# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 221c10ba-7481-519e-9b75-951b0aa9ab69
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-4108/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4108-2011_2011-09-13.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­4108/2011

U r t e i l   v om   1 3 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richterin Contessina Theis, Richter Gérard Scherrer,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien X._______, geboren am _______,
Iran,  
vertreten durch Rainer Weibel, _______,
Gesuchsteller, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 1. März 2010 (D­1077/2009) betreffend
Verfügung des BFM vom 16. Januar 2009 / _______.

D­4108/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Gesuchsteller, ein ethnischer Kurde aus der Provinz _______, 
sein  Heimatland  gemäss  eigenen  Aussagen  am  23.  Oktober  2007 
verliess und am 26. November 2007  in die Schweiz gelangte, wo er am 
selben Tag ein Asylgesuch stellte,

dass er  im Wesentlichen geltend machte,  sich  für  eine  kurdische Partei 
engagiert zu haben, 

dass  die  Sicherheitskräfte  im  elterlichen  Haus  ihn  belastendes Material 
gefunden hätten, 

dass  er  in  der  Folge  gesucht  worden  sei,  weshalb  er  sich  zur  Flucht 
entschlossen habe, 

dass  das BFM mit  Verfügung  vom 16.  Januar  2009  in Anwendung  von 
Art. 3 und 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) das 
Asylgesuch  abwies  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug anordnete,

dass  der  Gesuchsteller  gegen  diesen  Entscheid  am  19.  Februar  2009 
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichte,

dass  die  Rekursinstanz  die  Beschwerde  mit  Urteil  vom  1.  März  2010 
vollumfänglich abwies (vgl. dazu das Urteil D­1077/2009),

dass der Gesuchsteller mit Eingabe vom 21. Juli 2011 wiederum an das 
Bundesverwaltungsgericht gelangte, 

dass er die revisionsweise Aufhebung des Urteils vom 1. März 2010, die 
Aufhebung  des  vorinstanzlichen  Entscheids  vom  16.  Januar  2009  im 
Vollzugspunkt,  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz,  die 
aufschiebende  Wirkung  des  Rechtsmittels  verbunden  mit  einer 
entsprechenden  Anweisung  an  die  kantonale  Behörde  sowie  die 
unentgeltliche  Rechtspflege  (Art. 65  Abs.  1  und  2  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  [VwVG, 
SR 172.021]) samt Entbindung von der Vorschusspflicht beantragte, 

dass er subsidiär die Rückweisung der Sache an das BFM beantragte, 

D­4108/2011

Seite 3

dass er die Eingabe vorab mit  seinem  labilen gesundheitlichen Zustand 
begründete und ein Beweismittel (ärztliches Zeugnis vom 14. April 2011) 
einreichte,

dass er ferner geltend machte, der Vollzug der Wegweisung habe sich als 
unmöglich erwiesen, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  mit 
Zwischenverfügung vom 25. Juli 2011 provisorisch aussetzte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  10. 
August  2011  die  Gesuche  um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs 
sowie um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 
VwVG  zufolge  Aussichtslosigkeit  des  Revisionsgesuchs  abwies,  den 
provisorischen Vollzugsstopp aufhob und den Gesuchsteller aufforderte, 
bis  zum 25. August  2011  einen Kostenvorschuss  zu  leisten,  verbunden 
mit  der  Androhung,  bei  nicht  fristgemässer  oder  ausbleibender  Zahlung 
werde auf das Revisionsgesuch nicht eingetreten,

dass gleichzeitig eine allfällige Überweisung der Eingabe an das BFM in 
Aussicht gestellt wurde (vgl. Art. 8 Abs. 1 VwVG), 

dass  der  einverlangte  Kostenvorschuss  in  der  Folge  fristgerecht 
eingezahlt wurde, 

dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem Beschwerden gegen 
Verfügungen  des  BFM  beurteilt,  wobei  es  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 31 
und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass es auch zuständig für die Revision von Urteilen ist, die es in seiner 
Funktion  als  Beschwerdeinstanz  gefällt  hat  (vgl.  Entscheide  des 
Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2007/21  E. 2.1  S. 
242),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  über  Revisionsgesuche  in  einer 
Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  entscheidet,  sofern  das 

D­4108/2011

Seite 4

Revisionsgesuch nicht  in die einzelrichterliche Zuständigkeit  fällt  (Art. 21 
Abs. 1 VGG; Art. 23 VGG i.V.m. Art. 111 AsylG),

dass  mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  die 
Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen 
Beschwerdeentscheides  angefochten  wird,  im  Hinblick  darauf,  dass  die 
Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden werden 
kann  (vgl.    PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht, 2. Auflage, Bern 2005, S. 269),

dass das Bundesverwaltungsgericht auf Gesuch hin seine Urteile aus den 
in  Art. 121­123  BGG  aufgeführten  Gründen  in  Revision  zieht  (Art. 45 
VGG),  wobei  Gründe,  welche  bereits  im  ordentlichen 
Beschwerdeverfahren hätten geltend gemacht werden können, nicht  als 
Revisionsgründe gelten (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG und 46 VGG),

dass  auf  Inhalt,  Form,  Verbesserung  und  Ergänzung  des 
Revisionsgesuches die Art. 52 und 53 VwVG Anwendung finden, wobei in 
der  Begründung  insbesondere  der  angerufenen  Revisionsgrund 
anzugeben  und  die  Rechtzeitigkeit  des  Revisionsbegehrens  (im  Sinne 
von Art. 124 BGG) darzutun ist (Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG),

dass  in  casu  das  Vorliegen  neuer  erheblicher  Tatsachen  gemäss  der 
revisionsrechtlichen  Bestimmung  von  Art.  123  Abs. 2  Bst.  a  BGG 
angerufen wird,

dass  auf  die  Eingabe  des  Gesuchstellers  vom  21.  Juli  2011  –  unter 
Vorbehalt  nachfolgender  Präzisierungen  –  als  frist­  und  formgerecht 
eingereichtes Revisionsgesuch einzutreten ist,

dass das Revisionsgesuch  indes abzuweisen  ist, da die Vorbringen des 
Gesuchstellers – wie nachfolgend aufgezeigt – unter revisionsrechtlichen 
Gesichtspunkten als nicht erheblich zu erkennen sind, 

dass der Gesuchsteller  zwar darlegt,  bereits  vor Erlass des Urteils  vom 
10. März 2010 unter Ängsten gelitten zu haben, 

dass  auch  im  eingereichten  Arztbericht  von  einer  posttraumatischen 
Belastungsstörung  aufgrund  der  Erlebnisse  im  Heimatland,  also  einer 
vorbestandene Tatsache, ausgegangen wird,

D­4108/2011

Seite 5

dass  dies  im  Rahmen  des  ordentlichen  Verfahrens  noch  nicht  geltend 
gemacht  worden  sei  und  auf  eine  nachträgliche  Verschlechterung  der 
Situation verwiesen wird, 

dass deshalb davon auszugehen  ist, die gesundheitlichen Beschwerden 
des Beschwerdeführers  seien  im  Zeitpunkt  des  Beschwerdeurteils  nicht 
derart gravierend gewesen, als dass sie den Vollzug der Wegweisung als 
unzumutbar hätten erscheinen lassen können, 

dass  demnach  von  der  fehlenden  revisionsrechtlichen  Erheblichkeit  der 
gesundheitlichen Beschwerden auszugehen ist,

dass  dies  auch  insofern  gilt,  als  in  der  Revisionseingabe  auf  die  zu 
Unrecht festgestellte Unglaubhaftigkeit der Vorbringen Bezug genommen 
wird, und im Arztbericht ausgeführt wird, der Patient wirke glaubhaft und 
konsistent in seinen Ausführungen, 

dass  die  im  ordentlichen  Verfahren  aufgrund  verschiedener 
Unglaubhaftigkeitselemente  und  Widersprüche  als  nicht  glaubhaft 
erachteten Vorbringen dadurch nicht in einem anderen Licht erscheinen,

dass  entsprechende  Vorbringen  ohnehin  aus  revisionsrechtlicher  Sicht 
als offensichtlich verspätet zu beurteilen wären, 

dass  sodann  wie  erwähnte  insbesondere  von  einer  deutlichen 
Verschlechterung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers 
seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens gesprochen wird,

dass  damit  eine  Veränderung  der  Sachlage  nach  Abschluss  des 
ordentlichen Verfahrens geltend gemacht wird, für deren Behandlung das 
BFM zuständig ist, 

dass  im  Sinne  des  Subsidiärantrags  eine  diesbezügliche  Überweisung 
der  Eingabe  an  das  BFM  zur  Behandlung  vorzunehmen  ist  (vgl.  Art.  8 
Abs. 1 VwVG), 

dass  auf  die  in  diesem  Zusammenhang  gestellten  Beweisanträge 
(Einvernahme  des  Gesuchstellers;  Zeugenbefragung;  Einholung  eines 
psychiatrischen Gutachtens)  von  der Revisionsinstanz  nicht  einzugehen 
ist, 

D­4108/2011

Seite 6

dass  der  Gesuchsteller  ferner  vorbringt,  der  Vollzug  der  Wegweisung 
habe  sich  entgegen  den  Erwägungen  im  angefochtenen  Urteil  als 
unmöglich  erwiesen,  und  eine  Verfügung  des  BFM  (Ansetzung  der 
Ausreisefrist) zu den Akten reicht, 

dass er dazu festhält, die auf den 31. März 2010 angesetzte Ausreisefrist 
sei seit bald eineinhalb Jahren abgelaufen, ohne dass ein Vollzug erfolgt 
wäre, 

dass diese Sichtweise schon insofern nicht überzeugt, als damit in keiner 
Weise  dargetan wird,  die  freiwillige  oder  zwangsweise Rückkehr  in  den 
Iran  sei  für  den  Beschwerdeführer  entgegen  den Erwägungen  im Urteil 
generell unmöglich, 

dass mithin die revisionsmässige Erheblichkeit der bisher nicht erfolgten 
Rückkehr des Gesuchstellers in den Iran zu verneinen ist, 

dass  nach  vorstehenden  Erwägungen  das  Gesuch  um  Revision  des 
Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 1. März 2010 abzuweisen ist,

dass bei diesen Ausgang des Verfahrens dem Gesuchsteller die Kosten 
aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 i.V.m. Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 1­3 des 
Reglements vom 22. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), 

dass  die  Kosten  im  vorliegenden  Revisionsverfahren  praxisgemäss  auf 
Fr. 1'200.–  anzusetzen  sind,  wobei  sie  mit  dem  in  gleicher  Höhe 
geleisteten  Kostenvorschuss  vollständig  gedeckt  und  mit  diesem  zu 
verrechnen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

D­4108/2011

Seite 7

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Das Revisionsgesuch wird abgewiesen.

2.  
Die  Verfahrenskosten,  bestimmt  auf  Fr.  1'200.­­,  werden  dem 
Gesuchsteller  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  durch  den  in  gleicher  Höhe 
geleisteten Kostenvorschuss getilgt.

3. 
Die Akten werden im Sinne der Erwägungen der Vorinstanz zur Prüfung, 
ob Wiedererwägungsgründe vorliegen, überwiesen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  zuständige 
kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand: