# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c89561e0-1c93-5134-b501-a0a1d281edab
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-17
**Language:** de
**Title:** Solothurn Verwaltungsgericht 17.09.2014 VWBES.2014.391
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VG_001_VWBES-2014-391_2014-09-17.html

## Full Text

SOG 2014 Nr. 7

 

 

Art. 265 ZPO. Superprovisorische
Massnahmen, hier ein Führerausweisentzug, sind nicht anfechtbar. Der Betroffene
wird zur Stellungnahme aufgefordert und muss kein Rechtsmittel ergreifen, um
seinen Standpunkt darzulegen. Alsdann trifft die Behörde sofort einen
«definitiven» Entscheid über die vorsorgliche Massnahme, der mit Beschwerde
anfechtbar ist. Den Parteien dürfen aus einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung
keine Nachteile erwachsen. Die Rechtsmittelinstanz darf für den
Nichteintretensentscheid keine Kosten erheben. Es stellt sich die Frage, ob
eine Aufwandsentschädigung zuzusprechen sei.

 

 

Sachverhalt

 

Z. wurde im März 2014 unter Anordnung
von Auflagen wieder zum Strassenverkehr zugelassen. Im Juli hat er sich der
ersten Abstinenzkontrolle unterzogen. Bei der Haaranalyse wurden positive Werte
für Kokain und Benzoylecgonin gefunden. Diese Werte sprechen für einen
vereinzelten Kokainkonsum. Es ist eine zweite Haaranalyse vorgesehen. Das
Departement verfügte einen vorsorglichen Führerausweisentzug, setzte die
Verfügung sofort in Kraft und gab dem Betroffenen Gelegenheit, sich innerhalb
von fünf Tagen schriftlich zu äussern. Nach Eingang der Stellungnahme werde man
überprüfen, ob der vorsorgliche Entzug aufrechterhalten werde. Nach Eingang des
Berichts über die zweite Haarprobe werde man über das weitere Vorgehen
entscheiden. Z. liess Verwaltungsgerichtsbeschwerde erheben. Die Hauptbegehren
lauteten, der Departementalentscheid sei aufzuheben, und es sei der Beschwerde
aufschiebende Wirkung zu erteilen. Das Verwaltungsgericht trat auf die
Beschwerde nicht ein.

 

 

Aus den Erwägungen:

 

1. Nach § 58 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG, BGS 124.11) finden, soweit nichts anderes
bestimmt ist, auf das Verfahren vor den Verwaltungsgerichtsbehörden die
Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) sinngemäss
Anwendung. Art. 265 ZPO (SR 272) regelt superprovisorische Massnahmen. Bei
besonderer Dringlichkeit kann eine Behörde eine vorsorgliche Massnahme sofort
und ohne Anhörung der Gegenpartei anordnen. Sie setzt sodann Frist zur
schriftlichen Stellungnahme an und entscheidet danach unverzüglich.

 

Zugunsten einer Zulassung der
Beschwerde gegen superprovisorische Massnahmen sprechen das Zeitmoment, wonach
die sofortige Anhörung der Verfahrensbeteiligten erschwert sein kann und
superprovisorische Massnahmen über längere Zeit andauern können, sowie die
Schwere der Eingriffe in die Rechtssphäre der Betroffenen. 

 

Gegen die selbstständige
Anfechtbarkeit superprovisorischer Massnahmen spricht, dass bei deren Eröffnung
die Verfahrensbeteiligten zur Stellungnahme aufgefordert werden und somit in
der Regel kein Rechtsmittel zu ergreifen brauchen, um ihren Standpunkt
vorzutragen. Alsdann trifft die Behörde sofort einen Entscheid über die vorsorgliche
Massnahme, der mit Beschwerde anfechtbar ist. Eingewendet wird weiter, dass
bereits die selbstständige Anfechtbarkeit einer auf dem ordentlichen Weg
angeordneten vorsorglichen Massnahme dazu führt, dass die Beschwerdeinstanz
unter Umständen zweimal mit der Notwendigkeit der konkreten Massnahme befasst
wird. Eine bestimmte Massnahme könnte sogar dreimal Gegenstand der
gerichtlichen Beurteilung bilden, wenn nun auch noch das Superprovisorium
anfechtbar wäre.

 

Entscheidet die Instanz, die superprovisorisch
verfügt hat, nach der umgehenden Anhörung sofort, kann es gar nicht zu einem
Beschwerdeentscheid gegen das Superprovisorium kommen. Sollte sie ausnahmsweise
säumen, kann jederzeit mit einer Rechtsverzögerungsbeschwerde Abhilfe
geschaffen werden. 

 

Nach der Lehre und Rechtsprechung sind
superprovisorische Massnahmen nicht anfechtbar. Erst die «definitive»
vorsorgliche Massnahme kann angefochten werden (Paul Oberhammer / Tanja Domej /
Ulrich Haas [Hrsg.]: Schweizerische Zivilprozessordnung, Zürich 2014, Rz 6 zu
Art. 265 ZPO; Karl Spühler / Luca Tenchio / Dominik Infanger: Basler Kommentar,
Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2013, Rz 46 zu Art. 265 ZPO; BGE 137
III 417; Urteil des Bundesgerichts 5A_268/2014 vom 19. Juni 2014 mit
Hinweisen).

 

2. Nun aber ist der angefochtene
Entscheid mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen. Den Parteien dürfen aus
einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung keine Nachteile erwachsen. Nennt eine
Verfügung fälschlicherweise ein Rechtsmittel, obschon die betreffende Anordnung
von Gesetzes wegen gar nicht anfechtbar ist, wird dadurch kein gesetzlich nicht
gegebenes Rechtsmittel geschaffen. In einem solchen Fall darf die
(unzuständige) Rechtsmittelinstanz für den Nichteintretensentscheid aber keine
Kosten erheben. Es kann sich auch die Frage stellen, ob eine
Aufwandsentschädigung auszurichten sei (BGE 135 III 470; Alain Griffel [Hrsg.]:
Kommentar VRG, Zürich 2014, Rz 56 f. zu § 10 ZH-VRG; Häfelin / Müller /
Uhlmann: Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich 2010, Rz 1646). 

 

3. Auf die Beschwerde ist demnach
nicht einzutreten. Für das Verfahren vor Verwaltungsgericht sind keine Kosten
zu erheben. Entschädigung ist keine auszurichten, weil der Beschwerdeführer
durch einen Anwalt vertreten war, der die Unrichtigkeit der Rechtsmittelbelehrung
bei gebührender Aufmerksamkeit hätte erkennen können (Griffel, a.a.O., Rz 57 zu
§ 10 ZH-VRG).

 

Verwaltungsgericht, Urteil vom 17. September 2014
(VWBES.2014.391)