was sowohl eine Verletzung des Grenzabstandes als 

auch eine widerrechtliche Inanspruchnahme fremden Eigentums darstelle. 

Ausserdem rage der Sitzplatz an der nord-östlichen Ecke des geplanten 

Neubaus in den Grenzabstand zum Grundstück Nr. 2125. Dabei verkennen die 

Beschwerdeführer jedoch, dass die von ihnen gerügten 

Grenzabstandsverletzungen in den geänderten Bauplänen behoben wurden 

und den kommunalen Grenzabstandsvorschriften, zumindest was die gerügte 

Abstandsverletzung gegen Westen zu Parzelle Nr. 2212 betrifft, entsprechen. 

Soweit ersichtlich ist dies im Übrigen auch bei der gerügten Abstandsverletzung 

gegen Nordosten gegenüber Parzelle Nr. 2125 der Fall. Sollte dem indes nicht 

so sein, ist gemäss Auflage in der Baubewilligung gesichert, dass entweder der 

Grenzabstand eingehalten wird, was die Stellung eines Änderungsgesuches vor 

Baubeginn bedingt, oder vor Baubeginn ein entsprechendes Näherbaurecht 

gemäss Art. 77 Abs. 1 KRG vorzulegen ist. Damit sind die diesbezüglichen 

Anliegen der Beschwerdeführer aber ohne Weiteres erfüllt. 

4. a) Die Beschwerdeführer machen weiter eine Verletzung der Ästhetikklausel von 

Art. 70 Abs. 1 KRG (recte: Art. 73 Abs. 1 KRG) geltend. Dabei weisen sie 

darauf hin, dass es sich bei der Feriensiedlung „…“ um ein in sich 

geschlossenes Quartier mit aufeinander abgestimmten Walserhäusern handle. 

Es werde grossen Wert auf das einheitliche Erscheinungsbild der Häuser 

gelegt. Die beiden geplanten Häuser sollten entsprechend dem Baustil der 

romanischen … realisiert werden. Diese unterscheide sich markant von einem 

Walserhaus, speziell bei der gewählten Dachform, die gegenüber den Häusern 

der …siedlung deutlich ausladender wirke. Ferner weise das Neubauprojekt 

viele Gebäudeeinschnitte auf und wirke in der Umgebung unruhig und fremd. 

Auch die drei Sitzplätze an der südwestlichen, nordwestlichen und 

nordöstlichen Gebäudeecke seien untypisch für den Baustil der Siedlung „…“. 

Zudem seien auch die Fensterformen (konisch in die Fassade hineinlaufend) 

gegenüber den auf der Fassadenflucht montierten Fenstern der Walserhäuser 

unüblich. Dies gelte auch für die Rundtüren und die zweiflügligen 

Ausgangstüren im Fassadenbereich Süd und West. An den Fassaden Süd, 

Nord und Ost seien mehrere Fenster auf einer Ebene geplant, was wie ein 

Fensterband wirke. Fensterläden seien keine vorgesehen. Die geplanten 

Mehrfamilienhäuser, welche die umliegenden Häuser des Typs A, B und C um 

mindestens 3 m überragen würden, wirkten dominant und als eigentlicher 

Fremdkörper. Sie nähmen die architektonische Sprache und Volumetrie der 

Umgebung nicht auf und störten empfindlich. Einen Kontrapunkt zu den 

anderen Häusern bildeten sie nicht, vielmehr werde mit ähnlichen Materialien 

eine Anbiederung an das Bestehende gesucht. 

b) Dagegen wendet die Gemeinde im angefochtenen Entscheid ein, die gewählte 

Materialisierung inklusive Ziegeldach weise keine Unterscheidung im Vergleich 

zur Materialisierung bei den bestehenden Gebäuden auf. Bezüglich Grösse sei 

nicht vordergründig der Ästhetikartikel beizuziehen, sondern die im Baugesetz 

vorgesehenen Gebäudemasse. Das Bauvorhaben unterschreite die gesetzlich 

zulässigen Masse teilweise erheblich und passe sich in die Umgebung ein, 

auch weil es sich nicht an den baugesetzlich zulässigen Höchstmassen 

orientiere. Zudem sei es nicht die Absicht von Art. 73 Abs. 1 KRG, dass nur 

Gebäude in gleicher Form und gleicher Architektur wie die bestehenden erstellt 

werden sollten. Es handle sich hier um ein typisches Walserhaus, wie es in der 

… und auch in der Gemeinde … zahlreich vorkomme. Nicht zutreffend sei, dass 

es sich hier um einen Baustil der romanischen … handle, welcher sich markant 

vom walserischen Baustil unterscheide. Elemente des Neubaus, die von den 

Beschwerdeführern als atypisch gerügt würden, fänden sich in der 

Walsersiedlung … mehrfach wieder. Das Ziegeldach führe zu einer noch 

besseren Einpassung. Zudem schätze der geplante Neubau die maximal 

zulässige Gebäudehöhe nicht aus. Zusammengebaute, verschachtelte 

Gebäude fänden sich in … verschiedentlich, auch Stilelemente wie giebelseitige 

Balkone, die bei Walserhäusern nicht unüblich seien. Der Walserstil habe sich 

auch verändert, was im Quartier zu beobachten sei. Auch im seinerzeitigen 

Verkaufsprojekt fänden sich dieselben Stilelemente, die der Bauherr jetzt 

verwirklichen wolle. 

c) Gemäss Art. 73 Abs. 1 KRG sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den 

Regeln der Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass mit der Umgebung 

und der Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. Dabei ist unbestritten, 

dass aufgrund der umschriebenen Regelung aus ästhetischer Sicht relativ hohe 

Anforderungen an ein Bauvorhaben gestellt werden, genügt es doch mithin 

nicht mehr, dass ein solches nicht störend wirkt (negative Ästhetikklausel). 

Doch dürfen die Anforderungen trotz der positiven Ausgestaltung nicht derart 

hoch angesetzt werden, wie dies etwa der Fall wäre, wenn eine optimale 

Gesamtwirkung verlangt würde (Botschaft der Regierung zum neuen KRG an 

den Grossen Rat, Heft Nr. 3/2004-2005, S. 343). Die Gemeinwesen haben das 

durch Art. 73 Abs. 1 KRG eingeräumte Ermessen pflichtgemäss auszuüben. 

Nach konstanter Rechtsprechung kommt den Gemeinden bei der Auslegung 

von Ästhetikfragen beziehungsweise bei der Prüfung der Frage der 

Eingliederung von Bauten in eine bestehende Umgebung jedoch ein 

geschützter Beurteilungs- und Ermessensspielraum zu, in welchen das Gericht 

nur eingreift, wenn die Gemeinde diesen Ermessensspielraum missbraucht 

oder überschritten hat (VGU R 11 62, R 06 37, R 05 95/102; so bereits: PVG 

1995 Nr. 25, 1994 Nr. 19 und 20, 1991 Nr. 16).

d) Zur Beurteilung der Frage, ob das geplante Mehrfamilienhaus den Ansprüchen 

von Art. 73 Abs. 1 KRG gerecht wird, ist die Feriensiedlung … als Ganzes zu 

betrachten und nicht bloss auf einen Vergleich zwischen romanischem und 

walserischem Baustil abzustellen. Bei dieser Betrachtungsweise stellt man fest, 

dass sich das geplante Mehrfamilienhaus, wie von Art. 73 Abs. 1 KRG 

gefordert, gut in die Feriensiedlung … einordnet respektive mit der Umgebung 

eine gute Gesamtwirkung entsteht. Eine optimale Gesamtwirkung ist 

bekanntlich - wie vorstehend erläutert - nicht notwendig. Den 

Fotodokumentationen, den bewilligten Plänen sowie dem Verkaufsprospekt der 

Feriensiedlung … ist sodann zu entnehmen, dass die bereits bestehenden 

Häuser in etwa dieselben Stilelemente, mitunter gar Rundbögen, die gleichen 

Dachformen und in etwa auch die gleichen Volumina und Höhen wie das 

geplante Projekt aufweisen. Auch die Materialisierung ist ähnlich. Zudem gibt es 

auch bei den umliegenden Häusern Fenster, welche nicht auf der 

Fassadenflucht montiert sind. Auch der Zusammenbau von Häusern kommt in 

der Feriensiedlung … mehrfach vor. Nicht verständlich ist sodann der 

beschwerdeführerische Hinweis betreffend Sitzplätze, weist doch fast jedes 

Haus solche auf. Gleiches gilt auch für die Balkone. Vor diesem Hintergrund ist 

das Gericht in einer Gesamtbetrachtung zur Überzeugung gelangt, dass das 

geplante Mehrfamilienhaus auf Parzellen Nrn. 2211 und 2273 mit der 

Ästhetikklausel von Art. 73 Abs. 1 KRG ohne Weiteres vereinbar ist. In 

Anwendung ihres weiten Ermessensspielraums in Ästhetikfragen durfte die 

Gemeinde daher die Bewilligung zum Bau des ortstypischen Neubauprojekts 

erteilen. 

e) Da die bei den Akten liegende Fotodokumentation, der Verkaufsprospekt der 

Feriensiedlung … sowie die Baupläne eine Beurteilung der Frage, ob die 

geplante Baute den Ansprüchen von Art. 73 Abs. 1 KRG entspricht, ohne 

Weiteres zulassen, kann im vorliegenden Fall von der Durchführung eines 

Augenscheins abgesehen werden (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 127 

V 491 E. 1b, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).

5. a) Die Beschwerdeführer bringen sodann vor, ein nach Annahme der Volkinitiative 

„Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen“ am 11. März 2012 

behandeltes Baugesuch habe die Vorgaben der vom Volk angenommenen 

Initiative über die Reduktion des Zweitwohnungsbaus einzuhalten, weshalb die 

Gemeinde … im Grundbuch eine Anmerkung betreffend Erstwohnung hätte 

verfügen müssen. Vorweg sind diesbezüglich zwei Bemerkungen angebracht. 

Soweit sich die Beschwerdeführer zur Begründung ihrer diesbezüglichen 

Vorbringen auf die vom Bundesrat am 22. August 2012 erlassene Verordnung 

über Zweitwohnungen abstützen, sind diese Vorbringen nicht zu hören. Denn 

die erwähnte Verordnung tritt gemäss Art. 9 Abs. 1 der Verordnung erst am 1. 

Januar 2013 in Kraft und vermag somit zum heutigen Zeitpunkt noch keinerlei 

Rechtswirkungen zu entfalten. Des Weiteren ist an dieser Stelle auf Art. 89 Abs. 

2 KRG hinzuweisen, wonach Baugesuche nach dem Recht beurteilt werden, 

das zur Zeit des Entscheides gilt. Die Tatsache, dass das Baugesuch im 

vorliegenden Fall bereits am 9. März 2012 und somit noch vor Annahme der 

erwähnten Initiative eingereicht wurde, ist somit entgegen den Ausführungen 

der Gemeinde … in ihrer Vernehmlassung unbeachtlich, da wie gesehen das 

Recht im Zeitpunkt des Entscheids massgebend ist. 

b) Fraglich ist im Zusammenhang mit der am 11. März 2012 von Volk und Ständen 

angenommenen Initiative „Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen“ 

vorliegend höchstens, ob der neue Art. 75b der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) vor dem Hintergrund von 

Art. 195 BV, wonach die ganz oder teilweise revidierte Bundesverfassung in 

Kraft tritt, wenn sie von Volk und Ständen angenommen wird, bereits am 11. 

März 2012 und somit zu einem Zeitpunkt, an dem die vorliegend angefochtene 

Baubewilligung vom 27. Juli 2012 noch nicht vorlag, in Kraft getreten ist und 

somit der Erteilung der angefochtenen Baubewilligung entgegenstehen könnte. 

c) Gemäss Art. 195 BV tritt eine Verfassungsänderung an dem Tag in Kraft, an 

dem sie von Volk und Ständen angenommen wird. Soweit Art. 75b BV und 

deren Übergangsbestimmung Art. 197 Ziff. 9 BV direkt Rechtswirkung entfalten 

vermögen, besteht demnach die Rechtsverbindlichkeit dieser 

Verfassungsbestimmungen seit dem Tage ihrer Annahme und unabhängig von 

ihrer Publikation in der Amtlichen Sammlung des Bundesrechts (vgl. Art. 8 Abs. 

1 und 2 des Bundesgesetzes über die Sammlungen des Bundesrechts und das 

Bundesblatt [PublG; SR 170.512]; vgl. auch den erläuternden Bericht des 

Bundesamtes für Raumentwicklung zur Verordnung über Zweitwohnungen vom 

17. August 2012, S. 2). Die Beschwerdeführer berufen sich nun auf Art. 75b BV 

und wollen zumindest sinngemäss aus der Geltung dieser Bestimmung seit 

ihrer Annahme durch das Volk und die Stände ableiten, dass sämtliche nach 

dem 11. März 2012 erteilten Baubewilligungen für Zweitwohnungen (in 

Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 % wie in …) nicht 

mehr zulässig sein sollen. Damit verkennen die Beschwerdeführer, dass das 

Stimmvolk am 11. März 2012 dem in Art. 75b BV angelegten, faktischen 

Baustopp für Zweitwohnungen (in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil 

von über 20 %) nur unter Berücksichtigung der übergangsrechtlichen Regelung 

von Art. 197 Ziff. 9 BV (in den Abstimmungsunterlagen noch Art. 197 Ziff. 8 BV) 

zugestimmt hat. Der neue Art. 75b BV darf demnach nur zusammen mit dem 

neuen Art. 197 Ziff. 9 BV gelesen und verstanden werden. Aus der neuen 

verfassungsrechtlichen Regelung betreffend den Zweitwohnungsbau (Art. 75b 

BV i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 BV) geht zunächst einmal hervor, dass es für die 

Umsetzung der neuen 20 %-Regelung von Art. 75b BV Ausführungsrecht 

braucht. Dies ergibt sich einerseits aus Art. 75b Abs. 2 BV, welcher eine 

Ausführungsgesetzgebung voraussetzt („das Gesetz verpflichtet…“), und 

andererseits aus Art. 197 Ziff. 9 Abs. 1 BV, der explizit den Erlass einer 

entsprechenden Gesetzgebung (bzw. subsidiär den Erlass von bundesrätlichen 

Ausführungsbestimmungen) vorsieht. Auch wenn Art. 197 Ziff. 9 Abs. 1 BV dem 

Gesetzgeber bis zur Inkraftsetzung des Ausführungsgesetzes zwei Jahre Zeit 

einräumt, ist Art. 75b BV nicht so aufzufassen, dass bis zur Inkraftsetzung des 

entsprechenden Ausführungsrechts das bisherige Recht uneingeschränkt 

weitergelten soll. Die zeitliche Anwendbarkeit des bisherigen Rechts wird 

nämlich durch die übergangsrechtliche Bestimmung von Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 

BV geregelt. Danach sind erteilte Baubewilligungen für Zweitwohnungen (in 

Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 % wie in …) vom 1. 

Januar 2013 hinweg bis zum Inkrafttreten des entsprechenden 

Ausführungsrechts nichtig. Die vom Volk und Ständen am 11. März 2012 

angenommene und am gleichen Tag in Kraft getretene intertemporale 

Bestimmung zu Art. 75b BV gilt es vorliegend vom Verwaltungsgericht, aber 

auch von allen rechtsanwendenden Behörden, welche insbesondere 

Bewilligungen zum Bau entsprechender Zweitwohnungen erteilen, zu beachten. 

Die intertemporale Regelung ist mit anderen Worten für die Erteilung von 

Baubewilligungen im noch laufenden Jahr relevant, erst danach tritt auf den 

1. Januar 2013 die vom Bundesrat am 22. August 2012 verabschiedete 

„Verordnung über Zweitwohnungen“ als das in Art. 197 Ziff. 9 Abs. 1 BV 

angesprochene Ausführungsrecht in Kraft und löst − als Folge der 

intertemporalrechtlichen Regelung von Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV − das 

bisherige Recht ab. Aufgrund der Übergangsbestimmung zu Art. 75b BV (und 

aufgrund der Tatsache, dass nicht vor dem 1. Januar 2013 ein Art. 197 Ziff. 9 

BV ersetzendes Ausführungsrecht in Kraft tritt), ergibt sich für das 

Verwaltungsgericht eindeutig, dass auch in jenen Gemeinden wie …, welche 

die kritische Grenze von 20 % Zweitwohnungen überschritten haben, im Jahr 

2012 noch immer Baubewilligungen für Zweitwohnungen erteilt werden dürfen; 

dies, da bis zum 31. Dezember 2012 schweizweit noch das bestehende Recht 

gilt. Auch wenn nun die Initianten der Zweitwohnungsinitiative − und mit ihnen 

vermutlich auch einige Baueinsprecher − als Stichtag für den Baustopp lieber 

den Tag der Annahme der Initiative als den 1. Januar 2013 sähen, ist nicht von 

der Hand zu weisen, dass mit Art. 197 Ziff. 9 BV am 11. März 2012 auch eine 

entsprechende intertemporalrechtliche Norm vom Volk und den Ständen 

angenommen und damit eine übergangsrechtliche Regelung beschlossen 

wurde. Bei dem knappen Resultat, welches die Volksinitiative erzielte (50.6 % 

Ja-Stimmen gegenüber 49.4 % Nein-Stimmen; 12 3/2 befürwortende Stände 

gegenüber 8 3/2 ablehnenden Stände), ist noch nicht einmal auszuschliessen, 

dass ohne die intertemporalrechtliche Norm, welche in der Botschaft zur 

Initiative zur Sprache gebracht (BBl 2008 8757, 8764 f.) und in den amtlich 

publizierten Materialien (AS 2012 3627 f.) wie auch in den 

Abstimmungsunterlagen (Erläuterungen des Bundesrates zur Volksabstimmung 

vom 11. März 2012, S. 10) aufgeführt wurde, gar ein anderes Stimmresultat 

erzielt worden wäre. Hätten die Initianten ein Inkrafttreten der 20 %-Regel ab 

dem Tag der Annahme der Initiative durchsetzen wollen, wäre es für sie ein 

Leichtes gewesen, ein sofortiges Inkrafttreten im Initiativtext explizit 

festzuschreiben oder ganz einfach auf eine Übergangsregelung zu verzichten. 

Aus Sicht der Initianten der Volksinitiative - wie auch aus Sicht der 

Baueinsprecher bzw. Beschwerdeführer - mag es zu bedauern sein, dass ein 

absoluter Baustopp für Zweitwohnungen (in Gemeinden wie … mit einem 

Zweitwohnungsanteil von über 20 %) erst am 1. Januar 2013 in Kraft tritt, doch 

haben es die Verfasser der Initiative selbst zu verantworten, dass mit der 

expliziten Nennung des 1. Januars in den Übergangsbestimmungen ein für den 

Baustopp verbindlicher Termin festgesetzt wurde. Vor dem Hintergrund, dass in 

der Gemeinde … offensichtlich keine Kontingentierungsregelung besteht, durfte 

die Gemeinde am 27. Juli 2012 demnach die angefochtene Baubewilligung 

erteilen, ohne dass sie eine entsprechende Anmerkung betreffend Erstwohnung 

im Grundbuch hätte verfügen müssen. Die Beschwerde ist demnach auch in 

diesem Punkt unbegründet und abzuweisen.

6. a) Demnach erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 27. Juli, 

mitgeteilt am 21. August 2012, der Beschwerdegegnerin 1 sowie die am 27. Juli 

2012 erteilte Baubewilligung Nr. 23/2012 insgesamt als rechtens, was zur 

Abweisung der Beschwerde führt. 

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten unter 

solidarischer Haftung zulasten der Beschwerdeführer (Art. 73 Abs. 1 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Diese haben 

die anwaltlich vertretene Bauherrschaft (Beschwerdegegner 2) zudem 

aussergerichtlich noch angemessen zu entschädigen (Art. 78 Abs. 1 VRG), 

wobei das Gericht ermessensweise eine Entschädigung von insgesamt Fr. 

2‘500.-- (inklusive Mehrwertsteuer) für gerechtfertigt erachtet. Bund, Kanton und 

Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen 

wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine Parteientschädigung 

zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon 

abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass und der Beschwerdegegnerin 1 

wird folglich keine aussergerichtliche Entschädigung zugesprochen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3‘000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 485.--

zusammen Fr. 3‘485.--

gehen unter solidarischer Haftung zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die Beschwerdeführer entschädigen … unter solidarischer Haftung 

aussergerichtlich mit Fr. 2‘500.-- (inkl. MWST).