# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 46150aa2-fbb3-5607-aee1-994545996a85
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-01-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsrekurskommission 11.01.2006 I/1-2005/93
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VWEK_001_I-1-2005-93_2006-01-11.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/6

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: I/1-2005/93

Stelle: Verwaltungsrekurskommission

Rubrik: Abgaben und öffentliche Dienstpflichten

Publikationsdatum: 11.01.2006

Entscheiddatum: 11.01.2006

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 11.01.2006
Art. 39 Abs. 1 lit. a StG; Art. 18 Abs. 3 StV: Bei der Beurteilung der 
Unzumutbarkeit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den 
Arbeitsweg sind neben der zeitlichen Komponente der Zeitersparnis auch 
Faktoren wie ungünstige Verbindung, lange Fusswege, häufiges Umsteigen 
etc. zu berücksichtigen (Verwaltungsrekurskommission, I/1-2005/93, 11. 
Januar 2006).

Präsident Nicolaus Voigt, Mitglieder Erwin Müller und Fritz Buchschacher; a.o. 

Gerichtsschreiberin Nina Schwendener

 

In Sachen

X. und Y. Z.,

Rekurrenten,

 

gegen

Kantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

 

betreffend

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St.Galler Gerichte

Einkommens- und Vermögenssteuern 2003

 

Sachverhalt:

A.- Die Ehegatten X. und Y. Z. wohnen in der eigenen Wohnung an der A-Strasse in 

Flawil. X.Z. ist seit dem 1. Juli 2003 als kaufmännischer Angestellter in Sirnach 

beschäftigt. In der Steuererklärung 2003 deklarierten die Steuerpflichtigen ein 

steuerbares Einkommen von Fr. 48'412.-- und kein steuerbares Vermögen. Sie 

brachten beim Arbeitsweg des Ehemannes die Kosten für ein privates Motorfahrzeug in 

Abzug. Die Veranlagungsbehörde liess dagegen für den Arbeitsweg nach Sirnach. nur 

die Kosten des öffentlichen Verkehrsmittels zu. Die Steuerpflichtigen wurden für 2003 

mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 55'500.-- und ohne steuerbares Vermögen 

veranlagt.

B.- Gegen die Veranlagung erhob X.Z. mit Eingabe vom 15. Oktober 2004 Einsprache. 

Er beantragte, es seien keine Kosten für öffentliche Verkehrsmittel, dafür die Kosten für 

das private Motorfahrzeug gesamthaft zuzulassen. Zur Begründung brachte er vor, die 

Fahrt mit dem Auto bringe gegenüber dem öffentlichen Verkehrsmittel eine Einsparung 

von gut zwei Stunden pro Tag. Zudem sei er dienstlich auf das private Motorfahrzeug 

angewiesen. Die Veranlagungsbehörde traf daraufhin Abklärungen über die 

Arbeitsverhältnisse.

Mit Einsprache-Entscheid vom 10. Mai 2005 wies das kantonale Steueramt die 

Einsprache ab mit der Begründung, dass der zeitliche Mehraufwand mit dem 

öffentlichen Verkehrsmittel bedeutend weniger als 90 Minuten betrage und deshalb die 

Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels zumutbar sei. Überdies sei das Ausmass 

der Dienstfahrten nicht ausgewiesen.

C.- Gegen den Einsprache-Entscheid erhoben X. und Y. Z. mit Eingabe vom 7. Juni 

2005 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Fahrtkosten 

zum Arbeitsort mit dem privaten Motorfahrzeug von Fr. 6'471.-- seien gemäss 

Deklaration zum Abzug zuzulassen. Sie begründeten ihren Antrag damit, dass die vom 

kantonalen Steueramt angegebenen Wegdistanzen nicht mit den tatsächlichen 

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übereinstimmten und mit dem privaten Motorfahrzeug für den Arbeitsweg eine 

Einsparung von knapp zwei Stunden pro Tag erreicht werden könne.

Mit Vernehmlassung vom 19. August 2005 beantragte die Vorinstanz, den Rekurs 

abzuweisen.

Mit Schreiben vom 12. September 2005 nahmen die Rekurrenten Stellung zur 

Vernehmlassung der Vorinstanz.

Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit 

notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die 

Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur 

Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Juni 2005 ist rechtzeitig eingereicht 

worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen 

(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist 

einzutreten.

2.- Im vorliegenden Fall ist streitig, ob der Rekurrent berechtigt ist, die Kosten für die 

Fahrt mit dem Privatauto vom Wohnort an der A-Strasse in Flawil zum Arbeitsort an der 

F-Strasse in Sirnach für die Zeit ab 1. Juli 2003 zum Abzug zu bringen.

a) Die Rekurrenten behaupten, dass sie durch die Benützung des Privatautos täglich 

knapp zwei Stunden für den Arbeitsweg einsparen könnten und dass die von der 

Vorinstanz berechneten Distanzen nicht mit den tatsächlichen übereinstimmten. Zudem 

seien die Wartezeiten zu beachten, und um das Mittagessen einnehmen zu können, sei 

der Rekurrent auf das Auto angewiesen.

b) Nach Art. 39 Abs. 1 lit. a StG können die notwendigen Kosten für Fahrten zwischen 

Wohnort und Arbeitsstätte als Berufskosten abgezogen werden. Abzugsfähig sind 

grundsätzlich die tatsächlichen Kosten, wenn der Arbeitsort in einer beachtlichen 

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Entfernung zum Wohnort liegt (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das 

st. gallische Steuerrecht, 6. Auflage 1999, S. 41). Für die Fahrten zwischen Wohn- und 

Arbeitsort gelten grundsätzlich die Kosten für das öffentliche Verkehrsmittel als 

notwendig. Die tatsächlich angefallenen und nachgewiesenen Auslagen bei Benützung 

des öffentlichen Verkehrsmittels sind deshalb abziehbar (Art. 18 der Steuerverordnung, 

sGS 811.11, abgekürzt: StV). Benützt ein Steuerpflichtiger trotzdem ein privates 

Motorfahrzeug, kann er als notwendige Kosten jene Auslagen abziehen, die bei 

Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel angefallen wären (Art. 18 Abs. 2 StV). Wenn 

kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht oder dessen Benützung dem 

Steuerpflichtigen nicht zugemutet werden kann (z.B. bei beachtenswerter Entfernung 

von der nächsten Haltestelle, schlechten Bahn- und Busverbindungen, ungünstigem 

Fahrplan und übermässig langen Wartezeiten), werden die Kosten des privaten 

Motorfahrzeuges gemäss den für die direkte Bundessteuer massgebenden 

Pauschalansätzen (Anhang zu Art. 3 der Verordnung über den Abzug von Berufskosten 

der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bundessteuer, SR 642.118.1, in 

Verbindung mit AS 2002 S. 2474) abgezogen (Art. 18 Abs. 3 StV). So gilt unter anderem 

die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels als nicht zumutbar, wenn der zeitliche 

Mehraufwand durch dessen Benützung bei einmaliger Hin- und Rückfahrt mehr als 90 

Minuten pro Tag ausmacht oder eine berufliche Notwendigkeit für das Privatauto 

besteht (vgl. St. Galler Steuerbuch 39 Nr. 3 Ziff. 2.2, Fassung 1.1.1999, abgekürzt: SG 

StB). Für den Zeitvergleich darf nicht beim privaten Verkehrsmittel stets auf optimale 

und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln stets auf ungünstige Verhältnisse abgestellt 

werden (SGE 2002 Nr. 5).

c) Umstritten sind zunächst die Wegstrecken Wohnort bis Bahnhof Flawil und 

Arbeitsort bis Bahnhof Sirnach, die der Rekurrent bei Benützung der öffentlichen 

Verkehrsmittel zu Fuss zurücklegen muss. Das Gericht kommt gestützt auf die 

Berechnung von TwixRoute und eine Überprüfung mit den Landeskarten des 

Bundesamtes für Landestopografie Nrn. 1073 und 1094 (1:25000) zum Ergebnis, dass 

die Distanz in Flawil knapp 800 Meter und die Distanz in Sirnach knapp 1'100 Meter 

beträgt. Diese Wegstrecken sind zu Fuss in rund 10 bzw. 15 Minuten zurückzulegen.

An öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn und Bus) standen dem Rekurrenten im Jahre 2003 

zu den Pendelzeiten folgende Verbindungen zur Verfügung, welche alle voraussetzen, 

dass in Wil umgestiegen wird:

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Flawil ab 06.40 Uhr 06.58 Uhr 07.24 Uhr

Sirnach an 07.10 Uhr 07.17 Uhr 07.49 Uhr

30 Min. 19 Min. 25 Min.

Sirnach ab 17.08 Uhr 17.40 Uhr 18.08 Uhr

Flawil an 17.38 Uhr 18.17 Uhr 18.38 Uhr

30 Min. 37 Min. 30 Min.

 

Durchschnittlich ergibt dies einen täglichen Zeitaufwand von 57 Minuten. Rechnet man 

den Fussmarsch dazu sowie 2-mal fünf Minuten Wartezeit, so ergibt sich ein täglicher 

Zeitbedarf mit dem öffentlichen Verkehrsmittel von 117 Minuten.

Der Zeitbedarf für das private Motorfahrzeug wird vom Rekurrenten mit 15 - 25 

Minuten angegeben. Die Vorinstanz rechnet mit 22 Minuten, was als Durchschnitt 

realistisch erscheint. Der durchschnittliche zeitliche Mehrbedarf bei Benützung des 

öffentlichen Verkehrsmittel beträgt somit 73 Minuten (117 Minuten abzüglich 44 

Minuten). Damit liegt der Mehrbedarf unterhalb der Schwelle von 90 Minuten, bei der in 

jedem Falle zeitliche Unzumutbarkeit vorliegt. Wird die 90-Minutenschwelle nicht 

erreicht, heisst das aber noch nicht, dass die Benutzung des öffentlichen 

Verkehrsmittels zumutbar wäre. Ungünstige Verbindung, lange Fusswege, häufiges 

Umsteigen, Relation von Reisezeit und Zeitersparnis müssen bei der Beurteilung der 

Zumutbarkeit, wenn ein zeitlicher Mehraufwand von deutlich mehr als einer Stunde 

ausgewiesen ist, ebenfalls berücksichtigt werden.

In der Streitsache erachtet das Gericht die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel 

als unzumutbar. Allein die Wegstrecken, die zu Fuss zurückgelegt werden müssen, 

summieren sich mit den notwendigerweise einzurechnenden Wartezeiten auf eine 

Stunde pro Tag. Dazu kommt, dass die wenigen Verbindungen immer mit Umsteigen 

verbunden sind und die relativ kurzen Fahrzeiten damit unterbrochen werden. Dem 

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steht ein Zeitbedarf für Hin- und Rückweg von 44 Minuten mit dem privaten 

Motorfahrzeug gegenüber. Das bedeutet, dass der Zeitaufwand mit dem öffentlichen 

gegenüber dem privaten Verkehrsmittel mehr als das Zweieinhalbfache beträgt. Ein 

solches Ungleichgewicht ist nicht mehr verhältnismässig. Der zeitliche Mehraufwand 

von 73 Minuten erweist sich unter diesen Umständen als unzumutbar.

d) Dem Rekurrenten sind die Auslagen für das private Motorfahrzeug zum Abzug 

zuzulassen. Allerdings beträgt nach TwixRoute die Wegstrecke vom Wohnort zum 

Arbeitsort nicht 28 km, sondern nur 22 km. Es ergeben sich somit bei 115 Tagen für 

das halbe Jahr 5'060 km. Zusammen mit dem bereits anerkannten 4'248 km sind somit 

9'308 km à Fr. 0.59, das ergibt Fr. 5'492.--, zum Abzug zuzulassen. Die Kosten für das 

öffentliche Verkehrsmittel von Fr. 726.-- entfallen. Es ergibt sich somit neu ein 

steuerbares Einkommen für 2003 von Fr. 53'500.--. Das entspricht einer 

Teilgutheissung des Rekurses.

3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu einem Viertel 

den Rekurrenten aufzuerlegen; drei Viertel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1 

VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362 

Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu 

verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, den Rekurrenten Fr. 400.-- 

zurückzuerstatten.

Entscheid:

1. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen und der Einsprache-Entscheid des 

kantonalen Steueramtes vom 10. Mai 2005 aufgehoben.

2. Die Rekurrenten werden für 2003 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 

53'500.-- und ohne steuerbares Vermögen veranlagt.

3. Die Rekurrenten bezahlen die amtlichen Kosten von Fr. 800.-- zu einem Viertel unter 

Verrechnung des Kostenvorschusses von Fr. 600.-- bis zum Betrag von Fr. 200.--; drei 

Viertel der Kosten trägt der Staat.

4. Die Finanzverwaltung wird angewiesen, den Rekurrenten Fr. 400.-- 

zurückzuerstatten.

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