# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c1a2cc69-f8f0-5b52-8a9b-3ffd6dbccd64
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-15
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 15.08.2019 VG.2019.00031 (VG.2019.820)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2019-00031_2019-08-15.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 15. August 2019

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2019.00031

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Stipendienstelle

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Bildung und Kultur des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Ausbildungsbeiträge

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 A.______ reichte bei der Stipendienstelle am 8. Mai
  2018 ein Gesuch um Ausrichtung von Stipendien ein. Am 1. Juni 2018 zog sie
  von […] nach B.______, Kanton C.______, weshalb sie das Gesuch um Ausrichtung
  von Stipendien mit E-Mail vom 29. Juni 2018 zurückzog.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 24. Juli 2018 reichte sie bei der
  Stipendienstelle erneut ein Gesuch um Ausrichtung von Stipendien ein. Am 14.
  August 2018 forderte die Stipendienstelle von A.______ zusätzliche Unterlagen
  und Informationen ein. A.______ beantwortete gleichentags die offenen Fragen
  und reichte Unterlagen nach. Seit August 2018 besucht A.______ die erste
  Klasse des vierjährigen Kurzzeitgymnasiums der Kantonsschule B.______ (Kanton
  C.______). Mit Verfügung vom 25. September 2018 entschied die
  Stipendienstelle, A.______ für das laufende Schuljahr keine Stipendien zu
  entrichten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gegen diesen ablehnenden
  Entscheid der Stipendienstelle erhob A.______ am 9. Oktober 2018
  Beschwerde beim Departement Bildung und Kultur (DBK). Dieses wies die
  Beschwerde am 6. März 2019 ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Dagegen erhob A.______ am 22. März 2019 Beschwerde
  beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung des
  Beschwerdeentscheids des DBK vom 6. März 2019 sowie die Ausrichtung von
  Stipendien für das laufende Schuljahr. Die Stipendienstelle teilte am 7.
  April 2019 mit, auf eine Beschwerdeantwort zu verzichten. Ebenso äusserte
  sich das DBK am 9. April 2019.

  
	
   

  
	
  3.2 Am 10. April 2019 teilte das Verwaltungsgericht
  A.______ mit, dass fraglich sei, ob und allenfalls für welchen Zeitraum im
  Kanton Glarus ein stipendienrechtlicher Wohnsitz bestehe. Es gewährte
  A.______ die Gelegenheit, diesbezüglich eine schriftliche Stellungnahme zu
  verfassen. A.______ reichte am 5. Mai 2019 eine Stellungnahme ein, welche der
  Stipendienstelle und dem DBK unter Eröffnung einer Frist zur Einreichung
  einer Duplik zugestellt wurde. Die Stipendienstelle teilte am 4. Juni
  2019 mit, auf das Einreichen einer Duplik zu verzichten und am
  Stipendienentscheid vom 25. September 2018 festzuhalten. Das DBK
  äusserte sich nicht. 

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 105 Abs. 1 lit. b des Verwaltungs-rechtspflegegesetzes vom 4. Mai
  1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die
  übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Ausbildungsfinanzierung obliegt in erster Linie
  der betroffenen Person und deren Eltern (Art. 3 des Gesetzes über die
  Ausbildungs- und Schulgeldbeiträge vom 6. Mai 2012 [StipG]).
  Beitragsberechtigt können nach Art. 4 Abs. 1 StipG insbesondere Personen mit
  schweizerischem Bürgerrecht und Wohnsitz in der Schweiz, unter Vorbehalt von
  Buchstabe b (lit. a), und Schweizer Bürgerinnen und Bürger, deren Eltern im
  Ausland leben für Ausbildungen in der Schweiz, sofern sie an ihrem
  ausländischen Wohnsitz wegen fehlender Zuständigkeit nicht beitragsberechtigt
  sind (lit. b), sein. Die Beitragsberechtigung setzt voraus, dass sich der
  stipendienrechtliche Wohnsitz im Kanton Glarus befindet und die Ausbildung
  vor Abschluss des 45. Altersjahrs begonnen wird (Art. 4 Abs. 2 StipG).
  Als stipendienrechtlicher Wohnsitz gilt unter Vorbehalt von Buchstabe d
  der zivilrechtliche Wohnsitz der Eltern oder der zuletzt zuständigen
  Vormundschaftsbehörde (lit. a); unter Vorbehalt von Buchstabe d für
  Schweizer Bürgerinnen und Bürger, deren Eltern nicht in der Schweiz Wohnsitz
  haben, der Heimatkanton (lit. b); der Wohnkanton für mündige Personen,
  die nach Abschluss einer ersten berufsbefähigenden Ausbildung und vor Beginn
  der Ausbildung, für die sie Stipendien beanspruchen, während mindestens zwei
  Jahre in diesem Kanton wohnhaft und dort aufgrund eigener Erwerbsfähigkeit
  unabhängig waren (lit. d; Art. 6 Abs. 1 lit. a, b und d der interkantonalen
  Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen vom 18. Juni
  2009 [IVHA]). Ein Gesuch um Gewährung von Ausbildungsbeiträgen ist in
  demjenigen Kanton zu stellen, in welchem die Person in Ausbildung ihren
  stipendienrechtlichen Wohnsitz hat (Art. 5 Abs. 3 IVHA). Der einmal
  begründete stipendienrechtliche Wohnsitz bleibt gemäss Art. 6 Abs. 4 IVHA bis
  zum Erwerb eines neuen bestehen. Art. 6 Abs. 4 IVHA unterstreicht den Zweck
  des stipendien-rechtlichen Wohnsitzes, wonach ein Kanton für jede Person in
  Ausbildung zuständig sein muss. Es soll insbesondere verhindert werden, dass
  eine Person bei einem Kantonswechsel keinen stipendienrechtlichen Wohnsitz
  mehr hat oder mehrere solche erwerben kann (Schweizerische Konferenz der
  kantonalen Erziehungsdirektoren [EDK], IVHA-Kommentar, Bern 2009, Art. 6
  Abs. 4 IVHA).

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beitragsberechtigung gilt für Ausbildungen auf
  der Sekundarstufe II und dieser nachgelagerten Stufen (Art. 5 StipG).
  Die Sekundarstufe I umfasst die Oberschule, die Sekundarschule sowie die
  Unterstufe und den ersten Teil der Mittelstufe des Gymnasiums (Art. 18 Abs. 2
  des Gesetzes über Schule und Bildung vom 6. Mai 2001 [BiG]). Entsprechend
  gilt als Sekundarstufe II im Kanton Glarus insbesondere der zweite Teil
  des Mittelstufengymnasiums sowie das Oberstufengymnasium (vgl. Art. 12 Abs. 1
  lit. c BiG). Der Bildungsgang an der Kantonsschule Glarus umfasst drei
  Stufen von je zweijähriger Dauer. Das neunte bis elfte Schuljahr umfasst die
  Unterstufe und den ersten Teil der Mittelstufe des Gymnasiums, während das
  zwölfte Schuljahr bis zum vierzehnten Schuljahr aus dem zweiten Teil der
  Mittelstufe und der Oberstufe bestehen (vgl. https://www.kanti-glarus.ch/gymnasium/stufenprofile.html/3930,
  zuletzt besucht am 15. August 2019; Broschüre der Kantonsschule Glarus
  betreffend Orientierung Gymnasium, S. 8,
  https://www.kanti-glarus.ch/gymnasium/aufnahme.html/3928, zuletzt besucht am
  15. August 2019).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Die Beschwerdeführerin
  bringt vor, dass im Kanton C.______ das erste Jahr des vierjährigen
  Kurzzeitgymnasiums nicht zur obligatorischen Schulzeit gehöre, weshalb ihr
  Stipendien zu entrichten seien. Zwar würden viele Schüler direkt von der
  Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II wechseln, womit diese bei
  Eintritt ins erste Jahr des Kurzzeitgymnasiums die obligatorische Schulzeit
  von neun Jahren noch nicht ausgeschöpft hätten. Dies sei bei ihr jedoch
  anders, da sie bei Eintritt ins Kurzzeitgymnasium bereits zehn Schuljahre
  absolviert gehabt habe. Zudem hätten es die Beschwerdegegner unterlassen, die
  Einkommensverhältnisse ihres Vaters zu prüfen, obwohl sich daraus ergeben
  würde, dass ihr Stipendien zustehen würden. Zwar sei ihr Vater per Ende
  September 2018 ins Land D.______ gezogen, zuvor sei er jedoch
  18 Jahre lang im Kanton Glarus wohnhaft gewesen. Zudem befinde sich auch
  die zuletzt zuständig gewesene Vormundschaftsbehörde im Kanton Glarus, auch
  wenn sich die vormalige Beistandschaft mit dem Erreichen ihrer Volljährigkeit
  aufgelöst habe. Überdies habe sie auch versucht, im Kanton C.______
  Stipendien zu erhalten, was jedoch abgelehnt worden sei, da sie am dort
  massgebenden Stichtag vom 1. August 2018 nicht im Kanton C.______
  wohnhaft gewesen sei. 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1

  
	
  4.1.1 Da die Beitragsberechtigung für den Bezug von
  Stipendien unter anderem voraussetzt, dass sich der stipendienrechtliche
  Wohnsitz im Kanton Glarus befindet, ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob
  dies vorliegend erfüllt wird. Diesbezüglich ist massgebend, wo sich der
  zivilrechtliche Wohnsitz der Eltern der Beschwerdeführerin befindet (Art. 6
  Abs. 1 lit. a und b IVHA).

  
	
   

  
	
  Die Eltern der
  Beschwerdeführerin liessen sich mit Urteil vom 29. August 2006 scheiden. Mit
  dem genannten Urteil entzog ihnen das Kantonsgericht Glarus zudem die
  elterliche Sorge für die Beschwerdeführerin. In der Folge wurde für diese
  eine Vormundschaft angeordnet, welche von der Kindes- und
  Erwachsenenschutzbehörde Glarus (nachfolgend KESB) Anfang August 2015 in
  eine Vormundschaft für Minderjährige gemäss Art. 327a ff. des
  Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB)
  umgewandelt wurde. Mit Entscheid vom 27. September 2016 hob die KESB die
  Vormundschaft auf und ordnete per 1. Oktober 2016 eine Erziehungsbeistandschaft
  an. Zudem stellte sie die Beschwerdeführerin rückwirkend per 17. Juli 2016
  unter die Obhut deren Vaters, E.______. Seit dem Sommer 2016 lebte die
  Beschwerdeführerin bei ihrem Vater in […] im Kanton Glarus. Am 18. Mai
  2018 schloss die Beschwerdeführerin einen Mietvertrag für eine Wohnung in
  B.______ (Kanton C.______) mit Mietbeginn per 1. Juni 2018 ab.
  Entsprechend meldete sie sich am 19. Juni 2018 bei der Gemeinde […]
  unter Hinweis auf ihren Wegzug nach B.______ (Kanton C.______) ab. Der
  Mietvertrag für die Wohnung von E.______ in […] begann am 1. Oktober
  2003 und endete am 30. September 2018. Er meldete sich gleichentags bei der
  Gemeinde […] unter Angabe seines Wegzugs ins Land D.______ ab. Die
  Mutter der Beschwerdeführerin ist seit längerer Zeit im Land F.______
  wohnhaft. Anfang März 2019 teilte E.______ mit, dass die Beschwerdeführerin
  nun in […], Kanton C.______,  wohnhaft sei. 

  
	
   

  
	
  Aus vorstehend Erwähntem
  folgt, dass der Vater der Beschwerdeführerin seit Anfang Oktober 2003 bis
  Ende September 2018 im Kanton Glarus in […] wohnhaft war, während die Mutter
  der Beschwerdeführerin bereits seit längerer Zeit in der Schweiz keinen
  zivilrechtlichen Wohnsitz innehat. Da die Beschwerdeführerin im Juli 2018 und
  damit im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um Ausrichtung von Stipendien
  unter der Obhut ihres Vaters stand, ist gemäss Art. 6 Abs. 2 IVHA dessen
  Wohnsitz massgebend. Damit verfügte die Beschwerdeführerin bis Ende September
  2018 über einen stipendienrechtlichen Wohnsitz gemäss Art. 6 Abs. 1 lit.
  a erster Satzteil IVHA im Kanton Glarus. Mit dem Wegzug von E.______ ins Land
  D.______ endete sein zivilrechtlicher Wohnsitz in […] im Kanton Glarus, womit
  A.______ seither keinen stipendienrechtlichen Wohnsitz entsprechend der
  vorerwähnten Bestimmung im Kanton Glarus mehr hat. 

  
	
   

  
	
  4.1.2 Es fragt sich jedoch, ob ein solcher gemäss Art.
   6 Abs. 1 lit. a zweiter Satzteil IVHA am Sitz der zuletzt
  zuständigen Vormundschaftsbehörde weiterbestand. Der Kommentar zur IVHA
  enthält keine Ausführungen zum stipendienrechtlichen Wohnsitz am Sitz der
  zuletzt zuständigen Vormundschaftsbehörde, womit diesem keine Hinweise zur
  Bestimmung des Sinns und Zwecks der betreffenden Regelung zu entnehmen sind. 

  
	
   

  
	
  Mit der Einführung des
  neuen Erwachsenenschutzrechts am 1. Januar 2013 wurden die Vormundschaftsbehörden
  durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden ersetzt. Weiter wurde das
  Institut der Vormundschaft aufgehoben und stattdessen das System der
  Beistandschaften gesetzlich verankert. Beibehalten wurde die Vormundschaft
  jedoch für Minderjährige. Diese wird nach Art. 327a ZGB angeordnet, wenn
  Minderjährige nicht unter elterlicher Sorge stehen. Diesfalls befindet sich
  der Wohnsitz der bevormundeten Kinder am Sitz der zuständigen
  Kindesschutzbehörde (Art. 25 Abs. 2 ZGB), im Kanton Glarus demnach am
  Sitz der KESB (vgl. Art. 9 des Gesetzes über die Einführung des
  Schweizerischen Zivilgesetzbuches im Kanton Glarus vom 7. Mai 1911 [EG
  ZGB]). Besteht jedoch keine Vormundschaft und steht ein Kind unter
  elterlicher Sorge, gilt der Wohnsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen
  gemeinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut
  das Kind steht, in den übrigen Fällen sein Aufenthaltsort, als Wohnsitz (Art.
  25 Abs. 1 ZGB). Daraus folgt, dass keine Notwendigkeit besteht, bei Nicht-Vorliegen
  einer Vormundschaft für Minderjährige am Sitz der KESB als der im Kanton
  Glarus zuständigen Kindesschutzbehörde einen stipendienrechtlichen Wohnsitz
  zu begründen, da jeweils ein solcher am zivilrechtlichen Wohnsitz der Eltern
  bzw. eines Elternteils vorhanden ist. Damit ist Art. 6 Abs. 1
  lit. a zweiter Satzteil IVHA einzig zur Begründung eines
  stipendienrechtlichen Wohnsitzes heranzuziehen, wenn eine Vormundschaft für
  Minderjährige besteht. Gegenteilig zu entscheiden und damit die Bestimmung
  eines stipendienrechtlichen Wohnsitzes bei jedem Tätigwerden der KESB gemäss
  Art. 6 Abs. 1 lit. a IVHA am zivilrechtlichen Wohnsitz der Eltern und am
  Sitz der zuletzt zuständigen KESB zuzulassen, würde die parallele Begründung
  verschiedener stipendienrechtlicher Wohnsitze in unterschiedlichen Kantonen
  ermöglichen. Damit würde der Sinn und Zweck von Art. 6 Abs. 4 IVHA,
  wonach immer ein Kanton stipendienrechtlich zuständig sein soll und nicht
  mehrere stipendienrechtliche Wohnsitze sollen erworben werden können, verunmöglicht
  (vgl. Kommentar IVHA, Art. 6 Abs. 4 IVHA). 

  
	
   

  
	
  Die KESB hat die
  ursprünglich für die Beschwerdeführerin angeordnete Vormundschaft mit Wirkung
  ab 1. Oktober 2016 aufgehoben. Zudem hat sie die Beschwerdeführerin
  rückwirkend per 17. Juli 2016 unter die elterliche Obhut deren Vaters
  gestellt. Damit ist seither der zivilrechtliche Wohnsitz von E.______
  massgebend für die Bestimmung des stipendienrechtlichen Wohnsitzes. Folglich
  begründet Art.  6 Abs. 1 lit. a zweiter Satzteil IVHA keinen
  über den 30. September 2018 hinaus bestehenden stipendienrechtlichen Wohnsitz
  im Kanton Glarus. 

  
	
   

  
	
  4.1.3 Hingegen besteht für Schweizer Bürgerinnen
  und Bürger am Heimatort ein stipendienrechtlicher Wohnsitz, wenn deren Eltern
  nicht in der Schweiz wohnen (Art. 6 Abs. 1 lit. b IVHA). Die
  Beschwerdeführerin ist Schweizer Bürgerin und deren Eltern sind mittlerweile
  beide im Ausland wohnhaft. Folglich wurde durch den Wegzug von E.______ aus
  der Schweiz am 30. September 2018 ein stipendienrechtlicher Wohnsitz am
  Heimatort der Beschwerdeführerin, G.______ im Kanton H.______, begründet
  (vgl. Art. 6 Abs. 4 IVHA). Entsprechend besteht im Kanton Glarus ein
  stipendienrechtlicher Wohnsitz nur bis Ende September 2018, womit einzig für
  diesen Zeitraum zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin für das erste
  Schuljahr am Kurzzeitgymnasium an der Kantonsschule B.______ (Kanton
  C.______) Anspruch auf die Ausrichtung von Stipendien hat. 

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Die Beschwerdegegnerin 1 weist in ihrer
  Verfügung vom 25. September 2018 darauf hin, dass das erste Ausbildungsjahr
  am Kurzzeitgymnasium B.______ (Kanton C.______) dem dritten Ausbildungsjahr
  an der Kantonsschule Glarus und damit dem elften obligatorischen Schuljahr
  auf der Sekundarstufe I entspreche. Da die Beitragsberechtigung gemäss
  Art. 5 StipG nur für Ausbildungen auf der Sekundarstufe II und dieser
  nachgelagerten Stufen bestehe, könnten keine Stipendien ausgerichtet werden. 

  
	
   

  
	
  4.2.2 Der Beschwerdegegner 2 führt in seinem
  Entscheid vom 6. März 2019 aus, dass weder im kantonalen Stipendiengesetz
  noch in der kantonalen Verordnung über die Ausbildungs- und Schulgeldbeiträge
  vom 16. Juni 2012 (Stipendienverordnung; StipV) definiert werde, wann die
  Sekundarstufe I ende und die Sekundarstufe II beginne.
  Diesbezüglich sei zu beachten, dass das Glarner Stipendienrecht im Jahr 2012
  im Hinblick auf den Beitritt zur IVHA totalrevidiert worden sei. Als Vorlage
  für das heute geltende Recht habe die Regelung im Kanton Graubünden gedient.
  Entsprechend habe Art. 5 StipG einen mit Art. 5 Abs. 1 des Bündner Gesetzes
  über Ausbildungsbeiträge vom 5. Dezember 2006 übereinstimmenden Wortlaut. In
  der Glarner Gesetzesfassung fehle jedoch der in Art. 5 Abs. 2 des Bündner
  Stipendiengesetzes enthaltene Passus, welcher anordne, dass für das Gymnasium
  ebenfalls Ausbildungsbeiträge entrichtet würden. Dies gründe darin, dass die
  alte, mittlerweile ausser Kraft gesetzte Glarner Stipendienverordnung vom
  10. Januar 2001 in dessen Art. 2 Abs. 2 die obligatorische
  Schulzeit explizit von der Stipendiengewährung ausgeschlossen habe. Daher sei
  das Bündner Recht nur soweit übernommen worden, wie dieses mit der vormaligen
  Praxis im Kanton Glarus übereingestimmt habe. Hinweise darauf, dass die
  ursprüngliche Glarner Praxis mit der Totalrevision des Stipendienrechts habe
  geändert werden wollen, seien keine vorhanden. Daher zählten im Kanton Glarus
  nur die letzten drei Jahre des Gymnasiums zur Sekundarstufe II, weshalb
  für das erste Jahr des Kurzzeitgymnasiums keine Stipendien entrichtet werden
  könnten. 

  
	
   

  
	
  4.3 Einleitend ist festzuhalten, dass die
  Beschwerdegegner als kantonal zuständige Behörden die Stipendienberechtigung
  nach den im Kanton Glarus geltenden Rechtsgrundlagen zu prüfen haben. Damit
  finden die im Kanton C.______ geltenden Regelungen in Bezug auf die
  Stipendienberechtigung vorliegend keine Anwendung. Hingegen ist eine
  Stipendienberechtigung nach dem im Kanton C.______ geltenden Recht von den
  Behörden des Kantons C.______ zu prüfen, sollte die Beschwerdeführerin ein
  diesbezügliches Gesuch stellen bzw. bereits gestellt haben. 

  
	
   

  
	
  Der
  Beschwerdegegner 2 weist zu Recht darauf hin, dass das Stipendiengesetz
  wie auch die Stipendienverordnung nicht definieren, wie die
  Sekundarstufe I und II voneinander abzugrenzen sind. Entsprechende
  Anordnungen enthält auch die IVHA nicht, womit es den der IVHA beigetretenen
  Kantonen überlassen ist, dies autonom zu definieren. Im Kanton Glarus findet
  sich die Umschreibung der Sekundarstufe I in Art. 18 Abs. 2 BiG,
  wonach diese insbesondere die Unterstufe und den ersten Teil der Mittelstufe
  des Gymnasiums umfasst. Als Sekundarstufe II gilt sodann der zweite Teil
  des Mittelstufengymnasiums sowie das Oberstufengymnasium (vgl. Art. 12
  Abs. 1 lit. c BiG). Das erste Jahr des Kurzzeitgymnasiums B.______
  (Kanton C.______) entspricht unbestrittenermassen dem ersten Jahr und damit
  dem ersten Teil des Mittelstufengymnasiums im Kanton Glarus, womit dieses der
  Sekundarstufe I angehört. Da nur Ausbildungsgänge der
  Sekundarstufe II stipendienberechtigt sind, stehen der
  Beschwerdeführerin für das erste Schuljahr am Kurzzeitgymnasium B.______
  (Kanton C.______) keine Stipendien zu. Dass die Beschwerdeführerin vor ihrem
  Eintritt in das Kurzzeitgymnasium B.______ (Kanton C.______) ihre
  obligatorische Schulzeit bereits absolviert hatte, ändert diesbezüglich
  nichts, da unabhängig von der vorgängig bereits besuchten Ausbildung das
  erste Schuljahr des Kurzzeitgymnasiums B.______ (Kanton C.______)
  bzw. das erste Jahr der Mittelstufe der Kantonsschule Glarus nach dem
  anwendbaren kantonalen Recht der Sekundarstufe I zuzurechnen ist. Eine
  gesetzliche Grundlage entsprechend jener in Art. 5 Abs. 2 des Bündner
  Stipendiengesetzes, welche eine Stipendienberechtigung für das gesamte
  Gymnasium vorsehen würde, ist im Glarner Recht nicht zu finden. Damit bleibt
  die Zuteilung der Ausbildungsjahre an der Kantonsschule Glarus in die
  jeweilige Sekundarstufe massgebend für die Frage, ob eine
  Stipendienberechtigung besteht. Aufgrund der Zugehörigkeit des ersten Jahres
  der Mittelstufe der Kantonsschule Glarus bzw. des ersten Jahres des
  Kurzzeitgymnasiums B.______ (Kanton C.______) zur Sekundarstufe I ist
  eine Stipendienberechtigung zu verneinen.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 VRG befreit
  die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen um neben dem Lebensunterhalt
  für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin
  ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das Verfahren
  nicht aussichtslos ist.

  
	
   

  
	
  1.2 Die Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin erscheint
  aufgrund der Aktenlage als offensichtlich. Zudem kann das vorliegende
  Verfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden, womit das Gesuch
  um unentgeltliche Prozessführung gutzuheissen ist.
  

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen
  Kosten zu tragen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die
  Gerichtskosten von pauschal Fr. 1'000.- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
  Auf deren Erhebung ist indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung einstweilen zu verzichten. Die Beschwerdeführerin ist darauf
  hinzuweisen, dass eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt
  worden ist, für den Fall, dass sie später in günstige wirtschaftliche
  Verhältnisse gelangt, zur Nachzahlung der Verfahrenskosten verpflichtet
  werden kann (Art. 139a VRG).

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Das
    Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
    Prozessführung wird gutgeheissen.

    
	
    2.

    	
    Die Nachzahlungspflicht gemäss
    Art. 139a VRG bleibt vorbehalten.

    
	
    3.

    	
    Die
    Gerichtskasse wird beauftragt, spätestens im August 2024 zu prüfen, ob die
    Voraussetzungen für die Nachzahlung erfüllt sind.

    

  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Der
    Beschwerdeführerin werden die Gerichtskosten von Fr. 1'000.- auferlegt, auf
    deren Erhebung einstweilen verzichtet wird.

    
	
    3.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]