# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ba8fcced-2c01-565c-859b-2496de7b1fe2
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-05-21
**Language:** de
**Title:** Lichtimmissionen. Beleuchtung eines Kirchturmes.
**Docket/Reference:** BRKE III Nr. 0050/2008
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_III_0050_2008_140.pdf

## Full Text

BRKE III Nr. 0050/2008 vom 21. Mai 2008 in BEZ 2008 Nr. 45

Nachbarn erhoben Rekurs gegen die einer Kirchgemeinde nachträglich erteilte 
baurechtliche  Bewilligung  für  die  Beleuchtung  ihres  Kirchturmes.  Sie  beklagten 
übermässige Lichtimmissionen. 

Aus den Erwägungen:

5. Das Baugrundstück liegt an der F-Strasse in der Zone für öffentliche Bauten
der Gemeinde X. Die Bauherrschaft hat zur Beleuchtung des Kirchturmes zwei 5 m 
hohe  Beleuchtungsmasten  sowie Beleuchtungskörper auf dem Hauptdach errichtet. 
Der  eine  Beleuchtungsmast  ist  an  der  nördlichen  Grundstücksgrenze  in  einer  Ent-
fernung von ca. 25 m zum Kirchturm auf der Höhe der Liegenschaft D-Strasse 6 an-
gebracht. Der andere Beleuchtungsmast befindet sich östlich der Kirche in einer Ent-
fernung von ca. 17 m zum Kirchturm. (…)

8. Das  Bundesgesetz  über  den  Umweltschutz  (USG)  schützt  unter  dem  Titel
«Strahlen»,  wozu  auch  optische  Strahlen  gehören,  darunter  sichtbares  Licht,  vor 
schädlichen  oder  lästigen  Einwirkungen  (Art.  7  Abs.  1  und  2  sowie  Art.  11  Abs.  1 
USG). 

Beim  Umweltschutzgesetz  handelt  es  sich  um  ein  Massnahmen-  und  nicht  um 
ein  Verbotsgesetz.  Es  geht  nicht  darum,  jegliche  Immissionen  zu  verhindern,  son-
dern vielmehr, die Umweltbelastung auf ein erträgliches Mass herabzusetzen. Hier-
für sieht das Umweltschutzgesetz ein zweistufiges Schutzkonzept vor (Art. 11 Abs. 2 
und 3 USG). In einem ersten Schritt sind unabhängig von der bestehenden Umwelt-
belastung  die  Emissionen  so  weit  zu  begrenzen,  als  dies  technisch  und  betrieblich 
möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). In einem zweiten Schritt 
sind  die  Emissionsbegrenzungen  zu  verschärfen,  wenn  feststeht  oder  zu  erwarten 
ist,  dass  die  Einwirkungen  unter  Berücksichtigung  der  bestehenden  Umweltbelas-
tung schädlich oder lästig werden (Art. 11 Abs. 3 USG). Dabei bedeutet die explizite 
Unabhängigkeit der ersten Stufe «von der bestehenden Umweltbelastung», dass die 
vorsorglichen  Emissionsbegrenzungen  stets  anwendbar  sind,  also  auch  da,  wo  die
aus  den  Emissionen  resultierenden  Immissionen  unterhalb  der  kritischen  Schwelle 
der  Schädlichkeit  bzw.  Lästigkeit  liegen.  Ob  diese  Grenze  eingehalten  ist,  beurteilt 
sich anhand der Immissionsgrenzwerte (vgl. dazu H. Rausch/A. Marti/A. Griffel, Um-
weltrecht,  2004,  Rz.  177  ff.).  Im  Gegensatz  zur  ersten  Stufe  anerkennt  das  Gesetz 
bei  der  zweiten  Stufe  weder  betriebliche  Gegebenheiten  noch  Überlegungen  zur 
Wirtschaftlichkeit  der  erforderlichen  Verschärfungen  als  limitierende  Faktoren.  Die 
zweite  Stufe  kommt  indes  nur  dann  zur  Anwendung,  wenn  die  Massnahmen  nach 
der  ersten  Stufe  (Abs.  2)  nicht ausreichen, um die Gesamtbelastung unter die kriti-

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sche  Grenze  zurückzuführen  (A.  Schrade/Th.  Loretan,  Kommentar  zum  Umwelt-
schutzgesetz, 2. A., 1998 ff., Art. 11 Rz. 20). 

9.1. Somit ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob die von der strittigen Kirch-
turmbeleuchtung  ausgehenden  Emissionen  im  Rahmen  des  technisch  und  betrieb-
lich  Möglichen  im  Sinne  der  Vorsorge  genügend  weit  begrenzt  wurden.  Der  wirt-
schaftlichen  Tragbarkeit  kommt  bei  der  Beleuchtung  des Kirchturmes keine Bedeu-
tung zu; indes ist anstelle der wirtschaftlichen Tragbarkeit eine Interessenabwägung 
vorzunehmen, welche das ideelle Interesse der Bauherrschaft und der Öffentlichkeit 
an  der  Beleuchtung  des  Kirchturmes  berücksichtigt.  Bei  dieser  Abwägung  der Inte-
ressen kommt der Vorinstanz ein gewisses Ermessen zu. 

In  der  Baubewilligung  wurde  ganz  allgemein  auf  die  Norm  von  Art.  11  Abs.  2 
USG  verwiesen; auf eine Vernehmlassung wurde seitens der Vorinstanz verzichtet. 
Damit hat die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen nicht ausgeschöpft, weshalb 
der  Baurekurskommission  III  volle  Kognition zukommt (VB.2006.00026 = BEZ 2006 
Nr. 55). 

9.2. Anlässlich des Lokaltermins, welcher am 26. November 2007 um 18.00 Uhr 
und somit bei Dunkelheit durchgeführt wurde, konnte Folgendes festgestellt werden: 
Der  Kirchturm  ist  weiss gestrichen.  Die  Lichtfarbe  des  Leuchtmittels  ist  kalt-weiss. 
Die Umgebung der Kirche ist abgesehen von den teilweise beleuchteten Fensteröff-
nungen der umliegenden Häuser dunkel. Der Kirchturm scheint hell auf. Der weisse 
Anstrich des Kirchturmes reflektiert das Licht in relativ starkem Masse. Gemäss Aus-
kunft der am Lokaltermin anwesenden Beleuchtungstechniker, welche das Beleuch-
tungskonzept und die Montage der strittigen Kirchturmbeleuchtung vornahmen, wird 
die  Lichtanlage  zurzeit  mit  einer  Leistung  von  400  Watt  betrieben.  Eine  stufenlose 
Dimmung der Lichtstärke sei nicht möglich, jedoch könne diese problemlos auf 250 
Watt reduziert werden. 

Betriebszeiten für die strittige Anlage wurden nicht festgesetzt. Zurzeit wird die 
Beleuchtung  ausschliesslich  an  Freitagen  und  Samstagen  bis  Mitternacht  und  an 
Sonntagen bis 23 Uhr eingeschaltet. 

Das  BAFU  (Bundesamt  für  Umwelt)  hat  in  seiner  Publikationsreihe  Voll-
zug/Umwelt  Empfehlungen  zur  Vermeidung  von  Lichtemissionen  herausgegeben 
(Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen. Ausmass, Ursachen und Aus-
wirkungen  auf  die  Umwelt.  2005;  www.bafu.admin.ch).  Den  Richtlinien  des  BAFU 
kommt zwar keine Gesetzeskraft zu; sie sind sie für die Gerichte insoweit nicht ver-
bindlich. Allerdings sind sie nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts in 
der  Regel  Ausdruck  des  Wissens  und  der  Erfahrung  bewährter  Fachstellen  und  in 
diesem Sinn beachtlich (BGE 118 lb 614 E. 4 b; BGr 1A.242/2002 vom 19. Novem-
ber 2003, E. 3.4 sowie BGr 1A.51/2005 vom 29. November 2005, E. 2.3). 

Im  Zusammenhang  mit  der  Lichtstärke  wird  dabei  insbesondere  auch  auf  das 
reflektierte Licht von Boden und Wänden hingewiesen. So wird empfohlen, reflektie-
rende  Anstriche  wie  weisse  Farbe  oder  das  Anstrahlen  von  Oberflächen  aus  Glas 
und Metall zu vermeiden. Bezüglich der Farbe des Lichtes wird darauf hingewiesen, 
in  der  Nähe  von  Naturräumen  kein  weisses  Licht  zu  verwenden.  Natriumdampf-
Hoch/Niederdrucklampen  seien  in  diesem  Zusammenhang  den  Quecksilberdampf-

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lampen  vorzuziehen.  Generell  sei  eine  Ausrichtung  der  Leuchten  von  oben  nach 
unten vorzusehen, um Lichtabfall zu vermeiden. Bezüglich des Zeitmanagements sei 
eine  Synchronisation  mit  dem  Nachtruhefenster  (22  Uhr  bis  6  Uhr)  anzustreben. 
Auch  die  Beleuchtung  historischer  Gebäude könne nach 23 Uhr ganz abgeschaltet 
werden (S. 33-34). 

9.2.1. Der anzuleuchtende Kirchturm besteht bereits. Somit ist die weisse Farbe 
des  Kirchturmes,  welche  das  Licht  wesentlich  mehr  reflektiert  als  z.B.  Sandstein, 
vorgegeben. Es kommt somit zur Reduktion der bestehenden Lichtreflexion nur eine 
Verminderung  der  Lichtstärke  in  Betracht,  welche  gemäss  den  Ausführungen  der 
Beleuchtungstechniker (welche die strittige Beleuchtung installiert haben) am Lokal-
termin  technisch  problemlos  möglich  ist.  Es  ist  aufgrund  der  Wahrnehmungen  am 
Augenschein  ohne  weiteres  davon  auszugehen,  dass  die  Beleuchtung  der  Kirche 
auch mit einer reduzierten Lichtstärke von 250 Watt immer noch ausreichend ist, um 
das für die Gemeinde wichtige Objekt in genügender Weise hervorzuheben. Es han-
delt  sich  bei der reformierten Kirche denn auch nicht um ein kulturhistorisch wichti-
ges  Einzelobjekt, welches touristischen Zwecken dient. Die Beleuchtung der Kirche 
erfolgt in erster Linie vor dem Hintergrund der Aufwertung des Ortsbildes. Dem fest-
lichen Aspekt an kirchlichen Feiertagen wird durch eine weniger intensive gedämpf-
tere Beleuchtung in aller Regel sogar noch besser Rechnung getragen (so sind auch 
Weihnachtsbeleuchtungen meist eher zurückhaltend). Auch dem Sicherheitsbedürf-
nis  der  Bevölkerung  an  der  Ausleuchtung  von  «dunklen  Ecken»  kann  damit  hinrei-
chend Genüge getan werden. 

Somit  ist  im  Rahmen  des  Vorsorgeprinzips  von  Art.  11  Abs.  2  USG  die  Licht-

stärke der strittigen Anlage von bisher 400 Watt auf 250 Watt zu reduzieren.

9.2.2.  Die  von  der  Vorinstanz  zeitlich  uneingeschränkt  ausgesprochene  Be-
triebsbewilligung  vermag  im  Rahmen  des  Vorsorgeprinzips  in  keiner  Weise  zu  be-
stehen.  Die  vom  BAFU  vorgeschlagene  Synchronisation  mit  dem  Nachtruhefenster 
erscheint  sinnvoll.  Das  Bedürfnis  der  Bevölkerung  an  einer  ungestörten  Nachtruhe 
bzw. einem ungestörten Schlaf ist hoch zu werten. Indes ist ebenfalls zu berücksich-
tigen, dass Lärmimmissionen in aller Regel den Schlaf doch mehr zu beeinträchtigen 
vermögen als Lichtimmissionen. 

Die Kirche ist umgeben von bewohnten Liegenschaften. Gerade unter der Wo-
che ist die Betriebszeit daher analog dem Nachtruhefenster auf 22 Uhr zu beschrän-
ken,  damit  der  ungestörte  Schlaf  der  Bevölkerung  gewährleistet  wird.  Am Wochen-
ende,  d.h.  von  Freitag  bis  Sonntag  sowie  an  allen  im  Kanton  Zürich  offiziell  aner-
kannten  Feiertagen,  erscheint  indes  eine  Betriebszeit  bis  23  Uhr  angemessen,  da 
der  Nachtruhe  vom  Freitag  auf  den  Samstag  und  vom  Samstag  auf  den  Sonntag 
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass Samstage und Sonntage in der Regel 
keine  Arbeitstage  sind,  ein  etwas  geringeres  Gewicht  zukommt. An Sonntagen und 
kirchlichen  Feiertagen  ist  zudem  dem  religiösen  bzw.  festlichen  Aspekt  vermehrt 
Rechnung zu tragen, weshalb sich diesbezüglich ebenfalls eine geringe Abweichung 
vom Nachtruhefenster rechtfertigt. 

Die  Bauherrschaft  hat  in  keiner  Weise  dargelegt,  inwiefern  sie  durch  eine  Re-
duzierung  der  Betriebsdauer  auf  23  Uhr  von  Freitag  bis  Sonntag  und  22  Uhr  unter 

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der Woche in ihren Interessen betroffen wäre. Ein überwiegendes Interesse ist somit 
weder dargelegt noch ergibt sich ein solches aus den Akten. 

Somit sind die Betriebszeiten der strittigen Anlage wie folgt festzulegen: Montag 
bis  Donnerstag  von  6  Uhr  bis  22  Uhr;  Freitag  bis  Sonntag  sowie  an  sämtlichen  im 
Kanton Zürich offiziell anerkannten Feiertagen von 6 Uhr bis 23 Uhr.

9.2.3.  Weitergehende  Massnahmen  wie  die  Anbringung seitlicher Abschirmun-
gen erscheinen indes im Rahmen des Vorsorgeprinzips nicht angezeigt, da anläss-
lich  des  Lokaltermins  kein  bzw.  kein  wahrnehmbares  Streulicht  festgestellt  werden 
konnte.  Zudem  sollte  auch  eine  allfällige  seitliche Abstrahlung durch die Reduktion 
der Lichtstärke minimiert werden. Ebenso erscheint der Einsatz einer anderen Licht-
farbe oder anderer Leuchtmittel nicht angezeigt. Die Farbe des Lichtes ist unter an-
derem  auch  eine  Frage  des  individuellen  Geschmackes.  Es ginge deshalb zu weit, 
im  Rahmen  des  Vorsorgeprinzips  der  Bauherrschaft  die  Farbe  des  Lichtes  vorzu-
schreiben, da sich die Kirche nicht in der Nähe eines Naturraumes befindet und so-
mit der Lichtfarbe diesbezüglich keine Bedeutung zukommt. Im Übrigen ist festzuhal-
ten,  dass  die  von  den  Rekurrierenden  erwähnten  drei  Bodenleuchten,  welche  den
Baum  östlich  der  Kirche  anstrahlen,  nicht  Gegenstand  der  angefochtenen  Bewilli-
gung  bilden,  weshalb  diesbezüglich  keine  Massnahmen  –  falls  solche  überhaupt 
notwendig wären – angeordnet werden können.

10. In einem zweiten Schritt ist sodann zu prüfen, ob trotz der im Rahmen des 
Vorsorgeprinzips  anzuordnenden  Massnahmen  störende  oder  lästige  Immissionen 
bestehen, welche im Rahmen von Art. 11 Abs. 3 USG zu begrenzen wären. 

Für  Lichteinwirkungen  enthalten  weder  das  Gesetz  selbst  noch  die  vom  Bun-
desrat bis dato erlassenen Verordnungen Ausführungsbestimmungen. Da Grenzwer-
te  fehlen,  ist  im  Einzelfall  zu  beurteilen,  ob  die  Immissionen  schädlich  oder  lästig 
sind (Art. 13-15 USG). 

Anlässlich  des  Augenscheins  konnte  bei  der  Liegenschaft  der  Rekurrierenden 
festgestellt werden, dass beim Betrieb der Anlage mit der bisherigen Lichtstärke von 
400 Watt die Schlafzimmerwand stark aufgehellt wird. Streulicht konnte demgegen-
über nicht wahrgenommen werden.

Es  kann  ohne  weiteres  davon  ausgegangen  werden,  dass  durch  die  anzuord-
nende Reduktion der Lichtstärke auf 250 Watt die Lichtimmissionen nur noch gering 
und  damit  nicht  mehr  störend  sind.  Ebenso  wird  die  Nachtruhe  durch  die  festzule-
genden  Betriebszeiten  ausreichend  gewährleistet.  Eine  weitergehende  Beschrän-
kung der Immissionen ist somit nicht notwendig. 

11. Zusammenfassend ergibt sich somit Folgendes: 

Der  Rekurs  ist  teilweise  gutzuheissen.  Demgemäss ist Dispositivziffer 3.1. des 
Baukommissionsbeschlusses wie folgt zu ergänzen: «Die Leuchtstärke der Lichtan-
lage ist auf 250 Watt zu reduzieren. Zudem werden folgende Betriebszeiten festge-
legt:  Montag  bis  Donnerstag  von  6  Uhr  bis  22  Uhr;  Freitag  bis  Sonntag  sowie  an 
sämtlichen im Kanton Zürich offiziell anerkannten Feiertagen von 6 Uhr bis 23 Uhr.» 
Im Übrigen ist der Rekurs abzuweisen.