# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ed74656-c92b-5883-828a-3b919ea0ed83
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-04
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 04.03.2022 200 2021 856
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-856_2022-03-04.pdf

## Full Text

200 21 856 IV
SCP/GET/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 4. März 2022

Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichterin Mauerhofer
Gerichtsschreiber Germann

A.________
vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 9. November 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde-
führerin) arbeitete zuletzt (bis September 2020) als … (mit Eidgenössischem 
Fähigkeitszeugnis EFZ) beim D.________ (Akten der IV-Stelle Bern [nach-
folgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin], [act. II], 10; 41 S. 4, 14; 111 S. 3). 
Im Januar 2019 (Früherfassung) respektive im Februar 2019 meldete sie 
sich unter Hinweis auf eine Depression bei der Eidgenössischen Invaliden-
versicherung (IV) zum Leistungsbezug an (act. II 1; 10). Die IVB führte ein 
Erstgespräch und ein Assessment mit der Versicherten durch, zog Berichte 
behandelnder Ärzte bei und gewährte berufliche Massnahmen in Form ei-
nes (von der Abklärungsstelle O.________ der psychiatrischen Dienste 
E.________ durchgeführten) Belastbarkeitstrainings als … auf dem 
F.________ (act. II 46; 48), wo die Versicherte im Rahmen eines bis am 
30. April 2022 befristeten Arbeitsverhältnisses bei einem Pensum von 45% 
weiterbeschäftigt wurde (act. II 79 S. 10 f). In der Folge schloss die IVB die 
beruflichen Massnahmen ab (act. II 81) und schritt zur Rentenprüfung (act. 
II 80), in deren Rahmen sie beim G.________ (MEDAS) ein bidisziplinäres 
(internistisch-psychiatrisches) Gutachten veranlasste. Die Expertise vom 
4. November 2020 (act. II 88.1 ff.) wurde am 6. November 2020 erstattet. 
Nachdem die IVB den psychiatrischen Teil des Gutachtens als rechtlich 
nicht valide qualifiziert hatte (act. II 99 S. 3), veranlasste sie bei Dr. med. 
H.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine weitere 
Begutachtung (Expertise vom 1. April 2021 [act. II 105.1]) und liess durch 
ihren Abklärungsdienst einen Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb erstellen 
(act. II 111 S. 2 ff.). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. II 
112; 116) verneinte die IVB mit Verfügung vom 9. November 2021 (act. II 
118) einen Anspruch auf Leistungen der IV mit der Begründung, es liege 
kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Rechtssinne vor. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 3

B.

Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch B.________, Rechtsanwalt 
C.________, mit Eingabe vom 10. Dezember 2021 Beschwerde erheben. 
Sie stellt die folgenden Rechtsbegehren: 

1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. November 2021 sei auf-
zuheben. 

2. Der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen 
Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin.

Mit Schreiben vom 19. Januar 2022 reichte die Beschwerdeführerin einen 
von Dr. med. I.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin (behan-
delnder Arzt), und von lic. phil. J.________, Fachpsychologe für Psycho-
therapie FSP (behandelnder Psychologe), beide Praxis K.________, 
unterzeichneten Bericht vom 11. Januar 2022 (Akten der Beschwerdeführe-
rin [act. I], 3) ins Recht. 

Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2022 beantragt die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

Mit Eingabe vom 14. Februar 2022 nahm die Beschwerdeführerin Stellung 
zur Beschwerdeantwort.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 4

Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 9. November 2021 
(act. II 118). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführe-
rin auf eine Invalidenrente der IV. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft getreten. Weil in zeitlicher 
Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – 
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der Erfül-
lung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbe-
standes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 
S. 213) und die angefochtene Verfügung vor dem Inkrafttreten der IVG-
Änderung vom 19. Juni 2020 datiert, ist vorliegend der Rentenanspruch 
nach den bis 31. Dezember 2021 geltenden Normen (nachfolgend aArt.) zu 
prüfen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 5

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem 
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 
ATSG). 

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ab-
lauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und 
c).

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite-
ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 6

3.

3.1 Bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 9. November 
2021 präsentierte sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie 
folgt: 

3.1.1 L.________, Praktische Ärztin, diagnostizierte im Bericht vom 
25. Februar 2019 (act. II 22) eine schwere Depression, einen Verdacht auf 
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), einen Status nach Magenby-
pass sowie eine seit 10 Jahren bestehende Arthrose in den Fingern und im 
Rücken (S. 3). Es bestehe seit dem 22. August 2018 eine Arbeitsunfähig-
keit. Die … seien traumatisierend gewesen, die Beschwerdeführerin könne 
keine analoge Arbeit mehr ausführen (S. 4). 

3.1.2 Lic. phil. J.________ hielt im Bericht vom 26. März 2019 (act. II 29) 
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende 
depressive Störung (ICD-10 F33), DD PTBS (ICD-10 F43.1; Miterleben von 
…) fest. Die Depressivität sei regredient. Das initial "schwere Zustandsbild" 
sei nun noch von leicht-mittelgradiger Intensität (S. 4). Aktuell bestehe noch 
eine leichtgradige Depression, die Angstproblematik bezüglich der … sei 
persistierend, hie und da komme es zu Flashbacks (S. 7). Die Beschwerde-
führerin habe bis 10. September 2018 als … im … des D.________ gear-
beitet. Es bestehe ein langjähriger Konflikt mit Berufskollegen/Mobbing. Die 
Beschwerdeführerin habe bei ihrer Arbeit traumatisierende Erfahrungen bei 
den … gemacht, wo sie …. (S. 5). Es zeige sich das Bild einer Aversions-
reaktion gegenüber der Arbeit als … im Rahmen von … (S. 3 f.). Die Arbeit 
mit … sowie in … sei nicht mehr zumutbar, da retraumatisierend. Zudem 
seien je nach Rahmenbedingungen klimatische Belastungen für die Ge-
sundheit problematisch (S. 5). Eine den Leiden angepasste Tätigkeit sei 
vier Stunden pro Tag (vormittags) zumutbar (S. 7).

3.1.3 Dr. med. I.________ hielt im Bericht vom 30. Januar 2020 (act. II 
58) fest, der Gesundheitszustand sei stationär. Die Arbeitstätigkeit auf dem 
F.________ betrage vier Stunden pro Tag (S. 2). Es handle sich um ein 
chronisch rezidivierendes depressives Zustandsbild, aktuell mit deutlicher 
Verschlechterung bei Veränderung der Sozialsituation (Ankündigung der 
Beschwerdegegnerin, den Arbeitsplatz zu verändern), wodurch sie in ihrer 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 7

Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. Geistige und körperliche Einschrän-
kungen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten, beständen nicht (S. 3).

3.1.4 Im bidisziplinären Gutachten der MEDAS vom 4. November 2020 
(act. II 88.1 ff.) wurden die folgenden Diagnosen gestellt (act. II 88.1 S. 8): 

Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit

• PTBS (ICD-10 F43.1)

• Schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit

Status nach laparoskopischem Roux-Y-Bypass (November 2014)

In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter Dr. med. 
M.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. 
N.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, fest, aus internisti-
scher Sicht finde sich eine unauffällige Situation nach Magenbypass-
Operation im Jahre 2014, aktuell mit normalem BMI und unauffälliger 
allgemeinmedizinischer-internistischer Situation. Aus rein allgemeinmedizi-
nisch-internistischer Sicht ergäben sich keine Diagnosen mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit (act. II 88.1 S. 7). 

Aus aktueller psychiatrischer Sicht bestehe weiterhin ein schweres depres-
sives Syndrom und eine mittelschwere bis schwere posttraumatische Sym-
ptomatik aufgrund der wiederholten, schwer belastenden Erfahrungen im 
Rahmen der … von …, seit mindestens April 2018. Aufgrund dieser beiden 
Diagnosen sei die Beschwerdeführerin schwer gesundheitlich beeinträch-
tigt und auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig (S. 7). Zum Verlauf 
der bisherigen Arbeitsunfähigkeit sei zu sagen, dass die Beschwerdeführe-
rin seit dem 10. September 2018 von der Hausärztin als zu 100% arbeits-
unfähig eingeschätzt worden sei. Die seit Juli 2019 durchgeführten 
beruflichen Massnahmen seien als Tätigkeit im geschützten Rahmen anzu-
sehen, somit bestehe seit dem 10. September 2018 volle Arbeitsunfähig-
keit. Aus aktueller Sicht sei dies auch weiterhin der Fall. Die 
Beschwerdeführerin profitiere zwar sehr von ihrer geschützten Tätigkeit mit 
vier Stunden pro Tag auf dem F.________, jedoch sei diese Arbeit nicht als 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 8

verwertbar auf dem ersten Arbeitsmarkt anzusehen. Die Beeinträchtigung 
der Arbeitsfähigkeit im bisherigen Tätigkeitsgebiet ergebe sich aus den 
posttraumatischen Belastungssymptomen; die Beschwerdeführerin gerate 
in eine psychische Ausnahmesituation, wenn sie schon nur mit gewissen 
Eindrücken aus der Tätigkeit in diesem Bereich konfrontiert werde. Das 
Aufsuchen eines solchen Arbeitsortes und die Beschäftigung mit … in die-
sem Kontext würden bei ihr zu einer völligen psychischen Dekompensation 
führen. In einer angepassten Tätigkeit, wie der aktuellen, in einem ge-
schützten Rahmen, mit einem wohlwollenden Umfeld als … auf einem 
F.________ sei die Beschwerdeführerin aktuell noch zu 50% arbeitsfähig 
(S. 8).

3.1.5 Dr. med. H.________ hielt im psychiatrischen Gutachten vom 
1. April 2021 (act. II 105.1) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit eine komplexe PTBS (ICD-10 F43.1) mit/bei mittelgradiger bis 
schwerer depressiver Symptomatik fest; Diagnosen ohne Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit beständen keine (S. 15). In der angestammten Tätigkeit 
als … mit Schwerpunkt … bestehe seit September 2018 keine Arbeits-
fähigkeit mehr. Eine Rückkehr in diesen Beruf sei nicht zumutbar (S. 19). 
Die Beschwerdeführerin arbeite aktuell auf einem F.________ in der …. 
Diese Arbeit sei als optimal angepasst zu bewerten. Es bestehe eine Ar-
beitsfähigkeit von 20h pro Woche bei einer Leistungsfähigkeit von 60%. 
Merkmale für eine optimal angepasste Tätigkeit seien: die Beschwerdefüh-
rerin könne ihre Kenntnisse als … einbringen, kein Zeit- und Leistungs-
druck, Möglichkeit, Arbeit und Pausen frei einzuteilen. Kein Kundenkontakt. 
Keine Teamarbeit. Regelmässige Arbeitszeiten am Vormittag. Sehr wert-
schätzendes und wohlwollendes soziales Umfeld. Der aktuelle Arbeitsplatz 
sollte unbedingt erhalten werden (S. 20).

3.2 Soweit die Beschwerdeführerin zunächst geltend macht, das Gut-
achten von Dr. med. H.________ vom 1. April 2021 stelle eine unzulässige 
second opinion dar (Beschwerde, S. 5, Rz. 4) – ohne jedoch gleichzeitig 
den Antrag zu stellen, das Gutachten sei aus den Akten zu weisen – so 
hätte diese Rüge praxisgemäss unmittelbar nach der Mitteilung der Be-
schwerdegegnerin, es sei eine weitere psychiatrische Begutachtung erfor-
derlich, erfolgen müssen – hier nach der Mitteilung vom 23. Dezember 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 9

2020 (act. II 94; BGE 138 V 271 E. 1.1 S. 275, 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 
258). Eine solche Rüge erfolgte unbestrittenermassen nicht, und dies auch 
nicht im Vorbescheidverfahren, als die Beschwerdeführerin bereits rechts-
kundig vertreten war (act. II 116). Damit hat sie sich auf das Verfahren ein-
gelassen, womit der Anspruch auf Anrufung der vermeintlich verletzten 
Verfahrensvorschrift (unnötige second opinion) verwirkt ist (BGE 143 V 66 
E. 4.3 S. 69; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 22. Februar 2021, 
9C_344/2020, E. 4.3.2).

3.3 In materieller Hinsicht stellt sich die Beschwerdeführerin auf den 
Standpunkt, das bidisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 4. November 
2020 (act. II 88.1 ff.) und das psychiatrische Gutachten von Dr. med. 
H.________ vom 1. April 2021 (act. II 105.1) kämen mehr oder weniger 
zum gleichen Ergebnis (Beschwerde, S. 5, Rz. 5), weshalb darauf abzustel-
len (S. 6, Rz. 5) und in der Folge ein (rentenbegründender) Invaliditätsgrad 
zu bejahen sei. Demgegenüber verneinte die Beschwerdegegnerin einen 
Rentenanspruch mit der Begründung, nach Prüfung der Indikatoren sei 
kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden im Rechtssinne 
ausgewiesen (act. II 116 S. 2 f.), was sie in ihrer Beschwerdeantwort 
bestätigte (S. 4, Rz. 18).  

3.4

3.4.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 10

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352). Entscheidend ist letztlich, ob sich gestützt auf die 
vorliegenden ärztlichen Berichte sämtliche rechtsrelevanten Fragen beant-
worten lassen (vgl. Entscheid des BGer vom 10. Juni 2021, 8C_54/2021, E. 
2.2).

3.5

3.5.1 Gemäss dem bidisziplinären Gutachten der MEDAS vom 4. No-
vember 2020 (act. II 88.1 ff.) steht fest und ist im Lichte der übrigen Akten-
lage zu Recht unbestritten, dass in somatischer Hinsicht keine das 
funktionelle Leistungsvermögen einschränkende gesundheitliche Beein-
trächtigung vorliegt (act. II 88.1 S. 7). Hingegen besteht aus psychiatrischer 
Sicht eine von den Gutachterinnen Dres. med. M.________ (MEDAS) und 
H.________ im Wesentlichen übereinstimmend als schwer eingestufte de-
pressive sowie eine mittelschwere bis schwere posttraumatische Sympto-
matik (Letztere von Dr. med. M.________ als PTBS [ICD-10 F43.1] 
klassifiziert und von Dr. med. H.________ im Rahmen einer komplexen 
posttraumatischen Belastungsstörung nach Massgabe der seit 1. Januar 
2022 gültigen ICD-11-Kodierung beurteilt), dies aufgrund der wiederholten, 
schwer belastenden Erfahrungen im Rahmen der … von … (act. II 88.1 S. 
7; 105.1 S. 17). In der Folgeabschätzung kamen beide Gutachten zum 
Schluss, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als … von … keine Ar-
beitsfähigkeit mehr besteht (vgl. act. II 88.1 S. 10; 105.1 S. 19), welche 
Einschätzung auch von den Behandlern geteilt wird (act. II 22 S. 4; 29 S. 
5). Insoweit erfüllen sowohl das bidisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 
4. November 2020 als auch das psychiatrische Gutachten von Dr. med. 
H.________ vom 1. April 2021 die Anforderungen an den Beweiswert me-
dizinischer Berichte (vgl. E. 3.4.2 vorne). 

3.5.2 Ferner gelangten beide Gutachten zum Schluss, im Sinne einer 
den Leiden angepassten Verweistätigkeit sei der Beschwerdeführerin ein-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 11

zig die aktuell auf dem F.________ ausgeübte Tätigkeit als … zumutbar 
(act. II 88.1 S. 8; 105.1 S. 20). 

3.5.2.1 Der entsprechende (und bis 30. April 2022 befristete) Arbeitsver-
trag wurde zwischen den psychiatrischen Diensten E.________ (als Arbeit-
geberin) bzw. der Abklärungsstelle O.________ und der 
Beschwerdeführerin abgeschlossen, wobei der F.________ gemäss ver-
traglicher Abmachung als externe Einsatzfirma fungiert (act. II 79 S. 10). 
Dabei versteht sich die Abklärungsstelle O.________ als Eingliederungs-
programm (S. 13) und die Beschwerdeführerin wird während der gesamten 
Einsatzdauer durch die Abklärungsstelle O.________ bzw. durch einen 
persönlich zugeteilten Job Coach begleitet und betreut (S. 11 Ziff. 3 i.V.m. 
S. 13, Ziff. 1.06). Auch tragen der Arbeitsplatz und der (auf einem Beschäf-
tigungsgrad von 45% und einer Leistungsfähigkeit von 60% basierende) 
Lohn (S. 10) den persönlichen Bedürfnissen der Beschwerdeführerin 
Rechnung. Mit Blick auf diese angepassten Strukturen stellt die auf dem 
F.________ aktuell ausgeübte Arbeit eine geschützte Tätigkeit ausserhalb 
des regulären (ersten) Arbeitsmarktes dar, woran nichts ändert, dass der 
Lohn vertraglich als Leistungslohn bezeichnet wird. Davon gehen denn 
auch die Beschwerdeführerin (vgl. Stellungnahme vom 14. Februar 2022, 
S. 4 zu Rz. 15 und 16 der BA), die Beschwerdegegnerin (act. II 111 S. 4) 
und der Betriebsleiter des F.________ (vgl. Protokolleintrag vom 13. Fe-
bruar 2020 [in den Gerichtsakten] S. 6 i.V.m. act. II 108 S. 3) aus, und auch 
die MEDAS-Gutachter bzw. Dr. med. M.________ legten bei der Beurtei-
lung der Arbeitsfähigkeit diese Annahme zugrunde, indem sie die Be-
schwerdeführerin (interdisziplinär) auf dem ersten Arbeitsmarkt als nicht 
arbeitsfähig beurteilten (act. II 88.1 S. 7, 10; 88.4 S. 7) und die aktuelle 
Arbeit als geschützte Tätigkeit erachteten (act. II 88.1 S. 8).

3.5.2.2 Dass die Beschwerdeführerin im Rahmen einer Verweistätigkeit 
allein eine solchermassen geschützte Tätigkeit ausüben können soll, über-
zeugt indes nicht: Wie aus den Akten hervorgeht, war die Beschwerdefüh-
rerin zeitlebens diversen psychosozialen Belastungsfaktoren unterworfen 
(gewalttätiger Vater, Heirat mit und kurz darauf Trennung von nicht arbeits-
tätigem Ehemann, alleinerziehend erwerbstätig, Arbeitsplatzkonflikte, Pro-
bleme mit dem Sohn bis zu dessen 30. Altersjahr; vgl. dazu act. II 29 S. 3; 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 12

105.1 S. 8 f.). Nichtsdestotrotz absolvierte sie nach der regulären Schulzeit 
eine Ausbildung zur … EFZ (act. II 41 S. 13, 15) und war in der Folge in 
verschiedenen Bereichen berufstätig (vgl. act. II 41 S. 2). Ferner schloss 
sie im Juli 2010 (act. II 41 S. 14, 16) eine weitere (dreijährige) Ausbildung 
zur … EFZ erfolgreich ab. Dabei finden sich – wie im MEDAS-Gutachten 
mit Blick auf die vorliegenden Akten zutreffend festgehalten wird – in der 
Vergangenheit keine Hinweise auf relevante gesundheitliche, insbesondere 
psychische Probleme (act. II 88.1 S. 5). So folgt aus dem – im Hinblick auf 
die damals anstehende bariatrische Operation durchgeführten – Ab-
klärungsgespräch in der Klinik P.________ bzw. den anamnestischen An-
gaben im entsprechenden Bericht vom 23. September 2014 (act. II 75 S. 2 
f.), dass die Beschwerdeführerin nie Phasen mit psychischen Störungen 
oder Krisen durchlebt habe. Ebenfalls zeigte sie sich damals mit der beruf-
lichen Situation als … "sehr zufrieden" (S. 3). Mit dieser Darstellung im Ein-
klang stehen die Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber Dr. med. 
H.________, wonach die … anfänglich weniger grausam gewesen seien 
(act. II 105.1 S. 6). Dies änderte sich 2018, als die Beschwerdeführerin 
gemäss eigenen Angaben neu mit der … von … beschäftigt wurde. Diese 
seien … worden und sie habe dann miterleben müssen, wie diese … (act. 
II 88.4 S. 1). Wie bereits der behandelnde Psychologe lic. phil. J.________ 
überzeugend festhielt, zeigte sich bei der Beschwerdeführerin hinsichtlich 
der sich in der Folge manifestierenden psychischen Dekompensation das 
Bild einer Aversionsreaktion gegenüber der Arbeit als … im Rahmen von … 
(act. II 29 S. 3 f.), welche Einschätzung auch der RAD teilte (act. II 34 S. 5). 
Zu keinem wesentlich anderen Schluss gelangten die Gutachterinnen: So 
hielt Dr. med. H.________ fest, bei der Beschwerdeführerin liege ein aus-
geprägtes Vermeidungsverhalten im Hinblick auf ihr altes Berufsfeld vor 
(act. II 105.1 S. 17). Dr. med. M.________ führte aus, die Beschwerdefüh-
rerin gerate in eine psychische Ausnahmesituation, wenn sie schon nur mit 
gewissen Eindrücken aus der Tätigkeit im früheren Beruf konfrontiert werde 
(act. II 88.1 S. 8).

3.5.3 Insgesamt besteht mit Blick auf die medizinische Aktenlage ein 
klarer sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen der psychischen 
Dekompensation und den (nachvollziehbar) als belastend erlebten …. Es 
überzeugt somit nicht, wenn der Beschwerdeführerin auch nach Wegfall 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 13

der entsprechenden Belastungsfaktoren – einschliesslich der als belastend 
empfundenen beruflichen und privaten psychosozialen Umstände – sowie 
gegebenenfalls nach einer psychiatrischen Behandlung (vgl. E. 3.9 hinten) 
allein die aktuell verrichtete (geschützte) Tätigkeit auf dem F.________ 
zumutbar sein soll. Auf die Einschätzungen der Dres. med. M.________ 
(MEDAS) und H.________ kann deshalb insoweit nicht abgestellt werden, 
als die Gutachterinnen sich zu einer Tätigkeit ausserhalb des Bereichs der 
… überhaupt nicht äussern und demzufolge die Beschwerdeführerin auf 
dem F.________ bei dem dort gezeigten Leistungsvermögen für optimal 
eingegliedert halten (act. II 88.1 S. 8; 105.1 S. 20). Dabei berücksichtigten 
die Gutachterinnen auch nicht hinreichend, dass die Beschwerdeführerin 
seit Juli 2020 auch auf dem F.________ wohnt (act. II 111 S. 5), diesen 
faktisch zu ihrem Lebensmittelpunkt machte und damit eine Vermengung 
von beruflicher Eingliederung und sozialer Rehabilitation erfolgte. Letztere 
bildet indes aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht das primäre 
Ziel einer erwerbsbezogenen Eingliederung, floss aber dennoch in die Ein-
schätzung von Dr. med. M.________ ein, wenn sie festhielt, es wäre der 
Beschwerdeführerin mit Blick auf die Prognose "sehr zu wünschen, dass 
die Situation so verbleiben könnte" (act. II 88.1 S. 10 f.), was sich auch auf 
die Wohnsituation bezog. Ebenso wenig überzeugen – soweit vorhanden – 
die Ausführungen zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit, wurde doch weitge-
hend unberücksichtigt gelassen, dass bereits im März 2019 bei mit Bezug 
auf ein anderes berufliches Umfeld aktuell 50%iger Arbeitsfähigkeit nur 
mehr eine leichte bis mittelgradige Intensität der psychischen Symptomatik 
vorlag (act. II 29 S. 4), womit die seit dem September 2018 postulierte 
durchgehende "volle Arbeitsunfähigkeit" kontrastiert. Indem die Dres. med. 
M.________ und H.________ es zudem ausdrücklich als (absolut) wün-
schenswert erachteten, die aktuelle Situation bzw. den Arbeitsplatz für die 
Beschwerdeführerin zu erhalten (act. II 88.1 S. 10 f.; 105.1 S. 19), nehmen 
sie die Rolle einer behandelnden Ärztin ein, welche sich für ihre Patientin 
nur das Beste wünschen. Dies spricht gegen die hier geforderte Objekti-
vität. 

Damit ist zusammenfassend festzustellen, dass auf die beiden psychiatri-
schen Gutachten der Dres. med. M.________ (MEDAS) und H.________ 
vom 4. November 2020 bzw. vom 1. April 2021 zur Beurteilung der noch zu 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 14

erwartenden Erwerbsfähigkeit als vorliegend rechtsrelevante Frage (vgl. E. 
3.4.2 vorne) nicht abgestellt werden kann.

3.6 Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom 
9. November 2021 (act. II 118) einen Leistungsanspruch mit der Begrün-
dung verneint, es liege nach Massgabe der gemäss BGE 141 V 281 recht-
sprechungsgemäss zu berücksichtigenden Standardkriterien keine 
Invalidität im Rechtssinne vor. Demgegenüber bejaht die Beschwerdeführe-
rin eine rechtlich relevante (psychisch bedingte) Invalidität. 

Wie in E. 3.5.3 vorne erwogen, genügen die im Recht liegenden Gutachten 
in einem rechtserheblichen Punkt den beweismässigen Anforderungen an 
einen ärztlichen Bericht nicht, weshalb grundsätzlich auch die rechtliche 
Überprüfung der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit nicht möglich ist. 
Wird dennoch eine Prüfung nach Massgabe von BGE 141 V 281 durchge-
führt, fällt das Ergebnis derzeit zu Ungunsten der Beschwerdeführerin aus, 
wie nachfolgend zu zeigen ist. 

3.6.1 Ist – wie hier – ein Ausschlussgrund im Sinne einer Aggravation 
oder einer ähnlichen Erscheinung unbestrittenermassen zu verneinen (act. 
II 88.4 S. 5; 105.1 S. 19; Beschwerdeantwort, S. 3, Rz. 10) und liegt eine 
versicherte psychische Gesundheitsschädigung vor, erfolgt anhand eines 
normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergeb-
nisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leis-
tungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und 
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich-
baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Re-
gelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standard-
indikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
„funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4 S. 303). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invali-
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der me-
dizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall 
anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zu-
mindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es 
daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete 
versicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 15

Es stellt sich somit aus rechtlicher Sicht die Frage, ob und in welchem Um-
fang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikato-
ren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, wie sie vom medizinisch-
psychiatrischen Experten abschliessend eingeschätzt worden ist. Eine 
davon losgelöste Parallelüberprüfung "nach besserem juristischen Wissen 
und Gewissen" darf nicht stattfinden (BGE 145 V 361 E. 3.2.2 S. 364; Ent-
scheid des BGer vom 13. Oktober 2021, 8C_415/2021, E. 2.2.3). Recht-
sprechungsgemäss liegt eine solche nicht vor, wenn anhand der 
medizinischen Indikatorenprüfung die massgeblichen Beweisthemen im 
Rahmen einer umfassenden Betrachtung eines stimmigen Gesamtbildes 
schlüssig abgehandelt werden und nachgewiesen wird, wo die ärztlichen 
Darlegungen nicht mit den normativen Vorgaben übereinstimmen (Ent-
scheid des BGer vom 23. Dezember 2021, 9C_293/2021, E. 2.3). 

3.6.2 Wie in E. 3.5.2 vorne dargelegt, erfolgte die gutachterliche Ein-
schätzung der medizinisch-theoretischen Arbeits- und Leistungsfähigkeit 
ausschliesslich anhand der von der Beschwerdeführerin aktuell ausgeübten 
Tätigkeit als … auf dem F.________, bei der es sich gemäss Einschätzung 
der Expertinnen auch um die einzige zumutbare Verweistätigkeit handelt. 
Folglich hätte sich auch die Überprüfung der rechtlichen 
Massgeblichkeit der von den Gutachterinnen attestierten Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit auf diese Tätigkeit zu beschränken (vgl. E. 3.6.1 vorne). Re-
ferenzgrösse der invalidenversicherungsrechtlich massgeblichen Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit bildet jedoch nicht eine allfällige geschützte Tätig-
keit, sondern der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), welcher dem 
ersten Arbeitsmarkt entspricht (vgl. Entscheid des BGer vom 30. April 
2014, 8C_762/2013, E. 5.3). Entsprechend hat sich die Indikatorenprüfung 
insbesondere an der gutachterlich attestierten medizinisch-theoretisch 
vollständigen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (vgl. act. II 
88.1 S. 7, 10) zu orientieren. 

3.7

3.7.1 Im Rahmen der Kategorie „funktioneller Schweregrad“ ist beim 
Komplex „Gesundheitsschädigung“ (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.) 
die Schwere des Krankheitsgeschehens anhand aller verfügbaren Elemen-
te aus der diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese zu plausibilisie-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 16

ren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 299). Dr. med. M.________ (MEDAS) 
diagnostizierte eine PTBS (ICD-10 F43.1) sowie eine schwere depressive 
Episode (ICD-10 F32.2; act. II 88.4 S. 6), Dr. med. H.________ eine kom-
plexe PTBS mit/bei mittelgradiger bis schwerer depressiver Symptomatik 
(act. II 105.1 S. 15). Praxisgemäss bedarf die Herleitung und Begründung 
der Diagnose einer PTBS besonderer Achtsamkeit (vgl. Entscheid des 
BGer vom 13. Oktober 2021, 8C_415/2021, E. 4.1). Dies gilt auch in Bezug 
auf die komplexe PTBS, welche erst im seit 1. Januar 2022 gültigen Ko-
diersystem ICD-11 klassifiziert ist und bei der (u.a.) auch die diagnosti-
schen Voraussetzungen der PTBS erfüllt sein müssen (vgl. 
www.icd.who.int -> Ziff. 06, Coding Tool, PTSD). Ob die … das Traumakri-
terium eines extrem bedrohlichen oder schrecklichen Ereignisses oder ei-
ner Reihe solcher Ereignisse erfüllt, ist mit der Beschwerdegegnerin 
(Beschwerdeantwort, S. 3, Rz. 11) zu bezweifeln, zumal die in der Stel-
lungnahme vom 14. Februar 2022 als Argument ins Feld geführte spezifi-
sche Vulnerabilität (S. 3 zu Ziff. 11 der BA) weder hinsichtlich der PTBS 
noch der komplexen PTBS ein (hinreichendes) Diagnosekriterium darstellt, 
abgesehen davon, dass bei der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit 
gerade keine psychischen Erkrankungen vorlagen. Auch besteht gemäss 
den von Dr. med. H.________ referierten Diagnoserichtlinien eine hohe 
Überschneidung mit anderen psychischen Erkrankungen wie etwa Depres-
sionen (act. II 105.1 S. 16), was – bei vorliegend gleichzeitig diagnostizier-
ter depressiver Symptomatik – eine Abgrenzungsdiskussion als zwingend 
erscheinen liesse, zumal auch der behandelnde Psychologe eine PTBS 
allein differentialdiagnostisch in Erwägung zog (act. II 29 S. 4). Ob unter 
den gegebenen Umständen von einer rechtsgenüglichen Herleitung der 
Diagnose (komplexe) PTBS ausgegangen werden kann, ist somit fraglich, 
kann aber mit Blick auf das Ergebnis offen gelassen werden.

Unabhängig von der Frage nach der diagnostischen Qualifikation haben die 
Gutachterinnen die erhobenen Befunde in Teilen als ausgeprägt bzw. deut-
lich eingestuft, so unter anderem auch hinsichtlich der Konzentrations- und 
Gedächtnisstörungen (vgl. act. II 88.4 S. 5; 105.1 S. 17). In einem erhebli-
chen Kontrast hierzu steht indessen die Tatsache, dass die Beschwerde-
führerin nach eigenen Angaben "gerne Auto" fährt (act. II 105.1 S. 11) und 
gemäss Einschätzung von Dr. med. H.________ auch eine uneinge-

http://www.icd.who.int

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 17

schränkte Verkehrsfähigkeit aufweist, welche sich auf die Mobilität ganz 
allgemein – mithin auf sämtliche Transportmittel – erstreckt (act. II 105.2 S. 
2). Es mag zutreffen, dass die Beschwerdeführerin an ihrem Wohnort auf 
ein Auto angewiesen ist (Beschwerde, S. 10, Rz. 12). Dies ändert jedoch 
nichts daran, dass die (uneingeschränkte) Möglichkeit, ein Auto zu lenken, 
die gutachterlich postulierte Schwere der gezeigten Symptomatik zumin-
dest relativiert (vgl. auch BGE 138 V 63 nicht publizierte E. 3.4 des Urteils 
8C_195/2011 vom 15. Dezember 2011). Dasselbe gilt in Bezug auf die 
mittels Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen 
getroffenen Einschätzungen: Dr. med. M.________ stellte eine erheblich 
beeinträchtigte Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Proaktivität und Spon-
tanaktivität, Widerstands- sowie Durchhaltefähigkeit und Selbstbehaup-
tungsfähigkeit fest (act. II 88.4 S. 5). Damit erachtete sie die 
Beschwerdeführerin lediglich in vier von 13 Fähigkeitsdimensionen als (er-
heblich) eingeschränkt. Dr. med. H.________ stellte eine erheblich ausge-
prägte Einschränkung bei der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie 
bei der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit – mithin bei zwei Items – fest. 
In acht von 13 Items postulierte sie eine mässige Ausprägung, bei je einem 
Item eine leichte bzw. keine Einschränkung sowie in einer weiteren Fähig-
keitsdimension eine mässig bis erheblich ausgeprägte Beeinträchtigung 
(act. II 105.2; 105.1 S. 14). Selbst wenn der (pessimistischeren) Einschät-
zung von Dr. med. H.________ gefolgt wird, lässt sich aufgrund der Ergeb-
nisse des Mini-ICF-Ratings die gutachterlich postulierte Schwere der 
psychischen Symptomatik – unabhängig davon, ob sie Folge der (komple-
xen) PTBS oder der depressiven Störung ist – und die daraus abgeleitete 
gänzliche Arbeits- und Leistungsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt (vgl. E. 
3.6.2 vorne) nicht validieren. Es fällt denn auch auf, dass beide Gutachte-
rinnen die entsprechenden Ergebnisse undiskutiert im Raum stehen lies-
sen. Denn in der Tat würde man bei der postulierten Schwere des 
Gesundheitsschadens eine stärkere Beeinträchtigung der Aktivitäts- und 
Partizipationsfähigkeiten erwarten. 

3.7.2 In Bezug auf den Indikator „Behandlungs- und Eingliederungser-
folg oder -resistenz“ (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299) ist Folgendes fest-
zuhalten:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 18

3.7.2.1 Nach der Rechtsprechung sagt die Therapierbarkeit eines Leidens 
für sich allein nichts über den invalidisierenden Charakter einer psychi-
schen Störung aus (BGE 143 V 409 E. 4.2.1 S. 412). Gleichwohl gilt die 
Frage, ob eine Therapie durchgeführt wird, als Indiz für den Leidensdruck 
der versicherten Person und damit den Schweregrad der Störung (BGE 
143 V 409 E. 4.2.1 S. 412 und E. 4.4 S. 414).

Gemäss dem MEDAS-Gutachten wurde die Beschwerdeführerin hinsicht-
lich der psychischen Beeinträchtigungen medikamentös mittels Venlafaxin 
und Sequase (beides Antidepressiva) behandelt. Ferner erfolgten in Ab-
ständen von zwei Wochen Konsultationen beim Psychologen lic. phil. 
J.________ sowie ein- bis zweimal monatlich bei der Hausärztin (act. II 
88.3 S. 3). In der bidisziplinären Beurteilung hielten die Experten fest, die 
derzeit stattfindende Behandlung sollte im psychotherapeutischen Bereich 
intensiviert werden, beispielsweise durch die Teilnahme an einer achtsam-
keitsorientierten Gruppentherapie. Eine erzwungene stationäre Behandlung 
würde sich aufgrund der Vorbehalte der Beschwerdeführerin gegen den 
stationären Behandlungsrahmen und die Entfernung aus dem derzeit sehr 
hilfreichen sozialen Umfeld eher negativ auswirken und sei daher nicht zu 
empfehlen (act. II 88.1 S. 10). Auch gegenüber Dr. med. H.________ 
bestätigte die Beschwerdeführerin, sie sei bisher weder stationär noch teil-
stationär behandelt worden, da sie sich nicht "einsperren" lasse (act. II 
105.1 S. 11). In der Beurteilung hielt die Expertin fest, in der aktuellen Blut-
untersuchung habe keines der Medikamente in einem wirksamen Bereich 
nachgewiesen werden können, was gegebenenfalls aufgrund der veränder-
ten Resorptionsphasen aufgrund des Magenbypass begründet sein könne. 
Es sollte eine Optimierung der antidepressiven Therapie unter Kontrolle der 
Blutspiegel durchgeführt werden. Es könne dadurch möglich sein, eine 
Remission/Teilremission der depressiven Symptomatik zu erreichen, was 
zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit 
von 10-20% führen könnte. Die ambulante Therapie sei weiterzuführen 
(S. 20).

Liegt der Medikamentenspiegel unterhalb des wirksamen Bereiches, 
spricht dies gegen einen erheblichen Leidensdruck (vgl. Entscheid des 
BGer vom 26. November 2018, 8C_363/2018, E. 4.3.2). Inwieweit die Re-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 19

sorptionsphasen durch den Magenbypass verändert sind – was Dr. med. 
H.________ als mögliche Erklärung für die Ergebnisse der Blutuntersu-
chung ins Feld führt, indessen keine Interpretation des Resultats anforderte 
(vgl. act. II 105.3) – ist fraglich: Jedenfalls stünde diese Einschätzung in 
Widerspruch zur Darstellung der Behandler lic. phil. J.________ und 
Dr. med. I.________, wonach eine weitere Messung vom 6. November 
2021 einen Wert im Referenzbereich der therapeutischen Wirksamkeit er-
geben habe (act. I 3), was folglich auf eine grundsätzlich ungestörte Re-
sorption schliessen liesse (vgl. auch Entscheid des BGer vom 27. Juni 
2019, 8C_134/2019, E. 4.2, welchem Fall ebenfalls eine gastrointestinale 
Operation mit Magenbypass zugrunde lag). Auch steht die Behauptung der 
Behandler, die Beschwerdeführerin sei unsicher, ob sie die Medikamente 
(wegen emotionaler Belastung im Vorfeld der Begutachtungen) lückenlos 
eingenommen habe, als solche im Raum. Indem Dr. med. H.________ 
zudem darauf hinwies, dass eine stationäre oder teilstationäre Therapie 
aufgrund des ablehnenden Verhaltens der Beschwerdeführerin bisher nicht 
umgesetzt worden sei (act. II 105.1 S. 19), ist darauf zu schliessen, dass 
die Behandler eine solche Therapie offenbar für indiziert (und damit auch 
zumutbar) hielten, was sich jedoch aufgrund der im Recht liegenden Akten 
nicht verifizieren lässt. Auch den Gutachten lassen sich keine beweismäs-
sig verwertbaren Erkenntnisse in Bezug auf die Zumutbarkeit einer (teil-
)stationären Behandlung ableiten: Während sich Dr. med. H.________ 
dazu nicht äusserte, empfahl Dr. med. M.________ (MEDAS) eine solche 
Behandlung zwar nicht, liess sich bei dieser Einschätzung jedoch massge-
blich von den diesbezüglichen Vorbehalten der Beschwerdeführerin leiten 
(act. II 88.1 S. 10; vgl. auch E. 3.9 hinten). Was schliesslich die durchge-
führte Psychotherapie anbelangt, ist aufgrund der Akten demgegenüber zu 
folgern, dass die Beschwerdeführerin den Empfehlungen der Behandler 
folgte. 

Inwieweit die Beschwerdeführerin durch Ausschöpfung sämtlicher (zumut-
barer) medizinischer Behandlungs- und weiterer therapeutischer Möglich-
keiten zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit beigetragen hat (vgl. 
Entscheid des BGer vom 8. März 2021, 9C_755/2020, E. 5.3), lässt sich 
folglich nicht abschliessend beurteilen. Insgesamt kann ein entscheidend 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 20

ins Gewicht fallender fehlender Leidensdruck aufgrund der Akten jedoch 
nicht angenommen werden. 

3.7.2.2 Sodann hat die Beschwerdeführerin an den von der Beschwerde-
gegnerin veranlassten Eingliederungsmassnahmen (BGE 141 V 281 E. 
4.3.1.2 S. 300) kooperativ teilgenommen. Gegenteiliges macht auch die 
Beschwerdegegnerin nicht geltend. Allerdings erfolgte allein eine Eingliede-
rung in den geschützten Arbeitsmarkt. Damit ist die berufliche Eingliede-
rung, welche – trotz den von der Beschwerdeführerin im Assessment 
geäusserten Bedenken gegenüber einer Arbeit mit … und ihren Angaben, 
wonach sie sich eine Tätigkeit im Hausdienst vorstellen könne (act. II 27 S. 
2) – von Anfang an auf eine Tätigkeit in der … fokussiert war (act. II 38 S. 
1), aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht als vorerst gescheitert zu 
betrachten. Allerdings wurde eine mögliche Eingliederung in einem ande-
ren und ausserhalb der … liegenden beruflichen Umfeld (vgl. act. II 29 S. 4) 
offensichtlich gar nie in Betracht gezogen, so dass von einem definitiven 
Scheitern gegenwärtig nicht gesprochen werden kann. 

3.7.3 Eine Komorbidität (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300) ist nicht ge-
geben. Die Frage nach deren Vorliegen ist spezifisch medizinischer Natur. 
Dabei ergeben sich weder aus den Gutachten noch aus den übrigen medi-
zinischen Berichten Anhaltspunkte, wonach in Bezug auf die gestellten 
Diagnosen der (komplexen) PTBS und der mittelgradigen bis schweren 
depressiven Symptomatik (ressourcenraubende) Wechselwirkungen be-
stehen. Wie in E. 3.7.1 gezeigt, besteht überdies gemäss den von Dr. med. 
H.________ im Gutachten referierten Diagnoserichtlinien eine hohe Über-
schneidung mit anderen psychischen Erkrankungen wie etwa Depressio-
nen (act. II 105.1 S. 16), womit auch die diagnostisch unterschiedliche 
Einschätzung desselben Beschwerdebildes im Raum steht, was die An-
nahme einer Komorbidität ebenso ausschlösse (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 
S. 301). Schliesslich bestehen in somatischer Hinsicht keinerlei Einschrän-
kungen (act. II 88.1 S. 7), womit auch insoweit die Annahme einer Komor-
bidität ausser Betracht fällt.

3.7.4 Zum Komplex „Persönlichkeit“ (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) 
hielt Dr. med. M.________ (MEDAS) fest, aufgrund der anamnestischen 
Angaben der Beschwerdeführerin und den Vorberichten sei nicht von einer 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 21

prämorbiden Persönlichkeitsakzentuierung auszugehen. Im Gegenteil at-
testiert sie eine "prämorbid" erhöhte Resilienz (act. II 88.4 S. 8). Auch dem 
Gutachten von Dr. med. H.________ lassen sich keine Hinweise entneh-
men, wonach die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin das funktionelle 
Leistungsvermögen (je) beeinträchtigt (hätte), was durch die Tatsache ge-
stützt wird, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit (bis 2018) 
stets uneingeschränkt leistungsfähig und trotz ihren schwierigen familiären 
und finanziellen Verhältnissen im Erwachsenenalter imstande war, erfolg-
reich eine Zweitausbildung zu absolvieren (vgl. E. 3.5.2.2 vorne). 

3.7.5 In Bezug auf den Komplex „Sozialer Kontext“ (BGE 141 V 281 
E. 4.3.3 S. 303) hielt Dr. med. M.________ (MEDAS) fest, die 
Beschwerdeführerin sei sozial weitgehend isoliert, aber durch ihre neue 
Wohnsituation auf dem F.________ immerhin in ein tragfähiges und ein 
sehr wohlwollendes soziales Umfeld eingebunden, dessen Unterstützung 
sie aber aufgrund von ausgeprägten Scham- und lnsuffizienzgefühlen nur 
bedingt in Anspruch nehmen könne (act. II 88.4 S. 8). Dr. med. 
H.________ äusserte sich zur sozialen Situation und deren Bedeutung für 
das funktionelle Leistungsvermögen nicht weiter.

Gegenüber Dr. med. M.________ gab die Beschwerdeführerin an, im Au-
gust 2020 sei sie aus der zuvor gemeinsam mit dem Sohn und dem lang-
jährigem Partner bewohnten Wohnung aus- und in den F.________ 
eingezogen. Die Trennung vom Partner habe nach über 20 Jahren kurz 
zuvor stattgefunden, mit ihm sei sie eigentlich "gemeinsam einsam" gewe-
sen, habe nie Unterstützung erhalten und stets die Verantwortung für alle 
Lebensentscheidungen allein tragen müssen. Jetzt lebe sie zusammen mit 
ihren aus dem Tierheim geretteten Katzen in einer Wohnung auf dem 
F.________ und sei dort in die Gemeinschaft eingebunden. Darüber hinaus 
pflege sie nur wenige Kontakte, zu den Geschwistern bestehe sporadischer 
Kontakt, die Mutter sei verstorben, der Vater schwer an Alzheimer erkrankt 
und erkenne sie nicht mehr (act. II 88.4 S. 3). Sie habe nur wenige soziale 
Kontakte ausserhalb des F.________ und sei aufgrund ihrer Beschämung 
auch nicht motiviert, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten (S. 4). Ge-
genüber Dr. med. H.________ gab die Beschwerdeführerin an, sie habe 
einen Bruder und eine Schwester und zu beiden einen guten Kontakt (act. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 22

II 105.1 S. 9). Ferner habe sie drei Freundinnen; mit diesen sei sie früher 
manchmal essen gegangen, was aufgrund von Corona nicht möglich sei. 
Manchmal gehe sie zu ihrer Schwester (S. 11). 

Demnach pflegt die Beschwerdeführerin durchaus soziale Kontakte. Insbe-
sondere ist sie an ihrem aktuellen Wohnort gemäss eigenen Angaben "in 
die Gemeinschaft" eingebunden. Ob – wie die Beschwerdeführerin in ihrer 
Stellungnahme vom 14. Februar 2022 geltend macht – "die … eigentlich 
eine sozialpädagogische Einrichtung" sei bzw. das Verhältnis zu ihr "immer 
noch sehr stark sozialpädagogisch geprägt" sei (vgl. S. 4 zu Ziff. 15 und 16 
der BA) ist nicht von Belang: Entscheidend ist, dass sie über soziale Kon-
takte verfügt, aus welchen sie Ressourcen schöpfen kann. Hinweise, wo-
nach ihre aktuelle Wohnsituation dergestalt mit der derzeit ausgeübten 
Tätigkeit verknüpft ist, dass die Beschwerdeführerin bei deren Aufgabe 
ihren Wohnort preisgeben müsste, bestehen nicht und dergleichen wird 
auch nicht geltend gemacht. Zudem verfügt die Beschwerdeführerin 
gemäss eigenen Angaben auch darüber hinaus über Kontakte ausserhalb 
des F.________ – so namentlich zu den Geschwistern und zu Freundin-
nen. Demnach kann entgegen Dr. med. M.________ nicht von einer weit-
gehenden sozialen Isolation ausgegangen werden. Vielmehr hält der 
Lebenskontext der Beschwerdeführerin nennenswerte (mobilisierbare) 
Ressourcen für die Bewältigung der geltend gemachten psychischen Ge-
sundheitsbeeinträchtigung bereit.

3.7.6 Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob 
die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb einerseits und in den 
sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich aus-
geprägt ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 S. 303). 

Wie in E. 3.7.5 vorne dargelegt, ist die Einschränkung im sozialen Leben 
der Beschwerdeführerin nicht dergestalt, dass damit eine 100%ige Arbeits-
unfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt validiert werden könnte. Im Übrigen hielt 
Dr. med. M.________ zwar fest, es gebe kaum positive Aktivitäten ausser-
halb der Tätigkeit auf dem F.________ und der Beschäftigung mit ihren 
Haustieren. Gewisse Hobbies könne die Beschwerdeführerin auch auf-
grund der Beeinträchtigung durch ihre psychischen Symptome nicht mehr 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 23

ausüben, beispielsweise Lesen und Handarbeiten (act. II 88.4 S. 8). Dies 
ist insofern zu korrigieren, als die Beschwerdeführerin gemäss eigenen 
Angaben durchaus Handarbeiten (Socken stricken) verrichten kann, wenn-
gleich verlangsamt (S. 4). Auch ist an dieser Stelle nochmals auf das von 
ihr gemäss eigenen Angaben gerne praktizierte Autofahren hinzuweisen, 
was nicht mit einem in erwerblicher Hinsicht gänzlich aufgehobenen funkti-
onellen Leistungsvermögen in Einklang zu bringen ist. Im Übrigen lassen 
sich weder den Gutachten noch den restlichen Akten Hinweise auf ein vor 
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erheblich höheres aussererwerbli-
ches Aktivitätenniveau entnehmen. 

3.7.7 Schliesslich weist die Inanspruchnahme von therapeutischen Opti-
onen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen 
oder eben vernachlässigt werden auf den tatsächlichen Leidensdruck hin 
(BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304). Soweit vorliegend beurteilbar (vgl. 
E. 3.7.2.1 vorne), stellt die Nutzung der therapeutischen Optionen ein Indiz 
für das Vorliegen einer gesundheitlich bedingten Einschränkung dar. Das 
Gleiche gilt hinsichtlich des Verhaltens der Beschwerdeführerin im Rahmen 
der beruflichen Eingliederung.  

3.8 Zusammenfassend ist relativ zur medizinisch-theoretisch attestier-
ten Arbeitsunfähigkeit (vgl. E. 3.6.2 vorne) aus rechtlicher Sicht nicht von 
einer hinreichenden Ausprägung der diagnoserelevanten psychiatrischen 
Befunde auszugehen. Ferner fehlen eine Komorbidität sowie persönlich-
keitsbezogene Defizite. Bei gleichzeitigem Vorliegen gewisser sozialer 
Kontakte überwiegen demnach die ressourcenbegründenden Indikatoren 
gegenüber den leistungsmindernden Faktoren in den Bereichen Behand-
lungserfolg und -resistenz (therapeutische Optionen), der Kooperation bei 
der Eingliederung sowie der (soweit überprüfbar) vorhandenen Konsistenz. 
Demnach ist eine rechtlich massgebliche Invalidität in beweismässiger Hin-
sicht derzeit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit erstellt (vgl. E. 3.6.1 vorne). 

3.9 Dieses Ergebnis bezieht sich indessen – wie dargelegt (vgl. E. 
3.6.2 vorne) – auf die aktuell ausgeübte geschützte Tätigkeit bzw. eine 
gänzliche Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Weil die im Recht lie-
genden Gutachten den rechtsprechungsgemässen Anforderungen in Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 24

zug auf eine Verweistätigkeit nicht genügen (vgl. E. 3.5.3 vorne), sind in-
dessen weitere Abklärungen vorzunehmen. Dabei ist zu beachten, dass in 
beiden Gutachten ein noch vorhandenes therapeutisches Potential festge-
stellt wurde (act. II 88.1 S. 10; 105.1 S. 20), wobei sich namentlich die Fra-
ge nach einer allfälligen stationären Behandlung aufdrängt (vgl. E. 3.7.2.1 
vorne). Ebenso ist aufgrund der gutachterlichen Feststellungen davon aus-
zugehen, dass sich eine Besserung der psychischen Beeinträchtigung erst 
nach einer gewissen Zeit einstellen wird (act. II 88.1 S. 10), so dass erst im 
Anschluss an allfällige weitere Behandlungen eine Verlaufsbegutachtung 
die vorliegend noch offenen Fragen zu klären vermag und die Anordnung 
eines Gerichtsgutachtens folglich ausser Betracht fällt. 

Demnach wird die Beschwerdegegnerin aus psychiatrischer Sicht zunächst 
zu prüfen haben, welche konkreten Behandlungs- und Wiedereingliede-
rungsmassnahmen zu einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit führen. 
Dabei wird insbesondere auch zu klären sein, inwiefern sich die aktuelle 
Wohn- und Lebensgemeinschaft in einer sozialtherapeutischen Institution 
auf den Erfolg von medizinischen und beruflichen Eingliederungsmass-
nahmen auswirkt. Soweit sich die Beschwerdeführerin bislang gegen eine 
allfällige Empfehlung der behandelnden Ärzte, sich in eine stationäre Be-
handlung zu begeben, mit den Begründungen, sie lasse sich nicht einsper-
ren (act. II 105.1 S. 11) bzw. sie würde sich deswegen schämen (act. II 
88.4 S. 8), gewehrt hat, ist sie auf ihre Schadenminderungspflicht hinzu-
weisen, wonach sie verpflichtet ist, einer allfälligen entsprechenden Anord-
nung der Massnahme Folge zu leisten. Dass die beiden Gutachterinnen die 
Beschwerdeführerin von solchen Therapieoptionen zu dispensieren schei-
nen (act. II 88.1 S. 10; 105.1 S. 20), vermag nicht zu überzeugen, geht es 
doch nicht darum, eine stationäre Behandlung zu erzwingen (act. II 88.1 S. 
10), sondern um die Frage nach deren Zumutbarkeit. 

Die Beschwerdegegnerin wird deshalb – nach Vervollständigung der medi-
zinischen Akten durch Einholung der psychiatrisch-psychologischen Be-
handlungsaufzeichnungen sowie nach Prüfung bestehender 
Behandlungsoptionen – in einem ersten Schritt mittels des Mahn- und Be-
denkzeitverfahrens (Art. 21 Abs. 4 ATSG) die Beschwerdeführerin aufzu-
fordern haben, sich adäquaten Behandlungsmassnahmen zu unterziehen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 25

Alsdann wird sie bei einer mit der Beschwerdeführerin noch nicht befassten 
Institution eine Verlaufsbegutachtung anzuordnen und hiernach über den 
Rentenanspruch neu zu befinden haben.

3.10 Zusammenfassend ist die Beschwerde dahingehend gutzuheis-
sen, dass die angefochtene Verfügung vom 9. November 2021 aufzuheben 
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie 
nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Leis-
tungsanspruch neu verfüge. Soweit weitergehend, ist die Beschwerde ab-
zuweisen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist 
der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückzu-
erstatten.

4.2

4.2.1 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Nach der Rechtsprechung gilt 
es unter dem Gesichtspunkt des (bundesrechtlichen) Anspruchs auf eine 
Parteientschädigung im Streit um eine Sozialversicherungsleistung bereits 
als Obsiegen, wenn die versicherte Person ihre Rechtsstellung im Ver-
gleich zu derjenigen nach Abschluss des Administrativverfahrens insoweit 
verbessert, als sie die Aufhebung einer ablehnenden Verfügung und die 
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu ergänzender Abklärung und 
neuer Beurteilung erreicht (BGE 137 V 57 E. 2.1 S. 61).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 26

4.2.2 Mit am 15. Februar 2022 eingereichter und nicht zu beanstanden-
der Kostennote hat Rechtsanwalt C.________ ein Honorar von Fr. 1’482.-- 
(11.4 Stunden à Fr. 130.--), Auslagen von Fr. 74.10 und die Mehrwertsteu-
er (MWST) von Fr. 119.82 geltend gemacht. Der gesamte Parteikostener-
satz wird somit auf Fr. 1'675.90 (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver-
fügung der IV-Stelle Bern vom 9. November 2021 aufgehoben und die 
Sache wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – 
nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu ver-
füge. Soweit weitergehend, wird die Beschwerde abgewiesen. 

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. 

3. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird der Beschwerde-
führerin nach Rechtskraft des Urteils zurückerstattet.

4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 1'675.90 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

5. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2022, IV/21/856, Seite 27

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.