# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ffea6f6-50b2-56a6-a866-634d16a2317f
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-05
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 05.09.2017 63/2015/37
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_63-2015-37_2017-09-05.pdf

## Full Text

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Leistungen der Invalidenversicherung; Wegfall des Nachversicherungs-

schutzes bei Grenzgängern nach Zusprache einer schweizerischen Invali-

denrente – Art. 8 IVG; Ziff. 8 lit. i Abschnitt A Anhang II FZA. 

Der Nachversicherungsanspruch von Grenzgängern erlischt mit Zusprache einer 

schweizerischen Invalidenrente (keine Besitzstandsgarantie). Gleichzeitig endet 

auch der Anspruch auf Übernahme von Kosten in Zusammenhang mit weiterhin 

zum Gebrauch überlassenen Hilfsmitteln. 

OGE 63/2015/37 vom 5. September 2017  

Keine Veröffentlichung im Amtsbericht 

Sachverhalt  

X ist deutscher Staatsangehöriger und lebt in Deutschland. Er war in der Schweiz 

als Grenzgänger in leitender Funktion bei der Firma Y angestellt. Aufgrund einer 

schweren Erkrankung musste sein Arbeitspensum von zuerst 100 % auf 50 % und 

sodann von 50 % auf 0 % reduziert werden. Die IV-Stelle für Versicherte im Aus-

land (IVSTA) sprach ihm eine halbe Invalidenrente ab 1. Januar 2009 und − auf 

entsprechendes Revisionsgesuch hin − eine ganze Invalidenrente ab 1. Februar 

2010 zu. In der Folge wurden ihm diverse Hilfsmittel zugesprochen (z.B. Beiträge 

für einen Hausumbau, Treppenlift, Rollstuhl, Anpassungen am Personenwagen).  

 

Erneute Gesuche von X vom 8. November 2014 und 24. Juni 2015 um Kostengut-

sprache für Umsetzhilfen für sein Fahrzeug sowie für einen neuen Rollstuhl wies 

die IV-Stelle Schaffhausen ab. Gleichzeitig hielt sie fest, die bereits abgegebenen 

Hilfsmittel würden ihm zum weiteren Gebrauch überlassen, jedoch gingen allfällige 

Reparatur-, Betriebs- und Unterhaltskosten sowie Serviceabonnemente zu seinen 

Lasten. Gegen diese Verfügung erhob X Beschwerde ans Obergericht des Kan-

tons Schaffhausen, welches die Beschwerde abwies. 

Aus den Erwägungen 

2.1. Da der Beschwerdeführer deutscher Staatsangehöriger ist und in Deutsch-

land wohnt, sind das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 

1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Euro-

päischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten andererseits über die Freizügig-

keit (FZA, SR 0.142.112.681) sowie die Verordnungen gemäss Anhang II des FZA 

anwendbar. Gemäss Art. 8 lit. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit 

koordiniert, um insbesondere die Gleichbehandlung aller Angehörigen der Ver-

tragsstaaten zu gewährleisten. Soweit − wie vorliegend − weder das FZA und die 

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gestützt darauf anwendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte abweichende 

Bestimmungen vorsehen noch allgemeine Rechtsgrundsätze dagegen sprechen, 

richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens und die Prüfung des Leistungs-       

anspruchs alleine nach der schweizerischen Rechtsordnung (vgl. BGE 130 V 253 

E. 2.4 S. 257 und Urteil des BVGer C-3985/2012 vom 25. Februar 2013 E. 2.1). 

Demnach bestimmt sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf Eingliederungs-

massnahmen ausschliesslich aufgrund der schweizerischen Rechtsvorschriften.  

2.2. Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte 

Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig 

und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-

reich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und 

die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind 

(lit. b). Nach Massgabe der Artikel 13 und 21 besteht der Anspruch auf Leistungen 

unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den 

Aufgabenbereich (Abs. 2). 

2.3. Mit der am 1. April 2012 in Kraft getretenen dritten Aktualisierung von An-

hang II FZA wurden die Koordinationsregeln modernisiert (vgl. IV-Rundschreiben 

des Bundesamtes für Sozialversicherungen Nr. 309 vom 15. Februar 2012).  

Nach Ziff. 8 lit. i Abschnitt A Anhang II FZA gilt ein Arbeitnehmer oder Selbststän-

diger, der den schweizerischen Rechtsvorschriften über die Invalidenversicherung 

nicht mehr unterliegt, weil er seine existenzsichernde Erwerbstätigkeit in der 

Schweiz infolge Unfalls oder Krankheit aufgeben musste, als in dieser Versiche-

rung versichert für den Erwerb des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen bis 

zur Zahlung einer Invalidenrente und während der Durchführung dieser Massnah-

men, sofern er keine anderweitige Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz auf-

nimmt. Die im Anhang II FZA hinsichtlich Eingliederungsmassnahmen vorgese-

hene Verlängerung der Versicherung endet insbesondere spätestens in dem Zeit-

punkt, in welchem der Fall durch Zusprechung einer Rente definitiv abgeschlossen 

wird, die Eingliederung erfolgreich durchgeführt wurde, eine Erwerbstätigkeit aus-

serhalb der Schweiz aufgenommen wird oder Arbeitslosengelder im Wohnland be-

zogen werden. 

2.4. Die Änderung im Koordinationsrecht fand auch Eingang in die ab 1. April 

2012 gültige Fassung des Kreisschreibens über das Verfahren zur Leistungsfest-

setzung in der AHV/IV (KSBIL), gültig ab 1. Juni 2002, Stand 1. April 2012. Gemäss 

den Randziffern 1011.2 und 1011.3 gelten schweizerische Staatsangehörige oder 

Personen mit der Staatsangehörigkeit eines EU-Landes, die in der Schweiz ohne 

Wohnsitz zu haben eine Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmende oder Selbständig-

erwerbende ausgeübt haben und den schweizerischen Rechtsvorschriften über die 

http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-253
http://links.weblaw.ch/BVGer-C-3985/2012

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Invalidenversicherung nicht mehr unterliegen, weil sie ihre existenzsichernde       

Erwerbstätigkeit in der Schweiz in Folge Unfalls oder Krankheit aufgeben mussten, 

in Bezug auf den Anspruch von Eingliederungsmassnahmen als versichert. Dies 

gilt auch während der Durchführung dieser Massnahmen, sofern sie keine ander-

weitige Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz aufnehmen. Der Nachversiche-

rungsschutz endet hingegen beim Bezug einer Invalidenrente (ganze Rente oder 

Bruchteilsrente), bei abgeschlossener erstmaliger Eingliederung oder beim Bezug 

einer Leistung der Arbeitslosenversicherung des Wohnlandes.  

Somit hat beispielsweise ein Grenzgänger Anspruch auf Eingliederungsmassnah-

men, wenn er seine Arbeit in der Schweiz wegen Krankheit oder Unfall aufgeben 

musste. Nicht erforderlich ist dabei, dass der Grenzgänger bis zum Leistungsan-

spruch weiterhin Beiträge in der Schweiz entrichtet. 

3.1. Es steht fest und es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seit 1. Ja-

nuar 2009 Anspruch auf eine IV-Rente hat, wobei er ab 1. Januar 2009 eine halbe 

und seit 1. Februar 2010 eine ganze Rente bezieht. Unbestritten ist weiter, dass 

der Beschwerdeführer in der Schweiz als Grenzgänger gearbeitet und dabei Bei-

träge an die AHV/IV geleistet hat, bevor er seine Arbeit in der Schweiz aus gesund-

heitlichen Gründen aufgeben musste. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwer-

deführer weiterhin Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen respektive Hilfsmittel 

hat. 

3.2. Die IV-Stelle begründete ihre ablehnende Verfügung mit den seit April 2012 

gültigen neuen Weisungen gemäss KSBIL (Rz. 1011.2, vgl. vorangehende E. 2.4). 

Weil der Beschwerdeführer eine Invalidenrente beziehe, seien die Anspruchs-     

voraussetzungen für Hilfsmittel nicht mehr erfüllt, weshalb keine Kosten für weitere 

Hilfsmittel übernommen werden könnten und das Leistungsbegehren für Umsetz-

hilfen (am Fahrzeug) und einen neuen Rollstuhl abgewiesen werde. Die in Zusam-

menhang mit den zum weiteren Gebrauch überlassenen Hilfsmitteln anfallenden 

Kosten habe er gemäss Rz. 1031 des Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfs-

mittel durch die Invalidenversicherung (KHMI, gültig ab 1. Januar 2013; Stand 

1. Januar 2015) selbst zu tragen. 

[…] 

4. Kreisschreiben sind in genereller Hinsicht Weisungen, welche die administ-

rativen Aufsichtsbehörden den verfügenden Durchführungsstellen erteilen, jedoch 

keine Rechtsnormen. Sie sind für die Verwaltung, nicht aber für das Gericht ver-

bindlich. Die Weisungen sind eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesan-

wendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbe-

hörde. Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie 

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eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendba-

ren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht nicht ohne triftigen Grund von 

Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der 

rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, 

durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleis-

ten, Rechnung getragen (BGE 133 V 257 E. 3.2 S. 258 f., BGE 132 V 121 E. 4.4 

S. 125). Das Gericht weicht dann von Weisungen ab, wenn sie nicht gesetzmässig 

sind bzw. in Ermangelung gesetzlicher Vorschriften mit den allgemeinen Grund-

sätzen des Bundesrechts nicht im Einklang stehen (BGE 132 V 121 E. 4.4 S. 125, 

BGE 130 V 163 E. 4.3.1 S. 172, BGE 126 V 421 E. 5a S. 427). Als blosse Ausle-

gungshilfe bieten Verwaltungsweisungen keine Grundlage, um zusätzliche ein-

schränkende materiellrechtliche Anspruchserfordernisse aufzustellen, die im Ge-

setz nicht enthalten sind (BGE 132 V 121 E. 4.4 S. 125, BGE 129 V 67 E. 1.1.1 

S. 68, BGE 126 V 421 E. 5a S. 427). Vorliegend entspricht das Kreisschreiben der 

im Anhang II Abschnitt A lit. i Ziff. 8 FZA enthaltenen Regelung (vorangehende 

E. 2.3). In Ermangelung eines triftigen Grundes bleibt somit kein Raum, um von 

Rz. 1011.2 KSBIL abzuweichen. 

5. Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz unbestrittenermassen in 

Deutschland und bezieht eine Invalidenrente aus der Schweiz. In Anwendung der 

vorstehend erwähnten Normen und Weisungen sowie unter Berücksichtigung der 

höchstrichterlichen Rechtsprechung hat er als Bezüger einer Invalidenrente keinen 

Anspruch mehr auf berufliche Eingliederungsmassnahmen der IV, nachdem der 

schweizerische Nachversicherungsschutz beim Bezug einer Leistung der Invali-

denversicherung geendet hat. 

6. Der Beschwerdeführer beruft sich weiter sinngemäss auf eine Besitz-

standsgarantie. Die IV-Stelle führt aus, eine solche sei im KSBIL nicht enthalten. 

Eine Besitzstandsgarantie setzt im Sozialversicherungsrecht eine ausdrückliche 

gesetzliche Grundlage voraus (BGE 137 V 162 E. 3.2 S. 166). Daran fehlt es hier. 

Wie dargelegt, wurde per 1. April 2012 das Erlöschen des Nachversicherungs-   

anspruchs beim Bezug einer IV-Rente geregelt. Es ist nicht ersichtlich, dass es 

Absicht des Gesetzgebers gewesen wäre, Personen, die zuvor Anspruch auf Hilfs-

mittel gehabt hatten und deren Nachversicherungsanspruch nunmehr zufolge     

Bezugs einer IV-Rente erloschen ist, noch möglicherweise während Jahren einen 

Anspruch auf nicht mehr länger vorgesehene Leistungen einzuräumen. Die Abwei-

sung des Gesuchs um Kostengutsprache für Umsetzhilfen bzw. einen neuen Roll-

stuhl erweist sich somit auch unter dem Gesichtspunkt der Besitzstandsgarantie 

als rechtens.  

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7. Weiter ist zu prüfen, ob allfällige Reparatur-, Betriebs- und Unterhaltskosten 

sowie die Serviceabonnemente für die leihweise abgegebenen Hilfsmittel vom    

Beschwerdeführer zu tragen sind, wie dies in der angefochtenen Verfügung fest-

gehalten wurde. 

Dem Beschwerdeführer wurden ein Treppenlift, ein Rollstuhl sowie ein Rollstuhl-

bike leihweise abgegeben. Sodann erfolgten Änderungen am Fahrzeug sowie am 

Haus. Gemäss Rz. 1031 KHMI können beim Wegfall der Anspruchsvoraussetzun-

gen wegen Erwerbs- oder Arbeitsunfähigkeit oder Aufgabe der Schulung, Ausbil-

dung oder der Tätigkeit im Haushalt für die mit * bezeichneten Hilfsmittel diese der 

versicherten Person zum weiteren Gebrauch überlassen werden. In diesem Fall 

hat in der Folge die versicherte Person allfällige Reparaturkosten, Betriebs- und 

Unterhaltskosten sowie Serviceabonnemente selbst zu tragen. Nach der hier mas-

sgebenden Fassung des KHMI (Stand 1. Januar 2015) gilt diese Regelung sinn-

gemäss auch für alle Hilfsmittel, wenn die Anspruchsvoraussetzungen wegen Ver-

legung des Wohnsitzes ins Ausland wegfallen. Nichts anderes kann gelten, wenn 

der Nachversicherungsanspruch wegen des Bezugs einer Invalidenrente endet, da 

damit gleichermassen wie bei einem Wegzug ebenfalls die Anspruchsvorausset-

zungen dahin fallen. Zu Recht hat die IV-Stelle daher in der angefochtenen Verfü-

gung festgehalten, dass allfällige Kosten im Zusammenhang mit den abgegebenen 

Hilfsmitteln (Treppenlift, Rollstuhl, Rollstuhlbike und Gasring) vom Beschwerdefüh-

rer selber zu tragen sind. 

8. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde demzufolge als unbegrün-

det; sie ist abzuweisen.