# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e115f17d-4479-531b-9788-935dde5b6141
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.02.2023 F-651/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-651-2023_2023-02-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-651/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Jenny de Coulon Scuntaro (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer,  

Richter Gregor Chatton, 

Gerichtsschreiber Julius Longauer. 

   

Parteien 

 
R._______, geb. (…) 2000, Afghanistan, 

Beschwerdeführer,  

vertreten durch Veronica Chindamo,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz,  

 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 25. Januar 2023 / N (…). 

 

 

 

F-651/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 3. April 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1). 

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 8. März 2022 in Bul-

garien und am 28. März 2022 in Österreich Asylgesuche eingereicht hatte 

(SEM-act. 11). 

C.   

Am 14. April 2022 fand das persönliche Gespräch nach Art. 5 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO, ABl. L 180/31 

vom 29.6.2013), statt (nachfolgend: Dublin-Gespräch) (SEM-act. 16).  

Dem Beschwerdeführer wurde bei dieser Gelegenheit das rechtliche Ge-

hör zu einem allfälligen Nichteintreten auf sein Asylgesuch und einer Über-

stellung nach Österreich beziehungsweise Bulgarien gewährt, die nach 

Massgabe der Dublin-III-VO zur Durchführung des Asylverfahrens zustän-

dig sein könnten. Der Beschwerdeführer ersuchte, in keines der beiden 

Länder überstellt zu werden. Abschliessend wurde dem Beschwerdeführer 

die Möglichkeit gegeben, sich zum medizinischen Sachverhalt zu äussern.  

D.  

Am 25. Mai 2022 gelangte die Vorinstanz an die bulgarischen Behörden 

und ersuchte gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers (SEM-act. 21). 

Die bulgarischen Behörden beantworteten das Gesuch nicht innert der 

Frist des Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO, worauf ihnen die Vorinstanz am 

10. Juni 2022 mitteilte, dass die Zuständigkeit zur Prüfung des Asylge-

suchs kraft unbenütztem Ablauf der Antwortfrist bei Bulgarien liege (Art. 25 

Abs. 2 Dublin-III-VO) (SEM-act. 25). 

F-651/2023 

Seite 3 

E.  

Mit Verfügung vom 13. Juni 2022 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung nach Bulgarien 

(SEM-act. 31). 

F.  

Eine dagegen am 21. Juni 2022 erhobene Beschwerde (SEM-act. 39) 

hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil F-2707/2022 vom 12. Okto-

ber 2022 nach Durchführung des Schriftenwechsels gut, hob die angefoch-

tene Verfügung auf und wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfest-

stellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück (SEM-act. 55).  

Zur Begründung führte das Bundesverwaltungsgericht im Wesentlichen 

aus, der rechtserhebliche Sachverhalt sei hinsichtlich des Stands des bul-

garischen Asylverfahrens des Beschwerdeführers, seiner gesundheitlichen 

Situation, der Gewährleistung einer adäquaten medizinischen Folgebe-

handlung in Bulgarien, den Aufnahmebedingungen, denen der Beschwer-

deführer nach einer Überstellung nach Bulgarien ausgesetzt wäre, und des 

Zugangs zu einem den völkerrechtlichen Vorgaben genügenden Asylver-

fahren in Bulgarien nicht hinreichend abgeklärt. 

G.  

In Nachachtung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts holte die Vo-

rinstanz mittels eines Informationsersuchens nach Art. 34 Dublin-III-VO 

Auskünfte der bulgarischen Behörden zum dortigen Asylverfahren des Be-

schwerdeführers ein (SEM-act. 62-65, 69) und klärte ergänzend den medi-

zinischen Sachverhalt ab (SEM-act. 56-61). Der Beschwerdeführer seiner-

seits reichte am 23. Dezember 2022 einen medizinischen Bericht der Psy-

chiatrischen Dienste A._______ (nachfolgend: PD A._______) vom 2. De-

zember 2022 zu den Akten (SEM-act. 66, 67). 

H.  

Mit Verfügung vom 25. Januar 2023 – eröffnet am 26. Januar 2023 – trat 

die Vorinstanz ein weiteres Mal auf das Asylgesuch nicht ein, wies den Be-

schwerdeführer nach Bulgarien weg und forderte ihn auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Im Weiteren händigte 

sie dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-

zeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen die 

Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme (vgl. SEM-act. 71, 72). 

F-651/2023 

Seite 4 

I.  

Der Beschwerdeführer erhob am 2. Februar 2023 Beschwerde gegen die 

vorgenannte Verfügung (Akten des BVGer [Rek-act.] 1).  

In der Sache beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, 

und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Even-

tualiter sei die Sache zur rechtsgenügenden Sachverhaltsabklärung und 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die 

Vorinstanz anzuweisen, bei den bulgarischen Behörden individuelle Ga-

rantien für eine adäquate Unterbringung und medizinische Behandlung 

einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde darum ersucht, der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sowie superprovisorisch 

einen Vollzugsstopp anzuordnen. Zudem sei ihm die unentgeltliche Pro-

zessführung zu gewähren, und es sei auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses zu verzichten. 

J.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

3. Februar 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

K.  

Die zuständige Instruktionsrichterin setzte am 4. Januar 2023 den Vollzug 

der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus 

(SEM-act. 2). 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 ff. VGG ist das Bun-

desverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet 

des Asyls zuständig und entscheidet in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf seine frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

ist daher einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

F-651/2023 

Seite 5 

2.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtete das Bundesverwaltungsge-

richt auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 

3.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (EU-Grundrechtecharta, ABl. C 364/1 vom 18.12.2000) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.3. Gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat abwei-

chend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf inter-

nationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung 

festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist. Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser 

Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen 

auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat 

F-651/2023 

Seite 6 

zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshinder-

nisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 

5.  

5.1. Mit seinem ersten, in der Sache des Beschwerdeführers ergangenen 

Urteil F-2707/2022 vom 12. Oktober 2022 bestätigte das Bundesverwal-

tungsgericht die grundsätzliche Zuständigkeit Bulgariens zur Behandlung 

des Asylgesuchs des Beschwerdeführers (E. 6). Sie ist daher nicht mehr 

Gegenstand des Verfahrens und wird auch nicht bestritten. Weiter hielt das 

Bundesverwaltungsgericht unter Hinweis auf sein länderspezifisches Re-

ferenzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 fest, dass das bulgarische 

Asylsystem zwar gewisse Mängel aufweise, diese Mängel jedoch nicht sys-

temischer Natur seien (weshalb eine Übernahme der Zuständigkeit ge-

stützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht angezeigt ist), dass jedoch im 

Falle von besonders vulnerablen Asylsuchenden, namentlich solchen mit 

ernsthaften Erkrankungen, die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs 

nach Bulgarien von der Einholung entsprechender Zusicherungen seitens 

der bulgarischen Behörden abhängen könne (E. 7). Im letzteren Zusam-

menhang und mit Blick auf eine allfällige Ausübung des Selbsteintritts nach 

Massgabe der Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 der Asyl-

verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) erachtete das 

Bundesverwaltungsgericht den entscheiderheblichen Sachverhalt als un-

genügend abgeklärt. Es hob daher die Verfügung der Vorinstanz vom 

13. Juni 2022 auf und wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsab-

klärung und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. 

5.2. Das Bundesverwaltungsgericht erachtete vor allem den medizinischen 

Sachverhalt sowie die Gewährleistung einer adäquaten medizinischen 

Folgebehandlung in Bulgarien als nicht ausreichend abgeklärt. In diesem 

Zusammenhang wies das Bundesverwaltungsgericht darauf hin, dass es 

vom Stand des bulgarischen Asylverfahrens des Beschwerdeführers ab-

hänge, in welchen Strukturen er in Bulgarien untergebracht würde und wie 

sich für ihn die Aufnahmebedingungen, namentlich hinsichtlich des Zu-

gangs zur medizinischen Versorgung, gestalten würden. Der Stand des 

Asylverfahrens in Bulgarien sei jedoch nicht bekannt. Es könne daher nicht 

beurteilt werden, ob von den bulgarischen Behörden besondere Zusiche-

rungen einzuholen seien. Angesichts der Unkenntnis des Stands des Asyl-

verfahrens, der allgemein für die tatsächliche und rechtliche Situation eines 

Dublin-Rückkehrers massgebend sei, der tiefen Anerkennungsquote bei 

afghanischen Flüchtlingen in Bulgarien, der Überlastung des bulgarischen, 

ohnehin schon strapazierten Asyl- und Gesundheitssystems sowie des Be-

richts der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (nachfolgend: SFH) unter dem 

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Seite 7 

Titel: «Polizeigewalt in Bulgarien und Kroatien: Konsequenzen für Dublin-

Überstellungen» vom 13. September 2022 (nachfolgend: SFH-Bericht) 

könne ferner nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die 

völkerrechtlichen Vorgaben an die Aufnahmebedingungen und den Zugang 

zu einem Asylverfahren, das den Anforderungen des Non-Refoulement-

Gebots ausreichend Rechnung trage, im Falle des Beschwerdeführers tat-

sächlich gewahrt seien. 

5.3. Abschliessend äusserte sich das Bundesverwaltungsgericht zum wei-

teren Vorgehen. Die Vorinstanz werde nach der Rückweisung Abklärungen 

zum Stand des Asylverfahrens des Beschwerdeführers zu machen und 

sich mit seinen Befürchtungen auseinanderzusetzen haben, wonach er bei 

einer Rückkehr nach Bulgarien erneut eine menschenunwürdige Behand-

lung erleben, nicht die nötige medizinische Hilfe erhalten, kein faires Asyl-

verfahren durchlaufen, bis zu zwei Jahren Dauer inhaftiert und anschlies-

send unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in die Türkei abge-

schoben werde. Abhängig vom Ergebnis der Abklärungen werde die Vo-

rinstanz – sollte sie erneut die Fällung eines Nichteintretensentscheids be-

absichtigen – den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers eingehend 

zu ermitteln haben, damit sie beurteilen könne, ob sie von den bulgarischen 

Behörden eine Zusicherung einzuholen habe, wonach der Beschwerdefüh-

rer in Bulgarien adäquat untergebracht und medizinisch behandelt werde. 

Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund der aktuellen zusätzlichen 

Belastung des bulgarischen Asyl- und Gesundheitssystems durch Kriegs-

flüchtlinge aus der Ukraine. In Berücksichtigung des erwähnten SFH-Be-

richts werde sich die Vorinstanz zur Zulässigkeit und Zumutbarkeit einer 

Überstellung nach Bulgarien zu äussern haben. 

6.  

Gestützt auf ergänzende Sachverhaltsabklärungen erliess die Vorinstanz 

mit Verfügung vom 25. Januar 2023 wiederum einen Nichteintretensent-

scheid und wies den Beschwerdeführer nach Bulgarien weg. Dass die Zu-

ständigkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens 

grundsätzlich bei Bulgarien liegt, wurde bereits dargelegt. Weitere Erörte-

rungen zu diesem Thema erübrigen sich. Nachfolgend bleibt daher zu prü-

fen, ob Gründe für einen Übergang der Zuständigkeit auf die Schweiz vor-

liegen. 

7.  

Als mögliche Rechtsgrundlage für den Zuständigkeitsübergang von Bulga-

rien auf die Schweiz kommt Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO in Betracht: 

F-651/2023 

Seite 8 

7.1. Seit dem in der Sache des Beschwerdeführers ergangenen Urteil 

F-2707/2022 hat sich nichts an der dort dargestellten, auf das Referenzur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts F-7195/2018 zurückgehenden Recht-

sprechung geändert, wonach das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-

gungen in Bulgarien zwar gewisse Mängel aufwiesen, diese jedoch nicht 

im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO systemischer Natur seien, weshalb 

von Überstellungen nach Bulgarien nicht grundsätzlich abzusehen sei. 

Korrekte Asylverfahren seien in Bulgarien nicht systembedingt unmöglich. 

Die tiefe Anerkennungsquote gegenüber Staatsangehörigen gewisser Län-

der rechtfertige es nicht, keine Überstellungen mehr vorzunehmen. Be-

troffene Personen könnten gegen einen negativen Asylentscheid ein wirk-

sames Rechtsmittel einlegen. Zudem seien die Bedingungen in den Auf-

nahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten jedoch nicht als unmensch-

lich oder entwürdigend qualifiziert werden (vgl. dazu einlässlich Referenz-

urteil F-7195/2018 E. 6.6.1 und 6.6.7). 

Das Bundesverwaltungsgericht hält an dieser Rechtsprechung auch ange-

sichts der Belastung Bulgariens durch ukrainische Kriegsflüchtlinge fest 

(vgl. etwa Urteile des BVGer D-4889/2022 vom 30. Januar 2023 E. 8.2, D-

2559/2022 vom 17. Januar 2023 E. 12.2, D-5975/2022 vom 3. Januar 2023 

E. 5.3.2, D-5862/2022 vom 22. Dezember 2022 E. 6.3.2, E-5529/2022 vom 

5. Dezember 2022 E. 6.3.2, F-4005/2022 vom 1. November 2022 E. 7.2, 

D-4840/2022 vom 31. Oktober 2022 E. 6.3.2). Wie die Vorinstanz in der 

angefochtenen Verfügung schlüssig darlegt, werden in Bulgarien durch die 

ukrainischen Kriegsflüchtlinge weder die Aufnahmestrukturen noch die Ge-

sundheitsversorgung in den Aufnahmezentren in rechtlich relevanter 

Weise beeinträchtigt. Die pauschale Bestreitung durch den Beschwerde-

führer kann diese Beurteilung nicht in Frage stellen (vgl. dazu bereits Urteil 

des BVGer F-3083/2022 vom 20. Juli 2022 E. 6.2). 

Dasselbe gilt in Bezug auf den SFH-Bericht, auf den sich der Beschwerde-

führer beruft. In diesem wird festgehalten, dass angesichts der Dichte der 

Belege über Polizeigewalt in Bulgarien von einer systematischen Gewalt-

anwendung ausgegangen werden müsse, welche vom Staat zumindest 

geduldet werde. Die Regelvermutung, dass sich Bulgarien an seine völker-

rechtlichen Verpflichtungen halte, könne daher nach Auffassung der SFH 

nicht aufrechterhalten werden, weshalb sich eine Überstellung dorthin 

grundsätzlich als unzulässig und unzumutbar erweise. Trotz dieser Ein-

schätzung geht das Bundesverwaltungsgericht nach wie vor davon aus, 

dass das Asylsystem Bulgariens keine systemischen Mängel aufweist und 

im Einzelfall zu prüfen ist, ob es Gründe gibt, die einer Überstellung entge-

genstehen könnten (vgl. Urteile des BVGer D-4889/2022 vom 30. Januar 

F-651/2023 

Seite 9 

2023 E. 8.2, D-5975/2022 vom 3. Januar 2023 E. 5.3.2, D-5862/2022 vom 

22. Dezember 2022 E. 6.3.3, E-5529/2022 vom 5. Dezember 2022 E. 6.3.3, 

D-4840/2022 vom 31. Oktober 2022 E. 6.3.3).  

7.2.  Der Beschwerdeführer bringt ansonsten nichts vor, was Anlass zu ei-

ner Änderung dieser Rechtsprechung geben könnte. Unter diesen Umstän-

den ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

8.  

Als eine weitere potentielle Rechtsgrundlage für einen Zuständigkeits-

übergang auf die Schweiz ist Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zu prüfen. 

8.1. Bei der Beurteilung eines Selbsteintritts gilt es zu beachten, dass Bul-

garien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) 

ist. Ferner wird Bulgarien durch die Richtlinien des Europäischen Parla-

ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen 

Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) gebunden.  

8.2. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Bulgarien sei-

nen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen nachkommt und 

insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich für schutzsu-

chende Personen aus der Verfahrens- und der Aufnahmerichtlinie ergeben 

(vgl. Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.1; ferner statt vieler Urteile des 

BVGer F-4528/2022 vom 15. Dezember 2022 E. 7.3; E-5529/2022 vom 

5. Dezember 2022 E. 6.2; E-5296/2022 vom 28. November 2022 E. 6.3). 

Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf 

es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft 

darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 

vom 6. März 2018 E. 5.3.1). 

F-651/2023 

Seite 10 

9.  

Der Beschwerdeführer beruft sich auf eigene Erfahrungen in Bulgarien. Es 

ist nachfolgend zu prüfen, ob diese geeignet sind, die Vermutung zu er-

schüttern, dass Bulgarien ihm gegenüber seinen völker- und gemein-

schaftsrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. 

9.1. Der Beschwerdeführer beklagt sich über die schlechte Behandlung 

während seines Aufenthaltes in Bulgarien. Er macht geltend, er habe sich 

während 24 Tagen in einem geschlossenen Camp aufgehalten, wo ihm un-

ter Androhung einer sechsmonatigen Haft die Fingerabdrücke zwangs-

weise abgenommen worden seien. Über das Asylverfahren sei er von nie-

mandem aufgeklärt worden, einen Dolmetscher habe es auch nicht gege-

ben. Er habe gesundheitliche Probleme gehabt. Niemand habe sich jedoch 

um ihn oder um andere gekümmert. Er sei von den bulgarischen Behörden 

geohrfeigt und getreten worden. Dabei sei er gefragt worden, weshalb er 

gerade diese Route gewählt habe. Man habe ihm Vorwürfe gemacht, dass 

er nach Bulgarien eingereist sei. Im geschlossenen Camp selbst habe eine 

sehr unangenehme Atmosphäre geherrscht. Er sei in ein Zimmer gesperrt 

worden, in dem die Lüftung so schlecht funktioniert habe, dass er krank 

geworden sei. Medizinisches Personal habe es aber nicht gegeben, das 

ihm bei seinen körperlichen und psychischen Problemen hätte helfen kön-

nen Er sei nicht ernst genommen worden, und es habe sich für ihn so an-

gefühlt, als ob die bulgarischen Behörden absichtlich auf ihn Druck ausü-

ben würden, damit er sich selbst umbringe. 

9.2. Es soll nicht in Abrede gestellt werden, dass der Beschwerdeführer in 

Bulgarien schwierigen Verhältnissen ausgesetzt war. Ob seine Vorbringen 

tatsächlich Erlebtem entsprechen, erscheint jedoch schon deswegen frag-

lich, weil er anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 14. April 2022 noch 

nichts Derartiges geltend machte. Damals brachte er lediglich vor, dass er 

nicht nach Bulgarien zurückkehren wolle, weil er gehört habe, dass ihm 

dort bis zwei Jahre Haft drohen würden, anschliessend würde man in die 

Türkei abgeschoben. Die schlechte Behandlung durch die bulgarischen 

Behörden im geschlossenen Camp thematisierte er ohne ersichtlichen 

Grund erstmals im Rahmen seiner ersten Beschwerde vom 21. Juni 2022.  

Dem Bericht der PD A._______ vom 24. Mai 2022 kann des Weiteren ent-

nommen werden, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen der persön-

lichen Anamnese ausführlich zu seiner Situation in Afghanistan äusserte. 

Die Verhältnisse in Bulgarien erwähnte er jedoch nicht (Akten des Be-

schwerdeverfahrens vor dem BVGer F-2707/2022 [Rek2-act.] 4). Und im 

F-651/2023 

Seite 11 

Bericht der PD A._______ vom 2. Dezember 2022 verneinten die behan-

delnden Ärzte klar die Frage der Rechtsvertreterin, ob der Beschwerdefüh-

rer im Rahmen der Therapiesitzungen jemals die Gewaltanwendungen und 

die Haft in Bulgarien besprochen habe, von denen er in den Gesprächen 

mit der Rechtsvertreterin berichte. Auf die Frage der Rechtsvertreterin 

schliesslich, ob bei einer Überstellung des Beschwerdeführers nach Bul-

garien die Gefahr einer Retraumatisierung bestehe, antworteten die be-

handelnden Ärzte, dass ihnen ein traumatisierendes Ereignis in Bulgarien 

nicht bekannt sei (SEM-act. 67).  

Ungeachtet der vorstehenden Ausführungen ist festzustellen, dass sich die 

vom Beschwerdeführer geschilderten Vorfälle während seines 24-tägigen 

Aufenthalts in einem geschlossenen Camp ereigneten, der seinem Asylge-

such vom 8. März 2022 vorausgegangen sein dürfte. Denn der Auskunft 

der bulgarischen Behörden vom 16. Dezember 2022 ist zu entnehmen, 

dass der Beschwerdeführer bereits sieben Tag nach seinem Asylgesuch, 

am 15. März 2022, untertauchte, worauf sein Asylverfahren am 27. Mai 

2022 abgeschrieben wurde («therefore, the national procedure for exami-

ning his application was terminated with a decision dated 27.05.2022»). 

Eine Wegweisung aus Bulgarien sei nicht angeordnet worden (SEM-act. 

65). Auf Nachfrage der Vorinstanz versicherten die bulgarischen Behörden 

im Schreiben vom 19. Januar 2023, dass das Asylverfahren auf Gesuch 

des Beschwerdeführers wieder aufgenommen und mit Blick auf einen Ent-

scheid über Gewährung oder Verweigerung des internationalen Schutzes 

seinen ordentlichen Fortgang nehmen werde. Der Beschwerdeführer 

werde zudem in einem der vom Staat geführten offenen Aufnahmezentren 

untergebracht. Allerdings hänge die konkrete Unterbringung von den dann-

zumal zur Verfügung stehenden Kapazitäten ab (SEM-act. 69). Diese 

Rechtslage entspricht den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts 

zur Situation von Dublin-Rückkehrern ohne einen negativen materiellen 

Asylentscheid (vgl. Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.6.4). Der Beschwer-

deführer würde somit nach einer Rücküberstellung in ein hängiges Asylver-

fahren mit den entsprechenden Strukturen integriert werden, wo er alle ihm 

damit verbundenen Rechte wahrnehmen könnte.  

9.3. Die Vorbringen des Beschwerdeführers, die sich – soweit überhaupt 

glaubhaft vorgetragen – auf die Verhältnisse vor der Überstellung in ein 

offenes Aufnahmezentrum beziehen, sind daher nicht geeignet, die Vermu-

tung einer konventions- und gemeinschaftsrechtskonformen Behandlung 

einer in Bulgarien asylsuchenden Person ernsthaft zu erschüttern.  

F-651/2023 

Seite 12 

Das Bundesverwaltungsgericht sieht zusammenfassend auch unter Be-

rücksichtigung der Ukraine-Krise sowie der tiefen Anerkennungsquote für 

afghanische Flüchtlinge (vgl. oben E. 7.1). keinen Grund zur Annahme, die 

bulgarischen Behörden würden sich weigern, den Beschwerdeführer wie-

der aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Ein-

haltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen, oder ihn unter Ver-

letzung des menschen- beziehungsweise flüchtlingsrechtlichen Non-Re-

foulement-Gebots zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem er in rechtlich 

erheblicher Weise gefährdet wäre (Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK, Art. 33 FK). Es 

ist auch nicht anzunehmen, Bulgarien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss 

Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorent-

halten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich 

im Übrigen nötigenfalls an die bulgarischen Behörden wenden und die ihm 

zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. 

Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

10.  

Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, sein Gesundheitszustand stehe 

einer Überstellung nach Bulgarien entgegen.  

10.1. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene 

Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium 

und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-

ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-

ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis 

des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-

tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch 

die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im 

Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-

schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-

stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-

lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, Ziff. 180–193 m.w.H.). 

10.2. Bulgarien verfügt über eine grundsätzlich ausreichende medizinische 

Infrastruktur. Zudem wird Bulgarien durch die Aufnahmerichtlinie verpflich-

tet, antragstellenden Personen die erforderliche medizinische Versorgung, 

die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behand-

F-651/2023 

Seite 13 

lung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zu-

gänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden 

Personen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische 

oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psycholo-

gischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Da 

das bulgarische Asyl- und Aufnahmesystem keine systemischen Mängel 

im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO aufweist, ist vermutungsweise an-

zunehmen, dass es den genannten Verpflichtungen nachkommt. Diese 

Vermutung kann im Einzelfall widerlegt werden, wofür es konkreter und 

hinreichender Hinweise bedarf, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun 

sind. Darauf wurde bereits weiter oben eingegangen (E. 8.2). 

10.3. Gemäss dem mehrfach zitierten Referenzurteil stellt sich die Situa-

tion bei besonders vulnerablen Personen mit Blick auf die prekären Ver-

hältnisse in den bulgarischen Haft- und Asylzentren wie folgt dar: Zwar wird 

die Überstellung von Personen, die in diese Kategorie fallen, nicht per se 

in Frage gestellt. Bei Vorliegen entsprechender Indizien ist jedoch abzuklä-

ren, ob tatsächlich eine solche Vulnerabilität besteht, welches die konkre-

ten Bedürfnisse der Betroffenen sind und ob diesen in Bulgarien angemes-

sen entsprochen werden kann. Um die Zulässigkeit einer Überstellung si-

cherzustellen, sind von den bulgarischen Behörden gegebenenfalls indivi-

duelle und konkrete Garantien einzuholen (Referenzurteil F-7195/2018 

E. 7.4.2). Bei der Beurteilung der Frage, ob nach einer Überstellung nach 

Bulgarien den konkreten Bedürfnissen des Betroffenen angemessen ent-

sprochen werden kann, kommt es zentral auf den Stand des bulgarischen 

Verfahrens an. Denn wurde sein Asylgesuch in Bulgarien bereits inhaltlich 

behandelt und abgelehnt, muss der Betroffene damit rechnen, in einem 

Haftzentrum untergebracht zu werden, in dem namentlich der Zugang zur 

ärztlicher Versorgung limitiert ist (Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.6.3). 

10.4. Die medizinische Aktenlage stellt sich gesamthaft und chronologisch 

geordnet wie folgt dar: 

10.4.1. Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 14. April 2022 erklärte der 

Beschwerdeführer, er sei körperlich sehr schwach. Er habe in der Heimat 

Opium und Tabletten genommen, sei also drogenabhängig gewesen. Psy-

chisch gehe es ihm nicht so gut. Er habe aufgrund seiner Entführung Ge-

dächtnislücken. Sein psychischer Zustand habe sich dadurch verschlech-

tert. Er sei schon vorher belastet gewesen. Einer seiner Cousins habe sich 

als Aktivist gegen die Taliban engagiert. Er und dieser Cousin seien von 

hinten angeschossen worden, wobei der Cousin verstorben sei. Er habe 

sich einmal erhängen wollen, dies aber wegen seiner Kinder nicht getan. 

F-651/2023 

Seite 14 

10.4.2. Ebenfalls am 14. April 2022 gelangte die Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers an die Vorinstanz und wies darauf hin, dass der Be-

schwerdeführer psychische und gesundheitliche Probleme habe. Er be-

finde sich in einer sehr schwierigen Lage und leide aufgrund seiner Dro-

genabhängigkeit nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Er sei auf 

eine engmaschige und zeitnahe Betreuung angewiesen (SEM-act. 18). 

10.4.3. Dem medizinischen Datenblatt für interne Arztbesuche im Bunde-

sasylzentrum (BAZ), welches Einträge vom 26. April 2022, 17. Mai 2022, 

31. Mai 2022 und 5. Juli 2022 umfasst (SEM-act. 59), ist im Wesentlichen 

zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer traumatisiert sei und unter aus-

geprägten Schlafstörungen und Albträumen leide. Er sei depressiv ver-

stimmt und sehr ängstlich. Früher in Afghanistan sei er schwer drogenab-

hängig gewesen und er konsumiere weiterhin Alkohol und Haschisch. Dem 

Beschwerdeführer sei Remeron verschrieben worden, das von 15 mg auf 

30 mg erhöht worden sei und gut wirke (Einträge vom 26. April 2022 und 

17. Mai 2022). Gemäss dem Datenblatt liess sich der Beschwerdeführer 

auch impfen sowie wegen Knie- und Ohrenschmerzen behandeln (Ein-

träge vom 31. Mai 2022 und 5. Juli 2022). 

10.4.4. Im Bericht der PD A._______ vom 24. Mai 2022, welcher sich auf 

die gleichentags stattgefundene Erstkonsultation bezieht, wurden dem Be-

schwerdeführer die Diagnosen Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2) und 

Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch 

und Konsum anderer psychotroper Substanzen: Abhängigkeitssyndrom 

(ICD-10 F19.2) gestellt. Es wird namentlich ausgeführt, dass der Be-

schwerdeführer durch das BAZ wegen Substanzabhängigkeit mit Depres-

sion zugewiesen worden sei. Das klinische Bild zeige klar eine Abhängig-

keitserkrankung, eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sei 

nicht auszuschliessen. Die Anpassungsstörung bestehe aufgrund des Mig-

rationshintergrundes, aktuell mit Schlafstörungen und Stimmungsver-

schlechterung. Als Procedere wurde festgehalten, dass die bereits begon-

nene Medikation mit Remeron 30 mg durch Seroquel 25 mg ergänzt werde. 

Der nächste Termin finde am 10. Juni 2022 statt (Rek2-act. 4). 

10.4.5. Abklärungen der Vorinstanz bei der Pflege des BAZ vom 10. Juni 

2022 (SEM-act. 29) ergaben unter anderem, dass der Beschwerdeführer 

am 24. Mai 2022 erstmals den Psychiater aufgesucht habe und der 

nächste Termin bei diesem für den 14. Juni 2022 angesetzt sei. Der Be-

schwerdeführer benötige aktuell die Medikamente Mirtazapin 30 mg und 

Seroquel 25 mg. Er sei das letzte Mal am 26. Mai 2022 wegen Knieschmer-

F-651/2023 

Seite 15 

zen bei der Pflege gewesen und entsprechend behandelt worden. Ausser-

dem habe er sich wegen seiner Schlafstörungen, psychischen Probleme 

und Ohrenschmerzen ein paar Mal gemeldet. Seit dem 24. Mai 2022 be-

finde sich der Beschwerdeführer in psychiatrischer Betreuung. 

10.4.6. Aus weiteren Abklärungen der Vorinstanz bei der Pflege des BAZ 

vom 30. Juni 2022 und deren Rückfrage bei den PD A._______ vom glei-

chen Datum (SEM-act. 44, 45) resultiert neben den bereits bekannten Dia-

gnosen Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) und Abhängigkeitssyndrom 

(ICD-10 F19.2) Folgendes: Der Beschwerdeführer habe ausser den Arztvi-

siten und dem Psychiater keine weiteren Arztbesuche. Seine Ohren seien 

nicht extern behandelt worden. Bei der Arztvisite vom 31. Mai 2022 sei eine 

Rötung des Trommelfells festgestellt worden, der Gehörgang sei jedoch in 

Ordnung gewesen. Der Beschwerdeführer habe entsprechende Tropfen 

bekommen. Er mache einen gesunden Eindruck. Wegen der Ohren- und 

Knieschmerzen habe er sich nicht mehr gemeldet und sich auch bei der 

Betreuung nie über Schmerzen beklagt. Sein Gangbild sei normal. Aktuell 

benötige er als Medikation Remeron 30 mg, Seroquel 25 mg, Seroquel XR 

retard 50 mg und in Reserve Temesta 1 mg (bei Unruhe und Suizidalität 

bis 5 mg Tagesdosis), wobei er die für den Mittag vorgesehene Tablette 

Seroquel 25 mg nie abhole und die Reserve noch nie benötigt habe. Für 

die Arztvisite vom 31. Mai 2022 habe er geholt werden müssen, da er noch 

geschlafen habe. In der Psychiatrie habe er angegeben, dass er seit sechs 

Monaten abstinent sei. 

10.4.7. Dem «Ärztlichen Bericht im Rückkehrbereich/Wegweisungsvoll-

zug» vom 5. Juli 2022 sowie dem dazugehörenden Beiblatt, beide erstellt 

durch den behandelnden Arzt am BAZ, kann entnommen werden, dass der 

Beschwerdeführer an einer polyvalenten Abhängigkeit leide und Verdacht 

auf depressive Störung bestehe. Seit dem 17. Mai 2022 befinde er sich in 

psychiatrischer Behandlung. Der Beschwerdeführer habe grosse Angst, 

dass er nach Bulgarien ausgeschafft werde. Gegenwärtig konsumiere er 

THC, um Ängste zu bekämpfen. Alkoholabusus sei seltener. Als medika-

mentöse Therapie werden Seroquel 25 mg und Seroquel XR retard 50 mg 

genannt (SEM-act. 59). 

10.4.8. In der Replik vom 25. Juli 2022, welche die Rechtsvertretung zu-

handen des ersten Rechtsmittelverfahrens F-2707/2022 ins Recht legte, 

wurde ausgeführt, dass hinsichtlich des Verdachts auf PTBS weitere Ab-

klärungen notwendig seien, bevor eine entsprechende Diagnose gestellt 

werden könne (Rek2-act. 9). 

F-651/2023 

Seite 16 

10.4.9. Dem Austrittsbericht der Pflege am BAZ vom 19. August 2022 kann 

als Diagnose «St. n. Drogenabusus» entnommen werden. Die aktuelle Me-

dikation umfasse Quetiapin 25 mg, Quetiapin XR retard 50 mg und in Re-

serve Temesta 1 mg. Eventuell sei eine psychiatrische Weiterbehandlung 

notwendig (SEM-act. 59). 

10.4.10. Gemäss Auskunft der für den Beschwerdeführer zuständigen 

Heimleitung vom 2. Dezember 2022 sei der Gesundheitszustand des Be-

schwerdeführers gut. Er habe Belastungen, für die er Beruhigungsmittel 

einnehme (SEM-act. 57) 

10.4.11. Im Bericht der PD A._______ vom 2. Dezember 2022, der von der 

Rechtsvertretung des Beschwerdeführers zusammen mit einem Fragenka-

talog in Auftrag gegeben wurde, werden die bisherigen Diagnosen – An-

passungsstörung (ICD-10 F43.2) (DD PTBS) und Abhängigkeitssyndrom 

(ICD-10 F19.2) – bestätigt. Aktuell werde eine ambulante psychiatrisch-

psychotherapeutische Behandlung durchgeführt. Die Behandlungsdauer 

sei abhängig von der klinischen Situation und müsse im Verlauf überprüft 

werden. Eine weitere Abklärung seiner Suchterkrankung im Rahmen einer 

klinischen Beurteilung werde derzeit als nicht notwendig betrachtet. Als 

Medikation erhalte der Beschwerdeführer Remeron 30 mg, Seroquel 25 

mg bei Bedarf bis 100 mg und Seroquel XR retard 50 mg. Zur Zeit sei der 

psychische Zustand des Beschwerdeführers «eher stabil», er beschreibe 

jedoch eine leicht ausgeprägte depressive und ängstliche Symptomatik so-

wie ein Suchtverhalten (Verlangen nach Substanzen, Suchtdruck). Den 

Cannabiskonsum habe er nach eigenen Angaben reduzieren können, ganz 

darauf verzichten könne er jedoch nicht. Bei einer allfälligen Wegweisung 

aus der Schweiz sei kurzfristig eine Verschlechterung seines Zustands zu 

erwarten. Ein traumatisierendes Ereignis in Bulgarien sei den behandeln-

den Ärzten nicht bekannt. Abschliessend halten die behandelnden Ärzte 

fest, dass die Suchterkrankung negativen Einfluss auf die Entwicklung ei-

ner depressiven Symptomatik habe (SEM-act. 67). 

10.4.12. Eine telefonische Rücksprache der Vorinstanz bei der Heimleitung 

des Beschwerdeführers vom 5. Dezember 2022 ergab, dass dieser weiter-

hin an die PD A._______ angebunden ist. Die Behandlung erfolge ambu-

lant und ausschliesslich medikamentös. Letztmals habe der Beschwerde-

führer am 30. November 2022 einen Termin bei den PD A._______ wahr-

genommen. Die Medikation sei ebenso unverändert, wie die Diagnose der 

PD A._______ vom 30. Juni 2022. Aktualisierte Medizinalakten, welche 

sich auf diese Diagnose abstützen, seien dem SEM noch am 2. Dezember 

2022 zugestellt worden (SEM-act. 61).  

F-651/2023 

Seite 17 

10.5. Den Medizinalakten und insbesondere dem Bericht der PD 

A._______ vom 2. Dezember 2022 kann zusammenfassend entnommen 

werden, dass beim Beschwerdeführer als Diagnosen eine Anpassungsstö-

rung (ICD-10 F43.2) und ein Abhängigkeitsyndrom (ICD-10 F19.2) im Vor-

dergrund stehen. Derentwegen steht er seit Mai 2022 bei den PD 

A._______ in ambulanter psychiatrischer Behandlung mit angepasster Me-

dikation (Antidepressivum Remeron, Wirkstoff Mirtazapin, und Nerolepti-

kum Seroquel, Wirkstoff Quetiapin). Gemäss den behandelnden Ärzten ist 

eine Fortsetzung der ambulanten Behandlung indiziert. Die Differentialdi-

agnose einer PTBS konnte bisher von den behandelnden Ärzten nicht be-

stätigt werden, obwohl der Beschwerdeführer bereits seit Mai 2022 psychi-

atrisch begleitet wird. Sein gegenwärtiger psychischer Zustand wird als «e-

her stabil» mit einer leicht ausgeprägten depressiven und ängstlichen 

Symptomatik bezeichnet. Der in seiner Heimat noch opium- und tabletten-

abhängige Beschwerdeführer berichtete in der Schweiz von Cannabis- und 

Alkoholkonsum. Den Cannabiskonsum konnte er nach eigenen Angaben 

zwischenzeitlich reduzieren, ganz darauf verzichten könne er jedoch noch 

nicht. Ein Alkoholabusus wird nicht mehr erwähnt. Weitere Abklärungen 

hinsichtlich der Suchterkrankung des Beschwerdeführers wurden von den 

behandelnden Ärzten nicht als notwendig erachtet. Im Falle einer Überstel-

lung nach Bulgarien ist nach Auffassung der behandelnden Ärzte kurzfristig 

eine Verschlechterung des Zustands des Beschwerdeführers zu erwarten. 

Von der Unterkunft, in welcher der Beschwerdeführer gegenwärtig unter-

gebracht ist, wird sein Gesundheitszustand als gut wahrgenommen.  

10.6. Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Auffassung der Vorinstanz, 

dass der medizinische Sachverhalt damit hinreichend abgeklärt wurde, und 

die von ihr daraus gezogenen Schlüsse: Die gesundheitliche Situation des 

Beschwerdeführers ist zwar nicht zu verharmlosen. Seine gesundheitli-

chen Probleme erreichen jedoch nicht einen Schweregrad, der die An-

nahme rechtfertigen würde, eine Überstellung nach Bulgarien sei im Lichte 

der oben dargestellten restriktiven Rechtsprechung nicht oder nur nach 

Einholung einer individuellen Garantie der bulgarischen Behörden mit 

Art. 3 EMRK vereinbar (vgl. oben E. 10.1). In diesem Zusammenhang gilt 

es hervorzuheben, dass das Asylverfahren des Beschwerdeführers in Bul-

garien ohne materielle Prüfung abgeschrieben wurde. Nach einer Überstel-

lung dorthin würde es auf Gesuch hin wieder aufgenommen, und der Be-

schwerdeführer wäre alsdann in ein hängiges Asylverfahren und die or-

dentlichen Asylstrukturen integriert. Darauf wurde bereits weiter oben hin-

gewiesen (vgl. oben E. 9.2). Das heisst insbesondere, dass der Beschwer-

deführer nicht in einem geschlossenen Haft-, sondern in einem offenen 

F-651/2023 

Seite 18 

Asylzentrum mit den entsprechenden Leistungen auch medizinischer Na-

tur untergebracht würde. Die bulgarischen Behörden versicherten zudem 

in ihrem Schreiben vom 19. Januar 2023 auf eine Nachfrage der Vo-

rinstanz, dass der Beschwerdeführer im Einklang mit den bulgarischen 

Rechtsvorschriften Zugang zur medizinischen Versorgung haben werde. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass 

Bulgarien auch in dieser Hinsicht ihren völker- und gemeinschaftsrechtli-

chen Verpflichtungen nachkommen werde. Das gilt namentlich auch unter 

Berücksichtigung der Ukraine-Krise (vgl. oben E. 7.1). Anzufügen bleibt, 

dass die aktenkundigen gesundheitlichen Probleme des Beschwerdefüh-

rers auch nicht von einer derartigen Schwere sind, dass aus humanitären 

Gründen von einer Überstellung nach Bulgarien abgesehen werden 

müsste.  

Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen 

Verfügung beauftragt sind, werden dem aktuellen Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführenden bei der Organisation der Überstellung nach Kroa-

tien Rechnung tragen, indem sie die dortigen Behörden im Sinne von 

Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig über den aktuellen Gesund-

heitszustand und die allenfalls notwendige medizinische Behandlung der 

Beschwerdeführenden informieren.  

11.  

11.1. Was den Selbsteintritt aus humanitären Gründen angeht, ist festzu-

halten, dass Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 dem SEM einen Ermessensspielraum 

verleiht (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitionsbeschränkung durch 

die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Streichung der Angemessen-

heitskontrolle durch das Bundesverwaltungsgericht gemäss aArt. 106 

Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanzlichen Verzicht 

der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf Angemessen-

heit hin. Es beschränkt seine Beurteilung nunmehr im Wesentlichen auf die 

Frage, ob das SEM den Sachverhalt korrekt und vollständig erhoben, allen 

wesentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspiel-

raum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 

11.2. Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be-

anstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang 

weiterer Äusserungen. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine 

Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Voll-

F-651/2023 

Seite 19 

ständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsu-

chenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber 

auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 

12.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetre-

ten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht die Weg-

weisung nach Kroatien angeordnet.  

13.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 

14.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-

halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-

genstandslos erweist. 

15.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da er bedürftig ist 

und sein Rechtsmittel nicht als zum Vornherein aussichtslos beurteilt wer-

den konnte, ist seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege in Gestalt 

der Befreiung von den Verfahrenskosten zu entsprechen (Art. 65 Abs. 1 

VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

F-651/2023 

Seite 20 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen, und der Beschwerdeführer wird von der Bezahlung der Verfah-

renskosten befreit. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jenny de Coulon Scuntaro Julius Longauer 

 

 

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