# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4841276a-de85-508c-9b73-dfa6299b1238
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.08.2020 F-3812/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3812-2020_2020-08-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3812/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli,  

Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 20. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

F-3812/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. Juli 2020 in der Schweiz um Asyl. 

Ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank "Eurodac" ergab, dass er 

bereits am 3. Juli 2015 und am 24. April 2019 in Deutschland und am 

15. Februar 2019 in Frankreich Asyl beantragt hatte. 

Anlässlich der Befragung vom 15. Juli 2020 wurde dem Beschwerdeführer 

das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit einer Überstellung nach Deutschland gewährt, welches ge-

mäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und 

des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren 

zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem 

Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-

VO), grundsätzlich für die Behandlung ihres Asylgesuchs zuständig sei. 

Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde vom 

Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte er geltend, alles ver-

sucht zu haben, um in Deutschland eine Aufenthaltsbewilligung zu erhal-

ten. Sein Gesuch sei jedoch abgelehnt worden. Es gäbe noch die Möglich-

keit der standesamtlichen Heirat mit seiner religiös angetrauten Ehefrau, 

welche im Besitz einer dreijährigen Aufenthaltsbewilligung für Deutschland 

sei. Aus persönlichen Gründen wolle er dies jedoch nicht. Gesundheitlich 

gehe es ihm besser. Seit vier Jahren habe er jedoch Probleme beim Ein-

schlafen, weswegen er in Deutschland in psychologischer Behandlung ge-

wesen sei.  

B.  

Am 10. Juli 2020 ersuchte das SEM die deutschen Behörden um Rück-

übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-

III-VO. Diesem Gesuch wurde am 16. Juli 2020 entsprochen.  

C.  

Mit Verfügung vom 20. Juli 2020 (eröffnet am 22. Juli 2020) trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-

gesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung 

nach Deutschland, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung 

seines Asylgesuchs zuständig ist. Gleichzeitig verfügte das SEM den Voll-

zug der Wegweisung dorthin und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde 

gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

F-3812/2020 

Seite 3 

D.  

Die zugewiesene Rechtsvertretung zeigte mit Schreiben vom 22. Juli 2020 

die Beendigung des Mandatsverhältnisses an. 

E.  

Mit Beschwerde vom 27. Juli 2020 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten.  

F.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 29. Juli 2020 setzte das Bundes-

verwaltungsgericht den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen 

aus. Gleichentags trafen die vorinstanzlichen Akten beim Bundesverwal-

tungsgericht ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-

schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-

miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

F-3812/2020 

Seite 4 

3.  

3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein 

Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-

genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel 

III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

F-3812/2020 

Seite 5 

Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-

digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-

nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-

tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, 

die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung 

im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union 

(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist 

zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-

ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Staat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zuständig 

(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt 

wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat  

oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-

haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-

zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO). 

Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen 

bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An-

trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser 

Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). Sowohl der 

Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz gestellt worden 

ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates 

durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat kann vor der Erstent-

scheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mitgliedstaat ersuchen, 

den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum Zweck der Zusam-

menführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei die betroffenen 

Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen (Art. 17 Abs. 2 

Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).  

5.  

5.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-

rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 3. Juli 2015 und am 24. April 

2019 in Deutschland Asylgesuche eingereicht hatte. Das SEM ersuchte 

deshalb die deutschen Behörden am 10. Juli 2020 um Wiederaufnahme 

des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Diese stimmten 

dem Gesuch am 16. Juli 2020 zu. 

F-3812/2020 

Seite 6 

Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Deutschland ein Asylgesuch ein-

gereicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mit-

gliedstaates blieb unbestritten. 

5.2. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-

che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-

dingungen für Asylsuchende in Deutschland würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden. 

5.2.1. Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer geltend, es sei 

für ihn unmöglich gewesen, in Deutschland zu bleiben. Er habe dort mit 

einer christlichen Organisation zusammengearbeitet, weshalb seine Bezie-

hung zu seinen muslimischen Landsleuten erschwert worden sei; er sei 

verstossen und bedroht worden. Moralische Unterstützung habe er nur von 

seinen Eltern erhalten. Seine Partnerin sei gegen seine Zusammenarbeit 

mit der christlichen Organisation gewesen und habe ihm mitgeteilt, er 

könne nur mit ihr zusammenbleiben, wenn er diese Arbeit aufgebe, den 

Kontakt zu seinen Eltern abbreche und wieder der muslimischen Gemein-

schaft beitrete. Er habe sich den Einschüchterungsmethoden und den Dro-

hungen seiner muslimischen Landsleute nicht beugen wollen und ein Zu-

sammenleben mit seiner Partnerin sei nicht mehr möglich gewesen, wes-

halb er sie verlassen habe. Dies habe zu einem definitiven Bruch mit der 

muslimischen Gemeinschaft geführt. Daraufhin habe er anonyme telefoni-

sche Drohungen erhalten und seine Eltern seien in Afghanistan auf der 

Strasse beschimpft worden. Zudem sei in seine Wohnung eingebrochen 

worden, als er nicht zu Hause gewesen sei. Die Wohnung sei demoliert 

und auf den Spiegel sei ein rotes Kreuz gezeichnet worden. Die christliche 

Organisation habe ihm geraten, keine Anzeige zu erstatten, um sein Leben 

nicht noch mehr in Gefahr zu bringen. Aus diesen Gründen habe er 

Deutschland verlassen.  

5.2.2. Deutschland ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 

0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne 

und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien 

des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 

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Seite 7 

2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung 

des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-

sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-

geben. Es bestehen keine Hinweise darauf, der deutsche Staat sei nicht 

schutzfähig und schutzwillig. Dem Beschwerdeführer steht es damit frei, 

sich bezüglich der Drohungen von Seiten der muslimischen Gemeinschaft 

an die zuständigen deutschen Behörden zu wenden. Unter diesen Umstän-

den ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.  

5.3. Der Beschwerdeführer fordert implizit die Anwendung der Ermessens-

klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbstein-

trittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), 

gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" 

auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer 

Staat zuständig wäre. 

Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, 

die deutschen Behörden würden sich weigern, ihn wieder aufzunehmen 

und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln 

der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe 

für die Annahme zu entnehmen, Deutschland werde in seinem Fall den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen 

würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausser-

dem hat er nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Be-

dingungen in Deutschland seien derart schlecht, dass sie zu einer Verlet-

zung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK 

führen könnten. Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung 

seines Asylgesuchs mangelhaft gewesen sein könnte und seine Wegwei-

sung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt worden wäre. In 

diesem Zusammenhang ist der Vollständigkeit halber festzustellen, dass 

ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und die Wegweisung in das 

Heimatland nicht per se eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips 

darstellen. Das Prinzip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen 

einzigen Mitgliedstaat ("one chance only") dient im Gegenteil der Vermei-

dung von multiplen Asylgesuchen in verschiedenen Staaten (sogenanntes 

"asylum shopping"; vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Vorliegend führt die 

Überstellung des Beschwerdeführers nach Deutschland gemäss Akten 

nicht zu einer Kettenabschiebung, welche gegen das Non-Refoulement-

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Seite 8 

Prinzip verstossen würde, wie es in Art. 33 FK verankert ist (und sich aus-

serdem aus Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK 

ableiten lässt).  

Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-

nahme dargetan, Deutschland würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Auf-

nahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. 

Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Üb-

rigen nötigenfalls an die deutschen Behörden wenden und die ihm zu-

stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. 

Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

Der Beschwerdeführer macht geltend, er leide an Schlaf- und Essensstö-

rungen. In Deutschland sei er ärztlich gut betreut gewesen, seine Medika-

mente hätten jedoch nicht mehr gewirkt. Am Tag seines Termins bei einem 

Psychologen in B._______ sei er nach C._______ transferiert worden, 

weshalb er bis heute keine medizinischen Unterlagen zu seinem Gesund-

heitszustand habe einreichen können. Anlässlich der Befragung durch die 

Vorinstanz führte der Beschwerdeführer aus, es gehe ihm besser. Er habe 

seit vier Jahren Probleme beim Einschlafen und sei in Deutschland deswe-

gen in psychologischer Behandlung gewesen (vgl. SEM-Akten act. 

1069263-18). Seine gesundheitlichen Probleme sind damit nicht derart 

gravierend, als dass eine Überstellung nach Deutschland eine tatsächliche 

Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen würde 

(vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des EGMR 

sowie Urteil des EGMR P. gegen Belgien vom 13. Dezember 2016 [Nr. 

41738/10]).  

Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in Ver-

bindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht demnach keine Veranlassung. 

Eine Ermessenunterschreitung liegt nicht vor. Der Vollständigkeit halber ist 

festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3). 

5.4. Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-

sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem 

Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-

gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil 

des BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2). 

  

F-3812/2020 

Seite 9 

6.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da 

der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-

derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Deutschland in 

Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 

Bst. a AsylV 1). 

7.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 

m.w.H.). 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]).  

10.  

Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 29. Juli 2020 verfügte Vollzugs-

stopp dahin. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-3812/2020 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Annina Mondgenast 

 

 

Versand: