# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0045454-ec9b-5c87-8f6b-c9d8b7d7bb10
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-26
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 26.06.2020 OG.2019.00019 (OGS.2021.109)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2019-00019_2020-06-26.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 26. Juni 2020

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2019.00019 und OG.2019.00020

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staats- und Jugendanwaltschaft des
  Kantons Glarus

  
	
   

  
	
  Anklägerin

  
	
  Berufungsklägerin (OG.2019.00019)

  
	
  Berufungsbeklagte (OG.2019.00020)

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch den Staatsanwalt

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  2. A.______

  
	
  Privatkläger

  
	
  Berufungsbeklagter und Anschluss-

  
	
  berufungskläger (OG.2019.00020)

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch Rechtsanwältin E.______

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  3. B.______

  
	
  Privatkläger

  
	
  Berufungsbeklagter (OG.2019.00020)

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  4. C.______

  
	
  Privatkläger

  
	
  Berufungsbeklagter (OG.2019.00020)

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  D.______

  
	
  Beschuldigter

  
	
  Berufungskläger und Anschluss-

  
	
  berufungsbeklagter (OG.2019.00020)

  
	
  Berufungsbeklagter (OG.2019.00019)

  
	
   

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch Rechtsanwalt F.______

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Versuchte
  schwere Körperverletzung etc.

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge
  der Staatsanwaltschaft (gemäss Berufungserklärung vom 6. März 2019
  [act. 66] und anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. Dezember 2019
  gestellt [act. 98]):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Der Beschuldigte sei unter
    Abweisung seiner Berufung und in Bestätigung des Urteils des
    Kantonsgerichts schuldig zu sprechen

    
	
     

    	
    der versuchten schweren
    Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum
    Nachteil von A.______,

    
	
     

    	
    der einfachen Körperverletzung
    gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von B.______,

    
	
     

    	
    der versuchten einfachen
    Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1
    StGB zum Nachteil von C.______.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Dispositiv Ziffer 2 des
    angefochtenen Urteils sei aufzuheben und der Beschuldigte sei zu einer
    Freiheitsstrafe von drei Jahren zu verurteilen unter Anrechnung von zwei
    Tagen Haft und Gewährung des bedingten Strafvollzugs im Umfang von 30
    Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Dispositiv Ziffern 6, 9,
    10, 11 und 12 des angefochtenen Urteils seien ersatzlos aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Dispositiv Ziffer 8 des
    angefochtenen Urteils sei aufzuheben und es seien dem Beschuldigten
    herauszugeben die Jeanshose, blau, das T-Shirt, langarm, grün, sowie die
    Wasserwaage.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Die Dispositiv Ziffer 15 des
    angefochtenen Urteils sei aufzuheben und es sei die Vernichtung der
    Mikrospurenbögen per 19. Mai 2028 anzuordnen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Die Entschädigung für das
    Berufungsverfahren der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten und der
    unentgeltlichen Rechtsvertretung von A.______, soweit diese ihm gewährt
    werden sollte, seien gerichtlich zu bestimmen.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Die Kosten des
    Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge
  von A.______ (gemäss Anschlussberufungserklärung vom 27. März 2019
  [act. 76] und anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. Dezember 2019
  gestellt [act. 90 S. 2 und act. 99]):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die Berufung des
    Beschuldigten abzuweisen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei Dispositiv Ziffer 3 des
    Urteils vom 20. Februar 2019 abzuändern und es sei der Beschuldigte zu
    verpflichten, dem Privatkläger A.______ eine Genugtuung von
    CHF 20'000.— zuzüglich Zins von 5 % seit dem 19. Mai 2013 zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Es sei der Beschuldigte zu
    verpflichten, A.______ eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Es sei A.______ für das
    Berufungsverfahren die unentgeltliche Prozessführung und
    Rechtsverbeiständung zu gewähren.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten des
    Beschuldigten.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschuldigten (gemäss Berufungserklärung vom
  7. März 2019 [act. 67] und anlässlich der Berufungsverhandlung
  vom 13. Dezember 2019 gestellt [act. 95]):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es seien die Dispositiv Ziffern
    1 bis 7 sowie 17 des Urteils des Kantonsgerichts Glarus vom 20. Februar
    2019 aufzuheben und D.______ sei vollumfänglich freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1. Gemäss Anklage sah
  J.______ am 19. Mai 2013 am Bahnhof [...] ihren Ex-Freund, A.______, und
  fürchtete sich vor ihm. J.______ bat ihren Bruder, K.______, telefonisch, sie
  in [...] abzuholen. Daraufhin informierte K.______ seinen Vater, D.______,
  telefonisch, dass J.______ am Bahnhof [...] von A.______ belästigt worden sei
  und er sie in [...] abholen gehe. K.______ fuhr in Begleitung seines
  Kollegen, L.______, nach [...] und holte J.______ beim Kantonsspital ab.
  Danach machten sie sich auf die Suche nach A.______, um mit ihm zu reden. Sie
  sahen A.______ zusammen mit B.______, C.______ und M.______ beim
  Güterschuppen unweit des Bahnhofs [...]. K.______ informierte D.______
  telefonisch über ihren Aufenthaltsort, worauf sich auch dieser zum
  Güterschuppen begab. In der Folge kam es zwischen D.______ einerseits und
  A.______, B.______ und C.______ anderseits zu einem Gerangel mit
  gegenseitigem Stossen, Schubsen, Festhalten und Schlägen. Plötzlich soll sich
  D.______ von der Gruppe gelöst, aus seinem Auto einen Baseballschläger
  behändigt und damit B.______ und A.______ geschlagen haben (act. 1).

  
	
   

  
	
  2. Die Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend
  "Staatsanwaltschaft") stellte die aufgrund einer Strafanzeige von
  D.______ eröffneten Verfahren gegen A.______ (nachfolgend auch
  "A.______"), B.______ (nachfolgend auch "B.______") und
  C.______ (nachfolgend auch "C.______") betreffend Raufhandel mit
  Verfügungen vom 9. Oktober 2017 ein (act. 2/22/1,
  act. 2/31/1-3) und erhob stattdessen am 10. Oktober 2017 bei
  der Strafkammer des Kantonsgerichts Glarus Anklage gegen D.______
  (nachfolgend auch "Beschuldigter" [act. 1]). Die gegen die
  drei Einstellungsverfügungen beim Obergericht erhobenen Beschwerden des
  Beschuldigten (OG.2017.00059/60/61) wurden einstweilen sistiert und werden
  erst behandelt, wenn das vorliegende Strafverfahren gegen den
  Beschuldigten erledigt ist (Art. 314 Abs. 1 lit. b StPO).

  
	
   

  
	
  3. Die Staatsanwaltschaft
  wirft dem Beschuldigten die folgenden Delikte vor: 

  
	
  	
    -

    	
    Versuchte schwere
    Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum
    Nachteil von A.______,

    
	
    -

    	
    einfache Körperverletzung
    gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von B.______ und

    
	
    -

    	
    versuchte einfache
    Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1
    StGB zum Nachteil von C.______.

    

  Als strafrechtliche Sanktion
  beantragte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren,
  aufgeschoben im Umfang von 30 Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren,
  unter Anrechnung der erstandenen Haft von zwei Tagen (act. 1,
  act. 45, act. 46, act. 49, act. 52 S. 2).

  
	
   

  
	
  4. Mit
  Urteil vom 20. Februar 2019 (act. 60 S. 30 ff.) erkannte die Strafkammer des
  Kantonsgerichts Glarus was folgt:

  
	
  	
    1.

    	
    D.______ ist schuldig

    
	
     

    	
    der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
    Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil von
    A.______,

    
	
     

    	
    der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
    Ziff. 1 StGB zum Nachteil von B.______,

    
	
     

    	
    der versuchten einfachen Körperverletzung
    im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
    zum Nachteil von C.______.

    
	
    2.

    	
    D.______ wird, unter Anrechnung
    der erstandenen Haft von drei Tagen, zu einer bedingten Freiheitsstrafe von
    24 Monaten verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.

    
	
    3.

    	
    D.______ wird verpflichtet,
    A.______ CHF 7'000.— zuzüglich Zins zu 5 % seit 19. Mai 2013 als Genugtuung
    zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Es wird festgestellt, dass
    D.______ für den A.______ durch die strafbare Handlung entstandenen Schaden
    grundsätzlich haftet. A.______ wird im Übrigen mit seiner Zivilklage auf
    den Zivilweg verwiesen.

    
	
    5.

    	
    Es wird davon Vormerk genommen,
    dass ansonsten keine konkreten Zivilforderungen geltend gemacht wurden.

    
	
    6.

    	
    Die bei D.______ beschlagnahmte
    Barschaft über insgesamt CHF 122.95 (act. 13/2 S. 1 Pos. 1 und 2) wird mit
    den Verfahrenskosten (inkl. der Kosten für die amtliche Verteidigung, vgl.
    Ziff. 16 nachstehend) verrechnet.

    
	
    7.

    	
    Der beschlagnahmte
    Baseballschläger (act. 14/2 S. 2 bzw. act. 15/6) wird eingezogen und vernichtet.

    
	
    8.

    	
    Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden D.______
    herausgegeben:

    
	
     

    	
     

    

  - Schlüsseletui, ledern, schwarz, mit sieben Schlüsseln
  (act. 13/2 S. 3 Pos. 4),

  
	
  - Armband, ledern, hellbraun / schwarz (act. 13/2 S. 3 Pos.
  5),

  
	
  - Ledergürtel, braun, Marke Diesel (act. 13/2 S. 3 Pos. 6),

  
	
  - Schlüsselanhänger (Stoffband), grün, Aufschrift
  "Vaillant" (act. 13/2 S. 3 Pos. 7),

  
	
  - Portemonnaie, ledern, schwarz, inkl. drei Schlüssel (act.
  13/2 S. 3 Pos. 11),

  
	
  - Bankkarte Credit Suisse, lädiert, lautend auf D.______
  (act. 13/2 S. 3 Pos. 12),

  
	
  - Bankkarte GKB, Maestro Card, lautend auf D.______ (act.
  13/2 S. 3 Pos. 13),

  
	
  - Bankkarte GKB, rot, lautend auf D.______ (act. 13/2 S. 3
  Pos. 14),

  
	
  - Bankkarte WIR Bank, lautend auf D.______ (act. 13/2 S. 3
  Pos. 15),

  
	
  - Halskette, ledern (act. 13/2 S. 3 Pos. 16),

  
	
  - Wasserwaage (act. 15/6).

  
	
   

  
	
  	
    9.

    	
    Das beschlagnahmte Mobiltelefon,
    HTC (act. 15/2), wird K.______ herausgegeben.

    
	
    10.

    	
    Das beschlagnahmte Mobiltelefon,
    Nokia 610 (act. 15/3), wird L.______ herausgegeben.

    
	
    11.

    	
    Das beschlagnahmte Mobiltelefon,
    iPhone, weiss (act. 15/4), wird J.______ herausgegeben.

    
	
    12.

    	
    Das beschlagnahmte Mobiltelefon,
    iPhone, weiss (act. 15/5), wird N.______ herausgegeben.

    
	
    13.

    	
    Die beschlagnahmte Jeanshose,
    blau (act. 15/7), wird A.______ herausgegeben.

    
	
    14.

    	
    Die beschlagnahmte Freizeithose,
    beige, sowie das beschlagnahmte T-Shirt, schwarz, Marke Puma (act. 15/8),
    werden B.______ herausgegeben.

    
	
    15.

    	
    Die Mikrospurenbögen (act. 15/9)
    werden vernichtet.

    
	
    16.

    	
    Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 4'000.—.

    
	
     

    	
    Die weiteren Verfahrenskosten (zuzüglich Entschädigung
    der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers A.______ gemäss
    Ziff. 19 nachstehend) betragen:

    CHF   1'034.55 Institut für Rechtsmedizin

    CHF   3'000.— Kosten Anklage

    CHF 10'602.05 Honorar amtliche Verteidigung

    
	
    17.

    	
    Die Kosten werden D.______
    vollumfänglich auferlegt und von ihm bezogen.

    
	
    18.

    	
    Rechtsanwalt F.______ wird als
    amtliche Verteidigung im Verfahren vor Kantonsgericht mit CHF 10'602.05 aus
    der Gerichtskasse entschädigt.

    
	
    19.

    	
    Rechtsanwältin E.______ wird als
    unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers A.______ mit CHF 4'200.—
    aus der Gerichtskasse entschädigt. Im Übrigen wird der Antrag auf
    Entschädigung abgewiesen.

    
	
    20.

    	
    Schriftliche Mitteilung an: (…).

    
			

  

  
	
  5. Gegen dieses Urteil erhoben die Staatsanwaltschaft und der
  Beschuldigte rechtzeitig Berufung. Der Privatkläger A.______ erklärte
  rechtzeitig Anschlussberufung. Der Beschuldigte verlangt
  einen Freispruch von sämtlichen Anklagevorwürfen (act. 67). Der
  Staatsanwalt beantragt eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf drei Jahre,
  wovon 30 Monate bedingt zu gewähren seien (act. 66). A.______ verlangt
  eine höhere Genugtuung (act. 76).

  
	
   

  
	
  6. Am 13. Dezember 2019 fand die mündliche Berufungsverhandlung statt
  (act. 88). Im Nachgang zur Berufungsverhandlung holte das Obergericht ein
  rechtsmedizinisches Gutachten sowie einen Amtsbericht betreffend die beim
  Kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Glarus noch eingelagerten
  Gegenstände ein (act. 116 ff., act. 66 S. 2, act. 146
  f.). Am 26. Juni 2020 fällte das Obergericht seinen Entscheid (act. 151). Der
  Entscheid wird schriftlich eröffnet, nachdem die Parteien auf eine mündliche
  Urteilseröffnung verzichteten (Art. 84 Abs. 3 StPO [act. 88 S. 22]). 

  
	
   

  
	
  II. Prozessuales

  
	
  1. Das Urteil der
  Strafkammer vom 20. Februar 2019 (act. 60) stellt ein taugliches
  Anfechtungsobjekt dar. Die Parteien sind bezüglich der von ihnen
  angefochtenen Punkte berufungslegitimiert, haben die Rechtsmittelfrist
  gewahrt und erhoben zulässige Rügen. Auf die Berufungen resp. die
  Anschlussberufung von A.______ ist einzutreten (Art. 398 ff. StPO).

  
	
   

  
	
  2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung des
  vorinstanzlichen Entscheids aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich
  gegen die vorinstanzlichen Dispositiv-Ziffern 2, 6, 8 bis 12 und 15. A.______
  beantragt die Abänderung von Dispositiv-Ziffer 3 und der Beschuldigte stellt
  den Antrag auf Aufhebung der Dispositiv-Ziffern 1 bis 7 sowie 17 des Urteils
  der 

  Vorinstanz. Nicht angefochten sind einzig die Dispositiv-Ziffern 13 und 14
  (Herausgabe der beschlagnahmten Kleider an A.______ und B.______).

  
	
   

  
	
  3. Nach
  Art. 398 Abs. 3 StPO können mit Berufung
  Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des
  Ermessens, Rechtsverweigerungen und Rechtsverzögerungen (lit. a), die
  unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie
  Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. Die Berufungsinstanz überprüft das
  Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO), wobei es am Ende ein neues Urteil fällt (Art. 408 StPO).

  
	
  Die Staatsanwaltschaft macht
  betreffend die Strafzumessung eine unzutreffende Rechtsanwendung (act. 98 S.
  5 ff.) und betreffend Nebenfolgen des erstinstanzlichen Urteils eine unrichtige
  Sachverhaltsfeststellung (act. 98 S. 21 ff.) geltend. Der Beschuldigte wirft
  der Vorinstanz in seiner Berufung eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung
  vor (act. 95). A.______ bemängelt bezüglich der ihm zugesprochenen Genugtuung
  sowohl eine unzutreffende Rechtsanwendung als auch eine unrichtige
  Sachverhaltsfeststellung (act. 99 S. 5 ff.). 

  
	
   

  
	
  4. Die Anklageschrift
  bestimmt den Gegenstand des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens wie auch des
  Berufungsverfahrens. Das Gericht ist an den in der Anklageschrift
  wiedergegebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche
  Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Die rechtliche Würdigung
  des durch die Anklageschrift bestimmten Prozessgegenstandes ist Aufgabe des Gerichts.
  Es kann von den Anträgen der Parteien abweichen (BGer 6B_254/2015 Urteil vom
  27. August 2015 E. 3.1, m.H.). 

  
	
   

  
	
  5. Die Akten des
  vorinstanzlichen Verfahrens SG.2017.00104 (act. 1-65/3) wurden beigezogen,
  wobei die Strafuntersuchungsakten (U-act) integrierender Bestandteil der vorinstanzlichen
  Akten bilden (act. 2). Die Aktenzitate des vorinstanzlichen Verfahrens
  erfolgen unter der Verfahrensnummer des Berufungsverfahrens.

  
	
   

  
	
  III. Materielles

  
	
  1. Die Verteidigung
  plädiert auf einen Freispruch des Beschuldigten und wirft der Vorinstanz vor,
  sie habe sich mit der geltend gemachten Notwehrsituation des Beschuldigten
  nicht hinreichend auseinandergesetzt und den Sachverhalt nicht korrekt
  erstellt (act. 95). Demnach ist der Sachverhalt zu erstellen und sind die Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung im Strafprozess
  darzulegen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. In
  einem ersten Schritt sind sämtliche prozessual zulässigen Beweismittel zu
  erfassen und ist das so erlangte Beweismaterial auf seine grundsätzliche
  Eignung und Qualität hin zu beurteilen: Einerseits müssen die einzelnen
  Beweismittel ihrer Natur und ihrer Aussage nach tatsächlich zur Klärung der
  konkreten Tatfragen beitragen können (Beweiseignung) und andererseits muss
  ihr grundsätzlicher Beweiswert feststehen (z.B. anhand von Glaubhaftigkeitskriterien
  für Zeugenaussagen oder von methodischen Anforderungen an Gutachten [BGE 144
  IV 345 E. 2.2.3.1, m.H.]).

  
	
   

  
	
  2.2. Sodann hat das Gericht in einem nächsten Schritt die als relevant
  erkannten Beweise frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bei dieser inhaltlichen
  Auswertung der Beweismittel sind einzelne Beweismittel nicht isoliert zu
  beurteilen und können auch nicht in dubio pro reo ausgeblendet werden
  (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1, m.H.).

  
	
   

  
	
  2.3. Erscheint das Beweisergebnis in Hinsicht auf den Anklagesachverhalt
  einschlägig, ist dieses Resultat der Beweisauswertung dahingehend zu
  beurteilen, ob sich auf dessen Grundlage diejenigen Tatsachen erstellen
  lassen, aus denen sich das Tatsachenfundament eines Schuldspruchs
  zusammensetzt. Erst in diesem letzten Stadium der Sachverhaltsfeststellung
  gelangt die Regel in dubio pro reo zur Anwendung. Der In-dubio-Grundsatz
  betrifft dabei konkret die Frage des erforderlichen Beweismasses, indem
  nämlich der Grundsatz verlangt, dass ein Sachverhalt nach Überzeugung des Gerichts
  mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss, damit er
  dem Beschuldigten zur Last gelegt werden kann. Eine entsprechende
  Wahrscheinlichkeit liegt vor, wenn die richterliche Überzeugung, dass sich
  ein Sachverhalt in bestimmter Weise verwirklicht hat, auf einem jeden
  vernünftigen Zweifel ausschliessenden Urteil eines besonnenen und
  lebenserfahrenen Beobachters beruht (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.3). Abstrakte
  und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind;
  absolute Gewissheit kann nicht verlangt werden (BGer 6B_812/2011 Urteil vom
  19. April 2012 E. 1.3.1). Bestehen nach Abschluss der Beweiswürdigung
  erhebliche Zweifel an der Schuld, hat das Gericht den Beschuldigten
  freizusprechen (Tophinke, in:
  Niggli et al. [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung,
  2. Aufl., N 80 ff. zu Art. 10). 

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1.
  Hinsichtlich des strittigen Sachverhalts sind die folgenden Beweise
  massgebend:

  
	
  Aussagen
  des Beschuldigten und von seiner Familie:

  
	
  -  Beschuldigter:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahmen vom 19. Mai 2013 und vom
  21. Mai 2013 (act. 2/3/1, act. 2/3/2) und der
  staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen vom 7. Oktober 2015 und vom
  30. Juni 2017 (act. 2/23/15, act. 2/23/19,
  act. 2/23/20), Befragungen anlässlich der vorinstanzlichen
  Hauptverhandlung vom 5. September 2018 (act. 50, act. 51)
  und anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. Dezember 2019
  (act. 89, act. 90),

  
	
  - K.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahmen vom 20. Mai 2013 und vom
  21. Mai 2013 (act. 2/9/1, act. 2/9/2),

  
	
  - J.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahmen vom 20. Mai 2013
  (act. 2/11/1, act. 2/11/2),

  
	
  Aussagen
  der Gruppe A.______:

  
	
  -    A.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahmen vom 2. Juni 2013 und vom
  8. Januar 2014 (act. 2/4/1, act. 2/4/2) und der
  staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. September 2015
  (act. 2/23/10/2),

  
	
  -    B.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahmen vom 19. Mai 2013 und vom
  19. Januar 2014 (act. 2/5/1, act. 2/5/2) und der staatsanwaltschaftlichen
  Einvernahme (samt Tatortskizze) vom 7. Oktober 2015
  (act. 2/23/16),

  
	
  -    C.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahmen vom 19. Mai 2013 und vom
  9. Januar 2014 (act. 2/6/1, act. 2/6/2) und der
  staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. September 2015
  (act. 2/23/10/1),

  
	
  -    M.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahme vom 19. Mai 2013
  (act. 2/7/1) und der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
  27. August 2015 (act. 2/23/3).

  
	
  Aussagen
  von weiteren Personen und weitere Beweismittel:

  
	
  -    L.______:
  Protokolle der polizeilichen Einvernahme vom 20. Mai 2013
  (act. 2/10/1) und der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
  7. Oktober 2015 (act. 2/23/17),

  
	
  -    O.______:
  Protokoll der polizeilichen Einvernahme vom 20. Mai 2013
  (act. 2/8/1),

  
	
  -    Aufzeichnung
  der telefonischen Befragung von P.______ (Meldeerstatter) vom
  20. Mai 2013 durch die Kantonspolizei (act. 2/2/1 S. 20),

  
	
  -    Chat
  zwischen B.______ und L.______ vom 24. Mai 2013 und Befunde aus
  Handy von B.______ (act. 2/17/2, act. 2/17/3),

  
	
  -    Foto
  Tatort aus Zeitungsartikel (act. 55/9),

  
	
  -    Rechtsmedizinisches
  Gutachten von Dr. med. Q.______ vom 7. Mai 2020, samt den
  medizinischen Akten des Beschuldigten (act. 125, act. 119/1).

  
	
   

  
	
  3.2.

  
	
  3.2.1. Der Beschuldigte
  ist als vom Strafverfahren Betroffener daran interessiert, sein Verhalten in
  einem möglichst positiven Licht darzustellen, plädiert er doch auf einen
  vollumfänglichen Freispruch. Die Tochter des Beschuldigten, J.______, und
  A.______ waren während rund drei Jahren liiert und das Obergericht ist
  aufgrund der zahlreichen Aussagen (Beschuldigter: act. 2/3/1 Fragen 9, 26,
  28, act. 2/3/2 Fragen 61-66, act. 51 S. 6 f. Fragen 22, 25, act. 90 S. 4, 6,
  10; J.______, K.______ und N.______: act. 2/11/1 Fragen 3, 24 ff., act. 2/9/1
  Fragen 26, 28, act. 2/12/1 Frage 33; A.______: act. 2/4/1 Fragen 5, 16,
  act. 2/23/10/2 S. 2 f., S. 6; B.______: act. 2/5/1 Fragen 4, 7;
  M.______: act. 2/7/1 Frage 6, act. 2/23/3 Frage 6) und der einschlägigen
  Vorstrafe von A.______ wegen Tätlichkeiten und Drohung gegenüber der Lebenspartnerin
  (act. 2/28/1) überzeugt, dass J.______ während dieser Beziehung von A.______
  bedroht und auch tätlich angegangen wurde und es zwischen dem Beschuldigten
  und A.______ bereits vor dem 19. Mai 2013 zumindest verbale
  Auseinandersetzungen gegeben hat. Das konfliktgeladene Verhältnis zwischen
  A.______ und dem Beschuldigten ist geeignet, die Glaubwürdigkeit des
  Beschuldigten (und auch diejenige von A.______) zu beeinträchtigen.

  
	
   

  
	
  3.2.2. A.______, B.______
  und C.______ konstituierten sich im vorliegenden Strafverfahren als
  Privatkläger (act. 2/16/1-3) und sind in den derzeit sistierten
  Beschwerdeverfahren (Erw. I.2 vorstehend) beschuldigte Personen. Die
  Privatkläger haben aufgrund ihrer prozessualen Stellung (und A.______
  überdies auch aufgrund seiner beantragten Genugtuungsforderung gegen den
  Beschuldigten) ein Interesse daran, dass der Beschuldigte verurteilt wird.
  Entgegen der Darstellung von M.______ (nachfolgend auch "M.______"
  [act. 2/7/1 Frage 15]) ist er nicht als eine neutrale Person zu betrachten,
  welche über die Geschehnisse objektiv berichtet. M.______ gab an, er kenne
  die Privatkläger auf kollegialer Ebene; er begleite sie ein wenig und wolle
  ihnen helfen, wenn er könne (act. 2/7/1 Frage 11, act. 2/23/3 Frage 2).
  Seine freundschaftliche Beziehung zu den Privatklägern und sein bekundeter
  Wille, ihnen helfen zu wollen, beeinträchtigen die Glaubwürdigkeit von
  M.______. 

  
	
   

  
	
  3.2.3. L.______
  (nachfolgend auch "L.______") ist ein Kollege von K.______
  (nachfolgend auch "K.______") und begleitete diesen am 19. Mai 2013
  nach [...], um J.______ abzuholen. Aufgrund der Akten (Chat zwischen B.______
  und L.______ [act. 2/17/2]) geht hervor, dass L.______ B.______ kennt. Eine
  nähere persönliche Beziehung zwischen L.______ und B.______ scheint nicht
  vorzuliegen, da L.______ gemäss eigenen Angaben nicht einmal B.______s
  Vornamen kannte. Weitere persönliche Beziehungen zwischen L.______ und den
  übrigen Prozessbeteiligten sind nicht erkennbar (act. 2/23/17 S. 2).
  O.______ und P.______ beobachteten die Auseinandersetzung vor dem
  Güterschuppen (act. 2/8/1 Frage 1, act. 2/2/1 S. 20). Da L.______,
  O.______ und P.______ mit den Prozessbeteiligten nicht näher bekannt sind,
  scheint ihre Glaubwürdigkeit als hoch. 

  
	
   

  
	
  3.3.

  
	
  3.3.1. Der Beschuldigte machte im Berufungsverfahren sinngemäss geltend, seine
  erste Einvernahme vom 19. Mai 2013 sei nicht verwertbar, da er
  aufgrund seiner Verletzungen nicht einvernahmefähig gewesen sei (act. 90 S.
  5) und im vorinstanzlichen Verfahren bemängelte der Verteidiger, dass keine Konfrontationseinvernahmen stattgefunden hätten (act. 49 S. 6 f.,
  act. 60 S. 12 oben).

  
	
   

  
	
  3.3.2. Der Beschuldigte
  wurde anlässlich der ersten Einvernahme am 19. Mai 2013 vom befragenden
  Polizeifunktionär mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er die Einvernahme
  jederzeit abbrechen könne, wenn er dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht
  folgen könne (act. 2/3/1 S. 1 1 f. und Frage 3). Aus dem Einvernahmeprotokoll
  ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte von sich aus den Abbruch der
  Einvernahme gewünscht hätte. Damit kann dem Beschuldigten nicht gefolgt
  werden, wenn er im Nachhinein nun geltend macht, seine erste Aussage sei
  nicht verwertbar.

  
	
   

  
	
  3.3.3. Anlässlich der
  zweiten Einvernahme vom 21. Mai 2013 wurde dem Beschuldigten (in
  Gegenwart seines Verteidigers [act. 2/3/2 S. 1]) der Inhalt der bis dato
  vorhandenen wesentlichen Aussagen der am Tatort Anwesenden (B.______,
  C.______, M.______, L.______, O.______ und P.______) vorgehalten
  (act. 2/3/2 Fragen 42 f.; vgl. auch Erw. III.8.4.9 nachstehend). Dem
  Verteidiger wurden am 7. August 2015 die Strafuntersuchungsakten
  zur Einsicht zugestellt (act. 2/22/3). In der staatsanwaltschaftlichen
  Einvernahme vom 7. Oktober 2015 verzichtete der Beschuldigte
  explizit auf Beweisergänzungen und Akteneinsicht (act. 23/15 S. 5).

  
	
  Die Privatkläger, M.______ und
  L.______ wurden im Herbst 2015 von der Staatsanwaltschaft in Gegenwart des
  Verteidigers einvernommen (A.______ am 28. September 2015
  [act. 2/23/10/2], B.______ am 7. Oktober 2015
  [act. 2/23/16], C.______ am 28. September 2015
  [act. 2/23/10/1], M.______ am 27. August 2015
  [act. 2/23/3] und L.______ am 7. Oktober 2015
  [act. 2/23/17]), wobei der Verteidiger Ergänzungsfragen stellen konnte.
  Dem Beschuldigten wurden in der Schlusseinvernahme vor der Staatsanwaltschaft
  vom 30. Juni 2017 (nochmals) die Aussagen von O.______ und M.______
  vorgehalten (act. 2/23/20 Fragen 5 ff.). Im Verlauf der Strafuntersuchung und
  vor Gericht wurde der Beschuldigte etliche Male gefragt, wieso er zum Auto
  gegangen sei, den Baseballschläger geholt und diesen gegen die Gruppe
  A.______ eingesetzt habe, obwohl er gemäss den Aussagen der Anwesenden zu
  diesem Zeitpunkt von der Gruppe A.______ nicht mehr bedroht worden sei. Der
  Beschuldigte gab diesbezüglich ab seiner zweiten Einvernahme vom 21. Mai 2013
  entweder an, er könne sich nicht mehr an diesen Vorfall erinnern (act. 2/3/2
  Fragen 16, 28-34, 40, 42 f., 49, act. 2/23/20 Fragen 8, 9, 15, act. 51 S. 4
  und 6, act. 90 S. 4 ff., 9) oder er antwortete ausweichend
  (act. 2/23/15 Frage 7, 10 f., act. 2/23/19 Frage 4,
  act. 2/23/20 Frage 10) resp. gar nicht (act. 2/23/20 Fragen 5-9). 

  
	
  Der Verteidiger beantragte mit
  Eingabe vom 12. Oktober 2015 bei der Staatsanwaltschaft (als
  einzigen Beweisantrag) die Erstellung eines medizinischen Gutachtens
  (act. 2/22/8). Rund zwei Jahre später nahm der Verteidiger erneut
  Akteneinsicht (act. 2/22/13) und beantragte am 29. Juli 2017
  u.a. eine Konfrontationseinvernahme zwischen dem Beschuldigten einerseits und
  A.______ und B.______ anderseits sowie die erneute Befragung von O.______ in
  Anwesenheit des Beschuldigten (act. 2/22/16). Die Staatsanwaltschaft
  wies diese Anträge unter Hinweis auf die bereits in Gegenwart der
  Verteidigung durchgeführten staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen von
  A.______ und B.______ ab und informierte die Verteidigung überdies darüber,
  dass O.______ zwischenzeitlich verstorben sei (act. 2/22/17).

  
	
   

  
	
  3.3.4. Wie soeben
  dargelegt, konnte sich der Beschuldigte mehrmals zu den belastenden Aussagen
  der Privatkläger, von M.______, L.______, O.______ und P.______ äussern. Die
  strafprozessualen Belehrungsvorschriften wurden jeweils eingehalten (vgl.
  insbesondere act. 2/3/1 S. 1, act. 2/3/2 S. 1,
  act. 2/23/15 S. 1, act. 2/23/19 S. 1 f., act. 2/23/20
  S. 1). Ab der zweiten Einvernahme vermied es der Beschuldigte, konkrete
  Fragen bezüglich des ihm vorgeworfenen Einsatzes seines Baseballschlägers zu
  beantworten. Es ist daher mit der Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass
  eine Konfrontationseinvernahme mit A.______ und B.______ vier Jahre nach dem
  Vorfall vor dem Güterschuppen wohl kaum die bestehenden Widersprüche in deren
  Aussagen hätte beseitigen können (act. 2/22/17 S. 2; vgl. hiezu auch u.a.
  Erw. III.6 und III.7 nachfolgend). 

  
	
  Dass O.______ zwischenzeitlich
  verstorben ist und nicht mehr befragt werden konnte, liegt nicht in der
  Verantwortung der Strafuntersuchungsbehörde. Ihre Aussage ist dennoch
  verwertbar, da der Beschuldigte mehrmals zu ihrer Aussage hinreichend
  Stellung nehmen konnte, ihre Aussage im Gesamtkontext der vorliegenden
  Beweise sorgfältig geprüft wurde und sich der Schuldspruch betreffend
  Anklagesachverhalt A.______ nicht alleine auf ihre Aussage abstützt (vgl.
  hiezu insbesondere Erw. III.8. nachfolgend [BGE 131 I 476 Regeste, E. 2.2, E.
  2.3.4, m.H.). Überdies ist fraglich, ob der Beweisantrag des Verteidigers vom
  29. Juli 2017 (betreffend Konfrontationseinvernahme und erneute
  Befragung von O.______) rechtzeitig erfolgte (BGer 6B_1196/2018 Urteil vom
  6. März 2019 E. 2, E. 3.1, m.H.).

  
	
  Insoweit der Beschuldigte keine
  Gelegenheit hatte, belastende Aussagen seiner Kinder in Zweifel zu ziehen und
  Fragen zu stellen (BGE 131 I 476 E. 2.2), wurden diese Aussagen nicht
  verwertet (Art. 147 Abs. 4 StPO [insbesondere in Erw. III.6. f.
  nachfolgend). Bei den übrigen relevanten Beweismitteln sind keine Einschränkungen
  bezüglich deren Verwertbarkeit ersichtlich. 

  
	
   

  
	
  4. Die Darstellung gemäss
  Ziff. 1.1 der Anklage (act. 1) wird vom Beschuldigten nicht bestritten und
  muss wie folgt als erstellt gelten: J.______ begegnete am Nachmittag des
  19. Mai 2013 am Bahnhof [...] ihrem Ex-Freund A.______ und hatte
  den Eindruck, dass dieser sie bös angeschaut habe. J.______ rief ihre Mutter,
  N.______, an, schilderte ihr, dass sie A.______ am Bahnhof gesehen und nun
  Angst habe. N.______ riet ihrer Tochter, sie solle ihren Bruder, K.______, anrufen,
  damit dieser sie mit seinem Auto in [...] abholen komme. J.______ rief
  daraufhin K.______ an und bat ihn, sie in [...] beim Spital abzuholen (act.
  2/11/2 Fragen 41 f., 53, act. 2/12/1 Fragen 42, 44). K.______ informierte den
  Beschuldigten telefonisch, dass J.______ von A.______ belästigt worden sei
  (diese Information stellte sich als falsch heraus) und er sie nun in [...]
  abholen werde. K.______ holte in Begleitung seines Kollegen, L.______,
  J.______ beim Kantonsspital [...] ab und danach fuhren sie zum Bahnhof, um
  dort A.______ zu suchen. Dieser hatte sich zwischenzeitlich mit B.______,
  C.______ und M.______ zum Güterschuppen begeben (act. 2/9/1 Fragen 43 ff.,
  act. 2/10/1 Fragen 4, 7, 10-16, 18, 21-23). K.______ fuhr dem Güterschuppen
  (diese Örtlichkeit befindet sich in der Nähe des Bahnhofs [...]) entlang, wo
  er A.______ und dessen Kollegen (B.______, C.______ und M.______) entdeckte,
  und informierte daraufhin den Beschuldigten telefonisch über ihren
  Aufenthaltsort (act. 2/3/2 Fragen 1, 3, 6, 10, 12, 14, act. 2/23/15
  Fragen 4 ff., act. 2/9/1 Fragen 47-52, act. 2/10/1 Fragen 24 f.). Um ca.
  16.15 Uhr fuhr der Beschuldigte am Güterschuppen entlang, hielt sein Auto
  wenige Meter von A.______ entfernt mitten auf der Strasse brüsk an, stieg aus
  und ging fokussiert auf A.______ zu (act. 2/9/1 Fragen 26, 52, act. 2/3/1
  Frage 9, act. 2/3/2 Frage 17, act. 2/23/15 Frage 6, act. 2/10/1
  Frage 28, act. 2/5/1 Fragen 2, 4, act. 2/5/2 Fragen 2, 5 f., act. 2/7/1
  Fragen 1, 5, act. 2/23/3 Frage 1, act. 2/6/1 Fragen 1, 13, act. 2/6/2
  Fragen 2 f., 6, act. 2/23/10/1 Fragen 1, 8, act. 2/4/1 Fragen 1, 3, act.
  2/4/2 Fragen 2, 3, act. 2/23/10/2 Frage 1). 

  
	
   

  
	
  Über die darauffolgende tätliche
  Auseinandersetzung gehen die Aussagen der Anwesenden stark auseinander.
  Dieser Sachverhaltsabschnitt ist nachfolgend zu erstellen.

  
	
   

  
	
  5. 

  
	
  5.1. Gemäss den
  Darstellungen von M.______ und C.______ war M.______ in die
  Auseinandersetzung vor dem Güterschuppen nicht involviert. Er hielt während
  der Auseinandersetzung seinen Hund an der Leine (act. 2/7/1 Frage 14, act.
  2/23/3 S. 4 Ergänzungsfrage 3, act. 2/6/1 Frage 5). Niemand sagte aus,
  dass sich M.______ (verbal oder tätlich) in die Auseinandersetzung
  eingemischt habe.

  
	
   

  
	
  5.2. Nachdem der
  Beschuldigte sein Auto mitten auf der Strasse abgestellt hatte und auf
  A.______ zugegangen war, bewegten sich K.______ und L.______ zu Fuss auf die
  Gruppe A.______ zu (act. 2/9/1 Fragen 26, 50, act. 2/10/1 Frage 28,
  act. 2/23/17 Fragen 1 f., act. 2/11/2 Fragen 41 f.). L.______
  beobachtete die Auseinandersetzung aus der Distanz. K.______ ging zum Auto
  des Beschuldigten hin und als die Auseinandersetzung in vollem Gange war,
  nahm K.______ aus dem Auto des Beschuldigten einen Baseballschläger heraus,
  hielt diesen einen Moment lang in seinen Händen und legte ihn sogleich wieder
  auf die Rückbank hinter dem Fahrersitz (act. 2/9/1 Frage 33, act. 2/10/1
  Fragen 31 f., act. 2/23/17 Ergänzungsfrage 1). Dieses kurze Behändigen
  und Zurücklegen des Baseballschlägers wurde auch von A.______, C.______ und
  M.______ beobachtet. Die Behauptung von B.______ in der ersten polizeilichen
  Einvernahme vom 19. Mai 2013, wonach K.______ und L.______ auch
  Schläge ausgeteilt hätten und einer der beiden mit dem Baseballschläger
  M.______ bedroht habe (act. 2/5/1 Fragen 4, 37), wurde weder von M.______
  noch von A.______ noch von C.______ bestätigt und auch B.______ gab später
  bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll, dass sich die beiden Jungs (K.______
  und L.______) nicht eingemischt hätten (act. 2/23/16 Frage 1, act. 2/4/1
  Fragen 1 f., 7, 15, act. 2/6/1 Frage 1, act. 2/7/1 Frage 1).

  
	
   

  
	
  5.3. J.______ harrte im
  Auto von K.______ aus und beobachtete die Auseinandersetzung aus der Distanz
  (act. 2/11/2 Fragen 43, 55). 

  
	
   

  
	
  5.4. Nach diesen
  Ausführungen ist als Zwischenfazit festzuhalten, dass die an der Auseinandersetzung
  involvierten Personen, wie in der Anklageschrift beschrieben, der
  Beschuldigte, B.______, C.______ und A.______ waren.

  
	
   

  
	
  6. 

  
	
  6.1. 

  
	
  6.1.1. Gemäss
  Anklageschrift wurde B.______ von einem Faustschlag des Beschuldigten
  getroffen, worauf B.______ zu Boden gegangen sei. Weiter soll der
  Beschuldigte B.______ mit dem Baseballschläger geschlagen haben. B.______
  habe mehrere Prellungen an diversen Körperstellen erlitten und eine Ecke des
  Zahns unten rechts verloren (act. 1 Ziff. 1.2).

  
	
   

  
	
  6.1.2. Die Vorinstanz
  konnte den Sachverhalt nicht erstellen, wonach der Beschuldigte B.______ mit
  dem Baseballschläger geschlagen haben soll, sprach den Beschuldigten aber
  gestützt auf die (ihrer Ansicht nach glaubhaften) Aussagen der Privatkläger
  betreffend die übrigen geltend gemachten Verletzungen von B.______ wegen
  einfacher Körperverletzung (i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB) schuldig (act. 60
  Erw. III.12.).

  
	
   

  
	
  6.1.3. Die Verteidigung
  macht geltend, der Beschuldigte sei zuerst von B.______ angegriffen worden.
  Dieser habe den Beschuldigten provoziert, am Kragen gepackt und geschlagen.
  Der Beschuldigte habe sich dagegen gewehrt. Die Vorinstanz habe sich mit
  diesen Vorbringen nicht in der nötigen Tiefe auseinandergesetzt. Die
  mutmasslichen Verletzungen von B.______ seien nicht belegt und B.______ habe
  in einer Chatnachricht gegenüber L.______ damit geprahlt, dass er nicht einen
  Kratzer abbekommen habe (act. 95 Rz 7 ff., Rz 14 ff.).

  
	
   

  
	
  6.2. 

  
	
  6.2.1. B.______ gab am 19.
  Mai 2013 bei der Polizei an, er habe, nachdem A.______ ihm gesagt habe, dass
  dies der Vater von J.______ sei, sofort realisiert, dass es Probleme geben
  würde, weshalb er sich zwischen A.______ und den Beschuldigten gestellt habe.
  Er habe dem Beschuldigten gesagt, er solle von A.______ wegbleiben und ihn gefragt,
  was er überhaupt wolle. Der Beschuldigte habe versucht, ihn wegzustossen und
  er habe ihn zurückgestossen. Nachdem der Beschuldigte immer wieder gesagt
  habe "uf Zitä, ich bring üch alli um, ihr chänd alli dra", habe er
  ihn ausgelacht und gesagt "chum nur". Als der Beschuldigte mit dem
  "zur Seite stossen" nicht aufgehört habe, habe er den Beschuldigten
  am Kragen gepackt, worauf der Beschuldigte ihn mit der Faust ins Gesicht
  geschlagen und er sich mit Faustschlägen dagegen gewehrt habe. Plötzlich habe
  er den Boden unter den Füssen verloren und auf dem Boden kniend habe er vom
  Beschuldigten mehrere Faustschläge auf den Hinterkopf erhalten. Er sei
  aufgestanden und habe dem Beschuldigten mehrere Faustschläge verpasst, aber
  nicht mehr richtig getroffen. Anschliessend habe der Beschuldigte seinen Kopf
  mehrmals mit voller Wucht gegen die Rampe gedrückt, aber er habe seine Arme
  schützend auf der Rampe ausbreiten können. Dann habe der Beschuldigte von ihm
  abgelassen und den Baseballschläger geholt (act. 2/5/1 Fragen 2-5). B.______
  sagte weiter, er habe sich durch das Herunterschleudern seines Kopfes auf die
  Rampe die Ecke eines Zahns herausgebrochen. Vermutlich habe er mit dem
  Baseballschläger Schläge auf seinen Hinterkopf erhalten und der Beschuldigte
  habe ihn auch ins Gesicht geschlagen. Er habe Schmerzen am rechten Ellbogen,
  Schürfungen an Armen und Beinen sowie einen Abdruck an der Stirn herrührend
  von einem Gegenstand (act. 2/5/1 Frage 26). In der polizeilichen Einvernahme
  vom 19. Januar 2014 bestätigte B.______ seine Aussagen vom
  19. Mai 2013 (act. 2/5/2 Fragen 1 ff.).

  
	
  In der Einvernahme vor der
  Staatsanwaltschaft vom 7. Oktober 2015 wiederholte B.______ seine
  bereits getätigten Aussagen und sagte zusammengefasst aus, er habe zwischen
  dem Beschuldigten und A.______ auf Distanz machen wollen und plötzlich vom
  Beschuldigten eine Faust bekommen. Danach sei der Beschuldigte auf A.______
  zugegangen und er (B.______) habe versucht, den Beschuldigten wegzuziehen.
  Dann sei das Gerangel richtig losgegangen und er (B.______) habe auch von
  A.______ einen Faustschlag erhalten. Der Beschuldigte habe versucht, seinen
  Kopf auf die Rampe zu schlagen (act. 2/23/16 Frage 1). Er (B.______) sei vom
  Baseballschlager nicht getroffen worden (act. 2/23/16 S. 5 Ergänzungsfrage
  1). Von der Auseinandersetzung habe er ein paar Schrammen davongetragen und
  an der Stirn geblutet. Er habe keine nachhaltigen Schäden erlitten
  (act. 2/23/16 Frage 9).

  
	
   

  
	
  6.2.2. A.______s erste
  Aussage vom 2. Juni 2013 ist bezüglich B.______ detailarm. A.______
  sagte, der Beschuldigte habe B.______ einen Faustschlag verpasst
  (act. 2/4/1 Frage 1). Erst anlässlich seiner zweiten polizeilichen
  Einvernahme vom 8. Januar 2014 berichtete A.______, dass der
  Beschuldigte den Kopf von B.______ auf die Rampe habe drücken wollen, aber
  B.______ habe dies mit seinen Armen verhindern können. Weil er B.______ habe
  helfen wollen, habe er auf den Beschuldigten eingeschlagen und dabei B.______
  getroffen (act. 2/4/2 Fragen 5 f.). 

  
	
  In der Einvernahme mit der
  Staatsanwaltschaft bestätigte A.______ seine Aussage vom
  8. Januar 2014 und präzisierte, dass der Beschuldigte die Arme von
  B.______ hinter dessen Rücken gehalten habe und B.______ auf die Rampe habe
  drücken wollen (act. 2/23/10/2 S. 3, 6).

  
	
   

  
	
  6.2.3. C.______ gab am 19.
  Mai 2013 zu Protokoll, dass sich B.______ zwischen den Beschuldigten und
  A.______ gestellt habe. Man habe sich gegenseitig "angepufft".
  B.______ sei vom Beschuldigten mit der Faust traktiert worden und habe dem
  Beschuldigten auch ein oder zwei Faustschläge verpasst. Der Beschuldigte habe
  B.______s Kopf auf den Boden geschlagen. Dann sei der Beschuldigte zum Auto
  gegangen, habe die Türe hinter dem Fahrersitz geöffnet, einen
  Baseballschläger rausgenommen und damit B.______ ca. vier Mal auf den
  Oberkörper resp. auf die Rippen geschlagen. A.______ habe nie jemanden
  geschlagen (act. 2/6/1 Fragen 1, 5). 

  
	
  In der Einvernahme vom
  28. September 2015 mit dem Staatsanwalt änderte C.______ seine
  Aussage vom 19. Mai 2013 dahingehend, dass B.______ dem
  Baseballschläger ausgewichen sei (act. 2/23/10/1 Ergänzungsfrage 5). 

  
	
   

  
	
  6.2.4. M.______ sagte am
  19. Mai 2013 bei der Polizei aus, dass der Beschuldigte zuerst
  A.______ verbal angegangen habe. B.______ sei mit den Händen dazwischen
  gegangen. Der Beschuldigte habe B.______ gesagt, dass er ihn nicht anzufassen
  habe. Der Beschuldigte habe direkt angefangen, mit den Fäusten auf A.______
  und B.______ einzuschlagen. Danach sei der Beschuldigte zu seinem Auto
  gegangen und mit dem Baseballschläger zurückgekommen. B.______ sei vom
  Baseballschläger am Kopf getroffen worden (act. 2/7/1 Frage 1). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft
  präzisierte M.______, dass der Beschuldigte, nach einem Wortgefecht mit
  A.______, zuerst auf A.______ und danach auf B.______, welcher dazwischen
  gegangen sei, eingeschlagen habe. B.______ und A.______ hätten sich gewehrt
  und auf den Beschuldigten eingeschlagen, wobei A.______ aus Versehen sogar
  B.______ getroffen habe. B.______ habe auch etwas vom Baseballschläger
  abbekommen. Er könne sich nicht daran erinnern, dass der Beschuldigte
  versucht habe, den Kopf von B.______ auf die Rampe zu schlagen (act. 2/23/3
  Frage 1, Ergänzungsfragen 4-6).

  
	
   

  
	
  6.2.5. L.______ gab am
  20. Mai 2013 bei der Polizei zu Protokoll, dass der Beschuldigte zuerst
  A.______ angeschrien habe und dann wieder ins Auto habe steigen wollen, als
  irgendjemand noch etwas gesagt habe. Der Beschuldigte habe sich umgedreht und
  wieder zu A.______ gewollt, aber ein Blonder (B.______ [act. 2/5/2 Frage
  13]) habe sich dazwischen gestellt und den Beschuldigten mit den Händen an der
  Brust weggedrückt. Der Beschuldigte habe dem Blonden gesagt, er solle die
  Hände wegnehmen und der Blonde habe recht frech erwidert, dann solle er doch
  nicht zu ihnen kommen. Daraufhin habe der Beschuldigte dem Blonden die Faust
  ins Gesicht gegeben und dann habe die Schlägerei zwischen dem Beschuldigten
  und dem Blonden begonnen. Der Beschuldigte habe auch ein paar Fäuste
  kassiert. Der Beschuldigte habe den Blonden in eine Art Griff von hinten
  umschlungen und als er den Blonden festgehalten habe, sei A.______
  dazugekommen und habe den Beschuldigten mit der rechten Faust schlagen
  wollen, dabei aber den Blonden heftig getroffen. Der Beschuldigte habe den
  Blonden auf die Seite fallen lassen. In der darauffolgenden
  Auseinandersetzung mit dem Baseballschläger sei nur A.______ getroffen
  worden. Er (L.______) habe das alles aber nicht so genau gesehen, da er etwas
  weiter weg gestanden sei (act. 2/10/1 Fragen 28, 48). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft sagte
  L.______, dass es zuerst zwischen B.______ und dem Beschuldigten eine
  Schlägerei gegeben habe. B.______ habe dem Beschuldigten einen Faustschlag
  ins Gesicht gesetzt. Wer zuerst geschlagen habe, könne er nicht sagen. Danach
  seien A.______ und eine dritte Person dazugekommen und A.______ habe
  versehentlich B.______ mit der Faust getroffen. Zuerst habe der Beschuldigte
  mehr kassiert als die anderen (act. 2/23/17 Fragen 2-5).

  
	
   

  
	
  6.2.6. K.______ gab
  gegenüber der Polizei zu Protokoll, dass der Beschuldigte und A.______
  irgendetwas miteinander gesprochen hätten. Er sei aber noch zu weit weg
  gewesen und habe nicht gehört, was sie gesprochen hätten. Er und L.______
  seien zu Fuss zum Beschuldigten hingegangen und während dem sei schon eine
  wilde Schlägerei ausgebrochen. Der Beschuldigte habe sich nach der ersten
  Unterredung mit A.______ abgedreht und ins Auto steigen wollen, als der
  Blonde noch etwas gesagt habe, was es zum Eskalieren gebracht habe. Sie seien
  zu dritt auf seinen Vater losgegangen (act. 2/9/1 Fragen 26, 38, act. 2/9/2
  Frage 12).

  
	
   

  
	
  6.2.7. J.______, welche
  die Geschehnisse vom etwas weiter entfernt parkierten Auto ihres Bruders aus
  beobachtet hatte, sagte bei der Polizei aus, dass sich der Beschuldigte zu
  der Gruppe A.______ begeben, etwas zu A.______ gesagt habe und danach zu
  seinem Auto habe gehen wollen. Einer habe einen "Spruch laufen
  lassen" und der Beschuldigte habe sich wieder den Typen zugewandt. In
  dem Moment seien diese auf ihn losgegangen (act. 2/11/2 Fragen 42 f.). 

  
	
   

  
	
  6.2.8. Weder O.______ noch
  P.______ konnten hinsichtlich der tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem
  Beschuldigten und B.______ (dem Blonden) konkrete Aussagen machen
  (act. 2/8/1 Frage 1, act. 2/2/1 S. 20). 

  
	
   

  
	
  6.2.9. Der Beschuldigte
  sagte in seiner ersten polizeilichen Einvernahme vom 19. Mai 2013
  detailliert aus, er habe sich mit A.______ unterhalten wollen und sei sofort
  angepöbelt worden. Er habe zu den anderen gesagt, dass sie die Sache nichts
  angehen würde. Dann habe er diese ignoriert. Anschliessend habe einer den
  Hund geholt (M.______) und derjenige mit dem schwarzen T-Shirt, ca. 186 cm
  gross und kurze Haare (B.______ [act. 2/15/8]), sei sehr laut und aggressiv
  gewesen und habe ihn mehrfach am T-Shirt gezerrt. Er habe diese Personen
  nicht angeschaut und sich weiter mit A.______ unterhalten, als er auf der
  linken Seite eine Person wahrgenommen habe, welche ihn plötzlich aus dem
  toten Winkel heraus mit der Faust oder einer Bierflasche geschlagen habe.
  Nach diesem ersten Schlag habe er schützend die Hand vor sein Gesicht
  genommen, um den zweiten Schlag abzuwehren. Dabei sei sein kleiner Finger
  verletzt worden. Danach wisse er nur noch, dass A.______ auf ihn zugekommen
  sei und ihn mit den Fäusten habe traktieren wollen. Da habe er denjenigen mit
  dem schwarzen T-Shirt vor sich gezogen und dieser sei durch die Schläge von
  A.______ getroffen worden. Er habe die Wasserwaage geholt, um sich vor den
  Schlägen zu schützen. Er könne nicht sagen, wen er mit der Wasserwaage
  geschlagen habe (act. 2/3/1 Fragen 9, 16, 22). In der zweiten polizeilichen
  Einvernahme vom 21. Mai 2013 gab der Beschuldigte erstmals explizit an, er
  wisse aufgrund des harten Schlages, den er erhalten habe, nichts mehr. Er
  habe einfach zurück zum Auto gewollt und dort sei er irgendwie an die
  Wasserwaage oder an den Baseballschläger gekommen. Was danach gewesen sei,
  wisse er nicht mehr (act. 2/3/2 Frage 16). 

  
	
  Anlässlich der Einvernahmen mit
  der Staatsanwaltschaft bestätigte der Beschuldigte seine bereits getätigten
  Aussagen, beantwortete aber konkrete Fragen zum Einsatz des Baseballschlägers
  ausweichend oder gar nicht (act. 2/23/15 Fragen 6 f., 10 f.).

  
	
  Im vorinstanzlichen Verfahren und
  anlässlich der Berufungsverhandlung repetierte der Beschuldigte seine
  Aussagen zur ersten tätlichen Auseinandersetzung und blieb insbesondere
  dabei, dass er sich nicht mehr an den Vorfall mit dem Baseballschläger
  erinnern könne (act. 51 Frage 11, act. 90 S. 5).

  
	
   

  
	
  6.3. 

  
	
  6.3.1. Hinsichtlich der
  ersten Aussage von B.______ vom 19. Mai 2013 ist zunächst bemerkenswert, dass
  B.______ verschwieg, dass sich A.______ tätlich in die Auseinandersetzung
  eingemischt haben soll und er (B.______) versehentlich von A.______
  geschlagen worden sei. B.______ gab auch nicht an, dass es dem Beschuldigten
  tatsächlich gelungen war, seinen Kopf auf die Rampe zu schlagen, denn
  B.______ präzisierte gerade selber, dass er seine Arme habe schützend auf der
  Rampe ausbreiten können. Diese Aussage ist insoweit widersprüchlich, als
  B.______ in derselben Einvernahme auch zu Protokoll gab, er habe durch das
  Herunterschleudern seines Kopfes auf die Rampe eine Ecke des Zahns verloren. Somit
  ist schon aufgrund der ersten Aussage von B.______ unklar, ob das angebliche
  Herunterschleudern seines Kopfes auf die Rampe einem tatsächlich Erlebten
  entspricht. Weiter ist bemerkenswert, dass B.______ (lediglich) glaubte, vom
  Baseballschläger getroffen worden zu sein. Erst in der Einvernahme mit der
  Staatsanwaltschaft gab B.______ an, er sei nicht vom Baseballschläger
  getroffen worden, er habe im Gerangel wohl auch von A.______ einen
  Faustschlag erhalten und der Beschuldigte habe (lediglich) versucht,
  seinen Kopf auf die Rampe zu schlagen. B.______s Beteuerung, wonach er den
  Beschuldigten sicher nicht verbal provoziert habe (act. 2/23/16
  Ergänzungsfrage 5), überzeugt nicht. Diese Aussage steht nicht nur im
  Widerspruch zu den Aussagen von K.______ (act. 2/9/1 Frage 38) und von
  L.______ (act. 2/10/1 Frage 28), welche beide berichteten, dass der
  "Blonde" (B.______ [act. 2/5/2 Frage 13, act. 2/4/2 Frage
  13]) noch irgendetwas zum Beschuldigten gesagt habe, als dieser habe gehen
  wollen, sondern auch zur ersten Aussage von B.______, gemäss welcher er den
  Beschuldigten auslachte und ihm sagte "chum nur" (act. 2/5/1 Frage
  4). 

  
	
   

  
	
  6.3.2. Weiter ist davon
  auszugehen, dass A.______ seine zweite Aussage vom 8. Januar 2014
  betreffend den angeblichen Versuch des Beschuldigten, den Kopf von B.______
  auf die Rampe schlagen zu wollen, den Aussagen von B.______ vom
  19. Mai 2013 anpasste, indem A.______ angab, bei diesem Ereignis
  eingegriffen und dabei versehentlich B.______ einen Faustschlag verpasst zu
  haben. Und dieses letzte Ereignis (konkret der Faustschlag von A.______,
  welcher versehentlich B.______ traf) bestätigte B.______ (und übrigens auch
  M.______) erst in der letzten Einvernahme mit der Staatsanwaltschaft am
  7. Oktober 2015 (act. 2/23/16). Dieses inkonsistente Aussageverhalten
  von A.______ und B.______ legt nahe, dass sie sich in den ersten
  polizeilichen Einvernahmen nicht gegenseitig belasten wollten und lässt
  Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen aufkommen.

  
	
   

  
	
  6.3.3. Die erste Aussage
  von C.______ vom 19. Mai 2013 ist in mehrfacher Hinsicht nicht
  glaubhaft. Seine Darstellung, wonach der Beschuldigte B.______s Kopf auf den
  Boden (und nicht auf die Rampe) geschlagen haben soll, wurde von niemandem
  bestätigt. Die Ausführungen von C.______, wonach der Beschuldigte mit dem
  Baseballschläger B.______ verprügelt haben soll, widerrief er in der letzten
  Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft vom 28. September 2015
  gerade selber, indem er nämlich zu Protokoll gab, B.______ sei ausgewichen
  und vom Baseballschläger nicht getroffen worden. Die Aussage von C.______ in
  der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, wonach A.______ niemanden
  geschlagen habe, ist vor dem Hintergrund, dass A.______ selber zu Protokoll
  gab, versehentlich B.______ mit der Faust geschlagen zu haben, nicht
  glaubhaft.

  
	
   

  
	
  6.3.4. Die Aussage von
  M.______, wonach der Beschuldigte zuerst auf A.______ eingeschlagen haben
  soll, stimmt mit den Darstellungen der übrigen Anwesenden nicht überein. So
  sagten B.______, A.______, C.______ und L.______ übereinstimmend aus, dass
  die erste tätliche Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und B.______
  (dem Blonden) ausgetragen worden sei. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde
  gemäss den Darstellungen von A.______, B.______ und L.______ auch A.______
  handgreiflich und schlug versehentlich B.______. Dieses letzte Ereignis
  schilderte M.______ erstaunlicherweise (wie auch B.______) erst in der
  letzten Einvernahme mit der Staatsanwaltschaft. Jedoch will M.______
  beobachtet haben, dass der Beschuldigte mit seinem Baseballschläger auch
  B.______ getroffen haben soll, was jedoch gemäss den Aussagen von B.______
  und C.______ vor der Staatsanwaltschaft nicht der Fall war. Insgesamt
  betrachtet decken sich die Aussagen von M.______ betreffend Sachverhalt
  B.______ nicht mit den Aussagen der übrigen Anwesenden, was seine Aussagen
  wenig glaubhaft erscheinen lässt. 

  
	
   

  
	
  6.3.5. L.______s erste
  Aussage ist detailliert, jedoch konnte er aufgrund seiner Distanz zum
  Geschehen den Tathergang nicht akkurat beschreiben, was er auch selber einräumte.
  Vor der Staatsanwaltschaft wiederholte er im Wesentlichen seine erste
  Aussage, wobei er angab, sich nicht mehr genau erinnern zu können, wer zuerst
  wen geschlagen habe. Gemäss den überzeugenden Angaben von L.______, stellte
  sich B.______ zwischen A.______ und den Beschuldigten und mischte sich
  B.______ sogleich verbal in den Disput ein. B.______ war an der ersten
  tätlichen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten aktiv beteiligt. Weiter
  konnte L.______ beobachten, dass A.______ (erst) zu einem späteren Zeitpunkt
  handgreiflich wurde und B.______ versehentlich einen heftigen Faustschlag
  verpasste. Dass A.______ versehentlich B.______ mit der Faust traf, wurde
  auch von A.______, B.______ und M.______ (erst) im Verlauf der
  Strafuntersuchung bestätigt, hingegen gaben L.______ und der Beschuldigte
  dieses Ereignis bereits in den ersten Einvernahmen zu Protokoll. Die Aussage
  von L.______, wonach der Beschuldigte B.______ einen (ersten) Faustschlag
  verpasst haben soll, relativierte L.______ in dreifacher Hinsicht: L.______
  gab an, dass er die erste Sequenz der tätlichen Auseinandersetzung aus der
  Distanz nicht so genau gesehen habe. L.______ räumte später ein, dass er
  nicht wisse, wer zuerst geschlagen habe und gemäss L.______
  "kassierte" der Beschuldigte zuerst mehr. Insgesamt betrachtet,
  sind in den Aussagen von L.______ betreffend B.______ keine inhaltlichen
  Widersprüche erkennbar, was seine Aussagen als glaubhaft erscheinen lässt.

  
	
   

  
	
  6.3.6. Die Aussagen der
  Kinder des Beschuldigten (J.______ und K.______) sind wenig detailliert,
  decken sich aber in den Grundzügen mit den Aussagen von L.______, A.______
  und B.______ (der Beschuldigte wollte zuerst mit A.______ sprechen, B.______
  stellte sich dazwischen und mischte sich verbal ein, danach kam es zum
  Gerangel) überein.

  
	
   

  
	
  6.3.7. Die Aussagen des
  Beschuldigten zum Sachverhalt B.______ sind bezüglich der ersten
  wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung mit B.______ überzeugend und
  stimmen im Wesentlichen mit den Aussagen der Privatkläger, von L.______ und
  den Kindern des Beschuldigten dahingehend überein (u.a. act. 2/4/2 Frage 13,
  act. 2/5/2 Frage 13, act. 2/6/2 Frage 13), dass es zuerst zwischen dem
  Beschuldigten und B.______ (dem "Blonden") ein Handgemenge gegeben
  habe. Dass der Beschuldigte (wie auch in der Anklageschrift ausgeführt
  [act. 1 Ziff. 1.2]) anlässlich der ersten tätlichen
  Auseinandersetzung geschlagen wurde, muss aufgrund der zwischenzeitlich
  erhältlich gemachten Fotos als erstellt gelten (act. 111,
  act. 112). Weiter ist auch in Übereinstimmung mit den Darstellungen von
  B.______, A.______, M.______ und L.______ die Aussage des Beschuldigten
  glaubhaft, wonach er, um sich vor den Schlägen von A.______ zu schützen,
  B.______ vor sich hinzogen habe und Letzterer versehentlich durch einen
  Faustschlag von A.______ getroffen worden sei. Bezüglich der mutmasslichen
  Verletzungen, die der Beschuldigte B.______ mit dem Baseballschläger zugefügt
  haben soll, machte der Beschuldigte keine Aussagen.

  
	
   

  
	
  6.4. Hinsichtlich des
  Anklagevorwurfs betreffend B.______ ist aufgrund der dargelegten (teils
  widersprüchlichen und unglaubhaften) Aussagen der Privatkläger und von
  M.______ von folgendem Sachverhalt auszugehen:

  
	
  Als der Beschuldigte sein Auto
  nur wenige Meter von A.______ und dessen Kollegen entfernt abstellte, stieg
  er aus und ging direkt auf A.______ zu. Der Beschuldigte fragte A.______, was
  zwischen ihm und J.______ vorgefallen sei. Zwischen A.______ und dem
  Beschuldigten gab es ein erstes Wortgefecht, danach drehte sich der
  Beschuldigte um und machte Anstalten, wieder zu seinem Auto zurückzukehren.
  In diesem Moment rief B.______ dem Beschuldigte etwas zu, worauf sich der
  Beschuldigte wieder der Gruppe zuwandte und erneut auf A.______ zusteuerte.
  B.______, der über das angespannten Verhältnis zwischen A.______ und dem
  Beschuldigten Bescheid wusste, stellte sich dazwischen und es kam zu einem
  ersten Handgemenge zwischen B.______ und dem Beschuldigten. Der Beschuldigte
  versuchte immer wieder zu A.______ vorzudringen und B.______ zur Seite zu
  stossen. B.______ machte mit seinen Händen auf Distanz und als der
  Beschuldigte nicht aufhörte, ihn zur Seite zu stossen, packte B.______ den
  Beschuldigten am Kragen. Ob der Beschuldigte, um sich von den
  Handgreiflichkeiten von B.______ zu befreien, B.______ lediglich wegstiess oder
  ihn, wie in der Anklageschrift ausgeführt, mit der Faust zu Boden schlug,
  lässt sich nicht erstellen. Sodann lässt sich aufgrund der inkonsistenten und
  teils widersprüchlichen Aussagen von B.______ selber auch nicht erstellen,
  dass der Beschuldigte B.______s Kopf (mehrfach) auf die Rampe schlug und
  dabei eine Ecke eines Zahns herausbrach. Im Verlaufe der Auseinandersetzung
  mischte sich auch A.______ ein und der Beschuldigte zog B.______ vor sich
  hin, sodass A.______ versehentlich B.______ einen heftigen Faustschlag
  verpasste. Gemäss den Aussagen von B.______ und C.______ muss als erstellt
  gelten, dass B.______ vom Baseballschläger nicht getroffen wurde. 

  
	
  Die von B.______ angegebenen
  Verletzungen sind nicht belegt. B.______ reichte auch nach Aufforderung der
  Staatsanwaltschaft kein Arztzeugnis ein (act. 2/19/10). Überdies gab
  B.______ gegenüber L.______ an, er habe von der Auseinandersetzung nichts
  abbekommen (act. 2/17/2 S. 3). Doch selbst wenn B.______ bei der
  Auseinandersetzung verletzt worden wäre, kann nicht erstellt werden, dass ihm
  diese Verletzung vom Beschuldigten zugefügt wurde. Beim vorliegenden äusserst
  diffusen Sachverhalt betreffend die erste Auseinandersetzung zwischen dem
  Beschuldigten und B.______ ist wahrscheinlich, dass die mutmassliche Verletzung
  in B.______s Gesicht durch den heftigen und mit voller Wucht ausgeführten
  Faustschlag von A.______ verursacht wurde. 

  
	
   

  
	
  Zusammenfassend kann der
  Sachverhalt hinsichtlich des dem Beschuldigten vorgeworfenen
  Körperverletzungsdelikts zum Nachteil von B.______ nicht erstellt werden und
  ist der Beschuldigte im Ergebnis von diesem Vorwurf freizusprechen. 

  
	
   

  
	
  7. 

  
	
  7.1.

  
	
  7.1.1. Gemäss Anklage
  stellte sich auch C.______ dem Beschuldigten in den Weg und wurde vom
  Beschuldigten mit der Faust ins Gesicht geschlagen (act. 1 Ziff.1.2).

  
	
   

  
	
  7.1.2. Die Vorinstanz
  sprach den Beschuldigten betreffend Sachverhalt C.______ wegen einfacher
  versuchter Körperverletzung (i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m.
  Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig (act. 60 Erw. III.13).

  
	
   

  
	
  7.1.3. Die Verteidigung
  macht auch in Bezug auf C.______ geltend, der Beschuldigte sei sofort von der
  Gruppe A.______ angepöbelt worden und habe sich dagegen gewehrt, was die
  Vorinstanz verkannt habe. Weiter seien die angeblichen Verletzungen von
  C.______ nicht belegt (act. 95 Rz 7 ff., 14 ff.).

  
	
   

  
	
  7.2. 

  
	
  7.2.1. C.______ gab am 19.
  Mai 2013 bei der Polizei zu Protokoll, dass er und B.______ sich zwischen den
  Beschuldigten und A.______ gestellt hätten. Man habe sich gegenseitig
  "angepufft". Im darauffolgenden Gerangel mit B.______ sei er
  (C.______) dazwischen gegangen. Der Beschuldigte sei bewusst auf ihn
  losgegangen und habe ihn mit der rechten Faust am Kinn getroffen. Bei seinem
  Versuch zu schlichten, habe er eines kassiert (act. 2/6/1 Fragen 1, 5, 10,
  12). In der Einvernahme vom 9. Januar 2014 wiederholte C.______ diese
  Aussagen, präzisierte jedoch, dass er selber nicht auf den Beschuldigten
  eingeschlagen habe, da er an seinem Handgelenk eine Verletzung gehabt habe.
  Er habe versucht, den Beschuldigten fern zu halten (act. 2/6/2 Fragen 4 ff.).
  Vor der Staatsanwaltschaft gab C.______ zu Protokoll, dass er damals am
  linken Handgelenk eine Schiene getragen habe (act. 2/23/10/1
  Ergänzungsfrage 2). 

  
	
   

  
	
  7.2.2. B.______ sagte am
  19. Mai 2013 bei der Polizei aus, C.______ habe ihm gesagt, er habe vom
  Beschuldigten einen Faustschlag erhalten, was er (B.______) aber nicht
  gesehen habe (act. 2/5/1 Frage 35). Am
  19. Januar 2014 sagte B.______, C.______ habe versucht, sich
  einzumischen (act. 2/5/2 Frage 12). 

  
	
   

  
	
  7.2.3. A.______ sagte am
  2. Juni 2013 bei der Polizei aus, C.______ (und B.______) hätten
  sich zwischen ihn und den Beschuldigten gestellt. Der Beschuldigte habe
  zuerst B.______, dann C.______ geschlagen und erst danach sei es zum Gerangel
  gekommen (act. 2/4/1 Frage 1). Vor der Staatsanwaltschaft gab A.______ an,
  der Beschuldigte habe C.______ einen Faustschlag gegeben (act. 2/23/10/2
  Frage 1).

  
	
   

  
	
  7.2.4. M.______ sagte am
  19. Mai 2013 bei der Polizei aus, er glaube, dass C.______ vom Beschuldigten
  auch einen Faustschlag bekommen habe (act. 2/7/1 Frage 1). Bei der
  Staatsanwaltschaft sagte M.______, dass er und C.______ zwei bis drei Meter
  entfernt vom Geschehen gestanden seien. C.______ sei auf der anderen Seite
  des Kampfgeschehens gewesen und habe sich nicht eingemischt (act. 2/23/3
  Frage 1, Ergänzungsfrage 3).

  
	
   

  
	
  7.2.5. L.______ gab zu
  Protokoll, dass es zuerst zwischen B.______ und dem Beschuldigten eine
  Schlägerei gegeben habe und danach sei A.______ und eine dritte Person
  dazugekommen (act. 2/23/17 Frage 2). K.______ berichtete, dass sie zu dritt
  auf den Beschuldigten losgegangen seien (act. 2/9/2 Frage 12).

  
	
   

  
	
  7.3. Die Aussage von
  C.______, wonach der Beschuldigte ihn ganz bewusst geschlagen haben soll, ist
  nicht glaubhaft. Der Beschuldigte war bereits kurz nach dem ersten Wortgefecht
  (mit A.______) mit B.______ beschäftigt und hat wohl C.______ ignoriert.
  Diesbezüglich ist auf die schlüssige Aussage des Beschuldigten zu verweisen,
  wonach er sofort angegangen worden sei. Jemand (hierbei handelt es sich um
  B.______) habe ihn an den Kleidern gepackt (vgl. Erw. III.6.2.9 vorstehend).
  Hingegen ist glaubhaft, dass C.______ den Beschuldigten irgendwann im
  Verlaufe des Gerangels einmal "angepufft" hat. Auch K.______ und
  L.______ (sowie übrigens auch P.______ [act. 2/2/1 S. 20]) erwähnten, dass
  (nebst B.______ und A.______) noch eine dritte Person dazugekommen sei. Die
  Aussagen von B.______ und M.______ zum Sachverhalt C.______ sind äusserst
  vage. Obwohl B.______ direkt in die Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten
  involviert war (act. 2/5/2 Frage 12), konnte er nicht beobachten, dass der
  Beschuldigte C.______ einen Faustschlag verpasst haben soll. B.______
  beschrieb C.______ Eingreifen sehr unpräzis mit "Tony hat versucht, sich
  einzumischen" (act. 2/5/2 Frage 12) und "Tony hat sich nur einmal
  eingemischt, er hat nicht viel gemacht" (act. 2/23/16 Frage 2).
  Abgesehen von einem kurzen "Anpuffen" ist davon auszugehen, dass
  sich C.______ nicht zuletzt auch wegen seiner Verletzung am Handgelenk
  zurückgehalten hat. In diesem Sinne ist auch die Aussage von M.______, wonach
  C.______ auf der anderen Seite des Geschehens gestanden sei und sich nicht
  eingemischt habe, zu interpretieren.

  
	
   

  
	
  Im Lichte der vorstehenden
  Erwägungen kann nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte C.______ einen
  Faustschlag erteilte und ist der Beschuldigte auch von diesem Anklagevorwurf
  freizusprechen.

  
	
   

  
	
  8. 

  
	
  8.1. 

  
	
  8.1.1. Nach der ersten
  tätlichen Auseinandersetzung soll sich der Beschuldigte laut Anklage
  unvermittelt von der Gruppe gelöst haben, zu seinem Auto gegangen sein, die
  hintere Fahrzeugtüre geöffnet und einen roten Baseballschläger aus Aluminium
  behändigt haben. Damit wild um sich schlagend, sei er zielgerichtet wieder
  auf die Gruppe zugegangen und habe A.______ mindestens einmal mit voller
  Wucht am Kopf getroffen. A.______ sei unverzüglich zu Boden gegangen (act. 1
  Ziff. 1.2). 

  
	
   

  
	
  8.1.2. In
  sachverhaltlicher Hinsicht ging die Vorinstanz davon aus, dass der
  Beschuldigte einen metallenen Baseballschläger zur Hand genommen und damit
  auf A.______ eingeschlagen habe. Der Beschuldigte habe A.______ zweimal am
  Kopf und einmal am Körper getroffen. Den ersten Schlag an den Kopf von
  A.______ habe der Beschuldigte mit einiger Wucht ausgeführt. Der zweite
  Schlag an den Kopf von A.______ habe diesen nicht mehr so stark getroffen.
  Die Verletzungen von A.______ (Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades,
  Schädelbruch links mitsamt Hörminderung, Hirnblutung links, Quetschungen des
  Gehirns links, Rissquetschwunde an der Stirn rechts) seien aufgrund von
  Arztzeugnissen belegt. Die erheblichen Kopfverletzungen rührten zweifelslos
  vom Angriff des Beschuldigten mit dem Baseballschläger her (act. 60 Erw.
  III.11.5). Hinsichtlich der vom Beschuldigten geltend gemachten
  Notwehrsituation führte die Vorinstanz aus, der Beschuldigte habe als Aggressor
  gewirkt und die tätliche Auseinandersetzung initiiert. Die jungen Männer
  hätten sich zu Beginn der Schlägerei gegen die Angriffe des Beschuldigten
  gewehrt und dabei auch selber Schläge ausgeteilt, was nicht dazu führe, dass
  sich der Beschuldigte in einer Notwehrsituation befunden habe (act. 60 Erw.
  III.11.4). Die Vor-instanz sprach den Beschuldigten auch hinsichtlich des
  Anklagevorwurfs der versuchten schweren Körperverletzung (i.S.v.
  Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) zum Nachteil von
  A.______ für schuldig. 

  
	
   

  
	
  8.1.3. Der Beschuldigte
  lässt durch seinen Verteidiger anlässlich der Berufungsverhandlung ausführen,
  die Vorinstanz habe sich auch betreffend A.______ nicht hinreichend mit der
  geltend gemachten Notwehrsituation auseinandergesetzt. Er sei von A.______
  (und B.______) geschlagen worden und als er sich von der Schlägerei habe
  lösen können, habe ihm A.______ noch etwas zugerufen. Er habe sich in einer
  Verteidigungslage gesehen und, ohne sich dessen bewusst zu sein, den
  Gegenstand aus seinem Auto geholt, um den Angriff abzuwehren. Dieses Mittel
  sei verhältnismässig gewesen, zumal Bierflaschen auf dem Boden gelegen seien,
  seitens A.______ ein Messerangriff gedroht habe, ein Kampfhund vor Ort
  gewesen sei und er davon habe ausgehen müssen, dass dieser zum Einsatz kommen
  werde (act. 95 Rz 18-20).

  
	
   

  
	
  8.2. Nach Art. 15 StGB ist
  ein Angegriffener und jeder andere berechtigt, einen Angriff in einer den
  Umständen angemessenen Weise abzuwehren, wenn er ohne Recht angegriffen wird
  oder ihm unmittelbar ein Angriff droht. 

  
	
  Ein unmittelbar drohender Angriff
  setzt zunächst objektiv eine Notwehrlage und damit voraus, dass jedenfalls
  Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen (BGE
  93 IV 81 E. a). Sodann muss die Abwehr in einer Notwehrsituation nach der
  Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen
  vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr
  bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche
  Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situation zu
  beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat
  befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber
  angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit
  anderen, weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen.
  Bei der Verwendung von gefährlichen Gegenständen zur Abwehr (Messer,
  Schusswaffen etc.) ist besondere
  Zurückhaltung geboten (BGE 136 IV 49 E. 3.2). Notwehr ist nur so lange
  zulässig, wie der Angriff andauert. Der begonnene Angriff bleibt so lange
  gegenwärtig, als die Zufügung einer neuen oder die Vergrösserung der bereits
  eingetretenen Verletzung durch das Verhalten des Angreifers unmittelbar
  bevorsteht (BGE 102 IV 1 E. 2b, BGer
  6B_779/2013 Urteil vom 17. März 2014 E. 1.1). 

  
	
  Der Angegriffene kann sich nicht
  auf Notwehr berufen, wenn er die Notwehrsituation provoziert, mithin den
  Angriff absichtlich herbeigeführt hat, um den Angreifer gleichsam unter dem
  Deckmantel der Notwehr etwa zu töten oder zu verletzen (sogenannte
  Absichtsprovokation). Hat der Angegriffene die Notwehrlage zwar nicht
  absichtlich herbeigeführt, aber durch sein Verhalten doch mit verschuldet
  beziehungsweise verursacht, so hängt es von der Bewertung dieses Verhaltens
  ab, welche Folgen sich daraus für das Notwehrrecht ergeben. Je nach den
  Umständen kann das Notwehrrecht des Angegriffenen uneingeschränkt bestehen
  bleiben oder aber eingeschränkt sein. Ist es eingeschränkt, so ist die noch
  zulässige Abwehr im Vergleich zur sonst zulässigen begrenzt und kann eine
  bestimmte Abwehrhandlung, die bei uneingeschränktem Notwehrrecht noch
  angemessen wäre, unzulässig und damit als Notwehrexzess zu qualifizieren
  sein. Die Anforderungen an die Vermeidung von Verletzungen des Angreifers
  sind umso höher, je schwerer die rechtswidrige und vorwerfbare Herbeiführung
  der Notwehrlage wiegt (BGer 6B_853/2016 Urteil vom 18. Oktober 2017 E.
  2.2.3).

  
	
   

  
	
  8.3. Gemäss den Aussagen
  des Beschuldigten sah er beim Güterschuppen A.______, drei weitere Personen
  und ein Kampfhund. Weiter sah der Beschuldigte auch, dass alkoholische
  Getränke rumstanden und er nahm vor Ort den Geruch von Bier wahr (act. 2/3/1
  Frage 9, act. 2/3/2 Fragen 16 f., 22, act. 90 S. 5). Der Beschuldigte
  wusste auch, dass A.______ oft Messer auf sich trägt (act. 2/3/1 Fragen 9 16,
  act. 51 S. 7 Frage 26, act. 90 S. 6). L.______ und K.______, die
  ebenfalls mit A.______ sprechen wollten, waren sich der Gefahrensituation
  vollkommen bewusst, sodass sie sich entschieden, nicht mit A.______ zu
  sprechen und stattdessen am Güterschuppen vorbeizufahren und das Auto etwas
  weiter entfernt zu parkieren (act. 2/10/1 Fragen 23-28, act. 23/17 Frage 1).
  K.______ sah sich gar veranlasst, den Beschuldigten mit einer Textnachricht
  zu warnen, wonach ein "rise kaste" dort sei (act. 2/9/1 Frage 52).
  Der Beschuldigte gab auf Vorhalt dieser Textnachricht bei der Polizei zu
  Protokoll, dass er auch ausgestiegen wäre, wenn zehn "Kästen" vor
  Ort gewesen wären (act. 2/3/2 Frage 68) und dass er keine Angst vor
  A.______ resp. vor den vier jungen Männern gehabt habe (act. 2/3/1 Frage 23,
  act. 90 S. 10). Trotz der drohenden Gefahr stieg der Beschuldigte aus seinem
  Auto aus und ging auf A.______ zu. In der Folge kam es, wie in der Anklage
  beschrieben, zu einer ersten tätlichen Auseinandersetzung, bei welcher auch
  der Beschuldigte mindestens einen Schlag ins Gesicht erhielt und einen Schlag
  mit seiner linken Hand abwehren konnte (act. 90 S. 5,
  act. 111, act. 112). Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er
  nach dem ersten Gerangel zu seinem Auto ging, einen Schlaggegenstand
  behändigte und damit A.______ niederschlug, sondern macht geltend, er habe in
  Notwehr gehandelt resp. er sei von der Gruppe A.______ angegriffen worden. Ob
  der Beschuldigte, bevor er den Baseballschläger behändigte, einem Angriff
  ausgesetzt war oder ob ihm ein solcher gedroht hat, ist nachfolgend zu
  prüfen.

  
	
   

  
	
  8.4.

  
	
  8.4.1. A.______ gab in
  seiner polizeilichen Einvernahme vom 2. Juni 2013 an, er habe sich im ersten
  Gerangel (zwischen B.______ und dem Beschuldigten) zurückgehalten. Der
  Beschuldigte sei zurück zum Auto gegangen, habe den Baseballschläger genommen
  und damit wild um sich geschlagen. Der Beschuldigte habe mit dem Schläger
  voll ausgeholt, als er auf ihn eingeschlagen habe. Er habe ihn links am
  Brustkasten/Bauch und voll am Kopf getroffen. Er habe sich abgedreht, aber
  der Beschuldigte habe ihn nochmals am Kopf direkt über dem linken Ohr
  getroffen. Wegen den Schlägen sei er zu Boden gefallen. Der Beschuldigte sei
  auf ihn zugekommen, habe ihn angeschrien und gefragt, ob noch jemand etwas
  vom Baseballschläger abhaben wolle. Danach sei er zum Auto gegangen, habe den
  Baseballschläger ins Auto geworfen und sei davongefahren (act. 2/4/1 Frage
  1). Der Beschuldigte sei ohne Grund auf sie losgegangen, habe gezielt auf sie
  eingeschlagen und sich damit auch nicht gewehrt, denn er hätte jederzeit
  wieder ins Auto steigen und wegfahren können (act. 2/4/1 Frage 8). In der
  zweiten Einvernahme vom 8. Januar 2014 bestätigte A.______ seine Aussagen
  vom 2. Juni 2013 und gab überdies an, dass sie alle gleichzeitig
  auf den Beschuldigten hätten losgehen können, falls sie ihm etwas hätten
  antun wollen. Sie hätten den Beschuldigten aber aufgefordert, zu gehen und
  sie in Ruhe zu lassen (act. 2/4/2 Fragen 1-6). Als der Beschuldigte zu seinem
  Auto zurückgegangen sei, hätte er wegfahren können. Stattdessen habe er den
  Baseballschläger aus dem Auto genommen und sei nochmals auf ihn (A.______)
  los. Zu diesem Zeitpunkt habe niemand von ihnen dem Beschuldigten etwas angetan.
  Dazu habe es auch keinen Grund gegeben, da der Beschuldigte B.______
  losgelassen habe. Sie seien bei der Rampe gestanden, als der Beschuldigte mit
  dem Baseballschläger zurückgekommen sei (act. 2/4/2 Frage 14). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft gab
  A.______ an, der Beschuldigte habe ihn mit dem Baseballschläger von hinten
  angegriffen und ihm drei Schläge verpasst. Er sei mit dem Rücken gegen das
  Auto (des Beschuldigten) gestanden, als er mit dem Baseballschläger von
  hinten zwei Schläge auf den Kopf und einer gegen die Rippen erhalten habe.
  Vor dem Schlag habe er gesehen, dass der Beschuldigte in Richtung Auto gehe
  (act. 2/23/10/2 Frage 1, Ergänzungsfrage 4).

  
	
   

  
	
  8.4.2. B.______ sagte am
  19. Mai 2013 zum Sachverhalt A.______ Folgendes aus: Nachdem der Beschuldigte
  von ihm abgelassen habe, habe er einen Moment gebraucht, um sich zu sammeln.
  Dann habe er sich umgedreht und gesehen, wie der Beschuldigte einen
  Baseballschläger in der Hand gehalten habe. Er habe A.______ zugerufen, dass
  er weglaufen solle. In diesem Moment habe der Beschuldigte mit dem
  Baseballschläger mit voller Wucht gegen die rechte Kopfseite von A.______
  geschlagen. Der Beschuldigte habe sie weiter mit dem Baseballschläger
  bedroht, sei danach ins Auto gestiegen und weggefahren (act. 2/5/1 Frage
  4). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft sagte
  B.______ aus, dass der Beschuldigte während dem Gerangel plötzlich zu seinem
  Auto gegangen sei und er habe geglaubt, dass der Beschuldigte wegfahren
  würde. Der Beschuldigte sei mit dem Baseballschläger zurückgekommen, habe
  diesen hin und her geschwungen und damit auf A.______ eingeschlagen (act.
  2/23/16 Frage 1). 

  
	
   

  
	
  8.4.3. C.______ sagte am
  19. Mai 2013 in der polizeilichen Einvernahme aus, dass der Beschuldigte zu
  seinem Auto gegangen sei, die Türe hinter dem Fahrersitz geöffnet und einen
  Baseballschläger rausgenommen habe. Damit sei er zu ihnen zurückgekommen.
  A.______ habe nicht weggekonnt. Der Beschuldigte habe mit dem
  Baseballschläger voll ausgeholt und A.______ an den Kopf geschlagen, worauf
  dieser sofort zu Boden gegangen sei. Danach sei der Beschuldigte zum Auto
  gegangen, habe den Schläger hinter den Fahrersitz gelegt und sei weggefahren.
  Als A.______ auf dem Boden gelegen sei, habe der Beschuldigte nochmals zwei
  oder dreimal mit dem Schläger auf ihn eingeschlagen (act. 2/6/1 Fragen 1, 5).
  In der Einvernahme vom 9. Januar 2014 sagte C.______, dass der
  Beschuldigte die Situation angezettelt habe, er hätte jederzeit gehen können
  und es wäre nie so weit gekommen, er sei ja mit dem Baseballschläger auf sie
  losgegangen, obwohl er hätte in sein Auto steigen und sie einfach in Ruhe
  lassen können (act. 2/6/2 Frage 14). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft sagte
  C.______ aus, dass der Beschuldigte nach dem Gerangel wieder zum Auto
  gegangen sei und er (C.______) habe gedacht, dass der Beschuldigte nun
  wegfahren würde. Er habe aber den Baseballschläger aus dem Auto geholt, sei
  damit zurückgekommen und habe den Schläger umhergeschwungen. Der Beschuldigte
  habe damit A.______ am Kopf und am Oberkörper getroffen. Als A.______ zu
  Boden gegangen sei, habe der Beschuldigte nicht mehr geschlagen
  (act. 2/23/10/1 Frage 6, Ergänzungsfrage 5).

  
	
   

  
	
  8.4.4. M.______ gab am 19.
  Mai 2013 bei der Polizei Folgendes zu Protokoll: Der Beschuldigte habe von
  B.______ und A.______ abgelassen, sei zum ca. fünf Meter entfernten Auto
  gegangen und im Begriff gewesen, in das Auto zu steigen. A.______ müsse dann
  noch etwas zum Beschuldigten gesagt haben, denn der Beschuldigte habe von der
  Rückbank des Autos einen Baseballschläger rausgenommen und sei damit zurückgekommen.
  Er habe damit A.______ zuerst in die Bauchgegend geschlagen und dann bewusst
  an den Kopf. A.______ sei durch diese Schläge zu Boden gegangen. Der
  Beschuldigte habe noch gefragt, wer noch Eines kassieren wolle und sei dann
  mit dem Auto weggefahren (act. 2/7/1 Frage 1). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft
  präzisierte M.______, dass der Beschuldigte A.______ "volle Kanne"
  an den Arm, die Rippen und an den Kopf geschlagen habe. Es sei ihm wie ein
  Amoklauf vorgekommen. Als A.______ auf dem Boden gelegen sei, habe der
  Beschuldigte von ihm abgelassen, sei zu seinem Auto zurückgekehrt und
  weggefahren. Die Angegriffenen seien derart überrascht gewesen, als der
  Beschuldigte mit dem Baseballschläger dahergekommen sei, dass sie nur so
  dagestanden seien (act. 2/23/3 Frage 1, Ergänzungsfrage 6).

  
	
   

  
	
  8.4.5. L.______ sagte am
  20. Mai 2013 bei der Polizei aus, der Beschuldigte habe im Gerangel ein paar
  Fäuste ins Gesicht kassiert und den Blonden auf die Seite fallen lassen.
  Dieser sei dann gegangen und habe sich nicht mehr an der Schlägerei
  beteiligt. Der Beschuldigte sei danach zu seinem Auto gegangen und habe den
  Baseballschläger vom Rücksitz geholt, sei damit zu A.______ gegangen und habe
  ihn zwei Mal geschlagen. Nach der Schlägerei sei der Beschuldigte mit dem
  Auto weggefahren (act. 2/10/1 Fragen 28, 38, 42, 44). 

  
	
  Vor der Staatsanwaltschaft
  wiederholte L.______ seine bereits am 20. Mai 2013 getätigten Aussagen und
  gab darüber hinaus zu Protokoll, dass der Beschuldigte zuerst mehr kassiert
  habe und als er sich wohl etwas habe befreien können, habe er den
  Baseballschläger geholt und damit A.______ auf den Kopf geschlagen. Er habe
  keine Ahnung, wieso der Beschuldigte nach der Schlägerei mit dem
  Baseballschläger auf A.______ eingeschlagen habe (act. 2/23/17 Fragen 2-5).

  
	
   

  
	
  8.4.6. K.______ sagte
  zusammengefasst aus, sie seien zu dritt auf seinen Vater los und sein Vater
  habe versucht, sich vor den Schlägen zu schützen. Er sei zum Auto
  zurückgegangen, habe den Baseballschläger aus dem Auto genommen und sich
  damit gewehrt. Der Beschuldigte sei daraufhin zum Auto gegangen und
  weggefahren (act. 2/9/1 Frage 26, act. 2/9/2 Fragen 12, 14 f.).

  
	
   

  
	
  8.4.7. P.______ gab zu
  Protokoll, der Autolenker (der Beschuldigte) habe irgendwann mit einem
  Schläger mehrmals auf die Leute eingeschlagen und diese am Kopf und Hals
  getroffen. Er habe mit voller Wucht auf die Leute eingeschlagen. Als Personen
  am Boden gelegen seien, sei der Mann wieder in sein Auto eingestiegen und
  davongefahren (act. 2/2/1 S. 20). 

  
	
   

  
	
  8.4.8. O.______ sagte am
  20. Mai 2013 aus, sie habe bei der Rampe vier bis sechs Personen beobachtet,
  welche einen Streit gehabt hätten. Es sei wild gestikuliert worden. Plötzlich
  habe sich eine männliche Person aus der Gruppe gelöst und sei zu einem
  weissen Auto (das Auto des Beschuldigten) gegangen, welches mitten auf der
  Strasse gestanden sei. Der Mann habe die Fahrzeugtüre hinter dem Fahrersitz
  geöffnet, einen roten Stecken rausgenommen, sei wieder auf die Gruppe
  zugegangen und habe mit dem Stecken auf die Gruppe eingeschlagen resp. wie
  eine Gasse vor sich geschlagen. Er habe mit dem Stecken wild um sich
  geschlagen. Die Männer bei der Rampe hätten verbal gewarnt, aber der Mann
  habe ohne zu zögern auf die jungen Männer eingeschlagen. Er habe sicher eine
  Person mit der Stange am Kopf getroffen. Sie könne nicht mehr sagen, ob diese
  Person einmal oder mehrmals getroffen worden sei. Diese Person sei zu Boden
  gefallen und der Mann mit der Stange sei nochmals auf die am Boden liegende
  Person zugegangen und habe um sich geschrien. Gleich darauf habe der Mann die
  Stange ins Auto zurückgelegt, sei eingestiegen und davongefahren (act. 2/8/1
  Fragen 1 f., 7). 

  
	
   

  
	
  8.4.9. In der ersten
  polizeilichen Einvernahme vom 19. Mai 2013 beschrieb der Beschuldigte
  zunächst, dass er von links aus dem toten Winkel angegriffen und ins Gesicht
  geschlagen worden sei. Einen zweiten Schlag habe er mit der Hand abwehren
  können. Dann sei A.______ auf ihn zugekommen, habe ihn schlagen wollen und da
  habe er den Blonden als Schutz vor sich hingezogen (vgl. im Detail Erw.
  III.6.2.9 vorstehend). Er wisse nicht, ob er von A.______ überhaupt
  geschlagen worden sei (act. 2/3/1 Frage 22). Da er (der Beschuldigte) ja
  eine zierliche kleine Person sei, habe er versucht, sich zum Auto
  zurückzukämpfen. Durch den Schlag irritiert sei er anstelle zur Fahrertüre
  zur Türe direkt dahinter gegangen, habe eine Wasserwaage rausgenommen und
  versucht, sich damit vor den Schlägen zu schützen und sich aus dieser
  Situation zu befreien. Er wisse nicht, wohin und gegen wen er mit der
  Wasserwaage geschlagen habe. Er habe so viele Leute um ihn herum gesehen und
  er habe gewusst, dass A.______ oft Messer auf sich trage. Er habe sich
  einfach gewehrt. Danach sei er ins Auto gestiegen und habe unverzüglich ins
  Spital gewollt. Er könne sich erinnern, dass er in Netstal durch die Polizei
  angehalten worden sei (act. 2/3/1 Fragen 9, 16). In der zweiten
  polizeilichen Einvernahme vom 21. Mai 2013 sagte der Beschuldigte aus,
  dass er aufgrund des harten Schlages, den er erhalten habe, nichts mehr
  wisse. Beim Auto angelangt, sei er irgendwie an die Wasserwaage oder an den
  Baseballschläger gekommen. Was danach gewesen sei, wisse er nicht mehr (act.
  2/3/2 Fragen 16, 28-35). Sodann wurde dem Beschuldigten der Inhalt der
  Aussagen von B.______, C.______, M.______, L.______, O.______ und P.______
  vorgehalten. Konkret, dass er mit einem Schläger wie wild auf die Leute
  eingeschlagen haben soll. Obwohl er von der Gruppe nicht mehr bedrängt worden
  sei, sei er nicht gegangen. Es habe zu diesem Zeitpunkt gar keine Bedrohung
  mehr gegen ihn gegeben und doch sei er nochmals auf die Gruppe zugegangen.
  Der Beschuldigte sagte, dass er das nicht so wahrgenommen habe und er könne
  sich nicht vorstellen, dass dies so gewesen sei (act. 2/3/2 Fragen 42 f.). 

  
	
  Dem Beschuldigten wurden in der
  Schlusseinvernahme vom Staatsanwalt (nochmals) die Aussagen von O.______ und
  M.______ vorgehalten, wonach er sich nach der ersten tätlichen
  Auseinandersetzung mit den anderen Männern plötzlich von der Gruppe gelöst
  habe, zum Auto gegangen sei, die hintere Fahrzeugtüre geöffnet habe, einen
  Schlaggegenstand behändigt habe und damit wild um sich schlagend wieder auf
  die Gruppe zugegangen sei. Der Beschuldigte wollte dazu nichts sagen resp. er
  gab an, nichts mehr von einem Schlag auf den Kopf von A.______ zu wissen
  (act. 2/23/20 Fragen 5 ff.).

  
	
  Anlässlich der
  Berufungsverhandlung (und im vorinstanzlichen Verfahren) repetierte der
  Beschuldigte im Wesentlichen seine bereits getätigten Aussagen. Insbesondere
  blieb er dabei, dass er sich nicht mehr an den Vorfall mit dem Baseballschläger
  erinnern könne. Er habe, nachdem er geschlagen worden sei, einen Filmriss
  gehabt (act. 51 Frage 11, act. 90 S. 5).

  
	
   

  
	
  8.5.

  
	
  8.5.1. Der Einwand des
  Verteidigers, der Beschuldigte habe davon ausgehen müssen, dass der Kampfhund
  zum Einsatz komme, zielt an der Sache vorbei. Der Beschuldigte sah, bevor er
  aus dem Auto ausstieg, dass auch ein Hund vor Ort war. Der Hund wurde von
  M.______ an der Leine gehalten, sodass zu keinem Zeitpunkt die Gefahr drohte,
  dass der Hund zum Kampfeinsatz kommen könnte. Darüber war sich auch der
  Beschuldigte im Klaren, denn der Beschuldigte ging gemäss den
  übereinstimmenden Aussagen der Anwesenden mit dem Baseballschläger auf
  A.______ (und nicht etwa auf den abseits stehenden M.______ und dessen Hund
  [vgl. hiezu auch Erw. III.5.1 vorstehend]) zu. 

  
	
   

  
	
  8.5.2. Weiter muss als
  erstellt gelten, dass sich C.______ nur zu Beginn der Auseinandersetzung kurz
  einmischte, indem er den Beschuldigten "anpuffte". Danach hielt
  sich C.______ aufgrund seiner Handverletzung zurück (vgl. Erw. III.7
  vorstehend). Es ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte, als er sich zum
  Auto begab und den Baseballschläger behändigte, von C.______ angegriffen
  worden wäre oder seitens C.______ ein Angriff gedroht hätte.

  
	
   

  
	
  8.5.3. Was B.______
  betrifft, so muss als erstellt gelten, dass sich dieser zwischen A.______ und
  den Beschuldigten stellte, den Beschuldigten am Kragen packte und es zu
  Beginn der Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und B.______ ein
  Handgemenge gab (vgl. Erw. III.6 vorstehend). L.______ sagte glaubhaft aus,
  dass der Beschuldigte B.______ in eine Art Griff von hinten gehalten und ihn
  schliesslich zur Seite gestossen habe. B.______ sei dann gegangen und habe
  sich nicht mehr an der Schlägerei beteiligt (act. 2/10/1 Frage 28). Diese Aussage
  von L.______ ist auch deshalb überzeugend, weil B.______ ebenfalls aussagte,
  der Beschuldigte habe von ihm abgelassen. Er (B.______) habe einen Moment
  gebraucht, um sich zu sammeln und als er sich wieder umgedreht habe, habe er
  gesehen, dass der Beschuldigte den Baseballschläger in der Hand gehalten habe
  (act. 2/5/1 Frage 4). Auch A.______ gab zu Protokoll, dass der Beschuldigte
  von B.______ abgelassen habe (act. 2/4/2 Frage 14). Gestützt auf diese
  Aussagen ist anzunehmen, dass es dem Beschuldigten gelungen war, B.______
  ausser Gefecht zu setzen, denn B.______ konnte nicht einmal beobachten, dass
  der Beschuldigte zu seinem Auto zurückging, den Baseballschläger behändigte
  und wieder zur Gruppe zurückkehrte. B.______ nahm den Beschuldigten erst
  wieder wahr, als er plötzlich mit dem Baseballschläger dastand. Aus diesem
  Sachverhalt ergeben sich keine Hinweise, dass B.______ im Moment als er sich
  sammeln musste, den Beschuldigten angriff oder Anstalten machte, den
  Beschuldigten anzugreifen. 

  
	
   

  
	
  8.5.4. Hinsichtlich der
  von der Verteidigung geltend gemachten (abstrakten) Gefahr eines
  Messerangriffs seitens A.______ ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte
  dieser Gefahr von Beginn weg vollkommen bewusst war (act. 2/3/1 Fragen 9, 16,
  act. 51 S. 7 Frage 26, act. 90 S. 6). Aufgrund der dargelegten Aussagen der
  am Tatort anwesenden Personen ergeben sich absolut keine Hinweise, dass
  A.______ ein Messer gezückt hätte. Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten
  kann nicht erstellt werden, dass er von A.______ tatsächlich geschlagen wurde
  (act. 2/3/1 Frage 22). 

  
	
   

  
	
  8.5.5. Auf dem Tatortfoto
  aus der Zeitung […] (act. 55/9) ist ersichtlich, dass sich die Sanitäter
  um einen unmittelbar neben der Rampe des Güterschuppens auf dem Boden
  liegenden Verletzten kümmern. Bei dieser Person muss es sich zweifelsfrei um
  A.______ handeln, denn nur er ging durch die Schläge mit dem Baseballschläger
  zu Boden, verlor sein Bewusstsein und blieb deshalb am Boden liegen. Die
  Annahme, dass A.______ unmittelbar in der Nähe der Rampe niedergeschlagen
  wurde, wird auch durch die Tatortskizze von B.______ (act. 2/23/16 S. 7)
  sowie durch die Aussage von A.______, wonach er bei der Rampe gestanden sei,
  als der Beschuldigte mit dem Baseballschläger zurückgekommen sei (act. 2/4/2
  Frage 14), gestützt. Aufgrund der Aussagen der am Tatort anwesenden Personen
  ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte, als er A.______ vor dem
  Güterschuppen entdeckte, sein Auto brüsk mitten (Hervorhebung
  hinzugefügt) in der Strasse abstellte und ausstieg (act. 2/2/1 S. 20 unten,
  act. 2/5/1 Frage 2, act. 2/23/16 Frage 1, act. 2/11/2 Frage 42, act.
  2/8/1 Frage 1). M.______ sagte aus, der Beschuldigte habe sich nach der
  ersten Auseinandersetzung plötzlich gelöst und sei zu seinem fünf Meter
  entfernt abgestellten Auto gegangen, habe dort den Baseballschläger geholt
  und sei damit zur Gruppe zurückgekehrt (act. 2/7/1 Frage 1). Selbst der
  Verteidiger führt aus, das Auto des Beschuldigten sei wenige Meter von der
  Gruppe A.______ entfernt gestanden (act. 49 S. 5 Transkript) und
  auch K.______ gab zu Protokoll, er sei zwischen dem Auto des Beschuldigten
  (Fahrerseite) und der Schlägerei, also ca. drei bis vier Meter entfernt,
  gestanden (act. 2/9/2 Frage 8).

  
	
  Aufgrund dieser Ausführungen und
  des Umstandes, dass die hiesige Gerichtsbehörde die Örtlichkeit des
  Güterschuppens unweit des Bahnhofs [...] bestens kennt (vgl. hiezu auch
  Google Map Bild des Güterschuppen-Areals in act. 2/23/4), ist davon
  auszugehen, dass die Distanz zwischen der Rampe, wo A.______ niedergeschlagen
  wurde, und dem Auto des Beschuldigten, welches mitten auf der Strasse stand,
  mindestens vier bis fünf Meter betrug (insoweit der Beschuldigte sein Auto
  etwas weiter südlich von der Gruppe A.______ angehalten hätte, wäre von einer
  noch grösseren Distanz auszugehen). Demnach musste sich der Beschuldigte vier
  bis fünf Meter von A.______ entfernen, um aus seinem Auto den
  Baselballschläger zu holen und hernach damit wild um sich schlagend zu
  A.______ zurückzukehren, wo er A.______ schliesslich unmittelbar neben der
  Rampe niederschlug. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass A.______
  dem Beschuldigten zum Auto gefolgt wäre. So ist auch aufgrund der räumlichen
  Distanz zwischen dem Beschuldigten und A.______, zum Zeitpunkt als der
  Beschuldigte den Baseballschläger behändigte, auszuschliessen, dass der
  Beschuldigte von A.______ angegriffen wurde resp. dem Beschuldigten seitens
  A.______ ein Angriff gedroht hat.

  
	
   

  
	
  8.5.6. Schliesslich ist
  auch bei einer Gesamtschau der konkreten Umstände nicht von einer
  Notwehrsituation des Beschuldigten auszugehen. Zwar wurde der Beschuldigte zu
  Beginn der ersten tätlichen Auseinandersetzung, die er übrigens zweifelsfrei
  provozierte, von jemandem geschlagen, aber er konnte sich im Verlauf der
  Auseinandersetzung von B.______ und A.______ lösen. So sagte der Beschuldigte
  in seiner ersten polizeilichen Einvernahme am 19. Mai 2013 aus, er habe
  versucht, sich zum Auto zurückzukämpfen, da er ja eine zierliche kleine
  Person sei (act. 2/3/1 Frage 9). Diese Beschreibung seiner Person ist
  zweifelsfrei ironisch zu verstehen, denn der 186 cm grosse Beschuldigte gab
  anlässlich der Berufungsverhandlung an, er habe damals 90 Kilo gewogen und
  die Privatkläger bezeichnete er als "Spargel-tarzane" (act. 90 S.
  6, act. 2/3/1 Frage 17). Damit ist nicht davon auszugehen, dass sich der
  Beschuldigte zu seinem Auto hat "durchkämpfen" müssen. Sodann gaben
  die Privatkläger übereinstimmend (und in diesem Punkt glaubhaft) an, sie
  seien davon ausgegangen, dass der Beschuldigte jetzt wegfahren würde resp.
  der Beschuldigte hätte jederzeit wieder in sein Auto steigen und wegfahren
  können (act. 2/4/1 Frage 8, act. 2/4/2 Frage 14, act. 2/23/16 Frage 1, act.
  2/6/2 Frage 14). 

  
	
  A.______ gab zu Protokoll, dass
  der Beschuldigte ihn von hinten angegriffen habe (act. 2/23/10/2
  Ergänzungsfrage 4). Demnach wandte sich A.______ vom Beschuldigten ab und
  dies tat er wohl in der festen Überzeugung, dass der Beschuldigte nun von
  ihnen ablassen und wegfahren würde. Dies ist zweifelsfrei anzunehmen, denn es
  kam zwischen A.______ und dem Beschuldigten bereits früher zu
  Auseinandersetzungen (vgl. Erw. III.3.2.1 vorstehend) und A.______ gab
  diesbezüglich zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihm früher schon mal
  aufgelauert (act. 2/4/1 Fragen 5 ff., 16). Wäre sich A.______ in jenem
  Zeitpunkt, als der Beschuldigte zum Auto zurückkehrte, nicht sicher gewesen,
  dass der Beschuldigte nun wegfahren würde, hätte A.______ dem Beschuldigten
  sicherlich niemals den Rücken zugekehrt. Anzumerken ist, dass sich B.______
  veranlasst sah, A.______ vor dem nunmehr mit Baseballschläger bewaffneten
  Beschuldigten zu warnen (act. 2/5/1 Frage 4). Auch O.______ sagte aus, dass
  die jungen Männer verbal vor dem Beschuldigten, welcher den Baseballschläger
  geholt habe, gewarnt hätten (act. 2/8/1 Frage 1). M.______ sagte aus, die
  Angegriffenen (B.______ und A.______) seien derart überrascht gewesen, als
  der Beschuldigte mit dem Baseballschläger dahergekommen sei, dass sie nur so
  dagestanden seien (act. 2/23/3 Frage 6). Bei dieser Sachlage ist nicht
  ersichtlich, inwiefern der Beschuldigte im Zeitpunkt, als er zum Auto
  zurückkehrte, von der Gruppe A.______ angegriffen worden wäre oder ihm ein
  Angriff gedroht hätte. 

  
	
   

  
	
  8.5.7. Die Aussage von
  K.______, wonach sie zu dritt auf seinen Vater losgegangen seien, sein Vater
  sich vor den Schlägen habe schützen wollen und den Baseballschläger geholt
  habe, um sich damit zu wehren (act. 2/9/2 Frage 12), könnte den Eindruck
  vermitteln, dass die Privatkläger alle gleichzeitig tätlich auf den
  Beschuldigten eingewirkt hätten. Dies aber war – wie bereits dargelegt –
  nicht der Fall und es kann wie folgt rekapituliert werden:

  
	
  1.  M.______ beteiligte sich
  nicht an der Auseinandersetzung. 

  
	
  2.  C.______ mischte sich zu
  Beginn der ersten wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung mit einem
  kurzen "Anpuffen" ein und hielt sich in der Folge zurück. 

  
	
  3.  B.______ wurde vom
  Beschuldigten derart zur Seite gestossen, dass er sich setzen und sammeln
  musste und den Beschuldigten erst wieder bemerkte, als dieser mit dem
  Baseballschläger hinter A.______ stand. 

  
	
  4.  A.______ wandte sich in der
  festen Überzeugung, dass der Beschuldigte wegfahren würde, von diesem ab.

  
	
   

  
	
  8.5.8. Die Behauptungen
  des Beschuldigten, er sei herangefahren, habe A.______ gesehen und das Gefühl
  gehabt, dass seine Tochter auch dort sein könnte; man habe ihm ja von zwei
  Seiten mitgeteilt, dass J.______ wieder von A.______ bedroht worden sei; er
  habe nicht gewusst, wo J.______ sei; er habe A.______ gesehen und die
  Situation auflösen wollen; für ihn habe Gefahr in Verzug bestanden und er
  habe nur noch nach [...] gewollt, um seiner Tochter zu helfen (act. 2/3/1
  Fragen 24 f.); er habe zu seiner Tochter gewollt, um zu sehen, wie es ihr
  gehe und zu erfahren, was vorgefallen sei (act. 2/3/1 Frage 28, act. 2/3/2
  Frage 4) und er habe nicht gewusst, wo J.______ gewesen sei (act. 2/3/2 Frage
  21), sind Schutzbehauptungen. Der Beschuldigte und sein Sohn (K.______)
  vereinbarten (am Nachmittag des 19. Mai 2013), dass K.______ seine
  Schwester J.______ in [...] abholt, weil sich diese fürchtete, am Bahnhof
  [...], wo sich auch A.______ aufgehalten hat, in den Zug zu steigen. Der
  Beschuldigte wusste nicht (Hervorhebung hinzugefügt), dass K.______
  von L.______ begleitet wurde (act. 2/3/2 Frage 24). So ist aufgrund der
  Antwort des Beschuldigten auf die Frage, was während der kurzen telefonischen
  Verbindung am 19. Mai 2013, um 16.22 Uhr, zwischen ihm und seinem Sohn
  gesprochen worden sei ("Ich hatte mit ihm kurz gesprochen, ich fragte
  ihn, wo sie [Hervorhebung hinzugefügt] sind, er meinte im
  Güterschuppen" [act. 2/3/2 Frage 12]) zweifelsfrei davon auszugehen,
  dass der Beschuldigte zu jenem Zeitpunkt mit Sicherheit wusste, dass sich
  J.______ im Auto ihres Bruders befand. Bereits kurz davor kam es zu einem
  Telefongespräch zwischen dem Beschuldigten und seinem Sohn und der
  Beschuldigte gab zu Protokoll, dass sein Sohn ihm anlässlich dieses Gesprächs
  gesagt habe, dass er (K.______) und [Hervorhebung hinzugefügt]
  J.______ beim Bahnhof [...] seien (act. 2/23/15 Frage 4). Aufgrund
  dieser Aussagen verbleiben keine Zweifel, dass der Beschuldigte – bevor er
  auf die Gruppe A.______ zuging – tatsächlich wusste, wo J.______ war, nämlich
  im Auto von K.______. 

  
	
   

  
	
  8.5.9. Der Einwand der
  Verteidigung, der Beschuldigte habe von einem andauernden Angriff ausgehen
  müssen, da A.______ gemäss der Aussage von M.______ dem Beschuldigten noch
  etwas zugerufen hatte, als der Beschuldigte zum Auto zurückgegangen sei
  (act. 95 S. 6 Rz 11), verfängt nicht. Der Beschuldigte selber gab nie zu
  Protokoll, diesen angeblichen Ruf von A.______ akustisch wahrgenommen zu haben
  (act. 2/23/20 Frage 15). Also kann der Beschuldigte diesen Ruf, sofern
  es diesen gegeben hat, auch nicht als Bedrohung empfunden haben. Im Übrigen
  bestreitet A.______, den Beschuldigten verbal provoziert zu haben (act.
  2/23/10/2 Frage 4), und M.______ sagte diesbezüglich lediglich aus, A.______
  müsse dem Beschuldigten noch etwas gesagt haben, als dieser im Begriff
  gewesen sei, in das Auto zu steigen (act. 2/7/1 Frage 1). Bezüglich dieses
  mutmasslichen Rufes von A.______ liegen von den übrigen am Tatort Anwesenden
  keine konkreten Aussagen vor, sodass der diesbezügliche Sachverhalt nicht
  erstellt werden kann.

  
	
   

  
	
  8.5.10. Aufgrund all
  dieser konkreten Umstände hätte der Beschuldigte, als er nach der ersten
  tätlichen Auseinandersetzung bei seinem Auto angelangt war, sich einfach ins
  Auto setzen und wegfahren müssen. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung
  (act. 95 Rz 18) war der Einsatz des Baseballschlägers keinesfalls
  verhältnismässig.

  
	
   

  
	
  8.5.11. Im Übrigen ist die
  Notwehr ein Institut des Rechtsgüterschutzes. Sie kann nicht zur
  Rechtfertigung einer rücksichtslosen Aggression herbeigezogen werden. Dies
  muss ganz besonders in der vorliegenden Konstellation gelten. Als der
  Beschuldigte vor dem Güterschuppen A.______ zusammen mit drei Kollegen in
  wohl alkoholisiertem Zustand ausmachen konnte, stieg er aus und suchte die
  verbale Konfronta