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**Case Identifier:** 4a52ea2d-655e-565e-bc18-1f1c07ece78a
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-30
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 30.07.2020 200 2019 891
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2019-891_2020-07-30.pdf

## Full Text

200 19 891 IV
KNB/GET/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 30. Juli 2020

Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiber Germann

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 23. Oktober 2019

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde-
führerin) ist gelernte … sowie … EFZ und Mutter von vier in den Jahren 
1993 bis 2004 geborener Kinder (Akten der Invalidenversicherung [nach-
folgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin], [act. II], 35). Im April 2012 meldete 
sie sich unter Hinweis auf "Schmerzen des Handrücken unklarer Genese" 
sowie "Schmerzen im Daumengrundgelenk beidseits bei beginnender Rhi-
zarthrose" bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis-
tungsbezug an (act. II 2). Nachdem die IVB die erwerblichen Verhältnisse 
abgeklärt und diverse Berichte behandelnder Ärzte eingeholt hatte, ver-
neinte sie mit (unangefochten gebliebener) Verfügung vom 4. Juni 2013 
(act. II 33) einen Anspruch auf Leistungen der IV mit der Begründung, die 
Versicherte habe ihre bisherige Tätigkeit als … (vgl. act. II 73 S. 20) wieder 
vollumfänglich aufnehmen können.

B.

Im November 2018 meldete sich die zuletzt bzw. seit August 2016 (act. II 
50 S. 2) bis zur Kündigung per Ende Juni 2018 (act. II 45.2 S. 41) im Um-
fang eines 90%-Pensums als "…" (act. II 50 S. 3) erwerbstätige Versicherte 
unter Hinweis auf einen massiven Tinnitus rechts, eine Depression sowie 
Kraftlosigkeit erneut bei der IV zum Leistungsbezug an (act. II 35). Die IVB 
tätigte erwerbliche Abklärungen, zog medizinische Berichte bei und holte 
die Akten des Krankentaggeldversicherers ein, beinhaltend insbesondere 
ein zu dessen Handen erstelltes Gutachten vom 1. Februar 2019 (act. II 
55.2 S. 22 ff.) von Dr. med. C.________, Facharzt für Psychiatrie und Psy-
chotherapie. Mit Vorbescheid vom 22. März 2019 (act. II 56) stellte die IVB 
der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens mit der Begrün-
dung in Aussicht, es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. 
Dagegen liess die Versicherte Einwand erheben, woraufhin die IVB bei Dr. 
med. D.________, Fachärztin für Neurologie sowie für Psychiatrie und 
Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), eine Stellungnahme 

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einholte (act. II 71). Mit Verfügung vom 23. Oktober 2019 (act. II 72) ent-
schied die IVB wie im Vorbescheid in Aussicht gestellt. 

C.

Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch Fürsprecher B.________, 
mit Eingabe vom 22. November 2019 Beschwerde erheben. Sie stellt die 
folgenden Rechtsbegehren: 

1. Die Verfügung vom 23. Oktober 2019 sei aufzuheben.

2. Der Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen auszurich-
ten, insbesondere eine Rente.

3. Eventualiter: ein Gutachten sei zu veranlassen.

4. Subeventualiter: Das Dossier sei zur weiteren Abklärung an die Vorin-
stanz zurückzuweisen.

- Unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

Mit weiterer, gleichentags erfolgter Eingabe beantragt die Beschwerdefüh-
rerin die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Fürsprecher 
B.________ als amtlicher Rechtsvertreter. 

Mit Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2020 beantragt die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig reichte sie den Aus-
trittsbericht der Klinik E.________ vom 29. November 2019 (act. II 76) ins 
Recht.

Mit Schreiben vom 21. Januar 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen 
Bericht vom 16. Januar 2020 von Dr. med. F.________, Fachärztin für 
Psychiatrie und Psychotherapie, zu den Akten (Akten der Beschwerdefüh-
rerin [act. I], 4). 

Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 17. Juli 2020 auf 
die Einreichung einer weiteren Stellungnahme, wobei sie an ihren mit Be-
schwerdeantwort vom 9. Januar 2020 gestellten Rechtsbegehren festhält.

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 23. Oktober 2019 
(act. II 72). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere eine Invalidenren-
te (vgl. Rechtsbegehren, Ziff. 2). 

1.3 Da vorliegend bloss über Leistungen von fünf Monaten zu befin-
den ist (Juni bis Oktober 2019, vgl. E. 3.3), welche Fr. 20'000.-- nicht errei-
chen, ist für die Beurteilung der Beschwerde der Einzelrichter zuständig 
(Art. 57 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

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2.

2.1

2.1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem 
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 
ATSG). 

2.1.2 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221).

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist jedoch noch nicht gesagt, 
dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt 
sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Ge-
sundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend 
ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr 
zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).  

2.1.3 Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 

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bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1).

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine 
Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga-
benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah-
men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit, a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 
40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit, b) und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).

2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite-
ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).

3.

3.1 Mit Verfügung vom 4. Juni 2013 (act. II 33) hatte die IVB einen 
Anspruch auf "Leistungen der IV" mit der Begründung verneint, die Be-
schwerdeführerin habe ihre bisherige Tätigkeit wieder vollumfänglich auf-
nehmen können. Ob die im November 2018 (act. II 35) erfolgte 
Wiederanmeldung zum Leistungsbezug deshalb als Erst- oder aber Neu-
anmeldung (vgl. Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 
über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) zu betrachten ist, kann 
offen bleiben, da die Beschwerdegegnerin jedenfalls – handelte es sich um 
eine Neuanmeldung – auf das Leistungsgesuch eingetreten ist und dieses 
mit Blick auf die Änderung in den medizinischen Verhältnissen (im Zeit-
punkt der früheren Verfügung standen beidseitige Handschmerzen im Vor-
dergrund [vgl. act. II 2 S. 6; 24 S. 3], während nunmehr eine vorwiegend 
psychische Problematik geltend gemacht wird [act. II 39 S. 3]) zu Recht 

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materiell allseitig bzw. frei geprüft hat, was denn auch unbestritten ist (vgl. 
auch Beschwerde, S. 2, Ziff. III/1). 

3.2 Bis zum Erlass der – zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung 
bildenden – angefochtenen Verfügung vom 23. Oktober 2019 (act. II 72; 
BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243) präsentierte sich die medizinische Aktenlage 
im Wesentlichen wie folgt: 

3.2.1 Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, 
hielt im Bericht vom 15. Juni 2018 (act. II 45.2 S. 47) als Diagnose eine 
mittelschwere depressive Episode, DD Anpassungsstörung, fest. Seit An-
fang Juni 2018 beständen eine Schlafstörung, Übelkeit und Antriebslosig-
keit. Seit 5. Juni 2018 betrage die Arbeitsunfähigkeit 100%.

3.2.2 Dr. med. H.________, Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie, dia-
gnostizierte im Bericht vom 28. Juni 2018 (act. II 48 S. 15 f.) einen Tiefton-
tinnitus rechts. Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie Stress auf der 
Arbeit gehabt habe und dort freigestellt worden sei und in dieser Phase 
habe der Tinnitus rechts zugenommen. Eine Innenohrpathologie habe sie – 
Dr. med. H.________ – mittels Reintonaudiogramm ausgeschlossen. Die 
Schallleitungsschwerhörigkeit in den Frequenzen 250-500 Hz von ca. 20 
dB könne sie sich momentan nicht erklären, weil alle weiteren Untersu-
chungen absolut unauffällig gewesen seien (S. 15).

3.2.3 Lic. phil. I.________, Eidg. anerkannte Psychotherapeutin (Psych-
iatrie Spital J.________), diagnostizierte im Bericht vom 19. Juli 2018 (act. 
II 48 S. 11 f.) eine mittelgradige depressive Episode, DD Anpassungs-
störung, reaktive Depression bei Kündigung. Die Beschwerdeführerin be-
richte, für sie sehr überraschend sei Ende April die Kündigung "Knall auf 
Fall" erfolgt und sie sei freigestellt worden (S. 11). Weiter berichte sie, sie 
sei in ihrer Kindheit während Jahren durch den Vater sexuell missbraucht 
worden. Ihre Mutter sei seit dem 11. Lebensjahr der Beschwerdeführerin 
schwere Alkoholikerin; zu beiden Eltern bestände kein Kontakt. In der Beur-
teilung hielt lic. phil. I.________ fest, es bestehe eine depressive Episode 
bei psychosozialer Belastung (Verlust der Arbeitsstelle, Konflikt mit Vorge-
setzten, soziale Isolierung, alleinerziehend) auf dem Boden einer Persön-

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lichkeitsakzentuierung infolge multipler Traumatisierungen in der Kindheit 
(S. 12).

3.2.4 Vom … bis … 2018 war die Beschwerdeführerin in der psychiatri-
schen Klinik des Spitals J.________ in Behandlung. Im Bericht vom 21. 
September 2018 (act. II 39 S. 3 f.) wurden als Diagnosen eine mittelgradige 
depressive Episode (ICD-10 F32.1), Kontaktanlässe mit Bezug auf Kind-
heitserlebnisse (ICD-10 Z61) sowie Probleme mit Bezug auf Schwierigkei-
ten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73) festgehalten. Die 
Beschwerdeführerin habe von Beginn weg über ihre grossen psychosozia-
len Belastungen (alleinerziehende Mutter von vier Kindern; keinen Kontakt 
mehr mit dem Ex-Ehemann; überraschende Kündigung der Arbeitsstelle 
per Ende Juni 2018 nach einer Konfliktsituation mit dem Vorgesetzten; Ab-
grenzungsproblematik gegenüber den Kindern; Unstimmig-keiten mit dem 
Vermieter) gesprochen. 

Mit weiterem Bericht vom 9. November 2018 (act. II 45.2 S. 33 f.) wurde 
festgehalten, die Beschwerdeführerin sei dadurch, dass sie alleinerziehen-
de Mutter sei sowie durch den Arbeitsplatzverlust "gefordert". Es sei aber 
insgesamt von einer depressiven Episode auszugehen. 

3.2.5 Im zu Handen des Krankentaggeldversicherers erstellten Gutach-
ten vom 1. Februar 2019 (act. II 55.2 S. 22 ff.) hielt Dr. med. C.________ 
unter "Diagnose gemäss ICD-10" Folgendes fest (S. 33): 

"Vordiagnostiziert: 

• mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), aus versicherungs-
psychiatrischer Sicht diskussionsbedürftig 

Aus versicherungspsychiatrischer Sicht: 

• Depressive Reaktion im Sinne einer Anpassungsstörung F43.2"

Aus der gutachterlichen Sicht werde hinterfragt, ob eine echte affektive 
Störung als mittelgradige depressive Episode vorliege oder aber ob nicht 
aus der Kombination von Work-Life-Dysbalance, Burnout und nachfolgen-
der Erschöpfung (ohne Krankheitswert) und der Kränkung der Entlassung 
vom Arbeitsplatz sich eine depressive Reaktion entwickelt habe, die bis 
zum heutigen Tag anhalte (S. 31). Mit einer teilweisen Wiederaufnahme 
der bisherigen bzw. einer vergleichbaren Tätigkeit könne medizinisch-

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theoretisch ab 1. Mai 2018 (richtig wohl: 2019) gerechnet werden. Nach 
einer darauf folgenden Zeit der Rekonditionierung von maximal acht Wo-
chen wäre medizinisch-theoretisch wieder eine normale Arbeitsfähigkeit zu 
erlangen (S. 34).

3.2.6 Vom … 2018 bis … 2019 liess sich die Beschwerdeführerin in der 
Klinik K.________ teilstationär psychotherapeutisch behandeln. Im Bericht 
vom 15. Mai 2019 (act. II 66 S. 2 – 5) wurden die folgenden Diagnosen 
gestellt (S. 2): 

• "Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) auf dem Boden einer 
• Komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS; ICD-10: F43.1, 

ICD-11: 6B41), bei 
• Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61) 
• Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10: F61.0) 
• Psychische und Verhaltensstörungen durch Canniboide, schädlicher Ge-

brauch (ICD-10: F12.1)"

Bei Austritt habe sich die depressive Symptomatik zwar verbessert, sei 
aber noch nicht vollständig remittiert gewesen. Die Erschöpfung habe sich 
nur langsam gebessert. Die Beschwerdeführerin habe aber berichtet, über 
etwas mehr Energie zu verfügen. Der Tinnitus habe im Verlauf der Behand-
lung etwas abgenommen und habe sich jeweils kurzfristig bei akuten Be-
lastungssituationen verstärkt (S. 4). 

3.2.7 Vom … bis … 2019 erfolgte im Auftrag der Arbeitslosenversiche-
rung im Kompetenzzentrum Arbeit KA eine arbeitsmarktliche Massnahme 
(AMM) "Ermittlung der Arbeitsmarktfähigkeit". Im Schlussbericht AMM vom 
12. Juli 2019 (act. I 4) wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin habe 
berichtet, dass die zunehmende Arbeitslast beim letzten Arbeitgeber und 
die Alleinerziehung vierer Kinder zu einer Erschöpfungsdepression geführt 
hätten (S. 2). Aufgrund der Abklärungsergebnisse, insbesondere der ge-
sundheitlichen Situation, werde die Arbeitsmarktfähigkeit zurzeit als stark 
eingeschränkt eingeschätzt. Medizinische Massnahmen ständen im Vor-
dergrund (S. 3). 

3.2.8 Die RAD-Ärztin Dr. med. D.________ hielt in ihrer Stellungnahme 
vom 18. Oktober 2019 (act. II 71) fest, die am 19. Juli 2018 (anlässlich der 
Untersuchung durch lic. phil. I.________) und am 18. Januar 2019 (anläss-
lich der Begutachtung durch Dr. med. C.________) dokumentierten Nor-

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malbefunde begründeten rückblickend betrachtet, dass bereits zum Zeit-
punkt des Eingangs des IV-Gesuches als auch aktuell bei der Beschwerde-
führerin Vermittelbarkeit auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt für alle Tätig-
keiten bestanden habe bzw. bestehe, die ihren Fähigkeiten und 
Fertigkeiten entsprächen, bis zu einem 100%-Pensum, so auch in der von 
ihr zuletzt ausgeübten Tätigkeit einer Mitarbeiterin im …. Es lägen keine 
Befunde vor noch hätten welche vorgelegen, die eine quantitative und/oder 
qualitative Leistungseinschränkung objektiv begründen könnten (S. 8).

3.2.9 Ab dem … 2019 befand sich die Beschwerdeführerin in der Klinik 
E.________ in stationärer Behandlung. Im zu Handen des Rechtsvertreters 
der Beschwerdeführerin verfassten Bericht vom 11. November 2019 (act. I 
5) wurden die folgenden Diagnosen festgehalten: 

• "Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bei 
• Komplexer posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) 
• Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F61.0) 
• Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z61) 
• Tinnitus aurium (ICD-10 H93.1)"

Als äussere ursächliche Faktoren kämen wohl ihre Kündigung Ende … 
2018 und die kürzlich erfolgte Fremdplatzierung ihrer beiden jüngsten 
Töchter durch die KESB … in Frage. Die Kinder seien aufgrund der Aussa-
gen der 16-jährigen Tochter, dass die Mutter gewalttätig sei, und dass kei-
ne Lebensmittel im Haus seien und sie auch finanziell etwas zum Haushalt 
beitragen müsse, fremdplatziert worden (S. 1). 

Im Austrittsbericht der Klinik E.________ vom 29. November 2019 (act. II 
76) wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin sei in deutlich gebesser-
tem Allgemein- und geringfügig gebessertem psychischen Allgemeinzu-
stand aufgrund der für sie ausserordentlich belastenden psychosozialen 
Situation in die ambulante Weiterbehandlung entlassen worden (S. 5).

3.2.10 Dr. med. F.________ stellte im zu Handen des Rechtsvertreters 
der Beschwerdeführerin verfassten Bericht vom 16. Januar 2020 (act. I 7) 
die folgenden Diagnosen: 

• "Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.2) bei 
• Komplexer Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) 
• Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10:F61.0) 
• Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61) 

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• Schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden: Abstinent seit April 2019 (ICD 
10: F12.20)"

Im … 2018 sei am Arbeitsplatz nach einer längeren massiven Arbeitsbelas-
tungsphase eine Freistellung erfolgt, welche für die Beschwerdeführerin 
absolut unerwartet gekommen sei. Es sei dadurch primär zu einer Trigge-
rung der Kindheitserlebnisse gekommen, des Ausgeliefertseins und Ver-
kauftwerdens durch die Eltern, worauf die Beschwerdeführerin in einen 
depressiven Erstarrungszustand gefallen sei. Im … 2019 sei eine Untersu-
chung durch die KESB … und eine Unterbringung der beiden Töchter in 
eine Pflegefamilie erfolgt, worauf es zu einer zusätzlichen Verschlechte-
rung der Erkrankung mit schwerem depressivem Einbruch mit stationärer 
Behandlung in der Psychiatrischen Klinik E.________ gekommen sei. 

3.3 Nach der dargelegten Aktenlage (vgl. E. 3.2 vorne) wurde der Be-
schwerdeführerin ab dem 5. Juni 2018 (vgl. act. II 45.2 S. 47 f.) sowie in 
der weiteren Folge eine (100%ige) Arbeitsunfähigkeit attestiert. Indem sich 
die Beschwerdeführerin im November 2018 zum Leistungsbezug angemel-
det hat (act. II 35 S. 8), käme der frühest mögliche Rentenbeginn im Lichte 
von Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG (vgl. E. 2.2 vorne) sowie Art. 29 Abs. 1 
IVG auf den 1. Juni 2019 zu liegen. Ab diesem Zeitpunkt müsste eine Inva-
lidität im Rechtssinne (vgl. E. 2.1.1 vorne) entstanden und erstellt sein, wo-
bei zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfung die angefochtene 
Verfügung vom 23. Oktober 2019 (act. II 72) bildet (BGE 131 V 242 E. 2.1 
S. 243). Spätere Arztberichte sind in die Beurteilung miteinzubeziehen, 
soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwal-
tungsverfahrens gegebene Situation erlauben (vgl. Entscheid des Bundes-
gerichts [BGer] vom 5. November 2019, 9C_114/2019, E. 2).

3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-

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ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.5 Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung 
vom 23. Oktober 2019 (act. II 72) massgeblich auf die Einschätzungen der 
RAD-Ärztin Dr. med. D.________ in ihrer Stellungnahme vom 18. Oktober 
2019 (act. II 71) ab, welcher ihrerseits diverse medizinische Berichte, dar-
unter namentlich das Gutachten von Dr. med. C.________ vom 1. Februar 
2019 (act. II 55.2 S. 22 ff.), zugrunde lagen. In der zu Handen des Kranken-
taggeldversicherers erstellten Expertise, welche auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben wurde, in der Darlegung der medizini-
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 
einleuchtet und deren Schlussfolgerungen begründet sind (vgl. BGE 143 V 
124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352), dia-
gnostizierte Dr. med. C.________ eine depressive Reaktion im Sinne einer 
Anpassungsstörung (S. 33) und attestierte ab dem 1. Mai 2018 (richtig 
wohl: 2019) eine 50%ige und nach weiteren acht Wochen eine "normale" 
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen bzw. einer vergleichbaren Tätigkeit (S. 
34). Anlässlich dieser Begutachtung präsentierte sich die Beschwerdefüh-
rerin zwar adynam und machte einen müden und erschöpften Eindruck (bei 
eher gehemmtem Antrieb); abgesehen davon liessen sich jedoch keine 
pathologischen Befunde erheben. Insbesondere bestanden keine Sympto-
me für ein durchgehendes affektives Syndrom (S. 29). Nichts Anderes folgt 
– soweit die objektive Befundlage betreffend – aus dem Bericht der psych-
iatrischen Klinik K.________ vom 15. Mai 2019 (act. II 66 S. 2 – 5; vgl. E. 
3.6.6 hinten). Wenn die RAD-Ärztin Dr. med. D.________ in ihrer auf den 
Berichten der behandelnden Ärzte sowie dem Gutachten von Dr. med. 
C.________ basierenden Stellungnahme vom 18. Oktober 2019 (act. II 71) 
deshalb zum Schluss gelangte, es lägen keine Befunde vor, welche bei der 
(nach Auffassung der behandelnden Therapeutinnen) über viele Ressour-
cen (act. II 66 S. 4) verfügenden Beschwerdeführerin eine Beeinträchtigung 
der körperlichen, geistigen oder psychischen Funktionen objektiv begrün-
den könnten, so erweist sich diese Einschätzung jedenfalls bezogen auf 
den vorliegenden Überprüfungszeitraum von Juni bis 23. Oktober 2019 
(vgl. E. 3.3 vorne) als nachvollziehbar und schlüssig. Dies umso mehr, als 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 13

nach der Begutachtung durch Dr. med. C.________ bis zum massgeben-
den Zeitpunkt der Verfügung vom 23. Oktober 2019 namentlich von Seiten 
der psychopathologischen Befundlage fachärztlich keine Verschlechterung 
erstellt ist, sondern – im Gegenteil – eine Verbesserung der subjektiven 
Beschwerdesituation eintrat (vgl. E. 3.6.4 und E. 3.6.6 hinten). Damit kann 
hier offen bleiben, ob und wenn ja inwieweit die aktenmässig durchgängig 
dokumentierten und auch von Dr. med. C.________ erwähnten (erhebli-
chen) psychosozialen Belastungsfaktoren – insbesondere die (auch in an-
deren medizinischen Berichten hervorgehobene [vgl. act. II 39 S. 3 f.; 48 S. 
11]) ausgeprägte Kränkung durch die unangekündigte Kündigung des 
früheren Arbeitgebers der Beschwerdeführerin (act. II 55.2 S. 32) – den 
Wirkungsgrad der Folgen der geltend gemachten psychischen Gesund-
heitsbeeinträchtigung invalidenversicherungsrechtlich relevant beeinfluss-
ten. Denn so oder anders liegt mangels medizinisch-theoretischer Arbeits- 
und Erwerbsunfähigkeit keine Invalidität vor. 

Daran ändern auch die beschwerdeweisen Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin nichts: 

3.6

3.6.1 Sie macht geltend, das "Gutachten der Krankentaggeldversiche-
rung" sei "nicht beweiskräftig, da es eine Parteibehauptung" darstelle (Be-
schwerde, S. 7, Ziff. 6). 

Nach der Rechtsprechung spricht der Umstand, dass ein Gutachten im 
Auftrag eines Krankentaggeldversicherers – und somit nicht im Verfahren 
nach Art. 44 ATSG – erstellt wurde, nicht gegen dessen Beweiskraft für die 
Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung. 
Indessen sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. 
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig-
keit einer solchen Expertise, so sind – wie bei versicherungsinternen ärztli-
chen Feststellungen – ergänzende Abklärungen vorzunehmen (Entscheid 
des BGer vom 18. Juni 2020, 9C_89/2020, E. 4.2).

Soweit die Beschwerdeführerin dem Gutachten von Dr. med. C.________ 
pauschal unter Verweis auf dessen Adressaten den Beweiswert abspre-
chen will, kann ihr somit nicht gefolgt werden. Massgeblich ist vielmehr, ob 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 14

das Gutachten (für sich und/oder im Verbund mit den übrigen medizini-
schen Berichten) für die zu beantwortende streitgegenständliche Frage 
(vgl. E. 1.2 vorne) eine schlüssige und zuverlässige Entscheidungsgrund-
lage bildet (vgl. E. 3.5 vorne und E. 3.6.2 sogleich). 

3.6.2 Insoweit kritisiert die Beschwerdeführerin, das versicherungs-
psychiatrische Gutachten setze sich "in keinster Weise mit dem Nachweis 
des funktionellen Schweregrades und der Konsistenz der Gesundheits-
schädigung auseinander", womit es nicht die Grundlage eines IV-
Entscheides bilden dürfe (Beschwerde, S. 7, Ziff. 5).

Zwar erfolgte im Gutachten von Dr. med. C.________ keine formale Befas-
sung mit den gemäss BGE 141 V 281 definierten Indikatoren. Entschei-
dend ist jedoch allemal, ob die im Recht liegenden medizinischen Berichte 
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten 
(vgl. E. 3.4 vorne). Dies ist vorliegend der Fall. Dabei ist zu beachten, dass 
sich der Gutachter ausführlich zu den im Raum stehenden Diagnosen äus-
serte (vgl. E. 3.6.5 hinten) und auch Stellung zur Angemessenheit der me-
dizinischen Behandlung (act. II 55.2 S. 33 f.) sowie zu den 
aussererwerblichen Aktivitäten und dem Sozialleben der Beschwerdeführe-
rin nahm (S. 27 f.), womit der Gutachter die Einschätzung des funktionellen 
Leistungsvermögens unter Berücksichtigung sämtlicher massgeblicher 
Faktoren vornehmen konnte. Wie in E. 3.5 vorne dargelegt, bildet das Gut-
achten im Verbund mit den übrigen medizinischen Berichten damit eine 
hinreichende Grundlage zur Beurteilung der vorliegend streitigen Proble-
matik bzw. lassen sich vorliegend sämtliche relevanten Tat- und Rechtsfra-
gen beantworten. 

3.6.3 Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, der Schluss-
bericht AMM (act. I 4; vgl. E. 3.2.7 vorne) stelle klar, dass aus Sicht des 
Personalberaters die medizinischen Massnahmen im Vordergrund stehen 
müssten, da die Arbeitsmarktfähigkeit der Beschwerdeführerin derzeit stark 
eingeschränkt sei (Beschwerde, S. 4, Ziff. 3). Das Gutachten von Dr. med. 
C.________ äussere sich nicht zu diesem Schlussbericht (Beschwerde, S. 
5, Ziff. 4).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 15

Vorauszuschicken ist, dass die AMM im Juli 2019 erfolgte und die entspre-
chenden Ergebnisse Dr. med. C.________ naturgemäss nicht vorgelegen 
haben konnten. Jedoch schmälert dies weder den Beweiswert seines Gut-
achtens noch lassen sich aus dem Schlussbericht AMM anderweitig be-
weisrechtlich relevante Schlussfolgerungen ziehen: Denn nach der 
Rechtsprechung kommt den Erkenntnissen von Eingliederungsfachperso-
nen im Rahmen von beruflichen Abklärungen resp. Programmen bezüglich 
der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nur beschränkte Aus-
sagekraft zu; sie beruhen in der Regel nicht auf vertieften medizinischen 
Untersuchungen, sondern auf berufspraktischen Beobachtungen, welche in 
erster Linie die subjektive Arbeitsleistung der versicherten Person wieder-
geben (Entscheid des BGer vom 8. April 2020, 8C_21/2020, E. 4.1.2). Dies 
ist vorliegend nicht anders, wobei im Rahmen der Eingliederungsmass-
nahmen keine ärztliche Begleitung erfolgte. Vielmehr nahmen die Einglie-
derungsfachpersonen lediglich Rücksprache mit der behandelnden 
Psychiaterin Dr. med. F.________, welche die "Selbsteinschätzung" der 
Beschwerdeführerin bestätigte (act. I 4 S. 2). Eine die subjektiven Schmer-
zangaben erklärende, fachärztliche Erhebung der Befundlage (vgl. BGE 
143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281) erfolgte im Rahmen 
der AMM nicht, weshalb die im Schlussbericht getroffenen Feststellungen 
einer stark eingeschränkten Arbeitsmarktfähigkeit (vgl. E. 3.2.7 vorne) – da 
im Wesentlichen auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin 
beruhend – invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebend sind und 
folglich – entgegen der Beschwerdeführerin (Beschwerde, S. 4, Ziff. 3) – 
auch keinen Widerspruch zu den Einschätzungen von Dr. med. 
C.________ darstellen. 

3.6.4 Was die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführten Arztbe-
richte der Klinik des Spitals J.________ vom 9. November 2018 (act. II 45.2 
S. 33 f.) und der Klinik E.________ vom 11. November 2019 (act. II 73 S. 
23 – 25) anbelangt (Beschwerde, S. 4 f., Ziff. 3), so ist festzuhalten, dass 
sich der Bericht vom 9. November 2018 weder zur Befundlage noch zum 
funktionellen Leistungsvermögen respektive zur Arbeitsfähigkeit äussert, 
womit er den Beweiswert des Gutachtens von Dr. med. C.________, wel-
chem der Bericht vorlag (act. II 55.2 S. 25), nicht in Frage stellt. Schliess-
lich betrifft der Bericht vom 11. November 2019 den stationären Aufenthalt 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 16

in der Klinik E.________, welcher – gemäss Angaben des unterzeichnen-
den Arztes – u.a. aufgrund der am … 2019 durch die Kindes- und Erwach-
senenschutzbehörde (KESB) veranlassten Fremdplatzierung der Kinder 
der Beschwerdeführerin und einer sich in Folge manifestierenden psychi-
schen Dekompensation erfolgte (act. II 73 S. 23). Indem mit der Fremdplat-
zierung der Kinder ein weiteres Element im möglichen Ursachenspektrum 
der geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen hinzugekommen 
ist, lässt dieser Bericht auch keine Rückschlüsse auf den im hiesigen Ver-
fahren zu beurteilenden Sachverhalt zu. Dasselbe trifft auf den Austrittsbe-
richt der Klinik E.________ vom 29. November 2019 (act. II 76) zu. Ob 
infolge dieses Ereignisses eine Veränderung bzw. Verschlechterung des 
Gesundheitszustandes eingetreten ist respektive ob gestützt auf die er-
wähnten Berichte der Klinik E.________ im Vergleich zur Befundlage, wie 
sie Dr. med. C.________ erhoben hatte, von einer massgeblichen Ände-
rung des medizinischen Sachverhalts auszugehen ist, kann somit offen 
bleiben, da sich diese jedenfalls erst Ende September 2019 manifestiert 
hätte und demzufolge mit Blick auf Art. 88a Abs. 2 der Verordnung vom 17. 
Januar 1961 über die Invalidenversicherung (SR; 831.201) im hier relevan-
ten Überprüfungszeitraum (vgl. E. 3.3 vorne) nicht mehr zu berücksichtigen 
wäre. Soweit die Beschwerdeführerin in Bezug auf das Gutachten von Dr. 
med. C.________, welchem diese Berichte naturgemäss nicht vorgelegen 
haben konnten, auf eine unvollständige Sachverhaltsabklärung schliesst 
(Beschwerde, S. 5, Ziff. 4), greift dieser Vorwurf somit ins Leere. 

3.6.5 Weiter kritisiert die Beschwerdeführerin, Dr. med. C.________ 
stehe mit seiner Meinung, wonach eine depressive Reaktion im Sinne einer 
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) vorliege, alleine da (Beschwerde, S. 5, 
Ziff. 4). 

Erstens ist darauf hinzuweisen, dass lic. phil. I.________ im Bericht vom 
19. Juli 2018 differentialdiagnostisch ebenfalls eine Anpassungsstörung in 
Erwägung gezogen hat (act. II 48 S. 11), womit der Vorwurf der Beschwer-
deführerin nicht zutrifft. 

Zweitens hat Dr. med. C.________ eine ausführliche differentialdiagnosti-
sche Einschätzung vorgenommen und im Gutachten festgehalten, es sei zu 
hinterfragen, ob eine echte affektive Störung als mittelgradige depressive 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 17

Episode vorliege oder aber ob nicht aus der Kombination von Work-Life-
Dysbalance, Burnout und nachfolgender Erschöpfung (ohne Krankheits-
wert) und der Kränkung der Entlassung vom Arbeitsplatz sich eine depres-
sive Reaktion entwickelt habe, die bis zum heutigen Tage anhalte (act. II 
55.2 S. 31). Bei Anpassungsstörungen handelt es sich um Zustände von 
subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktio-
nen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses 
nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden 
Lebensereignis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit 
von schwerer körperlicher Krankheit auftreten. Die Anzeichen sind unter-
schiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst, Besorgnis (oder 
eine Mischung von diesen), ein Gefühl, unmöglich zurechtzukommen, vor-
ausplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortfahren zu können, ferner 
eine Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine (vgl. DIL-
LING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer 
Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 
2015, S. 209). Die Beschwerdeführerin legt nicht dar und auch in den übri-
gen medizinischen Berichten wird nicht geltend gemacht, dass die von Dr. 
med. C.________ erhobenen Befunde nicht unter die von ihm gestellten 
Diagnosen subsumiert werden könnten. Hierfür sind mit Blick auf die hier-
vor dargelegte Charakterisierung von Anpassungsstörungen auch ander-
weitig keine Anhaltspunkte ersichtlich. Dabei ist zu wiederholen, dass der 
Gutachter keine Symptome für ein durchgehendes affektives Syndrom 
feststellen konnte (vgl. E. 3.5 vorne), womit seine Bedenken für das (an-
derweitig behauptete) Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Störung 
auch nachvollziehbar und schlüssig sind. Auch war der Gutachter über die 
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten, vom vierten bis und mit 
18. Lebensjahr erfolgten sexuellen Übergriffe durch den Vater ins Bild ge-
setzt (vgl. act. II 55.2 S. 27), stellte jedoch ausdrücklich fest, Hinweise für 
eine anderweitige primär psychische Störung, etwa eine Persönlichkeitss-
törung, ergäben sich nicht (S. 33). 

Drittens ist in Erinnerung zu rufen, dass Ausgangspunkt der Anspruchsprü-
fung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 
ATSG die medizinische Befundlage ist (vgl. E. 2.1.2 vorne) und zwischen 
gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit keine unmittelbare Korrelation 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 18

besteht (Entscheid des BGer vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 4.1.4). 
Insoweit ist zu wiederholen, dass sich die Befundlage anlässlich der Unter-
suchung durch Dr. med. C.________ als sehr wenig ausgeprägt präsentier-
te (vgl. E. 3.5 vorne; act. II 55.2 S. 29). Dass der Gutachter bei der 
Befunderhebung nicht lege artis vorgegangen wäre, wird weder geltend 
gemacht noch bestehen hierfür in den übrigen Akten Anhaltspunkte. 

3.6.6 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die (ab September 
2019) erfolgte stationäre Behandlung zeige, dass Dr. med. C.________ 
hinsichtlich der ab Juli 2019 attestierten vollen Arbeitsfähigkeit eine falsche 
Prognose abgegeben habe (Beschwerde, S. 6, Ziff. 4). 

Auch dieser Vorwurf trifft nicht zu: Tatsächlich wurde nach dem teilstatio-
nären Aufenthalt in der Klinik K.________ im April 2019 zwar keine 
vollständige Remission, jedoch eine Verbesserung der postulierten depres-
siven Symptomatik festgestellt. Auch anderweitig berichtete die Beschwer-
deführerin über eine Besserung der geklagten gesundheitlichen 
Beeinträchtigungen (vgl. act. II 66 S. 4; E. 3.2.6 vorne), so dass die von Dr. 
med. C.________ prognostisch attestierte Arbeitsfähigkeit auch mit der 
dokumentierten weiteren Entwicklung der subjektiven Beschwerdeangaben 
korreliert. Dabei kann offen bleiben, ob die behandelnden Therapeutinnen 
der Klinik K.________ mit der bis am 12. Mai 2019 erfolgten Befristung der 
bescheinigten 80%igen Arbeitsunfähigkeit (S. 4) für die Zeit danach auf 
eine höhere oder gar volle Arbeitsfähigkeit geschlossen haben. Selbst 
wenn ihr Schreiben vom 20. Mai 2019 (act. II 66 S. 1) in eine andere Rich-
tung interpretiert werden könnte, bliebe darauf hinzuweisen, dass bei Klini-
kaustritt keine (den invalidenversicherungsrechtlichen Vorgaben 
genügende) fachärztliche Erhebung der psychopathologischen Befundlage 
erfolgte, so dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht auf einer ob-
jektivierten Zumutbarkeitsprüfung beruht (vgl. E. 2.1.2 vorne) und die Ein-
schätzungen von Dr. med. C.________ auch im Lichte des Berichts vom 
15. Mai 2019 demnach weiterhin Bestand hatten.

Ferner bildet die Frage, wie es sich mit dem Gesundheitszustand während 
des ab Ende September 2019 erfolgten stationären Aufenthalts in der Klinik 
E.________ verhielt – wie in E. 3.6.4 vorne darlegt – nicht Gegenstand des 
vorliegenden Verfahrens. Selbst wenn ab diesem Zeitpunkt die Einschät-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 19

zungen von Dr. med. C.________ nicht mehr zutreffen sollten, könnte die 
Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten.

3.6.7 Schliesslich ändert auch der Bericht von Dr. med. F.________ 
vom 16. Januar 2020 (act. I 7) nichts am Fehlen einer Invalidität im Recht-
sinne: Zunächst verweist Dr. med. F.________ auf eine seit September 
2019 erfolgte zusätzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes, 
welche jedoch im vorliegenden Verfahren dem bereits Dargelegten zufolge 
nicht Beurteilungsgegenstand bildet (vgl. E. 3.6.4 vorne). Sodann stellt sie 
sich auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin habe durch die unerwar-
tete Kündigung der früheren Arbeitsstelle eine Triggerung der Kindheitser-
lebnisse erfahren (vgl. auch act. II 48 S. 12). Wie es sich damit verhält kann 
offen bleiben: Einerseits waren die von der Beschwerdeführerin geschilder-
ten Erlebnisse in der Kindheit und dem Heranwachsen Dr. med. 
C.________ bekannt (vgl. E. 3.6.5 vorne). Andererseits – und dies ist letzt-
lich entscheidend – kommt es nicht auf die Ursache des Gesundheitsscha-
dens an, sondern auf die (befundmässig objektivierbaren) funktionellen 
Auswirkungen desselben. Dr. med. F.________ legt nicht dar und es ist – 
wie bereits erwogen (vgl. E. 3.6.5 vorne) – auch anderweitig nicht ersicht-
lich, dass hinsichtlich des massgeblichen Beurteilungszeitraums (vgl. E. 3.3 
vorne) insoweit eine (von Dr. med. C.________) abweichende Einschät-
zung vorzunehmen wäre. 

3.7 Dem Dargelegten zufolge erweist sich der massgebliche Sachver-
halt auch im Lichte der vorliegend strengen Anforderungen an die Beweis-
würdigung (vgl. E. 3.6.1 vorne) als rechtsgenüglich abgeklärt, womit es der 
beschwerdeweise eventualiter beantragten Durchführung eines Gutachtens 
bzw. subeventualiter beantragten Rückweisung zur weiteren Abklärung an 
die Beschwerdegegnerin nicht bedarf. Indem bezogen auf den massgebli-
chen Überprüfungszeitraum (vgl. E. 3.3 vorne) medizinisch-theoretisch eine 
dauerhafte Arbeitsunfähigkeit schlüssig verneint wurde (vgl. E. 3.5 vorne), 
ist es schliesslich auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegne-
rin auf eine Prüfung der Indikatoren verzichtete (BGE 145 V 215 E. 7 S. 
228). Aufgrund des Dargelegten besteht für den gesamten Beurteilungs-
zeitraum mangels Vorliegens einer Invalidität im Rechtssinne kein An-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 20

spruch auf Leistungen der IV bzw. eine Invalidenrente (vgl. E. 2.1.1 und E. 
2.2 vorne). 

3.8 Die angefochtene Verfügung vom 23. Oktober 2019 ist somit nicht 
zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen. 

4.

Mit der Abweisung der Beschwerde ist die Beschwerdeführerin als unterlie-
gend zu betrachten. Damit wird sie kostenpflichtig (Art. 108 VRPG), wes-
halb nachfolgend vorab das Gesuch um Erteilung des Rechts auf 
unentgeltliche Rechtspflege zu prüfen ist. 

4.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei 
von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1). 

Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist aufgrund der dokumentierten 
finanziellen Verhältnisse respektive ihrer Sozialhilfebedürftigkeit ausgewie-
sen (Akten der Beschwerdeführerin [act. IA]). Im Weiteren ist die Be-
schwerde nicht als aussichtslos zu qualifizieren und die anwaltliche 
Verbeiständung ist geboten, weshalb die Voraussetzungen für die Erteilung 
des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege vorliegend erfüllt sind. Das 
entsprechende Gesuch der Beschwerdeführerin ist somit gutzuheissen und 
es ist ihr Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt beizuordnen.

4.2 Gemäss Art. 69 Abs.1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 21

Im vorliegenden Fall werden die Verfahrenskosten auf Fr. 800.-- festgesetzt 
und der unterliegenden Beschwerdeführerin auferlegt. Aufgrund der ge-
währten unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 4.1 hiervor) wird die Be-
schwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss 
Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 
(ZPO; SR 272) – vorläufig von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG).

4.3 Infolge Unterliegens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch 
auf Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Um-
kehrschluss] und Art. 108 Abs. 3 VRPG). Aufgrund der gewährten unent-
geltlichen Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ 
als amtlicher Anwalt bleibt dessen amtliches Honorar festzulegen.

4.3.1 Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 
2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwäl-
tinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem 
gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der 
Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung 
des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die 
Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert-
steuer (MWSt.) werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen 
für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach 
den gleichen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG 
i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung 
der amtlichen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der 
Stundenansatz Fr. 200.--.

4.3.2 Mit Kostennote vom 16. Juli 2020 macht Rechtsanwalt 
B.________ einen Aufwand von 13.58 Stunden geltend, was nicht zu be-
anstanden ist. Gestützt darauf ist der tarifmässige Parteikostenersatz auf 
total Fr. 3'750.65 festzusetzen (Honorar: Fr. 3'416.50; Auslagen: Fr. 66.--; 
MWSt.: Fr. 268.15 [7.7% auf Fr. 3'482.50]). Demnach ist Rechtsanwalt 
B.________ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar von Fr. 2'716.-- (13.58 Stunden x Fr. 200.--) 
zuzüglich Auslagen von Fr. 66.-- und die MWSt. von 7.7% auf Fr. 2'782.--, 
ausmachend Fr. 214.20, total somit eine Entschädigung von Fr. 2'996.20 
auszurichten. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerde-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 22

führerin gegenüber dem Kanton Bern entsprechend den Voraussetzungen 
von Art. 123 ZPO.

4.4 Die obsiegende Beschwerdegegnerin hat als Sozialversicherungs-
trägerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 126 V 143 
E. 4b S. 150).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 
gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 3'750.65 (inkl. Auslagen und MWSt.) festge-
setzt. Davon wird Rechtsanwalt B.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'996.20 
festgesetzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWSt.) vergütet. Vor-
behalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

6. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin (samt Einga-

be vom 17. Juli 2020)
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juli 2020, IV/19/891, Seite 23

3001 Bern

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.