# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 77b44703-a7e4-515f-89be-181c602bd744
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.09.2011 E-6636/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6636-2008_2011-09-30.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6636/2008

U r t e i l   v om     3 0 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz),
Richter Martin Zoller, Richterin Christa Luterbacher,   
Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,  
vertreten durch Christian Hoffs, Rechtsberatungsstelle für 
Asylsuchende St. Gallen/Appenzell, (…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Wiedererwägungsgesuch (Vollzug der 
Wegweisung); 
Verfügung des BFM vom 30. September 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer – eigenen Angaben zufolge ein Hazara mit letztem 
Wohnsitz  in  B._______(Provinz  Ghazni)  –  reichte  am  12. April  2005  in 
der Schweiz ein Asylgesuch ein. Mit Verfügung des BFM vom 16. März 
2007  lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung 
aus  der  Schweiz  an.  Dieser  Entscheid  erwuchs mangels  Anfechtung  in 
Rechtskraft.

B. 
Mit  Eingabe  vom  14.  Juni  2007  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um 
Wiedererwägung der Verfügung vom 16. März 2007, um Feststellung der 
Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung sowie um Gewährung der 
vorläufigen  Aufnahme.  Zur  Begründung  machte  er  geltend,  das  BFM 
habe  seinen  Entscheid  in  Missachtung  der  Rechtsprechung  in 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (EMARK)  2006  Nr.  9,  gefällt.  Ghazni,  seine 
Herkunftsprovinz,  werde  dabei  nicht  als  sichere  Provinz  bezeichnet,  in 
welche  ein  Wegweisungsvollzug  zumutbar  wäre.  Überdies  nehme  die 
Gewalt in Afghanistan zu und die Situation werde immer prekärer. Diese 
Gründe  hätte  er  zwar  in  einer  Beschwerde  vorbringen  können.  Jedoch 
habe  er  die  Verfügung  des  BFM  nicht  verstanden  und  habe  auch 
niemanden rechtzeitig zur Hand gehabt, der es ihm hätte erklären können 
und  dafür  gesorgt  hätte,  dass  eine Beschwerde  für  ihn  erhoben würde. 
Da  der  Bund  den  Asylsuchenden  keinen  Rechtsbeistand  leiste  und  er 
etwas  abgelegen  wohne,  nicht  integriert  sei  und  noch  nie  von  einer 
Rechtsberatungsstelle  gehört  habe,  könne  es  zu  solchen  Pannen 
kommen.  Zudem  bestehe  ein  moralischer  Anspruch,  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  einzutreten  und  ihm  in  Übereinstimmung  mit 
der  Rechtsprechung  der  ARK  und  des  Bundesverwaltungsgerichts  die 
vorläufige Aufnahme zu erteilen.

C. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  21.  Juni  2007  forderte  das  BFM  den 
Beschwerdeführer  zur  Bezahlung  eines  Gebührenvorschusses  ein, 
andernfalls auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werde.

Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  Beschwerdeführer  am  5.  Juli  2007 
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.

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Mit Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 25. Oktober  2007 wurde 
auf die Beschwerde gegen die Erhebung eines Gebührenvorschusses in 
einem Wiedererwägungsverfahren mit Hinweis darauf, diese sei erst mit 
der  verfahrensabschliessenden  Verfügung  des  BFM  anfechtbar  (BVGE 
2007/18),  nicht  eingetreten  und  das  Bundesamt  angewiesen, 
unverzüglich  über  das  Begehren  um  vorsorgliche  Massnahme  zu 
entscheiden.  Mit  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  16.  September 
2008  teilte  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit, 
das BFM habe über die Frage betreffend vorsorgliche Massnahme noch 
nicht  entschieden.  In  der  Folge  nahm  das  Bundesverwaltungsgericht 
diese  Eingabe  als  Rechtsverweigerungs­  beziehungsweise 
Rechtsverzögerungsbeschwerde entgegen.

D. 
Mit  Verfügung  vom  30.  September  2008  trat  das  BFM  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  vom  15.  (recte:  14.)  Juni  2007  nicht  ein.  Die 
Zwischenverfügung vom 21. Juni 2007 wurde aufgehoben. Die Verfügung 
vom 16. März 2007 sei rechtskräftig und vollstreckbar und einer allfälligen 
Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.

E. 
Mit  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  2.  Oktober  2008 
wurde  das  Beschwerdeverfahren  betreffend  Rechtsverweigerung 
beziehungsweise  Rechtsverzögerung  infolge  Gegenstandslosigkeit 
abgeschrieben.

F. 
Mit  Eingabe  vom  21.  Oktober  2008  beantragte  der  Beschwerdeführer 
durch seinen Rechtsvertreter die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 
30. September  2008,  die  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs 
der  Wegweisung  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sei  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung 
zu gewähren. Auf die Begründung  im Einzelnen wird, soweit wesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Gleichzeitig wurden als 
Beweismittel  zwei  Berichte  des  UNHCR  zu  Afghanistan  vom  18. Juni 
2008 und 6. Oktober 2008 sowie eine Nothilfebestätigung eingereicht.

G. 
Mit  Telefax  vom  22.  Oktober  2008  wies  die  Instruktionsrichterin  die 
kantonale Behörde an, von Vollzugsmassnahmen einstweilen abzusehen.

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H. 
Mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  19.  Februar  2009  wurde  der 
Vollzug  der  Wegweisung  ausgesetzt  und  festgestellt,  der 
Beschwerdeführer  könne den Abschluss des Verfahrens  in der Schweiz 
abwarten.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung wurde unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung 
der  finanziellen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  gutgeheissen.  Auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet.

I. 
Mit Eingabe vom 15. September 2009 ersuchte der Beschwerdeführer um 
baldigen Abschluss des Beschwerdeverfahrens.

Diese Eingabe wurde am 18. September 2009 beantwortet.

J. 
Am  31.  Mai  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer  erneut  um  baldigen 
Abschluss seines Verfahrens.

Diese Eingabe wurde am 9. Juni 2011 beantwortet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

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1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und  52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht 
geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende 
Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender 
Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR 101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein 
verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl. 
BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein 
Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche 
Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit 
dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in 
wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche 
(fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der 
Sachlage  anzupassen  ist.  Sodann  können  auch Revisionsgründe  einen 
Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in 
materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder 
unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem 
formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als 
qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist 
grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln 
(vgl. zum Ganzen BVGE 2010/27 E. 2.1)

Eine  Wiedererwägung  fällt  hingegen  dann  nicht  in  Betracht,  wenn 
lediglich  eine  neue  Würdigung  der  beim  früheren  Entscheid  bereits 
bekannten  Tatsachen  herbeigeführt  werden  soll  oder  Gründe  angeführt 
werden,  die  bereits  in  einem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  gegen 

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die  frühere  Verfügung  hätten  geltend  gemacht  werden  können  (vgl. 
EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104).

Allerdings  ist  gemäss  EMARK  1998  Nr.  3  wegen  des  zwingenden 
Charakters  des  Non­Refoulement­Gebotes  gemäss  Art.  33  des 
Abkommens  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  vom  28.  Juli  1951 
(FK, SR 0.142.30) und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101) 
auch  im  Wiedererwägungsverfahren  der  im  Revisionsverfahren  (vgl. 
EMARK 1995 Nr. 9) geltende Grundsatz analog anzuwenden, wonach ein 
rechtskräftiges  Urteil  selbst  dann  in  Revision  zu  ziehen  ist,  wenn  die 
neuen  Vorbringen  zwar  im  revisionsrechtlichen  Sinn  verspätet  sind, 
jedoch  offensichtlich  machen,  dass  dem  Gesuchsteller  bzw.  der 
Gesuchstellerin  Verfolgung  oder  menschenrechtswidrige  Behandlung 
droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht.

3.2. Gegenstand des Wiedererwägungsverfahrens vor dem BFM bildete 
vorliegend entsprechend der Antragstellung  im Wiedererwägungsgesuch 
vom 14. Juni 2007 einzig die Frage des Vollzugs der Wegweisung.

3.3. Nachdem die Vorinstanz den Anspruch des Beschwerdeführers auf 
Behandlung  des  Wiedererwägungsgesuchs  verneint  hat  und  mit 
Verfügung vom 30. September 2008 auf das Gesuch nicht eingetreten ist, 
beschränkt  sich  der  Gegenstand  des  vorliegenden 
Beschwerdeverfahrens  auf  die  Frage,  ob  das  BFM  zu  Recht  auf  das 
Gesuch nicht eingetreten ist.

3.4.  Bei  begründeter  Beschwerde  ist  die  angefochtene  Verfügung 
aufzuheben  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen.  Nicht Gegenstand  des  vorliegenden Verfahrens  ist  die 
Aufhebung  des  rechtskräftigen  Vollzugs  der  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers,  weil  sich  das  BFM  im  angefochtenen Entscheid  zu 
dieser Frage nicht in materieller Hinsicht geäussert hat. Daher ist auf den 
Antrag,  es  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung 
unzumutbar  sei,  und  es  sei  die  vorläufige  Aufnahme  des 
Beschwerdeführers anzuordnen, nicht einzutreten. 

4. 

4.1.  Das  Bundesamt  begründete  seinen  Nichteintretensentscheid  im 
Wesentlichen  damit,  ein  Wiedererwägungsverfahren  dürfe  nicht  als 
Ersatz für eine verpasste Beschwerdemöglichkeit dienen. Gründe, welche 

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bereits  im  Zeitpunkt  der  verpassten  Anfechtungsmöglichkeit  im 
ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden hätten, könnten somit nicht 
als Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (EMARK 2000 Nr. 24). 
Ebenso könnten Vorbringen dann nicht zu einer Wiedererwägung führen, 
wenn sie bereits  in einem ordentlichen Beschwerdeverfahren gegen die 
frühere  Verfügung  hätten  geltend  gemacht  werden  können.  Neue 
erhebliche  Tatsachen  und  Beweismittel  bildeten  nur  dann  einen 
Wiedererwägungsgrund,  wenn  der  Beschwerdeführer  bei  zumutbarer 
Sorgfalt  im  ordentlichen Rechtsmittelverfahren  diese  nicht  hätte  kennen 
oder  beibringen  können  oder  sie  aus  entschuldbaren  Gründen  nicht 
vorgebracht  habe.  Das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er 
aus  der  Provinz  Ghazni  und  damit  aus  einer  Provinz  stamme,  die  im 
Koordinationsurteil der ARK vom 24. Januar 2006 als unsicher eingestuft 
worden sei, wäre spätestens  in einer Beschwerde gegen den Entscheid 
des  BFM  vom     16.  März  2007  geltend  zu  machen  gewesen.  Ein 
plausibler Grund, weshalb dies dem Beschwerdeführer  trotz zumutbarer 
Sorgfalt  nicht  möglich  gewesen  wäre,  sei  nicht  ersichtlich.  Die 
Erklärungen  des  Beschwerdeführers  für  die  Unterlassung  seien  nicht 
stichhaltig. 

4.2.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  es 
sei  unbestritten,  dass  er  es  verpasst  habe,  gegen  den  negativen 
Entscheid des BFM vom 16. März 2007 eine Beschwerde einzureichen. 
Entscheidend  sei  indessen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Afghanistan für einen Hazara aus Ghazni unzumutbar sei. Das BFM hätte 
dieses Wegweisungshindernis  in  seinem Entscheid  vom 30. September 
2008 überprüfen müssen, da sich die Sachlage seit dem Entscheid vom 
16. März 2007 geändert habe. Dem Bericht des UNHCR vom 6. Oktober 
2008  zur  Sicherheitslage  in  Afghanistan  zufolge  gelte  die  gesamte 
Provinz Ghazni als äusserst unsicher. 

5. 

5.1. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum 
Schluss,  dass  die  Vorinstanz  aus  formellen Gründen  zu  Recht  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist. 
So ist die Verfügung des BFM vom 16. März 2007 mangels Anfechtung in 
Rechtskraft erwachsen. Der Beschwerdeführer hat es unterlassen, gegen 
diese  Verfügung  Beschwerde  zu  erheben.  Indem  er  in  seinem 
Wiedererwägungsgesuch vom 14. Juni 2007 auf die Praxis der ARK und 
des  Bundesverwaltungsgerichts  hinweist,  wonach  er  aufgrund  seiner 

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Ethnie und seiner Herkunft nicht nach Afghanistan weggewiesen werden 
dürfe,  trifft  dieser  Hinweis  auf  die  Rechtsprechung  zwar  zu.  Indessen 
handelt  es  sich  dabei  um  Gründe,  welche  bereits  im  Zeitpunkt  der 
verpassten  Anfechtungsmöglichkeit  im  ordentlichen 
Beschwerdeverfahren  bestanden,  datiert  das  Koordinationsurteil 
betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan doch vom 24. Januar 2006 
und war  im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 16. März 2007 
bereits publiziert worden (vgl. EMARK 2006 Nr. 9). Der Beschwerdeführer 
vermag mit  seinem  Einwand,  wonach  er  in  Unkenntnis  des  Inhalts  der 
Verfügung  des  BFM  und  wegen  seines  abgelegenen  Wohnortes  nicht 
rechtzeitig  habe Beschwerde erheben können, dieses Unterlassen nicht 
plausibel  zu  erklären.  So  kann  nicht  geglaubt  werden,  er  hätte  keine 
Möglichkeit  gehabt,  innert  30  Tagen  ab  Erhalt  der  Verfügung  vom  16. 
März 2007 eine Person zu finden, die ihn über den Inhalt der Verfügung 
und  seine  Beschwerdemöglichkeit  aufgeklärt  hätte.  Der 
Beschwerdeführer  hat  sich  somit  die  verpasste  Möglichkeit  selber 
anzulasten.  Wie  die  Vorinstanz  zu  Recht  festgehalten  hat,  darf  das 
Wiedererwägungsverfahren nicht dazu dienen, vom Beschwerdeführer im 
früheren  Verlauf  begangene  vermeidbare  Unterlassungen  nachzuholen 
(vgl.  EMARK  2000  Nr.  24).  Dies  ergibt  sich  aus  der  –  für  das 
Wiedererwägungsverfahren  analog  anwendbaren  –  revisionsrechtlichen 
Regel von Art. 66 Abs. 3 VwVG, wonach Gründe, welche im ordentlichen 
Verfahren hätten vorgebracht werden können, nicht als Revisionsgründe 
gelten. 

Offen  bleiben  kann  weiter  die  Frage,  ob  das  BFM  allenfalls 
wiedererwägungsweise hätte prüfen müssen, ob es sich bei der – unter 
Hinweis  auf  dem Gesuch  beigelegte Medienberichte  –  Feststellung  des 
Beschwerdeführers,  die Gewalt  nehme  in  Afghanistan  noch  ständig  zu, 
um  einen  rechtserheblichen  Sachverhalt  handelte,  der  sich  seit  dem 
ursprünglichen  Entscheid  in  wesentlicher  Weise  verändert  hatte,  und 
mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich 
eingetretene  Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  gewesen  wäre 
(vgl. dazu auch E. 6).

5.2.  Es  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  im  ordentlichen  Verfahren  in 
seiner  Verfügung  vom  16.  März  2007  die  Herkunft  des 
Beschwerdeführers aus dem Gebiet der Hazara in Ghazni nicht in Frage 
stellte. Hingegen schätzte es den Wegweisungsvollzug  in den Hazarajat 
entgegen  der Rechtsprechung  der ARK  (vgl.  EMARK 2003 Nr.  30 E.  6 
und 7a) als zumutbar ein. Im weiteren befand es, dem Beschwerdeführer 

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würde  es  grundsätzlich  auch  offen  stehen,  eine  innerstaatliche 
Wohnsitzalternative beispielsweise  im Grossraum Kabul wahrzunehmen, 
ohne  abzuklären,  ob  die  von  der  ARK  entwickelten  strengen 
Voraussetzungen  dafür  erfüllt  waren  (vgl.  die  damals  geltende  Praxis 
EMARK 2003 Nr. 30 E. 7b bestätigt in EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8, die im 
Übrigen  vom  Bundesverwaltungsgericht  bestätigt  wurde  [vgl.  BVGE 
2010/54  E.  10.1],  sowie  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  E­
7625/2008  vom  16.  Juni  2011).  Indem  sich  das  BFM  der  publizierten 
Länderpraxis der  zuständigen Rekursinstanz nicht anschliesst,  verstösst 
es, wenn nicht begründeter Anlass dafür besteht, gegen das Prinzip der 
Rechtssicherheit  (vgl.  BVGE  2010/54  E.  9.1  f.).  Vorliegend  stellt  sich 
folglich  die  Frage,  ob  nicht  der  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben,  der 
einer  Person  Anspruch  auf  Schutz  des  Vertrauens  in  behördliche 
Zusicherungen  oder  sonstiges,  bestimmte  Erwartungen  begründendes 
Verhalten der Behörden verleiht, verletzt wurde,  indem das BFM bereits 
kurze  Zeit  nach  der  Publikation  des  Länderurteils  EMARK  2006  Nr.  9 
einen davon abweichenden Entscheid fällte (vgl. BGE 135 V 201, S. 208; 
134  V  145,  S.  150;  BVGE  2007/9  E.  5.1.2;  ULRICH  HÄFELIN  /  GEORG 
MÜLLER  /  FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl., 
Zürich/St.  Gallen  2010,  Rz. 622 ff.).  Bejahenderweise  müsste  die 
vorliegende Situation  als  stossend  erachtet werden,  da Personen,  die – 
wie  der  Beschwerdeführer  –  ebenfalls  einen  der  Rechtsprechung  der 
Beschwerdeinstanz  entgegen  laufenden  (negativen)  Entscheid  der 
Vorinstanz  erhielten,  indessen  dagegen  Beschwerde  erhoben,  mit 
grösster  Wahrscheinlichkeit  letztinstanzlich  eine  vorläufige  Aufnahme 
angeordnet erhielten, was ebenfalls dem Grundsatz der Rechtsgleichheit 
entgegenstehen  würde.  Weitere  Ausführungen  in  diesem 
Zusammenhang können angesichts des nachfolgend Gesagten indessen 
unterbleiben.  

6. 
Nachdem das Bundesverwaltungsgericht kürzlich in Afghanistan klar eine 
Verschlechterung  der  Lage  feststellte  (vgl.  das  zur  Publikation 
vorgesehene Urteil E­7625/2008  vom 16.  Juni  2011),  ist  vorliegend von 
einer  nachträglich  eingetretenen  Veränderung,  mithin  einer 
wiedererwägungsrechtlich  relevanten  Sachlage  auszugehen,  die  zur 
Feststellung  der  Unzumutbarkeit  der  Wegweisungsvollzugs  des 
Beschwerdeführers  und  zu  dessen  vorläufigen Aufnahme  führen  dürfte. 
Obschon  –  wie  zuvor  festgestellt  wurde  (vgl.  E.  5.1)  –  das  BFM  aus 
formellen  Gründen  zu  Recht  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  des 
Beschwerdeführers vom 21. Oktober 2008 nicht eintrat, weshalb es dem 

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Beschwerdeführer  offen  stehen  würde,  gestützt  auf  die  aktuelle 
Lageeinschätzung  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  betreffend 
Afghanistan ein erneutes Wiedererwägungsgesuch an das Bundesamt zu 
richten,  ist  die  vorinstanzliche Verfügung  vom 30.  September  2008  aus 
prozessökonomischen Gründen  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen, 
auf  das  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten  und  im  Sinne  der 
Erwägungen eine neue Verfügung zu erlassen.

7. 
Die Beschwerde ist nach den vorstehenden Ausführungen gutzuheissen, 
soweit darin die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 30. September 
2008 beantragt wird.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

9. 
Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im 
Beschwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine 
Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen 
Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art.  7  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  hat  keine  Kostennote 
eingereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  lässt  sich  jedoch 
zuverlässig  abschätzen.  Die  vom  BFM  zu  entrichtende 
Parteientschädigung wird deshalb in Anwendung von Art. 14 Abs. 2 Satz 
2 VGKE aufgrund der Akten von Amtes wegen auf  insgesamt Fr. 400 .– 
(inklusive aller Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.

10. 
Im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  bleibt  der  Vollzug  der 
Wegweisung  weiterhin  ausgesetzt,  bis  das  diesbezüglich  nunmehr 
zuständige BFM in der Sache neu verfügt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  –  soweit  darauf  einzutreten  ist  –  im  Sinne  der 
Erwägungen  gutgeheissen  und  die  Verfügung  des  BFM  vom  30. 
September 2008 aufgehoben. 

2. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  eine  neue  Verfügung  im  Sinne  der 
Erwägungen zu erlassen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 400.− auszurichten.

5. 
Der Vollzug der Wegweisung bleibt weiterhin ausgesetzt, bis das BFM in 
der Sache neu verfügt.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener

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