# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e2a660cd-6766-5f16-8975-5ec44c2840ed
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-01
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 01.04.2025 SST.2024.57
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-57_2025-04-01.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.57 
(ST.2023.8; STA.2022.3955) 

 

 

Urteil vom 1. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Rosset 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatklägerin   A.D._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwältin Eveline Gloor,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1985, von Polen, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Lukas Fischer,  

[…] 

 

 
 

Gegenstand  Schändung, sexuelle Handlung mit einem Kind 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 18. Januar 2023 erhob die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen Schändung gemäss Art. 191 StGB und 

sexueller Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB. 

 

2. 

Mit Urteil vom 13. Juni 2023 sprach das Bezirksgericht Kulm den 

Beschuldigten der Schändung gemäss Art. 191 StGB und der sexuellen 

Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig und 

verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen. Sie 

rechnete die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 

325 Tagen auf die Geldstrafe an und stellte fest, dass eine Überhaft von 

205 Tagen vorliege, wofür sie dem Beschuldigten eine Genugtuung von 

Fr. 35'875.00 sowie eine Entschädigung für entgangenen Arbeitserwerb 

von Fr. 26'240.00 zusprach. Von der Anordnung einer Landesverweisung 

sah sie ab und ordnete die Rückgabe diverser beschlagnahmter 

Gegenstände an die Privatklägerin A.D._____ sowie an den Beschuldigten 

an. Weiter verpflichtete sie den Beschuldigten, der Privatklägerin 

A.D._____ Schadenersatz von Fr. 3'130.95 nebst Zins zu 5 % auf 

Fr. 1'297.95 seit 24. Juli 2022 sowie auf Fr. 1'833.00 seit 13. Juni 2023 und 

eine Genugtuung von Fr. 1'500.00 nebst Zins zu 5 % seit 24. Juli 2022 zu 

bezahlen. Die Vorinstanz legte schliesslich fest, dass der der Privatklägerin 

A.D._____ zugesprochene Schadenersatz sowie die Genugtuung aus der 

dem Beschuldigten zugestandenen Entschädigung für entgangenen 

Arbeitserwerb bezahlt werde. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 25. März 2024 beantragte der Beschuldigte, 

er sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Für die Überhaft sei ihm eine 

Genugtuung von Fr. 65'000.00 sowie eine Entschädigung für entgangenen 

Arbeitserwerb von Fr. 62'560.00, je nebst Zins zu 5 % ab mittlerem Verfall, 

zuzusprechen. Weiter seien die Zivilforderungen der Privatklägerin 

A.D._____ abzuweisen. Schliesslich sei festzustellen, dass das 

Beschleunigungsgebot verletzt worden sei. 

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 26. März 2024 beantragte die Staatsanwalt-

schaft, der Beschuldigte sei mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 

22 Monaten, Probezeit 2 Jahre, zu bestrafen und gestützt auf Art. 66a 

Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 7 Jahren des Landes zu verweisen. 

Weiter sei gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b und lit. c StGB ein lebens-

längliches Tätigkeitsverbot anzuordnen.  

 

 - 3 - 

 

 

3.3. 

Am 6. Mai 2024 reichte die Staatsanwaltschaft vorgängig zur 

Berufungsverhandlung ihre Berufungsbegründung ein.  

 

3.4. 

Am 27. Mai 2024 reichte der Beschuldigte vorgängig zur Berufungs-

verhandlung seine Berufungsbegründung sowie seine Berufungsantwort 

ein. 

 

3.5. 

Am 24. Juni 2024 reichte die Privatklägerin A.D._____ und am 10. Juli 

2024 die Staatsanwaltschaft ihre Berufungsantwort ein. 

 

3.6. 

Die auf den 13. Februar 2025 anberaumte Berufungsverhandlung musste 

wegen Krankheit von A.D._____ verschoben werden. 

 

Die Berufungsverhandlung fand sodann am 1. April 2025 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das vorinstanzliche Urteil wurde hinsichtlich der Schuldsprüche wegen 

Schändung und sexueller Handlungen mit einem Kind, der Strafe, der 

Landesverweisung, des lebenslänglichen Tätigkeitsverbots und der 

Zivilforderung angefochten. In den unangefochten gebliebenen Punkten 

betreffend die Rückgabe diverser beschlagnahmter Gegenstände findet 

keine Überprüfung statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2.  

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Schändung gemäss Art. 191 

StGB sowie der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen. Sie hat es als erstellt erachtet, dass der 

Beschuldigte sich am 24. Juli 2022 zwischen 05.00 Uhr und 05.30 Uhr in 

der damals von ihm und dem Vater von A.D._____, C.D._____, gemeinsam 

bewohnten Wohnung an der V-Strasse […] in W._____, in das 

Schlafzimmer, welches A.D._____ während ihres Besuchs in der Schweiz 

bewohnt habe, geschlichen habe und A.D._____ am unteren Teil ihres 

Bauches und somit in unmittelbarer Nähe ihrer Intimzone gestreichelt habe. 

A.D._____ sei vor ihrem Erwachen, verursacht durch das Öffnen ihrer 

Jeanshose durch den Beschuldigten, und kurz danach, bis zum Zeitpunkt 

als sie sich ein wenig habe wehren können, widerstandsunfähig gewesen. 

Nicht als erstellt erachtete die Vorinstanz, dass der Beschuldigte an die 

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Vulva von A.D._____ gefasst habe (vorinstanzliches Urteil E. 3.6; E. 4.3.2; 

E. 5.3.2).  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vollumfänglich 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2). Sowohl die Staatsanwaltschaft 

als auch die Privatklägerin A.D._____ beantragen die Abweisung der 

Berufung des Beschuldigten (Berufungsantwort der Staatsanwaltschaft 

S. 1; Berufungsantwort der Privatklägerin S. 1).  

 

2.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 24. Juli 2022 mit 

seinem Mobiltelefon A.D._____, die damals 13 Jahre alt war, Nachrichten 

gesendet hat, auf welche sie geantwortet hat (UA act. 471), sie mittels der 

Nachrichten dazu aufgefordert hat, zu ihm ins Zimmer zu kommen, was sie 

dann auch gemacht hat (UA act. 472) und sie danach im Zimmer von 

A.D._____ waren (UA act. 475). 

 

Der Beschuldigte bestreitet jedoch, A.D._____ in ihrem Zimmer angefasst 

zu haben. Er macht geltend, dass seine DNA-Spuren, welche auf der 

Unterhose von A.D._____ gefunden worden seien, durch eine Übertragung 

im Wäschekorb und/oder durch das Heraussammeln der Kleider aus dem 

Wäschekorb durch ihn zu erklären seien (Berufungsbegründung S. 5 ff.). 

 

2.3. 

Hinsichtlich des eigentlichen Kerngeschehens betreffend den Vorwurf der 

sexuellen Handlungen mit einem Kind liegen die Aussagen des 

Beschuldigten sowie von A.D._____ vor. Es liegt diesbezüglich somit eine 

klassische «Aussage gegen Aussage»-Situation vor, weswegen die 

Aussagen von A.D._____ sowie des Beschuldigten auf deren Glaub-

haftigkeit zu überprüfen sind. In Bezug auf den weiteren Vorwurf der 

Schändung liegen keine Aussagen von A.D._____ vor, nachdem sie in 

diesem Tatzeitpunkt geschlafen haben soll. Weiter sind die Aussagen des 

in der Tatnacht in derselben Wohnung anwesenden Vaters von A.D._____, 

C.D._____, vorhanden. Als weitere Beweismittel liegen die auf der durch 

A.D._____ im Tatzeitpunkt getragenen Unterhose vorhandenen DNA-

Spuren des Beschuldigten, das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin 

des Kantonsspitals Aarau zur am Tattag durchgeführten forensisch-

klinischen Untersuchung von A.D._____, die in der Tatnacht zwischen 

A.D._____ und dem Beschuldigten versendeten Textnachrichten sowie die 

zwischen A.D._____ und deren Mutter versendeten WhatsApp-

Nachrichten vor.  

 

 - 5 - 

 

 

2.4. 

2.4.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-

gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio pro reo»). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche 

immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 

Nicht verlangt wird indes, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln 

unbesehen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen 

ist. Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher Zweifel kann eine Ver-

letzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» begründen (BGE 148 IV 409 

E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das 

Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer 

Aussagen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die personenbezogene 

Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaubhaftigkeit. Die 

allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit, 

ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Sie bildet 

aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse und darf deshalb nie 

alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Überprüfung des 

Realitätsgehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht deshalb die 

Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage, die sich nach ihrem Inhalt 

bestimmt (BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 81 E. 2). 

 

Bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von Aussagen hat sich in der 

Praxis die so genannte Aussageanalyse weitgehend durchgesetzt. Dieser 

Methode liegt die Erkenntnis zugrunde, dass wahre und falsche 

Schilderungen unterschiedliche geistige Leistungen erfordern. Im Rahmen 

der Aussageanalyse wird geprüft, ob die aussagende Person unter 

Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit 

und ihrer Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen 

Erlebnishintergrund machen könnte. Als Analysemittel dienen vorab die 

sogenannten Realkennzeichen. Dabei handelt es sich um wissenschaftlich 

definierte Qualitätsmerkmale für die Bewertung der Glaubhaftigkeit von 

Aussagen (vgl. etwa BGE 133 I 33 E. 4.3; BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 

81 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2 

und 6B_793/2010 vom 14. April 2011 E. 1.3.1). Zu diesen Realkennzeichen 

gehören beispielsweise die logische Konsistenz, der quantitative 

Detailreichtum oder die Schilderung von Komplikationen im Handlungs-

ablauf (vgl. zu den Realkennzeichen im Einzelnen etwa FERRARI, 

Erkenntnisse aus der Aussagepsychologie, plädoyer 4/2009, S. 35 f.; 

LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Aussagepsychologie für die Rechtspraxis. 

«Zwischen Wahrheit und Lüge», Zürich/St. Gallen 2017, S. 49 ff.; 

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DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, plädoyer 2/1997, 

S. 33 ff.). Bei der Prüfung der Realkennzeichen bzw. der Realitätskriterien 

ist gleichzeitig auch Phantasie- oder Lügensignalen Beachtung zu 

schenken. Weiter kann es hilfreich und geboten sein, die 

Entwicklungsgeschichte der Aussage zu untersuchen sowie die Aussagen 

einem Strukturvergleich zu unterziehen. 

 

2.4.2. 

Das Obergericht erachtet es aufgrund der nachfolgend dargelegten Gründe 

als erstellt, dass der Beschuldigte sich in der Nacht vom 24. Juli 2022 in 

das Schlafzimmer von A.D._____ geschlichen, dieser, als sie noch am 

Schlafen war, unter der von ihr getragenen Jeans- und Unterhose an ihre 

Vulva gefasst, danach ihren Hosen- und Reissverschluss geöffnet hat, 

wodurch A.D._____ erwacht ist, und sie danach mit seiner Hand an ihrem 

Unterbauch gestreichelt hat.  

 

2.4.3.  

2.4.3.1. 

Abzustellen ist auf die glaubhaften Aussagen von A.D._____: 

 

Die Entstehungsgeschichte der Aussagen von A.D._____ wirft keine 

Fragen auf. Die zur Anklage erhobenen Vorwürfe sollen sich in der Nacht 

vom 24. Juli 2022, also als A.D._____ 13 Jahre alt war, zugetragen haben. 

Noch gleichentags hat sich A.D._____ ihrem Vater, ihrer Mutter sowie ihrer 

besten Freundin anvertraut (UA act. 458). Am 24. Juli 2022 um 12.09 Uhr 

und somit am Tattag meldete sich der Vater von A.D._____, C.D._____, 

telefonisch bei der Notrufzentrale und gab an, dass A.D._____, welche bei 

ihm ihre Ferien verbringe, von seinem Mitbewohner belästigt worden sei 

(UA act. 432). Daraufhin wurde A.D._____ noch gleichentags im 

Kantonsspital Aarau untersucht und durch die Polizei einvernommen. Die 

Entstehungsgeschichte und die Tatsache, dass sich A.D._____ noch am 

Tattag ihrer Familie sowie ihrer besten Freundin anvertraut hat, spricht für 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. 

 

Betreffend die Aussagekompetenz von A.D._____ ergibt sich Folgendes: 

Ihr körperlicher und kognitiver Entwicklungszustand erscheint 

altersentsprechend. Der angeklagte Sachverhalt hat sich zugetragen, als 

sie 13 Jahre alt war. In diesem Alter kann entwicklungsbedingt im 

Allgemeinen in etwa dieselbe Informationsmenge wie bei Erwachsenen 

erwartet werden. Es gibt sodann keine Hinweise darauf, dass A.D._____ in 

ihren Fähigkeiten eingeschränkt wäre, einen Sachverhalt zu erfassen, ihn 

in Erinnerung zu behalten und abzurufen. Insbesondere sind keine 

Besonderheiten bekannt oder erkennbar, die einen gestörten 

Realitätsbezug nahelegen. Folglich spricht ihr Alter im Zeitpunkt der 

Befragungen nicht gegen eine genügende Aussagekompetenz. Auch 

anlässlich der Berufungsverhandlung haben sich im Aussageverhalten von 

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A.D._____ keine Umstände ergeben, welche die Aussagekompetenz 

infrage stellen könnten; im Gegenteil hat A.D._____ dem Obergericht einen 

altersentsprechenden und authentischen Eindruck gemacht. 

 

A.D._____ wurde noch am Tattag durch die Kantonspolizei einvernommen, 

wobei die Einvernahme auf Video aufgezeichnet worden ist. Dabei gab sie 

den Sachverhalt detailliert im Rahmen eines freien Berichts wieder. 

Zunächst habe der Beschuldigte ihr bereits am Vortag, als sie zusammen 

mit dem Zug unterwegs gewesen seien, mitgeteilt, dass sie schöne Augen 

habe. Als sie zuhause gewesen seien, habe der Beschuldigte ihr gegen 

00.40 Uhr geschrieben und sie gefragt, ob sie zu ihm ins Zimmer kommen 

wolle. Er wolle ihr etwas zeigen. Sie solle in Unterwäsche bekleidet 

kommen und noch etwas warten, bis ihr Vater schlafe. Als sie dann mit 

einer kurzen Hose und einem T-Shirt bekleidet bei ihm im Zimmer gewesen 

sei, habe er sie gefragt, ob sie Angst habe, was sie verneint habe. 

Daraufhin habe er ihr gesagt, sie solle ihm die Hand geben, wenn sie sich 

getraue. Sie habe ihm dann einfach ein «High-Five» gegeben. Der 

Beschuldigte habe auf dem Bett gelegen und ihr mit der Hand zu verstehen 

gegeben, dass sie sich zu ihm ins Bett legen solle, woraufhin sie jedoch 

nur auf seinem Bett sitzengeblieben sei. Sie sei dann in ihr Zimmer 

zurückgekehrt und habe ihre Türe geschlossen. Sie habe die Türe auch mit 

einem Schlüssel verschliessen wollen, was sie jedoch nicht habe machen 

können, da sie keinen Schlüssel gehabt habe. Als sie gegen 02.00 Uhr am 

Schlafen gewesen sei, habe der Beschuldigte ihr eine Nachricht gesendet 

und habe sie gefragt, ob er in ihr Zimmer kommen könne. Diese Nachricht 

habe sie nicht bemerkt, da sie geschlafen habe. Sie sei dann gegen 

05.30 Uhr erwacht, weil sie gespürt habe, dass der Beschuldigte ihre 

Hosen aufgemacht habe. Sie habe gespürt, wie er sie etwas tiefer als am 

Bauch angefasst habe. Es sei jedoch nicht an ihrer «privaten…» gewesen. 

Sie glaube nicht, dass er sie an ihrer Scheide berührt habe. Dies habe sie 

nicht gespürt. Ihre Hosen habe sie noch angehabt. Der Beschuldigte habe 

ihre Hose ganz aufgemacht und sie an derjenigen Stelle, wo die Hose 

geöffnet gewesen sei, angefasst. Weil sie Angst gehabt habe und im 

Schock gewesen sei, habe sie nichts gesagt und ihre Augen nicht geöffnet. 

Sie habe sich jedoch immer wieder umgedreht und sich mit der Decke 

zugedeckt. Sie habe sich etwas aggressiver bewegt und dadurch zeigen 

wollen, dass sie nicht mehr schlafe. Nach ca. fünf oder zehn Minuten habe 

sie, nachdem der Beschuldigte sie gefragt habe, ob sie schlafe, ihre Augen 

geöffnet und vorgespielt, dass sie in dem Zeitpunkt erwachen würde. Sie 

habe ihn gefragt, was er mache, woraufhin er gesagt habe, dass er 

Zigaretten geraucht habe. Gegen 07.00 Uhr habe der Beschuldigte ihr 

dann geschrieben, ob es ihr gefallen und ob sie etwas bemerkt habe (UA 

act. 456 ff.). 

 

Die vorinstanzliche Hauptverhandlung, anlässlich welcher A.D._____ zum 

zweiten Mal befragt worden ist, fand am 13. Juni 2023 und somit beinahe 

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ein Jahr später statt. Dabei schilderte sie den Sachverhalt im freien Bericht 

im Wesentlichen gleich (GA act. 76 ff.). 

 

A.D._____ wurde an der Berufungsverhandlung vom 1. April 2025 erneut 

einlässlich befragt, so dass das Obergericht einen persönlichen Eindruck 

ihres Aussageverhaltens gewinnen konnte. An der Berufungsverhandlung 

bestätigte A.D._____, dass der Beschuldigte ihr geschrieben habe, sie 

solle nur mit Unterwäsche bekleidet zu ihm ins Zimmer kommen. Sie sei 

normal bekleidet zu ihm ins Zimmer gegangen, habe dieses dann aber 

wieder verlassen. Gegen 05.00 Uhr morgens sei er dann bei ihr im Zimmer 

gewesen. Sie sei erwacht, weil der Beschuldigte sie am Unterbauch, direkt 

auf ihrer Haut, berührt habe. Als er bemerkt habe, dass sie aufgewacht sei, 

habe er seine Hand weggenommen. Er habe ihr dann, als sie ihn 

angeschaut habe, gesagt, dass er auf dem Balkon am Rauchen gewesen 

sei. Als er wieder in seinem Zimmer gewesen sei, habe er sie mittels 

Messenger-Nachricht gefragt, ob es ihr gefallen habe. Er habe ihr 

geschrieben, dass er ihr habe zeigen wollen, was ihr hätte gefallen können. 

Weiter bestätigte sie, am Morgen nach dem Vorfall geduscht und noch 

gleichentags ihren Vater über den Vorfall informiert zu haben (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4 f.). 

 

Im Widerspruch zu ihren früheren Aussagen führte sie aus, dass der 

Beschuldigte geschlafen habe, als sie zu ihm in sein Zimmer gegangen sei, 

woraufhin sie wieder in ihr eigenes Zimmer zurückgegangen sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4). Dieser Widerspruch ist jedoch aufgrund des 

relativ langen Zeitablaufs – sie ist mittlerweile 15 Jahre alt und seit dem 

angeklagten Vorfall sind bereits mehr als 2 ½ Jahre vergangen – und dem 

Umstand, dass sie den Vorfall als sehr unangenehm und auch 

schambehaftet empfunden hat, erklärbar. Diese – nicht den eigentlichen 

Kerngehalt betreffenden – Abweichungen zu ihren früheren Aussagen 

lassen ihre Aussagen zum eigentlichen Übergriff deshalb nicht als 

unglaubhaft erscheinen. Im Gegenteil sind Erinnerungslücken dieser Art zu 

erwarten. 

 

2.4.3.2. 

Abzustellen ist in erster Linie auf die tatnächsten Aussagen anlässlich der 

Videoeinvernahme vom Tattag, besteht doch hinsichtlich der späteren 

Einvernahmen aufgrund des dazwischenliegenden Zeitablaufs grund-

sätzlich die Möglichkeit von autosuggestiven Prozessen, die teilweise auch 

von aussen angestossen werden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem 

schlechten psychischen Befinden haben (vgl. RENATE VOLBERT, in: 

Handbuch der Rechtspsychologie, 2008, Suggestion, S. 333). Hierzu ist 

wiederum zu berücksichtigen, dass Schilderungen, die auf voll ausgebil-

deten Pseudoerinnerungen beruhen, eine ähnlich hohe Qualität erreichen 

können wie erlebnisbasierte Schilderungen.  

 

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Die Aussagen von A.D._____ sind für das Obergericht nachvollziehbar und 

konsistent. Ihre tatnahen Aussagen zur Tat sind detailreich, spontan erfolgt, 

wirken als Ganzes in sich stimmig und weisen darüber hinaus keine 

relevanten Widersprüche auf. Sie war in der Lage, auf Nachfrage, aber 

teilweise auch spontan diverse Präzisierungen vorzunehmen. Weiter sind 

in den Aussagen von A.D._____ auch ungeordnet sprunghafte 

Darstellungen, welche für die Glaubhaftigkeit von Aussagen sprechen, 

vorhanden. So hat sie beispielsweise, nachdem sie das eigentliche 

Kerngeschehen geschildert hat, ergänzend festgehalten, dass der 

Beschuldigte ihr, nachdem sie zuvor von seinem in ihr Zimmer 

zurückgegangen sei, geschrieben und sie gefragt habe, weshalb sie 

gegangen sei (UA act. 485). A.D._____ gab sodann während der Tat 

zwischen ihr und dem Beschuldigten stattgefundene Gespräche wieder. So 

führte sie aus, ihn gefragt zu haben, was er mache, woraufhin er 

geantwortet habe, er habe nur geraucht (UA act. 458). A.D._____ gab auch 

nebensächliche Einzelheiten zu Protokoll, was als weiteres 

Realkennzeichen für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. So führte 

sie aus, dass der Beschuldigte, als sie vor der Tat bei ihm im Zimmer 

gewesen sei, bereits halb am Schlafen gewesen sei und dass sie, bevor 

sie dann eingeschlafen sei, noch ihrer besten Freundin geschrieben habe 

(UA act. 458). A.D._____ machte nachvollziehbare Aussagen betreffend 

ihre Gefühle und Gedanken. So gab sie an, sich, als der Beschuldigte ihr 

am Vorabend ein Kompliment gemacht und ihr gesagt habe, dass sie 

schöne Augen habe, nichts Schlechtes dabei gedacht zu haben (UA 

act. 458). Sie schilderte weiter ihren Gedanken, wonach sie ihr Zimmer 

eigentlich mit einem Schlüssel habe verschliessen wollen, als sie aus dem 

Zimmer des Beschuldigten zurückgekehrt sei (UA act. 458). Betreffend ihre 

Gefühle während der Tat gab sie an, Angst gehabt zu haben und im Schock 

gewesen zu sein (UA act. 458). Weiter gestand A.D._____ 

Erinnerungslücken ein, gab sie doch an, nicht mehr genau zu wissen, was 

der Beschuldigte ihr geschrieben habe (UA act. 458) und sich nicht genau 

daran erinnern zu können, was der Beschuldigte während des Vorfalls 

angehabt habe (UA act. 461). Weiter wisse sie nicht mehr, ob der 

Beschuldigte, nebst der Frage, ob sie noch schlafe, sonst noch etwas 

gefragt habe (UA act. 462). Als weiteres Realkennzeichen, welches für die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen von A.D._____ spricht, sind 

Selbstbelastungen vorhanden. So hat sie zugegeben, ihre Mutter in Bezug 

auf den Ausflug mit dem Beschuldigten am Tag vor dem Vorfall angelogen 

zu haben, als ihre Mutter sie gefragt habe, wo sie sei. A.D._____ habe ihrer 

Mutter dann wahrheitswidrig gesagt, dass sie zuhause sei. Sie habe 

gelogen, weil sie gedacht habe, dass ihre Mutter wütend werden würde (UA 

act. 457). Weiter hat A.D._____ sich auch dahingehend selbst belastet, als 

sie ausgeführt hat, dass es ihr Fehler gewesen sei, als sie zum 

Beschuldigten ins Zimmer gegangen sei. Sie sei aber neugierig gewesen 

(UA act. 460). A.D._____ hat den Beschuldigten schliesslich nicht unnötig 

belastet, sondern hat angegeben, dass er vor dem Vorfall stets nett und 

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freundlich zu ihr gewesen sei (UA act. 462). Ihre Aussagen halten einem 

Strukturvergleich stand. 

 

In einer Gesamtbeurteilung können damit eine Vielzahl von Realkenn-

zeichen in den Aussagen von A.D._____ erkannt werden, welche ihre 

Aussagen als glaubhaft erscheinen lassen. Auf der anderen Seite sind ihre 

Aussagen teilweise lückenhaft. So konnte sie sich, wie bereits dargelegt, in 

Bezug auf die konkrete Tat nicht mehr genau daran erinnern, was der 

Beschuldigte anhatte oder ob er sie noch etwas anderes gefragt habe. Dies 

lässt sich jedoch wohl dadurch erklären, dass A.D._____ vor dem 

eigentlichen Tatgeschehen am Schlafen war und – eigenen Angaben 

zufolge – erst erwacht ist, als der Beschuldigte ihre Hose aufgemacht hat. 

Hinzukommt, dass sie sich während der Tat in einem eigentlichen 

Schockmoment befand, wie sie zu Protokoll gegeben hat. Die einseitige 

Aufmerksamkeitsverteilung kann zudem im sogenannten «Waffenfokus» 

oder «Tunnelgedächtnis» gründen. Diese Begriffe beschreiben das 

Phänomen, dass die Aufmerksamkeit des Opfers einseitig auf ein gewisses 

Objekt oder Kerngeschehen, von welchem die Hauptbedrohung ausgeht, 

gelenkt wird, und die weiteren Begleitumstände bzw. Kontextereignisse 

schlechter erinnert werden (LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Wie können 

aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern und Staatsanwälten 

helfen?, AJP 11/2011 S. 1418 f.). Dies führt somit nicht dazu, dass die 

Aussagen von A.D._____ grundsätzlich als nicht glaubhaft zu beurteilen 

wären, zumal sie die genannten Erinnerungslücken von Anfang an offen 

zugegeben hat, was wiederum ein Realkennzeichen darstellt. 

 

Das Vorbringen des Beschuldigten, wonach er sich vorstellen könne, dass 

die Ehefrau von C.D._____ betreffend die Vorwürfe mitgewirkt haben 

könnte, weil diese gewollt habe, dass der Beschuldigte aus der 

gemeinsamen Wohnung ausziehe (UA act. 481), ist eine offensichtliche 

Schutzbehauptung. Dass eine Mutter ihr eigenes minderjähriges Kind den 

oftmals langjährigen und in psychischer Hinsicht durchaus strapazierenden 

Folgen eines Strafverfahrens aussetzen würde, um das Ausziehen einer 

Person aus einer Wohnung zu bewirken, anstatt diesbezüglich einfach das 

Gespräch und eine Lösung zu suchen, erscheint völlig lebensfremd. 

Hinzukommt, dass A.D._____ anlässlich ihrer ersten Einvernahme auf 

entsprechende Nachfrage hin angegeben hat, mit ihrer Mutter 

diesbezüglich nicht über den Beschuldigten geredet zu haben (UA 

act. 463). Nichts anderes geht aus den zwischen A.D._____ und ihrer 

Mutter in den Tagen vor dem Vorfall versendeten Textnachrichten hervor, 

welche keinerlei Hinweise auf dahingehende Absprachen enthalten (vgl. 

UA act. 356 ff.). Entgegen dem Beschuldigten ist gerade nicht erkennbar, 

dass A.D._____ einen Grund gehabt hätte, ihn bewusst falsch 

anzuschuldigen oder dass sie von einer Drittperson in Bezug auf ihre 

getätigten Aussagen beeinflusst worden wäre. Vielmehr ist festzustellen, 

dass A.D._____ durch das Strafverfahren eine erhebliche Belastung auf 

 - 11 - 

 

 

sich genommen hat, was einem Motiv zur Falschanschuldigung 

entgegensteht.  

 

2.4.4.  

Die Aussagen des Beschuldigten erscheinen wenig schlüssig und nicht 

nachvollziehbar: 

 

Der Beschuldigte bestreitet zwar, A.D._____ in der Nacht vom 24. Juli 2022 

angefasst zu haben, nicht jedoch, in dieser Nacht in ihrem Zimmer 

gewesen zu sein. Die Aussagen des Beschuldigten stimmen insoweit mit 

denjenigen von A.D._____ überein, als dass sie sich in der fraglichen Nacht 

Textnachrichten gesendet haben, er A.D._____ mittels der Nachrichten 

dazu aufgefordert hat, mit Unterwäsche bekleidet zu ihm ins Zimmer zu 

kommen, wo er sich in seinem Bett liegend mit einer Decke zugedeckt 

befand, was sie dann auch gemacht hat und er sie gefragt hat, ob sie keine 

Angst habe. Weiter stimmen die Aussagen auch dahingehend überein, 

dass der Beschuldigte später im Zimmer von A.D._____ gewesen sei und 

sie gefragt habe, ob sie schlafe (UA act. 457 und 471 ff.; 485). Gemäss 

seiner Darstellung habe der Beschuldigte in seinem Zimmer zwar seine 

Hand bewegt, er habe A.D._____ jedoch damit nicht dazu aufgefordert, 

sich im Bett neben ihn hinzulegen (UA act. 474). In Bezug auf das 

Kerngeschehen gab er an, A.D._____ gefragt zu haben, ob sie schlafe, weil 

er vom Balkon aus, wo er am Rauchen gewesen sei, gesehen habe, dass 

ihr Mobiltelefon geblinkt habe (UA act. 475 f.).  

 

Der Beschuldigte macht in seinen Aussagen diverse alkoholbedingte 

Erinnerungslücken geltend. So gab er anlässlich seiner Einvernahme vom 

25. Juli 2022 an, sich nicht daran erinnern zu können, ob er A.D._____ 

berührt habe, als er in ihrem Zimmer gewesen sei. Er wisse auch nicht 

mehr, ob er ihre Hose geöffnet habe und ob er sie am unteren Bereich ihres 

Bauches gestreichelt habe (UA act. 476). Nicht mit der geltend gemachten 

Erinnerungslücke in Einklang gebracht werden kann die Angabe des 

Beschuldigten, wonach er sich daran erinnern könne, wegen des 

Aufblinkens des Mobiltelefons von A.D._____ in ihr Zimmer gegangen zu 

sein, nicht jedoch, was dann im Zimmer passiert sei (UA act. 480). Es 

erscheint auffällig, dass die durch den Beschuldigten vorgebrachte 

Erinnerungslücke lediglich den Zeitraum des eigentlichen Kerngeschehens 

betrifft, nicht jedoch die unmittelbar davorliegende Zeitspanne, während 

welcher er sich auf dem Balkon befunden und das blinkende Mobiltelefon 

gesehen haben will. Dass der Beschuldigte sich, zumindest unmittelbar 

nach der Tat, denn auch tatsächlich an das eigentliche Kerngeschehen 

erinnern konnte, zeigt sich eindeutig an den von ihm gegen 06.03 Uhr an 

A.D._____ versendeten Messenger-Nachrichten, in welchen er ihr 

geschrieben hat, dass er ihr etwas habe zeigen wollen und dass ihr etwas 

gefallen habe. Er würde das Gleiche machen, aber sie wolle nicht (UA 

act. 320). Die Tatsache, dass sich der Beschuldigte in das Zimmer von 

 - 12 - 

 

 

A.D._____ hat begeben können und er ca. eine halbe Stunde nach den 

angeklagten Übergriffen dazu in der Lage war, Textnachrichten an 

A.D._____ zu versenden, führt vor Augen, dass seine Alkoholintoxikation 

nicht derart gewesen sein kann, dass von einer Amnesie auszugehen wäre. 

Es handelt sich hierbei um eine offensichtliche Schutzbehauptung. So war 

der Beschuldigte während der Tat sowohl zur koordinierten Tatausführung 

als auch zu logischem Denken und zur Kommunikation fähig. 

 

Es liegen sodann dahingehend Widersprüche in den Aussagen des 

Beschuldigten vor, als dass er, nachdem er in seiner ersten Einvernahme 

vom 25. Juli 2022 noch zugegeben hatte, A.D._____ dazu aufgefordert zu 

haben, sie solle ihm in seinem Zimmer ihre Hand geben, an der Eröffnung 

seiner Festnahme am 26. Juli 2022 und somit bloss einen Tag später 

angegeben hat, ihr lediglich gesagt zu haben, sie solle ihm ein «High-five» 

geben. Sodann relativierte er seine anlässlich seiner ersten Einvernahme 

getätigte Aussage, wonach er A.D._____ in ihrem Zimmer gefragt habe, ob 

sie schlafe, an der Eröffnung seiner Festnahme, indem er angab, dies nicht 

mit 100-prozentiger Sicherheit sagen zu können (UA act. 484 f.; 471 ff.). 

Folglich sind die Aussagen des Beschuldigten nicht durchwegs konstant 

und widerspruchsfrei ausgefallen. An der Berufungsverhandlung machte er 

von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. 

 

Weiter lassen sich in den Aussagen des Beschuldigten diverse 

Auffälligkeiten erkennen. Hervorzuheben ist, dass er anlässlich seiner 

Einvernahme vom 25. Juli 2022 auf die Frage, ob die Geschichte von 

A.D._____ aus seiner Sicht plausibel sei, geantwortet hat, dass dies der 

Fall sein könne und er nicht sage, dass es nicht wahr sei (UA act. 477). 

Folglich hat er an seiner ersten Einvernahme zwar nicht bestätigt, dass es 

in der Nacht vom 24. Juli 2022 zu sexuellen Handlungen gekommen ist, 

hat dies jedoch auch nicht explizit bestritten. An der Eröffnung seiner 

Festnahme vom 26. Juli 2022 erklärte er, zu behaupten, dass er A.D._____ 

nicht angefasst habe, da er sich nicht daran erinnern könne, was passiert 

sei. Er gab jedoch an, dass es vielleicht möglich sei, dass er die Hosen von 

A.D._____ geöffnet und sie am Unterbauch gestreichelt habe. Er könne 

sich daran nicht erinnern (UA act. 485).  

 

Dem Beschuldigten kann in keiner Weise geglaubt werden, dass er das 

Zimmer von A.D._____ bloss deshalb betreten hat, um sie zu fragen, ob 

sie schlafe, nachdem er vom Balkon aus, auf welchem er geraucht habe, 

gesehen habe, dass ihr Mobiltelefon geblinkt habe. Er sei denn auch nicht 

direkt, nachdem er das aufleuchtende Mobiltelefon gesehen habe, zu 

A.D._____ ins Zimmer gegangen, sondern erst ein bisschen später. Er 

wisse gar nicht, wie lange er zuerst noch auf dem Balkon geblieben sei (UA 

act. 475). Diese durch den Beschuldigten geschilderte Version erscheint 

völlig lebensfremd und realitätsfern. So erscheint es in keiner Weise 

nachvollziehbar oder glaubhaft, dass er sich, mitten in der Nacht, bloss 

 - 13 - 

 

 

aufgrund eines aufleuchtenden Mobiltelefons in das Schlafzimmer eines 

13-jährigen Mädchens begeben hätte.  

 

Dass der Beschuldigte in der in Frage stehenden Nacht keine sexuellen 

Intentionen betreffend A.D._____ gehabt haben soll, ist als offensichtliche 

Schutzbehauptung zu qualifizieren. Dies zeigt sich bereits anhand seines 

Verhaltens vor dem eigentlichen Tatgeschehen. So hat er eingestanden, 

A.D._____ geschrieben zu haben, sie solle – wohlgemerkt lediglich mit 

Unterwäsche bekleidet – zu ihm ins Zimmer kommen. Als sie dann in sein 

Zimmer gekommen sei, habe er sich in liegender Position unter der 

Bettdecke auf dem Bett befunden und A.D._____ gefragt, ob sie keine 

Angst habe und ihr gesagt, sie solle ihm ihre Hand geben (UA act. 472 f.). 

Der Beschuldigte bestätigte, A.D._____ vor der Tat ein Kompliment zu 

ihrem Aussehen gemacht zu haben, da er ihr gesagt habe, dass sie schöne 

Augen habe (UA act. 476). Die Beteuerungen des Beschuldigten, 

A.D._____ in deren Zimmer nicht angefasst zu haben, erscheinen somit in 

Würdigung seiner sich widersprechenden, inkonstanten Aussagen, welche 

mehrere Auffälligkeiten aufweisen, als reine Schutzbehauptungen. 

 

2.4.5. 

2.4.5.1. 

Die Aussagen von A.D._____ und des Beschuldigten sind – soweit möglich 

– aufgrund weiterer Beweise oder Indizien einer externen Validierung zu 

unterziehen. Auch sind die weiteren Beweismittel in Bezug auf den Vorwurf 

der Schändung zu würdigen. 

 

2.4.5.2. 

Im Einklang mit den Aussagen von A.D._____ betreffend das Streicheln 

ihres Unterbauchs durch den Beschuldigten steht die DNA-Spur, welche 

auf der Aussenseite des Bundes an der Vorderseite ihrer Unterhose 

gefunden worden ist. So geht aus dem Untersuchungsbericht des Instituts 

für Rechtsmedizin des Kantonsspitals Aarau vom 29. September 2022 

hervor, dass das ermittelte DNA-Hauptprofil dieser Spur an den 

vergleichbaren Y-STR-Loci mit dem DNA-Profil des Beschuldigten 

übereinstimme. Deshalb könne der Beschuldigte als Spurengeber nicht 

ausgeschlossen werden. Auf eine Berechnung der Wahrscheinlichkeit der 

Spurengeberschaft des Beschuldigten sei aufgrund der Übereinstimmung 

dieser Spur mit derjenigen ab dem Schritt auf der Innenseite der Unterhose 

verzichtet worden (UA act. 408). Dem betreffend die letztgenannte Spur 

erstellten Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals 

Aarau vom 29. September 2022 zufolge werde die aufgestellte Hypothese, 

wonach eine Übereinstimmung der Spur ab dem Schritt auf der Innenseite 

der Unterhose mit dem Beschuldigten vorliege, in höchstem Masse 

befürwortet (UA act. 412). Folglich ist erstellt, dass der Beschuldigte mit der 

Unterhose von A.D._____ an zwei Stellen, nämlich einerseits am Bund auf 

der Aussenseite der Unterhose und andererseits mittig im Schritt auf der 

 - 14 - 

 

 

Innenseite der Unterhose in Kontakt gekommen ist. Die Tatsache, dass der 

Beschuldigte die Unterhose von A.D._____, welche sie in der Tatnacht 

getragen hat, am Bund berührt hat, steht im Einklang mit der durch 

A.D._____ geschilderten Sachverhaltsdarstellung, wonach der 

Beschuldigte sie an ihrem Unterbauch gestreichelt hat, weshalb diese 

DNA-Spur für die Glaubhaftigkeit der Aussagen von A.D._____ spricht. 

 

Betreffend den Vorwurf, der Beschuldigte habe während A.D._____ 

geschlafen habe, an deren Vulva gefasst, indem er dazu unter ihre Jeans- 

und Unterhose gefasst habe, ist Folgendes festzuhalten: Aufgrund der auf 

der Innenseite der Unterhose mittig im Schritt gefundenen DNA-Spur des 

Beschuldigten besteht für das Obergericht gestützt auf die nachfolgenden 

Ausführungen kein Zweifel daran, dass der Beschuldigte A.D._____, 

während diese noch geschlafen hat, an deren Vulva angefasst hat: Die in 

Frage stehende Unterhose von A.D._____, welche sie in der Tatnacht 

anhatte, wurde im Wäschekorb, welcher sich im Badezimmer befand, 

sichergestellt (UA act. 433; 296). Aus dem Bericht der Kantonspolizei vom 

15. Dezember 2022 ergibt sich, dass diese Unterhose nach deren 

Sicherstellung durch die Kantonspolizei im Wäschekorb nicht umgedreht 

worden sei, weshalb sie in demjenigen Zustand an die Kriminaltechnik 

übergeben worden sei, in welchem sie sichergestellt worden sei. Die 

Tatsache, dass der erste ab der Unterhose genommene DNA-Abrieb (Spur 

7/21) von der Aussenseite der Unterhose stamme (UA act. 419), zeige, 

dass die Unterhose in regulärer Ausrichtung an die Kriminaltechnik 

übergeben worden sei. Dies sei damit zu begründen, dass aufgrund der 

Kontaminationsgefahr sowie der Gefahr von Spurenverlusten unnötige 

Manipulationen, wie das Wenden von Kleidungsstücken, grundsätzlich 

vermieden werde. Folglich sei die Unterhose in regulärer Ausrichtung 

(Innenseite nach innen) im Wäschekorb aufgefunden worden (UA 

act. 296). Nichts anderes ergibt sich aus dem Spurensicherungsbericht der 

Kriminaltechnik vom 5. Oktober 2022, aus welchem hervorgeht, dass die 

Unterhose «unbearbeitet sichergestellt» worden sei (UA act. 418). Dass die 

Unterhose von A.D._____ mit der Aussenseite nach aussen sichergestellt 

worden ist, wie sie sich somit auch im Wäschekorb im Badezimmer befand, 

führt vor Augen, dass die auf der Innenseite der Unterhose, mittig auf Höhe 

des Schritts vorhandene DNA-Spur des Beschuldigten (UA act. 422; 408 f.; 

412), nicht – wie von ihm geltend gemacht (Berufungsbegründung S. 5 f.; 

Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 2 f.) 

– durch eine Übertragung seiner DNA während einer allfälligen Berührung 

dieser Unterhose durch ihn, während er seine eigenen Kleidungsstücke im 

Wäschekorb gesucht habe, oder durch seine Kleidungsstücke im 

Wäschekorb, begründet werden kann. Denn bei einer solchen Übertragung 

wäre seine DNA-Spur auf der Aussenseite der Unterhose, welche er oder 

seine Kleidungsstücke berührt hätten, zu erwarten gewesen, sicherlich 

nicht jedoch auf deren Innenseite. Dass sodann gleich an zwei 

unterschiedlichen Stellen auf der Unterhose DNA-Spuren des 

 - 15 - 

 

 

Beschuldigten festgestellt werden konnten, führt vor Augen, dass dies nicht 

durch eine zufällige Übertragung zustande gekommen sein kann, wären in 

einem solchen Fall doch beide Spuren vorliegend an der Aussenseite der 

Unterhose und sodann auch nicht an zwei voneinander so distanzierten 

Orten zu erwarten gewesen. Es bleibt der Vollständigkeit halber zu 

erwähnen, dass die Tatsache, dass ab den im Intimbereich von A.D._____ 

genommenen Abstrichen keine DNA-Spur des Beschuldigten gefunden 

werden konnte (vgl. UA act. 421), den Beschuldigten – entgegen seinem 

Vorbringen (Berufungsbegründung S. 5) – nicht entlasten kann, hat 

A.D._____ doch angegeben, nach dem Vorfall und noch vor ihrer 

körperlichen Untersuchung geduscht zu haben (UA act. 458). Dass sodann 

auf dem Knopf sowie dem Reissverschluss der Hose von A.D._____ keine 

DNA-Spur des Beschuldigten gefunden worden ist (UA act. 418), vermag 

seine Täterschaft – entgegen seinem Vorbringen (Berufungsbegründung 

S. 6) – nicht auszuschliessen. So wurden sowohl der Knopf als auch der 

Reissverschluss nach dem Vorfall durch A.D._____ berührt, als sie die 

Hose abgezogen hat, um zu duschen, weshalb es nicht erstaunt, dass 

darauf ihre DNA gefunden werden konnte, nicht jedoch diejenige des 

Beschuldigten (UA act. 418).  

 

Weiter gegen eine mögliche Übertragung der DNA-Spuren im Wäschekorb 

sowie durch eine zufällige Berührung der Unterhose durch den 

Beschuldigten sprechen die Aussagen des Beschuldigten sowie von 

C.D._____ betreffend die Nutzung des Wäschekorbes im Badezimmer: So 

gab C.D._____ an seiner delegierten Einvernahme vom 29. November 

2022 an, dass er und der Beschuldigte ihre Wäsche jeweils separat 

gewaschen hätten. Sie hätten separate Wäschekörbe gehabt. C.D._____ 

habe seinen eigenen Wäschekorb im Badezimmer gehabt. Es sei nicht 

möglich, dass der Beschuldigte am Morgen nach der Tat seine 

Dreckwäsche aus dem Wäschekorb im Badezimmer herausgenommen 

habe, da der Beschuldigte seinen eigenen Wäschekorb in seinem Zimmer 

aufbewahrt habe (UA act. 506 ff.). An der Berufungsverhandlung bestätigte 

C.D._____, dass er seinen Wäschekorb im Badezimmer gehabt habe, 

während der Beschuldigte einen eigenen Wäschekorb in dessen 

Schlafzimmer gehabt habe. Soweit er sich daran erinnern könne, hätten er 

und der Beschuldigte ihre Wäsche nicht in denselben Wäschekorb 

reingelegt. Sie hätten ihre Wäsche separat gewaschen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 12 ff.). Der Beschuldigte hat an der Eröffnung 

seiner Festnahme vom 26. Juli 2022 angegeben, am Morgen nach der Tat 

habe ihm C.D._____ gesagt, er müsse die Wohnung verlassen. Nach 

diesem Gespräch sei er in sein Zimmer gegangen. Daraufhin habe er seine 

Sachen gepackt und dabei seine Kleider aus dem Wäschekorb 

herausgenommen (UA act. 489). An seiner Einvernahme vom 19. Oktober 

2022 führte der Beschuldigte aus, seine Wäsche gemeinsam mit 

derjenigen von C.D._____ gewaschen zu haben. Sie hätten einen 

gemeinsamen Wäschekorb im Badezimmer gehabt, in welchen die ganze 

 - 16 - 

 

 

Schmutzwäsche reingeworfen worden sei (UA act. 494). Nach der 

Konfrontation mit der DNA-Auswertung der Unterhose von A.D._____ 

führte der Beschuldigte aus, seine Sachen zusammengepackt zu haben, 

als der Vater von A.D._____ am Morgen nach der Tatnacht zu ihm gesagt 

habe, er müsse ausziehen. Dabei habe er auch seine Wäsche aus dem 

Wäschekorb herausgenommen, welche zuunterst im Korb gelegen sei, 

wobei er die darüberliegenden Kleidungsstücke von Hand habe 

wegnehmen müssen. Es könne daher sein, dass er dabei die Unterhose 

von A.D._____ angefasst habe. Dies habe er gemacht, als A.D._____ mit 

ihrem Vater ins Spital gegangen sei, ca. eine Stunde bevor die Polizei 

aufgetaucht sei. Ob die in Frage stehende Unterhose damals jedoch 

überhaupt im Wäschekorb gewesen sei, konnte er nicht sagen (UA 

act. 495 f.). An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte der 

Beschuldigte dagegen – seiner ersten Aussage entsprechend – aus, dass 

er seine dreckigen Kleidungsstücke jeweils bei ihm im Zimmer aufbewahrt 

habe. Seine Dreckwäsche habe er bloss in demjenigen Zeitraum in den 

Wäschekorb im Badezimmer geworfen, während seine Ehefrau ihn in der 

Schweiz besucht und sie die Wäsche des Beschuldigten und auch von 

C.D._____ gleichzeitig gewaschen habe (GA act. 81). Nachdem der 

Beschuldigte angegeben hat, seine Dreckwäsche lediglich in der 

Zeitspanne, in welcher seine Frau zu Besuch gewesen sei, in den 

Wäschekorb im Badezimmer geworfen zu haben, und bestätigt hat, dass 

seine Frau nicht zu Besuch gewesen sei, als A.D._____ in der Schweiz 

gewesen sei (UA act. 495), kann – gerade auch unter Berücksichtigung der 

sich damit deckenden Aussagen von C.D._____ (vgl. oben) – 

ausgeschlossen werden, dass eine Übertragung der DNA des 

Beschuldigten im Wäschekorb stattgefunden haben könnte. Damit im 

Einklang steht sodann, dass anlässlich der Hausdurchsuchung vom 

14. Dezember 2022 im Keller ein Wäschekorb sichergestellt werden 

konnte, bei welchem es sich nicht um den Wäschekorb aus dem 

Badezimmer handelte und in welchem sich tatsächlich einzig 

Kleidungsstücke des Beschuldigten befanden (UA act. 437; 302 ff.). Die 

Sicherstellung erfolgte nach den durch C.D._____ gemachten Angaben 

anlässlich seiner Einvernahme vom 29. November 2022, bei welcher er 

ausführte, er habe nach dem Vorfall das Zimmer des Beschuldigten 

geräumt und dabei dort dessen Wäschekorb gesehen. C.D._____ habe 

dann den Wäschekorb mit den darin enthaltenen Kleidern in den Keller 

getan (UA act. 506; 513). Zusammenfassend erachtet das Obergericht die 

vom Beschuldigten vorgebrachte Übertragung seiner DNA auf die 

Unterhose von A.D._____ im Wäschekorb des Badezimmers als reine 

Schutzbehauptung. Nachdem eine solche Übertragung ausgeschlossen 

werden kann, erachtet es das Obergericht als erstellt, dass die DNA-Spur 

des Beschuldigten, welche im Schritt auf der Innenseite der Unterhose von 

A.D._____ festgestellt werden konnte, damit zu erklären ist, dass er ihr in 

der Tatnacht an ihre Vulva gefasst hat.  

 

 - 17 - 

 

 

2.4.5.3.  

Aus den in der Tatnacht zwischen dem Beschuldigten und A.D._____ 

versendeten Textnachrichten im Facebook Messenger-Chat geht hervor, 

dass der Beschuldigte A.D._____ um 00.05 Uhr geschrieben hat, sie solle 

später zu ihm ins Zimmer kommen. Aber so, dass ihr Vater sie nicht sehe, 

nachdem er schlafen gegangen sei. Sie solle leise sein. Nachdem 

A.D._____ den Beschuldigten gefragt hat, ob sie jetzt zu ihm rüberkommen 

solle, antwortete der Beschuldigte, sie solle nicht jetzt kommen, weil ihr 

Vater auf dem Balkon schlafe. Danach schrieb der Beschuldigte, 

A.D._____ könne nun für einen Moment ins Zimmer kommen, und dann 

später für längere Zeit. Er werde im Zimmer sein. Weiter schrieb der 

Beschuldigte, sie solle keine Hosen anziehen und in Unterwäsche 

kommen. Als A.D._____ dem Beschuldigten schrieb, dass sie bereits 

Hosen anhabe, schrieb der Beschuldigte, sie solle diese ausziehen und 

antwortete auf ihre Frage, wofür sie diese ausziehen solle, das werde sie 

sehen. Daraufhin antwortete A.D._____: «Lieber mit Hosen» (aus der 

polnischen in die deutsche Sprache übersetzt). Um 01.04 Uhr schrieb der 

Beschuldigte A.D._____, dass sie schauen solle, ob ihr Vater schlafe und 

kommen solle, aber so, dass dieser es nicht sehe. Sonst werde es schlimm. 

Daraufhin antwortete sie: «Ok, ich komme» (aus der polnischen in die 

deutsche Sprache übersetzt). Um 02.20 Uhr schrieb der Beschuldigte: «Ich 

komme zu dir. Darf ich?» (aus der polnischen in die deutsche Sprache 

übersetzt). Um 06.03 Uhr sendete der Beschuldigte A.D._____ folgende 

Nachrichten: «Wenn du nicht willst, ist ok. Ich wollte dir etwas zeigen. 

Deswegen habe ich gesagt, dass du in der Unterwäsche und nicht in der 

Hose kommen sollst» (aus der polnischen in die deutsche Sprache 

übersetzt). Nachdem A.D._____ den Beschuldigten daraufhin gefragt hat, 

was er so früh bei ihr im Zimmer gemacht habe, antwortete er: «Ich ging 

rauchen und kam dann rein. Und etwas hat dir gefallen» (aus der 

polnischen in die deutsche Sprache übersetzt). Nachdem A.D._____ 

gefragt hat: «Aber was?» (aus der polnischen in die deutsche Sprache 

übersetzt) führte der Beschuldigte aus: «Ich würde das gleiche machen, 

aber du möchtest nicht» (aus der polnischen in die deutsche Sprache 

übersetzt) und «Wenn du es möchtest, werde ich es dir zeigen» (aus der 

polnischen in die deutsche Sprache übersetzt). Später schrieb der 

Beschuldigte noch: «Komm jetzt, aber mach die Tür bei dir zu. Und mach 

die Vorhänge zu, so als wärst du am Schlafen» (aus der polnischen in die 

deutsche Sprache übersetzt, UA act. 320 f.). 

 

Diese in der Tatnacht versendeten Nachrichten decken sich mit den 

Aussagen von A.D._____ und bestätigen diese damit vollumfänglich. Sie 

führen deutlich vor Augen, dass der Beschuldigte sexuelle Absichten hegte, 

hat er doch geschrieben, dass C.D._____ nichts mitbekommen dürfe, sonst 

werde es schlimm, und dass A.D._____ lediglich in Unterwäsche bekleidet 

zu ihm kommen solle. Die Nachrichten zeigen weiter, dass der 

Beschuldigte tatsächlich «etwas» an A.D._____ ausgeführt hat (vgl. «Und 

 - 18 - 

 

 

etwas hat dir gefallen» [aus der polnischen in die deutsche Sprache 

übersetzt]), was sie nicht gewollt habe (vgl. «aber du möchtest nicht» [aus 

der polnischen in die deutsche Sprache übersetzt]). Weiter geht aus den 

Nachrichten hervor, dass der Beschuldigte bereits um 02.20 Uhr und somit 

gut zweieinhalb Stunden vor der Tatbegehung beabsichtigte, zu A.D._____ 

ins Zimmer zu kommen. Dies verdeutlicht, dass der Beschuldigte gerade 

nicht, wie von ihm geltend gemacht, aufgrund eines aufleuchtenden 

Mobiltelefons zu A.D._____ ins Zimmer gegangen ist.  

 

Auch die durch den Beschuldigten bestätigte Tatsache, dass er die mit 

A.D._____ in der Tatnacht ausgetauschten Textnachrichten im Nachgang 

gelöscht hat (UA act. 477), stellt ein Indiz für seine Täterschaft dar. So hat 

er angegeben, den Chat just in demjenigen Zeitpunkt gelöscht zu haben, 

nachdem er durch den Vater von A.D._____, C.D._____, auf die 

Tatbegehung angesprochen und mit dieser konfrontiert worden sei (UA 

act. 478). Dies führt vor Augen, dass es sich hierbei um eine eigentliche 

Vertuschungshandlung des Beschuldigten gehandelt hat, ging es ihm doch 

offensichtlich darum, Beweismittel zu vernichten. A.D._____ dagegen, hat 

unmittelbar nach der Tat eigenhändig Screenshots von den Nachrichten 

des Beschuldigten erstellt, für den Fall, dass er diese im Nachhinein 

löschen werde (UA act. 462).  

 

2.4.5.4.  

Die am Vormittag nach der Tat zwischen A.D._____ und ihrer Mutter, 

D.D._____, versendeten WhatsApp-Nachrichten, in welchen A.D._____ 

ihrer Mutter schriftlich schildert, was in der Nacht zwischen ihr und dem 

Beschuldigten vorgefallen ist, stimmen mit den durch A.D._____ anlässlich 

ihrer Einvernahmen gemachten Ausführungen überein, weshalb auch 

diese für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sprechen: So schrieb 

A.D._____ ihrer Mutter als Erstes, dass sie den Beschuldigten nicht gern 

habe. Danach versendete A.D._____ folgende Nachricht: «In der Nacht hat 

er geschrieben, ich solle zu ihm kommen. Am besten in Unterwäsche. Und 

ich solle dem Papa nichts sagen. Dann habe ich Shorts angezogen (er hat 

darauf bestanden, dass ich die Shorts nicht tragen soll) und ich ging und 

fragte ihn, was er will. Dann hat er mir gesagt, dass ich mich mit ihm 

hinlegen soll. Ich sagte, dass ich nicht will und bin gegangen. Um 5 Uhr am 

Morgen hat mich etwas geweckt. Er war daran meine Hose abzuziehen 

(oder anziehen, bin nicht sicher). Ich war nicht einmal ganz bewusst, bis 

ich dann wirklich wach war. Ich habe ihm nichts gesagt, weil ich Angst hatte 

und war im Schock. Ich habe mich gedreht mit der Decke zugedeckt, dass 

er mich nicht mehr anfasst. Ich bin nicht mehr schlafen gegangen und habe 

die ganze Zeit geweint. Ich habe sogar die Screenshots, was er 

geschrieben hat» (aus der polnischen in die deutsche Sprache übersetzt; 

UA act. 345 ff.; 368 ff.).  

 

 - 19 - 

 

 

2.4.5.5.  

Dem Gutachten zur am Tattag durchgeführten forensisch-klinischen 

Untersuchung von A.D._____ des Instituts für Rechtsmedizin am 

Kantonsspital Aarau vom 3. August 2022 kann entnommen werden, dass 

weder Hautschürfungen oder Blutergüsse als Hinweise auf ein 

gewaltsames Auseinanderspreizen der Beine oder das Festhalten der 

Arme hätten gefunden werden können. Am Unterbauchbereich hätten 

keine Verletzungen gefunden werden können. Dies schliesse jedoch ein 

Streicheln nicht aus, da dies üblicherweise keine sichtbaren 

Verletzungsspuren am Hautmantel hinterlasse. Bei der Untersuchung des 

äusseren Genitals sei im Bereich der hinteren Kommissur eine 

kurzstreckige, oberflächliche Schleimhautläsion gefunden worden. Diese 

könne die Folge einer sexuellen Handlung sein, beispielsweise durch die 

Einwirkung eines Fingernagels, allerdings sei es auch möglich, dass dies 

durch die gynäkologische Untersuchung entstanden sei oder bereits 

vorbestehend gewesen sei (UA act. 394 ff.). Folglich vermag das 

Gutachten die beiden Tatvorwürfe weder zu untermauern noch den 

Beschuldigten diesbezüglich zu entlasten, weshalb sich daraus kein 

Erkenntnisgewinn ergibt. 

 

2.4.5.6.  

Es wurde auch der Vater von A.D._____, C.D._____, als Zeuge befragt. An 

seiner delegierten Einvernahme vom 29. November 2022 gab er betreffend 

den konkreten Tatvorwurf an, diesbezüglich nichts mitbekommen zu 

haben. Er führte aus, A.D._____ habe ihm am nächsten Tag weinend vom 

Vorfall erzählt. Der Beschuldigte sei am Morgen bei ihr gewesen und habe 

versucht, ihre Hose auszuziehen. Sie habe ihrem Vater gesagt, sie wolle 

deshalb nicht mehr alleine mit dem Beschuldigten sein, weil sie Angst vor 

ihm habe (UA act. 506 ff.). An der Berufungsverhandlung führte C.D._____ 

aus, am Morgen, als er aufgestanden sei, gesehen zu haben, dass sowohl 

die Schlafzimmertüre von A.D._____ als auch die Balkontüre, welche in 

das Schlafzimmer führe, offen gestanden seien. Er bestätigte, dass der 

Beschuldigte normalerweise jeweils über das Wohnzimmer hindurch auf 

den Balkon gegangen sei und nicht über das Schlafzimmer. Weiter 

bestätigte er, dass A.D._____ ihm am Morgen nach dem angeklagten 

Vorfall gesagt habe, dass sie nicht mehr allein mit dem Beschuldigten sein 

wolle. Sie habe ihm gesagt, dass der Beschuldigte versucht habe, ihre 

Hosen ausziehen. Als er den Beschuldigten am Tag danach auf den Vorfall 

angesprochen habe, habe dieser den Kopf hängen lassen, sich 

entschuldigt und gesagt, er werde seine Tasche packen und ausziehen 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 10 ff.). 

 

Auch wenn C.D._____ keine Angaben aus eigener unmittelbarer 

Wahrnehmung zum Kernvorwurf machen konnte, so steht doch fest, dass 

seine Aussagen zum allgemeinen Verhalten des Beschuldigten und von 

 - 20 - 

 

 

A.D._____ nach dem Vorfall im Einklang mit den Schilderungen von 

A.D._____ stehen, was deren Glaubhaftigkeit zusätzlich stärkt. 

 

2.4.6. 

Zusammenfassend bestehen für das Obergericht an der Richtigkeit der 

Aussagen von A.D._____ keine Zweifel i.S.v. Art. 10 Abs. 3 StPO, weshalb 

vollumfänglich auf diese abzustellen ist. Demgegenüber sind die Aussagen 

des Beschuldigten, mit welchen er bestreitet, A.D._____ angefasst zu 

haben, als blosse Schutzbehauptungen zu qualifizieren. In einer 

Gesamtbetrachtung erachtet es das Obergericht gestützt auf die als 

glaubhaft zu qualifizierenden Aussagen von A.D._____, die beiden DNA-

Spuren des Beschuldigten an der Unterhose von A.D._____, die zwischen 

ihr und dem Beschuldigten in der Tatnacht versendeten Textnachrichten 

sowie den durch A.D._____ am Vormittag nach der Tat an deren Mutter 

versendeten WhatsApp-Nachrichten als erstellt, dass der Beschuldigte in 

der Nacht vom 24. Juli 2022 im Schlafzimmer von A.D._____, dieser 

während sie noch geschlafen hat, mit seiner Hand an ihre Vulva gefasst 

hat und sodann den Hosenknopf und Reisverschluss ihrer kurzen 

Jeanshose geöffnet hat, wodurch diese erwacht ist, und sie danach mit 

einer Hand an ihrem Unterbauch gestreichelt hat. Dem Vorbringen des 

Beschuldigten, wonach es nicht möglich gewesen wäre, mit seiner Hand 

unter die angezogene kurze Jeanshose zu gelangen und den Intimbereich 

von A.D._____ anzufassen, ohne dass diese dabei erwacht wäre (Plädoyer 

des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 4), kann nicht 

gefolgt werden. So muss diesbezüglich berücksichtigt werden, dass sich 

A.D._____ auf dem Rücken liegend auf dem Bett befand und am Schlafen 

war (Protokoll Berufungsverhandlung S. 9), weshalb es durchaus möglich 

erscheint, dass der Beschuldigte unter der Hose hindurch bis zu ihrem 

Intimbereich hat fassen können, ohne dass diese sofort aufgewacht ist. 

Dass der Beschuldigte A.D._____ an deren Vulva angefasst hat, als diese 

noch am Schlafen war, ergibt sich anhand der Tatsache, dass diese 

Berührung durch A.D._____ – auch auf entsprechende Nachfrage hin – nie 

zu Protokoll gegeben worden ist, sich jedoch klar anhand der DNA-Spur 

des Beschuldigten im Schritt ihrer Unterhose ergibt und denn auch anhand 

ihrer sonstigen Ausführungen nicht erklärbar ist. Wäre A.D._____ in diesem 

Zeitpunkt wach gewesen, hätte sie diese Berührung zu Protokoll gegeben, 

wie sie dies denn auch tatsächlich betreffend das Streicheln ihres 

Unterbauches gemacht hat. Dass A.D._____ tatsächlich nicht von Anfang 

an wach war, zeigt sich anhand ihrer anlässlich ihrer Videoeinvernahme 

getätigten Aussage, wonach ihre Schlafzimmertüre geschlossen gewesen 

sei und sie nicht gehört habe, wie der Beschuldigte ihr Zimmer betreten 

habe (UA act. 462). Dies führt deutlich vor Augen, dass A.D._____ bis zum 

Öffnen ihrer Hose geschlafen haben muss, wie sie dies denn auch 

schlüssig und nachvollziehbar ausgesagt hat.  

 

 - 21 - 

 

 

2.5.  

2.5.1. 

Der Beschuldigte macht in Bezug auf den Vorwurf der Schändung zur 

rechtlichen Würdigung geltend, dass – entgegen der Vorinstanz, welche 

festgehalten hat, dass A.D._____ vor ihrem Aufwachen sowie auch noch 

kurz danach bis zum Zeitpunkt, als sie sich ein wenig habe wehren können, 

widerstandsunfähig gewesen sei (vorinstanzliches Urteil E. 5.3.2) – keine 

Widerstandsunfähigkeit vorgelegen habe. So habe sich A.D._____ eigenen 

Angaben zufolge bewegt, weil sie gewollt habe, dass der Beschuldigte 

merke, dass sie aufgewacht sei. Sie habe damit bewusst zielorientierte 

Handlungen vorgenommen. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung 

betreffend den Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind macht 

der Beschuldigte geltend, dass es sich bei der angeklagten Handlung bloss 

um ein Streicheln ausserhalb des Intimbereichs gehandelt habe, welche 

die Anforderungen an die qualitative und quantitative Erheblichkeit nicht 

erfülle (Berufungsbegründung S. 9 f.; Plädoyer des amtlichen Verteidigers 

an der Berufungsverhandlung S. 4 f.).  

 

2.5.2. 

Der Schändung gemäss Art. 191 StGB [in der bis zum 30. Juni 2024 

geltenden Fassung] macht sich strafbar, wer eine urteilsunfähige oder eine 

zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum 

Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen 

Handlung missbraucht. Widerstandsunfähig ist, wer nicht im Stande ist, 

sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Die Bestimmung 

schützt somit Personen, die einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum 

Widerstand gegen sexuelle Übergriffe nicht oder nicht sinnvoll bilden, 

äussern oder betätigen können. Dabei genügt, dass das Opfer nur 

vorübergehend zum Widerstand unfähig ist. Die Gründe für die 

Widerstandsunfähigkeit können dauernder oder vorübergehender, 

chronischer oder situationsbedingter Natur sein. Widerstandsunfähig ist 

namentlich auch eine schlafende Person. Erforderlich ist allerdings, dass 

die Widerstandsfähigkeit gänzlich aufgehoben und nicht nur beeinträchtigt 

oder eingeschränkt ist. Bewusstlosigkeit im Sinne eines komatösen 

Zustands wird nicht vorausgesetzt. Missbrauch liegt vor, wenn der Täter 

die Schutzlosigkeit des Opfers ausnützt. Subjektiv ist vorsätzliches 

Handeln erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 133 IV 49 E. 7.2; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2012 vom 21. Juni 2012 E. 1.5). 

 

Der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB 

macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter 16 Jahren u.a. sexuelle 

Handlungen vornimmt. Als sexuelle Handlungen gelten Verhaltensweisen, 

die für den Aussenstehenden nach ihrem äusseren Erscheinungsbild 

eindeutig sexualbezogen sind. Eindeutig sexualbezogene Handlungen 

erfüllen somit stets den objektiven Tatbestand. Bei dieser objektiven 

Betrachtungsweise bleiben das subjektive Empfinden, die Motive oder die 

 - 22 - 

 

 

Bedeutung, die das Verhalten für den Täter oder das Opfer hat, ausser 

Betracht. Der Begriff der sexuellen Handlung erstreckt sich nur auf 

Verhaltensweisen, die im Hinblick auf das geschützte Rechtsgut, die 

ungestörte psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung eines Kindes, 

erheblich sind. Dabei muss in Zweifelsfällen die Erheblichkeit relativ, etwa 

nach dem Alter des Opfers oder dem Altersunterschied zum Täter bestimmt 

werden. Bedeutsam für die Beurteilung der Erheblichkeit der objektiv 

sexualbezogenen Verhaltensweise sind qualitativ die Art und quantitativ die 

Intensität und Dauer der Handlung, wobei die gesamten Begleitumstände 

zu berücksichtigen sind. Der subjektive Tatbestand setzt Vorsatz voraus, 

wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 125 IV 58 E. 3b; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 3.5.2). 

 

2.5.3. 

In Bezug auf den Tatvorwurf der Schändung ergibt sich Folgendes: Der 

Beschuldigte hat am 24. Juli 2022, nachdem er sich in das Schlafzimmer 

von A.D._____, welche in ihrem Bett schlief, geschlichen hat, dieser mit 

seiner Hand unter ihre Jeans- und Unterhose an ihre Vulva gefasst. 

A.D._____ war in diesem Zeitpunkt aufgrund dessen, dass sie am Schlafen 

war, vorübergehend zum Widerstand unfähig. Indem der Beschuldigte die 

Widerstandunfähigkeit von A.D._____ ausgenützt hat, hat er diese 

missbraucht. Er wusste, dass A.D._____ am Schlafen war und somit auch 

um ihre Widerstandsunfähigkeit, welche er bewusst ausnutzen wollte. Es 

bleibt der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass A.D._____ – entgegen 

der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil E. 5.3.2) – nach ihrem Erwachen 

nicht mehr widerstandsunfähig war, wie dies der Beschuldigte zurecht 

geltend macht. Dies vermag jedoch, nachdem die Berührung der Vulva 

während des Schlafs und somit während der Widerstandsunfähigkeit von 

A.D._____ stattgefunden hat, nichts am vorgehenden Ergebnis zu ändern. 

 

Damit hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als auch den subjektiven 

Tatbestand erfüllt und sich der Schändung gemäss Art. 191 StGB schuldig 

gemacht. Damit erweist sich seine Berufung in diesem Punkt als 

unbegründet. 

 

2.5.4. 

In Bezug auf den Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind ergibt 

sich Folgendes: Der Beschuldigte hat am 24. Juli 2022, nachdem er der 

zuvor noch in ihrem eigenen Bett schlafenden 13-jährigen A.D._____ an 

deren Vulva gefasst (vgl. hierzu oben, Schändung) und sodann den Knopf 

sowie den Reissverschluss ihrer Hose aufgemacht hat, wodurch sie 

erwacht ist, diese an deren Unterbauch mit seiner Hand gestreichelt. Es 

handelt sich bei dieser Handlung ihrem äusseren Erscheinungsbild nach – 

und insbesondere unter Berücksichtigung der gesamten Begleitumstände 

– um eine eindeutig sexualbezogene Handlung, welche den objektiven 

Tatbestand der sexuellen Handlungen mit einem Kind erfüllt. So hat sich 

 - 23 - 

 

 

der damals 37-jährige und damit 24 Jahre ältere Beschuldigte mitten in der 

Nacht – nachdem er A.D._____ unangemessene Textnachrichten 

geschickt hatte, in welchen er sie dazu aufgefordert hatte, lediglich mit 

Unterwäsche bekleidet in sein Schlafzimmer zu kommen – in deren Zimmer 

hineingeschlichen und sie – nachdem er sie, während sie noch am 

Schlafen war, an ihrer Vulva angefasst hat – direkt auf ihrer Haut in 

unmittelbarer Nähe ihres Genitalbereichs und somit einer erogenen Zone 

mit seiner Hand am Unterbauch gestreichelt. Der Beschuldigte, welcher mit 

dem Willen handelte, mit der 13-jährigen A.D._____ sexuelle Handlungen 

vorzunehmen, handelte vorsätzlich. Er kannte ihr Alter, gab er doch 

anlässlich seiner ersten Einvernahme vom 25. Juli 2022 an, zu wissen, 

dass diese 13 oder 14 Jahre alt sei (UA act. 469). Er hat denn auch 

bestätigt zu wissen, dass die Vornahme von sexuellen Handlungen mit 

Kindern verboten ist (UA act. 487). 

 

Der Beschuldigte hat sich der sexuellen Handlungen mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht. Damit erweist sich seine 

Berufung in diesem Punkt als unbegründet. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich der Schändung gemäss Art. 191 StGB sowie der 

sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB 

schuldig gemacht. Dafür ist er angemessen zu bestrafen.  

 

3.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen bestraft. Sie rechnete die ausgestandene Unter-

suchungs- und Sicherheitshaft von 325 Tagen auf die Geldstrafe an und 

stellte fest, dass eine Überhaft von 205 Tagen vorliege, wofür sie dem 

Beschuldigten eine Genugtuung von Fr. 35'875.00 sowie eine 

Entschädigung für entgangenen Arbeitserwerb von Fr. 26'240.00 zusprach. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, der Beschuldigte sei mit 

einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten, Probezeit 2 Jahre, zu 

bestrafen (Berufungserklärung S. 1). Der Beschuldigte dagegen beantragt 

mit Berufung, ausgehend von einem vollumfänglichen Freispruch, er sei 

von Strafe freizusprechen und für die Überhaft sei ihm eine Genugtuung 

von Fr. 65'000.00 sowie eine Entschädigung für entgangenen Arbeits-

erwerb von Fr. 62'560.00, je nebst Zins zu 5 % ab mittlerem Verfall, 

zuzusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

3.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

 - 24 - 

 

 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.4. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Die Schändung gemäss Art. 191 StGB sieht als Strafe Freiheitsstrafe bis 

zu zehn Jahren oder Geldstrafe vor. Die sexuellen Handlungen mit einem 

Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB werden mit Freiheitsstrafe bis zu fünf 

Jahren oder Geldstrafe bestraft. 

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (vgl. aktueller Strafregisterauszug). 

Es kann deshalb nicht davon ausgegangen werden, dass einzig eine 

Freiheitsstrafe geeignet wäre, ihn von der Begehung weiterer Verbrechen 

oder Vergehen abzuhalten. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, ist jedoch 

hinsichtlich der Schändung aufgrund der Schwere des Verschuldens einzig 

eine Freiheitsstrafe angemessen, während für die sexuellen Handlungen 

mit einem Kind auf eine Geldstrafe zu erkennen ist.  

 

3.5. 

3.5.1. 

In Bezug auf die Schändung, für welche eine Freiheitsstrafe auszu-

sprechen ist, ergibt sich Folgendes: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der 

Straftatbestand der Schändung schützt die sexuelle Selbstbestimmung von 

Personen, die seelisch oder körperlich nicht in der Lage sind, sich gegen 

sexuelle Zumutungen zu wehren (Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2020 

vom 15. September 2021 E. 1.3; BGE 133 IV 49 E. 7.2). 

 

Der Beschuldigte hat sich in der Nacht vom 24. Juli 2022 in das 

Schlafzimmer von A.D._____ geschlichen und ihr sodann – unter 

Ausnutzung des Umstands, dass diese am Schlafen und somit zum 

Widerstand unfähig war – mit seiner Hand unter ihre Jeans- und Unterhose 

an ihre Vulva gefasst. Auch wenn die Berührungen an der Vulva nicht sehr 

lange gedauert haben, ist dies allein dem Umstand geschuldet, dass der 

Beschuldigte nicht riskieren wollte, dass A.D._____ wach wird. Es ginge 

aber auch sonst nicht an, die relativ kurze Dauer der Schändung zu 

Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen, weil die Dauer des 

sexuellen Übergriffs vorliegend in keinem Zusammenhang mit der Schwere 

 - 25 - 

 

 

der Verletzung des geschützten Rechtsguts steht (vgl. zur Publikation in 

der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 

6B_612/2024 vom 18. September 2024 E. 1.4.2 betr. den Tatbestand der 

Vergewaltigung). Es handelt sich im weiten Spektrum möglicher sexueller 

Handlungen gegenüber einem widerstandunfähigen Opfer zwar nicht um 

eine sexuelle Handlung im Bagatellbereich, jedoch auch nicht um eine der 

schwerwiegendsten Formen der Schändung. So wären durchaus 

gravierendere Formen denkbar, beispielsweise vaginale oder anale 

Penetrationen. 

 

Der Beschuldigte hat sich zur Begehung der Schändung ganz bewusst 

mitten in der Nacht in das Zimmer der damals 13-jährigen A.D._____, 

welche bei ihrem Vater, dem Mitbewohner des Beschuldigten, zu Besuch 

war, eingeschlichen. Auch wenn seine Handlung nicht von langer Hand 

geplant war, so offenbart sein Handeln doch ein erhebliches Mass an 

Heimtücke und krimineller Energie. Mithin ist die Art und Weise bzw. die 

Verwerflichkeit der Tatbegehung nicht unwesentlich über die Erfüllung des 

Tatbestands, der in der vorliegenden Tatbestandsvariante einen 

Missbrauch zu einer sexuellen Handlung in Kenntnis der 

Widerstandsunfähigkeit voraussetzt, hinausgegangen, was sich leicht 

straferhöhend auswirkt.  

 

Keine Rolle spielt, dass der Beschuldigte A.D._____ keine Schmerzen 

zugefügt hat. Dieser Umstand wirkt sich vielmehr neutral aus, da das 

Fehlen eines verschuldenserhöhenden Umstandes oder eines weiteren 

Tatbestands nicht verschuldensmindernd, sondern überhaupt nicht zu 

berücksichtigen ist.  

 

Der Schändung ist eine (rein) sexuelle sowie egoistische Motivation 

immanent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu 

berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 

3. Dezember 2002 E. 7.4.2). 

 

Dem Beschuldigten kann sodann nicht gefolgt werden, wenn er geltend 

macht, er sei im Tatzeitpunkt aufgrund seines Alkoholpegels nicht voll 

schuldfähig gewesen (Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der 

Berufungsverhandlung S. 6). Zwar können Gründe für eine verminderte 

Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB in einer Bewusstseinsstörung 

durch schwere Intoxikation liegen. Entscheidend für die Beurteilung der 

Schuldfähigkeit ist nicht die Blutalkoholkonzentration als solche, sondern 

das Ausmass, in dem sie die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit 

beeinträchtigt hat. Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung der 

Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit infolge von Trunkenheit ist der 

psychopathologische Zustand, der Rausch, und nicht dessen Ursache, die 

Alkoholisierung, die sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. 

Stets sind Alkoholgewöhnung, die Tatsituation sowie die weiteren 

 - 26 - 

 

 

Umstände in die Beurteilung der Schuldfähigkeit einzubeziehen (BGE 122 

IV 49 E. 1b; Urteil des Bundesgerichts 6B_953/2023 vom 15. Dezember 

2023 E. 1.4.4). Zwar ist beim Beschuldigten anlässlich seiner Anhaltung 

am 24. Juli 2022 um 13.00 Uhr ein Atemalkohol von 0.37 mg/l gemessen 

worden (UA act. 77). Da er jedoch an seiner Einvernahme vom 25. Juli 

2022 angegeben hat, am Tattag gegen 09.00 Uhr oder 10.00 Uhr noch 

Alkohol konsumiert zu haben, lässt dies keine Rückschlüsse darauf zu, ob 

und falls ja, in welchem Masse eine Alkoholisierung des Beschuldigten im 

Tatzeitpunkt vorlag. An derselben Einvernahme führte der Beschuldigte 

aus, vor der Tat während des Tages vielleicht vier Biere à 0.5 Liter und 

später nochmal zwei Biere à 0.3 Liter und danach möglicherweise noch 

Vodka getrunken zu haben, was er jedoch nicht mehr wisse (UA act. 479). 

Zur Alkoholgewöhnung des Beschuldigten ist Folgendes festzuhalten: 

Nachdem sowohl A.D._____ als auch der damalige Mitbewohner des 

Beschuldigten, C.D._____, zu Protokoll gegeben haben, dass es eine 

Tatsache sei, dass der Beschuldigte zu viel Alkohol trinke (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 8; UA act. 505) und sodann der Beschuldigte 

selbst zugegeben hat, bereits vor dem Mittag Alkohol zu trinken (vgl. oben), 

ist von einem regelmässigen sowie übermässigen Alkoholkonsum und in 

der Folge von einer gewissen Alkoholgewöhnung auszugehen. Konkrete 

Hinweise auf einen eigentlichen Rauschzustand, der die Einsichts- oder 

Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten massgeblich herabgesetzt hätte, 

liegen nicht vor. A.D._____ hat angegeben, dass der Beschuldigte keine 

starke Alkoholfahne gehabt habe und sie sodann auch nicht das Gefühl 

gehabt habe, dass er sich aufgrund eines Alkoholkonsums anders 

verhalten habe als sonst (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8). Der 

Beschuldigte war denn auch nicht nur zur koordinierten Tatausführung in 

der Lage, sondern konnte ca. eine halbe Stunde nach der Tat darauf 

bezogene Textnachrichten an A.D._____ versenden, was gegen eine 

alkoholbedingte verminderte Schuldfähigkeit spricht. Der Beschuldigte hat 

vielmehr über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt, was sich 

verschuldenserhöhend auswirkt. Es ist mithin kein Grund dafür ersichtlich, 

weshalb er die sexuelle Selbstbestimmung von A.D._____ nicht hätte 

respektieren können. Es wäre in seiner Verantwortung als Erwachsener 

gelegen und von ihm zu erwarten gewesen, dass er auf andere Art und 

Weise für eine Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse besorgt gewesen 

wäre, als in diesem Zusammenhang ein widerstandsunfähiges Mädchen 

im Alter von 13 Jahren zu missbrauchen. Je leichter es aber für ihn 

gewesen wäre, die sexuelle Selbstbestimmung von A.D._____ zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

einhergehend das Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu 10 Jahren 

Freiheitsstrafe und den in diesem Rahmen denkbaren Erscheinungsformen 

von Schändungen von einem nicht mehr leichten bis knapp mittelschweren 

 - 27 - 

 

 

Verschulden und einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 1 ½ Jahren 

auszugehen. 

 

3.5.2. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

ist nicht vorbestraft (vgl. aktueller Strafregisterauszug), was sich neutral 

auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Er bestreitet auch noch im 

Berufungsverfahren sämtliche Vorwürfe hartnäckig, was sein Recht ist (vgl. 

Art. 113 Abs. 1 StPO). Wer jedoch nicht geständig ist, kann auch nicht reuig 

und einsichtig sein. Eine Strafminderung, wie sie einem von Anfang an 

vollumfänglich geständigen und einsichtigen Täter zugutekommt, ist unter 

diesen Umständen ausgeschlossen. 

 

Der heute 39 Jahre alte Beschuldigte ist verheiratet und Vater eines 

minderjährigen Kindes sowie von zwei volljährigen Kindern. Seine Ehefrau 

und seine Kinder leben in Polen. Er arbeitet aktuell als Allrounder im 

Landschaftsgartenbau bei der I._____ AG (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 15 f.). Ausserordentliche Umstände, welche eine erhöhte 

Strafempfindlichkeit zu begründen vermögen, liegen nicht vor (vgl. statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 

mit Hinweisen). Ein Strafvollzug bedeutet für jede sozial, beruflich und 

familiär integrierte Person eine gewisse Härte und ist hinzunehmen (statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 

E. 3.4 mit weiteren Hinweisen). 

 

Insgesamt ist die Täterkomponente neutral zu berücksichtigen. 

 

3.5.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen 

werden.  

 

Muss das erstinstanzliche Gericht das Urteil begründen, so stellt es innert 

60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen, der beschuldigten Person und der 

Staatsanwaltschaft das vollständig begründete Urteil zu (Art. 84 Abs. 4 

StPO). Wie der Beschuldigte zurecht geltend macht (Berufungserklärung 

S. 2; Berufungsbegründung S. 10), wurde diese Frist deutlich über-

schritten, indem das begründete Urteil vom 13. Juni 2023 erst am 6. März 

2024 und somit beinahe 9 Monate später zugestellt worden ist. Sodann ist 

die Frist von einem Jahr gemäss Art. 408 Abs. 2 StPO, innert welcher das 

Berufungsgericht zu entscheiden hat, sehr knapp überschritten worden. Es 

muss diesbezüglich jedoch berücksichtigt werden, dass es wegen einer 

unvorhersehbaren Erkrankung der Privatklägerin A.D._____ zu einer 

Absetzung und Neuansetzung der Berufungsverhandlung gekommen ist. 

 

 - 28 - 

 

 

Die Verletzung des Beschleunigungsgebot erweist sich nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts bei einer Dauer von beinahe 

9 Monaten für die Begründung des vorinstanzlichen Urteils als nicht mehr 

leicht, womit sich – auch unter Berücksichtigung der Dauer des 

Berufungsverfahrens – nebst der Feststellung im Urteilsdispositiv eine 

Reduktion der verhängten Freiheitsstrafe um drei Monate rechtfertigt.  

 

3.5.4. 

Zusammengefasst erscheint dem Obergericht unter Berücksichtigung einer 

Verletzung des Beschleunigungsgebots für die Schändung eine 

Freiheitsstrafe von 15 Monaten dem Verschulden und den persönlichen 

Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.  

 

3.5.5. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei 

Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 

erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Grundvoraussetzung für eine 

bedingte Strafe ist, dass die Legalprognose nicht negativ ausfällt (BGE 144 

IV 277 E. 3.1.1). 

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (vgl. aktueller Strafregisterauszug), 

weshalb eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um ihn von der 

Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten und ihm für die 

Freiheitsstrafe der bedingte Strafvollzug zu gewähren ist. Die Probezeit ist 

auf das gesetzliche Minimum von 2 Jahren festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 

StGB). 

 

3.5.6. 

Die bisher ausgestandene Haft von insgesamt 325 Tagen (Untersuchungs- 

und Sicherheitshaft vom 24. Juli 2022 bis 13. Juni 2023; UA act. 77; 267; 

279; vorinstanzliches Urteil S. 55) ist dem Beschuldigten gestützt auf 

Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB auf die Freiheitsstrafe 

anzurechnen. Damit liegt keine Überhaft vor und der Beschuldigte hat 

keinen Anspruch auf eine Genugtuung und Entschädigung. 

 

3.6. 

3.6.1. 

In Bezug auf die sexuellen Handlungen mit einem Kind, für welche eine 

Geldstrafe auszusprechen ist, ergibt sich Folgendes: 

 

Der Straftatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind schützt die 

ungestörte psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung des Kindes 

(BGE 146 IV 153 E. 3.5.2).  

 

 - 29 - 

 

 

Der Beschuldigte hat am 24. Juli 2022, nachdem er sich in das 

Schlafzimmer der zuvor noch in ihrem Bett schlafenden 13-jährigen 

A.D._____ geschlichen hat, den Knopf sowie den Reissverschluss ihrer 

Hose aufgemacht, wodurch sie erwacht ist, und hat diese an deren 

Unterbauch, also dort wo er die Hose geöffnet hat und somit in 

unmittelbarer Nähe ihres Genitalbereichs, mit seiner Hand direkt auf ihrer 

nackten Haut gestreichelt. Es handelt sich hierbei – bei einer isolierten 

Betrachtung – um eine vergleichsweise noch leichte Form der vom 

Tatbestand erfassten sexuellen Handlungen mit einem Kind. Es muss 

jedoch berücksichtigt werden, dass A.D._____ noch beinahe ganze drei 

Jahre von der Schutzaltersgrenze von 16 Jahren entfernt war, wobei 

ebenfalls zu beachten ist, dass diese Grenze im Vergleich zu den an die 

Schweiz angrenzenden Ländern vergleichsweise hoch ist (Deutschland, 

Italien, Österreich und Liechtenstein: 14 Jahre, Frankreich: 15 Jahre). Der 

Altersunterschied zum im Tatzeitpunkt 37-jährigen Beschuldigten von 

24 Jahren übersteigt die Grenze von drei Jahren Altersunterschied, 

unterhalb derer sexuelle Handlungen mit einem Kind nicht strafbar sind 

(Art. 187 Ziff. 2 StGB) um das Achtfache und somit um ein Wesentliches. 

Auch ist zu beachten, dass A.D._____ zu Beginn der sexuellen 

Handlungen noch am Schlafen war, weshalb diese in keiner Weise durch 

sie initiiert worden sind. Die Tathandlung war damit ohne Weiteres 

geeignet, ihre psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung in 

gravierender Weise zu gefährden. Unter diesen Gesamtumständen ist mit 

Blick auf die ungestörte psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung 

des Kindes gerade noch knapp von einer leichten Gefährdung des 

geschützten Rechtsguts auszugehen. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung bzw. die Verwerflichkeit des Handelns 

ist nicht unwesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands 

hinausgegangen, hat der Beschuldigte doch bewusst ausgenutzt, dass 

A.D._____ zuvor am Schlafen war, um sich in ihr Schlafzimmer 

einschleichen zu können, bevor er sich an ihr vergangen hat. Dies ist leicht 

straferhöhend zu berücksichtigen, insoweit dieser Umstand nicht bereits 

bei der für die Schändung ausgesprochenen Strafe erschöpfend berück-

sichtigt worden ist. 

 

Dem Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind ist eine sexuelle 

sowie egoistische Motivation immanent, was für sich allein nicht 

verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember 2002 E. 7.4.2). Leicht ver-

schuldenserhöhend ist indessen zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt hat. Es kann 

diesbezüglich auf die vorgängigen im Rahmen der Strafzumessung der 

Schändung gemachten Ausführungen verwiesen werden. 

 

 - 30 - 

 

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der vom Tatbestand der sexuellen 

Handlung mit einem Kind erfassten Handlungen und Konstellationen in 

Relation zum Strafrahmen von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe oder 

Geldstrafe von einem noch knapp leichten Verschulden und einer dafür 

angemessenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen auszugehen.  

 

3.6.2. 

Betreffend die sich auch hinsichtlich der Geldstrafe neutral auswirkende 

Täterkomponente sowie die Verletzung des Beschleunigungsgebots kann 

auf die vorgängigen im Rahmen der Freiheitsstrafe gemachten 

Ausführungen verwiesen werden. Nachdem der Verletzung des 

Beschleunigungsgebots bereits bei der Festsetzung der Freiheitsstrafe 

umfassend Rechnung getragen worden ist, ist bei der Geldstrafe keine 

zusätzliche Strafminderung vorzunehmen. 

 

3.6.3. 

Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters 

im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Massgebende Kriterien für die 

Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das Einkommen, das Vermögen und 

der Lebensaufwand des Beschuldigten, seine Unterstützungspflichten und 

persönlichen Verhältnisse sowie sein Existenzminimum (BGE 142 IV 315 

E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung). 

Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im Zeitpunkt des 

Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten Leistungen, die ihm 

zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1). 

 

Ausgehend von einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 

Fr. 4'200.00 (Protokoll Berufungsverhandlung S. 16; vgl. an der Berufungs-

verhandlung eingereichte Lohnabrechnung Januar 2025), einem 

allgemeinen Abzug in Höhe von 20 % für Krankenkasse, Steuern und 

notwendige Berufskosten, einem weiteren Abzug von Fr. 400.00 für 

Unterhaltsbeiträge an die Familie in Polen (Protokoll Berufungsver-

handlung S. 15) sowie einem Abzug für die hohe Anzahl an Tagessätzen 

von 15 % (BGE 134 IV 60 E. 6.5.2), ergibt sich ein Tagessatz von Fr. 80.00. 

 

3.6.4. 

Nachdem der Beschuldigte nicht vorbestraft und somit noch nie zu einer 

bedingten oder unbedingten Geldstrafe verurteilt worden ist (vgl. aktueller 

Strafregisterauszug), erscheint eine unbedingte Geldstrafe nicht 

notwendig, um ihn von der Begehung weiterer Verbrechen und Vergehen 

abzuhalten, weshalb ihm auch für die Geldstrafe der bedingte Strafvollzug 

zu gewähren und die Probezeit auf das gesetzliche Minimum von 2 Jahren 

festzulegen ist (vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB).  

 

 - 31 - 

 

 

3.7. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte mit einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 15 Monaten, Probezeit 2 Jahre, und einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen à Fr. 80.00, d.h. Fr. 9'600.00, Probezeit 2 Jahre, zu 

bestrafen. Damit erweist sich die Berufung der Staatsanwaltschaft im 

Strafpunkt als teilweise begründet, während sich die Berufung des 

Beschuldigten als unbegründet erweist.  

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat von der Anordnung einer Landesverweisung abgesehen 

und dies damit begründet, dass der Beschuldigte keine Gefahr für die 

öffentliche Sicherheit und Ordnung darstelle, da es sich um eine einmalige 

Tat an der unteren Grenze der Strafbarkeit gehandelt habe und er aus der 

übermässig langen Haftdauer sicherlich seine Lehren gezogen habe 

(vorinstanzliches Urteil E. 8.3.3). 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, der Beschuldigte sei 

gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 7 Jahren des 

Landes zu verweisen (Berufungserklärung S. 1). Der Beschuldigte 

beantragt, die Berufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen 

(Berufungsantwort S. 2).  

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der EMRK und des FZA wiederholt 

dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 146 IV 105; BGE 146 II 

1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 161; BGE 144 IV 332; 

statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1248/2023 vom 9. April 2024 

E. 1.4 f.; 6B_527/2024 vom 20. Februar 2025 E. 6). Darauf kann verwiesen 

werden. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte ist polnischer Staatsangehöriger. Er hat mit der 

Schändung gemäss Art. 191 StGB sowie der sexuellen Handlungen mit 

einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB gleich zwei Katalogtaten gemäss 

Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB begangen, welche eine obligatorische 

Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre zur Folge haben. Er ist somit 

grundsätzlich aus der Schweiz zu verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

 - 32 - 

 

 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). 

 

Die gesetzlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB, wonach die Landes-

verweisung bei Vorliegen einer Katalogtat die Regel und das Absehen von 

der Landesverweisung unter restriktiver Annahme eines Härtefalls und 

eines überwiegenden privaten Interesses an einem Verbleib in der Schweiz 

die Ausnahme sein sollte, wurde u.a. bei Straftätern mit einer langen 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz («long-term immigrants») und solchen, die 

sich aus sonstigen Gründen auf Art. 8 EMRK berufen können, durch die 

Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Europäischen Gerichtshofs 

für Menschenrechte (EGMR) stark relativiert (siehe dazu unten). 

 

4.4. 

4.4.1. 

Der heute 39-jährige Beschuldigte ist verheiratet und Vater eines 

minderjährigen Kindes sowie von zwei volljährigen Kindern. Seine Ehefrau 

und seine Kinder leben in Polen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 15). 

Er ist in Polen geboren und dort aufgewachsen (GA act. 78). Er verfügt über 

eine Aufenthaltsbewilligung B (MIKA-Akten S. 106; Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 15). Der Beschuldigte ist – nachdem er bereits von April 

2012 bis September 2012, von April 2013 bis September 2013 und von 

April 2014 bis September 2014 im Rahmen von bewilligten Kurz-

aufenthalten in der Schweiz war (MIKA-Akten S. 15; 19 f.; 26; 29; 33) – am 

12. Januar 2015 und somit im Alter von 29 Jahren in die Schweiz eingereist 

(MIKA-Akten S. 106; Protokoll Berufungsverhandlung S. 15). Er hält sich 

demnach seit mehr als 10 Jahren legal in der Schweiz auf, wo er auch 

(meistens) arbeitstätig ist und seinen faktischen Lebensmittelpunkt hat. Er 

begibt sich – soweit von ihm angegeben und bekannt – lediglich für Ferien 

nach Polen. Damit ist er nach der Rechtsprechung des EGMR als «long-

term immigrant» anzusehen (Urteil des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 

25. Oktober 2024 E. 4.6.1 mit Verweis auf das Urteil des EGMR 

Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz vom 17. September 

2024, § 28), was es bei seinen persönlichen Interessen zu berücksichtigen 

gilt. Sprachlich ist er, trotz seines langjährigen Aufenthalts, nur ungenügend 

integriert, so dass er während des gesamten Verfahrens auf einen 

Dolmetscher angewiesen war. 

 

Die persönliche und gesellschaftliche Integration des Beschuldigten 

erweist sich als maximal durchschnittlich: In der Schweiz wohnt dem 

Beschuldigten zufolge seine Schwester (GA act. 79). Hierzulande habe er 

Freunde (UA act. 14). In seiner Freizeit sitze er zuhause oder gehe 

spazieren (Protokoll Berufungsverhandlung S. 20). Ein Engagement in 

einem Verein, einer gemeinnützigen Organisation oder Institution in der 

Schweiz ist nicht ersichtlich. 

 

 - 33 - 

 

 

Seine wirtschaftliche und berufliche Integration erweist sich als maximal 

durchschnittlich: Der Beschuldigte ist eigenen Angaben zufolge bis im Jahr 

2021 beim Unternehmen K._____ tätig gewesen. Seit 2021 habe er über 

ein Temporärbüro diverse Arbeitsaufträge erhalten (GA act. 78). Von 

Januar 2022 bis Juli 2022 sei er arbeitslos gewesen und danach während 

der letzten Tage vor seiner Inhaftierung wieder über ein Temporärbüro 

beschäftigt worden. Er arbeitet aktuell als Allrounder im 

Landschaftsgartenbau bei der I._____ AG (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 15 f.; UA act. 11). Der Beschuldigte gibt an, er habe 

aufgrund eines offenen Kredits Schulden in Höhe von ca. Fr. 9'000.00 

sowie Versicherungsschulden von ca. Fr. 900.00 bis Fr. 2'000.00. Es 

bestehe eine Lohnpfändung (Protokoll Berufungsverhandlung S. 16 f.). 

Seiner Familie in Polen überweise er monatlich durchschnittlich Fr. 400.00 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 15). 

 

4.4.2. 

Die Muttersprache des Beschuldigten ist Polnisch (UA act. 10). Der 

Beschuldigte, der in Polen geboren und aufgewachsen ist (GA act. 78), 

verbringt regelmässig Ferien in seiner Heimat (GA act. 79), was aufzeigt, 

dass er mit der dortigen Kultur bestens vertraut ist. Eigenen Angaben 

zufolge war er zuletzt im Jahr 2022 dort (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 17). In Polen wohnen dem Beschuldigten zufolge, nebst seinen Kindern 

und seiner Ehefrau, seine Geschwister und seine Mutter, zu welchen er ein 

gutes Verhältnis habe (GA act. 78). Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, 

dass weder das Vorhandensein von Verwandten im Heimatland noch ein 

gutes Verhältnis zu diesen Voraussetzungen für das Aussprechen einer 

Landesverweisung darstellen. Ein Unterkommen bei Verwandten oder 

deren Unterstützung in der Anfangsphase vermögen einen Neubeginn im 

Heimatland wohl zu erleichtern. Notwendig ist dies aber nicht. Eine 

Reintegration in Polen erscheint unter den vorliegenden Umständen, die 

einen engen Bezug zum Heimatland aufzeigen und unter Berücksichtigung 

der Tatsache, dass der gesunde Beschuldigte (UA act. 11; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 17) in Polen geboren und dort aufgewachsen ist, 

fliessend Polnisch spricht und bestens mit der dortigen Kultur vertraut ist, 

bei entsprechender Anstrengung als durchaus möglich, weshalb die 

Reintegrationschancen als intakt zu qualifizieren sind. Der Vollständigkeit 

halber bleibt sodann zu erwähnen, dass der Beschuldigte erwähnt hat, 

dass er am liebsten in Polen bei seinen Kindern sei und lediglich aufgrund 

des Arbeitsverdienstes in der Schweiz sei (GA act. 79).  

 

4.4.3. 

Nachdem die Ehefrau und die (minderjährigen) Kinder des Beschuldigten 

allesamt in Polen wohnhaft sind, würde eine Landesverweisung deren 

Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK nicht 

verletzen. Es ist – wie bereits ausgeführt – jedoch zu beachten, dass er 

sich nach der Rechtsprechung des EGMR als «long-term immigrant» auf 

 - 34 - 

 

 

seine lange Aufenthaltsdauer und die sich daraus ergebenden Rechte 

gemäss EMRK berufen kann, auch wenn er nicht über eine eigene 

Kernfamilie in der Schweiz verfügt oder sonst von einer nahen, echten und 

tatsächlich gelebten Beziehung zu einer in der Schweiz anwesenheits-

berechtigten Person im Sinne von Art. 8 EMRK auszugehen wäre. 

 

4.4.4. 

Zusammengefasst erscheint die Integration des Beschuldigten als maximal 

durchschnittlich. Aufgrund der Tatsache, dass sein Lebensmittelpunkt hier 

liegt und er gemäss der EGMR-Rechtsprechung als «long-term immigrant» 

gilt, ist ihm ein hohes Interesse am Verbleib in der Schweiz zuzusprechen. 

Eine berufliche, soziale und kulturelle Wiedereingliederung in der Heimat 

ist für ihn mit zumutbaren Anstrengungen möglich. Seine Reintegrations-

chancen in Polen sind als intakt zu qualifizieren. Es ist knapp von einem 

schweren persönlichen Härtefall auszugehen. 

 

Der Beschuldigte hat sich der Katalogtaten der Schändung sowie der 

sexuellen Handlungen mit einem Kind schuldig gemacht. Bei den 

betroffenen geschützten Rechtsgütern – die sexuelle Selbstbestimmung 

von Personen, die seelisch oder körperlich nicht in der Lage sind, sich 

gegen sexuelle Zumutungen zu wehren sowie die ungestörte psychisch-

emotionale und sexuelle Entwicklung von Kindern – handelt es sich um 

hochwertige Rechtsgüter, welche durch den Beschuldigten verletzt worden 

sind. Der Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen à Fr. 80.00, d.h. Fr. 9'600.00, bestraft. Auch wenn die 

«Zweijahresregel», derzufolge es bei einer Verurteilung zu einer 

Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher Umstände 

bedarf, damit das private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib in 

der Schweiz das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung 

überwiegt, nicht starr anzuwenden ist und ein (erhebliches) öffentliches 

Interesse auch bei tieferen Strafen vorliegen kann (vgl. z.B. Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1114/2022 vom 11. Januar 2023 E. 4 und 

6B_108/2024 vom 1. Mai 2024 E. 5), so liegt die ausgesprochene 

Freiheitsstrafe von 15 Monaten vorliegend doch deutlich unter der Grenze 

von zwei Jahren. Vor allem aber ist im Lichte der zitierten Rechtsprechung 

des EGMR i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz zu beachten, dass sowohl 

die Freiheitsstrafe als auch die Geldstrafe bedingt ausgesprochen werden 

und der nicht vorbestrafte Beschuldigte somit gemäss EGMR keine 

erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. Auch hat sich der 

Beschuldigte seit der Tatbegehung – soweit ersichtlich – wohl verhalten. 

 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten, der seinen 

Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat, aufgrund seines langen Aufenthalts 

in der Schweiz («long-term immigrant») knapp ein Härtefall zu bejahen ist 

und ihm auch ein hohes privates Interesse an einem Verbleib zu attestieren 

 - 35 - 

 

 

ist, welches unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR und 

des Bundesgerichts das nicht unerhebliche öffentliche Interesse an der 

Anordnung der Landesverweisung überwiegt. Damit erweist sich die 

Berufung der Staatsanwaltschaft als unbegründet und es ist von einer 

Landesverweisung abzusehen. 

 

5. 

5.1. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt erstmals im Berufungsverfahren, es sei 

gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b und lit. c StGB ein lebenslängliches 

Tätigkeitsverbot anzuordnen (Berufungserklärung S. 1; vgl. Berufungs-

begründung S. 5). Der Beschuldigte beantragt, die Berufung der 

Staatsanwaltschaft sei abzuweisen (Berufungsantwort S. 2). 

 

Dem Beschuldigten ist nicht zu folgen, wenn er geltend macht, die 

erstmalige Anordnung eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbots im Beru-

fungsverfahren verletzte das Verschlechterungsverbot, da dieses nicht 

Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens gewesen sei (Berufungs-

antwort S. 6). Das Berufungsgericht kann das erstinstanzliche Urteil 

gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO in allen angefochtenen Punkten umfassend 

überprüfen. Nachdem die Staatsanwaltschaft mit Berufung ausdrücklich 

die Anordnung eines Tätigkeitsverbots beantragt hat, greift diesbezüglich 

das Verschlechterungsverbot nicht (Art. 391 Abs. 2 StPO; BGE 148 IV 89 

E. 4.3). Im Übrigen läge auch keine Verletzung des Anklagegrundsatzes 

vor, handelt es sich beim lebenslänglichen Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 

StGB doch um eine Massnahme, welche nicht dem Anklageprinzip 

unterliegt. Hat der Beschuldigte eine der in Art. 67 StGB genannten 

Straftaten begangen, ist erstinstanzlich unabhängig von einem 

entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft von Amtes wegen über die 

Anordnung eines Tätigkeitsverbots zu befinden (vgl. BGE 146 IV 172 

E. 3.2.5 und E. 3.4.1 betr. die Landesverweisung und die Ausschreibung 

im SIS; HEIMGARTNER/NIGGLI in: Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, 

N. 1 zu Art. 326 StPO). Dies gilt im Umfang der Überprüfungskompetenz 

gemäss Art. 404 StPO und unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbots 

auch im Berufungsverfahren. 

 

5.2. 

Wird jemand u.a. wegen sexueller Handlungen mit einem Kind gemäss 

Art. 187 StGB oder Schändung gemäss Art. 191 StGB [in der im 

Tatzeitpunkt geltenden Fassung vor Revision des Sexualstrafrechts per 

1. Juli 2024, was hinsichtlich des Tätigkeitsverbots aber nur die 

Terminologie betrifft] u.a. zu einer Strafe verurteilt, so verbietet ihm das 

Gericht lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte 

ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu 

Minderjährigen umfasst (Art. 67 Abs. 3 lit. b und lit. c StGB). Gemäss 

Art. 67 Abs. 4bis StGB kann das Gericht in besonders leichten Fällen 

 - 36 - 

 

 

ausnahmsweise von der Anordnung absehen, wenn ein solches Verbot 

nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Straftaten abzuhalten, wie sie Anlass für das Verbot sind. Von der 

Anordnung eines Tätigkeitsverbotes darf jedoch u.a. dann nicht abgesehen 

werden, wenn der Täter wegen einer qualifizierten Anlasstat verurteilt 

worden ist, worunter u.a. der Tatbestand der Schändung gemäss Art. 191 

StGB [in der Fassung vor Revision des Sexualstrafrechts] gehört (Art. 67 

Abs. 4bis lit. a StGB).  

 

Der Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil der Schändung gemäss 

Art. 191 StGB sowie der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss 

Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen. Da er u.a. wegen Schändung 

gemäss Art. 191 StGB und somit wegen einer qualifizierten Anlasstat 

verurteilt wird, darf bereits aus diesem Grund von einem Tätigkeitsverbot 

nicht abgesehen werden (Art. 67 Abs. 4bis lit. a StGB).  

 

Dem Beschuldigten ist gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b und lit. c StGB 

lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche 

Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, zu 

verbieten. Damit erweist sich die Berufung der Staatsanwaltschaft in 

diesem Punkt als begründet.  

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin 

A.D._____ Schadenersatz von Fr. 3'130.95 nebst Zins zu 5 % auf 

Fr. 1'297.95 seit 24. Juli 2022 sowie auf Fr. 1'833.00 seit 13. Juni 2023 und 

eine Genugtuung von Fr. 1'500.00 nebst Zins zu 5 % seit 24. Juli 2022 zu 

bezahlen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, die Zivilklage der Privatklägerin 

A.D._____ sei abzuweisen (Berufungserklärung S. 2). Die Privatklägerin 

A.D._____ beantragt die Abweisung der Berufung des Beschuldigten 

(Berufungsantwort S. 1). 

 

6.2. 

6.2.1. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

den Beschuldigten schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Wer einem 

andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus 

Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). 

Voraussetzung ist, dass ein Schaden besteht, welcher schuldhaft durch 

eine widerrechtliche Handlung verursacht wurde und dass zwischen 

Handlung und Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. 

Verstösst jemand gegen Normen des Strafgesetzes, so ist diese Handlung 

grundsätzlich widerrechtlich. Ein adäquater Kausalzusammenhang 

 - 37 - 

 

 

zwischen Handlung und Schaden ist zu bejahen, wenn die betreffende 

Ursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen 

Lebenserfahrung an sich geeignet war, den eingetretenen Erfolg zu 

bewirken, so dass der Eintritt dieses Erfolges als durch die fragliche 

Tatsache allgemein als begünstigt erscheint. Es hat lediglich die 

geschädigte Person Anspruch auf Schadenersatz, wenn die Voraus-

setzungen der Verschuldenshaftung nach Art. 41 OR erfüllt sind.  

 

Die Zivilklage wird u