# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d21804a1-a39d-5542-b809-9fd8070500ed
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-1321/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1321-2008_2011-12-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1321/2008
law/mah

U r t e i l   v om   2 9 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, 
Richterin Contessina Theis,
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea,
und ihr Sohn B._______, geboren am (…),
beide vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 30. Januar 2008 / N (…).

D­1321/2008

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin,  eine  nach  eigenen  Angaben  in  Addis  Abeba 
geborene  Staatsangehörige  Eritreas,  reiste  am  17. Oktober  2003  von 
Johannesburg  herkommend  mit  einem  gefälschten  Reisepass  in  die 
Schweiz  ein  und  stellte  gleichentags  am  Flughafen  Zürich­Kloten  ein 
Asylgesuch.

B. 
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2003 verweigerte das damals zuständige 
Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute  BFM)  der  Beschwerdeführerin 
vorläufig  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  wies  ihr  für  die  Dauer  des 
Asylverfahrens  bis  maximal  31. Oktober  2003  den  Transitbereich  des 
Flughafens Zürich­Kloten als Aufenthaltsort zu.

C. 
Am  26. Oktober  2003  erhob  das  BFF  im  Flughafen  Zürich­Kloten  die 
Personalien  der  Beschwerdeführerin  und  befragte  sie  summarisch  zum 
Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen des Herkunftslandes.

D. 
Am  27. Oktober  2003  bewilligte  das  BFF  der  Beschwerdeführerin  die 
Einreise in die Schweiz zur Prüfung ihres Asylgesuchs.

E. 
Am  31. Oktober  2003  erhob  das  BFF  an  der  Empfangsstelle  (heute 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  Kreuzlingen  nochmals  die 
Personalien  und  befragte  die  Beschwerdeführerin  summarisch  zum 
Reiseweg und zu den Gründen  für  das Verlassen des Herkunftslandes. 
Am  4. März  2004  hörte  sie  das  kantonale  (…)  einlässlich  zu  den 
Asylgründen an.

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie im Wesentlichen geltend, 
ihre Mutter sei gestorben, als sie noch ein Kind gewesen sei.  Im Herbst 
1999 seien ihr Vater,  ihre Schwester und eine Tante väterlicherseits von 
Äthiopien  nach  Eritrea  deportiert  worden,  weil  die  Familie  ihres  Vaters 
eritreischer Herkunft sei. Sie sei einige Tage danach festgenommen und 
für  drei  Monate  inhaftiert  worden.  Bei  den  Befragungen  sei  sie  der 
Kollaboration  mit  Eritrea  beschuldigt,  geschlagen  und  drei  Mal 
vergewaltigt  worden.  Mit  Hilfe  ihres  Onkels  sei  sie  freigekommen  und 
habe fortan bei ihm gelebt. Von 2000 bis 2001 habe sie in einem Kaffee 

D­1321/2008

Seite 3

als  Kassiererin  gearbeitet.  Sie  sei  immer  wieder  vorgeladen  worden, 
weshalb sie am 15. Oktober 2003 Äthiopien verlassen habe.

F. 
Am  14. Februar  2005  wurde  die  Beschwerdeführerin  vom  BFM 
ergänzend zu ihren Asylgründen von einem Frauenteam angehört.

G. 
Mit  Verfügung  vom  17. Februar  2005  stellte  das  BFM  fest,  die 
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr 
Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  der 
Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der 
Wegweisung an.

H. 
Auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 8. März 2005 
trat die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 
wegen  Nichtbezahlens  des  Kostenvorschusses  mit  Urteil  vom  26. April 
2005 nicht ein. Das Bundesamt setzte der Beschwerdeführerin daraufhin 
eine neue Frist bis zum 27. Juni 2005 zum Verlassen der Schweiz an.

I. 
Mit  Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  27. Dezember  2006  liess  die 
Beschwerdeführerin beim BFM für sich und  ihren  inzwischen geborenen 
Sohn  ein  zweites  Asylgesuch  einreichen  und  beantragen,  es  sei 
widererwägungsweise  festzustellen,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft 
erfülle,  und  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei 
wiedererwägungsweise  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und 
Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  ihr  als 
Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  sie  zudem  beantragen,  es  sei  dem 
vorliegenden  Gesuch  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  der 
Vollzug  der  Wegweisung  und  die  Durchführung  von 
Vorbereitungshandlungen  seien  im  Sinne  einer  vorsorglichen 
Massnahme  zu  sistieren,  bis  über  die  aufschiebende  Wirkung  dieses 
vorliegenden Gesuches entschieden sei.

Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  eritreische 
Staatsbürger, welche sich länger im Ausland aufgehalten hätten, würden 
unter  den Generalverdacht  gestellt,  sie  hätten  sich  subversiv  gegen die 
jetzige  Regierung  betätigt.  Die  Beschwerdeführerin  sei  seit  Erlass  der 

D­1321/2008

Seite 4

ersten Verfügung  inzwischen noch  länger aus Eritrea abwesend. Als sie 
Äthiopien kurz vor einer Deportation nach Eritrea verlassen habe, sei sie 
im militärpflichtigen Alter gewesen und sei es heute noch.  Ihr drohe bei 
einer  Rückkehr  nebst  einer  unverhältnismässigen  Bestrafung  auch  der 
Einzug  in  einen  illegalen,  zeitlich  unbegrenzten  Militärdienst.  In  der 
Wahrnehmung der eritreischen Militärdiktatur werde das Ersuchen eines 
anderen  Staates  um  Schutz  einem  Landesverrat  gleichgesetzt.  Die 
flüchtlingsrechtliche  Relevanz  der  Militärdienstverweigerung  sei 
vorliegend  vom  BFM  nicht  hinreichend  geprüft  worden.  In  der 
Zwischenzeit  sei  es  ihr  gelungen,  ihren  äthiopischen  Ausländerausweis 
für  Eritreer  erhältlich  zu  machen.  Sie  habe  berechtigte  Angst,  von 
Äthiopien  nach  Eritrea  deportiert  zu  werden.  Personen  eritreischer 
Abstammung  würden  mit  Geburt  die  eritreische  Staatsangehörigkeit 
erwerben,  auch wenn  sie  auf  dem  heutigen Gebiet  Äthiopiens  geboren 
worden  seien.  Aus  dem Ausweis  gehe  hervor,  dass  sie  die  äthiopische 
Staatsbürgerschaft  verloren  habe,  wenn  sie  im  Besitze  derselben 
gewesen  sei.  Die  Möglichkeit  einer  eritreisch­äthiopischen 
Doppelbürgerschaft  sei  in Äthiopien nicht vorgesehen. Sie sei  somit nur 
im Besitze der eritreischen Staatsbürgerschaft.  Insgesamt würden diese 
Tatsachen  eine  erhebliche  Bedrohung  für  die  Beschwerdeführerin 
darstellen und gäben ihr begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung 
im Falle einer Rückkehr nach Eritrea.

Der  Eingabe  lagen  ein  oranger  Ausweis  mit  Foto  und  eine  Rede  des 
äthiopischen Premier, Meles Zenawi, vom 27. Oktober 2006 bei.

J. 
Das  BFM  ersuchte  am  22. Juni  2007  die  schweizerische  Vertretung  in 
Addis Abeba  um Abklärungen  bezüglich  der Echtheit  des  eingereichten 
Ausweises  und  der  äthiopischen  Adressangaben  der 
Beschwerdeführerin.

K. 
Mit Schreiben vom 24. August 2007  reichte die Schweizer Botschaft ein 
Bericht  eines  Vertrauensanwalts  vom  22. August  2007  mit  den 
Abklärungsergebnissen ein.

L. 
Am  18. Dezember  2007  hörte  das  BFM  die  Beschwerdeführerin 
nochmals  an  und  gab  ihr  die  Möglichkeit  zu  den  Ergebnissen  der 
Abklärungen der Schweizer Botschaft Stellung zu nehmen.

D­1321/2008

Seite 5

M. 
Mit  Verfügung  vom  30. Januar  2008  –  eröffnet  am  1. Februar  2008 – 
stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  würden  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und  lehnte deren Asylgesuche vom 
27. Dezember  2006  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  der 
Beschwerdeführenden  aus  der  Schweiz  und  forderte  sie  –  unter 
Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  auf,  die  Schweiz 
bis  zum  26. März  2008  zu  verlassen.  Ferner  stellte  es  fest,  dass  eine 
Wegweisung  nach  Eritrea  nicht  zumutbar  sei.  Zu  Lasten  der 
Beschwerdeführerin  erhob  das  BFM  zudem  Verfahrenskosten  von 
Fr. 1'200.–.

N. 
Mit  Eingabe  vom  28. Februar  2008  (Datum  Poststempel)  liessen  die 
Beschwerdeführenden  gegen  diese  Verfügung  beim 
Bundesverwaltungsgericht  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter 
Beschwerde erheben und beantragen, der Entscheid der Vorinstanz sei 
aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihnen 
Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  vorläufige  Aufnahme  wegen 
Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  anzuordnen  (vgl.  Beschwerde  S. 9  ff.).  In 
verfahrensrechtlicher Hinsicht  liessen  sie  zudem beantragen,  es  sei  der 
vorliegenden  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  es 
seien  der  Vollzug  der  Wegweisung  und  die  Durchführung  von 
Vorbereitungshandlungen  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  zu 
sistieren,  es  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  und  ­vertretung  zu 
gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.

Der  Beschwerde  wurde  eine  Kopie  einer  Verfügung  vom  1. November 
2007  betreffend  das  Verfahren  E­7237/2007  und  ein  Lohnblatt  vom 
Dezember 2007 beigelegt.

O. 
Mit Verfügung vom 7. März 2008 stellte die  Instruktionsrichterin  fest, die 
Beschwerdeführenden  könnten  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  gut,  verzichtete  auf  die 

D­1321/2008

Seite 6

Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  räumte  dem BFM Gelegenheit 
zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.

P. 
In der Vernehmlassung vom 18. März 2008 hielt das BFM fest, dass die 
Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel 
enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen würde, 
weshalb es die Abweisung der Beschwerde beantrage.

Q. 
Mit  Verfügung  vom  19. März  2008  gab  die  Instruktionsrichterin  den 
Beschwerdeführenden  Gelegenheit,  zur  Vernehmlassung  Stellung  zu 
nehmen.

R. 
Die  Beschwerdeführenden  reichten  am  31. März  2008  durch  ihren 
Rechtsvertreter eine Replik ein.

S. 
Am 20. Mai 2010 erteilte das BFM seine Zustimmung zur Erteilung einer 
Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) für die Beschwerdeführenden.

T. 
Mit Verfügung vom 31. Mai 2010 stellte die  Instruktionsrichterin  fest, die 
Beschwerde  sei  betreffend  Wegweisung  und  den  Vollzug  der 
Wegweisung  infolge  der  erteilten Aufenthaltsbewilligung gegenstandslos 
geworden,  und  fragte  die  Beschwerdeführenden  an,  ob  sie  an  der 
Beschwerde  hinsichtlich  der  Begehren  betreffend  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung festhalten oder diese allenfalls 
zurückziehen.

U. 
Mit  Schreiben  vom  12. Juni  2010  gaben  die  Beschwerdeführenden 
handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter  bekannt,  an  der  Beschwerde 
festzuhalten.

V. 
Am  18. März  2011  heiratete  die  Beschwerdeführerin  den  äthiopischen 
Staatsangehörigen und Vater ihres Sohnes C._______ (N […]).

D­1321/2008

Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1 
AsylG; Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 
Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

3. 
Verheiraten  sich  zwei  Asylsuchende  in  der  Schweiz,  die  unabhängig 
voneinander  ein  Asylgesuch  gestellt  haben,  kann  die  Frage  der 
Flüchtlingseigenschaft  des  einen  nicht  losgelöst  von  derjenigen  des 
anderen Ehegatten geprüft werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 1 E. 2a­d 
S. 5  f.).  Das  Gleiche  gilt  grundsätzlich  für  die  Frage  des 
Wegweisungsvollzugs,  da  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  einen 
nicht  gleichzeitigen  Vollzug  der  Wegweisung  von  Ehegatten  verbietet 

D­1321/2008

Seite 8

(vgl.  EMARK  1999  Nr. 1  E. 4  S. 6 f.).  Das  vorliegende 
Beschwerdeverfahren  ist  deshalb  mit  demjenigen  des  Ehemanns  und 
Vaters (D­2120/2008) koordiniert zu behandeln.

4. 
Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

5. 
5.1. Das Bundesamt  lehnte das  zweite Asylgesuch mit  der Begründung 
ab,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden  einerseits  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  nicht 
standhalten und andererseits der Asylrelevanz entbehren.

Im  Einzelnen  führte  es  aus,  dass  an  der  von  der  Beschwerdeführerin 
angegebenen Wohnadresse in Addis Abeba Personen lebten, welche die 
Beschwerdeführerin  nicht  kennen  würden.  In  der  Folge  hätten 
Abklärungen  der  Botschaft  bezüglich  der  Bewohner  an  der  in  der 
Aufenthaltsbewilligung  angegebenen  Adresse  ergeben,  dass  dort  ihr 
Vater,  die  Mutter  und  ihre  Geschwister  lebten.  Somit  stünden  die 
Abklärungen  der  Botschaft  im  Widerspruch  zu  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin  anlässlich  des  ersten  Asylgesuchs,  wo  sie 
angegeben  habe,  ihre  Mutter  sei  verstorben,  als  sie  noch  ein  Kind 
gewesen sei und  ihr Vater und  ihre Schwester seien  im Jahr 1999 nach 
Eritrea  verschleppt  worden.  Im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs 
anlässlich  der  Anhörung  vom  18. Dezember  2007  habe  sie  die 
Botschaftsabklärung  in  Abrede  gestellt  und  angegeben,  ihr  Onkel  und 
seine  Familie  seien  in  diesem  Haus  wohnhaft.  Die  Antwort  der 
Beschwerdeführerin  zur  anschliessenden  Frage,  wie  viele  Kinder  der 
Onkel habe und wie diese hiessen, stünden ebenfalls im Widerspruch zu 
den  Abklärungen  der  Botschaft.  Die  Beschwerdeführerin  habe  nämlich 

D­1321/2008

Seite 9

angegeben,  der  Onkel  habe  zwei  Kinder,  welche  dort  leben  würden, 
während  die  Botschaftsabklärung  ergeben  habe,  dass  sich  an  der 
besagten  Adresse  drei  Kinder  aufhielten.  Zudem  stimmten  die  Namen, 
welche  die Beschwerdeführerin  angegeben  habe,  nicht  überein mit  den 
Namen,  welche  im  Schreiben  der  Botschaft  aufgeführt  seien.  Somit 
müsse  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  im 
Asylverfahren  unwahre  Angaben  zu  ihrer  Familie  gemacht  habe. 
Aufgrund des Umstandes,  dass sich der Vater  noch  immer  in Äthiopien 
aufhalte,  könne  auch  die  Aussage  der  Beschwerdeführerin  zur 
Deportation  nach  Eritrea,  wie  dies  aufgrund  der  widersprüchlichen 
Aussagen  bereits  im  Entscheid  vom  17. Februar  2005  festgehalten 
wurde,  nicht  geglaubt werden. Bezüglich  der  geltend  gemachten Furcht 
vor  Bestrafung  wegen  Wehrdienstverweigerung  in  Eritrea  sei 
festzuhalten, dass sie noch nie in Eritrea gelebt habe. Sie sei deshalb in 
Eritrea weder zum Militärdienst aufgeboten worden, noch habe sie einen 
solchen  geleistet  und  nach  Desertation  das  Land  verlassen.  Bei  einer 
Einreise  in Eritrea  bestehe  für  sie  deshalb  keine  begründete Furcht  vor 
asylbeachtlichen  Massnahmen  der  eritreischen  Behörden  wegen 
Dienstverweigerung und Desertation. Die Beschwerdeführerin sei Mutter 
eines  Sohnes. Gemäss  Erkenntnissen  des  BFM  seien  in  Eritrea Mütter 
generell vom Militärdienst befreit. Sie müsse daher auch nicht befürchten, 
in  Zukunft  zum Militärdienst  aufgeboten  zu  werden.  In  der  Folge  seien 
diese  Vorbringen  nicht  asylrelevant.  Im  Weiteren  mache  sie  geltend, 
aufgrund  ihres  langjährigen  Auslandaufenthalts  von  der  eritreischen 
Regierung verdächtigt zu werden, sich subversiv verhalten zu haben. Im 
vorliegenden Fall habe sie keine gegen den Staat gerichtete oder andere 
Aktivitäten  ausgeübt,  die  zu  ernsthaften  Nachteilen  im  Sinne  des 
Asylgesetzes  führen  könnten. Folglich  ist  die blosse Tatsache,  dass  sie 
sich  im Ausland  aufgehalten  habe,  nicht  asylbeachtlich.  Die  Vorbringen 
hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3 
AsylG  nicht  stand.  Demzufolge  würden  die  Beschwerdeführenden  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  so  dass  die  Asylgesuche 
abzulehnen seien.

5.2.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  an  der  Glaubhaftigkeit  der 
Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  festgehalten  und  ausgeführt,  sie 
habe  auf  alle  ihr  gestellten  Fragen  genau  und  ausführlich  geantwortet. 
Überdies  habe  sie  den  Nachweis  bezüglich  ihrer  eritreischen 
Abstammung  erbracht.  Abklärungen  der  Schweizer  Botschaft  in  Addis 
Abeba,  welche  sich  auf  Angaben  von  Personen  oder  Behörden  in 
Äthiopien stützen würden, seien von geringem Beweiswert. Aufgrund des 

D­1321/2008

Seite 10

nach wie vor angespannten Klimas zwischen Äthiopien und Eritrea könne 
davon  ausgegangen  werden,  dass  äthiopische  Staatsbürger  –  egal  ob 
dies  aus  Angst  oder  aus  Kalkül  erfolge  –  falsche  Angaben  bezüglich 
eritreischer  Staatsbürger  machen  würden.  In  diesem  Sinne  werde  auf 
zwei ähnlich gelagerte Fälle (N […] und N […]) verwiesen, bei denen sich 
die  Botschaftsabklärung  als  tatsachenwidrig  erwiesen  habe.  Nur  der 
Onkel der Beschwerdeführerin lebe in Addis Abeba und sei bereit, sich zu 
seiner Nichte befragen zu  lassen. Warum dies vom BFM nicht gemacht 
worden  sei,  sei  nicht  nachvollziehbar.  Ihre  Angaben  bezüglich  Namen 
und  Anzahl  der  Kinder  ihres Onkels  bezögen  sich  auf  ihren Onkel  und 
nicht  auf  die  von  der  Botschaft  angeblich  ausfindig  gemachte  Familie. 
Auch  wenn  das  Familienoberhaupt  angeblich  den  Namen  "(…)"  trage, 
könne  nicht  ohne  weiteres  darauf  geschlossen  werden,  dass  diese 
Person  der Vater  der Beschwerdeführerin  sei. Der Name  "(…)"  (anders 
geschrieben: […], […], […], etc.) komme in Äthiopien sehr häufig vor. Das 
Verwandtschaftsverhältnis  der  vorgefundenen  Familie  zur 
Beschwerdeführerin werde bestritten. Der Vater sei deportiert worden und 
die Mutter sei  tot. Wenn sie etwas zu verheimlichen gehabt hätte, hätte 
sie  nicht  den  äthiopischen  Aufenthaltsausweis  für  eritreische 
Staatsbürger,  in  welchem  die  Adresse  aufgeführt  sei,  eingereicht.  Die 
Behauptung  des  BFM,  wonach  Mütter  von  kleinen  Kindern  vom 
Militärdienst  in  Eritrea  befreit  seien,  sei  tatsachenwidrig,  da  dies  nur 
stillende Mütter betreffe. Sie sei keine stillende Mutter mehr. Im Rahmen 
der  allgemeinen  Mobilmachung  bestehe  die  Vermutung,  dass  sich  die 
militärdienstpflichtige  Beschwerdeführerin  in  der  Wahrnehmung  des 
eritreischen  Regimes  ihrer  Dienstpflicht  durch  Flucht  beziehungsweise 
durch  Verweilen  im  Ausland  entzogen  habe.  Die  Schweizer 
Flüchtlingshilfe  (SFH)  halte  an  ihrer  Position  vom  28. März  2007  fest, 
wonach für das eritreische Regime die blosse Flucht ins Ausland und die 
Stellung  eines  Asylantrags  als  eindeutiger  Beleg  einer  staatsfeindlicher 
Haltung  gelte.  Eritreische  Asylsuchende  würden  bei  ihrer  Ankunft  in 
Eritrea  festgenommen und  in Geheimgefängnissen erfasst. Der Ausweis 
belege  ausserdem,  dass  sie  Eritreerin  sei  und  als  solche  nur  einen 
Ausländerstatus  in  Äthiopien  gehabt  habe.  Äthiopien  könne  daher  nicht 
als  ihr  Heimatstaat  gemäss  Art. 3  AsylG  beziehungsweise  Art. 1A  des 
Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge 
(FK,  SR 0.142.30)  gelten.  Eine  allfällige  Möglichkeit  sich  in  Äthiopien 
einbürgern zu lassen, vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 
Aus  der  Formulierung  von  Art. 1A  Abs. 2  FK  sowie  in  Verbindung  mit 
Art. 1C  Ziff. 1  und  5  FK  werde  mit  dem  Begriff  "Heimatstaat" 
beziehungsweise "Heimatland" klarerweise das Land bezeichnet, dessen 

D­1321/2008

Seite 11

Staatsangehörigkeit  der  Flüchtling  besitze  und  nicht  etwa  das  Land, 
dessen  Staatsangehörigkeit  sie  erwerben  könne.  Das  äthiopische 
Regime betreibe gegenüber Eritreern und binationalen Bürgern eine sehr 
repressive  Politik.  Nach  wie  vor  bestehe  die  Gefahr  von  willkürlicher 
Verhaftung  und  Belästigungen  durch  die  Sicherheitskräfte  und 
Kettenabschiebung  nach  Eritrea.  Vor  diesem  Hintergrund  könne  nicht 
davon ausgegangen werden, dass ihre Aufenthaltsbewilligung verlängert 
werde und  ihr  seitens der  äthiopischen Behörden  keine Verfolgung und 
Diskriminierung drohe. Dieser Umstand als auch die Tatsache, dass der 
Sohn der Beschwerdeführerin keine Aufenthaltsbewilligung  für Äthiopien 
verfüge  und  auch  keinen  Rechtsanspruch  –  ebenso  wenig  die 
Beschwerdeführerin  –  auf  eine  solche  hat,  bleibe  von  der  Vorinstanz 
gänzlich  ungewürdigt  und  ungeprüft,  was  gemäss  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­1923/2007 vom 5. Juli 2007 unzulässig sei.

5.3. In der Vernehmlassung vom 18. März 2008 hält das BFM fest, dass 
es Sache der Beschwerdeführerin  sei,  ihren Sohn bei  den äthiopischen 
Behörden  zu  registrieren  und  die  dafür  benötigten  Dokumente 
einzureichen.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  könne  sie  die 
notwendigen Schritte  unternehmen,  um den Aufenthalt  ihres Sohnes  zu 
legalisieren.  Aus  den  Akten  seien  nämlich  keine  Indizien  ersichtlich, 
wonach der Sohn nicht nach Äthiopien  reisen und dort  via seine Mutter 
eine  Aufenthaltsbewilligung  oder  die  äthiopische  Staatsangehörigkeit 
erlangen könnte.

5.4.  In  der  Replik  vom  31. März  2008  werden  diese  Ausführungen  des 
BFM bestritten.

6. 
6.1.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

6.2. Das BFM erachtete  in  seiner Verfügung  vom 17. Februar  2005  die 
Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  betreffend  die  Vorladungen  nach 
ihrer Haftentlassung bis zur Ausreise im Herbst 2003 als nicht glaubhaft. 

D­1321/2008

Seite 12

Hinsichtlich  der  Vorbringen  –  ihr  Vater,  ihre  Schwester  und  eine  Tante 
seien  nach  Eritrea  deportiert  worden  und  sie  selber  sei  drei  Monate 
inhaftiert, befragt und dabei geschlagen und sexuell misshandelt worden 
– äusserte  das  BFM  jedoch  keine  Zweifel.  Es  hielt  hingegen  fest,  der 
Grenzkonflikt  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  habe  zu  zahlreichen 
Übergriffen und Diskriminierungen geführt.  Insbesondere  in der Zeit von 
Mitte 1998 bis Ende 2000 seien etwa 70'000 Äthiopier und Äthiopierinnen 
eritreischer  Herkunft  verschleppt  worden.  Die  von  der 
Beschwerdeführerin  geltend  gemachte  Deportation  ihrer  Angehörigen 
und  ihre  persönlichen  Erlebnisse  würden  offensichtlich  auf  der 
angespannten Lage und den schwierigen Lebensbedingungen als Folge 
der bewaffneten Auseinandersetzungen der beiden Ländern beruhen. Die 
Situation in Äthiopien habe sich jedoch inzwischen wesentlich verbessert. 
Eritrea  und  Äthiopien  befänden  sich  in  einer  Phase  der  Stabilisierung. 
Zurzeit  würden  nur  diejenigen  eritreischen  Staatsangehörigen  oder 
Personen eritreischer Herkunft nach Eritrea zurückgeführt, für die aus der 
Sicht  der  äthiopischen  Behörden  Grund  zur  Annahme  bestehe,  sie 
würden die öffentliche Ruhe und Ordnung stören – Überlegungen, die für 
die  Beschwerdeführerin  nicht  zutreffen  würden.  Zudem  führe  das  IKRK 
seit  Juni  2000  auf  freiwilliger  Basis  Rückführungen  durch,  was  die 
Rückkehr  von  42'000  äthiopischen  und  5'500  eritreischen 
Staatsangehörigen  ermöglicht  habe.  Diese  Entwicklung  halte  an.  Die 
Situation  der  Beschwerdeführerin  habe  sich  aufgrund  der  neusten 
Entwicklungen in Äthiopien grundsätzlich verändert, so dass auch dieses 
Vorbringen  der  Asylrelevanz  entbehre.  Entgegen  der Darstellung  in  der 
angefochtenen Verfügung trifft es in Anbetracht dieser Erwägungen nicht 
zu, dass das BFM die Aussagen der Beschwerdeführerin betreffend die 
Deportation  ihrer  Angehörigen  nach  Eritrea  aufgrund  widersprüchlicher 
Angaben  bereits  im  Entscheid  vom  17. Februar  2005  als  unglaubhaft 
bezeichnet hat.

6.3.  Soweit  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  aufgrund  der 
Ergebnisse einer Botschaftsanfrage die Angaben der Beschwerdeführerin 
zu  ihrer  Familie  und  der  Deportation  als  unglaubhaft  erachtet,  ist 
festzuhalten, dass die Vorinstanz einerseits der Schweizer Vertretung  in 
Addis Abeba hinsichtlich der Wohnadresse der Beschwerdeführerin keine 
korrekten  Angaben  machte  und  andererseits  aus  den 
Abklärungsergebnissen  unzutreffende  Rückschlüsse  gezogen  hat.  Das 
BFM teilte der Schweizer Botschaft mit:  "The applicant has explained  to 
have lived her whole life in Addis Abeba at the following adress: (…)." Die 
Beschwerdeführerin hat aber an keiner Befragung oder Anhörung geltend 

D­1321/2008

Seite 13

gemacht,  ihr ganzes Leben  im Haus Nr. Z._______ verbracht zu haben. 
Sie hat vielmehr angegeben, sie habe dort bis  ins Jahre 1999 mit  ihrem 
Vater  gelebt. Danach habe sie bei  ihrem Onkel  im Haus Nr. Y._______ 
gewohnt  (vgl.  act. A4/24  S. 6  Ziff. 10,  A19/10  S. 2,  B10/7  S. 2).  Es  ist 
deshalb  naheliegend,  dass  der  von  der  Schweizer  Botschaft  in  Addis 
Abeba  beauftragte  Vertrauensanwalt  zwar  das  Haus  Nr. Z._______ 
gefunden hat, dessen Bewohner jedoch die Beschwerdeführerin nicht zu 
kennen  angaben.  Ferner  stellte  der  Vertrauensanwalt  bei  seinen 
Abklärungen fest, die Bewohner der Hausnummer Y._______ seien "Mr. 
D._______ and M/s E._______ with their children F._______, G._______ 
and  H._______.  A._______  ([andere  Schreibweise  von  A._______])  is 
registered in the file but the investigator was told that she was out of the 
country."  Warum  im  beigelegten  Brief  der  Botschaft  an  das  BFM  dann 
erwähnt wird,  dass der Vertrauensanwalt  habe  feststellen  können,  dass 
die  ganze  Familie  der  Beschwerdeführerin  dort  lebe,  das  heisse,  ihr 
Vater,  ihre  Mutter  und  ihre  drei  Geschwister,  ist  schleierhaft,  denn  der 
Vertrauensanwalt  hat  in  seinen  am  22. August  2007  schriftlich 
festgehaltenen  Erkenntnissen  nicht  erklärt,  bei  den  Bewohnern  der 
Hausnummer  Y._______  handle  es  sich  um  den  Vater,  die Mutter  und 
drei  Geschwister  der  Beschwerdeführerin.  Aufgrund  der 
Botschaftsanfrage  bleibt  somit  unklar,  ob  die  vom  Vertrauensanwalt 
vorgefundenen  Personen  im  Haus  Nr. Y._______  mit  der 
Beschwerdeführerin  verwandt  sind  oder  es  sich,  wie  von  der 
Beschwerdeführerin  vermutet,  um  Drittpersonen  handelt,  die  dort  zur 
Untermiete wohnen würden.  Immerhin  liegen zwischen der Ausreise der 
Beschwerdeführerin im Oktober 2003 bis zum Zeitpunkt der Abklärungen 
durch den Vertrauensanwalt  im Sommer 2007 rund vier Jahre,  in denen 
es  im Haus Nr. Y._______  in Bezug auf dessen Bewohner durchaus zu 
Veränderungen  gekommen  sein  kann.  Die  Abklärungen  des 
Vertrauensanwaltes können mithin durchaus zutreffend sein. Sie stehen 
aber  nicht  zwingend  im  Widerspruch  zu  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin,  weshalb  aus  den  Erkenntnissen,  die  der 
Vertrauensanwalt  bei  seinen  Abklärungen  gewonnen  hat,  bei  der 
Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführen 
nichts zu ihren Ungunsten abgeleitet werden kann.

6.4. Zusammenfassend ergibt  sich, dass die Erwägungen des BFM, mit 
welchen es  begründet,  die Beschwerdeführerin  habe unwahre Angaben 
zu ihrer Familie gemacht, weshalb ihre Angaben zur erfolgten Deportation 
ihrer Angehörigen nach Eritrea im Jahre 1999 nicht glaubhaft seien, nicht 
zu überzeugen vermögen. Das Bundesverwaltungsgericht ist indessen an 

D­1321/2008

Seite 14

die  Begründung  der  Vorinstanz  nicht  gebunden  (vgl.  Art. 62  Abs. 4 
VwVG),  weshalb  es  die  Entscheidbegründung  des  BFM  durch  eine 
andere  ersetzen  und  eine  Beschwerde  aus  andern  Überlegungen  als 
jenen  des  BFM  abweisen  kann  (sog.  Motivsubstitution;  vgl.  MADELEINE 
CAMPRUBI  in:  AUER/MÜLLER/SCHINDLER  [HRSG.],  VwVG,  Kommentar  zum 
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N 
15  zu  Art.  62  VwVG;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren 
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 240, 
Rz. 677). 

7. 
7.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine 
asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten 
muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive 
durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure 
zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 
BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in 
ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE 
2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.). 
Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 
begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 
Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden 
Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38 f.,  WALTER 
STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

7.2. Die Beschwerdeführerin macht  einerseits  geltend,  in  Eritrea wegen 
Militärdienstverweigerung und Desertation unverhältnismässig bestraft zu 
werden.  In  diesem  Zusammenhang  ist  vorweg  festzuhalten,  dass  das 
BFM die eritreische Abstammung der Beschwerdeführerin  aufgrund des 
als authentisch erachteten Ausweises nicht bezweifelt hat. Es hat jedoch 
zu  Recht  festgestellt,  dass  die  Befürchtung  der  Beschwerdeführerin,  in 
Eritrea  in den Militärdienst eingezogen oder wegen Desertation  inhaftiert 

D­1321/2008

Seite 15

zu werden, nicht begründet ist. Die Beschwerdeführerin ist im Jahre 1982 
in Addis Abeba geboren worden. Sie hat sich nie  in Eritrea aufgehalten, 
sondern hat bis zu ihrer Ausreise in Äthiopien gelebt. Nach ihrer Einreise 
in die Schweiz  im Oktober 2003 bezeichnete  sie  sich vorerst  immer als 
Staatsangehörige Äthiopiens, obwohl Eritrea bereits im Jahre 1993 seine 
Unabhängigkeit  erlangt  hatte  (vgl.  act. A1/2,  A4/24  S. 2  und  4,  A9/2, 
A12/7  S. 1).  Erst  bei  der  Einreichung  ihres  zweiten  Asylgesuchs  am 
27. Dezember 2006 machte die Beschwerdeführerin – dies nachdem mit 
EMARK  2006  Nr. 3  ein  Entscheid  betreffend  Deserteure  und 
Dienstverweigerer  in Eritrea  publiziert wurde –  erstmals  geltend,  sie  sei 
eritreische  Staatsangehörige.  Nach  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  handelt  es  sich  bei  dem  von  der 
Beschwerdeführerin  mit  dem  Gesuch  eingereichten  orangefarbenen 
Ausweis  –  im  Gegensatz  zum  blauen  Ausweis  –  nicht  um  eine 
Aufenthaltsbewilligung,  sondern  lediglich  um  einen  äthiopischen 
Identitätsausweis  für  eritreische  Staatsangehörige.  Die 
Beschwerdeführerin  belegt  mit  diesem  Ausweis  zwar,  dass  die 
äthiopischen  Behörden  sie  im  Jahre  2002  als  Eritreerin  erachteten.  Sie 
verfügt  jedoch  über  keine  eritreischen  Identitätspapiere.  Aus  den  Akten 
geht  im  Übrigen  auch  nicht  hervor,  dass  sie  jemals  die  eritreische 
Staatsbürgerschaft  angenommen  oder  diese  zumindest  beantragt  hatte 
(vgl.  act. A17/16  S. 3,  B10/7  S. 3).  Es  ist  deshalb  nicht  davon 
auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  bei  den  Behörden  in  Eritrea 
als  Staatsangehörige  registriert  ist.  Dementsprechend  bestehen  denn 
auch – was  insofern auch nicht erstaunen kann – keine Hinweise, dass 
sie von den eritreischen Behörden zum Militärdienst aufgeboten worden 
wäre.  Gemäss  Praxis  gilt  die  Furcht  vor  einer  Bestrafung  wegen 
Dienstverweigerung  oder  Desertion  indessen  nur  dann  als  begründet, 
wenn  die  betroffene  Person  glaubhaft  machen  kann,  dass  die  mit  der 
Durchsetzung  der  Dienstpflicht  betrauten  Organen  des  eritreischen 
Staats mit  ihr  in  konkreten Kontakt  getreten  sind  und  erkennbar wurde, 
dass sie rekrutiert werden sollte (vgl. EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.10 und 4.11 
S. 39 ff.).  Vorliegend  trifft  dies  auf  die Beschwerdeführerin  offensichtlich 
nicht zu. Entgegen der Vermutung  in der Beschwerde besteht demnach 
kein Grund für die Annahme, dass der Beschwerdeführerin in Eritrea eine 
Strafe wegen Militärdienstverweigerung oder Desertation drohen könnte. 
Allein  die Möglichkeit,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  dienstpflichtigen 
Alter  ist  und  als  nicht  stillende  Mutter  in  Eritrea  zum  Militärdienst 
aufgeboten werden könnte,  ist asylrechtlich grundsätzlich nicht  relevant, 
da  jeder  Staat  das  Recht  hat,  eine  Armee  zu  unterhalten  und  seine 
Bürger  zum Dienst  in  dieser  Armee  zu  verpflichten.  Die  Einberufung  in 

D­1321/2008

Seite 16

den  Militärdienst  ist  daher  für  sich  genommen  flüchtlingsrechtlich  nicht 
relevant,  solange  die  Rekrutierung  nicht  darauf  abzielt,  einem 
Wehrpflichtigen  aus  einem  der  in  Art. 3  AsylG  genannten  Gründe 
erhebliche  Nachteile  zuzufügen  oder  diesen  in  völkerrechtlich  verpönte 
Handlungen  zu  verstricken  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 2  E. 6.b.aa  S. 16 f.). 
Aus  den  Akten  ist  jedoch  nicht  ersichtlich,  inwiefern  der 
Beschwerdeführerin bei einer Rekrutierung erhebliche Nachteile im Sinne 
von  Art. 3  AsylG  drohen  sollten.  Die  Beschwerdeführerin  muss  sich 
demnach  in  Eritrea  nicht  vor  ernsthaften  Nachteilen  wegen 
Dienstverweigerung  oder  Desertation  fürchten  und  es  ist  auch  nicht 
ersichtlich,  dass  sie  im  Falle  der  Einberufung  in  den  Militärdienst 
asylrechtlich erhebliche Nachteile in Kauf nehmen müsste.

7.3. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend,  in Äthiopien bestehe 
für  Eritreer  beziehungsweise  Eritreerinnen  die  Gefahr  von  willkürlicher 
Verhaftung  und  Belästigungen  durch  die  Sicherheitskräfte  und 
Kettenabschiebung nach Eritrea. Es müsse davon ausgegangen werden, 
dass  ihr  seitens  der  äthiopischen  Behörden  eine  Verfolgung  und 
Diskriminierung  drohe.  Diesbezüglich  ist  festzustellen,  dass  sich  die 
Beschwerdeführerin  nach  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts heutzutage  in Äthiopien nicht mehr aufgrund 
ihrer  eritreischen  Herkunft  vor  Diskriminierung,  willkürlicher  Verhaftung 
oder einer Deportation nach Eritrea zu fürchten braucht. Der zweieinhalb 
Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 
2000  beendet.  Die  staatlichen  Deportationen  haben  im  Jahre  2002 
bereits  wieder  ein  Ende  gefunden  und  die  Situation  der  eritreisch­
stämmigen  Ausländer  in  Äthiopien  hat  sich  in  den  letzten  Jahren  im 
Übrigen auch auf  rechtlicher Ebene erheblich  verbessert  (vgl. BVGE E­
2097/2008  vom  7. Juli  2011  E. 5).  Der  Hinweis  in  der  Beschwerde  auf 
eine Verfügung  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 1. November  2007 
in  welcher  festgestellt  wurde,  dass  die  Frage  der  Staatsangehörigkeit 
zentral  sei,  um  festzustellen,  ob  einer  Person  bei  einer  allfälligen 
Rückkehr  nach  Äthiopien  mangels  äthiopischer  Staatsangehörigkeit 
aufgrund  der  eritreischer  Herkunft  Nachteile  drohen,  ist  deshalb  in 
vorliegendem  Verfahren  aufgrund  der  veränderten  Situation  nicht  mehr 
von  Bedeutung.  Eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG liegt auch insoweit nicht vor.

7.4. 
7.4.1. Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach 
Art. 3  AsylG  ist  sodann  nicht  die  Situation  im  Zeitpunkt  der  Ausreise, 

D­1321/2008

Seite 17

sondern die Situation  im Zeitpunkt des Asylentscheids. So  ist auch eine 
asylsuchende  Person  als  Flüchtling  anzuerkennen,  die  aufgrund 
subjektiver  Nachfluchtgründe  nach  Art. 54  AsylG,  das  heisst  erst  durch 
die  unerlaubte  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder 
wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise, eine Verfolgung im Sinne von 
Art. 3  AsylG  befürchten  muss.  In  diesen  Fällen  hat  jedoch,  trotz 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  ein  Ausschluss  vom  Asyl  zu 
erfolgen.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG 
gelten  insbesondere  unerwünschte  exilpolitische  Betätigungen,  illegales 
Verlassen  des Heimatlandes  (sog.  Republikflucht)  oder  die  Einreichung 
eines  Asylgesuchs  im  Ausland,  wenn  sie  die  Gefahr  einer  zukünftigen 
Verfolgung begründen (BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.).

7.4.2.  Die  Beschwerdeführerin  befürchtet  aufgrund  ihrer  Flucht  ins 
Ausland,  der  Asylgesuchstellung  in  der  Schweiz  und  des  langjährigen 
Auslandaufenthalts  von  den  eritreischen  Behörden  verdächtigt  zu 
werden,  sich  subversiv  verhalten  zu  haben  und  des  Landesverrats 
beschuldigt  zu werden. Wie  bereits  ausgeführt  (vgl.  E. 7.2)  hat  sich  die 
Beschwerdeführerin nie in Eritrea aufgehalten. Sie ist demnach nicht aus 
Eritrea  geflüchtet  beziehungsweise  illegal  ausgereist.  Entgegen  der 
Auffassung  in  der  Beschwerde  ist  auch  nicht  davon  auszugehen,  die 
eritreischen Behörden würden automatisch aus der vermuteten  illegalen 
Ausreise  schliessen,  sie  habe  sich  der  drohenden  Zwangsrekrutierung 
durch  die  Militärpolizei  entzogen,  zumal  es,  wie  bereits  aufgezeigt, 
vorliegend  an  jeglichem  Kontakt  mit  den  Militärbehörden  fehlte. 
Ausserdem bestehen keine Hinweise, die darauf schliessen liessen, dass 
die  eritreischen  Behörden  von  der  Einreichung  des  Asylgesuchs  der 
Beschwerdeführerin in der Schweiz Kenntnis genommen haben könnten. 
Bei  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Auffassung,  die  eritreischen 
Behörden  würden  allein  aufgrund  des  Umstandes,  dass  sich  die 
Beschwerdeführerin  ihr  ganzes  Leben  lang  ausserhalb  von  Eritrea 
aufgehalten  habe,  den  Verdacht  hegen,  sie  hätte  sich  regimefeindlich 
verhalten,  handelt  es  sich  daher  um  eine  Mutmassung.  Die 
Beschwerdeführerin  hat  im  Ausland  nämlich  keine  gegen  den  Staat 
gerichtete  oder  andere  Aktivitäten  ausgeübt,  weshalb  nicht  davon 
auszugehen  ist,  die  eritreischen  Behörden  wären  auf  sie  aufmerksam 
geworden.  Aus  diesen  Umständen  kann  nicht  geschlossen  werden,  sie 
habe  deswegen  bei  der  Einreise  nach  Eritrea  mit  erheblicher 
Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  mit  asylrechtlich  relevanten 
Nachteilen zu rechnen. 

D­1321/2008

Seite 18

8. 
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine 
asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die eritreischen 
oder  äthiopischen  Behörden  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft 
machen  konnten  und  deshalb  nicht  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden 
können.  Das  BFM  hat  somit  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführenden verneint und deren Asylgesuche abgelehnt.

9.  
9.1.  Gemäss  Art. 51  Abs. 1  AsylG  werden  Ehegatten,  eingetragene 
Partnerinnen  oder  Partner  von  Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen 
Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl,  wenn  keine 
besonderen Umstände dagegen sprechen.

9.2. Die  Beschwerdeführerin  hat  am  18. März  2011  ihren  äthiopischen 
Lebenspartner  C._______  (N […])  geheiratet.  Das 
Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil D­2120/2008 vom 29. Dezember 
2011  festgestellt,  dass  der  Ehemann  und  Vater  der 
Beschwerdeführenden keine asylrechtlich relevante Verfolgung  im Sinne 
von  Art. 3  AsylG  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft machen  konnte 
und  auch die Voraussetzungen  für  die Anerkennung  als  Flüchtling  gestützt  auf 
Art. 51  Abs. 1  AsylG  nicht  gegeben  sind.  Ein  Einbezug  der 
Beschwerdeführenden in die Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes und 
Vaters im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG fällt somit nicht in Betracht.

10.  
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerdeführenden  keine 
asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen 
oder  zumindest  glaubhaft machen  konnten  und  auch  die  Voraussetzungen 
für  die  Anerkennung  als  Flüchtling  gestützt  auf  Art. 51  Abs. 1  AsylG  nicht 
gegeben sind. Das BFM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden demnach 
zu Recht abgelehnt. 

11. 
11.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der  Familie  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Gemäss  Art. 32  Bst. a  der 
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  (AsylV 1, 
SR 142.311) wird die Wegweisung aus der Schweiz nicht verfügt, wenn 

D­1321/2008

Seite 19

die  asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder 
Niederlassungsbewilligung ist. 

11.2.  Vorliegend  erteilte  der  Kanton  (…)  den  Beschwerdeführenden 
gestützt  auf Art. 14 Abs. 2 AsylG mit  Zustimmung des BFM am 20. Mai 
2010  eine  Aufenthaltsbewilligung.  Dadurch  ist  die  vom  BFM  verfügte 
Wegweisung aus der Schweiz sowie die Anordnung des Vollzugs (Ziffern 
3  bis  6  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  30. Januar  2008)  als 
dahingefallen  zu  betrachten,  da  diese  Anordnungen  gegenüber  der 
kantonalen  Aufenthaltsbewilligung  keinen  Bestand  haben  können  (vgl. 
EMARK 2001 Nr. 21 E. 11c S. 178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251). Die 
Beschwerde  ist  demnach,  soweit  beantragt  wurde,  es  sei 
wiedererwägungsweise  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und 
Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  ihr  als 
Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren, als 
gegenstandslos geworden abzuschreiben.

12. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  abzuweisen  ist, 
soweit  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung 
von  Asyl  beantragt  werden.  Gleichzeitig  ist  sie  als  gegenstandslos 
geworden  abzuschreiben,  soweit  beantragt  wird,  es  sei  die  vorläufige 
Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit 
des Wegweisungsvollzugs anzuordnen.

13. 
In  der  Beschwerde  wird  neben  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im 
Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  auch  die  unentgeltliche 
Prozessvertretung  beantragt,  über welche  bisher  nicht  befunden wurde. 
Ausschlaggebend  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  ist,  ob  die 
Partei  zur  Wahrung  ihrer  Rechte  notwendigerweise  der  professionellen 
juristischen  Hilfe  eines  Anwaltes  bedarf  (vgl.  dazu  BGE  122  I  49  E. 2c 
S. 51 ff.,  BGE  120  Ia  43  E. 2a  S. 44 ff.).  Angesichts  dessen,  dass 
Verfahren  –  wie  das  vorliegende  –  vom  Untersuchungsgrundsatz 
beherrscht sind, rechtfertigt es, an die Voraussetzungen unter denen die 
Bestellung  eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistands  sachlich  geboten  ist, 
einen strengen Massstab anzulegen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 
122  I  8 E. 2c S. 10). Da es  im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren  im 
Wesentlichen  um  die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
geht,  sind  zur  wirksamen  Beschwerdeführung  besondere 

D­1321/2008

Seite 20

Rechtskenntnisse  daher  im  Regelfall  nicht  unbedingt  erforderlich, 
weshalb praxisgemäss die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne 
von Art. 65 Abs. 2 VwVG nur  in den besonderen Fällen gewährt wird,  in 
welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten 
bestehen.  Ein  dergestalt  in  tatsächlicher  oder  rechtlicher  Hinsicht 
besonders komplexes Verfahren liegt im vorliegenden Fall nicht vor. Das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  ist 
deshalb  –  unabhängig  von  der  Frage  der  Bedürftigkeit  der 
Beschwerdeführenden – abzuweisen. 

14. 
14.1.  Die  Beschwerdeführenden  sind  im  vorliegenden  Verfahren 
unterlegen, soweit die Aufhebung der Verfügung des Bundesamtes vom 
30. Januar  2008  und  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie 
die  Asylgewährung  beantragt  werden,  weshalb  sie  insoweit 
kostenpflichtig  werden  (vgl.  Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Das 
Bundesverwaltungsgericht veranschlagt im Asylbeschwerdeverfahren bei 
Konstellationen  wie  der  vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der 
Hälfte.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wären  somit 
grundsätzlich  die  um  die  Hälfte  zu  ermässigenden  Kosten  den 
Beschwerdeführenden  zu  überbinden.  Nachdem  das  Gesuch  der 
Beschwerdeführenden  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege 
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 7. März 
2008  gutgeheissen  wurde,  sind  jedoch  keine  Verfahrenskosten  zu 
erheben. 

14.2. 
14.2.1.  Sodann  sind  bei  einem  gegenstandslos  gewordenen  Verfahren 
die  Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die 
Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat.  Ist  das  Verfahren  ohne  Zutun  der 
Parteien gegenstandslos geworden, so werden die Kosten auf Grund der 
Sachlage  vor  Eintritt  des  Erledigungsgrunds  festgelegt  (vgl.  Art. 5  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

14.2.2.  Die  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  hinsichtlich  der 
Anordnung der Wegweisung und  ihres Vollzugs  ist  infolge der Erteilung 
einer  Aufenthaltsbewilligung  an  die  Beschwerdeführenden  durch  den 
Kanton (…) und somit ohne Zutun der Parteien eingetreten. Festzuhalten 
bleibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  vom  30. Januar  2008  nicht  zu 
beanstanden  gewesen  wäre,  soweit  darin  die  Wegweisung  der 

D­1321/2008

Seite 21

Beschwerdeführenden verfügt worden ist. Sie waren nicht im Besitz einer 
Aufenthaltsbewilligung  und  verfügten  auch  über  keinen  Anspruch  auf 
Erteilung einer solchen. Das BFM erachtete den Vollzug der Wegweisung 
nach  Eritrea  als  unzumutbar,  kam  jedoch  zum  Schluss,  dass  die 
Beschwerdeführenden  sich  wieder  in  Äthiopien  niederlassen  könnten. 
Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis davon aus, dass 
der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Äthiopien  grundsätzlich  nicht 
unzumutbar  ist  (vgl.  BVGE  E­2097/2008  E. 8.3­8.6).  Die 
Beschwerdeführerin  war  im  Zeitpunkt  der  Erteilung  der 
Aufenthaltsbewilligung am 20. Mai 2010 noch nicht verheiratet und  lebte 
auch  nicht  mit  dem  Vater  des  gemeinsamen  Kindes  zusammen.  In 
Anbetracht der schwierigen Situation alleinstehender Frauen in Äthiopien 
(vgl.  zum  Ganzen  BVGE  E­2097/2008  E. 8.5)  und  da  die 
Beschwerdeführerin  die  alleinige  Verantwortung  für  ihr  Kind  zu  tragen 
gehabt hatte, dürfte sie trotz dem vorhandenen Beziehungsnetz in Addis 
Abeba  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Äthiopien  als  alleinstehende,  junge 
Frau  mit  einem  Kleinkind  kaum  in  der  Lage  gewesen  sein,  einer 
geregelten  Arbeit  nachzugehen  und  ein  die  Existenz  sicherndes 
Einkommen  zu  erzielen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  der 
Beschwerdeführenden  wäre  unter  diesen  Umständen  im  Zeitpunkt  vor 
Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung  als  unzumutbar  zu  beurteilen 
gewesen  (Art. 83  Abs. 4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Die 
Beschwerdeführenden  wären  somit  mit  ihren  auf  Feststellung  der 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  Anordnung  der 
vorläufigen  Aufnahme  lautenden  Begehren  voraussichtlich 
durchgedrungen. Der mit Verfügung vom 30. Januar 2008 angefochtene 
Vollzug  der  Wegweisung  wäre  folglich  aufzuheben  und  das  BFM 
anzuweisen  gewesen,  die  vorläufige  Aufnahme  der 
Beschwerdeführenden  anzuordnen.  Den  Beschwerdeführenden  sind 
demnach  keine  Kosten  aufzuerlegen,  soweit  das  Verfahren  als 
gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.

15. 
Das  BFM  erhob  gemäss  Ziffer  6  des  Dispositivs  der  angefochtenen 
Verfügung  vom 30. Januar  2008  für  das erstinstanzliche Verfahren eine 
Gebühr  in  der Höhe  von  Fr. 1'200.–  (vgl.  Art. 17b  Abs. 4  AsylG).  Diese 
Gebühr  ist  angesichts  dessen,  dass  die  Beschwerdeführenden  im 
Vollzugspunkt  mit  ihrer  Beschwerde  durchgedrungen  wären,  nicht  im 
vollem Umfang gerechtfertigt und praxisgemäss um die Hälfte zu kürzen. 
Für den Fall, dass die Gebühr von den Beschwerdeführenden  in vollem 

D­1321/2008

Seite 22

Umfang  bezahlt  wurde,  ist  das  BFM  anzuweisen,  ihnen  Fr. 600.– 
zurückzuerstatten.

16. 
Bei  dieser  Sachlage  ist  den  Beschwerdeführenden  eine 
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere 
notwendige Auslagen (vgl. Art. 7, Art. 9 und Art. 13 VGKE) zuzusprechen 
(vgl.  Art. 15  i. V. m.  Art. 5  VGKE).  Da  der  Rechtsvertreter  keine 
Kostennote  eingereicht  hat,  ist  die  um  die  Hälfte  zu  kürzende 
Parteientschädigung  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  VGKE)  auf  Grund  der  Akten 
(Art. 14  Abs. 2  VGKE)  auf  insgesamt  Fr. 630.–  (inklusive  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer)  zu bemessen  (Art. 14 Abs. 2 und Art. 8  ff. VGKE). Das 
BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführenden  diesen  Betrag  als 
Parteientschädigung zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

D­1321/2008

Seite 23

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos 
geworden abgeschrieben wird.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung 
wird abgewiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das BFM wird  angewiesen,  den Beschwerdeführenden  die  von  ihm mit 
Verfügung  vom  30. Januar  2008  erhobene  Gebühr  von  Fr. 1200.–  im 
Umfang  von  Fr. 600.–  zurückzuerstatten,  falls  sie  die  Gebühr  bezahlt 
haben sollten.

5. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine 
Parteientschädigung von Fr. 630.– auszurichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: