# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7441b95-630d-5f5c-888c-3e84dd402ff1
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-06
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 06.09.2019 OG.2018.00040 (OGS.2019.50)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2018-00040_2019-09-06.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  und Urteil vom 6. September 2019

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2018.00040/43/44

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter,

  
	
  Berufungskläger
  (OG.2018.00040)

  
	
  und Berufungsbeklagter (OG.2018.00044)

  
	
   

  
	
  verteidigt durch F.______ 

  
	
   

  
	
  und

  
	
   

  
	
   

  
	
  B.______

  
	
  Beschuldigter

  
	
  und Berufungsbeklagter (OG.2018.00043)

  
	
   

  
	
  verteidigt durch G.______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1.
  Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Anklägerin, 

  
	
  Berufungsbeklagte
  (OG.2018.00040)

  
	
  und Berufungsklägerin (OG.2018.00043/44)

  
	
  2.
  C.______

  
	
  Privatklägerin

  
	
   

  
	
  vertreten durch H.______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Fahrlässige
  Tötung und

  Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde

  
	
  Anträge des
  Beschuldigten A.______ (gemäss Berufungserklärung vom 20. Juli 2018
  [act. 19 im Verfahren OG.2018.00040], Berufungsbegründung vom
  26. Oktober 2018 [act. 31 S. 3 im Verfahren OG.2018.00040] und
  Eingabe vom 1. Februar 2019 [act. 17 S. 2 im Verfahren
  OG.2018.00044], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es seien die Dispositiv-Ziffern
    1 (Schuldspruch wegen Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln
    der Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB), 3 (Sanktion), 6
    (Kostenauflage) und 7 (Entschädigungsfolgen) des Urteils der
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 2. Mai 2018 im
    Verfahren SG.2017.00109 aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Der
    Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Berufung der
    Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus sei vollumfänglich abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge der Anklägerin
  (gemäss Berufungserklärungen vom 14. Juli 2018 [act. 49 im
  Verfahren OG.2018.00043 und act. 1 im Verfahren OG.2018.00044],
  Berufungsbegründungen vom 14. November 2018 [act. 60
  S. 1 f. im Verfahren OG.2018.00043 und act. 13
  S. 1 f. im Verfahren OG.2018.00044] und Eingabe vom 1. Februar
  2019 [act. 41 S. 1 f. im Verfahren OG.2018.00040], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es seien die Dispositiv-Ziffern
    1 (Freispruch von den Vorwürfen der fahrlässigen Tötung im Sinne von
    Art. 117 StGB und der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der
    Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB), 4
    (Kostenauflage) und 5 (Entschädigungsfolgen) des Urteils der
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 2. Mai 2018 im
    Verfahren SG.2017.00108 (Beschuldigter B.______) aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es seien die Dispositiv-Ziffern
    2 (Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Sinne von
    Art. 117 StGB), 3 (Sanktion), 6 (Kostenauflage) und 7
    (Entschädigungsfolgen) des Urteils der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 2. Mai 2018 im Verfahren SG.2017.00109
    (Beschuldigter A.______) aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Beschuldigten B.______ und
    A.______ seien der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB und
    der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im
    Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Der Beschuldigte B.______ sei
    mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 110.–, bedingt
    aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu bestrafen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Der Beschuldigte A.______ sei
    mit einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je CHF 380.–, bedingt
    aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu bestrafen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Die Berufung des Beschuldigten
    A.______ sei vollumfänglich abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Alles unter Kostenfolgen für
    beide Instanzen zu Lasten des Beschuldigten.

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  Anträge
  des Beschuldigten B.______ (gemäss Eingabe vom 30. Januar
  2019 [act. 64 im Verfahren OG.2018.00043], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Der Beschuldigte sei
    vollumfänglich freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Berufung der
    Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus sei vollumfänglich abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  Prozessverlauf
  und Gegenstand der Berufung

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Die Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus erliess gegen B.______ und A.______ am 14. August 2017 je
  einen Strafbefehl. In diesen sprach sie B.______ und A.______ im Zusammenhang
  mit einem Unfallereignis vom 12. Juli 2014 in [...] der fahrlässigen
  Tötung im Sinne von Art. 117 StGB und der Gefährdung durch fahrlässige
  Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2
  StGB schuldig. Hierfür bestrafte sie B.______ mit einer bedingten Geldstrafe
  von 120 Tagessätzen zu je CHF 110.–, und A.______ mit einer bedingten
  Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je CHF 380.–, jeweils bei einer
  Probezeit von zwei Jahren (je act. 2 [SG.2017.00108 und SG.2017.00109] =
  Untersuchungsakten [nachfolgend: "U-act."] act. 19/1-2).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Nach Einsprachen von B.______
  (U-act. 20/2) und A.______ (U-act. 20/1) überwies die
  Staatsanwaltschaft in Anwendung von Art. 356 Abs. 1 StPO die
  Angelegenheit zur gerichtlichen Beurteilung an die Strafgerichtskommission
  des Kantonsgerichts Glarus (Art. 11 Abs. 1 GOG/GL; je act. 1
  [SG.2017.00108 und SG.2017.00109]).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1. Die
  Strafgerichtskommission fällte am 2. Mai 2018 ihre Urteile. B.______
  sprach sie vollumfänglich frei. Weiter verwies sie die Privatklägerin mit
  ihrer Zivilforderung auf den Zivilweg, nahm die Verfahrenskosten auf die
  Staatskasse und sprach sie B.______ eine Parteientschädigung im Betrag von
  CHF 10'500.– zu (act. 36 [unbegründet] und act. 45
  [begründet], je im Verfahren SG.2017.00108).

  
	
   

  
	
  3.2. A.______ sprach die
  Strafgerichtskommission zum einen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei
  und zum anderen wegen Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der
  Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB schuldig. Sie
  verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je
  CHF 270.–, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Die Privatklägerin
  verwies sie mit deren Zivilforderung auf den Zivilweg. Die
  Untersuchungskosten auferlegte sie vollumfänglich, die Gerichtsgebühr im
  Umfang eines Drittels A.______. Schliesslich sprach sie A.______ zulasten der
  Gerichtskasse eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von
  CHF 5'000.– zu (act. 4 [unbegründet] und act. 15 [begründet],
  je im Verfahren SG.2017.00109).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Gegen diese Entscheide erklärten
  sowohl A.______ (Verfahren Nr. OG.2018.00040) als auch die Staatsanwaltschaft
  (Verfahren Nr. OG.2018.00043 [Beschuldigter B.______] und OG.2018.00044
  [Beschuldigter A.______]) beim Obergericht Berufung mit den eingangs
  (S. 3 f.) sinngemäss wiedergegebenen Anträgen (act. 19 im
  Verfahren OG.2018.00040 bzw. act. 49 im Verfahren OG.2018.00043 bzw.
  act. 1 im Verfahren OG.2018.00044). In der Folge teilte das Obergericht
  den Parteien mit, die Berufungen in einem schriftlichen Verfahren behandeln
  zu wollen. Dagegen opponierte keine Partei (act. 23-26; act. 33-37
  [OG.2018.00040]; act. 52-57 [OG.2018.00043]; act. 4-10
  [OG.2018.00044]). Auch Anschlussberufungen gingen keine ein. Die schriftliche
  Berufungsbegründung des Rechtsvertreters von A.______ datiert vom
  26. Oktober 2018 (act. 31 [OG.2018.00040]), die
  Berufungsbegründungen der Staatsanwaltschaft vom 14. November 2018
  (act. 60 [OG.2018.00043]; act. 13 [OG.2018.00044]). Die
  Berufungsantworten des Beschuldigten A.______ und der Staatsanwaltschaft
  ergingen beide am 1. Februar 2019 (act. 41 [OG.2018.00040];
  act. 17 [OG.2018.00044]), jene des Beschuldigten B.______ am
  30. Januar 2019 (act. 64 [OG.2018.00043]). Das Obergericht stellte
  sie den genannten Parteien sowie der Privatklägerin je wechselseitig zur Kenntnisnahme
  zu (act. 42 f. [OG.2018.00040]; act. 66-68 [OG.2018.00043];
  act. 19-21 [OG.2018.00044]). 

  
	
   

  
	
   

  
	
  II.

  Prozessuales

  
	
   

  
	
  1. Teilrechtskraft

  
	
  Keine Partei focht den von der
  Vorinstanz angeordneten Verweis der Zivilklage von C.______ auf den Zivilweg
  (Dispositiv-Ziffern 2 bzw. 4 der Urteile der Strafgerichtskommission des
  Kantonsgerichts Glarus vom 2. Mai 2018, act. 36 [SG.2017.00108]
  bzw. act. 15 [SG.2017.00109]) an. Dieser Teil der vorinstanzlichen
  Urteile ist daher rückwirkend per 2. Mai 2018 in Rechtskraft erwachsen
  (Art. 437 Abs. 1 und 2 StPO). Dies ist vorzumerken. Nicht in
  Rechtskraft erwachsen sind hingegen die ebenfalls unangefochten gebliebenen
  Dispositiv-Ziffern 3 bzw. 5 der genannten Urteile, in denen die
  Vorinstanz die Höhe der Verfahrenskosten festsetzte (vgl. Art. 428
  Abs. 3 StPO).

  
	
   

  
	
  2. Eintreten

  
	
  Die Urteile der
  Strafgerichtskommission vom 2. Mai 2018 (act. 36 [SG.2017.00108]
  bzw. act. 15 [SG.2017.00109]) stellen taugliche Anfechtungsobjekte dar.
  Der Beschuldigte A.______ wie auch die Staatsanwaltschaft sind bezüglich der
  angefochtenen Punkte berufungslegitimiert, haben die Rechtsmittelfrist
  gewahrt und erheben zulässige Rügen. Auf die Berufungen ist ohne Weiteres
  einzutreten (vgl. v.a. Art. 381 und Art. 398 f. StPO i.V.m. act. 19
  und 31 [OG.2018.00040] bzw. act. 49 und 60 [OG.2018.00043] bzw.
  act. 1 und 13 [OG.2018.00044]).

  
	
   

  
	
  3. Schriftliches Verfahren

  
	
  3.1. Das
  Berufungsverfahren ist grundsätzlich mündlich (Art. 405 Abs. 1 StPO).
  Schriftliche Berufungsverfahren sollen nach der Absicht des Gesetzgebers die
  Ausnahme bleiben. Art. 406 StPO regelt abschliessend, wann Ausnahmen zulässig
  sind. Die Berufung kann u.a. im schriftlichen Verfahren behandelt werden,
  wenn ausschliesslich Rechtsfragen zu entscheiden sind (Art. 406 Abs. 1 lit. a
  StPO). Mit dem Einverständnis der Parteien kann die Verfahrensleitung das
  schriftliche Verfahren anordnen, wenn die Anwesenheit der beschuldigten
  Person nicht erforderlich ist oder wenn Urteile eines Einzelgerichts Gegenstand
  der Berufung sind (Art. 406 Abs. 2 lit. a und lit. b StPO). Immer
  dann, wenn dem persönlichen Eindruck entscheidendes Gewicht zukommt, muss
  mindestens ein Teil des Verfahrens mündlich durchgeführt werden (BGE 143 IV
  483, E. 2.1.1 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  3.2. Art. 406 StPO
  entbindet das Berufungsgericht nicht davon, im Einzelfall zu prüfen, ob der
  Verzicht auf eine öffentliche Verhandlung auch mit Art. 6 Ziff. 1 EMRK
  vereinbar ist. Die beschuldigte Person hat im Strafverfahren gemäss Art. 6
  Ziff. 1 EMRK Anspruch auf eine öffentliche Gerichtsverhandlung und Urteilsverkündung.
  Die Art der Anwendung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf Verfahren vor
  Rechtsmittelinstanzen hängt von den Besonderheiten des konkreten Verfahrens
  ab. Es ist insbesondere unter Beachtung des Verfahrens als Ganzem und der
  Umstände des Einzelfalles zu beurteilen, ob vor einer Berufungsinstanz eine
  mündliche Verhandlung durchzuführen ist. Nach der Rechtsprechung des
  Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte muss selbst ein
  Berufungsgericht mit freier Kognition hinsichtlich Tat- und Rechtsfragen
  nicht in allen Fällen eine Verhandlung durchführen. Von einer Verhandlung vor
  der Rechtsmittelinstanz kann etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz
  öffentlich verhandelt hat, wenn allein die Zulassung eines Rechtsmittels, nur
  Rechtsfragen oder aber Tatfragen zur Diskussion stehen, die sich leicht nach
  den Akten beurteilen lassen, ferner wenn eine reformatio in peius
  ausgeschlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist und sich etwa keine
  Fragen zur Person und deren Charakter stellen. Für die Durchführung einer
  mündlichen Verhandlung kann aber der Umstand sprechen, dass die vorgetragenen
  Rügen die eigentliche Substanz des streitigen Verfahrens betreffen.
  Gesamthaft kommt es entscheidend darauf an, ob die Angelegenheit unter
  Beachtung all dieser Gesichtspunkte sachgerecht und angemessen beurteilt
  werden kann (BGE 143 IV 483, E. 2.1.2 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  3.3. Wie aus den
  nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, sind die Beschuldigten aus rechtlichen
  Gründen und ohne dass Sach- bzw. Tatfragen zu erörtern wären, die sich nicht
  leicht nach den Akten beurteilen lassen, von den gegen sie erhobenen
  Deliktsvorwürfen freizusprechen. Alsdann fand vor Vorinstanz eine öffentliche
  Verhandlung statt (act. 10 und act. 22-27 [je SG.2017.00108]).
  Unter diesen Umständen und im Lichte der soeben zitierten Rechtsprechung zu
  Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist vorliegend ein Verzicht auf die
  Durchführung einer mündlichen Verhandlung sowohl nach Art. 406
  Abs. 1 lit. a StPO als auch im Lichte von Art. 6 Ziff. 1
  EMRK zulässig. Wie bereits erwähnt, hat denn auch keine Partei gegen die
  Durchführung des schriftlichen Verfahrens opponiert (vgl. vorne,
  E. I.4.).

  
	
   

  
	
  4. Verfahrensvereinigung

  
	
  Die Staatsanwaltschaft und die
  Gerichte können aus sachlichen Gründen Strafverfahren trennen oder vereinen
  (Art. 30 StPO). Wie aufgezeigt (vorne, E. I.) – richten sich die
  vom Beschuldigten A.______ bzw. von der Staatsanwaltschaft erhobenen
  Berufungen gegen dasselbe vorinstanzliche Urteil. Das Urteil betreffend den
  Beschuldigten B.______ betrifft inhaltlich denselben Sachverhalt und
  dieselben Deliktsvorwürfe wie das gegen A.______ ergangene vorinstanzliche
  Urteil. Somit besteht zwischen den Berufungsverfahren OG.2018.00040,
  OG.2018.00043 und OG.2018.00044 ein enger inhaltlicher Zusammenhang. Diese
  drei Berufungsverfahren sind deshalb zu vereinigen.

  
	
   

  
	
  5. Überprüfungsbefugnis der
  Berufungsinstanz

  
	
  Die Berufung nach Art. 398 ff.
  StPO ist ein reformatorisches Rechtsmittel. Das Berufungsgericht verfügt im
  Umfang der angefochtenen Punkte des erstinstanzlichen Urteils (sog. Dispositionsmaxime,
  Art. 404 Abs. 1 StPO) über umfassende Kognition in tatsächlicher und
  rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Es fällt, soweit es auf
  die Berufung eintritt, ein neues, den erstinstanzlichen Entscheid ersetzendes
  Urteil (Art. 408 StPO). Gemäss Art. 391 Abs. 1 StPO ist die
  Rechtsmittelinstanz bei ihrem Entscheid weder an die Begründung (lit. a) noch
  – mit Ausnahme einer vorliegend nicht interessierenden Beurteilung von
  Zivilklagen – an die Anträge (lit. b) der Parteien gebunden (zum Ganzen z.B.
  BGer 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 2.1. m.w.H.).

  
	
   

  
	
  III.

  Sachverhalt

  
	
   

  
	
  1. Anklagesachverhalt

  
	
  1.1. Die
  Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, für den am 12. Juli 2014 um
  zirka 15.40 Uhr auf dem bei der [...]strasse in [...] liegenden Wiesland
  geschehenen Unfall mit Todesfolge von X.______ verantwortlich zu sein. Sie
  hätten sich der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB sowie der
  Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von
  Art. 229 Abs. 2 StGB strafbar gemacht. Im Einzelnen umschreibt sie
  den Sachverhalt in den zufolge Einsprache als Anklageschrift geltenden
  Strafbefehlen (Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO) vom
  14. August 2017 (je act. 2 [SG.2017.00108 und SG.2017.00109]) wie
  folgt:

  
	
   

  
	
  1.2. Da die
  Zufahrtsstrasse zur Liegenschaft [...] nach starken Niederschlägen jeweils
  unter Wasser gestanden sei, habe der Beschuldigte A.______ als Bauführer der
  Baufirma Y.______ dem ihm unterstellten Arbeitnehmer und Beschuldigten
  B.______ den Auftrag gegeben, mit einem Pneubagger eine Sickergrube zu
  erstellen. Dieser habe am 4. Juli 2014 auftragsgemäss eine Sickergrube von
  zirka 2x2x2 Metern ausgehoben. Da gemäss Aussagen der Beschuldigten zum
  Schluss der Bauarbeiten der Landwirt X.______ vor Ort gewesen sei und
  angegeben habe, er wolle die Absperrung um die neu erstellte Sickergrube
  selber vornehmen, hätten die Beschuldigten auf eine Absperrung derselben
  mittels Absperrlatten verzichtet. Als X.______ am 12. Juli 2014 um
  diese, aufgrund starker Regenfälle inzwischen bis über den Rand mit Wasser
  gefüllte Sickergrube eine Absperrung habe montieren wollen, sei dieser wohl
  ausgerutscht und sei er in der Sickergrube ertrunken.

  
	
   

  
	
  1.3. Die Beschuldigten
  hätten dadurch, dass sie sich einverstanden erklärten, auf eine Absicherung
  der Sickergrube zu verzichten und es in der Folge auch unterlassen hätten, zu
  kontrollieren, ob X.______ die Absicherung tatsächlich vorgenommen habe, ihre
  sich aus dem allgemeinen Gefahrensatz, aus Art. 15 Abs. 1 der
  Bauarbeitenverordnung sowie aus dem betriebsinternen Pflichtenheft ergebende
  Sorgfaltspflicht (Sicherungs- und Kontrollpflicht) verletzt. Deren Verletzung
  habe schliesslich – für die Beschuldigten voraussehbar – zum genannten Unfall
  mit Todesfolge geführt sowie auch eine Gefährdung für weitere Personen
  geschaffen.

  Die Beschuldigten hätten ihre Verantwortung für die Sicherung der Sickergrube
  nicht an einen unbeteiligten Dritten übertragen sowie sich nicht einmal darum
  kümmern dürfen, wie und wann diese Sicherung erfolgen würde. Selbst wenn
  X.______ die Grube selber habe absichern wollen, hätten sie es nicht zulassen
  dürfen, dass die Baustelle ungesichert verlassen werde. Bei pflichtgemässem
  Verhalten der Beschuldigten hätte – so die Staatsanwaltschaft – der Tod von
  X.______  mit hoher Wahrscheinlichkeit vermieden werden können.

  
	
   

  
	
  2. Standpunkt der
  Beschuldigten zum Sachverhalt

  
	
  2.1. Die Beschuldigten
  stellen diesen ihnen zur Last gelegten Sachverhalt weitestgehend nicht in
  Abrede. So macht der Beschuldigte A.______ in seiner Berufungsbegründung
  diesbezüglich einzig geltend, die Vorinstanz habe den Sachverhalt in Bezug
  auf die Frage, welche Tiefe die Sickergrube aufgewiesen habe, unzureichend
  festgestellt. Die Grubentiefe habe nicht "zirka zwei Meter",
  sondern weniger als zwei Meter betragen (act. 31 [OG.2018.00040]
  Rz. 3 f.). Gleiches brachte auch der Beschuldigte B.______ vor und
  forderte überdies, es sei auch noch zu klären, wer dunkelbraune Holzpfosten
  neben orange Zaunstangen bei der Sickergrube setzte und ob bei X.______
  Lebensversicherungen bestanden (act. 64 [OG.2018.00043] S. 1). Weil
  all diese Punkte (genaue Tiefe der Sickergrube, Setzen von Zaunpfosten,
  Lebensversicherungen) – wie nachfolgend aufgezeigt wird – nicht
  entscheidrelevant sind, brauchen diese Fragen hier nicht weiter vertieft zu
  werden.

  
	
   

  
	
  2.2. Da der in den
  Strafbefehlen wiedergegebene Sachverhalt im Übrigen auch aufgrund der
  Untersuchungsakten erstellt ist, ist dieser der nun vorzunehmenden
  rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen. Dies mit der Ergänzung, dass es sich
  beim verstorbenen Landwirt X.______ um einen Schafbauer handelt, dem die
  Eigentümerschaft des Wieslands, auf dem die Sickergrube ausgehoben wurde,
  seit längerer Zeit gestattet hatte, dort Schafe weiden zu lassen (vgl. u.a.
  U-act. 2/3 S. 5 Fr. 24 f.; U-act. 2/1 S. 4
  Fr. 16; U-act. 2/5 S. 2 Fr. 1 [seit zwei bis drei
  Jahren]). Aufgrund übereinstimmender Aussagen der Auskunftsperson [...]
  (U-act. 2/5 S. 4 Fr. 26, S. 5 Fr. 35) und des
  Beschuldigten A.______ (U-act. 2/1 S. 4 Fr. 16;
  U-act. 2/11 S. 2 f. Fr. 3 ff.), aufgrund bei den
  Akten liegender Fotoaufnahmen (U-act. 2/12/1, 2/12/3-4) sowie mangels
  gegenteiliger Anhaltspunkte ist sodann davon auszugehen, dass X.______ im
  Erstellen von Schafszäunen geübt und erfahren war.

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV.

  Rechtliche Würdigung: Fahrlässige Tötung (Art. 117 StGB)

  
	
   

  
	
  1.
  Erwägungen der Vorinstanz

  
	
  Die Vorinstanz erwog, A.______
  habe den Aushub der Sickergrube in Auftrag gegeben und B.______ habe diese
  ausgehoben. Sie beide hätten damit einen gefährlichen Zustand geschaffen.
  Nach der allgemeinen Lebenserfahrung sei ein Sturz in eine ungesicherte
  Baugrube geeignet, den Tod eines Menschen herbeizuführen. Die Beschuldigten
  seien daher grundsätzlich verpflichtet gewesen, für die nötigen
  Sicherungsmassnahmen zu sorgen. Sie hätten das Absichern der Grube jedoch
  unterlassen und A.______ habe dies an einen unbeteiligten Dritten, X.______ ,
  delegiert.

  
	
  Diese Delegation an sich sei
  hinsichtlich der Auswahl der Hilfsperson zulässig gewesen, sei doch davon
  auszugehen, dass X.______ aufgrund seiner Erfahrung als Schafbauer gewusst
  habe, wie Absicherungszäune gebaut werden. Ausserdem erscheine dessen
  Interesse an einer genügenden Absicherung als begründet und nachvollziehbar,
  da dessen Schafe regelmässig auf der fraglichen Wiese weideten. Hingegen sei
  A.______ seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen, weil er die
  erforderliche Instruktion und Kontrolle von X.______ unterlassen habe. Dies
  zeige sich daran, dass der geplante Zaun am Unfalltag – also neun Tage nach
  Erstellen der Sickergrube – noch nicht fertig gebaut gewesen sei und er
  selber erklärt habe, die Grube lediglich am Tag des Aushubs kontrolliert zu
  haben.

  
	
  Indes habe A.______ nicht
  voraussehen können, dass X.______ als kompetente Hilfsperson gerade beim
  Ausführen der Absperrarbeiten tödlich verunglücken würde. Nicht relevant sein
  könne dabei, ob eine zusätzliche (vorgängige) Sicherung durch einen
  Angestellten der Baufirma Y.______ den Unfall verhindert hätte. Dies, da
  X.______ sich dieser Aufgabe angenommen und über die Lage sowie das Ausmass
  der Grube seit deren Aushub Bescheid gewusst habe. Somit habe der
  Erfolgseintritt bei wertender Betrachtung nicht im Verantwortungsbereich von
  A.______ gelegen. Dieser habe sich mithin nicht der fahrlässigen Tötung im
  Sinne von Art. 117 StGB schuldig gemacht (zum Ganzen: act. 15
  [SG.2017.00109], E. III.).

  
	
  In Bezug auf B.______ erwog die
  Vorinstanz, es könne diesem nicht angelastet werden, dass er seiner Pflicht,
  die Sickergrube abzusichern, nicht nachgekommen sei. Denn seine
  diesbezügliche Unterlassung sei einzig dadurch bedingt gewesen, dass sein
  Vorgesetzter A.______ an X.______ die Erlaubnis erteilt habe, die Sicherung
  der Grube selber vorzunehmen. Eine B.______ zurechenbare
  Sorgfaltspflichtverletzung liege somit nicht vor, weshalb auch dieser vom
  Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB
  freizusprechen sei (zum Ganzen: act. 45 [SG.2017.00108], E. III.).

  
	
   

  
	
  2. Argumentation der
  Staatsanwaltschaft

  
	
  Die Staatsanwaltschaft bringt in
  ihren Berufungen vor, entgegen den Erwägungen der Vorinstanz sei die
  Delegation der Absperrarbeiten an X.______ im Wissen um die Wasserproblematik
  nicht zulässig gewesen. Gemäss allfälligem "Auftrag" und der
  Vorstellung des Beschuldigten hätte jener einen massiven Schafszaun um die
  Sickergrube aufstellen sollen. Einem Schafszaun fehle aber im Vergleich zu
  einer Absperrung mit dafür vorgesehenem Absperrmaterial jeglicher
  Warncharakter. Ein Schafszaun als Absperrung erweise sich als unzureichend,
  weil die mit Wasser gefüllte Grube so für Dritte nicht als Gefahr erkennbar gewesen
  wäre, sondern Dritte dort letztlich bloss eine Wiese mit einem Zaun sowie
  eine Pfütze gesehen hätten. Um diese Erkennbarkeit sicherzustellen, wäre
  unter den gegebenen Umständen zumindest eine Absperrung mit rot-weissen
  Baulatten erforderlich gewesen. A.______ habe sich bereits deshalb der
  fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, weil er als Bauführer mit mehrjähriger
  Berufserfahrung nicht für die sofortige und fachgerechte Sicherung der
  Sickergrube gesorgt habe, was zum Tod von X.______ geführt habe. Hätte er in
  Beachtung seiner Sorgfaltspflichten für die sofortige Sicherung der Baugrube
  durch den Bauarbeiter B.______ gesorgt respektive diese Sicherungsarbeiten
  selbst ausgeführt, wäre der Tod von X.______ mit hoher Wahrscheinlichkeit
  vermeidbar gewesen. 

  
	
  Unzutreffend sei ferner die
  vorinstanzliche Erwägung, wonach es für die Beschuldigten nicht voraussehbar
  gewesen sei, dass gerade X.______ als kompetente Hilfsperson beim Ausführen
  der Absperrarbeiten tödlich verunglücken würde. Das Aufstellen von Zäunen auf
  einer ebenen Wiese verlange nicht dieselben Anforderungen wie das Bauen eines
  Zauns direkt neben einer ungesicherten Baugrube. Insofern sei die Auswahl
  eines Landwirts für die Vornahme der Absperrung nicht zulässig gewesen, habe
  diesem doch die nötige Schulung und Erfahrung für die entsprechenden Arbeiten
  um die ungesicherte Baugrube herum gefehlt. Ausserdem habe die Sicherung der
  Grube lediglich von der Weide her im Eigeninteresse von X.______ gelegen,
  nicht hingegen strassenseitig. Voraussehbar sei für die Beschuldigten zudem
  gewesen, dass sich die Sickergrube bald durch Regenfälle mit Wasser füllen
  werde sowie dass bei verspäteter Ausführung der Absperrarbeiten durch
  inzwischen gefallenen Regen der Arbeitsuntergrund glitschig werden könnte und
  so eine zusätzliche Gefahr entstehe. Insofern erweise sich zumindest die
  unterlassene Kontrolle der zeitnahen Ausführung der Absperrarbeiten ebenfalls
  als relevant für den Tod von X.______. Dies, zumal dieser bei einem Sturz in
  die nicht mit Wasser gefüllte Grube mit hoher Wahrscheinlichkeit höchstens
  bloss verletzt worden wäre, nicht aber den Tod gefunden hätte. Durch eine
  sofortige und fachgerechte Absperrung um die Grube durch A.______ oder den
  ihm unterstellten B.______ wäre der Tod von X.______ mit hohem Grad an
  Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen. Die auch von der Vorinstanz
  festgestellten Sorgfaltspflichtverletzungen der Beschuldigten erwiesen sich
  also als relevant für den Erfolgseintritt.

  
	
  Im Übrigen gehe die Vorinstanz zu
  Recht nicht von einer die Tatbestandsmässigkeit ausschliessenden
  eigenverantwortlichen Selbstgefährdung durch X.______ aus. Denn A.______ und
  B.______ hätten gegenüber jenem eine Garantenstellung innegehabt und aufgrund
  ihrer Bau-Sachkompetenz die Gefahren besser gekannt als jener. Damit könnten
  sie sich nicht darauf berufen, X.______ habe sich in Eigenverantwortung
  selbst gefährdet (zum Ganzen: act. 13 [OG.2018.00044]
  Rz. III.3 ff., vgl. auch act. 41 [OG.2018.00040]
  Rz. III.1 ff.).

  
	
  Schliesslich verkenne die
  Vorinstanz in ihrem B.______ freisprechenden Urteil, dass A.______ jenen
  nicht explizit angewiesen habe, auf eine Baustellenabsicherung zu verzichten.
  Selbst wenn man aber annehme, eine solche Anweisung sei erfolgt, würde dies
  nichts an der Strafbarkeit von B.______ ändern. Dieser habe tatbestandsmässig
  gehandelt. Insbesondere vermöge die unzulässige Delegation der
  Absperrarbeiten an X.______ durch A.______ auch B.______ nicht zu entlasten.
  Wenn mehrere Personen durch ihr unsorgfältiges Handeln zu einer Gefahr
  beigetragen hätten, auf die der Erfolg zurückgehe, so sei jede von diesen
  Täter des Delikts (zum Ganzen: act. 60 [OG.2018.00043]
  Rz. III.3 ff.).

  
	
   

  
	
  3. Standpunkte der
  Beschuldigten

  
	
  3.1. Der Beschuldigte
  A.______ entgegnet in den Berufungsverfahren, es könne im Hinblick auf eine angebliche
  Sorgfaltspflichtsverletzung von ihm, die zum Tod von X.______  geführt habe,
  nicht auf den Warncharakter der Absperrung ankommen, die nur für Dritte
  relevant gewesen wäre. X.______  habe nicht auf die Grube aufmerksam gemacht
  werden müssen, habe er sich doch gerade angeboten, diese zu sichern. Dieser
  sei als Landwirt zudem die geeignete Person gewesen, um den Schafszaun zu
  errichten. Er, A.______, habe davon ausgehen können, dass X.______  in der
  Lage sei, um die Baugrube herum einen Schafszaun zu errichten und dies auch
  fachgemäss sowie zeitnah tue. Damit, dass ausgerechnet diese erfahrene
  Person, die bereits mehrere solcher Schafszäune errichtet habe, in die Grube
  falle, habe er nicht rechnen müssen. Er sei ferner davon ausgegangen, dass
  X.______  die Sickergrube zeitnah sichere, bevor diese durch Regenfälle mit
  Wasser gefüllt werde. Für ihn sei auch klar gewesen, dass dies anlässlich der
  gemeinsamen Besprechung vor Ort auch X.______  bewusst gewesen sei. Denn an
  einer umgehenden Absicherung der Grube habe dieser, um seine Schafe zu
  schützen, ein Eigeninteresse gehabt und dies auch klar gegenüber ihm
  (A.______) kundgetan. Somit sei nicht voraussehbar gewesen, dass durch
  allfällige Regenfälle eine mögliche weitere Gefahr für X.______  entstehen würde
  bzw. dass dieser den Schafszaun erst errichten würde, nachdem die Grube
  bereits mit Wasser gefüllt gewesen sei.

  Im Übrigen könne von ihm nicht
  verlangt werden, dass er jede delegierte Aufgabe, insbesondere die Ausführung
  der Umzäunung, einzeln überwache. X.______  sei erfahren gewesen und er habe
  bereits zuvor von diesem errichtete Schafszäune gesehen, die massiv gebaut
  gewesen seien. Das Errichten des Schafzaunes zur Sicherung der Baugrube sei
  im Verantwortungsbereich von X.______  gelegen. Da von ihm nicht habe
  erwartet werden können, die Arbeitsausführung zu überwachen, sei der Tod von
  X.______  durch ihn (A.______) auch nicht vermeidbar gewesen. Selbst wenn er
  kontrolliert hätte, ob X.______  die Sicherung vorgenommen habe, hätte er
  damit dessen Tod nicht verhindern können. Es sei von einer den Tatbestand der
  fahrlässigen Tötung ausschliessenden eigenverantwortlichen Selbstgefährdung
  von X.______  auszugehen. Denn X.______  habe die Sicherung der Grube auf
  eigene Verantwortung übernommen und bis zum zu seinem Tod führenden Ereignis
  die Herrschaft über den Geschehensablauf gehabt (zum Ganzen: act. 17
  [OG.2018.00044], vgl. auch act. 31 [OG.2018.00040] Rz. 5 ff.).

  
	
   

  
	
  3.2. Der Beschuldigte
  B.______ führte im Berufungsverfahren aus, er habe die von ihm anlässlich des
  Aushubs der Sickergrube bereitgestellten Absicherungslatten nicht auf eigenes
  Gutdünken wieder von dort weggebracht, sondern weil ihm dies von A.______ auf
  seine eigene Nachfrage hin ausdrücklich erlaubt worden sei. Dieser habe
  X.______  zugesagt, er könne die Absicherung selber vornehmen. Die Delegation
  der Absicherung der Grube an X.______  durch A.______ bzw. deren Folgen
  könnten nicht ihm (B.______) angelastet werden. Wie auch die Vorinstanz
  festgestellt habe, liege seinerseits keine Sorgfaltspflichtsverletzung vor.
  Ausserdem habe X.______  sehr wohl die nötige Schulung und Erfahrung in der
  Baubranche aufgewiesen. Er sei Gründer der [...] gewesen, die eigene oder
  fremde Grundstücke zur Baureife gebracht habe und sie bebaue. Dadurch habe er
  die Regeln der Baukunde sehr genau gekannt und sei deshalb auch in der Lage
  gewesen, die Sicherung der Sickergrube zu übernehmen. Es liege eine
  eigenverantwortliche Selbstgefährdung vor, da X.______  selber gefragt habe,
  ob er die Sickergrube sichern dürfe und er das damit verbundene Risiko im
  selben Masse überblickt habe wie die Beschuldigten (zum Ganzen: act. 64
  [OG.2018.00043]).

  
	
   

  
	
  4. Tatbestandsvoraussetzungen

  
	
  4.1. Gemäss Art. 117 StGB
  wird bestraft, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Der Tatbestand
  setzt den Tod einer Person, eine Sorgfaltspflichtverletzung und den
  Kausalzusammenhang zwischen Tod und Sorgfaltswidrigkeit voraus (BGer
  6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018, E. 3.3. m.w.H.). Nach Art. 12
  Abs. 3 StGB handelt fahrlässig, wer die Folge seines Verhaltens aus
  pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht
  nimmt (Satz 1). Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn die beschuldigte
  Person die Vorsicht nicht beachtet, zu der sie nach den Umständen und nach
  ihren persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Satz 2). Fahrlässige
  Tötung kann auch durch Unterlassen begangen werden. Es handelt sich um ein
  unechtes Unterlassungsdelikt. Pflichtwidrig untätig bleibt, wer die
  Gefährdung oder Verletzung eines strafrechtlich geschützten Rechtsgutes nicht
  verhindert, obwohl er aufgrund seiner Rechtsstellung dazu verpflichtet ist
  (Art. 11 Abs. 2 StGB).

  
	
   

  
	
  4.2. Ein Schuldspruch
  wegen fahrlässiger Tötung setzt also voraus, dass der Täter den
  "Erfolg" durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat.
  Dies ist der Fall, wenn er im Zeitpunkt der Tat auf Grund der Umstände sowie
  seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers
  hätte erkennen können und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten
  Risikos überschritten hat. Wo besondere, der Unfallverhütung und der
  Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich
  das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen
  Vorschriften. Fehlen solche, kann auf analoge Regeln privater oder
  halbprivater Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese allgemein
  anerkannt sind. Dies schliesst nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit
  auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz
  gestützt werden kann. Denn einerseits begründet nicht jeder Verstoss gegen
  eine gesetzliche oder für bestimmte Tätigkeiten allgemein anerkannte
  Verhaltensnorm den Vorwurf der Fahrlässigkeit, und andererseits kann ein
  Verhalten sorgfaltswidrig sein, auch wenn nicht gegen eine bestimmte
  Verhaltensnorm verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet
  ist, wird letztlich durch die konkreten Umstände und seine persönlichen
  Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen
  Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können. Grundsätzlich gilt, dass
  derjenige, der einen Gefahrenbereich schafft, die davon ausgehenden Gefahren
  zu kontrollieren und zu verhindern hat, dass dadurch Schädigungen fremder
  Rechtsgüter entstehen. Grenze dieser Sicherungspflicht bildet insbesondere
  die Zumutbarkeit. Schutzmassnahmen können nur im Rahmen des nach der
  Verkehrsübung Erforderlichen und Möglichen verlangt werden (BGer 6B_261/2018
  vom 28. Januar 2019, E. 5.1. und BGE 135 IV 56, E. 2.1, je
  m.w.H.).

  
	
  Grundvoraussetzung einer
  Sorgfaltspflichtverletzung und mithin der Fahrlässigkeitshaftung bildet die
  Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe
  müssen für den Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar
  sein. Diese Frage beantwortet sich nach dem Massstab der Adäquanz. Danach
  muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und
  den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen
  oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz
  aussergewöhnliche Umstände, wie beispielsweise das Mitverschulden des Opfers
  beziehungsweise eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als
  Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und
  die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste
  Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren
  – namentlich das Verhalten des Beschuldigten – in den Hintergrund drängen.
  Mit anderen Worten wird der adäquate Kausalzusammenhang unterbrochen, wenn zu
  einer an sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen
  derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass erstere nach wertender
  Betrachtungsweise als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint; entscheidend
  ist die Intensität der beiden Ursachen. Ob ein adäquater Kausalzusammenhang
  vorliegt, beurteilt sich nach einem objektiven Massstab, d.h. aus der
  Perspektive eines neutralen unbeteiligten Beobachters (BGer 6B_280/2018 vom
  24. Oktober 2018, E. 3.7., BGE 135 IV 56, E. 2.1 und BGer
  6S.262/2006 vom 23. Oktober 2006, E. 2.1, je m.w.H.).

  
	
  Der Erfolg muss zudem vermeidbar
  gewesen sein. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und
  geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben
  wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters
  mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs
  bildete (BGer 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018, E. 3.3. f.
  m.w.H.).

  
	
   

  
	
  4.3. Die Bemessung der
  Sorgfaltspflicht macht eine Abgrenzung der Verantwortungsbereiche
  erforderlich. Das gilt namentlich dort, wo der Rechtsgutträger bewusst ein
  erhöhtes Risiko eingeht und sich einer Gefährdung aussetzt (BGE 134 IV 149,
  E. 4.3).

  
	
  In diesem Zusammenhang
  unterscheiden Rechtsprechung und Lehre zwischen Mitwirkung an fremder
  Selbstgefährdung und einverständlicher Fremdgefährdung. Blosse Mitwirkung an
  fremder Selbstgefährdung liegt vor, wenn der Rechtsgutträger sich bewusst und
  freiverantwortlich einer bestimmten Gefahr für seine Rechtsgüter aussetzt und
  der andere diese Selbstgefährdung lediglich ermöglicht, veranlasst oder
  unterstützt. Einverständliche Fremdgefährdung ist demgegenüber gegeben, wenn
  der Rechtsgutträger sich im Bewusstsein des Risikos durch einen anderen
  gefährden lässt. Die Abgrenzung erfolgt nach dem Kriterium der Tatherrschaft.
  Danach ist zu fragen, ob der Rechtsgutträger das Tatgeschehen derart
  beherrscht, dass er darin jederzeit und bis zuletzt steuernd einzugreifen
  vermag, oder aber das Gefährdungsgeschehen in den Händen des Dritten liegt
  (BGE 134 IV 149, E. 4.4 m.w.H.).

  Die eigenverantwortliche Selbstgefährdung fällt nicht unter den Tatbestand
  eines Körperverletzungs- oder Tötungsdelikts. Wer lediglich eine solche
  Selbstgefährdung veranlasst, ermöglicht oder fördert, macht sich
  grundsätzlich ebenfalls nicht strafbar, wenn das mit der Gefährdung bewusst
  eingegangene Risiko sich realisiert. Solche Erfolge werden nicht vom
  Schutzzweck der Tötungs- und Körperverletzungstatbestände gedeckt. Die
  Straflosigkeit der Mitwirkung an fremder Selbstgefährdung leitet sich ab aus
  der Straflosigkeit des Suizids und – vorbehältlich Art. 115 StGB – der
  Teilnahme hierzu. Wenn schon die Teilnahme an einer Selbsttötung und auch an
  einer vorsätzlichen Selbstverletzung straflos bleibt, kann umso weniger die
  Mitwirkung an fremder Selbstgefährdung strafbar sein. Dahinter steht die
  normative Wertentscheidung, dass kein Grund besteht, die Handlungsfreiheit
  einzuschränken, solange niemand gegen seinen Willen gefährdet wird (BGE 134
  IV 149, E. 4.5 m.w.H.).

  Die Straflosigkeit der Mitwirkung
  an fremder Selbstgefährdung findet ihre Grenze jedoch dort, wo der
  Veranlasser oder Förderer das Risiko kraft überlegenen Sachwissens besser
  erfasst oder erkennt, dass das Opfer die Tragweite seines Entschlusses nicht
  überblickt. In diesem Fall schafft er ein Risiko, das vom Willen des Opfers
  nicht mehr gedeckt und dessen Verwirklichung daher dem Mitwirkenden
  zuzurechnen ist (BGer 6B_221/2009, 6B_222/2009, 6B_223/2009, 6B_231/2009 vom
  2. September 2009, E. 5.3, und BGE 134 IV 149, E. 4.3 ff., je
  m.w.H.).

  
	
   

  
	
  4.4. Ein fahrlässiges
  Erfolgsdelikt kann auch durch pflichtwidriges Unterlassen (Art. 11 StGB) verübt werden, wenn
  der Täter einer Rechtspflicht, die sich aus seiner Garantenstellung ergibt,
  nicht nachgekommen ist. Der Unterschied zwischen Unterlassung und Begehung
  einer Handlung ist jedoch nicht immer leicht erkennbar; oft kann man sich
  fragen, ob man dem Täter vorwerfen muss, auf eine Weise gehandelt zu haben,
  wie er nicht hätte handeln dürfen, oder nicht gehandelt zu haben, obwohl er
  hätte handeln müssen. Die Abgrenzung zwischen Handlung und Unterlassung ist
  im Zweifelsfall nach dem Subsidiaritätsprinzip vorzunehmen, und es ist immer
  dann von einem Begehungsdelikt auszugehen, wenn dem Täter ein aktives Tun
  vorgeworfen werden muss. Diese Unterscheidung ist hinsichtlich der besonderen
  Tatbestandsmerkmale des Unterlassungsdelikts, namentlich der Garantenpflicht,
  von Bedeutung (BGer 6B_90/2014 vom 29. Januar 2015, E. 4.2. und BGE 129
  IV 119 = Pra 2003 Nr. 165, E. 2.2 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  5. Beurteilung

  
	
  5.1. Den Beschuldigten
  wird in der Anklageschrift vorgeworfen, nach Ausheben der Sickergrube die
  Verantwortung für deren Sicherung unzulässigerweise an X.______ übertragen
  und sich in der Folge auch nicht vergewissert zu haben, ob dieser die
  Absicherung vornahm (vgl. vorne, E. III.1.2. f.). Damit wird den
  Beschuldigten hauptsächlich ein aktives Tun (Ausheben der Sickergrube,
  Delegation der Absicherung) und nur ergänzend eine Unterlassung
  (ausgebliebene Vollzugskontrolle) zur Last gelegt. Am Ursprung des Unfalls
  von X.______ steht die von den Beschuldigten ausgehobene Sickergrube und
  deren Einverständnis, dass jener die Absicherung selber vornimmt. Das den
  Beschuldigten vorgeworfene Verhalten ist daher nach dem für die Abgrenzung
  massgebenden Subsidiaritätsprinzip (vgl. soeben, E. IV.4.4.) als Tun und
  nicht als Unterlassen zu qualifizieren. Es geht hier also um ein fahrlässiges
  Handlungsdelikt und nicht um ein fahrlässiges Unterlassungsdelikt (vgl. auch
  die ähnlichen Fallkonstellationen in BGer 6B_74/2013 vom 19. März 2013,
  E. 3.3, BGer 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013, E. 3.3.3., BGer 6B_604/2012
  vom 16. Januar 2014, E. 4.4.4., und BGE 129 IV 119 = Pra 2003 Nr. 165,
  E. 2.2).

  
	
   

  
	
  5.2.

  
	
  5.2.1. Indem X.______
  erklärte, die Absperrung um die von den Beschuldigten erstellte Sickergrube
  selber vorzunehmen und am Nachmittag des 12. Juli 2014 daran war, dies
  mittels Montage eines Schafszaunes umzusetzen, lag die Herrschaft über das
  unmittelbar zu dessen Tod führende Geschehen bei ihm selbst. Er hatte es
  jederzeit und bis zuletzt in der Hand, seine Zusage, die Absicherung der
  Sickergrube auszuführen, zurückzuziehen bzw. die Absicherungsarbeiten nicht
  an die Hand zu nehmen oder abzubrechen sowie zu verlangen, dass die
  Beschuldigten selber eine entsprechende Grubensicherung anbringen. Die
  Beschuldigten haben nicht direkt auf den Verstorbenen eingewirkt, sondern
  waren am Geschehensablauf "nur" insoweit beteiligt, als dass sie
  die Sickergrube ausgehoben und sich damit einverstanden erklärt haben, dass
  X.______ deren Absicherung vornimmt. Dadurch haben sie X.______ nicht
  unmittelbar gefährdet, sondern dessen eigene Selbstgefährdung
  "bloss" unterstützt bzw. ermöglicht (zu den Beteiligungsformen
  "ermöglichen", unterstützen" und "veranlassen" im
  Einzelnen vgl. Jetzer, Einverständliche Fremdgefährdung im Strafrecht –
  Zugleich ein Beitrag zur Mitwirkung an Selbstgefährdung, LBR Nr. 96, Zürich
  2015, N 96 ff.). Demzufolge liegt ein Fall von Mitwirkung (durch
  aktives Tun, vgl. soeben, E. IV.5.1.) an eigenverantwortlicher
  Selbstgefährdung (vgl. vorne, E. IV.4.3.) vor.

  
	
   

  
	
  5.2.2. Wie vorne
  (E. III.2.2.) erwähnt, handelte es sich bei X.______ um einen
  Schafbauer, der seit längerer Zeit Schafe auf der Wiese, auf der sich die
  Sickergrube befand, weiden liess und im Zäunen geübt sowie erfahren war.
  Ferner war X.______ am Ende der Aushubarbeiten für die Sickergrube vor Ort
  zugegen (vgl. act. 2 S. 3 [SG.2017.00109] Ziff. 1
  Abs. 2). Er sah die Grube und deren Beschaffenheit, Lage sowie Ausmass
  also nicht nur in bis über den Rand mit Wasser gefülltem, sondern auch in
  leerem, frisch ausgehobenem Zustand. Unter diesen Umständen trat X.______ das
  Risiko, beim Zäunen um die rund zwei Meter tiefe Sickergrube herum
  auszugleiten und sich zu verletzen oder (insbesondere angesichts der grossen
  Wassermenge) gar den Tod zu finden, klar und deutlich vor Augen.

  
	
  Dennoch ging er von sich aus die
  beiden Beschuldigten mit dem Wunsch an, die Absperrung um die Sickergrube
  selber vornehmen zu wollen (vgl. act. 2 S. 3 [SG.2017.00109]
  Ziff. 1 Abs. 2), und hielt auch noch am 12. Juli 2014, als die
  Grube mit Wasser ge- bzw. überfüllt war, daran fest, indem er an jenem Nachmittag
  bei der Sickergrube mit Zäunen begann (vgl. act. 2 S. 3
  [SG.2017.00109] Ziff. 1 Abs. 3). Bei dieser Sachlage ist nicht zu
  erkennen, inwiefern er die Tragweite seines Entschlusses nicht überblickt
  hätte oder seine Willensbildung sonstwie mangelhaft gewesen wäre. Indem er
  trotz Gefahrenbewusstseins sowie Risikokenntnis und infolge
  zwischenzeitlicher Regenfälle gegenüber dem Tag des Aushubs der Sickergrube
  erhöhter Gefahr das Zäunen in Angriff nahm, setzte er sich willentlich und
  frei verantwortlich einer Selbstgefährdung aus.

  
	
   

  
	
  5.3.

  
	
  5.3.1. Die
  Staatsanwaltschaft macht in ihrer Berufungsbegründung geltend, eine
  Straflosigkeit wegen Mitwirkung an eigenverantwortlicher Selbstgefährdung
  entfalle, weil die Beschuldigten "aufgrund ihrer baukundigen Sachkompetenz"
  die Gefahren besser gekannt hätten als X.______ (act. 13 [OG.2018.00044]
  Rz. III.6 und act. 60 [OG.2018.00043] Rz. III.10).

  
	
   

  
	
  5.3.2. Dieser Einwand ist
  nicht stichhaltig. Denn entscheidend kann nicht sein, ob die Mitwirkenden
  mehr wissen als der sich selbst Gefährdende, sondern ob Letzterer genug
  weiss, um seine Rechtsgüter eigenverantwortlich gefährden zu können. Solange
  der sich selbst Gefährdende die Gefahr hinreichend erkannt hat, ist die
  Verantwortung für die Verwirklichung des Risiko diesem zuzuschreiben. In
  diesem Fall handelt er eigenverantwortlich und es ist irrelevant, ob der
  Mitwirkende die Gefahr besser erkannt hat. Wenn jedoch der sich selbst
  Gefährdende die Gefahr nicht hinreichend (und nicht bloss schlechter als die
  Mitwirkenden) erkannt hat, so handelt er nicht eigenverantwortlich. Diesfalls
  fällt der Erfolg in den Verantwortungsbereich der Mitwirkenden, sofern diese
  die unzureichenden Kenntnisse des sich selbst Gefährdenden in Bezug auf das
  Risiko erkannt haben und ihre Kenntnisse diejenigen des sich selbst
  Gefährdenden in Bezug auf das Risiko übersteigen. Der Wissensvorsprung der
  Mitwirkenden muss sich also sowohl auf das Wissensdefizit des Opfers als auch
  auf das Risiko beziehen, und zwar auf dasjenige, das sich im tatbestandsmässigen
  Erfolg realisiert hat (zum Ganzen: Jetzer, a.a.O., N 79 ff., v.a.
  N 80 und N 92-94 sowie Schwarzenegger/Gurt, BSK StGB I,
  Art. 117 N 4, je m.w.H.).

  Da X.______ – wie erwähnt (E. IV.5.2.2.) – Lage, Ausmass und
  Beschaffenheit der Sickergrube auch in nicht mit Wasser gefülltem Zustand,
  nämlich unmittelbar nach deren Aushub und somit in gleicher Weise wie die
  Beschuldigten, sah, ist nicht auszumachen, dass und inwiefern er die Gefahr,
  die von der Sickergrube für ihn als die Umzäunung anbringende Person ausgeht,
  nicht hinreichend erkannt hat. Dies, zumal es sich bei ihm um einen im Zäunen
  erfahrenen Schafbauer handelt, der zudem den die Grube umgebenden Untergrund
  – auch in nassem Zustand – kannte, weil er das dortige Wiesland seit längerer
  Zeit mit seinen Schafen bewirtschaftete. Aufgrund ebendieser Erfahrung als
  Schafbauer wusste er zweifellos auch, dass bei nassem Untergrund ein erhöhtes
  Risiko besteht, auszugleiten. Aus all diesen Gründen lässt sich auch nicht
  sagen, dass das Bauwissen der Beschuldigten dem "Schafbauerwissen"
  von X.______ in Bezug auf das beim hier interessierenden Zäunen herrschende
  Absturzrisiko (Lebensgefahr) durch Ausgleiten überlegen war bzw. dass Erstere
  dieses Risiko besser erfasst hatten als Letzterer. Da der sich selbst
  Gefährdende X.______ dieses Risiko also jedenfalls im selben Mass wie die
  mitwirkenden Beschuldigten übersah, bleibt diese Mitwirkung der Beschuldigten
  straflos (vgl. vorne, E. IV.4.3. und z.B. BGE 131 IV 1, E. 3.3).

  
	
   

  
	
  5.4.

  
	
  5.4.1. Weiter bringt die
  Staatsanwaltschaft vor, einer die Strafbarkeit der Beschuldigten
  ausschliessenden eigenverantwortlichen Selbstgefährdung stehe entgegen, dass
  diese gegenüber X.______ gestützt auf Art. 11 Abs. 2 lit. d
  StGB (Ingerenz) ein Garantenstellung innegehabt hätten (act. 13 [OG.2018.00044]
  Rz. III.6 und act. 60 [OG.2018.00043] Rz. III.10).

  
	
   

  
	
  5.4.2. Indes haben die
  Beschuldigten – wie vorne dargelegt (E. IV.5.1.) – an der
  Selbstgefährdung durch aktives Tun mitgewirkt. Es steht also nicht ein
  Unterlassungsdelikt zur Diskussion. Demzufolge stellt sich die Frage, ob eine
  Garantenpflicht die Straflosigkeit der Mitwirkung an einer
  eigenverantwortlichen Selbstgefährdung zu verdrängen mag, vorliegend gar
  nicht (BGE 134 IV 149, E. 5.1; vgl. auch Jetzer, a.a.O., N 100).

  
	
   

  
	
  5.4.3. Im Übrigen führte
  das Bundesgericht zwar in der Tat im Jahr 1999 in einem obiter dictum aus,
  dass der Verletzungserfolg dem Mitwirkenden objektiv zuzurechnen sei, wenn er
  eine Garantenstellung zugunsten des sich selbst Gefährdenden innehabe (BGE
  125 IV 189, E. 3.a). In später ergangenen Bundesgerichtsentscheiden zu
  den Grenzen der Mitwirkung an fremder eigenverantwortlicher Selbstgefährdung
  findet sich diese Wendung jedoch nicht mehr (vgl. BGE 131 IV 1, E. 3.3,
  BGE 134 IV 149, E. 4.5, und BGer 6B_221/2009, 6B_222/2009, 6B_223/2009,
  6B_231/2009 vom 2. September 2009, E. 5.3). Vielmehr hielt das Bundesgericht
  in BGE 134 IV 149, E. 5.1, ausdrücklich fest, dass dort, wo die
  Mitwirkung an eigenverantwortlicher Selbstgefährdung nach den dargelegten
  Grundsätzen (vgl. vorne, E. IV.4.3.) straflos bleibt, "auch der
  Umweg über ein gefährliches Vorverhalten (Ingerenz) nicht zur
  Erfolgsabwendungspflicht und Unterlassungshaftung des Mitwirkenden führen
  kann, was allgemein anerkannt ist" (siehe auch Jetzer, a.a.O.,
  N 106 f., N 126, sowie Donatsch/Tag, Verbrechenslehre,
  9. Aufl., Zürich 2013, S. 320).

  
	
  Dem ist auch für den vorliegenden
  Fall beizupflichten. Ausserdem ist in diesem Zusammenhang Folgendes zu
  beachten: Nach dem von der Staatsanwaltschaft angerufenen Art. 11
  Abs. 2 lit. d StGB bzw. nach ständiger Rechtsprechung ist, wer
  einen gefährlichen Zustand schafft, verpflichtet, die durch die Umstände
  gebotenen Vorsichtsmassnahmen zu treffen, um den Eintritt eines Schadens zu
  verhindern. Verlangt sind Massnahmen, die geeignet sind, den voraussehbaren
  Folgen der Untätigkeit, d.h. den Wirkungen bzw. Schäden, die man in Anwendung
  der Theorie der adäquaten Kausalität auf die vorausgehende Handlung
  zurückführen kann, vorzubeugen (BGE 134 IV 255 = Pra 2009 Nr. 25, E. 4.2.2;
  BGer 6B_885/2013 vom 24. März 2014, E. 2.6.). Im vorliegenden Fall
  schufen die Beschuldigten, indem sie die Sickergrube aushoben, eine
  erkennbare Gefahr für das Leben und die körperliche Integrität von sich an
  jener Stelle allenfalls aufhaltenden Personen. Denn nach der allgemeinen
  Erfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge ist eine solche Sickergrube
  geeignet, Unfälle durch Hineinfallen in diese zu verursachen. Die
  Beschuldigten mussten daher die effektiven Massnahmen ergreifen, damit die
  Gefahr von Unfällen, die sie geschaffen hatten, sich nicht verwirklicht. Sie
  waren also insbesondere verpflichtet, die Sickergrube abzusperren. X.______
  gab nun zum Schuss der Aushubarbeiten an der Sickergrube gegenüber den
  Beschuldigten an, diese Absperrung selber vorzunehmen und er verunfallte
  exakt bei Vornahme dieser geforderten Schutzmassnahmen, indem er anlässlich
  der Montage des Zaunes ausglitt und in die Sickergrube fiel (vgl. act. 2
  S. 3 [SG.2017.00109] Ziff. 1 Abs. 2 f.). X.______
  übernahm somit von den Beschuldigten – willentlich, freiwillig und in
  Kenntnis der Risiken (vgl. vorne, E. IV.5.2.1.-5.3.2.) – die Pflicht zur
  Sicherung der Sickergrube und verunfallte just bei Ausführung dieser
  Sicherungsarbeiten. Es lässt sich folglich nicht sagen, dass in dieser
  Situation in Bezug auf X.______ eine Garantenpflicht der Beschuldigten
  wirkte, sondern X.______ übernahm (spätestens) bei Inangriffnahme des Zäunens
  faktisch die Garantenstellung von den Beschuldigten. Sein
  eigenverantwortliches Handeln verdrängt die (vorherige) Garantenstellung der
  Beschuldigten (vgl. auch Jetzer, a.a.O., N 108).

  
	
  Nur der Vollständigkeit halber
  anzufügen ist, dass eine solche Übertragung der Sicherung der Gefahrenquelle
  zulässig ist – sei es auf vertraglicher (BGE 141 IV 249, E. 1.4.1
  m.w.H.), sei es sonstwie auf freiwilliger Basis (Donatsch/Tag, a.a.O.,
  S. 317). In einem derartigen Fall von Kompetenzdelegation
  ("vertikale" Arbeitsteilung) darf, wer einer Hilfsperson eine
  Aufgabe überträgt, darauf vertrauen, dass diese die Aufgabe korrekt erfüllt.
  Die Sorgfaltspflicht des Delegierenden reduziert sich darauf, eine für die
  Aufgabe geeignete Hilfsperson auszuwählen, dieser die nötigen Instruktionen
  zu erteilen und sie gehörig zu überwachen (cura in eligendo, instruendo et
  custodiendo; BGer 6B_1065/2013 vom 23. Juni 2014, E. 1.1, und BGer
  6B_301/2010 vom 30. November 2010, E. 2.4.1, je m.w.H.).

  
	
  Vorliegend durften die
  Beschuldigten davon ausgehen, dass X.______ aufgrund seiner Kenntnisse und
  Erfahrung als Schafbauer (der Beschuldigte A.______ wusste, dass diesem die
  Wiese zur Bewirtschaftung zusteht [U-act. 2/1 S. 7 Fr. 41 und
  S. 4 Fr. 16], kannte ihn vom Sehen her und hatte schon von ihm
  errichtete Zäune gesehen [U-act. 2/1 S. 4 Fr. 16 i.V.m.
  U-act. 2/5 S. 4 Fr. 26 und S. 5 Fr. 35 {Aussagen von
  [...]}, wonach die Wiese jeweils von Frühjahr bis Sommer umzäunt war]; der
  Beschuldigte B.______ hatte gesehen, wie X.______ auf der Wiese Arbeiten
  verrichtete [U-act. 2/2 S. 4 Fr. 22, S. 7 Fr. 51,
  S. 8 Fr. 56]) – nicht schlechter als sie selbst – in der Lage ist,
  die Umzäunung der Sickergrube auf der von ihm seit längerer Zeit
  bewirtschafteten Wiese gebührend sowie verantwortungsbewusst auszuführen,
  auch wenn die Anforderungen ans Zäunen rund um eine Sickergrube verglichen
  mit dem Zäunen auf durchgängigem Wiesland etwas erhöht sein mögen (so die
  Staatsanwaltschaft in act. 60 [OG.2018.00043] Rz. III.9 und
  act. 13 [OG.2018.00044] Rz. III.5). Der in den Strafbefehlen
  erhobene Vorwurf, dass die Beschuldigten die Absicherung der Sickergrube
  nicht an X.______ hätten übertragen dürfen (act. 2 S. 4
  [SG.2017.00109] Abs. 2; vgl. auch act. 13 [OG.2018.00044]
  Rz. III.4), trifft somit – wie auch die Vorinstanz richtig erwog
  (act. 15 [SG.2017.00109], E. III.2. Abs. 1 f.) – nicht
  zu. Angesichts der Kenntnisse und Erfahrung von X.______ erübrigten sich auch
  ausführliche Anweisungen an diesen sowie eine engmaschige Überwachung
  desselben durch die Beschuldigten (zur gebotenen Intensität der Überwachung
  einer – wie X.______ – die anzuwendenden Vorsichtsmassnahmen kennenden Person
  vgl. z.B. BGer 6B_199/2007 vom 13. Mai 2008, E. 5.2.3). Soweit die
  Staatsanwaltschaft den Beschuldigten in den Strafbefehlen vorwirft, sich
  nicht darum gekümmert zu haben, wie und wann die Absicherung erfolgen wird
  (act. 2 S. 4 [SG.2017.00109] Abs. 2; vgl. auch act. 13
  [OG.2018.00044] Rz. III.4 und act. 60 [OG.2018.00043]
  Rz. III.8) sowie nicht kontrolliert zu haben, ob X.______ diese
  Absicherung tatsächlich vornahm (act. 2 S. 4 [SG.2017.00109]
  Abs. 1), mangelt es zum Vornherein an der Kausalität dieser Vorwürfe von
  Sorgfaltspflichtverletzungen für den eingetretenen Erfolg: X.______ ist
  verunfallt, indem er ausglitt, als er daran war, die Absperrung um die
  Sickergrube zu erstellen. Dieser Geschehensablauf hätte sich genau gleich
  auch dann abspielen können, wenn er die Absperrung anstatt mittels eines
  Schafszauns mittels Bau-Abschrankungen sowie anstatt erst acht Tage nach
  Ausheben der Sickergrube zu einem früheren Zeitpunkt zu errichten begonnen
  hätte. Es erübrigt sich daher, hier auf diese Aspekte näher einzugehen.

  
	
   

  
	
  5.4.4. Ergänzend und
  abschliessend ist festzuhalten, dass es selbst dann, wenn man den
  Beschuldigten Fehler bzw. Sorgfaltspflichtverletzungen anlasten können
  sollte, an einem rechtserheblichen Kausalzusammenhang zwischen diesen und dem
  eingetretenen Erfolg fehlt. Denn dass mit X.______ gerade diejenige – im
  Zäunen erfahrene und kompetente, die örtlichen Verhältnisse sowie die
  Ausmasse der Sickergrube kennende – Person tödlich verunfallt, welche die
  Absicherung um die Sickergrube anbringt, dies durch Ausgleiten während
  ebendieser Absicherungsarbeiten, liegt derart ausserhalb des normalen,
  vorhersehbaren Geschehens sowie der normalen Lebenserfahrung und erscheint
  als derart aussergewöhnlich, dass die Beschuldigten damit schlechthin nicht
  rechnen mussten und konnten. Mit anderen Worten stellt das Ausgleiten von
  X.______ just beim Anbringen der Grubenabsicherung eine Ursache dar, die
  derart schwer wiegt bzw. einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass sie
  als unmittelbarste Ursache des tragischen Ereignisses erscheint und ein
  allfälliges mitverursachendes, sorgfaltspflichtwidriges Verhalten der
  Beschuldigten in den Hintergrund drängt (Unterbrechung eines allfälligen
  Kausalzusammenhangs).

  
	
   

  
	
  6. Fazit zum Tatbestand der
  fahrlässigen Tötung

  
	
  Wie die vorstehenden Ausführungen
  zeigen, erscheint der beim tragischen Unfall vom 12. Juli 2014 in [...]
  eingetretene Verletzungserfolg in strafrechtlicher Hinsicht als
  ausschliesslich durch X.______  in Eigenverantwortung selbst herbeigeführt.
  Es hat sich gerade das mit der Selbstgefährdung eingegangene Risiko
  realisiert. Selbst wenn man aber das Vorliegen einer straflosen Mitwirkung
  der Beschuldigten an eigenverantwortlicher Selbstgefährdung verneinen würde,
  würde dies nicht zu einem Schuldspruch führen. Denn zufolge Unterbrechung des
  Kausalzusammenhangs fehlt es an der Adäquanz einer allfälligen
  Sorgfaltspflichtverletzung der Beschuldigten für den Eintritt des Todes von
  X.______ . Die Beschuldigten sind folglich vom Vorwurf der fahrlässigen
  Tötung im Sinne von Art. 117 StGB freizusprechen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  V.

  Rechtliche Würdigung: Gefährdung durch fahrlässige

  Verletzung der Regeln der Baukunde (Art. 229 Abs. 2 StGB)

  
	
   

  
	
  1. Erwägungen der Vorinstanz

  
	
  1.1. Die Vorinstanz erwog,
  der Beschuldigte A.______ habe den Aushub der Sickergrube in Auftrag gegeben
  und somit einen gefährlichen Zustand geschaffen, wobei er durch die
  Delegation für die Auswahl, Instruktion und Überwachung der Hilfsperson
  verantwortlich gewesen sei. Es dürfte als allgemein anerkannt gelten und habe
  auch A.______ für selbstverständlich gehalten, dass Baugruben, insbesondere
  solche in unmittelbarer Strassennähe, durch eine Absperrung gesichert werden
  müssen.

  
	
  Vom 4. bis am 12. Juli 2014
  sei in Bezug auf völlig unbeteiligte Dritte wie zufällige Passanten, die
  nichts von der Sickergrube gewusst hätten und diese womöglich gar nicht als
  solche hätten wahrnehmen können, eine Gefährdung gegeben gewesen. Dies, weil
  die Sickergrube – abgesehen von einem grossen Stein – zur Strassenseite hin
  ungesichert geblieben sei. Insbesondere aufgrund der Nähe des fraglichen
  Grundstücks zum Bahnhof Nieder- und Oberurnen (recte: [...]) habe A.______
  damit rechnen müssen, dass sich jederzeit jemand der Grube hätte nähern
  könnte. Am Unfalltag sei die Grube sodann nach starken und andauernden
  Regenfällen durch die enorme Wassermenge gar nicht mehr als Grube erkennbar
  gewesen. Um die Gefahr zu verhindern, dass eine beliebige Drittperson hätte
  hineinfallen können, wäre daher eine sofortige Absperrung nötig gewesen.
  Vorliegend habe die Gefährdung während neun Tagen bestanden und diese sei von
  A.______ durch Unterlassen der Instruktion und Überwachung verursacht worden.
  In Bezug auf Dritte, die keine Kenntnis von Bestand, Lage und Ausmass der
  Grube gehabt hätten, entspreche dies einer Sorgfaltspflichtsverletzung. A.______
  sei daher der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde
  im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen (zum Ganzen:
  act. 15 [SG.2017.00109], E. IV.).

  
	
   

  
	
  1.2. Was den zweiten
  Beschuldigten, B.______, anbelangt, erwog die Vorinstanz – wie bereits in
  Bezug auf den Vorwurf der fahrlässigen Tötung – wiederum, dass aufgrund der
  durch A.______ ausgeübten Delegation der Absperrung an X.______ keine ihm
  (B.______) zurechenbare Sorgfaltspflichtverletzung vorliege. Deshalb sei dieser
  vom Vorwurf der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der
  Baukunde im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB freizusprechen (zum
  Ganzen: act. 45 [SG.2017.00109], E. IV.).

  
	
   

  2. Argumentation des
  Beschuldigten A.______

  
	
  Nach Auffassung von A.______ ist
  der Tatbestand von Art. 229 Abs. 2 StGB nicht erfüllt. So habe er
  nicht gegen anerkannte Regeln der Baukunde verstossen. Mass-gebend sei hier
  die Bauarbeitenverordnung (BauAV). Gemäss deren Art. 15 Abs. 1 sei
  bei ungeschützten Stellen mit einer Absturzhöhe von mehr als zwei Metern ein
  Seitenschutz zu verwenden. Vorliegend könne nicht von einer Grubentiefe von
  mehr als zwei Metern ausgegangen werden, womit keine Verletzung anerkannter
  Regeln der Baukunde vorliege.

  
	
  Auch habe keine konkrete
  Gemeingefahr bestanden: Das Areal der Firma Y.______ AG, auf dem die
  Sickergrube ausgehoben worden sei, liege in der Industriezone, wo nicht a
  priori mit Fussgängern zu rechnen sei. In Richtung der Strasse seien ein
  grosser Stein vor der Grube und nebenan zwei Kieshaufen deponiert worden. Die
  Sickergrube habe innerhalb der Wiese gelegen und sei erkennbar gewesen, dass
  das Wasser versickern sollte.

  
	
  Selbst wenn eine Absperrpflicht
  zu bejahen wäre, habe er (A.______) nicht fahrlässig gehandelt. Für ihn habe
  kein objektiver Grund vorgelegen an der umgehenden Errichtung des Schafszauns
  durch X.______  zu zweifeln und diese Errichtung zu überwachen, da dieser
  dies ausdrücklich zugesichert und er schon mehrere von dessen Schafszäunen
  gesehen habe. Auch habe X.______  einen massiveren Zaun als sonst üblich
  aufbauen wollen. Ihm könne unter diesen Umständen nicht vorgeworfen werden,
  unvorsichtig oder rücksichtslos gehandelt zu haben. Insbesondere habe von ihm
  (A.______) nicht erwartet werden können, dass er jede von ihm erteilte Anordnung
  überwache und kontrolliere. Denn er sei damals überwiegend auf einer
  Baustelle im Kanton Graubünden tätig gewesen und die auf dem Firmengelände
  der Y.______ AG gelegene Sickergrube sei weniger als zwei Meter tief gewesen.
  Sodann müsse er sich als Bauleiter im Rahmen des Üblichen darauf verlassen
  können, dass seine Anordnungen auch umgesetzt werden. Er habe auch nicht
  davon ausgehen müssen, dass X.______  die Absicherung der Grube mehrere Tage
  lang nicht an die Hand nehmen werde und so eine Gefahr schaffe bzw. aufrecht
  erhalte, da dieser selber ein Interesse daran gehabt habe, den Schafszaun zu
  errichten. Für X.______  habe auch deshalb klar sein müssen, dass die
  Absicherung umgehend zu erfolgen habe, weil dieser gesehen habe, dass der
  Bauarbeiter B.______ in seinem (A.______) Auftrag sogleich eine solche
  Absicherung habe vornehmen wollen und er (X.______ ) diesen davon abgehalten
  habe. Insgesamt fehle es an einem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen
  seinem (A.______) Verhalten und dem Gefährdungserfolg, da das Verhalten von
  X.______  (während mehrerer Tage ausbleibendes Errichten des Schafzaunes)
  derart aussergewöhnlich gewesen sei, dass er damit nicht habe rechnen müssen
  (zum Ganzen: act. 31 [OG.2018.00040] Rz. 12 ff.).

  
	
   

  
	
  3. Standpunkt der Staatsanwaltschaft

  
	
  3.1. In Beantwortung der
  von A.______ erhobenen Berufung verweist die Staatsanwaltschaft in Bezug auf
  den Tatbestand der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der
  Baukunde auf die Erwägungen der Vorinstanz. Zusätzlich zur sich aus Art. 15
  Abs. 1 BauAV ergebenden Pflicht sei der Beschuldigte aufgrund von
  Art. 11 Abs. 2 lit. d StGB (Garantenpflicht aus Ingerenz)
  verpflichtet gewesen, für Sicherungsmassnahmen besorgt zu sein. Denn die
  Sickergrube, die er habe ausheben lassen, habe leer wie auch mit Wasser
  gefüllt eine erhebliche und unnötige Gefahr für Menschen dargestellt. Diese
  Gefahr habe sich mit dem Tod von X.______ realisiert, weil der Beschuldigte
  über einen erheblichen Zeitraum keine geeigneten Absperrmassnahmen
  vorgenommen bzw. veranlasst habe respektive veranlasste Absperrmassnahmen
  nicht zeitnah überprüft habe.

  Alsdann sei die Delegation der
  Absperrarbeiten an X.______ durch den Beschuldigten – wie im Zusammenhang mit
  dem Tatbestand der fahrlässigen Tötung dargelegt – nicht zulässig gewesen. Ob
  er habe davon ausgehen können, dass jener die Arbeiten zeitnah ausführen
  werde, sei irrelevant. So oder anders hätte er zeitnah überprüfen müssen, ob
  die Sicherung erfolgt sei. Dies habe er pflichtwidrig unterlassen.

  Der Beschuldigte könne sich auch nicht durch Ortsabwesenheit von seinen
  Sorgfaltspflichten entbinden. Im Hinblick auf seine Tätigkeit im Kanton
  Graubünden hätte er umso mehr auf einer sofortigen Absperrung beharren und
  diese kontrollieren müssen. Dass eine ihm nicht unterstellte bzw. nicht
  weisungsgebundene Person anderen Arbeiten zeitliche Priorität einräumen
  könnte, wie auch dass die von dieser Person vorgenommenen Absperrungen
  hinsichtlich der Sicherheit von Menschen ungenügend ausfallen könnten, sei
  für den Beschuldigten sehr wohl vorhersehbar gewesen. Ebenfalls sei
  voraussehbar gewesen, dass letztlich X.______ einer konkreten Gefahr
  ausgesetzt werde (zum Ganzen: act. 41 [OG.2018.00040]
  Rz. III.1 ff., vgl. auch die Ausführungen in act. 13
  [OG.2018.00044] Rz. III.1 ff. zum Tatbestand der fahrlässigen
  Tötung, welche die Staatsanwaltschaft als auch für den hier interessierenden
  Straftatbestand zutreffend bezeichnet).

  
	
   

  
	
  3.2. Zur Begründung ihrer
  Berufung gegen den vorinstanzlichen Freispruch von B.______ vom Vorwurf der
  Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde stützt sich
  die Staatsanwaltschaft auf die bereits im Zusammenhang mit dem Vorwurf der
  fahrlässigen Tötung erwähnten Argumente (vgl. vorne, E. IV.2.).

  
	
   

  
	
  4. Tatbestandsvoraussetzungen

  
	
  4.1. Gemäss Art. 229 Abs.
  2 StGB macht sich eine an einem Bauwerk beteiligte Person der Gefährdung
  durch Verletzung der Regeln der Baukunde strafbar, wenn sie bei der Leitung
  oder Ausführung des Bauwerks oder eines Abbruchs durch eine Handlung oder
  Unterlassung pflichtwidrig anerkannte Regeln der Baukunde ausser Acht lässt
  und dadurch jemanden einer Todes- oder Verletzungsgefahr aussetzt. Dabei
  handelt auch fahrlässig, wer die Gefahr trotz gebotener Sorgfalt nicht
  erkennt. Die Tathandlung gemäss Art. 229 StGB besteht in der Nichtbeachtung
  von anerkannten Regeln der Baukunde bei der Leitung oder Ausführung eines
  Bauwerkes. Der Tatbestand kann sowohl durch aktives unsachgemässes Handeln
  als auch durch Unterlassen gebotener Schutzmassnahmen erfüllt werden (zum
  Ganzen z.B. BGer 6B_516/2009 vom 3. November 2009, E. 3.3.-3.5 und BGE
  90 IV 246, E. 1, je m.w.H.).

  
	
   

  
	
  4.2. Der Tatbestand von
  Art. 229 StGB ist als Erfolgsdelikt konzipiert. Vorausgesetzt ist damit
  insbesondere, dass durch das Nichteinhalten der Regeln der Baukunde Dritte
  einer konkreten Gemeingefahr ausgesetzt werden. Es handelt sich bei diesem
  Tatbestand also um ein konkretes Gefährdungsdelikt. Für die Vollendung der
  Tat wird folglich keine Verletzung eines Rechtsguts verlangt, sondern es
  genügt, wenn ein solches tatsächlich in Gefahr gebracht wird. Vorausgesetzt
  wird eine konkrete Gefahr, die wirklich eingetreten ist. Massgebend für die
  konkrete Gefahr ist also nicht, was alles hätte geschehen können, sondern
  einzig, was sich tatsächlich ereignet hat. Befand sich niemand (oder nur der
  Täter) in der Gefahrenzone oder waren lediglich Sachen gefährdet, entfällt
  die Anwendung von Art. 229 StGB. Da dieser Tatbestand überdies ein
  gemeingefährliches Delikt darstellt, genügt die konkrete Gefährdung einer
  einzigen Person im Sinne der Repräsentationstheorie nur dann, wenn diese
  nicht von vornherein individuell bestimmt, sondern vom Zufall ausgewählt ist
  (zum Ganzen: Roelli, BSK StGB II, Art. 229 N 41 sowie Vor
  Art. 221 N 8 und BGer 6B_779/2009 vom 12. April 2010,
  E. 2.2.1, je m.w.H.; vgl. z.B. auch BGE 109 IV 125).

  
	
   

  
	
  4.3. Auch für eine
  Fahrlässigkeitsstrafbarkeit nach Art. 229 StGB ist erforderlich, dass der
  Gefährdungserfolg für den Beschuldigten voraussehbar war. Dies bestimmt sich
  nach den vorne (E. IV.4.2.) zum Tatbestand der fahrlässigen Tötung
  dargelegten Grundsätzen.

  
	
   

  
	
  5. Anklagegrundsatz

  
	
  5.1. Gemäss dem in Art. 9
  Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift
  den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; vgl. auch Art. 29
  Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK). Das
  Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden
  (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die
  Anklagebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten
  Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu
  umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht
  genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz
  der Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person und garantiert den
  Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Diese muss aus der
  Anklage ersehen können, was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre
  Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Dies bedingt eine zureichende,
  d.h. möglichst kurze, aber genaue (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) Umschreibung
  der Sachverhaltselemente, die für eine Subsumtion unter die anwendbaren
  Straftatbestände erforderlich sind (Ort, Zeit, Art der Begehung und Form der Mitwirkung,
  angestrebter und verwirklichter Erfolg, weitere Folgen der Tatausführung
  u.ä.). Die Darstellung der tatsächlichen Vorgänge ist auf die gesetzlichen
  Tatbestände auszurichten, die nach Auffassung der Anklage als erfüllt zu
  betrachten sind. Entscheidend ist, dass die betroffene Person genau weiss,
  welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich
  qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten
  kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen
  Anschuldigungen konfrontiert zu werden. Ungenauigkeiten sind solange nicht
  von entscheidender Bedeutung, als für die beschuldigte Person keine Zweifel
  darüber bestehen, welches Verhalten ihr angelastet wird (zum Ganzen statt
  vieler z.B. BGer 6B_278/2018 vom 17. Mai 2019, E. 2.2., BGer
  6B_764/2016 vom 24. November 2016, E. 1.3., und BGer 6B_963/2015
  vom 19. Mai 2016, 1.3.2., je m.w.H.). Demgegenüber ist der
  Anklagegrundsatz verletzt, wenn die Anklage nicht diejenigen Umstände anführt,
  die auf das Vorliegen der Kernelemente eines Tatbestandes schliessen lassen
  (Heimgartner/Niggli, BSK StPO, Art. 325 N 37).

  
	
   

  
	
  5.2. Die
  Sachverhaltsumschreibung von Strafbefehlen muss den Anforderungen an eine
  Anklage genügen (Art. 353 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 325 Abs. 1
  lit. f StPO). Mit anderen Worten sind an die Anklageschrift nicht geringere
  Anforderungen zu stellen, wenn sie von einem Strafbefehl herrührt (BGer
  6B_910/2017 vom 29. Dezember 2017, E. 2.4. m.w.H.).

  
	
   

  
	
  6. Beurteilung

  
	
  6.1.

  
	
  6.1.1. Insoweit die
  Staatsanwaltschaft den Straftatbestand von Art. 229 Abs. 2 StGB
  infolge Gefährdung anderer Personen als den tödlich verunfallten X.______
  erfüllt betrachtet, ist zunächst zu prüfen, ob der Anklagegrundsatz
  (Art. 9 StPO; vgl. soeben, E. V.5.) gewahrt ist:

  
	
   

  
	
  6.1.2. Wie aufgezeigt
  (soeben, E. V.4.2.), setzt der Tatbestand von Art. 229 Abs. 2
  StGB eine wirklich eingetretene Gefahr voraus, d.h. es müssen sich
  tatsächlich Personen in der Gefahrenzone befunden haben.

  
	
  Den als Anklageschrift geltenden
  Strafbefehlen (je act. 2 [SG.2017.00108 und SG.2017.00109];
  Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO) lässt sich nicht entnehmen, ob
  dem vorliegend so war. Denn es heisst darin einzig (je S. 4 Abs. 4
  bzw. Abs. 3): "Durch seine Pflichtverletzungen hat der Beschuldigte
  [B.______/A.______] nicht nur anerkannte Regeln der Baukunde (Unterlassen
  gebotener Schutzmassnahmen) verletzt und dadurch den Tod von X.______
  verursacht, sondern auch eine Gefährdung für weitere Personen geschaffen,
  […]". Es fehlen folglich im Strafbefehl Angaben dazu, ob und welche
  (Art von) Personen (z.B. Anwohner, Kunden und Belegschaft von in der Umgebung
  gelegenen Betrieben, usw.) effektiv im Zeitraum zwischen dem 4. Juli
  2014 (Tag, an dem die Sickergrube ausgehoben wurde) und dem 13. Juli 2014
  (Tag nach dem Unfall von X.______ – ab dann war die Sickergrube abgesperrt
  [vgl. U-act. 5/1 und U-act. 1/1 S. 12 Mitte]) auf welche Weise
  (z.B. zu Fuss, mit dem Fahrrad, im Auto, usw.) und wie nahe bei der
  Sickergrube zugegen waren.

  Eine Umschreibung mittels solcher
  Angaben im Strafbefehl wäre aber im vorliegenden Fall insbesondere zur
  effektiven Wahrnehmung der Verteidigungsrechte erforderlich gewesen. Denn es
  liegt auf der Hand, dass sich der Beschuldigte nur dann wirksam verteidigen
  kann, wenn ihm vorgehalten wird, wann (ungefähr) sich welche Art von Personen
  auf welche Weise bei der Sickergrube befanden. So versteht sich etwa von
  selbst, dass es für die Verteidigung einen wesentlichen Unterschied bedeutet,
  ob eine erwachsene Person in einem Auto oder Lastwagen auf der Strasse neben
  der Sickergrube vorbeifuhr oder ob z.B. nahe der Sickergrube Kinder spielten.
  Es ist nun aber mit dem Anklageprinzip (Art.9 StPO) wie auch mit der
  Unschuldsvermutung in ihrer Ausprägung als Beweislastregel (Art. 32 Abs. 1 BV,
  Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO; vgl. z.B. BGer 1B_19/2019 vom
  4. Februar 2019, E. 3.-3.1.) nicht vereinbar, dass der Beschuldigte
  von sich aus gleichsam alle potenziellen Gefährdungsszenarien erahnen und für
  diese "auf Vorrat" Verteidigungsstrategien erarbeiten muss.

  
	
  Nach dem Gesagten ist in Bezug
  auf andere Personen als das Opfer X.______ das objektive Tatbestandselement
  des Gefährdungserfolgs im Strafbefehl nicht genügend umschrieben.

  
	
   

  
	
  6.1.3. Der
  Anklagegrundsatz gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO ist somit – soweit es um
  andere Personen als X.______ geht – in Bezug auf das beim Tatbestand von
  Art. 229 Abs. 2 StGB geltende Tatbestandselement der konkreten
  Gefährdung verletzt (ein dem Anklageprinzip genügendes Beispiel einer Anklage
  bei einem konkreten Gefährdungsdelikt findet sich in BGer 6B_794/2014 vom
  9. Februar 2015, E. 4.2.-4.4.). 

  
	
   

  
	
  6.2.

  
	
  6.2.1. Es kann offen
  bleiben, ob der Strafbefehl damit an einem derart erheblichen Mangel leidet,
  dass die Sache an die Vorinstanz bzw. die Staatsanwaltschaft zur
  Vervollständigung der Anklageschrift zurückzuweisen ist (vgl. dazu einerseits
  BGer 6B_910/2017 vom 29. Dezember 2017, E. 2.4. und BGer
  6B_848/2013 vom 3. April 2014, E. 1.4, sowie andererseits BGer
  6B_963/2015 vom 19. Mai 2016, E. 1.5., je m.w.H.). Die
  Beschuldigten wären nämlich selbst dann vom Vorwurf der Gefährdung durch
  fahrlässige Verletzung von Regeln der Baukunde in Bezug auf andere Personen
  als X.______ freizusprechen, wenn man eine Verletzung des Anklagegrundsatzes
  verneinen würde.

  Denn wie aufgezeigt und von der
  Vorinstanz in den angefochtenen Entscheiden ausser Acht gelassen (vgl.
  act. 45 [SG.2017.00108] E. IV. Abs. 3 bzw. act. 15
  [SG.2017.00109] E. IV. Abs. 4, wo sie erwägt, dass "insbesondere
  Fussgänger […] jederzeit hätten hineinfallen können" bzw. "dass
  sich jederzeit jemand der Grube hätte nähern können"), müsste den
  Beschuldigten insofern für einen Schuldspruch nachgewiesen werden können,
  dass sich effektiv Personen in der Gefahrenzone befunden haben, also eine
  konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 229 Abs. 2 StGB bestand. Ebenfalls
  ungenügend, da eine "bloss" abstrakte Gefährdungssituation
  beschlagend, ist somit das Vorbringen der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz
  (act. 27 [ SG.2017.00108], S. 7 oben), wonach eine Gefährdung von
  Menschen offensichtlich sei, sei doch nicht auszudenken, was hätte passieren
  können, wenn spielende Kinder in die "Riesenpfütze" hätten springen
  wollen. Auch im Berufungsverfahren machte die Staatsanwaltschaft eine
  konkrete Gefährdung (und Verletzung) einzig in Bezug auf X.______, nicht aber
  in Bezug auf andere Personen geltend (vgl. act. 41 [OG.2018.00040],
  S. 5 f. Rz. 14, 19, 21 sowie act. 60 [OG.2018.00043]).

  Der soeben erwähnte Beweis, dass sich effektiv andere Personen als X.______
  in der Gefahrenzone befanden, ist nicht erbracht:

  
	
   

  
	
  6.2.2. Bezüglich dieses
  Beweisthemas fallen als Beweismittel im Wesentlichen die bei den Akten
  liegenden Protokolle der durchgeführten polizeilichen, staatsanwaltlichen und
  gerichtlichen Einvernahmen des Beschuldigten A.______ (U-act. 2/1 und
  2/11; act. 25 [SG.2017.00108]), des Beschuldigten B.______
  (U-act. 2/2 und 2/9; act. 24 [SG.2017.00108]) sowie der
  Auskunftspersonen [...] (Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrats
  der Y.______ AG; U-act. 2/3) und [...] (Anwohner; U-act. 2/5), in
  Betracht. Hindernisse bezüglich deren Verwertbarkeit (auch) zu Lasten des
  Beschuldigten sind keine ersichtlich.

  
	
   

  
	
  6.2.3. Aufgrund dieser
  Beweismittel ist indes eine konkrete Gefährdung nicht bewiesen.

  So machten die Beschuldigten A.______ und B.______ lediglich Aussagen zu
  Möglichkeiten abstrakter Gefährdung (vgl. U-act. 2/1 S. 8
  Fr. 47 [Antwort von A.______ auf die Frage, ob der fragliche Bereich
  stark durch Fussgänger frequentiert sei: Solche hätten auf diesem Areal der Y.______
  AG eigentlich nichts zu suchen]; U-act. 2/2 S. 5 Fr. 30 und
  U-act. 2/9 S. 3 Fr. 6: Bemerkung von B.______, dass wenn sein
  Sohn dabei gewesen wäre, er bezüglich der Sicherheit Bedenken gehabt hätte,
  da jedes ausgegrabene Loch ein Sicherheitsrisiko darstelle; U-act. 2/2
  S. 6 Fr. 35, wonach die Gefahr, dass jemand in die Grube fallen
  könnte, bestanden habe; U-act. 2/9 S. 3 Fr. 8, wonach sich ein
  Wohnhaus in der Nähe der Sickergrube befinde; vgl. auch U-act. 2/9
  S. 5 Erg.fr. 3).

  Die Auskunftsperson [...]
  äusserte sich als Vorgesetzter der Beschuldigten vor allem zu Aspekten der
  Arbeitsorganisation und der Baustellensicherheit, nicht aber dazu, ob und
  inwiefern sich im Gefahrenbereich jemals Personen befanden vgl.
  U-act. 2/3).

  Anwohner [...] erklärte, als er
  am 12. Juli 2014 um zirka 15:30 Uhr X.______ auf dem Wiesland beim
  Errichten eines Schafzaunes gesehen habe, habe sich abgesehen von diesem
  niemand dort befunden und ausser dessen sowie seinen eigenen Fahrzeugen seien
  um das öffentlich zugängliche Grundstück auch keine Fahrzeuge abgestellt
  gewesen (U-act. 2/5 S. 2 Fr. 4, Fr. 7, Fr. 27).
  Bevor es stark geregnet habe, habe man die Sickergrube von weitem gut
  erkennen können (U-act. 2/5 S. 4 Fr. 22 f.). Für ihn
  persönlich habe keine Gefahr bestanden (U-act. 2/5 S. 4
  Fr. 25). Kinder spielten an dieser Örtlichkeit keine (U-act. 2/5
  S. 5 Fr. 30 f.). Aus all diesen Aussagen von [...] ergeben
  sich keine Hinweise dafür, dass Leib und/oder Leben von Mitmenschen im Sinne
  von Art. 229 StGB konkret gefährdet gewesen wären.

  
	
  Dasselbe gilt in Bezug auf die
  weitere Aussage von [...], wonach die angrenzende [...]-strasse normal
  frequentiert sei und – auch nachts – von Fussgängern, Radfahrern und
  Automobilisten benutzt werde (U-act. 2/5 S. 5 Fr. 29).
  Zunächst ist dies Aussage allzu allgemein gehalten, als dass daraus auf eine
  konkrete Gefährdungssituation geschlossen werden könnte. Vor allem aber führt
  die – asphaltierte – [...]-strasse nicht direkt am Wiesland vorbei, an dessen
  Rand die Sickergrube lag. Vielmehr liegt zwischen der [...]-strasse und der
  Sickergrube eine Distanz von deutlich mehr als einer Strassenbreite (vgl.
  U-act. 4/1 S. 1, S. 5 oben und S. 6, U-act. 4/2,
  U-act. 2/6, U-act. 2/12/4 und U-act. 2/12/7). Damit ist
  offenkundig, dass für sich auf der [...]-strasse bewegende Personen von der
  Sickergrube keine Gefahr ausging. Der – nicht asphaltierte, sondern mit Kies
  bedeckte – Bereich zwischen der [...]-strasse und der Sickergrube dient
  vielmehr einzig der Zufahrt zur von [...] bewohnten Liegenschaft
  "[...]" (vgl. U-act. 4/1 S. 1 und S. 5 unten; vgl. auch
  U-act. 2/3 S. 4 Fr. 19). In Bezug auf diesen Zufahrtsweg ist
  aufgrund der bei den Akten liegenden Beweismittel keine stattgefundene
  konkrete Gefährdung von Personen bewiesen. Im Gegenteil ist angesichts der vorhin
  zitierten weiteren Aussagen von [...] erstellt, dass dessen Leib und Leben
  nicht konkret gefährdet war und sich auch nicht etwa spielende Kinder im
  Gefahrenbereich aufhielten.

  
	
   

  
	
  6.2.4. Nach dem Gesagten
  ist aufgrund der bei den Akten liegenden Beweismittel nicht erstellt, dass
  sich im Zeitraum zwischen dem 4. Juli 2014 (Aushub der Sickergrube) und
  dem 13. Juli 2014 (Absperrung der Sickergrube) – abgesehen von X.______
  – tatsächlich Personen so nahe bei der Sickergrube befanden, dass deren Leib
  und Leben konkret gefährdet wurde. Damit ist in Bezug auf andere Personen als
  X.______ jedenfalls die Tatbestandsvoraussetzung der konkreten Gefährdung
  nicht erfüllt. Die Beschuldigten sind folglich insofern vom Vorwurf der Gefährdung
  durch fahrlässige Verletzung von Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229
  Abs. 2 StGB freizusprechen.

  
	
   

  
	
  6.3.

  
	
  6.3.1. Insoweit sich der
  Gefährdungserfolg auf den tödlich verunfallten X.______ bezieht (die
  Vorinstanz bezog sich bei ihrem Schuldspruch ausschliesslich auf andere
  Personen als X.______, vgl. act. 15 [SG.2017.00109], E. IV.
  Abs. 4: "völlig unbeteiligte Dritte"), kommt eine Strafbarkeit
  der Beschuldigten nach Art. 229 Abs. 2 StGB ebenfalls nicht in Frage:

  
	
   

  
	
  6.3.2. X.______
  vereinbarte mit den Beschuldigten, die Absperrarbeiten an der Sickergrube
  selber vorzunehmen und insofern gleichsam "im Dienste" der
  Beschuldigten Garantenpflichten zu übernehmen (vgl. vorne,
  E. IV.5.4.3.). Damit handelt es sich bei diesem nicht um einen im Sinne
  der Repräsentationstheorie (vgl. vorne, E. V.4.2.) unbeteiligten
  Dritten, der im Verhältnis zu den Beschuldigten vom Zufall ausgewählt ist und
  als Repräsentant der Allgemeinheit erscheint (vgl. hierzu statt vieler
  Riklin, in Stöckli/Siegenthaler [Hrsg.], Die Planerverträge – Verträge mit
  Architekten und Ingenieuren, Zürich 2013, N 19.37). Vielmehr war
  X.______ eine zum Voraus bestimmte, am Geschehen beteiligte Person. Der
  Straftatbestand von Art. 229 Abs. 2 StGB ist daher mangels
  Gemeingefahr nicht anwendbar. Eine Strafbarkeit wegen Versuchs fällt bei der
  hier einzig interessierenden Tatbestandsvariante der fahrlässigen
  Deliktsbegehung (Art. 229 Abs. 2 StGB) ausser Betracht (vgl. z.B.
  BGer 6B_410/2015 vom 28. Oktober 2015, E. 1.4.1.).

  
	
   

  
	
  6.3.3. Ausserdem ist aus
  denselben Gründen wie vorne zum Tatbestand der fahrlässigen Tötung dargelegt
  (E. IV.5.4.4.), auch in Bezug auf den Tatbestand der Gefährdung durch
  fahrlässige Verletzung von Regeln der Baukunde kein adäquater
  Kausalzusammenhang zwischen allfälligen Sorgfaltspflichtsverletzungen der
  Beschuldigten bzw. zwischen deren allfälligen Nichtbeachtens anerkannter
  Regeln der Baukunde und dem Tod von X.______ gegeben.

  
	
   

  
	
  7. Fazit zum Tatbestand von
  Art. 229 Abs. 2 StGB

  
	
  Wie sich aus den vorstehenden
  Erwägungen ergibt, sind die Beschuldigten nicht nur vom Vorwurf der fahrlässigen
  Tötung im Sinne von Art. 117 StGB, sondern auch vom Vorwurf der Gefährdung
  durch fahrlässige Verletzung von Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 229
  Abs. 2 StGB freizusprechen.

  
	
   

  
	
  VI.

  Beschlagnahmte Gegenstände

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Im Endentscheid ist über das Schicksal
  beschlagnahmter Gegenstände und Vermögenswerte zu entscheiden, wenn die
  Beschlagnahme nicht bereits vorher aufgehoben worden ist (Art. 267
  Abs. 3 StPO).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gemäss den Akten
  (U-act. 8/1-2 und U-act. 1/1 S. 3 unten und S. 12 Mitte )
  wurden diverse Kleidungsstücke bzw. Effekten des Opfers X.______ durch die
  Polizei sichergestellt (recte: als Beweismittel beschlagnahmt, vgl.
  Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Während ein Teil der
  sichergestellten Gegenstände am 13. Juli 2014 dem Sohn des Opfers ausgehändigt
  wurde (U-act. 8/1-2 und U-act. 1/1 S. 12), ist aus den Akten
  nicht ersichtlich, dass über das Schicksal der restlichen beschlagnahmten
  Gegenstände bereits entscheiden worden wäre. Jedenfalls hat die Vorinstanz
  hierzu in den angefochtenen Entscheiden (act. 45 [SG.2017.00108] und
  act. 15 [SG.2017.00109]) entgegen Art. 81 Abs. 4 lit. e
  StPO und Art. 267 Abs. 3 i.V.m. Art. 263 Abs. 1
  lit. a StPO keine Anordnung getroffen. Auch in den Strafbefehlen vom
  14. August 2017 (je act. 2 [SG.2017.00108 und SG.2017.00109])
  finden sich keine diesbezüglichen Regelungen.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Auch die noch nicht
  zurückgegebenen, beschlagnahmten Gegenstände (Hose, Hemd, Gurt, Unterwäsche,
  Socken, Stiefel, Kopfbedeckung, Baupickel) werden nicht mehr als Beweismittel
  benötigt. Eine Einziehung derselben sowie eine Verwendung zur Kostendeckung
  kommt nicht in Frage. Aus diesen Gründen sind diese Gegenstände der
  Privatklägerin auszuhändigen, sofern sie dies wünscht (Art. 267
  Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
   

  
	
  VII.

  Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
   

  
	
  1. Kostenfolgen Untersuchung
  und erstinstanzliches Verfahren

  
	
  1.1. Trifft die
  Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch
  über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
  Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 454 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
  trägt die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn er verurteilt wird
  (Art. 426 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 454 Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  1.2. Die Beschuldigten
  werden mit vorliegendem Urteil in Bezug auf alle in den Strafbefehlen vom 14. August
  2017 (je act. 2 [SG.2017.00108 und SG.2017.00109] = U-act. 19/1-2)
  umschriebenen Sachverhalte bzw. Anklagepunkte freigesprochen. Ein den
  Beschuldigten vorwerfbares Handeln im Sinne von Art. 426 Abs. 2
  StPO liegt nicht vor. Demzufolge sind die Kosten der Untersuchung und der
  erstinstanzlichen Gerichtsverfahren SG.2017.00108/109 vollumfänglich auf die
  Staatskasse zu nehmen.

  
	
   

  
	
  2. Kostenfolgen
  Berufungsverfahren

  
	
  2.1. Im Berufungsverfahren
  tragen die Parteien die Kosten grundsätzlich nach 

  
	
  Massgabe ihres Unterliegens oder
  Obsiegens (Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 454 Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  2.2. Die Beschuldigten
  obsiegen im Berufungsverfahren vollumfänglich. Bei diesem Verfahrensausgang
  sind auch die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich auf die
  Staatskasse zu nehmen.

  
	
   

  
	
  3. Entschädigungsfolgen

  
	
  3.1. Zufolge des
  Freispruchs sind den Beschuldigten die Kosten ihrer erbetenen Verteidigung zu
  ersetzen, zumal angesichts der tatsächlichen und rechtlichen Komplexität des
  Falles eine anwaltliche Verbeiständung geboten war (Art. 429 Abs. 1
  lit. a StPO, für das Berufungsverfahren i.V.m. Art. 436 Abs. 1
  StPO). Da die Beschuldigten infolge der Verweisung der von der Privatklägerin
  erhobenen Zivilklage auf den Zivilweg nicht als obsiegend im Sinne von Art. 432
  Abs. 1 StPO gelten (Wehrenberg/Frank, BSK StPO, Art. 432 N 6),
  gehen diese Entschädigungen zu Lasten der Gerichtskasse.

  
	
   

  
	
  3.2. Die Verteidigerin
  von B.______ reichte im vorinstanzlichen Verfahren sowie im
  Berufungsverfahren zur Bezifferung der Entschädigung für die Kosten der
  erbetenen Verteidigung Honorarnoten über CHF 11'583.85 (Leistungen inkl.
  Auslagen und MwSt. seit Mandatierung bis und mit Abschluss des
  erstinstanzlichen Verfahrens, act. 29 [SG.2017.00108]) sowie über
  CHF 1'422.60 (Leistungen inkl. Auslagen und MwSt. im Berufungsverfahren,
  act. 65 [OG.2018.00043]) ein. Die darin geltend gemachten
  Zeitaufwendungen und Auslagen sind nicht zu beanstanden. Ebenso ist der in
  den Honorarnoten angewendete Stundenansatz von CHF 250.– angemessen.
  Dementsprechend ist dem Beschuldigten B.______ für das gesamte Strafverfahren
  antragsgemäss eine Entschädigung für seine anwaltliche Verteidigung von
  insgesamt CHF 13'006.45 (inkl. MwSt. und Auslagen) aus der Gerichtskasse
  zuzusprechen, praxisgemäss zahlbar an die Verteidigerin.

  
	
   

  
	
  3.3. In den vom
  Verteidiger von A.______ im vorinstanzlichen Verfahren sowie im
  Berufungsverfahren eingereichten Honorarnoten werden Verteidigungskosten von
  insgesamt CHF 15'213.05 geltend gemacht (Leistungen inkl. Auslagen und
  MwSt. seit Mandatierung bis und mit Abschluss des Berufungsverfahren;
  act. 28 [SG.2017.00108] und act. 18/1-2 [OG.2018.00044, mit Geltung
  auch für das Verfahren OG.2018.00040]). Die in den Honorarnoten aufgeführten
  Zeitaufwendungen und Auslagen sind nicht zu beanstanden. Ebenso ist der in
  der Honorarnote angewendete Stundenansatz von CHF 240.– angemessen.
  Dementsprechend ist dem Beschuldigten für das gesamte Strafverfahren
  antragsgemäss eine Entschädigung für seine anwaltliche Verteidigung von
  insgesamt CHF 15'213.05 (inkl. MwSt. und Auslagen) aus der Gerichtskasse
  zuzusprechen, praxisgemäss zahlbar an den Verteidiger.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es wird festgestellt, dass die
    Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 2. Mai 2018 im Verfahren SG.2017.00108
    (Verweis der Zivilklage auf den Zivilweg) per 2. Mai 2018 in
    Rechtskraft erwachsen ist.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es wird festgestellt, dass die
    Dispositiv-Ziffer 4 des Urteils der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 2. Mai 2018 im Verfahren SG.2017.00109
    (Verweis der Zivilklage auf den Zivilweg) per 2. Mai 2018 in
    Rechtskraft erwachsen ist.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Verfahren OG.2018.00040,
    OG.2018.00043 und OG.2018.00044 werden vereinigt.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung mit
    nachfolgendem Urteil.

    

  

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschuldigten B.______ und A.______ werden von den Vorwürfen der
    fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB und der Gefährdung
    durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von
    Art. 229 Abs. 2 StGB freigesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die unter der Lager-Nummer SN
    149/14 beschlagnahmten Kleidungsstücke bzw. persönlichen Effekten von
    X.______ (Hose, Hemd, Gurt, Unterwäsche, Socken, Stiefel, Kopfbedeckung,
    Baupickel) werden der Privatklägerin nach Rechtskraft des vorliegenden
    Entscheids nach telefonischer Absprache mit der Kantonspolizei Glarus gegen
    Quittung herausgegeben. Werden diese Gegenstände nicht innert 90 Tagen
    nach Rechtskraft des vorliegenden Entscheids bei der Kantonspolizei Glarus
    abgeholt, werden sie durch diese verwertet bzw. auf Kosten der Staatskasse
    entsorgt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Kosten der Untersuchung,
    der vorinstanzlichen Verfahren SG.2017.00108 sowie SG.2017.00109 und des
    Berufungsverfahrens werden vollumfänglich auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Dem Beschuldigten B.______ wird
    für das gesamte Verfahren (Berufungsverfahren und vorinstanzliches
    Verfahren inkl. Untersuchung) aus der Gerichtskasse eine Entschädigung für
    anwaltliche Verteidigung von insgesamt CHF 13'006.45 (inkl. MwSt. und
    Auslagen) zugesprochen, zahlbar an Rechtsanwältin G.______.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Dem Beschuldigten A.______ wird
    für das gesamte Verfahren (Berufungsverfahren und vorinstanzliches Verfahren
    inkl. Untersuchung) aus der Gerichtskasse eine Entschädigung für
    anwaltliche Verteidigung von insgesamt CHF 15'213.05 (inkl. MwSt. und
    Auslagen) zugesprochen, zahlbar an Rechtsanwalt F.______.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Im Übrigen werden keine
    Entschädigungen zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]