# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9810039a-fb11-58a2-bbe0-b74085354ade
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-09-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.09.2015 C-5397/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-5397-2014_2015-09-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung III 

C-5397/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  S e p t e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  

Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Schengen-Visum zu Besuchszwecken. 

 

 

 

C-5397/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die 1986 geborene vietnamesische Staatsangehörige B._______ (im Fol-

genden: Gesuchstellerin) beantragte am 26. Mai 2014 bei der Schweizeri-

schen Botschaft in Hanoi ein Schengen-Visum für einen dreimonatigen Be-

suchsaufenthalt bei A._______ (im Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwer-

deführer) im Kanton Bern. 

Der Gastgeber hatte zuvor in einem an die Gesuchstellerin gerichteten Ein-

ladungsschreiben (datiert vom 7. Mai 2014) festgehalten, dass er diese für 

einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt einlade und dass er sämtliche mit 

dem Aufenthalt verbundenen Kosten übernehme. 

B.  

Mit Formularentscheid vom 4. Juni 2014 lehnte es die schweizerische Ver-

tretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Hal-

tung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die fristgerechte 

Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen-Raum nach einem 

Besuchsaufenthalt. 

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob die Gesuchstellerin am 17. Juni 2014 Ein-

sprache. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, die Zweifel an 

ihrer fristgerechten Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt in der 

Schweiz seien nicht berechtigt. Sie habe Familie, enge Freunde und eine 

gute Arbeitsstelle, bei der sie ein für lokale Verhältnisse hohes Einkommen 

erziele und am Umsatz beteiligt werde. Das Vertrauen und die Wertschät-

zung seitens ihres Arbeitgebers zeigten sich gerade darin, dass ihr – ob-

wohl unüblich – ein dreimonatiger Urlaub gewährt würde. Sie habe nicht 

die Absicht, länger als vorgegeben in der Schweiz zu bleiben. Der Besuch 

diene vor allem dazu, sich über die Gestaltung ihrer Zukunft klar zu werden. 

D.  

In der Folge liess das Bundesamt für Migration (BFM, seit 1. Januar 2015 

Staatssekretariat für Migration SEM) über die Migrationsbehörde des 

Wohnsitzkantons schriftliche Auskünfte des Gastgebers einholen. In einer 

undatierten Stellungnahme beantragte dieser, das von der Gesuchstellerin 

erwünschte Visum sei zu erteilen. 

E.  

Mit Verfügung vom 9. September 2014 wies die Vorinstanz die Einsprache 

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Seite 3 

ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertre-

tung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der Ge-

suchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt nicht als gesichert betrachtet 

werden könne. Die Gesuchstellerin sei jung, ledig und habe keine familiä-

ren Verpflichtungen. Zwar sei sie berufstätig. Allerdings habe sie nur einen 

auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag vorlegen können, der Ende Juli 

2015 auslaufe. Gegen das Vorliegen besonderer beruflicher Verpflichtun-

gen spreche auch die Tatsache, dass der Arbeitgeber mit einer dreimona-

tigen – und damit sehr langen – Abwesenheit vom Arbeitsplatz einverstan-

den wäre. Komme hinzu, dass sich die Gesuchstellerin und der Beschwer-

deführer erst seit Dezember 2013 kennen würden, weshalb noch nicht von 

einer gefestigten Beziehung ausgegangen werden könne. 

F.  

Dagegen gelangte der Gastgeber mit einer Beschwerde vom 22. Septem-

ber 2014 an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt implizit die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Ausstellung des ge-

wünschten Besuchsvisums. Zur Begründung macht er im Wesentlichen 

geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Wiederaus-

reise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt nicht gesichert 

wäre. Diese habe durchaus familiäre Verpflichtungen vor Ort, da sie sich 

zusammen mit ihrem Bruder um ihre nicht mehr berufstätigen Eltern küm-

mere und diese auch finanziell unterstütze. Die Gesuchstellerin arbeite seit 

fünf Jahren für den gleichen Arbeitgeber, einer Firma für Bau und Handel 

in Hanoi. Sie sei dort Leiterin der Abteilung Buchhaltung. Dass sie einen 

auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag habe, entspreche allgemeinen 

Gepflogenheiten, setze doch jede Lohnerhöhung einen neuen Arbeitsver-

trag voraus. Zwar treffe zu, dass er die Gesuchstellerin im Dezember 2013 

und damit vor noch nicht allzu langer Zeit kennengelernt habe. Seither hät-

ten sie aber über elektronische Kommunikationskanäle täglich Kontakt zu-

einander, und er habe die Gesuchstellerin zweimal während zwei bezie-

hungsweise drei Wochen besucht. Der Besuch der Gesuchstellerin in der 

Schweiz und ein anschliessend geplanter gleich langer Gegenbesuch in 

Vietnam sollten zur Klärung beitragen, ob sie eine gemeinsame Zukunft 

wagen und wo sie diese am besten verwirklichen könnten.  

Zusammen mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer drei Arbeits-

verträge (aus der Zeit zwischen 2009 und 2015) samt Übersetzungen ins 

Deutsche, die Gesuchstellerin betreffend, zu den Akten. 

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Seite 4 

G.  

Mit einer Eingabe vom 29. Oktober 2014 edierte der Beschwerdeführer un-

aufgefordert weitere Beweismittel (Fotos, zwei E-Mails und ein Zwischen-

zeugnis samt Übersetzung, die Gesuchstellerin betreffend). 

H.  

Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 19. November 2014 

auf Abweisung der Beschwerde. Dabei hält sie dafür, dass die Arbeitsbe-

dingungen der Gesuchstellerin im Vergleich zu mittel- und westeuropäi-

schen Verhältnissen nicht besonders attraktiv seien. So schreibe der Ver-

trag beispielsweise eine Sechstagewoche mit einer Arbeitszeit von 48 

Stunden vor, der Grundlohn liege bei umgerechnet CHF 800.00 und eine 

allfällige Schwangerschaft käme einer Vertragsverletzung gleich. Dies alles 

relativiere die Gewähr, welche das Arbeitsverhältnis der Gesuchstellerin für 

eine Rückkehr in die Heimat bieten sollte. 

I.  

Mit Replik vom 29. Dezember 2014 hält der Beschwerdeführer an seinen 

Anträgen und deren Begründung fest. Es gehe nicht an, dass das Arbeits-

verhältnis der Gesuchstellerin nach europäischen Massstäben beurteilt 

werde. Verglichen mit dem Durchschnittseinkommen pro Jahr in Vietnam 

erziele sie mit USD 13'000 einen zehnfach höheren Lohn und sei deshalb 

wirtschaftlich sehr gut situiert. 

J.  

Auf entsprechende Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts hin 

reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. August 2015 einen ak-

tuellen Arbeitsvertrag der Gesuchstellerin (datiert vom 31. Juli 2015) mit 

entsprechender Übersetzung, einen aktualisierten Urlaubsantrag der Ge-

suchstellerin und die entsprechende Genehmigung durch die Arbeitgeberin 

(samt Übersetzung), Kopien des Reisepasses der Gesuchstellerin, ein Ein-

trittsticket für eine Messe in Singapur sowie diverse Ferienfotos, aufgenom-

men im April 2015, zu den Akten. In Ergänzung zur bisherigen Begründung 

macht der Beschwerdeführer in seiner Eingabe geltend, die Gesuchstelle-

rin habe im Mai 2015 eine Geschäftsreise nach Singapur – mithin in ein 

reicheres Land als Vietnam – unternommen und sei anschliessend wieder 

in ihr Heimatland zurückgekehrt. Er selbst habe die Gesuchstellerin im April 

2015 erneut in Vietnam besucht, wobei er auch die Gelegenheit gehabt 

habe, die Kontakte zur Familie und zu Freunden der Gesuchstellerin zu 

vertiefen.  

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Seite 5 

 
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 

Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen 

Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von einer der in Art. 33 

VGG aufgeführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü-

gungen des BFM bzw. SEM, die im Einspracheverfahren gegen die Ver-

weigerung eines Schengen-Visums ergehen. In dieser Materie entscheidet 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-

schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von 

Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes-

sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. 

Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever-

fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 

VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-

schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-

sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver-

hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 

3.  

Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer vietnamesischen 

Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen 

Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf 

die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die be-

absichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorlie-

gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe-

reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den 

Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen 

Rechtakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und 

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seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als 

die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun-

gen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 

4.  

Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im 

Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 

4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines 

Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-

lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – 

grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise 

zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es 

sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge-

setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 

3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen-Recht schränkt 

die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus-

setzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten ver-

pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset-

zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt 

auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP 

EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis 

Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän-

der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 

4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-

Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-

raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-

mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein 

Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 

des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de-

ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei-

nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan-

gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum 

benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti-

tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver-

fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 

22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 

142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 

des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über ei-

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nen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Perso-

nen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105/1 vom 

13.04.2006], Art. 4 VEV). 

4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um-

stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei-

chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 

VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der 

Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol-

gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu 

belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien 

Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte 

Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako-

dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). 

Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati-

onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine 

Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche 

Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar-

stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 

4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. 

e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person 

nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wie-

der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil 

des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 

Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige 

Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung 

oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d 

und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederaus-

reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender 

Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. 

BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei-

seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c 

SGK). 

4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom-

men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes 

"einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 

VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün-

den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler 

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Seite 8 

Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö-

rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevoraussetzungen nicht er-

füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu 

erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für 

das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 

Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer 

drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat-

tet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 

5.  

5.1 Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit unterliegt die Gesuchstellerin der 

Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 

vom 21.03.2001; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu 

Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 

5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesicherten Wiederausreise im Vorder-

grund. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situ-

ation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin 

als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken 

sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 

5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und 

anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation 

im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise-

gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po-

litisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen kön-

nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem 

Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang 

steht. 

5.3 Die in Richtung Marktwirtschaft gehenden Wirtschaftsreformen Viet-

nams waren in den vergangenen 25 Jahren äusserst erfolgreich. Das Land 

erlebte einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsra-

ten von zumeist 7 bis 8 Prozent. Im Jahr 2014 verzeichnete Vietnam ein 

Wirtschaftswachstum von 5,98% und konnte sogar die Zielvorgabe von 

5,8% übertreffen. Die Inflation, die ab 2010 zunehmend problematisch 

wurde – sie betrug Ende 2011 18.1% – konnte inzwischen erfolgreich ein-

gedämmt werden. Die Inflationsrate lag Ende Dezember 2014 bei 2,3% 

und im Jahresdurchschnitt unter 5%. Vietnam ist von einem der ärmsten 

Länder der Welt zu einem "Middle Income Country" aufgestiegen, und 

2014 betrug das Bruttoinlandsprodukt 2072 USD pro Kopf. Allerdings ist 

das Einkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie 

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Seite 9 

vor leben 60% der Bevölkerung auf dem Land, wo jedoch nur 20% des 

Volkseinkommens erwirtschaftet wird (Quellen: Webseite des deutsches 

Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de, Aussen- und Europapolitik 

> Länderinformationen > Vietnam, Wirtschaft, Stand: März 2015, abgeru-

fen am 1. September 2015, sowie Urteil des BVGer C-6302/2011 vom 12. 

April 2013 E. 6.1). 

Vor dem Hintergrund solcher wirtschaftlicher Diskrepanzen ist oft festzu-

stellen, dass (vor allem jüngere, arbeitsfähige) Menschen aus ländlichen, 

wirtschaftlich schwachen Gebieten in die Städte abwandern und – falls sie 

dort wirtschaftlich nicht Fuss fassen können – ins Ausland emigrieren.  

5.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die allgemeinen Um-

stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon-

kreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Per-

son im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaft-

liche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die 

Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Anderer-

seits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflich-

tungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen 

Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch eingeschätzt werden. 

6.  

6.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 29-jährige, unverhei-

ratete und kinderlose Frau. Aus den Vorakten zu schliessen (insbesondere 

der im "Household Registration Book" [SEM act. 1 S. 41 ff.] vermerkten 

Adresse) lebt sie zusammen mit ihren Eltern und vermutungsweise einem 

Bruder in familiärer Gemeinschaft in Hanoi. In der Beschwerde wird aus-

geführt, sie habe familiäre Verpflichtungen ihren nicht mehr erwerbstätigen 

Eltern gegenüber; sie und ihr Bruder würden diese betreuen und finanziell 

unterstützen. Solche Verhältnisse sind durchaus sozialadäquat. Sie lassen 

sich aber meist auf verschiedene Weise organisieren und haben in aller 

Regel keine sozial absolut bindende Wirkung. Aus der nur oberflächlichen 

Schilderung durch den Beschwerdeführer – aber auch vor dem Hinter-

grund, dass die Gesuchstellerin eine mehrmonatige Landesabwesenheit 

plant und eine spätere Heirat und Emigration nicht gänzlich ausschliesst – 

kann jedenfalls nicht gefolgert werden, dass die Anwesenheit der Gesuch-

stellerin für ihr unmittelbares familiäres Umfeld auf lange Dauer zwingend 

notwendig wäre. 

http://www.auswaertiges-amt.de/

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Seite 10 

6.2 Demgegenüber fällt bei der Risikobewertung positiv ins Gewicht, dass 

die Gesuchstellerin offenbar über eine gute Ausbildung verfügt, und stabile 

berufliche Verhältnisse vorweisen kann. Seit anfangs August 2009 arbeitet 

sie bei ein und derselben Firma für Bau und Handel in Hanoi als Leitern 

der Buchhaltungsabteilung. Dass es sich dabei nicht um eine bedeutungs-

lose, leicht ersetzbare Tätigkeit handelt und sich Arbeitgeberin und Arbeit-

nehmerin besonders verbunden sind, davon zeugen nicht zuletzt die von 

der Gesuchstellerin bzw. vom Beschwerdeführer edierten geschäftlichen 

Unterlagen. Das bisher lückenlose Arbeitsverhältnis wurde per 1. August 

2015 wiederum für weitere zwei Jahre vertraglich verlängert. Mit einem mo-

natlichen Lohn von umgerechnet CHF 860.40, zuzüglich eines 13. Monats-

lohns und einer Umsatzbeteiligung von 1% erzielt die Gesuchstellerin ein 

Einkommen, das einem Vielfachen des Durchschnitteinkommens in Viet-

nam entspricht. Die Gesuchstellerin dürfte sich somit gemessen an vietna-

mesischen Verhältnissen – und vor allem dieser Vergleich ist in vorliegen-

dem Zusammenhang massgebend – durchaus in einer privilegierten wirt-

schaftlichen und beruflichen Situation befinden. Mit dem Hinweis darauf, 

dass sie während einer allfälligen Landesabwesenheit in den elektroni-

schen Geschäftsverkehr mit ihrer Arbeitgeberin eingebunden bliebe, liefert 

sie auch eine mögliche Erklärung dafür, weshalb ein so langes Fernbleiben 

vom Arbeitsplatz seitens der Arbeitgeberin überhaupt zugelassen würde 

und verkraftbar wäre.  

6.3 Ebenfalls im Sinne einer positiven Risikobewertung gilt schliesslich zu 

bedenken, dass sich die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit bereits 

in andere Staaten im asiatischen Raum begeben hat (im laufenden Jahr 

gemäss Passeinträgen nach Malaysia und Singapur), und danach wieder 

in ihre Heimat zurückgekehrt ist. 

6.4 Im Übrigen scheint durchaus nachvollziehbar und glaubhaft, wie die 

Gesuchstellerin in ihrer schriftlichen Einsprache (SEM act. 2 S. 69 ff.) dar-

legte, weshalb sie kein Interesse daran haben könne, eine für einen befris-

teten Besuch bewilligte Ausreise zur definitiven Migration zu missbrau-

chen. 

6.5 Zwar kennen sich Gast und Gastgeber erst seit Dezember 2013 und 

damit noch nicht seit langer Zeit. Die Beiden stehen allerdings in einem 

sehr intensiven Kontakt zueinander, so aus den Schilderungen des Be-

schwerdeführers zu schliessen, an denen zu zweifeln kein Anlass besteht. 

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Seite 11 

In das gleiche Bild passt auch, dass der Beschwerdeführer die Gesuchstel-

lerin seit anfangs 2014 bereits dreimal für jeweils mehrere Wochen besucht 

hat. 

6.6 Vor dem Hintergrund der aufgezeigten persönlichen Verhältnisse der 

Gesuchstellerin und des Engagements, das von Gast und Gastgeber im 

Hinblick auf eine Vertiefung ihrer Beziehung ausgeht, kann auf genügende 

Gewähr für lautere Absichten geschlossen werden. Auch wenn das Risiko 

für eine Missachtung ausländerrechtlicher Normen nie gänzlich ausge-

schlossen werden kann, erscheint es vorliegend doch als gering. Mit ande-

ren Worten ist nicht davon auszugehen, es bestünden Hinderungsgründe 

dieser Art gemäss Art. 5 SGK bzw. Art. 5 AuG für die Erteilung des bean-

tragten Visums. 

7.  

Indem die Vorinstanz den entscheidrelevanten Sachverhalt im Ergebnis 

anders gewichtete, hat sie Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). So-

weit auf die Beschwerde einzutreten ist, ist sie gutzuheissen. Die ange-

fochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache zur neuerlichen Beurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei bleibt von der Vorinstanz zu 

prüfen, ob die übrigen Einreisevoraussetzungen (vgl. E. 4) erfüllt sind. 

8.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind weder dem Beschwerde-

führer noch der Vorinstanz Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 

VwVG) und der geleistete Kostenvorschuss ist zurückzuerstatten. Eine 

Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen, da dem nicht anwaltlich ver-

tretenen Beschwerdeführer zur wirksamen Verfolgung seiner Interessen im 

Beschwerdeverfahren vermutungsweise keine notwendigen und verhält-

nismässig hohen Kosten erwachsen sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 

7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). 

 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung wird auf-

gehoben und die Sache zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an 

die Vorinstanz zurückgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben und der eingezahlte Kosten-

vorschuss von Fr. 800.- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Formular Zahladresse) 

– die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. […]) 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Andreas Trommer Denise Kaufmann 

 

 

 

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