# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 87219ee8-efba-5739-b905-c095a6163222
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.04.2017 E-2605/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2605-2015_2017-04-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2605/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn, Richter Daniel Willisegger,    

Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Thurgau, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 25. März 2015 / N (…). 

 

 

 

E-2605/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge im Februar 2014 in Richtung Sudan und verbrachte dort ungefähr drei 

Monate. Anschliessend reiste er über Libyen und Italien in die Schweiz ein 

und stellte am 14. Juli 2014 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

(...) sein Asylgesuch. Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 28. 

Juli 2014 sowie der einlässlichen Anhörung vom 13. März 2015 machte der 

Beschwerdeführer zu seinen Ausreise- und Asylgründen im Wesentlichen 

geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger und habe seinen Heimatstaat 

wegen drohender Zwangsrekrutierung verlassen. So habe er, unmittelbar 

nach dem Ausschluss von der Schule in der achten Klasse, eine Vorladung 

von den eritreischen Militärbehörden erhalten. Statt der Vorladung Folge 

zu leisten, sei er nach B._______ gegangen und habe dort in der Landwirt-

schaft gearbeitet. Wegen der Verweigerung des Militärdienstes seien seine 

Eltern ungefähr für vier Tage inhaftiert gewesen. Der Beschwerdeführer 

habe schliesslich aus Furcht vor Razzien durch die eritreischen Behörden 

B._______ verlassen und sei zu Fuss in den Sudan ausgereist. 

B.  

Mit Entscheid vom 25. August 2014 wurde für den minderjährigen Be-

schwerdeführer eine Beistandschaft nach Art. 306 Abs. 2 ZGB errichtet und 

Herr C._______ als sein Beistand eingesetzt (siehe A16/4). 

C.  

Mit Verfügung vom 25. März 2015 – eröffnet am 26. März 2015 – lehnte 

das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-

weisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung we-

gen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob. 

D.  

Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. April 

2015 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, es sei die Verfü-

gung in den Dispositivpunkten 1 und 4 aufzuheben, es sei seine Flücht-

lingseigenschaft festzustellen und der Vollzug der Wegweisung als unzu-

lässig zu bezeichnen; eventualiter sei die Sache zwecks weiterer Abklärun-

gen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so-

wie um die Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes ersucht. 

E-2605/2015 

Seite 3 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 29. April hiess das Bundesverwaltungsgericht 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um 

die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands gut und forderte den Be-

schwerdeführer auf, bis zum 15. Mai 2015 eine Rechtsvertretung zu be-

zeichnen. Im Unterlassungsfall werde das Gericht von Amtes wegen eine 

Rechtsvertretung einsetzen. 

F.  

Mit Beweismitteleingabe vom 22. Mai 2015 legte der Beschwerdeführer 

eritreische Ausweiskopien seiner Eltern, ein Schulzeugnis und vier Pass-

fotos von sich (samt Zustellcouvert aus Eritrea) ins Recht. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2015 wurde dem Beschwerdeführer 

für das vorliegende Verfahren von Amtes wegen Ass. iur. Christian Hoffs, 

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Thurgau, als amtlicher 

Rechtsbeistand beigeordnet und diesem Gelegenheit geboten, mit Frist bis 

zum 11. Juni 2015 die Beschwerde zu ergänzen.  

H.  

Der amtliche Rechtsbeistand liess dem Gericht mit Eingabe vom 11. Juni 

2015 eine Beschwerdeergänzung zukommen und hielt darin an den 

Rechtsbegehren der Beschwerdeeingabe fest. 

I.  

Mit Vernehmlassung vom 8. Juli 2015 hielt das SEM fest, dass keine neuen 

und erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorliegen würden, die eine 

Änderung seines bisherigen Standpunktes rechtfertigen könnten. 

J.  

Mit Eingabe vom 22. Juli 2015 nahm der Beschwerdeführer replikweise 

Stellung und reichte zur Untermauerung seiner Vorbringen weitere Beweis-

mittel (Fotos des Beschwerdeführers und seiner Angehörigen in Eritrea, 

Wikipedia-Ausdruck zur Stadt D._______) zu den Akten. Im Übrigen hielt 

er an seinen Beschwerdeanträgen fest und reichte eine Kostennote zum 

Verfahren. 

 

 

E-2605/2015 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

E-2605/2015 

Seite 5 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Subjektive Nachfluchtgründe begründen unter Umständen – wenn die 

heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsuchenden Person als 

staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei einer Rückkehr eine Ver-

folgung im Sinn von Art. 3 AsylG befürchten muss – die Flüchtlingseigen-

schaft und führen zur Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs und zur vorläufigen Aufnahme in der Schweiz; gemäss Art. 54 

AsylG wird jedoch kein Asyl gewährt (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 

Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere das illegale Verlas-

sen des Heimatlandes (sog. Republikflucht; vgl. BVGE 2009/29), das Ein-

reichen eines Asylgesuchs im Ausland oder exilpolitische Betätigungen, 

wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung im We-

sentlichen aus, aufgrund fehlender Kenntnisse des Beschwerdeführers 

über seine Heimatstadt D._______ sei seine angeblich eritreische Herkunft 

stark zu bezweifeln. So habe er die geläufige Bezeichnung „(...)“ für die 

Stadt D._______ nicht gekannt und habe die von ihm genannten heimatli-

chen Schauplätze nicht hinreichend beschreiben können. Zudem habe er 

politische oder geschichtliche Fragen nur sehr vage beantworten können. 

Die Vorbehalte gegenüber seinen Aussagen würden verstärkt durch die 

insgesamt substanzlosen und wenig erlebnisgeprägten sowie teilweise wi-

dersprüchlichen Aussagen zu seinem Schulabbruch. Sodann seien auch 

seine Asylvorbringen widersprüchlich, unsubstantiiert und lebensfremd. 

Selbst auf zahlreiche Nachfragen hin habe er seine Asylvorbringen nicht 

erlebnisgeprägt erzählt. Seine entsprechende Schilderung sei stattdessen 

vage, ohne Realkennzeichen oder eine individuelle Färbung und unlogisch 

gewesen. Weiter habe er sich erheblich widersprochen, indem er während 

der BzP vorgetragen habe, beide Elternteile seien inhaftiert worden, an-

lässlich der Bundesanhörung dagegen erklärt habe, nur die Mutter sei in-

haftiert worden. Schliesslich sei die Aussage, er habe ein Aufgebot für den 

Militärdienst erhalten, als nachgeschoben zu qualifizieren, da er dieses 

E-2605/2015 

Seite 6 

wichtige Sachverhaltselement anlässlich der BzP unerwähnt gelassen 

habe. 

4.2  Zur angeblich illegalen Ausreise stellte das SEM fest, der Beschwer-

deführer habe diese in keiner Weise substantiiert und logisch zu schildern 

vermocht. So habe er beispielsweise nicht plausibel erklären können, wie 

er sich während des angeblich mehrere Nächte dauernden Fussmarsches 

zur eritreischen Grenze in der Dunkelheit habe orientieren können. Zudem 

habe er nicht nachvollziehbar erklären können, woher seine Eltern die 

250‘000 Nakfa für seine Ausreise aufgetrieben hätten. Die Glaubhaftigkeit 

der illegalen Ausreise wurde entsprechend verneint. 

4.3 Zusammenfassend hielt das SEM fest, die Vorbringen des Beschwer-

deführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 

AsylG nicht genügen, womit sich die Prüfung der Asylrelevanz erübrige.    

5.  

5.1 Auf Beschwerdeebene wurde hinsichtlich der in Zweifel gezogenen 

eritreischen Herkunft des Beschwerdeführers im Wesentlichen festgehal-

ten, der Beschwerdeführer habe entgegen der Ansicht des SEM die Um-

gebung und das Leben in seiner Heimat genügend präzise beschreiben 

können. Den Zweitnamen der Stadt D._______ habe er bloss deshalb nicht 

gekannt, weil er erst (…)-jährig sei und die Stadt seit seiner Geburt 

D._______ heisse. Aufgrund seines Alters seien auch die übrigen Kennt-

nisse über Eritrea nicht gleichermassen ausgeprägt wie bei einem Erwach-

senen. Aus Eritrea könne man in seinem Alter nur illegal ausreisen; es sei 

ihm deshalb die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu gewähren.  

5.2 Im Rahmen der Beschwerdeergänzung wird gerügt, der Beschwerde-

führer sei während des vorinstanzlichen Verfahrens trotz bestehender Bei-

standschaft faktisch alleine auf sich gestellt gewesen. Es könne von ihm 

daher nicht verlangt werden, dass er seine Vorbringen während des Asyl-

verfahrens wie eine erwachsene Person hätte artikulieren und substantiie-

ren können. Seine Vorbringen seien entgegen der Auffassung des SEM 

insgesamt als schlüssig und plausibel zu bezeichnen. Der Behauptung des 

SEM, der Beschwerdeführer habe die Autoschilder nachweislich falsch be-

schrieben, wurde gestützt auf eine Internetrecherche entgegnet, die Auto-

schilder in Asmara seien, wie vom Beschwerdeführer beschrieben, mehr-

heitlich weiss.  

E-2605/2015 

Seite 7 

5.3 In der Vernehmlassung hielt das SEM hinsichtlich der nachgereichten 

Beweismittel fest, diese seien keineswegs geeignet, eine Änderung der 

bisherigen Einschätzung des SEM herbeizuführen. Hinsichtlich des Zweit-

namens „(...)“ für die Stadt D._______ hielt das SEM fest, dass dieser bis 

heute sehr geläufig sei und parallel genutzt werde. Es hielt vollumfänglich 

an seinen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest. 

5.4 In der Replik wurde die Erklärung zur Unkenntnis des Beschwerdefüh-

rers über den Stadtnamen „(...)“ im Sinne der Beschwerdeeingabe wieder-

holt. Ferner sei dieser Name dem Dolmetscher des Beschwerdeführers, 

der ebenfalls aus D._______ stamme, ebenso wenig bekannt. Im Übrigen 

wurden Fotos aus Eritrea, die den Beschwerdeführer und seine Angehöri-

gen abgebildet zeigen, als Beweismittel eingereicht. 

5.5 Auf Rechtsmittelebene wird die Gewährung von Asyl nicht beantragt; 

der Beschwerdeführer beschränkt sich darauf, das Bestehen der Flücht-

lingseigenschaft und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, auf-

grund des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe, geltend zu machen. 

Unter diesen Umständen bleibt im Folgenden nur die Frage der geltend 

gemachten illegalen Ausreise aus Eritrea zu beurteilen. 

6.  

6.1 Gemäss langjähriger bisheriger Praxis der schweizerischen Asylbehör-

den begründete bereits eine (glaubhaft gemachte) illegale Ausreise aus 

Eritrea ohne weiteres die Flüchtlingseigenschaft. Das SEM verschärfte 

diese Praxis im Sommer 2016, wovon auch der Beschwerdeführer betrof-

fen war. 

6.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des (in sei-

nen beiden Asylabteilungen kürzlich koordiniert entschiedenen) Urteils  

D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) mit der 

Frage, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, 

allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben.  

Das Gericht kam dabei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht 

mehr habe aufrechterhalten lassen und vom SEM zu Recht angepasst wor-

den sei. Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von 

Bedeutung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora 

für kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter 

ihnen auch Personen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. 

E-2605/2015 

Seite 8 

Es sei mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig auf-

grund ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung droht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und 

flüchtlingsrechtlich begründeten Nachteilen sei nur dann auszugehen, 

wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die 

asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als misslie-

bige Person erscheinen lassen (a.a.O., E. 5).  

6.1.2 Die Vorbringen auf Beschwerdeebene beschränken sich darauf, an 

der Glaubhaftigkeit der eritreischen Herkunft und der Sozialisierung des 

Beschwerdeführers in Eritrea sowie der geltend gemachten illegalen Aus-

reise festzuhalten. Die Glaubhaftigkeit dieser Sachverhaltselemente reicht 

gemäss der vorstehend genannten Rechtsprechung indes nicht aus, um 

daraus auf eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive 

Art. 54 AsylG zu schliessen. Dass zusätzliche Gefährdungsfaktoren beste-

hen würden, ist gestützt auf die Aktenlage nicht zu bejahen. Die Vorinstanz 

hat in der angefochtenen Verfügung auf überzeugende Weise dargestellt, 

weshalb sich die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungs-

vorbringen als unglaubhaft erweisen (vgl. oben E. 4.1). Zu den in der vor-

instanzlichen Verfügung aufgezeigten Widersprüchen nimmt der Be-

schwerdeführer in seinen Rechtsmitteleingaben nicht Stellung. Hinsichtlich 

der aus Eritrea stammenden und als Beweismittel eingereichten Doku-

mente bleibt festzuhalten, dass diese nicht geeignet sind, die Verfolgungs-

vorbringen des Beschwerdeführers zu untermauern, da diese bloss Infor-

mationen über die Lebensverhältnisse in Eritrea beinhalten (Fotos, Pass-

fotos, Ausweise Eltern, Schulzeugnis). Angesichts dieser Sachlage ist 

nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr im Vi-

sier der Militärbehörden stehen könnte. Weitere Anknüpfungspunkte, wel-

che ihn aus Sicht des eritreischen Regimes als missliebige Person erschei-

nen lassen würden und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten 

Verfolgungsgefahr führen könnten, sind nicht ersichtlich. Somit bleibt fest-

zuhalten, dass die illegale Ausreise allein keine Furcht vor einer zukünfti-

gen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu begründen vermag. Die 

Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise kann mangels flüchtlings-

rechtlicher Relevanz daher offenbleiben.  

6.2 Es ist dem Beschwerdeführer folglich nicht gelungen, eine relevante 

Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 respektive Art. 54 AsylG nachzuwei-

sen oder glaubhaft darzutun. Das SEM hat seine Flüchtlingseigenschaft 

demnach zu Recht verneint. 

E-2605/2015 

Seite 9 

 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

8.2 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 25. März 2015 die vorläu-

fige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, er-

übrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Durchführbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs. Die vorläufige Aufnahme tritt mit dem vorliegenden 

Entscheid formell in Kraft. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Instruktions-

verfügung vom 29. April 2015 gutgeheissen wurde, ist von einer Kosten-

auflage abzusehen. 

10.2 Eine Parteientschädigung im Sinne von Art. 64 VwVG ist beim vorlie-

genden Verfahrensausgang nicht zuzusprechen. Hingegen ist dem 

Rechtsvertreter als amtlich beigeordnetem Rechtsbeistand für die ihm an-

gefallenen Kosten ein Honorar auszurichten. Der in der Kostennote vom 

E-2605/2015 

Seite 10 

24. Juli 2015 für das vorliegende Beschwerdeverfahren ausgewiesene 

zeitliche Aufwand von rund 6.25 Stunden erscheint als nicht vollumfänglich 

angemessen und ist auf 5 Stunden zu reduzieren. Unter Berücksichtigung 

der in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und unter Zugrun-

delegung eines Stundenansatzes von Fr. 150.- (Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 

VGKE; vgl. Instruktionsverfügung vom 27. Mai 2015) ist ihm ein Honorar in 

Höhe von Fr. 780.– (inkl. Auslagen) zu Lasten der Gerichtskasse auszu-

richten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2605/2015 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands wird auf Fr. 780.– festgesetzt 

und durch die Gerichtskasse vergütet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Lhazom Pünkang 

 

 

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