# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c73d99b2-a78b-513e-a63c-5b70531bf5ef
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 23.11.2021 IV 2020/179
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2020-179_2021-11-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/179

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 30.03.2022

Entscheiddatum: 23.11.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 23.11.2021
Art. 17 Abs. 1 ATSG. Rentenrevision. Sachverhaltsveränderung. 
Statuswechsel. Aussage der ersten Stunde (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. November 2021, IV 
2020/179).

Entscheid vom 23. November 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2020/179

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, rechtsanwälte.og 42, 

Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rentenrevision (Herabsetzung)

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im März 2011 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie sei verheiratet und habe zwei 

Kinder (Jahrgang 200_ und 200_). Sie habe in ihrem Herkunftsland während sechs 

Jahren die Schule besucht, sie habe keine Berufsausbildung absolviert und sie sei 

aktuell nicht erwerbstätig. Einem später eingereichten Lebenslauf liess sich entnehmen, 

dass sie in den Jahren 2000–2010 verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet hatte (IV-act. 

15). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater Dr. med. B.___ am 17. Juni 2013 

ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 59). Er hielt fest, die Versicherte leide an einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode bei 

einer Persönlichkeit mit abhängigen Zügen und stattgefundenem sexuellen Missbrauch 

in der Kindheit, in der Jugendzeit und in der Ehe sowie an Zwangsgedanken und einem 

Grübelzwang. Die Versicherte sei in ärmlichen, emotional vernachlässigenden und 

gewalttätigen familiären Verhältnissen aufgewachsen. Der alkoholkranke Vater sei oft 

abwesend gewesen. Die an Depressionen leidende Mutter habe tatenlos zuhause im 

Bett gelegen. Oft habe das Geld für das Beschaffen von Essen gefehlt. Die Versicherte 

sei von einem Schwager, einem Cousin und einem drogenabhängigen Bruder über 

Jahre hinweg mit Wissen der Eltern sexuell missbraucht worden. Seit etwa dem Jahr 

1997 habe sich schleichend eine depressive Störung entwickelt. Diese sei erstmals im 

Jahr 2008 klinisch manifest geworden. Die Versicherte habe sich ab dem Jahr 2008 

viermal in einer stationären psychiatrischen Behandlung befunden, was jeweils zu einer 

Besserung, aber nicht zu einer Remission der depressiven Störung geführt habe. 

Aktuell werde die Versicherte ambulant behandelt. Sie bewege sich mit den 

Erziehungsaufgaben und der Haushaltführung gerade so an der Grenze der 

Belastbarkeit. Nach Angabe der behandelnden Psychiaterin lasse sich mit 

A.a. 

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gelegentlichen Notfallkonsultationen eine weitere stationäre Behandlung gerade noch 

vermeiden. Die Verschlechterungen des psychischen Gesundheitszustandes in der 

Vergangenheit hätten jeweils in einem unmittelbaren Zusammenhang mit häuslicher 

Gewalt und Drohungen durch den Ehemann (von dem die Versicherte nun schon seit 

längerer Zeit getrennt lebe) und der Erkrankung eines der Kinder gestanden. Es sei 

nicht auszuschliessen, dass eine Verbesserung der psychosozialen Verhältnisse und 

eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes in Zukunft wieder das Attest einer 

Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent oder mehr erlauben könnten; aktuell sei der 

Versicherten aber nur eine Tätigkeit im geschützten Rahmen möglich. Mit einer 

Verfügung vom 22. November 2013 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung 

ab dem 1. September 2011 eine ganze Rente bei einem mittels eines („reinen“) 

Einkommensvergleichs ermittelten Invaliditätsgrad von 100 Prozent zu (IV-act. 71).

Im September 2016 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, einen Fragebogen 

zur Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. In diesem Fragebogen gab die 

Versicherte an, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert (IV-act. 84). Der 

Psychiater Dr. med. C.___ berichtete im März 2017 (IV-act. 96), die Versicherte leide an 

einer depressiven Störung mit Zwangsgedanken sowie an einer selbstunsicheren 

Persönlichkeitsstörung, die sich allerdings nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Sie 

habe einen Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50 Prozent in einem geschützten 

Rahmen begonnen. Aus psychiatrischer Sicht könne prognostisch davon ausgegangen 

werden, dass die Versicherte mittels geeigneter therapeutischer Massnahmen in 

diesem Umfang erwerbstätig sein könne. Ob die Versicherte auch auf dem freien 

Arbeitsmarkt erwerbstätig sein könne, lasse sich aktuell nicht mit Bestimmtheit sagen. 

Im April 2017 notierte Dr. med. D.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst 

(RAD), die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. B.___ sei nicht nachvollziehbar. Dessen 

Gutachten enthalte zudem zahlreiche Hinweise auf psychosoziale Belastungsfaktoren, 

von denen einige gemäss den Akten zwischenzeitlich entfallen seien. Im November 

2017 empfahl der RAD-Arzt Dr. D.___ eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung (IV-

act. 102). Die geplante Begutachtung musste allerdings verschoben werden, da die 

Versicherte schwanger war und im .___ 201_ ihr drittes Kind gebar (vgl. IV-act. 106 ff.). 

In einem Fragebogen der IV-Stelle gab sie im Juni 201_ an (IV-act. 122), sie wäre ohne 

ihre Gesundheitsbeeinträchtigung zu 50 Prozent als Verkäuferin erwerbstätig, da sie 

A.b. 

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drei Kinder habe, wovon sich eines noch im Säuglingsalter befinde. Am 10. September 

2018 fand eine Haushaltsabklärung statt. Im entsprechenden Bericht hielt der 

Sachbearbeiter der IV-Stelle fest (IV-act. 128), die Einschränkung im Haushalt sei 

gestützt auf die Angaben der Versicherten auf insgesamt 7,05 Prozent zu schätzen. 

Dabei sei bereits eine Mithilfe des Lebenspartners von etwa 40 Minuten pro Tag 

berücksichtigt. Im Gespräch habe die Versicherte bestätigt, dass sie ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Pensum von 50 Prozent erwerbstätig wäre. 

Nachträglich habe sie ihre im Abklärungsbericht wiedergegebene Aussage revidiert 

und angegeben, dass sie aus finanziellen Gründen in einem Pensum von 80–100 

Prozent erwerbstätig wäre, wenn sie gesund wäre, da sie aus finanziellen Gründen auf 

ein entsprechendes Erwerbseinkommen angewiesen sei. Ihr Lebenspartner unterstütze 

sie nämlich finanziell nicht. Der Sachbearbeiter der IV-Stelle hielt fest, diese 

nachträgliche Angabe sei unglaubwürdig. Zudem habe die Versicherte nicht erklärt, wie 

die Betreuung des jüngsten Kindes gewährleistet werden könnte, wenn sie zu 80–100 

Prozent erwerbstätig wäre.

Am 29. Januar 2019 erstattete der Psychiater Dr. med. E.___ im Auftrag der IV-

Stelle ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 134). Er hielt fest, die Versicherte leide an 

einer rezidivierenden, gegenwärtig remittierten depressiven Störung, an einer 

Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangsgedanken oder einem Grübelzwang sowie an 

einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und emotional-

instabilen Zügen. Retrospektiv sei davon auszugehen, dass sich der 

Gesundheitszustand seit der Geburt der Tochter langsam verbessert habe. Da der 

Beginn und der Verlauf dieser Verbesserung nicht genauer bestimmt werden könnten, 

sei erst ab dem Datum der aktuellen Untersuchung (Dezember 2018) von einer 

Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent auszugehen. Der RAD-Arzt Dr. D.___ qualifizierte das 

Gutachten als überzeugend (IV-act. 135). Mittels eines Einkommensvergleichs 

errechnete ein Sachbearbeiter der IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 50 Prozent (IV-

act. 136). Mit einem Vorbescheid vom 26. Februar 2019 teilte die IV-Stelle der 

Versicherten mit (IV-act. 138), dass sie die Aufhebung der Invalidenrente vorsehe. Zur 

Begründung führte sie an, die Versicherte sei neu als zu 50 Prozent erwerbstätig und 

als zu 50 Prozent im Aufgabenbereich Haushalt tätig zu qualifizieren. Im 

Erwerbsbereich liege gestützt auf das Gutachten von Dr. E.___ ein Invaliditätsgrad von 

A.c. 

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50 Prozent vor, was unter Berücksichtigung der Gewichtung des Erwerbsbereichs mit 

50 Prozent einen Teilinvaliditätsgrad von 25 Prozent ergebe. Im Aufgabenbereich 

Haushalt betrage der Invaliditätsgrad sieben Prozent, was unter Berücksichtigung der 

Gewichtung des Aufgabenbereichs mit 50 Prozent einen Teilinvaliditätsgrad von vier 

Prozent ergebe. Der Gesamtinvaliditätsgrad betrage folglich 25 + 4 = 29 Prozent. 

Dagegen wandte die Versicherte am 28. März 2019 ein (IV-act. 144), ihr 

Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung wieder verschlechtert. Im 

Dezember 2018 sei ihre Ehe endlich geschieden worden. Ihr Ex-Mann schulde ihr aber 

keine Unterhaltsleistungen, weshalb sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung 

wirtschaftlich gezwungen wäre, in einem Pensum von 80–100 Prozent zu arbeiten. 

Mangels einer Berufsausbildung wäre sie sonst nicht in der Lage, einen zur Deckung 

des Lebensbedarfs ausreichenden Lohn zu erzielen. Zudem sei sie überhaupt nicht in 

der Lage gewesen, die entsprechende Frage im Fragebogen, den sie vor der 

Haushaltsabklärung habe ausfüllen müssen, richtig zu verstehen. Im März 2019 habe 

sie ein weiteres Kind zur Welt gebracht.

Im Juni 2019 fand eine weitere Haushaltsabklärung statt. Der Sachbearbeiter der 

IV-Stelle hielt in seinem Bericht fest (IV-act. 152), die Versicherte habe angegeben, 

dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Vollpensum erwerbstätig 

wäre. Ihr Lebensgefährte erhalte einen tiefen Lohn, von dem er zudem noch einen 

Drittel als Unterhaltsleistungen für seine beiden aus einer früheren Beziehung 

stammenden Kinder abgeben müsse. Wäre die Versicherte voll erwerbstätig, würde sie 

die Kleinkinder in einen Kinderhort geben. Der Sachbearbeiter führte aus, die 

Versicherte sei schlank und gut aussehend. Er könne nicht abschätzen, wie 

authentisch ihre Aussagen seien. Ihm sei aufgefallen, dass sie nicht vorgealtert gewirkt 

und eine eher sportliche Figur aufgewiesen habe. Gestützt auf die Aussagen der 

Versicherten betrage die Einschränkung im Haushalt 16,5 Prozent, wenn man die 

Schadenminderungspflicht des Lebenspartners berücksichtige. Ohne die 

Berücksichtigung dieser Schadenminderungspflicht würde sich die Einschränkung auf 

29,4 Prozent belaufen. Der behandelnde Psychiater Dr. C.___ berichtete am 19. 

September 2019 (IV-act. 157), die Versicherte leide an einer gegenwärtig leichtgradig 

ausgeprägten rezidivierenden depressiven Störung, an einer Zwangsstörung, an einer 

Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren Zügen, an rezidivierenden Lumbalgien 

A.d. 

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sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem Carpaltunnelsyndrom 

beidseits. Die Beziehung zum Lebenspartner sei emotional stark belastend. Dieser sei 

tagsüber und bis spätabends jeweils ausser Haus. Die Versicherte erziehe ihre beiden 

Kinder praktisch allein.

Die IV-Stelle beauftragte am 3. Dezember 2019 den Psychiater Prof. Dr. F.___ und 

den Orthopäden Dr. med. G.___ mit einer bidisziplinären Begutachtung der 

Versicherten (IV-act. 162). Am 10. Februar 2020 erstatteten die Sachverständigen das 

in Auftrag gegebene bidisziplinäre Gutachten (IV-act. 164). Bei der Fertigstellung des 

Gutachtens war es allerdings zu mehreren „Kopierfehlern“ gekommen, sodass einzelne 

Abschnitte des Gutachtens eine andere versicherte Person betrafen, weshalb die IV-

Stelle die Sachverständigen aufforderte, das Gutachten redaktionell zu verbessern (vgl. 

IV-act. 170 f.). Im April 2020 ging das verbesserte Gutachten bei der IV-Stelle ein (IV-

act. 172). Der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. F.___ hatte festgehalten, in der 

aktuellen Untersuchung habe er eine wenig belastbare Versicherte angetroffen, die 

deutliche affektive Schwankungen gezeigt habe. Es habe eine Störung der Nähe-

Distanzregulation bestanden. Auch das Selbstbildnis der Versicherten sei gestört 

gewesen. Diagnostisch stehe eine kombinierte Persönlichkeitsstörung im Vordergrund. 

Die rezidivierenden depressiven Einbrüche, die gegenwärtige leichtgradige depressive 

Episode und die Zwangsgedanken seien aus dieser Persönlichkeitsstörung erwachsen. 

Weitere psychiatrische Erkrankungen lägen nicht vor. Die Kriterien für eine 

posttraumatische Belastungsstörung seien ebenso wenig erfüllt wie jene für eine 

andauernde Persönlichkeitsänderung, wie Dr. E.___ bereits überzeugend aufgezeigt 

habe. Die Ausführungen von Dr. B.___ in dessen Gutachten vom 17. Juni 2013 sowie 

die Ausführungen von Dr. E.___ in dessen Gutachten vom 29. Januar 2019 seien 

nachvollziehbar. Bezüglich der von Dr. C.___ angeführten Diagnosen sei anzumerken, 

dass nicht nur eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, sondern vielmehr eine 

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unsicheren und emotional instabilen Anteilen 

vorliege. Der behandelnde Psychiater Dr. C.___ habe sein Attest einer vollständigen 

Arbeitsunfähigkeit medizinisch nicht hinreichend begründet. Zudem habe er seine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung teilweise mit psychosozialen Belastungsfaktoren 

untermauert, bei denen es sich aber um „IV-fremde Faktoren“ handle. Die Ergebnisse 

der Haushaltsabklärung gemäss dem Bericht vom 20. Juli 2019 erschienen aus 

A.e. 

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medizinischer Sicht als weitgehend korrekt, wobei er, Prof. Dr. F.___, aber eher den 

Eindruck erhalten habe, dass die Versicherte auch im Haushalt zu 50 Prozent 

eingeschränkt sein dürfte, wenn sie diesen alleine führen müsste. Entgegen der 

Angaben von Dr. C.___ helfe der Partner aber sehr wohl bei der Haushaltsführung und 

bei der Kinderbetreuung mit. In der ergebnisoffenen medizinischen Beurteilung der 

Standardindikatoren sei aus psychiatrischer Sicht von einem mässiggradigen 

Gesundheitsschaden auszugehen. Die Ich-Strukturen seien durch die schwer 

traumatisierenden sexuellen Übergriffe in der Kindheit und die emotionale Deprivation 

nachhaltig gestört worden. Die psychische Resilienz sei aufgrund der anhaltenden 

Stressoren in der Kindheit nachhaltig gemindert. In der Literatur sei aufgezeigt worden, 

dass traumatische Erlebnisse in der Kindheit langfristig zu einer Stressintoleranz bei 

einer verminderten Dämpfung der Cortisolrezeptoren und damit zu einer vermehrten 

Aktivierung des gesamten Stresssystems führten, welches dann bei externen 

zusätzlichen Belastungsfaktoren dekompensieren könne. In der Wissenschaft spreche 

man von einer epigenetischen Umprogrammierung, die lebenslang eine vermehrte 

Stressanfälligkeit bewirke. Hierdurch sei klinisch eine vermehrte Erschöpfbarkeit bei 

einer verminderten psycho-physischen Belastbarkeit bedingt. Die Einschränkung der 

Versicherten sei damit wissenschaftlich erklärbar und klinisch nachvollziehbar. Die 

verminderte Belastbarkeit der Versicherten sei aus gutachterlicher Sicht somit 

nachvollziehbar. Die Versicherte sei gezwungen, mit ihren Kräften zu haushalten. Ein 

Leidensdruck sei ausgewiesen. Die Versicherte sei nicht in der Lage, durch eine eigene 

Willensanstrengung die Symptome ihrer psychischen Störungen zu überwinden. Die 

Belastbarkeit und die Durchhaltefähigkeit seien deutlich beeinträchtigt. Die 

Ressourcenlage der Versicherten sei dünn. Die Versicherte könne entweder im 

Haushalt tätig sein, wobei eine Einschränkung von 30–50 Prozent bestehe, oder aber 

einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 Prozent nachgehen. Bei 

einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit blieben keine Ressourcen für die 

Haushaltsbesorgung übrig; führe die Versicherte den Haushalt, könne sie maximal im 

Umfang von zehn Prozent einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen. 

Gesamthaft habe sich der psychiatrische Sachverhalt seit der ursprünglichen 

Rentenzusprache im November 2013 nicht geändert. Die von jener im Gutachten von 

Dr. B.___ abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung sei der Ausdruck einer 

anderslautenden Beurteilung eines unverändert gebliebenen Sachverhaltes. Der 

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B.  

orthopädische Sachverständige Dr. G.___ hatte ausgeführt, die Versicherte leide an 

einem belastungsabhängig vermehrten lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom ohne 

eine Radiculopathie sowie an belastungsabhängig vermehrten Beschwerden im 

Bereich der Fingermittelgelenke bei einer Bouchardarthrose, gegenwärtig ohne eine 

Funktionseinschränkung. Diese Diagnosen wirkten sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit 

aus. Weder gegenwärtig noch rückblickend hätten je somatische Befunde vorgelegen, 

die die Arbeitsfähigkeit der Versicherten für die zuletzt ausgeübte oder für eine 

angepasste Tätigkeit zu mehr als 20 Prozent beeinträchtigt hätten. In ihrer 

Konsensbeurteilung hatten die Sachverständigen festgehalten, dass für die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nur die psychische Problematik massgebend sei. Für 

leidensadaptierte Tätigkeiten sei deshalb ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent zu 

attestieren. Allerdings verblieben damit nicht mehr genügend Kräfte für die Haushalts­

führung. Müsse die Versicherte ihren Haushalt besorgen, sei sie nur zu zehn Prozent 

arbeitsfähig. Ohne eine berufliche Belastung sei von einer Einschränkung im Haushalt 

von 30–50 Prozent auszugehen.

Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte im April 2020 (IV-act. 174), die Versicherte 

sei als zu je 50 Prozent im Haushalt und im Erwerb tätig zu qualifizieren. Die 

Einschränkung im erwerblichen Bereich betrage 90 Prozent, was unter 

Berücksichtigung der Gewichtung des Erwerbsbereichs mit 50 Prozent einen 

Teilinvaliditätsgrad von 45 Prozent ergebe. Die Einschränkung im Haushalt betrage 24 

Prozent, was unter Berücksichtigung der Gewichtung des Aufgabenbereichs Haushalt 

mit 50 Prozent einen Teilinvaliditätsgrad von zwölf Prozent ergebe. Der 

Gesamtinvaliditätsgrad betrage folglich 57 Prozent. Mit einem Vorbescheid vom 20. 

April 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Herabsetzung der 

laufenden ganzen Rente auf eine halbe Rente vorsehe (IV-act. 175). Mit einer Verfügung 

vom 10. Juni 2020 setzte sie die laufende ganze Rente per 1. August 2020 auf eine 

halbe Rente herab (IV-act. 184). Mit zwei weiteren Verfügungen setzte sie gleichentags 

die beiden Kinderrenten zur Rente der Versicherten herab (IV-act. 185 f.).

A.f. 

Am 17. August 2020 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend: 

die Beschwerdeführerin) beim Obergericht Trogen eine Beschwerde gegen die drei 

B.a. 

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Verfügungen vom 10. Juni 2020 erheben (act. G 1.1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügungen, die Weiterausrichtung einer vollen (recte: 

ganzen) Invalidenrente über den 31. Juli 2020 hinaus und die Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung führte er aus, die Beschwerdeführerin 

habe anlässlich der Haushaltsabklärung angegeben, dass sie im hypothetischen 

„Gesundheitsfall“ vollerwerbstätig wäre. Von dieser Angabe habe die IV-Stelle 

(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) nicht einfach so abweichen dürfen. Es sei 

durchaus nicht unüblich, dass eine Mutter von zwei Kleinkindern vollerwerbstätig sei. 

Bereits als die beiden älteren Kinder noch Kleinkinder gewesen seien, also in den 

Jahren 200_–200_ und 200_–200_, habe die Beschwerdeführerin in einem Vollpensum 

ausser Haus gearbeitet. Zudem enthalte der Haushaltsabklärungsbericht verschiedene 

Aussagen, die an der Professionalität des Abklärungsbeauftragten (der offenbar ein 

„Spezialist IV-Renten“ und kein Abklärungsbeauftragter sei) zweifeln liessen. So habe 

dieser offenkundig von der äusseren Erscheinung der Beschwerdeführerin auf deren 

psychischen Zustand geschlossen, was unhaltbar sei. Dem Lebenspartner der 

Beschwerdeführerin könne keine Schadenminderungspflicht zugemutet werden, da 

dieser einer körperlich schweren Tätigkeit auf dem Bau nachgehe und gerade in den 

Sommermonaten massiv Überzeitarbeit leisten müsse. Er habe keine Kapazitäten, um 

die Beschwerdeführerin massgebend zu unterstützen.

Mit einer Verfügung vom 21. August 2020 trat das Obergericht Trogen mangels 

örtlicher Zuständigkeit nicht auf die Beschwerde ein; es überwies diese an das 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1.3). Diese Verfügung erwuchs 

unangefochten in formelle Rechtskraft (act. G 2). Das Versicherungsgericht trat in der 

Folge auf die Beschwerde ein (act. G 3).

B.b. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. November 2020 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie an, die Beschwerdeführerin sei 

zwischenzeitlich vierfache Mutter. Nach der Geburt des dritten Kindes habe sie 

angegeben, dass sie nur noch zu 50 Prozent erwerbstätig wäre. Erst später habe sie 

ihren Standpunkt geändert. Nach der Beweismaxime der „Aussage der ersten Stunde“ 

müsse diese erste Angabe als überzeugender als die spätere Angabe qualifiziert 

werden. Die Kosten für eine Kindertagesstätte wären zudem so hoch, dass sich die 

B.c. 

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Erwägungen

1.

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen 

Verfügungen vom 10. Juni 2020 auf deren Rechtmässigkeit. Diese drei Verfügungen 

haben alle denselben Gegenstand betroffen, nämlich die Herabsetzung der laufenden 

Rente der Beschwerdeführerin, die sich aus der „Hauptrente“ und zwei Kinderrenten 

zusammengesetzt hat. Den Gegenstand des mit diesen Verfügungen abgeschlossenen 

Verwaltungsverfahrens hat die Frage nach einer relevanten Sachverhaltsveränderung 

im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG gebildet. Folglich muss sich auch dieses 

Beschwerdeverfahren auf die Beantwortung der Frage beschränken, ob sich der 

massgebende Sachverhalt nach der ursprünglichen Rentenzusprache so verändert hat, 

dass die laufende Rente hat revisionsweise im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG 

angepasst werden müssen.

2.

Der Sachverständige Prof. Dr. F.___ hat in seinem überzeugenden Teilgutachten 

festgehalten, dass die Beschwerdeführerin bei der aktuellen Untersuchung objektiv 

wenig belastbar gewesen sei und eine Störung der Nähe-Distanzregulation gezeigt 

habe. Das Selbstbildnis sei gestört gewesen. Klinisch hätten Zwangsgedanken und 

eine gegenwärtig leichtgradige depressive Störung objektiviert werden können. Diese 

Störungen hätten sich aus der kombinierten Persönlichkeitsstörung heraus entwickelt. 

Der objektive klinische Befund stimme mit jenem Bild überein, das aus 

wissenschaftlicher Sicht angesichts der von der Beschwerdeführerin durchlebten 

schwer traumatisierenden Übergriffe sowie der emotionalen Deprivation in der Kindheit 

zu erwarten sei. Das Zustandsbild der Beschwerdeführerin habe sich also nicht nur 

klinisch objektivieren lassen, sondern es sei auch wissenschaftlich gut erklärbar. Die 

Folgen respektive die klinisch objektivierbaren Einschränkungen seien längst verfestigt. 

Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit gar nicht lohnen würde. Der Abklärungsbericht sei 

in jeder Hinsicht überzeugend.

Am 24. November 2020 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt (act. G 8).

B.d. 

Die Beschwerdeführerin liess am 11. Januar 2021 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

B.e. 

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Die Beschwerdeführerin leide an einer lebenslang vermehrten Stressanfälligkeit, die 

sich klinisch in einer vermehrten Erschöpfbarkeit bei einer verminderten psycho-

physischen Belastbarkeit zeige. Die Beschwerdeführerin sei gezwungen, mit ihren 

Kräften zu haushalten. Der Leidensdruck sei ausgewiesen. Bereits die beiden 

Sachverständigen Dr. B.___ und Dr. E.___ hätten in deren Gutachten aus den Jahren 

2013 und 2019 einen identischen objektiv klinischen Befund erhoben, was mit dem 

Umstand übereinstimme, das aus wissenschaftlicher Sicht nicht mit wesentlichen 

Veränderungen der massgebenden psychischen Störungen zu rechnen sei. Der 

massgebende objektiv klinische Sachverhalt habe sich im Vergleich zu jenem in den 

Jahren 2013 und 2019 nicht verändert. Der Umstand, dass er, Prof. Dr. F.___, nicht – 

wie Dr. B.___ im Jahr 2013 – eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, sondern – wie bereits 

Dr. E.___ im Jahr 2019 – nur eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert habe, sei 

nicht auf eine Sachverhaltsveränderung in den Jahren 2013–2019 respektive 2013–

2020 zurückzuführen, sondern nur der Ausdruck einer anderslautenden Beurteilung 

eines an sich unverändert gebliebenen Sachverhaltes. Auch der Sachverständige Dr. 

G.___ hat in seinem orthopädischen Teilgutachten festgehalten, dass angesichts der 

von ihm selbst erhobenen objektiven klinischen Befunde und der Angaben in den 

medizinischen Vorakten in den Jahren 2013–2020 keine relevante 

Sachverhaltsveränderung eingetreten sei; die Beschwerdeführerin habe nie an einer 

relevanten somatischen Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten, die ihre Arbeitsfähigkeit 

je zu mehr als 20 Prozent eingeschränkt hätte. Gestützt auf das überzeugende 

bidisziplinäre Gutachten von Prof. Dr. F.___ und Dr. G.___ steht also mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der 

massgebende medizinische Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht 

wesentlich verändert hat. Damit lässt sich eine revisionsweise Herabsetzung der Rente 

also nicht erklären. Als Revisionsgrund kommt deshalb nur ein „Statuswechsel“ in 

Frage. Der klare Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG lässt eine Rentenrevision zwar nur 

bei einer Veränderung des Invaliditätsgrades zu, was bedeutet, dass 

Sachverhaltsveränderungen, die nicht direkt den Invaliditätsgrad betreffen (z.B. 

Wohnsitzwechsel, Ehescheidung, Geburt von Kindern etc.), keinen Revisionsgrund im 

Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG bilden können, aber das Bundesgericht vertritt seit 

Jahrzehnten die Auffassung, dass auch Sachverhaltsveränderungen, die sich (wenn 

überhaupt) nur indirekt auf den Invaliditätsgrad auswirken, einen Revisionsgrund im 

Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG bilden könnten. So geht das Bundesgericht unter 

anderem davon aus, dass eine Veränderung der familiären Verhältnisse einer 

versicherten Person zu einem „Statuswechsel“ führen könnte, der wiederum zur 

Bemessung der Invalidität anhand einer anderen Methode (z.B. „gemischte Methode“ 

statt Einkommensvergleich) zwinge, was schliesslich zur Folge haben könne, dass ein 

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anderer Invaliditätsgrad als bei der ursprünglichen Rentenzusprache resultiere, 

weshalb auch eine Veränderung der familiären Verhältnisse als ein Revisionsgrund im 

Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG zu qualifizieren sei. Das Bundesgericht hat sich zwar, 

soweit überblickbar, nie eingehend mit der fundierten Kritik im Schrifttum und in der 

kantonalen Rechtsprechung an dieser Auffassung auseinandergesetzt, aber eine 

Praxisänderung erscheint als höchst unwahrscheinlich, weshalb sich das 

Versicherungsgericht genötigt sieht, eingehend zu prüfen, ob der „Statuswechsel“ 

einen relevanten Einfluss auf den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin hat.

3.  

Nach der bundesgerichtlichen Auffassung richtet sich die Antwort auf die Frage, in 

welchem Pensum eine versicherte Person im hypothetischen „Gesundheitsfall“ 

erwerbstätig gewesen wäre, danach, was die versicherte Person „bei im Übrigen 

unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung 

bestünde“ (BGE 125 V 146 E. 2c S. 150). Zu berücksichtigen seien dabei die 

persönlichen, die familiären, die sozialen und die erwerblichen Verhältnisse sowie 

allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die 

beruflichen Fähigkeiten, die Ausbildung, die persönlichen Neigungen und die 

Begabungen (BGE 125 V 146 E. 2c S. 150). Die Beschwerdeführerin hat keine 

Berufsausbildung absolviert, was bedeutet, dass sie bei einer vollzeitigen 

Erwerbstätigkeit im hypothetischen „Gesundheitsfall“ lediglich ein durchschnittliches 

Hilfsarbeiterinneneinkommen hätte erzielen können. Wäre sie bloss teilerwerbstätig 

gewesen, hätte sie folglich nur einen Bruchteil eines durchschnittlichen 

Hilfsarbeiterinneneinkommens erzielen können. Ihr Lebenspartner hat einen 

Monatslohn von 4’000 Franken erzielt, wovon er allerdings 1’350 Franken als 

Unterhaltszahlungen für seine zwei Kinder aus einer früheren Beziehung hat abgeben 

müssen (IV-act. 152–4). Wäre die Beschwerdeführerin im hypothetischen 

„Gesundheitsfall“ nicht erwerbstätig gewesen, hätte die Familie also von 2’650 Franken 

leben müssen, was augenscheinlich unmöglich gewesen wäre. Hätte die 

Beschwerdeführerin im hypothetischen „Gesundheitsfall“ nur in einem Pensum von 50 

Prozent als Hilfsarbeiterin gearbeitet und damit lediglich die Hälfte eines 

durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohns erzielt, hätten die Einnahmen noch immer 

nicht zur Deckung des Lebensbedarfs der Familie ausgereicht, zumal die Beschwerde­

führerin sich ja noch mit zusätzlichen Kosten für eine externe Kinderbetreuung 

konfrontiert gesehen hätte. Bei einem Arbeitspensum von 50 Prozent wäre deshalb 

wohl eine Sozialhilfeabhängigkeit eingetreten. Ohne Sozialversicherungsleistungen 

hätte das ökonomisch einzig vernünftige Verhalten der Beschwerdeführerin darin 

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/16

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bestanden, einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Entgegen der Ansicht der 

Beschwerdegegnerin wäre dies trotz der Betreuungspflichten gegenüber den Kindern 

durchaus möglich gewesen. Die beiden älteren Kinder sind bereits selbständig 

gewesen und haben ohnehin nicht mehr bei der Beschwerdeführerin gewohnt, weshalb 

die Behauptung der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin hätte als vierfache 

Mutter nicht voll erwerbstätig sein können, falsch ist. Die beiden jüngeren Kinder sind 

ein und zwei Jahre alt gewesen. Eine Kinderbetreuung kann schon für Kinder 

organisiert werden, die nur wenige Monate alt sind. Die Beschwerdeführerin hat in den 

Jahren 200_ und 200_ vollzeitig gearbeitet (vgl. IV-act. 172–64 f.). Beim Antritt der 

Arbeitsstelle im März 200_ ist die ältere Tochter etwas weniger als .___ Jahre alt 

gewesen. Die jüngere Tochter ist während der Anstellung zur Welt gekommen; das 

Anstellungsverhältnis hat erst geendet, als sie knapp ein halbes Jahr alt gewesen ist. 

Danach hat die Beschwerdeführerin in Teilzeit verschiedene Erwerbstätigkeiten 

ausgeübt. Ab dem Jahr 2006 ist sie wieder vollerwerbstätig gewesen. In den Jahren 

200_–200_ hat sie – zusätzlich zum Lohn für die Teilzeittätigkeit – eine 

Arbeitslosenentschädigung bezogen (vgl. IV-act. 5), was bedeutet, dass sie weiterhin in 

einem Vollpensum erwerbstätig gewesen wäre, wenn sie schon vor dem Antritt der 

Vollzeitstelle im Jahr 2006 eine Vollzeitstelle angetreten hätte, falls sie ein 

entsprechendes Angebot erhalten hätte. Weshalb sie sich in der vergleichbaren 

aktuellen Situation völlig anders verhalten hätte, wie die Beschwerdegegnerin 

behauptet hat, ist nicht einzusehen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die 

Beschwerdeführerin damals bereits gesundheitlich beeinträchtigt gewesen ist und 

folglich nicht über jene Leistungsfähigkeit verfügt hat, über die sie im hypothetischen 

„Gesundheitsfall“ verfügt hätte. Für den hypothetischen „Gesundheitsfall“ ist deshalb 

umso mehr davon auszugehen, dass sie trotz den Betreuungspflichten gegenüber den 

beiden Kleinkindern wieder in einem Vollpensum erwerbstätig gewesen wäre. Unter 

Berücksichtigung aller Umstände ist zusammenfassend offenkundig, dass die 

Beschwerdeführerin im hypothetischen „Gesundheitsfall“ in der Lage und faktisch 

sogar gezwungen gewesen wäre, einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachzugehen.

In letzter Zeit ist das Bundesgericht immer mehr dazu übergegangen, die 

„Statusfrage“ entgegen seiner eigenen, oben wiedergegebenen Praxis nicht mehr 

anhand sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls, sondern ausschliesslich 

aufgrund der – soweit überblickbar – in den Haushaltsabklärungsberichten nie korrekt, 

das heisst wörtlich protokollierten Aussage der versicherten Person zu beantworten. 

Das ist nicht nachvollziehbar, weil es nicht nur im direkten Widerspruch zur oben 

erwähnten Praxis, sondern auch zum „allgemeinen“ beweisrechtlichen Grundsatz 

steht, dass den subjektiven Angaben einer versicherten Person in aller Regel kein oder 

3.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/16

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nur ein reduzierter Beweiswert zugemessen wird. Hinzu kommt, dass gerade eine 

versicherte Person, die – wie die Beschwerdeführerin – schon seit der Kindheit oder 

Jugend dauerhaft in ihrer Gesundheit beeinträchtigt gewesen ist, nicht in der Lage sein 

dürfte, sich in eine hypothetische „Gesundheitssituation“ zu versetzen, weil sie in ihrem 

Leben noch nie über eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit verfügt hat und deshalb 

gar nicht abschätzen kann, welche Leistung sie im hypothetischen „Gesundheitsfall“ 

effektiv erbringen könnte. Selbst wenn dessen ungeachtet auf die subjektive Angabe 

der Beschwerdeführerin abzustellen wäre, müsste die von der Beschwerdegegnerin 

gewählte „Qualifikation“ als falsch betrachtet werden. Die Beschwerdeführerin hat zwar 

kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes, als sie nach vielen Jahren wieder ein 

Kleinkind hat betreuen müssen, angegeben, sie wäre nur zu 50 Prozent erwerbstätig. 

Aber diese Angabe kann unter Berücksichtigung der damaligen Umstände keinen 

ausreichenden Beweiswert haben. Den Berichten der behandelnden Ärzte und dem 

Gutachten von Dr. E.___ lässt sich nämlich entnehmen, dass die ungeplante 

Schwangerschaft die Beschwerdeführerin in eine depressive Krise stürzte, von der sie 

sich nach der Geburt erst langsam wieder erholt hat. Zudem hat die 

Beschwerdeführerin immer wieder geltend gemacht, sie wolle ihrem dritten Kind eine 

bessere Kindheit als den beiden älteren Kindern bieten, wobei zu beachten ist, dass die 

Probleme mit den beiden älteren Kindern unter anderem auf die angeschlagene 

Gesundheit der Beschwerdeführerin zurückzuführen gewesen sind. Jedenfalls ist es 

der Beschwerdeführerin damals mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht möglich 

gewesen, sich in den hypothetischen „Gesundheitsfall“ zu versetzen, das heisst ihre 

langdauernde Gesundheitsbeeinträchtigung, die akute Krise, die mit der 

Gesundheitsbeeinträchtigung in einem engen Zusammenhang stehenden massiven 

psychosozialen Schwierigkeiten etc. völlig auszublenden und eine zuverlässige Angabe 

dazu zu machen, in welchem Pensum sie erwerbstätig wäre, wenn sie bei voller 

Gesundheit wäre. Bereits im Rahmen der ersten Haushaltsabklärung im September 

2018 hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, sie wäre ohne eine 

Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Pensum von 80–100 Prozent erwerbstätig (IV-

act. 128–1). Die Beschwerdegegnerin hat die Aussagen der Beschwerdeführerin wie 

auch die konkreten Umstände des Einzelfalls nicht frei gewürdigt, sondern sich auf die 

von ihr gerichtsnotorisch als eine formelle Beweisregel verstandene Behauptung 

gestützt, massgebend könne immer nur die „Aussage der ersten 

Stunde“ („Erstaussage“) sein. Die Anwendung einer formellen Beweisregel widerspricht 

aber dem für das Sozialversicherungsrecht massgebenden Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung. Die Pauschalität der auch vom Bundesgericht propagierten Regel, 

wonach die „Aussage der ersten Stunde“ immer zuverlässiger als die späteren 

Aussagen sei, zwingt nämlich dazu, die konkreten Umstände des Einzelfalls 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/16

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auszublenden und sich allein daran zu orientieren, welches die „Aussage der ersten 

Stunde“ gewesen ist. Das mag zwar gelegentlich zum richtigen Ergebnis führen, dürfte 

aber oft vom Ergebnis einer umfassenden und freien Beweiswürdigung abweichen (vgl. 

dazu auch den Entscheid EL 2020/21 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 3. 

August 2021, E. 2.2). Verwendet man also die Regel, wonach immer nur die „Aussage 

der ersten Stunde“ zuverlässig sei, als eine formelle Beweisregel, hebelt man damit den 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung aus. Ein solches Vorgehen liesse sich mit dem 

für das Sozialversicherungsrecht massgebenden Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung nur dann vereinbaren, wenn das Gesetz selbst eine solche formelle 

Beweisregel – als Ausnahme vom allgemeinen Grundsatz der freien Beweiswürdigung – 

vorsähe. Für eine formelle Beweisregel, wonach immer nur die „Aussage der ersten 

Stunde“ massgebend sein könne, existiert aber keine gesetzliche Grundlage, weshalb 

die Anwendung dieses Grundsatzes als eine formelle Beweisregel als gesetzwidrig zu 

qualifizieren ist. Der vorliegende Fall zeigt exemplarisch, dass die „Aussage der ersten 

Stunde“ nicht zwingend immer die zuverlässigste Aussage sein muss. Die erste 

Aussage der Beschwerdeführerin, sie wäre nur zu 50 Prozent erwerbstätig, hat aus den 

oben ausführlich dargelegten Gründen nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Erst bei 

der Haushaltsabklärung im September 2018 dürfte der Beschwerdeführerin zum ersten 

Mal eingehend und ausführlich erklärt worden sein, worauf die Frage wirklich abzielt, 

denn jene Haushaltsabklärung ist nicht nur von einem gerichtsnotorisch sehr 

erfahrenen Abklärungsbeauftragten, sondern auch mit der Begleitung einer 

Sozialdienstmitarbeiterin durchgeführt worden, die mit der Situation der 

Beschwerdeführerin vertraut gewesen ist (vgl. IV-act. 128–13). Erst bei jener Abklärung 

dürfte die Beschwerdeführerin – nach den damals erhaltenen Erklärungen – 

ansatzweise in der Lage gewesen sein, sich in eine fiktive Situation ohne jede 

Gesundheitsbeeinträchtigung hineinzuversetzen. Unter Berücksichtigung aller 

Umstände muss die spätere Aussage der Beschwerdeführerin deshalb als wesentlich 

überzeugender als die erste Aussage im Fragebogen vom 28. Juni 2018 (IV-act. 122) 

qualifiziert werden. Folglich muss der Erwerbsbereich mit mindestens 80 Prozent 

gewichtet werden.

Bei einer Einschränkung von 90 Prozent im Erwerbsbereich resultiert selbst bei der 

für die Beschwerdeführerin ungünstigsten Berechnungsmethode ein Invaliditätsgrad 

von über 70 Prozent, wenn man, wie die Beschwerdegegnerin das zu Recht getan hat, 

die Berechnung nach dem neuen Art. 27  IVV vornimmt. Gewichtet man nämlich die 

Einschränkung von 90 Prozent mit dem Anteil des Erwerbsbereichs von 80 Prozent, 

resultiert ein Teilinvaliditätsgrad von 72 Prozent. Hinzu kommt noch ein 

Teilinvaliditätsgrad im Aufgabenbereich von 20 Prozent von mindestens 24 Prozent, 

3.3. 

bis

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/16

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4.  

Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzu­

setzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung aus­

zurichten. In einem durchschnittlich aufwendigen IV-Rentenfall spricht das 

Versicherungsgericht neu eine pauschale Parteientschädigung von 4’000 Franken zu. 

In einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die Versicherungsrichterinnen und 

Versicherungsrichter nämlich beschlossen, die durchschnittlichen Ansätze für die 

Parteientschädigungen um 500 Franken zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll 

diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle Anwendung finden. Diese 

Übergangsregelung führt dazu, dass die Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet, 

weil sie allein deswegen eine um 500 Franken höhere Parteientschädigung ausrichten 

muss, weil die Beschwerde erst nach dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 

beurteilt wird. Die Beschwerdegegnerin soll dies gemäss dem Beschluss des 

Richterplenums allerdings im Interesse der Praktikabilität in Kauf nehmen müssen. Sie 

hat der Beschwerdeführerin deshalb eine Parteientschädigung von 4’000 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die angefochtene(n) Verfügung(en) vom 10. Juni 2020 werden ersatzlos 

aufgehoben.

2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen.

3. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit 4’000 Franken zu 

entschädigen.

also von gerundet fünf Prozent, sodass sich ein Gesamtinvaliditätsgrad von 

mindestens 77 Prozent ergibt. Damit erweist sich die angefochtene Verfügung, mit der 

die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Rente der Beschwerdeführerin auf eine 

halbe Rente herabgesetzt hat, als rechtswidrig, weshalb sie ersatzlos aufzuheben ist. 

Das hat zur Folge, dass der Beschwerdeführerin über den 31. Juli 2020 hinaus eine 

ganze Rente der Invalidenversicherung zusteht.

	Publikationsplattform
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	Entscheid Versicherungsgericht, 23.11.2021
	Art. 17 Abs. 1 ATSG. Rentenrevision. Sachverhaltsveränderung. Statuswechsel. Aussage der ersten Stunde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. November 2021, IV 2020/179).

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