# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe4226c3-6085-57e5-ad96-4eebe5d08aa7
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-07
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2012 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2012
**Docket/Reference:** DB.2016.33
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2016_33_ii.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2016.33 
2 ST.2016.38 

Entscheid 

7. Juni 2016 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Christian Mäder und Gerichtsschreiberin Andrea Schmid 

A ,    

vertreten durch die Beiständin B,  

diese vertreten durch C,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführerin/ 
Rekurrentin,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2012 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2012 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. 1. A (nachfolgend die Pflichtige) bezieht seit … 1995 aufgrund eines Invali-

ditätsgrades von 100% eine ordentliche einfache Invalidenrente. Dieser Anspruch wur-

de  von  der  Sozialversicherungsanstalt  des  Kantons  Zürich  wiederholt  bestätigt,  letzt-

mals am … 2012. Am … 1996 ordnete die Vormundschaftsbehörde D eine kombinierte 

Vertretungs-  und  Verwaltungsbeistandschaft  nach  Art.  392  Ziff.  1  und  Art.  393  Ziff.  2 

des  Zivilgesetzbuchs  vom  10.  Dezember 1907  (in  der  damaligen  Fassung;  ZGB)  an 

und  ernannte  eine  Sozialarbeiterin  des  Sozialdienstes  für  Erwachsene  des  Bezirks  E 

zur Beiständin. Die nämliche Behörde bestellte am … 2009 "gemäss Schweizerischem 

Zivilgesetzbuch Art. 369 Abs. 1 ZGB" eine andere Fachperson zur Vormundin. Am … 

2014 ernannte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) des Bezirks F per 

… 2014 G, Erwachsenenschutz H, als neue Beiständin und übertrug ihr folgende Auf-

gaben: 

"a) 

 b) 

 c) 

 d) 

 e) 

A bei der Erledigung der administrativen Angelegenheiten soweit nötig zu ver-
treten, insbesondere im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, (Sozi-
al)Versicherungen,  der  Krankenkasse,  sonstigen  Institutionen  und  Privatper-
sonen, 
sie  bei  der  Erledigung  der  finanziellen  Angelegenheiten  zu  vertreten,  insbe-
sondere ihr gesamtes Einkommen und Vermögen zu verwalten, 
stets  für  eine  geeignete  Wohnsituation  bzw.  Unterkunft  besorgt  zu  sein  und 
sie bei allen in diesem Zusammenhang erforderlichen Handlungen umfassend 
zu  vertreten,  dies  insbesondere  und  soweit  nötig  auch  in  den  Belangen  der 
Stockwerkeigentümergemeinschaft, 
für  ihr gesundheitliches Wohl  sowie hinreichende  medizinische  Betreuung  zu 
sorgen und sie bei allen dafür erforderlichen Vorkehrungen zu vertreten, 
sie in allfälligen rechtlichen Verfahren zu vertreten rsp. bei Bedarf um anwaltli-
che Vertretung zu ersuchen, unter Vorbehalt von Art. 416 ZGB." 

Gleichzeitig  merkte  die  KESB  vor,  dass  der  Pflichtigen  gestützt  auf  Art.  394  Abs.  2 

ZGB die Handlungsfähigkeit per … 2014 in folgenden Bereichen entzogen sei: 

"a) 

 b) 

 c) 

 d) 

Verwaltung  des  gesamten  Einkommens  und  Vermögens,  mit  Ausnahme  des 
Kontos … bei der I-Bank  
im  Bereich  des  Abschlusses  von  Rechtsgeschäften,  die  nicht  der  Deckung 
des täglichen Bedarfs dienen; dies umfasst insbesondere den Abschluss von 
schriftlichen Verträgen und Dauerrechtsverhältnissen, 
der  Führung  von  Verfahren  vor  (Verwaltungs-)Behörden  sowie  staatlichen 
Versicherungen, 
der Erteilung von Vollmachten an Dritte." 

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2. In der Steuererklärung 2012 deklarierte die Pflichtige Kosten für die Verwal-

tung  des  beweglichen  Privatvermögens  von  insgesamt  Fr.  20'370.-.  Dieser  Betrag 

setzte sich aus einer Rechnung der I-Bank von Fr. 1'588.- sowie Gebühren für die Füh-

rung des vormundschaftlichen Mandats von insgesamt Fr. 18'782.- zusammen. 

3.  Mit  Auflage  vom  27.  August  2014  verlangte  die  Steuerkommissärin  u.a. 

eine  "detaillierte  Rechnung  und Vertragskopie betreffend der  Vormundschaftskosten". 

Daraufhin reichte die Pflichtige am 23. September 2014 Unterlagen zu den Vormund-

schaftsgebühren aus dem Jahr 2012 von insgesamt Fr. 18'782.- ein. Mit einer weiteren 

Auflage vom 12. Dezember 2014 forderte die Steuerkommissärin wie folgt Aktenunter-

lagen ein: 

"Wir  benötigen  einen  substanziierten  Nachweis  der  Abzugsfähigkeit  der  Vermögens-
verwaltungskosten  z.B.  anhand  des  Vormundschaftsvertrages,  woraus  sowohl  der 
Grund  für  das  vormundschaftliche  Mandat  als  auch  dessen  Umfang  ersichtlich  ist, 
Rechnungskopien mit Detailbeschrieb der Leistungen etc." 

Am  7.  März  2015  reichte  die  Pflichtige  die  erwähnte  Urkunde  der  KESB  des 

Bezirks F vom … 2014 ein. 

4. Mit Mahnung vom 8. April 2015 erneuerte die Steuerkommissärin die Aufla-

ge vom 12. Dezember 2014, worauf die Pflichtige am 5. Mai 2015 weitere Unterlagen 

einreichte. 

5.  Mit  Veranlagungsverfügung  für  die  direkte  Bundessteuer  2012  und  Ein-

schätzungsentscheid für die Staats- und Gemeindesteuern 2012 liess die Steuerkom-

missärin zwar die geltend gemachten Gebühren der I-Bank von Fr. 1'588.- zum Abzug 

zu; hingegen anerkannte sie von den Kosten der Vormundschaft lediglich nach pflicht-

gemässem  Ermessen  einen  Teilbetrag  von  Fr.  2'500.-.  Dementsprechend  setzte  sie 

das steuerbare Einkommen der Pflichtigen auf Fr. 79'800.- (direkte Bundessteuer) bzw. 

Fr. 78'400.- (Staats- und Gemeindesteuern) fest; das steuerbare Vermögen belief sich 

auf Fr. 1'662'000.-. 

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B.  Die  hiergegen  erhobenen  Einsprachen  wies  das  kantonale  Steueramt  am 

8. Januar 2016 ab. Im Entscheid betreffend die Staats- und Gemeindesteuern auferleg-

te es der Pflichtigen Verfahrenskosten von Fr. 200.-. 

C. Mit Beschwerde und Rekurs vom 5. Februar 2016 liess die Pflichtige dem 

Steuerrekursgericht beantragen: 

"1. 

 2. 
 3. 

 4. 

Die Einspracheentscheide seien aufzuheben und die geltend gemachten Kos-
ten  im  Zusammenhang  mit  der  Führung  des  vormundschaftlichen  Mandats 
sowie  die  damit  verbundenen  Folgekosten  in  der  Höhe  von  Fr.  18'782.-  voll-
umfänglich vom steuerbaren Einkommen zum Abzug zuzulassen. Das steuer-
bare  Einkommen  der  Staats-  und  Gemeindesteuern  sei  mit  Fr.  62'200.-  und 
bei  der  direkten  Bundessteuer mit  Fr.  63'500.-  zu  berücksichtigen.  Das steu-
erbare Vermögen bleibt unverändert. 
... 
Die im Einspracheverfahren auferlegten Kosten über Fr. 200.- seien aufzuhe-
ben. 
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates." 

In seiner Beschwerde-/Rekursantwort vom 17. März 2016 schloss das kanto-

nale Steueramt auf Abweisung der Rechtsmittel. 

Auf die Begründung des Einspracheentscheids und die Parteivorbringen wird, 

soweit wesentlich, in den nachfolgenden Urteilsgründen Bezug genommen. 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1.  a)  Die  behinderungsbedingten  Kosten  des  Steuerpflichtigen  oder  der  von 

ihm  unterhaltenen  Personen  mit  Behinderungen  im  Sinne  des  Behindertengleichstel-

lungsgesetzes vom 13. Dezember 2002 (SR 151.3, BehiG) können von den steuerba-

ren Einkünften abgezogen werden, soweit der Pflichtige die Kosten selber trägt (Art. 33 
Abs.  1  lit.  hbis  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14.  Dezem-

ber 1990; DBG). Eine analoge Regelung enthält  § 31  Abs. 1 lit. i des Steuergesetzes 

vom  8.  Juni  1997/13.  Dezember  2004  (StG).  Im  Unterschied  zu  den  Krankheits-  und 

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Unfallkosten, die aufgrund einer vorübergehenden Beeinträchtigung entstehen, ist eine 

Behinderung  dauerhaft  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  

2. A., 2009, Art. 33 N 142 und N 164 DBG). Eine solche liegt bei der Pflichtigen vor. 

Das  Kreisschreiben  Nr.  11  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV) 

vom  31.  August  2005  betreffend  Abzug  von  Krankheits-  und  Unfallkosten  sowie  von 

behinderungsbedingten  Kosten  (nachfolgend  Kreisschreiben)  definiert  die  behinderte 

Person wie folgt (Ziffer 4.1): 

"Ein  Mensch  mit  Behinderung  ist  eine  Person,  der  es  eine  voraussichtlich  dauernde 
körperliche,  geistige  oder  psychische  Beeinträchtigung  erschwert  oder  verunmöglicht, 
alltägliche Verrichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewe-
gen, sich aus- und fortzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Die Beeinträch-
tigung ist dauernd, wenn sie bereits  während mindestens eines Jahres die Ausübung 
der genannten Tätigkeiten verunmöglicht oder erschwert hat oder voraussichtlich wäh-
rend  mindestens  eines  Jahres  verunmöglichen oder  erschweren  wird.  Die  Einschrän-
kung der alltäglichen Verrichtungen, des sozialen Lebens, der Aus- und Weiterbildung 
oder  der  Erwerbstätigkeit  muss  ihre  Ursache  in  der  körperlichen,  geistigen  oder  psy-
chischen Beeinträchtigung haben (kausaler Zusammenhang). 

Als behinderte Personen gelten in jedem Fall: 

a) Bezüger von Leistungen gemäss dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung 

(IVG) vom 19. Juni 1959; 

b) …" 

Als  behinderungsbedingt  gelten  laut  Ziffer  4.2  des  Kreisschreibens  die  not-

wendigen Kosten, die als Folge der Behinderung nach Ziffer 4.1 entstehen und weder 

Lebenshaltungs-  noch  Luxusausgaben  darstellen.  Behinderungsbedingt  sind  gemäss 

Ziffer 4.3 insbesondere Assistenzkosten, Kosten für Haushaltshilfen und Kinderbetreu-

ung, Kosten für den Aufenthalt in Tagesstrukturen, Kosten für Heim- und Entlastungs-

aufenthalte,  Kosten  für  heilpädagogische  Therapien  und  Sozialrehabilitationsmass-

nahmen,  Transport-  und  Fahrzeugkosten,  Kosten  für  Blindenführhunde,  Kosten  für 

Hilfsmittel, Pflegeartikel und Kleider, Wohnkosten sowie Kosten für Privatschulen.  

Das  Merkblatt  des  kantonalen  Steueramtes  Zürich  zu  den  Abzügen  der 

Krankheits-  und  Unfallkosten  sowie  der  behinderungsbedingten  Kosten  vom  

19. Juli 2005 (ZStB I Nr. 19/002; nachfolgend Merkblatt) enthält entsprechende Rege-

lungen für die Staats- und Gemeindesteuern. 

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b) Krankheitskosten sowie behinderungsbedingte Kosten im Sinn von Art. 33 
Abs. 1 lit. h und lit. hbis DBG bzw. und § 32 lit. a und § 31 Abs. 1 lit. i StG stellen steu-

ermindernde  Tatsachen  dar,  welche  gemäss  den  allgemeinen  Beweislastregeln  vom 

Steuerpflichtigen darzutun und nachzuweisen sind (RB 1987 Nr. 35, auch zum Folgen-

den). Der Steuerpflichtige hat bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist die zum Beweis für 

seine Darstellung erforderlichen Beweismittel einzureichen oder zumindest anzubieten 

(RB 1986 Nr. 49). Fehlt es an einer hinreichenden Sachdarstellung oder Beweismittel-

offerte,  trifft  das  Steuerrekursgericht  keine  weitere  Untersuchungspflicht.  Es  hat  den 

Steuerpflichtigen weder zur Ergänzung seiner mangelhaften Sachdarstellung noch zur 

Beibringung besserer Beweismittel anzuhalten. 

2. a) Zur Begründung der Einspracheentscheide erwog das kantonale Steuer-

amt,  dass  die  Pflichtige  die  Abzugsfähigkeit  der  Vermögensverwaltungskosten  nicht 

nachgewiesen  habe.  Ebenso  sei  sie  den  Nachweis  schuldig  geblieben,  dass  die  Bei-

stands-  und  Vormundschaftskosten  als  behinderungsbedingte  Kosten  anerkannt  wer-

den  müssten.  Wie  das  Protokoll  der  Vormundschaftsbehörde  vom  …  1996  zeige, 

handle es sich bei den in Rechnung gestellten Kosten nicht nur um solche für die Ver-

mögensverwaltung,  sondern  auch  für  weitere  Aufwendungen.  Diese  gingen  aus  den 

präsentierten  Unterlagen  allerdings  nicht  im  Detail  hervor. Weil  die tatsächlichen Ver-

hältnisse nach wie vor unklar seien, müsse es bei der Veranlagung nach pflichtgemäs-

sem Ermessen sein Bewenden haben. Die Pflichtige habe nicht dargetan, welche Tä-

tigkeiten und alltäglichen Verrichtungen sie aufgrund ihrer Behinderung nicht oder nur 

erschwert  selber  vornehmen  könne  und  deshalb  durch  die  Vormundschaftsbehörde 

erledigt  werden  müssten.  Ferner  seien  Art  und  Umfang  der  Behinderung  nicht  nach-

gewiesen worden. Dass sie eine IV-Rente beziehe, führe nicht zwingend zum Schluss 

einer steuerrechtlich massgebenden Behinderung. Schliesslich erweise sich die Schät-

zung der abzugsfähigen Kosten nach den vorliegenden Akten nicht als unangemessen. 

An diesem Standpunkt hält die Amtsstelle in der Beschwerde-/Rekursantwort fest. 

b) Die Pflichtige bringt zur Begründung von Beschwerde und Rekurs vor, dass 

die  von  ihr  entrichteten  Gebühren  von  insgesamt  Fr.  18'782.-  im  Zusammenhang  mit 

der Führung des vormundschaftlichen Mandats betraglich belegt seien. Auf die zahlrei-

chen  Auflagen  und  die  Mahnung  der  Steuerkommissärin  hin  habe  sie  sämtliche  ver-

fügbaren  Dokumente  eingereicht.  Als  Bezügerin  einer  ganzen  IV-Rente  gelte  sie  als 

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behinderte  Person  im  Sinn  der  Steuergesetzgebung.  Die  streitbetroffenen  Kosten  für 

die Regelung der administrativen und finanziellen Angelegenheiten seien als alltägliche 

Verrichtungen zu betrachten. Zur Invalidität komme hinzu, dass die Pflichtige seit 1996 

einer  kombinierten  Vertretungs-  und  Verwaltungsbeistandschaft  unterstehe.  Diese 

hänge kausal mit ihrer psychischen Beeinträchtigung zusammen. Laut Bestätigung der 

Sozialen  Dienste  des  Bezirks  E  seien  in  den  Gesamtkosten  von  Fr.  18'782.-  weder 

Entschädigungen für Rechtsberatung noch für Vermögens-, Finanz- oder Anlagebera-

tung  enthalten.  Die  Kosten  der  vormundschaftlichen  Massnahme  hingen  mit  der  Be-

hinderung der Pflichtigen kausal zusammen. 

3. a) Streitgegenstand bilden einzig die mit der Führung des vormundschaftli-

chen Mandats zusammenhängenden Kosten von Fr. 18'782.-. Demgegenüber hat das 

kantonale Steueramt  die  Gebühren der  I-Bank  von  Fr.  1'588.- für  die Verwaltung  und 

Verwahrung  des  Wertschriftendepots  im  Veranlagungs-/Einschätzungsverfahren  zu 

Recht  als  Vermögensverwaltungskosten  (vgl.  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art.  32 

N 17 DBG und Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 30 N 16 StG mit 

Hinweisen) anerkannt. 

b) Nach dem in E. 1a Gesagten gilt die Pflichtige als Bezügerin einer ganzen 

IV-Rente gemäss Kreisschreiben Ziffer 4.1 steuerrechtlich als behinderte Person.  Mit-

hin ist sie berechtigt, jene Kosten abzuziehen, die als Folge der Behinderung entstehen 

und  weder  Lebenshaltungs-  noch  Luxusausgaben  darstellen  (Kreisschreiben  Ziffer 

4.2). Wie die Pflichtige unwidersprochen geltend macht, beruht ihre 100%ige Invalidität 

auf einer schweren psychischen Beeinträchtigung. Aufgrund dieser ist ihre Handlungs-

fähigkeit  seit  1996  durch  erwachsenenschutzrechtliche  Massnahmen  stark  einge-

schränkt (vgl. Prozessgeschichte A.1).  

Unter diesen Umständen ist zunächst davon auszugehen, dass die Pflichtige 

tatsächlich behinderungsbedingt ausserstande ist, sich um ihre finanziellen und admi-

nistrativen Belange zu kümmern. Selbst wenn dies – wider Erwarten – nicht zutreffen 

sollte, wären ihr diese Befugnisse aufgrund der Anordnungen der KESB weitestgehend 

verwehrt.  Sodann  darf  in  aller  Regel  angenommen  werden,  dass  zumindest  die  be-

rufsmässig tätigen, speziell geschulten Beistände nur solche Bemühungen vornehmen, 

auf welche die verbeiständete Person tatsächlich angewiesen ist. Mit der Einreichung 

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der von der Steuerkommissärin im Veranlagungs- und im Einspracheverfahren einver-

langten Unterlagen hat die Pflichtige ihre Substanziierungs- und Nachweispflicht erfüllt; 

es  erscheint  auch  als  glaubwürdig,  dass  keine  weiteren  Aufzeichnungen  vorhanden 

sind. Aus den – zwar summarischen – Aufzeichnungen über die amtlichen Bemühun-

gen lassen sich keine Positionen entnehmen, an deren Abzugsfähigkeit Zweifel beste-

hen. Wenn  das kantonale Steueramt  sich gleichwohl  zu  weiteren Abklärungen  veran-

lasst gesehen hätte, so hätte es – wie von der Pflichtigen angeboten – die zuständige 

Beiständin als Auskunftsperson befragen können. 

Die  Tatsache,  dass  die  Pflichtige  über  ein  ansehnliches  Vermögen  verfügt, 

das im Wesentlichen aus dem Anteil an einem Mehrfamilienhaus und mehreren Bank-

konten besteht, lässt vermuten, dass sich die Bemühungen der KESB überwiegend auf 

die Vermögensverwaltung beziehen. Wie es sich damit im  Einzelnen verhält, kann je-

doch offenbleiben. Wie die Pflichtige nämlich zutreffend geltend macht, handelt es sich 

bei der anderweitigen Mühewaltung der Amtsstelle um eine behinderungsbedingt not-

wendige;  im  einen wie im  anderen  Fall gilt  es keinen  Selbstbehalt  zu  berücksichtigen 

(zur  Aufteilung  der  behinderungsbedingten  Kosten  eines  erwachsenenschutzrechtli-

chen  Mandats  in  solche  der  Vermögensverwaltung  und  sonstige  vgl.  StE  2009  SG 

B 27.5  Nr.  14;  ferner  St.  Galler  Steuerbuch  44  Nr.  1  Ziffer  2).  Massgebend  ist  allein, 

dass aus den Akten keine Bemühungen der KESB oder der Beiständin ersichtlich sind, 

die nicht entweder als behinderungsbedingt oder reine Vermögensverwaltung zu quali-

fizieren  wären.  Insbesondere  gehen  daraus  keine  Verrichtungen  hervor,  die  als  rein 

persönliche Betreuung und somit als Lebenshaltung oder als Anlageberatung von der 

Abzugsfähigkeit ausgenommen sind. 

c)  Die  von  der  Pflichtigen  geltend  gemachten  Vormundschaftskosten  von  

Fr.  18'782.-  sind  der  Höhe  nach  unbestritten  und  ausgewiesen.  Anerkannt  sind  wie 

gesagt  auch  die  Gebühren  der  I-Bank  von  Fr.  1'588.-  für  die  Vermögensverwaltung. 

Diese  Erwägungen  führen  zur  Gutheissung  von  Beschwerde  und  Rekurs  und  zu  fol-

gender Ermässigung des steuerbaren Einkommens für die Steuerperiode 2012: 

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Steuerbares Einkommen  

gemäss Einspracheentscheid 

Vormundschaftskosten 

Statt 

Steuerbares Einkommen 

Steuerbares Einkommen gerundet 

Staats- und Gemeindesteuern 

Direkte Bundessteuer 

(Fr.) 

78'494 

./. 18'782 

2'500 

62'212 

62'200 

(Fr.) 

79'844 

./. 18'782 

2'500 

63'562 

63'500 

d) Im angefochtenen Einspracheentscheid betreffend Staats- und Gemeinde-

steuern 2012 auferlegte das kantonale Steueramt der Pflichtigen Verfahrenskosten von 

Fr. 200.-.  

Laut § 142 Abs. 2 StG können die Kosten des Einspracheverfahrens den Ein-

sprechern auferlegt werden, wenn diese die Kosten durch eine schuldhafte Verletzung 

der  Verfahrenspflichten  verursacht  haben.  Nach  dem  Gesagten  liegt  eine  derartige 

Pflichtverletzung  nicht  vor.  Vielmehr  hat  die  Pflichtige  die  in  der  Prozessgeschichte 

erwähnten Auflagen des kantonalen Steueramts – im Rahmen des Zumutbaren – be-

antwortet. 

4.  Bei  diesem  Prozessausgang sind  die Gerichtskosten  der  Beschwerdegeg-

nerin/dem  Rekursgegner  aufzuerlegen  (Art. 144  Abs. 1  DBG  und  § 151  Abs. 1  StG). 

Ferner  ist  der  Pflichtigen  für  das  Beschwerde-  und  Rekursverfahren  eine  Parteient-

schädigung zuzusprechen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 - 3 des Bundes-

gesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  und  § 152  StG 

i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/6. Septem-

ber 1987). Weil die Pflichtige gezwungen war, einen hohen Aufwand zu betreiben, um 

ihr  Recht  durchzusetzen,  rechtfertigt  es  sich,  die  ihr  erwachsenen,  mit  Honorarnote 

vom  …  2016  plausibel  geltend  gemachten  Aufwendungen  von  Fr.  2'125.-,  zuzüglich 

Fr. 170.- Mehrwertsteuer zu ersetzen. 

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2 ST.2016.38 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführerin  wird  für  die  direkte 

Bundessteuer,  Steuerperiode  2012,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  

Fr. 63'500.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 214 Abs. 1 DBG; Alleinstehendentarif). 

2.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Die Rekurrentin wird für die Staats- und Gemeinde-

steuern,  Steuerperiode  2012,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  

Fr.  62'200.-  und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr.  1'662'000.-  eingeschätzt 

(Tarif gemäss § 35 Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif). 

[…] 

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2 ST.2016.38