# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1cc4522-e49d-5c69-951d-fbbe92714fe1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-24
**Language:** de
**Title:** Auf das von der Krankentaggeldversicherung eingeholte Gutachten kann abgestellt werden. Die Berichte des behandelnden Arztes sind nicht genügend beweiswertig. Volle Arbeitsfähigkeit auch in der angestammten Tätigkeit; Abweisung
**Docket/Reference:** IV.2024.00169
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00169.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00169
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
24. März 2025
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Claudia Eugster
lelex
Rechtsanwälte
Allmendstrasse 7, Postfach 1523, 8027
Züri
ch
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1963,
verfügt über eine Ausbildung als Agronom und einen Masterabschluss der
Y.___
(
Urk.
7/7) und
war von März 1996 bis Dezember 2022 beim
Z.___
,
A.___
, als
Golf Course Manager
tätig (
Urk.
7/8
Ziff.
5.4;
Urk.
7/
7
). Am 1
8.
April 2023 meldete er sich unter Hinweis auf eine reaktive Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/8
Ziff.
6.1). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug;
Urk.
7/
20
)
ein und zog die Ak
ten der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
7/21/1-84
;
Urk.
7/28/1-31
)
inklusive ein durch diese veranlasstes Gutachten von
Dr.
med.
B.___
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
August 2023 (
Urk.
7/28/5-10) bei.
Gestützt auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vor
bescheid vom 2
1.
September 2023 die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/33). Dagegen erhob dieser am 2
3.
Oktober 2023 (
Urk.
7/34) und 2
8.
November 2023 (
Urk.
7/42) Einwände und reichte einen Bericht seines behan
delnden Therapeuten
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
9.
Oktober 2023 (
Urk.
7/40) ein.
Am
9.
Februar 2024 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
7/46
=
Urk.
2
).
2.
Am 1
1.
März 2024 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
Februar 2024 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die Zusprechung der gesetzlichen Leistungen, insbesondere einer Rente ab Juni 2023, eventualiter die Rückweisung der Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung (
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
April 2024 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, was dem Beschwerdeführer
mit Verfü
gung vom
8.
Mai 2024
(
Urk.
8)
zur Kenntnis gebracht wurde. Am 1
1.
März 2024 (richtig: 2025) reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme (
Urk.
9) und ei
nen Bericht von
Dr.
C.___
vom 1
2.
Februar 2025 (
Urk.
10) ein. Diese
Eingaben
wurden der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
7.
Februar 2025 zugestellt (
Urk.
11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im April 2023 anhängig gemachten Anmeldung bei der Invali
denversicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
Oktober 2023
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
Nachdem die Arbeitsunfähigkeit im Dezember 2022 eintrat (vgl.
Urk.
7/21/
69
Ziff.
5
), lief das Wartejahr (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
jedoch erst
im Dezember 2023 ab.
In dieser Konstellation ist die seit 1. Januar 2022 geltende Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Erw
erbsunfähigkeit ist gemäss Art.
7 ATSG der durch Beeinträchtigung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden au
sgeglichenen Ar
beitsmarkt (Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur
vor, wenn sie aus objektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenanspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt.
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgest
ützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser
grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.6
Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, beim Gutachten des Krankentag
geldversicherers handle es sich lediglich um eine Parteibehauptung (
Urk.
1 S. 14), beruft er sich auf Rechtsprechung
(
BGE 141 III 433), welche im sozialversiche
rungsrechtlichen Verfahren keine Anwendung findet. Der Umstand, wonach ein Gutachten im Auftrag eines Krankentaggeldversicherers - und somit nicht im Verfahren nach
Art.
44 ATSG - erstellt wurde, spricht nicht gegen dessen Beweis
kraft für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversiche
rung. Einer zwingenden medizinischen Beurteilung nach den Grundsätzen von
Art.
44 ATSG bedarf es daher nicht. Indessen sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit einer solchen Expertise, so sind, wie bei versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen, ergänzende Abklärungen vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 2
4.
Januar 2024 E. 5.2.1
m.w.H
.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Gemäss dem von der Krankentaggeldversicherung eingeholten Gutachten von
Dr.
B.___
liege eine volle Arbeitsfähigkeit vor. Es bestehe keine Diag
nose, die eine langdauernde Erwerbsunfähigkeit begründe. Somit bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 1). Gemäss dem im
Ein
wandverfahren
eingereichten Bericht von
Dr.
C.___
vom 2
9.
Oktober 2023
bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten. Diese An
gaben seien jedoch nicht weiter begründet worden und seien deshalb nicht nachvollziehbar (S. 1 unten f.).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
6) hielt die Beschwerdegegnerin fest,
Dr.
B.___
komme nach persönlicher Untersuchung des Beschwerdeführers mit einlässlicher Begründung zum Schluss, dass keine
oder unklare
Diagnosen
vor
handen seien, welche die Arbeitsunfähigkeit begründeten. Auf dieses Gutachten sei abzustellen (S. 1). Vor dem Hintergrund der fachärztlichen Kritik von
Dr.
B.___
sei nachvollziehbar, dass sich der behandelnde Therapeut diffamiert fühle. Allerdings begründe dessen subjektive Sicht keinen Zweifel an der gutachterli
chen Beurteilung, zumal
Dr.
C.___
nicht auf die Ausführungen des Gutachters eingehe. Seine Arbeitsunfähigkeitsatteste seien als reine Gefälligkeits
atteste zu werten. Weiter habe
Dr.
B.___
festgestellt, das Verhalten des Beschwerdeführers entspreche einer laienhaften Vorstellung über Ursachen und Symptome einer Depression, weshalb die Frage einer Aggravation oder Simula
tion im Raume stehe. Das so umschriebene Verhalten gehe eindeutig über die blosse Beschwerdeverdeutlichung hinaus, weshalb rechtsprechungsgemäss keine versicherte Gesundheitsschädigung vorliege. Weitere Abklärungen seien nicht vorzunehmen (S. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen (
Urk.
1),
Dr.
C.___
habe eine depressive Störung von mittelgradiger Schwere sowie einen Erschöpfungs
zustand festgestellt und erachte ihn in der angestammten Tätigkeit als Leiter Greenkeeper
mit
Führung eines Teams
immer noch
als nicht arbeitsfähig. In angepassten Tätigkeiten mit einem bedeutend geringerem Anforderungsniveau gehe er von einer Arbeitsfähigkeit von 20
%
beziehungsweise 40
%
aus (S. 3
Ziff.
9).
Er sei nach wie vor in der angestammten Tätigkeit vollständig arbeitsun
fähig (S. 4
Ziff.
10). Die Beschwerdegegnerin habe einzig auf das Gutachten von
Dr.
B.___
abgestellt. Da der behandelnde Arzt eine dezidiert andere Ansicht vertrete, wären jedoch weitere Abklärungen nötig gewesen. Der Bericht von
Dr.
B.___
stelle eine reine Parteibehauptung dar und habe keinen höheren Beweiswert als die Darlegungen des behandelnden Arztes. Zudem kenne dieser den Langzeitverlauf. Eine medikamentöse Therapie finde statt. Anlässlich der Be
gutachtung, die nur kurz gedauert habe, habe er (der Beschwerdeführer) sich nicht verstanden gefühlt und das Gespräch sei nur einseitig auf die frühere Arbeit fokussiert gewesen (S. 4
Ziff.
14-15).
Einzig auf den Bericht des Vertrauensarztes der Krankentaggeldversicherung könne und dürfe nicht abgestellt werden. Es sei auch nicht so, dass er oder sein behandelnder Arzt mit dessen Einschätzung ein
verstanden
seien
. Er könnte sich aber nur mit einem Privatgutachten dagegen wehren
, wofür er die finanziellen Mittel nicht habe. Er habe aber darauf vertrauen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt genügend abkläre (S. 5
Ziff.
17).
Zudem sei der regionale ärztliche Dienst (RAD) nicht miteinbezogen
worden
(S. 5
Ziff.
18)
.
In der Folge habe sich sein Gesundheitszustand verschlech
tert und die Medikation habe erhöht werden müssen, weshalb auch aus diesem Grund nicht auf das Gutachten von
Dr.
B.___
abgestellt werden könne (
Urk.
9 S. 2
Ziff.
2
-
3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Dr.
C.___
diagnostizierte in seinem zuhanden der Krankentaggeld
versicherung
ausgefüllten Formularbericht vom 1
8.
Februar 2023 eine reaktive Depression (ICD-10 F32.1)
und
attestierte ab
5.
Dezember 2022 eine volle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers (
Urk.
7/21/69
Ziff.
3,
Ziff.
5).
M
it Bericht vom 2
9.
April 2023 (
Urk.
7/21/11-12)
nahm er
Stellung zu den Fragen der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
7/21/29)
. Darin
sprach er nunmehr von
eine
r
depressive
n
Störung (ICD-10 F32.1)
und ein
em
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0; S. 1). Zum psychopathologischen Status hielt
Dr.
C.___
fest, die Orientierung sei unauffällig, die Kognition sei beeinträchtigt im Sinne von Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitsstörungen. Das Den
ken sei formal ungestört, inhaltlich oft eingeengt auf die berufliche Situation beziehungsweise
die
berufliche und existentielle Zukunft. Der Antrieb sei oft reduziert, es bestehe eine mangelnde Energie und ein herabgesetzter Lebensmut.
Hinweise für Wahn, Sinnestäuschungen oder für Ich-Störungen im Sinne von
Derealisations
- oder Depersonalisationsphänomenen oder für Fremdbeeinflus
sungserleben liessen sich nicht erkennen. Es bestehe eine rezidiv
i
erend deprimiert-ängstliche Grundstimmung, die unverändert labil sei. Die Interessen seien stark eingeschränkt. Es bestehe eine rasche Ermüdbarkeit mit protrahierten Erholungsphasen nach körperlicher und mentaler Anstrengung. Das Funktions- und
das
Leistungsniveau sei
en
reduziert, es best
ünden
ein Selbstwertverlust und oft ein Gefühl der Wertlosigkeit
,
Schlafstörungen im Sinne von Einschlaf- und Durchschlafproblemen, ein verminderter Antrieb und eine verlangsamte Psycho
motorik. Anhaltspunkte für eine akute Suizidalität seien nicht nachweisbar (S. 1
Ziff.
2). Der Beschwerdeführer nehme
zur Zeit
Laitea
als beruhigendes und stim
mungsstabilisierendes Psychopharmakon ein (S. 1
Ziff.
3). Die Behandlungsfre
quenz sei 14-täglich und bestehe in einer fachärztlich psychiatrisch-psychothe
rapeutischen,
supportiv
-lösungsorientierten Intervention (S. 2
Ziff.
4-5). Zur Frage der Auswirkungen der Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit verwies
Dr.
C.___
auf die Diagnose und den Befund
(S. 2
Ziff.
6). Als Aus
wirkungen der psychischen Erkrankung auf das alltägliche Leben nannte er einen sozialen Rückzug, rasche Ermüdbarkeit, eine reduzierte Konfliktfähigkeit bei rasch auftretender Überforderung und Gereiztheit im interpersonalen Kontakt
sowie
eine Interesse-, Freud- und Hoffnungslosigkeit,
was
in den gesamten Lebensvollzügen ersichtlich sei. Das Antriebs-, Funktions- und Leistungsniveau sei
en
erheblich reduziert (S. 2
Ziff.
7). Der Beschwerdeführer sei aufgrund der diagnostizierten psychischen Erkrankung
nicht in der Lage, seine ursprüngliche Tätigkeit als Golfplatzverantwortlicher auszuüben beziehungsweise den Anforde
rungen, die der erste Arbeitsmarkt an ihn stellen würde, gerecht zu werden
(S. 2
Ziff.
8)
.
Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrisch-medizinischer Sicht aufgrund der protrahierten psychischen Erkrankung und den eingeschränk
ten psycho-physischen Ressourcen
zur Zeit
nicht realistisch (S. 2
Ziff.
9).
3.2
3.2.1
In seinem
nach Berücksichtigung der Akten (S. 2), Erhebung der Anamnese (S. 3 f.) und Durchführung einer eigenen Untersuchung (S. 4) erstatteten
Gutachten vom
1
8.
August 2023 (
Urk.
7/28/
5
-10) hielt
Dr.
B.___
fest, es seien keine oder unklare Diagnosen vorhanden, welche die aktuelle Arbeitsunfähigkeit begründeten. Es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 4
Ziff.
3). Der Beschwer
deführer habe berichtet, dass ihm seine letzte Arbeitsstelle nach 27 Jahren Tätig
keit beim gleichen Arbeitgeber gekündigt worden sei. Er habe bei diesem ver
schiedene Bauprojekte begleitet, wobei er sich aufgrund der Stressbelastung beim letzten Projekt vorübergehend von seiner Ehefrau habe trennen müssen. Im Jahr 2021 sei es zu einem Vorgesetztenwechsel gekommen. Die Kommunikation mit dem neuen
Vorgesetzten
sei von Anfang an sehr schwierig gewesen; dieser habe ihn nicht gemocht und Psychoterror betrieben. Am 2
2.
April 2022 sei ihm fristlos gekündigt worden. Die Gründe seien ihm bis heute nicht kommuniziert worden. Der
ehemalige
Arbeitgeber verbreite nun Gerüchte über ihn, wodurch ihm die Stellensuche stark erschwert werde. Überhaupt würden ihn diese Gerüchte depressiv machen. Seinen Therapeuten sehe er ein- bis zweimal im Monat und
bekomme 50
mg
Trittico
zur Nacht und morgens
Laitea
Kapseln. Ob und was genau die ambulante Behandlung genutzt habe, könne er nicht angeben
;
während des Spaziergangs
mit dem Hund zu reden,
beruhige ihn genauso gut. Die starke Depression, die er bei Behandlungsbeginn gehabt habe, habe sich inzwischen gebessert. Er könne wieder essen und habe sich im Allgemeinen beruhigt. Auch die Nervosität sei zurückgegangen. Vor sechs Wochen habe er von den Gerüch
ten
,
die der ehemalige Arbeitgeber über ihn
verbreite
,
erfahren, dadurch sei es zu einer Zunahme der Nervosität gekommen, seither habe er keine Lust
mehr
zum Fitnesstraining, Golf spielen und in die Sauna gehen (S. 3). Er könne sich in einem Gespräch von Gedanken über die aktuelle Situation und das ihm angetane Unrecht sehr gut lösen. In den letzten vier Monaten habe er durch Sport und weniger Essen gewollt vier Kilogramm abgenommen. Er habe Sorgen, was seine
eigene
und die Zukunft seiner Tochter angehen, andere Ängste habe er nicht. Sei
n
e Konzentrationsfähigkeit sei unbeständig, bisweilen konzentriere er sich zu
viel, dann wieder zu wenig (S. 3 unten f.).
3.2.2
Dr.
B.___
hielt fest, der Beschwerdeführer sei im Erscheinungsbild gut ge
pflegt
gewesen
, mit einem frischen Teint, und hinterlasse einen vitalen, erholten Eindruck. Die Fragen
seien
prompt, wort- und detailreich, jedoch informations
arm und merklich defizitorientiert beantwortet
worden
. Das Auftreten sei durchaus agil, zudem
appellativ
, in geringerem Ausmass demonstrativ. Es ergäben sich keine Ermüdungserscheinungen im Gesprächsverlauf
, der Beschwer
deführer verfüge über exzellente soziale Fertigkeiten bis hin zur direkten
Mani
pulativität
(S. 4). Zum psychopathologischen Befund führte der Gutachter aus, der Beschwerdeführer sei wach und zu allen Qualitäten orientiert. Er gebe eine Grübelneigung an, sei formalgedanklich geordnet, kohärent, nicht verlangsamt, nicht eingeengt. Subjektiv sei er kognitiv-mnestisch defizitär, bei detaillierter Prüfung seien die
Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit,
Mnestik
, Fähigkeit zu abstraktem Denken und Auffassungsgabe intakt
. Die Grundstimmung werde als ohne zirkadiane Rhythmik beeinträchtigt angegeben, affektiv leicht bis punktuell mittelgradig klagsam, nicht deprimiert,
es best
ünden
keine Dysphorie, keine Affektarmut oder -starre. Trotz Nachfragen erfolgten keine schlüssigen Angaben zur Antriebslage und
Hedonie
. Es lägen keine Insuffizienz- oder Schuldgefühle beziehungsweise Selbstvorwürfe vor. Die Angabe von Einschlafstörungen mit Verkürzung der nächtlichen Schlafdauer sei nicht
präzisierbar
(S. 4).
3.2.3
Der Gutachter führte aus, der Beschwerdeführer sei am
5.
Dezember 2022 von seinem Psychiater zu 100
%
krankgeschrieben worden. In den seither vergange
nen acht Monaten sei diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unverändert geblieben. Es sei in der Folge zu keiner Anpassung der
ambulanten
Behandlung oder
zu
eine
m
stationären
Aufenthalt
gekommen (S. 4).
Anlässlich der Untersu
chung habe der Beschwerdeführer ein auffälliges Bild angeboten. Konkret sei auf
gefallen, dass seine Schilderungen und sein Verhalten
keiner depressiven Symptomatik im fachärztlich-psychiatrischen Sinn, sondern vielmehr laienhaften Vorstellungen über Ursachen und Symptome von Depressionen entsprächen
(S. 4 unten f.)
.
Es seien beträchtliche Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten
Beschwerden und dem beobachtbaren Teil des psychiatrischen Befundes vorhan
den gewesen.
Obwohl der Beschwerdeführer diverse psychische Beschwerden beklagt habe, habe er während der gesamten Untersuchungsdauer
ein von rele
vanten Defiziten freies Verhalten gezeigt. Eine detaillierte Beschwerdeschilderung sei weder spontan noch auf strukturiertes Nachfragen hin erfolgt. Der Beschwer
deführer sei in seinen Angaben auffällig vage und ungenau gewesen und im Auf
treten durchgehend
appellativ
. Auch eine relevante
Demonstrativität
sei gezeigt worden; der Beschwerdeführer habe den Eindruck des Unechten, zur Schau
G
e
stellten erweckt. Über die seit mehreren Monaten laufende ambulante Behand
lung seien vom Beschwerdeführer selbst bei explizite
m
Nachfragen keine detaillierten Informationen erhältlich gewesen. Obwohl er in der Beschreibung seines Alltags erheblich defizitorientiert gewesen sei und seine Angaben insgesamt vage ausgefallen seien, habe sich in den Beschreibungen des Beschwer
deführers mühelos eine Struktur mit einer etablierten Alltagsroutine erkennen lassen. Ein Vorhandensein von relevanten Funktionsdefiziten sei damit, wie auch mit dem aktuell erhobenen fachpsychiatrischen Befund, nicht zu vereinbaren. Mangels authentischer Beschwerdeschilderung und in Abwesenheit von Defiziten im beobachtbaren Teil des psychiatrischen Befundes sei keine psychiatrische Diagnose zu stellen. Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführer
s
sei somit als nicht beeinträchtigt zu beurteilen (S. 5).
3.2.4
Zu den Berichten von
Dr.
C.___
hielt
Dr.
B.___
fest, die gültige ICD-Klassifikation kenne die Diagnose einer reaktiven Depression nicht
. D
ieser Begriff könne allenfalls synonymisch zu einer Anpassungsstörung benutzt wer
den, was jedoch entsprechend zu kodieren wäre. Die Befunde entsprächen in kei
ner Weise den aktuellen Standards für die psychiatrische Befunderhebung. Es finde sich lediglich eine
unsystematisierte
, grob unvollständige und nur zum Teil AMDP
-
(
Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiat
rie) konforme Ansammlung von psychopathologischen Merkmalen. Eine Quanti
fizierung werde nicht vorgenommen und die beklagten Beschwerden würden nicht in eine Relation mit dem beobachtbaren Teil des Befundes gebracht. Es sei kein sorgfältiges, lege artis durchgeführtes fachpsychiatrisches Assessment vorgenommen worden. Zudem handle es sich bei dem verordneten Medikament
Laitea
um eine Lavendelölzubereitung mit allenfalls milde ausgeprägter anxioly
tischer Wirkung,
es
verfüge aber nicht über stimmungsstabilisierende oder antidepressive Eigenschaften und sei zudem zur Behandlung von depressiven Episoden nicht zugelassen. Weiter stelle eine «
supportiv
-lösungsorientierte Inter
vention» keine wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethode von depressiven Episoden dar (S. 5).
Aus gutachterlicher Sicht stehe fest, dass anhand der vorliegenden, aus versiche
rungspsychiatrischer Sicht grob mangelhaften Aktenangaben nicht
als
erstellt
gelten
k
ö
nn
e
, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum der aktuellen
Krankschrei
bung an einer psychischen Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gelitten habe. Auch die anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers und der aktuell erhobene fachpsychiatrische Befund lieferten keine hinreichend sicheren Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer solchen Störung in der Vergangen
heit (S. 6).
3.3
Dr.
C.___
attestierte am 2
7.
September 2023
weiterhin
eine volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. In einfachen, repetitiven Arbeiten sei der Beschwerdeführer zu maximal 20
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/35).
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm
Dr.
C.___
zuhanden der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am
2
9.
Oktober 2013 (richtig. 2023;
Urk.
7/40)
Stellung
zum Gutachten von
Dr.
B.___
und führte aus, seinem
(eigenen)
Bericht vom April 2023 sei nichts hinzuzufügen.
Der Beschwerdeführer habe seit Behandlungsbeginn an einer depressiven Störung gelitten und er (
Dr.
C.___
) habe in seinem Bericht seine Beurteilung als Behandler entsprechend den dort gestellten Fragen in seinen Antworten genügend begrün
det. Dass
Dr.
B.___
in seinem Gutachten eine depressive Störung sowie einen psycho-physischen Erschöpfungszustand überhaupt, also auch anamnestisch, verneine, sei in keiner Weise nachvollziehbar und könne nicht als Resultat einer sorgfältigen medizinischen Abklärung und Gewichtung der vorliegenden Psycho
pathologie gewertet werden. Stattdessen werde nicht nur
er,
der Behandler
,
diffamiert, sondern auch der Beschwerdeführer als nicht authentisch beschrieben, was einzig durch eine entsprechende gutachterliche und versicherungsmedizini
sche Grundhaltung des Gutachters erklärbar werde (S. 1). Der Beschwerdeführer besitze aufgrund der unverändert vorliegenden psychischen Störung eine sehr begrenzte Stressresistenz. Das Leistungs-, Antriebs- und Funktionsniveau sei
en
immer noch reduziert
:
von einer Leistungskonstanz sei nicht zu spreche
n
. Sein psychischer Gesundheitszustand wechsle rasch zwischen knapp kompensiert und dekompensiert und bereits gering erhöhte Anforderungen im Alltag führten wiederum zur Amplifizierung der depressiven Symptomatik.
Er zeige seit Behand
lungsbeginn eine gute Adhärenz, jedoch keinerlei Aggravation
,
und die laufende fachärztliche Behandlung inklusive Pharmakotherapie habe nun seit kurzer Zeit zu einer geringgradigen Aufhellung der Affekthaftigkeit und einer gesamthaft leichten Verbesserung seines psychischen Gesundheitszustandes geführt. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit im angestammten Bereich als Greenkeeper mit Führungsverantwortung und entsprechendem organisatorischen und administra
tiven Aufgabenbereich bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsfähigkeit. Hingegen könne, sofern sich die Beeinträchtigung nicht wieder abschwäche
(gemeint wohl: verstärke)
, bei einer angepassten Tätigkeit mit bedeutend gerin
geren Anforderungen und Verantwortung aktuell von einer etwa 40%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (S. 2).
3.
4
Am 1
2.
Februar 2025 (
Urk.
10) nahm
Dr.
C.___
erneut zuhanden der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers Stellung und hielt fest, es könne gesamt
haft beim Beschwerdeführer
seit Frühsommer 2023 nicht von einer massgebli
chen Verbesserung seines Gesamtzustandes gesprochen werden. Die rezidivierende depressive Störung habe sich damals wieder in akzentuierter Qualität gezeigt. Im Juni 2023 habe der Beschwerdeführer neben
Laitea
deshalb zusätzlich 50 mg
Trittico
täglich erhalten.
Laitea
sei bei mittelschweren depressi
ven Symptomen auch als Monomedikation wirksam und habe somit einen stabilisierenden Effekt auf die Stimmungslage. Jedoch sei der Effekt beim Beschwerdeführer gering und darunter nur eine leichte und auch nur zeitweilige Abschwächung der depressiven Auslenkung der Grundstimmung zu beobachten gewesen.
Die depressive Symptomatik habe intermittierend die diagnostischen Kriterien einer
major
depression
erfüllt, was ab dem
6.
Februar 2024 eine sukzes
sive Erhöhung des
Trittico
notwendig
gemacht habe
. Bei schlecht zu beeinflus
sender Psychopathologie sei die
Aufdosierung
bis maximal 300 mg pro Tag erfolgt, ohne dass dadurch eine deutliche Aufhellung der Grundstimmung zu beobachten gewesen sei. Eine Umstellung auf
Cipralex
in Kombination mit
Surmontil
-Tropfen bei zusätzlich schlecht beeinflussbarer Insomnie sei im April 2024 erfolgt. Ausgelöst durch die starke Kränkung, die der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seiner seit August 2024 stundenweise ausgeübten Reini
gungstätigkeit erlebt habe, habe er ab Herbst 2024 erneut verstärkt depressive Symptome entwickelt, so dass eine erneute Anpassung der Medikation erfolgt sei. Trotz fachärztlicher und medikamentöser Behandlung sei der weitere Verlauf immer nur zeitweise, gesamthaft jedoch unzureichend positiv beeinflussbar gewesen. Auch die konsekutiven negativen Auswirkungen
auf die beruflichen, familiären und sozialen Funktionen und damit auf seinen gesamten Lebensent
wurf seien bis heute geblieben. Ein chronifizierter Verlauf der psychischen Erkrankung
im Sinne einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.1, zeitweise F33.2) liege unbestreitbar vor (S. 1).
Die vorgängig attestierte Arbeits
fähigkeit von 40
%
habe der Beschwerdeführer seit April 2024 nicht mehr aufrechterhalten können, so dass sie auf
maximal
20
%
habe eingestuft werden müssen.
Nach wie vor sei
en
das Antriebs-, Leistungs- und Funktionsniveau des
Beschwerdeführers in Abhängigkeit des wechselhaften psychopathologischen Zustandes erheblich reduziert (S. 2).
4.
4.1
Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin berechtigt
war
, das
von der Krankentaggeldversicherung veranlasste
Gutachten beizuziehen und darauf abzustellen. Denn Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrens
leitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu bewei
sen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2011 vom 5. Juli 2011 E. 3.2).
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügung auf das Gutachten von
Dr.
B.___
vom 1
8.
August 2023 (vgl. vorstehend E. 3.2), worin dieser zum Schluss kam, dass
keine psychiatrische Diagnose zu stellen ist und keine Arbeits
unfähigkeit vorliegt
. Dieses Gutachten
erfüllt die an eine beweiskräftige ärztliche Beurteilung gestellten formalen Anforderungen (vgl. E. 1.
5
)
vollumfänglich. So beruht es auf den relevanten
Vorakten
, welche im Wesentlichen auszugsweise wiedergegeben (S.
2
des Gutachtens) und in die Beurteilung der medizinischen Situation miteinbezogen (S.
5 f
.) wurden, sowie auf
einer
sorgfältigen psychiat
rischen Untersuchung
(S.
4 f.)
. Es setzt sich sodann ausführlich mit den geklagten Beschwerden auseinander (S.
3 f
.), legt die medizinischen Zustände und Zusammenhänge
schlüssig
dar (
S. 4 f
.), beantwortet die gestellten Fragen und begründet die Schlussfolgerungen so, dass sie nachvollzogen werden können
.
Dr.
B.___
verfügt zudem über die notwendige fachärztliche Qualifikation.
Aus dem Gutachten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung vom
8.
August 2023
(
Urk.
7/28/5)
einen vitalen und erholten Ein
druck machte, über ein agiles Auftreten verfügte und im Gesprächsverlauf keine Ermüdung zeigte. Der Gutachter stellte exzellente soziale Fähigkeiten bis hin zur
Manipulativität
fest.
A
us
dem Gutachten
ergibt sich
das Bild eines
psychisch nicht
wesentlich
beeinträchtigten Menschen. So
teilte
d
er
Beschwerdeführer
selbst mit, dass sich die Situation gebessert habe, er wieder essen könne und sich allgemein beruhigt habe. Ebenso könne er sich in einem Gespräch gut von Gedanken über
die aktuelle Situation und das ihm angetane Unrecht lösen. Er
berichtete über Spaziergänge mit dem Hund
, Fitnesstraining, Golf spielen und Saunabesuche. Zu letzteren Aktivitäten habe er jedoch aufgrund der über ihn verbreiteten Gerüchte und damit zusammenhängender gesteigerter Nervosität keine Lust
mehr
. Er war fähig, durch Sport und weniger Essen
gezielt
sein Gewicht zu reduzieren
(vgl. vorstehend E. 3.2
.
1
).
Dieser Eindruck widerspiegelte sich im
von
Dr.
B.___
erhobenen,
weitgehend normalen
psychopathologischen Befund
(vgl. vorstehend E. 3.2.
2
).
Die Schilderungen und das Verhalten
des Beschwerdeführers
entsprachen
zudem
nicht einer depressiven Symptomatik im fachärztlichen Sinn.
Dr.
B.___
stellte Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem beobachtbaren Teil des psychiatrischen Befundes fest. So zeigte der Beschwerde
führer trotz geltend gemachten psychischen Beschwerden keine Defizite und vermochte seine Beschwerden nicht detailliert zu schildern. Vielmehr waren seine Angaben vage und ungenau und sein Auftreten
appellativ
. Dass dieses Verhalten auf krankheitswertige Gründe zurückzuführen gewesen wäre, ist angesichts der weitgehend normalen Befunde und den geschilderten Fähigkeiten des Beschwer
deführers mit einem
praktisch
intakten Aktivitätsniveau nicht anzunehmen.
Dr.
B.___
wies denn auch schlüssig darauf hin, dass der Beschwerdeführer mühelos eine Struktur mit einer etablierten Alltagsroutine zu halten vermag, obwohl er seinen Alltag erheblich defizitorientier
t
beschrieb.
Die Behandlung
s
kadenz
von ein- bis zweimal im Monat und die Medikation (vgl. dazu nachfol
gend E. 4.3) lassen zudem nicht auf einen erheblichen Leidensdruck schliessen.
Dr.
B.___
hielt dazu fest, dass die Wahrnehmung der psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung dem Schweregrad
d
er angegebenen Beschwerden nicht entspricht (S. 5 des Gutachtens). Der Beschwerdeführer selbst vermochte nicht anzugeben, ob und was die ambulante Behandlung genutzt ha
t
(vorstehend E. 3.2.1).
In der Gesamtschau kam
Dr.
B.___
deshalb überzeugend begründet zum Schluss, dass keine psychiatrische Diagnose zu stellen ist und keine Arbeitsunfä
higkeit vorliegt (vorstehend E. 3.2.
4
).
Soweit die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer Aggravation oder Simulation unterstellt (vgl. vorstehend E. 2.1),
lässt sich dies anhand des Gutachtens
jedoch
nicht mit hinreichender Klar
heit beantworten.
Wann ein verdeutlichendes Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzungen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbe
zogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli
2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Zwar beschrieb
Dr.
B.___
ein
appellatives
, in geringem Ausmass demonstratives Verhalten (vgl. vorstehend E. 3.2.2.) und erachtete die Beschwerdeschilderung bei erheblichen Diskrepanzen als nicht authentisch (vorstehend E. 3.2.3), ging aber selbst weder von Simulation noch von Aggravation aus.
4.
3
Dr.
C.___
attestierte
ab
5.
Dezember 2022 durchgehend eine volle Arbeitsunfähigkeit
,
wobei er dies
e Einschätzung
ohne
Darlegung von geänderten Befunden oder
einer
plausible
n
Begründung - was den Beweiswert seiner Bericht nicht unerheblich schmälert - auf unterschiedliche Diagnosen stützte, nämlich auf
eine
depressive Störung und
ein
Erschöpfungssyndrom beziehungsweise
auf eine reaktive Depression (vgl. vorstehend E. 3.1). Diesbezüglich wies
Dr.
B.___
darauf hin, dass
die gültige ICD-Klassifikation die Diagnose einer reaktiven Depression nicht kenne (vgl. vorstehend E.
3.2.4
). Dazu ist festzuhalten, dass die
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen in der Fassung ICD-10
, auf die sich
Dr.
B.___
beziehen dürfte,
wenngleich nicht die Diagnose, aber
den
zu einer depressiven Episode zugehörigen
Begriff der reaktiven Depression
nennt
(
vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V (F), 1
0.
Auflage 2015, S.
172
).
Der
Einführungszeit
punkt der seit dem 1. Januar 2022 in Kraft stehenden ICD-11 in das schweizerische Gesundheitswesen
ist
noch nicht bekannt
(vgl. die diesbezüglich
am 28. September 2023 im Nationalrat eingereichte Interpellation
und
bundesrätliche
Antwort vom 1
5. November 2023
[
www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/ suche-curia-
vist
e
; besucht am
4.
März 2025], sowie die diesbezügliche Empfehlung zur Verwendung in der Psychiatrie in der Schweizerischen Ärztezeitung 2023; 104(10);34-35). Zutreffend ist jedoch die Feststellung von
Dr.
B.___
, dass der behandelnde Therapeut die beklagten Beschwerden nicht in Beziehung zum beobachtbaren Teil der Befunderhebung brachte
.
Dass
Dr.
C.___
keine Symptomvalidierungen durchgeführt
hat, entspricht dem therapeutischen Auftrag
.
A
us versicherungsrechtlicher Sicht
ist
eine objektive Überprüfung
jedoch
unabdingbar und die geschilderten Beein
trächtigungen
sind
kritisch zu hinterfragen, was sich mit der Aufgabe d
es
behandelnden
Arztes
wohl schwer vereinbaren lässt, aber dennoch nicht ganz ausser Acht gelassen werden kann.
Auch erscheint es als wenig nachvollziehbar, dass bei einer
gemäss
Dr.
C.___
diagnostizierten
mittelgradigen depressiven Episode (
aufgrund der Codierung
F32.1 gemäss
ICD-10; vgl. vorste
hend E. 3.1)
bei Behandlungsbeginn zunächst
einzig eine
Medikation
mit
Laitea
-
Lavendelölkapseln und
erst ein halbes Jahr später, ab Juni 2023,
mit einem gering dosierten Antidepressivum (
Trittico
50 mg;
vgl. vorstehend E. 3.4
) erfolgte.
Laitea
ist, wie
Dr.
B.___
feststellte, nicht zur Behandlung von Depressionen zuge
lassen (vgl.
www.compendium.ch
). Hinzu kommt, dass Patienten mit einer mittelgradigen depressiven Episode nur unter erheblichen Schwierigkeiten soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortsetzen können (vgl.
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt
, a.a.O., S. 173)
, was vorliegend nicht
mit
überwiegend
er
W
ahrscheinlich
erstellt
ist:
Anlässlich der Begutachtung bei
Dr.
B.___
am
8.
August 2023
teilte der Beschwerdeführer mit, dass er seit sechs Wochen
- mit
hin seit
Juni 2023
-
keine Lust mehr zum Golfspielen, Fitnesstraining und Saunabesuch habe. Daraus ist zu schliessen, dass er
zuvor und somit während der Behandlung bei
Dr.
C.___
Aktivitäten nachging,
welche
die Diagnose einer mittelgradigen Depression doch
erheblich
in Frage stellen
,
jedoch keinen Eingang in die Beurteilung durch den Therapeuten fanden
.
Dass, wie
von
Dr.
C.___
im Bericht vom 2
9.
April 2023 beschrieben,
das
Antriebs-, Funktions- und Leistungsniveau erheblich reduziert
gewesen sei
en
, ist
vor diesem Hintergrund
nicht überzeugend.
Die Behandlung bei
Dr.
C.___
erachtete der Beschwerdeführer selbst als genauso wirksam wie die Gespräche mit seinem Hund
(vgl. vorstehend E. 3.2.1)
, was
erhebliche Zweifel
am
Schweregrad
sein
er Beeinträchtigung und de
re
n Behandlungsbedarf
erweckt
. Die durch
Dr.
C.___
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit
wie auch die gemäss seiner Einschätzung unmögliche Steigerung
der Arbeitsfähigkeit
wurde im Lichte dieser Informationen nicht schlüssig begründet.
Die Begutach
tung zeigte
denn auch
ein deutlich abweichendes Bild.
4.
4
An dieser Feststellung vermögen die Folgeberichte von
Dr.
C.___
nichts zu ändern.
Festzuhalten ist zunächst, dass es sich bei den genannten Stel
lungnahmen von
Dr.
C.___
(vgl. vorstehend E. 3.3-3.4)
nicht um Arztberichte im eigentlichen Sinn (vgl. vorstehend E. 1.5) handelt, fehlt es doch an einer eigenen Untersuchung, der Anamnese und den Befunden.
Entgegen dem Resultat der Begutachtung attestierte er im September 2023 weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und eine lediglich 20%ige Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten
(vgl. vorstehend E. 3.3)
. In seiner am 2
9.
Oktober 2023 zuhanden der Rechtsvertreterin verfassten Stellungnahme
(vgl. vorstehend E. 3.
3
)
ging er auf die Angaben
und Feststellungen
im Gutachten
, insbesondere auf die dargestellten Diskrepanzen,
nicht ein, sondern
bestätigte einzig
seine Sicht der Dinge. In seiner ebenfalls zuhanden der Rechtsvertreterin verfassten Stellungnahme vom 1
2.
Februar 2025 (vorstehend E. 3.
4
) war
Dr.
C.___
der Auffassung, es könne seit Frühsommer 2023 nicht von einer massgeblichen Verbesserung des Gesamtzustandes des Beschwerdeführers
gesprochen werden, obwohl d
ies
er im August 2023
gegenüber dem Gutachter
selbst
erklärte
, sein Zustand habe sich gebessert
(
Urk.
7/28 S. 3 unten)
. Es traf somit nicht zu, dass der Effekt der im Juni 2023 begonnenen Medikation mit 50 mg
Trittico
gering gewesen
ist
, wie dies
Dr.
C.___
schilderte
(vor
stehend E. 3.
4
). Nicht nachvollziehbar ist schliesslich, weshalb bei einer intermittierenden Verschlechterung bis zu einer
major
depression
(vgl. vorste
hend E. 3.4)
, was einer schweren depressiven Episode entspricht (
vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, a.a.O., S. 17
5), bei ungenügendem Ansprechen auf die
aufdosierte
Medikation keine stationäre Behandlung
oder eine anderweitige Änderung des Therapiekonzeptes
erfolgte.
Soweit
Dr.
C.___
eine relevante Verschlechterung ab Herbst 2024 postuliert (vgl. vorstehend E. 3.5), wäre dies
angesichts des Erlasses der angefochtenen Verfügung am
9.
Februar
2024, welcher Zeitpunkt rechtsprechungsgemäss die Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis bildet,
allenfalls
im Rahmen einer Neuanmeldung geltend zu machen.
Festzuhalten bleibt
im Weiteren
, dass
selbst
wenn von einer leicht- bis mittelgra
digen depressiven Störung auszugehen wäre, sich diese
rechtsprechungsgemäss
nicht als schwere psychische Krankheit definieren
lässt
,
zumal
beim Beschwerde
führer
keine psychiatrischen Komorbiditäten vorliegen. Besteht dazu
wie hier
noch ein bedeutendes therapeutisches Potential
i
m
Sinne von unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen
, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt. Diesfalls müssen gewichtige Gründe vor
liegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann. Attestier
t
der behandelnde Psychiater
bei diesen Konstellationen trotz Verneinung einer schweren psychischen Störung
wie vorliegend
ohne schlüssige Erklärung eine namhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, besteht für die Versicherung oder das Gericht Grund dafür, der medizinisch-psychiatrischen Folgenabschätzung die rechtliche
Massgeblichkeit
zu versagen (
BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis
).
4.
5
Zusammenfassend sind die Angaben von
Dr.
C.___
n
icht geeignet,
auch nur geringe
Zweifel
(vgl. vorstehend E. 1.5
-6
)
am Gutachten von
Dr.
B.___
zu wecken.
Diesem ist vielmehr
voller
Beweiswert zuzumessen.
Wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach)-Arztes und Begutachtungsauftrag des medizinischen Experten ist es nicht geboten, ein
beweiskräftiges Gutachten
stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_725/2013 vom 2
9.
Januar 2014).
Auf weitere Abklärungen ist in antizipierter
Beweiswürdigung (
BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je
m.w.H
.)
zu verzichten.
4.
6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (E.
5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermö
gen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Aus Gründen der
Verhältnismässigkeit kann dort von einem struktur
ierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fa
chärztlicher Berichte (vgl. BGE
125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1).
Mit
dem Gutachten von
Dr.
B.___
liegt
ein
beweiswertiger fachärztlicher Bericht
vor, in dem
keine psychiatrische Diagnose gestellt und
eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird
. Den
gegenteiligen Einschätzungen
von
Dr.
C.___
kann nach dem Gesag
ten
kein
genügender
Beweiswert beigemessen werden
. Dementsprechend ist
kein
strukturierte
s
Beweisverfahren
durchzuführen
.
4.
7
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass der RAD nicht beigezogen worden sei
(
Urk.
1 S. 5)
.
Gemäss Art. 54a IVG stehen die RAD den IV-Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leis
tungsfähigkeit (Art. 54a Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für angepasste Tätigkeiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psychischen und geistigen Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und
zu begründen (Abs. 1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
Das Bundesgericht hat sich in seinem
Urteil 9C_858/2014 vom 3. September 2015
eingehend mit der Frage befasst, ob ein Anspruch darauf besteht, dass medizini
sche Berichte dem RAD zur Prüfung vorgelegt werden. Es wies in E. 3.3.1 darauf hin, dass
aArt
. 69 Abs. 4 IVV (in Kraft gestanden vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2011; AS 2003 3859 und 2011 5679) vorsah, dass die IV-Stellen zur Prüfung der medizinischen Anspruchsvoraussetzungen die notwendigen Ak
ten dem zuständigen regionalen ärztlichen Dienst unterbreiten (Satz 1). Nach
Rz
. 2038 und Anhang V des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenver
sicherung (KSVI), in der
ab 1. Januar 2004 geltenden Fassung, sei namentlich im Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 1 ATSG das (gesamte medizinische) Dossier obligatorisch dem RAD vorzulegen gewesen. Anhang V sei aufgrund der prakti
schen Erfahrungen und im Hinblick auf eine möglichst effiziente Nutzung der Ressourcen der RAD auf Ende Dezember 2007 aufgehoben worden. Seither liege es im Ermessen und in der Verantwortung der IV-Stelle, welche Dossiers sie zur Prüfung der medizinischen Anspruchsvoraussetzungen dem RAD unterbreiten will. Um diesbezügliche rechtliche Unsicherheiten zu vermeiden, sei auch
aArt
. 69 Abs. 4 IVV auf Ende 2011 aufgehoben worden (IV-Rundschreiben Nr. 296 vom 5. Januar 2011). Den regionalen ärztlichen Diensten komme unstrittig grosse Be
deutung zu für die Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen aus medizinischer Sicht. Der abschliessende Entscheid darüber liege indessen bei der IV-Stelle. Dem
entsprechend stünden die regionalen ärztlichen Dienste den IV-Stellen zur Beur
teilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfü
gung
.
Es möge zwar wünschenswert erscheinen, dass fachärztliche Berichte, deren Relevanz nicht von vornherein verneint werden könne, dem RAD zur Stellung
nahme vorgelegt werden; ein unbedingter gesetzlicher Anspruch darauf besteht indessen nicht (E. 3.3.3).
Mit der Revision Weiterentwicklung der IV (WEIV, 2022) ist den RAD mit Art. 54a IVG schliesslich eine eigene Gesetzesbestimmung gewidmet worden, um ihrer Bedeutung gerecht zu werden; damit sind jedoch keine materiellen Änderungen verbunden (
BBl
2017 2670; Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesge
richts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 4. Auflage 2022, S. 533
Rz
. 1), weshalb die angeführte Rechtsprechung weiterhin Gültigkeit hat.
Die Beschwerdegegnerin war somit nicht verpflichtet, die medizinischen Berichte dem RAD vorzulegen.
4.
8
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B.___
vom 1
8.
August 2023 von einer vollen Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in der angestammten Tätigkeit auszugehen
,
womit eine Invalidität zu verneinen ist.
Mithin besteht kein Anspruch auf
eine Invalidenrente.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu beurtei
len war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen und ausgangsgemäss
dem
unterliegenden
Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Claudia Eugster
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrLienhard