# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d23221b7-8227-596c-9a68-56f93d9ba959
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 16.09.2016 200 2015 390
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2015-390_2016-09-16.pdf

## Full Text

200 15 390 IV
SCP/SHE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 16. September 2016

Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Matti, Verwaltungsrichter Grütter
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 8. April 2015

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1968 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 2. Juli 2013 mit Hinweis auf ein seit dem 21. 
Juni 2012 bestehendes psychosomatisches Syndrom bei der IV-Stelle Bern 
(nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (Ak-
ten der IVB, Antwortbeilage [AB] 6). Diese tätigte in der Folge erwerbliche 
und medizinische Abklärungen. Insbesondere gestützt auf den Untersu-
chungsbericht von Dr. med. B.________, Fachärztin für Psychiatrie und 
Psychotherapie FMH vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), vom 8. Ja-
nuar 2015 (AB 54) stellte die IVB der Versicherten mit Vorbescheid vom 20. 
Januar 2015 (AB 56) die Ablehnung des Leistungsbegehrens in Aussicht. 
Nachdem hiergegen Einwände erhoben worden waren (AB 57, 62), holte 
die IVB bei Dr. med. B.________ eine Stellungnahme vom 2. April 2015 
(AB 64) ein. Gestützt hierauf entschied sie mit Verfügung vom 8. April 2015 
(AB 65) wie im Vorbescheid angekündigt. 

B.

Mit Eingabe vom 1. Mai 2015 erhob die Versicherte hiergegen Beschwer-
de. Indem sie einzig geltend macht, sie sei aufgrund ihres Gesundheitszu-
standes nicht mehr fähig, irgendwo zu arbeiten, da sie einerseits das Ver-
trauen in die Menschen verloren habe und andererseits die Schmerzen sie 
behindere, stellt sie sinngemäss den Antrag auf Zusprechung einer Invali-
denrente. 

Am 27. Juni 2015 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgelt-
liche Rechtspflege.

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 29. Juli 
2015 auf Abweisung der Beschwerde.

Mit prozessleitender Verfügung vom 1. Juni 2016 wies der Instruktionsrich-
ter die Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeantwort im Lichte von BGE 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 3

141 V 281 bis zum 1. Juli 2016 zu ergänzen. Dieser Aufforderung kam die-
se am 30. Juni 2016 nach.

Der Beschwerdegegnerin wurde mit prozessleitender Verfügung vom 4. Juli 
2016 die Möglichkeit eingeräumt, bis zum 29. Juli 2016 eine Replik einzu-
reichen. Hiervon machte sie keinen Gebrauch, woraufhin der Instruktions-
richter das Beweisverfahren schloss (vgl. prozessleitende Verfügung vom 
3. August 2016).

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. 
Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 8. April 2015 (AB 65). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 4

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem 
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 
ATSG). Mit dieser Regelung sind die bisher ungeschriebenen Rechts-
grundsätze und insbesondere die Rechtsprechung zur Ausscheidung der 
invaliditätsfremden Faktoren und zum Zumutbarkeitsprinzip neu ausdrück-
lich im Gesetz festgehalten (BGE 140 V 197 E. 6.2.1 S. 199, 135 V 215 E. 
7.3 S. 230; Botschaft zur 5. IVG-Revision, BBl 2005 4530 ff.).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restar-
beitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgegli-

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chenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft tragbar 
ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen 
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung 
nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 
ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungs-
fähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge 
einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei dia-
gnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285).

2.3 Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Vermutung, wonach 
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder ein vergleichbarer 
ätiologisch unklarer syndromaler Zustand mit zumutbarer Willensanstren-
gung überwindbar ist, aufgegeben (E. 3.5). Unverändert ist jedoch auch in 
Zukunft dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG 
Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrachtungs-
weise von der grundsätzlichen „Validität" der versicherten Person auszuge-
hen ist (E. 3.7.2). 

Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird – gemäss erwähntem Ent-
scheid – durch einen strukturierten, normativen Prüfungsraster ersetzt. An-
hand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine ergebnisoffene symme-
trische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äus-
serer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Res-
sourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (E. 
3.6). Es gilt neu im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systemati-
sierte Standardindikatoren zu beachten (E. 4.1.3), welche sich in die Kate-
gorien „funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5). Die Anerken-
nung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn 
die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitli-
chen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren 
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr-
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Be-
weislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person 
zu tragen (E. 6).

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2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).

3.

3.1 Was den Gesundheitszustand betrifft, ist den Akten im Wesentli-
chen das Folgende zu entnehmen:

3.1.1 Wie dem Bericht der rheumatologischen Abteilung des Spitals 
L.________vom 17. Juni 2002 (AB 44/9) zu entnehmen ist, fände sich aus 
rheumatologischer Sicht keine Erklärung für die Myalgien der Beine (S. 10).

3.1.2 Dr. med. C.________, Fachärztin für Angiologie und Allgemeine 
Innere Medizin FMH, beurteilte im Bericht vom 24. Juli 2002 (AB 44/7) die 
von der Versicherten geklagten Dauerschmerzen im Becken- und Ober-
schenkelbereich als kaum venöser Genese. Die duplexsonographische 
Abklärung der linken Tibialvenen habe einen Normalbefund ergeben (S. 8). 

3.1.3 Dr. med. D.________, Facharzt für Neurologie FMH, diagnostizierte 
im Bericht vom 1. November 2002 (AB 44/4) unklare Beinschmerzen, eher 
nicht neurogen (S. 4). Die Versicherte leide seit über einem Jahr an ätiolo-

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gisch unklaren linksbetonten Beinschmerzen vorwiegend im Oberschen-
kelbereich (S. 5).

3.1.4 Der behandelnde Hausarzt med. pract. E.________ diagnostizierte 
im Bericht vom 19. Mai 2013 (AB 26.20/3) eine Depression (S. 3 Ziff. 1). 
Der aktuelle Gesundheitszustand sei schlecht, sowohl psychisch als auch 
physisch (Ziff. 2). Aus psychischen Gründen sei ein Arbeiten am bisherigen 
Arbeitsplatz nicht möglich. Es bestehe zudem eine psychosoziale Belas-
tungssituation und unerträglicher Druck von Seiten der Vorgesetzten und 
Mitarbeitenden (Ziff. 4). Seit dem 21. April 2012 sei die Versicherte zu 
100% arbeitsunfähig (Ziff. 5)

3.1.5 Die Versicherte befand sich vom 10. Juli bis 21. Dezember 2012 im 
M.________in integrierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand-
lung. In deren Bericht vom 31. Juli 2013 (AB 17/2) diagnostizierte Dr. med. 
F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Reaktio-
nen auf schwere Belastung und Anpassungsstörungen (ICD-10 F43), eine 
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit psychotischen Sym-
ptomen, wie Verarmungswahn, mit ängstlich-vermeidenden und zwanghaf-
ten Persönlichkeitszügen nach schwierigen Lebensereignissen sowie eine 
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0; S. 2). Die Versicherte sei während 
des ganzen Behandlungszeitraums aus ärztlich-psychiatrischer Sicht zu 
100% arbeitsunfähig gewesen (S. 4). 

3.1.6  Im von Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie FMH, im Auftrag der Taggeldversicherung, der H.________, er-
stellten Gutachten vom 17. September 2013 (AB 26.18/10) diagnostizierte 
dieser eine schizotype Störung (ICD-10 F21) sowie eine undifferenzierte 
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1; S. 18 Ziff. 4). 

Am 23. Dezember 2013 (AB 27/2) beantwortete er die von der H.________ 
gestellten Ergänzungsfragen (AB 26.1/3). Es bestehe bei der Versicherten 
eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit für ihre zuletzt ausgeübte Tätig-
keit (S. 3 Ziff. 8a). Der Grad der Beeinträchtigung, der alle Lebensbereiche 
inkl. Arbeitsstelle betreffe, lasse sich nicht spezifisch für die letzte Tätigkeit 
als Mitarbeiterin … detailliert abschätzen. Diese Beurteilung sollte anhand 
einer praktischen Arbeitsplatzbeurteilung erfolgen, welche für die Versi-

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cherte zumutbar sei. Es sei nicht primär die Somatisierungsstörung son-
dern die Schizotypie, welche die Leistungsminderung seit längerem bedin-
ge. Da die Stärke der Symptomausprägung variieren könne, sei der Grad 
der Beeinträchtigung auch nicht immer gleich und lasse sich nicht einfach 
aus einem medizinischen Focus aus der Theorie fix festlegen. Die Leis-
tungsbeeinträchtigung lasse sich nur grob einschätzen und betrage für die 
zuletzt ausgeübte Arbeit 50-70%. Die Somatisierungsstörung als komorbi-
de Erkrankung sei Ausdruck des zusätzlich seit Juni 2012 bestehenden 
erhöhten Stresserlebens am Arbeitsplatz. Die Schizotypie stelle hierzu ei-
nen zusätzlichen Risikofaktor dar (S. 3 Ziff. 8b). In einer angepassten Ver-
weistätigkeit sei mit einer höheren Leistungsfähigkeit zu rechnen, wenn sie 
ausserhalb sozialer Situation stattfinde. Als mögliche Tätigkeiten unter dem 
aktuellen Funktionsniveau kämen vor allem solche infrage, welche ohne 
eine soziale Exposition und damit dem Erleben eines anhaltend erhöhten 
Stressniveaus auskommen. Allein auszuführende Arbeiten mit klaren, am 
besten schriftlichen Anweisungen, ohne selbst Entscheidungen treffen zu 
müssen, seien möglich. Um den subjektiven Stressempfindungen gerecht 
zu werden, sollten Pausen berücksichtigt werden. Arbeiten unter Zeitdruck 
resp. Leistungsdruck, Hektik und Präzisionsanforderungen sowie Belastun-
gen unter sozialer Exposition seien nicht zumutbar. Weiterhin denkbare 
Tätigkeiten seien Archiv- oder Lagerarbeiten. Wiederkehrende, planbare 
und gut strukturierte Arbeiten kämen dem am ehesten umsetzbaren Anfor-
derungsprofil entgegen. Weiter wären etwa Sekretariatsarbeiten im Home-
office, Logistiktätigkeiten und gegebenenfalls Kinderbetreuung zumutbar 
(S. 7 f. Ziff. 9). 

3.1.7 Dr. med. I.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, 
der die Versicherte vom 19. September bis 24. Oktober 2014 behandelte, 
diagnostizierte im Bericht vom 11. Dezember 2014 (AB 48/2) ohne Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine seit September 2014 bestehende Nie-
renbeckenentzündung rechts (S. 2 Ziff. 1.1).

3.1.8 RAD-Ärztin Dr. med. B.________ stellte im Untersuchungsbericht 
vom 8. Januar 2015 (AB 54) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie 
eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0), einen/eine Benzodiazepin-

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missbrauch/-abhängigkeit (ICD-10 F13.10/20) sowie Schwierigkeiten bei 
der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3; S. 14). Bei der Untersuchung 
am 9. Dezember 2014 hätten sich keine Symptome einer schizotypen 
Störung gezeigt. Mögliche Ursachen fänden sich schon im Vorfeld nicht. 
Nachvollziehbar sei die Diagnose einer Somatisierungsstörung. Die Versi-
cherte biete ein ganzes Spektrum verschiedener Beschwerden wie Kopf-, 
Bein- und Rückenschmerzen, Probleme rund um den Verdauungstrakt so-
wie Juckreiz mit Kratzen. Zudem lägen depressive Symptome und Angst-
symptome vor, die aber nicht ein Ausmass annehmen würden, dass ein 
eigenständiges Störungsbild diagnostiziert werden könne. Es habe mehre-
re somatische Abklärungen gegeben, ohne Erklärung für diese Beschwer-
den. Die Symptome würden jeweils in Verbindung mit schwierigen Lebens-
situationen auftreten (S. 15). Häufig komme es bei Somatisierungsstörun-
gen zu Missbrauch von Tranquilizern und Analgetica, was vorliegend der 
Fall sei. Seit zwei Jahren nehme die Versicherte mehr oder weniger regel-
mässig Benzodiazepine ein und habe aller Voraussicht nach eine Abhän-
gigkeit entwickelt. Sie sei in der Lage ihren Haushalt zu bewältigen. Wegen 
der Somatisierungsstörung sei eine psychotherapeutische/psychiatrische 
Behandlung indiziert. Versicherungsmedizinisch könne die Somatisie-
rungsstörung nicht gewertet werden. Zwar daure diese bereits zwei Jahre 
an und die Versicherte gebe einen sozialen Rückzug an. Es liege aber kei-
ne relevante psychiatrische Komorbidität vor, ebenso keine chronische 
körperliche Erkrankung. Die Versicherte habe sich lediglich ein knappes 
halbes Jahr psychiatrisch behandeln lassen. Die Kooperationsbereitschaft 
dafür scheine wenig vorhanden zu sein. Die Behandlung sei in diesem Sin-
ne nicht ausgeschöpft. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe 
nicht (S. 16). 

Dr. med. B.________ führte in der RAD-Stellungnahme vom 2. April 2015 
(AB 64) aus, die Kriterien einer schizotypen Störung seien weder vor dem 
Gutachten von Dr. med. G.________ vom 17. September 2013 (AB 
26.18/10) noch nachher im Rahmen ihrer eigenen Untersuchung erfüllt 
gewesen. Betreffend der von Dr. med. F.________ diagnostizierten de-
pressiven Störung (vgl. u.a. AB 26.20/6) seien im Rahmen der RAD-
Untersuchung vom 9. Dezember 2014 (AB 54) keine depressiven Sympto-

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me mehr erkennbar gewesen. Auch rückblickend könne keine längere de-
pressive Phase angenommen werden (S. 10). 

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an 
ein ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch 
hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen 
vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 
53 S. 165 E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung 
eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis-
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Insbesondere sind die von 
der versicherten Person aufgelegten Berichte der behandelnden Ärztinnen 
und Ärzte mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen 
der versicherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollziehbaren 
Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pau-
schale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 
3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr wird das 

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Gericht entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an 
den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren 
nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 465 E. 4.4 - 
4.6 S. 469).

3.3 In somatischer Hinsicht ist nach der Aktenlage davon auszugehen, 
dass sich die von der Beschwerdeführerin geklagten körperlichen Schmer-
zen weder aus rheumatologischer (AB 44/9 S. 10), angiologischer (AB 44/7 
S. 8) noch neurologischer Sicht (AB 44/4 S. 5) mit objektiven Befunden 
nachvollziehen lassen und somit als nicht erklärbar zu gelten haben. Über-
einstimmend mit dieser Feststellung gehen sämtliche mit der Beschwerde-
führerin befassten Psychiater davon aus, dass die Beschwerdeführerin an 
einer Somatisierungsstörung leidet (vgl. AB 17/2, AB 26.18/18 und 54/14). 

3.4 Aus psychiatrischer Sicht stützte sich die Beschwerdegegnerin in 
der Verfügung vom 8. April 2015 (AB 65) im Wesentlichen auf den RAD-
Untersuchungsbericht von Dr. med. B.________ vom 9. Dezember 2014 
(AB 54) sowie deren ergänzenden Bericht vom 2. April 2015 (AB 64). Da-
nach besteht vorliegend keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit, d.h. es besteht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (AB 
54/16). Die RAD-Berichte erfüllen die Anforderungen, welche an solche 
Berichte in beweisrechtlicher Hinsicht zu stellen sind und überzeugen. Die 
RAD-Psychiaterin berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten 
Beschwerden und begründet ihre versicherungsrechtliche Beurteilung 
nachvollziehbar gestützt auf die von ihr erhobenen Befunde und ihr zur 
Verfügung gestandenen Akten. Insbesondere setzt sie sich einlässlich mit 
den von den behandelnden Ärzten und dem Gutachter der H.________ 
vorgängig gestellten Diagnosen auseinander. Im Weiteren leuchten die 
Schlussfolgerungen in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge 
ein und sind begründet. Den RAD-Berichten kommt daher voller Beweis-
wert zu und es ist in der Folge darauf abzustellen. Daran ändern - wie 
nachfolgend ausgeführt - die diesen Schlussfolgerungen widersprechenden 
ärztlichen Berichte nichts. 

Soweit Dr. med. G.________ im Gutachten vom 17. September 2013 (AB 
26.18/10) und dessen Ergänzungsbericht vom 23. Dezember 2013 (AB 
27/2) eine schizotype Störung (ICD-10 F21) diagnostiziert (AB 26.18/18 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 12

Ziff. 4) und zum Schluss kommt, diese bedinge seit längerem primär die 
Leistungsminderung (AB 27/3 Ziff. 8b), überzeugt dies nicht. Die RAD-
Psychiaterin Dr. med. B.________ hat schlüssig dargelegt, dass sich an-
lässlich ihrer am 9. Dezember 2014 durchgeführten Untersuchung keine 
Symptome einer schizotypen Störung zeigten und mögliche Ursachen sich 
schon im Vorfeld nicht fanden (AB 54/15). Gegen die von Dr. med. 
G.________ diagnostizierte schizotypische Störung sprechen weiter die 
Umstände, unter welchen seine Untersuchung vor sich ging. Diese erfolgte 
nicht in der Muttersprache der Beschwerdeführerin und war von einem the-
atralischen bizarren Auftreten der Beschwerdeführerin geprägt (vgl. u.a. AB 
26.18/15 ff. Ziff. 3), welches weder von der zuvor behandelnden Psychiate-
rin F.________ (AB 26.20/6 und 17/2) beschrieben wurde noch anlässlich 
der RAD-Untersuchung beobachtet werden konnte. Überdies weist auch 
Dr. med. G.________ auf mögliche diagnostische Überschneidungen hin 
(vgl. u.a. AB 26.18/19) und er leitet seine Beurteilung in Anwendung von 
zwei verschiedenen Diagnosesystemen her (AB 27/3 Ziff. 8b). 

Was die von der erstbehandelnden Psychiaterin Dr. med. F.________ dia-
gnostizierte Anpassungsstörung und die mittelgradige depressive Episode 
(vgl. u.a. AB 17/2) betrifft, so begründet RAD-Ärztin Dr. med. B.________ 
nachvollziehbar, dass sich die beiden Befunde diagnostisch ausschlössen 
und fünf Tage nach dem letzten Arbeitstag die Diagnose einer Anpas-
sungsstörung zu stellen gewesen sei, welche maximal leichtgradige de-
pressive Symptome beinhalte. So oder anders waren anlässlich der RAD-
Untersuchung keine depressiven Symptome mehr erkennbar und auch 
rückblickend kann - wie dies Dr. med. B.________ aufgrund der diagnosti-
schen Überlegungen überzeugend ausführt - keine längere depressive 
Phase angenommen werden (AB 64/10).

Was der/die von der RAD-Ärztin diagnostizierte Benzodiazepinmiss-
brauch/-abhängigkeit betrifft, handelt es sich dabei lediglich um eine Ver-
dachtsdiagnose die rein auf Angaben der Beschwerdeführerin basiert (vgl. 
AB 64/10 i.V.m AB 54/7). Zudem waren anlässlich der bei der RAD-
Untersuchung durchgeführten Blutuntersuchung keinerlei Hinweise auf 
Benzodiazepine zu finden (vgl. Bericht J.________ vom 6. Januar 2016 
[AB 51/2]). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 13

3.5 Aufgrund des Dargelegten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin 
im massgeblichen Beurteilungszeitpunkt einzig noch an einer Somatisie-
rungsstörung litt, was auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten 
wird. Dabei ist davon auszugehen, dass die im Rahmen des letzten Ar-
beitsverhältnisses erfolgten Kränkungen zu dieser Somatisierungsstörung 
geführt haben. 

Eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) gehört zu den mit einer anhal-
tenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) vergleichbaren psy-
chosomatischen Leiden, auf welche grundsätzlich die in BGE 141 V 281 
geänderte und präzisierte Rechtsprechung zum invalidisierenden Charakter 
pathogenetisch-ätiologisch unklarer syndromaler Beschwerdebilder ohne 
organisch nachweisbare Grundlage zur Anwendung kommt (vgl. Entscheid 
des Bundesgerichts [BGer] vom 3. Dezember 2015, 9C_689/2015, E. 3). 

Vorab ist festzuhalten, dass die RAD-Psychiaterin Dr. med. B.________ im 
Rahmen der Exploration Hinweise auf Aggravation und Verdeutlichung 
feststellte (vgl. AB 54/13), was gegen ein schweres Krankheitsbild spricht. 
Auch hielt bereits Dr. med. G.________ in seinem Gutachten vom 17. Sep-
tember 2013 (AB 26.18) eine Motivationsreduktion fest, welche einem Ar-
beitsversuch entgegenstehen dürfte (S. 28). Damit ist nachvollziehbar be-
gründet, dass dieser Störung keine Einschränkung des funktionalen Leis-
tungsvermögens beizumessen ist, womit sich die Indikatorenprüfung nach 
BGE 141 V 287 grundsätzlich erübrigt. Wie sich aus dem Nachfolgenden 
ergibt, vermag die Somatisierungsstörung, selbst wenn die Indikatorenprü-
fung vorgenommen wird, die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin nicht zu beeinträchtigen.

3.6 In der Kategorie „funktioneller Schweregrad“ wird zwischen dem 
Komplex „Gesundheitsschädigung“, „Persönlichkeit“ und „Sozialer Kontext“ 
unterschieden.

3.6.1 Aufgrund des Dargelegten (E. 3.4 hiervor) liegt lediglich eine Soma-
tisierungsstörung vor. Die ebenfalls im RAD-Bericht vom 8. Januar 2015 
(AB 54) unter den Diagnosen aufgelisteten Schwierigkeiten bei der kulturel-
len Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3) sind invaliditätsfremde Gründe und ha-
ben daher unberücksichtigt zu bleiben. Dr. med. B.________ holte anläss-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 14

lich der Untersuchung fremdanamnestische Angaben ein und kontaktierte 
dazu den behandelnden Hausarzt Dr. med. E.________ (vgl. AB 54 S. 13 
f.). Dieser berichtete, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Verhalten im-
mer gleich sei. Er kenne sie seit 2004. Damals hätte sie auch eine Kündi-
gung erhalten. Dr. med. B.________ ihrerseits hielt fest, dass depressive 
Symptome und Angstsymptome nicht in dem Ausmasse vorlägen, um ein 
eigenständiges Störungsbild diagnostizieren zu können (AB 54 S. 15). Ins-
gesamt geht die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 30. Juni 
2016 somit korrekterweise durchgehend von einer geringen Ausprägung 
der diagnoserelevanten Befunde und Symptome aus (S. 3 Ziff. 2.4.1). 

Dr. med. B.________ hält eine psychotherapeutische/psychiatrische Be-
handlung für indiziert (AB 54/16). Die Beschwerdeführerin liess sich ledig-
lich ein knappes halbes Jahr lang psychiatrisch behandeln, letztmals am 
21. Dezember 2012. Danach hat sie die Behandlung auf eigene Initiative 
abgebrochen (AB 31/2). Gemäss den Ausführungen von Dr. med. 
B.________ scheint die Kooperationsbereitschaft dafür wenig vorhanden 
zu sein, weshalb das Behandlungspotenzial nicht ausgeschöpft ist (AB 
54/16). Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sich die Beschwerde-
führerin angeblich die Transportkosten zum Arzt und zu den psychologi-
schen Behandlungen nicht mehr habe leisten können (AB 26.20/3 Ziff. 7). 
Denn zur Sicherstellung und Finanzierung der erforderlichen Behandlungen 
hätte sie sich an den Sozialdienst wenden können, welcher ihr unter Um-
ständen auch einen örtlich näher gelegenen Therapeuten hätte vermitteln 
können. Dass die Kooperationsbereitschaft nicht gegeben ist, lässt sich 
zudem dem Bericht der früher behandelnden Psychiaterin Dr. med. 
F.________ vom 31. Juli 2013 (AB 17/2) entnehmen, wonach die Be-
schwerdeführerin teilweise behandlungsuneinsichtig gewesen sei und die 
vorgeschlagenen Behandlungen abgelehnt haben soll (S. 4). Weiter gab 
der Hausarzt Dr. med. E.________ am 10. Dezember 2014 telefonisch 
gegenüber der RAD-Psychiaterin an, dass die Beschwerdeführerin ein Re-
zept für „Quetiapin“ „schon länger nicht geholt“ habe und derzeit kein Anti-
depressivum verschrieben werde (AB 54 S. 14). Somit kann hinsichtlich 
des Kriteriums des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs klarerweise 
nicht von einem Scheitern einer lege artis durchgeführten Therapie gespro-
chen werden. Vielmehr weist das Verhalten der Beschwerdeführerin (baldi-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 15

ger Abbruch der Therapie), wie dies die Beschwerdegegnerin zu Recht 
vorbringt (vgl. Stellungnahme vom 30. Juni 2016, S. 3 Ziff. 2.4.2), darauf 
hin, dass ein geringer Leidensdruck vorlag und nicht von einer schweren, 
therapeutisch nicht mehr angehbaren psychischen Störung auszugehen ist. 
Auch was den Eingliederungserfolg betrifft, fühlt sich die Beschwerdeführe-
rin wegen der „Symptome“ lediglich subjektiv nicht im Stande, eine berufli-
che Tätigkeit aufzunehmen bzw. an Eingliederungsmassnahmen teilzu-
nehmen (AB 54/10). 

Vorliegend sind keine Komorbiditäten ausgewiesen, konnten doch gemäss 
dem RAD-Untersuchungsbericht vom 8. Januar 2015 (AB 54) neben der 
Somatisierungsstörung weder eine somatische noch eine psychische Er-
krankung festgestellt werden.

3.6.2 Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 30. Juni 
2016 richtigerweise darlegt, lassen die Komplexe „Persönlichkeit“ und „So-
ziales“ nicht auf eine Leistungsminderung schliessen (S. 3 Ziff. 2.5). 

Was die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin betrifft, hielt die RAD-
Psychiaterin fest, diese sei unauffällig und die Beschwerdeführerin sei in 
der Lage, ihre Angelegenheiten selbstständig zu besorgen (AB 54/13). So 
kam die Beschwerdeführerin in gepflegter Erscheinung zur RAD-
Untersuchung. Deren Allgemein- wie auch Ernährungszustand beurteilte 
Dr. med. B.________ als gut (S. 12). Auch die ehemalige behandelnde 
Psychiaterin Dr. med. F.________ beschrieb die Beschwerdeführerin als 
gepflegt und stellte fest, dass sie pünktlich und motiviert zu den Therapie-
stunden erschienen sei (Ab 17/4). Weiter führte der vorherige Gutachter Dr. 
med. G.________ aus, die Beschwerdeführerin benötige zum Einkaufen, 
Kochen oder für die Administration keine Hilfe und nach dem Aufstehen sei 
eine durch Haushaltsaufgaben bestimmte Tagesstruktur erkennbar, die 
durch die Umsetzung von Hobbies und Interessen ergänzt werde (AB 
27/6).

Zum Komplex „Sozialer Kontext“ beschrieb die Beschwerdeführerin anläss-
lich der RAD-Untersuchung vom 9. Dezember 2014 zwar einen sozialen 
Rückzug (AB 54/10 ff.). Allerdings ist aufgrund der Akten nicht ausgewie-
sen, dass die Beschwerdeführer vor dem Eintritt der Somatisierungs-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 16

störung über ein intaktes soziales Umfeld verfügte. Zwar ging sie - nach-
dem sie im Jahr 1996 in die Schweiz einreiste (AB 6/1 Ziff. 1.7) - am 31. 
Januar 1997 eine Ehe ein, welche mit Urteil vom 16. März 2006 geschie-
den wurde (AB 11). Nach der Aktenlage (vgl. AB 26.18/13) verständigte 
sich das Paar primär auf Englisch. Weitere soziale Kontakte, ausser einer 
Beziehung, welche 2012 getrennt wurde sowie etwelche durch die berufli-
che Tätigkeit bedingte Kontakte, sind aus den Akten nicht zu entnehmen. 
Die Beschwerdeführerin macht denn auch nicht geltend, vor Eintritt der 
Gesundheitsstörung über einen (grossen) Freundeskreis verfügt zu haben. 
Vielmehr ist davon auszugehen, dass bei der Versicherten nicht ein lei-
densbedingter sozialer Rückzug, sondern die fehlenden sozialen Kontakte 
als Folge einer nicht erfolgten Assimilierung zu sehen sind. Eine mangeln-
de bzw. fehlende Integration ist einem sozialen Rückzug nicht gleichzuset-
zen, zumal ein Rückzug begrifflich voraussetzt, dass zuvor ein Netz sozia-
ler Kontakte bestanden hat, was vorliegend nach der Aktenlage nicht der 
Fall ist. 

3.7 In der Kategorie „Konsistenz“ sind die Teilaspekte „gleichmässige 
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensberei-
chen“ und „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener 
Leidensdruck“ zu beurteilen.

3.7.1 Dem RAD-Untersuchungsbericht vom 8. Januar 2015 (AB 54) ist 
zwar zu entnehmen, dass der von der Beschwerdeführerin geschilderte 
Tagesablauf wenige Aktivitäten aufweist und sie sich nicht mehr für leis-
tungsfähig hält (S. 10 f.). Dementgegen steht die Tatsache, dass sie am 
Tag der RAD-Untersuchung alleine mit dem öffentlichen Verkehr von ihrem 
Wohnort nach Bern fuhr (S. 10) und dass - wie die Beschwerdegegnerin 
vorbringt (vgl. Stellungnahme vom 30. Juni 2016, S. 4 Ziff. 2.6) - anlässlich 
der Untersuchung keine Ermüdungserscheinungen oder andere Anzeichen 
von Belastung oder Schmerzen zu erkennen waren. Auch bringt die Be-
schwerdeführerin den Willen und die Kraft auf, für hausärztliche Konsultati-
onen mehrstündige Zugfahren in Kauf zu nehmen. Weiter ist die alleinste-
hende Beschwerdeführerin dennoch in der Lage, ihren Alltag zu bewälti-
gen, was neben den üblichen Verrichtungen wie Körperpflege, Haushalt, 
Einkaufen etc. (AB 54 S. 10 f.) auch diverse Behördengänge umfasst (So-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 17

zialdienst [vgl. AB 9] und Korrespondenz mit der Taggeldversicherung [vgl. 
u.a. AB 26.10]), was mit den geklagten Einschränkungen nicht im Einklang 
steht. Das Gleiche gilt für den Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin 
zwei bis drei Stunden im Internet mit Recherchen zu sie interessierenden 
Themen zu beschäftigen mag (AB 26.18/16 i.V.m. AB 27/7 Ziff. 9). Weiter 
führt die RAD-Psychiaterin Dr. med. B.________ aus, dass nicht von einer 
höhergradigen psychischen Störung ausgegangen werden kann, wenn die 
Beschwerdeführerin aus eigenem Antrieb zu einem Wohnungswechsel in 
der Lage gewesen sei, zumal damit auch erneute Belastungen verbunden 
gewesen seien (konflikthafte Auseinandersetzungen mit dem Vermieter; AB 
64/10). Auch liess sie sich gemäss dem Schreiben des Sozialdienstes 
K.________ vom 15. Juli 2013 (AB 9) alleine in einer für sie fremden Um-
gebung ohne Sozialnetz nieder und wandte sich wegen finanzieller Pro-
bleme an den Sozialdienst. Dies lässt auf deutlich vorhandene Ressourcen 
der Beschwerdeführerin schliessen. 

3.7.2 Die in Anspruch genommenen Therapien und Komplementärbe-
handlungen (halbjährige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung 
[vgl. AB 17/2], medikamentöse Behandlung (AB 26.20/3 Ziff. 6), Shiatsu, 
Meditationen, Atemtechniken, Akupunktur [AB 54 S. 8]), nimmt die Be-
schwerdeführerin aus finanziellen Gründen nicht mehr in Anspruch (AB 
26.20/3 Ziff. 7 i.V.m. Ab 54/8). Diese Begründung sowie die Tatsache, dass 
die Beschwerdeführerin die Behandlungsmöglichkeiten nicht ausschöpft, 
bestätigen, dass die geltend gemachten Einschränkungen nicht mit einem 
versicherten Gesundheitsschaden zu begründen sind und dass ein Lei-
densdruck nicht ausgewiesen ist. 

3.8 Aufgrund des Dargelegten sind die Auswirkungen der diagnostizier-
ten Somatisierungsstörung überwindbar und es besteht keine Einschrän-
kung der Arbeitsfähigkeit resp. es liegt kein invalidisierender Gesundheits-
schaden vor. Die Beschwerdegegnerin verneinte daher mit Verfügung vom 
8. April 2015 (AB 65) zu Recht einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf 
Leistungen der Invalidenversicherung. Die dagegen erhobene Beschwerde 
ist deshalb abzuweisen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 18

4.

4.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Das vorliegend zu beurteilende Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
bezieht sich auf die Befreiung von den Kosten des Beschwerdeverfahrens, 
zumal die Beschwerdeführerin nicht rechtlich vertreten ist. 

Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin, welche sich nach der gesamten 
wirtschaftlichen Situation im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch 
um unentgeltliche Rechtspflege beurteilt (vgl. Entscheid des BGer vom 
2. Dezember 2010, 8C_772/2010, E. 2.2.1), ist aktenmässig erstellt (vgl. 
insbesondere Akten der Beschwerdegegnerin [act. IA] 1-13). Im Weiteren 
ist die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos zu qualifizieren, 
weshalb die Voraussetzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltli-
che Rechtspflege vorliegend erfüllt sind. Das entsprechende Gesuch ist 
somit gutzuheissen.

4.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis VG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 
200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Unter Berücksichtigung des gutgeheissenen Ge-
suchs um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. E. 4.1 hiervor) wird sie – unter 
Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 19

Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig 
von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG).

4.3 Für die obsiegende Beschwerdegegnerin besteht kein Anspruch auf 
eine Parteientschädigung (Art. 104 Abs. 3 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um Gewährung des Rechts auf unentgeltliche Rechts-
pflege wird betreffend die Verfahrenskosten gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 20

Rechtsmittelbelehrung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Sept. 2016, IV/15/390, Seite 21

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.