# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fee17dff-446a-5f21-93d0-d06d4d2173da
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-09
**Language:** de
**Title:** Rentenrevision. Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2014.00873
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00873.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00873
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
9. März 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1976,
Mutter
von
drei Kinder
n (geboren
2008,
2009
und 2010
)
,
meldete sich am 30. Mai 2002
unter Hinweis auf
eine
Pancolitis
ulcerosa
bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 9/4
Ziff.
7.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
ihr mit Verfügung vom 23. April 2004
bei einem
Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe
Rente
ab 1. November 2002 zu (Urk. 9/42 und
Urk.
9/44-45
).
Am 18. August 2005 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, der Rentena
n
spruch sei unverändert (
Urk.
9/64
).
Nach Eingang eines am 21. Februar 2008
ausgefüllt
en Revisionsfragebogens (Urk. 9/77
)
klärte die IV-Stelle die medizinische und die beruflich-erwerbliche Situation ab und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 23. Januar 2009 für den Monat April 2008 eine ganze Rente und ab Mai 2008 eine
Viertel
srente
zu
(
Urk.
9/99-102
).
Die dagegen am
26. Januar 2009 er
hobene Beschwerde (
Urk.
9/106/3
) wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts
vom 24. September 2009 im Verfahren
Nr. IV.2009.00088 im Sinne der Rückweisung der Sa
che
zu weiteren Abklärungen
an die IV-Stelle gutgeheissen (
Urk.
9/114 Dispositiv
Ziff.
1
).
Daraufhin
holte
die IV-Stelle
bei der
Y.___
ein
bi
disziplinäres
Gutachten ein, da
s am 7. September 2010 er
stattet wurde (Urk. 9/132
).
Mit Verfügung vom
2.
September 2011 stellte die IV-Stelle die Invalidenrente
auf Ende des der Zustellung folgenden Monats
ein (
Urk.
9/149).
Die dagegen von
der Versicherten am 30. September
2011 erho
bene Beschwerde (
Urk.
9/151/3-13) wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 8. Mai 2012 im Verfahren Nr. IV.2011.01071 mit der Feststellung
gutgeheissen
, dass die Versicherte weiterhin einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe (
Urk.
9/160
Dispositiv
Ziff.
1).
1.2
Nach Eingang eines am 1. September 2013 ausgefüllten Revisionsfragebogens (
Urk.
9/173)
holt die IV-Stelle medizinische Berichte (
Urk.
9/175) ein und stellte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/179,
Urk.
9/180,
Urk.
9/184
,
Urk.
9/192
) mit Verfügung vom
11. Juli 2014 die bisher ausgerichtete Invali
denrente auf Ende des der Zustellung folgenden Monats ein (
Urk.
9/199 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 8. September 2014
Besch
werde gegen die Verfügung vom 11. Juli 2014
(
Urk.
2) und beantragte, di
ese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin die bisherige Rente auszurichten. Eventu
ell sei die Sache zur erneuten
u
mfassenden medizinischen Begutachtung und anschliessend neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen, und es sei festzustellen, dass während der Zeit bis zum neuen Entscheid über den Leistungsanspruch die bisherige Rente mit Wirkung ab Renteneinstellung weiter auszurichten sei (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Besch
werdeantwort vom 16. Oktober 2014 (
Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 18. Dezember 2014
wurd
en antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Besch
werdeantwort zugestellt (
Urk.
13
).
Mit Eingabe vom 8. Januar 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin unter anderem um Sistierung des Verfahrens bis zum Eingang weiterer medizinischer Berichte Ende Februar 2015 (
Urk.
14 und
Urk.
15).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (
Urk.
2) die Einstellung der Invalidenrente damit, dass der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätig
keit, bei welcher sie Zugang zu einer Toilette habe, zu 100
%
zumutbar sei.
Die
vom Hausarzt aufgeführten Diagnosen seien zum Zeitpunkt des
Y.___
-Gutach
tens bereits bekannt gewesen
, und es sei aus
geführt worden, dass eine wechsel
belastende Tätigkeit uneingeschränkt
möglich sei. Die Einschränkung
von 50
%
sei durch die
Colitis
bedingt gewesen, welche nun keine hohe Aktivität mehr zeige.
Auch b
ezüglich des Skelettsystems sei von keiner bleibenden
,
längerdau
ernden Einschränkung für eine angepasste Tätigkeit auszugehen.
Der stetige Zugang zu einer Toilette und die vermehrten Pausen seien als lohnmindernde Faktoren
berücksichtigt worden
, womit ein Invaliditätsgrad von 14
%
resultiere
(S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
seit September 2011 habe sich der Sachverhalt nicht wesentlich geändert
,
und eine Verbesserung
ihres Gesundheitszustandes
werde bestritten
(S. 4
lit
. a
, S. 6
lit
. e-
f.
). Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, genügende Abklärungen zu tätigen und der Beri
cht des erst seit Kurzem mit ihrer Behandlung
betrauten
Gastroenterologen
vom Oktober 2013 sei viel zu optimistisch (S. 5
lit
. c
, S. 6
lit
. e
). So sei zu beachten, dass nicht allein das chronische Darmleiden
,
sondern noch weitere die
Arbeitsfähigkeit einschränkende
somatische Beschwerde
n
vor
lägen (S. 5
lit
. d
, S. 6
lit
. f.
).
Zur manifesten sekundären Osteoporose habe sich die Beschwe
rdegegnerin gar nicht geäussert, und es
seien verschiedene
Zysten
operationen
dazu
gekommen (S. 7
lit
.
g-
h).
2.3
Strittig und prüfen ist, ob seit
September 2011, dem für die
letzte Bestätigung des Rentenanspruch
s mit Urteil vom 8. Mai 2012
massgebenden Zeitpunkt
(vgl.
Urk.
9/160)
,
eine revisionsrelevante Verbesserung des
Gesundheitszu
-
standes der Beschwerdeführerin
eingetreten
ist.
3.
Z
eitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchsrelevanten Änderung bildet der im Urteil des hiesigen Geri
chts vom 8
.
Mai
2012 (
Urk.
9/160
)
darge
legte Sachverhalt.
Bei der Urteilsfindung wurde auf das für beweistauglich be
fundene Gutachten der
Y.___
vom 7. September 2010 (
Urk.
9/132) abgestellt (
vgl.
Urk.
9/160
E.
5
.3
).
Die
Beschwerdeführerin wurde
durch die Gutachter der
Y.___
umfassend
rheu
-
ma
tologisch
, internistisch und gastroin
testinal abgeklärt
,
und diese
nannten zusammenfassend in der Hauptsache als Diagnosen mit Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit eine
seit Oktober 2000
bestehende,
therapi
erefraktäre
Pancolitis
ulc
erosa
, ein
chronisch rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
und eine
ma
nifeste sekundäre Osteoporose
bei chronischer Steroidtherapie
(
vgl.
Urk.
9/160 S. 10 f. E. 4.4
).
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wurde
im Urteil vom 8. Mai 2012
das
Gutachten
der
Y.___
wie folgt referiert
(
Urk.
9/160
S. 11 f.):
(…)
dass
die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Verkäuferin zu einem Pensum von 25
%
arbeits- und leistungsfähig sei, falls
sie ihren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfte. Für leichte Verkaufstätigkeiten in
Geschäften, bei denen eine Kollegin die Kasse und den Warenbestand während
den Toilettengängen der Beschwerdeführerin im Auge behalten könnte,
bestehe eine 50%ige Leistungsfähigkeit bei erhöhtem Pausenbedarf für
Toilettengänge. Dabei sollte sie beispielsweise die Möglichkeit haben, an der
Kasse eine Stehhilfe zu verwenden, um den Rücken vorübergehend zu
entlasten.
Die Arbeitsfähigkeit hänge im Wesentlichen von den konkret vorliegenden
Arbeitsbedingungen ab. Sofern im Krankheitsverlauf eine Remission erreicht
oder eine
Kolektomie
durchgeführt würde, würde sich die Arbeitsfähigkeit
signifikant verbessern, weshalb eine rheumatologisch-
/ gastrointestinale
Begutachtung nach Ablauf von 2 Jahren bzw. sechs Monaten postoperativ zu
empfehlen sei (…).
Abschliessend wurde im Urteil vom 8. Mai 2012 zur
Arbeitsfähigkeit
der Be
schwerdeführerin folgendes festgehalten
(
Urk.
9/160
S. 13 E. 5.3):
Im Ergebnis ist
dem
Y.___
-Gutachten folgend davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit noch zu 25
%
arbeitsfähig und der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu
erachten ist, dass die Beschwerdeführerin in leidensangepasster Tätigkeit mit
direktem Zugang zu einer Toilette noch zu 50
%
arbeitsfähig ist.
4.
4.
1
Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens holte die IV-Stelle die folgen
den medizinischen Berichte ein:
Dr.
med.
Z.___
, Leite
nder Arzt der Gastroenterologie und
Hepatologie,
A.___
, nannte in seinem Bericht vom 1. Oktober 2013 (
Urk.
9/175
/1-5
) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine
Colitis
ulcerosa
, bestehend seit Oktober 2000 (
Ziff.
1.1).
Dr.
Z.___
führte aus, die Beschwerde
führerin sei seit Oktober 2000 bei ihm in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am 23. August 2013 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Sie
sei aktuell beschwerdefrei. Es be
stünden eine passagere Diarrhoe und
Abdominalschmerzen
wegen
Behand
lungsverzögerungen
. Prognostisch gehe er mit
Remicade
von einer
Krankheits
kontrolle
aus
(
Ziff.
1.4).
Seit Februar 2013 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kundenberaterin keine Arbeitsunfähigkeit mehr (
Ziff.
1.6). Es be
stünden aktuell keine Einschränkungen mehr
,
und die zuletzt ausgeübte Tätig
keit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar (
Ziff.
1.7).
Mit der Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit könne gerechnet werden (
Ziff.
1.9).
Sämtliche behinderungsa
ngepassten Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin
seit Februar 2013 uneingeschränkt zumutbar (
Ziff.
3).
Sie
habe berichtet, seit Februar 2013 bei regelmässiger T
herapie beschwerdefrei zu sein, weswegen sie
normal ar
beitsfähig
sei
(S. 5).
4.2
Dr.
Z.___
stellte
in seinem Bericht vom 27. März 2014 (
Urk.
9/188
/5-6) folgende Diagnose (S. 1):
-
Colitis
ulcerosa
, Erstdiagnose im Oktober 2000
-
initial Pankolitis
-
Imurek
-Therapie 2002 und 2005 ohne Nachweis eines Ansprechens
-
Mesalazin
seit März 2005
-
Panzytopenie
unter
Purinethol
, Oktober 2005
-
Infliximab
-Therapie seit September 2006, passager pas
s
iert im Jahr 2008
-
aktuell: protrahiert bestehende R
ückenschmerzen, am ehesten bei chro
nisch entzündlicher Darmerkrankung (C
ED
)
assoziierter
Spon
dylarthropathie
Dr.
Z.___
führte aus, nach der letzten
Remicade
-Infusion im Januar 2014 sei die Patientin zunächst weitgehend beschwerdefrei gewesen. Im Intervall hätten al
lerdings stärkere Rückenschmerzen bestanden, weswegen passager Analgetika eingenommen worden seien. Aktuell sei
sie
diesbezüglich weitgehend be
schwerdefrei. Begleitend habe allerdings ein Infekt im Bereich der Nasenhöhlen bestanden, weswegen bereits wiederholt Operationen durchgeführt worden seien. Aktuell nehme die Patientin deswegen Antibiotika ein, worunter der Stuhl teilweise durchfällig, jedoch ohne Blutbeimengung sei. Eine erneute Operation sei
in etwa drei Wochen vorgesehen
.
Die heute durchgeführte Labordiagnostik zeige eine
leichtgradige
Thrombozy
tose
, die übrigen Parameter seien unauffällig. Es seien wiederum 300 mg
Remi
cade
infundiert worden, was problemlos vertragen worden sei.
Eine erneute In
fusion sei in sieben Wochen vereinbart worden. In diesem Rahmen solle auch eine Wiederholung der
koloskopischen
Untersuchung zur Beurteilung der ent
zündlichen Aktivität der Kolonschleimhaut geplant werden (S. 1).
4.3
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin, stellte in seinem Bericht vom 3. April 2014 (
Urk.
9/188/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Colitis
ulcerosa
, bestehend seit 2000
-
Osteoporose, bestehend seit 2008
-
Status nach L
endenwirbelkörper (L
WK
)
3-Fraktur
-
chronisches Lumbago
Dr.
B.___
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit 1998 bei ihm in Be
handlung und die letzte Kontrolle sei am 21. Februar 2014 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Die Beschwerdeführerin leide t
rotz
Remicade
an Diarrhoe und an lumbalen Rü
ckenschmerzen. Prognostisch sei von einer Verschlechterung auszugehen (
Ziff.
1.4).
Seit dem Jahr 2000 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine
Ar
-
beitsunfä
higkeit
von 50
%
(
Ziff.
1.6). Es bestehe eine verminderte Belastbar
keit der Wirbelsäule. Die bisherige Tätigkeit sei noch im Umfang von 50
%
zu
mutbar (
Ziff.
1.7). Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit dem Jahr 2004 lediglich noch im Umfang von drei bis vier Stun
den täglich zumutbar (
Ziff.
3).
4.4
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte
in seiner
Stellungnahme vom
1.
Juli 2014 (
Urk.
9/198
/3)
aus, die eingeholten Arztberichte zei
gten von Seiten der
Colitis
her
keine er
neute hohe Aktivität. Der
Gastroenterologe
schreibe wohl im Bericht vom Ja
nuar 2014 von vorüberge
henden ausgeprägten Schmerzen
im
Bereich
der
Len
denwirbelsäule
(LWS)
. Im Be
richt vom März 2014 sei dann aus
geführt worden, dass die Kundin bezüglich der LWS-Beschwerden wieder weitgehend beschwer
defrei sei. Im
Y.___
-Gutachten
aus dem Jahr 2010 seien die heute beklagten Be
funde der Wirbelsäule,
so der
Status nach Deckpla
tteneinbruch LWK3
und die sekundäre Osteoporose,
bereits
bekannt gewesen. Es sei ganz klar deklariert
worden
, dass
aus
rheumatologischer Sicht eine leichte wechselbelastende Tätig
keit uneingeschränkt möglich sei. Die Einschränkung im Jahr 2010 von 50
%
sei daher durch die
Colitis
bedingt gewesen. Es sei
ausgeführt
worden, dass sich die Arbeitsfähigkeit bei Remission
der
Colitis
klar erhöhen werde, was
nun ein
getreten
sei
. Von Seiten der
Colitis
her bestünden keine relevanten Einschrän
kungen mehr
,
und von Seiten des Skelettsystems
seien
für eine leichte wechsel
belastende Tätigkeit
auch keine läng
erda
uernden Einschränkungen gegeben
. Es seien nur jeweils vorübergehende
,
kurzzeitige Ausfälle der Arbeitsfähigkeit möglich.
Diese seien aber jeweils
als innert etwa ein bis zwei Monaten reversi
bel einzuschätzen. Es bleibe bei der Einschätzung der vollen Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit.
5.
5.
1
Die Beschwerdegegnerin stützte die verfügte Einstellung der halben Rente
auf die Stellungnahme von
Dr.
C.___
, RAD,
vom Juli 2014
(vorstehend E. 4.4)
ab,
welcher seinerseits auf
Dr.
Z.___
(vorstehend E. 4.1-2)
verwies und aufgrund
der
seit der Begutachtung am
Y.___
im Jahre 2010
verbesserten
Darmproblema
tik
nun von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Tätig
keit ausging.
5.2
Dass sich die Darmproblematik tatsächlich verbessert hätte, bestätigte der
be
-
han
delnde Hausarzt
Dr.
B.___
im April 2014
(vorstehend E. 4.3)
nicht. Jedoch
führte
er
die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der an
gestammten Tätigkeit auf die verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule zurück. A
uch in angepasster Tätigkeit ging
er
im Gegensatz zu
Dr.
Z.___
und
Dr.
C.___
von keiner höheren Belastbarkeit aus
.
Zutreffend hielt
Dr.
C.___
fest, dass im Gutachten der
Y.___
vom September 2010 (vgl. vorstehend E. 3) ausgeführt w
orden sei
, dass
sich bei einer Remission der Darmproblematik die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin signifikant verbessern könnte.
Tatsächlich
lassen
vorliegend
die Berichte des die Darmbeschwerden behandeln
den Arztes
Dr.
Z.___
vom Oktober 2013 und vom März 2014 (vorstehend
E.
4.1-2) annehmen, d
ass die Therapie erfolgreich verläuft. Aus diesem Umstand
allein
kann jedoch
nicht ohne Vornahme weiterer Abklärungen auf eine volle Ar
beitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit geschlossen werden.
Wie die
Beschwerdeführerin zu Recht geltend machte
, genügt es bei den unbe
strittenermassen vorhandenen
weiteren somatische
n
Leiden
nicht,
bei der Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit
einzig auf den die Darmbeschwerden behandeln
den Facharzt abzustellen (
vorstehend E. 2.2
).
Angezeigt ist vielmehr, wie
im Gutachten der
Y.___
empfohlen, eine
fachärztliche
rheumatologisch-
gastrointes
tinale
Verlaufsbeurteilung.
5.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
5.4
D
ie Aktenlage
enthält vorliegend
keine
sämtliche Beschwerden umfassenden
Aussagen zum
Verlauf
des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin im massgeblichen Beurteilungszeitraum und ermöglicht keine hinreichend schlüs
sige Beantwortung der Frage nach der Zulässigkeit einer revisionsweisen Ein
stellung der Invalidenrente.
Zur Beurteilung der invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche der
Be
-
schwer
deführerin
bedarf es daher zusätzli
cher
fach
medizinischer Grundlagen. Die angefo
chtene Verfügung vom 1
1.
Juli
2014 (
Urk.
2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Entscheid über den Leistungsanspruch der Be
schwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Be
schwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Proze
sses und der von Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
eing
ereichten Honorarnote (
Urk.
15) auf
Fr.
1‘784.80
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in
dem Sinne gutgeheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 1
1.
Juli 2014
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Stephanie Schwarz, Winterthur,
eine
Prozess
entschädigung
von
Fr.
1‘784.80
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchucan