# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5508261d-9e96-5ad5-bf3b-9f5e999001cb
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Verwaltungskommission 27.10.2022 VV220010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_004_VV220010_2022-10-27.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
Verwaltungskommission    
 

 

Geschäfts-Nr. VV220010-O/U 

Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. M. Langmeier, Vizepräsidentin lic. 

iur. F. Schorta, Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Oberrich-

ter lic. iur. Ch. Prinz und Oberrichter lic. iur. A. Wenker sowie die Ge-

richtsschreiberin lic. iur. A. Leu 

 

Beschluss vom 27. Oktober 2022 
 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft See/Oberland,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Imholz,  

Antragstellerin 

 

gegen 

 

A._____,  
Beschuldigter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

betreffend Umteilung Prozess Nr. GH220052-… des Bezirksgerichts B._____ 
in Sachen Staatsanwaltschaft See/Oberland gegen A._____ betreffend An-
ordnung der Untersuchungshaft 
 
 

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Erwägungen: 

I. 

1. Mit Schreiben vom 26. Oktober 2022 (act. 1) gelangte das Bezirksgericht 

B._____ an die Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zü-

rich und ersuchte um Zuweisung des Verfahrens in Sachen Staatsanwalt-

schaft See/Oberland gegen A._____ betreffend Anordnung der Untersu-

chungshaft, Geschäfts-Nr. GH220052-…, an ein anderes Gericht des Kan-

tons Zürich. Zur Begründung brachte es vor, A._____ (fortan: Beschuldigter) 

habe im Rahmen eines am Bezirksgericht B._____ hängigen Forderungs-

prozesses massive Drohungen gegen die am Prozess beteiligten Mitarbei-

tenden des Bezirksgerichts ausgesprochen. Die Gerichtsleitung habe daher 

in der Folge Strafanzeige gegen den Beschuldigten erstattet. Der Beschul-

digte sei am 25. Oktober 2022 verhaftet worden. Der ans Bezirksgericht 

B._____ gerichtete Haftantrag datiere vom 26. Oktober 2022. Bei diesen 

Gegebenheiten, insbesondere aufgrund der durch das Bezirksgericht 

B._____ erfolgten Strafanzeige, dürften in Bezug auf das Verfahren betref-

fend Anordnung der Untersuchungshaft keine am besagten Gericht tätigen 

Richterinnen und Richter als unbefangen gelten, weshalb um Umteilung des 

Verfahrens ersucht werde.  

2. Nachdem der Vertreter des Beschuldigten beim Bezirksgericht B._____ 

ebenfalls mit Eingabe vom 26. Oktober 2022 infolge des Anscheins von Be-

fangenheit ein Ausstandsgesuch gegen alle Gerichtsmitglieder des Bezirks-

gerichts B._____ gestellt und die Umteilung des Verfahrens an ein anderes 

Zwangsmassnahmengericht beantragt (act. 3/3) und auch die Staatsanwalt-

schaft gegen eine Umteilung nichts einzuwenden hat (act. 4), kann von der 

Gewährung des rechtlichen Gehörs mittels Einholung von Stellungnahmen 

der Parteien abgesehen werden. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.   

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II. 

 Zuständig zur Behandlung des vorliegenden Gesuchs um Umteilung ist die 

Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich als unmittel-

bare Aufsichtsbehörde über die ihm unterstellten Gerichte (§ 80 Abs. 1 lit. b 

GOG). 

III. 

1. Kann ein Gericht infolge Ausstands nicht mehr durch den Beizug von Er-

satzmitgliedern besetzt werden oder ist der Beizug von solchen nicht ange-

bracht, so überweist die Aufsichtsbehörde die Streitsache einem anderen 

Gericht gleicher sachlicher und funktionaler Zuständigkeit (§ 117 GOG). Für 

Strafverfahren ist der Ausstand in Art. 56 StPO geregelt, der beispielhaft 

Tatbestände aufzählt, die einen Ausstand begründen, wobei die Aufzählung 

nicht abschliessend ist. Allgemein ist ein Ausstandsgrund gegeben, wenn 

Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Be-

fangenheit und Voreingenommenheit hervorrufen (BGE 138 I 1 E. 2.2; Keller 

in: Donatsch/Hansjakob§/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 

Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 56 N 9).  

2. Beim Bezirksgericht B._____ handelt es sich um ein mittelgrosses Landge-

richt. Am 3. Oktober 2022 erstattete dessen Gerichtsleitung gegen den Be-

schuldigten Strafanzeige insbesondere wegen Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte (Art. 285 StGB, act. 3/5). In der Folge eröffnete die 

Staatsanwaltschaft See/Oberland das Verfahren B-3/2022/10038079 gegen 

den Beschuldigten und stellte nach einer Hausdurchsuchung sowie dem Er-

lass eines Vorführungsbefehls am 20. Oktober 2022 (act. 3/16) am 

26. Oktober 2022 beim Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes B._____ 

den Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft (act. 3/1). Dieses eröffne-

te unverzüglich das Verfahren Geschäfts-Nr. GH220052-… und lud den Be-

schuldigten auf den 27. Oktober 2022, 14.30 Uhr, zur Anhörung vor 

(act. 3/2). Das Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes B._____ müsste 

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somit in einem Verfahren entscheiden, welches aufgrund einer Strafanzeige 

der eigenen Gerichtsleitung eingeleitet wurde. Würde das Zwangsmass-

nahmengericht ein solches Verfahren behandeln, könnte gegen Aussen der 

Eindruck erweckt werden, die Richterinnen und Richter seien nicht ausrei-

chend unabhängig, auch wenn sie sich vorliegend selbst nicht zur Frage des 

Ausstandes geäussert haben. Gleiches gilt für die juristischen Mitarbeiten-

den des Gerichts, weshalb davon abzusehen ist, für die Behandlung der An-

klage Ersatzmitglieder heranzuziehen. Unter diesen Umständen erscheint es 

weder aus der Sicht der Verfahrensbeteiligten noch aus der Sicht der Öffent-

lichkeit angebracht, das Verfahren durch das Zwangsmassnahmengericht 

des Bezirkes B._____ behandeln zu lassen oder dafür Ersatzmitglieder her-

anzuziehen. Demzufolge ist das Verfahren Geschäfts-Nr. GH220052-… dem 

Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes C._____ zur weiteren Behandlung 

zu überweisen. Soweit das Bezirksgericht B._____ in seinem Antrag auf 

Verfahrensumteilung auch um Überweisung von allfälligen weiteren Verfah-

ren des Zwangsmassnahmengerichts in dieser Sache ersucht (act. 1 S. 2), 

so kann diesem Antrag zurzeit mangels Bestehens von entsprechenden 

Verfahren nicht stattgegeben werden. Vielmehr ist ein solches Begehren 

erst dann zu stellen, wenn ein entsprechendes Verfahren eröffnet wurde. 

 

Es wird beschlossen: 

1. Das beim Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes B._____ hängige Ver-

fahren in Sachen Staatsanwaltschaft See/Oberland gegen A._____ betref-

fend Anordnung der Untersuchungshaft (Geschäfts-Nr. GH220052-…) wird 

dem Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes C._____ zur Behandlung 

überwiesen. 

2. Schriftliche Mitteilung, je gegen Empfangsschein, infolge Dringlichkeit vorab 

per E-Mail, an: 

− die Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

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− den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, zweifach, für sich und 
den Beschuldigten,  

− das Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes C._____ zur Kenntnis-
nahme, unter Beilage der vom Bezirksgericht B._____ eingereichten 
Beilagen (act. 3/1-3/20/5), 

− das Bezirksgericht B._____, mit dem Hinweis, die Akten des Verfah-
rens Geschäfts-Nr. GH220052-… nach Abschreibung am Register di-
rekt dem Bezirksgericht C._____ zu übersenden. 
 

3. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an ge-
rechnet, bei der Rekurskommission des Obergerichts, Hirschengraben 

13/15, Postfach, 8021 Zürich, schriftlich Rekurs eingereicht werden. 

Die Rekursschrift muss einen Antrag und dessen Begründung enthalten. Der 

angefochtene Entscheid ist beizulegen. Die angerufenen Beweismittel sind 

genau zu bezeichnen und soweit möglich beizulegen. 

 
Zürich, 27. Oktober 2022 
 

__________________________________ 

OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH 

Verwaltungskommission 

Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

lic. iur. A. Leu 

versandt am: 

	Beschluss vom 27. Oktober 2022
	Erwägungen:
	I.

	II.
	III.
	Es wird beschlossen:
	1. Das beim Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes B._____ hängige Verfahren in Sachen Staatsanwaltschaft See/Oberland gegen A._____ betreffend Anordnung der Untersuchungshaft (Geschäfts-Nr. GH220052-…) wird dem Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes C.__...
	2. Schriftliche Mitteilung, je gegen Empfangsschein, infolge Dringlichkeit vorab per E-Mail, an:
	 die Staatsanwaltschaft See/Oberland,
	 den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, zweifach, für sich und den Beschuldigten,
	 das Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes C._____ zur Kenntnisnahme, unter Beilage der vom Bezirksgericht B._____ eingereichten Beilagen (act. 3/1-3/20/5),
	 das Bezirksgericht B._____, mit dem Hinweis, die Akten des Verfahrens Geschäfts-Nr. GH220052-… nach Abschreibung am Register direkt dem Bezirksgericht C._____ zu übersenden.

	3. Rechtsmittel:
	Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, bei der Rekurskommission des Obergerichts, Hirschengraben 13/15, Postfach, 8021 Zürich, schriftlich Rekurs eingereicht werden.
	Die Rekursschrift muss einen Antrag und dessen Begründung enthalten. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Die angerufenen Beweismittel sind genau zu bezeichnen und soweit möglich beizulegen.