# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d709146d-11ba-5140-9e91-4068a2fa61eb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-05
**Language:** de
**Title:** Rückweisung, medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt
**Docket/Reference:** IV.2013.00807
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00807.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00807
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
5. Mai 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler
Dufourstrasse
140, 8008 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1977,
arbeitete zuletzt seit
Mai 2001
als Heizungsmon
teur bei der
Y.___
, ehe er ab dem 6.
März 2007 krankgeschrieben wurde
(
Urk.
8/18
). Am
3
1.
Oktober
2007 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf eine Diskushernie
sowie eine
Hämophilie B bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug (Umschulung, Berufsberatung) an (
Urk.
8/1). Mit
Mittei
lungen
vom 1
5.
Juli 2009
(
Urk.
8/49) und 2
7.
Juli 2010 (
Urk.
8/78)
erteilte die IV-Stelle dem Versicherten Koste
ngutsprachen für eine Umschulung,
im Rah
men derer er
am
1
5.
August 2010 zunächst das Bürofachdiplom (
Urk.
8/85) und am
1
5.
August 2011
das
Handelsdiplom VSH
(
Urk.
8/106)
erwarb
.
Mit
Mittei
lung
vom
8.
September 2011
stellte die IV-Stelle
fest, dass der
Versicherte
bei der Arbeitsvermittlung gemeldet sei und als
rentenausschliessend
eingegliedert gelte
(
Urk.
8/109
).
1.2
Am
2
9.
November 2011 (Eingangsdatum)
mel
dete sich der Versicherte
wegen einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands
erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug (Rente) an (
Urk.
8/1
14
). Die IV-S
telle holte den Bericht von Dr.
med.
Z.___
, FMH Allgemeinmedizin, vom
1
9.
März 2012 (Urk.
8/123)
und einen
Auszug aus dem indivi
duellen Konto (IK-Auszug vom 3.
April 2012,
Urk.
8/124)
ein und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
9.
Mai 2012
(
Urk.
8/127)
die Abweisung seines Rentenbegehrens
in Aus
sicht. Da
gegen
erhob der Versicherte
am
7.
Juni bzw.
5.
September 2012 Ein
wa
nd (
Urk.
8/129 und
Urk.
8/144). Daraufhin nahm
die IV-Stelle den Bericht des
A.___
vom 1
3.
Dezember 2012 zu den Akten
(
Urk.
8/147
, Eingangsdatum 1
9.
Dezember 2012
)
,
und
der Versicherte wurde am 1
8.
Dezem
ber 2012 vom Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD)
in
orthopädisch-psychiat
risch
-neurologischer
Hinsicht untersucht
(
Berichte
vom 1
4.
Februar 2013,
Urk.
8/149 und
Urk.
8/150).
Hierzu
liess sich der Versicherte am
6.
März 2013 vernehmen (
Urk.
8/152).
M
it Verfügung vom 3
1.
Juli 2013
verneinte die IV-Stelle
einen Rentenanspruch des Versicherten gestützt auf einen
Invalidi
tätsgrad
von 3
%
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
September 2013 Beschwerde und bean
tragte
, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Invali
denrente zuzusprechen. Eventualiter sei zu seinem derzeitigen Gesundheitszu
stand sowie zur aktuellen Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ein neutrales und unabhängiges medizinisches (rheumatologisches und
psychiatrisches) Gutach
ten
erstellen
zu lassen
. In prozess
ualer Hinsicht beantragte er
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsvertretung
(Urk.
1). Die
Be
schwer
degegnerin
schloss mit Beschwerdeant
wort vom 14.
Oktober 2013 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
7). Mit Verfügung vom
1
5.
Oktober 2013
wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt
(
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit
zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Ver
bindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit w
eiteren Hinweisen)
.
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
Beweis
wert
zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit beste
hen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen
. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, wel
che das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv a
ls begrün
det erscheinen lassen
. S
oll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE
135 V 465 E.
4.4;
125
V 351 E. 3b/
ee
und
122 V 157 E. 1d).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2
.1
Die Ärztinnen der Rheumaklinik und des Institu
ts für Physikalische Medizin des
B.___
(
nachfolgend: Rheumaklinik des
B.___
)
stellten
im
an
Dr.
Z.___
gerichteten
Austrittsbericht vom
2
8.
Februar 2012 folgende Diagno
sen (
Urk.
8/123/5):
(1)
ein akutes
lumboradikuläres
Reiz- und motorisches Ausfallsyndrom L5-S1 rechts
-
MRI vom 2
1.
Oktober 2011: grosse
Diskusprotrusion
L5/S1 mit
Wurzelkom
-
pres
sion
S1 rechts,
Diskus
pro
trusion
L4/5 mit
Anulus
fibrosus
Riss ohne
neuronale
Kompromittierung
-
MRI vom 1
4.
F
ebruar 2012: Stationäre paramed
ian rechts ausladende
Diskusprotrusion
mit
rezessaler
Enge und Kompression der Nervenwurzel S1
rechts
-
aktuell erneute multimodale Komp
lext
herapie bei erneuter Verschlechterung
der Beschwerden
(2)
eine Innenmeniskusläsion Knie rechts
(3)
ein chronisches
zervikovert
ebrales
bis
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
(4)
eine Hämophilie B
(5)
ein Vitamin D-Mangel
-
aktuell: auf 17.3
ug
/l unter Substitution angestiegen
Die Ärztinnen
der Rheumaklinik des
B.___
erklärten, dass
der Beschwerdeführer vom 1
3.
bis zum 2
5.
Februar 2012 hospitalisiert gewesen sei. Zuvor sei er bereits im Oktober 2011 aufgrund eines
lumboradikulären
Schmerz- und moto
ri
schen Ausfallsyndroms S1 rechts bei ihnen in stationärer Behandlung gewe
sen. Im Rahmen der multimodalen Komplextherapie mit Wasse
r- und Physio
therapie sowie
psychiatrischer Mitb
eurteilung
habe sich
-
unter Anpassung der
Analgetikatherapie
-
ei
ne klare motorische Schwäche bei den
Kennmuskeln von L5 und S1 rechts gezeigt. Für eine Beurteilung seien darau
fhin auch die Neuro
chirurgen miteinb
ezogen worden, die eine operative Behandlung als indiziert erachtet hätten. Von rheumatologischer Seite her sei auch eine Infiltration denkbar.
Aufgrund der Hämophilie B und der schlechten operativen Erfahrun
gen, die der Beschwerdeführer in früheren Jahren gemacht habe, stehe er einem
interventionellen
oder operativen Vorgehen eher ablehnend gegenüber. Auch nach Rücksprache mit den Häm
atologen und Planung der Faktor-
IX-Substitu
tion sei der Beschwerdeführer aufgrund des persistierenden Restrisikos ableh
nend geblieben. In der Folge sei er konservativ behandelt worden. Dabei habe eine leichte Besserung der Beschwerden, insbesondere der Schmerzen und der Beweglichkeit, erreicht werden können (
Urk.
8/123/5-6).
2.2
Dr.
Z.___
gab in seinem Bericht vom 1
9.
März 2012 an, dass dem Beschwerde
führer a
ktuell keinerlei Arbeitstätigkeit zumutbar
sei
. Nach einer erfolgreichen Operation könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden
, wobei sichere Aussagen
dazu allerdings
nicht möglich
seien
(
Urk.
8/123/1-3).
2
.3
Die Ärzte des
A.___
stellten im Bericht vom 1
3.
Dezember 2012 als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1 und F32.2) seit Juni 201
2.
Psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten si
e keine.
Die Ärzte des
A.___
führten aus
, dass im Juni 2012 ein Vorgespräch mit dem Beschwerdeführer stattgefunden habe und dass er seit August 2012 bei ihnen in ambulanter Behandlung sei. Bisher hätten elf Konsultationen stattgefunden. S
eit dem 2
5.
Juni 2012 (Beginn
des Beobachtungszeitraumes
)
liege
aus psychiatrischen Gründen eine Arbeitsunfä
higkeit von 50
%
bis 75
%
vor
(
Urk.
8/147/1-3).
2
.4
RAD-Arzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Orthopädische Chirur
gie und Traumatologie, und RAD-Arzt
Dr.
med.
D.___
,
FMH Neurologie und
FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
stellten
in den
B
ericht
en
vom 1
4.
Februar 2013
–
gestützt auf ihre
Untersuchungen vom 1
8.
Dezember 2012 -
als
soma
tische
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine chronische
Lumbalgie und
Lum
b
oischialgie
rechts mit sensibler und motorischer
Wurzel
reizsymptomatik
bei MRI-g
esicherter, seit Oktober 2011 konstanter
Diskuspro
trusion
L5/S1 mit
rezessaler
Enge und Kompression der Nervenwurzel S1 rechts und (2) ein chronische
s
Z
ervikalsyndrom
mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung rechts. Als
somatische
Diagnosen ohne Auswirkung
a
uf die Arbeitsfähigkeit hielten sie
(1)
eine chronisch rezidivierende, belastungsabhängige
Gonalgie
rechts bei anamnestisch bestehender medialer Meniskusläsion
und (2) eine Hämophilie B
fest
.
Die RAD-Ärzte
gaben an,
dass
der
inzwischen
35-jährige
Beschwerdeführer
in
körperlich leichte
n
und sehr leichte
n
Tätigkeiten, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 5 kg bis 8 kg, überwiegend sit
zend mit der Möglichkeit zum selbständigen Wechseln der Körperposition, ohne Arbeiten in gebückter oder verdrehter Körperhaltung oder über Kopf, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende und
h
üftgelenks-
k
niegelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Knien, Überko
pfarbeit
,
Arbeiten in Armvorhalte)
, zu denen auch die Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter gehören würde, auf die er erfolgreich umge
schult worden sei, definitiv
mindestens
zu 80
%
arbeitsfähig sei
.
Die maximal 20%ige Leistungsminderung bei
einer vollzeitigen Stundenpräsenz
resultiere dabei
au
s
der medizinisch-theoretisch nachvollziehbaren Notwendigkeit häufi
gerer Pausen und Arbeitsunterbrechungen
(
Urk.
8/149/9
-10
und Urk.
8/150
/10-13
).
Am
1
5.
Februar 2013 ergänzten die RAD-Ärzte, dass die beschriebene an
gepasste Tätigkeit dem Beschwerdeführer auch ohne Rückenoperation möglich sei. Eine Rückenoperation könnte
auch nicht verlangt werden (
Urk.
8/153/4).
2
.5
RAD-Arzt
Dr.
D.___
stellt
e im
auf der Untersuchung vom 1
8.
Dezember 2012 basierenden
Bericht
vom 1
4.
Februar 2013 keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als psychiatrische Diagnosen ohne Aus
wirkun
g auf die Arbeitsfähigkeit führte
er (1) eine Anpassungsstörung bei psy
chos
ozialer Belastung
und multiplen nicht IV-relevanten psychosozialen Belastungsfaktoren
(ICD-10 F43.2
) und (2) eine anhaltende
somatoforme
Sc
hmerzstörung (ICD-10 F45.4) an
.
Er erklärte, dass diese Diagnosen aus
versi
cherungsmedizinischer
Sicht keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit begründen würden.
Aus psychiatrischer Sicht
sei der Beschwerdeführer zu 100
% arbeits
fähig (
Urk.
8/150/9-12).
2.6
Im Verlaufseintrag der
Rheumaklinik
des
B.___
vom 1
2.
Februar 2013
wurde
(1)
ein chronisches
lumboradikuläres
Reiz- un
d motorisches
Ausfallsyndrom L5-
S1 rechts,
(
2) ein chronisches
zervikoverte
brales
bis
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
und (3) eine Hämophilie B
diagnostiziert. Es sei eine
Selbst
zuweisung
des Beschwerdeführers erfolgt wegen Schmerzen im Kreuz mit Aus
strahlung nach
gluteal
beidseits und
prox
. dorsaler OS beidseits. Diese würden
rechts seit langem in alle Zehen gehen. Eine Hyposensibilität liege nicht vor. Der Beschwerdeführer berichte von einem komischen Gefühl – wie Wasser
tropfen – im rechten Bein. Eine Taubheit bestehe nicht. Seit längerem habe er weniger Kraft im rechten Bein. Eine Infiltration oder eine Operation sei wegen der Hämophilie nicht möglich bzw. nicht gewünscht. Der Beschwerdeführer wünsche
,
zur Wassertherapie in die Rheu
maklinik des
B.___
zu kommen. Zudem werde er an seinem Wohnort weiterhin Physiotherapie machen (
Urk.
3/3).
2
.7
Die Ärzte des
A.___
stellten im Bericht vom 1
0.
September 2013
zuhanden des Beschwerdeführers
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Epi
sode (ICD-10 F32.1). Sie erklärten
, dass
der Beschwerdeführer
sich nach wie vor bei ihnen in ambulant-psychiatrischer Behandlung befinde. Derzeit sei er
aus psychiatrischer Sicht
zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
3/4).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der Verfügung vom 3
1.
Juli 2013
(Urk.
2)
in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die
beiden
Berichte
der
versicherungsinternen
RAD-Ärzte
Dr.
C.___
und
Dr.
D.___
vom 1
4.
Februar 2013 (
Urk.
8/149 und
Urk.
8/150
).
3.2
Wie eingangs dargelegt
(E.
1.6
), kann grundsätzlich
a
uch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert
zukommen
. An die
Beweis
würdigung
sind aber strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur ge
ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsin
ter
nen
ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen
.
3.3
Was die somatischen Beschwerden betrifft,
dia
gnostizierten die RAD-Ärzte Dr.
C.___
und
Dr.
D.___
in den
B
erichten vom 1
4.
Februar 2013
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1)
eine chronische Lumbalgie und
Lumboischialgie
rechts mit sensibler und motorischer Wurzelreizsymptomatik bei MRI-gesicher
ter, seit Oktober 2011 konstanter
Diskusprotrusion
L5/S1 mit
rezessaler
Enge und Kompression der Nervenwurzel S1
rechts und (2) ein chronisches
Z
ervi
kalsyndrom
mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung rechts
. Sie
legten dar
,
dass
die
im Rahmen ihrer Untersuchung erhobene
n
klinische
n
Befund
e
mit den in den Berichten der Rheumaklinik
des
B.___
beschriebenen Befunden korreliere
n wür
den
, so dass diesbezüglich zwischenzeitlich
nicht von
einer wesentlichen Ver
änderung auszugehen sei (
Urk.
8/149/9 und
Urk.
8/150/13).
Anders al
s der behandelnde
Dr.
Z.___
, welcher
der Auffassung war, dass dem
Beschwerdefüh
rer
aufgrund
dieser
Diagnosen und
Befunde
vor
einer operativen Sanierung
der
(
grossen
)
Diskusprotrusion
L5/S1
keinerlei Arbeitstätigkeit
mehr
zumutbar sei
(vgl.
E. 2.2
), erachteten die RAD-Ärzte
den Beschwerdeführer
in
eine
r
ange
passten
Tätigkeit
als
zu
mindestens
80
%
arbeitsfähig
(vgl.
E. 2.4
)
.
Die RAD-Ärzte
stützten sich dabei zwar auf eine eingehende
klinische
Untersu
chung
des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
8/149 und
Urk.
8/150).
Deren Resultate sind aber insofern nur beschränkt aussagekräftig,
als
di
e
Untersuchung
erheb
lich
erschwert
war
,
weil der
Beschwerdeführer
offenbar
ständig
Ausweichbewe
gungen
gemacht und mus
kulär Gegenspannung erzeugt hat
. Die für die Beur
tei
lung der Wirbelsäulen-Beweglichkeit notwendigen Bewegungen
hat
er
anschei
nend
bei Angabe von Schmerzen überwiegend verweigert bzw
. nicht durchgeführt
- die RAD-Ärzte sprachen diesbezüglich von einer erheblichen bewusstseinsnahen Symptomausgestaltung
(
Urk.
8/149/4 und
Urk.
8/150/
12-13
). Im Weiteren
ergänzten
die RAD-Ärzte
am
1
5.
Februar 2013
, dass eine angepasste Tätigkeit auch ohne Rückenoperation möglich
sei
. Eine
Rückenope
ration
könnte
auch nicht verlangt
werden
(vgl. E.
2.4
). Weshalb sie – anders als die Neurochirurgen
des
B.___
(vgl. E.
2.1
) - der
Meinung
waren
, dass eine Ope
ration nicht nötig bzw. indiziert sei, haben sie allerdings nicht begründet.
3.4
Was die psychischen Bes
chwerden anbelangt, diagnostizierte
RAD-Arzt Dr.
D.___
im
Bericht
vom 1
4.
Februar 2013
(1) eine Anpassungsstörung bei psy
chosozialer Belastung
und multiplen nicht IV-relevanten psychosozialen Belastungsfaktoren
(ICD-10 F43.2) und (2) eine anhaltende
somatoforme
Sc
hmerzstörung (ICD-10 F45.4). Er gab an
, dass der Beschwerdeführer aus psy
chiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig sei (vgl.
E. 2.5
). Die Ärzte des
A.___
, wo der Beschwerdeführer
seit
August 2012
ambulant
beha
n
delt wurde
,
diagnostizierten
in ihrem Bericht vom 1
3.
Dezember 2012 demge
genüber
eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1 und F32.2)
. Sie
erklärten, dass der Beschwerdeführer
seit dem 2
5.
Juni 2012
aus psychiatri
schen Gründen zu
50
%
bis 75
%
arbeitsunfähig sei
(vgl. E. 2.3)
. Die
ser Bericht des
A.___
vom 1
3.
Dezember 2012 lag RAD-Arzt
Dr.
D.___
, dessen eigene Untersuchung bereits am 1
8.
Dezember 2012
stattfand
(
vgl.
Urk.
8/150/1),
im Rahmen seiner Beurteilung
nicht vor.
Im Nachhinein
er
klärte
RAD-Arzt
dipl.
med.
E.___
, Facharzt für Neurologie und Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherap
ie, in der Stellungnahme vom 4.
Juli 2013, dass
der
Bericht
des
A.___
zu keiner anderen Einschät
zung führe, da
RAD
-Arzt
Dr.
D.___
wenige Tage nach dessen
Erstellung einen abwei
chen
den Psychostatus erhoben und diesen auch begründet habe
(
Urk.
8/153/5).
Fremdanamnestische Abklärungen sind nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung bei der psychiatrischen Begutachtung nicht unerlässlich. Eine
Fremd
anamnese
kann eine zentrale Erfahrungsquelle für den Arzt darstellen, allerdings muss sich der medizinische Sachverständige von entsprechenden Er
hebungen einen wesentlichen Erfahrungsgewinn versprechen können (Urteile des Bundesgerichts
8C_215/2012 vom 11. Juli 2012 E. 7.4; 9C_482/2010 vom 21. September 2010 E. 4.1; I 58/06 vom 13. Juni 2006 E. 2.3
). Es liegt also grundsätzlich im Ermessen des begutachtenden
bzw. untersuchenden
Psychia
ters, ob er eine Fremdanamnese als notwendig erachtet oder nicht.
Vorliegend erscheint es indes nicht nachvollziehbar, dass
RAD-Arzt
Dr.
D.___
, dem
schon im Vorfeld der Untersuchung vom 1
8.
Dezember 2012
bekannt war, dass der Beschwerdeführer
bereits seit August 2012
im
A.___
in ambu
lanter Be
handlung stand (vgl.
Urk.
8/142)
,
nicht mit den
Ärzten des
A.___
Kontakt
aufnahm
. Er wäre zu erwarten gewesen, dass er sich
hinsich
tlich der laufenden Behandlung
e
rkundigt
und
sich
mit
den betreffenden Auskünften der Ärzte des
A.___
dann
auch
auseinander
ge
setzt
hätte
.
Noch mehr wäre wenigstens eine nachträgliche Auseinandersetzung mit dem Bericht des
A.___
zu erwarten gewesen. Es kann nicht angehen, eine abweichende Beurteilung von seit längerer Zeit behandelnden Ärzten schlicht zu ignorieren.
3.5
Es ist demnach festzuhalten, dass
unter diesen Umständen
sowohl in somati
scher als auch in psychiatrischer Hinsicht
-
im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung -
geringe Zweifel an der
Zuverl
ässigkeit und Schlüssigkeit
der regionalärztlichen
Fe
ststellungen
zu bejahen sind.
Eine
zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
ist
aufgrund der
vorliegen
den Akten
nicht möglich
und
der medizinische Sachverhalt
erweist sich
als abklärungsbedürftig.
4.
Die
Sache
ist daher
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die
Bes
chwer
degegnerin
zurückzuweisen, damit sie die
Berichte
der behandelnden Ärzte einholt
und den medizinischen Sachverhalt sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsic
ht extern gutachterlich abklären lässt
.
Der
betreffende Gutachter
soll
sich dabei auch zur Behandlungsbedürftigkeit der
Diskusprotrusion
L5/S1
bzw. insbesondere
auch zur Frage, ob
in diesem Zusammenhang
eine operative Sanierung indiziert und zumutbar wäre
, aus
sprechen
.
Danach hat die Beschwerdegegnerin über einen möglichen
Renten
anspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf Fr. 2‘000
.-- (inklusive Barauslagen
und
MWSt
) festzusetzen.
5
.3
Das Gesuch des Beschwerdeführers
vom 1
2.
September 2013 (
Urk.
1)
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unent
geltlichen Rechtsvertreters
erweist sich damit als
gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass die angefochtene Verfügung vom 3
1.
Juli 2013 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2‘000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl