# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9b9d46f5-34c6-5c1e-b7cd-8293943b6c84
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.04.2021 D-1017/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1017-2021_2021-04-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1017/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch B._______, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren [Wiedererwägung]);  

Verfügung des SEM vom 23. Februar 2021 / N (…). 

 

 

 

D-1017/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin – eigenen Angaben zufolge syrische Staats-

angehörige respektive staatenlose Kurdin syrischer Herkunft – suchte am 

17. September 2020 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich ihrer Fin-

gerabdrücke mit der "Eurodac"-Datenbank durch das SEM ergab, dass sie 

am 14. August 2020 bereits in Rumänien ein Asylgesuch eingereicht hatte. 

A.b Am 30. September 2020 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin 

das rechtliche Gehör zur möglichen Zuständigkeit Rumäniens für die Be-

handlung ihres Asylgesuchs sowie einer Rückkehr dorthin. Sie machte da-

zu geltend, sie habe während ihres zwei- bis dreitätigen Aufenthalts in Ru-

mänien kein Asylgesuch gestellt. Ihre Fingerabdrücke seien dort aus Grün-

den der inneren Sicherheit abgenommen worden. Ausserdem lebe – wie 

von ihr schon anlässlich der Asylgesuchstellung und der Personalienauf-

nahme vom 24. September 2020 erwähnt – ihr Ehemann B._______ 

(nachfolgend: B._______ [N {…}]; ein am […] 2018 vorläufig aufgenomme-

ner syrischer Staatsangehöriger [Anmerkung des Gerichts]) in der 

Schweiz, weshalb sie hierbleiben wolle. Zu ihrer Ehe gab sie im Wesentli-

chen an, sie und ihr Ehemann hätten im Mai 2019 geheiratet. Sie hätten 

nie zusammengelebt und die Ehe sei durch ihre Familien zustande gekom-

men. Sie hätten sich aber gekannt und geliebt.  

Die Beschwerdeführerin reichte zum Beleg der geltend gemachten Heirat 

eine handschriftliche Erklärung zu einem Ehevertrag vom 1. Dezember 

2019 und einen gerichtlichen Entscheid vom 28. November 2019 (je in Ko-

pie) zu den Akten. Des Weiteren reichte sie zwei Beweismittel (in Kopie) 

bezüglich ihrer Staatenlosigkeit ein. 

A.c Am 27. Oktober 2020 stimmten die rumänischen Behörden – nach ent-

sprechendem Ersuchen des SEM – der Übernahme der Beschwerdefüh-

rerin zu. 

A.d Mit Verfügung vom 16. Dezember 2020 trat das SEM in Anwendung 

vom Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin nicht ein, ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz 

in den zuständigen Dublin-Staat Rumänien an und forderte sie auf, die 

Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen.  

A.e Mit Eingabe vom 23. Dezember 2020 reichte die Beschwerdeführerin 

dem SEM zwei Fotografien von ihr und B._______ sowie ein von ihr als 

D-1017/2021 

Seite 3 

"Ehevertrag" bezeichnetes fremdsprachiges Dokument (recte wohl: bereits 

eingereichter gerichtlicher Entscheid vom 28. November 2019) zu den Ak-

ten.  

A.f Mit Eingabe vom 28. Dezember 2020 erhob sie Beschwerde gegen die 

Verfügung des SEM vom 16. Dezember 2020 beim Bundesverwaltungsge-

richt und machte unter anderem ergänzende Ausführungen zur Beziehung 

zwischen B._______ und ihr. Diese Beschwerde wurde vom Bundesver-

waltungsgericht mit Urteil D-6557/2020 vom 7. Januar 2021 abgewiesen.  

B.  

Am 1. Februar 2021 trat das SEM auf ein von der Beschwerdeführerin am 

4. Dezember 2020 gestelltes Gesuch um Anerkennung der Staatenlosig-

keit nicht ein. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

C.  

Am 15. Februar 2021 reichte die sich in Ausschaffungshaft befindende Be-

schwerdeführerin beim SEM ein "Mehrfachgesuch" ein. Zur Begründung 

brachte sie im Wesentlichen erneut vor, sie sei in Rumänien im Rahmen 

einer Polizeikontrolle wegen illegalen Aufenthalts gezwungen worden, ihre 

Fingerabdrücke abzugeben und habe nicht um Asyl ersucht; wäre sie nicht 

sofort ausgereist, wäre sie inhaftiert worden. Ausserdem verwies sie wie-

derum auf die Beziehung zu ihrem (angeblichen) Ehemann B._______ in 

der Schweiz. Dieser habe nicht gewusst, dass es die Möglichkeit gebe, ein 

Gesuch um Familiennachzug einzureichen, was ohnehin wegen ihrer Staa-

tenlosigkeit und des Umstands, dass sie keinen Pass besitze, nicht mög-

lich gewesen wäre. Schliesslich hielt sie fest, dass sie in Rumänien und in 

Syrien niemanden habe, es für sie kein Zurück gebe und sie sich lieber das 

Leben nehmen würde. Sie bitte daher darum, auf ihre Ausschaffung zu ver-

zichten. 

D.  

Das SEM nahm die genannte Eingabe als Wiedererwägungsgesuch ent-

gegen und wies dieses mit Verfügung vom 23. Februar 2021 – eröffnet am 

25. Februar 2021 – ab. Gleichzeitig erklärte es die Verfügung vom 16. De-

zember 2020 für rechtskräftig und vollstreckbar. Es wies das Gesuch um 

Anordnung vorsorglicher Massnahmen ab, erhob eine Gebühr in der Höhe 

von Fr. 600.– und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-

schiebende Wirkung zu.  

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Seite 4 

E.  

Mit Eingabe vom 6. März 2021 (Datum Poststempel: 8. März 2021) erhob 

die Beschwerdeführerin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und 

beantragte dabei in materieller Hinsicht, die vorinstanzliche Verfügung vom 

23. Februar 2021 sei aufzuheben und ihr Asylgesuch sei in der Schweiz zu 

behandeln respektive sei das Dublin-Verfahren "aufzuheben" und die Zu-

ständigkeit der Schweiz für die Durchführung des Asylverfahrens festzu-

halten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung. Ferner sei der Vollzug der Rückführung nach Rumänien 

einstweilen zu stoppen. Der Beschwerdeschrift lagen ein ärztlicher Bericht 

der (…) vom 18. Februar 2021 und folgende fremdsprachigen Beweismittel 

zur Eheschliessung zwischen der Beschwerdeführerin und B._______ (je 

in Kopie; inkl. deutschsprachige Übersetzungen) bei: der bereits im or-

dentlichen Verfahren eingereichte gerichtliche Entscheid vom 28. Novem-

ber 2019 (inkl. diversen Beglaubigungen vom Februar 2021), eine am 

28. Februar 2021 ausgestellte Eheschliessungsurkunde und ein gleichen-

tags ausgestellter "Auszug aus dem Familienregister Syrischer Bürger", ein 

am 22. Februar 2021 ausgestellter Familienausweis.  

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht setzte mit superprovisorischer Massnahme 

vom 9. März 2021 den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. 

G.  

Mit E-Mail vom 9. März 2021 teilte das zuständige Migrationsamt dem Bun-

desverwaltungsgericht mit, dass sich die Beschwerdeführerin in Dublin-

Haft befinde und am (…) 2021 eine unbegleitete Rückführung nach Rumä-

nien verweigert habe. Es werde nun eine polizeilich begleitete Rückführung 

nach Rumänien organisiert, weshalb um prioritäre Behandlung der Be-

schwerde ersucht werde.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2021 hielt die Instruktionsrichterin 

fest, dass der einstweilige Vollzugsstopp in Kraft bleibe. Sie hiess das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzich-

tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem lud sie das SEM 

ein, innert fünf Tagen ab Erhalt der Verfügung eine Vernehmlassung einzu-

reichen. 

D-1017/2021 

Seite 5 

I.  

Mit E-Mail vom 17. März 2021 teilte das zuständige Migrationsamt dem 

Bundesverwaltungsgericht mit, dass gleichentags die "Dublin Haft unkoo-

perativ" für sechs Wochen verfügt worden sei. Es werde um prioritäre Be-

handlung der Beschwerdeeingabe ersucht.  

J.  

Das SEM nahm mit Vernehmlassung vom 23. März 2021 zu den Beschwer-

devorbringen und den eingereichten Beweismitteln Stellung.  

K.  

Die Beschwerdeführerin machte von dem ihr mit Verfügung vom 26. März 

2021 (eröffnet am 30. März 2021) eingeräumten Replikrecht mit Eingabe 

vom 31. März 2021 (Datum Poststempel: 5. April 2021) fristgerecht Ge-

brauch. 

 
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-

dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung 

auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist 

das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel 

– so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

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Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Der Vollständigkeit halber ist vorneweg anzumerken, dass die Beschwer-

deführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 6. März 2021 die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung beantragt (vgl. Ziff. 1 der Rechtsbegehren), was 

grundsätzlich auch die erstinstanzliche Kostenauflage umfasst. Die Be-

schwerdeschrift enthält indessen keine Ausführungen dazu, dass und wes-

halb diese Kostenauflage zu Unrecht erfolgt sein soll. Auf diese Thematik 

ist bei dieser Sachlage nicht weiter einzugehen. 

4.  

4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vorin-

stanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes 

schriftlich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfah-

ren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG 

(Art. 111b Abs. 1 AsylG). 

4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-

gungsgesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an 

eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-

fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem 

blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-

onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (vgl. zum sog. 

„qualifizierten Wiedererwägungsgesuch“ BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). 

Darüber hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Tatsachen und Be-

weismittel abstützen, die erst nach Abschluss eines Beschwerdeverfah-

rens entstanden sind, stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei der 

Vorinstanz einzubringen (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a 

[letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22). 

4.3 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf nicht dazu die-

nen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wieder infrage zu 

stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen. 

Gründe, welche bereits im Zeitpunkt der verpassten Anfechtungsmöglich-

keit im ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, können somit 

nicht als Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (vgl. Art. 66 Abs. 3 

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Seite 7 

VwVG und Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 2000 Nr. 24 E. 5b S. 220). 

4.4 Beweismittel sind im wiedererwägungsrechtlichen Sinne neu, wenn sie 

entweder neu erfahrene erhebliche Tatsachen belegen oder geeignet sind, 

Tatsachen zu belegen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, 

aber zum Nachteil der gesuchstellenden Person unbewiesen geblieben 

sind (vgl. BGE 127 V 353 E. 5b). Sollen bereits vorgebrachte Tatsachen 

mit den neuen Mitteln bewiesen werden, so hat die Person auch darzutun, 

dass sie die Beweismittel im früheren Verfahren nicht beibringen konnte 

(vgl. BGE 127 V 358 E. 5b, 110 V 141 E. 2, 293 E. 2a, 108 V 171 E. 1). 

Erheblich ist ein Beweismittel, wenn angenommen werden muss, es hätte 

zu einem anderen Urteil geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren hier-

von Kenntnis gehabt hätte (vgl. KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Ver-

fahrensrecht, 2. Aufl., 2015, S. 490). 

5.  

5.1 Das SEM verwies in der angefochtenen Verfügung zunächst bezüglich 

des Anliegens der Beschwerdeführerin auf Familienzusammenführung res-

pektive ihren Ausführungen zu ihrer Beziehung mit B._______ sowie ihrem 

Vorbringen, sie sei in Rumänien zu einem Asylgesuch gezwungen worden, 

auf die Ausführungen im Nichteintretensentscheid vom 16. Dezember 

2020, welche vom Bundesverwaltungsgericht gestützt worden seien. So-

weit sich die Beschwerdeführerin auf ihre Staatenlosigkeit beruft, verwies 

es auf die Erwägungen im Nichteintretensentscheid vom 1. Februar 2021. 

Schliesslich führte es aus, es sei nachvollziehbar, dass sich bei gewissen 

Personen eine suizidale Tendenz bemerkbar mache, wenn auf ihr Asylge-

such nicht eingetreten und die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet 

werde. Es wäre aber stossend, wenn die Beschwerdeführerin durch Beru-

fung auf eine tatsächliche oder vermeintliche Selbstmordgefahr die Behör-

den zum Einlenken zwingen könnte. Es stehe ihr frei, allenfalls medizini-

sche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die entsprechende Infrastruktur stehe 

ihr auch in Rumänien zur Verfügung. Zusammenfassend würden keine 

Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der ursprünglichen Verfügung 

beseitigen könnten. 

5.2 In der Beschwerdeschrift brachte die Beschwerdeführerin zunächst er-

neut vor, dass sie in Rumänien kein Asylgesuch gestellt habe und erläuter-

te in diesem Zusammenhang wiederum die Umstände der dortigen Finger-

abdruckabnahme, welche das SEM nicht untersucht habe. Sie führte aus, 

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Seite 8 

dass sie dort nicht zu ihren Asylgründen befragt worden sei und ihr Reise-

ziel von Anfang an die Schweiz gewesen sei, damit sie hier mit ihrem Ehe-

mann zusammenleben könne. Eine Familienzusammenführung sei weder 

in Syrien, noch in Rumänien möglich. Ihr Ehemann habe ferner gestützt 

auf Art. 85 Abs. 7 AIG (SR 142.20) ab Dezember 2021 Anspruch auf Fami-

liennachzug. Weiter zitierte sie Berichte zur generellen Situation von 

Flüchtlingen und Asylsuchenden in Rumänien, bevor sie bezogen auf ihre 

Situation – und unter Einreichung eines ärztlichen Berichts – ausführte, sie 

sei psychisch angeschlagen und befinde sich in psychiatrischer Behand-

lung. Im Jahr 2019 habe sich ihr Bruder das Leben genommen und auch 

sie habe Suizidgedanken. Sie lebe in ständiger Angst, sodass sie vieles im 

Alltag nicht wahrnehmen könne. Ihre schwere Depression und posttrauma-

tische Belastungsstörung sowie Flashbacks seien medizinisch zu bestäti-

gen. Neben der dringend erforderlichen psychiatrischen Hilfe benötige sie 

die Unterstützung ihres Ehemannes, um überhaupt gesund zu werden. Er 

sei für sie unverzichtbar und lebensnotwendig. In Rumänien, wo sie auch 

kaum behandelt und alleine nicht klarkommen würde, würde sie mithin 

nicht gesundwerden können respektive würde sich ihre Gesundheit dort 

fortlaufend verschlechtern und allenfalls in ihrem Tod enden. Als kriegstrau-

matisierte Person gehöre sie einer besonders verletzlichen Personenkate-

gorie an. Sie hielt sodann fest, dass spezifische Sachverhaltsfeststellun-

gen zur Rückkehrsituation von Flüchtlingen, die bereits in Rumänien auf 

der Durchreise registriert worden seien und aus verständlichen Gründen 

kein Asyl in Rumänien hätten haben wollen, und zu den in ihrer Person 

liegenden individuellen Umständen getroffen werden müssten. Schliesslich 

wies sie erneut – unter Einreichung teils neuer Beweismittel – auf ihre Ehe-

schliessung respektive Beziehung mit B._______ und folgerte, dass das 

SEM vorliegend aus humanitären Gründen die Souveränitätsklausel anzu-

wenden habe.  

5.3 Das SEM verwies in der Vernehmlassung, soweit für das vorliegende 

Verfahren relevant, bezüglich der geltend gemachten Ehe erneut auf die 

Ausführungen im Nichteintretensentscheid vom 16. Dezember 2020, wel-

che vom Bundesverwaltungsgericht gestützt worden seien. Darüber hinaus 

handle es sich auch bei den neu eingereichten Dokumenten lediglich um 

Kopien, die nichts an der Zuständigkeit Rumäniens zur Beurteilung des 

Asylverfahrens zu ändern vermöchten. Das Bundesverwaltungsgericht 

habe ausserdem in seinem Urteil ausgeführt, dass es möglich sei, bei den 

zuständigen schweizerischen Behörden einen Antrag auf Familienzusam-

menführung zu stellen. Es habe auch bestätigt, dass ein allfälliger Eingriff 

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Seite 9 

in das Familienleben der Beschwerdeführerin bei der Abwägung der be-

troffenen Interessen nicht als unverhältnismässig angesehen werden 

könne. Bezüglich der medizinischen Vorbringen sei festzuhalten, dass Ru-

mänien über eine ausreichende Infrastruktur verfüge und gemäss Art. 19 

Abs. 1 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) verpflichtet sei, der Beschwerdeführerin die erforderliche me-

dizinische Versorgung, welche zumindest die Notversorgung und die un-

bedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi-

schen Störungen umfasse, zu gewähren. Es würden keine Hinweise vor-

liegen, wonach Rumänien der Beschwerdeführerin eine medizinische Be-

handlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. An diesem 

Umstand vermöge auch der eingereichte Arztbericht vom 18. Februar 2021 

nichts zu ändern, wonach die Beschwerdeführerin an einer dissoziativen 

Störung und möglicherweise auch an einer posttraumatischen Belastungs-

störung leide. Ausserdem sei für das weitere Dublin-Verfahren einzig die 

Reisefähigkeit ausschlaggebend. Diese werde erst kurz vor der Überstel-

lung definitiv beurteilt. Zudem trage das SEM dem aktuellen Gesundheits-

zustand bei der Organisation der Überstellung nach Rumänien Rechnung, 

indem es die rumänischen Behörden im Sinne von Art. 31 und 32 Dublin-

III-VO vor der Überstellung über den Gesundheitszustand und die notwen-

dige medizinische Behandlung informiere. Es würden sich somit weiterhin 

keine Gründe ergeben, welche die Anwendung der Souveränitätsklausel 

im Sinne von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311) in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzei-

gen würden. 

5.4 In der Replik wiederholte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen die 

bisherigen Vorbringen respektive machte geltend, in Rumänien sei vermut-

lich kein Asylverfahren eröffnet worden und sie sei dort schlecht behandelt 

worden. Laut Berichten bleibe die staatliche soziale, psychologische und 

medizinische Unterstützung ungenügend, speziell für Traumatisierte und 

Folteropfer. Rumänien habe zudem ihrer Wiederaufnahme nicht zuge-

stimmt. Sodann wurde darauf hingewiesen, dass die Eheunterlagen im Ori-

ginal unterwegs in die Schweiz seien.   

6.  

Vorliegend hat das SEM den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerde-

führerin auf Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede 

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Seite 10 

gestellt. Es ist demnach zu prüfen, ob das SEM zu Recht davon ausgegan-

gen ist, es lägen keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung 

vom 16. Dezember 2020 zu beseitigen vermögen.  

7.  

7.1 Prozessgegenstand bei einem Wiedererwägungsgesuch hinsichtlich 

eines gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG gefällten Nichteintretensent-

scheides kann lediglich die Frage bilden, ob sich seit Abschluss des or-

dentlichen Verfahrens eine nachträglich veränderte Sachlage respektive 

Gründe nach Art. 66 Abs. 2 VwVG im Hinblick auf die staatsvertragliche 

Zuständigkeit des fraglichen Mitgliedstaates oder hinsichtlich Völkerrechts-

konformität einer Wegweisung dorthin ergeben haben, oder ob seither hu-

manitäre Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 eingetreten sind. 

7.2  

7.2.1 Die Beschwerdeführerin reichte gemäss "Eurodac"-Treffer am 

14. August 2020 in Rumänien ein Asylgesuch ein. Die rumänischen Behör-

den hiessen das Übernahmeersuchen des SEM am 27. Oktober 2020 – 

entgegen dem entsprechenden Vorbringen in der Replik – ausdrücklich 

gut. Da es sich vorliegend um eine take-back-Konstellation handelt, bei der 

grundsätzlich keine erneute Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III der 

Dublin-III-VO stattfindet (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2; 2012/4 

E. 3.2.1; vgl. auch 2019 VI/7 E. 6.3-6.5), gelangen die Art. 9 und 10 Dublin-

III-VO – unabhängig der mit der Beschwerdeschrift eingereichten Beweis-

mittel zur Ehe (vgl. Bst. E. vorstehend) – nicht zur Anwendung (vgl. auch 

Verfügung des SEM vom 16. Dezember 2020 S. 3 und Urteil des BVGer 

D-6557/2020 vom 7. Januar 2021 E. 8.7). Weitere Ausführungen dazu er-

übrigen sich demzufolge. Die grundsätzliche Zuständigkeit Rumäniens ist 

damit unverändert gegeben. 

7.2.2 Die Beschwerdeführerin stellt sich im Wiedererwägungsverfahren 

sinngemäss nach wie vor auf den Standpunkt, dass die grundsätzliche Zu-

ständigkeit Rumäniens für die Durchführung ihres Asylverfahrens nicht ge-

geben sei, da sie dort kein Asylgesuch gestellt habe und sie unter Haftan-

drohung gezwungen worden sei, ihre Fingerabdrücke zu geben. Diese Vor-

bringen wurden bereits im ordentlichen Verfahren geltend gemacht (vgl. 

Bst. A.b vorstehend und Beschwerdeschrift vom 28. Dezember 2020 

Ziff. 12) und beurteilt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die 

entsprechenden Ausführungen im Urteil D-6557/2020 vom 7. Januar 2021 

verwiesen werden (vgl. ebenda E. 8.5 f. und im Übrigen E. 9.3). Soweit in 

der Beschwerdeschrift hinsichtlich der Umstände der Asylgesuchstellung 

D-1017/2021 

Seite 11 

in Rumänien Ergänzungen angebracht werden respektive diesbezüglich 

dem SEM sinngemäss eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes 

vorgeworfen wird, ist darauf nicht weiter einzugehen, da dies bereits im 

ordentlichen Verfahren hätte vorgebracht werden können und müssen (vgl. 

Art. 66 Abs. 3 VwVG). 

7.2.3 Nachdem keine neuen Hinweise für die Annahme vorliegen, dass das 

Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragssteller in Rumä-

nien systemische Schwachstellen aufweisen würden, die eine Gefahr einer 

unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der 

EU-Grundrechtecharte mit sich bringen könnten, ist die Anwendung von 

Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO – entgegen der in der Beschwerde vertretenen 

Ansicht – nicht gerechtfertigt. In diesem Zusammenhang werden in der Be-

schwerdeschrift denn auch lediglich Berichte zitiert, die vor dem Urteil  

D-6557/2020 vom 7. Januar 2021 datieren, weshalb daraus offensichtlich 

keine Hinweise auf eine nachträgliche Veränderung der Lage in Rumänien 

hervorgehen können. Es besteht vor diesem Hintergrund auch keine Ver-

anlassung, spezifische Sachverhaltsfeststellungen zur Rückkehrsituation 

von Flüchtlingen, die bereits in Rumänien auf der Durchreise registriert 

wurden und dort kein Asyl in Rumänien haben wollten, zu treffen. Der ent-

sprechende Antrag ist deshalb abzuweisen. 

7.2.4 Aufgrund des Gesagten liegen in Bezug auf die grundsätzliche Zu-

ständigkeit Rumäniens keine Wiedererwägungsgründe vor. 

7.3 Die Beschwerdeführerin kann sich sodann nicht auf das Vorliegen ei-

nes – durch ihren psychischen Gesundheitszustand begründeten – Abhän-

gigkeitsverhältnisses zu ihrem (angeblichen) Ehemann B._______ gemäss 

Art. 16 Dublin-III-VO berufen. Als abhängige Personen gelten gemäss dem 

Wortlaut dieser Bestimmung Kinder, Geschwister oder Elternteile des An-

tragstellers, zu welchem bereits im Herkunftsland eine familiäre Bindung 

bestand (Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO). Diese Voraussetzungen sind vorlie-

gend nicht erfüllt. Im Übrigen wurde eine entsprechende Abhängigkeit le-

diglich behauptet und ergibt sich – entgegen dem sinngemässen Be-

schwerdevorbringen – insbesondere nicht aus dem ärztlichen Bericht der 

(...) vom 18. Februar 2021. 

7.4  

7.4.1 Es bleibt zu prüfen, ob sich seit Abschluss des ordentlichen Verfah-

rens die Sachlage wesentlich verändert hat respektive sich Gründe nach 

D-1017/2021 

Seite 12 

Art. 66 Abs. 2 VwVG ergeben haben, so dass heute allfällige Überstel-

lungshindernisse vorliegen, welche einen Selbsteintritt der Schweiz auf 

das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zur Folge hätten (Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO).  

7.4.2  

7.4.2.1 Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer als Wiedererwägungsge-

such entgegengenommenen Eingabe vom 15. Februar 2021 erstmals vor, 

sie würde sich lieber das Leben nehmen, als zurück (nach Syrien oder Ru-

mänien) geschickt zu werden. In der Beschwerdeschrift machte sie – unter 

Einreichung eines ärztlichen Berichts der (...) vom 18. Februar 2021 – so-

dann weitere Ausführungen zu ihrem psychischen Gesundheitszustand, 

welcher sich im Falle einer Überstellung nach Rumänien verschlechtern 

würde. Damit macht sie implizit geltend, ihre Überstellung in diesen Dublin-

Mitgliedstaat verletze Art. 3 EMRK. 

7.4.2.2 Abgesehen davon, dass sich dem Bundesverwaltungsgericht nicht 

erschliesst, weshalb die psychischen Probleme, die offenbar bereits in Sy-

rien bestanden haben sollen (vgl. ärztlicher Bericht der (...) vom 18. Feb-

ruar 2021 S. 2), nicht schon im Verlauf des ordentlichen Verfahrens vorge-

bracht wurden, ist dazu Folgendes festzuhalten:  

7.4.2.3 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli-

chen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen 

Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-

troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-

stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit 

dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-

zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.H.a. die damalige Praxis 

des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-

tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch 

die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im 

Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-

schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-

stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-

lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

7.4.2.4 Vorliegend ist eine solche Situation aufgrund der Aktenlage nicht 

anzunehmen. Aus dem ärztlichen Bericht der (...) vom 18. Februar 2021 

D-1017/2021 

Seite 13 

ergibt sich im Wesentlichen, dass die Beschwerdeführerin am ehesten an 

einer dissoziativen Störung leide, welche sich in plötzlich auftretenden Er-

regungszuständen mit einer konsekutiven Amnesie für den genannten Zeit-

raum äussere. Ein solcher sei aufgetreten, nachdem sie darüber informiert 

worden sei, dass sie möglicherweise ausgeschafft werde. Die geltend ge-

machte psychische Belastung steht somit in einem engen Zusammenhang 

mit der drohenden Überstellung nach Rumänien. Daran ändert der Um-

stand nichts, dass im genannten ärztlichen Bericht auch festgehalten 

wurde, dass die dissoziative Störung möglicherweise auch in einer fraglich 

bestehenden posttraumatischen Belastungsstörung begründet sei, wobei 

diesbezüglich eine eingehendere testpsychologische Untersuchung not-

wendig wäre. Der Beschwerdeführerin wurden sodann in der Schweiz ent-

sprechende Medikamente verabreicht und es darf davon ausgegangen 

werden, dass sie in Rumänien, das – wie vom SEM in der Vernehmlassung 

vom 23. März 2021 festgehalten – über eine ausreichende medizinische 

Infrastruktur verfügt, bei Bedarf eine adäquate Weiterbehandlung und Be-

treuung findet. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die 

erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung 

und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-

ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 

Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist 

die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigen-

falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 

Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Rumä-

nien der Beschwerdeführerin eine adäquate medizinische Behandlung ver-

weigern würde. 

7.4.2.5 Was die geltend gemachte Suizidalität betrifft, ist zunächst festzu-

halten, dass sich die Beschwerdeführerin gemäss dem ärztlichen Bericht 

der (...) vom 18. Februar 2021 klar und glaubhaft von Suizidalität distanziert 

habe und keine Hinweise für eine akute Eigengefährdung vorhanden 

seien. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt sodann Suizida-

lität kein Vollzugshindernis dar (vgl. Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 

10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Dies entspricht auch der Praxis des Bundes-

verwaltungsgerichts (vgl. Urteil des BVGer F-5933/2019 vom 23. Januar 

2020 E. 7.6 m.w.H.). Gemäss Praxis des EGMR ist sodann der wegwei-

sende Staat nicht verpflichtet ist, vom Vollzug der Ausweisung Abstand zu 

nehmen, falls die betroffenen Personen für den Fall des Vollzugs des Weg-

weisungsentscheides mit Suizid drohen. Die Überstellung verstösst nicht 

gegen Art. 3 EMRK, wenn der wegweisende Staat Massnahmen ergreift, 

um die Umsetzung einer entsprechenden Suiziddrohung zu verhindern 

D-1017/2021 

Seite 14 

(vgl. EGMR i.S. Dragan und andere gegen Deutschland vom 7. Oktober 

2004, Nr. 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1). 

7.4.2.6 Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefoch-

ten Verfügung beauftragt sind, werden – was das SEM in seiner Vernehm-

lassung vom 23. März 2021 ausdrücklich festhielt – den medizinischen 

Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstel-

lung der Beschwerdeführerin Rechnung tragen und die rumänischen Be-

hörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen 

Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), so dass diese in der 

Lage sein werden, allenfalls notwendige Vorkehrungen zeitgerecht zu tref-

fen. Somit kann auch einem allfälligen Risiko einer Selbstgefährdung mit 

einer gut vorbereiteten Reise entgegengewirkt werden.  

7.4.2.7 Nach dem Gesagten steht der aktenkundige gesundheitliche Zu-

stand der Beschwerdeführerin einer Überstellung nach Rumänien nicht 

entgegen (vgl. auch Urteile des BVGer E-350/2021 vom 1. Februar 2021 

E. 8.2.1 und E-5656/2020 vom 22. Januar 2021 E. 6.3.1). Daran vermag 

der unsubstanziierte Einwand in der Replik, wonach laut Berichten die 

staatliche soziale, psychologische und medizinische Hilfe speziell für Trau-

matisierte und Folteropfer ungenügend bleibe, nichts zu ändern. Aufgrund 

der obigen Ausführungen ist es sodann nicht notwendig, weitere medizini-

sche Abklärungen in der Schweiz durchzuführen. In antizipierter Würdi-

gung der gesamten Aspekte ist nicht zu erwarten, dass weitere in der 

Schweiz erhobene medizinische Befunde hinsichtlich der psychischen Ge-

sundheit der Beschwerdeführerin etwas an dieser Einschätzung zu ändern 

vermögen. Der sinngemässe Antrag auf Durchführung weiterer Abklärun-

gen hinsichtlich ihres psychischen Gesundheitszustands ist daher abzu-

weisen. 

7.4.3  

7.4.3.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich im Wiedererwägungsgesuch 

und insbesondere in der Beschwerdeschrift erneut auf die Anwesenheit ih-

res (angeblichen) Ehemannes B._______ in der Schweiz respektive reicht 

diesbezüglich neue Beweismittel ein. Damit macht sie implizit geltend, 

Art. 8 EMRK stehe ihrer Überstellung nach Rumänien entgegen.  

7.4.3.2 Die Vorbringen zu ihrer Beziehung zu B._______ wurden bereits im 

ordentlichen Verfahren geltend gemacht und beurteilt. So legte das Bun-

desverwaltungsgericht im Urteil D-6557/2020 vom 7. Januar 2021 ausführ-

D-1017/2021 

Seite 15 

lich dar, weshalb vorliegend Art. 8 EMRK einer Überstellung der Beschwer-

deführerin nach Rumänien nicht entgegenstehe. Es hielt zunächst fest, 

dass ernsthafte Anhaltspunkte (u.a. sich aus den Aussagen der Beschwer-

deführerin und den eingereichten Beweismitteln ergebende Widersprüche) 

bestünden, die für die Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Ehe spre-

chen würden (E. 10.6.4.1). Sodann führte es aus, weshalb auch nicht von 

einer nahen und echten Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und 

B._______ im Sinne der einschlägigen Rechtsprechung ausgegangen 

werden könne (E. 10.6.4.2). Schliesslich erwog es, dass ein allfälliger Ein-

griff in das Familienleben der Beschwerdeführerin bei einer Abwägung der 

betroffenen Interessen nicht als unverhältnismässig angesehen werden 

könne, zumal es weiterhin Kontaktmöglichkeiten zwischen ihr und 

B._______ gebe und es zudem möglich sei, bei der zuständigen Behörde 

einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen (E. 10.6.4.3). 

7.4.3.3 Bezüglich der mit der Beschwerdeschrift erstmals eingereichten 

Beweismittel zur Ehe zwischen der Beschwerdeführerin und B._______ ist 

zunächst festzuhalten, dass diese offenbar auf der angeblich am 31. De-

zember 2019 vorgenommenen Eintragung der Heirat basieren (vgl. Ehe-

schliessungsurkunde und Familienausweis) und die Beschwerdeführerin 

diese damit grundsätzlich bereits während des ordentlichen Verfahrens 

hätte erhältlich machen und einreichen können. In der Beschwerdeschrift 

wird nicht dargelegt, weshalb ihr dies nicht möglich war. Das Gleiche gilt 

bezüglich der auf Februar 2021 datierten Beglaubigungen des bereits im 

ordentlichen Verfahren eingereichten gerichtlichen Entscheids vom 28. No-

vember 2019.  

Sodann sind diese Beweismittel nicht geeignet, unter dem Gesichtspunkt 

von Art. 8 EMRK zu einer anderen Einschätzung zu gelangen. Abgesehen 

davon, dass es sich dabei lediglich um Kopien handelt, deren Beweiswert 

gering ist, vermöchten sie – wenn überhaupt – lediglich etwas an der Ein-

schätzung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Eheschliessung zu 

ändern. Eine ausführliche diesbezügliche Auseinandersetzung erübrigt 

sich indessen, da ohnehin nicht ersichtlich ist, inwiefern sie etwas an der 

im Urteil D-6557/2020 vom 7. Januar 2021 vorgenommenen Beurteilung, 

wonach ein allfälliger Eingriff in das Familienleben der Beschwerdeführerin 

nicht als unverhältnismässig angesehen werden könne, zu ändern vermö-

gen. Die in der Replik in Aussicht gestellte Nachreichung der Originaldoku-

mente ist vor diesem Hintergrund nicht abzuwarten.  

D-1017/2021 

Seite 16 

7.4.3.4 Das Vorbringen im Wiedererwägungsgesuch, wonach die Be-

schwerdeführerin respektive B._______ kein Familiennachzugsgesuch 

einreichen könnten, da sie keinen Pass besitze und staatenlos sei, stellt im 

Kern eine appellatorische Kritik an einem rechtskräftigen Urteil und mithin 

keinen gültigen Wiedererwägungsgrund dar. Im Übrigen verwies das SEM 

in der angefochtenen Verfügung diesbezüglich zu Recht auf den Nichtein-

tretensentscheid vom 1. Februar 2021, in welchem aufgezeigt wurde, dass 

die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf Anerkennung der Staatenlosigkeit 

in Rumänien einreichen könne. Dieser Entscheid erwuchs denn auch un-

angefochten in Rechtskraft.  

7.4.4 Nach dem Gesagten liegt keine Verletzung von Art. 3 oder 8 EMRK 

vor und es besteht damit kein Überstellungshindernis, welches die Schweiz 

zu einem Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO zwingen würde.  

7.4.5  

7.4.5.1 Soweit in der Beschwerdeschrift das Vorliegen von „humanitären 

Gründen“ geltend gemacht wird, ist Folgendes festzuhalten:  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der 

Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen 

Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitionsbe-

schränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Streichung 

der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts gemäss 

Art. 106 Abs. 1 aBst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanzlichen 

Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf Ange-

messenheit hin. Das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr im 

Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt 

und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getra-

gen und seinen Ermessensspielraum korrekt ausgeübt hat (vgl. Art. 106 

Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 

7.4.5.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung und der Vernehm-

lassung vom 23. März 2021 die Vorbringen der Beschwerdeführerin hin-

sichtlich ihrer persönlichen Situation (neue Beweismittel zur Eheschlies-

sung, gesundheitliche Situation) berücksichtigt. Den Akten sind keine Hin-

weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-

schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb 

in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

D-1017/2021 

Seite 17 

7.5 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen 

und (nachträglich entstandenen) Beweismittel im Beschwerdeverfahren 

nicht geeignet sind, zu einer Anpassung der Verfügung vom 16. Dezember 

2020 zu führen. Das SEM hat das Wiedererwägungsgesuch zu Recht ab-

gewiesen. An dieser Einschätzung vermögen die übrigen Beschwerdevor-

bringen (insb. die unsubstanziierten Vorbringen im Zusammenhang mit 

dem Asylverfahren in Rumänien und der angeblich dort erfahrenen 

schlechten Behandlung) nichts zu ändern, weshalb darauf nicht weiter ein-

zugehen ist.  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Der am 9. März 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-

teil dahin.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihr jedoch 

mit Instruktionsverfügung vom 12. März 2021 die unentgeltliche Prozess-

führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von der Kosten-

erhebung abzusehen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1017/2021 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragten Behörden 

werden angewiesen, die rumänischen Behörden – soweit nicht bereits ge-

schehen – vorgängig der Überstellung in geeigneter Weise über die spezi-

fischen medizinischen Umstände zu informieren.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Bisig 

 

 

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