# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d8d56360-2dc0-570f-a92e-84f6d90a46fe
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.12.2011 D-6657/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6657-2011_2011-12-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-6657/2011/sps 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  D e z e m b e r  2 0 11  

Besetzung 

 
Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 

mit Zustimmung von Richter Walter Lang; 

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   Parteien 
 

A.________ geboren am (…), und deren Kind B._______, 

geboren am (…) 

Vietnam,  

(…),   

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz 

 

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin);  

Verfügung des BFM vom 28. November 2011 / N________ 

 

 

D-6657/2011 

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Das Bundesverwaltungsgericht, 

 

in Anwendung 

 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), 

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-

verfahren (VwVG, SR 172.021), 

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-

gericht (VGG, SR 173.32), 

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht 

(BGG, SR 173.110), 

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-

nen und Ausländer (AuG, SR 142.20), 

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-

rechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvent ion 

[EMRK, SR 0.101]), 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-

linge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), 

des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen 

Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kri-

terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 

Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten 

Asylantrags (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, SR 

0.142.392.68]), 

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 

zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehöri-

gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-

II-VO), 

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der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom                   

2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO 

(DVO Dublin), 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-

digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), 

 

stellt fest und erwägt, 

dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind am 14. Oktober 2011 in der 

Schweiz um Asyl nachsuchten, 

dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der summarischen Befragung 

vom 26. Oktober 2011 im C.________ unter anderem angab, 2005 ihren 

Heimatstaat verlassen und nach einem einmonatigen Aufenthalt in Russ-

land in der Slowakei gelebt und dort insgesamt neun Asylgesuche einge-

reicht zu haben (vgl. BFM-Protokoll A8  S. 7), 

dass diese abgelehnt worden seien und sie auch in Österreich zweimal 

erfolglos um Asyl ersucht habe (vgl. A8 S. 7), 

dass das BFM gestützt auf diese Aussagen und die entsprechenden Eu-

rodac-Treffer der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu einer 

Wegweisung nach der Slowakei und nach Österreich gewährte (vgl. A8  

S. 12), 

dass diese angab, sie akzeptiere, was die Behörde entscheide, indessen 

habe sie den Wunsch, in der Schweiz ihr Kind gebären und ihre Tuberku-

loseerkrankung behandeln lassen zu können (vgl. A8 S. 13), 

dass das BFM am 11. November 2011 in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 

Bst. e Dublin-II-VO die slowakischen Behörden um Rückübernahme der 

Beschwerdeführerin und ihres Kindes ersuchte (vgl. A16), 

dass die slowakischen Behörden am 25. November 2011 der Rücküber-

nahme zustimmten (vgl. A18),  

dass das BFM mit – am 6. Dezember 2011 eröffneter – Verfügung vom 

28. November 2011 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf 

die Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom 14. Oktober 2011 

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nicht eintrat und die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der 

Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach der Slowakei 

anordnete, wobei die Überstellung – vorbehältlich einer allfälligen 

Unterbrechung oder Verlängerung (Art. 19f Dublin-II-VO) – bis 

spätestens am 25. Mai 2012 zu erfolgen habe, 

dass gleichzeitig festgestellt wurde, einer allfälligen Beschwerde kom-

me keine aufschiebende Wirkung zu (Art. 107a AsylG), 

dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 9. Dezember 2011 an 

das Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Beschwerde 

erhoben und in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem darum 

ersuchten, es sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der 

Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei die 

unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu 

gewähren, 

dass in der Beschwerde unter anderem geltend gemacht wurde, beim in 

der Slowakei lebenden Ehemann der Beschwerdeführerin handle es sich 

um ein Mitglied der Mafia und die Beschwerdeführerin sei aus Furcht vor 

ihm in die Schweiz geflüchtet, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 13. Dezember 2011 beim Bundes-

verwaltungsgericht eintrafen, 

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-

gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet des Asyls 

entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(Art.105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde, die Be-

schwerdeführenden durch die angefochtene Verfügung besonders 

berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der 

Beschwerde legitimiert sind (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG), 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 

AsylG), 

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dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 

das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu 

überprüfen (Art. 32-35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-

schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die 

Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-

scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen 

Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 

neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-

gen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer 

zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), 

dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche 

handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 

begründen ist (vgl. Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-

suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-

führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zu-

ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass die Vorinstanz gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO zu 

Recht die Slowakei als zuständig für die Behandlung der Asylverfahren 

der Beschwerdeführenden erachtet hat, 

dass in der Beschwerde vorgebracht wird, das BFM habe die Slowakei 

– wo die Beschwerdeführerenden ihr letztes Asylgesuch eingereicht 

hatten – zu Unrecht als zuständig erachte, da gemäss der Dublin-

Verordnung das Land zuständig sei, in welchem der Asylsuchende 

zuerst in Europa angekommen sei, 

dass dieser Einwand indessen in mehrfacher Hinsicht fehl geht, 

zunächst einmal weil die behauptete Zuständigkeitsregel der Dublin-II-

VO in dieser vereinfachten Form nicht zutrifft, zum anderen weil es 

sich im vorliegenden Fall nicht um die erstmalige Bestimmung des zu-

ständigen Staates (Übernahme), sondern um eine Rückübernahme 

durch den Staat handelt, der bereits ein Asylverfahren mit negativem 

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Ausgang durchgeführt hat (Art. 16 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 20 Dublin-II-

VO), und schliesslich deshalb, weil die slowakischen Behörden dem 

Ersuchen der Schweizer Behörden um Rückübernahme ausdrücklich 

zustimmten, weshalb das Recht der Beschwerdeführenden auf Be-

handlung ihres Asylgesuchs nicht tangiert wird und sie die zwischen-

staatlich festgelegte Zuständigkeit daher nicht mehr in Frage stellen 

können (vgl. BVGE 2010/27, E. 6.4 ff., insb. 7.1),  

dass die Slowakei Signarstaat der FK und der EMRK ist und keine 

konkreten Anhaltspunkte vorliegen, wonach sich die Sloawakei nicht 

an die daraus resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtungen hält,  

dass die Beschwerdeführerin ohne Grund erstmals auf Beschwerde-

ebene geltend macht, bei ihrem in der Slowakei lebenden gewalt-

tätigen Ehemann handle es sich um ein Mitglied der Mafia und sie sei 

aus Furcht vor ihm in die Schweiz geflüchtet, 

dass daher begründete Zweifel an diesem Vorbringen bestehen, 

indessen unabhängig von dessen Glaubhaftigkeit mangels gegen-

teiliger konkreter Anhaltspunkte von der Schutzfähigkeit und –willigkeit 

der slowakischen Behörden auszugehen ist, 

dass im Weiteren mit dem BFM festzustellen ist, dass das Vorliegen 

einer Tuberkuloseerkrankung bei der Beschwerdeführerin im Rahmen 

der medizinischen Eintrittsabklärungen nicht diagnostiziert wurde, 

dass die Slowakei ohnehin über ausreichende medizinische 

Infrastrukturen verfügt, um eine allenfalls notwendige Behandlung zu 

gewährleisten,  

dass dies auch bezüglich der bestehenden Schwangerschaft der 

Beschwerdeführerin im sechsten Monat gilt, 

dass es vorliegend den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine 

einzelfallspezifische besondere Verletzlichkeit nachzuweisen, aufgrund 

derer geschlossen werden könnte, ihnen drohe in der Slowakei eine un-

menschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, 

dass zusammenfassend festzustellen ist, dass einer Überstellung der Be-

schwerdeführenden nach der Slowakei weder völkerrechtliche Verpflich-

tungen der Schweiz noch humanitäre Gründe entgegenstehen, weshalb 

die Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) nicht zur Anwendung 

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gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 

Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, 

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-

sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs.1 AsylG), vorliegend 

der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-

spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), 

weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen 

Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht ange-

ordnet wurde, 

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-

stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-

gen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-

nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 AuG, 

dass eine entsprechende Prüfung – soweit notwendig – vielmehr be-

reits im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vor-

stehende Erwägungen), 

dass in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung 

nach der Slowakei zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich 

erachtete, 

dass die Beschwerdeführenden demnach nicht darzutun vermögen, 

inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den 

rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt 

oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde 

abzuweisen ist, 

dass mit Ergehen des vorliegenden Urteils der mit der Beschwerde 

gestellte Antrag auf Erteilen der aufschiebenden Wirkung der 

Beschwerde gegenstandslos wird, 

dass die eingereichte Beschwerde als aussichtslos erschien, weshalb 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.- (Art. 

2 und 3 VGKE) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 

Abs. 1 VwVG).  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 

Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

 

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli 

 

 

 

 

Versand: