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**Case Identifier:** 34e55e6f-7aa4-5f4c-9a47-df69c9bcbdd5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-11
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 11.12.2014 200 2013 736
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2013-736_2014-12-11.pdf

## Full Text

200 13 736 IV
SCP/WSA/ARJ

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 11. Dezember 2014

Verwaltungsrichter Schütz
Gerichtsschreiberin Winz

A.________
vertreten durch B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern 
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 29. Juli 2013

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2014, IV/13/736, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1975 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) ist seit Juni 2006 als ... im … tätig und leistete zuletzt ein Pen-
sum von 80% (Antwortbeilage [AB] 16). Im September 2010 meldete sie 
sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbe-
zug an und beantragte unter Hinweis auf ein Rückenleiden Kostengutspra-
che für ein Stehpult und einen Spezialstuhl. Am 25. Oktober 2010 teilte die 
IV-Stelle Bern (nachfolgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin) der Versicher-
ten mit, sie übernehme die Kosten für den beantragten höhenverstellbaren 
Arbeitstisch (AB 12). Die Kostenübernahme für den Spezialstuhl lehne sie 
dagegen ab, weil die Versicherte bereits einen guten ergonomischen Stuhl 
besitze (AB 14).

B.

Mit E-Mail vom 16. November 2010 (AB 18) berichtete der Arbeitgeber der 
Versicherten, die Arbeitsfähigkeit habe sich trotz des abgegebenen Arbeits-
tisches nicht verbessert. Die IVB nahm das Schreiben als erneute Anmel-
dung zum Leistungsbezug entgegen und veranlasste verschiedene Ab-
klärungen in medizinischer sowie beruflicher Hinsicht (vgl. AB 19).

Mit unangefochten gebliebener Verfügung vom 10. Januar 2012 (AB 38) 
verneinte die IVB einen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnah-
men mit der Begründung, die Versicherte sei in ihrer angestammten Tätig-
keit voll arbeitsfähig.

Nachdem ihr die IVB mit Vorbescheid vom 24. August 2012 (AB 46) bei 
einem gemischten Status von 80% Erwerbstätigkeit und 20% Haushalt (vgl. 
auch Abklärungsbericht Haushalt vom 17. August 2012 [AB 45]) für die Zeit 
vom 1. Oktober 2011 bis 31. März 2012 eine befristete Rente in unter-
schiedlicher Höhe in Aussicht gestellt hatte, machte die Versicherte mit 
Schreiben vom 23. September 2012 (AB 47) geltend, ihr Gesundheitszu-

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stand habe sich seit dem Vorbescheid verschlechtert. Mit dem definitiven 
Rentenentscheid sei zuzuwarten.

Mit unangefochten gebliebener (vgl. AB 51 f.) Verfügung vom 23. Oktober 
2012 (AB 50) sprach die IVB der Versicherten für die Zeit vom 1. Oktober 
2011 bis 31. Dezember 2011 eine Viertelsrente, vom 1. Januar 2012 bis 
29. Februar 2012 eine ganze Rente und vom 1. bis 31. März 2012 eine 
halbe Rente zu. Ab 1. April 2012 bestehe kein Anspruch mehr auf eine 
Rente. Es sei unbestritten, dass die Versicherte seit Ende April 2012 wie-
der eine Erwerbstätigkeit von 80% (medizinisch zumutbare Arbeitsleistung) 
ausübe. Sollte die Ausübung des bisherigen Arbeitspensums aus objekti-
ven, medizinischen Gründen längerfristig nicht mehr möglich und zumutbar 
sein, könne ein neues Leistungsgesuch eingereicht werden.

C.

Am 8. November 2012 meldete sich die Versicherte unter Beilage eines 
ärztlichen Zeugnisses sowie eines Arztberichtes erneut bei der IVB und 
beantragte die Ausrichtung einer Rente mit der Begründung, ihr Gesund-
heitszustand habe sich verschlechtert (AB 53).

Die IVB gab der Versicherten mit Schreiben vom 12. November 2012 
(AB 54) Gelegenheit, eine seit der Verfügung vom 23. Oktober 2012 
(AB 50) eingetretene Veränderung zu belegen. Andernfalls werde auf ihr 
Gesuch nicht eingetreten.

Mit Schreiben vom 29. Januar 2013 (AB 61) reichte die Versicherte einen 
Bericht des Spitals I.________ ein und führte aus, sie werde dort Mitte Fe-
bruar 2013 eine dreimonatige ambulante Rehabilitation beginnen und auch 
danach noch einer ständigen Therapie bedürfen, so dass es ihr nicht mög-
lich sei, mehr als 50% ihres Arbeitspensums zu leisten.

Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der IV-Stellen Bern/Frei-
burg/Solothurn zum Schluss gekommen war, es sei keine Veränderung 
eingetreten und der Versicherten sei ihre bisherige Tätigkeit weiterhin in 
einem 80%-Pensum zumutbar (AB 64), stellte die IVB der Versicherten mit 

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Vorbescheid vom 14. Mai 2013 (AB 65) in Aussicht, auf ihr neues Leis-
tungsbegehren werde nicht eingetreten.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch die B.________, am 28. 
Mai 2013 Einwand. Sie beantragte, nach Vornahme der notwendigen Ab-
klärungen sei auf ihr Leistungsgesuch einzutreten (AB 66). Am 18. Juli 
2013 liess sie ihren Einwand ergänzen und geltend machen, bereits die 
Tatsache, dass der RAD zur Beantwortung der Frage, ob eine wesentliche 
Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft gemacht worden sei, 
einen sechs Seiten umfassenden Bericht verfasst habe, lasse auf eine 
Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung schliessen. Die RAD-
Ärztin nehme eine materielle Prüfung des Sachverhalts vor, womit offen-
sichtlich sei, dass auf die Neuanmeldung hätte eingetreten werden müs-
sen. Aufgrund der darüber hinaus beleidigenden und teilweise falschen 
Ausführungen der RAD-Ärztin könne auf ihre Einschätzung nicht abgestellt 
werden. Die Berichte der behandelnden Ärzte würden belegen, dass am 
30. Oktober 2012 eine erneute Arbeitsunfähigkeit eingetreten sei. Es 
bestünden Arthrosen im Iliosakralgelenk (ISG) und im Bereich der Sym-
physe, welche in der Verfügung vom 23. Oktober 2012 noch nicht berück-
sichtigt worden seien. Eine rentenrelevante Änderung des Gesundheitszu-
standes sei damit gegeben, weshalb auf die Neuanmeldung einzutreten sei 
(AB 76).

Die IVB holte beim RAD eine weitere Stellungnahme ein (AB 78) und ent-
schied mit Verfügung vom 29. Juli 2013 (AB 79), auf das neue Leistungs-
begehren werde mangels einer Verschlechterung des Gesundheitszustan-
des nicht eingetreten.

D.

Hiergegen erhob die Versicherte, weiterhin vertreten durch die 
B.________, am 28. August 2013 Beschwerde. Sie beantragt, die Verfü-
gung vom 29. Juli 2013 sei aufzuheben und die Sache sei an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen zur Durchführung der erforderlichen 
Abklärungen und zum materiellen Entscheid. 

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Mit Beschwerdeantwort vom 2. Oktober 2013 beantragt die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.

Mit Datum vom 13. Februar 2014 gingen beim Gericht weitere Arztberichte 
und eine Stellungnahme der Beschwerdeführerin ein.

Die Beschwerdegegnerin erhielt mit prozessleitender Verfügung vom 
17. Februar 2014 Gelegenheit, die Beschwerdeantwort unter Berücksichti-
gung der neu eingereichten Arztberichte zu ergänzen. Eine entsprechende 
Ergänzung ist dem Gericht am 5. März 2014 zugegangen.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen 
Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsan-
waltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen 
solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfah-
ren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen 
Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhe-
bung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche 
Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über 
die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch 
die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 32 des kantonalen Gesetzes 
über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) 
eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

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1.2 Angefochten ist die Nichteintretensverfügung vom 29. Juli 2013 (AB 
79). Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit des Nichteintretens der 
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom 8. November 2012 (AB 
53) und dabei insbesondere die Frage, ob die Beschwerdeführerin eine 
Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht hat.

1.3 Die Mitglieder des Verwaltungsgerichts behandeln als Einzelrichte-
rin oder Einzelrichter Beschwerden gegen Nichteintretensverfügungen oder 
-entscheide (Art. 57 Abs. 2 lit. c GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen Invali-
ditätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur 
geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad 
der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat 
(Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 
17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]). Dies gilt auch für Revisionsgesuche 
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351) sowie 
analog, wenn die versicherte Person nach vorausgegangener rechtskräfti-
ger Ablehnung erneut eine Eingliederungsmassnahme beantragt (BGE 113 
V 22 E. 3b S. 27; ZAK 1991 S. 262 E. 1a). Diese Eintretensvoraussetzung 
soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden 
und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts 
darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1 
S. 112).

2.2 Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur 
Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt 
glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere 
Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu 
berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon 

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längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung 
höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein 
gewisser Beurteilungsspielraum zu, den der Richter grundsätzlich zu re-
spektieren hat. Die Behandlung der Eintretensfrage durch die Verwaltung 
ist deshalb vom Gericht nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist 
(BGE 109 V 108 E. 2b S. 114).

2.3 Die versicherte Person muss mit der Neuanmeldung die massgebli-
che Tatsachenänderung glaubhaft machen. Der Untersuchungsgrundsatz, 
wonach das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, spielt insoweit 
nicht (BGE 130 V 64 E. 5.2.5 S. 69).

Unter Glaubhaftmachen ist kein Beweis nach dem im Sozialversicherungs-
recht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind vielmehr herabgesetzt, 
indem nicht im Sinne eines "vollen Beweises" die Überzeugung der Verwal-
tung begründet zu werden braucht, dass der behauptete Sachverhalt ein-
getreten ist. Vielmehr genügt es, dass für den geltend gemachten rechtser-
heblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, 
auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei einge-
hender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsdarstellung nicht 
erstellen lassen (SVR 2011 IV Nr. 2 S. 8 E. 3.2). Grundsätzlich unterliegt 
das Glaubhaftmachen weniger strengen Anforderungen als im Zivilprozess-
recht. Dort muss   - im Gegensatz zum vollen Beweis -   das Gericht von 
der Richtigkeit der behaupteten Sachdarstellung immerhin überzeugt sein, 
wenn auch nicht vollständig und unter Ausschluss jeden Zweifels (SVR 
2003 IV Nr. 25 S. 77 E. 2.2).

2.4 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren   - analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
-   durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

http://www.openjustitia.apps.be.ch/alfresco/extension/openjustitia/content/content.xhtml

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3.

3.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin eine massgebliche Tatsa-
chenänderung zumindest glaubhaft gemacht hat. Bereits während des lau-
fenden Vorbescheidsverfahrens und damit vor Erlass der Verfügung vom 
23. Oktober 2012 (AB 50) machte die Beschwerdeführerin eine Verschlech-
terung des Gesundheitszustandes geltend (Schreiben vom 23. September 
2012 [AB 47]). Die Beschwerdegegnerin liess die geltend gemachte Ver-
schlechterung ungeprüft und nahm dazu entgegen der Empfangsbestäti-
gung vom 27. September 2012 (AB 48) in der Verfügung vom 23. Oktober 
2012 (AB 50) nicht Stellung. Vielmehr stellte sie   - wie sich aus dem Ab-
klärungsbericht Haushalt vom 17. August 2012 (AB 45 S. 5 Ziff. 3.8) ergibt -   
hauptsächlich auf den Aktenbericht der RAD-Ärztin Dr. med. C.________, 
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 3. November 2011 
(AB 30) ab. Im genannten Aktenbericht kam die RAD-Ärztin zum Schluss, 
bei der Beschwerdeführerin bestünden altersentsprechende degenerative 
Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS) ohne klinische Bedeutung. 
Zu keiner Zeit seien radikuläre Zeichen (Anzeichen für eine Nervenschädi-
gung) gefunden worden. Nur solche seien aber (vorübergehend) ein orga-
nischer Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In den meisten 
Fällen könne die Störung operativ behoben werden. Auch bei der Be-
schwerdeführerin seien in den Jahren 2004 und 2005 Mikrodiskektomien 
vorgenommen worden, worauf sie normal weiter gearbeitet habe. Sie habe 
ihr Pensum freiwillig auf 80% reduziert. Medizinisch begründen lasse sich 
eine Pensumsreduktion jedoch nicht. Die angegebenen Schmerzen würden 
nicht auf einer organischen Grundlage beruhen. Dafür würden bereits der 
Verlauf und die Befunde sprechen. Diese Einschätzung der RAD-Ärztin 
wurde durch die Verlaufsberichte von Dr. med. D.________, Facharzt für 
Neurologie FMH, vom 4. April 2012 (AB 41) und Dr. med. E.________, 
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 5. Mai 2012 (AB 43) 
grundsätzlich bestätigt.

Die Beschwerdeführerin verzichtete zwar darauf, dass ihr Verlaufsbericht 
vom 1. November 2012 (AB 51) als Beschwerde gegen die Verfügung vom 
23. Oktober 2012 (AB 50) entgegen genommen wird (AB 52). Dies ändert 
indessen nichts daran, dass hinsichtlich der Prüfung, ob sich der Sachver-

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halt seit der letzten Beurteilung verändert hat, derjenige Sachverhalt mass-
gebend ist, welcher von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Verfü-
gung vom 23. Oktober 2012 (AB 50) auch tatsächlich berücksichtigt und 
geklärt wurde. Es handelt sich hier namentlich um die erwähnte Aktenbeur-
teilung der RAD-Ärztin Dr. med. C.________ vom 3. November 2011 (AB 
30).

3.2 Der nunmehr angefochtenen Nichteintretensverfügung vom 29. Juli 
2013 (AB 79) liegen demnach insbesondere folgende Berichte zu Grunde:

3.2.1 Im Bericht vom 31. Oktober 2012 (AB 53 S. 3 ff.) hielt Dr. med. 
D.________ fest, im funktionellen LWS-Röntgenbild vom 27. September 
2012 finde sich im Gegensatz zu früheren Untersuchungen eine entzünd-
lich reaktivierte rechtsbetonte deutliche ISG-Arthrose mit degenerativen 
Veränderungen sogar im Symphysenbereich, was für das jugendliche Alter 
der Beschwerdeführerin insgesamt doch ein recht ungewöhnlicher Befund 
sei. Es bedürfe einer rheumatologischen Abklärung. Sollte sich dabei eine 
behandelbare Affektion ergeben, werde diese entsprechend behandelt. 
Wenn nicht, müsse eine orthopädische Intervention in Form einer ISG-
Arthrodese diskutiert werden. Dies sei ein seltener und teilweise kontrover-
ser Eingriff. Im Moment bestehe eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit. Je nach 
Ergebnis der weiteren Abklärungen und Behandlungen müsse diese dann 
entsprechend adaptiert oder verlängert werden.

3.2.2 Dr. med. C.________ führte in der Stellungnahme vom 19. April 
2013 (AB 64) aus, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Ver-
schlechterung seit der Verfügung vom 23. Oktober 2012 könne nicht nach-
vollzogen werden, weil die Behandlung der angeblich neuen ISG-Arthrose 
bereits im Juli 2012   - also vor der Verfügung -   mittels Infiltrationen be-
gonnen habe. Auch würden gemäss Röntgenbild keine Arthritis und keine 
degenerativen Veränderungen am ISG vorliegen. Die beschriebene 
Schmerzart und die Verstärkung durch Belastung seien sehr typisch für ein 
Schmerzsyndrom ohne spezifischen organischen Befund, hingegen aty-
pisch für tatsächlich ISG-bedingten Schmerz. Selbst wenn eine Arthrose 
des ISG vorliegen würde, so sei dies keine Ursache für eine erhebliche 
Minderung der Arbeitsfähigkeit.

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3.2.3 Dr. med. F.________, Fachärztin für Anästhesiologie FMH, fasste 
im Bericht vom 9. Juli 2013 (AB 76 S. 7 ff.) zusammen, es bestehe tatsäch-
lich ein chronisches Schmerzsyndrom, aber es würden entgegen der Auf-
fassung der RAD-Ärztin sehr wohl organische Ursachen für diese Schmer-
zen vorliegen. ISG-Arthrosen und eine Arthrose im Bereich der Symphyse 
seien diagnostiziert worden. Abgesehen davon, hätten die durchgeführten 
Infiltrationen in jedem Fall eine positive Wirkung gezeigt, woraus auf das 
Vorhandensein einer Entzündungskomponente geschlossen werden kön-
ne.

3.3 Mit dem Bericht von Dr. med. D.________ vom 31. Oktober 2012 
(AB 53 S. 3 ff.) und den darin diagnostizierten ISG-Arthrosen und der Ar-
throse im Symphysenbereich wurde eine Veränderung des Gesundheitszu-
standes glaubhaft gemacht. Diese   - seiner Meinung nach „deutliche“ -   
Diagnose stellt Dr. med. D.________ gestützt auf ein funktionelles LWS-
Röntgenbild vom 27. September 2012 und deckt sich letztlich auch mit dem 
Bericht von Dr. med. H.________, Facharzt für Rheumatologie und Allge-
meine Innere Medizin FMH, und G.________, Assistenzarzt, des Spitals 
I.________ vom 16. Januar 2013 (AB 61 S. 3 ff.). Darin wurde festgehalten, 
das CT des Beckens/ISG vom 10. Januar 2013 ergebe keine Hinweise für 
degenerative Veränderungen im Bereich des ISG, sei aber in Zusammen-
schau mit der Szintigrafie vom 11. Januar 2013 vereinbar mit einer aktivier-
ten ISG-Arthrose. Darüber hinaus bestätigt auch Dr. med. F.________ das 
Vorliegen von Arthrosen (AB 76 S. 7 ff.). Die Feststellung der RAD-Ärztin, 
wonach die Behandlung am ISG mittels Infiltrationen bereits im Juli 2012 
und damit vor Erlass der Verfügung vom 23. Oktober 2012 (AB 50) begon-
nen habe (AB 64), ändert an der Relevanz dieser neuen Diagnose für das 
vorliegende Neuanmeldungsverfahren sodann nichts, da die genannten 
Arthrosen   - obschon von der Beschwerdeführerin bereits während des 
Vorbescheidverfahrens geltend gemacht -   in der Verfügung vom 23. Ok-
tober 2012 (AB 50) unberücksichtigt blieben (vgl. E. 3.1 hiervor). Auch die 
Erheblichkeit dieser Veränderung (vgl. dazu Entscheid des BGer vom 
10. Juni 2014, 8C_531/2013, E. 4.2.3) wurde mit diesem Bericht glaubhaft 
gemacht, wenn Dr. med. D.________ weitere, teilweise seltene und um-
strittene Behandlungen empfiehlt und neu eine vollständige Arbeitsunfähig-
keit attestiert. 

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Die Beschwerdegegnerin ist demnach auf die Neuanmeldung zu Unrecht 
nicht eingetreten. Sie wird den Leistungsanspruch materiell zu prüfen und 
weitere fachärztliche Abklärungen vorzunehmen haben, wobei zu beachten 
ist, dass sich bei einer allfälligen Diskrepanz zwischen objektiven Befunden 
und subjektiven Beschwerden immer auch eine psychiatrische Abklärung 
aufdrängt, zumal sich im vorliegenden Fall bereits aus dem Bericht von 
Dr. med. E.________ vom 29. August 2011 (AB 40.2 S. 7 Ziff. 7) Hinweise 
auf eine interdisziplinär gebotene Beurteilung des Beschwerdekomplexes 
ergeben. Die Beschwerde erweist sich aufgrund des Dargelegten als be-
gründet und ist unter Aufhebung der Verfügung vom 29. Juli 2013 (AB 79) 
gutzuheissen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 
200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 500.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 500.-- ist der Beschwerdeführerin bzw. deren Rechts-
schutzversicherung nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückzuerstat-
ten.

4.2 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Partei-
entschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Gemäss der Praxis des Verwaltungs-
gerichts wird der Parteikostenersatz bei gemeinnützig tätigen Rechtsbera-
tungsstellen im Sinne von BGE 135 I 1 sowie Rechtsschutzversicherungen, 
Gewerkschaften und Berufsverbänden aufgrund eines allgemeingültigen 
pauschalisierten Stundenansatzes festgesetzt, welcher im konkreten Fall 
mit dem gebotenen Aufwand multipliziert wird. Der Stundenansatz wird je 
nach fachlicher Qualifikation der Vertretung festgelegt, wobei als fachlich 
qualifizierte Vertretung diejenige durch Juristinnen und Juristen sowie 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2014, IV/13/736, Seite 12

durch eidgenössisch diplomierte Sozialversicherungsexpertinnen und -
experten gilt. Als fachlich nicht qualifizierte Vertretung gelten alle übrigen 
Parteivertreterinnen und -vertreter (vgl. Rundschreiben vom 16. Dezember 
2009, abrufbar unter www.jgk.be.ch/site/vg). Im Falle der Vertretung durch 
Rechtsschutzversicherungen, Gewerkschaften und Berufsverbände wird 
der Stundenansatz bei einer fachlich qualifizierten Vertretung auf Fr. 180.-- 
festgelegt.

Vorliegend wurde die Beschwerdeführerin durch Fürsprecherin J.________ 
der B.________ vertreten. Mit der Kostennote vom 24. Oktober 2014 wurde 
ein zeitlicher Aufwand von 11.6 Stunden geltend gemacht, was nicht zu 
beanstanden ist. Multipliziert mit dem pauschalisierten Stundenansatz für 
eine fachlich qualifizierte Vertretung von Fr. 180.--, zuzüglich Auslagen von 
Fr. 22.10, ergibt dies eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 
2'110.10; diese hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu 
ersetzen.

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 29. Juli 2013 aufgehoben und die Sache an die Be-
schwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie im Sinne der Erwägun-
gen weitere Abklärungen vornehme und gestützt darauf über die Leis-
tungsansprüche der Beschwerdeführerin verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 500.-- wird nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2014, IV/13/736, Seite 13

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 2'110.10 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu er-
setzen.

4. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.