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**Case Identifier:** e41052a5-0848-58fb-8f00-32008109496d
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-09
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 09.11.2022 200 2022 43
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-43_2022-11-09.pdf

## Full Text

200 22 43 IV
WIS/BOC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 9. November 2022

Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Furrer, Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 1. Dezember 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1967 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich im Juni 2020 unter Mitwirkung des Sozialdienstes 
B.________ bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an, wobei 
sie auf eine Hochsensibilität und traumatische Erfahrungen in der Vergan-
genheit verwies; sie sei aus psychiatrischer Sicht zu 100 % krankgeschrie-
ben (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin; 
act. II] 1). Nachdem die Versicherte den Rückzug des IV-Antrages erklärt 
und die IVB das Gesuch mit Mitteilung vom 7. August 2020 als gegen-
standslos abgeschrieben hatte (act. II 10 f., 13 - 15), ersuchte sie im No-
vember 2020 um Reaktivierung ihres IV-Antrages (act. II 16 f.). Die IVB 
führte in der Folge ein Erstgespräch durch und holte medizinische Unterla-
gen ein (act. II 21, 28, 32, 34). Am 14. April 2021 teilte die IVB mit, zurzeit 
könnten keine Eingliederungsmassnahmen mit Aussicht auf Erfolg durch-
geführt werden, und sie prüfe den Rentenanspruch (act. II 37). Im weiteren 
Verlauf liess die IVB die Versicherte durch Dr. med. C.________, Facharzt 
für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (Expertise vom 30. Au-
gust 2021 [act. II 53.1]). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren und 
der Einholung einer ergänzenden Stellungnahme bei Dr. med. C.________ 
verneinte die IVB mit Verfügung vom 1. Dezember 2021 den Anspruch auf 
Leistungen der Invalidenversicherung, da keine anhaltende gesundheitliche 
Einschränkung mit Auswirkung auf die Erwerbsfähigkeit vorliege (act. II 54, 
56 f., 61, 63, 66, 68). 

B.

Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 12. Januar 2022 bei der 
IVB "Rekurs". Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Die IVB leitete 
die erwähnte Eingabe am 18. Januar 2022 zuständigkeitshalber an das 
Verwaltungsgericht des Kantons Bern weiter. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 3

Nachdem die Beschwerdeführerin zur Bezahlung eines Kostenvorschusses 
aufgefordert worden war, stellte sie mit Eingabe vom 29. Januar 2022 sinn-
gemäss ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Die diesbezüglich 
einverlangten Unterlagen gingen am 21. Februar und 21. März 2022 beim 
Gericht ein. 

Mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2022 beantragt die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.

Der behandelnde Psychiater Dr. med. D.________, Facharzt für Psychia-
trie und Psychotherapie, reichte am 2. September 2022 eine Stellungnah-
me beim Gericht ein. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 20. September 2020 erhielt die Be-
schwerdegegnerin Gelegenheit zur Stellungnahme, wovon sie mit Eingabe 
vom 12. Oktober 2022 Gebrauch machte und an den in der Beschwerde-
antwort gestellten Rechtsbegehren festhielt. Diese Stellungnahme wurde 
der Beschwerdeführerin mit prozessleitender Verfügung vom 13. Oktober 
2022 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 4

zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 1. Dezember 2021 (act. II 68). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi-
cherung und dabei insbesondere das Vorliegen eines invalidisierenden 
psychischen Gesundheitsschadens.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705, BBl 2017 2535) und die Änderung 
vom 3. November 2021 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die In-
validenversicherung (IVV; SR 831.201 [AS 2021 706]) in Kraft getreten. 
Weil in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher 
Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die 
bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 
210 E. 4.3.1 S. 213) und die angefochtene Verfügung vom 1. Dezember 
2021 (act. II 68) vor dem Inkrafttreten der genannten Änderungen datiert, 
ist der vorliegende Fall nach den bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Be-
stimmungen (nachfolgend: aArt.) zu prüfen.

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2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind-
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

2.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch 
nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies 
zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Ein-
fluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 
hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten 
Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb 
gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berück-
sichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 
106 E. 4.4 S. 110).  

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 6

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

2.5 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

2.6 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen 
Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte 
ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz besagt, dass die 
verfügende Instanz den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen, 
aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisan-
träge der Parteien, abklären und feststellen muss. Rechtserheblich sind alle 
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen An-
spruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Ver-
waltungsbehörden zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu 
veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich 
aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht 
(BGE 117 V 282 E. 4a S. 283). Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen 
nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 7

der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158; SVR 
2020 KV Nr. 23 S. 111 E. 8.3.2).

3.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

3.1 Im Bericht der psychiatrischen Dienste E.________ vom 6. Novem-
ber 2019 (act. II 34/5 - 7) im Zusammenhang mit dem Aufenthalt vom 4. bis 
5. November 2019 wurde die folgende Diagnose-/Problemliste aufgeführt:

Verdacht auf akute polymorphe psychotische Störung bei auffälligem Verhalten 
(ICD-10: F23.0)
 wurde barfuss und leicht bekleidet im Wald vorgefunden
 verwirrt, desorientiert, habe Gespräche verweigert
 Hinweise auf religiösen Wahn

Am Eintrittstag habe die Beschwerdeführerin ein Eintrittsgespräch verwei-
gert und nur schlafen wollen. Sie habe psychotisch gewirkt. Im (wohl am 
zweiten Tag geführten) Gespräch mit der Oberärztin habe die Beschwerde-
führerin offen und kooperativ imponiert. Aus ihrer Sicht habe es sich bei der 
stationären Einweisung um ein Missverständnis gehandelt. Die Beschwer-
deführerin habe kohärent und nachvollziehbar die Einweisungsumstände 
geschildert. Sie wohne in … in einem … . Gestern sei sie barfuss im Wald 
spazieren gegangen. Sie habe sich auf einem Bauernhof im Kuhstall aus-
ruhen wollen. Möglicherweise hätten die Bauern Angst gehabt und die Poli-
zei avisiert, ohne sie zu informieren. Sie habe Pilze gegessen, was 
vermutlich zur Magenverstimmung und den oben genannten Symptomen 
geführt habe. Ihr Verhalten und ihre Lebensgestaltung könne manchmal zu 
Verunsicherung führen. So sei sie sehr sensibel, laufe gerne barfuss, was 
sie sich während ihrem Landleben angeeignet habe. Vor einigen Jahren sei 
sie für eine Woche in die Psychiatrie eingewiesen worden. Sie wohne allei-
ne, zu ihren Eltern habe sie einen guten Kontakt. Sie sei nicht in medizini-
scher Behandlung, da sie es aktuell nicht brauche. Im Gespräch ergäben 
sich keine Hinweise auf eine psychotische Entwicklung. Die Beschwerde-

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führerin werde bei fehlendem Behandlungsauftrag auf ihren Wunsch nach 
Hause entlassen.

3.2 Im Austrittsbericht der psychiatrischen Dienste E.________ vom 
17. November 2020 (act. II 34/2 - 4) im Zusammenhang mit dem Aufenthalt 
vom 11. bis 12. November 2020 wurde die folgende Diagnose-
/Problemliste festgehalten:

 Verdacht auf akute polymorphe psychotische Störung (ICD-10: F23.0), Diffe-
rentialdiagnose paranoide Schizophrenie

Zum Eintrittsgespräch vom 11. November 2020 wurde festgehalten, die 
Beschwerdeführerin sage, sie habe nur ein Abklärungsgespräch gewollt für 
eine Nacht. Ihr gehe es nicht gut. Sie habe ein rotes Gesicht und rote Hän-
de. Sie habe diese Nacht nicht geschlafen und sei herumgewandert. Sie 
sei schockiert, was in ihr drin ablaufe. Sie habe mit Menschen sprechen 
wollen, um Liebe zu erhalten. Daher habe sie im … eine Frau darum gebe-
ten. Diese habe eine Freundin gerufen, die per Ambulanz gekommen sei. 
Plötzlich sei die Polizei da gewesen. Wieso wisse sie nicht. Anschliessend 
sei ein Notfallpsychiater gekommen. Sie sei verfolgt worden auf schreckli-
che Art. Es seien keine Menschen, sondern Technik. Diese würden Energie 
aussenden, dadurch gehe es ihr ganz schlecht. Suizidalität werde verneint. 
Dies habe sie vor vier Jahren einmal gehabt. Sie habe auch versucht sich 
umzubringen. Mit dem Messer ins Herz gestochen und ertrinken. Zum Be-
handlungsgespräch vom 12. November 2020 wurde angegeben, die Be-
schwerdeführerin fühle sich heute viel besser als gestern. Gestern sei sie 
verwirrt gewesen, nun nach Ruhe, sei sie wieder normal und wünsche sich 
deshalb auszutreten. Sie sei teilweise verwirrt aufgrund fehlender Liebe, 
die ihr nicht gegeben werde. Oft sei sie isoliert, da sie mit sich selber be-
schäftigt sei. Teilweise fühle sie sich auch bedroht. Die Ärzte konstatierten, 
sie zeige sich im Gespräch inhaltlich nach wie vor wahnhaft, formal ge-
danklich kohärent. Suizidalität und Fremdgefährdung würden verneint. Zur 
Beurteilung, Therapie und Verlauf wurde ausgeführt, es handle sich um 
eine 53-jährige Patientin mit Beeinträchtigungswahn und optischen Halluzi-
nationen. Im Gespräch habe sie sich freundlich und offen gezeigt. Gegenü-
ber Medikation und stationärer Behandlung habe sie sich ablehnend 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 9

gezeigt. Aufgrund fehlender unmittelbarer Fremd- und Selbstgefährdung 
sei sie auf ihren eigenen Wunsch entlassen worden.

3.3 Dr. med. F.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt 
in dem undatierten, am 30. Dezember 2020 bei der Beschwerdegegnerin 
eingegangenen Bericht (act. II 28) hinsichtlich der Diagnose mit Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit fest, diese sei durch den Psychiater zu evalu-
ieren. Die Beschwerdeführerin habe lange im Ausland gelebt und sei in die 
Schweiz zurückgekommen. Sie habe am 20. August 2019 Kontakt mit der 
Praxis aufgenommen und habe einen neuen Hausarzt gesucht sowie die 
Anbindung an die Psychiatriespitex gewünscht, später an den Psychiater. 
Die Arbeitsfähigkeit sei durch den Psychiater zu evaluieren.

3.4 Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
hielt im Bericht vom 27. Januar 2021 (act. II 32) unter der Rubrik "Diagno-
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit" Folgendes fest:

"Seit 2009 schwerwiegende, komplexe Störung psychotischen Ausmasses 
sehr schwierig einzuordnen – da florid psychotische Symptomatik im Nov. 
2020 beobachtbar war. Dies und Anamnese sprechen klar für Diagnose ei-
ner Psychose DD polymorphe psychotische Störung, paranoide Schizo-
phrenie, schizoaffektive Störung. Posttraumatische Störung. In symptom-
armen Phasen: Residualzustand der Psychose?"

Dr. med. D.________ führte aus, seit 2009 habe es Veränderungen gege-
ben. 2010 spirituelles Erleben in …, wohl psychotisch. 2011 sei die Be-
schwerdeführerin eine Woche in … und 2012 drei Wochen in … 
psychiatrisch hospitalisiert gewesen und zwangsmediziert worden (wohl 
manisch/psychotisch). In den folgenden Jahren sei sie in verschiedenen 
Ländern unterwegs gewesen, sie habe sich getrieben, zum Teil verfolgt 
gefühlt (wohl auch psychotischer Zustand; die Beschwerdeführerin sei von 
der Mutter finanziert worden). Phasenweise habe sie auch in der Schweiz 
gelebt ("manisch"). Seit März 2019 sei sie in die Schweiz zurückgekehrt, 
"sesshaft" geworden in …, sie sei zunehmend zur Ruhe gekommen. Sie 
lebe in einer "eigenen Welt". Vom 11. bis 12. November 2020 sei es in psy-
chotischem Zustand zu einer Hospitalisation in den psychiatrischen Diens-
ten E.________ gekommen. Angeblich habe auch bereits im November 
2019 eine Hospitalisation (4. bis 5. November 2019) stattgefunden. Es ge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 10

be keine aktuelle Medikation (die Beschwerdeführerin sei traumatisiert 
durch Zwangsmedikation in … und in …, was sie überhaupt nicht verstan-
den habe, sie habe dies wie eine Vergewaltigung erlebt). Zum Verlauf der 
bisher attestierten Arbeitsunfähigkeiten gab Dr. med. D.________ an, 
"100 % seit Jahren bzw. 2009 bis auf weiteres". Eine "normale" Tätigkeit 
sei der Beschwerdeführerin nicht zumutbar, auch keine beruflichen Einglie-
derungsmassnahmen. Zu den ausführlichen objektiven Befunden auf der 
Basis der erfolgten Untersuchungen hielt Dr. med. D.________ Folgendes 
fest: "In den Tagen nach Hospitalisation (11./12. November 2020) klare 
wahnhaft-psychotische Symptomatik feststellbar, z.T. mädchenhaft wirken-
de Frau mit speziellem Äusseren. Einerseits guter affektiver Rapport und 
Denken formal geordnet; inhaltlich zum Teil auffällig (eigene Welt, "eigene 
Theorien"). Authentische Schilderungen über psychotisches Erleben 2009 - 
2020. Grundsätzlich Symptomatik schwer fassbar."

3.5 Im psychiatrischen Gutachten von Dr. med. C.________ vom 30. 
August 2021 (act. II 53.1) wurde ausgeführt (act. II 53.1/13), dass aus ver-
sicherungspsychiatrischer Sicht diskussionsbedürftig sei, ob eine Schizo-
phrenie ICD-10: F2 vorliege.

Dr. med. C.________ hielt fest (act. II 53.1/14 ff.), in den vorliegenden Un-
terlagen sei 2019 und 2020 der Verdacht auf eine akute polymorph psycho-
tische Störung bei auffälligem Verhalten geäussert worden. 
Differentialdiagnostisch sei eine Schizophrenie zu benennen und der 
Psychiater, der die Beschwerdeführerin seit mehr als einem Jahr behandle, 
spreche von einer "schwerwiegenden komplexen Störung psychotischen 
Ausmasses mit der Differentialdiagnose einer polymorph psychotischen 
Störung, paranoiden Schizophrenie, schizoaffektive Störung oder post-
traumatischen Störung". Die Beschwerdeführerin habe auf Nachfrage noch 
einige Ereignisse benennen können, in denen sie von anderen Menschen 
krank eingeschätzt worden sei, einmal 2012 (richtig: 2011) in …, als man 
ihr vorgeworfen habe, eine … nicht zu bezahlen, die eingeschaltete Polizei 
sie dann in eine psychiatrische Klinik eingewiesen habe, in der sie 
zwangsmediziert worden sei und 2012 in …, in der sie in einem unklaren 
Zustand aufgegriffen, zunächst in ein Gefängnis und später in eine psychia-
trische Klinik, wiederum mit einer Medikation gegen ihren Willen, verwiesen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 11

worden sei. Auch die Ärzte, welche die Beschwerdeführerin in die psychia-
trischen Dienste E.________ im November 2020 eingewiesen hätten, seien 
offensichtlich der Meinung gewesen, eine Behandlung sei zum Schutz der 
Beschwerdeführerin vor selbstgefährdendem Verhalten notwendig. Ande-
rerseits sei die Beschwerdeführerin offensichtlich jeweils rasch aus der 
Behandlung entlassen worden, von … und aus … vermutlich, da sie in die 
schweizerische Heimat überstellt worden sei und in den letzten Jahren, da 
eben keine andauernde gravierende Symptomatik festzustellen gewesen 
sei. Offensichtlich seien zu keinem Zeitpunkt länger andauernde Krank-
heitssymptome (wahnhafte Überzeugungen, Verhaltensauffälligkeiten, 
selbstgefährdendes Verhalten oder anderweitig dokumentierte Besonder-
heiten) zu verzeichnen gewesen, sondern die Beschwerdeführerin sei je-
weils schnell in ihre Selbstbestimmung gelangt und habe ihr Leben, wie sie 
es sich vorgestellt habe, gestaltet. In der aktuellen Untersuchung seien 
eindeutig keine Kriterien für eine schwere Erkrankung aus dem Kapitel 
ICD-10: F2 festzustellen gewesen. Die Beschwerdeführerin könne bei 
adäquatem Affekt nachvollziehbar ihre Situation erklären und gelte deshalb 
in den Augen des Gutachters nicht als an einer Schizophrenie erkrankt.

Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit gab Dr. med. C.________ 
an (act. II 53.1/20), es werde keine Diagnosestellung nachvollzogen, es 
werde entsprechend kein andauernder psychischer Gesundheitsschaden 
gesehen und deshalb sei die Beschwerdeführerin unter Ausschluss einer 
derartigen Erkrankung medizinisch theoretisch arbeitsfähig. Zur Arbeits-
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wurde angegeben (act. II 53.1/20 
f.), eine einfache … wäre zumutbar, hier sei die Dekonditionierung über 
mehr als ein Jahrzehnt als erschwerend zu berücksichtigen, die jedoch im 
Urteil des Gutachters nicht auf einen psychischen Gesundheitsschaden, 
sondern auf einen willentlichen Entscheid, das Leben zu verändern und zu 
reisen, zurückzuführen sei.

3.6 Der behandelnde Psychiater Dr. med. D.________ führte im Ein-
wand vom 12. Oktober 2021 (act. II 61) aus, unerklärlich (und völlig inak-
zeptabel) sei für ihn, dass Dr. med. C.________ zu dieser Einschätzung 
kommen könne, obwohl in den letzten rund zehn Jahren verschiedenste 
Ärzte/Psychiater und psychiatrische Institutionen zur Beurteilung gekom-

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men seien, dass bei der Beschwerdeführerin eine relevante psychische 
Störung vorliege (und eine Behandlungsnotwendigkeit bestünde). Vor rund 
zehn Jahren sei sie in … für eine Woche in einer psychiatrischen Klinik 
behandelt und zwangsmediziert worden (in diesem Zusammenhang habe 
die Beschwerdeführerin einmal erwähnt, dass sie damals wohl manisch 
gewesen sei). Wenig später sei sie in …, als sie ihren (imaginären) Partner 
(Liebeswahn?) in dessen Domizil aufgesucht habe (wohl wegen einem sehr 
auffälligen Verhalten), von der Polizei aufgegriffen und nach fünf Wochen 
Gefängnis (jail) in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert worden, wo sie 
auch wieder zwangsmediziert worden sei (und wohl erst nach drei Wochen 
entlassen worden sei, weil sich die avisierte Mutter für die Repatriierung [in 
die Schweiz] eingesetzt habe). Erst vor kurzem habe sich die Beschwerde-
führerin erinnert, dass sie 2017 – nach ihrer definitiven Rückkehr in die 
Schweiz – für eine Woche in den psychiatrischen Diensten G.________ 
hospitalisiert gewesen sei. Dazu sei es auch im November 2019 und No-
vember 2020 gekommen, als sie jeweils in psychotischem Zustand von 
einem Notfallpsychiater in die psychiatrischen Dienste E.________ habe 
eingewiesen werden müssen und jeweils am nächsten Tag auf ihren 
Wunsch hin entlassen worden sei. Zirka eine Woche nach dieser letzten 
Klinikeinweisung habe er die Beschwerdeführerin bei der Konsultation in 
seiner Praxis noch kaum abgegrenzt vom psychotischen Erleben erlebt und 
sie habe in einer Wahnstimmung davon erzählt, dass sie sich damals vom 
Licht, den Lichtern bedrängt und massiv verängstigt gefühlt habe. Die Be-
schwerdeführerin brauche – nach den letzten sehr getriebenen, gestress-
ten und heimatlosen zehn Jahren – weitere "ruhige" Jahre der Erholung 
und Stabilisierung und dazu eine verlässliche therapeutische Begleitung. 
Die diagnostische Beurteilung sei aufgrund von alledem nicht ganz einfach: 
es bestehe der Verdacht auf eine schwere psychische (psychotische) 
Störung. DD polymorphe psychotische Störung, schizoaffektive Störung. In 
den symptomarmen Phasen könnte es sich um einen Residualzustand 
handeln. Das gesamte Störungsbild könnte auch als Ausdruck einer Post-
traumatischen Belastungsstörung verstanden werden.

3.7 In der Stellungnahme vom 23. November 2021 (act. II 66) zu den 
Ausführungen von Dr. med. D.________ vom 12. Oktober 2021 (act. II 61) 
hielt Dr. med. C.________ fest, die Zuordnung, um was für eine psychische 

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Störung es sich denn in dem Urteil des Behandlers handeln sollte, lasse 
Fragen offen. Es sei in der von Dr. med. D.________ beschriebenen gros-
sen Vagheit keine klare Zuordnung erkennbar. Zum Beispiel wäre ja ein 
Residualzustand bei ansonsten episodisch verlaufender Schizophrenie 
durch deutliche Einbussen des Affektes und des Antriebes gekennzeichnet, 
was weder vom Behandler beschrieben noch vom unterzeichnenden Gut-
achter beobachtet worden sei. Die stationären Behandlungen seien jeweils 
vom 4. bis 5. November 2019 (act. II 34/5 - 7) und vom 11. bis 12. Novem-
ber 2020 (act. II 34/2 - 4) erfolgt, seien also nicht entsprechend gewesen, 
dass die Diagnose durch einen längeren Beobachtungs- und Berichtszeit-
raum validiert worden wäre. Aus der erneuten Perzeption der vorliegenden 
ärztlichen Berichte bis zum Begutachtungsdatum und des nun eingegan-
genen Arztberichtes ergäben sich keine wesentlichen neuen Aspekte, die 
an den Ausführungen im Absatz "Beurteilung und Prognose" des Gutach-
tens oder der Beantwortung der Fragen eine Veränderung ergeben wür-
den. Im Absatz "Beurteilung und Prognose" des Gutachtens sei 
gewissenhaft diskutiert worden, warum der Gutachter zu dem Schluss 
komme, es läge keine durchgehende entsprechende "schwerwiegende 
komplexe Störung psychotischen Ausmasses" vor, und dass die Kriterien 
gemäss internationaler psychiatrischer Klassifikation berücksichtigt worden 
seien. Der Sachverhalt, dass die Beschwerdeführerin womöglich eine kurze 
psychotische Symptomatik, die nicht auszuschliessen im Zusammenhang 
mit Konsumverhalten psychotroper Substanzen aufgetreten sei, erlitten 
habe, müsse mit dem Verlauf ihrer biografischen Daten und der Lebens-
weise in den Zusammenhang gestellt werden. Letztere sprächen eben 
nicht für eine Psychose aus dem Kapitel ICD-10: F2.

3.8 In der im vorliegenden Verfahren eingereichten Stellungnahme vom 
2. September 2022 (im Gerichtsdossier) führte Dr. med. D.________ aus, 
vor kurzem habe ihm die Beschwerdeführerin Original-Unterlagen aus der 
Inhaftierung und Hospitalisation in … von 2012 gebracht. Nach einem Ge-
fängnisaufenthalt (wegen eines auffälligen Verhaltens im Zusammenhang 
mit einem Liebeswahn gegenüber einem bekannten Musiker) sei sie ab 
dem 8. Juli 2012 in einer psychiatrischen Klinik zwangshospitalisiert wor-
den. Die Unterlagen bewiesen, dass die einweisende Psychiaterin eine 
wahnhafte Störung (delusional disorder, erotic subtype) diagnostiziert habe 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 14

und die psychotische Störung derart ausgeprägt gewesen sei, dass eine 
Zwangshospitalisation habe ausgesprochen werden müssen. Bizarre 
Schriftstücke belegten, dass sich die Beschwerdeführerin in einem wahn-
haft-psychotischen Zustand befunden habe. Der ICD-10-Code für die 
wahnhafte Störung sei F22.0. Die "getriebenen Wanderjahre" von zirka 
2011 bis mindestens 2017 seien ein schwerwiegender Hinweis für ein 
chronisches wahnhaft-psychotisches Geschehen, wie es wiederholt auch 
bei Menschen mit einer chronischen Schizophrenie beobachtet werden 
könne. Die Beschwerdeführerin spreche heute davon, dass ihr damals 
Fremdes (fremde Gedanken) eingegeben worden sei und dass es ihr da-
mals chronisch sehr schlecht ergangen sei. Sie sei damals ganz klar krank 
gewesen. "Das Ganze" sei 2011 im Meditationszentrum in … ausgebro-
chen. Die Beschwerdeführerin habe wiederholt sehr glaubhaft bestätigt, 
dass sie keine Drogen und keine psychotropen Substanzen eingenommen 
habe; somit sei ausgeschlossen, dass die wahnhaft-psychotische Sympto-
matik drogeninduziert gewesen sein könnte. Zusammenfassend sei festzu-
halten, dass die Symptomatik der letzten gut zehn Jahre die Diagnosen 
einer wahnhaften Störung (ICD-10: F22) und einer akuten polymorphen 
psychotischen Störung (ICD-10: F23.0) vollends rechtfertige und dass 
gleichzeitig die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung 
überwiegend wahrscheinlich sei.

4.

4.1 Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht (vgl. 
E. 2.6 hiervor) nicht nachgekommen. Die medizinische Aktenlage ist sehr 
dürftig; zeitlich beschränkt sie sich auf die Zeit ab 2019. Vorhanden sind 
zwei Austrittsberichte der psychiatrischen Dienste E.________ vom 6. No-
vember 2019 (act. II 34/5 - 7) und 17. November 2020 (act. II 34/2 - 4), ein 
undatierter, bei der Beschwerdegegnerin am 30. Dezember 2020 einge-
gangener Bericht des Hausarztes Dr. med. F.________ (act. II 28), an den 
die Beschwerdeführerin sich im August 2019 mit dem Anliegen einer An-
bindung an die Psychiatriespitex und später an den Psychiater gewendet 
hatte, sowie Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. med. D.________, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 15

bei dem die Beschwerdeführerin seit dem 21. Januar 2020 in Behandlung 
steht (act. II 19, 32, 61). 

Für die Zeit davor liegen keine medizinischen Unterlagen vor, obwohl Hin-
weise für frühere psychische Probleme vorhanden sind. Der behandelnde 
Psychiater Dr. med. D.________ hatte bereits am 27. Januar 2021 (act. II 
32) davon berichtet, dass die Beschwerdeführerin 2011 eine Woche in … 
und 2012 drei Wochen in … psychiatrisch hospitalisiert gewesen und 
zwangsmediziert worden sei. Weiter hat die Beschwerdeführerin selbst 
dem Gutachter Dr. med. C.________ am 21. Juli 2021 (act. II 53.1/3) von 
einer Einweisung in eine psychiatrische Klinik in … zirka 2010 sowie von 
einer Inhaftierung und einer Einweisung in eine psychiatrische Klinik in … 
im Jahr 2012 erzählt (act. II 53.1/9). Diesen Vorfällen kann für die Beurtei-
lung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit massgebende 
Bedeutung zukommen. Auch wenn sich die Vorfälle im Ausland ereignet 
haben, konnte die Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres davon ausge-
hen, dass diesbezügliche Abklärungen erfolglos gewesen wären. Wie der 
Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. med. D.________ vom 
2. September 2022 (im Gerichtsdossier) zu entnehmen ist, scheint die Be-
schwerdeführerin zumindest zur Inhaftierung und Hospitalisation in … Ori-
ginalunterlagen zu besitzen, von welchen der Behandler offenbar erst 
während des vorliegenden Beschwerdeverfahrens Kenntnis erhalten hat.

Weiter ist nicht klar, ob die Beschwerdeführerin bereits vor 2020 in der 
Schweiz in ärztlicher Behandlung gewesen ist. Abgesehen von einem 
Kurzaufenthalt in den psychiatrischen Diensten E.________ im Jahr 2019 
(act. II 34/5 - 7) und einem Besuch beim Hausarzt im August 2019 mit dem 
Anliegen, an die Psychiatriespitex bzw. den Psychiater angebunden zu 
werden (act. II 28) sowie dem Hinweis, dass die Beschwerdeführerin offen-
bar im Jahr 2017 für eine Woche in den psychiatrischen Diensten 
G.________ hospitalisiert gewesen sei (act. II 61/1), ist nichts aktenkundig. 
Auch diesbezüglich hat die Beschwerdegegnerin keine Abklärungen vorge-
nommen, obwohl es Hinweise für vorbestehende psychische Probleme gab 
und eine allfällige Vorgeschichte für die Beurteilung des Gesundheitszu-
standes ebenfalls wesentlich sein könnte. So wird in der RAD-Besprechung 
vom 13. April 2021 (act. II 39/2) etwa die durch Dr. med. I.________, Fach-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 16

arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, veranlasste ärztliche fürsorgeri-
sche Unterbringung (äFU) erwähnt, ohne dass die entsprechenden Akten 
beigezogen wurden, die Hinweise auf die damalige akute psychische De-
kompensation geben konnten. 

4.2 Damit hat die Beschwerdegegnerin ihre Abklärungspflicht (vgl. 
E. 2.6 hiervor) verletzt und für die Zeit vor 2020 liegt mit Ausnahme des 
Kurzaufenthalts in den psychiatrischen Diensten E.________ ein vollstän-
dig ungeklärter Sachverhalt vor. Folglich wurde auch das psychiatrische 
Gutachten von Dr. med. C.________ vom 30. August 2021 (act. II 53.1; 
inklusive der Stellungnahme vom 23. November 2021 [act. II 66]) basierend 
auf einer unvollständigen Aktenlage erstellt, weshalb der Expertise bereits 
aus diesem Grund keine Beweiskraft (vgl. E. 2.5 hiervor) zukommt.

Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 1. Dezember 
2021 (act. II 68) in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sa-
che an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Unterlagen 
zur Inhaftierung und Hospitalisation in … – welche der Beschwerdeführerin 
gemäss dem Bericht von Dr. med. D.________ vom 2. September 2022 (im 
Gerichtsdossier) offenbar vorliegen – und – soweit möglich – in … einholt. 
Weiter wird sie beispielsweise mittels Edition der Krankengeschichte der 
behandelnden Ärzte und der Leistungsabrechnungen der Krankenversiche-
rung abzuklären haben, ob die Beschwerdeführerin vor 2019 in der 
Schweiz behandelt wurde, insbesondere im Jahr 2017 in den psychiatri-
schen Diensten G.________ bzw. in den psychiatrischen Diensten 
H.________, und dazu allfällige medizinische Unterlagen einholen müssen. 

Sobald die Akten vollständig und bei den behandelnden Ärzten aktuelle 
Verlaufsberichte eingeholt worden sind, wird die Beschwerdegegnerin bei 
einem bisher mit der Sache noch nicht betrauten Psychiater ein Gutachten 
in Auftrag geben müssen, bevor sie erneut über den Leistungsanspruch 
verfügt.

4.3 Damit ist die Verfügung vom 1. Dezember 2021 (act. II 68) in Gut-
heissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist an die Beschwer-
degegnerin zurückzuweisen, damit sie nach Vornahme der Abklärungen im 
Sinne der Erwägungen neu verfüge.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 17

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4).

5.2 Trotz ihres Obsiegens hat die nicht vertretene Beschwerdeführerin 
nach konstanter Praxis keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da 
der Aufwand zur Wahrung ihrer Interessen den Rahmen dessen nicht 
überschritten hat, was die Einzelne üblicher- und zumutbarerweise zur Be-
sorgung ihrer persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat (BGE 
127 V 205 E. 4b S. 207; SVR 2019 KV Nr. 7 S. 51 E. 9.2.1).

5.3 Bei diesem Prozessausgang ist das Rechtsschutzinteresse an der 
Beurteilung des für das Beschwerdeverfahren gestellten Gesuchs um un-
entgeltliche Rechtspflege dahingefallen. Das entsprechende Verfahren ist 
als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben 
(MICHEL DAUM in HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz über die 
Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl. 2020, Art. 39 N. 1).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 1. Dezember 2021 aufgehoben und die Sache an 
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme 
der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2022, IV/22/43, Seite 18

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. 

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.