# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 281f2bc2-e18f-50f9-a262-b69337982ab9
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.06.2018 SB170299
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170299_2018-06-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB170299-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Präsident, lic. iur. Ch. Prinz und 

Ersatzoberrichter lic. iur. A. Kessler sowie Gerichtsschreiberin 

lic. iur. C. Baumgartner 

 

Urteil vom 4. Juni 2018 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Stv. Leitenden Staatsanwalt lic. iur. P. Gossner 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend 

sexuelle Handlungen mit Kindern 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,  
7. Abteilung - Einzelgericht, vom 30. März 2017 (GG170017) 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich ist diesem Urteil 

beigeheftet (Urk. 13/5). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 31A) 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der sexuellen Handlung mit Kindern gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– wovon bis und mit heute 2 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-

gesetzt.  

4. Von der Anordnung eines Tätigkeitsverbotes wird abgesehen. 

5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'100.–   Gebühr Untersuchung 

Fr. 1'445.25   Auslagen Untersuchung 

Fr. 50.–   Entschädigung Zeugen 

Fr. 770.–   diverse Kosten 
 

 Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. Wird auf eine schriftliche Begründung 

des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.  

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-

schuldigten auferlegt. 

 

 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 89): 

1. Ziffer 4 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 30. März 2017 

(GG170017) wird nicht angefochten. 

2. Ziffer 1 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 30. März 2017 

(GG170017) sei dahingehend abzuändern, dass der Beschuldigte vom Vor-

wurf der sexuellen Handlung mit Kindern von Schuld und Strafe freizu-

sprechen sei. 

3. Ziffer 2 und 3 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 30. März 2017 

(GG170017) seien aufzuheben. 

4. Über die Verfahrenskosten der Vorinstanz, Ziffer 5 und 6 des Urteils der Vor-

instanz vom 30. März 2017 (GG170017), sei entsprechend dem abgeänder-

ten Entscheid neu zu befinden. 

5. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung/Entschädigung in der Höhe von 

mindestens CHF 5'400.00 für Zeitaufwand, Reputationsschaden, erduldete 

Haft, Hausdurchsuchung und Entzug persönlicher elektronischer Geräte so-

wie Reisekosten von CHF 200.00 und Dolmetscherkosten von CHF 440.00 

zuzusprechen. Zudem sind ihm CHF 22'401.00 für den Einkommensausfall 

sowie die Anwaltskosten im erstinstanzlichen Verfahren in der Höhe von 

CHF 17'706.00 zuzusprechen. 

6. Eventualiter, wäre der Beschuldigte im Falle einer Bestätigung des Schuld-

spruches, mindestens für das Zwangsmassnahmenverfahren (GH161636) 

vor dem Zwangsmassnahmengericht Zürich in Höhe von mindestens 

CHF 2'600.00 (8 Stunden zu CHF 280.00 zuzüglich Barauslagen, Fahr-

kosten und Mehrwertsteuer) für Anwaltskosten und mit einer Parteientschä-

digung von pauschal CHF 500.00 zu entschädigen. 

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7. Die Anträge der Staatsanwaltschaft in der Anschlussberufung sind abzuwei-

sen. 

8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt.) zulasten 

des Staates. 

b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 92): 

1. Die Berufung des Beschuldigten gegen das Urteil des Einzelgerichts Zürich 

vom 30. März 2017 sei abzuweisen. 

2. Das Urteil der Vorinstanz sei mit Ausnahme von Ziff. 3 und 4 des Urteils-

dispositivs zu bestätigen. 

3. Ziff. 4 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit ei-

nem Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 2 StGB für die Dauer von 

3 Jahren zu bestrafen. 

4. Sollte das Gericht auf ein Tätigkeitsverbot verzichten, und Ziff. 4 des Urteils-

dispositivs der Vorinstanz bestätigen, so sei Ziff. 3 des Urteilsdispositivs auf-

zuheben und der Beschuldigte mit einer unbedingten Strafe zu belegen. 

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuer-

legen. 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1.  Verfahrensgang 

1.1.  Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-

dung unnötiger Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im angefoch-

tenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 31A S. 3 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

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1.2.  Mit Urteil der 7. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich, Einzelgericht, vom 

30. März 2017 wurde der Beschuldigte der sexuellen Handlung mit Kindern ge-

mäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geld-

strafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt (Urk. 31A). Gegen dieses Urteil 

liess der Beschuldigte durch seinen Verteidiger mit Eingabe vom 5. April 2017 

fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 28). Das begründete Urteil wurde dem Ver-

teidiger des Beschuldigten in der Folge am 27. Juli 2017 zugestellt (Urk. 29 und 

31/2), woraufhin dieser mit Eingabe vom 11. August 2017 fristgerecht die Beru-

fungserklärung beim hiesigen Gericht einreichte (Urk. 33). Mit der Berufungserklä-

rung stellte der Verteidiger die Beweisanträge auf Einholung eines Gutachtens zur 

Bestimmung des wirklichen Alters des Geschädigten sowie auf Erstellung eines 

Sprachgutachtens. Dies zur Klärung der Frage, ob die Ausführungen des Ge-

schädigten im schriftlich verfassten Protokoll (der Videobefragung) richtig wieder-

gegeben worden sind (Urk. 33). 

1.3.  Mit Präsidialverfügung vom 16. August 2017 wurde der Anklagebehörde 

Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären, oder begründet ein Nichtein-

treten auf die Berufung zu beantragen. Weiter wurde ihr Frist angesetzt, um zu 

den Beweisanträgen des Beschuldigten Stellung zu nehmen (Urk. 36). Mit Ein-

gabe vom 1. September 2017 erhob die Anklagebehörde fristgerecht Anschluss-

berufung (Urk. 38). Sie beantragt sodann die Abweisung des Beweisantrages auf 

Einholung eines Sprachgutachtens sowie den Beizug der Akten des Asylver-

fahrens des Geschädigten und die erneute Prüfung der Einholung eines Alters-

gutachtens nach Vorliegen dieser Akten (Urk. 38). 

1.4.  Mit Präsidialverfügung vom 21. September 2017 wurde der Beweisantrag 

auf Einholung eines Sprachgutachtens abgewiesen und die Akten des Asylverfah-

rens des Geschädigten beigezogen (Urk. 44). Nach Einsicht in die Akten des 

Asylverfahrens (Urk. 50/1-23) wurde am 2. November 2017 die Einholung eines 

Altersgutachtens beschlossen und B._____ als Gutachter vorgeschlagen (Urk. 

53). Mit Beschluss vom 24. November 2017 wurde dieser als Gutachter bestellt 

und beauftragt, die Frage zu beantworten, ob der Geschädigte C._____ am 31. 

Januar 2016 das 16. Altersjahr bereits zurückgelegt hatte bzw. ob er am 

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31. Januar 2016 16 Jahre alt gewesen war (Urk. 57). Das Altersgutachten ging 

am 1. Februar 2018 beim Obergericht ein (Urk. 60/1-2). Mit Präsidialverfügung 

vom 6. Februar 2018 wurde es den Parteien sowie dem Beistand des Geschädig-

ten zugestellt (Urk. 64). Mit Eingabe vom 9. Mai 2018 stellte der Verteidiger er-

neut den Beweisantrag, es sei ein Sprachgutachten (wortprotokollarisch durch ei-

nen unabhängigen Dolmetscher) zu erstellen, zur Klärung der Frage, ob die Aus-

führungen des Geschädigten (Videoaufnahmen) im schriftlich erfassten Protokoll 

richtig wieder gegeben worden seien (Urk. 72). 

1.5. Am 4. Juni 2018 fand die Berufungsverhandlung statt (Prot. II S. 11 ff.). 

2.  Umfang der Berufung 

2.1.  In seiner Berufungserklärung vom 11. August 2017 liess der Beschuldigte 

bis auf die Dispositivziffer 4 (Absehen von der Anordnung eines Tätigkeitsver-

botes) ausdrücklich die Ziffern 1 bis 3 (Schuldspruch und Strafe) und damit sinn-

gemäss sämtliche Dispositivziffern (Kostenfolgen etc.) anfechten (Urk. 33). Der 

Beschuldigte beantragt zudem die Zusprechung einer Genugtuung und einer Um-

triebsentschädigung sowie eine Entschädigung für Einkommensausfall (Urk. 33, 

Urk. 89). Die Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Anschlussberufung, dass das 

Urteil der Vorinstanz mit Ausnahme der Ziffern 3 und 4 des Urteilsdispositivs zu 

bestätigen sei. In Aufhebung von Ziffer 4 des Urteilsdispositivs sei der Beschuldig-

te mit einem Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 2 StGB für die Dauer von 

3 Jahren zu bestrafen. Für den Fall des Verzichts eines Tätigkeitsverbots durch 

das Gericht sei Ziffer 3 des Urteilsdispositives aufzuheben und der Beschuldigte 

sei mit einer unbedingten Strafe zu belegen (Urk. 38, Urk. 92). 

2.2. Das vorinstanzliche Urteil ist demnach in sämtlichen Punkten angefochten 

und steht im Rahmen des Berufungsverfahrens vollumfänglich zur Disposition. 

3. Vorfrage / Beweisantrag Sprachgutachten 

3.1.  Die Verteidigung hat nach Abweisung des Beweisantrags auf Erstellung ei-

nes Sprachgutachtens ein privates Gutachten durch D._____ erstellen lassen 

(Urk. 74/1). Weiter hat die Verteidigung eine exemplarische Gegenüberstellung 

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der divergierenden Übersetzungen der Videoaufnahme vom 8. März 2016 durch 

D._____ und der durch die Polizei beigezogenen Dolmetscherin E._____ einge-

reicht (Urk. 74/1). Der Verteidiger macht insbesondere geltend, der Geschädigte 

habe in der Befragung nicht von einem Reiben des Gliedes an seinem Hintern 

durch den Beschuldigten gesprochen, sondern davon, dass der Beschuldigte "mit 

dem Körper seinen Po berührt habe, einmal habe er dagegen geschlagen". Die 

Verteidigung weist daraufhin, dass der Geschädigte in der Einvernahme vom 

24. April 2016 zwar tatsächlich gesagt habe, dass "der Penis des Beschuldigten 

an seinem Po geklebt habe", was aber darauf zurückgeführt werden müsse, dass 

in der ersten Einvernahme quasi darauf hingearbeitet worden sei, dass dies der 

Geschädigte zur Aussage bringen solle (Urk. 72 S. 3). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung stellte der Verteidiger vorfrageweise die Korrektheit der Übersetzun-

gen der Einvernahmen des Geschädigten in Frage und verlangte in diesem Zu-

sammenhang erneut die Einholung eines Sprachgutachtens. Die Vorfrage wurde 

durch das Gericht abgewiesen, zumal die Einvernahmen des Geschädigten for-

mell korrekt durchgeführt worden sind (Prot. II S. 13.f., Urk. 84). 

3.2. Es ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass bereits in der von F._____ ver-

fassten sog. Erstmeldung bezüglich des Vorfalls in der MNA-Aussenstelle 

G._____ (Urk. 1/3) – also noch vor den Befragungen durch die  

Polizei und den entsprechenden Übersetzungen durch die amtlich beigezogene 

Dolmetscherin E._____ – die Aussage des Geschädigten wiedergegeben wurde, 

wonach der Beschuldigte ihn von hinten umfasst habe und er gleichzeitig seine 

Lende an die Hüfte/ den Po des Geschädigten gepresst habe, wobei der Be-

schuldigte sexuell erregt gewesen sei. Der Geschädigte habe durch die Kleider 

gespürt, wie der Penis erigiert gewesen sei (Urk. 1/3). Auch der Zeuge H._____ 

sagte aus, der Geschädigte habe ihm – ebenfalls vor den polizeilichen Befragun-

gen – gesagt, der Beschuldigte habe ihn mit dem Rücken zu ihm nach hinten ge-

zogen und dass der Beschuldigte einen erigierten Penis gehabt habe und sich an 

ihm (dem Geschädigten) gerieben habe (Urk. 4/4 Antwort 16). Er, H._____, habe 

sich das Vorgefallene vom Geschädigten in einem Rollenspiel mit vertauschten 

Rollen zeigen lassen (Urk. 4/4 Antwort 19). Die Zeugin I._____ erklärte auf Vor-

halt der Erstmeldung, dass diese aufgrund ihrer Schilderung und derjenigen von 

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H._____ erstellt worden sei (Urk. 4/5 Antwort 32). Damit erscheint das Vorbringen 

der Verteidigung, die Dolmetscherin habe das zentrale Element der Aussage des 

Geschädigten "Genital an Po-Reiben" von sich aus als Aussage des Geschädig-

ten eingeführt, als wenig überzeugend. Es kann daher grundsätzlich davon aus-

gegangen werden, dass die Übersetzungen im Gesamtzusammenhang zutreffend 

sind. Wie weiter unten noch aufzuzeigen sein wird, handelte es sich allerdings wie 

von der Verteidigung zutreffend vorgebracht, um schwierige Befragungen mit teil-

weise unklaren und ungenauen Angaben des Geschädigten. Von daher kann 

nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Passagen wenig wortgetreu, son-

dern sinngemäss übersetzt wurden. Im Weiteren wird, soweit nötig, auf den Be-

weisantrag im Rahmen der Prüfung des Sachverhalts einzugehen sein. 

II. Sachverhalt  

1.  Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten, der zum damaligen Zeitpunkt als Asylbetreuer bzw. Nacht-

wache im Asylunterkunftsheim an der G._____-strasse in Zürich arbeitete, wird 

vorgeworfen, den dort wohnhaften, damals 15-jährigen Geschädigten C._____ 

am 31. Januar 2016 zwischen ca. 20.00 bis 22.00 Uhr von hinten gehalten, an 

sich gezogen und seinen Unterleib mit erigiertem Glied von hinten am Ge-

säss/Rücken des Geschädigten gerieben zu haben. Dabei habe der Beschuldigte 

gewusst, eventualiter in Kauf genommen, dass der Geschädigte noch keine 16 

Jahre alt gewesen sei (Urk. 13/5). 

2.  Standpunkt Beschuldigter 

Der Beschuldigte bestritt diesen Vorwurf von Beginn weg der Untersuchung voll-

umfänglich. Er schilderte, der Geschädigte sei zum fraglichen Zeitpunkt zwar 

für einige Minuten alleine mit ihm in seinem Büro gewesen, es sei aber zu keinen 

sexuellen Handlungen gekommen (Urk. 2/1-4, Prot. I S. 11 ff.). 

 

 

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3.  Grundsätze der Beweiswürdigung  

3.1. Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es aus 

seiner freien, aus der Hauptverhandlung und aus den Untersuchungsakten ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Gemäss 

diesem Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung entscheidet das Ge-

richt, ob es die eingeklagten Tatsachen für erwiesen hält oder nicht. Der Richter 

hat demzufolge die Aufgabe, seinem Gewissen verpflichtet in objektiver Würdi-

gung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem bestimmten 

Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Richtigkeit zu 

überwinden vermag (BGE 127 I 38 E. 2.a.; BGE 124 IV 86 E. 2.a.; BGE 120 Ia 31 

E. 2.c.). 

3.2. Gemäss der in Art. 9 und Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie 

Art. 10 Abs. 3 StPO verankerten Maxime "in dubio pro reo", ist bis zum letztend-

lichen Nachweis der Schuld des Beschuldigten von dessen Unschuld auszuge-

hen. Daraus folgt, dass in einem Strafprozess an den Beweis von Täterschaft und 

Schuld besonders hohe Anforderungen zu stellen sind. Ein Schuldspruch darf nur 

dann erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit 

erstellt ist, mit anderen Worten, wenn Beweise dafür vorliegen, dass der Be-

schuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den ihm zu Last gelegten 

Straftatbestand verwirklicht hat. Die Überzeugung des Richters muss auf einem 

verstandsgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen 

Beobachter nachvollziehbar sein (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches 

Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 11 ff.). Bestehen nach abge-

schlossener Beweiswürdigung erhebliche und unüberwindbare Zweifel, so sind 

diese zugunsten des Beschuldigten zu werten. Erheblich sind Zweifel, die sich 

nach der objektiven Sachlage aufdrängen und sich jedem kritischen Menschen 

stellen. Blosse abstrakte oder theoretische Zweifel sind nicht massgebend, da 

solche immer möglich sind (SCHMID, Handbuch des schweizerischen Straf-

prozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 233 ff.; HAUSER/SCHWERI/  

HARTMANN, a.a.O., § 54 N 12). 

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3.3. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen. Beim Abwägen von Aussagen ist im Beson-

deren zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen zu unterscheiden. Während erstere Grundlage dafür liefert, ob einer 

Person getraut werden kann, ist letztere für die im Prozess massgebende Ent-

scheidung bedeutungsvoll, ob sich der Sachverhalt zur Hauptsache so zugetra-

gen hat oder nicht. Die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst 

ihrer prozessualen Stellung vor allem aus den persönlichen Beziehungen und 

Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. 

3.4. Der Glaubwürdigkeit einer Person kommt nach Lehre und stetiger Recht-

sprechung eine untergeordnete Rolle zu. Für die Sachverhaltserstellung ist viel-

mehr der materielle Gehalt, sprich die Glaubhaftigkeit der Aussagen massgebend 

(BGer 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4.; BGE 133 I 33 E. 4.3.; je 

m.w.H.). Selbsterlebte Geschehnisse können für gewöhnlich spontan aus dem 

Gedächtnis abgerufen werden, ohne dass es dafür einer vertieften Reflexion res-

pektive eines weitergehenden Denkprozesses bedarf. Demgegenüber ist die 

Schilderung einer unwahren beziehungsweise bewusst inkorrekten Sachdar-

stellung weitaus schwieriger, weil der Erzähler sich entscheidende Details laufend 

selbst ausdenken und den Faden weiterspinnen muss, indem er unter Berück-

sichtigung logischer und empirischer Zusammenhänge erfundene Behauptungen 

mit unbestrittenen Fakten verwebt. Zudem ist das Erinnerungsvermögen an er-

fundene Einzelheiten weitaus geringer als bei tatsächlich Erlebtem, weshalb sich 

der Erzählende seine unwahre Geschichte gleichzeitig tief ins Gedächtnis einprä-

gen muss, um sich später nicht in Widersprüche zu verwickeln. Diese unter-

schiedlichen Denkprozesse – die blosse Wiedergabe von Erinnerungen einerseits 

und das Kreieren einer wenn auch nur teilweisen unwahren, abgeänderten Versi-

on andererseits – hinterlassen Spuren in den Aussagen und dem Aussage-

verhalten. Unwahre Schilderungen enthalten fast immer Ungereimtheiten oder 

Wendungen und Details, die unnatürlich erscheinen. Die Lehre spricht dabei von 

fehlenden Realitätskriterien einerseits und vorhandenen Lügensignalen anderer-

seits (vgl. zum Ganzen: BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 

4. Aufl., München 2014, N 313 ff.). 

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4. Beweismittel  

Zur Erstellung des strittigen Sachverhalts dienen vorliegend im Wesentlichen die 

Aussagen des Geschädigten (Urk. 3/1-6) sowie die Aussagen des Beschuldigten 

(Urk. 2/1-4). Als weitere Beweismittel liegen Aussagen der Zeugen J._____ (Mit-

bewohner Geschädigter), K._____ (Mitbewohner Geschädigter), H._____ (Sozial-

pädagoge/Betreuer Unterkunft G._____) und  

I._____ (Sozialpädagogin/Betreuerin Unterkunft G._____) vor (Urk. 4/2-5). Diese 

Zeuginnen und Zeugen berichten gestützt auf Hörensagen, weshalb für die Sach-

verhaltserstellung lediglich ergänzend auf deren Aussagen abgestellt werden 

kann. Die polizeiliche Befragung des Beistands des Geschädigten, L._____ (Urk. 

4/1) kann (lediglich) zugunsten des Beschuldigten beigezogen werden. Sodann 

wurde wie oben ausgeführt ein medizinisches Gutachten zum Alter des Geschä-

digten eingeholt (Urk. 68). 

5. Alter des Geschädigten 

B._____, Facharzt für Rechtsmedizin, kommt in seinem Gutachten vom 30. Janu-

ar 2018 zum Schluss, dass die getätigten Befunde darauf schliessen lassen, dass 

der Geschädigte im Zeitpunkt der Untersuchung am 25. Januar 2018 ein durch-

schnittliches Alter von 15 - 17 Jahre gehabt habe und für den Zeitpunkt vom 31. 

Januar 2016 zwingend von einem Alter von unter 16 Jahren auszugehen sei (Urk. 

60/1 S. 5). Das auch vom Institutsleiter und Chefarzt des Instituts für Rechtsmedi-

zin Aarau, M._____, unterzeichnete Gutachten erscheint sorgfältig, umfassend 

und schlüssig. Es wurden Geschlechtsreife und anthropometrische Daten, Ske-

lettalter und Zahnalter untersucht und ausgewertet. Auch wurde der Einfluss der 

ethnischen Zugehörigkeit – der Geschädigte ist Eritreer – miteinbezogen. Es be-

steht daher kein Anlass, das Gutachten mit den verständlich dargelegten Schluss-

folgerungen in Zweifel zu ziehen. Die Erkenntnisse des Gutachters decken sich 

sodann mit denjenigen aus dem Asylverfahren, in welchem beim Geschädigten 

eine Handwurzelknochenanalyse durchgeführt wurde und von einem Geburtsda-

tum am tt.mm.2001 ausgegangen wurde (Urk. 50/2 S. 9). Es ist demnach erstellt, 

dass der Geschädigte – wie in der Anklage aufgeführt – am 31. Januar 2016 noch 

nicht 16 Jahre alt gewesen war.  

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6. Glaubwürdigkeit der Beteiligten 

6.1. Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er als be-

schuldigte Person einvernommen und somit nicht unter der Strafandrohung von 

Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet wurde. Er hat als di-

rekt vom Ausgang des vorliegenden Strafverfahrens Betroffener ein durchaus 

nachvollziehbares Interesse daran, sich selber nicht oder bloss zurückhaltend zu 

belasten beziehungsweise die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht dar-

zustellen. Seine Aussagen sind unter diesem Gesichtspunkt mit Vorsicht zu wür-

digen. 

6.2. Was die Glaubwürdigkeit des Geschädigten betrifft, so ist zu berücksich-

tigen, dass er bei der zweiten Befragung durch die Polizei (in Vertretung der 

Staatsanwaltschaft) als Zeuge einvernommen wurde und er unter der Androhung 

von Strafen – Aufräumarbeiten, Putzen oder allenfalls Gefängnis – aussagte, was 

in der Regel eine erhöhte Glaubwürdigkeit der befragten Person mit sich bringt. 

Sodann hat er auf seine Stellung als Privatkläger und auf die Stellung von Genug-

tuungs- und Schadenersatzforderung verzichtet, so dass keine finanziellen Inte-

ressen am Ausgang des Verfahrens bestehen. Dennoch ist hinsichtlich der 

Glaubwürdigkeit des Geschädigten einschränkend festzuhalten, dass er etwa von 

der Sozialpädagogin I._____ zwar als freundlich, sehr dynamisch, gleichzeitig 

aber auch als etwas hyperaktiv beschrieben wurde. Er versuche manchmal, die 

Sozialpädagogen gegenseitig auszuspielen. Dies vor allem dann, wenn er etwas 

von ihnen wolle (z.B. ein Trambillet, Geld oder einen Vorschuss). Der Geschädig-

te mache dann einfach etwas Druck und "erzähle und erzähle", so dass er sein 

Ziel erreichen könne. Es sei schon ein Thema, dass der Geschädigte sich 

manchmal unehrlich verhalte. Er sage nicht unbedingt immer die Wahrheit, wenn 

er etwas von ihnen (also den Betreuern) wolle. Sie beschrieb ihn, als eine sehr 

energische Person die sehr viel rede und als einer der Jugendlichen, der immer 

wieder andere Jugendlichen provoziere und daher in Konflikte und Schlägereien 

involviert sei und andere Jugendliche nicht gerne mit ihm im Zimmer seien 

(Urk. 4/5 S. 8). Auch gab I._____ auf Befragen hin an, dass der Geschädigte am 

Montagmorgen nach dem Vorfall gemäss Anklage bei der (reduzierten) Aus-

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zahlung von Taschengeld wütend gewesen sei und zu dem Beschuldigten – als 

dieser versucht habe ihn zu beruhigen – gesagt habe, er solle die Klappe halten 

oder dies zumindest mit Gestik sinngemäss ausdrückte. Sie habe den Geschädig-

ten schon bei anderen Gelegenheiten "hässig" erlebt und dass er wütend auf die 

Sozialpädagogen gewesen sei, wenn er sanktioniert worden sei (Urk. 4/5 S. 5 und 

7). Auch der Sozialpädagoge H._____, Bezugsperson des Geschädigten, führte 

aus, dass er den Geschädigten am fraglichen Montagmorgen aber auch sonst 

mehrfach aufgebracht, empört und echauffiert erlebt habe. Der Geschädigte, den  

H._____ grundsätzlich als sympathisch, aufgestellt und humorvoll bezeichnete, 

sei manchmal verbal etwas laut gewesen und habe bezüglich seiner Rolle unter 

den Jugendlichen eher im Abseits gestanden. Er (H._____) habe manchmal ver-

bale Auseinandersetzungen mit dem Geschädigten gehabt, wenn dieser so laut 

gewesen sei (Urk. 4/4 S. 4 und 6 f.). Wie oben ausgeführt, ist sodann davon aus-

zugehen, dass der Geschädigte am 21. Januar 2016 noch nicht 16 Jahre alt ge-

wesen war. Damit erweist sich aber seine Altersangabe im Rahmen des Asylver-

fahrens als falsch bzw. als Lüge. Er hat somit im Rahmen jenes Verfahrens ge-

genüber den Behörden in der Befragung vom 18. Juni 2015 unehrlich angegeben, 

am tt.mm.1998 geboren und 17 Jahre alt zu sein. Auf mehrmaliges Nachfragen 

hat er damals zwar eingeräumt, das sei vielleicht verkehrt, aber nachgeschoben, 

mit seiner Schwester gesprochen zu haben, welche nach Eritrea telefoniert habe 

und dort habe es ein Papier, in welchem dies genau so stehe (Urk. 50/2 S. 3). Als 

dem Geschädigten eröffnet wurde, man halte ihn aus diversen Gründen (u.a. 

Handwurzelknochenanalyse) für jünger, erklärte er, er wolle einfach nicht, dass es 

im zweiten Interview heisse, er haben gelogen. Weiter blieb er dabei, dass in den 

Unterlagen seiner Heimat das Datum von 1998 drin sei (Urk. 50/2 S. 9). Es be-

steht kein Grund anzunehmen, dass in den amtlichen Papieren seines Heimat-

landes ein falsches Geburtsdatum verzeichnet ist oder dass die Schwester des 

Geschädigten ihm diesbezüglich falsche Angaben gemacht und der Geschädigte 

tatsächlich nicht wusste, in welchem Jahr er geboren wurde. Es ist mithin davon 

auszugehen, dass er gegenüber der befragenden Beamtin bewusst falsche An-

gaben über sein Alter machte, um sich Vorteile zu verschaffen. Es lässt sich somit 

festhalten, dass der Geschädigte zu seinem Vorteil auch gegenüber Behörden ei-

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ne Lüge vorgebracht hat und er sich gegenüber Erwachsenen auch respektlos 

und verbal laut und auch unehrlich verhalten kann. Seine Aussagen sind von da-

her jedenfalls mit entsprechender Vorsicht zu würdigen. Weiter ist zu berücksich-

tigen, dass der Geschädigte sich doch sehr pauschal dahingehend äusserte – der 

Beschuldigte ist Sudanese, der Geschädigte Eritreer – zu wissen, was die Suda-

nesen damals mit den Eritreern gemacht hätten; nämlich dass die Sudanesen Ju-

gendliche vergewaltigt hätten (act. 3/2, 00:27 ff.). Der Geschädigte hat hier offen-

sichtlich ein vorurteilsbelastetes Bild von Sudanesen, was ebenfalls Anlass ist, 

seine Aussagen in diesem Verfahren zurückhaltend zu würdigen. 

6.3. Die Zeugen I._____ und H._____ haben unter der strengen Strafandrohung 

von Art. 307 StGB ausgesagt und es ist bei ihnen kein Interesse am Ausgang des 

Verfahrens ersichtlich. Dies bringt in der Regel eine erhöhte Glaubwürdigkeit der 

befragten Person mit sich. Es ist aber zu beachten, dass beide Zeugen sowohl 

den Beschuldigten als Mitarbeiter und den Geschädigten als von ihnen zu betreu-

ende Person kennen. Auch ihre Aussagen sind daher mit einer gewissen Vorsicht 

zu würdigen. Ähnliches gilt für die Zeugen J._____ und K._____. Auch sie wurden 

als Zeugen unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB einvernommen 

und haben kein ersichtliches Interesse am Ausgang des Verfahrens, kennen aber 

sowohl den Geschädigten als auch den Beschuldigten. Bezüglich aller vier Zeu-

gen ist festzuhalten, dass sie beim angeklagten Geschehen nicht zugegen waren 

und sich dementsprechend nur über die äusseren Umstände der Situation äus-

sern konnten. Es sind daher vorab die Aussagen des Geschädigten und des Be-

schuldigten von massgeblicher Bedeutung und hinsichtlich ihrer Glaubhaftigkeit 

zu prüfen. 

7. Glaubhaftigkeit der Aussagen 

7.1.1. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die Aussagen des Geschädigten 

grundsätzlich glaubhaft seien (Urk. 31A S. 6-11). Er habe den Vorfall in beiden 

Einvernahmen grundsätzlich identisch geschildert insbesondere auch betreffend 

Details. So habe der Geschädigte beispielsweise wiederholt ausgeführt, der Be-

schuldigte habe ihm Komplimente für seine Kleider gemacht und gesagt, er habe 

schöne grosse Hände (Urk. 3/1, 3/2 00:12:51 ff., 00:15:13 ff., 01:30:20 ff., Urk. 3/5 

- 15 - 

00:37:30 ff., 00:47:58 ff., Urk. 3/6), dass sie zuerst oben (Büro im oberen Stock) 

gewesen seien, der Beschuldigte ihn in den unteren Raum zum Tee und Video 

eingeladen habe (Urk. 3/1, 3/2 00:13:30 ff., 00:48:40 ff., Urk. 3/5 00:14:30 ff., 

00:25:02 ff., 00:51:15 ff., Urk. 3/6), dass der Beschuldigte ihm gesagt habe, er sol-

le zuerst reingehen (Urk. 3/1, 3/2 00:17:26 ff., Urk. 3/5 00:33:50 ff., Urk. 3/6), dass 

der Beschuldigte ihm gesagt habe, er solle aufstehen, er wolle messen wie gross 

er sei (Urk. 3/1, 3/2 00:17:55 ff., Urk. 3/5 00:33:40 ff., Urk. 3/6) und dass der Be-

schuldigte ihn überall angefasst habe, an Armen, Händen und Kopf und ihn ge-

fragt habe, ob es ihm am Rücken, den Armen, am Kopf oder am Hals wehtue und 

ihn an den jeweiligen Körperstellen berührt habe (Urk. 3/1, 3/2 00:15:00 ff., 

00:22:50 ff., 01:40:20 ff., Urk. 3/5 00:37:20 ff., Urk. 3/6). Es sei, so die Vorinstanz, 

nicht plausibel, dass der Geschädigte solche Details erfunden hätte. Sie erachtete 

die Schilderungen des Geschädigten im Weiteren als plausibel, authentisch und 

realitätsgetreu. Dies insbesondere hinsichtlich der Schilderungen des Geschädig-

ten, dass der Beschuldigte ihm gesagt habe, er solle aufstehen, damit dieser sei-

ne Grösse messen könne und er bereits da geahnt habe, was der Beschuldigte 

vorhaben könnte und Angst bekommen habe (vgl. Urk. 31A S. 7). Des Weiteren 

hinsichtlich der Schilderung, dass der Beschuldigte beim Reiben seines steifen 

Genitals an seinem Gesässbereich gelächelt habe und ihn überall mit den Hän-

den berührt sowie ihn festgehalten habe, als er Sexbewegungen gemacht habe. 

Die Vorinstanz zitiert weiter die Umschreibung des Geschädigten, wonach der 

Beschuldigte in einer sehr komischen Stimmung gewesen und ein tiefes sexuelles 

Gefühl gehabt habe. Das habe er, der Geschädigte, fühlen können. Nachdem der 

Geschädigte bemerkt habe, dass der ihn von hinten umarmende Beschuldigte ihn 

nicht loslasse, habe er ihn weggestossen und gesagt, er müsse jetzt weg, auf die 

Toilette. Der Beschuldigte habe ihn Gott sei dank gehen lassen. Die Türe sei ab-

geschlossen gewesen, er habe sie aufgeschlossen (vgl. Urk. 31A S. 7, Urk. 3/1, 

Urk. 3/2 00:22:34 ff., 00:24:40, 00:39:20 ff., 00:42:29 ff., 00:46:20 ff., Urk. 3/5 

00:17:27 ff., 00:33:45 ff., 00:36:32 ff., 00:38:50 ff., 00:46:20 ff., 00:53:55 ff., 

01:18:30 ff., Urk. 3/6). Weiter erscheine es lebensnah, dass der Geschädigte den 

Vorfall seinem Freund N._____ erzählt habe und wie dieser reagiert habe (Urk. 

31A S. 8, Urk. 3/1, Urk. 3/2 00:44:50 ff., Urk. 3/5 00:41:00 ff., Urk. 3/6). Für die 

- 16 - 

Glaubhaftigkeit des Geschädigten spreche ferner, dass er auf übermässige Belas-

tungen und Übertreibungen verzichtet habe. Er habe den Beschuldigten vielmehr 

grundsätzlich positiv geschildert (Urk. 31A S. 8 f.). Schliesslich habe der Geschä-

digte seine eigenen Gefühle, dass er sich schlecht gefühlt habe, sich geschämt 

habe darüber zu sprechen, einerseits Angst gehabt habe, anderseits nicht ge-

wusst habe, ob er den Beschuldigten schlagen solle, lebensnah geschildert (vgl. 

Urk. 31A S. 6-10). In der Tat hat der Geschädigte insoweit ein durchaus stimmi-

ges und plausibles Geschehen mit einigen Details geschildert, welches den Ein-

druck erweckt, dass er tatsächlich Erlebtes schildert. Entscheidend sind indessen 

die nachfolgenden Widersprüche, welche ein anderes Bild ergeben. 

7.1.2. Bereits die Vorinstanz hat darauf hingewiesen, dass doch einige wider-

sprüchliche Angaben gemacht wurden. So hat der Geschädigte etwa in der ersten 

Befragung vom 8. März 2016 angegeben, der Vorfall mit dem Reiben des Gliedes 

habe drei Minuten gedauert (Urk. 3/1 S. 3, 3/2 00:47:41 ff.). In der zweiten Befra-

gung vom 25. April 2016 gab er an, dies sei fünf bis zehn Minuten so gegangen 

(Urk. 3/5 00:38:09 ff., Urk. 3/6 S. 2). Die Vorinstanz bringt zwar zutreffend vor, 

dass es schwierig sei eine Zeitdauer rückblickend einzuschätzen. Dennoch er-

scheint diese grosse Differenz von drei bis allenfalls gar zehn Minuten doch be-

trächtlich. Vor allem fällt auf, dass der Geschädigte im Verlaufe des Verfahrens 

diesen Zeitraum verdreifacht mithin massiv verlängert. Insbesondere ist sodann 

die Schilderung des strafbaren Geschehens mit den sexuellen Handlungen in die-

sen drei, fünf oder gar zehn Minuten sehr dürftig, knapp, detailarm und eigenartig 

blass. Der Geschädigte schildert im Wesentlichen lediglich, dass ihn der Beschul-

digte an Händen etc. berührt habe und sein Glied am Gesäss/Rücken gerieben 

habe. Es wäre zu erwarten, dass bei einem solch länger andauernden Gesche-

hen von einigen Minuten mehr Eindrücke hängen bleiben z.B. hinsichtlich Ge-

räuschen, Stille, was alles besprochen wurde etc. Es fällt weiter auf, dass der Ge-

schädigte nicht konkret oder annährend anschaulich angab, wie (wo, wie fest etc.) 

ihn der Beschuldigte denn in diesen Minuten so festgehalten habe, dass er ihn 

daran gehindert habe, wegzugehen. Er gab vor allem an, der Beschuldigte habe 

ihn "berührt", so wie wenn er ihn "verführen" wolle (Urk. 3/2 00:29:15 ff., Urk. 3/1 

S. 2). Der Beschuldigte haben ihn überall berührt, "umarmt". Er vermute, der Be-

- 17 - 

schuldigte habe vorgehabt, ihn zu "verführen" (Urk. 3/2 00:23:56 - 00:25:28 ff, 

Urk. 3/1 S. 2). Der Geschädigte beschreibt jedenfalls kein Packen oder Festhalten 

durch den Geschädigten, so dass er sich nicht hätte wegbegeben können. Es fin-

det sich vielmehr die etwas sonderliche Aussage, er habe, nachdem er bemerkt 

habe, dass ihn der Beschuldigte nicht loslasse, diesen weggestossen (act. 3/2 

00:42:29 ff., act. 3/5 00:38:56 ff. und 00:53:57 ff.). Diese Aussage ist schwer ver-

ständlich vor dem Hintergrund, dass dieses Geschehen drei, fünf oder zehn Minu-

ten gedauert habe. Im Weiteren war das Wegstossen offenbar keineswegs 

schwierig. Der Geschädigte hat auch nicht vorgebracht, dass er während dieser 

langen Zeitdauer tatsächlich je erfolgslos versucht habe, sich wegzubewegen. Er 

hat im Übrigen an anderer Stelle ausgeführt, dem Beschuldigten lediglich gesagt 

zu haben, er müsse auf die Toilette, woraufhin er (ohne irgendwelchen Wider-

stand durch den Beschuldigten) weggegangen sei und hat dabei nichts von einem 

"wegstossen" des Beschuldigten erwähnt. Nicht verständlich ist sodann, wie der 

Geschädigte festgestellt haben will, dass der hinter ihm stehende Beschuldigt bei 

diesem Geschehen gelächelt haben will, nachdem er nicht nach hinten geschaut 

habe. Letzteres hat schon die Vorinstanz hervorgehoben. Es ist somit festzuhal-

ten, dass der Geschädigte den eigentlichen sexuellen Übergriff jedenfalls nicht 

wirklich konkret und detailliert schildert und seine Angaben hinsichtlich "Festhal-

ten" und "Wegstossen" wenig anschaulich und teilweise inkonstant sind. 

 Der Geschädigte hat sodann angegeben, der Beschuldigte habe ihn zuerst 

auf seinen Schoss gesetzt, auf sein Bein gezogen und er habe dabei seinen Pe-

nis gespürt. Er habe bereits geahnt, was der Beschuldigte (der einen fremden 

Gesichtsausdruck angenommen habe) vorhabe (vgl. Urk. 3/1 S. 2 und S. 4, 

Urk. 3/2 00:15:03 ff., 01:05:00 ff., 01:08:10 ff.). Wann und wo genau (im Büro im 

oberem Stock oder im Büro im unteren Stock) sich dies abgespielt habe, hat der 

Geschädigten in der Einvernahme vom 8. März 2016 widersprüchlich bzw. zu-

mindest unklar ausgeführt. Aus seiner Aussage zu Beginn der Befragung ergibt 

sich aus dem Zusammenhang, dass dies noch vor dem Vorfall im Büro im oberen 

Stock gewesen sei. Nämlich nach der Begrüssung, wo viele Leute rein und raus 

gegangen seien und wo sich offensichtlich auch sein Kollege N._____ aufge-

halten habe (Urk. 3/2 01:08:10 ff., 00:15:03 ff.). Zwischenzeitlich meinte der Ge-

- 18 - 

schädigte hingegen, er sei rein gegangen, um einen Film anzuschauen und habe 

dann auf dessen rechten Bein sitzen müssen (Urk. 3/2 01:05:00 ff.), was sinn-

gemäss auf das Büro im unteren Stock hinweist, wo der Vorfall stattgefunden ha-

ben soll. Dies wird vom Geschädigten in der Folge denn auch korrigiert. In der 

Erstmeldung (die sich offenbar auf die Angaben des Geschädigten gegenüber 

seinem Beistand O._____ und weiteren Personen stützt; vgl. Urk. 1/2, Urk. 4/5 S. 

4, Urk. 4/4 S. 3) ist diese Episode mit dem auf den Schoss nehmen nicht erwähnt 

(Urk. 1/3), was doch etwas erstaunt. In der zweiten Befragung vom April 2016 hat 

der Geschädigte dies zwar erneut bestätigt, allerdings erst auf Nachfrage hin, wo-

bei er nicht erwähnt, dass er dabei den Penis des Beschuldigten gespürt und ge-

wusst habe, was der Beschuldigte vorhabe (Urk. 3/5 00:52 ff.). Dies ist schwer 

verständlich, sind dies doch wichtige Umstände. So oder so – und das ist das 

entscheidende – erstaunt es aber, dass der Geschädigte trotz dieser Vorge-

schichte (auf den Schoss nehmen im Büro im oberen Stock mit Spüren Penis und 

Ahnen was kommt) im unmittelbaren Anschluss daran freiwillig mit dem Beschul-

digten nach unten gegangen sein will, um einen Video zu schauen. Dies erscheint 

wenig plausibel und nachvollziehbar, was bereits die Vorinstanz zutreffend fest-

gestellt hat (Urk. 31A S. 11). Hervorzuheben ist, dass der Geschädigte an anderer 

Stelle selber dazu im Widerspruch angibt, wenn er geahnt hätte, was der Be-

schuldigte vorhabe, hätte er sich distanziert (Urk. 3/2 53:00 ff.). Anzufügen ist, 

dass es ohnehin schwer vorstellbar erscheint, dass der Beschuldigte als Nacht-

wächter/Betreuer einen rund 15-jährigen Heimbewohner in einem Raum in dem – 

nach eigenen Angaben des Geschädigten – viele Leute rein und raus gegangen 

seien und offenbar noch weitere Personen (zweite Nachtwache P._____ [oder 

…], sein Freund N._____) anwesend gewesen seien (in erregtem Zustand) auf 

seinen Schoss setzt. Ein solches Benehmen wäre zweifellos ungewöhnlich und 

aufsehenerregend sowie wohl ein Verstoss gegen die Hausordnung gewesen. 

Dass der Beschuldigte dies in Anwesenheit Dritter und bei einem Kommen und 

Gehen von vielen Leuten in diesem Büro tun sollte, erscheint jedenfalls wenig 

nachvollziehbar. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang (also wie es dazu 

gekommen sei, dass der Geschädigte vom Büro im oberen Stock ins Büro in den 

unteren Stock gegangen sei) auf einen weiteren Widerspruch in den Aussagen 

- 19 - 

des Geschädigten hingewiesen (Urk. 31A S. 10 unten). In der ersten Einvernah-

me vom 8. März 2016 schilderte der Geschädigte noch, dass N._____ (hier ist of-

fenbar sein Kollege N._____ und nicht die zweite Nachtwache gemeint) ihn zu 

sich gerufen habe und der Beschuldigte während seines Gesprächs mit N._____ 

ihn dreimal gerufen habe, worauf er nicht reagiert habe. Erst auf Aufforderung von 

N._____ hin sei er zusammen mit diesem zum Beschuldigten gegangen. Der Be-

schuldigte und er seien dann in das untere Büro gegangen und N._____ sei weg-

gegangen (Urk. 3/1 S. 4, Urk. 3/2 00:15:28 ff., 01:09:23 ff.). In der zweiten Befra-

gung vom April 2016 erwähnt der Geschädigte im Gegensatz zur ersten Einver-

nahme so etwas nicht. Es lässt sich somit jedenfalls festhalten, dass der Geschä-

digte in zentralen Punkten (Penis gespürt, gewusst haben, was der Beschuldigte 

vorhabe und dem weiteren Ablauf bis zum unteren Büro) nicht konstant und wenig 

plausibel und stimmig ausgesagt hat.  

 Ebenfalls inkonstant hat der Geschädigte dazu ausgesagt, ob die Türe im 

unteren Büro abgeschlossen (gemeint mit einem Schlüssel) gewesen sei oder 

nicht. Jedenfalls hat er in der ersten Befragung zuerst ausgeführt, er sei sich nicht 

sicher (Urk. 3/1 S. 3, Urk. 3/2 00:46:26 ff.) und später auf Nachfrage hin angege-

ben, dass das Büro mit dem Schlüssel abgeschlossen gewesen sei (Urk. 3/1 S. 4, 

Urk. 3/2 00:58:00 ff.) bzw. sinngemäss, dass der Beschuldigte das Büro abge-

schlossen habe, nachdem sie hineingegangen seien. Letztlich sagt er aber dann 

doch in der zweiten Befragung, er wisse es nicht mehr (Urk. 3/5 01:19 ff.). Die von 

der Verteidigung zitierte Aussage des Geschädigten, die zweite Nachtwache 

P._____ sei bei einem Kontrollgang ins Büro gekommen sei und habe Tee ge-

bracht (vgl. Urk. 24 Rz 14 i.V.m. Urk. 3/1 S. 3, Urk. 3/2 00:53:10 ff.), woraus man 

klar schliessen müsste, dass das Büro nicht abgeschlossen gewesen sei, wurde 

vom Geschädigten so nicht gemacht. Seine Aussage (P._____ sei hineingekom-

men) bezog sich wohl auf das obere Büro. Es ist aber festzuhalten, dass er diese 

Antwort nach der Schilderung des Übergriffs auf die Frage gab, ob jemand ihn 

und den Beschuldigten im Büro gesehen habe (vgl. Urk. 3/1 S. 3 und Urk. 3/2 

00:53:10 ff.), womit klar das untere Büro gemeint gewesen war. Auch hier zeigt 

sich wie schwierig die Befragung verlief und wie unklar bzw. je nachdem auswei-

chend der Geschädigte aussagte. Es lässt sich jedenfalls festhalten, dass die 

- 20 - 

Aussagen des Geschädigten auch zu diesem bedeutenden Punkt zumindest in-

konstant und teilweise unklar sind. Es erstaunt jedenfalls, dass er diesen doch 

wichtigen Umstand, ob das Zimmer vom Beschuldigten von innen mit dem 

Schlüssel abgeschlossen worden sei, nicht mehr in Erinnerung haben will. Hätte 

ihm dies doch bei seinem Weggehen nach diesen langen Minuten auffallen müs-

sen. Bedeutsam ist dieser Umstand auch, weil aufgrund der Lebenserfahrung an-

zunehmen ist, dass ein Erwachsener eher einen sexuellen Übergriff auf ein Kind 

wagt, wenn er nicht zu befürchten hat, dass ein Dritter plötzlich ins Zimmer 

kommt. 

7.1.3. Bereits an dieser Stelle ist sodann darauf hinzuweisen, dass es nicht wirk-

lich zum von Dritten geschilderten Charakter des Geschädigten passt, dass er 

das von ihm geschilderte Verhalten des Beschuldigten – Berührungen und Reiben 

des steifen Penis am Gesäss/Rücken – während drei bis fünf oder gar zehn Minu-

ten schweigend und ohne sich zu bewegen über sich ergehen lässt. Wie oben 

ausgeführt, beschreiben ihn die Sozialpädagogen I._____ und H._____ als sehr 

energischen, dynamischen, etwas hyperaktiven Jungen, der manchmal versuche, 

die Sozialpädagogen gegeneinander auszuspielen und dabei dann Druck mache 

und "erzähle und erzähle", um seinen Willen durchzusetzen. Er sei eine sehr 

energische Person, die verbal laut werde und die sehr viel rede und andere pro-

voziere und auch gegenüber Erwachsenen – so auch gegenüber dem Beschul-

digten – respektlos sein könne. Es kann mit der Verteidigung festgehalten wer-

den, dass es sich beim Geschädigten jedenfalls nicht um einen schüchternen, 

eher hilflosen Jungen handelt. Natürlich schliessen die erwähnten Charakter-

eigenschaften in keiner Weise aus, dass der jugendliche Geschädigte durch ein 

überraschendes, übergriffiges Verhalten eines Erwachsenen völlig geschockt  

oder überhaupt von der Situation emotional überfordert, zu keiner Reaktion fähig 

gewesen war. Hält man sich aber vor Augen, dass das Geschehen mehrere Minu-

ten gedauert haben soll und der Geschädigte nicht wirklich festgehalten 

bzw. fixiert worden war, überrascht, dass er sich – von seinen Betreuern be-

schrieben als energisch, dynamisch, verbal laut, provozierend und ständig am 

"Reden/Erzählen" um seinen Willen durchzusetzen – während Minuten nicht ein-

- 21 - 

mal verbal gewehrt und nicht versucht haben will, sich zumindest etwas wegzu-

bewegen oder sich umzudrehen.  

7.1.4. Divergierende Angaben liegen auch vor bezüglich des Umstands, ob im Bü-

ro im unteren Stock, wo der Übergriff stattgefunden haben soll, überhaupt ein Film 

geschaut wurde bzw. welchen Film man habe schauen wollen. In der Erst-

meldung (Urk. 1/2) ist festgehalten, dass der Geschädigte zusammen mit dem 

Beschuldigten im unteren Büro der Unterkunft gemeinsam auf dem Laptop einen 

Film geschaut habe. Im Gespräch habe der Beschuldigte dann Fragen nach der 

Körpergrösse des Geschädigten gestellt (Urk. 1/2). In der ersten Befragung vom 

8. März 2016 betonte der Geschädigte, dies sei nur ein Vorwand gewesen, man 

habe tatsächlich keinen Film geschaut (Urk. 3/2 00:48:40 ff.). In der Befragung 

vom 25. April 2016 erläuterte der Geschädigte, dass er am fraglichen Abend mit 

dem Beschuldigten nicht über Zigaretten (bzw. über die schädliche Wirkung von 

Rauchen für die Jugendlichen) gesprochen habe und dass er nicht gewusst habe, 

welchen Film (über Youtube) ihm der Beschuldigte habe zeigen wollen (Urk. 3/5 

00:21 ff, 00:25:00 ff.). Wenn in der aufgrund von Angaben des Geschädigten ver-

fassten Erstmeldung ausgeführt wird, sie hätten zusammen einen Film geschaut 

und der Geschädigte später angibt, man habe keinen Film geschaut, kann darin 

kein widersprüchliches Aussageverhalten des Geschädigten selber gesehen wer-

den. Eine diesbezügliche allfällige Ungenauigkeit in der Erstmeldung darf dem 

Geschädigten nicht nachteilig ausgelegt werden. Auch der Beschuldigte hat im 

Übrigen angegeben, man habe dann tatsächlich kein Video angeschaut. Es fällt 

aber auf, dass der Zeuge H._____ ausdrücklich zu Protokoll gab, dass ihm der 

Geschädigte (in den Gesprächen vor der Erstmeldung) erzählt habe, er habe in 

jener Nacht im unteren Büro zusammen mit dem Beschuldigten ein Video auf Y-

outube geschaut, er (H._____) glaube – er wisse es nicht mehr – es sei ums 

Rauchen gegangen (Urk. 4/4 S. 3). Aufgrund dieser grundsätzlich glaubhaften 

Angaben des Zeugen H._____, die mit der Erstmeldung übereinstimmen, ist da-

von auszugehen, dass der Geschädigte gegenüber den Betreuern und der Polizei 

in diesem Punkt – insbesondere dazu, dass der Beschuldigte ihm ein Video zum 

Thema Rauchen (bzw. der Schädlichkeit des Rauchens) habe zeigen wollen – je-

denfalls nicht deckungsgleiche Aussagen gemacht hat, was eben gewisse Zweifel 

- 22 - 

am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen weckt. Zu betonen ist, dass es sich bei der 

Frage, worum es bei dem zu schauenden Video denn gegangen wäre, nicht um 

eine völlig belanglose Nebensächlichkeit handelt, hat doch der Beschuldigte stets 

betont, er habe dem Geschädigten mit einem Videoclip die Schädlichkeit des 

Rauchens für Jugendliche vor Augen führen wollen, was als nachvollziehbarer 

Anlass angesehen werden kann, den jugendlichen Geschädigten zu sich ins Büro 

zu holen. 

7.1.5. In der zweiten polizeilichen Befragung führte der Geschädigte aus, er sei 

nach dem Übergriff nach oben gerannt, wo er seine Freunde "Q._____" 

("Q._____") und "N._____" (N._____) getroffen habe. Er habe ihnen sofort alles 

erzählt. N._____ sei wütend geworden und habe gewollt, dass er (der Geschädig-

te) sofort zurückgehe und sie beide zuhören würden. Er habe das nicht gewollt 

und gesagt, er solle gehen. N._____ habe zuerst noch eine Zigarette haben wol-

len und er habe ihm eine gegeben. Er (der Geschädigte) sei dann gerannt und 

ins Zimmer gegangen. Er habe es dann seinen Zimmerkollegen "J._____" und  

"K._____" erzählt. Er sei ins Zimmer gerannt und habe es geschlossen. Sie hät-

ten ihn gefragt, was los sei und er habe ihnen alles erzählt. Er haben die ganze 

Nacht nicht schlafen können (Urk. 3/5 00:45:50, Urk. 3/6 S. 2). Gegenüber  

L._____ und seinen Betreuern hat der Geschädigte dies offenbar nicht erwähnt 

(Urk. 1/2). Jedenfalls fand dieser Umstand keinen Eingang in die Erstmeldung. In 

der ersten polizeilichen Befragung erwähnte der Geschädigte vor allem, es im 

Zimmer seinem Zimmergenossen erzählt zu haben und zwar in seiner Mutter-

sprache (Urk. 3/2 01:15.00 ff., 01:18:21, Urk. 3/1 S. 4). Die beiden von ihm er-

wähnten J._____ (J._____) und K._____ (K._____) wurden als Zeugen befragt. 

J._____ erklärte auf den Vorhalt, es gehe darum, dass der Beschuldigte dem Ge-

schädigten etwas getan habe, von nichts zu wissen. Der Geschädigte rede nicht 

so viel mit ihm. Dieser rede mit ihm nicht über solche Probleme. Auf die Frage, ob 

ihm an jenem 31. Januar 2016 etwas am Geschädigten aufgefallen sei, meinte er, 

dieser habe nie was erzählt. Im Zimmer habe er nichts mitbekommen und er 

meinte weiter, warum der Geschädigte sie denn damals nicht informiert habe, er 

hätte sie ja wecken können, damit sie es für ihn bezeugen (Urk. 4/4 S. 2-4). Die 

Aussagen von J._____ hinterlassen zwar den Eindruck, als ob er die Befragung 

- 23 - 

als lästig empfinde und er hebt auch mehrfach hervor, den Geschädigten erst vor 

kurzem kennengelernt zu haben. Dennoch gibt J._____ an, keine Probleme mit 

ihm zu haben, er komme super gut mit ihm klar (vgl. Urk. 4/2 S. 2-3). Es ist jeden-

falls kein Grund ersichtlich, weshalb J._____ zu Unrecht deponieren sollte, der 

Geschädigte habe ihm nichts erzählt. Es ist somit zu konstatieren, dass der Zeu-

ge J._____ die Aussage des Geschädigten mit ihm nach dem Vorfall im Zimmer 

darüber gesprochen zu haben, nicht bestätigt. Der zweite Zimmermitbewohner 

K._____ bestätigte als Zeuge sodann zwar, dass der Geschädigte mit ihm dar-

über gesprochen habe. Seine Aussage muss aber dahingehend verstanden wer-

den, dass der Geschädigte es (vom Chef von hinten angefasst worden zu sein) 

ihm – und überhaupt jedem – erzählt habe, nachdem der Beschuldigte entlassen 

worden sei (Urk. 4/3 S. 3 Frage 19). Letzteres schliesst aus, dass der Geschädig-

te es ihm unmittelbar nach dem Vorfall im Zimmer erzählt hatte. K._____ gab 

auch an, der Geschädigte sei in einem ganz normalen Zustand gewesen, als er 

ihm das erzählt habe. Er könne da nicht sagen, ob an dessen Stimmung, Verhal-

ten etwas auffällig gewesen sei. Der Geschädigte sei ein sehr komplizierter, ko-

mischer Typ. Der Geschädigte komme immer spät ins Zimmer, er gehe abends 

auch ins Büro. K._____ gab weiter an, er habe nicht mit dem Geschädigten im 

Zimmer sein wollen. Er verstehe sich nicht so gut mit ihm. Dieser rauche und ge-

he nicht mal Lebensmittel einkaufen. Der Geschädigte habe geraucht und sei oft 

ins Büro gegangen. Der Zeuge gab auch von sich aus an, sie seien alle traurig 

gewesen, dass der Beschuldigte entlassen worden sei (Urk. 4/3 S. 4 f.). Der Zeu-

ge K._____ mag den Geschädigten offensichtlich nicht besonders. Er hat dies of-

fengelegt und begründet. Auch steht er offenbar dem Beschuldigten eher positiv 

entgegen. Auch wenn bei dieser Ausgangslage nicht einfach vorbehaltslos auf 

seine Aussagen abgestellt werden kann, so ist doch festzuhalten, dass seine 

Aussagen zur Sache keine offensichtlichen Lügensignale enthalten und er im-

merhin unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB ausgesagt hat. Des 

Weiteren hat er immerhin bestätigt, dass der Geschädigte ihn über den Vorfall in-

formiert hatte. Es muss aber auch hier festgestellt werden, dass er die Darstellung 

des Geschädigten, dass dieser am Abend ins Zimmer gerannt sei und den Zim-

mergenossen J._____ und K._____ den Vorfall in aufgewühltem Zustand noch 

- 24 - 

am gleichen Abend geschildert habe, ebenfalls nicht bestätigt. Dass die beiden 

Zimmergenossen dies nicht so bestätigt haben, lässt wiederum Zweifel an der 

Darstellung des Geschädigten aufkommen, wäre dies doch einer der Abläufe ge-

wesen, die eben von Dritten hätten bestätigt werden können. Vor diesem Hinter-

grund kann auch nicht ohne weitere Überprüfung davon ausgegangen werden, 

dass der Geschädigte dies unmittelbar nach dem Vorfall seinem Freund N._____ 

(= N._____) geschildert hat und es kann damit entgegen den Erwägungen der 

Vorinstanz auch nicht gesagt werden, es spreche für die Glaubhaftigkeit des Ge-

schädigten, wenn er von sich aus zwei Zeugen (N._____ und "Q._____") ange-

geben habe (Urk. 31A S. 8). Die Vorinstanz hat im Übrigen zutreffend erwogen, 

dass die Aussagen des Geschädigten hinsichtlich dieser beiden Zeugen wider-

sprüchlich sind (Urk. 31A S. 8). Wie oben bereits erwähnt, habe der Geschädigte 

in der ersten Einvernahme angegeben, seinem Freund N._____ alles erzählt zu 

haben, bevor er ins Zimmer gegangen sei (Urk. 3/2 00:44:51 ff.; Urk. 3/5 00:41:01 

ff.). In der zweiten Einvernahme hat er hingegen ausgeführt, er habe N._____ 

sowie einen weiteren Somalier, "Q._____", getroffen und es ihnen erzählt. Auch 

wenn er diesen Widerspruch teilweise damit erklärt, dass der zweite vermutlich 

weggegangen sei, während er erzählt habe (Urk. 3/5 00:46:32ff.), so wäre doch 

zu erwarten gewesen, dass er dieses Treffen mit beiden kongruent schildert. Es 

erscheint auch wenig lebensnah, dass sich dieser Q._____ entfernt haben soll, 

um eine Zigarette zu reichen (Urk. 3/5 01:17:13 ff.), während der Geschädigte 

aufgebracht von einem sexuellen Übergriff erzählt haben will. 

7.1.6. Zu erwähnen ist weiter, dass der Geschädigte aussagte, er habe nach dem 

Vorfall die ganze Nacht Angst gehabt habe, dass der Beschuldigte zu ihm kom-

me. Der Beschuldigte sei am Morgen nicht zu ihm gekommen. Er müsse es ge-

spürt haben (Urk. 3/5 00:43:00 ff.). In der ersten Einvernahme hat der Geschädig-

te hingegen angegeben, der Beschuldigte sei am nächsten Tag gekommen, um 

ihn abzuholen. Er habe zum Beschuldigten gesagt, es gehe ihm nicht gut und er 

solle ihn nicht abholen (Urk. 3/1 S. 4, Urk. 3/2 01:16:30 ff.). Es ist aber auch in 

diesem Punkt schwierig zu sagen, ob der Geschädigte hier widersprüchlich aus-

sagt, oder ob er von was anderem redet. Des weiteren antwortete der Beschuldig-

te auf die Frage, wann er dies erstmals einer erwachsenen Person erzählt habe, 

- 25 - 

unmissverständlich, dies sei am Abend gewesen. Einige Sätze später dann aber 

angibt, dies sei um etwa 12.30 Uhr am Nachmittag gewesen. Generell ist fest-

zuhalten, dass die Aussagen des Geschädigten nicht immer klar und einfach zu 

verfolgen sind. Die bei den Befragungen jeweils anwesende Spezialistin, 

Dipl. Psychologin FH R._____, hat hinsichtlich beider Video-Befragungen des 

Geschädigten einen Bericht verfasst (Urk. 3/3 und Urk. 3/4). Sie hält zutreffend 

fest, dass die Befragerin häufig habe nachhaken müssen, da der Geschädigte oft 

unklar, umständlich und ungenau geantwortet habe. Er scheine nicht immer alles 

zu verstehen, weshalb ihm die Befragerin habe Beispiele zur Auswahl geben 

müssen (Urk. 3/3). Letzteres hemmt den Aussagefluss und erschwert die Würdi-

gung der Aussagen. Die Spezialistin kommt nachvollziehbar zur Feststellung, 

dass es eine sehr schwierige Befragung gewesen sei, da der Geschädigte auf ei-

ne einfache, konkrete Frage meistens eine ganze Geschichte erzählt habe, farbig 

und bilderreich (a.a.O.). Es fällt auch auf, dass der Geschädigte in der ersten Be-

fragung auf die Frage zum Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit ein eher 

schwierig zu verstehendes Beispiel aus seinem Kulturkreis mache und bei der 

zweiten Befragung dies nicht zu erklären vermochte (Urk. 3/3 und Urk. 3/4). Die 

langen und wie gesagt teilweise unklaren Aussagen erschweren eine Würdigung 

entsprechend. Die Spezialistin R._____ hat auf einen weiteren, auffälligen Punkt 

hingewiesen. Der Geschädigte hat in der Befragung mehrmals erklärt, dass "die 

Sudanesen dies eben machen würden" (gemeint sexuelle Übergriffe, Vergewalti-

gungen), dabei werde nicht klar, ob er dies aus eigener Erfahrung wisse oder es 

einfach annehme oder irgendwo gehörte habe (Urk. 3/3). Auch wenn es sich beim 

Geschädigten um einen rund 15-jährigen Jugendlichen handelt, hinterlässt es 

doch ein ungutes Gefühl, dass er die Glaubhaftigkeit seiner Anschuldigung eines 

sexuellen Übergriffs mit einem – allenfalls in seiner Kultur herrschenden – Vorur-

teil "die Sudanesen würden das eben machen" stützen will (vgl. etwa urk. 3/1 

00:27:35 ff.). Auch erscheint es etwas seltsam, wenn er ausführt, er sei im Zeit-

punkt des sexuellen Übergriffs in Gedanken bei den Sudanesen gewesen, die das 

("sie genommen und vergewaltigt") damals mit den anderen machten (Urk. 3/1 

S. 2, Urk. 3/2 00:26:37 ff.) Dieses mehrmals vorgebrachte Argument lässt seine 

Anschuldigung vielmehr grundsätzlich als weniger vertrauenswürdig und eher 

- 26 - 

zweifelhaft erscheinen, kann doch mit einem pauschalen Vorurteil nicht die Rich-

tigkeit eines Geschehens gestützt werden. Ebenfalls stutzig macht die vom Ge-

schädigten einige Male gemachte Bemerkung, dass er nicht lüge. Die Psycholo-

gin R._____ hält dazu fest, dass es dem Geschädigten offenbar sehr wichtig sei, 

dies zu übermitteln (Urk. 3/3 Ziff. 4). Dies erinnert doch stark an seine oben zitier-

te Aussage im Asylverfahren, wo er ebenfalls betonte, er wolle einfach nicht, dass 

es im zweiten Interview heisse, er habe gelogen (Urk. 50/2/13). Wie oben erwo-

gen ist aber gerade davon auszugehen, dass seine Angaben über sein Alter eben 

doch nicht der Wahrheit entsprachen. 

7.1.7. Wenig vertrauensvoll erscheinen auch die Angaben des Geschädigten, er 

habe zum damaligen Zeitpunkt entgegen den Angaben des Beschuldigten noch 

gar keine E-Zigaretten gehabt. Er habe diese erst nach dem Vorfall gekauft. Er 

wolle nicht sagen, wo er sie gekauft habe und räumte dann ein, ein Freund habe 

sie ihm besorgt, da er diese E-Zigarette vom Alter her nicht habe kaufen dürfen. 

Wer diese für ihn gekauft habe, wolle er nicht sagen, um diesen nicht in Schwie-

rigkeiten zu bringen. Er gab aber auch an, zuvor eine E-Zigarette ausgeliehen zu 

haben (vgl. Urk. 3/6 S. 3, Urk. 3/5 01:11:40 ff.). Widersprüchlich gibt er an, er ha-

be die E-Zigarette ausgeliehen, um diese zu probieren bevor er sie kaufe. Dann 

führte er aber aus, er habe die E-Zigarette an dem Tag vom Vermittler/Verkäufer 

ausgeliehen, als er diesem das Geld für den Kauf gegeben habe. Dies schliesst 

aber aus, dass er die E-Zigarette ausgeliehen hatte, um diese zu probieren, bevor 

er sie kaufte. Diese ungenauen zeitlichen und unvollständigen Angaben lassen 

die Ausführungen des Beschuldigten, er habe an diesem Abend wegen der 

Schädlichkeit von E-Zigaretten mit dem Geschädigten gesprochen, jedenfalls 

nicht als unglaubhaft erscheinen.  

7.1.8. Die Vorinstanz hat es als wenig plausibel eingeschätzt, dass der Geschä-

digte aufgrund eines Strafabzugs beim Taschengeld wütend auf den Beschuldig-

ten gewesen war und diesen deshalb fälschlicherweise belastet hatte. Der Ge-

schädigte habe zwar bestätigt, an diesem Tag bzw. am nächsten Morgen eine 

Strafe von Fr. 10.– erhalten zu haben, weil er im Zimmer der Mädchen gewesen 

sei. Die Strafe habe er indessen von den "Chefs" erhalten. Dies sei nicht die Auf-

- 27 - 

gabe des Beschuldigten gewesen und dieser habe auch nichts mit dem Abzug zu 

tun gehabt und es nicht gesehen. Es sei sein Chef H._____ gewesen, der gese-

hen habe, dass er im Zimmer der Mädchen gewesen sei (Urk. 31A S. 9, act. 3/5 

00:56:30 ff.).  

 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die anderen Jugendlichen bzw. Klienten 

offensichtlich nicht nur die Sozialpädagogen, sondern auch die Nachtwächter als 

ihre "Chefs" bezeichneten. So spricht etwa der Zeuge K._____ hinsichtlich der 

Nachtwachen von den "Chefs" (Urk. 4/3 S. 4). Sodann ist in diesem Zusammen-

hang etwas näher auf die Aussagen der Sozialpädagogen I._____ und H._____ 

einzugehen. Wie oben erwogen besteht grundsätzlich kein Anlass an den Aussa-

gen der Zeugin I._____ zu zweifeln. Anzuführen ist immerhin, dass sie offen an-

gibt, davon ausgegangen zu sein, dass der Geschädigte hinsichtlich des sexuel-

len Übergriffs die Wahrheit gesagt habe (Urk. 4/4 S. 9). Es ist im Weiteren zu be-

rücksichtigen, dass sie ihre Aussage mehrere Monate nach jenem Tag machte 

und daher erfahrungsgemäss vieles vergessen geht oder sich vermeintliche Erin-

nerungen einschleichen. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass I._____, welche an 

jenem Morgen nach dem Vorfall Frühdienst gehabt habe, als Zeugin aussagte, 

der Geschädigte sei an jenem Morgen zusammen mit dem Beschuldigten zu ihr 

ins Büro gekommen, weil der Geschädigte – wie jeden Montag – sein Geld ge-

wollt habe (Urk. 4/5 S. 3). Diese Darstellung passt nicht wirklich mit der Aussage 

des Geschädigten zusammen, er habe dem Beschuldigten – als dieser ihn am 

nächsten Tag habe abholen wollen – gesagt, er solle ihn nicht abholen (vgl. Urk. 

3/1 S. 44, Urk. 3/2 01:16:30 ff.). Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung kann 

darin indessen nicht ein Widerspruch zwischen den Aussagen von I._____ und 

denjenigen des Geschädigten gesehen werden. I._____ relativiert ihre Aussage 

nämlich wenig später dahingehend, die beiden hätten sich bei ihr im Büro gese-

hen (Urk. 4/5 Antwort 29). Die Zeugin I._____ schilderte sodann, sie habe damals 

dem Geschädigten eröffnet, er werde weniger Geld erhalten, weil er sein Tramti-

cket zu spät abgeholt habe. Dies habe den Geschädigten nervös gemacht. Er sei 

wegen dieses Konflikts wütend gewesen. Der Beschuldigte habe da versucht den 

Geschädigten zu beruhigen. Dieser habe das – so glaube sie – nicht ernst ge-

nommen und dem Beschuldigten (sinngemäss) gesagt, er solle die Klappe halten. 

- 28 - 

Die Zeugin bestätigte dies komisch gefunden zu haben (vgl. Erstmeldung Urk. 1/3 

3. Absatz), da es so sei, dass die Sozialpädagogen eher Konflikte mit den Ju-

gendlichen hätten und der Beschuldigte jeweils versuche, sie zu beruhigen und 

ein gutes Verhältnis zu den Klienten habe. Der Beschuldigte habe nicht gross re-

agiert und der Geschädigte sei zur Schule gegangen. Die Zeugin bestätigte 

nochmals, dass der Geschädigte kurz bevor er über den Vorfall erzählte, erfahren 

habe, dass ihm ein Taschengeld-Abzug gemacht werde und bejahte auch, dass 

der Geschädigte noch wütend gewesen sei, als er noch am gleichen Tag vom 

Übergriff des Beschuldigten erzählt habe (Urk. 4/5 S. 3-6). Sie gab aber auch an, 

dass der Geschädigte beim zweiten Gespräche über den Vorfall sehr emotional 

und sehr wütend gewesen sei. Sie habe das nicht richtig einordnen können. Der 

Geschädigte sei schon bei anderen Gelegenheiten so "hässig" gewesen, wenn er 

habe sanktioniert werden müssen. Sie habe aber das erste Mal erlebt, dass er 

derart wütend auf den Beschuldigten gewesen sei (Urk. 4/5 S. 6 f.). I._____ führte 

weiter aus, dass es auch schon weitere Vorfälle von Beschuldigungen gegeben 

habe (Urk. 4/5 S. 7). Sie gab sodann zu Protokoll, dass sie bei der zweiten Schil-

derung des Übergriffs durch den Geschädigten gedacht habe, das müsse die 

Wahrheit sein, weil er so detailliert und so emotional gewesen sei und er ja auch 

ein 15-jähriger Jugendlicher sei (Urk. 4/5 S. 9). Schliesslich erläuterte die Zeugin 

I._____, dass nur die Sozialpädagogen Meldungen machen könnten, die zu Sank-

tionen führten. Die Nachtwachen könnten den Sozialpädagogen allerdings Mel-

dungen über Vorkommnisse machen, was dann über sie zu Sanktionen führen 

könne. Der Taschengeld-Abzug des Geschädigten stehe in keiner Verbindung zu 

einer Meldung des Beschuldigten. Die Zeugin war sich in der Folge aber sehr un-

sicher, was überhaupt zum Taschengeld-Abzug beim Geschädigten geführt hatte, 

ob dieser wegen der Schule, dem Tramticket oder wegen eines Besuches im 

Mädchenzimmer angeordnet worden sei. Daraufhin meinte sie, im Kopf zu haben, 

dass die Meldung nicht vom Beschuldigten gekommen sei, bestätigte aber, dass 

es eine Vielzahl von Möglichkeiten gebe, dass Meldungen der Nachtwache an die 

Sozialpädagogen zu Sanktionen führen könnten. Auf Vorhalt der Auszahlungsliste 

an Klienten, KW6, Auszahlungsdatum 01.02.2016 betreffend C._____, gab die 

Zeugin an, leider nicht mehr zu wissen, von wem die Meldung gekommen sei und 

- 29 - 

erklärte nochmals, dass diese auch von der Nachtwache gekommen sein könnte. 

Auf Frage des Beschuldigten bestätigte die  

Zeugin ferner, dass es auch schon zu Situationen gekommen sei, in denen die 

Jugendlichen auf den Beschuldigten losgegangen seien und aufgebracht und wü-

tend auf ihn gewesen, so z.B. als der Beschuldigte versucht habe einen Jugend-

lichen zu beruhigen, der auf sie losgegangen sei (Urk. 4/5 S. 10 ff.).  

 Hinsichtlich der Zeugenaussagen von H._____, der damals ebenfalls als 

Sozialpädagoge tätig gewesen war, ist vorab darauf hinzuweisen, dass unklar ist, 

wann er an diesem Montagmorgen seinen Dienst antrat. Er ging zunächst davon 

aus, es sei um 07:00 Uhr gewesen. Die Zeugin I._____ (und der Beschuldigte) 

geht davon aus, es sei erst um 11.00 Uhr gewesen. Dies ist von Bedeutung für 

die Frage, ob es zuerst zur Taschengeld-Kürzung und dann zur Schilderung des 

Übergriffs kam. Nachdem H._____ aussagt, er habe nachdem ihm der Übergriff 

geschildert worden sei, die Kollegin I._____ zugezogen und da diese für die Ta-

schengeld-Auszahlung und Kürzung zuständig gewesen und sich sicher war, erst 

später durch den Geschädigten vom Übergriff erfahren zu haben, ist davon aus-

zugehen, dass H._____ seinen Dienst erst um 11.00 Uhr begonnen bzw. dass er 

jedenfalls erst nach der Taschengeld-Geschichte vom Übergriff erfahren hatte. 

Letzteres hat H._____ selber jedenfalls für gut möglich gehalten (Urk. 4/4 S. 7 

Antwort 45). Auch räumte er ein, es könne sein, dass er erst um 11.00 Uhr ange-

fangen habe. Es sei schon lange her, er habe keine Ahnung (Urk. 4/4 S. 8). 

H._____ gab als Zeuge weiter an, dass der Geschädigte an diesem Morgen em-

pört, und sehr aufgebracht gewesen sei, sich echauffiert habe. In einer solchen 

Verfassung sei der Geschädigte schon öfters gewesen, etwa wenn er seinen Wil-

len (z.B. wegen eines Arzttermins) nicht habe durchsetzen können (Urk. 4/4 S. 4). 

Es sei gut möglich, dass der Geschädigte Ende Januar im Mädchenzimmer ge-

wesen sei (Urk. 4/4 Antworten 29 und 46). H._____ gab sodann zu Protokoll, 

dass Betreuer oft zu Unrecht solchen Verdächtigungen ausgesetzt seien. Auch er 

selbst sei schon beschuldigt worden (Urk. 4/4 S. 3). H._____ schilderte auf Frage 

hin, das Prozedere der Taschengeldabzüge und führte aus, er habe die Abzüge 

den Jugendlichen oft gerade dann kommuniziert, wenn der jeweilige Vorfall pas-

siert sei. Er könne nicht sagen, wann dem Geschädigten das kommuniziert wor-

- 30 - 

den sei (Urk. 4/4 S. 6). Auf die konkrete Frage, ob es sein könne, dass der Ge-

schädigte mit seinen Anschuldigungen auf seine Sanktion reagiert habe, meinte 

H._____, dies sei eine Interpretation. Dies könne so sein oder nicht so sein (Urk. 

4/4 S. 7).  

 Diesen Aussagen lässt sich entnehmen, dass der Geschädigte an jenem 

Morgen noch bevor er den Übergriff meldete, erfuhr, dass er einen Taschengeld-

Abzug erhält und deswegen sehr wütend, "hässig", echauffiert und aufgebracht 

gewesen war. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass die Abzüge auf-

grund von Meldungen der Sozialpädagogen gemacht wurden, indessen auch die 

Nachtwachen den Sozialpädagogen Vorkommnisse melden und somit ebenfalls 

eine Sanktion auslösen konnten. Weiter ist davon auszugehen, dass den be-

troffenen Jugendlichen durchaus klar und bekannt war, dass die Nachtwachen 

Vorkommnisse konnten. Sodann ist hervorzuheben, dass H._____ mit keinem 

Wort andeutete, dass eine Meldung seinerseits die Ursache für den Taschengeld-

Abzug beim Geschädigten gewesen war. Nachdem H._____ erläuterte, den Klien-

ten grundsätzlich jeweils im Zeitpunkt des zu sanktionierenden Vorfalls den Abzug 

zu kommunizieren, er aber nicht wisse, zu welchem Zeitpunkt der Geschädigte 

vom Abzug erfahren habe, kann ausgeschlossen werden, dass H._____ die Mel-

dung für diesen Abzug gemacht hatte. H._____ hat jedenfalls als Zeuge nicht 

ausgesagt, damals eine Meldung gemacht zu haben, welche beim Geschädigten 

zu einem Taschengeld-Abzug führte. Dabei darf vermutet werden, dass ihm eine 

solche Episode wohl auch noch nach einigen Monaten in Erinnerung geblieben 

wäre. Diese Erkenntnisse decken sich somit nicht mit den Angaben des Geschä-

digten, an jenem Montag einen Abzug von Fr. 10.- wegen einer Meldung 

H._____s bezüglich eines Aufenthalts im Mädchenzimmer erhalten zu haben. 

Wenn der Geschädigte (verkürzt) angibt, dass Meldungen nicht die Aufgabe der 

Nachtwache und somit des Beschuldigten gewesen seien, so übergeht er, dass – 

wie von der Zeugin bestätigt (selbstverständlich) – auch die Nachtwache Vor-

kommnisse melden können, welche dann via Sozialpädagogen zu Sanktionen 

führen können. Es kann daher nicht völlig ausgeschlossen werden, dass der Ge-

schädigte im Zeitpunkt der erstmaligen Anschuldigung in wütendem Zustand an-

genommen hatte, der Beschuldigte habe zur Kürzung des Taschengelds beige-

- 31 - 

tragen. Sodann machte er ausdrücklich geltend, H._____ hätte ihn bereits einige 

Tage zuvor im Mädchenzimmer gesehen und (so sinngemäss) Meldung gemacht 

und am Montag sei ihm dann das Geld abgezogen worden. H._____ hat dies – 

wie erwogen – in seiner Aussage zumindest nicht bestätigt, jedenfalls von sich 

aus nichts Derartiges geschildert. Sodann würde es seiner geschilderten Praxis 

widersprechen, den betroffenen Klienten jeweils im Zeitpunkt des Geschehens 

den Abzug zu kommunizieren, da der Geschädigte nach eigenen Angaben erst 

am Montagmorgen vom Abzug erfahren hatte. Hätte der Geschädigte bereits vor-

her vom Abzug gewusst, so wäre er im Übrigen am Montagmorgen kaum so wü-

tend und aufgebracht gewesen. Es kann hier zwar nicht von einem eigentlichen 

Widerspruch gesprochen werden. Es fällt aber auf, dass einmal mehr die Darstel-

lung des Geschädigten vom betroffenen Dritten (H._____) nicht bestätigt wurde. 

Weiter ist festzuhalten, dass sowohl I._____, aber insbesondere H._____ festhiel-

ten, dass solche zu Unrecht erhobenen Beschuldigungen gegenüber Betreuern 

doch oft vorkommen würden. Anzufügen ist, dass der Beschuldigte bereits in der 

ersten Befragung detaillierte Angaben gemacht hatte, wonach der Geschädigte – 

wie auch andere Jungs – im Mädchenzimmer gewesen war, er (der Beschuldigte) 

das aufgeschrieben und es am Montag zum entsprechenden Abzug gekommen 

sei. Der Geschädigte sei wütend gewesen und habe die Türe "geschletzt". Dabei 

erläuterte er auch, dass eines der Mädchen Schreianfälle gehabt habe und man 

sie im Bett festgehalten habe, damit es sich nicht verletzte (Urk. 2/1 Antwort 74 

ff.). Diese Ausführungen wiederholte der Beschuldigte anlässlich der Berufungs-

verhandlung (Urk. 87). Sie erscheinen damit nicht grundsätzlich unglaubhaft. 

 Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz zwar festzuhalten, dass – ginge 

man davon aus, es habe kein sexueller Übergriff stattgefunden – die These der 

Verteidigung, der Geschädigte habe sich für den vermeintlich vom Beschuldigten 

verursachten Taschengeld-Abzug von elf Franken rächen wollen, eher wenig 

plausibel erscheint. Aufgrund der internen Abläufe im Unterkunftsheim hinsichtlich 

der Meldungen für Sanktionen und aufgrund des Ablaufs an jenem Tag (Sanktion 

und spätere Anschuldigung) kann dies aber auch nicht als abwegig bzw. mit ge-

nügender Sicherheit ausgeschlossen werden.  

- 32 - 

7.1.9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Geschädigte ein grundsätzlich 

durchaus stimmiges und plausibles Geschehen mit einigen Details geschildert 

hat, welches den Eindruck hinterlässt, dass er tatsächlich Erlebtes schildert. Sei-

ne Aussagen enthalten indessen auch einige, massgebliche Widersprüche und 

Ungereimtheiten sowie teilweise ein wenig nachvollziehbares Verhalten. Ins-

besondere fällt auf, dass sich seine Darstellung, soweit diese durch Aussagen 

unbeteiligter Dritter hat bestätigt werden können, nicht mit den Aussagen der 

Zeugen K._____, J._____ sowie H._____ deckt.  

7.2.1. Hinsichtlich der Aussagen des Beschuldigten ist die Vorinstanz zum 

Schluss gekommen, dieser habe im Wesentlichen grundsätzlich ebenfalls kon-

stant ausgesagt. Seine Aussagen seien jedoch weniger detailreich als diejenigen 

des Geschädigten und würden dadurch farblos wirken. Er habe teilweise einsilbig 

und ausweichend geantwortet (Urk. 31A S. 11).  

7.2.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten betreffend den Aufent-

halt im unteren Büro zutreffend zusammengefasst, worauf verwiesen werden 

kann (Urk. 31A S. 11 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Wesentlichen hat der Beschul-

digte kurz zusammengefasst ausgeführt, er und der Geschädigte hätten sich von 

oben Tee geholt, seien in das Büro gegangen und hätten sich an den Tisch ge-

setzt um ein Video betreffend die Schädlichkeit von E-Zigaretten zu schauen. Er 

habe dies dem Geschädigten angeboten. Bevor sie aber das Video hätten an-

schauen können, sei der Geschädigte wieder gegangen. Es sei nur ein paar Mi-

nuten gegangen. Er habe noch zwei bis drei Minuten in den Unterrichtsunterlagen 

nachgeschaut, bevor er den Videoclip betreffend E-Zigaretten mit Google gesucht 

habe. Der Geschädigte sei aufgestanden und habe gesagt, er sei "gerade wieder 

da". Er sei dann nach draussen gegangen und nicht wiedergekommen. Als der 

Geschädigte dann gegangen sei, habe er auf dem Korridor Leute sprechen hören 

und den Geruch der Küche wahrgenommen. Dann habe er gesehen wie der Ge-

schädigte mit einer anderen Person – vermutlich dessen Zimmerkollege 

"S._____" – wegen einer Zigarette gestritten habe.  

 Die Vorinstanz erachtete die Angaben des Beschuldigten in den Einvernah-

men als nicht ganz nachvollziehbar und teilweise widersprüchlich. Sie erwog, vor-

- 33 - 

ab erscheine es als wenig nachvollziehbar und lebensnah, dass der Beschuldigte 

dem Geschädigten ein Video über die Schädlichkeit von E-Zigaretten habe zeigen 

wollen, dann aber zuerst zwei bis drei Minuten Unterlagen angeschaut habe 

(Urk. 31A S. 12). Dem kann so nicht gefolgt werden. Das vorgängig kurze An-

schauen von Schulunterlagen durch den Beschuldigten für zwei Minuten mag ein 

nicht wirklich naheliegendes Vorgehen sein. Wenn man sich aber vor Augen hält, 

dass die beiden soweit ersichtlich nicht in Zeitnot waren, erscheint dieses Verhal-

ten indessen keineswegs derart ungewöhnlich, dass man es als abwegig aus-

schliessen und klar als Schutzbehauptung abtun müsste. Der Beschuldigte hat im 

Übrigen anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erläuternd ergänzt, 

dass er seine Schulunterlagen auf einem Stick am Computer angeschlossen ge-

habt habe und diese nur habe schliessen und eine Sicherung machen wollen. 

Dass er diese Sicherungen getätigt haben wollte, bevor er über Google einen  

Videoclip suchte, ist ein begreifliches Vorgehen und lässt es als nachvollziehbar 

erscheinen, dass er den Geschädigten deswegen noch warten liess. Anzufügen 

ist, dass der Beschuldigte damit einverstanden war, dass seine elektronischen 

Geräte ausgewertet werden und auch dieser Laptop hätte ausgewertet werden 

können (Urk. 2/1 S. 9 ff.). Die Vorinstanz hat weiter zutreffend darauf hingewie-

sen, dass der Beschuldigte einmal davon sprach, diese Unterlagen nur gesichert 

zu haben, ein anderes Mal diese Unterlagen angeschaut, aber nicht gelesen zu 

haben und schliesslich, dass er die Unterlagen angeschaut und gelesen habe 

(vgl. Urk. 31A. S. 12/13). Diese Widersprüche wecken zwar gewisse Zweifel an 

dem vorgebrachten Geschehen. Es ist aber zu sehen, dass man bei der Siche-

rung eines Dokuments, dieses möglicherweise noch kurz anschaut und damit die 

Grenze zwischen Anschauen und Lesen fliessend ist. Zudem erscheint die stets 

angegebene Zeitdauer für das Anschauen und Sichern von Dokumenten – es 

wurde nicht abgeklärt, wie viele es waren – von rund zwei bis drei Minuten realis-

tisch und nicht übermässig. Dass der Beschuldigte sodann nicht in allen Ein-

vernahmen völlig deckungsgleich geschildert hat, wer in dieser Zeit wie viel Tee 

getrunken hatte (Urk 31A S. 13), erscheint ebenfalls nicht geeignet, bedenkens-

werte Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu wecken. Gleiches gilt für 

den Umstand, dass der Beschuldigte in der Untersuchung zunächst angegeben 

- 34 - 

hatte, nicht zu wissen, weshalb der Geschädigte das Büro verlassen hatte und 

sich vor Gericht erinnern wollte, dieser habe gesagt, er ginge auf die Toilette. Die 

Vorinstanz sieht darin ein widersprüchliches Aussageverhalten, welches zeige, 

dass der Beschuldigte seine Aussagen denjenigen des Geschädigten angepasst 

habe (Urk. 31A S. 13, Urk. 2/1 S. 6, Urk. 2/3 S. 3, Prot. I S. 14). Ginge man davon 

aus, dass kein sexueller Übergriff stattgefunden hatte, so ist es wenig auffällig, 

dass der Beschuldigte nicht mehr wusste, weshalb der Geschädigte das Büro ver-

liess. Sodann hat der Beschuldigte zunächst immerhin angegeben, der Geschä-

digte habe ihm gesagt, er komme gleich wieder (Urk. 2/1 S. 6). Weiter ist festzu-

halten, dass dem Beschuldigten bereits in dieser ersten Einvernahme mehrfach 

vorgetragen wurde, der Geschädigte hätte zu ihm gesagt, er müsse schnell zur 

Toilette, so dass seine (vermeintliche) Erinnerung daran anlässlich der erstin-

stanzlichen Hauptverhandlung erklärbar ist. Es kann auch so verstanden werden, 

als dass der Beschuldigte nichts zu verbergen hat und er keine konstruierte, aus-

wendig gelernte Schilderung vorträgt. Anzufügen ist mit der Vorinstanz (Urk. 31A 

S. 13), dass diese von ihr angeführten Widersprüche nur Details betreffen und sie 

sich grundsätzlich mit dem Zeitablauf erklären lassen. 

7.2.3. Weiter ist anzuführen, dass sich das vom Beschuldigten geschilderte Ge-

schehen auf dem Korridor, nach dem Verlassen des Büros durch den Geschädig-

ten, zumindest teilweise mit den Angaben des Geschädigten decken, wonach 

dieser dort auf Freunde gestossen sei, es auch um eine Zigarette gegangen sei 

und einer der beiden (Q._____) weggegangen sei. 

7.2.4. Wie oben erwogen erscheint das vom Beschuldigten angegebene, mög-

liche Motiv des Geschädigten für eine zu Unrecht erhobene Anschuldigung zwar 

als wenig plausibel, aber auch nicht als völlig abwegig. Es ist jedenfalls hervorzu-

heben, dass der Beschuldigte dieses mögliche Motiv von Anfang an vorgebracht 

hat (Urk. 2/1 Antwort 74 ff.). Dabei ist zu betonen, dass es nicht Aufgabe des Be-

schuldigten ist, ein mögliches Motiv zu beweisen und dieses letztlich offenge-

lassen werden kann. 

7.2.5. Zusammenfassend ist zu den Aussagen des Beschuldigten festzuhalten, 

dass er im Wesentlichen grundsätzlich ebenfalls konstant ausgesagt hat, wobei er 

- 35 - 

sich nicht darauf beschränkte, die Vorwürfe zu bestreiten, sondern seinerseits 

schilderte, was an diesem Abend aus seiner Sicht passiert war. Ins Gewicht fal-

lende Widersprüche sind nicht ersichtlich und das von ihm geschilderte Gesche-

hen erscheint ebenfalls möglich. Zu der von der Vorinstanz erwähnten Einsilbig-

keit der Aussagen des Beschuldigten ist schliesslich noch darauf hinzuweisen, 

dass seine Befragungen in Deutsch durchgeführt wurden, also nicht in seiner Mut-

tersprache, was nachvollziehbar zu eher knappen Antworten führen kann. Anläss-

lich der Berufungsverhandlung hat sich der Beschuldigte schliesslich nochmals 

ausführlich zum Ablauf des fraglichen Abends geäussert (Urk. 87). 

8. Fazit 

8.1. Wie eingangs erwogen sind in einem Strafprozess an den Beweis von  

Täterschaft und Schuld besonders hohe Anforderungen zu stellen. Vorliegend 

stehen sich die grundsätzlich glaubhaften Aussagen des Beschuldigten und des 

Geschädigten gegenüber. Wie erwähnt sind dabei auch die Angaben des Ge-

schädigten zurückhaltend und kritisch zu würdigen, hat er doch auch schon im 

Asylverfahren offensichtlich unwahre Angaben gemacht. In einer Gesamtbe-

trachtung summieren sich doch einige Ungereimtheiten und Widersprüche in den 

Aussagen des Geschädigten. Insbesondere ist der Umstand hervorzuheben, dass 

seine – nicht das Kerngeschehen betreffende – Aussagen durch Dritte nicht be-

stätigt wurden und zwar in einer Weise, bei welcher vernünftige Zweifel an der 

Schuld des Beschuldigten nicht mehr ausgeschlossen werden können. Der Be-

schuldigte ist daher in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo freizu-

sprechen. 

8.2. Bei diesem Ergebnis erweist sich der Beweisantrag des Beschuldigten auf 

Einholung eines Sprachgutachtens als gegenstandslos. 

 

 

 

- 36 - 

III. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Kosten 

1.1. Nachdem der Beschuldigte heute freizusprechen ist, sind die Kosten der Un-

tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens vor beiden Instanzen, einschliesslich 

der Kosten für die amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren, vollumfänglich 

auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 423 und 426 Abs. 1 StPO, Art. 428 Abs. 1 

StPO). Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Ziff. 5) ist zu bestätigen. Die zweit-

instanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. 

1.2. Der Verteidiger des Beschuldigten RA X._____ wurde von der Verfahrenslei-

tung per 27. Oktober 2017 als amtlicher Verteidiger bestellt (Urk. 48). An der Be-

rufungsverhandlung reichte RA X._____ die Kostennote für seine gesamten Be-

mühungen im Berufungsverfahren ein (Urk. 91). Auf die Zeit ab dem 27. Oktober 

2017 entfallen Aufwendungen mit einem Honorarbetrag von total CHF 9'207.95. 

Die aufgeführten Bemühungen sind ausgewiesen und erscheinen angemessen. 

Für die Berufungsverhandlung veranschlagte der Verteidiger einen Aufwand von 

5 Stunden. Effektiv dauerte die Berufungsverhandlung 3.5 Stunden, indessen ist 

dem Verteidiger noch der Zeitaufwand für den Weg zu entschädigen, weshalb der 

Aufwand für die Berufungsverhandlung mit 5 Stunden anzuerkennen ist. Der amt-

liche Verteidiger beantragte für den Fall eines Freispruchs die Festsetzung des 

Stundenansatzes auf Fr. 250.-- (Urk. 89 N 69). Diesem Antrag ist nicht nachzu-

kommen und der Stundenansatz ist auf den im Kanton Zürich üblichen Betrag von 

CHF 220.-- festzusetzen. Der amtliche Verteidiger ist somit für die Zeit ab dem 27. 

Oktober 2017 mit CHF 9'207.95 (inkl. MwSt. von 8% bis 31.12.2017 und 7.7% ab 

01.01.2018) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Im Urteilsdispositiv vom 4. 

Juni 2018 wurde der dem amtlichen Verteidiger zuzusprechende Betrag ab dem 

27. Oktober 2017 mit CHF 6'800.-- beziffert (vgl. Urk. 93). Dieser Betrag beruht 

auf einem Rechnungsfehler und ist in Anwendung von Art. 79 Abs. 1 StPO mit 

dem schriftlich begründeten Urteil zu korrigieren. 

 

- 37 - 

2. Entschädigung 

2.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO hat der Beschuldigten bei einem Freispruch 

Anspruch auf Entschädigung seiner Aufwendungen für die angemessene Aus-

übung seiner Verfahrensrechte (lit. a) und auf Entschädigung der wirtschaftlichen 

Einbussen, die ihm aus seiner notwendigen Beteiligung am Strafverfahren ent-

standen sind (lit. b). 

2.2. Der Beschuldigte verlangte unter Einreichung der Honorarnote vom 

30. März 2017 für die Kosten seiner Wahlverteidigung vor Vorinstanz insgesamt 

CHF 17'706.20 (Urk. 25/4). Diese Kosten für das erstinstanzliche Verfahren 

machte der Beschuldigte im Berufungsverfahren unverändert geltend (Urk. 89 N 

67). Nachdem der Beschuldigte im Berufungsverfahren freizusprechen ist, sind 

ihm die Kosten für seine Wahlverteidigung vor Vorinstanz, welche ausgewiesen 

sind und angemessen erscheinen, im Umfang von CHF 17'706.20 (inkl. MwSt.) 

als Prozessentschädigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

2.3. Der Beschuldigte war im Berufungsverfahren bis zum 27. Oktober 2017 er-

beten verteidigt. Für diese Zeit hat er ebenfalls Anspruch auf Ersatz der ihm ent-

standenen Verteidigerkosten für die angemessene Ausübung seiner Verfahrens-

rechte. Nachdem die in der Honorarnote des Verteidigers vom 4. Juni 2018 aus-

gewiesenen Leistungen angemessen erscheinen (vgl. Urk. 91), ist dem Beschul-

digten für seine anwaltliche Verteidigung im Berufungsverfahren eine Prozessent-

schädigung von CHF 2'708.65 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

Im Urteilsdispositiv vom 4. Juni 2018 wurde die Prozessentschädigung für den 

Beschuldigten im Berufungsverfahren auf CHF 5'140.80 festgelegt (vgl. Urk. 93). 

Dieser Betrag beruht auf einem Rechnungsfehler und ist in Anwendung von 

Art. 79 Abs. 1 StPO mit dem schriftlich begründeten Urteil zu korrigieren. 

2.4. Unter dem Titel der Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen machte der 

Beschuldigte vorab eine Entschädigung für Lohnausfall geltend (Urk. 89 N 54, 59-

62). Dazu liess der Beschuldigte ausführen, er sei von der einen Arbeitgeberin per 

Februar 2016 freigestellt worden und die andere Arbeitgeberin habe ihm per Mitte 

Juni 2016 wegen des laufenden Verfahrens gekündigt. Sein Einkommen habe 

- 38 - 

sich ab diesem Zeitpunkt massiv reduziert, wobei die Einkommenseinbusse in di-

rektem Zusammenhang mit dem Strafverfahren stünde. Ab dem 28. Juli 2016 sei 

er von seiner Arbeitgeberin T._____ im Rahmen einer Ersatzbeschäftigung mit 

einem variablen Pensum von 40% bis 100% als Empfangsmitarbeiter und Betreu-

er im Asylzentrum U._____ wieder angestellt worden. Die aus dem geringeren 

Pensum resultierende Lohneinbusse müsse ihm ersetzt werden. Weiter verlangte 

der Beschuldigte Ersatz für den Zeitaufwand für die Teilnahme an verschiedenen 

Einvernahmen sowie an der Haupt- und der Berufungsverhandlung sowie für 

die damit verbundenen Reisekosten. Schliesslich brachte der Verteidiger vor, der 

Beschuldigte sei für den Zeitaufwand für die diversen Besprechungen und Tele-

fonate mit ihm sowie für das Aktenstudium zu entschädigen. Der Beschuldigte 

habe weit mehr als 40 Stunden seiner Freizeit für den Prozess investieren müs-

sen. Mit einer Pauschalentschädigung von CHF 50.-- pro Stunde, sei der Be-

schuldigte mit CHF 2'000.-- für die ungerechtfertigte Zeiteinbusse zu entschädi-

gen. Des weiteren sei der Beschuldigten pauschal mit CHF 200.-- für die entstan-

denen Reisekosten zu entschädigen. Schliesslich habe der Beschuldigte aufgrund 

des abgewiesenen Beweisantrags die Dolmetscherin privat beauftragen müssen. 

Die Dolmetscherin mache einen Zeitaufwand von 5.5 Stunden geltend, was einem 

Kostenaufwand von CHF 440.-- entspreche. 

2.5. Der Staat hat dem Beschuldigten im Rahmen von Art. 429 Abs. 1 lit. b. StPO 

nur dann für Lohnausfall Ersatz zu leisten, wenn der Lohnausfall adäquat kausal 

durch das Strafverfahren verursacht worden ist (vgl. BGE 142 IV 237 E. 1.3.4.). 

Allein die Tatsache, dass gegen eine Person ein Strafverfahren pendent ist, lässt 

somit nicht automatisch einen Entschädigungsanspruch entstehen. Der Beschul-

digte war am 31. Januar 2016 (Tatzeitpunkt) an zwei Arbeitsstellen tätig. Zum ei-

nen arbeitete er für die Firma V._____ ag zum anderen für die T._____ (…). Für 

die V._____ ag führte der Beschuldigte gemäss den vom Verteidiger im vo-

rinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen noch bis im April 2016 Einsät-

ze aus und wurde schliesslich in den folgenden drei Monaten freigestellt. Per 31. 

Juli 2016 wurde das Arbeitsverhältnis beendet (Urk. 25/1). Dabei bestätigte die 

V._____ ag im Schreiben vom 8. August 2016, dass das Arbeitsverhältnis mit 

dem Beschuldigten aufgrund der Informationen der Staatsanwaltschaft aufgelöst 

- 39 - 

worden war (Urk. 25/1). Ein Kündigungsschreiben wurde vom Beschuldigten al-

lerdings nicht eingereicht. Im Zeugnis, das die V._____ AG dem Beschuldigten 

mit Datum vom 31. Juli 2016 ausstellte wird festgehalten, dass der Beschuldigte 

das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen habe (Urk. 25/1 2. Beilage). 

Dabei stellt die V._____ ag dem Beschuldigten ein sehr gutes Zeugnis aus. Bei 

dieser Aktenlage ist unklar, ob dem Beschuldigten durch die V._____ gekündigt 

wurde oder ob ihm diese die Kündigung nahegelegte bzw. ob das Arbeitsverhält-

nis in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. Jedenfalls erscheint es mit 

der Fürsorgepflicht der V._____ ag als Arbeitgeberin nicht vereinbar, dass sie ei-

nem Arbeitnehmer, welchem sie ein sehr gutes Zeugnis ausstellte, einzig auf-

grund der Eröffnung eines Strafverfahrens nahelegte, das Arbeitsverhältnis aufzu-

lösen bzw., was indessen nicht belegt ist, selber die Kündigung aussprach. Bei 

dieser Ausgangslage ist festzuhalten, dass der Umstand der Eröffnung der Straf-

untersuchung nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Le-

benserfahrung nicht geeignet war, die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der 

V._____ ag zu bewirken. Was die Anstellung bei der T._____ betrifft, so wurde 

der Beschuldigte gemäss Angaben des Verteidigers per Februar 2016 freigestellt 

(Urk. 89 N 54). Am 28. Juli 2016 wurde der Beschuldigte von der gleichen Arbeit-

geberin (T._____ …), vorerst in einem tieferen Pensum, welches zwischenzeitlich 

auf 100% erhöhte wurde, mit einem veränderten Vertrag neu angestellt (Urk. 

90/4, Prot. I S. 8, Urk. 87 S. 1) Gemäss den vom Verteidiger eingereichten Unter-

lagen musste der Beschuldigte allerdings bis im Februar 2017 keine Lohneinbus-

se hinnehmen (Urk. 25/2 u. Urk. 25/3). Daraus geht hervor, dass der vom Be-

schuldigten geltend gemachte Schaden allein durch den Entscheid der Arbeitge-

berin (Änderungskündigung) verursacht worden ist. Damit erscheint der Schaden 

nicht adäquat kausal zum Strafverfahren, zumal der Beschuldigte nicht darlegte, 

dass er infolge des Strafverfahrens an der Erfüllung seiner Arbeitstätigkeit gehin-

dert gewesen war und auch nicht ersichtlich ist, weshalb ihn die Arbeitgeberin 

nicht hätte in einem anderen Bereich einsetzen können. Unklar ist auch, weshalb 

es erst ab Februar 2017 zum Lohnausfall gekommen ist (vgl. Urk. 25/3). Jeden-

falls lässt sich kein adäquater Zusammenhang zwischen dem Lohnausfall und 

dem Strafverfahren erkennen. Hingegen zeigt die Tatsache der Neuanstellung, 

- 40 - 

dass der Arbeitgeberin ein umsichtiges und ihren Fürsorgepflichten gerecht wer-

dendes Verhalten während der Dauer des ganzen Verfahrens zuzumuten gewe-

sen wäre. Für ein allfälliges Fehlverhalten der beiden Arbeitgeberinnen tragen die 

Strafbehörden keine Verantwortung. Entsprechend ist dem Beschuldigten in die-

sem Verfahren keine Entschädigung für die geltend gemachten Lohneinbussen 

zuzusprechen. 

2.6. Der Beschuldigte fordert weiter eine Entschädigung im Betrag von 

CHF 200.-- für den von ihm in seiner Freizeit geleisteten Zeitaufwand für das Ver-

fahren. Die Höhe der wirtschaftlichen Einbusse im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. b 

StPO wird nach den zivilrechtlichen Regeln berechnet. Demnach entspricht der 

Schaden der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögen und dem Stand 

des Vermögens ohne das schädigende Ereignis. Er kann in einer Vermehrung der 

Passiven, einer Verminderung der Aktiven oder in entgangenem Gewinn beste-

hen. Eine reine Zeiteinbusse ist hingegen nicht zu entschädigen. Nachdem der 

Beschuldigte nicht geltend machte, inwiefern durch den geleisteten Zeitaufwand 

in der Freizeit sein Vermögensstand negativ verändert wurde, ist ihm unter die-

sem Titel keine Entschädigung zuzusprechen. 

2.7. Der Beschuldigte verlangt eine Entschädigung für Reisekosten und die Aus-

lagen für die Arbeit der Dolmetscherin. Weder für die Reisekosten, noch für die 

Kosten der Dolmetscherin reichte der Beschuldigte Belege ein, weshalb ihm dafür 

keine Entschädigung zuzusprechen ist. 

3. Genugtuung 

3.1. Der freigesprochene Beschuldigte hat Anspruch auf Genugtuung für beson-

ders schwere Verletzung seiner persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei 

Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO). Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO lässt eine 

Verweigerung der Genugtuung zu, wenn die Aufwendungen des Beschuldigten 

geringfügig sind. 

3.2. Der Beschuldigte verlangt eine Genugtuung von CHF 3'400.-- für ungerecht-

fertigte Untersuchungshaft, für erduldeten Reputationsschaden, für die Haus-

- 41 - 

durchsuchung, die psychische Belastung durch das lange Verfahren sowie den 

Entzug der elektronischen Geräte (Urk. 89 N. 64-65). 

3.3. Dem freigesprochenen Beschuldigten ist für die zu Unrecht erlittene Unter-

suchungshaft von rund 2 Tagen (6. April 2016, 06:30 Uhr bis 7. April 2016, 

13:50 Uhr) eine Genugtuung zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO in Verbin-

dung mit Art. 431 Abs. 2 StPO). Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht 

auf richterlichem Ermessen, wobei sich die Höhe der Genugtuungssumme für die 

im Zusammenhang mit der Haft erlittene Unbill naturgemäss nicht errechnen, 

sondern lediglich abschätzen lässt. Das Bundesgericht erachtet bei kürzeren 

Freiheitsentzügen Fr. 200.– pro Tag als angemessene Genugtuung, sofern nicht 

aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine höhere oder eine geringere 

Entschädigung zu rechtfertigen vermögen (vgl. BGE 113 Ib 155 E. 3b S. 156; Ur-

teil des Bundesgerichts vom 31. Januar 2011, 6B_574/2010 mit Hinweisen). Vor-

liegend ist dem Beschuldigten für die erlittene Haft eine Genugtuung von 

Fr. 400.– zuzusprechen. Bei den übrigen vom Beschuldigten geltend gemachten 

Posten unter diesem Titel kann zwar ein leichter Eingriff in die Persönlichkeits-

rechte bzw. die Grundrechte des Beschuldigten erkannt werden, jedoch erweisen 

sich die vom Beschuldigten vorgebrachten Nachteile im Rechtssinne als geringfü-

gig. So ist nicht nachvollziehbar, weshalb das Ansehen des Beschuldigten durch 

den Tatvorwurf in der Öffentlichkeit derart ramponiert sein soll, dass dieses durch 

einen Freispruch nicht wieder hergestellt werden könnte. Der Beschuldigte steht 

zum einen nicht in besonderem Masse in der Öffentlichkeit und zum anderen 

handelt es sich beim konkreten Tatvorwurf inhaltlich – verglichen mit anderen 

möglichen Delikten in diesem Bereich – nicht um ein sehr gravierendes Gesche-

hen. Des weiteren ist nicht davon auszugehen und wurde vom Beschuldigten 

auch nicht vorgebracht, dass persönliche Beziehungen durch das Strafverfahren 

fortdauernde Probleme erfuhren. Der Beschuldigte machte zwar geltend, dass er 

geplant gehabt habe, im Jahr 2017 seine Ehefrau im Rahmen des Familiennach-

zugs in die Schweiz zu holen. Allerdings hatte der Beschuldigte dieses Vorhaben 

im Zeitpunkt des Beginns des Strafverfahrens noch nicht eingeleitet (Prot. II S. 3). 

Aufgrund des zu erfolgenden Freispruchs ist auch nicht davon auszugehen, dass 

sich das Strafverfahren nachteilig auf den Familiennachzug auswirken wird. Auch 

- 42 - 

die psychische Belastung, die das Strafverfahren beim Beschuldigten mit sich 

brachte, löst keinen Entschädigungsanspruch aus, zumal er keine Gründe vor-

brachte, welche eine besonders schwere Verletzung der Persönlichkeit erkennen 

liessen. Ebenfalls liegen hinsichtlich der Hausdurchsuchung und der Beschlag-

nahme der elektronischen Geräte keine Umstände vor, welche einen Genugtu-

ungsanspruch zu begründen vermöchten. Das Genugtuungsbegehren des Be-

schuldigten ist somit im Fr. 400.-- übersteigenden Betrag abzuweisen. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit 

Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB freigesprochen. 

2. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Ziff. 5) wird bestätigt. 

3. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kos-

ten bestehend aus: 

CHF 9'207.95 amtliche Verteidigung (ab 27. Oktober 2017) 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

5. Dem Beschuldigten wird für die Untersuchung und das erstinstanzliche  

Gerichtsverfahren eine Prozessentschädigung von CHF 17'706.20 aus der 

Gerichtskasse zugesprochen. 

6. Dem Beschuldigten wird für das Berufungsverfahren eine Prozessent-

schädigung von CHF 2'708.65 aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

7. Dem Beschuldigten werden CHF 400.– als Genugtuung aus der Gerichts-

kasse zugesprochen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-

wiesen. 

- 43 - 

8. Dem Beschuldigten wird für seine geltend gemachten wirtschaftlichen Ein-

bussen keine Entschädigung zugesprochen. 

9. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 10/3 
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials"  
− die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 54a 

Abs. 1 PolG) 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

 

 

- 44 - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 
 

Zürich, 4. Juni 2018 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Dr. iur. F. Bollinger 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. C. Baumgartner 
 

 

	Urteil vom 4. Juni 2018
	 Anklage:
	1. Der Beschuldigte ist schuldig der sexuellen Handlung mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– wovon bis und mit heute 2 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Von der Anordnung eines Tätigkeitsverbotes wird abgesehen.
	5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
	Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.
	6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.
	Berufungsanträge:
	1. Ziffer 4 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 30. März 2017 (GG170017) wird nicht angefochten.
	2. Ziffer 1 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 30. März 2017 (GG170017) sei dahingehend abzuändern, dass der Beschuldigte vom Vorwurf der sexuellen Handlung mit Kindern von Schuld und Strafe freizusprechen sei.
	3. Ziffer 2 und 3 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 30. März 2017 (GG170017) seien aufzuheben.
	4. Über die Verfahrenskosten der Vorinstanz, Ziffer 5 und 6 des Urteils der Vorinstanz vom 30. März 2017 (GG170017), sei entsprechend dem abgeänderten Entscheid neu zu befinden.
	5. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung/Entschädigung in der Höhe von mindestens CHF 5'400.00 für Zeitaufwand, Reputationsschaden, erduldete Haft, Hausdurchsuchung und Entzug persönlicher elektronischer Geräte sowie Reisekosten von CHF 200.00 und Dol...
	6. Eventualiter, wäre der Beschuldigte im Falle einer Bestätigung des Schuldspruches, mindestens für das Zwangsmassnahmenverfahren (GH161636) vor dem Zwangsmassnahmengericht Zürich in Höhe von mindestens CHF 2'600.00 (8 Stunden zu CHF 280.00 zuzüglich...
	7. Die Anträge der Staatsanwaltschaft in der Anschlussberufung sind abzuweisen.
	8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt.) zulasten des Staates.
	Erwägungen:
	Dem Beschuldigten, der zum damaligen Zeitpunkt als Asylbetreuer bzw. Nachtwache im Asylunterkunftsheim an der G._____-strasse in Zürich arbeitete, wird vorgeworfen, den dort wohnhaften, damals 15-jährigen Geschädigten C._____ am 31. Januar 2016 zwisch...
	3.2. Gemäss der in Art. 9 und Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie Art. 10 Abs. 3 StPO verankerten Maxime "in dubio pro reo", ist bis zum letztendlichen Nachweis der Schuld des Beschuldigten von dessen Unschuld auszugehen. Daraus folgt, dass ...
	3.3. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese frei zu würdigen. Beim Abwägen von Aussagen ist im Besonderen zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unters...
	3.4. Der Glaubwürdigkeit einer Person kommt nach Lehre und stetiger Rechtsprechung eine untergeordnete Rolle zu. Für die Sachverhaltserstellung ist vielmehr der materielle Gehalt, sprich di