# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1ca50ef9-59b2-5427-a54e-dafbe99852de
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-19
**Language:** de
**Title:** Auf Aktenbeurteilung des Kreisarztes kann abgestellt werden. (BGE 8C_643/2019)
**Docket/Reference:** UV.2018.00103
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2018.00103.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2018.00103
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
19. August 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1977, war
vom
1
1.
April
bis zum 3
1.
Dezember
2016 als Tankstellenverkäuferin bei der
Y.___
GmbH angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfä
llen versichert, als sie am 17.
Dezember 2016 bei Haushaltarbeiten stürzte und sich das linke Knie verdrehte (Schadenmeldung UVG vom 2
7.
Dezember 2016,
Urk.
6/1).
Die erstbehandelnde
Dr.
med.
Z.___
, Oberärztin der Notfallpraxis des Spitals
A.___
, diagnostizierte im Bericht
v
om 1
7.
Dezember 2016 eine Knie-d
isto
r
sion und -k
ontusion links (
Urk.
6/3).
Am 2
7.
Dezember 2016 wurde die Versi
cherte im Spital
A.___
am linken Knie operiert (
diagnostische Arthroskopie
,
vordere Kreuzband-
(
VKB
-
)
Plastik
,
femorale
Fixation, Naht medialer Meniskus, Resektion Lappenriss latera
ler Meniskus [
Hinterhorn
], Urk.
6/22). Die Suva erbrachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Mit Verfügung vom 2
5.
August 2017 hielt die Suva fest, dass
die heute bestehenden Beschwerden am linken Knie nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 1
7.
Dezember 2016 zurückzuführen seien.
Die Versicherungsleistungen würden daher per 3
1.
August 2017 eingestellt
(Urk.
6/69). Die dagegen von der Versi
cherten am 2
2.
September 2017 erhobene Einsprache (
Urk.
6/73) wies die Suva mit Entscheid vom 1
0.
April 2018 (
Urk.
2) ab.
2.
Da
gegen erhob die Versicherte am
7.
Mai 2018 Beschwerde und beantragte sinn
gemäss, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es seien ihr weiterhin Versicherungsleistungen auszurichten (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Juni 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am 1
3.
Juni 2018 angezeigt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Sep
tember 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 1
7.
Dezember 2016 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes
be
-
stimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheit
liche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
der Kreisarzt mit überzeugender Begründung zum Schluss gelangt sei, dass die geklagten Kniebeschwerden links nicht auf den Unfall vom 1
7.
Dezember 2016 zurückzuführen seien. Mit dem Kreisarzt sei vielmehr davon auszugehen, dass
hierfür
die Kniedistorsion vom 1
3.
August 2011 mit VKB-Ruptur verantwortlich sei. Die Versicherungsleistungen seien daher zu Recht per 3
1.
August 2017 ein
gestellt worden. Auf eine Rückforderung der bisher bezahlt
en Leistungen werde verzichtet (
Urk.
2
S. 5
, vgl. auch
Urk.
6/69
/2
).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass die
kreisärztliche
Beurteilung
unrichtig sei
. Seit dem Unfallereignis vom 1
7.
Dezember 2016
sei sie in ihrer
Tagesstruktur
eingeschränkt.
Bislang sei sie von keinem Arzt der Beschw
erdegegnerin untersucht worden. Sie werde noch zusätzliche Akten ein
reichen
(
Urk.
1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2)
in medizinischer Hinsicht auf die Stellungnahme von Kreisarzt
Dr.
med.
B.___
, Facharzt fü
r Radiologie, vom
1
5.
August 2017 (Eingangsdatum;
Urk.
6/65
).
3.2
Kreisarzt
Dr.
B.___
hielt in dieser
Stellungnahme fest, dass die Beschwerdefüh
rerin 2011 ein Trauma
am linken Kniegelenk
erlitten habe. Dabei sei
es zu einer Ruptur
des V
KB gekommen (MRT vom 1
9.
August
2011). Diese Verletzung
sei
rein konservativ behandelt worden.
In der Folge
habe
die
Beschwerdeführer
in
über
ein
Instabilitätsgefühl
geklagt, was bei
einem
rupturierten
VKB absolut
nachvollziehbar
sei
.
Am 1
7.
Dezember 2016 sei
es
zu einem
Giving-away
im lin
ken Knie
gekommen
, was
zu einem
Sturz der
Beschwerdeführerin
geführt
habe
.
Im MRT Knie links vom 2
0.
Dezember 2016
habe sich
neben de
m bereits seit 2011
rupturierten
VKB auch ein Korbhenkelriss des Menisk
us
medialis
, ein hori
zontaler Einriss des Me
nisk
us
lateralis
, eine Zerrung der Seitenbänder, ein Gelenkerguss und eine Baker-Zyste
gezeigt
. Aufgrund dieser Befunde
sei
die Indikation zur Arthroskopie
mit VKB-Plastik, Naht des Menisk
us
medialis
und lateraler
Teilmeniskektomie
gestellt
worden
, die
dann
am 2
7.
Dezember
201
6 durchgeführt worden sei
. Bei Betrachtung des Querschnittes der linken unteren Ext
remität sowohl im MRT vom 1
9.
August 2011 als auch
in jenem
vom 2
0.
Dezember
2016 und insbesondere des Verhältniss
es zwischen Muskel und Fet
t
sei
unbestreitbar, dass seit der Ruptur des VKB 2011
mit nahezu absoluter Sicherheit nie
eine suffiziente muskuläre Stabilisierung des linken Kniegelenkes
bestanden habe. Insgesamt seien
das
Giving-away
selbst, sämtliche MR-tomografisch nachgewiesene
n
Läsionen und/oder Veränderungen des linken Kniegelenkes und demzufolge auch die konsekutiv notwendi
g gewordene Opera
tion vom 2
7.
Dezember
2016 mit klar überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Instabilität des Kniegelenkes infolge des 2011
rupturiert
en
und nicht rekonstru
ierten VKB
zurückzuführen. Eine überwiegend wahrscheinliche Kausalitätsb
ezie
hung zum Ereignis vom 17.
Dezemb
er 2016 sei daher nicht möglich (
Urk.
6/65
).
3.3
Diese kreisärztliche Beurteilung ist
nachvollziehbar und plausibel
.
Wie aus dem
Bericht des Spitals
A.___
vom
1
4.
August 2011
hervorgeht,
verdrehte sich
die Beschwerdeführerin
tags zuvor das linke Knie und stürzte (
Urk.
6/74/2)
. Das am 1
9.
August 2011 durchgeführte MRI ergab eine Ruptur des VKB, einen Knie
gelenkserguss, ein Knochenödem des dorsalen
Tibiaplateaus
lateral-/
medialseitig
und einen Verdacht auf eine Ruptur der l
ateralen Gelenkkapsel (Urk.
6/50/2
). Dem
Bericht des Spitals
A.___
vom 2
0.
Dezember 2016
ist
zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin
bereits
seit dem Trauma
von 2011
über
ein Instabi
litätsgefühl im linken Kniegelenk
geklagt habe
(
Urk.
6/18
; vgl. dazu auch die Besprechung der Parteien vom
8.
Mai 2017,
Urk.
6/45
).
Ein ärztlicher Bericht
,
welche
r
der
Beurteilung von Kreisarzt
Dr.
B.___
widersprechen würde, liegt
sodann
nicht vor.
Entgegen der Ankündigung
in der Beschwerdeschrift (Urk.
1) hat die Beschwerdeführerin keine
zusätzlichen
Akten bzw. Arztberichte nachge
reicht.
Auf die Beurteilung von Kreisarzt
Dr.
B.___
kann demnach abgestellt werden.
3.4
Hinsichtlich des Einwandes der Beschwerdeführerin, dass sie bislang von keinem Arzt der Beschwerdegegnerin untersucht worden sei (
Urk.
1), ist darauf hinzu
weisen, dass eine reine
Aktenbeurteilung nicht an sich beweisuntauglich ist. Die
direkte ärztliche Auseinandersetzung mit der zu begutachtenden Person rückt dann in den Hintergrund, wenn es – wie vorliegend - im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines feststehe
nden medizinischen Sachverhalts geht. I
n einem solchen Fall kann auch ein
e reine Aktenbeurteilung
voll beweiswertig sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_681/2011 vom 2
7.
Juni 2012 E. 4.1 mit Hinweisen).
Schliesslich
ist der Vollständigkeit halber zu bemerken, dass bei der vorliegenden Lei
stungseinstellung per 3
1.
August 2017
, das
heisst
mit Wirkung
«
ex
nunc
et pro
futuro
»
,
die Berufung auf die Wiedererwägung oder die prozessuale Revision nicht erforderlich
ist
, da eine solche kein Rückkommen auf die bisher gewährten Versicherungsleistungen bedeutet (BGE 1
30 V 380
E. 2.3.1).
4.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl