# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4d4873a-a3fd-59c2-babb-a0538eb8b559
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-12-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.12.2017 BVGE 2017 VI/9
**Docket/Reference:** BVGE-2017-VI-9
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGE_001_BVGE-2017-VI-9_2017-12-21

## Full Text

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Charakterisierung eines Verwaltungsakts als Zwischenverfügung.
Voraussetzungen für dessen Rücknahme. Direkte Anwendbarkeit der Zuständigkeitskriterien
der Dublin-III-VO. Grundsatzurteil.
			

			

				Art. 5 Abs. 3, Art. 9 BV. Art. 27 Abs. 1 Dublin-III-VO.
			

			

				1.      Die Mitteilung des
Staatssekretariats für Migration (SEM), mit welcher dieses einer asylsuchenden Person den Abschluss
des Dublin-Verfahrens und die Aufnahme des nationalen Asyl- und Wegweisungsverfahrens anzeigt, ist als
Zwischenverfügung zu qualifizieren (E. 4.1.1-4.1.4). Die verfahrensleitende Behörde
kann auf eine solche Zwischenverfügung zurückkommen, wenn nicht ausnahmsweise der Grundsatz
von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV) oder das Willkürverbot (Art. 9 BV) dagegen
sprechen (E. 4.2.1).
			

			

				2.      Weil durch die Mitteilung
des SEM weder die rechtliche Stellung der asylsuchenden Person verändert noch gegenüber dem
zuständigen Staat ein Selbsteintritt erklärt wird, ist ein Zurückkommen möglich
(E. 4.2.2 und E. 4.3.1-4.3.3). 
			

			

				3.      Die Rechtsprechung
des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) zur Dublin-III-VO impliziert, dass es Asylsuchenden
in Beschwerdeverfahren gegen Dublin-Überstellungsentscheide möglich sein muss, die falsche
Anwendung sämtlicher zur Zuständigkeit beitragenden Bestimmungen der Dublin-III-VO zu
rügen. Dies gilt auch dann, wenn der ersuchte Mitgliedstaat einem Aufnahme- oder Wiederaufnahmeersuchen
stattgegeben hat (E. 5.1-5.2).
			

			

				4.      Weil keine triftigen
Gründe gegen die Übernahme dieser Rechtsprechung des EuGH sprechen, ist die Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts dahingehend anzupassen, dass Asylsuchende sich im Beschwerdeverfahren
auf die richtige Anwendung sämtlicher objektiver Zuständigkeitskriterien der Dublin-III-VO
berufen können (E. 5.3-5.4).
			

			

2018-09-26T12:38:43Z