# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e859a2b-0737-58d8-bdaf-e290f12ad6c0
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-03
**Language:** de
**Title:** Abstand gegenüber Zonengrenze. Wohngebäude an der Grenze zur Freihaltezone.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0037-0040/2023
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2023-11.pdf

## Full Text

BRGE I Nrn. 0037-0040/2023 vom 3. März 2023 in BEZ 2023 Nr. 11 

in  zwei  verschiedenen  Zonen 

Die  strittige  Baubewilligung  betraf  zwei  Mehrfamilienhäuser,  deren 
(Wohnzone  und 
Baugrundstück 
Freihaltezone).  Die  Bauten  sollten  vollständig  in  der  Wohnzone  zu  liegen 
kommen. Zur Freihaltezone hielten sie jedoch teilweise keinen und im Übrigen 
einen sehr kleinen Abstand ein. Die rekurrierenden Nachbarn machten geltend, 
dass die Bauten einen grösseren Abstand zur Freihaltezone einzuhalten hätten. 

lag 

Aus den Erwägungen: 

4.1  Die  Rekurrierenden  rügen  eine  Verletzung  des  Koordinationsgebots 
und  machen  zusammengefasst  wiedergegeben  geltend,  das  Bauvorhaben 
hätte  einer  Bewilligung  durch  die  Baudirektion  des  Kantons  Zürich  bedurft,  da 
es an der Grenze zur Freihaltezone realisiert werden soll. Sie berufen sich auf 
die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung,  wonach  ein  Bauvorhaben  auch 
betreffend  die  Nachbarzone  zonenkonform  sein  müsse  (BGE  145  I  156). 
Bauten im Baugebiet an der Grenze zwischen Bau- und Nichtbauzone müssten 
generell  einen  gebührenden  Abstand  zur  Nichtbauzone  einhalten,  damit  der 
Zonenzweck  der  Nichtbauzone  erhalten  bleiben  und  eine  schleichende 
Zweckentfremdung vermieden werden könne. (…) 

4.3  Das  kantonale  Recht  kennt  keine  Abstandspflicht  gegenüber 
Zonengrenzen.  Die  neuere  bundesgerichtliche  Rechtsprechung 
leitet  ein 
entsprechendes  Erfordernis  jedoch  unmittelbar  aus  dem  Raumplanungsgesetz 
kantonale  Rechtsprechung,  die  einen 
ist  eine  ältere 
ab.  Damit 
Zonengrenzabstand  unter  Verweis  auf  die 
fehlende  kantonalgesetzliche 
Grundlage  verneint  hatte  (BRKE  I  Nr.  45/1989  =  BEZ  1989  Nr.  21),  überholt. 
Ausgangspunkt  des  erwähnten  Bundesgerichtsentscheids  145  I  156  ist  die 
Feststellung, dass die Nutzung eines Grundstücks durch Überbauung durch die 
Eigentumsgarantie  (Art.  26  Bundesverfassung  [BV])  geschützt  ist,  weshalb 
Beschränkungen die Voraussetzungen von Art. 36 BV zu erfüllen haben, mithin 
auf  einer  ausreichenden  gesetzlichen  Grundlage  beruhen,  im  öffentlichen 
Interesse  liegen  und  verhältnismässig  sein  sowie  die  Kerngehaltsgarantie 
wahren müssen (E. 4.1). Wie das Bundesgericht weiter ausführt, kommt es für 
die  Zulässigkeit  eines  Bauprojekts  entscheidend  auf  dessen  Zonenkonformität 
an  (Art.  22  Abs.  1  lit.  a  RPG),  wobei  nicht  bloss  der  Standort  der  Baute 
massgebend  ist,  sondern  auch  die  Auswirkungen  auf  die  Nachbarzonen  zu 
berücksichtigen  sind  (E.  6.2).  Bei  Bauten,  die  direkt  oder  ganz  nahe  an  die 
Grenze zu einer anderen Zone gestellt werden sollen als jener, in der sie liegen, 
erfordert die Prüfung der Zonenkonformität somit stets auch den Einbezug ihrer 
Auswirkungen auf die Umgebung. Sind nach der allgemeinen Lebenserfahrung 
keine  oder  nur  unbedeutende  Auswirkungen  auf  die  benachbarte  Zone  zu 
erwarten,  genügt  es,  wenn  das  Vorhaben  dem  Zweck  der  Zone  entspricht,  in 
die es zu liegen kommt. Sind dagegen von einer Baute auf oder ganz nahe an 
der  Grenze  Auswirkungen  auf  eine  Nachbarzone  wahrscheinlich,  hat  die 
Baubehörde die Konformität auch mit der benachbarten Zone zu prüfen, da es 
sich  nach  der  gebotenen  wirkungsbezogenen  Betrachtungsweise  um  ein 
grenzüberschreitendes  Vorhaben  handelt.  Eine  Wohnbaute,  die  wegen  ihrer 
Platzierung  an  der  Zonengrenze  Auswirkungen  auf  eine  benachbarte 

 
 
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Landwirtschaftszone hat, muss demnach sowohl die Vorschriften der Bauzone, 
in  der  das  Gebäude  errichtet  wird,  als  auch  jene  der  Landwirtschaftszone 
einhalten (BRGE I Nr. 0202/2020 vom 18. Dezember 2020, E. 4.2 = BEZ 2021 
Nr. 7, m.w.H.). 

4.4  Entgegen  der  rekurrentischen  Meinung  lässt  sich  aus  der  vorstehend 
wiedergegebenen  Rechtsprechung  nicht  ableiten,  dass  Bauvorhaben  an  der 
Grenze zur Freihaltezone generell einen Zonenabstand einzuhalten hätten. Das 
fragliche Urteil betrifft ein Bauvorhaben an der Grenze zur Landwirtschaftszone, 
womit  sich  die  Situation  von  der  vorliegend  zu  beurteilenden  massgeblich 
unterscheidet.  Nach  der  Rechtsprechung 
im  Sinne  einer 
wirkungsbezogenen Betrachtungsweise im Einzelfall darauf abzustellen, ob und 
gegebenenfalls 
in  welchem  Umfang  aufgrund  eines  Bauvorhabens 
Auswirkungen  auf  eine  Nachbarzone  zu  gewärtigen  sind.  Somit  ist  vorliegend 
aufgrund  der  konkreten  Verhältnisse  zu  prüfen,  ob  das  projektierte 
Bauvorhaben den Zweck der Freihaltezone beeinträchtigt.  

ist  vielmehr 

4.5  Für  das  gemäss  Zonenplan  der  kommunalen  Freihaltezone  F 
zugeteilte Gebiet wurde kein besonderer Zweck festgelegt. Gemäss § 61 PBG 
sind  als  Freihaltezonen  oder  Erholungszonen  die  Flächen  auszuscheiden,  die 
für  die  Erholung  der  Bevölkerung  nötig  sind.  Der  Freihaltezone  können  ferner 
Flächen zugewiesen werden, die ein Natur- und Heimatschutzobjekt bewahren 
oder der Trennung und Gliederung der Bauzonen dienen. 

Das  projektierte  Gebäude  1  stösst  an  der  südwestlichen  Ecke  mit  einem 
Pfeiler eines gedeckten Sitzplatzes an die Zonengrenze, während das Gebäude 
2  zur  Zonengrenze  einen  Abstand  von  ca.  20  cm  aufweist.  Innerhalb  des  der 
Freihaltezone  zugeschiedenen  Parzellenbereichs  sind  keine  Bauten  und 
Anlagen  geplant  und  auch  keine  dauerhaften  Installationen  im  Rahmen  der 
Umgebungsgestaltung (wie etwa Wege, Ausstattung etc.) projektiert. 

Nutzung 

bestehen 

Mit  der  Rekursgegnerschaft  ist  einig  zu  gehen,  dass  im  vorliegenden  Fall 
nach  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  keine  oder  höchstens  unbedeutende 
Auswirkungen auf die benachbarte Freihaltezone zu erwarten sind. Zwar muss 
damit  gerechnet  werden,  dass  die  Bewohner  der  künftigen  Wohnbauten  den 
der  Freihaltezone  zugeschiedenen  Umschwung  gelegentlich  betreten  oder 
allenfalls sporadisch für eine Freizeitaktivität nutzen. Dies steht jedoch nicht im 
Widerspruch  zum  Zonenzweck  der  Freihaltezone.  Für  eine  regelmässige, 
intensivere 
Die 
Erdgeschosswohnungen  beider  Wohnhäuser  verfügen  auf  der  Südseite  über 
einen  grosszügigen  gedeckten  Sitzplatz,  die  darüberliegenden  Wohnungen 
über  ebenso  grosszügige  Balkone  bzw.  Terrassen.  Im  nordwestlichen  Bereich 
des  Baugrundstücks  -  auf  der  von  der  Freihaltezone  abgewandten  Seite  - 
befinden sich ausserdem Spiel- und Ruheflächen sowie ein Grillplatz. Wenn die 
Baubehörde aufgrund dieser Sachlage zum Schluss gekommen ist, der Bedarf 
der  Hausbewohner  an  nutzbarem  Aussenraum  werde  innerhalb  der  Bauzone 
gedeckt und es lägen keine Anhaltspunkte für eine zonenwidrige  Nutzung vor, 
ist dies nicht zu beanstanden. Ein zusätzlicher Abstand zur Zonengrenze bzw. 
eine  Verpflichtung  zum  zusätzlichen  Abrücken  der  südseitigen  Gebäudeteile 
wäre  vorliegend  unverhältnismässig  und  hätte  daher  eine  Verletzung  der 

Anhaltspunkte. 

keine 

 
 
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Eigentumsgarantie  zur  Folge.  Demnach  bestand  insoweit  keine  Veranlassung, 
neben  der  baurechtlichen  Bewilligung  der  örtlichen  Baubehörde  eine 
Bewilligung  der  Baudirektion  des  Kantons  Zürich  einzuholen  (vgl.  §  7  Abs.  1 
Bauverfahrensordnung [BVV] i.V.m. Anhang Ziff. 1.2.1 BVV).