# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c149256-4513-5f65-8d95-8d285cc2f855
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-30
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 30.04.2021 BB.2020.296
**Docket/Reference:** BB.2020.296
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2020-296_2021-04-30

## Full Text

Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).

Beschluss vom 30. April 2021 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 
Roy Garré, Vorsitz, 
Cornelia Cova und Stephan Blättler, 
Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja 

   
 
Parteien 

  
Gianni INFANTINO, FIFA-Strasse 20, Postfach, 
8044 Zürich, vertreten durch Rechtsanwalt David 
Zollinger, Poststrasse 9, 8620 Wetzikon, 

Gesuchsteller 
 

 gegen 
   

Stefan KELLER, a.o. Bundesanwalt, Poststrasse 6, 
6060 Sarnen, 

Gesuchsgegner 
 
 

Gegenstand  Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 
lit. b i.V.m. Art. 56 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2020.296 
 
 
 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 
 
 

A. Am 11. Juni 2020 überwiesen die Ratspräsidien der Bundesversammlung 
der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «AB-BA») 
drei Strafanzeigen gegen den (damaligen) Bundesanwalt Michael Lauber 
(nachfolgend «Lauber»), den Präsidenten der Fédération Internationale de 
Football Association (FIFA) Gianni Infantino (nachfolgend «Infantino») sowie 
weitere Personen mit der Aufforderung, eine ausserordentliche Staatsanwäl-
tin des Bundes oder einen ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes zu 
ernennen. 

 
 
B. Am 29. Juni 2020 ernannte die AB-BA Stefan Keller (nachfolgend «Keller») 

zum ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes zur Prüfung der obge-
nannten Strafanzeigen (vgl. supra lit. A; https://www.ab-ba.admin.ch/wp-
content/uploads/2020/09/MM_AB-BA_03_07_2020_de.pdf). 

 
 
C. Mit Verfügung vom 29. Juli 2020 teilte Keller Infantino die Eröffnung eines 

Strafverfahrens wegen Anstiftung zu Amtsmissbrauch (Art. 312 StGB), An-
stiftung zu Amtsgeheimnisverletzung (Art. 320 StGB) und Anstiftung zu Be-
günstigung (Art. 305 StGB) mit (act. 1.1; nachfolgend Sachverhalt «Nicht 
protokollierte Treffen»).  

 
 
D. Mit Medienmitteilung vom 30. Juli 2020 gab die AB-BA bekannt, dass Keller 

den zuständigen parlamentarischen Kommissionen im Zusammenhang mit 
den Treffen von Lauber mit Infantino und einer weiteren Person die Erteilung 
der Ermächtigung zur Durchführung eines Strafverfahrens gegen Lauber be-
antrage und gleichzeitig ein Strafverfahren gegen Infantino eröffne 
(https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_ 
52be74e3a1a24098a57f92ac1315933b.pdf). 

 
 
E. Am 23. September 2020 wählte die Vereinigte Bundesversammlung Keller 

zum ausserordentlichen Bundesanwalt im Wesentlichen für die Eröffnung 
und Leitung des Vorverfahrens sowie allenfalls die Betreuung des Haupt-
verfahrens und allfälliger Rechtsmittelverfahren in Sachen Strafverfahren 
gegen Lauber sowie allfällige Mittäter und Teilnehmer wegen Verdacht 
auf Amtsmissbrauch (Art. 312 StGB), Verletzung des Amtsgeheimnisses 
(Art. 320 StGB) und Begünstigung (Art. 305 StGB) durch das Abhalten von 

https://www.ab-ba.admin.ch/wp-content/uploads/2020/09/MM_AB-BA_03_07_2020_de.pdf
https://www.ab-ba.admin.ch/wp-content/uploads/2020/09/MM_AB-BA_03_07_2020_de.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_52be74e3a1a24098a57f92ac1315933b.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_52be74e3a1a24098a57f92ac1315933b.pdf

- 3 - 

 

 

mehreren nicht protokollierten Treffen mit FIFA-Präsident Infantino und wei-
teren Personen (https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulle-
tin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=50274 sowie Bericht 
der Gerichtskommission vom 9. September 2020: https://www.parlament.ch/ 
centers/kb/Documents/2020/Kommissionsbericht_GK-V_20.211_2020-09-
09.pdf). 

 
 
F. Am 10. Dezember 2020 veröffentlichte Keller auf seiner Website www.sta-

keller.ch unter dem Titel «Der a.o. Bundesanwalt sieht Anzeichen für straf-
bare Handlungen von FIFA-Chef Infantino» folgende Medienmitteilung 
(https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_ 
10a669258b024e2d81253b4788691978.pdf; act. 1.11): 

 
 «Der ausserordentliche Staatsanwalt des Bundes hat die Prüfung der Straf-

anzeigen gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen ungetreuer Geschäfts-
besorgung im Zusammenhang mit der Benutzung eines Privatjets abgeschlos-
sen. Es gibt deutliche Anzeichen für ein strafbares Verhalten des FIFA-Präsi-
denten. Das eigentliche Strafverfahren fällt aber in die Kompetenz der Bundes-
anwaltschaft.  

 
Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) hatte den von ihr als 
ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes eingesetzten Stefan Keller mit der 
Prüfung verschiedener Strafanzeigen beauftragt, die im Zusammenhang mit der Be-
nutzung eines Privatjets von Surinam in die Schweiz gegen Gianni Infantino einge-
gangen waren. Aufgrund von Befragungen und Recherchen erscheint Stefan Keller 
eine Strafuntersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung angezeigt. Für die 
Eröffnung dieses Strafverfahrens ist er allerdings nicht zuständig.  
 
Mit seiner Wahl zum ausserordentlichen Bundesanwalt am 24. September 2020 hat 
die Bundesversammlung Stefan Keller mit dem Strafverfahren wegen der nicht pro-
tokollierten Treffen zwischen dem früheren Bundesanwalt Michael Lauber, FIFA-
Präsident Gianni Infantino und weiteren Personen beauftragt. Da am Flug mit dem 
Privatjet lediglich Gianni Infantino sowie weitere Privatpersonen beteiligt waren, 
nicht aber der frühere Bundesanwalt Michael Lauber, fällt dieser Sachverhaltskom-
plex nicht unter das Mandat der Bundesversammlung. Sie kann dieses daher auch 
nicht erweitern. Stefan Keller hat das Ergebnis seiner Prüfung der Strafanzeigen 
deshalb der Bundesanwaltschaft übermittelt, die sich der Sache nun mit eigenen 
personellen Ressourcen annehmen will.  

 
Neben dem erwähnten Mandat der Bundesversammlung als ausserordentlicher 
Bundesanwalt wird Stefan Keller im Auftrag der AB-BA weitere Strafanzeigen zu 
verschiedenen Sachverhalten prüfen.»  

https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=50274
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=50274
https://www.parlament.ch/centers/kb/Documents/2020/Kommissionsbericht_GK-V_20.211_2020-09-09.pdf
https://www.parlament.ch/centers/kb/Documents/2020/Kommissionsbericht_GK-V_20.211_2020-09-09.pdf
https://www.parlament.ch/centers/kb/Documents/2020/Kommissionsbericht_GK-V_20.211_2020-09-09.pdf
http://www.sta-keller.ch/
http://www.sta-keller.ch/
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_10a669258b024e2d81253b4788691978.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_10a669258b024e2d81253b4788691978.pdf

- 4 - 

 

 

G. Mit Eingabe vom 14. Dezember 2020 gelangte Infantino an die Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts. Er beantragt Folgendes (act. 1 S. 2): 

 
«1. Es sei der Gesuchsgegner anzuweisen, in Bezug auf die Ermittlungen sämt-

licher Sachverhaltskomplexe, in denen der Gesuchsteller beschuldigt oder 
verdächtigt wird, in den Ausstand zu treten;  

 
 2. Sämtliche vom Gesuchsgegner bisher durchgeführten Amtshandlungen, so-

weit sie den Gesuchsteller als beschuldigte oder verdächtigte Person betref-
fen, seien für nichtig zu erklären. 

 
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.» 
 
 

H. Keller beantragt in seiner Gesuchsantwort vom 23. Dezember 2020 die Ab-
weisung des Ausstandsgesuchs, soweit darauf einzutreten sei (act. 3 S. 7). 

 
 
I. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels halten Infantino und Keller mit 

Eingaben vom 8. und 21. Januar 2021 jeweils an den im Gesuch bzw. der 
Gesuchsantwort gestellten Anträgen fest (act. 5 und 7).  

 
 
J. Mit unaufgeforderter Eingabe vom 2. Februar 2021 reichte Infantino der Be-

schwerdekammer einen Artikel der Januar-Ausgabe (1/2021) der juristi-
schen Fachzeitschrift «Plädoyer» ein. Bei diesem Artikel handle es sich um 
ein Portrait über die Person Kellers. Dieser habe darin Äusserungen unter 
anderem zu Tatsachen gemacht, die ihm in Ausübung seiner amtlichen Tä-
tigkeit zur Kenntnis gelangt seien bzw. diese betreffen würden, wie zum Bei-
spiel zum laufenden, nicht öffentlichen Beschwerdeverfahren BB.2020.245. 
Aufgrund dieser jüngsten öffentlichen Aussagen des Gesuchsgegners er-
scheine es offensichtlich, dass nicht nur der blosse Anschein einer mögli-
chen Befangenheit bestehe, sondern dass er tatsächlich dem Gesuchsteller 
gegenüber voreingenommen sei (act. 9, 9.1.). 

 
 
K. Mit Beschluss BB.2020.245 vom 5. Februar 2021 hiess die Beschwerdekam-

mer eine Beschwerde Infantinos vom 15. Oktober 2020 gegen die Weige-
rung Kellers, die für das vorliegende Strafverfahren beigezogenen bzw. bei-
zuziehenden Hilfspersonen zu bezeichnen, teilweise gut, soweit sie darauf 
eintrat. Die Beschwerdekammer erwog unter anderem, dass Keller Infantino 

- 5 - 

 

 

die Namen und Funktion sämtlicher im Verfahren beigezogener bzw. beizu-
ziehender Hilfspersonen im Sinne von Art. 311 Abs. 1 StPO bekannt zu ge-
ben habe. 

 
 
L. Noch bevor das Bundesstrafgericht den Beschluss BB.2020.245 vom 5. Feb-

ruar 2021 in anonymisierter Form veröffentlichte, publizierte Keller am 
10. Februar 2021 auf seiner Website www.sta-keller.ch unter dem Titel 
«Keine Einsicht in Kommissionsprotokoll, Arbeitsverträge und Korrespon-
denz» eine Medienmitteilung mit folgendem Wortlaut (https://293a355c-
7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_397261016ba341 
7387564888947f9d56.pdf):  

 
«FIFA-Präsident Gianni Infantino erhält weder Einsicht in die Verträge und 
Abmachungen des a.o. Bundesanwalt noch in die Wortprotokolle der Gerichts-
kommission. Laut Urteil des Bundesstrafgerichts müssen ihm einzig die 
Namen allfälliger Hilfspersonen bekannt gegeben werden, an die Untersu-
chungshandlungen delegiert werden.  
 
FIFA-Präsident Infantino hatte im Strafverfahren im Zusammenhang mit nicht proto-
kollierten Gesprächen zwischen ihm und dem ehemaligen Bundesanwalt Michael 
Lauber in einer Beschwerde an das Bundesstrafgericht Einsicht in sämtliche Unter-
lagen verlangt, die im Zusammenhang mit dem Beizug von Hilfspersonen durch den 
a.o. Bundesanwalt Stefan Keller stehen. Weiter forderte er Einsicht in Abmachungen 
mit den Einsetzungs- und Aufsichtsbehörden, Verträge und Aufträge mit den Hilfs-
personen, Arbeitsergebnisse der Hilfspersonen, Aktennotizen über Besprechungen 
oder Telefonate, Rechnungen und Abrechnungen. Zudem hätte der a.o. Bundesan-
walt eine lückenlose Zusammenstellung aller Kontakte mit den von ihm für die Straf-
untersuchung beigezogenen Hilfspersonen, den Zeitpunkt und die Art der Kontakte, 
die behandelten Themen, die erteilten Aufträge sowie die Ergebnisse der von den 
Hilfspersonen erledigten Aufträge herausgeben sollen. Schliesslich verlangte Infan-
tino die Wortprotokolle der Gerichtskommission anlässlich der Bewerbung des 
a.o. Bundesanwalts. Diese Forderungen hat das Bundestrafgericht abgewiesen, 
soweit es überhaupt auf die Beschwerde Infantinos eintreten konnte.  
 
Im Übrigen bestätigte das Bundesstrafgericht ausdrücklich die Zulässigkeit des Bei-
zugs von Hilfspersonen durch den a.o. Bundesanwalt. Eine Delegation einzelner 
Untersuchungshandlungen sei nicht nur zulässig, sondern aus Effizienzüberlegun-
gen sogar geboten. Zudem bestehen aus Sicht des Bundesstrafgerichts keine An-
haltspunkte dafür, dass der a.o. Bundesanwalt seine Aufsichtsfunktion gegenüber 
von ihm eingesetzten Mitarbeitern nicht korrekt wahrnehmen würde.  

  

http://www.sta-keller.ch/
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_397261016ba3417387564888947f9d56.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_397261016ba3417387564888947f9d56.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_397261016ba3417387564888947f9d56.pdf

- 6 - 

 

 

In einem Punkt erachtete das Gericht Infantinos Beschwerde teilweise als begrün-
det: Damit allfällige Ausstandsgründe geltend gemacht werden könnten, müssen die 
Namen von Mitarbeitern bekannt gegeben werden, die zumindest einen indirekten 
Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens haben können. Der a.o. Bundesanwalt 
Stefan Keller erachtet das ebenfalls als gerechtfertigt. Nachdem die Rechtslage in 
Bezug auf die sehr viel weitergehenden Einsichtsforderungen Infantinos geklärt ist, 
stehen einer Bekanntgabe der Namen keine Hindernisse mehr entgegen.  
 
Das Urteil ist rechtskräftig und wird in den nächsten Tagen unter der Referenz 
BB.2020.245 auf www.bstger.ch abrufbar sein.» 

 
 
M. Mit Schreiben vom 19. Februar 2021 nahm Keller im vorliegenden Aus-

standsverfahren zur Eingabe Infantinos vom 2. Februar 2021 (vgl. supra 
lit. G) Stellung. Er hält an seinem in der Gesuchsantwort vom 23. Dezem-
ber 2020 gestellten Antrag fest (act. 11), was Infantino am 22. Februar 2021 
zur Kenntnis gebracht wurde (act. 12).  

 
 
N. Mit Beschluss BB.2020.278 vom 4. März 2021 wies die Beschwerdekammer 

eine Beschwerde Infantinos vom 12. November 2020 ab, soweit sie darauf 
eintrat. Die Beschwerde richtete sich gegen ein Schreiben Kellers vom 9. No-
vember 2020, mit welchem dieser zumindest sinngemäss die Einsicht Infan-
tinos in die Einvernahmeprotokolle verweigert und dessen Teilnahmerechte 
einstweilen beschränkt hatte. Die Beschwerdekammer erwog, dass in der 
Verweigerung der Einsicht in die Einvernahmeprotokolle mit der Begrün-
dung, die erste Einvernahme Infantinos sei noch nicht durchgeführt worden, 
keine Überschreitung oder gar ein Missbrauch des Ermessens durch Keller 
vorliege. 

 
 
O. Wiederum publizierte Keller am 8. März 2021 noch bevor das Bundesstraf-

gericht den Beschluss BB.2020.278 vom 4. März 2021 in anonymisierter 
Form veröffentlichte auf seiner Website www.sta-keller.ch eine Medienmit-
teilung mit dem Titel «Weitere Beschwerde Infantinos abgewiesen» 
(https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_ 
4ff7fa367e814e8abb6541aea86a8742.pdf): 
 
«Im Strafverfahren wegen der Gespräche zwischen ihm und dem ehemaligen 
Bundesanwalt Lauber erhält FIFA-Präsident Infantino im jetzigen Zeitpunkt 
keine Akteneinsicht. Das Bundesstrafgericht hat seine Beschwerde abgewie-
sen, soweit es darauf eintrat. 

  

http://www.sta-keller.ch/
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_4ff7fa367e814e8abb6541aea86a8742.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/4fcc7e_4ff7fa367e814e8abb6541aea86a8742.pdf

- 7 - 

 

 

FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte im Strafverfahren wegen der nicht protokollier-
ten Gespräche zwischen ihm und dem ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber 
mit Beschwerde an das Bundesstrafgericht Einsicht in die Protokolle von Einvernah-
men verlangt. Das war vom a.o. Bundesanwalt Stefan Keller mit der Begründung 
abgelehnt worden, dass der Beschuldigte Infantino keinen Anspruch auf Aktenein-
sicht habe, bevor er selbst einvernommen worden ist. Diese Auffassung wird vom 
Bundesstrafgericht bestätigt.  
 
Auf alle anderen Begehren in der Beschwerde Infantinos ist das Bundesstrafgericht 
gar nicht eingetreten. Unter anderem war verlangt worden, dass der a.o. Bundesan-
walt bekannt gebe, welche Beweiserhebungen er bereits durchgeführt hat oder noch 
durchzuführen gedenkt. Ebenso erfolglos blieb Infantinos Forderung, die Beweiser-
hebungen zu wiederholen und ihm dabei die strafprozessualen Teilnahmerechte zu 
gewähren.  
 
Das Urteil ist rechtskräftig und wird in den nächsten Tagen unter der Referenz 
BB.2020.278 auf www.bstger.ch abrufbar sein.» 

 
 
P. Eine weitere Beschwerde Infantinos vom 7. Dezember 2020 hiess die Be-

schwerdekammer mit Beschluss BB.2020.291 vom 10. März 2021 insofern 
gut, als sie die Nichtigkeit der Einvernahme einer Auskunftsperson durch 
Keller vom 17. November 2020 feststellte. Sie erwog, dass sich Keller mit 
der förmlichen Vorladung und der anschliessenden Einvernahme der betref-
fenden Auskunftsperson im Sachverhalt «Privatflüge des heutigen FIFA-Prä-
sidenten Gianni Infantino» (nachfolgend «Sachverhalt Privatflüge») im Sinne 
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit der Sache zu befassen begon-
nen habe, sodass diesbezüglich die Strafuntersuchung als durch ihn eröffnet 
gelte. Zur Eröffnung und Führung der Strafuntersuchung in dieser Angele-
genheit sei er jedoch nicht zuständig gewesen, sodass sich die betreffende 
Einvernahme der Auskunftsperson vom 17. November 2020 als nichtig er-
weise.  

 
 
Q. Bereits tags drauf veröffentlichte Keller eine Medienmitteilung auf seiner 

Website www.sta-keller.ch. Unter dem Titel «Zuständigkeitsfragen geklärt» 
hielt er Folgendes fest https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.fi-
lesusr.com/ugd/9f8da6_46d00e46db8e4446bb39346746fb9922.pdf):  

 
«Das Bundesstrafgericht hat die Einvernahme einer Person im Umfeld des 
FIFA-Präsidenten Infantino wegen fehlender Zuständigkeit des a.o. Staatsan-

http://www.sta-keller.ch/
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/9f8da6_46d00e46db8e4446bb39346746fb9922.pdf
https://293a355c-7d2a-4655-ba17-d8d77fb08488.filesusr.com/ugd/9f8da6_46d00e46db8e4446bb39346746fb9922.pdf

- 8 - 

 

 

walt des Bundes beanstandet. Unabhängig davon wird die damals unklare Zu-
ständigkeit zur Untersuchung der Benutzung eine Privatjets durch Infantino 
nun in einer Vereinbarung zwischen der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons 
Zürich und dem a.o. Staatsanwalt des Bundes geregelt.  
 
In einem gestern gefällten Entscheid hat das Bundesstrafgericht eine im Dezember 
2020 eingereichte Beschwerde des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino in einem 
Punkt gutgeheissen und verlangt, dass das Protokoll der Befragung einer Auskunfts-
person im Umfeld Infantinos aus den Akten entfernt wird. Das Gericht stellt sich auf 
den Standpunkt, dass es sich bei der Befragung um eine eigentliche Einvernahme 
gehandelt habe, für die der a.o. Staatsanwalt des Bundes im November 2020 nicht 
zuständig war. Auf drei weitere Begehren von Gianni Infantino ist das Gericht nicht 
eingetreten.  
 
Unabhängig davon haben sich die involvierten Behörden in den vergangenen Wo-
chen um eine Klärung der Zuständigkeit bemüht. Die Aufsichtsbehörde über die 
Bundesanwaltschaft (ABBA) hatte den von ihr als a.o. Staatsanwalt des Bundes ein-
gesetzten Stefan Keller im Juli 2020 mit der Prüfung verschiedener Strafanzeigen 
beauftragt, die im Zusammenhang mit der Benutzung eines Privatjets von Surinam 
in die Schweiz gegen Gianni Infantino eingegangen waren. Im Februar 2021 wies 
die AB-BA, den a.o. Staatsanwalt des Bundes darauf hin, dass er auch für die Durch-
führung und Leitung eines allfälligen Strafverfahrens zuständig sei, sofern die Vor-
gänge rund um den fraglichen Privatflug in die Strafkompetenz des Bundes fallen.  
 
Da aufgrund des Sitzes der FIFA grundsätzlich auch der Kanton Zürich zuständig 
sein könnte, haben die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich und der a.o. 
Staatsanwalt des Bundes die Zuständigkeitsfrage analysiert und sich darauf ver-
ständigt, dass die Justiz des Bundes zuständig ist. Beide Seiten sind sich weiter 
darin einig, dass es aus verschiedenen Gründen (Mitarbeiter, die noch alt Bundes-
anwalt Lauber unterstellt waren, laufende Strafverfahren gegen wichtige Mitglieder 
der Bundesanwaltschaft sowie Verflechtungen mit anderen Verfahren) unzweck-
mässig wäre, das Verfahren der ordentlichen Bundesanwaltschaft zu übertragen.  
 
Damit muss das Verfahren entsprechend dem erwähnten Entscheid der AB-BA vom 
Februar 2021 einstweilen vom a.o. Staatsanwalt des Bundes übernommen werden. 
Die Vereinbarung zwischen ihm und der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 
kann allerdings beim Bundesstrafgericht angefochten werden, das diesfalls die Zu-
ständigkeit definitiv festzulegen hat.  
 
Neben dem Sachverhaltskomplex "Benutzung eines Privatjets" führt Stefan Keller 
sein Mandat der Bundesversammlung als ausserordentlicher Bundesanwalt für den 

- 9 - 

 

 

Sachverhaltskomplex "nicht protokollierte Gespräche" des ehemaligen Bundesan-
walts Michael Lauber und FIFA Präsident Gianni Infantino plangemäss weiter. Aus-
serdem prüft Stefan Keller im Auftrag der AB-BA weitere Strafanzeigen zu verschie-
denen anderen Sachverhalten.  
 
Das Urteil ist rechtskräftig und wird in den nächsten Tagen unter der Referenz 
BB.2020.291 auf www.bstger.ch abrufbar sein.» 

 
 
R. Infantino macht in seiner Eingabe vom 12. März 2021 unter Bezugnahme auf 

die Medienmitteilungen Kellers vom 10. Februar, 8. und 11. März 2021 wei-
tere Ausstandsgründe geltend (act. 13). Dazu nimmt Keller am 20. März 
2021 Stellung, was Infantino am 21. März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde 
(act. 15 und 16). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen.  
 
 
 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1. Will eine Partei den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person ver-
langen, so hat sie der Verfahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes 
Gesuch zu stellen, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat. Nach der 
Rechtsprechung muss der Gesuchsteller den Ausstand in den nächsten Ta-
gen nach Kenntnis des Ausstandsgrunds verlangen. Andernfalls verwirkt er 
den Anspruch (BGE 143 V 66 E. 4.3 m.w.H.). Ein sechs bis sieben Tage 
nach Kenntnis des Ausstandsgrunds gestelltes Ausstandsgesuch ist recht-
zeitig. Wartet der Gesuchsteller damit zwei Wochen zu, ist es dagegen ver-
spätet (Urteil des Bundesgerichts 1B_47/2019 vom 20. Februar 2019 E. 3.3 
mit Hinweis). Bei der Annahme der Verwirkung des Rechts, den Ausstand 
zu verlangen, ist Zurückhaltung geboten (Urteil des Bundesgerichts 
1B_418/2014 vom 15. Mai 2015 E. 4.5 mit Hinweis; vgl. zum Ganzen das 
Urteil des Bundesgerichts 1B_22/2019 vom 17. April 2019 E. 3.2). Im Einzel-
fall kann es zulässig sein, in Verbindung mit zeitnah vorgebrachten Aus-
standsgründen auch früher beanstandete Prozesshandlungen in eine ange-
messene «Gesamtwürdigung» einfliessen zu lassen. Der klare Wortlaut des 
Gesetzes schliesst jedoch ein Vorgehen aus, bei dem eine Partei über einen 
längeren Zeitraum bzw. verschiedene separate Strafverfahren hinweg 
gleichsam ein «Privatdossier» über angebliche Prozessfehler einer Jus-
tizperson anlegt, diese Rügen aber nicht unverzüglich vorbringt, sondern erst 

- 10 - 

 

 

in einem späteren, selbst gewählten Zeitpunkt einem Ausstandsbegehren 
pauschal zugrunde legt (Urteile des Bundesgerichts 1B_357/2013 vom 
24. Januar 2014 E. 5.3.1 und 1B_149/2019 vom 3. September 2019 E. 3.2).  

 
Die den Ausstand begründenden Tatsachen sind dabei glaubhaft zu ma-
chen. Die betroffene Person nimmt zum Gesuch Stellung (Art. 58 StPO). 
Wird ein Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. a oder f StPO geltend gemacht 
oder widersetzt sich eine in einer Strafbehörde tätige Person einem Aus-
standsgesuch einer Partei, das sich auf Art. 56 lit. b–e StPO abstützt, so 
entscheidet ohne weiteres Beweisverfahren und endgültig die Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts, wenn die Bundesanwaltschaft betroffen ist 
(Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Der Entscheid ergeht 
schriftlich und ist zu begründen (Art. 59 Abs. 2 StPO). Bis zum Entscheid übt 
die betroffene Person ihr Amt weiter aus (Art. 59 Abs. 3 StPO).  

 
 
2. Der Gesuchsteller ist beschuldigte Person im obgenannten Strafverfahren 

(vgl. supra lit. C.). Er macht geltend, der Gesuchsgegner sei befangen im 
Sinne von Art. 56 lit. f StPO. Zum Anlass seines Gesuchs nimmt der Gesuch-
steller die Medienmitteilung des Gesuchsgegners vom 10. Dezember 2020 
(vgl. act. 1 S. 9). Das Gesuch stellte er vier Tage später. Es ist rechtzeitig 
eingereicht worden. Auf das Gesuch ist einzutreten.  

 
 
3.  
3.1 Gemäss Art. 56 lit. f StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in den 

Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen, insbesondere wegen Freund-
schaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, befan-
gen sein könnte. Bei dieser Bestimmung handelt es sich um eine General-
klausel, welche alle Ausstandsgründe erfasst, die in Art. 56 lit. a–e StPO 
nicht ausdrücklich vorgesehen sind. Sie entspricht Art. 30 Abs. 1 BV und 
Art. 6 Abs. 1 EMRK. Danach hat jede Person Anspruch darauf, dass ihre 
Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen 
Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Die Recht-
sprechung nimmt Voreingenommenheit und Befangenheit an, wenn Um-
stände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung geeignet sind, Misstrauen in 
die Unparteilichkeit des Richters zu erwecken. Solche Umstände können na-
mentlich in einem bestimmten Verhalten des Richters begründet sein. Dabei 
ist nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abzustellen. Das Miss-
trauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise be-
gründet erscheinen. Es genügt, wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver 

- 11 - 

 

 

Betrachtung den Anschein der Befangenheit und Voreingenommenheit er-
wecken. Für die Ablehnung ist nicht erforderlich, dass der Richter tatsächlich 
befangen ist (BGE 144 I 234 E. 5.2; 141 IV 178 E. 3.2.1; 140 I 326 E. 5.1; 
138 IV 142 E. 2.1; je mit Hinweisen). Das Misstrauen in die Unvoreingenom-
menheit kann auch in gewissen äusseren Gegebenheiten funktioneller und 
organisatorischer Natur begründet sein (Urteil des Bundesgerichts 
1B_457/2018 vom 28. Dezember 2018 E. 2). 
 

3.2 Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Abs. 1 EMRK sind bei der Ablehnung eines 
Staatsanwalts nur anwendbar, wenn er ausnahmsweise in richterlicher 
Funktion tätig wird, wie das bei Erlass eines Strafbefehls zutrifft. Amtet er 
jedoch als Strafuntersuchungsbehörde, beurteilt sich die Ausstandspflicht 
nach Art. 29 Abs. 1 BV. Wohl darf der Gehalt von Art. 30 Abs. 1 BV nicht 
unbesehen auf nicht richterliche Behörden bzw. auf Art. 29 Abs. 1 BV über-
tragen werden. Hinsichtlich der Unparteilichkeit des Staatsanwalts im Sinne 
von Unabhängigkeit und Unbefangenheit kommt Art. 29 Abs. 1 BV allerdings 
ein mit Art. 30 Abs. 1 BV weitgehend übereinstimmender Gehalt zu. Auch 
ein Staatsanwalt kann abgelehnt werden, wenn Umstände vorliegen, die ob-
jektiv geeignet sind, den Anschein der Befangenheit zu erwecken. Das gilt 
allerdings nur für das Vorverfahren. Gemäss Art. 61 lit. a StPO leitet die 
Staatsanwaltschaft das Verfahren bis zur Anklageerhebung. Die Staatsan-
waltschaft gewährleistet insoweit eine gesetzmässige und geordnete Durch-
führung des Verfahrens (Art. 62 Abs. 1 StPO). Sie untersucht die belasten-
den und entlastenden Umstände mit gleicher Sorgfalt (Art. 6 Abs. 2 StPO). 
Zwar verfügt sie bei ihren Ermittlungen über eine gewisse Freiheit. Sie ist 
jedoch zu Zurückhaltung verpflichtet. Sie hat sich jeden unlauteren Vorge-
hens zu enthalten und sowohl die belastenden als auch die entlastenden 
Umstände zu untersuchen. Sie darf keine Partei zum Nachteil einer anderen 
bevorteilen (BGE 141 IV 178 E. 3.2.2 S. 179 f. m.w.H.). Allgemeine Verfah-
rensmassnahmen, seien sie nun richtig oder falsch, vermögen als solche 
keine Voreingenommenheit der verfahrensleitenden Justizperson zu be-
gründen (BGE 138 IV 142 E. 2.3) und sind im Rechtsmittelverfahren zu rü-
gen (Urteil des Bundesgerichts 1B_233/2019 vom 25. September 2019 
E. 2.1). Anders verhält es sich, wenn besonders krasse oder wiederholte Irr-
tümer vorliegen, die eine schwere Verletzung der Amtspflichten darstellen 
(BGE 143 IV 69 E. 3.2 S. 74 f.; 141 IV 178 E. 3.2.3; 138 IV 142 E. 2.3) und 
die sich einseitig zu Lasten einer der Prozessparteien auswirken (Urteil des 
Bundesgerichts 1B_164/2015 vom 5. August 2015 E. 3.2). Bei Äusserungen 
des Staatsanwalts gegenüber Medien ist grundsätzlich noch keine Befan-
genheit anzunehmen, wenn lediglich offensichtliche Tatsachen erwähnt wer-
den, ohne dass sich der Staatsanwalt über die damit verbundenen Folgen 
geäussert hätte. Ebenso vermögen ungeschickte Äusserungen eines 

- 12 - 

 

 

Staatsanwalts gegenüber der Presse den Ausgang einer durch den Beschul-
digten gegen seine Anordnungen erhobene Beschwerde keine Befangenheit 
des Staatsanwalts zu begründen, wenn sich diese nicht gegen die Person 
des Beschuldigten richten und sofern es sich nicht um eine schwere Verfeh-
lung handelt. Auch scherzhafte Äusserungen des Staatsanwalts genügen in 
der Regel nicht, einen Verdacht der Parteilichkeit zu begründen, selbst wenn 
sie deplatziert sind und vom Betroffenen als negativ empfunden werden (vgl. 
BGE 127 I 196 S. 200 m.w.H.). Objektive Anzeichen der Befangenheit wur-
den vom Bundesgericht jedoch beispielsweise bejaht, als der Untersu-
chungsrichter (heute nunmehr Staatsanwalt, vgl. dazu MICHLIG, Öffentlich-
keitskommunikation der Strafbehörden unter dem Aspekt der Amtsgeheim-
nisverletzung, 2013, S. 104, FN 407) das Verhalten des Angeschuldigten im 
Verfahren voreilig als strafbar qualifizierte, und er ohne besonderen Anlass 
über den Untersuchungsgegenstand hinausgehende Verdächtigungen ge-
gen den Angeschuldigten geäussert hatte (Urteil des Bundesgerichts 
1P.766/2000 vom 18. Mai 2001). In einem anderen Fall bejahte das Bundes-
gericht die Befangenheit, als der Staatsanwalt Beweismittel ohne besonde-
ren Anlass gegenüber Dritten und gegenüber der Öffentlichkeit würdigte und 
den Angeschuldigten dabei indirekt der Lüge bezichtigte, was tendenziell auf 
eine Vorverurteilung hinauslief (Urteil des Bundesgerichts 8G.36/2000 vom 
25. September 2000).  

 
 
4. Die Beurteilung der Befangenheit eines Staatsanwalts im Zusammenhang 

mit Äusserungen der Öffentlichkeit gegenüber hat vor folgendem Hinter-
grund zu erfolgen:  

 
4.1 Die Mitglieder von Strafverfolgungsbehörden haben hinsichtlich Tatsachen, 

die ihnen in Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit zur Kenntnis gelangt sind, 
Stillschweigen zu bewahren (Art. 73 Abs. 1 StPO). Die Geheimhaltungs-
pflicht gilt in sämtlichen Etappen eines Strafverfahrens, von den Ermittlun-
gen, über das Vorverfahren, die Untersuchung und die Anklageerhebung bis 
zur Hauptverhandlung und allfälligen Rechtsmittelverfahren (SAXER/THURN-
HEER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 7 zu Art. 73 StPO). Nicht geheim 
zu halten sind – in Anlehnung an den Geheimnisbegriff von Art. 320 StGB – 
allgemein bekannte Tatsachen (BBl 2006 1153). Mit Bezug auf das Vorver-
fahren sieht ferner Art. 69 Abs. 3 lit. a StPO ausdrücklich vor, dass dieses 
nicht öffentlich ist. Eine Durchbrechung der Geheimhaltungspflicht während 
laufender Strafuntersuchung ist jedoch dann zulässig, soweit dies erforder-
lich ist und durch ein öffentliches Interesse nach Art. 74 Abs. 1 lit. a-d StPO 
gedeckt ist. Ein öffentliches Interesse kann wegen der besonderen Bedeu-

- 13 - 

 

 

tung des Straffalles vorliegen. Dabei handelt es sich vorab um Fälle, die be-
reits von den Medien aufgegriffen wurden und von denen zu erwarten ist, 
dass sie ein besonderes öffentliches Interesse wecken (SAXER, Basler Kom-
mentar, 2. Aufl. 2014, N. 9 und 16 zu Art. 74 StPO). An das Informationsbe-
dürfnis der Öffentlichkeit sind keine allzu hohen Anforderungen zu stellen; 
es genügt, dass von einem überdurchschnittlichen Interesse auszugehen ist, 
das sich nicht in einer blossen Sensationslust erschöpft (SAXER, a.a.O., 
N. 17 zu Art. 74 StPO). Unabhängig vom Grund für die Orientierung der 
Öffentlichkeit ist jedoch stets dem Grundsatz der Unschuldsvermutung und 
den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen Rechnung zu tragen (Art. 74 
Abs. 3 StPO). Dies bedeutet zunächst, dass nur jene Informationen publik 
zu machen sind, welche zur Erreichung des mit der Orientierung anvisierten 
Ziels notwendig sind. M.a.W. ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit 
streng zu wahren; namentlich ist sodann von Schuldzuweisungen und vorei-
ligen Qualifikationen des Verhaltens von Beteiligten abzusehen und während 
des Ermittlungs- und Untersuchungsverfahrens klarzustellen, dass es sich 
erst um einen Verdacht handelt und die Gerichte über eine allfällige Schuld 
zu befinden haben (BRÜSCHWEILER/NADIG/SCHNEEBELI, Zürcher Kommen-
tar, 3. Aufl. 2020, N. 5 zu Art. 74 StPO). Der Schutzmechanismus der Un-
schuldsvermutung ist gerade im Vorverfahren, wo die Abklärungen erst am 
Anfang stehen, besonders bedeutend (SCHOBER, Der Anspruch der Öffent-
lichkeit auf Information während des Vorverfahrens, ZStrR 133 [2015] S. 318 
ff., S. 324, m.w.H.). Zur Feststellung, ob eine Verletzung der Unschuldsver-
mutung vorliegt, wird nicht auf die Formulierung alleine, sondern stets auf 
den Gesamtzusammenhang, in dem die Äusserung erfolgte, abgestellt. Bei 
einer Öffentlichkeitsorientierung durch die Staatsanwaltschaft via Medien ist 
immer die ganze Stellungnahme zu beachten, um festzustellen, ob die Per-
son vorverurteilt wurde oder ob nur sachgemäss über den Stand laufender 
Ermittlungen informiert wurde. Die staatlichen Behörden sollten ihr Verhalten 
im Allgemeinen und so auch bei der Öffentlichkeitskommunikation daran ori-
entieren, dass ein möglicher Freispruch der beschuldigten Person im Raum 
steht, und somit die Schuld eines Beschuldigten nicht als erwiesen bezeich-
nen. Die Bezeichnung eines Beschuldigten als Täter oder eine voreilige 
juristische Qualifikation des Geschehens kann nicht durch ein öffentliches 
Interesse gemäss Art. 74 Abs. 1 lit. a-d StPO gerechtfertigt sein. Die Staats-
anwaltschaft hat in ihren Medienmitteilungen explizit auf die Unschuldsver-
mutung hinzuweisen (SCHOBER, a.a.O., S. 324 f.; STREBEL, Grenzen media-
ler Öffentlichkeitsarbeit der Staatsanwaltschaft, 2011, S. 126; TOPHINKE, 
Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 26 ff. zu Art. 10 StPO). Zu unterbleiben 
haben auch verdeckte Schuldvorwürfe im Sinne von Schuldvermutungen. 
Insbesondere sind wertende Äusserungen in Bezug auf den Täter ohne Hin-
weis auf die Unschuldsvermutung sind zu unterlassen (SCHOBER, a.a.O., 

- 14 - 

 

 

S. 325). Äussert sich der orientierende Staatsanwalt gegenüber der Öffent-
lichkeit schuldzuweisend und damit vorverurteilend, ist dies zugleich auch 
immer eine Beeinträchtigung der sozialen Geltung des Betroffenen. Der Per-
sönlichkeitsschutz in Art. 74 Abs. 3 StPO umfasst alle Rechtsgebiete, wobei 
der privatrechtliche Persönlichkeitsschutz (Art. 28 ZGB) grundsätzlich einen 
weiterreichenden Schutz bietet als der strafrechtliche. Eine Äusserung, wel-
che die soziale Geltung einer Person beeinträchtigt, beinhaltet regelmässig 
bereits eine zivilrechtliche Persönlichkeitsverletzung. Daraus folgt, dass eine 
Vorverurteilung immer auch eine Persönlichkeitsverletzung im privatrechtli-
chen Sinne darstellt (STREBEL, a.a.O., S. 153). 

 
4.2 Für die Medienarbeit der Strafverfolgungsbehörden des Bundes gelten fer-

ner auch die Empfehlungen der Schweizerischen Konferenz der Informati-
onsbeauftragten der Staatsanwaltschaften (SKIS) vom 7. November 2014 
(nachfolgend «Empfehlungen SKIS»), worauf die Bundesanwaltschaft auf 
ihrer Website ausdrücklich hinweist https://www.bundesanwaltschaft.ch/ 
mpc/de/home/medien/rechtliche-grundlagen-der-kommunikationsabteilung-
.html; JÄGER, Strafuntersuchung und Medien im Spannungsfeld der Interes-
sen, 2010, Rz. 328 ff.). Gemäss den Empfehlungen SKIS ist eine aktive Me-
dienarbeit angezeigt, wenn sie im Interesse der Untersuchung liegt oder/und 
bei Vorliegen eines überwiegenden öffentlichen Interessens (Ziff. 4 Abs. 2 
Empfehlungen SKIS). Wann von einem überwiegenden Interesse der Öffent-
lichkeit, die eine Information rechtfertigt, auszugehen ist, wird in Ziff. 4 Abs. 4 
der Empfehlungen beispielhaft aufgelistet. Zum Zeitpunkt und Inhalt der 
Kommunikation wird in den Empfehlungen der SKIS festgehalten, dass eine 
aktive Information in der Regel mit Anhebung des Vorverfahrens erfolgt. Auf 
Nachfrage von Medienschaffenden können auch wichtige Zwischenschritte 
mit der gebotenen Zurückhaltung kommuniziert werden (Ziff. 5). Bei Medien-
auskünften ist stets die bis zur Verurteilung hin geltende Unschuldsvermu-
tung zu beachten. Es ist nur über gesicherte Fakten zu informieren, Speku-
lationen, Mutmassungen und Wertungen sind zu unterlassen (Ziff. 6). Die 
Veröffentlichung von identifizierenden Merkmalen von beschuldigten Perso-
nen (Namen / Bilder) ist nur zulässig bei Verbrechen und schweren Verge-
hen zwecks Fahndung oder ausnahmsweise um Verwechslungen auszu-
schliessen oder zu korrigieren sowie wenn die identifizierenden Merkmale in 
den Medien bereits publik gemacht worden sind oder es sich um eine wich-
tige Person des öffentlichen Lebens handelt oder die beschuldigte Person 
ihre Einwilligung erteilt hat (Ziff. 6.4). Die Parteien bzw. deren Rechtsvertre-
tung können über die geplante aktive Medienarbeit sowie über den Inhalt der 
Information rechtzeitig in geeigneter Form orientiert werden. Vorbehalten 
bleiben die Fälle, in denen eine solche Orientierung innert nützlicher Frist 
nicht möglich ist. Sofern die Persönlichkeitsrechte erheblich tangiert werden, 

https://www.bundesanwaltschaft.ch/mpc/de/home/medien/rechtliche-grundlagen-der-kommunikationsabteilung-.html
https://www.bundesanwaltschaft.ch/mpc/de/home/medien/rechtliche-grundlagen-der-kommunikationsabteilung-.html
https://www.bundesanwaltschaft.ch/mpc/de/home/medien/rechtliche-grundlagen-der-kommunikationsabteilung-.html

- 15 - 

 

 

ist eine Orientierung der Parteien auch bei einzelnen Anfragen von Medien-
schaffenden angezeigt. Es empfiehlt sich zudem, die Information aktenkun-
dig zu machen (Ziff. 7.2). 

 
4.3 Die Strafbehörden sind schliesslich bei ihrem Handeln stets auch an den 

Grundsatz von Treu und Glauben im Sinne von Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV 
gebunden (vgl. Art. 3 Abs. 2 StPO). Daraus folgt generell, dass die Kommu-
nikation der Strafbehörden wahr, einheitlich, rechtzeitig, sachlich und trans-
parent zu sein hat (MICHLIG, a.a.O., S. 128). Die Kommunikation ist so zu 
dosieren, dass die Interessen aller Betroffenen nur minimal tangiert werden 
und der Untersuchungszweck nicht gefährdet wird. Auch die Verteidigung 
sollte rechtzeitig über eine bevorstehende Medieninformation oder Presse-
konferenz der Strafverfolgungsbehörden informiert werden. Der Fairness-
grundsatz (Art. 3 StPO) gebietet, dass sich die Verteidigung auf die bevor-
stehende Pressekonferenz frühzeitig vorbereiten kann (BGE 130 IV 140 
E. 3). Die Kommunikation der Strafbehörden hat zudem sachlich und neutral 
zu erfolgen. Unzulässig sind deshalb verzerrende, verletzende, irreführende 
oder tatsachenwidrige Informationen sowie reine Polemik und Propaganda. 
Es gilt der Grundsatz, dass die Behörden argumentativ überzeugen dürfen, 
aber nicht überreden (MICHLIG, a.a.O.). 

 
 
5. Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020 (vgl. supra lit. F) 
5.1 Der Gesuchsteller macht zunächst geltend, der Gesuchsgegner verstosse 

mit der Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020 gegen die Unschuldsver-
mutung. Darin habe er mitgeteilt, es gäbe deutliche Anzeichen für ein straf-
bares Verhalten des Gesuchstellers mit Bezug auf den Sachverhaltskomplex 
«Privatflüge». Der Gesuchsteller sei der Weltöffentlichkeit gegenüber als 
mutmasslich schuldig bezeichnet worden. Es sei daher zu erwarten, dass 
der Gesuchsgegner auch im Sachverhaltskomplex um die nicht protokollier-
ten Treffen von Lauber und dem Gesuchsteller mit derselben Voreingenom-
menheit handeln werde (act. 1 S. 7 ff.). 

 
5.2 Demgegenüber hält der Gesuchsgegner fest, die Medienmitteilung vom 

10. Dezember 2020 stelle keine Vorverurteilung dar. Darin werde lediglich 
festgehalten, dass deutliche Anzeichen für ein strafbares Verhalten beste-
hen würden. Dies bedeute nichts anderes als eine Parallel-Übersetzung für 
Nichtjuristen von Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO, wonach die Staatsanwaltschaft 
eine Untersuchung eröffne, wenn sich aus den Informationen und Berichten 
der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein 
hinreichender Tatverdacht ergäbe. Deutliche Anzeichen stellten nichts an-
deres als einen hinreichenden Tatverdacht dar. Jeder Staatsanwalt müsse 

- 16 - 

 

 

sich bei jeder Sachverhaltsprüfung ein solches Urteil gebildet haben, damit 
er ein Strafverfahren eröffnen könne. Er verfolge bezüglich Kommunikation 
im Übrigen eine konstante Praxis, wonach die Ergebnisse seiner Prüfauf-
träge den Medien mitgeteilt würden. Er beabsichtige, auch in Zukunft die 
Öffentlichkeit zu informieren, wenn die Prüfung einzelner der ihm vorliegen-
den Strafanzeigen abgeschlossen sei. Ebenfalls werde er wichtige Verfah-
rensschritte kommunizieren. Es bestehe ferner ein öffentliches Interesse am 
Fortgang der Behandlung der Strafanzeigen des spätestens im Mai 2020 
weltweit von zahlreichen Medien aufgegriffenen Privatjetfluges von Surinam 
in die Schweiz durch den Gesuchsteller (act. 1 S. 4 ff.; act. 7 S. 2 ff.). 

 
5.3  
5.3.1 Die Beurteilung einer allfälligen Befangenheit des Gesuchsgegners mit Be-

zug auf die in der Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020 gegenüber der 
Öffentlichkeit getätigten Äusserungen ist vor dem Hintergrund der in E. 4 er-
wähnten einschlägigen Bestimmungen und Prinzipien vorzunehmen. Wird 
festgestellt, dass sich der Staatsanwalt gegenüber Medien widerrechtlich 
verhält, weil er gegen die Unschuldsvermutung handelt oder sich persönlich-
keitsverletzend äussert, und damit die in Art. 74 StPO statuierten Grunds-
ätze der Orientierung der Öffentlichkeit verletzt, wird nicht mehr dessen 
grundsätzliche Unbefangenheit, sondern seine Befangenheit vermutet (JÄ-
GER, a.a.O., Rz. 177; STREBEL, a.a.O., S. 220 und 831).  

 
5.3.2 In seiner Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020 teilte der Gesuchsgeg-

ner der Öffentlichkeit mit, dass er die Prüfung von Strafanzeigen gegen den 
Gesuchsteller wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung im Zusammenhang 
mit der Benützung eines Privatjets abgeschlossen habe. Er hielt dabei fest, 
dass es «deutliche Anzeichen für ein strafbares Verhalten» des Gesuchstel-
lers gäbe und dass aufgrund von «Befragungen und Recherchen» dem 
Gesuchsgegner «eine Strafuntersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbe-
sorgung angezeigt» erscheine. Diese Äusserungen sind insbesondere vor 
dem Hintergrund, dass der Gesuchsgegner eigenen Angaben zufolge für die 
Eröffnung und Führung der Strafuntersuchung in der Angelegenheit rund um 
den Privatflug des Gesuchstellers von Surinam in die Schweiz nicht zustän-
dig war, sondern lediglich die «Prüfung» der entsprechenden Strafanzeigen 
vornehmen musste, äusserst fragwürdig. Dem Gericht ist zwar der Inhalt des 
Mandats der AB-BA betreffend die «Prüfung der Strafanzeigen» nicht be-
kannt. In Anbetracht dessen, dass bereits die Entgegennahme einer Straf-
anzeige oder die Feststellung eines Anfangstatverdachts zur Einleitung des 
Vorverfahrens und damit zur Strafuntersuchung genügt, bewegt sich ein 
Mandat, welches nur die Prüfung von Strafanzeigen zum Inhalt haben soll, 

- 17 - 

 

 

zwingend in einem sehr begrenzten Rahmen und dürfte nur eine erste Prü-
fung darüber beinhalten, ob die Strafanzeigen nicht von vornherein völlig 
haltlos sind oder ob die örtlichen und sachlichen Zuständigkeiten der Straf-
verfolgungsbehörden gegeben sind (vgl. BGE 121 IV 38 E. 2; 116 IV 83 E. 3; 
Art. 299 Abs. 2 StPO). Die Frage, ob ein genügender Anfangstatverdacht 
vorliegt, kann mithin von einem derartigen Mandat, welches sich nur auf die 
Prüfung von Strafanzeigen beschränkte, gar nicht erfasst sein. Mit seinen in 
der Medienmitteilung getätigten Äusserungen, wonach deutliche Anzeichen 
für ein strafbares Verhalten des Gesuchstellers bestünden und eine Strafun-
tersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung angezeigt sei, machte 
der Gesuchsgegner hingegen gerade Aussagen zum Bestehen des hinrei-
chenden Tatverdachts. Damit ging er klar über ein erstes Prüfen der Straf-
anzeigen im dargelegten Sinne hinaus. Aus dem Grundsatz, dass die Kom-
munikation funktionell auf den eigenen Zuständigkeitsbereich beschränkt ist 
(MICHLIG, a.a.O., S. 156) und vor der Prämisse, dass der Gesuchsgegner 
zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Medienmitteilung keine Kompetenz 
zur Eröffnung und Durchführung eines Strafverfahrens betreffend den Sach-
verhalt Privatflüge hatte, folgt, dass die fragliche Medienmitteilung zum Vor-
liegen eines Anfangstatverdachts durch den hierfür sachlich und funktionell 
unzuständigen Gesuchsgegner erfolgte. Der Gesuchsgegner hätte sich über 
das Bestehen des hinreichenden Tatverdachts nicht äussern dürfen; ob ein 
solcher nämlich vorliegend gegeben war, hätte durch die dafür zuständige 
Strafuntersuchungsbehörde erst noch festgestellt werden müssen. Er hat 
damit voreilig eine juristische Qualifikation vorweggenommen und Schuld-
vermutungen geäussert, was zwingend zu unterlassen gewesen wäre. Zum 
Zeitpunkt der Medienmitteilung war nämlich – aufgrund der damals herr-
schenden Zuständigkeitsverhältnisse – gänzlich offen, ob überhaupt mit Be-
zug auf den Sachverhaltskomplex «Privatflüge» eine Strafuntersuchung ge-
gen den Gesuchsteller eröffnet werden würde. Die Formulierungen in der 
Medienmitteilung lassen demgegenüber keine Zweifel offen, dass der Ge-
suchsteller Beschuldigter im genannten Sachverhaltskomplex ist. Dies gilt 
umso mehr als zusätzlich kommuniziert wird, der Gesuchsgegner habe das 
Ergebnis seiner Prüfung der Strafanzeigen deshalb der Bundesanwaltschaft 
übermittelt, die sich der Sache nun mit eigenen personellen Ressourcen an-
nehmen wolle. Damit suggerierte er, dass die Bundesanwaltschaft tatsäch-
lich ein Strafverfahren eröffnen würde. Damit wird in klarer Weise die Un-
schuldsvermutung verletzt. Für den Gesuchsteller, der in der Medienmittei-
lung namentlich genannt wurde, stellt die Verletzung der Unschuldsvermu-
tung zweifelsohne auch eine schwere Beeinträchtigung der sozialen Geltung 
und damit zumindest seiner zivilrechtlich geschützten Persönlichkeitsrechte 
dar. Hinzu kommt, dass die in der Öffentlichkeit kommunizierte Einleitung 

- 18 - 

 

 

einer Strafuntersuchung regelmässig mit dem Nachweis der Schuld gleich-
gesetzt wird und deshalb auch im Fall einer späteren Einstellung des Unter-
suchungsverfahrens nicht ausgeschlossen ist, dass «etwas vom Schuldvor-
wurf hängen bleibt», zumal wie – vorliegend – ein Hinweis auf die Unschulds-
vermutung gänzlich unterblieben ist (vgl. LEHR, Grenzen für die Öffentlich-
keitsarbeit der Ermittlungsbehörden, in: Neue Zeitschrift für Strafrecht, 
29/2009, S. 409 ff., 414). Wie sich aus den Akten und auch den im Rahmen 
des vorliegenden Verfahrens gemachten Äusserungen des Gesuchsgeg-
ners selber ergibt, wurden in der Folge denn auch weder die Akten der Bun-
desanwaltschaft überwiesen noch hat diese in der Folge eine Strafuntersu-
chung eröffnet. Damit hat der Gesuchsgegner nicht nur die Unschuldsver-
mutung verletzt, sondern auch irreführende und tatsachenwidrige Informati-
onen kommuniziert. Abschliessend ist zudem festzustellen, dass es der Ge-
suchsgegner unterlassen hatte, den Gesuchsteller über die bevorstehende 
Medienmitteilung zu informieren. Dies, obschon in den Empfehlungen SKIS 
in Ziffer 7.2 ausdrücklich festgehalten wird, dass die Parteien nach Möglich-
keit über eine bevorstehende Medienmitteilung orientiert werden sollen, ins-
besondere, wenn – wie vorliegend – durch die Vorverurteilung Persönlich-
keitsrechte erheblich tangiert werden.  

 
 Zusammenfassend ergibt sich, dass berechtigte Zweifel an der Unbefangen-

heit des Gesuchsgegners dem Gesuchsteller gegenüber bestehen. Dies ist 
insofern von grundlegender Bedeutung, als der Gesuchsgegner – wie er in 
seiner Eingabe vom 20. März 2021 dem Gericht mitgeteilt hat – seit dem 
Entscheid der AB-BA vom 25. Januar 2021 nun doch für die Führung der 
Strafuntersuchung im Sachverhaltskomplex «Privatflüge» zuständig sei (vgl. 
act. 15 S. 5). Daraus folgt, dass der Gesuchsgegner in den Strafuntersu-
chungen gegen den Gesuchsteller in den Ausstand zu treten hat.  

 
 
6. Januar-Ausgabe 1/2021 Plädoyer (vgl. supra lit. J) 
6.1 Der Gesuchsteller sieht sodann im in der Januar-Ausgabe 1/2021 der Fach-

zeitschrift «Plädoyer» veröffentlichten Portrait über die Person des Gesuchs-
gegners einen weiteren Ausstandsgrund. Darin habe sich der Gesuchsgeg-
ner insbesondere zu Tatsachen geäussert, die ihm in Ausübung einer amtli-
chen Tätigkeit zur Kenntnis gelangt seien bzw. diese betreffen. So habe er 
Aussagen zu einem nicht öffentlichen Aufsichtsverfahren vor den Geschäfts-
prüfungskommissionen der Bundesversammlung sowie zum ebenfalls nicht 
öffentlichen Beschwerdeverfahren BB.2020.245 gemacht. Der Gesuchsgeg-
ner habe ferner ausgesagt, dass der Gesuchsteller im Parlament interveniert 
habe, um jenen als Sonderermittler zu verhindern. Ausserdem würde der 

- 19 - 

 

 

Gesuchsteller sämtliche Netzwerke in Bewegung setzen, um den Gesuchs-
gegner zu diskreditieren. Das Verhalten des Gesuchstellers mit Bezug auf 
die Beschwerdeverfahren habe der Gesuchsgegner sodann als Verzöge-
rungstaktik betitelt und im Interview erneut festgehalten, dass es deutliche 
Anzeichen für ein strafbares Verhalten des Gesuchstellers mit Bezug auf den 
Flug von Surinam in die Schweiz gäbe. Aufgrund dieser neuen öffentlichen 
Aussagen erscheine es offensichtlich, dass der Gesuchsgegner voreinge-
nommen sei (act. 9). 

 
6.2 Der Gesuchsgegner hält in seiner Stellungnahme vom 19. Februar 2021 fest, 

dass die Aussage, wonach der Gesuchsteller versucht habe, ihn zu diskre-
ditieren, vom Journalisten stammen würde. Ebenso der Hinweis auf die Ver-
zögerungstaktik. Er habe keine Möglichkeit gehabt, auf den gesamten Text 
Einfluss zu nehmen. Zudem sehe er in seiner Äusserung zum Verfahren 
BB.2020.245 keinen Ausstandsgrund. Schliesslich sei auch die Aussage 
zum Privatflug des Gesuchstellers nicht neu (act. 11). 

 
6.3 
6.3.1 Der weitere, mit Eingabe vom 2. Februar 2021 erhobene Ausstandsgrund ist 

am Tag der Zustellung der Januar-Ausgabe 1/2021 des «Plädoyers», mithin 
am Tag der Kenntnisnahme desselben und damit rechtzeitig gestellt worden, 
weshalb darauf einzutreten ist. Beim betreffenden Artikel handelt es sich um 
ein Porträt des Gesuchsgegners unter dem Titel «Ein Mann mit harten Geg-
nern», welches vor dem Hintergrund seines Mandats als a.o. Bundesanwalt 
im Strafverfahren gegen Lauber und den Gesuchsteller gemacht worden ist. 
In diesem Zusammenhang soll der Gesuchsgegner Aussagen zum Kosten-
dach für sein Mandat gemacht haben sowie zum Umstand, dass er seine 
Mitarbeiter selbst einstellen musste. Der Gesuchsgegner habe nicht preis-
geben wollen, wer zu seinem juristischen Team zähle. Dabei wird er wie folgt 
zitiert: «Am Bundesstrafgericht laufen mehrere Verfahren in dieser Sache. 
Infantino will genau wissen, wer meine Hilfspersonen sind» (vgl. act. 9.1). 
Der Gesuchsgegner bestreitet im vorliegenden Ausstandsverfahren nicht, 
diese Äusserung gemacht zu haben. Er ist jedoch der Ansicht, er habe abs-
trakt auf laufende Verfahren verwiesen, ohne die Journalistenfrage inhaltlich 
zu beantworten (act. 11 S. 3). Offenbar bezog sich der Gesuchsgegner mit 
der Äusserung, Infantino wolle wissen, wer seine Hilfspersonen seien, auf 
das bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum damaligen 
Zeitpunkt unter der Geschäftsnummer BB.2020.245 hängige Verfahren 
(vgl. supra lit. K). Die in diesem Verfahren erhobene Beschwerde des Ge-
suchstellers richtete sich unter anderem gegen die Weigerung des Gesuchs-
gegners, die vom ihm beigezogenen bzw. beizuziehenden Hilfspersonen 

- 20 - 

 

 

im Strafverfahren gegen den Gesuchsteller zu bezeichnen (BB.2020.245 
act. 1). 

 
6.3.2 Das Beschwerdeverfahren ist nicht öffentlich (Art. 69 Abs. 3 lit. c StPO). 

Adressat dieser Bestimmung ist nicht nur die Beschwerdekammer selbst, 
sondern vorliegend ebenfalls der Gesuchsgegner in seiner Funktion als Mit-
glied der Strafverfolgungsbehörde (vgl. Art. 73 Abs. 1 StPO sowie Art. 69 
Abs. 3 lit. a StPO). Dies bedeutet, dass keine Publikumsöffentlichkeit be-
steht, die Medien aber allenfalls im Rahmen von Art. 74 StPO orientiert 
werden können. Zuständiger Geheimnisherr war im hängigen Beschwerde-
verfahren BB.2020.245 ausschliesslich die Verfahrensleitung der Beschwer-
dekammer. Für die Information ist dabei Art. 63 StBOG zu beachten, samt 
Reglement des Bundesstrafgerichts über die Grundsätze der Information 
vom 24. Januar 2012 (SR 173.711.33). Der Gesuchsgegner hat im Rahmen 
des über ihn erschienenen Artikels in der Januar-Ausgabe des «Plädoyers» 
den Gegenstand und damit den Inhalt des nicht öffentlichen und zu jenem 
Zeitpunkt noch hängigen Beschwerdeverfahrens BB.2020.245 preisgege-
ben, zu dessen Geheimhaltung er als Geheimnisträger verpflichtet gewesen 
wäre und zu dessen Offenbarung er als nicht zuständiger Geheimnisherr 
nicht befugt gewesen ist. Die Geheimhaltungspflicht im Sinne von Art. 73 
Abs. 1 StPO gehört zu den konkreten Amtspflichten des Gesuchsgegners. 
Wie den Akten zu entnehmen ist, wurde der Gesuchsgegner denn auch 
explizit von der AB-BA im Dienstleistungsvertrag vom 7. bzw. 8. Juli 2020 
auf die Wahrung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 StGB hinge-
wiesen (act. 15.3). Die Preisgabe eines unter Art. 73 Abs. 1 StPO fallenden 
Geheimnisses ohne Vorliegen eines Rechtfertigungsgrundes ist mit den 
Amtspflichten des Gesuchsgegners nicht vereinbar. Dass ein Rechtferti-
gungsgrund vorgelegen hätte, wird weder geltend gemacht noch ist ein 
solcher ersichtlich. Damit sind die vom Gesuchsteller erhobene Zweifel an 
der Unbefangenheit des Gesuchsgegners ohne Weiteres begründet. 

 
 Ob die weiteren, vom Gesuchsteller monierten Äusserungen im besagten 

Artikel der Januar-Ausgabe des «Plädoyers» tatsächlich vom Gesuchsgeg-
ner oder aus einer anderen dem Journalisten bekannten Quelle stammen, 
lässt sich nicht ohne Weiteres feststellen, sodass darauf nicht weiter einzu-
gehen ist.  

 
 

  

- 21 - 

 

 

7. Medienmitteilungen vom 10. Februar, 8. und 11. März 2021 (vgl. supra 
lit. L, O und Q) 

7.1 Der Gesuchsteller macht in seiner Eingabe vom 12. März 2021 weitere Aus-
standsgründe geltend: Mit seinen Medienmitteilungen vom 8. und 11. März 
2021 bringe der Gesuchsgegner klar zum Ausdruck, dass er in den Kriterien 
von Obsiegen und Unterliegen denke und nicht mehr als zu Neutralität und 
Objektivität verpflichteter Verfahrensleiter, sondern sich als einseitige, auf 
den eigenen Erfolg erpichte Gegenpartei verstehe. In den genannten Medi-
enmitteilungen sowie in jener des 10. Februar 2021 sei die Kommentierung 
ohne Anonymisierung und unter voller Namensnennung des Gesuchstellers 
erfolgt und noch bevor die akkreditierten Journalisten den anonymisierten 
Entscheid erhalten hätten. Die Medienmitteilungen zum Ausgang der Be-
schwerdeverfahren vor der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 
seien nicht nur selektiv und teilweise faktenwidrig, sondern enthielten auch 
eigene, den subjektiven Vorstellungen des Gesuchsgegners entsprechende 
Wertungen (act. 13). 

 
7.2 Der Gesuchsgegner wendet demgegenüber ein, es bestehe ein grosses 

Interesse am Strafverfahren betreffend die nicht protokollierten Treffen. Die 
Aufschaltung einer persönlichen Website mit kurzen persönlichen Angaben, 
einer Kontaktadresse und einer Sammlung von Pressemitteilungen diene vor 
diesem Hintergrund dem Zweck, immer wiederkehrende ähnliche Anfragen 
zu kanalisieren, den Beantwortungsaufwand im Sinne der Verfahrenseffi-
zienz in Grenzen zu halten und gleichzeitig alle Medien zeit- und inhalts-
gleich (deutsch und französisch) informieren zu können. Einzelne Medien-
schaffende würden dadurch nicht bevorzugt, sondern gleichbehandelt. Dem 
Gesuchsgegner stünden keine personell gut dotierten Kommunikationsab-
teilungen wie einer ordentlichen Staats- oder Bundesanwaltschaft zur Verfü-
gung, die Dutzende von Anfragen innert kurzer Zeit und in der notwendigen 
Qualität beantworten könnten. Vielmehr besorge er die Kommunikation 
selber und werde nur bei Bedarf durch einen professionellen Kommunikati-
onsberater, insbesondere bei Medienmitteilungen, unterstützt. Er sei daher 
darauf angewiesen, dass möglichst wenige Fragen individuell zu beantwor-
ten seien, sondern sich die Mehrheit bereits gestützt auf die Website selber 
beantworten und sich die Medienschaffenden selber informieren könnten. 
Entgegen der Auffassung des Gesuchstellers seien die Medienmitteilungen 
ausgewogen, würden sich innerhalb der rechtsstaatlichen Leitlinien behörd-
licher Kommunikation bewegen und hätten sämtliche Punkte der bundes-
strafgerichtlichen Entscheidungen berücksichtigt. Ein Ausstandsgrund sei 
daher nicht erkennbar (act. 15 S. 5 ff.). 

 
  

- 22 - 

 

 

7.3 
7.3.1 Der Gesuchsteller sah in den Medienmitteilungen vom 10. Februar, 8. und 

11. März 2021 das Vorliegen weiterer Ausstandsgründe. Diese sind mit Ein-
gabe vom 12. März 2021 rechtzeitig geltend worden, sodass darauf ohne 
Weiteres einzutreten ist. Dies gilt auch insoweit damit die Äusserungen in 
der Medienmitteilung vom 10. Februar 2021 gerügt werden. Entgegen der 
Ansicht des Gesuchsgegners bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der 
Gesuchsteller über einen längeren Zeitraum ein «Privatdossier» über angeb-
liche Prozessfehler des Gesuchsgegners angelegt und diese Rügen nicht 
rechtzeitig vorgebracht hätte. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, hat erst 
die Kumulation der Medienmitteilungen Anlass zur Annahme der Befangen-
heit gegeben, sodass dem Gesuchsteller nicht vorgeworfen werden kann, er 
habe die Ausstandsgründe mit Hinblick auf die Medienmitteilung vom 
10. Februar 2021 zu spät gestellt.  

 
7.3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass sich die drei fraglichen Medienmitteilungen 

auf abgeschlossene Beschwerdeverfahren bezogen haben. Wie bereits 
supra unter E. 6.3.2 ausgeführt, liegt die Verfahrensleitung und damit auch 
die Zuständigkeit für die öffentliche Kommunikation hängiger Beschwerde-
verfahren beim Bundesstrafgericht. Nach Abschluss des Verfahrens veröf-
fentlicht das Bundesstrafgericht ihren Endentscheid in seiner im Internet ein-
sehbaren Datenbank (Art. 63 Abs. 1 StBOG, Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 
des Reglements des Bundesstrafgerichts über die Grundsätze der Informa-
tion). Das Gericht veröffentlicht seine Entscheide grundsätzlich in anonymi-
sierter Form, es sei denn, es handle sich um einen bekannten Fall («causes 
célèbres») und die Namen sind der Öffentlichkeit schon bekannt (Art. 6 
Abs. 1 und 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts über die Grundsätze 
der Information).  

 
 Vor dem Hintergrund, dass die Staatsanwaltschaft auch Zwischenschritte 

des Vorverfahrens veröffentlichen kann (Ziff. 5 Empfehlungen SKIS), war es 
dem Gesuchsgegner nicht grundsätzlich untersagt, sich über die Ergebnisse 
der Beschwerdeverfahren mittels Medienmitteilungen zu äussern. Eine Ver-
öffentlichung von Zwischenschritten hat aber äusserst zurückhaltend und in 
der Regel nur als reaktive Kommunikation zu erfolgen (vgl. Ziff. 5 Empfeh-
lungen SKIS). Der Gesuchsgegner hat die Medienmitteilungen veröffentlicht, 
noch bevor die Beschwerdekammer ihre Entscheide in anonymisierter Form 
auf ihrer Website aufschaltete. Ein derartiges Vorgehen ist äusserst fragwür-
dig. Zum einen wurde damit nicht nur die Veröffentlichungspraxis des Bun-
desstrafgerichts vollständig hintergangen, es bestand insbesondere mit der 
Medienmitteilung vom 11. März 2021, welche nur einen Tag nach Versand 
des Beschlusses BB.2020.291 vom 10. März 2021 veröffentlicht worden ist, 

- 23 - 

 

 

auch die Gefahr, dass dem Gesuchsteller der betreffende Beschluss noch 
gar nicht hatte zugestellt werden können und er über die Medien von dessen 
Inhalt erfahren hätte. Der Gesuchsgegner hätte aber auch aus einem ande-
ren Grund auf eine voreilige Medienmitteilung verzichten müssen: Während 
seine Medienmitteilungen zu den abgeschlossenen Beschwerdeverfahren 
jedesmal unverzüglich von der Presse aufgegriffen wurden, fanden an-
schliessend die auf der Website des Bundesstrafgerichts veröffentlichten 
Beschlüsse in den Medien praktisch keine Beachtung mehr. Dies ist umso 
schwerwiegender, als – wie nachfolgend zu zeigen sein wird – die Medienin-
formation durch den Gesuchsgegner zu den abgeschlossenen Beschwerde-
verfahren nicht in der gehörigen objektiven Art und Weise erfolgt ist. Wenn 
der Gesuchsgegner seine Medienmitteilungen damit zu rechtfertigen meint, 
dass der Gesuchsteller – angeblich – selber auch an die Medien gelangt sei, 
verkennt er, dass der Gesuchsteller als beschuldigte Person im Gegensatz 
zum Gesuchsgegner nicht an die Grundsätze von Art. 73 und 74 StPO ge-
bunden ist. 

 
7.3.3 Der Gesuchsgegner titelte in der Medienmitteilung vom 10. Februar 2021 

«Keine Einsicht in Kommissionsprotokoll, Arbeitsverträge und Korrespon-
denz». In fett hervorgehobener Schrift heisst es ferner «FIFA-Präsident 
Gianni Infantino erhält weder Einsicht in die Verträge und Abmachungen des 
a.o. Bundesanwalts noch in die Wortprotokolle der Gerichtskommission. 
Laut Urteil des Bundesstrafgerichts müssen ihm einzig die Namen allfälliger 
Hilfspersonen bekannt gegeben werden, an die Untersuchungshandlungen 
delegiert werden». Im ersten und längsten Abschnitt des nachfolgenden Tex-
tes führt der Gesuchsgegner aus, wie der Gesuchsteller Einsicht in sämtliche 
Unterlagen verlangt habe, die im Zusammenhang mit dem Beizug von Hilfs-
personen durch den Gesuchsgegner gestanden hätten. Ausserdem habe 
der Gesuchsteller die Wortprotokolle der Gerichtskommission anlässlich der 
Bewerbung des Gesuchsgegners verlangt. Diese Forderungen habe das 
Bundesstrafgericht abgewiesen, soweit es überhaupt auf die Beschwerde 
des Gesuchstellers eingetreten sei. Im letzten und weitaus kürzeren Absatz 
teilt der Gesuchsgegner mit, dass die Beschwerde in einem Punkt teilweise 
als begründet erachtet worden sei, nämlich mit Bezug auf die Bekanntgabe 
von Namen von Mitarbeitern, die zumindest einen indirekten Einfluss auf den 
Ausgang des Verfahrens haben könnten.  

 
 Der Titel und die fett hervorgehobene Textstelle suggerieren zunächst, dass 

es im Beschwerdeverfahren BB.2020.245 primär um die Einsicht in diverse 
Unterlagen durch den Gesuchsteller gegangen sei. Wie den Beschwerde-
anträgen jedoch eindeutig zu entnehmen ist, ging es dem Gesuchsteller in 
erster Linie darum, die Namen und die genauen Funktionen der vom 

- 24 - 

 

 

Gesuchsgegner beigezogenen Hilfspersonen in Erfahrung zu bringen (vgl. 
Beschluss BB.2020.245 vom 5. Februar 2021 lit. G; Beschwerdeantrag 1). 
In diesem Zusammenhang verlangte der Gesuchsteller Einsicht in verschie-
dene Unterlagen (Beschwerdeantrag 2) und replicando auch Einsicht in das 
Protokoll der Anhörung des Gesuchsgegners durch die Gerichtskommission 
der Bundesversammlung vom 26. August 2020. Auf diese letztgenannten 
Anträge ist die Beschwerdekammer in ihrem Beschluss BB.2020.245 vom 
5. Februar 2021 jedoch gar nicht eingetreten. Die Formulierung in der Medi-
enmitteilung, das Gericht habe diese Forderungen abgewiesen, soweit es 
darauf eingetreten sei, ist daher falsch. Auch mit dem Titel «Keine Einsicht 
in Kommissionsbericht, Arbeitsverträge und Korrespondenz» und der For-
mulierung am Ende der Medienmitteilung, wonach die Rechtslage nun in 
Bezug auf die Einsichtsforderungen Infantinos «geklärt» sei, wird der Ein-
druck erweckt, das Gericht habe die Anträge zur Einsicht in diverse Unterla-
gen materiell behandelt, was jedoch nicht zutrifft. Solche irreführenden und 
zum Teil unzutreffenden Äusserungen sind in jedem Fall zu unterlassen und 
haben in einer korrekten Medienmitteilung keinen Platz. Wesentlicher Inhalt 
des Beschlusses BB.2020.245 war ohnehin die Frage nach der Zulässigkeit 
des Beizugs von Hilfspersonen ausserhalb der Bundesanwaltschaft durch 
einen ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes bzw. einen ausseror-
dentlichen Bundesanwalt sowie die Frage, ob der Gesuchsgegner zu Recht 
die Namensnennung der von ihm beigezogenen Hilfspersonen verweigert 
hatte. Insofern ist nur schon die Titelwahl, aber auch der nachfolgende Text 
in der Medienmitteilung nicht mit einer objektiven Kommunikation durch den 
Gesuchsgegner zu vereinbaren. 

 
7.3.4 Die Medienmitteilung vom 8. März 2021 bezog sich auf den Beschluss des 

Bundesstrafgerichts BB.2020.278 vom 4. März 2021, mit welchem die Be-
schwerdekammer eine Beschwerde des Gesuchstellers abgewiesen hatte, 
soweit sie darauf eintrat. Anlass zu Bemerkungen gibt der Titel, unter wel-
chem der Gesuchsgegner die Medienmitteilung veröffentlicht hat: «Weitere 
Beschwerde Infantinos abgewiesen». Vorgängig zur Beschwerde im Verfah-
ren BB.2020.278 hatte die Beschwerdekammer zum Zeitpunkt der Medien-
mitteilung erst über eine Beschwerde des Gesuchstellers befunden, nämlich 
die Beschwerde im Verfahren BB.2020.245, und diese Beschwerde hatte die 
Kammer, wie bereits dargelegt, gutgeheissen, soweit sie darauf eingetreten 
war. Der Titel «Weitere Beschwerde Infantinos abgewiesen» ist vor diesem 
Hintergrund tatsachenwidrig. Darüber hinaus ist ein derartiger Titel, der wie 
eine Schlagzeile anmutet, reisserisch und verletzt das Sachlichkeitsgebot.  

  

- 25 - 

 

 

7.3.5 Die Medienmitteilung vom 11. März 2021 schliesslich erfolgte unter dem Titel 
«Zuständigkeitsfragen geklärt». Der Gesuchsgegner bezog sich darin zu-
nächst auf den tags zuvor gefällten Beschluss BB.2020.291 des Bundes-
strafgerichts und hielt fest, das Gericht hätte die Einvernahme einer Person 
aus dem Umfeld des Gesuchstellers wegen fehlender Zuständigkeit des 
a.o. Staatsanwalts des Bundes beanstandet und verlangt, dass das Protokoll 
der Befragung aus den Akten entfernt werde. Zudem informierte er die 
Öffentlichkeit, dass die «damals unklare Zuständigkeit zur Untersuchung der 
Benutzung eine[s] Privatjets durch Infantino nun in einer Vereinbarung zwi-
schen der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich und dem a.o. Staats-
anwalt des Bundes geregelt sei».  

 
 Die Aussage der «damals» unklaren Zuständigkeit steht nicht nur im Wider-

spruch zur Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020, sondern auch zu den 
im Beschwerdeverfahren BB.2020.291 gemachten Aussagen des Gesuchs-
gegners: Er hielt klar fest, dass er für die Eröffnung des Strafverfahrens im 
Sachverhaltskomplex «Privatflüge» nicht zuständig sei. Dies bestätigte er 
auch noch im vorliegenden Ausstandsverfahren in der Gesuchsantwort vom 
23. Dezember 2020 und Duplik vom 16. Februar 2021. Mit keinem Wort 
wurde je erwähnt, dass die Zuständigkeit mit Bezug auf die Eröffnung des 
Strafverfahrens im Komplex «Privatflüge» unklar gewesen sei. Die Aussage, 
die Zuständigkeit sei schon «damals» – gemeint ist zum Zeitpunkt der Ver-
öffentlichung der Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020 – unklar gewe-
sen, ist vor diesem Hintergrund befremdend und einer vertrauenswürdigen 
Kommunikation abträglich. 

 
7.3.6 Gesamthaft betrachtet entsteht der Eindruck, dass es dem Gesuchsgegner 

mit den Medienmitteilungen nicht um eine objektive Kommunikation von 
wichtigen Zwischenschritten im Rahmen des Vorverfahrens gegangen ist, 
sondern vielmehr um einseitige Berichterstattung. Abgesehen davon, dass 
einige Fakten nicht den Tatsachen entsprechen, werden andere Fakten so 
dargelegt, dass der Gesuchsgegner dabei ausschliesslich in einem guten 
Licht dasteht und jede mögliche Kritik neutralisiert wird. Dies hat jedoch mit 
einer sachlichen, neutralen, korrekten und im öffentlichen Interesse stehen-
den Kommunikation nichts tun. Damit kann nicht mehr ohne Zweifel davon 
ausgegangen werden, der Gesuchsgegner sei dem Gesuchsteller gegen-
über unbefangen.  

 
 
8. Soweit der Gesuchsteller schliesslich in seiner Replik vom 8. Januar 2021 

weitere Umstände geltend macht, die darauf hinweisen würden, dass der 
Gesuchsgegner befangen sei und sich dabei auf Äusserungen bezieht, die 

- 26 - 

 

 

der Gesuchsgegner in seinen Eingaben vom 15. und 21. Dezember 2020 in 
den Verfahren BB.2020.245 und BB.2020.291 gemacht habe, ist darauf nicht 
weiter einzugehen, da diese verspätet gestellt worden sind (vgl. supra E. 1.).  

 
 
9.  
9.1 Zusammenfassend ist das Ausstandsgesuch gegen den a.o. Bundesanwalt 

bzw. den a.o. Staatsanwalt des Bundes Stefan Keller gutzuheissen. Dieser 
hat in den Verfahren gegen den Gesuchsteller in den Ausstand zu treten.  

 
9.2 Die Feststellung von Ausstandsgründen hat nicht zur Folge, dass die den 

Ausstand feststellende Behörde die Amtshandlungen, an denen eine zum 
Ausstand verpflichtete Person mitgewirkt hat, aufhebt oder für nichtig erklärt. 
Die Aufhebung und Wiederholung solcher Amtshandlungen erfolgt nur, wenn 
dies von einer Partei innert 5 Tagen verlangt wird, nachdem sie vom Ent-
scheid über den Ausstand Kenntnis erhalten hat (Art. 60 Abs. 1 StPO). Auf 
das Begehren des Gesuchstellers um Nichtigerklärung der bisher durchge-
führten Amtshandlungen ist daher nicht einzutreten.  

 
 
10. 
10.1  Wird das Ausstandsgesuch gutgeheissen, so gehen die Verfahrenskosten 

zu Lasten des Bundes (Art. 59 Abs. 4 StPO). Soweit auf das Begehren um 
Feststellung der Nichtigkeit der bisher durchgeführten Amtshandlungen nicht 
eingetreten wird, rechtfertigt es sich, auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr 
zu verzichten.  

 
10.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Bundesanwaltschaft 

dem Gesuchsteller eine Entschädigung für seine diesbezüglichen Aufwen-
dungen auszurichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO analog; siehe hierzu das 
Urteil des Bundesgerichts 6B_118/2016 vom 20. März 2017 E. 4.5.2 m.w.H. 
sowie der Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2018.197 vom 17. Juni 
2019 E. 11.1).  

 
10.3 Da der Rechtsvertreter des Gesuchstellers der Beschwerdekammer keine 

Kostennote eingereicht hat, ist die Parteientschädigung ermessensweise auf 
Fr. 5'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 10 i.V.m. Art. 12 Abs. 2 des Reglements 
des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren 
und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

 
  

- 27 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Das gegen den a.o. Bundesanwalt bzw. den a.o. Staatsanwalt des Bundes 

Stefan Keller gerichtete Ausstandsgesuch wird gutgeheissen. Dieser hat in 
den Verfahren gegen den Gesuchsteller in den Ausstand zu treten. 

 
2. Auf das Begehren um Feststellung der Nichtigkeit der bisher durchgeführten 

Amtshandlungen wird nicht eingetreten. 
 
3. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 
 
4. Die Bundesanwaltschaft hat dem Gesuchsteller für das vorliegende Verfahren 

eine Parteientschädigung von Fr. 5'000.-- zu bezahlen. 
 
 

Bellinzona, 4. Mai 2021 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt David Zollinger, Poststrasse 9, 8620 Wetzikon 
- Stefan Keller, ausserordentlicher Bundesanwalt, Poststrasse 6, 6060 Sarnen  
- Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft, Bundesgasse 3, 3003 Bern 

(in Kopie) 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.