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**Case Identifier:** 22da148a-a1e6-5b6b-9ca8-a7b67be8d2e2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-08
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 08.05.2015 200 2014 906
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-906_2015-05-08.pdf

## Full Text

200 14 906 IV
SCJ/BRM/KRK

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 8. Mai 2015

Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Schütz
Gerichtsschreiber Braune

A.________
vertreten durch Fürsprecher B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 22. August 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2015, IV/14/906, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1977 geborene A.________ konnte ihren erlernten Beruf als ... auf-
grund eines chronischen Lumbovertebralsyndroms ab März 1997 nicht 
mehr ausüben und wurde auf Anmeldung vom 29. April 1997 (Akten der IV-
Stelle Bern [IVB; act. II] 5.1 S. 30 ff.) hin – nach Vornahme der üblichen 
medizinischen und erwerblichen Abklärungen – zu Lasten der Invalidenver-
sicherung zur ... umgeschult (Verfügung vom 8. Oktober 1999; act. II 5.1 S. 
2 f.); nach erfolgreichem Abschluss fand sie eine entsprechende Arbeits-
stelle, worauf die IVB am 23. August 2000 verfügungsweise feststellte, 
dass die Versicherte rentenausschliessend eingegliedert sei (act. II 8). 

Ein im Jahr 2002 wegen verstärkten Rücken- und Kopfschmerzen sowie 
erhöhter Müdigkeit erneut gestelltes Gesuch um berufliche Massnahmen 
wies die IVB – nachdem die Versicherte eine Stelle bei der ... als ... ange-
treten hatte und deshalb als angemessen eingegliedert betrachtet worden 
war – mit Verfügung vom 28. Mai 2004 ab (act. II 21). 

Ab 6. Januar 2006 führte die Versicherte die Einsätze bei der ... nicht weiter 
aus und meldete sich am 12. Januar 2006 wiederum zum Leistungsbezug 
(Berufsberatung, Umschulung und Arbeitsvermittlung) an; als gesundheitli-
che Beeinträchtigungen gab sie einen Morbus Bechterew, eine Beckenver-
schiebung sowie ein Hohlkreuz an (act. II 24). Nach entsprechenden Ab-
klärungen gewährte die IVB mit Verfügung vom 2. Juni 2006 Berufsbera-
tung und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen (act. II 39) 
und erteilte Kostengutsprache für eine berufliche Grundabklärung in der 
Abklärungsstelle H.________ für die Zeit vom 27. Februar bis 26. August 
2007 (act. II 67, 75), an welche sich ein berufsspezifisches Praktikum als ... 
in derselben Institution anschloss (act. II 80). Aufgrund der daherigen Er-
gebnisse sprach die IVB der Versicherten eine Umschulung zur ... in Form 
eines vom 1. September 2007 bis 31. Juli 2008 dauernden Praktikums un-
ter Ausrichtung eines Taggeldes zu (act. II 83). Am 1. Februar 2008 wurde 
diese Umschulung abgebrochen, nachdem die Versicherte zu 100% ar-
beitsunfähig geschrieben worden war. Daraufhin liess die IVB die Versi-

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cherte auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; act. II 96 S. 
3) interdisziplinär begutachten (act. II 104, 105). 

Gestützt auf diese Unterlagen wies die IVB das Rentenbegehren – nach 
Durchführung des Vorbescheidverfahrens (act. II 127) – bei einem ermittel-
ten Invaliditätsgrad von 26% mit Verfügung vom 27. Januar 2010 (act. II 
143) ab. 

Die hiergegen am 4. März 2010 erhobene Beschwerde (act. II 147 S. 3 ff.) 
hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, sozialversicherungsrecht-
liche Abteilung, mit Urteil vom 12. Januar 2011, IV/2010/283 (act. II 180), 
insofern gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache 
zwecks Vornahme weiterer Abklärungen sowie anschliessender Neuverfü-
gung über den Leistungsanspruch an die Verwaltung zurückwies. Das Ge-
richt erwog, dass der medizinische Sachverhalt in somatischer Hinsicht 
grundsätzlich hinreichend, in psychiatrischer Hinsicht dagegen – mit Aus-
nahme der Diagnostik – unvollständig abgeklärt sei. Die IVB wurde deshalb 
angewiesen, eine neue psychiatrische oder – sollte sich in somatischer 
Hinsicht in der Zwischenzeit eine Veränderung ergeben haben – eine inter-
disziplinäre Begutachtung zu veranlassen. 

Das vom 10. Januar bis 10. Juli 2011 vorgesehene IM-Aufbautraining in der 
K.________, … (vgl. act. II 176), konnte nach einer Standortbestimmung 
am 10. März 2011 aufgrund des Gesundheitszustandes nicht weitergeführt 
werden (act. II 189, 190).

B.

Zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhaltes holte die IVB in 
der Folge Berichte des behandelnden Psychiaters, Dr. med. C.________, 
FMH Kinder- und Jugendpsychiatrie und –Psychotherapie (act. II 193) so-
wie der Hausärztin, Dr. med. D.________, Praktische Ärztin FMH (act. II 
194) ein und liess den RAD, Dr. med. E.________, FMH Innere Medizin, 
hierzu im Hinblick auf allfällige weitere Massnahmen Stellung nehmen (act. 
II 195). Auf dessen Empfehlung veranlasste die IVB eine psychiatrische 
Begutachtung durch Dr. med. F.________, FMH Psychiatrie und Psycho-

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therapie; das Gutachten wurde am 11. November 2011 erstattet (act. II 
199.1). Ferner gingen der IVB Berichte über z.T. stationäre augenärztliche 
Behandlungen (act. II 200) sowie eine operativ angegangene Rückenpro-
blematik (act. II 204 S. 2 – 4) zu. Der RAD-Arzt Dr. med. E.________ emp-
fahl deshalb, ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen, sobald sich der 
Gesundheitszustand nach der erst kürzlich erfolgten letzten Operation sta-
bilisiert habe; der Verlauf sollte zwischenzeitlich durch entsprechende Be-
richte dokumentiert werden (act. II 206 S. 2). 

In der Folge holte die IVB Berichte der behandelnden Ärzte (act. II 208, 
210, 211, 212) ein und liess die Versicherte auf Empfehlung des RAD-
Arztes Dr. med. E.________ (act. II 213 S. 3 f.) polydisziplinär begutachten 
(act. II 217). Das Gutachten der MEDAS (act. II 224.1) samt den Teilgut-
achten (act. II 224.2 bis 224.4) ging am 28. Mai 2013 bei der IVB ein. 

Gestützt hierauf wurde ein Invaliditätsgrad von 31% ermittelt und der Versi-
cherten mit Vorbescheid vom 5. September 2013 die Abweisung des Ren-
tenbegehrens in Aussicht (act. II 225) gestellt; die IVB verfügte – nachdem 
sie den RAD zu den am 7. Oktober 2013 vom Rechtsvertreter, Rechtsan-
walt B.________, erhobenen Einwänden (act. II 228) hatte Stellung neh-
men lassen (act. II 231) – am 22. August 2014 entsprechend dem Vorbe-
scheid (act. II 232). 

C.

Hiergegen lässt die Versicherte, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, am 24. September 2014 Beschwerde erheben mit den Anträ-
gen, die Verfügung vom 22. August 2014 sei aufzuheben und der Be-
schwerdeführerin sei mit Wirkung ab Januar 2009 eine ganze IV-Rente 
auszurichten. Gerügt wird im Wesentlichen, dass das MEDAS-Gutachten 
hinsichtlich des beschriebenen Fähigkeits- und Ressourcenprofils insbe-
sondere hinsichtlich der psychischen Situation insofern nicht schlüssig sei, 
als zwar eine Vielzahl von Einschränkungen benannt, diese indessen nicht 
als derart ausgeprägt beurteilt würden, um nicht willentlich überwindbar zu 
sein. Dagegen sprächen die bisherigen Arbeitsversuche der Beschwerde-
führerin, mit denen sich die Gutachter nicht auseinandergesetzt hätten. 

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Zudem lägen bei der Beschwerdeführerin weitere somatische Einschrän-
kungen vor, deren Schmerzintensität gemäss Gutachten auffällig und so-
matisch nicht gänzlich erklärbar – und damit mindestens teilweise erklärbar 
– sei, sowie faktische Einäugigkeit bei bestehender starker Myopie. Unter 
diesen Umständen sei das von den MEDAS-Gutachtern definierte Leis-
tungsprofil insgesamt derart eingeschränkt, dass keine realistisch zumutba-
re Verweisungstätigkeit erkennbar wäre. Bis auf weiteres müsse davon 
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in einem geschützten 
Rahmen arbeiten, nicht aber im ersten Arbeitsmarkt bestehen könne.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2014 beantragt die IVB die 
Abweisung der Beschwerde. 

Die in der Beschwerde in Aussicht gestellten ärztlichen Berichte stellte der 
Rechtsvertreter dem Gericht am 5. Februar 2015 samt einer Stellungnah-
me zu; die gestellten Rechtsbegehren wurden darin bestätigt. 

In ihrer Stellungnahme vom 3. März 2015 hielt die Beschwerdegegnerin am 
bisher vertretenen Standpunkt fest. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 

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zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 22. August 2014 (act. II 
232). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 

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ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2007 IV Nr. 47 S. 154 E. 2.4).

Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versicherten Person trotz ihres 
Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr 
nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu 
verwerten, und ob dies für die Gesellschaft tragbar ist. Dies ist nach einem 
weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 
S. 281).

2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente. 

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-

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tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das 
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab-
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

3.

3.1 Die rentenablehnende Verfügung vom 27. Januar 2010 stützte die 
IVB schwergewichtig auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. med. 
F.________ und G.________ vom Juni/Juli 2008. Darin wurden in somati-
scher Hinsicht ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit rezidivierender 
pseudoradikulärer Ausstrahlung links (mit/bei neurologisch Verdacht auf 
leichte Quadricepsschwäche links, nicht zuzuordnende Sensibilitätsstörung 
linke untere Extremität sowie ISG-Druck- und Dehnungsschmerz links und 
radiologisch/neuroradiologisch leichte Fehlhaltung sowie degenerative Ver-
änderungen der unteren LWS mit flachen Discushernien L3/4 dorsomedian 
und L4/5 foraminal ohne Neurokompression) und in psychiatrischer Hin-
sicht eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode 
(ICD-10: F33.0), Probleme mit der Partnerschaft (ICD-10: Z63) sowie fi-
nanzielle Probleme (ICD-10: Z59) diagnostiziert. Die interdisziplinäre Ge-
samtbeurteilung ergab, dass unter Berücksichtigung der psychiatrischen 
und neurochirurgischen Befunde vorerst von einer Restarbeitsfähigkeit von 
80% für eine leichte Tätigkeit ausgegangen werden könne, eine endgültige 

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Beurteilung dagegen erst in zwei bis drei Monaten möglich sei. Im Urteil 
vom 12. Januar 2011 stellte das Verwaltungsgericht fest, dass die gutach-
terlichen Diagnosen (unbestritten) mit denjenigen der anderen Arztberichte 
übereinstimmten und die interdisziplinäre Beurteilung der Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit durch die Dres. med. F.________ und G.________ den 
höchstrichterlichen Anforderungen an ein voll beweiskräftiges Gutachten 
erfüllten. In psychiatrischer Hinsicht liege indessen – mit Ausnahme der 
Diagnostik – ein hinsichtlich der – während laufenden Therapiemassnah-
men zwischen zwei Klinikaufenthalten vorgenommenen – Einschätzung der 
durch das psychische Leiden bedingten Beeinträchtigung der Arbeitsfähig-
keit unvollständig abgeklärter Sachverhalt vor. Insbesondere habe die Ent-
wicklung nach der interdisziplinären Begutachtung gezeigt, dass sich der 
tatsächliche Verlauf nicht mit dem Erwarteten gedeckt habe. Die Sache 
wurde deshalb zur Veranlassung einer neuen psychiatrischen oder – sollte 
sich in somatischer Hinsicht in der Zwischenzeit eine Veränderung ergeben 
haben – einer interdisziplinären Begutachtung zurückgewiesen (vgl. act. II 
180 S. 17 ff.). 

3.2 Das in der Folge angeordnete interdisziplinäre Gutachten der ME-
DAS unter Beteiligung der Fachdisziplinen Neurologie, Ophthalmologie, 
Neurochirurgie, Rheumatologie, Allgemeinmedizin, Psychiatrie und Or-
thopädie wurde am 17. Mai 2013 erstattet. 

Mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (aus allen Fachgebieten) wurden darin 
ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links (bei Osteo-
chondrose L3 - L5 mit flacher Diskushernie L 3/4 und L 4/5 dorsomedian 
ohne Neurokompression, extraforaminale Diskushernie L 4/5 mit möglicher 
Wurzelreizung L 4 links – derzeit neurologisch kein radikuläres Defizit –, 
geringe linkskonvexe Skoliose der LWS, spondylogene Periarthropathia 
coxae links, funktionelle Störung des linken Iliosakralgelenkes), ein chro-
nisch wiederkehrendes Zervikobrachialsyndrom rechts (bei degenerativen 
HWS-Veränderungen und St. n. Bandscheibenoperation C 5/6 mit Bryan-
Prothesenimplantation Mai 2012 mit korrektem postoperativem Befund und 
ohne Neurokompression, persistierende Restbeschwerden ohne klinischen 
Hinweis auf radikuläre Symptomatik), ein St. n. 4 retinalen Eingriffen bei 
Amotio retinae und Makulaforamen 8.11.12, Hyperphorie und Exophorie 

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sowie eine Myopia media diagnostiziert. Ohne Relevanz für die Arbeits-
fähigkeit bestünden Vorfussbeschwerden beidseits zufolge Fussdeformität, 
Genu varum rechts, beginnende Gonarthrose beidseits, Z. n. vorderer 
Kreuzbandersatzoperation linkes Knie, Spreizfuss beidseits, episodische 
Migräne mit Aura, teilweise Spannungskopfschmerzen, Angst und depres-
sive Störung gemischt (ICD-10: F41.2), Primärpersönlichkeit mit ängstlich-
unsicheren, asthenischen und abhängigen und dependenten Anteilen (kei-
ne Krankheitswertigkeit) sowie sonstige Probleme in der primären Bezugs-
gruppe und sonstige belastenden Lebensumstände (ICD-10: Z63.5, Z63.7). 
Die Tätigkeit als ... sei körperlich zu belastend und somit nicht zumutbar; 
die körperliche Belastung in der Tätigkeit als ... sei nur insofern zumutbar, 
als keine Gewichte über 8 kg gehoben werden müssten und die notwendi-
gen rückendisziplinarischen Massnahmen (Wechselbelastung der Wir-
belsäule, keine Zwangshaltung in vorgebeugter Arbeitsstellung) eingehal-
ten werden könnten. Eine Verweistätigkeit sei unter Einhaltung des Fähig-
keits- und Ressourcen-Profils mit einer normalen Präsenzzeit am Arbeits-
platz ohne relevante Leistungsminderung medizinisch-theoretisch möglich. 

3.3

3.3.1 Das Gutachten der MEDAS vom 17. Mai 2013 erfüllt die nach der 
geltenden höchstrichterlichen Rechtsprechung an eine Expertise gestellten 
Anforderungen. Es ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf ein-
lässlichen Untersuchungen in allen betroffenen Fachdisziplinen und wurde 
in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Es überzeugt  auch inhaltlich, indem 
es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und der Beurtei-
lung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen 
nachvollziehbar begründet sind (vgl. E. 2.4 hiervor). Dem Gutachten kommt 
deshalb voller Beweiswert zu.

Insbesondere haben die Gutachter die bestehenden medizinischen Unter-
lagen ausführlich diskutiert und die darin enthaltenen Aussagen eingehend 
gewürdigt. Das Gutachten enthält zudem eine Beurteilung der Arbeitsfähig-
keit rückwirkend ab 2006 und damit für den gesamten hier massgebenden 
Überprüfungszeitraum. 

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3.3.2 Die von der Beschwerdeführerin nachträglich eingereichten Arztbe-
richte der Klinik I.________ vom 1. Mai 2013 (Beschwerdebeilage [act.I] 4) 
sowie der Psychiatrischen Dienste J.________ vom 13. Januar 2014 (act. I 
3) vermögen daran nichts zu ändern. Insbesondere führen diese Berichte 
nicht dazu, dass für die Zeit ab dem Eintritt zur stationären Behandlung in 
die Klinik I.________ (18. Januar 2013) bis zu dem für den Entscheid   
massgeblichen Zeitpunkt des Erlasses der hier angefochtenen Verfügung 
vom 22. August 2014 (BGE 130 V 138 E. 2.1 S. 140) von der Beurteilung 
gemäss Gutachten der MEDAS abzuweichen wäre. In diesem Zusammen-
hang hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 3. März 
2015 zutreffend darauf hingewiesen, dass den genannten Berichten – 
nachdem von den behandelnden Ärzten bereits in früheren Jahren mittel- 
bis schwergradige rezidivierende depressive Störungen diagnostiziert wor-
den seien – keine neuen Erkenntnisse zu entnehmen seien, zumal nach 
Angaben der Klinik I.________ Auslöser der aktuellen Symptomatik eine – 
invalidenversicherungsrechtlich nicht relevante – Reaktion auf die Neuab-
klärung der IV-Rente gewesen sei. Ferner ist – wie die IVB ebenfalls kor-
rekt ausgeführt hat – nicht nachvollziehbar, dass die ab 18. Januar 2013 
von der Klinik I.________ beschriebene völlige psychische Dekompensati-
on anlässlich der am 10. Januar 2013 (also nur wenige Tage vor dem ge-
planten Klinikeintritt) durchgeführten psychiatrischen Teilbegutachtung (act. 
II 224.1 S. 33 ff.) und der am 22. Januar 2013 (mithin während der statio-
nären Behandlung) vorgenommenen orthopädischen Teilbegutachtung 
nicht erkennbar gewesen sein sollte. Jedenfalls enthalten die gutachterli-
chen Ausführungen keinen Hinweis auf eine verschlechterte psychische 
Situation und auch die Beschwerdeführerin hat im Zuge der genannten 
gutachterlichen Untersuchungen keine entsprechenden Bemerkungen ge-
macht. Die von der Klinik I.________ im Austrittsbericht vom 1. Mai 2013 
beschriebene suizidale Krise vom 26. Februar 2013 lässt ebenfalls keinen 
anderen Schluss zu; auszugehen ist davon, dass diese Krise bloss vorü-
bergehend war, nachdem im Psychostatus bei Klinikaustritt (act. I 4 S. 4) 
wie auch im Eintrittsstatus der Psychiatrischen Dienste J.________ (act. I 3 
S. 3) ausdrücklich eine klare und glaubhafte Distanzierung von Selbst- und 
Fremdgefährdung erwähnt wurde. 

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Unter den gegebenen Umständen hat das Gericht keinen Zweifel an der 
Schlüssigkeit des Gutachtens der MEDAS vom 17. Mai 2013, welches 
überdies für die gesamte zur Beurteilung stehende Zeitspanne ein nach 
den verschiedenen medizinischen Aspekten differenziertes und ausführli-
ches Zumutbarkeitsprofil definiert. Es ist mithin nicht zu beanstanden, wenn 
die IVB für die Beurteilung der Invalidität von der darin enthaltenen medizi-
nisch-theoretischen Arbeits- und Leistungsfähigkeit ausgegangen ist.

3.3.3 Soweit ferner in der Beschwerde geltend gemacht wird, das von den 
Gutachtern der MEDAS formulierte Leistungsprofil sei insgesamt derart 
eingeschränkt, dass keine Verweisungstätigkeiten erkennbar seien, die der 
Beschwerdeführerin zumutbar wären, kann dem nicht gefolgt werden: Mit 
Blick auf ähnlich gelagerte Fälle können die Anforderungen an eine zumut-
bare Arbeitsgelegenheit vorliegend nicht als dermassen restriktiv betrachtet 
werden, dass solche Tätigkeiten nur unter nicht realistischem Entgegen-
kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers denkbar wären und das 
Finden einer entsprechenden Stelle von vornherein als ausgeschlossen 
erschiene (SVR 2011 IV Nr. 6 S. 18 E. 4.2.4). Auszugehen ist vielmehr 
davon, dass im massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt, der gekenn-
zeichnet ist durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und 
Nachfrage nach Arbeitskräften und einen Fächer verschiedenster Tätigkei-
ten aufweist und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen 
und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen 
Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 320 E. 3b), Stellen 
mit dem hier geltenden Zumutbarkeitsprofil verfügbar sind. 

3.3.4 Wenn die Beschwerdeführerin schliesslich geltend macht, sie könne 
lediglich noch in geschütztem Rahmen arbeiten, kann dem nicht gefolgt 
werden. Es trifft zwar zu, dass sie in der Vergangenheit nicht mehr im ers-
ten Arbeitsmarkt gearbeitet hat und auch aktuell auf einen geschützten 
Arbeitsplatz ausgerichtet scheint (act. I 3 S. 4 unten); dies lässt sich indes-
sen – worauf auch in der Beschwerdeantwort zu Recht hingewiesen wird – 
nach dem gutachterlich formulierten und schlüssigen Zumutbarkeitsprofil 
aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehen. Aus diesem Grund ist letzt-
lich auch die Beurteilung im Bericht der K.________ vom 17. März 2010 zu 
relativieren, zumal danach die Steigerung des Arbeitspensums nicht zuletzt 

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zufolge der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, sie habe mit ei-
nem halben Pensum die Grenzen ihrer physischen und psychischen Be-
lastbarkeit erreicht, scheiterte. Die damals vom behandelnden Arzt, 
Dr. med. C.________, befürwortete medizinische Neubeurteilung liegt zwi-
schenzeitlich in Form des polydisziplinären Gutachtens der MEDAS vom 
17. Mai 2013 vor; dieses ergab eine nachvollziehbare medizinisch-
theoretische Beurteilung, auf die – wie oben ausgeführt – abzustellen ist. 

3.4 Ausgehend von den oben genannten medizinischen Grundlagen hat 
die IVB die Invalidität bemessen. Hinsichtlich des Valideneinkommens ist 
sie dabei – wie bereits in der Verfügung vom 27. Januar 2010 – von den 
Angaben des ehemaligen Arbeitgebers für das Jahr 2006 ausgegangen 
(act. II 31) und hat das ausgewiesene Einkommen auf das nunmehr mass-
gebende Jahr 2012 indexiert, sich belaufend auf Fr. 66‘136.—. Dieser Wert 
ist unbestritten geblieben und auch nicht zu beanstanden

Das Invalideneinkommen hat die IVB, nachdem die Beschwerdeführerin 
keine ihr zumutbare Tätigkeit aufgenommen hat, anhand von Tabellenlöh-
nen gemäss den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstruk-
turerhebungen (LSE) festgelegt (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2014 
IV Nr. 37 S. 133 E. 7.1). Dabei hat sie korrekt den durchschnittlichen mo-
natlichen Bruttolohn („Total“) für Frauen bei einfachen und repetitiven 
Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor herangezogen (SVR 
2002 UV Nr. 15 S. 50 E. 3c cc). Der Betrag pro 2006 von Fr. 4‘019.— wur-
de – wie beim Valideneinkommen – auf das Jahr 2012 indexiert und auf die 
durchschnittliche Wochenarbeitszeit (41.7 Stunden) umgerechnet; unter 
Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges vom Tabellenlohn von 
15% ergab sich ein Betrag von Fr. 45‘720.—. Auch dieser Wert wurde nicht 
bestritten und erweist sich als rechtens. Aus den so festgelegten Ver-
gleichseinkommen resultiert ein Invaliditätsgrad von 31%. 

Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtmässig, die dage-
gen erhobene Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

4.

4.1 Abweichend von Art. 61 lit. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren 
bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2015, IV/14/906, Seite 14

Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig 
(Art. 69 Abs. 1bis IVG). 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.—, zu tragen. 
Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnom-
men.

4.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g 
ATSG). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.— werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem in gleicher Höhe geleisteten Kosten-
vorschuss entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Fürsprecher B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2015, IV/14/906, Seite 15

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.