# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e278403-91f0-5ccd-8fc1-80a9aa1b9a42
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-29
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 29.03.2022 OH 2021/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2021-1_2022-03-29.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2021/1

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 25.07.2022

Entscheiddatum: 29.03.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 29.03.2022
Art. 22 Abs. 1 und Art. 23 OHG. Für die Bemessung der Genugtuung an die 
Angehörige im Falle der Tötung ist insbesondere die Intensität der 
Beziehung zwischen der getöteten Person und deren Angehörige, die 
direkten Folgen der Tat und der Tathergang massgebend (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. März 2022, OH 
2021/1).

Entscheid vom 29. März 2022

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann und 

Corinne Schambeck; Gerichtsschreiberin Marsha Karas

Geschäftsnr.

OH 2021/1

Parteien

A.___,

Rekurrentin,

gegen

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 

9001 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Vorinstanz,

Gegenstand

Genugtuung

Sachverhalt

A.  

Am 6. April 2021 stellte A.___, vertreten durch die Beratungsstelle Opferhilfe SG-

AR-AI, beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen (nachfolgend: 

SJD) ein Gesuch um Genugtuung in Höhe von Fr. 15'000.-- (act. G3.1).

A.a. 

Die Mutter der Gesuchstellerin, B.___ sel., war Opfer eines Tötungsdeliktes 

geworden. Dem Entscheid des Kreisgerichts C.___ vom 9. Dezember 2020 ist zu 

entnehmen, dass sich der Täter mit B.___ sel. in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 

2018 in den Luftschutzkeller der von ihm bewohnten Liegenschaft begab, da er sich 

vom Teufel verfolgt fühlte. Der Täter habe geglaubt, vom Teufel getötet und gefressen 

zu werden. Um dies zu verhindern, habe er B.___ sel. mehrere Schnittverletzungen an 

den Unterarmen und sechs Stichverletzungen im Brustkorbbereich zugefügt. B.___ sel. 

ist infolge der vom Täter zugefügten Verletzungen am Tatort verstorben (act. G3.1.3, S. 

4 f.). Das Kreisgericht C.___ sprach den Täter infolge nicht selbst verschuldeter 

Schuldunfähigkeit vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei und ordnete eine 

stationäre therapeutische Massnahme an. Der Täter wurde verpflichtet, A.___ eine 

Genugtuung von Fr. 15'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit 16. Mai 2018 zu bezahlen 

(act. G3.1.3, S. 31). Zur Beurteilung der Genugtuungsansprüche zog das SJD 

zusätzlich eine Aktennotiz der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Region C.___ 

(nachfolgend: KESB) bei (act. G 3.3.1).

A.b. 

Mit Verfügung vom 18. Juni 2021 sprach das SJD A.___ eine Genugtuung von Fr. 

10'000.-- zu. Im Mehrbetrag wies es das Gesuch ab. Zur Begründung führte das SJD 

aus, es sei nachvollziehbar, dass die Gesuchstellerin durch den plötzlichen und 

gewaltsamen Tod ihrer Mutter eine schwere Belastungssituation erlebt und sich in der 

Folge psychische Beschwerden entwickelt hätten. Im Tatzeitpunkt sei die 

A.c. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

Erwägungen

1.  

Gesuchstellerin 2_-jährig gewesen und habe seit längerer Zeit nicht mehr mit ihrer 

Mutter zusammengelebt. Die Mutter der Gesuchstellerin sei erst kurz vor dem 

Tötungsdelikt nach einem mehrjährigen Aufenthalt in D.___ wieder in die Schweiz 

zurückgekehrt. Während des Auslandaufenthaltes habe praktisch kein Kontakt 

zwischen der Mutter und der Gesuchstellerin bestanden. Die Beziehung zwischen der 

Gesuchstellerin und ihrer Mutter könne daher nicht als besonders eng gelten, auch 

wenn sich die Gesuchstellerin nach der Rückkehr ihrer Mutter in die Schweiz intensiv 

um sie gekümmert habe (act. G1.1).

Gegen diese Verfügung richtet sich der Rekurs vom 1. Juli 2021. A.___ 

(nachfolgend: Rekurrentin) beantragt die Ausrichtung einer Genugtuung in der Höhe 

von Fr. 15'000.--. Zur Begründung macht sie sinngemäss geltend, die Vorinstanz habe 

die Genugtuung im Minimum der definierten Bandbreite zugesprochen und den 

Umständen, die sie und ihre Mutter betreffen, zu wenig Rechnung getragen. Ihre Mutter 

und sie hätten es im Leben nicht immer einfach gehabt, aber das Verhältnis zwischen 

ihnen sei immer sehr eng gewesen (act. G1).

B.a. 

Mit Vernehmlassung vom 5. August 2021 beantragt die Vorinstanz die Abweisung 

des Rekurses (act. G3).

B.b. 

Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten 

(Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5) hat jede Person Anspruch auf Unterstützung nach 

diesem Gesetz, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder 

sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer). Anspruch auf 

Opferhilfe haben auch die Angehörigen, insbesondere die Kinder des Opfers. Der 

Anspruch besteht unabhängig davon, ob der Täter ermittelt worden ist, sich schuldhaft 

verhalten, vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 1 Abs. 2 und Abs. 3 OHG). 

Unter einer Straftat ist ein tatbestandsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinne des 

Strafgesetzbuches zu verstehen. Im Unterschied zum Strafrecht muss dieses Verhalten 

im Opferhilferecht jedoch nicht zusätzlich schuldhaft sein, um eine dadurch 

1.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.  

geschädigte Person als Opfer anzuerkennen (Peter Gomm/Dominik Zehntner, 

Opferhilferecht, 4. Aufl. 2020, Art. 1 N 4).

Gemäss Art. 22 Abs. 1 OHG haben das Opfer und seine Angehörigen Anspruch 

auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt. Artikel 47 

und 49 des Obligationenrechts (Bundegesetz betreffend die Ergänzung des 

Schweizerischen Zivilgesetzbuches, Fünfter Teil: Obligationenrecht; OR; SR 220) und 

damit die von den Zivilgerichten entwickelten Grundsätze zur Bemessung der 

Genugtuung sind sinngemäss anwendbar (BGE 132 II 117 E. 2.2.1 mit Hinweis). Zweck 

der Genugtuung im Sinne des Opferhilferechts ist die Abgeltung einer immateriellen 

Unbill, die dem Opfer oder seinen Angehörigen aus der Straftat und deren Folgen 

erwächst (Gomm/ Zehntner, a.a.O., Art. 22 N 6).

1.2. 

B.___ sel. ist Opfer eines Tötungsdeliktes geworden. Als Tochter des Opfers hat 

die Rekurrentin demnach unstreitig einen grundsätzlichen Anspruch auf Leistungen 

nach dem Opferhilfegesetz. Die Vorinstanz hat den Anspruch der Rekurrentin auf 

Genugtuung im Grundsatz bejaht. Umstritten und zu klären ist einzig die Höhe der 

Genugtuung.

1.3. 

Die Bemessung der Genugtuung erfolgt nach der Schwere der Beeinträchtigung 

und beträgt für Angehörige höchstens Fr. 35'000.-- (Art. 23 Abs. 1 und 2 OHG). Unter 

Beeinträchtigung ist dabei, wie im Zivilrecht, die Verletzung der persönlichen 

Verhältnisse bzw. das konkrete Ausmass des Eingriffes in die Persönlichkeitsrechte zu 

verstehen. Abzustellen ist auf die objektive Schwere und die subjektiven Auswirkungen 

des Eingriffs in das verletzte Rechtsgut der betroffenen Person (Gomm/ Zehntner, 

a.a.O., Art. 23 N 6; vgl. BGE 132 II 117 E. 2.2.2 zu Art. 47 OR). Nicht massgeblich sind 

täterbezogene Faktoren wie die Art der Straftat und das Verschulden des Täters (BGE 

132 II 117 E. 2.2.4 und 2.4.3; Botschaft des Bundesrates vom 9. November 2005 zur 

Totalrevision des OHG, BBl 2005 7165 ff., 7224, Ziff. 2.3.2; nachfolgend: Botschaft 

OHG).

2.1. 

Die Höhe der Summe, die als Abgeltung immaterieller Unbill in Frage kommt, lässt 

sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen. Die Festsetzung der Höhe 

der Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit und lässt den kantonalen 

Behörden einen weiten Ermessensspielraum. Das Bundesgericht lehnt eine allzu 

schematische Bemessung der Genugtuung ab und stellt die Einzelfallgerechtigkeit in 

den Vordergrund (vgl. Urteil des Bundesgerichtes vom 23. April 2020, 1C_320/2019, 

E. 4.3; Gomm/Zentner, a.a.O., Art. 23 N 1 und 5 f.).

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.  

Im Unterschied zum Zivilrecht besteht bei der Bemessung einer Genugtuung nach 

dem Opferhilferecht die Besonderheit, dass es sich bei dieser nicht um eine Leistung 

aus Verantwortlichkeit des (oft mittellosen oder nicht greifbaren) Täters, sondern um 

eine staatliche Hilfeleistung handelt, die von der Allgemeinheit bezahlt wird (BGE 132 II 

117 E  2.2.4 mit Hinweisen). Der Gesetzgeber beabsichtigte nicht, dem Opfer eine 

volle, umfassende und bedingungslose Wiedergutmachung des erlittenen Schadens zu 

garantieren, als er das im OHG vorgesehene Entschädigungssystem geschaffen hat 

(Pra 2004 Nr. 4 [BGE 129 II 312 E. 2.3] mit Hinweis). Mit der Einführung von 

Höchstgrenzen (Art. 23 Abs. 2 OHG) fallen die opferhilferechtlichen Genugtuungen in 

der Bemessung generell tiefer aus, als die zivilrechtlichen (Urteile des Bundesgerichtes 

vom 23. April 2020, 1C_320/2019, E. 4.3, und vom 28. November 2017, 1C_82/2017, 

E. 2; Gomm/Zehntner, a.a.O., Art. 22 N 7; Botschaft OHG, 7184, Ziff. 1.2.2). Eine 

Reduktion gegenüber der zivilrechtlichen Genugtuung rechtfertigt sich namentlich, 

wenn diese aufgrund von subjektiven, täterbezogenen Merkmalen (z.B. besonders 

skrupellose Art der Begehung der Straftat) erhöht worden ist (BGE 132 II 117 E. 2.2.4 

mit Hinweisen). Die nach dem Privatrecht üblicherweise gewährten Beträge können 

jedoch einen Hinweis darauf geben, welche Beeinträchtigungen höhere Genugtuungen 

rechtfertigen (Urteil des Bundesgerichtes vom 28. Januar 2016, 1C_542/2015, E. 3.2). 

Im Sinne eines Richtwertes kann von 60 bis 70 % der durchschnittlichen zivilrechtlich 

zugesprochenen Genugtuung im Präjudizienvergleich bzw. der im konkreten Einzelfall 

straf- oder zivilrechtlich zugesprochenen Genugtuung ausgegangen, mithin eine 

Kürzung von 30 bis 40 % vorgenommen werden (Gomm/Zehntner, a.a.O, Art. 23 N 8 f.; 

vgl. auch Urteil des Bundesgerichtes vom 28. Januar 2016, 1C_542/2015, E. 4.2 f.).

2.3. 

Das Bundesamt für Justiz hat im Oktober 2019 einen Leitfaden zur Bemessung der 

Genugtuung nach Opferhilfegesetz (nachfolgend: Leitfaden) erstellt. Darin hat es einen 

Rahmen für die Bemessung der Genugtuungsleistungen für Angehörige festgelegt. Für 

den Tod eines Elternteils sieht der Leitfaden eine Bandbreite von Fr. 10'000.-- bis 

Fr. 35'000.-- vor. Beträge in der Nähe des Höchstbetrages sind Personen vorbehalten, 

die besonders schwere Änderungen in ihrer Lebensweise erleiden mussten und bei 

denen eine besonders intensive Beziehung zum Opfer bestanden hatte (Gomm/ 

Zehntner, a.a.O., Art. 23 N 27 mit Hinweis auf den Leitfaden S. 19, vgl. auch Urteil des 

Bundesgerichts vom 23. September 2021, 1C_184/2021, E. 3.2 mit Hinweisen).

3.1. 

Für die Bemessung der Genugtuung an die Angehörige im Falle der Tötung ist 

insbesondere die Intensität der Beziehung zwischen der getöteten Person und deren 

Angehörige massgebend. Auf eine intensive Bindung wird im Allgemeinen anhand des 

3.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verwandtschaftsgrades geschlossen (Botschaft OHG, 7224, Ziff. 2.3.2). Die Höhe der 

zu sprechenden Summe hängt massgeblich vom Ausmass der Beeinträchtigung des 

tatsächlichen Nähegefühles zwischen der getöteten Person und der gesuchstellenden 

Person im Zeitpunkt der Tötung ab. Dabei kommt der Tatsache, ob die 

gesuchstellende Person mit dem Opfer zusammengewohnt hat, regelmässig eine 

grosse Bedeutung zu, weil darin ein wichtiger Anhaltspunkt für die Intensität einer 

Beziehung liegt (Urteil des Bundesgerichtes vom 10. September 2010, 1C_32/2010, 

E. 2.4 mit Hinweisen; Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder, Genugtuungspraxis 

Opferhilfe, Die Höhe der Genugtuung nach dem revidierten OHG, in: Jusletter vom 

1. Juni 2015, Rz. 10). Als weitere Indizien dienen auch das Bestehen eines 

Abhängigkeits- oder Verantwortlichkeitsverhältnis (z.B. bei minderjährigen Kindern), 

das Alter des Opfers sowie der Angehörigen und die Regelmässigkeit von Kontakten 

(Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder, a.a.O., Rz. 10).

Mit zunehmendem Alter, dem Auszug aus der elterlichen Wohnung und der 

Gründung einer eigenen Familie lockern sich in der Regel die affektiven Bindungen 

eines Kindes zu den Eltern. Bei erwachsenen Kindern, die nicht mehr bei ihren Eltern 

wohnen, geht man von einer geringen Intensität der zerstörten Beziehung und damit 

verbunden von kleinerer immaterieller Unbill aus. Haben die Kinder bereits eine eigene 

Familie gegründet, verlagert sich der Lebensmittelpunkt weg von den Eltern (Hütte/

Landolt, Genugtuungsrecht, Band 1, 2013, S. 110).

3.2.1. 

Wenn auch die täterbezogenen und tatrelevanten Unrechtskriterien – wie z.B. 

das Verschulden des Täters – bei der Bemessung einer Genugtuung nach OHG 

grundsätzlich aussen vor bleiben müssen, so sind die Umstände der Tat doch insofern 

zu berücksichtigen, als sie sich intensiver belastend auf die Persönlichkeit der 

Angehörigen auswirken. So können etwa eine besonders verwerfliche Tatausführung 

sowie eine besondere Tragik des schädigenden Ereignisses wie beispielsweise ein 

Tötungsdelikt an Weihnachten oder bei Gelegenheit eines Familienfestes ebenso wie 

die Plötzlichkeit eines schädigenden Ereignisses die Intensität der Verletzung 

beeinflussen (vgl. Hütte/Landolt, a.a.O., S. 75 f.). Konnte der Täter oder die Täterin 

nicht ermittelt und verurteilt werden, ist der Tod unter besonders schrecklichen 

Umständen erfolgt oder der oder die Angehörige Zeuge oder Zeugin der Tat geworden, 

kann dies bei der Bemessung der Genugtuung ebenfalls erhöhend berücksichtigt 

werden (Botschaft OHG, 7227). Zum Tathergang und zu den Begleitumständen können 

auch eine qualifizierte Tatbegehung (Grausamkeit, Verwendung von Waffen oder 

anderen gefährlichen Gegenständen) sowie die Intensität und das Ausmass der Gewalt 

bei der Bemessung einbezogen werden (Leitfaden, S. 19).

3.2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  

Teilweise wird in der Literatur vertreten, ein Alter von 25 bis 55 Jahren des 

Anspruchstellers sei nicht besonders exponiert, sodass sich weder ein Zuschlag noch 

eine Reduktion der Genugtuung rechtfertige (vgl. Hütte/Landolt, a.a.O., S. 97).

3.2.3. 

Der Kasuistik in Gomm/Zehntner (a.a.O, Art. 23 N 32) zur Genugtuung bei Tötung 

eines Elternteils unter Berücksichtigung des Leitfadens von Oktober 2019 sind zwei 

Fälle zu entnehmen. Im einen Fall wurde zwei Brüdern je eine Genugtuung von 

Fr. 35'000.-- zugesprochen, die als 2- und 7-jährige die Tötung ihrer Mutter durch den 

Vater miterleben mussten. Im anderen Fall wurde einem vierjährigen Kind eine 

Genugtuung von Fr. 20'000.-- zugesprochen, dessen Mutter mit einer Schusswaffe 

vorsätzlich getötet wurde. Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder (a.a.O, S. 6 ff.) führten 

in der Rechtsprechungsübersicht einen Fall auf, bei der einer 21-jährigen eine 

Genugtuung von Fr. 9'000.-- zugesprochen wurde, deren Mutter durch ihren Freund 

mit dem Messer getötet wurde. Die Gesuchstellerin sei schwer betroffen gewesen, 

habe seit vier Jahren alleine gelebt und das letzte Mal circa zweieinhalb Jahre vor der 

Tat Kontakt zur Mutter gehabt (13. August 2013, BS 1517). In einem anderen Fall 

wurde der Vater eines 16-jährigen erschossen zu Hause aufgefunden und der Täter 

konnte nicht ermittelt werden. Dies führte zu einer psychischen Beeinträchtigung des 

Gesuchstellers, der eine überaus gute Beziehung zum Vater hatte. Die Behörde sprach 

ihm eine Genugtuung von Fr. 20'000.-- zu (15. Mai 2014, BS 1585). Eine Genugtuung 

von Fr. 15'000.-- sprach die Behörde einer Gesuchstellerin zu, deren Mutter auf offener 

Strasse erschossen worden war und bei der die Tat zu Angstzuständen sowie Verlust 

von Lebensfreude geführt hatte, weshalb eine psychiatrische Behandlung notwendig 

war (6. Januar 2012, ZH 3/2012). Einer Tochter, die im gleichen Ort wie der verstorbene 

Vater lebte und eine nahe Beziehung zu ihm hatte, sprach die Behörde unter 

Berücksichtigung der Tat (ein unbekannter, alkoholisierter Mann hatte den Vater 

geschlagen, worauf dieser auf der Strasse aufschlug und an Kopfverletzungen 

verstarb) und einer psychischen Beeinträchtigung mit erfolgter Psychotherapie eine 

Genugtuung von 15'000.-- zu (17. Januar 2013, ZH 482/2011).

3.3. 

Für den zu beurteilenden Anspruch auf Genugtuung sind die folgenden Umstände 

zu berücksichtigen: Der Täter und das Opfer haben eine Zeit lang in einem Konkubinat 

und das Opfer zeitweise beim Täter gelebt. Vor der Tat hat die Rekurrentin das Opfer 

intensiv dabei unterstützt, vom Täter unabhängig zu leben (act. G1; G3.1.3, S. 28). Seit 

Juni 2020 befindet sich die Rekurrentin in psychologischer Therapie. Der Tod ihrer 

Mutter habe ihr Leben von Grund auf erschüttert. Die Rekurrentin mache sich massive 

Selbstvorwürfe, da sie davon ausgeht, dass sie bei intensiverer Unterstützung der 

4.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Mutter die Tötung hätte verhindern können. Sie habe Mühe zu verstehen, dass der 

Täter nicht strafrechtlich belangt werden könne (Bericht von Z.___, Fachpsychologin für 

Psychotherapie FSP, vom 26. November 2020, act. G3.1.2). Dass der Täter aufgrund 

der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung 

freigesprochen und stattdessen eine stationäre Massnahme angeordnet wurde, vermag 

nichts daran zu ändern, dass es sich zwar vorliegend aufgrund der Umstände um einen 

schweren und tragischen Fall handelt, eine Einstufung des Falles als mit schwerster 

Betroffenheit und damit im Bereich des gesetzlichen Höchstbetrages von Fr. 35'000.-- 

aber nicht möglich ist (vgl. Botschaft OHG, 7225).

Die Rekurrentin stand zum Tatzeitpunkt kurz vor ihrem 2_. Geburtstag und wohnte 

seit mehr als 10 Jahren nicht mehr im Haushalt des Opfers. Im Alter von 13 Jahren 

wurde sie nach der Scheidung der Eltern und einem kurzen Zusammenwohnen mit 

dem Opfer in einer Pflegefamilie untergebracht (act. G3.1.3, S. 27). Zu prüfen bleibt, ob 

die Rekurrentin trotz des eigenen Haushaltes einen besonders intensiven Kontakt mit 

ihrer Mutter pflegte.

4.2. 

Nach den Erwägungen im Urteil des Kreisgerichts C.___ vom 9. Dezember 2020 

hatte die Rekurrentin, bis ihre Mutter im Jahr 2012 in ihr Heimatland zurückgekehrt sei, 

regelmässig Kontakt zu ihr. Während des Auslandaufenthaltes und nach der Rückkehr 

in die Schweiz hatte sie praktisch keinen Kontakt zur Mutter. Ab Januar 2018 fand 

zwischen der Rekurrentin und dem Opfer wieder eine Annäherung statt. Mitte 

April 2018 kam es zu einem erneuten Kontaktabbruch (act. G3.1.3, S. 28). Der 

Aktennotiz der KESB zum Gespräch vom 8. März 2018 ist zu entnehmen, dass es der 

Rekurrentin nicht leichtgefallen sei, ihre Mutter zu unterstützen, da diese sich jahrelang 

und auch nach der Rückkehr in die Schweiz nie gemeldet habe. Ihre Mutter habe 

ausser der Rekurrentin niemanden mehr, der sich um sie kümmere (act. G3.3). Nach 

den Ausführungen im Rekurs habe die Mutter der Rekurrentin nach der Rückkehr aus 

ihrem Heimatland, wobei die Auslandsabwesenheit entgegen der Annahme der 

Vorinstanz nicht fünf, sondern drei Jahre gedauert habe, eine Woche bei ihrem Exmann 

gelebt und sei danach ohne Mitteilung über ihren weiteren Aufenthaltsort 

verschwunden. Ende 2017 habe die Rekurrentin erfahren, dass ihre Mutter im Spital 

sei, worauf sie ihr gleichentags Kleider und Hygieneprodukte gebracht habe. Seit 

Anfang 2018 habe sie ihre Mutter unterstützt, eine neue Wohnung zu suchen, Anträge 

an die Behörden auszufüllen, einen Termin bei einem Psychologen zu organisieren, sie 

bei der KESB angemeldet und bei allen Terminen begleitet. Über Ostern 2018 sei ihre 

Mutter bei ihr gewesen und danach habe die Rekurrentin sie in ihre neue Wohnung in 

E.___ gebracht. Diese Situation habe die Rekurrentin belastet, da sie einerseits im 

4.2.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tatzeitpunkt schwanger gewesen und ihre Mutter anderseits durch eine depressive 

Störung und eine Alkoholkrankheit verändert gewesen sei. Sie habe ihre Mutter gerne 

unterstützt, da es ihr so schlecht gegangen und sie immer füreinander da gewesen 

seien (act. G1, S. 2).

In Würdigung der gesamten Umstände ist davon auszugehen, dass die 

Beziehung zwischen der Rekurrentin und ihrer Mutter über die Jahre von 

unterschiedlicher Intensität und Regelmässigkeit war. Während der Unterbringung in 

einer Pflegefamilie hat die Rekurrentin ihre Mutter noch regelmässig gesehen. Erst mit 

dem Wegzug der Mutter in ihr Heimatland D.___ ist der Kontakt abgebrochen. Auch 

nach der Rückkehr der Mutter in die Schweiz ist der Kontakt nach der Aktenlage nicht 

sofort wiederbelebt worden, denn der Rekurrentin war bis Ende 2017 der 

Aufenthaltsort ihrer Mutter nicht bekannt. Ab Januar 2018 näherten sich die Rekurrentin 

und ihre Mutter wieder an. So verbrachte die Mutter die Osterfeiertage bei der 

Rekurrentin.

4.2.2. 

Vorliegend ist zur Bindung zwischen dem Opfer und der Rekurrentin zu 

berücksichtigen, dass sich die Rekurrentin vor der Tat intensiv um das Opfer 

gekümmert und sie beim Umgang mit den Behörden unterstützt hat (vgl. E. 4.2.1 

vorstehend). Aus der Aktennotiz der KESB vom 8. März 2018 geht hervor, dass eine 

Errichtung einer Beistandschaft durch eine Drittperson für die Vertretung zur 

Personensorge (Wohnen, Tagesstruktur, Beschäftigung) und zur Vermögenssorge 

(Administration, Einkommens- und Vermögensverwaltung, Versicherungen und 

Behörden) geplant gewesen ist. Die Rekurrentin hätte das Opfer bei gesundheitlichen 

und medizinischen Themen weiterhin unterstützt (act. G3.3.1). Anhand von Skizzen und 

unter Bezug auf die frühere Beistandschaft sei versucht worden, den 

Unterstützungsbedarf einzuschätzen. Dabei sei unklar gewesen, wie weit die Mutter 

der Rekurrentin den Unterstützungsbedarf verstanden habe und dem Gespräch habe 

folgen können. Die zuständige Abklärungsperson der KESB hielt fest, dass beim 

späteren Opfer die eigenen Wünsche und die Realität nicht nur hinsichtlich einer 

möglichen Erwerbstätigkeit weit auseinanderliegen würden (act. G3.3.1). Aus den 

Ausführungen in der Aktennotiz der KESB lässt sich schliessen, dass das Opfer - wohl 

auch aus gesundheitlichen Gründen – sehr hilflos wirkte. Wie vorstehend in 

Erwägung 4.2.1 dargelegt, hat die Rekurrentin ab Januar 2018 bis zur geplanten 

Errichtung einer Beistandschaft ihre Mutter bei den Behörden angemeldet und sie zu 

allen Terminen begleitet. Es lag somit ein umgekehrtes Verantwortlichkeitsverhältnis in 

der Eltern-Kind-Beziehung vor, indem sich die Rekurrentin für ihre Mutter 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

verantwortlich fühlte, obwohl sich diese während Jahren nicht mehr bei ihr gemeldet 

hatte.

Bei der Bemessung der Genugtuung sind die direkten Folgen der Tat ebenfalls zu 

berücksichtigen. Darunter fallen nach dem Leitfaden insbesondere die Intensität, das 

Ausmass und die Dauer der psychischen Folgen sowie die Dauer der Psychotherapie 

(Leitfaden, S. 19). Zu berücksichtigen ist, dass die Rekurrentin im Tatzeitpunkt im 

fünften Schwangerschaftsmonat und damit besonders vulnerabel war (act. G1, G3.1.4). 

Gemäss dem Bericht der behandelnden Psychologin habe sich die Rekurrentin 

Wochen und Monate nach dem Tod der Mutter in einer tiefen Verzweiflung befunden 

und sich von allen Menschen zurückgezogen. Gegen Ende der Schwangerschaft habe 

die Rekurrentin sich schonen müssen. Ein solches Schockerlebnis habe auch 

Auswirkungen auf das ungeborene Kind (act. G3.1.4). Die Rekurrentin begab sich rund 

zwei Jahre nach der Tat in psychologische Behandlung. Aufgrund von massiven 

Selbstvorwürfen sei es ihr nahezu unmöglich gewesen, sich einem fremden Menschen 

anzuvertrauen und psychiatrische respektive psychologische Hilfe in Anspruch zu 

nehmen. Auch zwei Jahre nach der Tat fühle sie neben der Trauer und Wut eine grosse 

körperliche Erschöpfung, zeige ein selbstschädigendes Verhalten, habe Albträume und 

grosse Angst alleine zu sein. Zudem würden sich regelmässig Bilder aus der 

Vergangenheit aufdrängen, dies führe zu einer Vermeidung von allen Situationen, 

welche sie an die Vergangenheit erinnern. Die behandelnde Psychologin attestierte eine 

posttraumatische Belastungsstörung und erachtete eine Behandlung von mindestens 

einem Jahr als empfehlenswert (act. G3.1.4). Die Rekurrentin erlitt somit durch die Tat 

nachweislich eine längerfristige psychische Beeinträchtigung mit Auswirkung auf ihr 

Familienleben.

4.4. 

Da der Täter die Tötung in nicht selbstverschuldeter Schuldunfähigkeit begangen 

hat, wurde er vom Kreisgericht C.___ zivilrechtlich zur Bezahlung einer Genugtuung aus 

Billigkeit im Sinne von Art. 54 OR verpflichtet. Das Kreisgericht hielt diesbezüglich fest, 

dass es sich bei der konkret zu beurteilenden vorsätzlichen Tötung um ein besonders 

schweres Abweichen vom geforderten Durchschnittsverhalten handelt und deshalb 

trotz den fehlenden finanziellen Mitteln eine Genugtuung aus Billigkeit geschuldet sei 

(vgl. Entscheid des Kreisgerichts C.___ vom 9. Dezember 2020, E. VIII. 3; act. G3.1.3). 

Das Kreisgericht erachtete das Abweichen vom Durchschnittsverhalten als besonders 

schwer, weshalb davon auszugehen ist, dass die zivilrechtlich zugesprochene 

Genugtuung bei gegebener Schuldfähigkeit des Täters mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit deutlich höher ausgefallen wäre.

4.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. In Gutheissung des Rekurses wird die Verfügung vom 18. Juni 2021 aufgehoben 

und die Vorinstanz verpflichtet, der Rekurrentin eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- zu 

bezahlen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

Beantragt wird vorliegend eine Genugtuung von Fr. 15'000.--. Eine Genugtuung in 

der beantragten Höhe liegt innerhalb des im Leitfaden für die Tötung eines Elternteils 

vorgesehenen Rahmens (vgl. E. 3.1) und erscheint unter Berücksichtigung der 

gesamten Umstände und insbesondere im Vergleich mit den in E. 3.3 erwähnten Fällen 

als gerechtfertigt. Zwar steht der Vorinstanz bei der Bemessung der 

opferhilferechtlichen Genugtuung ein gewisser Spielraum zu und im Grundsatz kann 

von der zivilrechtlich zugesprochenen Genugtuung abgewichen sowie die 

opferhilferechtliche Genugtuung tiefer angesetzt werden. Angesichts der besonderen 

Betroffenheit der Rekurrentin, des schrecklichen Tathergangs und des Umstands, dass 

das Strafgericht die Genugtuung ohne Vorliegen eines Verschuldens des Täters einzig 

aus Billigkeit zugesprochen hat, erscheint jedoch vorliegend eine weitere Herabsetzung 

der Genugtuung nicht als angebracht.

4.6. 

Nach dem Gesagten ist der Rekurs gutzuheissen und die Vorinstanz zu 

verpflichten, der Rekurrentin eine opferhilferechtliche Genugtuung von Fr. 15'000.-- zu 

zahlen.

5.1. 

Das Verfahren betreffend Entschädigung und Genugtuung aus OHG 

(einschliesslich Rechtsmittelverfahren) ist von Bundesrecht wegen grundsätzlich 

kostenlos (Art. 30 OHG), weshalb keine Gerichtskosten zu erheben sind.

5.2. 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 29.03.2022
	Art. 22 Abs. 1 und Art. 23 OHG. Für die Bemessung der Genugtuung an die Angehörige im Falle der Tötung ist insbesondere die Intensität der Beziehung zwischen der getöteten Person und deren Angehörige, die direkten Folgen der Tat und der Tathergang massgebend (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. März 2022, OH 2021/1).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte