# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 13a12194-5b97-52af-89a1-240903eb88da
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-02-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 15.02.2013 IV 2011/294
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-294_2013-02-15.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/294

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 15.02.2013

Entscheiddatum: 15.02.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 15.02.2013
Abgrenzungsfrage: Art. 28 IVG. Beweiswert eines Gutachtens nach einem 
neuen medizinischen Befund. Obwohl die Fachrichtung Gastroenterologie im 
interdisziplinarischen MEDAS-Gutachten durch einen Fachexperten nicht 
vertreten war, haben die Gutachter die Folgen der entsprechenden 
Darmproblematik für die Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Von einer neuen 
Begutachtung ist abzusehen (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St.Gallen vom 15. Februar 2013, IV 2011/294).

Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, a.o. Versicherungsrichterin Gertrud Condamin-Voney,

Versicherungsrichterin Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Jorge Lopez

 

Entscheid vom 15. Februar 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21, 

Postfach 27, 9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

 

Sachverhalt:

A.       

A.a   A.___ meldete sich am 20. Oktober 2004 bei der Invalidenversicherung für eine 

Umschulung auf eine neue Tätigkeit an. Seit einem Unfallereignis mit vier 

Wirbelfrakturen im März 1995 leide er unter Depressionen, chronischen Magen- und 

Darmproblemen sowie Kreuzschmerzen (Bandscheibenfraktur), was zu beruflichen 

Schwierigkeiten geführt habe. Seit Sommer 2000 seien bei ihm zudem Knie-, 

Handgelenks- und Rückenschmerzen (Arthrosen) aufgetreten. Er könne weder lange 

stehen noch lange sitzen und habe am Morgen (manchmal bis am Mittag) schwere 

Magen- und Darmprobleme. Diese hätten zum Teil seine Depressionen so verstärkt, 

dass er an solchen Tagen nicht viel unternehmen könne bzw. wolle (IV-act. 14/6 f.).

A.b    Der Versicherte hatte gemäss Arztbericht von Dr.med. B.___, Allgemeine Medizin 

FMH, vom 25. Februar 2002 infolge Treppensturz (richtig: Snowboardunfall, vgl. u.a. IV-

act. 86/7) am 7. März 1995 ein Schädel-Hirntrauma mit Amnesie sowie eine 

Wirbelsäulenverletzung erlitten (Suva, act. G 8). Am 1. Juni 1995 hatte er um die 

Kostenübernahme für die Miete eines Elektrobettes durch die Invalidenversicherung 

ersucht (IV-act. 2; vgl. IV-act. 1 und 6), was mit Verfügung vom 25. September 1995 

abgelehnt worden war (IV-act. 12).

A.c   Der behandelnde Psychiater Dr.med. C.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, 

und der Hausarzt Dr.med. D.___, Allgemeine Medizin FMH, attestierten in Arztberichten 

vom 8. November 2004 bzw. vom 17. November 2004, dass die Arbeitsfähigkeit des 

Versicherten aus psychiatrischer Sicht überhaupt nicht eingeschränkt (IV-act. 19) und 

bei einer körperlich nicht belastenden (adaptierten) Tätigkeit vollständig sei (IV-act. 21).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.d   In der Folge veranlasste die IV-Stelle des Kantons St. Gallen eine orthopädische 

Untersuchung durch Dr.med. E.___, Facharzt für Orthopädie, Regionaler Ärztlicher 

Dienst (RAD) Ostschweiz (IV-act. 28) und sprach dem Versicherten berufliche 

Massnahmen in der Form von Taggeldern für eine berufliche Abklärung im 

angestammten Beruf als Mechaniker vom 12. April 2005 bis 15. Juli 2005 zu (IV-act. 39 

und 41).

A.e   Gemäss dem Bericht des RAD vom 16. März 2005 über die Untersuchung vom 

12. März 2005 wies der Versicherte diverse Beschwerden seitens des 

Bewegungsapparates auf. Es bestehe ein panvertebrales Schmerzsyndrom nach 

Frakturen C6, C7, Th3 und Th4. Posttraumatisch bedingte degenerative Veränderungen 

seien zudem am rechten Kniegelenk und am linken Handgelenk festgestellt worden. 

Diese würden sich in Schmerzen und Bewegungseinschränkung äussern. Weiter 

bestehe seit 10 Jahren eine Reizdarmsymptomatik, welche sich am Morgen in einer 

verzögerten Defäkation äussere. Der Versicherte könne seine Beschwerden sachlich 

und ohne Aggravationstendenz schildern. Die beschriebenen Funktionsausfälle seien 

aus medizinischer Sicht nachvollziehbar. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit betrage 80%. 

Eine adaptierte Tätigkeit sollte wechselbelastend sein, kein Heben und Tragen von 

Lasten über 10 kg bedingen, nicht in Zwangspositionen der Wirbelsäule und nicht in 

der Kälte durchgeführt werden müssen. Daneben sollte wegen der 

Reizdarmproblematik ein späterer Arbeitsbeginn ermöglicht werden. Bei 

entsprechender Anpassung des Arbeitsplatzes könne die angestammte Tätigkeit auch 

als adaptiert bezeichnet werden (IV-act. 32).

A.f    Ab 12. April 2005 fand bei der Firma MTW-Mechanik ein Arbeitsversuch mit einem 

Pensum von 50% statt, das in der Folge nicht gesteigert werden konnte. Im Verlaufs­

bericht der Eingliederungsberaterin ist festgehalten, dass der Versicherte in seiner 

Haltung widersprüchlich war, so dass weitere berufliche Massnahmen wenig 

erfolgversprechend seien (IV-act. 44/3).

A.g   Mit Verfügung vom 16. August 2005 schloss die IV-Stelle gestützt auf einen 

Schlussbericht der Eingliederungsberaterin vom 9. August 2005 (IV-act. 45) die 

Arbeitsvermittlung ab, mit der Begründung, dem Versicherten sei eine Arbeitsleistung 

von 80% zumutbar, er habe aber keine Kooperationsbereitschaft gezeigt (IV-act. 49).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.h    Mit Verfügung vom 17. August 2005 wies die IV-Stelle gestützt auf die Unter­

suchungsergebnisse des RAD vom 16. März 2005 (IV-act. 32) den Anspruch auf Rente 

ab (IV-act. 50).

B.       

B.a   Der Versicherte meldete sich am 10. Juli 2008 erneut zum Leistungsbezug bei der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 68), reichte ein Schreiben betreffend Neubeurteilung 

des Falles von Dr.med. F.___, prakt. Arzt FMH, vom 20. Juni 2008 sowie ein 

Arbeitszeugnis der letzten Arbeitsstelle für die Zeitspanne vom 1. Januar 2007 bis 

15. Juli 2007 ein und setzte sich in einem der Anmeldung beigelegten Schreiben mit 

den früheren IV-Akten auseinander (IV-act. 69, 70).

B.b   In einer Stellungnahme vom 25. August 2008 hielt Dr.med. G.___, RAD-Arzt, fest, 

die

Ausführungen des Versicherten liessen eine Verschlechterung des psychischen 

Zustandes oder eine nunmehr zu stellende Diagnose von psychiatrischem 

Krankheitswert mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht ausschliessen. Eine 

orthopädisch-psychiatrische RAD-Begutachtung sei angezeigt (IV-act. 76).

B.c   Der seit 2003 behandelnde Dr. F.___ führte im Bericht vom 7. Oktober 2008 die 

Diagnose einer Depression mit somatoformen Störungen (Reizdarm) an und attestierte 

dem Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100% im angestammten Beruf als 

Mechaniker. Eine adaptierte Tätigkeit als Tätowierer sei ihm zu 100% zuzumuten (IV-

act. 77).

B.d   Nach einer interdisziplinären Untersuchung vom 25. November 2008 kamen die 

RAD-Ärzte Dr.med. E.___, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates, und Dr.med. G.___, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, 

im Bericht vom 12. Dezember 2008 zum Schluss, dass aus psychiatrischer Sicht keine 

Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne und sich im 

Vergleich zur orthopädischen RAD-Untersuchung vom 10. März 2005 keine relevanten 

Veränderungen des Gesundheitszustandes ergeben hätten. Die attestierte 

Arbeitsfähigkeit von 80% bleibe unverändert bestehen (IV-act. 86/15).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.e   Am 17. August 2009 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten Beratung und 

Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 98). Sodann übernahm sie gemäss 

Mitteilung vom 9. November 2009 im Sinn einer Frühinterventionsmassnahme die 

Kosten für eine Schattierungsmaschine und Tattoo-Zubehör im Betrag von Fr. 928.50 

im Hinblick auf die Ausübung der vom Versicherten in Aussicht genommenen 

Erwerbstätigkeit als Tätowierer (IV-act. 104). Da sich der Versicherte als nicht voll 

arbeitsfähig betrachte, sich weiter als selbstständiger Tätowierer sehe und sich von 

diesem Weg nicht abhalten lasse, wurde gemäss Schlussbericht vom 4. Mai 2010 die 

Eingliederungsberatung abgeschlossen (IV-act. 108). Mit Schreiben vom 10. Mai 2010 

teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, es bestehe kein weiterer Anspruch auf 

berufliche Massnahmen (IV-act. 110).

B.f    Nachdem der Rechtsvertreter des Versicherten mit einem als "Wiedererwägung" 

betitelten Schreiben an die IV-Stelle vom 3. September 2010 darum ersuchte, "den Fall 

neu aufzunehmen", weil der Entscheid der Invalidenversicherung auf falschen und 

unvollständigen Akten basiere (IV-act. 114), berichtigte er am 8. September 2010 das 

Gesuch im Sinn eines Revisionsbegehrens (IV-act. 115). Am 19. Oktober 2010 reichte 

er zur Begründung medizinische Unterlagen des Kantonsspitals St. Gallen, nämlich 

eine MR-Defäkographie vom 3. Juni 2010, ein Formular Aufnahmestatus 2 vom 28. Juli 

2010, einen Operationsbericht vom 6. August 2010, einen Kurzaustrittbericht vom 

10. August 2010, einen Bericht Histopathologie vom 10. August 2010, einen Austritts­

bericht vom 16. August 2010 und einen Sprechstundenbericht vom 16. September 

2010 ein, welche auf Enddarmveränderungen hinweisen (IV-act. 120). In Bezug darauf 

hielt RAD-Arzt Dr. I.___ in einer Stellungnahme vom 17. November 2010 fest, die am 

6. August 2010 durchgeführte Operation einer Enterozele und Intussuszeption habe 

zwar zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit geführt, sei aber erfolgreich 

verlaufen, so dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten dadurch insgesamt 

nicht dauerhaft verändert habe. Daher betrage die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten 

Tätigkeit weiterhin 80% (IV-act. 127). Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2011 stellte die 

IV-Stelle in Aussicht, auf das neue Leistungsbegehren nicht einzutreten, weil es sich 

dabei um eine andere Beurteilung eines gleichgebliebenen Sachverhalts handle (IV-

act. 131).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.g    Am 31. Januar 2011 hielt die IV-Stelle in einem internen Feststellungsblatt fest, 

dass die Mitteilung über den Abschluss der beruflichen Massnahmen vom 10. Mai 

2010 noch gar nicht in Rechtskraft erwachsen sei und es sich somit beim Schreiben 

des Rechtsanwalts vom 6. September 2010 (Eingangsdatum) gar nicht um eine 

Wiederanmeldung handle. Die Arbeitsvermittlung sei am 10. Mai 2010 abgeschlossen, 

zumal die Eingliederung nicht durchführbar sei; nun sei eine Rentenprüfung angezeigt 

(IV-act. 135). Infolgedessen teilte die IV-Stelle dem Versicherten die vorgesehenen 

Endentscheide bezüglich Abschluss des Eingliederungsverfahrens und Rentenprüfung 

mittels zwei neuen Vorbescheiden vom 10. Februar 2011 mit (IV-act. 138 und 140). 

Zum Vorbescheid betreffend Rente brachte der Versicherte, anwaltlich vertreten, am 

7. März 2011 Einwand vor - unter Beilage eines Arztberichtes von Dr.med. H.___, 

Facharzt FMH Gastroenterologie und Innere Medizin, vom 11. Juni 2010. Gemäss 

Einwand leidet der Versicherte seit 15 Jahren unter einer Darmproblematik bzw. eines 

körperlichen Leidens, welches die IV-Stelle in der Vergangenheit übersehen und auf 

eine Frage der Willensanstrengung reduziert habe. Er sei bis zur erfolgreichen 

Operation vom 6. August 2010 vollständig arbeitsunfähig gewesen und versuche sich 

nun bei neu teilweise vorhandener Arbeitsfähigkeit in einer selbstständigen Tätigkeit 

wieder einzugliedern (IV-act. 142). Zum Vorbescheid betreffend Eingliederung brachte 

der Versicherte in einer separaten Schrift vom 7. März 2011 vor, nach der Operation 

vom 6. August 2010 habe sich sein Gesundheitszustand allmählich verbessert, so dass 

er wieder langsam in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden könne (IV-act. 143).

B.h   Am 27. Juli 2011 nahm RAD-Arzt Dr. I.___ erneut Stellung: Es treffe nicht zu, dass 

die 2010 festgestellten Enddarmveränderungen (Rektozele, Enterozele, rektaler 

Deszensus, Zystozele und Intussuszeption) auf den Unfall im Jahr 1995 zurückzuführen 

bzw. seither vorhanden seien. Vielmehr liege deren Ursache in einer 

Bindegewebsschwäche, die sich mit zunehmendem Alter verstärke. Dass die 

Verdauungsbeschwerden des Versicherten nach dem Unfall im Jahr 1995 aufgetreten 

seien, bedeute nicht, dass sie durch den Unfall bedingt seien. Der Versicherte habe 

sich damals eine Fraktur der Lamina von C6 und des Dornfortsatzes von C7 (Bruch des 

6. und 7. Halswirbels) sowie Deckplatteneinbrüche von Th3 und Th4 (Bruch des 3. und 

4. Brustwirbels) zugezogen. Der Enddarm werde von Nerven versorgt, die aus der 

Lendenwirbelsäule austräten. Dort habe der Versicherte keine Verletzungen erlitten. Viel 

wahrscheinlicher sei es daher, dass der Versicherte nach dem Unfall zunächst 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

jahrelang an einem Reizdarmsyndrom gelitten habe, zu dem erst später die 2010 

festgestellten Enddarmveränderungen hinzugekommen seien. Entscheidend für die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei jedoch nicht die Ursache der festgestellten 

Enddarmveränderungen, sondern die Frage, zu welchen objektivierbaren 

Funktionseinschränkungen sie führen würden. Diese Funktionseinschränkungen seien 

die gleichen geblieben, wodurch auch immer (Reizdarmsyndrom oder 

Enddarmveränderungen) sie bedingt seien (IV-act. 145).

B.i     Gleichentags setzte die IV-Stelle den Versicherten in Kenntnis davon, dass die 

Invalidenversicherung keine Unterstützung beim Aufbau der selbstständigen Erwerbs­

tätigkeit gewähren könne. Unter Hinweis auf die Mitwirkungs- und 

Schadenminderungspflicht bot sie an, ihn bei der Suche nach einer geeigneten 

Arbeitsstelle zu unterstützen (IV-act. 146).

B.j     Ebenfalls am 27. Juli 2011 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des 

Rentenanspruchs. Bei einem tatsächlichen Valideneinkommen von Fr. 24´130.-- und 

einem statistischen Invalideneinkommen nach LSE in der Höhe von Fr. 47´983.-- (eine 

Arbeitsleistung von 80% angenommen) resultiere im Einkommensvergleich keine 

Erwerbseinbusse und somit kein Rentenanspruch. Mit den 2010 neu festgestellten 

Enddarmveränderungen ändere sich nichts an der bisherigen Beurteilung einer 

adaptierten Tätigkeit im Umfang von 80% (IV-act. 147).

C.       

C.a   Mit Eingabe vom 14. September 2011 erhebt der Versicherte, anwaltlich vertreten, 

Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 27. Juli 2011 sei aufzuheben und ihm 

sei "retrospektiv" eine ganze bzw. ab 1. Juli 2011 eine halbe IV-Rente zuzusprechen, 

unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers im Wesentlichen aus, dieser habe infolge des Unfalls mit 

gebrochenen Rückenwirbeln im Jahr 1995 einen Riss im Bindegewebe und eine 

Ausstülpung des Darms erlitten. Seitdem leide er unter einer Rektozele und einer 

Enterozele. Die Beschwerdegegnerin habe sein körperliches Gesundheitsproblem 

(Schmerzen) psychiatrisiert. Massgebend sei die Frage, ob seine Gesundheitsstörung 

eine organische oder eine psychische sei. Im ersten Fall wären die geklagten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerden nachvollziehbar, im zweiten überwindbar. Es sei somit durch ein 

Gerichtsgutachten abzuklären, ob die Defäkationsstörung aufgrund der medizinisch 

vorhandenen Akten wahrscheinlich unfallbedingt sei, und wenn ja, wie sich diese in der 

Vergangenheit auf die Restarbeitsfähigkeit ausgewirkt habe und wie sie sich auf den 

aktuellen bzw. zukünftigen Zustand auswirke. Der Rechtsvertreter legt der Beschwerde 

eine MR-Defäkographie vom 3. Juni 2010 bei (act. G 1).

C.b   Mit Beschwerdeantwort vom 4. November 2011 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich gestützt auf die 

Stellungnahmen des RAD vom 17. November 2010 und vom 27. Juli 2011 auf den 

Standpunkt, die tatsächlichen Verhältnisse, aufgrund derer sie mit Verfügung vom 

17. August 2005 einen Leistungsanspruch abgelehnt habe, hätten sich nicht verändert. 

Es sei somit von einem Invaliditätsgrad von 20% auszugehen (act. G 8).

C.c   Dem in der Beschwerdeschrift enthaltenen Gesuch um Bewilligung der unentgelt­

lichen Rechtspflege wird am 24. November 2011 von der Verfahrensleitung des Ver­

sicherungsgerichts entsprochen (act. G 9).

C.d    Mit Replik vom 30. Januar 2012 hält der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 

an seinen materiellen Anträgen fest. Er beanstandet, dass der RAD-Arzt Dr. I.___ den 

Beschwerdeführer nie untersucht habe und stellt dessen fachärztliche Qualifikation für 

die Beurteilung des Falles infrage. Der Darm des Beschwerdeführers sei seit dem 

Unfallereignis im Jahr 1995 "durchgesackt" und habe eine oder zwei Ausstülpungen 

erhalten. Diese Gesundheitsschäden seien aktenkundig gewesen, aber nicht 

diagnostiziert, weitgehend ignoriert und schlussendlich psychiatrisiert worden (act. 

G 13).

C.e   Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 6. Februar 2012 auf die 

Einreichung einer Duplik (act. G 15).

C.f    Am 15. Januar 2013 ergänzt Dr. H.___ auf Anfrage des Versicherungsgerichts 

seinen Arztbericht vom 11. Juni 2010 (act. G 21).

C.g   Dazu äussert sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe vom 

4. Februar 2013 (act. G 24).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

D.     

Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in den 

medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.        

Angefochten ist eine Verfügung vom 27. Juli 2011, die aufgrund einer IV-Anmeldung 

vom 10. Juli 2008 ergangen ist. Deshalb sind die seit 1. Januar 2008 gültigen, im Zuge 

der 5. IV-Revision (AS 2007 5129 ff.) revidierten Bestimmungen anzuwenden.

2.        

Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente. 

Er machte am 10. Juli 2008 erneut einen solchen Anspruch geltend, nachdem die 

Zusprache einer Rente in einem in der Zeitspanne vom 20. Oktober 2004 bis 

17. August 2005 abgewickelten Verwaltungsverfahren abgewiesen worden war (IV-

act. 50). 

2.1    Die leistungsverweigernde Verfügung vom 17. August 2005 war unangefochten 

geblieben, weshalb sie in Rechtskraft erwachsen ist. Dass die Beschwerdegegnerin im 

Laufe dieses früheren Verwaltungsverfahrens seit 1995 bestehende 

Gesundheitsschäden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit übersehen hätte, 

unterstellt ihr der Beschwerdeführer in einer "persönlichen Stellungnahme" zu den 

früheren IV-Akten (IV-act. 69). Auf eine formell rechtskräftige, leistungsverweigernde 

Verfügung kann unter Umständen in prozessualer Revision zurückgekommen werden, 

wenn sie von Anfang an auf einer fehlerhaften tatsächlichen Grundlage beruht (Art. 53 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

[ATSG; SR 830.1]; BGE 112 V 371 E. 2a). Vorliegend hat der Rechtvertreter des 

Beschwerdeführers weder im Verwaltungsverfahren noch im Beschwerdeverfahren 

einen formellen Antrag auf prozessuale Revision der Verfügung vom 17. August 2005 

gestellt (vgl. IV-act. 114 f. und act. G 1); es ist nach den untenstehenden Erwägungen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

auch nicht ersichtlich, dass Gründe vorlägen, gestützt auf welche von Amtes wegen 

diese rechtskräftige Verfügung zu revidieren wäre. Demzufolge hat die 

Beschwerdegegnerin den Antrag auf Invalidenrente vom 10. Juli 2008 zu Recht als 

Neuanmeldung im Sinn von Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die 

Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201, Fassung vom 16. November 2011) 

entgegengenommen.

2.2    Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, 

wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, 

wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 

50 % vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Unter Invalidität versteht Art. 4 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in 

Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit 

andauernde Erwerbsunfähigkeit. Erfasst wird damit der Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten in jeder zumutbaren Tätigkeit. Dieser Verlust muss auf eine 

Beeinträchtigung der Gesundheit zurückgeführt werden können und trotz Vornahme 

von zumutbaren Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen verbleiben (Art. 7 

Abs. 1 ATSG). Der Invaliditätsgrad bei Erwerbstätigen ist - gemäss Art. 16 ATSG - 

aufgrund eines Vergleichs zwischen dem möglichen Erwerbseinkommen ohne 

Gesundheitsschaden und demjenigen mit Gesundheitsschaden zu bestimmen.

2.3    Die rechtsanwendenden Behörden sind bei der Beurteilung des 

Leistungsanspruchs auf die fachärztliche Feststellung von Gesundheitsschäden 

(Befunderhebung und Diagnose) und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

angewiesen. Die ärztlichen Auskünfte sind eine wichtige Grundlage für die 

Beantwortung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch 

zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 

1982 S. 34).

3.      

Bei einer Neuanmeldung ist - wie bei einer materiellen Rentenrevision im Sinn von 

Art. 17 Abs. 1 ATSG - zu prüfen, ob sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

erheblichen Weise geändert hat. Zu beurteilen ist dabei grundsätzlich die Zeitspanne 

zwischen der früheren (der versicherten Person eröffneten)rechtskräftigen Verfügung, 

die auf einer umfassenden Prüfung des Rentenanspruchs beruht (BGE 133 V 114 

E. 5.4), und der angefochtenen Verfügung. Massgebend ist demnach der Sachverhalt, 

wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung zugetragen hat (BGE 130 V 

446 E. 1.2; BGE 130 V 138 E. 2.1; BGE 121 V 366 E. 1b). Somit ist gestützt auf die 

medizinischen Unterlagen im Folgenden zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand 

des Beschwerdeführers nach Erlass der Verfügung vom 17. August 2005 relevant 

verändert hat.

3.1    Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung vom 27. Juli 

2011 auf den interdisziplinären RAD-Untersuchungsbericht vom 12. Dezember 2008, 

gemäss welchem keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit zu stellen sei. Aus orthopädischer Sicht seien keine Veränderungen 

des Gesundheitszustandes gegenüber dem Zeitpunkt vom 10. März 2005 festzustellen, 

weshalb unverändert von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (IV-

act. 86/15). Gestützt auf die Stellungnahmen des RAD vom 17. November 2010 (IV-

act. 127) und vom 27. Juli 2011 (IV-act. 145) hält die Beschwerdegegnerin fest, die im 

Jahr 2010 festgestellten Enddarmveränderungen würden keine Veränderung der 

Arbeitsfähigkeit bewirken und seien nicht auf das Unfallereignis im Jahr 1995 

zurückzuführen (IV-act. 147).

3.2    Der Untersuchungsbericht des RAD vom 12. Dezember 2008 umfasst die 

Fachrichtungen Orthopädie und Psychiatrie. Der abklärende Orthopäde ging auf die 

Angaben des Beschwerdeführers ein, wonach die somatischen Beschwerden im 

Vergleich mit der RAD-Untersuchung vom 10. März 2005 praktisch unverändert 

weiterbestünden (IV-act. 86/2). Im Vordergrund stehe nun jedoch eindeutig das seit 

über zehn Jahren bestehende Reizdarmsyndrom, welches sich in einer Störung der 

Beweglichkeit und einer gesteigerten Empfindlichkeit äussere. Der Beschwerdeführer 

müsse sein ganzes Leben auf diese Problematik einrichten. Die früher beschriebenen 

Probleme am Bewegungsapparat (Wirbelsäule, Kniegelenke, Hände) bestünden nach 

wie vor. Der Beschwerdeführer habe im Laufe der Jahre offensichtlich gelernt, besser 

mit den entsprechenden Einschränkungen umzugehen. Was im März 2005 nicht 

thematisiert worden sei, sei der ebenfalls seit über zehn Jahren bestehende Tinnitus. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Auch diesbezüglich bestehe aktuell jedoch eine kompensierte Situation (IV-act. 86/4). 

Der untersuchende Psychiater hält seinerseits fest, von der Psychodynamik her stelle 

der Unfall vom März 1995 das Ende einer erträumten Karriere als Profi-Snowboarder, 

gleichzeitig aber auch eine massive narzisstische Kränkung dar, dieses Ziel realistisch 

nicht mehr weiter verfolgen zu können. Es handle sich um eine kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit hypochondrisch histrionischen und narzisstischen wie auch 

zwanghaften Anteilen (ICD 10: F61.0). Die Wurzel dieser Kränkung seien auf die frühere 

Kindheit zurückzuführen, als dem Beschwerdeführer wenig an Grenzen und Disziplin 

abgefordert worden sei, um dem alltäglichen, normalpsychologischen Leistungsdruck 

standzuhalten. In einer quasi auf sich selbst dimensionierten Lebensgestaltung 

betreibe er eine ideologisch untermauerte Selbstlimitierung. Er verfüge über vielfältige 

Ressourcen, die keine Zweifel daran aufkommen liessen, dass eine wie auch immer 

geartete Einschränkung der Leistungsfähigkeit auf psychiatrischem Fachgebiet nicht 

begründet werden könne. Selbst wenn er morgens wegen seiner ritualisierten 

Darmentleerungsproblematik etwas länger für diese Verrichtungen (eine bis anderthalb 

Stunden) benötige, könne er dies genug früh erledigen, um am Arbeitsplatz pünktlich 

erscheinen zu können. Der Beschwerdeführer sei aus neuropsychiatrischer Sicht voll 

arbeitsfähig (IV-act. 86/13 f.).

3.3    Auf eine medizinische Berichterstattung ist abzustellen, wenn sie für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet, und die Schlussfolgerungen des Experten fundiert 

dargetan sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Die RAD-Ärzte begründen gestützt auf die 

Anamnese und die Befunde ihre Schlussfolgerungen im Bericht vom 12. Dezember 

2008 hinreichend, einsichtig und nachvollziehbar. Im Rahmen einer interdisziplinären 

Konsenskonferenz vom 25. November 2008 stellen sie fest, dass sich keine 

wesentlichen Veränderungen der Arbeitsfähigkeit seit der früheren RAD-Untersuchung 

eingestellt haben (IV-act. 86/15). Der RAD-Bericht erscheint grundsätzlich 

überzeugend. Fraglich ist einzig, ob die anhand der MR-Defäkographie vom 3. Juni 

2010 erhobenen Befunde Anlass für eine ergänzende medizinische Abklärung sind, wie 

der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend macht, oder ob diesbezüglich 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

aufgrund der Akten-Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr. I.___ davon abgesehen 

werden kann, wie die Beschwerdegegnerin behauptet.

3.3.1            Die MR-Defäkographie vom 3. Juni 2010 ergab beim Beschwerdeführer 

die Befunde einer moderaten Zystozele, eines schweren rektalen Deszensus, einer 

ausgeprägten Enterozele mit Kompression und dadurch potentiell erschwerter 

Entleerung des Rektums und einer kleinen anterioren Rektozele (IV-act. 120/1 f.). 

Gestützt darauf wurde ein Obstructed Defecation Syndrom diagnostiziert und am 

6. August 2010 mit einer transanalen Resektion (STARR) und laparoskopischen 

Rektopexie mit Douglasobliteration therapiert (IV-act. 120/11). Abgesehen von der 

Feststellung, dass seit 15 Jahren erhebliche Defäkationsprobleme vorlägen, geben 

diese medizinischen Unterlagen keine Auskunft über Ursache und Eintritt der 

Enddarmveränderungen. Zudem beschränkt sich die in diesem Zusammenhang 

attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100% auf die Zeitspanne vom 6. bis 17. August 2010 

und jene von 50% vom 17. August 2010 bis 30. September 2010 (IV-act. 119). Im 

Übrigen ist unbestritten, dass die Operation erfolgreich verlaufen ist, wie unter anderem 

dem Bericht des KSSG vom 16. September 2010 entnommen werden kann (vgl. IV-act. 

120-14). Umstritten ist hingegen, ob sich eine weitere medizinische Abklärung zur 

Situation vor der Operation aufdrängt.

3.3.2           Nach der Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. I.___ vom 27. Juli 2011 liegt 

die Ursache der 2010 festgestellten Enddarmveränderungen in einer 

Bindegewebsschwäche, die sich mit zunehmendem Alter verstärke. Es sei nicht 

wahrscheinlich, dass diese Folge des 1995 erlittenen Unfalls seien. Viel 

wahrscheinlicher sei, dass der Beschwerdeführer zunächst jahrelang an einem 

Reizdarmsyndrom gelitten habe, zu dem Jahre später die Enddarmveränderungen 

hinzugekommen seien. Die Funktionseinschränkungen seien jedoch dieselben, ob sie 

nun durch ein Reizdarmsyndrom oder durch Enddarmveränderungen verursacht seien. 

Hier ergebe sich keine neue Beurteilung, da die Darmprobleme bereits eingehend 

gewürdigt worden seien (IV-act. 145).

3.3.3           Da dem Gericht fraglich erschien, ob die Aktenbeurteilung durch Dr. I.___ 

genügen kann, gelangte es ergänzend an den behandelnden Dr. H.___, Facharzt für 

Gastroenterologie und Innere Medizin. Dieser hatte gemäss Bericht vom 11. Juni 2010 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

einen schweren rektalen Deszensus mit ausgeprägter Enterozele diagnostiziert, was zu 

einer potentiell erschwerten Entleerung des Rektums geführt habe; er überwies 

deshalb den Beschwerdeführer zur weiteren chirurgischen Behandlung an die Klinik für 

Chirurgie am KSSG (IV-act. 142/3 ff.). Vom Gericht angefragt, ob der von ihm erhobene 

neue Befund "aus seiner Sicht" Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gehabt habe und 

wenn ja inwiefern, antwortete Dr. H.___ am 15. Januar 2013 Folgendes: "In meinem 

Arztbrief vom Juni 2010 an Dr. med. F.___ sowie PD Dr. med. J.___ habe ich eine 

Defäkationsstörung diagnostiziert und Herrn A.___ zur weiteren chirurgischen 

Behandlung an Dr. J.___ überwiesen. Die damals in der Defäkographie vorgelegenen 

Pathologien haben keinen kausalen Zusammenhang mit dem Snowboardunfall von 

1995. Ich habe in diesem Schreiben die These aufgestellt, dass aufgrund des zeitlichen 

Zusammenfalls des Beginns der Symptome mit dem Unfall allenfalls eine traumatische 

Neuropathie vorgelegen haben könnte. Dies lässt sich aber retrospektiv weder 

beweisen noch wiederlegen. Die im Jahr 2010 diagnostizierte Defäkationsstörung hat 

anamnestisch die Arbeitsfähigkeit von Herrn A.___ eingeschränkt, da er angab, sehr 

viel Zeit auf der Toilette zur Stuhlentleeerung verbringen zu müssen. Meines Erachtens 

nach lag hier aber wahrscheinlich auch noch eine zusätzliche Psychopathologie vor, 

welche die Arbeitsunfähigkeit zusätzlich bedingte." (act. G 21). Aus dieser Antwort geht 

klar hervor, dass der Gastroenterologe selber keinen Anlass sah, aufgrund seiner (neu 

diagnostizierten) Befunde rückwirkend eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers 

zu attestieren. Er verwies lediglich auf die Angaben des Beschwerdeführers, wonach 

dieser sehr viel Zeit auf der Toilette verbringen müsse. Nun geht bereits aus der ersten 

RAD-Abklärung durch Dr. E.___ im März 2005 hervor, dass dieser Problematik mit einer 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit Rechnung getragen wurde (vgl. IV-act. 32-7). 

Diesem Umstand wurde unverändert auch in der interdisziplinären RAD-Untersuchung 

im November 2008 Rechnung getragen (IV-act. 86-4). Nachdem der behandelnde 

Facharzt trotz der neu diagnostizierten Befunde keine weiterreichende 

Arbeitsunfähigkeit attestiert und auch sonst in den Akten keine Anhaltspunkte für eine 

längerdauernde, höhere Arbeitsunfähigkeit ersichtlich sind, erübrigen sich dazu weitere 

medizinische Abklärungen. Wie der RAD-Arzt Dr. I.___ zu Recht festhielt, sind in der 

Invalidenversicherung die Auswirkungen pathologischer Befunde massgebend und 

nicht die Befunde für sich allein. Es kann von daher offen bleiben, ob die 

Enddarmprobleme letztlich auf den Unfall zurück geführt werden können – was nach 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Dr. H.___ weder zu beweisen noch zu widerlegen sei - , oder ob sie auf eine 

Bindegewebsschwäche zurück zu führen sind, wie Dr. I.___ vermutet. In jedem Fall 

bleibt wie erwähnt massgebend, ob die im Jahr 2010 erstmals diagnostizierten 

Befunde die Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht in einem schwerwiegenderen 

Ausmass beeinträchtigt hatten. Dafür spricht weder die Aktenlage der 

Beschwerdegegnerin noch die Auskunft des Gastroenterologen im 

Beschwerdeverfahren. Damit kann von einer weiteren gastroenterologischen Abklärung 

keine neuen Erkenntnisse erwartet werden, weshalb der Antrag auf ein 

Gerichtsgutachten in antizipierender Beweiswürdigung abzuweisen ist.

3.4     Ob die im Jahr 2010 erstmals diagnostizierten Enddarmveränderungen bereits 

vor Erlass der Verfügung vom 17. August 2005 bestanden haben, kann ebenfalls offen 

bleiben. Die neu erhobenen Befunde stellen jedenfalls keine im Sinne der prozessualen 

Revision erheblichen Tatsachen dar, da sie zu keiner anderen Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit führen. Auf diese Verfügung ist demzufolge nicht zurückzukommen. 

Die neu erhobenen Befunde im Jahr 2010 vermögen auch den Beweiswert des 

interdisziplinären RAD-Berichts vom 12. Dezember 2008 nicht zu entkräften.

4.        

Somit sind auf der Basis einer Arbeitsfähigkeit von 80% die erwerblichen Folgen der 

funktionellen Einschränkungen zu bestimmen.

4.1    Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, dass vorliegend aussagekräftige 

konkrete Anhaltspunkte für eine Einkommensermittlung fehlen (act. G 8/6). Der vom 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend gemachte Arbeitsversuch als Sanitär-

Installateur (act. G 1/4) kann nicht als Anhaltspunkt für eine hypothetische 

Validenkarriere erfasst werden. Aufgrund dessen, dass der Beschwerdeführer 

unregelmässig diversen Hilfstätigkeiten nachgegangen war (IV-act. 35) und keine 

zumutbare adaptierte Tätigkeit aufgenommen hat, ist praxisgemäss auf LSE-

Tabellenlöhne abzustellen.

4.2    Sind Validen- und Invalideneinkommen aufgrund der gleichen Zahlenbasis zu 

berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung und die Festsetzung der heranzu­

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ziehenden Angaben. Der Invaliditätsgrad entspricht in einem sogenanntem 

Prozentvergleich dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges 

vom Tabellenlohn (Urteile des Bundesgerichtes 8C_365/12 vom 30. Juli 2012 E. 7 und 

I 948/06 vom 8. Februar 2007 E. 4.2 mit Hinweisen).

4.3    Behinderungsbedingte und anderweitige Umstände vermögen zusätzliche 

Abzüge vom Tabellenlohn zu begründen, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die 

versicherte Person wegen persönlicher und beruflicher Merkmale wie Art und Ausmass 

der Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder 

Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad ihre gesundheitlich bedingte 

Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem 

erwerblichen Erfolg verwerten kann. Es rechtfertigt sich aber nicht, für jedes zur 

Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen und 

diese zusammenzuzählen, da damit Wechselwirkungen ausgeblendet würden. Diese 

Abzüge erfolgen nicht automatisch, sie sind vielmehr unter Würdigung der Umstände 

im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und auf 

insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 134 V 327f. E. 5.2; BGE 126 V 78ff. 

E. 5).

4.4    Mit der Festlegung einer Arbeitsunfähigkeit von 20% wurde Rechnung getragen, 

dass aufgrund der in den Berichten vom 16. März 2005 (IV-act. 32/7) und vom 12. 

Dezember 2008 (IV-act. 86/4) beschriebenen Funktionsausfälle der Beschwerdeführer 

eine reduzierte Leistung erbringt, weshalb auf dieser Grundlage keine zusätzliche 

Herabsetzung der Tabellenlöhne gerechtfertigt ist. Der Umstand, dass vorliegend 

körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten (IV-act. 32/7) zu vermeiden sind 

(BGE 129 V 481 f. E. 4.2.), dürfte sich hingegen auf dem Arbeitsmarkt lohnsenkend 

auswirken. Dies ist bei der Invaliditätsbemessung mit einem Abzug vom Tabellenlohn 

auszugleichen. Bei der Höhe des vorzunehmenden Abzuges handelt es sich um eine 

Ermessensfrage. Angezeigt erscheint ein Tabellenlohnabzug von 10%. Ausgehend von 

einer Arbeitsunfähigkeit von 20% wird unter Berücksichtigung des Tabellenlohnabzugs 

ein nicht rentenrelevanter Wert von 28% erreicht (100% - [80% x 0.9]).

5.        

5.1    Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 14. September 2011 abzuweisen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.2    Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 24. November 

2011 bewilligt (act. G 9). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse dem Beschwerdeführer 

es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten, der Auslagen für die 

Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 

Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art. 404 ZPO/CH).

5.3    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden 

Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zu­

folge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.

5.4    Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die 

Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Die 

Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht 

auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das 

Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- 

bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote 

eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf 

vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. 

Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der Staat den 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal (BGE 125 V 201) mit Fr. 2'800.-- (inkl. 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Der Beschwerdeführer wird im Sinn der Erwägungen von der Bezahlung der 

Gerichtskosten von Fr. 600.-- befreit.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.       Der Staat entschädigt den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Fr. 

2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 15.02.2013
	Abgrenzungsfrage: Art. 28 IVG. Beweiswert eines Gutachtens nach einem neuen medizinischen Befund. Obwohl die Fachrichtung Gastroenterologie im interdisziplinarischen MEDAS-Gutachten durch einen Fachexperten nicht vertreten war, haben die Gutachter die Folgen der entsprechenden Darmproblematik für die Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Von einer neuen Begutachtung ist abzusehen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 15. Februar 2013, IV 2011/294).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:59:17+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen