# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a66f50fd-8684-5f6e-8bed-912180bc172f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-03-31
**Language:** de
**Title:** ÜBERNAHME KOSTEN EINER HÜFTOPERATION DURCH IV ALS MEDIZINISCHE MASSNAHME
**Docket/Reference:** IV.2009.00879
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2009.00879.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2009.00879
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann als Einzelrichter
Gerichtsschreiber Brugger
Urteil vom 31. März 2011
in Sachen
SWICA Krankenversicherung AG
SWICA Gesundheitsorganisation, Rechtsdienst,
lic
. iur.
X.___
Römerstrasse 38, 8401 Winterthur
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Y.___
Beigeladener
Sachverhalt:
1.
1.1
Y.___
, geboren 1950, ist seit April 1988 als Kommissionierer beim
Z.___
angestellt (Urk. 7/22 Ziff. 2.1, 2.7 und 3, Urk. 1 S. 3 Ziff. III.1).
Am 19. Februar 2007 wurde ihm im linken Hüftgelenk eine
Hüfttotal
endo
pro
the
se
eingesetzt (Urk. 7/8/5). Am 6. November 2007 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung an und beantragte die Kostenübernahme der Hüft
operation durch die Invalidenversicherung (Urk. 7/1, Urk. 7/2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (Urk. 7/8) und einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 7/7) ein. Mit Verfügung vom 23. Juni 2008 lehnte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für die Operation ab (Urk. 7/11).
Gegen die Verfügung vom 23. Juni 2008 erhob die Swica Krankenversicherung AG (nachfolgend: Swica) am 25. August 2008 Beschwerde beim Sozial
versicherungs
gericht des Kantons Zürich (Urk. 7/16/3-10). Mit Verfügung vom 9. Oktober 2008 hob die IV-Stelle die Verfügung vom 23. Juni 2008 wieder
erwägungsweise auf und stellte weitere Abklärungen in Aussicht (Urk. 7/17). Mit Urteil vom 9. Dezember 2008 nahm das Sozialversicherungsgericht von der Aufhebung der Verfügung vom 23. Juni 2008
Vormerk
und hiess die Beschwer
de in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zur Durchführung ergänzender medizinischer Abklärungen zurückwies (Urk. 7/26 S. 2).
1.2
Die IV-Stelle holte weitere medizinische Berichte (Urk. 7/23, Urk. 7/27) und einen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/22) ein und unterbreitete die Akten ihrem Regional
ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme (Urk. 7/29, Urk. 7/35). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 7/30-35) lehnte die IV-Stelle eine Kostengutsprache mit Verfügung vom 31. Juli 2009 erneut ab (Urk. 7/36 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 31. Juli 2009 (Urk. 2) erhob die Swica am 14. Septem
ber 2009 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, die Kosten für die Hüfttotalprothese des Versicherten zu übernehmen (Urk. 1 S. 2 oben). Mit Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2009 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2009 lud das Gericht den Versicherte zum Prozess bei und stellte der Swica die Beschwerdeantwort zu (Urk. 8 Dispositiv
Ziff. 1-3). Der Versicherte liess sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen, womit Verzicht darauf anzunehmen ist.
Am 11. März 2011 (Urk. 12) reichte die Swica dem Gericht den Versicherten betreffende Leistungsblätter ein (Urk. 13/1-14).
Der Einzelrichter
zieht in Erwägung:
1.
Nach den von der Beschwerdeführerin eingereichten Leistungsblättern (Urk. 13/8) belaufen sich die im Zusammenhang mit der Operation im Spital
A.___
entstandenen Behandlungskosten des Beigeladenen auf Fr. 6'286.40 (Fr. 5'899.-- + Fr. 387.40).
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 6. Oktober 2006, der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
) vom 28. September 2007, des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) sowie das Bundesgesetz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (
NFA
) vom 6. Oktober 2006 in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467
Erw
. 1, 126 V 136
Erw
. 4b, je mit Hin
weisen). Die angefochtene Verfügung ist am 31. Juli 2009 ergangen, allerdings ist mit der im Februar 2007 erfolgten Operation ein Sachverhalt zu beurteilen, der sich vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 verwirklicht hat. Daher ist entsprechend den allgemeinen intertemporal
rechtlichen Regeln auf die bis 31. Dezember 2007 gelten
den Bestim
mun
gen abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 7. Juni 2006 in Sachen M., I 428/04,
Erw
. 1).
2.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) unmittelbar bedrohte Versicher
te haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese not
wendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbes
sern; der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Dabei ist die gesamte noch zu erwartende Arbeitsdauer zu berücksichtigen.
2.3
Versicherte haben gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG Anspruch auf medizinische Mass
nahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmit
telbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentli
cher Beeinträchtigung zu bewahren.
2.4
Behandlung des Leidens an sich ist rechtlich jede medizinische Vorkehr, sei sie auf das Grundleiden oder auf dessen Folgeerscheinungen gerichtet, solange labiles pathologisches Geschehen vorhanden ist. Eine solche Vorkehr bezweckt nicht unmittelbar die Eingliederung. Durch den Ausdruck labiles pathologisches Geschehen wird der juristische Gegensatz zu wenigstens relativ stabilisierten Verhältnissen hervorgehoben. Erst wenn die Phase des labilen pathologischen Geschehens insgesamt abgeschlossen ist, kann sich - bei Versicherten mit vollendetem 20. Altersjahr - die Frage stellen, ob eine medizinische Vorkehr Eingliederungsmassnahme sei. Die Invalidenversicherung übernimmt in der Regel nur unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur stabiler Defekt
zustände oder Funktionsausfälle gerichtete Vorkehren, sofern sie die Wesent
lich
keit und Beständigkeit des angestrebten Erfolges im Sinne von Art. 12 Abs. 1 IVG voraussehen lassen. Dagegen hat die Invalidenversicherung eine Vorkehr, die der Behandlung des Leidens an sich zuzuzählen ist, auch dann nicht zu übernehmen, wenn ein wesentlicher Eingliederungserfolg voraus
gesehen werden kann. Der Eingliederungserfolg, für sich allein betrachtet, ist im Rahmen von Art. 12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium, zumal praktisch jede ärztliche Vorkehr, die medizinisch erfolgreich ist, auch im erwerb
lichen Leben eine entsprechende Verbesserung bewirkt (BGE 120 V 279
Erw
. 3a mit Hinweisen;
AHI
2003 S. 104
Erw
. 2, 2000 S. 64
Erw
. 1, S. 295
Erw
. 2a und S. 298
Erw
. 1a je mit Hinweisen).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den Standpunkt, die Abklärungen hätten ergeben, dass die Implantation einer Hüftprothese links beim Beigelade
nen
entsprechend der Indikation im Operationsbericht in erster Linie aufgrund der durch die
Coxarthrose
bedingten Schmerzen, bei relativer Kontraindikation für eine protrahierte Einnahme von
NSAR
, durchgeführt worden sei. Deshalb sei in erster Linie von einer Leidensbehandlung auszugehen und es liege keine unmittelbar auf die Eingliederung gerichtete Massnahme vor. In der Regel stellten nur gelenkversteifende Operationen Massnahmen nach Art. 12 IVG dar (Urk. 2 S. 1).
3.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, der Beigeladene sei vom 16. bis 28. Feb
ruar 2007 im Spital
A.___
hospitalisiert gewesen und ab dem 17. September 2007 in seiner angestammten Tätigkeit als Lagerist wieder zu 100 % arbeits
fähig gewesen (Urk. 1 S. 3 Ziff. III.1).
Das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht habe im Entscheid in Sachen O. vom 29. September 2005, I 426/04, festgestellt, dass der medizinische Erfolg von
Endoprothesen
-Operationen nicht mehr auf 5-10 Jahre, sondern auf 15
20 Jahre geschätzt werden müsse. Damit hätten sich die invalidenversiche
rungs
rechtlichen Eingliederungschancen eindeutig verbessert, weshalb die Opera
tion samt Folgebehandlungen als medizinische Eingliederungsmassnahme zu übernehmen sei. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die voraussichtliche Aktivitätsdauer des Beigeladenen (Jahrgang 1950) unter Würdigung der medizi
nischen Erfolgsdauer der Prothese die Dauerhaftigkeitsschwelle klar und eindeu
tig überschreite (Urk. 1 S. 6 f. Ziff. 2).
Die Beurteilung der Beschwerdegegnerin sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Es sei darauf hinzuweisen, dass Dr. med.
B.___
die Frage nach Neben
befunden, welche den Eingliederungserfolg in Frage stellen würden, unbeant
wor
tet gelassen habe. Daraus könne geschlossen werden, dass aus Sicht von Dr.
B.___
keine solchen Nebenbefunde vorliegen würden (Urk. 1 S. 7 Ziff. 3). Der RAD-Arzt Dr. med.
C.___
begründe in seiner Stellungnahme keinen leis
tungs
ausschliessenden Nebenbefund. Ein durch Arthrose
schwerst
ge
schädig
tes Hüftgelenk könne seine Funktion nicht mehr erfüllen. Dass diese funktionelle Störung durch starke Schmerzen gekennzeichnet sei, liege in der Natur der Sache und könne nicht in jedem Fall als leistungsausschliessender Faktor genannt werden. Nach Ansicht von Dr.
B.___
sei die Funktionseinschränkung des Hüftgelenkes und nicht die Kontraindikation für die Einnahme von
NSAR
ausschlaggebend für die Implantation der Prothese gewesen (Urk. 1 S. 8 unten).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Kosten der Hüftoperation vom 19. Februar 2007 nach Art. 12 IVG (in der Fassung, die bis Ende 2007 in Kraft stand) durch die Invalidenversicherung zu übernehmen sind.
4.
4.1
Bei dem Beigeladenen wurde am 19. Februar 2007 im Spital
A.___
im linken Hüftgelenk eine
Hüfttotalendoprothese
eingesetzt (Urk. 7/8/5 oben).
Der operierende Arzt, Dr. med.
B.___
, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte im Operations
bericht vom 20. Februar 2007 (Urk. 7/8/5-6) zur Indikation aus, der Patient sei zunehmend gestört durch Schmerzen in der linke Hüfte mit Ausstrahlung ins Kniegelenk. Die Arbeitsfähigkeit sei zunehmend eingeschränkt. Er sei regel
mässig auf die Einnahme von
NSAR
angewiesen. Zusätzlich bestehe ein Zustand nach Nierentuberkulose mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen
Coxarthrose
sei die Indikation für eine Hüft-Totalprothese links gegeben (S. 1 Mitte).
4.2
Dr.
B.___
stellte in einem Bericht vom 15. August 2007 (Urk. 7/8/9) post
operativ fest, der Beigeladene berichte weiterhin über eine deutliche Verbesse
rung der vorher geklagten Schmerzproblematik im Bereich der linken Hüfte. Gehen sei stockfrei möglich. Insgesamt bestehe ein guter Verlauf. Die Wieder
aufnahme der Arbeit mit einem Pensum von 50 % sei für den 15. August 2007 geplant.
4.3
Dr.
B.___
nannte in einem weiteren Bericht vom 20. Februar 2008 (Urk. 7/8/4) als Diagnosen (Ziff. 2):
-
Symptomatische
Coxarthrose
links
-
Hüft-Totalprothese links am 19. Februar 2007
-
Status nach
Nephrektomie
rechts wegen Urogenital-Tbc 2003
-
metabolisches Syndrom
-
arterielle Hypertonie
Dr.
B.___
führte weiter aus, von der Operation bis zum 14. August 2007 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und ab dem 15. August 2007 eine solche von 50 % bestanden. Ab dem 17. September 2007 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (Ziff. 3).
Dr.
B.___
berichtete am 27. Mai 2008 (Urk. 7/23/4), der Beigeladene sei ein Jahr nach der Operation mit dem erreichten Ergebnis sehr zufrieden. Er arbeite problemlos zu 100 %. Nach längerem Gehen bemerke er eine leichte Ermüdung des linken Beines. Sonst klage er über keine Einschränkungen. Treppensteigen sei problemlos möglich. Es bestehe ein erfreulicher postoperativer Verlauf. Man habe dem Beigeladenen eine Gewichtsreduktion empfohlen.
4.4
Dr.
B.___
nahm am 23. Januar 2009 (Urk. 7/27/1) zu den Fragen der Beschwer
de
gegnerin (Urk. 7/27/3) Stellung. Dr.
B.___
führte aus, die letzte Kontrolle bei ihm habe am 27. Mai 2008 stattgefunden. Der Beigeladene habe durch die Hüftoperation bei schwer invalidisierender
Coxarthrose
eine Arbeits
fähigkeit von 100 % wiedererlangt (Ziff. 1). Eine Hüfttotalprothese halte je nach Belastungsausmass zirka 15 Jahre, manchmal auch deutlich länger. Der Bei
geladene sei heute 58-jährig. Die Prothese sollte sicherlich die ausstehende Arbeitsbelastung aushalten. Anlässlich der radiologischen Kontrolle sei fest
gestellt worden, dass auch die rechte Seite bereits stark in Mitleidenschaft gezogen sei. Möglicherweise komme es auf der rechten Seite zu einer De
kompensation. Der Beigeladene habe die Arbeit im Lager zu 100 %
wieder aufgenommen
. Insofern sei der Eingliederungserfolg gut. Im September 2007 sei die volle Belastbarkeit erreicht worden in einem eher körperlich schweren Beruf (Ziff. 2-3).
4.5
RAD-Arzt Dr. med.
C.___
, Facharzt Anästhesiologie FMH, führte in einer Stellungnahme vom
11. Februar 2009 (Urk. 7/29) aus, nach dem Arztbericht von Dr.
B.___
vom 23. Januar 2009 bestehe in einem eher körperlich schwe
ren Beruf im Lager seit September 2007 eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Der Be
schreibung der Indikation im Operationsbericht vom 20. Februar 2007 sei nicht zu entnehmen, dass die Operation primär als Integrationsmassnahme durch
ge
führt worden sei, da an erster Stelle der Indikation die störenden Schmerzen erwähnt würden, die zur regelmässigen Einnahme von
NSAR
ge
führt hätten. Die erwähnte Nierenfunktionsstörung müsse aus medizinischer Sicht als relative Kontraindikation zur protrahierten Einnahme von
NSAR
betrach
tet werden. Die Operation vom 19. Februar 2007 sei entsprechend der Indikationsbeschreibung im Operationsbericht in erster Linie aufgrund der durch die
Coxarthrose
beding
ten Schmerzen bei relativer Kontraindikation für eine protrahierte Einnahme von
NSAR
durchgeführt worden. Deshalb sei aus medizinischer Sicht von einer Leidensbehandlung auszugehen.
4.6
Dr.
C.___
erklärte in einer weiteren Stellungnahme vom 3. Juli 2009 (Urk. 7/35), bei dem Beigeladenen sei ein Status nach Nierentuberkulose mit eingeschränk
ter Nierenfunktion bekannt. Aus medizinischer Sicht stelle dies eine relative Kontraindikation für eine protrahierte Einnahme von
NSAR
dar. Im Kreis
schreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
versicherung (
KSME
) werde unter
Rz
. 732/932.5 explizit festgehalten, dass das Einsetzen von
Endoprothesen
unabhängig vom Alter der versicherten Person
keine medizinische Eingliederungsmassnahme darstelle (S. 1). Bei der Implanta
tion der Hüftprothese habe es sich aus medizinischer Sicht eindeutig um eine Behandlung des Leidens an sich gehandelt (S. 2).
5.
5.1
Nach der Praxis gelten im Hinblick auf
Coxarthrose
-Operationen (insbesondere Osteotomien,
Arthrodesen
, Total-
Endoprothesen
) die Gesundheitsverhältnisse vor dem Eingriff nicht mehr als labil, wenn im mehr oder weniger zerstörten Hüftgelenk ein relativ stabilisierter Enddefekt erblickt werden kann, obschon genau genommen nicht immer bereits ein stabiler Defektzustand vorliegt. Solche Operationen sind daher gemäss der Rechtsprechung des damaligen Eid
genössischen Versicherungsgerichts durch die Invalidenversicherung als medizi
nische Eingliederungsmassnahme zu übernehmen, sofern sie den pathologisch-anatomischen Zustand des Skelettes als Ursache der
unphysiologischen
Be
anspru
chung und die sekundären Symptome dauerhaft sanieren. In diesen Fällen sind aber strenge Anforderungen an die übrigen Voraussetzungen - die Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des angestrebten Eingliederungserfolges - zu stellen (BGE 101 V 47 f.
Erw
. 1b, 98 V 34
Erw
. 2).
Dauernd im Sinne von Art. 12 Abs. 1 IVG ist der von einer medizinischen Einglie
derungsmassnahme zu erwartende Eingliederungserfolg, wenn die kon
kre
te Aktivitätserwartung gegenüber dem statistischen Durchschnittswert nicht wesentlich herabgesetzt ist (BGE 101 V 50
Erw
. 3b; Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts in Sachen S. vom 25.
Mai 2004, I 87/03,
Erw
. 1.3).
Das Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (
KSME
) sieht diesbezüglich vor: „Arthrosen sind degene
ra
tive Leiden und stellen als solche labiles pathologisches Geschehen dar“ (
Rz
732/932.1 Satz 1). „Das Einsetzen von
Endoprothesen
stellt unabhängig vom Alter der Versicherten angesichts der gegenwärtigen Erfahrungen bezüg
lich der Dauerhaftigkeit des Erfolges keine medizinische Eingliederungs
mass
nah
me dar. Dies gilt auch für die neue Generation der zementfrei verankerten Prothesen“ (
Rz
732/932.5).
5.2
Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat in den Entscheiden in Sachen S. vom 25.
Mai 2004, I 87/03,
Erw
. 3.1, und vom 29. September 2005, in Sachen O. I 426/04, erkannt, dass beim damaligen Stand der
Medizinaltechnik
für die Beurteilung der Dauerhaftigkeit einer Prothese nicht mehr auf das Gutachten von 1975 oder auf den Bericht der Arbeitsgruppe
Schär
von 1980 abgestellt werden
könne, welche den medizinischen Erfolg von
Endoprothesen
-Operationen auf 5-10 Jahre veranschlagten. Auf diesen Unterlagen basierten die Grundsatzurteile des Bundesgerichts BGE
101
V
43
und 106 V 80. Die Beschwer
de
gegnerin hatte anlässlich der Wiedererwägungsverfügung vom 9. Oktober 2008 zu Recht festgestellt, dass nach den zitierten Entscheiden des Eidgenössi
schen Versicherungsgerichts
die Übernahme der Kosten einer Hüfttotalprothese nicht allein mit der Begründung gemäss
KSME
Rz
732/932.5 abgewiesen werden kann (vgl. Urk. 7/18 S. 1 unten).
5.3
Dr.
B.___
beschrieb in der Stellungnahme vom 23. Januar 2009 auf Anfrage der Beschwerdegegnerin eine vor der Hüftoperation schwer invalidisierende
Coxarthrose
(Urk. 7/27/1 Ziff. 1). Dr.
B.___
schätzte das Belastungsmass der Prothese auf eine Dauer von zirka 15 Jahren (Urk. 7/27/1 Ziff. 2). Das Kriterium der Dauerhaftigkeit der Massnahme ist bei dem heute 60 Jahre alten Beigelade
nen zu bejahen. Zu berücksichtigen ist weiter, dass der Beigeladene seine Arbeit als Kommissionierer nach der Operation zu 100 %
wieder aufnehmen
konnte. Anhaltspunkte für die Aktivitätsdauer des Beigeladenen herabsetzende krank
hafte Nebenbefunde liegen nicht vor.
5.4
Die medizinischen Akten lassen bei einer vor der Hüftoperation als schwer invalidisierend beschriebenen
Coxarthrose
auf einen relativ stabilisierten End
defekt des linken Hüftgelenkes schliessen. Weitere Abklärungen des medizini
schen Sachverhalts erübrigen sich. Die Beschwerdeführerin bemerkte zu Recht, dass die Arthrose notwendigerweise mit Schmerzen für den Beigeladenen ver
bunden war. Dass die Operation einzig wegen der Schmerzen erfolgte, trifft nicht zu, nachdem Dr.
B.___
im Operationsbericht namentlich auf die fort
geschrittene
Coxarthrose
hingewiesen hatte (Urk. 7/8/5 Mitte), womit mit dem behandelnden Arzt eine hinreichende Indikation für das Einsetzen einer Hüft
prothese bestand. Die gegenteilige Beurteilung durch Dr.
C.___
, wonach die Operation im Zusammenhang mit dem Schmerzen zu sehen und weshalb von einer Behandlung des Leidens an sich auszugehen sei, vermag dagegen nicht zu überzeugen.
Der medizinische Sachverhalt erweist sich zusammenfassend als dahingehend erstellt, dass im Hinblick auf die am 19. Februar 2007 bei dem Beigeladenen eingesetzte
Totalendoprothese
von einem relativ stabilisierten Enddefekt des linken Hüftgelenkes und nicht von einer Behandlung des Leidens an sich auszugehen ist. Die Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit der Massnahme sind als erfüllt anzusehen. Die Voraussetzungen von Art. 12 Abs. 1 IVG sind demnach erfüllt, womit die Kosten der Behandlung von der Invalidenversicherung zu übernehmen sind.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Von der Zusprechung einer Prozessentschädigung an die in ihrer Eigenschaft als Krankenkasse und mithin als Organisation mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben prozessierende Beschwerdeführerin ist abzusehen (vgl. BGE 112 V 361
Erw
. 6 mit Hinweisen).
Der Einzelrichter erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 31. Juli 2009 aufgehoben und es wird, festgestellt, dass der Beigeladene Anspruch auf Kostenübernahme der am 19. Februar 2007 erfolgten Hüftoperation als medizinische Massnahmen der Inva
liden
versicherung hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
SWICA Krankenversicherung AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage je
einer Kopie von Urk. 13/1-14
-
Y.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zu
zustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der EinzelrichterDer Gerichtsschreiber
MosimannBrugger