# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 368929b2-5487-5adb-af52-39a348c74c08
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.08.2010 E-1570/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1570-2008_2010-08-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1570/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Robert 
Galliker, Richter Maurice Brodard, 
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

A._______, 
Nigeria,
vertreten durch Irene Ali-Moussa, [...],
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Ver-
fügung des BFM vom 27. Februar 2008 / N.(...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

Sachverhalt:

A.
Der nigerianische Beschwerdeführer verliess Lagos eigenen Angaben 
zufolge am 30. August  2007 und reiste  auf  dem Luftweg in ein  ihm 
nicht bekanntes Land, von wo aus er am am 31. August 2007 erneut 
auf dem Luftweg nach Genf gelangte. Am 1. September 2007 reichte 
er  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe  ein  Asyl -
gesuch ein. 

Am  6.  September  2007  wurde  er  im  EVZ  erstmals  summarisch  zu 
seiner Person und seinen Ausreisegründen befragt. Dabei  gab er zu 
Protokoll,  er  sei  ein  ethnischer  B._______  und  gehöre  der  Pfingst-
gemeinde an. Er habe seit seiner Geburt in C._______ gewohnt. Seine 
Eltern  seien  in  den  Jahren  1996  (Mutter)  beziehungsweise  2003 
(Vater) verstorben. Er sei ein Einzelkind. Er habe Kriminologie studiert, 
jedoch keine entsprechende Anstellung gefunden. Ab Ende 2001 habe 
er  als  Chauffeur  für  die  D._______  gearbeitet.  Bei  der  D._______ 
handle  es  sich  um  eine  von  verschiedenen  Gruppierungen,  deren 
Aktivitäten unter anderem darin bestünden, ausländische Arbeiter von 
Ölfirmen zu entführen und dafür Lösegeld zu erpressen. In der dritten 
Augustwoche sei der Beschwerdeführer von Herrn E._______, einem 
Exekutivmitglied  seiner  Bewegung,  gerufen  worden.  Er  habe  den 
Auftrag  erhalten,  einen  Entführten  ins  Spital  zu  chauffieren.  Diesen 
Entführten  habe  er  zusammen  mit  einem  bewaffneten  Mitglied  der 
Organisation,  einem  Sicherheitsagenten,  abgeholt  und  in  ein  Spital 
gebracht. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg habe dieser 
Mann gefleht, dass man ihn doch freilassen möge. Er habe ihnen eine 
Kette  mit  Anhänger  gezeigt,  auf  welchem  seine  beiden  Kinder 
abgebildet  gewesen  seien.  Der  Beschwerdeführer  habe  angehalten 
und  die  Sache  mit  dem  Sicherheitsagenten  besprochen.  Sie  seien 
dann übereingekommen, den Entführten freizulassen. Sie hätten ihn in 
F._______ an einer Bushaltestelle aussteigen lassen und noch bis zur 
Ankunft  des  Busses  mit  diesem  vor  Ort  gewartet.  Dabei  seien  sie 
offenbar  von  Drittpersonen  beobachtet  worden.  Zurück  in  der  Basis 
hätten sie ihren Verantwortlichen beziehungsweise Chefs erzählt, dass 
der  Entführte  nach  der  medizinischen  Behandlung  als  Folge  eines 
Alarms  habe  entkommen  können.  Die  Chefs  hätten  diese  Ausrede 
geglaubt,  seien aber sehr enttäuscht gewesen. Am nächsten Tag sei 
der  bewaffnete  Begleiter  jedoch  zum  Führer  ("Leader")  gerufen 
worden, welcher zwischenzeitlich durch Drittpersonen über die wahren 

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Umstände  des  Entkommens  der  Geisel  informiert  worden  sei.  Der 
Sicherheitsagent sei dann gefoltert worden und habe alles zugegeben. 
Man habe ihm die Ohren abgeschnitten und ihn nachher  exekutiert. 
Der Beschwerdeführer sei davon durch einen Dorfbewohner informiert 
worden. Dieser habe ihm auch erzählt, dass nach ihm gesucht werde. 
Er sei deshalb für eine gewisse Zeit in den Wald geflüchtet. Nachts sei  
er in sein Haus zurückkehrt und habe dieses verwüstet vorgefunden. 
Seine  Nachbarn  hätten  unter  Schock  gestanden,  nachdem man  sie 
seinetwegen geschlagen habe. Die D._______-Leute hätten von ihnen 
wissen wollen, wo er sich befinde. Er habe aufgrund der Vorfälle die 
Flucht  ergriffen und sei  am 27. August  2007 nach Lagos gegangen. 
Dort habe ihm die befreite Geisel mittels eines schwarzen Schleppers 
zur Ausreise verholfen. 

Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  und  dem  Nachweis  seiner  Identität 
reichte  der  Beschwerdeführer  einen  Ausweis  der  D._______,  in 
welchem seine Funktion als "Marshall" angegeben ist, zu den Akten. 
Dem Beschwerdeführer wurden sodann eine Fahrkarte aus  Grenoble 
und eine französische Telefonkarte abgenommen.

Der  Beschwerderführer  wurde  erstmals  am  1.  September  2007  – 
damals  mittels  eines  Merkblattes  -  unter  Hinweis  auf  die  Möglickeit  
eines  Nichteintretensentscheides  aufgefordert,  innert  48  Stunden 
gültige Reise- oder Identitätsdokumente einzureichen.

Hinsichtlich des Verbleibs seiner  Reisepapiere gab er anlässlich  der 
Befragung  im  EVZ  vom  6.  September  2007  zu  Protokoll,  er  habe 
weder  einen nigerianischen Pass noch eine nigerianische Identitäts-
karte  besessen.  Ausgereist  sei  er  mit  einem  fremden,  auf  einen 
anderen  Namen  und  mit  einer  fremden  Fotografie  versehenen 
britischen Pass. Er wies darauf hin, dass der nigerianische Staat gar  
keine nationalen Identitätskarten ausstelle. Er sei in Nigeria zwar im 
Besitz  eines  Führerscheins  gewesen. Diesen  könne  er  jedoch  nicht 
besorgen,  da  er  sich  im  Handschuhfach  des  Chauffeurwagens  der 
D._______ und damit in den Händen seiner Verfolger befinde. 

B.
Am 10. Dezember 2007 wurde der Beschwerdeführer vom BFM ein-
lässlich  zu  seinen  Asylgründen  angehört.  Dabei  gab  er  vorab  zu 
seinen  persönlichen  Verhältnissen  zu  Protokoll,  er  habe  erst  die 
letzten  acht  Jahre  in  C._______  gewohnt,  vorher  habe  er  in 

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G._______ bei seinem Vater gelebt. Auf Nachfrage hin führte er aus, 
er habe immer zwischen diesen beiden Ortschaften gependelt. Seine 
Eltern seien nämlich nicht verheiratet gewesen und hätten auch nicht 
zusammengelebt.  Er  sei  gemischter  Ethnie,  halb  B._______,  halb 
H._______. Die zirka im Jahr [...]  gegründete D._______ habe es zu 
einer  Pflicht  für  die  in  der  Gegend  ansässigen  Burschen  gemacht, 
dieser Gruppe anzugehören. Um ein besseres Leben führen und die 
Schule besuchen zu können, habe er sich dieser Gruppierung quasi 
anschliessen  müssen.  Die  D._______  finanziere  die  Ernährung, 
Kleider, Bildung, medizinische Betreuung und auch Waffen. Das Geld 
dafür  habe  die  Organisation  unter  anderem aus  dem Diebstahl  von 
Erdöl  und  Lösegelderpressungen  von  Erdölfirmen  wie  Shell  oder 
Chevron. In seiner Funktion als Chauffeur für die D._______ sei er in 
der dritten Augustwoche 2007 beziehungsweise zwischen dem 20. und 
dem  25.  August  2007  zu  einer  Geisel  gerufen  worden,  welche 
dringend  medizinischer  Hilfe  bedurft  habe.  Zusammen  mit  einem 
bewaffneten  Mitglied  der  Gruppierung,  einem  Kämpfer,  hätten  sie 
diesen in I._______ abgeholt und ins Spital geführt. Der Patient, der 
an Asthma gelitten habe, habe auf dem Weg ins Spital geweint. Nach 
der Behandlung habe die Geisel ihnen ein Foto seiner beiden Töchter  
gezeigt  und  darum  gefleht,  doch  freigelassen  zu  werden.  Er  habe 
ihnen 1 Million Naira offeriert für die Freilassung. Sein Begleiter habe 
sich  anfänglich  jedoch  dagegen  gestellt.  Als  er  ihn  immer  wieder 
darum gebeten habe, die Geisel doch freizulassen, habe der Kämpfer 
schliesslich eingewilligt. Sie hätten die Geisel  an eine Bushaltestelle 
gebracht,  von wo aus sie  J._______ habe verlassen können. Dabei 
seien  sie  von  Leuten,  die  von  ihrer  Zugehörigkeit  zur  D._______ 
gewusst hätten, offenbar beobachtet worden. Er habe seinen Begleiter, 
welcher zur Basis  habe zurückkehren müssen, am Ufer ausgeladen. 
Dieser sei dann auf dem Wasserweg zur Basis auf der Insel F._______ 
zurückgekehrt.  Der  Vorgesetzte  seines  Begleiters,  Herr  E._______, 
habe bereits gewusst, was geschehen sei, da er von den Leuten, die 
sie  beobachtet  hätten,  mit  dem  Handy  informiert  worden  sei.  Herr 
E._______ habe seinen Begleiter gefragt,  wie alles gelaufen sei. Als 
dieser  die  Ausrede,  wonach  die  Geisel  nach  der  Behandlung  habe 
entkommen  können,  habe  vortragen  wollen,  habe  Herr  E._______ 
gesagt, er solle nichts sagen, er wisse bereits, dass sie den weissen 
Mann auf  den  Bus gebracht  hätten. Der  Beschwerdeführer  sei  über 
das  Schicksal  des  Begleiters  dahingehend  informiert  worden,  dass 
dieser während des Verhörs gefoltert worden sei. Dessen linkes Bein 
sei  angeschossen  worden  und  eines  seiner  Ohre  sei  teilweise 

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abgeschnitten worden. Dann sei er in die Mangroven gebracht worden. 
Bei der D._______ sei es so, dass man beim Brechen des geleisteten 
Eides  in  die  Mangroven  geworfen  werde  und  nie  mehr  lebend 
herauskomme. Er selbst habe, nachdem er seinen Begleiter abgesetzt 
hatte, das Auto abgestellt und sei nach C._______ zurückgekehrt. Am 
nächsten Morgen habe er von den Vorfällen erfahren, indem er seinen 
Nachbarn  telefoniert  habe  beziehungsweise,  indem  einer  seiner 
Nachbarn  ihm  telefoniert  habe.  Er  habe  auch  erfahren,  dass  sein 
Familienhaus  angegriffen  worden  sei,  seine  persönlichen  Effekten 
zerstört  worden  seien  und  er  gesucht  werde.  Er  habe  sich  in 
C._______  nicht  mehr  sicher  gefühlt.  Als  es  dunkel  geworden  sei,  
habe  er  sich  in  einen  Wald  begeben  und  sei  dort  bis  zum  frühen 
Morgen des folgenden Tages verblieben. Er habe die befreite Geisel 
kontaktiert  und  diese  gefragt,  ob  sie  ihm  nun  helfen  könne.  Der 
Befreite habe ihn nach Lagos bestellt. Am 30. August 2007 hätten sie 
sich auf dem Flughafen getroffen. Die befreite Geisel sei in Begleitung 
einer  weissen  Person  gewesen.  Er  habe  einen  britischen  Pass 
erhalten.  Bei  der  Passkontrolle  habe  man  ihn  dank  des  britischen 
Passes  "einfach  durchgehen  lassen".  Sicherheitskontrollen  habe  er 
keine  passieren  müssen.  Er  sei  mit  dem  weissen  Mann  direkt  ins 
Flugzeug marschiert. Für die Reise habe er nichts bezahlen müssen. 
Er wisse weder, mit welcher Fluggesellschaft er geflogen sei, noch, wo 
die  Maschine  zwischengelandet  sei.  Abschliessend  führte  der 
Beschwerdeführer  aus,  er  hätte  im September  2007  die  Ausbildung 
zum  Kämpfer  beginnen  müssen.  Dies  hätte  bedeutet,  dass  er  auf 
Befehl auch Leute hätte umbringen müssen. 

Nach Ausweispapieren gefragt, gab der Beschwerdeführer an, er habe 
sich  in  Nigeria  mit  dem Ausweis  der  Jugendbewegung  und  seinem 
Führerschein ausgewiesen. Zudem befänden sich zu Hause noch ein 
Geburtschein und Schulzeugnisse. Er sei sich fast sicher, dass es ihm 
gelingen werde, den Führerschein durch eine Person, die fast sei wie  
ein Onkel, zu beschaffen.

Zum Nachweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen 
englischsprachigen Zeitungsartikel aus der Daily Sun vom 24. August 
2007 zu den Akten.

C.   
Am 22. Februar 2008 verfügte das K._______ [Behörde] gestützt auf 
Art.  74  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 

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Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  die  Ausgrenzung 
des  Beschwerdeführers  aus  dem  Gebiet  des  Kantons  L._______, 
nachdem  dieser  am  21.  Februar  2008  wegen  des  dringenden 
Verdachts auf Verkauf von Kokain festgenommen worden war. 

D.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2008, eröffnet am 3. März 2008, trat 
das BFM auf das Gesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 32 
Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren 
Vollzug an.

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, dass der 
Beschwerdeführer  keine  Reise-  oder  Identitätspapiere  abgegeben 
habe  und  er  dafür  keine  entschuldbaren  Gründe  habe  glaubhaft 
machen können. Weiter seien seine Asylvorbringen unglaubhaft, wes-
halb  er  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle.  Zusätzliche  Ab-
klärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses seien aufgrund der Aktenlage nicht 
erforderlich.  Für  die  detaillierte  Begründung  wird  auf  die  nach-
stehenden Erwägungen verwiesen.

E.
Mit  Eingabe  vom  7.  März  2008  erhob  der  Beschwerdeführer  beim 
Bundesverwaltungsgericht  durch  seine  Rechtsvertreterin  fristgerecht 
Beschwerde.  Er  beantragte  die  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM 
vom 27.  Februar  2008,  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft 
und  die  Asylgewährung;  weiter  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs  festzustellen  und  eine  vorläufige  Aufnahme  anzu-
ordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht  ersuchte er  um Gewährung 
der  unentgeltlichen Rechtspflege sowie  um Ansetzen einer  Frist  zur 
Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung;  zudem  sei  die  auf-
schiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzustellen.

Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen werden.

F.
Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  März  2008  teilte  die  Instruktions-
richterin  mit,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Be-
schwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. Der  Rechtsvertreterin 

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wurde antragsgemäs eine Frist zur Beschwerdeergänzung eingeräumt. 
Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet und das 
Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wurde auf 
einen späteren Zeitpunkt verwiesen. 

G.
Mit  Urteil  vom  10.  März  2008  bestätigte  das  Verwaltungsgericht 
L._______  die  vom kantonalen  Migrationsamt  verfügte  Ausgrenzung 
aus  dem Kanton  L._______  des  im  Kanton  M._______  wohnhaften 
Beschwerdeführers. 

H.
Mit  Eingabe  vom 30.  März  2008  reichte  die  Rechtsvertreterin  frist-
gerecht die in Aussicht gestellte Beschwerdeergänzung zu den Akten. 
Der  Eingabe  lagen  diverse  Beweismittel  (vgl.  E.  4.6.2)  sowie  eine 
Fürsorgebestätigung bei. 

I.
In seiner Vernehmlassung vom 15. Mai 2008 beantragte das BFM die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlasung  wurde  der  Rechts-
vertreterin am 20. Mai 2008 ohne Replikrecht zugestellt.

J.
Mit Strafverfügung des O._______ [Behörde] vom 10. Juni 2008 wurde 
der Beschwerdeführer wegen Besitzes und Verkaufs von Kokain und 
des Kaufs, Besitzes und Konsums von Marihuana und Haschisch zu 
einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagesstätzen zu je Fr. 30.-- sowie 
einer Busse von Fr. 100.-- verurteilt. Hinsichtlich zweier sichergestellter 
Handys wurden der Einzug und die Vernichtung verfügt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 

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die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im 
Bereich des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, 
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung. Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 108 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 48 Abs. 1 
und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  der  Form  nach  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Be-
gründetheit  hin  zu  prüfen  (Art.  32-35  AsylG),  ist  die  Beurteilungs-
kompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  be-
schränkt,  ob die  Vorinstanz zu Recht  auf  das  Asylgesuch nicht  ein-
getreten  ist.  Dementsprechend  ist  im  Fall  der  Begründetheit  des 
Rechtsmittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache 
zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  (vgl.  Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.).

3.2 Bei dem am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Nichteintretenstat-
bestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG, auf welchen sich  
die hier angefochtene Verfügung stützt, hat das BFM im Rahmen einer 
summarischen Prüfung das offenkundige Nichterfüllen der Flüchtlings-
eigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG und das offenkundige Fehlen 
von  Wegweisungsvollzugshindernissen  zu  beurteilen  (Art.  32  Abs.  3 
Bstn. b und c AsylG),  weshalb  insoweit  bei  dagegen erhobenen Be-
schwerden auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet 
(vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts, 
[BVGE] 2007/8 vom 11. Juli 2007 E. 2.1).

Nicht  einzutreten  ist  demgegenüber  auf  das  Rechtsbegehren  be-

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treffend Asylgewährung. Was sodann das Rechtsbegehren betrifft, es 
sei  die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzustellen, 
ist  dieses  gegenstandslos,  nachdem die  Beschwerde  von  Gesetzes 
wegen  aufschiebende  Wirkung  hatte  (vgl.  Art.  42  AsylG)  und  diese 
auch nicht entzogen worden war.

3.3 Die Vorinstanz hat  die  Frage der  Wegweisung und des Vollzugs 
materiell  geprüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüg-
lich volle Kognition zukommt.

4.
4.1 Gemäss Art. 32  Abs. 2 Bst. a  AsylG wird auf  Asylgesuche nicht 
eingetreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 
Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere 
abgeben.  Diese  Norm  findet  jedoch  keine  Anwendung,  wenn  Asyl-
suchende  entweder  glaubhaft  machen  können,  dass  sie  aus  ent-
schuldbaren Gründen nicht in der Lage sind, innerhalb von 48 Stunden 
nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise-  oder  Identitätspapiere  abzu-
geben (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG) oder aufgrund der Anhörung sowie 
gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt 
wird  (Art. 32  Abs. 3 Bst. b  AsylG). Weiter  findet  die obgenannte  Be-
stimmung auch dann keine Anwendung, wenn sich  aufgrund der An-
hörung  erweist,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG).

4.2 Unter  den  Begriff  “Reise-  oder  Identitätspapier“  gemäss  Art.  32 
Abs. 2 Bst. a AsylG fallen nur fälschungssichere Dokumente und Aus-
weise,  welche  von  den  heimatlichen  Behörden  hauptsächlich  zum 
Zwecke des Identitätsnachweises ausgestellt worden sind und sowohl 
eine  zweifelsfreie  Feststellung  der  Identität  –  einschliesslich  der 
Staatsangehörigkeit – als auch den allfälligen Vollzug der Wegweisung 
der asylsuchenden Person ermöglichen. Diese Anforderungen erfüllen 
nur Reisepässe und Identitätskarten, nicht aber zu anderen Zwecken 
ausgestellte  Dokumente  wie  insbesondere  Führerausweise,  Berufs- 
und Schulausweise sowie Geburtsurkunden (vgl. BVGE 2007/7). 

Vorliegend  reichte  der  Beschwerdeführer  einzig  einen  Ausweis  der 
D._______ ein. Gemäss zitierter Rechtsprechung ist dieses Ausweis-
papier klarerweise nicht rechtsgenüglich. 

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4.3 Demnach ist bezüglich der Papierlosigkeit des Beschwerdeführers 
zu  prüfen,  ob  er  entschuldbare  Gründe  geltend  macht,  weshalb  er 
keine Identitätspapiere habe abgeben können. 

Die Vorinstanz verneinte das Vorliegen solcher entschuldbarer Gründe. 
Sie führte an, der Beschwerdeführer habe behauptet, nie einen Pass 
oder eine Identitätskarte besessen zu haben. Hingegen sei er im Be-
sitz eines Führerausweises gewesen, welchen er im Chauffeurwagen 
der D._______ zurückgelassen habe. Während er bei der ersten Be-
fragung noch behauptet habe, diesen im Wagen der Verfolger zurück-
gelassenen Ausweis nicht beschaffen zu können, habe er bei der An-
hörung angegeben, er könne sich an eine bestimmte Person wenden, 
welcher es vermutlich gelingen dürfte, den Führerschein zu besorgen. 
Auch  habe  er  einen  Geburtsschein  und  Schulzeugnisse  erwähnt, 
welche zu Hause zurückgeblieben seien. Trotz der Zusicherung, eines 
dieser  Papiere  zu  beschaffen,  habe  er  in  den  folgenden  Monaten 
offensichtlich  nichts  unternommen  und  auch  keine  Begründung  für 
seine  Säumnis  geliefert.  Ungeachtet  der  fehlenden 
Rechtsgenüglichkeit  der in  Aussicht  gestellten  Dokumente lasse das 
Verhalten des Beschwerdeführers den Schluss zu,  dass dieser nicht 
gewillt  sei,  seine  Identität  mit  Ausweisen  zu  belegen.  Aufgrund  der 
dargelegten, widersprüchlichen Ausführungen des Beschwerdeführers 
sei zu schliessen, dieser habe echte Reisepapiere verwendet,  die er 
den Behörden jedoch nicht aushändigen wolle. 

4.4  In  der  Beschwerde  wird  bezüglich  der  Nichtabgabe  der  Identi-
tätspapiere  Folgendes  angeführt:  Der  Beschwerdeführer  habe  den 
Mitgliederausweis  der  D._______  abgegeben. Damit  habe  er  seinen 
Willen, seine Identität mittels Ausweisen zu belegen, bereits gezeigt. 
Er habe nicht ahnen können, dass es ihm zu einem späteren Zeitpunkt 
negativ  ausgelegt  würde,  wenn  er  offen  zugebe,  welche  weiteren 
Papiere sich noch in der Heimat befänden. Er sei auch nicht auf den 
Umstand hingewiesen worden, dass es sich bei  diesen Dokumenten 
um  nicht  rechtsgenügliche  Dokumente  handeln  würde.  Was  das 
Fehlen einer Identitätskarte anbelange, sei darauf hinzuweisen, dass 
es  der  nigerianischen  Regierung  bis  heute  nicht  gelungen sei,  eine 
nationale Identitätkarte zu etablieren. Im Februar 2004 seien lediglich 
2.75 Millionen Exemplare zur Ausgabe bereit gewesen, dies bei einer 
Bevölkerungszahl  von 128 Millionen. Faktisch bedeute dies,  dass es 
für  nigerianische  Staatsangehörige  praktisch  unmöglich  sei,  eine 
Identitätskarte  zu  besitzen.  Dass  der  Beschwerdeführer  nie  einen 

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nigerianischen  Pass  besessen  habe,  sei  ebenfalls  glaubhaft.  Die 
Passausstellung sei nämlich mit hohem Aufwand und der Überprüfung 
des  persönlichen  Hintergrundes  des  Antragstellers  verbunden.  Die 
Gebühren seien infolge Korruption zudem doppelt so hoch wie auf den 
Formularen vermerkt. Wer nicht beabsichtige, das Land zu verlassen, 
nehme  diese  Mühe  nicht  auf  sich.  Dass  der  Beschwerdeführer 
angesichts  der  Zunahme des  Handels  von  gefälschten  Dokumenten 
nicht versucht habe, Fälschungen der von ihm geforderten Papiere zu 
erlangen,  spreche  für  dessen  Integrität.  Vermutlich  sei  ein  unechter 
Mitgliedsausweis  einer  Jugendbewegung  viel  seltener.  Die  Echtheit 
des  D._______-Ausweises  sei  vom  BFM  übrigens  nicht  bestritten 
worden.  Zu  berücksichtigen  sei  auch,  dass  das  Ausweisen  mittels 
eines  Führerscheins  im  P._______  ausreichend  (gewesen)  sei.  Der 
Beschwerdeführer  habe  somit  keine  Veranlassung  gehabt,  eine 
Identitäskarte oder einen Pass zu beantragen, zumal es schnell habe 
gehen  müssen  und  er  von  der  befreiten  Geisel  einen  Pass  für  die 
Ausreise erhalten habe. Der  Beschwerdeführer  habe im Übrigen nie 
behauptet, den Führerschein und die weiteren Dokumente beschaffen 
zu  können;  vielmehr  habe  er  eingeräumt,  die  Beschaffung  sei 
schwierig,  aber  er  werde  es  versuchen. Die  vom Beschwerdeführer 
vorgesehene Mittelsperson sei – wie absehbar gewesen sei – nicht in 
der Lage gewesen, sich ohne Eingehen eines Risikos an ein Mitglied 
der  D._______  zu  wenden.  Die  Rechtsvertreterin  weist  schliesslich 
darauf  hin,  dem Beschwerdeführer sei nicht  gesagt worden, dass er 
sich gegenüber dem BFM zu erklären habe, falls die Beschaffung nicht 
klappen sollte.

4.5  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  die  Einwände  der 
Rechtsvertreterin  zur  Nichtabgabe  eines  rechtsgenüglichen  Identi-
tätspapieres  nicht  als  stichhaltig.  Es  mag  zwar  zutreffen,  dass  die 
überwiegende Mehrheit der nigerianischen Bevölkerung – die Gründe 
dazu sind vielfältig  -  über kein amtliches Identitätsdokument verfügt.  
Dieser  Umstand  allein  reicht  jedoch  nicht  aus,  um  bei  sämtlichen 
nigerianischen  Staatsangehörigen  von  vornherein  vom  Fehlen  jeg-
licher  Reisepapiere  auszugehen.  Vielmehr  obliegt  es  diesen,  zum 
Verbleib  der  Papiere,  der  Möglichkeit  der  Beschaffung  dieser  oder 
weiterer Identitätsbelege, der Herreise ohne jegliche Papiere oder der 
Benutzung  gefälschter  Papiere  überzeugende  Angaben  zu  machen. 
Dies  ist  dem Beschwerdeführer  vorliegend  nicht  gelungen. Die  Vor-
instanz hat  zur  Begründung bereits  das  unzureichende Engagement 
des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  der  Beschaffung  des  Führer-

Seite 11

scheins  oder  anderer,  zu  Hause  zurückgelassener  Papiere  erwähnt. 
Der Einwand, dass der im D._______-Wagen zurückgelassene Führer-
schein durch seine Kontaktperson aus Sicherheitsgründen nicht habe 
beschafft  werden  können,  vermag  angesichts  der  unglaubhaften 
Asylvorbringen  (siehe  nachstehend  E.  4.6.3)  nicht  zu  überzeugen. 
Weitere Zweifel ergeben sich im Zusammenhang mit dem Verbleib des 
Führerscheins auch daraus, dass der Beschwerdeführer sich hinsicht-
lich  des  Ortes,  wo  er  den  Führerschein  im  Wagen  deponiert  habe, 
widersprochen  hat  (Handschuhfach beziehungsweise  hinter  Sonnen-
blende). 

Alles andere als überzeugend wirkt sodann auch die Schilderung der 
Umstände,  wie  der  Beschwerdeführer  auf  dem  Luftweg  von  Lagos 
nach Genf gelangt sei. So gab er an, die Passkontrolle in Lagos mit 
einem britischen, auf einen fremden Namen lautenden und mit einer 
fremden  Fotografie  versehenen  Pass  problemlos  passiert  zu  haben 
("als sie sahen, das es ein britischer Pass war, haben sie mich einfach 
durchgehen  lassen"  [A10/19,  S.  15]).  Sicherheitskontrollen  habe  er 
dank  des  Schleppers  umgehen  können  ("ich  lief  mit  ihm  direkt  ins 
Flugzeug. Ich ging nicht durch die Kontrollen wie die anderen Leute" 
[A10/19, S. 16]). Weiter vermochte der Beschwerdeführer weder  an-
zugeben, mit welcher Fluggesellschaft er gereist sei, noch, in welchem 
Land er in ein anderes Flugzeug umgestiegen sei (A1/10, S. 7). Wenig 
plausibel ist auch die Aussage, er wisse nicht mit Sicherheit, wer seine 
Reise bezahlt  habe (A10/19, S. 15). Dass der Beschwerdeführer bei 
der  Asylgesuchstellung  im Besitz  einer  Fahrkarte  aus Grenoble  und 
einer französischen Telefonkarte war, lässt zusätzliche Zweifel an der 
Darstellung der Reiseumstände aufkommen. Anzuführen ist in diesem 
Zusammenhang auch die  unterschiedlich ausgefallene Beschreibung 
des Schleppers, welcher gemäss Befragung im EVZ schwarzer Haut-
farbe  (A1/10.  S.  6  ["monsieur  noir"]),  gemäss  späterer  Anhörung 
weisser  Hautfarbe gewesen sei  ("Auch ein  weisser Mann. Ich denke 
vielleicht war er ein Libanese, aber auf jeden Fall war es ein Weisser" 
[A10/19,  S.  15]).  Der  Einwand  der  Rechtsvertreterin  zu  dieser  Un-
gereimtheit  -  es  sei  am Bundesverwaltungsgericht  zu  beurteilen,  ob 
eine  arabische  Person  weisser  oder  schwarzer  Hautfarbe  sei  (Be-
schwerdeergänzung  S.  5)  -  vermag  angesichts  der  Wahrnehmung 
durch den Beschwerdeführer selbst ebensowenig zu überzeugen wie 
die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  er  habe  nie  von  einem 
Schwarzen gesprochen (A19/10. S. 15). 

Seite 12

Zusammenfassend  ergibt  sich  somit,  dass  einerseits  aus  dem 
fehlenden  Engagement  des  Beschwerdeführers,  heimatliche  (wenn 
auch rechtsungenügliche) Dokumente zu beschaffen, und andererseits 
aus den unsubstanziierten, unrealistischen und teils widersprüchlichen 
Angaben  zur  Ausreise  geschlossen  werden  darf,  der 
Beschwerdeführer verheimliche die wahren Umstände seiner Ausreise 
und enthalte den Schweizer Behörden die für die Aus- und Einreise 
verwendeten  Reisepapiere  vor.  Das  BFM  ist  damit  zu  Recht  vom 
Fehlen  von  entschuldbaren  Gründen  für  das  Nichteinreichen  von 
Reise- oder Identitätspapieren ausgegangen. 

4.6
4.6.1 Die  Vorinstanz  führte  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  weiter 
aus, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft 
ausgefallen. So widersprächen mehrere Vorbringen des Beschwerde-
führers  in  wesentlichen Punkten der  allgemeinen Erfahrung und der 
Logik des Handelns. Es sei beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass 
der  Beschwerdeführer  und sein  Kollege die  Geisel  ausgerechnet  an 
einer  Bushaltestelle  freigelassen  und  überdies  mit  ihr  noch  auf  den 
Bus gewartet hätten. Bushaltestellen seien stark frequentiert  und die 
Gefahr,  beobachtet  zu  werden,  sei  dort  besonders  gross.  Auch  sei 
kaum  nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer  das  ihm 
hierarchisch  übergeordente  D._______-Mitglied  zur  Freilassung 
überredet  habe,  habe  er  doch  bei  Ablehnung  mit  fatalen  Folgen  für 
seine Person rechnen müssen. Die Aussage des Rekurrenten, er sei 
nicht zum Führer gegangen, da er sonst heute nicht mehr am Leben 
wäre, lasse sich sodann nicht mit der weiteren Aussage vereinbaren, 
dass  er  zu  diesem  Zeitpunkt  noch  nichts  von  der  Information  des 
Führers  durch  Drittpersonen  gewusst  habe.  Die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers  seien  aber  auch  aufgrund  von  Widersprüchen 
nicht  glaubhaft.  So  habe  sich  der  Beschwerdführer  unterschiedlich 
über den Ort geäussert, in welchem er den Entführten abgeholt habe. 
Zudem habe er bei der ersten Befragung angegeben, den Chefs die 
Ausrede unterbreitet  zu haben und diese hätten ihnen geglaubt. Bei 
der Anhörung habe er jedoch in krassem Gegensatz dazu behauptet, 
sein Begleiter sei zum Führer zitiert  worden und dieser habe bereits 
über die Freilassung Bescheid gewusst. Weiter erachtete das BFM den 
Sachverhalt  auch  aufgrund  tatsachenwidriger  Angaben  nicht  als 
glaubhaft. So habe der Beschwerdeführer angegeben, die D._______ 
sei  etwa  im  Jahre  [...]  gegründet  worden;  gemäss  allgemein 
zugänglichen  Informationen  sei  die  Gründung  jedoch  einige  Jahre 

Seite 13

später  erfolgt.  Somit  könne  auch  ausgeschlossen  werden,  dass  der 
Beschwerdeführer  seit  2001  als  Chauffeur  für  die  Gruppierung  tätig 
gewesen sei. Hinsichtlich des eingereichten Zeitungsartikels  aus der 
Daily Sun vom 24. August 2007 hielt das BFM fest, dieser beziehe sich 
nicht auf die konkrete Situation des Beschwerdeführers, sondern auf 
die  allgemeine  Lage  in  Q._______  und  vermöge  die  Zweifel  am 
Sachverhalt  nicht  auszuräumen.  Schliesslich  erwog  das  BFM,  dass 
sich  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
als nicht erforderlich erwiesen.

4.6.2 In  der  Beschwerde  wird  den  von  der  Vorinstanz  angeführten 
Unglaubhaftigkeitselementen  wie  folgt  entgegnet:  Der  Beschwerde-
führer habe keine andere Wahl gehabt,  als die Geisel an einer Bus-
haltestelle  freizulassen,  da  sie  an anderer  Stelle  als  weisse  Person 
keine  Chance  gehabt  hätte,  sicher  nach  Hause  zu  kommen. In  der 
Beschwerdeergänzung weist  die  Rechtsvertreterin  weiter  darauf  hin, 
dass der Beschwerdeführer zudem gezwungen gewesen sei, auf den 
Bus  zu  warten,  da  die  Geisel  sonst  Repressalien  der  Bevölkerung 
ausgesetzt gewesen wäre. 

Hinsichtlich  des  Gründungsdatums  der  D._______  führt  die 
Rechtsvertrerterin  an,  im  Internet  fänden  sich  unterschiedliche 
Gründungsdaten. Auch sei  zu berücksichtigen,  dass sich die Namen 
der  Milizen mehrfach geändert  hätten. Aus der  politischen Relevanz 
der  D._______  bei  der  Wahl  des  Gouverneurs  R._______  sei  zu 
schliessen,  dass  die  Gruppierung bereits  früher  als  2003  gegründet 
worden  sei.  Die  Rechtsvertreterin  erwähnt  in  der  Beschwerde 
verschiedene  Quellen,  welchen  diverse  Zusammenschlüsse 
verschiedener  Milizen,  entsprechende  Daten  und  die  Namen  der 
Führer zu entnehmen sind. Auch daraus schliesst sie auf ein älteres 
Gründungsdatum als vom BFM angenommen.

In  der  Beschwerdeergänzung  macht  die  Rechtsvertreterin  sodann 
geltend,  die  vom BFM angeführten  Widersprüche  seien  nur  bedingt 
widersprüchlich. Die risikobehaftete Freilassung der Geisel erklärt die 
Rechtsvertreterin damit, dass der Beschwerdeführer von Zivilcourage 
erfasst worden sei und zur Geisel,  die um Freilassung gefleht  habe, 
nicht mehr die nötige Distanz gehabt habe. Es sei normal, dass er von 
den Bitten der Geisel berührt worden sei. Nebst Mitleid sei ein weiterer 
Grund für die Befreiung die Hoffnung gewesen,  davon profitieren zu 

Seite 14

können.  Die  Abwägung  zwischen  Risiko  und  Erfolgsausicht  einer 
Person,  die  jederzeit  damit  rechnen  müsse,  erschossen  oder  Opfer 
einer Krankheit zu werden, sei übrigens nicht mit der Risikoabwägung, 
wie wir sie vornehmen würden, vergleichbar.

Insoweit das BFM den Versuch des Beschwerdeführers, den Begleiter 
für  die  Freilassung  zu  gewinnen,  als  gefährlich  und  realitätsfremd 
bezeichnet habe, sei Folgendes einzuwenden: Der Beschwerdeführer 
habe  dank  seiner  Menschenkenntnis  gemerkt,  dass  seinem Partner 
die  Geisel  ebenfalls  nicht  gleichgültig  gewesen  sei.  Er  habe  sich 
vorsichtig  vorgetastet  und  die  Freilassung  erst  nur  scherzhaft 
vorgeschlagen.  Die  (positive)  Reaktion  des  Begleiters  habe  den 
Beschwerdeführer veranlasst "weiterzubohren". 

Weiter wendet die Rechtsvertreterin ein, der Beschwerdeführer habe 
gar nicht - wie vom BFM behauptet - abgelehnt, seinen Kollegen zum 
Chef zu begleiten. Vielmehr habe er ausgesagt, dass er nicht mehr am 
Leben  wäre,  wenn  er  mitgegangen  wäre.  Zwar  habe  er  in  jenem 
Zeitpunkt noch nichts über den Informationsstand des Chefs gewusst, 
er habe jedoch damit rechnen müssen, dass die Erklärung, die Geisel 
sei geflohen, nicht akzeptiert würde. 

Keinen  Widerspruch  stellten  sodann  die  Aussagen  dar,  wonach  die 
Geisel  in  S._______-F._______  beziehungsweise  in  I._______ 
abgeholt  worden  sei.  Lezteres  stelle  nämlich  einen  Teil  der  bedingt 
urbanen  Region  namens  S._______-F._______  dar.  Zu  Unrecht  sei 
dem Beschwerdeführer  schliesslich  auch  ein  Widerspruch  bezüglich 
der Information ihrer Chefs vorgehalten worden. 

Zur Untermauerung reichte die Rechtsvertreterin folgende Dokumente 
ein: [...].

4.6.3 Mit  zwei  Entscheiden  vom  11.  Juli  2007  (BVGE  2007/7  und 
2007/8)  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  verschiedene  grundsätz-
liche  Fragen  im Zusammenhang mit  der  Anwendung der  revidierten 
Gesetzesbestimmung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und  Art.  32  Abs. 3 
AsylG geklärt. Wie bereits oben unter E. 3.2 ausgeführt, stellt das Ver-
fahren nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG ein Summarver-
fahren dar, in welchem über die Flüchtlingseigenschaft abschliessend 
befunden  wird.  Die  Vorbringen  sind  materiell  im  Hinblick  auf  die 
Flüchtlingseigenschaft  zu prüfen. Auf ein Asylgesuch ist  nicht  einzu-

Seite 15

treten, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung festgestellt 
werden  kann,  dass  die  asylsuchende  Person  die  Flüchtlingseigen-
schaft  nicht  erfüllt.  Die  Offensichtlichkeit  der  fehlenden  Flüchtlings-
eigenschaft kann sich dabei aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, 
genauso aber  auch aus der  fehlenden Asylrelevanz ergeben (BVGE 
2007 Nr. 8 E.5.6.4 und 5.6.5).  

Das Bundesverwaltungsgericht teilt nach einer Gegenüberstellung der 
Protokolle die vom BFM vorgenommene Einschätzung der fehlenden 
Glaubhaftigkeit. Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind in weiten 
Teilen  widersprüchlich  und nicht  nachvollziehbar. Den vom BFM an-
geführten Widersprüchen werden in der Beschwerde zwar diverse Er-
klärungen  und  Beweismittel  entgegengehalten,  welche  vereinzelt  zu 
greifen und vorinstanzliche Begründungselemente in Frage zu stellen 
vermögen.  Insgesamt  führen  sie  jedoch  zu  keiner  anderen  Ein-
schätzung der fehlenden Glaubhaftigkeit. 

Wie einleitend aufgezeigt,  ergeben sich erste Zweifel  am Wahrheits-
gehalt der Aussagen bereits durch die realitätsfremde Schilderung der 
Einreise. Weitere  massive Zweifel  ergeben sich  sodann durch einen 
Vergleich  der  Schilderung  des  fluchtauslösenden  Vorfalles  und  der 
Folgeereignisse  in  den  beiden  Protokollen.  Diese  Schilderungen 
bleiben  auch  unter  Berücksichtigung  der  eingereichten  Beweismittel 
und ungeachtet der vom BFM möglicherweise zu Unrecht angeführten 
Widersprüche  zu  den  Örtlichkeiten  der  Freilassung  äusserst 
unstimmig. Da das BFM im angefochtenen Entscheid längst nicht alle 
Unstimmigkeiten angeführt hat, seien die deutlichsten Divergenzen in 
den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  nachstehend  (nochmals) 
angeführt: 

Gemäss  erster  summarischer  Befragung  sind  der  Beschwerdeführer 
und  sein  bewaffneter  Begleiter  beide  zur  Basis  zurückgekehrt  und 
haben dort ihre Chefs bzw. Verantwortlichen darüber informiert,  dass 
der Geisel als Folge eines Alarms die Flucht gelungen sei. Ebenfalls 
gemäss erster  Schilderung ist  der  Begleiter  am Folgetag durch  den 
von Drittpersonen über  die  Freilassung informierten Leader  gefoltert 
worden  (beide  Ohren  abgeschnitten)  und  dann  in  die  Mangroven 
geführt  worden,  wo  er  auch  exekutiert  worden  sei.  Der 
Beschwerdeführer  sei  durch  jemanden  aus  dem  Dorf  über  diese 
Vorfälle informiert  worden und habe sich deswegen für eine gewisse 
Zeit  in  den  Wald  begeben.  Nachts  sei  er  in  sein  zwischenzeitlich 

Seite 16

verwüstetes  Haus  (auf  F._______)  zurückgekehrt,  wo  er  von 
schockierten Nachbarn über alles informiert worden sei. Danach habe 
er die Flucht in Richtung Lagos ergriffen. 

Diese  Darstellung  bei  der  ersten  Befragung  am 6. September  2007 
weicht  massiv  von den  Schilderungen  anlässlich  der  Anhörung vom 
10.  Dezember  2007  ab.  Danach  hat  sich  der  Beschwerdeführer  im 
Gegensatz zu seinem Begleiter nicht ins Basislager begeben, sondern 
ist  nach  dem  Parkieren  des  Wagens  direkt  nach  C._______ 
zurückgekehrt.   Sein  Begleiter  sei  im  Camp bereits  vom per  Handy 
über die Freilassung informierten Leader E._______ erwartet worden. 
Als er die vereinbarte Ausrede habe vortragen wollen, wonach sich die 
Geisel nach der medizinischen Behandlung unter die Leute gemischt 
habe,  sei  er  von  E._______  unterbrochen  worden. E._______  habe 
erklärt, er solle nichts sagen, er wüsste schon, dass sie die Geisel auf 
den Bus gebracht  hätten. Sein  Begleiter  sei  gefoltert  worden (eines 
der Ohren sei ihm teilweise abgeschnitten und am linken Bein sei er 
angeschossen worden). Dann sei er zu den Mangroven, aus welchen 
bisher  niemand lebend  herausgekommen sei,  gebracht  worden. Der 
Beschwerdeführer habe am nächsten Tag telefonisch durch Nachbarn 
des Familienhauses auf der Insel F._______ von der Suche nach ihm 
erfahren (er habe einen Nachbarn angerufen beziehungsweise er sei 
von  diesem angerufen  worden).  Vermutlich  am nächsten  Tag sei  er 
nach Lagos gegangen. Die Nacht dazwischen habe er sich im Wald 
versteckt (diese Aussage erfolgte erst auf Vorhalt hin).  

Angesichts dieser deutlich voneinander abweichenden Versionen steht 
für  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer  vorliegend  auf  ein  Konstrukt  beruft.  Die 
Einschätzung  der  Rechtsvertreterin,  die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers seien nur bedingt widersprüchlich, kann demnach 
nicht geteilt werden. Das Gericht verzichtet ob dieser Sachlage darauf, 
auf weitere Unstimmigkeiten, beispielsweise bezüglich der Zeitspanne 
zwischen Freilassung und Flucht, einzugehen. 

Wie  bereits  erwähnt,  vermögen die  Einwände der  Rechtsvertreterin, 
welche sich schwergewichtig mit  der Plausibilität  der Vorbringen und 
der  Motivation  des  Beschwerdeführers  auseinandersetzen,  die 
unstimmige  Geschichte  nicht  zu  erhellen.  Angesichts  der  massiv 
divergierenden  Vorbringen  kann  das  genaue  Gründungsdatum  der 
D._______, über welches in der Tat unterschiedliche Daten zirkulieren, 

Seite 17

offenbleiben. Abschliessend sei bezüglich der Erklärungsversuche der 
Rechtsvertreterin  erwähnt,  dass  sich  diese  zum  Teil  nicht  mit  den 
Aussagen  des  Rekurrenten  vereinbaren  lassen.  Als  Beispiel  sei  die 
Behauptung  der  Rechtsvertreterin  erwähnt,  das  Handeln  des 
Beschwerdeführers sei dadurch bestimmt gewesen, dass dieser eben 
damit gerechnet habe, die Fluchtausrede werde nicht geglaubt. Dieser 
Einwand  steht  jedoch  in  klarem  Widerspruch  zur  Aussage  des 
Beschwerdeführers selbst,  er hätte nicht  gedacht,  dass es Probleme 
geben könnte (A10/19 S. 10). 

Aus den obenstehenden Erwägungen wird schliesslich deutlich, dass 
den  zahlreichen  Beweismitteln,  welche  vorwiegend  den  Hintergrund 
der  Verfolgungsgeschichte  beleuchten  und  die  verschiedenen  im 
Kampf um die Ölvorkommen entstandenen Gruppierungen in Nigeria 
porträtieren, kein Beweiswert zuzukommen vermag.  

Nach  dem  Gesagten  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  Art.  7  AsylG  nicht  zu 
genügen  vermögen.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  die 
Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht. 

4.6.4 Zu bemerken bleibt schliesslich, dass sich aus den Akten auch 
keine  Anhaltspunkte  ergeben,  aufgrund  derer  zusätzliche  sachliche 
oder  rechtliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigen-
schaft oder - wie sich auch noch aus den nachfolgenden Erwägungen 
zum Vollzug der Wegweisung ergibt (vgl. Erwägungen 6 und 7) - eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind.

4.7 Das BFM ist demnach zu Recht gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und 
Abs. 3 AsylG nicht  auf  das Asylgesuch des Beschwerdeführers  ein-
getreten.

5.
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 

Seite 18

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

6.
Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von  Ausländern  (Art.  44  Abs. 2  AsylG; Art.  83  Abs. 1  des  Bundes-
gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Aus-
länder [AuG, SR 142.20]).

6.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei -
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  
5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar-
auf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da der  Beschwerde-
führer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, kann das in Art.  5 AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren auch keine Anwendung finden. Eine Rückkehr 
des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Seite 19

Da die Aussagen des Beschwerdeführers insgesamt unglaubhaft sind, 
ergeben sich weder aus diesen noch aus den Akten Anhaltspunkte da-
für, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit  
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK oder  Art.  1 
FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss 
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) 
sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerde-
führer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft 
machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch-
liche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit 
weiteren  Hinweisen),  was  ihm  aufgrund  der  dargelegten  Unglaub-
haftigkeit  seiner  Vorbringen  nicht  gelungen  ist.  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvoll-
zug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu-
lässig.

6.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

Zur  Entwicklung Nigerias in  den letzten Jahren lässt  sich Folgendes 
festhalten:  Nach den  von  blutigen  Zusammenstössen  begleiteten 
Präsidentschaftswahlen  von  Ende  April  2007  trat  der  siegreiche 
Kandidat  der  Regierungspartei  „People's  Democratic  Party“  (PDP), 
Umaru Yar'Adua, sein Amt am 29. Mai 2007 an und bot der Opposition 
eine  Beteiligung  an  der  nationalen  Einheitsregierung  an.  Er 
bezeichnete  die  Bekämpfung  von  Korruption  und  Armut  sowie  die 
Einigung  des  in  ethnischer  und  religiöser  Hinsicht  zersplitterten 
Landes  als  wichtigste  Ziele.  Umaru  Yar'Adua  ist  am  5.  Mai  2010 
während  laufender  Amtszeit  nach  schwerer  Krankheit  verstorben. 
Vizepräsident  Goodluck  Jonathan  wurde  in  der  Folge  als  neuer 
Präsident  vereidigt. Jonathan erklärte  bei  Amtsübernahme, er  werde 
sich  in  der  verbleibenden Zeit  bis  zu  den Wahlen im April  2011 vor 
allem der Reform des Wahlrechts,  dem Kampf gegen die Korruption 

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und  dem  Friedensprozess  im  Niger-Delta  widmen,  wo 
Untergrundgruppen  seit  2006  für  eine  verstärkte  Beteiligung  am 
Ölreichtum und gegen die Zerstörung der Umwelt kämpften. Zwar ist 
es in den vergangenen Monaten in verschiedenen Teilen des Landes 
zu  blutigen  Auseinandersetzungen  zwischen  paramilitärisch 
organisierten  Banden  und  Sicherheitskräften   beziehungsweise 
zwischen  Angehörigen  verschiedener  ethnischer  und  religiöser 
Bevölkerungsgruppen,  so  insbesondere  in  Delta-  und  Plateau-State, 
gekommen. Dass  sich  eines  der  Bundesländer  jedoch  dauerhaft  im 
Kriegs- oder Bürgerkriegszustend befinden würde oder in einem eine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  kann  -  auch  unter 
Berücksichtigung  der  vorab  im  Niger-Delta  wieder  aufgeflammten 
Konflikte  der  Milizen  mit  den  ausländischen  Ölfirmen  -  nicht  bejaht 
werden.  Eine  konkrete  Gefährdung  der  Bevölkerung  aufgrund  der 
allgemeinen Lage kann somit ausgeschlossen werden. 

Ferner sind auch keine individuellen Gründe ersichtlich, aufgrund de-
rer die Rückkehr des Beschwerdeführers nach Nigeria als unzumutbar 
beurteilt  werden müsste. Der  Beschwerdeführer war  (zumindest)  die 
letzten Jahre vor seiner Ausreise in C._______ wohnhaft. Er ist jung,  
gebildet  und  offenbar  gesund.  Er  verfügt  eigenen  Angaben  zufolge 
über  einen  Studienabschluss  in  T._______  und  will  während  Jahren 
als Chauffeur gearbeitet haben. Aufgrund divergierender Angaben zu 
seinen Wohnorten und zu seinen Eltern ist unklar, auf welches soziale 
Netz  sich  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  wird  stützen 
können. Eigenen Angaben zufolge verfügt  sein  Familienclan auf  der 
Insel  F._______  über  eine  Liegenschaft,  in  der  er  eine  Wohnung 
gehabt  habe.  Auch  sind  dort  sowie  in  C._______  noch  Verwandte 
wohnhaft.  Ebenfalls  dürfte  er  am  Herkunftsort  seines  Vaters, 
G._______,  wohin  er  immer  wieder  gependelt  sein  will,  über 
Beziehungen verfügen. Somit  deutet  in den Akten nichts darauf  hin, 
dass  der  Beschwerdeführer  aus  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer 
oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation 
geraten würde.

Nach dem Gesagten erweist  sich der Vollzug der  Wegweisung auch 
als zumutbar.

6.3 Schliesslich  obliegt  es  dem Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-

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halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung zu be-
stätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art. 83 Abs. 1-4 
AuG).

8.
In  Beachtung  des  Grundsatzentscheides  der  früheren 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  6.  November 
2002, veröffentlicht in EMARK 2002 Nr. 15, wird das BFM angesichts 
der  langen  Verfahrensdauer  insbesondere  beim  Bundesverwaltungs-
gericht aufgefordert, dem Beschwerdeführer eine dem Grundsatz der 
Verhältnismässigkeit  Rechnung  tragende  Ausreisefrist  anzusetzen, 
zumal  der Beschwerdeführer arbeitsvertraglich gebunden ist  und mit 
seinem  Arbeitgeber  offensichtlich  auch  in  einem  mietvertraglichen 
Verhältnis steht. 

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist  nach dem Gesagten abzuweisen,  soweit  darauf  einzu-
treten ist.

10.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wäre  der  Beschwerdeführer 
grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem 
der  Beschwerdeführer  jedoch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG ersucht  hat,  die  Be-
schwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden kann und der Be-
schwerdeführer  angesichts  seiner  erst  vor  wenigen  Monaten  auf-
genommenen, offenbar befristeten Arbeitsstelle als Officehilfe weiter-
hin als prozessual bedürftig zu gelten hat, sind ihm keine Kosten auf-
zuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird 
gutgeheissen.  Auf  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  wird  ver-
zichtet. 

3.
Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine im Sinne der 
Erwägungen angemessene Ausreisefrist anzusetzen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

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