# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3278d2af-c5d0-5e37-b0e7-45f2f9cd11ab
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-05
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 05.10.2023 720 2022 252 / 228 (720 22 252 / 228)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-2022-252---228_2023-10-05.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 
vom 5. Oktober 2023 (720 22 252 / 228) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung 

 

 

Zweitgutachten ist keine unzulässige "second opinion", weil ein veränderter Gesund-

heitszustand geltend gemacht wurde. Bei der Ermittlung der Einschränkungen im Haus-

haltsbereich nach der spezifischen Methode wird auf die fachmedizinischen Feststellun-

gen abgestellt, weil sich die Haushaltsabklärung und das Gutachten widersprechen. 

 

 
Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons-

richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Liv Engelhardt 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Elisabeth Maier, Advo-
katin, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be-
schwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff IV-Rente 

 
 
 
A.  Die 1966 geborene A.____ meldete sich am 24. Juni 2016 bei der IV-Stelle Basel-Land-
schaft (IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung an auf-
grund ihrer Arbeitsunfähigkeit von 100 %, welche bedingt sei durch eine chronische Depression 
und schizoaffektive Störung. A.____ befand sich bis heute noch nie in einem Arbeitsverhältnis, 

 

 
 
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weshalb die IV-Stelle in der Folge mehrere Haushaltsabklärungsberichte sowie aufgrund der psy-
chischen Beeinträchtigungen der Versicherten eine psychiatrische Begutachtung bei Dr. med. 
B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, veranlasste. Mit Verfügung vom 10. Januar 2019 
lehnte die IV-Stelle gestützt auf den Abklärungsbericht vom 18. Oktober 2017 einen Rentenan-
spruch von A.____ ab. A.____, vertreten von Advokatin Elisabeth Maier, erhob dagegen am 11. 
Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-
rungsrecht (Kantonsgericht). Am 27. Juni 2019 urteilte das Kantonsgericht, dass aus dem Abklä-
rungsbericht Haushalt vom 18. Oktober 2017 nicht hervorgehe, in welchem Ausmass A.____ tat-
sächlich im Haushalt eingeschränkt sei. In der Folge wies es die Angelegenheit zwecks neuer 
Abklärungen an die IV-Stelle zurück. Daraufhin veranlasste die IV-Stelle eine erneute Haushalts-
abklärung. Gestützt auf den Abklärungsbericht vom 19. November 2020 und die medizinische 
Expertise von B.____ vom 28. März 2017 teilte sie A.____ mit Vorbescheid vom 3. Dezember 
2020 mit, dass sie vorhabe, ihren Antrag auf Ausrichtung einer Rente abzuweisen. Dagegen er-
hob A.____, vertreten von Advokatin Elisabeth Maier, am 13. Januar 2021 Einwand. Im ergän-
zenden Schreiben vom 9. März 2021 begründete sie ihren Einwand unter anderem damit, dass 
gemäss Arztzeugnis von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. Feb-
ruar 2021 eine vollständige Arbeits- und Leistungsunfähigkeit in allen Tätigkeiten vorliege. Auf-
grund dieser geltend gemachten Veränderung des Gesundheitszustands veranlasste die IV-
Stelle eine psychiatrische Begutachtung bei PD Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psycho-
therapie. Gestützt auf dessen Gutachten vom 31. August 2021 verfügte die IV-Stelle am 21. Juli 
2022, dass kein Rentenanspruch bestehe.  
 
B.  Dagegen erhob A.____, weiterhin vertreten von Advokatin Elisabeth Maier, am 13. Sep-
tember 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung 
vom 21. Juli 2022 und die Zusprache der Leistungen. Eventualiter sei die Sache für die Vornahme 
weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Im Grundlegenden beanstandete sie, 
dass das Ausmass der tatsächlichen Einschränkung der Versicherten im Haushalt weiterhin un-
klar sei und dass die eruierten Mithilfeanteile der Haushaltsangehörigen für diese unzumutbar 
seien. Weiter forderte sie, bei der Beurteilung der funktionellen Einschränkung auf die Arztbe-
richte von Dr. C.____ abzustellen.  
 
C.  In ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2022 hielt die IV-Stelle an der Verfügung vom 
21. Juli 2022 fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  
 

1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs-
gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfah-
rens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 21. Juli 2022, sodass die örtliche 
Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des 
Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 
1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des 

 

 
 
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Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich 
zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und form-
gerecht erhobene – Beschwerde vom 13. September 2022 ist demnach einzutreten.  
 
1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung 
des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. Auf alle Rentenansprüche, die ab dem 1. Ja-
nuar 2022 entstehen, finden grundsätzlich die Bestimmungen des IVG und der Verordnung über 
die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie diejenigen des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der ab 
1. Januar 2022 gültigen Fassung Anwendung (Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der 
Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 9101, und Kreisschreiben zu den 
Übergangsbestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems [KS ÜB WE IV], gültig ab 
1. Januar 2022, Rz. 1009). Vorliegend erging die angefochtene Verfügung erst nach dem 1. Ja-
nuar 2022, zur Diskussion steht jedoch, ob davor ein Rentenanspruch entstanden ist. Insoweit 
beurteilt sich die Streitigkeit nach den bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassungen 
des IVG, der IVV und des ATSG (Urteil des Bundesgerichts vom 13. November 2023, 
8C_309/2023, E. 2.1 mit Hinweis). Die Bestimmungen des IVG und der IVV werden demgemäss 
im Folgenden in der Fassung gültig bis zum 31. Dezember 2021 wiedergegeben, zitiert und an-
gewendet. 
 
2.1  Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er-
werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die wäh-
rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfä-
hig gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Bei 
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von min-
destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf 
eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 
 
2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis-
herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird 
auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 
2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, 
Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).  
 
3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG an-
wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Er-
werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der 
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Er-
werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dies ist die 

 

 
 
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allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten 
des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Me-
thode (BGE 128 V 29). 
 
3.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die 
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der In-
validität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, 
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Dies ist die spezifische Methode der 
Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 15 E. 3.2). 
 
3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des 
Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG 
festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese 
Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der 
unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit 
im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 
28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (BGE 141 V 15 E. 
3.2 mit Hinweisen). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung 
des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Inva-
liditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 
27bis IVV). 
 
4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichter-
werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten 
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Diese Frage beurteilt 
sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 
21. Juli 2022) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall 
ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1 mit Hinweisen).  
 
4.2 In der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2022 ging die IV-Stelle davon aus, dass 
die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nicht erwerbstätig wäre. Zu dieser Schlussfolgerung 
kam bereits das Kantonsgericht im Entscheid vom 27. Juni 2019. Dies begründete das Gericht 
damit, dass die Beschwerdeführerin weder in der Schweiz noch in ihrem Heimatland jemals er-
werbstätig gewesen sei, und dies trotz ihrer zumindest teilweise bestehenden Arbeitsfähigkeit. 
Die Beschwerdeführerin hatte entgegen dieser Einschätzung angegeben, dass sie in gesundem 
Zustand aus finanziellen Gründen einer Erwerbstätigkeit nachgehen müsse; in der Vergangenheit 
habe sie dies nur deswegen unterlassen, weil sie ihre vier Söhne habe betreuen wollen. Das 
Gericht befand diese Argumentation jedoch nicht für stichhaltig. Als die Söhne der Beschwerde-
führerin noch minderjährig waren, sei die finanzielle Situation angespannter gewesen als zum 
Zeitpunkt der Beurteilung, zumal die erwachsenen Söhne nun auch zur Mitfinanzierung des 
Haushalts beisteuern würden. Es wäre der Beschwerdeführerin bereits früher – zumindest ab 
dem Jahr 2000, als ihr jüngster Sohn im Kindergartenalter war und somit nicht mehr der intensi-

 

 
 
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ven Betreuung eines Kleinkindes bedurfte – möglich gewesen, wenigstens einer Teilzeiterwerbs-
tätigkeit nachzugehen. Dass sie dies nicht getan habe, als die finanziellen Verhältnisse der Fa-
milie prekärer gewesen seien, spreche dafür, dass sie dies auch später als gesunde Person nicht 
vorgehabt habe. Dieser Ansicht ist auch im aktuellen Beschwerdeverfahren zu folgen. Seit dem 
Urteilsdatum sind keine Umstände aktenkundig geworden, die für eine Erwerbsabsicht der Be-
schwerdeführerin sprechen würden. Angelehnt an das Urteil vom 27. Juni 2019 ist in Würdigung 
der gesamten persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Umstände mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin als gesunde Person heute 
keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Es ist somit auf die spezifische Methode abzustellen, 
um den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin zu ermitteln.  
 
5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Aufgabenbereich bildet die 
Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch-
tigungen fähig ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. 
 
5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbesondere auch bei der Beurtei-
lung der Fähigkeit der versicherten Person, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die Verwal-
tung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege-
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der 
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem 
Umfang bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind 
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits-
leistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit 
weiteren Hinweisen).  
 
5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) –  wie alle an-
deren Beweismittel –  frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat-
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess 
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa-
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be-
weiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange um-
fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksich-
tigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizini-
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob 
die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 
125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 
 
5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi-
gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt-
linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser 

 

 
 
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Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren 
Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer 
Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen 
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs-
sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange 
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 
3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen 
darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hin-
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati-
entinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Be-
handlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauf-
trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (Urteil des damaligen Eidge-
nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, öffentlich-rechtliche Abteilungen] 
vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets 
in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden 
Ärzte oder Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, 
in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte und Ärztin-
nen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benen-
nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des 
Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 
 
6.1  Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, 
die vom Gericht gesamt gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen 
Berichte wiedergegeben werden, welche für die Beurteilung des vorliegenden Falls von Bedeu-
tung sind.  
 
6.2 Im Austrittsbericht der Kantonalen Psychiatrischen Klinik X.____ vom 11. August 2008 
wird beschrieben, dass die Beschwerdeführerin aufgrund psychotischer Dekompensation und su-
izidalen Äusserungen in die Klinik eingewiesen worden sei, nachdem ihr Neffe erkrankt, ihr Vater 
und Halbbruder gestorben und ihr die Wohnung gekündigt worden seien. Während ihrer Behand-
lung sei wiederholt ein mangelnder Realitätsbezug und psychotisches Verhalten festgestellt wor-
den. Nach ihrem fast einmonatigen Klinikaufenthalt wurden bei der Beschwerdeführerin eine Ma-
nie mit parathymen psychotischen Symptomen (ICD-10 F30.21) mit Verdacht auf eine bipolare 
affektive Störung (ICD-10 F31.21) diagnostiziert. Als Differentialdiagnose wurde eine akute schi-
zophreniforme Störung (ICD-10 F23.21) bei belastenden Lebensumständen (ICD-10 Z60.0) ge-
stellt.  
 
6.3 Auf dem Formular zu Verfahrensstand und Angaben zur beruflichen Situation erklärte 
der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. C.____, am 9. September 2016, dass er eine chronifi-
zierte schwere depressive Episode (ICD-10 F32.3) im Rahmen einer erheblichen Erschöpfungs-
depression und eines intermittierend stark präsenten agitiert-depressiven Zustandsbildes diag-
nostiziert habe. Als Differentialdiagnose nannte er den Verdacht auf eine schizoaffektive Störung 
sowie den Verdacht auf eine undifferenzierte Schizophrenie. Das Konzentrations-, Durchhalte- 
und Auffassungsvermögen sei aufgrund der affektiven Beschwerden vermindert. Die Suizidalität 

 

 
 
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werde glaubhaft verneint, doch leide die Beschwerdeführerin oft und vor allem in Überforderungs-
situationen an Lebensüberdruss. Es sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 100 % 
für jede Tätigkeit in der freien Wirtschaft auszugehen. Zum Umfang der Einschränkung im Haus-
haltsbereich äusserte er sich nicht.  
 
6.4 Im Auftrag der IV-Stelle verfasste Dr. B.____ am 28. März 2017 ein psychiatrisches Gut-
achten. Er diagnostizierte mit Blick auf die Anamnese der Beschwerdeführerin, ihre Aussagen im 
Rahmen der Untersuchung sowie die testpsychologischen Befunde aufgrund der Hamilton De-
pressionsskala und des Mini-ICF-APP-Rating-Bogens eine bipolare affektive Störung mit zurzeit 
mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10 F31.3). Als Diskrepanz zwischen den geschilderten 
Symptomen und dem Verhalten der Beschwerdeführerin nannte er ihren dreimonatigen Aufent-
halt im Kosovo in 2016/2017 mit ihrem Ehemann, der kränker sei als sie. Dort habe sie den Haus-
halt – wenn auch mit Hilfe Dritter – selber bewältigen können. Zu ihrer Arbeitsfähigkeit führte er 
aus, dass mindestens ab Juni 2008 von einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 60 % für 
jegliche ausserhäuslichen Tätigkeiten und von 50 % für die Tätigkeit als Hausfrau auszugehen 
sei. Die von Dr. C.____ ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit von 100 % könne nicht vorbehaltslos 
bestätigt werden, vor allem mit Blick auf die erwähnten Diskrepanzen.  
 
6.5 Am 14. Februar 2020 hielt Dr. C.____ an seinen im Bericht vom 9. September 2016 
gestellten Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen fest. Er 
ging demzufolge nach wie vor davon aus, dass die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig 
sei.  
 
6.6 Dr. B.____ wurde von der IV-Stelle der Abklärungsbericht Haushalt vom 14. Oktober 
2020 vorgelegt, wozu er mit Schreiben vom 6. November 2020 Stellung bezog. Aus dem Bericht 
entnehme er, dass die Beschwerdeführerin weder bis November 2007 noch seither nennens-
werte Leistungen im Haushalt erbringe, weil diese entweder von ihren Söhnen oder ihrer Schwie-
gertochter übernommen werden würden. Dieses Verhalten sei aufgrund der psychiatrischen Di-
agnose und des Schweregrades der depressiven Episode nicht nachvollziehbar. Aus versiche-
rungsmedizinischer Sicht könne an der 50%igen Einschränkung im Haushalt festgehalten wer-
den.  
 
6.7 Nachdem die Beschwerdeführerin weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % geltend 
gemacht hatte, veranlasste die IV-Stelle infolge einer möglichen Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes eine psychiatrische Begutachtung durch PD Dr. D.____. Im Gutachten vom 31. 
August 2021 schloss der Gutachter das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung oder Persönlich-
keitsakzentuierung mit der Begründung aus, es gebe keine Hinweise für emotional instabiles, 
impulsives Verhalten. Auch könne eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund von Erfah-
rungen der Beschwerdeführerin im Ex-Jugoslawienkrieg ausgeschlossen werden, fehle es doch 
an einem Vermeidungsverhalten oder einer pathologischen Erregbarkeit. Zum Aufenthalt der Be-
schwerdeführerin in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik X.____ im Jahr 2008 führte PD Dr. 
D.____ aus, dass zu dieser Zeit eine akute vorübergehende psychotische Störung in Form einer 
akuten polymorphen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie, jedoch zu keinem Zeitpunkt 
eine schizophrene oder schizoaffektive Störung vorgelegen habe. Die Beschwerdeführerin habe 

 

 
 
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im Rahmen seiner Begutachtung jegliches Erleben aus dem Psychose-Spektrum verneint, zumal 
sie sich an ihre spezifischen Symptome während des Klinikaufenthalts in 2008 nicht habe erin-
nern können, was durch den damaligen akuten Zustand erklärbar sei. Die von Dr. C.____ ge-
stellte Verdachtsdiagnose auf eine undifferenzierte Schizophrenie werde von diesem nicht be-
gründet; es handle sich dabei um eine Fehldiagnose. Bezüglich der Affektpathologie der Be-
schwerdeführerin verneinte PD Dr. D.____ die von Dr. B.____ gestellte Diagnose einer bipolaren 
affektiven Störung, zumal diese nicht ausreichend begründet worden sei und die Beschwerde-
führerin jegliches aktuelle und anamnestische Erleben (mit Ausnahme der akuten psychotischen 
Störung in 2008) verneint habe. Aus den affektiven Beschwerden lasse sich aus objektiv-psychi-
atrischer Sicht auf eine leichte depressive Episode schliessen, die sich punktuell dimensional 
einer mittelgradigen depressiven Ausprägung nähere. Er diagnostizierte zusammenfassend eine 
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1) sowie Symptome einer Schi-
zophrenie (ICD-10 F23.1) im Juni 2008 nach akuter polymorpher psychotischer Störung. Die psy-
chosozialen Umstände, die soziokulturellen Einflüsse sowie die mangelnden Deutschkenntnisse 
der Beschwerdeführerin würden sich zwar auf ihr gesamthaftes Krankheitserleben auswirken, 
seien jedoch überwiegend invaliditätsfremd. Das Familiensystem der Beschwerdeführerin ermög-
liche ihr eine erhebliche Regression, obwohl es von aussen so erscheinen möge, als sei die Be-
schwerdeführerin unfähig, diversen Tätigkeiten nachzugehen. PD Dr. D.____ attestierte aus psy-
chiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 70 % auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dass 
eine leichte bis mittelgradige depressive Episode überhaupt zu einer Einschränkung der Arbeits-
fähigkeit führe, liege an ihrer jahrelangen Dauer, was möglicherwiese für eine gewisse Chronifi-
zierung spreche. Im Haushalt sei es der Beschwerdeführerin theoretisch möglich, die Haus-
haltstätigkeiten flexibel aufzuteilen und ohne äusseren Druck zu erledigen. Dass sie im Haushalt 
kaum noch irgendwelche Tätigkeiten ausführe, stelle nicht ein Abbild der realen qualitativen Funk-
tionsfähigkeiten dar. Er sei als Gutachter nicht in der Lage, die einzelnen Haushaltstätigkeiten im 
Detail zu überprüfen, hierfür seien die Haushaltsabklärungen der IV-Stelle massgebend. Er könne 
jedoch aufgrund der objektiven Untersuchungsbefunde feststellen, dass die Beschwerdeführerin 
keine ausgeprägten Einbussen in der innerpsychischen Vitalität aufweise. Es könne deshalb nur 
eine äussert geringfügige Einschränkung für Haushaltstätigkeiten im Umfang von maximal 10 % 
attestiert werden.  
 
6.7 In seiner Stellungnahme vom 10. Dezember 2021 ging Dr. C.____ auf die im Gutachten 
gemachten Ausführungen von PD Dr. D.____ ein. Dr. C.____ hielt dabei an den von ihm gestell-
ten Diagnosen einer chronifizierten schweren depressiven Störung mit psychotischen Sympto-
men (ICD-10 F32.2) und am Verdacht auf eine schizoaffektive Störung sowie Verdacht auf eine 
undifferenzierte Schizophrenie fest. Diese Beurteilung stütze sich auf psychopathologische Be-
funde, anamnestische Angaben, eine Fremdanamnese, geschilderte subjektive Beschwerden 
und eine Verlaufsbeurteilung. Auch habe er die gutachterliche Untersuchung von Dr. B.____ be-
rücksichtigt und habe seine Beurteilung durch Testungen mittels Montgomery-Asberg Depression 
Rating Scale (MADRS) und Beck-Depressions-Inventar (BDI) bestätigen lassen. Aufgrund dieser 
Faktoren würde es sich bei seinen Diagnosen nicht um Fehldiagnosen handeln.  
 
6.8 Zur Stellungnahme von Dr. C.____ äusserte PD Dr. D.____ mit Schreiben vom 28. Feb-
ruar 2022, dass es sich bei MADRS und BDI um psychometrische Depressionsskalen handle, die 

 

 
 
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hauptsächlich subjektive Beschwerdeangaben abbilden würden, so dass nach wie vor unklar sei, 
auf welche objektive Befunde Dr. C.____ seine Beurteilung abstütze.  
 
7.1 Die IV-Stelle ging im aktuellsten Abklärungsbericht vom 19. November 2020 gestützt auf 
das Gutachten von Dr. B.____ vom 28. März 2017 von einer Einschränkung der Beschwerdefüh-
rerin von 50 % im Haushalt aus. Nach diesem Abklärungsbericht, jedoch noch vor Erlass der 
angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2022 veranlasste die IV-Stelle wegen einer möglichen 
Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin eine weitere psychiatrische Be-
gutachtung, woraufhin PD Dr. D.____ die Einschränkungen der Beschwerdeführerin mit Gutach-
ten vom 31. August 2021 evaluierte. Zu prüfen ist, ob vorliegend auf das Gutachten von 
Dr. B.____ oder jenes von PD Dr. D.____ abzustellen ist. 
 
7.2  Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei es 
grundsätzlich im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mit-
teln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessens-
spielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebun-
gen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf 
den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungs-
anspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden 
werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2020, 9C_721/2019, E. 3 mit Hinweisen). 
Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärun-
gen im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das 
Recht des Versicherungsträgers, eine "second opinion" zu dem bereits in einem Gutachten fest-
gestellten Sachverhalt einzuholen, wenn dieser nicht seinen Vorstellungen entspricht (Urteil des 
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 
 
7.3 Um abschliessend festzustellen, ob es sich bei der Begutachtung von PD Dr. D.____ um 
eine unzulässige "second opinion" zu dem von Dr. B.____ festgestellten medizinischen Sachver-
halt handelt, ist entscheidend, ob die Gründe, welche die Beschwerdegegnerin für die Notwen-
digkeit weiterer medizinischer Abklärungen anführt, plausibel erscheinen. Denn das Gericht greift 
bei der Frage der Notwendigkeit einer weiteren Begutachtung in das Ermessen der mit der Ab-
klärung betrauten Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzungen vorliegen, 
eine Begutachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass 
sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess (Urteile 
des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht vom 10. Mai 2012, 720 11 393, E. 3 
und 720 11 441, E. 3). 
 
7.4 Mit Vorbescheid der IV-Stelle vom 3. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführerin 
mitgeteilt, dass die IV-Stelle in Anbetracht der von Dr. B.____ attestierten Leistungsfähigkeit im 
Haushalt von 50 % vorhabe, den Anspruch auf eine Rente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 
6,5 % abzuweisen. Im Rahmen ihrer Einwandbegründung vom 19. März 2021 wies die Beschwer-
deführerin darauf hin, dass Dr. D.____ der Bericht von Dr. C.____ vom 26. Februar 2020 im 
Zeitpunkt seiner gutachterlichen Einschätzung nicht vorgelegen habe. In diesem Bericht hatte 
Dr. C.____ eine zu 100 % reduzierte Arbeits- und Leistungsfähigkeit in allen Tätigkeiten attestiert. 

 

 
 
Seite 10   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Zu diesem Bericht ersuchte die IV-Stelle den Regionalen Ärztlichen Dienst beider Basel (RAD) 
nachfolgend um Stellungnahme. Mit Bericht vom 28. Mai 2021 befand der RAD, dass es aus 
versicherungsmedizinischer Sicht im Bericht von Dr. C.____ Hinweise auf einen veränderten Ge-
sundheitszustand gebe. Zur Festlegung der definitiven Arbeits- und Leistungsfähigkeit wurde eine 
psychiatrische Begutachtung bei PD Dr. D.____ empfohlen. Aus dem geschilderten Sachverhalt 
geht hervor, dass die IV-Stelle von einer möglichen Verschlechterung des Gesundheitszustands 
seit der letzten Begutachtung durch Dr. B.____ ausging und deshalb ein neues Gutachten bei PD 
Dr. D.____ veranlasste. Dabei handelt es sich weder um eine erkennbare Fehleinschätzung noch 
um eine von vorneherein untaugliche Begutachtung noch lassen sich den Akten sachfremden 
Motive entnehmen. Fraglich ist allenfalls, warum die Neubegutachtung nicht nochmals bei Dr. 
B.____ durchgeführt wurde und stattdessen ein bisher nicht involvierter Arzt beauftragt wurde. 
Da es jedoch bei monodisziplinären Gutachten Sache der IV-Stelle ist, welcher Sachverständiger 
mit der Begutachtung beauftragt wird (Rz. 3074 des Kreisschreibens über das Verfahren in der 
Invalidenversicherung [KSVI], gültig ab 1. Januar 2022), besteht auch in diesem Punkt kein An-
lass, in das Ermessen der IV-Stelle einzugreifen. Somit handelt es sich bei dem psychiatrischen 
Gutachten von PD Dr. D.____ nicht um eine unzulässige "second opinion". 
 
8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2022 bei der Be-
urteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von 
PD. Dr. D.____ vom 31. August 2021. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdefüh-
rerin aufgrund einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode und Symptomen einer Schi-
zophrenie bei der Ausführung von Haushaltsarbeiten zu 10 % eingeschränkt sei. Diese vo-
rinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Das Gutachten von PD Dr. D.____ weist 
weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird 
(vgl. Erwägung 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Unter-
suchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben 
worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der 
aktuellen medizinischen Situation ein und beinhaltet eine Auseinandersetzung mit abweichenden 
Einschätzungen anderer Ärzte. Insbesondere befasste sich PD Dr. D.____ ausführlich mit der 
Anamnese der Beschwerdeführerin und diskutierte das Vorliegen einer Vielzahl von Störungsbil-
dern, was mit Blick auf die in der Vergangenheit gestellten diversen Diagnosen und den Ausfüh-
rungen der Beschwerdeführerin im Rahmen der Exploration einleuchtet. Sodann begründete er 
seine von den behandelnden Fachärzten abweichenden Diagnosen nachvollziehbar.  
 
8.2 Die Beschwerdeführerin kritisierte das Gutachten von PD Dr. D.____ dahingehend, dass 
die Explorationsdauer nur zwei Stunden betragen und der Einsatz einer Dolmetscherin dazu ge-
führt habe, dass die effektive Explorationszeit noch kürzer und somit für eine zuverlässige Diag-
nosestellung ungeeignet sei. Auch habe es PD Dr. D.____ versäumt, seine Einschätzung durch 
Angaben von Dritten validieren zu lassen, und habe keine weiteren Testungen durchgeführt. Im 
Rahmen ihrer Beschwerde führte die Beschwerdeführerin aus, dass PD Dr. D.____ sich aufgrund 
der Meinungsdifferenzen mit Dr. C.____ mit diesem hätte in Kontakt setzen müssen. Auch wies 
sie darauf hin, dass PD Dr. D.____ das Gutachten von Dr. B.____ kritisiert habe, welches das 
Gericht jedoch im Rahmen des ersten Verfahrens grundsätzlich als beweistauglich anerkannt 
habe. Es sei auch fraglich, ob die von PD Dr. D.____ geltend gemachten psychosozialen und 

 

 
 
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soziokulturellen Umstände als objektiviert betrachtet werden könnten, weil die Erhebungen nicht 
durch fremdanamnestische Angaben abgeglichen worden seien. Zusammenfassend postulierte 
die Beschwerdeführerin, dass auf das Gutachten von PD Dr. D.____ nicht abgestellt werden 
könne.  
 
8.3 Dem Argument der Beschwerdeführerin, das Gutachten basiere auf einer zeitlich zu kur-
zen Exploration, kann nicht gefolgt werden. Mangels spezifischer Vorgaben an den zeitlichen 
Aufwand einer Exploration kann aus einer verhältnismässig kurzen Dauer nicht von vorneherein 
auf eine unzureichende Sorgfalt des Gutachters geschlossen werden. Ausschlaggebend ist viel-
mehr, dass es der untersuchten Person im Rahmen der Exploration möglich war, ihre Situation, 
Beschwerden und Sicht der Dinge darzulegen (Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische 
Gutachten, SGPP/SGVP [Hrsg.], 3. Aufl. 2016, S. 14 Ziff. 3). Der im konkreten Fall erforderliche 
zeitliche Aufwand liegt letztlich im Ermessen des fachkundigen Experten (Urteil des Bundesge-
richts vom 12. Juli 2017, 8C_734/2016, E. 3.8). Spezielle Problemstellungen, welche vorliegend 
eine Explorationsdauer von etwas weniger als zwei Stunden als unzureichend erscheinen lassen 
würden, liegen nicht vor (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2014, 9C_49/2014, E. 
4.4.2 und vom 4. September 2023, 9C_234/2023, E. 3.2.3). Auch ist zweifelhaft, inwiefern eine 
Befragung von Drittpersonen zur Validierung der Ergebnisse des Gutachters beigetragen hätte. 
Bei einer psychiatrischen Begutachtung wird gezwungenermassen primär auf die Aussagen der 
Explorandin, wie diese ihre psychischen Leiden empfindet, abgestellt. Das Beiziehen von Dritt-
personen könnte diese Ergebnisse ebenso validieren wie es sie verfälschen könnte, da Drittper-
sonen keine verlässlichen Aussagen zum Innenleben der Explorandin tätigen können. Der Be-
schwerdeführerin ist insofern beizupflichten, dass PD Dr. D.____ im Rahmen der Begutachtung 
wohl keine Testungen durchführte. PD Dr. D.____ befragte die Beschwerdeführerin jedoch aus-
führlich zu den von ihr erlebten Beschwerden und eruierte gestützt darauf die Einschränkung der 
Funktionsfähigkeit anhand der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit. Dies zeugt 
von einem wissenschaftlichen Vorgehen bei der Diagnosestellung, die nicht weiter zu beanstan-
den ist. Eine direkte Kommunikation zwischen PD Dr. D.____ und Dr. C.____ zur Beilegung derer 
fachärztlichen Differenzen ist im heutigen Zeitpunkt nicht erforderlich, zumal beide Ärzte zu die-
sen Unterschieden bereits schriftlich Stellung bezogen hatten. Auch der Argumentation, die von 
PD Dr. D.____ festgestellten psychosozialen und soziokulturellen Umstände seien mangels 
Fremdanamnese nicht objektiviert, kann nicht gefolgt werden. So besteht ein Teil der Aufgabe 
eines Gutachters gerade darin, invaliditätsfremde Gesichtspunkte und insbesondere psychosozi-
ale und sozikulturelle Belastungsfaktoren im Rahmen der Begutachtung zu berücksichtigen (BGE 
130 V 352 E. 2.2.5). Warum hierfür Aussagen von Drittpersonen, vorliegend wohl von Angehöri-
gen der Beschwerdeführerin, von Nöten wären, ist nicht ersichtlich. PD Dr. D.____ basierte seine 
Einschätzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren auf seiner Wahrnehmung der 
Beschwerdeführerin im Rahmen der Exploration und auf die Anamnese. Es liegen keine Anzei-
chen vor, dass hiernach noch offene Fragen zum Umfeld der Beschwerdeführerin bestanden 
hätten, die durch die Beiziehung von Drittpersonen hätten geklärt werden können. Was die Kritik 
von PD Dr. D.____ am Gutachten von Dr. B.____ anbelangt, welches das Gericht im Rahmen 
des ersten Verfahrens grundsätzlich als beweistauglich anerkannt habe, ist anzuführen, dass – 
wie hiervor unter Erwägung 5.3 aufgeführt – das Gericht ein Gutachten dahingehend prüft, ob 
dieses für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die 

 

 
 
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geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wor-
den ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi-
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten be-
gründet sind. Das Vorliegen dieser Faktoren schliesst eine differenzierende medizinische Ein-
schätzung, welche diese Voraussetzungen ebenfalls erfüllt, keinesfalls aus, zumal das Gericht 
die konkrete Diagnosestellung inhaltlich nicht zu überprüfen vermag. Im Gutachten ging PD Dr. 
D.____ auf die Unterschiede zu den von Dr. B.____ gestellten Diagnosen ein. Insbesondere sei 
die psychotische Episode im Juni 2008 von Dr. B.____ diagnostisch falsch als bipolare affektive 
Störung statt als akute vorübergehende psychotische Störung eingeordnet worden. Dies begrün-
dete PD Dr. D.____ damit, dass im weiteren Verlauf sowie im Rahmen der Exploration keinerlei 
hypomanische oder manische Symptomatik aufgetreten sei. Mit Blick auf diese Begründung ver-
mögen die Unterschiede zwischen den beiden Gutachten keine konkreten Zweifel am Gutachten 
von PD Dr. D.____ zu begründen.  
 
8.4 Zusammengefasst gehen aus den Akten und den Ausführungen der Beschwerdeführerin 
keine Gesichtspunkte hervor, die vom psychiatrischen Gutachter nicht berücksichtigt worden sind 
oder dessen Beurteilung als offensichtlich unzutreffend erscheinen lassen. Vor diesem Hinter-
grund kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) 
auf weitere Abklärungen verzichtet und davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdefüh-
rerin in Haushaltstätigkeiten zu höchstens 10 % eingeschränkt ist. 
 
9.1 Nach dem Gesagten steht fest, dass PD Dr. D.____ von einer maximalen Einschränkung 
im Haushalt von 10 % ausgeht. Für Details verwies er auf die Abklärungsberichte des Aussen-
dienstes der Beschwerdegegnerin. Der erste Abklärungsbericht wurde am 18. Oktober 2017 er-
stellt. Diesen Bericht erachtete das Kantonsgericht in seinem Urteil vom 27. Juni 2019 als nicht 
beweiskräftig. Zur Begründung führte es aus, dass in jedem Aufgabenbereich eine Einschrän-
kung von 0 % festgehalten und darauf verwiesen worden sei, dass die Söhne der Beschwerde-
führerin diese Arbeiten übernehmen könnten. Es sei jedoch unklar, inwiefern die Übernahme der 
Haushaltsaufgaben den Söhnen tatsächlich zumutbar sei. Es hob deshalb die Verfügung vom 10. 
Januar 2019 auf und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurück. 
Daraufhin veranlasste die IV-Stelle am 18. August 2020 eine weitere Abklärung für den Haushalt. 
Der Abklärungsbericht vom 14. Oktober 2020 wurde – wie im Gerichtsurteil vom 27. Juni 2019 
vorgesehen – Dr. B.____ zur Stellungnahme vorgelegt. Mit Stellungnahme vom 6. November 
2020 bestätigte dieser, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht weiterhin von einer Ein-
schränkung von 50 % im Haushalt ausgegangen werden könne. Da im Abklärungsbericht vom 
14. Oktober 2020 jedoch noch auf den von Dr. C.____ attestierten Einschränkungsgrad im Haus-
halt von 70 % abgestellt wurde, liess die IV-Stelle durch ihren Abklärungsdienst einen neuen 
Haushaltsabklärungsbericht verfassen. Der aktuellste Abklärungsbericht vom 19. November 
2020 berücksichtigte die Einschätzung von Dr. B.____, wonach die Beschwerdeführerin im Haus-
halt zu 50 % eingeschränkt sei.  
 
9.2 Gemäss Abklärungsbericht vom 19. November 2020 leben seit dem ursprünglichen Ab-
klärungsbericht vom 18. Oktober 2017 neben der Beschwerdeführerin, ihrem Ehemann und ihren 

 

 
 
Seite 13   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

drei Söhnen nun auch ihre Schwiegertochter und ein junges Enkelkind im Haushalt. Die Schwie-
gertochter erledige nun alle Hausarbeiten. Die zuständige Abklärungsperson teilte ihre Abklä-
rungsergebnisse deshalb in zwei Phasen auf: Phase 1 bezeichnet den Zeitraum bis Dezember 
2017 vor dem Einzug der Schwiegertochter und Phase 2 den Zeitraum ab Januar 2018 nach 
ihrem Einzug. Dem Ehemann und den drei Söhnen wurde in der Phase 1 im Rahmen der fami-
lienüblichen Mithilfe und Schadenminderungsflicht ein Mithilfeanteil von jeweils 15 % zugerech-
net. In der Phase 2 ging die IV-Stelle davon aus, dass der verheiratete Sohn mit seiner Frau und 
Tochter üblicherweise nicht im gleichen Haushalt mit der Beschwerdeführerin leben würde; der 
Mithilfeanteil von jeweils 15 % wurde deshalb nur beim Ehemann und bei den anderen zwei Söh-
nen berücksichtigt. Gemäss Abklärungsbericht habe die Beschwerdeführerin in der Phase 1 
keine "richtigen" Mahlzeiten mehr zubereitet und würde selten bei der Zubereitung durch die 
Söhne mithelfen. Auch Reinigungsarbeiten habe sie generell nicht vorgenommen. In der Phase 
2 seien die Aufgaben durch die Schwiegertochter übernommen worden. In der Wohnungs- und 
Hauspflege habe die Beschwerdeführerin ausser beim Abstauben und Aufräumen nie mitgehol-
fen und seit dem Einzug der Schwiegertochter mache sie gar nichts mehr. Beim Einkaufen und 
der Verrichtung weiterer Besorgungen bestünden sowohl in der Phase 1 wie auch in der Phase 
2 keinerlei Beeinträchtigungen. Begründet wird dies durch den Umstand, dass die Beschwerde-
führerin oft nicht einkaufen gehe und wenn, dann nur in Begleitung der Söhne respektive ab 
Phase 2 in Begleitung der Schwiegertochter. Schliesslich sei Wäsche und Kleiderpflege sowohl 
in der Phase 1 wie auch 2 entweder von den Söhnen oder der Schwiegertochter verrichtet wor-
den. Insgesamt würden sich die Einschränkungen im Haushalt in der Phase 1 auf 0 % und in 
Phase 2 auf 6,5 % belaufen.  
 
9.3.1 Die Abklärungsberichte des Aussendienstes werden von einer fachkundigen Person an 
Ort und Stelle erstellt. Dabei werden die im Haushalt anfallenden Arbeitsprozesse einzeln mit der 
versicherten Person besprochen und allfällige Einschränkungen im jeweiligen Bereich festgehal-
ten. Von den Ergebnissen einer solchen Abklärung ist nur ausnahmsweise abzuweichen, handelt 
es sich doch bei der Einschätzung der Behinderungen im Rahmen eines Betätigungsvergleichs 
um einen Ermessensentscheid. Wenn das Gericht zu einer abweichenden Ermessensausübung 
gelangt, muss es sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche diese als naheliegender 
erscheinen lassen. Das Gericht greift somit in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person 
nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der 
Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist 
als das im Beschwerdefall zuständige Gericht. Dabei ist auch den Bestrebungen der Verwaltung 
Rechnung zu tragen, die darauf abzielen, durch interne Weisungen, Richtlinien, Tabellen, Skalen 
usw. eine rechtsgleiche Behandlung der Versicherten zu gewährleisten (BGE 114 V 315). 
 
9.3.2 Hinsichtlich des Beweiswerts des Abklärungsberichts sind – analog zur Rechtsprechung 
zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 134 V 231 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berück-
sichtigen. Ein Haushaltabklärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Per-
son verfasst wird, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beein-
trächtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben. Wei-
ter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinun-

 

 
 
Seite 14   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

gen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, be-
gründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Über-
einstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 
E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1).  
 
9.3.3 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Aus-
masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. Seine grundsätzliche Massge-
blichkeit kann unter Umständen bei einer Person mit psychischen Beschwerden Einschränkun-
gen erfahren (Urteile des Bundesgerichts vom 28. März 2018, 8C_806/2017, E. 3.2.2 und vom 
13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss bildet 
der Abklärungsbericht dennoch grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Invaliditätsbemessung im 
Aufgabenbereich. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den Ergebnissen der Abklärung und 
den fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten 
Aufgaben zu erfüllen, ist den ärztlichen Stellungnahmen in der Regel mehr Gewicht einzuräumen, 
als dem Bericht über die Haushaltsabklärung. Diese prinzipielle Gewichtung hat ihren Grund da-
rin, dass es für die Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des 
psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteile des 
Bundesgerichts vom 1. Dezember 2015, 9C_408/2015, E. 3.3, vom 17. Januar 2014, 
8C_669/2013, E. 5.2, vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2 und vom 13. Juni 2008, 
8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen).  
 
9.3.4 Im Zusammenhang mit der Bemessung der Einschränkung im Haushaltbereich ist zu-
dem die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Schadenminderungspflicht von im Haushalt tä-
tigen Versicherten zu beachten. Laut dieser Praxis ist vom Grundsatz auszugehen, dass einem 
Leistungsansprecher bzw. einer Leistungsansprecherin im Rahmen der Schadenminderungs-
pflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen 
würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicher-
ten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der 
Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine möglichst vollständige 
und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten ermöglichen. Kann die versicherte Person we-
gen ihrer Behinderung gewisse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeit-
aufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die 
Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei 
im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht 
mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige ver-
richtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine 
unverhältnismässige Belastung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei einer im 
Haushalt tätigen Person zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher wei-
ter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Geht es um 
die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familien-
gemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Dabei 
darf unter dem Titel der Schadenminderungspflicht nicht die Bewältigung der Haushalttätigkeit in 
einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit 
der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, 

 

 
 
Seite 15   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

ob sich ein Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der ent-
sprechenden Teilfunktion in Frage kommt (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen).  
 
9.4 In formeller Hinsicht entspricht der Abklärungsbericht für den Haushalt vom 19. Novem-
ber 2020 den bundesgerichtlichen Anforderungen an einen beweistauglichen Bericht. Er wurde 
in Anwesenheit der Beschwerdeführerin durch eine hierfür geschulte Fachperson erstellt. Diese 
beurteilte sämtliche Aufgabenbereiche, gewichtete sie und beschrieb die jeweiligen Fähigkeiten 
und Einschränkungen der Betroffenen in den einzelnen Bereichen. Inhaltlich wird im Abklärungs-
bericht vom 19. November 2020 aufgeführt, dass sich die Beschwerdeführerin bereits vor Einzug 
der Schwiegertochter nur minimal am Haushalt beteiligt und sich diese Beteiligung seit ihrem 
Zuzug noch mehr verringert habe. Die Haushaltsführung werde somit fast vollständig von den 
Familienangehörigen vorgenommen. Gemäss PD Dr. D.____ kann diese Verhaltensweise nur in 
einem sehr geringen Umfang auf psychisch bedingte Funktionseinschränkungen zurückgeführt 
werden. In einem derartigen Fall muss zwingendermassen auf die medizinische Expertise abge-
stellt werden, um die tatsächliche Einschränkung der versicherten Person zu beziffern (vgl. vor-
anstehende Erwägung 9.3.3). Gemäss der hier massgebenden Beurteilung von PD Dr. D.____ 
ist von einer maximal 10%igen Beeinträchtigung im Haushaltsbereich auszugehen. Die von der 
Abklärungsperson ermittelte Einschränkung von 6,5 % ist zwar tiefer, dabei ist aber zu berück-
sichtigen, dass der Abklärungsperson im Zeitpunkt der Erstattung des Berichts vom 19. Novem-
ber 2020 das Gutachten von PD Dr. D.____ vom 31. August 2021 noch nicht vorlag. In medizini-
scher Hinsicht stellte sie deshalb auf die Einschätzung von Dr. B.____ ab, welcher von einer 
50%igen Einschränkung im Haushalt ausging. Es ist zu erwarten, dass die Einschränkungen im 
Haushalt bei einer erneuten Abklärung unter Berücksichtigung des Gutachtens von PD Dr. 
D.____ noch tiefer ausfallen würde. Da jedoch die medizinische Einschätzung von PD Dr. Simon 
vorliegend massgebend ist, kann auf eine erneute Haushaltsabklärung verzichtet werden. Es ist 
somit von einer Einschränkung im Haushalt von maximal 10 % auszugehen.  
 
9.5 Bei einer maximalen Einschränkung im Haushaltbereich von 10 % liegt der Invaliditäts-
grad weit unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erforderlichen Invaliditätsgrad von 40 
%. Bei diesem Ergebnis kann die Frage, ob die medizinisch festgestellte 10%ige Einschränkung 
aufgrund der im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu berücksichtigenden zumutbaren Mit-
hilfe der Familienangehörigen zu kürzen ist, offengelassen werden. Damit erübrigt es sich auch, 
den Einwand der Beschwerdeführerin, dass die Mithilfeanteile unbegründet auf jeweils 15 % fest-
legt worden seien, zu prüfen. Immerhin wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das Ge-
richt keinen Anlass sieht, von den Resultaten im Abklärungsbericht bezüglich der zumutbaren 
Mithilfe der Angehörigen abzuweichen. Die Bestimmung der Mithilfeanteile steht grundsätzlich im 
Ermessen der abklärenden Person, in welches das Gericht nur dann eingreift, wenn eine Fehl-
einschätzung vorliegt. Dem Gericht liegen keine Anhaltspunkte vor, warum von einem geringeren 
Mithilfeanteil als 15 % ausgegangen werden sollte; die Beschwerdeführerin machte hierzu auch 
keine detaillierten Ausführungen. 
 
9.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die IV-Stelle mangels eines rentenbegründenden 
Invaliditätsgrads zu Recht einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente abgelehnt 
hat. Die Beschwerde vom 13. September 2022 ist demgemäss abzuweisen.  

 

 
 
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10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 69 Abs. 1
bis

 IVG ist das Beschwerdever-
fahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrens-
kosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend 
ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten in Höhe von 
Fr. 800.-- aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in Höhe 
von Fr. 800.-- verrechnet. Gemäss Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung. 
  

 

 
 
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Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen.   

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwer-
deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der 
Höhe von Fr. 800.-- verrechnet.  

 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.  
 

 

   
 
 
 
Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 20. Februar 2024 Beschwerde 
beim Bundesgericht (Verfahren-Nr. 8C_117/2024) erhoben.