# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f785bcc8-7ac0-5f19-9048-25c7b7a2c91d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-07
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 07.09.2021 U 2021 34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2021-34_2021-09-07.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 21 34

1. Kammer 

Vorsitz Audétat

RichterIn Racioppi und von Salis

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 7. September 2021

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Beat Hess,

Beschwerdeführerin

gegen

Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden,

Beschwerdegegner

betreffend Führerausweisentzug (Sicherungsentzug)

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I. Sachverhalt:

1. Am 1. April 2020, 16:45 Uhr, fuhr A._____ mit dem Motorfahrzeug LU 

B._____ in C._____ auf der D._____ stadtauswärts. Auf der Höhe der Lie-

genschaft E._____ bremste das Vorderfahrzeug am Fussgängerstreifen 

wegen vortrittsberechtigter Fussgänger. A._____ reagierte infolge man-

gelnder Aufmerksamkeit nicht rechtzeitig auf das Bremsen des Vorder-

fahrzeuges und verursachte dadurch eine Auffahrkollision. Der Lenker des 

Vorderfahrzeuges erlitt dabei ein Schleudertrauma HWS BWS (Transport-

mittelunfall Grad II mit Beteiligung der LWS) und wurde vom behandeln-

den Arzt vom 1. bis 13. April 2020 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. 

Die Beifahrerin des Vorderfahrzeuges erlitt eine kleine Riss-Quetsch-

wunde an der Oberlippen-Schleimhaut als sie beim Aufprall mit dem Ge-

sicht gegen das vor ihr gehaltene Mobiltelefon stiess. Die zuständige 

Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern verurteilte A._____ mit Strafbefehl 

vom 30. Juni 2020 wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeuges (man-

gelnde Aufmerksamkeit) mit Kollisionsfolge in Anwendung von Art. 32 

(recte: Art. 31) Abs. 1, Art. 34 Abs. 4 und Art. 90 Abs. 1 SVG sowie Art. 4 

(recte: Art. 3) Abs. 1 und Art. 12 Abs. 1 VRV zu einer Busse in der Höhe 

von CHF 300.00. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

2. Das Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden stellte mit Verfügung 

vom 23. Oktober 2020 in der Verkehrsregelverletzung von A._____ eine 

mittelschwere Widerhandlung fest und ordnete in Anbetracht der zahlrei-

chen Voreintragungen im Massnahmenregister einen unbefristeten Siche-

rungsentzug des Führerausweises für sämtliche Kategorien an. Weiter 

hielt das Strassenverkehrsamt fest, dass ein Gesuch um Aufhebung der 

Massnahme frühestens nach Ablauf von fünf Jahren beantragt werden 

könne.

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3. Die von A._____ dagegen erhobene Verwaltungsbeschwerde vom 25. No-

vember 2020 wies das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit 

des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 25. Februar 2021 ab.

4. Gegen diese Verfügung erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführe-

rin) am 9. April 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden. Darin verlangte sie die Aufhebung des angefochtenen Ent-

scheids, die Feststellung, dass es sich beim Vorfall vom 1. April 2020 um 

eine leichte Widerhandlung i.S.v. Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG handle und die 

Voraussetzungen für den Führerausweisentzug nicht gegeben seien, und 

die Entzugsdauer i.S.v. Art. 16a Abs. 2 SVG zu beschränken sei, alles un-

ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, dass der Be-

schwerde betreffend den Führerausweisentzug die aufschiebende Wir-

kung zu erteilen sei. Die Beschwerdeführerin begründete ihre Anträge im 

Wesentlichen damit, dass sie sich gemäss Strafbefehl einzig mangelnder 

Aufmerksamkeit mit Kollisionsfolge schuldig gemacht habe; dies stelle 

eine leichte Übertretung dar, welche mit einer geringen Busse geahndet 

worden sei. Aus diesen Gründen habe sie den Strafbefehl auch akzeptiert. 

Wenn sich die Administrativbehörde nun unkritisch und ohne Wahrung von 

Parteirechten für ihr Verfahren auf Aussagen der Insassen des vorausfah-

renden Fahrzeuges und die nicht schlüssige Diagnose eines Schleuder-

traumas abstütze, stelle sie auf einen unrichtigen, zumindest einen unvoll-

ständigen Sachverhalt ab. Entsprechend sei die Feststellung einer mittel-

schweren Widerhandlung und die sich daraus ergebende Rechtsfolge un-

haltbar.

5. In seiner Vernehmlassung vom 19. April 2021 beantragte das Departe-

ment für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (nachfolgend Beschwerdegeg-

ner) die kostenfällige Abweisung der Beschwerde und des Antrages auf 

aufschiebende Wirkung. Der strittige Sicherungsentzug gehe nicht alleine 

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auf den Vorfall vom 1. April 2020 zurück, sondern sei eine Folge des vom 

Gesetz vorgesehenen Kaskadensystems der Administrativmassnahmen 

und dem früheren Verhalten der Beschwerdeführerin im Strassenverkehr. 

Die Einstufung der Verkehrsregelverletzung als mittelschwerer Fall sei 

korrekt, und die Rechtsfolge gemäss gesetzlicher Vorgabe verfügt wor-

den.

6. Mit Verfügung vom 29. April 2021 wies der Instruktionsrichter das Gesuch 

um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab.

7. Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Replik vom 9. Juni 2021 aus, dass 

der Strafbefehl nicht von verletzten Personen ausgehe. Weiter sei nicht 

erstellt, dass sie beim Unfallereignis am 1. April 2020 mit nicht angepass-

ter Geschwindigkeit und/oder mit nicht ausreichendem Abstand unterwegs 

gewesen sei. Das Unfallgeschehen hätte jedem passieren können, es sei 

einfach dumm gelaufen.

8. Mit Schreiben vom 14. Juni 2021 verzichtete der Beschwerdegegner auf 

eine Duplik.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt bildet vorliegend die Verfügung des Beschwerdegeg-

ners vom 25. Februar 2021. Art. 49 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) sieht vor, dass das Verwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Entscheide der kantonalen Departe-

mente beurteilt, soweit diese nicht nach kantonalem oder eidgenössi-

schem Recht endgültig sind oder bei einer anderen Instanz angefochten 

werden können. Die Verfügung des Beschwerdegegners ist weder end-

gültig noch kann sie bei einer anderen Instanz angefochten werden, wes-

halb sie ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Als Adressatin der Ver-

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fügung ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung auf (Art. 50 VRG). Daher ist auf die im Üb-

rigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.

2. Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Vorinstanz den Grundsatz der Bin-

dungswirkung des Strafurteils missachtet habe und ohne eigene Bewei-

serhebungen von einem anderen Sachverhalt ausgegangen sei bzw. auf 

den dem Strafbefehl widersprechenden Polizeirapport vom 1. Mai 2020 

abgestellt habe. Konkret bemängelt die Beschwerdeführerin, dass das 

Strassenverkehrsamt deutlich über die Sachverhaltsumschreibung im 

Strafbefehl hinausgegangen sei. Dieser enthalte insbesondere keine Hin-

weise darüber, dass es beim Unfall Verletzte gegeben habe. Der untersu-

chende Arzt am Kantonsspital Luzern habe am Unfalltag für seine Dia-

gnose 'Schleudertrauma HWS BWS / Transportmittelunfall Grad II mit Be-

teiligung der LWS – Primär' einzig auf die Aussagen des Patienten abge-

stellt; weitere Untersuchungen (CT HWS nativ und Rö HWS ap, seitlich 

und Densaufnahme) hätten keine akute Traumafolge an der HWS erge-

ben. Auch hätten keine Voruntersuchungen zum Vergleich zur Verfügung 

gestanden, eine Vorbelastung sei nicht ausgeschlossen. Entsprechend 

werde die Diagnose bestritten. Auch die kurzfristige Arbeitsunfähigkeit 

spreche gegen ein Schleudertrauma. Ausserdem sei der Patient Lokomo-

tivführer; bei solchen sicherheitsrelevanten Berufen werde regelmässig al-

leine aufgrund der Angaben eines Patienten eine Arbeitsunfähigkeit be-

scheinigt. Die Beschwerdeführerin, welche nach eigenen Angaben als nie-

dergelassene Hausärztin seit Jahren in der Stadt Luzern tätig sei und in 

dieser Funktion auch Patienten mit HWS-Distorsionsschmerzen betreue, 

führt in der Rechtsschrift ihre und die Erfahrungen von Prof. Dr. Dr. 

F._____ aus und kommt zum Schluss, dass es bei Zusammenstössen mit 

einer Geschwindigkeit von 10–20 km/h mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit nicht zu einer signifikanten Verletzung der HWS komme. Wollte 

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man diesen Ausführungen und Schlussfolgerungen nicht folgen, beantragt 

die Beschwerdeführerin die Einholung eines Gutachtens zur Klärung der 

Frage, ob die behaupteten Verletzungen bei einer Auffahrgeschwindigkeit 

von ca. 10 km/h überhaupt möglich seien. Auch das Schadensbild (Sach-

schaden von insgesamt CHF 2'000.00) indiziere eine Geschwindigkeit 

beim Zusammenstoss von weniger als 10 km/h. Bei einer höheren Auf-

fahrgeschwindigkeit wären die Kunststoffteile zerborsten und weitere 

Schäden entstanden. Auch hier wird beantragt, im Bestreitungsfall ein 

Gutachten erstellen zu lassen. Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, 

dass sich die Mitfahrerin des vorausfahrenden Fahrzeuges eine kleine 

Rissquetschwunde zugezogen habe, sei auf ihr eigenes Verhalten zurück-

zuführen, wenn sie ihr Handy vor dem Gesicht halte und dabei offensicht-

lich abgelenkt gewesen sei. Schliesslich wirft die Beschwerdeführerin dem 

Beschwerdegegner auch vor, mit seiner Behauptung, die Beschwerdefüh-

rerin habe keinen genügenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug 

eingehalten, wobei sie alleine bei ihrer Aussage behaftet werde, der Ab-

stand habe anderthalb Wagenlängen betragen, in Willkür verfallen zu sein. 

So habe die Beschwerdeführerin bei der Polizei ausgesagt, dass der Ab-

stand ungefähr eineinhalb Wagenlängen betragen habe; gleichzeitig habe 

sie auch gesagt, dass sie einen normalen Abstand eingehalten habe. Dass 

sie den normalen Wagenabstand mit einem anderthalbfachen Wagenab-

stand verglichen habe, könne nicht zu Ungunsten der Beschwerdeführerin 

ausgelegt werden, weil solche Schätzungen sehr schwierig seien und es 

recht häufig zu Verschätzungen komme.

3. Liegt ein rechtskräftiges Strafurteil vor, so ist die Verwaltungsbehörde 

grundsätzlich daran gebunden. Von den tatsächlichen Feststellungen im 

Strafurteil darf die Verwaltungsbehörde nur dann ausnahmsweise abwei-

chen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, 

die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat; wenn 

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die Verwaltung zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem 

abweichenden Ergebnis führt oder wenn die Beweiswürdigung durch den 

Strafrichter feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der 

Strafrichter nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere wenn er 

die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (vgl. BGE 137 I 

363 E.2.3.2, 124 II 103 E.1c, 119 Ib 158 E.3c). Sofern der Beschuldigte 

wusste oder angesichts der Schwere der ihm vorgeworfenen Delikte vor-

aussehen musste, dass gegen ihn ein Führerausweisentzugsverfahren 

eröffnet würde, muss er im Strafverfahren die ihm garantierten Verteidi-

gungsrechte geltend machen. Daher darf der Betroffene nicht das Verwal-

tungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und Beweis-

anträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben verpflichtet, dies 

bereits im Rahmen des Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die nötigen 

Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. BGE 123 II 97 E.3c, 121 II 214 E.3a, Urteile 

des Bundesgerichts 1C_536/2016 vom 23. Februar 2017 E.3.3.3, 

1C_503/2016 vom 12. Januar 2017 E.3.1.2, 1C_263/2011 vom 22. August 

2011 E.2.3, 6A.19/2006 vom 16. Mai 2006 E.1; Entscheid des Verwal-

tungsgerichts des Kantons Graubünden U 19 26 vom 24. September 2019 

E.3.2). Da sich der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Abteilung 3 Sursee 

auf den Polizeirapport vom 1. Mai 2020 abstützte, hat auch die Vorinstanz 

zu Recht beim massgeblichen Sachverhalt auf diesen Rapport der Luzer-

ner Polizei samt Beilagen, die Einvernahmen der Beteiligten und die Ab-

klärungen des Strassenverkehrsamts abgestellt (vgl. dazu Urteil des Ver-

waltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] U 18 50 vom 19. Fe-

bruar 2019 E.4.1; beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] I/7 und I/14). 

Damit ist auch festzuhalten, dass der von der Vorinstanz erstellte Sach-

verhalt nicht offensichtlich unrichtig erscheint.

4. Unklar ist vorliegend einzig die Aufprallgeschwindigkeit beim Auffahrunfall. 

Die nachträgliche Ermittlung der tatsächlichen kollisionsbedingten Ge-

schwindigkeitsveränderung ist stets von Unsicherheitsfaktoren belastet 

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(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_575/2012 vom 5. Juli 2013 E.5.2). Ob 

diese nun unter 10 km/h oder über 10 km/h war, spielt jedoch im Ergebnis 

keine ausschlaggebende Rolle (s. unten E.6.4), weshalb sich diesbezüg-

lich weitere Abklärungen und Ausführungen erübrigen.

5. Zu prüfen ist vorliegend die Frage, ob der Beschwerdegegner das Verhal-

ten der Beschwerdeführerin zu Recht als mittelschwere Widerhandlung 

gegen die Verkehrsregeln gemäss Art. 16b Strassenverkehrsgesetz 

(SVG; BR 741.01) erachten durfte.

6.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass ihr bei richtig erfasstem Sachver-

halt bloss eine leichte Unaufmerksamkeit im Strassenverkehr vorgeworfen 

werden könne. Entsprechend sei auch das Verschulden gering, was sich 

auch schon aus der geringen Busse von CHF 300.00 im Strafbefehl able-

sen lasse.

6.2. Das Gesetz unterscheidet zwischen einer leichten, mittelschweren und 

schweren Widerhandlung (Art. 16a–c SVG). Gemäss Art. 16a SVG begeht 

eine leichte Widerhandlung, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln 

eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur 

ein leichtes Verschulden trifft (Abs. 1 lit. a). Eine mittelschwere Widerhand-

lung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die 

Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a 

SVG). Eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c SVG begeht 

wiederum, wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche 

Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. 

a). Eine einfache Verkehrsregelverletzung im Strafverfahren nach Art. 90 

Abs. 1 SVG kann im Administrativverfahren einen leichten Fall nach 

Art. 16a SVG oder einen mittelschweren Fall nach Art. 16b SVG darstellen 

(vgl. BGE 135 II 138 E.2.4, Urteil des Bundesgerichts 1C_184/2020 vom 

9. Juli 2020 E.4.1). Die Vorinstanz führt überzeugend und richtig mit Hin-

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weisen auf die einschlägige Rechtsprechung aus, dass die mittelschwere 

Widerhandlung nach Art. 16b SVG einen Auffangtatbestand darstelle, wel-

che vorliege, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Wi-

derhandlung nach Art. 16a SVG (leichte Widerhandlung) und nicht alle 

qualifizierenden Elemente einer Widerhandlung nach Art. 16c SVG 

(schwere Widerhandlung) gegeben seien (vgl. BGE 135 II 138 E.2.2.2, Ur-

teil des Bundesgerichts 1C_592/2018 vom 27. Juni 2019 E.3.1; RÜT-

SCHE/WEBER, in: NIGGLI/PROBST/WALDMANN (Hrsg.), Basler Kommentar 

zum Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, Art. 16b Rz. 7 m.w.H.). Die An-

nahme einer leichten Widerhandlung setze voraus, dass der Lenker durch 

die Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit 

anderer hervorgerufen habe und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden 

treffe. Dabei müssten eine geringe Gefahr und ein leichtes Verschulden 

kumulativ gegeben sein (vgl. Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG; RÜTSCHE/WEBER, 

a.a.O., Art. 16a Rz. 4). Das Bundesgericht bejahe eine ernstliche Gefahr 

für die Sicherheit anderer bei einer konkreten oder auch bei einer erhöhten 

abstrakten Gefährdung (vgl. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG; RÜTSCHE/WEBER, 

a.a.O., Art. 16c Rz. 8 m.w.H.). Ob solche Gefährdungen vorlägen, hänge 

von den jeweiligen Verhältnissen des Einzelfalls ab.

6.3. Die Vorinstanz führt auf mehreren Seiten im angefochtenen Entscheid 

aus, aus welchen Überlegungen sie auf eine mittelschwere Widerhand-

lung im Sinne von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG geschlossen hat und sowohl 

die geringe Gefahr für die Sicherheit anderer als auch das leichte Ver-

schulden verneint hat. Diese Überlegungen sind, wie nachfolgend darge-

legt, allesamt sachlich begründet, auch wenn auf gewissen sachverhalt-

lichen Annahmen beruhend, welche von der Beschwerdeführerin bestrit-

ten sind.

6.4. Da die Beschwerdeführerin mit rechtskräftigem Strafbefehl einzig auf-

grund Nichtbeherrschens des Fahrzeugs wegen mangelnder Aufmerk-

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samkeit im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 Verkehrs-

regelnverordnung (VRV; BR 741.11) gebüsst worden war (vgl. Bg-act. 

I/21), wies der Beschwerdegegner richtigerweise auf den Grundsatz hin, 

wonach der Fahrer sein Fahrzeug ständig so beherrschen muss, dass er 

seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann, wobei er seine Aufmerk-

samkeit der Strasse und dem Verkehr zuzuwenden hat (Art. 31 Abs. 1 

SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV). Der Lenker hat gegenüber den anderen Ver-

kehrsteilnehmern einen ausreichenden Abstand einzuhalten, insbeson-

dere beim Hintereinanderfahren (Art. 34 Abs. 4 SVG), dabei muss er auch 

bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig 

anhalten können (Art. 12 Abs. 1 VRV). Das Mass der geforderten Auf-

merksamkeit richtet sich nach den gesamten Umständen, namentlich nach 

der Verkehrsdichte, den örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und 

den voraussehbaren Gefahrenquellen. Erhöhte Aufmerksamkeit ist gefor-

dert, wo der Verkehr dichter wird, wo die Strassenverhältnisse nicht mehr 

ohne weiteres erkennbar oder überblickbar sind (innerorts, bei Verzwei-

gungen und Fussgängerstreifen, beim Antreffen anderer Fahrzeuge und 

Verkehrsteilnehmer etc.; vgl. WEISSENBERGER, Kommentar Strassenver-

kehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, 

Art. 31 SVG Rz. 7; ROTH, in: NIGGLI/PROBST/WALDMANN (Hrsg.), a.a.O., 

Art. 31 Rz. 47 f. m.w.H.). Nicht selten ist ein Nichtbeherrschen des Fahr-

zeuges auch die Folge eines ungenügenden Abstandes beim Hinterein-

anderfahren (vgl. statt vieler BGE 115 IV 248 E.3a), so z.B. bei einer Auf-

fahrkollision (vgl. WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 31 SVG Rz. 13 f.). Der Be-

schwerdegegner hielt fest, dass der Hinweis im Strafbefehl vom 30. Juni 

2020, wonach beim Tatbestand des ungenügenden Abstandhaltens mit 

Personenwagen beim Hintereinanderfahren keine separate Verfahrens-

einstellung erfolge, da diesem derselbe Lebensvorgang zugrunde liege 

wie dem mit dem Strafbefehl beurteilten Tatbestand des Nichtbeherr-

schens des Fahrzeugs (mangelnde Aufmerksamkeit) mit Kollisionsfolge, 

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allerdings nicht bedeute, dass die Beschwerdeführerin den (empfohlenen) 

Abstand von einem halben Tacho zum vorausfahrenden Fahrzeug einge-

halten habe, wie sie behaupte (vgl. BGE 144 IV 362; Bg-act. I/14).

6.5. Der Beschwerdegegner hat zunächst geprüft, ob die Beschwerdeführerin 

mit der Auffahrkollision nur eine geringe Gefahr oder eine Gefahr für die 

Sicherheit anderer hervorgerufen hat. Gemäss Polizeirapport vom 1. Mai 

2020 ereignete sich der Unfall am 1. April 2020, um 16:45 Uhr, auf der 

D._____ in Emmenbrücke (recte: C._____). Die signalisierte Geschwin-

digkeit betrug 60 km/h, die Strasse war trocken und die Witterung schön. 

Die Beschwerdeführerin wurde am Unfallort durch die Polizei handschrift-

lich einvernommen, wobei sie sinngemäss angab, dass sie in einer Ko-

lonne mit einer Geschwindigkeit von ca. 20–30 km/h und einem Abstand 

von ca. eineinhalb Wagenlängen bzw. einem normalen Abstand gefahren 

sei, das Fahrzeug vor ihr unverhofft, plötzlich und unbegründet gebremst 

habe, sie deshalb eine Vollbremsung eingeleitet habe, worauf die Räder 

blockiert hätten und ihr Fahrzeug trotzdem in das vor ihr befindliche Fahr-

zeug gerutscht sei. Der Fahrer des vorausfahrenden Fahrzeugs gab ge-

genüber der Polizei anlässlich der handschriftlichen Einvernahme vor Ort 

an, dass er das Fahrzeug normal bis zum Stillstand vor dem Fussgänger-

streifen habe abbremsen müssen, da ein Paar die Strasse von rechts nach 

links habe überqueren wollen, kurz darauf habe es von hinten gekracht 

und einen heftigen Schlag gegeben. Er gab an, unter Nacken-, Rücken- 

und Schulterschmerzen zu leiden. Diese Aussagen wurden durch die Bei-

fahrerin, nach mündlicher Rechtsbelehrung durch die Polizei, telefonisch 

am 7. April 2020 bestätigt (vgl. Bg-act. I/7).

6.6. Der Beschwerdegegner bringt vor, dass für die Annahme einer Verletzung 

der Verkehrsregeln, die eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft, 

eine erhöhte abstrakte Gefährdung genüge, welche bei Auffahrunfällen in 

den naheliegenden Folgen einer Kollision liege. Bei Auffahrunfällen be-

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stehe insbesondere die ernsthafte Gefahr von schwerwiegenden gesund-

heitlichen Schäden wie sog. Schleudertraumas. Der Annahme einer kon-

kreten Gefahr im Geschwindigkeitsbereich bei 10–20 km/h stehe auch die 

Berufung auf Sicherheitselemente des Fahrzeugs oder eine Harmlosig-

keitsgrenze von 10 km/h nicht entgegen. Entgegen den Ausführungen der 

Beschwerdeführerin gehe aus den ärztlichen Unterlagen hervor, dass es 

aufgrund des Unfalls Verletzte gegeben habe. Aus dem Arztbericht des 

Luzerner Kantonsspitals vom 1. April 2020 gehe hervor, dass der geschä-

digte Fahrzeuglenker aufgrund des Unfall ein 'Schleudertrauma HWS 

BWS / Transportmittelunfall Grad II mit Beteiligung der LWS – Primär' er-

litten habe, wofür er insgesamt vom 1. bis 13. April arbeitsunfähig ge-

schrieben worden sei. Bei der Beifahrerin sei gemäss Arztbericht des Lu-

zerner Kantonsspitals vom 1. April 2020 ein 'leichtes Schleudertrauma mit 

kleiner Rissquetschwunde an der Schleimhaut der linken Oberlippe – 

Primär' als Unfallfolge festgestellt worden (vgl. Bg-act. 1/22). Somit habe 

das Verhalten der Beschwerdeführerin nicht nur eine erhöhte abstrakte 

Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer zur Folge gehabt, diese habe sich 

auch konkret realisiert. Damit sei auch die Schwelle von der leichten zur 

mittelschweren Gefährdung überschritten worden. Eine ernstliche Gefähr-

dung anderer Verkehrsteilnehmer nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG stehe 

indes nicht zur Diskussion.

6.7. Was die Verletzungssituation betrifft, so erscheint die Behauptung der Be-

schwerdeführerin, die Diagnose des behandelnden Arztes im Kantonsspi-

tal Luzern sei unzutreffend, da gar nicht möglich, gewagt. Selbst wenn je-

doch vertiefte Abklärungen (Gutachten) ergeben würden, dass beim Len-

ker des Vorderfahrzeuges kein Schleudertrauma im medizinischen-tech-

nischen Sinne vorgelegen habe, so hat der Aufprall bei ihm doch zu einer 

vollen Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von zwei Wochen geführt, was nicht 

ernsthaft mehr als Bagatelle dargestellt werden kann (vgl. Bg-act. I/22). 

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Dafür, dass der behandelnde Arzt dem Lenker des Vorderfahrzeugs bloss 

aufgrund dessen Beruf als Lokführer einzig aufgrund dessen Schilderun-

gen und ohne eigene Einschätzung und Abklärung von einem Schleuder-

trauma ausgegangen sei, und ihn deshalb für zwei Wochen zu 100 % ar-

beitsunfähig geschrieben habe, gibt es keinerlei Hinweise in den Akten, 

dies erscheint dem Gericht auch lebensfremd. Abenteuerlich sind zudem 

die Erklärungen der Beschwerdeführerin zum Mobiltelefon-Gebrauch der 

Beifahrerin des Vorderfahrzeugs bzw. deren Verletzung beim Aufprall. Es 

kann vorliegend nicht ernsthaft negiert werden, dass die beiden Insassen 

des Vorderfahrzeugs durch das Unfallgeschehen körperliche Schäden da-

vontrugen (vgl. Bg-act. I/22). Diese mögen eher leicht gewesen sein, wor-

aus aber die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten kann, 

ausser vielleicht, dass sie im Strafbefehl nicht noch wegen Körperverlet-

zung zur Rechenschaft gezogen worden ist.

6.8. Betreffend Ausmass der Kollision reichte die Beschwerdeführerin im Rah-

men der Beschwerde zur Veranschaulichung verschiedene Berechnun-

gen der Aufprallgeschwindigkeit auf ein bremsendes, vorausfahrendes 

Fahrzeug bei zu später eigener Bremsung ein, wobei die Berechnungen 

auf diversen Variablen beruhen, welche zum Teil feststehen, die meisten 

jedoch blosse Vermutungen sind und es sich damit grösstenteils um Spe-

kulationen handelt. Dies gilt auch in Bezug auf die Aussage, wonach die 

Beschwerdeführerin zum vorausfahrenden Fahrzeug einen Abstand von 

einem halben Tacho eingehalten habe, wobei auch die gefahrene Ge-

schwindigkeit der beteiligten Fahrzeuge unklar ist, so dass sich weitere 

Ausführungen dazu erübrigen und die Beschwerdeführerin daraus nichts 

zu ihren Gunsten ableiten kann.

6.9. Der Beschwerdegegner verneinte das Vorliegen eines leichten Verschul-

dens mit der Begründung, dass es sich beim Nichtbeherrschen des Fahr-

zeugs durch mangelnde Aufmerksamkeit um eine wesentliche Verkehrs-

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regel bzw. eine der grundlegendsten Verhaltensregeln im Strassenverkehr 

handle. Die Beschwerdeführerin sei der geforderten erhöhten Aufmerk-

samkeit nicht nachgekommen bzw. habe zumindest den Abstand zum vor-

ausfahrenden Fahrzeug nicht ihrer Aufmerksamkeit angepasst, so dass es 

zur Kollision gekommen sei. Da bei der Beschwerdeführerin somit mehr 

als nur eine leichte Unaufmerksamkeit vorlag, warf ihr der Beschwerde-

gegner ein mittelschweres Verschulden vor (vgl. RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., 

Art. 16b Rz. 12).

6.10. Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinne von Art. 16a–c SVG ist bei 

einer konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu 

bejahen. Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn in Anbetracht der 

jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls die Möglichkeit einer konkreten Ge-

fährdung oder gar einer Verletzung naheliegt (vgl. Urteile des Bundesge-

richts 1C_539/2016 vom 20. Februar 2017 E.3.1, 1C_273/2016 vom 

5. Dezember 2016 E.4.1 m.H.). In der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung wurden aufgrund der erhöhten abstrakten (oder auch konkreten) 

Gefährdung Auffahr- und Selbstunfälle mit Sachschaden (also auch ohne 

Verletzungsfolgen) als mittelschwere Widerhandlungen nach Art. 16b 

Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert, so etwa in BGE 135 II 138 E.2.3 f., Urteile des 

Bundesgerichts 1C_503/2016 vom 12. Januar 2017 E.3.3, 1C_476/2015 

vom 29. Mai 2015 E.4.3.2 m.H., 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 

E.3.4 ff., 1C_156/2010 vom 26. Juli 2010 E.5, 1C_83/2010 vom 12. Juli 

2010 E.5; anders aber 1C_382/2011 vom 12. Dezember 2011 E.3.2 

(=leichte Widerhandlung) (vgl. RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16b Rz. 14). 

Die Vorinstanz liess zu Gunsten der Beschwerdeführerin mangels Hinwei-

sen in den Verfahrensakten offen, ob aufgrund des Auffahrunfalles vor ei-

nem Fussgängerstreifen tatsächlich eine erhöhte abstrakte oder konkrete 

Gefahr für die Fussgänger entstanden sei. Das Gericht geht indes zumin-

dest von einer erhöhten abstrakten Gefahr für Fussgänger aus: Wenn die 

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Beschwerdeführerin nicht einmal rechtzeitig das Abbremsen des Vorder-

fahrzeugs wahrnehmen und darauf reagieren konnte, so hat sie noch viel 

weniger überblicken können, weshalb das Vorderfahrzeug plötzlich ab-

bremste; so hat die Beschwerdeführerin auch nicht sehen können, ob sich 

Fussgänger, vielleicht Kinder oder Eltern mit Kinderwagen auf dem Fuss-

gängerstreifen befunden haben. Dass in einer solchen Situation mit einer 

Auffahrkollision zumindest eine erhöhte abstrakte Gefahr für Fussgänger 

geschaffen wird, liegt auf der Hand und muss, entgegen der Vorinstanz, 

zwingend mitberücksichtigt werden. Dieser Schluss ist auch zu ziehen, 

wenn man bedenkt, dass Auffahrunfälle insbesondere bei den Insassen 

des vorausfahrenden Fahrzeugs zu schweren Verletzungen führen kön-

nen, eine typische Verletzung stellt ein Schleudertrauma der Halswir-

belsäule (HWS) dar, wobei ein derartiges Trauma gravierende gesundheit-

liche Folgen haben kann (vgl. etwa BGE 136 V 279, 135 II 138 E.2.3). Dies 

gilt nach der Praxis des Bundesgerichts auch bei Auffahrkollisionen zwi-

schen Personenwagen mit Aufprallgeschwindigkeiten von ca. 10–15 

km/h. Bei solchen Unfällen liegt – auch ohne tatsächlichen Personenscha-

den – in der Regel ein mittelschwerer Fall mit konkreter Gefährdung der 

Unfallgegner vor (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_476/2014 vom 29. 

Mai 2015 E.4.3.2, 1C_575/2012 vom 5. Juli 2013 E.5.1). Angesichts des-

sen kann die von fehlbaren Fahrzeuglenkern bei Auffahrunfällen geschaf-

fene Gefahr für die Sicherheit anderer nicht mehr als leicht eingestuft wer-

den, die Annahme einer leichten Widerhandlung im Sinne von Art. 16a 

Abs. 1 lit. a SVG ist damit ausgeschlossen (vgl. BGE 135 II 138; WEISSEN-

BERGER, a.a.O., Art. 16b SVG Rz. 10). Der Beschwerdeführerin ist anzu-

lasten, dass sie in einer Situation, die eine besondere erhöhte Aufmerk-

samkeit verlangt hätte, durch die mangelnde Aufmerksamkeit eine kon-

krete Gefahr nicht nur für sich selber, sondern auch für Dritte geschaffen 

hat. Durch diese pflichtwidrige Unaufmerksamkeit hat sich die verursachte 

konkrete Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer in Personen- und Sach-

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schaden realisiert. Damit spielen auch die anderen Elemente eine gerin-

gere Rolle, auch wenn deren Bestreitung durch die Beschwerdeführerin 

konstruiert wirkt. Die vorliegende Situation lässt nach dem Gesagten so 

oder anders die Qualifikation als leichte Widerhandlung nicht zu, weshalb 

der Vorinstanz kein Vorwurf falscher Rechtsanwendung gemacht werden 

kann.

7.1. Bei der Art und Dauer der Massnahmen muss stets die Verhältnismässig-

keit geprüft oder eben überprüft werden. Die Beschwerdeführerin bemän-

gelt diesbezüglich, dass im angefochtenen Entscheid der Tatsache, dass 

sie als Hausärztin beruflich auf ihren Führerausweis angewiesen sei, zu 

wenig Rechnung getragen worden sei. Ebenfalls müssten die äusseren 

Umstände, also die nur kurze Unaufmerksamkeit, die trockene Strasse, 

die tiefe Geschwindigkeit etc., sowie das tiefe Gefährdungspotential mass-

nahmenmildernd in die Beurteilung einfliessen. Mit gesundem Menschen-

verstand betrachtet müsse man erkennen, dass ein solcher Auffahrunfall 

bei dieser geringen Geschwindigkeit jedem und jeder von uns hätte pas-

sieren können, ohne dass man dabei auf eine mittelschwere Widerhand-

lung erkennen könne. Insbesondere habe dieser Bagatellunfall nichts mit 

dem früheren Verhalten der Beschwerdeführerin gemeinsam; sie habe 

ihre Lehren daraus gezogen und sei lediglich durch eine kleine Unauf-

merksamkeit in diesen Unfall verwickelt worden. Dies alles sei in einer Ge-

samtbetrachtung zu berücksichtigen.

7.2. Die Beschwerdeführerin weist folgende Einträge im Massnahmenregister 

auf (vgl. Bg-act. I/1–6 und I/8):
Verfügungs-
datum

Verfügende 
Behörde

Massnahme Zeitspanne Schwere-
grad der 
Wider-
handlung

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19.05.2008 ZH Entzug 
6 Monate

17.02.2008–16.08.2008 schwer
Geschwin-
digkeit

15.09.2010 GR Entzug 
4 Monate

22.09.2010–21.01.2011 mittel 
Geschwin-
digkeit

28.12.2010 GR Entzug
12 Monate

24.10.2010–23.10.2011 schwer
Fahren 
trotz Ent-
zug

18.08.2016 GR Entzug auf 
unbest. Zeit 
ab 
06.06.2016
Art. 16c Abs. 2 
lit. d SVG

Sperrfrist 
24 Monate 
06.06.2016–05.06.2018

schwer
Geschwin-
digkeit

01.06.2018 GR Aufhebung ab 06.06.2018 Fahreig-
nung ver-
kehrs-
psycholo-
gisch be-
jaht

Liegt ein mittelschwerer Fall nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vor, wird nach 

Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG der Führerausweis für immer entzogen, wenn in 

den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis nach Art. 16c Abs. 2 lit. d 

SVG oder Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG entzogen war. Für die Bemessung 

und Dauer des Führerausweisentzugs sind die Umstände des Einzelfalls 

zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, 

das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufli-

che Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.

Die Vorinstanz stellte zu Recht fest, dass der Beschwerdeführerin auf-

grund einer Geschwindigkeitsübertretung im Juni 2016 zwei Monate 

später der Führerausweis in Anwendung von Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG auf 

unbestimmte Zeit entzogen und im Juni 2018 nach Vorlage eines positiven 

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verkehrspsychologischen Gutachtens wieder erteilt worden war. Bei Beja-

hung einer mittelschweren Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 SVG 

muss im vorliegenden Fall als Rechtsfolge ein Führerausweisentzug für 

immer ausgesprochen werden (Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG; vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E.5). Der Gesetzgeber 

hat für diese Kaskadenhaftung keinen Ermessensspielraum eingebaut, so 

dass sich die Prüfung der weiteren Umstände erübrigt, wie die Vorinstanz 

zu Recht annimmt.

7.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Auffahrunfall nicht 

rechtsfehlerhaft als mittelschwere Verletzung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a 

SVG qualifiziert und zu Recht gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG (ent-

sprechend der Kaskadenhaftung) einen Führerausweisentzug für immer 

ausgesprochen hat. Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als 

rechtens und verhältnismässig, was zu seiner Bestätigung und zur Abwei-

sung der dagegen als unbegründet erwiesenen Beschwerde führt.

8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf 

Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die Staatsge-

bühr wird dabei auf CHF 2'000.-- festgesetzt. Eine aussergerichtliche Ent-

schädigung steht dem Beschwerdegegner nach Art. 78 Abs. 2 VRG nicht 

zu, da er lediglich in seinem amtlichen Wirkungskreis obsiegte.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend aus

- einer Staatsgebühr von CHF 2'000.--

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- und den Kanzleiauslagen von CHF 428.--

zusammen CHF 2'428.--

gehen zulasten von A._____.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]

Die an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wird mit Urteil vom 15. Juni 2022 

abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist (1C_741/2021).