# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c3d3ee0-8b0b-531c-a17b-528ba43df9db
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.10.2022 E-4804/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4804-2022_2022-10-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4804/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Barbara Balmelli, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 17. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

E-4804/2022 

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 12. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl 

nachsuchte, 

dass er gemäss einem Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckda-

tenbank «Eurodac» in Italien illegal eingereist war und dort am 3. Juni 2022 

daktyloskopisch erfasst wurde, 

dass er am 17. Juni 2022 die ihm zugewiesene Rechtsvertretung bevoll-

mächtigte,  

dass die Vorinstanz die italienischen Behörden am 20. Juni 2022 um Über-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom  

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehöri-

gen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) ersuchte, 

dass am 21. Juni 2022 die Personalienaufnahme (PA) stattfand, 

dass der Beschwerdeführer am 24. Juni 2022 im Rahmen des persönlichen 

Gesprächs gemäss Art. 5 Dublin-III-VO ausführte, er sei zwar in Italien von 

den Behörden aufgegriffen und daktyloskopisch erfasst worden, habe aber 

nicht um Asyl nachsuchen wollen; sein Ziel sei die Schweiz gewesen,  

dass die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien schlecht seien 

und er keinen Zugang zur medizinischen Versorgung gehabt habe,  

dass er von Dieben und Drogensüchtigen tätlich angegriffen und beraubt 

worden sei,  

dass er in gesundheitlicher Hinsicht geltend machte, er leide an (…),  (…) 

und (…),  

dass die Vorinstanz den italienischen Behörden am 25. August 2022 mit-

teilte, angesichts des unbeantwortet gebliebenen Übernahmeersuchens 

erachte es Italien als zuständiger Mitgliedstaat, 

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dass er zwei medizinische Dokumentationen des Bundesasylzentrums 

(BAZ) B._______vom 16. August 2022 und 6. September 2022, einen Be-

richt der C._______ vom 24. August 2022, zwei Berichte von Prof. Dr. med. 

D._______, Facharzt FMH für (…), vom 13. und 20. September 2022 sowie 

ein undatiertes Dokument der italienischen Behörden zu den Akten gab, 

dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 17. Oktober 2022 – eröffnet am  

19. Oktober 2022 – auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein-

trat, die Wegweisung aus der Schweiz in den für ihn zuständigen Dublin-

Staat (Italien) anordnete, ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und den zuständigen Kanton 

mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, 

dass sie gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den 

Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu und dem Beschwerde-

führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, 

dass die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung ihr Man-

dat am 20. Oktober 2022 niederlegte,  

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Oktober 2022 beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde erhob, 

dass er mit Eingabe vom 24. Oktober 2022 beantragt, die angefochtene 

Verfügung sei aufzuheben und es sei ein nationales Verfahren durchzufüh-

ren, 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. 

Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass sich die Beschwerde – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offen-

sichtlich unbegründet erweist, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-

nes zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines 

Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),  

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die 

Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-

prüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts 

grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf 

das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 

E. 2.2, je m.w.H.), 

dass der Beschwerdeführer nicht substantiiert, inwiefern die Vorinstanz 

den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt 

habe und solches auch nicht ersichtlich ist, weshalb der Antrag auf erneute 

Anhörung des Beschwerdeführers abzuweisen ist,  

dass auf die Ausführungen des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelein-

gabe zur Verfolgung durch die Taliban in Afghanistan – mithin die Asyl-

gründe – nicht einzugehen ist, da letztere nicht Gegenstand des Verfahrens 

sind,  

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III  

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(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch  

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind,  

dass wenn ein Antragsteller, aus einem Drittstaat kommend, die Land-, 

See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, dieser 

Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist, 

dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Eu-

rodac-Datenbank ergab, dass dieser in Italien illegal in das Hoheitsgebiet 

der Dublin-Staaten eingereist und am 3. Juni 2022 daktyloskopisch erfasst 

worden war, was sich unbenommen von seiner fehlenden Absicht, ein Asyl-

gesuch zu stellen, als zuständigkeitsbegründend erweist (vgl. Art. 13  

Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen der Vorinstanz 

vom 20. Juni 2022 innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen 

Frist unbeantwortet liessen, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit an-

erkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO), 

dass die Zuständigkeit Italiens somit grundsätzlich gegeben ist und vom 

Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird,  

dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung – trotz 

punktueller Mängel – nicht von systemischen Schwachstellen im italieni-

schen Asylsystem im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ausgeht (vgl. 

statt vieler Referenzurteile des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 2022  

E. 10, F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9 und E-962/2019 vom  

17. Dezember 2019 E. 6.3), 

dass für die Übernahme der Zuständigkeit Italiens gestützt auf Art. 3  

Abs. 2 Dublin-III-VO kein Anlass besteht, 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

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dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert wird und die Vorinstanz das Asylgesuch gemäss dieser Be-

stimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn 

dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass der Beschwerdeführer mit seiner Begründung, er sei in Italien von 

Privatpersonen tätlich angegriffen und ausgeraubt worden, implizit die An-

wendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 

1 verlangt, 

dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,  

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967  

(SR 0.142.301) ist und seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätz-

lich nachkommt, 

dass zwar die Unterstützung und die Einrichtungen für Asylsuchende und 

Personen mit Schutzstatus in Italien in der Kritik steht, aber gemäss den 

bisherigen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts davon auszuge-

hen ist, Italien halte die Verfahrens- und Aufnahmerichtlinien ein (siehe 

etwa Referenzurteil des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10; Ur-

teile des BVGer E-3390/2022 vom 15. August 2022 und E-3186/2022 vom 

11. August 2022), 

dass das Gesetzesdekret Nr. 130/2020 vom 21. Oktober 2021 eine umfas-

sende Reform des Aufnahmesystems für Asylsuchende in Italien vorsieht, 

indem zentrale Bestimmungen des sogenannten Salvini-Dekrets geändert 

und ein engverflochtenes Aufnahme- und Integrationssystem implemen-

tiert wurde, 

dass Asylsuchende nach dem Anmeldeverfahren in das Aufnahme- und In-

tegrationssystem SAI (Sistema di accoglienza e integrazione) überführt 

werden, welches nunmehr wieder allen Asylsuchenden – also auch den im 

Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Italien überstellten Personen – offen-

steht, 

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dass Italien ein Rechtsstaat ist, welcher über ein funktionierendes Rechts-

system verfügt und der Beschwerdeführer sich bei einer allfälligen Bedro-

hung durch Privatpersonen an die zuständigen polizeilichen Behörden 

wenden kann, 

dass die vom Beschwerdeführer behauptete unterbliebene Unterstützung 

in einem Einzelfall daran nichts zu ändern vermag,  

dass sich der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe nicht mehr zu 

seinem Gesundheitszustand äussert und die aktenkundigen medizinischen 

Probleme (…) nicht von einer derartigen Schwere sind, als dass eine Über-

stellung nach Italien zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führt (Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.), 

dass Italien im Übrigen über eine ausreichende medizinische Infrastruktur 

verfügt und keine Hinweise vorliegen, wonach dem Beschwerdeführer eine 

adäquate medizinische Behandlung verweigert würde (vgl. Urteil des 

BVGer D-4651/2022 vom 20. Oktober 2022), 

dass es keinen Grund für eine Anwendung von Art. 17 Dublin-III-VO oder 

Art. 29a Abs. 3 AsylV1 gibt und festzuhalten ist, dass die Dublin-III-VO den 

Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat 

selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), 

dass die Vorinstanz demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwer-

deführers nicht eingetreten ist und die Überstellung nach Italien angeord-

net hat,  

dass die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzu-

erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin