# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b9e9aa7-1012-58d8-88a5-cbb13faa07a7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-12-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 15.12.2010 AHV 2010/9, KZL 2010/6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_AHV-2010-9--KZL-2010_2010-12-15.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: AHV 2010/9, KZL 2010/6

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: AHV - Alters- und Hinterlassenenversicherung

Publikationsdatum: 06.09.2019

Entscheiddatum: 15.12.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 15.12.2010
Art. 52 AHVG, Art. 47 lit. d aKZG: Schadenersatzverfahren. Haftung des 
geschäftsführenden Mehrheitsgesellschafters für entgangene 
bundesrechtliche und kantonalrechtliche Beiträge bejaht. Keine 
Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgründe (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Dezember 2010, AHV 
2010/9 und KZL 2010/6).

Abteilungspräsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-

Studerus und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Entscheid vom 15. Dezember 2010

in Sachen

M.___,

Beschwerdeführer, Rekurrent, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus 

Stadelmann, Marktstrasse 28, 8570 Weinfelden,

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse und 

Familienausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. 

Gallen,

Beschwerdegegnerin, Vorinstanz,

betreffend

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Schadenersatzforderung 

Sachverhalt:

A.  

A.a Die A.___ 2004 mit einem Stammkapital von Fr. 20'000.-- gegründet. Seit der 

Gründung und bis September 2007 war M.___ als Gesellschafter und Geschäftsführer 

mit Einzelzeichnungsberechtigung mit einem Stammanteil von Fr. 19'000.-- im 

Handelsregister eingetragen (act. G 3.181 im Verfahren AHV 2010/9; bei den 

nachfolgend zitierten Akten handelt es sich um diejenigen des Verfahrens AHV 2010/9, 

soweit nicht anders vermerkt). Am 10. Dezember 2004 wurde die Gesellschaft als 

beitragspflichtige Arbeitgeberin bei der Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen 

angemeldet (act. G 3.5).

A.b Über die Gesellschaft wurde am November 2007 der Konkurs eröffnet (act. 

G 3.110). Mangels Aktiven wurde der Konkurs am Januar 2009 eingestellt (act. 

G 3.154). Nach zuvor eingeholter Stellungnahme verpflichtete die Ausgleichskasse 

M.___ mit Verfügung vom 13. Oktober 2009 zur Bezahlung von Schadenersatz im 

Betrag von Fr. 121'196.20 (Fr. 112'314.-- für entgangene bundesrechtliche Beitrage 

sowie Fr. 8'882.20 für entgangene kantonalrechtliche Beiträge; act. G 3.177).

B.  

Dagegen erhob M.___ am 16. November 2009 Einsprache (act. G 3.178), welche die 

Ausgleichskasse mit Entscheid vom 26. Februar 2010 abwies (act. G 3.185).

C.  

C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 26. Februar 2010 richtet sich betreffend den 

kantonalrechtlichen Teil der vorliegende Rekurs vom 15. März 2010. Der Rekurrent 

beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge dessen Aufhebung. 

Eventualiter sei die Schadenersatzforderung angemessen zu reduzieren. 

Subeventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Er bestreitet, dass die Haftungsregelung von Art. 52 AHVG auch 

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betreffend Beiträge für die Familienausgleichskasse nach kantonalem Recht 

anwendbar sei. Denn es fehle die hierfür erforderliche hinreichend klare und eindeutige 

Verweisung. Ohnehin sei die Schadenersatzverfügung erst nach eingetretener 

Verjährung ergangen. Des Weiteren macht der Rekurrent geltend, dass er lediglich als 

Strohmann aufgetreten sei. Es treffe ihn kein grobfahrlässiges oder absichtliches 

Verschulden am eingetretenen Schaden. Vielmehr liege ein offensichtliches 

Selbstverschulden der Vorinstanz vor, da diese der Gesellschaft immer wieder 

Zahlungsaufschübe gewährt habe, ohne beförderliche Vorkehren zur Eintreibung der 

geschuldeten Beiträge getroffen zu haben. Hinzu komme, dass die Vorinstanz die 

Akontobeiträge nicht entsprechend der voraussichtlichen Lohnsumme angepasst habe 

(act. G 1 im Verfahren KZL 2010/6).

C.b Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 26. März 2010 die 

Abweisung des Rekurses. Die kantonalrechtliche Gesetzgebung enthalte bezüglich der 

Arbeitgeberhaftung und Schadenersatzpflicht einen ausdrücklichen Verweis auf die 

AHV-Gesetzgebung. Die Schadenersatzforderung sei nicht verjährt. Die Gesellschaft 

habe am 18. Januar 2005 eine Lohnsumme von Fr. 100'000.-- gemeldet. Mit der 

Jahresabrechnung 2005 habe sie keine Anpassung der Lohnsumme trotz Hinweises in 

der Anleitung zur Jahresabrechnung verlangt. Die formellen Organe würden 

unabhängig von ihrer tatsächlichen Funktion und Einflussnahme auf die Willensbildung 

der Gesellschaft haften. Weder die Zeichnungsberechtigung noch der Grund für die 

Mandatsübernahme würden eine Rolle für die Haftung spielen (act. G 3 im Verfahren 

KZL 2010/6).

C.c Betreffend den bundesrechtlichen Teil der Schadenersatzforderung erhebt M.___ 

am 31. März 2010 Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 26. Februar 2010. 

Deren Anträge und Begründung lauten im Wesentlichen gleich wie diejenige der 

Rekurseingabe (act. G 1).

C.d Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. April 2010 

die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung verweist sie auf die Vernehmlassung vom 

26. März 2010. Ergänzend bringt sie vor, dass ein erster Ratenplan vom 29. August 

2006 eingehalten worden sei und somit keinen Einfluss auf den Schaden gehabt habe. 

Einen zweiten Ratenplan habe die Gesellschaft am 11. April 2007 verlangt. Wie 

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gewünscht seien neun Raten zwischen April und Dezember 2007 bewilligt worden. Da 

die Gesellschaft bereits die erste, im Gesuchsmonat fällige Rate nicht überwiesen 

habe, habe ihr Gesuch wohl die Fortführung des Betriebs auf Kosten der Sozialwerke 

und keine Sanierung der Finanzen bezweckt. Nach Dahinfallen des Ratenplans seien 

die Inkassomassnahmen fortgeführt worden. Es treffe sie kein Selbstverschulden (act. 

G 3).

C.e Der Rekurrent und Beschwerdeführer verzichtet auf die Einreichung einer Replik 

(act. G 7 im Verfahren KZL 2010/6 und act. G 5).

Erwägungen:

1.   

Da die Beschwerdeverfahren AHV 2010/9 und KZL 2010/6 den gleichen Sachverhalt 

betreffen und gestützt auf dieselben bzw. analogen rechtlichen Erwägungen zu 

entscheiden sind, sind die Verfahren zu vereinigen (vgl. BGE 123 V 215 E. 1).

2.   

In den vorliegenden Verfahren ist die Schadenersatzpflicht des Beschwerdeführers/

Rekurrenten (nachfolgend ausschliesslich als Beschwerdeführer bezeichnet) für 

nichtgeleistete bundes- und kantonalrechtliche Beitragsforderungen für 2006 bis Juni 

2007 umstritten und zu prüfen.

3.   

Betreffend die kantonalrechtliche Schadenersatzforderung ist vorweg der Einwand des 

Beschwerdeführers zu prüfen, für die kantonalrechtlichen Beiträge (FAK-Beiträge) 

bestehe keine ausreichende gesetzliche Grundlage.

3.1 Die Familienzulagen ausserhalb der Landwirtschaft richten sich für den hier 

streitigen Zeitraum (Beiträge Januar 2006 bis Juni 2007; vgl. act. G 3.185) nach 

kantonalem Recht, nämlich nach dem Kinderzulagengesetz des Kantons St. Gallen 

(KZG; sGS 371.1). Art. 52 des Bundesgesetzes über die Alters- und 

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Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) stellt demgegenüber keine 

unmittelbare gesetzliche Grundlage dar für die Erhebung von Schadenersatz für 

entgangene kantonalrechtliche Beiträge (vgl. BGE 124 V 146 E. 1).

3.2 Das KZG ist ein formelles Gesetz. Der vorliegend einschlägige Art. 47 Abs. 1 lit. d 

aKZG (in der bis 31. Dezember 2008 gültigen, vorliegend anwendbaren Fassung) lautet: 

"Soweit dieses Gesetz keine Regelung enthält, werden die Bestimmungen der 

Bundesgesetzgebung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung und über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts sachgemäss angewendet, 

insbesondere für: […] d) Arbeitgeberhaftung und Schadenersatzpflicht;". Dieser 

ausdrückliche Verweis des kantonalen Rechts auf die AHV-rechtliche 

Haftungsbestimmung des Art. 52 AHVG ist hinreichend klar und eindeutig. Das 

kantonale Recht bietet gestützt auf Art. 47 Abs. 1 lit. d KZG eine genügende 

gesetzliche Grundlage für die Schadenersatzpflicht für entgangene kantonale Beiträge.

4.   

Des Weiteren stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass die dem 

Einspracheentscheid zugrundeliegende Schadenersatzverfügung vom 13. Oktober 

2009 erst nach eingetretener Verjährung ergangen sei (act. G 1).

4.1 Gemäss Art. 52 Abs. 3 Satz 1 AHVG verjährt der Schadenersatzanspruch zwei 

Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, 

jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Die Ausgleichskasse erlangt in dem 

Zeitpunkt Kenntnis vom Schaden, in dem sie unter Beachtung der ihr zumutbaren 

Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mehr 

erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründen 

können (BGE 129 V 195 E. 2.1).

4.2 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass die Verjährungsfrist mit der 

Publikation der Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven vom Januar 2009 

(act. G 3.154) begonnen habe und die Schadenersatzverfügung vom 13. Oktober 2009 

somit innerhalb der zweijährigen Verjährungsfrist ergangen sei (act. G 3.185). Die 

Auffassung der Beschwerdegegnerin/Vorinstanz (nachfolgend ausschliesslich als 

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Beschwerdegegnerin bezeichnet) entspricht konstanter höchstrichterlicher 

Rechtsprechung (vgl. etwa BGE 128 V 13 E. 5b-d sowie Marco Reichmuth, Die Haftung 

des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Zürich 2008, S. 204, mit 

weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung). Was der Beschwerdeführer dagegen 

vorbringt, vermag nicht zu überzeugen. Er führt aus, dass die Verjährungsfrist bereits 

mit dem Eingang des provisorischen Pfändungsverlustscheins am 3. Oktober 2007 bei 

der Beschwerdegegnerin begonnen habe (act. G 1). Die Zustellung eines 

provisorischen Pfändungsverlustscheins vermag rechtsprechungsgemäss jedoch nicht, 

die Kenntnis des Schadens bei der Ausgleichskasse im Sinn von Art. 52 Abs. 3 AHVG 

mithin den Beginn der Verjährungsfrist zu begründen. Denn es entspricht einer 

Erfahrungstatsache, dass im Pfändungsstadium noch namhafte Beträge von 

Schuldnern eingehen können, bei denen eine Fortsetzung des Betreibungsverfahrens 

zunächst als erfolglos erscheint (Reichmuth, a.a.O., S. 200, insbesondere FN 1182, mit 

Hinweisen auf die Rechtsprechung). Auch die vom Beschwerdeführer ins Feld 

geführten erkennbaren Zahlungsschwierigkeiten sind nicht geeignet, den Beginn der 

Verjährungsfrist im Januar 2009 in Frage zu stellen. Es ergeben sich aus den Akten 

auch keine weiteren Umstände, die zu einer anderen Bewertung der Verjährungsfrage 

führen könnten.

5.   

Zu prüfen bleiben damit die Haftungsvoraussetzungen von Art. 52 Abs. 1 AHVG.

5.1 Laut Art. 52 Abs. 1 AHVG hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder 

grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden 

verursacht, diesen zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so können 

subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe belangt werden (BGE 123 V 15 

E. 5b mit Hinweisen). Art. 52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach 

öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle 

Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, 

der auf ein widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs 

zurückzuführen ist.

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5.2 Die Beschwerdegegnerin fordert vom Beschwerdeführer für entgangene bundes- 

und kantonalrechtliche Beiträge für das Jahr 2006 sowie für Januar bis Juni 2007 

insgesamt Schadenersatz im Betrag von Fr. 121'196.20 (Fr. 112'314.-- für entgangene 

bundesrechtliche Beitrage sowie Fr. 8'882.20 für entgangene kantonalrechtliche 

Beiträge je inkl. Verwaltungskosten, Verzugszinsen und Mahngebühren, vgl. act. G 

3.159-162).

5.2.1 Die Schadenersatzpflicht des verantwortlichen Organs setzt zunächst den Eintritt 

eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Der Schaden kann unbezahlt 

gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge, Verwaltungskostenbeiträge, 

Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten sowie Verzugszinsen für 

rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren 

nach Art. 52 AHVG, in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem 

Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Zeitliche Grenze des zu 

berücksichtigenden Schadens bildet grundsätzlich die Konkurseröffnung bzw. im Falle 

des Beschwerdeführers das Ausscheiden als Gesellschafter und Geschäftsführer am 

17. September 2007. Die schadenersatzpflichtige Person hat aufgrund ihrer 

Mitwirkungspflichten den Schadensbetrag substantiiert zu bestreiten, soweit die 

Forderung - wie vorliegend - nicht auf rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 

S. 125, AHI-Praxis 1993 S. 172, SVR 2001 AHV S. 51 Nr. 15).

5.2.2 Der von der Beschwerdegegnerin nachvollziehbar begründete Schadensbetrag 

(act. G 3.177 sowie 3.159-162 und 182) blieb vom Beschwerdeführer unbestritten. Es 

ergeben sich aus den Akten auch keine offensichtlichen Berechnungsfehler, weshalb 

sich hierzu Weiterungen erübrigen und mit der Beschwerdegegnerin von einem 

Schadensbetrag von Fr. 121'196.20 bis September 2007 auszugehen ist.

5.3 Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend massgebliche 

Schadenersatzforderung ist die Widerrechtlichkeit.

5.3.1 Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- 

und Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101) schreibt vor, dass der Arbeitgeber 

bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen 

mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Bei einer 

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Lohnsumme von über Fr. 200'000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge monatlich zu 

zahlen (Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV). Die Ausgleichskasse setzt hierzu Akontobeiträge 

aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme fest (Art. 35 Abs. 1 AHVV). Die Arbeitgeber 

haben der Ausgleichskasse wesentliche Änderungen der Lohnsumme während des 

laufenden Jahres zu melden (Art. 35 Abs. 2 AHVV). Die Beitragszahlungs- und 

Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene 

öffentlichrechtliche Aufgabe. Dazu hat die Rechtsprechung festgehalten, dass die 

Nichterfüllung dieser öffentlichrechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vorschriften 

im Sinn von Art. 52 Abs. 1 AHVG bedeute und grundsätzlich die volle 

Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195 E. 2a mit Hinweisen).

5.3.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die Gesellschaft nicht vollumfänglich der 

Beitragspflicht nachgekommen ist, was zum Schaden der Beschwerdegegnerin geführt 

hat. Die Gesellschaft, bzw. deren Organe, haben damit die Beitragszahlungspflicht 

betreffend die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Ausstände missachtet, 

bzw. sich nicht darum gekümmert, womit die Widerrechtlichkeit als 

Haftungsvoraussetzung zu bejahen ist. Ein Rechtfertigungsgrund ist nicht ersichtlich 

und wird vom Beschwerdeführer auch nicht vorgebracht.

5.4 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig 

missachtet wurden.

5.4.1 Bei der Prüfung der Verschuldensfrage ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein 

Verschulden des Arbeitgebers wie des verantwortlichen Organs vorliegen muss. Nach 

der Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlichrechtlichen Aufgaben durch 

den Arbeitgeber ohne weiteres einem qualifizierten Verschulden seiner Organe 

gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen 

Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge genügt noch nicht, 

um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Umstände 

zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei ein 

Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist 

und im Sinn der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der 

Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem 

qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn beispielsweise ein 

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Arbeitgeber über längere Zeit seine Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur 

schleppend oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann 

beispielsweise eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen (BGE 121 V 

244 E. 4b mit Hinweis). Bei der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver 

Verschuldensmassstab, weshalb subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die 

Mandatsübernahme unbeachtlich sind (Ueli Kieser, Alters- und 

Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches 

Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage 2007, H 272 mit 

Hinweisen).

5.4.2 Bei der Beurteilung der Verschuldensfrage wendet der seit der 

Gesellschaftsgründung bis September 2007 im Handelsregister als Gesellschafter und 

Geschäftsführer mit Einzelunterschrift eingetragene Beschwerdeführer ein, dass er 

lediglich als "Strohmann" fungiert habe (act. G 1). Wie die Beschwerdegegnerin zu 

Recht ausgeführt hat, hält dieses Argument - selbst wenn es den tatsächlichen 

Umständen entspräche - indessen nicht Stich. Denn ein geschäftsführender 

Gesellschafter kann sich, wenn es wie beim Beitragswesen um die Verantwortung in 

Geschäften geht, mit denen er sich von Gesetzes wegen befassen musste, nicht mit 

dem Einwand entschuldigen, er habe keinen tatsächlichen Einfluss auf die 

Geschäftsführung gehabt. Denn der Schuldvorwurf, der einen "Strohmann" trifft (BGE 

112 V 3), rührt gerade aus dem Umstand, sich auf eine Organstellung eingelassen zu 

haben, die ihm die richtige gesetzlich vorgeschriebene Erfüllung dieses Amts, d.h. die 

ihm nach Art. 811 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR; SR 220) in Verbindung mit 

Art. 716 Abs. 2 OR und Art. 718 Abs. 1 OR obliegenden Aufgaben, verunmöglichen 

(vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: 

Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 13. Februar 2001, H 87/00, 

E. 3b). Die Motive, die den Beschwerdeführer zur Übernahme dieses Mandats 

bewegten, braucht sich die Beschwerdegegnerin ohnehin nicht entgegen halten zu 

lassen. Als Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter (Inhaber von Fr. 19'000.-- von 

Fr. 20'000.-- Stammkapital) war er jedenfalls in einer Position, in der er die 

erforderlichen Abrechnungen und Zahlungen hätte veranlassen können und müssen.

5.4.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer als Organ der GmbH nicht dafür 

gesorgt, dass die während seiner Zeit als Geschäftsführer für das Jahr 2006 und das 

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Jahr 2007 bis und mit Juni geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäss 

abgerechnet und bezahlt wurden. Der Beschwerdeführer hat damit als verantwortliches 

Organ in erheblicher Weise und über einen längeren Zeitraum gegen elementare 

Vorschriften der Beitragsablieferungspflicht verstossen und in Kauf genommen, dass 

der Beschwerdegegnerin im Fall der Uneinbringlichkeit ihrer Forderungen ein Schaden 

entsteht, so dass sein Verhalten grobfahrlässig im Sinn von Art. 52 AHVG war. Dem 

Vorbringen des Beschwerdeführers, dass die Beschwerdegegnerin wegen 

Zahlungsaufschübe ein erhebliches Selbstverschulden an der Schadenshöhe treffe, 

kann nicht gefolgt werden. Im vorliegenden Kontext ist von Belang, dass die 

Beschwerdegegnerin, die - im Gegensatz zu anderen Gläubigern - öffentliche Aufgaben 

wahrnimmt, stets auch das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen hat, 

weshalb es ihr nicht ohne Weiteres zum Verschulden gereicht, wenn sie - etwa um 

einer in Schwierigkeiten befindlichen Gesellschaft noch eine Chance zu geben - nicht 

mit aller Härte gegen sie vorgeht. Allein daraus ein Selbstverschulden der 

Beschwerdegegnerin ableiten zu wollen, ist der Sache nicht angemessen. Dass die 

Rüge des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin sei untätig geblieben, im 

vorliegenden Fall auch inhaltlich nicht begründet ist, belegen allein schon die 

zahlreichen in den Akten liegenden Mahnungen sowie Betreibungs- und 

Fortsetzungsbegehren (vgl. etwa act. G 3.43, G 3.66, G 3.82 f., G 3.86, G 3.89 f., 

G 3.96 f., G 3.100 f. und G 3.107 ff.). Der Beschwerdeführer benennt keine weiteren 

überzeugenden Gründe, die sein Verhalten als nicht grobfahrlässig erscheinen lassen 

oder ein Selbstverschulden der Beschwerdegegnerin belegen würden. Solche ergeben 

sich auch nicht aus den Akten.

5.5 Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und dem 

Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ergebnis hat 

dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet 

ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs 

durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (AHI 1994 S. 204 mit 

Hinweisen). Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den 

Unterlassungen des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden gegeben. 

Hätte der Beschwerdeführer dafür gesorgt, dass die A.___ ihren Beitragsabrechnungs- 

und Ablieferungspflichten nachkommt, namentlich im Jahr 2006 rechtzeitig eine 

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Erhöhung der mutmasslichen Lohnsumme meldet (vgl. act. G 3.40 und 3.76, 77 sowie 

Art. 35 Abs. 2 AHVV), wäre kein Schaden in dieser Höhe entstanden.

5.6 Nach dem Gesagten sind somit die Voraussetzungen für die Leistung von 

Schadenersatz erfüllt. Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe liegen keine vor. Die 

Beschwerdegegnerin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet, 

Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Beiträge von Fr. 112'314.-- und für 

entgangene kantonalrechtliche Beiträge von Fr. 8'882.20 je inkl. Nebenkosten zu 

bezahlen.

6.   

6.1 Die Beschwerde betreffend die bundesrechtlichen Beiträge und der Rekurs 

betreffend die kantonalrechtlichen Beiträge sind abzuweisen.

6.2 Das Beschwerdeverfahren ist gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kostenlos. 

Angesichts der Tatsache, dass das kantonalrechtliche Verfahren, das einen wesentlich 

tieferen Streitwert aufweist, zusammen mit dem kostenlosen bundesrechtlichen 

Verfahren erledigt wurde, rechtfertigt es sich, im kantonalrechtlichen Verfahren in 

Anwendung von Art. 97 VRP auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 

GerG entschieden: 

1.  Die Verfahren AHV 2010/9 und KZL 2010/6 werden vereinigt.

2.  Die Beschwerde betreffend die bundesrechtliche Schadenersatzforderung und der 

Rekurs betreffend die kantonalrechtliche Schadenersatzforderung werden abgewiesen.

3.  Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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