# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 018dab6a-c9b0-5094-ab03-1bf69b186e39
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.08.2010 D-5724/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5724-2010_2010-08-19.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5724/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Martin Zoller, 
mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

A._______, geboren (...), Syrien,
vertreten durch Stephen Gintzburger, Avocat, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 3. August 2010 / 
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5724/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2002 in Deutschland lebte, 
von wo aus er am 12. Mai 2008 in die Schweiz einreiste und gleichen-
tags um Asyl nachsuchte, 

dass das BFM – nachdem die deutschen Behörden einer Rücküber-
nahme  des  Beschwerdeführers  zugestimmt  hatten  –  auf  das  Asyl-
gesuch am 11. Juli 2008 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und 
die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den 
Wegweisungsvollzug anordnete, 

dass der Beschwerdeführer in der Folge untertauchte, 

dass er am 3. März 2009 in der Schweiz ein zweites Asylgesuch ein-
reichte,  auf  das  das  BFM –  nachdem Deutschland  einer  Rücküber-
nahme des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  eines  Dublin-Verfahrens 
am 30. Juni 2009 zugestimmt hatte – am 14. September 2009 in An-
wendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG nicht  eintrat  und die Weg-
weisung  des  Beschwerdeführers  nach  Deutschland  sowie  den  Weg-
weisungsvollzug anordnete, 

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach 
Deutschland am 30. Oktober 2009 erfolgte, 

dass er am 16. Juni 2010 nunmehr zum dritten Mal in der Schweiz um 
Asyl nachsuchte,

dass  er  anlässlich  der  Befragung  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum  B._______  vom  29. Juni  2010  im  Wesentlichen  geltend 
machte, er sei mit seinem Leben in Deutschland unzufrieden gewesen,

dass er  in  Deutschland aufgrund seines Status (abgewiesener  Asyl-
bewerber mit Duldung infolge ausgesetzter Abschiebung; beschränkter 
Aufenthalt auf das Land C._______, mit zusätzlicher Eingrenzung auf 
das Stadtgebiet D._______) in seiner persönlichen Freiheit  erheblich 
eingeschränkt gewesen sei,

dass  er  sich  auf  Geheiss  der  deutschen  Behörden  zwecks 
Dokumentenbeschaffung  zur  syrischen  Botschaft  in  Berlin  habe  be-

Seite 2

D-5724/2010

geben wollen, wobei er aufgrund ungenügender Papiere auf der Fahrt 
dorthin angehalten und verhaftet worden sei, 

dass  ihm  bei  einer  Rückkehr  nach  Deutschland  eine  erneute  In-
haftierung drohe, 

dass er zudem in der Schweiz über Angehörige verfüge (Aufzählung 
Angehörige), mit denen er zusammenleben möchte,

dass er als Kurde nicht nach Syrien zurückkehren könne, da er dort 
aufgrund  seiner  Ethnie  keine  Papiere  erhalte  und  nicht  frei  leben 
könne,

dass bezüglich  der  weiteren  Aussagen  beziehungsweise der  Einzel-
heiten des rechtserheblichen Sachverhalts  auf  das Protokoll  bei  den 
Akten verwiesen wird (vgl. C4), 

dass das BFM am 13. Juli 2010 ein Rückübernahmeersuchen an die 
deutschen  Behörden  stellte,  welchem  am  20. Juli  2010  zugestimmt 
wurde, 

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  16. Juni  2010  –  eröffnet  am 
7. August  2010 – in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG  auf 
das  dritte  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat,  dessen 
Wegweisung  nach  Deutschland  und  den  Wegweisungsvollzug  an-
ordnete und gleichzeitig feststellte,  dass einer allfälligen Beschwerde 
keine aufschiebende Wirkung zukomme, 

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, Deutschland 
sei gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemein-
schaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zu-
ständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in 
der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsabkommen 
[DAA], SR 0.142.392.68) und das Übereinkommen vom 17. Dezember 
2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik 
Island  und  dem  Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung,  An-
wendung und  Entwicklung des  Schengen-Besitzstands und über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 
die  Prüfung  eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  ge-
stellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004, 
SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig, 

Seite 3

D-5724/2010

dass Deutschland einer Rückübernahme des Beschwerdeführers ge-
stützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des 
Rates  vom 18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Ver-
fahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 
von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten 
Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO), am 20. Juli 2010 zugestimmt 
habe, 

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin-II-VO – bis am 19. Januar 
2011 zu erfolgen habe, 

dass dem Beschwerdeführer am 29. Juni  2010 das rechtliche Gehör 
gewährt worden sei, und dessen Einwände nichts an der Zuständigkeit 
Deutschland ändern könnten,

dass es keine Hinweise dafür gäbe, dass die vom Beschwerdeführer 
befürchtete  Inhaftierung  in  Deutschland  nicht  rechtsstaatlich  legitim 
wäre, 

dass  der  Beschwerdeführer  auch  aus  der  Tatsache,  dass  seine 
(Aufzählung Angehörige) in der Schweiz lebten, keine Rechte ableiten 
könne,  da  die  Ausschlussklauseln  gemäss  Art. 34  Abs. 3  AsylG  bei 
Nichteintretensentscheiden im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
keine Anwendung fänden,  und die  betreffenden Verwandten  auch in 
der  anwendbaren Dublin-II-VO nicht  unter  den Begriff  der  „Familien-
angehörigen“  gemäss  Art. 2  Bst. i  und  Art. 7  Dublin-II-VO  fallen 
würden, 

dass daher auf  das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  einzu-
treten und dessen Wegweisung anzuordnen sei, 

dass er in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor Rück-
schiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fände, weshalb das Non-
Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaats nicht 
zu prüfen sei, und ferner für den Fall einer Rückkehr nach Deutschland 
keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  von  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101) bestehen würden, 

Seite 4

D-5724/2010

dass weder die in Deutschland herrschende allgemeine Situation noch 
andere Gründe gegen die Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs in 
diesen Staat sprechen würden, 

dass der Wegweisungsvollzug zudem technisch möglich und praktisch 
durchführbar sei, 

dass  der  Beschwerdeführer  dagegen  mit  Eingabe  vom  12. August 
2010,  ergänzt  am  13. August  2010,  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  erhob,  worin  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Ver-
fügung  und  um  Anweisung  des  BFM,  ihm  Asyl  zu  gewähren, 
eventualiter um Anweisung des BFM, auf das Asylgesuch einzutreten, 
ersucht wurde,

dass  zudem  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Be-
schwerde ersucht wurde, 

dass  überdies  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Beizug  der 
deutschen Haftakten sowie der Asylakten der (Aufzählung Angehörige) 
des Beschwerdeführers ersucht wurde,

dass auf die Begründung der Beschwerde – soweit für den Entscheid 
wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
13. August 2010 den Vollzug der Wegweisung provisorisch aussetzte, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 17. August 2010 beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), 

und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Bereich  des  Asyls  endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 
173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

Seite 5

D-5724/2010

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist-  und  formgerecht  ein -
gereichte  Beschwerde  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen 
einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG), 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  kann  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG), 

dass der  vorliegende Entscheid  in  deutscher  Sprache ergeht,  da  im 
Beschwerdeverfahren  die  Sprache  der  angefochtenen  Verfügung 
massgebend ist (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), 

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend – wie nachfolgend aufgezeigt – 
um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftwechsel 
verzichtet wurde, 

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretens-
entscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen 
materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und 
die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), 

dass mithin auf  den Antrag in  der Beschwerdeschrift,  die Vorinstanz 
sei anzuweisen, das Asylgesuch gutzuheissen, nicht einzutreten ist, 

Seite 6

D-5724/2010

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs indes 
materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  dies-
bezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese 
Fragen – namentlich  diejenigen hinsichtlich des Bestehens von Voll-
zugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zu-
ständigen  Staat)  –  in  den  Dublin-Verfahren  bereits  vor  Erlass  des 
Nichteintretensentscheides stellen,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als 
zutreffend  erweisen,  weshalb  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen 
vorab auf die nicht zu beanstandenden Ausführungen des BFM in der 
angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, 

dass der  vorgängige Aufenthalt  in  Deutschland und die Zustimmung 
Deutschlands  zur  Rückübernahme des  Beschwerdeführers  aufgrund 
der Aktenlage feststehen,

dass der Einwand des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene, das 
DAA sei  vorliegend  nicht  anwendbar,  da  dieses  noch  nicht  in  Kraft 
gewesen sei, als er im Jahr 2002 in Deutschland ein Asylgesuch ein -
gereicht  habe,  nicht  greift;  massgeblich  ist  die  staatsvertragliche 
Bindung der beteiligten Staaten im Zeitpunkt der Einreichung des zu 
beurteilenden Asylgesuchs des Beschwerdeführers in der Schweiz am 
16. Juni  2010  beziehungsweise  der  Stellung  des  entsprechenden 
Rückübernahmeersuchens durch das BFM an Deutschland am 13. Juli 
2010 (vgl. auch Art. 29 Dublin-II-VO), 

dass,  auch  wenn  das  Asylverfahren  des  Beschwerdeführers  in 
Deutschland  bereits  rechtskräftig  abgeschlossen  ist,  Deutschland 
gemäss Art. 16 Abs. 2 Bst. e Dublin-II-VO weiterhin für das Verfahren 
des Beschwerdeführers  bis  zu  einem allfälligen Wegweisungsvollzug 
zuständig  ist  (Art. 16  Abs. 4  Dublin-II-VO  sowie  CHRISTIAN 
FILZWIESER/ANDREA SPRUNG,  Dublin  II-Verordnung,  3., überarb.  Aufl., 
Wien/Graz 2010, K 25 zu Art. 16 Abs. 4), 

dass hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ge-
fahr einer Abschiebung nach Syrien festzuhalten ist, dass Deutschland 

Seite 7

D-5724/2010

Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des 
Übereinkommens vom 10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK, SR 0.105) ist, 

dass keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  vorliegen,  dass  Deutsch-
land  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Ver-
pflichtungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot,  halten 
würde, 

dass auch kein Grund zur  Annahme besteht,  Personen,  die sich  im 
Rahmen eines Asylverfahrens in Deutschland aufhalten, würden auf-
grund der dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Not-
lage versetzt, 

dass  eine  Beanstandung  der  Einschränkung  der  Bewegungsfreiheit 
aufgrund  der  Eingrenzung  auf  ein  Stadtgebiet  bei  den  zuständigen 
Behörden vor Ort vorzubringen ist, 

dass  diesbezüglich  anzumerken ist,  dass  Asylgesuchsteller  auch im 
schweizerischen  Asylverfahren  durch  die  Zuteilung  an  einen  Kanton 
Einschränkungen in örtlicher Hinsicht in Kauf nehmen müssen, wobei 
auch weitergehende Eingrenzungen ausgesprochen werden können, 

dass  auch eine Beanstandung der  angeordneten Untersuchungshaft 
bei den zuständigen deutschen Behörden geltend zu machen ist,

dass – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – keine Hinweise dafür 
vorliegen,  Deutschland  würde  eine  Inhaftierung  des  Beschwerde-
führers  anordnen,  die  rechtsstaatlich  nicht  legitim  wäre  (vgl.  dies-
bezüglich  auch  die  eingereichte  Haftzeitübersicht:  Verurteilung  des 
Beschwerdeführers zu dreimonatiger Freiheitsstrafe wegen [...]),

dass aufgrund des Gesagten der Antrag des Beschwerdeführers um 
Beizug der deutschen Haftakten abzuweisen ist, 

dass hinsichtlich des Einwands des Beschwerdeführers, er verfüge in 
der  Schweiz  über  Angehörige  festzuhalten  ist,  dass  (Aufzählung 
Angehörige)  des  Beschwerdeführers  keine  Familienangehörigen  im 
Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO (Ehegatten, minderjährige Kinder) 

Seite 8

D-5724/2010

sind, weshalb der Beschwerdeführer aus Art.  7 Dublin-II-VO nichts zu 
seinen Gunsten abzuleiten vermag, 

dass gemäss Art. 8 EMRK auch über die Kernfamilie hinausgehende 
verwandtschaftliche Bande unter  den Schutz der Einheit  der  Familie 
fallen,  sofern  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich  gelebte  Beziehung 
zwischen  den  Angehörigen  besteht  (vgl.  Entscheide  des 
Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/47 
E. 4.1.1), 

dass  die  Berufung  auf  den  Grundsatz  der  Familieneinheit  bei  Ver-
wandten ausserhalb der Kernfamilie jedoch nicht nur eine nahe, echte 
und  tatsächlich  gelebte  Beziehung,  sondern  ein  darüber  hinaus-
gehendes besonderes Abhängigkeitsverhältnis  voraussetzt  (vgl. BGE 
129 II 11 E. 2 S. 14), 

dass  zwischen dem – soweit  aktenkundig  –  gesunden Beschwerde-
führer und seinen Angehörigen in der Schweiz keine derartige, durch 
ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis  gekennzeichnete  Beziehung 
ersichtlich ist, 

dass der Antrag des Beschwerdeführers um Beizug der Asylakten der 
Angehörigen abzuweisen ist,  da ein solcher  aufgrund des Gesagten 
nicht angezeigt ist, 

dass  somit  entgegen  der  Beschwerdevorbringen nicht  davon auszu-
gehen ist, das BFM hätte Veranlassung zu einem Selbsteintritt (Art.  3 
Abs. 2 Dublin-II-VO) gehabt, 

dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein-
getreten ist, 

dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Deutschland  der 
Systematik  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem es  sich  um ein  Über-
stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zu-
ständigen  Staat  handelt  –  entspricht  und  im  Einklang  mit  der  Be-
stimmung  von  Art. 44  Abs. 1  AsylG  steht,  wobei  in  Verfahren  nach 
Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und 
Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraus-
setzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheids ist,  
und hier nicht mehr zu prüfen ist, 

Seite 9

D-5724/2010

dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in  einem  Dublin-Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen 
Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom 
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 
142.20) stellt, sondern eine entsprechende Prüfung soweit notwendig 
vielmehr  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der 
Ausübung des Selbsteintrittsrechts stattfinden muss (vgl. vorstehende 
Erwägungen), 

dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des 
Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) besteht,  weshalb der 
vom BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, 

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, soweit auf diese einzutreten ist,

dass mit vorliegendem Urteil ohne vorgängige Instruktion das Gesuch 
um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegen-
standslos geworden ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-5724/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  nach  Versand  des  vor-
liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand:

Seite 11