# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b2c53cd-2d6d-5cc1-b973-5bdbb2c70d53
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-13
**Language:** de
**Title:** Leistungsanspruch mangels ausgewiesenen IV-relevanten Gesundheitsschadens zu Recht verneint
**Docket/Reference:** IV.2024.00135
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00135.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00135
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
13. Juni 2024
in Sa
chen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1972 geborene
X.___
, von Beruf Kindergärtnerin und Mutter dreier 1996, 2002 und 2006 geborene Kinder, arbeitete seit September 2020 teilzeitlich (4
-
10 Lektionen pro Woche) als Vikarin im Stundenlohn
(vgl.
Urk.
5/32/1)
. Am 2
1.
Juli 2021 meldete sie sich unter Hinweis auf eine schwere Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, lud die Versicherte zu einem Standortgespräch ein (
Urk.
5/5), zog einen Auszug au
s
dem individuellen Konto bei (IK-Auszug vom 2
8.
September 2021,
Urk.
5/6) und tätigte medizi
nische Abklärungen.
Am 2
0.
Januar 2023 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, da sie eine neue Arbeitsstelle als Springerin bei der Stiftung
Y.___
gefunden
habe, würden die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen (
Urk.
5/31; vgl. demgegenüber
Protokoll der Eingliederungsberatung
, wonach der Versicherten mitgeteilt worden sei, dass sie mangels IV-relevante
n
Gesundheitsschaden
s
kein
en
Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassn
a
hmen habe,
Urk.
5/32/9).
Dagegen erhob die Versicherte keine Einwände.
Nach durchgeführtem Vorbe
-
scheidverfahren
(
Urk.
5/33 ff.;
Urk.
5/44
,
Urk.
5/49 f.
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
5.
Januar 2024
zudem
einen Rentenanspruch
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 2
3.
Februar 2024 Beschwerde und beantragte, es seien
ihr IV-Leistungen
zuzusprechen
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 19. April 2024 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4), was der Beschwerdeführerin am 2
3.
April 2024 zu
r
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember
2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Juli 2021
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invaliden
versicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
Januar 2022
ausge
richtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die seit 1. Januar 2022 geltende Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgest
ützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen (Änderung der Rechtsprechung).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2023 vom 30. November 2023 E. 4.2.1).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, mangels Diagnose mit langandauernder und erheblicher Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe kein Rentenanspruch. Daran ändere auch der
einspracheweise
eingereichte Bericht, worin der Verdacht auf ein Long
Covid
-Syndrom erhoben worden sei, nichts (
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, sie sei seit Frühjahr 2021 gesund
heitlich eingeschränkt, unter anderem sehr erschöpft. Sie
würde
sämtliche Empfehlungen der Behandler in Anspruch
nehmen,
um
eine
Besserung zu erwirken (Klinikaufenthalte, Physiotherapie, Reha). Arbeitsversuche im Kinder
garten als Vikarin habe sie leider abbrechen müssen. Aktuell arbeite sie zwei Tage pro Monat. Damit verdiene sie
Fr.
500.-- /Monat. Diese Einsätze würden sie ermüden, obschon sie während der Arbeit bei Bedarf Pause machen und sich zwischenzeitlich auch hinlege könne. Für die Bewältigung der Hausarbeit sei sie ebenfalls nach wie
vor
eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Woher diese Erschöpfung komme, sei ihr unbekannt. Die IV-Stelle habe lediglich die depressive Symptomatik berücksichtigt.
Alsdann gehe die IV-Stelle von einer 50%igen ausserhäuslichen Arbeitstätigkeit aus; die Einschränkungen im Haushalt habe sie indessen nicht berücksichtigt. Ihre Kinder seien inzwischen selbstän
diger. Dies würde ihr ohne gesundheitliche Einschränkung ermöglichen, höher
prozentig zu arbeiten (
Urk.
1).
3.
Die
angefochtene
Verfü
gung vom 2
5.
Januar 2024 (Urk. 2), welche ausschliess
lich den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente hat (vgl. auch Mitteilung vom 2
0.
Januar 2023, Urk. 5/31), bildet den Anfechtungsgegen
stand des vorliegenden Verfahrens und stellt die Sachurteilsvoraussetzung dar (BGE 125 V 413 E. 1a).
Soweit die Beschwerdeführer darüber hinaus
pauschal
IV-Leistungen beantragt (
Urk.
1), liegt ihr Rechtsbegehren ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes und ist diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
4
.
4
.1
Die Beschwerdeführerin hielt
sich v
om
2.
Juni bis 2
1.
Juli 2021 zur stationären Behandlung in der Klinik
Z.___
auf. Im Austrittsbericht vom 2
1.
Juli 2021 diagnostizierte
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Oberärztin, (1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2), (2) son
s
tige näher bezeichnete Krankheiten der
Synovialis
und Sehnen; Knöchel und Fuss [Fusswurzel, Mittelfuss, Zehen, Sprunggelenk, sonstige Gelenke des Fusses], ICD-10: M67.87)
sowie
(3) sonstige näher bezeichnete entzündliche Krankheit der Vagina und Vulva (ICD-10: N76.88).
Die Beschwerdeführerin habe Energieverlust und eine schwergradige Erschöpfung geschildert. Zudem sei sie minderbelastbar und antriebsreduziert.
S
ie müsse sich zu allen Alltagstätigkeiten zwingen, habe keine Freude mehr, grüble ständig und mache sich grosse Sorgen um ihre
15-jährige Tochter, welche an chronischen Rückenschmerzen leide. Sie könne nicht mehr abschalten und habe sich sozial zurückgezogen. In klinische
r
Hinsicht sei die Sprechweise der Beschwerdeführerin stark verlangsamt.
Ihre
Aufmerksamkeit, Konzentration, Auffassungsfähigkeit und Gedächtnisleistung sei
e
n weites
t
gehend unauffällig resp. leicht auffällig. Das formale Denken sei kohärent, jedoch verlangsamt.
Die Beschwerdeführerin sei
affektarm und affektlabil
und
die Stimmung schwer bedrückt. Weiter bestünden ein deutlicher Freud- und Inte
ressenverlust, starke Tagesmüdigkeit
,
rasche Erschöpfbarkeit, mittelstarke Schuldgefühle, Dünnhäutigkeit, Ratlosigkeit,
schwere Störungen der Vitalgefühle und ein
sozialer Rückzug. Beim
Beck-Depressions-Inventar (BDI)
habe die Beschwerdeführerin bei Eintritt 40 Punkte, entsprechend einer schweren Depres
sion und bei Austritt 9 Punkte, entsprechend einer minimalen Depression erreicht.
Dementsprechend
habe bei Eintritt eine schwere depressive Symptomatik bestan
den
;
bis
zum Austritt habe sich sowohl in der Fremd- als auch Selbstwahr
nehmung eine
Regredienz
der Symptomatik eingestellt. Eine Psychopharmako
therapie sei nicht erforderlich gewesen. Die Beschwerdeführerin habe in einem deutlich verbesserten psychischen Zustand in die vorbestehenden Wohnverhält
nisse entlassen werden können. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit habe bis und mit
5.
August 201 bestanden. Es werde eine schrittweise Integration
empfohlen aufgrund des Risikos einer weiteren psychischen Dekompensation bei Überbelas
tung (
Urk.
5/25).
4
.
2
Die seit August 2021 im Zweiwochenrhythmus ambulant nachbehandelnde Psychotherapeutin
B.___
hielt im Bericht vom
7.
Oktober 2021 fest, die Beschwerdeführerin sei aktuell kaum belastbar und verliere die Ruhe und Geduld, sobald es laut und Multitasking gefragt sei. Zudem habe sie Mühe, den Überblick zu behalten und Entscheidungen zu treffen. Aktuell sei die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig. Bei zunehmender Belastbarkeit sei ein langsamer, schrittweise
r
Aufbau gut möglich. Derzeit gehe die Beschwerdeführerin lediglich ihrer häus
lichen Arbeit nach. Dabei sei sie nur eingeschränkt, wenn sie unter Zeitdruck gerate (
Urk.
5/7).
4
.
3
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychiatriezentrum
D.___
,
E.___
AG,
untersucht
e die Beschwerde
führerin am 1
1.
Januar 202
2.
Im
Konsiliarbericht vom
1.
Februar 2022
hielt sie
eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0)
fest.
Die Beschwerdeführerin sei zu allen Qualitäten hin orientiert, äusserlich gepflegt und im Kontaktverhalten zugewandt und freundlich. Aufmerksamkeits-, Auffassungs- und mnestische Störungen bestünden nicht; ebenso wenig inadäquate Ängste, Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Das formale Denken sei geordnet
,
die Psychomotorik unauffällig, der Schlaf regelrecht und der Appetit normal.
Die Beschwerdeführerin habe jedoch
Affektlabilität, innere Anspannungszustände, einen leicht reduzierten Antrieb und Energielosigkeit berichtet.
Bei alle dem sei von einer leichten depressiven Episode auszugehen. Die gegenwärtige ambulante, psychotherapeutische Behandlung sei fortzusetzen; es sei weder eine psychiat
rische noch medikamentöse Behandlung indiziert
. Im Falle einer Zustands
verschlechterung könne sich die Beschwerdeführerin wieder melden
(
Urk.
5/24).
4
.
4
In den Verlaufsberichten vom 1
4.
Februar
(Eingangsdatum)
und 2
9.
Juni 2022 hielt Psychotherapeutin
B.___
jeweils eine leichte depressive Episode
(ICD-10: F32) fest. Die Stimmung
der Beschwerdeführerin
habe sich gebessert und der soziale Rückzug verringert.
Ihre
Belastbarkeit sei
jedoch
nach wie vor reduziert; ebenso die Umstellungsfähigkeit und Flexibilität. Es bestünden weiterhin Entscheidungsschwierigkeiten und Blockaden mit Gefühlen der Überforderung.
Hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin in geringem Umfang, etwa ein Morgen
resp.
zu
2 Stunden pro Tag
in einer Kleingruppe mit klar abgegrenzten Aufgaben, arbeitsfähig. Als angepasste Tätigkeit gelte etwa ein Projekt mit einer Kleingruppe (Ausflug in den Wald)
mit weniger Verantwortung und sozialer Interaktion und Exposition.
Die Prognose sei bei langsamer Steige
rung des Pensums
gut
. Als die Krankheit aufrecht
-
erhaltenden Faktor nannte
B.___
das chronische, die Beschwerdeführerin belastende Rückenleiden ihrer Tochter (
Urk.
5/21
,
Urk.
5/27).
4
.
5
Dr.
med.
F.___
, Facharzt FMH für Neurologie, Psychiatriezentrum
D.___
,
E.___
AG, hielt i
m
Bericht
zuhanden der IV-Stelle
vom
2.
Dezember 2022
fest,
die Beschwerdeführerin stehe seit dem
4.
Januar 2022 in durchschnitt
lich zweiwöchentlichen Abständen in seiner Behandlung
.
Zudem nehme sie aktuell
Brintellix
(5 mg, 1-0-0-0) ein
(
Urk.
5/29/2; vgl. Protokoll der Eingliede
rungsberatung, wonach sich die Beschwerdeführerin im Juni/August 2022 beim «Psychiater» gemeldet habe zwecks medikamentöser Unterstützung,
Urk.
5/32/7).
Seit
Mitte April 2022
habe sich
eine deutliche Remission der initial (Juni 2021; Eintritt in die Klinik
Z.___
) schwer ausgeprägten depressiven Symp
tomatik einge
stellt
; seit
ca. Mitte
September 2022
sei die Remission nahezu vollständig
mit noch reduzierter psych
ophysischer Belastbarkeit
. Zudem bestehe
eine
Persönlichkeitsakzentuierung mit selbstunsicheren und abhängigen Anteilen (ICD-10: Z73.1,
Urk.
5/29/3).
Vor ca. vier Jahren
sei
(nach Angaben der Beschwerdeführerin)
eine Hochsensibilität festgestellt worden bei anamnestisch langjähriger Neigung zu Reizüberflutung und sehr stark ausgeprägtem Empfin
den, insbesondere in emotional bedeutsamen Situationen. Die berichtete Hochsensibilität sei absolut glaubhaft und
als
potenziell auslösende
r
Faktor für depressive Episoden
zu beurteilen
.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem
4.
Januar 2022 zu 100
%
arbeitsunfähig.
Die bisherige Tätigkeit sei beginnend mit maximal einem halben Tag pro Woche (maximal vier Stunden) zumutbar, dann gegebe
nenfalls langsame Steigerung.
Funktionseinschränkend seien die aus der Hochsensibilität resultierende reduzierte psychophysische Belastbarkeit und die Neigung zu Reizüberflutung in sozial anspruchsvollen Situationen. Die Prognose für eine schrittweise Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit in Höhe von 50 bis 60
%
sei günstig. Im Haushaltsbereich sei die Beschwerdeführerin nur geringfügig eingeschränkt
(
Urk.
5/29/2 ff).
4
.6
In der
einwandweise
eingereichten Stellungnahme vom 1
6.
Juni 2023 hielt
Dr.
F.___
als Verdachtsdiagnose eine Long
-
Covid
-
Symptomatik fest. Hierfür spreche unter anderem, dass ein von ihr unternommener Arbeitsversuch infolge einer sehr ausgeprägten Erschöpfbarkeit mit anschliessend abnorm verlängerter Erholungszeit nach zweimaligen Anläufen habe abgebrochen werden müssen. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen am Universitätsspital
G.___
im Gange
(
Urk.
5/44).
4
.7
Dr.
med.
H.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin und Infek
tionskrankheiten, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene,
G.___
, hielt am
2.
August 2023 ein mögliches Long-
Covid
-Syndrom (ES Dezember 2021)
, DD multifaktoriell bei Erschöpfungsdepression
(ES Mai 2021)
fest (
Urk.
5/49/1). Die Beschwerdeführerin habe eine Erschöpfungsdepression im Mai 2021 berichtet. Zu
diesem Zeitpunkt habe ein Familienmitglied schwerwiegende gesundheitliche Beschwerde
n
gehabt und als diese in die stationäre Rehabilitation eingetreten sei, habe die Beschwerdeführerin eine starke Erschöpfung wahrgenommen. Schluss
endlich sei sie selbst während sechs Wochen stationär behandelt worden, anamnestisch aufgrund einer Erschöpfungsdepression. Im weiteren Verlauf habe sich
ihre
mentale Verfassung verbessert und sie habe Fortschritte gemacht
,
bis sie im Dezember 2021 an Covid-19 erkrankt sei. Im Verlauf hätten sich
nebst pulmonalen Residuen
eine persistierende Müdigkeit
,
Erschöpfung, Belastungs
intoleranz und
kognitive Einbussen
eingestellt.
Ausserdem
bestünden
seither wechselnde körperliche Beschwerden; einmal sei es die Achillessehne, ein
a
nder
mal habe sie Hüftschmerzen auf der linken Seite. Letztere seien infolge der
physio
therapeutischen Intervention bereits deutlich
regredient
, so dass von muskuloskelettalen Beschwerden auszugehen sei. Klinisch hätten si
ch
keine Auffälligkeiten
und
laboranalytisch keine relevanten Normabweichungen
gezeigt
. Eine sichere Zuordnung der berichteten Erschöpfung sei schwierig. Weitere Kontrollen in der infektiologischen Sprechstunde seien nicht geplant (
Urk.
5/49
)
.
5
.
5
.1
Ausweislich der Akten litt d
ie Beschwerdeführerin
jedenfalls
seit
Juni 2021 (
E
intritt
in die Klinik
Z.___
)
an einer
depressive
n
Störung
ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten
.
Im Rahmen der stationären Behandlung
vom
Juni/Juli 2021
kam
es zu einer
Regredienz
der Symptomatik
, was sich auch mit der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin deckt; eine
psychopharmakotherapeutische
Unterstützung war nicht erforderlich
(vgl. Austrittsbericht vom 2
1.
Juli 2021,
Urk.
5/25
; vgl. hievor E.
4.1
).
Anfangs
2022
kam
Dr.
C.___
zum Schluss
, bei der aktuell
noch
leichtgradigen Symptomatik sei weder eine psychiatrische noch medikamentöse Behandlung indiziert
. Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nannte sie nicht
(
v
gl. Bericht vom
1.
Februar 2022,
Urk.
5/24
; vgl. hievor E. 4.3
).
Damit
konkordant
hielt
Dr.
F.___
im Dezember 2022
fest, die depressive Störung sei seit
Mitte
April 2022 deutlich und
seit Mitte September 2022 nahezu vollständig remittiert
gewesen
. D
ie d
arüber hinaus fortbestehende reduzierte psychophysische Belastbarkeit resul
tiere aus der Hochsensibilität der Beschwerdeführerin (
vgl. Bericht vom
2.
Dezember 2022,
Urk.
5/29/5
; vgl. hievor E. 4.5
).
Diese führte denn auch selbst aus, es bestehe eine bereits langjährige Neigung zu Reizüberflutung und sehr stark ausgeprägtem Empfinden (
Urk.
5/29/2).
Darüber hinaus vermag nicht einzuleuchten
und liess
Dr.
F.___
auch unbegründet, w
eshalb und inwiefern die
Beschwerdeführerin infolge dieser
– krankheitsfremden -
Belastbarkeitsein
schränkung zu 100
%
arbeitsunfähig sein soll. Eine fachärztlich attestierte,
lang
anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
liegt
jedenfalls
nicht vor
;
auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der Psychotherapeutin kann nicht abgestellt werden
. N
ach der Rechtsprechung
i
st
d
ie Arbeitsfähigkeit auf der Grundlage von fach
medizinischen Stellungnahmen zu beurteilen (vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2 mit Hinweisen).
Alsdann lässt sich aus
den Ausführungen von
Dr.
H.___
, wonach bei der Beschwerdeführerin ein mögliches Long-
Covid
-Syndrom, DD multifaktoriell bei Erschöpfungsdepression besteh
e
(vgl. hievor E. 4.7), nichts zu ihrem Vorteil ableiten.
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. (BGE 144 V 427 E. 3.2).
Ebenso wenig war die Beschwerdegegnerin dazu angehalten,
im Hinblick auf eine Zuordnung des
geklagten
Beschwerdebildes
weitere
Abklärungen
zu tätigen
.
Die sog.
Z-Diagnosen sind schliesslich u.a. zur Klassifizierung von Umständen vorgesehen, die den Gesundheitszustand einer P
erson b
eeinflussen, an sich aber keine Krankheit oder Schädigung im IV-rechtlichen S
i
nne darstellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1 mit Hinweis).
5.2
Zusammenfassend ist bei der vorliegenden Aktenlage ein invalidisierender Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit jedenfalls nicht überwiegend wahrscheinlich.
Damit
erübrigt sich
naturgemäss
auch
die Durch
führung
einer
Indikatorenprüfung
(vgl. hievor E. 1.3)
.
In diesem Zusammenhang
erwähn
t werden können
immerhin die
aktendurchgä
n
gig
genannten
Ressourcen der Beschwerdeführerin
, insbesondere
ihre
ausgeprägte Sozialkompetenz, Kreati
vität
, Naturverbundenheit
und
Intelligenz (vgl. etwa
Urk.
5/29/4).
Zudem
beschrieb sie
ein gutes, langjähriges, stabiles
und
tragendes
Umfeld
sowie
Freizeitaktivitäten, etwa
Skitouren
mit ihrem Mann
(
Urk.
5/32/4)
.
Hervorzuheben
ist
auch, dass das
depressive
Beschwerdebild
nach einhelliger Einschätzung der behandelnden Personen
durch psychosoziale und damit IV-
f
remde Faktoren (Rückenleiden der Tochter) zumindest mitverursacht und unterhalten w
urde
(vgl.
Urk.
5/21/3,
Urk.
5/24,
Urk.
5/25/1).
Beim vorliegenden Ergebnis erübrigen sich auch Weiterungen zur Qualifikation und den geltend gemachten Einschrän
kungen der Beschwerdeführerin im häuslichen Bereich (
Urk.
1).
5
.
3
Nach dem Gesagten
bestehen aufgrund der vorliegenden Akten keine Anhalts
punkte dafür, dass bei der Beschwerdeführerin
ein
invalidisierendes Leiden
vorliegen könnte, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass
die Beschwerdegegnerin
von weiteren Abklärungen abgesehen und
einen
Renten
anspruch
verneint
hat
.
Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen
, sow
ei
t darauf einzutreten ist
.
6
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
r
Beschwer
deführer
in
aufzuerlegen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen
, soweit darauf eingetreten wird
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger