# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 554c6196-2aae-51ef-b8e0-b05cbbd01e7a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.01.2024 D-1884/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1884-2023_2024-01-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1884/2023 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Contessina Theis, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Claudio Ludwig, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug / beschleunigtes Verfah-

ren); Verfügung des SEM vom 6. März 2023 / N (…). 

 

 

 

D-1884/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tadschike mit letztem Aufenthalt 

in B._______ (Provinz C._______), trat eigenen Angaben gemäss am 

10. Oktober 2022 (Angaben Personalienaufnahme [PA], SEM-act. […]-

11/8 Ziff. 5.01) beziehungsweise im Oktober 2021 (Angaben Anhörung, 

SEM-act. […]-16/14 F48) die Flucht aus seinem Heimatland an und ge-

langte am 22. Dezember 2022 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um 

Asyl nachsuchte. 

A.b Am 20. Januar 2023 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer die 

PA durch. 

A.c Am 15. Februar 2023 wurde der Beschwerdeführer beim (…) vorstel-

lig. Gemäss dem vom selben Tag von Dr. med. D._______ verfassten ärzt-

lichen Bericht (vgl. SEM-act. […]-14/2) litt er an Ein- und Durchschlafstö-

rungen und einem Hautabszess. Zudem bestand der Verdacht auf eine 

posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Verschrieben wurden ihm Vi-

tamin-D3-Tropfen, ein Wundpflaster und ein Psychopharmakon (Quetiapin, 

als Schlafmittel in Reserve). Eine regelmässige ambulante psychiatrisch-

psychotherapeutische Behandlung wurde zwar als empfehlenswert erach-

tet, jedoch sei sie wegen des real nicht zugänglichen ambulanten Behand-

lungsangebots nicht umsetzbar. 

A.d Am 23. Februar 2023 hörte das SEM den Beschwerdeführer in Anwe-

senheit der ihm zugewiesenen Rechtsvertretung zu seinen Asylgründen 

an. Er machte im Wesentlichen geltend, dass er die Schule bis zur (…) 

Klasse besucht und anschliessend bis zu seiner Ausreise aus der Heimat 

als (…) gearbeitet habe. Zuerst habe er (…), danach habe er mit (…) ge-

arbeitet. Anschliessend sei er für eine Firma tätig gewesen, die mit der Re-

gierung und mit «ausländischen Kräften» zusammengearbeitet habe. Die 

(…), die er (…), seien gefährlich gewesen, er sei sogar zweimal beschos-

sen worden. Nachdem er viele Drohungen erhalten habe, sei er der afgha-

nischen Nationalarmee beigetreten, für die er bis zum 15. August 2021 ge-

arbeitet habe. (…). Nachdem die Taliban die Macht ergriffen hätten, seien 

seine Familie und er bedroht worden. Einige seiner Kollegen seien von den 

Taliban festgenommen worden und hätten diesen gesagt, welche Leute 

(…) hätten. Als er seine Tätigkeit für die Armee beendet habe, habe er bei 

seinen Schwiegereltern gewohnt. Die Taliban hätten während dieser Zeit 

bei seiner Familie zweimal nach ihm gesucht. Er habe um sein Leben ge-

fürchtet und sein Heimatland verlassen. Man habe ihm gesagt, dass die 

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Taliban auch nach seiner Ausreise gekommen seien, um nach ihm zu fra-

gen. Sie hätten seinen Vater mitgenommen und zusammengeschlagen, 

seither sei dieser krank. 

Der Beschwerdeführer gab während der Anhörung einen von den Taliban 

verfassten Brief ab, gemäss dem er sich bei der Sicherheitskommandantur 

melden solle. Des Weiteren übergab er dem SEM die Kopie eines Auswei-

ses für Angehörige der Nationalarmee und Unterlagen zu seiner Ehe-

schliessung. Er sagte, dass die Originale der Dokumente bei der Überfahrt 

von der Türkei nach Griechenland verloren gegangen seien, als das Boot, 

in dem er gereist sei, gesunken sei. Unter den (…) Ertrunkenen habe sich 

sein Bruder befunden. 

A.e Am 2. März 2023 übermittelte das SEM der Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers einen Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Diese über-

gab dem SEM am folgenden Tag ihre Stellungnahme, der ein Bericht des 

(…) vom 15. Februar 2023 über ein psychiatrisches Konsilium vom selben 

Tag (vgl. SEM-act. […]-19/14) beilag. Im Bericht wird festgehalten, dass die 

vom Beschwerdeführer geäusserten Beschwerden einer PTBS entsprä-

chen. Des Weiteren wurden mehrere Standbilder von einem Video einge-

reicht, auf dem die Festnahme des Vaters des Beschwerdeführers durch 

die Taliban aufgezeichnet worden sei. 

B.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 6. März 2023 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und 

lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine Wegweisung aus der 

Schweiz. Zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete es 

seine vorläufige Aufnahme an und beauftragte den Kanton E._______, 

dem der Beschwerdeführer zugewiesen wurde, mit deren Umsetzung. Es 

stellte fest, dass eine allfällige Beschwerde gegen die Kantonszuweisung 

keine aufschiebende Wirkung habe. Er müsse den Ausgang eines allfälli-

gen Beschwerdeverfahrens im Zuweisungskanton abwarten. 

C.  

Gegen diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer mittels Eingabe sei-

nes Rechtsvertreters vom 3. April 2023 beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erheben. In dieser wurde beantragt, die Dispositivziffern 1-3 

der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzu-

weisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu 

gewähren. Eventualiter sie die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts und 

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zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Beschwer-

deführer sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege 

zu gewähren. Der Eingabe lagen eine Bestätigung der Fürsorgeabhängig-

keit des Beschwerdeführers vom 4. April 2023, ein USB-Stick mit zwei Vi-

deodateien, zwei Standbilder des Vaters des Beschwerdeführers und ein 

Bild seiner Heiratsurkunde bei. 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 10. Mai 2023 gut, und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Akten übermit-

telte er zur Vernehmlassung an das SEM. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 17. Mai 2023 nahm das SEM zur Be-

schwerde Stellung. Es hielt an seinem Standpunkt fest. 

F.  

In der Replik seines Rechtsvertreters vom 5. Juni 2023 bezog der Be-

schwerdeführer zur Vernehmlassung des SEM Stellung und ersuchte um 

Gutheissung der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme liegt nicht vor. 

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

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AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der 

Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen im Asylbereich im Zu-

sammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl, 

SR 142.318]; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) 

ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, der Beschwer-

deführer habe sich zu den Problemen, die er mit den Taliban gehabt habe, 

in widersprüchlicher Weise geäussert. Zuerst habe er gesagt, er habe mit 

seiner Tätigkeit für die Privatfirma aufgehört, weil er bedroht worden sei, 

später habe er angegeben, er habe diese Arbeit wegen des allgemeinen 

Risikos (…), aufgegeben. Einmal habe er geltend gemacht, ein Kollege, 

der von den Taliban verhaftet worden sei, habe diesen seine Tätigkeit für 

die Privatfirma verraten, während er später ausgesagt habe, dies sei nur 

eine Vermutung seinerseits. Einmal habe er angegeben, die Taliban 

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wüssten, dass er für die Armee gearbeitet habe, um dann wiederum vage 

zu sagen, diese wüssten von Spitzeln alles über die Regierungsmitarbeiter. 

Die Aussagen des Beschwerdeführers, so das SEM weiter, seien unsub-

stantiiert. Er sei nicht in der Lage, konkret zu sagen, woher die Taliban von 

seiner Arbeit (…) wüssten beziehungsweise, ob sie überhaupt darüber Be-

scheid gewusst hätten. Seine Aussagen beschränkten sich auf Spekulati-

onen und ungereimte Angaben. Er habe die beiden Besuche der Taliban 

bei seiner Familie nicht beschreiben können und habe sich darauf be-

schränkt zu sagen, die Besuche seien gleich verlaufen. Er habe nicht an-

geben können, wie viele Taliban es gewesen und um welche Uhrzeit sie 

gekommen seien. Seine Erklärung, er sei nicht anwesend gewesen, über-

zeuge nicht, weil sich eine Person, die von den Taliban gesucht werde, 

genau über deren Besuche informieren würde. Auch über die Besuche der 

Taliban, die nach seiner Ausreise stattgefunden hätten, habe er kaum et-

was sagen können. Jemand, der von den Taliban gesucht werde, würde 

sich auch nach seiner Ausreise genauer darüber informieren. 

Die Aussagen des Beschwerdeführers seien auch logisch nicht nachvoll-

ziehbar. Es sei nicht realistisch, dass die Besuche der Taliban immer gleich 

verlaufen seien, da es immer irgendwelche Unterschiede im konkreten Ab-

lauf gebe. Nicht nachvollziehbar sei, warum die Taliban auch nach seiner 

Ausreise ständig zu ihm nach Hause kämen, obwohl sie realisiert haben 

müssten, dass er nicht mehr anwesend sei. Der eingereichten Kopie einer 

Vorladung der Taliban komme im Lichte der vorstehenden Erwägungen 

kein Beweiswert zu, da solche Schreiben problemlos zu fälschen seien. 

Zu prüfen sei, ob sich die individuelle Gefährdungssituation des Beschwer-

deführers wegen der Machtübernahme durch die Taliban dergestalt akzen-

tuiert habe, dass er begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnah-

men habe. In der Praxis seien Gruppen von Personen definiert worden, die 

in Afghanistan aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsri-

siko ausgesetzt seien (vgl. Urteil des BVGer E-1775/2016 vom 3. Dezem-

ber 2018 E. 6). Seit August 2021 seien zahlreiche Übergriffe gegenüber 

Personen aus diesen Risikogruppen dokumentiert. Ein erhöhtes Risikopro-

fil begründe für sich alleine keine Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter 

Verfolgung. Es bedürfe zusätzlicher risikoschärfender Elemente, um die 

abstrakte Gefährdung zu konkretisieren. Der Beschwerdeführer habe nicht 

glaubhaft gemacht, dass er von den Taliban gesucht worden sei. Die Be-

hauptung, er habe für eine Firma und für die afghanische Armee (…), be-

gründe keine asylrelevante Gefährdung. 

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Hinsichtlich der Stellungnahme zum Entscheidentwurf sei festzuhalten, 

dass die Aussagen des Beschwerdeführers zu den Geschehnissen nach 

der Ausreise als unglaubhaft zu qualifizieren seien. Die Tatsache, dass sein 

Bruder auf der Reise in die Schweiz ertrunken sei, ändere an der mangeln-

den Glaubhaftigkeit der Vorbringen nichts. Aus den Aussagen gingen keine 

Hinweise auf psychische Beeinträchtigungen hervor. Bezüglich des einge-

reichten Videos sei nicht klar, wen es zeige. Selbst wenn es sich um seinen 

Vater handelte, wäre der Hintergrund der Aktion unklar. Zudem sei nicht 

ersichtlich, wie eine Person in einer solchen Situation ein Video hätte auf-

nehmen können beziehungsweise es riskiert hätte, eine Aktion der Taliban 

zu filmen. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, aus den Angaben des Be-

schwerdeführers bei der Anhörung werde deutlich, dass er keine gesi-

cherte Kenntnis darüber habe, ob die Taliban vor ihrer Machtergreifung 

über seine Tätigkeiten Bescheid gewusst hätten. Vor seinem Erfahrungs-

hintergrund sei es naheliegend, dass er den Taliban bekannt gewesen sei, 

da diese in der Bevölkerung vernetzt gewesen seien und schon Arbeitskol-

legen verhaftet hätten. Aus dem Anhörungsprotokoll werde deutlich, dass 

er von der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Arbeit (…) beim Privatunter-

nehmen gesprochen habe, weshalb der an einer Protokollstelle als «Dro-

hungen» übersetzte Begriff eher als «Bedrohlichkeit»/«Gefährlichkeit» zu 

verstehen sei. Er habe mehrmals betont, dass sich die Drohungen gegen 

ihn und seine Familie nach der Machtübernahme der Taliban ereignet hät-

ten. Er habe sich demnach nicht widersprüchlich geäussert. Dass die Tali-

ban von ihm und seinen Tätigkeiten gewusst hätten, ergebe sich aus der 

erlebten Verfolgung. 

Bezüglich der Feststellung des SEM, die Aussagen des Beschwerdefüh-

rers seien unsubstanziiert, seien die Charakteristika der Anhörung rele-

vant. Es falle auf, dass hauptsächlich kurze Fragen gestellt und ebenso 

kurze Antworten gegeben worden seien. Überwiegend seien geschlossene 

Fragen gestellt worden. Hinzu kämen Vorhalte, die ihn mit einer von seinen 

Angaben abweichenden Auffassung des befragenden Fachspezialisten 

konfrontiert hätten. Der Befragungsstil sei ihm insoweit entgegengekom-

men, als er sich mit seinem Gesprächsstil decke. Zur Verdeutlichung sei in 

der Stellungnahme zum Entscheid auf seine psychische Situation hinge-

wiesen worden. Im psychiatrischen Abklärungsbericht vom 15. Februar 

2023 werde er als «still» und seine Psychomotorik als «reduziert» be-

schrieben. Bei der Würdigung der Aussagen müssten konsequenterweise 

angemessene und an den Befragungsstil angepasste Anforderungen an 

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den Detaillierungsgrad gelten. Das SEM werfe dem Beschwerdeführer vor, 

die «Unterschiede» zwischen den beiden Hausdurchsuchungen nicht ge-

nau beschrieben sowie keine Angaben zur Anzahl der daran beteiligten 

Personen und zur Uhrzeit gemacht zu haben. Dabei sei zu berücksichtigen, 

dass er selbst nicht zugegen gewesen sei. Die Durchsuchungen hätten 

sich unmittelbar nach der Machtergreifung der Taliban ereignet. Er habe 

sich versteckt und die Nachricht über die Durchsuchungen erhalten. Haupt-

punkte eines solchen Gesprächs dürfte neben der Tatsache, dass die Tali-

ban aufgetaucht seien, vor allem Sorgen um sein Befinden und seine Zu-

kunft sein. Rein informative Details über den Ablauf der Durchsuchung 

dürften im Gespräch mit der Familie keine grosse Rolle spielen. Der Mass-

stab, den das SEM zur Beurteilung der Aussagen des Beschwerdeführers 

anlege, passe nicht. In der Stellungnahme sei beschrieben worden, vor 

welchem Hintergrund er die Art und Weise betont habe, wie die Taliban das 

Wohnhaus der Familie betreten hätten. Ein anderer Punkt seien die Zeit-

angaben, die er zu den Durchsuchungen gemacht habe. Die Taliban seien 

15 Tage nach ihrer Machtergreifung zum ersten Mal und ungefähr acht 

Tage später zum zweiten Mal gekommen. Er wisse dies, da er sich zum 

Zeitpunkt der ersten Durchsuchung bereits zwei Wochen bei seinem 

Schwager aufgehalten habe, wo er sich seit dem Folgetag der Machter-

greifung versteckt habe. 

Die anhaltenden Besuche seiner Familie durch die Taliban dienten der 

Druckausübung, damit er sich stelle. Aus dem Umstand, dass er sich nicht 

zu Hause aufhalte, folge nicht, dass er im Ausland sei. Aufgrund seines 

Profils könnte der Verdacht bestehen, er habe sich der «National Re-

sistance Front of Afghanistan» (NRF) angeschlossen. Die Besuche der Ta-

liban könnten auch Schikane sein, vor dem Hintergrund, ihn tatsächlich er-

greifen zu können. Die Gefahr zukünftiger Verfolgung des Beschwerdefüh-

rers für den Fall seiner Rückkehr nach Afghanistan wäre auch so erstellt. 

Die vom SEM angesprochenen Unterschiede zwischen den einzelnen Be-

suchen der Taliban beträfen nicht die «Logik des Handelns», sondern den 

Detaillierungsgrad seiner Aussagen. 

Der Beschwerdeführer habe als Beweis für die anhaltenden Übergriffe der 

Taliban auf seine Familie ein rund zweieinhalb Minuten dauerndes Video 

eingereicht, auf dem man sehe, wie drei bewaffnete Taliban-Kämpfer sei-

nen Vater aus dem Haus führten und in einem afghanischen Polizeifahr-

zeug abtransportierten. Zum Nachweis, dass es sich bei der Person im Vi-

deo um seinen Vater handle, reiche er ein weiteres Video ein, auf dem sein 

Vater die Heiratsurkunde im Original vorzeige, die der Beschwerdeführer 

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in Kopie eingereicht habe. Nachgewiesen sei, dass sich die Taliban anhal-

tend für seine Familie beziehungsweise seinen Vater interessierten. Im Zu-

sammenhang mit den erwiesenen Tätigkeiten für die frühere Regierung 

und den eingereichten Beweismitteln sei vermutungsweise davon auszu-

gehen, dass die Besuche der Taliban etwas mit ihm und seinen früheren 

Tätigkeiten zu tun hätten. 

Der Beschwerdeführer habe nachgewiesen, dass er als ehemaliger Ar-

meeangehöriger und Unterstützer ausländischer Kräfte ein erhöhtes Ver-

folgungsrisiko durch die Taliban aufweise. Glaubhaft sei, dass diese ein 

gesteigertes Interesse an ihm manifestiert hätten und dass er tatsächlich 

in deren Fokus gelangt sei. Es sei ihm gelungen, die von der Rechtspre-

chung geforderten objektiven Gründe für seine Furcht vor zukünftiger Ver-

folgung darzulegen. Das SEM berücksichtige die Unsicherheiten in Bezug 

auf die Einschätzung der aktuellen Lage in Afghanistan nicht ausreichend 

und gehe von übersteigerten Anforderungen in Bezug auf die Begründung 

der Flüchtlingseigenschaft aus. 

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, dem Beschwerdeführer 

gelinge es auch in der Beschwerde nicht, seine unsubstanziierten Aussa-

gen zu den angeblichen Drohungen glaubhaft darzulegen. Seine vagen 

Aussagen zur Suche der Taliban nach ihm könnten nicht nur durch seine 

Persönlichkeit, die Behauptung, er sei nicht vor Ort gewesen, oder durch 

den Fragestil des Befragers erklärt werden. Die Tatsache, dass er Auskunft 

zu seiner beruflichen Tätigkeit geben könne, spreche ebenfalls dagegen, 

dass die mangelnde Substanz seiner Aussagen zu Fragen der Verfolgung 

nur seiner zurückhaltenden Art zuzuschreiben sei. Was die Videodateien 

angehe, bleibe das SEM bei seiner Auffassung, dass der Hintergrund die-

ser Aktion unklar sei. Zudem könnten solche «Festnahmen» leicht insze-

niert werden, weshalb es keine Rolle spiele, ob auf den Aufnahmen wirklich 

der Vater des Beschwerdeführers zu sehen sei. Den Aufnahmen komme 

im Lichte der unglaubhaften Aussagen kein Beweiswert zu. 

4.4 In der Replik wird entgegnet, die eingereichte Video-Datei sei ein zent-

rales Beweismittel. Das SEM hätte eine Gesamtwürdigung der Beweise 

vornehmen müssen, um zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer ein Ver-

folgungsinteresse der Taliban an seiner Person glaubhaft gemacht habe. 

Würdige man den Inhalt des Videos zusammen mit seinen Aussagen un-

voreingenommen, dann stützten die Beweismittel sich gegenseitig. Das 

SEM gebe zu erkennen, dass es sich seine Meinung bereits aufgrund der 

Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers gemacht habe. In der 

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Vernehmlassung gehe es auf die in der Beschwerde erhobene Kritik nicht 

ein. Es habe bei der Würdigung der Aussagen den Kontext derselben 

nicht ausreichend berücksichtigt. Bei einer ganzheitlichen Würdigung 

würden die für ihren Erlebnisgehalt sprechenden Anhaltspunkte überwie-

gen. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

5.2  

5.2.1 Im Rahmen der Anhörung sagte der Beschwerdeführer, er sei in der 

Provinz C._______ geboren und habe bis zu seiner Ausreise im Oktober 

2021 dort gelebt. Aufgrund seiner Arbeit als (…) sei er zwar oft unterwegs 

gewesen, aber für gewöhnlich habe er sich immer im Dorf B._______ auf-

gehalten (vgl. SEM-act. […]-16/14 F9 ff.). Er habe die Schule bis zur (…) 

Klasse besucht und den Schulbesuch ungefähr im Alter von (…) Jahren 

beendet. Danach habe er gleich als (…) zu arbeiten begonnen. Diesen Be-

ruf habe er bis zu seiner Ausreise ausgeübt (vgl. SEM-act. […]-16/14 

F18 ff.). Auf Nachfrage sagte er, er habe immer als (…) gearbeitet und 

habe dies bis zur Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 getan 

(vgl. SEM-act. […]-16/14 F22 und F48). Nachdem die Taliban am 15. Au-

gust 2021 die Macht ergriffen hätten, habe er nicht mehr gearbeitet. 

5.2.2 Im Rahmen des psychiatrischen Konsiliums vom 15. Februar 2023 

gab der Beschwerdeführer gegenüber Dr. med. D._______ bei den anam-

nestischen Angaben unter anderem an, er habe in Afghanistan als (…) ge-

arbeitet (vgl. SEM-act. […]-19/14 S. 5). In der Stellungnahme zum Ent-

scheidentwurf vom 3. März 2023 wird ausgeführt, dem Beschwerdeführer 

sei hinsichtlich der ihm verordneten Psychopharmaka gesagt worden, dass 

diese sich schlecht (…) vertrügen, worauf er geantwortet habe, er habe vor 

langer Zeit als (…) gearbeitet und für sein Leben (…), weshalb eine vege-

tarische Ernährung kein Problem für ihn sei. Weshalb der Beschwerdefüh-

rer in der Anhörung mit keinem Wort erwähnte, dass er je in einem anderen 

Bereich als (…) tätig gewesen sei, ist nicht ersichtlich. Zwangsläufig erge-

ben sich dadurch Zweifel an seiner Aussage bei der Anhörung, er habe 

nach Beendigung des Schulbesuchs bis zur Ausreise immer als (…) gear-

beitet und sei deshalb ins Visier der Taliban geraten. 

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Seite 11 

5.3  

5.3.1 Das «Institute for the Study of War» (ISW) beurteilte in seinen Ein-

schätzungen der Lage in Afghanistan weite Teile der Provinz C._______ 

wiederholt als «ausgeprägte Taliban-Unterstützungszonen» (vgl. ISW, Af-

ghanistan Partial Threat Assessment: […]»).  

5.3.2 Bei der Anhörung sagte der Beschwerdeführer, er habe sich gewöhn-

lich in seiner Heimatprovinz aufgehalten. Als er für eine private Firma als 

(…) tätig gewesen sei (von 2014 bis 2019), habe ihn (…) in Kriegsgebiete 

geführt (vgl. SEM-act. […]-16/14 F10 und F59). In Anbetracht der vorge-

nannten Einschätzungen des ISW, wonach er in einer Provinz lebte, in der 

die Taliban mit ausgeprägter Unterstützung rechnen konnten, erscheint es 

unwahrscheinlich, dass er während mehreren Jahren unversehrt nach Ka-

bul und wieder zurück nach C._______ (die Distanz zwischen Kabul und 

der Provinz C._______ beträgt auf der Strasse […] zirka […] Kilometer; 

Anmerkung des Gerichts) hätte gelangen können, wenn er den Taliban auf-

grund seiner Arbeitstätigkeit für eine Firma, die für die Regierung und aus-

ländische Kräfte (…), bekannt gewesen wäre. Das Bundesverwaltungsge-

richt gelangt aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers und der all-

gemeinen Lage in Afghanistan zum Schluss, dass er den Taliban bis zum 

Jahr 2019 nicht als Person, die mit der afghanischen Regierung zusam-

menarbeitete, bekannt war. Die von ihm geäusserte Vermutung, ein Kol-

lege, der für dieselbe Firma wie er gearbeitet habe und von den Taliban 

festgenommen worden sei, könnte ihn verraten haben (vgl. SEM-act. […]-

16/14 F71 ff.), vermag an dieser Schlussfolgerung nichts zu ändern. 

5.4  

5.4.1 Der Beschwerdeführer machte bei der Anhörung geltend, die Taliban 

hätten gewusst, dass er bei der afghanischen Armee gewesen sei, weil sie 

auch bei den staatlichen Behörden einen guten Nachrichtendienst hätten. 

Persönlich sei er zwar nicht bedroht worden, aber sie hätten einige Kolle-

gen festgenommen, die gesagt hätten, welche Leute (…) dabei gewesen 

seien (auf Nachfrage gab er an, Kollegen, die mit ihm in derselben Firma 

gearbeitet hätten, seien festgenommen worden). In der Stadt, aus der er 

komme, gebe es auch Taliban-Leute. Viele hätten mitbekommen, dass er 

bei der Armee gearbeitet habe, so hätten es auch die Taliban erfahren. Er 

gehe davon aus, dass sie gewusst hätten, wo er gelebt und gearbeitet 

habe. Nachdem er nicht mehr für die Armee gearbeitet habe, habe er bei 

seinen Schwiegereltern gewohnt. Während dieser Zeit seien die Taliban 

zweimal zu seiner Familie nach Hause gekommen, um nach ihm zu fragen 

(vgl. SEM-act. […]-16/14 F77 ff.). 

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Seite 12 

5.4.2 Da der Beschwerdeführer nach Beendigung seines Dienstes bei der 

afghanischen Armee eigenen Angaben gemäss bei seinen Schwiegerel-

tern gewohnt und sich nur sehr selten nach Hause begeben habe, ging er 

offenbar davon aus, dass die Taliban sich für ihn interessieren könnten. 

Angesichts dieser Ausgangslage kann nicht nachvollzogen werden, dass 

er sich ausgerechnet bei seinen Schwiegereltern aufgehalten haben soll, 

die im gleichen Dorf wie seine Eltern und er gelebt hätten (vgl. SEM-act. 

[…]-16/14 F77). Da er davon ausgegangen sei, dass die in seinem Woh-

nort lebenden Taliban von seinen Tätigkeiten bei der Armee Kenntnis ge-

habt und gewusst hätten, wo er gelebt habe, hätte er befürchten müssen, 

dass sie bei seinen Schwiegereltern nach ihm gesucht hätten, falls sie ihn 

bei seinen Eltern nicht angetroffen hätten. Der Beschwerdeführer gab an, 

er habe eine seiner Cousinen geheiratet (vgl. SEM-act. […]-16/14 F49), 

was bedeutet, dass sein Schwiegervater auch sein Onkel ist. Der Umstand, 

dass er während zirka eineinhalb Monaten bei im gleichen Ort wohnhaften 

Schwiegereltern gelebt haben will (vgl. SEM-act. […]-16/14 F77), spricht 

dagegen, dass er sich vor den Taliban fürchtete. Auch die Tatsache, dass 

der Beschwerdeführer nicht in der Lage war, differenzierte Angaben zu den 

«Besuchen» der Taliban bei seinen Eltern zu machen (vgl. SEM-act. […]-

16/14 F79 ff.), spricht gegen die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten 

Suche nach ihm. Er machte geltend, die zwei Vorsprachen der Taliban bei 

seinen Eltern seien der Grund für das Verlassen der Heimat und seiner 

Familie gewesen, weshalb zu erwarten wäre, dass er sich bei seinen An-

gehörigen genauer über deren Ablauf informiert hätte, um sich ein Bild über 

die angebliche Bedrohungslage zu machen. Zudem äusserte er sich wider-

sprüchlich zu seinem Aufenthalt während des Zeitraums zwischen der 

Machtübernahme der Taliban und seiner Ausreise. Die Frage, wo er bis zur 

Ausreise gelebt habe, nachdem er «mit dem Militär aufgehört habe», be-

antwortete er dahingehend, dass er im Dorf F._______ bei seinen Schwie-

gereltern gewohnt habe (vgl. SEM-act. […]-16/14 F77). Kurz darauf wurde 

er gefragt, wie lange er nach dem zweiten Besuch der Taliban noch in sei-

nem Dorf geblieben sei. Abweichend von seiner vorherigen Angabe er-

klärte er, er sei in dieser etwa eineinhalb Monate dauernden Zeit nicht im-

mer an einem Ort gewesen. Er sei beispielsweise vier oder fünf Tage an 

einen anderen Ort gegangen (vgl. SEM-act. […]-16/14 F92). In der Be-

schwerde wird einerseits angegeben, der Beschwerdeführer habe sich 

nach der Machtübernahme der Taliban in seinem Heimatdorf bei seinen 

Schwiegereltern versteckt, anderseits ausgeführt, er habe sich zum Zeit-

punkt der ersten Durchsuchung (des Hauses seiner Eltern; Anmerkung des 

Gerichts) bereits 15 Tage bei seinem Schwager aufgehalten, bei dem er 

sich seit dem Tag nach der Machtergreifung durch die Taliban versteckt 

D-1884/2023 

Seite 13 

habe (vgl. Beschwerde S. 3 und S. 5). Die vom Beschwerdeführer geltend 

gemachte Suche seitens der Taliban, welche ihn zum Verlassen der Heimat 

bewogen habe, ist aufgrund der vorstehenden Erwägungen als überwie-

gend unwahrscheinlich und damit unglaubhaft zu werten. 

5.4.3 Wie schon das SEM zu Recht festgehalten hat (vgl. E. 4.1 S. 7) än-

dert an der Einschätzung der Vorbringen des Beschwerdeführers unter 

dem Aspekt der Glaubhaftmachung auch die aktenkundig bestehende und 

nachvollziehbare psychische Belastungssituation durch das den Bruder 

betreffende tragische Ereignis auf der Flucht und die Trennung von der Fa-

milie nichts, zumal sich aus den Akten keine Anhaltspunkte für eine einge-

schränkte Aussagefähigkeit des Beschwerdeführers ergeben. 

5.4.4 Die vom Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Suche nach 

seiner Person eingereichten Beweismittel vermögen die vorstehende Wür-

digung nicht umzustossen. Bei der angeblich von den Taliban ausgestellten 

Vorladung des Beschwerdeführers vom 11. Dezember 2022, in welcher der 

Dorfvorsteher von B._______ aufgefordert wird, Massnahmen in die Wege 

zu leiten, damit der Beschwerdeführer sich auf der Sicherheitskomman-

dantur melde (vgl. SEM-act. […]-16/14 F108), handelt es sich um ein Do-

kument, das leicht fälschbar oder käuflich erwerbbar ist. Die auf dem USB-

Stick eingereichten Videosequenzen, mit denen belegt werden soll, dass 

der Vater des Beschwerdeführers von den Taliban mitgenommen und miss-

handelt wurde, vermögen die zahlreichen Gründe, aufgrund derer auf die 

Unglaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers zu 

schliessen ist, nicht zu relativieren. Das SEM hat in der angefochtenen Ver-

fügung und in der Vernehmlassung zu Recht darauf hingewiesen, dass 

nicht feststellbar ist, in welchem Zusammenhang der Vater des Beschwer-

deführers mitgenommen worden wäre beziehungsweise, dass die Mit-

nahme inszeniert worden sein könnte. 

5.5 Nach dem Gesagten ist mit dem SEM festzustellen, dass es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, ein tatsächliches Verfolgungsinteresse 

an seiner Person seitens der Taliban glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, 

auf die weiteren Ausführungen in den Beschwerdeeingaben einzugehen, 

da sie an dieser Schlussfolgerung nichts zu ändern vermögen. 

5.6 Da der entscheidwesentliche Sachverhalt als rechtsgenüglich erstellt 

zu erachten ist, ist der Eventualantrag, die Sache sei zur Ergänzung des 

Sachverhalts und zu neuer Beurteilung an das SEM zurückzuweisen, ab-

zuweisen. 

D-1884/2023 

Seite 14 

6.  

6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letz-

tere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich 

– aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer 

Zukunft verwirklichen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 

6.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen sich 

bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen von Perso-

nen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die 

der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahe-

stehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie 

westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Grün-

den nicht entsprechende Personen (vgl. Urteile des BVGer D-6268/2022 

vom 29. März 2023 E. 7.1, D-1350/2022 vom 29. März 2023 E. 7.2,  

D-2415/2022 vom 24. März 2022 E. 10.2 je mit weiteren Hinweisen). Die 

aktuelle Lage in Afghanistan kann derzeit nicht abschliessend beurteilt wer-

den, sie hat sich jedoch nach der Machtergreifung der Taliban im August 

2021 zweifellos akzentuiert (vgl. Urteile des BVGer D-1191/2023 vom 

8. Mai 2023 E. 5.2.1, E-4833/2020 vom 9. März 2023 E. 5.4). Das Bundes-

verwaltungsgericht geht davon aus, dass auch die familiäre Zugehörigkeit 

zu einer Person, die einem erhöhten Verfolgungsrisiko im Sinne der oben-

stehenden Erwägungen ausgesetzt ist, zu einer Reflexverfolgung führen 

kann (vgl. Urteile des BVGer D-6268/2022 vom 29. März 2023 E. 7.1,  

D-5120/2021 vom 21. Juli 2022 E. 6.3.4, D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 

E. 7.3 und D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.4). Dies gilt insbeson-

dere in Bezug auf (ehemalige) Angehörige der Polizei und der Sicherheits-

kräfte, Regierungsbeamte oder der Regierung nahestehende Personen 

(vgl. Update der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] – Länderanalyse 

vom 31. Oktober 2021, Afghanistan: Gefährdungsprofile S. 13 f. sowie Hu-

man Rights Watch [HRW], «No Forgiveness for People Like You»: Execu-

tions and Enforced Disappearances in Afghanistan under the Taliban, 

D-1884/2023 

Seite 15 

30. November 2021). Die konkrete Einschätzung des Risikoprofils ist im 

jeweiligen Einzelfall vorzunehmen. 

6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe von Anfang 2014 bis 

2019 für eine Firma gearbeitet, die für die afghanische Regierung und für 

ausländische Kräfte (…) habe. Anschliessend habe er bis im August 2021 

als (…) bei der afghanischen Armee Dienst getan. Damit gehört er – sofern 

seine Angaben zutreffen – potentiell zu den von der Rechtsprechung defi-

nierten Risikogruppen, für die sich die Gefährdungslage seit der im August 

2021 erfolgten Übernahme der Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet 

durch die Taliban und dem vollständigen Abzug der ausländischen Streit-

kräfte verschärft hat (vgl. zu den Risikogruppen die Urteile des BVGer D-

2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff. und D-1728/2022 vom 10. Mai 

2022 E. 7.3 f.). Zum Beleg seines Dienstes bei der Armee gab er beim SEM 

Kopien von Ausbildungszertifikaten ab.  

6.4 Der Beschwerdeführer stammt aus dem in der Provinz C._______ ge-

legenen Dorf B._______, mithin einer Gegend, in der die Taliban schon vor 

ihrer Machtübernahme im August 2021 präsent waren und starken Rück-

halt in der Bevölkerung genossen. Es wäre ihm deshalb kaum möglich ge-

wesen, über Jahre hinweg (…) für eine private Firma beziehungsweise die 

Armee tätig zu sein, ohne dass dies den Taliban bekannt geworden wäre 

und diese gegen ihn vorgegangen wären, wenn sie seine Tätigkeiten als 

sicherheitspolitisch kritisch eingestuft hätten (vgl. E. 5.3.2). Der Beschwer-

deführer konnte indessen weder beweisen noch glaubhaft machen, dass 

er vor seiner Ausreise wegen seiner beruflichen Tätigkeiten durch die Tali-

ban ernsthaft bedroht wurde oder dass ihm deshalb ernsthafte Nachteile 

entstanden sind (vgl. E. 5.2 - 5.5). Es ist unter diesen Umständen davon 

auszugehen, dass die Taliban seinen Tätigkeiten (…) sicherheitspolitisch 

nicht eine derartige Bedeutung beigemessen haben, dass sie sich veran-

lasst sahen, gegen seine Person vorzugehen. Anhaltspunkte, die darauf 

hindeuten, dass sich daran nach der Machtübernahme der Taliban im Au-

gust 2021 etwas geändert haben könnte, liegen nicht vor. Der Umstand, 

dass der Beschwerdeführer auch nach der Machtübernahme der Taliban 

bis zu seiner Ausreise in seinem Heimatdorf bei den Schwiegereltern ge-

lebt hat, verdeutlicht vielmehr, dass er selbst nicht davon ausging, dass 

seine Tätigkeiten (…) das Interesse der Taliban geweckt haben könnten. 

Begründete Furcht vor Verfolgung besteht nach konstanter Rechtspre-

chung jedoch nur, wenn hinreichend Anlass zur Annahme besteht, die Ver-

folgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft verwirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfol-

D-1884/2023 

Seite 16 

gung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). Eine auf blossen Mutmas-

sungen beruhende Furcht vor Verfolgung ist im flüchtlingsrechtlichen Sinne 

nicht begründet. Nach dem Gesagten bestehen im Falle des Beschwerde-

führers keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte, die es rechtfertigen 

würden, ihm eine begründete Furcht vor Verfolgung durch die Taliban zu 

attestieren.  

6.5 Zusammenfassend ergibt sich nach Gesagten, dass die vom Be-

schwerdeführer geltend gemachte Bedrohungssituation durch die Taliban 

den Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG 

nicht zu genügen vermag. Es sind in Bezug auf seine Person auch kein 

Risikoprofil oder Gründe für eine Reflexverfolgung ersichtlich, die zur An-

nahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

führen, zumal keine konkreten Indizien oder Anhaltspunkte dafür bestehen, 

dass sich eine solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-

rer Zukunft verwirklichen wird. Dementsprechend ist nicht davon auszuge-

hen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan eine Verfolgung 

respektive eine Reflexverfolgung zu befürchten hätte. Das SEM hat folglich 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und 

sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht verfügt (vgl. 

BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Verfügung vom 

10. Mai 2023 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, sind keine 

Verfahrenskosten aufzuerlegen.   

D-1884/2023 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

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