# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b95f6db9-ee5c-54af-84fc-6d03137c1424
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 12.11.2014 SK1 2014 18
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2014-18_2014-11-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 12. November 2014 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 14 18 [nicht mündlich eröffnet] 12. Januar 2015

(Mit Urteil 6B_161/2015 vom 08. Juli 2015 hat das Bundesgericht die gegen die-
ses Urteil erhobene Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten war.)

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Schnyder
Richter Brunner und Michael Dürst
Aktuar Hitz

In der strafrechtlichen Berufung

des X._____, Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. 
iur. Dominik Infanger, Werkstrasse 2, 7000 Chur, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Hintrrhein vom 21. Januar 2014, im Dispositiv mit-
geteilt am 24. Januar 2014, schriftlich begründet und mitgeteilt am 15. April 2014, 
in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstrasse 17, 
7001 Chur, Anklägerin und Berufungsbeklagte, gegen den Angeklagten und Beru-
fungskläger,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. X._____ ist am _____1946 in O.1_____ geboren. Er wuchs in O.1_____ bei 
seinen Eltern auf. Nach einer Lehre zum Polymechaniker und zum Dachdecker 
liess er sich zum Betriebswirtschafter ausbilden. Er übernahm nach dem Tod sei-
nes Vaters die Führung der "A._____AG" und übt diese Tätigkeit auch heute noch 
aus. X._____ ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Sein Einkommen beträgt 
zwischen monatlich Fr. 60'000.00 und Fr. 70'000.00. Er hat Hypotheken in der 
Höhe von ca. vier bis fünf Millionen Franken und verfügt über ein Nettovermögen 
von ca. sechs bis sieben Millionen Franken. 

Im schweizerischen Zentralstrafregister und im SVG-Massnahmenregister ist 
X._____ nicht verzeichnet. 

B. Am 12. September 2011 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden ge-
gen X._____ eine Strafuntersuchung wegen grober Verletzung von Verkehrsre-
geln. Diese wurde mit Parteimitteilung vom 16. September 2013 geschlossen. Mit 
Eingabe vom 26. September 2013 beantragte der Rechtsvertreter von X._____ 
eine Protokollergänzung respektive Protokollberichtigung. Des Weiteren seien der 
Fahrtenschreiber des vom Zeugen B._____ gesteuerten Lastwagens sicherzustel-
len und eine Expertise anzuordnen, ob das seinem Mandanten zur Last gelegte 
Überholmanöver rein physikalisch mit dem Fahrzeug von X._____ möglich sei. 
Schliesslich werde eine nochmalige Befragung von B._____ beantragt. Mit 
Schreiben vom 3. Oktober 2013 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden mit, 
dass sich eine Ergänzung des Protokolls vom 16. Juli 2013 erübrige, der Fahrten-
schreiber nicht sichergestellt werde, eine Expertise sich ebenfalls erübrige und die 
nochmalige Befragung des Lastwagenfahrers abgelehnt werde. Der Anklage liegt 
gemäss Anklageschrift vom 24. Oktober 2013 folgender Sachverhalt zu Grunde. 

1.1 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG so-
wie Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.

Auf der Südspur der A13 wird am Ende des C._____-Tunnels die dop-
pelte Sicherheitslinie nach rund 20 m durch eine einfache abgelöst. 
Danach beschreibt die Strasse eine langgezogene Rechtskurve. Die 
Höchstgeschwindigkeit ist mit 100 km/h signalisiert. Bei km 53.28 löst 
eine Leitlinie die Sicherheitslinie ab. Die Strasse beschreibt wenige 
Meter später eine langgezogene Linkskurve, bevor sie nach einem 
kurzen geraden Strassenabschnitt in eine unübersichtliche Rechtskur-
ve, an deren Beginn die Leitlinie bei km 53.02 durch eine doppelte Si-
cherheitslinie abgelöst wird, übergeht. Die Distanz zwischen dem Ende 
der Sicherheitslinie und dem Beginn der doppelten Sicherheitslinie be-
trägt ca. 260 m, die Sichtdistanz ab dem Ende der Sicherheitslinie bis 
in die unübersichtliche Rechtskurve max. 360 m. 

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Am 8. Juli 2011 fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen 
Mercedes-Benz E 63 AMG, _____, in Begleitung seiner Ehefrau als 
Beifahrerin auf der A13 von O.2_____ in Richtung O.3_____. Aus-
gangs des C._____-Tunnels fuhr der Beschuldigte hinter einem Sattel-
schlepper, der mit mindestens 60 km/h fuhr, her. Im mit der Leitlinie 
markierten Strassenabschnitt setzte der Beschuldigte um 14.55 Uhr 
zum Überholen des vor ihm fahrenden Sattelschleppers an und be-
schleunigte bis auf 110 km/h. Auf dem kurzen, geraden Strassenstück 
fuhr der Beschuldigte links des Sattelschleppers. Erst in der unüber-
sichtlichen Rechtskurve schloss er sein Überholmanöver ab und über-
fuhr dabei die doppelte Sicherheitslinie. Der Lenker des Sattelschlep-
pers bremste sein Fahrzeug ab, um dem Beschuldigten das Überholen 
zu erleichtern, das knappe Wiedereinbiegen vor ihm zu ermöglichen 
und einen Zusammenstoss mit dem Mercedes zu vermeiden. Ferner 
führte der Beschuldigte sein Überholmanöver aus, obwohl für ihn bei 
Beginn seines Überholmanövers wegen der folgenden unübersichtli-
chen Rechtskurve und der die Sicht nach vorne zusätzlich einschrän-
kenden Grösse des Sattelschleppers der notwendige Raum nicht ein-
sehbar war und er die Gewissheit, wieder rechtzeitig auf die Normal-
spur zurückfahren zu können, nicht hatte. Beim Entscheid, im fragli-
chen Strassenabschnitt zu überholen, zog der Beschuldigte zumindest 
aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Ver-
halten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation 
schaffen würde. 

Für den Gegenverkehr galt bis zum Ende der doppelten Sicherheitsli-
nie die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Wegen der damaligen 
Baustelle im C._____tunnel galt ab der Leitlinie die Höchstgeschwin-
digkeit 80 km/h. 

1.2 Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 90 Abs. 1 SVG. 

Der Beschuldigte schloss sein geschildertes Überholmanöver vor dem 
LKW ab, ohne den rechten Richtungsanzeiger betätigt zu haben. 

C. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Hinterrhein fand am 21. Ja-
nuar 2014 statt. Die Schlussanträge der Parteien lauteten wie folgt:

"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:

1. X._____ sei

- der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 
SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 
SVG sowie

- der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in 
Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG

schuldig zu sprechen. 

2. Dafür sei er zu verurteilen

- zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 520.00.
- Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer 

Probezeit von zwei Jahren.

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- zur Bezahlung einer Busse von CHF 4'500.00, ersatzweise zu einer 
Freiheitsstrafe von 9 Tagen. 

3. Kostenfolge sei die gesetzliche."

"Rechtsbegehren angeklagte Person:

1. Der Angeklagte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staats."

D. Gegen das am 21. Januar 2014 gefällte und am 24. Januar 2014 im Dispo-
sitiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein meldete X._____ am 24. Ja-
nuar 2014 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Hinterrhein den Parteien das 
begründete Urteil am 15. April 2014 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:

 "1. Die anlässlich der Hauptverhandlung gestellten Beweisanträge 2-7 
werden abgelehnt. 

2. X._____ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie der Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Abs. 1 SVG. 

3. Dafür wird X._____ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 
CHF 520.00 bestraft. 

Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 
Jahren aufgeschoben. 

4. Zudem wird X._____ mit einer Busse von CHF 4'500.00 bestraft.

Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 9 Tage. Sie tritt an die 
Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird. 

5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

Busse CHF 4'500.00

Kosten Staatsanwaltschaft CHF 4'501.20

Gerichtsgebühren CHF 5'000.00

Total CHF 14'001.20

gehen zulasten von X._____.

In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 
30 Tagen auf das Konto CK 038.267.100; IBAN CH16 0077 4110 0382 
6710 0, des Bezirksgerichts Hinterrhein bei der Graubündner Kanto-
nalbank zu bezahlen. 

6.  (Rechtsmittelbelehrung).

7. (Mitteilung)."

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E. Mit Berufungserklärung vom 6. Mai 2014 stellte X._____ folgende Rechts-
begehren:

 "1. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein vom 21. Januar 2014 in der 
Strafsache des X._____, von O.1_____, geboren am 17. Februar 2014 
in O.1_____, betreffend Verletzung von Verkehrsregeln sei vollum-
fänglich aufzuheben. 

2. Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staats.

Beweisanträge

1. Es werden sämtliche von der Vorinstanz abgenommenen Beweise offe-
riert.

2. Es werden zudem folgende Beweisanträge gestellt:

a) Frau D._____, Verfasserin des verkehrstechnischen Gutachtens 
DUA-11-1292 des DTC, sei als Sachverständige zu befragen.

b) Herr Pol E._____ sei als Zeuge zu befragen. 

c) Frau F._____ sei als Zeugin zu befragen.

d) Es sei der Fahrtenschreiber des vom Zeugen B._____ gelenkten 
Fahrzeuges mit dem Kennzeichen _____ (möglicherweise der Fir-
ma G._____) sicherzustellen und zu den Akten zu nehmen. 

e) Es sei ein gerichtlicher Augenschein durchzuführen. 

f) Es sei die Signalisation, insbesondere die Bodenmarkierung, zwi-
schen C._____tunnel und O.4_____ zum Tatzeitpunkt festzustellen, 
indem beim Astra, Kantonspolizei Graubünden und Tiefbauamt 
Graubünden die hierfür erforderlichen Unterlagen eingeholt werden; 
zudem seien die beigeschlossenen Aufnahmen zu den Akten zu 
nehmen. 

g) Herr B._____ sei im Konfront als Zeuge zu befragen." 

F. Die Staatsanwaltschaft Graubünden führt in ihrer Stellungnahme gemäss 
Art. 400 Abs. 3 StPO vom 14. Mai 2014 aus, dass sich eine Befragung von 
D._____ als Sachverständige ebenso erübrige wie die Befragungen des Polizisten 
E._____ und F._____. Aus dem Fahrtenschreiber könne das Ende des Überhol-
manövers nicht herausgelesen werden, womit diesem keine Entscheidrelevanz 
zukomme. Ein weiterer Augenschein erscheine aus Sicht der Staatsanwaltschaft 
nicht erforderlich. Die verfügbaren Pläne betreffend Signalisation und Bodenmar-
kierung seien bereits beigezogen worden. Schliesslich könne auch auf eine noch-
malige Befragung von B._____ verzichtet werden. 

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G. Mit Verfügung des Vorsitzenden der 2. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden vom 9. September 2014, SK2 14 23, wurde das Beschwerdever-
fahren SK2 14 23 am Geschäftsverzeichnis abgeschrieben und die Sache zur Be-
handlung im Rahmen des pendenten Berufungsverfahrens SK1 14 18 an die I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts überwiesen. X._____ reichte am 28. Januar 
2014 gestützt auf Art. 79 Abs. 2 StPO beim Bezirksgerichtspräsidium Hinterrhein 
ein Gesuch um eine Protokollergänzung ein. Er beantragte, das Protokoll der 
Hauptverhandlung sei mit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft in ihrer 
mündlichen Replik zu ergänzen, wonach die Polizisten vom Standort C aus mögli-
cherweise nicht hätten sehen können, ob der Angeklagte die doppelte Sicherheits-
linie überfahren habe, sie jedoch anhand der gemachten Wahrnehmungen und 
aufgrund ihrer Erfahrung und Ortskenntnis darauf hätten schliessen können. Das 
Bezirksgerichtspräsidium Hinterrhein wies mit Entscheid vom 15. April 2014 das 
Gesuch um Protokollberichtigung ab. Gegen diesen Entscheid erhob X._____ am 
28. April 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht und verlangte, die Vorinstanz sei 
anzuweisen, die verlangte Protokollergänzung vorzunehmen eventuell sei die Be-
richtigung durch das Kantonsgericht selbst vorzunehmen. 

H. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2014 stellte die Staatsanwaltschaft dem Vorsit-
zenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden einen Bericht 
der Kantonspolizei Graubünden vom 29. September 2014 zu. Aus diesem ergebe 
sich unterem anderem, inwiefern selbst bei Vorhandensein des Einlageblattes ei-
ne genaue Lokalisation des Überholmanövers nicht möglich sei. 

I. Der Rechtsvertreter von X._____ führte in seinem Schreiben vom 9. Okto-
ber 2014 auf die Eingabe vom 1. Oktober 2014 aus, dass aufgrund der Aussage 
der Kantonspolizei Graubünden in ihrer Stellungnahme vom 29. September 2014 
auch mit der im Bericht erwähnten Ungenauigkeit festgestellt werden könne, ob 
das Bremsmanöver nun beim O.4_____ oder beim O.5_____ stattgefunden habe. 
Daher hätten sie von Anfang an die Herausgabe der Fahrtschreiberdaten des 
Lastwagens, der vom Zeugen B._____ gefahren worden sei, verlangt. 

J. Am 12. November 2014 fand die mündliche Berufungsverhandlung vor dem 
Kantonsgericht von Graubünden statt. Anwesend waren X._____ in Begleitung 
seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. Dominik Infanger, der stellver-
tretende Erste Staatsanwalt lic. iur. Claudio Riedi, F._____, sowie die Kantonspo-
lizisten E._____ und H._____. Der Vorsitzende eröffnete die Hauptverhandlung 
um 10:00 Uhr im Rathaus in O.6_____. Einwände gegen die Zuständigkeit und die 
Zusammensetzung des Gerichts wurden nicht erhoben, woraufhin der Vorsitzende 

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das Gericht für legitimiert erklärte. Nach Behandlung der Vorfragen fanden die 
Zeugeninstruktionen von F._____, E._____ und H._____ statt. Um 10:30 Uhr wur-
de ein Augenschein vor Ort auf der A13 zwischen dem C._____tunnel und dem 
O.4_____ durchgeführt. Um ca. 11:20 Uhr wurden die Zeugen F._____, E._____ 
und H._____ im Rathaus O.6_____ befragt. Um 15:00 Uhr wurde die Hauptver-
handlung in O.1_____ fortgesetzt und X._____ als beschuldigte Person vom Vor-
sitzenden einvernommen. Im Anschluss daran wurde über die vom Rechtsvertre-
ter von X._____ gestellten Beweisanträge befunden. Nach kurzem Unterbruch der 
Hauptverhandlung und Beratung wurden die von Dr. Dominik Infanger gestellten 
Beweisanträge, soweit diesen nicht bereits stattgegeben wurde, von der I. Straf-
kammer abgewiesen. In der Folge nahmen der Verteidiger und der stellvertreten-
de Erste Staatsanwalt in ihren Plädoyers zu der Berufung Stellung. Dabei hielt der 
Verteidiger an den Anträgen gemäss Berufungserklärung fest, während der stell-
vertretende Erste Staatsanwalt die kostenfällige Abweisung der Berufung bean-
tragte. Nach den zweiten Parteivorträgen wurde X._____ das letzte Wort erteilt. Im 
Anschluss daran wurde die mündliche Berufungsverhandlung geschlossen. Die 
Parteien verzichteten auf eine mündliche Urteilsverkündung, weshalb das Urteils-
dispositiv gemäss Art. 84 Abs. 2 StPO innert fünf Tagen zugesendet wurde. 

K. Auf die Ergebnisse der persönlichen Befragungen des Berufungsklägers 
und der Zeugen durch den Vorsitzenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden, auf die weitere Begründung der Anträge anlässlich der mündli-
chen Berufungsverhandlung sowie auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil 
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. a) Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit de-
nen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (vgl. Art. 398 
Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Die Berufung 
bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und Zivilfragen materiell 
befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie auf Urteile, die auf 
Verurteilung oder Freispruch lauten und den Fall vor der ersten Instanz damit ab-
schliessen (vgl. Luzius Eugster, in: Marcel Alexander Niggli/Marianne Heer/Hans 
Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, Art. 1 – 195 StPO und Art. 196 – 457 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N. 2 zu Art. 
398 StPO [zit. Basler Kommentar zur StPO]). Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die 
Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Ur-

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teils schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden, worauf das erstinstanzli-
che Gericht die Anmeldung nach Ausfertigung des begründeten Urteils zusammen 
mit den Akten dem Kantonsgericht als Berufungsinstanz übermittelt (vgl. Art. 399 
Abs. 2 StPO; Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung [EGzStPO; BR 350.100]). Nach Art. 399 Abs. 3 StPO reicht die Partei, die 
Berufung angemeldet hat, dem Kantonsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung 
des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie anzu-
geben hat, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche 
Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Be-
weisanträge sie stellt (lit.c ). 

b) Gegen das am 24. Januar 2014 im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirks-
gerichts Hinterrhein meldete der Berufungskläger gleichentags die Berufung an 
(vgl. act. A.1). Nach Mitteilung des begründeten Urteils am 15. April 2014 reichte 
der Berufungskläger alsdann fristgerecht am 6. Mai 2014 seine Berufungser-
klärung ein (vgl. act. A.2). Da auch alle anderen Zulässigkeitsvoraussetzungen 
gegeben sind, ist auf die Berufung einzutreten. 

2. Als Berufungsinstanz kann das Kantonsgericht von Graubünden das erstin-
stanzliche Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (vgl. Art. 
398 Abs. 2 StPO). Die Berufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit wel-
chem erstinstanzliche Urteile in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hin-
sicht mit freier Kognition überprüft werden können (vgl. Niklaus Schmid, Schweize-
rische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N. 
1 zu Art. 398 StPO [zit. Praxiskommentar]; Markus Hug/Alexandra Scheidegger, 
in: Andreas Donatsch/Thomas Hansjakob/Viktor Lieber [Hrsg.], Kommentar zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 2. Aufl., Zürich 2014, N. 14 zu Art. 
398 StPO [zit. Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO]). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punk-
ten (vgl. Art. 404 Abs. 1 StPO). Die nicht angefochtenen Punkte sind rechtskräftig 
geworden und stehen damit nicht länger zur Diskussion (vgl. Luzius Eugster, in: 
Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 3 zu Art. 404 StPO). Tritt das Berufungs-
gericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzli-
che ersetzt (vgl. Art. 408 StPO). Weist das erstinstanzliche Verfahren aber Mängel 
auf, die im Berufungsverfahren nicht geheilt werden können, so hebt das Beru-
fungsgericht das angefochtene Urteil auf und weist die Sache zur Durchführung 
einer neuen Hauptverhandlung und zur Fällung eines neuen Urteils an das erstin-
stanzliche Gericht zurück (vgl. Art. 409 Abs. 1 StPO). Im vorliegenden Fall kann 

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indessen das Berufungsgericht – wie sich aus den nachstehenden Erwägungen 
ergibt – selber ein Urteil fällen. 

3. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) verlangt, dass die Behörde die 
Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch-
lich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. BGE 136 I 229 E. 
5.1 S. 236; BGE 124 I 49 E. 3a; BGE 124 I 241 E. 2, je mit Hinweisen). Daraus 
folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es 
nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan-
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie 
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung 
muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Ent-
scheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere 
Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überle-
gungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die 
sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.1; BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit 
Hinweisen). Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht gemäss Art. 82 Abs. 4 
StPO für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten Sachver-
halts auf die Begründung der Vorinstanz verweisen. 

4. a) Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach sei-
ner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis 
zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Be-
stehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person  
günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus 
der derart statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldig-
ten Person ist, ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden ver-
pflichtet sind, den Nachweis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 6 zu Art. 10). An die-
sen Nachweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine 
blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach 
der aus Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Men-
schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) und Art. 10 Abs. 3 StPO 
fliessenden Beweiswürdigungsregel "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter 
jedoch nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhal-
tes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächli-
chen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 

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IV 86 E. 2.a). Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht mass-
gebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt 
werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende 
Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Rechtslage 
aufdrängen (vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2.c). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bin-
dung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit 
Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung 
der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des An-
geklagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die ver-
nünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 
1987 Nr. 12; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, Eine Einführung auf der Grundla-
ge des Strafprozessrechts des Kantons Zürich und des Bundes, 4. Aufl., Zürich 
2004, N. 294 f.). Diese allgemeine Rechtsregel kommt nicht schon dann zur An-
wendung, wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher 
sich aus den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der 
Anklage oder jene des Angeklagten den Richter zu überzeugen vermag. Erst 
wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung 
zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz "in dubio pro reo" der für den An-
geklagten günstigere Sachverhalt angenommen werden. In diesem Fall hat ein 
Freispruch zu erfolgen. 

b) Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung (vgl. Niklaus Schmid, Praxiskommen-
tar, a.a.O., N. 5 zu Art. 10). Vielmehr schliesst der strafprozessuale Grundsatz der 
Ermittlung der materiellen Wahrheit eine Bindung an die Anträge und Vorlagen der 
Parteien aus (vgl. ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aussagen von Zeugen, 
Auskunftspersonen und Angeklagten vollgültige Beweismittel mit derselben Be-
weiseignung. Auch wenn der Angeklagte am Verfahren direkt beteiligt ist, stellt 
seine Aussage gleichwohl ein Beweismittel dar und sind seine Aussagen richter-
lich auf ihre materielle Richtigkeit hin zu würdigen. Bei der Beweiswürdigung ist 
nicht die Form, sondern der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der 
Bekundung sowie die Überzeugungskraft der Beweismittel im Einzelfall entschei-
dend (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizerisches Straf-
prozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54, N. 5), wobei nicht in erster Linie die 
Glaubwürdigkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner 
konkreten Aussage im Vordergrund steht. Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer 
Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Dar-
stellung des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des 

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Erlebten zu werten (vgl. im Detail: Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, Psy-
chologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., 
München 1993). Die Schilderung des Vorfalls in so charakteristischer Weise, wie 
sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein 
weiteres Kennzeichen für die Richtigkeit der Deposition. Die Konstanz in der Aus-
sage bei verschiedenen Befragungen sowie die unvorteilhafte Darstellung der ei-
genen Rolle sprechen ebenfalls für die Korrektheit einer Aussage. Bei wahrheits-
widrigen Depositionen fehlen diese Kennzeichen regelmässig. Als Indizien für be-
wusst oder unbewusst falsche Bekundungen gelten Unstimmigkeiten oder grobe 
Widersprüche in den eigenen Aussagen, Zurücknahme, erhebliche Ab-
schwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe mehrerer Einvernahmen, un-
klare, verschwommene oder ausweichende Antworten und gleichförmige, eingeübt 
wirkende Aussagen. Mehrere Indizien, die, einzeln betrachtet, immer nur mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen, können 
zusammen vollen Beweis und volle Überzeugung bringen und jeden vernünftigen 
Zweifel ausschliessen. In diesem Fall sind sie nicht einzeln, sondern in ihrer Ge-
samtheit zu würdigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1P.87/2002 vom 17. Juni 
2002 E. 3.4).

c) Lehre und Rechtsprechung anerkennen, dass die Strafverfolgungsbehör-
den nicht alle möglichen Beweise zusammenzutragen haben. Vielmehr kann auf 
die Erhebung weiterer Beweise dann verzichtet werden, wenn die für die Beurtei-
lung der Sache erforderlichen Tatsachen bereits aufgrund der vorhandenen Be-
weismittel feststehen und nicht zu erwarten ist, dass neue Beweismittel das Er-
gebnis der freien Würdigung der vorhandenen Beweismittel zu erschüttern vermö-
gen (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3; BGE 129 I 151 E. 5; BGE 125 I 127 E. 6c/aa; 
Thomas Hofer, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 67 ff. zu Art. 10). Das 
Gericht hat nur solchen Beweisanträgen zu folgen, die nach seiner Würdigung 
rechts- und entscheiderheblich sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_655/2012 
vom 15. Februar 2013 E. 2.2). 

d) Anzumerken bleibt, dass der "Aussage der ersten Stunde" der Parteien und 
allfälliger Zeugen vor der Polizei besondere Aufmerksamkeit gebührt, erfolgt sie 
doch zeitnah zum Geschehen und ist sie weniger mit Erinnerungslücken und allfäl-
ligen Absprachen behaftet als eine Aussage, welche Wochen oder Monate später 
erfolgt (vgl. dazu auch PKG 1991 Nr. 39 sowie im Bereich des Sozialversiche-
rungsrechts: BGE 121 V 47, wonach die spontanen "Aussagen der ersten Stunde" 
in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als die späteren Darstellungen). 

Seite  12 — 46

e) Einem Polizeirapport kommt ebenfalls ein gewisser Beweiswert zu. So kann 
der Inhalt eines Rapports bei der Beweiswürdigung berücksichtigt werden, soweit 
er mit den Angaben des Angeklagten und den Akten übereinstimmt und Ermitt-
lungsergebnisse festhält, welche auf eigenen Feststellungen beruhen und allen-
falls verifizierbar sind. Gleiches gilt, wenn weitere Abklärungen getroffen wurden, 
dank denen das Gericht die Glaubhaftigkeit der Angaben überprüfen kann (vgl. 
PKG 2002 Nr. 11 mit Hinweisen auf BGE 98 Ia 253 und ZR 86 Nr. 87 E. 1). So 
sind beispielsweise verzeigende Polizisten als Zeugen zu hören, wenn ihre Beob-
achtungen umstritten sind (vgl. Willy Padrutt, Kommentar zur StPO des Kantons 
Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, S. 211, Ziff. 1.3.). Fehlen diese Voraussetzun-
gen, darf nicht allein auf die in einem Polizeirapport enthaltenen Aussagen abge-
stellt werden (vgl. Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden vom 4. März 2002 
SF 02 1, S. 16 mit Hinweisen; PKG 2004 Nr. 14). Ein Polizeirapport muss demzu-
folge bei der Beweiswürdigung ausser Acht gelassen werden, wenn die darin ent-
haltenen Angaben von denjenigen des Angeklagten abweichen und nicht durch 
weitere Beweismittel gestützt werden. Hinzu kommt, dass dem Beschuldigten 
nach der Rechtsprechung grundsätzlich eine angemessene und hinreichende Ge-
legenheit einzuräumen ist, eine belastende Aussage in Zweifel zu ziehen und den 
entsprechenden Zeugen zu befragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1P.650/2000 
vom 26. Januar 2001 = Pra 6/2001, Nr. 93, S. 547; BGE 125 I 127 E. 6a; BGE 124 
I 274 E. 5b). Dieser Anspruch gehört zu den Grundzügen des fair trail und den 
Garantien eines rechtsstaatlichen Verfahrens nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 4 
aBV (vgl. BGE 125 I 135 E. 6).

5. Der Berufungskläger stellt in seiner Berufungserklärung vom 6. Mai 2014 
zahlreiche Beweisanträge (vgl. act. A.2), an welchen er, mit Ausnahme des Antra-
ges, es sei die Signalisation, insbesondere die Bodenmarkierung, zwischen 
C._____tunnel und O.4_____ zum Tatzeitpunkt festzustellen, auch anlässlich der 
Hauptverhandlung vom 12. November 2014 festhielt. Diese Beweisanträge gilt es 
vorab zu behandeln.

a) Die Anträge um Einvernahme von E._____ und F._____ als Zeuge respek-
tive Zeugin wurden vom Vorsitzenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
ebenso gutgeheissen wie der Antrag, es sei ein gerichtlicher Augenschein vor Ort 
durchzuführen (vgl. act. D.4, D.5 und D.7). Zusätzlich wurde auch H._____ als 
Zeuge vorgeladen (vgl. act. D.6).

Seite  13 — 46

b) Der Berufungskläger beantragt, dass B._____ im Konfront als Zeuge zu 
befragen sei. Aus dem Einvernahmeprotokoll von B._____ vom 10. Dezember 
2012 gehe hervor, dass nicht alle vom Berufungskläger und vom Staatsanwalt 
gestellten Fragen beantwortet worden seien. 

B._____ wurde am 8. Juli 2011 in O.7_____ und am 10. Dezember 2012 rechtshil-
feweise in Italien einvernommen (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.4 und 
3.18). Es ist wegen der mittlerweile verstrichenen Zeit nicht ersichtlich, inwiefern 
eine erneute Befragung von B._____ neue Erkenntnisse zu Tage fördern würde. 
Des Weiteren ist der Sachverhalt – wie zu zeigen sein wird – bereits aus den vor-
liegende Akten hinreichend erstellt. Der Beweisantrag um Einvernahme von 
B._____ ist somit abzuweisen. 

c) Weiter wird beantragt, dass der Fahrtenschreiber des von B._____ gelenk-
ten Lastwagens sicherzustellen und zu den Akten zu nehmen sei. Die Sicherstel-
lung des Fahrtenschreibers des überholten Lastwagens dürfte heute kaum mehr 
realisierbar sein. Doch selbst wenn die Aufzeichnungen des Fahrtenschreibers 
beigebracht werden könnten, würden daraus keine verwertbaren Daten über den 
Ablauf des Überholmanövers hervorgehen. Der Schluss des Berufungsklägers, 
gäbe es zur Tatzeit kein abruptes Bremsmanöver, dann habe der Berufungskläger 
B._____ auch nicht wie ihm vorgeworfen beim O.4_____ überholt, überzeugt 
nicht. Ein allfälliges starkes Abbremsen des Lastwagens kann wohl kaum anhand 
des Fahrtenschreibers einem genauen Ort, vorliegend dem O.4_____, zugeordnet 
werden. Eine Eingrenzung wäre gemäss der Kantonspolizei Graubünden besten-
falls auf mehrere hundert Meter möglich (vgl. dazu auch die Stellungnahme der 
Kantonspolizei Graubünden vom 29. September 2014, act. A.5.1). Eine genaue 
Lokalisation des Überholmanövers ist anhand des Fahrtenschreibers nicht mög-
lich. Dem Fahrtenschreiber kommt daher keine Entscheidrelevanz zu, weshalb 
auch dieser Beweisantrag abzuweisen ist. 

d) Schliesslich wird die Befragung von D._____ als Sachverständige im Zu-
sammenhang mit den von ihr erstellten verkehrstechnischen Privatgutachten be-
antragt. Die vom Berufungskläger eingereichten verkehrstechnischen Gutachten 
vom 23. September 2011 und 14. November 2013 (vgl. Akten der Staatsanwalt-
schaft, act. 3.24 und act. E.2/3.1) sind als Privatgutachten zu qualifizieren. Privat-
gutachten haben nicht den gleichen Stellenwert wie Gutachten, die von der Unter-
suchungsbehörde oder vom Gericht eingeholt wurden. Nach der konstanten Pra-
xis des Bundesgerichts bilden Privatgutachten blossen Bestandteil der Parteivor-
bringen. Die Qualität von Beweismitteln kommt ihnen nicht zu. Ein Privatgutachten 

Seite  14 — 46

ist (nur) geeignet, die Erstellung eines (zusätzlichen) Gutachtens zu rechtfertigen 
oder darzulegen, dass das gerichtliche oder amtliche Gutachten mangelhaft oder 
nicht schlüssig ist (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 27. Januar 2014, 
6B_215/2013 E. 1.2). Das vom Berufungskläger eingereichte verkehrstechnische 
Gutachten vom 23. September 2011 (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.24) 
und die Ergänzung zum verkehrstechnischen Gutachten vom 14. November 2013 
(vgl. act. E.2/3.1) werden bei Bedarf von der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden im Rahmen der Beweiswürdigung für die Feststellung des 
rechtserheblichen Sachverhaltes beigezogen. Es stellen sich indessen für das Ge-
richt keine weiteren Fragen, die die Einvernahme von D._____ notwendig erschei-
nen lassen; dies unabhängig davon, ob sie vorliegend als Privatgutachterin über-
haupt einvernommen werden kann. Damit ist auch dieser Beweisantrag abzuwei-
sen. Abgesehen davon stützt sich das Ergänzungsgutachten vom 14. November 
2013 auf den Sachverhalt gemäss Polizeirapport vom 29. August 2011 (vgl. Akten 
der Staatsanwaltschaft, act. 3.1), wonach der Berufungskläger das Überholmanö-
ver 40 m vor der doppelten Sicherheitslinie begonnen haben soll (vgl. act. E.2/3.1, 
Ziff. 1.2). Wie die Staatsanwaltschaft Graubünden in ihrem Plädoyer vom 12. No-
vember 2014 (vgl. act. D.25) aber zu Recht festhielt, wurde dem Berufungskläger 
zu keinem Zeitpunkt vorgeworfen, das Überholmanöver 40 m vor der doppelten 
Sicherheitslinie begonnen zu haben. Damit geht das Ergänzungsgutachten vom 
14. November 2013 bezüglich des Beginns des Überholmanövers von einem fal-
schen Sachverhalt aus. 

6. Der Berufungskläger macht eine Verletzung des Anklagegrundsatzes gel-
tend. Zwischen Anklageschrift und Polizeirapport würde ein unauflösbarer Wider-
spruch bestehen. Gemäss Anklageschrift soll der Berufungskläger um 14:55 Uhr 
beim O.4_____ und gemäss Polizeirapport beim O.5_____ das Überholmanöver 
abgeschlossen haben. Sodann sei der Anklagegrundsatz deshalb verletzt, weil 
bezüglich des Tatbestandes nach Art. 35 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes 
(SVG; SR 741.01) die erforderlichen Angaben in der Anklageschrift fehlen würden. 
Mit Ausnahme der Geschwindigkeiten sowohl des überholten als auch des über-
holenden Fahrzeugs würden sämtliche relevante Angaben in der Anklageschrift 
fehlen, das heisse neben den Fahrzeugabständen vor und nach dem Überhol-
manöver auch Angaben zur Sichtdistanz und zum Überholweg. Dem Berufungs-
kläger sei während des gesamten Ermittlungsverfahrens nie der Vorhalt gemacht 
worden, er habe mit zu wenig Raum überholt. X._____ sei damit im Ermittlungs-
verfahren nie konfrontiert worden. Dadurch sei der Anklagegrundsatz ebenfalls 
verletzt worden, weil die erforderlichen Sachverhaltselemente in der Anklageschrift 

Seite  15 — 46

nicht enthalten seien. Somit sei X._____ aus der Missachtung des Anklagegrund-
satzes wegen der Verletzung von Art. 35 Abs. 2 SVG freizusprechen. 

a) Nach dem Anklagegrundsatz gemäss Art. 9 StPO kann eine Straftat nur 
gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte 
Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Ge-
richt Anklage erhoben hat. Das Bundesgericht hat bereits vor Inkrafttreten der 
Schweizerischen Strafprozessordnung in langjähriger Rechtsprechung aus Art. 29 
Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK 
Inhalt und Tragweite des Anklagegrundsatzes abgeleitet. Diese Grundsätze behal-
ten auch unter Art. 9 StPO Gültigkeit. Demnach bestimmt die Anklageschrift den 
Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die 
der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzi-
se zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genü-
gend konkretisiert sind. Es muss aus ihr erkennbar sein, inwiefern die inkriminierte 
Handlung den objektiven und subjektiven Tatbestand des angerufenen Straftatbe-
standes erfüllt. Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachver-
halt gebunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklage-
behörde (vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO). Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den 
Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person und dient dem An-
spruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f. mit 
Hinweisen). Das Akkusationsprinzip hat somit eine Bindung des Gerichts an den 
Inhalt der Anklage und an die angeklagte Person zur Folge. Die beschuldigte Per-
son darf an der Hauptverhandlung nicht mit neuen Anschuldigungen überrascht 
werden (vgl. Franz Riklin, Kommentar StPO, 2. Aufl., Zürich 2014, N. 6 zu Art. 9).

b) Es trifft vorliegend zu, dass auf dem Polizeirapport bezüglich des Tatorts 
O.2_____, Autostrasse A 13, O.5_____, Fahrtrichtung Süden vermerkt ist. Bezüg-
lich der Tatzeit ist dem Rapport Freitag, 8. Juli 2011, 14:55 Uhr zu entnehmen 
(vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.1, S. 1). Dem Sachverhalt auf Seite 2 
des Rapports lässt sich aber klar entnehmen, dass das Überholmanöver am 8. Juli 
2011 um 14:55 Uhr in Richtung Süden nach dem C._____tunnel beobachtet wer-
den konnte. Unmittelbar eingangs des O.4_____ sei ein schwarzer Mercedes mit 
dem Kontrollschild _____ hinter einem Sattelmotorfahrzeug hergefahren. In der 
Anklageschrift vom 24. Oktober 2013 (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 1.17) 
wird ausgeführt, dass der Berufungskläger im mit der Leitlinie markierten Stras-
senabschnitt nach dem C._____tunnel um 14:55 Uhr zum Überholen des vor ihm 
fahrenden Sattelschleppers angesetzt habe. Es kann somit keinesfalls von einem 
unauflösbaren Widerspruch zwischen der Anklageschrift und dem Polizeirapport 

Seite  16 — 46

gesprochen werden. Es ist für alle Beteiligten klar, dass das X._____ vorgeworfe-
ne Überholmanöver nicht beim O.5_____, sondern zwischen dem C._____tunnel 
und dem O.4_____ stattgefunden hat (vgl. dazu auch E. 9. a) des angefochtenen 
Urteils und Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch anlässlich des Augenscheins mit der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 12. November 2014 wur-
de anerkannt, dass das Überholmanöver an dem in der Anklageschrift festgehal-
tenen Ort stattgefunden hat. Bei der Bezeichnung "O.5_____" auf Seite 1 des Po-
lizeirapportes handelt es sich um ein offensichtliches Versehen des rapportieren-
den E._____. Dieser Umstand vermag keine Verletzung des Anklagegrundsatzes 
zu begründen. Massgeblich ist ohnehin die Anklageschrift und nicht der Polizei-
rapport. Es ist zweifelsfrei erstellt, dass X._____ am 8. Juli 2011 um 14.55 Uhr 
den vor ihm fahrenden Lastwagen nach dem C._____tunnel überholt hat. 

Im Zusammenhang mit dem Einwand des Berufungsklägers, der Anklagegrund-
satz sei auch deshalb verletzt, weil bezüglich Art. 35 Abs. 2 SVG die erforderli-
chen Angaben in der Anklageschrift fehlen würden, ist festzuhalten, dass dieser 
Einwand erstmals im Berufungsverfahren vorgebracht wird. Der Berufungskläger 
ging bis jetzt offensichtlich selber davon aus, dass die Anklageschrift den gesetzli-
chen Vorgaben entspricht. Gemäss Art. 35 Abs. 2 Satz 1 SVG ist Überholen und 
Vorbeifahren an Hindernissen nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich 
und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert wird. Die Staatsanwaltschaft 
führte in ihrer Anklageschrift aus (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 1.17), 
dass der Beschuldigte sein Überholmanöver ausgeführt habe, obwohl für ihn bei 
Beginn seines Überholmanövers wegen der folgenden unübersichtlichen Rechts-
kurve und der die Sicht nach vorne zusätzlich einschränkenden Grösse des Sat-
telschleppers der notwendige Raum nicht einsehbar gewesen sei und er die Ge-
wissheit, wieder rechtzeitig auf die Normalspur zurückfahren zu können, nicht hat-
te. Beim Entscheid, im fraglichen Strassenabschnitt zu überholen, habe der Be-
schuldigte zumindest aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht gezogen, dass 
er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituati-
on schaffen würde. Damit ist der X._____ zur Last gelegte Verstoss gegen Art. 35 
Abs. 2 SVG in objektiver und subjektiver Hinsicht präzise umschrieben. Es war für 
X._____ erkennbar, weshalb er gegen Art. 35 Abs. 2 SVG verstossen haben soll. 
Dass für die Berechnung des Überholmanövers die Angaben über die Abstände 
der Fahrzeuge vor und nach dem Überholen nicht in der Anklageschrift aufgeführt 
werden, vermag keine Verletzung des Anklagegrundsatzes im Zusammenhang mit 
Art. 35 Abs. 2 SVG zu begründen. Die für die Berechnung des Überholweges not-
wendigen Distanzen brauchen nicht in der Anklageschrift selber enthalten zu sein. 

Seite  17 — 46

Die Angaben finden sich bei den rechtlichen Erwägungen im Plädoyer der Staats-
anwaltschaft vom 4. Oktober 2013 (vgl. act. E.2/2.3) und begründen ja ebengera-
de die Verletzung von Art. 35 Abs. 2 SVG. Abgesehen davon ist die I. Strafkam-
mer des Kantonsgerichts, wie oben ausgeführt, nicht an die rechtlichen Erwägun-
gen der Staatsanwaltschaft gebunden, sondern sie überprüft mit freier Kognition, 
ob die Voraussetzungen für eine Verurteilung gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG gege-
ben sind. In Bezug auf das vom Berufungskläger zitierte Urteil der I. Strafkammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden vom 11. Juni 2014, SK1 14 8, kann festge-
halten werden, dass im damaligen Fall das Bezirksgericht Albula, und nicht die 
Staatsanwaltschaft, von der Annahme ausging, dass der Abstand des Fahrzeuges 
des Angeklagten zum zu überholenden Fahrzeug unmittelbar vor Beginn des 
Überholmanövers und unmittelbar nach dem Wiedereinbiegen auf die Normalspur 
mindestens 22.5 Meter betragen haben müsse, ansonsten der Angeklagte gegen 
Art. 34 Abs. 4 SVG verstossen hätte. Art. 34 Abs. 4 SVG bildete seinerzeit aber 
nie Gegenstand der Anklage. Die Annahme der Vorinstanz war deshalb unhaltbar 
und konnte auch nicht weiter belegt werden. Im vorliegenden Fall kann dem Plä-
doyer der Staatsanwaltschaft vom 4. Oktober 2013 (vgl. act. E.2/2.3) ein Abstand 
beim Aus- und Wiedereinbiegen von je 30 m entnommen werden. Da das Gericht 
an die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft nicht gebunden ist, obliegt es 
nun im Rahmen der Beweiswürdigung an der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden, festzustellen, ob vorliegend vor und nach dem Überholmanöver 
von einem Abstand von je 30 m gemäss der Staatsanwaltschaft, oder von den 
Angaben gemäss den Ausführungen des Berufungsklägers auszugehen ist. Da 
somit keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vorliegt, kommt unter diesem Ge-
sichtspunkt ein Freispruch wegen Verletzung von Art. 35 Abs. 2 SVG von vorn-
herein nicht in Betracht. 

7. Der Berufungskläger wurde von der Vorinstanz wegen grober Verletzung 
von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und 
Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie wegen Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG 
schuldig gesprochen und dafür mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 
Fr. 520.00, bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse in der 
Höhe von Fr. 4'500.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung derselben mit einer Er-
satzfreiheitsstrafe von 9 Tagen, bestraft. Mit der vorliegenden Berufung beantragt 
X._____ die vollumfängliche Aufhebung des angefochtenen Urteils und damit ein-
hergehend einen vollständigen Freispruch vom Vorwurf der ihm zur Last gelegten 
Strassenverkehrsdelikte. 

Seite  18 — 46

8. a) Die Vorinstanz führte im Rahmen ihrer Beweiswürdigung aus, dass die Ein-
vernahmen von B._____ vom 8. Juli 2011 in O.7_____ und vom 10. Dezember 
2012 in Italien nicht zu beanstanden seien und bei der Beurteilung des vorliegen-
den Falles berücksichtigt werden könnten. Die fehlende Unterschrift von B._____ 
auf der letzten Seite des Befragungsprotokolls sei zwar ein klarer Mangel, der 
aber aufgrund der gesamten Umstände nicht dazu führen könne, dass das ganze 
Protokoll nicht gültig sei. Die ersten beiden Seiten seien unterzeichnet und würden 
die für die Beurteilung des vorliegenden Falles massgebenden Aussagen enthal-
ten. X._____ sei zugegebenermassen am 8. Juli 2011 auf der A 13 von O.1_____ 
kommend Richtung Süden gefahren und habe zwischen dem C._____tunnel und 
dem O.4_____ zweifelsfrei den von B._____ gelenkten Lastwagen überholt. Nach 
dem C._____tunnel ende die Sicherheitslinie und es beginne eine Leitlinie in der 
Mitte der Fahrbahn. Die Länge dieser Leitlinie betrage gemäss der Messung der 
Kantonspolizei Graubünden bis zum Beginn der doppelten Sicherheitslinie in der 
Kurve beim O.4_____ 254 m und die Sichtdistanz ab Ende der Sicherheitslinie 
beziehungsweise Beginn der Leitlinie nach dem C._____tunnel bis in die Kurve 
beim O.4_____ 354 m. Im privaten Gutachten werde die Länge der Leitlinie aller-
dings mit 400 m angegeben und zwar unter Berufung auf map.geo.admin.ch. Dass 
die Messungen beziehungsweise Angaben der Kantonspolizei zuträfen, ergebe 
sich aber auch aus den Aufnahmen anlässlich des Augenscheins vom 10. Juli 
2013. X._____ habe gemäss eigenen Aussagen das Überholmanöver erst nach 
Ende der Sicherheitslinie beziehungsweise Beginn der Leitlinie nach dem 
C._____tunnel begonnen. Dies habe auch F._____ als Zeugin bestätigt. Die im 
Polizeirapport erwähnten "rund 40 m vor der doppelten Sicherheitslinie" seien of-
fensichtlich falsch und vermutlich ein Schreibfehler, weshalb darauf nicht mehr 
weiter einzugehen sei. Umstritten sei aber, wo X._____ dieses Überholmanöver 
beendet habe. Er selbst habe den massgebenden Ort mit weit vor Beginn der Si-
cherheitslinie bezeichnet. F._____ habe ausgesagt, sie sei zu 100% sicher, dass 
er nicht in der Kurve, sondern vor dieser und sicher vor der doppelten Sicherheits-
linie das Überholmanöver beendet habe. Die Überholstrecke müsse auf eine Di-
stanz von rund 420 bis 450 m überschaubar sein, um das Überholmanöver vor-
schriftsgemäss ausführen zu können. Aufgrund der Berechnungen ergebe sich, 
dass X._____ das Überholmanöver zwischen dem C._____tunnel und dem 
O.4_____ nicht hätte ausführen dürfen, da die Distanz ab Ende der Sicherheitsli-
nie bis zum Sichtende in der Kurve bloss 354 m betragen habe. Noch nicht 
berücksichtigt sei dabei ein Umstand, der sich zum Nachteil von X._____ auswir-
ken könne. Die Kurve beim O.4_____ ab Ende der Sicherheitslinie nach dem 
C._____tunnel sei im Sommer wegen Pflanzen nicht sichtbar. Wegen der fehlen-

Seite  19 — 46

den Sicht bis in die Kurve vom O.4_____ habe X._____ sein Überholmanöver 
nicht schon am Ende der Sicherheitslinie nach dem C._____tunnel, sondern erst 
später beginnen dürfen, womit sich aber die für das Überholmanöver verfügbare 
Strecke entsprechend verkürzt habe, wenn auch nur um rund 20 m. Die Zeugen 
B._____, E._____ und H._____ hätten übereinstimmend mehrfach ausgesagt, 
dass X._____ sein Überholmanöver erst in der Kurve abgeschlossen habe. Diese 
Aussagen würden glaubwürdig erscheinen. Weil X._____ das Überholmanöver 
erst in der Kurve beim O.4_____ abgeschlossen habe, sei er zwangsläufig auch 
über die doppelte Sicherheitslinie gefahren. Deshalb sei auch nicht entscheidend, 
dass die Polizisten die Sicherheitslinie in diesem Augenblick nicht hätten sehen 
können. Sie hätten das Überholmanöver in der Kurve beobachten können, was 
eben genügen würde. Schliesslich habe X._____ gemäss der glaubwürdigen Aus-
sage von B._____ sein Überholmanöver vor dessen Fahrzeug beendet, ohne den 
rechten Richtungsanzeiger zu betätigen, weshalb er damit gegen Art. 39 Abs. 1 
SVG verstossen habe. 

b) Der Berufungskläger bringt vor, dass die Aussagen des Zeugen B._____, 
welche ihn belasten würden, nur verwendet werden dürften, wenn die Mitwir-
kungsrechte des Angeklagten eingehalten worden seien. Die polizeiliche Befra-
gung vom 8. Juli 2011, an welcher weder der Berufungskläger noch sein Verteidi-
ger anwesend gewesen sei, erfülle die nötigen Voraussetzungen nicht. Gleiches 
gelte für die rogatorische Einvernahme vom 11. Dezember 2012. An dieser Ein-
vernahme habe der Berufungskläger ebenfalls nicht teilnehmen können. Somit sei 
das Konfrontationsrecht verletzt worden, weshalb die fraglichen Aussagen der 
Auskunftsperson beziehungsweise des Zeugen B._____ nicht verwendet werden 
dürften. Der Vorhalt der Verletzung von Art. 35 Abs. 2 SVG sei unberechtigt. Die 
Vorinstanz sei von abenteuerlichen Annahmen ausgegangen. Sie habe nicht nur 
eine Sicherheitsmarge von zwei Sekunden berücksichtigt, sondern auch noch eine 
weitere Sicherheitsmarge eingebaut, indem sie die mögliche Geschwindigkeit der 
entgegenkommenden Fahrzeuge um 10 km/h erhöht habe. Zudem sei im ersten 
Gutachten ein Fehler gemacht worden, indem bei der Maximalvariante die Ge-
schwindigkeit des Lastwagens mit 65 km/h anstatt mit 60 km/h berücksichtigt wor-
den sei. Das Überholmanöver würde sich bei der effektiv relevanten Geschwindig-
keit von 60 km/h entsprechend verkürzen. Die Gutachten könnten daher nicht für 
die Bestimmung des Überholwegs herbeigezogen werden. Im Zusammenhang mit 
der Konfronteinvernahme von E._____ sei festzuhalten, dass die Frage, wer ge-
fahren sei, für den Blick auf die Strecke entscheidend sei. Der Beifahrer könne das 
Überholmanöver nicht gleich gut gesehen haben. E._____ habe nicht genau se-

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hen können, ob der Berufungskläger die doppelte Sicherheitslinie überfahren ha-
be. Seiner Ansicht nach hätte das Manöver auch vor der doppelten Sicherheitsli-
nie abgeschlossen worden sein können. Diese Aussage sei für die abschliessende 
Würdigung von entscheidender Bedeutung. Indem der Zeuge E._____ bei der Be-
fragung ausgesagt habe, es müsse sich bei den im Polizeirapport erwähnten 40 m 
um einen Schreibfehler gehandelt haben, stimme der Polizeirapport in einem ganz 
wesentlichen Punkt nicht mehr. Der Polizeirapport stimme aber nicht nur hinsicht-
lich dieses zentralen Punkts nicht. Es stimme der Tatort nicht, es stimme die Tat-
zeit nicht, es stimme die maximale Geschwindigkeit des Gegenverkehrs nicht, es 
stimme der Standort C nicht mehr und es stimme gemäss geo.map aus dem Jahr 
2011 die Markierung der Mittellinie nicht mehr. Der Polizeirapport sei daher in we-
sentlichen Punkten falsch und daher unbrauchbar. Hinsichtlich des Tathergangs 
weise auch die Aussage des Zeugen H._____ überhaupt keine Details auf. Sach-
verhaltstypische Details wie Anfang und Ende des Überholmanövers, ob und – 
falls ja – wo die doppelte Sicherheitslinie überfahren worden sei, ob der Blinker 
betätigt worden sei oder Angaben zur Geschwindigkeit habe er nicht machen kön-
nen. Aus dem Aussageverhalten des Zeugen H._____ könne nur geschlossen 
werden, dass er das Überholmanöver nicht gesehen habe, weil er auf dem Beifah-
rersitz gesessen sei, wo ihm möglicherweise die Sicht auf das Geschehen auf-
grund der anderen vor dem Polizeifahrzeug fahrenden Fahrzeuge verdeckt gewe-
sen sei. Die Aussage von F._____ sei nicht von vornherein weniger glaubhaft. Die 
Vorinstanz habe die Aussage nicht gewürdigt und sei auch nicht darauf eingegan-
gen. Die Zeugin F._____ habe klar und widerspruchslos anhand der ihr vom 
Staatsanwalt vorgelegten Fotos darlegen können, wie der Berufungskläger über-
holt habe. Sie sei sich auch sicher gewesen, dass das Überholmanöver vor der 
doppelten Sicherheitslinie abgeschlossen gewesen sei. Zusammenfassend lasse 
sich aus der Sicht des Berufungsklägers festhalten, dass er zwischen dem 
C._____tunnel und dem O.4_____ einen Lastwagen überholt habe. Er habe das 
Überholmanöver dort ausgeführt, wo überholen erlaubt sei. Das Überholmanöver, 
so wie es der Berufungskläger geschildert habe, sei gemäss Berechnungen und 
Gutachten auch ohne weiteres möglich gewesen. Bei objektiver Betrachtung wür-
den erhebliche und unüberwindliche Zweifel am Tatbeweis zurückbleiben. 

9. Der Berufungskläger bestreitet sämtliche ihm vorgeworfenen Verletzungen 
gegen das Strassenverkehrsgesetz. Er bringt unter anderem vor, dass die in Itali-
en rechtshilfeweise durchgeführte Einvernahme des Zeugen B._____ in Verlet-
zung von Art. 148 StPO und konventionsrechtlicher Bestimmungen ergangen sei. 
Die Staatsanwaltschaft führt in ihrem Plädoyer vom 12. November 2014 aus (vgl. 

Seite  21 — 46

act. D.25), es sei nicht ersichtlich, inwiefern Art. 148 StPO nicht eingehalten wor-
den sei. Es würde keine Unverwertbarkeit vorliegen. Wie, das heisse nach wel-
chen Formen die Einvernahme von B._____ durchzuführen gewesen sei, richte 
sich nach den Rechtsvorschriften von Italien. Dass solche Normen verletzt worden 
seien, sei nicht geltend gemacht worden. Im Übrigen sei B._____ gar nicht als 
Zeuge befragt worden. Selbst wenn Art. 177 Abs. 1 StPO analog anwendbar wäre, 
käme er nicht zum Tragen. Damit sei nicht ersichtlich, inwiefern die Einvernahme 
infolge unterbliebener Belehrung gemäss Art. 307 des Strafgesetzbuches (StGB; 
SR 311.0) ungültig sein soll. Dies wiederum bedeute, dass die Aussagen von 
B._____ verwertbar seien und gemäss Art. 343 StPO keine neuerliche Beweisab-
nahme erforderlich sei. 

Die Staatsanwaltschaft stellte mit internationalem Rechtshilfeersuchen in Strafsa-
chen zuhanden der zuständigen Behörde von Italien vom 18. November 2011 (vgl. 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.13) das Gesuch um rechtshilfeweise Einver-
nahme von B._____ als Zeugen. Die Einvernahme fand am 10. Dezember 2012 in 
Italien statt (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.18). Bei der rechtshilfewei-
sen Einvernahme von B._____ in Italien durch die Polizia Giudiziale am 10. De-
zember 2012 besteht das Problem nun einerseits darin, dass B._____ zu keinem 
Zeitpunkt auf irgendwelche strafrechtlichen Konsequenzen einer Falschaussage 
und auf die Wahrheitspflicht hingewiesen wurde, obwohl die Staatsanwaltschaft 
Graubünden explizit die rechtshilfeweise Einvernahme von B._____ als Zeugen 
beantragte. Gemäss der schweizerischen Strafprozessordnung sind die Ermah-
nung zur Wahrheit und der Hinweis auf die Straffolgen einer Falschaussage aber 
Gültigkeitsvoraussetzungen (vgl. Art. 177 Abs. 1 StPO und Franz Riklin, Schwei-
zerische Strafprozessordnung mit JStPO, StBOG und weiteren Erlassen, 2. Aufl., 
Zürich 2014, N. 3 zu Art. 177). Die Missachtung der Belehrung führt nach Art. 141 
Abs. 1 StPO zu einem Verwertungsverbot, ausser die Verwertung wäre zur Auf-
klärung schwerer Straftaten im Sinne von Absatz 2 unerlässlich. Dies trifft vorlie-
gend aber eindeutig nicht zu. Gemäss dem Kommentar von Wolfgang Wohlers 
soll sich die Verwertbarkeit der im Ausland im Wege der Rechtshilfe abgenomme-
nen Beweise nach den Rechtsgrundsätzen des Staates richten, in dem die Ver-
wertung erfolgen soll. Somit richte sich die Verwertbarkeit von im Wege der 
Rechtshilfe im Ausland gewonnenen Beweismitteln in einem schweizerischen 
Strafverfahren grundsätzlich nach den Regeln, die auch dann gelten würden, 
wenn eine Beweisabnahme in der Schweiz durchgeführt worden wäre. Etwas an-
deres gelte nur dann, wenn das schweizerische Recht die Frage anders geregelt 
habe (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur 

Seite  22 — 46

StPO, a.a.O., N. 2 zu Art. 148). Würde man der Meinung von Wolfgang Wohlers 
folgen, so wäre die in Italien durchgeführte Zeugeneinvernahme vom 10. Dezem-
ber 2012 aufgrund der unterlassenen Belehrung nicht verwertbar. Es lässt sich der 
Einvernahme vom 10. Dezember 2012 aber nicht entnehmen, ob B._____ über-
haupt als Zeuge einvernommen worden ist. Die Staatsanwaltschaft geht jedenfalls 
davon aus, dass B._____ nicht als Zeuge befragt worden ist (vgl. act. D.25, S. 3). 
Wäre in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass 
B._____ in Italien gar nicht als Zeuge einvernommen wurde, so würden sich Aus-
führungen zu der vom Berufungskläger geltend gemachten Verletzung von Art. 6 
EMRK erübrigen. Andererseits ist zu beachten, dass die Einvernahmen gemäss 
den massgeblichen Staatsverträgen nach dem Recht des ersuchten Staates 
durchgeführt werden (vgl. Art. 3 Abs. 1 des Europäischen Übereinkommens über 
die gegenseitige Rechtshilfe in Strafsachen [EUeR; SR 0.351.1] und den Zusatz-
vertrag zwischen der Schweiz und Italien zur Ergänzung des EUeR und zur Er-
leichterung seiner Anwendung vom 10. September 1998 [ZV-I/EUeR; SR 
0.351.945.41]; Wolfgang Wohlers, a.a.O., N. 1 zu Art. 148). Der Berufungskläger 
bringt nun aber nicht vor, die in Italien vorgenommene Befragung würde gegen 
Bestimmungen des soeben genannten Staatsvertragsrechts verstossen. Unab-
hängig von diesen Ausführungen kann die Frage, ob die in Italien durchgeführte 
Einvernahme vom 10. Dezember 2012 verwertbar ist oder nicht, indessen offenge-
lassen werden. Der massgebliche Sachverhalt ist, wie nachfolgend darzulegen 
sein wird, bereits aufgrund der Aussagen der anderen Zeugen und der angestell-
ten Berechnungen für die wesentlichen Schuldpunkte hinreichend erstellt. Doch 
selbst wenn die Aussagen von B._____ anlässlich seiner Befragung vom 10. De-
zember 2012 nicht als Zeugenaussagen verwertbar sind, können dessen Aussa-
gen als Aussagen einer Auskunftsperson betrachtet und im Rahmen der freien 
Beweiswürdigung, natürlich unter dem Aspekt der fehlenden Belehrung und Kon-
frontation mit dem Berufungskläger, mit einer gewissen Zurückhaltung in die Beur-
teilung miteinbezogen werden. 

In Bezug auf die polizeiliche Einvernahme von B._____ durch die Kantonspolizei 
Graubünden vom 8. Juli 2011 (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.4) steht 
fest, dass das Einvernahmeprotokoll auf der letzten Seite von B._____ nicht un-
terzeichnet worden ist. Der qualifizierte Beweiswert kommt dem Protokoll nur dann 
zu, wenn Gewähr dafür besteht, dass das Protokoll auch wirklich den Angaben der 
einvernommenen Person entspricht (vgl. Phillip Näpfli, in: Basler Kommentar zur 
StPO, a.a.O., N. 19 zu Art. 78). Deshalb verlangt das Gesetz, dass das Protokoll 

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nach Abschluss der Einvernahme der einvernommenen Person vorgelesen oder 
zum Lesen vorgelegt und von dieser nach Kenntnisnahme unterzeichnet wird. Die 
Bestimmung über die Protokollierung von Einvernahmen sind zwingender Natur. 
Ihre Beachtung ist Voraussetzung für die Gültigkeit des Protokolls und damit 
gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO Erfordernis für die Verwertbarkeit der Aussage. Aus 
dem zwingenden Charakter der Protokollierungsvorschriften folgt, dass auf das 
Vorlesen beziehungsweise Durchlesen und Unterzeichnen des Protokolls nicht 
verzichtet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2012 vom 22. Fe-
bruar 2013, E. 1.4). Das Gesetz verlangt somit, dass nach Abschluss der Einver-
nahme das Protokoll von der einvernommenen Person zu unterzeichnen ist. Die 
Vorschrift, jede Seite zu visieren, erscheint gemäss der herrschenden Lehre einzig 
eine Ordnungsvorschrift darzustellen (vgl. Philipp Näpfli, in: Basler Kommentar zur 
StPO, a.a.O., N. 25 zu Art. 78). Gemäss dem Einvernahmeprotokoll vom 8. Juli 
2011 (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.4) begann die Einvernahme von 
B._____ um 17:30 Uhr und endete um 18:05 Uhr. Das Protokoll weist insgesamt 
drei Seiten auf, wobei die Unterschrift von B._____ auf der letzten Seite nach dem 
Abschluss der Einvernahme fehlt. Es ist nicht erkennbar, dass B._____ das Proto-
koll nicht unterzeichnen wollte, zumal er ja die ersten beiden Seiten unterzeichne-
te. Da nun die Unterschrift nach Abschluss der Einvernahme fehlt, wurden die Pro-
tokollierungsvorschriften von Art. 78 Abs. 5 StPO gemäss der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung nicht eingehalten, womit die Einvernahme als Auskunftsperson 
vom 8. Juli 2011, wie der Berufungskläger zu Recht vorbringt, gemäss Art. 141 
Abs. 2 StPO nicht verwertbar ist. 

10. Der Berufungskläger führt in seinem Plädoyer für die Hauptverhandlung 
vom 12. November 2014 vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden (vgl. act. D.26) erstmals aus, dass der Zeuge E._____ nicht an weite-
ren Ermittlungen hätte teilnehmen dürfen. Dadurch, dass er dies dennoch getan 
habe, sei er als befangen zu bezeichnen, weshalb zahlreiche Ermittlungsarbeiten 
von E._____ nicht verwertbar seien, weil dieser gemäss Art. 56 lit. b StPO in den 
Ausstand hätte treten müssen. Die heutige Geltendmachung sei auch nicht ver-
spätet oder missbräuchlich, weil erst mit Akteneinsicht vom 30. August 2013, so-
mit nachdem alle Ermittlungshandlungen durchgeführt worden seien, für den Beru-
fungskläger erkennbar geworden sei, dass der Zeuge E._____ Ermittlungen 
durchgeführt habe. 

a) Gemäss Art. 56 lit. b StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in 
den Ausstand, wenn sie in einer anderen Stellung, insbesondere als Mitglied einer 
Behörde, als Rechtsbeistand einer Partei, als Sachverständige oder Sachverstän-

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diger, als Zeugin oder Zeuge, in der gleichen Sache tätig war. Die Zeugeneigen-
schaft muss tatsächlich gegeben sein. Die Involvierung im Verfahren als Aus-
kunftsperson schliesst die spätere Tätigkeit in derselben Sache unter dem Ge-
sichtspunkt von Art. 56 lit. b StPO nicht aus. Die Person muss als Zeuge ferner 
tatsächlich befragt worden sein, unabhängig davon, ob sie Aussagen zur Sache 
machen konnte (vgl. Markus Boog, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 22 
zu Art. 56; Urteil der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden SK1 14 
8 vom 11. Juni 2014, E. 6). Will eine Partei den Ausstand einer in einer Straf-
behörde tätigen Person verlangen, so hat sie gemäss Art. 58 Abs. 1 StPO der Ver-
fahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie 
vom Ausstandsgrund Kenntnis hat; die den Ausstand begründenden Tatsachen 
sind glaubhaft zu machen. Der Ausstand ist mithin so früh wie möglich, das heisst 
in den nächsten Tagen nach Kenntnisnahme, zu verlangen (vgl. Entscheid des 
Bundesgerichts 1B_277/2008 vom 13. November 2009 E. 2. und 6B_882/2008 
vom 31. März 2009 E. 1.3). Nach der neuen strafprozessualen Regelung sind 
nunmehr grundsätzlich sämtliche Ausstandsgründe von Amtes wegen zu berück-
sichtigen. Erfolgt das Gesuch aber verspätet, verwirkt der Gesuchsteller das 
Recht, die Aufhebung von früheren Amtshandlungen zu verlangen. Der Ausstand 
wirkt in diesem Fall nur noch für die Zukunft. Das Recht auf Ausstand kann nach 
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht ohne zeitliche Beschränkung gel-
tend gemacht werden. Wer es trotz Kenntnis aller Umstände, die ein Ausstands-
gesuch begründen können, unterlässt, die Befangenheit unverzüglich geltend zu 
machen, und den Verfahrensfortgang nicht unterbricht, handelt gegen Treu und 
Glauben und verwirkt sein Recht. Eine eventuelle Verspätung des Ausstandsbe-
gehrens tritt nur dann in den Hintergrund, wenn der Anschein der Befangenheit 
offensichtlich ist (vgl. BGE 134 I 20 E. 4.3.2 = Pra 2008, 491; Entscheid des Bun-
desgerichts vom 13. November 2008, 1B_277/2008 E. 2.2, 2.3 und Markus Boog, 
in: Basler Kommentar zu StPO, a.a.O., N. 6 zu Art. 56 und N. 8 zu Art. 58). 

b) Der Berufungskläger stellte sein Gesuch um Ausstand von E._____ erst-
mals anlässlich der Hauptverhandlung vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden am 12. November 2014. Wie der Berufungskläger selber aus-
führt, habe er aber bereits mit Akteneinsicht vom 30. August 2013 wahrgenom-
men, dass E._____ Ermittlungshandlungen durchgeführt habe, zu welchen er an-
scheinend nicht mehr befugt gewesen wäre. 

Das erst im Rahmen der Berufungsbegründung am 12. November 2014 gestellte 
Ausstandsgesuch wurde offensichtlich verspätet eingereicht, da nach der oben 
ausgeführten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein solches nicht ohne zeitli-

Seite  25 — 46

che Beschränkung geltend gemacht werden kann. Der Berufungskläger hätte das 
Gesuch unverzüglich nach Kenntnisnahme eines allfälligen Ausstandsgrundes 
stellen müssen. Es liegt denn auch kein offensichtlicher Anschein von Befangen-
heit vor, welcher trotz verspäteter Einreichung des Gesuches von Amtes wegen zu 
berücksichtigen wäre. E._____ wurde erstmals am 11. Februar 2013 als Zeuge in 
Gegenüberstellung mit dem Berufungskläger bei der Staatsanwaltschaft Graubün-
den befragt (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.21). Es ist vorliegend nicht 
ersichtlich, dass E._____ im Anschluss an die Befragung vom 11. Februar 2013 
weitere Ermittlungshandlungen in dieser Strafsache vorgenommen hat. Die blosse 
Mithilfe bei der Organisation des Augenscheins vom 10. Juli 2013 (Terminverein-
barung etc.) kann nicht als Ermittlungshandlung qualifiziert werden. Abgesehen 
davon lag die Leitung der Ermittlungen zu diesem Zeitpunkt beim zuständigen 
Staatsanwalt. Es sind somit sämtliche von E._____ im vorliegenden Strafverfahren 
getätigten Untersuchungshandlungen verwertbar.

11. Vorliegend ist erstellt, dass der Berufungskläger am 8. Juli 2011 als Lenker 
des Fahrzeuges mit der Kontrollschildnummer _____ um ca. 14:55 Uhr auf der 
Autostrasse A13 nach dem C._____tunnel einen Lastwagen überholt hat. Es sind 
aufgrund der vorliegenden Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich, weshalb es sich 
beim überholten Lastwagen mit italienischem Kennzeichen (vgl. dazu Akten der 
Staatsanwaltschaft, act. 3.1) nicht um denjenigen von B._____ gehandelt haben 
sollte. Der Berufungskläger bestreitet nun unter anderem, mit seinem Überhol-
manöver gegen Art. 35 Abs. 2 SVG verstossen zu haben, da die Sichtdistanz aus-
reichend gewesen sei. 

a) Das Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen ist gemäss Art. 35 Abs. 2 
SVG nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Ge-
genverkehr nicht behindert wird. Frei ist der nötige Raum, wenn er frei von Hin-
dernissen ist und mit dem Auftauchen von solchen auch nicht gerechnet werden 
muss (vgl. René Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Strassenverkehrs-
rechts, Band I, 2. Aufl., Bern 2002, N. 722). Ein korrekt durchgeführtes Überhol-
manöver setzt somit unter anderem voraus, dass die Gegenfahrbahn über die ei-
gentliche Überholstrecke hinaus frei überblickbar ist und in diesem Bereich auch 
kein Fahrzeug entgegen fährt. Konkret bedeutet dies, dass nicht nur die für den 
Überholvorgang benötigte Wegstrecke übersichtlich und frei sein muss, sondern 
zusätzlich auch jene, die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zu diesem Punkt 
zurücklegt oder zurücklegen könnte, wo der Überholende die linke Strassenseite 
wieder freigibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 
1.1). Das Überholmanöver muss soweit vor diesem Punkt beendet sein, dass ein 

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während des Überholvorgangs allenfalls auf der Gegenfahrbahn auftauchendes 
Fahrzeug seinen Weg unter Einhaltung einer angemessenen Geschwindigkeit 
fortsetzen kann, ohne gefährdet zu werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_272/2010 vom 9. Juli 2010 E. 4; BGE 121 IV 235 E. 1b; BGE 109 IV 134 E. 2; 
Philippe Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Bundesge-
richtspraxis, Zürich 2011, N. 11 zu Art. 35). Dabei muss derjenige, der überholt, 
berücksichtigen, dass ein Fahrzeug mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit 
entgegen kommen könnte, wobei allenfalls damit gerechnet werden muss, dass 
diese Höchstgeschwindigkeit leicht überschritten wird, ausserorts allenfalls bis 90 
km/h (vgl. dazu sinngemäss BGE 118 IV 277 E. 5). Erkennt der Überholende 
während des Überholvorgangs, dass er es nicht gefahrlos zu Ende fahren kann, 
so ist er verpflichtet, das Manöver abzubrechen und sich hinter dem zu Überho-
lenden in den Verkehr einzuordnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1209/2013 
vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1; 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 1.1). Der Überho-
lende muss von Anfang an die Gewissheit haben, sein Überholmanöver sicher 
und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können, das heisst, er muss sich 
vergewissern, dass die gesetzlichen Voraussetzungen in dem Zeitpunkt erfüllt 
sind, wo er zum Überholen ansetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1209/2013 
vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1). Wer keine Gewissheit hat, bevor er das Überhol-
manöver einleitet, gefahrlos vor dem Ende des für ihn sichtbaren Raums wieder 
einbiegen zu können, verletzt somit Art. 35 Abs. 2 SVG (vgl. BGE 129 IV 155 E. 
3.2.1; PKG 1997 Nr. 24 mit weiteren Hinweisen; Philippe Weissenberger, a.a.O., 
N. 17 zu Art. 35 SVG; René Schaffhauser, a.a.O., N. 551). Weiter ist beim Been-
den des Überholvorgangs ein Sicherheitsabstand sowohl gegenüber dem überhol-
ten Fahrzeug als auch gegenüber dem allenfalls entgegenkommenden Fahrzeug 
einzuhalten. Was den Abstand zum entgegenkommenden Fahrzeug betrifft, hat 
das Kantonsgericht von Graubünden in Anlehnung an Jürg Boll wiederholt ausge-
führt, dass ein Sicherheitsabstand von mindestens 2 Sekunden einzuhalten ist. So 
führte der Kantonsgerichtsausschuss Graubünden in seinem Urteil SB 02 45 vom 
23. Januar 2003 in E. 4 und 5 mit überzeugender Begründung aus, dass ein Ab-
stand von zwei Sekunden der Sache angemessen sei (Rechtsprechung bestätigt 
mit Urteil des Kantonsgerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005 E. 7b; 
sodann auch mit Urteil der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
vom 14. März 2012 SK1 11 39 E. 7b und vom 11. Juni 2014 SK1 14 8 E. 13; vgl. 
auch Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 84). Es wird somit 
verlangt, dass zwischen dem Zeitpunkt des Wiedereinbiegens nach dem Über-
holmanöver und dem Kreuzen eines (allfällig) entgegenkommenden Fahrzeuges 
eine gewisse Sicherheitsmarge bestehen muss, damit nicht die Gefahr droht, dass 

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der (allfällig) entgegenfahrende Fahrzeuglenker sich aufgrund einer drohenden 
Frontalkollision falsch verhalten und dadurch einen Unfall verursachen könnte. 

b) Es gilt nun festzustellen, mit welcher Geschwindigkeit X._____ hinter dem 
Lastwagen vor dem Überholmanöver fuhr und mit welcher Geschwindigkeit er die-
sen überholte und wie gross die Abstände vor dem Überholen und beim Wieder-
einbiegen waren. Schliesslich wird zu klären sein, wo der Berufungsläger sein 
Überholmanöver begonnen hat. 

c) Die Staatsanwaltschaft führte aus, dass, ausgehend von den Angaben des 
Angeklagten, der LKW mit mindestens 60 km/h unterwegs gewesen sei und 
X._____ sein Fahrzeug beim Überholen bis 110 km/h beschleunigt habe (vgl. da-
zu act. E.2/2.3, S. 3). Diese Geschwindigkeitsangaben sind unbestritten geblie-
ben. Ebenso unbestritten geblieben sind die Längen der Fahrzeuge, wonach für 
den Mercedes von X._____ eine Länge von 4.88 m und für den Lastwagen eine 
solche von 16 m angenommen wurde. Von diesen Längen ging auch D._____ in 
ihrem Privatgutachten vom 23. September 2011 aus (vgl. Akten der Staatsanwalt-
schaft, act. 3.24). Streitig sind hingegen die effektiven Fahrzeugabstände beim 
Aus- und Wiedereinbiegen. Die Staatsanwaltschaft ging, gleich wie die Vorinstanz, 
von einem Abstand beim Aus- und Wiedereinbiegen von je 30 m aus. Den Einver-
nahmen des Berufungsklägers und der Zeugen lassen sich keine diesbezüglichen 
Distanzangaben entnehmen. Auch dem Plädoyer des Rechtsvertreters vor der 
Vorinstanz vom 21. Januar 2014 (vgl. act. E.2/2.4) lassen sich keine Angaben 
entnehmen. Den Ergänzungen zum verkehrstechnischen Privatgutachten vom 14. 
November 2013 lässt sich entnehmen, dass der Abstand zwischen den Fahrzeu-
gen zu Beginn des Überholmanövers auf 20 m festgesetzt wurde. Der Abstand 
könne in Wirklichkeit aber auch grösser gewesen sein. Die Distanz zum Sattel-
schlepper nach dem Einscheren habe 42 m betragen (vgl. act. E.2/3.1, Ziff. 2 und 
2.1, S. 4). Im verkehrstechnischen Privatgutachten vom 23. September 2011 wur-
de der Abstand beim Ausscheren mit 15 m bis 20 m angegeben. Die Distanz zum 
Sattelschlepper nach dem Einscheren mit 41 m bis 46 m (vgl. Akten der Staats-
anwaltschaft act. 3.24, S. 5). Die Angaben in den beiden Privatgutachten beruhen 
auf den Aussagen von X._____. Es kann daher vorliegend willkürfrei von einem 
Abstand zwischen X._____ und dem Lastwagen zu Beginn des Überholmanövers 
von 20 m und nach dem Wiedereinbiegen von 41 m ausgegangen werden. Die 
Abstände von total 61 m entsprechen in etwa auch der Annahme der Staatsan-
waltschaft, die von total 60 m ausging. Die erstmals anlässlich der Hauptverhand-
lung vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 12. No-
vember 2014 (vgl. act. F.7) vorgebrachten abweichenden Angaben von X._____, 

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er habe bis etwa 10 m auf den Lastwagen aufgeschlossen, erscheinen als blosse 
Schutzbehauptung. Sie stehen im Widerspruch zu seinen in den Privatgutachten 
gemachten Aussagen und erscheinen im Hinblick auf das Ergebnis der Berech-
nung des Überholweges als konstruiert. Gänzlich nicht nachvollziehbar erscheint 
der ebenfalls erstmals vorgebrachte Einwand des Berufungsklägers, dass die von 
ihm eingereichten Privatgutachten nun plötzlich für die Berechnung des Überhol-
manövers nicht mehr relevant sein sollen. 

d) Wie soeben ausgeführt, kann von einem Abstand vor dem Ausbiegen von 
20 m und beim Wiedereinbiegen von 41 m ausgegangen werden. Die Fahr-
zeuglänge des Mercedes kann mit 4.88 m und diejenige des Lastwagens mit 16 m 
eingesetzt werden. Der Berufungskläger überholte den Lastwagen, welcher mit 
einer Geschwindigkeit von 60 km/h unterwegs war, mit einer Geschwindigkeit von 
110 km/h. Die massgebende Differenzgeschwindigkeit der beiden Fahrzeuge be-
trägt somit 50 km/h (110 km/h – 60 km/h). Der Überholweg besteht aus der Aus-
biegestrecke, dem Parallelweg und der Einbiegestrecke. Er ist abhängig von den 
Längen und Geschwindigkeiten der beteiligten Fahrzeuge. Die Länge des Über-
holwegs kann gemäss Giger annährungsweise wie folgt berechnet werden (vgl. 
Hans Giger, Kommentar SVG, 8. Aufl., Zürich 2014, N. 10 zu Art. 35): Überholweg 
= Durchschnittliche Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges x (Aus- + Ein-
biegestrecke in m + Länge des überholenden Fahrzeuges + Länge des überholten 
Fahrzeuges) / (durchschnittliche Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges 
in km/h – durchschnittliche Geschwindigkeit des überholten Fahrzeuges in km/h). 
Obwohl das Kantonsgericht von Graubünden bereits mehrfach festgestellt hat, 
dass sich die Giger-Formel in vieler Hinsicht als ungenau erweist, so kann mit ihr 
jedoch immerhin auf eine einfache Art und Weise ein Annährungswert berechnet 
werden, so dass dieser Wert durchaus im Sinne einer Richtschnur Anwendung 
finden kann. Dies rechtfertigt sich insbesondere, weil in den wenigsten Fällen der 
genaue Überholvorgang und damit der exakte Überholweg für den fraglichen Zeit-
punkt rekonstruiert und errechnet werden kann (vgl. dazu das Urteil des Kantons-
gerichtsausschusses SB 02 42 vom 23. Januar 2003, S. 19 f; Urteil des Kantons-
gerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005). Gestützt auf die oben ge-
machten Angaben resultiert somit ein Überholweg von 180.10 m [110 x 
(20+41+4.88+16) / (110-60) = 180.10]. Bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h 
dauerte das Überholmanöver ca. 5.89 sec. (81.88 m [20+41+4.88+16] / 13.88 
m/sec [50'000 m / 3600 sec] = 5.89 sec). Während dieses Überholmanövers von 
5.89 sec hätte ein entgegenkommendes Fahrzeug mit 80 km/h 130.88 m zurück-
gelegt ([80'000 m / 3600 sec] x 5.89 = 130.88m). Die Tatsache, dass während des 

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Überholmanövers von X._____ ein Fahrzeug entgegenkommen könnte, blieb in 
den Privatgutachten unberücksichtigt. Bei den soeben angestellten Berechnungen 
ist die Sicherheitsmarge von 2 sec, welche in den Privatgutachten ebenfalls gänz-
lich unberücksichtigt blieb, noch nicht berücksichtigt worden. Geht man davon aus, 
dass X._____ den vor ihm fahrenden Lastwagen mit einer Geschwindigkeit von 
110 km/h überholte, so legte er in zwei Sekunden 61.1 m zurück ([110'000 m / 
3600 sec] x 2 sec = 61.1). Ein entgegenkommendes Fahrzeug hätte mit 80 km/h in 
2 Sekunden 44 m zurückgelegt ([80'000 m / 3600 sec] x 2 sec = 44 m). Somit 
würden die beiden Fahrzeuge in den zwei Sekunden 105.11 m zurücklegen. Diese 
Strecke ist als reine Sicherheitsdistanz zum Überholweg von X._____ und der 
Strecke des allfällig entgegenkommenden Fahrzeuges während des Überholvor-
gangs hinzuzuaddieren. Um nun das Überholmanöver im Sinne von Art. 35 Abs. 2 
SVG korrekt durchführen zu können, hätte die als frei erkennbare Strecke mindes-
tens 416 m betragen müssen (180.10+130.88+105.11 = 416.09 m). Würde man 
auf die Angaben im verkehrstechnischen Gutachten abstellen, so hätte die er-
kennbare Strecke sogar noch viel länger frei sein müssen. D._____ kam in ihrem 
Gutachten vom 23. September 2011 zum Schluss, dass allein das Überholmanö-
ver von X._____ rund 232 m bis 275 m beansprucht habe (vgl. Akten der Staats-
anwaltschaft, act. 3.24). In den Ergänzungen zum verkehrstechnischen Gutachten 
vom 14. November 2013 kam sie hingegen zur Erkenntnis, dass der gesamte 
Überholweg nur noch 218 m betragen würde (vgl. act. E.2/3.1). Doch selbst wenn 
der Überholweg von X._____ auf 218 m festgesetzt würde, hätte die Strecke im-
mer noch auf einer Länge von mindestens 453 m übersichtlich und frei sein müs-
sen (218+130.88+105.11 = 453.99 m).  

e) Die Staatsanwaltschaft ging von einer frei erkennbaren Strecke von 360 m 
ab Ende Sicherheitslinie bis zum Sichtende in der Kurve aus (vgl. Akten der 
Staatsanwaltschaft, act. 3.10). Der Berufungskläger beanstandet dies und bringt 
vor, die Sichtdistanz habe effektiv 390 m betragen. Der Berufungskläger aner-
kennt damit eine frei zur Verfügung stehende Strecke von 390 m. Da die Strecke 
aber auf einer Distanz von mindestens 416 m frei und übersichtlich hätte sein 
müssen, ist erstellt, dass X._____ mit seinem Überholmanöver gegen Art. 35 Abs. 
2 SVG verstossen hat. Die Feststellung der Staatsanwaltschaft, die Sichtdistanz 
habe ab dem Ende der Sicherheitslinie bis in die unübersichtliche Rechtskurve 
hinein 360 m betragen, lässt sich im Übrigen nicht beanstanden (vgl. dazu auch 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.10). Wie die Vorinstanz zudem zutreffend 
ausführte, ist bei dieser Argumentation noch nicht berücksichtigt worden, dass die 

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Kurve beim O.4_____ ab Ende der Sicherheitslinie nach dem C._____tunnel so-
wohl im Sommer als auch im Herbst wegen Pflanzen nicht sichtbar ist (vgl. dazu 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.38, Foto Nr. 12 und Nr. 13; act. 3.10, Foto Nr. 
2). Davon konnte sich auch die I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubün-
den anlässlich ihres Augenscheins vom 12. November 2014 überzeugen (vgl. act. 
F.3, F.3a und F.3b). Wegen der fehlenden Sicht in die Kurve vom O.4_____ durfte 
X._____ sein im Sommer durchgeführtes Überholmanöver nicht schon am Ende 
der Sicherheitslinie nach dem C._____tunnel, sondern erst später beginnen. Da-
mit würde sich die ursprünglich freie und übersichtliche Strecke von 360 m aber 
erheblich verkürzen. Unabhängig von der für das Gericht massgebenden Berech-
nung des Überholwegs war die Strecke für das Überholmanöver aber auch des-
halb nicht übersichtlich und frei im Sinne von Art. 35 Abs. 2 SVG, weil die beiden 
Polizisten E._____ und H._____ übereinstimmend aussagten, der Berufungsklä-
ger habe den Lastwagen bis in die unübersichtliche Rechtskurve hinein überholt 
(vgl. dazu nachstehende Erwägung 12.). 

12. Dem Berufungskläger wird weiter vorgeworfen, dass er sein Überholmanö-
ver erst in der unübersichtlichen Rechtskurve abgeschlossen und dabei die dop-
pelte Sicherheitslinie überfahren haben soll. 

a) Gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG ist auf Strassen mit Sicherheitslinien immer 
rechts dieser Linien zu fahren. In unübersichtlichen Kurven, auf und unmittelbar 
vor Bahnübergängen ohne Schranken sowie vor Kuppen darf gemäss Art. 35 Abs. 
4 SVG nicht überholt werden, auf Strassenverzweigungen nur, wenn sie übersicht-
lich sind und das Vortrittsrecht anderer nicht beeinträchtigt wird. 

b) Nach dem C._____tunnel endet die Sicherheitslinie und es beginnt eine 
Leitlinie in der Mitte der Fahrbahn. Die Länge dieser Leitlinie beträgt gemäss einer 
Messung der Kantonspolizei Graubünden bis zum Beginn der doppelten Sicher-
heitslinie in der Kurve beim O.4_____ 254 m (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, 
act. 3.10). D._____ kam in ihrem Privatgutachten zum Schluss, dass die Länge 
der Leitlinie rund 400 m betragen würde (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 
3.24). Dass dies nicht sein kann, davon geht wohl auch der Berufungskläger sel-
ber aus, führte er in seinem Plädoyer vom 12. November 2014 doch aus (vgl. act. 
D.26, S. 15), die Leitlinie würde heute 258 m betragen. Dass die Messungen be-
ziehungsweise Angaben der Kantonspolizei Graubünden zutreffen, ergibt sich 
aber auch aus den Aufnahmen anlässlich des Augenscheins vom 10. Juli 2013. 
Auf den Fotos sind unter "Distance" beim Ende der Sicherheitslinie 2'220.82 m 
und beim Beginn der doppelten Sicherheitslinie 2'279.65 m angegeben (vgl. Akten 

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der Staatsanwaltschaft, act. 3.38, S. 8). Dies ergibt eine Strecke von 258.63 m, 
also in etwa die gemessenen 254 m. Es gibt, wie bereits ausgeführt, in den Akten 
nicht ansatzweise Indizien dafür, dass die Markierung seit dem 8. Juli 2011 geän-
dert hätte. 

X._____ führte aus, dass er das Überholmanöver erst nach Ende der Sicherheits-
linie beziehungsweise bei Beginn der Leitlinie nach dem C._____tunnel begonnen 
habe (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, Frage 7). Anlässlich der Einver-
nahme vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 12. No-
vember 2014 (vgl. act. F.7) führte X._____ aus, er habe das Überholmanöver viel 
früher begonnen, als es von seiner Ehefrau geschildert worden sei. F._____ führte 
aus, dass ihr Mann überholt habe, sobald die Sicherheitslinie zu Ende gewesen 
sei. Sie hat für den Beginn des Überholmanövers auf Foto Nr. 3 von act. 3.10 der 
Akten der Staatsanwaltschaft verwiesen, das 10 m nach dem Ende der Sicher-
heitslinie beziehungsweise Beginn der Leitlinie aufgenommen wurde (vgl. Akten 
der Staatsanwaltschaft, act. 3.23, S. 4). Diese Aussage bestätigte sie zuerst auch 
an ihrer Zeugeneinvernahme am Augenschein vor Ort am 12. November 2014 
(vgl. act. F.4, F.3 und F.3a). Sie führte aus, X._____ habe sobald die Sicherheits-
linie zu Ende war mit dem Überholen begonnen. Auf die Feststellung des Vorsit-
zenden hin, dass die Strasse in der Kurve auf der Gegenfahrbahn an dem von der 
Zeugin angegebenen Punkt zum Beginn des Überholmanövers eindeutig nicht 
übersehbar sei, führte F._____ aus, dass sie nicht wisse, ob X._____ gleich nach 
dem Ende der Sicherheitslinie, 10 m oder 12 m danach überholt habe. Sie könne 
nur sagen, dass ihr Mann absolut korrekt überholt habe, sobald er gesehen habe, 
dass kein Gegenverkehr nahen würde (vgl. act. F.4).

Umstritten ist vorliegend vor allem, wo X._____ sein Überholmanöver beendet hat. 
Diese Frage ist nun anhand der Aussagen der Zeugen und des Berufungsklägers 
zu beantworten. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass, auch wenn die 
Zeugin F._____ die Ehefrau des Berufungsklägers ist, ihre Aussagen nicht von 
vornherein als unglaubwürdig zu qualifizieren sind. Sie können aber auch nicht als 
völlig unbefangen herangezogen werden. Die Aussagen sind daher mit einer ge-
wissen Zurückhaltung zu würdigen. Sie hat als Ehefrau des Beschuldigten unzwei-
felhaft ein gewisses persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens. X._____ 
führte aus, dass er sein Überholmanöver weit vor Beginn der nächsten Sicher-
heitslinie abgeschlossen habe (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, Frage 
7). Anlässlich seiner Befragung vor der I. Strafkammer vom 12. November 2014 
führte er aus, dass er noch früher, als seine Ehefrau ausgesagt habe, wieder auf 
seiner Fahrspur gewesen sei (vgl. act. F.7). F._____ führte aus, sie sei zu 100 % 

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sicher, dass er nicht in der Kurve, sondern vor dieser und sicher vor der doppelten 
Sicherheitslinie das Überholmanöver beendet habe. Das Überholmanöver habe 
(unter Vorlage von act. 3.10) bei Foto Nr. 3 begonnen und sei bei Foto Nr. 17 be-
endet gewesen (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.23, S. 4). Bei einer Di-
stanz zwischen den einzelnen Fotos von 10 m hätte das Überholmanöver somit 
140 m betragen und der Berufungskläger wäre, hätte er tatsächlich 10 m nach 
dem Ende der Sicherheitslinie zu überholen begonnen, ca. 110 m vor der doppel-
ten Sicherheitslinie wieder auf seiner Fahrspur gewesen (vgl. Akten der Staatsan-
waltschaft, act. 3.10). Anlässlich ihrer Zeugeneinvernahme vor der I. Strafkammer 
vom 12. November 2014 führte F._____ vor Ort aus, ihr Mann sei ca. bei der vier-
ten Leitlinie vor der doppelten Sicherheitslinie wieder auf seiner Fahrspur gewesen 
(vgl. act. F.4, F.3a und F.3c). Der Überholweg betrug damit nach den Aussagen 
von F._____ anlässlich des Augenscheins vom 12. November 2014 ca. 220 m 
(vgl. act. F.3d). Die Aussagen von F._____ vom 11. Februar 2013 stehen nun ei-
nerseits im Widerspruch zu dem vom Berufungskläger eingereichten Privatgutach-
ten, wonach das Überholmanöver sich im besten Fall nur schon bis zum Überque-
ren der Mittellinie über eine Distanz von 195 m hingezogen habe (vgl. Akten der 
Staatsanwaltschaft, act. 3.24, Tabelle S. 6 mit Skizze im Anhang) sowie zu der für 
das Gericht hier massgeblichen Berechnung des Überholwegs von 180,1 m. Ihre 
Aussagen vom 11. Februar 2013 stehen aber auch im Widerspruch zu ihren Aus-
sagen vom 12. November 2014, wonach sich das Überholmanöver über 220 m 
erstreckt und somit ca. 40 m vor der doppelten Sicherheitslinie geendet haben 
soll. Ihre Aussage anlässlich der Konfronteinvernahme vom 11. Februar 2013 (vgl. 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.23) und der Zeugeneinvernahme vom 12. 
November 2014 (vgl. act. F.4, F.3, F.3a und F.3b), X._____ habe das Überhol-
manöver direkt nach dem Ende der Sicherheitslinie begonnen, erweist sich als 
unglaubwürdig, da sich bei einem Vergleich mit Foto Nr. 3 von act. 3.10 und Foto 
Nr. 1 von act. F.3b feststellen lässt, dass die Strecke an der von F._____ bezeich-
neten Stelle noch gar nicht übersichtlich ist und X._____ sein Überholmanöver 
nicht beginnen konnte. Somit erweist sich auch die Aussage von X._____ anläss-
lich seiner Einvernahme vom 12. November 2014 (vgl. act. F.7), er habe das 
Überholmanöver weit früher als von seiner Ehefrau angegeben begonnen, als un-
glaubwürdig. Das kann nicht sein, da die Strecke aufgrund der leichten Linkskurve 
noch viel weniger überblickbar gewesen wäre. Des Weiteren korrigierte F._____ 
nach der Feststellung des Vorsitzenden, dass die Strecke an dem von ihr angege-
benen Punkt gar nicht übersichtlich sei, ihre Aussage dahingehend, dass sie nicht 
mehr wisse, ob ihr Mann direkt nach der Sicherheitslinie, 10 m oder 12 m danach 
überholt habe. Sie korrigierte damit ihre ursprüngliche Aussage im Zusammen-

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hang mit dem Beginn des Überholmanövers. Die Aussagen von X._____ im Zu-
sammenhang mit dem Beginn des Überholmanövers weichen damit stark von 
denjenigen der Zeugin F._____ ab. Den Aussagen von X._____ und F._____ sind 
nun die Zeugenaussagen der beiden Polizisten E._____ und H._____ gegenüber 
zu stellen. 

E._____ führte anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Konfronteinvernahme 
mit X._____ vom 11. Februar 2013 aus, dass er bezüglich des Beginns und des 
Abschlusses des Überholmanövers auf seinen Rapport, Foto Nr. 4 verweise (vgl. 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.21 und 3.2, S. 4 Foto Nr. 4). Das Überhol-
manöver habe unmittelbar vor dem O.4_____ stattgefunden. Er habe sich etwa im 
Bereich der Fotos 7 bis 8 befunden, als er das Überholmanöver wahrgenommen 
habe (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.10). Wenn das Manöver vor der 
doppelten Sicherheitslinie abgeschlossen worden wäre, dann nur wenige Meter 
vorher, vielleicht im Bereich von 10 m. Er sei aber der Ansicht, dass das Überhol-
manöver im Bereich der doppelten Sicherheitslinie und nicht vorher abgeschlos-
sen worden sei. H._____ führte anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Kon-
fronteinvernahme mit X._____ vom 11. Februar 2013 aus (vgl. Akten der Staats-
anwaltschaft, act. 3.22), dass sie an O.2_____ vorbei zum C._____tunnel gefah-
ren seien. Nach dem Tunnel seien eine Rechts- sowie eine Linksbiegung gekom-
men. Anschliessend folge eine unübersichtliche Rechtskurve. Er habe gesehen, 
dass der überholte Lastwagen und X._____ beide nebeneinander in diese unü-
bersichtliche Rechtskurve gefahren seien. Er könne nicht mehr sagen, wo er sich 
befunden habe, als X._____ zum Überholen angesetzt habe. Er sehe nur noch, 
dass X._____ neben dem Lastwagen in die Rechtskurve vor dem sogenannten 
O.4_____ gefahren sei. Er könne nur zu 100% sagen, dass X._____ neben dem 
Lastwagen in die unübersichtliche Kurve gefahren sei. Die Situation auf Foto Nr. 4 
von act. 3.2 entspreche weitgehend den damaligen Verhältnissen. Die beiden 
Fahrzeuge seien nebeneinander in diese unübersichtliche Rechtskurve gefahren.

Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 12. November 2014 vor der I. Strafkam-
mer des Kantonsgerichts von Graubünden führte E._____ aus, dass X._____ den 
Lastwagen überholt habe. Dann sei er einen kurzen Augenblick hinter dem Last-
wagen verschwunden. Als er wieder eingebogen sei, als er um die Kurve herum 
gewesen sei, habe er X._____ rechts neben dem Lastwagen nochmals kurz ge-
sehen. X._____ sei ausgangs der Linksbiegung leicht hinter dem Lastwagen ge-
fahren (vgl. act. F.6 und für die Standorte act. F.3, F.3i und F.3k). H._____ führte 
anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 12. November 2014 aus, dass er die 
genaue Höhe nicht mehr sagen könne, wo er das erste Mal gesehen habe, dass 

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der schwarze Mercedes den Lastwagen überholt habe. Er habe aber zu Beginn 
der Linkskurve gesehen, dass X._____ etwa auf gleicher Höhe wie der Sattel-
schlepper gewesen sei und dass sie miteinander in die unübersichtliche Rechts-
kurve hineingefahren seien und X._____ nachher vor dem Sattelschlepper wieder 
eingebogen sei. Wo genau er aber wieder eingebogen sei, könne er nicht sagen 
(vgl. act. F.5 und für die Standorte act. F.3, F.3i und F.3j). X._____ sei sicher zu 
Beginn der Kurve neben dem Lastwagen gewesen. Nachher habe er vorne wieder 
reingezogen. Zu Beginn der Rechtskurve sei er aber ganz klar auf gleicher Höhe 
wie der Lastwagen gewesen. 

E._____ hatte in dem von ihm verfassten Polizeirapport vom 29. August 2011 (vgl. 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.1) festgehalten, der Mercedes habe vor der 
unübersichtlichen Rechtskurve das erwähnte Sattelmotorfahrzeug überholt und sei 
dann in der Rechtskurve über die doppelte Sicherheitslinie fahrend wieder auf die 
Südspur eingebogen. Das Überholmanöver habe der Fahrzeuglenker rund 40 m 
vor der doppelten Sicherheitslinie begonnen und habe in der Kurve geendet. Die-
se Ausführungen im Zusammenhang mit dem Beginn des Überholmanövers dürf-
ten kaum zutreffen, da beide Polizisten den genauen Beginn des Überholmanö-
vers nicht bezeichnen konnten und sie X._____ erst wahrgenommen haben, als 
dieser bereits am Überholen war. Wenn nun die Vorinstanz festhält, dass es sich 
bei den im Polizeirapport erwähnten 40 m um einen offensichtlichen Schreibfehler 
gehandelt haben müsse, so lässt sich dieser Schluss nicht beanstanden. Aufgrund 
dieses Schreibfehlers kann auch die von E._____ erstellte Skizze in act. 3.2 der 
Akten der Staatsanwaltschaft nicht stimmen. E._____ wurde erstmals von der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts am 12. November 2014 als Zeuge zu seiner 
Feststellung, der Berufungskläger habe 40 m vor der unübersichtlichen Rechts-
kurve überholt, befragt. Er führte auf die entsprechende Frage des Vorsitzenden 
umgehend aus, dass es sich bei dieser Aussage um ein Versehen gehandelt ha-
ben müsse. 40 m wären in der Tat sehr wenig gewesen (vgl. act. F.6). Es ist nicht 
ersichtlich, weshalb der Polizeirapport aufgrund dieses Schreibfehlers nicht ver-
wertbar sein soll. Abgesehen davon spielt der Beginn des Überholmanövers im 
Zusammenhang mit der angeblichen Verletzung von Art. 34 Abs. 2 und Art. 35 
Abs. 4 SVG keine Rolle. Es wurde denn auch nie zu Lasten des Berufungsklägers 
davon ausgegangen, die beiden Polizisten hätten vom Standort C aus gemäss 
act. 3.2, Foto Nr. 4 der Akten der Staatsanwaltschaft den Anfang des Überhol-
manövers gesehen. Die Zeugen E._____ und H._____ haben übereinstimmend 
mehrfach ausgesagt, dass X._____ sein Überholmanöver erst in der Kurve abge-
schlossen hat. Diese massgebenden Kernaussagen stimmen (unabhängig davon, 

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ob der Berufungskläger sein Überholmanöver 40 m vor der unübersichtlichen 
Rechtskurve begonnen haben soll) in jedem Fall mit den Feststellungen im Poli-
zeirapport vom 29. August 2011 überein. Ob die beiden Polizisten den Beginn des 
Überholmanövers beobachten konnten, spielt, wie bereits ausgeführt, keine Rolle. 
Tatsache ist, dass sie X._____ gesehen haben, als dieser bereits auf der Höhe 
des Sattelschleppers gewesen war (vgl. act. F.5 und F.6). Wenn E._____ anläss-
lich der Konfronteinvernahme vom 11. Februar 2013 ausführte, er habe das Über-
holmanöver in etwa im Bereich der Fotos 7 bis 8 von act. 3.10 wahrgenommen, so 
entspricht dies in etwa einer Distanz von 50 m nach dem Ende der Sicherheitslinie 
in Richtung Süden. Die Angabe des Standpunktes entspricht nun fast dem von 
ihm bezeichneten Standort anlässlich des Augenscheins vom 12. November 2014. 
Dies geht aus einem Vergleich der Fotoaufnahme Nr. 8 aus act. 3.10 mit der an-
lässlich des Augenscheins gemachten Fotoaufnahme Nr. 2 hervor (vgl. act. F.3k), 
was für die Richtigkeit des Standortes der Polizei am 8. Juli 2011 spricht. Aus der 
Fotoaufnahme Nr. 14 in act. 3.38 kann weiter geschlossen werden, dass die Sicht 
in Richtung O.4_____ im weiteren Fahrverlauf am 8. Juli 2011 selbst bei einem 
voranfahrenden Fahrzeug sowohl vom Fahrer- als auch vom Beifahrersitz unein-
geschränkt gegeben war. Die beiden Polizisten konnten das Überholmanöver von 
ihrem Standort aus somit bestens beobachten. Das gleiche gilt auch bei einer 
leichten Rückversetzung des Standortes um 10 m gestützt auf die Aussagen von 
H._____, womit der Standort in etwa der Aufnahme auf Foto Nr. 7 von act. 3.10 
entspricht. Auch von diesem Standort aus konnten die Polizisten das Überhol-
manöver bestens beobachten und feststellen, dass X._____ links neben dem von 
ihm überholten Lastwagen in der unübersichtlichen Rechtskurve beim O.4_____ 
verschwand. Ob die von den Polizisten angegebenen Standpunkte in etwa der 
Position C in act. 3.2, S. 4 entsprechen, lässt sich vorliegend nicht feststellen und 
ist für die Beurteilung auch irrelevant. Ebenso irrelevant ist, ob die Polizisten den 
Beginn der doppelten Sicherheitslinie von ihrer Position aus sehen konnten. Da 
sie sahen, dass X._____ links neben dem Lastwagen in die unübersichtliche 
Rechtskurve verschwand, überfuhr X._____ zwangsläufig die doppelte Sicher-
heitslinie. Dem Berufungskläger gelingt es mit seinen Einwänden insgesamt nicht, 
die soeben getroffenen Feststellungen zu entkräften beziehungsweise die Zeu-
genaussagen von E._____ und H._____ als unglaubwürdig darzustellen. Die bei-
den Polizisten haben in sämtlichen Zeugenbefragungen übereinstimmend ausge-
sagt, dass X._____ das Überholmanöver erst im Bereich der unübersichtlichen 
Rechtskurve abgeschlossen hat. 

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c) Die I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden sieht nun wie die 
Vorinstanz keinen Grund, an den Aussagen der Polizisten zu zweifeln. Sie er-
scheinen durchwegs glaubwürdig. Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, sind Poli-
zeibeamte bezüglich des Beobachtens und Feststellens von Verkehrsverhältnis-
sen besonders geschult und sie verfügen in der Regel über eine gewisse Erfah-
rung. Zudem haben Polizeibeamte kein eigenes Interesse, Personen mit dem 
Vorwurf eines strafbaren Verhaltens zu belasten. Die Zeugenaussagen der beiden 
Polizisten E._____ und H._____ sind im Rahmen der Gesamtwürdigung glaub-
würdiger einzustufen als diejenigen des Berufungsklägers und von F._____. Da 
somit X._____ das Überholmanöver erst in der unübersichtlichen Rechtskurve 
beim O.4_____ abgeschlossen hat, ist er zwangsläufig auch über die doppelte 
Sicherheitslinie gefahren. 

d) Es ist somit für die I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
erstellt, dass der Berufungskläger auf der linken Seite der doppelten Sicherheitsli-
nie in die Rechtskurve des O.4_____ fuhr und dabei den Lastwagen in der unü-
bersichtlichen Rechtskurve überholte. Damit hat er gegen Art. 34 Abs. 2 SVG und 
Art. 35 Abs. 4 SVG verstossen.

13. Im Zusammenhang mit dem Einwand, der Staatsanwalt habe im vorinstanz-
lichen Hauptverfahren im Rahmen seiner Replik angeblich ausgesagt, die Polizis-
ten hätten vom Standort C aus möglicherweise nicht sehen können, ob X._____ 
die doppelte Sicherheitslinie überfahren habe, sie jedoch anhand der gemachten 
Wahrnehmungen und aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Ortskenntnis darauf hät-
ten schliessen können, ist festzuhalten, dass sich die Zeugin F._____ auf die ent-
sprechende Frage des Vorsitzenden hin nicht mehr an eine solche Aussage des 
Staatsanwaltes erinnern konnte (vgl. act. F.4). Hingegen führte das Bezirksge-
richtspräsidium Hinterrhein am 12. Mai 2014 aus, es treffe zu, dass der Staatsan-
walt gesagt habe, die Polizisten hätten nur schon aufgrund ihrer Wahrnehmung 
aber auch aufgrund ihrer Erfahrung und Ortskenntnis festgestellt, dass X._____ 
die doppelte Sicherheitslinie überfahren habe. Dies, weil sie wissen würden, wo 
diese beginne und sie dies somit auch aus der Ferne hätten beobachten können, 
nämlich von ihrem Standort C aus, von dem sie möglicherweise die doppelte Si-
cherheitslinie noch gar nicht hätten sehen können (vgl. act. A.3 in SK2 14 23). Die 
Staatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 7. Mai 2014 auf eine Stellung-
nahme (vgl. act. A.2 in SK2 14 23). Die Pflicht zur Protokollierung der Parteiaus-
sagen, wozu selbstverständlich auch die Aussagen des Staatsanwaltes an der 
Hauptverhandlung gehören, stützt sich auf Art. 76 StPO. Der diesbezügliche An-
spruch der Parteien ist formeller Art und besteht grundsätzlich auch dann, wenn 

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das Gericht die Aussagen als nicht unmittelbar wesentlich betrachtet. Die Doku-
mentationspflicht besteht auch im Hinblick auf ein Rechtsmittelverfahren, das zu 
einer anderen Einschätzung führen kann. Es ist nun davon auszugehen, dass der 
Staatsanwalt tatsächlich eine derartige Bemerkung anlässlich der vorinstanzlichen 
Hauptverhandlung gemacht hat. Auch wenn die Aussage des Staatsanwaltes nicht 
protokolliert wurde, ist dieser Umstand nicht entscheidrelevant. Selbst wenn der 
Staatsanwalt aussagte, die beiden Polizisten hätten von ihrem Standort C aus gar 
nicht sehen können, ob der Berufungskläger die doppelte Sicherheitslinie überfah-
ren habe, kann der Berufungskläger aus dieser nicht protokollierten Aussage 
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Einerseits wäre die protokollierte Aussage für 
das Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung nicht bindend und andererseits ist, 
wie bereits oben ausgeführt, aufgrund der Zeugenaussagen der beiden Polizisten 
erstellt, dass der Berufungskläger das Überholmanöver erst in der unübersichtli-
chen Rechtskurve abschloss, womit er zwangsläufig die doppelte Sicherheitslinie 
überfuhr und es keine Rolle mehr spielt, ob die beiden Polizisten von ihrem 
Standort C aus gesehen haben, ob X._____ die doppelte Sicherheitslinie