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**Case Identifier:** 132518ab-0803-581f-a2f4-9803b66beb8f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-27
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 27.05.2021 200 2021 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-6_2021-05-27.pdf

## Full Text

200 21 6 IV
KOJ/ZID/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 27. Mai 2021

Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiber Zimmermann

A.________
vertreten durch B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 14. Dezember 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1970 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), 
gelernte … und zuletzt im … ihres Ehemannes als … tätig, meldete sich 
erstmals im Februar 2011 unter Hinweis auf eine Multiple Sklerose (MS) 
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug 
an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbei-
lage [AB] 2, 8). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen (unter 
anderem Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 3. Februar 
2012 [AB 20/2 ff.]) sprach die IVB der Versicherten mit Verfügung vom 
9. Mai 2012 (AB 26) bzw. der diese ersetzenden Verfügung vom 23. De-
zember 2014 (AB 27) bei einem in Anwendung des ausserordentlichen 
Bemessungsverfahrens ermittelten Invaliditätsgrad von 52 % eine halbe 
Rente zu.

Im Februar 2015 liess die Versicherte eine Verschlechterung des Gesund-
heitszustands (nebst körperlichen Einschränkungen zusätzlich eine einge-
schränkte Belastbarkeit infolge eines Burnouts und einer Depression) gel-
tend machen (AB 28). Die IVB holte im Rahmen medizinischer und erwerb-
licher Abklärungen ein bidisziplinäres Gutachten (neurologisches Gutach-
ten vom 24. August 2016 [AB 68.1] und psychiatrisches Gutachten vom 
25. August 2016 [AB 67.1]) sowie einen Abklärungsbericht für Selbststän-
digerwerbende (Bericht vom 14. September 2016 [AB 70/2 ff.]) ein. Ge-
stützt darauf wies sie das Erhöhungsgesuch bei einem in Anwendung des 
ausserordentlichen Bemessungsverfahrens ermittelten Invaliditätsgrad von 
53 % mit Verfügung vom 1. November 2016 ab (AB 74).

B.

Mit Revisionsgesuch vom November 2019 machte die Versicherte erneut 
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend und wies zudem 
darauf hin, dass sie nicht mehr erwerbstätig sei (AB 80; vgl. auch AB 91/5 
und 124/2 je unten). Die IVB tätigte Abklärungen in medizinischer und er-

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werblicher Hinsicht, holte eine Beurteilung des Regionalen Ärztlichen 
Dienstes (RAD; Bericht vom 30. April 2020 [AB 115/3 ff.]) sowie einen Ab-
klärungsbericht für Selbstständigerwerbende (Bericht vom 18. August 2020 
[AB 124/2 ff.]) ein und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 
19. August 2020 bei einem in Anwendung der allgemeinen Methode des 
Einkommensvergleichs ermittelten Invaliditätsgrad von 60 % die Ausrich-
tung einer Dreiviertelsrente ab 1. November 2019 in Aussicht (AB 125). 
Nach einwandweiser Geltendmachung einer ganzen Rente (AB 126, 140; 
dies unter Beilage von Stellungnahmen der behandelnden Ärzte) verfügte 
die IVB am 14. Dezember 2020 wie in Aussicht gestellt (AB 142).

C.

Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch die B.________, mit Ein-
gabe vom 5. Januar 2021 Beschwerde erheben und beantragen, unter 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung (AB 142) sei die Sache zur er-
gänzenden medizinischen Beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurück-
zuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. In diesem Zusammen-
hang wurden (unter anderem) zwei Berichte des Zentrums C.________ 
vom 23. Juni und 30. Dezember 2020 (Akten der Beschwerdeführerin, Be-
schwerdebeilage [BB] 6 und 7) eingereicht.

Mit Beschwerdeantwort vom 5. Februar 2021 schloss die Beschwerdegeg-
nerin auf Abweisung der Beschwerde.

Mit der Kostennote vom 16. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin 
einen weiteren Bericht des Zentrums C.________ vom 6. Februar 2021 
(BB 8) ein, welcher in der Folge der Beschwerdegegnerin zugestellt wurde.

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 14. Dezember 2020 
(AB 142). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerde-
führerin und in diesem Zusammenhang die Vollständigkeit der Sachver-
haltsabklärung.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf 
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).

2.3.1 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge-
such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis-
sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung 
des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass 
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine 
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls 
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, 
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) 
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall 

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obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 
117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.3.2 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den 
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit 
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht 
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen 
(oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) 
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert 
haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer 
Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist 
ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der 
Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des 
Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 
E. 2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).

2.3.3 Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit-
punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur 
Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 
E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). 
Wurde die Rente zuvor bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche 
Vergleichsbasis die letzte rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern 
eine materielle Überprüfung des Leistungsanspruches tatsächlich stattge-
funden hat, d.h. eine rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsab-
klärung, eine Beweiswürdigung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für 
eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu-
stands bestanden – ein Einkommensvergleich durchgeführt worden sind 
(BGE 133 V 108 E. 5.4 S. 114; SVR 2019 IV Nr. 68 S. 220 E. 2).

2.3.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 
200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

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2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf das Revisionsgesuch vom Novem-
ber 2019 (AB 80) eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell ge-
prüft. Praxisgemäss ist die Eintretensfrage durch das Gericht daher nicht 
zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Indes ist zu prüfen, ob in den 
tatsächlichen Verhältnissen eine wesentliche Änderung eingetreten ist, die 
geeignet ist, den Invaliditätsgrad in anspruchsbegründender Weise zu be-
einflussen (vgl. E. 2.3.1 f. hiervor). Da die ursprünglich mit Verfügungen 
vom 9. Mai 2012 bzw. 23. Dezember 2014 (AB 26 f.) zugesprochene halbe 
Rente in einem ersten Revisionsverfahren (AB 28 ff.) nach umfassender 
materieller Prüfung bestätigt worden ist, ist hierzu der Sachverhalt im Zeit-
punkt der entsprechenden Verfügung vom 1. November 2016 (AB 74) mit 
jenem bei Erlass der hier angefochtenen Verfügung vom 14. Dezember 
2020 (AB 142) zu vergleichen (vgl. E. 2.3.3 hiervor).

3.2 Die Verfügung vom 1. November 2016 (AB 74) basierte im Wesent-
lichen auf dem neurologischen Gutachten des Dr. med. D.________, 
Facharzt für Neurologie, vom 24. August 2016 (AB 68.1) und dem psychia-
trischen Gutachten des Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und 
Psychotherapie, vom 25. August 2016 (AB 67.1) mitsamt interdisziplinärer 
Besprechung vom 24. August 2016 (vgl. AB 68.1/30 Ziff. VIII, 67.1/19 Ziff. 
VIII).

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3.2.1 Dr. med. D.________ diagnostizierte mit Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit eine schubförmige MS (seit 2005) und ohne Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit eine Migräne ohne Aura (seit ca. 30 Jahren; AB 68.1/19 
f. lit. g, 68.1/27 Ziff. IV.1 f.). Die schubförmigen Ereignisse seien bei der 
Beschwerdeführerin nicht ganz einfach und klar abzugrenzen, die subklini-
sche Krankheitsprogredienz dürfte bei ihr aber im Vordergrund stehen mit 
einer langsamen Verschlechterung insbesondere der Gehfähigkeit und 
damit einhergehend einer Zunahme der Müdigkeit. Dementsprechend zei-
ge sie aktuell in der klinisch-neurologischen Untersuchung hauptbefundlich 
ein deutlich abnormes Gangbild aufgrund der linksbetonten Paraspastik; 
sie benötige mittlerweile zwei Walkingstöcke, um sich ausser Haus sicher 
bewegen zu können. Zusätzlich zeige sie eine deutliche motorische und 
kognitive Fatigue und auch eine abnorme Tagesschläfrigkeit (AB 68.1/23 
oben). Aus neurologischer Sicht sei die angestammte – zumeist stehend 
ausgeführte – Tätigkeit (weiterhin) zu rund 40 % zumutbar; für eine ange-
passte Tätigkeit im Sitzen und mit körperlich lediglich leichten Belastungen 
sei allerdings von einer höheren Arbeitsfähigkeit von aktuell 70 % (ohne 
weitere Einschränkung der Leistungsfähigkeit) auszugehen (AB 68.1/23 
unten, 68.1/30 Ziff. VII.1 f., 68.1/31 lit. D).

3.2.2 Dr. med. E.________ ging aus psychiatrischer Sicht von einem 
nach Durchlaufen eines depressiven Syndroms (Oktober 2014 bis April 
2015) mit stationärer Behandlungsbedürftigkeit und aktuell guter Teilremis-
sion (aus psychischen Gründen) lediglich geringgradig verminderten Leis-
tungsniveau der Beschwerdeführerin aus (AB 67.1/15 Ziff. I): Die depressi-
ve Erkrankung sei klar in Zusammenhang mit der neurologischen Erkran-
kung MS zu sehen, ohne die es vermutlich bei der Beschwerdeführerin, die 
zuvor niemals in ihrem Leben psychische Beschwerden beklagt habe, nicht 
zu einer depressiven Störung gekommen wäre. Somit werde aus versiche-
rungspsychiatrischer Sicht die Diagnose einer anderen psychischen und 
Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung des Gehirns oder einer kör-
perlichen Erkrankung, einer organischen depressiven Störung, aktuell teil-
remittiert (ICD-10 F06.32), gestellt. Die vordiagnostizierte rezidivierende 
depressive Störung (ICD-10 F33) sei dagegen weder formal (es liessen 
sich keine früheren depressiven Episoden und keine symptomfreien Inter-
valle eruieren) noch inhaltlich (es habe keine anhaltend ausgeprägte Sym-

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ptomatik einer eigenständigen affektiven Störung vorgelegen) nachvoll-
ziehbar. Die Beschwerdeführerin wäre aus versicherungspsychiatrischer 
Sicht (rein aufgrund der psychischen Symptomatik) – bezogen auf ein vol-
les Arbeitspensum – allenfalls zu 20 bis 30 % in ihrer medizinisch-
theoretischen Leistungsfähigkeit gemindert, wobei somatische resp. neuro-
logische Faktoren ausser Acht gelassen würden (AB 67.1/12 ff.). 

3.2.3 Interdisziplinär sei auf die neurologische Einschätzung der Leis-
tungsfähigkeit von 40 % in der angestammten und von 70 % in einer ange-
passten Tätigkeit abzustellen, welche die von psychiatrischer Seite attes-
tierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30 % mitenthalte 
(AB 68.1/30 Ziff. VIII, 67.1/19 Ziff. VIII). Die Minderung aus psychiatrischer 
Sicht sei also der neurologisch zu begründenden Minderung zu subsumie-
ren und nicht im Sinne einer Kumulation hinzuzuzählen (AB 67.1/14).

3.3 Was den Gesundheitszustand bzw. die Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit Bezug auf das 
Revisionsgesuch vom November 2019 (AB 80) betrifft, ergibt sich aus den 
Akten im Wesentlichen das Folgende:

3.3.1 Dr. med. F.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 
ging im Bericht vom 29. November 2019 bei unveränderten Diagnosen von 
einem dahingehend verschlechterten Gesundheitszustand aus, als die Be-
schwerdeführerin aufgrund der zunehmenden Gangstörung (mit dauerhaf-
tem Einsatz von Stöcken) nicht mehr arbeiten könne; zudem bestehe neu 
eine Inkontinenz (AB 96/2 f. Ziff. 1 f. und 6). Die angestammte Tätigkeit als 
… sei seit November 2018 nicht mehr zumutbar; eine sitzende Tätigkeit 
könnte die Beschwerdeführerin zu 20 % ausführen (AB 96/3 f. Ziff. 11 ff.).

3.3.2 Dr. med. G.________, Fachärztin für Neurologie, Zentrum 
H.________, diagnostizierte in den Berichten vom 4. November und 24. 
Dezember 2019 insbesondere eine MS, am ehesten primär chronisch pro-
gredient (aufgrund fehlender klarer Schubkorrelate; AB 98/2, 98/9 Ziff. 3; 
vgl. auch AB 112/5 oben). Der Gesundheitszustand habe sich verschlech-
tert (AB 98/9 Ziff. 1). Im Vordergrund stehe eine spastische linksbetonte 
Gangstörung. Seit 2017 benötige die Beschwerdeführerin Stöcke. Sie sei 
fähig, 10 Minuten bzw. wenige 100 Meter zu gehen. Die Feinmotorik sei 

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verlangsamt und sie verspüre einen Dauerschmerz über dem rechten Ge-
säss und lumbal. Der Visus am rechten Auge sei seit Anfang 2018 schwer 
gestört, dies bedingt durch den Pendelnystagmus bzw. die Oszillopsien. 
Seit Juli 2018 bestehe schliesslich eine Blasenstörung mit Selbstkathete-
rismus dreimal täglich (AB 98/3 f., 98/9 Ziff. 4 f.). Der … sei nach einer Er-
krankung des Ehemannes verkauft worden; weder eine Arbeit im … noch 
sonst eine ausserhäusliche Arbeit seien mehr möglich (AB 98/3 unten, 
98/10 Ziff. 11 ff.).

3.3.3 Im Bericht des Spitals I.________ vom 24. März 2020 wurde die 
Diagnose einer primär progredienten MS bestätigt (AB 112/2) und in der 
Anamnese darauf hingewiesen, dass die Gehstrecke mit zwei Stöcken ma-
ximal 120 Meter bzw. ohne solche nur ein paar Meter betrage und keine 
Fatigue bestehe (AB 112/3 unten). 

3.3.4 Die RAD-Ärztin Dr. med. J.________, Fachärztin für Neurologie, 
erachtete in der versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 30. April 
2020 unter Berücksichtigung insbesondere des Berichts des Spitals 
I.________ vom 24. März 2020 (AB 112; vgl. E. 3.3.3 hiervor) eine Ver-
schlechterung des Gesundheitszustands (insbesondere der Gehfähigkeit 
aber auch der Standsicherheit sowie eine Progredienz der Blasenstörung) 
als ausgewiesen (AB 115/4 unten). Die Arbeitsfähigkeit in der letzten beruf-
lichen Tätigkeit sei ab Juli 2018 (bis zu deren Aufgabe im November 2019) 
zu 80 % eingeschränkt gewesen (AB 115/5 Ziff. 2). Alle Tätigkeiten im Ge-
hen und Stehen sowie Tätigkeiten mit häufigem Heben und Tragen von 
Lasten, mit Absturzgefahr, mit Nachtarbeit sowie im Akkord und in 
Zwangshaltungen seien nicht mehr möglich. Hingegen sei die Beschwerde-
führerin in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten – ausschliesslich im Sit-
zen – in geschlossenen Räumen auszuführen. Die Gebrauchsfähigkeit bei-
der Hände sei prinzipiell gegeben, jedoch sollten Tätigkeiten mit hoher Fin-
gerfertigkeit vermieden werden. Kognitive Defizite bestünden nicht. Es soll-
ten aber kurze zusätzliche Pausen, besonders auch für Toilettengänge 
möglich sein. Soweit möglich sollte sich die Beschwerdeführerin die Arbeit 
selbst einteilen können. Die Ausübung einer derartigen Tätigkeit sei fünf 
Stunden pro Tag an fünf Tagen die Woche mit einer Leistungsfähigkeit von 

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90 % möglich. Dieses Zumutbarkeitsprofil gelte ab November 2019 
(AB 115/5 Ziff. 3 f.).

3.3.5 Die Beschwerdeführerin war hauptsächlich wegen der diagnostizier-
ten MS mit/bei am ehesten primär progredientem Verlauf vom 20. Mai bis 
23. Juni 2020 im Zentrum C.________ in stationärer Rehabilitation. 
Gemäss Austrittsbericht vom 23. Juni 2020 (BB 6) habe die Befundauf-
nahme der mit zwei Gehstöcken mobilen Beschwerdeführerin bei Eintritt 
eine starke Zunahme der Parese und Spastik sowie zunehmende Gleich-
gewichtsstörungen ergeben. Bei motorischer Fatigue sei ein Wechsel der 
Medikation erfolgt. Im Verlauf seien ein Geh- und Gleichgewichtstraining 
und ein progressiver Muskelaufbau durchgeführt worden, dies mit Steige-
rung der initial ebenfalls reduzierten Belastbarkeit und Ausdauer sowie 
Verbesserung der Spastik des linken Armes. Die Beschwerdeführerin sei 
bei Austritt in der Lage gewesen, beim Sechs-Minuten-Gehtest eine Stre-
cke von 150 Metern mit Walkingstöcken zurückzulegen (Eintritt: 140 Me-
ter). Das Gangbild zeige sich gegenüber dem Eintritt zwar nicht schneller, 
jedoch einiges sicherer. Neuropsychologisch bestehe eine leichte kognitive 
Störung, weshalb ein regelmässiges kognitives Training empfohlen worden 
sei. Im klinischen Eindruck sei das Arbeitstempo deutlich verlangsamt.

3.3.6 Auf entsprechende Fragen der Rechtsvertretung der Beschwerde-
führerin hin (AB 140/3 f.) verneinte Dr. med. F.________ mit 
Stellungnahme vom 25. September 2020 (AB 140/5) eine Arbeitsfähigkeit 
der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit aufgrund der MS 
(mit Gangstörungen und starken Konzentrationsschwierigkeiten) gänzlich. 
Auch erscheine die RAD-ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in 
einer angepassten Tätigkeit (AB 115/5 Ziff. 3; vgl. E. 3.3.4 hiervor) viel zu 
hoch, sei doch die Beschwerdeführerin bereits mit geringen Hausarbeiten 
teilweise überfordert. Einer solchen, vor allem sitzend ausgeübten Tätigkeit 
könnte die Beschwerdeführerin während einer bis maximal zwei Stunden 
nachkommen; eine weitere Leistungssteigerung sei ihr zurzeit nicht zuzu-
muten.

3.3.7 Ebenfalls in Beantwortung einer Anfrage der Beschwerdeführerin 
(AB 140/6 f.) verneinte Dr. med. G.________ mit Schreiben vom 19. Okto-
ber 2020 (AB 140/8 f.; vgl. auch BB 5/3) eine Arbeitsfähigkeit sowohl in der 

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angestammten als auch einer sonstigen ausserhäuslichen Tätigkeit. Be-
dingt durch die verschiedenen Einschränkungen (in der Mobilität und der 
Handfunktionen, wegen der schweren Blasenstörung und der schweren 
Fatigue [kognitiv wie motorisch], daneben visuelle und auch kognitive [Kon-
zentration und Gedächtnis] Einschränkungen) benötige sie für die alltägli-
chen Verrichtungen sehr viel mehr Zeit als eine gesunde Person; gleichzei-
tig verfüge sie über viel weniger Energie. Selbst die leichteren Haushalts-
arbeiten erfolgten in Etappen mit Pausen dazwischen. In ihrer Situation 
bestehe das primäre Ziel darin, im Alltag selbstständig zu bleiben. So ge-
sehen käme bestenfalls eine ausserhäusliche Tätigkeit in einem kleinen 
Pensum im geschützten Rahmen in Frage, doch sei selbst dies weder 
möglich noch sinnvoll. Das Zumutbarkeitsprofil des RAD (AB 115/5 Ziff. 3; 
vgl. E. 3.3.4 hiervor) sei somit nicht nachvollziehbar.

3.3.8 Auch das Zentrum C.________ nahm mit Schreiben vom 30. De-
zember 2020 (BB 7; zwar erst nach Erlass der vorliegend angefochtenen 
Verfügung, jedoch auf einen davorliegenden Sachverhalt Bezug nehmend) 
Stellung zur RAD-ärztlichen Einschätzung vom 30. April 2020 (AB 115/3 ff.; 
vgl. E. 3.3.4 hiervor). Deren Meinung nach ist die Beschwerdeführerin in 
der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Das körperliche Leis-
tungsprofil einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit (vgl. AB 115/5 Ziff. 3) er-
scheine plausibel. Aufgrund der leichten kognitiven Störung komme eine 
zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von etwa 20 % für Aufga-
ben und Tätigkeiten mit hohen kognitiven Anforderungen hinzu. Diesfalls 
werde eine Arbeitsfähigkeit von vier (statt fünf) Stunden an fünf Tagen pro 
Woche mit einer Leistungsfähigkeit von 80 % (statt 90 %) empfohlen. Bei 
nicht hohen kognitiven Anforderungen werde empfohlen, die Leistungs-
fähigkeit auf 70 % zu reduzieren.

3.3.9 Der weitere stationäre Aufenthalt im Zentrum C.________ vom 
5. Januar bis 6. Februar 2021 (vgl. Austrittsbericht vom 6. Februar 2021 
[BB 8]) ist hier nicht zu beachten, da dieser nach Verfügungserlass – der 
zeitlich massgebenden Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis 
(BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) – erfolgt ist.

3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 13

unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.1 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der 
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen 
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich 
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der 
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder 
Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 
231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.2 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt 
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 
Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354). Sofern RAD-
Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches Gutachten 
(BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderli-
chen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichbaren Beweiswert 
wie ein anderes Gutachten (SVR 2018 IV Nr. 4 S. 12 E. 3.2, 2009 IV Nr. 53 
S. 165 E. 3.3.2). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen 
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-
lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Insbesondere sind 
die von der versicherten Person aufgelegten Berichte der behandelnden 
Ärztinnen und Ärzte mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Fest-
stellungen der versicherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvoll-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 14

ziehbaren Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so 
genügt der pauschale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 
125 V 351 E. 3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Viel-
mehr wird das Gericht entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder 
die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit die-
ser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 
142 V 58 E. 5.1 S. 65, 139 V 225 E. 5.2 S. 229, 135 V 465 E. 4.4 bis 4.6 
S. 469). 

3.4.3 Solange keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich sind, welche die 
Glaubwürdigkeit der Atteste eines Hausarztes oder einer Hausärztin zu 
erschüttern vermöchten, ist es unzulässig, deren Angaben bei der Beweis-
würdigung unter Hinweis auf ihre Stellung und unter Berufung auf die fach-
liche Kompetenz der Ärzte und Ärztinnen einer Universitätsklinik ausser 
Acht zu lassen (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 26. Juli 2011, 
8C_278/2011, E. 5.3). In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll 
jedoch das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass 
Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel-
lung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 
351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). Dies gilt nicht 
nur für den allgemein praktizierenden Hausarzt, sondern ebenso für den 
behandelnden Spezialarzt und erst recht für den schmerztherapeutisch 
tätigen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem Erfor-
dernis, den geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren 
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] 
vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4).

3.5 Mit der signifikanten Verschlechterung des Gesundheitszustands 
(vgl. insbes. AB 115/4) und der Aufgabe des früheren …- und … (vgl. 
AB 91/5 und 124/2 je unten) ist eine Veränderung in den tatsächlichen Ver-
hältnissen eingetreten und sind somit sowohl ein medizinischer als auch 
ein erwerblicher Revisionsgrund erstellt, was denn auch zu Recht unbestrit-
ten ist. Der Rentenanspruch ist somit frei zu prüfen (vgl. E. 2.3.4 hiervor).

3.6 Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung 
vom 14. Dezember 2020 (AB 142) massgeblich auf den Aktenbericht der 
RAD-Ärztin Dr. med. J.________ vom 30. April 2020 (AB 115/3 ff.; vgl. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 15

E. 3.3.4 hiervor) gestützt. Dieser RAD-Bericht basierte im Wesentlichen auf 
den Angaben des Spitals I.________ vom 24. März 2020 (AB 112; vgl. 
E. 3.3.3 hiervor). Dr. med. J.________ hat neben der Hauptdiagnose der 
MS auch Nebendiagnosen wie Oszillopsien und Pendelnystagmus berück-
sichtigt (AB 115/3 f.; vgl. auch AB 112/5). Soweit sie keine Fatigue erwähnt 
hat, stimmt dies überein mit der entsprechenden Feststellung des Spitals 
I.________ (AB 112/3 unten). Von daher ist der RAD-Bericht aktenmässig 
durchaus abgestützt. Darüber hinaus bestehen indessen massgebliche 
Zweifel im Sinne der in E. 3.4.2 hiervor zitierten Rechtsprechung an der 
Einschätzung des RAD:

3.6.1 So vermag das RAD-ärztliche Zumutbarkeitsprofil (AB 115/5 Ziff. 3) 
schon deshalb nicht zu überzeugen, weil zwar die in Frage kommenden 
Tätigkeiten detailliert beschrieben werden, es indessen sowohl für die zeit-
liche (fünf Stunden an fünf Tagen pro Woche) wie auch für die leistungs-
mässige Komponente (90 %) an jeglicher Begründung fehlt.

3.6.2 Zwischen dem – vom RAD (wie erwähnt) als massgeblich bezeich-
neten – Bericht des Spitals I.________ vom 24. März 2020 (AB 112) und 
dem Erlass der angefochtenen Verfügung am 14. Dezember 2020 (AB 142) 
vergingen alsdann knapp neun Monate. In diesen Zeitraum fallen zunächst 
die Berichte der Dres. med. F.________ und G.________, welche einen 
deutlich schlechteren Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin be-
schreiben und auch eine wesentlich geringere Leistungsfähigkeit attestie-
ren (AB 140/5 und 140/8; vgl. E. 3.3.6 f. hiervor).

3.6.3 Hinzu kommen sodann die im vorliegenden Beschwerdeverfahren 
eingereichten Berichte des Zentrums C.________ (BB 6 f.; vgl. E. 3.3.5 und 
3.3.8 hiervor). Im Austrittsbericht vom 23. Juni 2020 (BB 6) werden u.a. 
eine motorische Fatigue, ein im klinischen Eindruck deutlich und in der neu-
ropsychologischen Testung leicht verlangsamtes Arbeitstempo sowie eine 
leichte kognitive Störung erwähnt. Letztere begründet gemäss 
Prof. Dr. med. K.________, Facharzt für Neurologie, und der Assistenzärz-
tin Dr. med. L.________, im Medizinalberuferegister ohne anerkannten 
Facharzttitel verzeichnet (vgl. <https://www.medregom.admin.ch/>), bei 
hohen kognitiven Anforderungen eine zusätzliche Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit von 20 % und sie halten fest, die Arbeitsfähigkeit in einer an-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 16

gepassten Tätigkeit sei jedenfalls in Abhängigkeit von den kognitiven An-
forderungen festzusetzen (BB 7). Dieser Faktor wurde im RAD-Bericht vom 
30. April 2020 nicht berücksichtigt, hielt doch Dr. med. J.________ im Ge-
genteil und ohne weitere Begründung ausdrücklich fest, es beständen kei-
ne kognitiven Defizite (AB 115/5). Tatsächlich aber haben schon früher Dr. 
med. D.________ und aktuell auch Dr. med. G.________ eine motorische 
und kognitive Fatigue (AB 68.1/23 oben, 140/8 unten) bzw. Dres. med. 
F.________ und G.________ Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkei-
ten (AB 140/5 ad 1, 140/8 unten) festgestellt.

3.7 Nach dem Dargelegten kann nicht auf die Einschätzung des RAD 
abgestellt werden, zumal diesem die beschwerdeweise eingereichten Be-
richte im vorliegenden Verfahren auch nicht zur Stellungnahme unterbreitet 
worden sind. Es kann aber auch nicht unbesehen auf die Berichte der be-
handelnden Ärzte abgestellt werden. Abgesehen von dem in E. 3.4.3 hier-
vor Ausgeführten erlauben diese Berichte schon deshalb keine abschlies-
sende Beurteilung, weil die darin gemachten Einschätzungen der Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit doch stark voneinan-
der abweichen: Während Dres. med. F.________ und G.________ die Be-
schwerdeführerin kaum mehr als arbeitsfähig erachten (AB 96/4 Ziff. 13 f., 
98/10 Ziff. 14, 140/5 ad 2, 140/8 f. Ziff. 2), wird ihr vom Zentrum 
C.________ eine doch beachtliche Arbeitsfähigkeit attestiert (BB 7/1 f. Ziff. 
2 f.). Der medizinische Sachverhalt erweist sich damit als ungenügend ab-
geklärt. Damit ist die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer 
angepassten Tätigkeit im Rahmen einer fachärztlichen (neurologi-
schen/neuropsychologischen) Begutachtung zu bestimmen. Zu diesem 
Zweck ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche 
anschliessend über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu 
befinden hat.

3.8 Dieses Vorgehen entspricht dem Antrag der Beschwerdeführerin. 
Deren Anspruch auf zumindest die bereits zugesprochene Dreiviertelsrente 
ab November 2019 (vgl. dazu Abklärungsbericht für Selbstständigerwer-
bende vom 18. August 2020, Ziff. 4 [AB 124/4]) ist zudem zu Recht unbe-
stritten und ausgewiesen. Damit erübrigt sich ein Hinweis auf eine allfällige 
Schlechterstellung (vgl. BGE 137 V 314 E. 3.2.4 S. 320).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 17

3.9 Nach dem Dargelegten ist in Gutheissung der Beschwerde die an-
gefochtene Verfügung vom 14. Dezember 2020 (AB 142) aufzuheben. Die 
Akten sind zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der vorstehenden 
Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerde-
gegnerin zurückzuweisen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(vgl. BVR 2009 S. 187 E. 4). Der von der Beschwerdeführerin geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist ihr nach Eintritt der Rechtskraft des Ur-
teils zurückzuerstatten.

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts wird der Parteikostenersatz 
bei gemeinnützig tätigen Rechtsberatungsstellen sowie Rechtsschutzversi-
cherungen, Gewerkschaften und Berufsverbänden aufgrund eines allge-
meingültigen pauschalisierten Stundenansatzes festgesetzt, welcher im 
konkreten Fall mit dem gebotenen Aufwand multipliziert wird. Der Stunden-
ansatz wird je nach fachlicher Qualifikation der Vertretung festgelegt, wobei 
als fachlich qualifizierte Vertretung diejenige durch Juristinnen und Juristen 
sowie durch eidgenössisch diplomierte Sozialversicherungsexpertinnen 
und -experten gilt. Als fachlich nicht qualifizierte Vertretung gelten alle übri-
gen Parteivertreterinnen und -vertreter (vgl. Rundschreiben der Sozial-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 18

versicherungsrechtlichen Abteilung und der Abteilung für französischspra-
chige Geschäfte des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. De-
zember 2009, abrufbar unter www.justice.be.ch). Im Falle der Vertretung 
durch eine Rechtsschutzversicherung wird der Stundenansatz bei einer 
fachlich qualifizierten Vertretung auf Fr. 180.-- festgelegt.

Vorliegend wurde die Beschwerdeführerin durch Rechtsanwältin 
M.________ von der B.________ vertreten. Mit Kostennote vom 16. Fe-
bruar 2021 wurde ein Aufwand von 4.25 Stunden à Fr. 230.-- zuzüglich 
Auslagen von Fr. 8.30 geltend gemacht. Der geltend gemachte Aufwand ist 
nicht zu beanstanden. Multipliziert mit dem Stundenansatz von Fr. 180.-- 
resultiert ein Honorar von Fr. 765.--. Unter zusätzlicher Berücksichtigung 
der Auslagen von Fr. 8.30 wird die Parteientschädigung damit auf 
Fr. 773.30 festgesetzt; diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin der Be-
schwerdeführerin zu ersetzen.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 14. Dezember 2020 aufgehoben und die Sache an 
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme 
der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihr nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 773.30 (inkl. Auslagen), zu ersetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/21/6, Seite 19

4. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.