# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d69eb5f1-d4bf-5e59-bc0f-3d7bb472d493
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-08
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 08.09.2023 SB230005
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230005_2023-09-08.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230005-O/U/ad

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Bertschi, Präsidentin, Ersatzoberrichterinnen 

lic. iur. Laufer und Dr. iur. Schoder sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Boese

Urteil vom 8. September 2023

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter, Erstberufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. B._____, 

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin

sowie

1. C._____, 
Privatkläger und Zweitberufungskläger

2. D._____, 
3. E._____ AG, 
Privatkläger

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, 

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betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc. und Widerruf (Rückweisung 
des Schweizerischen Bundesgerichtes)

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 
2. Juli 2020 (DG200029); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, 
II. Strafkammer, vom 18. November 2021 (SB210003); Urteil des Schweizeri-
schen Bundesgerichtes vom 8. Dezember 2022 (6B_310/2022, 6B_311/2022)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Februar 

2020 (Urk. 32) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig

 der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie

 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 

StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 888 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden 

sind.

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

4. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 

StGB (Behandlung psychischer Störungen) während des Vollzugs angeord-

net.

5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 15 Jahre des Landes 

verwiesen.

6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet.

7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

16. Februar 2018 beschlagnahmte Klappmesser mit schwarzem Griff, Marke 

"Tekut", Klinge mit einseitigem geraden Schliff, Klingenlänge ca. 8 cm 

(Asservat-Nr. A011'169'805) wird eingezogen und der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen.

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8. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 16. Februar 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden den Berech-

tigten nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben:

 Hemdartige Jacke, Marke "mil-TEC", Grösse 3XL (Asservat-

Nr. A011'168'799) an den Beschuldigten;

 Jeanshose blau, Marke "Tommy Hilfiger", mit schwarzem Hosengurt 

(Asservat-Nr. A011'167'387) an den Privatkläger 1.

Werden die Gegenstände vom jeweils Berechtigten oder einer durch diesen 

bevollmächtigten Person nicht innert drei Monaten nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils herausverlangt, werden sie der Lagerbehörde zur Ver-

nichtung überlassen.

9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger

C._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-

satzanspruches wird der Privatkläger C._____ auf den Weg des Zivilprozes-

ses verwiesen.

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._____ Fr. 50'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 26. Januar 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._____ Fr. 1'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 26. Januar 2018 als Genugtuung zu bezahlen. 

12. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

E._____ AG aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schaden-

ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-

satzanspruches wird die Privatklägerin E._____ AG auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen.

13. Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ wird für seine Bemühungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 54'400.– (pauschal inkl. Barauslagen 

und MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.

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14. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Bemühungen als unentgeltlicher 

Rechtsbeistand des Privatklägers 1 mit Fr. 35'800.– (pauschal inkl. Baraus-

lagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt, wovon Fr. 24'429.35 

bereits ausbezahlt wurden.

15. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 21'000.–   Gebühr für die Strafuntersuchung;

Fr. 560.–   Kosten Kantonspolizei Zürich;

Fr. 19'629.55   Gutachten, Expertisen etc.;

Fr. 60.–   Zeugenentschädigung;

Fr. 54'400.–   Kosten amtliche Verteidigung;

Fr. 35'800.–   Kosten unentgeltlicher Vertreter des Privatklägers  1.

16. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechts-

beistandschaft des Privatklägers 1, werden dem Beschuldigten auferlegt.

17. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbei-

standschaft des Privatklägers 1 werden unter Vorbehalt der Nachforderung 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO auf die Gerichts-

kasse genommen.

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 234 S. 2 f.)

1. Unter Aufhebung der Dispositivziffern 1-7 und 9-12 des Urteils des Be-

zirksgerichtes Zürich vom 2. Juli 2020 sei der Beschuldigte von den 

Vorwürfen der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der einfachen Kör-

perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB freizusprechen.

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Eventualiter sei der Beschuldigte wegen qualifizierter einfacher Körper-

verletzung, begangen im Notwehrexzess, gemäss Art. 123 Ziff. 2 

Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB zu einer bedingten 

Geldstrafe zu verurteilen.

2. Der Beschuldigte sei für die bisher erstandene, nicht auf eine Strafe 

anrechenbare Haft angemessen zu entschädigen.

3. Von der Anordnung einer ambulanten Massnahme und einer Landes-

verweisung sei abzusehen.

4. Die Privatklägerschaft sei mit ihren Zivilansprüchen auf den Zivilweg zu 

verweisen.

5. Der Beschuldigte sei umgehend aus dem vorzeitigen Strafvollzug zu 

entlassen.

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für die erste und zweite In-

stanz.

b) Des Vertreters des Privatklägers 1 (C._____):

(Urk. 231 S. 1 f.)

1. Der Beschuldigte sei anklagegemäss der versuchten vorsätzlichen Tö-

tung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen.

2. Dem Privatkläger 1 (C._____) sei eine Genugtuung von Fr. 100'000.– 

auszurichten, zuzüglich 5 % Zins ab dem 26. Januar 2018.

3. a) Dem Privatkläger 1 (C._____) sei für Lohnausfall bei der F._____ 

GmbH und bei der G._____ GmbH eine Entschädigung von insgesamt 

Fr. 406'434.50, zuzüglich 5 % Zins ab dem mittleren Verfall zwischen 

dem 26. Januar 2018 und dem 5. September 2023 zuzusprechen.

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b) Die Forderung des Privatklägers 1 (C._____) auf Ersatz des zu-

künftigen Schadens sei gestützt auf Art. 126 Abs. 3 StPO dem Grund-

satze nach gutzuheissen, im Übrigen aber auf den Weg des Zivilpro-

zesses zu verweisen.

4. Die Kosten der beiden Berufungsverfahren seien mit Ausnahme der 

Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklä-

gers 1 vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen.

c) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 

(Urk. 230 S. 1)

1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 ½ Jahren zu be-

strafen.

2. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 2. Juli 2020 

zu bestätigen.

_______________________________________

Erwägungen:

I.

Verfahrensgang

1. Gegen A._____ wurde am 4. Februar 2020 Anklage wegen versuchter vor-

sätzlicher Tötung und qualifizierter einfacher Körperverletzung erhoben 

(Urk. 32). Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich warf dem Beschuldig-

ten vor, am frühen Morgen des 26. Januar 2018 in der Raucherlounge des 

H._____ Clubs Zürich nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung mit 

C._____ mit einem Klappmesser mehrfach auf bzw. gegen dessen Kopf ge-

stochen zu haben, wobei C._____ diverse Verletzungen am Kopf, am linken 

Unterarm sowie am Unterbauch erlitten habe und in der Folge notfallmässig 

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habe operiert werden müssen. Anlässlich des Messerangriffs soll der Be-

schuldigte zudem D._____, welcher seinem Bruder C._____ zu Hilfe geeilt 

sei, in den rechten Arm geschnitten haben, wobei D._____ eine Schnittverlet-

zung am rechten Unterarm erlitten habe.

2. Mit Urteil vom 2. Juli 2020 (Urk. 93) sprach das Bezirksgericht Zürich den Be-

schuldigten der obgenannten Straftaten schuldig und bestrafte ihn mit einer 

unbedingt zu vollziehenden Freiheitsstrafe von 9 ½ Jahren. Für die Dauer des 

Vollzugs ordnete das Gericht eine ambulante Massnahme an. Des Weiteren 

verwies es den Beschuldigten für 15 Jahre des Landes. Ausserdem stellte die 

Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte gegenüber C._____ sowie der 

E._____ AG je dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei, wobei zur ge-

nauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs der Zivilweg 

zu beschreiten sei. Weiter verpflichtete das Bezirksgericht den Beschuldigten, 

C._____ Fr. 50'000.– sowie D._____ Fr. 1'000.–, je zuzüglich 5 % Zins ab 

dem 26. Januar 2018, als Genugtuung zu bezahlen.

3. Der Beschuldigte und C._____ erhoben gegen das Urteil des Bezirksgerichtes 

Zürich je Berufung. Die Staatsanwaltschaft erhob Anschlussberufung.

4. Das Obergericht des Kantons Zürich sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

18. November 2021 (Urk. 158) der versuchten vorsätzlichen Tötung und der 

qualifizierten Körperverletzung, beides begangen in Notwehrexzess, schuldig 

und reduzierte sowohl die Freiheitsstrafe als auch die Dauer der Landesver-

weisung auf jeweils 6 Jahre. Im Weiteren bestätigte das Obergericht die An-

ordnung einer ambulanten Behandlung und verpflichtete den Beschuldigten, 

C._____ Schadenersatz im Umfang von Fr. 86'155.30, zuzüglich 5 % Zins ab 

dem 14. April 2019, zu bezahlen. Überdies stellte es fest, dass der Beschul-

digte gegenüber C._____ auch für die Zeit nach dem 2. Juli 2020 sowie der 

E._____ AG je dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei, wobei zur 

Feststellung des genauen Umfangs der Ersatzansprüche der Zivilweg zu be-

schreiten sei. Weiter verpflichtete das Obergericht den Beschuldigten, 

C._____ Fr. 40'000.–, zuzüglich 5 % Zins ab dem 26. Januar 2018, als Ge-

nugtuung zu bezahlen. Die Genugtuungsforderung von D._____ wies es ab.

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5. Gegen das Berufungsurteil erhoben A._____ und die Oberstaatsanwaltschaft 

des Kantons Zürich je Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht 

(Urk. 164; Urk. 166).

6. Im Zeitraum zwischen der Eröffnung des Berufungsurteils vom 18. November 

2021 und dem Entscheid des Bundesgerichts stellte der Beschuldigte meh-

rere Haftentlassungsgesuche, die allesamt abgewiesen wurden (Urk. 144; 

Urk. 151; Urk. 198). Auf entsprechenden Antrag des Amts für Justizvollzug 

und Wiedereingliederung des Kantons Zürich wurde sodann mit Präsidialver-

fügung vom 6. Mai 2022 die Anordnung des vorzeitigen Massnahmenvoll-

zugs für den Beschuldigten aufgehoben, unter Fortführung des vorzeitigen 

Strafvollzugs (Urk. 177).

7. Mit Urteil 6B_310/2022 (vereinigt mit 6B_311/2022) vom 8. Dezember 2022 

(Urk. 209) hiess das Bundesgericht die Beschwerde der Oberstaatsanwalt-

schaft vollumfänglich und die Beschwerde des Beschuldigten teilweise gut, 

hob das Urteil des Obergerichts auf und wies die Sache zu neuem Entscheid 

an die Vorinstanz zurück. Im Übrigen wies es die Beschwerde des Beschul-

digten ab, soweit es darauf eintrat. Das Bundesgericht beanstandete eine 

mangelhafte Sachverhaltserstellung im Zusammenhang mit der Frage, ob für 

A._____ eine Notwehrsituation bestanden habe oder ob sich dieser in einer 

vermeintlichen Notwehrsituation befunden haben könnte.

8. Am 1. März 2023 wurde zur Verhandlung im Rückweisungsverfahren vorge-

laden (Urk. 214). Die Verhandlung fand am 5. September 2023 in Anwesen-

heit von sämtlichen Parteien und Parteivertretern statt, die sich am Berufungs-

verfahren beteiligten (Prot. II S. 5 ff.).

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II.

Prozessuales

1.

1.1 Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angelegen-

heit zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich dieses 

von Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bun-

desgericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind 

in das neue Urteil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit 

seinem Rückweisungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene 

Urteil aufhebt. Entscheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle 

Tragweite des bundesgerichtlichen Entscheids. Die neue Entscheidung der 

kantonalen Instanz ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die sich aus 

den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung 

ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies notwen-

dig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu 

tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1).

1.2 In der Erwägung 6.1 des Entscheids 6B_310/2022 vom 8. Dezember 2022 

hielt das Bundesgericht fest, dass das angefochtene Urteil des Obergerichts 

des Kantons Zürich insoweit aufgehoben werde, als es sich auf die vorinstanz-

lichen Feststellungen betreffend Notwehr beziehe. Die Sache werde an das 

Obergericht zurückgewiesen, damit es diesbezüglich einen neuen, den bun-

desrechtlichen Vorgaben entsprechenden Entscheid fälle. Dabei werde die 

Vorinstanz den neu erstellten Sachverhalt erneut rechtlich würdigen müssen 

und sich dabei allenfalls auch mit der Frage der Putativnotwehr bzw. des Pu-

tativnotwehrexzesses auseinandersetzen müssen.

1.3 Gegenstand des Rückweisungsverfahrens kann demnach nur die Frage sein, 

ob sich der Beschuldigte anlässlich des Vorfalls im H._____ Club in einer den 

rechtlichen Vorgaben entsprechenden Notwehrsituation oder einer den recht-

lichen Vorgaben entsprechenden vermeintlichen Notwehrsituation befand, 

und wenn ja, ob sich dies auf die Folgen der Straftat auswirkt.

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2.

2.1 Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 12. April 2023 die Einholung eines 

aktuellen psychiatrischen Gutachtens durch einen zweiten Gutachter (Prof. 

Dr. med. I._____) beantragen, weil der erste Gutachter (Dr. med. J._____) 

nicht über alle Akten verfügt habe. In derselben Eingabe liess der Beschul-

digte auch die Einholung eines neuen rechtsmedizinischen Gutachtens zur 

Frage der Übereinstimmung des Verletzungsbildes der Privatkläger 1 und 2 

mit den Anklagevorwürfen, den Aussagen der Privatkläger und den Beweisen 

und Indizien beantragen (Urk. 218 S. 2). In einer Eingabe vom 14. August 

2023 liess der Beschuldigte eventualiter für den Fall, dass das Obergericht 

den Antrag auf Einholung eines zweiten rechtsmedizinischen Gutachtens ab-

lehnen sollte, die Befragung der Fachärzte des IRM zum Verletzungsbild der 

Privatkläger 1 und 2 beantragen (Urk. 219 S. 1, 6 f.).

Des Weiteren liess der Beschuldigte in der Eingabe vom 14. August 2023 die 

Einvernahme der Privatkläger 1 und 2 sowie der Zeugen K._____ und 

L._____ beantragen (Urk. 219 S. 1 ff). Er begründete dies im Wesentlichen 

damit, dass die Aussagen der Privatkläger 1 und 2 Widersprüche enthielten 

und sich mit weiteren Personal- und Sachbeweisen teilweise nicht in Einklang 

bringen liessen. Sodann erscheine es als erforderlich, dass neben den Privat-

klägern mindestens eine weitere Person (konkret: L._____) befragt werde, die 

Wahrnehmungen zur Sache gemacht habe. Schliesslich beantragte der Be-

schuldigte, es sei der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung die 

Möglichkeit einzuräumen, die in den Akten liegenden Videoaufnahmen zum 

Geschehen im H._____ Club auszugsweise abzuspielen, um die Privatklä-

ger 1 und 2 sowie K._____ mit ihren Aussagen zu konfrontieren (Urk. 219 

S. 1, 7 ff.).

2.2 Wie gesagt (vgl. E. II.1.2 f. hiervor) kann im Rückweisungsverfahren nur noch 

geprüft werden, ob sich der Beschuldigte in einer Notwehr- oder Putativnot-

wehrlage befand. Das Obergericht ist an diejenigen Teile seines ersten Urteils 

gebunden, die nicht angefochten oder vom Bundesgericht geschützt wurden. 

Das Rückweisungsverfahren darf den Parteien nicht dazu dienen, Versäum-

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tes nachzuholen und Weiterungen zu veranlassen. Zudem können Beweisan-

träge abgelehnt werden, wenn das Gericht in Würdigung der bereits abge-

nommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche Sach-

verhalt sei genügend abgeklärt worden (BGE 143 III 297 E. 9.3.2; BGE 141 I 

60 E. 3.3).

2.3 Das Bundesgericht hielt fest, das Obergericht habe sich mit der Entstehung 

der Verletzungen des Privatklägers 1 und dem Verletzungsbild einlässlich 

auseinandergesetzt (Urteil 6B_310/2022 E. 3.4 in fine). Darauf ist im Rück-

weisungsverfahren nicht zurückzukommen. Der Antrag, es sei ein neues 

rechtsmedizinisches Gutachten zum Verletzungsbild und dessen Überein-

stimmung mit der Anklageschrift, den Aussagen der Privatkläger und den wei-

teren Beweisen und Indizien einzuholen resp. eventualiter die Fachärzte des 

IRM an der Berufungsverhandlung zum Verletzungsbild zu befragen, ist somit 

abzuweisen.

2.4 Das Bundesgericht schützte auch die Aussagewürdigung des Obergerichts 

(Urteil 6B_310/2022 E. 3.4). Der Beschuldigte beantragte die gerichtliche Ein-

vernahme der Privatkläger 1 und 2 sowie einzelner Zeugen, weil deren Aus-

sagen angeblich Widersprüche enthalten und teilweise weiteren Personal- 

und Sachbeweisen entgegenstehen. Der Beschuldigte zeigte indessen nicht 

auf, inwiefern die erneute gerichtliche Befragung der genannten Personen zur 

Feststellung einer Notwehrsituation – und nur diese Sachverhaltsfrage ist im 

Rückweisungsverfahren noch relevant – beitragen könnte. Zudem erscheint 

eine erneute Befragung nicht angezeigt, da allfällige Widersprüche in einzel-

nen Aussagen und im Verhältnis zu weiteren Beweismitteln im Rahmen der 

gerichtlichen Beweiswürdigung zu behandeln sind. Der Antrag auf gerichtliche 

Einvernahme der Privatkläger und zwei weiterer Personen sowie die Möglich-

keit, die Videoaufnahmen im Nachtclub an der Berufungsverhandlung abzu-

spielen, damit die Privatkläger 1 und 2 sowie K._____ mit ihren Aussagen 

konfrontiert werden können, ist somit abzuweisen.

2.5 Der Beschuldigte erachtete das vom 6. Januar 2019 datierende und am 

14. Februar 2019 ergänzte psychiatrische Gutachten als nicht mehr aktuell, 

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weil der Experte im damaligen Zeitpunkt nicht über die kompletten Akten ver-

fügt und dementsprechend eine Notwehrlage verneint habe. Konkret hätten 

die zur Verfügung gestellten Akten nicht die relevanten Aussagen der Zeugen 

M._____, K._____ und N._____ enthalten. Gefehlt hätten sodann die Wahr-

nehmungsberichte der Polizisten O._____ und P._____ (Urk. 218 S. 2 f.). 

Als Dr. med. J._____ mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens 

über den Beschuldigten beauftragt wurde, waren die Ermittlungen noch nicht 

abgeschlossen. Parallel zur Begutachtung erfolgten weitere Untersuchungs-

handlungen, insbesondere die Einvernahmen der vorgenannten Zeugen. Dies 

ist allerdings nicht zu beanstanden. Im Zeitpunkt der Beauftragung des psych-

iatrischen Gutachters war der Sachverhalt weitgehend abgeklärt. Dass der 

Beschuldigte diesen Sachverhalt bestritt und eine Notwehrsituation geltend 

machte, wurde im Gutachtensauftrag ausdrücklich festgehalten (Urk. 14/2 

S. 2). Bei der Ausarbeitung seines Gutachtens berücksichtigte 

Dr. med. J._____ die Sachdarstellung des Beschuldigten, welche sich aller-

dings nur bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit als relevant erwies 

(Urk. 14/5 S. 40 f., 45). Auf die Beantwortung der weiteren Fragen gemäss 

Gutachtensauftrag (Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung, Beurteilung des 

Rückfallrisikos, Empfehlung geeigneter Massnahmen) hatte die Sachverhalts-

hypothese einer Notwehrsituation dagegen keine Auswirkungen. Entschei-

dender war vielmehr die strafrechtliche Vorbelastung des Beschuldigten. Der 

Verteidigung ist deshalb nicht zu folgen, wenn sie moniert, der Gutachter habe 

gestützt auf unzutreffende Sachverhaltsannahmen eine schwere psychische 

Störung und eine belastete Legalprognose diagnostiziert (Urk. 218 S. 3). Es 

ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Verfahrensakten, welche Dr. med. 

J._____ bei der Ausarbeitung seines Gutachtens nicht vorlagen, seine Fest-

stellungen beeinflusst hätten. Abschliessend ist daran zu erinnern, dass die 

sachverständige Person in ihrem psychiatrischen Gutachten keine Sachver-

haltsermittlung vorzunehmen hat, sondern sich ausschliesslich zu Fragen des 

psychiatrischen Befundes, einer allfälligen Beeinträchtigung der Schuldfähig-

keit, zur Einschätzung der Rückfallgefahr und zur allfälligen Indikation einer 

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Massnahme zu äussern hat (vgl. BGE 141 IV 34 E. 5.2). Der Beweisantrag, 

es sei ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen, ist somit abzuweisen. 

3. Auch der Privatkläger 1 liess im Rückweisungsverfahren Beweisanträge stel-

len (Urk. 231 S. 1 ff.). Diese sind nachfolgend unter E. XI.2.3 zu behandeln. 

4. Anlässlich der Verhandlung im Rückweisungsverfahren rügte die Verteidigung 

wiederholt, dass sich die fallführende Staatsanwältin bereits zu Beginn des 

Strafverfahrens eine abschliessende Meinung gebildet und deshalb das Tat-

geschehen nicht mehr ergebnisoffen untersucht habe (Urk. 234 Rz. 13 ff., kon-

kret Rz. 21, 23 ff.). Dem Beschuldigten wären jedoch strafprozessuale Instru-

mente zur Verfügung gestanden, um sich gegen eine einseitige oder mangel-

hafte Verfahrensleitung zur Wehr zu setzen. Dies hat er nicht getan, weshalb 

auf seine Vorbringen im Rückweisungsverfahren nicht mehr einzugehen ist.

III.

Rechtliche Vorgaben

1.

1.1 Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff be-

droht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer 

den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB; "rechtfer-

tigende Notwehr"). Art. 16 StGB regelt die "entschuldbare Notwehr": Über-

schreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr nach Art. 15 StGB, so 

mildert das Gericht die Strafe (Abs. 1). Überschreitet der Abwehrende die 

Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den 

Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Abs. 2).

1.2 Im Urteil 6B_310/2022 stellte das Bundesgericht die Voraussetzungen, unter 

denen eine Notwehrsituation bejaht werden kann, ausführlich dar. Gemäss 

der Erwägung 5.3, die an dieser Stelle unter Verweis auf das Urteil lediglich 

verkürzt wiedergegeben wird, setzt Notwehr unter anderem voraus, dass je-

mand angegriffen wird oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht ist. Diese 

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Voraussetzung ist erfüllt, wenn ein Angriff unmittelbar bevorsteht oder schon 

begonnen hat, fehlt dagegen, wenn er bereits vorbei oder noch nicht zu er-

warten ist. Der Angegriffene braucht zwar nicht zu warten, bis es zu spät ist, 

sich zu wehren. Dennoch verlangt die Unmittelbarkeit der Bedrohung, dass 

jedenfalls Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung na-

helegen. Solche Anzeichen liegen z.B. dann vor, wenn der Angreifer eine dro-

hende Haltung einnimmt, sich zum Kampf vorbereitet oder Bewegungen 

macht, die in diesem Sinne gedeutet werden können. Erforderlich ist zudem, 

dass die Tat zum Zwecke der Verteidigung erfolgt. Handlungen, die nicht zur 

Abwehr eines Angriffes unternommen werden, sondern blosser Rache oder 

Vergeltung entspringen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr. Das Glei-

che gilt für Handlungen, die darauf gerichtet sind, einem zwar möglichen, aber 

noch unsicheren Angriff vorzubeugen, den Gegner mithin "vorsorglich" kampf-

unfähig zu machen. Rechtmässiges Handeln setzt mithin voraus, dass der 

Täter sich der Notwehrlage bewusst ist und dass er mit dem Willen zur Ver-

teidigung handelt.

1.3 Des Weiteren muss die Abwehr in einer Notwehrsituation nach der Gesamt-

heit der Umstände als verhältnismässig erscheinen, wobei insbesondere der 

Schwere des Angriffs, der Art des Abwehrmittels und dessen tatsächlicher 

Verwendung sowie der durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechts-

güter Rechnung zu tragen ist. Bei der Verwendung von gefährlichen Gegen-

ständen zur Abwehr (Messer, Schusswaffen etc.) ist besondere Zurückhal-

tung geboten, da deren Einsatz stets die Gefahr schwerer oder gar tödlicher 

Verletzungen mit sich bringt.

2. In derselben Erwägung 5.3 im Urteil 6B_310/2022 äusserte sich das Bundes-

gericht auch zur sogenannten Putativnotwehr. Ein solcher Fall liegt vor, wenn 

der Täter einem Sachverhaltsirrtum unterliegt, indem er irrtümlich annimmt, 

es sei ein rechtswidriger Angriff im Sinne von Art. 15 StGB gegenwärtig oder 

unmittelbar bevorstehend.

Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so beur-

teilt das Gericht die Tat zugunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den sich 

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der Täter vorgestellt hat (Art. 13 Abs. 1 StGB). Die blosse Vorstellung von der 

Möglichkeit eines Angriffs oder einer unmittelbaren Bedrohung genügt nicht 

für die Annahme einer Putativnotwehrsituation. Der vermeintlich Angegriffene 

oder Bedrohte muss vielmehr Umstände glaubhaft machen, die bei ihm den 

Glauben erwecken konnten, er befinde sich in einer Notwehrlage. Ein eigent-

licher Nachweis solcher Umstände durch den vermeintlich Angegriffenen wird 

indessen nicht verlangt.

IV.

Sachverhaltsergänzung und rechtliche Würdigung

1.

1.1 Im ersten Berufungsurteil erachtete das Obergericht den äusseren Sachver-

halt gemäss der – auf die Aussagen des Privatklägers 1 abgestützten – An-

klageschrift als erstellt, mit Ausnahme der angebrachten Ergänzungen im Zu-

sammenhang mit der Notwehrsituation. Diesbezüglich müsse zugunsten des 

Beschuldigten angenommen werden, dass er vom Privatkläger 1 und mindes-

tens einer weiteren Person verfolgt worden sei, als er sich nach dem ersten 

Zusammenstoss mit verbaler Auseinandersetzung Richtung Fenster in den 

hinteren Teil der Raucherlounge des H._____ Clubs entfernt habe. Der Pri-

vatkläger 1 habe im Ereigniszeitpunkt sehr kräftig ausgesehen. Es sei daher 

nachvollziehbar, dass sich der Beschuldigte durch die Überzahl an – mindes-

tens teilweise – sehr kräftigen und muskulösen Kontrahenten bedroht und an-

gegriffen gefühlt habe. Nicht ausgeschlossen sei zudem, dass schon in die-

sem Moment eine oder mehrere Flaschen oder Gläser in die Richtung des 

Beschuldigten geflogen respektive geworfen worden seien (Urk. 158 S. 62).

Gemäss dem ersten Berufungsurteil ist hingegen nicht erstellt, dass der Pri-

vatkläger 1 den Beschuldigten verletzte oder dieser durch einen Wurf (mit ei-

ner Flasche/einem Glas) oder gar Schlag aus nächster Nähe getroffen wurde. 

Der Privatkläger 1 sei unbewaffnet gewesen. Der Beschuldigte hätte seitens 

des Privatklägers 1 nur körperliche Gewalt zu befürchten gehabt. Der Be-

-  17  -

schuldigte habe das Messer unbemerkt hervorgeholt, dieses geschickt mit ei-

ner Hand geöffnet und dann sofort ohne weitere Warnung Stichbewegungen 

in Richtung Kopf des Privatklägers 1 ausgeführt (Urk. 158 S. 62).

1.2 Zum inneren Sachverhalt hielt das Obergericht im ersten Berufungsurteil fest, 

das Verhalten des Beschuldigten sei darauf ausgerichtet gewesen, seinen 

Gegner überraschend ausser Gefecht zu setzen. Entgegen der Auffassung 

der Staatsanwaltschaft könne aber nicht zweifelsfrei auf einen direkten Tö-

tungsvorsatz geschlossen werden. Der Beschuldigte habe den Privatkläger 1 

erst nach der Messerattacke mit dem Tod bedroht. Die Tatumstände (Zuste-

chen mit Schwung aus geringem Abstand) und das aggressive Verhalten des 

Beschuldigten im Nachgang zur Tat würden aber klar darauf hindeuten, dass 

dieser den Tod des Privatklägers 1 zumindest in Kauf genommen habe 

(Urk. 158 S. 63 f.). Betreffend die Stichverletzung des Privatklägers 2 an des-

sen Unterarm ging das Obergericht (implizit) ebenfalls von Eventualvorsatz 

aus (Urk. 158 S. 66).

1.3 Die vorstehenden Feststellungen des Obergerichts zum Sachverhalt und der 

rechtlichen Würdigung wurden vom Bundesgericht weitgehend geschützt (Ur-

teil 6B_310/2022 E. 3.4 und E. 4.4). Ausgenommen wurden lediglich die Er-

wägungen zur Frage, ob der Beschuldigte in einer (vermeintlichen) Notwehr-

situation handelte oder nicht (Urteil 6B_310/2022 E. 5.4). Die neu vorzuneh-

mende Sachverhaltserstellung und die rechtliche Würdigung kann sich folg-

lich nur auf diese einzelne Frage beschränken. Soweit die Feststellungen im 

ersten Berufungsurteil vom Bundesgericht nicht beanstandet wurden, sind sie 

im vorliegenden Rückweisungsverfahren verbindlich (vgl. E. II.1 hiervor). Auf 

Vorbringen des Beschuldigten, des Privatklägers 1 und der Staatsanwalt-

schaft, die sich gegen die verbindlichen Feststellungen im ersten Berufungs-

urteil richten, ist deshalb nicht mehr einzugehen. Dies betrifft insbesondere 

die Kritik an den Erwägungen des Obergerichts zum subjektiven Sachverhalt 

und am Schluss auf ein eventualvorsätzliches Vorgehen des Beschuldigten. 

2. Mit Bezug auf die Erwägungen des Obergerichts zur Notwehrsituation bean-

standete das Bundesgericht konkret, die Vorinstanz gehe zwar davon aus, 

-  18  -

dass der Beschuldigte vom Privatkläger 1 (nur) körperliche Gewalt zu befürch-

ten gehabt habe. Dass und wie der Privatkläger 1 den Beschuldigten habe 

angreifen wollen, ergebe sich aus den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststel-

lungen jedoch nicht. Hinzu komme, dass aus dem angefochtenen Urteil nicht 

hervorgehe, von wem bzw. von welcher Gruppe und auf welche Art und Weise 

– möglicherweise – bereits in diesem Zeitpunkt "eine oder mehrere Flaschen 

und/oder Gläser durch die Raucherlounge in seine Richtung" (des Beschul-

digten) geworfen worden seien, und ob ein solcher Wurf, so er denn als erstellt 

zu betrachten wäre, objektiv oder zumindest aus Sicht des Beschuldigten 

auch dem Privatkläger 1 bzw. dessen Verhalten vor dem Messerangriff zuge-

schrieben werden müsste. Immerhin habe das Obergericht festgehalten, der 

Beschuldigte selbst habe im kantonalen Verfahren nicht geltend gemacht, 

dass ein Schlag oder Wurf (mit einer Flasche/einem Glas) aus nächster Nähe 

auf seinen Kopf erfolgt sei oder unmittelbar bevorgestanden habe.

Jedenfalls lasse sich ein unmittelbar drohender, körperlicher Angriff des Pri-

vatklägers 1 gegen den Beschuldigten nicht allein damit begründen, dass der 

Privatkläger 1 sehr kräftig ausgesehen haben solle und er – zusammen mit 

der weiteren Person – in Personenüberzahl gewesen sei. Das Gesagte gelte 

sinngemäss auch für die Putativnotwehr. Dass der Beschuldigte gewusst 

habe, dass der Privatkläger 1 ehemaliger professioneller Kampfsportler (ge-

wesen) sei, und dieser von mindestens einer Person mit Kampferfahrung "un-

terstützt" worden sein solle, habe die Vorinstanz im Übrigen nicht festgestellt 

(Urteil 6B_310/2022 E. 5.4).

3. Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich gestützt auf die erhobenen Beweismittel 

erstellen lässt, dass sich der Beschuldigte in einer den rechtlichen Vorgaben 

entsprechenden Notwehrsituation oder einer vermeintlichen Notwehrsituation 

befand, als er sein Messer auf die in der Anklageschrift beschriebene Weise 

gegen die Privatkläger 1 und 2 einsetzte.

-  19  -

4.

4.1 Die Verteidigung erinnerte anlässlich der Verhandlung im Rückweisungsver-

fahren daran, dass die Aussagen des Beschuldigten in seiner polizeilichen 

Einvernahme vom 26. Januar 2018 und in der tags darauf durchgeführten Haf-

teinvernahme grundsätzlich nur zu seinen Gunsten berücksichtigt werden 

dürften, da bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fall notwendiger Verteidigung be-

standen habe, dem Beschuldigten jedoch keine Verteidigung bestellt worden 

sei (Urk. 234 Rz. 14; Prot. II S. 38). Dem ist unter Hinweis auf die entspre-

chenden Erwägungen im ersten Berufungsurteil zuzustimmen (Urk. 158 S. 22 

f.). 

4.2 Die Verteidigung machte sodann erstmals geltend, dass sämtliche polizeili-

chen Einvernahmen der Auskunftspersonen nicht zulasten des Beschuldigten 

verwertet werden dürften, da dessen Teilnahmerechte nach Art. 312 Abs. 2 

StPO in Verbindung mit Art. 147 Abs. 1 StPO nicht gewahrt worden seien. 

Sodann seien all jene Einvernahmen unverwertbar, welche auf die polizeili-

chen Einvernahmen der Auskunftspersonen Bezug nähmen (Urk. 234 Rz. 17 

ff.). 

4.2.1 Im Zeitraum zwischen dem 1. Februar 2018 und dem 5. April 2019 wurden 

diverse Personen im Rahmen von polizeilichen Einvernahmen ohne Beisein 

des Beschuldigten und seines Verteidigers befragt (Urk. 5/1; Urk. 5/3; Urk. 5/5; 

Urk. 5/7; Urk. 5/10; Urk. 5/12; Urk. 5/14; Urk. 5/16; Urk. 5/18; Urk. 5/21; 

Urk. 5/23; Urk. 5/25; Urk. 5/27; Urk. 5/29; Urk. 5/31; Urk. 5/34; Urk. 5/36). Da-

mals galt die Untersuchung bereits als eröffnet, nachdem die Staatsanwalt-

schaft am 27. Januar 2018 eine Hafteinvernahme mit dem Beschuldigten 

durchgeführt hatte (Urk. 3/2; Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO). Nach Eröffnung der 

Untersuchung darf die Polizei grundsätzlich keine selbständigen Ermittlungen 

mehr vornehmen. Die Staatsanwaltschaft kann die Polizei aber mit ergänzen-

den Ermittlungen beauftragen (vgl. Art. 312 Abs. 1 StPO). Dies hat sie im vor-

liegenden Strafverfahren getan. Mit Ermittlungsaufträgen vom 30. Januar 

2018 und vom 23. Mai 2018 beauftragte sie die Stadtpolizei Zürich mit den 

nötigen Ermittlungen und Befragungen von polizeilichen Auskunftspersonen, 

-  20  -

um deren Stellung im Strafverfahren und die Frage, ob diese Personen sach-

verhaltsrelevante Angaben machen können, zu klären. Dabei behielt sich die 

Staatsanwaltschaft jeweils ausdrücklich vor, die formellen Beweisabnahmen 

selbst durchzuführen (Urk. 1/5 S. 2; Urk. 1/15 S. 3). Dieses Vorgehen ist nicht 

zu beanstanden. Das Teilnahmerecht bei polizeilichen Einvernahmen nach Er-

öffnung der Strafuntersuchung gilt nicht absolut. Vielmehr muss es der Polizei 

weiterhin möglich sein, einfache Abklärungen (z.B. ob eine Person überhaupt 

als Zeuge oder Auskunftsperson infrage kommt) in Abwesenheit der beschul-

digten Person vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 6B_475/2022 vom 

5. April 2023 E. 5.4). Aus den Protokollen der polizeilichen Einvernahmen er-

gibt sich, dass es bei den Befragungen von verschiedenen Personen durch 

die Stadtpolizei Zürich um solche einfachen Erhebungen zur Klärung des 

Sachverhalts ging, wie sie in den Ermittlungsaufträgen konkret vorgegeben 

worden waren (Art. 312 Abs. 1 StPO). So drehten sich die Fragen der Polizei-

beamten im Wesentlichen darum, ob und woher die Auskunftspersonen die 

(bisher bekannten) beteiligten Personen kannten, welche Wahrnehmungen 

sie zum Tathergang machten und ob sie allenfalls weitere Personen nennen 

konnten, die dienliche Aussagen zur Aufklärung des Sachverhalts machen 

könnten. Die Polizei beschränkte sich auftragsgemäss auf die informatorische 

Befragung der Auskunftspersonen und führte keine formellen polizeilichen Ein-

vernahmen zur Sache durch. Folglich kam dem Beschuldigten bzw. seiner 

Verteidigung bei den Einvernahmen von Auskunftspersonen, die nach Eröff-

nung der Untersuchung von der Polizei durchgeführt wurden (im Einzelnen: 

Urk. 5/1; Urk. 5/3; Urk. 5/5; Urk. 5/7; Urk. 5/10; Urk. 5/12; Urk. 5/14; Urk. 5/16; 

Urk. 5/18; Urk. 5/21; Urk. 5/23; Urk. 5/25; Urk. 5/27; Urk. 5/29; Urk. 5/31; 

Urk. 5/34; Urk. 5/36), kein Teilnahmerecht im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StPO 

zu. 

4.2.2 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die befragten Perso-

nen im späteren Verlauf des Vorverfahrens durch die Staatsanwaltschaft for-

mell als Zeugen resp. als Auskunftspersonen einvernommen wurden, wobei 

der Beschuldigte persönlich und/oder seine Verteidigung teilnahmen. Im Rah-

men der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen schilderten die befragten 

-  21  -

Personen in freier Rede resp. auf entsprechende Fragen erneut ihre Wahr-

nehmungen zum Tatgeschehen. Ihre bei der Polizei deponierten Aussagen 

wurden ihnen nicht wörtlich vorgehalten. Nur ganz vereinzelt wurde darauf 

Bezug genommen. Der Beschuldigte hatte folglich angemessene und ausrei-

chende Gelegenheit, sämtlichen Personen, die im vorliegenden Strafverfah-

ren belastende Aussagen tätigten, in kontradiktorischer Weise Fragen zu stel-

len und deren Aussagen in Zweifel zu ziehen. Deshalb sind sowohl die poli-

zeilichen als auch die staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen sämtlicher 

Zeugen und Auskunftspersonen, die im Verlauf dieses Verfahrens befragt 

wurden, vollumfänglich verwertbar. 

5.

5.1 Den Aussagen des Beschuldigten lässt sich Folgendes entnehmen:

5.1.1 In der polizeilichen Befragung vom 26. Januar 2018 (Urk. 3/1) gab der Be-

schuldigte zunächst zu Protokoll, er sei im H._____ Club gewesen. Plötzlich 

seien Flaschen geflogen. Er kenne keine Namen. Mehrere Flaschen seien 

quer durch den Raum geflogen. Er habe keine Ahnung, wer diese Schlägerei 

angefangen habe. Als er gesehen habe, dass er blute, habe er sich in Sicher-

heit gebracht (F/A 6). In einer späteren Phase derselben Einvernahme korri-

gierte der Beschuldigte seine Aussage. Eine Person habe ihn in den Rücken 

geschlagen. Er habe sich umgedreht und gesagt, er sei nicht der Kleinste, er 

könne nichts dafür, wenn er diese Person ein wenig touchiert habe. Daraufhin 

sei er weitergegangen. Dann seien vier Typen auf ihn zugekommen, hätten 

Flaschen nach ihm geworfen und versucht, ihn zu attackieren. Er habe einige 

Flaschen abwehren können. Eine Flasche habe ihn aber am Hinterkopf ge-

troffen. Die Typen hätten auch versucht, ihn mit den Fäusten und Füssen zu 

schlagen und zu treten. Dann habe er das Messer hervorgeholt, in einer ab-

wehrenden Position vor sich hingehalten und gesagt, er wolle keinen Stress. 

Einer der Typen sei ihm näher gekommen. Er habe ihn von sich weggestos-

sen, dabei aber nicht die Absicht gehabt, ihn zu verletzen. Er (der Beschul-

digte) sei rückwärts auf das Sofa gefallen. Mit der linken Hand habe er sein 

Gesicht geschützt, weil immer noch Flaschen und Gläser zu fliegen gekom-

-  22  -

men seien, und mit der rechten Hand habe er Bewegungen "hin und her" ge-

macht. Die Typen seien dann weggegangen (F/A 29). Er könne nicht sagen, 

wer die Flasche oder das Glas, womit ihm eine Verletzung am Hinterkopf zu-

gefügt worden sei, geworfen habe. Die ganze Gruppe habe mit Flaschen und 

Gläsern nach ihm geworfen (F/A 37). Er habe Angst gehabt, dass er von den 

vier Typen zusammengeschlagen werde. Deshalb habe er aus Notwehr zum 

Messer gegriffen (F/A 40).

5.1.2 In der Hafteinvernahme vom 27. Januar 2018 (Urk. 3/2) wiederholte der Be-

schuldigte im Wesentlichen seine Aussagen bei der Polizei. Insbesondere 

schilderte er erneut, dass er von einem Typ einen Stoss in den Rücken be-

kommen habe, nachdem er in der Raucherlounge eine Frau touchiert hatte. Er 

habe sich umgedreht und gesagt: "Sorry, ich bin nicht der Kleinste, ich laufe 

nur durch." Sie hätten dann miteinander diskutiert. Der Typ sei schon ein biss-

chen aggressiv gewesen. Er sei vor den Sofas bzw. bei der Lounge an einem 

Tisch gestanden, als Flaschen und Gläser in seine Richtung geflogen seien. 

Mindestens vier Personen seien auf ihn zugekommen und hätten ihn angreifen 

wollen. Er habe gesagt, dass er keinen Stress wolle. Nachdem er von einer 

Flasche oder einem Glas am Kopf getroffen worden sei, habe er seinen linken 

Arm schützend vor sein Gesicht gehalten und mit der rechten Hand das Mes-

ser behändigt. Einer der Kontrahenten sei näher auf ihn zugekommen. Es 

habe ein Gerangel gegeben und er (der Beschuldigte) sei nach hinten auf ei-

nes der Sofas gefallen. Dort sei er geschlagen worden. Gleichzeitig seien Glä-

ser und Flaschen in seine Richtung geflogen. Deshalb habe er mit dem linken 

Arm sein Gesicht geschützt und mit der rechten Hand, in der er das Messer 

gehalten habe, seitlich hin und her gefuchtelt, in der Hoffnung dass man ihn in 

Ruhe lassen würde. Der Beschuldigte wiederholte somit, dass die Privatklä-

ger 1 und 2 sowie deren Kollegen ihn mit Flaschen und Gläsern massiv ange-

griffen hätten. Nur dank Glück und dem Messer sei er nicht übel zugerichtet 

worden (F/A 5).

5.1.3 In der delegierten Einvernahme vom 26. Juni 2018 (Urk. 3/3) bestätigte der 

Beschuldigte weitgehend seine bisherigen Aussagen zum ersten Aufeinan-

-  23  -

dertreffen mit einem Typ (nunmehr bekannt als der Privatkläger 1) beim Be-

treten der Raucherlounge. Danach habe er sich wegbewegt und sei ganz nor-

mal zu seinen Kollegen an den hintersten Stehtisch des Raumes gegangen. 

Der Privatkläger 1 und einer seiner Kollegen seien wie "Bulldozer" auf ihn zu-

gekommen. Zwei weitere Kollegen des Privatklägers 1 hätten sich noch im 

Hintergrund gehalten. Der Privatkläger 1 habe ihn aufgefordert, mit nach 

draussen zu kommen, und zu ihm gesagt: "Ich schlag' dich tot, du Fettsack". 

Ein Kollege des Privatklägers 1 habe ihn gefragt, ob er (der Beschuldigte) 

wisse, wer sie eigentlich seien. Alle Versuche seiner Bekannten, die Situation 

zu beruhigen und zwischen ihnen zu schlichten, hätten nichts genützt. Der 

Privatkläger 1 habe versucht, ihn mit den Händen zu schlagen. Ein Kollege 

des Privatklägers 1 habe dann das erste Glas oder die erste Flasche nach 

ihm geworfen. Das Wurfgeschoss habe ihn jedoch knapp verfehlt und sei hin-

ter ihm an der Wand zersplittert. Daraufhin habe er sich zum Schutz von sei-

nen Kontrahenten abgedreht, die ihn weiter mit Gläsern und Flaschen bewor-

fen hätten. Ein Glas habe ihn am Hinterkopf getroffen, ein weiteres sei an 

seine rechte Rücken-/Schulterpartie geprallt. In einer "Wurfpause" habe er 

das Sackmesser zur Hand genommen und den Privatkläger 1 sowie seine 

Kollegen aufgefordert, abzuhauen. Seine Angreifer hätten sich daraufhin zur 

Theke zurückgezogen und von dort weiter Gläser in seine Richtung geworfen. 

Mit der linken Hand habe er versucht, seinen Kopf zu schützen, und mit der 

rechten Hand habe er das Messer gehalten. Als er sich nach vorne gebeugt 

und leicht seitwärts bewegt habe, sei er mit dem Bauch voran auf das Sofa 

gefallen. Danach habe er sich auf seine Knie und mit dem Rücken zu den 

Angreifern auf dem Sofa aufgerichtet. Er sei zwei Mal auf den Hinterkopf und 

ein Mal gegen den Rücken geschlagen worden. Während er diese Schläge 

gespürt habe, habe er seine rechte Hand mit dem Messer hinter seinem Rü-

cken hin und her bewegt, wobei der Privatkläger 1 versucht habe, seine rechte 

Hand zu ergreifen. In der Folge sei zwischen ihnen beiden ein Gerangel ent-

standen. Er habe mit seinen Füssen gegen den Privatkläger 1 getreten, wäh-

rend dieser an seinem T-Shirt gezerrt und dabei auch seine Brusthaare erwi-

scht habe. Der Privatkläger 1 sei in der Folge mit dem Kopf auf seine Brust 

-  24  -

gefallen. Im Gerangel habe er den Privatkläger 1 "irgendwo erwischt". Danach 

sei dieser zurückgewichen. Die Verletzung am Kopf müsse entstanden sein, 

als der Privatkläger 1 auf ihn gefallen sei (F/A 12 f., 21, 28 ff. , 44, 47 ff.).

5.1.4 In der Schlusseinvernahme vom 4. Juli 2019 (Urk. 3/4) präzisierte der Be-

schuldigte, dass es K._____ gewesen sei, der ein erstes Glas gegen ihn ge-

worfen habe (F/A 37, 47). Der Wurf sei aus einer Distanz von 1 bis 1.5 Metern 

erfolgt (F/A 48). K._____ sei an vorderster Front am Angriff gegen ihn (den 

Beschuldigten) beteiligt gewesen, dann der Privatkläger 1 und zwei weitere 

Kollegen (F/A 39). Ansonsten wiederholte der Beschuldigte im Wesentlichen 

seine bisherigen Aussagen zum Hergang der Auseinandersetzung mit dem 

Privatkläger 1 und dessen Kollegen in der Raucherlounge (F/A 37). Neu schil-

derte er jedoch, dass er das Sackmesser in einer "Wurfpause" mit beiden 

Händen über seinem Kopf geöffnet habe (F/A 41 f.). Abweichend zu seiner 

früheren Darstellung sagte er weiter aus, dass er beim Versuch, sich von den 

Gläsern und Flaschen abzuwenden, die nach ihm geworfen worden seien, auf 

das Sofa gefallen sei. Dort habe er sich seitlich abgedreht und wie eine Schild-

kröte zusammengerollt (F/A 43). Er habe zwei Schläge auf den Hinterkopf und 

einen Schlag gegen den Rücken gespürt. Den linken Arm habe er schützend 

vor sein Gesicht gehalten und mit der rechten Hand habe er zwei Mal das 

Messer hin und her bewegt, bis der Privatkläger 1 ihn am Arm festgehalten 

und versucht habe, ihm das Messer aus der Hand zu nehmen. Dann habe 

ihm der Privatkläger 1 noch einen Kick in die Wade des linken Beins gegeben. 

Er (der Beschuldigte) habe wie ein Pferd dagegen getreten (F/A 63, 68 f.).

5.1.5 An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht und an der ersten Beru-

fungsverhandlung blieb der Beschuldigte bei seiner Darstellung des Gesche-

hens gemäss seiner Schlusseinvernahme vom 4. Juli 2019 (Prot. I S. 19 ff. 

und Urk. 157 S. 41 ff.).

5.1.6 Anlässlich der Verhandlung im Rückweisungsverfahren wiederholte der Be-

schuldigte, dass er den Privatkläger 1 versehentlich angerempelt habe, wor-

aufhin ihm dieser mit dem Ellbogen eins in den Rücken gestossen habe. Er 

(der Beschuldigte) habe sich sogleich umgedreht und entschuldigt. Schon in 

-  25  -

diesem Moment habe er gesehen, dass der Privatkläger 1 "auf 180" gewesen 

sei. Nach diesem ersten Kontakt habe er sich in den hintersten Teil der Rau-

cherlounge zurückgezogen. Der Privatkläger 1 und K._____ seien dann auf 

ihn zugekommen und hätten ihn angegriffen. K._____ habe zu ihm gesagt: 

"Weisst du eigentlich, wer wir sind?". Herr C._____ habe ihn beleidigt mit: "Du 

Fettsack. Weisst Du, wer ich bin?" Zuerst habe er noch versucht, die beiden 

von sich wegzustossen. Anschliessend sei alles so schnell passiert. Er habe 

nur noch gesehen, wie K._____ ein erstes Glas nach ihm geworfen habe, das 

an seinem Kopf vorbeigeflogen und an der Wand hinter ihm zerschlagen sei. 

Wegen der Glassplitter, die überall herumgeflogen seien, habe er sich abge-

wendet. Dann habe ihn ein zweites Glas, das in seine Richtung geworfen wor-

den sei, am Hinterkopf getroffen. In diesem Moment habe er sein Sackmesser 

hervorgenommen, dieses vor sich hingehalten und damit hin und her gefuch-

telt. Mit der linken Hand habe er sein Gesicht vor den fliegenden Gläsern und 

Flaschen geschützt. In der Folge hätten sich die beiden Angreifer in den vor-

deren Teil der Raucherlounge zurückgezogen. Der Privatkläger 1, K._____ 

und eine weitere Person hätten von dort aus weitere Gläser in seine Richtung 

geworfen. Er habe sich abgedreht, dann das Gleichgewicht verloren und sei 

quasi mit dem Kopf voraus auf das Lounge-Sofa gefallen. Als er auf dem Sofa 

gelegen sei, habe er auf dem Hinterkopf und dem Rücken Schläge gespürt. 

Den linken Arm habe er immer vor sein Gesicht gehalten, um sich auch vor 

den Gläsern und Flaschen zu schützen, die weiterhin in seine Richtung ge-

worfen worden seien. Mit der rechten Hand habe er mit dem Messer hin und 

her gefuchtelt. Sein Ziel sei gewesen, die Angreifer damit zu vertreiben. Er sei 

voller Adrenalin gewesen, alles habe gezittert. Er habe in diesem Moment ein-

fach nur so schnell wie möglich aus der Situation entkommen wollen (Prot. II 

S. 16 ff.).

5.2 Die Einvernahme von Personen aus dem Umfeld des Beschuldigten ergab fol-

gendes Bild:

5.2.1 Q._____, ein langjähriger Freund des Beschuldigten, gab zu Protokoll, er 

habe beim ersten Aufeinandertreffen des Beschuldigten mit dem Privatklä-

-  26  -

ger 1 zu schlichten versucht. Der Beschuldigte sei dann in den hinteren Teil 

der Raucherlounge gegangen. Danach habe sich eine weitere Person zum 

Privatkläger 1 dazugestellt. Er (Q._____) habe wahrgenommen, dass diese 

beiden Personen Augenkontakt zum Beschuldigten gesucht hätten und ir-

gendwie scharf auf diesen gewesen seien. Er habe sich deshalb nach einem 

Security-Mitarbeiter umgesehen, damit das Ganze nicht eskaliere. Dann sei 

es aber schon losgegangen. Es sei alles sehr schnell passiert. Gläser und 

Flaschen seien herumgeflogen (Urk. 5/29 F/A 14 f., 17 f., 25). Der Zeuge be-

stätigte, Scherben auf dem Boden der Raucherlounge gesehen zu haben 

(Urk. 5/29 F/A 42). Weiter schilderte er, dass ihm die Wunde am Hinterkopf 

des Beschuldigten aufgefallen sei und dieser ihm auf entsprechende Frage 

erklärt habe, dass er die Verletzung vermutlich von einer Flasche oder einem 

Glas habe, das ihm angeworfen worden sei (Urk. 5/29 F/A 23, 25 f., 34 f.). Auf 

die Frage, weshalb die Eskalation in der Raucherlounge nicht habe verhindert 

werden können, antwortete Q._____, dass die Typen ja auf den Beschuldig-

ten los bzw. auf diesen zugegangen seien, obwohl sich dieser von ihnen ent-

fernt hatte (Urk. 5/29 F/A 51). 

In der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme wiederholte Q._____ im 

Wesentlichen seine Aussagen bei der Polizei. Ergänzend gab er an, dass der 

Privatkläger 1 und eine weitere Person eine "sehr unfriedliche Haltung" ein-

genommen hätten, nachdem sich der Beschuldigte in den hinteren Teil der 

Raucherlounge entfernt hatte. Dies habe ihn beunruhigt. Der Privatkläger 1 

und ein weiterer Mann hätten sich in Richtung des Beschuldigten begeben. 

Er sei nervös gewesen und habe nach dem Security-Personal Ausschau ge-

halten. Dann sei es aber schon losgegangen. Es sei ein "Riesenpuff" gewe-

sen. Man habe nichts Konkretes mehr erkennen können. Gläser und/

oder Flaschen seien in die Brüche gegangen, man habe dies gut hören kön-

nen. Es habe "geklöpft und getätscht" (Urk. 5/30 F/A 16, 71 f.). Vom Beschul-

digten habe er später erfahren, dass er sich mit dem Privatkläger 1 beim ers-

ten Zusammentreffen darüber unterhalten habe, dass er (der Beschuldigte) 

nur habe vorbeigehen wollen und zu wenig Platz gehabt habe (Urk. 5/30 

F/A 42). Als sich der Beschuldigte in den hinteren Teil der Raucherlounge be-

-  27  -

geben habe, sei er dort angegriffen worden (Urk. 5/30 F/A 45). Auf die Frage, 

wie der Beschuldigte konkret angegriffen worden sei, antwortete der Zeuge, 

der Privatkläger 1 sei zügig und direkt auf diesen zugegangen (Urk. 5/30 

F/A 46, 56). Er habe aber nichts Konkretes gesehen. Es habe eine Riesen-

schlägerei gegeben (Urk. 5/30 F/A 47, 49 ff.). Unmittelbar danach habe er 

festgestellt, dass der Beschuldigte eine stark blutende Wunde am Hinterkopf 

gehabt habe (Urk. 5/30 F/A 63 ff.). Der Beschuldigte habe ihm (dem Zeugen) 

im Nachhinein erklärt, er wisse nicht genau, wie die Verletzung am Hinterkopf 

entstanden sei. Es sei wahrscheinlich ein Glas gewesen, das er an den Kopf 

bekommen habe (Urk. 5/30 F/A 76).

5.2.2 L._____, ein flüchtiger Bekannter sowohl des Beschuldigten als auch des Pri-

vatklägers 1, gab anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme zu Protokoll, er 

habe mitbekommen, dass drei oder vier Leute in der Raucherlounge auf eine 

Person losgegangen seien. "Mit Flaschen und so. Also sie haben sie gewor-

fen." Später habe er herausgefunden, dass es sich bei der betroffenen Person 

um A._____ gehandelt habe. Es sei alles sehr schnell gegangen, innerhalb 

von Sekunden (Urk. 5/31 F/A 12 f., 15 f.). Auf die Frage, wie viele Flaschen 

und Gläser geworfen worden seien, antwortete L._____, das wisse er nicht. 

Ergänzend fügte er an, aus seiner Sicht sei es Verteidigung gewesen: Wenn 

man jemanden anremple, sich anschliessend entschuldige, weggehe bzw. 

sich entferne und dann von mehreren Personen deshalb angegangen werde 

mit Flaschen etc., sei dies Notwehr (Urk. 5/31 F/A 20).

Als Zeuge sagte L._____ bei der Staatsanwaltschaft aus, er sei oben im Rau-

cherraum gewesen und habe den Vorfall aus zwei oder drei Metern Entfernung 

wahrgenommen. Er glaube, der Beschuldigte habe den Privatkläger 1 etwas 

angerammt, worauf sie begonnen hätten, zu diskutieren. Danach sei der Be-

schuldigte in Richtung Fenster gegangen und habe sich zurückgezogen. Der 

Privatkläger 1 und zwei, drei Kollegen seien auf ihn los gegangen. Es seien 

Flaschen geflogen (Urk. 5/33 F/A 16, 18, 24, 37). Alles sei so schnell gegan-

gen. Er sei sehr enttäuscht vom Privatkläger 1. Dieser sei mit zwei, drei Leuten 

auf den Beschuldigten zugegangen. Er habe gehört, dass eine Flasche kaputt 

-  28  -

gegangen sei. Das habe er mit Sicherheit wahrgenommen (Urk. 5/33 F/A 17, 

37). Es hätten aber auch bloss Gläser sein können, die vom Tisch gefallen 

seien (Urk. 5/33 F/A 55 f., 106). Er könne sich nicht daran erinnern, dass je-

mand eine Flasche geworfen habe (Urk. 5/33 F/A 58). Danach gefragt, was 

der Privatkläger 1 konkret gemacht habe, antwortete der Zeuge, dass er leider 

nichts dazu sagen könne. Er habe nur gesehen, dass der Privatkläger 1 dem 

Beschuldigten hinterhergegangen sei, nachdem sich dieser zurückgezogen 

habe. Was er (der Privatkläger 1) dann konkret gemacht habe, könne er nicht 

sagen (Urk. 5/33 F/A 18). Er habe jedenfalls nicht gesehen, dass der Privat-

kläger 1 dem Beschuldigten Schläge ausgeteilt habe (Urk. 5/33 F/A 42). Er 

wisse auch nicht, ob der Privatkläger 1 etwas zum Beschuldigten gesagt habe, 

als er sich zu diesem hinbegeben habe (Urk. 5/33 F/A 97). Wenn indessen 

drei Männer à je 100 kg auf einen zukämen, seien dies 300 kg. Da könne man 

froh sein, wenn man nicht aus dem Fenster springe (Urk. 5/33 F/A 63).

5.2.3 M._____, ein flüchtiger Bekannter des Beschuldigten, der den Vorfall von der 

rechten Seite der Raucherlounge aus wahrnahm, berichtete bei seiner Ein-

vernahme durch die Kantonspolizei Zürich, dass es eine Pöbelei zwischen 

dem Beschuldigten und einer anderen Person gegeben habe. Die beiden hät-

ten sich gegenseitig gestossen. Es sei auch zu Faustschlägen gekommen. 

Dann hätten sich zwei oder drei weitere Personen eingeklinkt. Der Beschul-

digte sei von den Angreifern in die Enge getrieben worden. Beim Fenster habe 

es eine Lounge mit Sofas und da komme man nicht mehr weiter. Der Ausgang 

des Raucherraumes sei auf der gegenüberliegenden Seite. Er denke, der Be-

schuldigte sei verängstigt gewesen, zumal er alleine gewesen sei (Urk. 5/34 

F/A 7, 15, 17). M._____ schilderte weiter, er habe gesehen, dass unmittelbar 

nach den Faustschlägen Flaschen und Gläser geflogen seien. Es sei zu hören 

gewesen, dass es Scherben gegeben habe. Er habe aber nicht erkannt, wer 

die Flaschen geworfen habe (Urk. 5/34 F/A 7, 18-20). Die Angreifer seien nä-

her gekommen, worauf der Beschuldigte ein Messer gezogen habe. Dann 

habe es wieder Platz zwischen den Personen gegeben und es sei ziemlich 

schnell gegangen, bis die Sicherheitsangestellten vor Ort gewesen seien 

(Urk. 5/34 F/A 7, 22, 24). 

-  29  -

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme wiederholte der Zeuge im We-

sentlichen seine Aussagen bei der Polizei. Er präzisierte, dass er nicht sagen 

könne, wer wem zuerst eine Faust reingedrückt habe. Er habe nur gesehen, 

wie der Beschuldigte und eine andere Person aufeinander losgegangen seien 

und sich gegenseitig geschubst hätten (Urk. 5/35 F/A 28 ff.). Auf entspre-

chende Nachfragen erklärte M._____, er habe nicht gesehen, dass der Be-

schuldigte im Rahmen dieser Pöbelei eine Faust gemacht oder Schläge ge-

gen seinen Kontrahenten ausgeteilt habe (Urk. 5/35 F/A 38 ff.). Der Privatklä-

ger 1 habe hingegen mit der Faust in Richtung Kopf des Beschuldigten ge-

schlagen (Urk. 5/35 F/A 49 ff.). Dann hätten sich zwei weitere Personen ein-

geklinkt und den Beschuldigten nach hinten gedrängt (Urk. 5/35 F/A 31, 60). 

Dort sei er (der Beschuldigte) so halb auf dem Sofa zu liegen gekommen 

(Urk. 5/35 F/A 72 f.). Dann seien Flaschen von hinten in Richtung Sofa geflo-

gen und man habe Scherben gehört (Urk. 5/35 F/A 74). Er habe gesehen, 

dass die an der Pöbelei beteiligten Personen Flaschen geworfen hätten und 

dem Beschuldigten immer näher gekommen seien. Sie seien zu Dritt auf ihn 

losgegangen. In dem Moment habe der Beschuldigte sein Messer gezogen 

und damit vor sich hin und her gefuchtelt, um sich zu wehren und die anderen 

auf Abstand zu halten. Dass der Beschuldigte Schnitt- oder Stichbewegungen 

ausgeführt habe, habe er allerdings nicht gesehen (Urk. 5/35 F/A 81, 89 f., 92, 

126, 133; vgl. auch F/A 121 f.). Danach gefragt, wer Flaschen in Richtung des 

Beschuldigten geworfen habe, antwortete der Zeuge, es könne nicht sein, 

dass nur einer der drei geworfen habe, denn es seien viele Flaschen gekom-

men (Urk. 5/35 F/A 93). Beim Sofabereich habe es Scherben am Boden ge-

geben (Urk. 5/35 F/A 106 f.). Auf entsprechende Frage erklärte M._____ so-

dann, dass der Beschuldigte keine Warnung ausgesprochen habe, bevor er 

sein Messer hervorgenommen habe (Urk. 5/35 F/A 96). Als er (der Beschul-

digte) auf dem Sofa gewesen sei, hätten seine Kontrahenten ihn in die Ecke 

getrieben und "abgeschlagen", d.h. sie seien mit den Fäusten auf ihn losge-

gangen. Ungefähr gleichzeitig seien auch Flaschen in seine Richtung geflo-

gen. In dem Moment habe der Beschuldigte das Messer hervorgenommen 

(Urk. 5/35 F/A 128 ff., 141).

-  30  -

5.2.4 N._____, ein weiterer Bekannter des Beschuldigten, wurde an der Berufungs-

verhandlung vor Obergericht als Zeuge einvernommen. Er gab an, der Be-

schuldigte sei bereits in der Raucherlounge gewesen, als er (der Zeuge) den 

Raum betreten habe (Urk. 157 S. 25, 28, 33, 35). Der Beschuldigte sei hinten 

im Raucherraum gewesen, während er (der Zeuge) näher beim Ausgang ge-

standen sei (Urk. 157 S. 28). Er habe zunächst gehört, dass Glas zersplittert 

sei, und aus dem Augenwinkel habe er wahrgenommen, dass etwas laufe 

(Urk. 157 S. 29 f., 36). Eine Gruppe von "Jungs" sei hereingestürmt und habe 

versucht, auf den Beschuldigten loszugehen. Er (der Zeuge) habe aber nicht 

gesehen, was die Jungs konkret gemacht hätten. Sie seien auf den Beschul-

digten zugegangen (Urk. 157 S. 30). Einer der Angreifer sei nach einer Bewe-

gung des Beschuldigten weggesprungen und umgefallen. Er sei quasi wegge-

spickt. Unmittelbar danach sei die Security hereingekommen (Urk. 157 S. 29 

ff., 36). Er habe dann gesehen, dass der Beschuldigte "ok" sei. Dies sei das 

Einzige gewesen, was er gesehen habe. Er habe nicht gesehen, dass der Be-

schuldigte einmal auf dem Boden oder dem Sofa gelegen bzw. gesessen sei 

(Urk. 157 S. 33). Danach gefragt, ob die gleichen "Jungs", welche in die Rau-

cherlounge hereingestürmt seien, auch Gläser geworfen hätten, gab der 

Zeuge an, das wisse er nicht. Er wisse nur, dass Glas geflogen sei (Urk. 157 

S. 31 f.). Er habe einfach gesehen, dass drei oder vier Leute hereingestürmt 

seien und es ein Chaos gegeben habe (Urk. 157 S. 29, 33, 35).

5.3 Den Aussagen des Privatklägers 1 lassen sich keine Hinweise auf eine Not-

wehrsituation des Beschuldigten entnehmen. Vielmehr schilderte er zusam-

mengefasst, dass es nach einem Zusammenstoss in der engen Raucher-

lounge zunächst zu einer verbalen Diskussion mit dem Beschuldigten gekom-

men sei. Ein Kollege des Beschuldigten sei dazwischen gegangen und habe 

versucht, zu schlichten. Dann sei ein Kollege von ihm (dem Privatkläger 1) 

dazugekommen, um sich zu erkundigen, was los sei. Zusammen mit seinem 

Kollege habe er einen Schritt auf den Beschuldigten zu gemacht. Dann sei es 

schon passiert: Der Beschuldigte habe mit dem Messer auf ihn eingestochen 

(Urk. 4/1 F/A 15, 133 ff.). Auf entsprechende Frage verneinte der Privatklä-

ger 1, dass von seiner oder der Seite seines Bruders Flaschen oder Gläser in 

-  31  -

Richtung des Beschuldigten geworfen worden seien. Auch sonst habe er 

keine Gegenstände durch die Raucherlounge fliegen sehen (Urk. 4/1 F/A 70 

ff., 144).

5.4 Der Privatkläger 2, Bruder des Privatklägers 1, gab in seiner polizeilichen Ein-

vernahme nur wenige Stunden nach dem Vorfall an, er habe sich ebenfalls in 

der Raucherlounge befunden, den Vorfall aber aus einer gewissen Entfernung 

(2 bis 3.5 Meter) wahrgenommen (Urk. 4/2 F/A 17). Anfänglich habe er mit 

seiner Frau gesprochen (Urk. 4/2 F/A 4). Der Privatkläger 1 und der Beschul-

digte hätten sich angerempelt. Dann habe es ein Gerangel und ein Wortge-

fecht gegeben. Der Beschuldigte habe sich dann vom Privatkläger 1 abge-

dreht und er (der Privatkläger 2) habe sich wieder seiner Frau zugewandt. Per 

Zufall habe er sich dann wieder zum Bruder umgedreht und gesehen, dass 

der Beschuldigte auf den Privatkläger 1 losgehe (Urk. 4/2 F/A 9). Daraufhin 

sei er dazwischen gegangen (Urk. 4/2 F/A 4, 17 f.). Er habe nur gesehen, wie 

der Beschuldigte mit der rechten Hand auf seinen Bruder eingeschlagen habe 

(Urk. 4/2 F/A 10 f.). Auf einmal habe der Privatkläger 1 zu ihm gesagt: "Ach-

tung, er hat ein Messer", und ihn nach hinten weggezogen (Urk. 4/2 F/A 4, 

18). Er selber habe eine leichte Schnittverletzung am rechten Unterarm erlit-

ten (Urk. 4/2 F/A 20). 

Gegenüber der Staatsanwaltschaft wiederholte der Privatkläger 2 weitgehend 

seine bisherigen Aussagen. Insbesondere schilderte er, dass es zwischen sei-

nem Bruder und dem Beschuldigten ein Gedränge sowie ein Wortgefecht ge-

geben habe (Urk. 4/3 F/A 17, 30 f.). Auf entsprechende Nachfrage verneinte 

er jedoch, dass es darüber hinaus auch zu einem Handgemenge gekommen 

sei (Urk. 4/3 F/A 61). Irgendein Typ sei dazwischen gegangen und habe sei-

nen Bruder sowie den Beschuldigten aufgefordert: "Hört auf mit dem Scheiss." 

Sein Bruder habe einen Schritt zurück gemacht und sich abgedreht, damit es 

keine Diskussionen mehr gebe. Auch er habe sich gerade wieder seiner Frau 

zuwenden wollen, als er gesehen habe, wie der Beschuldigte auf seinen Bru-

der eingeschlagen habe, aus dem Nichts eigentlich. Dann sei er schon ge-

sprungen, um dazwischen zu gehen, sei dann aber nach hinten gezogen wor-

-  32  -

den und habe nur noch den Warnruf gehört: "Achtung: Messer, Messer!" 

(Urk. 4/3 F/A 17, 31). Auf entsprechende Fragen verneinte der Privatkläger 2, 

dass sein Bruder und/oder er selber Gläser bzw. Flaschen in die Richtung des 

Beschuldigten geworfen hätten (Urk. 4/3 F/A 82). Er habe auch sonst nicht 

wahrgenommen, dass Gegenstände durch den Raucherraum geflogen seien, 

mit Ausnahme einer Flasche, die der Beschuldigte ihm angeworfen habe 

(Urk. 4/3 F/A 67 ff., 73 f., 138).

5.5 Zeugen aus dem Umfeld der Privatkläger 1 und 2 sagten Folgendes aus:

5.5.1 R._____, Ehefrau des Privatklägers 2, berichtete, sie habe gesehen, dass der 

Privatkläger 1 geblutet habe, als sie die Raucherlounge betreten habe. Sie 

könne aber nicht sagen, was der Beschuldigte und der Privatkläger 1 gespro-

chen hätten (Urk. 5/24 F/A 20). Die Zeugin konnte auch keine Angaben dazu 

machen, was die Privatkläger 1 und 2 gemacht hätten (Urk. 5/24 F/A 31 f.). 

Ebenso wenig habe sie wahrgenommen, dass Flaschen oder Gläser geworfen 

worden seien. Auf dem Fussboden habe sie jedenfalls keine Scherben gese-

hen (Urk. 5/23 F/A 26 f.; Urk. 5/24 F/A 73 f.).

5.5.2 Der Zeuge K._____ (genannt K._____), ein Freund des Privatklägers 1, sagte 

aus, er habe den Raucherraum erst betreten, als der Privatkläger 1 bereits 

blutverschmiert auf ihn zugekommen sei (Urk. 5/36 F/A 17, 19; Urk. 5/38 

F/A 14). Er habe den Beginn der Auseinandersetzung zwischen dem Privat-

kläger 1 und dem Beschuldigten nicht mitbekommen (Urk. 5/36 F/A 20). Er 

habe auch nicht gesehen, dass Flaschen oder Gläser in Richtung des Be-

schuldigten geworfen worden seien. Er selber habe nichts geworfen (Urk. 5/36 

F/A 21 f.). Wenn es so gewesen wäre, hätte der Beschuldigte bestimmt eine 

Flasche ins Gesicht gekriegt. Es hätten genügend Flaschen zur Verfügung ge-

standen (Urk. 5/38 F/A 100).

5.5.3 S._____, ein flüchtiger Bekannter des Privatklägers 1, gab an, den eigentli-

chen Vorfall nicht mitbekommen zu haben. Er sei erst zum Eingangsbereich 

der Raucherlounge gelangt, als der Privatkläger 1 blutverschmiert rückwärts 

aus der Raucherlounge gekommen sei (Urk. 5/25 F/A 11, 23; Urk. 5/26 

-  33  -

F/A 14, 19). Er wisse nicht, ob auf dem Boden im Eingangsbereich der Rau-

cherlounge Scherben gelegen hätten (Urk. 5/25 F/A 26).

5.6 Die meisten Angestellten und Organisatoren des H._____ Clubs nahmen den 

Konflikt nicht direkt war (vgl. T._____, Urk. 5/6; U._____, Urk. 5/8; V._____, 

Urk. 5/4; W._____, Urk. 5/15).

5.6.1 Der genaueste Zeugenbericht stammt vom Event-Manager AA._____. Er gab 

zu Protokoll, dass zwei Personen in der Raucherlounge sich nicht vertragen 

hätten. Wahrscheinlich seien sie aneinander gestossen. Der Beschuldigte 

habe sich dann in den hinteren Teil der Raucherlounge begeben. Der "an-

dere" sei zunächst stehen geblieben, dann sei er dem Beschuldigten gefolgt. 

Er (der Befragte) habe gesehen, dass "etwas dort passierte", wo der Beschul-

digte und der "andere" gewesen seien. Er habe wahrgenommen, dass etwas 

nicht in Ordnung gewesen sei und sei rausgerannt, um die Security zu orien-

tieren (Urk. 5/21 F/A 8). AA._____ bestätigte auf entsprechende Nachfrage, 

dass im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung Dinge durch die Luft 

geflogen seien. Er könne aber nicht sagen, was es genau gewesen sei 

(Urk. 5/21 F/A 18). 

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme präzisierte der Zeuge seine 

Aussage dahingehend, dass Gläser durch die Luft geflogen seien (Urk. 5/22 

F/A 19, 40). Er könne aber nicht sagen, wer die Gläser geworfen habe 

(Urk. 5/22 F/A 41). Entsprechend könne er auch nicht bestätigen, dass der 

Privatkläger 1 etwas geworfen habe. Ebenso gut wäre möglich gewesen, dass 

Gäste, welche die Auseinandersetzung hätten aufhalten wollen, etwas gewor-

fen hätten (Urk. 5/22 F/A 44). Es habe zunächst eine mündliche Auseinander-

setzung bzw. ein Wortgefecht gegeben, was sich aber nach kurzer Zeit wieder 

gelegt habe. Der Beschuldigte habe sich dann in den hinteren Teil des Rau-

cherraums zurückgezogen, wohin der andere ihm gefolgt sei. Die beiden Par-

teien hätten sich dann nochmals aufeinander zubewegt. Er könne aber den 

Grund dafür nicht sagen. Nach dem Wortgefecht habe wohl irgendetwas dazu 

geführt, dass der Beschuldigte und der Privatkläger 1 nochmals aufeinander 

zugegangen seien (Urk. 5/22 F/A 19, 38, 47). Dann sei die Auseinanderset-

-  34  -

zung ausgeartet und es seien Getränke, Becher und Gläser durch die Luft 

geflogen (Urk. 5/22 F/A 19, 40 f.). 

5.6.2 Der Security-Mitarbeiter AB._____ nahm die Auseinandersetzung nicht wahr, 

sondern kam erst nach der Messerattacke in die Raucherlounge, um den Be-

schuldigten hinunterzuführen. Er gab an, er habe Scherben auf dem Boden 

gesehen, es hätten aber nur wenige verstreute Scherben herumgelegen, wes-

halb es nicht nötig gewesen sei, diese durch das Putzpersonal wegräumen zu 

lassen (Urk. 5/11 F/A 70-75). 

5.6.3 Auch der Club-Manager AC._____ gab an, dass kleinere Scherben herumge-

legen seien, als er die Raucherlounge nach dem Vorfall betreten habe. Dies 

komme aber oft vor, und es habe jedenfalls nicht wie auf einem "Schlachtfeld" 

ausgesehen (Urk. 5/18 F/A 28 f.; Urk. 5/19 F/A 92).

5.6.4 AD._____, Einsatzleiter der Security am Abend des Vorfalls, gab an, sich 

nach ungefähr 30 bis 45 Minuten nach dem Vorfall in die Raucherlounge be-

geben zu haben. Er habe festgestellt, dass Gläser am Boden gelegen hätten. 

Dies sei aber völlig normal. Deswegen werde im Club auch immer wieder ge-

reinigt (Urk. 5/2 F/A 76-80).

5.7 Die ausgerückten Polizeibeamten O._____ und P._____, auf deren Aussagen 

sich der Beschuldigte zur Begründung seines Beweisantrags auf Einholung 

eines aktuellen psychiatrischen Gutachtens u.a. bezog, erschienen erst nach 

dem Vorfall am Tatort. Sie konnten daher bezüglich des Ablaufs der Ausein-

andersetzung keine sachdienlichen Informationen geben (Urk. 5/39 und 

Urk. 5/40; vgl. auch Urk. 1/11 und Urk. 1/12).

5.8

5.8.1 Der Beschuldigte stellte nicht in Abrede, dass es zwischen dem Privatkläger 1 

und ihm in den frühen Morgenstunden des 26. Januar 2018 in der Raucher-

lounge des H._____ Clubs zu einer verbalen Auseinandersetzung kam, nach-

dem er C._____ beim Passieren unbeabsichtigt berührt hatte und dieser ihn 

daraufhin mit dem Ellenbogen zurückgestossen hatte (vgl. Urk. 158 S. 11). 

-  35  -

Das Zugeständnis des Beschuldigten deckt sich mit dem Beweisergebnis. In-

soweit ist der Anklagesachverhalt erstellt.

5.8.2 Der Beschuldigte erklärte wiederholt, seine Kollegen, namentlich Q._____, 

W._____, AA._____ und L._____, hätten seine Auseinandersetzung mit dem 

Privatkläger 1 zu schlichten versucht. Zeitlich ordnete er diesen Schlichtungs-

versuch beim zweiten Aufeinandertreffen im hinteren Bereich der Raucher-

lounge ein (Urk. 3/3 F/A 12 f., 21, 29, 44; Urk. 3/4 F/A 37, 45, 82, 84; Prot. I 

S. 22). Aus den übereinstimmenden Aussagen von Q._____ und den beiden 

Privatklägern ergibt sich allerdings, dass lediglich Q._____ versuchte, das 

Wortgefecht zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger 1 zu schlich-

ten, welches nach der ersten Rempelei im Eingangsbereich der Raucher-

lounge entstanden war (Urk. 4/1 F/A 15; Urk. 4/3 F/A 17; Urk. 5/29 F/A 14, 50; 

vgl. auch Urk. 5/30 F/A 16, 62). Darauf ist abzustellen. Dass der Schlichtungs-

versuch zu einem späteren Zeitpunkt der Auseinandersetzung und durch wei-

tere Kollegen des Beschuldigten erfolgte, lässt sich nicht erstellen.

5.8.3 Der Beschuldigte sagte konstant aus, dass er sich nach dem ersten Aufein-

andertreffen und dem Wortgefecht mit dem Privatkläger 1 entfernt und in den 

hinteren Teil der Raucherlounge zurückgezogen habe (Urk. 3/1 F/A 29; 

Urk. 3/2 F/A 5; Urk. 3/3 F/A 12, 28, 57; Urk. 3/4 F/A 83; Prot. I S. 20 ff., 26; 

Urk. 157 S. 42, 48; Prot. II S. 16 f.). Diese Darstellung wird durch die Aussa-

gen von Zeugen aus dem Umfeld des Beschuldigten gestützt (Q._____: 

Urk. 5/29 F/A 14, 51; Urk. 5/30 F/A 16, 45; L._____: Urk. 5/31 F/A 20; 

Urk. 5/33 F/A 16, 18, 37, 95, 116). Es bestehen keine Hinweise darauf, dass 

sich die zwei Zeugen in diesem Punkt untereinander abgesprochen haben. 

Vielmehr differieren ihre Aussagen, insbesondere unter Einbezug dessen, 

was unmittelbar davor und danach geschehen sein soll, was dafür spricht, 

dass sie ihre eigenen Wahrnehmungen schilderten. Hinzu kommt, dass auch 

der Eventmanager des H._____ Clubs und der Privatkläger 2 aussagten, der 

Beschuldigte habe sich nach der verbalen Auseinandersetzung mit dem Pri-

vatkläger 1 abgewendet und in den hinteren Teil der Raucherlounge begeben 

(AA._____: Urk. 5/21 F/A 8; Urk. 5/22 F/A 19, 38; Privatkläger 2: Urk. 4/2 

-  36  -

F/A 9; vgl. dagegen Urk. 4/3 F/A 17). Diese räumliche Verschiebung des Be-

schuldigten hat deshalb als erstellt zu gelten. 

5.8.4 Weiter beschrieb der Beschuldigte konstant, dass der Privatkläger 1 und drei 

seiner Kollegen wie "Bulldozer" auf ihn losgegangen seien. Konkret sei ihm 

der Privatkläger 1 zusammen mit einem Kollegen in den hinteren Bereich der 

Raucherlounge gefolgt, wo es erneut zu einer Konfrontation gekommen sei. 

Zwei weitere Kollegen des Privatklägers 1 hätten sich im Hintergrund gehalten 

(Urk. 3/1 F/A 29; Urk. 3/2 F/A 5; Urk. 3/3 F/A 12, 29, 44, Urk. 3/4 F/A 37, 39; 

Prot. I S. 21 f., 26; Urk. 157 S. 42 f., 48; Prot. II S. 16 f.). Auch diese Schilde-

rung wird durch die übereinstimmenden Aussagen verschiedener Zeugen aus 

dem Umfeld des Beschuldigten gestützt (Q._____: Urk. 5/29 F/A 51; Urk. 5/30 

F/A 16, 18, 45 f., 55 f., 151; L._____: Urk. 5/31 F/A 12, 20; Urk. 5/33 F/A 16 

ff., 37, 41, 50 ff., 63, 81, 98, 116, 119; M._____: Urk. 5/34 F/A 7, 17; Urk. 5/35 

F/A 20, 31, 33, 60, 110 f.; N._____: Urk. 157 S. 29 f., 33, 35). Aufgrund ihres 

differenzierten Aussageverhaltens bestehen keine Anhaltspunkte, dass die 

Zeugen ihre Aussagen untereinander absprachen. Vielmehr wird deutlich, 

dass sie das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrnahmen 

und entsprechend schilderten. Zudem ergibt sich auch aus den Aussagen von 

AA._____, dass der Privatkläger 1 dem Beschuldigten nach ihrem Wortge-

fecht in den hinteren Bereich der Raucherlounge folgte, begleitet von zwei bis 

drei Kollegen (Urk. 5/21 F/A 8; Urk. 5/22 F/A 38, 51, 55 ff.). Der Sachverhalt 

gilt in diesem Umfang als erstellt.

5.8.5 An dieser Stelle ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte im hinteren Teil 

der Raucherlounge keine Möglichkeit hatte, einer erneuten Konfrontation mit 

dem Privatkläger 1 auszuweichen. Die Platzverhältnisse waren sehr eng, auch 

wegen der zahlreichen Gäste, die sich in der Raucherlounge aufhielten. Dies 

schilderten sowohl der Privatkläger 2 als auch verschiedene Zeugen (Privat-

kläger 2: Urk. 4/2 F/A 24; AA._____: Urk. 5/21 F/A 13; Urk. 5/22 F/A 16; 

Q._____: Urk. 5/29 F/A 48; L._____: Urk. 5/33 F/A 21; M._____: Urk. 5/34 

F/A 13; Urk. 5/35 F/A 138; N._____: Urk. 157 S. 28). Der Ausgang aus der 

Raucherlounge befand sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes 

-  37  -

(vgl. Fotodokumentation in Urk. 1/18 S. 2 f.; Urk. 1/19 S. 6 f.). Hinzu kommt, 

dass der Privatkläger 1 zur Tatzeit sehr muskulös aussah. Dies ergibt aus ei-

nem Foto, das ihn kurz nach den Messerstichverletzungen zeigt (Beilage zu 

Urk. 4/3). Es ist daher nachvollziehbar, dass der kräftige Körperbau des Pri-

vatklägers 1 und die Personenüberzahl unter den damaligen Platzverhältnis-

sen bedrohlich auf den Beschuldigten wirkten.

Relevant ist weiter, dass der Zeuge Q._____ berichtete, er habe gemerkt, dass 

der Privatkläger 1 irgendwie scharf auf den Beschuldigten gewesen sei. Als er 

direkt und zügig auf diesen zugegangen sei, habe der Privatkläger 1 eine "sehr 

unfriedliche Haltung" eingenommen (Urk. 5/29 F/A 14; Urk. 5/30 F/A 16). Auch 

AA._____, Eventmanager des H._____ Clubs, sagte aus, er habe gemerkt, 

dass etwas nicht in Ordnung gewesen sei, als der Privatkläger 1 den Beschul-

digten im hinteren Teil der Raucherlounge konfrontiert habe, weshalb er los-

gerannt sei, um die Security zu orientieren (Urk. 5/21 F/A 8; vgl. auch Urk. 5/22 

F/A 17, 59 f.). Die "sehr unfriedliche Haltung" des Privatklägers 1 wurde folg-

lich auch von weiteren Personen, welche sich zu diesem Zeitpunkt in der Rau-

cherlounge aufhielten, wahrgenommen. Angesichts des Umstands, dass die 

beiden Kontrahenten zu Beginn der Auseinandersetzung aneinander gestos-

sen waren und der Privatkläger 1 aussagte, der Beschuldigte habe ihn ansch-

liessend vom Stehtisch im hinteren Teil der Raucherlounge aus provozierend 

angeschaut (Urk. 4/1 F/A 15), kann als erstellt erachtet werden, dass der Pri-

vatkläger 1 tatsächlich eine "sehr unfriedliche Haltung" einnahm, als er auf den 

Beschuldigten zuging. 

5.8.6 Anlässlich seiner delegierten Einvernahme gab der Beschuldigte erstmals zu 

Protokoll, der Privatkläger 1 habe ihn aufgefordert, mit nach draussen zu kom-

men, und zu ihm gesagt: "Ich schlag' dich tot, du Fettsack". Ein Kollege des 

Privatklägers 1 habe ihn zudem gefragt, ob er (der Beschuldigte) wisse, wer 

sie eigentlich seien (Urk. 3/3 F/A 12 f.). Allerdings berichtete niemand von den 

befragten Zeuginnen und Zeugen davon, dass der Beschuldigte durch den 

Privatkläger 1 und einen seiner Kollegen verbal bedroht wurde. Da die ent-

-  38  -

sprechenden Aussagen des Beschuldigten nicht durch weitere Beweismittel 

gestützt werden, ist darauf nicht abzustellen.

5.8.7 Das Obergericht stellte im aufgehobenen Urteil verbindlich fest, dass der Pri-

vatkläger 1 keine Flasche bzw. kein Glas in der Hand gehalten oder geworfen 

habe, als er auf den Beschuldigten zugeschritten sei. Auch sei der Beschul-

digte vom Privatkläger 1 nicht verletzt oder durch einen Schlag aus nächster 

Nähe getroffen worden, bevor er sein Messer behändigte (Urk. 158 S. 58, 62). 

Auf die uneinheitlichen Aussagen des Beschuldigten, wonach ihn der Privat-

kläger 1 und seine Kollegen mit Fäusten geschlagen sowie getreten hätten, 

weshalb er sich mit dem Messer habe wehren müssen, ist daher nicht mehr 

einzugehen.

5.8.8 Von zentraler Bedeutung ist vorliegend die wiederholte Schilderung des Be-

schuldigten, dass die Kollegen, welche zusammen mit dem Privatkläger 1 auf 

ihn zugekommen seien, Gläser und Flaschen in seine Richtung geworfen hät-

ten. Konkret sagte er aus, dass einer aus der Gruppierung um den Privatklä-

ger 1 das erste Glas oder die erste Flasche nach ihm geworfen habe. Das 

Wurfgeschoss habe ihn jedoch knapp verfehlt und sei hinter ihm an der Wand 

zersplittert. Daraufhin habe er sich zum Schutz von seinen Kontrahenten ab-

gedreht, die ihn weiter mit Gläsern und Flaschen beworfen hätten. Ein Glas 

habe ihn dann am Hinterkopf getroffen. Daraufhin habe er sein Messer be-

händigt und zur Abwehr vor sich hingehalten (Urk. 3/1 F/A 29, 36 ff.; Urk. 3/2 

F/A 5; Urk. 3/3 F/A 13, 16, 18, 21 f., 31, 44; Urk. 3/4 F/A 29 f., 36 ff., 43, 47 ff.; 

Prot. I S. 21 ff.; Urk. 157 S. 43, 45, 48; Prot. II S. 16-19). Zahlreiche Zeugen 

beschrieben ebenfalls, dass Gläser und/oder Flaschen durch die Raucher-

lounge geworfen worden seien (AA._____: Urk. 5/22 F/A 19, 40 f., 85, 106; 

vgl. auch Urk. 5/21 F/A 18 ff.; Q._____: Urk. 5/29 F/A 14 f., 17 f., 25, 42; 

Urk. 5/30 F/A 16, 71 f., 87; L._____: Urk. 5/31 F/A 12 f., 20; Urk. 5/33 F/A 16 

f., 55 f., 58, 106; M._____: Urk. 5/34 F/A 7, 18 ff.; Urk. 5/35 F/A 20, 74, 81, 90, 

93 f., 106 f., 112, 123 ff., 133; 128 f., 141; N._____: Urk. 157 S. 29 ff., 36). 

Auffallend ist zwar, dass mit Ausnahme von M._____ niemand konkret sah, 

wie und woher Flaschen und/oder Gläser durch die Raucherlounge flogen. 

-  39  -

Dies lässt sich jedoch durch die engen Platzverhältnisse und die schummrige 

Atmosphäre in der Raucherlounge erklären. Mehrheitlich wurde auf die Ge-

räusche von zerspringendem Glas verwiesen. Andere Zeugen hatten Glas-

scherben vor den Sofas in der Raucherlounge gesehen. Es ist durchaus 

nichts Ungewöhnliches, dass in einem Club hin und wieder Gläser oder Fla-

schen zu Bruch gehen und deshalb Scherben am Boden vorzufinden sind. 

Sämtliche der vorgenannten Zeugen brachten die herumfliegenden Gläser 

und Flaschen jedoch mit der Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldig-

ten und dem Privatkläger 1 in Verbindung. Deshalb ist gestützt auf die über-

einstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der vorgenannten Zeugen 

als erstellt zu erachten, dass im Verlauf der angeklagten Auseinandersetzung 

tatsächlich Gläser und Flaschen durch die Raucherlounge geworfen wurden. 

5.8.9 Der Beschuldigte sagte wiederholt aus, dass es Kollegen des Privatklägers 1 

gewesen seien, welche Gläser und Flaschen in seine Richtung geworfen hät-

ten, als sie ihn im hinteren Teil der Raucherlounge bedrängt hätten. Von den 

genannten Zeugen (AA._____, Q._____, L._____, M._____, N._____) konnte 

dagegen keiner zuordnen, von wem bzw. von welcher Gruppierung Flaschen 

und/oder Gläser durch die Raucherlounge geworfen wurden. Allerdings schil-

derten sie ihre Wahrnehmungen zu zersplitterndem Glas und Scherben am 

Boden jeweils in unmittelbarem Zusammenhang mit dem zweiten Aufeinan-

dertreffen, als der Privatkläger 1 dem Beschuldigten zusammen mit zwei, drei 

Kollegen zu den Lounge-Sofas folgte. Dass mehrere Gläser und/oder Fla-

schen in jenem Moment bloss zufällig zu Boden fielen und zu Bruch gingen, 

erscheint unter Berücksichtigung der Zeugenaussagen nicht plausibel. Aus 

diesen und den übrigen Akten ergibt sich nicht, dass in der Raucherlounge 

zeitgleich eine andere Auseinandersetzung im Gange war. Bei dieser Beweis-

lage kann dem Beschuldigten nicht widerlegt werden, dass er davon ausge-

hen musste, dass Personen aus dem Umfeld des Privatklägers 1 zielgerichtet 

Gläser und/oder Flaschen nach ihm warfen. 

5.8.10 Nachfolgend ist zu prüfen, ob dies passierte, bevor der Beschuldigte sein Mes-

ser behändigte oder danach. Dazu konnte keiner der vorgenannten Zeugen 

-  40  -

(AA._____, Q._____, L._____, M._____, N._____) verlässliche Angaben ma-

chen. Der Beschuldigte erklärte, er habe sein Messer erst hervorgenommen, 

als er mit Flaschen und/oder Gläsern beworfen worden sei und eines der Wurf-

geschosse ihn am Hinterkopf getroffen habe. Diese Darstellung wird durch 

Aussagen von Q._____ gestützt. Danach gefragt, zu welchem Zeitpunkt der 

Auseinandersetzung er Glas habe zerbrechen hören, erklärte der Zeuge 

Q._____, er würde sagen, gerade direkt, als diese Person (Anm.: der Privat-

kläger 1) auf ihn (Anm.: den Beschuldigten) zugelaufen sei, dann sei das Ge-

schrei losgegangen, man habe auch Frauen schreien hören (Urk. 5/30 

F/A 87). N._____ schilderte, dass Gläser und Flaschen bereits durch die Rau-

cherlounge geflogen seien, bevor einer der Angreifer weggespickt bzw. umge-

fallen sei (Urk. 157 S. 29 ff.). Auch diese Aussage spricht dafür, dass der Be-

schuldigte sein Messer erst behändigte und gegen seine Kontrahenten ein-

setzte, als bereits Flaschen und/oder Gläser in seine Richtung geworfen wur-

den. 

Die Vorinstanz ging dagegen insbesondere gestützt auf die Aussagen von 

M._____ davon aus, dass die Flaschenwürfe nach den unvermittelten Messer-

stichen erfolgt sein müssten (Urk. 96 S. 27). Es ist nicht ausgeschlossen, dass 

sich das Geschehen entsprechend den Erwägungen im erstinstanzlichen Ur-

teil (Urk. 96 S. 27; vgl. auch Urk. 158 S. 55 f.) abspielte. Allerdings lässt sich 

auch aus den Aussagen von M._____ (vgl. dazu E. IV.5.2.3) zugunsten des 

Beschuldigten ableiten, dass dieser sein Messer erst hervornahm, als er vom 

Privatkläger 1 und drei weiteren Personen im hinteren Teil der Raucherlounge 

konfrontiert wurde und bereits Flaschen und/oder Gläser in dessen Richtung 

geworfen wurden. In Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo (Art. 10 

Abs. 3 StPO) ist deshalb davon auszugehen, dass Personen aus dem Umfeld 

des Privatklägers 1 zielgerichtet Gläser und/oder Flaschen nach ihm warfen, 

bevor er sein Messer behändigte und gegen seine Kontrahenten einsetzte. 

5.8.11 Es ist dokumentiert, dass der Beschuldigte im Zusammenhang mit dem an-

geklagten Vorfall in der Raucherlounge eine offene Quetschrisswunde am 

Hinterkopf erlitt (Urk. 9/2 S. 2, 4; vgl. auch Fotodokumentation in Urk. 9/1). 

-  41  -

Gestützt auf die Einschätzung im Gutachten zur körperlichen Untersuchung 

des Beschuldigten vom 12. Februar 2018 ist davon auszugehen, dass diese 

Wunde durch den Aufprall einer Glasflasche verursacht wurde (Urk. 9/1 S. 4), 

wie es der Beschuldigte beschrieben hatte.

Von den oben erwähnten Zeugen, welche Beobachtungen zum Tathergang 

machten (AA._____, Q._____, L._____, M._____, N._____), sah keiner, wann 

der Beschuldigte die Verletzung am Hinterkopf erlitt. Im ersten Berufungsurteil 

wurde festgehalten, es sei durchaus denkbar, dass die Quetschrisswunde erst 

im Zusammenhang mit der allgemeinen Aufregung entstanden sei, als klar ge-

worden sei, dass der Beschuldigte ein Messer mit sich geführt und es gegen 

C._____ eingesetzt hatte. So habe offensichtlich Panik geherrscht und alle 

Leute seien aus der Raucherlounge hinausgestürmt. Auch in dieser Phase 

hätte sich der Beschuldigte zum Schutz vor heranfliegenden Flaschen oder 

Gläsern abgedreht haben können, was die Wunde am Hinterkopf erklären 

würde (Urk. 158 S. 57). Diese bloss hypothetische Möglichkeit vermag jedoch 

die Darstellung des Beschuldigten nicht zu widerlegen. Vielmehr ist in Anwen-

dung des Grundsatzes in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) zugunsten des 

Beschuldigten davon auszugehen, dass er sein Messer erst hervornahm und 

gegen seine Kontrahenten richtete, nachdem er am Hinterkopf von einer Fla-

sche getroffen und verletzt worden war, die von Personen aus dem Umfeld 

des Privatklägers 1 in seine Richtung geworfen worden war. 

5.8.12 Wie der Beschuldigte das Messer gegen die Privatkläger 1 und 2 einsetzte 

und welche Verletzungen daraus resultierten, ist im Rückweisungsverfahren 

nicht mehr zu prüfen. Das Bundesgericht hielt fest, dass sich das Obergericht 

im ersten Berufungsurteil einlässlich mit diesen Fragen auseinandergesetzt 

habe (Urteil 6B_310/2022 E. 3.4). Es ist daher auf die verbindlichen Feststel-

lungen im ersten Berufungsurteil zu verweisen (Urk. 158 S. 50 ff.). Dabei ist 

hervorzuheben, dass der Beschuldigte sein Messer unerwartet zog und dieses 

ohne Vorankündigung oder Warnung rasch gegen den Privatkläger 1 einsetzte 

und zustach, wobei auch der Privatkläger 2 verletzt wurde. 

-  42  -

6.

6.1 Eine Notwehrsituation ist, wie gesagt, nur gegeben, wenn jemand angegriffen 

wird oder ein Angriff unmittelbar bevorsteht (vgl. E. III.1.2). Allein mit der kör-

perlichen Überlegenheit des Kontrahenten oder der blossen Personenüber-

zahl lässt sich eine Notwehrsituation nicht begründen.

6.2 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen hat als erstellt zu gelten, dass 

sich der Beschuldigte nach dem ersten Aufeinandertreffen und einem Wort-

gefecht mit dem Privatkläger 1 entfernte und in den hinteren Teil der Raucher-

lounge zurückzog. Dadurch verhielt er sich deeskalierend und brachte zum 

Ausdruck, dass die Angelegenheit für ihn erledigt sei und er eine weitere Aus-

einandersetzung mit dem Privatkläger 1 vermeiden möchte. Weiter wurde er-

stellt, dass der Privatkläger 1 dem Beschuldigten in der Folge zusammen mit 

zwei oder drei Kollegen in den hinteren Bereich der Raucherlounge folgte. 

Dort hatte der Beschuldigte keine Möglichkeit, einer erneuten Auseinander-

setzung mit dem Privatkläger 1 auszuweichen. Die Platzverhältnisse waren 

sehr eng, auch wegen der zahlreichen Gäste, die sich zu diesem Zeitpunkt in 

der Raucherlounge aufhielten. Der Beschuldigte war alleine und stand einer 

Gruppe von drei bis vier Personen, mithin einer Überzahl gegenüber. Der Pri-

vatkläger 1 machte aufgrund seines sehr muskulösen Körperbaus einen kräf-

tigen Eindruck und nahm gegenüber dem Beschuldigten eine "sehr unfriedli-

che Haltung" ein. Es ist nachvollziehbar, dass der Beschuldigte diese Situa-

tion als bedrohlich empfand. Weiter gilt als erstellt, dass Personen aus dem 

Umfeld des Privatklägers 1 gezielt Gläser und/oder Flaschen in die Richtung 

des Beschuldigten warfen und eines der Wurfgeschosse diesen am Hinter-

kopf traf, was zu einer offenen Quetschrisswunde führte. In diesem Moment 

durfte der Beschuldigte berechtigterweise davon ausgehen, dass es nicht zu 

einer weiteren verbalen Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 1 kommen 

würde. Vielmehr bestanden konkrete Anzeichen für einen unmittelbar bevor-

stehenden Angriff gegen seine körperliche Integrität, die eine Verteidigung na-

helegten. Dass das angeklagte Verhalten des Beschuldigten darauf ausge-

richtet war, einem bloss möglichen und somit noch unsicheren Angriff zuvor-

-  43  -

zukommen, kann unter den gesamten Umständen nicht mehr angenommen 

werden. Eine Notwehrlage des Beschuldigten ist deshalb zu bejahen. 

An dieser Einschätzung vermag auch das Verhalten des Beschuldigten unmit-

telbar nach der Tat nichts zu ändern. Es erstaunt zwar, dass im Polizeirapport 

gestützt auf Videoaufnahmen des H._____ Clubs festgehalten wird, der Be-

schuldigte habe den Raucherraum ohne jede Hektik verlassen. Er habe nicht 

verängstigt gewirkt, sondern im Gegenteil zur Verhinderung einer weiteren 

Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 1 und dessen Kollegen mehrfach 

daran gehindert werden müssen, ins Freie zu gehen. Es habe so ausgesehen, 

als suche er immer wieder die Konfrontation, indem er das Messer aufgeklappt 

habe und damit in Richtung des Haupteingangsbereichs geschritten sei, wo 

sich der Privatkläger 1 und weitere Personen aus dessen Umfeld aufgehalten 

hätten (Urk. 1/19 S. 7 f.). Ungewöhnlich erscheint auch, dass der Privatklä-

ger 2 und R._____ übereinstimmend aussagten, der Beschuldigte habe nach 

Einschreiten der Security im Eingangsbereich des H._____ Clubs geschrien: 

"Ich bring en um, wie de AE.____ dä AF.______ umbracht hät" (Urk. 4/2 F/A 4; 

Urk. 4/3 F/A 17; Urk. 5/23 F/A 13; Urk. 5/24 F/A 88). Schliesslich wirft Fragen 

auf, dass der Beschuldigte das Tatmesser vor dem Eintreffen der Polizei los-

zuwerden versuchte (vgl. Urk. 1/2 S. 3; Urk. 12/1 S. 2; Urk. 13/1 S. 5: Es 

wurde im Abfalleimer einer Mitarbeitergarderobe/WC im H._____ Club gefun-

den) und gegenüber den Polizeibeamten O._____ und P._____ kurz nach 

dem Vorfall seine aktive Beteiligung an der Auseinandersetzung mit dem Pri-

vatkläger 1 verschwieg (Urk. 5/39 F/A 16, 20, 23 ff.; Urk. 5/40 F/A 15, 22 ff.). 

Dem durchaus fragwürdigen Nachtatverhalten des Beschuldigten ist jedoch 

kein entscheidendes Gewicht beizumessen, da sich dieses auch auf seine Er-

leichterung über die soeben "gemeisterte" Notwehrsituation bzw. seine Über-

hand gegenüber den Angreifern zurückführen lässt.  

6.3 Zur Frage, ob die Abwehr der Notwehrsituation in einer den Umständen ange-

messenen Weise erfolgte, kann einleitend auf die zutreffenden Erwägungen 

im ersten Berufungsurteil verwiesen werden (Urk. 158 S. 66). Der Beschul-

digte hatte vom Privatkläger 1, der ihm unbewaffnet gegenüberstand, nur kör-

-  44  -

perliche Gewalt zu befürchten. Aus grösserer Entfernung warfen Personen 

aus dem Umfeld des Privatklägers 1 Flaschen und/oder Gläser nach ihm, was 

er jedoch überwiegend mit den Armen abwehren konnte. Unter dem Eindruck 

eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs holte der Beschuldigte gemäss den 

verbindlichen Feststellungen im ersten Berufungsurteil sein Messer unbe-

merkt hervor, öffnete dieses geschickt einhändig und führte dann sofort und 

ohne vorherige Warnung Stichbewegungen in Richtung Kopf des Privatklä-

gers 1 aus. Dem Beschuldigten wäre es jedoch ohne Weiteres möglich und 

zumutbar gewesen, zunächst um Hilfe zu rufen. Die Raucherlounge war zum 

Tatzeitpunkt voll. Es hielten sich zahlreiche Personen dort auf, darunter auch 

Kollegen des Beschuldigten, die hätten einschreiten oder die im Club tätigen 

Security-Mitarbeiter alarmieren können, wie sie es auch taten, als sie selber 

eine Eskalation der Auseinandersetzung bemerkten (v.a. Q._____ und 

AA._____). Der Beschuldigte hätte sodann mittels Drohgebärden bzw. Zeigen 

des Messers eine Warnung aussprechen und dadurch Distanz schaffen kön-

nen. Verschiedene Zeugen schilderten denn auch, dass sich der Privatklä-

ger 1 und seine Kollegen sogleich entfernt hätten, als sie gemerkt hätten, dass 

der Beschuldigte ein Messer in der Hand gehalten habe. Vom Beschuldigten 

wäre besondere Zurückhaltung zu erwarten gewesen, da er zu seiner Vertei-

digung ein Klappmesser und damit einen gefährlichen Gegenstand einsetzte, 

welcher die Gefahr schwerer oder sogar tödlicher Verletzungen mit sich 

brachte. Indem der Beschuldigte das Klappmesser unvermittelt und aus 

nächster Nähe mit Stichbewegungen gegen den Kopf des Privatklägers 1 

führte, setzte er sich in krass unverhältnismässiger Weise zur Wehr. Seine 

Reaktion auf die Notwehrsituation ist daher als Notwehrexzess zu qualifizie-

ren. 

6.4 Es ist nachvollziehbar, dass der Beschuldigte überrascht und bestürzt darüber 

war, dass der Privatkläger 1 ihm zusammen mit mehreren Kollegen in den 

hinteren Bereich der Raucherlounge folgte und dort erneut konfrontierte, ob-

wohl er sich nach dem Wortgefecht zurückgezogen und damit deeskalierend 

verhalten hatte. Dennoch erreicht seine Überraschung bzw. Bestürzung nicht 

die von Art. 16 Abs. 2 StGB geforderte Intensität und erscheint auch nicht ent-

-  45  -

schuldbar, ganz besonders unter Berücksichtigung der konkreten Umstände 

der Notwehrsituation. Ein tätlicher Angriff hatte noch nicht begonnen, sondern 

war lediglich ernsthaft zu befürchten. Es ist nicht erstellt, dass der Privatklä-

ger 1 und seine Kollegen den Beschuldigten mit Fäusten geschlagen sowie 

getreten hätten. Aus den Akten ergibt sich auch nicht, dass sie sich in Kampf-

stellung brachten oder Anstalten dazu trafen, mit Flaschen und/oder Gläsern 

aus unmittelbarer Nähe auf ihn loszugehen. Unter Hinweis auf die vorstehen-

den Erwägungen unter IV.6.3 wäre es dem Beschuldigten trotz seiner Über-

raschung und Erschütterung über den unmittelbar bevorstehenden Angriff 

ohne Weiteres möglich und zumutbar gewesen, von einem sofortigen Zuste-

chen abzusehen und das Messer nur drohend vorzuhalten. Von einem ent-

schuldbaren Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB ist deshalb 

nicht auszugehen. 

6.5 Der Beschuldigte hat mit dem angeklagten Verhalten den Tatbestand der ver-

suchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers 1 sowie den Tatbestand 

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB zum 

Nachteil des Privatklägers 2 erfüllt. Die Voraussetzungen der rechtfertigenden 

Notwehr (Art. 15 StGB) sind nicht erfüllt. Der Beschuldigte verübte die beiden 

Taten vielmehr in Notwehrexzess gemäss Art. 16 Abs. 1 StGB, was nachfol-

gend bei der Strafzumessung zu berücksichtigen sein wird.

V.

Schuldfähigkeit

1. Gemäss dem pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin (IRM) der Universität Zürich spricht der Atemlufttest dafür, dass 

der Beschuldigte im Ereigniszeitpunkt unter der Wirkung von Trinkalkohol 

stand. Der Konsum von Cannabis sei ebenfalls nachgewiesen worden, jedoch 

könne nicht sicher beurteilt werden, ob der Beschuldigte im Ereigniszeitpunkt 

tatsächlich unter dem Einfluss von Cannabis gestanden habe (Urk. 10/4).

-  46  -

2. Dr. med. J._____ hielt in seinem psychiatrischen Gutachten vom 6. Januar 

2019 fest, der vom Institut für Rechtsmedizin festgestellte Alkoholeinfluss und 

die eventuell bestehende Wirkung von Cannabis hätten keinen relevanten Ein-

fluss auf die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeit-

punkt gehabt. Dies ergebe sich zum einen aus dessen Angaben zu seiner Ver-

fassung im Tatzeitpunkt und zum andern aus den Schilderungen der Zeugen 

(Urk. 14/5 S. 41). Für den Fall, dass das Sachgericht eine Notwehrsituation 

bzw. ein hochgradiges Bedrohungsgefühl des Beschuldigten feststellen sollte, 

hielt der Gutachter fest, dass maximal eine leichte Verminderung der Steue-

rungsfähigkeit angenommen werden könnte, was eine leichtgradig vermin-

derte Schuldfähigkeit zur Folge hätte (Urk. 14/5 S. 41, 45).

3. Vorliegend sind keine Gründe erkennbar, weshalb von den Gutachten des 

Instituts für Rechtsmedizin und des forensischen Psychiaters abgewichen 

werden müsste. Zugunsten des Beschuldigten ist von einer leichtgradig ver-

minderten Schuldfähigkeit auszugehen, welchem Zustand bei der nachfolgen-

den Strafzumessung Rechnung zu tragen sein wird (Art. 19 Abs. 2 StGB). Von 

einer kompletten Aufhebung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit kann da-

gegen keine Rede sein. Der Beschuldigte ist deshalb der versuchten vorsätz-

lichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

und Art. 16 Abs. 1 StGB sowie der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig zu 

sprechen.

VI.

Strafzumessung

1. Das Bezirksgericht (Urk. 93 S. 36 ff.) und das Obergericht (Urk. 158 S. 67) 

stellten die Grundlagen der Strafzumessung bereits dar. Darauf ist zu verwei-

sen.

2. Wie das Bezirksgericht festhielt, ist für die Straftat der versuchten vorsätzli-

chen Tötung zum Nachteil des Privatklägers 1 zwingend eine Freiheitsstrafe 

-  47  -

auszusprechen (Art. 111 StGB). Für die Straftat der qualifizierten einfachen 

Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 2 kann ebenfalls eine Frei-

heitsstrafe ausgesprochen werden (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Da die bei-

den Straftaten in engem zeitlichen, räumlichen und sachlichen Zusammen-

hang stehen, drängt es sich auf, auch die qualifizierte einfache Körperverlet-

zung zum Nachteil des Privatklägers 2 mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen.

3.

3.1 Ausgangspunkt der Strafzumessung ist die versuchte vorsätzliche Tötung 

zum Nachteil des Privatklägers 1 als schwerstes Delikt. Der Strafrahmen be-

wegt sich bei diesem Delikt zwischen 5 und 20 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 111 

StGB in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 StGB).

3.2 Bei der Beurteilung der objektiven Tatschwere fällt zunächst verschuldenser-

höhend ins Gewicht, dass der Beschuldigte ein gefährliches Klappmesser 

(Klingenlänge 8 cm, Klingenbreite 2.7 cm) gegen den unbewaffneten Privat-

kläger 1 einsetzte. Das konkrete Vorgehen des Beschuldigten war hinterlistig. 

Er stach unvermittelt und ohne Vorwarnung zu. Der Raucherraum war dunkel 

und es standen viele Leute herum. Der Privatkläger 1 nahm nicht wahr, dass 

der Beschuldigte sein Messer geschickt einhändig geöffnet und unauffällig in 

der Hand gehalten hatte. Selbst wenn der Privatkläger 1 das Messer gesehen 

hätte, wäre ein Ausweichen in Anbetracht der vielen Leute in der Raucher-

lounge nur schwierig zu bewerkstelligen gewesen. Die Art und Weise des Vor-

gehens wirkt sich verschuldenserhöhend aus. Der Privatkläger 1 erlitt erhebli-

che und teilweise tiefe Stichverletzungen. Der Beschuldigte stach mehrfach 

mit kraftvollen, schnell hintereinander ausgeführten Bewegungen in den Kopf 

des Privatklägers 1. Die Halsschlagader wurde nur knapp und nur durch Zufall 

nicht getroffen. Der Beschuldigte verletzte den Privatkläger 1 sodann am lin-

ken Unterarm, den dieser zum Schutz vor den Messerstichen vor seinen Kopf 

hielt, sowie am Unterbauch. Als Folge von den zugefügten Verletzungen leidet 

der Privatkläger 1 noch heute unter starken, anhaltenden Schmerzen. Sodann 

ist er in seiner Alltagsgestaltung und seinem Berufsleben stark eingeschränkt 

(Prot. II S. 35 f.; Urk. 232/3; vgl. auch Urk. 232/2). Gemäss einem ärztlichen 

-  48  -

Bericht vom 4. September 2023 hätten die Verletzungen der Nerven im linken 

Unterarm und die dadurch hervorgerufenen starken neuropathischen Schmer-

zen dazu geführt, dass der Privatkläger 1 seinen linken Arm auch für einfache 

Alltagstätigkeiten (z.B. im Haushalt) und leichtere körperliche Arbeiten nicht 

einsetzen könne. Körperlich schwere Arbeiten, wie insbesondere die Tätigkeit 

als professioneller Kampfsportler, Kampfsporttrainer und Sicherheitsfach-

mann, seien bei den aktuellen Befunden nicht möglich (Urk. 232/3; vgl. auch 

Urk. 232/2). Der Beschuldigte verletzte das Rechtsgut der körperlichen Inte-

grität erheblich. Dies ist bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, wenn-

gleich das Körperverletzungsdelikt zur Straftat der versuchten vorsätzlichen 

Tötung in unechter Konkurrenz steht und im Schuldpunkt deshalb nicht be-

rücksichtigt werden kann.

Aufgrund dieser Umstände und des sehr weiten Strafrahmens ist die objektive 

Tatschwere als mittelschwer bis eher schwer einzustufen. Wäre das Delikt 

vollendet worden, läge die Einsatzstrafe bei 13 Jahren Freiheitsstrafe.

3.3 Bei der subjektiven Tatschwere ist verschuldensmindernd zu berücksichtigen, 

dass sich der Beschuldigte nach dem ersten Aufeinandertreffen und dem kur-

zen Wortgefecht mit dem Privatkläger 1 in den hinteren Bereich der Raucher-

lounge zurückzog und damit deeskalierend verhielt. Allerdings ist anzuneh-

men, dass sich die beiden Kontrahenten nach dieser ersten Auseinanderset-

zung gegenseitig "hochschaukelten". Der Privatkläger 1 gab an, der Beschul-

digte habe ihn im Anschluss an ihr Wortgefecht vom Stehtisch im hinteren Teil 

der Raucherlounge aus provozierend angesehen. Der Zeuge Q._____ nahm 

währenddessen wahr, dass der Privatkläger 1 eine "sehr unfrie