# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b2568c6-e0eb-58c6-8854-fc18ae105e9e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2021 E-4649/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4649-2021_2021-11-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4649/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  N o v e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder, Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Cordelia Forde,  

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

Bundesasylzentrum (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 22. September 2021 / N (…). 

 

 

 

E-4649/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin stellte in der Schweiz am 20. April 2021 ein 

Asylgesuch und legte im Rahmen der Personalienaufnahme vom 26. April 

2021 dar, sie habe den Heimatstaat am (…) Februar 2020 verlassen und 

sei Ende August 2020 nach Griechenland gelangt, bevor sie am 19. April 

2021 in die Schweiz gereist sei.  

A.b Am 28. April 2021 führte das SEM mit der Beschwerdeführerin ein so-

genanntes Dublin-Gespräch durch und gewährte ihr das rechtliche Gehör 

zur möglichen asylverfahrensrechtlichen Zuständigkeit Kroatiens und der 

Überstellung dorthin. In der Folge erteilten die kroatischen Behörden am 

6. Mai 2021 ihre Zustimmung zur Überstellung der Beschwerdeführerin, 

um das Verfahren zur Ermittlung des zuständigen Mitgliedsstaates fortzu-

führen; sie ergänzten, dass die Beschwerdeführerin zwar am 29. März 

2021 in Kroatien ein Asylgesuch gestellt habe, am 2. April 2021 jedoch  

untergetaucht sei, weshalb nach ihrer Überstellung zunächst der für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständige Mitgliedsstaat zu ermitteln sei. 

A.c Mit Verfügung vom 7. Mai 2021 trat das SEM auf das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete ihre Überstellung nach Kroatien 

an. 

A.d Eine am 19. Mai 2021 gegen diese Verfügung eingereichte Be-

schwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-2388/2021 vom 

28. Mai 2021 gut, soweit die Aufhebung der Verfügung vom 7. Mai 2021 

beantragt worden war. Die Sache wurde zur vollständigen Sachverhalts-

abklärung und neuen Beurteilung und Entscheidung an das SEM zurück-

gewiesen. 

II. 

B.  

B.a Am 18 Juni 2021 reichte die Rechtsvertretung einen Bericht von  

Dr. med. B._______, (…), vom 25. Mai 2021, und einen Arztbricht des 

C._______ vom 28 Mai 2021 zu den Akten des SEM und teilte diesem mit, 

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Seite 3 

die Beschwerdeführerin sei am 8. Juni 2021 ins Krankenhaus eingeliefert 

worden; der Austritt sei für "heute" geplant; ein Kurzaustrittsbericht werde 

nachgereicht.  

B.b Am 25. Juni 2021 wurden ein provisorischer Kurzaustrittsbericht vom 

17. Juni 2021 und ein Medikamentenrezept zu den Akten gereicht.  

C.  

Mit Schreiben vom 6. Juli 2021 teilte das SEM der Beschwerdeführerin mit, 

das nationale Asylverfahren werde wiederaufgenommen und gemäss den 

gesetzlichen Vorschriften durchgeführt. 

D.  

D.a Am 23. Juli 2021 wurden weitere ärztliche Unterlagen zu den Akten 

des SEM gereicht: Einweisungszeugnis des Instituts für Notfallmedizin, 

vom 8. Juni 2021, definitiver Kurzaustrittsbericht der D._______ ([…]) vom 

24. Juni 2021, Arztberichte des E._______ vom 25. Juni 2021 und vom 

2. Juli 2021.  

D.b Am 27. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren 

Bericht von Dr. med. B._______ vom 24. August 2021 nach. 

D.c Am 10. September 2021 wurden dem SEM Kopien der folgenden Un-

terlagen zugestellt: Arbeitszeugnis des Ministry of Defense von 1397 (af-

ghanischer Kalender), Militärkarte vom (…) 2017, Zertifikat der NATO von 

2018, Trainingszertifikat der UNDP vom (…) 2015, Trainingszertifikat des 

Ministry of Finance, Zertifikat der Kommission für Menschenrechte Afgha-

nistan. Diese Beweismittel wurden vom SEM amtsintern summarisch über-

setzt.  

E.  

Am 13. September 2021 führte das SEM gestützt auf Art. 29 AsylG (SR 

142.31) mit der Beschwerdeführerin die Anhörung zu den Asylgründen 

durch.  

E.a Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen 

wie folgt: Sie sei eine Hazara und im Dorf F._______ (Distrikt G._______ / 

Provinz Ghazni) geboren und aufgewachsen. lm Jahr (…) (bzw. […]) habe 

sie die Schule erfolgreich abgeschlossen und sich zu einem Studium in (…) 

an der Universität von H._______ entschieden. lm Jahr 2011 (afghanischer 

Kalender: […]) habe sie dieses abgeschlossen, und im (…) Monat des Jah-

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Seite 4 

res 1391 habe sie bei einem "(…)" eine Behördenstelle als (…)-Mitarbeite-

rin angetreten. Sie habe bis zum 6. Monat des Jahres 1395 dort gearbeitet. 

Sodann habe sie beim nationalen Verteidigungsministerium in der Men-

schenrechtsabteilung eine Stelle angetreten. Sie habe dort als (…) und 

etwa ein- bis zweimal pro Monat (…) geleitet.  

Sie sei insgesamt etwa zehn Jahre lang in H._______ wohnhaft gewesen.  

Anfänglich habe sie regelmässig ihre Familie in G._______ besucht, letzt-

malig Ende des Jahres 1397. Die Durchreise an den Kontrollposten der 

Taliban sei jeweils problemlos möglich gewesen. Aufgrund der Machtüber-

nahme der Taliban in der Provinz Ghazni und der dadurch schwierig ge-

wordenen Sicherheitslage sei sie zuletzt nicht mehr zu den Eltern gereist. 

Daher habe der Vater sie in H._______ besucht. Auf der Rückfahrt von 

H._______ nach G._______ sei sein Fahrzeug angehalten und alle Fahr-

gäste seien durchsucht worden. Die Taliban hätten auf dem Mobiltelefon 

des Vaters Fotos gefunden, welche sie im Büro und vor dem Verteidigungs-

ministerium gemacht hätten. Aus diesem Grund sei der Vater geschlagen 

und weggeführt worden. Er gelte seither als verschollen. Die Beschwerde-

führerin habe von diesem Vorfall vom Fahrer telefonisch erfahren und sich 

an die Polizeistation in H._______ gewandt, welche jedoch ihre Zuständig-

keit verneint und ihr gesagt habe, sie müsse dazu den Provinzposten kon-

taktieren, in welchem sich dieser Zwischenfall ereignet habe. Als alleinste-

hende Frau ohne männliche Bezugsperson habe sie keine Möglichkeit ge-

sehen, sich zu einem gefährlichen Provinzposten wie Ghazni oder den Be-

zirksposten I._______ zu begeben. Sie habe daher ein Provinzratsmitglied 

angerufen, das versprochen habe, eine E-Mail an die zuständige Polizei-

stelle zu schreiben. Ihr sei es in dieser Zeit psychisch derart schlecht ge-

gangen, dass sie ins Krankenhaus habe eingeliefert werden müssen. Nach 

etwa zwei Tagen sei sie über eine unbekannte Nummer telefonisch kontak-

tiert worden. Der anonyme Anrufer habe sich als Entführer des Vaters her-

ausgestellt und sie nach ihrer ldentität sowie Arbeit gefragt und sie aufge-

fordert, ihm ihre Wohnadresse preiszugeben. Dies habe sie natürlich nicht 

getan. Nach ein paar Tagen sei sie nach Hause gegangen. Sie habe ge-

rade ihre Mutter mit dem Handy anrufen wollen, als ein Anruf vom Handy 

des Vaters eingegangen sei, den sie voller Vorfreude angenommen habe. 

Indes habe erneut ein Unbekannter ihr gedroht, sie würden den Vater so-

lange foltern, bis sie ihre Adresse bekanntgebe; er habe ihr ausserdem mit 

der Vernichtung der Familie gedroht. Sie habe dies mit dem Ehemann ihrer 

Tante besprochen und dabei gesagt, sie sehe sich zum Verlassen der der 

Heimat gezwungen. Während der Organisation der Ausreise habe sie die 

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Seite 5 

Mutter informiert und ihr geraten, das Handy auszuschalten und mit dem 

jüngeren Bruder umzuziehen.  

E.b Die Beschwerdeführerin reichte die erste Seite ihres Reisepasses und 

ihre afghanische Tazkira (je Farbkopien), ein Arbeitszeugnis, eine Militär-

karte, ein Zertifikat der NATO, ein Trainingszertifikat für einen lT-Basiskurs 

des "lndependent Directorate of Local Governance", ein Trainingszertifikat 

des Finanzministeriums und ein Zertifikat der Kommission für Menschen-

rechte in Afghanistan zu den erstinstanzlichen Akten. Auch diese Unter-

lagen wurden durch das SEM amtsintern übersetzt.  

E.c Betreffend die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin  

wurden verschiedene medizinischen Unterlagen aktenkundig gemacht: 

Arztbericht des C._______ vom 24. August 2021, zwei Arztberichte des 

E._______ vom 2. Juli und vom 25. Juni 2021, definitiver Kurzaustrittsbe-

richt der D._______ vom 24. Juni 2021, provisorischer Kurzaustrittsbericht 

der D._______ vom 17. Juni 2021, Einweisungszeugnis des Instituts für 

Notfallmedizin vom 8. Juni 2021, Arztbericht des E._______ vom 

28. Mai.2021, Bericht von Dr. med. B._______ vom 25. Mai 2021, zwei 

ärztliche Kurzberichte des Ambulatoriums (…) vom 29. April und 18. Mai 

2021. 

F.  

F.a Am 15. September 2021 wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche 

Gehör bezüglich der von ihr anlässlich der Anhörung gewünschten Berich-

tigung ihres Geburtsdatums gewährt, da sich aus den Akten dazu Wider-

sprüche ergeben hätten.  

F.b In der Stellungnahme vom 17. September 2021 wurde unter ausführli-

cher Begründung namentlich um Berichtigung des Geburtsdatums im Zent-

ralen Migrationssystem (ZEMIS) ersucht. 

G.  

G.a Am 20. September 2021 stellte das SEM der Rechtsvertreterin der  

Beschwerdeführerin seinen Entscheidentwurf zur Stellungnahme zu.  

G.b Die Beschwerdeführerin liess am Folgetag eine Stellungnahme zum 

Entwurf einreichen. 

  

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Seite 6 

H.  

Mit (am gleichen Tag eröffneter) Verfügung vom 22. September 2021 stellte 

die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz. Zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ord-

nete die Vorinstanz jedoch die vorläufige Aufnahme der Beschwerde- 

führerin in der Schweiz an. Sie wurde dem Aufenthaltskanton Solothurn 

zugewiesen und es wurden ihr die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-

verzeichnis ausgehändigt.  

I.  

I.a Mit Eingabe vom 22. Oktober 2021 erhob die Beschwerdeführerin durch 

ihre Rechtsvertreterin Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz. 

Sie beantragte, die Dispositivziffern 1, 2 und 3 der Verfügung vom 22. Sep-

tember 2021 seien aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, sie als 

Flüchtling anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren; ausserdem sei der  

Eintrag des Geburtsjahres im ZEMIS anzupassen. Eventualiter sei die  

Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz  

zurückzuweisen. 

I.b In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht beantragt. 

I.c Mit dem Rechtsmittel wurden zwei Arztberichte des E._______ vom  

27. und 30. September 2021 eingereicht.  

J.  

Der Instruktionsrichter bestätigte am 26. Oktober 2021 den Eingang der 

Beschwerdeschrift und stellte fest, die (bereits vorläufige aufgenommene) 

Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten. 

K.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

25. Oktober 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

 

  

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Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde als solche ist einzutreten (vgl. nachfolgende E. 4). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Hinsichtlich des Antrags auf Anpassung des Geburtsjahrs im ZEMIS ist 

festzuhalten, dass das SEM sich in der Verfügung zwar zu diesem Thema 

geäussert, indessen im Dispositiv keine entsprechende Feststellung ver-

fügt hat. Dies wird in der Beschwerde nicht gerügt (etwa im Sinn eines Vor-

wurfs der Rechtsverweigerung). Das Dispositiv ist für die Festlegung des 

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Streitgegenstands in dem Sinne massgeblich, als es nach Lehre und kon-

stanter Praxis das eigentliche Anfechtungsobjekt der Beschwerde bildet; 

grundsätzlich ist nur das Dispositiv, nicht aber die Begründung einer Verfü-

gung anfechtbar (vgl. etwa BGE 113 V 159 E. 1.c m.w.H.). Mangels eines 

solchen Anfechtungsobjekts zur Frage des ZEMIS-Eintrags ist vorliegend 

auf die diesbezüglichen Beschwerdeanträge nicht einzutreten. Es steht der 

Beschwerdeführerin frei, sich nach Beendigung des vorliegenden Verfah-

rens in dieser Sache an das SEM zu wenden und den Erlass einer anfecht-

baren Verfügung zu verlangen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung in ihrer Verfügung im Wesentli-

chen das Folgende aus: 

6.1.1 Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu ihrer Arbeit seien  

wenig substanziiert respektive kaum erlebnisgeprägt ausgefallen und im 

Verlauf der Anhörung sei zunehmend deutlich geworden, dass sie in  

Wirklichkeit nicht die verantwortungsvolle und leitende Funktion wie an-

fänglich angegeben innegehabt habe. Ihr Vorbringen, sie sei als Hazara 

diskriminiert worden und habe weder von Vorgesetzten noch Arbeits- 

kollegen Hilfe erwarten können, habe sie nicht zu konkretisieren vermocht, 

zumal sie habe studieren und die besagte Stelle im Ministerium erhalten 

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können. Es sei erstaunlich, dass sie zwar (…) zum Thema Korruption, 

Menschenrechte und sexueller Belästigung (…) habe, selber jedoch nicht 

in der Lage gewesen sei, gegen die genannte sexuelle Belästigung durch 

den Stellvertreter ihrer Vorgesetzten die erforderlichen Schritte einzuleiten. 

Die Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht ge-

nügen. Die eingereichten Beweismittel vermöchten diesen Standpunkt 

nicht zu ändern, zumal es sich bei den eingereichten Zertifikaten, dem Mi-

litärausweis und dem Arbeitszeugnis lediglich um Kopien von geringem Be-

weiswert handle. 

6.1.2 Die Schilderungen der Kontrolle und Festnahme des Vaters und die 

diesbezüglich angeführten Gründe seien unlogisch, nicht nachvollziehbar 

und insgesamt nicht überzeugend ausgefallen; sie seien als konstruierte 

Asylbegründung zu beurteilen. Es bestehe somit kein begründeter Anlass 

zur Annahme, dass sich eine Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zukunft verwirklichen werde. Auf weitere Unglaub-

haftigkeitselemente müsse nicht weiter eingegangen werden.  

6.1.3 Nachdem die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden, müsse deren Asylrelevanz 

nicht geprüft werden. Insgesamt erfülle die Beschwerdeführerin die Flücht-

lingseigenschaft nicht und ihr Asylgesuche sei abzulehnen. 

6.2 Zu den Ausführungen in der Stellungnahme der Rechtsvertretung vom 

21. September 2021 zum Verfügungsentwurf sei Folgendes festzuhalten: 

Das SEM verkenne nicht, dass der afghanische Alltag für eine Hazara-Frau 

soziale Herausforderungen mit sich bringen und die Beschwerdeführerin 

im Heimatland gewisse traumatische Erfahrungen gemacht haben könne. 

Dennoch sei es ihr nicht gelungen, das SEM von den geltend gemachten 

Erlebnissen zu überzeugen. Aus den medizinischen Berichten gehe ledig-

lich hervor, dass sie stockend und eingeengt erzähle. Die Arztberichte wür-

den weder ihre Einvernahmefähigkeit noch die Aussagefähigkeit in Frage 

stellen. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin im 

Lauf des Asylverfahrens der Pflicht zur wahrheitsgetreuen und vollständi-

gen Offenlegung der eigenen Identität und Vorbringen unterstehe. Die  

Stellungnahme zum Entscheidentwurf diene nicht dazu, die Vorbringen zu 

präzisieren, nachdem mitgeteilt worden sei, dass die Aussagen den Anfor-

derungen an Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. Der Beschwerde- 

führerin sei anlässlich der Anhörung die Möglichkeit gegeben worden, sich 

detailliert und nachvollziehbar zu äussern. Insgesamt lege sie in der  

Stellungnahme somit keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vor,  

welche eine Änderung des Standpunktes des SEM rechtfertigen könnten.  

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Seite 10 

6.3 In der Beschwerdeschrift wird einleitend der Sachverhalt dargelegt und 

festgehalten, die protokollierten Aussagen der Beschwerdeführerin seien 

ausführlich und substanziiert ausgefallen. 

6.3.1 Im Rahmen der Vorbereitung zur Stellungnahme zum Entscheident-

wurf habe die Beschwerdeführerin ihre Arbeit zusätzlich präzisiert. Der 

hierzu vom SEM vertretenen Auffassung, die Stellungnahme diene nicht 

dazu, Vorbringen zu präzisieren, könne nicht gefolgt werden: Gemäss 

Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV sei das rechtliche Gehör immer zu 

gewähren; folglich müsse stets die Möglichkeit zur Stellungnahme gege-

ben werden, wenn der vorgebrachte Sachverhalt als unglaubhaft bezeich-

net werde; mithin müsse die asylsuchende Person mit dem Vorwurf der 

Unglaubhaftigkeit konfrontiert werden, um ihn allenfalls entkräften zu kön-

nen. Die Vorinstanz habe der Beschwerdeführerin bei der Anhörung kein 

rechtliches Gehör betreffend die angebliche Unsubstanziiertheit ihrer An-

gaben zur beruflichen Funktion gewährt. Ohne die vorliegend mögliche 

Stellungnahme zum Entscheidentwurf wäre damit ihr rechtliches Gehör 

verletzt worden. Die zum Beleg ihrer Arbeitstätigkeit eingereichten Beweis-

mittel und die konkreten Ausführungen zu ihrer Arbeit würden die vor- 

instanzlichen Zweifel an ihrer Arbeitstätigkeit kIar beiseiteschieben. Auf Be-

schwerdeebene könne sie zusätzlich die Kopie der Personaleintrittskarte 

zum Hauptquartier des Verteidigungsministeriums einreichen. 

6.3.2 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe die Beschwerdeführe-

rin die Probleme am Arbeitsplatz und die als Hazara-Frau erlebten Diskri-

minierungen klar ausgeführt und detailliert von der sexuellen Belästigung 

am Arbeitsplatz berichtet. Die Diskriminierung als Hazara-Frau müsse das 

Absolvieren eines Studiums und eine Anstellung beim Staat nicht per se 

ausschliessen. Die Beschwerdeführerin habe in der Stellungnahme zum 

Entscheidentwurf ausgeführt, dass sie nach dem Studium trotz ihrer  

Qualifikationen und zahlreicher Bewerbungen erst keine Anstellung gefun-

den habe. Die Stelle beim Verteidigungsministerium habe sie wohl deshalb 

erhalten, weil die NATO diese im Internet publiziert habe, das Bewerbungs-

verfahren online ohne Geschlechtsangabe und Foto durchgeführt worden 

sei und sie nach "Arbeitsprüfung" und Job-Interview am besten abge-

schlossen habe. Die männlichen Arbeitskollegen hätten sie dann anfäng-

lich in keine Sitzung gerufen und sie als Hazara verbal beleidigt. Sie habe 

beispielsweise zunächst auch in der Kantine nichts zu essen bekommen. 

Diese Aussagen seien von zahlreichen Realkennzeichen geprägt und wür-

den eine hohe Glaubhaftigkeit aufweisen. Der Vorhalt der Vorinstanz, es 

sei unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund geleiteter 

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Seite 11 

(…) zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nicht gegen die sel-

ber erlebten Übergriffe habe angehen können, sei nicht nachvollziehbar 

und haltlos. Erstens habe ihre Tätigkeit eigene sexuelle Belästigungen am 

Arbeitsplatz nicht ausgeschlossen, und zweitens habe sie diese unmittel-

bar ihrer Vorgesetzten gemeldet. Im Übrigen handle man in der eigenen 

Betroffenheit bei sexueller Gewalt nicht zwangsläufig nach dem Lehrbuch. 

6.3.3 Auch die Schilderungen der Verfolgung durch die Taliban seien 

glaubhaft ausgefallen. Es sei weder unwahrscheinlich noch unlogisch, 

dass der Vater allenfalls kompromittierende Fotos auf seinem Handy ge-

speichert habe. Und dass die Verschlechterung der Sicherheitslage in der 

Provinz Ghazni den Vater zum Besuch der Tochter in H._______ bewegt 

habe, stehe nicht im Widerspruch dazu, dass er als stolzer Vater Fotos von 

seiner Tochter auf dem Handy gehabt und offenbar nicht mit der Möglich-

keit gerechnet habe, diese könnten entdeckt werden. Das Kriterium der 

Plausibilität werde zudem seit Längerem von der Lehre kritisiert, und es 

werde dafür plädiert, grundsätzlich nur naturwissenschaftliche Tatsachen 

unter dem Aspekt der Plausibilität zu bewerten oder zumindest Unplausibi-

lität mit Länderinformationen oder anderen Beweismitteln abzugleichen. Es 

sei auch nachvollziehbar, dass der Fahrer des Fahrzeugs gewusst habe, 

dass die Taliban diese Fotos auf dem Handy des Vaters entdeckt hätten; 

der Fahrer sei ja bei der Festnahme vor Ort gewesen und habe die Kon-

trolle des Handys mitverfolgen können. Ausserdem habe die Beschwerde- 

führerin bei der Anhörung anschaulich erklärt, dass üblicherweise auf ge-

fährlichen Routen mit Checkpoints der Taliban ein vertrauenswürdiger und 

persönlich bekannter Fahrer gewählt werde; dies insbesondere dann, 

wenn man diese Route öfters zurücklege oder Sendungen an die Familie 

vornehme.  

6.3.4 Es sei ausserdem nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz auf-

grund des angeblich wenig bedeutenden beruflichen Profils der Beschwer-

deführerin Zweifel am Verfolgungsinteresse der Taliban hege. Gemäss 

bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung bestehe für Mitarbei-

tende der afghanischen Regierung oder internationaler Organisationen ein 

erhöhtes Risiko, gezielten Angriffen oder einem anderen Gewaltakt – ins-

besondere seitens der Taliban – ausgesetzt zu werden. Dieses Risiko sei 

bei Frauen zusätzlich erhöht, da die Taliban der Arbeitstätigkeit von Frauen 

ausserhalb des Haushalts bekanntlich äusserst kritisch gegenüberstehen 

würden. 

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Seite 12 

6.3.5 Die Ausführungen der Beschwerdeführerin würden sich durch zahl-

reiche und teils starke Realkennzeichen auszeichnen sowie der gefährli-

chen Sicherheitslage in der Provinz Ghazni entsprechen. Aufgrund der 

übereinstimmenden, widerspruchsfreien, detaillierten sowie konsistenten 

Vorbringen mit den diversen Realkennzeichen und den eingereichten Be-

weismitteln seien die Angaben als glaubhaft gemacht gemäss nach Art. 7 

Abs. 2 AsyIG einzustufen. 

6.3.6 Im Länderkontext Afghanistans sei insgesamt davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr dorthin mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevante Nachteile dro-

hen würden. Sie sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr in der 

Schweiz Asyl zu gewähren.  

7.  

7.1 Bezüglich der Rüge, bei der Anhörung sei kein rechtliches Gehör be-

züglich des Vorwurfs der unsubstanziierten Angaben zu ihrer beruflichen 

Funktion gewährt worden, ist Folgendes festzuhalten: Gemäss gefestigter 

Rechtsprechung ergibt sich die Konfrontation mit Widersprüchen in den ei-

genen Aussagen aus dem Grundsatz der Pflicht zur vollständigen und rich-

tigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, stellt jedoch keinen 

eigentlichen verfahrensrechtlichen Anspruch im Sinne des rechtlichen Ge-

hörs dar (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 13). Vorliegend hat die Beschwerde-

führerin im Rahmen der Stellungnahme zum Entscheidentwurf Stellung be-

ziehen können. Die Vorinstanz hat sich in ihrer Verfügung dazu insofern 

geäussert, als sie offensichtlich von nachgeschobenen Vorbringen ausging 

und festhielt, dieser Verfahrensschritt der Stellungnahme vor Verfügungs-

erlass diene nicht dazu, die (mündlichen) Vorbringen zu präzisieren, und 

sie diese als nicht genügend für eine Änderung des eigenen Standpunktes 

qualifizierte. Dem formellen Anspruch auf rechtliches Gehör wurde damit 

im Grundsatz Genüge getan und die Schlussfolgerungen der Vorinstanz 

sind als materiell-rechtliche Würdigung zu beurteilen, auf die nachfolgend 

einzugehen ist. 

7.2 Vorbringen sind nach Lehre und Praxis glaubhaft gemacht, wenn sie 

genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind (vgl. hierzu 

und zum Folgenden insbes. BVGE 2012/5 E. 2.2 und 2010/57 E. 2.2 f.;  

EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; KNEER / SONDEREGGER, Glaubhaftig-

keitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung 

E-4649/2021 

Seite 13 

des Bundesverwaltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5). Die Aussagen dür-

fen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten 

nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik nicht entbehren und nicht den 

Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind 

substanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilde-

rungen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb  

einer Anhörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen  

Dritter keine Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale 

Widersprüche sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betref-

fen, zwar in die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige 

Begründung für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hin-

aus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, 

was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen un-

terdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen 

auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mit-

wirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im 

Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die 

Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. 

Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 

7.2.1 Nach Auffassung des Gerichts vermögen die Vorbringen der Be-

schwerdeführerin zu den Geschehnissen vor ihrer Ausreise aus Afghanis-

tan diesen Anforderungen insgesamt zu genügen. Die Unglaubhaftigkeits-

argumentation des SEM wird in der Beschwerde überzeugend bestritten. 

Zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf diese Entgeg-

nungen verwiesen werden. 

7.2.2 Die Vorinstanz führte zur beruflichen Tätigkeit aus, die Beschwerde-

führerin habe in der Realität nicht die verantwortungsvolle und leitende 

Funktion innegehabt habe, welche sie anfänglich beschrieben habe. Die 

Beschwerdeführerin gab an, sie habe im Bereich Bekämpfung von Korrup-

tion und sexueller Belästigung und für Menschenrechte (…) und als (…) 

auch (…) geleitet (vgl. Protokoll Anhörung F/A 29). Weiter gab sie an, die 

Themen seien vorgegeben gewesen. Ihnen seien die Details der (…) wie 

Militärgrad und welchen (…) diese besuchen wollten, mitgeteilt worden. 

Der Inhalt ihrer weiteren Aussage, sie selber habe nur einen Bericht selber 

geschrieben, "wie ein Rapport von meinem (…), welches ich selbst durch-

führte […]" (vgl. a.a.O. F/A 50) erschliesst sich dabei nicht ohne Weiteres; 

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Seite 14 

mithin hätte sich an dieser Stelle konkretes Nachfragen aufgedrängt. Un-

geachtet dieses Mangels kann die berufliche Tätigkeit der Beschwerdefüh-

rerin im nationalen Verteidigungsministerium aufgrund der Akten insge-

samt dahingehend als erstellt gelten, dass sie innerhalb eines Teams mit 

einer weiblichen Vorgesetzten tätig und dabei unter anderem mit der Orga-

nisation von (…), mit Korrespondenzführung und dem Verfassen von Pro-

tokollen sowie von inhaltlich konkret vorgegebenen Berichten betraut war. 

Es ist aufgrund ihres Bildungsgrads auch nicht auszuschliessen, dass sie 

beispielsweise (…) selber durchgeführt hat. Auch hat sie Beweismittel zu 

ihren Tätigkeiten eingereicht, wobei beispielsweise das Arbeitszeugnis des 

Ministry of Defense von 1397 die angegebene Anstellung und den Arbeits-

bereich aufführt. In den weiteren Beweismitteln wie etwa im Schreiben der 

Menschenrechtskommission wird der Beschwerdeführerin unter anderem 

dafür gedankt, ihr Wissen an die verschiedenen Armeeeinheiten vermittelt 

zu haben (gemäss interner Übersetzung der Vorinstanz).  

7.2.3 Der vorinstanzliche Hinweis darauf, dass die Dokumente in Form von 

Kopien eingereicht worden seien, ist zwar nicht unberechtigt. Kopien wei-

sen indessen nicht von vornherein keine, sondern praxisgemäss eine re-

duzierte Beweiskraft auf. Dass die vorliegenden Beweismittel formale oder 

inhaltliche Fälschungsmerkmale aufweisen würden, hat das SEM in der 

Verfügung nicht dargelegt. Solches wäre auch für das Gericht nicht ersicht-

lich. Unter diesen Umständen stellen die Dokumente zwar nicht den Be-

weis für die Richtigkeit, aber immerhin Indizien für die Glaubhaftigkeit des 

Sachvortrags dar. 

7.2.4 Insgesamt hat die Beschwerdeführerin die Arbeitstätigkeit als solche 

beim nationalen Verteidigungsministerium glaubhaft gemacht. Dass sie in 

der Anhörung anfänglich von sich als (…) und (…) sprach, erscheint zwar 

tatsächlich etwas übertrieben, allerdings sind ihre folgenden Antworten 

dazu durchaus nachvollziehbar ausgefallen (vgl. Protokoll Anhörung F/A 

29 und 47–50).  

7.2.5 Die Beschwerdeführerin schilderte eine Kontrolle und Festnahme 

des Vaters durch die Taliban sowie die anschliessend erhaltenen anony-

men telefonischen Drohanrufe. Ihre diesbezüglichen Ausführungen weisen 

keine wesentlichen inhaltlichen oder zeitlichen Widersprüche auf und hin-

terlassen im länderspezifischen Kontext insgesamt einen durchaus schlüs-

sigen Eindruck. Dabei konnte die Beschwerdeführerin beispielsweise in 

der Anhörung auf Nachfrage nachvollziehbar darlegen, wie der Fahrer des 

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Seite 15 

kontrollierten Fahrzeugs zur Telefonnummer der Beschwerdeführerin ge-

kommen sei und sie telefonisch über das Vorgefallene unterrichtet habe 

(vgl. Protokoll Anhörung F/A 61). Im Weiteren wirken die Schilderungen der 

Folgeereignisse, namentlich der anonymen Anrufe und deren Auswirkun-

gen auf die Beschwerdeführerin sowie ihre eigenen anschliessenden Vor-

kehren insgesamt erlebnisbasiert. Den diesbezüglichen Hinweisen in der 

Beschwerde auf verschiedene Realkennzeichen in diesen Aussagen 

schliesst sich das Gericht an.  

7.2.6 Die Beschwerdeführerin hat zuhanden der Vorinstanz zahlreiche Un-

terlagen betreffend ihren Gesundheitszustand eingereicht. Diesen ist zu 

entnehmen, dass eine reaktive schwere Depression, differentialdiagnos-

tisch eine Posttraumatische Belastungsreaktion und damit der Verdacht 

auf eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) festzustellen seien. 

In den auf Beschwerdeebene eingereichten jüngsten Berichten vom 

27. und 30. September 2021 wird die reaktive Depression weiterhin als 

schwer bezeichnet und die Diagnose einer PTBS gestellt. Dazu werden 

weitere Krankheitsbilder wie Spannungskopfschmerzen, extremer Ge-

wichtsverlust, starke Akne und eine starke Seborrhoe (Störung der Talg-

drüsen) auf Gesichts- und Haarhaut sowie Haarausfall diagnostiziert. 

Diese Diagnosen werden dabei mit Posttraumatischen Stress in Verbin-

dung gebracht und in einen Zusammenhang mit den anamnestisch erho-

benen Ereignissen im Heimatland gestellt. Insgesamt sind diese medizini-

schen Berichte ebenfalls als Indiz für die Glaubhaftigkeit der geltend ge-

machten Verfolgung im Heimatstaat zu werten. 

7.3 Nach obigen Ausführungen gelangt das Gericht im Rahmen einer Ge-

samtwürdigung aller aktenkundigen Umstände zum Schluss, dass die Asyl-

vorbringen der Beschwerdeführerin als glaubhaft zu qualifizieren sind. 

7.4 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorbringen die Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft erfüllen beziehungsweise die Beschwerdeführerin 

bei einer Rückkehr nach Afghanistan ernsthafte Nachteile im Sinne von 

Art. 3 AsylG zu befürchten hätte. 

7.4.1 Bereits bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan im Jahr 

2017 (vgl. Urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017, als Referenzurteil 

publiziert) hatte das Gericht festgestellt, dass sich Gruppen von Personen 

definieren lassen, die in diesem Land aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem 

Personen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen 

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Seite 16 

Gemeinschaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder 

als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orien-

tierte oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen 

nicht entsprechende Personen (vgl. dazu: UNITED NATIONS HIGH COMMIS-

SIONER FOR REFUGEES [UNHCR], Eligibility Guidelines for Assessing the 

International Protection Needs of Asylum-Seekers from Afghanistan vom 

30. August 2018, https://www.refworld.org/docid/5b8900109.html, S. 40 ff. 

[abgerufen am 4. November 2021] sowie die beiden Berichte des EURO-

PEAN ASYLUM OFFICE [EASO] "Country of Origin Information Report:  

Afghanistan: Individuals targeted by armed actors in the conflict" vom 

Dezember 2017, S. 34 f. und "Country Guidance: Afghanistan: Guidance 

note and common analysis" vom Juni 2018, S. 41 ff.). Weitere Quellen be-

richten ebenfalls von gezielten Angriffen auf Mitarbeitende der afghani-

schen Regierung oder internationaler Organisationen und einem erhöhten 

Risiko dieser Personen, einem Gewaltakt – insbesondere durch die Hände 

der Taliban – ausgesetzt zu werden (vgl. AUSTRALIAN DEPARTEMENT OF  

FOREIGN AFFAIRS AND TRADE [DFAT]: "Country Information Report Afgha-

nistan" vom 18. September 2017, Ziffn. 3.19 und 3.23; ACCORD: "Aktuelle 

Sicherheitslage in Afghanistan und Chronologie für Kabul" vom 11. Sep-

tember 2018, Kapitel 1.2; SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE [SFH]:  

"Afghanistan: Gefährdungsprofile" vom 12. September 2019, insbes. 

S. 10).  

7.4.2 Diese Gefährdungslage hat sich für die erwähnten Personengruppen 

seit der im August 2021 erfolgten Übernahme der Kontrolle über das ge-

samte Staatsgebiets durch die Taliban und dem inzwischen erfolgten voll-

ständigen Abzug der amerikanischen und ausländischen Streitkräfte zwei-

fellos noch akzentuiert (vgl. AFGHANISTAN ANALYSTS NETWORK, The Mo-

ment in Between: "After the Americans, Before the New Regime", 1. Sep-

tember 2021, https://www.afghanistan-analysts.org/en/reports/war-and-pea 

ce/the-moment-in-between-after-the-americans-before-the-new-regime).  

7.4.3 Die Beschwerdeführerin hat glaubhaft gemacht, dass sie im nationa-

len Verteidigungsministerium gearbeitet hat und dass die Taliban von ihrer 

Tätigkeit Kenntnis erhalten haben. Dass sie bei ihrer beruflichen Tätigkeit 

nicht eine zentrale Rolle mit besonderer Funktion innehatte und damit für 

die Taliban in Wirklichkeit wohl nicht unbedingt eine hochkarätige Informa-

tionsträgerin war, war diesen zum damaligen Zeitpunkt zwar offensichtlich 

noch nicht bewusst. Jedenfalls ist sie in den Fokus der Taliban geraten, 

und es darf davon ausgegangen werden, dass ihr, wären die Taliban in den 

Besitz ihrer Wohnadresse gelangt, mit hoher Wahrscheinlichkeit erhebliche 

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Seite 17 

– aus flüchtlingsrechtlich relevanten Gründen zugefügte – Nachteile ge-

droht hätten. In diesem Zusammenhang wird in der Beschwerde zu Recht 

darauf hingewiesen, dass sie als gebildete und berufstätige Frau in den 

Augen der Taliban umso mehr mit Nachteilen rechnen musste. Ihre dies-

bezüglich subjektive Furcht ist damit als objektiv begründet zu beurteilen. 

Die Beschwerdeführerin ist unmittelbar im Anschluss an das Entstehen der 

drohenden Verfolgungssituation ausgereist, womit der zeitliche Kausalzu-

sammenhang ebenfalls gegeben ist. Sie erfüllte somit im Zeitpunkt der 

Ausreise die Flüchtlingseigenschaft. 

7.4.4 Angesichts der aktuellen Situation in Afghanistan ist die Furcht der 

Beschwerdeführerin von Verfolgung weiterhin begründet.  

7.5 Aus den Akten gehen keine Anhaltspunkte für das Vorliegen von Aus-

schlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG hervor. Die Beschwerde ist 

nach dem Gesagten gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 

22. September 2021 ist aufzuheben und die Vorinstanz ist anzuweisen, der 

Beschwerdeführerin in Anerkennung ihrer Flüchtlingseigenschaft Asyl zu 

gewähren.  

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege wird damit gegenstandslos. Gleiches gilt, angesichts 

des vorliegenden Entscheids in der Sache, für den Antrag auf Befreiung 

von der Kostenvorschusspflicht. 

8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung 

auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater Satz 1 AsylG).  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuer-

kennen und ihr Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay