# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a7c413f-a23d-568c-a3b3-0ea70cefaefd
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240041-O1
**Docket/Reference:** SB240041-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240041-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240041-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. M. Langmeier, 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. J. Stark sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw F. Herren

Urteil vom 19. März 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,

Anklägerin und I. Berufungsklägerin (betreffend Beschuldigte 2 und 3)

gegen

1.

2.

3.

...

A._____,

B._____,

Beschuldigte und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungskläger (Beschul-

digter 2) und II. Berufungskläger (Beschuldigter 3)

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____, 

3 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X2._____,

betreffend Angriff etc.

Berufung gegen zwei Urteile des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 6. September 2023 (DG220232)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 31. Oktober 

2022  i.S.  A._____  (Urk. 24/18)  sowie  die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft I 

des Kantons Zürich vom 5. Dezember 2022 i.S. B._____ (Urk. 25/19) sind diesem 

Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz i.S. A._____:
(Urk. 132)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig







des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB (Dossier 1),

der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 2 StGB (Dossier 1),

des geringfügigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im 

Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 2, 

02.05 Uhr C._____ [Bistro], Fr. 40.–zu Lasten D._____). 

2.

Im Übrigen wird der Beschuldigte vom Vorwurf des teilweise versuchten betrügerischen 

Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB teilweise 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freigesprochen (Dossier 2).

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 19 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis und mit heute 

209 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 200.–.

4.

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-

heitsstrafe von 4 Tagen.

5.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-

setzt. 

6.

7.

Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.

Die unter den Referenz-Nr. K10605-022 / 80387673 lagernden DNA-Spuren-Asservate und 

Fotografien werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen, sofern diese nicht für andere Verfahren benötigt werden.

-   3   -

8.

Es wird Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbegehren des 

Privatklägers E._____ im Umfang von Fr. 1'162.75 zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juli 2021 in 

solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern anerkannt hat.

9.

Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern verpflichtet, dem 

Privatkläger E._____ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juli 2021 als Genugtuung zu be-

zahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

10.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

2'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:

2'100.00   Gebühr Strafuntersuchung

310.00   Kosten Kantonspolizei Zürich

2'878.35   Gutachten/Expertisen etc.

16'052.70   amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

11.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden im Umfang von vier Fünfteln dem Beschuldigten aufer-

legt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen.

12.

Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____, wird mit Fr. 16'052.70 (inkl. 

MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung im Um-

fang von vier Fünfteln gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

13.

Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern verpflichtet, dem 

Privatkläger E._____ eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 3'499.30 (inkl. MwSt.) 

für anwaltliche Vertretung zu bezahlen.

14.

(Mitteilungen)

15.

(Rechtsmittelbelehrung)"

-   4   -

Urteil der Vorinstanz i.S. B._____:
(Urk. 133)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte B._____ ist schuldig





des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB sowie

der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 2 StGB. 

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 

3.

4.

5.

196 Tage durch Haft erstanden sind.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.

Die unter den Referenz-Nr. K10605-022 / 80387673 lagernden DNA-Spuren-Asservate und 

Fotografien werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen, sofern diese nicht für andere Verfahren benötigt werden.

6.

Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern verpflichtet, dem 

Privatkläger E._____ Schadenersatz von Fr. 1'162.75 zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juli 2021 

zu bezahlen.

7.

Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern verpflichtet, dem 

Privatkläger E._____ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juli 2021 als Genugtuung zu be-

zahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

8.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

2'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:

2'100.00   Gebühr Strafuntersuchung

450.00   Kosten Kantonspolizei Zürich

1'121.70   Gutachten/Expertisen etc.

26'081.05   amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

9.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.

-   5   -

10.

Die amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. X2._____, wird mit Fr. 26'081.05 (inkl. 

MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO.

11.

Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern verpflichtet, dem 

Privatkläger E._____ eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 3'499.30 (inkl. MwSt.) 

für anwaltliche Vertretung zu bezahlen.

12.

(Mitteilungen)

13.

(Rechtsmittelbelehrung)"

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 3 f.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten A._____ (Urk. 150 S. 2; Urk. 167 S. 2; 

Prot. II S. 7):

1.

2.

3.

Die Anträge der Staatsanwaltschaft seien abzuweisen.

Der Beschuldigte sei mit max. 8 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.

Die Kosten des Verfahrens, inklusive derer der amtlichen Verteidigung seien 

auf die Staatskasse zu nehmen.

4.

Die Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen sollte 2 Tage betragen.

b)

Der Verteidigung des Beschuldigten B._____ (Urk. 144 S. 2; Urk. 168 S. 1):

1.

Dispositiv-Ziff. 1 alinea 2 (qualifizierte einfache Körperverletzung), Dispositiv-

Ziff. 2 und 3 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben.

2.

B._____ sei des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig zu 

sprechen.

3.

B._____ sei von der qualifizierten einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 

Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB freizusprechen.

-   6   -

4.

B._____  sei  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  12  Monaten  zu  bestrafen.  Die 

erstandene Haft von 196 Tagen sei anzurechnen. Zudem seien für die ange-

ordneten Ersatzmassnahmen weitere 30 Tage anzurechnen.

5.

Der Vollzug der  Strafe sei  aufzuschieben und  die Probezeit auf  zwei Jahre 

festzusetzen.

6.

Von der Anordnung einer Landesverweisung sei abzusehen.

c)

1.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.

Der Staatsanwaltschaft (Urk. 137 S. 1; Urk. 139 S. 1; Urk. 166 S. 1):

A._____ sei des Angriffs gemäss Art. 134 StGB, der qualifizierten einfachen 

Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB sowie 

des geringfügigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsan-

lage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen.

2.

A._____ sei für 5 Jahre des Landes zu verweisen und die Landesverweisung 

im Schengener Informationssystem auszuschreiben.

3.

B._____ sei des Angriffs gemäss Art. 134 StGB sowie der qualifizierten ein-

fachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB 

schuldig zu sprechen.

4.

B._____ sei für 5 Jahre des Landes zu verweisen und die Landesverweisung 

im Schengener Informationssystem auszuschreiben.

5.

Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.

-   7   -

Erwägungen:

1.

Verfahrensgang

1.1. Mit  den  vorstehend  wiedergegebenen  Urteilen  vom  6.  September  2023 

(zwei von drei im selben Verfahren gegen drei Mitbeschuldigte gleichzeitig ergan-

gene  Urteile)  sprach  die  Vorinstanz  den  Beschuldigten  A._____  (im  Folgenden: 

A._____)  des  Raufhandels,  der  qualifizierten  einfachen  Körperverletzung  sowie 

des  geringfügigen  betrügerischen  Missbrauchs  einer  Datenverarbeitungsanlage 

schuldig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten, bedingt aufge-

schoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 200.–. 

Von der Anordnung einer Landesverweisung wurde abgesehen. Der Beschuldigte 

B._____ (im Folgenden: B._____) wurde des Raufhandels sowie der qualifizierten 

einfachen  Körperverletzung  schuldig  gesprochen  und  mit  einer  vollziehbaren 

Freiheitsstrafe  von  18  Monaten  bestraft.  Auch  bei  ihm  wurde  keine  Landesver-

weisung  angeordnet.  Beide  Urteile  wurden  den  Parteien  im  Anschluss  an  die 

Hauptverhandlung mündlich eröffnet (Urk. 132, 133; Prot. I S. 87).

1.2. Am 8. September 2023 meldete die Staatsanwaltschaft gegen beide Urteile 

Berufung  an  (Urk.  115,  116),  und  am  15.  September  2023  auch  die  amtliche 

Verteidigerin  von  B._____  gegen  das  diesen  betreffende  Urteil  (Urk.  117).  Nach 

Zustellung der begründeten Urteile reichte die Staatsanwaltschaft dem Obergericht 

unter dem 31. Januar 2024 in beiden Fällen die Berufungserklärung ein (Urk. 137, 

139). Die Berufungserklärung der Verteidigung von B._____ folgte am 6. Februar 

2024 (Urk. 144). Alle Eingaben erfolgten fristgerecht.

1.3. Mit  Präsidialverfügung  vom  9.  Februar  2024  wurde  den  Parteien  je  ein 

Doppel  der  verschiedenen  Berufungserklärungen  zugestellt  und  Frist  angesetzt, 

um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf eine 

Berufung  zu  beantragen 

(Urk.  146).  Am  26.  Februar  2024 

teilte  die 

Staatsanwaltschaft mit, auf eine Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 148). Mit 

Eingabe  vom  1.  März  2024  erhob  der  amtliche  Verteidiger  von  A._____ 

Anschlussberufung (Urk. 150). Am 7. März 2024 hielt die Verteidigerin von B._____ 

-   8   -

an 

ihrer  eigenen  Berufung  ausdrücklich 

fest  und  verzichtete  auf  eine 

Anschlussberufung (Urk. 151). 

1.4. Am  3.  Januar  2025  wurden  die  Parteien  auf  den  19.  März  2025  zur 

Berufungsverhandlung vorgeladen. Die Vorladung für A._____ an dessen gemäss 

vorinstanzlichem Verfahren letztbekannte Adresse wurde dem Gericht von der Post 

wieder retourniert, weil A._____ als Empfänger nicht ermittelt werden konnte. Eine 

zweite  Zustellung  an  die  vom  Gericht  über  die  Einwohnerkontrolle  ermittelte 

Adresse  wurde  nicht  abgeholt;  gleiches  geschah  auch  mit  der  an  B._____ 

zugestellten Vorladung (Urk. 152 - 154). 

1.5. Am  14.  März  2025  reichte  die  Verteidigerin  des  Beschuldigten  B._____ 

vorgängig  zur  Berufungsverhandlung  eine  Eingabe  betreffend  die  persönlichen 

Verhältnisse von B._____ ein (Urk. 162 und 163/1-11). 

1.6.

Zur  heutigen  Verhandlung  erschienen  der  Beschuldigte  A._____  (mit 

Verspätung)  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers  Rechtsanwalt  Dr.  iur. 

X1._____, der Beschuldigte B._____ in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin 

Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ sowie der Staatsanwalt lic. iur. F._____ und die 

Staatsanwältin  MLaw  G._____  (Prot.  II  S.  3  ff.).  Vorfragen  waren  keine  zu 

entscheiden,  und  abgesehen  von  der  Einvernahme  der  beiden  Beschuldigten 

waren auch keine Beweise abzunehmen. Den Beweisanträgen von Rechtsanwältin 

X2._____ ist nicht zu folgen, wie nachfolgend aufgezeigt wird. Das Verfahren ist 

spruchreif.

2.

Umfang der Berufung

2.1. Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Rahmen  der  Berufungsanträge  gehemmt,  während  die  von  der  Berufung  nicht 

erfassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-BÄHLER, 3. Aufl., 2023, 

Art. 402 N 1 f.).

2.2. Die  Staatsanwaltschaft  beantragt  in  beiden  Fällen  berufungsweise  einen 

Schuldspruch wegen Angriffs anstelle des Raufhandels und die Anordnung je einer 

-   9   -

Landesverweisung  (Urk.  137,  139).  B._____  liess  für  sich  zunächst  einen 

vollumfänglichen Freispruch beantragen und focht das gegen ihn ergangene Urteil 

in  allen 

ihn  beschwerenden  Punkten  an 

(Urk.  144).  Anlässlich  der 

Berufungsverhandlung  beschränkte  er  seine  Berufung  auf  den  Schuldspruch 

betreffend  die  qualifizierte  einfache  Körperverletzung,  das  Strafmass  und  den 

Vollzug  der  Strafe  (Urk.  168).  A._____  möchte  anschlussberufungsweise  vom 

Vorwurf der qualifizierten einfachen Körperverletzung freigesprochen werden und 

beantragt damit einhergehend eine Reduktion der Strafe. Ebenso ficht er die von 

der Vorinstanz für die Busse von Fr. 200.– angesetzte Ersatzfreiheitsstrafe von 4 

Tagen an (Urk. 150). Als Folge dieser Ausgangslage sind die folgenden Punkte der 

jeweiligen Urteile bereits in Rechtskraft erwachsen:

Urteil A._____:

-

-

-

-

-

-

Dispositivziffer  1,  3.  Spiegelstrich  (Schuldspruch  wegen  geringfügigen 

betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Dossier 2)

Dispositivziffer 2 (Freispruch vom Vorwurf des geringfügigen betrügerischen 

Missbrauchs  einer  Datenverarbeitungsanlage  in  den  übrigen  Fällen  des 

Dossiers 2)

Dispositivziffer 3, soweit die Busse von Fr. 200.– betreffend

Dispositivziffer 7 (weiteres Vorgehen betreffend Beweismaterial)

Dispositivziffern  8  und  9  (Schadenersatz  und  Genugtuung  für  den  Privat-

kläger)

Dispositivziffern 10 bis 13 (Kosten- und Entschädigungsfolgen)

Urteil B._____:

-

-

-

Dispositivziffer 5 (weiteres Vorgehen betreffend Beweismaterial)

Dispositivziffern  6  und  7  (Schadenersatz  und  Genugtuung  für  den  Privat-

kläger)

Dispositivziffern 8 bis 11 (Kosten- und Entschädigungsfolgen)

Der  Eintritt  der  Rechtskraft  dieser  Punkte  ist  vorab  festzustellen  (Art. 399  Abs. 3 

StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).

-   10   -

2.3.

In  den  übrigen  Punkten  stehen  die  angefochtenen  Entscheide  unter 

Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) grundsätzlich zur 

Disposition.  In  den  angefochtenen  Punkten  überprüft  das  Berufungsgericht  das 

erstinstanzliche Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

3.

Formelles

3.1.

In ihrer Eingabe vom 7. März 2024 lässt sich die Verteidigerin von B._____ 

darüber aus, dass die Staatsanwaltschaft lediglich in den Fällen ihres Klienten so-

wie von A._____ Berufung erhoben habe, den gleichzeitig auch gegen H._____ (im 

Folgenden:  H._____)  aufgrund  des  gleichen  Vorfalls  ergangenen  Schuldspruch 

wegen Raufhandels aber unangefochten lasse. So nehme die Staatsanwaltschaft 

"ohne Not" die Gefahr sich widersprechender Urteile in Kauf und bringe gleichzeitig 

zum Ausdruck, dass die Würdigung des angeklagten Sachverhalts als Raufhandel 

auch  für  die  Staatsanwaltschaft  akzeptabel  und  nachvollziehbar  erscheine 

(Urk. 151 S. 2). Der zuständige Staatsanwalt führte dazu in der Berufungsverhand-

lung aus, der Mitbeschuldigte H._____ habe nebst dem angeklagten Angriff weitere 

schwere Delikte begangen. Er sei erstinstanzlich zu einer mehrjährigen Freiheits-

strafe und einem Landesverweis verurteilt worden, was er nicht angefochten habe. 

Der Staatsanwaltschaft habe das genügt und sie habe nicht in Berufung gehen und 

die Justiz unnötig belasten wollen (Prot. II S. 9).

Es ist nicht klar, was die Verteidigerin aus ihren Vorbringen ableiten will. Es 

obliegt  der  Staatsanwaltschaft,  selbst  zu  entscheiden,  in  welchen  Fällen  sie 

Berufung  erheben  will  oder  nicht.  Zwar  mag  es  dogmatisch  als  etwas  störend 

erscheinen, im ein und demselben Verfahren über den ein und denselben Vorfall 

beim einen Beschuldigten eine bestimmte rechtliche Würdigung anzufechten und 

beim andern nicht. Der pragmatische Hintergrund des Vorgehens der Staatsanwalt-

schaft ist jedoch klar und auch nachvollziehbar: Offensichtlich geht es der Staats-

anwaltschaft mit den vorliegenden Berufungen im Resultat vor allem auch um die 

Frage der obligatorischen Landesverweisung, die sich nur im Falle eines Schuld-

spruchs wegen Angriffs stellt (Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB). Vor diesem Hintergrund 

war  eine  Berufung  der  Staatsanwaltschaft  im  Fall  von  H._____  nicht  "nötig",  da 

dieser zusätzlich zur Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 67 Monaten wegen 

-   11   -

unzähliger Delikten bereits mit einem Landesverweis für 10 Jahre belegt worden ist 

(Urk. 134).

3.2. Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhalts  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen  wird,  erfolgt  dies  in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.3. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  und  muss  sich  nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen und diese widerlegen (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7 m.w.H.).

4.

Sachverhalt

4.1. Der  massgebliche  Anklagesachverhalt  ist  insbesondere  durch  die  in  den 

Akten 

liegende,  40-sekündige  Videoaufnahme  erstellt  (Urk.  D1/2/11).  Die 

Aufnahme wurde durch einen Passanten mit einem Mobiltelefon von der dem Tatort 

gegenüberliegenden  Strassenseite  erstellt  und  der  Polizei  zugespielt  (Urk.  D1/1 

S. 5; D1/6/1). Im Sinne der zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist die Auf-

zeichnung verwertbar (Urk. 132 S. 7 ff.; Urk. 133 S. 8 ff.), entgegen der Kritik der 

Verteidigerin  von  B._____  (der  Verteidiger  von  A._____  stellt  die  Verwertbarkeit 

nicht in Frage).

4.2. Beide Beschuldigten stellen ihre Täterschaft und ihren auf der Videoaufnahme 

erkennbaren Tatbeitrag denn auch grundsätzlich nicht (mehr - B._____ hatte dies 

vor Vorinstanz noch bestreiten lassen) in Abrede (Urk. 164 S. 7 ff.; Urk. 165 S. 11 

ff.). Lediglich betreffend den eingeklagten Schlag mit der Flasche macht die Vertei-

digung von B._____ geltend, er habe die Flasche seitlich vorbei am Privatkläger 

auf den Boden geworfen (Urk. 168 S. 2). 

4.3. Die Vorinstanz hat den Inhalt der Videoaufnahme ausführlich und grundsätz-

lich zutreffend beschrieben (Urk. 132 S. 15-17; Urk. 133 S. 16-18), sodass zur Ver-

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meidung von unnötigen Wiederholungen darauf verwiesen werden kann. Ganz kurz 

zusammengefasst steht somit fest, dass A._____ im Rahmen des gemeinsamen 

gewaltsamen Vorgehens der fünf Täter gegen den Privatkläger diesem zu Beginn 

der Auseinandersetzung (Sekunde 4) im Sprung, gezielt und mit Wucht derart eine 

Flasche auf den Kopf geschlagen hat, dass diese zersprang. Hinsichtlich B._____ 

steht fest, dass dieser später (Sekunden 15/16), als der Privatkläger in gebückter 

Stellung  und  mit  über  den  Kopf  gezogenem  Pullover  von  H._____  festgehalten 

wurde,  ebenfalls  wuchtig  und  weit  ausholend  mit  einer  Flasche  gegen  den 

Kopf/Oberkörper des Privatklägers schlug. Mit der Vorinstanz (Urk. 133 S. 29) ist 

zu Gunsten von B._____ jedoch davon auszugehen, dass er den Privatkläger dabei 

nicht getroffen hat. Dies scheint aufgrund der Videoaufnahme denn auch effektiv 

so zu sein. Zwar visiert B._____ den – festgehaltenen – Kopf/Oberkörper des Pri-

vatklägers ganz offensichtlich an und schlägt zu. Soweit die Bewegung nicht durch 

davorstehende  Männer  verdeckt  ist,  wirkt  sie  dann  aber  nicht  so,  wie  wenn  sie 

durch  einen  Aufprall  auf  dem  Körper  des  Privatklägers  gebremst  worden  wäre, 

sondern B._____s Arm bewegt sich in einer flüssigen Bewegung am Körper vorbei. 

Und auch der hörbare Aufprall der – von B._____ offensichtlich losgelassenen – 

Flasche scheint eher auf dem Boden und einen Sekundenbruchteil später erfolgt 

zu sein, als er hätte erfolgen müssen, wenn der Körper des Privatklägers getroffen 

worden wäre. Abschliessend muss dies nicht beurteilt werden, da ein Treffen mit 

der Flasche nicht angeklagt ist (vgl. Urk. 25/19). Die Hypothese der Verteidigung, 

dass B._____ die Flasche neben dem Privatkläger vorbei gezielt auf den Boden 

geworfen hätte, ist hingegen lebensfremd und findet auch in der Videoaufzeichnung 

keine Stütze. 

Vor-  und  nachher  wurde  der  Privatkläger  –  nur  um  das  Wesentlichste  zu 

nennen – von I._____ (im Folgenden: I._____) zweimal gekickt und einmal mit der 

Faust (nieder-) geschlagen, von H._____ festgehalten und dabei mehrfach mit der 

Faust gegen den Kopf geschlagen, und schliesslich erhielt der Privatkläger auch 

noch von J._____ (im Folgenden: J._____) eine Flasche über den Kopf geschla-

gen.  Danach  gelingt  es  zwei  weiteren,  schlichtend  und  trennend  eingreifenden 

Männern, die Auseinandersetzung zu stoppen, und einer der beiden führt den Pri-

vatkläger zur anderen Strassenseite weg. Soweit erforderlich, wird im Rahmen der 

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rechtlichen Würdigung auf einzelne Sachverhaltselemente detaillierter und präzi-

sierend einzugehen sein.

5.

Rechtliche Würdigung

5.1. Angriff oder Raufhandel?

5.1.1. Die Vorinstanz verurteilte beide Beschuldigten wegen Raufhandels und ver-

warf so den – auch berufungsweise wieder gestellten – Antrag der Staatsanwalt-

schaft,  die  Beschuldigten  seien  wegen  Angriffs  schuldig  zu  sprechen.  Die  Vorin-

stanz ist der Ansicht, dass sich der von den fünf Tätern angegangene Privatkläger 

im  Rahmen  seines  Abwehrverhaltens  offensiv  ins  Geschehen  eingebracht  habe, 

sodass er als Teilnehmer an einem Raufhandel erscheine und ein Schuldspruch 

wegen Angriffs nicht in Frage komme (Urk. 132 S. 30; Urk. 133 S. 31).

5.1.2. Beide  Verteidigungen  akzeptieren  die  –  angefochtenen  –  Schuldsprüche 

wegen  Raufhandels  und  beantragen  die  diesbezügliche  Bestätigung  des 

vorinstanzlichen  Urteils  und  Abweisung  des  Antrags  der  Staatsanwaltschaft  auf 

Verurteilung wegen Angriffs (Urk. 167 und 168). 

5.1.3. Wer sich an einem Angriff auf einen oder mehrere Menschen beteiligt, der 

den  Tod  oder  die  Körperverletzung  eines  Angegriffenen  oder  eines  Dritten  zur 

Folge hat, wird gemäss Art. 134 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

Geldstrafe bestraft. Unter "Angriff" wird eine einseitige, von feindseligen Absichten 

getragene, gewaltsame Einwirkung auf den oder die Körper eines oder mehrerer 

Menschen  verstanden.  Der  körperliche  Angriff  muss  von  mehreren,  mindestens 

zwei  Personen  ausgehen,  wobei  es  aber  genügt,  wenn  sich  eine  Person  dem 

bereits gestarteten Angriff einer andern anschliesst (BSK StGB-MAEDER, 4. Aufl., 

2019, Art. 134 StGB N 6 m.w.H.). Der Angriff kann sich auch unmittelbar aus einem 

Raufhandel heraus entwickeln, wenn die Angreifer nach Schluss der wechselseiti-

gen  Auseinandersetzung  mit  Gewaltanwendungen  weiterfahren  und  ein  Opfer 

traktieren, das sich nicht (mehr) wehrt (BGE 118 IV 227; vgl. BSK StGB-MAEDER, 

Art. 134 StGB N 18). Für die Erfüllung des Tatbestands des Angriffs ist erforderlich, 

dass  sich  das  Opfer  entweder  völlig  passiv  verhält  oder  sich  nur  defensiv  zu 

-   14   -

schützen versucht. Der Tatbestand will nach der ratio legis denn auch vor allem 

Schlägergruppen  erfassen  (Urteil  BGer 6B_745/2017  vom  12.  März  2018  E.  2.3 

m.w.H.). Überschreitet die Reaktion des Angegriffenen hinsichtlich ihrer Intensität 

und Dauer die Grenzen der erforderlichen Verteidigung und wird er selber tätlich, 

kann  aus  dem  Angriff  ein  Raufhandel  werden  (Urteil  BGer 6B_1115/2022  vom 

22. November 2023 E. 3.3.1; BSK StGB-MAEDER, Art. 134 StGB N 7 m.w.H.).

5.1.4. Im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB macht sich des Raufhandels schuldig und 

wird  mit  bis  zu  drei  Jahren  Freiheitsstrafe  oder  Geldstrafe  bestraft,  wer  sich  an 

einem  Raufhandel  beteiligt,  der  den  Tod  oder  die  Körperverletzung  eines 

Menschen zur Folge hat (Art. 133 Abs. 1 StGB). Im Gegensatz zum Angriff ist ein 

Raufhandel eine tätliche Auseinandersetzung, üblicherweise auch da in Form einer 

Schlägerei, an der mindestens drei Personen beteiligt sind, wobei sich mindestens 

zwei  Parteien  wechselseitig  schlagen  müssen.  Nicht  nötig  ist  dagegen,  dass  die 

Parteien  aus  mehreren  Personen  bestehen  (BSK  StGB-MAEDER,  Art.  133  StGB 

N 10 m.w.H.). Die Auseinandersetzung muss aber in der Weise wechselseitig sein, 

als  jede  Seite  aktiv  am  Streit  beteiligt  ist.  Es  genügen  indessen  bereits  einzelne 

Schläge oder Stösse, um Teilnehmer an einem Raufhandel zu werden. Wer so aber 

ausschliesslich  abwehrt  oder  die  Streitenden  scheidet,  bleibt  gemäss  Art.  133 

Abs. 2 StGB straflos.

5.1.5. Dass die Hürde für einen tatbeständlichen Eintritt in einen Raufhandel – wie 

gesehen – relativ tief ist, liegt in der ratio legis von Art. 133 StGB begründet, welche 

Bestimmung primär das öffentliche Interesse schützt, Schlägereien unter mindes-

tens  drei  Beteiligten  zu  verhindern  (BGE  141  IV  454  E.  2.3.2).  Eher  weniger 

entscheidend ist deshalb vorab einmal, in welcher Form und mit welcher Intensität 

sich jemand an einem Raufhandel beteiligt; verpönt ist die Teilnahme an sich. Weil 

es entsprechend nicht darum gehen kann, allzu feine Unterscheidungen hinsicht-

lich Art und Ausmass der Handlungen der einzelnen Teilnehmer machen zu wollen, 

um  allenfalls  (primäre  oder  überwiegende)  Aggressoren  zu  bestimmen  (ganz 

abgesehen  davon,  dass  Solches  bei  Schlägereien  naturgemäss  ohnehin  kaum 

möglich wäre), erscheint umgekehrt auch gerechtfertigt, die Hürde für den Wechsel 

vom  Raufhandel  zum  Angriff  –  wie  ebenfalls  gesehen  –  eher  hoch  anzusetzen. 

-   15   -

Gerechtfertigt ist dies auch dadurch, dass Art. 134 StGB als Verbrechen ausgestal-

tet ist und überdies im Katalog der Taten für eine obligatorische Landesverweisung 

nach Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB figuriert. Art. 133 StGB ist demgegenüber "nur" ein 

Vergehen  und  auch  keine  Katalogtat.  Das  alles  spricht  dafür,  Art.  134  StGB  der 

Ahndung von deutlich einseitigen und damit gegenüber wechselseitigen Raufhän-

deln  klar  verwerflicheren  Attacken  vorzubehalten  (vgl.  auch  PK  StGB-TRECHSEL/ 

MONA, 4. Aufl., 2021, Art. 134 N 5). Freilich anerkennt das Bundesgericht, dass die 

Anwendung der Tatbestände von Art. 133 und 134 StGB ineinandergreifen kann 

(vgl. Urteil BGer 6B_1115/2022 vom 22. November 2023 E. 3.3.2: Angriff, obwohl 

ein Teil der angegriffenen Gruppe vereinzelt Gegenstände wirft).

5.1.6. Gemäss erstelltem Sachverhalt wirkten A._____ und B._____ zusammen mit 

den Mitbeschuldigten I._____, H._____ und J._____ gewaltsam auf den Privatklä-

ger ein, wobei der Tatbeitrag von A._____ darin bestand, dem Privatkläger gezielt 

und  wuchtig  eine  Glasflasche  auf  dem  Kopf  zu  zerschlagen.  Auch  B._____  ver-

suchte, dem in jener Phase von H._____ festgehaltenen Privatkläger mit einer Fla-

sche, weit über dem Kopf ausholend, einen kräftigen Schlag zu versetzen, schlug 

aber ins Leere. Weiter steht fest, dass der Privatkläger als Folge der Übergriffe die 

aktenkundigen, in der Anklageschrift aufgeführten Körperverletzungen erlitten hat 

(dazu Urk. 132 S. 17 und Urk. 133 S. 18). Dass sich deshalb sowohl A._____ als 

auch B._____ entweder des Raufhandels oder des Angriffs schuldig gemacht ha-

ben, steht ausser Diskussion.

5.1.7. Die Vorinstanz verwarf einen Angriff und schloss auf einen Raufhandel, weil 

der  Privatkläger  offensiv  ins  Geschehen  eingegriffen  habe,  indem  er  einerseits 

A._____ und andererseits H._____ je eine Ohrfeige verpasst bzw. zu verpassen 

versucht habe. Der Privatkläger habe so durch eigenes Zuschlagen im Sinne einer 

Trutzwehr gehandelt, was zwar als straflose Beteiligung nach Art. 133 Abs. 2 StGB 

zu gelten habe, die Anwendung von Art. 134 StGB aber ausschliesse. Konkret sieht 

die Vorinstanz die für ihre Auffassung ausschlaggebende tätliche Beteiligung des 

Privatklägers in zwei Handlungen (Urk. 132 S. 29/30; Urk. 133 S. 31):

-

Ein erstes Mal versuche der Privatkläger, aus dem Eingangsbereich der Bar 

K._____ wegeilend, A._____ eine Ohrfeige zu verpassen (Sekunde 7 des Videos). 

-   16   -

Dabei laufe der Privatkläger direkt auf A._____ zu und passe gar seine Laufrichtung 

dessen Ausweichmanöver an, um den Schlag auszuteilen.

-

Ein zweites Mal versuche der Privatkläger H._____ eine Ohrfeige zu geben, 

nachdem dieser an ihn herangetreten sei und ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt 

habe (Sekunde 10 des Videos). Zwar treffe der Privatkläger H._____ dabei nicht, 

zerreisse diesem aber das Oberteil.

5.1.8. Mit dieser Ansicht wird die Vorinstanz dem konkreten Geschehen indes nicht 

gerecht, wie die Staatsanwaltschaft zurecht vorbringt (Urk. 166 S. 2): Wenn man 

die  40-sekündige  Videoaufzeichnung  gesamthaft  betrachtet,  nimmt  man  den 

ganzen  Vorfall  eindeutig  als  gemeinsamen  Angriff  der  fünf  Beschuldigten  gegen 

den  Privatkläger  wahr,  die  Beschuldigten  teilweise  abwechselnd  und  teilweise 

gleichzeitig mit Fäusten, Flaschen und Füssen gegen den Privatkläger schlagend 

und tretend. Der Privatkläger ist nicht nur auf sich alleine gestellt und steht einer 

deutlichen Übermacht gegenüber (1:5), sondern ist auch ganz offensichtlich stark 

betrunken oder anderweitig beeinträchtigt. Jedenfalls sind seine unkoordinierten, 

nur  kaum  kontrollierten  Bewegungen  nicht  zu  übersehen.  Der  Privatkläger 

erscheint  der  ungleich  agileren  Übermacht  hilflos  ausgeliefert.  Aus  objektiver 

Betrachtersicht wäre ohne das beherzte Eingreifen der zwei schlichtenden Männer 

das Schlimmste zu befürchten.

5.1.9. Entsprechend  ist  auch  das  gemäss  Vorinstanz  "offensive  Eingreifen"  des 

Privatklägers zu relativieren:

-

Beim  obstehend  geschilderten  "ersten  Mal"  ist  zunächst  festzustellen,  dass 

dem Privatkläger nach dem Fusstritt I._____s und A._____s Schlag mit der Flasche 

angesichts der Glastür, vor welche er durch die Schläge getrieben wird, zur allfälli-

gen Flucht nur der Weg im 90-Grad-Winkel zur Strasse hin bleibt – wo allerdings 

auch A._____ steht. Schon da ist deutlich zu erkennen, wie der Privatkläger – wohl 

auch aufgrund des heftigen Schlags mit der Flasche – sich nur noch torkelnd auf 

den Beinen hält. Der Privatkläger wendet sich A._____ zu – dem für den Privatklä-

ger zu diesem Zeitpunkt offensichtlichsten Angreifer – und läuft in dessen Richtung, 

wobei  von  einem  sicheren  Gang  keine  Rede  sein  kann:  So  gelingt  es  dem  viel 

-   17   -

flinkeren  A._____  ohne  Probleme,  dem  sich  auf  ihn  zubewegenden  Privatkläger 

auszuweichen und auf dem Trottoir zur Seite zu springen. Dass der Privatkläger 

dabei im Sinne der Vorinstanz "gar seine Laufrichtung dem Ausweichmanöver des 

Beschuldigten anpasste, um den Schlag auszuteilen", gibt das Geschehen nur sehr 

begrenzt richtig wieder: In Tat und Wahrheit gelingt es dem Privatkläger nämlich 

praktisch nicht, auf die ausweichende Bewegung des Beschuldigten zu reagieren, 

sondern  er  versucht  mehr  im  "Vorbeilaufen"  bzw.  "-stürzen"  mit  nahezu  ausge-

strecktem rechten Arm nach dem Gesicht des Beschuldigten zu greifen oder ihm 

möglicherweise auch eine Ohrfeige zu geben. Aus der Aufzeichnung wird nicht klar, 

ob der Privatkläger A._____ überhaupt trifft. Falls ja, handelte es sich jedenfalls nur 

um einen ganz leichten (Streif-) Schlag, nachdem der Privatkläger mit seinem Arm 

bzw. seiner Hand auch praktisch nicht ausholt. Erst mit Verzögerung, bereits auf 

der Strasse, gelingt es dem Privatkläger dann, seinen Lauf zu abzubremsen.

-

Unmittelbar  darauf  rennt  –  beim  obstehenden  "zweiten  Mal"–  H._____ 

aggressiv  und  in  offensichtlicher  Angriffshaltung  auf  den  Privatkläger  zu  (das 

"Herantreten" gemäss Vorinstanz umschreibt das Geschehen auch hier nicht wirk-

lich treffend) und macht mit seinem rechten Arm eine Schlagbewegung gegen den 

Kopf  des  Privatklägers,  wobei  der  Schlag  vom  ausgestreckten  linken  Arm  des  – 

deutlich grösseren – Privatklägers abgewehrt wird. Als unmittelbare Reaktion dar-

auf versucht der Privatkläger mit einer weit ausholenden, einen Kreis beschreiben-

den Bewegung seines rechten Arms H._____ mit der offenen Hand von rechts oben 

kommend  zu  schlagen.  H._____  gelingt  es  jedoch,  sich  nach  links  wegduckend 

auszuweichen, weshalb der Schlag ins Leere trifft und der Privatkläger darob das 

Gleichgewicht verliert und vornüber fällt. Während der Schlag-/Fallbewegung greift 

der Privatkläger mit seiner linken Hand nach dem Shirt von H._____ (oder bleibt 

dort  hängen),  weshalb  dieses  leicht  zerrissen  wird  (Sekunden  10  und  11  des 

Videos).

In  allen  anderen  Handlungssequenzen  ist  es  der  Privatkläger,  der  hilflos,  ohne 

nennenswerte bzw. mit höchstens rein abwehrender und schützender Gegenwehr 

von den fünf Angreifern mit Fäusten und Flaschen geschlagen und getreten wird, 

-   18   -

bis es einem der beiden schlichtend und trennend eingreifenden Männern gelingt, 

den Privatkläger zur anderen Strassenseite zu führen.

5.1.10. Bei  Lichte  betrachtet,  beschränkt  sich  deshalb  das  gemäss  Vorinstanz 

"offensive Eingreifen" des Privatklägers auf einen leichten (falls überhaupt) (Streif-) 

Schlag gegen A._____ im unkoordinierten Vorbeilaufen zur Strasse hin sowie einen 

sehr unbedarften Schlag gegen H._____, der ins Leere trifft und den Privatkläger 

selber zu Boden stürzen lässt. Von einer wechselseitigen Auseinandersetzung, bei 

welcher beide Seiten aktiv beteiligt sind, kann unter diesen Voraussetzungen nicht 

die Rede sein, jedenfalls nicht im Sinne des Regelungskontexts von Art. 133 und 

134 StGB. Es wäre stossend, den Privatkläger wegen seiner zwei "Gegenangriffe" 

vom Opfer eines Angriffs (welches er bis zum Schlag des Beschuldigten mit der 

Flasche ohnehin schon war) zum Teilnehmer eines Raufhandels werden zu lassen, 

nachdem  dessen  zwei  "Gegenangriffe"  nicht  anders  denn  als  hilf-,  harm-  und 

aussichtslos zu beschreiben sind und auch niemals die Intensität der Schläge und 

Tritte erreichten, die dem Privatkläger von den Beschuldigten versetzt worden sind. 

Dass  die  Reaktion  des  Privatklägers  im  Sinne  der  vorzitierten  Rechtsprechung 

hinsichtlich ihrer Intensität und Dauer die Grenzen der erforderlichen Verteidigung 

überschritten  hätte  und  er  tatbestandsrelevant  selber  tätlich  geworden  wäre,  ist 

damit nicht der Fall. Vielmehr ist der Privatkläger Opfer eines Angriffs im Sinne von 

Art. 134  StGB  geworden  und  sind  die  daran  beteiligten  Beschuldigten  deshalb 

entsprechend schuldig zu sprechen. Dass sich diese nicht vorsätzlich am Angriff 

beteiligt  hätten,  kann  bei  der  gegebenen  Beweislage  sodann  nicht  zur  Debatte 

stehen.

5.1.11. Zum Vorbringen der Verteidigungen, dass das Video den Anfang (und auch 

das Ende) der Auseinandersetzung nicht zeige, weshalb im Zweifel davon auszu-

gehen  sei,  dass  der  Privatkläger  über  das,  was  bereits  bekannt  sei,  hinaus  eine 

aktive  Rolle  inne  gehabt  habe  (Urk. 167  S.  3;  Urk. 168  S. 3),  ist  Folgendes  zu 

sagen:  Die  Annahme,  dass  der  Privatkläger  zu  Beginn  der  Auseinandersetzung 

eine aktive Rolle hatte, wäre reine Spekulation. Aus den Akten ergibt sich solches 

nicht. Zudem kann – wie vorstehend ausgeführt – auch ein zunächst als Raufhandel 

zu qualifizierendes Geschehen zu einem einseitigen Angriff werden. Die im Recht 

-   19   -

liegende Videosequenz erstreckt sich immerhin über eine Dauer von 40 Sekunden, 

während  welcher  ausschliesslich  der  Privatkläger  von  der  angreifenden  Gruppe 

getrieben, in die Ecke gedrängt und massiv geschlagen wird. Dieses Geschehen 

ist  für  sich  allein  betrachtet  eindeutig  als  Angriff  zu  qualifizieren,  selbst  wenn  zu 

Beginn der Auseinandersetzung noch wechselseitige Tätlichkeiten im Sinne eines 

Raufhandels stattgefunden hätten. 

5.1.12. Die Verteidigung des Beschuldigten B._____ bringt sodann vor, dass in den 

spitalärztlichen Berichten des Privatklägers jeweils der Begriff "Schlägerei" verwen-

det worden sei. Dies spreche eindeutig dafür, dass ein Raufhandel und kein Angriff 

stattgefunden habe (Urk. 168 S. 4 f.). Selbstverständlich kann es für die juristische 

Qualifikation keine Rolle spielen, welche Begriffe Ärzte in ihren Berichten verwen-

den, sondern bloss welche tatsächlichen Feststellungen zu den Verletzungsfolgen 

sie  getroffen  haben.  Aus  den  entsprechenden  Berichten  ergeben  sich  keine  tat-

sächlichen Hinweise, dass der Privatkläger selbst eine entscheidende aktive Rolle 

bei der videodokumentierten körperlichen Auseinandersetzung hatte. 

5.2. Körperverletzung, Konkurrenz

5.2.1. Wie bereits gesehen, wurden dem Privatkläger beim Angriff die in der Ankla-

geschrift  aufgeführten  Verletzungen  zugefügt  und  hat  er  damit  eine  einfache 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB erlitten.

5.2.2. Die Staatsanwaltschaft beantragte ursprünglich, den Vorfall vom 5. Juni 2021 

einzig als Angriff zu würdigen. Aufgrund des am 22. Februar 2023 gegen I._____ 

ergangenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, erweiterte die Staats-

anwaltschaft dann aber ihren Antrag um einen zusätzlichen Schuldspruch wegen 

qualifizierter  einfacher  Körperverletzung.  Zur  Begründung  verwies  die  Staatsan-

waltschaft auf die Erwägungen des angesprochenen Urteils, mit welchem I._____ 

neben  des  Angriffs  auch  der  einfachen  Körperverletzung  schuldig  gesprochen 

worden war (Urk. 103 S. 14; Urk. 54/1).

5.2.3. Seitens der Verteidigung von B._____ wurde dagegen geltend gemacht, eine 

Verurteilung  wegen  Körperverletzung  sei  nur  schon  darum  nicht  möglich,  weil  in 

-   20   -

der Anklageschrift nicht umschrieben sei, welche Handlungen zu welchen Verlet-

zungen geführt hätten (Prot. I S. 66). Die Verteidigung von A._____ nahm anläss-

lich der Hauptverhandlung keine Stellung dazu.

5.2.4. Die Vorinstanz sprach beide Beschuldigten zusätzlich zum Raufhandel auch 

der  einfachen  Körperverletzung  im  Sinne  von  Art.  123  Ziff.  1  Abs.  1  und  Ziff.  2 

Abs. 2 StGB schuldig, mit der Begründung, die fünf Täter hätten mittäterschaftlich 

gehandelt und es seien ihnen je auch die Taten der Mittäter zuzurechnen. Art. 133 

StGB stehe in Idealkonkurrenz zum Verletzungsdelikt (Urk. 132 S. 31 ff.; Urk. 133 

S. 33 f.).

5.2.5. Berufungsweise halten die Verteidigungen daran fest, dass eine Verurteilung 

wegen  Körperverletzung  nicht  möglich  sei  (Urk.  150;  Urk. 168).  Gemäss  der 

Verteidigung von A._____ wäre im Sinne der Auffassung der Vorinstanz fast jede 

Beteiligung an einem Raufhandel auch wegen Körperverletzung strafbar, was nicht 

"Idee  der  Sache"  sein  könne  (Urk.  150  S.  2).  Für  den  Fall  der  Annahme  eines 

Angriffs  macht  sie  allerdings  geltend,  Art.  134  StGB  werde  vom  Verletzungstat-

bestand  (qualifizierte  einfache  Körperverletzung)  konsumiert  (Urk. 167  S.  3).  Die 

Verteidigung von B._____ ist der Ansicht, eine Verurteilung wegen mittäterschaft-

lich begangener qualifizierter einfacher Körperverletzung sei vorliegend nicht mög-

lich. Der Tatbestand des Raufhandels sei genau für solche Konstellationen, wo un-

klar sei, wer wen verletzt habe, eingeführt worden (Urk. 168 S. 6).

5.2.6. Der  Verteidigung  von  B._____  ist  Recht  zu  geben,  dass  eine  Verurteilung 

von B._____ (und damit auch von A._____) wegen Körperverletzung dem Ankla-

geprinzip widersprechen würde bzw. der vorinstanzliche Schuldspruch diesbezüg-

lich das Anklageprinzip verletzt:

5.2.6.1. Grundsätzlich  richtig  zitiert  die  Vorinstanz  BGE  118  IV  227,  wonach  ein 

gleichzeitiger Schuldspruch wegen Raufhandels und Angriffs einerseits und Tötung 

oder Körperverletzung andererseits möglich ist. Insofern besteht Idealkonkurrenz 

(Urk. 132 S. 31; Urk. 133 S. 33). Zum – auch vorliegend einschlägigen – Angriff 

führt das Bundesgericht dann aber in BGE 135 IV 152 präzisierend aus, dass eine 

Konkurrenz zwischen Art. 134 StGB und Art. 111 ff./122 ff. StGB nur in Betracht 

-   21   -

falle, wenn eine andere als die beim Angriff getötete oder verletzte Person in Gefahr 

gebracht wurde, oder wenn die Person, die während des Angriffs verletzt wurde, 

lediglich  einfache  Körperverletzungen  erlitt,  obgleich  sie  einer  weitergehenden 

Gefährdung  ausgesetzt  war  (a.a.O.,  Regeste).  Auf  diesen  Bundesgerichtsent-

scheid  hatte  sich  die  2.  Abteilung  des  Bezirksgerichts  Zürich  bei  ihrem  Schuld-

spruch  gegen  I._____  wegen  Angriffs  und  Körperverletzung  bezogen  (Urk.  54/1 

S. 41/42). 

5.2.6.2. Für  einen  gleichzeitigen  Schuldspruch  wegen  eines  Gefährdungs-  und 

eines Verletzungsdelikts muss aber selbstverständlich auch je ein entsprechender 

Vorsatz des Beschuldigten nachgewiesen werden. Bezieht sich der Vorsatz beim 

Raufhandel  oder  beim  Angriff  auf  die  Teilnahme  an  der  tätlichen  Auseinander-

setzung als Solcher, so muss in Bezug auf das Verletzungsdelikt ein (mindestens 

Eventual-) Vorsatz bezüglich Tötung oder Verletzung gegeben sein. Während – wie 

bereits erwogen – sowohl bei A._____ als auch B._____ der Vorsatz auf Teilnahme 

am Angriff zweifelsohne gegeben war, behilft sich die Vorinstanz bezüglich der dem 

Privatkläger  zugefügten  Körperverletzung  mit  dem  Konstrukt  der  Mittäterschaft: 

Durch ihr arbeitsteiliges und spontan koordiniertes Vorgehen seien die fünf Angrei-

fer als Mittäter vorgegangen und müssten sich entsprechend die Handlungen der 

anderen anrechnen lassen (Urk. 132 S. 32; Urk. 133 S. 34).

5.2.6.3. Dass  die  fünf  Täter  jedoch  hinsichtlich  der  dem  Privatkläger  zugefügten 

Verletzungen gemeinsam und mittäterschaftlich vorgegangen wären, wird in den 

Anklageschriften  nicht  umschrieben.  Der  jeweils  abschliessende  Satz  "Dem 

Beschuldigten war bei diesen Handlungen bewusst, dass er und seine Kollegen mit 

Flaschen, Tritten und Schlägen auf den Geschädigten einwirkten und dass dieser 

dadurch einer massiven gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt war" bezieht sich 

auf  die  dem  Angriff  immanente  Gefährdung  und  nicht  auf  die  dem  Privatkläger 

konkret  zugefügten  Verletzungen.  Eine  Verurteilung  der  Beschuldigten  wegen 

Körperverletzung ist vor diesem Hintergrund nicht möglich.

5.2.6.4. Soweit  sich  die  Staatsanwaltschaft  mit  ihrem  Antrag  auf  Schuldspruch 

wegen Angriffs und einfacher Körperverletzung auf das Urteil der 2. Abteilung des 

Bezirksgerichts Zürich vom 22. Februar 2023 i.S. I._____ stützt, könnte ihr auch 

-   22   -

materiell nicht gefolgt werden: Zwar könnte vorliegend zwanglos gesagt werden, 

dass der Privatkläger "lediglich einfache Körperverletzungen erlitt, obgleich er einer 

weitergehenden  Gefährdung  ausgesetzt  war"  (BGE  135  IV  152,  Regeste).  Mit 

dieser Argumentation übersieht die Staatsanwaltschaft aber, dass es hinsichtlich 

dieser "weitergehenden Gefährdung" nicht einfach bei einer allgemeinen Feststel-

lung bleiben kann, sondern auch diese tatbestandsmässig einem oder mehreren 

Tätern müsste zugeordnet werden können, um das Konkurrenzthema entstehen zu 

lassen:  Entsprechend  müsste  einem  oder  mehreren  Tätern  ein  Vorsatz  auf  eine 

versuchte schwere Körperverletzung oder versuchte Tötung nachgewiesen werden 

können, um ihn hernach wegen dieses versuchten Delikts und wegen Angriffs zu 

verurteilen. Die Staatsanwaltschaft erwog denn auch anfänglich, die Beschuldigten 

wegen in Mittäterschaft begangener versuchter schwerer Körperverletzung anzu-

klagen,  was  sich  aber  nicht  habe  erhärten  lassen  (Urk.  103  S.  13).  Eine  gleich-

zeitige  Verurteilung  wegen  Angriffs  und  einfacher  Körperverletzung  ist  dagegen 

nicht  möglich;  hier  geht  Art.  134  StGB  vor  (STRATENWERTH/BOMMER,  Schweizeri-

sches Strafrecht – Besonderer Teil I: Straftaten gegen Individualinteressen, 8. Aufl., 

2022, § 4 N 44 S. 80/81 m.w.H.).

5.3.

Zusammenfassend sind deshalb sowohl A._____ als auch B._____ des An-

griffs schuldig und vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung frei zu sprechen. 

6.

Strafe

6.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE 149 IV 217 E. 1.1 S. 220; 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf  und  auf  die  zutreffenden  einleitenden  Bemerkungen  der  Vorinstanz  kann 

verwiesen werden (Urk. 132 S. 34 ff.; Urk. 133 S. 35 ff.). Anders als im vorinstanz-

lichen  Urteil  ist  im  Berufungsverfahren  nunmehr  bei  beiden  Beschuldigten  eine 

Strafe wegen Angriffs zuzumessen, was gemäss Art. 134 StGB eine Freiheitsstrafe 

bis  zu  fünf  Jahren  oder  Geldstrafe  zur  Folge  hat.  Nachdem  zweitinstanzlich  bei 

beiden  Beschuldigten  der  Schuldspruch  wegen  einfacher  Körperverletzung 

wegfällt, bleibt es bei B._____ bei einer Strafe für den Angriff. A._____ ist zusätzlich 

– bereits  rechtskräftig  –  wegen  des  geringfügigen  betrügerischen  Missbrauchs 

-   23   -

einer Datenverarbeitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 172ter Abs. 1 StGB mit einer Busse von Fr. 200.– bestraft worden, für welche 

im Berufungsverfahren noch eine Ersatzfreiheitsstrafe im Sinne von Art. 106 Abs. 2 

und 3 StGB zuzumessen sein wird. 

6.2. Strafe A._____

6.2.1. Zwar  ist  aufgrund  der  allerersten  Bilder  der  Videoaufzeichnung  davon 

auszugehen,  dass  sich  das  anklagegegenständliche  Geschehen  wohl  aufgrund 

einer Meinungsverschiedenheit zwischen H._____ und dem Privatkläger entzündet 

haben dürfte. Hinsichtlich des folgenden Angriffs auf den Privatkläger spielte dann 

aber A._____ neben I._____ (Fusstritt) eine wichtige Rolle. Die Art und Weise, wie 

sich  A._____  am  Angriff  beteiligte  bzw.  diesen  mitinitiierte,  zeugt  von  grösster 

Rücksichtslosigkeit und in jeder Beziehung fehlendem Respekt vor der körperlichen 

Unversehrtheit  von  Mitmenschen  –  vorliegend  des  Privatklägers.  Es  ist  erschre-

ckend,  wie  A._____  den  Privatkläger  mit  erhobener  Flasche  anvisiert,  ihm  nach 

dem  Fusstritt  I._____s  nachsetzt  und  ihm  schliesslich  die  Flasche  aus  einem 

Sprung heraus gezielt und wuchtig auf dem Kopf zerschlägt. Dass sich A._____ 

nicht mit blossen Händen, sondern mit einem gefährlichen Gegenstand am Angriff 

beteiligte, steigert das Mass der Gefährdung des Privatklägers erheblich und wirkt 

verschuldenserhöhend.  Danach  belässt  es  A._____  bei  einem  (versuchten  Ab-

wehr-) Schlag gegen den ausgestreckten Arm des vorbeilaufenden Privatklägers 

und schaut zu, wie dieser von den Mittätern zusammengeschlagen wird. Wenn es 

so auch im Wesentlichen beim einen Schlag mit der Flasche blieb, war der Tatbei-

trag von A._____ zum Angriff durchaus massgeblich. Nicht anders denn als feige 

ist sodann zu bezeichnen, dass die Gruppe der Beschuldigten zu fünft gegen den 

auf sich alleine gestellten, offensichtlich beeinträchtigten Privatkläger vorgingen. In 

objektiver Hinsicht ist das Verschulden deshalb sicher nicht mehr als leicht zu be-

zeichnen.

6.2.2. Subjektiv besteht kein Zweifel daran, dass sich A._____ vorsätzlich am An-

griff beteiligt hat. Mutmasslich aufgrund einer Meinungsverschiedenheit ("Es gab 

Reibereien mit dem einen Jungen, wir hatten gestritten", Urk. 24/3/1 S. 11; "es gab 

einen Streit, der eskaliert ist", Urk. 24/3/2 S. 3; angeblich sei es um Musikboxen 

-   24   -

gegangen, Urk. 24/3/3 S. 15) entschied sich die Gruppe der Beschuldigten spontan, 

dem  Privatkläger  eine  völlig  sinnlose  und  gefährliche  "Abreibung"  zu  verpassen. 

Wenn die Vorinstanz A._____ dessen Alkoholintoxikation leicht verschuldensrela-

tivierend anrechnet (Urk. 132 S. 36), so erscheint dies nicht als gerechtfertigt: Ei-

nerseits wurde bei ihm eine auf den Tatzeitpunkt rückgerechnete Blutalkoholkon-

zentration von zwischen 0.95 und 1.72 Gewichtspromillen errechnet, was zwar auf 

eine Trunkenheit, indessen in der Regel noch nicht auf eine eingeschränkte Schuld-

fähigkeit  schliessen  lässt  (vgl.  BGE  122  IV  49  E.  1b:  erst  ab  2  Promillen).  Und 

andererseits  erweckt  A._____  auf  dem  Video  überhaupt  keinen  beeinträchtigten 

Eindruck, geht er doch sehr gezielt (und "erfolgreich") gegen den Privatkläger vor 

und tänzelt nach dem Schlag mit der Flasche behende vor dem Privatkläger herum, 

um diesem sodann flink auszuweichen. Auch er selbst sagt zwar wiederholt, er sei 

betrunken gewesen, konnte dann aber nicht einschätzen, wie stark er sich betrun-

ken gefühlt habe, und er betonte gar ausdrücklich, Erinnerungen an den Vorfall zu 

haben,  ansonsten  er  ja  nicht  zugegeben  hätte,  den  Privatkläger  mit  der  Flasche 

geschlagen zu haben (Urk. 24/3/2 S. 4). Erst später, in der Konfrontationseinver-

nahme in Gegenwart der Mittäter, die – das wird aus allen Einvernahmen offen-

sichtlich – tunlichst darauf achteten, sich möglichst nicht gegenseitig zu belasten, 

machte A._____ dann eine fehlende Erinnerung geltend, weil er "sehr alkoholisiert" 

gewesen  sei  (Urk. 24/3/3  S.  8,  18).  Das  kann  indessen  nicht  anders  denn  als 

verfahrenstaktisch  begründet  sein.  Gleiches  gilt  für  seine  Aussagen  in  der  erst-

instanzlichen Hauptverhandlung, wonach er damals stark betrunken gewesen sei 

und nur durch das Video erfahren habe, was er gemacht habe (Prot. I S. 54). Die 

subjektiven Umstände relativieren damit das objektive Tatverschulden nicht, was 

eine Einsatzstrafe von 20 Monaten, also einem Drittel des zur Verfügung stehen-

den Strafrahmens, als gerechtfertigt erscheinen lässt. 

6.2.3. Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die Erwägungen der Vorinstanz 

verwiesen werden (Urk. 132 S. 37). An der Berufungsverhandlung führte A._____ 

aktualisierend  aus,  dass  er  kurz  nach  der  erstinstanzlichen  Hauptverhandlung 

seine  Arbeitsstelle  gewechselt  habe  und  nun  in  einer  Recyclinganlage  arbeite, 

wobei auch dies temporär sei. Er werde im Stundenlohn bezahlt und sein Verdienst 

könne bis zu Fr. 3'500.– netto betragen, was ihm zur Bestreitung des Lebensunter-

-   25   -

halts ausreiche. Er sei nach wie vor ledig und habe keine Kinder. Seine Eltern und 

Geschwister, zu welchen er telefonischen Kontakt pflege, befänden sich in Eritrea 

(Urk. 164 S. 3 f.). Vorstrafen hat A._____ nach wie vor keine (Urk. 157). Mit der 

Vorinstanz ist sodann das – wenn auch erst nach Vorhalt von Standbildern aus der 

Videoaufzeichnung  –  bereits  in  der  ersten  Einvernahme  abgelegte  Geständnis 

leicht  strafmindernd  zu  werten  (Urk.  132  S.  37;  Urk.  24/3/1  S.  11).  Über  die 

Vorinstanz hinaus kann A._____ eine weitere Strafminderung gewährt werden, weil 

er  sich  ebenfalls  ab  der  ersten  Einvernahme  immer  wieder  entschuldigte,  sein 

Bedauern über das Vorgefallene ausdrückte und dem Privatkläger gute Besserung 

wünschte (Urk. 24/3/1 S. 3, 12, 13, 14, 15; Urk. 24/3/2 S. 3, 5, 6; Urk. 24/3/3 S. 14, 

19, 20). Diese Strafminderung hat allerdings geringfügig auszufallen, zumal er sich 

anlässlich  der  Berufungsverhandlung,  als  er  mit  dem  Videomaterial  konfrontiert 

wurde, dann doch nicht mehr an das Vorgefallene erinnern und sich selber im Video 

auch  nicht  mehr  erkennen  wollte.  Echte  Reue  und  Einsicht  waren  somit  an  der 

Berufungsverhandlung nicht (mehr) erkennbar.

6.2.4. Es  erscheint  damit  als  angemessen,  A._____  für  den  Angriff  mit  einer 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen.

6.2.5. Die ihm von der Vorinstanz für den geringfügigen betrügerischen Missbrauch 

einer Datenverarbeitungsanlage auferlegte Busse von Fr. 200.– wird von A._____ 

nicht angefochten und ist rechtskräftig geworden. Hingegen beantragt er, anstelle 

der von der Vorinstanz dafür ausgesprochenen Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen 

eine solche von lediglich 2 Tagen festzusetzen (Urk. 150 S. 2; Prot. II S. 7 f.).

Das  vorinstanzliche  Urteil  enthält  keine  Erwägungen  zur  Ersatzfreiheitsstrafe 

(Urk. 132  S.  39  ff.).  Die  unter  diesem  Titel  ausgefällten  4  Tage  sind  einzig  dem 

Dispositiv zu entnehmen (Urk. 132 S. 48).

Gemäss schon seit langem etablierter Praxis wird zur Ermittlung der Ersatzfreiheits-

strafe  bei  Übertretungsbussen  grundsätzlich  von  einem  durchschnittlichen 

Umwandlungssatz von Fr. 100.– ausgegangen. Bei finanziell schlechter gestellten 

Beschuldigten – wovon bei A._____ fraglos auszugehen ist – wird dieser Satz nicht 

gesenkt,  weil  ansonsten  arme  Täter  gegenüber  reichen  überdurchschnittlich 

-   26   -

benachteiligt  würden  (ZR  115/2016  Nr.  14).  Nachdem  die  Vorinstanz  ihren 

Umwandlungssatz von Fr. 50.– nicht begründet hat und kein Anlass besteht, von 

der genannten Praxis abzuweichen, ist das vorinstanzliche Urteil ohne Weiteres im 

Sinne des Antrags der Verteidigung zu korrigieren. Entsprechend tritt anstelle der 

Busse  von  Fr. 200.–,  wenn  A._____  diese  schuldhaft  nicht  bezahlen  sollte,  eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.

6.2.6. Zusammenfassend  ist  A._____  demnach  mit  einer  Freiheitsstrafe  von 

18 Monaten und einer Busse von Fr. 200.– zu bestrafen. Gemäss Art. 51 StGB sind 

an die Freiheitsstrafe 209 Tage anzurechnen, die A._____ in Untersuchungshaft 

und im vorzeitigen Strafvollzug bereits erstanden hat (Urk. 132 S. 40). Der Vollzug 

der Freiheitsstrafe ist im Sinne des vorinstanzlichen Urteils bei einer Probezeit von 

2 Jahren  bedingt  aufzuschieben  (Urk.  132  S.  41  f.).  Die  Busse  ist  von  Gesetzes 

wegen zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Bezahlt A._____ die Busse schuldhaft 

nicht, tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.

6.3. Strafe B._____

6.3.1. Wie obstehend dargestellt, bestand der Tatbeitrag von B._____ am Angriff 

auf den Privatkläger darin, dass er – entgegen seiner hartnäckigen Behauptung in 

der Berufungsverhandlung – gegen Schluss der Auseinandersetzung dem Privat-

kläger mit einer Flasche einen gezielten, wuchtigen Schlag gegen den Kopf/Ober-

körper  versetzen  wollte.  Obwohl  der  Privatkläger  in  jener  Phase  von  H._____  in 

gebückter Stellung mit über den Kopf gezogenem Pullover festgehalten wurde, traf 

B._____ aber nicht. Er trat – ungeachtet dieses vordergründig nur kleinen Tatbei-

trags – im Übrigen aber ganz klar als Teil der angreifenden Gruppe auf. So ist auf 

der Videoaufzeichnung etwa zu sehen, dass er links im Bild vor der Szene mit dem 

erfolglosen Schlag des Privatklägers gegen H._____ entschlossen und bereits mit 

der  Flasche  in  der  Hand  auf  die  Strasse  tritt,  um  dann  aber  kurz  darauf  wieder 

zurückzuweichen, weil er dem niedergeschlagenen und fallenden Privatkläger aus-

weichen muss. Dass B._____ kurz darauf dem offensichtlich sehr beeinträchtigten, 

nicht mehr wirklich kampfesfähigen, bereits von den anderen Tätern mehrfach ge-

schlagenen und getretenen sowie überdies von H._____ festgehaltenen Privatklä-

ger aus nächster Nähe auch noch einen Schlag mit einer Flasche versetzen wollte, 

-   27   -

ist als ganz besonders feige und niederträchtig zu bezeichnen. Wie bei A._____ 

wirkt verschuldenserhöhend, dass er sich mit der Flasche überdies eines gefährli-

chen Gegenstandes als "Waffe" bediente. Das objektive Verschulden rechtfertigt 

damit eine Einsatzstrafe im Bereich eines Viertels des Strafrahmens und mithin von 

15 Monaten.

6.3.2. Subjektiv besteht auch bei B._____ kein Zweifel daran, dass er sich vorsätz-

lich am Angriff beteiligt hat, der nicht anders denn als eine sinnlose und gefährliche 

"Abreibung" bezeichnet werden kann. Wenn die Vorinstanz B._____ "eine mögliche 

Alkoholintoxikation zum Tatzeitpunkt" leicht verschuldensmindernd anrechnen will, 

besteht dafür überhaupt kein Anlass. B._____ hat das ganze Verfahren hindurch 

keine Aussagen zum Vorfall gemacht, und auch die Verteidigung behauptet nicht 

einmal, B._____ sei zum Tatzeitpunkt nur eingeschränkt schuldfähig gewesen. Die 

subjektiven Elemente verändern deshalb das objektive Tatverschulden nicht.

6.3.3. Hinsichtlich der Täterkomponenten ist zunächst ebenfalls auf das vorinstanz-

liche Urteil zu verweisen (Urk. 133 S. 38/39). Anlässlich der Berufungsverhandlung 

führte der mittlerweile 29-jährige B._____ aus, dass sein Lebensunterhalt nach wie 

vor von der Sozialhilfe bezahlt werde und er momentan in einer durch das Sozial-

amt vermittelten Stelle als Hilfskoch in einem Pensum von 80 % arbeite. Er sei ledig 

und  seine  Beziehung  zu  seiner  Familie,  insbesondere  seiner  Mutter,  habe  sich 

mittlerweile normalisiert (Urk. 165 S. 1 ff.). Mit der Vorinstanz (Urk. 133 S. 38) ist 

das schwierige Vorleben des Beschuldigten leicht strafmindernd zu berücksichti-

gen.  Wie  bereits  erwähnt,  verweigerte  B._____  bis  zur  Berufungsverhandlung 

konstant jegliche Aussagen zur Sache und kann damit weder ein Geständnis noch 

Einsicht  oder  Reue  für  sich  geltend  machen.  Erst  anlässlich  der  heutigen 

Berufungsverhandlung konnte er sich ein rudimentäres Geständnis und im Rahmen 

seines Schlusswortes eine pauschale Reuebekundung gegenüber "allen Beteilig-

ten"  abringen  (Prot. II  S. 10).  Zu  Ersterem  musste  er  noch  während  laufender 

Einvernahme  entsprechend  instruiert  werden  (vgl.  Urk. 165  S. 11).  Sowohl  das 

Geständnis  als  auch  die  Einsicht  kommen  angesichts  des  seit  rund  vier  Jahren 

laufenden  Verfahrens  und  einer  erdrückenden  Beweislage  sehr  spät  und  sind 

wenig  überzeugend.  Eine  Strafminderung  ist  daher  nicht  angezeigt.  Demgegen-

-   28   -

über  fallen  die  zahlreichen  Vorstrafen  von  B._____  deutlich  straferhöhend  ins 

Gewicht: So erwirkte er in den Jahren 2014, 2015, 2018, 2020 und 2021 je Straf-

befehle, zumeist unter anderem wegen Diebstahls, wobei hinsichtlich des aktuellen 

Vorfalls  insbesondere  der  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom 

14. Mai  2018  ins  Auge  springt,  wo  B._____  unter  anderem  wegen  Angriffs  und 

Vergehens  gegen  das  Waffengesetz  mit  einer  unbedingten  Freiheitsstrafe  von 

6 Monaten bestraft worden ist (Urk. 158). Diese Umstände führen zu einer Strafer-

höhung auf 18 Monate. 

6.3.4. Die Verteidigung beantragt aufgrund einer Verletzung des Beschleunigungs-

gebots  eine  Reduktion  der  Strafe  (Urk. 168  S. 7).  Sie  substantiiert  indes  nicht, 

inwiefern das Beschleunigungsgebot vorliegend verletzt worden sein soll. Die lange 

Dauer  des  Verfahrens  ist  in  erster  Linie  der  Vielzahl  an  beteiligten  Personen 

geschuldet.  Angesichts  dessen  wurde  die  Untersuchung  zügig  durchgeführt; 

wesentliche Lücken sind nicht ersichtlich. Die Anklagen gegen die Beschuldigten 

gingen gegen Ende des Jahres 2022 beim Bezirksgericht Zürich ein, welches die 

Verfahren  am  3.  Januar  2023  vereinigte  (Urk. 23).  Am  15.  Juni  2023  wurde  der 

erste Teil der Hauptverhandlung durchgeführt (Prot. I S. 7 ff.; Urk. 61, 64 und 65). 

Am 7. Juli 2023 sollte der zweite Verhandlungstag stattfinden und die Hauptver-

handlung  zu  Ende  geführt  werden.  Da  der  Beschuldigte  B._____  aufgrund  einer 

unbelegten Krankheit (kein Arztzeugnis) nicht erschien, konnte der zweite Teil der 

Hauptverhandlung  nicht  an  diesem  Tag  abgehalten  werden  (Prot.  I  S.  32  ff.; 

Urk. 86-88). Am 6. September 2023 wurde die Hauptverhandlung schliesslich zu 

Ende geführt und die Vorinstanz fällte gleichentags die Urteile (Prot. I S. 39 ff.). Die 

begründeten Urteile wurden den Parteien dann im Januar 2024 zugestellt. Das vor-

liegende Berufungsverfahren dauerte in der Folge etwas mehr als ein Jahr. Eine 

Verletzung des Beschleunigungsgebots ist angesichts dessen nicht auszumachen 

und eine Strafreduktion nicht angezeigt.

6.3.5. Im Sinne von Art. 51 StGB sind an die Freiheitsstrafe 196 Tage anzurechnen, 

die B._____ in Untersuchungshaft und im vorzeitigen Strafvollzug bereits erstanden 

hat (Urk. 133 S. 41). Die Verteidigung von B._____ beantragt, dem Beschuldigten 

seien für die angeordneten Ersatzmassnahmen weitere 30 Tage Haft anzurechnen. 

-   29   -

Es  seien  ihm  umfangreiche  Ersatzmassnahmen  auferlegt  worden.  Diese  hätten 

rund ein halbes Jahr gedauert. Neben einer wöchentlichen Meldepflicht habe er ein 

Eignungsgespräch  beim  Bewährungs-  und  Vollzugsdienst  führen  und  sich  durch 

das  Bedrohungsmanagement  der  Stadtpolizei  Zürich  begleiten  lassen  müssen. 

Diese  Ersatzmassnahmen  hätten  ihn  zu  einem  gewissen  Grad  eingeschränkt 

(Urk. 168 S. 1 und 8; Urk. 162 S. 5 f.).

6.3.6. Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  sind  Ersatzmassnahmen 

analog der Untersuchungshaft auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Bei der Bemes-

sung der anrechenbaren Dauer hat das Gericht den Grad der Beschränkung der 

persönlichen Freiheit im Vergleich zum Freiheitsentzug bei Untersuchungshaft zu 

berücksichtigen  (Urteile  BGer 6B_739/2019  vom  2.  September  2019  E. 4.4; 

6B_1416/2017 vom 29. November 2018 E. 2.3). Die Ersatzmassnahme der Melde-

pflicht stellt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Regel keine ein-

schneidende Beschränkung der persönlichen Freiheit dar, weshalb grundsätzlich 

keine  Anrechnung  zu  erfolgen  hat  (BSK  StGB-METTLER/SPICHTIN,  Art.  51  StGB 

N 27 mit Hinweis auf Urteil BGer 6S.108/1999 vom 28. September 2000 E. 4c). 

6.3.7. Mit  Verfügung  des  Zwangsmassnahmengerichts  vom  22.  Dezember  2021 

wurden B._____ die Auflagen erteilt, sich einmal pro Woche auf der Regionalwache 

L._____  der  Stadtpolizei  Zürich  zu  melden,  an  einem  Eignungsgespräch  für  ein 

Lernprogramm und im Eignungsfall am zielführenden Lernprogramm teilzunehmen 

sowie  sich  einer  Begleitung  durch  das  Bedrohungsmanagement  der  Stadtpolizei 

Zürich zu unterziehen und deren Auflagen Folge zu leisten (Urk. 12/21). Aktenkun-

dig ist, dass sich B._____ nach seiner Entlassung aus der Haft erstmals am 4. Fe-

bruar 2022 bei der Regionalwache meldete. In der Folge meldete er sich (fast im-

mer)  wöchentlich.  Am  15.  Juni  2022  meldete  er  sich  letztmals  bei  der  Wache 

(Urk. 12/23, 12/27, 12/28 und 12/30). Weiter ist aktenkundig, dass B._____ trotz 

viermaliger Einladung zum Eignungsgespräch für ein Lernprogramm nicht erschie-

nen  ist.  Infolgedessen  wurde  weder  das  Eignungsgespräch  noch  das  Lernpro-

gramm durchgeführt (Urk. 12/26). Ebenfalls lässt sich den Akten nicht entnehmen, 

dass eine Begleitung durch das Bedrohungsmanagement der Stadtpolizei Zürich 

bei B._____ tatsächlich stattgefunden hätte. Von der Verteidigung wurde lediglich 

-   30   -

eine E-Mail eingereicht, dass die Tätigkeit des Bedrohungsmanagements im Juni 

2022 beendet worden sei (Urk. 163/5). Am 9. Juni 2022 hob die Staatsanwaltschaft 

die angeordneten Ersatzmassnahmen schliesslich auf (Urk. 12/29). Entgegen den 

pauschalen Vorbringen der Verteidigung sind aufgrund der Akten somit keine Ein-

schränkungen durch ein Eignungsgespräch beim Bewährungs- und Vollzugsdienst 

sowie durch das Bedrohungsmanagement der Stadtpolizei Zürich ersichtlich. Durch 

die wöchentliche Meldeauflage ist ebenfalls keine relevante Einschränkung der per-

sönlichen Freiheit auszumachen. B._____ musste sich lediglich einmal pro Woche 

melden, bei einer Wache, welche sich mitten in der Stadt Zürich und bloss rund 

anderthalb Kilometer von seinem Wohnort an der M._____-strasse 1 entfernt be-

findet. Insbesondere schränkte ihn diese Pflicht in seinem beruflichen Leben nicht 

ein, war er zu diesem Zeitpunkt doch bloss sporadisch und jedenfalls nicht im ers-

ten Arbeitsmarkt arbeitstätig (vgl. Urk. 163/9 S. 1; Urk. 163/10 S. 1; Urk. 165 S. 9). 

Im Übrigen legt die Verteidigung nicht näher daher, inwiefern B._____ durch die 

Meldepflicht tatsächlich in relevanter Art und Weise in seiner Freiheit eingeschränkt 

gewesen wäre. Eine Anrechnung der Ersatzmassnahmen auf die Strafe ist daher 

nicht vorzunehmen.

6.3.8. Die Vorinstanz hat den Vollzug der von ihr ausgefällten Freiheitsstrafe nicht 

aufgeschoben. Darauf ist zu verweisen (Urk. 133 S. 41/42). B._____ waren in den 

Jahren 2014 und 2015 zunächst zwei bedingt aufgeschobene Geldstrafen auferlegt 

worden, deren nachträglicher Vollzug trotz Rückfällen in den jeweiligen Probezeiten 

in beiden Fällen aber nicht angeordnet worden ist. Am 14. Mai 2018 wurde B._____ 

sodann zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 6 Monaten verurteilt, 

aus deren Vollzug er am 15. September 2019 bei einer Reststrafe von 64 Tagen 

bedingt entlassen worden ist. Kurz nach Ablauf der Probezeit beging B._____ einen 

Diebstahl, für welchen er am 24. November 2020 mit einer unbedingten Geldstrafe 

von 30 Tagessätzen bestraft wurde, mit der gleichen Strafe, wie dies gemäss Straf-

befehl vom 23. Februar 2021 der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ein nächster 

Diebstahl  am  30.  Januar  2021  zur  Folge  hatte  (Urk.  161).  Diese  regelmässige 

Delinquenz trotz mittlerweile mehreren unbedingten Strafen (unter anderem eine 

mehrmonatige Freiheitsstrafe) zeichnen von B._____ das Bild eines uneinsichtigen 

und  unbelehrbaren  Wiederholungsstraftäters,  der  sich  auch  von  Strafen  nicht 

-   31   -

beeindrucken lässt. Mit der Vorinstanz kann ihm deshalb – entgegen der Ansicht 

der Verteidigung (Urk. 168 S. 7 f.) – keine günstige Legalprognose gestellt werden 

und ist die Freiheitsstrafe von 18 Monaten entsprechend zu vollziehen.

7.

Landesverweisung

7.1. Die Vorinstanz sah sowohl bei A._____ als auch bei B._____ von der An-

ordnung einer (fakultativen) Landesverweisung ab, nachdem sie beide nicht wegen 

einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB verurteilt hat (Urk. 132 S. 42 f.; 

Urk. 133 S. 42 f.).

7.2. Da nun beide Beschuldigten berufungsweise wegen Angriffs verurteilt wer-

den, steht je eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB zur Diskussion. 

Danach verweist das Gericht den Ausländer unabhängig von der Höhe der Strafe 

für  5-15  Jahre  aus  der  Schweiz  (Art.  66a  Abs.  1  lit.  c  StGB).  Die  obligatorische 

Landesverweisung greift damit grundsätzlich unabhängig sowohl von der konkreten 

Tatschwere als auch davon, ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt aus-

gesprochen wird (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1).

7.3. Gemäss Art. 66a Abs. 2 Satz 1 StGB kann das Gericht von einer Landes-

verweisung  ausnahmsweise  und  unter  den  kumulativen  Voraussetzungen 

absehen, dass diese (1) für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall 

bewirken  würde  und  (2)  die  öffentlichen  Interessen  an  der  Landesverweisung 

gegenüber  den  privaten  Interessen  des  Ausländers  am  Verbleib  in  der  Schweiz 

nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern Rechnung 

zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 

Satz 2 StGB). Die Härtefallklausel ist indessen restriktiv anzuwenden. Das Gericht 

hat dabei die öffentlichen und privaten Interessen gegeneinander abzuwägen. Dies 

kann kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den "schwerwiegenden persön-

lichen  Härtefall"  in  Art.  31  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24.  Oktober  2007  über 

Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) erfolgen. Art. 31 

Abs. 1 VZAE ist indes nicht abschliessend. Da die Landesverweisung strafrecht-

licher Natur ist, sind auch strafrechtliche Elemente wie die Aussichten auf soziale 

Wiedereingliederung  des  Täters  in  die  Interessenabwägung  miteinzubeziehen 

-   32   -

(BGE 146 IV 105 E. 3.4.2 S. 108 mit Hinweisen). Zu berücksichtigen sind nament-

lich  der  Grad  der  (persönlichen  und  wirtschaftlichen)  Integration,  einschliesslich 

familiäre  Bindungen  des  Ausländers  in  der  Schweiz  bzw.  in  der  Heimat,  Aufent-

haltsdauer  und  Resozialisierungschancen.  Ebenso  ist  der  Rückfallgefahr  und 

wiederholten Delinquenz Rechnung zu tragen. Dabei darf das Gericht auch vor dem 

Inkrafttreten  von  Art. 66a  StGB  begangene  Straftaten  berücksichtigen  (BGE  144 

IV 332 E. 3.3.2; Urteil 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.2). 

Art. 66d StGB regelt den Vollzug der obligatorischen Landesverweisung. Nach der 

neueren,  mittlerweile  gefestigten,  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  sind 

allfällige  Vollzugshindernisse,  soweit  diese  definitiv  bestimmbar  sind,  bereits  bei 

der strafgerichtlichen Anordnung im Rahmen von Art. 66a Abs. 2 StGB, d.h. bei der 

dort  vorgesehenen  Interessenabwägung,  zu  berücksichtigen  (BGE 145  IV  455 

E. 9.4; Urteile BGer 6B_1042/2021 vom 24. Mai 2023 E. 5.3.3; 6B_747/2019 vom 

24. Juni 2020 E. 2.1.2). Gemäss Art. 66d Abs. 1 lit. a erster Teilsatz StGB kann der 

Vollzug der Landesverweisung aufgeschoben werden, wenn der Betroffene ein von 

der Schweiz anerkannter Flüchtling ist und durch die Landesverweisung sein Leben 

oder  seine  Freiheit  wegen  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 

einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Anschauungen konkret 

gefährdet  wäre;  davon  ausgenommen  ist  der  Flüchtling,  der  sich  gemäss  Art. 5 

Abs. 2  AsylG  nicht  auf  das  Rückschiebungsverbot  berufen  kann  (Art. 66d  Abs. 1 

lit. a zweiter Teilsatz). Gemäss Art. 66d Abs. 1 lit. b kann der Vollzug auch aufge-

schoben werden, wenn andere zwingende Bestimmungen des Völkerrechts entge-

genstehen.

Das flüchtlingsrechtliche Non-refoulement-Gebot im Sinne von Art. 66d Abs. 1 lit. a 

StGB  stellt  ein  relatives  Vollzugshindernis  dar,  welches  an  die  Flüchtlingseigen-

schaft des Betroffenen anknüpft, wobei die Ausnahme vom Non-refoulement-Gebot 

restriktiv  anzuwenden  ist.  Das  menschenrechtliche  Non-refoulement-Gebot  im 

Sinne von Art. 66d Abs. 1 lit. b StGB gilt absolut und verhindert unabhängig eines 

ausländerrechtlichen  Status,  der  begangenen  Straftaten  oder  des  Gefährdungs-

potentials  des  Betroffenen  eine  Ausschaffung  (BGE 149  IV  231  E. 2.1.3;  Urteile 

-   33   -

BGer 7B_466/2023  vom  26. August  2024  E. 2.4;  6B_988/2023  vom  5.  Juli  2024 

E. 1.8.1). 

Ein Flüchtling kann sich gemäss Art. 5 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 66d Abs. 1 lit. a 

zweiter Teilsatz StGB nicht auf das Rückschiebeverbot berufen, wenn erhebliche 

Gründe für die Annahme sprechen, dass er die Sicherheit der Schweiz ernsthaft 

gefährdet oder als gemeingefährlich einzustufen ist, weil er wegen eines besonders 

schweren Verbrechens oder Vergehens rechtskräftig verurteilt worden ist. Dies ist 

dann der Fall, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche 

Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder er die 

innere  oder  äussere  Sicherheit  des  Landes  gefährdet.  Wenn  die  ausländische 

Person durch ihre Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter wie namentlich 

die  körperliche,  psychische  und  sexuelle  Integrität  eines  Menschen  verletzt  oder 

gefährdet  hat,  sind  diese  qualifizierten  Voraussetzungen  gemäss  bundesgericht-

licher  Rechtsprechung  in  der  Regel  erfüllt.  Bereits  vergleichsweise  weniger 

gravierende Pflichtverletzungen können ebenfalls als "schwerwiegend" bezeichnet 

werden,  wenn  sich  eine  ausländische  Person  von  strafrechtlichen  Massnahmen 

wiederholt nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig weder 

gewillt  noch 

fähig 

ist,  sich  an  die  Rechtsordnung  zu  halten 

(Urteile 

BGer 7B_466/2023 vom 26. August 2024 E. 2.5; 6B_1042/2021 vom 24. Mai 2023 

E. 5.3.3.).

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 Ziff. 1 UN-Übereinkommen gegen die Folter und 

Art. 3 EMRK darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter 

oder eine andere Art grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung 

droht. Nach der Rechtsprechung des EGMR sind indes restriktive Kriterien anzu-

wenden, um ein solches Risiko zu bejahen. Es gilt unter Würdigung der Gesamt-

umstände des Einzelfalles zu erörtern, ob das Risiko einer unmenschlichen Strafe 

oder Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK für den Fall einer Landesverweisung 

mit stichhaltigen Gründen konkret und ernsthaft glaubhaft gemacht wird (vgl. Urteile 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 23. März 2016, F.G. c. 

Schweden,  Nr.  43611/11,  § 113  und  vom  28.  Februar  2008,  Saadi  c.  Italien, 

-   34   -

Nr. 37201/06,  §  125  und  128;  zum  Ganzen  BGE 149  IV  231  E. 2.1.5;  Urteil 

BGer 7B_466/2023 vom 26. August 2024 E. 2.6).

7.4.

Landesverweisung A._____

7.4.1. Zur persönlichen  Situation  von  A._____  ist  zunächst  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen  zur  Täterkomponente  bei  der  Strafzumessung  sowie  auf  die 

vorinstanzlichen  Erwägungen  zu  diesem  Thema  zu  verweisen  (Urk.  132  S.  37). 

Daraus  (und  aus  den  Migrationsakten,  Urk.  24/16/6)  ergibt  sich,  dass  A._____ 

2017, mit 16 Jahren, als unbegleiteter Minderjähriger via Libyen und Italien in die 

Schweiz eingereist ist. Sein Asylgesuch wurde abgewiesen. Weil die Wegweisung 

indessen nicht möglich war, wurde er vorläufig aufgenommen und verfügt seither 

über eine F-Bewilligung. Mit diesem Status kann er grundsätzlich arbeiten. So be-

gann er zunächst eine Sanitär-Integrationslehre, erhielt dann aber die Kündigung 

und lebte fortan von Sozialhilfe (Urk. 24/3/1 S. 4). Zwischenzeitlich begann er eine 

Vorlehre, brach diese aber nach sechs Monaten wieder ab (Urk. 24/3/2 S. 6). Er 

habe dann Arbeit gesucht, sei "irgendwo schnuppern" gegangen und habe auch 

versucht,  weitere  Sprachkurse  zu  besuchen,  was  aber  nicht  bewilligt  worden  sei 

(Urk. 24/3/2 S. 7). Zur Zeit der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 9. Juni 

2022  arbeitete  A._____  seit  zwei  Monaten  als  Tellerwäscher  im  Restaurant 

N._____ (Urk. 24/3/5 S. 5). Diese Stelle hatte er indessen nicht sehr lange, wurde 

er doch zum Zeitpunkt der nachfolgenden Einvernahme am 20. Oktober 2022 wie-

der  vom  Sozialamt  unterstützt  (Urk.  24/3/6  S.  9).  Anlässlich  der  vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung  vom  6.  September  2023  erklärte  A._____,  seit  zwei  Monaten 

temporär in der Produktionsfirma O._____ in P._____ Essen zu verpacken; es gebe 

die Möglichkeit, nach sechs Monaten eine Festanstellung zu erhalten (Prot. I S. 50). 

Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte er aus, kurz nach der erstin-

stanzlichen  Hauptverhandlung  seine  Arbeitsstelle  gewechselt  zu  haben  und  nun 

seit ungefähr anderthalb Jahren in einer Recyclinganlage zu arbeiten, wobei auch 

dies temporär sei. Sein Verdienst reiche zur Bestreitung seines Lebensunterhalts 

aus (Urk. 164 S. 3 f.). Die Familie und Verwandten von A._____ leben nach wie vor 

in Eritrea; in der Schweiz habe er einige Bekannte; eine Partnerin oder Kinder hat 

-   35   -

er nicht (Urk. 24/3/1 S. 3 f.; Urk. 24/3/2 S. 7; Urk. 24/3/4 S. 5; Prot. I S. 51; Urk. 164 

S. 4 f.).

Auf eine mögliche Landesverweisung angesprochen, war A._____ bei der Staats-

anwaltschaft der Meinung, er könne nicht dazu gezwungen werden, unfreiwillig die 

Schweiz zu verlassen. Würde er ausgeschafft, heisse das noch nicht, dass er auch 

nach  Eritrea  zurückkehren  werde.  Wohin  er  gehen  würde,  müsste  er  sich  über-

legen,  "wenn  es  soweit  wäre"  (Urk.  24/3/4  S.  6).  Ähnlich  äusserte  er  sich  in  der 

Schlusseinvernahme  vom  20.  Oktober  2022  (Urk.  24/3/6  S.  11)  und  auch  in  der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Prot. I S. 53). Auf Frage des vorinstanzlichen 

Vorsitzenden erklärte er, Eritrea aus politischen Gründen verlassen zu haben, weil 

er  sich  dort  nicht  habe  frei  bewegen  können;  entweder  müsse  man  ins  Militär, 

ansonsten lande man im Gefängnis. A._____ wiederholte aber auch, dass seine 

Familie und insbesondere auch seine Geschwister – teils älter, teils jünger als er – 

weiterhin in Eritrea lebten (Prot. I S. 51/52). Danach gefragt, welche konkreten Pro-

bleme er in Eritrea gehabt habe, erwiderte er: "Es bringt nichts, wenn ich das hier 

erzähle" (Prot. I S. 53). In der Berufungsverhandlung führte er aus, in Eritrea keine 

Perspektive für sein Leben zu haben (Urk. 164 S. 5).

7.4.2. Vor  diesem  Hintergrund  ist  klar,  dass  von  einem  schweren  persönlichen 

Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB nicht die Rede sein kann. A._____ ist 

erst vor knapp 8 Jahren, als 16-jähriger Jugendlicher, in die Schweiz eingereist und 

hat sich seither weder beruflich, familiär noch sonstwie sozial in der Schweiz nach-

haltig  integrieren  können.  Seine  ganze  Familie,  Eltern  und  Geschwister  sowie 

weitere Verwandte, leben in Eritrea; mit der Familie pflegt A._____ auch regelmäs-

sigen (telefonischen) Kontakt (Urk. 24/3/4 S. 5; Prot. I S. 52; Urk. 164 S. 4). Soweit 

er  geltend  macht,  Eritrea  aus  "politischen  Gründen"  verlassen  zu  haben,  weil  er 

sich dort nicht habe "frei bewegen" können und "Probleme" habe, ist dies viel zu 

pauschal, als dass das von Relevanz sein könnte. Es ist daran zu erinnern, dass 

A._____ von den für die Prüfung dieser Argumente primär zuständigen Behörden 

die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zuerkannt  und  er  weggewiesen  worden  ist. 

A._____ ist damit in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 StGB des Landes zu verwei-

sen.

-   36   -

7.4.3. Die Bemessung der Dauer der Landesverweisung liegt gemäss Botschaft im 

Ermessen des Gerichts, das sich  dabei  insbesondere am Verhältnismässigkeits-

grundsatz zu orientieren hat (Botschaft, BBl 2013, 5975 ff., 6021). Die Dauer der 

Landesverweisung ist unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls, namentlich 

des Verschuldens der beschuldigten Person, der Schwere des Delikts sowie der 

persönlichen  Verhältnisse  des  Betroffenen  und  seiner  allfälligen  Bindung  zur 

Schweiz zu bemessen.

7.4.4. Die Staatsanwaltschaft beantragt berufungsweise wie schon vor Vorinstanz, 

die Landesverweisung für die gesetzliche Mindestdauer von 5 Jahren auszuspre-

chen (Urk. 166 S. 1). Das erscheint den gegebenen Umständen angemessen und 

ist entsprechend anzuordnen.

7.5.

Landesverweisung B._____

7.5.1. Zur persönlichen Situation von B._____ ist ebenfalls zunächst auf die vor-

stehenden Erwägungen zur Täterkomponente bei der Strafzumessung sowie auf 

die vorinstanzlichen Erwägungen zu diesem Thema zu verweisen (Urk. 133 S. 38). 

Daraus (und aus den Migrationsakten, Urk. 25/17/3/2) ergibt sich, dass B._____ im 

Jahre 2009 (wohl zusammen mit Geschwistern) im Rahmen eines Familiennach-

zugs als etwa 14-Jähriger in die Schweiz eingereist ist, nachdem vorgängig bereits 

seine  Mutter  hierhin  geflüchtet  war  und  Asyl  erhalten  hatte.  Mit  Entscheid  des 

Bundesamtes für Migration (BFM; heute Staatsekretariat für Migration, SEM) vom 

17. April 2009 wurde auch er als Flüchtling anerkannt und erhielt Asyl (Urk. 25/3/1 

S. 2; Urk. 25/3/5 S. 7; Urk. 163/1). Sein Vater sei im Krieg gestorben. Zunächst war 

B._____ die Aufenthaltsbewilligung B erteilt worden, nach Ablauf der erforderlichen 

Zeit erhielt er dann die Niederlassungsbewilligung C. Nach der Schule habe er eine 

"Vorlehre" als Fleischfachassistent abgeschlossen (Urk. 25/3/5 S. 8), wobei er dies-

bezüglich in einem früheren Strafverfahren von einer "abgebrochenen Ausbildung" 

gesprochen  hatte  (vgl.  Migrationsakten  pag.  110).  Nachdem  ihn  seine  Mutter 

bereits 2012 vorübergehend aus dem Familienhaushalt hinausgestellt hatte, folgten 

Heimaufenthalte  und  über  das  Sozialamt  organisierte  Unterkünfte;  teilweise  war 

B._____  obdachlos  und  lebte  aber  auch  wieder  bei  der  Mutter  (Migrationsakten 

pag. 34 ff., 260; Urk. 24/3/5 S. 9). Seit Januar 2022 wohnt er in einem sozialpäd-

-   37   -

agogisch  begleiteten  Wohnheim  in  Zürich;  eine  Partnerschaft  oder  Kinder  hat  er 

nicht (Urk. 24/3/5 S. 7; Prot. I S. 57; Urk. 163/10 S. 1; Urk. 165 S. 1 f., 5). Ganz 

schwergewichtig wurde und wird B._____ bis heute von der Sozialhilfe unterstützt. 

Zum Zeitpunkt der vorinstanzlichen Hauptverhandlung am 6. September 2023 ar-

beitete er zu 50 % an einer durch das Sozialamt vermittelten Stelle als Küchenge-

hilfe und bezog 50 % Sozialhilfe. Er wolle eine Lehre als Fleischfachmann oder als 

Koch  abschliessen,  habe  aber  noch  keine  solche  (Prot.  I  S.  57  ff.).  In  der  Beru-

fungsverhandlung erklärte er, momentan wieder als Hilfskoch in einem Pensum von 

80 % zu arbeiten. Dabei handelt es sich um ein Angebot der Arbeitsintegration bei 

der Stadt Zürich. Zuvor sei er für kurze Zeit zu 100 % in einem Restaurant ebenfalls 

als Hilfskoch tätig gewesen, welche Stelle er aber wieder verloren habe. Sein Ziel 

sei es nach wie vor, eine Lehre zu machen, er wolle aber zunächst dieses Verfah-

ren hinter sich haben (Urk. 163/10; Urk. 165 S. 2 ff.). Sowohl die Mutter als auch 

die vier Geschwister von B._____ leben in der Schweiz, wie – gemäss seinen Aus-

sagen – auch noch "Onkel, Cousins" (Prot. I S. 59). Zu seiner Mutter hatte B._____ 

zwischenzeitlich  ein  sehr  belastetes  Verhältnis;  er  kenne  sie  fast  nicht,  da  sie  in 

Eritrea  immer  im  Militär  gewesen  sei  und  die  Kinder  entsprechend  bei  der 

Grossmutter aufgewachsen seien (Urk. 24/3/5 S. 8; Prot. I S. 60). In der Schluss-

einvernahme erklärte B._____ noch, momentan keinen Kontakt zu seiner Mutter zu 

haben  (Urk. 24/3/5  S. 7).  Von  seinen  Verwandten  würde  "fast  niemand"  mehr  in 

Eritrea leben; seine Grossmutter sei zudem schon fast 90 Jahre alt (Prot. I S. 60). 

Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  erklärte  B._____  dann,  dass  sich  das  Ver-

hältnis zu seiner Mutter gebessert habe und alle seine Freunde und Bekannte in 

der Schweiz leben würden (Urk. 165 S. 5 f.). 

Auf  eine  mögliche  Landesverweisung  angesprochen,  erklärte  B._____,  sein  Le-

bensmittelpunkt sei in der Schweiz; er könne sich gar nicht vorstellen, das Land zu 

verlassen. Er wüsste nicht, wohin er gehen würde. Eritrea kenne er nicht, und seine 

ganze Familie sei hier. Diese sei gegen den Präsidenten, und wenn jemand von 

der  Familie  zurückkehren  würde,  dann  drohe  ihm  "alles  Mögliche,  Tod,  Folter, 

Knast,  Verschwinden  lassen…"  (Urk.  24/3/5  S.  8).  Es  gehe  Eritrea  wirtschaftlich 

nicht gut; seine Mutter habe das Land deshalb verlassen (Prot. I S. 60). Anlässlich 

der  Berufungsverhandlung  erklärte  er,  bei  einer  Landesverweisung  alles  zu  ver-

-   38   -

lieren. Er habe keine Familie mehr in Eritrea und seine Familie habe politische Pro-

bleme. Er selber sei auch politisch aktiv. Auf seine politischen Aktivitäten angespro-

chen  führte  er  aus,  seit ungefähr  drei  Jahren  nicht mehr so  richtig aktiv  zu  sein. 

Früher habe er an Gesprächen teilgenommen und sei bei Demonstrationen mitge-

gangen.  Auf  wiederholte  Nachfrage  präzisierte  er,  2013  oder  2014  in  Q._____ 

gewesen zu sein. Es sei da um verstorbene Personen gegangen, welche durch das 

Meer  gekommen  seien.  Sie  hätten  demonstrieren  müssen,  damit  sich  das  nicht 

wiederhole (Urk. 165 S. 6 f.). 

Seine Verteidigung macht geltend, bei B._____ handle es sich um einen Härtefall 

und seine Flüchtlingseigenschaft spreche dafür, dass ihm eine konkrete, asylrele-

vante  Gefährdung  drohe,  würde  er  nach  Eritrea  zurückkehren  müssen  (Urk. 162 

Rz. 2; Urk. 168 Rz. 5). Er sei auch in der exilpolitischen Bewegung von Eritrea aktiv. 

Er  gehöre  der  R._____  an,  welche  eine  der  exilpolitischen  Organisationen  sei. 

Schliesslich  habe  er  in  Eritrea  keine  Familie  mehr  und  kenne  niemanden.  Seine 

Grossmutter und Tante würden inzwischen in Äthiopien leben (Urk. 162 Rz. 12) 

7.5.2. B._____, heute rund 29 ½-jährig, hat mithin bis jetzt ziemlich genau die Hälfte 

seines  Lebens  in  der  Schweiz  verbracht.  Er  war  bis  zu  seinem  14.  Altersjahr  in 

Eritrea und reiste dann seiner Mutter in die Schweiz nach, die offenbar im Militär 

tätig war und das Land hernach aus wirtschaftlichen Gründen verliess. Zwar leben 

neben seiner Mutter auch seine Geschwister und – indessen nicht näher bezeich-

nete – "Onkel und Cousins" hier. Zu seiner Mutter hat B._____ jedoch keinen allzu 

engen Kontakt, nachdem er und seine Geschwister in Eritrea bei der Grossmutter 

aufgewachsen sind und die Beziehung zur Mutter in der Schweiz von vielen Aus-

einandersetzungen geprägt war. Eine eigene Kernfamilie im Sinne einer Partner-

schaft oder eigenen Kindern hat B._____ nicht. Es ist deshalb zunächst festzustel-

len, dass B._____ zwar einen Teil seiner Schulzeit in der Schweiz verbracht hat, 

jedoch nicht dergestalt, dass er im Sinne von Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB als "in 

der Schweiz aufgewachsen" gelten würde (vgl. dazu BGE 146 IV 105 E. 3.4.3 f.). 

In Eritrea lebt zwar mittlerweile offenbar keine Verwandtschaft mehr; aber B._____ 

ist mit seinen bald 30 Jahren auch ohne weitere Verwandtschaft selbständig und 

spricht  Tigrinya,  die  örtliche  Sprache  (Urk.  24/3/5  S.  8).  Ein  soziales  Netzwerk 

-   39   -

neben seiner Familie hat B._____ in der Schweiz – soweit ersichtlich – nicht. Eine 

soziale  Einbettung  von  gewisser  Tragfähigkeit  und  Integration  hat  hier  demnach 

nicht stattgefunden. Dasselbe muss vom beruflichen Bereich gesagt werden, wo 

B._____  zwar  schon  lange  davon  spricht,  eine  Lehre  als  Fleischfachmann  oder 

Koch absolvieren zu wollen, es indessen nicht über ein Praktikum bzw. eine Vor-

lehre hinaus gebracht hat. Auch seit seiner letztmaligen Entlassung aus der Haft 

vor über drei Jahren hat er immer noch nicht im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen 

können (vgl. Urk. 163/10 S. 1). Vielmehr bezieht er schwergewichtig Sozialhilfe und 

kann gelegentlich gewisse Einsätze an durch die Sozialbehörden vermittelten Ar-

beitsstellen  leisten.  Von  einer  alles  anderen  als  gelungenen  Integration  muss 

schliesslich  in  gesellschaftlicher  Hinsicht  gesprochen  werden,  wo  B._____  –  wie 

gesehen  –  seit  2014  regelmässig  mit  dem  Gesetz  in  Konflikt  gekommen  ist  und 

heute  nunmehr  schon  zum  sechsten  Mal  verurteilt  werden  muss.  So  wenig  es 

B._____ gelungen ist, sich in den vergangenen gut 15 Jahren in der Schweiz zu 

integrieren, so klein ist die Hoffnung, dass ihm das in absehbarer Zukunft gelingen 

wird. Auch wenn er Eritrea "nicht kennen" will, ist jedenfalls nicht davon auszuge-

hen, dass es ihm dort deutlich schwerer als in der Schweiz fallen wird, sich in den 

lokalen Arbeitsmarkt und die Gesellschaft zu integrieren. Es sind demnach keine 

besonders gewichtigen persönlichen Interessen von B._____ ersichtlich, die einen 

Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB begründen würden.

Gegen einen Landesverweis spricht auch Art. 8 EMRK nicht, welche Bestimmung 

das  Privat-  und  Familienleben  schützt.  Zunächst  erscheint  ohnehin  fraglich,  ob 

vorliegend  der  Schutzbereich  von  Art.  8  EMRK  betroffen  ist,  da  B._____  längst 

erwachsen  und  ein  besonderes  Nähe-  oder  Abhängigkeitsverhältnis  zu  seinen 

Familienmitgliedern (Mutter und Geschwister) weder dargetan noch ersichtlich ist 

(vgl. dazu statt vieler Urteil BGer 6B_1144/2021 vom 24. April 2023 E. 1.2.3). Des 

Weiteren wäre die Verhältnismässigkeit der Landesverweisung gegeben, nachdem 

B._____ mit seiner Beteiligung am Angriff eine schwere Straftat begangen hat und 

seit 2014 immer wieder straffällig geworden ist. Demgegenüber sind seine persön-

lichen Interessen an einem Verbleib in der Schweiz angesichts der nicht erfolgten 

Integration  und  der  nur  schwachen  familiären  Beziehungen  deutlich  weniger 

gewichtig (vgl. dazu auch BGE 146 IV 105). Diese Überlegungen gälten im Übrigen 

-   40   -

auch im Rahmen der Interessenabwägung gemäss Art. 66a Abs. 2 Satz 1, zweiter 

Halbsatz: Angesichts der nur gering zu gewichtenden persönlichen Interessen von 

B._____ werden diese durch die die öffentlichen Interessen an der Landesverwei-

sung bei weitem überwogen; die sich in mehreren Verurteilungen manifestierende 

Gefährlichkeit von B._____ und seine ausgeprägt schlechte Legalprognose lassen 

die  öffentliche  Sicherheit  als  stark  gefährdet  erscheinen,  wenn  B._____  im  Land 

verbliebe.

Aufgrund  der  schwerwiegenden  Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und 

Ordnung durch B._____ spricht auch seine Flüchtlingseigenschaft nicht gegen ei-

nen Landesverweis. In Übereinstimmung mit den Ausführungen der Staatsanwalt-

schaft (Urk. 166 S. 3) ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nun – nebst anderen 

Delikten – bereits zum wiederholten Mal ein Gewaltverbrechen gegen einen ande-

ren  Menschen  verübt  hat,  womit  er  seine  Gefährlichkeit  für  die  Gesellschaft  de-

monstriert hat. Trotz seines Flüchtlingsstatus ist daher eine Landesverweisung zu-

lässig. Betreffend den Flüchtlingsstatus von B._____ ist sodann zu erwähnen, dass 

er  vor  rund  16  Jahren  noch  als  Kind  aufgrund  der  Flüchtlingseigenschaft  seiner 

Mutter als Flüchtling anerkannt wurde und (Familien-) Asyl erhielt. Eine individuelle 

Prüfung einer eigenen, persönlichen Verfolgungssituation in Eritrea erfolgte dabei 

offensichtlich nicht (vgl. Urk. 163/1). Dass er selber bei einer Rückkehr individuell 

verfolgt und gefährdet wäre, wie seine Verteidigung geltend macht, ist nicht ersicht-

lich. Insbesondere ist – entgegen der Verteidigung – keine Verfolgung wegen sei-

nes angeblichen exilpolitischen Engagements anzunehmen. So hat er selbst aus-

geführt, dass er nun seit mehreren Jahren nicht mehr politisch aktiv war. Bezüglich 

konkreter politischer Aktivitäten, an welchen er in der Vergangenheit teilgenommen 

habe, konnte er einzig eine Veranstaltung in Q._____ im Jahre 2013 oder 2014, 

mithin vor über zehn Jahren, nennen, an welcher er wegen eines Schiffsunglücks 

mit dem Tod von mehreren hundert Migranten demonstriert hatte (Urk. 165 S. 6 f.). 

Eine massgebliche exilpolitische Aktivität von B._____, aufgrund welcher ihm indi-

viduelle Verfolgung seitens der eritreischen Behörden drohen könnte, liegt damit 

nicht vor. 

-   41   -

Soweit B._____ schliesslich geltend macht, es drohe ihm im Falle einer Rückkehr 

"Tod, Folter, Knast, Verschwinden lassen", weshalb einer Landesverweisung das 

Non-refoulement-Gebot im Sinne von Art. 66d Abs. 1 lit. b StGB entgegenstehe, ist 

zunächst festzuhalten, dass er mit seinen pauschalen Behauptungen keine konkre-

ten Bedrohungen für den Fall seiner Rückkehr aufzeigt. Daran ändert nichts, dass 

auch seine Mutter und Geschwister nicht mehr in Eritrea leben, zumal seine Mutter 

gemäss  seinen  eigenen  Aussagen  das  Land  aus  wirtschaftlichen  Gründen  ver-

lassen  hat.  Im  Übrigen  hat  sich  das  Bundesgericht  im  Urteil  6B_1069/2023  vom 

21. Januar 2025 gerade kürzlich sehr eingehend mit der Situation von auszuschaf-

fenden  Eritreern  befasst  und  namentlich  festgehalten  hat,  es  sei  nicht  mit  über-

wiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  einer  Person  einzig 

aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe, 

und es spreche auch nicht ein allfälliger Einzug zum eritreischen Militärdienst für 

sich alleine gegen die Zulässigkeit eines Wegweisungsvollzugs (a.a.O. E. 3.3.2). 

Angesichts  dessen  erscheint  es  nicht  notwendig,  beim  SEM  einen  Amtsbericht 

einzuholen. Dass zwangsweise Rückführungen wegen fehlender Kooperation der 

eritreischen  Behörden  derzeit  nicht  möglich  sind,  kann  an  diesen  Erwägungen 

nichts ändern. 

7.5.3. Auch gegen B._____ ist demnach in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 StGB 

eine Landesverweisung auszusprechen.

7.5.4. Die Staatsanwaltschaft beantragt bei B._____ ebenfalls, die Landesverwei-

sung für die gesetzliche Mindestdauer von 5 Jahren auszusprechen (Urk. 166 S. 

1). Das erscheint auch in diesem Fall den gegebenen Umständen angemessen und 

ist entsprechend anzuordnen.

8.

Ausschreibung der Landesverweisung im SIS

8.1. Am  1.  März  2017  ist  die  Verordnung  über  die  Einführung  der  Landesver-

weisung  in  Kraft  getreten.  Art.  20  der  Verordnung  über  den  nationalen  Teil  des 

Schengener Informationssystems und das SIRENE-Büro (N-SIS-Verordnung vom 

8.  März  2013)  wurde  dahingehend  geändert,  dass  Drittstaatangehörige  nur  zur 

Einreise- und Aufenthaltsverweigerung ausgeschrieben werden können, wenn ein 

-   42   -

entsprechender Entscheid einer Verwaltungs- oder einer Justizbehörde vorliegt. In 

diesem  Sinne  hat  das  urteilende  Gericht  zu  prüfen,  ob  die  Ausschreibung  der 

Landesverweisung im SIS anzuordnen ist. 

8.2.

Landesverweisungen  gegenüber  Ausländern  aus  Staaten,  die  nicht  zum 

Schengen-Raum gehören, werden im Schengen-Informationssystem ausgeschrie-

ben, wenn davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit der betreffenden Person 

im  Hoheitsgebiet  eines  Mitgliedstaates  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung 

gefährdet.  Dies  ist  insbesondere  dann  der  Fall,  wenn  der  Drittstaatsangehörige 

wegen einer Straftat verurteilt wird, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe 

bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO, vgl. Art. 96 Abs. 2 lit. a Schengener Durch-

führungsübereinkommen [SDÜ]).

8.3. Sowohl A._____ als auch B._____ sind eritreische Staatsbürger und gehö-

ren damit einem Drittstaat im genannten Sinne an. Weiter werden sie beide eines 

Verbrechens schuldig gesprochen, auf welches eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf 

Jahren steht. Die heute konkret ausgesprochenen Strafen betragen je 18 Monate 

Freiheitsstrafe  und  liegen  bei  immerhin  knapp  einem  Drittel  der  Maximalstrafe. 

Entsprechend  sind  die  Voraussetzungen  für  eine  Ausschreibung  der  Landesver-

weisung im SIS gegeben. Eine solche ist auch erforderlich und geeignet, um der 

von  A._____  und  B._____  ausgehenden  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung  und 

Sicherheit für sämtliche Schengen-Mitgliedstaaten entgegenzuwirken.

8.4. Die  gegen  A._____  und  B._____  ausgesprochenen  Landesverweisungen 

sind demnach beide im Schengener Informationssystem auszuschreiben.

9.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

9.1. Die Kosten- und Entschädigungsregelungen in den vorinstanzlichen Urteilen 

gegen A._____ und B._____ wurden nicht (mehr) angefochten und sind rechtskräf-

tig geworden.

9.2. Die Kosten für das Berufungsverfahren sind auf Fr. 6'000.– zu veranschla-

gen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebühren-

-   43   -

verordnung  des  Obergerichts).  Im  Rechtsmittelverfahren  tragen  die  Parteien  die 

Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Urk. 428 Abs. 1 StPO)

9.3. Betreffend  beide  Beschuldigte  obsiegt  sowohl  die  Staatsanwaltschaft  mit 

ihren Berufungsanträgen auf  einen Schuldspruch  wegen Angriffs  und  die Anord-

nung einer Landesverweisung, als auch die Beschuldigten mit ihren Anträgen auf 

Freispruch vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung. Diese Themen gewich-

tend, rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der 

Kosten der amtlichen Verteidigung, zu vier Fünfteln den Beschuldigten zu aufer-

legen und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Kosten 

zwischen den Beschuldigten hälftig aufzuteilen sind.

9.4. Der  amtliche  Verteidiger  von  A._____  macht  für  das  Berufungsverfahren 

einen Aufwand von Fr. 3'448.25 geltend (Urk. 170), welcher Aufwand – bis auf die 

geschätzte Dauer der Berufungsverhandlung von 7 Stunden (inkl. 1 Stunde Hin- 

und Rückweg) – ausgewiesen ist und angemessen erscheint. Unter Berücksichti-

gung der tatsächlichen Dauer der Berufungsverhandlung von 2.5 Stunden (Prot. II 

S. 3 und 10) ist der amtliche Verteidiger für seine Bemühungen und Auslagen mit 

pauschal Fr. 3'000.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 

9.5. Die amtliche Verteidigerin von B._____ macht für das Berufungsverfahren 

einen Aufwand von Fr. 10'463.80 geltend, bei einer geschätzten Dauer der Haupt-

verhandlung von 7.5 Stunden (inkl. Weg) (Urk. 171). Unter Berücksichtigung der 

tatsächlichen Dauer der Berufungsverhandlung und in Anbetracht dessen, dass es 

sich bezüglich Schwierigkeitsgrad und Aktenumfang um einen durchschnittlichen 

Fall  handelte  sowie  nicht  mehr  alle  Punkte  angefochten  waren,  ist  die  amtliche 

Verteidigerin in Anwendung von § 18 Abs. 1 i.V.m. § 2 und 17 Anwaltsgebühren-

verordnung  für  ihre  Bemühungen  und  Auslagen  mit  pauschal  Fr. 7'500.– 

(inkl. MwSt.) zu entschädigen. 

9.6. Entsprechend der Verlegung der Kosten des Berufungsverfahrens sind die 

Kosten der amtlichen Verteidigungen je zu einem Fünftel definitiv und zu vier Fünf-

teln  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen,  wobei  im  Umfang  von  je  vier 

-   44   -

Fünfteln gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten 

vorbehalten bleibt.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 6. September 2023 i.S. A._____ wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

-

-

-

[…],

[…],

des geringfügigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbei-
tungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 
Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 2, 02.05 Uhr C._____, Fr. 40.– zu Las-
ten D._____). 

2.

Im Übrigen wird der Beschuldigte vom Vorwurf des teilweise versuchten 
betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im Sinne von 
Art. 147 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freige-
sprochen (Dossier 2).

3. Der Beschuldigte wird bestraft […] mit einer Busse von Fr. 200.–.

4.

5.

6.

[…]

[…]

[…]

7. Die unter den Referenz-Nr. K10605-022 / 80387673 lagernden DNA-Spuren-
Asservate und Fotografien werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses 
Entscheids der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen, sofern diese nicht 
für andere Verfahren benötigt werden.

8. Es wird Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbe-

gehren des Privatklägers E._____ im Umfang von Fr. 1'162.75 zuzüglich 5 % 
Zins ab 11. Juli 2021 in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern 
anerkannt hat.

9. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern ver-

pflichtet, dem Privatkläger E._____ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juli 

-   45   -

2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genug-
tuungsbegehren abgewiesen.

10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

2'400.00
Fr.
2'100.00
Fr.
310.00
Fr.
Fr.
2'878.35
Fr. 16'052.70

; die weiteren Kosten betragen:
  Gebühr Strafuntersuchung
  Kosten Kantonspolizei Zürich
  Gutachten/Expertisen etc.
  amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden im Umfang von vier Fünf-
teln dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse ge-
nommen.

12. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____, wird mit 

Fr. 16'052.70 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten 
bleibt eine Nachforderung im Umfang von vier Fünfteln gemäss Art. 135 
Abs. 4 StPO.

13. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern ver-

pflichtet, dem Privatkläger E._____ eine Prozessentschädigung in der Höhe 
von Fr. 3'499.30 (inkl. MwSt.) für anwaltliche Vertretung zu bezahlen.

14.

[Mitteilungen]

15.

[Rechtsmittelbelehrung]

2.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 6. September 2023 i.S. B._____ wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

1.-4.[…]

5. Die unter den Referenz-Nr. K10605-022 / 80387673 lagernden DNA-Spuren-

Asservate und Fotografien werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ent-
scheids der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen, sofern diese nicht für 
andere Verfahren benötigt werden.

6. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern ver-

pflichtet, dem Privatkläger E._____ Schadenersatz von Fr. 1'162.75 zuzüglich 
5 % Zins ab 11. Juli 2021 zu bezahlen.

7. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern ver-

pflichtet, dem Privatkläger E._____ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juli 

-   46   -

2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genug-
tuungsbegehren abgewiesen.

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

2'400.00
Fr.
2'100.00
Fr.
450.00
Fr.
Fr.
1'121.70
Fr. 26'081.05

; die weiteren Kosten betragen:
  Gebühr Strafuntersuchung
  Kosten Kantonspolizei Zürich
  Gutachten/Expertisen etc.
  amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten aufer-
legt.

10. Die amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. X2._____, wird mit 

Fr. 26'081.05 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten 
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

11. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern ver-

pflichtet, dem Privatkläger E._____ eine Prozessentschädigung in der Höhe 
von Fr. 3'499.30 (inkl. MwSt.) für anwaltliche Vertretung zu bezahlen.

12.

[Mitteilungen]

13.

[Rechtsmittelbelehrung]

3.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil sowie auszugsweise an die 

Privatkläger S._____ und D._____. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist weiter schuldig des Angriffs im Sinne von 

Art. 134 StGB (Dossier 1).

2.

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen vom Vorwurf der qualifizier-

ten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 2 StGB (Dossier 1).

3.

Der Beschuldigte B._____ ist schuldig des Angriffs im Sinne von Art. 134 

StGB.

-   47   -

4.

Der Beschuldigte B._____ wird freigesprochen vom Vorwurf der qualifizier-

ten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Ziff. 2 Abs. 2 StGB.

5.

Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wo-

von 209 Tage durch Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafvollzug 

erstanden sind.

6.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten A._____ wird aufgescho-

ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

7.

Die bereits rechtskräftig festgesetzte Busse von Fr. 200.– des Beschuldigten 

A._____ ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte A._____ die Busse 

schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Ta-

gen.

8.

Der Beschuldigte B._____ wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wo-

von 196 Tage durch Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafvollzug 

erstanden sind.

9.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten B._____ wird nicht aufge-

schoben.

10. Der Beschuldigte A._____ wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des 

Landes verwiesen.

11. Der Beschuldigte B._____ wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des 

Landes verwiesen.

12. Es wird die Ausschreibung beider Landesverweisungen im Schengener 

Informationssystem angeordnet.

-   48   -

13. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

3'000.–   amtliche Verteidigung RA Dr. iur. X1._____

7'500.–   amtliche Verteidigung RAin lic. iur. X2._____

14. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amt-

lichen Verteidigungen, werden zu zwei Fünfteln dem Beschuldigten A._____ 

und zu zwei Fünfteln dem Beschuldigten B._____ auferlegt und im verblei-

benden Fünftel auf die Gerichtskasse genommen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._____ werden 

zu vier Fünfteln einstweilen und zu einem Fünftel definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten B._____ werden 

zu vier Fünfteln einstweilen und zu einem Fünftel definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen. 

Die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten bleibt im Umfang von je vier 

Fünfteln gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO vorbehalten.

15. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigungen im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten (versandt)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

den Privatkläger E._____ (versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigungen im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

den Privatkläger E._____

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an

-   49   -











die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials". 

16. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

-   50   -

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 19. März 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. S. Volken

MLaw F. Herren

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde  der  Vollzug  einer  Geldstrafe  unter  Ansetzung  einer  Probezeit  aufgeschoben,  muss  sie  vorerst  nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe de-

finitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 bzw. 

Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.