# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a22fec7d-cc23-5902-a99c-a2f0a3bc9802
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.01.2012 D-2230/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2230-2009_2012-01-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­2230/2009

U r t e i l   v om   3 1 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richterin Claudia Cotting­Schalch,
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

Parteien A._______, geboren (…),
Sudan,
vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M.,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 4. März 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  eigenen  Angaben  zufolge  ein  sudanesischer 
Staatsangehöriger  aus  B._______  (andere  Schreibweise:  C._______), 
Provinz  Nord­Darfur,  verliess  seinen  Heimatstaat  am  10. August  2008 
und gelangte via Libyen und Italien am 15. September 2008 illegal in die 
Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) 
D._______  um  Asyl  nachsuchte.  Am  1. Oktober  2008  wurde  der 
Beschwerdeführer im EVZ zu seinen Personalien und – summarisch – zu 
den  Asylgründen  befragt.  Am  21. Oktober  2008  erfolgte  die  direkte 
Anhörung durch das BFM.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer 
zusammengefasst geltend, er sei als Folge des Rebellenangriffs  im Mai 
2008  auf  Khartum  –  gleichzeitig  mit  vielen  anderen  aus  Darfur 
stammenden  Personen  –  festgenommen  und  rund  zweieinhalb  Monate 
festgehalten  worden.  Als  er  zusammen  mit  anderen  Personen  verlegt 
worden sei, sei das Fahrzeug von Unbekannten angegriffen worden, und 
sie hätten fliehen können. Daraufhin habe er das Land verlassen.

B. 
Mit Verfügung vom 4. März 2009 – eröffnet am 5. März 2009 – stellte das 
BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht, 
lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  verfügte  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  deren  Vollzug.  Zur 
Begründung  führte  die  Vorinstanz  zusammengefasst  aus,  die 
Schilderungen des Beschwerdeführers erfüllten die Anforderungen an die 
Glaubhaftigkeit nicht.

C. 
Der  Beschwerdeführer  liess  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe 
vom 6. April  2009 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben 
und in materieller Hinsicht beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei 
vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter 
sei  die Unzulässigkeit  oder  zumindest  die Unzumutbarkeit  des Vollzugs 
der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 
In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um 
Bewilligung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

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Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  in  Kopie  eine 
Wohnsitzbestätigung  der  Stadt  B._______  sowie  eine  Publikation 
(Annette Weber,  Die  "Schlacht  um Omdurman"  und  ihre  Folge  für  den 
Frieden im Sudan, in: SWP­Aktuell 50, Juni 2008) zu den Akten. Auf die 
Begründung  der  Beschwerdebegehren  sowie  die  Beweismittel  wird, 
soweit  für den Entscheid wesentlich,  in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  9. April  2009  teilte  der  Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurden die Gesuche um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Erlass  des  Kostenvorschusses 
abgewiesen  und  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  bis  24. April  2009 
einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten.

E. 
Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  reichte  mit  Eingabe  vom 
24. April  2009  ein Gesuch  um Wiedererwägung  der  Zwischenverfügung 
vom  9. April  2009  ein  mit  dem  Antrag,  es  sei  auf  die  Erhebung  des 
Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Gleichzeitig  reichte  er  ein  neues 
Herkunfts­Bestätigungsschreiben des Vorsitzenden des JEM (Justice and 
Equality Movements) Schweiz ein.

F. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  29. April  2009  wies  der  Instruktionsrichter 
das  Gesuch  um  Erlass  des  Kostenvorschusses  ab  und  räumte  dem 
Beschwerdeführer  eine  Nachfrist  von  drei  Tagen  zur  Bezahlung  des 
Kostenvorschusses ein.

G. 
Der Kostenvorschuss wurde am 30. April 2009 geleistet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 

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gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

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Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  demnach 
grundsätzlich  dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig 
und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen 
erschöpfen,  in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der 
inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der 
allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die 
gesuchstellende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf 
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn 
sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe 
des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet 
nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige 
Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im 
Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und  lässt 
durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen 
des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  im  Rahmen  einer 
Gesamtwürdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  des Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen oder 
nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 
und 3 AsylG; vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

5. 
5.1.  Das  Bundesamt  erachtete  zunächst  die  vom  Beschwerdeführer 
angegebene  Herkunft  aus  Darfur  als  nicht  glaubhaft.  So  habe  er  zu 
Protokoll  gegeben,  B._______  liege  im  "Bundesstaat  Darfur",  obschon 
die  Region  Darfur  verwaltungspolitisch  in  weitere  Bundesstaaten 
gegliedert  sei,  wobei  B._______  in  einem  anderen  Bundesstaat  liege. 
Weiter  stellten  die  vom Beschwerdeführer  genannten Ortschaften  keine 

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Nachbarorte  von  B._______  dar,  sondern  lägen  vielmehr  mehrere 
Kilometer  von  B._______  entfernt  und  teilweise  auch  in  anderen 
Bundesstaaten.  Kleinere  Ortschaften  in  der  Umgebung  von  B._______ 
hätte  der  Beschwerdeführer  hingegen  kennen  müssen.  Entgegen  der 
Aussage  des  Beschwerdeführers  stelle  "Berti"  sodann  keine  typische 
Verkehrs­  und  Umgangssprache  in  Darfur  dar  und  der  entsprechende 
Stamm, wozu sich der Beschwerdeführer zähle, siedle nicht vornehmlich 
in der Region Darfur, sondern in anderen sudanesischen Bundesstaaten. 
Der  Beschwerdeführer  beherrsche  keine  der  in  Darfur  gebräuchlichen 
Verkehrs­  und Umgangssprachen,  und  seine Angaben  zu dem von  ihm 
genannten  Tal  sowie  dem  Berg  in  der  Umgebung  von  B._______ 
entsprächen  nicht  den  tatsächlichen  geografischen  Gegebenheiten. 
Zudem  fehlten dem Beschwerdeführer Kenntnisse über die unmittelbare 
Umgebung sowie die Besonderheiten der Stadt B._______.

Weiter  zweifelt  die  Vorinstanz  auch  an  der  geltend  gemachten 
Festnahme  und  Haft  des  Beschwerdeführers.  So  habe  er  bei  der 
Kurzeinvernahme  angegeben,  er  sei  aus  dem  Gefängnis  geflohen, 
während er anlässlich der direkten Bundesanhörung ausgeführt habe, er 
sei vom Gefängnis per Auto zu einem anderen Ort gebracht worden, wo 
er hätte exekutiert werden sollen. Dieser Wagen sei beschossen und die 
Polizisten umgebracht worden, weshalb er habe  fliehen können. Zudem 
habe sich der Beschwerdeführer wenig detailliert  und personenbezogen 
über seine zweieinhalbmonatige Haft geäussert, und auch die Umstände 
seiner Festnahme habe er wenig realitätsgetreu beschrieben.

Schliesslich  hält  das  Bundesamt  dem  Beschwerdeführer 
tatsachenwidrige Angaben in Bezug auf den Angriff auf Khartum vom Mai 
2008 vor.

Zusammengefasst  kam  das  BFM  zum  Schluss,  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit 
gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.

5.2.  Der  Beschwerdeführer  lässt  den  vorinstanzlichen  Ausführungen 
entgegen halten, für die Bevölkerung gelte Darfur nach wie vor als Einheit 
mit Hauptverwaltung  in B._______. Die  Frage  nach  den Nachbar­Orten 
von  B._______  habe  der  Beschwerdeführer  dahingehend  verstanden, 
dass er andere wichtige Ortschaften in Darfur aufzählen solle, weshalb er 
die verschiedenen Städte genannt habe. Er sei auch nicht nach anderen 
Verkehrs­  und  Umgangssprachen  gefragt  worden,  sondern  danach, 

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welche  Sprachen  ausser  Arabisch  in  Darfur  sonst  noch  gesprochen 
würden. Die vom Beschwerdeführer genannte Sprache seines Vaters, der 
Dialekt  "Berti", sei ethnologisch eine ausgestorbene Sprache, welche  im 
Nordsudan, Tagabo Hills, Kordofan und in Darfur verbreitet gewesen sei. 
Nördlich  von  B._______  lebe  die  "Berti"  sprechende  Bevölkerung  in 
grosser  Konzentration,  ebenso  im  Osten  von  Darfur.  Insofern  sei  die 
Aussage,  dass  vornehmlich  in  Darfur  "Berti"  gesprochen  werde, 
zutreffend.  Da  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  nur  arabisch 
gesprochen habe, in der Koranschule in Arabisch unterrichtet worden sei 
und die Sprache "Berti" am Aussterben sei, erscheine es glaubhaft, dass 
er  nur  arabisch  spreche.  Schliesslich  trägt  der  Beschwerdeführer  in 
Bezug auf seine Herkunft vor, er kenne sehr wohl Gewässer und Seen in 
der  Umgebung  von  B._______,  er  sei  jedoch  nicht  danach  gefragt 
worden.  Zudem  habe  er  unaufgefordert  das  Tal  E._______,  den 
"F._______"  Berg  sowie  das  Flüchtlingslager  G._______  genannt.  Die 
Herkunft  des  Beschwerdeführers  werde  sodann  durch  das  mit  der 
Beschwerde eingereichte Beweismittel, eine Wohnurkunde, bestätigt.

Einen  Verstoss  gegen  Treu  und  Glauben  sieht  der  Beschwerdeführer 
darin,  dass  seine  in  der  Bundesanhörung  gemachten  detaillierten 
Ausführungen  als  im  Widerspruch  zu  den  in  der  Summarbefragung 
gemachten  Äusserungen  stehend  erachtet  wurden,  da  im  Protokoll  der 
Summarbefragung  ausdrücklich  festgehalten  worden  sei,  aus 
Kapazitätsgründen werde auf eine vertiefte Abklärung verzichtet.

Weiter wendet  der  Beschwerdeführer  ein,  seine Schilderungen  zur Haft 
seien  den  Umständen  entsprechend  detailliert  und  realitätsgetreu 
ausgefallen.  Es  sei  zu  beachten,  dass  ein  solches  Erlebnis  eine 
Traumatisierung  zur  Folge  haben  könne,  welche  oftmals  zu  einer 
emotionalen  Distanzierung  vom  Erlebten  führe.  Zudem  beachte  die 
vorinstanzliche Beurteilung der Schilderungen die besonderen Umstände 
der  Haft  nicht.  Der  Alltag  sei  monoton  und  ereignislos  gewesen.  Die 
detaillierte  Beschreibung  eines  derart  eintönigen  Alltags  könne  kaum 
ernsthaft  erwartet  werden.  Schliesslich  habe  der  Beschwerdeführer  die 
erlittenen Misshandlungen  insofern  recht ausführlich geschildert, als  ihm 
dies zuzumuten sei. Immerhin habe er geltend machen können, dass ihm 
während des Verhörs ein Daumennagel mit einer Zange entfernt worden 
sei,  und  er  habe  den  nachwachsenden Daumennagel  an  der Anhörung 
vorzeigen können.

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Hinsichtlich der Vorfälle vom Mai 2008 habe sich die Datumsangabe des 
Beschwerdeführers auf den Beginn der Repressalien gegen die Personen 
aus Darfur  bezogen  und  nicht  auf  den Angriff  selber.  Am  12. Mai  2008 
hätten die Sicherheitskräfte begonnen, Personen aus Darfur zu verhaften 
und zu schikanieren. Angesichts der sehr kurzen Summarbefragung habe 
der  Beschwerdeführer  keine  Gelegenheit  zur  ausführlichen  Schilderung 
oder  zum  Bemerken  des  Missverständnisses  gehabt.  Überdies  führten 
Sicherheitskräfte  nach  wie  vor  Razzien  durch,  welche  zum  Ziel  hätten, 
Anhänger  der  Darfur­Rebellen  aufzuspüren.  Opfer  seien  die  der 
Zusammenarbeit  mit  den  Rebellen  verdächtigten  Personen.  Betroffen 
wäre im Falle einer Rückkehr auch der Beschwerdeführer,  insbesondere 
wenn  die  Sicherheitskräfte  feststellten,  dass  er  im  Ausland  um  Asyl 
nachgesucht habe.

6.  
6.1.  Der  Beschwerdeführer  leitet  die  von  ihm  erlittene 
Verfolgungshandlung, nämlich seine Verhaftung und die anschliessende 
Haftzeit,  im  Wesentlichen  aus  seiner  Herkunft  aus  Darfur  ab.  Das 
Bundesamt  erachtet  sowohl  die  Herkunft  des  Beschwerdeführers  als 
auch  seine  Angaben  zur  Verhaftung  im Mai  2008  als  unglaubhaft.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  schliesst  sich  nach  Prüfung  der  Akten  den 
vorinstanzlichen Schlussfolgerungen – im Ergebnis – an.

6.2.  In  Bezug  auf  die Herkunft  des Beschwerdeführers  ist  zunächst mit 
der Vorinstanz davon auszugehen, dass eine tatsächlich aus B._______ 
stammende Person um die  im Jahr 1994 erfolgte Aufteilung der Region 
Darfur  in  die  drei  Bundesstaaten  Gharb  Darfur  (West  Darfur),  Schamal 
Darfur (Nord Darfur) sowie Dschanub Darfur (Süd Darfur) wissen müsste 
und  zumindest  den  Bundesstaat  (Nord  Darfur)  seiner  Heimatstadt 
B._______ kennen würde. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass 
der  Beschwerdeführer  ausdrücklich  nach  dem  Bundesstaat  gefragt 
wurde,  in  welchem  B._______  liegt  (vgl.  Akten  BFM  A1/10  S. 1),  und 
anschliessend  auch  noch  nachgefragt  wurde  (vgl.  a.a.O.  S. 2).  Der 
Einwand  auf  Beschwerdeebene,  wonach  die  Bevölkerung  die  gesamte 
Region  als  Darfur  wahrnehme,  überzeugt  angesichts  dieser  konkreten 
Fragestellung  nicht.  Dasselbe  gilt  für  die  vom  Beschwerdeführer 
beantwortete  Frage  nach  Orten  in  der  Umgebung  von  B._______.  Der 
Beschwerdeführer  wurde  nicht  nach  anderen  wichtigen  Orten  in  der 
Region  Darfur  gefragt,  sondern  explizit  danach,  welche  Orte  in  der 
Umgebung  von  B._______  lägen  (vgl.  A1/10  S. 2).  Die  Darstellung  auf 

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Beschwerdeebene, der Beschwerdeführer habe die (klare) Frage anders 
interpretiert, erweist sich als nicht stichhaltig.

Unklar bleibt für das Bundesverwaltungsgericht hingegen, worauf die vor­
instanzliche  Aussage  basiert,  dass  der  Stamm  der  "Berti"  nicht 
vornehmlich  in  der  Region  Darfur,  sondern  in  anderen  sudanesischen 
Bundesstaaten  siedle.  Nach  den  Kenntnissen  des  Gerichts  trifft  diese 
Aussage  des  BFM  nicht  zu,  vielmehr  wird  das  Zentrum  der  ethnischen 
Gruppe  der  "Berti"  tatsächlich  in  der  Region  um  Melit  (Nord­Darfur) 
lokalisiert  (vgl. Ladislav Holy, Religion and Custom  in a Muslim Society: 
The Berti of Sudan, Cambridge University Press 1991, p.xi). Allerdings ist 
durchaus  davon  auszugehen,  dass  Angehörige  der  Ethnie  der  "Berti" 
insbesondere  auch  in  der  Hauptstadt  Khartum  siedeln:  Aufgrund  von 
Handel, historischer Migration  innerhalb Sudans sowie zahlreicher  intern 
Vertriebener aus Konfliktregionen ist die Hauptstadt beziehungsweise die 
Region  "Greater  Khartoum"  [vgl.  dazu  nachfolgend  E. 6.3])  eine  multi­
ethnische Metropole mit Gemeinschaften  von Personen  aus Darfur  und 
anderen  Regionen  des  Landes.  Richtig  ist  hingegen,  dass  die  Angabe 
des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  der  Summarbefragung,  in  Darfur 
werde ausser arabisch unter anderem auch noch "Berti" gesprochen (vgl. 
A1/10  S. 2),  nicht  zutrifft.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  dass  die 
Sprache "Berti" bereits seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesprochen 
wird  (vgl.  Ladislav Holy,  a.a.O.,  P.  19),  es mithin  auch wenig  glaubhaft 
erscheint, dass der Vater des Beschwerdeführers noch "Berti" spricht und 
der Beschwerdeführer selbst es verstehe, wenn "Berti" gesprochen werde 
(vgl.  A1/10  S. 7).  Nicht  zuzustimmen  ist  sodann  der  auf 
Beschwerdeebene  geltend  gemachten  Behauptung,  das  Tal  (Wadi) 
E._______  befinde  sich  in  der  Nähe  von  B._______.  Dieses  Tal  liegt 
gegenteils  in West Darfur, nahe der Grenze zu Tschad, und damit  rund 
200 km Luftlinie von B._______ entfernt. Das  tatsächlich bei B._______ 
liegende  Wadi  H._______  (auch  I._______)  wurde  vom 
Beschwerdeführer  hingegen  nicht  erwähnt.  Nicht  eruiert  werden  konnte 
sodann, wo sich der vom Beschwerdeführer genannte Berg "F._______" 
befinden  sollte.  Es  hätte  am  Beschwerdeführer  gelegen,  die 
entsprechende  Lokalität  im  Beschwerdeverfahren  zu  belegen.  Gesamt 
betrachtet überzeugt die Behauptung des Beschwerdeführers nicht, er sei 
in B._______ geboren, dort aufgewachsen und habe den überwiegenden 
Teil seines Lebens dort verbracht.

Die  vom  Beschwerdeführer  auf  Beschwerdeebene  eingereichte 
Wohnsitzbestätigung  vermag  am  Ergebnis  aus  verschiedenen  Gründen 

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nichts  zu  ändern.  Zunächst  handelt  es  sich  um  eine  Kopie,  deren 
Beweiskraft  schon  aus  diesem  Grund  nur  sehr  beschränkt  ist.  Hinzu 
kommt,  dass  die  Annahme  nahe  liegt,  derartige  Bestätigungsschreiben 
könnten ohne Weiteres gegen entsprechendes Entgelt erhältlich gemacht 
werden.  Dabei  gibt  allein  schon  zu  Zweifeln  Anlass,  dass  dem 
Beschwerdeführer  im  März  2009  ein  Wohnsitz  in  B._______  bestätigt 
wird, obschon er sich bereits seit Mitte September 2008  in der Schweiz 
aufhält.  Schliesslich  bleibt  darauf  hinzuweisen,  dass  der 
Beschwerdeführer bis heute keine  Identitätspapiere  im eigentlichen Sinn 
(vgl.  BVGE  2007/7)  eingereicht  hat.  Entsprechend  lässt  sich  die 
Wohnsitzbestätigung  auch  nicht  eindeutig  dem  Beschwerdeführer 
zuordnen.  Hinsichtlich  der  mit  Eingabe  vom  24. April  2009 
nachgereichten  Bestätigung  kann  sodann  auf  die  Ausführungen  in  der 
Zwischenverfügung vom 29. April 2009 verwiesen werden.

Zusammengefasst ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seine Herkunft 
aus  Darfur  –  wie  bereits  vom  BFM  festgehalten  –  nicht  glaubhaft  zu 
machen vermochte. Ob der Beschwerdeführer tatsächlich der Ethnie der 
"Berti" zugehört, kann offen gelassen werden.

6.3.  Aus  dem  vorstehend  Gesagten  ergibt  sich  bereits,  dass  die 
Festnahme  des Beschwerdeführers,  welche  gestützt  auf  seine Herkunft 
aus Darfur erfolgt sein soll, wenig wahrscheinlich erscheint.  Im Weiteren 
vermögen  jedoch  auch  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zu 
seiner Festnahme, der anschliessenden Haft sowie seiner Flucht nicht zu 
überzeugen, wie nachstehend aufgezeigt wird. 

In  der  Beschwerdeschrift  wird  zutreffend  darauf  hingewiesen,  dass 
anlässlich  der  Summarbefragung  im  EVZ  D._______  aus 
Kapazitätsgründen keine vertiefte Abklärung zu den Asylgesuchsgründen 
erfolgte  (vgl. A  1/10 S. 6).  Tatsächlich  ist  davon auszugehen,  dass  den 
Aussagen  in  der  Empfangsstelle  angesichts  des  summarischen 
Charakters dieser Befragung nur ein beschränkter Beweiswert zukommt. 
Widersprüche  dürfen  für  die  Beurteilung  der  Glaubwürdigkeit  nur  dann 
herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  im  EVZ  in  wesentlichen 
Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  diametral 
abweichen  (vgl.  EMARK  1993  Nr. 3).  Das  Bundesamt  wirft  dem 
Beschwerdeführer  vor,  er  habe  anlässlich  der  Summarbefragung 
angegeben,  aus  dem  Gefängnis  geflohen  zu  sein,  währenddem  er 
anlässlich der Bundesanhörung dargelegt habe, er sei vom Gefängnis per 
Auto  zu  einem  anderen  Ort  gebracht  worden,  um  dort  exekutiert  zu 

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werden.  Dieser  Wagen  sei  beschossen,  die  Polizisten  umgebracht 
worden,  und  so  habe  er  anschliessend  fliehen  können.  Dem 
Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass der vom BFM aufgeführte 
und  ihm  angelastete  Widerspruch  einer  Prüfung  nicht  standhält.  Die 
fragliche  Aussage  des  Beschwerdeführers  im  Befragungsprotokoll  vom 
1. Oktober 2008 stand nicht  im Zusammenhang mit den Asylvorbringen, 
sondern  mit  den  Umständen  der  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat  (vgl. 
A1/10 S. 7). Der Beschwerdeführer  gab  an,  er  sei  nicht  legal  entlassen 
worden, er sei entweder am 1. oder 2. August 2008 aus dem Gefängnis 
geflohen.  Genauere  Angaben  zu  dieser  Flucht  finden  sich  im 
Befragungsprotokoll  nicht, mithin  schliesst  die Aussage,  er  sei  aus dem 
Gefängnis  geflohen,  das  anlässlich  der  Anhörung  geschilderte 
Fluchtereignis  nicht  zwingend  aus.  Somit  lässt  sich  diesbezüglich  der 
Vorwurf  eines  widersprüchlichen  Aussageverhaltens  nicht  aufrecht 
erhalten.

Als zu eng erweist sich im Weiteren der Vorwurf der Vorinstanz, es habe 
sich  beim  Angriff  der  Rebellen  des  JEM  nicht  um  einen  Angriff  auf 
Khartum  gehandelt,  vielmehr  seien  die  Rebellen  bereits  in  Omdurman 
von den sudanesischen Sicherheitskräften aufgehalten worden. Die drei 
Städte Khartum, Khartum­Nord  (Khartum­Bahari)  und Omdurman bilden 
beim  Zusammenfluss  des  Weissen  und  des  Blauen  Nils  das 
Städtekonglomerat  "Greater Khartoum"  (auch  "Three Cities") mit  rund 5 
Millionen  Einwohner.  Bereits  aus  diesem  Grund  kann  durchaus  von 
einem Angriff auf Khartum gesprochen werden. Dass sodann der Angriff 
der  Rebellen  bereits  in  Omdurman  zurückgeschlagen  wurde,  bedeutet 
nicht,  dass  nicht  Khartum  (im  engeren  Sinn)  das  Ziel  des  Angriffes 
bildete.  Eine  tatsachenwidrige  Angabe  muss  diesbezüglich  ebenfalls 
verneint  werden.  Zuzustimmen  ist  der  Vorinstanz  hingegen  darin,  dass 
der  Angriff  der  Rebellen  am  10. Mai  2008  erfolgte  und  nicht,  wie  vom 
Beschwerdeführer  sowohl  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  (vgl.  A1/10 
S. 6) als auch der Anhörung durch das BFM (vgl. A8/15 S. 7) dargelegt, 
am  12. Mai  2008.  Angesichts  der  protokollierten  und  vom 
Beschwerdeführer  nach  der  Übersetzung  bestätigten  Aussage,  am 
12. Mai  2008  sei  die  Stadt  Omdurman  gestürmt  worden,  vermag  der 
Erklärungsversuch auf Beschwerdeebene, die Datumsangabe habe sich 
auf  den  Beginn  der  Repressalien  gegen  die  Personen  aus  Darfur 
bezogen,  nicht  zu  überzeugen.  Abgesehen  davon  erscheint  es  auch 
wenig  wahrscheinlich,  dass  die  Sicherheitskräfte  mit  den 
Repressionsmassnahmen bis  zum 12. Mai  2008  zugewartet  hätten  (vgl. 
etwa  Crackdown  in  Khartoum,  Mass  Arrests,  Torture,  and 

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Disappearances since  the May 10 Attack, Juni 2008, S. 14  ff., publiziert 
auf  der  Webseite  von  Human  Rights  Watch,  <http://www.hrw.org>  > 
reports  >  2008/06/16 >  crackdown­khartoum­0 >,  besucht  am 6. Januar 
2012). Diesbezüglich erweist sich der Vorwurf der Tatsachenwidrigkeit als 
begründet.

Beizupflichten  ist dem Bundesamt – entgegen den Ausführungen  in der 
Beschwerdeschrift  –  schliesslich  darin,  dass  die  Schilderungen  des 
Beschwerdeführers  zu  seiner  Verhaftung  sowie  der  Haftzeit  nicht  den 
Eindruck zu erwecken vermögen, es handle sich um die Schilderung von 
selbst  Erlebtem.  Es  kann  diesbezüglich  auf  die  zutreffenden 
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Ohne 
die  Ereignisse  im  Sudan  bagatellisieren  zu  wollen,  sind  aus  den  Akten 
keine  Hinweise  auf  eine  Traumatisierung  des  Beschwerdeführers  zu 
entnehmen,  welche  sich  wesentlich  auf  sein  Aussagevermögen 
ausgewirkt  hätte.  Ausserdem  sind  auch  einzelne  Angaben  wenig 
nachvollziehbar, so schilderte der Beschwerdeführer, sie hätten Tag und 
Nacht  nicht  voneinander  unterscheiden  können,  hätten  aber  jeweils 
morgens und abends Mahlzeiten erhalten (vgl. A 8/15 S. 9), am Morgen 
hätten sie Brot erhalten, abends um zirka 17 Uhr das Wasser (vgl. a.a.O. 
S. 10).  Angesichts  der  vom  Beschwerdeführer  genannten  Anzahl  an 
Personen  auf  kleinem  Raum  ist  weiter  davon  auszugehen,  dass  unter 
den  Festgehaltenen  hinsichtlich  des  Aufenthaltsortes  Informationen 
bekannt  geworden  wären.  Schliesslich  erscheint  auch  die  vom 
Beschwerdeführer  geschilderte  Flucht  beziehungsweise  Befreiung  eher 
unrealistisch und unsubstanziiert. So fehlen auch hier konkrete Angaben, 
etwa  dazu,  wer  den  Gefangenen  die  angeblich  angebrachten 
Augenbinden (vgl. a.a.O. S. 12) abnahm. Nicht nachvollziehbar  ist auch, 
weshalb der Beschwerdeführer, der angeblich mit der Rebellenbewegung 
nichts  zu  tun hatte,  ohne Weiteres  in  den bereit  stehenden Landcruiser 
auf­ und nach Libyen mitgenommen wurde.

In  Berücksichtigung  aller  Umstände  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Gesagten  zum  Schluss,  dass  der 
Beschwerdeführer  weder  seine  Herkunft  noch  die 
Verfolgungshandlungen  glaubhaft  zu  machen  vermochte.  Bei  dieser 
Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen 
einzugehen, weil sie zu keiner abweichenden Betrachtungsweise führen. 
Die  Vorinstanz  hat  damit  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt.

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7. 
7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9, EMARK 2001 Nr. 21).

8. 
8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 

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grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

8.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Sudan  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Sudan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Sudan lässt 
den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

8.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

8.5.  Der  Beschwerdeführer  vermochte  –  wie  vorstehend  aufgezeigt – 
seine  Herkunft  aus  Nord­Darfur  nicht  glaubhaft  zu  machen.  Den 

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Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  zufolge  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­63/2010 vom 27. September 2011) besteht 
im  Sudan  ausserhalb  der  Region  Darfur  keine  Situation  allgemeiner 
Gewalt, und es sind keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass 
der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  einem  ausserhalb  der 
Region  Darfur  gelegenen  Gliedstaat  einer  konkreten  Gefährdung  im 
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt wäre. 

Sodann  sind  auch  keine  individuellen  Gründe  in  der  Person  des 
Beschwerdeführers  ersichtlich,  die  den  Wegweisungsvollzug  als 
unzumutbar erscheinen  liessen. Es handelt sich beim Beschwerdeführer 
um einen  jungen und  laut Akten gesunden Mann,  der  über mehrjährige 
Berufserfahrung  im Handel  verfügt,  was  ihm  bei  einer  Rückkehr  in  den 
Sudan  von Nutzen  sein  kann.  Zudem  ist  gestützt  auf  die  Angaben  des 
Beschwerdeführers  davon  auszugehen,  dass  er  jedenfalls  aufgrund 
seiner beruflichen Tätigkeit über ein Beziehungsnetz  in Khartum verfügt, 
was ihm eine Reintegration zusätzlich erleichtern dürfte.

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

8.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

8.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

9. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 

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insgesamt  Fr. 600.­­  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am 
30. April  2009  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu 
verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

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