# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f63f28cf-9248-5faa-8f57-fbb1a33d960b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.09.2010 D-6549/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6549-2010_2010-09-27.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6549/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Thomas Wespi (Vorsitz), 
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Hans Schürch, 
Gerichtsschreiberin Regula Frey.

A._______, geboren X._______,
alias B._______, geboren Y._______, 
alias C._______, geboren Y._______,
alias D._______, geboren X._______, 
Sri Lanka,
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren; Beschwerde gegen Wiedererwägungsent-
scheid); Verfügung des BFM vom 3. September 2010 / 
N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6549/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der aus Sri Lanka stammende Beschwerdeführer nach einem ge-
mäss  eigenen  Angaben  erfolglos  durchlaufenen  Asylverfahren  in 
E._______  im  Z._______  erstmals  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er 
unter  dem  Namen  B._______  ein  Asylgesuch  stellte,  welches  mit 
Entscheid des Bundesamtes vom 8. Juli 2004 abgelehnt wurde,

dass auf die dagegen eingereichte Beschwerde die damals zuständige 
Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil  vom 16. Sep-
tember 2004 mangels Zahlung des Kostenvorschusses nicht eintrat,

dass sich der Beschwerdeführer nach dem in Rechtskraft  erwachse-
nen Asylentscheid in der Schweiz erneut nach E._______ begab, nach 
einem (...) Aufenthalt im (...) nach F._______ gelangte, wo er ebenfalls 
erfolglos  ein  Asylverfahren  durchlief  und  von  wo  er  von  den  (...) 
Behörden  im  (...)  nach  E._______  rückgeführt  wurde,  wo  er  ein 
zweites Asylgesuch einreichte, welches erneut abgelehnt wurde,

dass er laut seinen Angaben im (...)  von E._______ nach Sri  Lanka 
zurückgekehrt sei,

dass  er  am  5.  Februar  2010  unter  der  Identität  A._______ in  der 
Schweiz ein zweites Asylgesuch stellte,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom 6. April  2010  in  Anwendung von 
Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG, 
SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  nach 
E._______ verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von 
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz späte-
stens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kan-
ton G._______ verpflichtete, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, 
und feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung habe 
keine aufschiebende Wirkung,

dass das Bundesverwaltungsgericht eine gegen diese Verfügung ein-
gereichte Beschwerde vom 21. April 2010 mit Urteil vom 26. April 2010 
abwies und in Übereinstimmung mit der Vorinstanz erwog, die Rück-
reise nach Sri Lanka und damit das Verlassen des Dublinraumes für 
mindestens (...) Monate sei nicht glaubhaft (vgl. D-2742/2010),

Seite 2

D-6549/2010

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  an 
das BFM vom 27. Juli 2010 ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfü-
gung vom 6. April 2010 einreichen liess, wobei er in verfahrensrechtli-
cher Hinsicht beantragte, im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme 
sei  es  dem Beschwerdeführer  zu  erlauben,  sich  bis  zum Entscheid 
über das Wiedererwägungsgesuch in der Schweiz aufzuhalten,

dass das BFM mit Zwischenverfügung vom 30. Juli  2010 die Bezah-
lung eines Gebührenvorschusses verlangte,

dass der Beschwerdeführer am 13. August 2010 eine Gesuchsergän-
zung einreichte und gleichzeitig  mitteilte,  er  habe den Gebührenvor-
schuss bezahlt,

dass er zur Begründung seines Gesuchs im Wesentlichen vorbrachte, 
er  habe  sich  am  (...)  mit  H._______  verheiratet,  welche  über  die 
vorläufige Aufnahme in der Schweiz verfüge, was als Aufenthaltstitel 
im Sinne von Art. 2 Bst. j der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates 
vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines Asylantrags 
zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem 
Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin-II-VO), zu betrachten sei,

dass seine Ehefrau im (...) Monat schwanger sei, weshalb gestützt auf  
die "humanitäre Klausel" von Art. 15  Dublin-II-VO die Verfügung vom 
6. April 2010 in Wiedererwägung zu ziehen, auf sein Asylgesuch ein-
zutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen sei,

dass das BFM das Wiederwägungsgesuch vom 27. Juli 2010 mit Ver-
fügung vom 3. September 2010 abwies, die Rechtskraft und Vollstreck-
barkeit seiner Verfügung vom 5. Februar 2010 feststellte, eine Gebühr 
von Fr. 600.-- erhob, diese mit dem bezahlten Vorschuss verrechnete 
und feststellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschieben-
de Wirkung zu, 

dass das BFM zur Begründung anführte, dass keine Gründe vorlägen, 
welche die Rechtskraft der Verfügung vom 5. Februar 2010 beseitigen 
könnten,

dass der Beschwerdeführer gestützt auf die Dublin-II-VO keine Rechte 
zu seinen Gunsten ableiten könne,

Seite 3

D-6549/2010

dass  Art.  7  Dublin-II-VO  nur  dann  anwendbar  wäre,  wenn  Frau 
H._______  das  Recht  auf  Aufenthalt  in  der  Schweiz  in  ihrer  Eigen-
schaft als Flüchtling gewährt worden wäre, was in casu nicht zutreffe,

dass  Frau  H._______  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungs-
vollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  worden  sei  und  ihr 
Status nicht mit demjenigen eines anerkannten Flüchtlings verglichen 
werden könne,

dass für Art. 7 Dublin-II-VO allein die Anerkennung als Flüchtling ge-
mäss  der  in  der  Genfer  Flüchtlingskonvention  enthaltenen  Definition 
massgebend  sei  und  ein  im  Zusammenhang  mit  einem subsidiären 
Schutzstatus  erworbener  Aufenthaltstitel  keine Zuständigkeit  gemäss 
Art. 7 Dublin-II-VO zu begründen vermöge,

dass ebensowenig Art. 15 Dublin-II-VO anwendbar sei, weil nach die-
sem Artikel der Mitgliedstaat, der für die Prüfung des Asylgesuchs ge -
mäss Dublin-II-VO nicht zuständig wäre, gehalten sei,  "auf Ersuchen 
eines anderen Mitgliedstaats" das Asylgesuch der betroffenen Person 
aus humanitären Gründen zu prüfen,  womit  der zuständige Mitglied-
staat – in casu E._______ – die Schweiz um Aufnahme des Beschwer-
deführers und um Prüfung dessen Asylgesuches ersuchen müsste,

dass sich zudem eine Person nur dann auf den Schutz des Familien le-
bens nach Art. 8  Ziff. 1  der Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
berufen könne, wenn dessen Familienmitglied in der Schweiz über ein 
gefestigtes  Aufenthaltsrecht,  entweder  das  Schweizer  Bürgerrecht 
oder eine Niederlassungsbewilligung, verfüge,

dass Frau H._______ lediglich über eine vorläufige Aufnahme verfüge 
und  somit  der  Beschwerdeführer  aus  Art.  8  Ziff.  1  EMRK nichts  zu 
seinen Gunsten ableiten könne,

dass von diesem Grundsatz auch durch die Geburt  eines gemeinsa-
men Kindes nicht abgewichen werde, da dieses voraussichtlich in die 
vorläufige Aufnahme seiner Mutter einbezogen und ebenfalls kein ge-
festigtes Aufenthaltsrecht erlangen werde,

dass sodann festzuhalten sei, dass Art. 85 Abs. 7 des Bundesgesetzes 
vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
(AuG, SR 142.20), wonach Ehegatten von vorläufig aufgenommenen 

Seite 4

D-6549/2010

Personen frühestens drei Jahre nach Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme nachgezogen  und  in  diese  eingeschlossen  werden  könnten, 
auch für den Beschwerdeführer gelte und er diese Bestimmung nicht 
durch die Stellung eines Asylgesuchs in der Schweiz umgehen könne, 
weshalb er den Familiennachzug in E._______ abzuwarten habe,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  14.  September  2010 
(Faxeingabe und Poststempel) gegen diese Verfügung  beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erhob und beantragte,  es sei  die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Zuständigkeit der Schweiz 
für die Behandlung seines Asylgesuches vom 5. Februar 2010 festzu-
stellen,  eventualiter  sei  die angefochtene Verfügung aufzuheben und 
die  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges 
festzustellen,

dass er in prozessualer Hinsicht beantragte, im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu 
erteilen, es sei der Vollzug der auf den 15. September 2010 geplanten 
Wegweisung nach E._______ unverzüglich zu sistieren und die kanto-
nalen  Migrationsbehörden  seien  unverzüglich  anzuweisen,  von  Voll-
zugshandlungen abzusehen,

dass er zudem um Mitteilung ersuchte, wer mit der Instruktion des Be-
schwerdeverfahrens  betraut  sei  und  wer  an  einem Entscheid  weiter 
mitwirken werde,

dass auf die Begründung der Rechtsmitteleingabe und die eingereich-
ten Beweismittel (Auflistung Beweismittel), sofern entscheidwesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 14. September 2010 den Voll-
zug  der  Wegweisung  im  Rahmen  einer  vorsorglichen  Massnahme 
(Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) aussetzte,

dass mit Eingabe vom 21. September 2010 mitgeteilt wurde, die Ehe-
frau des Beschwerdeführers habe am (...)  wegen dessen drohender 
Ausschaffung  nach  E._______  bei  den  (...)  hospitalisiert  werden 
müssen,

Seite 5

D-6549/2010

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  darunter  auch  Verfügungen  fallen,  mit  denen  das  BFM  (vgl. 
Art. 33 Bst. d VGG) ein Gesuch um Wiedererwägung eines rechtskräf-
tigen Entscheides abgewiesen hat,

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor dem BFM teilgenommen 
hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und sich 
auf  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise Änderung berufen kann (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art.  48  Abs. 1  VwVG),  womit  er  zur  Einreichung einer  dagegen  ge-
richteten Beschwerde legitimiert ist,

dass  die  Beschwerde  innert  der  gesetzlichen  Frist  von  30  Tagen  in 
gültiger Form eingereicht wurde, weshalb auf diese – vorbehältlich der 
nachfolgenden Erwägungen –  einzutreten ist  (Art. 108 Abs. 1  AsylG 
und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass die Rechtsmittelfrist zwar noch läuft, das Urteil jedoch vor Ablauf  
derselben ergehen kann, da die vorliegende Beschwerde aufgrund der 
Aktenlage als  abschliessend zu verstehen und der  Sachverhalt  voll-
ständig  festgestellt  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  13  E.  1 
S. 95 ff.),

dass Prozessgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens die 
Abweisung  des  Wiedererwägungsgesuchs  eines  in  Anwendung  von 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG gefällten Nichteintretensentscheides (Dub-
lin-Verfahren) ist,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 AuG, 

Seite 6

D-6549/2010

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen  res-
pektive die Feststellung von diesen zugrundeliegenden Vollzugshinder-
nissen  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfah-
rens sein kann,

dass deshalb  auf  die Beschwerde nicht  einzutreten ist,  soweit  darin 
beantragt  wird,  es sei  die Unzulässigkeit  beziehungsweise Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts in der Regel in 
der  Besetzung mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen (Spruchgremium; 
vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG) entscheiden,

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ein gesetzlich nicht 
geregelter  Rechtsbehelf  ist,  indessen  nach  herrschender  Lehre  und 
ständiger Praxis des Bundesgerichts unter bestimmten Voraussetzun-
gen aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ein Anspruch auf Wiederer-
wägung abzuleiten ist,

dass die Vorinstanz im vorliegenden Fall  den Anspruch auf  Behand-
lung des Wiedererwägungsgesuches nicht in Abrede stellte und – zu 
Recht – darauf eingetreten ist und eine materielle Beurteilung vorge-
nommen hat,

dass somit auf Beschwerdeebene zu prüfen ist,  ob die Vorinstanz in 
zutreffender Weise das Bestehen des geltend gemachten Wiedererwä-
gungsgrundes  verneint  und  an  ihrer  ursprünglichen  Verfügung  vom 
5. Februar 2010 festgehalten hat,

Seite 7

D-6549/2010

dass  ein  Anspruch  auf  Wiedererwägung  namentlich  dann  besteht, 
wenn sich  der rechtserhebliche Sachverhalt  seit  dem ursprünglichen 
Entscheid  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ur-
sprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Verän-
derungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. die weiterhin zutreffende 
Praxis der ARK in EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 f.),

dass Prozessgegenstand bei einem Wiedererwägungsgesuch hinsicht-
lich eines gestützt auf Art. 34 Abs.2 Bst. d AsylG gefällten Nichteintre-
tensentscheides (Dublin-Verfahren) lediglich die Frage bilden kann, ob 
sich seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens eine nachträglich ver-
änderte  Sachlage  respektive  Gründe  nach  Art.  66  Abs. 2  VwVG im 
Hinblick  auf  die  staatsvertragliche  Zuständigkeit  des  fraglichen  Mit-
gliedstaates (vorliegend E._______) oder hinsichtlich der Völkerrechts-
konformität  einer  Wegweisung  dorthin  beziehungsweise  humanitären 
Gründen nach Art. 29a Abs. 3  der Asylverordnung 1 vom 11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) ergeben haben, 

dass  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D-2742/2010  vom 
26. April 2010  mit  ausführlicher  Begründung  festgestellt  wurde,  dass 
E._______  zur  Durchführung des Asyl-  und Wegweisungsverfahrens 
(Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG) staatsvertraglich zuständig ist, wobei vor-
ab auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann,

dass der  Beschwerdeführer  als  wiedererwägungsrechtlich  relevanten 
Umstand anführt, er habe sich mit einer in der Schweiz vorläufig auf -
genommenen  srilankischen  Staatsangehörigen  verheiratet,  die 
schwanger sei,

dass, sofern ein Asylbewerber einen Familienangehörigen hat, dem – 
ungeachtet der Frage, ob die Familie bereits im Herkunftsland bestan-
den hat – das Recht auf Aufenthalt in einem Mitgliedstaat in seiner Ei -
genschaft  als  Flüchtling  gewährt  wurde,  dieser  Mitgliedstaat  für  die 
Prüfung des Asylantrags zuständig ist, falls die betroffenen Personen 
dies wünschen (vgl. Art. 7 Dublin-II-VO),

dass der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  dazu vor-
bringt, Art. 7 Dublin-II-VO sei dahingehend auszulegen, dass diese Be-
stimmung auch bei Familienangehörigen mit einer vorläufigen Aufnah-
me zur Anwendung kommen könne, womit die Schweiz zur Beurteilung 
seines Asylgesuches zuständig sei, 

Seite 8

D-6549/2010

dass das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit den vor-
instanzlichen Erwägungen die Anforderungen von Art. 7 Dublin-II-VO 
als nicht erfüllt qualifiziert, 

dass nämlich nach dem klaren Wortlaut zur Erfüllung von Art. 7 Dublin-
II-VO vorausgesetzt wird, dass der in der Schweiz lebende Familienan-
gehörige die Flüchtlingseigenschaft aufweist, denn der blosse Refoule-
ment-Schutz nach Art. 3 EMRK oder ein Aufenthaltstitel aufgrund ei -
nes temporären oder subsidiären Schutzanspruches begründet keine 
Zuständigkeit nach Art. 7 Dublin-II-VO (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA 
SPRUNG, Dublin-II-Verordnung, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, K2 zu Art. 7),

dass  unbestritten  ist,  dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  besitzt,  sondern  wegen  Unzumutbarkeit 
des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen wur-
de und somit lediglich über einen temporären beziehungsweise subsi -
diären Schutzanspruch verfügt, 

dass auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, es sei durch Ausle-
gung zu ermitteln, ob Art. 7 Dublin-II-VO nicht nur die Aufnahme als 
Flüchtling, sondern auch die subsidiäre Schutzform der im schweizeri-
schen Recht vorgesehenen vorläufigen Aufnahme beinhalte und ob ein 
qualifiziertes Schweigen oder eine echte Lücke vorliege, aufgrund der 
klaren Rechtslage nicht weiter einzugehen ist, 

dass sich ebenso eine Auseinandersetzung mit dem Hinweis des Be-
schwerdeführers auf eine mögliche Neufassung dieser Bestimmung er-
übrigt, da der derzeit geltende Text der Dublin-II-VO massgebend ist,

dass nach dem Gesagten die Anforderungen von Art. 7 Dublin-II-VO 
nicht erfüllt sind, 

dass auch die Voraussetzungen von Art. 8 EMRK nicht erfüllt sind, da 
die Ehefrau des Beschwerdeführers lediglich eine vorläufige Aufnahme 
und mithin keinen gefestigten Aufenthalt im Sinne der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung hat (vgl. BVGE 2007/45 E. 5.3 S. 591 f.),

dass gemäss Art. 15 Dublin-II-VO jeder Mitgliedstaat aus humanitären 
Gründen,  die sich  insbesondere aus dem familiären oder  kulturellen 
Kontext ergeben, Familienmitglieder und andere abhängige Familien-
angehörige zusammenführen kann, auch wenn er dafür nach den Kri-
terien der Verordnung nicht zuständig ist und in diesem Fall jener Mit -

Seite 9

D-6549/2010

gliedstaat auf Ersuchen eines anderen Mitgliedstaats den Asylantrag 
der  betroffen  Person  prüft,  wobei  die  betroffenen  Personen  diesem 
Vorgehen zustimmen müssen,

dass entgegen der entsprechenden Rüge in der Beschwerde auch kei -
ne  Verletzung  von  Art.  15  Dublin-II-VO vorliegt,  da  die  "humanitäre 
Klausel"  ausschliesslich  als  Rechtsgrundlage  dient,  andere  Mitglied-
staaten zu ersuchen, den Asylantrag einer asylsuchenden Person zu 
überprüfen (FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K2 und 4 zu Art. 15),

dass  Art.  15  Dublin-II-VO bedingt,  dass  sich  die  betroffene  Person 
(vorliegend der Beschwerdeführer) nicht in dem Staat aufhält, der sich 
aus humanitären Gründen (auf Anfrage eines andern Mitgliedstaates), 
beispielsweise aus familiären Gründen, für zuständig erklären könnte,

dass nach dem Gesagten Art. 15 Dublin-II-VO im vorliegenden Fall kei -
ne Anwendung findet,

dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO jeder Mitgliedstaat einen von 
einem  Drittstaatsangehörigen  eingereichten  Asylantrag  prüfen  kann, 
auch wenn er nach den in der Verordnung festgelegten Kriterien nicht  
dafür zuständig ist,

dass der Beschwerdeführer geltend macht,  es sei ein Einreiseverbot 
verfügt worden, wonach er in den folgenden drei Jahren die Schweiz 
ohne  Bewilligung  des  BFM nicht  betreten  dürfe,  zudem habe  seine 
Ehefrau mit der vorläufigen Aufnahme kein Recht, ihn in E._______ zu 
besuchen, weshalb die Schweiz auf sein Asylgesuch einzutreten habe, 
um die zwangsweise Trennung von seiner Familie zu verhindern,

dass es dem Beschwerdeführer offen steht, das verfügte Einreisever-
bot  beschwerdeweise  anzufechten  (siehe  Rechtsmittelbelehrung  der 
diesbezüglichen Verfügung des BFM vom 13. September 2010) oder – 
falls dieses in Rechtskraft  erwachsen sollte – allenfalls eine vorüber-
gehende Suspension des Einreiseverbotes zu beantragen,  um seine 
Ehefrau in der Schweiz zu besuchen,

dass es  ihm unbenommen ist,  die  zuständigen  ausländerrechtlichen 
Behörden zu ersuchen, seine Anwesenheit in der Schweiz zu regeln,

dass die Ehefrau des Beschwerdeführers die Möglichkeit hat, im Rah-
men der  gesetzlichen Ordnung den  Beschwerdeführer  in  E._______ 

Seite 10

D-6549/2010

zu  besuchen  (vgl.  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: 
Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Ba-
sel 2009, Rz. 11.76; Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 
Schweizerische  Flüchtlingshilfe  SFH  [Hrsg.],  Bern/Stuttgart/Wien 
2009, S. 307 f.),

dass betreffend die Ehefrau des Beschwerdeführers vorgebracht wird, 
dessen geplante Ausschaffung stelle für sie eine psychische und phy-
sische  Belastungssituation  dar,  welche  die  Schwangerschaft  negativ 
beeinflussen und eine Frühgeburt provozieren könne (vgl. Arztzeugnis 
vom 13. September 2010),

dass sie am (...) in einer (...) habe hospitalisiert werden müssen,

dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  seit  W._______  in  der 
Schweiz  lebt,  sich  am  (...)  mit  dem Beschwerdeführer,  der  sich  im 
Rahmen  des  zweiten  Asylverfahrens  seit  2.  Februar  2010  in  der 
Schweiz aufhält, verheiratete, weshalb davon auszugehen ist, sie habe 
neben ihrem Ehemann auch andere Bezugspersonen,  die sie  unter-
stützen können,

dass ihr zum Zeitpunkt der Eheschliessung bekannt sein musste, dass 
ihr Ehemann verpflichtet ist, die Schweiz zu verlassen, zumal dessen 
Beschwerde  vom  21.  April  2010  gegen  die  Rückführung  nach 
E._______  im  Rahmen  der  Dublin-II-VO  mit  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  26.  April  2010  abgewiesen  worden 
war,

dass  insgesamt  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Gründe er-
sichtlich sind, die das BFM zur wiedererwägungsweisen Ausübung des 
Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3  Abs.  2  Dublin-II-VO  i.V.m. 
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) hätten veranlassen sollen, weshalb das Vorlie-
gen eines Wiederwägungsgrundes zu verneinen ist,

dass es sich erübrigt, auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmittel -
eingabe  und  die  eingereichten  Beweismittel  weiter  einzugehen,  weil 
sie nicht geeignet sind, zu einer anderen Betrachtungsweise zu führen,

dass das BFM folglich zu Recht das Bestehen des geltend gemachten 
Wiedererwägungsgrundes verneinte und an seiner ursprünglichen Ver-
fügung vom 5. Februar 2010 festhielt,

Seite 11

D-6549/2010

dass es dem Beschwerdeführer damit nicht gelungen ist darzutun, in-
wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder un-
angemessen ist  (Art. 106 AsylG),  weshalb die Beschwerde abzuwei-
sen ist, soweit darauf einzutreten ist, 

dass  bei  einem  Direktentscheid  von  der  Bekanntgabe  des  Spruch-
gremiums abzusehen ist, weshalb der entsprechende Antrag des Be-
schwerdeführers mit vorliegendem Entscheid hinfällig geworden ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 1'200.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 12

D-6549/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.– werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM,  Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N_______ 
(per Kurier; in Kopie)

- I._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Regula Frey

Versand: 

Seite 13