# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f585657d-d6b4-5897-aaff-a386cd032486
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.10.2009 D-6353/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6353-2006_2009-10-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6353/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  O k t o b e r  2 0 0 9

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), Richter Martin Zoller, 
Richter Walter Lang, 
Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger.

A._______, geboren [...],
B._______, geboren [...], Türkei,
vertreten durch lic. iur. Werner Spirig, Fürsprecher, 
Maulbeerstrasse 14, 3011 Bern,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Familienasyl / Vollzug der Wegweisung 
(Wiedererwägungsentscheid);
Verfügung des BFF vom 8. Oktober 2003 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6353/2006

Sachverhalt:

I. 

A.
Die Beschwerdeführerin reiste am 17. November 1998 mit einem Be-
suchervisum in die Schweiz ein und stellte am 17. Februar 1999 ein 
Asylgesuch. Mit Verfügung vom 11. Juli 2000 lehnte das BFF das Asyl-
gesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren 
Vollzug. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 8. August 2000 wies 
die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK) 
mit Urteil vom 16. März 2001 ab. 

II. 

B.
Mit  Eingabe vom 23. Mai 2001  reichte die Beschwerdeführerin  beim 
BFF ein Wiedererwägungsgesuch ein, worin sie den Einbezug in die 
Flüchtlingseigenschaft  ihres  Sohnes  B._______  und  die  Asylgewäh-
rung  unter  Anwendung  von  Art.  51  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998 (AsylG,  SR 142.31)  sowie  eventualiter  eine  vorläufige 
Aufnahme gestützt auf Art. 8  der Konvention vom 4. November 1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK, 
SR 0.101) beantragte.

C. Mit Schreiben vom 5. Juni 2001 überwies das BFF das Gesuch zur 
Behandlung an die ARK, da nicht eine nachträgliche Veränderung der 
Sachlage geltend gemacht werde,  sondern  Revisionsgründe gemäss 
Art.  66  Abs. 2  Bst.  a  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Der damals zu-
ständige Instruktionsrichter der ARK teilte dem BFF mit Schreiben vom 
8. Juni 2001 mit, bei der Eingabe vom 23. Mai 2001 handle es sich ei-
nerseits um ein Gesuch um Gewährung des Familienasyls (vormals: 
Gesuch um Familienzusammenführung) und andererseits um ein Ge-
such um Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Der Instruktionsrichter 
der ARK hielt sodann sinngemäss fest, das Gesuch um Familienasyl 
sei erstinstanzlich vom BFF zu behandeln; das Gesuch um vorläufige 
Aufnahme stütze sich hauptsächlich auf die Situation der Beschwerde-
führerin in der Schweiz und enthalte keine Revisionsgründe bezogen 
auf das Urteil der ARK vom 16. März 2001.

Seite 2

D-6353/2006

D.
Das BFF nahm die Eingabe in der Folge als Gesuch um Gewährung 
des Familienasyls einerseits und als Wiedererwägungsgesuch im Voll-
zugspunkt  andererseits  an die  Hand. Mit  Verfügung vom 29. August 
2001 schrieb das BFF das Gesuch um Familienasyl als gegenstands-
los  geworden  ab,  weil  die  Beschwerdeführerin  ihren  Wohnort  am 
13. Juli  2001 verlassen habe,  seither ohne bekannte Adresse  bezie-
hungsweise legalen Wohnsitz sei und ein Interesse an der Fortführung 
des Verfahrens nicht ersichtlich sei.

III.

E.
Mit Eingabe vom 28. September 2003 stellte die Beschwerdeführerin 
beim BFF erneut  ein  "Wiedererwägungsgesuch"  und  beantragte,  es 
seien die Ziffern 2-5 der Verfügung des BFF vom 11. Juni 1997 (recte: 
11.  Juli  2000)  wiedererwägungsweise  aufzuheben  und  festzustellen, 
dass sie die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 2 AsylG erfülle; sie sei 
in  die Flüchtlingseigenschaft  ihres Sohnes Aydin  einzubeziehen und 
es sei ihr Asyl zu gewähren.

F.
Mit  Verfügung vom 8. Oktober 2003 wies das BFF die Gesuche um 
Gewährung von Familienasyl sowie um Wiedererwägung im Vollzugs-
punkt  ab  und  stellte  die  Rechtskraft  und  Vollstreckbarkeit  der  Verfü-
gung vom 11. Juli 2000 fest. 

G.
Mit Eingabe vom 9. November 2003 erhoben die Beschwerdeführen-
den  durch  ihre  vormalige  Rechtsvertreterin  Beschwerde  gegen  die 
Verfügung vom 8. Oktober 2003. Sie liessen wiederum Einbezug der 
Beschwerdeführerin  (Mutter)  in  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Be-
schwerdeführers (Sohn) und die Asylgewährung sowie eventualiter die 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme der  Beschwerdeführerin  bean-
tragen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liessen sie um die Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 
ersuchen. 

H.
Mit Zwischenverfügung vom 11. November 2003 setzte die ARK den 
Wegweisungsvollzug provisorisch aus. 

Seite 3

D-6353/2006

I.
Mit Eingabe vom 14. Dezember 2005 ersuchte der im Rubrum genann-
te,  neu  mandatierte  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  um 
Akteneinsicht und widerrief das bisherige Mandat.

J.
Mit Instruktionsverfügung vom 22. Dezember 2005 setzte die ARK den 
Wegweisungsvollzug definitiv aus, hiess das Akteneinsichtsgesuch gut 
und gab dem Rechtsvertreter Gelegenheit zur Stellungnahme. 

K.
Mit Eingabe vom 31. Januar 2006 beantragte dieser, der Beschwerde-
führerin sei gestützt auf Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 8 EMRK zufolge Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu ge-
währen. Dem Gericht  sei  es  überlassen,  sich  mit  den  Anträgen der 
ehemaligen  Rechtsvertreterin  zu  befassen,  soweit  sie  sich  nicht  mit 
den seinen deckten. Mit  der Eingabe fanden Unterstützungserklärun-
gen  der  vier  Nachkommen vom 21.  beziehungsweise 23.  November 
2005 sowie eine Kopie der Krankenkassenpolice der Beschwerdefüh-
rerin für das Jahr 2005 Eingang in die Akten. 

L.
Mit Eingabe vom 18. Juli 2008 liessen die Beschwerdeführenden Kopi-
en diverser Dokumente zu den Akten reichen (die Krankenkassenpoli-
ce der Beschwerdeführerin für das Jahr 2008, den Arbeitsvertrag des 
Beschwerdeführers  vom 5. Dezember  2007,  die  Lohnabrechung von 
C._______ vom Dezember 2007, das juristische Lizenziatsdiplom vom 
22. September 2007 sowie den Praktikumsvertrag von D._______ vom 
12. Februar 2008 und ferner eine Arbeitsbestätigung dessen Bruders 
E._______ vom 12. Januar 2008). 

M.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Februar 2009 lud der zuständige In-
struktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts die Vorinstanz zu ei-
nem Schriftenwechsel ein. Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 
18. Februar 2009 an seinen Erwägungen fest und beantragte die Ab-
weisung der Beschwerde. Die Stellungnahme des BFM wurde der Be-
schwerdeführerin am 23. Februar 2009 zur Kenntnisnahme ohne Re-
plikrecht zugestellt. 

Seite 4

D-6353/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
(vormals BFF) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist da-
her eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich end-
gültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beurteilung der am 31. De-
zember 2006 bei der ARK hängig gewesenen Rechtsmittel übernom-
men und wendet dabei  das neue Verfahrensrecht  an (Art. 53 Abs. 2 
VGG).

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG und Art. 49 VwVG).

2.
Die  Beschwerde  wurde  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführenden  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt 
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwer-
de legitimiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48,  50 und 52 VwVG). Auf die 
Beschwerde ist demzufolge einzutreten. 

3.
Im Folgenden wird zuerst die Beschwerde gegen die Abweisung des 
Gesuchs  um  Familienasyl  (Art.  51  Abs.  2  AsylG)  geprüft.  In  einem 
zweiten Schritt  (E. 6  ff.)  wird  die  Beschwerde gegen die Abweisung 
des Wiedererwägungsgesuchs in Bezug auf den Wegweisungsvollzug 
beziehungsweise die beantragte vorläufige Aufnahme behandelt.

4.
4.1 Im vorliegenden Fall reiste die Beschwerdeführerin im November 
1998 in die Schweiz ein. Mit Eingabe vom 28. September 2003 führen 

Seite 5

D-6353/2006

die Beschwerdeführenden im Wesentlichen aus, alle vier Kinder lebten 
in der Schweiz, seit auch die Tochter  beziehungsweise Schwester im 
Juli 2003 eine Aufenthaltsbewilligung erhalten habe. Die Beschwerde-
führerin sei psychisch krank und auf die Unterstützung und Anwesen-
heit  ihrer  Kinder  angewiesen. Ihre  Eltern  wären  mit  ihrer  Betreuung 
überfordert.  Ihr  Vater  sei  an  Prostatakrebs  erkrankt.  Ihr  Sohn 
B._______ sei anerkannter Flüchtling und kümmere sich seit ihrer Ein-
reise in der Schweiz intensiv um sie. Die Wohnsitznahme der Tochter 
in der Schweiz sowie die Erkrankung des Vaters seien neue erhebliche 
Tatsachen im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG, weil sie zur Zeit 
des  ordentlichen Verfahrens noch nicht  bekannt  gewesen seien und 
die Asylbehörden zu einem anderen Ergebnis geführt hätten, wenn sie 
vor der Entscheidfällung bekannt gewesen wären. Somit lägen beson-
dere Gründe für einen Einbezug der Beschwerdeführerin in die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers respektive ihres Sohnes vor.

4.2 Das BFF trat  sinngemäss auf  das  Gesuch um Familienasyl  ein, 
wies es jedoch mit  Verfügung vom 8. Oktober 2003 ab. Zur Begrün-
dung ihres Entscheids führte die Vorinstanz aus, die Beschwerdefüh-
rerin habe bereits im Mai 2001 ein ähnliches Gesuch gestellt, welches 
wegen  ihres  Verschwindens  nicht  habe  geprüft  werden  können. Die 
Beschwerdeführerin  habe  sich  daher  durch  ihr  eigenes  Verhalten  in 
eine schwierige Situation gebracht. Im Hinblick auf ihren Gesundheits-
zustand fänden sich in den Akten keine Hinweise, wonach ihr Leben 
bei einer Rückkehr gefährdet wäre. Sie habe in der Türkei mehr als ein 
Jahr lang bei anderen Verwandten gelebt, bevor sie das Land verlas-
sen habe, und nicht bei ihrem Sohn B._______, welcher sich während 
des grössten Teils dieser Zeit ebenfalls in der Türkei aufgehalten habe. 
Die Abhängigkeit  der  Beschwerdeführerin  von ihrem Sohn sei  daher 
nicht  so  gross  gewesen,  dass  dessen  Flucht  beziehungsweise  die 
Trennung für sie existenzbedrohend gewesen sei. Dies wäre nur dann 
der Fall gewesen, wenn der Sohn vor seiner Flucht die Mutter mass-
geblich unterstützt hätte und ihre prekäre Situation nur in der Schweiz 
behoben werden könnte. Die vorgebrachten Argumente seien zudem 
weder  neu  noch  erheblich.  Dass  die  Beschwerdeführerin  bei  einer 
Rückkehr  in  die  Türkei  nicht  mehr  auf  die  Unterstützung  durch  ihre 
Tochter zählen könne, weil diese nun ebenfalls in der Schweiz wohne, 
sei  kein  neues Argument,  denn die  Tochter  habe die Türkei  vor  der 
Mutter verlassen. Der Gesundheitszustand des Vaters der Beschwer-
deführerin sei nicht ausschlaggebend, weil er nicht die einzige Person 
sei, welche sie bei einer Rückkehr unterstützen könnte. 

Seite 6

D-6353/2006

4.3
4.3.1 In der Beschwerde vom 9. November 2003 wird entgegnet, es 
lägen  besondere  Gründe  für  eine  Familienvereinigung  vor. Die  Be-
schwerdeführerin sei Kurdin und Analphabetin. Die nur religiös verhei-
ratete  Beschwerdeführerin  lebe  seit  Jahren  (1975) von  ihrem  Ehe-
mann, der eine Schweizerin geheiratet habe, getrennt. Ihre vier Kinder 
lebten alle  mit  B-  beziehungsweise C-Bewilligungen in  der  Schweiz; 
die drei Söhne seien im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz 
gekommen, die Tochter mittels Heirat mit dem Inhaber einer C-Bewilli-
gung. Die Brüder der Beschwerdeführerin seien verstorben. In der Tür-
kei lebten noch ihre betagte Mutter, ihr kranker Vater sowie verheirate-
te Schwestern und Halbbrüder. Seit ihrer Einreise in die Schweiz am 
17.  November  1998  habe  die  Beschwerdeführerin  immer  bei  ihrem 
Sohn B._______ gewohnt. Sie sei – entgegen den Angaben der Walli-
ser Behörden, die gewusst hätten, dass sie sich bei ihrem Sohn auf-
hielt – nie untergetaucht. Sie habe schwere psychische Probleme und 
leide  an  psychosomatischen  Störungen  wie  Magersucht;  im  August 
2000 habe sie noch 38 kg gewogen. Magersüchtige Menschen bräuch-
ten ein intaktes familiäres Umfeld und eine gesicherte  Situation. Ein 
solches Umfeld habe die Beschwerdeführerin nur in der Schweiz, wo 
alle ihre vier Kinder lebten.

Ihr ältester Sohn B._______ habe sich in den letzten Jahren soweit um 
die Mutter gekümmert, als seine persönliche Situation es ihm erlaubt 
habe. Er sei (gegen Ende 1995) nicht zuletzt auch wegen seiner Mut-
ter in die Türkei zurückgekehrt,  obwohl er im Rahmen des Familien-
nachzugs  über  eine  ordentliche  Aufenthaltsbewilligung  verfügt  habe. 
Nach der Ausreise des Sohnes aus der  Türkei  (im Dezember 1997) 
habe sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert. Die Betreu-
ung durch den Sohn B._______ gehe weit  über eine materielle  und 
moralische Unterstützung hinaus und sei für die Beschwerdeführerin 
existenziell. Bei einer Rückkehr in die Türkei, wo sie völlig auf sich al-
lein gestellt wäre, bestünde die Gefahr einer psychischen Dekompen-
sation und eines weiteren Gewichtsverlustes. Aus diesen Gründen sei 
im Falle einer Rückkehr in die Türkei von einer existenzbedrohenden 
Lage auszugehen.

4.3.2 Ferner wird gerügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt willkür-
lich festgestellt,  da sie fälschlicherweise davon ausgegangen sei,  die 
Mutter und ihr Sohn seien nicht durch die Flucht getrennt worden. Die 
beiden seien jedoch tatsächlich  durch die Flucht  des Sohnes in  die 

Seite 7

D-6353/2006

Schweiz und nicht durch einen gewollten Umzug der Mutter getrennt 
worden.  Sie  hätten  bis  zu  dem  Zeitpunkt  zusammengelebt,  als  der 
Sohn das Heim in Z._______ aus Sicherheitsgründen habe verlassen 
müssen. Soweit es seine Situation zugelassen habe, sei er immer wie-
der zur Mutter zurückgekehrt,  die mit  ihrer Tochter in Z._______ ge-
wohnt  habe. Die  Beschwerdeführerin  habe  bei  ihren  Eltern  Zuflucht 
gesucht, weil die Polizei ständig nach ihrem Sohn gefragt habe und sie 
Angst vor weiteren Polizeioperationen gehabt habe. Nach der Ausreise 
ihres Sohnes habe sie vorerst sechs Monate bei ihrer Mutter gelebt, 
danach sechs Monate bei ihrem Vater und dessen zweiter Frau. Nach 
der Ausreise ihrer Tochter sei  sie am 17. November 1998 mit  einem 
Besuchervisum in die Schweiz eingereist,  wo sie drei  Monate später 
ein Asylgesuch eingereicht habe.

5.
5.1 In allgemeiner Hinsicht wird bei der Gewährung von Familienasyl 
im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG vorausgesetzt, dass die betreffende 
Person mit  dem in der  Schweiz anerkannten Flüchtling im Zeitpunkt 
der Flucht in einem gemeinsamen Haushalt gelebt hat, eine Wieder-
herstellung dieser Gemeinschaft unentbehrlich ist und in der Schweiz 
auch tatsächlich angestrebt wird (vgl. EMARK 2001 Nr. 24 E. 3 S. 191, 
EMARK 2000 Nr. 11).

5.2 Besondere Gründe, welche für die Familienvereinigung im Sinne 
von Art. 51 Abs. 2 AsylG sprechen, liegen nach der Praxis dann vor, 
wenn die einzubeziehenden nahen Angehörigen einer besonderen Un-
terstützung im Sinne einer persönlichen Fürsorge – nicht lediglich ei-
ner  finanziellen  Unterstützung  –  bedürfen,  welche  nur  die  in  der 
Schweiz lebenden, asylberechtigten Familienangehörigen zu erbringen 
in der Lage sind (vgl. dazu EMARK 2001 Nr. 24 E. 3 S. 191,  EMARK 
2000 Nr. 27 E. 5 f., EMARK 2000 Nr. 21 E. 6.c).

5.3 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die Mutter 
eines seit Februar 2000 anerkannten Flüchtlings ist, der überdies voll-
jährig ist. Sie ist dementsprechend eine "andere Angehörige" im Sinne 
von Art. 51 Abs. 2 AsylG (vgl. BVGE 2009/8 E. 5.3.2, BVGE 2008/47 
E. 4.1.2 S. 678). Umstritten ist, ob die Beschwerdeführenden im Zeit-
punkt der Flucht des Sohnes aus der Türkei in einem gemeinsamen 
Haushalt lebten und erst durch die Flucht getrennt wurden. Die Frage 
braucht jedoch hier nicht abschliessend geklärt zu werden, da das Fa-
milienasyl aus anderen Gründen abzulehnen ist. 

Seite 8

D-6353/2006

5.4
5.4.1 Den Akten zufolge lebt die Beschwerdeführerin seit ihrer Einrei-
se in der Schweiz bei ihrem Sohn B._______ (Beschwerdeführer), zu-
erst  in Y._______,  später  in X._______. An derselben Adresse lebte 
mindestens bis im Oktober 2007 noch ein zweiter Sohn der Beschwer-
deführerin, D._______. Während seines juristischen Praktikums beim 
Kanton W._______ wohnte dieser bei seinem Bruder in V._______. Ob 
D._______ nun wieder bei seinem Bruder B._______ (Beschwerdefüh-
rer) und der Mutter wohnt, entzieht sich der Kenntnis des Gerichts. Er-
stellt  ist  somit,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  den  letzten  Jahren 
nicht  nur  mit  demjenigen  Sohn  zusammenlebte,  der  anerkannter 
Flüchtling  ist,  sondern  mit  einem  weiteren  Sohn.  Daher  dürfte  sich 
B._______ kaum je alleine um seine Mutter gekümmert haben. Dem 
Sohn B._______ wird es zudem aufgrund seiner hundertprozentigen 
Erwerbstätigkeit  (vgl.  dessen  mit  Eingabe  vom  18. Juli  2008  einge-
reichten Arbeitsvertrag vom 5. Dezember 2007) kaum möglich gewe-
sen sein, sich allein um die Mutter zu kümmern. Zudem ist aufgrund 
der Akten davon auszugehen, dass auch die zwei weiteren Nachkom-
men  sich  an  der  Fürsorge  für  ihre  Mutter  beteiligen.  Die  Tochter, 
C._______, lebt mit ihrem Mann in U._______ und arbeitet beim glei-
chen  Unternehmen  wie  ihr  Bruder  B._______  in  der  Gemeinde 
T._______ im Kanton X._______. Der dritte Sohn, E._______, wohnt 
in  V._______  im  Kanton  W._______.  Alle  vier  Geschwister  haben 
schriftliche  Unterstützungserklärungen  abgegeben,  mit  welchen  sie 
sich verpflichten, gemeinsam ihre Mutter "lebenslänglich zu beherber-
gen  und/oder  finanziell  zu  unterstützen"  (vgl.  Beilagen  zur  Eingabe 
vom  31. Januar  2006).  Es  ist  mithin  nicht  erstellt,  dass  sich  aus-
schliesslich der als Flüchtling anerkannte Sohn B._______ (Beschwer-
deführer) um seine Mutter kümmert. Aufgrund der Aktenlage ist viel-
mehr davon auszugehen, dass es allen vier Kindern der Beschwerde-
führerin nicht nur zuzumuten ist, sich an der persönlichen und finanzi-
ellen Fürsorge für ihre Mutter zu beteiligen, sondern dass sie dies oh-
nehin bereits seit Jahren tun.

5.4.2 Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerdeführerin 
nicht einzig auf die Unterstützung ihres asylberechtigten Sohnes ange-
wiesen ist, sondern zumindest teilweise auf die Fürsorge ihrer übrigen 
drei (nicht asylberechtigten) Nachkommen zählen kann. Das Erforder-
nis, dass die um Familienasyl ersuchende Person einer Unterstützung 
bedürfen muss, die nur durch den asylberechtigten Familienangehöri-
gen und nicht durch Dritte erbracht werden kann, ist somit vorliegend 

Seite 9

D-6353/2006

nicht  erfüllt.  Somit  bestehen  keine  besonderen  Gründe  für  die 
Gewährung von Familienasyl im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG. Die 
Vorinstanz  hat  demnach  das  Gesuch  zu  Recht  abgelehnt.  Die  Be-
schwerde  ist  demzufolge  abzuweisen,  soweit  sie  sich  gegen  die 
vorinstanzliche Verfügung hinsichtlich des Familienasyls richtet. 

6.
6.1 Für den Fall der Abweisung der Beschwerde hinsichtlich des An-
trags auf Gewährung von Familienasyl wird eventualiter die Feststel-
lung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvoll-
zugs  sowie die Gewährung der vorläufigen Aufnahme der Beschwer-
deführerin beantragt.

6.2 Die  Wiedererwägung  ist  im  Verwaltungsverfahren  ein  gesetzlich 
nicht  geregelter,  indessen  aus  Art.  29  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) 
abgeleiteter Rechtsbehelf. Sie bezweckt die nochmalige Prüfung einer 
an sich rechtskräftigen Verfügung sowie deren Ersetzung durch einen 
für den Gesuchsteller günstigeren Entscheid. Nach Art. 29 Abs. 1 und 
2 der BV (zur Weitergeltung der unter Art. 4 aBV entwickelten Recht-
sprechung des Bundesgerichts vgl. BGE 127 I 137 E. 6) besteht ein 
verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung, wenn erhebliche 
Tatsachen oder Beweismittel geltend gemacht werden, die im früheren 
Verfahren  nicht  bekannt  waren  oder  damals  noch  nicht  eingebracht 
werden konnten, oder wenn sich die Umstände seit der letzten Beur-
teilung wesentlich geändert haben und mithin der ursprüngliche (feh-
lerfreie)  Entscheid  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen  der 
Sach- oder Rechtslage anzupassen ist  (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 
S. 42 f., BGE 124 II 6 E. 3a, BGE 120 Ib 46 E. 2b, BGE 113 Ia 150 ff. 
E. 3a).

7.
7.1 Aufgrund  der  Rechtsbegehren  und  der  Begründung  in  der  Be-
schwerde vom 9. November  2003 und in  der  Beschwerdeergänzung 
vom 31. Januar  2006  bildet  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens 
die Frage,  ob der Vollzug der Wegweisung aufgrund einer massgebli-
chen nachträglichen Veränderung der Sachlage unzumutbar (vgl. Be-
schwerdeschrift der vormaligen Rechtsvertreterin Ziff. 4.3 S. 8, Sach-
verhalt  Bst. G hiervor)  respektive unzulässig (vgl. Beschwerdeergän-
zung des aktuellen Rechtsvertreters, Sachverhalt Bst. K hiervor) ist.

Seite 10

D-6353/2006

7.2 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  namentlich  nicht  zulässig  oder 
nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2006 über die Ausländerinnen und Auslän-
der [AuG, SR 142.20]).

7.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in seinen Heimat-, 
Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann ins-
besondere nicht zumutbar sein, wenn er für den Ausländer eine kon-
krete Gefährdung darstellt (Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG).

7.4 Die erwähnten zwei Bedingungen für einen Verzicht auf den Voll-
zug der Wiedererwägung (Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit) sind al-
ternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt  ist,  ist  der Vollzug der 
Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwe-
senheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige 
Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f.). Gegen 
eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht der (ab- und 
weggewiesenen) ausländischen Person wiederum die Beschwerde an 
das  Bundesverwaltungsgericht  offen  (vgl. Art.  31-33  VGG,  Art.  83 
Bst. c Ziff. 3 BGG), wobei in jenem Verfahren sämtliche Vollzugshinder-
nisse  von  Amtes  wegen  und  nach  Massgabe  der  dannzumal  herr-
schenden Verhältnisse von Neuem zu prüfen sind (vgl. EMARK 2006 
Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f., EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).

7.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung nicht 
zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in 
ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Diese 
Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das 
heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher 
Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft 
noch jene des völkerrechtlichen Non-Refoulement-Prinzips erfüllen, je-
doch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation all-
gemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im 
Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen,  die nach ihrer 
Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie 
die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könn-
ten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhält-
nisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut 

Seite 11

D-6353/2006

gestossen  würden,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Ver-
schlechterung  ihres  Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar 
dem  Tod  ausgeliefert  wären  (EMARK  2005  Nr.  12  E.  10.3  S.  114, 
EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215, je mit weiteren Hinweisen).

8.
In der Beschwerdeschrift vom 9. November 2003 wird unter anderem 
vorgebracht,  die Beschwerdeführerin sei Analphabetin, habe psycho-
somatische Störungen (Magersucht)  und brauche daher  ein  intaktes 
familiäres Umfeld und eine gesicherte Lebenssituation. Bei einer Rück-
kehr in die Türkei bestünde die Gefahr einer psychischen Dekompen-
sation, da sie dort völlig auf sich allein gestellt wäre. In der Türkei leb-
ten nur noch ihre betagte Mutter, welche in der Zwischenzeit von ihrer 
Schwester  aufgenommen worden sei,  ihr  betagter  und kranker Vater 
sowie  ihre  verheirateten  Schwestern  und  Halbbrüder.  Aus  diesen 
Gründen  sei  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  von  einer 
existenzbedrohenden Lage auszugehen. In der Eingabe vom 31. Janu-
ar 2006 wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei seit 1975, als ihr 
Ehemann  sie  verlassen  habe,  alleinstehend.  Sie  entstamme  einem 
Kulturkreis,  in  dem die  Grossfamilie  die  Aufgabe  der  Altersvorsorge 
übernehme. Sie habe in der Türkei als Hausfrau und Mutter gearbeitet; 
aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters sei es ihr unmöglich, einer Er-
werbstätigkeit  nachzugehen. Sie  lebe  sehr  isoliert  und  sei  antriebs-
schwach und passiv, sitze den ganzen Tag in der Wohnung und ge-
traue sich nicht aus dem Haus. Allein auf sich gestellt, sei sie schlicht 
nicht überlebensfähig. In der Türkei habe sie keine Verwandten, die für 
sie sorgen könnten. Der Vater sei 2004 an Krebs gestorben; die betag-
te Mutter lebe bei einer verheirateten Schwester der Beschwerdeführe-
rin. Die vier Kinder hätten sich in Unterstützungserklärungen dazu ver-
pflichtet,  für  ihre Mutter finanziell  vollständig aufzukommen und wür-
den dies schon seit  Jahren praktizieren. Die Beschwerdeführerin sei 
daher in wirtschaftlicher und psychischer Hinsicht von ihren Nachkom-
men in der Schweiz abhängig.

9.
9.1 Die  ARK stellte  bereits  in  ihrem Urteil  vom  16. März  2001  fest, 
dass  eine Wiedereingliederung der  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Hei-
mat  schwierig  sein  dürfte,  zumal  sie  über  keine Ausbildung  verfüge 
und nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei, ihre vier Kinder und 
ihr ehemaliger Ehemann in der Schweiz wohnten und von ihren betag-
ten Eltern sowie ihren verheirateten Geschwistern mit eigenen Famili-

Seite 12

D-6353/2006

enpflichten  kaum  eine  effektive  Unterstützung  zu  erwarten  sei.  Die 
ARK ging  jedoch davon aus,  dass  der  Gesundheitszustand der  Be-
schwerdeführerin  eine  Wegweisung  erlauben  würde  und  sie  in  der 
Lage sein sollte, in der Türkei mit der finanziellen Unterstützung ihrer 
Kinder aus der Schweiz alleine zu leben (vgl. Urteil vom 16. März 2001 
E. 7b S. 12 f.). 

9.2 Im jetzigen Zeitpunkt, mithin mehr als acht Jahre nach dem Urteil 
der  ARK,  sind  die  Elemente,  die  gegen  einen  Wegweisungsvollzug 
sprechen, stärker zu gewichten. Die Beschwerdeführerin ist mittlerwei-
le gut [...] Jahre alt und lebt seit nunmehr über zehn Jahren ununter-
brochen in der Schweiz. Ihre vier erwachsenen Kinder verfügen über 
ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Der Vater der Be-
schwerdeführerin  ist  verstorben,  die  Mutter  ist  aufgrund ihres  Alters 
nicht in der Lage, ihre Tochter aufzunehmen und lebt zudem selbst bei 
einer ihrer Töchter. Den Geschwistern und Halbgeschwistern der Be-
schwerdeführerin  mit  je  eigenen Familienpflichten ist  eine Aufnahme 
der Schwester im heutigen Zeitpunkt im Vergleich mit der Situation im 
Jahre 2001 noch weniger zuzumuten. Die Beschwerdeführerin verfügt 
daher  in  der  Türkei  über  kein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz 
mehr. Eine Rückkehr in die Türkei nach langjähriger Landesabwesen-
heit und ohne die Präsenz mindestens eines ihrer Kinder könnte ihre 
physisch und psychisch labile Gesundheit gefährden und sich letztlich 
existenzbedrohend auswirken.

9.3 In Berücksichtigung der geschilderten Umstände gelangt das Bun-
desverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  unter  dem  Gesichtspunkt 
der Zumutbarkeit  von einer seit  Abschluss des ordentlichen Asylver-
fahrens im Jahre 2001 wesentlich veränderten Sachlage auszugehen 
ist. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin in die Türkei 
erweist sich als nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 
Sie ist demnach zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges in 
der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 

9.4 Bei dieser Sachlage erübrigen sich sodann – wie bereits erwähnt 
– weitere Ausführungen im Zusammenhang mit  der Frage von Art. 8 
EMRK respektive der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Im Übri-
gen liegen gemäss Aktenlage keine Gründe für  den Ausschluss von 
der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG vor. 

10.
Die  Beschwerde  gegen  den  Wiedererwägungsentscheid  in  Sachen 

Seite 13

D-6353/2006

Wegweisungsvollzug ist demzufolge gutzuheissen. Die vorinstanzliche 
Verfügung vom 8. Oktober 2003 sowie die Ziffern 4 und 5 der Verfü-
gung  des  Bundesamts  vom 11. Juli  2000  sind  aufzuheben  und  das 
BFM  ist  anzuweisen,  den  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  in  der 
Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu re-
geln.

11.
11.1 Aufgrund  der  Aktenlage  ist  nicht  von der  Bedürftigkeit  der  Be-
schwerdeführenden auszugehen (vgl. die mit Eingabe vom 31. Januar 
2006  eingereichten  Unterstützungserklärungen  der  Kinder  der  Be-
schwerdeführerin;  die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ist  über-
dies nicht ausgewiesen), weshalb das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen  Rechtspflege  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  G)  abzuweisen  ist. 
Bei dieser Sachlage wären den Beschwerdeführenden angesichts des 
hälftigen  Obsiegens  die  um  die  Hälfte  reduzierten  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG). Gestützt  auf  Art. 6 
Bst. a  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  ist indessen auf die Auferlegung von Verfahrenskosten 
zu verzichten.

11.2
Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist für die ihr notwendiger-
weise erwachsenen Parteikosten eine Parteientschädigung zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 VGKE).  Die  Beschwerdefüh-
renden sind mit ihren Rechtsbegehren teilweise durchgedrungen, wes-
halb  ihnen eine  Parteientschädigung für  die  ihnen  notwendigerweise 
erwachsenen Parteikosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG so-
wie Art. 7 Abs. 2 VGKE). Nachdem keine Kostennoten zu den Akten 
gereicht  wurden  und  sich  der  notwendige  Vertretungsaufwand  auf-
grund der Aktenlage hinreichend zuverlässig abschätzen lässt, ist die 
von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung unter Berück-
sichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren von Amtes wegen 
pauschal  auf  insgesamt  Fr. 1000.--  festzusetzen (vgl.  Art.  14  Abs. 1 
und 2 beziehungsweise Art. 10 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite) 

Seite 14

D-6353/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung des Fa-
milienasyls  abgewiesen  und  hinsichtlich  des  Wiedererwägungsge-
suchs im Vollzugspunkt gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFF vom 8. Oktober 2003 sowie die Ziffern 4 und 5 
der Verfügung des Bundesamts vom 11. Juli 2000 werden aufgehoben.

3.
Das BFM wird angewiesen, den Aufenthalt der Beschwerdeführerin in 
der Schweiz nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige 
Aufnahme zu regeln. 

4.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  vom 
9. November 2003 wird abgewiesen.

5.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

6.
Die Vorinstanz wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Par-
teientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 1000.--  (inkl.  Auslagen  und 
MWST) auszurichten.

7.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- die zuständigen kantonalen Behörden 

-
Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Jacqueline Augsburger

Versand: 

Seite 15