# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aca68601-56b3-5f34-b385-dd5847f9b0e8
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1981-09-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 01.09.1981 OG ARGVP 1988 3029
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_OG-ARGVP-1988-3029_1981-09-01.pdf

## Full Text

C. Gerichtsentscheide 3028, 3029

der Veräusserer davon Anzeige gemacht hat. Eine solche Anzeige seitens 
des Verkäufers Z. an den Dritten (Beklagten) ist unterblieben (sie kann aller­
dings auch durch den Erwerber als Stellvertreter des Veräusserers erfolgen, 
vgl. Hornberger N. 7 zu Art. 924). Die Voraussetzungen für den Übergang 
des Besitzes an den Erwerber auf Grund einer Besitzanweisung sind daher 
nichterfüllt.

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Eigentums­
erwerb durch den Kläger nicht genügend erwiesen ist. Das Feststellungs­
begehren des Klägers (Ziffer 1 der Klage) erweist sich somit als unbegrün­
det. Daraus folgt aber auch die Unbegründetheit des Begehrens auf Aus­
händigung der Hobelbank.

OGer 23.11.1959 (RBer 1959/60, S .36

1.5 O bligationenrecht und Nebenerlasse 

3029

Vertragsverhandlungen. Culpa in contrahendo bei Verhandlungen 
über den Abschluss eines Mietvertrages (Art. 1 OR).

Das Kantonsgericht hat zu Recht angenommen, dass der Beklagte wäh­
rend der Vertragsverhandlungen die Pflicht zu loyalem Verhalten verletzt 
hat (sog. culpa in contrahendo, vgl. namentlich Guhl/Merz/Kummer, Das 
Schweiz. Obligationenrecht, 1980, S. 92/93, v.Tuhr/Peter, Allg. Teil des 
Schweiz. Obligationenrechts, Bd.l, S. 192/93, Schönenberger/Jäggi, 
N. 583ff. zu Art.1 OR). Wer sich in weittragende Vertragsverhandlungen 
einlässt, ist verpflichtet, den Partner über massgebende Tatsachen aufzu­
klären, z.B. über das Fehlen eines ernstlichen Vertragswillens, die vorbehal­
tene Zustimmung Dritter, den Vorbehalt einer späteren betriebsmässigen 
oder finanziellen Überprüfung.

Die Haftung aus culpa in contrahendo beruht auf der Überlegung, dass 
sich die Parteien während der Vertragsverhandlungen nach Treu und Glau­
ben zu verhalten haben. Sie haben sich überTatsachen zu unterrichten, die 
das Verhalten oder den Entscheid der Gegenpartei beeinflussen können. 
Das Ausmass dieser Aufklärungspflicht hängt von den Umständen des ein­

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C. Gerichtsentscheide 3029, 3030

zelnen Falles ab. Ein doloses Verhalten wird nicht vorausgesetzt. Wer Ver­
handlungen anbahnt und fortführt, ohne die Gegenpartei auf allfällige er­
schwerende oder vertragshindernde Umstände hinzuweisen, haftet auch 
bei fahrlässig illoyalem Verhalten (BGE 105 II 79/80). Einzig bei Formbe­
dürftigkeit eines Vertrages und bei Fahrlässigkeit beider Partner ergeben 
sich gewisse Vorbehalte (BGE 106 II42).

Der vorliegende Mietvertrag war nicht formbedüftig. An sich kann ein 
Mietvertrag über ein Ladengeschäft formlos, d.h. mündlich oder durch 
blosses Übereinkommen in den tatsächlichen Belangen, abgeschlossen 
werden. Der Beklagte wusste von Anfang an, wie es um seinen Laden inX . 
stand und mit welchen Auslagen er ungefähr in Z. zu rechnen hatte; er 
wusste namentlich, dass zum jährlichen Mietzins noch der Zins und allen­
falls eine Abzahlung für das Inventar zu leisten waren. Diese zusätzlichen 
Aufwendungen waren entsprechend der Abnützung auf 6-10%  des An­
schaffungswertes zu veranschlagen. Der Beklagte konnte sich jederzeit 
über diese Aufwendungen bei Dritten erkundigen. Wenn er diese Abklä­
rungen unterliess oder erst unmittelbar vor dem Mietantritt vornahm, han­
delte er grob fahrlässig gegen das Gebot des loyalen Verhaltens bei den 
Vertragsverhandlungen, d.h. gegen das Gebot, bei diesen Verhandlungen 
die legitimen Interessen des Partners zu respektieren und unbegründete 
Aufwendungen oder Auslagen zu vermeiden. Er machte sich damit scha­
denersatzpflichtig (Art. 2 Abs. 1 ZGB).

OGer 1.9.1981 (RBer 1981/82, S. 32)

3030

Kaufvertrag . Nichtigkeit eines Kaufvertrages, der eine Naturarztpraxis im 
Kanton Bern beschlägt, wo die Ausübung der Naturheiltätigkeit verboten 
ist (Art. 20 OR).

Die Praxis des Beklagten umfasste unter anderem auch das Einzugsgebiet 
von Brienz. Da die Ausübung der naturärztlichen Praxis im Kanton Bern ge­
setzlich verboten ist, war die Tätigkeit des Beklagten in Brienz trotz der Dul­
dung durch die dortigen Gemeindebehörden illegal. Folglich konnte diese 
gesetzwidrige Tätigkeit mit all ihren gesetzwidrigen Beziehungen zwi­
schen Naturarzt und Patient kraft Art. 20 Abs. 1 OR nicht zum Gegenstand 
eines Kaufvertrages gemacht werden. Da dies trotzdem geschah, greift die

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