# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4f2d1dc5-67b4-52b6-96f3-bed7c7991f7d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.09.2011 D-4599/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4599-2011_2011-09-14.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­4599/2011
law/rep

U r t e i l   v om   1 4 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Pietro Angeli­Busi,
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, 
geboren am (…), sowie deren Kinder C._______, geboren 
am (…), und D._______, geboren am (…),
Eritrea,
c/o schweizerische Vertretung in Khartum,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;
Verfügung des BFM vom 20. Juni 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Mit  der  schweizerischen  Botschaft  in  Khartum  am  7. September  2010 
zugegangener  Eingabe  beantragten  die  Beschwerdeführenden 
sinngemäss,  es  sei  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks 
Durchführung eines Asylverfahrens zu bewilligen. Als Beilage  legten sie 
ihrem  Asylgesuch  ein  Schreiben  des  Amtes  des  Hohen 
Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  über  die 
Fortführung des Flüchtlingsstatus vom 31. März 2003 sowie vom UNHCR 
am 31. August 2010 ausgestellte Be­stätigungen, wonach sie im Gefolge 
einer  weiteren  Überprüfung  ihres  Flüchtlingsstatus  im  Jahre  2010  nach 
wie vor von der sudanesischen Regierung als Flüchtlinge anerkannt seien 
und als solche sowohl seitens des UNHCR als auch der sudanesischen 
Regierung registriert worden seien, bei.

B. 
Mit  Schreiben  vom  19. November  2010  teilte  das  BFM  den 
Beschwerdeführenden mit, dass gemäss Art. 20 Abs. 2 des Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  das  BFM  Asylsuchenden  für 
weitere  Abklärungen  zu  den  Asylgründen  die  Einreise  in  die  Schweiz 
bewilligen  könne,  falls  es  diesen  nicht  zugemutet  werden  könne,  im 
Drittstaat  (hier:  Sudan)  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land 
weiterzureisen.  Gemäss  aktueller  Entscheidpraxis  würden  solche 
Einreisebewilligungen  sehr  restriktiv  gehandhabt.  Eine 
Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  setze  zunächst  (im  Sinne  einer 
Vorbedingung) eine akute und schwere Gefährdung von Leib und Leben 
des Asylsuchenden voraus. Weitere Faktoren bei der Prüfung der Frage 
einer  Einreisebewilligung  seien  die  Schutzmöglichkeiten  im 
gegenwärtigen Drittland  (hier: Sudan), die Beziehungsnähe zur Schweiz 
und  die  zu  erwartende  Integration  in  der Schweiz. Da  das UNHCR alle 
Eritreer,  die  im  Sudan  Zuflucht  suchten,  ungeachtet  ihrer  Fluchtgründe 
registriere  und einem Flüchtlingslager  zuweise,  und  sich  zusammen mit 
den  sudanesischen  Behörden  um  die  Grundversorgung  kümmere, 
erachte  das  BFM  den  Verbleib  von  Schutzsuchenden  im  Sudan  als 
zumutbar, weshalb es entsprechende Asylgesuche in der Regel ablehne. 
Diese  Praxis  des  BFM  sei  durch  die  höchstrichterliche Rechtsprechung 
der  Schweiz  in  Asylangelegenheiten,  also  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht,  bestätigt  worden,  das  etwa  im  Urteil  D­
2047/2010 vom 29. April 2010  festgehalten habe, dass die betreffenden 
Personen  im  Sudan  nicht  unüberwindbaren  Schwierigkeiten 

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gegenüberstünden  und  aufgrund  des  vom  UNHCR  und  den 
sudanesischen  Behörden  garantierten  Schutzes  ein  dortiger  Verbleib 
erwartet  werden  könne.  Die  Erfolgsaussichten  für  die  Erteilung  einer 
Einreisebewilligung  seien  auch  im  vorliegenden Fall  gering. Gleichzeitig 
räumte das BFM den Beschwerdeführenden die Gelegenheit ein, sich bis 
zum  19. Dezember  2010  zur  Frage  zu  äussern,  ob  sie  an  ihrem 
Asylgesuch festhalten wollten oder nicht.

C. 
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2010 (Posteingang Botschaft) hielten die 
Beschwerdeführenden an ihrem Asylgesuch fest.

D. 
Mit  Schreiben  vom  17. Mai  2011  teilte  das  BFM  den 
Beschwerdeführenden  mit,  dass  gemäss  Mitteilung  der  Schweizer 
Botschaft  in  Khartum  vom  23. März  2010  eine  Befragung  vor  Ort  aus 
sicherheitstechnischen,  strukturellen  und  organisatorischen  Gründen 
nicht möglich sei, weshalb von einer solchen abgesehen werde, was der 
Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  entspreche  (BVGE 
2007/30,  E. 5.8  S. 367 f.).  Gleichzeitig  ersuchte  das  BFM  die 
Beschwerdeführenden  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen zu deren Aufenthalt  in 
Eritrea,  zu  Familienangehörigen  und  Verwandten  in  Drittstaaten,  zu 
Ereignissen,  die  zur  Ausreise  aus  Eritrea  geführt  hätten,  und  zum 
Aufenthalt  im Sudan (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.4 S. 364 f.). Zudem wurde 
ihnen  die  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  vom  23.  März  2010 
ausgehändigt.

E. 
Mit  Stellungnahme  vom  6. Juni  2011  (Posteingang  Botschaft) 
beantworteten  die  Beschwerdeführenden  das  Schreiben  des  BFM  vom 
17. Mai 2011.

F. 
Der  Beschwerdeführer  A._______  machte  in  den  Eingaben  vom 
7. September  2010,  13. Dezember  2010  und  vom  6. Juni  2011  im 
Wesentlichen  geltend,  er  habe  sich  im  Jahre  (…)  der  "Eritreischen 
Befreiungsfront"  ("Eritrean  Liberation  Front",  ELF)  angeschlossen  und 
vier Jahre lang gegen die äthiopischen Machthaber gekämpft, bis die ELF 
von der "Eritreischen Volksbefreiungsfront" ("Eritrean People's Liberation 
Front",  EPLF)  besiegt  worden  sei  und  sich  die  ELF­Kämpfer  in  alle 

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Richtungen zerstreut hätten. Im Jahre 1981 sei er in den Sudan geflohen, 
wo er den Flüchtlingsstatus erhalten habe. Im Sudan lebe er zusammen 
mit seiner Ehefrau und seinen vier Kindern in Khartum. Sämtliche seiner 
Kinder  seien  Analphabeten,  da  sie  die  Schule  nicht  hätten  besuchen 
dürfen. Zudem seien diese von den sudanesischen Kindern benachteiligt 
worden. Ferner hätten er und seine Familie ungenügenden Schutz vom 
UNHCR und von der sudanesischen Regierung erhalten. Ferner sei sein 
Haus  in  Khartum  von  Agenten  der  eritreischen  Botschaft  und  deren 
sudanesischen  Partnern  niedergebrannt  worden.  Schliesslich  sei  seine 
Frau  schon  mehrmals  von  den  sudanesischen  Behörden  inhaftiert 
worden,  weil  sie  auf  der  Strasse  Tee  verkauft  habe.  Das  Leben  in 
Khartum sei sehr hart.

G. 
Mit  Verfügung  vom  20. Juni  2011  –  eröffnet  am  18. Juli  2011 – 
verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die 
Schweiz  und  lehnte  deren Asylgesuche  ab.  Zur  Begründung  führte  das 
BFM im Wesentlichen aus, die Schilderungen der Beschwerdeführenden 
liessen darauf schliessen, dass ihre Schwierigkeiten mit den eritreischen 
Behörden asylbeachtlich seien. Indessen könne aufgrund des vollständig 
erstellten  Sachverhaltes  davon  ausgegangen  werden,  dass  keine 
unmittelbare  Gefährdung  vorliege,  welche  eine  sofortige  Einreise  der 
Beschwerdeführenden in die Schweiz als notwendig erscheinen lasse. Im 
Folgenden sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz der 
Asylausschlussgrund  von Art.  52  Abs.  2  AsylG  entgegenstehe,  wonach 
einer  Person  das  Asyl  verweigert  werden  könne,  wenn  ihr  zugemutet 
werden könne, sich  in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. 
Der Beschwerdeführer A._______ habe sich eigenen Angaben zufolge im 
April  1981  beim  UNHCR  im  Sudan  registrieren  lassen,  den 
Flüchtlingsstatus  erhalten  und  sich  im  Flüchtlingslager  E._______  in 
F._______ aufgehalten, bevor er 1983 nach Khartum gezogen sei, weil er 
die  Sicherheitslage  im  Flüchtlingslager  als  ungenügend  erachtet  habe. 
Zwar  –  so  das  BFM  –  sei  die  Lage  der  eritreischen  Flüchtlinge  und 
Asylbewerber  im  Sudan  angesichts  deren  Anzahl  nicht  einfach.  Der 
Beschwerdeführer A._______ halte sich seit dem Jahre 1983 in Khartum 
auf.  Die  zahlreichen  eritreischen  Flüchtlinge  im  Sudan  verfügten  nicht 
über  ein  freies  Aufenthaltsrecht  für  das  ganze  Land,  sondern  würden 
nach  ihrer  Registrierung  einem  Flüchtlingslager  zugeteilt,  wo  sie  sich 
aufzuhalten  hätten  und  die  nötige  Versorgung  erhielten.  Es  sei  den 
Beschwerdeführenden zuzumuten, zu diesem Zweck wieder in das ihnen 
zugewiesene  Flüchtlingslager  zurückzukehren.  Nach  dem  Gesagten 

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benötigten sie den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz gemäss 
Art.  52  Abs.  2  AsylG  nicht  und  es  sei  ihnen  zuzumuten,  im  Sudan  zu 
verbleiben.

H. 
Mit  am  28. Juli  2011  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum 
eingetroffener  und  von  dieser  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter  englischsprachiger  Eingabe 
(Eingang beim Bundesverwaltungsgericht: 22. August 2011) beantragten 
die  Beschwerdeführenden  sinngemäss,  es  sei  die  vorinstanzliche 
Verfügung  aufzuheben  und  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  bewilligen.  Zur  Begründung 
führte  A._______  namentlich  aus,  er  sei  nach  dem  Kollaps  der  ELF 
gezwungen gewesen, aus Eritrea zu fliehen, und sei im Jahre 1981 vom 
UNHCR  und  der  sudanesischen  Regierung  als  Flüchtling  anerkannt 
worden. Seit  dem Jahre  2008  sei  er  bis  zur  erzwungenen behördlichen 
Schliessung Mitglied der sudanesischen Sektion der ELF geworden. Am 
(…)  sei  er  unter  dem  Vorwurf,  für  die  ELF  Geld  zu  sammeln, 
festgenommen und im Gefängnis von G._______ inhaftiert gewesen, am 
(…) indessen nach einlässlicher Prüfung seines Falls wieder freigelassen 
worden.  Darüber  hinaus  seien  in  der  Vergangenheit  im  Sudan  immer 
wieder eritreische Flüchtlinge entführt worden, welche wie er bei der ELF 
gewesen  seien.  Im  Weiteren  hätten  seine  Kinder  seit  ihrer  Geburt  nie 
Zugang  zu  medizinischer  Versorgung,  Nahrung,  Kleidung,  Unterkunft 
oder  schulischer  Ausbildung  erhalten,  was  wohl  daran  liege,  dass  sich 
das  UNHCR  in  Khartum  für  sie  nicht  verantwortlich  gefühlt  und  ihrem 
Leiden  kein  Gehör  geschenkt  habe.  So  besehen  führten  er  und  seine 
Familie  trotz  Flüchtlingsstatus  seit  vielen  Jahren  ein  von  Elend  und 
Entbehrungen geprägtes Leben im Sudan.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

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des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. c  Ziff.   1  und  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes 
abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung 
kann  indessen  verzichtet  werden,  da  der  in  Englisch  verfassten 
Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und 
deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber 
befunden werden kann.

1.3. Die Beschwerdeführenden  haben  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert. Auf die die frist­ und – vom sprachlichen Mangel 
abgesehen  –  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art. 
108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Gestützt  auf  Art.  111a Abs.  1 AsylG wurde  auf  die Durchführung  eines 
Schriftenwechsels verzichtet.

4. 
4.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu 
bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird, das heisst 
im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder 
aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein 

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weiterer Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise 
in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint.

4.2. Gemäss  Art.  3  AsylG  wird  ein  Ausländer  als  Flüchtling  anerkannt, 
wenn  er  in  seinem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  er  zuletzt  wohnte, 
wegen  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer 
bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen 
(Art. 3 AsylG).

4.3. Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich  im Ausland 
befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden 
kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen.

Bei der Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu 
prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es 
gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung 
erforderlichen  Schutz  gewähren  soll  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004 
Nr.  21  E. 4a  S. 139).  Dabei  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen 
Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische 
Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche 
sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmöglichkeiten  in Betracht  zu ziehen  (vgl. EMARK 1997 Nr. 
15 E. 2f S. 131 f.).

5. 
5.1.  Zunächst  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  das 
Bundesverwaltungsgericht  mit  der  Vorinstanz  einig  geht,  wonach  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers A._______ darauf schliessen lassen, 
dass  seine  Schwierigkeiten  mit  den  eritreischen  Behörden  in 
asylrechtlicher Hinsicht relevant sind. Angesichts der Tatsache, dass die 
eritreischen  Behörden  oftmals  auch  harte  Sanktionen  gegen  nahe 
Angehörige  von Flüchtlingen  verhängen,  ist  deshalb ohne Weiteres  von 
einer  begründeten  Furcht  der  Ehefrau  und  der  beiden  minderjährigen 
Kinder  des  Beschwerdeführers  A._______  vor  einer  drohenden 

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Reflexverfolgung  auszugehen,  weshalb  diese  ebenfalls  die 
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllen.

5.2. Weiter  ist  zu  prüfen,  ob  es  den  Beschwerdeführenden  zugemutet 
werden kann, sich in einem anderen Drittstaat um Aufnahme zu bemühen 
(Art.  20  Abs.  2  und  Art.  52  Abs.  2  AsylG).  Die  Überprüfung  der  Akten 
ergibt, dass sich die diesbezüglichen Erwägungen  in der angefochtenen 
Verfügung  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  G)  als  zutreffend  erweisen.  Der 
Beschwerdeführer  A._______  und  dessen  Ehefrau  befinden  sich  seit 
nunmehr bald 30 Jahren  im Sudan, wo sie vom UNHCR  registriert  sind 
und ohne ernsthafte Probleme leben. Ihre beiden Kinder C._______ und 
D._______ wurden im Sudan geboren und sind ebenfalls als Flüchtlinge 
registriert. Es mag zutreffen, dass es im Sudan in vereinzelten Fällen zu 
Entführungen  von  ehemaligen  Mitgliedern  der  ELF  gekommen  ist.  Die 
Tatsache  indessen, dass der Beschwerdeführer A._______ seit beinahe 
30  Jahren  als  Flüchtling  im  Sudan  lebt,  spricht  im  Ergebnis  allerdings 
dagegen,  dass  hinsichtlich  seiner  Person  oder  seiner  Angehörigen 
diesbezüglich eine konkrete Gefahr besteht. In diese Richtung weist auch 
seine Aussage, wonach er am (…) nach einer einwöchigen  Inhaftierung 
unter  dem Vorwurf, Geld  für  die ELF  gesammelt  zu  haben,  seitens  der 
sudanesischen  Behörden  wieder  auf  freien  Fuss  gesetzt  worden  ist. 
Soweit die Beschwerdeführenden darauf hinweisen, dass sie seitens des 
UNHCR  in  Khartum  keine  humanitäre  Hilfe  erhalten  hätten,  ist  darauf 
hinzuweisen, dass sie alle  im Sudan einem Flüchtlingslager zugewiesen 
worden  sind,  es  jedoch  den  Akten  zufolge  vorgezogen  haben,  sich  in 
Khartum  ausserhalb  des  Flüchtlingslagers  aufzuhalten.  Es  ist  ihnen 
deshalb  grundsätzlich  zuzumuten,  sich  in  das  ihnen  zugewiesene 
Flüchtlingslager  zurückzubegeben  und  dort  um  entsprechende  Hilfe 
nachzusuchen.  Im  vorliegenden  Fall  tritt  hinzu,  dass  keinerlei 
Anhaltspunkte  für  eine  besondere  Beziehungsnähe  der 
Beschwerdeführenden zur Schweiz bestehen. Vielmehr lebt die gesamte 
Kernfamilie  –  die  Eltern,  ihre  beiden  minderjährigen  Kinder  C._______ 
und  D._______  sowie  ihre  beiden  volljährigen  Kinder  beziehungsweise 
Geschwister H._______ (…) und I._______ (…) – im Sudan, weshalb sie 
dort  auch  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  verfügen.  Eine 
Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führt 
somit im vorliegenden Fall zum Schluss, dass den Beschwerdeführenden 
ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist.

5.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

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vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  Abs.  1  AsylG).  Das 
BFM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden aus dem Ausland zu 
Recht  abgelehnt  und  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert.  Die 
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

6. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 
den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 
des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  die  Schweizer 
Vertretung in Khartum und das BFM.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

Versand: