# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de4d0291-d598-51a7-a7f7-4f63d7b6e436
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2022 F-2872/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2872-2022_2022-11-30.pdf

## Full Text

I   B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2872/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Yannick Antoniazza-Hafner (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,    

Gerichtsschreiber Michael Spring. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch lic. iur. Peter Bolzli, Rechtsanwalt,  

Advokaturbüro Langstrasse 4, Langstrasse 4,  

Postfach 1063, 8021 Zürich 1,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Familienzusammenführung (Verfahrensabschreibung) 

 

 

 

F-2872/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (geb. 1970) ersuchte in der Schweiz am 12. Okto-

ber 2011 um Asyl. Er gab an, er sei ethnischer Tibeter und in China gebo-

ren. Seit dem Jahr 1999 sei er mit B._______ (geb. 1967) nach Brauch 

verheiratet. Am (…) sei die gemeinsame Tochter C._______ und am (…) 

die gemeinsame Tochter D._______ geboren worden. Am 17. Februar 

2014 stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlings-

eigenschaft erfülle. Gleichzeitig lehnte sie das Asylgesuch ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz an. Wegen Unzulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs wurde der Beschwerdeführer vorläufig aufgenommen.  

B.  

Am 18. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer beim Migrationsamt 

des Kantons X._______ (nachfolgend: Migrationsamt) ein Gesuch um Fa-

miliennachzug und Einbezug in die vorläufige Aufnahme zugunsten seiner 

Ehefrau und seiner Kinder, welche sich in Indien aufhielten, ein. Das Mig-

rationsamt leitete das Gesuch an die Vorinstanz weiter und führte in der 

Stellungnahme aus, die Voraussetzungen für eine Gutheissung seien in-

folge drohender Sozialhilfeabhängigkeit nicht erfüllt.  

C.  

Mit Schreiben vom 4. April 2018 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-

rer mit, seine nach Brauch geschlossene Ehe werde gemäss chinesischem 

Recht nicht als rechtmässige Ehe und folglich auch in der Schweiz nicht 

anerkannt. Es sei nicht nachgewiesen, dass er der leibliche Vater der Kin-

der sei. Im Weiteren habe er bereits über Fr. 40'000.- Sozialhilfe bezogen 

und es drohten mit einem Familiennachzug erhöhte Sozialhilfekosten.  

D.  

Am 5. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer der Vorinstanz das Er-

gebnis einer Abstammungsbegutachtung mittels DNA-Analyse ein. Aus 

dieser geht hervor, dass er der Vater und B._______ die Mutter von 

C._______ und D._______ sind. 

E.  

Nach Abklärungen zur finanziellen Situation des Beschwerdeführers 

reichte das Sozialamt Y._______ der Vorinstanz am 13. Februar 2019 eine 

Sozialhilfeberechnung ein, aus welcher ein leichter Einnahmenüberschuss 

hervorgeht. 

F-2872/2022 

Seite 3 

F.  

Aufgrund fehlender Identitäts- und Reisedokumente seiner Angehörigen 

forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer am 5. März 2019 auf, eine 

vom Bureau of His Holiness the Dalai Lama in Neu Delhi über die Person 

von B._______ ausgestellte Bestätigung («bona-fide letter») einzureichen. 

Der Beschwerdeführer gab am 10. April 2019 an, ihm sei eine solche Be-

stätigung verweigert worden. Am 30. August 2019 reichte er der Vorinstanz 

stattdessen einen «bona-fide letter» der Tibetan Legal Association für 

B._______ und die beiden Töchter ein.  

G.  

Mit Verfügung vom 14. Juli 2020 wies die Vorinstanz das Gesuch des Be-

schwerdeführers um Familiennachzug und Einschluss in die vorläufige Auf-

nahme zugunsten seiner Ehefrau und seiner Kinder ab. 

H.  

Die vom Beschwerdeführer dagegen am 13. August 2020 geführte Be-

schwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil F-4073/2020 vom 

6. Mai 2022 teilweise gut. Es hob die angefochtene Verfügung vom 14. Juli 

2020 auf und wies die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurück.  

I.  

Am 13. April 2022 erteilte das Migrationsamt dem Beschwerdeführer in An-

erkennung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls eine Aufent-

haltsbewilligung.   

J.  

Mit Verfügung vom 1. Juni 2022 schrieb die Vorinstanz das Gesuch des 

Beschwerdeführers um Familiennachzug und Einbezug in die vorläufige 

Aufnahme vom 18. Januar 2018 als gegenstandslos geworden ab. Sie hielt 

fest, die Zuständigkeit für die Prüfung eines Familiennachzugs liege neu 

bei der kantonalen Migrationsbehörde. 

K.  

Mit Beschwerde vom 1. Juli 2022 gelangte der Beschwerdeführer an das 

Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfü-

gung vom 1. Juni 2022 aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, das 

Familiennachzugsgesuch vom 18. Januar 2018 im Sinne der Erwägungen 

des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts F-4073/2020 vom 6. Mai 2022 

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zu prüfen und darüber neu zu entscheiden. Eventualiter sei der Beschwer-

degegner anzuweisen, das Gesuch an das Migrationsamt zwecks Prüfung 

und Entscheidung zu überweisen. In prozessualer Hinsicht beantragt er, 

ihm seien mit der Zustellung der Vernehmlassung der Vorinstanz die ge-

samten Akten zukommen zu lassen und es sei ihm eine Frist zur Ergän-

zung der Beschwerde anzusetzen, das heisst, ein zweiter Schriftenwech-

sel anzuordnen. 

L.  

Mit Vernehmlassung vom 5. August 2022 hielt die Vorinstanz an der ange-

fochtenen Verfügung fest. 

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. August 2022 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdeführers vom 1. Juli 

2022 gut. Es stellte ihm die gerichtlichen Akten in den Verfahren 

F-2872/2022 und F-4073/2020 zur Einsichtnahme zu und lud die Vorin-

stanz ein, unter Berücksichtigung der Bestimmungen von Art. 26 ff. VwVG 

dem Beschwerdeführer umgehend Einsicht in die für das Verfahren              

F-2872/2022 bereitgestellten sowie in die weiteren vorinstanzlichen Akten 

zu gewähren.  

N.  

Am 14. September 2022 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer 

Akteneinsicht, soweit es sich nicht um interne oder der Geheimhaltung un-

terliegende Akten handelte.  

O.  

Am 6. Oktober 2022 replizierte der Beschwerdeführer und hielt an der Be-

schwerde und der diesbezüglichen Begründung vollumfänglich fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Abschreibungsbeschlüsse der Vorinstanz sind Verfügungen, die mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar sind (vgl. Art. 112 

Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG und Art. 5 VwVG; MARKUS MÜLLER, in: 

VwVG – Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren Kommentar, 

2. Aufl. 2019, Art. 5 Rz. 106). Ergeht der Abschreibungsbeschluss – wie 

vorliegend – in einem Verfahren um Familiennachzug nach Art. 85 Abs. 7 

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AIG, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c 

Ziff. 3 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 

VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Am-

tes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der 

Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als 

den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend 

ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheids 

(vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer fordert in der Hauptsache, der Abschreibungs-

beschluss der Vorinstanz sei aufzuheben und diese sei anzuweisen, das 

Familiennachzugsgesuch vom 18. Januar 2018 im Sinne der Erwägungen 

des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts F-4073/2020 vom 6. Mai 2022 

zu prüfen und darüber neu zu entscheiden. Begründungshalber führt er 

aus, es sei richtig, dass nach der Gesetzeskonzeption Familiennachzugs-

gesuche von vorläufig aufgenommenen Personen durch die Vorinstanz ge-

mäss Art. 85 Abs. 7 AIG, Gesuche von Aufenthaltern hingegen durch den 

Kanton gemäss Art. 44 AIG geprüft würden. Allerdings würden die materi-

ell-rechtlichen Kriterien, nach denen die Gesuche zu beurteilen seien, nicht 

voneinander abweichen. Vorliegend wäre ein Zuständigkeitswechsel äus-

serst stossend. Es könne nicht angehen, dass eine vorläufig aufgenom-

mene Person, welche ihre rechtliche Position durch den Erhalt einer Auf-

enthaltsbewilligung dank einer erfolgreichen Integration habe stärken kön-

nen, in Bezug auf den Familiennachzug dann doch schlechter gestellt 

wäre. Genau eine solche Schlechterstellung könne hier jedoch der Zustän-

digkeitswechsel mit sich bringen, da der Kanton sich möglicherweise auf 

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den Standpunkt stellen würde, es handle sich um ein neues und damit ver-

spätet bzw. erst nach Volljährigkeit der Kinder eingereichtes Gesuch. Der 

Beschwerdeführer würde damit ohne sein Zutun und aufgrund der langen 

Verfahrensdauer sowie seines Statuswechsels eines für ihn und seine Fa-

milie existenziell wichtigen Rechtes verlustig gehen. Eine Verschiebung 

der Zuständigkeit widerspreche dem Grundsatz der perpetuatio fori, also 

der Fixierung der Zuständigkeit mit dem Eintritt der Rechtshängigkeit. Es 

komme hinzu, dass ein Gerichtsurteil vorliege, welches die Vorinstanz für 

ihr Verhalten im bisherigen Verfahren rüge und verbindlich zu weiteren Ab-

klärungen verpflichte. 

3.2 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, sie habe nach der 

Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an den Beschwerdeführer durch das 

kantonale Migrationsamt gestützt auf Art. 84 Abs. 4 AIG das Erlöschen der 

vorläufigen Aufnahme festgestellt. Damit entfalle die Rechtsgrundlage für 

die Prüfung eines Gesuchs um Familiennachzug und Einbezug in die vor-

läufige Aufnahme gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AIG. Eine Wiederaufnahme 

und Weiterführung des Verfahrens komme ohne gesetzliche Grundlage 

nicht in Betracht. Dem Beschwerdeführer stehe es offen, ein Gesuch um 

Familiennachzug beim Migrationsamt einzureichen. Da die materiellen Kri-

terien gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG und Art. 44 AIG grundsätzlich identisch 

seien, könne die kantonale Migrationsbehörde das SEM jederzeit um Ak-

teneinsicht ersuchen. Die Klärung der Frage der Fristwahrung für die in-

zwischen volljährigen Kinder sei dabei ebenfalls von der kantonalen Mig-

rationsbehörde vorzunehmen. Aus Sicht der Vorinstanz scheine es hinge-

gen stossend, wenn infolge der langen Verfahrensdauer von insgesamt 

über vier Jahren die Möglichkeit des Familiennachzugs nicht mehr gege-

ben wäre. 

3.3 Replikweise führt der Beschwerdeführer aus, auf die Argumentation 

der perpetuatio fori sei die Vorinstanz nicht eingegangen. Die gut gemein-

ten Worte würden ihm nichts nützen, da die kantonale Migrationsbehörde 

dennoch frei bleibe, die Frage der Fristwahrung anders zu entscheiden. 

Dieses verbleibende Risiko könne nicht hingenommen werden.  

3.4  

3.4.1 Der ausländerrechtliche Status des Beschwerdeführers wechselte 

mit der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung am 13. April 2022 von vorläufig 

aufgenommener zu aufenthaltsberechtigter Person. Seine vorläufige Auf-

nahme in der Schweiz erlosch damit von Gesetzes wegen (Art. 84 Abs. 4 

AIG). Ab dem Zeitpunkt der Bewilligung des Aufenthalts durch den Kanton 

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St. Gallen war das Gesuch des Beschwerdeführers um Familiennachzug 

vom 18. Januar 2018 deshalb nicht mehr nach der Regelung für vorläufig 

aufgenommene Personen (Art. 85 Abs. 7 AIG), sondern nach jener für Auf-

enthaltsberechtigte (Art. 44 AIG) zu beurteilen. Damit einher ging auch ein 

Übergang der Bewilligungskompetenz von Bund zu Kanton, beschränkt 

sich doch die Rolle des Bundes bei der Erteilung von ausländerrechtlichen 

Anwesenheitsbewilligungen auf das Zustimmungsverfahren (vgl. Art. 99 

AIG). Hingegen ist er zuständig für die Anordnung der Ersatzmassnahme 

der vorläufigen Aufnahme (vgl. Art. 83 ff. AIG).  

3.4.2 Der vom Beschwerdeführer angerufene Grundsatz der perpetuatio 

fori vermag diese gesetzliche Zuständigkeitsregelung nicht zu derogieren. 

Er kann dementsprechend keine über den 13. April 2022 hinaus beste-

hende sachliche Zuständigkeit der Vorinstanz begründen. Der Grundsatz 

gilt namentlich für das Rechtsmittelverfahren, während im nichtstreitigen 

Verwaltungsverfahren Sinn und Zweck der anzuwendenden Normen Diffe-

renzierungen erfordern können (vgl. DAUM/BIERI, in: VwVG – Bundesge-

setz über das Verwaltungsverfahren Kommentar, 2. Aufl. 2019, Art. 7 

Rz. 17 m.w.H.). So kann sich bei noch laufenden Dauersachverhalten eine 

Übertragung der Zuständigkeit rechtfertigen, wenn sich etwa die tatsächli-

chen Verhältnisse nachträglich ändern (vgl. THOMAS FLÜCKIGER, in: VwVG 

– Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 7 

Rz. 26 m.H.). Die Anwesenheit einer ausländischen Person in der Schweiz 

stellt einen solchen Dauersachverhalt dar. Die verschiedenen Bewilligun-

gen, welche diese Anwesenheit regeln können, ergehen in der Form von 

Dauerverfügungen (vgl. UEBERSAX/PETRY/HRUSCHKA/FREI/ERRASS, Migra-

tionsrecht in a nutshell, 2021, S. 163). Eine Übertragung der sachlichen 

Zuständigkeit infolge geänderter Umstände kann im ausländerrechtlichen 

Kontext deshalb notwendig werden. Vorliegend ist das insofern angezeigt, 

als sich nach der Rechtshängigkeit des Familiennachzugsgesuchs mit dem 

Statuswechsel des Beschwerdeführers eine massgebliche Änderung erge-

ben hat. Dementsprechend wäre es bereits dem Bundesverwaltungsge-

richt offen gestanden, die mit Urteil F-4073/2020 vom 6. Mai 2022 ange-

ordnete Rückweisung der Sache nicht an die Vorinstanz, sondern an die 

kantonale Migrationsbehörde vorzunehmen (vgl. dazu auch DAUM/BIERI, 

a.a.O., Art. 7 N. 17 m.w.H.). Dass dies nicht getan wurde, beruht auf dem 

Umstand, dass der Statuswechsel des Beschwerdeführers kurz vor der Ur-

teilsfällung erfolgte und das Gericht erst danach Kenntnis davon erhielt. 

Der Hauptantrag des Beschwerdeführers ist im Ergebnis abzuweisen. 

 

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Seite 8 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer beantrag eventualiter, die Sache sei an die Vor-

instanz zurückzuweisen und diese sei anzuweisen, die Sache von Amtes 

wegen an das Migrationsamt weiterzuleiten. Es bleibe unverständlich, wes-

halb das SEM nicht durch eine amtliche Überweisung des Dossiers mit-

helfe, dass die Problematik der Fristwahrung nicht aufkommen. Die Vor-

instanz hat sich ihrerseits im Rahmen des Schriftenwechsels trotz Auffor-

derung durch das Bundesverwaltungsgericht nicht zu der Möglichkeit einer 

Weiterleitung von Amtes wegen geäussert.  

4.2 Die Behörde, die sich als unzuständig erachtet, überweist die Sache 

ohne Verzug der zuständigen Behörde (Art. 8 Abs. 1 VwVG). Dabei handelt 

es sich nicht nur um eine Befugnis, sondern um eine Überweisungs- oder 

Weiterleitungspflicht. Diese bezweckt unter anderem die Wahrung von 

Fristen und Rechtshängigkeit (vgl. DAUM/BIERI, a.a.O., Art. 8 N. 1 f. m.H.). 

Bei der Prüfung der Überweisung sind kantonale und kommunale Behör-

den einzubeziehen (vgl. BGE 97 I 852 E. 3a; Urteil des BVGer A-445/2015 

vom 18. November 2015 E. 14.2.1 m.w.H.). Sie ist auch noch möglich, 

wenn die Behörde ihre Unzuständigkeit erst im Verlauf des Verfahrens fest-

stellt (vgl. DAUM/BIERI, a.a.O., Art. 8 N. 18 m.H.). 

4.3 Im vorliegend angefochtenen Abschreibungsbeschluss vom 1. Juni 

2022 hat die Vorinstanz ihre eigene Unzuständigkeit sowie gleichzeitig die 

Zuständigkeit des Migrationsamts festgestellt. Indem sie den Beschwerde-

führer dabei lediglich auf die Möglichkeit hinwies, bei letztgenannter Be-

hörde ein neues Gesuch um Familiennachzug gestützt auf Art. 44 AIG ein-

zureichen, hat sie sich nicht bundesrechtskonform verhalten. Unter den 

hier gegebenen Umständen war sie gemäss Art. 8 Abs. 1 VwVG vielmehr 

verpflichtet, dessen Dossier von Amtes wegen an das Migrationsamt wei-

terzuleiten. Wie sie in ihrer Vernehmlassung denn auch selbst feststellt, 

sind die materiellen Nachzugskriterien gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG und 

Art. 44 AIG grundsätzlich identisch. Weiter führt sie dort aus, sie sei jeder-

zeit dazu bereit, der kantonalen Behörde Akteneinsicht zu gewähren. Inso-

fern kann nicht davon gesprochen werden, dass mit der Erteilung der Auf-

enthaltsbewilligung an den Beschwerdeführer eine grundlegend andere 

Bewilligungssituation eintrat, die ein neues Gesuch notwendig gemacht 

und die Vorinstanz von der Überweisungspflicht entbunden hätte.  

4.4 Nach dem Ausgeführten wäre der Eventualantrag des Beschwerdefüh-

rers um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Weiterleitung 

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Seite 9 

an das Migrationsamt gutzuheissen. Im Sinne der Verfahrensbeschleuni-

gung wird die Überweisung des streitgegenständlichen Dossiers jedoch di-

rekt durch das Bundesverwaltungsgericht vorgenommen. Dies ist infolge 

der mit Beschwerdeerhebung auf das Gericht übergegangenen Prozess-

leitungsbefugnis möglich (vgl. Art. 54 VwVG). Die Vorinstanz ist gehalten, 

sich für die Retournierung der Akten mit dem Migrationsamt in Verbindung 

zu setzen. Das Eventualbegehren des Beschwerdeführers ist somit abzu-

weisen, wobei dies unter den vorliegenden Umständen nicht als Unterlie-

gen gewertet werden kann.  

4.5 Für Fragen der Fristwahrung im Rahmen des Familiennachzugsverfah-

rens wird das Migrationsamt aufgrund der Weiterleitung der Sache in An-

wendung von Art. 8 Abs. 1 VwVG auf das Gesuch des Beschwerdeführers 

vom 18. Januar 2018 abzustellen haben (vgl. etwa Urteil des BGer 

8C_307/2010 vom 7. Juni 2010 E. 2.2 m.w.H.).  

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten teilweise 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In Anbetracht 

der besonderen Umstände wird jedoch auf eine Auferlegung verzichtet 

(vgl. Art. 6 Bst. b VGKE). 

6.  

Dem Beschwerdeführer ist zu Lasten der Vorinstanz eine gekürzte Partei-

entschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG, Art. 7 Abs. 2 

VGKE). Mangels Kostennote ist die Höhe der Parteientschädigung auf 

Grund der Akten festzulegen. Mit Blick auf den aktenkundigen Aufwand 

und die Komplexität des Falles sowie in Anwendung der gesetzlichen Be-

messungskriterien von Art. 8 ff. VGKE erscheint eine Parteientschädigung 

Fr. 900.- als angemessen. Darin ist der Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne 

von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE eingeschlossen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Die Vorinstanz wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Parteient-

schädigung von Fr. 900.- auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Yannick Antoniazza-Hafner Michael Spring 

 

 

 

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