# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5dd93550-6191-53fa-86bc-f5c6e8c20db7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-2328/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2328-2009_2011-10-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­2328/2009

U r t e i l   v om   2 8 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richterin Christa Luterbacher, Richter Walter Lang;
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

Parteien A._______, geboren (…),
Kosovo und Serbien, 
(…),
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 16. März 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführerin, eine kosovarische Staatsangehörige serbischer 
Ethnie  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Grossgemeinde  Lipjan), 
verliess eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat am 10. Januar 2009 
und reiste am 11. Januar 2009 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl 
nachsuchte.

B. 
Am 16. Januar 2009 erhob das BFM  im D._______ die Personalien der 
Beschwerdeführerin und befragte sie summarisch zum Reiseweg und zu 
den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Am 17. Februar 2009 
hörte  das  Bundesamt  die  Beschwerdeführerin  einlässlich  zu  den 
Asylgründen an.

Im Wesentlichen machte sie zur Begründung ihres Asylgesuches geltend, 
sie sei, als Mitfahrerin  in dem von  ihrem Schwager gelenkten Fahrzeug, 
verunfallt,  weil  ihnen  auf  ihrer  Strassenseite  ein  Fahrzeug 
entgegengekommen  sei  und  ihr  Schwager  diesem  habe  ausweichen 
müssen,  um  einen  Zusammenstoss  zu  verhindern. Da  sie  im Fahrzeug 
ihres verstorbenen Ehemannes, welches mittlerweile unter ihrem Namen 
gemeldet gewesen sei, unterwegs gewesen seien, habe sie vom Gericht 
eine  Vorladung  erhalten,  mit  der  Auflage,  ihren  Schwager  anzuzeigen 
und  Schadenersatz  von  ihm  zu  verlangen.  Sie  habe  ihn  jedoch  nicht 
angezeigt. Nachdem sie  aber  verlangt  habe,  dass man den Fahrer  des 
entgegengekommenen  Fahrzeuges,  eines  (…),  ausfindig  mache,  habe 
sie telefonische Drohungen erhalten. Diese Drohungen hätten bis zu ihrer 
Ausreise  immer  wieder  stattgefunden.  Zudem  sei  auch  ihre 
Wohnsituation  bei  den  Schwiegereltern  beziehungsweise  dem 
Schwiegervater  und  einem  psychisch  kranken  Schwager  schwierig 
gewesen.  Sie  habe  nach  dem  Tod  ihres Mannes  im  Jahr  (…)  nicht  zu 
ihrer eigenen Familie zurückkehren können, da dort alles abgebrannt sei.

C. 
Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  16. März  2009  fest,  die 
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte ihr 
Asylgesuch  vom  11. Januar  2009  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die 
Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordnete den 
Wegweisungsvollzug an.

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D. 
Mit  Eingabe  vom  9. April  2009  (Poststempel:  11. April  2009)  erhob  die 
Beschwerdeführerin gegen den erstinstanzlichen Entscheid Beschwerde 
beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragte,  es  sei  festzustellen, 
dass sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle und  ihr Asylgesuch sei positiv 
zu entscheiden. Eventualiter  sei  festzustellen, dass eine Rückkehr nach 
Kosovo derzeit nicht zumutbar sei und es sei ihr zumindest die vorläufige 
Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  die 
Beschwerdeführerin  um  Aufhebung  der  mit  dem  angefochtenen 
Entscheid  angesetzten  Ausreisefrist  und  es  sei  ihr  zu  erlauben,  den 
Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abzuwarten. Zudem 
beantragte  sie,  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten  und  ihr  sei  Kostenerlass  für  das  vorliegende 
Beschwerdeverfahren zu gewähren.

Auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

E. 
Mit  Verfügung  vom  14. April  2009  bestätigte  das 
Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde.

F. 
In  der  Folge  teilte  der  Instruktionsrichter  der  Beschwerdeführerin  mit 
Verfügung  vom  21. April  2009  mit,  sie  könne  den  Ausgang  des 
Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  über  das Gesuch  um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  werde  zu  einem  späteren 
Zeitpunkt  befunden  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
werde verzichtet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

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im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine 
solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der 
Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht 
kann  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines 
Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

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Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4.3.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine 
asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten 
muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive 
durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure 
zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 
BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in 
ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE 
2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.). 
Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 
begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 
Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden 
Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f.,  WALTER 
STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

5. 
5.1. Das BFM lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit der im 
Folgenden dargelegten Begründung ab.

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Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu 
sein,  seien  nur  dann  asylrelevant,  wenn  der  Staat  seiner  Schutzpflicht 
nicht  nachkomme  oder  nicht  in  der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren. 
Generell  sei  Schutz  gewährleistet,  wenn  der  Staat  geeignete 
Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu  verhindern,  beispielsweise 
durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung 
und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen,  und  wenn  Antragsteller 
Zugang zu diesem Schutz hätten. Die Beschwerdeführerin gebe an, von 
einem Unbekannten, vermutlich einem Albaner, immer wieder telefonisch 
bedroht  worden  zu  sein.  In  Kosovo  sei  es  in  den  vergangenen  Jahren 
vereinzelt  zu  schwerwiegenden  Übergriffen  auf  Angehörige  der 
ethnischen Minderheiten,  namentlich  der Serben,  gekommen. Es  könne 
jedoch  von  keinen  allgemeinen  Vertreibungen  ausgegangen  werden. 
Internationale Sicherheitskräfte, der Kosovo Police Service (KPS) sowie – 
in  den  Siedlungsgebieten  der  Kosovo­Serben  –  teilweise  serbische 
Angehörige des KPS garantierten die Sicherheit. Sodann gestehe die am 
15. Juni  2008  in  Kraft  getretene  neue  kosovarische  Verfassung  den 
Minderheiten  umfassende  Rechte  zu.  Die  internationalen 
Sicherheitskräfte  und  der  KPS  seien  in  der  Lage,  die  ethnischen 
Minderheiten  in  Kosovo  zu  schützen,  die  polizeiliche  Präsenz  sei  gut 
sichtbar  sowie  flächendeckend.  Strafgerichtsbarkeit  und  –vollzug 
funktionierten  grösstenteils.  Bei  Übergriffen  intervenierten 
Sicherheitskräfte  regelmässig  und  Straftaten  gegen  Angehörige  von 
Minderheiten würden geahndet. Demnach sei vom Vorhandensein eines 
adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen,  weshalb  die 
geltend  gemachten  Übergriffe  nicht  asylrelevant  seien.  Zudem  bestehe 
für Serben und serbischsprachige Roma aus den südlichen Bezirken eine 
innerstaatliche  Fluchtalternative  im  Norden  von  Kosovo.  Durch  das 
grundsätzliche Bestehen einer  innerstaatlichen Fluchtalternative erübrige 
sich  eine weitergehende Auseinandersetzung mit  der  Frage,  ob Serben 
und  serbischsprachige  Roma  in  Kosovo  einer  asylrechtlich  relevanten 
Gefährdung ausgesetzt seien.

Im Weiteren  führte  die  Vorinstanz  aus,  dass  Nachteile,  welche  auf  die 
allgemeinen  politischen,  wirtschaftlichen  oder  sozialen 
Lebensbedingungen  in  einem  Staat  zurückzuführen  seien,  keine 
asylbeachtliche  Verfolgung  darstellten.  Dies  gelte  für  die  von  der 
Beschwerdeführerin  geltend  gemachte  allgemein  schlechte  Lage  in 
Kosovo. Hinsichtlich der ebenfalls vorgetragenen Probleme im Haus des 
Schwiegervaters  und  mit  ihren  Eltern  sei  von  rein  privaten  Problemen 
auszugehen, welche asylrechtlich ebenfalls nicht relevant seien.

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Bei  dieser  Sachlage,  mithin  bei  offensichtlich  fehlender  Asylrelevanz, 
könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente 
in  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  einzugehen.  Dennoch  sei 
anzumerken,  dass  sie  betreffend  den  Autounfall  widersprüchliche 
Angaben  gemachte  habe  und  ihre  Begründung  für  das  Nichteinreichen 
eines  gültigen  Ausweises  nicht  plausibel  sei.  Sodann  seien  die 
eingereichten  Beweismittel  für  die  Beurteilung  des  Asylgesuches  nicht 
bedeutsam,  da  sie  nicht  den  asylrechtlich  relevanten  Sachverhalt 
belegten.

5.2.  In  der  Beschwerde  vom  9. April  2009  wird  zunächst  auf  die 
schwierigen Verhältnisse  im ehemaligen Jugoslawien während mehr als 
zehn  Jahren  hingewiesen  und  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  die 
Lage  in  Kosovo  habe  sich  zwischenzeitlich  nicht  verbessert.  Falls  es 
zutreffen  würde,  dass  keine  allgemeinen  Vertreibungen  von  Serben 
vorkämen, sei nicht erklärbar, weshalb die vertriebenen und geflüchteten 
Serben  nicht  nach  Kosovo  zurückkehrten.  Zudem  spreche  die 
internationale  zivile  und  militärische  Präsenz  gerade  für  das  Vorliegen 
von  Bedrohungen,  unter  welchen  die  Minderheiten  in  Kosovo, 
insbesondere  die Serben,  leben müssten. Es  treffe  auch  nicht  zu,  dass 
die  Minderheiten  durch  die  Sicherheitskräfte  umfassend  geschützt 
werden  könnten.  So  sei  ein Grossteil  der  albanischen Kriegsverbrecher 
nicht  einmal  angeklagt  und  der  andere  Teil  freigesprochen  worden, 
solche Leute hätten  sogar  führende Positionen  in  der Regierung und  in 
staatlichen  Behörden  inne.  Mit  dem  Bericht  der  Schweizerischen 
Flüchtlingshilfe  (SFH)  sei  davon  auszugehen,  dass  die  Situation  der 
ethnischen  Minderheiten  weiterhin  durch  Diskriminierung,  Mangel  an 
Bewegungsfreiheit,  Benachteiligungen  bei  der  Arbeitssuche  und  dem 
Zugang  zu  sozialen  Diensten  gekennzeichnet  sei.  Weiter  halte  der 
Bericht  fest,  dass  sich  die  kosovarische  Administration  nicht  um  die 
physische  wie  auch  rechtliche  und  soziale  Sicherheit  der  Minderheiten 
kümmere.  Sodann  führte  die  Beschwerdeführerin  aus,  die  Feststellung 
einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  im  Norden  von  Kosovo  stehe  in 
direktem Widerspruch zur Aussage, die  internationalen Sicherheitskräfte 
und der KPS garantierten die Sicherheit. Zudem sei ungewiss, wie lange 
die angeblich sicheren Fluchtgebiete  im Norden von Kosovo  für Serben 
überhaupt  noch  sicher  seien.  Was  die  allgemein  schlechte  Lage  in 
Kosovo  anbelange,  sei  der  Argumentation  des  Bundesamtes 
entgegenzuhalten, wenn diese Schwierigkeiten nur die eine oder andere 
Minderheit (z.B. Serben und Roma) beträfen, nicht jedoch die Albaner, so 
sei dies eine gezielt diskriminierte Menschengruppe, mit dem langfristigen 

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Ziel,  dass  diese  das  Land  definitiv  verliessen.  Abschliessend  legte  die 
Beschwerdeführerin  dar,  sie  sei  erschöpft  und  müde  von  der 
permanenten  Bedrohung  der  letzten  zehn  Jahre  und  der  allgemein 
instabilen Situation während dieser Zeit,  in der sie als Mensch erniedrigt 
und ihrer Menschenwürde beraubt worden sei.

5.3.  
5.3.1. Das Bundesamt  führte  zur  Begründung  seines Asylentscheides – 
wie  vorstehend  erwähnt  –  aus,  die Vorbringen  der Beschwerdeführerin, 
wonach  sie  in  Kosovo,  mutmasslich  von  einem  ethnischen  Albaner, 
bedroht  werde,  seien  ebenso  wenig  asylrelevant  wie  die  allgemein 
schwierige Lage  in Kosovo. Einerseits sei  von einem adäquaten Schutz 
ihres  Heimatstaates  auszugehen  und  anderseits  stehe  ihr  eine 
innerstaatliche  Fluchtalternative  im  Norden  von  Kosovo  zur  Verfügung. 
Ausserdem  bejahte  es  implizit  das  Vorhandensein  einer 
Zufluchtsmöglichkeit,  indem  es  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  nach 
der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  erwog,  die 
Beschwerdeführerin würde auch nach der Unabhängigkeitserklärung von 
Kosovo durch Serbien als serbische Staatsangehörige erachtet, weshalb 
für  sie  grundsätzlich  eine  Aufenthaltsalternative  in  Serbien  bestehe, 
zumal sie dort über ein Beziehungsnetz verfüge.

5.3.2. Vorweg ist festzuhalten, dass gemäss dem serbischen Gesetz über 
die Staatsbürgerschaft Nr. 135/04 vom 21. Dezember 2004 als serbischer 
Staatsbürger  eine  Person  anerkannt  wird,  wenn  sie  serbischer 
Abstammung  ist  oder  auf  dem  (ehemaligen)  Staatsgebiet  der  Republik 
Serbien  geboren  wurde,  wobei  beides  mittels  Eintrag  in  einem 
Geburtsregister  zu  belegen  ist  (vgl.  BVGE  2010/41  E. 6.4.2  S.  580  ff.). 
Die  Beschwerdeführerin  ist  in  E._______,  in  der  Provinz  Kosovo  der 
Republik  Serbien  der  damaligen  Sozialistischen  Föderativen  Republik 
Jugoslawien  geboren  und  serbischer  Ethnie.  Übereinstimmend mit  dem 
BFM  ist  deshalb  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  als 
Staatsangehörige  von  Serbien  zu  betrachten  ist.  Die 
Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  vom  17. Februar  2008  ändert 
daran  nichts,  da  Kosovo  von  Serbien  nicht  als  unabhängiger  Staat 
anerkannt  wird,  sondern  vielmehr  das  Gebiet  der  ehemaligen 
jugoslawischen  beziehungsweise  serbischen  Provinz  Kosovo  in  der 
geltenden  serbischen  Verfassung  vom  8. November  2006  ausdrücklich 
als integraler Bestandteil Serbiens bezeichnet wird, was dazu führt, dass 
Kosovo­Serben  durch  den  serbischen  Staat  grundsätzlich  weiterhin  als 
serbische  Staatsangehörige  betrachtet  werden  (vgl.  a.a.O.  E. 6.4.2 

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S. 580 ff.).  Als  ethnische  Serbin  und  ehemalige  Staatsangehörige  von 
Jugoslawien  mit  letztem  Wohnsitz  in  Kosovo,  wo  sie  gemäss 
eingereichter  "Identity Card"  im  Jahre  2001  durch  die UNMIK  registriert 
wurde,  gilt  die  Beschwerdeführerin  zudem  nach  der 
Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  vom  17. Februar  2008  auch  als 
kosovarische  Staatsbürgerin  (vgl.  das  kosovarische  Gesetz  über  die 
Staatsbürgerschaft  Nr. 03/L­034  vom  20. Februar  2008;  vgl.  a.a.O. 
E. 6.4.1  S.  579  f.).  Die  Beschwerdeführerin  ist  demnach  sowohl 
Staatsbürgerin von Kosovo als auch von Serbien. Daran ändert auch die 
Tatsache  nichts,  dass  Serbien  –  im  Gegensatz  zu  Kosovo  –  eine 
doppelte  Staatsbürgerschaft  an  sich  nicht  anerkennt.  Denn  durch  den 
expliziten  Ausschluss  der  Unabhängigkeit  Kosovos  in  Form  eines 
eigenen, unabhängigen Staates, gelangt die entsprechende Bestimmung 
des  erwähnten  serbischen  Staatsbürgerschaftsgesetzes  von  Vornherein 
nicht zur Anwendung (vgl. a.a.O. E. 6.4.1 S. 579 f.).

5.3.3. Gestützt  auf  Art. 1  A  Abs. 2  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Personen 
von der Anerkennung der Rechtsstellung als Flüchtling ausgeschlossen, 
die  mehrere  Staatsangehörigkeiten  besitzen  und  die  den  Schutz  von 
wenigstens  einem  dieser  Länder  in  Anspruch  nehmen  können.  Soweit 
verfügbar, hat der Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit  eine 
Person  besitzt,  Priorität  gegenüber  dem  internationalen  Schutz 
beziehungsweise  dem  Schutz  durch  einen  Drittstaat  (siehe  UNHCR, 
Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 106 f.,  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des 
Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 35).

5.3.4.  Der  Beschwerdeführerin  steht,  wie  vorstehend  unter  E.  5.3.2 
dargelegt,  neben  der  kosovarischen  auch  die  serbische 
Staatsangehörigkeit  zu,  und  sie  kann  sich  somit  nach Serbien  begeben 
und  dort  aufgrund  der  bestehenden  Niederlassungsfreiheit  Wohnsitz 
nehmen.  Sie  macht  keine  Fluchtgründe  geltend,  die  sich  auf  das 
Territorium  des  serbischen  Staates  (in  seiner  heute  international 
anerkannten,  also  die  ehemalige  Provinz  Kosovo  nicht  mehr 
einschliessenden Ausdehnung) beziehen. Nachdem sie somit mit Bezug 
auf Serbien keine asylrelevante Verfolgung geltend machen kann, ist sie 
nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen.

5.3.5.  Bei  dieser  Sachlage  kann  die  Frage  der  flüchtlingsrechtlichen 
Relevanz  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  als  Folge  eines 

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Autounfalls  von  einem mutmasslichen  Albaner  bedroht  worden  zu  sein, 
offenbleiben.  Denn  selbst  wenn  eine  derartige  lokal  begrenzte 
Gefährdung  anzunehmen  wäre,  so  ist  sie  im  Sinne  des 
Subsidiaritätsprinzips nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen, da 
sie – wie dargelegt – als serbische Staatsangehörige in Serbien Zuflucht 
nehmen kann. Es erübrigt sich daher, auf die ausführliche Darstellung der 
Situation  in  Kosovo  auf  Beschwerdeebene  einzugehen.  Das  BFM  hat 
folglich  im  Ergebnis  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  zu  Recht 
abgelehnt. 

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9  m.H.a.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 
Nr. 21).

7. 
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148).

7.2.  Das  BFM  erachtete  zwar  den  Vollzug  der  Wegweisung  der 
Beschwerdeführerin in den Norden von Kosovo als zumutbar. Nach dem 
vorstehend Gesagten,  nämlich  der  Annahme  einer  Zufluchtsmöglichkeit 

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in Serbien, erübrigt sich die Prüfung eines Wegweisungsvollzuges in den 
Norden  von  Kosovo.  Weitere  Ausführungen  dazu  können  deshalb 
unterbleiben.  Die  Vorinstanz  zog  indessen  auch  einen 
Wegweisungsvollzug nach Serbien in Betracht und führte dazu aus, eine 
Schwester  und  Tanten  der  Beschwerdeführerin  lebten  in  F._______ 
sowie  ein  Onkel  in  G._______.  Die  Beschwerdeführerin  mache  zwar 
geltend, sie hätte zum Teil keinen Kontakt mit diesen Verwandten, jedoch 
seien ihre Angaben zu deren Verbleib unsubstanziiert und sie könne nicht 
plausibel  machen,  wieso  sie  keinen  Kontakt  mehr  habe.  Somit  sei  von 
einem  Beziehungsnetz  in  Serbien  auszugehen.  Ausserdem  könne  die 
Beschwerdeführerin  von  ihren  beiden  in  der  Schweiz  lebenden 
Schwägerinnen finanziell in Serbien unterstützt werden. Sie verfüge auch 
über  ein  Diplom  als  (…),  weshalb  es  ihr  möglich  sein  sollte,  sich  eine 
wirtschaftliche  Lebensgrundlage  zu  schaffen.  Die  Inanspruchnahme  der 
Aufenthaltsalternative  in  Serbien  sei  somit  zumutbar.  Im  Folgenden  ist 
somit  einzig  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des 
Wegeweisungsvollzuges nach Serbien zu prüfen.

7.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.4.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 

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nur Personen schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es der 
Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Ausreise  der  Beschwerde­
führerin  nach  Serbien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung 
Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR 
[Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008, 
Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch 
die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Serbien  lässt  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.5.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

7.5.1.  Im  Allgemeinen  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung  nach  Serbien  für  Angehörige  der  serbischen  Volksgruppe 
aus  Kosovo  zumutbar  ist.  Indessen  kann  sich  der Wegweisungsvollzug 
im  konkreten  Einzelfall  aufgrund  einer  Abwägung  der  massgeblichen 
Kriterien als unzumutbar erweisen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.3.6 S. 588 
f.).  Zu  berücksichtigen  sind  dabei  insbesondere  die  Möglichkeit  der 
wirtschaftlichen  Existenzsicherung,  der  persönliche  Bezug  zum 
Zufluchtsort, wie  ein  früherer Aufenthalt  oder  eine Arbeitsstelle,  und ein 
tragfähiges  familiäres oder sonstiges soziales Beziehungsnetz sowie die 
Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Im Rahmen dieser Kriterien 

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sind  ferner  weitere  Faktoren  in  die  Erwägungen  einzubeziehen,  so 
insbesondere  das Alter,  der Gesundheitszustand,  die Frage,  ob es  sich 
um eine Einzelperson oder Familie handle und die berufliche Ausbildung, 
der betroffenen Personen.

7.5.2.  Hinsichtlich  der  Lebensbedingungen  von  Binnenflüchtlingen  in 
Serbien  ist  zu  beachten,  dass  die  Betreuung  von  aus  Kosovo 
vertriebenen Angehörigen der serbischen Volksgruppe, nachdem diese in 
einer ersten Phase noch eine gewisse Unterstützung durch internationale 
Organisationen  und  private  Hilfswerke  fanden,  bald  den  staatlichen 
Behörden übertragen worden sind. Diese  lassen  indessen ein konkretes 
Interesse an der Erleichterung der Integration der kosovarischen Serben 
weitgehend vermissen, da sie grundsätzlich nach wie vor (basierend auf 
der  Auffassung,  Kosovo  bilde  einen  territorialen  Bestandteil  Serbiens) 
davon  ausgehen,  dass  diese  Personen  längerfristig  wieder  in  ihre 
ursprünglichen  Herkunftsorte  in  Kosovo  zurückkehren  werden.  Insofern 
sind  die  Bedingungen  für  Binnenflüchtlinge  zum  Aufbau  einer  neuen 
wirtschaftlichen Existenz eher ungünstig.

7.5.3. Aus den Aussagen der Beschwerdeführerin geht hervor, dass sie 
acht Jahre Primarschule besucht und anschliessend einen privaten Kurs 
zur  (…)  absolviert  hat.  Es  handle  sich  dabei  um  eine  anerkannte 
Ausbildung, sie habe ein entsprechendes Diplom (vgl. Akten BFM A 9/12 
S. 8). Als sie bei ihren Schwiegereltern gewohnt habe, habe sie in deren 
landwirtschaftlichen  Betrieb  mitgearbeitet  (vgl.  a.a.O.  S. 4).  Damit  ist 
davon  auszugehen,  dass  die Beschwerdeführerin  zwar  bis  anhin  keiner 
Erwerbstätigkeit  im  eigentlichen  Sinn  nachgegangen  ist,  aber  doch 
gewisse  Grundlagen  für  die  Aufnahme  einer  solchen  bestehen.  Der 
Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz wird der Beschwerdeführerin damit 
nicht leicht fallen. Dies wird noch verstärkt durch den Umstand, dass sie – 
soweit aus den Akten ersichtlich – bis anhin nie in Serbien ansässig war.

Die  Beschwerdeführerin  ist  im  Jahr  (…)  geboren  und  mit  ihren  (…) 
Jahren noch jung. Sie ist seit (…) verwitwet, ihre Ehe blieb kinderlos. Zu 
ihren  Familienverhältnissen  gab  die  Beschwerdeführerin  an,  sie  habe 
einen  Bruder  und  zwei  Schwestern,  ihre  Eltern  seien  geschieden.  Wo 
sich  die  Eltern,  ihr  Bruder  und  eine  Schwester  aufhielten,  sei  ihr  nicht 
bekannt, eine Schwester habe geheiratet und wohne  in F._______. Der 
Kontakt mit dieser Schwester sei nach den NATO­Angriffen abgebrochen, 
da die alte Telefonnummer der Beschwerdeführerin abgestellt worden sei 
und  ihre  Schwester  sie  nicht mehr  habe  erreichen  können  (vgl.  A  9/12 

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S. 3).  Überdies  lebten  zwei  Tanten  sowie  ein  Onkel  väterlicherseits  in 
Serbien, die Tanten in F._______ und der Onkel in G._______. Sie habe 
mit diesen jedoch keinen Kontakt, da ihre Mutter nicht akzeptiert worden 
sei  und  es mit  ihrem  Vater  auch  nicht  gegangen  sei  (vgl.  a.a.O.  S. 4). 
Weiter  gab  die  Beschwerdeführerin  an,  in  der  Schweiz  lebten  zwei 
Schwestern  sowie  eine  Cousine  ihres  verstorbenen  Ehemannes.  Von 
einer dieser Personen seien ihre Schwiegereltern und auch sie selber  in 
Kosovo  finanziell  unterstützt worden  (vgl.  a.a.O.). Mit  der Vorinstanz  ist 
davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin möglich sein sollte, 
ihre in Serbien lebenden Verwandten ausfindig zu machen und mit ihnen 
Kontakt aufzunehmen, zumal aus den Angaben der Beschwerdeführerin 
bezüglich  ihrer  in  F._______  lebenden  Schwester  nicht  hervorgeht, 
weshalb  dies  der  Beschwerdeführerin  nicht  möglich  sein  sollte.  Sie 
brachte lediglich vor, ihre eigene Telefonnummer sei nicht mehr in Betrieb 
gewesen, nicht jedoch jene ihrer Schwester. Der Vorinstanz ist auch darin 
zuzustimmen, dass die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe keine 
Möglichkeit, etwas über ihre Familie in Erfahrung zu bringen (vgl. A 9/12 
S. 9),  angesichts  der  heutigen  Kommunikationsmöglichkeiten  und 
Vernetzung  nicht  zu  überzeugen  vermag.  Insgesamt  ist  somit  davon 
auszugehen,  dass die Beschwerdeführerin  zwar  nicht  über  ein  grosses, 
aber  doch  über  ein  Beziehungsnetz  in  Serbien  verfügt.  Hinzu  kommt, 
dass  sie  nichts  vorbringt,  was  gegen  eine  weiterhin  –  zumindest 
übergangsmässig – mögliche  finanzielle Unterstützung durch  ihre  in der 
Schweiz lebenden Schwägerinnen spricht.

Bei gesamthafter Betrachtung ergibt sich, dass der Wegweisungsvollzug 
der  Beschwerdeführerin  nach  Serbien  als  zumutbar  zu  betrachten  ist. 
Dabei verkennt das Bundesverwaltungsgericht nicht, dass es  für sie mit 
erheblichen  Schwierigkeiten  verbunden  sein  wird,  sich  in  Serbien  eine 
neue Existenz aufzubauen. Die Beschwerdeführerin ist jedoch noch jung 
und – soweit aus den Akten ersichtlich – gesund. Zudem ist sie insofern 
frei,  als  sie  "nur"  für  ihren  eigenen  Lebensunterhalt  besorgt  sein muss. 
Berücksichtigt  man  zusätzlich  ihr  Beziehungsnetz  in  Serbien  sowie  ihr 
offenbar  gutes  Verhältnis  zu  den  Verwandten  ihres  Ehemannes  in  der 
Schweiz,  so  erscheint  eine  Integration  in  Serbien,  ihrem  eigenen 
sprachlichen und kulturellen Umfeld, als möglich. Die Beschwerdeführerin 
ist zudem auch nicht als völlig hilflos und unbedarft zu betrachten, war es 
ihr doch möglich, ihre Ausreise in die Schweiz selbst zu organisieren und 
zu finanzieren (vgl. A 9/12 S. 7 ff.). Abschliessend ist darauf hinzuweisen, 
dass  die  Beschwerdeführerin  auch  die  Unterstützung  der 
schweizerischen  Behörden  in  Anspruch  nehmen  kann,  nicht  nur  durch 

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eine Rückkehrberatung,  sondern gegebenenfalls auch durch den Bezug 
von individueller Rückkehrhilfe.

7.6.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  Serbiens  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen 
Reisedokumente zu beschaffen  (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 
BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 – 515),  weshalb  der  Vollzug  der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  an  sich  der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Sie  ersuchte 
jedoch  im  Rahmen  der  Beschwerdebegehren  um  Kostenerlass  für  das 
Beschwerdeverfahren.  Gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  befreit  die 
Beschwerdeinstanz  nach  Einreichung  der  Beschwerde  eine  Partei,  die 
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung 
der  Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint. 
Gesamthaft  betrachtet  kann  der  Beschwerdeführerin  nicht  vorgehalten 
werden,  ihrer  Beschwerde  habe  es  im  Zeitpunkt  der  Beantragung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege mit  Blick  auf  die  Erfolgsaussichten  an  der 
nötigen  Ernsthaftigkeit  gefehlt  (vgl.  BGE  125  II  265  E. 4b  S. 275).  Es 
besteht  sodann  für  das  Bundesverwaltungsgericht  kein  Anlass,  an  der 
von  der  (nicht  vertretenen)  Beschwerdeführerin  behaupteten 
Fürsorgeabhängigkeit  zu zweifeln, zumal  im Zentralen Migrationssystem 
(Zemis) keine Erwerbstätigkeit aufgeführt  ist. Damit sind beide kumulativ 
erforderlichen  Voraussetzungen  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  erfüllt.  Das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  deshalb 
gutzuheissen,  und  die  Beschwerdeführerin  ist  von  der  Pflicht  zur 
Kostentragung zu befreien. Infolgedessen sind ihr trotz ihres Unterliegens 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

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