# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9eeb9457-2aac-5cb2-9083-80633c096383
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.07.2010 C-6243/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-6243-2008_2010-07-08.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-6243/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  J u l i  2 0 1 0

Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, 
Richter Andreas Trommer, 
Gerichtsschreiberin Barbara Haake.

B._______, 
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Philip Stolkin, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung der Einreisebewilligung für A._______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-6243/2008

Sachverhalt:

A.
Am 23. Juli 2008 beantragte A._______ bei der Schweizerischen Ver-
tretung in Colombo ein Visum für einen dreimonatigen Familienbesuch 
bei ihren im Kanton Bern lebenden Verwandten. Die Vertretung über-
mittelte  ihr  Einreisegesuch  nach  formloser  Verweigerung  zum  Ent-
scheid an die Vorinstanz. 

B.
Nachdem der  Migrationsdienst  des  Kantons  Bern  Abklärungen  zum 
beabsichtigten Besuchsaufenthalt vorgenommen und an das BFM wei-
tergeleitet hatte, wies die Vorinstanz das Einreisegesuch mit Verfügung 
vom  9.  September  2008  ab.  Sie  begründete  ihre  Ablehnung  damit, 
dass die  Erteilung einer  Einreisebewilligung unter  anderem dann zu 
verweigern  sei,  wenn  die  gesuchstellende  Person  keine  Gewähr  für 
ihre anstandslose und fristgerechte  Wiederausreise biete,  sei  es als 
Folge  der  in  ihrem  Ursprungsland  herrschenden  politischen  oder 
sozioökonomischen  Verhältnisse  oder  aufgrund  ihrer  persönlichen 
Situation.  Wie  die  in  zahlreichen  Fällen  gemachte  Erfahrung  zeige, 
würden insbesondere Touristen- oder Besuchervisa immer wieder von 
Personen, welche sich eigentlich dauerhaft hier niederlassen möchten, 
missbraucht. Die Gesuchstellerin stamme immerhin aus einer Region, 
aus  welcher  der  starke  Zuwanderungsdruck  anhalte.  Offensichtlich 
oblägen ihr im Heimatland auch keine zwingenden beruflichen, gesell-
schaftlichen  oder  familiären  Verpflichtungen,  die  das  beschriebene 
Risiko gering erscheinen liessen.

C.
Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  anwaltlich  vertretene  B._______, 
Bruder der Gesuchstellerin, am 29. September 2008 Beschwerde mit 
dem Begehren um Erteilung der  beantragten Einreisebewilligung. Er 
wirft  der  Vorinstanz  vor,  den  Sachverhalt  fehlerhaft  ermittelt  und 
willkürlich  entschieden  zu  haben,  wobei  in  verschiedener  Hinsicht 
nationales und internationales Recht verletzt worden sei. Für ihn und 
seine Ehefrau sei  die Einreise  seiner  Schwester  unbedingt  erforder-
lich, weil seine Ehefrau kurz vor der Niederkunft des zweiten Kindes 
stehe  und  Unterstützung  benötige.  Er  selbst  könne  ihr  keine  aus-
reichende  Unterstützung  bieten,  da  er  psychisch  schwer  krank  sei  
(Schizophrenie)  und  nach  der  Geburt  des  zweiten  Kindes  mit  der 
Betreuung von Frau und Kindern hoffnungslos überfordert wäre. Diese 

Seite 2

C-6243/2008

Aufgaben solle seine Schwester für 14 Wochen übernehmen. Die Ver-
weigerung  ihrer  Einreise  würde  sowohl  sein  Familienleben  als  auch 
das Kindeswohl des Neugeborenen gefährden. Insbesondere aus Art. 
8 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) lasse sich daher 
ein Anspruch auf Einreise seiner Schwester ableiten. Deren Rückkehr 
nach Sri-Lanka sei schon deshalb garantiert, weil sie sich dort um ihre 
bettlägerige Mutter kümmern müsse. 

D.
Das gleichzeitig mit  der Beschwerde eingereichte Gesuch um unent-
geltliche  Rechtspflege  und  Verbeiständung  hat  das  Bundesverwal-
tungsgericht unter Verweis auf die Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels 
mit Verfügung vom 6. Oktober 2008 abgewiesen. 

E.
In ihrer Vernehmlassung vom 16. Dezember 2008 beantragt  die Vor-
instanz  unter  Erläuterung  der  bereits  genannten  Gründe  die  Abwei-
sung der Beschwerde. Weiterhin gibt sie zu bedenken, ob der mit dem 
Besuchervisum angestrebte  Aufenthaltszweck nicht  allenfalls  als  be-
willigungspflichtige Erwerbstätigkeit eingestuft werden müsste. 

F.
Replikweise  wiederholt  der  Parteivertreter  am 27. Januar  2009  sein 
bisheriges  Vorbringen  und  betont  nochmals,  dass  der  Beschwerde-
führer als schizophrener Mensch dringend die Unterstützung einer ihm 
nahestehenden  Person  benötige;  andernfalls  wäre  nicht  nur  seine 
eigene, sondern auch die Gesundheit seines Kindes gefährdet. 

G.
Am 26. März  2010 ersuchte  die  zuständige Instruktionsrichterin  den 
Rechtsvertreter  um  Mitteilung,  ob  angesichts  des  mittlerweile  offen-
sichtlich dahingefallenen Besuchszwecks an der Beschwerde festge-
halten werde. Dieser äusserte sich hierzu jedoch nicht. 

H.
Der weitere Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen Berücksichtigung finden. 

Seite 3

C-6243/2008

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung  der  Ein-
reisebewilligung,  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  endgültig 
beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach 
dem VwVG (Art. 37 VGG).

1.3 Die Beschwerdeführer sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-
schwerde berechtigt. Auf  die  frist-  und formgerechte Beschwerde ist 
einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel tend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

3.
Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa-
ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän-

Seite 4

C-6243/2008

dern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Ver-
pflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid 
(vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E.1.1 mit Hinweisen).

4.
Verfahren, die bei Inkrafttreten der Verordnung vom 22. Oktober 2008 
über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  (VEV,  SR  142.204)  am 
12. Dezember 2008 (Datum auch des Inkrafttretens des Abkommens 
vom 26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft,  der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft 
über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung 
und Entwicklung des Schengen-Besitzstandes [SAA, SR 0.360.268.1]) 
hängig sind,  werden gemäss Art. 57 VEV nach neuem Recht  – und 
damit insbesondere nach dem übergeordneten Schengen-Recht – fort-
geführt. 

5.
5.1 Angehörige von Drittstaaten benötigen zur Einreise in die Schweiz 
bzw.  den  Schengenraum  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei 
Monaten gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechtigen, 
und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a 
des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Auslän-
derinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20],  Art. 2  Abs. 1  VEV i.V.m. 
Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  des 
Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März  2006  über 
einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch 
Personen  [nachfolgend:  Schengener  Grenzkodex,  SGK,  ABl.  L  105 
vom 13.04.2006, S. 1-32]).

5.2 Im Weiteren müssen sie den Zweck und die Umstände ihres beab-
sichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanziel-
le Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK, Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG); 
sie dürfen zudem nicht  im Schengener Informationssystem (SIS) zur 
Einreiseverweigerung  ausgeschrieben sein  und keine Gefahr  für  die 
öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit 
oder  die  internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats  darstellen 
(Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK, Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG). Namentlich 
müssen Ausländerinnen und Ausländer für die gesicherte Wiederaus-
reise Gewähr bieten, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorge-
sehen  ist  (Art. 5  Abs. 2  AuG,  vgl.  dazu  BVGE  2009/27  E. 5.2  und 

Seite 5

C-6243/2008

E. 5.3). Hinsichtlich  der  in  Frage kommenden Belege zur  Glaubhaft-
machung des Aufenthaltszwecks verweist Art. 5 Abs. 2 SGK auf  den 
Anhang I.  Art. 5  Abs. 3  SGK sowie  Art. 2  Abs. 2  und  Art. 7–11  VEV 
regeln ausführlich das Einreiseerfordernis der ausreichenden finanziel-
len Mittel.

5.3 Gemäss  Anhang I  zur  Verordnung (EG)  Nr. 539/2001  des Rates 
vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) unterliegt die 
Gesuchstellerin als Staatsangehörige von Sri Lanka der Visumpflicht.

6.
B._______  macht  in  seiner  Beschwerde  insbesondere  geltend,  die 
Einreise  seiner  Schwester  sei  notwendig,  damit  seine Ehefrau  nach 
der  Geburt  des  zweiten  Kindes  Unterstützung  erhalte.  Dieser 
ursprünglich  genannte  Besuchszweck,  der  mit  ärztlichen  Bescheini-
gungen bzw. Unterstützungsschreiben verdeutlicht wird, ist zwar nach-
vollziehbar, führt  aber zur Frage, ob hierfür überhaupt ein Besucher-
visum  erteilt  werden  kann.  Arbeitsleistungen  in  Haushalt  und/oder 
Familie – selbst wenn sie nur stunden- oder tageweise bzw. vorüberge-
hend ausgeübt  werden – gelten nämlich  unbesehen einer  allfälligen 
Entlöhnung  zumindest  dort  als  (bewilligungspflichtige)  Erwerbs-
tätigkeit,  wo  der  Erwerbscharakter  nicht  durch  eine  besondere  ver-
wandtschaftliche  und  emotionale  Nähe  in  den  Hintergrund  gedrängt 
wird (vgl. Art. 11 Abs. 2 AuG i.V.m. Art. 1a der Verordnung vom 24. Ok-
tober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 
142.201];  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C-6975/2008  vom 
14. April 2009 E. 8.3 und C-6672/2008 vom 11. September 2008 E. 9).

Ob im vorliegenden Fall derartige Hinderungsgründe gegen die Visum-
erteilung  sprechen,  kann  aber  letztlich  offen  bleiben.  Dass  der  Be-
schwerdeführer  entgegen des nun offensichtlich dahingefallenen Be-
suchszwecks  an  seiner  Beschwerde  festhält,  lässt  vermuten,  die 
Gesuchstellerin  wolle  aus  anderen  Gründen  –  möglicherweise  zum 
dauernden Verbleib – in die Schweiz einreisen. Dementsprechend hat 
auch die Vorinstanz die angefochtene Verfügung begründet.

7.
Geht  es  um die  Beurteilung des Kriteriums der  gesicherten Wieder-
ausreise, so muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt  werden. Hierzu 
sind lediglich Prognosen möglich,  wobei  jedoch sämtliche Umstände 
des konkreten Einzelfalles zu würdigen sind. Dabei fällt unter anderem 

Seite 6

C-6243/2008

die allgemeine Situation im Herkunftsland in Betracht.

Die soziokulturelle Situation Sri Lankas ist noch immer durch den – mit 
Unterbrechungen – 26 Jahre währenden und erst im Mai 2009 been-

deten Bürgerkrieg geprägt. Der tamilische Norden und Osten des Lan-

des  sind  in  ihrer  Entwicklung  zurückgeworfen  und  beim  wirtschaft -

lichen Wiederaufbau sowohl  auf  erhebliche Hilfe der  eigenen Regie-

rung als auch auf internationale Unterstützung angewiesen. Von den 

rund  300'000  Binnenflüchtlingen,  die  in  den  letzten  Monaten  des 

Bürgerkriegs  im  kontinuierlich  schrumpfenden  Kampfgebiet  einge-

schlossen  waren  und  danach  zwangsweise in  Lagern untergebracht 

wurden, konnten bei weitem noch nicht alle an ihre Heimatorte zurück -

kehren. Viele halten sich weiterhin in mittlerweile offenen Lagern, ein 

grosser  Teil  auch  bei  Gastfamilien  auf.  Ihre  Rücksiedlung  in  die 

Heimatorte gehört zu den vordringlichsten innenpolitischen Aufgaben 

(Quelle:  Deutsches  Auswärtiges  Amt,  <http://www.auswaertiges-

amt.de> Sri  Lanka > Innenpolitik,  Stand:  April  2010,  besucht  im Juli 

2010). Zudem hat das Ende des Bürgerkriegs die Diskussion um eine 

politische  Lösung  für  den  ethnischen  Konflikt  zwischen  der  singha-

lesischen Bevölkerungsmehrheit  und der  sich diskriminiert  fühlenden 

tamilischen  Minderheit  wiederentfacht.  Derzeit  scheint  eine  solche 

Lösung  jedoch  noch  in  weiter  Ferne  zu  liegen  (vgl.  JUDITH MACCHI, 

RAINER MATTERN,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  Sri  Lanka: 

Aktuelle  Situation,  Update  vom  7.  Juli  2009  S.  22,  sowie  SFH-

Positionspapier  zur  Lage  der  Asylsuchenden  aus  Sri-Lanka  vom 

8. Dezember 2009).

8.
Allein  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im  Herkunftsland  darf  jedoch 
nicht auf eine nicht hinreichend gesicherte Ausreise geschlossen wer-
den. Die soeben dargelegten Umstände entbinden daher nicht von ei-
ner einzelfallbezogenen Beurteilung, wobei namentlich berufliche, ge-
sellschaftliche oder  familiäre Verpflichtungen die  Prognose einer  an-
standslosen Wiederausreise begünstigen. 

Die Gesuchstellerin ist Tamilin, 31 Jahre alt, ledig und ohne berufliche 
Verpflichtungen,  was  auf  eine  gewisse  Emigrationsbereitschaft  hin-
deutet. Zu den heimatlichen Lebensumständen seiner Schwester hat 
der Beschwerdeführer lediglich dargelegt, sie müsse sich in ihrer Hei-
mat um ihre bettlägerige Mutter kümmern. Dass der Beschwerdeführer 
mit diesem Argument die Rückkehr seiner Schwester in Aussicht stellt, 

Seite 7

C-6243/2008

überzeugt  angesichts  der  von  ihr  beabsichtigten  Besuchsdauer  von 
drei Monaten jedoch nicht. 

9.
Abgesehen  vom  Aspekt  der  nicht  fristgerechten  Wiederausreise 
spricht auch die fragliche Finanzierung des Besuchsaufenthalts gegen 
die Erteilung einer Einreisebewilligung. Die Gesuchstellerin  selbst hat 
in ihrem Visumantrag angegeben, die Familie B.______ werde für ihre 
Aufenthaltskosten  aufkommen. Dass  deren  Einkommenssituation  die 
Sicherstellung  dieser  Kosten  jedoch  gar  nicht  erlaubt,  ergibt  sich 
bereits aus dem Beschwerdevorbringen, wonach der Gastgeber eine 
IV-Rente bezieht und zusammen mit seiner Familie von der Fürsorge 
unterstützt wird. Ihm wäre es aufgrund dessen gar nicht möglich, für 
die  in  Art.  5  Abs.  1  Bst.  b  AuG genannten  finanziellen  Mittel  –  die 
gegebenenfalls  auch die  Kosten für  Unfall,  Krankheit  und Rückreise 
des Gastes abdecken müssen und von den Fremdenpolizeibehörden 
mit 30'000 Franken veranschlagt werden – zu garantieren (vgl. Art. 7 
und Art. 8 VEV).

10.
Der  Beschwerdeführer  hat  den  Einwand  erhoben,  die  Verweigerung 
der  Einreise  seiner  Schwester  beeinträchtige  in  unzulässiger  Weise 
sein Recht auf Familienleben. Sein Wunsch, eine nahe Verwandte eine 
Zeitlang um sich zu haben, ist zwar nachvollziehbar, führt  aber nicht 
dazu,  dass  der  Gesuchstellerin  ein  Besuchervisum  erteilt  werden 
müsste.  Insbesondere  liegt  darin  auch  kein  –  wie  der  Beschwerde-
führer behauptet – Verstoss gegen Art. 8 der Konvention zum Schutze 
der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  vom  4. November  1950 
(EMRK, SR 0.101). Diese Schutznorm garantiert  zwar in allgemeiner 
Weise  die  Achtung  des  Privat-  und  Familienlebens;  ein  Recht  auf 
Einreise oder auf Familienleben an einem bestimmten Ort ergibt sich 
indessen daraus nicht  (BGE 135 I  153 E. 2.1 S. 155 mit  Hinweisen; 
vgl.  ferner  STEPHAN BREITENMOSER,  in:  Bernhard  Ehrenzeller/  Philippe 
Mastronardi/Rainer  J. Schweizer/Klaus  A.  Vallender,  Die  schwei-
zerische  Bundesverfassung,  Zürich/Basel/Genf  2002,  Kommentar  zu 
Art. 13 BV, N. 25;  ARTHUR HAEFLIGER/FRANK SCHÜRMANN,  Die Europäische 
Menschenrechtskonvention  und  die  Schweiz,  Die  Bedeutung  der 
Konvention für  die schweizerische Rechtspraxis,  2. Aufl.,  Bern  1999, 
S. 261). Ein entsprechender Eingriff läge allenfalls erst dann vor, wenn 
sich  die  Betroffenen  überhaupt  nirgends  treffen  könnten  und  der 
persönliche  Kontakt  deshalb  nur  in  der  Schweiz  möglich  wäre. Um 

Seite 8

C-6243/2008

diesen  Aspekt  geht  es  dem  Beschwerdeführer  aber  offensichtlich 
nicht. Er beruft  sich nicht auf die geschwisterliche Bindung oder Be-
ziehungspflege, sondern begründet die angeblich notwendige Einreise 
seiner Schwester mit der durch den bevorstehenden Familienzuwachs 
einhergehenden familiären Belastung. Ursache dafür seien seine psy-
chische  Krankheit  und  die  dadurch  drohende  Überforderung  durch 
zwei  Kleinkinder. In  dieser Konstellation ist  kein direkter  Zusammen-
hang zwischen der Einreiseverweigerung und dem von Art. 8 EMRK 
bezweckten Schutz des Familienlebens ersichtlich. 

11.
Zu Recht ist die Vorinstanz davon ausgegangen, die fristgerechte Wie-
derausreise  der  Gesuchstellerin  sei  nicht  gewährleistet.  Unter  den 
gegebenen Umständen steht aber auch fest, dass ihr Lebensunterhalt 
während ihres hiesigen Aufenthalts nicht sichergestellt wäre und dass 
der von ihr angegebene Besuchszweck, soweit er eine normalerweise 
auf Erwerb ausgerichtete Tätigkeit beinhaltet, nicht zulässig wäre (vgl. 
Art. 5 Abs. 1 Bst. b und Abs. 2 AuG sowie Art.  11 Abs. 1 AuG). Das 
Fehlen der genannten Einreisevoraussetzungen – wobei bereits eine 
für  sich  allein  genommen  ausreicht  –  schliesst  daher  die  Erteilung 
einer Einreisebewilligung aus.

12.
Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Er-
gebnis rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge 
abzuweisen. 

13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und 3 des 
Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]).

Dispositiv nächste Seite

Seite 9

C-6243/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kosten-
vorschuss verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer
- die Vorinstanz 
- den Migrationsdienst des Kantons Bern

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Barbara Haake

Versand: 

Seite 10