# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbb54a46-21d1-5f8f-ab64-33c59e79dcbe
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-20
**Language:** de
**Title:** Einschätzung 2005 und Direkte Bundessteuer 2005
**Docket/Reference:** ST.2010.179
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2010_179_vo.pdf

## Full Text

STEUERREKURSKOMMISSION I 
DES KANTONS ZÜRICH 

1 ST.2010.179 
1 DB.2010.132 

Entscheid 

20. September 2010 

Mitwirkend: 

Präsident Anton Tobler, Mitglied Michael Ochsner, Ersatzmitglied Marcus Thalmann 
und Sekretärin Silvia Weigold 

In Sachen 

A,    

vertreten durch RA lic.iur. Erwin Grieshammer,  
Vischer AG, Schützengasse 1,  
Postfach 1230, 8021 Zürich,  

gegen 

Rekurrent/ 
Beschwerdeführer,  

1.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

2.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

Rekursgegner,  

Beschwerdegegnerin,  

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

betreffend 

Einschätzung 2005 und Direkte Bundessteuer 2005 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  A  (nachfolgend  der  Pflichtige)  war  Eigentümer  von  20  Aktien  der  B  und 

amtete  als  deren  Geschäftsführer.  Diese  Gesellschaft  wurde  im  Jahr  2000  gegründet 

und betreibt Geschäfte im Web-Bereich. C, der frühere Verwaltungsratspräsident, be-

sass  40  Aktien.  Im  Herbst  2005  erwarben  der  Pflichtige  und  C  von  den  zwei  andern 

Mitaktionären 30 bzw. 10 Aktien für Fr. 33'950.- pro Stück, sodass sie zusammen nun 

alle Titel der B ihr eigen nannten. Der Vollzug des Kaufvertrags ein spezifisches Datum 

im Herbst 2005 terminiert und unter die Bedingung gestellt, dass dannzumal der Ver-

kauf sämtlicher Aktien an die D erfolgen kann. In der Folge veräusserten der Pflichtige 

und C in der Folge alle 100 Aktien der B an die D für Fr. 50'000.- pro Stück, unter der 

Bedingung,  dass  sie  zuvor  die  40  Aktien  von  den  zwei  Mitaktionären  erwerben  konn-

ten. Gleichentags schloss der Pflichtige sodann mit der D einen Darlehensvertrag über 

Fr. 1'500'000.- ab. Mit diesem Geld finanzierte der Pflichtige den Rückkauf von 30 Ak-

tien der B, was in einem Aktionärbindungsvertrag zwischen dem Pflichtigen, C und der 

D von demselben Datum vereinbart wurde. 

Nach Durchführung eines Auflageverfahrens, womit dieser Sachverhalt unter-

sucht  wurde,  schätzte  der  Steuerkommissär  den  Pflichtigen  am  16.  Oktober  2009  für 

die Steuerperiode 2005 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 1'354'800.- (Staats- 

und Gemeindesteuern) bzw. Fr. 1'355'600.- (direkte Bundessteuer) ein. Dabei rechnete 

er den Gewinn aus der Veräusserung der 50 Aktien der B an die D von Fr. 2'500'000.- 

auf und zog davon die Gestehungskosten für die zuvor zugekauften 30 Aktien von den 

Mitaktionären  von  Fr.  33'950.- pro Stück sowie für die eigenen 20  Aktien  des Pflichti-

gen von Fr. 1'000.- pro Stück, den auf dem Gewinn geschuldeten AHV-Beitrag in Form 

einer Rückstellung  und weitere Kosten ab.  Dergestalt resultierte ein  Aufrechnungsbe-

trag von Fr. 1'306'350.-. Zur Begründung fügte der Steuerkommissär an, das Vorgehen 

des Pflichtigen vor, während und nach dem Verkauf der fraglichen Aktien deute auf ein 

gewerbsmässiges  Handeln  hin,  sodass  der  Veräusserungsgewinn  als  solcher  aus 

Wertschriftenhandel  bzw.  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  zu  qualifizieren  sei  und  der 

Einkommenssteuer unterliege. Das steuerbare Vermögen für die Staats- und Gemein-

desteuer setzte er auf Fr. 440'000.- fest. 

Die  Veranlagung  der  direkten  Bundessteuer  wurde  mit  Steuerrechnung  vom  

6. November 2009 formell eröffnet. 

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B. Hiergegen liess der Pflichtige am 17. November 2009 Einsprache erheben 

und beantragen, von der Aufrechnung des Gewinns aus der Veräusserung der Aktien 

der B abzusehen. 

Das  kantonale  Steueramt  hiess  die  Einsprachen  am  19.  Mai  2010  teilweise 

gut, indem es höhere Gestehungskosten für die 20 vom Pflichtigen ursprünglich gehal-

tenen  Aktien  der  B  berücksichtigte  (Fr.  33'950.-  statt  Fr.  1'000.-  pro  Stück)  und  die 

AHV-Rückstellung  dem  verminderten  Gewinn  anpasste.  Der  aufgerechnete  Betrag 

reduzierte  sich  dadurch  auf  Fr.  792'500.-  und  das  steuerbare  Einkommen  auf 

Fr. 761'700.-  (Staats-  und  Gemeindesteuern)  bzw.  Fr.  762'500.-  (direkte  Bundes-

steuer). Das steuerbare Vermögen erhöhte sich der geringeren AHV-Rückstellung ent-

sprechend auf Fr. 506'000.-. 

C.  Mit  Rekurs  bzw.  Beschwerde  vom  21.  Juni  2010  liess  der  Pflichtige  die 

Einspracheanträge erneuern und die Zusprechung einer Parteientschädigung beantra-

gen.  

Das kantonale Steueramt schloss am 29. Juli 2010 auf teilweise Gutheissung 

der Rechtsmittel, indem der steuerbare Gewinn aus Veräusserung der fraglichen Akti-

en antragsgemäss um weitere Gestehungskosten auf Fr. 659'100.- zu reduzieren sei. 

Auf  die  Ausführungen  der  Parteien  in  diesen  Rechtsschriften  sowie  auf  die 

Begründungen der Einspracheentscheide ist – soweit erforderlich – in den nachfolgen-

den Erwägungen einzugehen. 

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Die Rekurskommission zieht in Erwägung: 

1. a) Streitig ist, ob der vom Pflichtigen im Jahr 2005 erzielte Gewinn aus dem 

Verkauf  von  Aktien  steuerbares  Einkommen  aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  im 

Sinn von Art. 18 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 

14.  Dezember  1990  (DBG)  bzw.  §  18  Abs.  1  und  2  des  Steuergesetzes  vom  8.  Juni 

1997  (StG)  oder  steuerfreie  private  Kapitalgewinne  im  Sinn  von  Art.  16  Abs.  3  DBG 

bzw. § 16 Abs. 3 StG darstellt. 

b)  Die  Regelung  des  Zürcher  Steuergesetzgebers  ist  die  Nämliche  wie  im 

Bundessteuerrecht. Art. 18 Abs. 1 und 2 DBG und § 18 Abs. 1 und 2 StG – ebenso wie 

Art. 7 und 8 des Bundesgesetzes über Harmonisierung der direkten Steuern der Kan-

tone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) – verwenden dieselben Begriffe 

und  haben  im  Wesentlichen  den  gleichen  Inhalt.  Der  Begriff  der  selbstständigen  Er-

werbstätigkeit  kann  unter  dem  Geltungsbereich  des  Steuerharmonisierungsgesetzes 

im  kantonalen  Recht  daher  grundsätzlich  nicht  anders  ausgelegt  werden  als  auf  dem 

Gebiet der direkten Bundessteuer. Eine andere Auslegung – wie diejenige des Verwal-

tungsgerichts (vgl. StE 2010 B 23.1 Nr. 67) – würde dem Anliegen der vertikalen Steu-

erharmonisierung  zuwiderlaufen  und  die  mit  dem  Erlass  des  Steuerharmonisierungs-

gesetzes angestrebte Vereinfachung der Rechtsanwendung vereiteln (vgl. BGE 128 II 

66 E. 4b und insbesondere BGr, 23. Oktober 2009 = StE 2010 B 23.1 Nr. 68 mit Ver-

weisungen).  Der  Rechtsprechung  des  Verwaltungsgerichts  ist  daher  nicht  zu  folgen, 

sondern derjenigen des Bundesgerichts als oberstes Gericht: 

c) aa) Nach Art. 16 Abs. 1 DBG bzw. § 16 Abs. 1 StG unterliegen alle wieder-

kehrenden  und  einmaligen  Einkünfte  der  Einkommenssteuer.  Der  Gesetzgeber  hat 

damit am bereits in Art. 21 Abs. 1 des Bundesratsbeschlusses vom 9. Dezember 1940 

über  die  Erhebung  einer  direkten  Bundessteuer  (BdBSt)  enthaltenen  Grundsatz  der 

Gesamtreineinkommensbesteuerung festgehalten. Steuerfrei sind nach  Art. 16 Abs. 3 

DBG  bzw.  §  16  Abs.  3  StG  die  Kapitalgewinne  aus  der  Veräusserung  von  Privatver-

mögen. Damit bestätigt das Gesetz ausdrücklich, was schon unter dem Bundesratsbe-

schluss über die Erhebung einer direkten Bundessteuer Gültigkeit hatte. Art. 18 Abs. 1 

DBG bzw. § 18 Abs. 1 StG bestimmt, dass alle Einkünfte aus einem Handels-, Indust-

rie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie jeder 

anderen  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  steuerbar  sind.  Zu  den  Einkünften  aus 

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selbstständiger  Erwerbstätigkeit  gehören  nach  Art.  18  Abs.  2  DBG  bzw.  §  18  Abs.  2 

StG auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässiger Auf-

wertung von Geschäftsvermögen (BGE 125 II 113 E. 4a). 

bb) Wie das Bundesgericht erkannt hat, wollte der Gesetzgeber die Besteue-

rung  der  Einkünfte  aus  Erwerbstätigkeit,  namentlich  aus  Liegenschaften-  oder  Wert-

schriftenhandel, im Vergleich zum früheren Recht nicht einschränken. Er hat vielmehr 

bewusst  eine  Erweiterung  gegenüber  dem  bisherigen  Recht  vorgenommen,  indem  er 

die Kapitalgewinnsteuerpflicht aufgrund des Art. 18 Abs. 2 DBG bzw. § 18 Abs. 2 StG 

auf  den  gesamten  Bereich  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit,  d.h.  auf  alle  Gegen- 

stände des Geschäftsvermögens, ausgedehnt hat, während sie nach bisherigem Recht 

aufgrund von Art. 21 Abs. 1 lit. d und f BdBSt auf buchführungspflichtige Unternehmen 

beschränkt war (BGE 125 II 113 E. 5c mit Hinweis). 

cc) Nach bisheriger und ständiger Praxis des Bundesgerichts zu Art. 21 Abs. 1 

lit. a BdBSt unterliegen Gewinne aus der Veräusserung von Vermögensgegenständen 

-  namentlich  Liegenschaften,  Wertpapieren,  Edelmetallen  und  Devisen  -  als  Erwerbs-

einkommen der direkten Bundessteuer, wenn dabei eine Tätigkeit entfaltet wird, die in 

ihrer Gesamtheit auf Erwerb gerichtet ist (vgl. statt vieler: BGE 122 II 446 E. 3 mit Hin-

weisen).  Diese  Praxis  gilt  grundsätzlich  auch  für  das  Bundesgesetz  über  die  direkte 

Bundessteuer (BGE 125 II 113 E. 5). Demnach sind steuerfreie private Kapitalgewinne 

im Sinn von Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16 Abs. 3 StG nur diejenigen Gewinne, die im 

Rahmen  der  schlichten  Verwaltung  privaten  Vermögens  entstehen,  also  ohne  beson-

dere, in ihrer Gesamtheit auf Erwerb gerichtete Tätigkeit des Steuerpflichtigen, oder bei 

einer sich zufällig bietenden Gelegenheit (BGE 125 II 113 E. 5e; BGr, 31. März 2002 = 

StE 2003 B 23.1 Nr. 55 und 2. Dezember 1999 = ASA 69, 788, je mit Hinweisen). 

Ob  einfache  Vermögensverwaltung  oder  auf  Erwerb  gerichtete  Tätigkeit  vor-

liegt, ist unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. 

Als  Indizien  für  eine  selbstständige  Erwerbstätigkeit  fallen  nach  der  bisherigen  Praxis 

etwa  in  Betracht:  Systematische  oder  planmässige  Art  und  Weise  des  Vorgehens, 

Häufigkeit der Transaktionen, kurze Besitzdauer, enger Zusammenhang mit der beruf-

lichen  Tätigkeit  der  steuerpflichtigen  Person,  Einsatz  spezieller  Fachkenntnisse  oder 

erheblicher  fremder  Mittel  zur  Finanzierung  der  Geschäfte,  Verwendung  der  erzielten 

Gewinne  bzw.  deren  Wiederanlage  in  gleichartige  Vermögensgegenstände  (vgl.  dazu 

BGr,  2.  Dezember  1999  =  ASA  69,  788  mit  Hinweisen).  Jedes  dieser  Indizien  kann 

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zusammen mit andern, unter Umständen jedoch auch allein zur Annahme einer selbst-

ständigen Erwerbstätigkeit im Sinn von Art. 18 DBG bzw. § 18 StG ausreichen. Dass 

einzelne  typische  Elemente  einer  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  im  Einzelfall  nicht 

erfüllt  sind,  kann  durch  andere  Elemente  kompensiert  werden,  die  besonders  ausge-

prägt vorliegen. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit in ihrem gesamten Erscheinungs-

bild auf Erwerb ausgerichtet ist (BGE 125 II 113 E. 3c.; BGr, 2. Dezember 1999 = ASA 

69, 788; 12. November 2002 = ASA 73, 299; 13. November 2002 = ASA 73, 473 sowie 

vom 31. März 2003 = StE 2003 B 23.1 Nr. 55). 

Ob  der  Steuerpflichtige  die  Wertschriftengeschäfte  selber  oder  durch  einen 

bevollmächtigen Dritten abwickelt, ist im Übrigen nicht von entscheidender Bedeutung; 

das  Wertschriftengeschäft  erfordert  in  der  Regel  ohnehin  den  Beizug  fachkundiger 

Personen, deren Verhalten dem Steuerpflichtigen zugerechnet wird (BGE 122 II 446 E. 

3b mit Hinweis). 

dd)  In  einem  neusten  Entscheid  hat  das  Bundesgericht  seine  für  gewerbs-

mässigen  Liegenschaften-  und  Wertschriftenhandel  entwickelte  Praxis  dahingehend 

präzisiert,  dass  beim  Wertschriftenhandel  die  systematische  und  planmässige  Vorge-

hensweise sowie der Einsatz spezieller Fachkenntnisse nur noch eine untergeordnete 

Bedeutung  haben.  Dagegen  sind  die  Kriterien  der  Höhe  des  Transaktionsvolumens 

und  der  Einsatz  erheblicher  fremder  Mittel  stärker  zu  gewichten  (BGr,  23.  Oktober 

2009  =  StE  2010  B  23.1  Nr.  68,  auch  zum  Folgenden,  sowie  Bestätigung  im  Urteil 

2C_403/2009  und  2C_404/2009  vom  1.  März  2010  E.  2.4).  Dies  aufgrund  des  Um-

stands,  dass  in  den  letzten  Jahren  sich  bestimmte  Kriterien  durch  eine  dynamische 

Entwicklung an den Finanzmärkten, welche in immer schnellerem Rhythmus neue und 

moderne  Finanzprodukte  anbieten,  an  Bedeutung  verloren  haben,  währenddem  sich 

andere Kriterien oder Indizien gleichzeitig als gewichtiger und entscheidender erwiesen 

haben.  Dergestalt  gilt  das  Kriterium  der  "systematischen  und  planmässigen  Vorge-

hensweise" bei näherer Betrachtung als nicht mehr sehr zeitgemäss, da diese Voraus-

setzung  heute  fast  jede  Person  erfüllt,  die  sich  –  privat  oder  gewerbsmässig  –  mit 

Wertschriftenhandel befasst. Das Gleiche gilt für die "speziellen Fachkenntnisse". Die-

se  beiden  Kriterien  können  bei  der  Beurteilung  des  gewerbsmässigen  Wertschriften-

handels nur noch eine untergeordnete Bedeutung haben, namentlich im Sinn von Aus-

schlusskriterien. 

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Dagegen  treten  die  beiden  Kriterien  der  "Höhe  des  Transaktionsvolumens" 

(betragsmässige Summe aller Käufe und Verkäufe pro Kalenderjahr; vgl. schon Kreis-

schreiben Nr. 8 der ESTV zu Direkte Bundessteuer über den gewerbsmässigen Wert-

schriftenhandel  vom  21.  Juni  2005,  Ziff.  2,  wonach  die  Grenze  beim  Fünffachen  des 

Wertschriften- und Guthabenbestands  zu Beginn der Steuerperiode  liegen soll) sowie 

der  "Einsatz  erheblicher  fremder  Mittel  zur  Finanzierung  der  Geschäfte"  (vgl.  Kreis-

schreiben, Ziff. 2 und 3.3) in den Vordergrund und sind neu stärker zu gewichten. Die 

beiden  letztgenannten  Kriterien  beruhen  auf  objektiven  und  quantifizierbaren  Gege-

benheiten,  was  ihre  Anwendung  wesentlich  erleichtert.  Zudem  werden  diese  beiden 

Voraussetzungen  von  der  Praxis  –  wenn  auch  mit  Vorbehalten  –  als  die  tauglichsten 

erachtet (BGr, 23. Oktober 2009 = StE 2010 B 23.1 Nr. 68). 

3. a) Der Pflichtige hat in der Steuerperiode 2005 gleich mehrere Transaktio-

nen von Aktien der B durchgeführt: Zuerst erwarb er von zwei Mitaktionären je 15, d.h. 

total 30 Titel. Danach veräusserte er diese Papiere zusammen mit seinen eigenen 20 

Aktien an die D und kaufte in der Folge von der Letzteren 30 Titel wieder zurück. Das 

dabei  umgesetzte  Transaktionsvolumen  belief  sich  auf  Fr.  1'018'500.-  (=  30  x  Fr. 

33'950.-), Fr. 2'500'000.- (= 50 x Fr. 50'000.-) und Fr. 1'500'000.- (= 30 x Fr. 50'000.-), 

total Fr. 5'018'500.-.  

Dieses  Volumen  überstieg  das  per  Ende  2004  bzw.  per  Anfang  der  streitbe-

troffenen  Steuerperiode  2005  deklarierte  Wertschriften-  und  Guthabenvermögen  von 

Fr. 38'282.- massiv und  machte  weit mehr als  das Fünffache dieses Vermögens  aus. 

Damit war die Grenze, bis zu welcher gemäss Kreisschreiben der ESTV noch kein ge-

werbsmässiger  Wertschriftenhandel  vorliegt,  an  sich  klar  überschritten.  Dabei  gilt  es 

allerdings zu berücksichtigen, dass der Pflichtige die  (ursprünglichen) 20 Aktien der B 

per  Ende  2004  nur  mit  Fr.  1.-  deklarierte  und  dieser  Wert  angesichts  des  2005  beim 

Verkauf an die D realisierten Stückpreises von Fr. 50'000.- völlig unrealistisch tief war. 

Setzte man letzteren Stückpreis ein, ergäbe sich ein Wertschriften- und Guthabenver-

mögen  von  Fr.  1'038'281.-,  sodass  mit  dem  Transaktionsvolumen  von  Fr. 5'018'500.- 

die  erwähnte  Grenze  des  Fünffachen  des  deklarierten  Wertschriften-  und  Guthaben-

vermögens gerade noch nicht erreicht war. 

b)  Im  Weitern  wickelte  der  Pflichtige  insgesamt  zwar  drei  Transaktionen  ab, 

jedoch  war  nur  eine  davon  ein  Verkauf  und  standen  die  zwei  Käufe  in  zeitlich  sowie 

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geschäftlich  engem  Zusammenhang  mit  dieser:  Ganz  offenkundig  ging  es  bei  diesen 

Transaktionen darum, die vom Pflichtigen selbst aufgebaute B als Ganzes an die D zu 

verkaufen,  den  Pflichtigen  als  bisherigen  Geschäftsführer  mit  entsprechendem  Know 

How  zu  behalten  und  ihm  eine  Minderheitsbeteiligung  (von  30%)  zu  belassen.  Dabei 

erscheint nachvollziehbar, dass – wie der Pflichtige in Rekurs und Beschwerde glaub-

haft  vorbringt  –  die  D  als  grosses  Unternehmen  der  Schweizerischen  Webbranche 

nicht  daran  interessiert  war,  für  die  (mehrheitliche)  Übernahme  der  vergleichsweise 

kleinen  B  mit  allen  Aktionären  dieser  Gesellschaft  zu  verhandeln,  sondern  allein  mit 

den  einflussreichen  bzw.  aktiven  Aktionären.  Letztere  waren  der  Pflichtige  als  Ge-

schäftsführer und C als Verwaltungsratspräsident, welche zusammen über die Aktien-

mehrheit  (von  60%)  bei  der  B  verfügten.  Daher  erscheint  nachvollziehbar,  dass  der 

Pflichtige und C von den inaktiven Mitaktionären der B zuerst deren Anteile erwerben 

mussten, um sie danach der D andienen zu können. 

Das  Bundesgericht  hat  sodann  –  von  zwei  der  Steuerrekurskommission  be-

kannten Ausnahmen abgesehen  – bisher nur Fälle von Wertschriftenhandel entschie-

den, denen stets eine relativ grosse Anzahl von Käufen und Verkäufen zugrunde lagen 

und  die  insbesondere  auch  wegen  dieser  Häufigkeit  dem  gewerbsmässigen  Handel 

zugeordnet wurden. Im ersten Ausnahmefall bildete nur ein einziges Verkaufsgeschäft 

Anlass,  um  auf  selbstständige  Erwerbstätigkeit  zu  schliessen  (BGr,  9.  Juli  1999  =  

StE 1999 B 23.1 Nr. 43). Dabei wurde aber ein ungleich höherer Verkaufserlös als vor-

liegend,  nämlich  von  über  Fr.  Mio.,  erzielt,  kamen  Fremdmittel  in  der  gleichen  Höhe 

zum  Einsatz  und  erwies  sich  das  Vorgehen  des  Steuerpflichtigen  auch  sonst  als  be-

sonders riskant. Letztere Kriterien sind – wie noch zu zeigen sein wird – beim Pflichti-

gen  bei  Weitem  nicht  erfüllt.  Beim  zweiten  Fall  ging  es  ebenfalls  nur  um  ein 

Verkaufgeschäft (BGr, 1. September 2004, 2A.23/2004). Jedoch handelte es sich beim 

Steuerpflichtigen  um  einen  Bankdirektor  und  späteren  unabhängigen  Finanzberater, 

d.h. um einen im Wertpapierhandel kundigen Fachmann, welcher mit seinem Fachwis-

sen  die  nach  und  nach  erworbene  Holdinggesellschaft  im  Wert  stetig  gesteigert  und 

danach mit grossem Gewinn verkauft hat. Solche Verhältnisse liegen beim Pflichtigen, 

der  wohl  in  der  Webbranche,  nicht  aber  im  Handel  mit  Wertschriften  versiert  ist 

(vgl. nachfolgend E. 3.e), nicht vor.  Demnach kann mit der Rechtsprechung des Bun-

desgerichts  nicht  gesagt  werden,  diesem  sei  Gewerbsmässigkeit  zu  unterstellen,  ob-

wohl er nur ein Verkaufsgeschäft abgewickelt hat. 

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Bis zum Kauf der 30 Aktien von den Mitaktionären im Jahr 2005 ist der Pflicht-

ige  im  Weitern  unstreitig  nicht  in  der  Art  und  Weise  eines  Wertschriftenhändlers  im 

Sinn der einschlägigen Praxis des Bundesgerichts tätig gewesen. Gemäss den Erwä-

gungen in den Einspracheentscheiden hat er seine ursprünglichen 20 Aktien der B bis 

zu diesem Zeitpunkt vielmehr "unauffällig und passiv" verwaltet mit der Folge, dass die 

Vorinstanz die 20 Titel bis dann seinem Privatvermögen zuordnete. Nach dem Verkauf 

an die D hat er alsdann einen Teil der Aktien wieder zurückgekauft, jedoch ohne weite-

re Käufe oder Verkäufe zu tätigen. Damit hatte der Pflichtige ausser dem einen fragli-

chen  Aktienverkaufsgeschäft  keine  andern  Wertschriften  veräussert,  sodass  er  aus 

dieser Sicht nicht als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler gilt. 

c)  Der  Pflichtige  und  C  haben  den  Aktienverkauf  an  die  D  davon  abhängig 

gemacht,  dass  sie  vorgängig  die  40  Titel  der  beiden  andern  Mitaktionäre  zu  einem 

Preis von maximal Fr. 1'500'000.- (= Fr. 37'500.- pro Stück) erwerben konnten (Ziff. 3.1 

des Aktienkaufvertrags mit der D). Gegenüber diesen beiden Mitaktionären hatten sie 

sich umgekehrt nur zum Kauf der 40 Titel verpflichtet, wenn der Vertrag mit der  D zu-

stande  kommt.  Auf  diese  Weise  und  weil  sie  mit  der  D  einen  Verkaufspreis  von 

Fr. 50'000.-  pro  Stück  abgemacht  hatten,  gingen  sie  sowohl  beim  Zukauf  der  Aktien 

von  den  Mitaktionären  als  auch  bei  Veräusserung  der  ganzen  Gesellschaft  keinerlei 

Risiko ein: Entweder kam es zur Veräusserung der B an die D und sie konnten dabei 

einen  Gewinn  realisieren,  der  als  Folge  des  höheren  Preises  des  Aktienverkaufs  ge-

genüber  dem  Preis  für  die  zugekauften  Titel  von  vornherein  garantiert  war,  oder  die 

Veräusserung kam nicht zustande, ohne dass sie die Aktien der Mitaktionäre zu erwer-

ben brauchten. Bei den ursprünglich eigenen Aktien war die Gewinnaussicht  gar voll-

umfänglich  gesichert,  da  an  Gestehungskosten  nur  das  gezeichnete  Aktienkapital  zu 

berücksichtigen  war.  Ein  solch  risikoarmes  Vorgehen  lässt  eher  auf  die  umsichtige 

Verwaltung eigenen Vermögens (Beteiligung bzw. Unternehmen) denn auf ein solches 

eines  gewerbsmässigen  Wertschriftenhändlers  mit  entsprechender  Risikobereitschaft 

schliessen. 

d)  Den  Kauf  der  30  Titel  von  den  Mitaktionären  hat  der  Pflichtige  nicht  mit 

Fremdkapital unterlegt. Zwar verfügte er über die für den Erwerb dieser Aktien notwen-

digen finanziellen Mittel von Fr. 1'018'500.- auch nach eigenem Bekunden nicht, jedoch 

löste er das Finanzierungsproblem dadurch, dass er den Kaufpreis  für diese Titel erst 

nach  erfolgreichem  Vollzug  des  Verkaufsvertrags  mit  der  D  zu  erlegen hatte  und  von 

Letzterer  für  die  insgesamt  50  veräusserten  Aktien  garantierte  Fr.  2'500'000.-  verein-

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nahmen  konnte.  Von  einer  Fremdfinanzierung  der  verkauften  Beteiligung  kann  daher 

keine Rede sein. Dies gilt umso mehr, als er von den 50 veräusserten Titeln 20 Stück 

schon bei der Gründung erworben hatte und dabei – soweit ersichtlich – wiederum kein 

Fremdkapital eingesetzt hat. Selbst wenn er dies getan hätte, läge mit Fr. 20'000.- kei-

ne  erhebliche  und  damit  keine  ins  Gewicht  fallende  Fremdfinanzierung  vor.  Dass  er 

den nach Veräusserung an die D erfolgten Rückkauf von 30 Aktien für Fr. 1'500'000.- 

mit einem Darlehen der D bewerkstelligte bzw. vom Verkaufserlös von Fr. 2'500'000.- 

einen Betrag von Fr. 1'500'000.- als Darlehen stehen liess, ändert daran nichts. 

e)  Als  Geschäftsführer,  der  die  B  gegründet  und  aufgebaut  hatte,  hat  der 

Pflichtige  zwar  ohne  Zweifel  über  profunde  Kenntnisse  der  Webbranche  verfügt,  wel-

che er beim Verkauf der B gewinnbringend einsetzen konnte, jedoch ist damit das Kri-

terium  der  "speziellen  Fachkenntnisse"  im  Sinn  der  bisherigen  bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung  keineswegs  erfüllt.  Denn  mit  diesen  Fachkenntnissen  meint  das 

oberste  Gericht  nicht  solche,  welche  die  veräusserte  Beteiligung  betreffen,  sondern 

solche  des  Wertschriftenhandels  selber.  Diese  Fachkenntnisse  sind  primär  bei  Ban-

kern, Anlageberatern und sonstigen Finanzdienstleistern vorhanden. Dass der Pflichti-

ge bzw. sein Berater bei Veräusserung der B an die D über solche Kenntnisse verfügt 

hat, behauptet das kantonale Steueramt nicht und fehlen auch entsprechende Anhalts-

punkte für eine entsprechende Annahme.  

f)  Der  Pflichtige  ist  beim  Verkauf  der  B  an  die  D  zweifelsohne  insofern  plan-

mässig  vorgegangen,  als  er  und  C  für  die  Abwicklung  der  drei  Transaktionen  insge-

samt  fünf  Verträge  mit  den  Beteiligten  abgeschlossen  und  diese  Verträge  derart  von 

einander abhängig ausgestaltet haben, dass sie kein Risiko eingehen mussten sowie – 

im Fall eines Verkaufs – nur gewinnen konnten. Indessen gereicht ihm dies nicht zum 

Vorwurf, ging es ihm dabei doch glaubhaft in erster Linie darum, sein über Jahre auf-

gebautes Unternehmen an einen Konzern der gleichen Branche zu verkaufen und un-

ter  diesem  Dach  sowie  unter  seiner  Mitwirkung  weiter  gedeihen  zu  lassen.  Dass  er 

dabei auch einen Gewinn erzielen wollte, ist nachvollziehbar und legitim. Zudem räumt 

das  Bundesgericht  dem  Kriterium  des  planmässigen  Vorgehens  nach  dem  Gesagten 

ohnehin  keinen  massgeblichen  Stellenwert  mehr  ein,  da  diese  Voraussetzung  heute 

auch bei fast allen Personen gegeben ist, die sich nur privat mit der Vermögensverwal-

tung befassen. 

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g) Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die beiden  wichtigsten Kriterien 

für  das  Vorliegen  von  gewerbsmässigem  Wertschriftenhandel,  d.h.  ein  entsprechend 

hohes Transaktionsvolumen und die Unterlage des Kaufs der veräusserten Wertschrif-

ten mit Fremdkapital, nicht erfüllt sind. Abgesehen davon hat der Pflichtige nur gerade 

ein  einziges  Verkaufsgeschäft  getätigt,  ohne  dass  spezielle  Umstände  vorliegen,  die 

sein Vorgehen trotzdem als ein solches eines gewerbsmässigen Wertschriftenhändlers 

mit  einer  weit  grösseren  Anzahl  an  Geschäften  erscheinen  lassen.  Er hat  bei  diesem 

einen  Geschäft  zudem  im  Gegenteil  einen  sehr  risikoarmen  Weg  beschritten,  weil  es 

ihm dabei primär um die Veräusserung seines "eigenen" Unternehmens an einen Kon-

zern der nämlichen Branche ging und er in diesem Unternehmen auch unter dem Dach 

der neuen Eigentümerschaft weiterhin tätig sein wollte. Sodann liegen beim Pflichtigen 

auch  keine  besonderen  Fachkenntnisse  des  Wertschriftenhandels  vor.  Lediglich  die 

Planmässigkeit  der  Geschäftsabwicklung  spräche  für  gewerbsmässiges  Handeln,  je-

doch  handelt  es  sich  dabei  –  wie  erwähnt  –  um  einen  nicht  mehr  zeitgemässen  und 

daher schwachen Anhaltspunkt, der nur noch als Ausschlusskriterium Anwendung fin-

det.  

4.  Nach  alledem  sind  Rekurs  und  Beschwerde  gutzuheissen.  Ausgangsge-

mäss  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem  Rekursgegner/der  Beschwerdegegnerin 

aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG). Dem Pflichtigen ist eine ange-

messene  Parteientschädigung  zuzusprechen  (§ 152  StG  i.V.m.  § 17  Abs. 2  des  Ver-

waltungsrechtspflegegesetzes  vom  24. Mai  1959/8. Juni  1997,  Art. 144  Abs. 4  DBG 

i.V.m.  Art. 64  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom 

20. Dezember 1968). 

Demgemäss erkennt die Rekurskommission: 

1.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Der Rekurrent wird für  die Staats- und Gemeinde-

steuer,  Steuerperiode  2005,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 48'400.- 

und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr. 585'000.-  eingeschätzt  (Tarif  gemäss 

§ 35 Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif). 

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2.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Beschwerdeführer  wird  für  die  direkte 

Bundessteuer,  Steuerperiode  2005,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 49'200.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 214 Abs. 1 DBG; Alleinstehendentarif). 

[…] 

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1 DB.2010.132