# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4387bb19-bad7-5439-8dc8-855b7e3154df
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SR250007-O1
**Docket/Reference:** SR250007-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SR250007-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer 

Geschäfts-Nr.: SR250007-O /U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, Oberrichterin Dr. iur. E. Borla 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. V. Seiler sowie Gerichtsschreiber 

MLaw F. Herren

Beschluss vom 22. Oktober 2025

in Sachen

A._____,

Gesuchsteller

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,

Gesuchsgegnerin

betreffend vorsätzliche Tötung etc. 

Revision gegen ein Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, 

II. Strafkammer, vom 20. Juni 2024 (SB220357)

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Revisionsanträge:

a)

Des Gesuchstellers persönlich (Urk. 1; sinngemäss):

Das Verfahren sei wiederaufzunehmen und der Gesuchsteller sei milder zu 

bestrafen. 

b)

Der Verteidigung (Urk. 13 S. 2):

1.

Es sei das obergerichtliche Urteil des Kantons Zürich vom 20. Juni 2024 auf-

zuheben und neu durch das Gericht zu beurteilen.

2.

Es sei ein Ergänzungsgutachten durch das Gericht in Auftrag zu geben.

Nach  Vorliegen  eines  noch  in  Auftrag  zu  gebenden  Ergänzungsgutachten 

werden weitere Anträge gestellt.  

3.

Es  seien  die  Kosten  des  Verfahrens  inkl.  der  Kosten  für  die  Verteidigung 

(zzgl. der gesetzlichen Mwst.) auf die Staatskasse zu nehmen.

c)

Der Staatsanwaltschaft (Urk. 20):

Es sei das Revisionsgesuch abzuweisen.

d)

Der Privatklägerinnen (Urk. 26; sinngemäss):

Die Anträge des Gesuchstellers seien vollumfänglich abzuweisen.

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Erwägungen:

I. Verfahrensverlauf

1.

Die  II.  Strafkammer  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich  sprach  A._____ 

(Gesuchsteller) mit Urteil vom 20. Juni 2024 der vorsätzlichen Tötung schuldig und 

bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren, unter Anrechnung von 2830 

Tagen  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  sowie  vorzeitigem  Strafvollzug.  Mit 

gleichzeitig ergangenem Beschluss stellte sie unter anderem die Rechtskraft des 

Schuldspruchs betreffend Störung des Totenfriedens fest. Zudem ordnete sie eine 

vollzugsbegleitende  ambulante  Massnahme  im  Sinne  von  Art.  63  StGB  an 

(Urk. 39/473).  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  der  Gesuchsteller  Beschwerde  an 

das  Bundesgericht  mit  dem  Antrag,  das  Urteil  teilweise  aufzuheben  und  ihn  des 

Totschlags schuldig zu sprechen. Das Bundesgericht wies die Beschwerde mit Ur-

teil  vom  14. November  2024  ab  (Urk.  39/490).  Das  Urteil  der  II.  Strafkammer  ist 

rechtskräftig. Der Gesuchsteller hatte am 20. September 2016 seine Untermieterin 

B._____ während einer Auseinandersetzung zwischen ihnen getötet und hernach 

an ihrer Leiche den Geschlechtsverkehr vollzogen. 

2.

Der Gesuchsteller persönlich ersuchte mit Eingabe vom 15. Februar 2025 um 

Wiederaufnahme  des  Verfahrens  (Urk. 1).  Der  amtlichen  Verteidigung  wurde 

daraufhin mit Präsidialverfügung der II. Strafkammer vom 24. Februar 2025 Frist 

angesetzt, um mitzuteilen, ob ein Revisionsverfahren an die Hand zu nehmen sei, 

ferner wurde eine Kopie des Schreibens des Gesuchstellers vom 15. Februar 2025 

an  das  Amt  für  Justizvollzug  und  Wiedereingliederung  weitergeleitet  (Urk. 2). 

Rechtsanwältin lic. iur. X._____ teilte innert erstreckter Frist am 8. April 2025 mit, 

dass  der  Gesuchsteller  insbesondere  aufgrund  neuer  Erkenntnisse  an  seinem 

Revisionsgesuch festhalte und ersuchte um eine Fristansetzung zur Begründung 

(Urk.  4).  Mit  Präsidialverfügung  der  I.  Strafkammer  vom  14.  April  2025  wurde 

Rechtsanwältin lic. iur. X._____ als amtliche Verteidigerin des Gesuchstellers be-

stellt und ihr eine Nachfrist angesetzt, um das Revisionsgesuch zu begründen und 

insbesondere die Revisionsgründe zu bezeichnen und zu belegen (Urk. 6). Dem 

kam sie mit Eingabe vom 26. Mai 2025 rechtzeitig nach und beantragte, das ober-

gerichtliche Urteil vom 20. Juni 2024 sei aufzuheben und neu durch das Gericht zu 

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beurteilen,  wobei  ein  neues  Ergänzungsgutachten  in  Auftrag  zu  geben  sei 

(Urk. 13). Das Revisionsgesuch wurde mit Beschluss vom 2. Juni 2025 den Par-

teien  sowie  der  II. Strafkammer  zur  freigestellten  Stellungnahme  zugestellt 

(Urk. 17). Während die II. Strafkammer ausdrücklich auf eine Stellungnahme ver-

zichtete (Urk. 19), liess sich die Staatsanwaltschaft dazu fristgemäss vernehmen 

und beantragte die Abweisung des Revisionsgesuchs (Urk. 20). Die Privatkläger-

innen  ersuchten  mit  Eingabe  vom  24.  Juni  2025  um  unentgeltliche  Rechtspflege 

und Fristerstreckung (Urk. 22). Nachdem ihnen die unentgeltliche Rechtspflege mit 

Präsidialverfügung vom 30. Juni 2025 bewilligt und eine Fristerstreckung gewährt 

worden war (Urk. 24), reichten sie am 7. Juli 2025 fristgemäss ihre Stellungnahme 

mit dem Antrag auf Abweisung des Revisionsgesuchs ein (Urk. 26). Die Eingaben 

der  Staatsanwaltschaft  und  der  Privatklägerinnen  gingen  dem  Gesuchsteller  mit 

Präsidialverfügung  vom  8.  Juli  2025  zur  freigestellten  Vernehmlassung  zu 

(Urk. 28).  Seine  Vernehmlassung  erfolgte  innert  erstreckter  Frist  am  14.  August 

2025 (Urk. 34). Sie wurde den übrigen Parteien zur freigestellten Vernehmlassung 

zugestellt,  worauf  die  Privatkläger  mit  Schreiben  vom  27.  August  2025  auf  eine 

solche verzichteten (Urk. 37) und die Staatsanwaltschaft sich nicht mehr äusserte. 

Die  Akten  der  II. Strafkammer  wurden  antragsgemäss  beigezogen  (Urk. 39/262-

503). Das Verfahren erweist sich damit als spruchreif. 

II. Revision

1.1 Der Gesuchsteller stellt ein Revisionsgesuch gegen das genannte Urteil der 

II.  Strafkammer.  Im  Kern  begründet  er  dies  damit,  dass  der  II.  Strafkammer  die 

Tatsache  der  schweren  Form  der  bei  ihm  vorliegenden  Aufmerksamkeitsdefizit-

/Hyperaktivitätsstörung  (ADHS)  nicht  bekannt  gewesen  sei.  Aus  diesem  Grund 

habe sie bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit nicht berücksichtigt, dass er sich 

bei der Tat nicht mehr habe steuern können. Er stützt sich dafür auf einen neuen 

Austrittsbericht  der  Universitären  Psychiatrischen  Dienste  Bern  (UPD)  vom 

14. April 2025 mit der Hauptdiagnose "Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeits-

störung (ADHS) F90.0" (Urk. 14/5). 

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1.2 Die rechtskräftig verurteilte Person kann nach Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO die 

Revision verlangen, wenn neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsachen oder 

neue Beweismittel vorliegen, die geeignet sind, einen Freispruch oder eine wesent-

lich mildere Bestrafung herbeizuführen.

1.3 Neu  sind  Tatsachen  und  Beweismittel,  wenn  sie  dem  Gericht  zur  Zeit  der 

Urteilsfällung  nicht  zur  Kenntnis  gelangt  sind,  das  heisst  ihm  überhaupt  nicht  in 

irgend einer Form vorlagen, oder wenn sie im Zeitpunkt des zu revidierenden Urteils 

zwar vorhanden waren, vom ursprünglichen Gericht in seinem Entscheid aber nicht 

berücksichtigt wurden bzw. nicht berücksichtigt werden konnten, nicht aber dann, 

wenn  das  Gericht  deren  Tragweite  anders  gewürdigt  hat.  Die  Neuheit  ist  somit 

ausgeschlossen, wenn sich sinngemäss aus dem Urteil ergibt, dass der fragliche 

Umstand  vom  Gericht  mitberücksichtigt  wurde.  Eine  bloss  andere  neue  bzw. 

angeblich  bessere  Würdigung  der  bereits  im  ersten  Verfahren  bekannten  Tat-

sachen  ist  grundsätzlich  kein  Wiederaufnahmegrund.  Andere  Bewertungen  und 

andere  Rechtsauffassungen  sind  keine  neue  Tatsachen  oder  neue  Beweismittel 

und können keine Revision begründen. Insbesondere ist es nicht möglich, eine im 

früheren Entscheid diskutierte Streitfrage, z.B. über das Vorhandensein einer ver-

minderten Schuldfähigkeit, ohne neue Tatsachen (z.B. einen bisher nicht erkannten 

psychischen  Zustand)  mit  der  Revision  anzufechten  bzw.  mit  einem  Gutachten 

erneut aufzurollen (vgl. BGer 6B_658/2012 vom 2. Mai 2013, E. 1.4.2). Den neuen 

Tatsachen oder Beweismitteln muss zudem eine gewisse Erheblichkeit zukommen, 

um  revisionsbegründend  zu  sein.  Dies  ist  der  Fall,  wenn  sie  geeignet  sind,  die 

Beweisgrundlage  des  früheren  Urteils  so  zu  erschüttern,  dass  ein  neues  Urteil 

– ausgehend von den veränderten Umständen – wesentlich milder ausfallen kann 

oder dass ein Teilfreispruch in Betracht fällt. Der Gesuchsteller ist beweisbelastet, 

wenn auch die Revisionsgründe nur glaubhaft zu machen sind (vgl. zum Ganzen 

BGE 137  IV 59  E. 5.1.2;  BGE  130  IV 72  E. 1,  2.2;  BGer  6B_1353/2020  vom 

22. Dezember  2020  E.  2.3.1;  BGer  6B_562/2020  vom  23.  Juni  2020  E.  2.4; 

BGer 6B_442/2021  vom  30.  September  2021,  E.  3.1;  BSK  StPO-HEER/COVACI, 

Art. 413 N 5, Art. 410 N 34, 44, 51, 72; SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, 

Art. 413 N 2).

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2.1 Der Sammeleingabe des Gesuchstellers persönlich vom 15. Februar 2025 ist 

zu entnehmen, dass er um Wiederaufnahme des Verfahrens ersucht. Er führt im 

Kern aus, er habe die ambulante Therapie nicht beginnen können und seine ADHS 

sei seit seinem Eintritt in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Solothurn nicht versorgt, 

er habe keine ADHS-Medikamente erhalten, sondern sei in einer Art Einzelhaft auf 

Interventionsstufe  eingesperrt,  was  seine  Gesundheit  erheblich  gefährde.  Ohne 

geeignete  Anstalt  für  die  Massnahme/Therapie  habe  er  viel  Zeit,  um  seinen  Fall 

international anzuzeigen. In Grossbritannien gebe es für Totschlag ("Manslaugh-

ter") ein bis drei Jahre Haft, in den USA gebe es viele Anwaltskomitees und 30-

40% der Menschen würden dem Täter folgen und ihn unterstützen. Der Gesuch-

steller  bittet  um  Begnadigung,  Wiedereingliederung  und  ein  gerechtes  Ende  des 

Verfahrens (Urk. 1). 

2.2 Laut dem von der Verteidigung eingereichten Austrittsbericht der Universitä-

ren Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) vom 14. April 2025 sei der Gesuchsteller 

am 19. Februar 2025 vom Gefängnis Solothurn zur Krisenintervention, Diagnostik 

und Behandlung auf die forensische Spezialstation … [Abteilung] verlegt worden. 

Im Rahmen des psychomotorisch deutlich agitierten und nervösen Verhaltens so-

wie damit einhergehender Unruhe und emotionaler Instabilität (bei Eintritt zudem 

beschleunigtes Sprechtempo, hingegen keine Ich-Störungen, Sinnestäuschungen 

oder  inhaltlichen  Denkstörungen),  sei  eine  Therapie  mit  Focalin  (ADHS-Medika-

ment)  in  aufsteigender  Dosierung  erfolgt.  Hierunter  habe  sich  eine  rasche  und 

ausgeprägte Beruhigung hinsichtlich des Bewegungsdranges und der emotionalen 

Instabilität  sowie  des  subjektiven  Empfindens  des  Patienten  gezeigt.  Weiterhin 

habe objektiviert werden können, dass der Gesuchsteller auf stressige Situationen 

mit psychomotorischer Unruhe und innerem Unwohlsein reagiere. In der Folge sei 

die  Dosis  von  Focalin  auf  täglich  40  mg  gesteigert  worden.  Seither  habe  der 

Gesuchsteller am Stationsprogramm teilgenommen und einen erfreulichen Verlauf 

gezeigt. Er habe am 18. März 2025 in deutlich gebessertem Allgemeinzustand ins 

Gefängnis  Solothurn  zurückverlegt  werden  können  (Urk.  14/5  [=Urk.  16/5]).  Die 

persönliche Reklamation des Gesuchstellers, dass seine ADHS seit seinem Eintritt 

in die JVA Solothurn nicht versorgt worden sei und er keine ADHS-Medikamente 

mehr erhalten habe, ist damit bearbeitet und behoben worden. Auch die Interventi-

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onsstufe  konnte  nach  seinem  Wiedereintritt  in  die  JVA  Solothurn  aufgehoben 

werden (Urk. 16/8 S. 3). Ein Revisionsgrund liegt in diesen Vollzugsfragen nicht. 

2.3 Die  Verteidigung  nimmt  Bezug  auf  den  Austrittsbericht  mit  der  Bestätigung 

der ADHS-Diagnose, die Vollzugsberichte der JVA Pöschwies vom 15. April 2025 

und der JVA Solothurn vom 2.  April 2025, die frühere, von ihr als falsch bezeich-

nete testpsychologische Untersuchung des Gesuchstellers durch den Psychologen 

lic. phil. C._____ vom 1. Februar 2023 und die Wirkungen von Focalin sowie von 

Kokain auf ADHS-Patienten (Urk. 14/1-7 [=Urk. 16/1-7] und Urk. 16/8). Sie trägt zur 

Begründung  des  Revisionsgesuchs  im  Wesentlichen  vor,  der  zu  revidierende 

Entscheid  der  II.  Strafkammer  beruhe  auf  Unkenntnis.  Bei  der  Erstellung  des 

Ergänzungsgutachtens von Prof. Dr. med. D._____ vom 15. Januar 2024 sei keine 

gesicherte ADHS-Diagnose vorgelegen, da C._____, der den Gesuchsteller in der 

Justizvollzugsanstalt Pöschwies getestet habe, eine ADHS fälschlicherweise ver-

neint habe. Das Ergänzungsgutachten habe das Vorliegen einer ADHS aufgrund 

der falschen Diagnose bei der Frage der Schuldfähigkeit nicht berücksichtigt. Es 

habe  sich  mit  der  im  Zeitpunkt  der  Anlasstat  unbehandelten  ADHS  und  mit  den 

Wirkungen  auf  die  Anlasstat  nicht  befasst.  Aufgrund  des  Gutachtens  habe  der 

Gesuchsteller  ADHS-Medikamente  erhalten,  aber  in  einer  geringeren  Dosierung 

als erforderlich. Eine gesicherte Diagnose habe erst nach einem plötzlichen Entzug 

der ADHS-Medikamente und den damit verbundenen schweren Symptomen durch 

die Spezialstation E._____, UPD Bern, gestellt werden können. Es sei inzwischen 

erwiesen, dass der Gesuchsteller eine schwere Form einer ADHS habe, die nur mit 

einer massiv überhöhten Dosierung mit dem ADHS-Medikament Focalin behandelt 

werden könne. Zudem sei bei der Erstellung des Gutachtens übersehen worden, 

dass der Gesuchsteller in seiner Jugend Kokain eingenommen habe, um sich zu 

beruhigen. Es sei wissenschaftlich belegt, dass bei ADHS-Patienten die Einnahme 

von Kokain eine beruhigende Wirkung habe. Kurz vor seiner Verlegung in die JVA 

Solothurn seien die Medikamente plötzlich ganz abgesetzt worden, mit der Folge, 

dass es noch in der JVA Pöschwies zu erneuten Schwierigkeiten aufgrund des vom 

Gesuchsteller nicht mehr kontrollierbaren Verhaltens gekommen sei. Der Gesuch-

steller  habe  sich  bei  der  Anlasstat  nicht  mehr  bzw.  nur  noch  sehr  eingeschränkt 

steuern können. Die bei der Tat vorliegende, grosse seelische Gemütsbewegung 

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sei aufgrund der damals nicht behandelten schweren Form der ADHS entschuld-

bar.  Der  Gesuchsteller  beantragt  ein  neues  Ergänzungsgutachten,  das  sich  zur 

Frage der Wirkung der schweren ADHS in Bezug auf die Anlasstat äussert. Für die 

rechtliche Qualifikation der Anlasstat seien entsprechende Schlussfolgerungen von 

eminenter Bedeutung, damit der Gesuchsteller ein gerechtes Urteil und eine ange-

messene Strafe erhalte (Urk. 13 S. 5 ff.).  

3.1 In ihrem Urteil vom 20. Juni 2024 stellte die II. Strafkammer insbesondere auf 

das  Gutachten  von  Prof.  Dr.  med.  D._____  ab.  Sein  Ergänzungsgutachten  vom 

15. Januar 2024 erfolgte in Ergänzung seines Aktengutachtens vom 26. April 2021 

über  den  Gesuchsteller  unter  Berücksichtigung  der  seitherigen  Entwicklung,  ins-

besondere  unter  Berücksichtigung  eines  Vorfalles  vom  9.  März  2023  in  der  JVA 

Pöschwies,  bei  dem  der  Gesuchsteller  einen  Mitarbeiter  in  dessen  Büro  mit  Kot 

beworfen hatte (vgl. Urk. 39/409 S. 4). Anders als im genannten Aktengutachten 

liess  sich  der  Gesuchsteller  nunmehr  auf  die  Begutachtung  ein.  Der  Gutachter 

nahm in seinem Ergänzungsgutachten die Überlegung des Gesuchstellers auf, ob 

bei ihm nicht statt einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung oder zusätzlich 

eine ADHS und/oder eine Autismusspektrum-Störung vorliege. Der Gutachter hielt 

fest,  dass  eine  Autismusspektrum-Störung  beim  Gesuchsteller  eindeutig  ausge-

schlossen  werden  könne.  Anders  verhalte  es  sich  mit  einer  ADHS.  Eine  ADHS-

Diagnose  sei  beim  Gesuchsteller  bereits  in  der  Kindheit  gestellt  worden.  Zudem 

schildere er, dass er durch Medikamente wie Focalin und Concerta, die er jeweils 

von Mitgefangenen erhalten habe, eine deutliche Wirkung verspürt habe, er weni-

ger ablenkbar und konzentrierter gewesen sei. Die von ihm beschriebene Wirkung 

sei typisch für eine ADHS. Zur Frage, ob die Diagnose einer ADHS gestellt werden 

müsse, verwies der Gutachter zunächst auf die testpsychologische Abklärung von 

lic.  phil.  C._____  vom  1.  Februar  2023.  Der  Letztgenannte  war  zum  Schluss 

gekommen, dass verschiedene beim Gesuchsteller festgestellten Symptome wie 

Hyperaktivität,  Impulsivität  und  mangelnde  Affektkontrolle  bei  einer  ADHS  vor-

kämen, diese Symptome sich aber besser durch die im genannten Aktengutachten 

festgehaltene  emotional  instabile  Persönlichkeitsstörung  vom  impulsiven  Typus 

erklären  liessen  als  mit  einer  ADHS  (Urk.  14/2).  Der  Gutachter  hielt  in  seinem 

Ergänzungsgutachten indes fest, dass die Diagnose einer emotional instabilen Per-

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sönlichkeit  aufgrund  des  persönlichen  Eindrucks  vom  Gesuchsteller  nicht  mehr 

passend  sei.  Der  Gesuchsteller  zeige  zwar  etliche  Verhaltensauffälligkeiten  und 

insbesondere  die  Risikoeigenschaften  des  gesteigerten  Autonomiebedürfnisses, 

gesteigerter Rigidität, wutgeprägter Aggressivität und Dissozialität, die im Anlass-

delikt  und  verschiedenen  Konflikten  ihren  Ausdruck  fänden.  Dem  Konzept  der 

instabilen  Persönlichkeit  entsprächen  diese  Auffälligkeiten  aber  nicht.  Einige  der 

Auffälligkeiten passten aber zu einer ADHS. Die vom Gesuchsteller selbst geschil-

derte Medikamentenwirkung sei zum aktuellen Zeitpunkt die eindeutigste Informa-

tion  dafür.  Die  ADHS-Diagnose  habe  zwar  laut  dem  Gutachter  aufgrund  der  im 

ADHS-Abklärungsbericht festgehaltenen Befunde zum Zeitpunkt des Ergänzungs-

gutachtens nicht abschliessend gesichert werden können, lasse sich aber derzeit 

als Verdachtsdiagnose diagnostizieren. Sie könne im weiteren Verlauf unter einer 

entsprechenden, ärztlich kontrollierten Medikation, bei der sich die vom Gesuch-

steller  geschilderten  Zustandsverbesserungen 

langfristig  bestätigen 

liessen, 

gesichert  werden.  In  der  anschliessenden  zusammenfassenden  diagnostischen 

Einschätzung  kommt  der  Gutachter  zum  Schluss,  es  liege  eine  Persönlichkeits-

störung, nicht näher bezeichneten Typs gemäss der 10. Version der Internationalen 

statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme 

der  Weltgesundheitsorganisation  (ICD-10)  F60.9,  der  Verdacht  auf  ADHS  nach 

ICD-10  F90.0  und  ein  Zustand  nach  Störung  durch  multiplen  Substanzgebrauch 

und Konsum anderer psychotroper Substanzen sowie Abhängigkeitssyndrom nach 

ICD-10  F19.2  vor  (Urk.  39/409  S.  36,  38).  Der  Gutachter  empfahl  eine  ent-

sprechende (versuchsweise) ADHS-Medikation, sah hingegen ausdrücklich keinen 

Bedarf für eine erneute ADHS-Untersuchung (Urk. 39/409 S. 47, 48 f.). 

3.2 Für die II. Strafkammer bestanden im Urteil vom 20. Juni 2024 keine Anhalts-

punkte, die Zweifel an den schlüssigen gutachterlichen Diagnosen und Ausführun-

gen  aufkommen  liessen,  zumal  die  eigenen  Aussagen  des  Gesuchstellers  über 

sein Erleben im Tatzeitpunkt am 20. September 2016 insbesondere des Kontroll-

verlustes aufgrund der Wut, Kränkung, der Schmerzen und seine Überlegungen im 

Hinblick auf die Schändung der Leiche das Vorliegen der Risikoeigenschaften des 

gesteigerten  Autonomiebedürfnisses,  der  wutgeprägten  Aggressivität  und  der 

Dissozialität stützten. Da im Ergänzungsgutachten kein Zusammenhang zwischen 

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den Anlasstaten und der Verdachtsdiagnose einer ADHS/Hyperaktivität hergestellt 

wurde, ging die II. Strafkammer indessen auf diese Diagnose – wie auch auf die 

übrigen Diagnosen nach ICD-10 – betreffend Beurteilung der Schuldfähigkeit und 

Prüfung der Anordnung einer Massnahme nicht weiter ein. Der Gutachter habe zu 

Recht  betont,  dass  der  vom  Gesuchsteller  geschilderte  Ablauf  Ausdruck  eines 

weitgehend intakten psychischen Funktionsniveaus sei. So habe der Gesuchsteller 

das Verhalten der Geschädigten als unpassend, störend und unangenehm erlebt, 

es habe ihn Wut gepackt, zumal das Verhältnis zwischen ihm und der Geschädig-

ten seit Monaten von Streit geprägt gewesen sei und es ihm bis dahin nicht gelun-

gen  sei,  sie  als  unliebsame  Untermieterin  loszuwerden.  Um  seine  Dominanz  zu 

demonstrieren und Kontrolle über die Situation zu bekommen, habe er sie in den 

Würgegriff  genommen.  Auch  sein  Verhalten  und  seine  von  ihm  geschilderten 

Gedanken im Zusammenhang mit der Schändung sprächen gegen die Annahme 

aufgehobener Schuldfähigkeit, habe er doch erklärt, er habe sich überlegt, dass er 

früher oder später für die Tötung zur Verantwortung gezogen werde und habe sich 

gedacht, dann könne er sie auch gerade noch vergewaltigen und damit auch noch 

bestrafen für ihre ihm gegenüber ausgesprochenen Beleidigungen und ihr provo-

katives Verhalten. Auch die schon bald nach der Tat getroffenen Vorkehrungen im 

Sinne  gezielter  Sicherungsstrategien,  mit  welchen  er  versucht  habe,  die  Tat  als 

Unfall  darzustellen  und  seine  Abklärungen,  eine  Transportmöglichkeit  für  den 

Abtransport der Leiche zu organisieren, sprächen gegen eine aufgehobene Schuld-

fähigkeit.  Dem  Gutachten  könne  auch  dahingehend  gefolgt  werden,  dass  eine 

gewisse  Verwirrung,  welche  im  Polizeirapport  direkt  nach  der  Tat  beschrieben 

werde, auch durch die Tat an sich und den Umstand der nachfolgenden Verhaftung 

erklärt werden könne. Gemäss Gutachten und Ergänzungsgutachten bestehe beim 

Gesuchsteller  aufgrund  seiner  Risikodisposition  eine  besondere  Empfänglichkeit 

dafür, sich gestört, beeinträchtigt oder provoziert zu fühlen und diese Grunddispo-

sition könne fliessend in eine aggressive Reaktionsbereitschaft übergehen. Diese 

Disposition sei aber nicht so determinierend, dass sie zu einer relevanten Beein-

trächtigung von Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit führe. Denn der Gesuch-

steller  schildere  das  Delikt  letztlich  so,  dass  es  gute  Gründe  für  seine  Reaktion 

gegeben habe und er tendenziell in einer legitimen Weise auf Provokationen und 

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unpassendes  Verhalten  des  Opfers  reagiert  habe.  Für  das  Delikt  der  Leichen-

schändung sei ein intaktes psychisches Funktionsniveau in den Bereichen Wahr-

nehmung, Willensbildung und Willensumsetzung festzustellen. Die Motivation für 

diese Tat habe auf einer in der subjektiven Logik stimmigen Überlegung basiert, in 

welcher zunächst die möglichen Folgen explizit bewertet worden seien. Es habe 

eine  realitätsgerechte  Wahrnehmung  der  Gelegenheit  und  eine  Einordnung  des 

eigenen Bedürfnisses stattgefunden. Der Gutachter halte im Ergänzungsgutachten 

zu dieser Frage fest, um eine schuldvermindernde Qualität zu erreichen, müssten 

Willensbildung, Entscheidungsfähigkeit, Wahrnehmung oder Fähigkeit zur Verhal-

tensmodifikation und Handlungssteuerung deutlich beeinträchtigt sein. Dies sei bei 

den  Anlassdelikten  nicht  der  Fall  gewesen,  der  Gesuchsteller  sei  vielmehr  einer 

subjektiven Rationalität mit zielgerichteter situativer Handlungsmotivation gefolgt. 

Da  sich  die  Argumentation  des  Gutachters  auch  in  diesem  Punkt  als  stichhaltig 

erwies,  ging  die  II.  Strafkammer  davon  aus,  dass  bei  den  Anlasstaten  keine 

Verminderung  der  Schuldfähigkeit  seitens  des  Gesuchstellers  bestanden  habe 

(Urk. 39/473 S. 46 ff.).

3.3 Die vorstehend wiedergegebenen Ausführungen der II. Strafkammer zeigen 

auf, dass die ADHS-Diagnose beim Gesuchsteller damals als Verdachtsdiagnose 

gestellt und so im Urteil vom 20. Juni 2024 berücksichtigt wurde. Was der Gutachter 

in  seinem  Ergänzungsgutachten  antizipiert  hat  und  von  der  II.  Strafkammer  als 

schlüssig  und  überzeugend  aufgenommen  wurde,  ist  eingetreten  –  die  ADHS-

Diagnose  ist  mit  der  von  der  Verteidigung  angeführten,  im  Austrittsbericht  der 

UPD Bern  bestätigten  ADHS-Diagnose  und  der  für  den  Gesuchsteller  spürbaren 

Wirkung  der  erhöhten  ADHS-Medikation  (Focalin)  gesichert  worden.  Die  ADHS-

Verdachtsdiagnose war der II. Strafkammer aufgrund des Ergänzungsgutachtens 

bekannt, und sie verzichtete aufgrund der Ausführungen im Ergänzungsgutachten 

darauf,  auf  diese  Diagnose  weiter  einzugehen,  da  sie  auf  die  Beurteilung  der 

Schuldfähigkeit und Massnahme  des  Gesuchstellers keinen Einfluss hatte. Dass 

der  Gesuchsteller  nach  der  verordneten  Einnahme  des  ADHS-Medikaments 

Focalin in hoher Dosierung ruhiger, absprachefähiger und konzentrierter erscheint 

als vor seinem Aufenthalt auf der Station E._____ ist, wie die Staatsanwaltschaft in 

ihrer Stellungnahme zu Recht bemerkt (Urk. 20 S. 2 f.), nicht überraschend (vgl. 

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dazu allerdings auch den Vollzugsverlaufsbericht der JVA Solothurn vom 2. April 

2025, wonach die Stabilität des Gesuchstellers nicht gefestigt sei und sein Zustand 

nach wie vor fragil erscheine; vgl. Urk. 16/8 S. 5). Vielmehr war dies gestützt auf 

das Ergänzungsgutachten in dieser Form zu erwarten, nachdem der Gutachter mit 

Blick  auf  die  ADHS-Verdachtsdiagnose  ausdrücklich  eine  ADHS-Medikation 

empfohlen  hatte.  Daran  ändert  auch  nichts,  dass  laut  der  Verteidigung  eine 

schwere Form von ADHS vorliege, deren Symptome nur mit der zunehmend hohen, 

verabreichten Dosis von Focalin von 40 mg täglich hätten beseitigt werden können 

(Urk. 13  S.  12).  Im  Austrittsbericht  wird  die  Diagnose  nicht  als  schwere  ADHS, 

sondern  als  "einfache  Aktivität-  und  Aufmerksamkeitsstörung  (ADHS)  F90.0" 

bezeichnet und festgehalten, die von Dr. D._____ gestellte Diagnose habe bestätigt 

werden können (Urk. 14/5 S. 1, 3). Davon abgesehen weist die Verteidigung zutref-

fend  darauf  hin,  dass  die 

im  Gutachten  von  Prof.  D._____  genannten 

Risikoeigenschaften einer Persönlichkeitsstörung mit gesteigertem Autonomiebe-

dürfnis, gesteigerter Rigidität, wutgeprägter Aggressivität und Dissozialität und die 

bekannten Symptome einer ADHS – Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und 

Impulsivität – nahe beieinander liegen (Urk. 13 S. 14). Der Gutachter verwies im 

Ergänzungsgutachten  zunächst  auf  das  Aktengutachten  mit  der  Darlegung  des 

Risikoprofils des Gesuchstellers mit einem gesteigerten Autonomiebedürfnis, einer 

gesteigerten  Rigidität,  einer  wutgeprägten  Aggressivität  und  einer  Dissozialität. 

Einzig  die  Risikoeigenschaft  "basales  verschwörerisches  Wahrnehmungsmuster" 

strich der Gutachter aufgrund der Eigenauskünfte des Gesuchstellers. Mit diesen 

Risikoeigenschaften, die er im Ergänzungsgutachten erneut darstellte und erklärte, 

beleuchtete der Gutachter den psychischen Zustand des Gesuchstellers bei den 

Anlassdelikten vom 20. September 2016 (Urk. 39/409 S. 32 ff., 38 ff., 46 ff.). So 

ging die vom Gesuchsteller geschilderte Symptomatik einer ADHS (Hyperaktivität 

und emotionale Instabilität) im Urteil der II. Strafkammer im geschilderten Wuterle-

ben  des  Gesuchstellers  als  Ausdruck  der  gesteigerten  Rigidität  und  aggressiven 

Reaktivität im Zeitpunkt der Anlasstaten auf (Urk. 39/473 S. 44 ff.). Für die Beurtei-

lung der Schuldfähigkeit und Massnahme kam es nicht auf die exakten gutachter-

lichen Diagnosen an, sondern auf die genannten Risikoeigenschaften und deren 

Auswirkungen auf den psychischen Zustand des Gesuchstellers im Zeitpunkt der 

- 13 -

Anlasstaten. Damit geht einher, dass die ADHS-Diagnose revisionsrechtlich keine 

neue, der II. Strafkammer unbekannte Tatsache im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a 

StPO darstellt. Diese Tatsache war der II. Strafkammer bekannt und wurde von ihr 

im Urteil vom 20. Juni 2024 ausdrücklich als für die Entscheidfindung nicht relevant 

erachtet. 

3.4 Die auf der Station E._____ in Bern durch die UPD erfolgte Bestätigung der 

ADHS-Diagnose mit entsprechend positiver Wirkung der erhöhten ADHS-Medika-

tion ist sodann revisionsrechtlich unerheblich, und zwar selbst wenn es sich dabei 

entgegen dem vorstehend Ausgeführten um eine neue, der II. Strafkammer nicht 

bekannte Tatsache handeln würde. Der Gutachter wies im Ergänzungsgutachten 

darauf hin, dass für die wesentlichen mit dem Gutachten zu beantworteten Fragen 

– mithin für die Frage der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Gesuchstellers 

im  Zeitpunkt  der  Anlasstat  –  die  genaue  diagnostische  Einordnung  gemäss  ICD 

belanglos  sei,  da  allgemeinpsychiatrische  Klassifikationssysteme  wie  ICD  nicht 

dafür konzipiert und daher häufig wenig oder gar nicht geeignet seien, die risikore-

levanten  Persönlichkeitsauffälligkeiten  abzubilden.  Damit  hatte  der  Gutachter 

klargestellt,  dass  seine  Beurteilung  der  Einsichts-  und  Steuerungsfähigkeit  des 

Gesuchstellers im Tatzeitpunkt nicht von der Zuordnung der Symptomatik zu ein-

zelnen psychischen Störungsbildern (quasi der "Etikette") vorgegeben sei, was aus 

seinen  weiteren,  von  der  II.  Strafkammer  als  schlüssig  und  überzeugend  aufge-

nommenen Ausführungen auch hervorgeht. Die Kategorisierung der festgestellten 

Symptome  mag  daher  zwar  durchaus  dogmatische  Relevanz  aufweisen.  Für  die 

Beurteilung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Gesuchstellers im Tatzeit-

punkt kam ihr im vorliegenden Fall jedoch keine entscheidende Bedeutung zu. Der 

Ablauf der Anlasstat vom 20. September 2016 war laut dem Urteil der II. Strafkam-

mer,  die  sich  dem  Gutachter  anschloss,  Ausdruck  eines  weitgehend  intakten 

psychischen Funktionsniveaus, und die Tat folgte einer subjektiven Rationalität, für 

die  daher  eine  volle  Schuldfähigkeit  gegeben  war.  Die  Einschätzungen  des 

Gutachters  wurden  im  Urteil  der  II.  Strafkammer  wiedergeben,  gewürdigt  und 

begründet  geteilt  (vgl.  Urk. 39/473  S.  44  ff.).  Einzig  aus  den  vorstehenden,  vom 

Gutachter  dargelegten  Gründen  –  und  nicht  wegen  fehlender  Bestätigung  resp. 

Sicherung der Diagnose – wurde auf die ADHS-Diagnose des Gesuchstellers im 

- 14 -

Zusammenhang  mit  der  Beurteilung  der  Einsichts-  und  Steuerungsfähigkeit  und 

Massnahme nicht weiter eingegangen. Der Gutachter und ihm folgend die II. Straf-

kammer  konnten  die  genaue  Klassifikation  der  Diagnosen  des  Gesuchstellers 

einschliesslich  ADHS  für  die  Beurteilung  der  Schuldfähigkeit  und  Massnahme 

unberücksichtigt  lassen  (vgl.  Urk. 39/473  S.  46).  Das  führt  ohne  Weiteres  dazu, 

dass  sich  an  der  Beurteilung  der  Schuldfähigkeit  und  Massnahme  durch  die 

II. Strafkammer aufgrund der nunmehr gesicherten ADHS-Diagnose nichts ändern 

würde.  Es  ist  nicht  wahrscheinlich  und  kann  vernünftigerweise  ausgeschlossen 

werden, dass die Einholung eines weiteren Ergänzungsgutachtens mit der Bestäti-

gung  der  ADHS-Diagnose  eine  Einschränkung  der  Steuerungsfähigkeit  des 

Gesuchstellers im Tatzeitpunkt aufzeigen würde. Die im Rahmen des Strafvollzugs 

erfolgte  Sicherung  der  ADHS-Diagnose  ist  insofern  nicht  geeignet,  die  Beweis-

grundlage  des  Urteils  der  II.  Strafkammer  vom  20.  Juni  2024  so  zu  erschüttern, 

dass eine wesentlich mildere Bestrafung des Gesuchstellers – geschweige denn 

eine Schuldunfähigkeit – in Betracht zu ziehen wären. Eine Änderung des rechts-

kräftigen Urteils der II. Strafkammer erscheint als nicht wahrscheinlich. Ein Revisi-

onsgrund lässt sich aus der Sicherung der ADHS-Diagnose unter Behandlung mit 

hochdosierter ADHS-Medikation mithin auch deshalb nicht ableiten, da es an der 

Erheblichkeit dieser Tatsache im Sinne der Revisionsbestimmung fehlt. Die Siche-

rung  der  ADHS-Diagnose  und  die  erhöhte  ADHS-Medikation  rechtfertigt  aus 

demselben  Grund  kein  weiteres  Ergänzungsgutachten  über  den  Gesuchsteller. 

Das Ergänzungsgutachten vom 15. Januar 2024 erscheint vielmehr weiterhin als 

aktuell. Zu berücksichtigen ist dabei nur am Rande, dass Schlüsse vom Gesund-

heitszustand des Gesuchstellers im Vollzug auf seinen Zustand im Zeitpunkt der 

Anlasstat am 20. September 2016 aufgrund der seither verstrichenen, langen Zeit 

immer schwieriger werden dürften und es sich insgesamt verbietet, das Verhalten 

des Gesuchstellers im Vollzug ohne ADHS-Medikation und unter erhöhter ADHS-

Medikation mit Blick auf die Anlasstat interpretieren zu wollen. 

3.5 Das Bundesgericht bestätigte in seinem Urteil vom 14. November 2024 die 

Auffassung der II. Strafkammer (Urk. 39/473 S. 41 f.), dass die Umstände vor und 

während der Tat die Entschuldbarkeit der heftigen Gemütsbewegung des Gesuch-

stellers  ausschliessen,  womit  der  privilegierte  Tatbestand  des  Totschlags  nach 

- 15 -

Art. 113 StGB nicht zur Anwendung kam und der Gesuchsteller daher der eventu-

alvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB schuldig zu sprechen war (vgl. 

Urk. 39/490 S. 10 f.). Die Verteidigung nimmt in ihrer Begründung des Revisions-

gesuchs  eine  dem  Urteil  der  II.  Strafkammer  widersprechende  Wertung  und 

rechtliche Würdigung vor: Sie schliesst aus der gesicherten ADHS-Diagnose und 

Wirkung der hochdosierten ADHS-Medikation auf eine im Tatzeitpunkt bestehende, 

eingeschränkte  Steuerungsfähigkeit  des  Gesuchstellers  aufgrund  unbehandelter 

ADHS  und  begründet  so  ihre  Auffassung,  die  heftige  Gemütsbewegung  im  Zeit-

punkt des Tötungsdelikts erscheine als entschuldbar im Sinne von Art. 113 StGB 

(vgl. Urk. 13 S. 20). Dieser Schluss geht zunächst insofern fehl, als die Frage der 

Schuld- bzw. Steuerungsfähigkeit keinen Einfluss auf die Frage der Entschuldbar-

keit  des  Affekts  hat.  Die  Entschuldbarkeit  beurteilte  sich  anhand  der  äusseren 

Umstände der Tat und des Verhaltens einer anderen, anständig gesinnten Person 

in der betreffenden Situation (vgl. Urk. 39/473 S. 41 f.). Die im Tatzeitpunkt unbe-

handelte  ADHS  des  Gesuchstellers  vermag  an  der  rechtlichen  Würdigung  somit 

nichts  zu  ändern.  Und  ohnehin  ist  die  Wertung  und  rechtliche  Würdigung  des 

ursprünglichen Urteils nach dem vorstehend Ausgeführten kein zulässiges Thema 

und kein gültiger Zweck einer Revision. Mit den Privatklägerinnen (Urk. 26 S. 3) 

muss vielmehr betont werden, dass die Durchbrechung der Rechtskraft des Urteils 

der  II. Strafkammer  aufgrund  von  Behauptungen  resp.  Einwänden,  die  bereits 

Gegenstand der gerichtlichen Prüfung waren (ADHS, eingeschränkte Steuerungs-

fähigkeit  und  Entschuldbarkeit  der  heftigen  Gemütsbewegung),  das  Vertrauen  in 

die  Endgültigkeit  rechtsstaatlicher  Entscheidungen  untergraben  und  dem  Norm-

zweck der Revision widersprechen würde. 

4.

Im  Ergebnis  hat  der  Gesuchsteller  keine  neuen  Tatsachen  im  Sinne  von 

Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO glaubhaft gemacht, die geeignet wären, einen Freispruch 

oder  eine  wesentlich  mildere  Bestrafung  herbeizuführen.  Da  keine  Revisions-

gründe vorliegen, ist das Revisionsgesuch des Gesuchstellers abzuweisen. 

- 16 -

III. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Gemäss  Art. 428  StPO  tragen  die  Parteien  die  Kosten  des  Rechtsmittel-

verfahrens  nach  Massgabe  ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens.  Die  Kosten  des 

Revisionsverfahrens sind ausgangsgemäss dem Gesuchsteller aufzuerlegen. Die 

Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf Fr. 800.– festzusetzen.

2.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO 

auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Der  Gesuchsteller  ist  zu  verpflichten,  diese 

Entschädigung  an  den  Staat  zurückzuzahlen,  sobald  es  seine  wirtschaftlichen 

Verhältnisse  erlauben  (Art. 135  Abs. 4  StPO).  Die  Kosten  der  unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung  der  Privatklägerschaft  sind  definitiv  auf  die  Gerichtskasse 

zu nehmen.

3. Gemäss § 1 Abs. 2 der Anwaltsgebührenverordnung (AnwGebV) setzt sich 

die Entschädigung aus der Gebühr und den notwendigen Auslagen zusammen. Die 

Gebühr beträgt im Revisionsverfahren Fr. 300.– bis Fr. 12'000.– (§ 20 Abs. 1 Anw-

GebV).  Nur  wenn  die  Revisionsinstanz  in  der  Sache  neu  entscheidet,  gelten  die 

Ansätze  für  das  ursprüngliche  Verfahren  (§  20  Abs.  2  AnwGebV).  Die  Gebühr 

bemisst  sich  anhand  der  Bedeutung  der  Strafsache,  der  Verantwortung  der 

Verteidigung, der Schwierigkeit des Falls und dem notwendigen Zeitaufwand (§ 2 

Abs.  1  AnwGebV).  Konkret  erfolgt  die  Festsetzung  der  Entschädigung  bei  einer 

Honorarbemessung  nach  Pauschalgebühr  so,  dass  alle  prozessualen  Bemüh-

ungen  zusammen  als  einheitliches  Ganzes  aufgefasst  werden  und  der  effektive 

Zeitaufwand  lediglich  im  Rahmen  des  Tarifansatzes  berücksichtigt  wird  (vgl. 

BGE 143 IV 453 E. 2.5.1).

4.

Die amtliche Verteidigerin des Gesuchstellers Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

stellte  für  ihren  Aufwand  im  Revisionsverfahren  (im  Wesentlichen:  Revisionsbe-

gründung [Urk. 13] von 20 Seiten und Vernehmlassung [Urk. 34] von vier Seiten) 

nach Massgabe von § 23 Abs. 2 AnwGebV OG Rechnung über 34.25 Stunden bzw. 

Fr. 7'535.–  zuzüglich  Barauslagen  (Fr.  72.80)  und  Mehrwertsteuer  (Fr.  616.25), 

total Fr. 8'224.05. Sie bemerkt dazu, dass sich das von ihrem Mandanten einge-

leitete Revisionsverfahren als relativ aufwändig erwiesen habe und die einzelnen 

- 17 -

Schritte  hätten  besprochen  werden  müssen  (Urk.  42).  Der  verrechnete  Aufwand 

erweist sich allerdings insgesamt als zu hoch. Zwar ist zu berücksichtigen, dass es 

dem Gesuchsteller mit dem Revisionsgesuch um viel ging und daher eine sorgfäl-

tige  Analyse  des  eingereichten  Arztberichts  (UPD  Bern)  mit  Blick  auf  Revisions-

gründe angezeigt war. Das Revisionsthema war demgegenüber sehr überschau-

bar,  die  Akten  weitgehend  bekannt.  Die  aufgewendete  Zeit  für  die  mehrmaligen 

Besprechungen mit dem Gesuchsteller von über 10 Stunden und für die – teilweise 

unnötige Rekapitulationen enthaltene – Revisionsbegründung samt Aktenstudium 

von 14 Stunden erscheint als zu lang. Unter Berücksichtigung der übrigen in der 

Honorarnote geltend gemachten Positionen wie Korrespondenz mit dem Mandan-

ten etc. erscheint eine Entschädigung im Betrag von Fr. 6'500.– (inkl. Barauslagen 

und 8.1% MwSt.) angemessen. Ferner ist ein Pauschalzuschlag in der Höhe von 

Fr. 500.–  (inkl.  Barauslagen  und  8.1%  MwSt.)  für  die  zweite  Rechtsschrift  zu 

gewähren. Entsprechend ist Rechtsanwältin lic. iur. X._____ mit Fr. 7'000.– aus der 

Gerichtskasse zu entschädigen.

5.

Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerinnen Rechtsanwalt lic. iur. 

Y._____ stellte für seinen Aufwand (im Wesentlichen: Vernehmlassung [Urk. 26] 

von  zwei  Seiten)  im  Berufungsverfahren  Rechnung  über  8.65  Stunden  bzw. 

Fr. 1'903.– zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer, total Fr. 2'113.80 (Urk. 41). 

Das  von  ihm  geltend  gemachte  Honorar  steht  im  Einklang  mit  den  vorstehend 

erwähnten Ansätzen und Kriterien und erweist sich als angemessen. Rechtsanwalt 

lic. iur. Y._____ ist für seine Aufwendungen und Auslagen im Revisionsverfahren 

mit Fr. 2'113.80 aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

- 18 -

Es wird beschlossen:

1.

2.

Das Revisionsgesuch des Gesuchstellers wird abgewiesen.

Die Gerichtsgebühr für das Revisionsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr. 

800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

7'000.00   amtliche Verteidigung

2'113.80 unentgeltliche Rechtsverbeiständung Privatklägerschaft

Fr. .

3.

Die  Kosten  des  Revisionsverfahrens  –  mit  Ausnahme  der  Kosten  für  die 

amtliche  Verteidigung  und  für  die  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  der 

Privatklägerschaft – werden dem Gesuchsteller auferlegt. 

4.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Gesuchstellers bleibt vorbe-

halten. 

5.

Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerschaft 

werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

6.

Schriftliche Mitteilung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Gesuch-
stellers

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

die  Vertretung  der  Privatklägerinnen  fünffach  für  sich  und  die  Privat-
klägerschaft 

sowie  nach  unbenütztem  Ablauf  der  Rechtsmittelfrist  resp.  Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an 





das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung, Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

die II. Strafkammer des Obergerichts Zürich.

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

- 19 -

Die  Beschwerde  ist  innert  30  Tagen,  von  der  Zustellung  der  vollständigen, 

begründeten  Ausfertigung  an  gerechnet,  bei  der  gemäss  Art.  35  und  35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne  14)  in  der  in  Art.  42  des  Bundesgerichtsgesetzes  vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die  Beschwerdelegitimation  und  die  weiteren  Beschwerdevoraussetzungen 

richten  sich  nach  den  massgeblichen  Bestimmungen  des  Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 22. Oktober 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. B. Gut

MLaw F. Herren