# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f798767-8b59-5f17-a4e1-2ed4df9cb311
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.06.2018 E-1223/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1223-2018_2018-06-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1223/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Andrea Berger-Fehr (Vorsitz), 

Richter François Badoud, Richterin Barbara Balmelli,    

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

vertreten durch Fürsprecherin Laura Rossi 

Anwältinnenbüro, (…) 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 6. Februar 2018 / N (…). 

 

 

 

E-1223/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am (…) Oktober 2015 in der Schweiz um 

Asyl und machte anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 21. Ok-

tober 2015 und der Anhörung vom 3. August 2017 im Wesentlichen Fol-

gendes geltend:  

Er sei afghanischer Staatsangehöriger hazarischer Ethnie aus B._______, 

Distrikt C._______, Provinz Ghazni. Während fast zwölf Jahren habe er mit 

seiner heutigen Lebenspartnerin die Schule besucht. Er habe seinen 

Grossvater gebeten, für ihn um ihre Hand anzuhalten, doch ihr Vater sei 

gegen eine Hochzeit gewesen und habe überhöhte materielle Forderungen 

gestellt. Im (…) 2011 sei seine Lebenspartnerin gegen ihren Willen mit ei-

nem (…)-Afghanen aus D.______ verlobt worden. Zu dieser Zeit sei sie 

bereits vom Beschwerdeführer schwanger gewesen. Dies habe sie ihrer 

Mutter gestanden. Daraufhin habe diese den Rest der Familie informiert 

und die Lebenspartnerin des Beschwerdeführers sei zusammengeschla-

gen, eingesperrt und ihre (…) seien verbrannt worden. Auf den (…) seiner 

Lebenspartnerin, welcher der (…) im Dorf gewesen sei, habe man Druck 

ausgeübt, dass er über seine (…) und den Beschwerdeführer ein Urteil 

spreche. Diese habe der Hochzeit mit dem (…)-Afghanen schlussendlich 

zugestimmt, weil sie darin die einzige Möglichkeit einer Rettung gesehen 

habe. Als sie daraufhin freigelassen worden sei, sei sie zum Beschwerde-

führer geflohen. Er habe seinen Grossvater, der in B._______ früher der 

(…) gewesen sei, gebeten, mit ihnen das Hochzeitsritual durchzuführen. 

Dieser habe sich jedoch geweigert und ihnen geraten, Afghanistan zu ver-

lassen. In derselben Nacht habe er gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin 

B._______ verlassen und sie hätten sich miteinander nach Ghazni zu sei-

ner (…) begeben, um sich an eine Organisation zu wenden, welche sich 

gegen Zwangsheiraten einsetze. Der Ehemann seiner (…) habe ihm je-

doch davon abgeraten. Während dieses Gesprächs sei der (…) des Be-

schwerdeführers aufgetaucht und habe zwei Mal auf diesen und seine Le-

benspartnerin geschossen, aber verfehlt. Dann habe er einen Ziegel in 

Richtung der Lebenspartnerin des Beschwerdeführers geworfen. Dieser 

habe sich schützend vor sie gestellt, sei dabei am Kopf getroffen worden 

und habe das Bewusstsein verloren. Als er wieder zu sich gekommen sei, 

habe er gesehen, wie sein (…) mit dem Ehemann seiner (…) am Kämpfen 

gewesen sei. Jener habe geschworen, den Beschwerdeführer und seine 

Lebenspartnerin bis zu ihrem Tod zu verfolgen. Daraufhin seien sie mit sei-

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Seite 3 

ner (…) nach E._______ gegangen und bei deren Bekannten untergekom-

men. Der Beschwerdeführer und seine Lebenspartnerin hätten sich von ih-

rem Gastgeber trauen lassen. Nach ungefähr zwei Monaten sei der Be-

schwerdeführer in den Iran gelangt, wo er angefangen habe zu arbeiten. 

Im (…) sei er verhaftet und nach Afghanistan ausgeschafft worden. Er sei 

jedoch nicht nach Hause gegangen, sondern habe zwei Tage im Grenzge-

biet verbracht und sei dann wieder in den Iran zurückgekehrt. Im Septem-

ber 2015 habe er den Iran verlassen und sei über mehrere Länder im Ok-

tober 2015 in die Schweiz gelangt. Seine beiden Schwestern seien aus 

Angst vor Rachehandlungen ebenfalls aus B._______ geflohen. Der (…) 

seiner Lebenspartnerin sei als (…) abgesetzt worden, weil er aufgrund des 

Umstandes, dass er nicht über seine (…) geurteilt habe, nicht mehr ernst 

genommen worden sei. In der Schweiz sei der Beschwerdeführer zum 

Christentum konvertiert und habe sich taufen lassen. Der Bruder seiner 

Lebenspartnerin habe im Frühling 2017 Informationen zu deren Aufent-

haltsort erhalten, weshalb sie an einen anderen Ort in Ghazni gezogen sei 

und nach wie vor versteckt mit den Bekannten ihrer Schwester zusammen-

lebe.  

Der Beschwerdeführer reichte folgende Unterlagen als Beweismittel ein: 

 Kopie seiner Tazkira; 

 seinen Lebenslauf; 

 Fotos von sich, seiner Lebenspartnerin und seinem Kind sowie von 

seiner Heimat; 

 Kopien des Passes und der Tazkira seines Sohnes und seiner Le-

benspartnerin; 

 Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde F._______ 

vom (…) wonach sein Gesuch um die Aufnahme des Pflegekindes 

G.______ gutgeheissen wurde; 

 sein Taufversprechen und Fotos seiner Taufe vom (…) 2016; 

 Bestätigung seiner Mitgliedschaft beim H._______ vom 20. Oktober 

2016. 

B.  

Mit Verfügung vom 6. Februar 2018 stellte das SEM die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers fest, lehnte sein Asylgesuch jedoch ab. 

Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an, schob den 

Vollzug aber infolge Unzulässigkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-

nahme auf.  

E-1223/2018 

Seite 4 

C.  

Mit Beschwerde vom 20. Februar 2018 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer die Feststellung der Flüchtlingseigen-

schaft und die Gewährung von Asyl sowie des Familienvollzugs (recte: Fa-

miliennachzugs). In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses sowie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistan-

des. Ferner beantragte er, die zuständige Behörde sei vorsorglich anzu-

weisen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat- oder Her-

kunftsstaates sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlas-

sen. Bei bereits erfolgter Datenweitergabe sei er darüber in einer separa-

ten Verfügung zu informieren.  

Als Beweismittel reichte er ein Foto von sich und eines von seinem Sohn 

ein.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 9. März 2018 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche 

Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und forderte den Beschwerdeführer auf, eine Rechtsvertretung 

vorzuschlagen. 

E.  

Mit Schreiben vom 26. März 2018 ersuchte die rubrizierte Rechtsvertreterin 

um Beiordnung als amtliche Rechtsbeiständin, um Einsicht in sämtliche 

Verfahrensakten und um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung. 

Diese Gesuche wurden mit Zwischenverfügung vom 3. April 2018 gutge-

heissen. 

F.  

Mit Schreiben vom 7. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Be-

schwerdeergänzung und folgende Beweismittel ein: 

 einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) mit dem 

Titel "Afghanistan: Zina, ausserehelicher Geschlechtsverkehr" vom 

2. Oktober 2012; 

 ein Referenzschreiben von I._______ vom 15. Februar 2018; 

 ein Schreiben von J._______ und K._______ vom 18. Februar 

2018 betreffend Zurverfügungstellung einer 2-Zimmer-Wohnung; 

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Seite 5 

 ein Referenzschreiben von L._______ vom 20. Februar 2018; 

 ein selbstverfasstes Schreiben vom 20. Februar 2018. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist mit Aus-

nahme der nachfolgenden Ausführungen einzutreten. 

Die Flüchtlingseigenschaft bildet nicht mehr Gegenstand des Verfahrens, 

nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt 

hat. Insoweit der Beschwerdeführer beantragt, es sei seine Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

 

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Seite 6 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 AsylG bedeutet – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach-

verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob-

jektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-

nisse betreffende substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und 

konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsge-

mässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeich-

net durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Über-

einstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbe-

sondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachge-

schobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es 

um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (insbesondere Übereinstim-

mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und 

Plausibilität der Angaben), die für oder gegen die gesuchstellende Person 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 

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Seite 7 

E. 5.1, 2010/57 E. 2.3; vgl. auch LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Einführung in 

die Aussagepsychologie, in: Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, 

2017, S. 47 ff.).  

5.  

5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids befand die Vo-

rinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an 

die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügend. Seine Aus-

sagen zur Haltung seiner Familie und der Familie seiner Lebenspartnerin 

zu ihrer Beziehung seien widersprüchlich. Anlässlich der BzP habe er nicht 

erwähnt, dass sein (…) auf ihn und seine Lebenspartnerin geschossen 

habe. Seine Erklärung, wonach er anlässlich der BzP nicht im Detail be-

fragt worden sei, würde nicht überzeugen und eine Schutzbehauptung dar-

stellen, handle es sich hierbei doch um den Höhepunkt der Bedrohungssi-

tuation. Auch habe er inkonsistente Angaben zum aktuellen Wohnort seiner 

Lebenspartnerin, seines Sohnes und seiner Schwestern, zum Verlauf der 

Woche, nachdem seine Lebenspartnerin ihrer Familie mitgeteilt habe, dass 

sie schwanger sei und zum Angriff seines (…) gemacht. Ferner würden 

seinen Schilderungen bei zentralen Vorbringen Realkennzeichen fehlen. 

Seine Angaben seien sehr vage, detailarm, emotionslos und oberflächlich 

ausgefallen, was darauf hinweise, dass es sich um einen konstruierten 

Sachverhalt und nicht um tatsächlich Erlebtes handle. Seine Probleme im 

Iran seien dagegen nicht asylrelevant, weil es sich dabei nicht um seinen 

Heimatstaat handle. Seine Konversion zum Christentum qualifizierte die 

Vorinstanz als subjektiven Nachfluchtgrund, weshalb sie seine Flüchtlings-

eigenschaft feststellte, sein Asylgesuch jedoch ablehnte. 

5.2 Auf Beschwerdeebene konkretisiert der Beschwerdeführer verschie-

dene Punkte seiner Aussagen und führt aus, die BzP sei definitionsgemäss 

eine summarische Befragung. Er habe die einzelnen Ereignisse erwähnt 

und in der Anhörung mit Einzelheiten ergänzt. Die von der Vorinstanz an-

geführten Widersprüche seien vermeintlicher Art. Die von ihm anlässlich 

der BzP erwähnte schlechte Behandlung durch seine Eltern habe erst nach 

der Schwangerschaft seiner Lebenspartnerin begonnen. Anlässlich seiner 

Flucht hätten sie ihm gesagt, dass er nicht mehr ihr Sohn sei. Entspre-

chend stehe dieses Vorbringen in keinem Widerspruch zum zuvor vom 

Grossvater überbrachten Heiratsantrag. Dieser falle – wie er bereits an-

lässlich der Anhörung festgehalten habe – in die Zuständigkeit des Fami-

lienältesten und nicht seiner Eltern. Diese seien mit einer Hochzeit nicht 

einverstanden gewesen. Sein Grossvater habe ihm jedoch helfen wollen 

und sich deshalb um eine Hochzeit bemüht. Anlässlich der BzP habe er 

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nicht gesagt, der Ehemann seiner (…) habe ihn bedroht, sondern lediglich, 

dass dieser, wie sein (…) auch, (…) sei. Die Schussabgabe durch Letzte-

ren sei im Gesamtkontext zu betrachten. Dem Beschwerdeführer habe 

eine Festnahme und Hinrichtung wegen Hurerei gedroht. Er habe Angst 

gehabt, an einen Baum gebunden, mit Holzstangen erschlagen oder ge-

steinigt zu werden, wie er das als Kind in ähnlichen Fällen habe mitanse-

hen müssen. Den Angriff durch seinen (…) habe er anlässlich der BzP mit 

den anderen Ereignissen zusammengefasst vorgebracht. Die Schüsse 

seien nicht der eigentliche Höhepunkt der Bedrohung, sondern nur ein 

Glied in einer Kette von lebensbedrohlichen Ereignissen gewesen. Es sei 

fast unmöglich, diese traumatisierenden Ereignisse mit wenigen Worten 

angemessen auszudrücken. Seinen Aussagen sei ferner eine Vielzahl von 

Realkennzeichen zu entnehmen. Unter Verweis auf mehrere Stellen im An-

hörungsprotokoll führt er an, seine Ausführungen seien detailliert, würden 

mehrere räumlich-zeitliche Verknüpfungen, Gedankengänge und Schilde-

rungen von nebensächlichen Begebenheiten enthalten. Zu seinem sachli-

chen Erzählstil führt er aus, dass bei traumatischen Ereignissen ein emoti-

onsloses Erzählen ein Realkennzeichen darstellen könne. Solche Ge-

schehnisse würden aus einer emotionalen Distanz und beinahe mecha-

nisch erzählt werden. Er habe als Kind zusehen müssen, wie Menschen 

erschlagen worden seien. Dadurch sei er emotional abgestumpft, was ei-

nen Schutzmechanismus darstelle und dafür spreche, dass er die Ereig-

nisse wie geschildert erlebt habe. Zudem habe er seine Geschichte in den 

letzten Jahren mehrmals erzählt, entsprechend schildere er sie nicht mehr 

mit den gleichen Emotionen, wie er das kurz nach den Ereignissen getan 

hätte. Seine glaubhaften Vorbringen würden aufzeigen, dass er in seinem 

Heimatland ernsthaften Nachteilen ausgesetzt (gewesen) sei. Der afgha-

nische Staat sei in seinem Fall nicht schutzfähig, da in seinem Dorf keine 

ausreichende staatliche Struktur vorhanden sei. Ferner sei er auch nicht 

schutzwillig, da bei ausserehelichem Geschlechtsverkehr harte Strafen 

drohen würden. Die Ehre der Familie seiner Lebenspartnerin sei noch nicht 

gerächt worden, und von seiner eigenen Familie könne er keinen Schutz 

erwarten, da sie ihn nicht mehr als ihren Sohn ansehen würde. Die Verfol-

gung sei zielgerichtet, da sich die Familie seiner Lebenspartnerin an ihnen 

beiden rächen wolle. Eine innerstaatliche Fluchtalternative stehe ihm nicht 

zur Verfügung. Er erfülle die Flüchtlingseigenschaft somit nicht nur auf-

grund seiner Konversion und damit aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe, 

sondern auch, weil er gegen religiöse Bestimmungen verstossen habe und 

aufgrund der Religion verfolgt werde. Zudem würden er und seine Leben-

spartnerin aufgrund der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, nämlich 

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Personen, die aufgrund verweigerter Zwangsheirat und ausserehelichen 

Geschlechtsverkehrs bestraft werden sollen, verfolgt.  

In seiner Beschwerdeergänzung vom 7. Mai 2018 wiederholt der Be-

schwerdeführer, aufgrund der ausserehelichen Beziehung, des ausserehe-

lichen Geschlechtsverkehrs, der daraus resultierenden Schwangerschaft 

und der Geburt des gemeinsamen Sohnes seien er und seine Lebenspart-

nerin Verfolgungshandlungen ausgesetzt. Unter Verweis auf den Bericht 

der SFH vom 2. Oktober 2012 erläutert er, dass gemäss Scharia bei aus-

serehelichen Beziehungen die Strafen bis zur Steinigung reichen würden. 

Aussereheliche Beziehungen würden ferner als ehrverletzend angesehen 

werden, weshalb es zu Ehrenmorden sowohl an der Frau als auch am 

Mann kommen könne. Der Beschwerdeführer und seine Lebenspartnerin 

wären bei einer Rückkehr nach Afghanistan nicht nur einer illegitimen Be-

strafung seitens der afghanischen Behörden ausgesetzt, sondern auch ei-

ner Steinigung oder anderweitigen Vergeltung durch deren Familie. Seine 

Lebenspartnerin habe Ghazni zusammen mit dem gemeinsamen Sohn 

verlassen müssen, weil sie immer wieder bedroht und belästigt worden sei, 

obwohl sie versucht habe, sich zu verstecken. Zurzeit lebe sie ohne Auf-

enthaltsbewilligung in Pakistan und laufe Gefahr, von den pakistanischen 

Behörden aufgegriffen und nach Afghanistan ausgeschafft zu werden, wo 

ihr Verfolgung drohe. Der Beschwerdeführer plane im (…) 2018 nach Pa-

kistan zu reisen. Sollte ein DNA-Test nötig sein, könne er diesen während 

seines Aufenthaltes vor Ort in die Wege leiten. Er leide stark unter der Tren-

nung von seiner Lebenspartnerin und seinem Sohn.  

6.  

6.1 Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass die Ausführungen des Be-

schwerdeführers zur Schussabgabe durch seinen (…) nicht glaubhaft er-

scheinen. Anlässlich der BzP berichtete er von diesem einschneidenden 

Vorfall nicht. Es gilt zwar zu beachten, dass die BzP stark verkürzt durch-

geführt und der Beschwerdeführer aufgefordert wurde, sich kurz zu fassen 

und nur das Wichtigste zu erwähnen (vgl. vorinstanzliche Akten A6). Ent-

sprechend sind die Ausführungen anlässlich der BzP mit Zurückhaltung zu 

bewerten. Dennoch wäre zu erwarten gewesen, dass er ein solches Ereig-

nis, welches auch bei seiner Biografie als bedeutsam zu betrachten ist, 

erwähnt hätte. 

Anders verhält es sich jedoch bezüglich der übrigen Vorbringen des Be-

schwerdeführers. Der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden, wenn sie aus-

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führt, diese seien widersprüchlich, inkonsistent und würden keine Real-

kennzeichen aufweisen. Den Ausführungen des Beschwerdeführers ist 

eine Vielzahl von Realkennzeichen zu entnehmen, welche die Vorinstanz 

nicht in ihre Würdigung einbezogen hat. Er legte in einem über drei Seiten 

langen freien Bericht substantiiert dar, welche Gründe zu seiner Flucht ge-

führt haben. Er erzählte detailliert, dass seine Familie die überhöhten ma-

teriellen Forderungen – (…) Dollar, (…) Schafe und Kühe, Schmuck und 

Kleider – welche der Vater seiner Lebenspartnerin an deren zukünftigen 

Ehemann gestellt habe, nicht habe erfüllen können (vgl. A15 F66 und F79-

83). Seiner Lebenspartnerin seien aufgrund ihrer Weigerung einen (…)-

Afghanen aus D.______ zu heiraten, die (…) verbrannt worden (vgl. A15 

F66 und F106). Der Beschwerdeführer habe sich an eine Organisation 

wenden wollen, die sich gegen Zwangsheiraten einsetze. Als er und seine 

Lebenspartnerin darüber mit dem Ehemann seiner (…) diskutiert hätten, 

seien sie von seinem (…) angegriffen worden (vgl. A15 F66). Das Haus 

seiner (…), in welchem sie sich befunden hätten, sei im Umbau gewesen, 

es habe viel Bauschutt im Gang gehabt, sein (…) habe einen Ziegel ge-

nommen und auf seine Lebenspartnerin geworfen, jedoch den Beschwer-

deführer getroffen, der das Bewusstsein verloren habe (vgl. A15 F66 und 

F135). Danach seien sie zu Bekannten seiner (…) gegangen: "Die Frau 

war (…) und ihr Mann war (…). Ich war voller Blut. Ich habe schlecht aus-

gesehen, da haben sie mich gepflegt und mir neue Kleider zur Verfügung 

gestellt. Bis am folgenden Tag habe ich mich nicht so wohl gefühlt, weil ich 

viel Blut verloren hatte" (vgl. A15 F66). Seine Schilderungen unterstrich der 

Beschwerdeführer mit mehreren räumlich-zeitlichen Verknüpfungen (vgl. 

beispielsweise A15 F66 und F89 ff.) sowie Schilderungen von Interaktionen 

und Dialogen. Zu den letzten beiden Punkten seien an dieser Stelle exemp-

larisch zu erwähnen: der Vorwurf seines Grossvaters an den Vater seiner 

Lebenspartnerin, es sei nicht islamisch, dass dieser so hohe materielle For-

derungen stelle (vgl. A15 F66), die an (…) gerichtete Aufforderung der Dorf-

bewohner, ein Urteil über seine (…) zu fällen (vgl. A15 F66), die Beratun-

gen mit der Familie des Beschwerdeführers unmittelbar vor der Flucht (vgl. 

A15 F66 und F112), das Abraten des Ehemannes seiner (…) sich an eine 

Organisation zu wenden, welche sich gegen Zwangsheiraten einsetze (vgl. 

A15 F66 und 132) oder die an einen Bekannten der (…) gerichtete Bitte 

des Beschwerdeführers ihn und seine Lebenspartnerin zu trauen und die 

darauffolgenden Beratungen mit diesem, wie weiter vorzugehen sei (vgl. 

A15 F66). Der Detailreichtum bezieht sich zudem auch auf objektiv Irrele-

vantes, wie beispielsweise, dass der Beschwerdeführer während der 

Flucht umgefallen sei, sich dabei den (…) gebrochen habe und dieser bis 

heute knacksen würde (vgl. A15 F66). Ferner die Darlegung, wie sie dem 

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Lastwagenfahrer, der sie mitgenommen habe, auf seine Frage, was ihnen 

zugestossen sei, nicht die Wahrheit gesagt hätten und wie sie auf der Ware 

hätten sitzen müssen, da es in der Fahrerkabine keinen Platz gehabt habe 

(vgl. A15 F66). Oder die Schilderung, dass der (…) des Beschwerdeführers 

als (…) abgesetzt worden sei, da die Leute keinen Respekt mehr vor ihm 

gehabt hätten, weil er nicht über seine (…) gerichtet habe (vgl. A15 F159). 

Des Weiteren konnten die von der Vorinstanz angeführten Widersprüche 

vom Beschwerdeführer aufgelöst werden. Es trifft entgegen der Ansicht der 

Vorinstanz nicht zu, dass er anlässlich der Anhörung eine schlechte Be-

handlung durch seine Eltern nicht erwähnt habe, führte er doch aus, dass 

sie ihn nicht mehr als seinen Sohn betrachten würden und keinen Kontakt 

mehr zu ihm möchten (vgl. A15 F64, F157 und F191). Bezüglich der übri-

gen Einwände der Vorinstanz, insbesondere des Vorwurfs der Inkonsistenz 

– den sie im Übrigen nicht begründet – kann auf die überzeugenden Aus-

führungen in der Beschwerde verwiesen werden. Des Weiteren spricht für 

die Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerdeführers auch der 

Umstand, dass er die möglichen Konsequenzen aufgrund seiner Konver-

sion zum Christentum im Vergleich zu denjenigen aufgrund seiner ausser-

ehelichen Beziehung als unbedeutend erachtet und nur auf Nachfrage dar-

legt (vgl. A15 F93 und F194). Schliesslich ist auch seine Antwort auf die 

Frage anlässlich der BzP, ob er zur Beziehung zu seiner Frau lieber von 

einem Männer- oder einer Frauenteam angehört werden möchte, zu er-

wähnen: "Es kommt nicht drauf an, nur vielleicht nicht jemand, der in dieser 

Hinsicht konservativ ist" (vgl. A5 S. 7).  

6.2 Insgesamt überwiegen aufgrund des Vorgesagten die Elemente, wel-

che für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, weshalb die 

Vorbringen des Beschwerdeführers, unter Ausnahme der Schussabgabe 

durch den (…), als glaubhaft zu erachten sind. Die Vorinstanz hat folglich 

Art. 7 AsylG nicht richtig angewendet, dadurch den Sachverhalt nicht richtig 

erstellt und somit Bundesrecht verletzt.  

7.  

7.1 Nach Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht 

in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück.  

7.2 Im vorliegenden Verfahren sind die glaubhaften Vorbringen des Be-

schwerdeführers unter dem Gesichtspunkt von Art. 3 AsylG neu zu würdi-

gen. Dies hat durch die Vorinstanz zu geschehen, weil ein Entscheid in der 

Sache durch das Bundesverwaltungsgericht nicht mehr weitergezogen 

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Seite 12 

werden könnte, der Beschwerdeführer mithin keine Möglichkeit zur Ergrei-

fung eines Rechtsmittels mehr hätte und ihm damit eine Überprüfungs-

instanz verloren ginge (vgl. Urteile des BVGer D-2719/2015 vom 14. Juli 

2016 E. 4 und D-6937/2017 vom 1. Mai 2018 E. 4.4).  

8.  

Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Verfügung vom 6. Februar 2018 ist 

in den Dispositivpunkten 2 bis 6 aufzuheben (vgl. Urteil des BVGer 

D-3605/2014 vom 9. Januar 2015 E. 7) und die Sache im Sinne der Erwä-

gungen an das SEM zurückzuweisen. Aufgrund dieses Ausgangs des Ver-

fahrens ist auf den Antrag auf Familienzusammenführung nicht näher ein-

zugehen.  

9.  

Das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen betreffend Kontaktauf-

nahme und Datenweitergabe an das Heimat- oder Herkunftsland ist mit 

vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

11.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-

grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Der Be-

schwerdeführer hat die Beschwerde selbst verfasst. Die Eingaben seiner 

Rechtsvertreterin beschränken sich im Wesentlichen auf die Beschwerde-

ergänzung vom 7. Mai 2018. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer somit 

zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 600.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen.  

E-1223/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird und so-

weit darin die Aufhebung der Dispositivziffern 2 bis 6 der angefochtenen 

Verfügung der Vorinstanz beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 6. Februar 2018 wird in den Dispositivziffern 

2 bis 6 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 600.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Andrea Berger-Fehr Maria Wende 

 

 

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