# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d430195-505d-55b0-8b55-1142ae27da55
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-02
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 02.06.2021 SK 2020 323
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-323_2021-06-02.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 20 323

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 2. Juni 2021 

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), Oberrichter Vicari, Oberrichte-
rin Falkner
Gerichtsschreiberin Baronian

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung, versuchte 
einfache Körperverletzung, etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 15.05.2020 (PEN 2019 448)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; 
nachfolgend: Vorinstanz) vom 15. Mai 2020 wurde A.________ (nachfolgend: Be-
schuldigter) freigesprochen von der Anschuldigung der einfachen Körperverlet-
zung, angeblich begangen am 20. Juli 2018 in Bern zum Nachteil von G.________. 
Dies unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (5%) von insgesamt 
CHF 1'804.05 an den Kanton Bern. Für die amtliche Verteidigung des Beschuldig-
ten wurde eine Entschädigung von CHF 725.60 ausgerichtet.

Hingegen wurde der Beschuldigte schuldig erklärt der schweren Körperverletzung, 
begangen am 17. Oktober 2018 in M.________ zum Nachteil von C.________ 
(nachfolgend: Privatklägerin), der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen 
am 23. Mai 2018 in M.________, zum Nachteil von H.________ sowie am 12. Juli 
2018 in M.________ zum Nachteil von I.________, der versuchten einfachen Kör-
perverletzung sowie Sachbeschädigung, begangen am 20. Juli 2018 in Bern, zum 
Nachteil von J.________, der Drohung, begangen am 13. August 2018 in 
M.________ zum Nachteil von K.________, der Tätlichkeiten, mehrfach begangen 
am 13. August 2018 in M.________ zum Nachteil von E.________ und L.________ 
und der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der 
Zeit vom 18. April 2018 bis am 11. August 2018 in Bern durch Konsum von Kokain, 
Amphetamin, MDMA und Cannabis. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten 
zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, unter Anrechnung der Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft von 327 Tagen. Weiter wurde eine stationäre therapeutische 
Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet, welche am 12. September 2019 
vorzeitig angetreten worden ist. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten weiter 
zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00 sowie zu den auf den Schuldspruch 
entfallenden Verfahrenskosten (95%) von CHF 34'276.95. Im Zivilpunkt wurde der 
Beschuldigte verurteilt der Privatklägerin Schadenersatz in der Höhe von CHF 
2’797.75 zzgl. 5% Zins seit dem 17. Oktober 2018, eine Genugtuung von CHF 
10'000.00 zzgl. 5% Zins seit dem 17. Oktober 2018 sowie eine Parteientschädi-
gung von CHF 11'691.05 zu bezahlen. Weiter wurde die amtliche Entschädigung 
der Verteidigung des Beschuldigten festgesetzt sowie die weiteren Verfügungen 
getroffen (pag. 927 ff.).

2. Berufung und Gang des Verfahrens

Gegen das Urteil der Vorinstanz meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch 
Rechtsanwalt B.________, fristgerecht die Berufung an (pag. 938 f.). Mit Verfügung 
vom 22. Juli 2020 (pag. 1033) wurde den Parteien die schriftliche Urteilsbegrün-
dung, datierend vom 8. Juli 2020, zugestellt. Mit form- und fristgerechter Beru-
fungserklärung vom 11. August 2020 (pag. 1036) stellte die Verteidigung des Be-
schuldigten in der Sache folgende Anträge (pag. 1036 ff.):

3

Ziff. II. des Urteils sei aufzuheben und wie folgt neu zu fassen bzw. Ziff. I des Urteils wie folgt zu er-
gänzen:

1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von 
H.________ freizusprechen (Disp. Ziffer 2.1)

2. Eventualiter: Es sei der Beschuldigte wegen einer Tätlichkeit zum Nachteil von H.________ zu 
verurteilen (Disp. Ziffer 2.1)

3. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von 
I.________ freizusprechen (Disp. Ziffer 2.2)

4. Eventualiter: Es sei der Beschuldigte wegen einer Tätlichkeit zum Nachteil von I.________ zu 
verurteilen (Disp. Ziffer 2.2)

5. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der angeblich versuchten einfachen Körperverletzung, evtl. 
Tätlichkeiten und Sachbeschädigung zum Nachteil von J.________ freizusprechen (Disp. Ziffer 
3 und 4)

6. Eventualiter: Es sei der Beschuldigte lediglich wegen einer Tätlichkeit zum Nachteil von 
J.________ zu verurteilen (Disp. Ziffer 3 und 4)

7. Es sei der Beschuldigte wegen Tätlichkeiten zum Nachteil von N.________ freizusprechen 
(Disp. Ziffer 6)

8. Es sei der Beschuldigte wegen einer einfachen Körperverletzung zum Nachteil von C.________ 
zu verurteilen (Disp. Ziff. 1).

Ziff. II des Urteils sei aufzuheben und wie folgt neu zu fassen:

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 erwähnten Bestimmungen und gestützt auf Art. 42, 
Art. 44, Art. 47 und 49 Abs. 1 StGB

9. zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten unter Anrechnung seiner bisher erstandenen Haft verur-
teilt und auf die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme sei zu Gunsten einer 
ambulanten Massnahme (Art. 63 StGB) zu verzichten (Disp. Ziff. 1)

10. Eventualiter: Es sei eine stationäre Massnahme für 4 Jahre und 4 Monate anzuordnen (unter 
Berücksichtigung des vorzeitigen Massnahmenvollzugs seit 12.09.2018; Disp. Ziffer 1)

11. Es sei der Beschuldigte zu einer Busse von CHF 200.00 zu verurteilen (Disp. Ziffer 2)

12. Es sei der Beschuldigte zu den Verfahrenskosten von insgesamt CHF 3'000.00 sowie zu den 
Auslagen von CHF 843.00 zu verurteilen (Disp. Ziffer 3)

Disp. Ziff. IV sei aufzuheben und wie folgt neu zu regeln:

13. Es sei die Zivilklage abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

14. Eventualiter: Es sei die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen. 

15. Subeventualiter: Es sei der Beschuldigte zu verurteilen, der Privatklägerin eine Genugtuung von 
CHF 3'000.00 nebst Zins zu 5% seit 17. Oktober 2018 zu bezahlen.

16. Es sei das angefochtene Urteil aufzuheben und zwecks neuer Begründung an die Vorinstanz 
zurückzuweisen. 

4

Unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 13. August 2020 (pag. 1042 f.) teilte die 
Generalstaatsanwaltschaft mit Schreiben vom 18. August 2020 (pag. 1047 f.) mit, 
dass weder die Anschlussberufung erklärt noch ein Nichteintreten auf die Berufung 
des Beschuldigten beantragt werde. Die Privatklägerin, privat vertreten durch 
Rechtsanwältin Dr. D.________, teilte mit Schreiben vom 3. September 2020 eben-
falls ihren Verzicht auf die Erklärung der Anschlussberufung mit (pag. 1053 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen; Gang des Verfahrens

In der Berufungserklärung vom 11. August 2020 (pag. 1036 ff.) stellte Rechtsanwalt 
B.________ gestützt auf Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO folgende Beweisanträge (pag. 
1037 f.):

1. Es sei eine mündliche Berufungsverhandlung durchzuführen.

2. Es sei der Beschuldigte vor den Schranken des Obergerichts zu befragen.

3. Es sei eine direkte und unmittelbare Konfrontationsbefragung zwischen dem Belastungszeugen 
H.________ und dem Beschuldigten vor den Schranken des Gerichts durchzuführen (Art. 6 Abs. 
3 lit. d EMRK).

4. Es sei eine direkte und unmittelbare Konfrontationsbefragung zwischen der Belastungszeugin 
N.________ und dem Beschuldigten vor den Schranken des Gerichts durchzuführen (Art. 6 Ziff. 
3 lit. d EMRK).

5. Es sei eine direkte und unmittelbare Konfrontationsbefragung zwischen der Belastungszeugin 
C.________ und dem Beschuldigten vor den Schranken des Gerichts durchzuführen (Art. 6 Ziff. 
3 lit. d EMRK).

6. […]

Nachdem die Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Beweisanträgen er-
halten hatten, wurden mit Beschluss vom 12. Oktober 2020 die Anträge auf eine 
mündliche Berufungsverhandlung sowie die persönliche Anhörung des Beschuldig-
ten gutgeheissen. Der Antrag des Beschuldigten, wonach anlässlich der Beru-
fungsverhandlung eine direkte und unmittelbare Konfrontationsbefragung zwischen 
ihm und E.________ durchzuführen sei, wurde insofern gutgeheissen, als 
E.________ in der Berufungsverhandlung als Zeugin einvernommen wurde. Die 
gleichlautenden Anträge auf eine direkte und unmittelbare Konfrontationsbefragung 
zwischen dem Beschuldigten und H.________ sowie zwischen dem Beschuldigten 
und der Privatklägerin wurden abgewiesen; bezüglich Letzterer wurde in Aussicht 
genommen, sie auf Gesuch hin zu dispensieren. Ebenso wurde der Antrag, es sei 
das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland aufzuheben und zwecks neuer Be-
gründung an die Vorinstanz zurückzuweisen, abgewiesen.

Von Amtes wegen wurden im Hinblick auf die Berufungsverhandlung beim behan-
delnden Arzt der Privatklägerin, Dr. O.________, ein detaillierter Bericht zu ihrem 
aktuellen Gesundheitszustand betreffend die körperlichen und psychischen Folgen 
des Übergriffs vom 17. Oktober 2018 (Bericht datierend vom 14. Mai 2021 [pag. 
1182 f.]) sowie bei der Universitätsklinik Zürich (Zentrum für Stationäre Forensische 
Therapie) ein aktueller Behandlungsplan und Verlaufsbericht betreffend den Be-
schuldigten (datierend vom 7. Mai 2021 [pag. 1198 ff.]) eingeholt. Aufgrund des 

5

Wechsels in der hausärztlichen Behandlung der Privatklägerin wurde überdies 
auch noch bei der neuen Hausärztin, Dr. P.________, ein Bericht zum aktuellen 
Gesundheitszustand eingeholt (dieser datiert vom 15. Mai 2021 [pag. 1195]). Im 
Weiteren holte die Verfahrensleitung einen aktuellen Strafregisterauszug über den 
Beschuldigten ein (pag. 2004 f.). Ferner wurde das forensisch-psychiatrische Ver-
laufsgutachten von Dr. med. F.________ vom 25. Mai 2021 zuhanden der Be-
währungs- und Vollzugsdiensten des Kantons Bern (nachfolgend: BVD; pag. 2028 
ff.) zu den Akten erkannt. Schliesslich wurden anlässlich der Berufungsverhandlung 
E.________ als Zeugin, Dr. med. F.________, IRM Bern/Forensisch Psychiatri-
scher Dienst (FPD), als sachverständige Person sowie der Beschuldigte ergänzend 
zur Person und zur Sache einvernommen.

Auf Gesuch vom 12. April 2021 (pag. 1131 f.) hin wurde die Privatklägerin – wie im 
Beschluss vom 12. Oktober 2020 in Aussicht genommen – mit Verfügung vom 19. 
April 2021 (pag. 1135 f.) für die Berufungsverhandlung vom persönlichen Erschei-
nen dispensiert. Hierauf reichte die Verteidigung mit Schreiben vom 30. April 2021 
eine Stellungnahme ein (pag. 1152 ff.) und monierte eine grobe Verletzung des 
rechtlichen Gehörs. Ausserdem wurde eine neutrale Begutachtung der Privatkläge-
rin beantragt. Hierauf wurde die Dispensationsverfügung der Privatklägerin mit Ver-
fügung vom 3. Mai 2021 in Wiedererwägung gezogen und den Parteien das rechtli-
che Gehör gewährt (pag. 1156 f.). Die Parteien äusserten sich in der Folge in ihren 
Stellungnahmen vom 6. Mai 2021 (Generalstaatsanwaltschaft [pag. 1162 f.]) und 
10. Mai 2021 (Privatklägerschaft [pag. 1166 f.] und Verteidigung [pag. 1169 ff.]). 
Ausserdem wurde seitens der Verteidigung der Antrag gestellt, es seien die medi-
zinischen Akten des Beschuldigten hinter der Bewachungsstation am Inselspital 
(BEWA) zu edieren (pag. 1169). In der Folge wurden mit Beschluss vom 17. Mai 
2021 (pag. 1176 ff.) das Dispensationsgesuch der Privatklägerin erneut gutgeheis-
sen, der Antrag auf Erstellung eines Gutachtens betreffend Auswirkungen der Ver-
letzungen der Privatklägerin abgewiesen und der Antrag auf Edition der medizini-
schen Akten hinter der BEWA zurzeit abgewiesen; betreffend die Begründung kann 
auf die Ausführungen im Beschluss verwiesen werden.

Anlässlich der Hauptverhandlung stellte die Generalstaatsanwaltschaft den Antrag, 
es sei ein Würdigungsvorbehalt anzubringen, dass die Handlungen des Beschul-
digten in Bezug auf die Privatklägerin auch unter dem Tatbestand von Art. 122 Al. 3 
StGB zu prüfen seien, eventualiter wurde eine Anklageergänzung beantragt (pag. 
2123). Mit Beschluss vom 31. Mai 2021 (pag. 2124) wurde der Eventualantrag gut-
geheissen und die Anklageergänzung (datierend vom 27. Mai 2019 [pag. 2148 f.]) 
zu den Akten erkannt. Der Entscheid über den Würdigungsvorbehalt wurde offen 
gelassen (vgl. Ziff. 6.3 hiernach).

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ bestätigte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
vom 31. Mai 2021 die in der Berufungserklärung gestellten Anträge (Ziff. 2 hiervor; 
pag. 1036 ff.).

Die Anträge der Generalstaatsanwaltschaft im Berufungsverfahren lauteten wie 
folgt (pag. 2150 f.; Hervorhebungen im Original):

6

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 15. Mai 2020 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. des Freispruchs von der Anschuldigung der einfachen Körperverletzung, angeblich began-
gen am 20. Juli 2018 in Bern z.N. von G.________, unter Auferlegung der anteilsmässigen Ver-
fahrenskosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer anteilsmässigen Entschädigung 
für die amtliche Verteidigung; 

2. der Schuldsprüche wegen Drohung, begangen am 13. August 2018 in M.________ z.N. von 
K.________, Tätlichkeit, begangen am 13. August 2018 in M.________ z.N. von L.________ 
und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit vom 18. 
April bis 11. August 2018 in Bern durch Konsum von Kokain, Amphetamin, MDMA und Canna-
bis.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären: 
1. der schweren Körperverletzung, begangen am 17. Oktober 2018 in M.________, z.N. von 

C.________; 
2. der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen 
2.1    am 23. Mai 2018 in M.________ z.N. von H.________, 
2.2    am 12. Juli 2018 in M.________ z.N. von I.________;
3. der versuchten einfachen Körperverletzung, begangen am 20. Juli 2018 in Bern z.N. von 

J.________;
4. der Sachbeschädigung, begangen am 20. Juli 2018 in Bern z.N. von J.________;
5. der Tätlichkeiten, begangen am 13. August 2018 in M.________ z.N. von E.________.

III.

A.________ sei in Anwendung von Art. 19 Abs. 2, 22, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 59, 106, 122, 123 Ziff. 
1, 126 Abs. 1, 144 Abs. 1, 180 StGB; Art. 19a Ziff. 1 BetmG; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft von 327 Tagen; 

2. zu einer stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 59 StGB, wobei festzustellen 
sei, dass die Massnahme am 12. September 2019 vorzeitig angetreten worden ist; 

3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen); 
4. zur Bezahlung der anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten und der gesamten 

oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl, eine angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen:

7

1. A.________ sei in den Massnahmenvollzug zurück zu schicken.
2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).
3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. AP.________) sei nach Ab-

lauf der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).
4. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sei 

nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

Rechtsanwältin Dr. D.________ stellte und begründete namens und im Auftrag der 
Privatklägerin anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung vom 31. Mai 2021 fol-
gende Anträge (pag. 2152; Hervorhebungen im Original): 

I. Die Berufung sei abzuweisen und A.________ sei in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils 
vom 15.05.2020 des Regionalgerichts Bern-Mittelland schuldig zu erklären:

der schweren Körperverletzung, begangen am 17.10.2018 in M.________, z. N. von 
C.________,

und er sei in Anwendung der entsprechenden Gesetzesbestimmungen zu
einer angemessenen Sanktion verurteilen.

II. A.________ sei weiter zu verurteilen:

1. zur Bezahlung der auf diesen Schuldspruch entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskos-
ten,

2. zur Bezahlung der auf diesen Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten des vorliegenden 
Berufungsverfahrens,

3. zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 11'691.05 an die Straf-und Zivilklägerin 
C.________ für die Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren,

4. zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 5'579.45 an die Straf-und Zivilklägerin 
C.________ für die Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren,

5. zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 2'797.75, zuzüglich Zins von 
5 % seit dem 17.10.2018, an die Straf- und Zivilklägerin C.________ unter Vorbehalt der 
Nachklage gemäss Art. 46 Abs. 2 OR.

6. zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 10000.00, zuzüglich Zins von 5 % seit dem 
17.10.2018, an die Straf- und Zivilklägerin C.________.

III. Die weiteren Verfügungen seien zu treffen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]). 

Der Beschuldigte focht das erstinstanzliche Urteil nur teilweise an (dazu Ziff. 2 hier-
vor); er beschränkte seine Berufung auf den Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf 
einzelne Handlungen, die Bemessung der Strafe, die Anordnung von Massnah-
men, den Zivilanspruch oder einzelne Zivilansprüche sowie die Kosten-, Entschä-

8

digungs- und Genugtuungsfolgen (pag. 1036). Es ist zunächst festzustellen, dass 
das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 15. Mai 2020 insoweit in 
Rechtskraft erwachsen ist, als der Beschuldigte freigesprochen wurde von der An-
schuldigung der einfachen Körperverletzung, angeblich begangen am 20. Juli 2018 
in Bern zum Nachteil von G.________. Nicht angefochten ist auch die Auferlegung 
der anteilsmässigen Verfahrenskosten von CHF 1'804.05 an den Kanton Bern 
(Dispositivziffer I), indes werden in der Berufungserklärung zusätzliche Freisprüche 
beantragt. Hinzu kommt, dass beantragt wurde, die Verfahrenskosten insgesamt 
unter Rücksichtnahme auf die finanzielle Leistungsfähigkeit des Beschuldigten 
festzusetzen, so dass die Verfahrenskostenausscheidung nicht in Rechtskraft er-
wachsen ist. Soweit auf den Freispruch entfallend eine Entschädigung an die amtli-
che Verteidigung von CHF 725.60 ausgerichtet wurde, ist festzuhalten, dass diese 
zwar auch nicht angefochten wurde, indes hat korrekterweise bei einer amtlichen 
Verteidigung im entsprechenden Umfang beim amtlichen Honorar die entspre-
chende Rückzahlungspflicht des Beschuldigten zu unterbleiben (auf ein volles Ho-
norar bzw. die entsprechende Nachzahlungspflicht wurde seitens der Verteidigung 
verzichtet). Sodann ist das Urteil weiter insoweit in Rechtskraft erwachsen als der 
Beschuldigte schuldig erklärt wurde der Drohung z.N. von K.________ und der Tät-
lichkeiten z.N. von L.________, beides begangen am 13. August 2018 in 
M.________ (Dispositivziffern II.5 und 6 [zweiter Teil]) sowie der Widerhandlungen 
gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit vom 18. April 2018 bis 
am 11. August 2018 in Bern durch Konsum von Kokain, Amphetamin, MDMA und 
Cannabis (Dispositivziffer II.7). Auf die Höhe des amtlichen Honorars (Dispositivzif-
fer III) für die Verteidigung des Beschuldigten in erster Instanz ist nur zurückzu-
kommen, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Er-
messen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts 
6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 
2017 E. 2.3). Indes ist das auf den rechtskräftigen Freispruch entfallende amtliche 
Honorar miteinzubeziehen und der rückzahlungspflichtige Betrag zu reduzieren 
(auf ein volles Honorar bzw. auf die entsprechende Nachzahlung wurde seitens 
von Rechtsanwalt B.________ verzichtet). Nicht der Rechtskraft zugänglich sind 
die Verfügungen betreffend DNA und der biometrischen erkennungsdienstlichen 
Daten (Dispositivziffer V.2 und 3), weshalb darüber neu zu befinden ist; auch nicht 
rechtskräftig werden kann die Verfügung betreffend Rückkehr in den Massnah-
menvollzug (Dispositivziffer V.1). 

Soweit weitergehend ist das Urteil der Vorinstanz vom 15. Mai 2020 vollumfänglich 
zu überprüfen, d.h. in Bezug auf die erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen 
schwerer Körperverletzung z.N. der Privatklägerin (Dispositivziffer II.1), mehrfacher 
einfacher Körperverletzung z.N. von H.________ und I.________ (Dispositivziffer 
II.2), versuchter einfacher Körperverletzung und Sachbeschädigung z.N. von 
J.________ (Dispositivziffer II.3 und 4), Tätlichkeiten z.N. von E.________ (Dispo-
sitivziffer II.6 [erster Teil]), der Sanktionen- und Massnahmenpunkt (Dispositivzif-
fern II.1 und 2), die Verfahrenskosten (Dispositivziffer II.3) sowie der gesamte Zivil-
punkt (Schadenersatz und Genugtuung, inkl. Parteientschädigung [Dispositivziffer 
IV]). Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen Punkte über volle 
Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldig-

9

ten darf das Urteil nicht zu seinem Nachteil abgeändert werden; es ist das Ver-
schlechterungsverbot (Verbot der «reformatio in peius») zu beachten (Art. 391 Abs. 
2 StPO).

Ergänzend ist festzuhalten, dass es die Vorinstanz unterlassen hat, im Urteil über 
die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten betreffend das von der Staatsanwalt-
schaft mit Verfügung vom 13. Mai 2019 bestimmte amtliche Honorar von Fürspre-
cher Q.________ zu befinden (pag. 436.10 f.); Fürsprecher Q.________ verzichte-
te auf das volle Honorar (pag. 436.9). Dies ist entsprechend im oberinstanzlichen 
Verfahren nachzuholen.

6. Anklagegrundsatz

6.1 Theoretische Grundlagen

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-
richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 
und Art. 32 Abs. 2 der Schweizerischen Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 6 
Ziff. 1 und Ziff. 3 Bst. a und b der Europäischen Menschenrechtskonvention 
[EMRK; SR 0.101]). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sach-
verhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdi-
gung durch die Anklagebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der be-
schuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu 
umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend 
konkretisiert sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_254/2013 vom 1. Juli 2013 E. 1.2). 
Das Akkusationsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der 
beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-
funktion; BGE 140 IV 188 E. 1.3; 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinwei-
sen). Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr konkret 
vorgeworfen wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_161/2015 vom 8. Juli 2015 E. 2.2 sowie 
6B_803/2014 vom 15. Januar 2015 E. 1.3). Die gesetzlichen Minimalanforderungen 
an die Formulierung des Sachverhalts in inhaltlicher Hinsicht finden sich in Art. 325 
Abs. 1 Bst. f StPO. Danach bezeichnet die Anklageschrift möglichst kurz, aber ge-
nau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, 
Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Danach sind die erhobenen Vor-
würfe möglichst prägnant – oder im Wortlaut des Gesetzes «möglichst kurz, aber 
genau», «le plus brièvement possible, mais avec précision», bzw. «in modo quanto 
possibile succinto, ma preciso» – darzustellen. Das Bindewort «aber» (anstelle von 
«und») ist Ausdruck des Spannungsverhältnisses zwischen Kürze und Genauigkeit 
(JOSI, «Kurz und klar, träf und wahr» – die Ausgestaltung des Anklageprinzips in 
der Schweizerischen Strafprozessordnung, in: ZStrR 127/2009, S. 81). In BGE 
6B_1364/2019 vom 14. April 2020 hielt das Bundesgericht in Erwägung 1.2 über-
dies fest: «Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. g StPO hat die Anklage die nach Auffassung 
der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwendbaren 
Gesetzesbestimmungen anzugeben. Die Angabe des Tatbestands ist ein Teilas-
pekt des Anklagegrundsatzes und dient der Informationsfunktion.» In BGE 
6B_963/2014 E. 1.3.2 hielt das Bundesgericht zudem fest: «Zu den gesetzlichen 

10

Merkmalen der strafbaren Handlung gehören neben den Tatbestandsmerkmalen 
die Schuldform (sofern vorsätzliches und fahrlässiges Verhalten strafbar ist), die 
Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Gehilfenschaft) sowie die Erscheinungs-
form (Versuch oder vollendetes Delikt) und allfällige Konkurrenzen. Die tatsächli-
chen Umstände der Tat – Zeit, Ort, Art der Begehung und Form der Mitwirkung, 
angestrebter oder verwirklichter Erfolg (einschliesslich Kausalzusammenhang) – 
sind anzugeben und die einzelnen rechtlichen Elemente des Delikts hervorzuhe-
ben.»

6.2 Würdigungsvorbehalt vor erster Instanz

6.2.1 Ausgangslage und Vorbringen der Parteien

Zu Beginn der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurden seitens der Vorinstanz 
zwei Würdigungsvorbehalte angebracht (pag. 842): Einerseits behielt sich das Ge-
richt vor, den in Anklageschrift Ziff. 2 (Vorfall vom 12. Juli 2018 z.N. I.________) 
angeklagte Sachverhalt (angeklagt als einfache Körperverletzung [pag. 453]) auch 
unter dem rechtlichen Gesichtspunkt der versuchten einfachen Körperverletzung zu 
würdigen. Das Vorgehen der Vorinstanz ist in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden. 
Andererseits wurde ein Würdigungsvorbehalt dahingehend angebracht, den in An-
klageschrift Ziff. 6 (Vorfall vom 17. Oktober 2018 z.N. der Privatklägerin) angeklag-
te Sachverhalt auch unter dem rechtlichen Gesichtspunkt der vollendeten schwe-
ren Körperverletzung zu würdigen.

Die Verteidigung brachte mit Eingabe vom 10. Mai 2021 (erstmals) Folgendes vor 
(pag. 1169 f.):

Anlässlich der Vorfragen zur Hauptverhandlung brachte die Vorinstanz plötzlich vor, man würde sich 
vorbehalten, den Sachverhalt unter dem Gesichtspunkt einer vollendeten schweren Körperverletzung 
zu würdigen (pag. 842). Das Regionalgericht war seit dem 27.05.2019 im Besitz der Akten und hatte 
seit diesem Zeitpunkt die Verfahrensleitung inne. Es geht daher nicht an, einen solchen Vorbehalt an-
lässlich der Hauptverhandlung vom 15.05.2020 vorfrageweise geltend zu machen. Ein Würdigungs-
vorbehalt muss rechtzeitig eingebracht werden. Auf keinen Fall geht es an, einen solchen Vorbehalt 
erst anlässlich der Hauptverhandlung einzuwerfen. Dieses Vorgehen war treuwidrig und rechtsmiss-
bräuchlich und angesichts der überlangen Verfahrensdauer vor Regionalgericht unzulässig. Es kam in 
diesem Zusammenhang zu einer Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV). Sodann hat 
es die Vorinstanz unterlassen, einen Würdigungsvorbehalt im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB geltend 
zu machen. Es war nie davon die Rede, Abs. 3 StGB zur Anwendung zu bringen. Bei einem Würdi-
gungsvorbehalt muss auch die fragliche Norm angegeben werden, wenn eine andere Norm zur An-
wendung gebracht werden soll. Hier war nie davon die Rede, Abs. 3 anstatt von Abs. 1 von Art. 122 
StGB zur Anwendung zu bringen.

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung führte die Verteidigung aus 
(pag. 2134 f.), die Vorinstanz habe einen Würdigungsvorbehalt angebracht, der 
sich nicht auf ein Alinea beziehe. Es sei zu keinem Zeitpunkt die Rede von Art. 122 
Al. 3 StGB gewesen. Es sei immer nur die Rede von Al. 1 gewesen. Erstmals im 
Urteil sei Al. 3 erwähnt worden. Aus Sicht der Verteidigung sei dieses Vorgehen 
nicht zulässig. Zwar habe der Antrag schon lange vor der Verhandlung stattgefun-
den, aber der Würdigungsvorbehalt sei erst vorfrageweise anlässlich der Hauptver-
handlung angebracht worden. Dies sei zu spät gewesen und die Verteidigung habe 

11

sich nicht mit dem Antrag auseinandersetzen können. Das Vorgehen verstosse 
auch gegen den Anklagegrundsatz, weil zur Anklage auch das Rechtliche gehöre. 
Es hätte eine Rückweisung der Anklage gestützt auf Art. 329 StPO oder 333 StPO 
erfolgen müssen. Nichts Anderes ergäbe sich aus Art. 344 StPO, da sich Art. 344 
StPO auf die rechtliche Würdigung beziehe, wie sie die Staatsanwaltschaft gemäss 
Art. 325 lit. g StPO in der Anklageschrift aufzuführen habe. Beim Würdigungsvor-
behalt gehe es gerade um die rechtliche Würdigung. Es gehe darum, welcher Ab-
satz von welcher Norm anwendbar sei. Die Angabe der Gesetzesbestimmung las-
se sich auch aus dem Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 lit. a 
EMRK ableiten, wonach die Anklageschrift den Grund der Anklage und die verletz-
ten Gesetzesbestimmungen anzuführen habe. Dabei handle es sich auch um ein 
Gebot des rechtlichen Gehörs. Rechtsanwalt B.________ zitierte: «Die einschlägi-
gen Gesetzesbestimmungen sind genau zu bezeichnen; es sind mithin nicht nur 
die einzelnen Gesetzesartikel, sondern auch die nach Ansicht der Staatsanwalt-
schaft erfüllten Ziffern und Absätze anzugeben.» (HEIMGARTNER/NIGGLI, in: Basler 
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 40 zu Art. 325 
StPO). Es gehe also gerade auch um die Ziffern und Absätze. 

Die Generalstaatsanwaltschaft führte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
zusammengefasst aus (pag. 2139 f.), es werde ein Lebenssachverhalt angeklagt 
und nicht eine rechtliche Würdigung. Gemäss Art. 350 StPO sei das Gericht an den 
in der Anklage umschriebenen Sachverhalt gebunden, nicht aber an die darin vor-
genommene rechtliche Würdigung. Auch die Staatsanwaltschaft sei gemäss Art. 
337 Abs. 2 StPO nicht an die in der Anklageschrift vorgenommene rechtliche Wür-
digung gebunden. Der erstinstanzlich vorgenommene Würdigungsvorbehalt sei 
deshalb nicht zu beanstanden. Man habe nicht zuwarten können, um zu sehen, wie 
sich die Verletzungen der Privatklägerin entwickeln würden.

6.2.2 Erwägungen der Kammer

Mit Anklageschrift Ziff. 6 vom 27. Mai 2019 wurde eine versuchte schwere Körper-
verletzung angeklagt (Art. 122 Abs. 1 i.V.m. Art. 22. Abs. 1 StGB [auf Antrag der 
Staatsanwaltschaft wurde im Rahmen der Vorfragen bei Art. 122 StGB «Abs. 1» 
als «Tippfehler» gestrichen; Art. 122 StGB enthalte keine Absätze]). Ziff. 6 der An-
klageschrift enthält nach der Aufzählung der von der Privatklägerin erlittenen Ver-
letzungen Folgendes: «Weiter litt C.________ unter traumatischen Zuständen, 
Angstträumen und Ausgehhemmungen. Zudem waren mehrere Chinesiologie-
Sitzungen (recte: Kinesiologie-Sitzungen) sowie 18 Physiotherapie-Behandlungen 
nötig. A.________ nahm eine schwere Körperverletzung in Kauf, namentlich eine 
lebensbedrohliche intrakranielle Blutung, den Verlust der Sehkraft oder eine arge 
und bleibende Entstellung durch die Verschiebung der gebrochenen Gesichtskno-
chen» (pag. 454). 

Zutreffend ist, dass Art. 122 StGB keine Absätze enthält, sondern Alineas. Ange-
klagt war in dem Sinne zweifelsohne eine versuchte schwere Körperverletzung 
nach Al. 1 (lebensbedrohliche intrakranielle Blutung) und Al. 2 (den Verlust der 
Sehkraft oder eine arge und bleibende Entstellung). Richtig ist auch, dass die 
Vorinstanz den Würdigungsvorbehalt in Bezug auf Art. 122 StGB als Ganzes (ohne 
Spezifizierung bezüglich der Alineas) vorgenommen hat. Festzustellen ist auch, 

12

dass die Vorinstanz den Schuldspruch auf Art. 122 Al. 3 («andere schwere Schädi-
gung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit» [pag. 1006, S. 
61 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung]) stützte, indem sie Folgendes ausführ-
te (pag. 1006, S. 61 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Der Verteidigung ist insofern zuzustimmen, als jede einzelne der Verletzungen, die C.________ als 
Folge des Schlages erlitt, für sich alleine gesehen die Eingangskriterien einer schweren Körperverlet-
zung gemäss Art. 122 al. 2 StGB nicht erfüllt. Ein blosses Abstellen auf die zahlreichen einzelnen Ver-
letzungen wäre im vorliegenden Fall aber nicht sachgerecht. Vielmehr braucht es eine Gesamtbe-
trachtung unter Einbezug der gesamten Umstände. Und da ist das Gericht der Überzeugung, dass die 
Kombination der diversen Verletzungen, zusammen mit dem Umstand, dass sowohl die Sensibilitätss-
törung im Gesicht wie auch die Bewegungseinschränkungen und Schmerzen an der Schulter als Fol-
ge des Schlüsselbeinbruchs, beides nach heutigem Kenntnisstand bleibender Natur, die dadurch ver-
ursachten Einschränkungen im Alltag sowohl in körperlicher wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht, 
und schliesslich auch das Risiko einer Verschlechterung der Problematik mit der gebrochenen 
Schraube am Rücken, und das alles in Verbindung mit dem hohen Alter des Opfers, ohne weiteres 
das Ausmass einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 al. 3 StGB annimmt.

Unzutreffend ist demgegenüber die Behauptung, es handle sich um einen plötzlich 
(quasi aus dem Nichts) vorgebrachten Würdigungsvorbehalt: Seitens der Staats-
anwaltschaft wurde mit Schreiben vom 13. Juni 2019 (pag. 485) der Brief der Pri-
vatklägerin vom 10. Juni 2019 (pag. 486) an die Vorinstanz weitergeleitet, verbun-
den mit dem Antrag, «im Hinblick auf die Hauptverhandlung Berichte der behan-
delnden Ärzte einzuholen und den Vorfall rechtlich auch unter dem Aspekt der voll-
endeten schweren Körperverletzung zu würdigen»; ein Doppel der Verfügung (inkl. 
Kopie des Schreibens der Privatklägerin) ging an die Verteidigung des Beschuldig-
ten. Zwar erging bis zur Hauptverhandlung seitens der Vorinstanz keine Verfügung 
diesbezüglich (einzig in der Instruktionsverfügung vom 5. Juli 2019 wurde die Ein-
holung eines Arztberichts bei Dr. R.________ angeordnet [pag. 509 ff.]).

Das Vorgehen der Vorinstanz ist nach Ansicht der Kammer unter dem Titel «Wür-
digungsvorbehalt nach Art. 344 StPO» unzulässig. Ein Vorgehen nach Art. 333 
Abs. 1 StPO (und nicht nach Art. 329 Abs. 2 StPO) wäre angezeigt gewesen, d.h. 
das Gericht hätte der Staatsanwaltschaft Gelegenheit geben können, eine Ankla-
geergänzung vorzunehmen. Demgegenüber nahm die Staatsanwaltschaft in ihrem 
Schreiben vom 13. Juni 2019 explizit Bezug auf das Schreiben der Privatklägerin 
vom 10. Juni 2019 und beantragte entsprechend die Vornahme eines Würdigungs-
vorbehalts im Sinne einer vollendeten schweren Körperverletzung. Im Schreiben 
der Privatklägerin wird Bezug genommen auf die Befunde der Schädel-, Kiefer- und 
Gesichtschirurgie des Inselspitals und die dortige Konsultation vom 24. Mai 2019. 
Entsprechend werden die «nachhaltigen, bleibenden Einschränkungen der Ner-
venbahnen an der linken Gesichtshälfte» erwähnt, ergänzt mit dem Hinweis «Auch 
die Schlüsselbeinfraktur ist nicht ausgeheilt und schränkt die täglichen Aktivitäten 
nebst periodisch auftretenden Schmerzschüben erheblich ein. […] Es muss davon 
ausgegangen werden, dass diese Einschränkungen und Erschwernisse bleibend 
sind und die Lebensqualität für alle Zukunft massiv einschränken» (pag. 486). So-
weit ersichtlich wurden erstinstanzlich seitens der Verteidigung gegen das Anbrin-
gen des Würdigungsvorbehalts keine Einwände erhoben (pag. 842 f.). In der an-

13

schliessenden Einvernahme wurde die Privatklägerin alsdann ausführlich zu den 
physischen und psychischen Folgen des Ereignisses vom 17. Oktober 2018 befragt 
(pag. 845 ff.). Und aus der Protokollierung des Parteivortrages der Verteidigung – 
notabene gehalten nach demjenigen der Staatsanwaltschaft und der Vertretung der 
Privatklägerin – ergibt sich, dass bloss ausgeführt worden ist, eine vollendete 
schwere Körperverletzung setze eine schwere Schädigung am Körper und der Ge-
sundheit voraus, d.h. gemeint sei eine Verstümmelung, ein Unbrauchbarmachen 
eines Organs oder die Entstellung des Gesichts, und eine solche schwere Schädi-
gung an Körper und Gesundheit liege nicht vor. Auch wurde Bezug genommen auf 
die Aussagen des Ehemannes der Privatklägerin: Der Beschuldigte habe nicht wis-
sen können, dass sich die Geschädigte durch den Schlag derart verletzen könnte 
(man habe vom Ehemann gehört, wie rüstig das Ehepaar vor dem Vorfall gewesen 
sei. Man habe stundenlange Wanderungen in den Bergen gemacht, sei agil und 
mobil und gar nicht altersentsprechend unterwegs gewesen [pag. 898]). All diese 
Folgen der Verletzungen vom 17. Oktober 2018 bzw. die postoperativ verbleiben-
den Einschränkungen in der körperlichen Bewegungsfreiheit sind indes in der An-
klageschrift vom 27. Mai 2019 (pag. 454) nicht enthalten; die Rede ist einzig zu-
sätzlich von «traumatischen Zuständen, Angstträumen und Ausgehhemmungen» 
und die Notwendigkeit von «Chinesiologie-Sitzungen» (recte: Kinesiologie-
Sitzungen) sowie «18 Physiotherapie-Behandlungen» (pag. 454). Mit dem Würdi-
gungsvorbehalt nach Art. 344 StPO durfte die Vorinstanz damit nicht von der ver-
suchten schweren Körperverletzung auf eine vollendete schwere Körperverletzung 
schliessen: HAURI/VENETZ (BSK StPO, 2. Aufl., N 6 zu Art. 344; mit Verweis auf 
DONATSCH/SCHMID, Kommentar, § 185 N. 14) halten dafür, dass ein Würdigungs-
vorbehalt ohne Anpassung des Sachverhalts u.a. bei der Konstellation von Wech-
sel von Versuch zu vollendeter Tat regelmässig unzulässig sei. Ausgehend von 
BGE 6P_27/2003 vom 3. August 2003 (angeklagt war eine Vergewaltigung durch 
Unter-Druck-Setzens und der Schuldspruch erfolgte wegen Gewaltanwendung [an 
der Einvernahme durch den Untersuchungsrichter sei der Vorwurf der Gewaltan-
wendung im Raum gestanden, und erstinstanzlich sei darüber Beweis geführt wor-
den]) wäre es womöglich mit einem Würdigungsvorbehalt zulässig gewesen, von 
einem Qualifikationsgrund von Art. 122 Al. 1 oder 2 StGB auf denjenigen der Gene-
ralklausel nach Al. 3 zu schliessen, aber nicht gleichzeitig auch noch von einem 
Versuch auf eine vollendete Tatbegehung. Der erstinstanzliche Würdigungsvorbe-
halt im Sinne einer vollendeten schweren Körperverletzung ist damit unbeachtlich. 

6.3 Würdigungsvorbehalt bzw. Anklageergänzung vor oberer Instanz

6.3.1 Ausgangslage und Vorbringen der Parteien

Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung wurde seitens der Generalstaatsan-
waltschaft (nach der Einvernahme des Beschuldigten auf Nachfrage betreffend all-
fälligen weiteren Beweisanträgen [pag. 2122]) beantragt, es sei ein dahingehender 
Würdigungsvorbehalt anzubringen, dass die Handlungen des Beschuldigten in Be-
zug auf die Privatklägerin auch unter dem Tatbestand von Art. 122 Al. 3 StGB zu 
prüfen seien. Zur Begründung führte die Generalstaatsanwaltschaft aus, die Ankla-
geschrift stehe einer Verurteilung aufgrund von Art. 122 Al. 3 StGB nicht entgegen. 
Ein Würdigungsvorbehalt sei auch vor oberer Instanz noch möglich (Art. 379 i.V.m. 

14

Art. 333 Abs. 1 und Art. 329 Abs. 2 StPO). Auch eine Anklageergänzung sei 
gemäss Bundesgericht noch möglich, weshalb eventualiter die Einreichung einer 
Anklageergänzung beantragt werde. Die Anklageschrift sei dabei um einen Ab-
schnitt zu ergänzen (pag. 2123). Eigentlich sei eine Ergänzung nicht nötig, da die 
Anklageschrift ausreiche. Körperverletzungsdelikte bzw. gerade die Schäden unter-
lägen Veränderungen (Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_1370/2019 
vom 11. März 2021). Eine Anklageergänzung sei im erstinstanzlich fixierten Ankla-
gegegenstand möglich (pag. 2124). 

Die Verteidigung führte daraufhin im Wesentlichen aus, dass es sich dabei nicht 
um einen Beweisantrag handle. Der Antrag sei verspätet und nicht einmal vorfra-
geweise vorgebracht worden, sondern erst nach Abschluss der Befragung des Be-
schuldigten. Der Antrag hätte zur Wahrung des rechtlichen Gehörs des Beschuldig-
ten spätestens vorfrageweise geltend gemacht werden müssen. Es gelte noch im-
mer der Anklagegrundsatz. Es gebe eine Informations- und Umgrenzungsfunktion 
sowie Art. 6 Ziff. 3 EMRK. Zur Anklage gehöre auch die rechtliche Würdigung. Wei-
ter sei ein doppelter Instanzenzug vorgesehen, bevor man ans Bundesgericht (wel-
ches nicht Sachverhaltsinstanz sei) gelangen könne. Entsprechend sei der Instan-
zenzug nicht mehr eingehalten, wenn man den Würdigungsvorbehalt oberinstanz-
lich vorbringe. Man versuche vorliegend die Fehler der Vorinstanz zu korrigieren. 
Der Antrag der Staatsanwältin gehe über einen Würdigungsvorbehalt hinaus (pag. 
2123). Art. 329 Abs. 2 StPO und 333 Abs. 1 StPO seien nicht einschlägig. Art. 329 
Abs. 2 StPO richte sich an das Gericht. Das Gericht hätte die Sache an die Staats-
anwaltschaft zurückweisen müssen. Dies sei vorliegend nicht der Fall gewesen. 
Die Generalstaatsanwaltschaft habe aus eigener Veranlassung gehandelt, weshalb 
die Norm nicht einschlägig sei. Gleich verhalte es sich mit Art. 333 Abs. 1 StPO. 
Vorliegend habe die Generalstaatsanwaltschaft (und nicht das Gericht) die Ankla-
geergänzung vorgebracht. Gemäss Art. 325 lit. g StPO gehe es um den Absatz und 
die Ziffer. Die Generalstaatsanwaltschaft habe wiederum nur Art. 122 StGB aufge-
führt, ohne Angabe eines Absatzes oder einer Ziffer. Das Prozessthema könne 
nicht festgesetzt werden (pag. 2135).

Die Vertretung der Privatklägerin führte im Wesentlichen aus, dass die Staatsan-
waltschaft bereits eine Prüfung einer vollendeten schweren Körperverletzung bean-
tragt habe. Die Verteidigung habe mit der Anwendung aller Al. des Art. 122 rech-
nen müssen und hätte sich bereits vor erster Instanz dazu äussern können. Die 
Anklageschrift habe bereits vor erster Instanz sämtliche Verletzungen der Privat-
klägerin aufgezählt. Die vollständigen Verletzungen würden sich der Natur der Sa-
che nach erst in den Folgewochen und -monaten zeigen. Bereits die vorbestehen-
de Anklageschrift schliesse eine umfassende Würdigung unter Art. 122 StGB nicht 
aus. Falls man die Anklageschrift ergänzen müsste, würde es sich lediglich um Nu-
ancen handeln (pag. 2123 f.).

6.3.2 Erwägungen der Kammer

Nach Art. 329 Abs. 1 Bst. a StPO prüft die Verfahrensleitung, ob die Anklageschrift 
ordnungsgemäss erstellt ist. Ergibt sich aufgrund dieser Prüfung oder später im 
Verfahren, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann, so sistiert das Gericht das 
Verfahren. Falls erforderlich, weist es die Anklage zur Ergänzung oder Berichtigung 

15

an die Staatsanwaltschaft zurück (Art. 329 Abs. 2 StPO). Diese Bestimmung ist 
grundsätzlich auch im Berufungsverfahren anwendbar (Art. 379 StPO; vgl. auch 
Beschluss der 1. Strafkammer SK 14 389 vom 6. Mai 2015 E. 5, SK 16 236 vom 
17. August 2017 E. 14 und BGE 139 IV 161 E. 2.7). Sind allfällige Vorfragen be-
handelt, so hat dies gemäss Art. 340 Abs. 1 Bst. b StPO u.a. zur Folge, dass die 
Anklage nicht mehr zurückgezogen und unter Vorbehalt von Art. 333 StPO nicht 
mehr geändert werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_904/2015 vom 27. Mai 
2016 E. 1.4.1). Das Gericht gibt der Staatsanwaltschaft Gelegenheit, die Anklage 
zu ändern, wenn nach seiner Auffassung der in der Anklageschrift umschriebene 
Sachverhalt einen anderen Straftatbestand erfüllen könnte, die Anklageschrift aber 
den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht (Art. 333 Abs. 1 StPO). Die dem 
Gericht in Art. 333 Abs. 1 StPO eingeräumte Kompetenz geht weiter als diejenige 
in Art. 329 Abs. 2 StPO und ermöglicht eine Anklageänderung. Art. 333 Abs. 1 
StPO gelangt typischerweise zur Anwendung, wenn der angeklagte Sachverhalt 
aus Sicht des Gerichts einen anderen rechtlichen Tatbestand erfüllen könnte, des-
sen Tatbestandsvoraussetzungen allerdings in der Anklage nicht (vollständig) um-
schrieben sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_688/2017 vom 1. Februar 2018 E. 
2.3.). Eine Änderung der Anklage im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO ist in Anwen-
dung von Art. 379 StPO auch noch an der Berufungsverhandlung möglich (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 1.4.1 m.w.H.).

Die Anklageschrift wurde vorliegend von der Generalstaatsanwaltschaft dahinge-
hend geändert, dass die Anklage einerseits auf «vollendete, evtl. versuchte schwe-
re Körperverletzung» lautet und andererseits der folgende Passus eingefügt wurde: 
«Die Sensibilitätsstörungen im Gesicht als Folge der dislozierten Jochbeinfraktur 
links mit Orbitabodenbeteiligung und die Bewegungseinschränkungen und 
Schmerzen in der Schulter als Folge des Schlüsselbeinbruchs sind nach heutigem 
Kenntnisstand von bleibender Natur. C.________ ist dadurch im Alltag sowohl in 
körperlicher wie auch in gesellschaftlicher Sicht eingeschränkt». Ferner wurde in 
subjektiver Hinsicht Folgendes angefügt: «[…] bzw. nahm er durch sein Verhalten 
in Kauf, dass C.________ massive Verletzungen erleidet, welche in ihrer Gesamt-
heit eine schwere Körperverletzung bewirken» (pag. 2148 f.). Wie die Verteidigung 
zutreffend ausführte, wurde auch bei der Anklageergänzung darauf verzichtet, die 
anwendbaren Alineas des Art. 122 StGB zu erwähnen. Als gesetzliche Bestim-
mungen wurden lediglich Art. 122 StGB, evtl. Art. 122 i.V.m. Art. 22 StGB (pag. 
2149) aufgeführt.  

Eine Anklageergänzung ist aufgrund obenstehender Ausführungen – wie bereits 
die Generalstaatsanwaltschaft zutreffend ausführte – auch vor oberer Instanz 
grundsätzlich noch möglich. Die Kammer verkennt nicht, dass gemäss den voran-
stehenden Ausführungen und insbesondere nach dem Wortlaut von Art. 329 Abs. 2 
und Art. 333 Abs.1 StPO die Initiative zur Anklageergänzung vom Gericht auszu-
gehen hat. Beim Ausgang des vorliegenden Verfahrens kann indes die Zulässigkeit 
des gewählten Vorgehens der Generalstaatsanwaltschaft offen gelassen werden. 
Dem Beschuldigten ist letztlich auch durch die Ergänzung der Anklageschrift im Be-
rufungsverfahren keine Instanz mit voller Überprüfungsbefugnis verloren gegan-
gen. Gleich verhält es sich bezüglich der Frage der Zulässigkeit des oberinstanzlich 
beantragten Würdigungsvorbehalts. Auch wenn die obigen Ausführungen (vgl. Ziff. 

16

6.2 hiervor) Rückschlüsse in Bezug auf die Frage der Zulässigkeit des oberinstanz-
lich beantragten Würdigungsvorbehalts zulassen, kann die Frage aufgrund der zu 
den Akten genommenen Anklageergänzung sowie des Ergebnisses der rechtlichen 
Würdigung letztlich offen gelassen werden. 

7. Tragweite des Rechts auf Konfrontation bzw. Zulässigkeit der Einschränkung

Die Verteidigung machte bereits erstinstanzlich eine Verletzung des Anspruchs auf 
direkte Konfrontation des Beschuldigten mit den Belastungszeugen geltend. Den 
Erwägungen der Vorinstanz ist dazu Folgendes zu entnehmen (pag. 953 ff., S. 8 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

2.1.1. Recht auf Konfrontation 

Die entsprechenden Gesuche der Privatklägerin C.________ und des Zeugen H.________ auf Kon-
frontationsvermeidung wurden bereits vor der Verhandlung gutgeheissen. Beide Opfer lehnten eine 
Videobefragung ab, weshalb der Beschuldigte für die Einvernahme der beiden Opfer den Gerichtssaal 
verliess und in einem Nebenraum wartete. Rechtsanwalt B.________ hingegen war während den 
ganzen Einvernahmen im Gerichtssaal anwesend und besprach jeweils anschliessend mit dem Be-
schuldigten das Protokoll und verzichtete in diesen konkreten Fällen auf das Stellen von Fragen.

Rechtsanwalt B.________ verwies schon zu Beginn der Verhandlung auf Art. 6 Ziff. 3 EMRK wonach 
dem Beschuldigten das Recht zustehe, dass die Konfrontation von Angesicht zu Angesicht stattfinde. 
Dieser Antrag wurde vor der Einvernahme der Privatklägerin (pag. 843), des Zeugen H.________ 
(pag. 859) und bezüglich der Zeugin N.________ (pag. 868) noch einmal wiederholt und erneut ab-
gewiesen. Zum Schluss der Verhandlung stellte Rechtsanwalt B.________ noch einmal den Antrag, 
es seien mit sämtlichen Zeugen Konfrontationen durchzuführen. Das Gericht wies auch diesen Antrag 
erneut ab (pag. 888).

Für das Gericht steht ausser Frage, dass das Konfrontationsrecht grundsätzlich absoluter Natur ist, 
wenn dem Zeugnis ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Das ist Ausfluss aus der Bundesverfas-
sung und aus Art. 6 EMRK. Es ist ein Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren.

Nun kann dieses Recht des Beschuldigten allerdings mit den Interessen des Opfers kollidieren. Aus 
diesem Grund hat der Gesetzgeber dem Opfer gemäss Art. 117 Abs. 1 Bst. c StPO das Recht auf be-
stimmte Schutzmassnahmen eingeräumt. In diesem Zusammenhang wird auf die Art. 152 – 154 StPO 
verwiesen. In Art. 152 Abs. 3 StPO wird festgehalten, dass die Strafbehörden eine Begegnung des 
Opfers mit der beschuldigten Person vermeiden, wenn das Opfer dies verlangt, wobei in einem sol-
chen Fall dem Anspruch der beschuldigten Person auf rechtliches Gehör auf andere Weise Rechnung 
zu tragen ist. Dabei wird dem Opfer das Recht eingeräumt, in Anwendung von Schutzmassnahmen 
nach Art. 149 Abs. 2 Bst. b und d StPO einvernommen zu werden. Dazu gehört, dass die Einvernah-
me unter Ausschluss der Parteien erfolgen kann, also auch unter Ausschluss der beschuldigten Per-
son. 

Das sind Rechte des Opfers, welche das Gericht nicht einfach so übergehen kann. Macht das Opfer 
von diesen Rechten Gebrauch, kann das nun allerdings nicht bedeuten, dass die erwähnten verfas-
sungsmässigen Rechte der beschuldigten Person völlig ausgehebelt werden. Das Konfrontationsrecht 
bzw. das Recht, einem Belastungszeugen Fragen zu stellen, wird damit also nicht einfach aufgeho-
ben, wenn das Opfer dies wünscht. Vielmehr ist dieses eben grundsätzlich absoluter Natur.

17

Dieses Dilemma ist nicht neu, und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) 
hat dies erkannt und festgehalten, dass die Rechte der Verteidigung und diejenigen des Opfers in 
solchen Situationen gegeneinander abgewogen werden müssen. Dabei hat der Gerichtshof explizit 
festgehalten, dass die Garantie von Art. 6 Ziff. 3 Bst. d EMRK allenfalls auch ohne Konfrontation mit 
dem Angeklagten oder direkte Befragung des Opfers durch den Verteidiger gewährleistet werden 
kann. Es wird hier z.B. auf das Urteil des EGMR i.S. S.N. gegen Schweden vom 02.07.2002 verwie-
sen.

Was hat nun der schweizerische Gesetzgeber daraus gemacht? Er hat diese Problematik insbeson-
dere in Art. 149 Abs. 5 und Art. 152 Abs. 4 StPO aufgenommen. Daraus ergibt sich, dass das Recht 
auf direkte Konfrontation des Beschuldigten mit einem Belastungszeugen eben eingeschränkt werden 
darf – vgl. Art. 152 Abs. 3 und Art. 149 Abs. 2 Bst. b StPO – dabei aber dafür zu sorgen ist, dass das 
rechtliche Gehör und insbesondere die Verteidigungsrechte der beschuldigten Person trotzdem in 
ausreichendem Mass gewahrt werden können. Zum Schutz der Opfer steht dem Gericht bei der Wahl 
der Vorkehren ein gewisser Ermessensspielraum zur Verfügung. Soweit dem Opfer eine direkte Kon-
frontation nicht zumutbar ist und der Beschuldigte den Saal während der Zeugeneinvernahme verlas-
sen muss, ist eine Videoübertragung nicht unter allen Umständen zwingend. Dies schon gar nicht, 
wenn der Beschuldigte die Möglichkeit hat, über den Verteidiger Fragen stellen zu lassen und der 
Verteidiger ausreichend Gelegenheit hat, selber Feststellungen zur Glaubhaftigkeit der Zeugenaussa-
gen zu machen (BGE 143 IV 397, E. 5.2 und BGE 129 I 151, E 5.). 

Nur wenn dem Anspruch der beschuldigten Person nicht auf andere Weise entsprochen werden kann 
oder wenn ein überwiegendes Interesse der Strafverfolgung es zwingend erfordert, darf eine Ge-
genüberstellung entgegen des Willens des Opfers angeordnet werden. 

Der absolute Charakter des Konfrontationsrechts bedeutet also weder nach EMRK noch nach StPO, 
dass keinerlei Einschränkungen zulässig wären. 

Im Wesentlichen ergibt sich also Folgendes:

• Der Beschuldigte hat ein Recht darauf, im Rahmen einer Konfrontation einem Belastungszeugen 
Fragen stellen zu können. Es geht dabei letztlich darum, dass der Beschuldigte seine Verteidi-
gungsrechte wahrnehmen kann. 

• Dieses Recht ist insofern absoluter Natur, als es nicht vollumfänglich aufgehoben werden darf. 
Das ist eine absolute Grenze. Deshalb ist es auch nicht zulässig, im Sinne einer antizipierten 
Beweiswürdigung mögliche Fragen des Beschuldigten als irrelevant abzutun und nicht zuzulas-
sen. Oder mit anderen Worten: Wenn der Beschuldigte keinerlei Möglichkeit hatte, dem Belas-
tungszeugen Fragen zu stellen oder stellen zu lassen, dann darf auf eine solche Aussage nicht 
abgestellt werden, wenn sie von ausschlaggebender Bedeutung ist. 

• Zulässig ist es aber, dieses Recht des Beschuldigten einzuschränken, wenn es mit den schutz-
würdigen Interessen eines Opfers kollidiert. Einschränken heisst aber nicht aufheben. 

• Das ergibt sich nicht nur aus den Entscheiden des EGMR und des Bundesgerichts, sondern ins-
besondere auch aus Art. 152 StPO. 

• Eine Beschränkung des Rechts auf direkte Konfrontation und zur Ausübung des direkten unmit-
telbaren Fragerechts des Beschuldigten ist also durchaus zulässig. Wenn das nicht möglich sein 
sollte, hätte der Gesetzgeber vom Erlass von Art. 149 Abs. 2 Bst. b bzw. Art. 152 Abs. 4 Bst. a 
StPO abgesehen. 

18

• Natürlich darf das Recht des Beschuldigten nicht so weit eingeschränkt werden, dass es letztlich 
zur Farce und komplett ausgehöhlt wird. Trotz Einschränkungen muss sich der Beschuldigte 
adäquat, ausreichend verteidigen können und er muss ein faires Verfahren erhalten.

Oberinstanzlich wurde weiterhin eine Verletzung des Anspruchs auf direkte Kon-
frontation geltend gemacht. Dazu wurde bereits im Kammerbeschluss vom 12. Ok-
tober 2020 Folgendes ausgeführt (pag. 1061 f.): 

1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat der Beschuldigte, als Ausfluss des rechtlichen 
Gehörs, Anspruch, den Belastungszeugen Fragen zu stellen bzw. diese zu konfrontieren. Der 
Beschuldigte soll mindestens einmal eine «angemessene und hinreichende Gelegenheit erhal-
ten, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen zu stellen» (BGE 140 IV 172 E. 1.3; 
BGE 131 I 476 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_1367/2019 vom 17. April 2020 E. 4.5; 
6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.3.3; 6B_510/2013 vom 3. März 2014 E. 3.1; 
6B_75/2013 vom 10. Mai 2013 E. 3.3.1). Es soll garantiert werden, dass sich keine Verurteilung 
auf Aussagen stützt, zu denen sich der Beschuldigte nicht hat äussern und deren Urheber er 
nicht hat befragen können. Dies gehört zu den Grundzügen des fair trial und des rechtsstaatli-
chen Verfahrens nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK (BGE 125 I 127 E. 6.cc). Dem Anspruch, den Belas-
tungszeugen Fragen zu stellen, kommt insofern grundsätzlich ein absoluter Charakter zu. Er er-
fährt in der Praxis aber eine gewisse Relativierung und gilt nur dann uneingeschränkt, wenn dem 
streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung zukommt, dieses also den einzi-
gen oder einen wesentlichen Beweis darstellt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1039/2014 vom 24. 
März 2015 E. 3.3.1; BGE 131 IV 476 mit Hinweis auf BGE 129 I 151 E. 3.1).

2. Den Opfern stehen gestützt auf Art. 117 Abs. 1 Bst. c StPO sodann diverse Schutzmassnahmen 
zu. Insbesondere kann das Konfrontationsrecht in gewissen Konstellationen durch die Opfer-
rechte eingeschränkt werden. Dabei sind die Interessen der Verteidigung und diejenigen des 
Opfers gegeneinander abzuwägen (etwa BGE 143 IV 397 E. 2.5.2). Gemäss Art. 152 Abs. 1 
StPO wahren die Strafbehörden die Persönlichkeit des Opfers auf allen Stufen des Verfahrens. 
Sie vermeiden eine Begegnung zwischen dem Opfer und der beschuldigten Person, wenn das 
Opfer dies verlangt, wobei dem Anspruch der beschuldigten Person auf rechtliches Gehör dabei 
auf andere Weise Rechnung getragen werden muss (Art. 152 Abs. 3 StPO). Eine Gegenüber-
stellung kann in Anwendung von Art. 152 Abs. 4 StPO (erst) angeordnet werden, wenn der An-
spruch der beschuldigten Person auf rechtliches Gehör nicht auf andere Weise gewährleistet 
werden kann oder ein überwiegendes Interesse der Strafverfolgung sie zwingend erfordert.

Diese Ausführungen haben weiterhin Gültigkeit; darauf kann an dieser Stelle der 
Einfachheit halber verwiesen werden. Was den jeweiligen Einzelfall anbelangt, wird 
– soweit erforderlich – in der entsprechenden Würdigung auf die konkrete Frage 
der Konfrontationsvermeidung noch näher eingegangen. Bereits an dieser Stelle 
kann allerdings festgehalten werden, dass sich weitere Ausführungen in Bezug auf 
die Frage der direkten Konfrontation mit der Zeugin E.________ erübrigen, da die-
se anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung im Beisein des Beschuldig-
ten einvernommen wurde.

19

II. Sachverhalt, Beweiswürdigung und Rechtliches

8. Vorbemerkungen / Übersicht 

Von wesentlicher Bedeutung ist, dass der Beschuldigte wegen teilweise ähnlich ge-
lagerter Delikte bereits in einem ordentlichen Verfahren vor Kollegialgericht (Urteil 
vom 26. Februar 2014 [PEN 13 680], pag. 651 ff. Vorakten Kollegialgericht 1 [VA 
KG1]) zu einer stationären Massnahme für junge Erwachsene (Art. 61 StGB) verur-
teilt wurde, welche in einem nachträglichen Verfahren mit Entscheid vom 31. Okto-
ber 2017 aufgehoben und in Anwendung von Art. 62c Abs. 6 StGB an deren Stelle 
eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB (PEN 17 439, pag. 
92 ff. Vorakten Kollegialgericht 2 [VA KG2]) angeordnet wurde, wobei dann die Be-
schwerdekammer des Obergerichts des Kantons Bern mit Beschluss vom 22. März 
2018 die Beschwerde des Beschuldigten guthiess und den Antrag der BVD auf 
Umwandlung der Massnahme abwies (BK 17 478, pag. 100 ff. Vorakten Be-
schwerdekammer [VA BK]). In der Folge hob die BVD mit Verfügung vom 12. April 
2018 die Massnahme für junge Erwachsene (Art. 61 StGB) wegen aussichtsloser 
Fortführung auf und der Beschuldigte wurde per 18. April 2018 aus dem Massnah-
menvollzug entlassen (pag. 826 ff. Vollzugsakten [VA BVD]). Es dauerte nur gut ei-
nen Monat, bis am 23. Mai 2018 die im vorliegenden Verfahren zu beurteilende De-
liktsserie begann. Allen vorliegend in der Anklageschrift vom 27. Mai 2019 ange-
klagten Delikten wegen Verletzung der körperlichen Integrität ist gemeinsam, dass 
sich der Beschuldigte und das jeweilige Opfer nicht gekannt haben, sich zufällig zu 
Fuss begegnet sind bzw. sich gekreuzt haben und der Beschuldigte aus dem 
Nichts, ohne Vorwarnung und aus nichtigem Anlass mit der Hand bzw. Faust ein-
malig und heftig in die Kopf-/Gesichtsregion des völlig überraschten und chancen-
losen Opfers eingewirkt hat. Exemplarisch dafür ist der auf dem Überwachungsvi-
deo festgehaltene Übergriff auf I.________ am 12. Juli 2018, gegen 14.00 Uhr, am 
Bahnhof in M.________ (vgl. dazu Erw. II.8.5 nachfolgend und das entsprechende 
Video [pag. 117]).

Weil der Beschuldigte psychiatrisch und strafrechtlich eine lange Vorgeschichte 
hat, erfolgt der besseren Übersichtlichkeit halber nachfolgend eine tabellarische 
Auflistung wesentlicher Ereignisse und Entscheide in chronologischer Reihenfolge.

8.1 Chronologische Übersicht 

Urteilsdatum:

13.08.2008

Urteil Jugendgericht Bern-Mittelland: Tätlichkei-
ten (begangen am 27.06.2008) in M.________, 
Verurteilung zu einer persönlichen Leistung von 
einem Tag

pag. 2 f. VA BVD

Urteilsdatum:

05.05.2009

Urteil Jugendgericht Bern-Mittelland: Tätlichkei-
ten (begangen am 31.10.2008) in M.________, 
Verurteilung zu persönlicher Betreuung sowie 
einer persönlichen Leistung von zwei Tagen

pag. 4 ff. VA BVD

Begangen am 
31.05.2012

Sachbeschädigung (geringfügig) und Beschimp-
fung z.N. S.________ (Stiefvater)

pag. 652 VA KG1

20

Begangen am 
16.08.2012

Gewalt und Drohung gegen Beamte (3 Polizis-
ten); Drohung und Beschimpfung z.N. 
S.________

pag. 652 VA KG1

Begangen am 
28.08.2012

Einfache Körperverletzung, Gewalt und Drohung 
gegen Beamte und Beschimpfung z.N. 
T.________; einfache Körperverletzung z.N. 
U.________; Sachbeschädigung z.N. 
S.________

pag. 652 VA KG1

10.09.2012 Dr. V.________: Antrag an Regierungsstatthal-
teramt (RSTA) Bern-Mittelland um Prüfung von 
FFE-Massnahmen

VA KESB Fasz. 2

11.10.2012 Dr. W.________: Zwischenbericht über Rück-
fallgefahr bzw. Ausführungsgefahr

pag. 420 f. VA KG1

24.10.2012 Gutachten Dr. med. F.________ an RSTA Bern-
Mittelland

pag. 360 ff. VA KG1

23.11.2012 Forensisch-psychiatrisches Gutachten Dr. 
W.________

pag. 344 ff. VA KG1

25.01.2013 Ärztliche fürsorgerische Unterbringung (FU) im 
Psychiatriezentrum Münsingen (PZM)

pag. 328 VA KG1

05.02.2013 KESB Mittelland Süd: Anordnung FU zur Begut-
achtung im PZM

pag. 316 ff. VA KG1

04.03.2013 Psychiatrisches Gutachten PZM an KESB pag. 329 ff. VA KG1

07.03.2013 KESB Mittelland Süd: Anordnung einer FU und 
Unterbringung im PZM

pag. 309 ff. VA KG1

28.06.2013 KESB Mittelland Süd: Entlassung aus FU und 
Übertritt in den Wohnverbund UPD, Kehrsatz, 
seit 02.07.2013

pag. 371.5 ff. VA KG1

Juni 2013 Anmeldung bei IV pag. 1115 VA BVD

07.10.2013 Anklageschrift pag. 517 ff. VA KG1

26.01.2014 Dr. W.________: Beantwortung von Ergän-
zungsfragen

pag. 563 ff. VA KG1

2014 Einstellung Abklärungen bei IV durch BVD pag. 1115 VA BVD

Urteilsdatum

26.02.2014

Urteil Kollegialgericht Bern-Mittelland: Frei-
heitsstrafe von 18 Monaten, Geldstrafe von 20 
Tagessätzen, Übertretungsbusse von CHF 
400.00; Einweisung in Einrichtung für junge 
Erwachsene und begleitende ambulante psy-
chotherapeutische Behandlung; Verurteilung zu 
CHF 3'337.45 Schadenersatz und Genugtuung 

pag. 651 ff. VA KG1

21

von CHF 4'000.00 an T.________

14.10.2014 Antritt Massnahme für junge Erwachsene im 
Massnahmenzentrum Arxhof

pag. 237 ff. VA BVD

31.03.2015 Bericht (Einschätzung und Empfehlung) Dr. 
med. F.________ an BVD

pag. 304 ff. VA BVD

09.08.2016 Strafbefehl Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland 
wegen Hinderung einer Amtshandlung 
(09.06.2016); 10 Tage Freiheitsstrafe

pag. 425 ff.

12.10.2016 Strafbefehl Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland 
wegen Hinderung einer Amtshandlung 
(15.09.2016); 10 Tage Freiheitsstrafe

pag. 428 ff.

14.10.2016 (Erste) Beendigung Massnahme für junge Er-
wachsene im Massnahmenzentrum Arxhof

pag. 525 VA BVD

31.10.2016 Abschlussbericht Massnahmenzentrum Arxhof pag. 525 ff. VA BVD

26.01.2017 – 
21.04.2017

Aufenthalt in Forensikstation Etoine pag. 682 ff. VA BVD

03.04.2017 Forensisch-psychiatrisches Verlaufsgutachten 
von Dr. med. F.________

pag. 577 ff. VA BVD

22.05.2017 Antrag BVD: Aufhebung der stationären Mass-
nahme für junge Erwachsene und Anordnung 
einer stationären therapeutischen Massnahme 
nach Art. 59 StGB

pag. 1 ff. VA KG2

31.10.2017 Urteil Kollegialgericht Bern-Mittelland: Auf-
hebung der Massnahme nach Art. 61 StGB und 
an deren Stelle Anordnung einer stationären 
therapeutischen Massnahme nach Art. 59 StGB

pag. 92 ff. VA KG2

22.11.2017 Beschwerde gegen Umwandlungsentscheid 
vom 31.10.2017

pag. 30 ff. VA BK

22.03.2018 Beschwerdekammer: Beschwerdegutheissung pag. 100 ff. VA BK

12.04.2018 BVD: Aufhebung der Massnahme für junge Er-
wachsene und Anordnung der Entlassung per 
18.04.2018

pag. 826 ff. VA BVD

18.04.2018 Entlassung Beschuldigter aus Arxhof pag. 826 ff. VA BVD

23.05.2018 Einfache Körperverletzung z.N. H.________ 
(Anklageschrift Ziff. 1)

pag. 84 ff.

24.05.2018 Massive Selbstverletzung des Beschuldigten pag. 79 ff.

12.07.2018 Einfache Körperverletzung bzw. Versuch dazu 
z.N. I.________ (Anklageschrift Ziff. 2)

pag. 108 ff.

20.07.2018 Versuchte einfache Körperverletzung und Sach- pag. 126 ff.

22

beschädigung z.N. J.________; einfache Kör-
perverletzung z.N. G.________ (rechtskräftiger 
Freispruch)

20.07.2018 Einweisung in PZM durch ärztliche FU pag. 128

13.08.2018 Tätlichkeiten z.N. E.________ und L.________ 
sowie Drohung z.N. K.________ (Anklageschrift 
Ziff. 5)

pag. 143 ff.

14.08.2018 –

22.08.2018

Ärztliche FU in PZM pag. 11 / VA KESB

17.10.2018 Versuchte bzw. schwere Körperverletzung z.N. 
C.________ (Anklageschrift Ziff. 6)

pag. 163 ff.

23.10.2018 Vorläufige Festnahme und U-Haft pag. 19 ff.

11.12.2018 Disziplinarverfügung wegen Demolierung TV-
Gerät

pag. 47 ff.

06.03.2019 Zelle im Regionalgefängnis Bern (absichtlich) in 
Brand gesteckt

pag. 269 ff.

24.04.2019 Beschimpfung und Drohung gegen Fürsprecher 
Q.________ im Regionalgefängnis Bern

pag. 436.1

06.03.2019 –
14.03.2019

Aufenthalt in Forensikstation Etoine pag. 72 ff., 228.1 ff.

12.04.2019 Gutachten Forensisch-Psychiatrischer Dienst 
(FPD), Dr. F.________

pag. 315 ff.

15.05.2019 Gesuch um vorzeitigen Massnahmenantritt (evtl. 
vorzeitiger Strafvollzug)

pag. 449 f.

23.05.2019 Bewilligung vorzeitiger Massnahmenvollzug pag. 78.11 f.

27.05.2019 Anklageschrift pag. 452 ff.

20.06.2019 Disziplinarverfügung wegen Beleidigung, Dro-
hung/Angriff gegenüber Mitarbeiterin Regional-
gefängnis Bern

pag. 487 

17.06.2019 FPD (Dr. F.________): Beantwortung der Er-
gänzungsfragen der Verteidigung

pag. 497 ff.

12.09.2019 Vorzeitiger Massnahmenantritt in Psychiatri-
scher Universitätsklinik (PUK) Zürich/Rheinau

pag. 605 ff.

04.10.2019 Massnahmenverlaufsbericht PUK Zürich/ 
Rheinau

pag. 637 f.

25.11.2019 Behandlungsplan(-konferenz) PUK Zürich/ 
Rheinau

pag. 999 ff. VA BVD

22.01.2020 Verlaufsbericht PUK Zürich/Rheinau pag. 752 ff. /pag. 1009 

23

ff. VA BVD

21.04.2020 Führungsbericht PUK Zürich/Rheinau pag. 826 ff.

15.05.2020 Urteil Kollegialgericht Bern-Mittelland (vgl. 
Erw. I.1 oben), teilweise rechtskräftig

pag. 927 ff.

17.08.2020 Jahresbericht PUK Zürich/Rheinau pag. 1043 ff. VA BVD

17.09.2020 Behandlungsplan(-konferenz) PUK Zürich/ 
Rheinau

pag. 1068 ff. VA BVD

26.11.2020 Behandlungsplan(-konferenz) PUK Zürich/ 
Rheinau

pag. 1102 ff. VA BVD

08.12.2020 Antrag PUK Zürich/Rheinau an BVD um Bewilli-
gung der Versetzung von der Sicherheitsabtei-
lung auf eine geschlossene Massnahmenstation

pag. 1118 ff. VA BVD

08.01.2021 BVD: Bewilligung Versetzung auf eine geschlos-
sene Massnahmenstation

pag. 1101 ff.

09.03.2021 – 
16.03.2021

Aufenthalt auf BEWA Inselspital im Zusammen-
hang mit medikamentösem Umstellungsversuch 
(kardiovaskuläres Risikoprofil, neu diagnostizier-
ter Diabetes mellitus Typ 2 und Auffälligkeiten 
[Repolarisationsstörungen])

pag. 2001

27.04.2021 Übertritt auf eine geschlossene Massnahmen-
station

pag. 2002

9. Verwertbarkeit der Aussagen betreffend «Identifizierung» des Beschuldigten

9.1 Vorbringen der Verteidigung

Bereits vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde seitens der Verteidigung 
mit Eingabe vom 6. August 2019 der Antrag gestellt, es seien die Aussagen betref-
fend die angebliche «Identifizierung» des Beschuldigten von X.________, 
H.________, J.________, G.________, K.________, Y.________ und Z.________ 
aus dem Recht zu weisen (pag. 561). Zur Begründung wurde Folgendes ausge-
führt (pag. 561 ff.):

Der Polizeibeamte hat dem angeblichen Zeugen sowie dem Geschädigten ein einziges Bild zur Er-
kennung vorgehalten und dies war jenes des Beschuldigten. Damit wurden der angebliche Zeuge und 
die geschädigte Person unzulässigerweise in ihrer Wahrnehmung beeinflusst. Eine Wiedererkennung 
hat nicht stattgefunden. Die Aussagen des Zeugen sind durch die Beeinflussung der Polizei unver-
wertbar. Selbst wenn man den Zeugen heute noch befragen würde, wäre seine Meinung bereits ge-
bildet. Der Zeuge und der Geschädigte wurden durch den Polizeibeamten getäuscht, was nicht zuläs-
sig ist (Art. 140 StPO). Die angewandte Beweismethode ist unzulässig. Selbst wenn sie dies nicht wä-
re, wäre auf die Wiedererkennung des Zeugen nicht abzustellen. Nichts anderes ergibt sich aus Art. 6 
EMRK und den Anspruch auf „fair trial". Das vorgezeigte Foto war sodann nicht „neutral". Gezeigt 
wird eine blutverschmierte Person, die sich offenbar bereits in Polizeigewahrsam befindet (Schuhe mit 

24

Uniform im Hintergrund). Die abgebildete Person hat der Verwendung dieses Bildes auch nicht zuge-
stimmt und das Bild war zum fraglichen Zeitpunkt auch nicht verwertbar.

Bei den Geschädigten J.________ und G.________ wurde die Gegenüberstellung nicht ordnungs-
gemäss durchgeführt. Sie wurde noch nicht einmal bildlich dokumentiert. Darauf kann nicht abgestellt 
werden. Ziel einer Gegenüberstellung, das heisst einer Identifizierung von Tatverdächtigen durch Au-
genzeugen, ist es, die Frage zu prüfen, ob eine Person eine bestimmte Tat begangen hat oder nicht. 
Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Zeuge in seinem Gedächtnis ein Abbild des Täters bei Be-
gehung der fraglichen Tat speicherte. Ist die Gedächtnisrepräsentation des beobachteten Täters mit 
der in einer Gegenüberstellung präsentierten Person identisch, dient dies als Beweis dafür, dass die-
se Person tatsächlich die Tat beging. ldentifizierungsaussagen werden indessen nicht nur durch den 
Gedächtnisinhalt, sondern auch durch eine Reihe anderer Faktoren beeinflusst. Die Identifizierung ei-
nes Tatverdächtigen durch einen Zeugen ist nur dann ein schlüssiges Beweismittel, wenn das Wie-
dererkennen allein auf die Aehnlichkeit der in der Gegenüberstellung wahrgenommenen Person mit 
der Gedächtnisrepräsentation dieser Person beim Zeugen zurückgeführt werden kann, und wenn die-
se Gedächtnisrepräsentation in der Tatsituation angelegt wurde. Der Verdächtigte darf sich daher 
nicht durch irgendwelche wie auch immer gearteten Besonderheiten von den Alternativpersonen in 
der Gegenüberstellungsgruppe abheben (Köhnken/Sporer, Identifizierung von Tatverdächtigen durch 
Augenzeugen, Stuttgart 1990, S. 157; Schmitt, Die richterliche Beweiswürdigung im Strafprozess, Lü-
beck 1992, S. 343 if.; Kette, Rechtspsychologie, Wien 1987, S. 193 f.). Eine Falschidentifizierung 
kann - neben zufälligen Irrtümern - auch auf einem systematischen Fehler beruhen, welcher vorliegt, 
wenn bestimmte Merkmale des Gegenüberstellungsverfahrens oder der Zusammensetzung der Ge-
genüberstellungsgruppe die Wahl des Zeugen auch dann auf den Verdächtigten lenken würden, 
wenn er tatsächlich nicht der Täter wäre (Köhnken/Sporer, S. 158 ff.). Je geringer die Zahl der ge-
genübergestellten Personen ist, umso höher ist das Risiko, dass der Verdächtigte mehr oder weniger 
zufällig als Täter bezeichnet wird; besteht die Gruppe einschliesslich des Verdächtigten aus vier Per-
sonen, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass der Verdächtigte rein zufällig als Täter bezeichnet wird, 
25 % (Köhnken/Sporer, S. 159; Odenthal, Die Gegenüberstellung im Strafverfahren, 2.A., S. 40). Zu 
einer Gegenüberstellung sollten daher mindestens fünf bis acht Vergleichspersonen herangezogen 
werden (Odenthal, S. 40 und Anm. 85). Zudem sollten der Zusammensetzung der Gruppe von Alter-
nativpersonen keine Anzeichen entnommen werden können, die auf den Verdächtigten hindeuten. 
Die Vergleichspersonen müssen mithin für den Zeugen vollwertige Wahlalternativen darstellen (Grös-
se, Gewicht, Körperbau, Alter, Frisur, Haarfarbe, Art, Rasse). Auch ist zu beachten, dass die Ver-
gleichspersonen und auch der die Gegenüberstellung leitende Beamte Reaktionen zeigen können, 
die dem Zeugen Hinweise liefern; Abhilfe schafft hier nur das (freilich organisatorisch schwierige) 
Vorgehen, Leiter und Vergleichspersonen über die Identität des Verdächtigten völlig im Unklaren zu 
lassen (vgl. Eisenberg, Persönliche Beweismittel in der StPO, München 1993, N 903 f.; Schmitt, S. 
344 Anm. 207). Zudem orientieren sich Zeugen bei ihren Vergleichen und Ähnlichkeitsbeurteilungen 
oftmals an höchst subjektiven Eindrücken. Ein Zeuge muss deshalb zunächst danach befragt werden, 
welche Merkmale ihm an der wahrgenommenen Person besonders aufgefallen sind, und welche sub-
jektiven Eindrücke er von der Person hatte (Köhnken/Sporer, S. 161 if., 164; Odenthal, S. 32 ff.; 
Schmitt, S. 344; Arntzen, Vernehmungspsychologie, 2.A., S. 60). Schliesslich muss jede Gegenüber-
stellung dokumentiert werden, damit das Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung den Beweiswert 
der Gegenüberstellung beurteilen kann. Hiezu gehört mindestens ein Foto von allen Varianten der 
Gegenüberstellungsgruppe, eine wörtliche Protokollierung der Instruktionen, die den Zeugen gegeben 
wurden, eine Protokollierung der von den Zeugen vor der Identifizierung gegebenen Täterbeschrei-
bung, eine Protokollierung der Aussagen aller Zeugen und eine Protokollierung auch der Gegenüber-

25

stellungen, in denen der Verdächtigte nicht identifiziert wurde (Köhnken/Sporer, S. 177; Schmitt, S. 
345.; vgl. zum Ganzen: Meurer/Sporer, Zum Beweiswert von Personenidentifizierungen, Neuere em-
pirische Befunde, Marburg 1990, mit weiteren Hinweisen auf S. 6 Anm. 26).

9.2 Vorbringen der Staatsanwaltschaft

In der Stellungnahme vom 12. August 2019 (pag. 577 ff.) verneinte die Staatsan-
waltschaft das Vorliegen einer Täuschung durch die Polizei im Sinne von Art. 140 
Abs. 1 StPO. Betreffend die Privatklägerin wurde darauf hingewiesen, die Polizei 
habe bei der Fahndung nach dem Täter sowohl als Sicherheits- als auch als Ge-
richtspolizei gehandelt, da die Gefahr weiterer Angriffe habe abgewendet werden 
müssen (unter Hinweis auf Art. 1 Abs. 1 Bst. a und b i.V.m. Art. 3 Abs. 1 Polizeige-
setz, [PolG, BSG 551.1]). Das Vorzeigen des Fotos sei sicherheitspolizeilich moti-
viert gewesen und zulässig.

9.3 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt dazu in ihren Erwägungen Folgendes fest (pag. 957 f., S. 12 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

2.1.2. Verwertbarkeit der Aussagen

Wie bereits eingangs erwähnt, wurden die Opfer nicht parteiöffentlich einvernommen. Zudem stellte 
Rechtsanwalt B.________ mit Eingabe vom 06.08.2019 den Antrag, die Aussagen betreffend «die 
angebliche „Identifizierung“ des Beschuldigten von X.________, H.________, J.________, 
G.________, K.________, Y.________ und Z.________ seien aus dem Recht zu weisen.» (pag. 561 
ff.).  

Es wird auf die ausführliche Begründung dieses Antrages verwiesen. Kurz zusammengefasst führte 
Rechtsanwalt B.________ aus, die Polizeibeamten hätten den Zeugen und Opfern ein einziges Bild 
zur Erkennung vorgehalten und zwar dasjenige des Beschuldigten. Damit seien die angeblichen Zeu-
gen und die geschädigten Personen unzulässigerweise in ihrer Wahrnehmung beeinflusst worden. 
Eine Wiedererkennung habe nicht stattgefunden. Die Aussagen der Zeugen seien durch die Beein-
flussung der Polizei unverwertbar. Die Zeugen seien durch die Polizeibeamten getäuscht worden, was 
gemäss Art. 140 StPO nicht statthaft sei. Die angewandte Beweismethode sei unzulässig. Selbst 
wenn sie dies nicht wäre, wäre auf die Wiedererkennung des Zeugen nicht abzustellen. Nichts Ande-
res ergebe sich aus Art. 6 EMRK und den Anspruch auf «fair trial». Auch sei nie eine ordnungs-
gemässe Gegenüberstellung mit den Opfern durchgeführt worden.

Es wird an dieser Stelle auf die ausführliche Stellungnahme der Staatsanwaltschaft vom 12.08.2019 
(pag. 577 ff.) und die Verfügung des Gerichts vom 10.09.2019 (pag. 595 f.) verwiesen, worin der Be-
weisantrag von Rechtsanwalt B.________ abgewiesen wurde. Dies mit der Begründung, dass das 
jeweilige Vorgehen der Polizei offensichtlich keine Täuschungshandlungen im Sinne von Art. 140 Abs. 
1 StPO darstellten, welche zu einer Unverwertbarkeit der jeweiligen Angaben der befragten Personen 
führen würden. Inwieweit die Aussagen der genannten Opfer bzw. Auskunftspersonen aufgrund even-
tuell suggestiver Beweiserhebungsmethoden einen eingeschränkten Beweiswert hätten, werde an-
lässlich der Beweiswürdigung durch das Gericht zu beurteilen sein (pag. 596 Ziff. 1).

Zu den einzelnen Vorfällen und den vorhandenen Fotos kann Folgendes gesagt werden:

• H.________: Er konnte eine recht genaue Täterbeschreibung abgeben und beschrieb auch die 
sehr auffälligen Einzelheiten des vom Beschuldigten getragenen T-Shirts. Es handelt sich dabei 

26

nicht um ein null-acht-fünfzehn T-Shirt, das man an jeder Ecke kaufen kann. Es ist vielmehr ein 
auffälliges T-Shirt mit einem eher seltenen, in afrikanischen Farben gehaltenen, Aufdruck. Die 
Polizei hielt H.________ nach dem Vorfall ein Einzelfoto des Beschuldigten vor. Darauf erkannte 
H.________ den Täter sofort. Es ist ein Foto des Beschuldigten, auf welchem er genau dieses 
T-Shirt trägt (pag. 100). Dabei handelt es sich um eine Aufnahme, welche von der Polizei am 
nächsten Tag erstellt wurde, als der Beschuldigte schwer verletzt von der Polizei aufgegriffen 
und notversorgt wurde. Es wird auf den dazugehörigen Berichtsrapport der Kantonspolizei vom 
30.05.2018 verwiesen (pag. 79 ff.). 

• I.________: Hier existiert ein Video einer Überwachungskamera, auf welchem die Tat zu sehen 
und der Beschuldigte zu erkennen ist. Ausserdem hat der Melder und Zeuge, Herr 
AA.________, den flüchtenden Täter von hinten fotografiert (pag. 729). Darauf kann man den 
Beschuldigten erkennen. 

• J.________ und G.________: Kurz nachdem der Vorfall der Polizei gemeldet wurde, hielt die 
Polizei den Beschuldigten in der Nähe der Tatorte an und erstellte zwei Bilder (pag. 740 f.). Bei-
de Opfer erkannten den Beschuldigten auf Vorhalt der Fotos aufgrund der Kleidung.

• L.________, N.________ und K.________: Diese drei Vorfälle ereigneten sich kurz nacheinan-
der. L.________ hatte ihren Fotoapparat dabei und machte Fotos vom Beschuldigten (pag. 728). 
Darauf erkannten die Opfer den Beschuldigten als Täter.

• C.________: Sie selber konnte den Täter nicht beschreiben, da sie ihn gar nicht wahrnahm, als 
er ihr entgegenlief. Hingegen haben ihn sowohl Y.________, als auch Z.________ ziemlich ge-
nau beschrieben. Auf Vorhalt der Fotos auf pag. 582 erkannten beide Zeugen den Täter eindeu-
tig. 

Natürlich ist es eher unschön, dass den Opfern und Zeugen jeweils nur ein Foto des Beschuldigten 
statt eines Fotobogens mit mehreren Personen vorgehalten wurde. Jedoch ist es keinesfalls so wie 
Rechtsanwalt B.________ behauptete, dass damit die Trefferquote bei 100 % liege. Die Opfer und 
Zeugen hätten die Wahl gehabt zu sagen, er sei es nicht oder auch, sie seien sich nicht sicher. Es ist 
auch nicht so, dass die Polizei bei den Einvernahmen jeweils sagte, das sei der Täter sondern sie 
fragten, ob es sich beim Täter um diesen Mann handle, der auf dem Foto abgebildet sei. Hätten die 
Opfer und Zeugen den Täter nicht erkannt, so hätten sie dies verneinen können. Man kann also kei-
neswegs von einer Täuschung durch die Polizei sprechen. Zudem wurde in zwei Fällen (I.________ 
und L.________) von einem Zeugen resp. im Falle von L.________ von ihr selber vom Täter ein Foto 
erstellt. Der Beweiswert dieser Fotos kann kaum ernsthaft in Frage gestellt werden.

Die Strafkammern des Obergerichts des Kantons Bern haben in ihrem Urteil SK 18 342 zur Verwert-
barkeit von nicht parteiöffentlich befragten Geschädigten festgehalten, dass die Frage der Gewichtung 
der informellen Angaben eine solche des Beweiswertes sei und nicht eine solche der Verwertbarkeit. 
Darauf wurde schon in der oben erwähnten Verfügung des Gerichts vom 10.09.2019 hingewiesen. 
Das Gericht kommt nach der Urteilsberatung zum Schluss, dass nachfolgend beweiswürdigend auf al-
le von den Opfern und Zeugen gemachten Aussagen abgestellt werden kann.

[…]

9.4 Erwägungen der Kammer

Gemäss Art. 306 Abs. 3 StPO richtet sich die Polizei bei ihrer Tätigkeit nach den 
Vorschriften über die Untersuchung, die Beweismittel und die Zwangsmassnah-
men. Bei den Beweismittelvorschriften sind die Regeln über die Verwertbarkeit (Art. 

27

141 StPO) zu beachten (RHYNER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl. 2014, N 39 f. zu Art. 306 StPO). Die Palette der Mittel und 
Erkenntnisquellen der Polizei ist grundsätzlich nicht begrenzt. In der StPO ist denn 
auch kein abschliessender Katalog polizeilicher Ermittlungshandlungen vorhanden 
(kein numerus clausus der Beweismittel und Erkenntnisquellen; RHYNER, a.a.O., N 
35 zu Art. 306 StPO). Mit Art. 306 Abs. 2 lit. a StPO besteht zudem eine hinrei-
chende gesetzliche Grundlage für die Sicherstellung bzw. Auswertung von Bewei-
sen und somit auch für die Aufnahme eines Fotos vom Beschuldigten. Darüber 
hinaus liegt keine verbotene Beweiserhebungsmethode vor, die ein absolutes Ver-
wertungsverbot zur Folge hätte (vgl. nachfolgende Ausführungen). 

Gemäss Art. 140 Abs. 1 StPO sind Zwangsmittel, Gewaltanwendung, Drohungen, 
Versprechungen, Täuschungen und Mittel, welche die Denkfähigkeit oder die Wil-
lensfreiheit einer Person beeinträchtigen können, bei der Beweiserhebung unter-
sagt (vgl. dazu auch Art. 3 Abs. 2 Bst. d StPO). Es handelt sich um absolut verbo-
tene Beweiserhebungsmethoden. Beweise, die in Missachtung dieser Regel erho-
ben worden sind, dürfen in keinem Fall verwertet werden (Art. 141 Abs. 1 Satz 1 
StPO). 

Eine verbotene Täuschung besteht in einem durch die Strafbehörden hervorgeru-
fenen Irrtum, d.h. in einem Auseinanderfallen von Wahrheit und Vorstellung über 
Rechtsfragen oder Tatsachen bei der betroffenen Person. Folglich sind das Vor-
spiegeln belastender Beweismittel zwecks Erlangens eines Geständnisses oder ei-
ner Aussage unzulässig (GLESS, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl. 2014, N 47 zu Art. 140 StPO). Kein Verwertungsverbot zur 
Folge haben mangels subjektiven Tatbestands vorab alle unbewussten Täuschun-
gen, selbst wenn das mangelnde Bewusstsein des Befragers auf einer Sorgfalts-
pflichtverletzung beruhen sollte. Dieser Ansicht folgt auch die Beschwerdekammer 
(Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 14 68 vom 27. Mai 2014 E. 5.2 
und 6.3) und auch das Bundesgericht verlangt im Rahmen von Art. 140 Abs. 1 
StPO eine absichtliche Täuschung (Urteil des Bundesgerichts 1B_311/2015 vom 
18. Mai 2016 E. 4.4.4).

Der Vorhalt eines einzigen Fotos zur Täteridentifikation kann offensichtlich nicht als 
Täuschungshandlung im Sinne von Art. 140 Abs. 1 StPO qualifiziert werden. Dies-
bezüglich kann auf die zutreffenden Ausführungen der Staatsanwaltschaft (pag. 
577 ff.) sowie der Vorinstanz (pag. 595 und 957 ff., S. 12 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung) verwiesen werden. 

Nichts zu Gunsten des Beschuldigten lässt sich ferner aus den von der Verteidi-
gung aufgeführten theoretischen Grundlagen (inkl. Literaturangaben) ableiten, wel-
che allesamt aus dem Rechenschaftsbericht des Obergerichts des Kantons Thur-
gau an den Grossen Rat vom 6. Februar 1996 (SB 95 49) stammen. Dem Bericht 
liegt ein nicht mit der vorliegenden Situation vergleichbarer Sachverhalt zu Grunde. 
Beim vorgenannten Entscheid handelte es sich einerseits um eine Wahlgegenü-
berstellung (sog. «Line-up»). Andererseits waren die zur Unverwertbarkeit der 
Täteridentifikation führenden Umstände auf die Zusammensetzung der Vor-
führungsgruppe (Altersunterschied der Vergleichspersonen), die fehlende vorgän-
gige Täterbeschreibung durch die Zeugen und die unzureichende Dokumentation 

28

der Gegenüberstellung (Foto der Gegenüberstellungsgruppe erst zehn Monate 
nach der Gegenüberstellung erstellt, fehlende fotografische Dokumentation der 
Anordnung der Gruppe) zurückzuführen, welche gesamthaft zur Unverwertbarkeit 
der Gegenüberstellung führten. 

Gemäss Art. 146 Abs. 2 StPO können die Strafbehörden – und damit auch die Po-
lizei als Ermittlungsbehörde – Personen, einschliesslich solcher, die ein Aussage-
verweigerungsrecht haben, einander gegenüberstellen. Dabei sind unterschiedliche 
Arten der Gegenüberstellung/Konfrontation möglich, worunter auch die Möglichkeit 
einer Fotokonfrontation fällt, bei welcher z.B. einem Zeugen verschiedene Fotos 
vorgelegt werden, aus denen er den Tatverdächtigen oder eine andere Person be-
zeichnen soll (HÄRING, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessord-
nung, 2. Aufl. 2014, N 5 zu Art. 146 StPO). Die Gegenüberstellung/Konfrontation 
dient der Klärung des Sachverhalts bzw. generell der Wahrheitsfindung und kann 
vor allem in der Form einer Wahlgegenüberstellung oder Fotokonfrontation, das 
Erkennen oder den Ausschluss gewisser Personen als angebliche Täterschaft zum 
Ziel haben (HÄRING, a.a.O., N 6 zu Art. 146 StPO). Hinsichtlich der Durchführung 
einer Gegenüberstellung zum Zwecke der Täteridentifikation bestehen weder be-
sondere Vorschriften noch eine gefestigte einheitliche Praxis. Im Interesse einer 
möglichst zuverlässigen Täteridentifikation empfiehlt es sich, dem Zeugen (bzw. 
Opfer, Auskunftsperson etc.) mehrere Personen zu zeigen bzw. mehrere Ver-
gleichsbilder vorzulegen. Wird nur eine Person gezeigt oder ein Bild vorgelegt, 
lässt sich ein gewisser Suggestivcharakter der Konfrontation nicht leugnen. Da sich 
ein Zeuge oftmals einem gewissen Erwartungsdruck gegenübersieht, ist diesem 
auch eine Nichtidentifikation zu ermöglichen. Wird nur eine Person präsentiert oder 
nur ein Bild vorgelegt, erscheint eine Identifizierung nicht vornherein als unverwert-
bar, doch ist dieser Umstand im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berück-
sichtigen. Die Gegenüberstellung ist detailliert zu dokumentieren und allenfalls in 
Bild und Ton festzuhalten (Art. 76 ff. StPO), und zwar unabhängig vom Ergebnis 
(d.h. auch eine Nichtidentifikation ist zu dokumentieren). Die Fotos, welche bei ei-
ner Fotokonfrontation gezeigt werden, sind zu den Akten zu nehmen (HÄRING, 
a.a.O., N 11 zu Art. 146 StPO). Werden die Grundsätze zur Durchführung einer 
Identifizierungsgegenüberstellung verletzt, führt dies nicht zur Unverwertbarkeit des 
Ergebnisses, sondern nur – aber immerhin – zur Herabsetzung des entsprechen-
den Beweiswerts (HÄRING, a.a.O., N 13a zu Art. 146 StPO).

Folglich ist das Verhalten der Polizei – konkret der Vorhalt eines Fotos des Be-
schuldigten zu Identifikationszwecken – nicht zu beanstanden und dieses hat auch 
nicht die Unverwertbarkeit der entsprechenden Aussagen der Zeugen und Opfer 
zur Folge. Inwiefern der Beweiswert der Täteridentifikation durch einen allfälligen 
Suggestivcharakter der Fotokonfrontation herabgesetzt worden ist, ist im Rahmen 
der Beweiswürdigung zu prüfen. 

10. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung und Aussagenanalyse

Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (pag. 950 f., S. 5 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung).

29

11. Anklageschrift Ziff. I.1: Einfache Körperverletzung z.N. H.________

11.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird unter Ziff. I.1 der Anklageschrift (pag. 452) Folgendes vor-
geworfen:

1. Einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB)

Begangen am 23.05.2018 um ca. 16:00 Uhr in M.________, AB.________(Strasse), indem er 
H.________ mit der Faust gegen die rechte Backe schlug, wodurch dieser Nasenbluten erlitt und sich 
noch einige Tage (mindestens bis 25.05.2018) Abends fast nicht mehr aus dem Haus getraute sowie 
noch einen Druck in der Nase und im Kopf verspürte.

11.2 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung führte in ihrem Parteivortrag vor oberer Instanz aus (pag. 2132 f.), 
dass die Täterschaft des Beschuldigten bestritten werde. Der Geschädigte habe 
den Täter nicht rechtsgenüglich umschreiben können. Die Umschreibung, wonach 
der Täter ein schwarzes T-Shirt und eine schwarze Hose getragen habe, reiche 
nicht. Der Geschädigte habe auch keine Aufschrift auf dem T-Shirt erwähnt. Dar-
aufhin sei dem Geschädigten einzig ein Foto des Beschuldigten vorgehalten wor-
den. Dies sei nicht zulässig und die Identifikation sei rechtswidrig nach Art. 140 
StPO. Weiter habe es keine unmittelbare Konfrontation mit dem Beschuldigten ge-
geben, was nicht zulässig sei. Der Geschädigte habe keine Konfrontation mit dem 
Beschuldigten gewollt, habe allerdings nicht objektivieren können, weshalb er dies 
nicht wolle. Es hätte eine Konfrontation durchgeführt werden müssen. Die Verlet-
zungen seien nicht objektiviert worden und würden ebenfalls bestritten. Es sei nicht 
Aufgabe des Beschuldigten, die Beweise zu erbringen. Es gäbe keine Hinweise auf 
eine Einweisung des Geschädigten in ein Spital, zumal keine Arztberichte, Rappor-
te oder ein Bericht einer Psychologin vorlägen. Auch in Bezug auf das Nasenbluten 
hätte die Polizei Beweissicherungen vornehmen müssen. Es hätte zumindest ein 
Foto der angeblich herumliegenden Taschentücher aufgenommen werden müssen. 
Der Geschädigte habe selbst gesagt (pag. 98, Z. 43 f.), dass er beim Wegrennen 
Nasenbluten bekommen habe. Es sei nicht erstellt, ob das Nasenbluten vom Weg-
rennen, aus anderen Gründen oder vom Schlag gekommen sei. Die Verletzungs-
folgen würden damit auch bestritten. In juristischer Hinsicht sei eine Körperverlet-
zung nicht nachgewiesen. Auch wenn man davon ausgehe, dass der Beschuldigte 
den Schlag verabreicht hätte, sei nicht erstellt, dass der Schlag besonders heftig 
gewesen wäre. Es würde sich um eine Tätlichkeit und nicht um eine einfache Kör-
perverletzung handeln. Alles andere sei nicht nachgewiesen. Ein Schlag mit Na-
senbluten reiche nicht für eine einfache Körperverletzung. Dass psychische Narben 
entstanden seien, werde bestritten. Der Geschädigte sei sicherlich auch ein wenig 
vorbelastet.

In der Replik ergänzte die Verteidigung, es lägen keine Arztberichte vor, dass 
H.________ tatsächlich im Spital gewesen sei. Im Gegenteil zum zitierten Urteil 
habe H.________ zudem nur zwei Tage und nicht fünf Tage Schmerzen gehabt. 
Es sei zwar zu einem Schlag gekommen, allerdings nicht mit voller Wucht. Es sei 
zudem kein Sturz angeklagt worden. Auch im Arztbericht sei klar verneint worden, 
dass es zu einem Sturz gekommen sei.

30

11.3 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft brachte zum Konfrontationsrecht (pag. 2138) im 
Wesentlichen vor, dass nicht nur der Beschuldigte, sondern auch Opfer Rechte 
hätten. Die Beschuldigtenrechte und die Opferrechte könnten einander entgegen-
stehen. Es gäbe Fälle, in denen man nicht beide Rechte wahren könne. Gemäss 
dem Europäische Gerichtshof für Menschenrechte müsse in solchen Fällen eine In-
teressenabwägung vorgenommen werden. Der Zeuge H.________ habe angege-
ben, dass er Angst vor dem Beschuldigten habe. Die Vorinstanz habe diese Angst 
als glaubhaft erachtet, weshalb der Zeuge H.________ als Opfer das Recht habe 
auf eine Konfrontationsvermeidung zu bestehen. Der Anwalt sei bei der Befragung 
des Zeugen H.________ anwesend gewesen und der Beschuldigte habe in einem 
anderen Saal gewartet. Allerdings habe der Beschuldigte das Protokoll lesen sowie 
Ergänzungsfragen stellen können. Hinzu komme, dass die Aussagen des Zeugen 
H.________ nicht das einzige Beweismittel seien. Man habe die Aussagen des 
Zeugen X.________ sowie ein Foto des Beschuldigten, welches nur einen Tag 
nach dem Vorfall aufgenommen worden sei. Es lägen mithin genügend kompensa-
torische Faktoren vor, weshalb keine Verletzung des Konfrontationsrechts des Be-
schuldigten erfolgt sei. 

Betreffend den Fotovorhalt (pag. 2138) brachte die Generalstaatsanwaltschaft vor, 
es habe sich nicht um eine Täuschungshandlung im Sinne von Art. 140 Abs. 1 
StPO gehandelt. Der Zeuge habe eine sehr genaue Täterbeschreibung (Grösse, 
Statur, Alter und insbesondere in Bezug auf das T-Shirt) abgegeben. Es habe sich 
nicht um ein «0815» T-Shirt gehandelt. Die Aussagen des Zeugen H.________ 
seien klar verwertbar. Die Vorinstanz sage zu Recht, die Aussagen des Zeugen 
H.________ seien glaubhaft und man könne vollumfänglich darauf abstellen (pag. 
962). Hinzu komme, dass der Zeuge X.________ den Beschuldigten kenne und 
ebenfalls anhand des Fotos identifiziert habe. Der angeklagte Sachverhalt sei er-
stellt. 

In rechtlicher Hinsicht (pag. 2139) machte die Generalstaatsanwaltschaft geltend, 
dass die rechtliche Abgrenzung der Tätlichkeiten zur einfacher Körperverletzung 
nicht einfach sei. Das Obergericht des Kantons Zürich habe im Entscheid 
SB160310 vom 29. November 2016 festgehalten, dass es sich bei einem Faust-
schlag, der zu Nasenbluten und geringer Druckdolenz im Bereich des Gesichts-
schädels und fünf Tagen Schmerzen führe, um eine einfache Körperverletzung 
handle. Herr H.________ habe Nasenbluten sowie Schürfungen am Kopf erlitten 
und habe sogar eine Nacht auf der Überwachungsstation verbringen müssen. Es 
handle sich um einen Faustschlag, der die Intensität einer Ohrfeige bei Weitem 
übersteige. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung seien heftige, unvermit-
telte Faustschläge geeignet schwere Körperverletzungen herbeizuführen (bei-
spielsweise in Urteil des Bundesgerichts 6B_ 802/2013 vom 27. Januar 2014 E. 
2.3.3 f.). Im vorliegenden Fall habe man zu Recht eine einfache Körperverletzung 
angenommen.

In der Duplik ergänzte die Generalstaatsanwaltschaft, es sei nie behauptet worden, 
dass H.________ gestürzt sei.  

31

11.4 Beweiswürdigung der Vorinstanz

Die Vorinstanz hat die Beweismittel korrekt ins Verfahren gebracht und diese zu-
treffend wiedergegeben; darauf kann verwiesen werden (pag. 960 ff., S. 15 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Ebenso ist die daran anschliessende Be-
weiswürdigung detailliert und richtig vorgenommen worden (pag. 962 ff., S. 17 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

11.5 Beweiswürdigung der Kammer

Betreffend Konfrontationsrecht bzw. Konfrontationsvermeidung kann vollumfänglich 
auf die zutreffenden Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft verwiesen wer-
den (pag. 2138).

Bezüglich der Ermittlung der Täterschaft kann vorab Folgendes der Vorinstanz 
wiederholt werden (pag. 958, S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

H.________: Er konnte eine recht genaue Täterbeschreibung abgeben und beschrieb auch die sehr 
auffälligen Einzelheiten des vom Beschuldigten getragenen T-Shirts. Es handelt sich dabei nicht um 
ein null-acht-fünfzehn T-Shirt, das man an jeder Ecke kaufen kann. Es ist vielmehr ein auffälliges T-
Shirt mit einem eher seltenen, in afrikanischen Farben gehaltenen, Aufdruck. Die Polizei hielt 
H.________ nach dem Vorfall ein Einzelfoto des Beschuldigten vor. Darauf erkannte H.________ den 
Täter sofort. Es ist ein Foto des Beschuldigten, auf welchem er genau dieses T-Shirt trägt (pag. 100). 
Dabei handelt es sich um eine Aufnahme, welche von der Polizei am nächsten Tag erstellt wurde, als 
der Beschuldigte schwer verletzt von der Polizei aufgegriffen und notversorgt wurde. Es wird auf den 
dazugehörigen Berichtsrapport der Kantonspolizei vom 30.05.2018 verwiesen (pag. 79 ff.).

In der Tat beschrieb H.________ den Täter zwei Tage nach dem Vorfall gegenüber 
der Polizei wie folgt (pag. 99): 

«Er war etwa zwischen 175 – 180 cm gross. Ich schätze ihn zwischen 25 und 35 Jährig. Er trug ein 
schwarzes T-Shirt mit einem Print vorne drauf. Auf der Seite waren auch die Farben grün, gelb und 
rot zu sehen. Er sprach gebrochen Deutsch. Er hatte eine dunkle Hautfarbe. Er war nicht ganz schwa-
rz, eher dunkelbraun. Er hatte braune Augen ähnlich wie Schlitzaugen. Ev. hatte er noch eine Täto-
wierung an seinem linken Oberarm. Ich bin aber nicht ganz sicher. Er war ein kräftiger Typ.»

Alsdann wurde H.________ das von der Polizei am Vortag anlässlich der Interven-
tion wegen der Selbstverletzung gemachte Foto vom Beschuldigten (pag. 100) vor-
gehalten, worauf Ersterer antwortete (pag. 99): 

«Das T-Shirt welches der Mann auf dem Foto trägt ist genau dasjenige welches ich gesehen habe. 
Sein Armband kommt mir auch bekannt vor. Die Augen glaube ich auch zu erkennen. Ich bin fast si-
cher, dass es derselbe Mann ist.»

Das gleiche T-Shirt trug der Beschuldigte (unter seinem Pullover) anlässlich der po-
lizeilichen Einvernahme am 14. August 2018 (pag. 103, 106) – zu Recht stellte die 
Vorinstanz fest, dass die Angaben des Beschuldigten in dieser Einvernahme zum 
Erwerbszeitpunkt dieses T-Shirts nicht zutreffend sind (pag. 103; pag. 963, S. 18 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Hinzu kommt, dass die Polizei am 23. 
Mai 2018 anlässlich der sofort eingeleiteten Nachsuche auf X.________ traf (pag. 
85), der am Folgetag, 24. Mai 2018, (zwar nicht parteiöffentlich) zu seinen Wahr-
nehmungen befragt wurde (pag. 92 ff.). In Anbetracht der recht detaillierten Signa-

32

lementsangaben von H.________, des Tatorts M.________ sowie dem vergleich-
baren Tatvorgehen war kein Vorhalt einer eigentlichen Fotodokumentation (im Sin-
ne der Ausführungen der Verteidigung) erforderlich. Die gesamte Identifikation wird 
abgerundet durch die Angaben des Zeugen, der den Beschuldigten vom Sehen her 
kennt und in unmittelbarer örtlicher und zeitlicher Nähe zum Geschehen z.N. von 
H.________ stand, ohne den körperlichen Übergriff gesehen zu haben. Unter den 
gegebenen Umständen ist der Identifikationsprozess als Ganzes rechtlich nicht zu 
beanstanden. Die Täterschaft in der Person des Beschuldigten bezüglich des Vor-
falls vom 23. Mai 2018 z.N. von H.________ ist erstellt.

Was den eigentlichen Vorfall als solcher anbelangt, ist beweiswürdigend ohne Wei-
teres auf die detaillierten, authentischen und anschaulichen Schilderungen von 
H.________ abzustellen. Seine Aussagen erscheinen der Kammer als glaubhaft. 
Für eine bewusste oder unbewusste Falschbelastung gibt es bei H.________ zu-
dem nicht die geringsten Anhaltspunkte, und auch irgendwelche Aggravierungs-
tendenzen sind in seinen Aussagen nicht ansatzweise auszumachen. Ferner kann 
ein finanzielles Interesse mangels Konstituierung als Privatkläger ebenfalls ausge-
schlossen werden. Im Übrigen kann vollumfänglich auf die zutreffende Würdigung 
der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 962, S. 17 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung). Demgegenüber sind die teilweise widersprüchlichen Aussagen des Be-
schuldigten, der den Vorfall gänzlich abstreitet oder sich nicht mehr an den Vorfall 
erinnert bzw. erinnern kann, als völlig unglaubhaft zu würdigen. Nur nebenbei sei 
darauf hingewiesen, dass der körperliche Übergriff des Beschuldigten dem einlei-
tend geschilderten Grundmuster der körperlichen Attacken auf beliebige Personen 
entspricht (vgl. Ziff. 8 hiervor [Vorbemerkungen]). 

In Bezug auf die physischen und psychischen Folgen des Vorfalls bei H.________ 
gibt es keine objektiven Beweismittel, namentlich keine Spital- und Arztberichte. In-
des decken sich vorab seine Aussagen mit den Angaben der Polizei im Anzeige-
rapport vom 20. August 2018, wonach der Geschädigte sichtlich in einem 
«Schockzustand» und beängstigt und traumatisiert gewesen sei (pag. 85). Ferner 
habe die etwas später eingetroffene Sanität den Geschädigten verarztet und zur 
Kontrolle (betreffend Wange und Nase, eventuell Hirnerschütterung) ins Spital 
Münsingen überführt (pag. 85). Zwar wird nicht verkannt, dass H.________ erst an-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ausführte, er habe eine Nacht auf 
der Überwachungsstation des Spitals Münsingen verbringen müssen (pag. 861) – 
in der polizeilichen Befragung zwei Tage nach dem Vorfall (pag. 97 ff.) war davon 
keine Rede, indes wurde diese Einvernahme seitens der Polizei relativ kurz gehal-
ten und beschränkte sich zur Hauptsache auf das Tatgeschehen und die Ermittlung 
der Täterschaft. Indes wurde neben dem Nasenbluten seitens von H.________ 
auch ein «Druck in der Nase und im Kopf» erwähnt (pag. 98, Z. 38), was ohne Wei-
teres in Einklang steht mit der später erwähnten Prellung am Kopf, sowie den psy-
chischen Beeinträchtigungen, die sich nicht nur aus den Schilderungen gegenüber 
der Polizei ergeben, sondern sich auch in der Hauptverhandlung wie einen roten 
Faden durch die Ausführungen des Geschädigten ziehen. Insgesamt ist aber auch 
festzustellen, dass der Geschädigte schon vor dem Ereignis vom 23. Mai 2018 in 
einer IV-Abklärung war und insoweit eine vorbestehende Prädisposition für beson-
dere psychische Folgen (als Auswirkungen eines solchen unvermittelten Schlags 

33

ins Gesicht) auf der Hand liegt. Zusammenfassend ist nach Ansicht der Kammer 
und entgegen den Vorbringen der Verteidigung aufgrund der zeitlichen Verhältnis-
se, der Feststellungen der Polizei sowie der Aussagen von H.________ auch ohne 
entsprechende Spital- oder Arztberichte einerseits erstellt, dass das Nasenbluten 
durch den Faustschlag ins Gesicht ausgelöst wurde sowie andererseits, dass sich 
H.________ aufgrund seiner erlittenen Verletzungen (über Nacht) ins Spital bege-
ben musste. 

Alles in allem ist letztlich festzustellen, dass der in Ziff. I.1 der Anklageschrift