# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e3b80fc3-0592-5239-ab88-1221ba019682
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.06.2010 E-4132/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4132-2010_2010-06-17.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4132/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u n i  2 0 1 0

Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
E._______,
Serbien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 1. Juni 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4132/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest: 

A.
Die  Beschwerdeführenden,  ethnische  Roma mit  letztem Wohnsitz  in 
F._______ (Südserbien), verliessen eigenen Angaben zufolge Serbien 
am 18. April 2010 und reisten mit ihren drei Kindern am 19. April  2010 
legal  ohne  Visum in  die  Schweiz  ein,  wo  sie  am 26. April  2010  im 
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchten. 

B.
Anlässlich der summarischen Befragung vom 4. Mai 2010 und der ein -
lässlichen Anhörung vom 17. Mai im Transitzentrum Altstätten  gaben 
die Beschwerdeführenden an, sie und ihre Kinder hätten ihr Heimat -
land  verlassen,  weil  sie  als  Roma  Schikanen  ausgesetzt  gewesen 
seien, wodurch sie arbeits- und obdachlos geworden seien. Zudem sei 
ihr  Sohn D._______ von seinem Lehrer geschlagen worden. In  ihrer 
Heimat gebe es keine Arbeit  und Roma seien dort  unerwünscht. Im 
übrigen  sei  dem  Beschwerdeführer  vor  zirka  8  Jahren  gekündigt 
worden,  weil  er  ein  Roma sei. Als  er  später  mit  seinem Halbbruder 
bzw. mit  dem Sohn des Halbbruders ein Geschäft  eröffnet habe, um 
alte Waren auf dem Markt von F._______ zu verkaufen, seien sie vom 
Marktinspektorat  dauernd  belästigt  worden,  weshalb  er  aufgehört 
habe,  für  die Firma zu arbeiten. Die  Familie  habe in F._______ von 
den Tagelöhnerentgelt und den Kinderzulagen gelebt. Vor der Ausreise 
hätten sie nur noch von den monatlichen Kinderzulagen gelebt. 

C.
Die  Beschwerdeführenden  haben  ihre  serbischen  Reisepässe  den 
Asylbehörden abgegeben. 

D.
Mit Verfügung vom 1. Juni 2010 – gleichentags persönlich und in ser-
bischer Sprache eröffnet – trat das BFM auf das Asylgesuch der Be-
schwerdeführenden gestützt auf Art. 34 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz und deren Vollzug an. 

E.
Gegen diese  Verfügung  erhoben  die  Beschwerdeführenden  mit  Ein-
gabe vom 5. Juni 2010 (Poststempel: 7. Juni 2010) Beschwerde, be-
antragten sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung 

Seite 2

E-4132/2010

vom 1. Juni 2010 und die Rückweisung derselben an die Vorinstanz 
zwecks Neubeurteilung des Verfahrens. 

F.
Die vorinstanzlichen Akten gingen am 8. Juni 2010 beim Bundesver-
waltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht erwägt:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  über  Be-
schwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des BFM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83 
Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Die Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung 
besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 
und Art.  48 Abs. 1 VwVG).

1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG).

1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG). 

1.5 Bei  Nichteintretensentscheiden,  mit  denen es  das BFM ablehnt, 
das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 bis 
Art. 35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz 
grundsätzlich auf die Frage, ob die Vorinstanz auf das Asylgesuch zu 
Recht nicht eingetreten ist, beschränkt. Die Beschwerdeinstanz  ent -
hält sich – sofern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig 
erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung, hebt die Verfügung 
auf  und weist  die  Sache zur  neuen Entscheidung an die Vorinstanz 

Seite 3

E-4132/2010

zurück  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  34  E.  2.1.  s.  240  f.). 
Demgegenüber prüft das Gericht die angefochtene Verfügung hinsicht-
lich der angeordneten Wegweisung und deren Vollzugs in voller Kogni-
tion. 

1.6 Offensichtlich  unbegründete  oder  begründete  Beschwerden  wer-
den in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 
Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden 
(Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich – wie nachfolgend 
aufgezeigt – um eine offensichtlich unbegründete Beschwerde, die nur 
summarisch zu begründen ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf 
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet. 

2.
2.1 Gemäss Art. 34 Abs. 1 AsylG wird auf Gesuche von Asylsuchen-
den aus verfolgungssicheren Staaten nach Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG 
nicht eingetreten, ausser es gebe Hinweise auf eine Verfolgung. 

2.2 Der Bundesrat hat mit Beschluss vom 6. März 2009 Serbien zum 
„Safe Country“ im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG erklärt und ist  
von dieser Einschätzung im Rahmen der periodischen Prüfung (Art. 6a 
Abs. 3 AsylG) nicht abgewichen. Das Bundesamt hat Serbien daher zu 
Recht  und  unbestrittenermassen  als  auf  der  bundesrätlichen  Liste 
verfolgungssicherer Staaten stehend erkannt,  womit die formelle Be-
dingung  für  den  Erlass  eines  Nichteintretensentscheids  auf  der 
Grundlage von Art. 34 Abs. 1 AsylG grundsätzlich erfüllt ist. Massgeb-
liche Kriterien für  die Bezeichnung eines Staates als "Safe Country" 
sind insbesondere die Einhaltung der Menschenrechte sowie die An-
wendung  internationaler  Konventionen  im  Menschenrechts-  und 
Flüchtlingsbereich.

2.3 Praxisgemäss kommt bei Art. 34 Abs. 1 AsylG derselbe weite Ver-
folgungsbegriff  zur  Anwendung  wie  bei  den  Art.  18,  Art.  33  Abs.  3 
Bst. b und Art. 35 AsylG (zu den beiden erstgenannten Bestimmungen 
vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission [EMARK] Nr. 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247). Dieser weite 
Verfolgungsbegriff  umfasst  nicht  bloss  ernsthafte  Nachteile  im  Sinn 
von Art. 3 AsylG, sondern auch die von Menschenhand verursachten 
Wegweisungshindernisse  im  Sinn  von  Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V.m. 
Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (vgl. EMARK 2004 Nr. 5 E. 4c.aa S. 35 f., 

Seite 4

E-4132/2010

EMARK  2004  Nr.  35  E.  4.3  S. 247).  Ausserdem  ist  dabei  ein  im 
Vergleich  zum  –  bereits  erleichterten  –  Beweismass  des 
Glaubhaftmachens  nochmals  reduzierter  Massstab  anzuwenden: 
Sobald sich  aus den Akten Hinweise auf  Verfolgung ergeben, deren 
Unglaubhaftigkeit  nicht  bereits  auf  den  ersten  Blick  erkannt  werden 
kann, muss auch bei Asylgesuchen aus verfolgungssicheren Staaten 
die  Flüchtlingseigenschaft  einlässlich  geprüft  werden  (vgl.  EMARK 
2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 16 f., EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247, EMARK 
2004 Nr. 34 E. 4.2 S. 242, EMARK 2004 Nr. 5 E. 4c.bb S. 36).

2.4 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres negativen Entscheids 
im  Wesentlichen  aus,  bei  Serbien  handle  es  sich  um  einen  verfol-
gungssicheren Staat. Somit bestehe die gesetzliche Regelvermutung, 
dass asylrechtlich relevante staatliche Verfolgung nicht stattfinde und 
Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Hierbei handle 
es  sich  um eine relative Verfolgungssicherheit,  die  im Einzelfall  auf-
grund konkreter substanziierter Hinweise umgestossen werden könne, 
was im vorliegenden Verfahren zu verneinen sei.

Die  von den Beschwerdeführenden aufgrund ihrer  ethnischen Zuge-
hörigkeit  zur  Minderheit  der  Roma  konkret  geltend  gemachten  Be-
nachteiligungen  (Ehemann:  Kündigung  seitens  des  Arbeitgebers  vor 
acht  Jahren; Beeinträchtigung der Markttätigkeit; Ehefrau: Beschimp-
fungen  als  Zigeunerin;  Sohn  D._______:  Tätlichkeiten  seitens  des 
Lehrers) würden verschiedene gravierende Widersprüche und weitere 
Ungereimtheiten  enthalten  und  die  in  der  Hauptsache  geltend  ge-
machten Ursachen (fehlende Unterkunft,  keine Arbeit und Schwierig-
keiten,  die  Familie  zu  ernähren),  die  sie  zur  Ausreise  veranlasst 
hätten, seien wirtschaftlicher Natur. 

Hinsichtlich der Lage der ethnischen Minderheiten in Serbien sei fest -
zuhalten, dass sich im Zuge des demokratischen Wandels die Situa-
tion  der  ethnischen  Minderheiten  entspannt  habe.  Am  25.  Februar 
2002 sei das Bundesgesetz zum Schutz und zur Freiheit der nationa-
len Minoritäten in  Kraft  getreten,  welches die Rechte der  nationalen 
Minderheiten – so auch diejenigen der Roma – schütze. Gemäss dem 
Minderheitengesetz erhielten die Minoritäten das Recht auf  Schulbil -
dung in der Muttersprache, auf den Gebrauch der Muttersprache als 
Amtssprache sowie  allgemein  auf  den Gebrauch der  Muttersprache. 
Zwar könnten vereinzelte Übergriffe durch Drittpersonen gegen Roma 
nicht restlos ausgeschlossen werden, allerdings komme solchen Ver-

Seite 5

E-4132/2010

folgungsmassnahmen in der  Regel  keine asylrelevante  Intensität  zu. 
Zudem billige oder unterstütze der Staat solche Übergriffe nicht. Zwar 
könne es vorkommen, dass Behördenvertreter „niederer Chargen“ die 
notwendigen Untersuchungsmassnahmen trotz wiederholtem Interve-
nieren  nicht  einleiten  würden.  Es  bestehe  jedoch  die  Möglichkeit, 
gegen  fehlbare  Beamte  auf  dem  Rechtsweg  vorzugehen  und  die 
einem zustehenden Rechte bei  höheren Instanzen einzufordern. Der 
serbische Staat  sei  bestrebt,  Verfehlungen von Beamten zu ahnden. 
Die  geltend  gemachten  Beschimpfungen  durch  Jugendliche  als  „Zi-
geunerin“  seien  aufgrund  der  fehlenden  Intensität  nicht  als  asylbe-
achtlichen Sachverhalt einzustufen. Die auf die schlechte wirtschaftli -
che Lage zurückzuführenden Nachteile  in ihrer  Heimat stellten auch 
keine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar.  

2.5 Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Rechtsmitteleingabe im 
Wesentlichen an ihren bei der Vorinstanz geltend gemachten Vorbrin-
gen fest,  ohne sich  mit  den vorinstanzlichen Erwägungen auseinan-
derzusetzen. 

2.6 Die Vorinstanz hat im Ergebnis zutreffend festgestellt, dass es den 
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, die widerlegbare Vermutung 
des Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG aufgrund von Hinweisen auf Verfolgung 
umzustossen. Die von den Beschwerdeführenden in der Hauptsache 
geltend gemachten Gründe (wirtschaftliche Schwierigkeiten als Folge 
ihrer ethnischen Zugehörigkeit), weshalb sie in der Schweiz um Asyl 
nachsuchten, fallen offenkundig nicht unter den, über die ernsthaften 
Nachteile nach Art. 3 AsylG hinaus gehenden, weiten Verfolgungsbe-
griff  (von Menschenhand zugefügte Wegweisungsvollzugshindernisse 
im Sinne der Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG sowie durch Art. 3  
EMRK und Art.  3  FoK erfasste  menschenrechtswidrige  Behandlung; 
vgl. dazu EMARK 2004 Nr. 5 E. 4c.aa S. 35 und EMARK 2003 Nr. 18).  
Die  von ihnen  geltend gemachten konkreten Benachteiligungen,  wie 
der Verlust der Festanstellung des Ehemannes vor 8 Jahren, die Be-
lästigungen  durch  Behördenmitglieder  bei  der  Ausübung  dessen 
Markttätigkeit, die Beschimpfung der Ehefrau durch Jugendliche oder 
die Tätlichkeiten des Lehrers gegenüber deren Sohn D._______, sind 
offensichtlich nicht unter dem soeben erwähnten Verfolgungsbegriff zu 
subsumieren, zumal sie nur einen geringen Grad an Beeinträchtigung 
erkennen lassen und die ethnische Herkunft  der  Beschwerdeführen-
den nicht eindeutig als Ursache ihrer – insbesondere finanziellen (vgl. 
A9 S. 5 F50 f.; A8 S. 5 F46 f.; A2 S. 5 F15) – Schwierigkeiten erkenn-

Seite 6

E-4132/2010

bar  ist.  Überdies  ist  zu  beachten,  dass  ein  Grossteil  der  Bewohner 
ihrer Herkunftsregion von der schlechten Wirtschaftslage betroffen ist. 

Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob die Schilderungen der Be-
schwerdeführenden im Sinne der Erwägungen des BFM auch als un-
glaubhaft – gemessen am reduzierten Beweismassstab – einzustufen 
sind. Indessen dürften die von der  Vorinstanz erwähnten Ungereimt-
heiten diese Einschätzung zulassen, zumal die Beschwerdeführenden 
diese in ihrer Beschwerdeschrift nicht dementieren.

2.7 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz in Anwendung 
von Art. 34 Abs. 1 AsylG zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwer-
deführenden nicht eingetreten ist. 

3.
3.1 Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch  hat  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur 
Folge  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Vorliegend  hat  der  Kanton  den  Be-
schwerdeführenden  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und  zudem 
besteht auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. EMARK 
2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde.

3.2 Das Bundesamt regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-
setzlichen Bestimmungen über  die vorläufige Aufnahme von Auslän-
dern, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar 
oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer  [AuG,  SR  142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von 
Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesver-
waltungsgerichts und seiner Vorgängerorganisation ARK gilt  der glei -
che Beweisstandard wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  dass  heisst, 
sie  sind zu beweisen,  wenn der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und an-
dernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: 
Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht,  2. Auflage,  Basel, 
Rz. 11.148.

3.3 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrecht -
liche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Keine Person darf in irgendeiner 

Seite 7

E-4132/2010

Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr 
Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 
gefährdet ist, oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches 
Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art.  33 
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Der Vollzug der Wegweisung nach Serbien ist vorliegend in Beachtung 
dieser  massgeblichen  völker-  und  landesrechtlichen  Bestimmungen 
zulässig,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine 
asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu 
machen,  weshalb das in  Art. 5  AsylG verankerte  Prinzip  des flücht-
lingsrechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine 
Anwendung  findet  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschen-
rechtswidrige  Behandlung  ersichtlich  sind,  die  den  Beschwerdefüh-
renden in Serbien droht.

3.4 Der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  erweist  sich  als 
unzumutbar, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini -
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG).

Weder die allgemeine Lage in Serbien noch individuelle Gründe las-
sen auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen, 
weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  zumutbar  ist.  Die 
Beschwerdeführenden sind jung und gesund und können sich beidsei-
tig auf eine grosse Verwandtschaft abstützen. Die Beschwerdeführen-
den hatten bis vor ihrer Ausreise aus Serbien als Putzfrau, Tagelöhner 
oder Altwarenhändler auf dem Markt von F._______ gearbeitet. Es ist 
den Beschwerdeführenden – trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage 
in Serbien, insbesondere für Angehörige der Ethnie der Roma – zuzu-
muten,  eine neue Lebensgrundlage aufzubauen. Die  schulpflichtigen 
Kinder der Beschwerdeführenden gingen vor ihrer Ausreise zur Schule 
und es ist davon auszugehen, dass diese nach ihrer Rückkehr erneut 
den Schulunterricht besuchen werden. 

3.5 Der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  den 
Heimatstaat ist schliesslich möglich, da keine Vollzugshindernisse be-
stehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und die Beschwerdeführenden im Besitze 
gültiger Reisepapiere sind. 

Seite 8

E-4132/2010

3.6 Nach dem Gesagten ist der vom Bundesamt verfügte Vollzug der 
Wegweisung zu bestätigen. 

4.
Es ist den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen, darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde als 
offensichtlich unbegründet abzuweisen ist. 

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.-  (Art. 
1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

E-4132/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr.  600.- werden den Beschwerdeführenden 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

Versand: 

Seite 10