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**Case Identifier:** cebe9df2-9d9f-5843-bde2-c0311c765626
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-12-20
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 20.12.1994 JAAC 59.102
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-59-102--_1994-12-20.pdf

## Full Text

JAAC 59.102

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 20. Dezember 1994

in Sachen A. gegen Milchverband Winterthur und
Regionale Rekurskommission Nr. 3; 94/8B-049

Motifs de majoration de contingent; reconsidération; cognition;
modernisation; traitement de la demande.

1. Art. 12 à 30 OCLP 93: adaptation du contingent.

L’acquisition de la propriété d’une parcelle qui formait déjà, en tant que
terre louée, une partie de la surface déterminante de l’exploitation, ne
constitue pas un motif de majoration de contingent (consid. 4.1).

2. Art. 58, 66 et 67 al. 1 PA: modification de décisions ayant acquis force
formelle de chose jugée.

La question de savoir s’il existe un droit à ce qu’une demande soit
traitée à nouveau - alors même que l’autorité s’est déjà prononcée sur
le sujet en rendant à l’époque une décision désormais entrée en force de
chose jugée - doit être tranchée selon les règles relatives à la stabilité
juridique des décisions et à leur modification. Circonstances dans
lesquelles les autorités sont obligées de trancher matériellement une
demande de reconsidération (consid. 4.2.2).

3. Cognition de l’autorité de recours lorsqu’une décision de non-entrée
en matière est attaquée.

En cas de recours contre une décision de non-entrée en matière,
l’autorité saisie se limite à examiner si c’est à bon droit que l’autorité
inférieure n’est pas entrée en matière sur la demande. En cas
d’admission du recours, l’affaire est renvoyée à l’autorité inférieure
afin qu’elle procède à un examen matériel de la demande (consid. 5.1).

4. Art. 48 al. 2 OCLP 93, art. 11 al. 1 et art. 30 OCLP 89, art. 5 PA:
modernisation, droit transitoire; conditions à remplir pour déposer une
demande; droit à ce qu’une décision soit prise.

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- Lorsqu’une modernisation est terminée avant le 30 avril 1993 et qu’une
demande de majoration de contingent a été déposée, il convient de
procéder à un examen matériel (consid. 5.2.1).

- En cas de demande déposée par un non-juriste, on ne peut formuler
des exigences trop strictes en ce qui concerne la langue et la forme
(consid. 5.2.2).

- Le requérant a un droit à ce qu’une décision soit prise; on ne peut
admettre l’existence d’une décision négative en cas d’inactivité ou de
silence de l’autorité (consid. 5.2.3).

Kontingentserhöhungsgründe; Wiedererwägung; Kognition;
Stallsanierung; Gesuchsbehandlung.

1. Art. 12 bis 30 MKTV 93: Anpassung der Einzelkontingente.

Der Eigentumserwerb an einer Parzelle, die bereits als Pachtland Teil
der massgeblichen Nutzfläche bildet, stellt keinen kontingentsrechtlich
erfassten Erhöhungsgrund dar (E. 4.1).

2. Art. 58, 66 und 67 Abs. 1 VwVG: Abänderung von formell
rechtskräftigen Verfügungen.

Die Frage, ob ein Anspruch auf erneute Behandlung eines Gesuches
besteht, obwohl die Behörde darüber bereits früher rechtskräftig
entschieden hat, ist nach den Regeln über die Rechtsbeständigkeit und
Abänderbarkeit einer Verfügung zu beantworten. Umstände, welche
die Behörde verpflichten, ein Wiedererwägungsgesuch inhaltlich zu
behandeln (E. 4.2.2).

3. Kognition der Beschwerdeinstanz bei Anfechtung eines
Nichteintretensentscheides.

Bei Anfechtung eines Nichteintretensentscheides beschränkt sich die
Beschwerdeinstanz auf die Prüfung, ob die Vorinstanz zu Recht nicht
auf ein Begehren eingetreten ist. Im Falle der Gutheissung erfolgt eine
Rückweisung an die Vorinstanz zur materiellen Prüfung der Eingabe
(E. 5.1).

4. Art. 48 Abs. 2 MKTV 93, Art. 11 Abs. 1 und Art. 30 MKTV 89, Art. 5
VwVG: Stallsanierung, Übergangsrecht; Anforderungen an ein Gesuch;
Anspruch auf Erlass einer Verfügung.

- Wurde eine Stallsanierung vor dem 30. April 1993 abgeschlossen
und ein Gesuch um Kontingentserhöhung gestellt, hat eine materielle
Prüfung zu erfolgen (E. 5.2.1).

- An das von einem Laien gestellte Gesuch dürfen in sprachlicher und
formeller Hinsicht keine strengen Anforderungen gestellt werden
(E. 5.2.2).

- Der Gesuchsteller hat Anspruch auf Erlass einer Verfügung; ein
negativer Entscheid kann nicht durch Untätigbleiben der Behörde oder
durch Stillschweigen getroffen werden (E. 5.2.3).

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Motivi di aumento di contingente; riconsiderazione; cognizione;
ammodernamento; trattamento della domanda.

1. Art. 12-30 OCLP 93: adeguamento del contingente.

L’acquisto della proprietà di una parcella che formava già, quale
terreno affittato, una parte della superficie utile determinante
dell’azienda, non costituisce un motivo di aumento di contingente
(consid. 4.1).

2. Art. 58, 66 e 67 cpv. 1 PA: modificazione di decisioni che sono cresciute
formalmente in giudicato.

La questione di sapere se esiste un diritto per trattare nuovamente
una domanda - anche se l’autorità si è già espressa sul soggetto
pronunciando all’epoca una decisione cresciuta ormai in giudicato -
deve essere risolta secondo le norme relative alla stabilità giuridica
delle decisioni e alla loro modificazione. Circostanze in cui le autorità
sono tenute a trattare materialmente una domanda di riconsiderazione
(consid. 4.2.2).

3. Cognizione dell’autorità di ricorso quando una decisione di non
entrata in materia è impugnata.

In caso di ricorso contro una decisione di non entrata in materia,
l’autorità di ricorso si limita ad esaminare se l’autorità di ricorso
non è entrata, a giusto titolo, in materia sulla domanda. In caso di
ammissione del ricorso, la pratica è ritornata all’autorità inferiore
affinché proceda ad un esame materiale della domanda (consid. 5.1).

4. Art. 48 cpv. 2 OCLP 93, art. 11 cpv. 1, 30 OCLP 89, art. 5 PA:
ammodernamento di stalle, diritto transitorio; condizioni da
adempiere per presentare una domanda; diritto all’emanazione di una
decisione.

- Se un ammodernamento è terminato prima del 30 aprile 1993 e se
è stata presentata una domanda di aumento di contingente, si deve
procedere ad un esame materiale (consid. 5.2.1).

- Se la domanda viene presentata da una persona che non possiede una
formazione giuridica, non si possono porre esigenze troppo severe per
quanto attiene alla lingua e alla forma (consid. 5.2.2).

- Il richiedente ha diritto all’emanazione di una decisione; non si
può ammettere che venga presa una decisione negativa a seguito
d’inattività o di silenzio da parte dell’autorità (consid. 5.2.3).

Aus dem Sachverhalt:

A. übernahm Anfang 1985 von seinem Bruder eine Liegenschaft in Pacht.
Der Milchverband Winterthur lehnte ein Gesuch um Kontingentserhöhung
per 1. Mai 1985 mit der Begründung ab, dass kein Kontingent auf dieser

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Liegenschaft existiere. Per 1. Januar 1993 erwarb A. die Liegenschaft zu
Eigentum. Mit Schreiben vom 25. Januar 1993 ersuchte er den Milchverband,
das Milchkontingent neu festzusetzen und wies darauf hin, dass er eine
Gebäudesanierung in Angriff genommen habe. Der Milchverband wies das
Gesuch mit Verfügung vom 17. September 1993 ab und hielt fest, dass der
Kauf eines gepachteten Grundstücks keinen Grund für die Erhöhung des
Milchkontingents bilde.

Diesen Entscheid focht A. am 15. Oktober 1993 bei der Regionalen
Rekurskommission Nr. 3 an. Er beantragte eine Erhöhung des
Milchkontingents um die Menge, die ursprünglich mit der Liegenschaft
verbunden gewesen sei, sowie eine weitere Erhöhung auf Grund der
ausgeführten Gebäudesanierung. Er führte dazu aus, dass der frühere
Eigentümer und Bewirtschafter der Liegenschaft die Bewirtschaftung ab
1980 krankheitsbedingt immer mehr vernachlässigt und schliesslich die
Milchablieferung eingestellt habe, ohne ein Stillegungsgesuch zu stellen. Die
Rekurskommission Nr. 3 wies die Beschwerde mit Entscheid vom 28. März
1994 ab.

Mit der am 18. Mai 1994 bei der Rekurskommission EVD anhängig gemachten
Beschwerde beantragt A., der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und
die Streitsache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanzen zurückzuweisen.
Abzuklären seien die Umstände des angeblichen Kontingentsunterganges auf
der Liegenschaft. Eventuell sei sein Kontingent um die ursprünglich mit der
Liegenschaft verbundene Milchmenge zu erhöhen.

Aus den Erwägungen:

1. (Zuständigkeit)

2. (Beschwerdelegitimation; Eintreten auf die Beschwerde, soweit es das
Feststellungsinteresse des Beschwerdeführers betrifft; vgl. REKO/EVD
93/8B-004 E. 2, veröffentlicht in: VPB 59.90[14])

3. (Gesetzliche Grundlagen; vgl. REKO/EVD 93/8B-004 E. 3, veröffentlicht in:
VPB 59.90[15])

Die Vorinstanzen haben ihre Entscheide ohne weiteres aufgrund der
Verordnung vom 20. Dezember 1989 über die Milchkontingentierung in der
Talzone, in der voralpinen Hügelzone und in der Zone I des Berggebietes
(Milchkontingentierung- Talverordnung 89 [MKTV 89], AS 1990 286 1059,
1991 1125, 1992 946 2049) getroffen. Vorliegend geht es indessen um
das Milchkontingent für das Milchjahr 1993/94, welches am 30. April
1994 zu Ende ging. In jener Periode galt die Verordnung vom 26. April
1993 über die Milchkontingentierung im Talgebiet und in der Bergzone I
(Milchkontingentierung-Talverordnung 93 [MKTV 93], SR 916.350.101, AS 1994
2056). Für die Feststellung ist deshalb auf das Recht abzustellen, das für die
betreffende Periode galt.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819

Für Sanierungen, die vor dem 30. April 1993 abgeschlossen wurden, und
für Zusicherungen von Kontingentserhöhungen wegen beabsichtigter
Sanierung, welche vor dem 1. November 1992 verfügt wurden, ist das vor
dem 1. November 1992 geltende Recht anwendbar (Art. 48 Abs. 2 MKTV 93).

4. Der Beschwerdeführer übernahm per 1. Januar 1993 2.5 ha Pachtland, das
er seit 1985 bewirtschaftete, in sein Eigentum. Aus diesem Anlass beantragte
er die Erhöhung des Milchkontingents um jene Menge, die vor 1980, wie er
annimmt, mit der Liegenschaft verbunden war. Es ist daher nachfolgend zu
prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen im Zusammenhang mit der
Übernahme der Liegenschaft das Milchkontingent erhöht werden kann.

4.1. Im 3. Abschnitt der Milchkontingentierung-Talverordnung 93 mit
der Überschrift «Anpassung der Einzelkontingente; Einstellung und
Neuaufnahme der Verkehrsmilchproduktion» werden in den Art. 12-30 die
Gründe abschliessend genannt, welche Anlass zu Kontingentserhöhungen
oder -kürzungen geben können. Der Erwerb des Eigentums an einer Parzelle,
die bereits aufgrund eines Pachtvertrags Teil der im Zusammenhang mit
der Milchkontingentierung massgeblichen Nutzfläche eines Betriebs bildet,
ist nicht als Erhöhungsgrund erwähnt. Die Vorinstanzen haben daher
eine Erhöhung des Milchkontingents des Beschwerdeführers infolge des
Erwerbs der Liegenschaft per 1. Januar 1993 mangels einer entsprechenden
Rechtsgrundlage zu Recht abgelehnt.

4.2. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, bei der seinerzeitigen
pachtweisen Übernahme der Liegenschaft zur Nutzung sei ihm kein
Kontingent zugeteilt worden. Vor 1980 sei aber mit der betreffenden
Liegenschaft ein Milchkontingent verbunden gewesen. Dieses sei wegen
des gesundheitlich bedingten Unvermögens des bisherigen Eigentümers,
seine Geschäfte umsichtig zu führen, nicht mehr genutzt worden. Als neuer
Eigentümer der Liegenschaft erhebe er Anspruch auf die Aufklärung der
damaligen Versäumnisse. Der Beschwerdeführer geht somit sinngemäss davon
aus, dass er als Landübernehmer heute erneut Anspruch auf Behandlung
eines Gesuchs um die Übertragung des Kontingents habe. Dabei nimmt er
an, dass ihm ein Kontingent zugeteilt werden müsste, falls sich bestätigen
sollte, dass das Kontingent in der Zwischenzeit nur untergegangen ist, weil der
Eigentümer seinerzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage
war, ein Stillegungsgesuch zu stellen.

4.2.1. Vorerst ist zu prüfen, wie die seinerzeitige Übernahme der Liegenschaft
kontingentsrechtlich behandelt wurde. A. übernahm die fragliche
Liegenschaft, nach den Angaben im «Gesuch um Anteilsverschiebung bei
Flächenänderungen zwischen Milchproduzenten» (Form. B 7.4), am 15. März
1985 von seinem Bruder in Pacht. Zu jener Zeit galt die Verordnung vom
13. April 1983 über die Milchkontingentierung im Talgebiet, in der voralpinen
Hügelzone und in der Zone I des Berggebietes (MKTV 83, AS 1983 393, 1984
462, 1985 474 799 1594, 1986 278 737 1084).

Ein Landabgeber konnte damals grundsätzlich je abgegebene Hektare
massgebliche Nutzfläche höchstens 100% des Kontingents, das ihm am 1. Mai
vor der Landabgabe zustand, auf den Landerwerber übertragen (Art. 14
Abs. 2 MKTV 83). Falls sich der Landabgeber und der Landerwerber über die
Kontingentsübertragung nicht einigen konnten, entschied der Milchverband;
in der Regel übertrug er je abgegebene Hektare 50% des Kontingentes,

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das dem Landabgeber am 1. Mai vor der Landabgabe zustand (Art. 14
Abs. 3 MKTV 83). Verträge über Kontingentsänderungen mussten bis zum
31. Mai der folgenden Kontingentsperiode beim zuständigen Milchverband
eingereicht werden. Konnten sich die Parteien über die Kontingentsänderung
nicht einigen, so musste der Landerwerber ein Gesuch um Anpassung der
Kontingente einreichen und den Kauf- oder Pachtvertrag oder ein anderes
Beweismittel beilegen (Art. 32 Abs. 1 MKTV 83).

Als Landübernahme fällt im vorliegenden Zusammenhang jede tatsächliche
oder rechtlich abgesicherte Transaktion in Betracht, welche die massgebliche
Nutzfläche des Betriebs vergrössert (vgl. Überschrift zu Art. 14 und 32 MKTV
83/Art. 20 und 37 MKTV 93). Die massgebliche Nutzfläche des Betriebs des
Beschwerdeführers hat sich gemäss Verfügung des Milchverbandes vom
18. Oktober 1985 per 1. Mai 1985 mit der Übernahme der Liegenschaft in
Pacht um 2,5 ha vergrössert und nicht mit dem Eigentumserwerb daran (vgl.
Ziff. 4.1). Für die Fristbestimmung ist daher vom Zeitpunkt des Pachtantritts,
also vom 15. März 1985, auszugehen. Ein Gesuch hätte somit bis 31. Mai 1985
gestellt werden müssen, um die Frist einzuhalten (Art. 32 Abs. 1 MKTV 83).

Dies ist mit dem Gesuch vom 18./19. März 1985 geschehen, in welchem die
Übertragung eines Milchkontingents von zirka ... kg beantragt wurde. Deshalb
stellt sich die Frage nicht, ob die Frist verstrichen ist, innert der ein Gesuch um
Kontingentserhöhung infolge einer Landübernahme rechtswirksam gestellt
werden kann. Über dieses Gesuch hat der Milchverband am 18. Oktober 1985
entschieden. Er lehnte damals die Erhöhung des Milchkontingentes mit der
Begründung ab, dass am 1. Mai vor der Landabgabe betreffend die fragliche
Liegenschaft kein Kontingent existierte. Diese Verfügung hätte A. damals
innert Frist mit Beschwerde an die Rekurskommission Nr. 3 anfechten können.
Sie blieb indessen nach den vorliegenden Unterlagen unangefochten; sie ist
somit rechtskräftig.

Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer seinerzeit ein Gesuch um
Kontingentsübertragung stellte und der Milchverband darüber materiell
und rechtskräftig entschieden hat.

4.2.2. Zu prüfen bleibt daher die Frage, ob A. heute Anspruch auf die
Behandlung eines Gesuchs um Kontingentsübertragung hat, obwohl der
Milchverband darüber am 18. Oktober 1985 bereits einmal entschieden hat.
Die Rekurskommission Nr. 3 hat diesbezüglich ausgeführt, es sei nicht möglich,
nachträglich darauf einzugehen. Diese Frage ist nach den anerkannten
Regeln über Rechtsbeständigkeit und Abänderbarkeit einer Verfügung zu
beantworten.

Auszugehen ist davon, dass die betreffende Verfügung formelle Rechtskraft
erlangt hat. Dies bedeutet, dass eine Verfügung innerhalb eines bestimmten
Verfahrens unabänderlich geworden ist (Kölz Alfred / Häner Isabelle,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zürich,
1993, Rz. 166). Nach Auffassung des BGer entspricht es indessen der Eigenart
des öffentlichen Rechts und der Natur des öffentlichen Interesses, dass
ein Verwaltungsakt, der dem Gesetz nicht oder nicht mehr entspricht,
nicht unabänderbar ist (BGE 94 I 336, 343). Eine Verfügung erwächst also
nicht in dem Sinne in materielle Rechtskraft, dass sie inhaltlich nicht mehr

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abänderbar wäre. Die Initiative für die Änderung einer Verfügung kann dabei
entweder von den Behörden (Widerruf) oder von den betroffenen Privaten
(Wiedererwägungsgesuch) ausgehen.

Der Widerruf von Verwaltungsakten ergeht auf Initiative der für den Erlass
der Verfügung zuständigen Behörde oder Aufsichtsbehörde (Kölz/Häner,
a. a. O. Rz. 190). Die Frage des Widerrufs stellt sich dann, wenn die
Rechtmässigkeit einer Verfügung wegen ursprünglicher Fehlerhaftigkeit
zweifelhaft ist sowie wenn sie nachträglich dahinfällt, weil sich die rechtlichen
oder tatsächlichen Gegebenheiten geändert haben oder weil ein gesetzlich
vorgesehener Widerrufsgrund eingetreten ist. Gründe des Vertrauensschutzes
können allerdings einemWiderruf entgegenstehen (Kölz/Häner, a. a. O.
Rz. 191). Falls das Gesetz die Voraussetzungen der Anpassung nicht
ausdrücklich regelt, ist eine Interessenabwägung erforderlich. Dabei ist
zwischen dem Interesse an der richtigen Anwendung des objektiven Rechts
einerseits und dem Interesse an der Rechtssicherheit beziehungsweise dem
Vertrauensschutz anderseits abzuwägen. Das Interesse an der richtigen
Anwendung des objektiven Rechts spricht grundsätzlich für eine Anpassung;
die Rechtssicherheit und der Vertrauensschutz (in den Bestand der Verfügung),
die beide den Interessen des Betroffenen dienen, sprechen gegebenenfalls
gegen eine Änderung (vgl. BGE 115 Ib 155 mit Hinweisen).

Mit einemWiedererwägungsgesuch wird die verfügende Instanz ersucht, auf
ihre Verfügung zurückzukommen. Die Wiedererwägung ist einerseits vom
Widerruf und anderseits von der Revision von Verwaltungsakten abzugrenzen.
Die Revision (Art. 66 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren, Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], SR 172.021) ist
gegen ursprünglich fehlerhafte Entscheide einer Beschwerdeinstanz gegeben,
wenn bestimmte Revisionsgründe vorliegen. Das Revisionsgesuch ist ein
Rechtsmittel, das an Formen und Fristen gebunden ist, und auf welches die
Beschwerdeinstanz grundsätzlich einzutreten hat.

Das Wiedererwägungsgesuch kann jederzeit gestellt werden, da es sich dabei
nicht um ein an Fristen gebundenes Rechtsmittel handelt, sondern lediglich
um einen sogenannten Rechtsbehelf. Die Behörde ist daher grundsätzlich
nicht verpflichtet, es an die Hand zu nehmen. Diese Freiheit der Behörde,
auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten und das Gesuch inhaltlich
zu behandeln, wird indessen durch die Gerichts- und Verwaltungspraxis
relativiert (Kölz/Häner, a. a. O. Rz. 193 bis 197). Eine Behandlungspflicht wird
von den Bundesbehörden zunächst in analoger Anwendung der Gründe für
eine Revision angenommen (Art. 66 VwVG), wenn die Partei:

- neue erhebliche Tatsachen und Beweismittel vorbringt;

- nachweist, dass die Behörde aktenkundige erhebliche Tatsachen oder
bestimmte Begehren übersehen hat;

- nachweist, dass die Behörde die Bestimmungen über den Ausstand, das
Akteneinsichtsrecht oder das rechtliche Gehör verletzt hat.

Darüber hinaus ist eine Behörde nach den von Rechtsprechung und Lehre aus
Art. 4 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101) abgeleiteten Grundsätzen dann
verpflichtet, sich mit einemWiedererwägungsgesuch zu befassen, wenn die
Umstände sich seit dem ersten Entscheid wesentlich geändert haben, oder
wenn der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen und Beweismittel namhaft

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_Ib_155&resolve=1

macht, die ihm im früheren Verfahren nicht bekannt waren oder die schon
damals geltend zu machen für ihn rechtlich oder tatsächlich unmöglich war
oder keine Veranlassung bestand (BGE 113 Ia 152; 109 Ib 251 f. E. 4a; 100 Ib
371 f. E. 3a).

Anderseits verneint die Rechtspraxis unter analoger Anwendung von
Art. 66 Abs. 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes eine Pflicht, sich mit
einemWiedererwägungsgesuch zu befassen, wenn der Gesuchsteller die
vorgebrachten Gründe schon im ordentlichen Rechtsmittelverfahren hätte
geltend machen können (VPB 51.22). Das Institut der Wiedererwägung soll
nicht dazu dienen, die Rechtsmittelfristen zu umgehen und Entscheide auf
unbestimmte Zeit in Frage stellen zu können. Deshalb kann auch ein über
Gebühr langes Zuwarten seit Entdecken eines Wiedererwägungsgrundes
dagegen sprechen. Schliesslich wird in Analogie zu Art. 67 Abs. 1 des
Verwaltungsverfahrensgesetzes die Möglichkeit einer Wiedererwägung nach
Ablauf einer absoluten Frist von 10 Jahren seit Eröffnung der Verfügung
verneint (Kölz/Häner, a. a. O. Rz. 196).

Im vorliegenden Fall geht die Initiative für die Abänderung der Verfügung
vom betroffenen Privaten aus. Die Begehren des Beschwerdeführers
können sinngemäss als Gesuch umWiedererwägung der Verfügung des
Milchverbandes vom 18. Oktober 1985 aufgefasst werden. Entsprechend
den vorstehenden Grundsätzen ist somit zu prüfen, ob die Vorinstanzen
verpflichtet gewesen wären, das Gesuch an die Hand zu nehmen und
inhaltlich zu behandeln.

4.2.3. Der Beschwerdeführer beruft sich einmal darauf, dass er nun
Eigentümer der fraglichen Liegenschaft sei. Sodann deutet er Versäumnisse
des Milchverbandes an, indem er vorbringt, dieser hätte im Jahre 1985 den
gesundheitlichen Problemen des damaligen Eigentümers im Hinblick auf
die Erhaltung des Kontingents Rechnung tragen müssen. Es fragt sich, ob er
damit neue erhebliche Tatsachen vorbringt oder einen wesentlich veränderten
Sachverhalt geltend macht. Andere mögliche Wiedererwägungsgründe fallen
offensichtlich ausser Betracht.

Der Umstand, dass A. nun die Liegenschaft im Eigentum hat, ist im
vorliegenden Fall kontingentsrechtlich unerheblich (vgl. Ziff. 4.1). Somit bringt
er damit keine neue erhebliche Tatsache vor.

Was die angeblichen Versäumnisse betrifft, so ist aus den Unterlagen des
Milchverbandes zu entnehmen, dass der Bruder des Beschwerdeführers im
Milchjahr 1979/80 über ein Kontingent von ... kg verfügte, hingegen lediglich
... kg Milch einlieferte. Im darauffolgenden Milchjahr 1980/81 betrug sein
Kontingent ... kg, während er in fünf Monaten noch ... kg einlieferte und dann
die Milchproduktion einstellte. Seit dem Milchjahr 1981/82 existiert betreffend
die hier interessierende Liegenschaft kein Milchkontingent mehr.

Die Rechtsfolgen dieser Einstellung der Milchablieferungen sind nach der
bis 30. April 1981 geltenden Verordnung vom 28. Februar 1979 über die
Milchkontingentierung im Talgebiet, in der voralpinen Hügelzone und in
der Zone I des Berggebietes (Milchkontingentierung-Talverordnung 79
[MKTV 79]) in der Fassung vom 16. April 1980 zu beurteilen (AS 1979 270,
546, 1980 359, 450, 878, 2089). Danach galt betreffend der Einstellung der
Verkehrsmilchproduktion und der Stillegung des Kontingents (Art. 16 Abs. 1
MKTV 79) folgendes:

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_113_Ia_152&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000389.pdf?ID=150000389

«1Die Kontingente von Produzenten, welche die Verkehrsmilchproduktion
einstellen, aber weiterhin Land bewirtschaften, gehen zu 20% an den
zuständigen Milchverband und werden zur Korrekturmenge der übernächsten
Kontingentsperiode (Art. 9 Abs. 2) geschlagen. Die restlichen 80% können
bei der Bildung der Gesamtkorrekturmenge (Art. 9 Abs. 1) der nächsten
Kontingentsperiode verwendet werden.»

Erst mit der nachfolgenden Verordnung vom 15. April 1981 über die
Milchkontingentierung im Talgebiet, in der voralpinen Hügelzone und in der
Zone I des Berggebietes (Milchkontingentierung-Talverordnung 81 [MKTV 81],
AS 1981 421, 1982 601) wurde die Möglichkeit der Stillegung eines Kontingents
(Art. 18 Abs. 2) wie folgt vorgesehen:

«2Ein Produzent, der die Verkehrsmilchproduktion vorübergehend einstellen
will, kann beim zuständigen Milchverband das Gesuch stellen, dass sein
Einzelkontingent stillgelegt wird. Die Stillegung eines Einzelkontingents kann
für höchstens fünf Kontingentsperioden bewilligt werden. Nach Ablauf der
bewilligten Stillegungsdauer steht dem Produzenten das Einzelkontingent
wieder zu, soweit es nicht wegen Flächenänderungen angepasst wird oder
die Kontingente aller Produzenten durch allgemeinverbindliche Massnahmen
geändert worden sind.»

Die Produzenten mussten Gesuche um Stillegung des Einzelkontingents wegen
vorübergehender Einstellung der Verkehrsmilchproduktion beim zuständigen
Milchverband bis 31. Mai der Kontingentsperiode stellen, in welcher sie die
Produktion einstellten (Art. 23 Abs. 1 MKTV 81).

Nach den vorstehend genannten Bestimmungen ging also das
Einzelkontingent, das ursprünglich mit der Liegenschaft verbunden war,
am Ende des Milchjahres 1980/81, in welchem die Milchproduktion eingestellt
wurde, unter.

Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer keine neuen erheblichen
Tatsachen vor, die geeignet erscheinen, die Annahme des Milchverbandes
zu widerlegen, dass im Jahre 1985 kein Kontingent für die Übertragung
auf den Landübernehmer vorhanden war. Auch handelt es sich nicht um
Vorbringen, die er nicht bereits im Rahmen einer Beschwerde gegen den
Entscheid vom 18. Oktober 1985 hätte geltend machen können. Aufgrund der
vorstehenden Überprüfung stellt sich auch der massgebliche Sachverhalt nicht
anders dar, als er es im Zeitpunkt des Entscheides des Milchverbandes war.
Auch mit dem Hinweis auf die Krankheit des Landabgebers und Bruders des
Beschwerdeführers und dessen allmähliche Einstellung der Milchproduktion
mit der Folge des Verlustes des Milchkontingentes auf der Liegenschaft bringt
der Beschwerdeführer nichts Neues vor, das nicht bereits im Zeitpunkt des
Entscheides bekannt war.

Daher bestand für die Vorinstanzen kein Grund, die Begehren des
Beschwerdeführers im Sinne eines Wiedererwägungsgesuches an die Hand zu
nehmen und inhaltlich zu prüfen.

5. Den weiteren vor der Rekurskommission Nr. 3 gestellten Antrag auf
Erhöhung des Milchkontingents infolge einer Gebäudesanierung liess
der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 18. Mai 1994 fallen, nahm
ihn indessen in der letzten Eingabe vom 4. August 1994 wieder auf. Darin
ist kein neues Rechtsbegehren oder eine unzulässige Erweiterung des

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Streitgegenstandes zu erblicken, da es den Streitgegenstand betrifft, wie er
der Vorinstanz vorlag. Somit ist auf das Begehren, unter der nachfolgenden
Einschränkung, einzutreten.

5.1. Die Rekurskommission Nr. 3 stellte im angefochtenen Entscheid fest,
die Stallsanierung bilde nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung,
weshalb auf das Begehren betreffend Stallsanierung nicht eingetreten
werde. Beim Vorliegen eines Nichteintretensentscheids beschränkt sich die
Beschwerdeinstanz auf die Prüfung, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf das
entsprechende Begehren eingetreten ist. Falls die Beschwerde diesbezüglich
gutgeheissen würde, hätte dies zur Folge, dass die Beschwerde zur materiellen
Prüfung der Vorbringen an die Vorinstanz zurückgewiesen würde. Der neue
Entscheid der Vorinstanz könnte dann wiederum mit Beschwerde angefochten
werden.

Infolgedessen kann der Beschwerdeführer im vorliegenden Fall keine Anträge
zur Frage der Kontingentserhöhung infolge Sanierung stellen, sondern
lediglich die Rückweisung zur materiellen Prüfung der Angelegenheit (BGE
103 Ib 146 ff.) beantragen. Somit ist die Beschwerdelegitimation in diesem
Punkt zu bejahen, soweit es die Frage des Nichteintretens durch die Vorinstanz
betrifft.

Fehlt es an einer anfechtbaren Verfügung, so fehlt es am
Beschwerdegegenstand (Art. 44 VwVG). Es ist daher im folgenden zu
prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht angenommen hat, dass eine anfechtbare
Verfügung zur Frage der Kontingentserhöhung infolge Sanierung fehlt.

5.2. A. teilte dem Milchverband im vorstehend (Ziff. 4) beurteilten Gesuch
vom 25. Januar 1993 mit: «In der Absicht, den Betrieb rationell zu führen,
habe ich bereits die nötige Gebäudesanierung in Angriff genommen». Der
Milchverband nahm in seiner Verfügung vom 17. September 1993 mit keinem
Wort auf die Gebäudesanierung Bezug.

In seiner Stellungnahme vom 13. Juli 1994 hielt das Bundesamt für
Landwirtschaft (hiernach: Bundesamt) dafür, der Milchverband habe
offenbar übersehen, dass A. ihm am 25. Januar 1993 den Beginn einer
Gebäudesanierung mitgeteilt habe. Darauf beantragte der Beschwerdeführer
in seiner Eingabe vom 4. August 1994, der Milchverband sei durch die
Rekurskommission EVD anzuweisen, die Stallsanierung bei der Festsetzung
des Milchkontingentes zu berücksichtigen. In seiner Stellungnahme
vom 5. Oktober 1994 hielt der Milchverband diesbezüglich fest, dass es
ihm nicht möglich gewesen sei, auf den im Gesuch vom 25. Januar 1993
enthaltenen Hinweis betreffend die Gebäudesanierung einzutreten, da dieser
Erhöhungsgrund am 1. November 1992 dahingefallen sei.

5.2.1. Bis zur Änderung vom 21. Oktober 1992 (AS 1992 2049) der
Milchkontingentierung-Talverordnung 89, die auf den 1. November 1992
in Kraft trat, konnte der zuständige Milchverband das Einzelkontingent
für Produzenten, die eine Stallsanierung durchführen oder den Betrieb
in einer landwirtschaftlichen Siedlung aufnehmen, auf Gesuch hin
angemessen erhöhen. Bei der Beurteilung eines Gesuches waren die
Produktionsmöglichkeiten in der Region, die Bewirtschaftungsmöglichkeiten
des Betriebes sowie dessen Futtergrundlage zu berücksichtigen (Art. 11 Abs. 1
MKTV 89). Nach der Übergangsbestimmung (Art. 48 Abs. 2 MKTV 93) ist für

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_103_Ib_146&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_103_Ib_146&resolve=1

Sanierungen, die vor dem 30. April 1993 abgeschlossen wurden, und für
Zusicherungen von Kontingentserhöhungen wegen beabsichtigter Sanierung,
welche vor dem 1. November 1992 verfügt wurden, das vor dem 1. November
1992 geltende Recht anwendbar.

Nach den vorstehend zitierten Bestimmungen besteht also grundsätzlich
die Möglichkeit, nach einer Sanierung des Betriebs von A. eine
Kontingentserhöhung zu gewähren, vorausgesetzt, dass sie vor dem 30. April
1993 abgeschlossen und ein entsprechendes Gesuch an den Milchverband
eingereicht worden war.

5.2.2. Zu prüfen bleibt die Frage, ob der Hinweis auf die in Angriff
genommene Stallsanierung in der Eingabe vom 25. Januar 1993 als Gesuch um
Erhöhung des Milchkontingentes aufzufassen ist (Art. 11 Abs. 1 und Art. 30
MKTV 89).

Die fragliche Passage im Gesuchsschreiben ist nicht als Gesuch oder Antrag
formuliert. Seinem Sinne nach drückt der Hinweis jedoch die Erwartung
aus, dass die Sanierung eine Kontingentserhöhung zu Folge habe. An das
von einem Laien in rechtlichen Belangen formulierte Schreiben dürfen in
sprachlicher und formeller Hinsicht keine strengen Anforderungen gestellt
werden. Diesbezüglich kann die bundesgerichtliche Rechtsprechung über
die Formulierung der Rechtsbegehren bei Verwaltungsbeschwerden analog
auf Gesuche angewendet werden. Daraus ergibt sich, dass der aus Art. 4
der Bundesverfassung fliessende Grundsatz des überspitzten Formalismus
verletzt werde, wenn mangels gegenteiliger Bestimmungen ausdrückliche
Anträge verlangt werden, insbesondere von Laien; es genügt, wenn das
Rechtsbegehren aus der Begründung erkennbar ist (BGE 102 Ia 95, Rhinow
René A. / Krähenmann Beat, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Basel,
1990, S. 261). Daher hätte der Milchverband die Erwähnung der Stallsanierung
als Gesuch auffassen müssen.

Der Milchverband macht denn auch nicht geltend, er habe den Hinweis
angesichts seines Wortlauts nicht als Gesuch aufgefasst oder übersehen,
dass dem Sinne nach ein Gesuch gestellt sei. Vielmehr habe er aufgrund der
Verordnungsänderung vom 21. Oktober 1992 die Rechtsgrundlage als nicht
mehr gegeben erachtet, um eine Kontingentserhöhung zu gewähren.

5.2.3. Somit ist davon auszugehen, dass beim Milchverband als zuständiger
Behörde ein Gesuch gestellt ist (Art. 30 MKTV 89), das die Begründung von
Rechten zum Gegenstand hat, die sich auf öffentliches Recht des Bundes
stützen (Kontingentszuteilung nach der Milchkontingentierung-Talverordnung
89). Daher hat der Gesuchsteller Anspruch auf Erlass einer Verfügung (Art. 5
Abs. 1 VwVG) nach den massgeblichen Regeln des Verwaltungsverfahrens.
Eine ordnungsgemässe Verfügung umfasst in formeller Hinsicht folgendes
(Art. 35 VwVG): die Bezeichnung Verfügung, den Namen der Behörde, von der
sie ausgeht, den Namen des Adressaten, mit dem das Rechtsverhältnis geregelt
wird, eine kurzgefasste Begründung, die Anordnung in der Verfügungsformel
(Dispositiv), die Rechtsmittelbelehrung mit Angabe der Rechtsmittelinstanz
und der Rechtsmittelfrist, die Eröffnungsformel sowie Datum und Unterschrift.
Auf Begründung und Rechtsmittelbelehrung kann verzichtet werden, wenn
die Behörde den Begehren der Parteien voll entspricht und keine Partei
eine Begründung verlangt (Art. 35 Abs. 3 VwVG). Daraus folgt, dass eine
Verfügung im Sinne eines negativen Entscheides, die allenfalls mit Beschwerde

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_102_Ia_95&resolve=1

angefochten werden kann (Art. 44 VwVG), nicht durch Untätigbleiben der
Behörde oder durch Stillschweigen getroffen werden kann (vgl. Kölz/Häner,
a. a. O. Rz. 94).

Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass das am 25. Januar 1993 beim
Milchverband eingereichte Gesuch um Kontingentserhöhung wegen
abgeschlossener Sanierung nach wie vor als rechtshängig und unbehandelt
zu betrachten ist. Der Gesuchsteller hat Anspruch darauf, dass der
Milchverband förmlich über sein Gesuch entscheidet; gegebenenfalls
kann er zur Wahrnehmung seiner Interessen die Aufsichtsbehörde
mit Rechtsverweigerungsbeschwerde anrufen (Art. 70 VwVG). Der
Beschwerdeführer hätte im übrigen unabhängig von der eingereichten
Beschwerde die Möglichkeit gehabt, auf den Erlass einer Verfügung
hinzuwirken.

(...)

5.3. Da sich wie dargelegt erweist, dass es bezüglich der Frage der
Kontingentserhöhung infolge Sanierung an einer anfechtbaren Verfügung
fehlt (Art. 44 VwVG), ist die Rekurskommission Nr. 3 zu Recht nicht
auf das entsprechende Begehren des Beschwerdeführers eingetreten.
Dementsprechend ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen.

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten
ist, ab)

[14] Vgl. oben S. 756.
[15] Vgl. oben S. 758.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.102 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 20.

Dezember 1994 in Sachen A. gegen Milchverband Winterthur und Regionale

Rekurskommission Nr. 3; 94/8B-049

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
Année

Anno

Band 59
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 20. Dezember 1994 in Sachen A. gegen Milchverband Winterthur und Regionale Rekurskommission Nr. 3; 94/8B-049
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: