# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e6a95c37-1ad2-5bac-8c1c-e5ddc7784053
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.03.2010 D-8053/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8053-2009_2010-03-19.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8053/2009/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  M ä r z  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin 
Jenny de Coulon Scuntaro, Richter Bendicht Tellenbach, 
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

X._______, geboren _______, Eritrea,
wohnhaft _______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreisebewilligung und Asylgesuch aus dem Ausland 
respektive Familienasyl zu Gunsten von Y._______, 
geboren _______, Eritrea; 
Verfügung des BFM vom 27. November 2009 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8053/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die Beschwerdeführerin und ihre minderjährige Tochter _______ 
am 28. November 2007 in der Schweiz ein Asylgesuch stellten, 

dass das BFM dieses Gesuch mit  Verfügung vom 2. Juni  2009 gut-
hiess, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter _______ als Flüchtlin-
ge anerkannte und ihnen Asyl gewährte, 

dass die Beschwerdeführerin am 9. Juli 2009 das BFM ersuchte, ihrer 
in Eritrea verbliebenen Tochter _______ die Einreise in die Schweiz zu 
bewilligen,

dass  im  einzuleitenden  Asylverfahren  die  originäre  Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen sei, 

dass  _______  eventualiter  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihrer  Mutter 
einzubeziehen sei, 

dass  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  mit  Zwischenverfügung  vom 
15. Juli  2009  aufforderte,  innert  Frist  Identitätsdokumente  von 
_______ nachzureichen, 

dass diese Frist ungenutzt verstrich, 

dass das BFM die Eingabe vom 9. Juli 2009 als Gesuch im Sinne von 
Art.  51  Abs.  1  und  4  des  Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31)  mit  Verfügung  vom  27.  November  2009  –  eröffnet  am 
30. November 2009 – abwies, 

dass die Vorinstanz zur Begründung anführte, die verwandtschaftliche 
Beziehung  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und _______  sei  nicht 
belegt, 

dass die Beschwerdeführerin diese Verfügung am 24. Dezember 2009 
beim Bundesverwaltungsgericht anfocht, 

dass sie die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die Bewilli-
gung der Einreise für _______ zwecks Durchführung des Asylverfah-
rens in der Schweiz sowie in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche 
Prozessführung  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht  (Art.  65 

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Abs. 1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom 20. Dezember  1968 
[VwVG, SR 172.021]) beantragte,

dass  sie  als  Beweismittel  die  Taufurkunde  von  _______  und  einen 
Briefumschlag einreichte, 

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 5. Ja-
nuar 2010 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtete, das 
Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG guthiess und die Vorinstanz 
zur Vernehmlassung einlud, 

dass  das  BFM  in  seiner  Stellungnahme  vom  20.  Januar  2010  das 
nachgereichte Beweismittel für nicht hinreichend beweistauglich erach-
tete, 

dass die Beschwerdeführerin mit Replik vom 6. Februar 2010 an ihren 
bisherigen Vorbringen festhielt, 

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  4.  März  2010  die 
schweizerischen  Asylbehörden  um  Hilfe  ersuchte  und  darlegte,  die 
_______ Tochter _______ sei in den Sudan ausgereist und alleine auf 
sich gestellt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5  VwVG)  des BFM auf  dem Gebiet  des Asyl-
rechts  entscheidet  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 
[AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31, 32 und 33 Bst. d des Verwaltungsge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 
1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass der Entscheid vom 27. November 2009 eine Verfügung des BFM 
im Bereich des Asylrechts darstellt, die mit Beschwerde an das letztin-
stanzlich zuständige Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden 
kann,

dass die Beschwerde innert der gesetzlichen Frist von 30 Tagen in gül-
tiger Form eingereicht wurde (Art. 108 AsylG), 

dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor dem BFM teilgenom-
men hat und durch die Verfügung vom 27. November 2009 besonders 
berührt ist,

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dass sie entsprechend ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung  beziehungsweise  Änderung  hat  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48 
Abs. 1 VwVG), weshalb die Beschwerdelegitimation gegeben ist, 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG),

dass zunächst auf die Praxis der Asylbehörden hinzuweisen ist,  wo-
nach bei Gesuchen um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft von Fa-
milienmitgliedern vorab auf die Frage der originären Flüchtlingseigen-
schaft einzugehen ist, und die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen 
Verfahren  diesen  Antrag  explizit  gestellt  hat  (vgl.  dazu  Art.  5  und 
Art. 37 der Asylverordnung 1 vom 11. August  1999 über  Verfahrens-
fragen [AsylV1, SR 142.311]),

dass  die  Vorinstanz  es  jedoch  unterliess,  die  originäre  Flüchtlings-
eigenschaft der Tochter _______ zu beurteilen,

dass demnach bereits deshalb die Verfügung vom 27. November 2009 
zu kassieren wäre, die angefochtene Verfügung aufgrund der nachfol-
genden Erwägungen jedoch ohnehin aufzuheben und die Einreise der 
Tochter _______ zu gestatten ist,

dass gemäss Art. 51 Abs. 2 AsylG minderjährige Kinder von Flücht-
lingen ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt werden und ihnen Asyl zu 
erteilen ist, wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen,

dass  gestützt  auf  Abs.  4  desselben  Artikels  in  diesem  Sinne  an-
spruchsberechtigten Personen, die durch die Flucht getrennt wurden 
und die im Ausland leben, die Einreise in die Schweiz zu gestatten ist,

dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz als Flüchtling anerkannt, 
ihr Asyl gewährt und sie gemäss ihren als glaubhaft erachteten Anga-
ben durch die Flucht von _______ getrennt wurde, womit die Grund-
voraussetzungen für den Einbezug von _______ gegeben sind, 

dass das BFM nicht  geltend macht,  es sprächen besondere Gründe 
gegen diesen Einbezug, und sich entsprechende Anhaltspunkte auch 
nicht aus den Akten ergeben, 

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dass  das  BFM  vielmehr  ausführte,  die  Mutter-Kind-Beziehung  zwi-
schen der Beschwerdeführerin und _______ sei nicht belegt,

dass Art. 7 Abs. 1 AsylG für den Nachweis der Flüchtlingseigenschaft 
eine Beweismasserleichterung vorsieht, indem die asylsuchende Per-
son  das  Vorhandensein  der  Tatsache,  welche  die  Flüchtlingseigen-
schaft begründet, lediglich glaubhaft zu machen hat (vgl. aus der Lite-
ratur  ASTRID EPINEY / BERNHARD WALDMANN / ANDREA EGBUND JOSS / MAGNUS 
OESCHGER,  Die  Anerkennung  als  Flüchtling  im  europäischen  und 
schweizerischen Recht, ein Vergleich unter Berücksichtigung des völ-
kerrechtlichen Rahmens, publiziert  in Freiburger Schriften zum Euro-
parecht,  herausgegeben vom Institut  für  Europarecht  der  Universität 
Freiburg i.Ü., Freiburg 2008, S. 37),

dass diese Bestimmung insbesondere dem Umstand Rechnung trägt, 
dass Flüchtlinge in der Regel nur unter erheblichen Schwierigkeiten in 
der Lage sind, Beweismittel aus ihrem Heimatland zu beschaffen,

dass dies auch beziehungsweise insbesondere für anerkannte Flücht-
linge gelten muss, wenn es um im Heimatstaat verbliebene Familien-
angehörige beziehungsweise minderjährige Kinder geht, ist doch jeder 
Kontakt mit dem Heimatland unter diesen Umständen besonders hei-
kel,

dass in diesem Sinne im Rahmen von Art. 51 AsylG kein höheres Be-
weismass anzuwenden ist,

dass  demnach  vorliegend  die  geltend  gemachte  Verwandtschaft  zur 
minderjährigen Tochter _______ der Beschwerdeführerin glaubhaft zu 
machen ist, 

dass dazu einleitend auf den Umstand, wonach die Vorinstanz die Vor-
bringen der Beschwerdeführerin,  welche zur Asylgewährung führten, 
für glaubhaft erachtete, hinzuweisen ist, 

dass die Beschwerdeführerin im Übrigen auch zu Belangen ihrer Kin-
der _______ und _______ im Verlaufe des Asylverfahrens durchwegs 
übereinstimmende Angaben machte, 

dass die Beschwerdeführerin insbesondere von Anfang an auf das im 
Heimatstaat bei seiner Grossmutter verbliebene Kind und die entspre-
chenden Umstände, wie es dazu kam, hingewiesen hat,

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dass offenbar ihr Wunsch, ihre Tochter _______ nachzuziehen, für das 
Stellen eines Asylgesuchs in der Schweiz massgeblich war (A 19/15, 
Antwort 106), 

dass die Vorinstanz die behauptete Verwandtschaft  der Beschwerde-
führerin  zu der mit  ihr  eingereisten Tochter  _______ nicht  in Zweifel 
zog, obwohl entsprechende Dokumente fehlten, 

dass auch bezüglich der älteren Tochter ausgeführt wurde, sie sei nie 
bei den Behörden registriert worden (vgl. A. 19, S. 4) und von der als 
Flüchtling  anerkannten  Beschwerdeführerin  jedenfalls  nicht  verlangt 
werden kann, mit den heimatlichen Behörden zwecks Ausstellung von 
Identitätspapieren für die Tochter in Kontakt zu treten,

dass  die  Beschwerdeführerin  als  Beleg  für  das  Verwandtschaftsver-
hältnis zur Tochter _______ einen Taufschein nachreichte,

dass es sich bei einem Taufschein zwar nicht um ein gewichtiges Be-
weismittel handelt,

dass aber vorliegend der eingereichte Taufschein entgegen den Aus-
führungen in  der  Vernehmlassung nicht  gegen die Angaben der  Be-
schwerdeführerin spricht,

dass  die  Beschwerdeführerin  ihren  Heimatstaat  vor  mehr  als  neun 
Jahren  verliess  und  der  damalige  oder  seitherige  Aufbewahrungsort 
des  Dokuments  kaum als  ausschlaggebend  für  dessen  Authentizität 
erscheint, 

dass _______ gemäss diesem Dokument im Jahre _______ (Kalender 
des Heimatlandes) geboren sein soll, 

dass  diese  Datierung  mit  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin  an-
lässlich  der  Summarbefragung,  wo  mit  dem  europäischen  Kalender 
gerechnet wurde, übereinstimmt (A 1/10, S. 3),

dass das BFM in der Vernehmlassung offenbar irrtümlich davon aus-
ging,  die  Tochter  _______  der  Beschwerdeführerin  sei  am _______ 
gemäss europäischem Kalender  geboren,  und deshalb  zum Schluss 
kam,  diesfalls  wäre  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Geburt  von 
_______ lediglich zwölf Jahre alt gewesen, 

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dass  das  BFM  die  angebliche  Fälschung  des  Dokuments  demnach 
insbesondere  mit  einer  nicht  bestehenden  Ungereimtheit  begründet, 
indem es die gemäss einheimischen Kalender ausgefüllten Daten mit 
dem europäischen Kalender verwechselt, 

dass das eingereichte Dokument nach dem Gesagten die Angaben der 
Beschwerdeführerin im Wesentlichen bestätigt, 

dass es der Beschwerdeführerin mithin entgegen der vorinstanzlichen 
Sichtweise gestützt  auf  eine Beurteilung der  gesamte Aktenlage ge-
lungen  ist,  die  Verwandtschaft  zu  ihrer  minderjährigen  Tochter 
_______ glaubhaft zu machen, 

dass bei dieser Sachlage davon abgesehen werden kann, einen DNA-
Test zu veranlassen (vgl. S. 2 der Vernehmlassung), 

dass diesbezüglich aber immerhin zu bemerken ist, dass es Sache der 
Vorinstanz wäre, den rechtserheblichen Sachverhalt zu erstellen,

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 
vom 27. November 2009 aufzuheben und das BFM anzuweisen ist, der 
Tochter _______ der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz 
im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG zu gestatten,  

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für 
die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten haben (Art. 7 Abs. 1 des 
Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),

dass  die  Beschwerdeführerin  keine  Rechtsvertretung  mandatierte, 
weshalb  ihr  keine  solche  zu  entrichtenden  Kosten  entstanden  sein 
dürften.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 27. November 2009 wird aufgehoben und 
das BFM angewiesen,  der  Tochter  _______ der  Beschwerdeführerin 
die Einreise in die Schweiz zu gestatten. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- die  Vorinstanz,  mit  den  Akten  Ref-Nr. N _______  (per  Kurier;  in 

Kopie)
- _______

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand:

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