# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68e43f6a-b8f8-55a0-896e-c7cd57a7488f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-25
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt, Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2019.00257
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00257.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00257
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiber Brugger
Urteil
vom
2
5.
September 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin
Evalotta
Samuelsson
ADVOMED
Bahnhofstrasse 12, 8001 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1970,
war
bis Februar 2017
als Sachbearbeiter
Planung und
als
Projektleiter
bei der
Y.___
angestellt (
Urk.
7/18 S. 1
Ziff.
1
,
Urk.
7/19
oben
).
A
m
1
5.
Juni 2017
meldete er sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7/7-8) zum Verfahren bei und tätigte erwerbliche (
Urk.
7/3,
Urk.
7/15,
Urk.
7/18-19)
und me
dizinische (
Urk.
7/20)
Abklärungen. Am 3
0.
August 2017 teilte
sie
dem Versi
cherten mit, dass keine Leistungen der Invalidenversicherung
notwendig
seien
, da er eine neue Arbeitsstelle
mit einem vollen Arbeitspensum
antreten werde
(
Urk.
7/24).
1.2
Unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, meldete sich der Versicherte am 1
4.
Februar 2018 erneut bei der Invali
denversicherung an (
Urk.
7/26
Ziff.
6.2).
Die IV-Stelle zog
zusätzliche
Akten
des Krankentaggeldversicherers
(
Urk.
7/32) bei.
Am 1
6.
Mai 2018 teilte
sie
dem Ver
sicherten mit, dass kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe (
Urk.
7/36).
Die IV-Stelle holte sodann
medizinische
Berichte (
Urk.
7/42,
Urk.
7/44)
ein
und erliess a
m 2
4.
September 2018 (
Urk.
7/48)
den Vorbescheid, wogegen der Versicherte Einwände vorbrachte
(
Urk.
7/51,
Urk.
7/59).
Mit Verfügung vom
4.
März 2019 (
Urk.
7/66
=
Urk.
2
) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Der Versicherte erhob am
2.
April 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
4.
März 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten
, ihm die gesetzlichen Leistungen (insbesondere mindestens eine
Viertelsrente
) zuzusprechen. Eventuell sei durch die IV-Stelle ein externes Gutachten anzuordnen und hernach nochmals über die Leistungen zu entschei
den (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Mai 2019 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
5.
Mai 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest
, nach Einschätzung ihres
R
egionalen
Ärztlichen
Dienstes (RAD) könne die Diag
nose einer schweren depressiven Episode weder aufgrund des Befundes noch auf
grund der anamnestischen Angaben
oder
der niederfrequenten Behandlung nach
vollzogen werden. Bei den Beschwerden
handle es sich um IV-fremde Themen wie de
n
Konkurs
der ehemaligen Arbeitgeberin
oder
die
familiäre Problematik
(S. 1).
Der Beschwerdeführer habe eine teilstationäre Behandlung abgelehnt. Den letzten vereinbarten psychiatrischen Termin habe er ebenfalls nicht wahrgenommen.
E
in Leidensdruck
sei aus diversen Gründen
zu wenig vorhanden (S. 2
unten
).
2.2
Der B
eschwerdeführer brachte vor, er
leide seit bald zwei Jahren an einer mittel
gradigen bis schweren Depression (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
7). Das Kurzgutachten vom 2
2.
Januar 2018 sei im Auftrag
der
Krankentaggeldversicherung erstellt worden (S. 5
Ziff.
13). Die Expertise stütze sich nicht auf ein wissenschaftliches Testver
fahren wie das AMDP-System oder die Mini-ICF-APP und orientiere sich nicht an geltenden Standards (S. 5 f.
Ziff.
15). Die Gutachterin
habe
sich auf den Um
stand
konzentriert
, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsstelle verloren habe und die Arbeitgeberin am 1
4.
Februar 2017 in Konkurs gegangen sei (S. 6
Ziff.
16).
2.3
Der Beschwerdeführer nahm per
4.
September 2017
eine neue Arbeitsstelle
als Maschineneinrichter
an (vgl.
Urk.
7/23 S. 3 Mitte).
Am 3
0.
August 2017 lehnte die Beschwerdegegnerin Leistungen der Invalidenversicherung ab (
Urk.
7/24).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich bei der Anmeldung vom 1
4.
Februar 2018 (
Urk.
7/26)
somit
nicht um eine Neuanmeldung
. Die An
meldung erfolgte, nachdem der Beschwerdeführer die neue Arbeitsstelle wieder verloren hatte
.
Vielmehr ist
diese
gleich wie eine erstmalige Anmeldung zu be
handeln (Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018, E. 4.1).
Streitig ist, ob
ein Rentenanspruch besteht.
Namentlich ist zu prüfen, ob der Be
schwerdeführer aufgrund einer depressiven Störung massgeblich in seiner Ar
beitsfähigkeit eingeschränkt ist.
3.
3.1
Dr.
med. Z.___
, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin,
antwortete
am 2
7.
März 2017 (
Urk.
7/7/9-10)
auf
Fragen des Krankentaggeldversicherers. Er gab an, seit Anfang Januar 2017 bestehe
beim Beschwerdeführer
eine zuneh
mende Konzentrationsstörung. Weiter bestünden eine Antriebslosigkeit, Angst und Lustlosigkeit,
eine ausgeprägte Müdigkeit und eine fehlende Zukunftsper
spektive
(S. 1
Ziff.
1). Der Beschwerdeführer habe über eine ausgeprägte Tages
müdigkeit u
nd über Freudlosigkeit geklagt und fühle
sich hilflos.
Weiter fühle er sich
überfordert, sowohl am Arbeitsplatz als auch
in der Familie, und es
bestün
den Beziehungsprobleme (S. 1
Ziff.
2).
Dr.
Z.___
stellte die Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode mit psychosozialer Belastungssituation. Die Laboruntersuchung habe leicht erhöhte Lipidwerte und einen Vitamin-D3-Mangel ergeben (S. 1
Ziff.
3-4). Er sehe den Patienten zirka einmal pro Monat für eine Gesprächstherapie und eine medika
mentöse Therapie
. Er habe ihn an das
A.___
,
B.___
, überwiesen
(S. 1
Ziff.
6). Es bestehe eine familiäre Belastungssitu
ation. Der Beschwerdeführer leide insbesondere unter dem schlechten Verhältnis zu seiner Ehefrau und den Schwiegereltern. Zudem bestünden Probleme am Ar
beitsplatz (S. 1
Ziff.
8).
Der Beschwerdeführer sei für jegliche Arbeit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
10b).
3.2
Dr.
med. C.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Ober
arzt,
A.___
,
B.___
,
führte im Bericht vom 3
0.
Mai 2017 (
Urk.
7/7/6-8) zur Anamnese aus, der Zustand des Patienten habe sich in den letzten ein bis zwei Monaten noch mehr verschlechtert. Es sei zu einigen belastenden Ereignissen gekommen
,
wie der Insolvenz der
früheren
Ar
beitgeberin im Februar 2017 und dem
anschliessenden
Stellenverlust. Zudem sei es
im
September zu einem Rückfall seiner psychisch kranken Ehefrau gekommen. Der Beschwerdeführer beschwere sich vor allem, dass er keinen klaren Kopf habe (S. 1
Ziff.
1).
Nach den Angaben des Patienten bestünden Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen. Weiter bestünden
Zukunftssorge
n und ein Mangel an Mo
tivation sowie
Reizbarkeit, Lustlosigkeit und weniger Antrieb. Der Beschwerde
führer sei
zudem
nervös, nicht belastbar und gebe schnell auf (S. 1
Ziff.
2).
Dr.
C.___
nannte als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine re
zidivierende depressive Störung, gegenwärtig mitte
lgradige Episode (ICD-10 F33.1). Die aktuelle Stimmungslage sei gedrückt, zum Teil niedergeschlagen und verzweifelt
. Der Antrieb sei reduziert und es bestehe ein erhöhtes Schlafbedürfnis
(
S. 2
Ziff.
3). Der Patient habe bereits früher an Depressionen gelitten. Aktuell erfülle er sowohl klinisch als auch bei einem BDI Score von 24 die Kriterien für eine mittelschwere Episode (S. 2
Ziff.
5). Die gegenwärtige Behandlung erfolge in einem Abstand von zwei bis vier Wochen (S. 2
Ziff.
6).
Laut den Angaben des Patienten habe sich der psychische Zustand erst nach dem Entzug von Tabak verschlechtert. Zu einer erneuten psychischen Entgleisung sei es vor allem gekommen, nachdem seine Frau psychisch erneut
dekompensiert
sei und die Arbeitgeberin Insolvenz angemeldet habe (S. 3
Ziff.
8). Es werde davon ausgegangen, dass sich der psychische Zustand des Patienten im Verlauf bessern werde (S. 3
Ziff.
9). Der Patient sei aktuell nicht belastbar und
nicht
arbeitsfähig (S. 3
Ziff.
10 b).
3.3
Dr.
C.___
nannte i
m Bericht vom 1
3.
Juli 2017 (
Urk.
7/20)
ergänzend
als Di
agnose
n
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein leicht
es
obstruktives Ap
noe-Syndrom und einen Status nach
einer
Nasenseptum
-Operation (S. 2
Ziff.
1.1).
Dr.
C.___
führte weiter aus, der Beschwerdeführer sei für eine teilstationäre Behandlung im
A.___
angemeldet worden. Aus nicht ge
nau bekannten Gründen habe er diese nicht wahrgenommen. Vermutlich habe der Hausarzt eine andere stationäre Behandlung geplant. Der Patient
habe
Stim
mungsschwankungen, eine leichte Reizbarkeit und Wutausbrüche
angegeben
. Die aktuelle Stimmungslage sei gedrückt und zum Teil niedergeschlagen und ver
zweifelt. Weiter bestünden eine enorme Müdigkeit und ein Mangel an Freude, Kraft und Lust, etwas zu unternehmen (S. 3
Ziff.
1.4 unten).
Der Patient
werde von
seinem Hausarzt krankgeschrieben. Genaue Angaben
dazu
bestünden nicht (S. 4
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei in einem zeitlichen Rahmen von 50
%
zumutbar (S. 4
Ziff.
1.7). Es könne mit einer schrittweisen Steigerung des Arbeitspensums gerechnet werden, beginnend mit
30-50
%
bei
Erreichen
einer psychischen Stabilisierung (S. 5
Ziff.
1.9).
3.4
Dr.
Z.___
berichtete am 2
8.
November 2017 (
Urk.
7/32/36) über einen
ge
scheiterten Arbeitsversuch
.
Er gab an, der Beschwerdeführer sei weiterhin arbeits
unfähig.
3.5
3.5.1
Dr.
med. D.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
2.
Januar 2018 (
Urk.
7/32/56-62) im Auftrag des Krankentaggeldversiche
rers eine psychiatrische Kurzbeurteilung.
Die psychiatrische Untersuchung fand am gleichen Tag statt (S. 1).
Dr.
D.___
führte zur Anamnese aus, der Vater des Beschwerdeführers habe an Depressionen gelitten. Seine Mutter und die Schwes
ter seien psychisch angeschlagen.
Der Beschwerdeführer
habe in der Türkei drei Jahre lang die Schule besucht mit zeitweisem Aufenthalt in der Schweiz. Im Jahr 1980 sei er in die Schweiz gekom
men.
Eine Lehre oder eine Berufsausbildung habe er nicht
absolviert
.
Er habe als Betriebsmitarbeiter für verschiedene Firmen gearbeitet. Seit 2003 sei er bei der
Y.___
angestellt gewesen, zuerst als temporärer Mitarbeiter (S. 1
Ziff.
1.1). Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er seit elf Jahren psychisch angeschlagen sei, insbesondere seitdem seine
Ehef
rau depressiv geworden sei. Seit etwa einem Jahr
hätten
sich seine Situation und sein psychisches Befinden deutlich verschlechtert, nachdem es innerhalb der Familie zu Streitigkeiten und Unstimmigkeiten gekommen sei.
Die Ehefrau
habe sich mit seiner Schwester ge
stritten
(S. 2 f.
Ziff.
2). Als zusätzlicher Belastungsfaktor sei der Jobverlust hin
zugekommen
, nachdem die Arbeitgeberin Konkurs gegangen sei
(S. 3
Ziff.
2 oben).
Seinen
Hausarzt suche er mit einer Frequenz von drei bis vier Wochen auf.
Zu einem Psychiater gehe
er zwei Nachmittage pro Woche und g
elegentlich fän
den Gespräche mit einer Psychiaterin statt
(S. 3
Ziff.
2 unten).
Die Grundstimmung sei freundlich, ausgeglichen und adäquat gewesen. Bezogen auf den Jobverlust und die häusliche Situation
habe der Beschwerdeführer be
drückt und bezüglich der Zukunftsperspektive ratlos
gewirkt
. Bei der Kommuni
kation und den interpersonellen Aktionen hätten keine Auffälligkeiten vorgele
gen. Klinisch hätten keine Anhaltspunkte für Konzentrations
- und Aufmerksam
keitsstörungen bestanden
.
Eine
Vergesslichkeit oder eine Zeitgitterstörung
habe klinisch nicht bestanden
(S. 4 Mitte).
Der Beschwerdeführer
sei
im Wesen
eher einfach strukturiert erschienen (S. 4 unten).
3.5.2
Der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Kurzbeurteilung
von
Belastungen durch den Jobverlust sowie über Spannungen innerhalb der Familie berichtet. Unter diesen Erschwernissen sei er psychisch
dekompensiert
. An den
Problemen leide er immer noch und er habe in
diesem Zusammenhang depressive Beschwer
den entwickelt. Er sei deswegen seit Februar letzten Jahres krankgeschrieben. Eine berufliche Perspektive habe
der Beschwerdeführer
derzeit nicht. Ein Arbeitsver
such sei gescheitert (S. 5 oben). Bis auf eine situationsbezogene Bedrücktheit hin
sichtlich
der aktuellen beruflichen Perspektive und der Familienproblematik sei ein nahezu unauffälliger psychischer Befundstatus festgestellt werden. Der Be
schwerdeführer habe
über
Schlafstörungen, diverse Störungen der Befindlichkeit und eine fehlende Energie
g
eklagt. Dies könne als
eine
Dysth
y
mia
(ICD-10 F34.1)
zusammengefasst werden. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht könne aktuell keine psychiatrische Diagnose mit eigenständigem Krankheitswert und mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden (S. 5 Mitte).
In der Vergangenheit
sei
eine Depression
diagnostiziert
worden, welche sich im Verlauf deutlich gebessert habe, wobei aktuell ein nahezu normaler psychischer Befund festgestellt worden sei. Die
angegebenen
Umstände und Befindlichkeits
störungen seien aus menschlicher Sicht nachvollziehbar und verständlich. Hierbei handle es sich aber
massgeblich
um initial krankheitsfre
mde Gründe. Gutachter
lich sei festzuhalten, dass keine schwere psychiatrische Symptomatik mehr vor
liege, wie
sie
in den letzten Arztberichten angegeben
worden
sei
(S. 5 unten). Der zeitweise beeinträchtigte Schlaf lasse sich nicht mit einer eigenständigen, schwe
ren depressiven Störung begründen. Er sei im Rahmen der
Dysthymia
zu sehen (S. 6 oben).
Dr.
D.___
stellte keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diag
nose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine
dysthyme
Verstim
mung (
Dysthymia
, F34.1, S. 6
Ziff.
4).
Zum Aktivitätsniveau seien Diskrepanzen zwischen den
g
eklagten Beschwerden und den gelebten Aktivitäten feststellbar (S. 6
Ziff.
5). Der Beschwerdeführer su
che eine Psychiaterin und
seinen
Hausarzt für unterstützende Gespräche auf.
Da
bei
habe sich sein Zustand stabilisiert. Ein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege nicht mehr vor (S. 7
Ziff.
7). Es bestehe eine Ar
beitsfähigkeit von 100
%
. Dies bede
ute, dass der Beschwerdeführer
einer Erwerbs
tätigkeit im bisherigen Bereich nachgehen könne (S. 7
Ziff.
8.1).
3.6
Dr.
Z.___
führte im Schreiben vom 2
9.
Januar 2018 (
Urk.
7/32/69-70) zu
handen von
Dr.
D.___
aus, er sehe den Patienten regelmässig.
Dieser
befinde sich in einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode. Einen Arbeitsversuch habe er abbrechen müssen.
Dies
aufgrund eines
massiven
inneren Druck
s
und
aufgrund
von
Konzentration
s
- und Gedächtnisstörungen.
Dr.
D.___
habe ge
schrieben, dass sich der Zustand stabilisiert habe. Dies sei bei Weitem nicht der Fall (S. 1).
3.7
Med.
pract
.
E.___
,
Oberärztin,
F.___
,
B.___
, berichtete am
5.
Februar 2018 (
Urk.
7/32/74-76) über den Verlauf
der
Be
handlung in der Tagesklinik.
Sie
führte aus, der Patient habe beim Eintritt
sge
spräch
von
Gleichgültigkeit,
Lust- und Freudlosigkeit
und
Schlafstörungen be
richtet. Er empfinde den ganzen Tag als sehr anstrengend und mühsam. Seine Konzentration habe in den letzten Wochen nachgelassen und er sei vergesslicher geworden
(S. 1 unten). Me
d
.
p
ract
.
E.___
nannte als Diagnose eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2, S. 1).
Zum psychopathologischen Befund wurde ausgeführt, mit der neuen Medikation bestünden aktuell weniger Ängste
, jedoch Zukunftssorgen
.
Hinweise auf Zwänge bestünden nicht und es
seien
keine inhaltliche Denkstörungen, Sinnestäuschun
gen oder Ich-Störungen
festzustellen
. Der
Beschwerdeführer sei affektarm. Weiter seien
starke Störungen der Vitalgefühle, eine Müdigkeit und starke Insuffizienz
gefühle
festzustellen gewesen
(S. 2 Mitte).
Es handle sich um eine schwere de
pressive Episode.
Eine psychiatrisch-psychotherapeutische sowie eine Behand
lung in einer Tagesklinik sei
en
indiziert (S. 2 unten).
3.8
Dr.
D.___
nahm am 1
9.
Februar 2018 (
Urk.
7/32/88-89) ergänzend Stellung zu den
neu eingereichten
Berichten. Sie führte aus, der Hausarzt des Beschwerde
führers verfüge nicht über einen Facharzttitel für Psychiatrie
und Psychotherapie.
Seine Meinung könne zur Kenntnis genommen werden. Aufgrund fehlender Qua
lifikation auf dem Spezialgebiet der Psychiatrie werde
diese
aber
nicht abschlies
send berücksichtigt. Weiter sei der Eindruck einer gewissen Parteilichkeit
ent
standen. Eine neutrale Evaluierung sei nicht erfolgt
. Neue medizinische Erkennt
nisse würden nicht angeführt
.
Zum Bericht von m
ed.
pract
.
E.___
stellte
Dr.
D.___
fest
, diese
habe nicht promoviert und
sie
sei k
eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.
Es
verwundere, dass der Beschwerdeführer seit dem
1.
Februar 2017 aus psychi
atrischen Gründen zu 100
%
krankgeschrieben werde. Allerdings stehe er nicht in einer fachärztlichen psychiatrischen Behandlung beziehungsweise sei er nicht durch einen Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie
beurteilt worden (S. 1).
Das
angegebene
Aktivitätsprofil
mit unter anderem Besuchen einer Moschee zweimal täglich stehe in Kontrast zur attestierten Diagnose einer schweren De
pression. Verwunderlich und widersprüchlich sei auch, dass der Beschwerdeführer
gemäss den Angaben von med.
pract
.
E.___
motiviert und regelmässig in die Tagesklinik komme. Dies spreche gegen eine schwere depressive Störung (S. 1 f.).
Insgesamt seien keine neuen Erkenntnisse oder Informationen eingereicht wor
den, welche an der bisherigen Beurteilung etwas änderten. Ein psychiatrischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht ausgewie
sen (S. 2).
3.9
Der Beschwerdeführer ist seit dem 1
3.
März 2018 bei
Dr.
med.
G.___
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychiatrischer Behand
lung (
Urk.
7/44
/2
Ziff.
1.1).
Dr.
G.___
gab im Schreiben vom
6.
April 2018 (
Urk.
7/44/9-10) an vom 1
3.
März bis
3.
April 2018 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom
4.
April bis
2.
Mai 2018 von 80
%
bestanden (S. 2).
3.10
Der Beschwerdeführer war vom 1
2.
April bis
3.
Mai 2018 im
H.___
in stationärer psychiatrischer Behandlung (
Urk.
7/42 S. 1 oben).
Dr.
phil. I.___
und
Dr.
med. J.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Oberarzt,
H.___
,
nannten
im Austrittsbericht vom 1
5.
Mai 2018 (
Urk.
7/42/1-3)
als Hauptdiagnose eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2).
Die Ärzte stellten zudem
die Z-Diagnosen Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben (Arbeitslosigkeit, ICD-10 Z56) und andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis (Familienzerrüttung, ICD-10 Z63, S. 1).
Dr.
I.___
und
Dr.
J.___
führten weiter aus
, der Beschwerdeführer habe beim Eintritt in die Klinik
über eine starke emotionale
Labilität berichtet, wodurch es zu mehreren Stimmungseinbrüchen am Tag komme. Die Stimmung sei generell herabgesetzt. Wenn er an seine P
robleme denke, müsse er weinen und er
grüble viel.
Er sei mit seiner Kernfamilie zerstritten.
Die finanzielle Situation gestalte sich schwierig, da er
in einem
Gutachten als 100
%
arbeitsfähig beurteilt worden sei. Der Beschwerdeführer habe eingangs unter Konzentrations- und Gedächtnis
schwierigkeiten gelitten. Weiter hätten eine starke Erschöpfung tagsüber, ein er
höhtes Schlafbedürfnis sowie Antriebsschwierigkeiten bestanden
. Zudem sei er interesselos und könne kaum Freude empfinden (S. 1 unten). Die psychosoziale Belastungssituation mit der Familie des Patienten habe während des Aufenthaltes im
H.___
nur bedingt thematisiert werden können. Der Beschwer
deführer habe ein Familiengespräch abgelehnt (S. 2 oben).
3.11
Dr.
G.___
nannte im
Beric
ht vom 2
7.
Juli 2018 (
Urk.
7/44
) als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode einer
chronifi
zierten
Depression (ICD-10 F33.2,
S. 3
Ziff.
2.5).
Die Psychiaterin gab weiter an, d
ie Behandlung finde ein b
is zweimal pro Monat statt (S. 2
Ziff.
1.2).
D
er Patient sei depressiv und leide an Wutausbrüchen, Schlafstörungen, Lustlosigkeit und einer Mo
tivationsarmut (S. 2
Ziff.
2.2). D
ie Prognose sei ungewiss (
S. 3
Ziff.
2.7).
Die Psychiaterin attestierte für die Zeit vom 1
3.
März bis 2
7.
Juli 2018 für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S.
2
Ziff.
1.3).
Für eine angepasste Tätigkeit attestierte sie
zu Beginn eine Arbeitsfä
higkeit von zirka zwei Stunden pro Tag. In einem geschützten Rahmen betrage die Arbeitsfähigkeit zirka vier Stunden pro Tag (S. 4
Ziff.
4.2).
3.12
Dr.
med.
K.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD, nahm am 1
9.
August 2018 (
Urk.
7/47 S. 4 f.) Stellung zu den medizinischen Akten.
Er führte aus
,
die Ärzte
der
B.___
hätten
die Diagnose einer rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig, gestellt.
Es sei der Ver
lust der langjährigen Arbeitsstelle
aufgrund des Konkurses der Arbeitgeberin ge
schildert worden.
Weiter
sei
über eine angespannte Beziehung, vor allem zu
den
Gesc
hwistern des Beschwerdeführers
berichtet
worden
(S. 4 Mitte).
Nach Einschätzung des RAD-Arztes könne die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung nicht nachvollzogen werden, da
im Bericht k
eine zweite Epi
sode erwähnt worden sei.
Der Leidensdruck des Beschwerdeführers sei fraglich,
da
er
eine ambulante Behandlung abgebrochen und eine teilstationäre Behand
lung nicht angetreten habe.
Die von
Dr.
G.___
gestellte Diagnose einer schweren depressiven Episode könne
weder aufgrund des Befundes noch aufgrund der anamnestischen Angaben oder der niederfrequenten Behandlung nachvollzogen werden
. Der Umstand, dass eine gute Prognose bestehe, stehe in Widerspruch zur Beurteilung einer schweren depressiven Episode
(S. 4 unten).
Zum Austrittsbericht vom 1
5.
Mai 2018 bemerkte der RAD-Arzt
,
auch bezüglich dieses Berichtes könne die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störu
ng nicht nachvollzogen werden.
Weiter
scheine der Leidensdruck nicht
besonders gross zu sein
. Als Motiv für die postulierte Verschlechterung erscheine eine ge
wisse
Erwartungshaltung des Beschwerdeführers
bezüglich
der
Krankschreibung. Die von den behandelnden Ärzten gestellte Diagnose einer rezidivierenden de
pressiven Störung, gegenwärtig schwer, könne nicht nachvollzogen werden. Auch sei schwer nachvollziehbar, warum nach einem weitgehend unauffälligen Befund anlässlich der vertrauensärztlichen Kurzbeurteilung innerhalb von zwei Monaten eine derartige psychische Verschlechterung eingetreten sei (S. 5 Mitte).
3.13
Vom
5.
bis 2
0.
September 2018 erfolgte eine weitere stationäre Behandlung im
H.___
.
Dr.
med.
L.___
und
Dr.
med. M.___
, Ober
ärztin,
H.___
, bestätigten im
Austrittsb
ericht vom
3.
Oktober 2018 (
Urk.
7/58) als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
. Als Ne
bendiagnose nannten sie zudem eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung,
impulsiver
Typ (ICD-10 F60.3, S. 1).
Dr.
L.___
und
Dr.
M.___
führten aus, der Beschwerdeführer habe beim Eintrittsge
spräch über die gleichen Probleme berichtet wie beim letzten Aufenthalt. Er leide unter Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, einer gedrückten Stimmung, Schuldge
fühlen,
einer Störung des Gedächtnisses
und einem sozialen Rückzug. Auslöser des Zustandes seien Konflikte mit der Partnerin sowie finanzielle Sorgen. Manch
mal habe er auch Angst, die Kontrolle zu verlieren und jemandem etwas anzutun (S. 1 unten). Aus forensisch-psychologischer Sicht hätten sich keine Hinweise auf ein bestehendes Gewaltrisiko ergeben (S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer habe im Gespräch den Eindruck vermittelt, dass er noch nicht nach Hause entlassen wer
den wolle (S. 2).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2
017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.
5.1
Dr.
D.___
nannte in der vom Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebenen psychiatrischen Kurzbeurteilung vom 2
2.
Januar 2018 als Diagnose ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Dysthymia
.
Eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte sie nicht
. Sie attestierte dem Beschwerdeführer für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit e
ine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(vorstehend
E. 3.5.2).
Die behandelnden Ärzte stellten
demgegenüber
die Diagnose einer rezidivieren
den depressiven Störung
bei einer
mittelgradigen Episode (E. 3.1-3.3).
Dr.
Z.___
bestritt zudem, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, wie von
Dr.
D.___
angenommen, verbessert habe (vorstehend E. 3.6).
Im weiteren Verlauf stellten m
ed.
pract
.
E.___
,
die behandelnde Psychiaterin
Dr.
G.___
und die Ärzte des
H.___
die Diagnose
eine
r
rezidivierende
n
depres
sive
n
Störu
ng, gegenwärtig schwere Episode (E. 3.7
, 3.10-11 und 3.13)
Dr.
G.___
attestierte für eine behinderungsangepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden pro Tag (vorstehend E. 3.11).
5.2
Der
Beschwerdeführer
befand sich
seit der
Untersuchung durch
Dr.
D.___
zwei
mal
in stationärer psychiatrischer
Behandlung.
Für die Dauer
der Klinikaufent
halte
ist von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auszugehen.
Gestützt auf die
vorliegenden
medizinischen
Akten
ist
damit
eine
gesundheitliche Verschlechte
rung seit der Untersuchung durch
Dr.
D.___
nicht auszuschliessen
.
Indes
wird in den Berichten von
med.
pract
.
E.___
und
Dr.
G.___
kein
schwerwiegender
psy
chopat
h
ologischer Befund beschrieben, so dass
nicht ohne Weiteres auf die
Di
agnose einer
rezidivierenden depressiven Störung mit
schwere
r
depressive
r
Epi
sode
abgestellt werden kann
.
In den Berichten der behandelnden Ärzte
wird zu
dem wiederholt auf den Verlust der Arbeitsstelle und Streitigkeiten inn
erhalb der Familie hingewiesen. Die genannten Umstände stellen
psychosoziale und damit IV-fremde Faktoren
dar
.
Zudem ist
auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Be
richte der behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsr
echtlichen Vertrauensstel
l
ung
zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behan
delnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom
6.
April 2005 E. 5.5).
Es kann daher nicht alleine auf die Berichte der behandelnden Ärzte abgestellt werden.
Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers
und einer allfälligen daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit kann ferner auf die
psychi
atrische Kurzbeurteilung
von
Dr.
D.___
nicht abschliessend abgestellt werden
. Insbesondere können
mangels
ausreichender
diesbezüglicher Angaben die
Stan
dardindikatoren
nicht
eingehend
geprüft werden
.
In Bezug auf die
Beurteilung durch die Beschwerdegegnerin ist sodann
darauf hinzuweisen, dass
sich der Beschwerdeführer mittlerweile in einer Tagesklinik in Behandlung begeben hat (vgl. E. 3.7 hiervor).
Dass er die Behandlung in einer Tagesklinik abgelehnt habe, kann ihm daher nicht länger zur Last gelegt werden.
Nachdem
wiederholt
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung bei einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode
gestellt worden ist
, kann w
eder auf die Beurteilung durch
Dr.
D.___
und den RAD noch auf jene der be
handelnden
Ärzte abgestellt werden. Der
medizinische Sachverhalt
erweist somit
als ungenügend abgeklärt.
Die Beschwerdegegnerin hat es dabei unterlassen, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen.
5.3
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein ps
ychiatrisches Gutachten einhole
. Anschliessend hat sie erneut über
den Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers
zu verfügen. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
6
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwer
deführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer ist bei einem praxisgemässen Stun
denansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
mit
Fr.
2'300.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu entschädigen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
4.
März 2019
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen, neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung von
Fr.
2’300
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Evalotta
Samuelsson
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBrugger