# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62b05605-856c-5932-b651-28b189150af1
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2018 21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2018-21_0000-00-00.pdf

## Full Text

PKG 2018 21 

21 – Verpflichtung der Eltern nach Art. 45 Abs. 5 JStPO und 
Art. 276 Abs. 1 ZGB, sich an den dem Gemeinwesen anfal- 
lenden Kosten aus dem stationären Massnahmevollzug 
eines Kindes finanziell zu beteiligen. Voraussetzungen
im vorliegenden Fall nicht erfüllt, da nicht in das Exis- 
tenzminimum der Eltern eigegriffen werden darf (Erw. 
5.2–5.5).

Aus dem Sachverhalt:
5.2. Gemäss Art. 45 Abs. 5 JStPO beteiligen sich die Eltern im 

Rahmen ihrer zivilrechtlichen Unterhaltspflicht an den Kosten der Schutz- 
massnahmen und der Beobachtung. Dies entspricht der Beitragspflicht der 
Eltern bei Kindesschutzmassnahmen gemäss Art. 276 Abs. 1 ZGB (Die- 
ter Hebeisen, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung und Jugendstrafprozessordnung, 2. 
Aufl., Basel 2014, N 8 zu Art. 45 JStPO; Daniel Jositsch et al., Schweize- 
rische Jugendstrafprozessordnung, Kommentar, Zürich/St. Gallen 2010, 
N 8 zu Art. 45 JStPO). Die Unterhaltspflicht der Eltern dauert unter den 
Voraussetzungen von Art. 277 Abs. 2 ZGB über die Mündigkeit hinaus. 
Beim Begriff der zivilrechtlichen Unterhaltspflicht handelt es sich nicht um 
eine feste Grösse. Vielmehr hat der Unterhaltsbeitrag in einem vernünf- 
tigen Verhältnis zur Lebensstellung und zur Leistungsfähigkeit des Bei- 
tragspflichtigen zu stehen. Gestattet sich dieser eine hohe Lebenshaltung, 
so hat das Kind grundsätzlich Anspruch darauf, dass auch seine Bedürf- 
nisse höher veranschlagt werden und dass es seine Wünsche aufwendiger 
und auch in erweitertem Umfang befriedigen kann (BGE 120 II 285 E. 3b/ 
bb). Bei knappen finanziellen Verhältnissen erscheint es geboten, die Bei- 
träge der Eltern so zu bemessen, dass sie den mit einer Fremdplatzierung ih- 
res Kindes effektiv erzielten Einsparungen entsprechen (Peter Aebersold, 
Schweizerisches Jugendstrafrecht, 3. Aufl., Bern 2017, Rz. 870; Jositsch et 
al., a.a.O., N 9 zu Art. 45 JStPO; Hebeisen, a.a.O., N 8 zu Art. 45 JStPO). 
Unangetastet bleiben muss aber grundsätzlich das Existenzminimum der 
Eltern (Aebersold, a.a.O., Rz. 870; Entscheid der Cour de Justice des Kan- 
tons Genf ATA/67/2012 vom 31. Januar 2012 E. 7; Urteil des Verwaltungs- 
gerichts Zürich VB.2011.00519 vom 27. Oktober 2011 E. 2.3; Richtlinie der 
Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich über Bemessung, Auflage 
und Bezug der Beiträge an die Massnahmevollzugskosten vom 15. Januar 
2010, Ziff. 18.4; vgl. ferner BGE 127 III 68 E. 2c mit Bezug auf die zivil- 
rechtlichen Unterhaltspflichten). Das Existenzminimum ist nach dem Be- 
schluss der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden betreffend Änderung der Richtlinien für die Berechnung

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des betreibungsrechtlichen Existenzminimums nach Art. 93 SchKG vom
18. August 2009 (KSK 09 39) zu bestimmen. Resultiert aus der Gegenüber- 
stellung des so errechneten Existenzminimums mit dem Einkommen ein 
Überschuss, ist den Eltern die Entrichtung eines Beitrags an die Massnah- 
mevollzugskosten ihres Kindes grundsätzlich möglich.

5.3. Die Jugendanwaltschaft stützt sich bei der Begründung der auf 
CHF 300.00 festgesetzten monatlichen Kostenbeiträge auf ihr Merkblatt 
zur Festsetzung des Elternbeitrages an die Kosten der Unterbringung (KG 
act. F.3). Darin wird festgehalten (vgl. S. 2), dass sich der Elternbeitrag aus 
einem Grundbetrag sowie einem einkommens- und vermögensabhängigen 
Anteil zusammensetze. Der Grundbetrag belaufe sich auf CHF 300.00 pro 
Monat. Dieser Betrag sei unabhängig von der Höhe des steuerbaren Ein- 
kommens in jedem Fall zu leisten. Nur wenn die Eltern fürsorgeabhängig 
seien, werde kein Elternbeitrag erhoben. Der einkommensabhängige Bei- 
tragsteil bestehe aus einem bestimmten Prozentsatz des steuerbaren Ein- 
kommens (gemäss Kantonssteuer). In Bezug auf den Beschwerdeführer 
hielt die Jugendanwaltschaft in der angefochtenen Verfügung, wie erwähnt, 
fest, aufgrund der im Ehescheidungsverfahren festgestellten Unterdeckung 
bzw. den finanziellen Schwierigkeiten werde lediglich der Grundbetrag von 
CHF 300.00 erhoben. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, 
sein Einkommen belaufe sich auf lediglich CHF 3‘000.00 und seine Bedürf- 
tigkeit sei aktenkundig (KG act. A.1, S. 3).

5.4. Wie die Jugendanwaltschaft selbst anführt (KG act. A.2, S.3), 
stützt sich das von ihr verwendete Merkblatt auf die Richtlinie der Ober- 
jugendanwaltschaft des Kantons Zürich über Bemessung, Auflage und 
Bezug der Beiträge an die Massnahmevollzugskosten vom 15. Januar 2010 
(KG act. F.4). Insbesondere wird von dort auch die Höhe des zu leistenden 
Grundbetrages (CHF 300.00) übernommen. Dies ist insofern nicht unpro- 
blematisch, als nicht unbesehen auf Richtlinien anderer Kantone abgestellt 
werden kann, zumal die Lebenshaltungskosten im Kanton Zürich und im 
Kanton Graubünden nicht identisch sein dürften (vgl. hierzu auch Oberge- 
richt des Kantons Thurgau, RBOG 2012 Nr. 31, E. 3). Vielmehr gilt es, die 
Leistungsfähigkeit der Eltern im Einzelfall zu prüfen, wobei aus Praktika- 
bilitätsgründen gewisse Pauschalisierungen zulässig sein müssen. So kommt 
denn auch dem Gericht bei der zivilrechtlichen Unterhaltsfestsetzung ein 
erhebliches Ermessen zu (vgl. BGE 134 III 577 E. 4).

5.5. Der von der Jugendanwaltschaft zitierte Entscheid betreffend 
Erlass vorsorglicher Massnahmen im Ehescheidungsverfahren des Einzel- 
richters am Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair (StA act. 25) 
geht beim Beschwerdeführer von einem Grundbedarf von CHF 3‘552.00 
und einem Einkommen von CHF 3‘000.00 aus (vgl. Erwägung 4). Dies er- 
gibt ein Manko bzw. eine Unterdeckung von CHF 552.00, sodass von einer

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Verpflichtung des Beschwerdeführers zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträ- 
gen sowohl an seine Ehefrau als auch an seine Söhne E._ und F._ abgesehen 
wurde. Auch die Jugendanwaltschaft anerkennt in der angefochtenen Ver- 
fügung die beim Beschwerdeführer bestehende Unterdeckung (vgl. Erwä- 
gung 7). In Anbetracht dieser Umstände stellt die Verpflichtung zur Bezah- 
lung des von der Jugendanwaltschaft verfügten Grundbetrages von CHF
300.00 einen Eingriff in das Existenzminimum des Beschwerdeführers dar. 
Wie dargelegt, ist dies nicht zulässig. Es wäre denn auch widersprüchlich, 
wenn der Beschwerdeführer von Unterhaltszahlungen an seine Söhne E._ 
und F._ befreit wäre, gleichzeitig aber für Massnahmevollzugskosten seines 
Sohnes Y._ belangt würde, zumal sich die Zahlungspflicht in beiden Fällen 
nach Art. 276 ZGB richtet. Entgegen dem, was die Staatsanwaltschaft an- 
zunehmen scheint (vgl. KG act. A.2, S. 3), kann es unter diesen Umständen 
keine Rolle spielen, ob der Beschwerdeführer fürsorgeabhängig ist. Zwar 
sieht das Merkblatt der Jugendanwaltschaft diese Vorgehensweise vor bzw. 
enthält – im Unterschied zur Richtlinie der Oberjugendanwaltschaft des 
Kantons Zürich, an die es sich anlehnt – keine entsprechende Bestimmung, 
dass in das Existenzminimum der Eltern nicht eingegriffen werden dürfe. 
Jedoch ist dieses Merkblatt für das Kantonsgericht als Beschwerdeinstanz 
in keiner Weise verbindlich und es erweist sich in der vorliegenden Streit- 
frage denn auch nicht als bundesrechtskonform. Dispositiv-Ziffer 2 der an- 
gefochtenen Verfügung ist deshalb aufzuheben und es ist (vorderhand) von 
einem Kostenbeitrag des Beschwerdeführers an die Massnahmevollzugs- 
kosten von Y._ abzusehen. Dies schliesst eine Neubeurteilung bei verän- 
derten Verhältnissen nicht aus. Wie sowohl der angefochtenen Verfügung 
als auch dem Merkblatt der Jugendanwaltschaft zu entnehmen ist, wird die 
Kostenbeitragspflicht jährlich überprüft. Sofern es die Umstände erfordern, 
kann die Kostenbeitragspflicht indes auch umgehend angepasst werden (in 
diesem Sinne auch die Richtlinie der Oberjugendanwaltschaft des Kantons 
Zürich über Bemessung, Auflage und Bezug der Beiträge an die Massnah- 
mevollzugskosten vom 15. Januar 2010, Ziff. 16).
SK2 17 39 Beschluss vom 9. Mai 2018

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