# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f4fdea1-e58c-526a-af62-e171d316f078
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.03.2010 D-8360/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8360-2007_2010-03-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8360/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Richter Gérald Bovier;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch lic. iur. Andreas Fäh, Rechtsanwalt, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals
Bundesamt für Flüchtlinge (BFF)
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
16. November 2007 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8360/2007

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer reichte am 3. Oktober 2007 im Empfangs- und 
Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch ein. Dazu wurde 
er vom BFM am 18. Oktober 2007 im EVZ B._______ befragt (Kurz-
befragung) und am 9. November 2007 am selben Ort  angehört  (An-
hörung).

Anlässlich  der  Kurzbefragung  und  der  Anhörung  machte  der  Be-
schwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen 
geltend, er sei kurdischer Ethnie und habe seit seiner Geburt bis kurz 
vor seiner Ausreise zusammen mit seiner Familie im Dorf C._______ 
(Provinz  D._______)  gewohnt.  Als  Kurde  sei  er  in  seiner  Heimat 
dauernd unter Druck gesetzt worden. Seit dem Jahre 2002 sei er Mit-
glied  der  DEHAP  (Demokratische  Volkspartei)  beziehungsweise  der 
DTP (Partei der demokratischen Gesellschaft), für die er wöchentlich 
Zeitungen,  Zeitschriften  und  Bücher  in  seinem  Dorf  verteilt  habe. 
Zudem habe er die DTP bei den Wahlen unterstützt,  indem er Flug-
blätter verteilt habe. Da die Behörden von seinen Tätigkeiten erfahren 
hätten,  hätten  sie  begonnen,  ihn  zu  verfolgen.  Von  April  2003  bis 
August  2004  habe  er  Militärdienst  leisten  müssen,  was für  ihn  sehr 
belastend  gewesen  sei,  insbesondere  da  er  dort  aufgrund  seiner 
kurdischen Abstammung keine Rechte gehabt habe und als Terrorist 
beschimpft worden sei. Nach seiner ordentlichen Entlassung aus dem 
Militär  sei  er  oft  von den Behörden zu Hause aufgesucht  und nach 
dem Aufenthaltsort seines Bruders E._______, der vor seiner Ausreise 
aus  der  Türkei  im  Jahre  2002  in  einem  Landkreis  Präsident  der 
DEHAP  gewesen  sei,  befragt  worden.  Da  er  Kurde  sei,  hätten  die 
Behörden ihn zudem schikaniert, so habe man ihm beispielsweise die 
ihm eigentlich zustehenden sozialen Leistungen nicht gewährt. Wegen 
seiner Mitgliedschaft bei der DEHAP beziehungsweise der DTP hätten 
die Behörden ihn insgesamt fünf Mal jeweils für mehrere Stunden fest-
genommen, letztmals wenige Tage vor den Wahlen am 22. Juli 2007. 
Damals habe ein Kandidat der DTP eine Rede vor dem Haus seiner 
Familie gehalten. Kurz nach dem Ende der Rede seien Soldaten zum 
Hause seiner  Familie  gekommen und  hätten  ihn  und  seinen  Bruder 
F._______  mit  verbundenen  Augen  auf  einen  Militärposten 
mitgenommen,  wo  sie  über  den  Kandidaten  der  DTP  und  ihre 
politische  Tätigkeit  befragt  worden  seien,  bevor  sie  nach  zirka  fünf 
Stunden wieder freigelassen worden seien. Bei den Wahlen am 22. Juli 

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2007, die von Soldaten scharf beobachtet worden seien, habe er einen 
Konvoi der DTP begleitet. Drei oder vier Tage nach den Wahlen habe 
er erfahren, dass er vom Militär gesucht werde, weshalb er am 29. Juli 
2007 nach Istanbul gegangen sei, wo er einen Schlepper organisiert 
habe.  Am 25. September 2007 habe er die Türkei per LKW verlassen 
und  sei  durch  ihm  unbekannte  Länder  am  1.  Oktober  2007  unter 
Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  gereist.  Bei  einer 
Rückkehr in die Türkei befürchte er, irgendwo zu verschwinden oder 
vernichtet zu werden. 

Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  auf  seinen 
Namen ausgestellten Führerschein zu den Akten.

B.
Mit  Verfügung vom 16. November  2007 -  eröffnet  am 19. November 
2007 - stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht-
lingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig 
ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. 

Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  angeführt,  aufgrund  der 
Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers für  die  DEHAP/DTP könne nicht 
ausgeschlossen werden,  dass er  tatsächlich von den türkischen Be-
hörden mitgenommen worden  sei,  auch wenn die  DEHAP/DTP eine 
legale Partei sei. Der Beschwerdeführer müsse jedoch allein aufgrund 
seiner Mitgliedschaft bei diesen Parteien kaum damit rechnen, staat-
lichen Massnahmen asylrelevanten Ausmasses ausgesetzt zu werden, 
da von staatlicher Verfolgung vor allem führende Mitglieder betroffen 
seien. Die vom Beschwerdeführer  geltend gemachten Tätigkeiten für 
die  DEHAP/DTP  würden  nicht  genügen,  um  begründete  Furcht  vor 
einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung anzunehmen,  zumal aus 
seinen Aussagen hervorgehe, dass er nicht in exponierter Stellung für 
diese Parteien  tätig  gewesen sei. Insbesondere  weise  die  Tatsache, 
dass  der  Beschwerdeführer  jeweils  nach  seinen  Festnahmen  be-
dingungslos  wieder  freigelassen  worden  sei,  darauf  hin,  dass  kein 
erhebliches  Verfolgungsinteresse seitens  des  türkischen  Staates  be-
stehe.  Gemäss  eigenen  Angaben  sei  der  Beschwerdeführer  zudem 
lediglich  in  der  Umgebung  seines  Wohnortes  gesucht  worden,  was 
darauf  hinweise,  dass  er  nicht  mit  einer  landesweiten Verfolgung zu 
rechnen habe. Der Beschwerdeführer verfüge in der Türkei somit auch 
über eine inländische Fluchtalternative, beispielsweise in Istanbul, wo 
er sich vor seiner Ausreise während zweier Monate aufgehalten habe. 

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Ebenso  komme dem Vorbringen des  Beschwerdeführers,  wonach er 
wegen seines in der Schweiz lebenden Bruders E._______. von den 
Behörden  zu  Hause  aufgesucht  und  nach  dessen  Aufenthaltsort 
gefragt worden sei, keine Asylrelevanz zu, zumal keine Anhaltspunkte 
vorliegen  würden,  die  auf  eine  begründete  Furcht  vor  künftig 
drohenden  Verfolgungsmassnahmen  in  diesem  Kontext  schliessen 
lassen  würden.  Im  Weiteren  sei  festzustellen,  dass  der  geforderte 
Kausalzusammenhang zwischen den vom Beschwerdeführer  geltend 
gemachten  Benachteiligungen  während  seiner  Militärdienstzeit  und 
seiner Ausreise am 25. September 2007 nicht gegeben sei,  weshalb 
auch dieses Vorbringen nicht asylrelevant sei. Bezüglich der Aussage 
des Beschwerdeführers, als Kurde in der Türkei unter Druck gesetzt zu 
werden und keine Rechte zu haben, sei schliesslich zu erwähnen, das 
ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  des  Asylgesetzes  nur  dann  vorliegen 
würden,  wenn  sie  auf  Grund  ihrer  Art  und  Intensität  ein 
menschenwürdiges  Leben  im  Verfolgerstaat  verunmöglichen  oder  in 
unzumutbarer  Weise  erschweren,  so  dass  sich  die  verfolgte  Person 
dieser Zwangssituation nur durch Flucht ins Ausland entziehen könne. 
Die  im  vorliegenden  Fall  geltend  gemachten  Benachteiligungen  des 
Beschwerdeführers würden in ihrer Intensität nicht über die Nachteile 
hinaus gehen,  welche weite Teile der kurdischen Bevölkerung in der 
Türkei  in  ähnlicher  Weise  treffen  könnten.  Die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  würden  somit  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten. 

C.
Mit  Beschwerde  vom  10.  Dezember  2007  (Poststempel)  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch 
seinen Vertreter die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die 
Gewährung  von Asyl. Eventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs festzustellen und das BFM anzuweisen,  ihn in  der 
Schweiz vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der 
Beschwerdeführer  um  Vormerknahme  der  aufschiebenden  Wirkung 
der  vorliegenden  Beschwerde,  um  Anweisung  an  das  BFM  be-
ziehungsweise die kantonale Behörde, vom Wegweisungsvollzug ab-
zusehen, sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Auf  die  Be-
gründung der Beschwerde wird - soweit für den Entscheid wesentlich - 
in den Erwägungen eingegangen. 

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D.
Mit  Zwischenverfügung  des  zuständigen  Instruktionsrichters  des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Dezember 2007 wurde dem Be-
schwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz  abwarten  könne.  Gleichzeitig  verfügte  er,  dass  auf  die  Er-
hebung eines Kostenvorschusses verzichtet werde.

E.
In ihrer Vernehmlassung vom 7. Januar 2008 beantragte die Vorinstanz 
die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Be-
schwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asyls end-
gültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung; er ist  daher zur Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

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oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4.
4.1 Die Vorinstanz hat die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 
Benachteiligungen, Belästigungen, Festnahmen und Verhöre durch die 
türkischen  Behörden  sowie  seine  Vorbringen  bezüglich  des  Militär-
dienstes  grundsätzlich  nicht  in  Zweifel  gezogen,  ihnen  jedoch  die 
flüchtlingsrechtliche Relevanz abgesprochen. Im Folgenden ist  daher 
zu prüfen,  ob es sich bei  den vom Beschwerdeführer vorgebrachten 
Asylgründen  um  asylrechtlich  beachtliche  Verfolgungsmassnahmen 
gemäss Art. 3 AsylG handelt. 

4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person 
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nach-
teile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten 
muss,   sofern ihr  die Nachteile  gezielt  und aufgrund bestimmter,  in 
Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter  Verfolgungsmotive zugefügt  worden 
sind  respektive  zugefügt  zu  werden  drohen.  Begründete  Furcht  vor 
Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  1  AsylG  liegt  vor,  wenn  ein 

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konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich - aus der 
Sicht im Zeitpunkt der Ausreise - mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
und  in  absehbarer  Zeit  verwirklicht  oder  werde  sich  -  auch  aus 
heutiger  Sicht  -  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer 
Zukunft  verwirklichen. Es  müssen  damit  hinreichende  Anhaltspunkte 
für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen 
in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss 
zur  Flucht  hervorrufen  würden. Dabei  hat  die  Beurteilung  einerseits 
aufgrund  einer  objektivierten  Betrachtungsweise  zu  erfolgen  und  ist 
andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und 
das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. 
Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat 
objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere  (subjektive)  Furcht.  Die 
erlittene  Verfolgung  oder  die  begründete  Furcht  vor  zukünftiger 
Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise 
aus  dem  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  und  grundsätzlich  auch  im 
Zeitpunkt  des  Asylentscheides  noch  aktuell  sein.  Zudem  muss 
feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über keine 
innerstaatliche  Fluchtalternative  verfügt  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2005 Nr. 21 E. 7.1. f.).

4.3 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Fest-
nahmen und Verhöre durch die Polizei und das Militär aufgrund seiner 
geltend  gemachten  politischen  Tätigkeiten  für  die  DEHAP  be-
ziehungsweise die DTP ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass diese 
Vorkommnisse  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  keinen  ernsthaften 
Nachteil  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  2  AsylG  darstellen.  Dies  ins-
besondere  deshalb,  da  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurz-
befragung zu Protokoll gegeben hat, dass er vom Jahre 2002 bis zu 
seiner Ausreise, das heisst in fünf Jahren, lediglich etwa fünf Mal von 
den Behörden  festgenommen  und  verhört  worden  ist (act. A 1/14, 
S.  10).  Zudem  wurde  der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen 
Aussagen  bei  den  Verhören  weder  geschlagen  noch  misshandelt, 
sondern  lediglich  befragt  und  jeweils  für  maximal  fünfzehn  Stunden 
festgehalten (act. A 1/14,  S. 10,  A 16/10,  S. 5). Überdies wurde der 
Beschwerdeführer  nach  den  Festnahmen  immer  bedingungslos 
freigelassen, was sicherlich nicht der Fall gewesen wäre, wenn ihn die 
türkischen  Behörden  einer  strafbaren  Handlung  bezichtigt  hätten. 
Darüber  hinaus  hatten  diese  Festnahmen  und  Verhöre  auch  keine 
weiterreichenden Konsequenzen für den Beschwerdeführer zur Folge, 

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wurde  doch  beispielsweise  -  soweit  ersichtlich  -  nie  ein 
Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Entgegen der Behauptung 
in  der  Rechtsmittelschrift  besteht  aufgrund  der  Aktenlage  kein 
konkreter  Anlass  zur  Annahme,  die  Lage  des  Beschwerdeführers 
könnte sich bei einer Rückkehr in die Türkei wesentlich verschlimmern, 
so  dass  er  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  zu  be-
fürchten habe. Insbesondere ist nicht anzunehmen, der Beschwerde-
führer  werde  bei  seiner  Rückkehr  in  sein  Heimatland  verschwinden 
oder  vernichtet,  wie  er  geltend  macht.  Zwar  ist  keineswegs 
auszuschliessen,  dass  er  bei  der  Wiedereinreise in  sein Heimatland 
von den Behörden kurz festgehalten  und verhört  wird. Aufgrund der 
Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  lediglich  ein  gewöhnliches 
Mitglied der  DTP ist,  das noch nie in  exponierter  Stellung für  diese 
Partei tätig war, besteht jedoch keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, 
dass  er  aufgrund  seiner  bisherigen  politischen  Tätigkeit  bei  einer 
Rückkehr asylrelevante Nachteile zu befürchten hätte. 

4.4
4.4.1 Im  Weiteren  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  sei  in 
seiner  Heimat  aufgrund  der  früheren  politischen  Aktivitäten  seines 
Bruders E._______ einer Reflexverfolgung ausgesetzt.

4.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht  geht  -  in  Anlehnung der  Praxis 
der ARK -  davon aus,  dass es in  der Türkei staatliche Repressalien 
gegen Familienangehörige von politischen Aktivisten gibt,  die als so-
genannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von 
Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflex-
verfolgung  zu  werden,  ist  nach  weitergeführter  Praxis  der  ARK  vor 
allem  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied 
gefahndet  wird  und  die  Behörde  Anlass  zur  Vermutung  hat,  dass 
jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem  Kontakt  steht.  Diese 
Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  ein  nicht  unbedeutendes 
politisches  Engagement  der  reflexverfolgten  Person  für  illegale 
politische  Organisationen  hinzu  kommt  beziehungsweise  ihr  seitens 
der Behörden unterstellt wird (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1. S. 195, 
mit  weiteren  Hinweisen).  Im  Zuge  des  Reformprozesses  zur  An-
näherung an die Europäische Union hat sich die Verfolgungspraxis der 
türkischen  Behörden  zwar  insofern  geändert,  als  Fälle,  in  denen 
Familienangehörige  kurdischer  Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt 
wurden,  abgenommen  haben.  Familienangehörige  müssen  aber  un-
verändert  mit  Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Festnahmen 

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rechnen,  die  oft  mit  Beschimpfungen und Schikane verbunden sind. 
Ein  Regelverhalten  der  türkischen  Behörden  lässt  sich  jedoch  nicht 
ausmachen;  vielmehr  hängt  die  Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexver-
folgung und deren Intensität stark von den konkreten Umständen des 
Einzelfalls ab. Feststellen lässt sich immerhin, dass oftmals diejenige 
Personen von einer Reflexverfolgung bedroht sind,  die sich offen für 
politisch aktive Verwandte einsetzen. Dies wiederum heisst nicht, dass 
eine  Reflexverfolgung  ausschliesslich  von  einem  besonderen 
Engagement  für  politisch  aktive  Verwandte  abhängt.  Vielmehr  kann 
hinter einer Reflexverfolgung auch nur die Absicht liegen, die gesamte 
Familie  für  Taten  eines  Familienmitglieds  zu  bestrafen,  in  der  Ver-
mutung,  dessen  politische  Ansichten  und  Ziele  würden  von  den 
engeren  Angehörigen  geteilt,  bzw.  mit  dem  Zweck,  sie  so  einzu-
schüchtern,  dass  sie  sich  von  oppositionellen  kurdischen 
Gruppierungen fern  halten  (EMARK 2005 Nr. 21  E. 10.2.3. S. 199 f., 
mit  weiteren Hinweisen). Es  muss also  aufgrund der  Umstände des 
Einzelfalls ermittelt werden, ob die Furcht vor Verfolgung begründet ist.

4.4.3 Vorliegend ist  zu  berücksichtigen,  dass  türkische Staatsbürger 
bei  einer Einreise in die Türkei routinemässig überprüft  werden, ins-
besondere  wenn  sie  sich  eine  längere  Zeit  im  Ausland  aufgehalten 
haben oder illegal ausgereist  sind. Dabei haben insbesondere Rück-
kehrer, die wie der Beschwerdeführer mit linkslastigen Kreisen in Ver-
bindung gebracht werden, mit einer erhöhten Gefährdung zu rechnen. 
So  ist  davon auszugehen,  dass  der  türkischen  Grenzpolizei  bei  der 
Wiedereinreise  abgewiesener  Asylsuchender  die  Tatsache  der  Asyl-
gesuchseinreichung  im  Ausland  in  der  Regel  nicht  verborgen  bleibt 
und dies wiederum eine Routinekontrolle mit  eingehender Befragung 
zur Folge hat (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 11.2 S. 202).

4.4.4 E._______ (N [...]),  ein älterer  Bruder des Beschwerdeführers, 
stellte in den Jahren 1989 und 1996 zweimal  ein Asylgesuch in der 
Schweiz,  die  abgelehnt  wurden. Nach seiner  Rückkehr  in  die  Türkei 
wurde  E._______  im  Jahre  1999  auf  dem  Posten  der  türkischen 
Gendarmerie während einer Nacht befragt und anschliessend für zirka 
35  Tage  im  Gefängnis  festgehalten.  Da  die  gegen  ihn  erhobene 
Anklage wegen Mitgliedschaft bei der PKK aus Mangel an Beweisen 
eingestellt  wurde,  liess  man  den  Bruder  frei.  In  der  Folge  litt 
E._______  unter  ständigen  Nachstellungen  seitens  der  Behörden, 
weshalb er der HADEP beitrat. Im August 2000 wurde er zum Partei-
präsidenten  der  Kreisstadt  Araban  gewählt,  weswegen  er  unter 

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ständiger Beobachtung der Behörden stand und von diesen auch be-
droht  wurde.  Im  November  2001  wurde  E._______  nach  einer 
Hausdurchsuchung  auf  den  Posten  mitgenommen  und  später  der 
Staatsanwaltschaft vorgeführt. Im April 2002 wurde E._______ wegen 
Besitzes  alter  Münzen  zu  einer  Busse  verurteilt.  Bei  der  Polizei 
bestand  ein  gemeinrechtliches  Datenblatt  mit  dem  Vermerk  "un-
bequeme Person". Am 23. Juli  2002  suchte  er  in  der  Schweiz  zum 
dritten Mal um Asyl nach. Am 6. Januar 2004 stellte das BFF fest, er 
erfülle die Flüchtlingseigenschaft, weshalb ihm Asyl gewährt wurde. 

4.4.5 Angesichts des verwandtschaftlichen Hintergrunds und des be-
kannten Vorgehens der  türkischen Behörden gegen als  oppositionell 
eingestufte  Familien erscheint  es durchaus realistisch,  dass  der  Be-
schwerdeführer gewissen Behelligungen ausgesetzt sein könnte.

4.4.6 Die  in  E.  4.4.2  genannten  Voraussetzungen  für  die  Annahme 
einer Reflexverfolgung sind vorliegend beim Beschwerdeführer jedoch 
nicht  gegeben.  Die  E._______  betreffenden  Gerichtsverfahren  sind 
seit vielen Jahren abgeschlossen.  Deshalb und aufgrund der langen 
Zeitspanne  seit  der  Ausreise  von  E._______  aus  der  Türkei  ist  es 
unwahrscheinlich,  dass  die  türkischen  Behörden  zum  heutigen 
Zeitpunkt  noch  immer  an  Informationen  bezüglich  E._______ 
interessiert  sind.  Darauf  deutet  auch  der  Umstand  hin,  dass  der 
Beschwerdeführer  vor  seiner  Ausreise  aus  der  Türkei  von  den 
Behörden über seinen Bruder lediglich befragt worden ist, ohne dass 
diese  weiteren  Druck  auf  ihn  ausgeübt  hätten.  Es  ist  anzunehmen, 
dass die Behörden wesentlich härter auf den Beschwerdeführer ein-
gewirkt  hätten,  wären  sie  ernsthaft  an  Informationen  bezüglich 
E._______  interessiert  gewesen.  Gegen  das  Vorliegen  einer 
asylrelevanten Reflexverfolgung spricht zudem die Tatsache, dass der 
Beschwerdeführer  in  seiner  Partei  zu  keiner  Zeit  eine  exponierte 
politische  Stellung  eingenommen  hat,  ist  er  doch  lediglich  ein 
gewöhnliches Mitglied der  DTP. Überdies  halten  sich unter  anderem 
seine Ehefrau, seine Mutter und mehrere seiner Geschwister nach wie 
vor in C._______ auf. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers 
arbeitet  zudem  sein  Bruder  F._______,  der  mit  ihm  im  Juli  2007 
zusammen auf den Posten gebracht und dort verhört worden sein soll, 
heute in C._______ als Landwirt (act. A 16/10, S. 3). Dies lässt darauf 
schliessen, dass die Familie des Beschwerdeführers und somit auch 
der  Beschwerdeführer  keiner  asylrelevanten  Reflexverfolgung  aus-
gesetzt sind beziehungsweise er keine solche zu befürchten hat. 

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4.4.7 Zusammenfassend  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  in 
casu zum Schluss, dass sich aus den Akten des Beschwerdeführers 
sowie aus denjenigen seines Bruders E._______ keine hinreichenden 
Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  dass  der  Beschwerdeführer  wegen 
seines  Bruders  in  der  Türkei  einer  in  asylrechtlicher  Hinsicht 
relevanten Verfolgungssituation ausgesetzt sein wird beziehungsweise 
eine  solche  zu  befürchten  hat.  Zwar  kann  nicht  ausgeschlossen 
werden,  dass ihn die heimatlichen Behörden bei  seiner  Rückkehr  in 
die Türkei zur eigenen Person und möglicherweise über seinen Bruder 
befragen  werden.  Angesichts  des  geringen  eigenen  politischen 
Hintergrunds sowie des Umstands, dass der Beschwerdeführer seinen 
Militärdienst in der Türkei bereits geleistet hat (vgl. act. A 16/10, S. 3), 
ist anzunehmen, dass eine allfällige Befragung seitens der türkischen 
Grenzorgane für den Beschwerdeführer keine weiteren Folgen haben 
wird.

4.5 Bezüglich der geltend gemachten Belästigungen, Festnahmen und 
Verhöre  durch die  türkischen  Behörden ist  übereinstimmend mit  der 
Vorinstanz festzuhalten,  dass aufgrund der Akten nicht  anzunehmen 
ist,  der Beschwerdeführer habe eine landesweite Behelligung zu be-
fürchten, zumal er gemäss eigenen Angaben von den Militärbehörden 
lediglich  in  der Umgebung  seines  Wohnortes   gesucht  wird   (act. 
A 16/10, S. 4). Gegen eine landesweite Verfolgung des Beschwerde-
führers spricht zudem der Umstand, dass der Beschwerdeführer bis zu 
seiner  Ausreise  lediglich  kurzzeitig  festgenommen und nie  in  Unter-
suchungshaft  gesetzt  worden  ist.  Würden  die  türkischen  Behörden 
tatsächlich die Absicht verfolgen, den Beschwerdeführer vor Gericht zu 
stellen  oder  ihn  verschwinden  zu  lassen,  wie  das  von  ihm  geltend 
gemacht  wird,  wären  sie  schon  vor  seiner  Ausreise  entschiedener 
gegen  ihn  vorgegangen.  Übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  und 
entgegen der Behauptung in der Rechtsmittelschrift  ist  deshalb fest-
zustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  durch  einen  Wohnorts-
wechsel  den  geltend  gemachten  Verfolgungsmassnahmen  durch  die 
lokalen Behörden entziehen kann, weshalb ihm in der Türkei eine in-
ländische  Fluchtalternative  offen  steht.  So  ist  es  ihm beispielsweise 
möglich,  sich  in  Istanbul  niederzulassen,  wo  er  keine  Verfolgungs-
massnahmen durch die Behörden zu befürchten hat. Davon ist umso 
mehr  auszugehen,  als  sich  der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen 
Angaben vor seiner Ausreise im Jahre 2007 während beinahe zweier 
Monate dort  aufgehalten hat,  ohne von den Behörden irgendwie be-
helligt worden zu sein.

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4.6 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren geltend, er sei während 
seines  Militärdienstes  aufgrund  seiner  kurdischen  Herkunft  ständig 
benachteiligt  worden.  Übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  ist  dies-
bezüglich die Flüchtlingseigenschaft  schon deshalb zu verneinen, da 
es  an  einem  zeitlichen  und  sachlichen  Kausalzusammenhang 
zwischen diesen vorgebrachten Nachteilen und der Ausreise im Jahre 
2007 fehlt. Am zeitlichen Kausalzusammenhang fehlt es deshalb, weil 
zwischen dem Ende der  Militärdienstzeit  und der  Ausreise mehr  als 
drei  Jahre  liegen.  Der  sachliche  Kausalzusammenhang  ist  zu  ver-
neinen, da der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus 
dem Heimatland  schon  seit  Jahren  nicht  mehr  Militärdienst  leistete, 
war  er  doch  bereits  mehr  als  drei  Jahren zuvor  ordentlich  aus  dem 
Militärdienst entlassen worden (vgl. act. A 16/10, S. 3).

4.7 Der  Beschwerdeführer  bringt  ausserdem  vor,  als  Kurde  werde 
man  in  der  Türkei  unter  Druck  gesetzt  und  man  habe  dort  keine 
Rechte. So hätten ihm die türkischen Behörden beispielsweise die ihm 
eigentlich zustehenden sozialen Leistungen nicht gewährt. Hinsichtlich 
der  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zur  Ethnie  der  Kurden  ist 
festzuhalten,  dass  die  Schweizer  Asylbehörden  in  konstanter  Praxis 
nicht davon ausgehen, die kurdische Minderheit sei in der Türkei der-
art  zahlreichen  und  umfassenden  Repressionen  ausgesetzt,  dass 
bereits aus diesem Grund jedes Mitglied des Kollektivs Anlass habe, 
auch individuell eine Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinne zu be-
fürchten  (EMARK  1993  Nr.  20  E.  3a;  zum  Begriff  der  Kollektivver-
folgung,  vgl.  etwa  WALTER KÄLIN, Grundriss  des  Asylverfahrens, 
Basel/Frankfurt  a.M.  1990,  S.  77  f.;  ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA 
HAUSAMMANN,  Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl.,  Bern/Stuttgart  1991, 
S.  92;  SAMUEL WERENFELS,  Der  Begriff  des  Flüchtlings  im 
schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987, S. 208 f., 211).

4.8 Der  Vollständigkeit  halber  ist  festzustellen,  dass  aufgrund  der 
teilweise widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers anläss-
lich  der  Befragungen  zweifelhaft  ist,  ob  sich  die  geltend  gemachten 
Verfolgungsvorbringen tatsächlich zugetragen haben. Vorliegend kann 
eine  vertiefte  Prüfung  dieser  Frage  jedoch  offen  gelassen  werden, 
zumal  der  Beschwerdeführer  -  wie  soeben  aufgezeigt  -  selbst  bei 
Wahrunterstellung  dieser  Vorbringen  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht 
erfüllt. 

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4.9 Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu 
machen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile erlitten hat oder 
solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle der Rück-
kehr in die Türkei befürchten müsste. An dieser Einschätzung ändert 
auch  der  Umstand  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  Südost-
anatolien stammt. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es 
sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einzelnen 
einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern.  Unter  Berück-
sichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer 
keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft  machen 
konnte.  Das  Bundesamt  hat  sein  Asylgesuch  somit  zu  Recht  ab-
gelehnt. 

5.  
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

6.  
6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

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6.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

6.3 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist,  eine asylrecht-
lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, 
kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung 
finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  die  Türkei  ist 
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall 
einer Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall 
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren 
Hinweisen).  Dies  ist  ihm nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht 

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gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei 
lässt  den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt  nicht  als  un-
zulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Be-
stimmungen zulässig.

6.4
6.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

6.4.2 Weder die allgemeine Lage in der Türkei noch die persönliche 
Situation des Beschwerdeführers lassen auf eine konkrete Gefährdung 
schliessen. Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von 
einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von  kriegerischen  oder 
bürgerkriegsähnlichen  Verhältnissen  gesprochen  werden,  welche  für 
den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung 
darstellen  würde  (vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Lagebeurteilung  in 
EMARK 2004 Nr. 8). Sodann bestehen auch keine anderen Hinweise, 
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Heimatstaat in 
eine  konkrete,  seine Existenz  bedrohende  Situation  geraten könnte. 
Eigenen Angaben zufolge leben seine Ehefrau,  seine Tochter,  seine 
Mutter  und  mehrere  seiner  Geschwister  nach  wie  vor  in  seinem 
Heimatdorf (vgl. act. A 1/14, S. 5). Der Beschwerdeführer verfügt folg-
lich in der Türkei und insbesondere in seinem Dorf über ein intaktes 
soziales  Beziehungsnetz.  Vor  seiner  Ausreise  hat  er  in  seinem 
Heimatdorf auf dem Landwirtschaftsbetrieb seiner Familie gearbeitet. 
Er ist jung und - soweit aus den Akten ersichtlich - gesund, weshalb 
davon  auszugehen  ist,  dass  er  nach  seiner  Rückkehr  in  die  Türkei 
wieder  auf  dem  Landwirtschaftsbetrieb  seiner  Familie  mitarbeiten 
kann. Es ist  dem Beschwerdeführer jedoch,  gestützt  auf  die Nieder-
lassungsfreiheit,  unbenommen,  im  Westen  der  Türkei  Wohnsitz  zu 
nehmen.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Weg-
weisung auch als zumutbar. 

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6.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Weg-
weisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat  den Vollzug zu Recht  als 
zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt 
eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83 
Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
9.1 Der Beschwerdeführer  beantragt  die unentgeltliche Rechtspflege 
nach Art. 65 Abs. 1 VwVG. Gemäss dieser Bestimmung wird von der 
Erhebung  von  Verfahrenskosten  abgesehen,  wenn  der  Beschwerde-
führer nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und seine Begehren 
nicht als aussichtslos erscheinen. 

9.2 In der Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2007 wurde darauf 
hingewiesen,  dass  die  geltend  gemachte  prozessuale  Bedürftigkeit 
des Beschwerdeführers nicht durch eine Fürsorgebestätigung oder in 
anderer Form hinreichend belegt ist, sondern lediglich behauptet wird. 
Der Beschwerdeführer hat es trotz der ihm obliegenden Mitwirkungs-
pflicht  (Art.  8  AsylG)  bis  heute  unterlassen,  die  geltend  gemachte 
prozessuale  Bedürftigkeit  zu  belegen.  Mangels  Erfüllen  der 
kumulativen Voraussetzungen von Art. 65 VwVG (bedürftig/nicht aus-
sichtslos) ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege abzuweisen. 

9.3 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.--  festzusetzen  (Art.  1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand: 

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