# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8eceb973-aec3-5a3d-bd8e-cc4b35bcfaf0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-12-08
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 08.12.2003 SB030350
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB030350_2003-12-08.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich

Geschäfts-Nr. SB030350/U/hp

II. Strafkammer

Mitwirkend:

Urteil vom 8. Dezember 2003

in Sachen

....................., geboren .............., deutscher Staatsangehöriger, Unternehmer,

............................Deutschland,

Angeklagter und Appellant

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, 8001 Zürich, vertreten durch Staats-
anwalt lic. iur. ...........,

Anklägerin und Appellatin

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelrichter in Straf-
sachen, vom 3. Juni 2003 (GG030031)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Bezirksanwaltschaft Uster vom 19. März 2003 ist diesem

Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Angeklagte ist schuldig

� der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff.

2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV.

2. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 1'200.–.

3. Der Eintrag der Busse im Strafregister wird gelöscht, wenn sich der Ange-

klagte während einer Probezeit von zwei Jahren bewährt.

4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'000.--.

5. Die Kosten, inklusive diejenigen der Untersuchung, werden dem Angeklag-

ten auferlegt.

Berufungsanträge:

a) Des Angeklagten:

Freispruch

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:

(schriftlich; Urk. 24)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

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Das Gericht zieht in Betracht:

I.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 24. Mai 2002 auf der Autobahn

A 53, Fahrtrichtung Zürich, im sogenannten "Hegnauer S" (Gemeindegebiet Vol-

ketswil) mit seinem Motorrad (Kennzeichen ........... [D]) die dort zulässige Höchst-

geschwindigkeit von 80 km/h um 48 km/h überschritten zu haben (Urk. 12 S. 2).

Der Einzelrichter in Strafsachen am Bezirksgericht Uster sprach den Angeklagten

mit Urteil vom 3. Juni 2003 in unentschuldigter Abwesenheit (Prot. I S. 3) der gro-

ben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbin-

dung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig und bestrafte ihn

mit Fr. 1'200.– Busse. Dem Angeklagten wurde die vorzeitige Löschbarkeit des

Strafregistereintrages im Falle der Bewährung während einer Probezeit von zwei

Jahren gewährt (Urk. 22 S. 8). Gegen dieses Urteil liess der Angeklagte rechtzei-

tig die Berufung erklären (Urk. 18, vgl. Urk. 17), mit welcher er einen Freispruch

erreichen will (Prot. II S. 3). Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bean-

tragte mit Eingabe vom 29. Juli 2003 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Die Berufungsverhandlung wurde am 5. November 2003 durchgeführt (Prot. II

S. 2). Dabei wurde dem Angeklagten, der auf die öffentliche Beratung und münd-

liche Eröffnung des Urteils verzichtete (a.a.O., S. 14), eine Frist zur Nachreichung

entlastender Unterlagen angesetzt (a.a.O., S. 8). Diese gingen am 21. November

2003 beim Gericht ein (Urk. 30 und Urk. 31/1-4). Der Prozess ist nunmehr spruch-

reif.

II.

a) Die eingeklagte Geschwindigkeitsüberschreitung wurde am 24. Mai 2002,

15:31:46 Uhr von der im "Hegnauer S" installierten Radaranlage gemessen und

fotografisch festgehalten. Die relevante Überschreitung der erlaubten Höchstge-

schwindigkeit beträgt unter Berücksichtigung der gesetzlich vorgesehenen Si-

cherheitsmarge 48 km/h (Urk. 1, 2 und 3). Damit ist erstellt, dass der damalige

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Lenker des Motorrades mit den deutschen Kennzeichen ............ die fragliche Ge-

schwindigkeitsüberschreitung beging.

b) Der Einzelrichter erwog, dass der Angeklagte unzweifelhaft der Halter

dieses Motorrades sei. Da er sich als solcher durchwegs geweigert habe, sich

zum Sachverhalt zu äussern, und sich in der Untersuchung auch ansonsten kei-

nerlei entlastende Anhaltspunkte ergeben hätten, sei davon auszugehen, dass er

die eingeklagte Tat begangen habe (Urk. 22 S. 4).

c) Ein Angeschuldigter hat zwar das Recht, die Aussage zu verweigern, und

es obliegt auch in diesem Fall ausschliesslich der Anklagebehörde, den Nachweis

für seine Schuld zu erbringen, und nicht dem Angeschuldigten, seine Unschuld zu

beweisen. Das Schweigerecht des Angeschuldigten bzw. (jetzt) Angeklagten und

die Unschuldsvermutung beinhalten jedoch kein Verbot, sein Schweigen in Situa-

tionen, die er mit Bestimmtheit zu erläutern imstande wäre, zu berücksichtigen,

um belastende Elemente zu gewichten. Wenn belastende Anhaltspunkte vorlie-

gen, die nach einer Erklärung rufen, welche der Angeklagte im Falle seiner Un-

schuld ohne weiteres geben könnte, darf nach Massgabe des gesunden Men-

schenverstandes der Schluss gezogen werden, es gebe keine solche Erklärung,

und der Angeklagte sei schuldig. Die Haltereigenschaft einer bestimmten Person

ist bei Strassenverkehrsdelikten, die von einem nicht identifizierten Fahrzeuglen-

ker begangen wurden, ein Indiz für die Täterschaft dieser Person. Es bedeutet

deshalb keine verfassungswidrige Umkehr der Beweislast, aus der Weigerung

des Fahrzeughalters, den für ein SVG-Delikt verantwortlichen Lenker - oder zu-

mindest die Person, welcher er das Fahrzeug überlassen hat - zu nennen, den

Schluss zu ziehen, er habe das Fahrzeug im Deliktszeitpunkt selbst gelenkt (Pra

2001 S. 641-643; Kass. Nr. 2001/009S vom 7.5.2001).

d) Der Angeklagte verweigerte sowohl gegenüber der Polizei als auch in der

untersuchungsrichterlichen Einvernahme jede Aussage zur Sache (Urk. 6 S. 2,

Urk. 10) und blieb der vorinstanzlichen Hauptverhandlung unentschuldigt fern

(Prot. I S. 3). Er nannte demgemäss bis dahin weder einen verantwortlichen Len-

ker oder eine Person, welcher er das Motorrad überlassen hatte, noch behauptete

er, er habe mit Bezug auf diese Person ein Zeugnisverweigerungsrecht. Ebenso-

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wenig machte er unter Angabe von Gründen geltend, deren Identität nicht zu ken-

nen. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass der Einzelrichter

den Angeklagten bei der damaligen Aktenlage gemäss der dargelegten Ge-

richtspraxis im Sinne der Anklage schuldig sprach.

e) In der Berufungsverhandlung äusserte sich der Angeklagte erstmals zum

eingeklagten Sachverhalt. Er brachte vor, dass er zur Tatzeit mit seiner Familie in

Lindau am Bodensee in den Ferien gewesen sei. Das Motorrad habe sich wäh-

renddessen in Dornstetten befunden und sei in der lokalen Zeitung zum Verkauf

ausgeschrieben gewesen. Den Zündschlüssel habe er seinem Vater gegeben,

damit allfällige Kaufinteressenten eine Probefahrt hätten machen können. Zwei

gute Bekannte, deren Namen er nicht bekanntgeben möchte, hätten auch grösse-

re Touren unternehmen wollen, und er, der Angeklagte, habe gesagt, dass dies

kein Problem sei. Diesen Bekannten sei das Motorrad dann auch ausgeliehen

worden. Einer von ihnen habe es mehrere Tage benützt und sei wohl mit der

Freundin weggefahren. Er selber wisse nicht, wer die eingeklagte Tat begangen

habe. Auf die Frage, weshalb er bisher immer die Aussage verweigert habe, ant-

wortete der Angeklagte, dass ihn die Sache im Prinzip nicht gross interessiert ha-

be und er dafür auch keine Zeit gehabt habe (Prot. II S. 7-10).

f) Nach der Berufungsverhandlung reichte der Angeklagte verschiedene

Unterlagen ein, die seine Sachdarstellung untermauern sollen (Urk. 30). Das

"Park Camping Lindau am See" attestierte mit Schreiben vom 13. November

2003, dass der Angeklagte die bayrischen Pfingstferien auf dem Campingplatz in

Lindau verbracht hatte (Urk. 31/2). Der Kopie eines Kalenders ist zu entnehmen,

dass vom 21. Mai bis zum 1. Juni 2002 Schulferien waren (Urk. 31/3). Der Vater

des Angeklagten bestätigte unterschriftlich, dass sich das Motorrad mit dem

Kennzeichen ...............  vom 18. Mai bis zum 2. Juni 2002 bei ihm befunden und

er es während dieser Zeit verschiedenen Kaufinteressenten für Probefahrten

überlassen habe (Urk. 31/1). Ferner liegen Kopien von Zeitungsinseraten vor, in

denen ein Motorrad "Honda CBR 1000" zum Kauf angeboten wurde (Urk. 31/4).

g) Die Anklage stützt sich einzig auf die Fotos, mit denen die Radarüberwa-

chungsanlage die festgestellte Geschwindigkeitsüberschreitung festhielt (Urk. 2

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und 3). Diese eignen sich nicht zur Identifikation des Täters, weil dessen Gesicht

grösstenteils vom Helm verdeckt ist (Urk. 3). Die vom Angeklagten eingereichten

Unterlagen erbringen zwar keinen zwingenden Beweis für seine Unschuld, lassen

aber seine in der Berufungsverhandlung gemachten Aussagen zumindest als

recht glaubhaft erscheinen. Bei dieser Sachlage darf aus der blossen Tatsache,

dass der Angeklagte der Halter des Motorrades war, mit dem das eingeklagte De-

likt begangen wurde, nicht auf seine Täterschaft geschlossen werden und ist er,

da im Übrigen keine ihn belastenden Beweismittel vorliegen, von Schuld und

Strafe freizusprechen.

III.

a) Auch einem Freigesprochenen können die Verfahrenskosten auferlegt

werden, wenn und soweit er durch ein verwerfliches oder leichtfertiges, zumindest

unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten vorwerfbares, d.h. gegen Rechtsnormen

verstossendes Benehmen die Einleitung des Strafverfahrens verursacht oder

dessen Durchführung erschwert hat (§ 189 Abs. 1 StPO; BGE 116 Ia 163,

119 Ia 334). Die blosse Ausübung verfahrensmässiger Rechte, namentlich des

Schweigerechts des Angeschuldigten, genügt dabei grundsätzlich nicht für eine

Kostenauflage. Anders verhält es sich jedoch, wenn der Angeschuldigte in

rechtsmissbräuchlicher Weise von solchen Rechten Gebrauch gemacht hat. Das

Bundesgericht erwähnte als Beispiel hiefür ausdrücklich den Fall des Unterlas-

sens der zumutbaren Aufklärung der Strafverfolgungsbehörden über entlastende

Momente (BGE 116 Ia 172).

b) Der Angeklagte hätte sich ohne weiteres schon gegenüber der Polizei

oder bei seiner rechtshilfeweisen Einvernahme beim Amtsgericht Horb am Neckar

so zur Sache äussern können wie er es nun im Berufungsverfahren getan hat. Ein

nennenswerter zusätzlicher Zeitaufwand wäre damit nicht verbunden gewesen.

Dies hätte, da ausser den erwähnten Fotos, anhand welcher der Täter nicht iden-

tifiziert werden kann, keine weiteren belastenden Beweismittel vorhanden sind,

sehr wahrscheinlich zur Einstellung der Untersuchung, sicher aber spätestens in

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erster Instanz zum Freispruch geführt. Nur weil der Angeklagte nicht nur den Un-

tersuchungsbehörden die zu seiner sofortigen Entlastung führenden Tatsachen

verschwieg, sondern auch noch die Gelegenheit versäumte, sie beim Einzelrichter

vorzubringen, musste das Verfahren bis vor Obergericht fortgesetzt werden. Bei

dieser Sachlage sind die (geringen) Untersuchungskosten, die sowieso angefallen

wären, und die Kosten des Berufungsverfahrens, in dem der Angeklagte obsiegt,

auf die Staatskasse zu nehmen (§§ 189 Abs. 4 und 396a StPO). Die Kosten des

einzelrichterlichen Verfahrens hingegen sind in Anwendung von § 189 Abs. 1

StPO dem Angeklagten aufzuerlegen.

c) Nicht auszuschliessen und daher zugunsten des Angeklagten anzuneh-

men ist, dass er sich auch bei frühzeitiger Geltendmachung der entlastenden Um-

stände vor einer Gerichtsinstanz hätte verteidigen müssen und dazu einen Ar-

beitstag versäumt hätte. Für die Tagfahrt vom 5. November 2003 ist ihm daher ei-

ne Umtriebsentschädigung zuzusprechen, wobei für den Arbeitsausfall und die

Wegkosten ein Betrag von insgesamt Fr. 800.– als angemessen erscheint. Die

zugesprochene Entschädigung ist sodann mit den auferlegten Kosten zu verrech-

nen.

Das Gericht erkennt:

1. Der Angeklagte ist der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von

Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1

SSV nicht schuldig und wird freigesprochen.

2. Die erstinstanzliche Kostenaufstellung (Ziff. 4) wird bestätigt.

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz.

4. Die Kosten des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens werden dem Angeklag-

ten auferlegt.

5. Die Kosten der Untersuchung und diejenigen des Berufungsverfahrens wer-

den auf die Gerichtskasse genommen.

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6. Dem Angeklagten wird aus der Gerichtskasse eine Umtriebsentschädigung

von Fr. 800.– zugesprochen. Diese wird mit den auferlegten Kosten verrech-

net.

7. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

� den Angeklagten
� die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich
sowie in vollständiger Ausfertigung an
� den Angeklagten
� die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich
� die Vorinstanz
� das Migrationsamt des Kantons Zürich
� die Koordinationsstelle vostra mit Formular zwecks Löschung der Anfra-

ge.

8. Rechtsmittel:

a) Kantonale Nichtigkeitsbeschwerde gemäss § 428 ff. der zürcherischen

Strafprozessordnung (StPO): Gegen diesen Entscheid kann innert

10 Tagen, von der Eröffnung des Entscheiddispositivs oder von der Ent-
deckung eines Mangels an gerechnet, beim Vorsitzenden des entschei-

denden Gerichts mündlich oder schriftlich Nichtigkeitsbeschwerde zuhan-

den des Kassationsgerichts des Kantons Zürich angemeldet werden.

Die Frist zur Begründung der Beschwerde wird nach ihrer Anmeldung an-

gesetzt.

b) Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde: Gegen diesen Entscheid kann

innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, begründeten Ausferti-
gung an gerechnet, beim Kassationshof des Bundesgerichts Nichtigkeits-

beschwerde erhoben werden.

Die Beschwerde ist schriftlich im Doppel und in der in Art. 273 der Bun-

desstrafprozessordnung (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen.

Die Beschwerde kann nur damit begründet werden, dass der angefochte-

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ne Entscheid eidgenössisches Recht verletze. Die Beschwerdelegitimati-

on und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den

Vorschriften in Art. 268 ff. BStP.

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OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH

II. Strafkammer

Der Vorsitzende: Der juristische Sekretär:

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