# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** afdd0c4a-1649-553f-9734-4b39aef1386c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.11.2008 C-2974/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2974-2006_2008-11-21.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-2974/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Richter Michael Peterli (Vorsitz), 
Richter Johannes Frölicher, 
Richterin Elena Avenati-Carpani, 
Gerichtsschreiberin Sandra Tibis.

S._______, Singapur,
vertreten durch M._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 
1211 Genf 2,
Vorinstanz.

AHV (Rückvergütung von Beiträgen).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-2974/2006

Sachverhalt:

A.
Der  geschiedene  singapurische  Staatsangehörige  S._______, 
geboren am (...)  1952, war von Juli  1984 bis Dezember 2005 in der 
Schweiz  wohnhaft  und  erwerbstätig  und  hat  Beiträge  an  die 
obligatorische  Alters-  und  Hinterlassenenversicherung  entrichtet 
(act. 26 ff. und 7). Per 31. Dezember 2005 hat  sich S._______ nach 
Singapur abgemeldet (act 7, 15 f.).

B.
Mit  Gesuch  vom  25. April  2006  hat  S._______  bei  der 
Schweizerischen Ausgleichskasse (nachfolgend: SAK) um Rückvergü-
tung der AHV-Beiträge ersucht (act. 5 ff.). Mit Verfügung vom 12. Juni 
2006 (act. 30) hat die SAK den Rückvergütungsantrag abgelehnt,  da 
seine noch nicht 25-jährige Tochter in der Schweiz lebe und nach wie 
vor in Ausbildung sei.

C.
Gegen die Verfügung vom 12. Juni 2006 hat S._______ mit  Eingabe 
vom  13. Juli  2006  (act. 33)  Einsprache  bei  der  SAK  erhoben.  Am 
18. Juli 2006 (act. 32) hat er bei der SAK eine Bestätigung über den 
erfolgreichen  Lehrabschluss  seiner  Tochter,  H._______,  eingereicht 
(act. 31).

D.
Mit Einspracheentscheid vom 11. September 2006 (act. 35 f.) hat die 
SAK die Einsprache abgewiesen.

E.
Gegen den  Einspracheentscheid  vom 11. September  2006  liess  der 
durch  M._______  vertretene  S._______  (nachfolgend:  Be-
schwerdeführer) mit  Eingabe vom 11. Oktober 2006 (act. 46) bei der 
Eidgenössischen Rekurskommission der Alters-, Hinterlassenen- und 
Invalidenversicherung für die im Ausland wohnenden Personen (nach-
folgend: Rekurskommission) Beschwerde führen.

F.
Mit Vernehmlassung vom 10. Januar 2007 hat die SAK die Abweisung 
der  Beschwerde  beantragt,  da  der  Beschwerdeführer  nicht  belegt 

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habe, dass seine Tochter  eine Erwerbstätigkeit  ausübe und auf  eine 
allfällige Waisenrente verzichte.

G.
Per 1. Januar  2007 ist  das  bei  der  Rekurskommission anhängig  ge-
machte  Verfahren  auf  das  Bundesverwaltungsgericht  übergegangen. 
Dies wurde den Parteien mit  Verfügung vom 7. Februar  2007 mitge-
teilt.

H.
Mit Eingabe vom 12. Februar 2007 liess der Beschwerdeführer mittei-
len, seine Tochter sei zur Zeit arbeitslos.

I.
Gegen die mit Verfügung vom 6. März 2007 bekannt gegebenen Mit-
glieder  des  Spruchkörpers  ging  kein  Ausstandsbegehren  ein.  Am 
28. April 2008 ist ein Wechsel der Gerichtsschreiberin erfolgt.

J.
Mit Schreiben vom 28. August 2008 sowie 31. Oktober 2008 wurde die 
Tochter  des  Beschwerdeführers  aufgefordert,  dem  Bundesverwal-
tungsgericht Auskunft über ihre aktuelle berufliche Situation zu geben.

Mit  Schreiben  vom  7. November  2008  äusserte  sich  schliesslich 
Y._______,  die  Ex-Frau  des  Beschwerdeführers  und  Mutter  von 
H._______,  und  teilte  mit,  ihre  Tochter  absolviere  einen  Weiterbil-
dungskurs in Floristik, der einmal wöchentlich stattfinde; der Kurs kos-
te Fr. 5'000.-- und Einkommen erziele sie keines.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern  es  zuständig 
ist,  die Beurteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen 
Rekurs- oder Schiedskommissionen oder bei den Beschwerdediensten 
der Departemente hängigen Rechtsmittel. Die Beurteilung erfolgt nach 
neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).

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1.2 Gemäss  Art. 31  VGG  in  Verbindung  mit  Art. 33  lit. d  VGG  und 
Art. 85bis Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1946  über 
die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) beur-
teilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  von  Personen  im 
Ausland gegen Verfügungen der Schweizerischen Ausgleichskasse. Es 
liegt keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.

1.3 Aufgrund von Art. 3 lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet 
das VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungsrechtssachen, so-
weit  das  Bundesgesetz  vom 6. Oktober  2000  über  den Allgemeinen 
Teil  des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1)  anwendbar  ist. 
Gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die 
im  ersten  Teil  geregelte  Alters-  und  Hinterlassenenversicherung  an-
wendbar, soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom 
ATSG vorsieht.

1.4 Der Beschwerdeführer  ist  durch den angefochtenen Einsprache-
entscheid  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen 
Aufhebung oder Änderung, so dass er im Sinne von Art. 59 ATSG be-
schwerdelegitimiert ist.

1.5 Da  die  Beschwerde  im  Übrigen  frist-  und  formgerecht  (Art. 60 
Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde, ist auf die 
Beschwerde einzutreten.

2.
Vorliegend ist strittig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob 
die  SAK dem Beschwerdeführer  die  Rückvergütung der  Beiträge zu 
Recht verweigert hat.

2.1 Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht dür-
fen im Rahmen des Streitgegenstandes bisher noch nicht gewürdigte, 
bekannte wie auch bis anhin unbekannte, neue Sachverhaltsumstän-
de, die sich zeitlich vor (sog. unechte Nova) oder erst im Verlauf des 
Rechtsmittelverfahrens  (sog.  echte  Nova)  zugetragen  haben,  vorge-
bracht werden (ANDRÉ MOSER,  MICHAEL BEUSCH,  LORENZ KNEUBÜHLER,  Pro-
zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 92; RENÉ 
RHINOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS,  Öffentliches  Prozessrecht  und 
Justizverfassungsrecht  des  Bundes,  Basel/Frankfurt  a. M.  1996, 
Rz. 1351;  FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2. Aufl.,  Bern 

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1983, S. 258).

Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren 
der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwer-
de auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen 
oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung 
bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bun-
desverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 212).

2.2 Gemäss  Art. 1  Abs. 1  der  Verordnung  vom  29. November  1995 
über die Rückvergütung der von Ausländern an die Alters- und Hinter-
lassenenversicherung  bezahlten  Beiträge  (RV-AHV,  SR 831.131.12) 
können  Ausländer,  mit  deren  Heimatstaat  keine  zwischenstaatliche 
Vereinbarung besteht, sowie ihre Hinterlassenen, gemäss den Art. 2 ff. 
RV-AHV die  der  Alters-  und Hinterlassenenversicherung entrichteten 
Beiträge zurückfordern, sofern diese gesamthaft während mindestens 
eines vollen Jahres geleistet worden sind und keinen Rentenanspruch 
begründen.

2.3 Die Beiträge können zurückgefordert  werden,  sobald die Person 
aller Voraussicht nach endgültig aus der Versicherung ausgeschieden 
ist und sowohl sie selber als auch die Ehefrau oder der Ehemann und 
ihre noch nicht 25-jährigen Kinder nicht mehr in der Schweiz wohnen 
(Art. 2 Abs. 1 RV-AHV).

Bleiben  volljährige  Kinder,  die  das  25. Altersjahr  noch  nicht  erreicht 
haben, in der Schweiz, können die Beiträge dennoch zurückgefordert 
werden, wenn die Kinder die Ausbildung abgeschlossen haben (Art. 2 
Abs. 2 RV-AHV).

2.4 Gemäss Art. 6 RV-AHV können aus rückvergüteten Beiträgen und 
den  entsprechenden  Beitragszeiten  gegenüber  der  AHV und  der  IV 
keine Rechte abgeleitet werden. Die Wiedereinzahlung der Beiträge ist 
ausgeschlossen.

3.

3.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer die Voraussetzun-
gen  gemäss  Art. 1  Abs. 1  RV-AHV  erfüllt  und  somit  eine  Rücker-
stattung grundsätzlich möglich ist. Ebenfalls unstreitig  und durch die 
Kopie des Fähigkeitszeugnisses belegt ist, dass die volljährige Tochter 

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des  Beschwerdeführers,  H._______,  ihre  Erstausbildung  abge-
schlossen hat.

Der Begriff  der Ausbildung wird allerdings weit verstanden. Nach der 
Praxis gelten Personen als in Ausbildung begriffen, wenn sie Schulen 
oder Kurse (auch im Hinblick auf Allgemeinbildung) besuchen oder der 
beruflichen Ausbildung obliegen. Unter beruflicher Ausbildung ist jede 
Tätigkeit zu verstehen, welche die systematische Vorbereitung auf eine 
künftige  Erwerbstätigkeit  zum  Ziele  hat  und  während  welcher  mit 
Rücksicht auf den vorherrschenden Ausbildungscharakter ein wesent-
lich geringeres Erwerbseinkommen erzielt wird, als ein Erwerbstätiger 
mit abgeschlossener Berufsbildung orts- und branchenüblich erzielen 
würde (THOMAS LOCHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 
2003, S. 350 m.w.H.). Für die Sozialversicherungen ist es im Gegen-
satz zum Zivilrecht (BGE 118 II 98 E. 4a) unerheblich, ob es sich um 
eine  Erst-  oder  Zweitausbildung  handelt  (THOMAS LOCHER,  a.a.O., 
S. 350 f.).

3.2 Gemäss  Auskunft  von  Y._______  sowie  auch  gemäss  telefo-
nischer Nachfrage bei den Sozialen Diensten in A._______ absolviert 
die  Tochter  des Beschwerdeführers einen Kurs in  Floristik. Der  Kurs 
findet  einmal  wöchentlich  statt  und  ermöglicht  der  Tochter  des 
Beschwerdeführers eine weitere berufliche Qualifikation zu erlangen. 
Der von ihr besuchte Kurs dient der systematischen Vorbereitung auf 
die Tätigkeit als Floristin, stellt  eine Ergänzung zur abgeschlossenen 
Ausbildung als Verkäuferin dar und ist somit eine Ausbildung im Sinne 
der Rechtsprechung.

Die Rückvergütung der AHV-Beiträge kann somit wegen Vorliegens ei-
nes Ausbildungsverhältnisses bei der Tochter des Beschwerdeführers 
nicht gewährt werden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.

4.

4.1 Das  Verfahren  ist  für  die  Parteien  kostenlos  (Art. 85bis Abs. 2 
AHVG), so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.

4.2 Der  unterliegende  Beschwerdeführer  hat  keinen  Anspruch  auf 
Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben,  und  dem  Beschwerde-
führer wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Eingabe  von 
Y._______ vom 7. November 2008)

- die Vorinstanz (Beilage: Eingabe von Y._______ vom 7. November 
2008)

- das Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Instruktionsrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Peterli Sandra Tibis

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. 
und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung 
mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 
angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die 
beschwerdeführende  Partei  in  Händen  hat,  beizulegen  (vgl.  Art. 42 
BGG).

Versand: 

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