# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1f540f2a-c807-5da5-8b08-2eb5ea8f7930
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-11-18
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 18.11.2011 SB110348
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110348_2011-11-18.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110348-O/U/cs 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Schätzle, Vorsitzender, und lic. iur. Spiess, Ober-

richterin Dr. Janssen sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. Laufer 

 

 
Urteil vom 18. November 2011 

 

in Sachen 

 
A._____, 

Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat,  

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin  

 

sowie 

 

1. B._____,  
2. C._____,  

Privatkläger  

 

1 vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ 

 
betreffend mehrfache sexuelle Nötigung etc. 

 

-   2   - 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 

15. Februar 2011 (DG100542) 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 25. Oktober 2010 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. HD 37).  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 

Abs. 1 StGB, 

− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von 

Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 und 

Ziff. 3bis StGB, 

− des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und b WG, 

Art. 7 WG und Art. 12 Abs. 1 lit. h WV (ND) bzw. Art. 33 Abs. 1 lit. a 

aWG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und b aWG, Art. 7 aWG und 

Art. 9 Abs. 1 lit. f aWV (HD), 

− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie 

− des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von 

Art. 292 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Drohung im Sinne 

von Art. 180 StGB (betreffend Anklageziffer V, Punkt 2). 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 ½ Jahren Freiheitsstrafe (wovon 325 

Tage durch Haft erstanden sind) und einer Busse von Fr. 300.--. 

-   4   - 

4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. 

5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin  

B._____ aus den eingeklagten Ereignissen dem Grundsatze nach schaden-

ersatzpflichtig ist. 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 10'000.-- 

zuzüglich 5 % Zins ab dem 1. September 2007 als Genugtuung zu bezah-

len. 

8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. März 2010 

beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, SA2-SK, aufbewahrte 

− Festplatte der Marke "Maxtor" 160 GB aus PC der Marke "Compaq" 
(Asservatennummer gemäss Sicherstellungsliste der Kantonspolizei 
Zürich …), 

folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. März 

2010 beschlagnahmten und bei der Kasse der Staatsanwaltschaft Zürich-

Limmat unter der Sachkautionsnummer ... aufbewahrten Gegenstände: 

− 1 Dildo blau mit schwarzem Batteriedeckelverschluss (...), 

− 1 Pistole der Marke "Erma", Modell EP 652, Nr. …, Kal. .22 long rifle 
mit 4 Patronen (…), 

− 1 Schussapparat (Waffe) - Signalstift, umgebaut als Schussapparat mit 
2 Patronen und 2 Spiralfedern (…); 

− diverse Polaroidfotos aus Kuvert, nunmehr in zwei Fotobänden (…), 

− 7 Disketten 1.44 MB aus Kuvert (…), 

− 12 Datenträger (3 DVD und 9 CD) mit verbotener Pornografie (…), 

− 1 VHS-Kassette "Anal Exzesse" Teil 2 (…), 

− 1 VHS-Kassette "Dorian Mc Gray Bizarr Collection" (…) und 

− 1 CD Nr. 1 "Animal BF" (…) sowie 

-   5   - 

folgende von der Kantonspolizei Bern am 4. Juni 2010 sichergestellten und 

bei der Kasse der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat unter der Sachkauti-

onsnummer … aufbewahrten Gegenstände: 

− 1 CS-Spraydose "UNIFRANCE GAZ CS", Anti-Agression Protection, 
50 ml / 75, 

− 1 Schachtel Platzpatronen "UMAREX", cal. 22 long Knall und 

− 1 Pfefferspray 

werden eingezogen und vernichtet. 

9. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

11. März 2010 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, SA2-

SK, aufbewahrten Gegenstände: 

− 1 PC der Marke "Compaq" (…) ohne Festplatte der Marke "Maxtor" 
160 GB, 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Samsung" inklusive SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Nokia", Typ 6300 inklusive SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Nokia", Typ 6230i inklusive SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "SVP", Typ M5000 ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Nokia", grau/rot ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Nokia", grau mit Etui ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Motorola", schwarz ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Motorola", schwarz ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Siemens" ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Nokia", blau/grau ohne SIM-Karte (…), 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Samsung", schwarz ohne SIM-Karte (…) und 

− 1 Mobiltelefon der Marke "Nokia", schwarz/grau ohne SIM-Karte (…) 

werden eingezogen und durch die Gerichtskasse verwertet. Der Erlös wird 

zur Deckung der Verfahrenskosten herangezogen. 

-   6   - 

10. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

17. März 2010 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, SA2-

SK, aufbewahrten Gegenstände: 

− 1 PC der Marke "Maxdata" inklusive Festplatte der Marke "Maxtor" 
40 GB (…), 

− 1 Festplatte der Marke "Western Digital" 160 GB (…), 

− 1 Reisekoffer Omega schwarz mit Zahlenschloss (…), 

− 53 VHS-Kassetten mit div. Titeln und Inhalten (diverse 
Asservatennummern), 

− 74 CD (…), 

− 2 CD (aus …), 

− 1 DVD (…), 

− 1 Etui mit 37 CD/DVD (…), 

− 2 CD nicht lesbar (…), 

− 1 Speicherkarte der Marke "Sony Magic Gate" 64 MB (…), 

− diverse Notizzettel (…), 

− 1 Brief (…), 

− diverse Fotos (…), 

− 1 DVD (…), 

− 1 Diskette (…), 

− 1 SIM-Karte diAx (…), 

− 21 CD (…), 

− 7 CD (…), 

− 1 Schlüsselring mit 4 Kofferschlüssel und Anhänger (…), 

− 1 Dildo hautfarbig (…), 

− 1 Dildo blau, gross (…), 

− 1 Dildo schwarz, klein (…), 

-   7   - 

− 1 Dildo hautfarbig mit Batterie (…), 

− 1 Brief inklusive Umschlag auf … [Sprache des Volkes D._____] (…) 
und 

− 1 Sexartikel "The Ultimate Orgasm Kit" inklusive 7 verschiedenfarbiger 
Vibratoraufsätze (…) 

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes 

Verlangen herausgegeben. 

11. Folgende von der Kantonspolizei Zürich sichergestellten und bei der Kasse 

der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat unter der Sachkautionsnummer … 

aufbewahrten Gegenstände: 

− 1 Datenträger für Video/DVD DVM60 'Panasonic" AVI-BIR 1 (…), 

− 1 Datenträger für Video/DVD DVM60 "Sony" AVI-BIR 2 (…), 

− 1 Datenträger für Video/DVD DVM60 "Sony" AVI-BIR 3 (…) und 

− 1 Datenträger für Video/DVD DVM60 "Sony" AVI-BIR 4 (…) 

werden nach Eintritt der Rechtskraft an E._____, … [Adresse], herausgege-

ben. 

12. Die von der Kantonspolizei Zürich erstellte und bei der Kasse der Staatsan-

waltschaft Zürich-Limmat unter der Sachkautionsnummer … aufbewahrte 

Festplatte (gespiegelte Festplatte) verbleibt bei den Verfahrensakten. 

13. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 7'960.00   Kosten der Kantonspolizei  

Fr. 96.00   Kanzleikosten Untersuchung  

Fr. 2'467.20   Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr.     amtliche Verteidigung (ausstehend) 

Fr.    unentgeltliche Rechtsverbeiständung (ausstehend) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

-   8   - 

14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, exklusive 

der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung der Privatklägerin B._____, werden dem Beschuldigten aufer-

legt. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen. Die Rückzahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbe-

halten. 

Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin 

B._____ werden auf die Gerichtskasse genommen. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. HD 105 S. 1 i.V.m. Urk. HD 83, sinngemäss) 

1. Es seien die Schuldsprüche bezüglich der mehrfachen sexuellen Nöti-

gung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie des Ungehor-

sams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB aufzu-

heben. 

2. Der Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe zu bestrafen. 

3. Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug zu gewähren. 

4. Auf die Zivilklage sei nicht einzutreten. 

5. Dem Beschuldigten seien lediglich ein Viertel der Verfahrenskosten 

aufzuerlegen. Für die Überhaft sei dem Beschuldigten eine Entschädi-

gung zuzusprechen. 

6. Die Anschlussberufung sei vollumfänglich abzuweisen. 

-   9   - 

b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat: 

(Urk. HD 106 S. 1) 

1. Der Beschuldigte sei gemäss Ziffer 1 des Dispositives des Urteils des 

Bezirksgerichtes Zürich vom 15. Februar 2011 schuldig zu sprechen, 

soweit diese Dispositivziffer noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Bestrafung des Beschuldigten mit 5 ½ Jahren Freiheitsstrafe und einer 

Busse von Fr. 500.–. 

3. Vollzug der Freiheitsstrafe und der Busse. 

4. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen bei schuldhafter 

Nichtbezahlung der Busse. 

5. Bestätigung der Dispositiv Ziffern 6, 7 und 14. 

c) Der Privatklägerin B._____: 

(Urk. HD 99 S. 1) 

Für den Fall der Bestätigung des Schuldspruches sei auch die der Geschä-

digten von der Vorinstanz mit Urteil vom 15. Februar 2011 zugesprochene 

Genugtuungssumme von Fr. 10'000.– nebst Zins zu 5 % seit 1. September 

2007 zu bestätigen. 

Das Gericht erwägt: 

I. Verfahrensgang 

1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 15. Februar 

2011 sprach das Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, den Beschuldigten der mehr-

fachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

-   10   - 

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 und Ziff. 3bis StGB, des 

mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und b WG, Art. 7 WG und Art. 12 Abs. 1 

lit. h WV (ND) bzw. Art. 33 Abs. 1 lit. a aWG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a 

und b aWG, Art. 7 aWG und Art. 9 Abs. 1 lit. f aWV (HD), der Drohung im Sinne 

von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen 

im Sinne von Art. 292 StGB schuldig (Urk. HD 82 S. 51, Dispositivziffer 1). Frei-

gesprochen wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der Drohung im Sinne von 

Art. 180 StGB (betreffend Anklageziffer V, Punkt 2; Urk. HD 82 S. 51 Dispositivzif-

fer 2). Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 

4 ½ Jahren, unter Anrechnung von 325 Tagen Untersuchungs- und Sicherheits-

haft, sowie mit einer Busse von Fr. 300.– (Urk. HD 82 S. 51, Dispositivziffer 3). 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde nicht aufgeschoben (Urk. HD 82 S. 52, Dis-

positivziffer 4). Sodann stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte gegen-

über der Privatklägerin B._____ aus den eingeklagten Ereignissen dem Grunds-

atze nach schadenersatzpflichtig ist. Der Beschuldigte wurde weiter verpflichtet, 

der Privatklägerin B._____ Fr. 10'000.– zuzüglich 5 % Zins ab dem 1. September 

2007 als Genugtuung zu bezahlen (Urk. HD 82 S. 52, Dispositivziffern 6 und 7). 

Schliesslich traf die Vorinstanz Anordnungen über die von der Staatsanwaltschaft 

beschlagnahmten und die von der Kantonspolizei Zürich sichergestellten Gegen-

stände (Urk. HD 82 S. 52 ff., Dispositivziffern 8-12). 

2. Gegen das schriftlich eröffnete Urteil meldete der Beschuldigte mit Eingabe 

vom 17. Februar 2011 fristgerecht Berufung an (Urk. HD 61). Das vollständig be-

gründete Urteil wurde von den Parteien am 20. April 2011 entgegengenommen 

(Urk. HD 76/1-4). Mit Eingabe vom 10. Mai 2011 reichte der Beschuldigte innert 

der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung ein 

(Urk. HD 83). Angefochten wurden die Schuldsprüche betreffend mehrfache se-

xuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfache sexuelle Handlun-

gen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Drohung im Sinne 

von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen im 

Sinne von Art. 292 StGB. Weiter wurde die Bestrafung mit einer bedingten Geld-

strafe sowie Nichteintreten hinsichtlich der Zivilklage beantragt. Angefochten wur-

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de schliesslich die Kostenauflage, wobei beantragt wurde, dass die Kosten dem 

Beschuldigten lediglich zu einem Viertel auferlegt werden und ihm eine Entschä-

digung für die Überhaft zugesprochen wird. Beweisanträge wurden keine gestellt 

(Urk. HD 83). Mit Präsidialverfügung vom 24. Mai 2011 wurde der Staatsanwalt-

schaft sowie den Privatklägern eine Frist von 20 Tagen für eine allfällige An-

schlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. HD 86). Mit 

Eingabe vom 2. Juni 2011 erklärte die Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat An-

schlussberufung, wobei jedoch keine Anträge gestellt wurden (Urk. HD 88). Mit 

Präsidialverfügung vom 16. Juni 2011 wurde ihr deshalb eine Frist von zehn Ta-

gen angesetzt, um ihre Anschlussberufung zu verdeutlichen und anzugeben, wel-

che Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils und gegebenenfalls welche Be-

weisergänzungen sie beantrage (Urk. HD 95). Mit Eingabe vom 24. Juni 2011 teil-

te die Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat mit, sie beantrage die Bestätigung des 

erstinstanzlichen Urteils mit der Ausnahme, dass der Beschuldigte mit einer Frei-

heitsstrafe von 5 ½ Jahren und einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen sei. Be-

weisanträge wurden keine gestellt (Urk. HD 97). Die Privatklägerin B._____ teilte 

mit Eingabe vom 10. Juni 2011 mit, dass keine Anschlussberufung erhoben wer-

de (Urk. HD 93). Auch vom Privatkläger C._____ wurde keine Anschlussberufung 

erhoben. 

 

II.  Prozessuales 

1. Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft ge-

treten. Da der angefochtene Entscheid nach diesem Zeitpunkt gefällt wurde, gilt 

für das vorliegende Berufungsverfahren neues Recht (Art. 454 Abs. 1 StPO). Ver-

fahrenshandlungen, die vor dem Inkrafttreten der neuen Strafprozessordnung an-

geordnet oder durchgeführt wurden, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 

StPO). 

2. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

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Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-

fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (Niklaus Schmid, Handbuch StPO, Zü-

rich/St. Gallen 2009, N 1557). Der Beschuldigte hat die Schuldsprüche wegen 

mehrfacher Pornografie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 und Ziff. 3bis StGB, wegen 

mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und b WG, Art. 7 WG und Art. 12 Abs. 1 

lit. h WV (ND) bzw. Art. 33 Abs. 1 lit. a aWG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a 

und b aWG, Art. 7 aWG und Art. 9 Abs. 1 lit. f aWV (HD) sowie die vom Gericht 

getroffenen Anordnungen über die beschlagnahmten und sichergestellten Gegen-

stände nicht angefochten (Urk. HD 83). Ferner wurde die Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat auf die Strafzumessung beschränkt (Urk. HD 

97). Die oben genannten von der Berufung des Beschuldigten nicht erfassten 

Punkte des erstinstanzlichen Urteils sind somit in Rechtskraft erwachsen. Rechts-

kräftig ist auch der von der Staatsanwaltschaft nicht angefochtene Freispruch vom 

Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB (betreffend Anklageziffer V, 

Punkt 2). Im Folgenden sind deshalb die Schuldsprüche betreffend mehrfache 

sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfache sexuelle Hand-

lungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Drohung im Sin-

ne von Art. 180 Abs. 1 StGB (betreffend Anklageziffer V, Punkt 1) und Ungehor-

sam gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB einer erneuten 

Überprüfung zu unterziehen. Ebenso sind die Strafzumessung (inklusive des 

Strafvollzuges) und der Entscheid über die Zivilansprüche zu prüfen. 

3. Der eingeklagte Tatbestand der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB 

(betreffend Anklageziffer V, Punkt 1) verlangt einen durch die verletzte Person 

gestellten gültigen Strafantrag. Der Privatkläger C._____ hat den erforderlichen 

Strafantrag am 20. Mai 2010 (Urk. ND 6) innert der Dreimonatsfrist von Art. 31 

StGB gestellt. Die Voraussetzung für die Verfolgung des Antragsdeliktes ist damit 

erfüllt. 

4.1. In Bezug auf den Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind im Jahr 

2002 macht die Verteidigung eine Verletzung des Anklagegrundsatzes geltend. 

-   13   - 

Der Vorwurf sei vor allem in zeitlicher Hinsicht derart unpräzis, dass eine wirksa-

me Verteidigung nicht möglich sei (Urk. HD 55 S. 9 ff.; Urk. HD 105 S. 2).  

4.2. Nach dem Anklageprinzip muss die Anklage so abgefasst sein, dass sie die 

Grundlage für die gerichtliche Beurteilung darstellen kann. Die Anklageschrift 

dient einerseits der Bestimmung des Prozessgegenstandes (Umgrenzungsfunkti-

on), andererseits vermittelt sie der beschuldigten Person die für die Durchführung 

des Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen (Informations-

funktion). Sie dient insofern dem Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-

ten Person (Landshut, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 324 

N 1 mit Hinweisen). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklage-

schrift möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen 

Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. 

Grundsätzlich sind in der Anklageschrift in Bezug auf die Zeit der Tatausführung 

das Datum und die möglichst genaue Zeit, zu welcher sich der Lebensvorgang 

abgespielt hat, anzugeben. Die vom Anklageprinzip geforderte zeitliche Be-

stimmtheit des Anklagevorwurfs hängt jedoch auch von den Umständen des kon-

kreten Falles ab. So wird bei einem Kind im Vorschul- oder Grundschulalter, das 

über schon einige Zeit zurückliegende Vorkommnisse aussagen soll, ein anderer 

Massstab angesetzt als bei einer erwachsenen Person, welche über einen erst 

kurze Zeit zurückliegenden Vorfall berichtet (vgl. Entscheid des Kassationsge-

richts des Kantons Zürich vom 6. Dezember 2004, Nr. AC040052, E. 3.2.2 c/bb). 

Da es nicht selten vorkommt, dass eine Anzeige erst mehrere Jahre nach der Tat 

eingereicht wird, lassen sich die zeitlichen Verhältnisse zudem nicht immer genau 

rekonstruieren. Unter Umständen kann folglich auch die Angabe eines längeren 

Zeitraums genügen, solange die Tatidentität gewahrt bleibt (Landshut, a.a.O., 

Art. 325 N 9). Unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion der Anklage ist 

jedenfalls entscheidend, dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr konk-

ret angelastet wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben 

kann. 

-   14   - 

4.3. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten in Bezug auf den Anklagevor-

wurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind (betreffend das Vorkommnis im 

Jahr 2002) zur Last gelegt, er habe in der Zeit von ca. Dienstag, 1. Januar 2002, 

bis ca. Dienstag, 31. Dezember 2002, in der damaligen Familienwohnung der Pri-

vatklägerin B._____ der damals 11-jährigen Privatklägerin gegen deren Willen ca. 

eine Minute lang über den Kleidern die Brüste berührt und diese gestreichelt 

(Urk. HD 37 S. 5). Der genaue Zeitpunkt dieses Übergriffs liess sich im Rahmen 

des Vorverfahrens nicht näher erstellen, da die Privatklägerin diesbezüglich keine 

genaueren Angaben machte (vgl. Urk. 10/2 S. 6, Videosequenz ab 01:09:42). In 

Anbetracht der dargelegten Anforderungen an die zeitliche Bestimmtheit der An-

klage wird der dem Beschuldigten vorgeworfene Übergriff durch die Angaben in 

der Anklageschrift in zeitlicher Hinsicht zu wenig eingegrenzt. Dafür ist die von der 

Anklageschrift vorgegebene Zeitspanne von einem Jahr zu lang, zumal sich der 

Anklagevorwurf nicht auf eine wiederholte Tatbegehung oder ein Dauerdelikt be-

zieht, welche sich definitionsgemäss über einen längeren Zeitraum erstrecken, 

sondern eine Einzelhandlung umfasst. Das dem Anklagevorwurf zugrundeliegen-

de Geschehen liegt zudem weit zurück und wird auch in sachlicher Hinsicht nicht 

sehr detailliert umschrieben. In Bezug auf das dem Beschuldigten vorgeworfene 

Verhalten ist die Anklageschrift somit zu unbestimmt, als dass sich der Beschul-

digte wirksam verteidigen könnte. Der Beschuldigte ist daher vom Vorwurf der se-

xuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB be-

treffend das Vorkommnis im Jahr 2002 freizusprechen. 

4.4. Nicht zu hören ist dagegen der Einwand der Verteidigung, auch hinsichtlich 

der Übergriffe gemäss Anklageziffer I sei der Anklagegrundsatz infolge zu wenig 

genauer Beschreibung der Tatzeitpunkte verletzt (Urk. HD 105 S. 5). In dieser 

Anklageziffer wird dem Beschuldigten eine eigentliche Tatserie vorgeworfen, 

nämlich 20 bis 30 Übergriffe im Zeitraum von ca. Mittwoch, 3. Oktober 2007, bis 

ca. Sonntag, 6. Juli 2008 (Urk. HD 37 S. 4). Diese Vorwürfe sind zeitlich so genau 

eingegrenzt, dass die Verteidigungsrechte angemessen ausgeübt werden kön-

nen. 

 

-   15   - 

III. Schuldpunkt 

1. Allgemeines 

1.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-

halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-

mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus 

Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxi-

me "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermu-

ten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urtei-

le des Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P_437/ 

2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; 

BGE 127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, 

dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten un-

günstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung 

Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bun-

desgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und 6B_438/2007 

vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem 

verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen 

Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches 

Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche oder nicht 

zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat, 

wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" 

freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993, N 419 f.). So-

weit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu 

führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen 

ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f., 

Ziff. 3.4.). 

1.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in 

objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von ei-

nem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an des-

sen Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 StPO; ZR 72 Nr. 80; Max Gulde-

-   16   - 

ner, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4.; 

BGE 124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit 

menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung 

erreicht werden kann; daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über 

jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom 26. 

Juni 2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoreti-

sche Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind 

(Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerichtes 

6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom 29. Januar 

2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausge-

schlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-

scheinlichkeit beruhen. 

1.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-

nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen 

Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, 

unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit vermu-

tet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfol-

gerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf-

drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/ 

Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahr-

scheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrach-

tet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans 

Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; Derselbe, 

Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 

1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen 

Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern 

Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter 

zu schliessen (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November 

2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, und 

6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., 

§ 59 N 15). 

-   17   - 

1.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-

se frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten 

und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung über-

zeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen an-

kommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der 

Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemei-

ne Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist viel-

mehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese 

sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein 

von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Ben-

der, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 

[1985] S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 

Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München 

2007, N 310 ff. und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "in-

nere Geschlossenheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehen-

sablaufs", "konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die 

"Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demje-

nigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der 

psychischen Situation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelas-

tung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkun-

gen zugunsten des Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiede-

nen Befragungen, wobei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben 

über Nebenumstände verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im 

Strafprozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). 

Andererseits sind auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien 

für falsche Aussagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den 

eigenen Aussagen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ur-

sprünglichen Anschuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im 

Verlaufe von mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder auswei-

chende Antworten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussa-

gen". Als generelle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-

Weiss-Malerei", die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssig-

-   18   - 

nal" und die "behauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzun-

gen", wobei weiter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz all-

gemein leichter, von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Ant-

worten und Reaktionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere 

Phantasiesignal auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist 

dann aber eine ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern. 

Bei häufigem Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der 

Realitätskriterien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als 

zuverlässig eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.). 

1.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neu-

eren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die 

Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der 

konkreten Aussagen.  

1.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-

standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. 

Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Angeklagte seine Unschuld (BGE 127 

I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004, E. 

4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.). 

1.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-

dung, wenn der Angeklagte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne dass 

er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich insoweit 

eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutzbehaup-

tung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis widerlegt wer-

den muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse Anhalts-

punkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Richtigkeit 

der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen las-

sen, oder wenn der Angeklagte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl. Entscheid des 

Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 2. November 2004, Nr. AC040082, 

E. 3.5, Stefan Trechsel, SJZ 1981 S. 320). 

 

-   19   - 

2. Anklageziffern I und II: Sexuelle Nötigung/sexuelle Handlungen mit Kindern 

2.1. In der Anklageziffer I wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgewor-

fen, er habe in der Zeit von ca. Mittwoch, 3. Oktober 2007, bis ca. Sonntag, 6. Juli 

2008, zu nicht mehr genau bestimmbaren Daten und Zeiten, vorwiegend an den 

Wochenenden und manchmal an einem Montag, die damals 16-jährige Privatklä-

gerin B._____ anlässlich von insgesamt 20 bis 30 Übergriffen gegen ihren klar er-

kennbaren Willen zur Duldung von sexuellen Handlungen gezwungen. Der Be-

schuldigte habe die Privatklägerin durch Androhungen, dass, falls sie nicht mit-

mache, ihrem Freund C._____ etwas passieren oder sonst was passieren würde, 

sowie durch Andeutungen, er werde intime und kompromittierende Fotos der älte-

ren Schwester F._____ den Eltern oder gar dem Ehemann der Schwester zeigen, 

für sich gefügig gemacht, ihr die Kleider ausgezogen, ihre entblössten Brüste ge-

drückt und Brustwarzen abgeleckt, sie im Pobereich berührt und im Vaginalbe-

reich mit dem Finger stimuliert sowie ihren Körper inklusive ihre Vagina – teilwei-

se durch Festhalten ihrer Oberschenkel – mit der Zunge abgeleckt, wobei er 

mehrmals seinen Finger und einmal einen mitgebrachten blauen Vibrator in die 

Vagina der Privatklägerin eingeführt sowie einmal – selbst angekleidet – seinen 

erigierten Penis am entblössten Körper der Privatklägerin gerieben habe. Der Be-

schuldigte habe der Privatklägerin Unterwäsche, welche sie auf sein Verlangen 

hin habe anziehen müssen, sowie kleine Geldbeträge geschenkt, letzteres um der 

Gefügigkeit der Privatklägerin Nachdruck zu verleihen. Aufgrund der kulturellen 

Vertrauens- und Machtposition des Beschuldigten sowie aus Angst, dass ihrem 

Freund C._____, ihrer Schwester F._____ oder ihrer Familie etwas zustossen 

könnte, falls sie die sexuellen Handlungen nicht dulden würde, habe die Privat-

klägerin die sexuellen Handlungen des Beschuldigten, welche sie nicht wollte, 

über sich ergehen lassen, was dem Beschuldigten bewusst gewesen sei, ihn aber 

nicht von seinem Tun abgehalten habe (Urk. HD 37 S. 4 und 5).  

In der Anklageziffer II wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe mehrfach se-

xuellen Handlungen mit einem Kind unter 16 Jahren vorgenommen. Wie unter Zif-

fer II.4.3. festgehalten wurde, ist der Beschuldigte in Bezug auf das Vorkommnis 

im Jahr 2002 vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind freizuspre-

-   20   - 

chen. Dem Beschuldigten wird in der Anklageziffer II des Weiteren vorgeworfen, 

er habe in der Zeit von ca. Samstag, 1. September 2007, bis ca. Sonntag, 

30. September 2007, an einem Samstag in der Waschküche der Liegenschaft 

...strasse ... in G._____ zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste anlässlich ei-

nes Übergriffs sexuelle Handlungen gegenüber der damals noch nicht 16 Jahre 

alten Privatklägerin B._____ vorgenommen, indem er sie gegen ihren klar er-

kennbaren Willen über den Kleidern ca. eine Minute lang mit beiden Händen an 

den Brüsten berührt und diese gedrückt habe, wobei dem Beschuldigten bewusst 

gewesen sei, dass die Privatklägerin zu diesem Zeitpunkt noch nicht 16 Jahre alt 

gewesen sei, was ihn jedoch nicht von seinem Tun abgehalten habe (Urk. HD 37 

S. 5). 

2.2. Der Beschuldigte hat die Vorwürfe der mehrfachen sexuellen Nötigung und 

der sexuellen Handlungen mit einem Kind während der Untersuchung (Urk. HD 

9/1 S. 2 ff.; Urk. HD 9/2 S. 3 ff.; Urk. HD 9/10 S. 5 ff.) wie auch vor der Vorinstanz 

(Urk. HD 53 S. 5 ff.) bestritten. Daran hielt er auch anlässlich der Berufungsver-

handlung fest (HD Urk. 104 S. 5 ff.). 

2.3. An Beweismitteln zu dieser Anklageziffer liegen einerseits die Aussagen der 

Privatklägerin sowie diejenigen des Beschuldigten vor. Sodann wurden die 

Schwester der Privatklägerin, F._____, die Mutter der Privatklägerin, H._____, der 

Bruder der Privatklägerin, I._____, und der Vater der Privatklägerin, J._____, so-

wie die vom Beschuldigten als Entlastungszeugen genannten K._____ und 

L._____ einvernommen. Befragt wurden weiter M._____ und N._____, welche die 

Privatklägerin im Rahmen der Familienbegleitung respektive als Therapeutin des 

Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes ab 20. Oktober 2006 bis ca. August 

2008 begleiteten. Ein Beweismittel stellt ferner das Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin vom 24. November 2009 (Urk. HD 6/9) dar.  

2.4. Die Aussagen der Privatklägerin, des Beschuldigten sowie der Zeugen wur-

den von der Vorinstanz in den wesentlichen Punkten korrekt wiedergegeben, 

weshalb sie grundsätzlich nicht zu wiederholen sind (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 

HD 82 11 ff.). Soweit Korrekturen oder Ergänzungen notwendig sind, sind diese 

im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung vorzunehmen. 

-   21   - 

2.5. Was die generelle Glaubwürdigkeit des Beschuldigten betrifft, hat die Vo-

rinstanz zutreffend festgehalten, dass dieser als direkt vom vorliegenden Strafver-

fahren Betroffener ein Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem 

für ihn günstigen Licht darzustellen (Urk. HD 82 S. 9). Es liegen aber keine An-

haltspunkte vor, die von vornherein gegen die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

sprechen würden. Bei der Würdigung von Aussagen ist zudem nach dem bereits 

Dargelegten nicht in erster Linie die prozessuale Stellung der Befragten massge-

bend. Für die Wahrheitsfindung weitaus bedeutender ist die Glaubhaftigkeit der 

konkreten Aussagen. Im Übrigen ist hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen 

zur Beweiswürdigung, nämlich zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten, der Pri-

vatklägerin und der übrigen als Zeugen befragten Personen der Vorinstanz zu fol-

gen, weshalb auf ihre Erwägungen verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; 

Urk. HD 82 S. 9 ff.).  

Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin ist zu ergänzen, dass deren 

Schwester angab, dass diese teilweise lüge (Urk. HD 11/1 S. 5 und 8 ff.). Konkret 

erklärte sie, dass die Privatklägerin wegen ihres Freundes viel lüge; wenn sie zu 

spät komme oder weggehen müsse, sage sie nicht immer die Wahrheit (Urk. HD 

11/1 S. 5). Die Mutter der Privatklägerin gab ebenfalls an, dass die Privatklägerin 

auch lüge, und zwar im Zusammenhang mit Kleiderkäufen, für die sie gar kein 

Geld habe (Urk. HD 11/4 S. 12). Ferner erklärte C._____, dass die Privatklägerin 

ihn im Zusammenhang mit dem Ausgang schon angelogen habe (Urk. HD 11/6 S. 

8), und ihr Bruder I._____ schilderte eine Situation, in der die Privatklägerin wahr-

heitswidrig angegeben habe, dass sie babysitten müsse (Urk. HD 11/8 S. 5). Es 

ist indessen ein grosser Unterschied, ob eine Jugendliche aus den dargelegten 

Gründen lügt oder ob sie einen entfernten Verwandten und langjährigen Freund 

der Familie zu Unrecht gravierender sexueller Übergriffe beschuldigt. C._____ 

gab denn auch anlässlich seiner Befragung vom 12. November 2008 an, er glau-

be, dass die Privatklägerin "bei solchen Sachen" nicht lügen würde (Urk. HD 11/6 

S. 8). Ähnlich äusserte sich auch der Bruder der Privatklägerin, I._____, anläss-

lich seiner Befragung vom 25. November 2008 (Urk. HD 11/8 S. 4 ff.). Dennoch 

sind die Aussagen der Privatklägerin auch aus diesem Grund mit besonderer 

Vorsicht zu würdigen. 

-   22   - 

 

2.6. Beweiswürdigung 

2.6.1. Anlässlich der polizeilichen Videobefragung vom 3. September 2008 sowie 

anlässlich ihrer Zeugeneinvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 15. Dezem-

ber 2008, die ebenfalls auf Video aufgezeichnet wurde, machte die Privatklägerin 

in sich stimmige, realitätsnahe, einen recht hohen Detaillierungsgrad aufweisende 

Angaben zu den von ihr geltend gemachten sexuellen Übergriffen des Beschul-

digten. Ihre Schilderung, der Beschuldigte habe sie im September 2007 angeru-

fen, sie im Keller ihres Wohnhauses an der ...strasse ... in G._____ treffen wollen 

und zur Begründung angegeben, er wolle mit ihr über ihren Freund reden, passt 

zu den Aussagen des Beschuldigten, wonach er sich aktiv in die (von ihm in Tat 

und Wahrheit abgelehnte) Beziehung der Privatklägerin mit C._____ einmischte 

(Urk. HD 9/1 S. 8 ff.). Wenn die Darstellung der Privatklägerin stimmt und sie die 

Handlungen des Beschuldigten beim ersten Treffen in der Waschküche noch 

weitgehend abwehren konnte, würden dazu ferner ihre weiteren Angaben, wo-

nach der Beschuldigte nunmehr die Taktik änderte und sie in der Folge unter den 

in der Anklageschrift umschriebenen Androhungen zur Duldung von sexuellen 

Handlungen brachte, passen. Insbesondere schilderte die Privatklägerin die subti-

le Form von Druck, welcher sie vom Beschuldigten ausgesetzt worden sei, sehr 

anschaulich: Auf die Frage, wie es der Beschuldigte geschafft habe, dass sie die 

sexuellen Handlungen zugelassen habe, antwortete sie: "Wegen meinem Freund. 

Dass ihm nichts passieren soll. Das Zweite wären diese Photos. Das war auch 

wichtig für mich. Ich hatte immer Angst, dass er mich so erpressen kann. Sonst 

hätte er mir die Photos ja nicht zeigen müssen" (Urk. HD 10/11 S. 6, Videose-

quenz ab 00:41:03). Der Beschuldigte habe beim zweiten Treffen die anzüglichen 

Polaroidaufnahmen ihrer Schwester dabei gehabt und gesagt: "Schau. Du musst 

keine Angst haben. Es kommt nichts heraus" (Urk. HD 10/11 S. 14, Videosequenz 

ab 01:36:31). Wie sehr sich die Privatklägerin davor gefürchtet haben könnte, 

dass insbesondere die Familienehre durch die Vorfälle beeinträchtigt werden 

könnte, zeigt sich in ihrer Antwort auf die Frage, weshalb sie bei der ersten Befra-

gung nicht erwähnt habe, dass der Beschuldigte ihr Fotos ihrer Schwester gezeigt 

-   23   - 

habe: "Ich hatte Angst, dass alles so herauskommt. Meine Mutter wurde auch be-

fragt. Ich hatte Angst, dass sie meine Mutter fragen. Sie weiss ja nichts davon. 

Nur ich weiss es ja. Ich hatte auch Angst, dass mein Schwager wegen dem ein 

Riesentheater macht. Er würde es nicht verstehen. Er wird wegen kleinen Sachen 

hässig und das ist nicht etwas Kleines. Wenn er erfährt, dass sie es nicht gesagt 

hat, wird er auch hässig" (Urk. HD 10/11 S. 8, Videosequenz ab 00:52:12). Dass 

die Privatklägerin die Frage, ob der Beschuldigte sie mit den Fotos unter Druck 

gesetzt habe, verneinte, kann nicht massgebend sein, erklärte sie doch zugleich: 

"Aber ich hatte innerlich Angst, dass er das machen könnte (Urk. HD 10/11 S. 7, 

Videosequenz ab 00:44:36). Etwas später anlässlich der gleichen Einvernahme 

erklärte sie im Zusammenhang mit den beiden Fotos ihrer Schwester, die sie ge-

sehen habe: "Ich hatte Angst um die Familie meiner Schwester. Dann geht ihre 

Familie kaputt. Ich wollte es nicht kaputt machen" (Urk. HD 10/11 S. 16, Videose-

quenz ab 01:48:22). Anschaulich ist auch ihre Antwort auf die Frage nach der hy-

pothetischen Reaktion ihres Schwagers, wenn dieser von der Beziehung zwi-

schen ihrer Schwester und dem Beschuldigten erfahren hätte: "Er würde herum-

fluchen und meine Schwester schlagen und sie verlassen. Das Leben meiner 

Schwester ist danach einfach versaut. Bei uns heiratet fast niemand zum zweiten 

Mal. Dann muss sie fast das Leben lang alleine sein mit ihrem Sohn" 

(Urk. HD 10/11 S. 19, Videosequenz ab 02:23:27). Die Aussagen der Privatkläge-

rin waren hinsichtlich des Kerngeschehens konstant und plausibel. Zudem hat die 

Anklagebehörde, wie eine Visionierung der Videoaufzeichnungen ergeben hat, zu 

Recht darauf hingewiesen, dass ihre Aussagen mit ihrem nonverbalen Verhalten 

korrelierten (Urk. HD 54 S. 3). Insbesondere zu Beginn der ersten Einvernahme 

zeigte ihre Körpersprache mit aller Deutlichkeit, wie schwierig die Einvernahme 

für sie war  – ihr in der fokussierten Videoaufnahme gut sichtbarer Oberkörper 

war angespannt und in sich zusammengezogen, was durchaus zu erwarten ist, 

wenn ein Opfer sexueller Übergriffe kurz davor steht, zu den einzelnen Vorkomm-

nissen befragt zu werden. Ferner zeichnete die Privatklägerin einzelne Handlun-

gen, welche der Beschuldigte an ihrem Körper vorgenommen habe, während der 

Schilderung derselben mit ihren Händen nach. Sodann zeigte sie beispielsweise 

anlässlich der ersten Einvernahme auf die Frage, wie gross der vom Beschuldig-

-   24   - 

ten verwendete Vibrator gewesen sei, die Länge anhand ihres auf dem Tisch lie-

genden Handys auf, während sie in der zweiten Einvernahme dafür die Länge ih-

rer Hand zur Hilfe nahm (Urk. HD 10/11 S. 3, Videosequenz 00:22:32). Als es da-

rum ging, die Farbe des fraglichen Vibrators zu beschreiben, zeigte die Privatklä-

gerin diese anhand eines auf dem Tisch liegenden Gegenstandes auf 

(Urk. HD 10/11 S. 3, Videosequenz 00:22:08). Es fällt ferner auf, dass es der Pri-

vatklägerin ausserordentlich peinlich war, über die eingeklagten Ereignisse zu 

sprechen – die von ihr und von ihrem Umfeld geschilderten kulturellen Begeben-

heiten in der … [des Volkes D._____] Gesellschaft, in der Themen aus dem Se-

xualbereich offensichtlich ein Tabu sind, finden im Aussageverhalten der Privat-

klägerin sowie im Umstand, dass sie die von ihr geltend gemachten Übergriffe ih-

rem Kulturvermittler gegenüber gar nicht mündlich darlegen konnte, weshalb auf 

schriftliche Schilderungen ausgewichen wurde (Urk. HD 11/12 S. 4; Urk. HD 

10/11 S. 17, Videosequenz ab 02:11:29), ihre Entsprechung. Zu Beginn der ers-

ten Einvernahme fiel es der Privatklägerin sogar schwer, den Namen des mut-

masslichen Täters zu nennen (Urk. HD 10/2 S. 2 ff., Videosequenz ab 00:12:04). 

Der Vorinstanz ist ferner darin beizupflichten, dass die Privatklägerin den Be-

schuldigten äusserst vorsichtig belastete. Neben den bereits von der Vorinstanz 

aufgeführten Beispielen (es sei nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen, der 

Beschuldigte sei immer bekleidet gewesen und sie habe dessen Penis nie gese-

hen, sie habe auch keine sexuellen Handlungen an sich vornehmen müssen: Urk. 

HD 82 S. 12) ist in diesem Zusammenhang beispielsweise darauf hinzuweisen, 

dass sie angab, der Beschuldigte habe den Vibrator nur einmal verwendet und bei 

einem zweiten Mal auf ihr "nein" hin von dessen Einsatz abgesehen (Urk. HD 

10/11 S. 4, Videosequenz ab 00:24:36). Zudem gab sie nicht an, dass sie am Be-

schuldigten sexuelle Handlungen habe vornehmen müssen und verneinte sie die 

Fragen, ob es Zungenküsse gegeben habe, ob sie verletzt worden sei oder ob der 

Beschuldigte Fotos angefertigt habe (Urk. HD 10/11 S. 9, Videosequenz ab 

00:59:52). Hätte die Privatklägerin den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollen, 

wäre es ein Leichtes gewesen, die von ihr geschilderten Begebenheiten weit 

dramatischer zu beschreiben. Dass sie angab, bei mehreren der sexuellen Über-

griffe schliesslich einen Orgasmus gehabt zu haben (Urk. HD 10/2 S. 4, Videose-

-   25   - 

quenz 00:38:15; Urk. HD 10/11 S. 2, Videosequenz 00:16:19) brauchte zweifels-

ohne sehr grosse Überwindung, musste die Privatklägerin doch damit rechnen, 

dass damit die Frage aufkommen würde, ob sie in diesem Fall mit den von ihr be-

haupteten sexuellen Handlungen einverstanden gewesen sei. Eine derart scho-

nungslose Offenheit wäre nicht zu erwarten gewesen, wenn die Privatklägerin den 

Beschuldigten zu Unrecht beschuldigt hätte, und stellt ein gewichtiges Indiz für ih-

re Redlichkeit dar. Ferner enthalten die Aussagen der Privatklägerin Gefühlsbe-

schreibungen, die mit dem gemäss ihren Aussagen Erlebten im Einklang stehen. 

So erklärte sie beispielsweise auf die Frage, wie sie sich während der Übergriffe 

gefühlt habe: "Scheisse. Aber ich konnte das ja zu Hause nicht zeigen. Sie mer-

ken es sofort zu Hause. Deshalb hat sich mein Verhalten geändert. Ich war nicht 

so viel mit meinen Eltern. Ich war immer in meinem Zimmer. Ich habe wenig mit 

meinen Brüdern geredet und im Haushalt nicht so viel geholfen. Wenn ich nach-

denke, was alles passiert ist, fange ich immer fast an zu weinen. Ich denke nicht, 

dass ich das so schnell vergessen kann. Es wird immer etwas sein, das mich in 

meinem Leben stören wird" (Urk. HD 10/11 S. 18, Videosequenz ab 02:21:47). 

Sodann gab sie Erinnerungslücken konsequent an und fragte sie nach, wenn sie 

eine Frage nicht verstand, was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

spricht.  

Wie bereits von der Vorinstanz dargelegt wurde (Urk. HD 82 S. 12 ff.) sind die 

kleineren Abweichungen in den Schilderungen der Privatklägerin nicht geeignet, 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in Frage zu stellen. Vielmehr sind sie als Zei-

chen dafür zu sehen, dass die Privatklägerin ihrer Erinnerung entsprechend aus-

sagte und sich nicht eine Geschichte zurecht gelegt hatte, um diese dann in den 

Einvernahmen stereotyp wiederzugeben. Es ist der Vorinstanz darin beizupflich-

ten, dass ihre ungenauen Angaben zur Anzahl der Übergriffe und ihre sich teil-

weise wiederholenden Schilderungen zum genauen Ablauf bei einer Häufigkeit 

von Übergriffen, wie sie dem Beschuldigten in der Anklageschrift zur Last gelegt 

werden, und bei ähnlichen Verläufen nicht weiter auffällig sind (Urk. HD 82 S. 13). 

Abgesehen davon ist es entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 55 S. 7 

ff.) durchaus nicht so, dass die Privatklägerin praktisch alle Übergriffe gleich ge-

schildert hätte. So fand beispielsweise der von ihr beschriebene Übergriff anläss-

-   26   - 

lich des Geburtstagsfestes ihres Vaters gemäss ihren Aussagen in ihrem Schlaf-

zimmer in der elterlichen Wohnung statt, wo sie mit gespreizten Beinen auf dem 

Bett sass und der Beschuldigte auf dem Teppich vor ihr niederkniete (Urk. HD 

10/11 S. 16, Videosequenz ab 01:46:57), während sie angab, bei den Übergriffen 

in der Waschküche sowie im Trocknungsraum jeweils gestanden zu sein, derweil 

der Beschuldigte gekniet habe (Urk. HD 10/11 S. 15, Videosequenz ab 01:39:43). 

Ferner erklärte sie, dass der Beschuldigte zweimal einen Vibrator dabei gehabt 

habe, diesen aber nur einmal eingesetzt habe. Auch die Schilderung, dass der 

Beschuldigte nicht von Anfang an, sondern erst mit der Zeit seine Finger jeweils in 

ihre Vagina eingeführt habe, zeugt von der Differenziertheit ihrer Aussagen. So-

dann erklärte sie, meist hätten die Übergriffe am Wochenende, zwei- oder dreimal 

aber auch an einem Montag stattgefunden (Urk. HD 10/2 S. 6, Videosequenz ab 

01:11:27). Darüber hinaus differierten die Orte, an denen die Übergriffe stattge-

funden haben sollen (Urk. HD 10/11 S. 15, Videosequenz ab 01:39:01). Ferner 

brachte der Beschuldigte gemäss den Aussagen der Privatklägerin einmal Net-

zunterwäsche mit (Urk. 10/2 S. 5, Videosequenz 00:47:15; Urk. HD 10/11 S. 8, 

Videosequenz 00:57:18) und brachte sie dazu, diese anzuziehen. Auch dies ist 

eine Begebenheit, die sich von der Beschreibung anderer Vorfälle absetzt. 

Von herausragender Bedeutung ist, wie auch die Vorinstanz hervorgehoben hat 

(Urk. HD 82 S. 13), dass die Privatklägerin den Vibrator, den der Beschuldigte 

einmal verwendet und ein zweites Mal dabei gehabt habe, aus dem Gedächtnis 

genau umschrieb (Urk. HD 10/11 S. 3) und diesen anschliessend aus mehreren 

Vibratoren, die ihr gezeigt wurden, sofort und zweifelsfrei wiedererkannte 

(Urk. HD 10/11 S. 4, Videosequenz ab 00:27:51). Klammert man den Erklärungs-

versuch des Beschuldigten, auf den noch einzugehen ist (dazu nachfolgend unter 

Ziffer III.2.6.4.), einmal aus, ist unerfindlich, wie die Privatklägerin hätte wissen 

können, dass sich ein solcher Vibrator im Besitz des Beschuldigten befand, wenn 

nicht, weil er in der in der Anklageschrift umschriebenen Weise verwendet worden 

war. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass dieser Vibrator aufgrund seiner Farb-

kombination kein Standardprodukt darstellen dürfte. Zudem stellt sich die Frage, 

weshalb die Privatklägerin hätte aussagen sollen, dass der Beschuldigte einen 

Vibrator verwendete, wenn dies nicht tatsächlich geschehen wäre, ist doch der 

-   27   - 

Einsatz von Vibratoren bei sexuellen Übergriffen eher aussergewöhnlich und sag-

te doch die Schwester der Privatklägerin anlässlich ihrer polizeilichen Befragung 

vom 3. Dezember 2008 aus, dass sie mit dem Beschuldigten Sexualpraktiken mit 

Sexspielzeugen ausgeübt habe, habe sie nur dem Befragenden gesagt (Urk. HD 

11/2 S. 13). Ferner umschrieb die Privatklägerin in ihren Einvernahmen zwei Po-

laroid-Aufnahmen, die der Beschuldigte zu einem früheren Zeitpunkt von ihrer 

Schwester gemacht hatte (Urk. HD 9/2 S. 6) und von denen der Beschuldigte gel-

tend macht, dass er sie der Privatklägerin nicht gezeigt habe (Urk. HD 9/3 S. 8). 

Dass sie diese von ihrer Schwester gezeigt bekommen haben könnte, kann auf-

grund deren Aussagen, dass niemand von ihrer sexuellen Beziehung zum Be-

schuldigten gewusst habe (Urk. HD 11/1 S. 8; Urk. HD 11/2 S. 6) und sie davon 

ausgegangen sei, dass der Beschuldigte die Fotos verbrannt habe (Urk. HD 11/1 

S. 6; vgl. auch Urk. HD 11/2 S. 10 ff.), ausgeschlossen werden, und dass die Pri-

vatklägerin diese anderweitig hätte zur Kenntnis nehmen können, behauptet nicht 

einmal der Beschuldigte. Dennoch beschrieb die Privatklägerin, dass es sich um 

am Rand mit schwarzem Filzstift beschriftete Polaroidaufnahmen gehandelt und 

ihre Schwester auf einer der beiden Aufnahmen schwarze Netzkleider getragen 

habe (Urk. HD 10/11 S. 7 und 18, Videosequenz 00:45:48 und 02:15:29). Auf ei-

nem Teil der beim Beschuldigten aufgefundenen Polaroidaufnahmen der Schwes-

ter der Privatklägerin, die im Übrigen teilweise mit schwarzem Filzstift beschriftet 

sind, trägt diese teilweise einen Netzanzug sowie mehrfach Netzunterwäsche 

(Urk. HD 8/2), was äusserst wahrscheinlich erscheinen lässt, dass die Privatklä-

gerin tatsächlich eine entsprechende Aufnahme ihrer Schwester gesehen hat. 

Zudem deutet dies darauf hin, dass der Beschuldigte sich von dieser Art von Be-

kleidung angezogen fühlt. Dies wiederum steht in auffälliger Übereinstimmung mit 

der Behauptung der Privatklägerin, dass er ihr bei einem der eingeklagten Treffen 

Netzunterwäsche mitgebracht habe, die sie habe anziehen müssen. 

2.6.2. Hinzu kommt, dass die Privatklägerin einem kulturellen Umfeld entstammt, 

in dem, wie mehrere Zeugen und auch der Beschuldigte berichteten, voreheliche 

Sexualkontakte ein Tabu darstellen (F._____: Urk. HD 11/1 S. 5 ff.; Urk. HD 11/2 

S. 2; Urk. HD 11/3 S. 11; H._____: Urk. HD 11/5 S. 11; C._____: Urk. HD 11/6 S. 

2; M._____: Urk. HD 11/12 S. 5) und gemäss der Mutter der Privatklägerin sowie 

-   28   - 

gemäss dem Kulturvermittler der Privatklägerin selbst für ein Opfer sexueller 

Übergriffe stark ehrenrührig sind (H._____: Urk. HD 11/4 S. 3; Urk. HD 11/5 S. 3 

und S. 11 ff.; M._____: Urk. HD 11/12 S. 8 ff.). Die Privatklägerin musste daher 

damit rechnen, bei einer Anzeige erheblichen Repressalien insbesondere auch 

von Seiten ihrer eigenen Familie ausgesetzt zu sein. Überdies musste sie vor 

dem Hintergrund dieses persönlichen Umfelds davon ausgehen, bei einer Anzei-

ge grosse Schande über ihre Familie zu bringen (Urk. HD 11/12 S. 5). Dass auch 

die Behörden von einer entsprechenden Gefährdung ausgingen, belegt der Um-

stand, dass die Privatklägerin deswegen im Anschluss an die Verhaftung des Be-

schuldigten zunächst in einem Mädchenhaus untergebracht wurde (Urk. HD 

12/2). Sodann handelt es sich beim Beschuldigten um einen entfernteren Ver-

wandten ihrer Eltern (Urk. HD 11/4 S. 9; Urk. HD 11/5 S. 2; Urk. HD 11/11 S. 2), 

der innerhalb des … [des Volkes D._____] Umfelds, in dem sich die Privatklägerin 

und ihre Familie bewegen, offenbar hohes Ansehen geniesst, und um einen da-

maligen Freund ihres Vaters (Urk. HD 11/1 S. 5; Urk. HD 11/5 S. 6; Urk. HD 11/11 

S. 2), und fürchtete sich die Privatklägerin offensichtlich vor einer Rachaktion des 

Beschuldigten. Wenn die Verteidigung vorbringt, es sei nicht richtig, dass es sich 

beim Beschuldigten um eine in der … [des Volkes D._____] Gemeinde sehr an-

gesehene Respektperson handle (Urk. HD 105 S. 6), so ist dem entgegenzuhal-

ten, dass sich der Beschuldigte in der Untersuchung selbst als eine wichtige Per-

sönlichkeit in der … [des Volkes D._____] Gemeinde bezeichnete (Urk. ND 10/5 

S. 3). Es ist an sich schon schwer vorstellbar, dass die damals 16-jährige Privat-

klägerin gegen eine solche Person falsche Anschuldigungen erheben würde. Ins-

besondere aber vor dem kulturellen Hintergrund der Privatklägerin wäre es, wie 

auch die Vorinstanz betont hat (Urk. HD 82 S. 15 ff.), überhaupt nicht nachvoll-

ziehbar, dass die Privatklägerin die ganzen für sie extrem negativen Begleiter-

scheinungen der Anzeige auf sich genommen hätte, nur um sich am Beschuldig-

ten, der sich gegen die Freundschaft zwischen der Privatklägerin und C._____ 

ausgesprochen hatte, zu rächen, wie dies vom Beschuldigten geltend gemacht 

wird (Urk. HD 9/1 S. 10 und S. 19; Urk. HD 55 S. 9; Urk. HD 105 S. 5 ff.).  

Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin spricht ferner, dass sie 

gemäss den Aussagen ihrer Mutter, ihres Bruders I._____, ihrer Schwester, ihres 

-   29   - 

Freundes, des Kulturvermittlers M._____ und ihrer Therapeutin, Dr. med. 

N._____, diesen Wochen vor der Erstattung der Strafanzeige von den Übergriffen 

berichtet hatte (Urk. HD 11/1 S. 9; Urk. HD 11/2 S. 9; Urk. HD 11/3 S. 6; Urk. HD 

11/6 S. 6 ff.; Urk. HD 11/12 S. 4 und Urk. HD 11/7 S. 3 ff.). Die Zeugin N._____ 

bestätigte zudem mit Schreiben vom 18. Juni 2009, dass die Privatklägerin ihr am 

24. Juni 2009 [recte: 2008, da sonst das Schreiben einen zukünftigen Sachverhalt 

enthalten würde] eine SMS geschickt habe, in der sie über sexuelle Übergriffe ei-

nes … [des Volkes D._____] Mannes erzählt habe (Urk. HD 11/18). Dass die Pri-

vatklägerin diesen Personen aus ihrem Umfeld nur rudimentär resp. bruchstück-

haft von Übergriffen erzählte und die Anzahl der Übergriffe unterschiedlich dar-

stellte, wie sich aus den fraglichen Zeugeneinvernahmen ergibt, spricht entgegen 

der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 55 S. 8) nicht gegen die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen der Privatklägerin. Vielmehr erklärte sie sogar selber anlässlich ihrer 

beiden Befragungen, dass sie den Personen, die sie eingeweiht habe, nicht alles 

erzählt habe (Urk. HD 10/2 S. 6, Videosequenz ab 00:58:05; Urk. HD 10/11 S. 9 

und S. 15, Videosequenzen ab 1:00:23 und ab 01:41:54), was insbesondere vor 

dem Hintergrund der bereits aufgezeigten kulturellen Gegebenheiten ohne weite-

res nachvollziehbar erscheint. 

2.6.3. Der Beschuldigte wies die Anschuldigungen der Privatklägerin während des 

gesamten Verfahrens weit von sich (Urk. HD 9/1 S. 2 ff.; Urk. HD 9/2 S. 3 ff.; Urk. 

HD 9/10 S. 5 ff.; Urk. HD 53 S. 5 ff.; Urk. HD 104 S. 5 ff.). Er erklärte, dass er zur 

Privatklägerin ein Verhältnis habe wie von einem Vater zur Tochter. Sie sei gleich 

alt wie seine Tochter, er kenne sie seit 1997 und er sei auch an ihrer Erziehung 

beteiligt (Urk. HD 9/1 S. 2 und S. 8 ff.; Urk. HD 9/2 S. 2). Bei seinen Aussagen 

verstrickte sich der Beschuldigte jedoch in zahlreiche Widersprüche, wobei er sei-

ne Aussagen im Laufe der Untersuchung immer wieder dem ihm jeweils bekann-

ten Untersuchungsstand anpasste. So erklärte er zunächst, dass ein Koffer mit 

Sexfilmen, Sexspielzeugen und dgl., der anlässlich der Hausdurchsuchung bei 

ihm aufgefunden wurde, ca. 6 bis 7 Jahre zuvor von einem Landsmann namens 

"O._____", der nach P._____ gegangen sei, bei ihm zurückgelassen worden sei 

(Urk. HD 9/1 S. 6 ff.; Urk. HD 9/2 S. 4; Urk. HD 9/3 S. 2). Damit konfrontiert, dass 

drei Vibratoren und Unterwäsche in seinem Büro deponiert gewesen seien, erklär-

-   30   - 

te er, dass er diese Gegenstände manchmal benütze, wenn er mit seiner Frau 

schlafe (Urk. HD 9/1 S. 7) – er habe einen Teil der Utensilien aus dem Koffer im 

Keller in seine Wohnung genommen. Der Koffer befinde sich nach wie vor im Kel-

ler, und darin würden sich auch Gegenstände von ihm, z.B. Fotos, befinden (Urk. 

HD 9/2 S. 4). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

10. November 2008 erklärte er dann, in diesem Koffer [im Keller] würden sich 

auch ein Vibrator, ein Feuerzeug, ein Kondom und ein Pfefferspray befinden, die 

er am 30. April 2008 in der elterlichen Wohnung der Privatklägerin deren Handta-

sche entnommen habe. Diese habe gesagt, ihr Natel sei gestohlen worden, was 

er habe überprüfen wollen, weil andere Leute gesagt hätten, dass das nicht stim-

me. Er habe dann ihre Handtasche geöffnet und diese Sachen gefunden (Urk. HD 

9/3 S. 3 ff.). Ferner gab der Beschuldigte anlässlich der Einvernahme vom 10. 

November 2008 an, dass er die Sexspielzeuge beim Sex mit seiner Frau nie be-

nützt habe (Urk. HD 9/3 S. 7), und erklärte die anderslautende vorherige Aussage 

mit Übersetzungsproblemen. Sodann gab er, nachdem ihm anlässlich der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vorgehalten worden war, dass an diesem Koffer 

eine Kartonetikette angebracht war, auf welche mit roter Schrift sein Name und 

seine alte Adresse in Q._____ standen (Urk. HD 9/3 S. 6), und nachdem er an-

lässlich der Zeugeneinvernahme der Zeugin F._____ gehört hatte, dass dieser 

Koffer am 18. Dezember 2004 mit der Air R._____ von S._____ in die Schweiz 

eingeführt worden war (Urk. HD 11/3 S. 19), anlässlich der polizeilichen Einver-

nahme vom 16. Februar 2009 neu an, dass der Koffer ihm gehöre und nur der In-

halt "O._____'s" Eigentum sei (Urk. HD 9/7 S. 4). Ob dieser "O._____" tatsächlich 

existiert und überdies die fraglichen Gegenstände beim Beschuldigten hinterliess, 

darf bezweifelt werden, da der Beschuldigte über ihn keinerlei Angaben machte 

resp. machen wollte (Urk. HD 9/1 S. 7; Urk. HD 9/3 S. 2) und selbst die Schwester 

der Privatklägerin, die genau im fraglichen Zeitraum eine Beziehung mit dem Be-

schuldigten gehabt hatte, als Zeugin aussagte, der Beschuldigte habe ihr gegen-

über nie diesen Namen erwähnt (Urk. HD 11/3 S. 13). Ferner gab der Beschuldig-

te anlässlich der ersten polizeilichen Befragung an, mit der Privatklägerin nie über 

Sex gesprochen zu haben (Urk. HD 9/1 S. 15). Nur kurz zuvor hatte er indessen 

-   31   - 

in der gleichen Einvernahme erklärt, mit ihr über Kondome und über ihre sexuelle 

Beziehung zu C._____ gesprochen zu haben (Urk. HD 9/1 S. 8 ff.). 

Dass der Beschuldigte die Fragen bezüglich seines Sexualverhaltens nur auf die 

Beziehung zwischen ihm und seiner Ehefrau bezog (Urk. HD 9/1 S. 4 ff.) und er-

klärte, vor seiner zweiten Ehe habe er eine junge Frau als Freundin gehabt (Urk. 

HD 9/1 S. 5 ff.), womit er offensichtlich implizit klarstellen wollte, dass er als ver-

heirateter Mann keine ausserehelichen Sexualkontakte habe, führt nicht weiter. 

Erstellt ist nämlich, dass er bis Ende 2005 mit F._____, der Schwester der Privat-

klägerin, eine sexuelle Beziehung führte, obwohl er bereits im Jahr 2003 oder 

2004 geheiratet hatte (Urk. HD 11/2 S. 4 und S. 7; Urk. HD 11/3 S. 7; Urk. HD 104 

S. 2). Sich selber in ein besseres Licht zu stellen und nicht als Ehebrecher dazu-

stehen könnte ferner der Grund dafür gewesen sein, dass er zunächst angab, er 

glaube, er habe seine zweite Frau im Mai 2006 geheiratet (Urk. HD 9/1 S. 3) – 

normalerweise weiss man, ob man bloss 2 oder bereits 4 bis 5 Jahre verheiratet 

ist. Ein bemerkenswertes Detail ist dabei, dass die Schwester der Privatklägerin 

und damalige Freundin des Beschuldigten die seit kurzem mit ihm verheiratete 

Ehefrau des Beschuldigten offenbar bei ihrer Einreise in die Schweiz am 18. De-

zember 2004 begleitete (Urk. HD 11/3 S. 16; Urk. HD 11/3 S. 19). 

Ferner wäre nicht recht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte derart vehe-

ment zu verheimlichen versuchte, dass F._____, die ältere Schwester der Privat-

klägerin, seine Ex-Freundin ist, mit der er eine mehrjährige sexuelle Beziehung 

gehabt hatte, wenn er zu Unrecht belastet worden wäre. Anfangs tat er sogar, wie 

wenn er die Schwester der Privatklägerin kaum kennen würde, fragte er doch an-

lässlich der ersten polizeilichen Befragung vom 30. Oktober 2008, als der Befra-

gende auf diese zu sprechen kam, nach (Urk. HD 9/1 S. 18). Die Privatklägerin 

hat indessen nur eine Schwester, was dem Beschuldigten selbstverständlich be-

kannt war (Urk. HD 9/2 S. 3). Es mag zwar nachvollziehbar sein, dass der Be-

schuldigte das aussereheliche Verhältnis als solches lieber nicht an die grosse 

Glocke hängen wollte. Bei seinen diesbezüglichen Einvernahmen hinterliess er 

aber den Eindruck, als wollte er vor allem vermeiden, dass die Identität der Ex-

Freundin bekannt würde. Selbst als ihm klar war, dass die Untersuchungsbehör-

-   32   - 

den die Polaroidaufnahmen, auf denen die Schwester der Privatklägerin und er 

bei sexuellen Handlungen abgebildet waren, kannte, kam er nicht darauf zu spre-

chen, dass es sich bei der von ihm erwähnten Ex-Freundin um die Schwester der 

Privatklägerin handelte, sondern erklärte mehrfach, er wolle nicht über seine Ex-

Freundin sprechen (Urk. HD 9/3 S. 8 ff.; Urk. HD 9/4 S. 4 ff.). Erst als er vom 

Staatsanwalt direkt damit konfrontiert wurde, dass es sich bei der auf den Pola-

roidaufnahmen abgebildeten Frau um F._____ und somit um die Schwester der 

Privatklägerin handelte, gestand er dies implizit ein (Urk. HD 9/4 S. 5 ff.). Wenn 

die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stimmen, liegen die Erklärungen für sein auf-

fälliges Aussageverhalten indes auf der Hand: Zum einen musste er in diesem 

Fall davon ausgehen, dass die Privatklägerin berichtet hatte, mit den Polaroidauf-

nahmen ihrer Schwester von ihm unter Druck gesetzt worden zu sein und dass 

dies angesichts der entsprechenden bei ihm aufgefundenen Polaroidaufnahmen 

plausibel erscheinen würde. Hinzu kommt, dass es aufgrund der Aussagen von 

F._____ den Eindruck macht, wie wenn der viel ältere Beschuldigte deren schwie-

rige familiäre Situation ausgenützt hätte. Auf die Frage, weshalb sie die Nacktauf-

nahmen von sich habe machen lassen, erklärte sie: "Als ich von zu Hause ausge-

zogen bin, habe ich mich nicht sehr gut mit meiner Familie verstanden. A._____ 

war der einzige Mensch, der für mich da war… es war sehr schwer für mich, da 

ich auch allein war. Aus diesem Grund habe ich einfach in die Fotos eingewilligt, 

da ich Angst hatte, dass er auch den Kontakt zu mir abbricht und ich dann ganz 

alleine bin. Dies wollte ich nicht. Aus diesem Grund habe ich dies über mich erge-

hen lassen und die Fotos einfach von mir machen lassen" (Urk. HD 11/1 S. 7). 

Diese Schilderung von F._____ wird durch einen Teil der Aufnahmen, auf denen 

ihr Gesicht zu sehen ist, untermauert, da sie darauf einen nicht gerade glückli-

chen Gesichtsausdruck hat. Zuvor hatte F._____ schon geschildert, wie der Be-

schuldigte und sie sich näher gekommen waren: Als sie damals in einen Jungen 

verliebt gewesen sei, der aber sie nicht geliebt habe, habe der Beschuldigte ihr 

geholfen, ihm Karten zu schreiben oder zu telefonieren – er habe ihr Geld oder 

eine Telefonkarte gegeben. Als sie dann mit diesem Jungen nicht zusammenge-

kommen sei, hätten sie beide etwas miteinander gehabt, wobei sie das anfänglich 

nicht gewollt habe, weil er für sie wie eine Art Vater gewesen sei (Urk. HD 11/1 S. 

-   33   - 

6). Diese von F._____ geschilderten Umstände zum Anfang der Beziehung zwi-

schen ihr und dem Beschuldigten zeigen gewisse Parallelen im Vergleich mit den 

von der Privatklägerin vorgebrachten Schilderungen zu den ersten Annäherungen 

des Beschuldigten bei ihr. Stimmen die Ausführungen der Privatklägerin, näherte 

sich der Beschuldigte beiden Schwestern in der Weise, dass er ihnen bei ihren 

Liebesproblemen zunächst als väterlicher Freund zur Seite stand (Urk. HD 11/1 

S. 6; HD 11/2 S. 9). Während F._____ es zuliess, dass er mit der Zeit in die Rolle 

des Geliebten schlüpfte, gelang ihm dies, sollten die Schilderungen der Privatklä-

gerin zutreffen, bei dieser offensichtlich nicht. Dass er in dieser Situation bei der 

Privatklägerin mit subtilem Druck "nachgeholfen" haben könnte, erscheint kei-

neswegs ausgeschlossen. Sollte die anlässlich der polizeilichen Befragung vom 3. 

Dezember 2008 und anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme 

vom 9. Dezember 2008 von F._____ zu Protokoll gegebene Version zum Zeit-

punkt des Beginns ihrer Beziehung mit dem Beschuldigten stimmen (vgl. Urk. HD 

11/2 S. 5; Urk. HD 11/3 S. 4 ff.), hätte diese sogar bereits, als sie noch im Eltern-

haus wohnhaft war, ihren Anfang genommen, was bezüglich des Zeitpunkts, in 

dem gemäss der Anklage die sexuellen Handlungen mit der Privatklägerin ihren 

Anfang nahmen, eine weitere auffällige Parallele darstellen würde. 

Dass sich der Beschuldigte entgegen seinen Angaben (Urk. HD 9/1 S. 5) durch-

aus von sehr jungen Frauen angezogen fühlt, lässt sich einerseits aus dem bei 

ihm aufgefundenen pornographischen Material ableiten. Andererseits ist dies aber 

auch dadurch erstellt, dass er in den Jahren 2001 oder 2002 bis Ende 2005 eine 

sexuelle Beziehung mit der im Vergleich zu ihm über 20 Jahre jüngeren Schwes-

ter der Privatklägerin, geboren tt. Dezember 1982 (Urk. HD 10/11 S. 17; Urk. HD 

11/2 S. 4; Urk. HD 11/3 S. 4), unterhielt. Dies versuchte der Beschuldigte offen-

sichtlich zu verschleiern, indem er in der ersten polizeilichen Einvernahme vom 

30. Oktober 2008 angab, die Freundin, die er vor der zweiten Heirat gehabt habe, 

sei im Zeitpunkt, in dem er sie kennengelernt habe, 22 Jahre alt gewesen (Urk. 

HD 9/1 S. 5). Zu Beginn der Beziehung war die ältere Schwester der Privatkläge-

rin jedoch erst 18 oder 19 Jahre alt (vgl. auch Urk. HD 11/2 S. 12) und somit nur 

wenig älter als die Privatklägerin im Zeitpunkt der von ihr geltend gemachten se-

xuellen Übergriffe aus den Jahren 2007 und 2008. Im Übrigen wirkt die in diesem 

-   34   - 

Zusammenhang getätigte Aussage des Beschuldigten, er sei in sexueller Hinsicht 

nicht so aktiv, dies interessiere ihn nicht so, er habe mehr Interesse an seiner po-

litischen Arbeit (Urk. HD 9/1 S. 5), nur schon aufgrund des bei ihm aufgefundenen 

pornographischen Materials wenig glaubhaft. 

Auffällig ist aber auch, dass der Beschuldigte gemäss den Angaben der Mutter 

der Privatklägerin anlässlich der Einvernahme vom 5. November 2008 in den letz-

ten vier bis fünf Monaten nicht so häufig angerufen habe wie früher; sie würden 

eher ihn anrufen, wenn sie ihn sprechen wollten (Urk. HD 11/4 S. 14), und der 

Beschuldigte selber anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 30. Oktober 

2008 ebenfalls angab, er habe zur Privatklägerin seit August 2008, als er sie noch 

im … angetroffen habe, keinen Kontakt mehr (Urk. HD 9/1 S. 9). Der Zeitpunkt, in 

dem der Beschuldigte seine Kontakte zur Familie der Privatklägerin und zur Pri-

vatklägerin selber stark einschränkte, fällt somit genau mit dem Zeitpunkt zusam-

men, in dem sich die Privatklägerin ihren eigenen Angaben zufolge anfing zu wei-

gern, sich noch weiter mit dem Beschuldigten zu treffen. Der Vater der Privatklä-

gerin gab an, dass der Beschuldigte die Familie seit dem 1. Mai 2008 nicht mehr 

besucht habe; den Grund dafür kenne er nicht (Urk. HD 11/11 S. 9).  

2.6.4. Nahezu überführt ist der Beschuldigte aber durch die Tatsache, dass an-

lässlich der Hausdurchsuchung in seiner Wohnung in einer Tasche derjenige 

blaue Vibrator mit schwarzem Deckel aufgefunden wurde, den die Privatklägerin 

in ihrer ersten Einvernahme, die vor der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten 

stattgefunden hatte, beschrieben hatte (Urk. HD 10/2 S. 5), und dass dieser Vib-

rator ihre DNA trug (Urk. HD 6/9). Der Beschuldigte war anlässlich der ersten po-

lizeilichen Einvernahme vom 30. Oktober 2008 ausdrücklich darauf aufmerksam 

gemacht worden, dass Vibratoren gute Spurenträger sind (Urk. HD 9/1 S. 19). Er 

musste daher, wenn sich die in der Anklageschrift umschriebenen Ereignisse tat-

sächlich zugetragen haben, damit rechnen, dass an diesem Vibrator DNA-Spuren 

der Privatklägerin aufgefunden würden. Unter diesen Umständen hätte sich seine 

ursprüngliche Version, der Koffer, in dem sich u.a. dieser Vibrator ursprünglich 

befunden habe, gehöre mitsamt dessen Inhalt einem Bekannten namens 

"O._____", nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Neu erklärte er anlässlich der 

-   35   - 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. November 2008, dass er am 30. 

April 2008 einen Vibrator, Kondome, einen Pfefferspray sowie ein Feuerzeug in 

der Handtasche der Privatklägerin gefunden und diese Gegenstände behändigt 

habe (Urk. HD 9/3 S. 3 ff.). Dies ist per se schon mehr als zweifelhaft, zumal nicht 

nur die Privatklägerin in Abrede stellt, je einen Vibrator gehabt zu haben (Urk. HD 

10/11 S. 5), sondern auch deren Schwester, die die Tasche der Privatklägerin 

häufig kontrolliert hatte, erklärte, sie wisse nichts von einem solchen Gerät und 

könne sich auch nicht vorstellen, dass ihre Schwester ein solches besitzen könnte 

(Urk. HD 11/3 S. 10). Ihr Bruder I._____ konnte sich anlässlich seiner Zeugenein-

vernahme vom 25. Juni 2009 ebenfalls nicht vorstellen, dass die Privatklägerin ei-

nen Vibrator haben könnte (Urk. HD 11/10 S. 7). Darüber hinaus sagte der 

Freund der Privatklägerin, C._____, anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 

12. November 2008 aus, die Privatklägerin und er hätten nie einen Vibrator ver-

wendet (Urk. HD 11/6 S. 4). Die Privatklägerin führte zu den Angaben des Be-

schuldigten ferner aus, einen Pfefferspray habe sie zwar gehabt, diesen aber et-

wa zwei Wochen vor der Einvernahme weggeworfen, und es sei auch nicht mög-

lich, dass sie am 30. April 2008 ein Feuerzeug dabei gehabt habe, da sie zu die-

sem Zeitpunkt nicht mehr geraucht habe, weshalb die Angaben des Beschuldig-

ten nicht stimmen könnten (Urk. 10/11 S. 5, Videosequenz ab 00:37:50). Dass der 

Beschuldigte im April 2007 von der Schwester der Privatklägerin – allenfalls auch 

von deren Ehemann – erfuhr, dass diese in der Tasche der Privatklägerin Kon-

dome gefunden hatte, ist durch die Aussagen der Schwester der Privatklägerin 

(Urk. HD 11/1 S. 19) zwar erstellt. Dies vermag indessen die Glaubhaftigkeit der 

Aussage des Beschuldigten betreffend des Auffindens der genannten Gegen-

stände in der Handtasche der Privatklägerin nicht ohne weiteres zu untermauern. 

Genau so gut ist denkbar, dass der Beschuldigte diese wahre Begebenheit ver-

wendete, um eine erfundene Geschichte über das Auffinden der genannten Ge-

genstände in der Handtasche der Privatklägerin zu stützen. Es kommt hinzu, dass 

anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten im Koffer, von dem er ur-

sprünglich angegeben hatte, dass dieser "O._____" gehöre, auch eine Schachtel 

mit Vibratoren mit der Bezeichnung "the ultimate orgasm kit" aufgefunden wurde, 

in der genau ein blau-schwarzer Vibrator der fraglichen Art fehlte. Ferner sagte 

-   36   - 

F._____, die bekanntlich jahrelang die Freundin des Beschuldigten gewesen war, 

anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 9. Dezember 2008 spontan aus, dass der 

Beschuldigte schon während ihrer Beziehung, die Ende 2005 endete, den ihr ge-

zeigten blauen Vibrator mit schwarzem Deckel besass (Urk. HD 11/3 S. 14), auch 

wenn die Zeugin sich bei genauerer Betrachtung des Vibrators nicht mehr sicher 

war (Urk. HD 11/3 S. 15). Schliesslich ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb der 

Beschuldigte den blauen Vibrator, den er der Handtasche der Privatklägerin ent-

nommen haben will, zuhause dann in einer Tasche versorgte, in der sich zwei 

weitere Vibratoren sowie Unterwäsche befanden, die offensichtlich für den eige-

nen Gebrauch gedacht waren (vgl. Urk. HD 14/4 S. 2). Hätte er den blauen Vibra-

tor tatsächlich zusammen mit den weiteren von ihm genannten Gegenständen der 

Handtasche der Privatklägerin entnommen, wäre nur schon aus hygienischen 

Gründen zu erwarten gewesen, dass er diese Gegenstände gemeinsam, und 

zwar separiert von seinen eigenen Sex-Spielzeugen, aufbewahrt hätte. Anlässlich 

der Schlusseinvernahme vom 16. März 2010 brachte der Beschuldigte einen wei-

teren, baugleichen blauen Vibrator mit schwarzem Deckel mit und machte gel-

tend, diesen im zweiten Koffer, den "O._____" bei ihm gelassen habe, entdeckt 

zu haben (Urk. HD 9/10 S. 4). Bei der Hausdurchsuchung vom 29. Oktober 2008 

war indessen im fraglichen zweiten Koffer kein solcher Vibrator aufgefunden wor-

den, obwohl genau nach derartigen Gegenständen gesucht worden war und der 

Beschuldigte anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. 

November 2008 auch angab, dass die Polizeibeamten alle Koffer aufgemacht hät-

ten (Urk. HD 9/3 S. 3). Es war dem Beschuldigten aber ohne weiteres möglich, 

vor der Schlusseinvernahme vom 16. März 2010 einen weiteren derartigen Vibra-

tor zu besorgen, um so den Verdacht von sich zu lenken, denn das "ultimate or-

gasm kit" konnte in jenem Zeitraum, wie von der Staatsanwaltschaft aufgezeigt 

(Urk. HD 9/8 S. 10 und Anhang zu Urk. HD 9/8; Urk. HD 19), nach wie vor bestellt 

werden. 

Im Zusammenhang mit dem von der Privatklägerin geschilderten Übergriff anläss-

lich des Geburtstagsfests ihres Vaters im Jahr 2007 (Urk. 10/2 S. 6, Videose-

quenz ab 01:12:37) erklärte der Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahme vom 

25. November 2008, wenn die Feier vor dem 5. Dezember 2007 stattgefunden 

-   37   - 

habe, habe er wohl an dieser teilgenommen (Urk. HD 9/4 S. 7). Der Vater der Pri-

vatklägerin hat gemäss dessen Aussagen am tt.mm.2007 Geburtstag (Urk. HD 

11/11 S. 7). Er erklärte anlässlich der Einvernahme vom 22. Dezember 2008, sein 

Geburtstagsfest habe am Samstag, tt.mm.2007, ab ca. 18.00 Uhr, stattgefunden 

und sei getrennt vom Neujahrsfest gefeiert worden (Urk. HD 11/11 S. 7 ff. und S. 

11). Das Lokal, in dem das Fest stattgefunden habe, und seine Wohnung an der 

...strasse ... seien ca. eine Fussminute voneinander entfernt. Der Beschuldigte sei 

um ca. 15.00 bis 16.00 Uhr am Nachmittag gekommen und bis ca. Mitternacht 

geblieben (Urk. HD 11/11 S. 8). Auf entsprechende Frage erklärte der Vater der 

Privatklägerin, es könne sein, dass der Beschuldigte während des Festes oder 

danach in die Wohnung gegangen sei, um etwas zu holen, aber genau wisse er 

das nicht (Urk. HD 11/11 S. 8). Wo die Privatklägerin während dieses Festes ge-

wesen sei, ob zuhause oder in der Wohnung ihrer Schwester, wisse er nicht; am 

Geburtstagsfest habe sie nicht teilgenommen (Urk. HD 11/11 S. 8). Der Beschul-

digte benannte im Verlauf des Untersuchungsverfahrens zwei Entlastungszeugen, 

von denen der eine, K._____, anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 19. 

März 2009 aussagte, der Beschuldigte sei nach T._____ geflogen, weil sein Vater 

gestorben sei, und am Geburtstagsfest des Vaters der Privatklägerin im mm.2007 

nicht anwesend gewesen; er habe ihn sogar von T._____ aus noch angerufen 

und gefragt, wie das Fest so laufe (Urk. HD 11/14 S. 4). Dass der Beschuldigte 

anlässlich des Geburtstagsfestes des Vaters der Privatklägerin im Jahr 2007 nicht 

anwesend war, wurde ferner auch vom zweiten vom Beschuldigten bezeichneten 

Zeugen, L._____, anlässlich dessen Zeugeneinvernahme am 19. März 2009 be-

stätigt. Dieser gab an, dass der Beschuldigte zwei Tage zuvor nach T._____ ge-

reist sei. Er habe ihn angerufen und gesagt, dass sein Vater gestorben sei. Er ha-

be ihn dann mit vier, fünf anderen Personen zum Flughafen begleitet (Urk. HD 

11/15 S. 4). Der Vater des Beschuldigten starb gemäss den Angaben des Be-

schuldigten am tt.mm.2007 (Urk. HD 9/4 S. 7). Der Vorinstanz ist darin beizu-

pflichten, dass der Vater der Privatklägerin als Gastgeber wohl am ehesten weiss, 

wann er sein Geburtstagsfest abhielt und wer an diesem anwesend war (Urk. HD 

82 S. 25). Hinzu kommt, dass auch die Privatklägerin glaubte, dieses sei eine 

Woche nach seinem eigentlichen Geburtstag abgehalten worden und sie die glei-

-   38   - 

che Anfangszeit nannte (Urk. 10/11 S. 12, Videosequenz ab 01:22:45). Beim 

Zeugen K._____, der gemäss den Aussagen mehrerer Zeugen wie der Beschul-

digte Mitglied der Organisation U._____ ist (Urk. ND 11/3 S. 4; Urk. ND 11/4 S. 

14; Urk. ND 11/6 S. 5; Urk. ND 11/9 S. 3; Urk. ND 12/4 S. 6) und zudem nicht nur 

in enger Beziehung zum Beschuldigten steht, sondern auch mit dessen Cousine 

verheiratet ist (Urk. HD 11/14 S. 2; Urk. ND 10/2 S. 4; Urk. ND 11/4 S. 12; Urk. 

ND 12/10 S. 2), fällt auf, dass dieser 1 1/3 Jahre nach dem fraglichen Geburts-

tagsfest nicht nur noch gewusst haben will, dass der Beschuldigte am Fest nicht 

anwesend war, sondern sogar noch, dass dieser ihn von T._____ aus angerufen 

habe, um zu fragen, wie das Fest so laufe. Der gleiche Zeuge entlastete den Be-

schuldigten in einer späteren Zeugeneinvernahme auch hinsichtlich des Vorwurfs 

der Drohung gemäss Anklageziffer V, Punkt 1, indem er angab, nichts von einem 

Zwischenfall gemerkt oder gehört zu haben. Dass es aber im Zusammenhang mit 

dem Vorwurf der Drohung zumindest zu einem Zwischenfall kam, bestritt im Laufe 

der Untersuchung nicht einmal mehr der Beschuldigte (dazu hinten unter Ziffer 

III.3.). Zudem war es der Zeuge K._____, der anlässlich der Zeugeneinvernahme 

vom 19. März 2009 behauptete, der Beschuldigte habe das Kulturfest, das am 

tt.mm.2008 stattgefunden habe, nicht verlassen können, da er für das Fest ver-

antwortlich gewesen sei (Urk. HD 11/14 S. 5), und ihn somit auch hinsichtlich des 

letzten von der Privatklägerin behaupteten Übergriffs entlastete (dazu im nachfol-

genden Absatz). Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass nicht 

ausgeschlossen werden kann, dass die beiden genannten Entlastungszeugen 

vom Beschuldigten instruiert wurden (Urk. HD 82 S. 25 ff.), zumal letzterer am 22. 

Dezember 2008 aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und somit auch fak-

tisch die Gelegenheit zu entsprechenden Absprachen hatte. Auffällig ist, dass 

beide Zeugen von sich aus erklärten, der Vater der Privatklägerin habe im 

mm.2007 nicht nur sein Geburtstagsfest, sondern gleichzeitig auch das Weih-

nachtsfest gefeiert (Urk. HD 11/14 S. 3; Urk. HD 11/15 S. 3), obwohl sie gar nicht 

danach gefragt worden waren. Diese zusätzliche Information würde plausibel er-

scheinen lassen, dass der fragliche Geburtstag nicht schon am tt.mm.2007, son-

dern später in diesem Monat gefeiert wurde, und dies wiederum würde die späte-

re Version des Beschuldigten stützen, dass er nicht am Geburtstagsfest, sondern 

-   39   - 

wegen des genannten Todesfalles in T._____ war. Die Aussagen von K._____ 

und L._____ erweisen sich jedenfalls als wenig glaubhaft. 

Das Kulturfest am tt.mm.2008 fand gemäss den Aussagen des Vaters der Privat-

klägerin anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 22. Dezember 2008 im Ge-

meinschaftszentrum in V._____, ca. 1,5 Kilometer von der Wohnung seiner älte-

ren Tochter, statt (Urk. HD 11/11 S. 6). Der Vater der Privatklägerin erklärte, er 

sei von ca. 10.00 Uhr morgens bis Mitternacht an diesem Fest gewesen. Der Be-

schuldigte sei auch anwesend gewesen; es könne sein, dass dieser zwischen-

durch weggegangen sei (Urk. HD 11/11 S. 6). Der Zeuge K._____ sagte aus, der 

Beschuldigte habe das Fest nicht verlassen können, da er für dieses verantwort-

lich gewesen sei und auch Reden gehalten habe. Zudem habe er bei jenem Fest 

Probleme mit seinem Bein gehabt. Dieses Fest fange so um ca. 11.00 Uhr vormit-

tags an und ende ca. um 23.00 bis 23.30 Uhr (Urk. HD 11/14 S. 5 ff.). Der Zeuge 

L._____ erklärte, ebenfalls am fraglichen Kulturfest anwesend gewesen zu sein; 

er habe gekocht. Der Beschuldigte habe während dieses Anlasses keine Möglich-

keit gehabt, allein wegzugehen, da an jenem Tag ein Politiker aus R._____ am 

Fest und mit dem Beschuldigten zusammen gewesen sei (Urk. HD 11/15 S. 6). 

Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Schwester der Privatklägerin, F._____, 

ist erstellt, dass die Privatklägerin, wenn sie deren Sohn hütete, entweder ab Frei-

tagabend oder ab Samstagmorgen um ca. 06.30 Uhr bei ihr zuhause war. Zudem 

ergibt sich aus ihren Aussagen, dass sie am Samstagmorgen jeweils um 06.30 

oder 07.30 Uhr die Wohnung verliess und auch ihr Mann am Samstag am Arbei-

ten war (Urk. HD 11/1 S. 15 und 17), weshalb die Privatklägerin ab diesem Zeit-

punkt zusammen mit dem Kleinkind alleine in der Wohnung war. Ausgehend von 

den Angaben der Zeugen J._____ und K._____, wonach der Anlass um 10.00 

Uhr oder 11.00 Uhr begann, hatte der Beschuldigte aufgrund der kurzen Distanz 

zwischen der Wohnung der Schwester der Privatklägerin und dem Gemeinschaft-

szentrum in V._____ ohne weiteres die Möglichkeit, vor dem fraglichen Anlass 

den von der Privatklägerin umschriebenen sexuellen Übergriff in der Wohnung 

der Schwester der Privatklägerin zu begehen, zumal die Privatklägerin selber ge-

genüber ihrer Schwester angab, der Übergriff habe früh morgens zwischen 07.00 

und 11.00 Uhr stattgefunden (Urk. HD 11/1 S. 15). Die Privatklägerin selber nahm 

-   40   - 

denn auch anlässlich ihrer zweiten Einvernahme vom 15. Dezember 2008 an, 

dass dieser Übergriff eher vor dem Fest stattgefunden habe (Urk. 10/11 S. 2, Vi-

deosequenz ab 00:14:12). Der Beschuldigte wird daher bezüglich dieses Vorfalls 

durch die Zeugenaussagen nicht entlastet. 

Was die in der Klageschrift umschriebenen Nötigungshandlungen angeht, ist da-

rauf hinzuweisen, dass der Freund der Privatklägerin, C._____, gemäss den Aus-

sagen der Privatklägerin (Urk. HD 10/2 S. 3, Videosequenz ab 00:20:34; 

Urk. 10/11 S. 18, Videosequenz ab 02:16:31) und des Beschuldigten (Urk. HD 9/1 

S. 9), aber beispielsweise auch gemäss den Aussagen der Schwester der Privat-

klägerin (Urk. HD 11/1 S. 11), 2007 beim … in W._____ verprügelt worden war, 

weil er mit der Privatklägerin zusammen war. Zudem gab die Mutter der Privatklä-

gerin anlässlich ihrer polizeilichen Befragung vom 5. November 2008 an, dass sie 

wisse und auch von der Privatklägerin gehört habe, dass der Freund ihrer Toch-

ter, C._____, vom Beschuldigten telefonisch bedroht worden sei (Urk. HD 11/4 S. 

5). Zwar relativierte sie diese Aussage anlässlich der formellen Zeugenbefragung 

vom 4. Dezember 2008 dahingehend, dass sie vermuten würden, er habe dies 

über Dritte gemacht und wolle ihrer Tochter damit Angst machen, damit sie kei-

nen Freund habe (Urk. HD 11/5 S. 12). C._____ bestätigte aber anlässlich seiner 

polizeilichen Befragung diese Angaben und erklärte, dass seine Eltern Angst um 

ihn hätten, weil der Beschuldigte eine "Gang" habe, er im Sommer 2007 beim ... 

in W._____ von seinen Leuten verprügelt worden sei und der Beschuldigte ihn 

auch telefonisch bedroht und verlangt habe, er solle die Beziehung zur Privatklä-

gerin beenden, wobei dieser darauf hingewiesen habe, dass er Waffen habe und 

schnell in ihr Haus eindringen könne (Urk. HD 11/6 S. 5 und S. 8 ff.). Die Drohun-

gen des Beschuldigten wie auch den Umstand, dass er am ...fest im Jahr 2007 

auf Veranlassung des Beschuldigten verprügelt worden sei, bestätigte er anläss-

lich der formellen Zeugeneinvernahme vom 4. Dezember 2008 unter der strengen 

Strafandrohung von Art. 307 StGB (Urk. HD 11/7 S. 2 und S. 10 ff.). Dass die Pri-

vatklägerin noch am Tag, an dem C._____ beim ... in W._____ verprügelt worden 

war, telefonisch von ihrer Schwester resp. ihrem Schwager über diesen Vorfall in-

formiert wurde, ist durch die Aussagen der Privatklägerin selber anlässlich ihrer 

zweiten Einvernahme erstellt (Urk. HD 10/11 S. 18, Videosequenz ab 02:16:38). 

-   41   - 

Ferner erklärte C._____, dass er der Privatklägerin im September 2007 von den 

Drohungen erzählt habe (Urk. HD 11/7 S. 12). Der Beschuldigte bestritt zwar, 

C._____ bedroht zu haben (Urk. HD 9/8 S. 6). Er wird aber heute wegen einer 

Todesdrohung gegenüber diesem, ausgesprochen am 16. Mai 2010, zu verurtei-

len sein (dazu nachfolgend unter Ziffer III.3.). Zudem ist durch seine diesbezügli-

chen Aussagen erstellt, dass der Beschuldigte im fraglichen Zeitraum einen unter 

das Waffengesetz fallenden Schussapparat in seiner Wohnung gelagert hatte 

(Urk. HD 9/8 S. 6 ff.). Unter den gegebenen Prämissen ist nachvollziehbar, dass 

die Privatklägerin tatsächlich Angst gehabt haben könnte, ihrem Freund könne 

nochmals das gleiche wie im Sommer 2007 in W._____ widerfahren, wenn sie 

sich nicht füge.  

Dass die Privatklägerin gegenüber ihrer Schwester deren Frage, ob sie mit den 

Polaroidaufnahmen unter Druck gesetzt worden sei, verneinte (Urk. HD 11/2 S. 8; 

Urk. HD 11/3 S. 7), kann nicht massgebend sein. Es war der Privatklägerin offen-

sichtlich äusserst wichtig, ihre Familienmitglieder zu schützen. Dass sie unter die-

sen Umständen zu einer Notlüge griff, weil sie beispielsweise nicht wollte, dass ih-

re Schwester ihretwegen ein schlechtes Gewissen bekommen würde, ist nach-

vollziehbar. Auf die Frage, ob die Privatklägerin sich bei einem unerwünschten 

Annäherungsversuch entsprechend wehren würde, antwortete deren Schwester, 

wenn sie nicht wolle, würde sie sich wehren (Urk. HD 11/3 S. 18). Dies lässt sich 

aber nicht zu Gunsten des Beschuldigten deuten. Die Schwester der Privatkläge-

rin wurde nämlich nicht gefragt, wie es sich verhalten würde, wenn ein solcher 

Annäherungsversuch unter Druck geschehen würde. C._____ gab denn auch an 

zu glauben, dass die Privatklägerin aus Angst um ihn und wegen des Fotos der 

Schwester den Forderungen des Beschuldigten nachgegeben habe (Urk. HD 11/7 

S. 11). Auch der Bruder der Privatklägerin, I._____, gab anlässlich seiner Befra-

gung vom 25. November 2008 an, der Privatklägerin zu glauben; er kenne sie gut 

genug um zu wissen, dass sie bei einem solchen Thema nicht lügen würde (Urk. 

HD 11/8 S. 4 ff.). Ferner gab die Mutter der Privatklägerin an, dass diese ihr und 

ihrem Mann nichts gesagt habe, weil sie ihr nicht geglaubt hätten (Urk. HD 11/4 S. 

3); sie habe ihr anfangs nicht geglaubt, dass der Beschuldigte sie sexuell belästigt 

habe, glaube dies nun aber, weil die Privatklägerin Strafanzeige bei der Polizei 

-   42   - 

erstattet habe (Urk. HD 11/4 S. 14; Urk. HD 11/5 S. 11). Ähnlich sagte der Vater 

der Privatklägerin aus: Anfangs habe er ihr nicht geglaubt, aber sie habe sich 

dann in die Hand geschnitten, was in ihrer Kultur wie ein Schwur gelte, und jetzt 

glaube er ihr (Urk. HD 11/11 S. 9 und S. 12). Die Mutter der Privatklägerin hielt es 

ferner für möglich, dass der Beschuldigte auf die kulturelle Einstellung spekuliert 

habe und davon ausgegangen sei, dass die Privatklägerin nie mit jemandem über 

sexuelle Übergriffe sprechen würde (Urk. HD 11/5 S. 12). Aussagekräftig waren in 

diesem Zusammenhang die Aussagen des Kulturvermittlers M._____. Er gab auf 

die Frage, ob es für die Privatklägerin aufgrund ihrer Kultur und Mentalität über-

haupt möglich gewesen wäre, sich sexuellen Übergriffen seitens des Beschuldig-

ten zu widersetzen, an, dass dies schwierig gewesen wäre für sie, weil Sex ein 

Tabu-Thema sei. Wenn z.B. die Übergriffe von einer bekannten Person gemacht 

würden, könnte sie sich aufgrund ihrer Erziehung nicht wehren, weil niemand in 

ihrer Familie das glauben würde. Das Opfer würde erpresst für den Fall, dass es 

etwas sagen würde. Wenn er selber mit seinen Eltern über einen sexuellen Über-

griff gesprochen hätte, wäre er dafür bestraft worden (Urk. HD 11/12 S. 9). Dass 

sexuelle Kontakte zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin auf einver-

nehmlicher Basis abliefen, ist abgesehen davon aufgrund des Aussageverhaltens 

des Beschuldigten wenig wahrscheinlich, hätte er doch diese dann zugeben kön-

nen. 

Was die Häufigkeit der sexuellen Übergriffe angeht, ist zugunsten des Beschul-

digten von der kleinsten genannten Anzahl Übergriffe auszugehen. Dass diese 

Anzahl zu hoch gegriffen wäre, wie die Verteidigung moniert (Urk. HD 55 S. 8; 

Urk. HD 105 S. 5), ist nicht nachvollziehbar. Der Beschuldigte gab selber anläss-

lich seiner polizeilichen Befragung vom 30. Oktober 2008 an, die Familie der Pri-

vatklägerin sicher zweimal pro Monat in G._____ zu besuchen (Urk. HD 9/1 S. 

10), weshalb in der Phase vom ca. 3. Oktober 2007 bis ca. 6. Juli 2008 zwanzig 

Übergriffe ohne weiteres möglich waren, wenn mitberücksichtigt wird, dass diese 

nicht nur in der Waschküche, im Trocknungsraum sowie in der Wohnung der Lie-

genschaft ...strasse ... in G._____, sondern auch vier bis fünf Mal in der Wohnung 

der Schwester der Privatklägerin an der ...strasse ... in Z._____ stattgefunden ha-

ben sollen.  

-   43   - 

2.6.5. Was den vom Beschuldigten bestrittenen Übergriff angeht, den dieser im 

September 2007 getätigt haben soll, ist darauf hinzuweisen, dass es infolge des 

Zeitablaufs ohne weiteres verständlich erscheint, wenn die Privatklägerin im 

Nachhinein das genaue Datum des Übergriffs nicht mehr angeben kann. Entge-

gen der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 55 S. 10 ff.; Urk. HD 105 S. 2 ff.) ist 

der Zeitpunkt des Vorfalls sodann hinreichend bestimmt, gab die Privatklägerin 

anlässlich ihrer ersten Einvernahme am 8. September 2008 doch an, der Übergriff 

habe sich ungefähr im letzten Jahr, also vor einem Jahr, im September ereignet 

(Urk. HD 10/2 S. 3 und 4, Videosequenz ab 00:17:29 und 00:32:40). Eine Woche 

später habe sie Geburtstag gehabt (Urk. HD 10/2 S. 4, Videosequenz ab 

00:33:58). Angesichts dieser präzisen Angaben kann dem Einwand der Verteidi-

gung, der Vorfall hätte genauso gut erst im Oktober 2007 oder noch wahrscheinli-

cher erst unmittelbar vor der Wiederaufnahme der Beziehung der Privatklägerin 

mit C._____ im November 2007 stattfinden können (Urk. HD 105 S. 3), nicht ge-

folgt werden. Dass die Privatklägerin nicht angeben konnte, ob der Beschuldigte 

an ihrer Geburtstagsfeier anwesend war oder nicht (Urk. HD 105 S. 3), ändert 

nichts daran. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass die Privatklägerin klar ausge-

sagt hat, dass sich der Vorfall im September 2007 kurz vor ihrem Geburtstag, 

welcher am tt.mm.2007 stattfand, ereignet hat. Die Aussagen der Privatklägerin 

sind damit genügend präzis, um den dem Beschuldigten vorgeworfenen Übergriff 

auch in zeitlicher Hinsicht zu erstellen. Im Übrigen fällt auch bei diesem Vorfall 

auf, dass die Privatklägerin zurückhaltend aussagte. Sie deklarierte klar, dass der 

Beschuldigte ihre Brüste über den Kleidern berührt und diese Berührung ca. eine 

Minute gedauert habe. Ansonsten sei es zu keinen weiteren Berührungen ge-

kommen (Urk. HD 10/2 S. 3 und 4). 

Dass dem Beschuldigten das Alter der Privatklägerin jederzeit bekannt war, ergibt 

sich nur schon daraus, dass er erklärte, die Privatklägerin sei für ihn wie eine 

Tochter. Zudem konnte er anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom 

30. Oktober 2008 problemlos ihr Geburtsdatum nennen (Urk. HD 9/1 S. 12) und 

erklärte auch die Privatklägerin anlässlich ihrer ersten Befragung, dass der Be-

schuldigte genau wisse, wie alt sie sei (Urk. 10/2 S. 4, Videosequenz 00:31:18). 

-   44   - 

2.6.6. Im Sinne eines Fazits ist festzuhalten, dass die Gesamtzahl der für die Ver-

sion der Privatklägerin sprechenden Indizien und das Fehlen von für die Version 

des Beschuldigten sprechenden Anhaltspunkten keinen anderen Schluss zulässt, 

als dass die Privatklägerin die Wahrheit gesagt hat und sich der Sachverhalt so 

zugetragen hat, wie er unter den Anklageziffern I und II (Vorfall im September 

2007) eingeklagt wurde. Der Sachverhalt gemäss diesen Anklageziffern ist dem-

zufolge erstellt. 

 

3. Anklageziffer V, Punkt 1: Drohung 

3.1. In Anklageziffer V, Punkt 1, wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe 

am Sonntag, 16. Mai 2010, anlässlich eines Geburtstagsfestes gegenüber dem 

Privatkläger C._____ eine Todesdrohung ausgesprochen, indem er diesem auf … 

[Sprache des Vokes D._____] gesagt hat, er werde ihn umbringen. Der Privatklä-

ger habe diese ihm gegenüber gemachte Äusserung ernst genommen und als 

Bedrohung aufgefasst. Die Äusserung des Beschuldigten habe ihn derart in Angst 

versetzt, dass er den Vorfall noch gleichentags bei der Stadtpolizei Zürich zur An-

zeige gebracht und in der Folge sein Ausgangsverhalten aus Angst, der Beschul-

digte würde seine Todesdrohung in die Tat umsetzen, eingeschränkt habe. Durch 

sein gewolltes Handeln habe der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen, 

dass die vorgenannte Äusserung beim Privatkläger die umschriebene Wirkung 

erzielen würde (Urk. HD 37 S. 9). 

3.2. An Beweismitteln zu dieser Anklageziffer liegen zum einen die Aussagen 

des Privatklägers (Urk. ND 11/1; Urk. ND 11/2) sowie diejenigen des Beschuldig-

ten (Urk. ND 10/2; Urk. ND 10/5; Urk. ND 10/6; Urk. ND 10/7; Urk. ND 21/11; Urk. 

HD 53 S. 10 ff.; Urk. HD. 104 S. 5 ff.) vor. Sodann wurden verschiedene weitere 

Personen einvernommen. Von diesen nahmen einige selbst am Geburtstagsfest 

teil und waren in der Lage, infolge eigener Wahrnehmung Angaben zum einge-

klagten Vorfall zu machen. Andere konnten lediglich angeben, was ihnen vom 

Beschuldigten, Privatkläger oder von übrigen Festbesuchern berichtet worden 

war. Die Vorinstanz hat die in der Untersuchung zum Anklagesachverhalt ge-

-   45   - 

machten Aussagen korrekt wiedergegeben (Urk. HD 82 S. 28 ff.), weshalb zur 

Vermeidung von Wiederholungen vorab auf die diesbezüglichen Ausführungen im 

vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Soweit Kor-

rekturen oder Ergänzungen erforderlich sind, sind diese im Rahmen der Beweis-

würdigung vorzunehmen. Auch hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zur 

Beweiswürdigung ist der Vorinstanz zu folgen, weshalb auf ihre Erwägungen ver-

wiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. HD 82 S. 10).  

 
 

3.3. Beweiswürdigung 

3.3.1. Für die Sachverhaltserstellung stützt sich die Vorinstanz hauptsächlich auf 

die Angaben des Privatklägers. Dieser wurde zunächst polizeilich befragt (Urk. 

ND 11/1) und sagte hernach als Zeuge unter der Strafandrohung von Art. 307 

StGB aus (Urk. ND 11/2). Hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit gilt es festzuhalten, 

dass er als Anzeigeerstatter gegen den Beschuldigten Privatkläger ist und er zu-

dem als Freund von B._____, welche hinsichtlich der im Hauptdossier der Ankla-

geschrift enthaltenen Vorwürfe Geschädigte und Privatklägerin ist, nicht als unbe-

teiligte Person betrachtet werden kann. Seine Aussagen sind deshalb, auch so-

weit er sie als Zeuge gemacht hat, mit der gebotenen Vorsicht zu würdigen. Für 

die Wahrheitsfindung weitaus bedeutender als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist 

jedoch, wie bereits dargelegt, die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen. Dies-

bezüglich ist zunächst festzuhalten, dass der Privatkläger den relevanten Sach-

verhalt in den beiden Einvernahmen plausibel und in sich stimmig geschildert hat. 

Wesentliche und damit die Glaubhaftigkeit beeinträchtigenden Widersprüche fin-

den sich keine in seinen Aussagen. Die Angaben, welche der Privatkläger in den 

jeweiligen Einvernahmen zum Anklagesachverhalt machte, stimmen unter inhaltli-

chen Gesichtspunkten überein, ohne dass seine Ausführungen jedoch repetitiv 

oder gar auswendig gelernt erscheinen. Dies liegt daran, dass der Ablauf der Er-

eignisse von ihm in den beiden Einvernahmen nicht auf identische Art und Weise 

geschildert wurde. Zu Beginn der polizeilichen Einvernahme vom 16. Mai 2010 – 

kurze Zeit nach dem Vorfall – wurde das Kerngeschehen vom Privatkläger ledig-

lich kurz zusammengefasst wiedergegeben (vgl. Urk. ND 11/1 S. 1). Erst im Ver-

-   46   - 

lauf der Einvernahme erfolgten bezüglich gewisser Sachverhaltselemente nähere 

Angaben. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ergab sich das 

Kerngeschehen erst nach und nach auf entsprechende Befragung durch den 

Staatsanwalt, wobei der Sachverhalt vom Privatkläger in detaillierterer Form ge-

schildert wurde. Während er bei der polizeilichen Einvernahme lediglich angab, 

der Beschuldigte habe ihn bei der Bühne gefragt, weshalb er lache (Urk. ND 11/1 

S. 1), erklärte der Privatkläger bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme den 

Grund für sein Lachen und dessen Wirkung auf den Beschuldigten. Er habe ge-

lacht, weil jemand hinter ihm einen Witz erzählt habe. Der Beschuldigte habe wohl 

gemeint, dass er über ihn gelacht habe, was aber nicht der Fall gewesen sei (Urk. 

ND 11/2 S. 5). Anlässlich der staatsanwa