# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98fc184c-c664-50a7-a3e6-a98fc35ec46d
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-06
**Language:** de
**Title:** Heimatschutz, Inventarentlassung, mangelhaftes Gutachten
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0148/2025
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_r4.2025.00062.pdf

## Full Text

Baurekursgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung

G.-Nr.
BRGE IV Nr.

R4.2025.00062
0148/2025

Entscheid vom 6. November 2025

Mitwirkende

Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichterin Petra Röthlisberger, Ersatz-
richter Florian Poppele, Gerichtsschreiberin Andrea Kuhn

in Sachen

Rekurrent

Zürcher Heimatschutz ZVH

vertreten durch […]

gegen

Rekursgegner

1.  Stadtrat X

vertreten durch […]

Mitbeteiligte

2.  A AG
3.  B AG
4.  C

2 - 4 vertreten durch […]

5.  D
6.  E
7.  F

betreffend

Beschluss  des  Stadtrates  vom  12.  März  2025;  Inventarentlassung  Wohn-
überbauung Y, […]
______________________________________________________

hat sich ergeben:

A.

Mit Beschluss vom 12. März 2025 entliess der Stadtrat X die Wohnüberbau-

ung Y mit den Gebäuden Vers.-Nrn. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 auf den Grund-

stücken  Kat.-Nrn.  1,  2,  3,  4,  5,  6  und  7  und  deren  Umgebung  an  der  G-

Strasse 1 und 3, an der H-Strasse 21 und 23 sowie an der I-Strasse 1, 3, 6

und 8 aus dem kommunalen Inventar schutzwürdiger Bauten.

B.

Hiergegen erhob der Zürcher Heimatschutz ZVH mit Eingabe vom 22. April

2025 Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und stellte die fol-

genden Anträge:

" 1.  Es  sei  der  Beschluss  des  Stadtrates  der  Stadt  X  SR.23.956-3  vom

12. März 2025 aufzuheben.

  2.  Die Rekursgegnerin sei anzuweisen, vor einer erneuten Entscheidung
über die Schutzwürdigkeit resp. den Inventarstatus und der denkmal-
pflegerischen  Bedeutung  der  betroffenen  Wohnüberbauung  ein  wis-
senschaftlich fundiertes, bauhistorisches und vollständiges Gutachten
von einer neutralen Fachperson einzuholen – losgelöst vom Gutachten
Nr.  03-2024  des  Kantons  Zürich,  Denkmalpflege-Kommission  (KDK)
vom 19. Juni 2024.

  3.  Es  sei  ein  Abteilungsaugenschein  durchzuführen,  sofern  das  Gericht
sich ausserstande sehen sollte, allein aufgrund der Akten zu entschei-
den.

  4.  Die Kosten des Verfahrens seien der Rekursgegnerin aufzuerlegen."

Zudem stellte er die folgenden prozessualen Anträge:

" 1.  Es  seien  die  Akten  des  Verfahrens  BRGE  IV  Nr.  0157/2023  vom

21. September 2023 beizuziehen.

  2.  Es sei das denkmalpflegerische Gutachten, welches allenfalls im Rah-
men  der  überkommunalen  Inventarisation  vom  26.  Juli  2018  erstellt
wurde, beizuziehen.

  3.  Es sei das denkmalpflegerische Gutachten, welches allenfalls im Rah-
men  der  kommunalen 
Inventarisierung  vom  5.  Oktober  2016
(SR.16.894-1; Ergänzung um Wohnsiedlungen, Grün- und Freiräume)
erstellt wurde, beizuziehen"

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C.

Mit Verfügung vom 22. April 2025 wurde vom Rekurseingang Vormerk ge-

nommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Die Eigentümer der

betroffenen Grundstücke (A AG, B AG, C, D, E sowie die F) wurden als Mit-

beteiligte in das Verfahren aufgenommen.

D.

Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26. Mai 2025 auf Ab-

weisung des Rekurses, unter Kostenfolgen zu Lasten des Rekurrenten.

Mit gemeinsamer Eingabe vom 26. Mai 2025 beantragten die Mitbeteiligten

A AG, B AG sowie C (nachfolgend Mitbeteiligte 2-4) ebenfalls die Abweisung

des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen zu Lasten des Rekurrenten. In prozessualer Hinsicht beantrag-

ten sie zudem die Durchführung eines Augenscheins.

E.

Mit  Replik  vom  19.  Juni  2025  und  Dupliken vom  14.  Juli  2025  hielten  der

Rekurrent, die  Vorinstanz sowie  die  Mitbeteiligten  2-4 an  ihren bereits ge-

stellten Anträgen fest.

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Es kommt in Betracht:

1.

Gemäss § 338b Abs. 1 lit. a Planungs- und Baugesetz (PBG) sind gesamt-

kantonal tätige Vereinigungen, die sich seit wenigstens zehn Jahren im Kan-

ton  statutengemäss  dem  Natur-  und  Heimatschutz  oder  verwandten,  rein

ideellen  Zielen widmen,  zum  Rekurs  gegen Anordnungen  und  Erlasse be-

rechtigt, soweit diese sich auf den III. Titel (Natur- und Heimatschutz, §§ 203-

217 PBG) oder § 238 Abs. 2 PBG stützen. Der Rekurrent erfüllt diese Vo-

raussetzungen unbestrittenermassen. Da auch die übrigen Prozessvoraus-

setzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.

2.

Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des Ver-

waltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Das Baurekursgericht hat unbesehen

von  Parteianträgen  nur dann  einen Augenschein durchzuführen, wenn  die

Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber noch

unklar  sind.  Wie  sich  nachfolgend  zeigen  wird,  ist  der  angefochtene  Ent-

scheid  bereits  mangels  genügender  Sachverhaltsermittlung  durch  die

Vorinstanz aufzuheben, weshalb auf die Durchführung eines Augenscheins

verzichtet werden konnte.

3.1.

Die Wohnüberbauung Y wurde am 5. Oktober 2016 ins Inventar der schutz-

würdigen  Bauten  der  Stadt  X  aufgenommen.  Mit  Verfügung  vom  26. Juli

2018  wurde  sie  sodann  im  Inventar  der  Denkmalpflegeschutzobjekte  von

überkommunaler  Bedeutung  verzeichnet.  Die  Mitbeteiligten 2-4 zogen den

Abriss und Neubau ihrer Liegenschaften in Betracht. Aufgrund dieser Absich-

ten  sind  die  genannten  Eigentümerschaften  und  die  kantonale  Denkmal-

pflege übereingekommen, vor der Einleitung weiterer Schritte ein unabhän-

giges  Gutachten  zur  denkmalpflegerischen  Bedeutung  der  Wohnüberbau-

ung  Y  einzuholen.  Die  Baudirektion  hat  daraufhin  die  kantonale  Denkmal-

pflegekommission (KDK) mit der Abklärung der Schutzwürdigkeit der Wohn-

überbauung beauftragt. Das Gutachten der KDK datierte vom 9. Juni 2021.

Im Dezember 2021 reichten die Mitbeteiligten 2-4 ein Provokationsbegehren

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ein, woraufhin die Baudirektion Kanton Zürich  die Wohnüberbauung  Y mit

Verfügung vom 14. November 2022 aus dem Inventar der Schutzobjekte von

überkommunaler Bedeutung entliess. Dagegen gelangte der Rekurrent mit

Rekurs vom 15. Dezember 2022 an das Baurekursgericht des Kantons Zü-

rich, welches mit Urteil vom 21. September 2023 den Rekurs guthiess, den

Entscheid  der  Baudirektion aufhob  und  die Sache  zur  ergänzenden  Sach-

verhaltsermittlung und zum Neuentscheid an die Baudirektion Kanton Zürich

zurückwies (vgl. BRGE IV Nr. 157/2023). Am 19. Juni 2024 erstellte die KDK

ein Ergänzungsgutachten. Gestützt auf dieses entliess die Baudirektion Kan-

ton Zürich mit Verfügung vom 21. November 2024 die Wohnüberbauung Y

erneut  aus  dem  Inventar  der  Schutzobjekte  von  überkommunaler  Bedeu-

tung. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Kurz darauf erging der hier

angefochtene Beschluss, mit welchem die Siedlung auch aus dem kommu-

nalen Inventar schutzwürdiger Bauten entlassen wird.

3.2.

Dem angefochtenen Entscheid lässt sich als Begründung entnehmen, dass

sowohl das Gutachten vom 9. Juni 2021 der KDK als auch das Ergänzungs-

gutachten vom 19. Juni 2024 der KDK zum Schluss gelangten, dass es sich

bei der Wohnüberbauung Y aufgrund ihrer fehlenden historischen, ortsbauli-

chen,  baugeschichtlichen  und  bautypologischen  Bedeutung  nicht  um  ein

Schutzobjekt handle. Sie erfülle die hohen Anforderungen an ein Schutzob-

jekt  nicht.  Im  Ergänzungsgutachten  der  KDK  werde  auch  die  kommunale

Ebene abgehandelt. Eine kommunale Bedeutung werde der Wohnüberbau-

ung nicht beigemessen. Es gebe keine triftigen Gründe, vom Ergebnis der

Gutachten abzuweichen. Daher sei die Wohnüberbauung Y aus dem Inven-

tar schutzwürdiger Bauten der Stadt X zu entlassen.

Dem  neuen,  ergänzten Gutachten  kann  zusammengefasst Folgendes ent-
nommen werden:

Die Wohnüberbauung Y ist ein zeittypischer Wohnungsbau der 1950er Jahre

mit vier gleichartigen, durchwegs fünfgeschossigen Wohnblöcken. Sie wur-

den in zwei zeitlichen Etappen 1954-1956 und 1960-1961 vom selben Archi-

tekten M erbaut. Die einheitliche Bebauung bedeutete einen grösseren Mas-

sstab und eine neue, hohe Dichte im Zentrum von X. Im kommunalen Inven-

tar heisst es, dass die Wohnüberbauung die damalige "Trendwende weg von

der  Einfamilienhaus-  und  hin  zur  Mehrfamilienhaussiedlung"  widerspiegle.

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Indessen hatte der Bau von Mehrfamilienhäusern bereits viele Jahre früher

eingesetzt, weshalb die Überbauung Y in dieser Beziehung keine besondere

Leistung darstellt. In der Nachkriegszeit setzte sich der Bau von Einfamilien-

haussiedlungen mitunter in neuen Bebauungsformen fort. Zugleich setzte ein

Trend zu grossmassstäblicheren Bauten und Siedlungen ein. Die Wohnüber-

bauung Y dokumentiert einen Schritt in diese Richtung, mit den fünfgeschos-

sigen  Doppelmehrfamilienhäusern  wurde  bezüglich  der  Höhe  eine  damals

noch nicht oft realisierte Grössendimension im Wohnungsbau von X erreicht.

Doch wurde damit keine typologische Neuerung lanciert. Vielmehr steht die

auf dem Grundstück einer Villa mit Park aus dem 19. Jahrhundert erstellte

Wohnüberbauung stellvertretend für den Niedergang der grossbürgerlichen

Lebenswelt nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Zerstörung durch Spe-

kulation im Anbruch der Boomjahre.

Das als Bauherrschaft auftretende Baukonsortium setzte sich aus Bauleuten

und Handwerkern zusammen. Der am Baukonsortium beteiligte Architekt M

mit Büroadressen in Zürich und X war bereits mit ähnlichen Bauten in X in

Erscheinung getreten. Über das Leben und Werk des Architekten, der an der

ETH Zürich studiert hatte, ist in der Fachliteratur nichts greifbar, doch kann

aus  den  Bauakten  im  Stadtarchiv  eine  lange  Reihe  von  Wohnbauten,  vor

allem gewöhnlichen Mehrfamilienhäusern, in X aus der Zeit zwischen 1951

und 1973 eruiert werden. Im kommunalen Inventar findet sich von M ausser

der Wohnüberbauung Y die Überbauung N aus den Jahren 1973-1976. Eine

grössere  architekturhistorische  Bedeutung  kann  dem  Œuvre  des  M  aber

nicht beigemessen werden.

Aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln und Leserbriefen, in denen vor allem

die Furcht vor zuviel Bebauung im durchgrünten Wohnquartier nahe der Alt-

stadt und der Verlust von wertvollen Grünräumen zum Ausdruck kommt, wird
auch klar, dass es sich um ein Spekulationsprojekt handelte. Bereits der Ver-

kauf verlief nicht nach den Vorstellungen der bisherigen Villenbesitzer, der

Erbengemeinschaft der Familie O, denn das Versprechen, die Villa und den

Park  zu  erhalten,  wich  mittels  eines  Täuschungsmanövers  eines  privaten

Käufers und dem umgehenden Weiterverkauf der Liegenschaft einem Pro-

jekt  mit  mehrgeschossigen  Mietshäusern,  mit  denen  zumindest  annähe-

rungsweise  eine  maximale  Ausnutzung  und  Rendite  verfolgt  wurden.  Aus

heutiger Sicht kann diese zeittypische Kategorie des privatwirtschaftlichen,

gewinnorientierten  Wohnungsbaus  als  gewisses,  wenn  auch  kein

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hochstehendes sozial-, politik- und wirtschaftsgeschichtliches Phänomen be-

urteilt  werden,  quasi  als  Gegenspiel  gegenüber  dem  kommunalen  Sozial-

wohnungsbau  und  dem  genossenschaftlichen  Wohnungsbau,  doch  eine

hohe Bedeutung kommt ihm damit noch nicht zu. Tatsächlich hatte in X auch

schon zuvor der unter Bauleuten und Handwerkern zur Arbeitsbeschaffung

organisierte Wohnungsbau eine gewisse Verbreitung gefunden, mit mitunter

positiv  beurteilbaren  Überbauungen  (beispielsweise  Wohnbauten  der  Bau-

genossenschaft an der W wie die Siedlung T).

In  der  städtebaulichen  Setzung  der  Bauten,  die  in  einfachster  Weise  den

Baulinien folgt, entspricht die Wohnüberbauung Y einer offenen Randbebau-

ung.  Zwischen  den  Villen  und  anderen  freistehenden  Wohnbauten  des  H-

Quartiers  und  den  Ansätzen  zur  Blockrandbebauung  im  Bahnhofsquartier,

so auch an der Ecke G-Strasse/J-Strasse, erscheint die städtebauliche Set-

zung  der  Wohnüberbauung  Y  gewissermassen  als  Kompromiss,  der  zwi-

schen den angrenzenden Bebauungsarten vermittelt. Aus der spezifischen

städtebaulichen und siedlungsgeschichtlichen Situation leitet sich hingegen

keine  Situierung  mit  besonderen  Qualitäten  ab.  Das  angrenzende  Park-

grundstück der Villa P wird mit dem gewählten Städtebau nicht berücksich-

tigt. Städtebauliche Differenzierungen der Bauten entsprechend der jeweili-

gen Nahumgebung – beispielsweise Eckbetonungen durch Höhenakzente,

Risalite,  Erker,  Dachaufbauten  oder  Fassadenknicke  –  sucht  man  verge-

bens. Nur die Westfassade des Blocks der zweiten Bauetappe ist als Folge

des trapezförmig sich verjüngenden Grundstücks am Ende geknickt und die

Südfassade  dem  stumpfwinkligen  kreuzenden  Verlauf  der  K-Strasse  ent-

sprechend abgedreht  –  dies  allerdings nicht aus  entwerferischen  Gründen

zugunsten der Architektur, sondern um das Grundstück maximal auszunüt-

zen.

X erfuhr in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein starkes Bevölkerungs-

wachstum,  die Industrie  stand  in  der Hochkonjunktur nach 1960 auf  ihrem

Höhepunkt. Entsprechend entwickelte sich der Wohnungsbau und vergrös-

serte  die  Siedlungsgebiete.  Das  H-Quartier  wurde  vergleichsweise  wenig

nachverdichtet: So vor allem durch den Neubau des 1979 eröffneten Stadt-

theaters und den 1995 fertiggestellten Anbau an das Kunstmuseum. Im un-

mittelbaren Umfeld der Wohnüberbauung Y kam es in jüngerer Zeit zu star-

ken baulichen Veränderungen.

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Im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), in

dem X 2016 als Ortsbild von nationaler Bedeutung erfasst wurde, erfolgt auf

die Wohnüberbauung Y ein Hinweis ohne Einstufung (Nr. 0.0.29). Die Wohn-

überbauung Y ist Teil der heterogenen, dichten Bebauung im Spickel H- und

J-Strasse  (ISOS  Umgebungszone  IV,  Erhaltungsziel  b),  die  keine  hohen

Ortsbildqualitäten aufweist, im Gegensatz zum östlichen Bereich des Inneren

H mit den regelmässig gereihten zwei- bis viergeschossigen Mehrfamilien-

häusern entlang  eines orthogonalen  Strassensystems (ISOS Gebiet 3,  Er-

haltungsziel A). Wie der  Bereich  im Osten verfügt  auch der  im Süden an-

schliessende  übrige  Bereich  des  Inneren  H,  der  mehrheitlich  durch  herr-

schaftliche  zwei-  und  dreigeschossige  Bauten  zwischen  Stadttheater  und

Kunstmuseum charakterisiert wird (ISOS Baugruppe 0.2, Erhaltungsziel A),

über hohe räumliche und architekturhistorische Qualitäten sowie eine hohe

Bedeutung für das Ortsbildganze. In diesem siedlungsstrukturellen Kontext

verweist die Wohnüberbauung Y vielmehr auf das nahe, im Westen und Süd-

westen  anschliessende  Bahnhofsquartier,  das zwar  repräsentative öffentli-

che  Bauten  enthält,  aber  auch  vor  allem  im Norden  eine disperse  jüngere

Bebauung aufweist (ISOS Gebiet 2, Erhaltungsziel C).

Stilistisch ist die Wohnüberbauung Y dem aufkommenden Funktionalismus

der  Nachkriegsmoderne  zuzuordnen  und  zeugt  von  der  Überwindung  des

nun als rückständig empfundenen Landistils der Zeit während und nach dem

Zweiten  Weltkrieg.  Abgesehen  davon,  dass  die  Bauten  nur  dem  Wohnen

dienen, war durch das zeitgenössisch vorherrschende Credo der Funktions-

erfüllung  die  weitgehende  Schmucklosigkeit  der  Architektur  zum  Erken-

nungsmerkmal geworden. Gesimse, Lisenen, Materialwechsel etc. sind nicht

vorhanden. Die weitgehend einheitliche, mit gewissen Unterschieden aufei-

nander  abgestimmte  architektonische  Gestaltung  der  vier  Wohnblöcke  mit

Putzfassaden, Walmdach und Flugdach entspricht dem gewöhnlichen Woh-
nungsbau der Zeit, zeigt weder Raffinessen noch besondere Merkmale und

wurde ausserdem zum Teil später unvorteilhaft verändert. Die Balkone zum

Beispiel, vor allem jene mit einer halb eingezogenen, halb vorstehenden Po-

sitionierung, haben zwar einen hohen Gebrauchswert, doch in der architek-

tonischen Gestaltung lassen sei eine weitergehende gestalterische Einbin-

dung  oder  gar  Hervorhebung  vermissen.  Die  flachen  Eingangsvordächer

wurden fein dimensioniert, aber oft nachträglich unschön erneuert.

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Die Häuser boten mit den  vielen  Balkonen, den  Liften und  der  Tiefgarage

zuvor nicht verbreitete Annehmlichkeiten, was auf die Ausrichtung auf eine

mittelständische  Klientel  hinweist.  Die  Grundrisse  mit  dem  innenliegenden

Treppenhaus  und  Wohnungen  unterschiedlicher  Grössen  und  Orientierun-

gen und ohne besondere Merkmale deuten allerdings auch auf den Entste-

hungshintergrund  als  reiner  Renditebau  hin.  Konzeption,  Grundrissgestal-

tung und Fassadengestaltung sind sehr pragmatisch.

Das Kostenbewusstsein der Erbauer schlug sich auch im Freiraum nieder.

Davon  zeugt  der  sparsame  Einsatz  von  Plattenwegen  und  Mauern.  Aber

auch  die  pflanzliche  Ausgestaltung  beschränkt  sich  auf  ungewöhnlich  we-

nige Gehölze, weswegen insbesondere der Innenhof eher kahl als gärtne-

risch wirkt. Für die etwas gehobene Mietklientel des Hauses erscheint diese

Gestaltung unverhältnismässig schlicht. Selbst in den genossenschaftlichen

Siedlungen der Nachkriegszeit, die für eine einkommensschwache Klientel

angelegt  wurde,  ist  vielfach  eine  aufwändigere  Pflanzen-  und  Materialver-

wendung vorzufinden. Die wenigen eingesetzten Elemente erscheinen indes

den gestalterischen Prinzipien der Landi verpflichtet und sind eher als Nach-

ruf  einer  vergehenden  Ära  denn  als  wichtiges  Zeugnis  einer  baukünstleri-

schen Epoche zu werten.

Die  Stadt  X ist  durch  zahlreiche  Wohnsiedlungen  und eine  weit  zurückrei-

chende Tradition im Wohnungsbau geprägt. Im kommunalen Inventar sind

etliche  qualitativ  höherstehende  Siedlungen  und  Wohnüberbauungen  ver-

merkt. Von herausragender Bedeutung sind, um nur einzelne Beispiele her-

auszugreifen,  die  Siedlung  Z  (1928  -  1934)  und  die  Wohnüberbauung  Q

(1965 - 1968). Drei bis fünfgeschossige Mehrfamilienhäuser in offener Rand-

bebauung finden sich schon in der 1930 - 1934 Siedlung R an der L-Strasse.

Damit sei lediglich darauf hingewiesen, dass die Wohnüberbauung Y bezüg-
lich Bebauungsform und Gebäudegrösse keine Neuerung darstellte. Weitere

Beispiele  für  Siedlungen  als  aufgelöster  Blockrand  sind  die  Siedlung  S

(1926) und die Siedlung T.

4.1.

Die Vorinstanz macht zunächst geltend, die Frage, ob die kommunale Be-

hörde überhaupt noch einen Schutzentscheid hätte anordnen dürfen, wäre

nach der grammatikalischen Auslegung des Wortlauts von § 213 Abs. 2 PBG

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(recte: Abs. 3) grundsätzlich zu verneinen. Der Entscheid des zuständigen

Gemeinwesens habe innert  Jahresfrist resp. spätestens innert Zweijahres-

frist (bei rechtmässiger Verlängerung der Schutzabklärungsfrist) zu erfolgen.

Diese Frist sei mittlerweile klar abgelaufen, denn das Provokationsbegehren

datiere  vom  6./7.  Dezember  2021.  Da  diese  Frage  jedoch  weder  von  der

Lehre noch von der Rechtsprechung abschliessend beantwortet worden sei,

sei der Vorinstanz die materielle Prüfung des Gutachtens sowie die Verfü-

gung der daraus resultierenden Konsequenzen oblegen.

4.2.

Sofern die Vorinstanz mit ihren Ausführungen geltend machen will, sie hätte

mit  dem angefochtenen  Entscheid aufgrund der  verpassten Jahresfrist zur

Anordnung  eines  Schutzentscheides  gemäss  §  213  Abs. 3  PBG  gar  nicht

mehr über die Schutzwürdigkeit der Wohnüberbauung befinden dürfen, kann

festgehalten werden, dass die Vorinstanz entgegen ihrer Argumentation im

Rekursverfahren über die Schutzwürdigkeit der Siedlung Y entschieden hat.

Dieser Entscheid muss demgemäss nun auch im Rechtsmittelverfahren ma-

teriell  durch  das  Baurekursgericht  überprüft  werden  können.  Aber  selbst

wenn  der  vorinstanzlichen  Auffassung  gefolgt  würde,  könnte  die  Verwir-

kungsfolge von § 213 Abs. 3 PBG dem nach § 338 Abs. 2 PBG legitimiertem

Rekurrenten  nicht  entgegengehalten  werden  (vgl. VB.2005.00479,  E.  4,  in

BEZ 2006 Nr. 4).

5.1.

Der Rekurrent bringt vor, die Baudirektion sei der Anordnung des Gerichts,

ein  Ergänzungs-  oder  Obergutachtens  einzuholen,  nicht  nachgekommen.

Der gerichtliche Auftrag zur Einholung eines unabhängigen Ergänzungsgut-

achtens könne nicht dadurch erfüllt werden, dass erneut dieselbe Gutachter-
instanz mit der Ergänzung betraut werde. Die KDK habe sich im Gutachten

KDK 2021 bereits sachlich positioniert und sei somit als vorbefasst anzuse-

hen.  Ein  Ergänzungsgutachten,  das  lediglich  von  derselben  Instanz  unter

Berücksichtigung neu beigebrachter Plan- und Fotodokumentationen erstellt

werde, stelle keine objektive und unvoreingenommene Überprüfung oder gar

Neubewertung des Sachverhaltes dar. Es fehle an einer externen unabhän-

gigen falschen Würdigung im Sinne eines echten Ergänzungs- oder Ober-

gutachtens.

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Hinzu komme, dass es der Stadt X grundsätzlich freistehe, die Führung ihres

kommunalen Inventars selbst zu regeln. Aus dieser kommunalen Autonomie

folge jedoch ebenso, dass keine Pflicht bestehe, das Gutachten KDK 2024

als  verbindliche  Entscheidgrundlage  für  den  angefochtenen  Beschluss  zu

übernehmen, insbesondere auch deshalb nicht, weil dieses Gutachten eine

überkommunale  Fragestellung  betreffe  und  in  einem  anderen  sachlichen

Kontext stehe, der mit der hier zu beurteilenden Situation der Schutzwürdig-

keit der Wohnüberbauung "Y" auf kommunaler Ebene nicht deckungsgleich

sei.  Die  Bindung  an  ein  solches  Gutachten  bestehe  daher  weder  faktisch

noch rechtlich.

5.2.

Die Vorinstanz hält dem entgegen, das Baurekursgericht habe weder aus-

drücklich statuiert, dass die KDK erneut zu beauftragen sei, noch habe es

dies ausgeschlossen. Ein Ergänzungsgutachten basiere nicht auf einer voll-

ständig  neuen  Untersuchung,  sondern  knüpfe  an  ein  bereits  bestehendes

Gutachten  an.  Festzuhalten  sei  die  Tatsache,  dass  die  hiesige  Instanz  im

Wesentlichen  die  Lückenhaftigkeit  bzw.  fehlende  Nachvollziehbarkeit  des

seinerzeitigen KDK-Gutachtens moniert habe und aus diesem Grund denn

auch überhaupt die Möglichkeit aufgeführt habe, ein Ergänzungsgutachten

einzuholen, ohne dabei konkret auszuschliessen, dass dies von derselben

Begutachtungsstelle durchgeführt werden könne.

Im Übrigen handle es sich bei der KDK nicht um eine beliebige Begutach-

tungsstelle,  sondern  um  eine  Sachverständigenkommission  des  Regie-

rungsrates,  die  aus  verwaltungsunabhängigen  Fachleuten  im  Bereich  der

Denkmalpflege bestehe.  Ihre  Hauptaufgabe  sei  die  Abklärung  der  Schutz-

würdigkeit von Gebäuden. Gemäss der Verordnung über die Sachverständi-

genkommissionen im Sinne von § 216 PBG habe der Kanton die Kommis-
sion zur Frage der Schutzwürdigkeit von überkommunalen Schutzobjekten

beizuziehen (vgl. § 3 Abs. 1 lit. b VSVK). Dies unterstreiche die Bedeutung

der  KDK  sowohl  in  fachlicher  als  auch  in  formeller  Hinsicht.  Unter  dieser

Sachlage sei nicht einzusehen, weshalb die KDK nicht mit dem Ergänzungs-

gutachten hätte beauftragt werden sollen.

5.3.1.

Gemäss § 7 Abs. 1 VRG untersucht die Verwaltungsbehörde den Sachver-

halt  von  Amtes  wegen  durch  Befragen  der  Beteiligten  und  von

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Seite 11

Auskunftspersonen, durch Beizug von Amtsberichten, Urkunden und Sach-

verständigen,  durch  Augenschein  oder  auf  andere  Weise.  Erscheint  die

Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, so hat

die  Entscheidinstanz  nötigenfalls  ergänzende  Beweise  zur  Klärung  dieser

Zweifel zu erheben. Der Verzicht auf gebotene zusätzliche Beweiserhebun-

gen kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung verstossen. Vor

der Einholung eines allfälligen zweiten Gutachtens ist allerdings stets zu prü-

fen, ob sich Unklarheiten oder neue Tatsachen nicht durch ein Ergänzungs-

gutachten  oder  eine  persönliche  Befragung  der  sachverständigen  Person

klären lassen und ob die Entscheidinstanz den Zweifel dank ihres Fachwis-

sens  und  des  liquiden  Sachverhalts  nicht  sofort  beseitigen  kann  (Kaspar

Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 Rz. 69).

5.3.2.

Das Baurekursgericht kam im Entscheid vom 21. September 2023 (BRGE IV

Nr. 157/2023) unter anderem zum Schluss, dass das ursprüngliche Gutach-

ten der KDK vom 9. Juni 2021 lückenhaft sei, und hielt daher fest, es sei ein

Ergänzungs- bzw. Obergutachten einzuholen. Der Baudirektion ist es daher

offen gestanden, die KDK mit der Ergänzung ihres Gutachtens zu beauftra-

gen.  Die  Einholung  eines  unabhängigen  Gutachtens  eines  anderen  Sach-

verständigen  wurde von Seiten des Baurekursgerichts nicht gefordert.  Die

Entlassung des Streitobjekts aus dem Inventar von überkommunaler Bedeu-

tung gestützt auf das Gutachten KDK 2024 ist denn auch mittlerweile rechts-

kräftig geworden.

Im Grundsatz ist es auch nicht zu beanstanden, wenn die kommunale Be-

hörde ihren Entscheid betreffend Unterschutzstellung eines Gebäudes, wel-

ches im kommunalen Inventar aufgeführt ist, auf ein Gutachten stützt, wel-

ches im Zusammenhang mit einem überkommunalen Inventareintrag erstellt
worden ist, solange das Gutachten vollständig, klar, gehörig begründet und

widerspruchsfrei ist. Dies ist nachfolgend zu prüfen.

6.1.

Der Rekurrent macht geltend, die inhaltlichen Mängel des Erstgutachtens der

KDK hätten durch das Ergänzungsgutachten vom Jahr 2024 nicht behoben

werden können. In weiten Teilen wiederhole das Ergänzungsgutachten den

Inhalt  des  ursprünglichen  Gutachtens  nahezu  wortgleich,  wobei  lediglich

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marginale redaktionelle Anpassungen vorgenommen worden seien. Anstelle

einer  fundierten,  eigenständigen  Sachverhaltsanalyse  beschränkten  sich

beide  Gutachten  im  Wesentlichen  auf eine  blosse  Verifizierung  der beste-

henden kantonalen und kommunalen Inventareinträge. Diese Schwerpunkt-

setzung vermöge die vom Gericht im ersten Rekursverfahren festgestellten

inhaltlichen  Mängel  nicht  zu  beheben. Eine  unabhängige und umfassende

gutachterliche Schutzabklärung bzw. Schutzbewertung sei nicht vorgenom-

men worden.

Die Gutachten unterliessen eine sachgerechte Differenzierung zwischen ei-

ner allfälligen regionalen bzw. überkommunalen Bedeutung und der kommu-

nalen  Schutzwürdigkeit  der Wohnüberbauung.  Die  Bewertung  auf kommu-

naler  Ebene  erfordere  eine  kontextbezogene  Analyse  unter  Berücksichti-

gung  der  lokalen  Gegebenheiten.  Der  Vergleich  rein epochenspezifischer,

gestalterischer Merkmale genüge den  Anforderungen an eine umfassende

Schutzbeurteilung in keiner Weise. Vielmehr wären im Sinne einer vollstän-

digen  Schutzanalyse  auch  städtebauliche  Kriterien,  die  Bewohner-Ziel-

gruppe sowie die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Aussagekraft des Ob-

jekts systematisch zu würdigen gewesen. Das Fehlen einer integralen Beur-

teilung stelle einen erheblichen methodischen Mangel dar.

Letztendlich lasse das Gutachten KDK 2024 eine argumentative Stringenz

vermissen und verstricke sich zudem in Widersprüche. Einerseits werde fest-

gestellt, stilistisch sei die Wohnüberbauung dem aufkommenden Funktiona-

lismus der Nachkriegsmoderne zuzuordnen und zeuge von der Überwindung

des nun als rückständig empfundenen Landistils der Zeit während und nach

dem Zweiten Weltkrieg. Die weitgehende Schmucklosigkeit der Architektur

sei zum Erkennungsmerkmal geworden. Gleichzeitig werde dazu bemängelt,

dass beispielsweise die Balkone zwar einen hohen funktionellen Gebrauchs-
wert  hätten,  aber  –  dem Gebot der obgenannten  Schlichtheit  folgend –  zu

wenig "Hervorhebung" zeigten. Die filigran gestalteten Flugdächer als typi-

sches Merkmal der Nachkriegsarchitektur, welches den Gebäuden einen un-

verwechselbaren  Ausdruck  von  Leichtigkeit  und  Eleganz  verliehen,  werde

von  der  KDK  lapidar  als  Element  des  gewöhnlichen  Wohnungsbaus  der

Nachkriegszeit ohne Raffinesse herabgewürdigt. Drei Absätze weiter werde

indes ausgeführt,  dass die wenigen eingesetzten Elemente  den  gestalteri-

schen Prinzipien der Landi verpflichtet seien. Wesentliche, die zeittypischen

Architektur  prägende  Elemente,  auf  die  es  gemäss  der  Beschreibung  im

R4.2025.00062

Seite 13

Inventar gerade ankomme und die Wohnüberbauung gerade als besonderen

Zeugen des Übergangs vom Landistil zur Nachkriegsmoderne auszeichne-

ten, würden im Gutachten in ihrer Bedeutung nicht erkannt, unschlüssig in-

terpretiert oder nicht berücksichtigt. Ebenfalls widersprüchlich sei das Gut-

achten,  wenn es  einerseits  feststelle, die  Wohnüberbauung sei  von  keiner

hohen städtebaulichen Qualität und von baukünstlerisch bescheidenem Ni-

veau  und  dies  damit  begründe,  die  aufeinander  abgestimmte  architektoni-

sche Gestaltung der vier Wohnblöcke entspreche dem gewöhnlichen Woh-

nungsbau der Zeit und enthalte weder Raffinessen noch Besonderheiten und

andererseits ausführe, die Häuser mit den vielen Balkonen, den Liften und

der Tiefgarage würden zuvor nicht verbreitete Annehmlichkeiten verbreiten

und im Innern würde zunächst die Gestaltung der innenliegenden Treppen-

häuser  auffallen.  Ohne  weitere  Begründung  behaupte  die  KDK  mit  herab-

würdigender Geste ebenso, dass beispielsweise die einen Akzent setzenden

kastenförmig vorstehenden Blumenfenster und französischen Fenster in ih-

rem baukünstlerischen Niveau sehr bescheiden bleiben würden.

Die Gartenanlage entspreche nach Angabe der KDK nicht dem zeittypischen

Standard der Nachkriegsgartenanlagen, wobei die KDK auf die Präsentation

der Tendenzen für Neuerungen der Gartenanlagen der Nachkriegszeit an-

lässlich der Gartenbauausstellung G59 in Zürich im Jahr 1959 verweise. Er-

innert  sei  daran,  dass  die  Konzeption  der  Gartenanlagen  des  Ys  jedoch

Jahre zuvor erfolgt sei.

Die KDK verfange sich in Vergleichen mit gänzlich andersartigen Siedlungen

mit verschiedenartigen Konzeptionen, unvergleichbaren städtebaulichen Si-

tuationen und aus unterschiedlichen Epochen, die sich wesentlich vom "Y"

unterschieden. Diese Vergleichsobjekte würden ohne vertiefte Sachverhalts-

ermittlung, nachvollziehbare Beweisführung oder differenzierte Begründung
als  angeblich  qualitativ  höherwertig  dargestellt.  Ein  solches  Vorgehen  ge-

nüge den Anforderungen an eine fachgerechte denkmalpflegerische Bewer-

tung nicht.

Der  strittigen  Wohnüberbauung  werde  durch  die  KDK  jegliche  sozial-  und

wirtschaftsgeschichtliche  Zeugenschaft  abgesprochen,  ohne  dass  diese

Frage im Rahmen einer nachvollziehbaren und vertieften Prüfung abgeklärt

worden  wäre.  Die  These,  dass  die  Überbauung  tatsächlich  für  den  Mittel-

stand  konzipiert  worden  sei,  sei  unbelegt  geblieben.  Von  der

R4.2025.00062

Seite 14

innerstädtischen  Lage  her,  den  Wohnungsgrössen,  der  Beiordnung  einer

Tiefgarage möge dies auf den Mittelstand verweisen. Für die geringe Grösse

der Küche habe es indes einer Ausnahmebewilligung bedurft. Dies könnte

entweder  dafürsprechen,  dass  die  Überbauung  gerade  nicht  für  die  geho-

bene Klientel konzipiert worden sei, oder dass die moderne Hausfrau nun-

mehr im Labor mit Konserven, Halbprodukten usw. für die neue Kleinfamilie

gekocht  habe.  Selbst  wenn  das  "Y"  eine  rein  profitorientierte  Überbauung

wäre, könnte sie dennoch über eine wichtige Zeugenschaft für frühe Speku-

lationsbauten in X bewertet werden. Eine Zeugenschaft müsse nicht nur mit

einem städtebaulichen oder baukünstlerischen "Leuchtturm" verknüpft sein.

Die  zahlreichen  Zeitungsartikel  würden  belegen,  für  welchen  Aufruhr  das

Bauprojekt  Anfang der 1950er-Jahre in  X gesorgt habe.  Es sei eine  breite

öffentliche  Diskussion  über  die  seinerzeitigen  Ziele  der  Stadtentwicklung

ausgelöst worden.

6.2.

Die  kommunale Vorinstanz  sowie  die  Mitbeteiligten  2-4  halten  dem entge-

gen, das Gutachten KDK 2024 enthalte eine ausführliche Bau- und Verän-

derungsgeschichte, die sich auch mit dem Inneren der Überbauung befasse.

Ausserdem seien eine systematische Baubeschreibung sowie Ausführungen

zur Umgebung und zum Erhaltungsgrad der Überbauung enthalten. Es ent-

halte weder Irrtümer noch Lücken oder Widersprüche.

Die vom Rekurrenten aufgeführten Rügen seien grösstenteils unsubstantiiert

und die aufgeführten Widersprüche griffen einzelne Aussagen aus dem Kon-

text. Dem Gutachten KDK 2024 sei zu entnehmen, dass die Wohnüberbau-

ung wesentliche Punkte der zeittypischen Merkmale nicht oder nicht hinrei-

chend  aufweise.  So  komme  die  Bezugnahme  zur  Moderne  der  Zwischen-

kriegszeit nicht zum Ausdruck, es fehle eine soziale Anreicherung mit Quar-
tiertreff, Restaurant, Kindergarten oder Kinderspielplatz und zudem sei eine

differenzierte Bauweise mit unterschiedlich hohen Bauten resp. unterschied-

lichen Bautypen kein Thema gewesen. Bei diesen Kriterien handle es sich

jedoch um wesentliche Merkmale der zeittypischen Beispiele aus den Jahren

1950 und 1965 im Bereich der Grosssiedlungen. Ein Vergleich mit zeittypi-

schen Beispielen aus der Stadt Zürich zeige, dass es sich bei der Siedlung

gerade nicht um einen signifikanten Epochenvertreter handle, denn sie weise

vergleichsweise  bescheidene  städtebauliche  Qualitäten  und  wenig  ausge-

prägte zeittypische Gestaltungsmerkmale auf.

R4.2025.00062

Seite 15

Die Interpretation beruhe auf einer vollständigen Tatbestandsaufnahme und

einer  sich  daraus  ergebenden, schlüssigen Folgerung.  Die  KDK  weise  auf

die fehlende Raffinesse und das baukünstlerisch bescheidene Niveau in Be-

zug auf die Ausgestaltung der einzelnen wesentlichen Elemente für sich und

in der Gesamtheit als Erkennungsmerkmal der Zeugenschaft hin. Das Flug-

dach,  die  Blumenfenster  und  Balkone  seien  zwar  zeittypische  Elemente,

würden der Siedlung aber nicht zu einer wichtigen Gestaltung verhelfen. Da-

ran änderten auch die zuvor nicht verbreiteten Annehmlichkeiten der Häuser,

wie beispielsweise die Balkone, der Lift oder die Tiefgarage, nichts.

Die Aufnahme in ein Inventar bedeute lediglich die Vermutung der Schutz-

würdigkeit. Diese Vermutung vermöge jedoch keine umfassende Abklärung

des Objekts zu ersetzen, geschweige denn über ihr zu stehen. Gerade dies

postuliere der Rekurrent jedoch.

Die Vorinstanz ergänzt, in Bezug auf den nicht angewandten Musterprozess

könne festgehalten werden, dass das Gutachten KDK 2021 sich nicht hinrei-

chend  zur  Frage  der  Schutzwürdigkeit  auf  kommunaler  Ebene  geäussert

habe und die Vorinstanz nicht in angemessener Weise in die Schutzabklä-

rung über ein Objekt auf ihrem Siedlungsgebiet miteinbezogen worden sei.

Es müsse einleuchten, dass im Fall der nachvollziehbaren Verneinung der

Zeugenschaft nach § 203 Abs. 1 lit. c PBG von Seiten der Vorinstanz keine

weiteren  kostenpflichtigen  Abklärungsmassnahmen  hätten  eingeleitet  wer-

den  können.  Die  KDK  habe in  ihrem Gutachten  zunächst abgeklärt,  ob es

sich bei der Wohnüberbauung Y um ein Schutzobjekt gemäss § 203 Abs. 1

lit. c PBG handle. Erst wenn diese Frage zu bejahen gewesen wäre, hätte

sie sich mit der Frage befasst, ob dem Schutzobjekt eine kommunale oder

eine  überkommunale  Bedeutung  zukomme.  Diese  Kaskade  sei  schlüssig

und  korrekt.  Da  die  Prüfung  ergeben  habe,  dass  es  sich  nicht  um  ein
Schutzobjekt handle, erübrige sich eine Aussage zu seiner Bedeutung.

Die Frage nach Vergleichsobjekten könne erst dann relevant werden, wenn

es um die Verhältnismässigkeitsprüfung und die Interessenabwägung durch

die  Unterschutzstellungsbehörde  gehe.  Die  Frage,  ob  es  auf  kommunaler

Ebene Objekte gebe, welche mit der Siedlung verglichen und allenfalls hö-

herwertig eingestuft werden können, habe mitunter keinen Einfluss auf die

Frage, ob ein Objekt grundsätzlich als wichtiger Zeuge zu qualifizieren sei.

R4.2025.00062

Seite 16

6.3.1.

Schutzobjekte  sind  unter  anderem  Ortskerne,  Quartiere,  Strassen  und

Plätze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen,

die als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Umge-

bung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG).

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis,

dass ein Objekt, über welches Schutzmassnahmen verhängt werden sollen,

namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstattungs-

mässigen Eigenschaften von einer Epoche Zeugnis abzulegen, d.h. die be-

treffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne zu do-

kumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epoche zu-

geordnet  werden  kann,  ist  somit  für  die  Bejahung  der  Zeugeneigenschaft

noch nicht ausreichend. Zudem lässt das Gesetz auch die blosse Zeugenei-

genschaft  noch  nicht  genügen;  das  betreffende  Objekt  muss  vielmehr  ein

wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschiedenen, hier

nicht abschliessend aufzuzählenden Gründen ergeben. Ein wichtiger Zeuge

liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf Grund ihrer ge-

samten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräftig und qualitäts-

voll zu dokumentieren vermag.

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-

siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im

Allgemeinen kaum als "Epochen" zu bezeichnen wären. Namentlich mit Blick

auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die Über-

gänge zwischen solchen bezeugen, Schutzobjekte sein können. Zu verlan-
gen ist allerdings stets, dass die betreffende politische, wirtschaftliche, sozi-

ale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann.

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften

oder Siedlungen wesentlich mitprägen, bezweckt § 203 Abs. 1 lit. c PBG an-

ders  als  mit  dem  Schutz  wichtiger  Zeugen  nicht  die  Dokumentation  ge-

schichtlicher Epochen, sondern die Erhaltung qualifizierter Landschafts- und

Siedlungsbilder. In der Praxis wird hierbei oftmals auch vom Situationswert

eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Voraussetzungen für

R4.2025.00062

Seite 17

eine Unterschutzstellung - Zeugeneigenschaft oder prägende Wirkung - al-

ternativ aufzählt, lässt sich auch allein schon mit letzterer die Anordnung von

Schutzmassnahmen an Gebäuden oder Gebäudegruppen begründen. Aller-

dings rechtfertigt nicht jede Optimierung von Siedlungs- oder Landschaftsbil-

dern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die positiv prägende Wirkung

muss vielmehr objektiv ausgewiesen und begründet sein, was etwa bei für

das  geschützte  Ortsbild  wichtigen  Kernzonenbauten  der  Fall  sein  kann

(VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011).

6.3.2.

Bei sich auf § 203 Abs. 1 PBG stützenden Schutzentscheiden kommt den

kommunalen  und  kantonalen  Denkmalpflegebehörden  eine  gewisse  Ent-

scheidungsfreiheit zu. Diese bezieht sich vor allem auf die Qualifikation eines

Objektes  als  Schutzobjekt,  auf  den  konkreten  Umfang  einer  Schutzmass-

nahme, gegebenenfalls auf die Auswahl unter mehreren in Betracht fallen-

den Schutzobjekten oder aber auf den Verzicht auf Schutzmassnahmen. In-

soweit hat sich die Rekursinstanz bei der Entscheidüberprüfung Zurückhal-

tung aufzuerlegen. Beruht der kommunale Entscheid auf einer vertretbaren

Würdigung der massgebenden Umstände, so hat ihn die Rekursinstanz zu

respektieren.  Die  Rekursinstanz  darf  nur  dann  einschreiten,  wenn  die  Be-

hörde ihren Ermessensspielraum überschreitet, indem sie sich von unsach-

lichen, dem Zweck der in Frage stehenden Regelung fremden Erwägungen

leiten  lässt  oder  allgemeine  Rechtsprinzipien,  wie  das  Verbot  von  Willkür

oder  den Grundsatz  der Verhältnismässigkeit,  verletzt.  Dabei darf  sich die

Rekursinstanz jedoch nicht auf eine blosse Willkürprüfung beschränken, viel-

mehr muss die Eingriffsschwelle tiefer gesetzt werden (vgl. BGE 145 I 52,

E. 3.6.,  mit  Hinweisen).  Die  Entscheidungsfreiheit  der  Denkmalpflegebe-

hörde ist stets gegen den Anspruch auf wirksamen Rechtsschutz abzuwägen

(Art. 77  der  Kantonsverfassung  [KV]  und  Art.  29a  der  Bundesverfassung
in:  Kommentar  VRG,  3.  Aufl.,  Zürich/Ba-
[BV];  Marco  Donatsch, 

sel/Genf 2014, § 20 Rz. 64 ff.), zumal Schutzmassnahmen in der Regel ei-

nen schweren Eingriff in das Grundeigentum bilden.

Im Übrigen besteht in der Regel keine Kognitionseinschränkung. Die Frage,

was unter einem Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu ver-

stehen  ist,  kann  die  Rekursinstanz  frei  beantworten.  Auch  steht  ihr  in  der

Regel  eine  freie  Würdigung  der  örtlichen  Verhältnisse  zu,  soweit  ihr  diese

hinreichend bekannt sind. Geht es um bautechnische Fragen, namentlich um

R4.2025.00062

Seite 18

solche  der  Erhaltungs-  und  Renovationsfähigkeit von  Schutzobjekten  oder

von Teilen hiervon, ist das Baurekursgericht als Fachgericht in Bausachen

zu deren Beantwortung nicht weniger berufen als die Denkmalpflegebehör-

den.

6.3.3.

Bei  der  Natur-  und  Heimatschutzkommission,  der  Denkmalpflegekommis-

sion und der Archäologiekommission handelt es sich um vom Regierungsrat

gestützt auf § 216 PBG eingesetzte Sachverständigenkommissionen, deren

Zusammensetzung, Aufgaben etc. in der Verordnung über die Sachverstän-

digenkommissionen gemäss § 216 PBG festgelegt sind. Die Sachverständi-

genkommissionen nehmen Stellung zu wichtigen Fragen des Natur- und Hei-

matschutzes; dies auf Grund von Gesuchen der Direktionen, der Gemeinden

oder Dritter (§ 3 ff. der Verordnung über die Sachverständigenkommissionen

gemäss § 216 PBG).

Die Berichte der Sachverständigenkommissionen kommen, da auf besonde-

rer  Sachkunde  beruhend,  einem  Gutachten  gleich.  Dieses  darf  einzig  zu

Sachverhaltsfragen, nicht aber auch zu Rechtsfragen eingeholt werden; die

Beantwortung  von  Rechtsfragen  obliegt  der  Rekursinstanz.  Diese  hat  das

Gutachten einer Würdigung zu unterziehen. Es gilt der Grundsatz der freien

Beweiswürdigung, so dass allein die - in nachvollziehbarer Weise zu begrün-

dende - Überzeugung der Rekursinstanz massgeblich ist.

Allerdings kommt den Berichten der Sachverständigenkommissionen in der

Regel ein erhöhter Beweiswert zu, was dem Umstand geschuldet ist, dass

die  Sachverständigenkommissionen  von  Gesetzes  wegen  die  kantonalen

Experten in Fragen des Natur- und Heimatschutzes sind. Weicht die Rekurs-

instanz  in  Fachfragen  von  der  Auffassung  des  Gutachtens  ab,  so  hat  sie
hierfür triftige Gründe anzuführen. Als solche gelten namentlich Irrtümer, Lü-

cken oder Widersprüche im Gutachten. Abweichungen sind aber auch etwa

dann gerechtfertigt, wenn die Schlüssigkeit des Gutachtens in wesentlichen

Punkten zweifelhaft erscheint, wenn die Erkenntnisse des Gutachtens nicht

oder nur unzureichend begründet oder wenn gestellte Fragen ungenügend

oder überhaupt nicht beantwortet wurden (vgl. Kaspar Plüss, in: Kommentar

VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 Rz. 66 ff. und 136 ff.). Die Berichte

der Sachverständigenkommissionen sind demnach nur, aber immerhin inso-

weit  bindend,  als  sich  die  darin  getroffenen  Feststellungen  und  Schlüsse

R4.2025.00062

Seite 19

nicht als mangelhaft erweisen und ihnen nicht eine zutreffendere Auffassung

des Gerichtes entgegensteht.

6.3.4.

Mit einem Gutachten sind die im Inventar gemachten Äusserungen zu ver-

tiefen  und  genauer  abzuklären.  Das  Gutachten  hat  das  Objekt  so  weit  zu

beschreiben, dass die Frage der Schutzwürdigkeit beantwortet werden kann.

Das Gutachten KDK 2024 ist wie folgt aufgebaut: Anlass und Ausgangslage,

Situation,  Baugeschichte,  Baubeschreibung,  Umgebung,  Beurteilung  des

kommunalen Inventareintrags von 2017, Beurteilung des kantonalen Inven-

tareintrags von 2018, Beurteilung der Wohnüberbauung Y. Dieses Gutach-

ten ist im Vergleich zum ursprünglichen Gutachten ausführlicher und struk-

turierter.  Zudem  verfügt  es  im  Gegensatz  zum  Gutachten  KDK  2021  über

Bilder und Pläne. Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass insbesondere

die angefügten Grundrisspläne von schlechter Bildqualität sind und sich die

Grundrisse  daher  lediglich  erahnen  lassen  (vgl.  act.  8.4  S.  24  ff.).  Die  ur-

sprünglichen Grundrisse der Wohnungen sind jedoch von Bedeutung für die

Abklärung der Schutzwürdigkeit, spiegeln sie doch oft wichtige architektoni-

sche Konzepte und Ideale wider oder offenbaren Besonderheiten. Ausser-

dem können sie auch Auskunft über die ursprüngliche Nutzung und die Ziel-

gruppe  geben,  woraus  sich  sozial-  und  wohnungsgeschichtliche  Schlüsse

ziehen lassen.

Des Weiteren fällt auf, dass sich das Gutachten KDK 2024 ausführlich mit

den Inventareinträgen beschäftigt. Dabei beschränkt sich das Gutachten je-

doch darauf, die Einträge im Inventar zu entkräften. Es entsteht der Eindruck,

das Gutachten wolle die Einträge im Inventar als unrichtig darstellen, auch

wenn sich gewisse Einträge im Inventar tatsächlich als falsch erweisen. Bei-

spielsweise werden die gemäss Inventareintrag typischen Merkmale, wie die
markanten Flugdächer, die wohnlichen Balkone und die leicht vorstehenden

Blumenfenster, im Gutachten KDK 2024 erwähnt, jedoch mit dem Kommen-

tar abgetan, das baukünstlerische Niveau bleibe dabei sehr bescheiden (vgl.

act. 8.4 S. 16). Weitere diesbezügliche Ausführungen fehlen. Die im Inventar

speziell erwähnten halbrunden Treppenhäuser sind im Gutachten zwar be-

schrieben (act. 8.4 S. 7), werden jedoch nicht weiter gewürdigt.

Das  Gutachten  lässt  weiter  eine  Auseinandersetzung  mit  dem  sozialge-

schichtlichen  und  wirtschaftshistorischen  Hintergrund  der  Siedlung

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Seite 20

vermissen. Dies, obwohl die Bedeutung der Geschichte der Bauten im kan-

tonalen Inventar sehr hoch bewertet wurde (vgl. act. 5.2, Bewertung mit neun

Punkten). Denkmalschutz basiert nicht nur auf Architektur, sondern auch auf

der Bedeutung eines oder mehrerer Gebäude für die Gesellschaft, Kultur und

Geschichte.  Diesbezüglich  lässt  sich  dem  Gutachten  lediglich  entnehmen,

die  Häuser  böten  mit  den  vielen  Balkonen, den  Liften  und  der  Tiefgarage

zuvor nicht verbreitete Annehmlichkeiten, was auf die Ausrichtung auf eine

mittelständische Klientel hinweise. Gleichzeitig handle es sich um einen Ren-

ditebau.  Weitere  Abklärungen  oder  diesbezügliche  Erklärungen  fehlen  je-

doch. So bleibt unklar, weshalb die baulichen Merkmale wie Balkone, Lifte

und Tiefgaragen damals ungewöhnlich waren, weshalb dies relevant ist und

was dies über den sozialen Wandel aussagt. Sodann wird auch nicht weiter

auf die "mittelständische Schicht" eingegangen. Es bleibt unerwähnt, wer mit

dieser Schicht genau gemeint war und warum diese Zielgruppe wichtig war.

Die genaue Klientel der Mehrfamilienhäuser hätte anhand weiterer Quellen

ermittelt werden können, wie z.B. aus Adressbüchern dieser Zeit. Auch wird

im Gutachten nicht versucht zu erklären, weshalb die für diese Zeit typischen

Merkmale der sozialen Anreicherungen mit Quartiertreff, Restaurant, Kinder-

garten etc. fehlen. Dass dies allenfalls mit der unmittelbaren Nähe zum Stadt-

zentrum in Zusammenhang steht, wird ausgeblendet. Unerwähnt im Gutach-

ten KDK 2024 bleibt auch, welche Impulse für die weitere Siedlungsentwick-

lung  im  Lindquartier  von  der  Überbauung  Y  ausgegangen  sind,  stellte  sie

doch in Bezug auf ihre Höhe und Dichte einen neuen Massstab dar.

Letztlich ist auch der Quervergleich mit den zum Teil im Gutachten genann-

ten  Siedlungen  nicht  stichhaltig, wobei  hier  –  in  Übereinstimmung  mit  den

Ausführungen  der  Vorinstanz  –  zu  beachten  gilt,  dass  Vergleichsobjekte

hauptsächlich erst im Zusammenhang mit der Ausübung des behördlichen

Auswahlermessens  und  somit  erst  im  Rahmen  der  Verhältnismässigkeits-
prüfung  einer  Unterschutzstellung  relevant  sind  (vgl.  VB.2020.00277  vom

16. Dezember 2021, E. 6.4.1). Es ist jedoch der Vollständigkeit halber darauf

hinzuweisen, dass die genannten Siedlungen grösstenteils lediglich ein ge-

meinsames Merkmal mit der Überbauung Y aufweisen und wohl auch haupt-

sächlich im Zusammenhang mit der Frage der überkommunalen Schutzwür-

digkeit  aufgeführt  worden  sind.  So  verfügt  beispielsweise  die  Siedlung  U

zwar auch über eine Tiefgarage, weist jedoch eine andere Typologie auf als

das  Y.  Die  Überbauung  U  übernimmt  eine Zentrumsfunktion,  was  beim  Y

nicht der Fall ist. Das genannte Mehrfamilienhaus V war im Gegensatz zum

R4.2025.00062

Seite 21

Y von gehobenem Standard und sprach eine andere Klientel an. So gehörten

zu der Wohnungsgrundrissgestaltung auch Mädchenzimmer.

Insgesamt  erweist  sich  das  Gutachten  somit  als  mangelhaft,  weshalb  der

Sachverhalt  nicht genügend  erstellt  ist.  Die Einholung  eines  weiteren  Gut-

achtens  drängt  sich  auf.  Dabei  empfiehlt  es  sich  –  aufgrund  der  Vorge-

schichte  und Vorbefassung –,  eine nicht bereits  in  dieses Verfahren  invol-

vierte Fachperson mit der Aufgabe zu betrauen.

6.3.5.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens stellt sich die Frage, ob das Baurekurs-

gericht selbst ein Gutachten einholen muss oder die Sache an die Vorinstanz

zurückweisen kann.

Die Rechtsmittelinstanz verfügt über einen weiten Ermessensspielraum, ob

sie einen reformatorischen Entscheid fällen oder eine Rückweisung vorneh-

men  will (BGE 131  V 407  E. 2.1.1).  Bei der Anwendung  von  § 203 Abs. 1

lit. c PBG hat die verfügende Behörde die darin enthaltenen unbestimmten

Rechtsbegriffe auszulegen und die denkmalpflegerische Bedeutung des in-

frage  stehenden  Objekts abzuklären. Hierzu kann  und  soll  sie  nötigenfalls

Expertisen oder Stellungnahmen von Fachgremien einholen. Das Ergebnis

der  Sachverhaltsfeststellung  würdigen  die  rechtsanwendenden  Behörden

frei (§ 7 Abs. 4 VRG). Bei der Auslegung und Anwendung der für die Beur-

teilung massgebenden unbestimmten Rechtsbegriffe wie "wichtiger Zeuge"

oder "wesentliche Mitprägung" steht der für die Unterschutzstellung zustän-

digen  Behörde  sodann  eine besondere Entscheidungsfreiheit  im  Grenzbe-

reich  zwischen  Rechtsanwendung  und Ermessensbetätigung  zu (vgl.  BGE

115  Ib 131 E. 3;  VB.2010.00707 vom 4. Mai 2011,  E. 4.2),  deren  Handha-

bung  die  Rechtsmittelinstanzen  nicht  frei  überprüfen  können  (RB 1982
Nr. 37).  Schliesslich  sind  allfällige  Schutzanordnungen  nur  anzuordnen,

wenn das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Schutzobjekts höher zu

werten 

ist  als  entgegenstehende  öffentliche  und  private 

Interessen

(VB.2003.00121 vom 27. August 2003, E. 2c). Eine solchen gegebenenfalls

vorzunehmende Interessenabwägung ist zwar grundsätzlich eine vom Bau-

rekursgericht überprüfbare Rechtsfrage. Bei der Gewichtung der sich gegen-

überstehenden Interessen bestehen jedoch in verschiedener Hinsicht Beur-

teilungsspielräume, die in erster Linie von den Verwaltungsbehörden auszu-

füllen sind; auch insofern steht ihnen eine von den Rechtsmittelinstanzen zu

R4.2025.00062

Seite 22

beachtende  besondere  Entscheidungsfreiheit  zu  (VB.2013.00337  vom

31. Oktober 2013, E. 6.5.1; RB 1982 Nr. 37).

Da wesentliche Sachverhaltsabklärungen  nicht vorliegen,  ein weiteres  Be-

weisverfahren durchgeführt werden muss und der Vorinstanz auch eine ge-

wisse Ermessensbetätigung zukommt, rechtfertigt es sich, die Sache an die

Vorinstanz zurückzuweisen. Dies auch zur Wahrung des Instanzenzugs.

7.1.

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Der ange-

fochtene Entscheid ist demgemäss aufzuheben und die Sache ist zur weite-

ren  Untersuchung des  Sachverhalts, insbesondere  Einholung  eines Zweit-

gutachtens, sowie zum neuen Entscheid über die Schutzwürdigkeit an den

Stadtrat X zurückzuweisen.

Bei diesem Verfahrensausgang erübrigen sich denn auch die prozessualen

Anträge des Rekurrenten um Aktenedition.

7.2.

Ausgangsgemäss  sind  die  Verfahrenskosten  der  Vorinstanz  aufzuerlegen

(§ 13 VRG).

R4.2025.00062

Seite 23

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder  dem tatsächlichen  Streitinteresse fest. Liegt  wie  hier

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV

VGr).  Bei  der  Bemessung  der  Gebührenhöhe  steht  der  Rekursinstanz  ein

grosser  Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,

3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).

Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 4'500.-- festzusetzen.

7.3.

Die  Mitbeteiligten  beantragen  eine  Umtriebsentschädigung.  Eine  solche

steht ihnen bei diesem Ausgang des Verfahrens jedoch von vornherein nicht

zu (§ 17 Abs. 2 VRG).

R4.2025.00062

Seite 24

Das Baurekursgericht erkennt:

I.
Der Rekurs wird gutgeheissen.

Demgemäss wird der Beschluss des Stadtrates vom 12. März 2025 aufge-
hoben. Die Sache wird zur weiteren Untersuchung des Sachverhalts sowie
zum  neuen  Entscheid  über  die  Schutzwürdigkeit  der  Siedlung  Y  an  den
Stadtrat X zurückgewiesen.

II.
Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus

Fr.  4'500.--  Gerichtsgebühr
Fr.  360.--  Zustellkosten
Fr.  4‘860.--  Total
=========
werden dem Stadtrat X auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zu-
gestellt.  Die  Kosten  sind  innert  30  Tagen  ab  Zustellung  der  Rechnung  zu
bezahlen.

III.
Es wird keine Umtriebsentschädigung zugesprochen.

IV.
Gegen diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen,  von der Zustellung an ge-
rechnet,  beim  Verwaltungsgericht  des  Kantons  Zürich,  Freischützgasse  1,
Postfach, 8090 Zürich, schriftlich Beschwerde eingereicht werden. Die Be-
schwerdeschrift  ist  in  genügender  Anzahl  für  das  Verwaltungsgericht,  die
Vorinstanz und jede Gegenpartei einzureichen. Die Beschwerdeschrift muss
einen  Antrag  und  dessen  Begründung  enthalten.  Der  angefochtene  Ent-
scheid ist beizulegen. Die angerufenen Beweismittel sind genau zu bezeich-
nen und soweit möglich beizulegen.

R4.2025.00062

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