# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e041b301-5360-5157-aef4-844bb52a186d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240293-O1
**Docket/Reference:** SB240293-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240293-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240293-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. M. Langmeier 

und Ersatzoberrichter Dr. iur. F. Manfrin sowie die Gerichtsschreibe-

rin MLaw A. Jacomet

Urteil vom 17. April 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und I. Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 

Anklägerin und II. Berufungsklägerin (Rückzug) sowie Anschluss-

berufungsklägerin

betreffend Freiheitsberaubung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 

10. Abteilung - Einzelgericht, vom 11. März 2024 (GG240013)

- 2 -

Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom  23.  Januar  2024 

(Urk. D1/40) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 67 S. 35 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte ist schuldig





der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten, wovon bis und mit 

heute 328 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden sind.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-

setzt.

4.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Januar 2024 

beschlagnahmten Gegenstände werden der Privatklägerin B._____ nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben:









1 Kapuzenjacke, schwarz mit weissem Kordelzug 
(Asservat-Nr. A014'945'347),

1 Langarmshirt, dunkelblau/weiss quergestreift, «Maison Scotch» 
(Asservat-Nr. A014'945'381),

1 Jeanshose, dunkelblau, stretch, «LYNN/G-STAR» 
(Asservat-Nr. A014'945'405),

1 Socke, schwarz/grau quer gestreift (Asservat-Nr. A014'945'416).

Werden die vorstehenden Gegenstände innert drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils nicht herausverlangt, so werden sie der Lagerbehörde zur Vernichtung oder 

gutscheinenden Verwendung überlassen.

5.

Die übrigen, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Januar 2024 

beschlagnahmten Gegenstände werden neu Bestandteil des separaten Untersuchungsver-

fahrens der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat Nr. … und verbleiben entsprechend bei der 

Lagerbehörde.

- 3 -

6.

Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

7.

Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des 

Beschuldigten mit pauschal Fr. 15'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichts-

kasse entschädigt.

8.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.–

; die weiteren Kosten betragen:

3'500.–

  Gebühr für das Vorverfahren,

22'586.95   Auslagen (Gutachten),

260.–

  Auslagen (Auswertung Mobiltelefon),

1'200.–

  Auslagen Gericht III. StrKr UB230057,

200.–

  Auslagen Gericht ZMG GT230056,

15'500.–

  amtliche Verteidigung RA X._____.

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

9.

Über die Auferlegung der Kosten betreffend die Gutachten zur körperlichen Untersuchung 

des Instituts für Rechtsmedizin der beiden im separaten Untersuchungsverfahren der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat

Nr. … Geschädigten C._____ und D._____ von je Fr. 774.45 ist im vorgenannten Untersu-

chungsverfahren zu entscheiden.

10.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.

11.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-

ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

12.

(Mitteilungen)

13.

(Rechtsmittel)"

- 4 -

Berufungsanträge:

(Prot. II S. 3 f.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 71 S. 2)

1.

Die Dispositiv-Ziffern 1., 2., 3. und 10. des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 

10. Abteilung, vom 11. März 2024 (Geschäfts-Nr.: GG240013-L / U) seien auf-

zuheben.

Der Beschuldigte sei freizusprechen.

Es sei eine Genugtuung für die zu Unrecht ausgestandene Haft im Umfang 

von Fr. 200.–/Tag an den Beschuldigten auszurichten.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu Lasten des Staates.

Es seien die Verfahrensakten der Vorinstanz beizuziehen.

Es sei das schriftliche Berufungsverfahren durchzuführen.

2.

3.

4.

5.

6.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 74 S. 2)

1.

2.

3.

4.

Der Beschuldigte sei für die Dauer von 7 Jahren des Landes zu verweisen.

Die  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener  Informations-

system sei anzuordnen.

Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.

Entscheid über die Kostenauflage.

- 5 -

Erwägungen:

I.  Verfahrensgang und Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Am  23.  Januar  2024  erhob  die  Staatsanwaltschaft  Anklage  gegen  den 

Beschuldigten wegen Freiheitsberaubung etc. Im Einzelnen ergibt sich der Verfah-

rensgang  bis  zum  vorinstanzlichen  Urteil  aus  dem  angefochtenen  Entscheid 

(Urk. 67 E. I).

1.2. Das  vorstehend  wiedergegebene  Urteil  vom  11.  März  2024  wurde  dem 

Beschuldigten gleichentags mündlich eröffnet und den übrigen Parteien schriftlich 

im Dispositiv mitgeteilt (Urk. 53; Prot. I S. 22 ff.). Mit ebenfalls mündlich eröffnetem 

Entlassungsbefehl vom selben Tag wurde der Beschuldigte aus dem vorzeitigen 

Strafvollzug entlassen und gemäss Rücklieferungsgesuch dem Migrationsamt des 

Kantons  Zürich  zugeführt  (Urk. 54;  Prot. l  S. 25).  Gegen  das  Urteil  meldete  die 

Staatsanwaltschaft  mit  Eingabe  vom  20.  März  2024  (Urk. 60)  sowie  der 

Beschuldigte mit Eingabe vom 21. März 2024 (Urk. 61) je innert Frist Berufung an.

1.3. Das  Migrationsamt  veranlasste  in  der  Folge,  dass  der  Beschuldigte  in 

Ausschaffungshaft genommen (Urk. 57) und schliesslich am 27. April 2024 (wohl 

auf migrationsrechtlicher Grundlage) in die Dominikanische Republik nach E._____ 

[Ortschaft] ausgeschafft wurde (Urk. 69).

1.4. Nach  Zustellung  des  begründeten  Urteils  (Urk. 64;  Urk. 66/1-3)  zog  die 

Staatsanwaltschaft am 24. Juni 2024 ihre eigene Berufung – unter Vorbehalt einer 

späteren Anschlussberufung – zurück (Urk. 68). Der Beschuldigte liess am 28. Juni 

2024  fristgerecht  die  Berufungserklärung  mit  den  vorstehend  wiedergegebenen 

Anträgen einreichen (Urk. 71). 

1.5. Mit Präsidialverfügung vom 3. Juli 2024 wurde der Privatklägerin sowie der 

Staatsanwaltschaft  ein  Doppel  der  Berufungserklärung  des  Beschuldigten 

zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben 

oder  ein  Nichteintreten  auf  die  Berufung  zu  beantragen  und  zum  Antrag  des 

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Beschuldigten auf Durchführung des schriftlichen Verfahrens Stellung zu nehmen. 

Die  Staatsanwaltschaft  erklärte  mit  Eingabe  vom  10. Juli  2024  fristgerecht 

Anschlussberufung  mit  den  vorstehend  wiedergegeben  Anträgen  (Urk. 74).  Mit 

weiterer Eingabe vom selben Datum beantragte die Staatsanwaltschaft, der Antrag 

des  Beschuldigten  auf  Durchführung  des  schriftlichen  Berufungsverfahrens  sei 

abzuweisen. Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.

1.6. Am  11.  Februar  2025  wurde  zur  Berufungsverhandlung  auf  den  16. April 

2024 vorgeladen und damit der Antrag des Beschuldigten auf Durchführung des 

schriftlichen Verfahrens abgelehnt (Urk. 77). 

1.7. Ein  von  der  Verteidigung  gestelltes  Dispensationsgesuch 

für  den 

Beschuldigten wurde verfahrensleitend behandelt und gutgeheissen (Prot. II S. 15). 

1.8.

Zu  Berufungsverhandlung  erschienen  der  amtliche  Verteidiger  des 

Beschuldigten sowie der Staatsanwalt und die Privatklägerin B._____ (Prot. II S. 

3).

2.

Strafanträge und Privatklägerkonstituierung

Die Ausführungen der Vorinstanz zum erfüllten Strafantragserfordernis bezüglich 

der  angeklagten  einfachen  Körperverletzung  gemäss  Art. 123  Ziff. 1  StGB  (vgl. 

Urk. D1/2/3) sowie zur gültigen Konstituierung der Geschädigten B._____ als Pri-

vatklägerin  (vgl.  Urk. D1/13/4)  sind  zutreffend.  Darauf  kann  verwiesen  werden 

(Urk. 67 E. II). 

3.

Eintreten auf die Berufung / Umfang der Berufung / Legitimation der Staats-

anwaltschaft zur Anschlussberufung

3.1. Die  Staatsanwaltschaft  stellte  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  den 

Antrag, dass das Fernbleiben des Beschuldigten als unentschuldigt zu betrachten 

und  in  Anwendung  von  Art. 407  Abs. 1  lit. a  StPO  ein  Rückzug  seiner  Berufung 

anzunehmen  sei  (Prot.  II  S. 12).  Gemäss  der  erwähnten  Bestimmung  gilt  die 

Berufung als zurückgezogen, wenn die Partei, die sie erklärt hat, der mündlichen 

Berufungsverhandlung unentschuldigt fernbleibt und sich auch nicht vertreten lässt. 

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Eine solche Konstellation ist vorliegend nicht gegeben. Einerseits kann im Nichter-

scheinen seitens des Beschuldigten kein treuwidriges respektive missbräuchliches 

Verhalten erkannt werden. Vielmehr ergibt sich aus der seitens der Verteidigung 

eingereichten Honorarnote vom 16. April 2025 (Urk. 90 S. 2), dass diese auch nach 

Einreichen  der  Berufungserklärung  mit  dem  Beschuldigten  (oder  zumindest  mit 

dessen Familie) Kontakt hatte und daher von einem Anfechtungswillen seitens des 

Beschuldigten ausgegangen werden kann. Ein unentschuldigtes Fernbleiben liegt 

nicht  vor.  Andererseits  liess  sich  der  Beschuldigte  an  der  Berufungsverhandlung 

durch seine Verteidigung vertreten und diese ist hinsichtlich des Anklagepunktes 

der Freiheitsberaubung und der Sanktionsfolgen instruiert, weshalb die Anwesen-

heit  des  Beschuldigten  betreffend  diese  Punkte  nicht  notwendig  ist.  Nach  dem 

Gesagten ist auf die Hauptberufung des Beschuldigten einzutreten.  

3.2. Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang  der  Berufungsanträge  gehemmt,  während  die  von  der  Berufung  nicht 

erfassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-EUGSTER, Art. 402 N 1 

f.).

3.3. Der  Beschuldigte  hat  die  Berufung  in  seiner  Berufungserklärung  auf  den 

Schuldspruch (Dispositivziffer 1), die Strafe (Dispositivziffer 2) und deren Vollzug 

(Dispositivziffer 3) sowie die Kostenauflage (Dispositivziffer 10 und 11) beschränkt 

(Urk. 71 S. 2; Prot. II S. 15).

Die  Staatsanwaltschaft  hat  ihre  zunächst  angemeldete  selbständige  Berufung 

zurückgezogen und beantragt mit ihrer Anschlussberufung erstmals im Verfahren, 

es  sei  eine  Landesverweisung  auszusprechen  und  diese  im  Schengener 

Informationssystem (SIS) auszuschreiben. Dieser Antrag sei "(wohl) aus Versehen" 

vor  Vorinstanz  nicht  gestellt  worden  (vgl.  Urk. 74).  Die  Verteidigung  stellte  den 

Antrag, dass auf die Anschlussberufung mangels rechtlich geschützten Interesses 

und  wegen  widersprüchlichen  Prozessverhaltens  seitens  der  Staatsanwaltschaft 

nicht einzutreten sei und berief sich unter anderem auf den BGE 147 IV 505 E. 4.4. 

Sie begründet diesen Antrag im Wesentlichen damit, dass die Staatsanwaltschaft 

die Anordnung einer Landesverweisung vor Vorinstanz nicht beantragt habe und 

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dieser Antrag nicht im Rahmen einer Anschlussberufung möglich sei, da damit die 

reformatio in peius umgangen würde. Vielmehr dränge sich – so die Verteidigung – 

in der vorliegenden Konstellation eine Rückweisung an die Vorinstanz an (Urk. 82 

S. 8; Prot. II S. 11).  

3.3.1. Die Staatsanwaltschaft kann ein Rechtsmittel zugunsten oder zuungunsten 

der  beschuldigten  Person  einlegen 

(Art. 381  Abs.  1  StPO). 

Ihre 

Rechtsmittellegitimation  setzt  dabei  keinen  Nachweis  einer  Beschwer  durch  den 

angefochtenen  Entscheid  voraus.  Sie  ist  auch  nicht  an  ihre  vor  erster  Instanz 

vertretenen Standpunkte oder Anträge gebunden (BSK StPO-BÄHLER, Art. 381 N 3 

m.H.; vgl. zum Ganzen BGE 147 IV 505 = Pra 111 (2022) Nr. 55 E. 4.4.1).

3.3.2. Grundsätzlich ist auch für eine Anschlussberufung (vgl. Art. 401 StPO) der 

Staatsanwaltschaft  kein  Nachweis  eines 

rechtlich  geschützten 

Interesses 

erforderlich (vgl. Art. 381 Abs. 1 StPO; BGE 147 IV 505 = Pra 111 (2022) Nr. 55 E. 

4.4.1). 

In 

gewissen 

Konstellationen 

einer 

staatsanwaltschaftlichen 

Anschlussberufung  kann  sich  indes  eine  etwas  differenzierte  Betrachtung  ihrer 

Legitimation  aufdrängen,  namentlich  dann,  wenn  die  Staatsanwaltschaft  mit  der 

Anschlussberufung  allein  bezweckt,  das  Verbot  der  reformatio  in  peius  (Art.  391 

Abs. 2 StPO) aufzuheben und den Beschuldigten indirekt dazu zu bewegen, die 

Berufung  zurückzuziehen.  Diesfalls  ist  ihr  die  Legitimation  aufgrund  treuwidrigen 

Verhaltens bzw. missbräuchlicher Druckausübung (vgl. Art. 5 Abs. 3 BV; Art. 3 Abs. 

2  lit.  a  StPO)  abzusprechen.  Von  einer  derartigen  Konstellation  ist  bspw.  dann 

auszugehen,  wenn  eine  Anschlussberufung  ohne  nähere  Begründung  einzig  zur 

Strafzumessung  eingereicht  wird,  obwohl  die  erste 

Instanz  dem  bei 

ihr 

diesbezüglich gestellten Antrag der Staatsanwaltschaft vollumfänglich gefolgt war 

(BGE 147 IV 505 = Pra 111 (2022) Nr. 55 E. 4.4.2 und 4.4.3; dazu auch BSK StPO-

BÄHLER, Art. 381 N 4).

3.3.3. Eine  derartige  Konstellation  gemäss  zitiertem  BGE  147  IV  505  ist  hier, 

entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung,  nicht  erkennbar.  Die  Staatsanwaltschaft 

verlangte 

in 

ihrer  Anklage  unter  anderem  einen  Schuldspruch  wegen 

Freiheitsberaubung im Sinne von Art.  183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Dabei handelt es 

sich  um  eine  Katalogtat,  die  grundsätzlich  zu  einer  obligatorischen 

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Landesverweisung führt (Art. 66a Abs. 1 lit. g StGB) und beim Beschuldigten als 

Staatsangehöriger  der  Dominikanischen  Republik  zur  Ausschreibung 

im 

Schengener  Informationssystem  SIS.  Beides  hat  die  Staatsanwaltschaft  in  ihren 

Anträgen für die Hauptverhandlung (Anklageschrift Ziff. 3.1 S. 4) nicht beantragt, 

"(wohl) aus Versehen", wie sie im Berufungsverfahren geltend macht (act. 74 S. 2). 

Nachdem die Vorinstanz den Beschuldigten wegen einer Katalogtat verurteilt hat, 

wäre  sie  aber  auch  unabhängig  von  Parteianträgen  gehalten  gewesen,  die 

obligatorische  Landesverweisung  und  SIS-Ausschreibung  zu  prüfen  (iura  novit 

curia, vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO; spezifisch zur Prüfpflicht der Landesverweisung 

und SIS-Ausschreibung auch ohne Parteiantrag: BGE 146 IV 172 E. 3.2.5). 

3.3.4. Wenngleich 

die  Staatsanwaltschaft 

ihre 

selbständige  Berufung 

zurückgezogen und damit allenfalls implizit zum Ausdruck gebracht hatte, dass sie 

sich mit dem angefochtenen Urteil abgefunden hat, muss es ihr als Vertreterin der 

Gesellschaft,  die  mit  der  Wahrung  der  öffentlichen  Interessen  beauftragt  ist  (so 

BGE 147 IV 505 = Pra 111 (2022) Nr. 55 E. 4.4.1), erlaubt sein, eine fehlerhafte 

Rechtsanwendung  mit  Anschlussberufung  zu  rügen  und 

im  Falle  eines 

Schuldspruchs  wegen  einer  Katalogtag  eine  obligatorische  Landesverweisung 

sowie  SIS-Ausschreibung  zu  verlangen.  Ein  treuwidriges  Verhalten  bzw.  eine 

missbräuchliche Druckausübung kann in ihrer Anschlussberufung jedenfalls nicht 

erblickt werden.

3.3.5. Damit  steht  im  Berufungsverfahren  im  Falle  einer  Bestätigung  des 

Schuldspruchs grundsätzlich auch eine Landesverweisung und SIS-Ausschreibung 

zur  Disposition.  Ob  derartige  Sanktionen  erstmals 

reformatorisch 

im 

Berufungsverfahren  angeordnet  werden  können  oder  ob  bei  Bestätigung  des 

Schuldspruchs  eine  Rückweisung  des  Verfahrens  an  die  Vorinstanz  zu  erfolgen 

hat, wird noch näher zu erörtern sein.

3.4. Somit sind im Berufungsverfahren der Schuldspruch (Dispositivziffer 1), die 

Strafe (Dispositivziffer 2) und deren Vollzug (Dispositivziffer 3), die Kostenauflage 

(Dispositivziffer 10 und damit zusammenhängend auch Dispositivziffer 11) sowie 

die Nichtbeurteilung der Fragen der Landesverweisung und der Ausschreibung im 

SIS angefochten. Die anderen Dispositivziffern des vorinstanzlichen Urteils (Dispo-

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sitivziffern 4-9) blieben unangefochten (Prot. II S. 15). Der Eintritt der Rechtskraft 

dieser Anordnungen ist vorab festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit 

Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).

3.5.

In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid grundsätzlich zur 

Disposition, wobei in Bezug auf die vom Beschuldigten angefochtenen Dispositiv-

ziffern 1-3 und 10 das Verschlechterungsverbot zu beachten ist (Art. 391 Abs. 2 

StPO). In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht das erstin-

stanzliche Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

4.

Formelles

4.1. Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

4.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  und  muss  sich  nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen  und  diese  widerlegen.  Es  kann  sich  mithin  auf  die  für  den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 

EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument 

gefordert würde (an Stelle vieler: BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 

IV 249 E. 1.3.1).

1.

Ausgangslage

II.  Schuldpunkt

1.1. Dem  Beschuldigten  wird  –  zusammengefasst  und  vereinfachend  darge-

stellt – zur Last gelegt, im Zusammenwirken mit einem unbekannten Mittäter wider-

rechtlich eine Wohnung in einem Wohnhaus an der Hohlstrasse betreten zu haben. 

- 11 -

Die Privatklägerin, Nachbarin der besagten Wohnung, soll sich aufgrund des Lärms 

zu dieser Wohnung begeben, geklopft und sich über den Lärm beschwert haben. 

Sie soll dann vom Beschuldigten in die Wohnung gezerrt, zu Boden gedrückt und 

so einige Minuten gegen ihren Willen festgehalten worden sein, während der mit 

einer  Sturmhaube  maskierte  Mittäter  unmittelbar  daneben  gestanden  sein  soll 

(Urk. D1/40).

1.2. Soweit der Beschuldigte überhaupt Aussagen gemacht hat, bestreitet er den 

Anklagevorwurf vollumfänglich und macht geltend, zur Tatzeit nie vor Ort gewesen 

zu sein und damit als Täterschaft nicht in Frage zu kommen. Auch im Berufungs-

verfahren lässt er wiederum einen Freispruch beantragen (Urk. 71; Prot. II S. 3). 

1.3. Die Vorinstanz hat im Sinne einer Vorbemerkung zu ihrer Sachverhaltser-

stellung zum besseren Verständnis zu Recht darauf hingewiesen (Urk. 67 E. III/3), 

dass  der  vorliegende  Anklagekomplex  Teil  einer  grösseren  Strafuntersuchung 

betreffend  Raub  etc.  ist.  Der  Beschuldigte  wird  diesbezüglich  zusammengefasst 

verdächtigt,  gemeinsam  mit  einem  unbekannten  Mittäter  in  die  hier  fragliche 

Wohnung eingedrungen zu sein und die dort wohnenden resp. sich aufhaltenden 

Geschädigten  C._____,  D._____  und  F._____  überfallen  zu  haben.  Im  Rahmen 

dieses  Überfalls  sei  es  dann  auch  zur  hier  vorgeworfenen  Freiheitsberaubung, 

eventualiter Nötigung, und einfachen Körperverletzung zum Nachteil der Privatklä-

gerin B._____ gekommen. Die mutmasslichen Täter waren nach der Tat flüchtig. 

Aufgrund von DNA-Spuren am Tatort konnte der Beschuldigte als Spurenverursa-

cher ermittelt und am 6. April 2022 im RIPOL zur Verhaftung ausgeschrieben wer-

den.  Hernach  blieb  die  Strafuntersuchung  bis  zur  Verhaftung  des  Beschuldigten 

sistiert  (Urk. D1/19  und  Urk. D1/34/1).  Nach  der  Weiterführung  der  Strafuntersu-

chung hat die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 23. Januar 2024 eine Verfah-

renstrennung  vorgenommen  und  nur  die  Handlungen  des  Beschuldigten  zum 

Nachteil der Privatklägerin B._____ zur Anklage gebracht, da die übrigen Geschä-

digten noch nicht parteiöffentlich einvernommen werden konnten (Urk. D1/38/2).

Diesbezüglich bleibt darauf hinzuweisen, dass das abgetrennte Verfahren betref-

fend Raub etc. noch keinen rechtskräftigen Abschluss gefunden hat und somit auch 

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bezüglich  jener  Vorwürfe  an  den  Beschuldigten  die  Unschuldsvermutung  gilt 

(Art. 10 Abs. 1 StPO).

2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung, Beweismittel

2.1. Die Vorinstanz legte die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltserstel-

lung sowie die Beweiswürdigungsregeln (Urk. 67 E. III/5) zutreffend dar. Ergänzend 

zu erwähnen ist, dass der Indizienbeweis dem direkten Beweis gleichgestellt ist, 

wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren «Mosaik», zu würdigen ist. Da 

ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 

die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, 

enthält es daher auch den Zweifel. Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der 

verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen 

Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und 

insofern  Zweifel  offen  lassen,  auf  den  vollen  rechtsgenügenden  Beweis  von  Tat 

und/oder Täter zu schliessen. Der Indizienprozess als solcher verletzt weder die 

Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teilrechte. Der Grundsatz «in 

dubio  pro  reo»  findet  auf  das  einzelne Indiz  keine  Anwendung  (BGE 144  IV 345 

E. 2.2.3.4;  BGer 6B_360/2016  vom  1. Juni  2017  E. 2.4,  nicht  publ.  in  BGE 143 

IV 361;  BGer 6B_605/2016  vom  15. September 2016  E. 2.8  und  6B_1021/2016 

vom 20. September 2017 E. 4.1; je mit Hinweisen). Er entfaltet seine Wirkung bei 

der Beweiswürdigung als Ganzes. Massgebend ist nicht eine isolierte Betrachtung 

der einzelnen Beweise, sondern deren gesamthafte Würdigung (BGE 144 IV 345 

E. 2.2.3.4; BGer 6B_90/2019 vom 7. August 2019 E. 4.3; 6B_699/2018 vom 7. Fe-

bruar 2019 E. 2.3.2; ZK StPO-WOHLERS, Art. 10 N 27; zum Ganzen vgl. auch KRUM-

MENACHER, Der Entscheid(find)ungsprozess des Strafrichters, in: «Justice - Justiz - 

Giustizia» 2023/4).

2.2. Die  vorhandenen  Beweismittel  sind  mit  Verweis  auf  die  vorinstanzlichen 

Ausführungen  uneingeschränkt  verwertbar  (Urk. 67  E. III/4/).  Einzig  die  polizei-

lichen  Einvernahmen  der  (im  Verfahren  betreffend  Raub  etc.)  Geschädigten 

C._____, D._____ und F._____ sind mangels Gewährung des Konfrontations- und 

Teilnahmerechts im Rahmen einer parteiöffentlichen Einvernahme (Art. 147 Abs. 1 

StPO) nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar.

- 13 -

2.3. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel, namentlich





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

die  Aussagen  des  Beschuldigten  (Hafteinvernahme  vom  20. April  2023 
[Urk. D1/24/1],  staatsanwaltschaftliche  Einvernahme  vom  14. Juni  2023 
[Urk. D1/24/5]  und  vom  13. Juli  2023  [Urk. D1/24/6]  sowie  Einvernahme  an-
lässlich Hauptverhandlung vom 11. März 2024 [Prot. I S. 9 ff.]),

die Aussagen der Privatklägerin (polizeiliche Einvernahme vom 18. April 2021 
[Urk. D1/3/1]  und  staatsanwaltschaftliche  Einvernahme  vom  14. Juni  2023 
[Urk. D1/24/3]),

die  DNA-Spuren  und  deren  Analyse  (insb.  Kurzbericht  des  FOR  betreffend 
Identifizierung/DNA-Spuren  vom  26. Mai  2021  [Urk. D1/8/5];  Gutachten  IRM 
betreffend  Auswertung  von  DNA-Spuren  vom  28.  August  2023 
[Urk. D1/29/32]),

die Auswertung der Apple Health-Daten aus dem Mobiltelefon des Beschuldig-
ten (Urk. D1/27/6),

genannt, deren Ergebnisse und den Inhalt umfassend und zutreffend wiedergege-

ben, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 67 

E. 6). 

2.4. Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  wurde  zudem  die  Privatklägerin 

B._____ auf Antrag der Verteidigung und in ihrem Einverständnis befragt, wobei 

sie  ihre  in  der  Untersuchung  deponierten  Aussagen  in  freier  Rede  bestätigte 

(Urk. 85 S. 2 f.). Auf diese Aussagen wird im Rahmen der Sachverhaltserstellung 

im Einzelnen einzugehen sein (Erw. 3.).

3.

Sachverhaltserstellung/Beweiswürdigung

3.1.

Zum Tatablauf und den Tatfolgen

3.1.1. Die  Vorinstanz  sieht  den  Tatablauf  und  die  Tatfolgen  gemäss 

Anklagesachverhalt gestützt auf die massgeblichen Beweismittel im Wesentlichen 

als erstellt an: Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin sei erwiesen, 

dass die Privatklägerin am 18. April 2021, um ca. 14.10 Uhr bis 14.45 Uhr, aufgrund 

des Lärms in der Nachbarswohnung "G._____" ein Stockwerk unter ihr, an die Tür 

dieser Wohnung geklopft habe, in der Folge die Wohnungstür von einem der beiden 

Täter geöffnet und die Privatklägerin von diesem gegen ihren Willen und gewaltsam 

in die Wohnung gerissen worden sei. Der Täter habe die Privatklägerin anschlies-

send durch den Flur am zweiten Täter vorbei in das Wohnzimmer gezogen und sie 

- 14 -

dort auf den Boden gedrückt. Dabei habe sich die Privatklägerin gewehrt, wobei 

der erste Täter die Abwehrversuche habe unterbinden wollen und sie festgehalten 

habe.  Nachdem  sich  die  Privatklägerin  weiter  zur  Wehr  gesetzt  habe,  habe  der 

erste Täter von ihr abgelassen und zusammen mit dem zweiten Täter die Wohnung 

verlassen (Urk. 67 E. III/7.1.1).

Die Vorinstanz setzte sich auch mit den Einwänden der Verteidigung auseinander, 

wonach  die  Auseinandersetzung  mit  den  Tätern  höchstens  ein  bis  zwei  Minuten 

gedauert haben könne. Aufgrund der von der Privatklägerin glaubhaft geschilderten 

Abläufe (Hineinreissen in die Wohnung, anschliessendes Ziehen durch den Gang 

ins Wohnzimmer, zu Boden Drücken und Festhalten der Privatklägern, mehrfache 

Abwehrversuche der Privatklägerin und dabei Fixierung durch einen Täter mit Ver-

letzungsfolgen für die Privatklägerin) – so die Vorinstanz – sei davon auszugehen, 

dass  diese  Auseinandersetzung  mindestens  einige  wenige  Minuten  gedauert 

haben  müsse.  Sie  ging  zugunsten  des  Beschuldigten  aber  davon  aus,  dass  die 

Auseinandersetzung nicht fünf bis zehn Minuten, sondern knapp weniger als fünf 

Minuten gedauert habe (Urk. 67 E. III/7.1.2).

Schliesslich  sah  es  die  Vorinstanz  gestützt  auf  die  glaubhaften  Aussagen  der 

Privatklägerin auch als erstellt an, dass die Privatklägerin infolge der körperlichen 

Auseinandersetzung  mit  einem  der  Täter  eine  Rippenprellung  erlitten  hatte,  die 

Schmerzen  während  ungefähr  einer  Woche  verursachte.  Auch  die  psychischen 

Beschwerden, die eine Krankschreibung von einer Woche nach sich zogen, hielt 

die  Vorinstanz  basierend  auf  den  Aussagen  der  Geschädigten  für  erwiesen 

(Urk. 67 E. III/7.1.3).

3.1.2. Diese  vorinstanzliche  Beweiswürdigung  ist  insbesondere  vor  dem  Hinter-

grund der sorgfältig gewürdigten (siehe Urk. 67 E. III/6.2.3) und selbst nach Ansicht 

der Verteidigung (Prot. I S. 15; Prot. II S. 18 f.; Urk. 82 S. 2) glaubhaften Aussagen 

der Privatklägerin in allen Teilen überzeugend und somit zu übernehmen. Die nach-

folgenden  Erwägungen  sollen  die  vorinstanzliche  Würdigung  nur  noch  ergänzen 

und präzisieren. 

- 15 -

So ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin in ihrer staatsanwalt-

schaftlichen  Einvernahme  auch  glaubhaft  schilderte,  wie  der  erste  Täter  die 

Wohnungstüre abgeschlossen hat, nachdem er sie am Arm in die Wohnung gezo-

gen hatte (Urk. D1/24/3 F/A 17). Damit ist dieses Element des Anklagesachverhalts 

ebenfalls erstellt.

Vor Vorinstanz rügte die Verteidigung, das in der Anklage umschriebene "zu Boden 

Drücken" sei eine Kreation des Staatsanwalts und habe keine Stütze in den Aus-

sagen der Privatklägerin (Prot. I S. 16 f.). Dieser Einwand erweist sich mit Blick auf 

die  Aussagen  der  Privatklägerin  als  überspitzt  und  wortklauberisch.  Die  Privat-

klägerin schilderte glaubhaft, wie der erste Täter sie "dort auf den Boden [gewor-

fen]"  habe  und  dann  dort  "diese  Person  [versucht  habe  sie]  festzuhalten" 

(Urk. D1/24/3 F/A 17).

Auch die vorinstanzliche Schlussfolgerung zur ungefähren Festhaltedauer mit einer 

Abweichung  vom  Anklagesachverhalt  zugunsten  des  Beschuldigten  ist  über-

zeugend begründet und zu übernehmen. Die genaue Sekunden-/Minutenzahl der 

Festhaltedauer  ist  innerhalb  der  vorinstanzlich  erstellten  Grössenordnung  –  wie 

noch zu zeigen sein wird – auch nicht von entscheidender Bedeutung. Erstellt ist, 

dass  die  Beschränkung  der  Privatklägerin  klar  über  ein  nur  kurzes  Festhalten 

hinausging. Auch die Verteidigung rügte diese vorinstanzliche Feststellung an der 

Berufungsverhandlung nicht (Prot. II S. 23). 

Die  angeklagten  körperlichen  und  psychischen  Folgen  der  Tat  sind  mit  der 

Vorinstanz gestützt auf die medizinischen Unterlagen und die Beschreibungen der 

Privatklägerin erstellt. Ergänzend zu erwähnen ist, dass das Gutachten des IRM 

zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin sechs Stunden nach dem Vorfall 

die  Folgen  stumpfer  Gewalteinwirkung  in  Form  von  frischen  Blutergüssen  und 

Hautabschürfungen belegt (Urk. D1/9/3), die zeitlich und vom Verletzungsbild her 

zum angeklagten Vorfall passen und die Darstellung der Privatklägerin stützen. 

3.1.3. Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Privatklägerin  anlässlich  der 

Berufungsverhandlung  ihre  in  der  Untersuchung  deponierten  und  oben  zitierten 

Aussagen  betreffend  den  Tatablauf  bestätigte.  So  führte  sie  in  freier  Rede  aus, 

- 16 -

dass  sie  an  jenem  Tag  zwei  Männer  gesehen  habe,  die  bei  ihr  in  die  Wohnung 

hätten  hineingehen  wollen.  Sie  habe  sie  im  Treppenhaus  gesehen,  wobei  sie 

unterhalb  von  ihr  gestanden  seien,  weshalb  sie  zu  ihnen  auch  keine  genaue 

Grössenangabe  habe  machen  können.  Als  die  Täter  die  Treppen  hinunterge-

gangen seien, hätten beide eine Hygienemaske angehabt; eine Person habe sich 

umgedreht  und  "sorry"  gesagt.  Das  zweite  Mal  habe  sie  zwei  Männer  in  der 

Wohnung unten wahrgenommen. Derjenige, der die Tür aufgemacht habe, habe 

sie von vorhin wiedererkannt – das habe sie an seinem Ausdruck gemerkt – und 

sie anschliessend in die Wohnung hineingezogen und an einer weiteren Person mit 

einer Sturmmaske vorbeigezerrt (Urk. 85 S. 2 f.). 

3.1.4. Die Verteidigung zog den gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin und 

die weiteren Beweismittel durch die Vorinstanz erstellten äusseren Tatablauf an der 

Berufungsverhandlung nicht in Zweifel, sondern ging – wie erwähnt – explizit von 

den Aussagen der Privatklägerin zum Tatablauf aus (Prot. II S. 18 f.). 

3.1.5. Insgesamt  verbleibt  angesichts  des  Beweisergebnisses  kein  vernünftiger 

Zweifel (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO), dass der Sachverhalt punkto Ablauf und Folgen 

anklagegemäss  erstellt  ist,  mit  einer  gewissen  Relativierung  zu  Gunsten  des 

Beschuldigten, was die Festhaltedauer anbelangt.

3.2.

Zur Täterschaft des Beschuldigten

3.2.1. Die Vorinstanz erachtet auch die Täterschaft des Beschuldigten gestützt auf 

die  massgeblichen  Beweismittel  als  erstellt,  geht  bezüglich  Rollenverteilung  der 

beiden Täter allerdings von der eventualiter angeklagten Variante aus, wonach der 

Beschuldigte  der  Täter  mit  Sturmmaske  ist.  Die  Verteidigung  argumentierte 

anlässlich  der  Berufungsverhandlung,  dass  die  Frage,  ob  es  sich  beim 

Beschuldigten  um  den  Täter  mit  Sturmmaske  handle,  nicht  relevant  sei,  da  die 

Voraussetzungen  einer  Mittäterschaft  nicht  gegeben  und  betreffend  den 

vorliegenden Fall in der Anklageschrift gar nicht umschrieben seien (Prot. II S. 19 

ff., S. 24; S. 30 ff.; S. 35 ff.).

- 17 -

Den  Schluss  betreffend  die  Täterschaft  des  Beschuldigten  zog  die  Vorinstanz  in 

erster Linie aus den DNA-Spuren, die sich an der Sturmmaske befanden, welche 

durch die ausgerückten Polizeibeamten unmittelbar nach der Tat am Tatort auf dem 

Boden des Badezimmers (Urk. D1/5/1 Foto Nr. 4; Urk. D1/5/2) sichergestellt wurde. 

Das  DNA-Profil  der  Probe  ab  dem  Mund-  und  Nasenbereich  der  Sturmmaske 

konnte dabei eindeutig dem Beschuldigten zugeordnet werden, genauso wie das 

DNA-Hauptprofil des Mischprofils der Probe ab dem Stirnbereich (Urk. D1/8/5 S. 2 

und S. 1 der Beilagen). Daraus ergebe sich – so die Vorinstanz – eindeutig, dass 

der Beschuldigte diese Sturmmaske getragen haben müsse (Urk. 67 E. III/7.2.1).

Weiter erwog die Vorinstanz, dass auch die vom Mobiltelefon des Beschuldigten 

extrahierten Health-Daten für dessen Anwesenheit am Tatort zur Tatzeit sprechen 

würden. Am 18. April 2021, um 14.07 Uhr, sind in den Health-Daten vier gestiegene 

Stockwerke  und  kurz  danach  um  14.21  Uhr  drei  gestiegene  Stockwerke  aufge-

zeichnet. Dies passe zum Vorgehen der Täter gemäss den glaubhaften Aussagen 

der Privatklägerin. So hätten die Täter zunächst die Wohnungstür der Privatklägerin 

im 4. Obergeschoss geöffnet, dann das Haus wieder verlassen, um kurz danach 

zurückzukehren  und  in  die  Wohnung  im  3.  Obergeschoss  einzudringen.  Die  um 

14.43  Uhr  registrierte  erhöhte  Geschwindigkeit  von  1.85  m/s  (6.66 km/h)  passe 

zum  fluchtartigen  Verlassen  der  Wohnung  (Urk. 67  E.  III/7.2.2).  Auch  die  Vertei-

digung zog die Health-Daten des sichergestellten Mobiltelefons nicht in Zweifel und 

erachtete  sie  mit  den  Aussagen  der  Privatklägerin  als  übereinstimmend  (Prot. II 

S. 19). 

Die Täterschaft des Beschuldigten werde auch – so die Vorinstanz weiter – auf-

grund der Beschreibung der Täter durch die Privatklägerin untermauert (Schwarz-

afrikaner  mit  "Chrüseli",  die  ungefähr  20  bis  40  Jahre  alt  und  ca.  1.75  m  gross). 

Dieses Signalement erscheine bei einem Vergleich mit dem Bild des Beschuldigten 

auf dem Verhaftsrapport vom 19. April 2023 (Urk. D1/34/1) und des Reisepasses 

(Urk. D1/34/5)  zutreffend  bzw.  nachvollziehbar  (Urk. 67  E.  III/7.2.3).  Anlässlich 

der Berufungsverhandlung  erklärte  die  Privatklägerin  sodann  nachvollziehbar 

– und auch die Verteidigung setzte diesen Aussagen nichts entgegen (vgl. Prot. II 

S. 19) –, dass sie mit der Beschreibung "Schwarzafrikaner" präzisieren wollte, dass 

- 18 -

es  sich  bei  den  beiden  Tätern  nicht  um  weisse  Europäer  gehandelt  habe.  Im 

Übrigen hätten – so die Privatklägerin – Personen in der Dominikanischen Republik 

mit  schwarzer  Hautfarbe  oftmals  Wurzeln  in  Schwarzafrika  (Urk. 85  S. 2  f.).  Die 

Verteidigung  monierte  allerdings  die  von  der  Privatklägerin  in  der  Untersuchung 

gemachte Angabe zur Grösse der beiden Täter. So sei nämlich der Beschuldigte 

lediglich 1. 62 Meter gross und damit sogar kleiner als die Privatklägerin (Prot. II 

S. 19). Auch diesbezüglich konnte die Privatklägerin überzeugend darlegen, dass 

die beiden Täter im Treppenhaus unter ihr gestanden seien und sie deshalb keine 

genaue Grössenangabe habe abgeben können. Sie habe mit ihrer Angabe lediglich 

ausdrücken  wollen,  dass  die  Täter  für  sie  nicht  speziell  gross  gewesen  seien 

(Urk. 85 S. 3). Die Tatsache, dass der Beschuldigte ca. 5 cm kleiner als die Privat-

klägerin ist, ändert nichts an diesen überzeugenden Ausführungen der Privatkläge-

rin. 

Wie gesehen ging die Vorinstanz davon aus, dass es sich beim Beschuldigten nicht 

um denjenigen Täter handelt, der die Privatklägerin in die Wohnung zog und sie 

festhielt, sondern um den zweiten Täter, der mit der Sturmmaske vermummt dane-

ben stand. Diesen Schluss zog die Vorinstanz daraus, dass gemäss Privatklägerin 

nur einer der beiden Täter mit Sturmmaske vermummt gewesen und die DNA des 

Beschuldigten  auf  der  sichergestellten  Sturmmaske  festgestellt  worden  sei.  Es 

habe auch keine DNA-Spuren des Beschuldigten auf dem Körper oder den Kleidern 

der Privatklägerin gefunden werden können, was gegen einen direkten Kontakt des 

Beschuldigten mit der Privatklägerin spreche und daher wiederum für die Rolle des 

zweiten Täters mit Sturmmaske (Urk. 67 E. III/7.2.5). 

3.2.2. Auch  zur  Frage  der  Täterschaft  des  Beschuldigten  erweist  sich  die 

vorinstanzliche  Beweiswürdigung  als  überzeugend,  worauf  vollumfänglich  zu 

verweisen ist mit nachfolgenden ergänzenden Erwägungen. 

Entlastende Behauptungen der beschuldigten Person vor dem Hintergrund einer 

belastenden  Indizienlage  dürfen  nach  der  Rechtsprechung  ohne  Verletzung  der 

Unschuldsvermutung als Schutzbehauptung qualifiziert werden, wenn die beschul-

digte  Person  die  entlastenden  Behauptungen  nicht  näher  substanziiert  oder 

unglaubhaft vorträgt, obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweis-

- 19 -

elemente vernünftigerweise erwartet werden darf (vgl. Urteile 6B_1213/2020 vom 

30. September 2021  E. 1.4.3  und  6B_1302/2020  vom  3. Februar 2021  E. 1.4.4). 

Dies führt nicht zu einer Beweislastumkehr, sondern lediglich dazu, dass auf die 

belastenden Beweise – trotz allfälliger entlastender Behauptungen der beschuldig-

ten Person – abgestellt werden darf. Zurecht hat deshalb die Vorinstanz die Erklä-

rung des Beschuldigten für die DNA-Spuren an der Sturmmaske, wonach er eine 

solche Sturmmaske quasi mal zufällig in einem Verkaufslokal berührt habe (Prot. I 

S. 11), als unglaubhaft taxiert (vgl. Urk. 67 E. III/7.2.1). Abgesehen davon, dass es 

an  einen  praktisch  unmöglichen  Zufall  grenzte,  wenn  just  jene  Sturmmaske  aus 

dem  Verkaufslokal  am  Tatort  landen  würde,  erklärt  das  Anfassen  in  einem 

Verkaufslokal die DNA-Spuren am Stirn- und Mundbereich nicht. Hierfür gibt es nur 

eine vernünftige Erklärung, nämlich dass sich der Beschuldigte mit dieser Sturm-

maske bei der Tatbegehung vermummte, auch dies entgegen seiner unglaubhaften 

Deposition, dass er noch nie in seinem Leben eine solche Sturmmaske auf dem 

Kopf  getragen  habe  (Prot. I  S.  11  oben).  Auch  die  Verteidigung  monierte  diesen 

Schluss  der  Vorinstanz  nicht  bzw.  ging  auf  die  diesbezüglichen  Erwägungen 

hinsichtlich der DNA-Spuren nicht ein. 

Mit  der  Vorinstanz  verfängt  auch  der  im  Hauptverfahren  gemachte  Einwand  der 

Verteidigung  zu  den  belastenden  Health-Daten  nicht  (vgl.  Prot.  I  S.  20).  Der 

Beschuldigte hat bestätigt, dass es sich beim sichergestellten und ausgewerteten 

Mobiltelefon um seines handelt (Prot. I S. 12). Dass eine Drittperson just zum Tat-

zeitpunkt das Handy des Beschuldigten auf sich getragen haben soll, erscheint bei 

einem solch persönlichen Gegenstand nicht lebensnah und wurde vor allem vom 

Beschuldigten auch nicht geltend gemacht. Anlässlich der Berufungsverhandlung 

äusserte sich die Verteidigung auch diesbezüglich nicht mehr substantiell, sondern 

erachtete die Health-Daten – wie bereits erwähnt – im Einklang mit den glaubhaften 

Aussagen der Privatklägerin (Prot. II S. 19). 

3.2.3. Insgesamt verbleibt angesichts des Beweisergebnisses auch kein vernünfti-

ger Zweifel (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO) an der Täterschaft des Beschuldigten, kon-

kret,  dass  der  Beschuldigte  die  Rolle  des  mit  Sturmmaske  vermummten  Täters 

hatte.  Auf  die  weiteren  Einwände  der  Verteidigung  hinsichtlich  der  ihrer  Ansicht 

- 20 -

nach fehlenden Voraussetzungen einer Mittäterschaft (Urk. 82 S. 2 ff.; Prot. II S. 19 

ff., S. 24, S. 30 ff., S. 35 ff.) wird im Nachfolgenden einzugehen sein. 

3.3.

Zum  gemeinschaftlichen  Handeln  der  beiden  Täter  und  widerrechtlichen 

Betreten der Wohnung 

3.3.1. Im  ersten  Abschnitt  des  Anklagesachvehalts  wird  dem  Beschuldigten 

vorgeworfen,  aufgrund  gemeinsamer  Planung  und  in  gleich  massgeblichem 

Zusammenwirken  mit  einem  unbekannten  Mittäter  die  Wohnung  "G._____"  im 

3. Obergeschoss widerrechtlich betreten zu haben. 

3.3.2. Zu  diesem  Sachverhaltselement  des  gemeinschatlich  widerrechtlichen 

Betretens der Wohnung äussert sich die Vorinstanz in ihrer Beweiswürdigung nicht 

explizit.  Wie  zu  zeigen  sein  wird,  ist  dieses  Element  von  Bedeutung  für  die 

rechtliche Beurteilung der angeklagten Mittäterschaft. Entgegen der Verteidigung 

(vgl. Urk. 82 S. 4; Prot. II S. 24) handelt es sich bei dem zitierten ersten Abschnitt 

in  der  Anklageschrift  denn  auch  nicht  ledigich  um  eine  "Ouverture",  sondern  es 

werden  darin  die  Elemente  der  Mittäterschaft,  welche  für  die  Beurteilung  des 

vorliegenden Verfahrens ebenfalls von Bedeutung sind, umschrieben und gehören 

somit zum Verfahrensgegenstand. 

3.3.3. Wenngleich – wie vorstehend erwähnt – das abgetrennte Parallelverfahren 

betreffend Raub noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist und auch diesbezüglich 

die  Unschuldsvermutung  gilt,  so  lässt  sich  –  mit  der  Staatsanwaltschaft  (Prot.  II 

S. 28  und  S. 35)  –  aufgrund  der  im  vorliegenden  Verfahren  vorhandenen  und 

verwertbaren  Beweismittel  erstellen,  dass  der  Beschuldigte  in  koordiniertem 

Zusammenwirken  mit  dem  zweiten  Täter  unrechtmässig  die  fragliche  Wohnung 

betreten hat:

So ergibt sich aus den (wie bereits erwähnt) glaubhaften Aussagen der Privatklä-

gerin, dass sie sich aufgrund des Lärms zur unteren Wohnung begeben und dabei 

laute Schreie und Schläge wahrgenommen hat, die sie an "häusliche Gewalt oder 

so" haben denken lassen. Als sie vom einen Täter in die Wohnung gezogen worden 

sei, hätten sie am Beschuldigten vorbeigemusst, um ins vordere Zimmer zu kom-

- 21 -

men, wo sie dann festgehalten worden sei. Der Beschuldigte sei mit Sturmmaske 

vermummt vor dieser Türe gestanden, habe beobachtet, was passiere. Er sei "nicht 

zufällig  dort"  gestanden.  Die  beiden  Täter  hätten  gemeinsam  gehandelt 

(Urk. D1/24/3 F/A 17; D1/3/1 F/A 4). Sie habe während des Übergriffs nur diese 

zwei Männer in der Wohnung wahrgenommen (Urk. D1/24/3 F/A 46). Nachdem die 

beiden Täter dann von ihr abgelassen und die Wohnung verlassen hätten, sei sie 

in  die  Küche  und  habe  dort  zwei  aufgelöste  Frauen  vorgefunden,  die  beide  mit 

Kabelbinder an den Händen gefesselt gewesen seien. Die Frauen seien wohl im 

Schlafzimmer  gefesselt  gewesen  und  hätten  sich  nach  dem  Verschwinden  der 

Täter  in  die  Küche  begeben  haben  müssen  (Urk. D1/24/3  F/A 58  ff.;  vgl.  auch 

D1/3/1 F/A 10 ff.). In der tatnahen polizeilichen Befragung beschrieb die Privatklä-

gerin nachvollziehbar und damit glaubhaft zudem, wie eine der Frauen geknebelt 

war (D1/3/1 F/A 11 und 17).

Die Schilderung der Privatklägerin passt auch zu der von der Polizei vorgefundenen 

Situation: Die ausgerückten Polizeipatrouillen trafen vor Ort die beiden Frauen an, 

welche beide noch Kabelbinder von einer vorgängigen Fesselung an den Handge-

lenken trugen, sowie die Privatklägerin (Urk. D1/1/1 S. 5). Ferner konnte die Polizei 

Kabelbinder auf dem Bett liegend sicherstellen (vgl. D1/5/1 Foto 16). 

Warum, zu welchem genauen Zweck die beiden Täter diese Wohnung betreten und 

was  sie  dort  gemacht  haben,  kann  vorliegend  zwar  nicht  in  Einzelheiten  erstellt 

werden. Aufgrund der glaubhaften Schilderung der Privatklägerin und der polizei-

lich angetroffenen Situation kann aber ohne Weiteres der Schluss gezogen werden, 

dass der Beschuldigte und der zweite Täter die Wohnung widerrechtlich betreten 

und  dort  zunächst  die  beiden  Frauen  gefesselt  haben.  Der  die  Privatklägerin 

betreffende Tatkomplex ist somit innerhalb dieses eigentlich im Gange befindlichen 

Überfalls  durch  die  beiden  Täter  zu  sehen,  und  nicht  –  wie  die  Verteidigung  vor 

Vorinstanz  und  auch  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  vortrug  –  als  einen 

Vorgang,  der  "nichts  mit  dem  Grundsachverhalt  zu  tun"  habe  (Prot.  I  S.  19  f.; 

vgl. Prot.  II  S. 35  f.).  Diese  von  der  Verteidigung  vorgenommene  künstliche 

Sezierung  des  Lebenssachverhalts  ist  nicht  überzeugend.  Die  Privatklägerin  hat 

dieses widerrechtliche Vorhaben mit ihrem Erscheinen, der angedrohten Alarmie-

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rung  der  Polizei  und  ihrem  Poltern  an  die  Türe  gestört  resp.  –  aus  Tätersicht  – 

gefährdet.  Somit  war  es  aus  Sicht  der  Täter  –  und  mit  der  Staatsanwaltschaft 

(Prot. II  S. 28  f.) –  denn  auch  keineswegs  "unvernünftig",  dieses  Störmoment  zu 

beseitigen, um den übergeordneten Plan in Bezug auf das Parallelverfahren nicht 

zu  gefährden.  Dass  beide  Täter  bei  diesem  Überfall  samt  Beseitigung  dieser 

Störung durch die Privatklägerin auch offenkundig gemeinschaftlich und koordiniert 

vorgegangen sind, ergibt sich schon daraus, dass sie beide gemeinsam die fremde 

Wohnung betreten haben, dort die beiden Frauen gefesselt wurden und die Täter 

im Zeitpunkt, als die Privatklägerin intervenierte, noch beide dort waren. Wäre einer 

der  beiden  mit  diesem  Überfall  nicht  einverstanden  gewesen,  hätte  er  sich  vom 

Tatort  entfernen  können.  Das  gleiche  gilt  für  das  Festhalten  der  Privatklägerin. 

Auch damit waren offensichtlich beide einverstanden. Bei diesem ganzen Überfall 

inklusive  Beseitigung  der  Störung  durch  die  Privatklägerin  haben  beide  Täter 

massgebende Beiträge geleistet. Nochmals sei erwähnt, dass der Beschuldigte mit 

Sturmmaske  vermummt  in  der  Wohnung  und  damit  zweifelsfrei  ein  gleichsam 

massgebender  Teil  dieses  widerrechtlichen  Überfalls  war,  die  Arretierung  der 

Privatklägerin vermummt beobachtete und während dessen sich vor dem Zimmer 

postierte,  in  welchem  sich  die  gefesselten  Frauen  befanden.  Damit  hinderte  er 

jedoch nicht nur diese beiden Frauen an einer Flucht, sondern auch – wie dies die 

Privatklägerin  aufgrund der Gegebenheiten  der  Wohnung  ausführte –  die Privat-

klägerin selbst (Prot. II S. 33). Diese führte überzeugend aus, dass die beiden Täter 

aus ihrer Sicht auch in Bezug auf den sie vorliegend betreffenden Vorfall zusam-

mengearbeitet hätten, und nicht nur in Bezug auf denjenigen des Parallelverfah-

rens. Das gesamte Vorgehen der beiden Täter bei diesem Überfall ist somit – auch 

gestützt  auf  die  glaubhaften  Aussagen  der  Privatklägerin  –  ein  arbeitsteiliges 

Zusammenwirken, wobei beide Täter mit widerrechtlichen Festnahmen einverstan-

den waren. Damit ist auch der von der Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren 

und im Berufungsverfahren vorgebrachte Einwand widerlegt, wonach der Beschul-

digte  überhaupt  keinen  kausalen  Beitrag  zur  Tat  geleistet  habe  bzw.  nur  dage-

standen und zugesehen habe (Prot. I S. 19 f.; Prot. II S. 23; S. 31).  

- 23 -

3.3.4. Der  Anklagesachverhalt  ist  somit  auch  hinsichtlich  des  gemeinschaftlich 

widerrechtlichen Betretens der Wohnung durch den Beschuldigten und den ande-

ren Täter erstellt.

Für das vorliegende Beweisergebnis spricht im Übrigen auch indiziell die Vorstrafe 

des  Beschuldigten  in  Spanien,  wo  er  wegen  Raubüberfall  mit  Gewalt  oder  Ein-

schüchterung,  unrechtmässiger  Festnahme  und  Besitz  von  Waffen  ohne  Lizenz 

oder Erlaubnis zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Urk. D1/36/2). 

Aus  dem  Europäischen  Haftbefehl  und  Auslieferungsersuchen  der  Spanischen 

Behörden (Urk. D1/34/30) ergibt sich, dass der Beschuldigte zusammen mit weite-

ren Mittätern gewaltsam in die Wohnung der dort Geschädigten eindrang, dort die 

Täter  die  Geschädigte  niederschlugen,  sie  fesselten  und  knebelten  und  unter 

Vorhalt einer Schusswaffe sowie mit massiver Gewalt zur Herausgabe von Geld, 

Schmuck etc. zwangen. Wenngleich diese Tat vom 3. Dezember 2009 einige Jahre 

zurückliegt und deutlich gewalttätiger ablieft, weist der modus operandi jener Tat 

doch augenfällige Parallelen zum hier angeklagten Sachverhalt auf, wo ebenfalls 

Personen  in  der  fremden  Wohnung  gemeinschaftlich  überfallen,  gefesselt  und 

geknebelt wurden.

3.4.

Zusammenfassung und Fazit

Letztlich bestehen keine relevanten Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt mit 

den vorstehenden Differenzierungen bezüglich Festhaltedauer (knapp weniger als 

fünf Minuten) und Rollen der beiden Täter (der Beschuldige als Täter mit Sturm-

maske) so ereignet hat, wie er in der Anklageschrift umschrieben ist. Davon ist für 

die rechtliche Würdigung auszugehen.

4.

Rechtliche Würdigung

4.1.

Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB)

4.1.1. Die Vorinstanz hat den erstellen Sachverhalt als objektiv und subjektiv tatbe-

standsmässige,  in  Mittäterschaft  begangene  Freiheitsberaubung  qualifiziert.  Sie 

hat  die  rechtlichen  Voraussetzungen  der  Freiheitsberaubung  korrekt  dargestellt 

und  ihre  ausführliche  rechtliche  Würdigung  (Urk. 67  E. IV/1)  ist  weitestgehend 

- 24 -

zutreffend, sodass grundsätzlich darauf verwiesen werden kann. Präzisierend ist 

jedoch das Folgende zu erwähnen:

4.1.2. Die Einwände der Verteidigung vor Vorinstanz, wonach eine Freiheitsberau-

bung  schon  aufgrund  der  zu  kurzen  Beschränkung  ausser  Betracht  falle  (Prot.  I 

S. 16-18),  sind  schon  weitestgehend  aufgrund  des  Beweisergebnisses  widerlegt 

(dazu  vorstehend).  Erstellt  ist,  dass  die  Privatklägerin  knapp  fünf  Minuten  in  der 

Wohnung festgehalten wurde. Nach konstanter Rechtsprechung verlangt Art. 183 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht, dass der Freiheitsentzug von langer Dauer ist. Einige (so 

Urteil des Bundesgerichts 6B_358/2020 vom 7. Juli 2021 E. 2.3 m.H.) bzw. wenige 

Minuten  (so  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_523/2010  vom  15.  September  2010 

E. 5.3.3 m.H.) genügen. Es liegt hier somit eine Freiheitsentziehung vor, die über 

eine  bloss  vorübergehende  Hinderung  an  der  freien  Fortbewegung  (z.  B.  durch 

kurzes Festhalten) hinausgeht. Im Berufungsverfahren wandte sich auch die Ver-

teidigung  nicht  gegen  die  rechtliche  Qualifikation  der  Tat  als  Freiheitsberaubung 

(Urk. 82 S. 2). 

4.1.3. Entscheidend  ist  nebst  der  Dauer  auch  die  Intensität  des  Freiheitsentzugs 

(BSK StGB-DELNON/RÜDY, Art. 183 N 41). Auch hinsichtlich Intensität liegt hier ein 

Freiheitsentzug  vor,  der  über  eine  (straflose)  blosse  Erschwerung  der  Fortbe-

wegung  hinausgeht:  Die  Privatklägerin  wurde  mit  Körpergewalt  in  die  Wohnung 

gezerrt, die Wohnungstüre sodann abgeschlossen, die Privatklägerin wiederum mit 

Körpergewalt zu Boden gebracht und dort während einigen Minuten in Anwesenheit 

der beiden Täter festgehalten. 

4.1.4. Insgesamt hat die Vorinstanz somit zurecht eine objektiv tatbestandsmässige 

und rechtswidrige Freiheitsberaubung angenommen. 

4.2. Einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB)

4.2.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen einer einfachen Körper-

verletzung korrekt dargelegt, worauf verwiesen werden kann.

4.2.2. Mit  der  Vorinstanz  (Urk. 67  E. IV/3.1.5)  gehen  die  erstellten  körperlichen 

Folgen des Übergriffs (div. Prellungen, insb. die Rippenprellung) über eine vorüber-

gehende  Störung  des  Wohlbefindens  hinaus  und  sind  als  Beeinträchtigung  der 

- 25 -

körperlichen Integrität mit Krankheitswert zu qualifizieren, mithin als eine einfache 

Körperverletzung. Das scheint im Übrigen auch die Verteidigung – zuletzt an der 

Berufungsverhandlung – nicht anders zu sehen (Prot. I S. 15; Urk. 82 S. 2). 

4.2.3. Gleiches gilt – entgegen der Vorinstanz – auch für die erstellten psychischen 

Folgen  (insb.  Panikattacken),  die  zu  einer  mind.  einwöchigen  Arbeitsunfähigkeit 

geführt  haben  (vgl.  dazu  BSK  StGB-Roth/Berkemeier,  Art.  123  N  5  m.H.)  und 

erstelltermassen  Folgen  dieses  Übergriffs  auf  die  Privatklägerin  sind.  Zwischen 

Freiheitsberaubung  und  Körperverletzungsdelikten  besteht  grundsätzlich  echte 

Konkurrenz  (BSK  StGB-DELNON/RÜDY,  Art.  183  N  75).  Auch  die  psychischen 

Beschwerden  sind  somit  als  objektiv  tatbestandsmässige  einfache  Körperverlet-

zung zu qualifizieren.

4.3. Mittäterschaft / subjektiver Tatbestand der Freiheitsberaubung und Körper-

verletzung

4.3.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten und dem zweiten Täter mittäterschaft-

liches Handeln in Bezug auf die beiden vorgenannten Tatbestände vor. Es wurde 

bereits  erörtert,  dass  die  Elemente  einer  Mittäterschaft  auch  in  Bezug  auf  das 

vorliegende Verfahren in der Anklageschrift genügend umschrieben sind. Die Ver-

teidigung wendet jedoch – wie bereits erwähnt – weiter ein, dass die Elemente einer 

Mittäterschaft in Bezug auf den Anklagepunkt der Freiheitsberaubung und Körper-

verletzung gar nicht vorliegen würden. Die Vorinstanz hat die Mittäterschaft unter 

Hinweis auf die korrekt dargestellten rechtlichen Voraussetzungen dazu bejaht, wie 

auch  einen  entsprechenden  Vorsatz  des  Beschuldigten  auf  beide  Tatbestände 

(Urk. 67  E.  IV/1.2,  1.3  und  3.2).  Diese  rechtliche  Würdigung  ist  weitestgehend 

zutreffend, sodass grundsätzlich darauf verwiesen werden kann. Präzisierend und 

ergänzend ist noch folgendes zu erwägen:

4.3.2. Für die Begründung der vorsätzlichen Mittäterschaft ist nicht ein gemeinsa-

mer  Beschluss  im  juristisch-technischen  Sinne  erforderlich.  Vorausgesetzt  wird, 

dass das deliktische Verhalten aufgrund eines von mehreren Personen gemeinsam 

getragenen Tatentschlusses verwirklicht wird, der auch bloss konkludent zum Aus-

druck kommen kann. Es kommt darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen 

des konkreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesent-

- 26 -

lich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur 

ist, wer an der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen ver-

mag. Tatbestandsmässige Ausführungshandlungen sind nicht notwendige Voraus-

setzung für das Vorliegen von Mittäterschaft. Diese ist auch an spontanen, nicht 

geplanten  Aktionen  oder  unkoordinierten  Straftaten  möglich  (vgl.  Urteil  des 

Bundesgerichts 6B_180/2011 vom 5. April 2012 E. 2.2). Es genügt, dass ein Mittä-

ter sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht. Konkludentes Handeln 

reicht  aus.  Der  Mittäter  kann  damit  dem  Tatentschluss  auch  später  konkludent 

beitreten (vgl. BGE 143 IV 361 E.4.10; BGE 130 IV 58 E. 9.2.1; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1201/2019 vom 1. Mai 2020 E. 1.3.2). Die Folge der Mittäterschaft ist, 

dass jedem Mittäter die gesamte Handlung zugerechnet wird.

4.3.3. Ob nun, wie die Vorinstanz eher mutmassend erwägt (Urk. 67 E. IV/1.2.2), 

die  beiden  Täter  sich  kurz  vor  dem  Öffnen  der  Türe  über  den  Umgang  mit  der 

störenden Privatklägerin verständigten, kann offenbleiben. Aus der vorstehenden 

Sachverhaltserstellung ergibt sich, dass beide Täter aktiv, koordiniert und damit je 

massgebend am Überfall auf die Wohnung samt Fesselung der beiden geschädig-

ten Frauen beteiligt waren. Dieser aufgrund ihres orchestrierten Vorgehens erkenn-

bar gemeinsamer Entschluss zum Überfall hat offenkundig auch die gewaltsame 

Fesselung  und  Freiheitsberaubung  von  Personen  in  der  Wohnung  mitumfasst. 

Dass beide Täter während des gesamten Vorgangs bis zur Flucht zugegen waren, 

macht deutlich, dass sie mit den Handlungen des jeweils anderen einverstanden 

waren. Jede der beiden Täter hatte es somit in der Hand (bzw. hätte es in der Hand 

gehabt), die Ereignisse zu stoppen, was aber keiner der Beiden getan hatte. Beide 

hatten Tatherrschaft. 

4.3.4. Innerhalb dieses auf einem gemeinsamen Entschluss basierenden Überfalls 

mit je massgeblichen Beiträgen ist der Tatkomplex mit der Privatklägerin einzuord-

nen.  Dass  dieser  Überfallsplan  auch  zumindest  konkludent  für  beide  den  Ent-

schluss beinhaltete, allfällig dabei störende Drittpersonen gewaltsam festzuhalten, 

zeigt der Umgang beider mit der Privatklägerin. Wie ausgeführt, kann sich ein Täter 

den Tatentschluss seiner Mittäter auch später zu eigen machen bzw. sich diesem 

anschliessen. Dass der Beschuldigte den neuen Tatentschluss betreffend das Vor-

- 27 -

gehen mit der Privatklägerin geteilt hat, hat er mit seinem Verhalten offenbart: Der 

mit Sturmmaske vermummte Beschuldigte beobachtete die direkt vor seinen Augen 

stattfindende Freiheitsberaubung, ohne den Vorgang zu stoppen. Damit offenbarte 

er nebst der bereits erfolgten und auf einem gemeinsamen Tatentschluss basieren-

den Fesselung der beiden Frauen auch sein Einverständnis mit der Festhaltung der 

Privatklägerin,  sodass  –  entgegen  der  Argumentation  der  Verteidigung  (Prot.  II 

S. 23) – von einer Exzesstat keine Rede sein kann. Dass der Beschuldigte konkret 

bei  der  Privatklägerin  selber  "keine  Hand  anlegte",  macht  den  Vorwurf  nicht  zu 

einem  Unterlassungsvorwurf.  Innerhalb  des  gesamten  Überfalls,  der  die  Beseiti-

gung einer Störung durch Drittpersonen mitumfasste, haben beide Täter vorsätzlich 

und in massgeblicher Weise mit dem anderen Beschuldigten zusammengewirkt, so 

dass  jeder  als  Hauptbeteiligter  dasteht.  Mittäterschaft  ist  damit  zu  bejahen  und 

sämtliche Einzelhandlungen innerhalb dieses Überfalls werden dem jeweils ande-

ren Täter zugerechnet. 

4.3.5. Aufgrund dieses mittäterschaftlichen Vorgehens ist auch erstellt, dass beide 

wissentlich und willentlich der Privatklägerin für einige Minuten gewaltsam die Frei-

heit nahmen, um sie an der Alarmierung der Polizei und Störung ihres Überfalls zu 

hindern. Aufgrund des brutalen Vorgehens mit massivem Körpereinsatz mussten 

beide auch mit Verletzungen und psychischen Beeinträchtigungen der eingetrete-

nen Art rechnen, nahmen dies mit ihrem Vorgehen zumindest in Kauf. Der Beschul-

digte handelte somit in Bezug auf beide Tatbestände auch vorsätzlich.

4.4. Nach  dem  Gesagten  sind  die  vorinstanzlichen  Schuldsprüche  wegen 

Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie wegen einfa-

cher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB zu bestätigen.

- 28 -

III.  Strafzumessung

1.

Ausgangslage, Strafrahmen, Grundsätze der Strafzumessung

1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer (bedingten) Freiheits-

strafe von 11 Monaten, unter Anrechnung von 328 erstandenen Hafttagen (Urk. 67 

S. 31).

An der Berufungsverhandlung wendet die Verteidigung ein, dass die von der Vor-

instanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von elf Monaten zu hoch sei. Diesbezüglich 

verwies sie auf zwei Urteile des Obergerichts des Kantons Zürich, wonach in diesen 

für ähnlich gelagerte Fälle eine tiefere Strafe als angemessen erachtet worden sei. 

Ferner  habe  die  Vorinstanz  zu  Unrecht  nicht  zwischen  den  beiden  Mittätern 

differenziert. Vielmehr hätte sie den asymmetrischen Beiträgen Rechnung tragen 

müssen (Prot. II S. 25 ff.). 

Da  einzig  der  Beschuldigte  Berufung  gegen  den  Strafpunkt  erhob,  fällt  aufgrund 

des  Verschlechterungsverbots  (Art. 391  Abs. 2  StPO)  eine  strengere  Bestrafung 

von vornherein ausser Betracht.

1.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB, namentlich der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-

dung  des  Asperationsprinzips,  sowie  die  Begründungsanforderungen  wiederholt 

dargelegt (siehe z.B. BGE 144 IV 313 E. 1; 142 IV 365 E. 2.4.3; 141 IV 61 E. 6.1.1; 

136  IV  55  E.  5.4  ff.;  BGer  6B_676/2022  vom  27. Dezember  2022,  E. 2.2;  je  mit 

Hinweisen). Darauf kann vorab verwiesen werden. Auch die zutreffenden Erwägun-

gen  der  Vorinstanz  zu  den  allgemeinen  Strafzumessungsregeln  (Urk. 67  E. V/2) 

brauchen nicht wiederholt zu werden.

1.3. Die Strafandrohung der vorliegend schwersten Tat – der Freiheitsberaubung 

im  Sinne  von  Art. 183  Ziff. 1  Abs. 1  StGB  –  lautet  auf  Freiheitsstrafe  bis  zu  fünf 

Jahren oder Geldstrafe bis 180 Tagessätzen. Vorliegend besteht kein Anlass, den 

ordentlichen Strafrahmen zu verlassen. Die einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

bis 180 Tagessätzen bestraft.

- 29 -

1.4. Wie  zu  zeigen  sein  wird,  ist  für  beide  Delikte  eine  Freiheitsstrafe,  mithin 

konkret  gleichartige  Strafen  auszufällen.  Somit  ist  zunächst  für  die  Freiheits-

beraubung  eine  Einsatzstrafe  zu  bestimmen,  wobei  sämtliche  Tat-  und  Täter-

komponenten zu berücksichtigen sind. Für die einfache Körperverletzung ist eine 

(gedankliche)  Einzelstrafe  zu  bestimmen,  und  die  Einsatzstrafe  ist  sodann  unter 

Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen.

2.

Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB als Hauptdelikt

2.1.

Tatverschulden

2.1.1. In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte körperlich 

nicht  selber  auf  die  Privatklägerin  eingewirkt  hat.  Allerdings  birgt  mittäterschaft-

liches Zusammenwirken immer ein grösseres Gefährdungspotential für das Opfer. 

Der gesamte Vorgang war mit ca. fünf Minuten zwar eher kurz. Aber das konkrete 

Vorgehen mit der unvermittelt eingesetzten körperlichen Gewalt und der Sturmhau-

benmaskierung zeugt von einiger Brutalität  und Skrupellosigkeit und manifestiert 

die hohe kriminelle Energie des Beschuldigten. Das zeigt sich auch in den daraus 

für die Privatklägerin resultierten psychischen Folgen. Im Spektrum aller denkbaren 

Tatvarianten liegt in objektiver Hinsicht ein "nicht mehr leichtes" Verschulden vor. 

Die Einsatzstrafe für das objektive Tatverschulden ist auf 7 Monate Freiheitsstrafe 

festzusetzen.

2.1.2. Zur  subjektiven  Tatschwere  ist  auszuführen,  dass  der  Beschuldigte  mit 

seinem Mittäter geplant und mit einiger krimineller Energie handelte. Der Freiheits-

entzug der Privatklägerin erfolgte direktvorsätzlich, um eine Störung des eigentlich 

im Gange befindlichen Überfalls zu beseitigen. Das objektive Tatverschulden wird 

jedenfalls nicht relativiert. 

Die subjektiven Aspekte der Tat vermögen das objektive Verschulden somit nicht 

zu  relativieren.  Es  bleibt  insgesamt  bei  einem  "nicht  mehr  leichten"  Verschulden 

und einer Einsatzstrafe von 7 Monaten Freiheitsstrafe. 

- 30 -

2.2.

Täterkomponente

2.2.1. Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten anbelangt, kann auf 

die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 67 E. V/4.2.1) verwiesen werden. Anlässlich 

der Berufungsverhandlung ergab sich noch, dass der Beschuldigte rechtskräftig mi-

grationsrechtlich aus der Schweiz weg- bzw. in die Dominikanische Republik aus-

gewiesen und eine migrationsrechtliche Einreisesperre bis zum 27. April 2027 ver-

hängt wurde (Prot. II S. 5 f.; Urk. 84). Aus der Biografie und den persönlichen Ver-

hältnissen des Beschuldigten lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Fakto-

ren ableiten. 

2.2.2. Vorstrafen kommt bei der Strafzumessung allgemein eine wichtige Rolle zu 

(BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 130). Erneute Delinquenz auf dem 

gleichen Gebiet indiziert eine besondere Unbelehrbarkeit und Uneinsichtigkeit (MA-

THYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 2019, N 320 und 322, mit Hinwei-

sen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). 

Der  Beschuldigte  ist  in  Spanien  bereits  einschlägig  vorbestraft.  Er  wurde  wegen 

Raubüberfall mit Gewalt oder Einschüchterung, unrechtmässiger Festnahme und 

Besitz von Waffen ohne Lizenz oder Erlaubnis zu einer langjährigen Freiheitsstrafe 

verurteilt  (Urk. D1/36/2).  Wie  bereits  erwähnt,  weist  die  Vorstrafe  auch  punkto 

modus operandi gewisse Parallelen zur vorliegenden Tat auf, womit der Beschul-

digte mit der erneuten Delinquenz im gleichen Formenkreis eine Unbelehrbarkeit 

zum Ausdruck bringt. Wenngleich diese Tat vom 3. Dezember 2009 einige Jahre 

zurückliegt, so wirkt sich diese einschlägige Vorstrafe doch spürbar straferhöhend 

im Umfang von 2 Monaten aus.

2.2.3. In  Bezug  auf  das  Nachtatverhalten  ist festzuhalten, dass  der  Beschuldigte 

die Tat durchwegs bestritt, weder teilgeständig ist, noch Einsicht und Reue an den 

Tag gelegt hat.

2.2.4. Weitere strafzumessungsrelevante Faktoren sind nicht ersichtlich.

- 31 -

2.3.

Zwischenfazit

In Anbetracht aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint in Würdigung der 

objektiven und subjektiven Komponenten der begangenen Straftat sowie in Berück-

sichtigung  der  Täterkomponenten  für  die  Freiheitsberaubung  eine  Freiheitsstrafe 

von  9 Monaten  als  Einsatzstrafe  angemessen.  In  diesem  Strafenbereich  kommt 

einzig eine Freiheitsstrafe in Betracht. 

Der  von  der  Verteidigung  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  vorgenommene 

Strafmassvergleich  zu  parallelen  Verfahren  taugt  –  mit  der  Staatsanwaltschaft 

(vgl. Prot. II S. 30) – nicht. Einerseits erachtete die Vorinstanz für die vorliegende 

Freiheitsberaubung nicht eine Einsatzstrafe von elf, sondern von neun Monaten als 

angemessen (vgl. Urk. 67 S. 29). Ferner handelt es sich bei den von der Verteidi-

gung zitierten Fällen nicht um vergleichbare Sachverhalte und sind mit der Staats-

anwaltschaft auch die in die Strafzumessung letztlich fliessenden Elemente der Tat- 

und  Täterkomponente  nicht  bekannt,  wobei  hier  wie  gesehen  auch  die  hohe 

kriminelle Energie des Beschuldigten ins Gewicht fällt. 

3.

Nebendelikt: einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB

3.1. Durch  das  brutale  Vorgehen  bei  der  Freiheitsberaubung  mit  Körpergewalt 

und massiv einschüchterndem Vorgehen durch Vermummung hat der Beschuldigte 

mittäterschaftlich  doch  erhebliche  Prellungen, 

insb.  eine  schmerzhafte 

Rippenprellung, sowie eine nicht unerhebliche psychische Beeinträchtigung in der 

Form  von  nachwirkenden  Panikattacken  bei  der  Privatklägerin  verursacht.  Das 

objektive  Tatverschulden  ist  nicht  mehr  leicht,  wofür  2-3  Monate  Freiheitsstrafe 

resp. 60-90 Tagessätze angemessen erscheinen.

3.2. Die körperliche und psychische Beeinträchtigung der Privatklägerin war wohl 

nicht das eigentliche Ziel, aber doch notwendige Durchgangsstufe zur Erreichung 

der avisierten Freiheitsberaubung. Insofern ist hier – mit der Vorinstanz – zumindest 

von  Eventualvorsatz  auszugehen.  Das  subjekive  Tatverschulden  relativiert  das 

objektive jedenfalls nicht.

- 32 -

3.3.

In Bezug auf die Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

verwiesen  werden.  Die  Täterkomponenten  (konkrekt  die  einschlägige  Vorstrafe) 

wirken sich insgesamt auch hier straferhöhend aus.

3.4. Nur für sich betrachtet wäre für die einfache Körperverletzung eine Strafe 

von 3 Monaten resp. 90 Tagessätzen angemessen.

3.5. Diese Strafhöhe befindet sich im überschneidenden Bereich von Geld- und 

Freiheitsstrafe. Mit Blick auf die einschlägige Vorstrafe bestehen bereits Zweifel an 

der präventiven Effizienz einer Geldstrafe (vgl. Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB). Überdies 

sind die Delikte der Freiheitsberaubung und der Körperverletzung quasi als Mittel 

dazu unmittelbar miteinander verknüpft. Für den Beschuldigten sind daher mit der 

Vorinstanz für beide Taten Freiheitsstrafen angezeigt. Es ist darauf hinzuweisen, 

dass  auch  nach  der  neusten  Rechtsprechung  eine  Gesamtfreiheitsstrafe  aus-

gesprochen werden kann, wenn viele Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng mit-

einander verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem engen 

Zusammenhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse präventiv 

auf  den  Täter  einzuwirken  (bspw.  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_180/2023  vom 

27. Juni 2024 E. 4.3.3 m.z.H.).

4. Gesamtfazit: Festsetzung der Gesamtstrafe, Anrechnung, Vollzug

4.1. Da  für  beide  Taten  gleichartige  Strafen,  nämlich  Freiheitsstrafen  auszu-

sprechen sind, ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe aus-

zufällen. Es kommt den beiden Delikten verschuldensmässig zwar selbstständige 

Bedeutung zu; es ist aber von einem besonders engen sachlichen, zeitlichen und 

situativen Zusammenhang auszugehen. 

4.2. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erscheint es angemessen, 

die Einsatzstrafe von 9 Monaten für die Freiheitsberaubung um 2 Monate für die 

einfache Körperverletzung zu erhöhen. Es erscheint somit – mit der Vorinstanz – 

eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten angemessen. Anzurechnen sind 328 erstan-

dene Hafttage (Art. 51 StGB).

- 33 -

4.3. Da einzig der Beschuldigte den Strafpunkt angefochten hat, bleibt es beim 

bedingten Strafvollzug und der minimalen Probezeit von 2 Jahren.

IV.  Landesverweisung / SIS-Ausschreibung

1.

Ausgangslage / Standpunkt der Verteidigung

1.1. Die Staatsanwaltschaft hat den ausländischen Beschuldigten unter anderem 

wegen  Freiheitsberaubung  angeklagt,  mithin  wegen  einer  Katalogtat  gemäss 

Art. 66a  Abs.  1  lit.  g  StGB,  die  grundsätzlich  zu  einer  Landesverweisung  führt, 

allerdings  ohne  einen  entsprechenden  Antrag  vor  Vorinstanz  zu  stellen.  Die 

Vorinstanz  hat  es  unterlassen,  die  Landesverweisung  (und  SIS-Ausschreibung) 

von sich aus zu prüfen (dazu bereits vorstehend).

1.2. Die  Staatsanwaltschaft  verlangt  nun  mit  ihrer  Anschlussberufung,  den 

Beschuldigten  für  die  Dauer  von  7  Jahren  des  Landes  zu  verweisen  und  die 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem auszuschreiben (Urk. 74). 

1.3. Seitens der Verteidigung wurde im Berufungsverfahren gegen die Landes-

verweisung vorgebracht, dass eine diesbezügliche Anordnung nicht zulässig sei, 

da  sich  der  Beschuldigte  im  ganzen  Verfahren  nicht  zu  einer  Landesverweisung 

habe  äussern  können  bzw.  ihm  das  rechtliche  Gehör  nicht  gewährt  worden  sei. 

Ferner seien auch keine Unterlagen vorhanden. Es müssten Erhebungen im Sinne 

von Art. 8 EMRK gemacht werden hinsichtlich seiner familiären Situation und hin-

sichtlich Art. 5 FZA im Falle einer Staatsbürgerschaft der Europäischen Union des 

Beschuldigten. Mit Verweis auf ihre anwaltliche Sorgfaltspflicht ergänzte die Vertei-

digung,  dass  eine  Landesverweisung  Art. 8  EMRK  widersprechen  würde,  da  der 

Beschuldigte in der Schweiz Kinder und Familie habe und diese auch regelmässig 

besucht habe (Prot. II S. 14 und S. 32).  

2.

Vorab: Keine Rückweisung erforderlich

2.1. Da die Vorinstanz die Landesverweisung nicht geprüft hat, obwohl sie den 

Beschuldigten zu einer Katalogtat verurteilt hat, stellt sich die Frage, ob überhaupt 

im Berufungsverfahren erstmals über diesen Antrag befunden werden kann oder 

- 34 -

die Sache zur Prüfung der Landesverweisung an die Vorinstanz zurückzuweisen 

ist.

2.2. Weist das erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel auf, die im Beru-

fungsverfahren nicht geheilt werden können, so hebt das Berufungsgericht gemäss 

Art. 409 Abs. 1 StPO das angefochtene Urteil auf und weist die Sache zur Durch-

führung einer neuen Hauptverhandlung und zur Fällung eines neuen Urteils an das 

erstinstanzliche Gericht zurück. Die kassatorische Erledigung durch Rückweisung 

ist  aufgrund  des  reformatorischen  Charakters  des  Berufungsverfahrens  die  Aus-

nahme und kommt nur bei derart schwerwiegenden, nicht heilbaren Mängeln des 

erstinstanzlichen Verfahrens in Betracht, in denen die Rückweisung zur Wahrung 

der  Parteirechte,  in  erster  Linie  zur  Vermeidung  eines  Instanzenverlusts,  unum-

gänglich ist. Dies ist etwa der Fall bei der Verweigerung von Teilnahmerechten oder 

nicht gehöriger Verteidigung, bei nicht richtiger Besetzung des Gerichts oder bei 

unvollständiger  Behandlung  sämtlicher  Anklage-  oder  Zivilpunkte.  Damit  sind 

grundsätzlich solche Fälle von einer Rückweisung betroffen, in denen keine ord-

nungsgemässe  Hauptverhandlung  stattfand  bzw.  kein  ordnungsgemässes  oder 

kein vollständiges Urteil ergangen ist, der Mangel also i.d.R. derart schwer wiegt, 

dass die Wesentlichkeit in diesem selbst gründet und er auch nicht heilbar ist. Damit 

einhergehend ist nicht zwingend erforderlich, dass sich der Mangel auf den Ent-

scheid ausgewirkt hat (Zum Ganzen: BGE 148 IV 155 E. 1.4.1; 143 IV 408 E. 6.1 

je m.z.H.). Selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf recht-

liches Gehör ist jedoch von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzu-

sehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und 

damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde (BGE 144 IV 136 E. 3.1; 142 II 

218 E. 2.8.1; 137 I 195 E. 2.3.2). 

2.3. Richtig  ist,  dass  mit  der  erstmaligen  Prüfung  der  Landesverweisung  im 

Berufungsverfahren  ein  Instanzenverlust  eintritt.  Allerdings  ist  eine  Landesver-

weisung  bei  Vorliegen  einer  Katalogtat  grundsätzlich  automatisch  anzuordnen 

(vgl. Art. 66a  1  und  2).  Nur  wenn  diese  für  den  Beschuldigten  einen  schweren 

persönlichen  Härtefall  bewirken  würde  und  die  öffentlichen  Interessen  an  der 

Landesverweisung  gegenüber  den  privaten  Interessen  des  Beschuldigten  am 

- 35 -

Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen, kann ausnahmsweise von einer Landes-

verweisung abgesehen werden. 

Bei der Prüfung möglicher Umstände, die einen solch schweren persönlichen Här-

tefall begründen würden, trifft den Beschuldigten trotz Geltung des Untersuchungs-

grundsatzes  eine  Mitwirkungspflicht  (statt  vieler  Urteil  des  Bundesgerichts 

6B_717/2024  vom  12.  November  2024  E.  1.4  m.z.H.).  Wie  zu  zeigen  sein  wird, 

bringt der Beschuldigte auch im Berufungsverfahren überhaupt keine härtefallbe-

gründenden Umstände vor und solche sind auch aus den übrigen Akten und seiner 

Befragung in der Untersuchung und vor Vorinstanz nicht ersichtlich. Dass anläss-

lich  der  Berufungsverhandlung  die  Frage  einer  allfälligen  Landesverweisung 

thematisiert würde, wusste der Beschuldigte mit Eingang der Anschlussberufung 

der Staatsanwaltschaft und damit bereits seit Beginn des Berufungsverfahrens. Mit 

Ausnahme des pauschalen Hinweises der Verteidigung anlässlich der Berufungs-

verhandlung hinsichtlich der Familie des Beschuldigten in der Schweiz, ergingen 

keine  substantiierten  Einwände  gegen  die  Anordnung  einer  Landesverweisung. 

Wie bereits ausgeführt, bestand gemäss eingereichter Honorarnote vom 16. April 

2025 (Urk. 90 S. 2) seitens der Verteidigung Kontakt mit der "Klientschaft". Unab-

hängig davon, ob damit der Beschuldigte oder seine Familie hier in der Schweiz 

gemeint  ist,  wäre  es  daher  möglich  gewesen,  die  Verteidigung  entsprechend  zu 

instruieren und im Berufungsverfahren bzw. an der Berufungsverhandlung härte-

fallbegründende Umstände – sofern solche vorhanden wären – vorzubringen. Der 

Beschuldigte unterliess es jedoch, seine Verteidigung diesbezüglich zu instruieren 

und erschien nicht an die Berufungsverhandlung. Damit brachte er zum Ausdruck, 

dass er auf sein rechtliches Gehör verzichtet und er kam zumindest seiner Mitwir-

kungspflicht nicht nach. Des Weiteren scheint auch das Migrationsamt im Zusam-

menhang mit der migrationsrechtlichen Ausschaffung keinen Härtefall erkannt zu 

haben, zumindest keinen, der das Weg-/Ausweisungsinteresse überwiegen würde. 

Vielmehr ist den Akten (wie bereits erwähnt) zu entnehmen, dass der Beschuldigte 

rechtskräftig migrationsrechtlich ausgewiesen und mit einer Einreisesperre bis zum 

27. April 2027 belegt wurde (Urk. 84). Zusammenfassend ist rechtsgenügend er-

stellt, dass keine härtefallbegründenden Umstände ersichtlich sind und es insofern 

beim gesetzlich vorgesehenen Automatismus der Landesverweisung bleibt, sodass 

- 36 -

es zu einem formalistischen Leerlauf kommen würde, wenn das vorliegende Ver-

fahren  an  die  Vorinstanz  zur  Prüfung  der  Landesverweisung  zurückgewiesen 

würde.  Auch  bei  einer  erstmaligen  Anordnung  der  Landesverweisung  sind  nach 

dem  Gesagten  trotz  Instanzenverlust  keine  Nachteile  für  den  Beschuldigten 

erkennbar. 

Spezifisch zur Frage der SIS-Ausschreibung hat das Bundesgericht auch klarge-

stellt, dass die SIS-Ausschreibung auch dann vom Berufungsgericht zu prüfen und 

ggf. anzuordnen ist, wenn das erstinstanzliche Urteil keine entsprechende Anord-

nung enthielt und einzig der Beschuldigte Berufung erhob. Das Verschlechterungs-

verbot stehe der rein vollzugs- bzw. polizeirechtlichen Frage der Ausschreibung der 

Landesverweisung im SIS nicht entgegen (BGE 146 IV 172 E. 3.3).

2.4. Es  kann  somit  auch  bezüglich  Landesverweisung  und  SIS-Ausschreibung 

ein reformatorischer Entscheid ergehen.

3. Grundlagen/Katalogtat

3.1. Das Gericht verweist den Ausländer, der zu einer Katalogtat verurteilt wird, 

unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz. Von der 

Landesverweisung  kann  nur  ausnahmsweise  abgesehen  werden,  wenn  sie 

kumulativ (1) einen "schweren persönlichen Härtefall" bewirken würde und (2) "die 

öffentlichen  Interessen  an  der  Landesverweisung  gegenüber  den  privaten 

Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen" (Art. 66a 

Abs.  2  StGB).  Dabei  ist  der  besonderen  Situation  von  Ausländern  Rechnung  zu 

tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; 

sog.  Härtefallklausel).  Die  Härtefallklausel  dient  der  Umsetzung  des 

Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 144 IV 332 E. 3.1.2 und 

E. 3.3.1; BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; je mit Hinweisen). Sie ist restriktiv anzuwenden 

(BGE 144 IV 332 E. 3.3.1). 

3.2. Der  Beschuldigte  wird  vorliegend  wegen  einer  Katalogtat  nach  Art. 66a 

Abs. 1 lit. g (Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) verur-

teilt. Die Landesverweisung ist demnach auszusprechen, es sei denn, es liege ein 

- 37 -

schwerer  persönlicher  Härtefall  vor  und  das  private  Interesse  des  Beschuldigten 

am Verbleib in der Schweiz würde das öffentliche Interesse an seiner Wegweisung 

überwiegen.

4.

Härtefallprüfung

4.1. Bei der Prüfung der Frage, ob im konkreten Einzelfall ein schwerer persön-

licher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vorliegt, sind insbesondere die 

folgenden Aspekte zu berücksichtigen: Die Anwesenheitsdauer, die familiären Ver-

hältnisse,  die  Arbeits-  und  Ausbildungssituation,  die  Persönlichkeitsentwicklung, 

der Grad der Integration und die Resozialisierungschancen. Bei sämtlichen Aspek-

ten ist der Fokus einerseits auf die Situation in der Schweiz und andererseits auf 

die Situation im Heimatland zu legen. Ein schwerer persönlicher Härtefall liegt dann 

vor, wenn die Summe aller Schwierigkeiten den Betroffenen derart hart trifft, dass 

ein Verlassen der Schweiz bei objektiver Betrachtung zu einem nicht hinnehmbaren 

Eingriff in seine Daseinsbedingungen führt. Ob ein schwerer persönlicher Härtefall 

vorliegt, ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu eruieren. Dabei sind sämtliche 

härtefallbegründenden Aspekte zu berücksichtigen und zu bewerten (BRUN/FABRI, 

Die Landesverweisung – neue Aufgaben und Herausforderungen für die Strafjustiz, 

recht 2017  S. 231  ff.,  VI.  1.c.aa.  mit  Verweis  u.a.  auf  BUSSLINGER/UEBERSAX, 

Härtefallklausel  und  migrationsrechtliche  Auswirkungen  der  Landesverweisung, 

Plädoyer 5/16, S. 101 f.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_209/2018 E. 3). 

Alle  gegen  den  Vollzug  der  Landesverweisung  sprechenden  Umstände  (vgl. 

Art. 66d StGB) sind bereits im Rahmen der Härtefallprüfung zu beachten. Zudem 

sind die verfassungsrechtlichen und völkerrechtlichen Bestimmungen einzuhalten 

(BUSSLINGER/UEBERSAX,  Härtefallklausel  und  migrationsrechtliche  Auswirkungen 

der Landesverweisung, Plädoyer 5/16, S. 99). Von einem schweren persönlichen 

Härtefall ist in der Regel bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den 

Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht 

auf Achtung des Privat- und Familienlebens auszugehen (Urteile des Bundesge-

richts 6B_1077/2020 E. 1.2.3; 6B_568/2020 E. 5.3.4; 6B_1178/2019 E. 3.2.5, nicht 

publ. in BGE 147 IV 340; je mit Hinweisen). Das durch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 

BV geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens ist berührt, wenn eine staat-

- 38 -

liche  Entfernungs-  oder  Fernhaltemassnahme  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich 

gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtig-

ten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne weiteres möglich bzw. zumut-

bar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3; BGE 144 

II 1 E. 6.1; je mit Hinweisen). Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie 

die  Kernfamilie,  d.h.  die  Gemeinschaft  der  Ehegatten  mit  ihren  minderjährigen 

Kindern  (BGE  145  I  227  E.  5.3;  BGE  144  II  1  E.  6.1;  Urteil  des  Bundesgerichts 

6B_1275/2020  E.  1.3.3).  Andere  familiäre  Verhältnisse  fallen  nur  in  den  Schutz-

bereich  von  Art.  8  EMRK,  sofern  eine  genügend  nahe,  echte  und  tatsächlich 

gelebte Beziehung besteht. Hinweise für solche Beziehungen sind das Zusammen-

leben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit, speziell enge 

familiäre  Bindungen,  regelmässige  Kontakte  oder  die  Übernahme  von  Verant-

wortung  für  eine  andere  Person  (BGE  144  II  1  E.  6.1  mit  Hinweisen;  BGer. 

2C_786/2018 vom 27. Mai 2019 E. 3.2.2).

Bei  der  Prüfung  möglicher  Umstände,  die  einen  solch  schweren  persönlichen 

Härtefall  begründen  würden,  trifft  den  Beschuldigten  trotz  Geltung  des  Untersu-

chungsgrundsatzes eine Mitwirkungspflicht (statt vieler Urteil des Bundesgerichts 

6B_717/2024 vom 12. November 2024 E. 1.4 m.z.H.). 

4.2. Geboren ist der Beschuldigte in H._____ in der Dominikanischen Republik 

(vgl. Urk. D1/11/4). In Bezug auf seine weiteren persönlichen Verhältnisse führte 

der Beschuldigte im Untersuchungsverfahren und vor Vorinstanz aus, dass er in 

I._____ [Stadt in Spanien] lebe und circa alle zwei Monate für 15 bis 20 Tage in die 

Schweiz komme, um seine Kinder zu besuchen. Seine Ehefrau lebe mit ihnen in 

J._____  [Stadt  in  der  Schweiz].  Dies  mache  er  so  schon  seit  eineinhalb  Jahren. 

Beruflich sei er Gärtner, habe derzeit aber keine Festanstellung. Er wolle sich dann 

in  I._____  [Stadt  in  Spanien]  darum  kümmern  (Urk. D1/24/1  F/A 21  ff.,  37  f.; 

act. D1/24/6 F/A 13; Prot. S. 6 ff.). 

Abgesehen davon, dass in J._____ [Stadt in der Schweiz] seine Ehefrau und seine 

beiden Kinder leben würden, macht der Beschuldigte – zuletzt auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung (Prot. II S. 32) – keinen weiteren Bezug zur Schweiz gel-

tend. Es ergibt sich aus den Akten, dass seine Ehefrau K._____, wie vom Beschul-

- 39 -

digten  geltend  gemacht,  in  J._____  [Stadt  in  der  Schweiz]  lebt  und  Spanische 

Staatsangehörige ist (Urk. D1/34/33/1). Weiter ergeben sich aus den Akten die Na-

men  seiner  beiden  hier 

lebenden  Kinder  L._____  und  M._____ 

(Urk. 

D1/34/33/4+7). Das Geburtsdatum der Kinder ist zwar nicht direkt aktenkundig. Der 

Beschuldigte gab in seiner Hafteinvernahme am 6. April 2022 an, dass die Kleinere 

16 Jahre und der Ältere 19 Jahre alt sei (Urk. D1/24/1 F/A 27). Folglich sind heute 

(drei Jahre nach der Hafteinvernahme) beide Kinder volljährig. Dass der Beschul-

digte sonst minderjährige Kinder in der Schweiz hätte, hat er nicht vorgebracht. Den 

Besuchsbewilligungen  (Urk. D1/34/33)  lässt  sich  entnehmen,  dass  der  Beschul-

digte von Ehefrau und Kindern im Gefängnis besucht wurde. Allerdings ergibt sich 

aus den Aussagen des Beschuldigten, dass er in der letzten Zeit vor der Verhaftung 

keine echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung zu seiner Ehefrau und den 

(mittlerweile ohnehin volljährigen und damit nicht mehr zur Kernfamilie gehöhren-

den)  Kindern  pflegte.  Vielmehr  lebte  und  arbeitete  der  Beschuldigte  in  I._____ 

[Stadt  in  Spanien]  und  besuchte  Ehefrau  und  Kinder  in  grösseren  zeitlichen  Ab-

ständen. Es ist damit von einer eher loseren Bindung zu seinen hier wohnhaften 

Familienangehörigen auszugehen, sodass eine Landesverweisung nicht das von 

Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens 

beeinträchtigt. Es ist möglich bzw. zumutbar, diese bis anhin eher losen Kontakte 

unter  diesen  allseits  volljährigen  Familienmitgliedern  ausserhalb  der  Schweiz  zu 

pflegen. Auch sonst sind keine anderen familiären Bindungen des Beschuldigten 

zu  Personen  in  der  Schweiz  ersichtlich,  welche  eine  genügend  nahe,  echte  und 

tatsächlich gelebte Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK darstellen würden.  

4.3. Es sind somit keine besonderen Umstände dargetan, die dazu führen, dass 

eine Landesverweisung den Beschuldigten in besonderem Masse persönlich hart 

treffen würde. Es ist nicht ersichtlich, dass ein Verlassen der Schweiz bei objektiver 

Betrachtung  zu  einem  nicht  hinnehmbaren  Eingriff  in  seine  Lebensbedingungen 

führt.  Es  liegt  kein  schwerer  Eingriff  in  sein  Privat-  und  Familienleben  vor.  Ein 

schwerer  persönlicher  Härtefall  liegt  damit  nicht  vor.  Eine  Interessenabwägung 

zwischen dem privaten Interesse des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz 

und dem öffentlichen Interesse an einem Verlassen der Schweiz erübrigt sich damit 

und der Beschuldigte ist des Landes zu verweisen.

- 40 -

5.

Dauer

5.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Landesverweisung von einer Dauer 

von 7 Jahren.

Die Verteidigung wendet gegen die eigentliche Dauer der beantragten Landesver-

weisung nichts ein. 

5.2. Die Bemessung der Dauer der Landesverweisung liegt gemäss Botschaft im 

Ermessen des Gerichts, das sich  dabei  insbesondere am Verhältnismässigkeits-

grundsatz zu orientieren hat (Botschaft, BBl 2013, 5975 ff., 6021). Die Dauer der 

Landesverweisung ist unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls, namentlich 

des Verschuldens der beschuldigten Person, der Schwere des Delikts sowie der 

persönlichen  Verhältnisse  des  Betroffenen  und  seiner  allfälligen  Bindung  zur 

Schweiz  zu  bemessen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_881/2018  vom 

14. Dezember 2018 E. 4.1).

5.3. Der Beschuldigte wird zu einer Strafe von 11 Monaten Freiheitsstrafe verur-

teilt.  Im  Spektrum  denkbaren  Verschuldens  der  Katalogtaten  sind  die  Taten  des 

Beschuldigten eher am unteren Bereich anzusiedeln. Es rechtfertigt sich daher und 

aufgrund vorhandener familiärer Beziehungen in der Schweiz, die Landesverwei-

sung für ein Minimum von fünf Jahren anzuordnen.

6.

SIS-Ausschreibung

6.1. Die  Staatsanwaltschaft  beantragt,  die  Landesverweisung  im  Schengener 

Inforationssystem auszuschreiben. 

6.2. Die Verteidigung äusserte sich nicht explizit gegen die beantragte SIS-Aus-

schreibung.  Allerdings  beantragte  sie  wie  erwähnt  ein  Nichteintreten  auf  die 

Anschlussberufung  der  Staatsanwaltschaft,  da  sich  der  Beschuldigte  zur  Frage 

einer Landesverweisung (und damit auch zur Frage der SIS-Ausschreibung) nicht 

habe äussern können, mithin das rechtliche Gehör nicht gewahrt sei, und ein Urteil 

zu diesem Punkt deshalb nicht in Frage komme (Urk. 82 S. 8). 

- 41 -

6.3. Die Ausschreibung des Beschuldigten im SIS beurteilt sich nach der auch 

für  die  Schweiz  geltenden  Bestimmungen  von  Art.  20  ff.  der  Verordnung  (EG) 

Nr. 1987/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  20.  Dezember 

2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informa-

tionssystems der zweiten Generation (nachfolgend: SIS-II-Verordnung).

Ausschreibungen im SIS dürfen gemäss dem in Art. 21 SIS-II-Verordnung veran-

kerten  Verhältnismässigkeitsprinzip  nur  vorgenommen  werden,  wenn  die  Ange-

messenheit, Relevanz und Bedeutung des Falles dies rechtfertigen. Voraussetzung 

für die Eingabe einer Ausschreibung zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung im 

SIS ist eine nationale Ausschreibung, die auf einer Entscheidung der zuständigen 

nationalen Instanz (Verwaltungsbehörde oder Gericht) beruht; diese Entscheidung 

darf nur auf der Grundlage einer individuellen Bewertung ergehen (Art. 24 Abs. 1 

SIS-II-Verordnung). Die Ausschreibung wird eingegeben, wenn die Entscheidung 

nach Art. 24 Abs.1 SIS-II-Verordnung auf die Gefahr für die öffentliche Sicherheit 

oder Ordnung oder die nationale Sicherheit gestützt wird, die die Anwesenheit des 

betreffenden Drittstaatsangehörigen im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats darstellt 

(Art. 24 Abs. 2 Satz 1 SIS-II-Verordnung). Dies ist insbesondere bei einem Dritt-

staatsangehörigen der Fall, der in einem Mitgliedstaat wegen einer Straftat verur-

teilt worden ist, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist 

(Art. 24 Abs. 2 lit. a SIS-II-Verordnung).  

Art. 24 Abs. 2 lit. a SIS-II-Verordnung erfordert weder eine Verurteilung zu einer 

Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr noch einen Schuldspruch wegen einer 

Straftat,  die  mit  einer  Mindestfreiheitsstrafe  von  einem  Jahr  bedroht  ist.  Insoweit 

genügt,  wenn  der  entsprechende  Straftatbestand  eine  Freiheitsstrafe  im  Höchst-

mass  von  einem  Jahr  oder  mehr  vorsieht.  Indes  ist  im  Sinne  einer  kumulativen 

Voraussetzung stets zu prüfen, ob von der betroffenen Person eine Gefahr für die 

öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-Verordnung). An 

die  Annahme  einer  solchen  Gefahr  sind  keine  allzu  hohen  Anforderungen  zu 

stellen. Dass bei der Legalprognose eine konkrete Rückfallgefahr verneint und die 

Strafe  bedingt  ausgesprochen  wurde,  steht  einer  Ausschreibung  der  Landesver-

- 42 -

weisung im SIS nicht entgegen (BGE 147 IV 340 E. 4.8; zum Ganzen jüngst Urteil 

des Bundesgerichts 7B_1055/2023 vom 12. März 2025 E. 3.5 m.H.).

Als  Drittstaatsangehörige  im  Sinne  von  Art.  24  SIS-II-Verordnung  gelten  auch 

drittstaatsangehörige Familienangehörige eines Unionsbürgers (vgl. zum Ganzen 

jüngst  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_1032/2023  vom  24.  Februar  2025  E.  3.5.2 

m.H.).

Verfügt  der 

zum  Zwecke  der  Einreiseverweigerung  ausgeschriebene 

Drittstaatsangehörige über einen von einem anderen Schengen-Staat erteilten gül-

tigen  Aufenthaltstitel,  führt  dies  nicht  zu  einem  Verzicht  auf  Anordnung  der  SIS-

Ausschreibung durch das Strafgericht. Vielmehr ist von der zuständigen Vollzugs-

behörde im Anschluss an die Anordnung durch das urteilende Strafgericht ein Kon-

sultationsverfahren durchzuführen (vgl. Art. 15 Abs. 1 lit. i N-SIS-Verordnung; SR 

362.0;  Art. 25  Abs.  2  des  Schengener  Durchführungsübereinkommens  vom  14. 

Juni 1985; SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000 S. 19). Dabei prüft der ertei-

lende Mitgliedstaat, ob (ausreichende) Gründe für den Entzug des Aufenthaltstitels 

oder  des  Visums  für  den  längerfristigen  Aufenthalt  vorliegen  (vgl.  Art.  25  Abs.  2 

Satz 1 SDÜ; Art. 28 Bst. c und d sowie Art. 29 Bst. c und d der Verordnung [EU] 

2018/1861).  Wird  der  Aufenthaltstitel  oder  das  Visum  für  den  längerfristigen 

Aufenthalt vom erteilenden Mitgliedstaat nicht eingezogen, so zieht die ausschrei-

bende Vertragspartei die Ausschreibung zurück (Art. 25 Abs. 2 Satz 2 SDÜ; Art. 29 

Bst.  f  der  Verordnung  [EU]  2018/1861)  bzw.  gibt  sie  die  Ausschreibung  zur 

Einreise- und Aufenthaltsverweigerung nicht im SIS ein (Art. 28 Bst. f der Verord-

nung [EU] 2018/1861). Das Strafgericht hat demnach die SIS-Ausschreibung der 

Landesverweisung auch dann anzuordnen, wenn der beschuldigte Drittstaatange-

hörige über einen gültigen Aufenthaltstitel eines anderen Schengen-Staats verfügt. 

Dieser Umstand wird von der Vollzugsbehörde näher zu prüfen sein (hierzu Urteil 

des Bundesgerichts 6B_628/2021 vom 14. Juli 2022 E. 2.2.4). 

6.4. Die  Voraussetzungen  für  einen  Eintrag  sind  vorliegend  erfüllt.  Die 

Dominikanische  Republik  ist  kein  Mitgliedstaat  des  Schengen-Übereinkommens, 

der Beschuldigte somit Drittstaatsangehöriger. Daran ändert nach dem Gesagten 

auch  nichts,  dass  der  Beschuldigte  mit  einer  Unionsbürgerin  verheiratet  ist.  Der 

- 43 -

Beschuldigte  wird  zu  einer  Tat  verurteilt,  welche  eine  Freiheitsstrafe  im  Höchst-

mass von einem Jahr oder mehr vorsieht. Aufgrund der gesetzlichen Konzeption 

ist zwar eine gute Legalprognose zu vermuten und dem Beschuldigten daher der 

bedingte Strafvollzug zu gewähren (vgl. Art. 42 Abs. 1 StGB). Seine einschlägige 

Vorstrafe in Spanien und das brutale, rücksichtslose Vorgehen bei der vorliegenden 

Tat machen aber deutlich, dass von ihm eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit 

oder Ordnung im Sinne von Art. 24 Abs. 2 SIS-II-Verordnung ausgeht, an deren 

Annahme  ohnehin  keine  allzu  hohen  Anforderungen  zu  stellen  sind.  Sollte  der 

Beschuldigte in Spanien über ein Aufenthaltsrecht verfügen, was sich nicht aus den 

Akten  ergibt,  wäre  dieser  Umstand  von  der  zuständigen  Vollzugsbehörde  zu 

berücksichtigen, ändert aber nichts daran, dass das urteilende Strafgericht die SIS-

Ausschreibung anzuordnen hat.

6.5. Die  Landesverweisung 

ist  somit 

im  Schengener 

Informationssystem 

auszuschreiben.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens

Die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffern 7-9) blieb unangefochten 

und ist in Rechtskraft erwachsen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist auch die 

erstinstanzliche  Kostenverlegung  (Dispositivziffern 10  und  11)  zu  bestätigen 

(Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.

Kosten des Berufungsverfahrens / Entschädigung der amtlichen Verteidigung

2.1. Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  auf  Fr. 3'600.–  festzu-

setzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). Die Kosten des Rechtsmittelver-

fahrens  tragen  die  Parteien  nach  Massgabe  ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens 

(Art. 428 Abs. 1 StPO). 

- 44 -

2.2. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen praktisch vollum-

fänglich. Dementsprechend sind die Kosten des Berufungsverfahrens vollständig 

dem Beschuldigten aufzuerlegen sind. Das marginale Abweichen bei der Dauer der 

Landesverweisung  vom  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  führt  zu  keiner  anderen 

Kostenverteilung. 

2.3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten machte für das Berufungsver-

fahren  einen  Aufwand  von  Fr. 4'470.90.–  (inkl.  MwSt.  und  Barauslagen)  geltend 

(Urk. 90), welcher Aufwand auch eine geschätzte Dauer der Berufungsverhandlung 

von drei Stunden enthielt, was mit der tatsächlichen Dauer der Berufungsverhand-

lung übereinstimmt (Prot. II S. 3 und 37). Unter Berücksichtigung der Reise- und 

Nachbesprechungszeit von je einer weiteren Stunde ist der amtliche Verteidiger für 

seine  Bemühungen  und  Auslagen  mit  pauschal  Fr. 5'000.–  (inkl.  MwSt.  und 

Barauslagen) zu entschädigen.

2.4. Somit  sind  dem  Beschuldigten  die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  mit 

Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten der 

amtlichen  Verteidigung  sind  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Die 

Rückzahlungspflicht  des  Beschuldigten  bleibt  gemäss  Art.  135  aAbs.  4  StPO 

vorbehalten.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 

2024 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1.

2.

3.

(…)

(…)

(…)

- 45 -

4.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Januar 

2024 beschlagnahmten Gegenstände werden der Privatklägerin B._____ nach Eintritt 

der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben:









1 Kapuzenjacke, schwarz mit weissem Kordelzug 
(Asservat-Nr. A014'945'347),

1 Langarmshirt, dunkelblau/weiss quergestreift, «Maison Scotch» 
(Asservat-Nr. A014'945'381),

1 Jeanshose, dunkelblau, stretch, «LYNN/G-STAR» 
(Asservat-Nr. A014'945'405),

1 Socke, schwarz/grau quer gestreift (Asservat-Nr. A014'945'416).

Werden die vorstehenden Gegenstände innert drei Monaten nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils nicht herausverlangt, so werden sie der Lagerbehörde zur Ver-

nichtung oder gutscheinenden Verwendung überlassen.

5.

Die übrigen, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Januar 

2024 beschlagnahmten Gegenstände werden neu Bestandteil des separaten Unter-

suchungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat Nr. … und verbleiben ent-

sprechend bei der Lagerbehörde.

6.

Die Privatklägerin B._____ wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

7.

Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger 

des Beschuldigten mit pauschal Fr. 15'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der 

Gerichtskasse entschädigt.

8.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.–

; die weiteren Kosten betragen:

3'500.–

  Gebühr für das Vorverfahren,

22'586.95   Auslagen (Gutachten),

260.–

  Auslagen (Auswertung Mobiltelefon),

1'200.–

  Auslagen Gericht III. StrKr UB230057,

200.–

  Auslagen Gericht ZMG GT230056,

15'500.–

  amtliche Verteidigung RA X._____.

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

9.

Über die Auferlegung der Kosten betreffend die Gutachten zur körperlichen Untersu-

chung des Instituts für Rechtsmedizin der beiden im separaten Untersuchungsverfah-

- 46 -

ren der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat

Nr. … Geschädigten C._____ und D._____ von je Fr. 774.45 ist im vorgenannten Un-

tersuchungsverfahren zu entscheiden.

10.

(…)

11.

(…)

12.

(Mitteilungen)

13.

(Rechtsmittel)"

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig





der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 11 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

328 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Straf-

vollzug erstanden sind.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. 

4.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. g StGB für 5 Jahre 

des Landes verwiesen.

5.

Es wird eine Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

6.

7.

Die erstinstanzliche Kostenverlegung (Disp.-Ziff. 10 und 11) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

- 47 -

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

5'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. MWST)

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten 

der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-

nommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO vorbehalten.

9.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (versandt)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt)

die Privatklägerin (versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

die Privatklägerin

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mittels Formular "Löschung des 
DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials".

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

- 48 -

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 17. April 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

MLaw A. Jacomet

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe de-

finitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 

bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.