# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ec5bb1a-12db-51ad-aadb-e8617a7dc989
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-14
**Language:** de
**Title:** Auf das bidisziplinäre neuropsychologische/psychiatrische Gutachten kann abgestellt werden. Keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zwischen dem Gutachten und der erst drei Jahre danach erlassenen Verfügung ausgewiesen. Einkommensvergleich
**Docket/Reference:** IV.2024.00357
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00357.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00357
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Hurst
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Gerichtsschreiber Nef
Urteil
vom
14. August 2025
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1976, Mutter zweier Kinder, geb. 1998 und 2000
,
reiste im April 1998 in die Schweiz ein
und war zuletzt seit 1. Januar 2009 als Aushilfeverkäuferin bei der
Y.___
AG
im Stundenlohn
mit
einem durchschnittlichen Arbeitspensum von 34.5 Stunden pro Woche
angestellt
(Urk. 8/14 Ziff. 2
.1
und Ziff. 2
.3
).
Unter Angabe
seit Januar 2018 bestehender gesundheitlicher Beeinträchtigungen
mit
psychiatrische
r
Behandlung meldete sie sich am 28. Juni 2018 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk.
8
/
4
Ziff. 6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte
berufliche und
medizinische Abklärungen
und zog
zwei psychiatrische
Gutachten
bei,
die
im Auftrag der Krankent
aggeldversicherung
erstellt
worden waren
(Urk.
8
/23
und Urk.
8
/30
)
. Mit V
orbescheid vom 10. März 2020 stellte die IV-Stelle die Verneinung eines Anspruchs auf IV-Leistungen in Aussicht (Urk. 7/34).
Nach erhobenem Einwand (Urk.
8
/43) und einem stationären Aufenthalt der Versicherten in der Klinik
Z.___
(Urk.
8
/47) veranlasste die IV-Stelle eine
bidisziplinäre
(psychiatrische/neuropsychologische) Abklärung
,
wobei das Gutachten am 25. Mai 2021 erstellt wurde (Urk.
8
/66). Im Rahmen der Stel
lungnahme zum Gutachten verlangte die Versicherte die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen (Urk.
8
/70). Mit Mitteilung vom 9. Februar 2022 gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Aufbautraining in der Stiftung
A.___
vom 17. Januar bis 17. Juli 2022
zuzüglich Taggelder
(Urk.
8
/74).
Mit
einer weiteren
Mitteilung vom
5.
Juli 2022
hielt
die IV-Stelle den vorzeitigen Abbruch der Massnahme per 30.
Juni 2022
fest
(Urk.
8
/86).
Vom 17. August bis 13. Oktober 2022 hielt sich die Versicherte erneut in
der Klinik
Z.___
auf
(Urk.
8
/96). Mit Vorbescheid vom 8. Juni 2023
stellte
die IV-Stelle die Verneinung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente
in Aussicht
(Urk.
8
/104).
N
ach erhobenem Einwand
vom
12. Juli 2023
(Urk. 9/105)
mit Ergänzungen vom 13. September 2023
(Urk.
8
/1
09)
wies
die IV-
Stelle
das Begehren
auf eine Invaliden
rente
mit Verfügung vom 15. Mai 2024
ab
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 13. Juni
2024 Beschwerde und beantragte (Urk.
1 S. 2), es sei ih
r
spätestens
ab 1. J
anuar
20
19
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
26
.
Sep
tember
2024 (Urk.
7
)
,
die Abweisung der Beschwerde.
Zu einer weiteren Eingabe der Beschwerdeführerin vom 8. Oktober 2024
(Urk. 10)
gab
die Beschwerde
gegnerin am 25. Oktober 2024
eine
Stellung
nahme ab
(Urk.
12)
. Diese wurde
der Beschwerdeführerin am 28. Oktober 2024 zur Kenntnis gebracht (Urk. 13).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022. Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im Juni 2018 anhängig gemachten Anmeldung bei der Invali
denversicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab Januar 2019 aus
gerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage mass
gebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sog. Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3
m.w.H
.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in
der angefochtenen
Verfügung vom
15
. M
ai
2024 (Urk. 2) aus, die Beschwerdeführerin habe sich am
13. Juli 2018
angemeldet
und mit
Vorbescheid vom 10. März 2018
sei
davon ausgegangen worden, dass keine Invalidität ausgewiesen sei
.
Z
u
r weiteren Prüfung sei
eine
neuropsy
chologische und psychiatrische
Begutachtung
erfolgt
.
Gestützt auf die
Begut
achtung im Mai 2021
bestünden Einschränkungen, die sich
sowohl
in der
bisherige
n
Tätigkeit als
Aushilfsverkäuferin als auch auf eine andere Tätigkeit im ausgeglichenen Arbeitsmarkt auswirken
würden
.
Dabei sei e
ine einfache, struk
turierte und praktische Tätigkeit im
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zumutbar.
Es
lieg
e
eine schwere Beeinträchtigung in der
Interaktions- und Kommunikations
fähigkeit und der Gruppenfähigkeit vor
, die
bei einer Arbeit im ausgeglichenen Arbeitsmarkt
zu
berücksichtig
en sei.
Insofern
seien
Routinetätigkeiten ohne Wechsel im Tätigkeitsprofil und ohne
Kundenkontakte
möglich
und zudem
seien
Produktionstätigkeiten, die keine Teamarbeit erforder
te
n,
zumutbar. In dem Sinne
sei
ein selbständiges Arbeiten mit konstanten Leistungsanforderungen
ohne Publikumsverkehr möglich.
In
der bisherigen Arbeit als Aushilfsverkäuferin
sei die Beschwerdeführerin
damit
zu 50
% arbeitsfähig. In
einer anderen Arbeit, die die genannten Kriterien
erfülle,
sei sie
70
% arbeitsfähig.
Da die Beschwer
deführerin
vom 17. Januar bis 17
.
Juli 2022 IV-Taggelder
bezogen
habe
,
könne
ein Rentenanspruch
ab Juli 2022 entstehen
.
S
eit der Begutachtung
im
Mai 2021 habe sich d
ie gesundheitliche Situation nicht verschlechtert
.
Bei guter Gesundheit
sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin
als Aushilfsverkäu
ferin und nebenerwerblich über die Personalvermittlung
tätig sein würde
. Gestützt auf
den Auszug aus dem
i
ndividuellen Konto
(IK)
und
t
euerung
s
angepasst
sei
im Jahr 2022
auf ein
Jahreseinkommen von
Fr.
51
’
353.30
zu schliessen. Das
erzielbare
Invalideneinkommen betrage gestützt auf die Tabellenwerte
mit Kompetenzniveau 1 im Jahr 2022
bei 100 %
Fr.
53'419.40
und bei
70
%
Fr.
37'673.60
. Daraus ergebe sich ein rentenausschliessender
Invali
ditätsgrad
von
27
%
. Auch unter Berücksichtigung des
A
bzug
s
von 10
% i
nfolge des geänderten Artikel
s
26
bis
Abs
.
3
IVV
resultier
e
kein Invaliditätsgrad von mindestens 40
%.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1 S. 10 f.)
,
bei der
psychiatrischen
Beg
utacht
ung
von Dr. med.
B.___
seien
keine fremdanamnestischen Auskünfte ein
ge
holt
worden und
der
Gutachter
komme
zu einem ganz anderen Resultat als alle anderen
involvierten Fachärzte
.
Bei der neuropsychologischen Begutachtung durch
lic.
phil.
C.___
sei kein Dolmetscher
zur Verfügung gestanden,
obwohl
sie
(die Beschwerdeführerin)
der deutschen Sprache nur schlecht mächtig sei.
Dass
die
se
Tests keine verwertbaren Befunde ergeben hätten
, sei deshalb nicht erstaunlich
(S. 11)
. Es sei
auch nicht nach
vollziehbar, dass
die Gutachter
bei nicht verwertbaren Befunden
dennoch eine Konsensbesprechung durchgeführt
hätten
.
Der Behandler
Dr. med.
D.___
sei
deshalb
mit den
gutachterlichen
Einschätzungen nicht einverstanden
gewesen
,
ha
be
an einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit fest
gehalten
und ein Arbeitstraining
beantragt.
Dabei könne dem Situationsbericht der Stiftung
A.___
vom 13. Juni 2022 entnommen werden, dass es ihr ab dem 7. Juni 2022 gesundheitlich massiv schlechter gegangen sei (S. 12). Dr.
D.___
habe sie deshalb in die Klinik
Z.___
überwiesen. Dass sich
ihre
gesundheitliche Situation seit der Begut
achtung im Mai 2021 nicht verschlechtert habe, treffe
damit
nicht zu (S. 13).
Sie könne a
nhand der zahlreichen psychischen Diagnosen, die durch verschieden
e
Fachärzte
und
zwei Gutachterinnen
sowie durch die
A.___
bestätigt worden seien, ihre angestammte Tätigkeit als Schuhverkäuferin
nicht mehr verrichten. Auch eine behindertengerechte Tätigkeit könne sie nicht mehr verrichten, was die Abklärung in der Stiftung
A.___
bestätigt h
abe
.
Ihr
seelische
s
Leiden habe sich seit der Begutachtung durch Dr.
B.___
vom 23. April 2021 auch weiter verschlechtert
und
die Diagnose ADHS
sei auch
nicht berücksichtigt
worden
. Allein aufgrund der mehrfach attestierten Diagnose rezidivierende Störung, gegenwärtig schwere Episode und ADHS sei bewiesen, dass sie zu 100
% erwerbsunfähig sei. Da sie seit dem 23. Januar 2018 zu 100 % arbeitsunfähig
und die IV-Anmeldung am 28. Juni 2018 erfolgt sei, habe sie
ab
1. Januar 2019
Anspruch
auf eine ganze
IV-
Rente
(S. 19 f.).
3.
3.1
Ver
trauensärztin
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt
im Gutachten vom 30. Januar 2019 (Urk.
8
/23
/2-14
) zu Händen der Taggeld
versicherung
die
folgenden
Diagnosen
fest
(S. 9):
-
R
ezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F33.1)
-
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeit mit emotional instabilen Zügen
(ICD-10 Z73.1)
-
Differentialdiagnos
e:
Aufmerksamkeitsstörung mit ausgeprägter Impulsivität und emotionaler Instabilität
(ICD-10 F91)
-
Störung durch Alkohol, gegenwärtig abstinent
(ICD-
1
0 F
1
0.20)
Die Beschwerdeführerin gebe an
(S. 5 f.), sie sei immer schon sehr nervös, unruhig und auch aufbrausend gewesen. Schon als Kind habe sie in der Schule sehr viele Schlägereien gehabt.
Ihre
Konzentration sei auch schon in der Schule nicht besonders gut
gewesen
,
aber
dennoch
sei sie
eine mittelmässige Schülerin gewesen.
Sie
flippe
immer wieder
völlig aus. Sie streite mit den Kindern und auch
mit
dem Freund und mache
ihm
Vorwürfe. Diese Streitereien und Auseinan
dersetzungen hätten auch mit der Chefin immer mehr zugenommen und vor der Krankschreibung sei
es
immer wieder fast zu Schlägereien gekommen. Immer mehr
habe
sie
sich
auch
über
die anderen Mitarbeiter und die Kunden genervt
,
sodass sie die Monate vor der Krankschreibung versucht habe
,
immer mehr alleine im Lager zu arbeiten. In den letzten Jahren habe sie auch vermehrt Alkohol konsumiert. Sie habe sich vor allem am Wochenende mit Bier und Schnaps völlig betrunken. Die Problematik sei ihr aber
d
ank Dr.
D.___
bewusst geworden und sie trinke gar keinen Alkohol mehr. Zu Dr.
D.___
gehe sie zirka einmal pro Woche und gemeinsam würden sie Entspannungsübungen machen und auch die Problematik besprechen. Grundsätzlich hätten sich ihre Probleme und Symptome im letzten Jahr eigentlich nicht gross geändert. Sie trinke zwar keinen Alkohol mehr, sei aber nach wie vor sehr nervös und flippe immer wieder aus.
Sie lebe gemeinsam mit ihren beiden Kindern in einer Mietwohnung. Diese sei gross genug und jeder habe ein eigenes Zimmer, sodass sie sich
dort
recht wohl
fühle
.
Am Wochenende von Freitag bis Montag sei sie häufig bei ihrem Freund, der separat wohne. Wegen ihrer anstrengenden Arbeit habe sie nie Zeit für einen grossen Freundeskreis gehabt. Sie habe daher nur einzelne wenige Freundinnen. Aktuell treffe sie sich alle zwei bis drei Wochen mit einer Freundin.
Zum Tagesablauf gebe sie an
, dass sie momentan überwiegend schlafe und den Tag
über sehr wenig mache. S
ie
stehe morgens in der Regel zwischen 9.30 und 10 Uhr auf
,
trinke einen Kaffee
und
koche für den Sohn, der über Mittag nach Hause komme.
Am Nachmittag lege sie sich dann wieder zum Schlafen hin. Sie putze etwas, mache
im Haushalt aber insgesamt wenig. Viele Tage verbringe sie nun mit schlafen. Explizit
gebe
sie an, dass sie nicht spazieren gehe, sie gehe nicht einkaufen und lese auch
nichts. Der Fernseher laufe eigentlich immer, sie schaue hier wahllos Sendungen an
.
Am Wochenende sei sie meist beim Partner, wo sie aber auch keine grossen
Unternehmungen machen würden. Die Abende zu Hause verbringe jeder für sich. In
der Regel gehe sie
zwischen
22.30
und
23
Uhr ins Bett und mit den Medikamenten
schlafe sie nachts recht gut
(S. 7)
.
Die
Psychiaterin konstatierte, die
von der
Beschwerdeführerin
beschriebenen und schon seit Kindheit bestehenden Symptome
,
wie innere Unruhe und Nervosität, Konzentrationsstörungen, offensichtlich gestörte Impulssteuerung mit gestörten
sozialen Interaktionen bis hin zu tätlichen Auseinandersetzungen oder auch Randalieren in der Wohnung, h
ätten
in den vergangenen Jahren neben privaten Schwierigkeiten offensichtlich auch immer mehr zu Spannungen bei der Arbeit geführt. Dies habe wiederum die Entwicklung einer depressiven Symptomatik begünstigt
;
aufgrund dessen werde die Beschwerdeführerin seit Januar 2018 von ihrem behandelnden Psychiater als 100
% arbeitsunfähig beurteilt (S. 11).
I
m Kontext der momentan bestehenden Symptomatik, der gestellten Diagnosen und
auch Differentialdia
g
nosen
sei
momentan eine
Arbeitsfähigkeit nicht gegeben. Dies insbesondere im Hinblick auf die Tätigkeit im Verkauf, wo doch eine hohe Stresstoleranz und auch eine hohe
Sozialkompetenz erforderlich sei
(S. 12)
.
3.2
Dr. med.
F.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte anlässlich einer Untersuchung der Beschwerdeführerin im Auftrag der Kranken
taggeldversicherung im Bericht vom 22. Oktober 2019 (Urk.
8
/30) aus
(S.
9
f.)
,
d
ie von Dr.
E.___
geäusserte Verdachtsdiagnose einer ADHS
sei
mit
einer
neuropsychologischen Abklärung vom 29.
April
2019 bestätigt
worden. Die
Symptomatik
sei
auch von der
Beschwerdeführerin
anamnestisch und aktuell bei der Untersuchung beobachtbar.
Ausserdem lieg
e
weiterhin eine mittelschwere depressive Symptomatik vor,
nach einer ersten Episode 2013/14
erneut seit 2018
und
seither ohne Remission
oder wesentliche Besserung der Affektsymptome.
Die
Affektlabilität mit Stimmungswechseln zwischen neutral und niedergeschlagen
sei
diagnostisches Kriterium der ADHS
und
lieg
e bei der Beschwerdeführerin
auch vor,
gleichzeitig
aber auch
eine längerdauernde depressive Verstimmung aus
rei
chender
Schwere
,
um eine eigenständige depressive Störung zu diagnostizieren.
Es seien damit die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, aktuell mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.1), Aufmerksamkeitsstörung mit Impulsivität und aggressivem Verhalten (ICD-10 F91) und aktenanamnestisch Alkoholabusus
,
sistiert seit 2018
,
zu stellen.
Es bestehe weiterhin keine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, die auch Kundenkontakte beinhalte und eine ausreichende, derzeit nicht gegebene Belastbarkeit voraussetze. Wie bereits von Dr.
E.___
ausgeführt, sei eine Tätigkeit mit Kundenkontakt prinzipiell eher ungünstig. Aktuell sei auch eine angepasste Tätigkeit nicht möglich. Eine solche sollte schrittweise eingeführt werden
.
Empfehlenswert
seien
Tätigkeiten ohne b
eziehungsweise
mit wenig Kundenkontakten, ohne hohe
konzentrative Anforderungen, mit überschaubaren Arbeitsanforderungen und der
Möglichkeit zu
m
Rückzug
beziehungsweise
von
Pausen bei Anspannung.
3.
3
3.3
.1
Im
bidisziplinären
Gutachten
vom 25. Mai 2021 (Urk.
8
/66)
, welches
durch
Dr. med.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
und
lic.
phil
.
C.___
,
Fachpsychologin für
Neuropsychologie
FSP, erstellt wurde
, wurde
n
die folgenden Diagnosen festgehalten (S. 16):
Psychiatrische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10 F 60.30)
;
unter Anwendung der ICD-11 Kriterien sei von einem mittleren Schweregrad auszugehen
Neuropsychologische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
nichtauthentische kognitive Befunde bei sehr wahrscheinlicher Aggra
vation
-
kein Hinweis auf klinisch relevante sprachliche, visuell-räumliche oder mnestische Funktionsbeeinträchtigungen
-
attentionale
und exekutive Defizite seien nicht auszuschliessen, deren Ausmass
sei
aufgrund der negativen Antwortverzerrung jedoch nicht
eruierbar
3.
3
.2
Z
ur
persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Entwicklung
der Beschwer
deführerin
einschliesslich der aktuellen psychischen, sozialen und gesundheit
lichen Situation
,
besonders im Hinblick auf die Ressourcenlage
,
führte der psychiatrische Experte
aus (S. 69), in Übereinstimmung mit den Akten schildere die Beschwerdeführerin frühe Verhaltensauffälligkeiten in der Kindheit und Jugend. Diese würden an eine Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem Verhalten
aufgrund
stetig wiederkehrende
r
, impulsiv-aggressive
r
Durchbrüche mit Ausübung von Gewalt gegen Dritte
denken lassen
.
Sie schildere
zudem
Kindheitserlebnisse, welche einen sexuellen Missbrauch vermuten l
iessen
. Eine
emotionale Vernachlässigung während der Kindheit
sei
möglich, wobei
auch Angaben
erfolgten
,
die
dagegen
sprechen würden
. R
etrospektiv
könne dazu
keine abschlie
ss
ende Beurteilung vor
genommen werden.
Die
Beschwerdeführerin sei dennoch
in der Lage
gewesen
,
eine Regelschulbildung und im Anschluss eine Berufsbildung
als
Coiffeu
se
in Serbien
zu absolvieren.
Sie sei nach der Heirat
im
Alter von 22 Jahren
in die Schweiz eingereist, habe
eine Familie
gegründet
und
sei
während rund zwei Jahrzehnten
in Voll- oder Teilzeit
in
ungelernte
n
Tätig
keiten
berufstätig gewesen
.
Sie habe
,
wie
bereits vor
ihrer
Einreise
,
erhebliche und wiederkehrende Auffälligkeiten im
Denken, Fühlen und Verhalten
,
Auf
fälligkeiten im Kontaktverhalten, konflikthafte Beziehungen,
Verletzung sozialer Normen, eingeschränkte soziale Kompetenzen, fehlende Rücksichtnahme,
man
gelndes Distanzverhalten, Schwierigkeiten in
der Wahrnehmung eigener und fremder Interessen
sowie
mangelnde Kompromissbereitschaft
gezeigt
. Die
mangelnde Konfliktfä
h
igkeit
habe
zum
Bruch beider Ehen und letztlich auch zur Beendigung der Anstellung bei
der
Y.___
AG
geführt
. Der
man
gelnden Impulskontrolle
bei
Belastung
seien
Ressourcen gegenüber zu stellen
. K
linisch imponie
rend seien dabei
Normintelligenz, Fähigkeit zu zeitlich begrenz
tem,
an
gepasstem Kontaktverhalten, ausreichende
Verhaltenssteuerung
und die
Motivation
für eine (
angepasste
)
berufliche Tätigkeit. Im Gegensatz zum Denken
und Fühlen stell
e
sich das Verhalten im Kontext von Persönlichkeitsstörungen meist
ausreichend steuerbar dar
, was auch bei der Beschwerdeführerin der Fall sei.
Zum Erhalt der
Arbeitsfähigkeit
sei
die Verhaltenssteuerung ma
ss
gebend. Der letzte Arbeitstag
liege
mehrere Jahre zurück, was eine Wiedereingliederung
zwar
erschwer
e
,
aber nicht verunmöglich
e
.
Zudem
sei
davon auszugehen, dass die Behand
lungs
möglichkeiten nicht ausgeschöpft und ein funktioneller
Endzustand nicht erreicht
sei
.
E
ine Arbeitsfä
h
igkeit
von
5
O %
sei für
Tätigkeit
en
ausgewiesen, die
nennenswerte
Anforderungen
an
die
Flexibilität
stellen
würden
und inter
personeller Art
seien
.
In einer Routinetätigkeit ohne solche
Anforderungen
sei eine
Arbeitsfähigkeit
von
70 % anzunehmen.
Zum zeitlichen Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfä
h
igkeit liege der letzte Arbeitstag mehrere Jahre zurück und ein Arbeitsversuch
scheine zwischenzeitlich nicht stattgefunden zu haben. Dabei weiche die aktenkundige Diagnostik von der Diagnostik des vorliegenden Gutachtens ab. Die im Verlauf dargelegten akten
kundigen Beschwerden stellten sich aber mit den am 23. April 2021 geschilderten Beschwerden, beispielsweise Affektlabilität und Impulsivität
,
weitgehend über
einstimmend dar
, sodass
eine andere Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts vorliege. Die dargelegte funktionelle Beurteilung der Arbeitsfähig
keit (50 - 70 %) in Abhängigkeit des Tätigkeitsprofils sei deshalb auch retros
pektiv bis in das Jahr 2018 anzu
nehmen
(S. 75).
3.
3
.3
Die neuropsychologische Expertin hielt aufgrund
ihrer Untersuchung
vom 10. Mai 2021 fest (Urk.
8
/64 S. 8), die Beschwerdeführerin sei zu allen Qualitäten orientiert. Das Kontakt- und Interaktionsverhalten wirke flüchtig und zu Beginn hektisch und distanzgemindert
,
sei im weiteren Verlauf jedoch angemessen gewesen. Im Affekt sei sie wenig spürbar. Mimik, Gestik und Stimme seien unauffällig. Im anamnestischen Gespräch seien ihre spontanen Ausführungen sowie die Antworten auf Fragen mehrheitlich geordnet, meist gut nachvoll
ziehbar, teilweise aber auch sprunghaft gewesen, sodass sie teilweise auf die zuvor gestellte Frage habe zurückgeführt werden müssen. Die sprachliche Auffassung sei für Fragen und bei Bemerkungen unauffällig
gewesen
. Sie habe jeweils prompt und verzögerungsfrei geantwortet. Dies im Gegensatz zum leicht reduzierten Auffassungsvermögen für Instruktionen und Detailinformationen in
den neuropsychologischen Tests. In der Testuntersuchung habe sie hinreichend kooperativ mitgearbeitet. Das Arbeitstempo sei dabei konstant sehr langsam und damit zum übrigen, raschen und flüssigen Bewegungsverhalten stark diskrepant gewesen. Das Antwort- und Reaktionsverhalten sei bei verbalen Anforderungen demgegenüber höchstens leicht verzögert gewesen. Wie das allgemeine Verhalten habe auch das Arbeitsverhalten leicht ungeduldig und impulsiv-
dreinschiessend
gewirkt. Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit hätten für die Aufgaben
stellungen in der Verhaltensbeobachtung als hinreichend gegeben gewirkt und sie habe in den jeweils
eine Dreiviertelstunde
respektive
zwei
Stunden dauernden Untersuchungseinheiten ausdauernd gearbeitet und es hätten sich keine Ermü
dungszeichen gezeigt. Ein erhöhter Pausenbedarf habe nicht bestanden. Hyper
motorische Zeichen, hochfrequentes Wippen mit Füssen und Beinen oder mit dem ganzen Oberkörper seien mehrheitlich zu Beginn einer Aufgabe, aber bei Weitem nicht durchgehend beobachtet worden. Die Spontansprache sei unauffällig gewesen und sie habe mit einem stark gebrochenen Deutsch, mit einfachem Wortschatz und deutlichen
Dysgrammatismen
gesprochen, jedoch bei unauf
fälliger Artikulation, Sprechgeschwindigkeit und Diskursfähigkeit. Ihre Mutter
sprache sei Serbisch und die sprachliche Verständigung auf Deutsch sei gut möglich gewesen.
Es habe ein inhomogenes neuropsychologisches Leistungsprofil mit formal durchschnittlichen
bis weit unterdurchschnittlichen Leistungen
erhoben werden können. Bezüglich der höheren kognitiven Funktionen hätten sich deutliche Minderleistungen in den Bereichen der Merkfähigkeit, der Aufmerksamkeit, der Exekutivfunktionen und der Verarbeitungsgeschwindigkeit gezeigt. Allerdings sei davon auszugehen, dass die erhobenen Leistungen zumindest teilweise nicht valider Natur seien. So seien alle durchgeführte
n
«stand-
alone
»
Performanzvali
dierungsverfahren
auffällig gewesen und es hätten sich aus testinternen
Vali
ditätsparameter
n
aus verschiedenen Domänen Hinweise für Antwortverzerrungen ergeben. Schliesslich seien mehrere Inkonsistenzen innerhalb des neuropsycholo
gischen Profils sowie Inkonsistenzen zwischen den Testergebnissen und dem beobachteten Verhalten festzustellen gewesen (S. 11 f.).
Zusammenfassend könnten die kognitiven und persönlichen Ressourcen der Beschwerdeführerin wie folgt beschrieben werden
:
Es
sei
mindestens davon auszugehen, dass sie einfache Handlungsanweisungen in deutscher Sprache versteh
e
und hinreichend genau umsetzen könne
, d
ass sie Anweisungen über längere Zeit behalten könne, dass sie einfache Instruktionen in deutscher Sprache lesen und verstehen und einfache Sätze schreiben könne, dass sie über
zirka dreieinhalb
Stunden mit kurzen Pausen belastbar sei, sich in kurzen Pausen
erholen könne und sich in deutscher Sprache hinreichend gut zu verständigen wisse und ihre Interessen vertreten könne (S. 13).
Zusammenfassend
seien d
ie neuropsychologischen Vorbefunde mit den aktuellen Befunden bezüglich mehrere
r
relevante
r
Funktionsbereiche und Teilfunktionen vergleichbar
. Mit
in beiden Untersuchungen unauffälligen Leistungen bezüglich de
r
Lern- und Gedächtnisleistungen (Ausschluss einer Gedächtnisstörung), de
r
visuell-räumlichen Funktionen, der figuralen Ideenproduktion, der Impulskon
trolle und Reaktionsgeschwindigkeit. Weiter seien übereinstimmend weit unter
durchschnittliche Leistungen bezüglich einer spezifischen Teilfunktion der geteilten Aufmerksamkeit erhoben worden. Massgebliche Divergenzen hätten jedoch bezüglich mehrere
r
«
Effor
t
-Aufgaben»
bestanden,
was wiederum die in der Untersuchung festzustellenden Aggravationstendenz bestätig
t habe
. Die Diagnose ADHS erscheine, unabhängig von der Einschätzung der Validität der Vorbefunde, aus neuropsychologisch gutachterlicher Sicht nicht gerechtfertigt, da keine entsprechende
Kriterienprüfung
erfolgt sei und aus den Befunden keine ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörung ableitbar sei. Das Vorliegen einer hirnor
ganisch bedingten Pathologie «cerebrale Entwicklungsschwäche», assoziiert mit der Frühgeburtlichkeit sei möglich, bleibe jedoch spekulativ. Die Beschwerde
führerin habe im Heimatland die regulären Schulen und eine
drei
jährige Berufslehre als
Coiffeuse
absolviert. Eine Aussage zur Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund der nicht validen Befunde nicht möglich und für die Einschätzung der psychischen und sozialen Ressourcen und Belastungen
sei
auf das psychiatrische Hauptgutachten zu verweisen (S. 15 f.)
.
3.4
Dr. med.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
wies
im B
ericht
vom
10
. Juni 202
2
(Urk.
8
/
78
/3-8
)
auf
die Behandlung der Beschwer
deführerin seit 18. Januar 2018 mit einer Frequenz von drei bis viermal pro Monat
hin
(Ziff. 1.1 und 1.2)
.
Sie sei v
or
zirka
fünf
Jahren depressiv
geworden mit gestörtem
Tag
-
Nacht
-
Rhythmus
während drei
er
Monate. Die Medikation beim Hausarzt Dr.
G.___
habe gut geholfen.
S
ie
leide
aber seit
d
em
an Schlafstörungen
und
benötige längere Einschlafzeit
en
und erwache
mehrmals in der Nacht,
sodass sie erst wieder gegen drei Uhr früh
einschlafen könne.
Am Morgen verspüre sie ein Morgentief, Kraftlosigkeit und sei schläfrig
und schwach tagsüber. Deshalb sei sie traurig
und
weinerlich. Erst ab 15 Uhr komme sie zu
ihrer Kraft. Sie habe unter schwarze
n
Gedanken gelitten. Zudem habe sie unter
s
uizidalen
I
d
e
en gelitten.
Sie leide s
eit dem Jahr 2015
auch
an Kopfschmerzen, Schwindel und diffuse
n
Panikattacken
und
explodiere schnell. Sie zieh
e
sich vermehrt zurück, sei lärmempfindlich
,
leide an Gefühl
en
der Gefühllosigkeit, Willenlosigkeit,
i
nnere
r
Le
e
re
,
Desinteresse für Aktivitäten und Hobbies
und habe
Schuldgefühle.
Sie meide die
Gesellschaft
,
f
amiliäre Anlässe
;
einen
Konflikt mit
ihrem
Chef
im
Jahr 2016 könne sie nicht richtig verarbeiten
(Ziff. 2.1)
.
Per Ende März bis Mitte April 2022 habe
er
eine Zunahme der Anspannung beobach
tet und das
Arbeitstraining thematisiert. Sie habe angegeben
,
sich müde, erschöpft und phasenweise kraftlos zu fühlen
,
insbesondere, wenn sie vom Arbeitstraining zurück nach Hause komme. Des Weiteren leide sie zunehmend unter Anspan
nung, Nervosität und verbaler Aggressivität und es sei zu einem Streit mit einer Kollegin gekommen
. Er habe die Beschwerdeführerin
deshalb
zur stationären Behandlung in die Klinik
Z.___
überwiesen (Ziff. 2.2). Es wurde ein
e
100%ige Arbeitsunfähigkeit sei 18. Januar 2018 bis auf weiteres in der Tätigkeit als Verkäuferin attestiert (Ziff. 1.3).
3.
5
Im Austrittsbericht der Klinik
Z.___
vom 13. Oktober 2022 (Urk.
8
/96)
über die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung von 17. August bis 13.
Okto
ber 2022
führten die zuständigen Fachpersonen aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine rezidivierende schwergradige depressive Episode in Form von Konzentrations-, Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Merkfähigkeitsschwierig
keiten, pessimistischen Gedanken, bedrückter Stimmung, Hoffnungslosigkeit, innerer Unruhe, erhöhter Reizbarkeit, Interessens- und Freudlosigkeit, sozialem Rückzug, Selbstvorwürfen, Schuld- und Insuffizienzgefühlen sowie Schlaf
stö
rungen.
Sodann bestehe eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung.
Die Diagnose eine
r
ADHS, wie auch die emotional instabile Persönlichkeitsstörung könnten als (Vor-)Diagnose übernommen werden, nicht aber
eine
Agoraphobie mit Panikstörung sowie
eine
generalisierte Angststörung
, welche als
nicht erfüllt
erachtet werde
. Die andauernden Symptome des starken Misstrauens, des massiven sozialen Rückzugs, der Hoffnungslosigkeit, dem andauernden Gefühl von Nervosität, der starken Reizbarkeit, der ständigen Angst
insbesondere um
die
Kinder, der mangelnden Emot
ion
sregulation, der Impulsivität, der erschwerte
n
Entspannungsfähigkeit, der massiven Schuld- und Schamgefühle, der aufdrän
genden Erinnerungen sowie
der Albträume,
würden sie
einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung nach emotionaler Vernachlässigung, physischer und sexueller Gewalt in der Kindheit zu
ordnen
(S. 1 f.)
.
Im Rahmen der stationären Behandlung sei es zu einer leichten Reduktion der depressiven Symptomatik gekommen und
es seien
deutliche Fortschritte
im
Aktivitätsniveau durch einen verbesserten Zugriff auf Ressourcen
erzielt worden
.
D
ie Beschwerdeführerin
habe
von mehr Leichtigkeit
berichtet und von
vermehrtem Genusserleben, dem Bedürfnis nach Selbstfürsorge, weniger innerer Anspannung, weniger Schlafproblemen sowie
von
verbesserter Planungsfähig
keit. Dennoch sei sie weiterhin als hoch symptombelastet einzustufen und
es seien
zur weiteren Symptomreduktion die Fortsetzung der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sowie der Erhalt einer Tagesstruktur mit angenehmen und sozialen
Tätigkeiten indiziert
(S. 4)
.
3.
6
A
m 30. Juni 2023
berichtete
Dr.
D.___
(Urk.
8
/106/6-8), er sei von der Beschwerdeführerin um
eine
Stellungnahme ersucht worden, nachdem per 14.
Juni 2023 das Gesuch um eine IV
-
Rente abgelehnt worden sei.
Die Beschwerdeführerin sei wegen Depression mit Polymorbidität in die Klinik
Z.___
eingetreten und aufgrund der Chronifizierung der
d
epressiven Ent
wicklung mit eine
r
Polymorbidität
bis
auf weiteres zu 100
% arbeitsunfähig
.
3.7
Dr. med.
H.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
,
führte in der Aktenbeurteilung vom 22. Dezember 2023 (Urk.
8
/111/2-4) aus, die Diagnose ADHS sei aufgrund der neuropsychologischen Untersuchung vom 29. April 2019 diagnostiziert worden,
dabei
sei
aber
auf die Durchführung von Symptom
validierungstests verzichtet worden. Die Angaben in den Selbstbeurteilungsbögen mit den sehr hohen
Summenscores
seit
Kindheit widerspr
ä
chen der bisherigen unbeeinträchtigten Leistungsfähigkeit
, was
mit einer bisher relativ guten Kompensation
erklärt worden sei
. Da jedoch keine
Symptomvalidierung durchgeführt
worden sei
und angesichts der im Gutachten vom 25.
Mai 20
21
festgestellten Aggravation
mit
negativen Antwortverzerrungen und Inkonsisten
zen
sei
die
Diagnose aus der neuropsychologische
n
Untersuchung vom 29.
April 20
19 rückblickend nicht
nachvollziehbar.
Gegen eine ADHS spreche der unauffällige Verlauf mit abgeschlossener Ausbildung und vielen Jahren Tätigkeit in Vollzeit nebst der Betreuung der Kinder. Dabei habe eine motorische Unruhe
,
nicht aber eine Störung der Aufmerksamkeit oder der Konzentration im Gutachten von Dr.
B.___
bestätigt werden können.
Im Bericht der Klinik
Z.___
sei die Diagnose ADHS aus der Zuweisung übernommen und nicht geprüft oder validiert oder besprochen worden. Zur Verwertbarkeit der neurops
y
cholo
g
ischen Befunde ohne Übersetzer
sei
zu bemerken, dass
bereits die
Untersuchung vom 29.
April 20
19
ohne Dolmetscher durchgeführt
und
dort angegeben
worden
sei
, dass
die Beschwerdeführerin
über gute
Deutschkenntnisse verfüg
e
.
D
ie Klinikdiagnosen
Z.___
seien
auch
bereits bei
der
Begutachtung vor
gelegen
. D
e
r
Bericht
von
Dr.
D.___
vom
30.
Juni 20
23
berücksichtige
nicht, dass im
Austrittsb
ericht
der
Klinik
Z.___
eine
beachtliche Besserung der Schlafstörung, mehr Freuderleben, niedrigere Grundanspannung, mehr innere Ruhe, verbesserte Fähigkeit zu geniessen, deutliche Fortschritte
im
Aktivitäts
niveau
stattgefunden
hätten
und es werde
einfach
weiterhin bis auf
W
eiteres
eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Neue unberücksichtigte medizinische Fakten seien dabei nicht vorgebracht
worden
.
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten vom 25. Mai 2021
erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.
6
), setzt sich
ausführlich
mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin auseinander, berück
sichtigt die medizinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Insgesamt reiht sich das Gutachten auch mit Blick auf die
erhobenen Befunde
gemäss
den
beiden psychiatrischen Vorgutachten der Taggeldversicherung nachvollziehbar in die medizinische Aktenlage ein.
Dabei
zeigte
sich
insbesondere
, dass
sich
subjektiver Beschwerdevortrag und
psychiatrische
s
Störungsbild
im G
utacht
en von
pract
. med.
E.___
vom 30. Januar 2019 und Dr.
F.___
vom 22.
Oktober 2019
auch
im Rahmen der
bidisziplinären
Begutachtung
übereinstimmend und
im Wesentlichen unverändert
präsentiert
e
n
.
D
er psychiatrische Gutachter Dr.
B.___
legte dazu
nachvollziehbar dar, dass die abweichende Diagnostik nicht
einem
anderen Gesundheitsschaden
,
sondern einer anderen Beurteilung
des gleichen medizinischen Sachverhalts folgt.
Dr.
B.___
standen
zudem
auch
die Erkenntnisse
aus
der neuropsychologischen Untersuchung
zur Verfügung.
Diese
ergaben
aufgrund von
Performanzvalidierungsverfahren
zwar Hinweise auf
Ant
wortverzerrungen
und Aggravation. Dennoch konnte
aus neuropsychologischer Sicht ein
Ressourcen
profil
um
schrieben werden
, wonach die Beschwerdeführerin in der Lage ist
,
einfache Handlungsanweisungen in deutscher Sprache
zu
verstehe
n
, diese
um
zu
setzen
,
Anweisungen über längere Zeit
zu
behalten
,
ein
fache Instruktionen in deutscher Sprache
zu
lesen
,
verstehen
und auch
in der Lage ist
,
einfache Sätz
e
in Deutsch zu
schreiben.
Die Neuropsychologin
setzte sich
in diesem Zusammenhang auch
mit den
neuropsychologische
n
Vorbefunde
n
anlässlich
d
er
vom Behandler Dr.
D.___
veranlassten
Untersuchung vom 29.
April 2019
auseinander
, bei welcher
jedoch
keine Symptomvalidierungstests durchgeführt
worden waren
(vgl. Urk.
8
/27/10-13).
S
elbst diese
U
ntersuchung
en
hatten
aber,
bei
Ausschluss einer Gedächtnisstörung
,
keine Auffälligkeiten
bezüglich Lern- und Gedächtnisleistungen,
unauffällige
visuell-räumliche Funk
tionen der figuralen Ideenproduktion, der Impulskontrolle und Reaktionsge
schwindigkeit
und
auch
übereinstimmend
eine
weit
unterdurchschnittliche Leistung bezüglich einer spezifischen Teilfunktion der geteilten Aufmerksamkeit
ergeben
.
Massgebliche Divergenzen
zeigten sich
jedoch
bei den sogenannten
«
Effor
t
-Aufgaben»,
die
sich
im Rahmen der
bidisziplinären
Abklärung
als
Aggravationstendenz
en
bestätigt
en
. D
amit erscheint auch die von
der
neuro
psychologischen Expertin hervorgehobene Kritik
begründet, dass die
in der Voruntersuchung festgehaltene
Diagnose
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperak
ti
vitäts
störung
(
ADHS
)
,
unabhängig von der Einschätzung der Validität der Vorbefunde,
bei einer fehlenden
Kriterienprüfung
und
weil
sich
anhand der
festgehaltenen
Befunde
bereits damals
keine ausgeprägte Aufmerksamkeits
-
störung
herleite
n l
iess
,
nicht
gerechtfertigt
war.
Nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang auch der Hinweis der RAD-Ärztin
Dr.
H.___
in der Aktenbeurteilung vom 22. Dezember 2023
wonach
der unauffällige Verlauf mit abgeschlossener Ausbildung und vielen Jahren Tätigkeit in Vollzeit nebst der Betreuung der Kinder
das
Diagnosebild einer ADHS auch nicht
zu
stütz
en vermag
.
D
a
mit ist nicht
zu
beanstanden
, dass
das psychiatrische Störungsbild, welches von den Vorgutacht
ern
vorrangig
im Rahmen
ein
er rezidivierenden mittel
gradigen depressiven Episode
gesehen wurde
und
dessen
Symptomatik mit
Affektlabilität
und
Stimmungswechseln zwischen neutral und niedergeschlagen
in den Ausführungen im Zweitgutachten
auch
als
diagnostisches Kriterium der ADHS
gefasst
wurde
(vgl. E. 3.1 und 3.2),
von
Dr.
B.___
im Rahmen der
bidisziplinären
Abklärung der Diagnose einer e
motional instabile
n
Persönlich
keitsstörung vom impulsiven Typ
von
mittlere
m
Schweregrad
zugeordnet
wurde
.
4.2
Das Vorbringen der Beschwerdeführerin
,
Dr.
B.___
komme
entgegen allen anderen
involvierten Fachärzte
n zu einem ganz anderen Ergebnis, trifft damit nur vordergründig zu. Daran
vermögen
auch die vom Behandler Dr.
D.___
bereits im März 2018
gestellten Diagnosen wie Agoraphobie, generalisierte Angststörung
(Urk.
8
/5/6)
und
die
im Juli 2019 gestellte Diagnose einer PTBS (posttraumatischen Belastungsstörung, Urk.
8
/27/5)
sowie
die im September 2020 gestellte Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembe
lastung bei komplexer Traumatisierung mit ausgeprägten dissoziativen Symp
tomen
und
emotional instabile Persönlichkeitsstörung
Borderline
-Typ (Urk.
8
/47)
nichts zu ändern
.
W
eder in den Vorgutachten noch in der
bidisziplinären
Untersuchung
konnten dazu die
entsprechende
n
Befunde exploriert werden
und das Vorliegen dieser Diagnosen wurde
teilweise
i
n den
Bericht
en der
Behandler
selbst
verworfen (
vgl.
E. 3.5 hiervor).
Nicht stichhaltig und widersprüchlich ist das Vorbringen
,
auf die neuro
psychologische Untersuchung könne mangels eines Dolmetschers nicht abgestellt werden, nachdem anlässlich der Untersuchung explizit auf einen Dolmetscher verzichtet
worden war
(vgl. Urk.
8
/64/1
und Urk.
8
/58/2
).
Dazu sind auch
keine
Verständigungsschwierigkeiten bei der Untersuchung aktenkundig und es
ist auch nicht naheliegend
, dass die Beschwerdeführerin, welche seit Jahren
mit ihren Kindern
in der Schweiz lebt
und arbeitet
,
nicht
über
ausreichende Deutschkenntnisse
verfügte,
um die
korrekte
Durchführung der medizinischen Abklärung
zu gewährleisten
und entsprechende Auskünfte zu erteilen
.
4.3
Zum Vorhalt
, dass sich der Gesundheitszustand seit der
bidisziplinären
Begut
achtung im Mai 2021
verschlechtert habe, ist zu konstatieren, dass der medi
zinische Sachverhalt
grundsätzlich im Verfügungszeitpunkt und damit im Mai 2024 zu erheben war. Das Gutachten war damit bereits drei Jahre alt. Der Umstand gründete darin, dass die Beschwerdeführerin nach der Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse
der
bidisziplinären
Abklärung
Eingliederungsmass
nahmen verlangt
hat
(Urk.
8
/70)
, die
ihr die
Beschwerdegegnerin
auch
gewährte
,
die letztlich aber scheiterten.
Dem Abschlussbericht der Stiftung
A.___
vom 3. August 2022 (Urk.
8
/90
S. 5
)
ist dazu zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
konstant
vier
Stunden
pro Tag von Montag bis Donnerstag
und
auf ihren Wunsch hin
imme
r
am Nachmittag von 12.15
bis
16.30 Uhr
gearbeitet hat.
Dies
sei
ihr wichtig
gewesen
, da sie dadurch lange
habe
schlafen und
den Hund
ausführen
können
, bevor sie zur Arbeit
gekommen sei
.
Bei der Arbeit habe sie sich
oft über Müdigkeit
beklagt und
ein
Gefühl, dass
sie
zur Arbeit
kommen müsse.
Dabei sei
s
ie
stets pünktlich bei der Arbeit
erschienen
und
habe
ihre Aufgaben zuverlässig aus
geführt
, wobei sie aber
nur bereit
gewesen
sei
,
einen kleinen Teil der anfallenden Aufgaben im Hausdiens
t
auszuführen, da sie immer
habe
alleine arbeiten woll
en
und einige Arbeiten grundsätzlich ab
ge
lehnt
hab
e.
Im Rahmen der stationären Behandlung vo
m
17. August bis 13. Oktober 2022 in der Klinik
Z.___
konnte
,
nachdem beim Eintritt noch auf eine
schwer
gradige
Depression hingewiesen
worden war
, bei Austritt
von
eine
r
Reduktion der depressiven Symptomatik
mit
deutliche
n
Fortschritte
n
im Aktivitätsniveau
,
mehr Leichtigkeit
,
vermehrte
m
Genusserleben, weniger innerer Anspannung
und
Schlafproblemen sowie von verbesserter Planungsfähigkeit
berichtet
werden
(E. 3.5)
.
Eine richtungsweisende Verschlechterung der gesundheitlichen Situation seit der Begutachtung im Mai 2021 ist damit nicht ausgewiesen.
Die Bericht
erstattung stellt denn auch, wie
bereits
im Bericht über die
Ersthospitalisation
im Juli/August 2020 (vgl. Urk.
8
/47
/2-7
) im Wesentlichen auf die
Angaben des
Behandler
s
Dr.
D.___
und der Beschwerdeführerin ab, wobei die
subjektiv
geklagten Beschwerden zum (medizinischen) Befund erhoben w
u
rden, ohne diese kritisch zu hinterfragen
.
D
azu setzte sich der
Bericht
namentlich
auch
nicht näher mit dem
bidisziplinären
Vorgutachten und einer seither eingetretenen Verän
derung des Gesundheitszustandes auseinander
.
4.4
I
n Bezug auf den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung ist
jedoch
neben der einwandfrei festgestellten psychischen Erkrankung nach einem anerkannten Klassifikationssystem im Einzelfall entscheidend, ob es der versi
cherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen, wobei das
Leistungsvermögen grundsätzlich anhand von Standardindikatoren zu prüfen ist (vgl. E. 1.
4
hiervor). Dabei kann der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrach
tet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 141 V 281)
.
Die Arbeitsfähigkeit von 70 % in angepasster Tätigkeit begründete der psychiatrische Sachverständige hinreichend und nachvollziehbar. Ein schwerer Ausprägungsgrad der Erkrankung liegt nicht vor, nachdem der Gutachter als funktionell massgebend eine beeinträchtigte Flexibilität, eine unangemessene Selbstbehauptung und deutliche interpersonelle Schwierigkeiten nannte (Urk.
8/66/17). Die regelmässig wahrgenommenen Therapien sprechen für einen gewissen Leidensdruck. Hinsichtlich des sozialen Kontexts ist zu berücksichtigen, dass sie schon vor der Erkrankung keinen grossen Freundeskreis hatte (Urk.
8/23/8). Neben den Kindern hat sie (wohl telefonischen) Kontakt zu ihren vier Brüdern und einer Kollegin (Urk. 8/66/41 und Urk. 8/66/44). Der Tagesablauf zeigte
bereits
im Jahr 2019 eine Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
im privaten Bereich. Allerdings kochte sie für den Sohn und organisierte den Haushalt mittels Einbezugs der Kinder. Das Wochenende verbrachte sie jeweils bei ihrem Freund (E. 3.1). Anlässlich der Begutachtung im Jahr 2021 zeigten sich ähnliche Verhältnisse. Der Haushalt wurde nach wie vor mit den Kindern besorgt, sie selber kochte und ging nun mehrmals täglich mit dem Hund der Tochter spazieren (Urk. 8/66/44). Unter Berücksichtigung des sozialen Rückhalts in der Familie
und
der langjährigen beruflichen Erfahrung sind bei der Beschwerde
führerin trotz der Belastungen gewisse persönliche Ressourcen vorhanden, auf welche sie zurückgreifen kann. Damit ist angesichts des nicht erheblichen funktionellen Schweregrads der diagnostizierten Gesundheitsstörungen bei noch erhaltenen Ressourcen nicht zu beanstanden, dass der psychiatrische Experte auf eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
in angepasster
- auf die Defizite der Beschwer
deführerin Rücksicht nehmende -
Tätigkeit
schloss.
Die Berichte der Behandler ergeben dazu keine neuen Erkenntnisse
und
damit auch
keinen Anlass für weitere Abklärungen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
4.5
Zusammenfassend besteht damit kein Anlass
,
nicht auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abzustellen, wie sie im
bidiszipli
n
ären
Gutachten
herausge
arbeit
et
wurde
und wonach der Beschwerdeführerin
in angestammter Tätigkeit eine 50 % Arbeitsfähigkeit und in einer besser angepassten Tätigkeit
,
ohne
spezielle
Anforderungen interpersoneller Art
und
an die
Flexibilität
,
die Verwertung eines
70%ige
n
Arbeitspensum
s
zu
mutbar ist.
Dass die Rücksicht
nahme auf die Defizite der Beschwerdeführerin einen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit hat, ist zwanglos nachvollziehbar. Sie kann sich trotz Persönlich
keitsproblematik in fürsorglicher Umgebung besser entfalten
(vgl. das
diesbe
zügliche
Vorbringen der Beschwerdeführer
in
, Urk. 1 Ziff. 5.14.3).
5.
5.1
Zu prüfen bleiben damit die erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkungen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Valideneinkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Die Beschwerdegegnerin errechnete das
Valideneinkommen
gestützt auf die zuletzt erzielten Erwerbseinkünfte bei der
Y.___
AG
zuzüglich ein
es
Einkommen
s
bei der
I.___
AG (Urk. 8/102)
und ermittelte unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das Jahr 2022 ein
Validen
einkommen
von Fr. 51'535.30.
Anhaltspunkte
für
ein höheres
Einkommen ergeben sich
weder
aus
dem
Auszug aus dem
i
ndividuellen Konto (IK
)
noch aus den Angaben im Arbeitgeberfragebogen der
Y.___
AG
(
vgl. Urk.
8
/
10
und Urk. 8/14 Ziff. 2.3
)
.
Soweit die
Beschwerdeführerin
monierte
,
es sei
ein
höheres
Einkommen
als
bei
der
Y.___
AG
zu berücksichtigen
(
vgl.
Urk. 1 Ziff. 5.20)
,
kann ihr nicht gefolgt werden
.
Denn das Arbeit
s
pensum bei der
Y.___
AG war gemäss den Angaben der Arbeitgeberin kein voll
zeitliches, weshalb der bekannte Stundenlohn nicht auf ein solches aufgerechnet werden kann.
5.2
D
as von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invalideneinkommen blieb hinsichtlich der Bemessungsgrundlagen unbestritten. Zu Recht wurden dabei die Tabellenwerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) herangezogen, da die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht verwertet. Die Beschwerdegegnerin ermittelte auf Basis des Kompetenzniveaus
1
der LSE TA 1 Ziff. 5-96 für das Jahr 202
2
ein Invalideneinkommen von Fr.
37'673.60
(Urk.
8
/1
02/2
), was mit Blick auf die einschlägigen Tabellen wie auch das Kompetenzniveau nicht zu beanstanden ist
.
Der Verzicht auf einen sogenannt
en
leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn ist gerechtfertigt, da mit der
Pensumreduktion
um 30 %
solchen Faktoren bereits mit dem medizinischen Anforderungs- und Belastungsprofil Rechnung getragen wurde. Es sind auch keine weiteren wesentlichen Faktoren erkennbar, die das Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten derart einschränken, dass sie auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als aussergewöhnlich anzusehen wären (Urteil des Bundesgerichts 8C_705/2022 vom 23. August 2023 E. 6.3.2.2 mit Hinweis). Entsprechend führt die Gegenüberstellung der massgeblichen Vergleichseinkommen für das Jahr 202
2
zu keinem Invaliditätsgrad von mehr als 2
7
%.
Was die ab 1. Januar 2024 geltende Rechtslage (Art. 26
bis
Abs. 3 IVV) anbelangt, schreiben die allgemeinen Grundsätze des intertemporalen Rechts, die in Ermangelung einer anderslautenden Übergangsbestimmung anwendbar sind, vor, dass bei der Beurteilung des Leistungsanspruchs aufgrund von Gesundheits
schäden und Invalidität, die nach diesem Datum andauern, das ab dem 1. Januar 2024 in Kraft getretene Recht anzuwenden ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_435/2023 vom 27. Mai 2024 E. 4.4, Urteil des Bundesgerichts 8C_420/2023 vom 1. Juli 2024 E. 4.2; vgl. auch IV-Rundschreiben Nr. 432 Ziff. 2). Unter Anwendung des seit dem 1. Januar 2024 geltenden Art. 26
bis
Abs. 3 IVV
sind
daher vom nach statistischen Werten ermittelten Invalideneinkommen 10 Prozent abzuziehen, was zu einem weiterhin rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von gerundet 3
4
% führt (
Fr. 51'535.30
-
Fr. 33'906.20
= Fr.
17
‘
629
.
10
: Fr.
51'535.30
x 100 %).
5.3
Zusammenfassend wird die Schwelle eines rentenbegründenden Invaliditäts
grades von mindestens 40 % nicht erreicht, weshalb die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubNef