# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** acedaee2-9074-5a85-b2d1-b8fbe8fe565e
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-19
**Language:** de
**Title:** Nachträgliche Baubewilligung für einen Zwergziegenstall in der Wohnzone.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0072/2014
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iv_nr._0072-2014_vom_19._juni_2014.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
4. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE IV Nr. 

R4.2013.00155 
0072/2014 

Entscheid vom 19. Juni 2014 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichter Urs Hany, Baurichterin Margrit 
Manser, Gerichtsschreiberin Nicole Herzig     

in Sachen 

Rekurrentin 

S. N., [….]  

gegen 

Rekursgegner 

1.  Gemeinderat X, [….]  
2.  R. U., [….]  

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss  vom  19.  August  2013;  Nachträgliche  Baubewilli-
gung für Zwergziegenstall 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 19. August 2013 erteilte der Bauvorstand der Gemeinde 

X R. U. die nachträgliche baurechtliche Bewilligung für einen Zwergziegen-

stall. 

B. 

Hiergegen wandte sich S. N. mit Rekursschrift vom 20. Dezember 2013 an 

das  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  und  beantragte  die  Aufhebung 

des  angefochtenen  Entscheides  und  die  Rückweisung  der  Angelegenheit 

an  die  Vorinstanz  zur Neubeurteilung;  unter Kosten- und Entschädigungs-

folgen zulasten der Rekursgegnerschaft. 

C. 

Mit  Verfügung  vom  7. Januar  2014  wurde  vom  Rekurseingang  Vormerk 

genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

Der  private  Rekursgegner  beantragte  mit  Rekursantwort  vom  3. Februar 

2014  sinngemäss  die  Abweisung  des  Rekurses.  Ebenso  schloss  die  Vor-

instanz  mit  Stellungnahme  vom  10. Februar  2014  auf  Abweisung  des  Re-

kurses. 

D. 

Mit Replik vom 6. März 2014 hielt die Rekurrentin an ihren Anträgen fest. 

Der private Rekursgegner hielt mit Duplik vom 25. März 2014 ebenfalls an 

seinen Anträgen fest. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Duplik. 

E. 

Auf  die  Parteivorbringen  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  nachste-

henden Erwägungen Bezug genommen. 

R4.2013.00155 

Seite 2 

 
 
Es kommt in Betracht: 

1. 

Das Baugrundstück befindet sich in der Wohnzone 2 50 % und ist im östli-

chen Teil mit dem südlichsten von vier Reiheneinfamilienhäusern überstellt. 

Im  westlichen  Teil  des  Grundstückes  befinden  sich  ein  Zwergziegenstall 

mit  Auslauf  und  ein  sogenanntes  Mehrzweckgebäude.  Der  Ziegenstall 

wurde  mit  dem  angefochtenen  Entscheid  im  Anzeigeverfahren  bewilligt, 

wobei  eine  Einverständniserklärung  der  benachbarten  Grundeigentümer 

[….] vorlag.  

2. 
Die Rekurrentin ist seit dem 23. Oktober 2013 Eigentümerin der direkt be-

nachbarten Parzelle Y. Von ihr oder von ihrer Rechtsvorgängerschaft liegt 

keine  Einverständniserklärung  vor.  Als  direkte  Nachbarin  ist  sie  mehr  als 

ein  beliebiger  Dritter  von  der  Ziegenhaltung  betroffen  und  angesichts  der 

gerügten  Beeinträchtigungen  (insbesondere  Immissionen)  im  Sinne  von 

§ 338a  Abs. 1  des  Planungs-  und  Baugesetzes  (PBG)  zum  Rekurs  legiti-

miert.  Der  Entscheid  wurde  der  Rekurrentin  auf  Gesuch  hin  am 

18. Dezember  2013  eröffnet,  womit  von  der  Rechtzeitigkeit  der  Rekurs-

erhebung auszugehen und auf den Rekurs einzutreten ist.  

3. 

Die  Rekurrentin  macht  geltend,  der  Ziegenstall  hätte  nicht  im  Anzeigever-

fahren durch den Bauvorstand beurteilt werden dürfen. Vielmehr sei ein or-

dentliches Verfahren durchzuführen, bei dem der Ziegenstall mitsamt Aus-

lauf und Mehrzweckgebäude beurteilt würde. Zudem sei neben der Bewilli-

gungsfähigkeit  des  Stallgebäudes  an  sich  auch  die  Frage  der  Auswirkun-

gen  der  Ziegenhaltung  auf  die  Umwelt  zu  prüfen.  Es  sei  sicherzustellen, 

dass  durch  eine  Hobbytierhaltung  erzeugte  Lärm-  und  Geruchsimmissio-

nen  die  Wohnqualität  der Nachbarn nicht massgeblich einschränkten. Da-

bei  sei  zu  beachten,  dass  der  Standort  mitten  in  einer  engen  Reihenein-

familienhaussiedlung  gelegen  sei.  Schliesslich  erlange  die  Anlage  auch 

keine befriedigende Einordnung in ihre Umgebung.  

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Seite 3 

 
 
4. 

Die  Vorinstanz  hielt  im  angefochtenen  Entscheid  fest,  die  Erstellung  des 

Zwergziegenstalls werde in zustimmendem Sinne zur Kenntnis genommen. 

Der (bereits vorgenommenen) Ausführung stehe in baurechtlicher Hinsicht 

nichts  entgegen.  Auflagen  wurden  lediglich  in  Bezug  auf die Dachentwäs-

serung und die Gebäudeversicherung statuiert.  

Vernehmlassungsweise  bringt  die  Vorinstanz  vor,  der  Stall  halte  mit  einer 

Grundfläche von 3.04 m x 1.84 m und einer Höhe von 1.90 m die Massvor-

schriften  für  Gartenhäuser  und  Schöpfe  gemäss  § 18  Abs. 1  BBV II  deut-

lich ein. Da es sich um einen Grenzbau handle, sei die Zustimmung der be-

troffenen Grundeigentümer zum Näherbau überprüft worden. Da diese er-

teilt worden sei und auch sonst nie Reklamationen betreffend die seit Jah-

ren  bestehende  Zwergziegenhaltung  eingegangen  seien,  sei  diese  auch 

umweltschutzrechtlich  als  wohnzonenkonforme  Hobbytierhaltung  beurteilt 
worden.  

5. 

Der  private  Rekursgegner  erklärt,  seit  dem  Jahre  2002  Zwergziegen  auf 

dem Grundstück zu halten. Der umstrittene Stall sei im Jahre 2007 erstellt 

worden.  Es  würden  in  der  Anlage  zwei  Zwergziegen  und  fünf  Kaninchen 

gehalten. Die Tiere seien im Quartier integriert und es habe nie Beschwer-

den gegeben. Zudem würden die Tiere nachts im Stall untergebracht.  

6. 

Gemäss Art. 22 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes (RPG) dürfen Bauten 

und Anlagen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet werden. Neben den 

eigentlichen  Bauten  im  alltagssprachlichen  Sinne  können  auch  andere 

Massnahmen  bewilligungspflichtig  sein.  Ob  eine  Massnahme  dem  Bewilli-

gungsverfahren  zu  unterwerfen  ist,  beurteilt  sich  letztlich  danach,  ob  mit 

dieser  so  wichtige  räumliche  Folgen  verbunden  sind,  dass  das  Interesse 

der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle zu be-

jahen  ist.  Der  Bewilligungspflicht  unterstehen  damit  namentlich  auch  Nut-

zungsänderungen,  die  nicht  mit  baulichen  Massnahmen  verbunden  sind, 

sofern  sie  erhebliche  Auswirkungen  zeitigen  und  damit  als  raumrelevant 

einzustufen sind (vgl. zum Ganzen BGE 113 Ib 222 ff., E. 3a). 

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Die umstrittene Ziegenhaltung wurde vor rund zwölf Jahren aufgenommen, 

die derzeit bestehenden Bauten im Jahre 2007 erstellt. Eine Ziegenhaltung 

ist  grundsätzlich  geeignet, die Interessen der Nachbarn zu tangieren. Ent-

sprechend  war  unbesehen  der  Grösse  der  Stallbaute  ein  nachträgliches 

Bewilligungsverfahren  einzuleiten.  Allerdings  wurde  versäumt,  auch  ande-

ren  als  den  vom  Grenzbau  betroffenen  und  doch  vom  Projekt  berührten 

Nachbarn  das  rechtliche  Gehör  und  die  Möglichkeit  der  Erhebung  eines 

Rechtsmittels zu gewähren. 

Zudem ist bei Tierhaltungen neben der Frage der Zonenkonformität immer 

auch eine umweltrechtliche Prüfung vorzunehmen. Dazu kann festgehalten 

werden,  dass  Geruchsemissionen  für  neue  stationäre  Anlagen  durch  die 

zuständige  Behörde  vorsorglich  so  weit  zu  begrenzen  sind,  als  dies  tech-

nisch  und  betrieblich  möglich  sowie  wirtschaftlich  tragbar ist  (Art. 4  Abs. 1 

der Luftreinhalteverordnung [LRV]). Ist zu erwarten, dass die geplante An-
lage  trotz  vorsorglicher  Emissionsbegrenzung  übermässige  Immissionen 

verursachen wird, sind die Massnahmen durch die zuständige Behörde so 

weit  zu  verschärfen,  dass  keine  übermässigen  Immissionen  verursacht 

werden  (Art. 5  LRV).  Gemäss  Art. 2  Abs. 5  lit. b  LRV  gelten  Immissionen 

beim  Fehlen  von  Grenzwerten  dann  als übermässig, wenn aufgrund einer 

Erhebung feststeht, dass sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ih-

rem  Wohlbefinden  erheblich  stören  können.  Für  Gerüche,  wie  sie  eine 

Hobbyziegenhaltung mit sich bringt, bestehen keine Immissionsgrenzwerte. 

Für Anlagen der bäuerlichen Tierhaltung und der Intensivtierhaltung sind in 

Ziff. 5  Anhang 2  LRV  Spezialbestimmungen  aufgestellt  worden,  nicht  hin-

gegen für die Hobbytierhaltung in Wohngebieten. Zwar bestätigte das Ver-

waltungsgericht des Kantons Zürich zur Frage des einzuhaltenden Abstan-

des  der  Anlagen  zu  den  Nachbargrundstücken  in  VB.2004.00462  das 

hilfsweise  Herbeiziehen  der  so  genannten  FAT-Empfehlungen  (Empfeh-

lungen  der  Eidgenössischen  Forschungsanstalt  für  Betriebswirtschaft  und 

Landtechnik  aus  dem  Jahr  1995)  zur  Festlegung  der  Geruchsbelastung 

auch für Vorhaben, die weder die bäuerliche Tierhaltung noch die Intensiv-

tierhaltung  betreffen.  Allerdings  setzt  die  massgebliche  Geruchsbelastung 

eine viel grössere Anzahl von Tieren voraus, als sie bei Hobbytierhaltungen 

innerhalb von Wohnzonen erreicht wird.  

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Die  Geruchsbelastung  (GB)  durch  eine  Tierart  errechnet  sich  aus  der An-

zahl  Tiere  multipliziert  mit  dem  Geruchsfaktor  für  die  entsprechende  Tie-

rart.  Eine  konkrete  Abstandsberechnung  wird  erst ab  einer Geruchsbelas-

tung von 4 GB vorgenommen. Bei geringer Belastung gilt der aus 4 GB re-

sultierende  Abstand  (vg.  FAT-Bericht  Nr. 476,  S. 6).  Gemäss  FAT-Bericht 

ergibt sich bei Geruchsbelastungen von 4 oder weniger GB in Wohnzonen 

ein Normalabstand von 19,61 m, welcher je nach Standort, Anlage und Be-

trieb korrigiert werden kann. Dieser Abstand ist gemäss FAT-Bericht für ei-

nen  Stall  auf  einem  Areal  mit  weiteren  Gebäuden  in  einem  Abstand  von 

weniger  als  50 m  von  der  nächstgelegenen  Austrittsöffnung  aus  zu  mes-

sen. Liegt die Tierhaltungsanlage innerhalb einer bewohnten Zone, gilt der 

Mindestabstand bis zum nächstgelegenen bewohnten Gebäude.  

Neben  der  Einhaltung  der  Mindestabstände  in  Bezug  auf  die  Geruchsbe-

lastung ist auch die zulässige Anzahl Tiere und bei Ziegen sinnvollerweise 
auch deren Geschlechtszugehörigkeit festzulegen, da unkastrierte Ziegen-

böcke  zu  wesentlich  höheren  Immissionen  führen  als  weibliche  und  kas-

trierte Tiere. Neben der Tierhaltung selbst ist auch die Mistlagerung zu be-

urteilen.  Bei  Ziegen  ist  von  Festmist  auszugehen,  da  der  Urin  vom  Stroh 

aufgesogen mit diesem entsorgt wird. Es entsteht im Gegensatz beispiels-

weise zur Haltung von Kühen keine Jauche. 

Und  schliesslich  ist  die  lärmrechtliche  Situation  zu  beachten,  wobei  zu 

überprüfen  ist,  ob  Massnahmen  aufgrund  des  Vorsorgeprinzips  gemäss 

Art. 11  Abs. 2  Umweltschutzgesetz  (USG)  und  Art. 7  Abs. 1  lit. a  Lärm-

schutzverordnung (LSV) festzulegen sind.  

7. 

Entsprechend ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angele-

genheit  unter  teilweiser  Gutheissung  des  Rekurses  zur  weiteren  Untersu-

chung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei 

festzuhalten ist, dass der Rekurrent dieses Verfahrens sein Interessen ge-

nügend dargetan hat und ihm der Entscheid ohne Stellen eines Begehrens 

im  Sinne  von  § 315  PBG  zuzustellen  sein  wird.  Falls  er  sich  entscheiden 

sollte, den Entscheid erneut anzufechten, wird er jedoch nicht umhin kom-

men,  einen  neuen  Rekurs  einzureichen,  da  das  vorliegende  Rekurs-
verfahren mit diesem Urteil abgeschlossen wird. 

[….] 

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