# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2b56b030-8cfe-5f9c-9e2f-b732a97b3b99
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 31.08.2010 S 2010 74
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-74_2010-08-31.pdf

## Full Text

S 10 74

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 31. August 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. Die am 19. Oktober 1961 geborene Beschwerdeführerin zog sich am 11. 

August 2005 bei Reinigungsarbeiten mit einem Druckreinigungsgerät eine 

Handgelenksdistorsion rechts zu. Sie wurde deswegen am 13. August 2005 

im Regionalspital … ambulant behandelt (Bericht vom 13. August 2005 des 

Regionalspitals …). 

2. Laut Bericht vom 26. August 2005 über ein am 25. August 2005 

durchgeführtes MRI des rechten Handgelenks fand der Radiologe Dr. med. 

… keine Hinweise für eine ossäre Läsion. Ein Arthro-MRI vom 1. September 

2005 zeigte ein möglicherweise etwas überdehntes, laxes, aber intaktes 

scapholunäres Ligament (Bericht vom 1. September 2005 des Dr. med. …). 

Am 19. September 2005 wurde die Beschwerdeführerin in der 

handchirurgischen Sprechstunde des Rätischen Kantons- und 

Regionalspitals (nachfolgend: Kantonsspital) untersucht; diagnostiziert 

wurden Restbeschwerden bei Status 4 Wochen nach Handgelenksdistorsion 

(Bericht vom 20. September 2005 des Dr. med. …).

3. Gemäss Bericht vom 4. November 2005 wurde die Beschwerdeführerin 

wegen chronischer Handgelenksschmerzen rechts am 3. November 2005 

durch Dr. med. … im Kantonsspital operiert (diagnostische und 

therapeutische Handgelenksarthroskopie rechts).

4. Am 7. Juni 2006 nahm sich einer der zwei Söhne der Beschwerdeführerin das 

Leben. Etwa einen Monat nach diesem Ereignis weilte die 

Beschwerdeführerin während eines Tages (9. Juli 2006) zur Beobachtung in 

der Klinik ... 

5. Am 21. August 2006 (Eingangsstempel) meldete sich die Beschwerdeführerin 

bei der IV-Stelle Graubünden (im Folgenden: IV-Stelle) zum Leistungsbezug 

an.

6. Gemäss Arbeitgeber-Fragebogen vom 25. August 2006 wurde das 

Arbeitsverhältnis der Beschwerdeführerin mit der Gemeinde …, für welche die 

Beschwerdeführerin seit 1. April 1996 in einem Pensum von 50% als 

Raumpflegerin gearbeitet hatte, per 30. Juni 2006 aufgehoben. Hingegen 

wurde laut Arbeitgeber-Fragebogen vom 1. September 2006 das 

Arbeitsverhältnis mit der … AG, für welche die Beschwerdeführerin seit 16. 

November 1995 als Medienkurierin arbeitet (6 Tage pro Woche, 2 Stunden 

pro Tag), nach dem Unfall weitergeführt.

7. In einem Bericht vom 11. Oktober 2006 hielt Dr. med. … fest, die 

Beschwerdeführerin leide seit dem Unfall unter therapieresistenten 

Schmerzen sowie Kraftlosigkeit im rechten Handgelenk. Sie könne keine 

Reinigungsarbeiten mehr ausführen.  

8. Am 22. April 2007 trat die Beschwerdeführerin freiwillig in die Klinik … ein, wo 

sie bis 11. Juli 2007 stationär behandelt wurde. Im Austrittsbericht vom 16. 

Juli 2007 ist als Hauptdiagnose eine schwere depressive Episode ohne 

psychotische Symptome aufgeführt. 

9. Dr. med. … vom Departement Chirurgie des Universitätsspitals Zürich 

beurteilte in einem Bericht vom 17. September 2007 die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin wie folgt: 20% Einschränkung als Putzfrau, volle 

Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.

10. Die Klinik … führte in einem Gutachten vom 3. April 2008 die Diagnosen einer 

rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, 

sowie eine Agoraphobie auf. Die Beschwerdeführerin sei als Putzfrau und in 

allen anderen Tätigkeiten zu 80% arbeitsunfähig.

11. In einem Bericht vom 19. August 2008 kommt die Psychiaterin Dr. med. … 

zusammenfassend zum Schluss, die Erwerbsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht nicht in relevanter Weise 

eingeschränkt.  

12. Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 31. März 2009 konnten bei der 

Verrichtung der Hausarbeiten durch die Beschwerdeführerin keine 

Einschränkungen festgestellt werden. 

13. Mit Vorbescheid vom 19. August 2009 stellte die IV-Stelle in Aussicht, der 

Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. April 2007 bis 31. Oktober 2007 eine 

ganze und für die Zeit vom 1. November 2007 bis 30. September 2008 eine 

halbe Invalidente zuzuerkennen (Invaliditätsgrad zunächst 100%, dann 52%). 

14. Mit Einwand vom 4. September 2009 beantragte die Beschwerdeführerin die 

Durchführung weiterer Abklärungen bezüglich ihrer Erwerbsfähigkeit. Das 

rechte Handgelenk funktioniere weiterhin ungenügend, und seit dem Suizid 

ihres Sohnes leide sie unter starken Depressionen.

15. Mit Verfügung vom 14. April 2010 sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin 

für die Zeit vom 1. April 2007 bis 31. Oktober 2007 eine ganze Invalidenrente 

(Invaliditätsgrad: 100%) zu (Verfügung 1). Mit einer zweiten Verfügung vom 

gleichen Tag gewährte die IV-Stelle der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 

1. November 2007 bis 30. September 2008 eine halbe Invalidenrente 

(Invaliditätsgrad: 52%; Verfügung 2). Seit 1. Juli 2008 sei der 

Beschwerdeführerin eine Erwerbstätigkeit zumutbar. Dabei könne sie ein 

Einkommen erzielen, welches nicht geringer sei als das vor dem Unfall vom 

11. August 2005 erzielte Einkommen. Seit 1. Juli 2008 sei die 

Beschwerdeführerin demzufolge nicht mehr invalid, weshalb ihr ab 1. Oktober 

2008 (Berücksichtigung der gesetzlichen Wartefrist von drei Monaten) keine 

Invalidenrente mehr zustehe.

16. Die Beschwerdeführerin erhebt gegen die Verfügung 2 vom 14. April 2010 am 

12. Mai 2010 Beschwerde mit dem sinngemässen Begehren um Zusprechung 

einer halben Invalidenrente über den 30. September 2008 hinaus. Ihr 

Gesundheitszustand habe sich gegenüber der Zeit vor dem 1. Juli 2008 nicht 

gebessert. Sie leide nach wie vor unter starken Depressionen und stehe in 

Behandlung beim Psychiater Dr. med. … (monatliche Therapiesitzungen, 

regelmässige Einnahme von Psychopharmaka). Auf den Bericht vom 19. 

August 2008 der Dr. med. … dürfe nicht abgestellt werden. Eine geplante 

Ausbildung zur Taxifahrerin habe sie wegen einer depressiven Phase nicht 

absolvieren können. Im Übrigen werde sie bei der Arbeit durch die 

geschädigte rechte Hand beeinträchtigt. 

17. Die IV-Stelle beantragt mit Vernehmlassung vom 17. Juni 2010 die Abweisung 

der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf die Erwägungen in der 

angefochtenen Verfügung.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Streitig ist, ob die IV-Stelle mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 

14. April 2010 (Verfügung 2) das Begehren der Beschwerdeführerin um 

Zusprechung einer halben Invalidenrente über den 30. September 2009 

hinaus zu Recht abgelehnt hat.

2. Ist eine versicherte Person zu mindestens 40% invalid, hat sie Anspruch auf 

eine Viertels-, bei mindestens 50% Invalidität auf eine halbe, bei mindestens 

60% Invalidität auf eine Dreiviertels- und bei mindestens 70% Invalidität auf 

eine ganze Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 

3. Die Invalidität erwerbstätiger Versicherter wird bemessen, indem das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt wird 

zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Einkommensvergleich; Art. 16 ATSG, Art. 28a Abs. 1 IVG). 

Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich (z.B. im 

Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht 

zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität darauf 

abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu 

betätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Schliesslich bemisst 

sich die Invalidität von Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise 

im Aufgabenbereich tätig sind, nach der Gemischten Methode: Es ist zunächst 

der Anteil der Erwerbstätigkeit einerseits und der Tätigkeit im 

Aufgabenbereich andererseits festzulegen; sodann ist für beide Bereiche der 

Invaliditätsgrad nach der entsprechenden Methode (Einkommensvergleich 

bzw. Betätigungsvergleich) zu bemessen, und anschliessend ist der 

Gesamtinvaliditätsgrad durch die Addition der für die beiden Bereiche 

ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten zu ermitteln (Art. 28 Abs. 3 IVG; 

BGE 130 V 393 Erw. 3.3 S. 395).

4. Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin in 

Anwendung der Gemischten Methode ermittelt. Sie ging davon aus, dass die 

Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 20% im 

Haushalt und zu 80% erwerbstätig wäre. Für die Zeit ab 1. Juli 2008 setzte 

die IV-Stelle das Valideneinkommen (2008), ausgehend von den beiden 

Erwerbstätigkeiten, welche die Beschwerdeführerin vor dem Unfall vom 11. 

August 2005 ausgeübt hatte (Raumpflegerin, Medienkurierin), auf Fr. 

38'668.75 fest. Das Invalideneinkommen (2008) bezifferte die IV-Stelle 

gestützt auf die anwendbare LSE-Statistik auf Fr. 40'932.00 (80%-Pensum). 

Für den Haushaltbereich veranschlagte die IV-Stelle keine Einschränkung. Es 

ergab sich so ein Gesamtinvaliditätsgrad von 0%. 

5. Gegen die Anwendung der Gemischten Methode sowie die Aufteilung in 20% 

Aufgabenbereich (Haushalt) und 80% Erwerbstätigkeit erhebt die 

Beschwerdeführerin keine Einwände. Ebenso stellt sie das von der IV-Stelle 

ermittelte Valideneinkommen nicht in Frage. Aufgrund der Aktenlage ist denn 

auch festzustellen, dass die IV-Stelle diese Faktoren nicht rechtsfehlerhaft 

festgesetzt hat. Zu prüfen bleibt somit einzig, ob die Beschwerdeführerin zu 

Recht geltend macht, sie könne kein Invalideneinkommen in dem von der IV-

Stelle angenommenen Ausmass erzielen und sie sei auch bei der 

Haushaltarbeit eingeschränkt.

6. Die IV-Stelle hat gestützt auf die Beurteilung vom 27. Oktober 2008 der Dr. 

med. …, RAD Ostschweiz, angenommen, dass die Beschwerdeführerin in 

jeglicher handgelenkschonenden Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei. Dr. med. 

… stützte sich ihrerseits bei ihrer Beurteilung weitgehend auf den Arztbericht 

vom 19. August 2008 der Dr. med. … ab. Dieser Arztbericht ist entgegen der 

Meinung der Beschwerdeführerin durchaus beweistauglich. Dr. med. … und 

die delegierte Psychologin lic. phil. … haben die Beschwerdeführerin über 

längere Zeit betreut, zudem hat Dr. med. … ihren Bericht in Kenntnis der 

Krankengeschichte bzw. der einschlägigen medizinischen Akten verfasst. Auf 

die Beurteilung der Dr. med. … ist daher abzustellen. Daran ändert nichts, 

dass die Beschwerdeführerin nach wie vor in psychiatrischer Behandlung 

steht. Denn dieser Umstand allein begründet in keiner Weise eine 

Arbeitsunfähigkeit. Auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin eine 

geplante Ausbildung zur Taxifahrerin nicht absolviert hat, stellt die Beurteilung 

der Dr. med. … nicht in Frage; der Verzicht auf die vorgesehene Ausbildung 

aufgrund eines momentanen Zustandes belegt keine generelle, psychisch 

bedingte Arbeitsunfähigkeit. 

7. Gegen den Abklärungsbericht Haushalt vom 31. März 2009 erhebt die 

Beschwerdeführerin keine konkreten Einwände. Unter diesen Umständen ist 

auf diesen Bericht, welcher auf detaillierten Abklärungen an Ort und Stelle 

beruht und erhebliche Einschränkungen im Haushaltbereich verneint, 

abzustellen.

8. Aus dem Dargelegten folgt, dass die IV-Stelle das Begehren der 

Beschwerdeführerin um Zusprechung einer halben Invalidenrente über den 

30. September 2008 hinaus zu Recht abgelehnt hat. Dies würde im Übrigen 

selbst dann gelten, wenn vom Invalideneinkommen, welches die IV-Stelle 

ermittelt hat, ein behinderungsbedingter Abzug von 10% vorgenommen 

würde; auch unter dieser Voraussetzung ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von 

weit weniger als 40%, was jeglichen Rentenanspruch ausschliesst.  

9. Das vorliegende Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Die 

Beschwerdeführerin hat zufolge ihres Unterliegens die Gerichtskosten von Fr. 

700.- zu tragen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der Beschwerdeführerin und sind 

innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung 

des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

Auf die dagegen an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde am 23. Dezember 

2010 nicht eingetreten (9C_1042/2010).