# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5655494-927c-5efb-8918-12fbc8f821c2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 22.04.2024 VBE.2023.391
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-391_2024-04-22.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.391 / mt / ks       
Art. 54 

 

 

Urteil vom 22. April 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiberin i.V. Tschan  

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____  

vertreten durch lic. iur. Franz Hollinger, Rechtsanwalt,  

Stapferstrasse 28, Postfach, 5200 Brugg AG  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
   

Beigeladene   B._____  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 14. Juli 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1966 geborene Beschwerdeführerin meldete sich erstmals am 23. Au-

gust 2014 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (beruf-

liche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) 

an. Nachdem die Beschwerdegegnerin die entsprechenden Abklärungen 

getätigt und berufliche Massnahmen zugesprochen hatte, verneinte sie 

nach Abschluss der beruflichen Massnahmen mit Verfügung vom 10. Feb-

ruar 2017 einen Rentenanspruch. Eine gegen diese Verfügung erhobene 

Beschwerde wies das hiesige Versicherungsgericht mit Urteil 

VBE.2017.265 vom 29. August 2017 ab. 

 

2. 

Am 12. März 2021 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut zum Leis-

tungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin tätigte medizinische und berufli-

che Abklärungen, führte Eingliederungsmassnahmen durch und verneinte 

nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 14. Juli 

2023 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

 

3. 

3.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 13. September 

2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

"1. Die angefochtene Verfügung vom 14. Juli 2023 sei aufzuheben. 
 
2. Der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente von 54% zuzuspre-

chen. 
 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

3.2. 

Mit Vernehmlassung vom 14. November 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

3.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 20. November 2023 wurde die 

berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren bei-

geladen. Diese verzichtete mit Eingabe vom 23. November 2023 auf eine 

Stellungnahme. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit der angefochte-

nen Verfügung vom 14. Juli 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 269) den 

Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat. 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 

14. Juli 2023 (VB 269) davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin bei 

Ablauf der Wartefrist bzw. zum Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbe-

ginns eine Teilarbeitsfähigkeit gegeben und eine Eingliederungsmass-

nahme angezeigt gewesen sei, weshalb ein Rentenanspruch zu verneinen 

sei. Die beruflichen Integrationsmassnahmen seien bis zum 31. Dezember 

2022 von der Beschwerdegegnerin übernommen worden. Ab dem 1. Ja-

nuar 2023 sei die Beschwerdeführerin mit einem Teilzeitarbeitsvertrag im 

Pensum von 48.78 % bei der C._____ angestellt. Aus dem Bericht der Ver-

laufskontrolle vom 16. November 2022 im Kantonsspital D._____ werde 

eine Verbesserung des Gesundheitszustandes – sowohl die psychiatrische 

Symptomatik wie auch die neuropathischen Beschwerden betreffend – ent-

nommen. Die Beschwerdeführerin sei bereits in ihrer letzten Anstellung als 

Gastronomieangestellte im Kantonsspital D._____ ab dem 1. Oktober 2016 

nur in einem 50%-Pensum tätig gewesen. Darauf sei bereits mit Verfügung 

vom 10. Februar 2017 eingegangen und ausgeführt worden, dass die 

Selbstlimitierung auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen sei. Die 

Diskrepanz zwischen der versicherungsmedizinischen Beurteilung und 

dem subjektiven Erleben der Beschwerdeführerin beruhe auf dem Um-

stand, dass die medizinische-theoretische Einschätzung auf objektiven und 

nachvollziehbaren Befunden basiere und demgegenüber eine Bereitschaft 

zur Umsetzung dieser Arbeitsfähigkeit nur so weit gegeben sei, wie die 

subjektive Selbsteinschätzung es zulasse. Den versicherungsmedizini-

schen Beurteilungen sei jedoch der Vorrang gegenüber den subjektiven 

Einschätzungen einzuräumen. Auch begründe eine attestierte Arbeitsunfä-

higkeit nicht per se das Vorliegen einer rentenbegründenden Erwerbsunfä-

higkeit. Daher müsse der Rentenanspruch gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG 

(ab 1. Januar 2022) nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" abge-

wiesen werden. 

 

2.1.2. 

In ihrer Vernehmlassung vom 4. November 2023 ging die Beschwerdegeg-

nerin aufgrund der Stellungnahme von Dr. med. E._____, Facharzt für 

Neurologie und Praktischer Arzt, vom 13. November 2023 (VB 274) davon 

aus, dass im Rahmen der Integrationsmassnahmen eine Steigerung des 

Arbeitspensums auf 70 % möglich gewesen wäre. Die Einschränkung von 

 - 4 - 

 

 

30 % in der Ausübung von angepassten Tätigkeiten vermöge in Bezug auf 

das erzielte Einkommen als Gastronomieangestellte lediglich einen Invali-

ditätsgrad von knapp 35 % begründen, sodass sie an ihrer bisherigen Be-

urteilung festhalte. 

 

2.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt mit Verweis auf die Einschätzung ihrer be-

handelnden Ärzte und die Ergebnisse der durchgeführten Eingliederungs-

massnahmen im Wesentlichen vor, sie sei lediglich in der Lage, eine ange-

passte Tätigkeit von knapp 50 % auszuüben (Beschwerde S. 4 f.). 

 

2.3. 

Dass seit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 10. Februar 2017, mit 

der ein Rentenanspruch verneint worden ist (VB 90), eine erhebliche Ver-

änderung im Sinne einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein-

getreten ist, ist zwischen den Parteien – nach Lage der Akten zu Recht – 

unumstritten (VB 105, Beschwerde S. 4), womit sich diesbezügliche Weite-

rungen erübrigen. 

 

3. 

3.1. 

In medizinischer Hinsicht geht aus den Akten im Wesentlichen Folgendes 

hervor: 

 

3.1.1. 

Der die Beschwerdeführerin behandelnde Arzt Dr. med. F._____, Facharzt 

für Neurologie, führte in seinem Bericht vom 29. Oktober 2020 aus, in der 

umfangreichen Labordiagnostik habe sich kein Hinweis auf die Ätiologie 

der Polyneuropathie finden lassen (VB 114 S. 23). 

 

3.1.2. 

Im Bericht vom 7. Januar 2021 schilderte Dr. med. F._____, anamnestisch 

sei die Beschwerdeführerin von starken Schmerzen belastet. Aktuell stün-

den Schmerzen in den Füssen zwischen der Metacarpale II und III im Vor-

dergrund, welche auch durch Druck und Belastung auslösbar seien. Dane-

ben bestünden lumbale Rückenschmerzen und ausserdem beschreibe die 

Beschwerdeführerin fluktuierende brennend-elektrisierende Schmerzen in 

den Beinen, von den Füssen in die Unter- und Oberschenkel ausstrahlend. 

In der letzten Zeit habe sie häufige nächtliche Schmerzexazerbationen mit 

Herzrasen und starker Angst gehabt. Dr. med. F._____ empfahl eine psy-

chiatrische Vorstellung und liess in der Folge ein MRI und eine "small-fibre"-

Diagnostik durchführen (VB 202 S. 6 f.). 

  

 - 5 - 

 

 

 

3.1.3. 

Am 10. Juni 2021 stellte Prof. Dr. med. G._____, Facharzt für Neurologie, 

in seinem Bericht fest, die Beschwerdeführerin leide an einer Small Fibre 

Neuropathie (SFN), welche aufgrund der Klinik und der unterstützenden 

Laborwerte gesichert sei (VB 129 S. 13). 

 

3.1.4. 

Aus psychiatrischer Sicht führte die behandelnde Psychiaterin 

Dr. med. H._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, im Be-

richt vom 8. September 2021 aus, die Beschwerdeführerin leide unter einer 

generalisierten Angststörung (ICD-10: F41.1) sowie unter einer mittelgradig 

depressiven Episode (ICD-10: F32.1). Zurzeit bestehe aus psychiatrischer 

Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Eine weitere Erhöhung sei momentan 

nicht zu attestieren, der weitere Verlauf müsse abgewartet werden (VB 133 

S. 2 f.). 

 

3.1.5. 

Gemäss Bericht von Dr. med. F._____ vom 27. September 2021 habe die 

Beschwerdeführerin ausgeführt, sie fühle sich aktuell psychisch stabilisiert, 

wenngleich die neuropathischen Schmerzen persistierten. 

Dr. med. F._____ hielt einen beruflichen Einstieg im Teilzeitpensum von 

50 % und maximal vier Stunden am Tag für sinnvoll (VB 202 S. 10). 

 

3.1.6. 

Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin beurteilte Prof. Dr. med. G._____ 

in seinem Bericht vom 15.September 2021 die Arbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit (Gastronomie) als zumin-

dest teilreduziert. Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei schwer 

zu beurteilen und sehr abhängig von der Tätigkeit (VB 134 S. 1). 

 

3.1.7. 

Die RAD-Ärztin Dr. med. I._____, Praktische Ärztin, empfahl in ihrer Beur-

teilung vom 28. September 2021 einen langsamen Einstieg in die berufliche 

Eingliederung (VB 135). 

 

3.1.8. 

Am 7. April 2022 hielt Dr. med. F._____ fest, die Beschwerdeführerin be-

richte, sie habe im letzten halben Jahr eine subjektive Zunahme von Hypäs-

thesien in den Füssen und Unterschenkeln festgestellt. Die Schmerzen in 

den genannten Arealen seien partiell unter Kontrolle. Unverändert träten 

die Beschwerden nach längerem Stehen über eineinhalb Stunden in Er-

scheinung. Dr. med. F._____ führte sodann aus, die ENMG-Verlaufsneu-

rographien und der SudoScan zeigten keinen Hinweis auf eine relevante 

Progredienz der a.e. idiopathischen small-fibre-Polyneuropathie und es sei 

von einem schleichenden Verlauf auszugehen. Die Zunahme der Be-

schwerden könne aktuell nicht organisch erklärt werden (VB 202 S. 13 ff.). 

 - 6 - 

 

 

Gemäss Anamnese im Bericht bezüglich der neuromuskulären Sprech-

stunde vom 16. November 2022 habe die Beschwerdeführerin von einem 

deutlich gebesserten Befinden berichtet, die neuropathischen Beschwer-

den an den Beinen seien weiterhin vorhanden, jedoch deutlich weniger be-

lastend. Subjektiv sei die Hypästhesie an den Füssen leicht ausgebreitet. 

Dr. med. F._____ führte aus, in der klinisch-neurologischen Untersuchung 

hätten sich eine leichte distal-symmetrische Pallhypästhesie und afferente 

Stand- und Gangataxie, stabil zum Vorbefund vom April 2022, gezeigt 

(VB 247 S. 5). 

 

3.2. 

3.2.1. 

In dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom 17. Mai 2023 

schilderte Dr. med. F._____ aufgrund der am 16. Mai 2023 durchgeführten 

ENMG-Untersuchung eine im Vergleich zur Voruntersuchung vom April 

2022 leicht progrediente längenabhängige sensible axonale Polyneuropa-

thie (BB 4 S. 3). Ausserdem habe die Beschwerdeführerin neben den be-

kannten brennenden und elektrisierenden Schmerzen und Parästhesien an 

Händen und Füssen über eine Zunahme und Aufsteigen der Fühlstörung 

an den Füssen berichtet. Es habe sowohl in der klinisch-neurologischen 

Untersuchung eine distal-symmetrische Zunahme der Pallhypästhesie 

beidseits als auch elektroneurographisch im Vergleich zu den Voruntersu-

chungen eine leichte Progredienz der längenabhängigen sensiblen Poly-

neuropathie festgestellt werden können (BB 4 S. 4). 

 

3.2.2. 

In dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdegeg-

nerin eingeholten Bericht vom 13. November 2023 hielt RAD-Arzt 

Dr. med. E._____ fest, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine Small Fi-

ber Neuropathie, die mindestens seit dem Jahr 2021 bekannt sei. Darüber 

hinaus bestehe eine leichte axonale sensible Neuropathie vorwiegend an 

den Beinen. Ausweislich des Befundberichts von Dr. med. F._____ vom 

17. Mai 2023 habe sich die sensible Neuropathie im Verlauf leicht ver-

schlechtert. Aktuell seien die Messungen der motorischen Nervenleitge-

schwindigkeit weitgehend unauffällig, im Bereich der sensiblen Nervenleit-

geschwindigkeiten fänden sich Amplitudenminderungen. Elektrophysiolo-

gisch entspreche dieses Bild einer leichten axonalen sensiblen Neuropa-

thie. Klinisch sei im entsprechenden Konsultationsbericht beschrieben, 

dass die Beschwerdeführerin eine distal symmetrische und vor allem an 

den Beinen reduzierte Wahrnehmung des Vibrationsempfindens aufweise. 

Darüber hinaus sei der körperliche Untersuchungsbefund in Bezug auf die 

berufliche Belastbarkeit nicht wesentlich verändert gewesen. Insbesondere 

hätten sich keine Kraftminderung und keine Koordinationsstörung gezeigt; 

in den Gehversuchen seien allenfalls diskrete Auffälligkeiten gefunden wor-

den. Es entspreche der Natur der Small Fiber Neuropathie, dass die elekt-

rophysiologischen Parameter nicht verändert seien. Im Vordergrund einer 

 - 7 - 

 

 

solchen Neuropathie stehe häufig ein Schmerzerleben, welches die Person 

angebe. Ausweislich des Konsultationsberichts vom November 2022 habe 

die Beschwerdeführerin angegeben, dass unter der Therapie ihre gesund-

heitliche Situation insgesamt stabilisiert sei (VB 274 S. 4). 

 

Im September 2021 sei die behandelnde Psychiaterin von einer Arbeitsfä-

higkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit ausgegangen. Die Psychi-

aterin sei von einer guten Prognose in Bezug auf das Störungsbild und so-

mit auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausge-

gangen. Aktuelle psychiatrische Berichte lägen nicht vor. Die Beschwerde-

führerin habe im Rahmen einer Konsultation bei Dr. med. F._____ im No-

vember 2022 berichtet, dass sie die Beschwerden gut verarbeiten könne. 

Insofern würden sich nach Überzeugung des RAD in Übereinstimmung mit 

der Prognose der behandelnden Psychiaterin Hinweise auf eine psychiat-

rische Stabilisierung der Beschwerdeführerin ergeben, so dass die Arbeits-

fähigkeit in psychiatrischer Hinsicht mittlerweile mehr als 50 % mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit mindestens 70 % betrage (VB 274 S. 4). 

 

Der RAD habe keinen Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin konsis-

tent bei berufsbezogenen Tätigkeiten und in ihrem Alltag durch die 

Schmerzwahrnehmung beeinträchtigt sei. Die Arbeitsfähigkeit in der ange-

stammten Tätigkeit betrage ca. 40 %, da die Sensibilitätsstörung das ra-

sche und gezielte Gehen beeinträchtige und die Schmerzwahrnehmung 

durch das Gehen verstärkt werde und vermehrt Erholungspausen erfor-

dere. Die Folgen der psychiatrischen Störung in Bezug auf die berufsbezo-

gene Tätigkeit deckten sich mit den neurologischerseits beschriebenen Ge-

sundheitsbeeinträchtigungen insofern, als dass sie ebenfalls die Leistungs-

fähigkeit reduziere und vermehrte Pausen erfordere. Es ergebe sich keine 

zusätzliche Arbeitsunfähigkeit, die über die neurologischerseits beste-

hende Leistungsbeeinträchtigung hinausgehe. Bei der Bemessung der Ar-

beitsunfähigkeit bestehe naturgemäss ein gewisser Ermessensspielraum 

(VB 274 S. 4). 

 

Eine ideal angepasste Tätigkeit sei körperlich leicht und überwiegend sit-

zend. Die Beschwerdeführerin übe aktuell eine solche Tätigkeit in einem 

50%-Pensum aus. Aus neurologischer Sicht sei in einer solchen ideal an-

gepassten Tätigkeit die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin höher als 

in der angestammten Tätigkeit, da das Gehen definitionsgemäss nur in ei-

nem reduzierten Umfang erforderlich sei. In Bezug auf die psychiatrische 

Störung würden dieselben Ausführungen wie für die angestammte Tätigkeit 

gelten. Die Arbeitsfähigkeit in einer solchermassen optimal angepassten 

Tätigkeit betrage nach Überzeugung des RAD mindestens 70 % (VB 274 

S. 4). 

 

Prognostisch bleibe der Verlauf der Small Fiber Neuropathie und der distal 

symmetrischen Polyneuropathie abzuwarten. Es sei möglich, dass sich die 

 - 8 - 

 

 

Gesundheitsbeeinträchtigung in Zukunft verstärke und sich hierdurch die 

Auswirkungen auf die berufsbezogene Leistungsfähigkeit vergrössern wür-

den (VB 274 S. 5.). 

 

3.2.3. 

Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zur streitigen Verfügung 

vom 14. Juli 2023 entwickelte (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2 S. 446; 129 

V 167 E. 1 S. 169). Die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes 

Dr. med. E._____ wurde zwar erst nach dem Verfügungszeitpunkt erstellt, 

betrifft aber den medizinischen Sachverhalt davor und ist somit zu berück-

sichtigen. 

 

4. 

4.1. 

Im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts-

beschwerdeverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und 

ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und 

Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 

122 V 157 E. 1a S. 158). 

 

4.2. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.3. 

Die Rechtsprechung hat den Berichten versicherungsinterner medizini-

scher Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt. Ihnen kommt praxisge-

mäss jedoch nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem 

im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag ge-

gebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff. und 122 V 157 

E. 1c S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit 

und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so 

sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 

S. 469 f. und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.4. 

Beweistauglich kann eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im Wesent-

lichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts 

geht und sich neue Untersuchungen erübrigen (Urteil des Bundesge-

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richts 9C_154/2021 vom 10. März 2022 E. 2.1 mit Hinweisen). Eine medi-

zinische Aktenbeurteilung ist zulässig, wenn genügend Unterlagen auf-

grund anderer persönlicher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständi-

ges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der 

medizinische Sachverständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhan-

denen Unterlagen ein lückenloses Bild machen können (Urteil des Bundes-

gerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1 mit Hinweisen).  

 

5. 

5.1. 

5.1.1. 

Der RAD hatte sich vor der im Beschwerdeverfahren eingeholten und ein-

gereichten Stellungnahme am 13. November 2023 (vgl. E. 3.2.2. hiervor) 

letztmalig am 28. September 2021 geäussert und einen langsamen Ein-

stieg in die berufliche Eingliederung mit regelmässiger Steigerung empfoh-

len (vgl. E. 3.1.7.). In der Folge wurde ein Belastbarkeitstraining aufgegleist 

und geplant, dass die Beschwerdeführerin im Dezember 2021 vier Tage 

pro Woche à zwei Stunden pro Tag arbeiten solle, wobei das Pensum bis 

im Februar 2022 auf vier Tage pro Woche à vier Stunden pro Tag gesteigert 

werden solle (VB 145). Diese Steigerung wurde mit etwas Verzögerung im 

Laufe der Zeit erreicht (VB 166 S. 1; 176 S. 1, 178 S. 1). Am 28. Juni 2022 

wurde festgehalten, dass aufgrund des gleichgebliebenen Gesundheitszu-

standes keine Steigerung der Präsenzzeit möglich sei (VB 203). Ab dem 

11. August 2022 konnte ein vom 1. August bis 31. Oktober 2022 dauernder 

Arbeitsversuch bei der C._____ vereinbart werden, wobei die Beschwerde-

führerin im Umfang von 40-50 % in einem Restaurant arbeiten würde, um 

die Leistungsfähigkeit auf 50 % zu festigen (VB 228 S. 2). Die ersten bei-

den Monate arbeitete die Beschwerdeführerin an vier Tagen die Woche, ab 

Oktober 2022 wurde das Pensum auf fünf Tage die Woche erhöht (VB 232, 

235). Der Arbeitsversuch wurde am 13. Oktober 2022 um zwei Monate ver-

längert und als Ziel wurde eine geplante Präsenzzeit von drei bis vier Stun-

den pro Tag mit individueller Anpassung der Präsenzzeit vereinbart 

(VB 238, 242). Am 8. Dezember 2022 konnte die Beschwerdeführerin beim 

Arbeitgeber des Arbeitsversuchs einen Arbeitsvertrag für eine Stelle als 

Mitarbeiterin Restaurant/Buffet/Kasse mit einem Beschäftigungsgrad von 

48.78 % per 1. Januar 2023 unterzeichnen (VB 252). Am 18. Januar 2023 

wurde von der Eingliederungsberaterin festgehalten, dass eine Steigerung 

der Präsenzzeit nicht möglich und die Eingliederung per 31. Dezember 

2022 abgeschlossen worden sei (VB 256). 

 

Die Beschwerdegegnerin forderte die medizinischen Akten der Hausärztin 

letztmalig am 21. November 2022 an, mehr als ein halbes Jahr vor Verfü-

gungserlass. Sie klärte vor Abschluss der Integrationsmassnahmen per 

31. Dezember 2022 nicht medizinisch ab, ob das im Jahr 2021 gesetzte 

Ziel einer 50%igen Arbeitsfähigkeit weiterhin angebracht gewesen war, 

oder ob allenfalls vor Abschluss der Integrationsmassnahmen eine 

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zusätzliche Steigerung möglich gewesen wäre. Auch hielt die Beschwerde-

gegnerin direkt nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen weder er-

neut Rücksprache mit dem RAD noch holte sie im Hinblick darauf, die ak-

tuelle Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (insbesondere) in einer an-

gepassten Tätigkeit zuverlässig beurteilen zu können, ein Gutachten ein. 

 

Eine in tatsächlicher (wie auch in rechtlicher) Hinsicht allseitige Prüfung des 

Leistungsbegehrens hat vor Verfügungszeitunkt demnach nicht stattgefun-

den (vgl. E. 4.1. hiervor). 

 

5.1.2. 

Das Vorgehen der IV-Stelle – mehrfache Zusprache von Integrationsmass-

nahmen zur schrittweisen Steigerung der Präsenzzeit auf 40 - 50 %; erfolg-

reiche Eingliederung, woraus eine Anstellung mit einem Pensum in ent-

sprechender Höhe resultierte (VB 252); Abschluss der Integrationsmass-

nahmen per 31. Dezember 2022 unter Hinweis der Eingliederungsberaterin 

darauf, dass die Beschwerdeführerin gemäss entsprechendem Arztzeug-

nis ab 1. Januar 2023 weiterhin zu 50 % arbeitsunfähig sei (vgl. VB 256); 

Verneinung des Rentenanspruchs mit Verfügung vom 14. Juli 2023; ohne 

vorgängige erneute medizinischen Abklärungen; nachträgliche Einholung 

einer RAD-Stellungnahme, aufgrund derer der Beschwerdeführerin im 

Rahmen der Integrationsmassnahmen eine Erhöhung des Pensums auf 

70 % möglich gewesen wäre (VB 274 S. 5) – stellt ein widersprüchliches 

Verhalten dar, welches nach dem Grundsatz von Treu und Glauben keinen 

Rechtsschutz finden kann. Denn mit der Vereinbarung für den Arbeitsver-

such mit IV-Taggeld zur Festigung der Leistungsfähigkeit auf 50 % (VB 249 

S. 3) weckte die Beschwerdegegnerin bei der Beschwerdeführerin die be-

rechtigte Auffassung, die IV-Stelle erachte sie als in angepasster Tätigkeit 

(entsprechend dem für den Arbeitsversuch gewählten Umfeld) zu 50 % ar-

beitsfähig bzw. im Umkehrschluss als für 50 % arbeitsunfähig. Dieses Ver-

halten der IV-Stelle veranlasste die Beschwerdeführerin zur Annahme eine 

Arbeitsstelle mit einem entsprechenden (48.78 %) Pensum (VB 252). Dass 

sie in einer nach der rentenabweisenden Verfügung vom 14. Juli 2023 er-

gangenen RAD-Stellungnahme nachträglich im Zeitpunkt des Abschlusses 

der Integrationsmassnahme als für 70 % arbeitsfähig erachtet wird (vgl. 

E. 3.2.2. hiervor), erweist sich insgesamt somit als widersprüchlich (vgl. Ur-

teil des Bundesgerichts 8C_127/2008 vom 10. Juni 2008 E. 6.4.2). 

 

5.2. 

Die Psychiaterin Dr. med. H._____ äusserte sich lediglich einmalig mit Be-

richt vom 8. September 2021 zur Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit 

und deren Prognose (vgl. E. 3.1.4. hiervor). RAD-Arzt Dr. med. E._____ 

ging in seiner im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingeholten Stellung-

nahme vom 13. November 2023 auf Basis der anamnestisch gegenüber 

Dr. med. F._____ von der Beschwerdeführerin getätigten Angaben (vgl. 

E. 3.2.1. hiervor) von einer Stabilisierung, mehr noch, von einer 

 - 11 - 

 

 

Verbesserung, ihres psychischen Gesundheitszustandes aus (vgl. E. 3.2.2. 

hiervor), wies aber darauf hin, dass keine aktuellen psychiatrischen Be-

richte vorliegen würden (VB 274 S. 4). Es liegt somit eine fachfremde Ak-

tenbeurteilung des Neurologen Dr. med. E._____ im Zusammenhang mit 

der Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerde-

führerin ohne Einholung entsprechender aktueller fachärztlicher psychiatri-

scher Berichte der behandelnden Psychiaterin vor. Zudem ist in Bezug auf 

die psychischen Beschwerden kein feststehender medizinischer Sachver-

halt gegeben, welcher hier lediglich eine Aktenbeurteilung rechtfertigen 

würde (vgl. E. 4.4. hiervor).  

 

5.3. 

Insgesamt bestehen damit zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässig-

keit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen 

(vgl. E. 4.3. hiervor). 

 

5.4. 

Damit erscheint der medizinische Sachverhalt im Lichte der Untersu-

chungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 

E. 1.4 S. 200; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu 

Art. 43 ATSG) als nicht rechtsgenüglich erstellt. Die Beschwerdegegnerin 

wäre gehalten gewesen, die Beurteilung des Gesundheitszustands der Be-

schwerdeführerin und die Integrationsmassnahmen zu koordinieren und 

insbesondere den Abschluss der Integrationsmassnahmen im Hinblick auf 

die medizinisch-theoretisch zumutbare Arbeitsfähigkeit vorzunehmen. Dies 

hätte spätestens zum Abschluss der Integrationsmassnahmen eine medi-

zinische Beurteilung bedingt. Es rechtfertigt sich deshalb vorliegend, die 

Sache zu weiteren Abklärungen, insbesondere auch zur Einholung aktuel-

ler psychiatrischer Berichte und gegebenenfalls zur Durchführung weiterer 

Integrationsmassnahmen, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen 

(vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). An-

schliessend hat die Beschwerdegegnerin neu über das Rentenbegehren 

zu verfügen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Verfügung vom 14. Juli 2023 in teilweiser 

Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache zur weiteren Ab-

klärung im Sinne der Erwägungen und anschliessenden Neuverfügung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensausgang und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

 - 12 - 

 

 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 
 

6.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz ihrer 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 14. Juli 

2023 aufgehoben und die Sache zu weiteren Abklärungen und zur an-

schliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewie-

sen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin die 

Parteikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'500.00 zu bezahlen. 

 

 
 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 13 - 

 

 

   

Aarau, 22. April 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Roth Tschan