# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 03b1b050-a52f-5142-8c02-409131731014
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-03-11
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 11.03.2014 SB130437
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130437_2014-03-11.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB130437-O/U/cs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, lic. iur. Burger und Ersatz-

oberrichter lic. iur. Ernst sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. 

Oswald 

 

Urteil vom 11. März 2014 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. Weder,  

Anklägerin, Erstberufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte 

 

gegen 

 

A._____, 
Beschuldigter, Zweitberufungskläger und Anschlussberufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc. und Widerruf   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 
10. Juli 2013 (DG130073) 

 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 13. März 

2013 (Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von 

Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a, Art. 8 Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 

und Art. 27 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 5 Abs. 3 lit. c WG, 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB, 

− der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 ⅓ Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 638 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden 

sind, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–. 

3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

4. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

vom 26. Juli 2011 ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 40.– 

wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz 

von Fr. 450.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.  

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6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 4'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 10. Oktober 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Genugtu-

ungsbegehren im Betrag von Fr. 1'000.– anerkannt hat.  

7. Der Antrag des Privatklägers B._____ auf Verwendung der vom 

Beschuldigten zu bezahlenden Busse bzw. Geldstrafe zu seinen Gunsten 

wird abgewiesen. 

8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

15. Februar 2013 beschlagnahmte Mobiltelefon Sony Ericsson, IMEI … inkl. 

SIM-Karte, lagernd bei der Kasse der Staatsanwaltschaften I-IV unter Sach-

kaution Nr. … wird eingezogen und durch die Kasse des Bezirksgerichts Zü-

rich verwertet. Der Verwertungserlös wird zur Verfahrenskostendeckung 

verwendet. 

9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 7'200.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 3'000.–   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 900.–   Kosten der Kantonspolizei 

Fr.    Kanzleikosten Untersuchung 

Fr. 22'620.60   Auslagen Untersuchung 

Fr. 44'408.85   amtliche Verteidigung  

Fr.  9'828.85   Vertretung der Privatklägerschaft 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertre-

tung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kos-

ten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-

vatklägerschaft werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vor-

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behalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 und Art. 426 

Abs. 4 StPO. 

Die Höhe der Entschädigung für die amtliche Verteidigung und die unent-

geltliche Vertretung der Privatklägerschaft wird mit nachträglichem Ent-

scheid festgesetzt. 

Berufungsanträge: 

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich: 

(Urk. 84 S. 2) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 10. Juli 2013 

sei grundsätzlich zu bestätigen, mit folgenden wesentlichen Ausnah-

men:  

2. Der Beschuldigte sei im Anklagepunkt 1 der versuchten vorsätzlichen 

Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen; 

3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren und einer 

Busse von Fr. 500.– zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen 

Untersuchungs-, Sicherheitshaft und des vorzeitigen Strafvollzugs von 

insgesamt 882 Tagen (11.10.2011 - 11. März 2014); 

4. Im Übrigen sei das angefochtene Urteil zu bestätigen, namentlich auch 

im Schuldpunkt hinsichtlich der übrigen Straftatbestände und hinsicht-

lich des Widerrufs des bedingten Vollzugs der am 26. Juli 2011 ausge-

fällten Geldstrafe.  

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b) Der Verteidigung des Beschuldigten:  

(Urk. 85 S. 1 f.) 

1. Der Beschuldigte sei wegen mehrfacher vorsätzlicher einfacher Kör-

perverletzung schuldig zu sprechen.  

2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperver-

letzung und der Drohung freizusprechen.  

3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren unter An-

rechnung der bereits erstandenen Haft zu bestrafen.  

4. Die Schadenersatzforderungen des Geschädigten seien auf den Zivil-

weg zu verweisen.  

5. Die Genugtuungsforderung des Geschädigten sei von CHF 4'000.00 

auf CHF 1'000.00 zu reduzieren.  

6. Die Kostenfolgen seien ausgangsgemäss zu regeln.  

Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu 

nehmen. 

 

_______________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Anklage und Prozessgeschichte 

 1. a) Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zü-

rich vom 13. März 2013 werden dem Beschuldigten A._____ gemäss Anklagezif-

fern 1 und 2 versuchte Tötung im Sinne von Art. 111 i.V.m. Art. 22 StGB, mehrfa-

-   6   - 

che Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a, Art. 8 

Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 5 

Abs. 3 lit. c des Waffengesetzes (WG) vorgeworfen. Unter Anklageziffer 3 a und b 

werden ihm Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB, Tätlichkeiten im Sinne 

von Art. 126 StGB sowie Drohung im Sinne von Art. 180 StGB vorgeworfen 

(Urk. 28). 

b) Das Bezirksgericht Zürich, 2. Abteilung, sprach den Beschuldigten mit Ur-

teil vom 10. Juli 2013 schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sin-

ne von Art. 122 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Widerhandlung 

gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 

lit. a, Art. 8 Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 1 lit. b i.V.m. 

Art. 5 Abs. 3 lit. c WG, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

StGB sowie der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB. Das Gericht bestrafte den 

Beschuldigten mit 6 ⅓ Jahren Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 638 Tagen 

Haft und vorzeitigen Strafvollzug, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–. Ausser-

dem widerrief die Vorinstanz den bedingten Vollzug der mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. Juli 2011 ausgefällten Geldstrafe von 30 

Tagessätzen zu Fr. 40.–. Im Weiteren entschied die Vorinstanz über die geltend 

gemachten Zivilforderungen des Privatklägers B.______ und beschloss die Ein-

ziehung und Verwertung eines beschlagnahmten Mobiltelefones Sony Ericsson 

(Urk. 73 S. 117 f.). 

2. Mit Eingabe vom 11. Juli 2013 meldete die Staatsanwaltschaft IV des 

Kantons Zürich die Berufung an (Urk. 61). Der Beschuldigte liess mit Eingabe 

vom 15. Juli 2013 seinerseits die Berufung anmelden (Urk. 63). Das vollständig 

begründete Urteil wurde der Staatsanwaltschaft am 11. September 2013 zuge-

stellt (Urk. 70/1), dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten am 12. September 

2014 (Urk. 70/2). Mit Eingabe vom 24. September 2013 ging innert Frist die Beru-

fungserklärung der Staatsanwaltschaft ein. Diese beantragt, der Beschuldigte sei 

statt wegen versuchter schwerer Körperverletzung wegen versuchter Tötung 

schuldig zu sprechen und das Strafmass sei auf 10 Jahre Freiheitsstrafe zu erhö-

hen (Urk. 74). Mit innert Frist abgegebener Berufungserklärung vom 30. Septem-

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ber 2013 liess der Beschuldigte beantragen, er sei wegen mehrfacher einfacher 

Körperverletzung schuldig zu sprechen. Er sei hingegen vom Vorwurf der ver-

suchten schweren Körperverletzung und der Drohung freizusprechen. Dement-

sprechend sei das Strafmass auf zwei Jahre Freiheitsstrafe zu reduzieren, unter 

Gewährung des bedingten Strafvollzugs. Ausserdem liess der Beschuldigte bean-

tragen, es sei die Schadenersatzforderung des Beschuldigten (recte: des Privat-

klägers B._____) auf den Zivilweg zu verweisen und die Genugtuungszahlung sei 

von Fr. 4'000.– auf Fr. 1'000.– zu reduzieren (Urk. 75). Mit Eingabe vom 18. No-

vember 2013 liess der Beschuldigte ausserdem Anschlussberufung erheben, oh-

ne jedoch Anträge zu stellen (Urk. 79). Da er ohnehin Berufung erhoben hat, ist 

nicht weiter darauf einzugehen. Vom Privatkläger B.______ und vom Geschädig-

ten C._____ wurde kein Rechtsmittel ergriffen. 

 3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten 

Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, 

Art. 402 N 1; vgl. auch Art. 437 StPO). Nicht angefochten wurde der Schuldspruch 

hinsichtlich der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Anklagezif-

fer 2 bzw. Dispositivziffer 1 Abs. 2) sowie der einfachen Körperverletzung (Ankla-

geziffer 3a bzw. Dispositivziffer 1 Abs. 3). Ebenso unangefochten blieben der Wi-

derruf des bedingten Vollzuges der Vorstrafe vom 26. Juli 2011 (Dispositivziffer 

4), die Abweisung des Antrages des Privatklägers B._____ auf Verwendung der 

vom Beschuldigten zu bezahlenden Busse (Dispositivziffer 7), die Anordnung der 

Einziehung und Verwertung des beschlagnahmten Mobiltelefones (Dispositivziffer 

8) sowie die vorinstanzliche Kostenaufstellung (Dispositivziffer 9; vgl. Urk. 73 

S. 119). Diese Elemente des vorinstanzlichen Urteils sind somit in Rechtskraft er-

wachsen, was vorab mit Beschluss festzuhalten ist.  

 4. Es wurden keine Beweisanträge gestellt.  

 5. Der Beschuldigte wurde am 11. Oktober 2011, 16.45 Uhr, in Haft ge-

nommen, mit Verfügung vom 13. Oktober 2011 wurde er in Untersuchungshaft 

versetzt (Urk. HD 2/2 und HD 22/7). Mit Präsidialverfügung vom 7. Juni 2013 wur-

de dem Beschuldigten der vorzeitige Strafantritt bewilligt (Urk. 43).  

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II. Schuldpunkt 

Anklageziffer 1 

A. Sachverhalt 

 1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, 

er habe anlässlich einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen aus einer 

Distanz von ca. 3 bis 15 Metern bewusst und gewollt mindestens zwei, eventuell 

drei Schüsse auf den Privatkläger B._____ abgegeben. Er habe ihn ein Mal am 

Unterschenkel sowie ein zweites Mal unter dem Knie getroffen. Die vom Privat-

kläger B._____ erlittenen Verletzungen seien nicht lebensgefährlich gewesen. Bei 

den Schussabgaben habe der Beschuldigte den Tod des Privatklägers B._____ 

gewollt bzw. in Kauf genommen.  

 Der Beschuldigte anerkannte in der Voruntersuchung und anlässlich der 

Hauptverhandlung, geschossen zu haben. Er machte im Wesentlichen geltend, er 

habe sich in einer Notwehrsituation befunden und nicht gezielt auf eine Person 

geschossen (Urk. 8/1, Urk. 55). 

 2. a) Die Vorinstanz hat ausführliche und zutreffende Ausführungen zu 

den Grundsätzen und Regeln der Beweiswürdigung gemacht, worauf vollumfäng-

lich verwiesen werden kann (Urk. 73 S. 8-11; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 b) Auch zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und des Privatklägers 

B._____ sowie der übrigen Aussagepersonen hat die Vorinstanz umfassende und 

zutreffende Ausführungen gemacht, auf welche vollumfänglich verwiesen werden 

kann (Urk. 73 S. 12-15). Hervorzuheben ist, dass sich vorliegend in erster Linie 

die widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten einerseits und die teilweise 

nicht weniger widersprüchlichen Aussagen des Privatklägers B._____ anderer-

seits gegenüberstehen. Beide Versionen werden teilweise durch die Mitglieder 

der eigenen Gruppe gestützt. Zwar wurden auch unbeteiligte Tatzeugen befragt, 

diese haben jedoch nur Teile des Tatgeschehens und dies meist erst nach der 

Schussabgabe beobachtet. Für den gesamten Ablauf und insbesondere die Fra-

ge, ob der Beschuldigte im Moment der Schussabgabe von einem Angriff auf ihn 

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ausgehen musste, gibt es keine unbeteiligten Zeugen. Folgerichtig basiert die An-

klage beinahe ausschliesslich auf den Angaben des Privatklägers B._____ zum 

Tatablauf. Die Verteidigung hingegen rückt die Zweifel an den widersprüchlichen 

Aussagen des Privatklägers B._____ und an den belastenden Aussagen weiterer 

Personen ins Zentrum der Betrachtung. Sie untermauert den vom Beschuldigten 

beschriebenen Tathergang durch die teilweise bestätigenden Aussagen anderer 

Gruppenmitglieder.  

 c) Im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen muss daher eine eingehende 

Auseinandersetzung mit Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers 

B._____ stehen. Hinsichtlich der weiteren Beweismittel - der Aussagen der Zeu-

gen, Arztberichte etc. - steht die Frage im Vordergrund, inwiefern auf ihrer Grund-

lage die Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers B._____ zum Tatab-

lauf untermauert oder widerlegt werden können. Bereits an dieser Stelle ist jedoch 

darauf hinzuweisen, dass Schussabgaben in die Richtung des Privatklägers 

B._____ vom Beschuldigten nicht in Abrede gestellt werden. Er macht indes im 

weitesten Sinne eine Notwehrsituation geltend. Auf die Frage, ob eine solche ge-

geben war, ist bei den nachfolgenden Ausführungen besonders einzugehen. 

 3. a) Der Beschuldigte wurde zwei Tage nach der Tat verhaftet und erst-

mals durch die Staatsanwaltschaft zur Sache befragt (Urk. 8/1). Am 27. Februar 

2013 fand die Schlusseinvernahme statt (Urk. 8/13). Die Vorinstanz hat die Aus-

sagen des Beschuldigten umfassend und zutreffen wiedergegeben. Auf die ent-

sprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen 

werden (Urk. 73, S. 15 -22; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 b) Die Vorinstanz nahm eine umfassende und sorgfältige Würdigung der 

Aussagen des Beschuldigten vor, auf welche vorab verwiesen werden kann 

(Urk. 73 S. 23-26). Die nachfolgenden Erwägungen sind in erster Linie Hervorhe-

bungen bzw. Ergänzungen zur vorinstanzlichen Würdigung. 

 4. a) Zu Beginn der Voruntersuchung, konkret in der Hafteinvernahme 

vom 12. Oktober 2011, machte der Beschuldigte geltend, er habe beim Verlassen 

des späteren Tatorts auf seinem Weg zu den Geleisen im Bahnhof D._____ in der 

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Unterführung einen gewissen E1._____ getroffen, den er flüchtig gekannt habe. 

E1._____ habe ihn gefragt, wohin er gehe. Der Beschuldigte habe geantwortet, er 

würde weggehen, da er Probleme habe. E1._____ habe ihm dann eine Pistole 

gezeigt und ihn gefragt, ob er damit den anderen Angst machen wolle. Der Be-

schuldigte habe die Waffe dann einfach vorne in seinen Hosenbund gesteckt und 

den Pullover darüber gezogen. Er (der Beschuldigte) habe nicht gewusst, ob sie 

geladen sei. Er habe sich gedacht, dass es sich um eine Gaspistole handle. Er sei 

dann wieder die Treppe hinauf in Richtung …-Platz gelaufen. F._____ [Nachna-

me] und der Bruder des Beschuldigten seien auch mitgekommen. Er (der Be-

schuldigte) sei dann auf die andere Gruppe zugegangen und habe den Bosnier 

gebeten, er solle zu ihm kommen. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, sie sollten 

ihn in Ruhe lassen. Der Bosnier habe ihm gesagt, "mach gegen ihn (gemeint, den 

Privatkläger B._____ als weitere Person) eins gegen eins", also "schlegle" 

(Urk. 8/1 S. 3). Er (der Beschuldigte) habe dann zum Bosnier gesagt, er habe da-

zu keine Zeit und keine Lust. Der Privatkläger B._____ habe dann ein Telefon 

herausgenommen und jemanden angerufen. Der Beschuldigte habe gehört, wie 

er am Telefon einen Namen gesagt habe: "G._____". Der Beschuldigte habe 

dann auch sein Telefon hervorgenommen und habe seinen Onkel angerufen, da 

sein Onkel diesen G._____ kenne. Er habe seinem Onkel gesagt, er solle 

G._____ sagen, die andere Gruppe solle ihn in Ruhe lassen. Aber er denke, dass 

es zu spät gewesen sei. Der Beschuldigte, sein Bruder und F._____ seien wieder 

in Richtung Bahnhof gelaufen. Sie hätten sich auf dem …-Platz befunden, als der 

Beschuldigte gesehen habe, dass die andere Gruppe ihnen gefolgt sei. Er habe 

sich umgedreht, da habe sich der Privatkläger B._____ hinter ihm befunden und 

mit beiden Händen seine Handgelenke (jene des Beschuldigten) gepackt. Der 

Privatkläger B._____ habe ihn "irgendwie beschimpft", aber der Beschuldigte ha-

be sich nicht auf die Worte konzentriert, denn er habe gesehen, wie eine andere 

Person ein Messer hervorgenommen habe. Es habe sich um ein Springmesser 

gehandelt. Er habe dann gemerkt, dass er einen Schlag auf sein linkes Auge er-

halten habe. Er sei festgehalten und beschimpft worden und habe den Schlag er-

halten. Nach dem Schlag sei er zu Boden gefallen und habe seine Waffe gezo-

gen. Durch den Faustschlag seien ihm zwei Stockzähne am linken Oberkiefer 

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teilweise abgeschlagen worden. Er sei dabei nach hinten auf den Boden gestürzt. 

Er habe sich mit dem rechten Arm seitlich abgestützt. Es sei ihm schwarz vor den 

Augen geworden. Als er wieder zu sich gekommen sei, seien diese fünf Personen 

auf ihn zugekommen. Er habe dann die Waffe aus dem Hosenbund genommen 

und "einfach geschossen". Er habe sich seitlich am Boden abgestützt, die Waffe 

mit der rechten Hand aus dem Hosenbund genommen und "einfach geschossen". 

Er habe "umenandgschosse" (Urk 8/1 S. 4). 

 b) Die ursprüngliche Darstellung des Beschuldigten in der Hafteinvernahme 

vom 12. Oktober 2011, wonach ihm ein flüchtiger Bekannter namens E1._____, 

den er zufällig in der Bahnhofsunterführung getroffen haben will, einfach so eine 

geladene Schusswaffe überlassen habe, erscheint an sich schon sehr lebens-

fremd und unglaubhaft. Jedoch erst nach Kenntnisnahme der Aussagen des Zeu-

gen E2._____ vom 24. Mai 2012 gab der Beschuldigte zu, dass ihm die Waffe 

von E2._____ gebracht worden sei. E1._____ und E2._____ seien eigentlich die 

gleiche Person (Urk. 8/12 S. 2). Der Beschuldigte wohnte im Tatzeitpunkt schon 

seit mehreren Tagen bei E2._____, wobei sich die beiden erst einige Wochen zu-

vor kennen gelernt hatten. Auf die Aussagen von E2._____ ist später näher ein-

zugehen. Für den vorliegenden Zusammenhang ist relevant, dass der Beschuldig-

te zu Beginn der Voruntersuchung eine offensichtlich falsche Sachdarstellung 

hinsichtlich der Umstände, wie er an jenem Abend in den Besitz der Waffe ge-

langte, lieferte. Der Beschuldigte machte geltend, dass er dies getan habe, um 

E2._____ nicht zu belasten (Urk. 8/12 S. 2). Selbst wann man diesen Beweg-

grund als zutreffend erachtet, so ermöglichte dieses Aussageverhalten dem Be-

schuldigten, einige Behauptungen in der Voruntersuchung zu machen, die sich 

später aufgrund der Aussagen von E2._____ als Schutzbehauptungen entpupp-

ten. So konnte - wie nachfolgend aufzuzeigen ist - aufgrund der Beweislage seine 

Behauptung widerlegt werden, wonach er nicht gewusst haben will, dass es sich 

um eine echte und geladene Schusswaffe handelte. Ausserdem liess sich erstel-

len, dass der Beschuldigte die Waffe bei E2._____ telefonisch bestellte, um sie 

am Tatort zu verwenden, nachdem sich der Konflikt mit der Gruppe des Privatklä-

gers angebahnt hatte. Die nachweislich falsche Aussage hinsichtlich der Herkunft 

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und der Übergabe der Waffe kurz vor der Tat lassen die Glaubhaftigkeit der 

Sachdarstellung des Beschuldigten in einem fraglichen Licht erscheinen.  

 c) Der Beschuldigte gab an, die Waffe an sich genommen zu haben, um die 

andere Gruppe einzuschüchtern und dann in Ruhe gelassen zu werden. Er habe 

gedacht, dass die anderen dann von ihm weggehen würden (Urk. 8/1 S. 7, 

Urk. 55 S. 6). Dies ergibt keinen Sinn, war er doch in jenem Moment am Bahnhof 

D._____ nicht mehr in Bedrängnis und hätte einem weiteren Konflikt problemlos 

aus dem Weg gehen können. Er bewegte sich ja bereits weg von der anderen 

Gruppe und befand sich in der Bahnhofsunterführung. Die andere Gruppe verfolg-

te ihn offensichtlich nicht. Der Beschuldigte kehrte jedoch ohne zwingenden 

Grund und ohne Bedrängnis auf das …-Areal zurück. Es ergibt sich somit, dass er 

- nun bewaffnet - seinerseits den Kontakt mit der anderen Gruppe suchte. Er führ-

te in der Hafteinvernahme aus, dass er nach Übernahme der Pistole in der Bahn-

hofsunterführung wieder die Treppe hinauf in Richtung …-Platz gegangen sei. Er 

sei dann auf die andere Gruppe zugegangen und habe "den Bosnier" gebeten, zu 

ihm zu kommen. Er habe dann gesagt, die anderen sollten ihn in Ruhe lassen. 

Darauf habe "der Bosnier" gesagt: "Mach gegen ihn eins gegen eins, also schläg-

le." Gemäss Darstellung des Beschuldigten habe der andere ihn damit zum Zwei-

kampf mit dem Privatkläger B._____ auffordern wollen (Urk. 8/1 S. 3 f.), was der 

Beschuldigte jedoch abgelehnt habe. Daraufhin habe der Privatkläger ein Telefon 

herausgenommen und den bereits genannten "G._____" angerufen. Der Be-

schuldigte habe dann seinerseits seinem Onkel angerufen, da dieser den 

"G._____" kenne. Er habe den Onkel aufgefordert, er solle "G._____" sagen, die 

andere Gruppe solle ihn in Ruhe lassen. Aber er denke, dass es zu spät gewesen 

sei (Urk. 8/1 S. 4). In Bezug auf dieses Telefonat erscheint es merkwürdig, dass 

der Beschuldigte genau gewusst haben will, wen der Privatkläger B._____ anrief. 

Auch dass dem Beschuldigten dieser Umstand Angst gemacht haben soll, er-

scheint unrealistisch. So war der angerufene "G._____" in jenem Moment nicht 

vor Ort und der Beschuldigte demgegenüber mit einer Schusswaffe bewaffnet. 

Die vom Beschuldigten geschilderte, bedrohliche Situation leuchtet nicht ein und 

wirkt konstruiert, konnte ihm doch "G._____" am Telefon nichts anhaben. Ande-

rerseits bedeutete der telefonierende Privatkläger B._____ bestimmt keine rele-

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vante Gefahr für den Beschuldigten. Ferner erscheint es absurd, dass er als Re-

aktion seinen Onkel angerufen haben will, hätte dieser ihm in jener Situation so 

kurzfristig ohnehin so wenig helfen können, wie der nicht anwesende "G._____" 

eine Gefahr darstellte.  

 d) Die Situation bis zur Schussabgabe wurde vom Beschuldigten in der 

Hafteinvernahme vom 12. Oktober 2011 wie folgt beschrieben: Der Beschuldigte, 

sein Bruder und F._____ seien nach dem Gespräch mit "dem Bosnier" und dem 

erwähnten Telefonat durch den Privatkläger wieder in Richtung Bahnhof gelaufen. 

Sie hätten sich auf dem …-Platz befunden, als der Beschuldigte gesehen habe, 

dass die andere Gruppe ihnen gefolgt sei. Er habe sich umgedreht, da habe sich 

der Privatkläger B._____ hinter ihm befunden und mit beiden Händen seine 

Handgelenke (jene des Beschuldigten) gepackt. Der Privatkläger B._____ habe 

ihn "irgendwie beschimpft", aber der Beschuldigte habe sich nicht auf die Worte 

konzentriert, denn er habe gesehen, wie eine andere Person ein Messer hervor-

genommen habe. Es habe sich um ein Springmesser gehandelt. Er habe dann 

gemerkt, dass er einen Schlag auf sein linkes Auge erhalten habe. Er sei festge-

halten und beschimpft worden und habe den Schlag erhalten. Nach dem Schlag 

sei er zu Boden gefallen und habe seine Waffe gezogen. Durch den Faustschlag 

seien ihm zwei Stockzähne am linken Oberkiefer teilweise abgeschlagen worden. 

Er sei dabei nach hinten auf den Boden gestürzt. Er habe sich mit dem rechten 

Arm seitlich abgestützt. Es sei ihm schwarz vor Augen geworden. Als er wieder zu 

sich gekommen sei, seien diese fünf Personen auf ihn zugekommen. Er habe 

dann die Waffe aus dem Hosenbund genommen und "einfach geschossen". Er 

habe sich seitlich am Boden abgestützt, die Waffe mit der rechten Hand aus dem 

Hosenbund genommen und "einfach geschossen." Er habe "umenandgschosse". 

Auf die Frage, ob er in Richtung der fünf Personen geschossen habe, antwortete 

der Beschuldigte, er habe "einfach umenandgschosse." Es sei ihm schwarz vor 

den Augen gewesen und er hätte auch jemanden mit den Schüssen am Kopf tref-

fen können. Er habe nicht geschaut, ob er jemanden treffe. Er habe in diesem Zu-

stand einfach geschossen, weil er nicht gewollt habe, dass sie ihn schlagen oder 

abstechen würden. Die anderen Personen hätten einen Abstand von ca. zweiein-

halb Metern zu ihm gehabt. Wenn er mit Absicht auf diese Personen geschossen 

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hätte, dann hätte er diese sicher verletzt. Er glaube, er habe zwei-, dreimal ge-

schossen und er hätte sicher getroffen, wenn er das gewollt hätte. Diese seien 

nicht 15 Meter entfernt gestanden. Er habe ja nur etwa zwei bis drei Meter Entfer-

nung zu diesen Personen gehabt. "Aus dieser Distanz trifft man." Er habe nie-

manden umbringen wollen. "Ich habe nicht geschossen, damit ich jemanden um-

bringe, sondern damit mich diese nicht verletzen." Er habe einen wuchtigen 

Schlag ins Gesicht erhalten. Er habe aus Angst geschossen. 

 In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 10. Juli 2013 schilderte er die 

Situation bis zur Schussabgabe wie folgt: Als er mit dem Kollegen des Privatklä-

gers B._____ geredet habe, habe er (der Beschuldigte) weitergehen wollen. Der 

Privatkläger B._____ sei nachgekommen und habe geschrien und geflucht. Die-

ser sei kurz hinter ihm gewesen, er (der Beschuldigte) habe sich umgedreht und 

der Privatkläger B._____ habe ihn gepackt. Dann seien dessen Kollegen auch 

dazugekommen und hätten einen Halbkreis gebildet. Der Privatkläger B._____ 

habe ihn an den Händen gepackt. Der Beschuldigte habe hinuntergeschaut, um 

zu sehen was der Privatkläger B._____ mache. Er habe gesehen, dass dessen 

Kollegen Messer hervorgenommen hätten. Auf entsprechende Nachfrage bestä-

tigte der Beschuldigte, er habe mehrere Messer gesehen (Urk. 55 S. 10). Der Pri-

vatkläger B._____ habe ihn "mega fest" an den Händen gepackt und ihm einen 

Schlag aufs linke Auge gegeben. Wieso ihn der Privatkläger B._____ an den 

Handgelenken gepackt habe, wisse er nicht. Vielleicht weil er (der Beschuldigte) 

am Anfang seine Pistole gezeigt gehabt habe. Das sei seine Vermutung (Urk. 55 

S. 11). Er (der Beschuldigte) sei zu Boden gefallen. In diesem Moment - es sei 

schnell gegangen - habe er geschossen. Weil die Schüsse so laut gewesen sei-

en, habe er nach zwei Schüsse realisiert, dass die Waffe echt sei und habe des-

halb aufgehört. Er sei schockiert gewesen, was passiert sei. Er habe gedacht, es 

sei eine Gaspistole, weil sie sehr klein gewesen sei. Es sei aber kein Wider-

spruch, die anderen mit einer Pistole abschrecken zu wollen, die man selber nicht 

für echt halte, da eine Gaspistole auch leicht verletzen könne. Nicht jeder Mensch 

habe die gleichen Gedanken gehabt wie er (Urk. 55 S. 11). Als er die Schüsse 

abgegeben habe, habe er sich am Boden mit der linken Hand abgestützt gehabt. 

-   15   - 

Die Waffe habe er bei der Schussabgabe in Richtung des Privatklägers B._____ 

gehalten (Urk. 55 S. 9). 

 e) Es fällt auf, dass der Beschuldigte in der ersten Einvernahme geltend 

machte, er habe bei einer Person der anderen Gruppe ein Messer gesehen, wäh-

rend er in der Befragung vor Vorinstanz mehrere Messer wahrgenommen haben 

will. Diese Übertreibung erscheint als Versuch des Beschuldigten, die Situation so 

darzustellen, als hätte die Gruppe des Privatklägers B._____ Waffen mitgebracht, 

sodass er sich auf eine Notwehrsituation berufen konnte. Unklar bleibt, wo der 

oder die Träger des Messers stand/standen bzw. mit welchen Worten er be-

schimpft wurde. Der Beschuldigte vermag auch nicht plausibel zu erklären, wes-

halb ihn der Privatkläger B._____ zunächst an den Handgelenken festgehalten 

haben soll, wenn dieser ihn doch angeblich angreifen wollte. Als mögliche Erklä-

rung dafür brachte er jedoch vor, dass dies vielleicht gewesen sei, weil er (der 

Beschuldigte) am Anfang seine Pistole gezeigt habe. Es erscheint plausibel, dass 

der Privatkläger B._____ den Beschuldigten an den Handgelenken festhielt, weil 

er die Pistole des Beschuldigten gesehen hatte und diesen am Einsatz der Waffe 

hindern wollte.  

 Während der Beschuldigte im Vorverfahren den von mehreren Zeugen er-

wähnten ersten, einzelnen Schuss in die Luft in seinen Schilderungen ausblende-

te, bestritt er einen solchen anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

nicht kategorisch, sondern räumte eine, dass es möglich sei, dass er einen 

Schuss in die Luft abgegeben habe, als er umgefallen sei. Diese Möglichkeit 

räumte er auch anlässlich der Berufungsverhandlung ein (Prot. II S. 14). Die Mög-

lichkeit, dass er bereits vor der Auseinandersetzung mit dem Privatkläger B._____ 

bewusst in die Luft geschossen habe, um sich Respekt zu verschaffen, bestritt 

der Beschuldigte indes weiterhin (Urk. 55 S. 7 f.). 

 f) Den Moment des Sturzes beschrieb der Beschuldigte in der Voruntersu-

chung detailliert und führte aus, wie er sich mit dem rechten Arm seitlich abge-

stützt habe. Er habe dann die Waffe mit der rechten Hand aus dem Hosenbund 

genommen und geschossen. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

änderte der Beschuldigte seine Darstellung der Schussabgabe und gab zu Proto-

-   16   - 

koll, er habe sich am Boden mit der linken Hand abgestützt gehabt, als er ge-

schossen habe. Der Beschuldigte machte geltend, er habe nicht auf die Beine des 

Privatklägers B._____ gezielt, sondern es sei Zufall gewesen, dass die beiden 

Schüsse den Privatkläger B._____ nahe beieinander getroffen hätten. In der Vor-

untersuchung sagte er diesbezüglich sogar aus, dass er auch jemanden am Kopf 

hätte treffen können. Weiter seien die Schüsse auf Beinhöhe gewesen, da er sel-

ber sich in dieser tiefen Position befunden habe. Die Aussage des Beschuldigten, 

der Privatkläger B._____ sei frontal vor ihm gestanden, steht im Widerspruch mit 

der Schusswunde hinten in der Kniekehle des Privatklägers B._____.  

 g) Die Vorinstanz hielt zusammenfassend fest, dass sich aus der Schilde-

rung des Beschuldigten der wahre Grund für die Auseinandersetzung und für die 

Schussabgabe nicht erkennen lasse (Urk. 73 S. 26). Hierzu ist zu sagen, dass 

auch aus den Aussagen der übrigen befragten Personen kein nachvollziehbarer 

Grund für die Auseinandersetzung ersichtlich wird, was für solche und ähnliche 

Auseinandersetzungen zwischen Gruppen von Jugendlichen bzw. jungen Er-

wachsenen im "Ausgang" durchaus nicht untypisch ist, wird doch häufig aufgrund 

einer vorbestehenden Aggressions- und Gewaltbereitschaft geradezu nach einem 

noch so nichtigen Grund für eine verbale und dann auch tätliche Auseinanderset-

zung gesucht, was auch im vorliegenden Fall so gewesen sein dürfte. Aufgrund 

der bisherigen Erkenntnisse, d.h. bereits aus den eigenen Aussagen des Be-

schuldigten erfolgte durch den Einbezug der Schusswaffe durch den Beschuldig-

ten eine Eskalation der bereits vorbestehenden Konfliktsituation zwischen dem 

Beschuldigten und seinen Begleitern einerseits und dem Privatkläger und dessen 

Gruppe andererseits. Den Angriff auf ihn durch den Privatkläger B._____ und wei-

terer Personen beschreibt der Beschuldigte eher pauschal und seine Schilderung 

weist Diskrepanzen hinsichtlich der Frage der angeblich von der anderen Gruppe 

verwendeten Messer auf. Ausserdem enthält seine Sachdarstellung Elemente, die 

jeglicher Lebenserfahrung und Plausibilität widersprechen. So etwa seine anfäng-

liche Schilderung, wie er in den Besitz der Pistole gelangte und im Zusammen-

hang mit dem erwähnten Telefonat durch den Privatkläger.  

-   17   - 

 h) Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Konfrontation suchte 

bzw. eine solche zumindest in Kauf nahm, da es ohne seine Rückkehr zum …-

Areal mit grosser Wahrscheinlichkeit zu keinem weiteren Zusammentreffen mit 

der anderen Gruppe gekommen wäre. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der 

Beschuldigte keine plausible Erklärung dafür hatte, wieso ihn E2._____ im Zu-

sammenhang mit der Beschaffung der Pistole zu Unrecht belasten sollte. 

Schliesslich bestreitet der Beschuldige die Aussagen von E2._____, wonach der 

Beschuldigte die Pistole zu einem früheren Zeitpunkt für Fr. 900.– gekauft habe 

und E2._____ vor der Tat beauftragt habe, ihm die Pistole nach D._____ zu brin-

gen, nach wie vor (vgl. Urk. 8/3 S. 2 f.; Prot. II S. 13 und S. 16). Die diesbezügli-

chen Aussagen des Beschuldigten, E2._____ habe möglicherweise Angst vor ei-

ner Strafverfolgung gehabt bzw. gedacht, dass er (der Beschuldigte) die ganze 

Schuld auf sich nehme als er sich gestellt habe, vermögen nicht zu überzeugen, 

da sich E2._____ durch seine Aussagen selbst deutlich stärker belastete, als 

wenn er die Darstellung des Beschuldigten bestätigt hätte. 

 i) Hinsichtlich des Verhaltens des Beschuldigten nach der Tat ist festzuhal-

ten, dass er durch sein Verhalten klare Hinweise für ein Unrechtsbewusstsein lie-

ferte. Nach der Flucht besorgte er sich laut eigener Darstellung neue Kleider. Die 

alten Kleider entsorgte er bei einer ESSO-Tankstelle in …, "weil ich mich unwohl 

in den Kleidern fühlte, weil ich wusste, dass etwas passiert war. Ich wollte diese 

nicht mehr." Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte der Beschuldigte, dass 

er die Kleider weggeworfen habe, da er sich in diesem Zustand nicht wohl gefühlt 

habe. Die Kleider seien zudem aufgrund des Hinfallens schmutzig gewesen. Die-

se Begründung für die Entsorgung der getragenen und schmutzigen Kleider ist 

unglaubhaft. Zudem befand sich der Beschuldigte auch nicht in der finanziellen 

Lage, um schmutzige Kleider einfach wegzuwerfen, statt zu waschen. Ein solches 

Nachtatverhalten zielte offenkundig darauf ab, Spuren zu verwischen. Im Falle ei-

ner selber als berechtigt erachteten Notwehrhandlung wäre solches nicht nötig 

gewesen. Offensichtlich war er sich seines krassen Fehlverhaltens bewusst und 

tauchte deshalb unter. Die Mitteilung durch sein "Umfeld" via seinen Rechtsbei-

stand am nächsten Tag, wonach der Beschuldigte bereit sei, sich zu stellen, war 

-   18   - 

wohl durch die naheliegende Einsicht motiviert, dass zu viele Leute gesehen hat-

ten, dass er geschossen hatte. 

 j) Als Fazit der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten ist festzuhalten, 

dass die Glaubhaftigkeit seiner gesamten Sachdarstellung stark eingeschränkt ist. 

Auf seine Darstellung bzw. Bestreitungen und Entlastungsbehauptungen kann 

deshalb grundsätzlich nicht abgestellt werden. 

 5. Nachfolgend sind zunächst die Aussagen des Privatklägers B._____ 

und die objektiven Beweismittel einer Würdigung zu unterziehen. Danach sind die 

Aussagen derjenigen Personen zu würdigen, die den jeweiligen Gruppen um den 

Beschuldigten bzw. um den Privatkläger angehörten. Schliesslich sind die Aussa-

gen der übrigen einvernommen Personen zu berücksichtigen, soweit diese über-

haupt sachdienlich sind.  

 6. a) Der Privatkläger B._____ wurde durch die Polizei am 17. Oktober 

2011 (Urk. 9/2) und durch die Staatsanwaltschaft am 14. Dezember 2011 (Urk. 

9/3) befragt. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Privatklägers in diesen Einver-

nahmen zutreffend wiedergegeben. Auf die entsprechenden Ausführungen in den 

vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 73, S. 28-31).  

 b) Die Vorinstanz nahm eine umfassende und sorgfältige Würdigung der 

Aussagen des Privatklägers vor, auf welche vorab verwiesen werden kann (Urk. 

73 S. 32 f.). Die nachfolgenden Erwägungen sind in erster Linie Hervorhebungen 

bzw. Ergänzungen zur vorinstanzlichen Würdigung. 

 7. a) Der Privatkläger sei an jenem Abend mit H._____ nach D._____ ge-

fahren und habe dort I._____ [Nachname] und J._____ [Nachname] getroffen. Sie 

hätten eine Runde beim "Grüscht" gemacht. Dort seien ein paar Leute gewesen. 

Man habe sich gegrüsst und sei weiter gegangen. Eigentlich hätten I._____ und 

J._____ ins Training gewollt. Dann hätten sie K._____ [Nachname] getroffen. 

K._____ sei zur anderen Gruppe gegangen. Die Gruppe des Privatklägers habe 

sich ca. 20 Minuten beim Bahnhof D._____ aufgehalten. Es sei ihnen langweilig 

geworden und sie hätten beim "Grüscht" vorbeigehen wollen, um zu schauen, 

-   19   - 

was laufe. Sie seien zu viert gewesen, K._____ sei weiter hinten gewesen. Sie 

seien in Richtung "Grüscht" gelaufen, als sie drei Personen begegnet seien. Sie 

hätten Blicke ausgetauscht. Er (der Privatkläger B._____) habe gesagt: "Was seid 

Ihr für Spastis?" Der eine habe ihm gesagt: "Ich zeige Dir, wer ein Spasti ist." Er 

glaube, dies habe der Beschuldigte gesagt. Auf jeden Fall habe der Beschuldigte 

gesagt, sie sollten warten. Seine Gruppe habe ihn nicht ernst genommen. Sie 

seien zum "Grüscht" und hätten dort "gehängt." Sie seien nicht bewaffnet gewe-

sen. Keiner habe ein Messer auf sich getragen. Seine Gruppe habe den Beschul-

digten nicht bespuckt. J._____ habe aber einen Deospray dabei gehabt. Sie hät-

ten sich damit besprüht, als sie zuoberst gewesen seien. Er (der Privatkläger 

B._____) habe zuerst mit dem Feuerzeug und dem Deo gespielt, indem er das 

Besprühte angezündet habe. Dann habe er ein wenig in die Luft gesprayt, aber 

der Wind habe das Gesprayte verweht. Sie hätten sich dann gegenseitig be-

sprüht, also jeder sich selber. Nach ca. zehn Minuten Warten seien ca. sieben, 

acht oder zehn Personen gekommen. Sie hätten nicht gedacht, dass sie zurück-

kommen würden, aber dass es eine Prügelei geben würde, wenn sie zurückkä-

men. Derjenige, mit welchem er Blickkontakt gehabt habe, sei ca. zehn oder 

zwanzig Meter von ihm entfernt gewesen, als er auch schon in die Luft geschos-

sen habe. Es sei ein Schock für ihn (den Privatkläger B._____) gewesen. Er habe 

nicht realisiert, was geschehen sei und sei stehen geblieben. Er habe nur noch 

auf den, der eine Waffe gehabt habe, geschaut (Urk. 9/2 S. 7 f.). 

 b) Der mit der Waffe habe sich genähert und gefragt, was jetzt sei, "wegen 

Spasti und so, wer jetzt der Spasti sei." Er habe die Waffe immer noch in der 

Hand gehabt. Er sei zu J._____ gegangen und habe ihn gefragt, ob er ein Albaner 

oder Moslem sei. J._____ und der Beschuldigte hätten sich ein wenig von der 

Gruppe entfernt und miteinander geflüstert. Warum der Beschuldigte mit J._____ 

gesprochen habe und nicht mit ihm (dem Privatkläger B._____), verstehe er nicht. 

Irgendwie habe man sich entspannt, der Schock sei nicht mehr so gross gewe-

sen. J._____ sei zurückgekommen. Der Privatkläger B._____ habe den Beschul-

digten gefragt, was sein Problem sei. Sie seien immer noch zu viert gewesen. 

K._____ und ihre Kollegen seien eher hinten gewesen. Der Beschuldigte und sei-

ne Gruppe seien in Richtung Bahnhof D._____ am Weglaufen gewesen. Seine 

-   20   - 

(des Privatklägers B._____) Gruppe habe noch ein paar Minuten "gehängt" und 

dann habe er zu seinen Kollegen gesagt: "Jungs, begleitet mich bis zum Bahnhof. 

Nicht, dass die anderen plötzlich jetzt noch was machen." Sie seien auch in Rich-

tung Bahnhof D._____ gegangen, die anderen seien ebenfalls in diese Richtung 

unterwegs gewesen und hätten beim …-Areal gewartet. Der Privatkläger B._____ 

habe sich gedacht, die machten nichts, weil es noch andere Leute gehabt habe. 

Seine Gruppe sei vorbei gegangen. Er habe sich auf den Beschuldigten fokus-

siert, weil dieser ja eine Waffe gehabt habe. Er habe das Gefühl gehabt, der Be-

schuldigte wolle seine Waffe ziehen, da dieser angefangen habe, "nervös zu tun". 

Der Beschuldigte habe an seinem Gürtel herumgefingert. Da habe der Privatklä-

ger den Beschuldigten an dessen Handgelenken gepackt. Von hinten seien plötz-

lich noch Leute gekommen, welche geschubst hätten. "Es flogen einfach Hände 

in der Gegend rum." Der Beschuldigte sei im Gerangel auf jeden Fall zu Boden 

gefallen. Der Privatkläger B._____ habe Angst bekommen, weil er gewusst habe, 

dass der Beschuldigte eine Waffe habe. Er habe Distanz haben wollen, "nicht, 

dass er auf mich schiesst". Er sei zurückgegangen und habe zu ihm (dem Be-

schuldigten) gesagt, er solle aufhören, zurückgehen. Der Beschuldigte habe aber 

die Waffe schon vorne aus dem Hosenbund gezogen. Er habe auf ihn (den Pri-

vatkläger B._____) gezielt. Zuerst habe er die silbrige Pistole noch gegen andere 

Personen gehalten, dann habe er auf ihn (den Privatkläger B._____) gezielt. Er 

habe auf den Kopf gezielt. Er (der Privatkläger B._____) habe seine Jacke ge-

nommen und als Schutz vor den Kopf gehalten. Er habe seine Augen geschlos-

sen. Jemand von den Kollegen des Beschuldigten habe gesagt, der Beschuldigte 

solle schiessen. Dann habe der Beschuldigte geschossen. Der Privatkläger habe 

bei seinem Knie so ein Streifen gespürt und gedacht, der Beschuldigte schiesse 

jetzt nicht mehr. Er (der Privatkläger B._____) sei ein bisschen weiter zurück ge-

gangen, da habe der Beschuldigte nochmals geschossen, "auf mein Knie und ich 

verspürte einen Krampf im Knie" (Urk. 9/2 S. 8 f.). 

 c) Dann seien alle abgehauen und der Privatkläger habe niemanden mehr 

gesehen. Er sei zurückgehumpelt und habe geschrien, es solle jemand einen 

Krankenwagen rufen. Im Schock habe er die Nummer nicht mehr gewusst. Dann 

sei er zu Boden gefallen. Mit einem "G._____" habe er vorher telefoniert, bevor es 

-   21   - 

passiert sei. Es sei um ein Game oder so gegangen. Er habe nicht telefoniert, um 

weitere Kollegen zu mobilisieren. Wenn er das gemacht hätte, hätte er sicher 

nicht "G._____" angerufen, sondern Kollegen (Urk. 9/2 S. 10 f.).  

 d) In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 14. Dezember 2011 

bestätigte der Privatkläger seine Aussagen, die er in der polizeilichen Einvernah-

me gemacht hatte (Urk. 9/3). In Ergänzung dazu führte er aus, dass der Beschul-

digte nach dem Schuss in die Luft die Waffe auf ihn (den Privatkläger), d.h. auf 

seinen Oberkörper gerichtet habe. Danach habe sich der Beschuldigte mit 

J._____ unterhalten (Urk. 9/3 S. 5). Dann hätten sich die beiden Gruppen wieder 

getrennt. Als der Privatkläger mit seinen Begleitern später in Richtung Bahnhof 

gingen, seien sie am Beschuldigten und dessen Begleiter vorbeigekommen. Der 

Privatkläger führte dann aus, er sei mit dem Beschuldigten "in Kontakt" gekom-

men. Auf entsprechende Frage gab er zu Protokoll, dass ihn der Beschuldigte 

nach seinem Alter gefragt habe. Darauf habe er jedoch nicht geantwortet. Dann 

seien sie sich etwas näher gekommen und der Privatkläger habe den Beschuldig-

ten mit beiden Händen an den Handgelenken gepackt. Es habe dann ein Durch-

einander gegeben und er wisse noch, dass sich andere Leute aus seiner Gruppe 

dazwischen gedrängt hätten, wohl um sie zu trennen. Er selber sei geschubst 

worden und der Beschuldigte sei zu Boden gefallen. Dieser sei dann aufgestan-

den und habe seine Waffe vorne aus dem Gürtel gezogen. Dann seien alle weg-

gerannt, der Privatkläger sei jedoch stehen geblieben. Irgendwer habe dann geru-

fen "schiess, schiess", worauf der Beschuldigte zweimal geschossen habe (Urk. 

9/3 S. 5). Auf entsprechende Frage schätzte der Privatkläger die Distanz zwi-

schen ihm und dem Beschuldigten bei der Schussabgabe auf ca. 10 bis 15 Meter 

(Urk. 9/3 S. 7).  

 e) Wie bereits bei den Aussagen des Beschuldigten blieb auch nach der 

Schilderung der Vorgeschichte durch den Privatkläger unklar, was der eigentliche 

Grund für die Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privat-

kläger war. Einzig die vom Privatkläger eingeräumte verbale Beleidigung durch 

ihn ("Was seid ihr für 'Spastis'?") sowie ein Art von gegenseitigen "bösen Blicken" 

scheinen für den Konflikt genügt zu haben. Es blieb ebenfalls unklar, wie und 

-   22   - 

weshalb sich der Privatkläger dem Beschuldigten derart näherte, dass er ihn zu-

letzt an den Handgelenken festhalten konnte. Allerdings macht eben gerade diese 

Schilderung einen gewissen Sinn, zumal davon auszugehen ist, dass der Privat-

kläger dadurch verhindern wollte, dass der Beschuldigte die Pistole aus dem Ho-

senbund ziehen würde. Die Schilderung des Privatklägers B._____ zu den Grün-

den, weshalb der Beschuldigte zu Boden ging, bleibt lückenhaft ("Es flogen ein-

fach Hände in der Gegend rum. A._____ fiel auf jeden Fall zu Boden" [Urk. 9/2 

S. 9]; "Es gab dann ein Durcheinander. […] derjenige mit der Waffe […] fiel zu 

Boden." [Urk. 9/3 S. 5]). Die glaubhafte Schilderung des Privatklägers B._____, 

wonach er vor allem auf den Beschuldigten geachtet habe, weil dieser eine Waffe 

gehabt habe, widerspricht allerdings seiner Behauptung, wonach er den Sturz des 

Beschuldigten und die Gründe dafür nicht gesehen haben will. Die Schussabgabe 

durch den Beschuldigten wird vom Privatkläger B._____ in seinen Aussagen 

gleichbleibend, detailliert und damit grundsätzlich glaubhaft beschrieben. Insbe-

sondere schilderte der Privatkläger B._____, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt 

der Schussabgabe keinen Angriff mehr zu befürchten gehabt habe. Zu diesem 

Zeitpunkt habe sich der Privatkläger vom Beschuldigten entfernt. Zum weiteren 

Inhalt seiner Aussagen ist festzuhalten, dass der Privatkläger die Vorgänge in 

durchaus charakteristischer Weise schilderte, wie es von jemandem zu erwarten 

ist, der den Vorfall selber erlebt hat. Insbesondere schilderte er immer wieder sei-

ne eigene psychische Befindlichkeit ("Es war ein Schock, ich realisierte nicht, was 

geschah, und blieb stehen. Ich schaute nur noch auf den, der eine Waffe hatte" 

[Urk. 9/2 S. 8]) und beschrieb auch Sachverhaltselemente, die ihn selbst belasten, 

wie beispielsweise die gegenseitigen bösen Blicke und die verbale Beleidigung 

durch ihn gegenüber der Personengruppe um den Beschuldigen. Seine Schilde-

rungen enthalten auch in sich logische und plausible Elemente, so wenn er z.B. 

beschrieb, dass er bei einer allfälligen Rückkehr des Beschuldigten und seiner 

Begleiter mit einer Schlägerei gerechnet habe, mithin dass beide Gruppen eine 

gewisse Gewaltbereitschaft aufwiesen. Der von ihm erwähnte Schuss in die Luft 

durch den Beschuldigten erscheint rein von der Situation und der Motivlage her 

durchaus plausibel, insbesondere mit den begleitenden Worten des Beschuldig-

ten, wer jetzt ein "Spasti" sei.  

-   23   - 

 f) Aufgrund der Aussagen des Privatklägers ist die Version des Beschuldig-

ten zur Frage, ob er im Zeitpunkt der Schussabgabe von einem Angriff des Pri-

vatklägers ausgehen musste, zumindest zweifelhaft. Die Darstellung des Privat-

klägers erscheint im Kerngeschehen der Umstände der Schussabgabe konstant, 

nachvollziehbar und plausibel. Dementsprechend wäre kein unmittelbarer Angriff 

auf den Beschuldigten im Gang gewesen und auch nicht unmittelbar bevorste-

hend. Es bleibt somit nachfolgend zu prüfen, ob die Aussagen des Beschuldigten 

bzw. des Privatklägers durch objektive Beweismittel oder Drittaussagen bestätigt 

oder widerlegt werden können. Im Zentrum der Beweiswürdigung steht die Frage, 

ob sich der Beschuldigte in einer Notwehrsituation befand bzw. eine solche an-

nehmen konnte. Ausserdem geht es um die Frage, ob der Beschuldigte den Vor-

satz hatte, mit den Schussabgaben den Privatkläger zu töten bzw. dessen Tötung 

im Sinne eines Eventualvorsatzes in Kauf nahm.  

 8. a) Zu den objektiven Beweismitteln zählen der Spurensicherungsbe-

richt des Forensischen Instituts Zürich vom 14. November 2011 (Urk. 16/1), das 

ärztliche Zeugnis der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 

31. Oktober 2011 (Urk. 13/2 und 3), das Ergebnis der Untersuchungen betreffend 

Drogeneinflüsse des Institutes für Rechtsmedizin vom 15. Dezember 2012 

(Urk. 11/1), der Arztbericht betreffend die Verletzungen beim Beschuldigten vom 

12. Oktober 2011 (Urk. 11/1) sowie aufgezeichnete Telefon-Verbindungen des 

Mobiltelefons des Beschuldigten am Abend des 10. Oktober 2011 (Urk. 17/8). 

 b) Die Auswertung bzw. Würdigung der genannten objektiven Beweismittel 

ergeben folgende Erkenntnisse:  

 aa) Bei den am Tatort sichergestellten zwei Hülsen und der Patrone handelt 

es sich um solche im Kaliber 6.35 Millimeter. Die Hülsenböden der zwei Hülsen 

und der Patrone weisen die Hülsenbodenprägung "G.F.L. 6.35" (Fiocchi) auf. 

Beim Projektil, welches dem Privatkläger B._____ aus dem linken Bein operiert 

wurde, handelt es sich um ein Vollmantelgeschoss im Kaliber 6.35 Millimeter. Das 

Projektil ist am Heck leicht abgeflacht und weist die Systemmerkmale 6 Fel-

der/Züge, Linksdrall und Feldereindruckarbeiten von 1.1 bis 1.2 Millimeter auf. Die 

am Tatort sichergestellte Patrone weist Entladespuren auf. Die beiden Tathülsen 

-   24   - 

weisen übereinstimmende Verfeuerungsmerkmale mit individuellen Spuren auf. 

Somit steht beweiskräftig fest, dass die beiden Hülsen in ein und derselben Waffe 

gezündet wurden (Urk. 16/1 S. 13). Eine Auswertung der Spuren an der Hose des 

Privatklägers B._____ ergab, dass der Privatkläger B._____ an der Hose einen 

Streifschuss am linken Hosenbein beim Unterschenkelbereich sowie einen Ein-

schuss am linken Hosenbein beim Kniebereich erlitt (Urk. 16/1). Am Tatort konnte 

die Spurensicherung keine Projektil-Abprallstelle ausfindig machen. Es wurde nur 

ein Projektil (im Bein des Privatklägers B._____) gefunden (Urk. 16/1 S. 13). Eine 

Schussdistanzbestimmung konnte aufgrund der fehlenden Tatwaffe nicht erfol-

gen.  

 bb) Aus dem ärztlichen Zeugnis von Prof. Dr. med. L._____ und Oberarzt 

Dr. med. M._____ der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 

31. Oktober 2011 geht hervor, dass der Privatkläger B._____ einen Steckschuss 

im Bereich der linken Kniekehle erlitten hat. Die Kugel scheine kurz oberhalb des 

Kniegelenkes von der Innenseite eingedrungen zu sein. Sie sei direkt unter der 

Haut an der Aussenseite des Knies gelegen mit leicht ansteigendem Verlauf. Eine 

Selbstbeibringung sei durchaus möglich, der aufsteigende Schusskanal spreche 

allerdings eher dagegen. Die Verletzung sei nicht lebensgefährlich gewesen. Sie 

habe einen Spitalaufenthalt von drei Tagen notwendig gemacht. Es sei eine not-

fallmässige Operation zur Wundreinigung und Entfernung des Projektils sowie zur 

Kontrolle auf etwaige Nerven- und Gefässverletzungen erfolgt. Grundsätzlich sei 

eine Aussage über bleibende Schäden noch nicht mit an Sicherheit grenzender 

Wahrscheinlichkeit möglich, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit werde eine folgen-

freie Ausheilung stattfinden. 

 Zusammenfassend lässt sich anhand des ärztlichen Zeugnisses erstellen, 

dass der Privatkläger B._____ von einem Schuss getroffen wurde. Da der Schuss 

im Bein des Privatklägers B._____ stecken blieb und das Kaliber 6.35 Millimeter 

betrug, ist von einer verhältnismässig geringen Durchschlagskraft der verwende-

ten Munition auszugehen. Der Schuss in die Kniekehle des Privatklägers B._____ 

ist ein Indiz dafür, dass sich dieser im Moment der Schussabgabe vom Beschul-

digten zumindest teilweise abgewendet hat. Das wiederum spricht dafür, dass 

-   25   - 

durch den Privatkläger im Zeitpunkt dieser Schussabgabe keine Bedrohung aus-

ging, was die Sachdarstellung des Privatklägers untermauert. 

 cc) Aufgrund der entsprechenden Untersuchungen standen weder der Be-

schuldigte noch der Privatkläger B._____ unter Alkohol bzw. Drogeneinfluss (Urk. 

11/4 und Urk. 12/5). 

 dd) Anlässlich der ärztlichen Untersuchung des Beschuldigten nach seiner 

Verhaftung am 11. Oktober 2011, 19.40 Uhr, wurden an zwei Zähnen Abbrüche 

sowie eine Schwellung des linken Unterlides festgestellt (Urk. 11/1). Die Verlet-

zung am Auge ist auch auf dem Foto des Verhaftsrapportes desselben Tages er-

sichtlich (Urk. 22/2). Die festgestellte Verletzung ist ein Indiz dafür, dass der Be-

schuldigte anlässlich des Vorfalls am Auge verletzt wurde bzw. einen Faustschlag 

ins Gesicht erhalten hat. Eine vorangegangene Tätlichkeit erscheint denn auch 

als plausible Ursache für seinen Schusswaffengebrauch.  

 ee) Gemäss Auszug aus dem Handy des Beschuldigten mit der Telefon-

nummer … telefonierte dieser am 10. Oktober 2011 im Zeitraum von 16.13 Uhr 

bis 18.24 Uhr sechs Mal mit E2._____, wobei der Beschuldigte vier dieser Anrufe 

tätigte und zwei Mal von E2._____ angerufen wurde. Die Telefonanrufe dauerten 

dabei zwischen einer und 39 Sekunden (Urk. 17/8). Obwohl der Inhalt dieser Ge-

spräche nicht aufgezeichnet wurde, stützt die Tatsache, dass der Beschuldigte in 

telefonischem Kontakt mit E2._____ stand, die Darstellung des Zeugen E2._____, 

wonach er vom Beschuldigten mit der Waffe nach D._____ bestellt wurde (vgl. 

unten Ziff. 9 lit. d).  

 c) Keines der oben gewürdigten objektiven Beweismittel ist geeignet, die 

Sachdarstellung des Beschuldigten zu stützen, wonach er im Zeitpunkt der 

Schussgaben angegriffen wurde bzw. mit einem weiteren Angriff hätte rechnen 

müssen. Zu dieser Frage sind nachfolgend die Aussagen der übrigen Personen, 

die jeweils den Beschuldigten bzw. den Privatkläger begleiteten, zu würdigen.  

 9. Bei den als Zeugen bzw. Auskunftspersonen befragten Personen, die 

der Gruppe des Beschuldigten angehörten, handelt es um N._____, O._____ 

-   26   - 

(jüngerer Bruder des Beschuldigten), F._____ und E2._____. Die genannten 

Zeugen und Auskunftspersonen wurden sowohl polizeilich als auch staatsanwalt-

schaftlich einvernommen. Ihre Aussagen hat die Vorinstanz in ihren Erwägungen 

jeweils umfassend und zutreffend wiedergegeben. Um unnötige Wiederholungen 

zu vermeiden kann auf die entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen 

Erwägungen vorab verwiesen werden (Urk. 73 S. S. 38-57). Wo es notwendig er-

scheint, werden ihre Aussagen nachfolgend rekapituliert, ansonsten ihre Deposi-

tionen sogleich gewürdigt werden. 

 a) Der Zeuge N._____ gab an, dass er den Moment der Schussabgabe nicht 

gesehen habe und bestritt sogar eine Schussabgabe durch den Beschuldigten, 

welche vom Beschuldigten selbst eingestanden wird. Sein Aussageverhalten 

vermittelt den starken Eindruck, dass er den Beschuldigten nicht belasten wollte. 

Weiter konnte N._____ die Waffe beschreiben, obwohl er sie gar nicht gesehen 

haben will. Völlig unglaubhaft erscheint die Behauptung N._____s, dass man über 

den Vorfall später nicht gesprochen habe. Er bestätigte indessen die Aussagen 

des Privatklägers B._____, wonach dieser den Beschuldigten an den Händen in 

der Nähe des Gurtes festgehalten habe. Soweit N._____ von zwei Personen in 

der Gruppe des Privatklägers berichtete, welche Messer gezückt haben sollen, 

widerspricht dies der ursprünglichen Darstellung des Beschuldigten in der Vorun-

tersuchung, wonach einzig eine Person ein Messer gezückt habe. Die diesbezüg-

liche Darstellung erscheint denn auch wenig glaubhaft, wie auch jene, dass die 

Waffe vom Privatkläger B._____ gestammt haben soll. Auch wenn N._____ die 

Sachdarstellung des Beschuldigten in mehreren Punkten bestätigte, so z.B. dass 

sie durch die andere Gruppe drangsaliert worden seien, bestehen in seiner Schil-

derung derart grundlegende Falschaussagen (Schussabgabe durch den Privat-

kläger; Beschreibung der Waffe, obwohl diese nicht gesehen) und Lücken in Be-

zug auf den Ablauf kurz vor der Schussabgabe sowie die Schussabgabe selbst, 

dass auf die gesamte Darstellung nicht abgestellt werden kann. N._____ war of-

fensichtlich in erster Linie bestrebt, den Beschuldigten möglichst nicht zu belasten 

(Urk. 10/1 und Urk. 10/2). 

-   27   - 

 b) Die Aussagen des Bruders des Beschuldigten, O._____, vermochte keine 

relevanten Angaben zum Tathergang zu machen. Seine Depositionen waren ge-

prägt vom Bestreben, möglichst gar keine konkreten Angaben zum Sachverhalts-

hergang zu machen. So gab er bei der Polizei zu Protokoll, sie hätten irgendwie, 

"keine Ahnung, mit wem," gestritten, dann habe ihn der Beschuldigte wegge-

schickt. Er sei aber trotzdem mitgegangen. Sie hätten gestritten und er habe ei-

nen Schuss gehört und sei weggerannt. Sie seien dann zum Zug gerannt. Wer 

geschossen habe, wisse er nicht (Urk. 10/3 S. 4). Auf die Frage, ob ausser sei-

nem Bruder noch andere Personen bewaffnet gewesen seien, antwortet er: "Nein, 

das weiss ich nicht. Aha, die anderen, die hatten Waffen. (…) Es waren Messer 

oder so … es war dunkel. Sie, die haben auch Waffen gehabt, aber ich habe die 

nicht studiert. Irgend etwas hatten die schon dabei." Bei der Staatsanwaltschaft 

gab er dann zu Protokoll, dass er keine Aussagen machen wolle. Er sei mit Kolle-

gen unterwegs gewesen. Er habe sie beim "Grüscht" in D._____ getroffen. Er ha-

be dort nichts gemacht. Was dort geschehen sei, wisse er nicht. Es sei zu einer 

Schiesserei gekommen, er wisse nicht, wer geschossen habe. Auf der Zugfahrt 

von D._____ nach … sei nicht gesprochen worden. Auf die Frage, ob er zum Be-

schuldigten "Schiess, schiess" gesagt habe, antwortete er, das sage man sicher 

nicht zum Bruder. Das sei doch logisch. Er wolle sicher nicht, das sein Bruder ins 

Gefängnis komme (Urk. 10/4 S. 1 ff.).  Die Aussagen von O._____ tragen 

nichts zur Klärung des Sachverhaltes bei. Jedenfalls vermögen seine Angaben 

die Sachdarstellung des Beschuldigten nicht zu stützen.  

 c) Die Auskunftsperson F._____ bezeichnete in der Einvernahme vom 

3. November 2011 bei der Polizei und in derjenigen vom 18. April 2012 bei der 

Staatsanwaltschaft den Beschuldigten als guten, ja eigentlich als seinen besten 

Kollegen (Urk. 10/17 S. 1 ff.; Urk. 10/18 S. 2 ff.). Er schilderte die Auseinander-

setzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger, indem er die Initiati-

ve bzw. die Aggression ausschliesslich vom Privatkläger ausgehend darstellte. 

Bei einer ersten Begegnung habe der Privatkläger die Gruppe mit F._____ und 

dem Beschuldigten angepöbelt indem er gesagt habe: "Hey, Michis oder so." 

Beim hinunterlaufen habe einer gesagt: "Ich bringe einen, der euch alle schlägt." 

An der …-strasse hätten sich die Gruppen wieder getroffen. Dann habe derjenige, 

-   28   - 

der später verletzt worden sei, gesagt: "Hey Gangsters." Sie hätten sich umge-

dreht, um zu sehen, wer das gesagt habe. Der Privatkläger B._____ habe ange-

fangen zu lachen und gesagt: "Seid ihr Gangsters oder was?" Der Beschuldigte 

habe zu ihm gesagt, er sei einer, weshalb er das wissen wolle. Der andere habe 

gesagt: "Ich bringe euch alle um, kommt alle her." Er sei ganz nahe an den Be-

schuldigten herangekommen und habe ihn am Unterarm festgehalten. Wieder 

habe der Privatkläger gesagt: "Ich bringe dich um." Die Begleiter des Mannes hät-

ten Messer und Schlagstöcke hervorgenommen. Der Mann, der später verletzt 

worden sei, habe mit einer Hand an seiner (eigenen) Bauchgegend herumgegrif-

fen. Plötzlich habe er dem Beschuldigten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. 

"Dann hörte ich einen Schuss. Aus lauter Angst bin ich davongerannt. Es war 

nicht zu sehen, wer geschossen hatte." Der andere habe ja auch gesagt: "Ich 

bringe euch um." Sie seien alle auf den Zug gerannt, der im Bahnhof D._____ ge-

standen sei. Sie seien mit dem Zug nach … gefahren. "Wie sich herausstellte, 

hatte A._____ geschossen." Die Gruppe mit dem Verletzten sei ihnen nachge-

rannt. Es sei schon dunkel gewesen, man habe sie nicht erkennen können. Er 

(F._____) habe einfach gesehen, dass zwei Personen ein Messer hervorgenom-

men hätten und eine Person einen Schlagstock. Der Beschuldigte sei mit ihnen 

auf den Zug gerannt. Er habe ein blaues Auge gehabt, aber sonst keine Verlet-

zungen. 

 Die Beschreibung des Vorfalles durch F._____ beinhaltet eine sehr einseiti-

ge und teilweise stark übertriebene Schilderung der Abläufe. Er übertrifft diesbe-

züglich sogar die Darstellung des Beschuldigten selber, indem er als einziger der 

Zeugen Todesdrohungen durch den Privatkläger behauptete und geltend machte, 

dass die andere Gruppe "Messer und Schlagstöcke" hervorgenommen hätten. Er 

nannte nur einen Schuss, obwohl der Beschuldigte selber zugab, mindestens 

zweimal geschossen zu haben. Aufgrund der offensichtlichen Übertreibungen und 

selbst gegenüber der Sachdarstellung des Beschuldigten wie auch der übrigen 

Zeugen und Auskunftspersonen dramatisierenden Sachdarstellung, kann für die 

Sachverhaltserstellung auf die Aussagen von F._____ nicht abgestellt werden.  

-   29   - 

 d) E2._____ wurde zunächst als Beschuldigter am 2. November 2011 poli-

zeilich (Urk. 10/23) und am 3. November 2011 staatsanwaltschaftlich befragt (Urk. 

10/24). Schliesslich wurde er am 24. Mai 2012 durch die Staatsanwaltschaft als 

Zeuge befragt (Urk. 10/25).  

 aa) Der Beschuldigte wohnte im Tatzeitpunkt schon seit einigen Tagen bei 

E2._____, da der Beschuldigte durch seinen Vater "hinausgeschmissen" worden 

sei. Die beiden kannten sich gemäss übereinstimmenden Aussagen jedoch erst 

seit einigen Wochen. E2._____ beschrieb bei seinen Aussagen zahlreiche Sach-

verhaltselemente, welche vom Beschuldigten geschildert worden waren. So be-

schrieb er, dass der Beschuldigte mit der Faust aufs Auge geschlagen worden 

und dadurch zu Boden gefallen sei. Sehr plastisch beschrieb er, wie beide Grup-

pen den Streit suchten und aufeinander losgingen. Insbesondere beschrieb er 

auch mehrere Sachverhaltselemente, die vom Privatkläger B._____ und von Per-

sonen in dessen Gruppe geschildert worden waren. Letztlich beschrieb er den 

gesamten Tatablauf im Kern widerspruchsfrei und sehr glaubhaft. Weiter werden 

die Aussagen von E2._____ durch objektive Beweismittel gestützt. So schilderte 

E2._____, der Beschuldigte habe die Waffe durchgeladen und etwas habe ge-

klemmt. Das Teil, das sich oben an der Waffe befinde und das man hin und her 

bewegen könne, sei hinten geblieben. Damit meinte er offensichtlich den Schlit-

ten, der für eine Schussabgabe in der vorderen Position eingerastet sein muss. 

Der Beschuldigte habe versucht, dieses Teil immer wieder nach vorne zu schie-

ben. Diese Schilderung wird gestützt vom Umstand, dass am Tatort neben zwei 

Hülsen auch eine Patrone im Kaliber 6.35 Millimeter sichergestellt werden konnte. 

Die betreffende Aussage von E2._____, der diese Beobachtung als einziger der 

Aussagenden schilderte, ist deshalb sehr glaubhaft. E2._____ erwähnte zudem 

die Telefongespräche zwischen dem Beschuldigten und ihm, bevor ihm die nach-

träglichen Verbindungsdaten vorgehalten wurden (Urk. 10/23 S. 9). Zwar irrte sich 

E2._____ gemäss der Auswertung des Mobiltelefons des Beschuldigten bei der 

Zeitangabe um rund zwei Stunden, trotzdem lässt sich dadurch erstellen, dass ein 

telefonischer Kontakt zwischen den beiden bestand, was die Aussagen von 

E2._____ stützt. 

-   30   - 

 bb) Aufgrund der Aussagen von E2._____ wurde die bis dahin vom Be-

schuldigten geltend gemachte Version über die Erlangung der Pistole widerlegt. 

E2._____ sagte aus, er habe die Waffe nach D._____ gebracht, weil sie der Be-

schuldigte unbedingt haben wollte. Sie hätten sich an jenem Abend zunächst bei 

ihm (E2._____) zu Hause, also an der P._____-strasse …, aufgehalten. Die Waf-

fe gehöre dem Beschuldigten, sie habe sich in seinem Zimmer an der P._____-

strasse befunden. Der Beschuldigte habe ihm am Telefon gesagt, wo er sie finde. 

"Er sagte, dass er sein Spielzeug brauchen würde. Ich habe schon verstanden, 

was er damit meint." Er (E2._____) habe die Waffe geholt, sie sei im Zimmer in 

einer Schublade gewesen. Er habe sie bei sich hinten in den Hosenbund ge-

steckt, dann sei er nach D._____ gefahren. Die Waffe habe der Beschuldigte die 

ganze Zeit, während er bei ihm (E2._____) gewohnt habe, in seinem Zimmer ge-

habt. Der Beschuldigte habe sie ihm vorgängig gezeigt. "Wissen Sie, ich mache 

mir Gedanken, weil ich A._____ die Waffe gebracht habe. Aber A._____ hat es ja 

mit Reden versucht. Ich habe mit dieser Waffe eigentlich nichts zu tun haben wol-

len." Die Waffe sei geladen gewesen. Er (E2._____) habe das Magazin heraus-

genommen und gesehen, dass es voll gewesen sei. Es seien so zwischen sechs 

oder acht Patronen drin gewesen. Er wisse nicht, ob im Lauf eine Patrone gewe-

sen sei. Er wisse nicht, wie man das sehe. Er habe dem Beschuldigten die Waffe 

gegeben, als sie in Richtung "Grüscht" gegangen seien. Als er dort angekommen 

sei, habe der Beschuldigte mit einem Kollegen von der Geschädigtenseite ge-

sprochen. "Wir wollten das ganz friedlich lösen, einfach mit Reden." Aber derjeni-

ge, der niedergeschossen wurde, habe das nicht einsehen wollen und weiter pro-

voziert. Nachher, irgendwie, sei das Gespräch zwischen dem Beschuldigten und 

dem Kollegen des Angeschossenen beendet gewesen. Sie seien zurück in Rich-

tung Bahnhof D._____ gegangen (Urk. 10/23 S. 5 f.).  

 cc) Nachher seien die Kollegen des Angeschossenen und er der Gruppe 

des Beschuldigten nachgerannt. Derjenige, der später angeschossen worden sei, 

habe den Beschuldigten gepackt. Der Beschuldigte habe gesagt, er solle ihn los-

lassen. "Nachher ist es schon eskaliert, es flogen Schläge, ich zog jemanden weg 

und in der Zeit fielen Schüsse durch A._____." Der Privatkläger B._____ habe 

dem Beschuldigten direkt aufs Auge geschlagen, deshalb sei es zur Schiesserei 

-   31   - 

gekommen. "Ich weiss nur noch, dass A._____ zu Boden gefallen ist und ich ei-

nen Burschen weggeschubst habe. Dann habe ich die Schüsse gehört. Es ist al-

les sehr schnell gegangen." Er habe gesehen, wie der Beschuldigte geschossen 

habe. Der Beschuldigte habe mit einer silbrigen Waffe geschossen. Sie sei klein 

gewesen. Er habe nicht gesehen, dass ausser dem Beschuldigten noch jemand 

bewaffnet gewesen sei. "A._____ hat mir nichts dergleichen erzählt." (Urk. 10/23 

S. 6). 

 dd) Im Gegensatz zum Beschuldigten und zu den Aussagen der übrigen 

Mitglieder der Gruppe des Beschuldigten beschrieb E2._____ den Warnschuss 

des Beschuldigten in die Luft (Urk. 10/24 S. 10). Er schilderte diese Situation in 

der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3. November 2011: Auf dem Weg 

vom Bahnhof zum "Grüscht", nachdem er dem Beschuldigten die Waffe überge-

ben gehabt habe, habe der Beschuldigte sie zuerst in den Hosenbund, vorne oder 

hinten, eingesteckt. Nach drei oder vier Metern habe er die Waffe wieder hervor-

genommen. Er habe etwas an der Waffe manipuliert, aber nichts dabei gesagt. 

"Ich denke, er hat sie durchgeladen und etwas hat geklemmt." Das Teil, das sich 

oben an der Waffe befinde und das man hin und her bewegen könne, sei hinten 

geblieben. Der Beschuldigte habe versucht, dieses Teil immer wieder nach vorne 

zu schieben. Sie seien bis zu den ersten Sitzbänken gegangen. Die andere Grup-

pe sei bei einer der ersten Sitzbänke gesessen. Der Beschuldigte habe dann der 

anderen Gruppe zugeschrien: "Jetzt seht ihr dann, wer der grösste Spasti ist!" Er 

habe dann einmal mit der Waffe in die Luft geschossen. Er habe die Waffe mit 

gestrecktem Arm in die Höhe gehalten. Der Beschuldigte sei dann auf eine Per-

son der anderen Gruppe zugegangen, es sei ein Kleinerer gewesen. Es habe sich 

nicht um den späteren Geschädigten gehandelt. Er (E2._____) sei ca. zwei bis 

drei Meter von ihnen entfernt gewesen. Der Beschuldigte habe gefragt, ob der 

andere und der Privatkläger B._____ Moslems seien. Der andere habe dies be-

jaht. Der Beschuldigte habe dann gesagt: "Ok, dann bleibt's bei dem." Die Gruppe 

des Beschuldigten sei dann etwa bis zum "roten Kunstwerk" gelaufen.  

 ee) Aus seiner Schilderung der Schussabgabe durch den Beschuldigten 

geht hervor, dass der Beschuldigte mit der rechten Hand geschossen habe, wobei 

-   32   - 

er nur auf den Privatkläger B._____ gezielt habe. Der Abstand zwischen dem Be-

schuldigten und dem Privatkläger habe zwischen zehn und 15 Meter betragen. 

Hervorzuheben ist insbesondere, dass nach Darstellung von E2._____ die Grup-

pe des Privatklägers B._____ keine Waffen dabei hatte und dass nach dem 

Faustschlag keine unmittelbare Bedrohung des Beschuldigten bestand. Insbe-

sondere habe sich der Privatkläger B._____ bereits mehrere Meter vom Beschul-

digten entfernt befunden, als dieser auf ihn geschossen habe. Die Schussdistanz 

schätzte E2._____ auf 15 bis 20 Meter (Urk. 10/24 S. 11). Als E2._____ in der 

Einvernahme durch die Staatsanwältin aufgefordert wurde, die ungefähre Distanz 

zu zeigen, bezeichnete E2._____ eine Distanz, welche 7.95 Meter ausmachte 

(Urk. 10/24 S. 11 und Urk. 10/25 mit Aktennotiz im Anhang). Dabei ist es durch-

aus nachvollziehbar, dass es einfacher ist, eine Distanz bildlich einzuschätzen, 

als abstrakt eine Distanz in Metern zu schätzen. Es ist deshalb gestützt auf das 

bildliche Aufzeigen von E2._____ und entgegen der Auffassung der Verteidigung 

(Urk. 85 S. 8) von einer Schussdistanz von ca. acht Metern auszugehen. Eine 

teilweise Bestätigung erhalten E2._____s Aussagen denn auch durch das Aussa-

geverhalten des Beschuldigten. Dieser bestätigte erst auf Vorhalt von E2._____s 

Aussagen, dass er die Waffe von E2._____ übernommen habe. An der Version 

mit dem angeblichen E1._____ konnte er nicht mehr festhalten. Allerdings bestritt 

der Beschuldigte nach wie vor, dass er E2._____ angewiesen habe, ihm die Pis-

tole nach D._____ zu bringen. Die diesbezügliche Schilderung durch E2._____ ist 

jedoch sehr glaubhaft, zumal sie im Gegensatz zur Version des Beschuldigten 

plausibel und folgerichtig erscheint, insbesondere vor dem Hintergrund der Tele-

fonate zwischen ihm und E2._____ kurz vor der Tat. Ausserdem belastet sich 

E2._____ mit seiner Sachdarstellung selber, was ihm auch als juristischer Laie 

durchaus bewusst war (vgl. Urk. 10/24 S. 14).  

 ff) Zusammenfassend erscheinen die Aussagen E2._____s glaubhaft und 

realitätsnah geschildert. Sie sprechen aufgrund der Beschreibung der Situation 

bei der Schussabgabe, insbesondere betreffend die Distanzangaben, gegen die 

Behauptung des Beschuldigten, wonach eine echte oder vermeintliche Notwehrsi-

tuation bestanden habe. Die Sachdarstellung von E2._____ findet denn auch ihre 

Bestätigung in den Aussagen der Gruppe des Privatklägers, wobei zu beachten 

-   33   - 

ist, dass diese ihrerseits offenkundig bemüht waren, den Tatablauf in einem für 

sie günstigen Licht darzustellen. Auf ihre Aussagen ist nachfolgend näher einzu-

gehen. 

 10. Bei den als Zeugen befragten Personen, die der Gruppe des Privatklä-

gers angehörten, handelt es um J._____, I._____ und H._____. Die genannten 

Zeugen wurden sowohl polizeilich als auch staatsanwaltschaftlich einvernommen. 

Ihre Aussagen hat die Vorinstanz in ihren Erwägungen jeweils umfassend und zu-

treffend wiedergegeben. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden kann auf die 

entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen vorab ver-

wiesen werden (Urk. 73 S. S. 59-74). Wo es notwendig erscheint, werden ihre 

Aussagen nachfolgend rekapituliert, ansonsten ihre Depositionen sogleich gewür-

digt werden. 

 a) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 13. Oktober 2011 erklärte 

J._____, er habe nach D._____ ins Fitness gehen wollen. I._____ habe ihn be-

gleitet. Sie hätten B._____ am Bahnhof getroffen. Er (J._____) sei mit dem Pri-

vatkläger B._____, I._____ und H._____ rauchen gegangen. Sie seien nachher 

alle vier zum "Grüscht" gegangen. Unterwegs seien sie dem Beschuldigten und 

zwei anderen Typen begegnet. Sie seien in Richtung "Grüscht" weitergegangen. 

Sie hätten sich alle gegenseitig angeschaut. "Es war nicht freundschaftlich, aber 

mir war das egal, ich ging einfach weiter." Der Privatkläger B._____ und der Be-

schuldigte hätten sich angeschaut und etwas gesagt. Er (J._____) wisse nicht 

was, er verstehe die Sprache nicht. Der Beschuldigte habe ihnen gesagt, sie soll-

ten warten. Er (J._____) habe das nicht ernst genommen.  

 aa) Kurze Zeit später sei der Beschuldigte wieder mit fünf oder sechs Leuten 

gekommen. Er habe in die Luft geschossen. "Sie kamen einfach, ohne etwas zu 

sagen und A._____ schoss in die Luft." Er habe das zuerst gar nicht realisiert und 

gemeint, es handle sich um eine Rakete. Als der Beschuldigte näher gekommen 

sei und er (J._____) die Waffe gesehen habe, "irgend so eine silbrige Waffe, so 

eine kleine," sei er unter Schock gestanden und habe nicht gewusst, was tun 

(Urk. 10/5 S. 5 f.). Der Beschuldigte habe gefragt: "Was isch jetzt los?" Dann sei 

der Privatkläger B._____ zum Beschuldigten gegangen und habe mit ihm gespro-

-   34   - 

chen. Nachher habe ihn der Beschuldigte zu sich gerufen und mit ihm gespro-

chen. Der Beschuldigte habe ihn (J._____) gefragt, ob sie ein Problem hätten. Er 

(J._____) habe Angst bekommen. Er könne das Gefühl nicht beschreiben. Er ha-

be dann zum Beschuldigten gesagt, dass er kein Problem mit ihm hätte und das, 

was zwischen ihm und dem Privatkläger B._____ sei, das sei unnötig. Sie hätten 

Abstand genommen. Nachher seien er und I._____ wieder zurück und am …-

Gebäude vorbei. Der Privatkläger B._____ und H._____ hätten nach Hause ge-

hen wollen. Der Beschuldigte sei weg gegangen und sie auch und dann sei es zu 

diesem Zusammentreffen gekommen. Die anderen seien sieben gewesen und sie 

(die Gruppe des Privatklägers B._____) vier. Sie seien ganz sicher nur zu viert 

gewesen. "Es gab eine Schupferei zwischen A._____ (dem Beschuldigten) und 

B._____ (dem Privatkläger). Dann ist A._____ zu Boden gefallen, so wie ich mich 

erinnern kann. Dann zog A._____ die Waffe, von vorne, bei seinem Bauch. Er 

zielte auf B._____. Er nahm die Waffe hervor, schaute um sich, auf uns, seine 

Kollegen waren alle so verteilt. Als er die Waffe gezogen hat, bekamen wir Angst. 

Dann schoss er, aber zwei Mal. Ich habe es einfach nicht realisiert. Ich war in ei-

nem anderen Zustand." Der Beschuldigte habe nicht um sich geschossen, er ha-

be auf den Privatkläger B._____ gezielt. Dann habe der Beschuldigte zwei Mal 

geschossen. Er habe auf den Körper gezielt und geschossen. Ausser dem Be-

schuldigten sei niemand bewaffnet gewesen. Seine Gruppe sei nicht bewaffnet 

gewesen (Urk 10/5 S. 7). 

 bb) Als Zeuge schilderte J._____ am 26. Januar 2012 bei der Staatsanwalt-

schaft die Vorgeschichte bis zum Schuss in die Luft analog zu seinen Aussagen 

bei der Polizei. Er habe einen Ton gehört. Dann sei der Beschuldigte mit ca. fünf 

bis sechs Personen gekommen. Zuerst habe er (J._____) nicht gewusst, was das 

für ein Ton gewesen sei. Er habe zunächst gedacht, das sei eine Rakete oder so 

gewesen. Sie seien etwas eingeschüchtert gewesen und hätten Abstand genom-

men. Als er mit dem Beschuldigten gesprochen habe, hätten die anderen gese-

hen, dass der Beschuldigte eine Waffe habe. Zwei bis drei Minuten später sei die 

Gruppe des Beschuldigten in Richtung Bahnhof D._____ gegangen. Sie hätten 

dann die Gruppe des Beschuldigten zwischen dem "Grüscht" und dem Bahnhof 

D._____ wieder getroffen. "A._____ und B._____ hatten dann wieder etwas. Sie 

-   35   - 

hatten so etwas wie: 'Was isch?' gesagt und sich geschupft." Der Beschuldigte sei 

nach hinten auf den Rücken gefallen, weil der Privatkläger B._____ ihn geschubst 

habe. Der Privatkläger B._____ sei "schon etwas grösser" als der Beschuldigte. 

Dann habe der Beschuldigte eine Waffe vorne aus dem Hosenbund herausge-

nommen und habe geschossen. Während dem Aufstehen habe er die Waffe ge-

zogen. Er habe gezielt, dann habe ihm irgendein Kollege gesagt: "Schiess." Das 

habe er (J._____) gehört. "Dann ist es halt passiert". Er habe auf den Privatkläger 

B._____ gezielt, sein Arm sei gestreckt gewesen. In welcher Hand er die Waffe 

gehalten habe, wisse er nicht mehr. Der Beschuldigte sei beim Zielen gestanden, 

er wisse aber nicht genau, wie der Beschuldigte gestanden sei. Die Distanz zwi-

schen dem Beschuldigten und dem Privatkläger B._____ habe ca. fünf Meter be-

tragen. Der Beschuldigte habe zweimal geschossen. Insgesamt habe er drei Mal 

geschossen. Keiner aus der einen Gruppe habe jemanden aus der anderen 

Gruppe bedroht. Der Privatkläger B._____ habe den Beschuldigten nicht ge-

schlagen. Es sei eine gegenseitige Schubserei gewesen. Der Beschuldigte habe 

zu Beginn der Auseinandersetzung kein blaues Auge gehabt. Keiner aus der 

Gruppe des Privatklägers B._____ habe ein Messer dabei gehabt (Urk. 10/6 S. 3 

ff.).  

 Bei J._____ handelt es sich um ein Mitglied aus der Gruppe des Privatklä-

gers B._____. Er machte spontan Angaben zu seinen jeweiligen Emotionen und 

Gefühlen, weshalb seine Schilderungen den Eindruck von tatsächlich erlebten 

Vorgängen vermitteln. Seine Darstellung deckt sich weitgehend mit jenen des Pri-

vatklägers B._____. J._____ bestätigte dessen Aussagen, wonach es aufgrund 

böser Blicke beim ersten Treffen zu einer verbalen Auseinandersetzung gekom-

men sei und der Beschuldigte seiner Gruppe zugerufen habe, sie sollten warten. 

Auch die Aussagen von J._____ geben keinen Aufschluss darüber, wieso es zu 

einer tätlichen Auseinandersetzung der Gruppen bzw. zwischen dem Beschuldig-

ten und dem Privatkläger B._____ kam. Unklar bleibt auch, weshalb der Beschul-

digte zu Boden fiel. Sie untermauern hingegen den Tatablauf, wie ihn E2._____ 

beschrieb. Der Beschuldigte schoss auch nach dieser Darstellung nicht aus einer 

Notwehrsituation heraus.  

-   36   - 

 b) Nach Schilderung der Vorgeschichte, die mit der Schilderung von J._____ 

übereinstimmt, beschrieb I._____ in der polizeilichen Einvernahme vom 13. Okto-

ber 2011, wie der Beschuldigte nach der erneuten Begegnung der beiden Grup-

pen sofort in die Luft geschossen habe.  

 aa) Der Beschuldigte habe ihnen, d.h. der Gruppe um den Privatkläger 

B._____, Angst machen wollen und gesagt: "Wer ist jetzt ein Spasti? oder so ähn-

lich." (Urk. 10/7 S. 6). J._____ habe vorgeschlagen, der Beschuldigte und der Pri-

vatläger sollten von Mann zu Mann kämpfen, was der Beschuldigte abgelehnt ha-

be. Es habe dann einen Wortwechsel gegeben und alle seien in Richtung Bahn-

hof bzw. …-Areal gegangen. Der Privatkläger habe mit dem Beschuldigten spre-

chen wollen, wegen seiner Waffe. Die beiden hätten miteinander gestritten, ei-

nander aggressiv angeschrien. Der Beschuldigte habe seine Leibchen hochgezo-

gen und die Pistole gezeigt. Der Privatkläger habe dem Beschuldigten die Waffe 

wegnehmen wollen. Er habe sie aus der Hand reissen oder aus der Hose ziehen 

wollen (Urk.10/7 S. 7). Der Beschuldigte habe dann auf den Privatkläger B._____ 

gezielt und einer von der Gruppe des Beschuldigten habe die ganze Zeit gesagt: 

"Schiess, schiess." Der Beschuldigte habe auf den Privatkläger B._____ ge-

schossen. Der Beschuldigte sei ein wenig zurück, habe gezielt, zuerst auch auf 

die Gruppe des Privatklägers, dann auf B._____ selber und habe dann geschos-

sen. Er habe den Privatkläger am linken Bein getroffen, weshalb dieser gehum-

pelt habe. Alle seien ein wenig geschockt gewesen. Dann seien die anderen mit 

dem Zug abgehauen (Urk. 10/7 S. 7 f.).  

 bb) In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. Januar 2012 be-

stätigte er seine früheren Aussagen bei der Polizei betreffend den Ablauf der Ge-

schehnisse bis zur ersten Schussabgabe in die Luft. Danach schilderte er noch-

mals konkret die Situation bei der Schussabgabe gegen den Privatkläger. Nach-

dem die beiden Kontrahenten zunächst eine nur verbale Auseinandersetzung ge-

führt hätten, sei die Gruppe des Beschuldigten weggegangen. Die Gruppe des 

Privatklägers habe dann auch in Richtung Bahnhof D._____ gehen müssen. Auf 

dem Weg dorthin habe es zwischen den beiden Gruppen wieder einen Wort-

wechsel gegeben, es seien wohl irgendwelche Beleidigungen zwischen dem Pri-

-   37   - 

vatkläger B._____ und den anderen gefallen. Die andere Gruppe sei dann stehen 

geblieben. Der Privatkläger B._____ habe dann ihn (gemeint: den Beschuldigten) 

geschubst oder so. Dann habe der Beschuldigte vorne aus seinem Hosenbund 

eine Waffe gezogen und irgendeiner habe gesagt: "Schiess, schiess". Dann habe 

der Beschuldigte geschossen. Der Beschuldigte habe nachgeladen, nachdem er 

das erste Mal auf den Privatkläger geschossen hatte. Es sei eine kleine Waffe 

gewesen. Der Abstand bei der Schussabgabe sei ca. drei Meter gewesen. Der 

Beschuldigte habe ungefähr dreimal geschossen. Er habe geschossen, nachge-

laden, geschossen, nachgeladen und geschossen. Er (I._____) habe gesehen, 

dass der Privatkläger zwei Mal getroffen worden sei. Einmal sei er am linken Knie, 

seitlich hinten, getroffen worden und am linken Oberschenkel habe er auch noch 

etwas aufgerissen gehabt. "Vielleicht war dies ein Streifschuss." Die Schüsse sei-

en unmittelbar nacheinander abgegeben worden. Der Beschuldigte habe dabei 

immer auf den Privatkläger B._____ gezielt. Er wisse nicht, weshalb der Beschul-

digte die Waffe gezogen und geschossen habe (Urk. 10/8 S. 4 ff.). Der Privatklä-

ger B._____ habe auf dem Weg zum Bahnhof, bevor es zur dritten Begegnung 

gekommen sei, telefoniert. Er (I._____) wisse nicht, mit wem (Urk. 10/8 S 10 f.). 

 cc) Nach seinen glaubhaften Schilderungen, welche sich im Wesentlichen in 

den von beiden Kontrahenten geschilderten Ablauf einfügen, standen sich beide 

Gruppen feindselig gegenüber. Es kam zu einer ersten Auseinandersetzung, bei 

welcher man sich böse anschaute bzw. gegenseitig provozierte. In der Folge ging 

der Beschuldigte weg und erlangte eine Pistole, während die Gruppe des Privat-

klägers B._____ wartete und bei einer allfälligen Rückkehr des Beschuldigten mit 

einer Schlägerei rechnete. Die Schilderung von I._____ stimmt mit jener des Be-

schuldigten überein, wonach man den Beschuldigten im Rahmen des zweiten 

Kontakts fragte, ob er "eins gegen eins" bzw. einen Zweikampf wolle. In der Folge 

kam es später zu einer dritten Auseinandersetzung, anlässlich welcher der Privat-

kläger B._____ gegen den Beschuldigen tätlich wurde, wodurch dieser auf den 

Boden fiel und in der Folge auf den Privatkläger B._____ schoss. Dass der Be-

schuldigte zwischen den Schüssen nachgeladen habe, erscheint indessen unrich-

tig, handelte es sich doch ohne Zweifel um eine Selbstladepistole. Manipulationen 

zur Behebung einer Ladestörung sind zwar für die Phase vor dem Schuss in die 

-   38   - 

Luft bezeugt (vgl. Aussagen von E2._____ in Urk. 10/24 S. 11 f.), erscheinen für 

die Phase der Schussabgaben gegen den Privatkläger hingegen nicht glaubhaft 

und wurden auch vom Beschuldigten selber nicht geltend gemacht. Es ist davon 

auszugehen, dass I._____ fälschlicherweise glaubte, es sei für jede Schussabga-

be ein Nachladen nötig.  

 Die Aussagen des Zeugen I._____ sprechen jedenfalls nicht für die Sach-

darstellung des Beschuldigten, wonach durch die Mitglieder der anderen Gruppe 

eines oder mehrere Messer gezückt worden seien oder der Beschuldigte sich 

sonst wie in einer Situation befunden hätte, in welcher er einen (weiteren) Angriff 

gewärtigen musste.  

 c) H._____ wurde am 30. November 2011 polizeilich befragt (Urk. 10/13) 

und am 15. März 2012 als Zeuge durch die Staatsanwaltschaft (Urk. 10/14).  

 aa) H._____ gab bei der Polizei zu Protokoll, dass er beim Privatkläger 

B._____, der ein Cousin von ihm sei, übernachtet habe. Sie seien dann zusam-

men hinausgegangen und hätten in D._____ beim Bahnhof J._____ und I._____ 

getroffen. Sie seien alle zum "Grüscht" gegangen. Später habe er den Privatklä-

ger und Beschuldigten gesehen, die zusammen gesprochen hätten. Nachher sei 

der Beschuldigte mit seiner Gruppe etwas zurückgegangen. H._____ habe ge-

hört, dass der Beschuldigte zum Privatkläger gesagt habe: "Wart, wart." Dann sei 

der Beschuldigte mit seinen Kollegen Richtung Bahnhof D._____ gegangen. Nach 

ein paar Minuten sei der Beschuldigte mit mehreren Personen zurückgekommen. 

Er habe dann vorne aus dem Hosenbund eine Waffe gezogen und damit in die 

Luft geschossen. Nachher habe der Beschuldigte auf den Privatkläger aus naher 

Distanz gezielt, wobei der Arm des Beschuldigten richtig gestreckt gewesen sei 

und die Waffe im Licht geglänzt habe (Urk. 10/13 S. 5). Nachher sei der Beschul-

digte zu J._____ und habe mit ihm irgend etwas geredet. Er (H._____) wisse 

nicht, worüber. Der Beschuldigte sei dann mit seiner Gruppe ein wenig zurück 

gegangen. Der Beschuldigte sei dann wieder zum Privatkläger B._____ gegan-

gen. Dieser habe den Beschuldigten irgendwie halten wollen, er habe dessen 

Hände festhalten wollen. Man habe im Gesicht des Privatklägers B._____ sehen 

können, dass er Angst gehabt habe. Der Beschuldigte habe "so richtig böse 

-   39   - 

dreingeschaut." In diesem Zeitpunkt sei die Waffe wieder vorne im Hosenbund 

des Beschuldigten gewesen, aber nicht so ganz drin. Man habe sie sehen können 

"und die Waffe war wie bereit." Er (H._____) habe gar nicht mehr schauen kön-

nen. Er sei nach hinten und ein wenig rechts des Privatklägers B._____ in Rich-

tung des alten Gebäudes gerannt. "Ich hatte Angst. Es war eine echte Waffe." 

Von ihnen (der Gruppe des Privatklägers B._____) habe niemand eine Waffe da-

bei gehabt. Aus grosser Distanz habe er (H._____) gesehen, dass der Beschul-

digte am Boden gelegen sei und wie er wieder aufgestanden sei. Der Beschuldig-

te habe die Waffe gezogen und auf den Privatkläger B._____ gezielt. Jemand ne-

ben ihm habe geschrien: "Schüss, schüss, schüss." Das erste Mal, als der Be-

schuldigte geschossen habe, habe der Zeuge gehört, wie der Beschuldigte eine 

Stange getroffen hatte, es habe "ding" gemacht. Nach dem zweiten Mal habe er 

seinen Cousin humpeln gesehen. Der Zeuge habe zwei oder drei Schüsse gehört. 

Alles sei ganz schnell passiert und plötzlich seien alle weg gewesen (Urk. 10/13 

S. 6). Als der Beschuldigte am Gehen gewesen sei, habe er immer noch gezielt 

und sei nachher weggerannt in Richtung Bahnhof D._____ …, dann Richtung … 

(Urk. 10/13 S. 7).  

 bb) Als Zeuge bestätigte H._____ seine früheren Aussagen bei der Polizei, 

wobei er präzisierte, dass er und der Privatkläger B._____ gute Kollegen seien. Er 

bezeichne den Privatkläger deshalb als seinen Cousin, obwohl sie nicht verwandt 

seien (Urk. 10/14 S. 2). Ausserdem führte er nun aus, dass er sich nach der ers-

ten Begegnung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger zurückgezo-

gen habe, falls etwas passieren würde. Beide seien aggressiv gewesen und hät-

ten einander böse Blicke zugeworfen (Urk. 10/14 S. 4). Von dem Gespräch zwi-

schen dem Beschuldigten und einem Kollegen des Privatklägers bei der ersten 

Begegnung der Gruppen unten beim "Grüscht" habe er nichts mitbekommen. Da-

nach sei der Beschuldigte in Richtung Bahnhof D._____ gegangen. Dann sei er 

mit seinen Kollegen zurückgekommen. Dann habe er nur noch die Waffe gehört. 

Es habe einfach "Bäng" gemacht. Als der Zeuge den Knall gehört habe, habe er 

weggeschaut und sei weggerannt. Er habe nur den Rücken des Privatklägers 

B._____ und seiner Kollegen gesehen. Was der Grund für dieses "Bäng" gewe-

sen sei, wisse er nicht. Er denke, dass der Beschuldigte damit dem Privatkläger 

-   40   - 

B._____ Angst habe machen wollen. Der Beschuldigte habe seinen Arm in die 

Höhe gestreckt und in die Luft geschossen. Er habe ganz am Anfang, als er und 

seine Gruppe wieder zurückgekommen seien, eine Waffe vorne beim Gurt her-

vorgenommen und damit in die Luft geschossen. Danach sei die Gruppe des Be-

schuldigten wieder in Richtung Bahnhof D._____ gegangen. Der Privatkläger 

B._____ und einige seiner Gruppe seien der Gruppe des Beschuldigten hinterher 

gegangen. Der Zeuge H._____ sei mit Abstand hinter der Gruppe des Privatklä-

gers B._____ gelaufen. Er habe dann gesehen, wie der Privatkläger den Be-

schuldigten gehalten und geschubst habe. Wie er das genau gemacht habe, wis-

se er nicht. Er habe einfach gesehen, dass der Beschuldigte am Boden lag. Der 

Beschuldigte sei so umgefallen, wie wenn man geschubst werde. Er habe sich 

kurz mit einem Arm am Boden abgestützt und sei sogleich wieder aufgestanden. 

Er sei sicher nicht flach auf dem Boden gelegen, denn sonst hätte er nicht so 

schnell wieder aufstehen können. Dann habe er (H._____) drei Schüsse gehört. 

Der Beschuldigte sei wieder aufgestanden und habe geschossen. Der Beschul-

digte habe etwas gewartet, auf den Privatkläger B._____ gezielt und mit gestreck-

tem Arm geschossen. Dann sei nichts passiert. Dann habe er nochmals geschos-

sen. Bei diesem Schuss habe er (H._____) den Klang einer Stange gehört. Es 

habe so getönt, wie wenn man einen Stein auf eine Stange werfen würde. Es ha-

be 'ting' gemacht. Danach habe er ein drittes Mal geschossen und den Privatklä-

ger getroffen (Urk. 10/14 S. 5 ff.). Der Beschuldigte habe ca. auf Brusthöhe des 

Privatklägers B._____ gezielt und sei dabei gestanden. Auf Nachfrage, ob der 

Beschuldigte beim Aufstehen gewesen sei, erklärte H._____: "Nein, das geht gar 

nicht. Er stand und war bereit." Der Abstand des Beschuldigten zum Privatkläger 

B._____ habe ca. fünf bis sechs Meter betragen. Nach den Schüssen sei die 

ganze Gruppe des Beschuldigten weggerannt in Richtung Bahnhof D._____ (Urk. 

10/14 S. 8). Auf den Hinweis, er habe in der ersten polizeilichen Einvernahme von 

zwei Schüssen gesprochen, erklärte der Zeuge H._____: "Vielleicht habe ich es 

dort falsch gesagt. Ich bin mir aber heute sicher, dass es drei Schüsse waren. 

Zuerst der erste Schuss, dann die Stange, dann der dritte Schuss." (Urk. 10/14 

S. 13). 

-   41   - 

 cc) Die Aussagen des Zeugen H._____ wirken authentisch. Er beschreibt 

eindrücklich seinen jeweiligen Gefühlszustand, was für ein selber erlebtes Ge-

schehen spricht. Seine Beobachtungen decken sich mit den objektiven Beweis-

mitteln und passen in die Schilderungen der Kontrahenten. Seine Darstellung 

vermag die Version des Beschuldigten, wonach er sich in einer Notwehrsituation 

befunden habe, nicht zu stützen. 

 11. Als zusammenfassendes Fazit aus der Würdigung der Aussagen der 

den beiden Gruppen angehörenden Personen kann festgehalten werden, dass 

auf die Aussagen von N._____, O._____ und F._____ für Sachverhaltserstellung 

und insbesondere für die im Vordergrund stehende Frage einer Notwehrsituation 

nicht abgestellt werden kann, weil sie generell oder in den entscheidenden Punk-

ten aus den oben dargelegten Gründen nicht glaubhaft sind. Hingegen beschrieb 

E2._____ das Kerngeschehen des Sachverhaltes widerspruchsfrei und konstant, 

wobei er durchaus auch sich selber belastete, indem er zugab, dem Beschuldig-

ten auf dessen telefonisches Verlangen hin die Tatwaffe nach D._____ gebracht 

zu haben. Seine glaubhafte Darstellung der Umstände bei den Schussabgaben 

auf den Privatkläger schliesst die Annahme einer Notwehrsituation für den Be-

schuldigten aus. Das gleiche Fazit lässt sich aus den oben gewürdigten Aussagen 

der Zeugen aus der Gruppe des Privatklägers ziehen. 

 12. Es wurden im Verlauf der Voruntersuchung weitere Personen polizei-

lich und staatsanwaltschaftlich befragt. Deren Aussagen betreffen zwar nicht den 

Tathergang im engeren Sinne, d.h. die Schussabgaben auf den Privatkläger, 

sondern die Vorgänge vor und nach der Tat. Sie vermögen jedoch einzelne As-

pekte der bisherigen Beweiswürdigung zu ergänzen und teilweise auch zu bestä-

tigen.  

 a) Bei G._____ handelt es sich um diejenige Person, mit welcher der Privat-

kläger am Telefon sprach, bevor sich die Tat ereignete. In der polizeilichen Befra-

gung vom 1. Dezember 2011 führte G._____ aus, der Privatkläger B._____ habe 

ihm gesagt, er werde angegriffen. Er habe gefragt, was er tun solle. G._____ ha-

be ihm geantwortet, er solle entweder die Polizei rufen oder sich wehren. Der Pri-

vatkläger B._____ habe gemeint, wehren würde schlecht gehen, weil einer eine 

-   42   - 

Pistole habe. Dann habe ihm der Privatkläger B._____ gesagt: "Jetzt hät er 

gschosse!" Er (G._____) habe gedacht, der Privatkläger mache jetzt Spass. Dann 

habe er im Hintergrund des Telefons Stimmen gehört, welche dem Privatkläger 

gesagt hätten, er solle sich setzen. Da habe er dem Privatkläger geglaubt. Er 

(G._____) habe dem Privatkläger B._____ geraten, er solle sitzen bleiben und 

den Notruf wählen. Nach fünf Minuten habe er den Privatkläger nochmals angeru-

fen und habe wissen wollen, wie es ihm gehe. Der Privatkläger habe schnell ab-

genommen und gesagt, die Polizei sei jetzt hier und er könne nicht mehr reden 

(Urk. 10/15 S. 3 f.). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. März 

2012 beantwortete der Zeuge die Fragen der Staatsanwältin - analog zur polizeili-

chen Befragung - ziemlich widerwillig. Es könne sein, dass seine Aussagen bei 

der Polizei zuträfen, er wisse es aber nicht mehr. Der Privatkläger habe ihn ange-

rufen, an das Gespräch erinnere er sich nicht mehr. Der Privatkläger B._____ sei 

selber schuld und der Beschuldigte auch. "B._____ [der Privatkläger] wird provo-

ziert haben und der andere hat geschossen. Was wollen Sie denn von mir wis-

sen?" (Urk. 10/16 S. 3 f.). 

 G._____ war nach eigenen Angaben der Bruder eines Kollegen des Privat-

klägers B._____. G._____ machte offenkundig sehr widerwillig Aussagen, wobei 

er offensichtlich nicht anstrebte, zugunsten einer der Personen oder Gruppen 

auszusagen. Gemäss seinen ersten Aussagen war er mit dem Privatkläger 

B._____ kurz vor und nach der Schussabgabe am Telefon. Es besteht kein 

Grund, am Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu zweifeln, zumal diese Darstellung 

mit den bisherigen Erkenntnissen zu vereinbaren ist und eine inhaltlich unge-

wöhnliche und originelle Schilderung darstellt, was für die Glaubhaftigkeit der 

Aussage spricht. Es ist somit davon auszugehen, dass der Beschuldigte just in 

jenem Moment auf den Privatkläger B._____ schoss, als dieser immer noch mit 

G._____ telefonierte. Die Vorinstanz ging aufgrund dieses Umstandes davon aus, 

dass der Privatkläger sich mit einer Hand das Mobiltelefon ans Ohr gehalten habe 

(Urk. 73 S. 77), was jedoch nicht zwingend ist, könnte dieser das Telefon ja 

durchaus vorübergehend vom Ohr heruntergenommen haben, ohne die Verbin-

dung abzubrechen. Auch wenn durch dieses Telefonat erstellt ist, dass der Pri-

vatkläger sich angesichts einer für ihn bedrohlichen Situation (bewaffneter Geg-

-   43   - 

ner) Verstärkung oder eher Rat holen wollte, bieten die Aussagen des Zeugen 

G._____ keinen Hinweis darauf, dass sich der Beschuldigte seinerseits in einer 

Notwehrsituation befunden hätte.  

 b) K._____ befand sich am Abend der Tat hinter dem Bahnhof D._____ 

beim "Grüscht" und ist bekannt mit einem Cousin des Privatklägers B._____. Da 

sie nur polizeilich als Auskunftsperson einvernommen wurde (Urk. 10/21) und mit 

dem Beschuldigten nie konfrontiert wurde, sind ihre Aussagen nicht zu dessen 

Lasten verwertbar (Urk. 147 Abs. 4 StPO). Da aus ihren Depositionen nichts zu-

gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden kann, ist auf ihre Aussagen nicht 

näher einzugehen. 

 c) Q._____ hielt sich als unbeteiligte Passantin am Abend der Tat auf dem 

Perron zum Gleis 6 im Bahnhof D._____ auf. Sie wurde über ihre Wahrnehmun-

gen nur polizeilich als Auskunftsperson befragt und mit dem Beschuldigten nicht 

konfrontiert, weshalb auch ihre Aussagen nicht zu Lasten des Beschuldigten ver-

wertbar sind (Urk. 147 Abs. 4 StPO). Aus ihren Aussagen lässt sich nichts zu-

gunsten des Beschuldigten ableiten, weshalb auf ihre Depositionen nicht näher 

einzugehen ist. 

 d) In der Voruntersuchung wurden noch weitere Personen befragt (R._____, 

S._____, T._____, U._____ und V._____). Diese Personen waren am Vorfall 

nicht beteiligt und konnten keine eigenen Beobachtungen machen. Entsprechend 

erübrigt es sich, auf ihre Aussagen, welche das Verhalten des Beschuldigten 

nach der Tat oder auf Facebook Gelesenes thematisieren, näher einzugehen. 

Einzig die Aussagen von T._____, der ehemaligen Freundin des Beschuldigten, 

wurden in den vorinstanzlichen Erwägungen zusammenfasst, weil diese inhaltlich 

die Angaben von E2._____ stützen würden (Urk. 73 S. 80). Da jedoch auch ihre 

Aussagen ausschliesslich vom Hörensagen stammen und sie ihre Informationen 

von verschiedenen Personen hatte, die ihr teilweise unbekannt waren (Urk. 10/20 

S. 5 f.), können aus ihren Angaben keine weiteren Erkenntnisse für die Sachver-

haltserstellung gewonnen werden.  

-   44   - 

 13. a) Gestützt auf die glaubhaften Aussagen von E2._____ ist davon aus-

zugehen, dass er dem Beschuldigten auf dessen telefonischer Aufforderung hin 

eine geladene Waffe zur bereits laufenden Auseinandersetzung in D._____ 

brachte. Dass die Waffe geladen und funktionstüchtig war, musste dem Beschul-

digten spätestens beim von E2._____ glaubhaft beschriebenen und vom Privat-

kläger B._____ und dessen Begleiter bestätigten Schuss in die Luft bewusst ge-

wesen sein. Ausserdem ist aufgrund der glaubhaften Aussagen von E2._____ er-

stellt, dass der Beschuldigte die Waffe für ca. Fr. 900.– gekauft hatte, womit ihm 

auch bewusst sein musste, dass es sich dabei um eine echte Schusswaffe han-

delte, zumal er die Waffe inklusive Munition erwarb. Diese Schlussfolgerung wird 

zudem gestützt durch die glaubhaften Aussagen von E2._____, wonach der Be-

schuldigte die Waffe auf dem Weg zum …-Areal durchgeladen und eine mögliche 

Ladehemmung behob, indem er den Schlitten in die vordere Position drückte. Ge-

stützt auf die Schilderungen von E2._____ ist davon auszugehen, dass der Pri-

vatkläger B._____ den Beschuldigten, nachdem sie aneinandergeraten waren, an 

den Händen hielt und ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzte, welcher den 

Beschuldigten zu Boden gehen liess. Der Beschuldigte stützte sich beim Fallen 

ab und erhob sich sogleich wieder. Der Beschuldigte befand sich im Zeitpunkt der 

Schussabgabe gemäss den glaubhaften Schilderungen des Zeugen E2._____ ca. 

acht Meter vom Privatkläger B._____ entfernt, was bedeutet, dass sich der Pri-

vatkläger B._____ nach dem Faustschlag vom Beschuldigten entfernte, mithin 

nach dem Faustschlag nicht weiter tätlich gegen den Beschuldigten einwirkte. Aus 

der Würdigung der Aussagen der jeweiligen Gruppenmitglieder ist als erstellt zu 

erachten, dass die Gruppe des Privatklägers B._____ keine Waffen, wie Messer 

oder dergleichen, einsetzte oder hervornahm. In dieser Situation, welcher klarer-

weise keine Bedrohung für den Beschuldigten (mehr) darstellte, gab der Beschul-

digte in Richtung des Privatklägers B._____ mindestens zwei Schüsse ab, welche 

das linke untere Hosenbein des Privatklägers B._____ trafen. Ein Schuss traf die 

Kniekehle des Privatklägers B._____, was dafür spricht, dass sich dieser vor oder 

während der Schussabgaben vom Beschuldigten abdrehte. Somit ist der Sach-

verhalt gemäss Anklageziffer 1 rechtsgenügend erstellt. 

-   45   - 

 b) Die Darstellung des Beschuldigten sowie der Verteidigung, wonach die 

Schussabgabe auf den Privatkläger B._____ aus einer Notwehrsituation erfolgte 

(Urk. 57 S. 33 ff.), findet aufgrund der gegebenen Beweislage keine Stütze und es 

ist auch nicht zugunsten des Beschuldigten von einer solchen auszugehen.  

 

B. Rechtliche Würdigung 

1. a) Die Vorinstanz würdigte den erstellten Sachverhalt als versuchte 

schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 in Verbindung