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**Case Identifier:** 59ab3715-02ad-575b-9a8b-53e7edc25feb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 25.04.2024 BO.2022.15-K3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_BO-2022-15-K3_2024-04-25.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BO.2022.15-K3

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 02.07.2024

Entscheiddatum: 25.04.2024

Entscheid Kantonsgericht, 25.04.2024
Art. 1 und Art. 394 ff. OR: Verneinung einer Abänderung bzw. Aufhebung der 
schriftlichen Honorarvereinbarung zwischen einem Rechtsanwalt und 
dessen Klientin durch konkludente Willensäusserung (E. III/3.c und d). 
(Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 25. April 2024, BO.2022.15-K3).

Entscheid siehe PDF

Kanton St.Gallen 

Gerichte 

 
 

 

 
 
Kantonsgericht St. Gallen 

III. Zivilkammer 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 25. April 2024  

 
 

  

Geschäfts- 
nummer  

 BO.2022.15-K3 (VV.2021.23) 
 

   

Verfahrens-
beteiligte 

 A.__,  
 

Kläger und  
Berufungskläger,  

 

  gegen 
 
 

  B.__,  
 

Beklagte und  
Berufungsbeklagte,  

 
vertreten von Rechtsanwalt F. 
 
 
 

Gegenstand  Honorarforderung 
 
 

 

  

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 2/15 

  

Anträge vor Kreisgericht 

 

a) des Klägers 

Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger Fr. 16'658.55, zuzüglich 5% Verzugszins 
seit dem 9. Oktober 2019, sowie Fr. 350.00 Kosten des Schlichtungsverfahrens zu bezah-
len, 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. MwSt) zu Lasten der Beklagten. 

 

 

b) der Beklagten 

1. In dem, den Betrag von Fr. 3'000.00 übersteigenden Betrag, sei die Klage abzuwei-
sen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zulasten des Klägers. 

 

 
Entscheid des Kreisgerichts V.__ vom 22. November 2021 

 
1. Das Verfahren wird im Umfang von Fr. 3'000.00 zufolge Anerkennung abgeschrie-

ben, im Übrigen wird die Klage abgewiesen. 

2. Die Gerichtskosten von Fr. 3'350.00 (Fr. 3'000.00 Entscheidgebühr, Fr. 350.00 Kos-
ten Schlichtungsverfahren) bezahlt der Kläger unter Verrechnung mit den geleisteten 
Kostenvorschüssen von insgesamt Fr. 3'350.00 zu 4/5, die Beklagte zu 1/5. 

Dem Kläger wird das Rückgriffsrecht für Fr. 670.00 auf die Beklagte eingeräumt. 

3. Der Kläger hat der Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 3'396.70 zu bezahlen. 

 

 
Anträge vor Kantonsgericht 

 

a) des Klägers 

1. Es sei der Entscheid des Kreisgerichtes V.__ vom 22. November 2021 (Geschäfts-
Nr. VV.2021.23) aufzuheben; 

eventualiter sei der Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen zu neuem Ent-
scheid; 

2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger Fr. 16'658.55, zuzüglich 5% Verzugs-
zins seit dem 9. Oktober 2019, sowie Fr. 350.00 Kosten des Schlichtungsverfahrens 
zu bezahlen, 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. MwSt) zu Lasten der Beklagten. 

 
 

b) der Beklagten 

1. Es sei die Berufung abzuweisen und der Entscheid der Vorinstanz zu bestätigen, 
soweit auf die Berufung einzutreten ist. 

2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zulasten des Klä-
gers.  

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 3/15 

  

Erwägungen 

 
 

I. 

 

1. A.__ (Kläger) war zwischen dem 6. Januar 2015 und dem 4. September 2017 als 

Rechtsvertreter von B.__ (Beklagte) in verschiedenen Verfahren tätig. Während dieses 

Mandatsverhältnisses pflegten die Parteien auch privat engen Kontakt zueinander. Nach 

Abschluss des Mandats stellte der Kläger seine Leistungen gegenüber der Beklagten in 

Rechnung. Diese verweigerte in der Folge die Zahlung mit der Begründung, die Arbeit des 

Klägers sei grösstenteils unentgeltlich erfolgt, weshalb nur beschränkt ein Honorar ge-

schuldet sei.  

 

2. Am 1. Dezember 2020 leitete der Kläger ein Schlichtungsverfahren beim Vermitt-

lungsamt U.__ ein (vi-act. 1). Nach erfolglosem Schlichtungsversuch erhob der Kläger am 

7. April 2021 Klage beim Kreisgericht V.__ und stellte die eingangs genannten Rechtsbe-

gehren (vi-act. 2 [Klage], S. 2). Mit Stellungnahme vom 12. Juli 2021 anerkannte die Be-

klagte die Klage im Umfang von Fr. 3'000.00 und beantragte im Übrigen deren Abweisung 

(vi-act. 10 [Klageantwort], S. 2). Am 24. November 2021 unterbreitete der Einzelrichter 

des Kreisgerichts V.__ (Vorinstanz) den Parteien elektronisch einen Vergleichsvorschlag, 

wonach der Kläger die Klage zugunsten tieferer Prozesskosten vollumfänglich zurückzie-

hen sollte (vi-act. 15 f.). Die Hauptverhandlung fand – nach Ablehnung des Vergleichsvor-

schlags durch den Kläger – am 25. November 2021 statt (vi-act. 17). Mit Entscheid vom 

22. November 2021 (wobei das Datum wohl unzutreffend ist, nachdem die Hauptverhand-

lung erst drei Tage später stattfand) schrieb die Vorinstanz das Verfahren im Umfang von 

Fr. 3'000.00 zufolge Anerkennung ab und wies im Übrigen die Klage ab. Das Dispositiv 

wurde den Parteien mit Versand vom 29. November 2021 schriftlich eröffnet (vi-act. 26). 

 

3. Gegen diesen Entscheid – in schriftlich begründeter Ausfertigung versandt am 

4. April 2022 – erhob der Kläger am 30. April 2022 Berufung beim Kantonsgericht mit den 

eingangs genannten Rechtsbegehren (B/1 [Berufung]). Mit Berufungsantwort vom 15. Ju-

ni 2022 beantragte die Beklagte die kostenfällige Abweisung der Berufung, soweit darauf 

eingetreten werden könne (B/9 [Berufungsantwort], S. 2). Mit Schreiben vom 16. Juni 

2022 übermittelte die verfahrensleitende Richterin dem Kläger die Berufungsantwort mit 

dem Hinweis, ein zweiter Schriftenwechsel und eine Verhandlung seien nicht vorgesehen 

und es werde voraussichtlich aufgrund der Akten entschieden; die Teilnahme an einem 

allfälligen Beweisverfahren bleibe vorbehalten (B/11). Am 4. Juli 2022 reichte der Kläger 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 4/15 

  

eine Stellungnahme zur Berufungsantwort ein (B/12) und zeigte am 16. Oktober 2023 an, 

dass die Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt G. beendet sei (B/18). Es folgten keine 

weiteren Eingaben. 

 

 

II. 

 

1. Vorbehältlich der nachfolgenden Ausführungen (vgl. E. 2 sogleich) sind die von 

Amtes wegen zu prüfenden Prozessvoraussetzungen für das Berufungsverfahren erfüllt 

(Art. 59 f., Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 sowie Art. 311 Abs. 1 ZPO). Auf die Berufung 

ist damit grundsätzlich einzutreten. Zuständig ist die III. Zivilkammer des Kantonsgerichts 

(Art. 16 Abs. 1 EG-ZPO i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. d GO). 

 

2. Der Kläger beantragt mit seiner Berufung die pauschale Aufhebung des vorinstanz-

lichen Entscheids und wiederholt im Übrigen die Rechtsbegehren seiner Klage vom 

9. April 2021. Damit umfasst die Anfechtung grundsätzlich auch den Abschreibungsbe-

schluss betreffend die Anerkennung der Klage im Umfang von Fr. 3'000.00 in Ziffer 1 des 

vorinstanzlichen Dispositivs (vgl. vi-Entscheid, S. 13). Da der Abschreibungsbeschluss 

kein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, kann dagegen allerdings auch keine Berufung 

erhoben werden (vgl. BGE 139 III 133 E. 1.2). Zudem ist nicht ersichtlich, welches schutz-

würdige Interesse der Kläger an der Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1, erster Teilsatz, des 

vorinstanzlichen Entscheids hätte (vgl. Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO). Schliesslich fehlt es auch 

an jeglicher Begründung zu diesem Antrag (vgl. dazu E. 3 sogleich). Auf die Berufung ist 

daher nicht einzutreten, soweit mit dieser die Aufhebung von Ziffer 1, erster Teilsatz, des 

angefochtenen Entscheids verlangt wird.  

 

3. Mit der Berufung nach Art. 308 ff. ZPO können die unrichtige Rechtsanwendung 

und/oder die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 310 

ZPO). Den Berufungskläger trifft dabei eine Begründungspflicht (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Er 

hat sich daher sachbezogen mit dem Entscheid der Vorinstanz auseinanderzusetzen und 

unter Bezugnahme auf die erstinstanzlichen Erwägungen im Einzelnen darzulegen, wa-

rum dieser in den angefochtenen Punkten unrichtig sein soll (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; 

BGer 4A_651/2012 E. 4.2; REETZ/THEILER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, 

ZPO Komm., 3. Aufl., Art. 311 N 36). Fehlt eine hinreichende Begründung, hat dies zur 

Folge, dass auf die Berufung nicht einzutreten ist (ZPO-Rechtsmittel-KUNZ, 2013, Art. 311 

N 84; STAEHELIN A./BACHOFNER, in: Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht, 

3. Aufl., § 26 N 42; SEILER, Die Berufung nach ZPO, 2013, N 601). Ungeachtet der Be-

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 5/15 

  

gründungspflicht gilt allerdings der Grundsatz, dass das Recht von Amtes wegen anzu-

wenden ist, auch im Rechtsmittelverfahren, weshalb die Berufungsinstanz in rechtlicher 

Hinsicht nicht auf die Prüfung geltend gemachter Rechtsverletzungen beschränkt ist 

(Art. 57 ZPO; ZPO-Rechtsmittel-KUNZ, Art. 311 N 94; LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, 

Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., N 4.52 und 12.41; SEILER, a.a.O., N 893; vgl. 

auch REETZ/THEILER, ZPO Komm., Art. 311 N 36, S. 2442 unten). 

 

4.a) Im Berufungsverfahren sind neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel 

nur zulässig, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgetra-

gen werden konnten sowie ohne Verzug geltend gemacht werden (Art. 317 Abs. 1 ZPO). 

 

b) Die Zulässigkeit allfälliger Noven wird – soweit entscheidrelevant – im entsprechen-

den Sachzusammenhang geprüft. 

 

 

III. 

 

1. Es ist unbestritten, dass zwischen den Parteien ein Auftragsverhältnis nach 

Art. 394 ff. OR bestand. Namentlich beauftragte die Beklagte den Kläger am 6. Januar 

2015 mit der Rechtsvertretung in Sachen "Auflösung einer eheähnlichen Lebensgemein-

schaft" (kläg.act. 4) und am 8. März 2016 mit der Rechtsvertretung in Sachen "C.__, Ver-

fahren Jugendstaatsanwaltschaft" (kläg.act. 6). In Zusammenhang mit der ersten Manda-

tierung unterzeichnete die Beklagte am 6. Januar 2015 eine Honorarvereinbarung, wo-

nach der Kläger ein Zeithonorar von Fr. 260.00 pro Stunde zuzüglich Spesen und Mehr-

wertsteuer erhalten solle (kläg.act. 5). Auch dieser Sachverhaltsabschnitt ist nicht umstrit-

ten. Schliesslich sind sich die Parteien dahingehend einig, dass sie im Zeitraum von Früh-

jahr 2015 bis Frühjahr 2016 ein über das Mandatsverhältnis hinausgehendes, privates 

Verhältnis zueinander hatten; ob ein Liebesverhältnis oder eine bloss enge Freundschaft 

kann offenbleiben. Streitig ist vorliegend einzig, ob die Parteien während des Mandats-

verhältnisses die (teilweise) Unentgeltlichkeit des Auftrags vereinbarten und die Beklagte 

dem Kläger somit lediglich die von ihr anerkannten Fr. 3'000.00 schuldet. 

 

2.a) Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid (stark) zusammengefasst wie folgt: Zu-

nächst sei unstreitig, dass zwischen den Parteien ein entgeltliches Mandatsverhältnis 

bestanden habe. Die Beklagte mache aber geltend, der Vertrag sei im Laufe der Vertre-

tung durch den Kläger in ein unentgeltliches Mandatsverhältnis abgeändert worden. Zwar 

gelinge es der Beklagten nicht, den vollen Beweis dafür zu erbringen, es sei aber auch 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 6/15 

  

nicht erwiesen, dass ein solcher Konsens nicht zustande gekommen sei. Somit sei zu 

ermitteln, ob zwischen den Parteien ein normativer Konsens bestanden habe, die Beklag-

te nach Treu und Glauben also davon habe ausgehen dürfen, dass der Kläger auf sein 

Honorar verzichte. Da ursprünglich Entgeltlichkeit vereinbart worden sei, habe die Beklag-

te nicht leichtfertig davon ausgehen dürfen. Allerdings habe der Kläger ein Verhalten an 

den Tag gelegt, welches Zweifel am Fortbestand der Entgeltlichkeit als berechtigt er-

scheinen liessen (vi-Entscheid, S. 6 f.). So habe der Kläger insbesondere, trotz entspre-

chender Aufforderung durch die Klägerin, ausserordentlich lange mit der Rechnungsstel-

lung zugewartet und eine enge persönliche Beziehung zur Beklagten gehabt. Insgesamt 

habe diese deshalb davon ausgehen dürfen, dass ihr aus dem Mandatsverhältnis keine 

Kosten entstehen würden (vi-Entscheid, S. 7 ff.) 

 

b) Der Kläger bringt dagegen im Wesentlichen vor, die Vorinstanz habe wesentliche 

Vorbringen und Beweise seinerseits unberücksichtigt gelassen und stattdessen allein auf 

die Behauptungen der Beklagten abgestellt. Sodann habe die Vorinstanz zu Unrecht auf 

den normativen Konsens abgestellt und so die Regeln der Beweislastverteilung umgan-

gen bzw. eine Beweislastumkehr vorgenommen. Ohnehin sei sein Verhalten gegenüber 

der Beklagten während des Mandatsverhältnisses, aber auch zur Begründung eines nor-

mativen Konsenses, falsch gewürdigt worden (Berufung, S. 6 ff.).  

 

3.a) Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, derjenige das 

Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. 

Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden 

Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechts-

vernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang 

des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Die-

se Grundregel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt 

werden und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 141 III 241 E. 3.1; BGE 130 III 321 

E. 3.1). Soweit eine gesetzliche Vermutung besteht, muss eine Abweichung davon bewie-

sen werden (sog. Beweis des Gegenteils; BSK ZGB I-LARDELLI/VETTER, 7. Aufl., Art. 8 

N 35). Nach Art. 394 Abs. 3 OR ist im Rahmen eines Auftrags eine Vergütung zu leisten, 

wenn sie verabredet oder üblich ist. Dabei ist die Entgeltlichkeit dort die Regel, wo die 

Dienstleistung – wie bei der anwaltlichen Vertretung – berufsmässig geschieht (OFK-

BÜHLER, 4. Aufl., Art. 394 OR N 17; BSK OR I-OSER/WEBER, 7. Aufl., Art. 394 N 36). In 

solchen Fällen trägt somit die Auftraggeberin die Beweislast für eine vereinbarte Unent-

geltlichkeit des Auftrages (BGer 4D_2/2008 E. 2.4; BK-FELLMANN, 1992, Art. 394 OR 

N 383; GAUCH/MIDDENDORF, Planerverträge, 2019, S. 8). 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 7/15 

  

b/aa) Die Beklagte brachte mit ihrer Klageantwort vor, es sei unbestritten, dass zumindest 

im Vorfeld des Mandatsverhältnisses ein übereinstimmender Wille in Bezug auf die Ent-

geltlichkeit der Leistungen des Klägers bestanden habe und dass sie durchaus dazu be-

reit gewesen sei, die Leistungen des Klägers zu vergüten (Klageantwort, S. 5). Sie habe 

davon ausgehen müssen, dass die anwaltliche Tätigkeit des Klägers gegen Entgelt erfol-

ge, zumal dies "üblich" im Sinne von Art. 394 Abs. 3 OR sei (Klageantwort, S. 12). Dann 

aber hätten die Anhaltspunkte für eine Unentgeltlichkeit überhandgenommen. So sei wäh-

rend 3½ Jahren weder eine Zwischenabrechnung erfolgt noch das Honorar thematisiert 

worden, weshalb anzunehmen sei, dass beide Parteien von Unentgeltlichkeit ausgegan-

gen seien. Ausserdem sei das Verhältnis zwischen ihr und dem Kläger kein übliches Ver-

hältnis zwischen Klientin und Anwalt gewesen, weshalb auch nicht der Schluss gezogen 

werden könne, die Entgeltlichkeit des Auftrags sei üblich gewesen. Der Kläger habe ihr 

gegenüber immer wieder ausgeführt, es handle sich um ein unentgeltliches Mandat (vi-

act. 17, S. 3). Ausser für die Anfangsphase habe ein Konsens betreffend Unentgeltlichkeit 

bestanden (vi-act. 21, S. 4). Die Honorarvereinbarung sei lediglich zur Begründung des 

Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege im damaligen Verfahren vor dem Kreisgericht 

W.__ (VV.2015.35) erstellt worden (Klageantwort, S. 13).  

 

bb) Soweit die Beklagte die Üblichkeit im Sinne von Art. 394 Abs. 3 OR in Zweifel zie-

hen möchte, ist ihr nicht zu folgen. Wie bereits dargelegt, ist Entgeltlichkeit dort üblich, wo 

Dienstleistungen berufsmässig erbracht werden, was bei der anwaltlichen Vertretung klar 

der Fall ist. Dies anerkennt grundsätzlich auch die Beklagte (Klageantwort, S. 12). Das 

Vorliegen eines Näheverhältnisses kann zwar gegen diese tatsächliche Vermutung spre-

chen, allerdings nur dann, wenn die Leistung einen gewissen Umfang nicht überschreitet 

(vgl. ZK-JUNGO, 3. Aufl., Art. 8 ZGB N 392 und 397). Bei anwaltlichen Dienstleistungen 

von mehr als 80 Stunden (kläg.act. 11) – dass der Kläger diese erbrachte, bestreitet die 

Beklagte nicht, jedenfalls nicht substantiiert – ist jedoch Entgeltlichkeit zu vermuten bzw. 

üblich. Weiter ist entsprechend den übereinstimmenden Parteivorbringen davon auszuge-

hen, dass die Parteien zu Beginn des Mandatsverhältnisses grundsätzlich dessen Entgelt-

lichkeit vereinbarten. Eine Abweichung davon – sei es durch Vertragsänderung oder 

durch teilweise Aufhebung des Vertrags (Art. 115 OR) – hat die Beklagte, welche die 

(teilweise) Unentgeltlichkeit behauptet, zu beweisen.    

 

c/aa) Damit eine vertragliche Vereinbarung abgeändert werden kann, ist, wie schon für 

den Vertragsschluss, die übereinstimmende gegenseitige Willensäusserung der Parteien 

erforderlich. Sie kann eine ausdrückliche oder stillschweigende sein (Art. 1 OR). Gleiches 

gilt auch für die (nachträgliche) Aufhebung einer Forderung nach Art. 115 OR.  

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 8/15 

  

Eine ausdrückliche Willenserklärung seitens des Klägers zur Unentgeltlichkeit des Auf-

trags ist vorliegend nicht ersichtlich. Die (lediglich pauschale) Behauptung der Beklagten, 

er habe ihr dies mehrfach (mündlich) mitgeteilt, wurde vom Kläger bestritten und blieb 

unbewiesen (wobei es für die Abnahme allenfalls beantragter Beweise bereits an substan-

tiierten Tatsachenbehauptungen fehlt). Somit käme – wie schon von der Vorinstanz fest-

gehalten – einzig eine stillschweigende bzw. konkludente Willenserklärung in Frage.  

 

Eine konkludente Willensäusserung liegt vor, wenn sich der Wille einer Partei aus den 

Umständen sowie ihrem Verhalten ergibt (OFK-KREN KOSTKIEWICZ, 4. Aufl., Art. 1 OR 

N 32). Jedoch muss das Verhalten aufgrund des Vertrauensprinzips eindeutig sein und es 

dürfen bei dessen Auslegung keine vernünftigen Zweifel vorliegen (BGE123 III 53 E. 5a; 

BGE 113 II 522 E. 5c). Die Empfängerin der Äusserung wird demnach nur dann in ihrem 

Vertrauen auf einen bestimmten Rechtsfolgewillen des Erklärenden geschützt, wenn des-

sen Verhalten bzw. andere Umstände nach Treu und Glauben nur den Schluss auf diesen 

einen Rechtsfolgewillen zulassen (BK-MÜLLER, 2018, Art. 1 OR N 39). Diese objektivierte 

Auslegung ist eine Rechtsfrage und erfolgt unter Berücksichtigung der gesamten Um-

stände (BGE 144 III 43 E. 3.4.1). Nichtsdestotrotz obliegt es der Erklärungsempfängerin 

die Umstände und das Verhalten des Erklärenden, auf welches sie ihr Vertrauen in eine 

konkludente Willenserklärung stützt, substantiiert zu behaupten und gegebenenfalls zu 

beweisen.  

 

bb) Die Beklagte brachte im vorinstanzlichen Verfahren zusammengefasst vor, zwi-

schen den Parteien habe eine private Beziehung bestanden. Dies würden verschiedene 

E-Mails des Klägers an sie zwischen November 2015 und Juni 2016 zeigen. Deshalb sei 

vorweg nicht von einem üblichen Mandatsverhältnis auszugehen (Klageantwort, S. 6 ff.). 

Der Kläger habe sich mit ihr, der Beklagten, emotional eng verbunden gefühlt und damit 

rechnen müssen, dass er diese Nähe verliere, wenn er ihr eine Abrechnung zustelle. Zu-

dem habe der Kläger gewusst, dass sie sich anhäufende Honorarschulden abgelehnt 

hätte und habe wissen wollen, wenn mehr als Fr. 3'000.00 aufgelaufen seien. Deshalb 

habe der Kläger, obwohl sie dies mehrmals verlangt habe, keine Zwischenrechnungen 

gestellt und auch keine Kostenvorschüsse verlangt (Klageantwort, S. 10). Schliesslich sei 

das Verhältnis zwischen dem Kläger und ihr aber nicht nur unüblich, sondern auch stan-

desrechtlich problematisch gewesen. Aufgrund dieser besonderen Umstände sei von ei-

nem unentgeltlichen Auftrag auszugehen (Klageantwort, S. 12). 

 

cc) Dem hielt der Kläger in seinem Tatsachenvortrag bzw. Plädoyer anlässlich der 

Hauptverhandlung entgegen, es treffe zwar zu, dass das Verhältnis der Beklagten zu ihm 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 9/15 

  

während des Verfahrens zunehmend enger geworden sei, dies lasse aber keine Rück-

schlüsse auf eine (angebliche) Unentgeltlichkeit zu (vi-act. 21, S. 9). Die Vorhalte der Be-

klagten betreffend die Liebesbeziehung würden lediglich ungerechtfertigte Schmähungen 

darstellen. Dass die Beklagte das Mandat beendet hätte, wären mehr als Fr. 3'000.00 

angefallen, werde bestritten (vi-act. 21, S. 14). Die späte Rechnungsstellung sei aus-

schliesslich aus Rücksicht auf die finanzielle Situation der Beklagten erfolgt (vi-act. 21, 

S. 16). Schliesslich habe er der Beklagten eine Kopie seiner Kostennote vom 21. Dezem-

ber 2016 (kläg.act. 31) zugestellt, womit sie noch vor Abweisung der unentgeltlichen 

Rechtspflege vom zwischenzeitlichen Honorar habe Kenntnis nehmen können. Die Be-

klagte habe im Übrigen erst in der Zeit nach Beendigung des Mandats nach einer Rech-

nung gefragt (vi-act. 21, S. 18).  

 

dd/aaa) Unbestrittenermassen hatten die Parteien im Zeitraum von Frühjahr 2015 bis 

Frühjahr 2016 ein über das Mandatsverhältnis hinausgehendes, privates Verhältnis zuei-

nander. Allein daraus kann zwar noch nicht auf Unentgeltlichkeit des Mandats geschlos-

sen werden, es kann aber ein Indiz dafür darstellen.  

 

Sodann ist erstellt, dass der Kläger der Beklagten während des Mandats vom 6. Januar 

2015 bis 4. September 2017 keine Zwischenrechnungen stellte und die Beklagte auch 

sonst nicht (direkt) über sein angefallenes Honorar informierte. Immerhin konnte die Be-

klagte aber im Rahmen des damaligen Verfahrens von der voraussichtlichen Honorar-

schuld Kenntnis nehmen, wenn auch nur indirekt, zumal die Rechnung grundsätzlich an 

das Kreisgericht W.__ gerichtet war (vgl. kläg.act. 31). Auch nach Abweisung der unent-

geltlichen Rechtspflege durch das Kreisgericht W.__ am 16. Februar 2017 setzte der Klä-

ger das Mandat fort, ohne der Beklagten eine Zwischenrechnung auszustellen. Die 

Schlussabrechnung stellte der Kläger schliesslich am 31. Juli 2018 (kläg.act. 12) und re-

duziert erneut am 12. August 2019 (kläg.act. 13). Auch dies kann grundsätzlich für einen 

konkludenten Willen des Klägers, das Mandat (teilweise) unentgeltlich zu führen, spre-

chen.  

 

bbb) Andererseits sind aber auch die Umstände und das Verhalten der Parteien zu 

berücksichtigen, welche gegen die teilweise Unentgeltlichkeit sprechen.  

 

Das Mandatsverhältnis dauerte auch noch nach Beendigung des engen privaten Verhält-

nisses zwischen den Parteien an. Somit hätte der Kläger – der Darstellung der Beklagten 

folgend – wohl bereits ab Frühjahr 2016 kein Interesse mehr gehabt an einer unentgeltli-

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 10/15 

  

chen Mandatsführung und das Mandat zu jenem Zeitpunkt oder spätestens bei Erreichen 

des (bestrittenen) Kostendeckels von Fr. 3'000.00 vermutungsweise beendet. 

 

Zudem hatte der Kläger für die Beklagte im Verfahren betreffend Kinderunterhalt vor dem 

Kreisgericht W.__ (VV.2015.35) ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung einge-

reicht, welche antragsgemäss auch die Rechtsverbeiständung nach Art. 118 Abs. 1 lit. c 

ZPO umfassen sollte (vgl. kläg.act. 17, S. 2). Ein solches Vorgehen widerspricht aber dem 

Sinn eines unentgeltlichen Auftrags, zumal das Gesuch zu einer Nachzahlungspflicht ge-

genüber dem Staat führt (Art. 123 ZPO) und damit die Unentgeltlichkeit für die Klientin 

bzw. Auftraggeberin praktisch ausschliesst. Dass sie über diese Nachzahlungspflicht nicht 

aufgeklärt wurde, machte die Beklagte indes nicht geltend.  

 

Der Kläger reichte im Weiteren verschiedene Urkunden ein, welche zeigen sollen, dass 

die Beklagte auch über einen Betrag von Fr. 3'000.00 hinaus von der Entgeltlichkeit des 

Auftrags ausging. Namentlich schrieb der Kläger der Beklagten am 14. Februar 2017, 

nachdem sie die Einmalzahlung der damaligen Gegenpartei erhalten habe, könne über 

sein Anwaltshonorar abgerechnet werden (kläg.act. 28). Die Beklagte ihrerseits schrieb 

am 20. Februar 2017, nach Erhalt des erstinstanzlichen Entscheids im Verfahren betref-

fend Kinderunterhalt, mit Bezug auf einen allfälligen Weiterzug an die Rechtsmittelinstanz, 

sie wolle mit dem Fall abschliessen und sehe "keinen Sinn mehr dafür Zeit und Geld zu 

investieren" (kläg.act. 29) und am 5. März 2017, das Verfahren werde ihr "zu teuer" 

(kläg.act. 30). Diese Aussagen deuten eher gegen die behauptete Annahme der Unent-

geltlichkeit oder eines Kostendachs (zumal die Gerichtskosten im Verhältnis zu den An-

waltskosten lediglich eine untergeordnete Rolle spielten, was die Beklagte den Entschei-

den des Kreisgerichts W.__ entnehmen konnte; vgl. kläg.act. 17, S. 6). Die Beklagte hat 

denn auch nicht geltend gemacht, dass die behauptete Vereinbarung der Unentgeltlichkeit 

im Rechtsmittelverfahren keine Geltung mehr gehabt hätte.  

 

ccc) Nicht gewertet werden kann das Schreiben des Klägers an das Kantonsgericht 

vom 4. September 2017 (kläg.act. 12). Mit diesem zeigte er die Beendigung des Man-

datsverhältnisses an und führte gleichzeitig an die Prozessgegner gerichtet aus, seine 

Honorarnote an die damalige Berufungsbeklagte (und Mandantin) werde in symbolischer 

Höhe ausfallen. Da sich das Schreiben an Dritte richtete, dürfen daraus – entgegen den 

Ausführungen der Beklagten – nicht ohne Weiteres Rückschlüsse auf das Mandatsver-

hältnis zwischen den hiesigen Parteien gezogen werden.  

 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 11/15 

  

Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der Kläger der Beklagten am 31. Juli 2018 

schrieb (kläg.act. 21/2): "Obwohl Du mich mehrmals darum gebeten hattest, für meine 

anwaltlichen Bemühungen eine Honorarnote zu stellen, habe ich aus Rücksicht auf Deine 

finanziellen Verhältnisse während der laufenden Verfahren einstweilen davon abgese-

hen". Das Schreiben selber kann in zweierlei Hinsicht gewertet werden. Zum einen bestä-

tigt es das Vorgehen des Klägers, wonach er überaus lange mit seiner Abrechnung zu-

wartete, wodurch seitens der Beklagten der Eindruck entstehen konnte, er verzichte auf 

ein Entgelt für das Mandat. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass die Beklagte mit 

einer Abrechnung und damit auch einer Geldschuld gegenüber dem Kläger rechnete (an-

dernfalls sie nicht – wie sie selber vorbringt – mehrfach Zwischenrechnungen verlangt 

hätte) und zwar – insbesondere aufgrund der langen Mandatsdauer – auch über einen 

Betrag von Fr. 3'000.00 hinaus. Die Beklagte hat sodann nicht substantiiert, zu welchem 

genauen Zeitpunkt sie den Kläger um Abrechnung gebeten hat. Das Schreiben lässt dazu 

jedenfalls keine Rückschlüsse zu. So ist insbesondere unklar, ob sich "während der lau-

fenden Verfahren" auf die finanziellen Verhältnisse der Beklagten oder ihre Bitte nach 

einer Honorarnote bezog. Da die Beklagte für das zu beurteilende Verhalten des Klägers 

beweisbelastet ist, hat sie die Folgen dieser Unklarheit zu tragen.  

 

ddd) Schliesslich kann bloss aus einer allfälligen Sorgfaltspflichtverletzung nicht auf 

eine konkludente Willensäusserung des Klägers geschlossen werden. Insbesondere darf 

dem Umstand, dass die Einhaltung von Sorgfaltspflichten durch einen Beauftragten in der 

Regel angenommen wird, nicht derart viel Gewicht beigemessen werden, dass daraus ein 

Verzicht auf ein Entgelt hervorgeht. Stattdessen ist es an der geschädigten Auftraggebe-

rin, einen Schaden oder eine Honorarreduktion aus der behaupteten Sorgfaltspflichtver-

letzung in einem formellen Verfahren geltend zu machen; unter Einhaltung der vorgese-

henen Parteirollen. 

 

d) Vor dem Hintergrund des hiervor Ausgeführten bestehen zwar Hinweise für eine 

konkludente Willensäusserung des Klägers, dass das Mandat ab Fr. 3'000.00 unentgelt-

lich geführt werde. Gleichzeitig sind aber auch diverse Widersprüche im Verhalten der 

Parteien ersichtlich, die an einer solchen Willensäusserung zweifeln lassen. Insgesamt 

war das Verhalten des Klägers somit nicht eindeutig. Unter diesen Umständen kann eine 

konkludente Willensäusserung des Klägers nicht angenommen werden und die Honorar-

vereinbarung vom 5. Januar 2016 hatte für das gesamte Auftragsverhältnis Bestand, zu-

mal sie – entgegen den Vorbringen der Beklagten (Klageantwort, S. 13) – zur Begründung 

des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege gerade nicht notwendig war.  

 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 12/15 

  

4. Da die Beklagte die Angemessenheit der Forderung des Klägers nicht (substanti-

iert) bestreitet (vgl. Klageantwort, S. 10), ist im Grundsatz das volle Honorar geschuldet. 

 

5.a) Bereits in ihrer Klageantwort bemängelte die Beklagte die sorgfältige Ausführung 

des Auftrags durch den Kläger bzw. die Verletzung von Standesregeln (vgl. Klageantwort, 

S. 13 f.). Sodann machte sie in ihrem Plädoyer bzw. Tatsachenvortrag an der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung erstmals geltend, durch die standes- und auftragsrechtswidrige 

Mandatsführung des Klägers sei ihr ein Schaden entstanden, welcher der Höhe der Hono-

rarforderung des Klägers entspreche. Hinzu komme ein Schaden aus dem vorliegenden 

Konflikt sowie dem Konflikt mit dem Vater der gemeinsamen Kinder (vi-act. 21, S. 3).  

 

b) Aus den Ausführungen der Beklagten geht nicht hervor, zu welchem Zweck sie jene 

Behauptungen aufstellte. Immerhin erklärte sie weder die Verrechnung (vgl. Art. 120 OR) 

eines allfälligen Schadens mit der Honorarforderung des Klägers noch hatte sie in ihrer 

Klageantwort formell eine Widerklage (Art. 224 ZPO) eingereicht. Ein allfälliger Schaden 

der Beklagten aus dem Verhalten des Klägers ist demnach nicht Prozessthema. 

 

c) Sodann kann die unsorgfältige Ausführung eines Auftrags nach bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung zu einer Herabsetzung der Vergütung als vertragliche Gegenleistung 

i.S.v. Art. 394 Abs. 3 OR führen. Wenn das Ergebnis des unsorgfältigen Beauftragten für 

den Auftraggeber vollständig unbrauchbar ist, schuldet er diesem gar keine Vergütung 

(BGE 124 III 423 E. 4a; BGE 117 II 563 E. 2a; BGer 4A_412/2019 E. 8.3.1). Mithin kann 

durch das Vorliegen einer Sorgfaltspflichtverletzung nicht direkt auf die teilweise oder voll-

ständige Unbrauchbarkeit der Leistung geschlossen werden. Die eine Herabsetzung des 

Honorars fordernde Auftraggeberin hat folglich neben der Sorgfaltspflichtverletzung auch 

die (teilweise oder vollständige) Unbrauchbarkeit nachzuweisen (BGer 4A_353/2020 

E. 2.1). Da die Beklagte diesbezüglich keine Behauptungen aufstellt, ist von vornherein 

von einer Reduktion des Honorars abzusehen.  

 

6. Bei diesem Ergebnis ist die Berufung – soweit auf sie einzutreten ist – gutzuheissen 

und die Ziffern 1 (lediglich hinsichtlich Klageabweisung), 2 und 3 des angefochtenen Ent-

scheids aufzuheben. Die Klage ist – soweit sie nicht zufolge Anerkennung abgeschrieben 

wurde – gutzuheissen. Damit hat die Beklagte dem Kläger – neben den anerkannten 

Fr. 3'000.00 – Fr. 13'658.55 zzgl. Zins zu 5% auf Fr. 16'658.55 seit dem 9. Oktober 2019 

zu bezahlen. 

 

 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 13/15 

  

IV. 

 

1. Die Prozesskosten, bestehend aus den Gerichtskosten und der Parteientschädi-

gung (vgl. Art. 95 ZPO), werden der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 

ZPO). Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie auch über 

die Prozesskosten des vorinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3 ZPO).  

 

2. Die Gerichtskosten des erstinstanzlichen Verfahrens von insgesamt Fr. 3'350.00 

(Fr. 3'000.00 Entscheidgebühr zzgl. Fr. 350.00 Schlichtungsverfahren; vi-Entscheid, 

S. 11) hat aufgrund ihres Unterliegens die Beklagte zu bezahlen. Die vom Kläger geleiste-

ten Kostenvorschüsse in Höhe von insgesamt Fr. 3'350.00 sind mit den erstinstanzlichen 

Gerichtskosten zu verrechnen (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Die Beklagte hat dem Kläger seine 

geleisteten Kostenvorschüsse zu ersetzen und ihm ausserdem eine Parteientschädigung 

für das erstinstanzliche Verfahren zu bezahlen (Art. 111 Abs. 2 ZPO). 

 

Die Vorinstanz erwog hinsichtlich der Parteientschädigung des Klägers, es liege eine Ver-

tretung in eigener Sache vor, weshalb in (analoger) Anwendung von Art. 95 Abs. 3 lit. c 

ZPO eine (volle) Parteientschädigung von Fr. 2'426.20 (50% von Fr. 4'852.40) als ange-

messen erscheine (vi-Entscheid, S. 12). Nachdem die Parteien diese Erwägungen der 

Vorinstanz nicht beanstanden, hat es damit sein Bewenden. Die Beklagte hat den Kläger 

somit für dessen Parteikosten mit Fr. 2'426.20 zu entschädigen. 

 

3.a) Nachdem auf die Berufung des Klägers teilweise nicht eingetreten wird, hat keine 

der Parteien im Rechtsmittelverfahren vollständig obsiegt (vgl. Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die 

Prozesskosten werden somit nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 

ZPO), wobei entscheidend ist, in welchem Mass die Parteien im Ergebnis mit ihren 

Rechtsbegehren durchgedrungen sind (BGer 4A_442/2021 E. 3.2; BGer 4A_297/2012 

E. 3.2).  

 

Wie bereits ausgeführt, wird auf die Berufung des Klägers gegen den Abschreibungsbe-

schluss der Vorinstanz – und damit im Umfang von Fr. 3'000.00 – nicht eingetreten (vgl. 

E. II.2). Bei einem Streitwert von insgesamt Fr. 16'658.55 entspricht dies einem Unterlie-

gen zu rund einem Fünftel. Im Übrigen (4/5) obsiegt der Kläger. Die Prozesskosten des 

Berufungsverfahrens sind in diesem Verhältnis zu verteilen.  

 

b) Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens sind auf Fr. 3'000.00 festzusetzen 

(Art. 10 Ziff. 221 GKV). Diese haben der Kläger im Umfang von Fr. 600.00 (1/5) und die 

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 14/15 

  

Beklagte im Umfang von Fr. 2'400.00 (4/5) zu tragen. Die gesamten Gerichtskosten wer-

den unter Verrechnung mit seinem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe beim 

Kläger erhoben. Die Beklagte hat dem Kläger Fr. 2'400.00 zu ersetzen (Art. 111 Abs. 1 

und 2 ZPO).  

 

c) Zudem hat die Beklagte den Kläger für dessen Parteikosten im Berufungsverfahren 

zu entschädigen. Angemessen erscheint (in analoger Anwendung von Art. 95 Abs. 3 lit. c 

ZPO) eine Entschädigung von pauschal Fr. 500.00 (vgl. auch vi-Entscheid, S. 12 sowie 

BGer 1C_447/2016, 1C_448/2016, 1C_449/2016 E. 8). 

 

  

 

 

 

 

 

BO.2022.15-K3 15/15 

  

 
Entscheid 

 

1. Auf die Berufung gegen den Abschreibungsbeschluss des Kreisgerichts V.__ vom 
22. November 2021 wird nicht eingetreten.  
 

2. Im Übrigen wird die Berufung gutgeheissen und der Entscheid des Kreisgerichts V.__ 
vom 22. November 2021 (VV.2021.23) aufgehoben. B.__ hat A.__ nebst den vorin-
stanzlich anerkannten Fr. 3'000.00 weitere Fr. 13'658.55 zuzüglich Zins zu 5% auf 
Fr. 16'658.55 seit dem 9. Oktober 2019 zu bezahlen.  

 
3. B.__ hat die erstinstanzlichen Gerichtskosten von Fr. 3'350.00 zu bezahlen. Diese 

werden mit dem Kostenvorschuss von A.__ in gleicher Höhe verrechnet. 

 
4. Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3'000.00 hat im Umfang von 

Fr. 2'400.00 B.__ und im Restbetrag von Fr. 600.00 A.__ zu bezahlen. Sie werden mit 
dem Kostenvorschuss von A.__ von Fr. 3'000.00 verrechnet. 

 
5. B.__ hat A.__ für dessen Parteikosten in den Verfahren vor beiden Instanzen mit ins-

gesamt Fr. 2'926.20 (Fr. 2'426.20 + Fr. 500.00) zu entschädigen und ihm die über sei-
nen Kostenanteil hinaus geleisteten Vorschüsse von insgesamt Fr. 5'750.00 
(Fr. 3'350.00 + Fr. 2'400.00) zu ersetzen.  

 
 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Kantonsgericht, 25.04.2024
	Art. 1 und Art. 394 ff. OR: Verneinung einer Abänderung bzw. Aufhebung der schriftlichen Honorarvereinbarung zwischen einem Rechtsanwalt und dessen Klientin durch konkludente Willensäusserung (E. III/3.c und d). (Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 25. April 2024, BO.2022.15-K3).

		2026-01-28T05:22:50+0100
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen