# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b0af02c-f25f-5c34-9dfa-ae62759fdfa9
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-27
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 27.11.2018 S 2017 118
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2017-118_2018-11-27.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 17 118

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis
Richter Meisser, Audétat 

Aktuarin ad hoc Christen

URTEIL

vom 27. November 2018

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Caflisch,

Beschwerdeführerin

gegen 

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA),

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

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1. A._____ war als Bezügerin von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung 

bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) 

unfallversichert, als sie am D.1._____ als Fussgängerin vom Ortsbus 

X._____ angefahren wurde. Sie erlitt ein Polytrauma mit Leberruptur, 

Beckenring-, Humerus- und Rippenserienfraktur, Hämato- und 

Pneumothorax, Weichteilemphysem und subarachnoidaler Blutung. 

A._____ wurde bis zum 2014 im Spital B._____ behandelt, wobei 13. 

Dezember 2013 die Humerusfraktur operativ versorgt wurde.

2. Vom 19. Januar bis zum 15. Februar 2014 befand sich A._____ zur 

Rehabilitation in der Klinik C._____. Von dort wurde sie zur 

psychologischen Weiterbetreuung den Psychiatrischen Diensten 

Graubünden (PDGR) zugewiesen. In der Folge wurde eine 

Anpassungsstörung diagnostiziert und eine Behandlung mit regelmässigen 

Therapiegesprächen und Psychopharmaka durchgeführt. Weil zudem auch 

weiterhin diverse körperliche Beschwerden vorlagen, wurde A._____ durch 

ihren Hausarzt und physiotherapeutisch behandelt, unterzog sich 

ambulanten Kontrolluntersuchungen im Spital B._____ und erhielt 

Leistungen der Spitex.

3. Nachdem zunächst die D._____ die Heilungskosten übernommen und 

Taggelder ausgerichtet hatte, anerkannte die SUVA ihre Leistungspflicht. 

Am 29. Juli 2014 fand eine kreisärztliche Untersuchung statt. Dabei wurden 

vor allem von Seiten der linken Schulter erhebliche Defizite festgestellt und 

ein nochmaliger Rehabilitationsaufenthalt empfohlen, so dass sich A._____ 

in der Folge vom 7. August bis zum 11. September 2014 in der Rehaklinik 

E._____ aufhielt. Dort wurden, nebst anderem, eine Anpassungsstörung 

und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 

Faktoren diagnostiziert und die Weiterführung der hausärztlichen sowie der 

psycho- und physiotherapeutischen Behandlung empfohlen.

4. Am 21. Oktober 2014 wurde das Osteosynthesematerial am Humeruskopf 

im Spital B._____ operativ entfernt. Im Verlauf zeigte sich eine 

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zunehmende Nekrose des Humeruskopfes und am 17. März 2015 wurde 

im Spital F._____ eine Schulterprothese implantiert. 

5. Vom 25. November 2014 bis zum 15. Januar 2015 wurde A._____ in der 

Tagesklinik der PDGR behandelt. Danach wurde die ambulante 

psychotherapeutische Behandlung fortgeführt.

6. Mit Verfügungen vom 8. April 2015 und vom 16. Juni 2015 wurde A._____ 

ab dem 1. Februar 2015 eine ganze Rente der Invalidenversicherung 

zugesprochen. Dieser Rentenanspruch erlosch am 1. Juni 2015 mit dem 

Entstehen des Anspruchs auf eine Altersrente der AHV.

7. Am 1. Juli 2015 fand eine zweite kreisärztliche Untersuchung statt. Dabei 

wurde der Integritätsschaden infolge der eingeschränkten Mobilität der 

linken Schulter auf 20 % festgelegt, die Frakturen als geheilt eingeschätzt 

und aus orthopädisch-traumatologischer Sicht eine 100%ige 

Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit gewissen 

Einschränkungen festgelegt. Eine versicherungsmedizinische Beurteilung 

vom 21. März 2016 kam zum Schluss, dass auf neurologischem 

Fachgebiet überwiegend wahrscheinlich ein Endzustand erreicht sei und 

dass das Leistungsvermögen nicht von einer neurologischen sondern 

wesentlich von einer psychischen Morbidität geprägt sei. Diese Beurteilung 

stützte sich auch auf ein MRI des Kopfes vom 18. Januar 2016, das auf 

Veranlassung des versicherungsmedizinischen Dienstes gemacht worden 

war, um die Frage zu klären, ob ein organisches Korrelat für die von 

A._____ geklagte anhaltende kognitive Leistungsminderung bestehe.

8. Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 sprach die SUVA A._____ eine 

Integritätsentschädigung von Fr. 25'200.-- bei einer Integritätseinbusse von 

20 % zu. Den Anspruch auf eine Invalidenrente verneinte sie. Das 

Invalideneinkommen für das Vergleichsjahr 2016 liege angesichts der vom 

Kreisarzt festgelegten Arbeitsfähigkeit von 100 % bei Fr. 50’102.-- (LSE 

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2012, Tabelle A1, Kompetenzniveau 1, leidensbedingter Abzug von 5 %). 

Das Valideneinkommen betrage Fr. 47'006.-- (LSE 2012, Tabelle TA1, 

Kompetenzniveau 1, Sektor Gastgewerbe, Beherbergung und 

Gastronomie). Es resultiere somit keine unfallbedingte Beeinträchtigung 

der Erwerbsfähigkeit. Für die psychogenen Beschwerden bestehe keine 

Leistungspflicht, diese Beschwerden seien nicht adäquate Folge des 

Unfalls vom D.1._____.

9. Gegen diese Verfügung erhob A._____ am 16. Juni 2016 (mit Ergänzung 

vom 19. September 2016) Einsprache. Sie stützte sich unter anderem auf 

einen Bericht der PDGR vom 14. September 2016, in welchem eine 

depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode diagnostiziert 

und ausgeführt wurde, da die psychischen Symptome zeitlich nach dem 

Unfall aufgetreten seien und auch ein gewisser inhaltlicher Zusammenhang 

bestehe, könne ein kausaler Zusammenhang mit dem Unfall nicht gänzlich 

ausgeschlossen werden.

10. Mit Einspracheentscheid vom 23. Juni 2017 hielt die SUVA an ihrer 

Verfügung fest und wies die Einsprache ab.

11. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._____ (nachfolgend 

Beschwerdeführerin) am 28. August 2017 Beschwerde an das 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte, der 

angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei zur Vervollständigung 

der medizinischen Akten ein psychiatrisches sowie ein 

neuropsychologisches Gutachten einzuholen, gestützt auf welches ihr eine 

Invalidenrente zuzusprechen und die Integritätsentschädigung neu 

festzulegen sei. Eventualiter sei die Sache an die SUVA zurückzuweisen. 

Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, es bestehe ein 

adäquater Kausalzusammenhang zwischen ihren psychogenen 

Beschwerden und dem Unfall. Sie habe beim Unfall vom D.1._____ auch 

ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, so dass zur Beurteilung der Adäquanz 

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auf die bundesgerichtliche Schleudertrauma-Praxis abzustellen sei. Ihr 

Unfall sei als mittelschwer im Grenzbereich zu schwer wenn nicht gar als 

schwer einzustufen, und es seien mindestens drei Adäquanzkriterien 

erfüllt, nämlich die Schwere der erlittenen Verletzungen, die ungewöhnlich 

lange Dauer der ärztlichen Behandlung und der schwierige Heilungsverlauf 

mit erheblichen Komplikationen.

12. Die SUVA (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer 

Vernehmlassung vom 6. Oktober 2017 die Abweisung der Beschwerde. Sie 

machte zur Hauptsache geltend, sie habe den adäquaten 

Kausalzusammenhang zu Recht gestützt auf die Psycho-Praxis verneint. 

Es sei von einem mittelschweren Unfall im eigentlichen Sinn auszugehen 

und sämtliche Kriterien seien nicht erfüllt. Der Zeitpunkt des 

Fallabschlusses sei nicht zu beanstanden, da von weiteren Behandlungen 

keine namhafte Besserung des somatischen Zustandes zu erwarten 

gewesen sei.

13. Mit Replik vom 9. November 2017 und Duplik vom 8. Januar 2018 vertieften 

die Parteien ihre Standpunkte.

Auf die weiteren Ausführungen im Einspracheentscheid und in den 

Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit 

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist der 

Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 23. Juni 2017. Das 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 1 Abs. 

1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in 

Verbindung mit Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 des Bundesgesetzes über den 

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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sowie 

Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; 

BR 370.100) zur Beurteilung der Beschwerde sachlich und örtlich 

zuständig. Als formelle und materielle Adressatin des angefochtenen 

Entscheides ist die Beschwerdeführerin vom angefochtenen 

Einspracheentscheid berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an 

dessen gerichtlicher Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen 

frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 

60 und Art. 61 lit. a ATSG).

2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht verneinte und ob sie 

ihr korrekterweise eine Integritätsentschädigung für eine 

Integritätseinbusse von 20 % zusprach. Zentral ist dabei die Frage, ob die 

Beschwerdegegnerin bei der Bemessung der Integritätsentschädigung und 

des Invaliditätsgrades zu Recht ausschliesslich die unfallbedingten 

somatischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin berücksichtigte, 

mithin ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die psychogenen 

Beschwerden mangels adäquatem Kausalzusammenhang zum Unfall 

ausser Acht liess. Zu berücksichtigen ist der Sachverhalt, der sich bis zum 

Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids am 23. Juni 2017 

verwirklicht hat (BGE 132 V 215 E.3.1.1, 127 V 102 E.5e), und massgeblich 

ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit (BGE 133 V 504 E.3.3).

3. Bezüglich des anwendbaren Rechts ist zu beachten, dass am 1. Januar 

2017 die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung über die 

Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten sind. Gemäss Abs. 

1 der Übergangsbestimmungen werden Versicherungsleistungen für 

Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 

2015 ereignet haben, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend 

ereignete sich der Unfall am D.1._____, so dass grundsätzlich die bis zum 

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31. Dezember 2016 gültig gewesenen Bestimmungen Anwendung finden. 

Auf eine Differenzierung von bisherigem und neuem Recht kann indessen 

verzichtet werden, da sich die für das vorliegende Verfahren anwendbaren 

Bestimmungen mit Inkrafttreten der neuen Rechtssätze nicht geändert 

haben.

4. Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung werden bei 

Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen oder Berufskrankheiten gewährt (Art. 6 

Abs. 1 UVG). Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende 

Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen 

Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 

psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 

Vorliegend sind sich die Parteien darin einig, dass die Beschwerdeführerin 

einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitt, als sie am D.1._____ als 

Fussgängerin von einem Bus angefahren wurde.

5. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie 

infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid ist (Art. 18 Abs. 1 UVG). 

Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung hat eine 

versicherte Person, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche 

Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet 

(Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt also 

sowohl bezüglich der Invalidenrente als auch bezüglich der 

Integritätsentschädigung einen Kausalzusammenhang zwischen dem 

Unfall und den geltend gemachten Schädigungen voraus. Dabei ist 

kumulativ ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang 

erforderlich (BGE 129 V 177 E.3.3). Vorliegend sind sich die Parteien darin 

einig, dass ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen 

dem Unfall und der Schulterproblematik der Beschwerdeführerin besteht. 

Streitig und nachfolgend zu prüfen ist hingegen der Kausalzusammenhang 

zwischen dem Unfall und den psychogenen Problemen der 

Beschwerdeführerin. 

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6. Geprüft wird zunächst der natürliche Kausalzusammenhang. Im 

angefochtenen Entscheid liess die Beschwerdegegnerin offen, ob ein 

solcher vorliege. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, ihre psychischen 

Probleme seien durch den Unfall verursacht worden.

6.1. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind nach der 

Rechtsprechung alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der 

eingetretene gesundheitliche Schaden nicht als eingetreten oder nicht als 

in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten 

gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die 

Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass 

ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher 

Störungen ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit 

anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der 

versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht 

weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene 

gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E.3.1). Ob zwischen 

einem Unfall und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher 

Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die 

rechtsanwendende Behörde im Rahmen der ihr obliegenden 

Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die 

blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung 

eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E.3.1).

6.2. Zur Abklärung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist die 

rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen von medizinischen 

Fachpersonen angewiesen (BGE 122 V 157 E.1b). Die medizinischen 

Unterlagen unterliegen wie sämtliche Beweismittel in 

sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung (Art. 

61 lit. c ATSG). Es gilt das gesamte Beweismaterial objektiv zu würdigen, 

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bei sich widersprechenden medizinischen Berichten die Gründe 

anzugeben, warum auf die eine oder andere medizinische These 

abzustellen ist, und zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine 

zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten (BGE 

143 V 124 E.2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes ärztlicher 

Stellungnahmen ist entscheidend, ob diese auf allseitigen Untersuchungen 

beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation 

einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu 

überzeugen vermögen (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). 

Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist folglich 

grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen 

Bezeichnung als Bericht 

oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch hat es die 

Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 

lit. c ATSG) als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen 

medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung 

aufzustellen. So kommt den Berichten und Gutachten 

versicherungsinterner Ärzte voller Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig 

erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind 

und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache 

allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum 

Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität 

und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer 

Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung 

objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche 

Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht 

zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Arztes allerdings ein strenger 

Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee). Bestehen auch nur geringe 

Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen 

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ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen 

(BGE 139 V 225 E.5.2).

6.3. Im vorliegenden Fall finden sich zur Frage des natürlichen 

Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom D.1._____ und den 

psychischen Problemen der Beschwerdeführerin folgende ärztliche 

Aussagen:
Austrittsbericht des Spitals B._____ vom 19. Januar 2014: Es liege, nebst zahlreichen 

weiteren Diagnosen, eine depressive Störung vor (Beilage der Beschwerdegegnerin [Bg-

act.] 14 S. 22).

Bericht der Klinik C._____ vom 26. Februar 2014: Es liege eine depressive Störung vor. 

Die unfallbedingten körperlichen Einschränkungen und Schmerzen seien sehr frustrierend 

und psychologisch belastend (Bg-act. 14 S. 13 f.).

Bericht der PDGR vom 2. Mai 2014: Die Beschwerdeführerin sei den PDGR von der Klinik 

C._____ zur psychologischen Weiterbetreuung zugewiesen worden (Bg-act. 14 S. 1). Sie 

leide an einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen 

(Angst, Depression, Sorgen, Anspannung und Ärger) gemäss ICD-10 F43.23. Sie berichte 

von einer an und für sich psychosozial stabilen Situation. Seit zehn Jahren lebe sie eine 

gut funktionierende Beziehung, der Kontakt zum heute 40-jährigen Sohn sei innig und 

konstant, es gebe mehrere gute Bekannte. Seit dem Unfall habe sich die Situation massiv 

verändert. Die starken Schmerzen liessen eine Arbeitstätigkeit nicht mehr zu, sie fühle 

sich abhängig und ausgeliefert, es gebe Schlaf- und Konzentrationsstörungen (Bg-act. 14 

S. 2).

Kreisärztlicher Bericht von Dr. med. G._____, Facharzt für orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie FMH, vom 30. Juli 2014: Es liege nebst anderem eine depressive Störung 

vor. Diese sei die hauptsächliche Ursache für die kognitiven Beeinträchtigungen. Die 

depressive Störung sei unfallfremd (Bg-act. 63 S. 5). 

Schreiben von Dr. med. G._____ vom 18. August 2014: Er habe die depressive Störung 

als unfallfremd bezeichnet, weil im Bericht des Spitals Y._____ unter den Diagnosen 

neben der Arteriellen Hypertonie die Depression aufgeführt werde, so dass er davon 

ausgegangen sei, dass auch diese wohl zum Teil vorbestehend gewesen sei. Allerdings 

habe er diese Thematik anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung nicht thematisiert (Bg-

act. 81 S. 2).

Austrittsbericht der Rehaklinik E._____ vom 23. September 2014: Aus den beim Unfall 

erlittenen Verletzungen resultiere eine Anpassungsstörung nach ICD-10 F43.2 und eine 

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chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nach ICD-10 

F45.41 (Bg-act. 93 S. 1). Psychiatrischerseits sei bei der Beschwerdeführerin eine 

chronifizierte Schmerzstörung zu diagnostizieren, welche durch die Verletzungen beim 

Unfall vom D.1._____ ausgelöst, jedoch durch psychologische Faktoren aufrechterhalten 

und zur Exazerbation gebracht worden sei. Es bestehe zudem eine Anpassungsstörung 

aufgrund des erlebten körperlichen Integritätsverlustes durch die multiplen Verletzungen 

vor dem Hintergrund einer Persönlichkeitsstruktur mit hohem Autonomiebedürfnis. In 

Folge dessen habe die Beschwerdeführerin agoraphobisch anmutende Ängste entwickelt, 

so dass sie ein ausgeprägtes Verhaltensmuster der Schonung und Vermeidung aufgebaut 

habe. Der häusliche und soziale Rückzug habe zu einer gedanklichen Einengung auf das 

Schmerzerleben geführt und im Sinne eines gegenseitig negativ verstärkenden 

Aufschaukelungsprozesses zu einer Verfestigung eines anhaltend depressiv-ängstlichen 

Verhaltensmusters (Bg-act. 93 S. 3). Beim Eintrittsgespräch habe die Beschwerdeführerin 

angegeben, seit dem Unfall sei ihr Leben komplett verändert. Sie leide unter starken 

Schmerzen, verspüre grosse Wut gegenüber dem Busfahrer, sei häufig durch ihre 

Situation psychisch belastet und reagiere allgemein aggressiver, weshalb sie in 

psychotherapeutischer Behandlung sei (Bg-act. 93 S. 6).

Hausärztlicher Bericht von Dr. med. H._____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin 

FMH, vom 23. September 2014: Es bestehe eine leichte depressive Verstimmung im 

Rahmen der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin (Bg-act. 176 S. 27).

Kreisärztlicher Bericht von Dr. med. I._____, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie 

FMH, vom 6. Juli 2015: Aus dem Unfall resultiere eine Anpassungsstörung mit 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (Bg-act. 190 S. 1).

Kreisärztlicher Bericht von Dr. med. I._____ vom 10. Juli 2015: In die Kompetenz der 

Beschwerdegegnerin falle, nebst anderen Diagnosen, eine depressive Störung. Die von 

der Beschwerdeführerin angegebenen Konzentrations- und Merkstörungen würden 

gegebenenfalls gesondert nochmals evaluiert (Bg-act. 193 S. 7 f.).

Versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med. K._____, Facharzt für Neurologie 

FMH, vom 21. März 2016: Eine Depression sei als vorbestehend beschrieben worden und 

frühzeitig seien psychosoziale Faktoren erkennbar gewesen, welche den Heilverlauf 

beeinflusst hätten. Die Klinik C._____ habe eine psychologische Weiterbehandlung 

empfohlen, welche ab dem 18. März 2014 durch die PDGR in X._____ übernommen 

worden sei (Bg-act. 245 S. 9). Auf neurologischem Fachgebiet lägen keine strukturell 

objektivierbaren neurologischen Unfallfolgen mehr vor. Eine klare Aussage zur Frage, ob 

unfallbedingte neuropsychologische Defizite vorlägen, sei ausweislich der 

neuropsychologischen Untersuchung vom 15. August 2014 an der Rehaklinik E._____ 

nicht möglich (Bg-act. 245 S. 10). Das Leistungsvermögen werde wesentlich von der 

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psychischen Morbidität geprägt, zu der er aus neurologischer Sicht nicht Stellung nehmen 

könne (Bg-act. 245 S. 11).

Bericht der PDGR vom 14. September 2016: Aktuelle Diagnose sei eine depressive 

Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, nach ICD-10 F32.1. Die Beschwerdeführerin 

sei eine 65-jährige Patientin mit nun mehrjähriger Vorgeschichte psychiatrischer 

Symptome nach einem Verkehrsunfall mit Schädel-Hirn-Trauma. Aus psychiatrischer 

Sicht bestünden weiterhin vor allem affektive Symptome in Rahmen einer nun depressiven 

Episode sowie Angstsymptome. In diesem Sinne seien auch die weiterhin persistierenden 

kognitiven Einschränkungen zu sehen. Da die Symptome zeitlich nach dem Unfall 

aufgetreten seien und weiterhin persistierten und auch ein gewisser inhaltlicher 

Zusammenhang bestehe, könne ein kausaler Zusammenhang mit dem Unfall nicht 

gänzlich ausgeschlossen werden. In diesem Sinne sei eine psychiatrische Begutachtung 

mit entsprechender testpsychologischer Untersuchung zur genauen diagnostischen 

Abklärung und Eruieren einer möglichen kausalen Verbindung zu empfehlen (Bg-act. 264 

S. 2 f.).

6.4. Aus den in der vorstehenden Erwägung zitierten ärztlichen Aussagen ist 

ersichtlich, dass unmittelbar nach dem Unfall krankheitswertige psychische 

Beschwerden auftraten und in der Folge persistierten. Es zeigt sich auch, 

dass die überwiegende Mehrheit der involvierten Ärzte annahm, die 

psychischen Beschwerden wären ohne den Unfall nicht oder nicht in der 

gleichen Weise aufgetreten. Die Ärzte waren mithin der Ansicht, der Unfall 

sei klarerweise die Ursache oder zumindest nebst anderen Faktoren der 

entscheidende Auslöser der psychischen Probleme gewesen. Einzig im 

Bericht der PDGR vom 14. September 2016 wurde der ursächliche 

Zusammenhang lediglich als möglich beschrieben. Eine ärztliche Aussage, 

welche einen ursächlichen Zusammenhang mit nachvollziehbaren 

Gründen negieren würde, findet sich in den Akten nicht. Zwar bezeichnete 

der Kreisarzt Dr. med. G._____ die Diagnose der depressiven Störung in 

seinem Bericht vom 30. Juli 2014 zunächst als unfallfremd, korrigierte dies 

aber mit Schreiben vom 18. August 2014 dahingehend, dass diese 

Thematik bei der kreisärztlichen Untersuchung nicht thematisiert worden 

sei (vgl. vorne E.6.3). 

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6.5. Für einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der 

psychischen Problematik spricht auch, dass bei der Beschwerdeführerin 

kein depressiver oder sonstiger psychopathologischer Vorzustand vorlag. 

In der Besprechung vom 28. Februar 2014 gab die Beschwerdeführerin 

gegenüber der D._____ an, vor dem Unfall habe sie nie psychische 

Beschwerden gehabt und sei nie wegen psychischen Beschwerden in 

Behandlung oder arbeitsunfähig gewesen (Bg-act. 13 S. 21). Diese 

Aussage ist glaubhaft, finden sich doch in den Akten keine Hinweise auf 

psychische Probleme vor dem D.1._____. Irreführend ist in diesem 

Zusammenhang die versicherungsmedizinische neurologische Beurteilung 

vom 21. März 2016, in welcher Dr. med. K._____ ausführte, eine 

Depression sei als vorbestehend beschrieben worden (Bg-act. 245 S. 9). 

Damit bezog sich Dr. med. K._____ allem Anschein nach auf die 

ursprüngliche, falsche Aussage von Dr. med. G._____, ohne dessen 

Berichtigung zur Kenntnis genommen zu haben (vgl. vorne E.6.4).

6.6. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass gestützt auf die 

übereinstimmenden Aussagen der involvierten Ärzte der natürliche 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom D.1._____ und der in 

dessen Folge aufgetretenen psychischen Problematik der 

Beschwerdeführerin zu bejahen ist. 

7. Geprüft wird nun, ob neben dem natürlichen auch ein adäquater 

Kausalzusammenhang besteht.

7.1. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache 

eines Gesundheitsschadens zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich 

geeignet ist, einen Gesundheitsschaden von der Art des eingetretenen 

herbeizuführen, der Eintritt dieses Gesundheitsschadens also durch das 

Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E.3.2, 125 V 

456 E.5a). Die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs ist eine 

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Rechtsfrage, deren Beantwortung nicht einer medizinischen Fachperson, 

sondern der rechtsanwendenden Behörde obliegt (BGE 141 V 330 

E.6.2.3).

7.2. Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die 

Adäquanz praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit 

der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E.2). Im Bereich organisch 

nicht objektiv ausgewiesener Gesundheitsschäden hingegen hat die 

Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen 

Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers grosse 

Bedeutung (BGE 125 V 456 E.5c). Objektivierbar sind 

Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des 

Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von 

organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann 

gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen 

beziehungsweise bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die 

hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich 

anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1). Sind die geklagten Beschwerden 

nicht in diesem Sinne objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der 

Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind 

gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 

V 109 E. 2.1). Hat die versicherte Person bei einem Unfall ein 

Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS), eine dem Schleudertrauma 

äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, so ist die 

sogenannte Schleudertrauma-Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359 

E.6 und 134 V 109 E.10 anzuwenden und auf eine Differenzierung 

zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten. Ist die 

Schleudertrauma-Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich 

die Adäquanzkriterien von BGE 115 V 133 E. 6c/aa anzuwenden, welche 

für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden. 

Nach dieser sogenannten Psycho-Praxis werden die Adäquanzkriterien 

unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 134 V 109 E. 2.1 und 

- 15 -

6.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2010 vom 23. August 2010 E.3). 

Ausnahmsweise ist die Psycho-Praxis auch anzuwenden, wenn die 

versicherte Person zwar ein Schleudertrauma der HWS, eine dem 

Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirn-Trauma 

erlitten hat, wenn aber die zum typischen Beschwerdebild einer solchen 

Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im 

Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten 

(BGE 127 V 102 E.5b/bb, Urteil des Bundesgerichts 8C_430/2016 vom 31. 

Oktober 2016 E.7.1). Als typische Beschwerden in diesem Sinne gelten 

nach der Rechtsprechung diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, 

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, 

Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression und 

Wesensveränderung (BGE 119 V 335 E.1; Urteil des Bundesgerichts 

8C_430/2016 vom 31. Oktober 2016 E.7.1).

7.3. Im vorliegenden Fall steht mit der depressiven Störung der 

Beschwerdeführerin ein psychischer, organisch nicht objektiv 

ausgewiesener Gesundheitsschaden in Frage. Der adäquate 

Kausalzusammenhang deckt sich deshalb nicht mit dem natürlichen und ist 

nachfolgend gesondert zu prüfen. Dabei ist zunächst zu klären, ob die 

Beschwerdeführerin Verletzungen erlitten hat, welche die Anwendung der 

Schleudertrauma-Praxis rechtfertigen, oder ob der adäquate 

Kausalzusammenhang nach der Psycho-Praxis zu bestimmen ist.

7.3.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe beim Unfall am D.1._____ 

nebst zahlreichen anderen Verletzungen auch ein Schädel-Hirn-Trauma 

erlitten und in der Folge seien Beschwerden aufgetreten, welche 

typischerweise nach traumatischen Hirnverletzungen aufträten. Dem kann 

gefolgt werden, es geht zweifelsfrei aus den nachfolgend zitierten 

Arztberichten hervor.

Bericht des Spitals B._____ vom 8. Januar 2014: Es liege eine subarachnoidale Blutung 

im Inselbereich links vor. Bei der Einlieferung ins Spital habe die Beschwerdeführerin unter 

- 16 -

anderem eine 1 cm lange Rissquetschwunde am Oberlid des rechten Auges und eine 

oberflächliche Schürfwunde an der rechten Wange gehabt, sie sei allseits orientiert 

gewesen und der GCS habe bei 15 gelegen (Bg-act. 14 S. 22 ff.). 

Bericht des Spitals B._____ vom 8. Juli 2014: Die Beschwerdeführerin habe sich beim 

Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma mit Subarachnoidalblutung zugezogen. Die Blutung habe 

sich rasch resorbiert. Eine operative Intervention sei nicht nötig gewesen. Im Verlauf habe 

die Beschwerdeführerin über persistierenden, anfallartig auftretenden Schwindel geklagt 

sowie über starke Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Phasen der Aggressivität und 

ein subjektives Gefühl der Hörminderung. Eine Verlaufskontrolle mittels eines MRI des 

Schädels sei ohne Befund geblieben. Es seien spezialärztliche Kontrollen erfolgt. Dabei 

habe sich keine objektivierbare Ursache für die Sehstörung gefunden, habe die 

Hörminderung mittels audiometrischer Kontrolle nicht objektiviert werden können und sei 

der Schwindel mit einer diffusen Innenohrproblematik in Zusammenhang gestellt worden. 

Die Konzentrationsstörungen und die gelegentliche Aggressivität seien einerseits Folge 

des Schädel-Hirn-Traumas, anderseits Folge einer depressiven Entwicklung 

posttraumatisch. Alle diese Symptome hätten sich im Beobachtungszeitraum nicht 

gebessert (Bg-act. 44 S. 1 f.). 

Versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med. K._____, Facharzt für Neurologie 

FMH, vom 21. März 2016: Die Beschwerdeführerin habe eine traumatische Hirnverletzung 

mit bildgebend nachgewiesener oberflächlicher Subarachnoidalblutung erlitten. Diese 

Blutung sei regelrecht und komplikationslos resorbiert. Eine strukturelle organische 

Grundlage für neuropsychologische Beschwerden sei nicht mehr nachweisbar (Bg-act. 

245 S. 10).

Bericht des Spitals B._____ vom 18. Januar 2016: Die Beschwerdeführerin habe nach der 

Hirnblutung subjektiv neurokognitive Defizite erlebt. Es habe sich die Frage gestellt, ob 

Hämosiderinablagerungen im Hirn bestünden. Ein MRT des Neurokraniums vom 18. 

Januar 2016 habe keine erkennbaren Residuen im Bereich der damals stattgehabten 

subarachnoidalen Blutanteile links aufgezeigt, ebenso keinen Hinweis auf intrazerebrale 

Hämosiderinablagerungen, keine intrazerebralen Raumforderungen und keine frische 

Ischämie (Bg-act. 243).

7.3.2. Obwohl die Beschwerdeführerin beim Unfall vom D.1._____, wie gerade 

gezeigt, ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, ist zur Beurteilung der Adäquanz 

des Kausalzusammenhangs ausnahmsweise nicht die Schleudertrauma-, 

sondern die Psycho-Praxis anzuwenden. Der Grund liegt darin, dass bei 

der Beschwerdeführerin bereits unmittelbar nach dem Unfall auch eine 

- 17 -

psychische Problematik auftrat und dass die für ein Schädel-Hirn-Trauma 

typischen Beeinträchtigungen im Vergleich zu dieser psychischen 

Problematik im Lauf der Zeit deutlich in den Hintergrund traten (vgl. vorne 

E.7.2). Bereits im Austrittsbericht des Spitals B._____ vom 19. Januar 2014 

war neben den zahlreichen somatischen Diagnosen eine depressive 

Störung diagnostiziert (Bg-act. 14 S. 22). Auch der Bericht der Klinik 

C._____ vom 26. Februar 2014 enthielt diese Diagnose und nannte als 

Therapieziel unter anderem die psychische Stabilisierung (Bg-act. 14 S. 13 

f.). Ab März 2014 war die Beschwerdeführerin dann durchgehend bei den 

PDGR in Behandlung, meist ambulant, vom 25. November 2014 bis zum 

15. Januar 2015 tagesklinisch (Bg-act. 264 S. 1, 119 S. 1, 140). Mit 

Schreiben vom 3. Februar 2015 gaben die PDGR an, die 

Beschwerdeführerin sei auf eigenen Wunsch aus der Tagesklinik 

ausgetreten, obwohl sie weiterhin intensivere Betreuung benötige. Ein 

erneuter stationärer Reha-Aufenthalt mit Schwergewicht auf der 

psychosomatischen Behandlung sei zu befürworten (Bg-act. 140). Zum 

massgeblichen Zeitpunkt bei Erlass des angefochtenen 

Einspracheentscheids am 23. Juni 2017 stand die depressive Störung 

absolut im Vordergrund. Die nach dem Unfall aufgetretenen 

Kopfschmerzen wurden bereits im Bericht der Rehaklinik E._____ vom 23. 

September 2014 nicht mehr als eines der Hauptprobleme bezeichnet (Bg-

act. 93 S. 3) und im Bericht der PDGR vom 14. September 2016 wurden 

gar keine Kopfschmerzen mehr erwähnt (Bg-act. 264). Visusstörungen 

wurden bei der Befundaufnahme bei Eintritt in die Rehaklinik E._____ am 

7. August 2014 keine mehr festgestellt (Bg-act. 93 S. 8) und danach weder 

im Bericht des Hausarztes Dr. med. H._____ vom 23. September 2014 

erwähnt (Bg-act. 176 S. 27 f.) noch bei der kreisärztlichen Untersuchung 

vom 1. Juli 2015 thematisiert (Bg-act. 193 S. 5 ff.). Beim Schwindel zeigte 

sich ein ähnlicher Verlauf, er beeinträchtigte die Beschwerdeführerin nach 

dem Unfall recht stark, findet aber bei Austritt aus der Rehaklinik E._____ 

am 11. September 2014 keine Erwähnung mehr (Bg-act. 93 S. 9) und 

- 18 -

wurde in der Folge weder vom Hausarzt noch vom Kreisarzt genannt (Bg-

act. 176 S. 27 f., 193 S. 5 ff.).

7.3.3. Aus den soeben dargelegten Gründen hat die Beschwerdegegnerin zur 

Klärung des adäquaten Kausalzusammenhangs zu Recht die Psycho-

Praxis angewendet. Ob sich die Anwendung der Psycho-Praxis auch mit 

dem Schweregrad der Kopfverletzung begründen liesse, wie dies die 

Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid tat, ist 

deshalb für das Ergebnis dieses Verfahrens unerheblich. Der 

Vollständigkeit halber sei die diesbezügliche Rechtslage dennoch kurz 

dargelegt. Nach der Rechtsprechung rechtfertigt sich die analoge 

Anwendung der Schleudertrauma-Praxis nur dann, wenn die erlittene 

Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen einer Commotio 

und einer Contusio cerebri liegt (Urteile des Bundesgerichts 8C_75/2016 

vom 18. April 2016 E.4.2 und 8C_270/2011 vom 28. Juli 2011 E.2.1). Zur 

Bestimmung des Schweregrads eines Schädel-Hirn-Traumas stellte die 

Rechtsprechung zunächst einzig auf den Punktwert der Glasgow-Coma-

Skala (GCS) ab (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 

276/04 vom 13. Juni 2005 E.2.2.1). Dieser Punktwert zeigt aufgrund einer 

Prüfung motorischer und sprachlicher Reaktionen das Ausmass der 

Bewusstseinsstörung auf. Dabei wird einem leichten Schädel-Hirn-Trauma 

ein GCS-Wert von 15 bis 13 zugeordnet, einem mittelschweren ein solcher 

von 12 bis 9 und einem Schweren ein solcher von 8 bis 3 

(www.pschyrembel.de/ Schädelhirntrauma, zuletzt eingesehen am 27. 

März 2019). In seiner jüngeren Praxis bezog das Bundesgericht neben dem 

GCS-Wert weitere Aspekte mit ein und umschrieb die Commotio cerebri 

gestützt auf das MSD-Manual der Diagnostik und Therapie (vgl. 

www.msdmanuals.com) als Zustand vorübergehender, schnell reversibler 

neurologischer Dysfunktion, der mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kurz 

nach der Verletzung einhergeht, wobei der Verletzte oft eine Amnesie für 

die Zeit der Verletzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung hat aber 

keine neurologischen Auffälligkeiten bestehen. Die Contusio cerebri 

http://www.msdmanuals.com

- 19 -

umschrieb das Bundesgericht als fokale Gewaltanwendung auf das 

zerebrale Gewebe, die mit kleinen parenchymatösen Blutungen 

oder einem lokalen Ödem einhergeht (Urteil des Bundesgerichts 

8C_75/2016 vom 18. April 2016 E.4.2). Charakteristisch für eine Contusio 

cerebri seien feststellbare intrakranielle Läsionen beziehungsweise 

messbare Defektzustände (Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2015 E.4.4). 

Im vorliegenden Fall finden sich in den Akten keine ärztlichen Äusserungen 

zum Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas. Angesichts der 

subarachnoidalen Blutungen im Inselbereich links wäre wohl, wie die 

Beschwerdeführerin geltend macht, trotz des GCS-Wertes von 15 von 

einem Fall im Grenzbereich zwischen einem leichten und einem 

mittelschweren oder gar einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma 

auszugehen. Die Einstufung kann aber wie gesagt offenbleiben, da die 

Anwendung der Psycho-Praxis aus anderen Gründen gerechtfertigt war 

(vgl. vorne E.7.3.2).

7.4. Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung entsprechend der Psycho-Praxis 

bildet das objektiv erfassbare Unfallereignis. Im Rahmen einer 

objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als 

leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren 

Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den 

leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend für die Beurteilung 

der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich 

dabei entwickelnden Kräften und die unmittelbar beim Unfall erlittenen 

Verletzungen (BGE 140 V 356 E.5.1, 115 V 133 E.6). Nicht zu 

berücksichtigen sind das subjektive Erleben des Unfalls durch die 

verunfallte Person und die Folgen, welche sich im Lauf der Zeit als 

Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 E.5.3, 115 V 133 E.6). 

Vorliegend stufte die Beschwerdegegnerin den Unfall der 

Beschwerdeführerin im angefochtenen Einspracheentscheid als 

mittelschwer ein. Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens präzisierte sie, 

der Unfall sei mittelschwer im eigentlichen Sinne. Die Beschwerdeführerin 

- 20 -

vertritt demgegenüber die Ansicht, der Unfall sei als mittelschwer im 

Grenzbereich zu schwer oder als schwer einzustufen. Im Folgenden wird 

geprüft, welche dieser Einstufungen zutrifft.

7.4.1. Aus dem Bericht der Kantonspolizei Graubünden vom 16. Januar 2014 

geht hervor, dass die Beschwerdeführerin am D.1._____ um zirka 17 Uhr 

von einem Bus angefahren wurde, als sie die L._____-strasse in X._____ 

zu Fuss überquerte. Durch den Aufprall wurde sie mehrere Meter 

zurückgeschleudert und blieb verletzt am Boden liegen (Bg-act. 15 S. 3). 

Wie weit die Beschwerdeführerin weggeschleudert wurde, lässt sich nicht 

genau sagen. Auf dem Fotoblatt der Kantonspolizei ist ersichtlich, dass die 

Endlage der Beschwerdeführerin von der Endlage des Busses rund sechs 

Meter entfernt war (Bg-act. 15 S. 10, beziehungsweise nachgereichte 

Beilage 1 der Beschwerdegegnerin Foto Nr. 5). Diese Distanz entspricht 

aber entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht der Strecke, 

über welche die Beschwerdeführerin weggeschleudert wurde. Der 

Buschauffeur sah die Beschwerdeführerin erst unmittelbar vor der Kollision 

(Protokoll der polizeilichen Einvernahme des Buschauffeurs, Bg-act. 15 S. 

15 f.). Es ist deshalb anzunehmen, dass der Bus bei der Kollision erst wenig 

abgebremst hatte und nach der Kollision noch einige Meter weiterfuhr bis 

er zum Stillstand kam. Die Strecke, über welche die Beschwerdeführerin 

weggeschleudert wurde, ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

deutlich grösser als sechs Meter. Die Kollision war sodann so heftig, dass 

die Frontscheibe des Busses zu Bruch ging (Bg-act. 15 S. 12 f., 

beziehungsweise nachgereichte Beilage 1 der Beschwerdegegnerin Foto 

Nr. 7). Die Auswertung des Fahrtenschreibers ergab, dass der Bus zum 

Zeitpunkt der Kollision eine Geschwindigkeit von 39.1 km/h hatte 

(Schlussbericht der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 2. Dezember 

2014, Beilage der Beschwerdeführerin act. 3 S. 3). Die 

Beschwerdeführerin erlitt ein Polytrauma mit Leberruptur, Humerus-, 

Beckenring- und Rippenserienfraktur sowie Schädel-Hirn-Trauma und war 

bei Einlieferung ins Spital in Lebensgefahr (Bg-act. 14 S. 34, 15 S. 31 f.).

- 21 -

7.4.2. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Kasuistik ist dieses 

offensichtlich heftige und mit sehr grosser Krafteinwirkung auf die 

Beschwerdeführerin verbundene Unfallereignis als schwererer Unfall im 

mittleren Bereich oder gar als mittelschwer im Grenzbereich zu einem 

schweren Unfall einzustufen (vgl. BGE 115 V 133 E.6c/bb). Vergleichbar 

sind vor allem folgende Fälle: 

Schwerere Unfälle im mittleren Bereich:

- Eine Person hielt ihr Auto nachts auf einer unbeleuchteten Ausserortsstrecke an und 

überquerte die Fahrbahn zu Fuss. Dabei wurde sie von einem entgegenkommenden 

Fahrzeug angefahren und erlitt Frakturen am Becken und am rechten Ellbogen sowie 

eine Commotio cerebri (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 366/05 

vom 10. April 2006 E.2.2).

- Eine Person stürzte aus 4 m Höhe aufs Gesäss und erlitt Kompressionsfrakturen an 

zwei Brustwirbelkörpern (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 196/01 

vom 18. März 2003 E.3.2.3).

Mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu einem schweren Unfall:

- Bei einer Kollision auf der Autobahn prallte ein Autofahrer an die Tunnelwand und 

durch heftigen Kopfanprall barst die Windschutzscheibe seines Autos, wobei er eine 

HWS-Distorsion erlitt (Urteil 8C_257/2008 vom 4. September 2008 E. 3.3.2).

- Ein Skifahrer, welcher der Kollision mit einem anderen Skifahrer ausweichen musste, 

prallte mit dem Kopf mit voller Wucht gegen einen Baum und erlitt eine HWS-

Distorsion (Urteil des Bundesgerichts 8C_42/2009 vom 1. Oktober 2009 E. 5.2).

- Eine Person erlitt beim Reinigen einer Dachrinne einen Stromstoss und stürzte 

bewusstlos aus rund 3 m Höhe auf den Betonboden, wobei sie sich eine 

Jochbeinfraktur eine Commotio cerebri, eine kleine Subarachnoidalblutung und 

multiple Prellungen zuzog (Urteil des Bundesgerichts 8C_584/2010 vom 11. März 

2011 E.4.2.4).

- Ein Bauarbeiter fiel aus einer Höhe von etwa 7 bis 8 m auf Humusboden und zog sich 

eine Commotio cerebri, Kontusionen an HWS und Lendenwirbelsäule (LWS) und 

multiple Prellungen zu (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 168/04 

vom 8. Oktober 2004 E.5.2).

- Ein Velofahrer wurde von einem Automobilisten angefahren und auf die Strasse 

geschleudert (Urteil des Bundesgerichts 8C_757/2008 vom 16. Dezember 2008).

- 22 -

- Eine Fussgängerin wurde auf dem Fussgängerstreifen angefahren und 15 bis 20 

Meter durch die Luft geschleudert, wobei sie eine Commotio cerebri und eine 

Rippenfraktur erlitt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 214/04 vom 

15. März 2005 E.2.2.5).

Dass vorliegend die Kollision der Beschwerdeführerin mit dem Ortsbus als 

schwererer Unfall im mittleren Bereich oder gar als mittelschwerer Unfall 

im Grenzbereich zu den schweren Unfällen einzuordnen ist, ergibt auch der 

Vergleich mit den nachfolgend aufgelisteten Fällen, welche vom 

Bundesgericht als mittelschwer im engeren Sinne eingestuft wurden und 

welche insgesamt als deutlich weniger heftig erscheinen oder deutlich 

weniger schwere Verletzungen zur Folge hatten:

- Einem Bauarbeiter fiel bei der Arbeit eine Packung mit Isolationsmaterial von 4.4 kg aus 

einer Höhe von 12 m auf den behelmten Kopf. Er erlitt eine Commotio cerebri und eine 

Distorsion der HWS (Urteil des Bundesgerichtes 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008 E.8.1).

- Eine Fussgängerin wurde beim Überqueren einer Strasse im Bereich eines 

Fussgängerstreifens von einem mit einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/h 

herannahenden Personenwagen erfasst, wobei sie auf die Motorhaube geschleudert 

wurde, den Kopf an der Windschutzscheibe anschlug und anschliessend auf die 

Fahrbahn zurückgeworfen wurde. Sie erlitt ein leichtes Schädel-Hirntrauma und Brüche 

am rechten Oberarmknochen, der rechten Elle sowie am rechten Wadenbein (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_236/2016 vom 11. August 2016 E.6.1.2).

- Einem Bauarbeiter fiel eine etwa 15 kg schwere Reklametafel aus einer Höhe von etwa 

2 m auf den Kopf, wobei er eine Kopf- und HWS-Kontusion erlitt (Urteil des 

Bundesgerichtes 8C_715/2009 vom 30. März 2010 E.6.2).

- Eine Person stürzte eine Treppe hinunter und erlitt eine milde traumatische 

Hirnverletzung (Urteil des Bundesgerichts 8C_572/2015 vom 23. November 2015 E.3).

7.5. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren 

Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden 

kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen, die wie der 

vorliegende dem mittleren Bereich zuzuordnen sind, nicht aufgrund des 

Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv 

erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in 

- 23 -

Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen 

davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen (BGE 134 V 

109 E.10.1). Solche - unfallbezogenen - Umstände können als 

Beurteilungskriterien dienen, weil sie ihrerseits nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sind, in 

Verbindung mit dem Unfall zu einer psychisch bedingten 

Erwerbsunfähigkeit zu führen oder diese zu verstärken (BGE 115 V 133 

E.6c/aa). Als solche Adäquanzkriterien gelten nach konstanter 

Rechtsprechung (129 V 177 E.4.1; 115 V 133 E.6c/aa): 

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere 

Eindrücklichkeit des Unfalls

- die Schwere oder die besondere Art der erlittenen (somatischen) 

Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, 

psychische Fehlentwicklungen auszulösen 

- eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung

- (körperliche) Dauerschmerzen

- eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich 

verschlimmert 

- ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen 

- der Grad und die Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit 

Ist ein Unfall - wie der vorliegend zu beurteilende - als schwererer Unfall im 

mittleren Bereich oder gar als mittelschwer im Grenzbereich zu den 

schweren Unfällen einzustufen, so genügt die Erfüllung eines einzigen 

Adäquanzkriteriums, um den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen 

dem Unfall und den psychischen Beschwerden als adäquat erscheinen zu 

lassen (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, Urteile des Bundesgerichts 8C_308/2014 

vom 17. Oktober 2014 E.4.2 und 8C_746/2008 vom 17. August 2009 E.5.2, 

Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 196/01 vom 18. März 

2003 E.3.2.3). 

- 24 -

7.6. Es werden nun die einzelnen Adäquanzkriterien geprüft. Dabei sind - wie 

erwähnt (vgl. vorne E.7.2) - die psychischen und neuropsychologischen 

Aspekte nicht mit einzubeziehen, sondern es sind nur die physischen 

beziehungsweise somatischen Komponenten zu berücksichtigen. Letztere 

lassen sich nach der Rechtsprechung ab dem Zeitpunkt zuverlässig 

beurteilen, in welchem von einer Fortsetzung der auf die somatischen 

Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr 

erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E.6.1). Im vorliegenden Fall war 

dieser somatische Endzustand spätestens am 21. März 2016 erreicht. In 

der versicherungsmedizinischen Beurteilung dieses Datums gab Dr. med. 

K._____ an, auf neurologischem Fachgebiet sei 27 Monate nach dem 

Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich ein Endzustand erreicht (Bg-

act. 245 S. 11). Bereits zuvor hatte der Kreisarzt Dr. med. I._____ in seinem 

Bericht vom 10. Juli 2015 ausgeführt, die Frakturen seien als geheilt zu 

betrachten, und bei der prothetischen Versorgung der linken Schulter sei 

nur noch bis Ende Juli 2015 Physiotherapie indiziert (Bg-act. 193 S. 7).

7.6.1. Die Parteien sind sich zu Recht einig, dass keine besonders dramatischen 

Begleitumstände und keine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls 

gegeben sind. Jedem mindestens mittelschweren Unfall ist eine gewisse 

Eindrücklichkeit eigen, die somit noch nicht für eine Bejahung des 

Kriteriums ausreichen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_100/2011 vom 

1. Juni 2011 E.3.5.1).

 

7.6.2. Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, das Kriterium der Schwere oder 

der besonderen Art der erlittenen somatischen Verletzungen, insbesondere 

ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen 

auszulösen, sei vorliegend nicht erfüllt. Die Beschwerdeführerin ist 

gegenteiliger Ansicht, wie nachfolgend gezeigt wird, zu Recht. Die 

Beschwerdeführerin erlitt bei der Kollision mit dem Bus ein Polytrauma, 

welches aufgrund des Blutverlustes beziehungsweise des Hirndrucks 

lebensgefährlich war (Arztbericht des Spitals B._____ zu Handen der 

- 25 -

Polizei; Bg-act. 15 S. 31 f.). Aus dem Austrittsbericht des Spitals B._____ 

gehen im Detail folgende Verletzungen hervor: Leberruptur der kranialen 

Hälfte des rechten Leberlappens mit diffuser Einblutung in den rechten 

Leberlappen, mehrfragmentäre subkapitale Humerusfraktur, beidseitige 

vordere und hintere Beckenringfraktur, subarachnoidale Blutung im 

Inselbereich links, Rippenserienfraktur von der 4. bis 10. Rippe mit 

Dislokation bei den 4. bis 7. Rippen, Hämatothorax, Pneumothorax, 

Weichteilemphysem und Verdacht auf eine Kniekontusion (Bg-act. 14 S. 

22). Die Beschwerdeführerin musste während elf Tagen, auf der 

Intensivstation behandelt werden, danach rund einen Monat lang auf der 

Station (Bg-act. 14 S. 37). Die Schmerzen im Schulter- und Beckenbereich 

waren so stark, dass sie mit Morphin therapiert werden mussten, zur 

analgetischen Therapie der Rippenserienfraktur erhielt die 

Beschwerdeführerin einen Periduralkatheter (Bg-act. 14 S. 37). Die 

Humerusfraktur musste operativ versorgt werden (Bg-act. 14 S. 35). Nach 

dem Spitalaufenthalt war eine rund einmonatige Rehabilitation in der Klinik 

C._____ nötig (Bg-act. 14 S. 13). Zirka ein halbes Jahr später wurde eine 

weitere rund einmonatige Rehabilitation in der Rehaklinik E._____ 

notwendig (Bg-act. 93 S. 1). Angesichts der zahlreichen, zum Teil 

lebensbedrohlichen und äusserst schmerzhaften Verletzungen, welche zu 

einer dauernden Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im 

Service führten (Bg-act. 93 S. 2 und 5), und aufgrund der 

Erfahrungstatsache, dass ein Unfall dieses Ausmasses auch eine zuvor 

gesunde Person verunsichern und psychisch destabilisieren kann, ist das 

Kriterium der Schwere der erlittenen somatischen Verletzungen zumindest 

in einfacher Form erfüllt. 

7.6.3. Dieses eine erfüllte Adäquanzkriterium genügt bereits, um den adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen 

Beschwerden zu bejahen, weil der Unfall der Beschwerdeführerin wie 

gezeigt als schwererer Unfall im mittleren Bereich oder gar als mittelschwer 

im Grenzbereich zu den schweren Unfällen einzustufen ist (vgl. vorne 

- 26 -

E.7.5). Ob noch weitere Adäquanzkriterien erfüllt wären, kann deshalb 

offengelassen werden. 

7.7. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass der adäquate 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall der Beschwerdeführerin und 

ihren psychogenen Beschwerden entgegen der Ansicht der 

Beschwerdegegnerin zu bejahen ist. Demzufolge hat die 

Beschwerdegegnerin bei der Festlegung der Integritätsentschädigung und 

bei der Bemessung des Invaliditätsgrades die psychischen Beschwerden 

der Beschwerdeführerin zu Unrecht nicht mit einbezogen.

8. Die medizinische Aktenlage erlaubt es nicht, im vorliegenden Verfahren 

über die Höhe der Integritätsentschädigung und über den Rentenanspruch 

zu entscheiden. Die Beschwerdegegnerin liess nur die somatischen 

Beschwerden eingehend abklären. Der Kreisarzt Dr. med. I._____, 

Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie, legte den 

Integritätsschaden aufgrund der bleibenden Funktionsstörung der 

endoprothetisch versorgten Schulter in seinem Bericht vom 6. Juli 2015 auf 

20 % fest (Bg-act. 190 S. 1 f.). Diese Einschätzung wurde von Dr. med. 

I._____ nachvollziehbar begründet. Sie wurde von der Beschwerdeführerin 

nicht bestritten und es gibt keine Hinweise darauf, dass sie nicht 

angemessen wäre. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht 

führte Dr. med. I._____ in seinem Bericht vom 10. Juli 2015 über die 

kreisärztliche Untersuchung vom 1. Juli 2015 aus, auf dem allgemeinen 

Arbeitsmarkt bestehe trotz der verbleibenden orthopädischen 

Unfallrestfolgen noch eine ganztägige Arbeitsfähigkeit für leichte bis 

mittelschwere Tätigkeiten mit Hantieren von Lasten von maximal 5 kg ohne 

Überkopfarbeiten, ohne Schläge oder Vibrationen auf den linken Arm und 

ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten (Bg-act. 193 S. 8). Auch diese 

Beurteilung erscheint sachgerecht und wurde von der Beschwerdeführerin 

nicht bestritten. Zur Frage, ob und inwieweit die Beschwerdeführerin durch 

die unfallbedingten psychischen Probleme in ihrer Integrität eingeschränkt 

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ist und welche Auswirkungen diese psychischen Probleme auf ihre 

Arbeitsfähigkeit haben, finden sich in den Akten hingegen keine 

verwertbaren Angaben. Die Beschwerdegegnerin veranlasste zu Unrecht 

keine Abklärung aus psychiatrischer Perspektive und in den aktenkundigen 

psychiatrischen Berichten wurde diese Frage nicht behandelt (Bg-act. 264). 

Die Beschwerdegegnerin hat somit eine Abklärung durch geeignete 

psychiatrische und neuropsychologische Fachpersonen zu veranlassen 

und nach entsprechender Vervollständigung der Akten neu über die 

Integritätsentschädigung und den Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin zu entscheiden. Dabei erschiene es sachdienlich, 

wenn die Beschwerdegegnerin die Ausführungen der Beschwerdeführerin 

auf S. 5 ff. der Replik prüfen würde.

9. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich somit als rechtswidrig. 

Die medizinische Beweislage ist unvollständig und erlaubt keine 

zuverlässige Beurteilung der streitigen Ansprüche. Die Beschwerde ist 

folglich gutzuheissen, der angefochtene Einspracheentscheid ist 

aufzuheben und die Angelegenheit ist zur ergänzenden psychiatrischen 

und neuropsychologischen Abklärung sowie zur neuen Entscheidung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

10. Für das vorliegende Verfahren werden keine Gerichtskosten erhoben, da 

das kantonale Beschwerdeverfahren in unfallversicherungsrechtlichen 

Streitigkeiten grundsätzlich kostenlos ist (Art. 61 lit. a ATSG).

11. Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Die Rückweisung der Sache an die 

Verwaltung zur weiteren Abklärung und zu neuem Entscheid gilt als 

vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_192/2017 vom 25. 

August 2017 E.8.1). Vorliegend hat die anwaltlich vertretene 

Beschwerdeführerin somit Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese 

wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den 

Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit 

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des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin reichte eine Honorarnote vom 10. Januar 2018 über 

Fr. 5‘775.40 (inkl. Spesen und MWST) für einen Aufwand von 19,7 Stunden 

zu einem Stundenansatz von Fr. 270.-- und eine entsprechende 

Honorarnote ein. Der geltend gemachte Aufwand erscheint angesichts der 

Komplexität des Falles angemessen und der Stundenansatz ist nicht zu 

beanstanden. Die Beschwerdegegnerin hat somit die Beschwerdeführerin 

aussergerichtlich mit Fr. 5‘775.40 zu entschädigen.

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Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Einspracheentscheid der 

Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) vom 23. Juni 2017 

wird aufgehoben und die Angelegenheit wird an die SUVA zurückgewiesen 

zur Vervollständigung der medizinischen Akten und zur neuen Verfügung 

über den Rentenanspruch und die Integritätsentschädigung.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) entschädigt 

A._____ aussergerichtlich mit Fr. 5‘775.40 (inkl. MWST).

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]