# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c4716322-d565-549d-9d15-70f098f9583f
**Source:** Appenzell Innerrhoden (AI)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-10-22
**Language:** de
**Title:** Appenzell Innerrhoden Bezirksgericht 22.10.2025 (publiziert) KSE 8-2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AI_Aktuell/AI_BZG_001_KSE-8-2025_2025-10-22.pdf

## Full Text

1 - 12 

 Beschwerde gegen Haftverlängerung 

Untersuchungshaft ist nur zulässig, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder 
Vergehens dringend verdächtig ist und besondere Haftgründe vorliegen (Art. 221 Abs. 1 
StPO). Die Haft muss überdies verhältnismässig sein. Das Haftgericht hat bei der Überprü-
fung des dringenden Tatverdachts nur zu prüfen, ob aufgrund der bisherigen Untersuchungs-
ergebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für ein Verbrechen oder Vergehen vorliegen. 
 
Der dringende Tatverdacht der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB liegt 
beim Beschwerdeführer, dem vorgeworfen wird, die Privatklägerin trotz entsprechender Auf-
forderung nicht aus dem Auto aussteigen lassen zu haben, aufgrund der dem Gericht vorlie-
genden Aufnahmen der Notrufe vor. Beim Beschwerdeführer, der einen ausgeprägten Aus-
landbezug hat, ist zudem von Fluchtgefahr auszugehen. 
 

Erwägungen: 

I. 

 

1. Mit Entscheid Z 5-2025 des Zwangsmassnahmengerichts Appenzell I.Rh. vom 23. Juni 

2025 wurde die Untersuchungshaft von A. bis und mit 16. August 2025 verlängert. 

 

In der Begründung führte es im Wesentlichen aus, in Bezug auf den allgemeinen Haft-
grund des dringenden Tatverdachts könne vorab auf die nach wie vor zutreffenden Er-
wägungen des Zwangsmassnahmengerichts im Entscheid vom 20. Mai 2025 und auf 
die Ausführungen der Staatsanwaltschaft im Haftverlängerungsantrag verwiesen wer-
den. Betreffend die Sexualdelikte habe die Staatsanwaltschaft am 23. Mai 2025 und am 
10. Juni 2025 zwei weitere Einvernahmen des Opfers durchgeführt. Dem Zwangsmass-
nahmengericht würden diesbezüglich lediglich Videoaufnahmen vorliegen. Im Strafver-
fahren gelte die Dokumentationspflicht. Alle nicht schriftlichen Verfahrenshandlungen 
der Strafbehörden und der Parteien seien zu protokollieren. Art. 76 Abs. 4 StPO erlaube 
zwar, dass Verfahrenshandlungen ganz oder teilweise auch in Ton oder Bild festgehal-
ten werden könnten. Dies könne indes nur zusätzlich zur schriftlichen Protokollierung 
erfolgen. Die Bestimmungen über die Protokollierung von Einvernahmen seien zwingen-
der Natur. Ihre Beachtung sei Voraussetzung für die Gültigkeit des Protokolls und damit 
gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO Voraussetzung für die Verwertbarkeit der Aussage. Vor-
liegend würden die Einvernahmen vom 23. Mai 2025 und vom 10. Juni 2025 deshalb 
unbeachtet bleiben. Den Ausführungen des Verteidigers, wonach sich das mutmassliche 
Opfer bewusst zum Geschlechtsverkehr entschlossen habe, um den Arbeitsvertrag zu 
erhalten, sei entgegenzuhalten, dass der dringende Tatverdacht im Hinblick auf eine 
mögliche Ausnützung einer Notlage oder Abhängigkeit im Sinne von Art. 193 StGB wei-
terhin zu bejahen wäre. Ungeachtet dessen könne der dringende Tatverdacht insbeson-
dere betreffend die Freiheitsberaubung und Entführung weiterhin bejaht werden. Der 
Beschuldigte sei zusammen mit dem mutmasslichen Opfer in einem Personenwagen in 
südlicher Fahrtrichtung Richtung Chiasso gefahren. Während der Autofahrt habe das 
Opfer mehrfach den Notruf gewählt. In den Notrufen sei unter anderem geäussert wor-
den, dass die Polizeistation in Roveredo und Locarno angefahren werden sollten. Zudem 
habe das Opfer wiederholt angegeben, um sein Leben zu fürchten und es die Hilfe der 
Polizei benötige. Trotzdem sei der Beschuldigte weiter auf der Autobahn Richtung Sü-
den gefahren. Erst auf dem Autobahnabschnitt in Maroggia, kurz vor der italienischen 
Grenze, habe das Fahrzeug schliesslich mit Hilfe der Polizei gestoppt werden können.  

 
Betreffend die Fluchtgefahr könne nach wie vor auf den Entscheid vom 20. Mai 2025 
und auf die Ausführungen der Staatsanwalt im Haftverlängerungsantrag verwiesen 

 

 2 - 12 

werden. Der Beschuldigte habe seinen Wohnsitz zwar in Appenzell, sei jedoch deutscher 
Staatsangehöriger mit polnischen Wurzeln. Gemäss seinen eigenen Aussagen in der 
Befragung des Zwangsmassnahmengerichts vom 20. Mai 2025 habe er keine Familie 
und Freunde in der Schweiz. Abgesehen von wenigen Geschäftspartnern kenne er nie-
manden. Laut Auswertungsprotokoll der Kantonspolizei sei er Geschäftsführer oder Mit-
glied diverser Unternehmen im In- und Ausland. Die genaue gesellschaftliche Tätigkeit 
des Beschuldigten bleibe indessen weiterhin unklar. (…) Mitarbeiter in der Schweiz habe 
er keine. Somit würden auch seine geschäftlichen Tätigkeiten einen starken Auslands-
bezug aufweisen. Von einer «Verwurzelung in Appenzell» könne mithin nicht gespro-
chen werden. Des Weiteren würden gegen den Beschuldigten in Polen diverse Strafver-
fahren laufen. Gegen ihn seien präventive Massnahmen in Form eines Ausreiseverbots 
verhängt worden. Gleichwohl habe er Polen verlassen. Auch in Deutschland laufe gegen 
den Beschuldigten ein Strafverfahren wegen Betrugs. Es sei daher durchaus zu erwar-
ten, dass sich der Beschuldigte unverzüglich ins Ausland absetzen werde, um sich einer 
möglichen Strafverfolgung entziehen zu können.  

 
Die Vorwürfe gegen den Beschuldigten wiegten mit Freiheitsberaubung und Entführung 
im Sinne von Art. 183 StGB bereits schwer. Die Strafandrohung für die Freiheitsberau-
bung und Entführung betrage bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Der Beschuldigte befinde 
sich seit rund einem Monat in Haft. Eine durch die Staatsanwaltschaft beantragte Haft-
dauer von vier Monaten würde noch nicht in grosse Nähe zur mutmasslichen Dauer der 
konkret zu erwartenden Freiheitsstrafe rücken. Es seien zudem keine milderen Mass-
nahmen ersichtlich, um den dargelegten Haftgründen, insbesondere der Fluchtgefahr, 
wirksam zu begegnen. Eine Ausweis- und Schriftensperre beispielsweise würde den Be-
schuldigten nicht nachhaltig daran hindern, sich aktiv der Strafverfolgung zu entziehen. 
In Anbetracht der bereits fortgeschrittenen Untersuchungshandlungen in Bezug auf die 
mutmasslichen Sexualdelikte sowie die Freiheitsberaubung und Entführung erscheine 
eine Haftverlängerung von zwei Monaten als verhältnismässig.  

 
2. Gegen diesen Entscheid erhob der Verteidiger von A. (folgend: Beschwerdeführer) am 

4. Juli 2025 Beschwerde bei der kantonsgerichtlichen Kommission für Entscheide in 
Strafsachen und stellte das Rechtsbegehren, der Entscheid des Zwangsmassnahmen-
gerichts des Kantons Appenzell I.Rh. vom 23. Juni 2025 sei aufzuheben und A. sei un-
verzüglich aus der Untersuchungshaft zu entlassen. 

 
Er macht im Wesentlichen geltend, betreffend die ihm vorgeworfenen Sexualdelikte be-
schränke sich die Vorinstanz einzig darauf, festzuhalten, der dringende Tatverdacht im 
Hinblick auf eine «mögliche Ausnützung einer Notlage oder Abhängigkeit im Sinne von 
Art. 193 StGB» sei weiterhin zu bejahen.  

 
Nach ständiger Rechtsprechung verlange das rechtliche Gehör nicht nur, dass die Be-
hörde die Ausführungen der Parteien zur Kenntnis nehme und prüfe, sondern auch, dass 
sie ihren Entscheid so begründe, dass der Betroffene dessen Tragweite erkennen und 
ihn mit voller Kenntnis der wesentlichen Überlegungen anfechten könne. Unerlässlich 
sei dabei, dass die entscheidrelevanten tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen 
nachvollziehbar dargelegt würden. Fehle es an jeglicher Darlegung der massgebenden 
Umstände oder rechtlichen Überlegungen, so sei dem Betroffenen die Nachvollziehbar-
keit des Entscheids verwehrt, womit es an der prozessual gebotenen Transparenz fehle.  

 
Die Vorinstanz unterlasse es gänzlich, die tatsächlichen Umstände - insbesondere die 
konkrete Beziehung der Privatklägerin zum Beschwerdeführer - und die rechtlichen 
Gründe, namentlich die für eine Abhängigkeit oder Notlage nach Art. 193 StGB massge-
benden Kriterien, auch nur ansatzweise zu benennen. Die Verteidigung sei deshalb nicht 
in der Lage, nachzuvollziehen, auf welche konkreten tatsächlichen oder rechtlichen 

 

 3 - 12 

Grundlagen sich die Annahme des dringenden Tatverdachts stütze. Dadurch werde 
nicht nur eine effektive und wirksame Verteidigung verunmöglicht, sondern dem Be-
schwerdeführer werde das Recht auf ein faires Verfahren im Kern beschnitten. Das voll-
ständige Fehlen jeglicher Begründung stelle einen schwerwiegenden Verfahrensmangel 
dar. Die Berufung auf einen angeblich dringenden Tatverdacht – ohne Angabe von tat-
sächlichen oder rechtlichen Grundlagen – genüge nicht den verfassungs- und konventi-
onsrechtlichen Anforderungen an die Begründungspflicht. Der angefochtene Entscheid 
sei deshalb bereits aus formellen Gründen aufzuheben. 

 
Zudem sei die von der Vorinstanz gewählte Formulierung einer «möglichen Ausnüt-
zung» einer Abhängigkeit oder Notlage unhaltbar. Nach der Rechtsprechung genüge für 
die Bejahung eines dringenden Tatverdachts im Haftverfahren keineswegs die blosse 
Möglichkeit einer Tatbegehung. Erforderlich seien konkrete Verdachtsmomente, die mit 
hoher Wahrscheinlichkeit darauf hindeuten würden, dass das beschuldigte Verhalten die 
objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale erfülle. Die blosse Möglichkeit ver-
möge einen Freiheitsentzug nicht zu rechtfertigen. Die pauschale Bezugnahme auf eine 
«mögliche Ausnützung» widerspreche den bundesgerichtlichen Anforderungen diamet-
ral. Die Vorinstanz wäre verpflichtet gewesen, zumindest summarisch darzulegen, auf 
welche konkreten tatsächlichen Anhaltspunkte sie ihre Annahme einer Abhängigkeit 
oder Notlage nach Art. 193 StGB stütze. Das vollständige Fehlen einer solchen Begrün-
dung stelle eine grobe Verletzung der Begründungspflicht dar.  

 
Schliesslich erkläre die Vorinstanz, der dringende Tatverdacht nach Art. 193 StGB sei 
«weiterhin» zu bejahen, obwohl die Staatsanwaltschaft den Tatvorwurf nach Art. 193 
StGB erstmals im Haftverlängerungsverfahren erhoben habe. Diese Formulierung sei 
nicht nachvollziehbar, da der erste Entscheid der Vorinstanz vom 20. Mai 2025 keinerlei 
Bezug zu Art. 193 StGB enthalte. Die Formulierung «weiterhin» suggeriere eine rechtli-
che Kontinuität, welche gar nicht existiere. Dies erschwere es der Verteidigung zusätz-
lich, die Entscheidungsfindung nachzuvollziehen und die richterliche Argumentation 
wirksam anzugreifen. Im Ergebnis zwinge die vollständig fehlende Begründung zu 
Art. 193 StGB die Verteidigung, einen hypothetischen Tatvorwurf zu konstruieren, um 
diesen anschliessend zu widerlegen. Bereits im Haftverlängerungsverfahren vor der Vor-
instanz sei die Verteidigung damit konfrontiert gewesen, ohne Anhaltspunkte zu den neu 
erhobenen Tatvorwürfen (Betrug, Wucher, Menschenhandel) Stellung nehmen zu müs-
sen. Selbst wenn es gelungen sei, diese Vorwürfe zu entkräften, bleibe es problema-
tisch, wenn die Verteidigung faktisch die Aufgaben der Strafverfolgungsbehörden über-
nehmen müsse. Es solches Vorgehen widerspreche der prozessualen Rollenverteilung, 
führe zu erheblichem Mehraufwand für die Verteidigung und untergrabe das Recht auf 
eine wirksame und effektive Verteidigung nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK in seinem Kern. 

 
Die Vorinstanz schweige zu den Tatvorwürfen der sexuellen Nötigung und der Verge-
waltigung. Insbesondere setze sie sich nicht mit den wesentlichen Argumenten der Ver-
teidigung auseinander, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. Eine Be-
gründung für das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts in Bezug auf diese Delikte 
fehle damit vollständig. Ohne richterliche Würdigung existiere keine Grundlage, welche 
die Verlängerung der Untersuchungshaft mit Blick auf die vorgeworfenen Sexualdelikte 
rechtfertigen könnte. 

 
Abhängigkeit im Sinne von Art. 193 StGB setze voraus, dass das Opfer in seiner Ent-
scheidungsfreiheit wesentlich eingeschränkt sei, weil ein strukturelles oder persönliches 
Abhängigkeitsverhältnis bestehe. Typischerweise ergebe sich eine solche Abhängigkeit 
aus einem faktischen oder vertraglichen Arbeitsverhältnis, das durch eine klare hierar-
chische Unterordnung geprägt sei. Im vorliegenden Fall sei jedoch kein Arbeitsvertrag 
abgeschlossen worden, und die Privatklägerin habe keine Arbeit für den 

 

 4 - 12 

Beschwerdeführer verrichtet. Ein blosses Arbeitsangebot reiche nicht aus, um ein straf-
rechtlich relevantes Subordinationsverhältnis zu begründen. Es fehle an einer konkreten 
Weisungsgebundenheit, wirtschaftlichen Abhängigkeit oder der Möglichkeit, Druck auf 
das Opfer auszuüben. Da kein Arbeitsvertrag und keine tatsächliche Arbeitsleistung vor-
gelegen hätten, habe auch kein Machtgefälle oder Druckmittel bestanden, das die Ent-
scheidungsfreiheit der Privatklägerin eingeschränkt hätte. Damit fehle es klar an einer 
für Art. 193 StGB erforderlichen Abhängigkeit. Eine Notlage im Sinne von Art. 193 StGB 
bezeichne eine vom Täter unabhängige, objektiv bestehende Zwangssituation, die das 
Opfer in besonderem Masse bedränge. Der Täter nutze hierbei eine vorgefundene 
Schwächesituation aus, vergleichbar dem Tatbestand des Wuchers. Vorliegend sei auf 
Tatbestandsebene eine solche Notlage nicht erkennbar. Die Privatklägerin habe sich 
freiwillig von Polen in die Schweiz begeben. Es würden keine Hinweise vorliegen, dass 
sie durch den Beschwerdeführer zu irgendeinem Zeitpunkt unter Druck gesetzt oder zur 
Reise veranlasst worden sei. Ebenso fehle jeder Anhaltspunkt für eine existenzielle, wirt-
schaftliche oder soziale Zwangslage in ihrem Herkunftsland Polen (EU-Staat). Die frei-
willige Einreise in die Schweiz zeige klar, dass die Privatklägerin ihre Lebenssituation 
selbstbestimmt habe gestalten können und zu keinem Zeitpunkt in einer fremdbestimm-
ten oder ausweglosen Situation gewesen sei. Unter diesen Umständen sei eine Notlage 
im Sinne von Art. 193 StGB ausgeschlossen. Im Ergebnis sei der dringende Tatverdacht 
«im Hinblick auf eine mögliche Ausnützung einer Notlage oder Abhängigkeit im Sinne 
von Art. 193 StGB» klar zu verneinen. Da auch hinsichtlich der Tatvorwürfe nach 
Art. 189/190 StGB weder ein richterlich geprüfter noch ein tatsächlich bestehender drin-
gender Tatverdacht vorliege bzw. ein solcher erschüttert worden sei, sei festzuhalten, 
dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Fortdauer der Untersuchungshaft in Be-
zug auf sämtliche vorgeworfenen Sexualdelikte nicht erfüllt seien. 

 
Aus dem Einvernahmeprotokoll der Privatklägerin vom 17. Mai 2025 ergebe sich u.a., 
dass sie bereits einen Tag vor der geplanten Fahrt nach Italien davon Kenntnis gehabt 
und sich eigenständig entschlossen habe, ins Fahrzeug des Beschwerdeführers einzu-
steigen (Antwort 80). Ihre Teilnahme an der Fahrt sei somit freiwillig und in voller Kennt-
nis der Umstände erfolgt. Weder sei durch den Beschwerdeführer Zwang, Druck oder 
Gewalt ausgeübt worden, noch hätten sich aus den Akten Hinweise auf ein unfreiwilliges 
Verhalten der Privatklägerin im Sinne von Art. 183 StGB ergeben. Die gegenteilige An-
nahme der Vorinstanz, die Privatklägerin habe wiederholt um ihr Leben gefürchtet, finde 
in den Akten keine Stütze. Vielmehr sei sie während der gesamten Fahrt in der Lage 
gewesen, mehrfach ungehindert mit der Polizei zu telefonieren. Objektive Hinweise auf 
eine konkrete Gefährdung von Leib oder Leben durch den Beschwerdeführer würden 
nicht bestehen. Wie bereits im Haftverlängerungsverfahren dargelegt, habe zu keinem 
Zeitpunkt ein Vorsatz des Beschwerdeführers auf Freiheitsberaubung oder Entführung 
vorgelegen. Den Umstand, dass er einer polizeilichen Anweisung bei Roveredo nicht 
Folge geleistet habe, als Indiz für einen Vorsatz zu werten, verstosse gegen das straf-
rechtliche Analogieverbot. Auch der Tatbestand der Entführung sei ausgeschlossen, da 
kein erzwungener Ortswechsel vorgelegen habe und die Privatklägerin die Fahrt freiwil-
lig angetreten sei. Selbst im hypothetischen Fall einer Tatbestandsverwirklichung wäre - 
angesichts des sehr geringen Verschuldens - nur mit einer bedingten Geldstrafe zu rech-
nen. Die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft um weitere zwei Monate sei unter 
diesen Umständen unzulässig. 

 
Der dringende Tatverdacht hinsichtlich der vorgeworfenen Sexualdelikte sowie der Frei-
heitsberaubung und Entführung sei widerlegt bzw. erheblich erschüttert worden. Selbst 
im ungünstigsten Fall drohe eine bedingte Geldstrafe, sodass ein relevanter Sanktions-
druck, der als Fluchtanreiz dienen könnte, entfalle. Der Beschwerdeführer lebe seit nun-
mehr vier Jahren in der Schweiz, verfüge über einen festen Wohnsitz in Appenzell, sei 
beruflich bei der B. tätig und engagiere sich sozial. Das Fehlen familiärer Bindungen in 

 

 5 - 12 

der Schweiz werde durch die stabile berufliche Integration kompensiert. Die geschäftli-
chen Kontakte ins Ausland - Tansania und in die Ukraine - würden entgegen der Auffas-
sung der Vorinstanz keine konkrete Fluchtgefahr begründen. Die Flucht in die Ukraine 
bzw. ein Aufenthalt in einem Kriegsland sei ausgeschlossen, ebenso die Flucht nach 
Tansania, weil die wirtschaftlichen Perspektiven dort deutlich ungünstiger seien als in 
der Schweiz, wo der Lebensunterhalt des Beschwerdeführers gesichert sei. Im Übrigen 
habe der Beschwerdeführer durchweg kooperiert, auf die Siegelung verzichtet und die 
Ermittlungen unterstützt. Die Flucht ins Ausland wäre mit gravierenden Nachteilen für 
den Beschwerdeführer verbunden - insbesondere dem Verlust seiner beruflichen und 
wirtschaftlichen Existenz in der Schweiz. In Würdigung sämtlicher Umstände sei nicht 
von einer Fluchtgefahr auszugehen. 

 
Die Begründung der Vorinstanz, eine Haftverlängerung um zwei Monate sei «in Anbe-
tracht der bereits fortgeschrittenen Untersuchungshandlungen» verhältnismässig, über-
zeuge nicht. Die Untersuchungshandlungen zu den vorgeworfenen Sexualdelikten sowie 
zur angeblichen Freiheitsberaubung und Entführung seien - wie die Vorinstanz einräume 
- längst abgeschlossen. Ein weiterer Erkenntnisgewinn durch die Fortdauer der Haft sei 
weder ersichtlich noch substantiiert dargetan. Angesichts des erheblich erschütterten 
dringenden Tatverdachts und des geringen Sanktionsdrucks fehle es an jeglicher Erfor-
derlichkeit und Angemessenheit. Die Fortsetzung der Untersuchungshaft stelle daher 
einen unverhältnismässigen Eingriff in die persönliche Freiheit dar und sei unzulässig. 

 
(…) 
 
4. Die Staatsanwaltschaft Appenzell I.Rh. reichte am 11. Juli 2025 eine Stellungnahme inkl. 

die Entwürfe der Verschriftlichungen der Video-Einvernahmen der Privatklägerin vom 
23. Mai 2025 und 10. Juni 2025 ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Sie 
macht geltend, dass es grundsätzlich ausreiche, wenn der dringende Tatverdacht für ein 
einzelnes Delikt vorliege, wobei in der Folge die Haftgründe nur für dieses Delikt geprüft 
würden. Das Zwangsmassnahmengericht habe den dringenden Tatverdacht hinsichtlich 
des Tatbestandes der Freiheitsberaubung und Entführung i.S.v. Art. 183 StGB nachvoll-
ziehbar begründet und bejaht und diesbezüglich auch das Vorliegen eines Haftgrundes 
bejaht. Das Zwangsmassnahmengericht habe auch ausgeführt, weshalb es nicht weiter 
auf den Tatverdacht der Ausnützung einer Notlage oder Abhängigkeit i.S.v. Art. 193 
StGB resp. allgemein auf den Tatverdacht von Sexualdelikten eingehe. Es sei jedoch 
falsch, dass die Video-Einvernahmen unverwertbar seien. Art. 78a StPO lasse genau 
solcherlei Videoaufnahmen zu. Das Protokoll könne im Nachhinein erstellt werden. Die 
vorläufigen Verschriftlichungen der Video-Einvernahmen des Opfers würden deshalb 
eingereicht. Insgesamt erweise sich die Kritik der Verteidigung im Hinblick auf die Sexu-
aldelikte als nicht zielgerichtet, zumal die Untersuchungshaft nicht mit diesen begründet 
sei. Inwiefern die Verteidigung darauf komme, dass kein Tatverdacht in Bezug auf den 
Straftatbestand der Freiheitsberaubung und Entführung i.S.v. Art. 183 StGB vorliegen 
solle, erschliesse sich nicht. Es sei objektiv erstellt, dass der Beschuldigte das Opfer 
trotz entsprechender Aufforderung nicht habe aussteigen lassen und auch mehrere Po-
lizeiposten trotz polizeilicher Aufforderung nicht angefahren habe. Es sei nicht relevant, 
ob jemand ursprünglich selbst in ein Fahrzeug gestiegen sei oder die Möglichkeit gehabt 
habe, mit der Polizei zu telefonieren. 

 
Betreffend Fluchtgefahr führt die Staatsanwaltschaft aus, es sei kein fester Wohnsitz in 
Appenzell vorhanden, eher liege ein «nomadischer Lebensstil» mit regelmässigen Woh-
nungswechseln nicht nur in der Schweiz vor. (…) Inwiefern von einer stabilen beruflichen 
Integration gesprochen werden könne, sei nicht ersichtlich. Die vielen vom Beschuldig-
ten geführten respektive mit ihm verbundenen Unternehmen generierten keinen Umsatz 
und diese wie auch die geschäftlichen Kontakte seien Gegenstand der Ermittlungen.  

 

 6 - 12 

 
Zur Verhältnismässigkeit macht die Staatsanwaltschaft geltend, es bestehe kein Zusam-
menhang zwischen Erkenntnisgewinn und Untersuchungshaft; das Zwangsmassnah-
mengericht habe die Untersuchungshaft aufgrund der Fluchtgefahr angeordnet. Zudem 
könne beim Strafrahmen der vorliegenden Delikte nicht von Vornherein von einer blos-
sen Geldstrafe bei einem bedingten Vollzug ausgegangen werden, wie dies der Be-
schwerdeführer geltend mache. 

 
5. Der Verteidiger des Beschwerdeführers reichte am 21. Juli 2025 eine Stellungnahme 

ein. Er macht erneut geltend, der dringende Tatverdacht fehle bezüglich aller vorgewor-
fenen Straftaten. Durch die pauschale Begründung der Staatsanwaltschaft zu Art. 193 
StGB, «bei genauer Betrachtung liege eine Ausnützung eines Abhängigkeitsverhältnis-
ses klar vor», werde die Begründungslast unzulässigerweise auf die Verteidigung verla-
gert. Dieses Vorgehen verstosse gegen Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. a und b 
EMRK, wonach dem Beschuldigten die massgeblichen Umstände des Tatvorwurfs aus-
reichend klar mitzuteilen seien, damit die Verteidigung überhaupt in die Lage versetzt 
werde, sich sachgerecht mit dem Tatvorwurf auseinanderzusetzen. Ein Abhängigkeits-
verhältnis habe nicht vorgelegen. Die Privatklägerin habe in der Video-Einvernahme vom 
23. Mai 2025 u.a. ausgeführt, sie habe gewusst, dass sie den Preis für diese Arbeit mit 
ihrem Körper bezahlen müsse. Auf die Frage der Staatsanwältin, ob der Beschwerde-
führer habe wissen können, dass sie keinen Geschlechtsverkehr mit ihm haben wollte, 
habe die Privatklägerin geantwortet: «Er hat gar nichts verstanden. Das ist ein Mensch 
ohne Charakter». Es seien keine Nötigungsmittel i.S.v. Art. 189/190 StGB vom Be-
schwerdeführer eingesetzt worden. Vielmehr ergebe sich aus den Schilderungen der 
Privatklägerin, dass sie auf Grundlage einer persönlichen Interessenabwägung den Ge-
schlechtsverkehr als Mittel zum Zweck, namentlich zur Erlangung des gewünschten Ar-
beitsvertrags, akzeptiert habe. Die Aussage, der Beschwerdeführer «habe gar nichts 
verstanden», spreche klar gegen das Vorliegen einer expliziten Ablehnung bzw. einer 
für den Beschwerdeführer erkennbaren Zwangssituation. Die Aussagen der Privatkläge-
rin begründeten damit keinen dringenden Tatverdacht i.S.v. Art. 189/190 StGB. Im Rah-
men der Video-Einvernahme vom 10. Juni 2025 habe die Privatklägerin die Situation der 
Fixierung der Arme und den Oralkontakt lebensfremd geschildert. Angesichts der gra-
vierenden Widersprüche und Unstimmigkeit in den Aussagen der Privatklägerin könne 
eine Falschbeschuldigung keinesfalls ausgeschlossen werden.  

 
Zum dringenden Tatverdacht bezüglich Freiheitsberaubung und Entführung macht der 
Beschwerdeführer geltend, die Teilnahme der Privatklägerin an der Fahrt nach Italien 
sei nachweislich freiwillig und in voller Kenntnis der Umstände erfolgt. Auf die Frage, ob 
der Beschwerdeführer die Privatklägerin nach Italien gefahren habe, um sie dort zur 
Busstation zu bringen, habe die Privatklägerin ausgeführt: «Also gut, wenn ich das un-
bedingt will, dass er mir das Geld gibt und dann kann ich von Italien wegfahren, weil es 
dort günstiger ist». Die Privatklägerin habe nicht um ihr Leben gefürchtet. Sie habe im 
hinteren Teil des Fahrzeugs Platz genommen, weil sie der Ansicht gewesen sei, sie 
könne sich und dem Beschwerdeführer etwas antun («das Lenkrad zu rupfen und dann 
wären wir weg von dieser Brücke»). Es hätten sich um subjektive Empfindungen und 
Befürchtungen der Privatklägerin gehandelt, die nicht auf ein objektives Gefährdungs-
potenzial des Beschwerdeführers zurückzuführen seien. Ein konkreter Zusammenhang 
zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers und einer tatsächlichen Gefahr für die 
Privatklägerin lasse sich daraus nicht ableiten. Dem Beschwerdeführer könne allenfalls 
nur angelastet werden - sofern und soweit überhaupt ein strafrechtlich relevantes Ver-
halten angenommen werden sollte - dass er nicht unverzüglich auf der Autobahn ange-
halten habe. Und selbst unter der Annahme, dass sämtliche objektiven und subjektiven 
Tatbestandselemente von Art. 183 Ziff. 1 StGB erfüllt wären, wäre das Verschulden des 
Beschwerdeführers als äussert gering zu bewerten. Die Privatklägerin sei zu keinem 

 

 7 - 12 

Zeitpunkt in ihrer körperlichen Integrität verletzt worden. Unter diesen Voraussetzungen 
wäre im Falle einer Verurteilung mit einer bedingten Geldstrafe zu rechnen, zumal der 
Beschwerdeführer nicht vorbestraft sei. Der Tatbestand der Entführung sei eindeutig zu 
verneinen, da ein erzwungener Ortwechsel nicht stattgefunden habe. Ganz allgemein 
erschienen die Aussagen der Privatklägerin über weitere Strecken dramatisierend und 
in erheblichem Masse subjektiv überhöht.  

 
Auch bestünde keine Fluchtgefahr. Das Strafverfahren in Neubrandenburg (DE) sei am 
27. Februar 2024 eröffnet worden. Der Beschwerdeführer sei jedoch bereits seit März 
2020 in der Schweiz wohnhaft und habe von dem gegen ihn in Neubrandenburg einge-
leiteten Verfahren erstmals im Zuge seiner aktuellen Inhaftierung Kenntnis erlangt. Hinzu 
komme, dass der Beschwerdeführer in Neubrandenburg nur zur Aufenthaltsermittlung 
nach § 131a DE-StPO ausgeschrieben sei. Eine Fahndung nach dem Beschwerdeführer 
finde in Deutschland nicht statt, es existiere weder ein deutscher noch ein europäischer 
Haftbefehl gegen ihn. Das Verfahren in Polen sei seit 2018 hängig und habe bislang 
weder zu einer Verurteilung noch zu einer gerichtlichen Feststellung strafbaren Verhal-
tens des Beschwerdeführers geführt. Es sei kein Haftbefehl erlassen oder eine interna-
tionale Ausschreibung veranlasst worden. Eine relevante Fluchtgefahr könne nicht be-
gründet werden.  

 
Bezüglich des Vorwurfs der Freiheitsberaubung wäre im Falle einer Verurteilung ledig-
lich mit einer bedingten Geldstrafe zu rechnen. Vor diesem Hintergrund entfalle die Mo-
tivation für eine allfällige Flucht, da dem Beschwerdeführer keine empfindliche Sanktion 
drohe. Eine weitere Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft sei daher unverhältnis-
mässig und rechtswidrig. 

 
Der Beschwerdeführer macht sodann eine Verletzung des Beschleunigungsgebots ge-
mäss Art. 29 Abs. 1 BV bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK geltend. Seit seiner Inhaftierung vom 
17. Mai 2025 sei er nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen befragt worden. Ange-
sichts der aussergewöhnlichen Konstellation sei es sachgerecht, das Honorar aus-
nahmsweise nach dem effektiven Zeitaufwand zu bemessen. Die erheblichen und de-
taillierten Eingaben seien durch das Vorgehen der Vorinstanz bzw. der Staatsanwalt-
schaft selbst veranlasst worden. Andererseits seien sie für eine effektive und wirksame 
Verteidigung des Beschwerdeführers zwingend erforderlich gewesen.         

 
(…) 
 
7. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte 

Verletzung der Begründungspflicht und die Verletzung von Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 
Ziff. 3 lit. a und b EMRK unbehelflich sind. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör 
(Art. 3 Abs. 2 lit. c und Art. 107 StPO, Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK) ergibt sich 
grundsätzlich auch die Pflicht, Entscheide zu begründen (vgl. Art. 80 Abs. 2 StPO). Ent-
scheidend ist dabei, dass die Begründung so abgefasst ist, dass der Betroffene sich ein 
Bild über die Tragweite des Entscheids verschaffen, diesen auf seine Richtigkeit hin 
überprüfen und gegebenenfalls sachgerecht weiterziehen kann. Die betreffende Be-
hörde hat wenigstens kurz die Überlegungen zu nennen, von denen sie sich hat leiten 
lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt, wobei sie sich auf die für den Entscheid 
wesentlichen Punkte beschränken kann (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2; Urteil des Bundes-
gerichts 1B_347/2021 vom 9. März 2022 E. 2.2).  

 
Diesen Voraussetzungen genügt der angefochtene Entscheid, auch wenn die Begrün-
dung des dringenden Tatverdachts eher knapp ausgefallen ist. Der Beschwerdeführer 
wusste dennoch seit Beginn, was ihm vorgeworfen wird, was sich auch darin zeigt, dass 
sich der Rechtsvertreter sachgerecht mit den Tatvorwürfen auseinandersetzen konnte. 

 

 8 - 12 

Es ist dem Beschwerdeführer zwar beizupflichten, dass die von der Vorinstanz gewähl-
ten Formulierungen einer „möglichen Ausnützung“ einer Abhängigkeit oder Notlage und 
des „weiterhin“ zu bejahenden Haftgrundes von Art. 193 StGB, obwohl dieser Tatvorwurf 
erstmals im Haftverlängerungsverfahren erhoben wurde, unpassend sind. Nichts desto 
trotz führte die Vorinstanz an, weshalb sie den dringenden Tatverdacht betreffend die 
Freiheitsberaubung und Entführung bejahte. Diese Begründung ist nachvollziehbar und 
ausreichend. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass - wie die Staatsanwaltschaft zu Recht 
ausführt - die Bejahung des dringenden Tatverdachts eines Tatbestandes reicht, um die 
Untersuchungshaft fortzuführen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass selbst wenn 
von einer Verletzung der Begründungspflicht ausgegangen würde, nach der Rechtspre-
chung eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs aus-
nahmsweise als geheilt gelten kann, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, 
sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die 
Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts 
1B_347/2021 vom 9. März 2022 E. 2.2). Dies wäre vorliegend der Fall (Art. 393 Abs. 2 
StPO). 

 
Auch eine Verletzung des Beschleunigungsgebots liegt im jetzigen Zeitpunkt nicht vor. 
Aufgrund der vorliegenden Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer am 17. Mai 
2025 und anlässlich des Haftprüfungsverfahrens am 20. Mai 2025 einvernommen 
wurde. Die Staatsanwaltschaft ist in diesem Zusammenhang jedoch darauf hinzuweisen, 
dass eine staatsanwaltschaftliche Befragung des Beschwerdeführers zu den gegen ihn 
erhobenen Vorwürfen demnächst durchgeführt werden sollte.  

 
8. 
8.1. Die Untersuchungshaft setzt gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO zunächst voraus, dass im 

Sinn eines allgemeinen Haftgrunds ein dringender Tatverdacht der Begehung eines Ver-
brechens oder Vergehens besteht.  

 
Im Haftprüfungsverfahren geht es nicht darum, den Schuldbeweis zu erbringen, sondern 
den dringenden Tatverdacht zu belegen. Somit ist bei der Überprüfung des dringenden 
Tatverdachts keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender 
Beweise vorzunehmen. Zu prüfen ist vielmehr, ob aufgrund der aktuellen Untersu-
chungsergebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Beteili-
gung der betroffenen Person daran vorliegen, die Strafbehörden das Bestehen eines 
dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durften. Im Haftprüfungs-
verfahren genügt dabei der Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das 
inkriminierte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestands-
merkmale erfüllen könnte. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen (Art. 31 Abs. 3 und 
4 BV; Art. 5 Abs. 2 StPO) lässt nur wenig Raum für ausgedehnte Beweismassnahmen 
zu. Zur Frage des dringenden Tatverdachts haben das Haftgericht und die Beschwerde-
kammer weder ein eigentliches Beweisverfahren durchzuführen noch dem erkennenden 
Strafgericht vorzugreifen. Vorbehalten bleibt allenfalls die Abnahme eines liquiden Alibi-
beweises (vgl. zum Ganzen: BGE 143 IV 330 E. 2.1; 143 IV 316 E. 3.1; Urteile des 
Bundesgerichts 7B_203/2024 vom 11. März 2024 E. 5.1; 7B_184/2024 vom 4. März 
2024 E. 2.2; 7B_928/2023 vom 15. Dezember 2023 E. 4.1). Als Haftvoraussetzung muss 
sich der dringende Tatverdacht im Verlauf des Verfahrens grundsätzlich verdichten bzw. 
ausreichend hoch verbleiben. Dabei kommt es nach der Praxis des Bundesgerichts auch 
auf die Art und Intensität von allenfalls bereits vorbestehenden konkreten Verdachts-
gründen an. Zu Beginn der Strafuntersuchung sind die Anforderungen an den dringen-
den Tatverdacht geringer als in späteren Prozessstadien. Im Laufe des Strafverfahrens 
ist i. d. R. ein zunehmend strengerer Massstab an die Erheblichkeit und Konkretheit des 
Tatverdachts zu legen. Nach Durchführung der in Betracht kommenden Untersuchungs-
handlungen muss eine Verurteilung als wahrscheinlich erscheinen (vgl. BGE 143 IV 316 

 

 9 - 12 

E. 3.2; Urteile des Bundesgerichts 7B_474/2023 vom 6. September 2023 E. 3.6.2; 
7B_154/2023 vom 13. Juli 2023 E. 5.2; 1B_232/2023 vom 30. Mai 2023 E. 3.2; FORSTER, 
Basler Kommentar StPO, 3. Auflage, 2023, Art. 221 N 3). 

 
8.2. Wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder jemandem in anderer 

Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht, wer jemanden durch Gewalt, List oder Dro-
hung entführt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft 
(Art. 183 Abs. 1 StGB). 

 
Eine Freiheitsberaubung begeht, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen 
hält oder jemandem in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht (Art. 183 Ziff. 1 
StGB). Das geschützte Rechtsgut ist die körperliche Fortbewegungsfreiheit. Die unzu-
lässige Beschränkung der Fortbewegungsfreiheit liegt darin, dass jemand daran gehin-
dert wird, sich selbständig, mit Hilfsmitteln oder mit Hilfe Dritter nach eigener Wahl vom 
Ort, an dem er sich befindet, an einen anderen Ort zu begeben oder bringen zu lassen 
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 6.2.2). Die Frei-
heitsberaubung muss eine gewisse Erheblichkeit aufweisen. Ein kurzfristiges Festhalten 
genügt nicht. Indessen ist keine lange Dauer vorausgesetzt, einige Minuten sind hinrei-
chend (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1064/2013 vom 10. März 2014 E. 1.3 und 
6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 3.3). Freiheitsberaubung kann namentlich be-
gangen werden durch die Fahrt in einem Auto gegen den Willen des Opfers (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 3.3; BGE 141 IV 10 E. 4.4.1). 

 
In neuerer Praxis bestätigt das Bundesgericht, dass beim Tatmittel der psychischen Ein-
wirkung bzw. Drohung das Nachgeben des Opfers unter den konkreten Umständen ver-
ständlich erscheinen muss. Dabei ist insbesondere auch dessen individuelle Fähigkeit 
zu berücksichtigen, Widerstand zu überwinden. Die völlige Aufhebung der Bewegungs-
freiheit ist nicht Tatbestandsvoraussetzung. Dem Opfer muss die Überwindung der Frei-
heitsbeschränkung somit nicht gänzlich unmöglich sein, es genügt, wenn dies unverhält-
nismässig gefährlich oder schwierig ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_641/2021 
vom 30. März 2022 E. 1.3 m.w.H. und 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 6.2.2; DEL-
NON/RÜDY, Basler Kommentar StGB, 4. Auflage, 2019, Art. 183 N 5). 

 
8.3. Die Privatklägerin stieg am Freitag, 16. Mai 2025, in Appenzell ins Fahrzeug des Be-

schwerdeführers. Sie wählte bereits vor der Abfahrt in Appenzell den Notruf (8.33 Uhr, 
Zeitdauer 0.0 Minuten), ihrer Aussage nach, um zu testen, ob dies funktioniere. Sie gab 
weiter an, sie habe zunächst nicht einsteigen wollen, sie habe in Appenzell bleiben wol-
len. Der Beschwerdeführer habe ihr gesagt, er würde zum Bankomaten fahren und ihr 
das Geld für die Rückfahrt nach Polen geben. Er habe ihr gesagt, aus Italien nach Polen 
zu fahren sei günstiger als aus der Schweiz. Er habe in Italien ein Appartement und 
müsse dort ein paar Business-Sachen erledigen. Um 10.55 Uhr hat die Privatklägerin 
erneut den Notruf gewählt (Zeitdauer 14 Minuten). Die Privatklägerin gab diesbezüglich 
an, sie hätten um 10.40 Uhr einen Halt gemacht und der Beschwerdeführer sei dort ag-
gressiv geworden. Sie hätte sich gewehrt und ihn zweimal ins Gesicht geschlagen. Er 
habe dann gesagt, er bringe sie zur Polizei. Sie habe zu ihm gesagt, das sei okay, das 
sei gut für sie. Sie habe sich dann unsicher gefühlt und den Polizeinotruf gewählt. Zuerst 
habe er ihr gesagt, er bringe sie in der Schweiz auf den Bus, nachher in Österreich und 
zum Schluss im italienischen Kanton [wahrscheinlich gemeint: Italien]. Er habe ihr ge-
sagt, wenn sie das unbedingt wolle, dass er ihr das Geld gebe und sie könne von Italien 
abfahren, weil es dort günstiger sei. Nach dem erwähnten Halt wählte die Privatklägerin 
erneut mehrfach den Notruf (11.42 Uhr, 12.37 Uhr, 12.44 Uhr und 12.52). Aus den dem 
Gericht vorliegenden Aufnahmen dieser Notrufe an die Kapo GR und an die Kapo TI 
wird deutlich, dass die Privatklägerin das Auto des Beschwerdeführers verlassen wollte 
und dieser den polizeilichen Anweisungen, die nächsten Polizeiposten anzufahren, nicht 

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=gzrf6mjuguxtembrhe

 

 10 - 12 

folgte. Ebenfalls wird deutlich, dass die Privatklägerin grosse Angst litt und aussteigen 
wollte. Der Beschwerdeführer hielt das Auto jedoch erst auf der Autobahn auf dem Pan-
nenstreifen an, als die Polizei vor Ort eintraf. 

 
Der Umstand, dass die Privatklägerin in Appenzell freiwillig in das Auto eingestiegen 
war, ändert nichts daran, dass der Beschwerdeführer die Privatklägerin nicht aussteigen 
liess, obwohl diese mehrfach darum bat, sie an der nächsten Bushaltestelle resp. am 
nächsten Polizeiposten aussteigen zu lassen. Dabei ist ausserdem zu berücksichtigen, 
dass die Privatklägerin gemäss eigenen Angaben mit 50 Euro in die Schweiz eingereist 
ist, kein Geld auf sich hatte und ihrem Wunsch, nach Polen zurückzukehren, zumindest 
in ihrer subjektiven Vorstellung nur folgen konnte, indem sie ins Auto des Beschwerde-
führers stieg, der ihr versprochen hatte, mit ihr am Bankomaten Geld zu holen und sie 
zu einer Bushaltestelle zu bringen. Es ist bis zum jetzigen Zeitpunkt unklar, was der 
Beschwerdeführer tatsächlich in Italien machen wollte. Aber auch wenn der Beschwer-
deführer tatsächlich geplant hatte, die Privatklägerin an einen Busbahnhof in Italien zu 
bringen und ihr das Ticket zu bezahlen, hätte er sie dennoch aussteigen lassen müssen, 
als sie dies unmissverständlich kundtat. Es ist offensichtlich, dass sich die Privatklägerin 
bereits vor Abfahrt bezüglich dieser Fahrt unwohl gefühlt hatte und sich das Unwohlsein 
während dieser Fahrt derart verstärkte, dass sie aussteigen wollte. Es ist nachvollzieh-
bar, dass sich ihre Angst zunehmend verstärkte, da sie offensichtlich nicht genau 
wusste, wohin sie gebracht würde. Auch wenn sie also zunächst mit dem Vorschlag, von 
Italien aus mit dem Bus nach Polen zu fahren, einverstanden gewesen wäre, ändert dies 
nichts daran, dass sie jederzeit das Recht hatte, aus dem Auto auszusteigen. Auch dass 
sie die Möglichkeit hatte, mit der Polizei zu telefonieren, ändert nichts am dringenden 
Tatverdacht. Wie bereits ausgeführt, muss dem Opfer die Überwindung der Freiheitsbe-
schränkung nicht gänzlich unmöglich sein, es genügt, wenn dies unverhältnismässig ge-
fährlich oder schwierig ist. Für die 26-jährige Polin, die gemäss eigenen Angaben auf 
Suche nach Arbeit und ohne Geld aufgrund der Versprechungen des Beschwerdefüh-
rers in die Schweiz gereist ist und die ohne Deutsch- und mit geringen Englischkennt-
nissen im Auto des Beschwerdeführers nach Italien gefahren wurde, war das Rauskom-
men aus der geschilderten Situation unverhältnismässig schwierig. Der dringende Tat-
verdacht der Freiheitsberaubung ist damit nach wie vor ausreichend hoch.  

 
8.4. Es reicht die Bejahung des dringenden Tatverdachts eines Verbrechens oder Verge-

hens, um die Untersuchungshaft verlängern zu können, wenn denn auch die weiteren 
Voraussetzungen gegeben sind. Damit kann offen bleiben, ob der dringende Tatver-
dacht auch betreffend die übrigen vorgeworfenen Straftatbestände vorliegt. Auf die dies-
bezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers muss deshalb nicht weiter eingegan-
gen werden. Anzufügen bleibt dennoch, dass es sich dem Gericht nicht ohne weiteres 
erschliesst, weshalb nicht auch der dringende Tatverdacht des Menschenhandels i.S.v. 
Art. 182 Abs. 1 StGB und der Sexualdelikte inkl. Ausnützung einer Notlage oder Abhän-
gigkeit i.S.v. Art. 193 StGB gegeben sein sollte. Bezüglich des Vorbringens des Be-
schwerdeführers, die Aussage der Privatklägerin, «er habe gar nichts verstanden», spre-
che klar gegen das Vorliegen einer expliziten Ablehnung bzw. einer für den Beschwer-
deführer erkennbaren Zwangssituation im Sinne von Art. 189/190 StGB, ist festzuhalten, 
dass die Privatklägerin in den beiden Einvernahmen mehrmals darauf hinwies, dass sie 
dem Beschwerdeführer gesagt habe, er solle aufhören und sie wolle das nicht. Sodann 
ist an dieser Stelle hinzuzufügen, dass - wie die Staatsanwaltschaft zu Recht vorbringt - 
die beiden Videoeinvernahmen der Privatklägerin nach Verschriftlichung gemäss 
Art. 78a StPO verwertbar sind (vgl. BGE 143 IV 408 E. 9.2). 

 
9. 
9.1. Neben dem dringenden Tatverdacht setzt die Untersuchungshaft einen besonderen 

Haftgrund insbesondere im Sinn von Art. 221 Abs. 1 Bst. a bis c und Abs. 1bis StPO 

 

 11 - 12 

voraus. Das Zwangsmassnahmengericht begründet die Verlängerung der Untersu-
chungshaft mit Fluchtgefahr.  

 
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts braucht es für die Annahme von Flucht-
gefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich die beschuldigte Person, wenn sie in 
Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe durch Flucht entziehen 
würde. Die Schwere der drohenden Sanktionen darf als ein Indiz für Fluchtgefahr gewer-
tet werden. Sie genügt jedoch für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Viel-
mehr müssen die konkreten Umstände des betreffenden Falles, insb. die gesamten Le-
bensverhältnisse der beschuldigten Person, in Betracht gezogen werden. So ist es zu-
lässig, die familiären und sozialen Bindungen des Häftlings, dessen berufliche Situation 
und Schulden sowie private und geschäftliche Kontakte ins Ausland und Ähnliches mit-
zuberücksichtigen; ebenso besondere persönliche Merkmale (wie z. B. auffällige Reise-
gewandtheit, Neigung zu konkreten Fluchtreaktionen oder Kollusionshandlungen, aus-
geprägte kriminelle Energie usw.), die auf eine Fluchtneigung schliessen lassen könn-
ten. Dass die Ausreise in ein Land droht, welches die flüchtige Person grundsätzlich an 
die Schweiz ausliefern bzw. stellvertretend verfolgen könnte, steht der Annahme von 
Fluchtgefahr nicht entgegen. Als Fluchtneigung gilt auch das erhöhte Risiko eines «Un-
tertauchens» in der Schweiz. Für eine konkrete Fluchtgefahr spricht auch eine drohende 
Landesverweisung (Art. 66a StGB: bei Freiheitsberaubung und Entführung gegeben), 
dürfte die Person, der eine Landesverweisung droht, doch kaum mehr einen Anlass se-
hen, sich weiterhin dem Verfahren zu stellen. Ein gewichtiges Indiz für Fluchtgefahr stel-
len auch unklare Wohn- und Arbeitsverhältnisse dar (vgl. FREI/ZUBERBÜHLER ELSÄSSER, 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, 2020, Art. 221 N 17). 
Die Wahrscheinlichkeit einer Flucht nimmt i. d. R. mit zunehmender Verfahrens- bzw. 
Haftdauer ab, da sich auch die Länge des allenfalls noch zu absolvierenden Strafvoll-
zugs mit der bereits erstandenen prozessualen Haft, die auf die mutmassliche Freiheits-
strafe anzurechnen wäre (vgl. Art. 51 StGB), kontinuierlich verringert. Bei der Beurteilung 
der konkret drohenden (Rest-)Strafe sind im Haftprüfungsverfahren auch allfällige be-
reits vorliegende Gerichtsentscheide über das Strafmass bzw. weitere Sanktionen mit-
zuberücksichtigen. Zwar können mildere Ersatzmassnahmen für Haft geeignet sein, ei-
ner gewissen «niederschwelligen» Fluchtneigung ausreichend Rechnung zu tragen. Bei 
ausgeprägter Fluchtgefahr erweisen sie sich nach der einschlägigen Praxis des BGer 
jedoch regelmässig als nicht ausreichend (vgl. FORSTER, a.a.O., Art. 221 N 5). 

 
9.2. Aufgrund der nicht gefestigten Wohnsituation des Beschwerdeführers in der Schweiz, 

der deutschen und polnischen Staatsbürgerschaft und seiner persönlichen und wirt-
schaftlichen Nähe zu diversen Ländern besteht ein ausgeprägter Auslandbezug. Von 
einer beruflichen Integration in der Schweiz kann nicht gesprochen werden und familiäre 
oder soziale Bindungen fehlen gänzlich. Auch ohne bereits begangene Fluchthandlun-
gen in Deutschland und Polen ist ohne weiteres von Fluchtgefahr auszugehen. Aufgrund 
der vorhandenen Fluchtgefahr kann offen bleiben, ob auch Kollusionsgefahr gegeben 
ist. 

 
10. 
10.1. Die Haft muss überdies verhältnismässig sein. Freiheitsentziehende Zwangsmassnah-

men sind aufzuheben, sobald Ersatzmassnahmen zum gleichen Ziel führen (Art. 212 
Abs. 2 Bst. c StPO).  

 
Gemäss Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessualer Haft 
gehaltene Person überdies Anspruch darauf, innerhalb einer angemessenen Frist rich-
terlich abgeurteilt oder während des Strafverfahrens aus der Haft entlassen zu werden. 
Eine übermässige Haftdauer stellt eine unverhältnismässige Beschränkung dieses 
Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haft die mutmassliche Dauer der zu 

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5dhmjpxax3boj2f6njr

 

 12 - 12 

erwartenden freiheitsentziehenden Sanktion übersteigt (vgl. auch Art. 212 Abs. 3 StPO). 
Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der 
untersuchten Straftaten Rechnung zu tragen. Der Richter darf die Haft nur so lange er-
strecken, als sie nicht in grosse zeitliche Nähe der (im Fall einer rechtskräftigen Verur-
teilung) konkret zu erwartenden Dauer der freiheitsentziehenden Sanktion rückt (vgl. 
BGE 143 IV 168 E. 5.1). 

 
Die Anordnung der Untersuchungshaft ist ultima ratio. Folglich muss in jeder Phase des 
Verfahrens geprüft werden, ob mit Ersatzmassnahmen (Art. 237 ff. StPO) die mit einer 
allfälligen Inhaftierung verfolgte Zielsetzung ebenfalls erreicht werden kann (vgl. 
FREI/ZUBERBÜHLER ELSÄSSER, a.a.O., Art. 221 N 7). 

 
10.2. Es wurden keine Ersatzmassnahmen beantragt und es ist auch nicht ersichtlich, welche 

Ersatzmassnahmen geeignet wären, die vorliegende Fluchtgefahr zu bannen. Bei der 
Prüfung der zulässigen Haftdauer ist der Umstand, dass die in Aussicht stehende Frei-
heitsstrafe bedingt oder teilbedingt ausgesprochen werden, grundsätzlich nicht zu be-
rücksichtigen (vgl. BGE 143 IV 168 E. 5.1). Aktuell muss entgegen der Ansicht des Be-
schwerdeführers damit gerechnet werden, dass er mit einer Freiheitsstrafe bestraft wird. 
Im Übrigen rügt der Beschwerdeführer zu Recht nicht, dass ihm zum jetzigen Zeitpunkt 
Überhaft drohe. Die Rüge, die Fortsetzung der Untersuchungshaft sei unverhältnismäs-
sig, ist mithin unbegründet. 

 
11. Sämtliche Haftvoraussetzungen sind folglich erfüllt. Es ist somit nicht zu beanstanden, 

dass das Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft bis und mit 16. August 
2025 verlängert hat. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

 
(…) 

 

 

Kantonsgericht Appenzell I.Rh., Entscheid KSE 8-2025 
vom 29.07.2025