# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b94aa433-3737-5386-b07e-ae0f0cdc3da2
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-03
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 03.08.2010 BG.2010.10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2010-10_2010-08-03.pdf

## Full Text

Entscheid vom 3. August 2010 
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, 
Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu,  
Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Peter Dietsche,  

 
Beschwerdeführerin 

 
 gegen 
   

1. KANTON THURGAU, Staatsanwaltschaft  
des Kantons Thurgau,  

 
2. KANTON GRAUBÜNDEN, Staatsanwaltschaft 

Graubünden, 
 

Beschwerdegegner 
  
 

Gegenstand  Örtliche Zuständigkeit (Art. 279 Abs. 2 BStP);  
Aufschiebende Wirkung (Art. 218 BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2010.10 
Nebenver fahren: BP.2010.37 
 
 

 

 

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Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 
 

- das Untersuchungsrichteramt des Kantons Thurgau u. a. gegen die Be-
schwerdeführerin eine Strafuntersuchung führt wegen des Verdachts der 
Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis StGB, in deren Rahmen im Ju-
ni 2009 eine Reihe von Vermögenswerten (u. a. solche der Beschwerde-
führerin) beschlagnahmt wurde;  

 
- die Beschwerdeführerin hiergegen ein Beschwerdeverfahren einleitete und 

dabei am 25. August 2009 vor der zweiten kantonalen Beschwerdeinstanz, 
der Anklagekammer des Kantons Thurgau, erstmals die örtliche Zuständig-
keit der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Thurgau bestritt (act. 1.5, 
S. 4 ff.); 

 
- die Beschwerdeführerin gegen den nachfolgenden Beschluss der Anklage-

kammer vom 27. Oktober 2009, mit welchem die Beschlagnahme bestätigt 
wurde, beim Bundesgericht Beschwerde erhob; 

 
- dieses mit Urteil 1B_359/2009 vom 2. März 2010 den angefochtenen Be-

schluss aufhob und die Angelegenheit (bzw. die Frage nach der Recht-
mässigkeit der Beschlagnahme) zur neuen Beurteilung an die Anklage-
kammer des Kantons Thurgau zurückwies; 

 
- sich die Beschwerdeführerin erst am 14. Mai 2010 direkt an das verfah-

rensleitende Untersuchungsrichteramt des Kantons Thurgau wandte, um 
die Einstellung der Strafuntersuchung, eventuell die Überweisung des Ver-
fahrens an die örtlich zuständigen Behörden zu verlangen (act. 1.19); 

 
- das Untersuchungsrichteramt des Kantons Thurgau am 25. Juni 2010 sei-

ne Zuständigkeit bejahte und die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 
am 13. Juli 2010 eine dagegen erhobene Beschwerde der Beschwerdefüh-
rerin abwies (act. 1.1); 

 
- die Beschwerdeführerin hiergegen mit Beschwerde vom 20. Juli 2010 an 

die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangte, wobei sie die 
Aufhebung der angefochtenen Entscheide, die Feststellung der fehlenden 
Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Thurgau, die Ab-
tretung des Verfahrens an die Behörden des Kantons Graubünden sowie 
die Anweisung an das Untersuchungsrichteramt des Kantons Thurgau be-
antragt, bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Zuständigkeitsentscheides 
sämtliche ordentlichen Untersuchungshandlungen zu unterlassen (act. 1); 

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- die Beschwerdeführerin am 20. Juli 2010 (Postaufgabe am 22. Juli 2010) 

ein separates Gesuch um vorsorgliche Massnahme stellt, mit welchem die 
Vornahme sämtlicher ordentlicher Untersuchungshandlungen bis zum Vor-
liegen eines rechtskräftigen Zuständigkeitsentscheides unterbunden wer-
den soll (BP.2010.37, act. 2); 

 
- gemäss Art. 279 Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG und Art. 9 

Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht 
(SR 173.710) gegen den Entscheid der kantonalen Strafverfolgungsbehör-
de über die Gerichtsbarkeit des betreffenden Kantons bei der I. Beschwer-
dekammer Beschwerde geführt werden kann, wobei die Art. 214 bis 219 
BStP hierbei sinngemäss anwendbar sind; 

 
- die Beschwerde entsprechend innert fünf Tagen, nachdem der Beschwer-

deführer vom Entscheid Kenntnis erhalten hat, einzureichen ist (Art. 217 
BStP; vgl. hierzu TPF 2005 139 E. 1.2; eingehend zur Beschwerdefrist 
auch GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafge-
richts zum interkantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, Jusletter 21. Mai 
2007, [Rz 16] m.w.H.); 

 
- die Beschwerde sich jedoch selbst bei Einhaltung der fünftägigen Be-

schwerdefrist als verspätet erweisen kann; 
 

- eine Partei, welche die mit der Strafsache befasste Behörde für unzustän-
dig hält, diese unverzüglich auffordern muss, die Sache der zuständigen 
Behörde zu übermitteln, wobei bei Säumnis das Gleiche gilt (GUI-
DON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 7] m.w.H.); 

 
- die Beschwerdeführerin bereits am 25. August 2009 im Rahmen des gegen 

eine Beschlagnahmeverfügung gerichteten Beschwerdeverfahrens bei der 
obersten kantonalen Beschwerdeinstanz – und somit nicht bei der eigent-
lich zuständigen, verfahrensleitenden Behörde – erstmals die örtliche Zu-
ständigkeit der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Thurgau bestritt; 

 
- die Beschwerdeführerin jedoch erst am 14. Mai 2010 – und somit über acht 

Monate nachdem sie Einwände gegen die örtliche Zuständigkeit hätte ma-
chen können – bei der hierfür zuständigen Behörde die Einrede der Unzu-
ständigkeit erhob;  

 
- dieser Antrag und die nunmehr erfolgte Beschwerdeerhebung gegen den 

Grundsatz von Treu und Glauben erfolgten bzw. sich als verspätet und so-

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mit sofort als unzulässig erweisen, weswegen auf die Anordnung eines 
Schriftenwechsels verzichtet wird (Art. 219 Abs. 1 BStP e contrario); 

 
- selbst im Fall einer Weiterleitungspflicht der Behörden betreffend die Unzu-

ständigkeitseinrede vom 25. August 2009 – jedenfalls spätestens nach Vor-
liegen des Beschlusses der entsprechend angegangenen Anklagekammer 
vom 27. Oktober 2009 – von einer über Monate anhaltenden Säumnis aus-
zugehen wäre, welche die Beschwerdeführerin nicht einfach tatenlos hätte 
hinnehmen dürfen, sondern sie vielmehr zur Erhebung einer entsprechen-
den Säumnisbeschwerde verpflichtet gewesen wäre (vgl. zuletzt den Ent-
scheid des Bundesstrafgerichts BG.2010.3 vom 18. Mai 2010, E. 1.4);  

 
- mit dem Entscheid in der Hauptsache das Gesuch um vorsorgliche Mass-

nahmen bzw. um aufschiebende Wirkung als erledigt von der Geschäfts-
kontrolle abgeschrieben werden kann; 

 
- ein solches Gesuch, wie es von der Beschwerdeführerin gestellt worden ist, 

im Übrigen kaum je gutgeheissen werden kann, schreibt doch das Be-
schleunigungsgebot vor, dass die verfahrensleitende Behörde während den 
Abklärungen der Gerichtsstandsfrage die Strafuntersuchung mit der gebo-
tenen Beschleunigung weiterführt, statt untätig den Ausgang des Gerichts-
standsverfahrens abzuwarten (vgl. den Entscheid des Bundesstrafgerichts 
BK_G 035/04 vom 27. Mai 2004, E. 2.2); 

 
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführerin die Gerichts-

kosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wo-
bei die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 200.-- festgesetzt wird (Art. 245 
Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Ge-
richtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32); 

 
 

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und erkennt: 
 
1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 
 
2. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird als gegenstandslos von der 

Geschäftskontrolle abgeschrieben. 
 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 200.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt. 
 
 

Bellinzona, 3. August 2010 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Peter Dietsche 
- Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 
- Staatsanwaltschaft Graubünden 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.