# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49902c1a-f315-5062-90f0-36c3425a16fc
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-01-08
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 08.01.2021 BB.2020.302
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2020-302_2021-01-08.pdf

## Full Text

Beschluss vom 8. Januar 2021 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Miriam Forni und Patrick Robert-Nicoud, 

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter 

   
 

Parteien 

  

BUNDESANWALTSCHAFT,  

 

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

1. A., vertreten durch Rechtsanwalt Marino 

Di Rocco,  

 

2. B. GMBH,  

 

3. C. AG,  

 

4. D. AG,  

 

5. E. AG,  

 

Beschwerdegegner 

 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2020.302 

 

 

 

 

- 2 - 

 

 

BUNDESSTRAFGERICHT, Strafkammer, 

 

 

Vorinstanz 

 

   

Gegenstand  Verfahrenshandlung der Strafkammer 

(Art. 20 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO) 

  

- 3 - 

 

 

Die Beschwerdekammer hält fest, dass: 

 

- die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») am 13. November 2020 bei der 

Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend «Strafkammer») An-

klage im abgekürzten Verfahren erhob gegen A. wegen mehrfachen Dieb-

stahls und mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses 

(Datum der Anklageschrift: 21. Oktober 2020); 

 

- die Strafkammer das unter der Geschäftsnummer SK.2020.54 eröffnete Ver-

fahren mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 sistierte, die Anklageschrift 

samt Akten zur Ergänzung an die BA zurückwies und dieser die Rechtshän-

gigkeit zurückgab (act. 1.1); 

 

- die BA dagegen mit Beschwerde vom 23. Dezember 2020 an die Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts gelangt und hauptsächlich beantragt, 

die Verfügung der Strafkammer vom 15. Dezember 2020 sei aufzuheben und 

die Anklageschrift im abgekürzten Verfahren vom 21. Oktober 2020 sei mit-

samt den Akten zur Durchführung eines ordentlichen Verfahrens an die BA 

zurückzuweisen (act. 1). 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 

 

- gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie gegen Verfahrenshandlungen 

der Strafkammer des Bundesstrafgerichts bei der Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts Beschwerde erhoben werden kann, wobei verfahrens-

leitende Entscheide ausgenommen sind (Art. 393 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 20 

Abs. 1 lit. a StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG); verfahrensleitende Anordnun-

gen der Gerichte nur mit dem Endentscheid angefochten werden können 

(Art. 65 Abs. 1 StPO); 

 

- gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung diese Bestimmungen so aus-

zulegen sind, dass verfahrensleitende Anordnungen der erstinstanzlichen 

Gerichte nur dann mit Beschwerde angefochten werden können, wenn sie 

einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 

lit. a BGG herbeiführen können (BGE 143 IV 175 E. 2.2 S. 177; 140 IV 202 

E. 2.1 S. 204 f.; TPF 2013 69 E. 2.1 S. 70 f.); 

 

- die Einzelrichterin der Strafkammer mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 

das Verfahren in Anwendung von Art. 329 Abs. 2 f. StPO an die Bundesan-

waltschaft zurückgewiesen hat; 
  

- 4 - 

 

 

- es sich dabei um einen verfahrensleitenden Entscheid handelt, gegen den 

die Beschwerde nach der Rechtsprechung zulässig ist, wenn er einen nicht 

wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG be-

wirken kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_211/2018 vom 27. Juni 2018 

E. 2.1); 

 

- es an der Beschwerdeführerin liegt, den nicht wieder gutzumachenden 

Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG darzulegen, wenn dieser nicht 

offensichtlich ist (vgl. zuletzt u.a. Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2020.205 vom 9. Juli 2020 E. 1.3 mit Hinweisen); 

 

- die Beschwerdeführerin (unter dem Titel «Materielles») geltend macht, sei 

das Vorverfahren von ihr im abgekürzten Verfahren weiterzuführen, sei ihr 

jeglicher Handlungsspielraum verwehrt und eine dem Untersuchungsgrund-

satz nach Art. 6 StPO entsprechende Untersuchung zumindest stark beein-

trächtigt bzw. ganz verunmöglicht, gebe die Vorinstanz in der angefochtenen 

Verfügung doch ganz klare Vorgaben, was aus ihrer Sicht angepasst bzw. 

ergänzt werden müsste; sei das Vorverfahren von ihr demgegenüber im or-

dentlichen Verfahren weiterzuführen, bedürfe es hierzu – nachdem sie der 

Durchführung des abgekürzten Verfahrens endgültig und die Parteien eben-

falls unwiderruflich zugestimmt hätten – eines klaren Entscheids der Vo-

rinstanz bzw. eine ausdrückliche Ablehnung des abgekürzten Verfahrens; 

 

- die Vorinstanz mit der angefochtenen Verfügung anordnet, dass die Rechts-

hängigkeit an die Beschwerdeführerin zurückgeht; 

 

- mit der Rückgabe der Rechtshängigkeit an die Staatsanwaltschaft, dieser 

(wieder) die ihr vor Anklageerhebung zustehenden Befugnisse (GRIESSER, 

in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-

schen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, Art. 329 StPO N. 26), die Verfah-

rensherrschaft (vgl. SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen 

Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1285) bzw. die Leitung des Vorverfah-

rens (Art. 16 i.V.m. Art. 299 ff. StPO) zukommen; 

 

- aufgrund der sich aus dem Anklageprinzip ergebenden Trennung der rich-

terlichen Funktion von derjenigen der Anklagebehörde Letztere nicht ver-

pflichtet ist, der Aufforderung des Gerichts zur Ergänzung oder Verbesse-

rung der Anklage nachzukommen (GRIESSER, a.a.O., Art. 329 StPO N. 22); 

  

- 5 - 

 

 

- die Verwendung des Begriffs der Endgültigkeit in Art. 359 Abs. 1 StPO nicht 

ausschliesst, dass die Beschwerdeführerin selbst auf die Frage der Durch-

führung des abgekürzten Verfahrens zurückkommen kann (GREINER/JAGGI, 

Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 359 StPO N. 3); 

 

- nach dem Gesagten weder ersichtlich noch dargetan ist, dass der Beschwer-

deführerin durch die angefochtene Verfügung ein nicht wieder gutzumachen-

der Nachteil droht; 

 

- sich die Beschwerde daher als offensichtlich unzulässig erweist, weshalb auf 

sie ohne Schriftenwechsel nicht einzutreten ist (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO 

e contrario); 

 

- bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind (Art. 423 

Abs. 1 StPO und Art. 21 Abs. 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts 

vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in 

Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]); 

 

- den Beschwerdegegnern keine Aufwendungen entstanden sind; bereits aus 

diesem Grund keine Entschädigungen für das vorliegende Verfahren zuzu-

sprechen sind; 

 

- dieser Beschluss gestützt auf Art. IIIA lit. a des Vertrags vom 13. November 

1969 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesre-

publik Deutschland über die Ergänzung des Europäischen Übereinkommens 

über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 und die Erleichterung 

seiner Anwendung (SR 0.351.913.61) unmittelbar durch die Post an die in 

Deutschland domizilierte B. GmbH übersendet werden kann; 

 

 

 

- 6 - 

 

 

und erkennt: 

 

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

 

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 

3. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen. 

 

 

Bellinzona, 8. Januar 2021 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Bundesanwaltschaft 

- Rechtsanwalt Marino Di Rocco 

- B. GmbH 

- C. AG 

- D. AG 

- E. AG 

- Bundesstrafgericht, Strafkammer 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.