# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 985bbd64-a913-5005-b041-a7fb579ffdd0
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 23.01.2024 SST.2023.193
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-193_2024-01-23.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2023.193 
(ST.2022.154; STA.2021.2191) 

 

 

Urteil vom 23. Januar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Egloff  

Oberrichterin Möckli  

Gerichtsschreiberin Boog Klingler        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1952, von Wildhaus-Alt St. Johann,  

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Chasper Vital,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Mehrfache sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt, mehr-

faches Überlassen eines Motorfahrzeuges an eine Person ohne Führer-

ausweis  
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Übernahmeverfügung vom 23. August 2021 übernahm die Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau das zuvor durch die Staatsanwaltschaft I des 

Kantons Zürich geführte Verfahren wegen sexuellen Handlungen mit Min-

derjährigen gegen Entgelt. 

 

1.2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erliess am 21. Februar 2022 fol-

genden Strafbefehl:  

 

"1. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Ent-

gelt (Art. 196 StGB) 

 

Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, 

mit einer minderjährigen Person sexuelle Handlungen vorgenommen 

oder solche von ihr vornehmen lassen und ihr dafür ein Entgelt geleistet 

oder versprochen. 

 

Begangen:  

Ort:    Q._____, R-Strasse, und weitere Orte 

Zeit:   ca. Dienstag, 17. November 2020, bis Donnerstag, 

  28. Oktober 2021 

Opfer:   B._____, geb. tt.mm.2004 

 

Vorgehen: 

Anfangs November 2020 lernten sich der Beschuldigte und B._____, 

geb. tt.mm.2004, kennen, worauf der Beschuldigte B._____ zu dessen 

Geburtstag einen Brief schrieb und ihm darin unter anderem seine Mo-

biltelefonnummer sowie seine Bereitschaft, ihn zu unterstützen und ihm 

helfen zu wollen, mitteilte. In der Folge nahm B._____ per WhatsApp 

Kontakt mit dem Beschuldigten auf. B._____ fragte den Beschuldigten 

nach einem iPhone, worauf ihm dieser ein iPhone 12 inklusive Abon-

nement kaufte. Später fragte B._____ den Beschuldigten mehrfach 

nach Bargeld, worauf ihm der Beschuldigte jeweils den gewünschten 

Betrag, meistens Fr. 1'000.00 bis Fr. 8'000.00, gab. 

 

B._____ war insgesamt ca. 4 Mal beim Beschuldigten zu Hause in 

Q._____, unter anderem 2 bis 3 Wochen im Frühling 2021. Beim ersten 

Besuch ging der Beschuldigte zu B._____ ans Bett, als dieser schlief. 

In der Folge begann der Beschuldigte den Penis von B._____ zu lut-

schen, worauf dieser aufwachte. B._____ packte den Beschuldigten, 

welcher seine Hand am Penis von B._____ hatte, und sagte ihm, er 

solle es nie mehr machen. Als der Beschuldigte im Juli 2021 zusammen 

mit B._____ 1.5 Wochen Ferien mit dem Wohnwagen in Italien, 

S._____, verbrachte, berührte der Beschuldigte den Intimbereich von 

B._____ über dessen Hose. Insgesamt lutschte der Beschuldigte im 

 - 3 - 

 

 

Zeitraum von Februar bis September 2021 4 Mal am Penis von 

B._____ an seinem Wohnort in Q._____, wobei drei Vorfälle vor den 

Italienferien geschahen und ein Vorfall danach. B._____ wollte dies 

nicht, doch der Beschuldigte gab ihm zu verstehen, dass er ihm dann 

kein Geld mehr geben würde. B._____ verhielt sich jeweils passiv und 

hantierte an seinem Mobiltelefon. Zudem rieb der Beschuldigte einmal 

an seinem Wohnort seinen Penis am Arm von B._____. Weiter um-

armte der Beschuldigte B._____ mehrfach und küsste ihn auf die 

Wange sowie streichelte mit seiner Hand das Bein von B._____. Als 

der Beschuldigte und B._____ einmal zusammen auf der Rückbank des 

Autos des Beschuldigten sassen, berührte der Beschuldigte B._____ 

im Schritt, öffnete dessen Reissverschluss der Hose, fasste hinein und 

knetete den Penis von B._____ während ca. 2 bis 3 Minuten. B._____ 

schaute in dieser Zeit ein Video auf seinem Mobiltelefon. Der Beschul-

digte sagte dabei B._____, dass er das selbe auch bei ihm tun könne, 

was dieser jedoch nicht tat. 

 

B._____ traf den Beschuldigten nur wegen dem Geld und liess daher 

vorgenannte intime Handlungen geschehen. Der Beschuldigte bezahlte 

mehrmals Tickets, damit B._____ seine Grossmutter in Griechenland 

besuchen konnte, und er überwies dem Vater von B._____ Geld 

zwecks Bezahlung der Bussen von B._____, wenn er ohne Billett mit 

den öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr. Weiter eröffnete der Beschul-

digte auch ein Konto für B._____ und übergab ihm die Karte dazu. Zu-

dem überwies der Beschuldigte dem Vater von B._____ Fr. 6'000.00, 

da diese B._____ benötigte um von Griechenland nach Hause kommen 

zu können, da er einen Brand verursacht hatte. Insgesamt erhielt 

B._____ vom Beschuldigten im obgenannten Zeitraum ca. 

Fr. 90'000.00. Letztmals fragte B._____ den Beschuldigten am 28. Ok-

tober 2021 nach Fr. 250.00 fürs Essen und erhielt das Geld. 

 

 

2. Mehrfaches Überlassen eines Motorfahrzeuges an eine Person 

ohne Führerausweis  

(Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG) 

 

Der Beschuldigte hat mehrfach vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, 

ein Motorfahrzeug einer Person überlassen, die nicht im Besitze des 

erforderlichen Führerausweises ist. 

 

Festgestellt und begangen: 

Ort:    T._____, U-Strasse 

Zeit:   Donnerstag, 11. Februar 2021 und 15. Februar 2021, 

  22.30 Uhr 

Fahrzeug:  Personenwagen […] aaa 

 

Vorgehen: 

Am 15. Februar 2021, um 22.30 Uhr, lenkte B._____ (sep. Verfahren) 

den Personenwagen […] mit dem Kontrollschild aaa auf der U-Strasse 

in T._____, wobei dessen Halter, der Beschuldigte, auf dem Beifahrer-

sitz mitfuhr. Aufgrund des auffälligen Fahrverhaltens wurde B._____ 

 - 4 - 

 

 

durch die Kantonspolizei Aargau angehalten und einer Kontrolle unter-

zogen. Dabei konnte festgestellt werden, dass der Beschuldigte das 

Fahrzeug B._____ in V._____ beim W._____ überlassen hatte, obwohl 

er wusste, dass dieser nicht über einen Führerausweis verfügte und 

somit nicht zum Führen eines Motorfahrzeuges berechtigt war. Im Wis-

sen darum, dass B._____ nicht über einen Führerausweis verfügte, 

überliess der Beschuldigte ihm den oben genannten Personenwagen 

zudem bereits am 11. Februar 2021." 

 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verurteilte den Beschuldigten zu 

einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 190.00, Probe-

zeit 2 Jahre, sowie zu einer Busse von Fr. 8'500.00 (ersatzweise 45 Tage 

Freiheitsstrafe).  

 

1.3. 

Mit Eingabe vom 28. Februar 2022 erhob der Beschuldigte Einsprache ge-

gen den Strafbefehl. 

 

1.4. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau überwies den Strafbefehl am 

18. Juli 2022 als Anklageschrift an das Bezirksgericht Aarau zur Durchfüh-

rung des Hauptverfahrens.  

 

2. 

2.1. 

Am 21. November 2022 fand vor dem Bezirksgericht Aarau die erste Haupt-

verhandlung statt, anlässlich welcher die ehemalige Beiständin von 

B._____ (nachfolgend Geschädigter) in Anwesenheit des Verteidigers als 

Zeugin befragt wurde. Der Beschuldigte sowie der als Zeuge vorgeladene 

Geschädigte erschienen nicht zur Hauptverhandlung. 

 

2.2. 

Am 20. März 2023 wurde die zweite Hauptverhandlung vor dem Bezirks-

gericht Aarau mit Befragung des Beschuldigten sowie des Geschädigten 

als Zeuge durchgeführt. Der Beschuldigte stellte die folgenden Anträge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlun-

gen mit Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB von 

Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

 

2. 

Der Beschuldigte sei des mehrfachen Überlassens eines Motorfahrzeu-

ges an eine Person ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e 

SVG i.V.m. Art. 10 Abs.2 SVG von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

 

 - 5 - 

 

 

3. 

Der Beschuldigte sei des Überlassens eines Motorfahrzeugs an eine 

Person ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. 

Art. 10 Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen. 

 

4. 

Dafür sei er unter Ansetzung einer minimalen Geldstrafe sowie einer 

minimalen Busse milde zu bestrafen. 

 

5. 

Die Geldstrafe gemäss vorstehender Ziffer 4 sei unter Ansetzung einer 

Probezeit von zwei Jahren bedingt aufzuschieben. 

 

6. 

Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

2.3. 

Das Bezirksgericht Aarau fällte am 20. März 2023 folgendes Urteil:  

 

  "1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

-  der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen ge-

gen Entgelt gemäss Art. 196 StGB, 

- des mehrfachen Überlassens eines Motorfahrzeuges an eine 

Person  ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG 

i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG.  

 

    2. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestim-

mungen und gestützt auf Art. 34 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 

StGB zu 180 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Der Tagessatz wird auf 

Fr. 250.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 45'000.00. 

 

    3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf zwei Jahre festgesetzt. 

 

Der Beschuldigte wird entsprechend der Vorschrift von Art. 44 Abs. 3 

StGB über die Bedeutung und die Folgen der bedingten Strafe aufge-

klärt. Wenn er sich bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, d.h. keine 

Verbrechen oder Vergehen mehr begeht, so wird gemäss Art. 45 StGB 

die aufgeschobene Strafe nicht mehr vollzogen. Begeht er aber wäh-

rend der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu 

erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das Ge-

richt die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). 

 

 - 6 - 

 

 

4. 

4.1 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestim-

mungen und gestützt auf Art. 106 StGB i.V.m. Art. 42 Abs. 4 StGB zu 

einer Busse von Fr. 9'000.00 verurteilt. 

 

    4.2 

Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheits-

strafe von 36 Tagen vollzogen.  

 

    5. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB ein le-

benslängliches Tätigkeitsverbot für jede berufliche und jede organi-

sierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu 

Minderjährigen umfasst, auferlegt. 

 

6. 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

 

a) der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.00 

b) der Anklagegebühr von  Fr. 1'400.00 

c) andere Auslagen Fr.  499.40 

Total Fr.  3'399.40 

 

Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr 

sowie die Kosten gemäss lit. c im Gesamtbetrag von Fr. 3'399.40 auf-

erlegt. 

 

7. 

Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber." 

 

2.4. 

Mit Eingabe vom 31. März 2023 meldete der Beschuldigte die Berufung an.  

 

3. 

3.1. 

Nachdem dem Beschuldigten das schriftlich begründete vorinstanzliche Ur-

teil am 9. August 2023 zugestellt worden war, erklärte der Beschuldigte mit 

Eingabe vom 28. August 2023 die Berufung und beantragte: 

 

"1. 

Das einzelrichterliche Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 20. März 

2023 sei vollumfänglich aufzuheben. 

 

2. 

A._____ sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB von Schuld und 

Strafe freizusprechen. 

 

 - 7 - 

 

 

3. 

A._____ sei vom Vorwurf des mehrfachen Überlassens eines Motor-

fahrzeuges an eine Person ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 

lit. e SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG von Schuld und Strafe freizuspre-

chen. 

 

4. 

A._____ sei des Überlassens eines Motorfahrzeugs an eine Person 

ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. Art. 10 

Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen und hierfür unter Ansetzung einer 

minimalen Geldstrafe sowie einer minimalen Busse milde zu bestrafen. 

 

5. 

Die Geldstrafe gemäss vorstehender Ziffer 4 sei unter Ansetzung einer 

Probezeit von zwei Jahren bedingt aufzuschieben. 

 

6. 

Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz, sowohl 

für das Verfahren vor der Vorinstanz, wie auch für das Verfahren vor 

Obergericht." 

 

Der Beschuldigte beantragte zudem gestützt auf Art. 406 Abs. 2 StPO die 

Durchführung des schriftlichen Verfahrens. 

 

Sodann beantragte der Beschuldigte, es sei ein aussagepsychologisches 

Gutachten über den Geschädigten zu erstellen (Beweisantrag 1) und es 

seien diverse Unterlagen zu den Akten zu nehmen (Beweisanträge 2-7). 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 29. August 2023 lehnte die Verfahrensleiterin den An-

trag auf Erstellung eines aussagepsychologischen Gutachtens einstweilen 

ab (Beweisantrag 1) und nahm die eingereichten Unterlagen (Beweisan-

träge 2-7) zu den Akten. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 7. September 2023 verzichtete die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau auf die Stellung eines Nichteintretensantrags und die Er-

klärung der Anschlussberufung. Zudem erklärte sie sich mit der Durchfüh-

rung des schriftlichen Verfahrens einverstanden.  

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 11. September 2023 wurde im Einverständnis der Par-

teien das schriftliche Berufungsverfahren angeordnet.  

 

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3.5. 

Mit Eingabe vom 28. September 2023 erstattete der Beschuldigte die Be-

rufungsbegründung und stellte erneut die mit Berufungserklärung gestell-

ten Anträge. Er hielt zudem am Beweisantrag, es sei ein aussagepsycho-

logisches Gutachten über den Geschädigten zu erstellen, fest.  

 

3.6. 

Mit Eingabe vom 17. Oktober 2023 erstattete die Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau die Berufungsantwort und beantragte die kostenfällige Abwei-

sung der Berufung.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1.      

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt sowie des Über-

lassens eines Motorfahrzeuges an eine Person ohne Führerausweis am 

11. Februar 2021. Entsprechend ist das vorinstanzliche Urteil bezüglich der 

in diesen beiden Punkten erfolgten Schuldsprüche sowie hinsichtlich der 

Strafhöhe und dem ausgesprochenen Tätigkeitsverbot zu überprüfen.  

 

Unangefochten geblieben und damit nachfolgend nicht mehr zu überprüfen 

(Art. 404 Abs. 1 StPO) ist dagegen der vorinstanzliche Schuldspruch we-

gen Überlassens eines Motorfahrzeuges an eine Person ohne Führeraus-

weis am 15. Februar 2021.  

 

2. 

2.1. 

Zunächst ist auf den Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB einzugehen. 

 

2.2. 

2.2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wirft dem Beschuldigten zusam-

mengefasst vor, dass er im Zeitraum vom 17. November 2020 bis 28. Ok-

tober 2021 mehrfach sexuelle Handlungen am Geschädigten vorgenom-

men habe (Oralverkehr, Berührungen im Intimbereich etc.). Er habe dem 

Geschädigten im betreffenden Zeitraum insgesamt Fr. 90'000.00 zukom-

men lassen. Der Geschädigte habe den Beschuldigten nur wegen des Gel-

des getroffen und die sexuellen Handlungen geschehen lassen. Der Be-

schuldigte habe ihm zu verstehen gegeben, dass er ihm ohne sexuelle 

Handlungen kein Geld mehr geben würde. 

 

 - 9 - 

 

 

2.2.2. 

Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt insbesondere ge-

stützt auf die Erstaussagen des Geschädigten als erstellt. Sie ging davon 

aus, dass die in der Anklage umschriebenen sexuellen Handlungen statt-

gefunden hätten und der Geschädigte diese nur des Geldes wegen habe 

geschehen lassen und sprach den Beschuldigten der mehrfachen sexuel-

len Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt schuldig. 

 

2.2.3. 

Mit Berufung wird zunächst auf von der Vorinstanz unberücksichtigt geblie-

bene Umstände verwiesen. So habe der Geschädigte jeweils keinen kon-

kreten Betrag nennen können, den er für die geschilderten sexuellen Hand-

lungen erhalten habe (act. 65 f. und 107 f.). Anlässlich der Kontrolle vom 

2. März 2021 habe der Geschädigte gegenüber der Stadtpolizei Zürich an-

gegeben, dass der Beschuldigte davon ausgehe, Gegenleistungen zu er-

halten, wobei er bisher noch nie darauf eingegangen sei (act. 74). Der Be-

schuldigte habe an der Einvernahme vom 29. Oktober 2021 geäussert, 

dass der Geschädigte Geschichten erfunden habe, wenn der Beschuldigte 

ihm kein Geld habe geben wollen. Auf diese Weise habe er trotzdem Geld 

erhalten. Der Geschädigte und dessen Vater würden den Beschuldigten 

nur verarschen (act. 109 und 374).  

 

Insgesamt habe der Beschuldigte zwischen dem 19. April 2021 und dem 

27. Oktober 2021 ca. Fr. 59'000.00 auf das Konto des Vaters des Geschä-

digten überwiesen. Die Zahlungen seien für den Geschädigten bestimmt 

gewesen und jeweils aus einem bestimmten (vom Geschädigten und des-

sen Vater allerdings nur vorgetäuschten) Grund erfolgt (Reise nach Grie-

chenland, Zahlung von Bussen, Reise nach Neuseeland, etc.). Zudem 

habe er für den Geschädigten ein separates Konto eröffnet, auf welches er 

jeweils Beträge von wenigen hundert Franken überwiesen habe. Der Ge-

schädigte habe von diesem Konto teilweise Überweisungen an seinen Va-

ter getätigt. Die Geldzahlungen seien jedoch nicht mit irgendeiner konkre-

ten sexuellen Handlung in Verbindung zu bringen. Der Beschuldigte habe 

den Geschädigten stets nur finanziell unterstützen wollen. Der Vater des 

Geschädigten sei in diesem Zusammenhang mit Strafbefehl vom 9. Juni 

2023 u.a. der Gehilfenschaft zu mehrfachem Betrug sowie des unrecht-

mässigen Bezugs von Sozialhilfe schuldig befunden und bestraft worden. 

Auch die Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau habe bezüglich der 

Geldzahlungen des Beschuldigten ein Zusammenwirken zwischen dem 

Geschädigten und dessen Vater erkannt.  

 

Die Aussagen des Geschädigten seien (entgegen der Ansicht der Vor- 

instanz) widersprüchlich und wenig detailliert. Am 24. Februar 2021 habe 

er eine angeblich vom Beschuldigten vorgenommene sexuelle Handlung 

geschildert. Er habe jedoch weder angegeben, wann und wo der Beschul-

digte diese konkret vorgenommen haben solle, noch wie hoch der hierfür 

 - 10 - 

 

 

vom Beschuldigten konkret bezahlte Geldbetrag gewesen sei. Zum anläss-

lich der Einvernahme vom 29. Oktober 2021 geschilderten Oralverkehr 

habe er lediglich ausgesagt, er glaube, dass der Beschuldigte diesen zwi-

schen Februar und September 2021 vier Mal vorgenommen habe. Wenn 

es tatsächlich dazu gekommen wäre, wäre eine nähere zeitliche Eingren-

zung, ein genauer Ablauf der jeweiligen sexuellen Handlung und die An-

gabe, wieviel Geld er für die einzelnen Handlungen erhalten habe, zu er-

warten gewesen. Aus den Aussagen des Geschädigten gehe zudem eine 

hohe Erfindungskompetenz hervor, welche die Vorinstanz völlig ausser 

Acht lasse. So seien seine Aussagen, dass der Beschuldigte jedes Mal  

einen Orgasmus habe, wenn er ihn sehe (act. 109), schlicht nicht vorstell-

bar. Der Geschädigte lebe in einer von der Realität abgewandten Fantasie-

welt. Sowohl der Geschädigte (act. 435) als auch dessen Vater würden be-

stätigen, dass er sich als Gott, Ausserirdischer bzw. jemand, der über den 

Menschen stehe, sehe (act. 359 und 435). Die grosse Erfindungskompe-

tenz des Geschädigten ergebe sich sodann aus dem Umstand, dass er je-

weils aufgrund erfundener Geschichten Geld vom Beschuldigten erhalten 

habe. Er habe selbst bestätigt, dass er den Beschuldigten nur verarsche. 

Auch die ehemalige Beiständin des Geschädigten habe anlässlich der 

Hauptverhandlung vom 21. November 2022 angegeben, dass der Geschä-

digte eine lockere Zunge habe und ihm die Konsequenzen seines Handelns 

nicht bewusst seien. Sie traue ihm falsche Anschuldigungen zu, wenn er 

auf jemanden wütend sei. Auch der Geschädigte habe dies unabhängig 

davon angegeben und Falschaussagen anlässlich der Hauptverhandlung 

vom 20. März 2023 (act. 442) bestätigt. Der Geschädigte habe an der 

Hauptverhandlung vom 20. März 2023 gedroht, die Polizisten zu töten, soll-

ten sie versuchen, ihn nach draussen zu begleiten, womit er verdeutlicht 

habe, dass er sich nicht um strafrechtliche Sanktionen schere und sich 

auch von einer drohenden Strafe wegen Falschaussagen nicht beeindru-

cken lasse. Es lägen damit durchaus hinreichende Gründe vor, weshalb die 

vom Geschädigten getätigten Aussagen nicht mit den tatsächlichen Gege-

benheiten übereinstimmen würden.  

 

Die Vorinstanz habe die Aussagen des Beschuldigten lediglich gestützt auf 

dessen Vergangenheit beurteilt. Mit entlastenden Sachverhaltsmomenten 

habe sie sich nicht auseinandergesetzt. Aus den Kommentaren zu den ein-

zelnen Transaktionen gehe hervor, dass dem Beschuldigten tatsächlich 

das Wohl des Geschädigten am Herzen gelegen sei. Sollten sexuelle 

Handlungen das Motiv für die Geldzahlungen gewesen sein, hätte er sich 

solche Kommentare ersparen können. Die Aussagen des Beschuldigten 

seien glaubhafter als diejenigen des Geschädigten.  

 

Die Aussagen des Geschädigten betreffend die sexuellen Handlungen 

seien damit nicht glaubhaft. Der Beweis, dass der Beschuldigte tatsächlich 

sexuelle Handlungen am Geschädigten vorgenommen habe, könne nicht 

erbracht werden.  

 - 11 - 

 

 

Entscheidend für die Erfüllung des objektiven Tatbestands sei eine Verein-

barung zwischen den Beteiligten, wonach das Entgelt die Gegenleistung 

für sexuelle Handlungen bilde. Weder der Geschädigte noch die Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau hätten jedoch aufzeigen können, wie viel Geld 

der Geschädigte jeweils für die angeblichen sexuellen Handlungen erhal-

ten habe. Der Geschädigte habe den Beschuldigten durch das Erzählen 

von Geschichten zu den Geldzahlungen motivieren müssen. Es habe damit 

weder eine Entgeltvereinbarung (do ut des-Verhältnis) noch ein Kausalzu-

sammenhang zwischen der Geldleistung und den angeblichen sexuellen 

Handlungen bestanden. Auch der Geschädigte und die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau hätten nicht aufzeigen können, welche Geldzahlungen 

konkret im Austausch mit sexuellen Handlungen gestanden seien.   

 

Der Geschädigte habe den Beschuldigten mit dem Erfinden von Geschich-

ten überzeugen müssen, ihm aus einem bestimmten und nicht sexuell mo-

tivierten Grund Geld zu bezahlen. Hätte der Beschuldigte mit den Geldzah-

lungen erreichen wollen, dass der Geschädigte sexuelle Handlungen zu-

lässt, hätte dieser keine Geschichten erfinden müssen. Zudem habe der 

Beschuldigte die Geldüberweisungen mit fürsorglichen und beinahe väter-

lichen Ratschlägen versehen. Damit sei auch der subjektive Tatbestand 

nicht erfüllt. 

 

2.2.4. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verwies zur Begründung ihrer Be-

rufungsantwort auf das vorinstanzliche Urteil.  

 

3. 

3.1. 

Es ist unbestritten und wird sowohl vom Beschuldigten als auch vom Ge-

schädigten übereinstimmend geschildert, dass der Beschuldigte erstmals 

im November 2020 im Rahmen seiner Tätigkeit als […] auf einer Fahrt mit 

der Ambulanz von X._____ (C._____) in die Kinder- und Jugendpsychiatrie 

der D._____ in Y._____ auf den Geschädigten traf. Der Beschuldigte habe 

kurz darauf dem Geschädigten zu dessen Geburtstag einen Brief geschrie-

ben und habe ihm mitgeteilt, dass er ihn unterstützen und ihm helfen wolle, 

worauf der Geschädigte mit dem Beschuldigten Kontakt aufgenommen 

habe. In der Folge sei es zu verschiedenen Treffen gekommen. Der Be-

schuldigte habe dem Geschädigten auf dessen Wunsch wiederholt Geld 

gegeben bzw. ca. Fr. 60'000.00 an dessen Vater überwiesen, für ihn ein 

Konto eröffnet, ihm ca. sechs Handys (einmal mit Abschluss eines Abon-

nements) sowie einen Hund gekauft (Auss. Besch. vom 29. Oktober 2021 

act. 93 ff. und Prot. HV act. 444 ff.; Auss. Geschädigter vom 29. Oktober 

2021 act. 106 ff. und Protokoll HV act. 441).  

 

Den Akten sind diverse Geldüberweisungen inkl. Buchungstexte zu entneh-

men (act. 225 ff.). 

 - 12 - 

 

 

3.2. 

Der Beschuldigte bestritt von Anfang an, sexuelle Handlungen am Geschä-

digten vorgenommen zu haben und betonte, dass er dem Geschädigten 

stets nur habe helfen wollen. Er stellte zudem in Abrede, dass die Geldzah-

lungen an den Geschädigten und dessen Vater eine Gegenleistung für se-

xuelle Handlungen gewesen seien (Auss. Besch. vom 2. März 2021 act. 72; 

delegierte Einvernahme vom 29. Oktober 2021 act. 89 ff.; Hauptverhand-

lung vom 20. März 2023 act. 444 ff.).  

 

3.3. 

Die Tatvorwürfe beruhen insbesondere auf den Angaben des Geschädig-

ten gegenüber der Kantonspolizei Zürich vom 24. Februar 2021 (Tatbe-

standsaufnahme nach Vermisstmeldung des Geschädigten, act. 59 ff.) so-

wie den Aussagen anlässlich der delegierten Einvernahme vom 29. Okto-

ber 2021 (act. 104 ff.). An der Hauptverhandlung vom 21. November 2022 

schilderte die als Zeugin befragte ehemalige Beiständin des Geschädigten 

zudem, dass der Geschädigte Berührungen durch den Beschuldigten ge-

schildert habe (act. 369 ff.). An der Hauptverhandlung vom 20. März 2023 

verneinte der Geschädigte jegliche sexuellen Handlungen des Beschuldig-

ten (act. 436 ff.). 

 

3.4. 

Die Aussagen des Geschädigten, der ehemaligen Beiständin und des Be-

schuldigten werden im vorinstanzlichen Urteil zutreffend wiedergegeben. 

Darauf kann verwiesen werden (E. 2.5.4 ff.). Sodann kann auf die theoreti-

schen Ausführungen zur Glaubhaftigkeitsprüfung von Aussagen verwiesen 

werden (E. 2.3). 

 

3.5. 

3.5.1. 

Der Geschädigte wurde am 23. Februar 2021 durch eine Mitarbeiterin der 

E._____ unter dem Hinweis, dass er immer wieder einen älteren Mann 

treffe, von welchem er Geld erhalte, als vermisst gemeldet. Nachdem der 

Geschädigte gleichentags wieder aufgetaucht war, wurde er durch die Kan-

tonspolizei Zürich befragt. Die Aussagen wurden sinngemäss im Rapport 

vom 2. März 2021 wiedergegeben. Neben den Umständen des Kennenler-

nens schilderte der Geschädigte, dass er den Beschuldigten treffe, da er 

von ihm Geld erhalte. Er gebe ihm jedes Mal Fr. 500.00 bis Fr. 1'000.00 

und kaufe ihm, was er möchte (u.a. ein iPhone mit Abonnement). Der Be-

schuldigte wolle mit ihm befreundet sein. Wenn sie sich treffen würden, 

umarme er ihn und küsse ihn auf die Wange. Er wolle das nicht und sage 

das dem Beschuldigten auch. Der Beschuldigte tue es trotzdem immer wie-

der. Von ihm aus könne man ihn verhaften, solange er trotzdem Geld er-

halte. Der Beschuldigte streiche ihm auch immer wieder mit der Hand über 

das Bein und sei auch schon mit der Hand über den Intimbereich gefahren. 

 - 13 - 

 

 

Er habe das Gefühl, dass der Beschuldigte etwas von ihm wolle. Der Be-

schuldigte wolle sein Freund sein. Er denke, der Beschuldigte sei pädophil. 

Er sei vor allem am Geld des Beschuldigten interessiert und nehme, so-

lange er könne. Sein Vater habe ihm auch gesagt, dass er Geld nehmen 

solle, solange es gehe. Der Beschuldigte habe auch schon den Reissver-

schluss seiner Hose aufgemacht und hineingefasst. Der Beschuldigte habe 

ihm einmal seinen Penis gezeigt, als er unterwegs pinkeln gegangen sei. 

Einmal sei er im Auto des Beschuldigten auf dem Rücksitz gesessen. Der 

Beschuldigte habe angehalten, sich neben ihn gesetzt, den Reisverschluss 

seiner Hose geöffnet und seinen Penis ca. zwei bis drei Minuten geknetet. 

Es sei ihm aber nicht gekommen. Währenddessen habe er ein Video ge-

schaut. Der Beschuldigte habe ihn aufgefordert, dasselbe bei ihm zu tun, 

was er jedoch nicht getan habe. Er sage jeweils, wenn er gehen wolle und 

frage den Beschuldigten, ob er sein Geld dabeihabe. Der Beschuldigte 

wolle immer, dass er zu ihm nach Hause komme. Das wolle er aber nicht. 

Der Beschuldigte fasse ihn immer an, wenn er ihn mit seinem Auto fahren 

lasse. Dies bringe ihn immer wieder aus dem Konzept. Er denke, dass das 

der Grund gewesen sei, dass sie Mitte Februar von der Polizei angehalten 

worden seien. Er sei sonst ein sehr guter Lenker. Er treffe den Beschuldig-

ten ca. drei Mal im Monat und habe bestimmt schon Fr. 60'000.00 von ihm 

erhalten. Genau könne er es aber nicht sagen (act. 59 f.).  

 

Der Geschädigte schilderte anlässlich der delegierten Einvernahme vom 

29. Oktober 2021 (act. 104 ff.) zunächst im freien Bericht, wie er den Be-

schuldigten kennengelernt habe. Dieser habe ihm in einem Brief angebo-

ten, ihn aufgrund seiner Vorgeschichte zu unterstützen und ihm zu helfen. 

Er habe gedacht, er versuche es mal, und habe den Beschuldigten gefragt, 

ob er ihm ein iPhone kaufe, was dieser gemacht und sogar ein Abo für ihn 

abgeschlossen habe. Er habe damals schon gedacht, mit dem Beschuldig-

ten sei etwas "schief". Er habe dann den Kontakt aufrechterhalten und den 

Beschuldigten später auch gefragt, ob er ihm Fr. 1'000.00 geben würde, 

was dieser auch getan habe. Er habe ihn mehrfach um Geld angeschrieben 

und auch Geld erhalten. Auch sein Vater habe Geld erhalten. Er denke ins-

gesamt ca. Fr. 90'000.00. Auch sein Vater habe seine Geschichten erfun-

den. Wenn er schon vom Beschuldigten profitieren könne, könne sein Vater 

das auch. Der Beschuldigte habe auch mit ihm in die Ferien gewollt. Er 

habe zugesagt, es sei ihm jedoch nicht bewusst gewesen, dass er dann 

gleich seinen Schwanz lutschen wolle. Beim ersten Mal sei er am Schlafen 

gewesen. Der Beschuldigte sei nochmal zu ihm ans Bett gekommen und 

habe begonnen, seinen Schwanz zu lutschen. Er sei aufgewacht und habe 

den Beschuldigten, welcher die Hand an seinem Schwanz gehabt habe, 

gepackt und habe ihm gesagt, er solle das nie mehr machen. Später habe 

der Beschuldigte dann behauptet, dass er das ja gerne habe. Er selbst 

brauche das nicht, das könne seine Freundin machen. Auf Frage nach An-

zahl, Ort und Zeitpunkt der sexuellen Handlungen gab der Geschädigte an, 

er glaube, dass der Beschuldigte maximal vier Mal an seinem Schwanz 

 - 14 - 

 

 

gelutscht habe, was er gar nicht gut gefunden habe. Er habe das nie ge-

wollt, der Beschuldigte habe ihm aber zu verstehen gegeben, dass es dann 

kein Geld mehr gebe. Er habe sich dann passiv verhalten und am Handy 

hantiert. Er habe nur gedacht, dass er es eines Tages bereuen bzw. eines 

Tages dafür bezahlen werde. Er sei nur indirekt einverstanden gewesen 

(act. 107). Es sei immer passiert, wenn er bei ihm zu Hause im Kanton 

Z._____ gewesen sei. Im Juli sei er mit dem Beschuldigten nach Italien 

gefahren. Im Wohnwagen sei er zu ihm gekommen und habe seine Eier 

betatscht, allerdings nur über den Hosen. Er habe ihm wieder gesagt, er 

solle das nie mehr machen. Er glaube, er sei drei Mal bei ihm zu Hause in 

Q._____ gewesen, dann sei das mit Italien gewesen und dann sei er noch-

mals an seinem Wohnort gewesen. Er habe von Februar bis September mit 

dem Beschuldigten Kontakt gehabt und in diesen ca. acht Monaten sei es 

zu sexuellen Handlungen durch den Beschuldigten gekommen. Der letzte 

Kontakt sei gestern gewesen. Er habe ihn um Fr. 250.00 angefragt. Der 

Beschuldigte habe ihm gesagt, dass er nichts Belastendes aussagen solle. 

Er habe den Kontakt gesucht, wenn er Geld benötigt habe. Der Beschul-

digte habe ihn kontaktiert, wenn er seine Gesellschaft gesucht habe. Er 

wisse, dass es nicht richtig sei, was er (der Geschädigte) gemacht habe. 

Er wisse, dass der Beschuldigte pädophil sei und dann soll er ihm (dem 

Geschädigten) "halt geben". Er habe die Situation ausgenutzt, aber der Be-

schuldigte sei ja ein Pädophiler. Er denke, der Beschuldigte sei pädophil 

und gehöre ins Gefängnis. Der Beschuldigte habe das Gefühl, dass er (der 

Geschädigte) ihn mega gern habe. Sein Bezug sei aber nur zum Geld, nicht 

zur Person (act. 108). Er habe jedes Mal, wenn er nach Geld gefragt habe 

auch Geld erhalten. Wenn der Beschuldigte gesagt habe, er könne ihm kein 

Geld geben, habe er ihm einfach eine Geschichte erzählt und trotzdem 

Geld erhalten. Er frage sich, warum der Beschuldigte bis heute nicht ge-

merkt habe, dass er ihn nur verarsche. Der Beschuldigte habe Hoffnungen 

gehabt, dass er zu ihm komme und Zeit mit ihm verbringe. Er habe das 

Gefühl, der Beschuldigte sei knallhart in ihn verliebt. Das sage auch sein 

Umfeld. Der Beschuldigte sage ihm, dass er hübsch sei, das wisse er ja 

selber. Der Beschuldigte habe Freude an ihm und er sei offenbar sein bes-

ter Freund. Er denke, der Beschuldigte sei so spitz, dass er sofort einen 

Orgasmus habe, wenn er ihn sehe. Auf Frage, an welche sexuellen Hand-

lungen er sich erinnern könne, gab der Geschädigte an, dass der Beschul-

digte lediglich ca. vier Mal seinen Schwanz gelutscht habe. Er habe ihn 

auch schon auf die Wange geküsst, seine Hose runtergezogen und einmal 

bei ihm zu Hause seinen ungewaschenen Schwanz an seinem Arm gerie-

ben. Er habe sich gedacht "wenn ich Geld will, muss er mir Geld geben". 

Der Beschuldigte sei für ihn ohne Macht gewesen. Er habe wohl auch Geld 

nur für seine Gesellschaft erhalten. Der Beschuldigte habe gewollt, dass er 

einen guten Eindruck von ihm erhalte. Er denke, der Beschuldigte sei in ihn 

verliebt (act. 109). In der Gedankenwelt des Beschuldigten habe dieser ihm 

Geld gegeben, damit er sich sexuell befriedigen könne. Es bringe nichts, 

dem Beschuldigten Grenzen zu setzen. Er würde sagen, dass er das doch 

 - 15 - 

 

 

auch wolle und brauche. Tatsächlich habe er nur sein Geld gewollt. Mehr 

als Schwanzlutschen hätte er niemals zugelassen. Er hätte eigentlich ge-

musst, aber er habe gar nichts zugelassen. Er könne nicht garantieren, ob 

der Beschuldigte zum Samenerguss gekommen sei. Er achte sich nicht auf 

seinen Schwanz. Es sei möglich, vermutlich schon. Er selbst habe niemals 

aktiv sexuelle Handlungen am Beschuldigten vorgenommen. An keinem 

Mann. Der Beschuldigte habe nie Gewalt angewendet. Der Beschuldigte 

habe gewusst, dass er sterben würde. Er wisse, das töne brutal. Er sei 

einiges stärker als der Beschuldigte. Insgesamt habe er ca. Fr. 90'000.00 

vom Beschuldigten erhalten. Er wisse, das sei sehr viel. Ein gewisser Be-

trag sei seinem Vater überwiesen worden. In bar habe er Beträge von 

Fr. 1'000.00 bis Fr. 8'000.00 erhalten. Er habe immer gesagt "es hat so-

lange es hat" (act. 110). Auf Vorhalt der am 24. Februar 2021 gegenüber 

der Kantonspolizei Zürich geschilderten sexuellen Handlungen des Be-

schuldigten (mit der Hand über das Bein und über den Intimbereich fahren, 

Reisverschluss der Hose öffnen und Penis kneten) gab er an, dass er sich 

daran erinnern könne und dies zutreffend sei (act. 111). Auf die Frage, ob 

die Geldübergabe direkt mit sexuellen Handlungen verbunden gewesen 

sei, gab er an, dass er nie etwas habe machen müssen, damit er etwas 

dafür bekomme. Der Beschuldigte habe einfach die Gelegenheit genutzt. 

Der letzte Kontakt mit einem sexuellen Übergriff sei ca. im September ge-

wesen am Wohnort des Beschuldigten. Er habe immer Geld erhalten. Das 

letzte Mal ohne weitere sexuelle Handlungen sei gestern in P._____ gewe-

sen, Fr. 250.00 für Essen (act. 112).  

 

Anlässlich der ersten Hauptverhandlung vom 21. November 2022, zu wel-

cher der Beschuldigte und der (mittlerweile beim Beschuldigten wohnhafte 

Geschädigte) nicht erschienen sind (act. 365 und 369), wurde die frühere 

Beiständin des Geschädigten als Zeugin befragt. Sie gab an, dass der Ge-

schädigte ausserhalb der Einvernahmen Berührungen des Beschuldigten 

thematisiert habe. Er habe diese als unangenehm empfunden und nicht 

richtig einordnen können. Die Fachpersonen hätten ihn ermutigt, "Nein" zu 

sagen oder bei den Fachpersonen Unterstützung zu suchen, falls der Be-

schuldigte eine Grenze überschreite (act. 374). Vom Oralverkehr habe sie 

erstmals an der Einvernahme vom 29. Oktober 2021 gehört, zu welcher sie 

den Geschädigten begleitet habe. Der Geschädigte habe sich hinsichtlich 

der Berührungen immer konstant geäussert. Auch zu der Aussage während 

der Einvernahme, dass der Beschuldigte versucht habe, ihn im Halbschlaf 

oral zu befriedigen, habe er im Nachgang nie andere oder widersprüchliche 

Aussagen gemacht. Geändert habe sich indessen das Thema Unwohlsein. 

Es sei ein Hin und Her gewesen, ob er mit dem Beschuldigten in Kontakt 

bleiben wolle oder nicht. Auch hinsichtlich der Frage, ob er Aussagen ma-

chen wolle oder nicht, sei er ambivalent gewesen (act. 371 f.). 

 

 - 16 - 

 

 

3.5.2. 

Zunächst ist festzuhalten, dass der Geschädigte bis zum Rückzug seiner 

Aussagen anlässlich der Hauptverhandlung vom 20. März 2021 gegenüber 

verschiedenen Personen (Kantonspolizei Zürich, Beiständin, Kantonspoli-

zei Aargau) und zu verschiedenen Zeitpunkten sexuelle Handlungen des 

Beschuldigten schilderte. Es lassen sich dabei – entgegen der Ansicht des 

Beschuldigten – keine erheblichen Widersprüche erkennen. Insbesondere 

stehen die vom Beschuldigten diesbezüglich angeführten Angaben des 

Geschädigten, welche anlässlich der Kontrolle des Fahrzeugs des Beschul-

digten auf dem QQ-platz in P._____ vom 2. März 2021 durch die Stadtpo-

lizei Zürich erhoben und im Polizeirapport vom 12. März 2021 sinngemäss 

wiedergegeben wurden, den Aussagen des Geschädigten vom 29. Okto-

ber 2021 sowie seinen Angaben vom 24. Februar 2021 nicht entgegen. 

Gemäss Rapport vom 12. März 2021 habe der Geschädigte angegeben, 

dass ihm von Anfang an ganz klar bewusst gewesen sei, worauf der Be-

schuldigte aus sei, dass er sich bei einem Fehlverhalten des Beschuldigten 

sofort mit einem Faustschlag wehren würde, dass er zu seinem Schutz ei-

nen Kollegen mitgenommen habe, dass der Beschuldigte ihm jeden 

Wunsch erfüllen würde, dafür dann aber von einer Gegenleistung ausgehe, 

er jedoch nie auf eine Gegenleistung eingegangen wäre. Der Geschädigte 

verwies damit auch anlässlich dieser Befragung offensichtlich auf sexuelle 

Absichten des Beschuldigten. Welche Handlungen er als "Fehlverhalten 

des Beschuldigten" bzw. als "Gegenleistung, auf welche er nie eingegan-

gen wäre", einstufte, führte er nicht weiter aus. Aus den Aussagen des Ge-

schädigten gegenüber der Kantonspolizei Zürich vom 24. Februar 2021 so-

wie anlässlich der delegierten Einvernahme vom 29. Oktober 2021 geht 

jedoch hervor, dass er bereit gewesen sei, passiv gewisse Handlungen des 

Beschuldigten zu dulden, nicht jedoch aktiv Handlungen am Beschuldigten 

vorzunehmen (act. 60 und 110). Mit den genannten "Gegenleistungen", 

welche verlangt worden seien, er aber nicht vorgenommen habe, waren 

damit aller Wahrscheinlichkeit nach aktive Handlungen am Beschuldigten 

gemeint. Jedenfalls können die Angaben des Geschädigten, dass es zu 

keinen "Gegenleistungen" seinerseits gekommen sei, entgegen der An-

sicht des Beschuldigten nicht dahingehend interpretiert werden, dass der 

Beschuldigte damals noch keine sexuellen Handlungen an ihm vorgenom-

men habe. Es liegt damit kein Widerspruch zu den Belastungen des Ge-

schädigten vor. Dass der Geschädigte erst anlässlich der delegierten Ein-

vernahme vom 29. Oktober 2021 vom Oralverkehr berichtete, erstaunt 

ebenfalls nicht, zumal er angab, dass dieser jeweils am Wohnort des Be-

schuldigten erfolgt sei, wo er erstmals im Frühling (und damit nach den 

Aussagen vom 23. Februar 2021) gewesen sei. 

 

Entgegen der Ansicht des Beschuldigten schilderte der Geschädigte die 

Tatvorwürfe anschaulich und unter Nennung von diversen Einzelheiten, In-

teraktionen und Dialogen. Es kann dabei etwa auf die wiedergegebene (im 

freien Bericht erfolgten) Schilderungen des ersten Oralverkehrs anlässlich 

 - 17 - 

 

 

der ersten Einvernahme vom 29. Oktober 2021 sowie auf die gegenüber 

der Kantonspolizei Zürich am 23. Februar 2021 genannten Handlungen 

("Penis kneten" auf der Rückbank des Autos) verwiesen werden. Die Schil-

derung der weiteren genannten sexuellen Handlungen erfolgte zwar weni-

ger detailliert. Der Geschädigte verknüpfte jedoch auch diese örtlich, schil-

derte sein eigenes passives Verhalten sowie eigene Gedanken. Er ordnete 

die einzelnen Handlungen ein und bezeichnete etwa den Oralverkehr als 

äusserste Handlung, welche er zugelassen hätte. Dabei fällt auf, dass er 

es unterliess, den Geschädigten übermässig zu belasten. Insbesondere 

gab er an, dass der Beschuldigte "lediglich" vier Mal den Oralverkehr voll-

zogen habe und differenzierte, ob der Beschuldigte ihn über oder unter den 

Kleidern angefasst habe. Das Fehlverhalten schien er zudem bei sich 

selbst zu suchen, wenn er angab, dass es nicht richtig gewesen sei, dass 

er die Situation bzw. den pädophilen und in ihn verliebten Beschuldigten 

ausgenutzt habe, um an dessen Geld zu kommen. Insgesamt ist der Vor-

instanz zuzustimmen, dass die belastenden Aussagen des Geschädigten 

eine hohe Qualität aufweisen (E. 2.6.2). 

 

Ein Motiv, den Beschuldigten falsch zu belasten, ist nicht erkennbar. Viel-

mehr lief der Beschuldigte, welcher durchwegs einräumte, dass er mög-

lichst viel Geld vom Beschuldigten habe erhalten wollen, durch seine Aus-

sagen in Gefahr, dass der Beschuldigte seine Zahlungen aufgrund der Be-

lastungen durch den Geschädigten einstellen könnte, was gerade gegen 

eine Falschbelastung spricht. Das Argument des Beschuldigten, dass der 

Geschädigte (auch gemäss den Aussagen der früheren Beiständin) eine 

lockere Zunge habe und sich der Konsequenzen seines Handelns nicht be-

wusst sei, vermag die konstant und anschaulich gegenüber verschiedenen 

Personen geschilderten Handlungen des Beschuldigten ebenfalls nicht in 

Zweifel zu ziehen. Gleiches gilt auch für den Hinweis des Beschuldigten, 

dass der Geschädigte realitätsfremdes Verhalten zeige, sich für eine Art 

Gott halte und er – etwa mit der Aussage, dass der Beschuldigte jedes Mal 

einen Orgasmus habe, wenn er ihn sehe – übertreibe. Insbesondere stellt 

der Geschädigte – wie erwähnt – die dem Beschuldigten vorgeworfenen 

Handlungen nicht übertrieben oder unnötig belastend dar. 

 

3.5.3. 

Die Aussagen des Geschädigten anlässlich der Hauptverhandlung vom 

20. März 2023, wonach seine früheren Aussagen gelogen gewesen seien, 

sind hingegen wenig nachvollziehbar. Insbesondere seine Angaben, dass 

die früheren Belastungen nur auf Druck seiner früheren Beiständin und 

zweier Mitarbeiterinnen der F._____ AG erfolgt seien und diese ihm gesagt 

hätten, dass er eine Geschichte erfinden solle und ihm hierfür gewisse 

Tipps gegeben hätten (act. 437 ff., 442 f.; vgl. auch Schreiben an die 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 5. September 2022, act. 200), 

sind nicht glaubhaft, zumal keinerlei Interessen dieser Personen ersichtlich 

 - 18 - 

 

 

sind, eine ihnen unbekannte Person falsch zu beschuldigen. Auch ver-

mochte der Geschädigte nicht plausibel darzulegen, welches Motiv diese 

Personen für ein solches Verhalten hätten haben können. Die Aussagen 

des Beschuldigten blieben zudem pauschal. Zum Ablauf der früheren Tref-

fen mit dem Beschuldigten äusserte er sich gar nicht mehr und gab lediglich 

an, dass der Beschuldigte ihm Geld gebe, weil er "ein goldenes Herz" habe 

(act. 440), er für ihn wie ein Grossvater sei und von ihm lediglich Gesell-

schaft verlange, welche er gerne leiste (act. 441). Die Aussagen des Ge-

schädigten an der Hauptverhandlung vermögen damit nicht zu überzeu-

gen. Es drängt sich auf, dass der mittlerweile volljährige Geschädigte ver-

suchte, strafrechtliche Konsequenzen für den Beschuldigten zu verhindern, 

zumal er seit Mitte Mai 2022 bei diesem wohnt und auch finanziell stark von 

ihm abhängig zu sein scheint (vgl. act. 369 und 448 f.).  

 

3.5.4. 

Zusammengefasst weisen die belastenden Aussagen des Geschädigten 

eine hohe Glaubhaftigkeit auf, während seine späteren Aussagen an der 

Hauptverhandlung nicht plausibel erscheinen und keinerlei Angaben zum 

früher geschilderten Kerngeschehen enthalten.  

 

3.6. 

3.6.1. 

Der Beschuldigte gab durchwegs an, dass er den Geschädigten im Rah-

men seiner Tätigkeit als […] kennengelernt und auf seine schwere Vorge-

schichte aufmerksam geworden sei. Er habe wenig später mit ihm Kontakt 

aufgenommen und ihm seine Hilfe angeboten. Er habe ihm bzw. dem Vater 

schliesslich regelmässig hohe Geldbeträge für verschiedene Zwecke zu-

kommen lassen. Sexuelle Handlungen mit dem Geschädigten verneinte er 

durchwegs (Aussagen gegenüber der Stadtpolizei Zürich vom 2. März 

2021, wiedergegeben im Polizeirapport vom 12. März 2021, act. 72; dele-

gierte Einvernahme vom 19. November 2021 act. 89 ff.; Protokoll Haupt-

verhandlung vom 20. März 2023 act. 443 ff.). Gegenüber der Stadtpolizei 

Zürich gab er an, dass er für den Geschädigten eine Vaterrolle eingenom-

men habe. Der Geschädigte sehe ihn vermutlich als Freund (act. 72). An-

lässlich der Hauptverhandlung vom 20. März 2021 gab er auf die Frage, 

weshalb ihn der Geschädigte falsch belastet habe, an, dass der Geschä-

digte lediglich Geld gewollt habe und von anderen unter Druck gesetzt wor-

den sei (act. 446).  

 

3.6.2. 

Die Version des Beschuldigten, dass er die schwierige Vorgeschichte des 

ihm bislang unbekannten Geschädigten gehört habe, einzig aus Mitleid den 

Kontakt zu ihm gesucht und ihm schliesslich die sehr hohen Geldbeträge 

bezahlt habe, erscheint nicht plausibel. Der Geschädigte wurde nach über-

einstimmenden Angaben Anfang November 2020 mit dem Krankenwagen 

von X._____ (C._____) in die Kinder- und Jugendpsychiatrie der D._____ 

 - 19 - 

 

 

nach Y._____ transportiert und durch den Beschuldigten als […] begleitet 

(act. 59, 72, 93, 106 und 445). Bei den D._____ war eine Betreuung des 

Geschädigten durch Fachpersonen sowie die Suche nach einer Anschluss-

lösung zu erwarten, womit sich der Geschädigte – trotz seiner Vorge-

schichte – nicht in einer Notlage befand, welche irgendeine über die beruf-

liche Tätigkeit des Beschuldigten hinausgehende Betreuung erfordert 

hätte. Dies musste auch dem Beschuldigten bekannt sein. Zudem dürfte 

der Beschuldigte als auf Kinder und Jugendliche spezialisierter […] wieder-

holt mit schwierigen Situationen von Kindern und Jugendlichen konfrontiert 

gewesen sein, womit seine Angaben, dass er aufgrund der Vorgeschichte 

des Geschädigten "fast schlaflose Nächte" gehabt habe und ihm habe hel-

fen wollen (act. 445), skeptisch stimmen. Dass der Beschuldigte ohne Wei-

teres bereit gewesen sei, regelmässig derart hohe Geldbeträge an den Ge-

schädigten und dessen Vater zu entrichten, erscheint sodann nicht nach-

vollziehbar, zumal er angab, dass er selbst in knappen finanziellen Verhält-

nissen lebe, trotz Erreichen des Rentenalters noch arbeiten müsse und nun 

aufgrund der Geldzahlungen an den Geschädigten finanzielle Probleme 

habe (act. 446 und 449). 

 

Die Aussage des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung, dass er 

keinen Kontakt zu anderen Jugendlichen oder Kindern gesucht habe, wel-

che er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit "kennengelernt" habe, ist 

weiter durch die Akten widerlegt. So schrieb der Beschuldigte im Februar 

2020 einen Brief an einen zwölfjährigen Jungen, welchen er nach einem 

Snowboardunfall betreut hatte, und forderte ihn (unter Kundgabe seines 

Mitleids) zu gemeinsamen Treffen, Ausflügen und Ferien auf (act. 79 f.), 

worauf die Eltern des Jungen die Polizei informierten (Polizeirapport der 

Kantonspolizei Zürich vom 22. April 2020, act. 76 ff.). Auch diesbezüglich 

vermochte der Beschuldigte keinen nachvollziehbaren Grund für sein Han-

deln darzulegen und führte aus, dass er lediglich habe helfen bzw. eine 

Freude habe machen wollen (act. 98) bzw. dass er Kindern und Jugendli-

chen zuliebe alles tun würde (act. 447).  

 

Entgegen der Ansicht des Beschuldigten vermögen die den Geldzahlungen 

an den Geschädigten und dessen Vater angefügten Kommentare die Aus-

sagen des Geschädigten, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen 

sei, nicht zu widerlegen, zumal auch der Geschädigte durchwegs angab, 

dass die einzelnen sexuellen Handlungen nicht direkt gegen Bezahlung er-

folgt seien. Vielmehr habe er jeweils unter Angabe irgendwelcher Gründe 

Geld vom Beschuldigten verlangt und der Beschuldigte habe jeweils ein-

fach Gelegenheiten für die sexuellen Handlungen genutzt. Dass der Be-

schuldigte in den Kommentaren gegenüber dem Geschädigten eine ge-

wisse Zuneigung ausdrückte (vgl. Art. 225 ff.), spricht ebenfalls nicht gegen 

die Vornahme sexueller Handlungen, sondern lässt sich mit den Aussagen 

des Geschädigten vereinbaren, dass der Beschuldigte regelrecht verliebt 

in ihn gewesen sei (act. 109 f.).  

 - 20 - 

 

 

3.6.3. 

Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschuldigten nicht glaubhaft, 

womit nachfolgend nicht darauf abzustellen ist.  

 

3.7. 

Zusammengefasst stehen die glaubhaften Aussagen des Geschädigten im 

Vorverfahren den nicht überzeugenden Angaben des Beschuldigten sowie 

des Geschädigten an der Hauptverhandlung gegenüber, womit auf erstere 

abzustellen ist. Es ist damit davon auszugehen, dass es zu den in der An-

klage geschilderten Handlungen kam (insgesamt vier Mal Oralverkehr, den 

der Beschuldigte an seinem Wohnort am Geschädigten vorgenommen hat; 

Berührung im Intimbereich des Geschädigten [über der Hose] in den Itali-

enferien, Penis am Arm des Geschädigten gerieben, Penis des Geschädig-

ten im Auto zwei bis drei Minuten geknetet, am Bein gestreichelt, Umar-

mungen sowie Küsse auf die Wange). Unter diesen Umständen besteht 

kein Anlass, über den Geschädigten (wie vom Beschuldigten beantragt) ein 

aussagepsychologisches Gutachten erstellen zu lassen, zumal die Prüfung 

der Aussagen primär auch Sache des Gerichts ist und hier keine besonde-

ren Umstände vorliegen (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_480/2021 vom 5. April 2023 E. 3.3.2).  

 

4. 

4.1. 

Wer mit einer minderjährigen Person sexuelle Handlungen vornimmt oder 

solche von ihr vornehmen lässt und ihr dafür ein Entgelt leistet oder ver-

spricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft 

(Art. 196 StGB).  

 

Es kann auf die zutreffenden theoretischen Ausführungen der Vorinstanz 

verwiesen werden (E. 2.8.1). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Der Begriff der sexuellen Handlungen wird im Anwendungsbereich von 

Art. 196 StGB (wie im ganzen Sexualstrafrecht) als körperliche Betätigung 

am eigenen Körper oder demjenigen einer anderen Person, welche für den 

objektiven Betrachter unmittelbar auf die Erregung oder Befriedigung ge-

schlechtlicher Lust – wenn auch nur bei einem der Beteiligten – gerichtet 

ist, definiert (BERNHARD ISENRING/MARTIN A. KESSLER, in: Basler Kommen-

tar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 11 zu Art. 196 StGB).  

 

Die Vorinstanz hat zu Recht den Oralverkehr, welcher der Beschuldigte vier 

Mal an seinem Wohnort am Geschädigten vollzogen hat, die Berührung im 

Intimbereich des Geschädigten über der Hose in den Italienferien, das Rei-

ben des Penis am Arm des Geschädigten sowie das Kneten des Penis des 

 - 21 - 

 

 

Geschädigten im Auto während zwei bis drei Minuten als sexuelle Hand-

lungen eingestuft (E. 2.8.2).  

 

Aus dem vorinstanzlichen Urteil ist sodann abzuleiten, dass die Vorinstanz 

die in der Anklage geschilderten Umarmungen und Küsse auf die Wange 

nicht als sexuelle Handlungen einordnete (E. 2.8.2). Dies erweist sich mit 

Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ebenfalls als zutreffend 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1102/2019 vom 28. November 2019 

E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 125 IV 58 E. 3b). 

 

Hinsichtlich des vom Geschädigten geschilderten Streichelns am Bein lie-

gen keine weiteren Informationen vor, aus welchen eine (objektiv erkenn-

bare) sexuelle Motivation dieser Handlung abgeleitet werden könnte. Im 

Zweifel ist damit – entgegen der Vorinstanz (E. 2.8.2) – von einer ambiva-

lenten Verhaltensweise des Beschuldigten auszugehen, welche die Vo-

raussetzungen einer sexuellen Handlung gemäss Art. 196 StGB nicht er-

füllt. 

 

Damit sind folgende Handlungen des Beschuldigten als sexuelle Handlun-

gen i.S.v. Art. 196 StGB einzustufen: insgesamt vier Mal Oralverkehr, wel-

cher der Beschuldigte jeweils an seinem Wohnort am Geschädigten vorge-

nommen hat; Berührung im Intimbereich des Geschädigten (über der Hose) 

in den Italienferien, Reiben des Penis am Arm des Geschädigten, Kneten 

des Penis des Geschädigten im Auto während zwei bis drei Minuten.  

 

4.2.2. 

Es ist (wie erwähnt) unbestritten, dass der Beschuldigte dem Geschädigten 

bzw. dessen Vater hohe Geldbeträge – rund Fr. 60'0000.00 an den Vater, 

Direktzahlungen an den Geschädigten und auf dessen eigens eröffnetes 

Konto; gemäss dem Geschädigten insgesamt ca. Fr. 90'000.00 – entrich-

tete. Unbestritten ist auch, dass diese Zahlungen auf Wunsch des Geschä-

digten erfolgten, wobei dieser jeweils verschiedene, teilweise auch erfun-

dene Gründe für seinen Geldbedarf nannte (act. 109 und 374).  

 

4.2.3. 

Der Beschuldigte bringt vor, dass die Geldzahlungen nicht im Zusammen-

hang mit sexuellen Handlungen geleistet worden seien. Es habe kein "do 

ut des-Verhältnis" bestanden. 

 

Zwischen der sexuellen Handlung und dem versprochenen oder geleiste-

ten Entgelt muss ein Kausalzusammenhang bestehen. Es muss objektiv 

davon ausgegangen werden können, dass das (versprochene) Entgelt 

Grund für die sexuelle Handlung bzw. das Einverständnis des Opfers ist 

und es sich nicht um eine Liebesbeziehung handelt. Auch eine "Zweckge-

meinschaft" mit grossem wirtschaftlichem Gefälle erfüllt den Tatbestand, 

 - 22 - 

 

 

wenn es sich nicht um eine eigentliche Liebesbeziehung handelt (BERN-

HARD ISENRING/MARTIN A. KESSLER, a.a.O., N. 16 f. zu Art. 196 StGB). 

  

Entgegen der Ansicht des Beschuldigten ist für die Erfüllung des Tatbe-

stands damit nicht erforderlich, dass die einzelnen sexuellen Handlungen 

zeitnah direkt mit einem bestimmten Betrag entlöhnt werden bzw. einer be-

stimmten Zahlung zugeordnet werden können. Aus den glaubhaften Aus-

sagen des im Tatzeitpunkt gerade 16 Jahre alt gewordenen und damit min-

derjährigen Geschädigten geht deutlich hervor, dass er keine Liebesbezie-

hung mit dem 71-jährigen Beschuldigten geführt und er den Kontakt ledig-

lich aufrechterhalten und die sexuellen Handlungen geduldet hat, um Geld 

zu erlangen. Es kann hierzu etwa auf die bereits erwähnte Aussage des 

Geschädigten zum viermaligen Oralverkehr verwiesen werden (act 107: 

"Ich wollte das nie, aber er wollte und gab mir zu verstehen, es gebe dann 

kein Geld mehr. Ich habe mich dann passiv verhalten und am Handy han-

tiert, während er meine Hose runterliess …"). Der vorausgesetzte Kausal-

zusammenhang zwischen den Geldzahlungen und dem Einverständnis 

des Geschädigten zur Duldung der sexuellen Handlungen ist damit zu be-

jahen. Dass der Geschädigte versuchte, möglichst hohe Geldbeträge zu 

erlangen und die einzelnen Zahlungen jeweils auf Wunsch des Geschädig-

ten aus verschiedenen, teilweise auch von diesem erfundenen Gründen 

erfolgten (etwa für die Bezahlung von Bussen, Taxifahrten, Flugtickets, Ho-

telrechnungen etc. [polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten als Aus-

kunftsperson vom 27. April 2022 im Verfahren gegen den Vater des Ge-

schädigten, S. 3 ff.]), vermag daran nichts zu ändern. Relevant ist einzig, 

dass der Geschädigte die sexuellen Handlungen nur aufgrund der Geld-

zahlungen duldete, nicht hingegen, zu welchem Verwendungszweck die 

Zahlungen geleistet wurden. 

 

4.2.4. 

Der Beschuldigte hat damit dem Geschädigten hohe Geldbeträge bezahlt, 

aufgrund welcher dieser bereit war, die vom Beschuldigten vorgenomme-

nen sexuellen Handlungen zu dulden. Der objektive Tatbestand der mehr-

fachen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt gemäss 

Art. 196 StGB ist damit erfüllt.  

 

4.3. 

Selbst der Beschuldigte macht nicht geltend, dass er in einer Liebesbezie-

hung mit dem Geschädigten gestanden sei (act. 448). Damit war ihm auch 

klar, dass der Geschädigte die sexuellen Handlungen nur duldete, um wei-

terhin Geldzahlungen zu erhalten. Entsprechend hat er willentlich und wis-

sentlich Geldzahlungen geleistet, um sexuelle Handlungen am Geschädig-

ten vornehmen zu können. Damit hat er zumindest eventualvorsätzlich ge-

handelt. Der subjektive Tatbestand ist somit ebenfalls erfüllt. 

 

 - 23 - 

 

 

4.4. 

Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich. 

Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen mehrfachen sexuellen Handlun-

gen mit Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB ist damit zu 

bestätigen.  

 

5. 

5.1. 

Angefochten ist sodann der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Überlas-

sens eines Motorfahrzeuges an eine Person ohne Führerausweis gemäss 

Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG am 11. Februar 2021. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, dem Geschädigten (wie bereits 

anlässlich der vorliegend unbestritten gebliebenen Tat vom 15. Februar 

2021) sein Fahrzeug zur Fahrt überlassen zu haben.  

 

5.2.2. 

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt gestützt auf die Aussagen des 

Geschädigten und des Beschuldigten als erstellt und sprach den Beschul-

digten des (mehrfachen) Überlassens eines Motorfahrzeuges an eine Per-

son ohne Führerausweis schuldig (E. 3.4 ff.). 

 

5.2.3. 

Mit Berufung wird geltend gemacht, dass dem Beschuldigten anlässlich der 

Befragung vom 15. Februar 2021 lediglich die einfache Begehung des Tat-

bestands vorgeworfen worden sei. Eine mehrfache Begehung sei ihm nicht 

vorgeworfen worden und habe er auch nicht anerkannt. Der Sachverhalt 

sei damit unrichtig festgestellt worden. Die Hintergründe des Ereignisses 

vom 11. Februar 2021 seien sodann nicht näher abgeklärt worden und 

auch nicht anderweitig erstellt. Es stehe weder fest, dass der Beschuldigte 

dem Geschädigten an diesem Tag ein Motorfahrzeug überlassen habe, 

noch sei erstellt, ob das SVG auf dieses Ereignis überhaupt anwendbar sei. 

Dass sich der Beschuldigte am 11. Februar 2021 ebenfalls strafbar verhal-

ten habe, sei damit nicht ansatzweise bewiesen. 

 

5.2.4. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verwies zur Begründung ihrer Be-

rufungsantwort auf das vorinstanzliche Urteil.  

 

5.3. 

5.3.1. 

Wer ein Motorfahrzeug einem Führer überlässt, von dem er weiss oder bei 

pflichtgemässer Aufmerksamkeit wissen kann, dass er den erforderlichen 

 - 24 - 

 

 

Ausweis nicht hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geld-

strafe bestraft (Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG). Wer ein Motorfahrzeug führt, be-

darf des Führerausweises (Art. 10 Abs. 2 SVG). 

 

5.3.2. 

Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, gab der Beschuldigte anlässlich der 

Befragung vom 15. Februar 2021 gegenüber der Kantonspolizei an, dass 

er den Geschädigten bereits am Donnerstag, 11. Februar 2021, mit seinem 

Fahrzeug habe fahren lassen (act. 120). Anlässlich der Hauptverhandlung 

vom 20. März 2023 bestätigte er, dass er den Geschädigten, welcher auch 

heute noch nicht über einen Führerausweis verfüge, zweimal habe mit sei-

nem Auto fahren lassen. Er sei ein fantastischer Autofahrer (act. 452). Auch 

der Geschädigte gab am 15. Februar 2021 an, bereits mehrfach (insgesamt 

vier Mal) das Auto des Beschuldigten gefahren zu haben, wobei der Be-

schuldigte immer dabei sei und bereit sei, einzugreifen, wenn etwas ge-

schehen sollte (act. 123).  

 

Der Geschädigte gibt an, seine Fahrpraxis bereits vor der Kontrolle vom 

15. Februar 2021 zunächst für ca. zwei Stunden im Wald beim W._____ 

(seinem damaligen Betreuungsort, act. 120) und später auf der Strasse er-

worben zu haben (act. 123). Das Strassenverkehrsgesetz regelt unter an-

derem den Verkehr auf den öffentlichen Strassen (Art. 1 Abs. 1 SVG). 

Strassen sind die von Motorfahrzeugen, motorlosen Fahrzeugen oder 

Fussgängern benützten Verkehrsflächen. Öffentlich sind Strassen, die 

nicht ausschliesslich privatem Gebrauch dienen (Art. 1 Abs. 1 und 2 VRV). 

Massgebend ist dabei nicht, ob die Strasse in privatem oder öffentlichem 

Eigentum steht, sondern ob sie dem allgemeinen Verkehr dient. Letzteres 

trifft zu, wenn sie einem unbestimmbaren Personenkreis (z.B. Besucher 

und Kunden) zur Verfügung steht, selbst wenn die Benutzung nach Art oder 

Zweck eingeschränkt ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_630/2015 vom 

8. Februar 2015 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1019/2016 vom 

24. Mai 2017 E. 2.3). Entscheidend ist die faktische Benutzungsmöglich-

keit. Strassen sind dann öffentlich, wenn sie einem unbestimmbaren Be-

nutzerkreis offenstehen, unabhängig davon, ob sie von allen oder nur be-

stimmten Kategorien von Verkehrsteilnehmern (Autobahnen, Radwege, 

Trottoirs, Waldwege) oder nur zu bestimmten Zwecken (z.B. nur Zubringer-

dienst) benützt werden können (HANS GIGER, Strassenverkehrsgesetz, 

9. Aufl., 2022, N. 7 zu Art. 1 SVG). Damit ist das Strassenverkehrsgesetz 

auch auf die früheren Fahrten vor dem 15. Februar 2021, welche anfänglich 

im Wald und später auf der Strasse durchgeführt wurden, anwendbar. 

 

Insgesamt ist damit weder die durch die Vorinstanz vorgenommene Sach-

verhaltsfeststellung noch deren rechtliche Einordnung zu beanstanden. Es 

ist erstellt, dass der Beschuldigte den Geschädigten auch am 11. Februar 

2021 mit seinem Fahrzeug auf einer öffentlichen Strasse i.S.v. Art. 1 SVG 

fahren liess. Dem Beschuldigten war bekannt, dass der zur Tatzeit erst 

 - 25 - 

 

 

sechzehnjährige Geschädigte nicht über einen Führerausweis verfügte. Er 

handelte damit vorsätzlich. Das Überlassen des Fahrzeugs an den Ge-

schädigten am 11. Februar 2021 erfüllt somit den Tatbestand des Überlas-

sens eines Motorfahrzeugs an eine Person ohne Führerausweis gemäss 

Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG. 

 

5.4. 

Auch hier sind keine Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe 

ersichtlich, womit der vorinstanzliche Schuldspruch zu bestätigen ist.  

 

5.5. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte der mehrfachen sexuellen Hand-

lungen mit Minderjährigen gegen Entgelt gemäss Art. 196 StGB sowie des 

(mehrfachen) Überlassens eines Motorfahrzeugs an eine Person ohne 

Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG 

schuldig zu sprechen. 

 

6. 

6.1. 

Der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Ent-

gelt gemäss Art. 196 StGB sieht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe vor. Das Überlassen eines Motorfahrzeugs an eine Person ohne 

Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG wird ebenfalls mit Frei-

heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. 

 

6.2. 

6.2.1. 

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe 

von 180 Tagessätzen à Fr. 250.00, Probezeit 2 Jahre, sowie zu einer Busse 

von Fr. 9'000.00 (ersatzweise 36 Tage Freiheitsstrafe).  

 

6.2.2. 

Der Beschuldigte beantragt eine minimale Geldstrafe und eine minimale 

Busse für das (unangefochten gebliebene) Überlassen eines Motorfahr-

zeugs an eine Person ohne Führerausweis am 15. Februar 2021. Für die 

Festlegung der Tagessatzhöhe sei das im Jahr 2022 monatlich erhaltene 

Renteneinkommen von netto Fr. 5'042.35 massgeblich. Zudem sei die Ver-

bindungsbusse angemessen zu reduzieren. 

 

6.3. 

6.3.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze zur Strafzumessung wiederholt dar-

gelegt. Darauf kann verwiesen werden (BGE 147 IV 241; 144 IV 217 E. 3; 

141 IV 61 E. 6.1; 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).  

 

 - 26 - 

 

 

Die gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Strafzumessung 

anwendbare sog. "konkrete Methode" verlangt die Würdigung der einzel-

nen Straftaten und damit auch die Wahl der jeweiligen Strafart in einem 

separaten Schritt. Erst nach Festsetzung der Einzelstraftaten kann festge-

legt werden, ob die Einzelstrafen gleichartig sind oder nicht (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_382/2021 vom 25. Juli 2022 E. 3.2.1 mit Verweis auf 

BGE 144 IV 313 E. 1 und BGE 144 IV 217 E. 4.1). Fällt das Gericht im 

konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen aus, 

so ist eine Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips nach 

Art. 49 Abs. 1 StGB zu bilden (BGE 144 IV 217; BGE 142 IV 265 E. 2.3.2; 

BGE 138 IV 120 E. 5.2). 

 

6.3.2. 

Die Vorinstanz hat festgehalten, dass für die zur Beurteilung stehenden 

Delikte je eine Geldstrafe auszusprechen wäre und auf eine Gesamtgeld-

strafe erkannt (E. 5.3.3). Die Aussprechung einer Freiheitsstrafe fällt damit 

bereits angesichts des Verschlechterungsverbots ausser Betracht (Art. 391 

Abs. 2 StPO). 

 

6.3.3. 

Zunächst ist für die schwerste Tat eine Einsatzstrafe festzulegen.  

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder Gefähr-

dung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Geschütztes 

Rechtsgut ist bei über sechzehnjährigen Personen der Schutz vor sexueller 

Ausbeutung und gleichzeitig der Schutz vor dem Abgleiten in die Prostitu-

tion (TRECHSEL/BERTOSSA, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-

kommentar, 4. Aufl. 2021, N. 1 zu Art. 196 StGB). Die Art und Intensität der 

vorgenommenen sexuellen Handlungen spielt bei der Zumessung der 

Strafe eine erhebliche Rolle, zumal schwerere Handlungen, die gegen Ent-

gelt erduldet oder vorgenommen werden, eine erhöhte Gefährdung der 

minderjährigen Person darstellen. Damit ist der erste Oralverkehr, den der 

Beschuldigte an seinem Wohnort am Geschädigten vornahm, als 

schwerste Tat einzuordnen. Der Oralverkehr ist im oberen Bereich der un-

ter den Tatbestand fallenden möglichen sexuellen Handlungen und damit 

als schwerwiegend einzuordnen. Zwar war dem Geschädigten aufgrund 

früherer sexueller Handlungen des Beschuldigten (am Bein streicheln so-

wie "Peniskneten") bewusst, dass der Beschuldigte auch anlässlich eines 

Besuchs an dessen Wohnort im Kanton Z._____ ähnliche Handlungen vor-

nehmen könnte, welche er in der Vergangenheit zwar abgelehnt, jedoch 

dennoch zugelassen hatte, um auch weiterhin vom Beschuldigten hohe 

Geldbeträge zu erhalten. Der erstmalige Oralverkehr stellte im Vergleich zu 

den genannten früheren Handlungen (am Bein streicheln sowie "Peniskne-

ten") eine Steigerung dar und wurde vom Geschädigten als maximale 

Handlung, welche er dulden würde, beschrieben. Hinzu kommt, dass sich 

der Geschädigte im Halbschlaf und damit (zumindest anfänglich) in einer 

 - 27 - 

 

 

gewissen Überrumplungssituation befand. Erschwerend fällt zudem ins 

Gewicht, dass dem Beschuldigten die schwierige Vorgeschichte des Ge-

schädigten mit diversen Heimaufenthalten bekannt war (vgl. etwa act. 21, 

106 f., 120 und 374, vgl. auch Schreiben des Amts für Justizvollzugs an die 

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom 13. Dezember 2021 mit Hinweis 

auf das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 16. Dezember 

2010 betreffend den Vater des Geschädigten [Verfahrensakten STA2 

ST.2021.7127]), und er den Umstand ausnutzte, dass der Geschädigte 

über die Heimbetreuung hinaus keine Bezugspersonen hatte, die ihn un-

terstützten. Dass sich der Geschädigte auf den Standpunkt stellt, dass er 

derjenige gewesen sei, welcher den Beschuldigten "ausgenommen" und er 

wiederholt Gründe erfunden habe, um noch mehr Geld zu erlangen, ver-

mag daran nichts zu ändern. Dass der Geschädigte nur wenige Monate vor 

der Tat 16 Jahre alt geworden war und er sich immerhin (wenn auch nur 

knapp) nicht mehr im Schutzalter befand sowie der Umstand, dass der Be-

schuldigte keine Gewalt angewendet hat, ist neutral zu werten. Insgesamt 

ist das Verschulden innerhalb des Möglichen als knapp mittelschwer ein-

zuordnen und es erscheint eine Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen ange-

messen.  

 

6.3.4. 

Die Einsatzstrafe ist für die weiteren Taten in Anwendung des Asperations-

prinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.  

 

Zunächst ist auf die weiteren drei Taten, bei welchen der Beschuldigte an 

seinem Wohnort den Oralverkehr am Geschädigten vorgenommen hat, ein-

zugehen. Bei diesen Taten war dem Geschädigten bereits bewusst, dass 

der Beschuldigte erneut auch schwerwiegende sexuelle Handlungen vor-

nehmen könnte und er war angesichts der hohen Geldbeträge, welche der 

Beschuldigte ihm nach wie vor bezahlte, bereit, diese zu dulden. Im Übri-

gen kann auf die obigen Ausführungen verwiesen werden. Insgesamt ist in 

allen drei Fällen ebenfalls von einem knapp mittelschweren Verschulden 

und bei isolierter Betrachtung von einer angemessenen Strafe von je 

120 Tagessätzen auszugehen. Es besteht ein sehr enger sachlicher und 

im Zweifel auch ein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Taten, womit 

nicht von einem hohen Gesamtschuldbeitrag auszugehen ist und eine Er-

höhung der Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen um je 40 Tagessätze an-

gemessen erscheint.  

 

Damit würde die Strafobergrenze von 180 Tagessätzen (Art. 34 StGB) je-

doch bereits erreicht. Da hier das Verschlechterungsverbot gilt und ein 

Strafartenwechsel ausgeschlossen ist (BGE 144 IV 313 E. 1.1.3), hat es 

bei einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu bleiben. Dass dieses Ergeb-

nis zu einer unbillig milden Strafe führen kann, ist nach der Rechtsprechung 

des Bundesgerichts hinzunehmen und rechtfertigt kein systemwidriges und 

ergebnisorientiertes Abweichen vom Willen des Gesetzgebers und dem 

 - 28 - 

 

 

Wortlaut der Norm (BGE 144 IV 217 E. 3.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_244/2021 vom 17. April 2023 E. 5).  

 

Unter diesen Umständen erübrigen sich Ausführungen zu den an sich noch 

zu asperierenden weiteren Taten (weitere sexuelle Handlungen mit Min-

derjährigen gegen Entgelt sowie mehrfaches Überlassen eines Motorfahr-

zeugs an eine Person ohne Führerausweis).  

 

6.3.5. 

Die Vorinstanz hat die Täterkomponente neutral gewertet, da der Beschul-

digte keine zu berücksichtigenden Vorstrafen aufweise (act. 2) und ihm kein 

Geständnis oder besondere Kooperation zugute zu halten sei. Der Um-

stand, dass er bereits im Februar 2020 privaten Kontakt zu einem Kind 

suchte, welches er zuvor im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit kurz be-

treut hatte, kann ihm nicht angelastet werden, zumal es sich dabei zwar um 

unangemessenes Verhalten handelte, jedoch keine strafbaren Handlungen 

bekannt geworden sind. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschul-

digte am 7. Januar 2023 sein Fahrzeug erneut dem Geschädigten zur Fahrt 

überlassen hat (act. 418). Am 12. April 2023 wurde der Beschuldigte hierfür 

durch die Staatsanwaltschaft Graubünden, Zweigstelle Ilanz, wegen Über-

lassens eines Motorfahrzeugs an eine Person ohne Führerausweis zu einer 

bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt (Strafregisterauszug vom 

3. Januar 2024). Der Beschuldigte zeigte sich damit hinsichtlich dieses De-

likts unbelehrbar, was grundsätzlich zu seinen Lasten zu berücksichtigen 

wäre. Angesichts des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StGB) ist 

eine weitere Erhöhung der Strafe indessen ausgeschlossen.  

 

6.3.6. 

Insgesamt hat es bei der vorinstanzlich festgesetzten Geldstrafe von 

180 Tagessätzen (zuzüglich der Verbindungsbusse, siehe E. 4.5) zu blei-

ben.  

 

6.3.7. 

Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters 

im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ein Tagessatz beträgt in der Re-

gel mindestens 30 und höchstens 3'000 Franken. Ausnahmsweise, wenn 

die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters dies gebie-

ten, kann der Tagessatz bis auf 10 Franken gesenkt werden. Das Gericht 

bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaft-

lichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach 

Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Un-

terstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 

StGB). Ausgangspunkt für die Bemessung bildet das Nettoeinkommen, das 

dem Täter im Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich an einem Tag zufliesst, 

ganz gleich, aus welcher Quelle die Einkünfte stammen. Zum Einkommen 

 - 29 - 

 

 

zählen ausser den Einkünften aus selbständiger und unselbständiger Ar-

beit namentlich auch privat- und öffentlichrechtliche Unterhalts- und Unter-

stützungsbeiträge, Renten, Sozialversicherungs- und Sozialhilfeleistungen 

sowie Naturaleinkünfte. Die Geldstrafe soll auch für Mittellose zur Verfü-

gung stehen. Um der schlechten finanziellen Situation Rechnung zu tragen, 

ist der Tagessatz für Verurteilte, die nahe am oder unter dem Existenzmi-

nimum leben, in dem Masse herabzusetzen, dass einerseits die Ernsthaf-

tigkeit der Sanktion durch den Eingriff in die gewohnte Lebensführung er-

kennbar ist und andererseits der Eingriff nach den persönlichen und wirt-

schaftlichen Verhältnissen als zumutbar erscheint. Als Richtwert lässt sich 

festhalten, dass eine Herabsetzung des Nettoeinkommens um mindestens 

die Hälfte geboten ist. Bei einer hohen Anzahl Tagessätze – namentlich bei 

Geldstrafen von mehr als 90 Tagessätzen – ist eine Reduktion um weitere 

10-30 % angebracht, da mit zunehmender Dauer die wirtschaftliche Be-

drängnis und damit das Strafleiden progressiv ansteigt. Die Bemessung 

des Tagessatzes im Einzelfall ist dem sorgfältigen richterlichen Ermessen 

anheimgestellt (Urteil des Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Oktober 

2020 E. 2.2.2 mit Hinweis auf BGE 142 IV 315 E. 5.3.2 und BGE 134 IV 60 

E. 5.4, 6.1 und 6.5.2). Die Anpassung der Höhe des Tagessatzes aufgrund 

verbesserter finanzieller Verhältnisse, welche dem erstinstanzlichen Ge-

richt im Zeitpunkt seines Urteils noch nicht bekannt sein konnten, verstösst 

nicht gegen das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO; 

vgl. BGE 144 IV 198 E. 5.4). 

 

Der Beschuldigte macht geltend, dass das Arbeitsverhältnis mit der 

G._____ per 30. Juni 2023 aufgelöst worden sei und er mittlerweile lediglich 

noch über ein Renteneinkommen (AHV und BVG) von monatlich Fr. 

5'042.35 netto verfüge. Dies wird durch die mit Berufungserklärung einge-

reichten Beilagen 4-7 (Kündigungsschreiben der G._____, Lohnausweis 

BVG 2022, Steuerauseis AHV 2022) belegt. 

 

Ausgehend von einem Nettoeinkommen von Fr. 5'042.35, einem Pauscha-

labzug von 20 % und einer weiteren Reduktion von 20 % aufgrund der ho-

hen Anzahl Tagessätze ergibt sich damit eine Tagessatzhöhe von 

Fr. 100.00 (abgerundet). Die Geldstrafe beläuft sich damit auf 

Fr. 18'000.00. Das vorinstanzliche Urteil ist dahingehend anzupassen. 

 

6.4. 

Die Vorinstanz hat den bedingten Strafvollzug mit einer Probezeit von zwei 

Jahren mit zutreffender Begründung gewährt, womit darauf verwiesen wer-

den kann (E. 6). 

 

6.5. 

Eine bedingt ausgesprochene Geldstrafe kann mit einer Busse verbunden 

werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der bedingt 

 - 30 - 

 

 

ausgesprochenen Geldstrafe mit einer Busse angezeigt, um dem Beschul-

digten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen seines Han-

delns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll er gegenüber einem Täter, 

der sich bloss wegen einer Übertretung zu verantworten hat und dafür mit 

einer Busse bestraft wird, nicht bessergestellt werden (sog. Schnittstellen-

problematik). Das Hauptgewicht hat auf der bedingten Geldstrafe zu liegen, 

während der Busse nur untergeordnete Bedeutung im Sinne eines spürba-

ren Denkzettels zukommen kann (BGE 134 IV 1 E. 4.5). Die Obergrenze 

der Verbindungsbusse liegt in der Regel bei 20 % der schuldangemesse-

nen gesamten Strafe. Abweichungen von dieser Regel sind im Bereich tie-

fer Strafen denkbar, um sicherzustellen, dass der Verbindungsstrafe nicht 

eine lediglich symbolische Bedeutung zukommt (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4). 

Bestimmt es das Gesetz nicht anders, so ist der Höchstbetrag der Busse 

Fr. 10'000.00 (Art. 106 Abs. 1 StGB). 

 

Angesichts der nunmehr angepassten Tagessatzhöhe ist die vorinstanzlich 

festgesetzte Verbindungsbusse auf angemessene Fr. 4'500.00 zu reduzie-

ren. 

 

Nach dem anzuwendenden Umrechnungsschlüssel (BGE 134 IV 60 

E. 7.3.3) beträgt die Ersatzfreiheitsstrafe 45 Tage.   

 

6.6. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer bedingten Geldstrafe von 

180 Tagessätzen à Fr. 100.00, Probezeit 2 Jahre, sowie zu einer Busse 

von Fr. 4'500.00 (bei schuldhafter Nichtbezahlung 45 Tage Ersatzfreiheits-

strafe) zu verurteilen. 

 

7. 

7.1. 

7.1.1. 

Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten ein lebenslängliches Tätig-

keitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB.  

 

7.1.2. 

Der Beschuldigte macht hierzu geltend, dass ein Tätigkeitsverbot in Anbe-

tracht der vorliegenden Umstände völlig unverhältnismässig sei, weshalb 

davon abzusehen sei, sollte der Tatbestand gemäss Art. 196 StGB wider 

Erwarten als erfüllt angesehen werden. Der Beschuldigte habe den Ge-

schädigten aufgrund dessen Kindheit in erster Linie finanziell unterstützen 

wollen und habe dessen Situation nicht ausgenutzt. Es seien der Geschä-

digte und sein Vater gewesen, welche die Leichtgläubigkeit des Beschul-

digten ausgenutzt hätten, um sich zu bereichern. Sodann habe das Verhal-

ten des Beschuldigten während seiner letzten Arbeitstätigkeit zu keinen Be-

anstandungen Anlass gegeben. Auch sei der Beschuldigte zumindest in 

 - 31 - 

 

 

den letzten zehn Jahren zu keiner Straftat verurteilt worden, welche im Zu-

sammenhang mit sexuellen Handlungen mit Minderjährigen stehe. 

 

7.2. 

Gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB verbietet das Gericht unter anderem je-

mandem, der wegen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Ent-

gelt gemäss Art. 196 StGB verurteilt wurde, lebenslänglich jede berufliche 

oder ausserberufliche organisierte Tätigkeit, die einen regelmässigen Kon-

takt zu Minderjährigen umfasst. Es handelt sich um ein zwingendes und 

lebenslängliches Tätigkeitsverbot, welches keine negative Prognose  

voraussetzt (TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., N. 12 und 15 zu Art. 67 StGB). 

Von der Anordnung kann gemäss Art. 67 Abs. 4bis StGB ausnahmsweise 

abgesehen werden (sofern der Täter keine Tat gemäss Art. 67 Abs. 4bis 

lit. a StGB begangen hat und er nicht pädophil ist im Sinne von international 

anerkannten Klassifikationskriterien), wenn kumulativ ein besonders leich-

ter Fall vorliegt und die Anordnung eines Tätigkeitsverbots nicht notwendig 

erscheint, um den Täter vor weiteren einschlägigen Straftaten abzuhalten. 

Mit dem Begriff "besonders leichter Fall" wollte der Gesetzgeber verdeutli-

chen, dass nur Fälle in den Anwendungsbereich der Ausnahmebestim-

mung fallen können, die in objektiver und subjektiver Hinsicht eigentlichen 

Bagatellcharakter aufweisen (TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., N. 15c zu 

Art. 67 StGB; BGE 149 IV 161 E. 2.5.1; Urteil des Bundesgerichts 

7B.143/2022 vom 18. Juli 2023 E. 2.5.1). 

 

Nachdem der Beschuldigte die schwierige Situation des Geschädigten aus-

genutzt, an diesem mehrfach schwerwiegende sexuelle Handlungen vor-

genommen hat und er zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen verurteilt 

wird, kann offensichtlich nicht von einem sehr leichten Fall ausgegangen 

werden, womit sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzung der Ausnah-

mebestimmung Art. 67 Abs. 4bis StGB erübrigt. Damit ist dem Beschuldig-

ten mit der Vorinstanz gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB ein lebensläng-

liches Tätigkeitsverbot für jede berufliche oder organisierte ausserberufli-

che Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, 

aufzuerlegen. 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung grösstenteils. Er obsiegt 

lediglich hinsichtlich der Tagessatzhöhe und der Höhe der Verbindungs-

busse. Es rechtfertigt sich, dieses marginale Obsiegen bei der Kostenver-

legung unberücksichtigt zu lassen, zumal die diesem zugrundeliegenden 

Umstände erst nach der erstinstanzlichen Verhandlung eingetreten sind, 

womit der Beschuldigte die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen hat.  

 - 32 - 

 

 

 

Entsprechend ist dem Verteidiger auch keine Entschädigung auszurichten 

(Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).  

 

8.2. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

  

Die beschuldigte Person trägt im erstinstanzlichen Verfahren die Verfah-

renskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Die 

Schuldsprüche der Vorinstanz wurden vorliegend bestätigt, womit keine 

Änderungen an der erstinstanzlichen Kostenverteilung vorzunehmen sind. 

Entsprechend hat der Beschuldigte die erstinstanzlichen Verfahrenskosten 

und entsprechend auch seine Parteikosten zu tragen (Art. 429 Abs. 1 StPO 

e contrario).  

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

-  der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Ent-

gelt gemäss Art. 196 StGB, 

- des mehrfachen Überlassens eines Motorfahrzeuges an eine Person 

 ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG i.V.m. Art. 10 

 Abs. 2 SVG.  

 

2. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestimmun-

gen und gestützt auf Art. 34 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB 

zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 100.00, insgesamt 

Fr. 18'000.00, verurteilt. 

 

3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf zwei Jahre festgesetzt. 

 

 - 33 - 

 

 

4. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten Bestimmun-

gen und gestützt auf Art. 106 StGB i.V.m. Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer 

Busse von Fr. 4'500.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung 45 Tage Ersatz-

freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

5. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB ein lebens-

längliches Tätigkeitsverbot für jede berufliche und jede organisierte ausser-

berufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen 

umfasst, auferlegt. 

 

6. 

6.1 

Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr 

von Fr. 1'500.00 und den Auslagen von Fr. 104.00, zusammen 

Fr. 1'604.00, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'399.40 (inkl. Anklagege-

bühr) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

6.3 

Der Beschuldigte trägt seine erst- und zweitinstanzlichen Parteikosten 

selbst. 

 

 

 Zustellung an: […] 

  

 - 34 - 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 23. Januar 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:     Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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