# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 063bfe60-00b2-5618-89c8-cc239cd8f8c8
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-05-02
**Language:** de
**Title:** Regeln der Baukunde. Verbot der Gefährdung von Sachen durch Erschütterungen bei der Erstellung von Bauten und Anlagen.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0102/2008
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_0102_2008_833.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 0102/2008 vom 2. Mai 2008 in BEZ 2008 in BEZ 2008 Nr. 42

Die  Bauherrschaft  beabsichtigte  den  Neubau  eines  fünfgeschossigen  Gebäu-
des in der Zentrumszone Z5. Die Nachbarrekurrentin befürchtete im Zusammenhang 
mit  den  Bauarbeiten,  insbesondere  mit  dem  Baugrubenaushub,  Erschütterungen 
und  hieraus  entstehende  Schädigungen  ihrer  in  hohem  Masse  betriebsrelevanten 
EDV-Anlage (Serveranlage). Sie verlangte, die Gefährdung durch einen unabhängi-
gen Gutachter prüfen zu lassen und gegebenenfalls die Baubewilligung für die bei-
den an ihr Grundstück angrenzend geplanten Untergeschosse aufzuheben.

Aus den Erwägungen: 

7. (…) Gemäss § 239 Abs. 1 PBG müssen Bauten und Anlagen nach Fundati-
on,  Konstruktion  und  Material  den  anerkannten  Regeln  der  Baukunde  entsprechen 
und dürfen weder bei ihrer Erstellung noch durch ihren Bestand Personen oder Sa-
chen  gefährden.  Die  Einhaltung  der  Regeln  der  Baukunde,  insbesondere  der  Ver-
meidung  von  Gefährdungen  von  Nachbargrundstücken durch Bauarbeiten, stellt ei-
ne  der  Grundanforderungen  dar,  welchen  ein  Bauvorhaben  genügen  muss.  Diese 
Anforderung  ist,  soweit  technisch  möglich,  bereits  bei  Erteilung  der  Baubewilligung 
zu  erfüllen  oder  zumindest  auf  den  Baubeginn  hin  sicherzustellen  (BEZ  1982  Nr. 
32). Konkretisiert wird § 239 PBG durch die Verordnung über die ordentlichen tech-
nischen  und  übrigen  Anforderungen  an  Bauten,  Anlagen,  Ausstattungen  und  Aus-
führungen (Besondere Bauverordnung I [BBV I]). Gemäss § 2 BBV I gilt als fachge-
recht,  was  gemäss  jeweiligem  Stand  der  Technik  möglich  sowie  aufgrund  ausrei-
chender  Erfahrung  oder  Untersuchungen  geeignet  ist  und  wirtschaftlich  anerkannt 
wird. Richtlinien, Normalien und Empfehlungen staatlicher Stellen sowie anerkannter 
Fachverbände  sind  hierbei  zu  berücksichtigen.  Richtlinien,  Normalien  und  Empfeh-
lungen,  die  als  Verordnungsbestimmungen  befolgt  oder  als  Richtlinien  und  Norma-
lien im Sinne von § 360 PBG beachtet werden müssen, werden im Anhang zur Ver-
ordnung aufgeführt (§ 3 Abs. 1 BBV I). 

Sicherheitsvorkehrungen auf Baustellen, einschliesslich derjenigen für die Bau-
grube,  gehören  zur  Bauausführung  und  werden  nach  herkömmlichem  Verständnis 
von  der  (präventiven)  Beurteilung  des  Baugesuches  nicht  erfasst.  Die  Bauarbeiten 
sind  lediglich  meldepflichtig,  und  sie  unterstehen  – unabhängig von zivilen Rechts-
behelfen des Nachbarn – einer (repressiven) Kontrolle gemäss §§ 326 ff. PBG (vgl. 
Ch.  Mäder,  Das  Baubewilligungsverfahren,  1991,  Rz.  580  ff.).  Der  Bauherr  hat  die 
aufgrund  der  Umstände  sich  aufdrängenden  Sicherheitsvorkehren  als  unmittelbar 
anwendbare  Verhaltensvorschrift  ohne  weiteres  zu  beachten  und  es  besteht  daher 
in der Regel kein Anlass, diese in das baurechtliche Verfahren einzubeziehen. Viel-
mehr darf einem Bauherrn zugebilligt werden, dass er bei der Bauausführung mit der 

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gebotenen  Sorgfalt  zu  Werke  geht.  Anders  verhält  es  sich  demgegenüber  dann, 
wenn  bereits  konkrete  Anhaltspunkte  vorliegen,  die  auf  eine  ganz  besondere  Ge-
fährdung  hindeuten  und  nahelegen,  vom  Bauherrn einen speziellen Nachweis oder 
bestimmte Vorkehren zu verlangen; dies namentlich dann, wenn nicht ohne weiteres 
damit gerechnet werden kann, dass der Bauherr die gebotene Sorgfalt walten lässt. 

8. Die Rekurrentin macht selbst nicht geltend, es lägen mit Bezug auf das Bau-
vorhaben  besondere  Verhältnisse  etwa  hinsichtlich  der  Beschaffenheit  des  Bau-
grundes  oder  des  Verlaufs  des  Terrains  vor.  Es  finden  sich  denn  auch  keine 
diesbezüglichen Anhaltspunkte in den Akten und es zeigten sich auch keine solchen 
beim Augenschein. Als Gefährdung werden denn auch allein die durch den Abbruch 
und die Bauarbeiten entstehenden Erschütterungen bezeichnet, und diese auch nur 
mit  Bezug  auf  die  spezielle  Einrichtung  und  Nutzung  des  Serverraumes  und  damit 
hinsichtlich eines kleinen Teils der rekurrentischen Räumlichkeiten. 

Die Vorinstanz hat keine entsprechenden Anordnungen getroffen. Die dahinge-
hende  Beurteilung  betrifft  weitgehend  eine  Frage  des  technischen  Ermessens  (vgl. 
RB 1993 Nr. 43), so dass sich die Baurekurskommissionen bei der Überprüfung ent-
gegen  ihrer  grundsätzlich  vollen  Kognition (§ 20 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspfle-
gegesetzes [VRG]) Zurückhaltung auferlegen. Die Baurekurskommissionen ersetzen 
somit eine noch vertretbare Wertung der Gemeinde nicht durch eine eigene andere 
Wertung.  Hingegen  greifen  sie  dann  ein,  wenn  die  Unhaltbarkeit  des  vorinstanzli-
chen  Entscheides  offensichtlich  ist  (vgl.  A.  Kölz/J.  Bosshart/M.  Röhl,  Kommentar 
zum  Verwaltungsrechtspflegegesetz  des  Kantons  Zürich,  2.  A.,  1999,  §  20  Rz.  17 
ff.). Nachfolgend wird also zu prüfen sein, ob die Nichtanordnung von Massnahmen 
zum Schutz vor Erschütterungen im vorinstanzlichen Ermessen lag.

9.  Die  private  Rekursgegnerin  hat  im  Rahmen  ihrer  Vernehmlassung  ein  von 
einer  Ingenieurfirma  erarbeitetes  Konzept  betreffend  die  Baugrube  und  die  Auswir-
kungen  von  deren  Abschlüsse  auf  die  Nachbarparzellen  eingereicht  und  darin  auf 
mögliche Risiken hinsichtlich der Serveranlagen aufgrund von Erschütterungen hin-
gewiesen. Als mögliche Massnahmen gegen diese Auswirkungen wurden das Abklä-
ren der tatsächlichen Gefährdung mittels Installation zweier Geophone auf dem Bo-
den  des  Serverraumes  sowie  die  Durchführung  entsprechender  Untersuchungen 
durch eine Spezialfirma genannt. Bereits anlässlich des Lokaltermins waren zu die-
sem  Zwecke  auf  dem Boden des Serverraumes zwei Geophone (Positionen Beton-
boden und Holzdecke) installiert, mit denen der bestehende Zustand (alltägliche Er-
schütterungseinwirkungen) ausgemessen wurde. Während einer Beobachtungsdau-
er von mehreren Wochen wurden sodann verschiedene Einzelereignisse, die durch 
manuelle  sowie  automatische  Triggerung  ausgelöst  wurden,  aufgezeichnet  sowie 
ausgewertet  und  in  einem  Bericht  festgehalten. Die registrierten Maximalwerte sind 
durch  impulsartige  Anregungen  wie  Sprünge,  Schritte  etc.  hervorgerufen  worden. 
Dabei  wurde  unter  anderem  festgestellt,  dass  die  Erschütterungen  infolge  Benüt-
zung  des  Serverraumes  auf  der  über  dem  Betonboden  befindlichen  Holzdecke 
zehnmal grösser ausgefallen sind als auf dem Betonboden selbst und die maximale 
Schwinggeschwindigkeitsamplituden  im  Bereich  von  2  bis  9  mm/s  liegen,  was  als 
sehr  hoch  und  hinsichtlich  der  Server  als  über  den  üblichen  Herstellerangaben lie-
gend bezeichnet wird; es wird dabei aber die Einschränkung gemacht, dass ein all-
fälliges Überschreiten der dort definierten Werte nicht zwingend zu Schäden führen 
müsse, da die diesbezüglich eingebaute Sicherheit nicht bekannt sei. Basierend auf 

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den  Messdaten  und  den  Server-Herstellerangaben  sind  alsdann  Grenzwerte  (Beo-
bachtungs-, Interventions- und Alarmwerte) ausgearbeitet worden. Die gemessenen 
Maximalwerte  werden  dabei  als  Einzelereignisse (Impuls, Stoss) taxiert und geson-
dert betrachtet. Hinsichtlich länger dauernder Erschütterungen (Vibrationen) werden 
die  Grenzwerte  tiefer  angesetzt.  Im  Sinne  einer  Vereinfachung  sind  die  zulässigen 
Werte  sodann  nicht  in  Abhängigkeit  der  Frequenzen  definiert  worden,  sondern  es 
werden  die  maximalen  Schwingungsgeschwindigkeiten  als  über  den  ganzen  Fre-
quenzbereich  geltend  erklärt.  Im  Einzelnen  sind  mit  Bezug  auf  die  Serveranlagen 
folgende Grenzwerte definiert worden: 

Anregungsart

X-Wert

Y-Wert

Z-Wert

Impuls/Stoss

5.0 mm/s

10.0 mm/s

15.0 mm/s

Vibrationen 

1.5 mm/s

5.0 mm/s

10.0 mm/s

Diese  Werte  gelten  sowohl  hinsichtlich  der  Holzdecke  als  auch  des  Betonbo-
dens.  Unterschieden  wird  einerseits  zwischen  impulsartigen  und  länger  dauernden 
Erschütterungseinwirkungen  (Vibrationen)  und  andererseits  zwischen  dem  Ist-
Zustand  («X-Werte»),  den  Aufmerksamkeitswerten  («Y-Werte»)  und den Interventi-
onswerten  («Z-Werte»).  Es  ist  vorgesehen,  zu  Beginn  der  Bauarbeiten  beim  Errei-
chen der «Y-Werte» zwingend eine Sitzung einzuberufen, um die Situation analysie-
ren zu können und die vorhandenen «Y-Werte» auf deren Richtigkeit zu überprüfen. 
Erreichen die Messwerte die Stufe der «Y-Werte», wird auf der Baustelle ein Signal 
ausgelöst und die Arbeit bei Bedarf kurzfristig unterbrochen (im Minutenbereich), bis 
der Baugrund wieder zur Ruhe gekommen ist und eine Fortsetzung der Bauarbeiten 
als  möglich  erachtet  wird.  Dies  soll  beiden  Parteien angezeigt und schriftlich doku-
mentiert werden. Das Erreichen der «Z-Werte» wird durch Alarm bei beiden Parteien 
angezeigt und ebenfalls schriftlich dokumentiert. Werden diese Werte erreicht, wer-
den  die  Arbeiten,  die  die  Erschütterungen  möglicherweise  ausgelöst  haben,  unver-
züglich unterbrochen. Es wird verifiziert, ob interne oder andere Verursacherquellen 
vorhanden  sind  und  ob  Auswirkungen  auf  die  Serveranlage  festzustellen  sind.  Lie-
gen keine vor, ist eine Fortsetzung der Bauarbeiten nach einem maximalen Arbeits-
unterbruch  von  einer  Stunde  möglich.  Liegen  Auswirkungen  vor,  wird  deren  Aus-
mass festgestellt und werden die Verursacherquellen ermittelt sowie bei einem allfäl-
ligen Zusammenhang mit den Bauarbeiten der Bauablauf unter Beizug der Fachleu-
te  angepasst.  Die  erschütterungsintensiven  Arbeiten  können  weitergeführt  werden, 
solange die «Y-Werte» nicht mehr überschritten werden. Als Massnahmen beim Er-
reichen der «Y-Werte» werden unter anderem der Einsatz kleinerer Baumaschinen, 
die  Überprüfung  der  Art  der  Abbrucharbeiten  und  das  Planen  einer  elastischen 
Trennlage  zwischen  Server  und  Holz-  oder  Betonboden  in Betracht gezogen. Beim 
Erreichen  der  «Z-Werte»  (Interventionswerte)  ist  der  Bauablauf  anzupassen  und 
sind die vorstehend aufgezählten Massnahmen umzusetzen. 

10. Die Rekurrentin hält den dahingehend definierten Grenzwerten in erster Li-
nie  entgegen,  diese  gründeten  allein  auf  den  mit  Bezug  auf  die  Holzdecke  gemes-
senen  Schwingungen,  obschon  die  dort  gemessenen  Werte  rund  zehnmal  grösser 
seien  als  diejenigen  auf  dem  Betonboden  und die Stahlrahmen der Rackserver auf 
dem  Beton-  und  nicht  etwa  auf  dem  Holzboden  montiert  seien.  Die  auf  dem 
Holzboden  gemessenen  Werte  könnten  mithin  nicht Grundlage für die Bestimmung 
der  für  die  Serveranlagen  geltenden  Grenzwerte  bilden.  Die  von  der  privaten 

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Serveranlagen  geltenden  Grenzwerte  bilden.  Die  von  der  privaten  Rekursgegnerin 
definierten Werte lägen denn auch deutlich über den Grenzwerten der Herstelleran-
gaben von Dell, HP und Seagate. Die Grenzwerte seien vielmehr auf der Basis der 
auf  dem  Betonboden  gemessenen  Werte  festzulegen  und  damit  ungefähr  zehnmal 
tiefer anzusetzen. Ausserdem seien sie in Abhängigkeit zu den Frequenzen der Er-
schütterungen zu setzen, da eine Schwinggeschwindigkeit je nach Frequenzbereich 
grosse unterschiedliche Auswirkungen habe. 

Anlässlich  des  Lokaltermins  konnte  festgestellt  werden,  dass  die  Serverracks 
nicht auf dem Holzboden, sondern auf dem darunter liegenden Betonboden montiert 
sind,  was  von  der  Rekurrentin  ausdrücklich  bestätigt  wird.  Insofern  spielen  die  mit 
Bezug  auf  den  Holzboden  gemessenen  Schwinggeschwindigkeiten  mit  Bezug  auf 
die Serveranlagen in der Tat keine Rolle. Allerdings kann daraus nicht der rekurren-
tische  Schluss  gezogen  werden,  damit  sei  mit  Bezug auf den Betonboden und den 
Serveranlagen  zwangsläufig  von  einem  zehnmal  kleineren  Grenzwert  auszugehen. 
Gewiss sind auf der Holzdecke zehnmal grössere Erschütterungen als auf dem Be-
tonboden  gemessen  worden.  Allerdings  gilt  es  hinsichtlich  der  Festsetzung  eines 
Grenzwertes  mit  Bezug  auf  die  Serveranlagen  zu  berücksichtigen,  dass  die  regist-
rierten Erschütterungen auf die «Benützung» des Serverraumes, das heisst auf dort 
erzeugte Anregungen zurückzuführen sind. Die Schwingungen wirkten sich deshalb 
in  erster  Linie  auf  die  Holzdecke  aus,  das  heisst  auf  den  Einbau  und  nicht  den  ei-
gentlichen  Baukörper.  Dass  solche  Ereignisse  mit  Bezug  auf  den  Betonboden, das 
heisst  den  Baukörper  selbst,  geringere  Werte  als  hinsichtlich  der  Holzdecke  erge-
ben, ist evident. Das bedeutet aber, dass die so hinsichtlich des Betonbodens ermit-
telten Werte nicht unbesehen als Grenzwerte für die hier interessierenden Erschüt-
terungen  auf  die  dort  stehenden  Serveranlagen  durch  von  aussen  kommende  Ab-
bruch-  und  Aushubarbeiten  übernommen  werden  können.  Vielmehr  ist,  wie  es  die 
private Rekursgegnerin in ihrem Konzept hinsichtlich der Festlegung des diesbezüg-
lich  massgeblichen  Grenzwertes  offensichtlich  getan  hat,  diesem  Umstand  ange-
messen  Rechnung  zu  tragen,  was  den  sowohl  für  die  Holzdecke  als  auch  den  Be-
tonboden gleichermassen geltenden Wert erklärt.

11.  Entscheidungshilfe  bietet  dabei  die  eingetragene  Norm  SN  640  312a  der 
Vereinigung  Schweizerischer  Strassenfachleute  (VSS).  Als  nicht  ausdrücklich  ver-
bindlich  sowie  auch  nicht  im  Anhang  zur  BBV  I  figurierende  und  demgemäss  nicht 
als beachtlich erklärte Norm dient sie den Behörden doch immerhin als Auslegungs-
hilfe und hilft bei der Handhabung des pflichtgemässen Ermessens. Ganz allgemein 
kann  gesagt  werden,  dass  solche  Normen  einer  einheitlichen  Rechtsanwendung 
sowie grösserer Rechtsklarheit und Rechtssicherheit dienen. 

Die  Norm  SN  640  312a  gilt  hinsichtlich  Erschütterungseinwirkungen  auf  Bau-
werke, die durch Sprengungen, durch Maschinen und Baugeräte aller Art und durch 
Strassen- und Bahnverkehr erzeugt werden und auf Bauwerke einwirken. Sie enthält 
die  Kriterien  zur  Beurteilung  der  Erschütterungseinwirkungen  auf  Bauwerke,  Richt-
werte,  bei  deren  Einhaltung  in  der  Regel  an  Bauwerken  keine  Schäden  auftreten, 
Empfehlungen für die Durchführung und Auswertung von Erschütterungsmessungen 
sowie Empfehlungen für Rissaufnahmen und ihre Bewertung. Die Norm gilt nicht für 
die  Einwirkung  der  Erschütterungen  auf  den  Menschen.  Dieser  beurteilt  unter  Um-
ständen Erschütterungen als zu stark oder empfindet sie als lästig, auch wen sie für 
ein  Bauwerk  noch  unschädlich  sind.  Bei  gleichzeitiger  Wahrnehmung  von  Geräu-

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schen (Explosionsknall, Rammschlag etc.) wird sodann die Erschütterungsstärke oft 
überschätzt.  Nicht  Gegenstand  dieser  Norm  sind  sodann  die  Einwirkungen  auf  in 
den  Bauten  enthaltene  Maschinen,  Geräte,  Installationen,  andere  besonders  emp-
findliche Einrichtungen und Lagergüter sowie auf den Boden. Die Norm berücksich-
tigt  bei  der  Beurteilung  der  Schädlichkeit  der  Erschütterungseinwirkungen  die 
Schwingungsfrequenz  (es  werden  drei  Frequenzbereiche  unterschieden)  sowie  die 
Häufigkeit der Ereignisse. 

Gemäss  den  in  Tabelle  1  der  Norm  aufgezählten  Empfindlichkeitsklassen  ist 
das  rekurrentische  Gebäude  als  normal  empfindlich  einzustufen.  Hinsichtlich  der 
Häufigkeit  der  Einwirkungen  ist  mit  Bezug  auf  die  im  Bericht  der  privaten  Rekurs-
gegnerin  genannte  Anregungsart  «Impuls/Stoss»  von  gelegentlich  und  hinsichtlich 
der  Vibrationen  von  häufig  auszugehen  (vgl.  Tabelle  2).  Das  heisst,  dass  gemäss 
Norm in den Frequenzbereichen von 8 bis 30 Hz, von 30 bis 60 Hz und von 60 bis 
150  Hz  in  der  Häufigkeitsklasse  gelegentlich  Grenzwerte  von  15,  20 bzw. 30 mm/s 
gelten.  Für  Vibrationen 
für  die  drei 
Frequenzbereiche  Maximalwerte  von  6,  8  und  12  mm/s.  Ein  Vergleich mit dem von 
der  privaten  Rekursgegnerin  eingereichten  Konzept  zeigt,  dass  mit  Bezug  auf  den 
untersten  Frequenzbereich  der  Anregungsart  «Impuls/Stoss»  der  gemäss  Norm 
zulässige  Maximalwert  (15  mm/s)  dem  Z-Wert  (Interventionswert)  entspricht,  was 
heisst,  dass  bei  der  Grenze  des  Zulässigen  gemäss  Norm  nach  dem  Konzept  der 
Bauherrschaft  Alarm  ausgelöst  wird.  In  den  andern  beiden  Frequenzbereichen 
liegen  die  Werte  gemäss  Norm  sogar  noch  um  einiges  höher  als  gemäss  dem 
Konzept  (20  bzw.  30  mm/s).  Hinsichtlich  der  Vibrationen  wird  gemäss  Norm  von 
zulässigen  Maximalwerten  von  6-12  mm/s  ausgegangen;  gemäss  Konzept  liegt  die 
Interventionsstufe diesbezüglich bei 10 mm/s. 

(Häufigkeitsklasse  häufig)  gelten 

12. Die  Einhaltung  der  in  der  Norm  SN  640  312a  genannten  und  vorstehend 
umschriebenen  Richtwerte  gewährleistet,  dass  in  der  Regel  an  Bauwerken  keine 
Schäden  infolge  Erschütterungseinwirkungen  entstehen  (vgl.  Ziffer  3  der  Norm  SN 
640 312a). Mit anderen Worten ist eine diese Werte berücksichtigende Ausführung 
von  Bauarbeiten  als  fachgerecht  zu  qualifizieren,  was  gleichzeitig  heisst,  dass  mit 
der  gebotenen  Sorgfalt  vorgegangen  wird.  Mit  die  Richtwerte  nicht  übersteigenden 
Einwirkungen  muss  jeder  Grundeigentümer  jederzeit  rechnen,  so  beispielsweise 
auch  aufgrund  von  strassenbaulichen  Massnahmen.  Soweit  spezielle  Nutzungen 
von Räumlichkeiten vorliegen oder sich darin befindende überdurchschnittlich emp-
findliche Sachen den sich dabei ergebenden Erschütterungen nicht standhalten und 
nach der Einhaltung von tieferen Werten verlangen sollten, obliegt es in erster Linie 
dem  betreffenden  Eigentümer,  solche  Sachen  zu  schützen  und  die  diesbezüglich 
notwendigen Schutzmassnahmen zu treffen. 

Das von der Bauherrschaft erstellte Konzept geht über die in der Norm statuier-
ten  Anforderungen  hinaus  und  erweist sich als sorgfältig und umsichtig. Die Einho-
lung eines «unabhängigen Gutachtens», wie die Rekurrentin dies verlangt, ist nicht 
angezeigt. Den Anforderungen von § 239 Abs. 1 PBG ist damit Genüge getan, und 
es kann davon ausgegangen werden, dass die Bauherrin die sich aufgrund der Um-
stände  aufdrängenden  Sicherheitsvorkehren  als  unmittelbare  Verhaltensvorschrift 
auch  beachtet.  Solange  die  Umstände  nicht  die  gegenteilige  Annahme  nahelegen, 
darf einer Bauherrschaft zugebilligt werden, dass sie bei der Bauausführung die ge-
botene Sorgfalt walten lässt. Es besteht auch vorliegend kein Anlass, die gebotenen 

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und von der Bauherrin auch sorgfältig aufgezeigten Massnahmen in das baurechtli-
che  Verfahren einzubeziehen oder diesbezüglich ein ergänzendes Bewilligungsver-
fahren  durchzuführen.  Vielmehr  kann  von  einer  fachgerechten  Erstellung  der  Neu-
baute ausgegangen werden. 

Angesichts  des  Umstandes,  dass  die  Rekurrentin ihren Angaben gemäss rund 
um  die  Uhr  auf  die  Verfügbarkeit  der  Serveranlagen  dringend  angewiesen  ist,  er-
scheint  es  als  unwahrscheinlich,  dass  die  gemäss  Herstellerangaben  hinsichtlich 
Erschütterungen  in  der  Tat  diffizilen  Anlagen  nicht  bereits  einen  dahingehenden 
Schutz  geniessen;  unter  Umständen  ist  bereits  mit  der  gewählten  Aufstellung  der 
Serverracks  in  Stahlrahmen,  deren  Stützen  mit  dem  Betonboden  verbunden  sind, 
das  Notwendige  getan.  So  oder  so  lassen  sich  die  geeigneten  Dämpfungsmass-
nahmen auch noch nachträglich ohne weiteres bewerkstelligen. Nach dem Gesagten 
ist dazu in erster Linie die Rekurrentin selbst verpflichtet. 

13. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs vollumfänglich abzuweisen 

ist.