# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 473a99a2-4f83-5d61-8ee9-fde70acebb66
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 27.05.2024 VBE.2023.497
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-497_2024-05-27.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.497 / sb / ks  
Art. 72 

 

 

Urteil vom 27. Mai 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichter Kathriner  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

unentgeltlich vertreten durch MLaw Jonas Steiner, Rechtsanwalt,  

Buchserstrasse 18, Postfach, 5001 Aarau 1  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
   

Beigeladene   Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Vorsorge BVG, Postfach,  

8050 Zürich  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 30. Oktober 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1971 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 8. Juli 2021 bei der 

Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (Rente) der Eidgenössi-

schen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin klärte da-

raufhin die gesundheitliche sowie erwerbliche Situation ab. Mit Vorbescheid 

vom 29. September 2022 stellte sie dem Beschwerdeführer gestützt auf 

eine Beurteilung ihres internen Regionalen Ärztlichen Diensts (RAD) die 

Abweisung des Leistungsbegehrens betreffend Invalidenrente in Aussicht. 

Nachdem der Beschwerdeführer dagegen am 19. Oktober 2022 Einwände 

erhoben hatte, gab die Beschwerdegegnerin nach Rücksprache mit dem 

RAD bei der ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel, ein poly-

disziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 26. September 2023 erstattet 

wurde. Gestützt darauf wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

schliesslich mit Verfügung vom 30. Oktober 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 23. November 

2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

"1. 
Die Verfügung vom 30.10.2023 sei aufzuheben. 
 
2. 
Es sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen. 
 
3. 
Eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine befristete Invalidenrente zu-
zusprechen. 
 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Lasten 
der Beschwerdegegnerin." 

 

Gleichzeitig ersucht der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 27. Dezember 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 8. Januar 2024 wurde die be-

rufliche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers zum Verfahren beige-

laden und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt, worauf diese mit 

Eingabe vom 11. Januar 2024 verzichtete. 

 

 - 3 - 

 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 17. Januar 2024 wurde dem 

Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und MLaw Jo-

nas Steiner, Rechtsanwalt, Aarau, zu seinem unentgeltlichen Vertreter er-

nannt. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

In ihrer Verfügung vom 30. Oktober 2023 ging die Beschwerdegegnerin ge-

stützt auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre ABI-Gutachten vom 

26. September 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 103) im Wesentlichen 

davon aus, der Beschwerdeführer sei seit November 2020 in seiner ange-

stammten Tätigkeit voll arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit habe 

ab dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns im Januar 2022 

eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorgelegen, und seit Juli 2022 bestehe eine 

70%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierenten Tätigkeit. Weil im Januar 

2022 bereits eine Eingliederungsfähigkeit bestanden und sich die Arbeits-

fähigkeit in der Folge per Juli 2022 nochmals erhöht habe, die Möglichkei-

ten zur Eingliederung mithin bis Ende Juni 2022 nicht ausgeschöpft gewe-

sen seien, habe im Januar 2022 kein Rentenanspruch entstehen können. 

Da unter Berücksichtigung der 70%igen Arbeitsfähigkeit seit Juli 2022 ein 

Invaliditätsgrad von lediglich 21 % resultiere, habe er keinen Anspruch auf 

eine Invalidenrente (VB 105). Der Beschwerdeführer macht demgegenüber 

zusammengefasst geltend, die Beschwerdegegnerin habe sowohl das Va-

liden- als auch das Invalideneinkommen unzutreffend festgesetzt. Bei rich-

tiger Betrachtung habe er Anspruch auf eine unbefristete Invalidenrente 

(Beschwerde S. 8 ff.). Eventualiter habe er jedenfalls Anspruch auf eine 

vom 1. Januar bis 30. Juni 2022 befristete "volle" Rente, da gestützt auf die 

Beurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. B._____, Fachärztin für Allgemeine 

Innere Medizin, vom 27. September 2022 (VB 65) davon auszugehen sei, 

dass er bis 31. März 2022 in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig 

gewesen sei (Beschwerde S. 12). 

 

Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 

einen Invalidenrentenanspruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 

30. Oktober 2023 zu Recht verneint hat. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

 - 4 - 

 

 

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 

2022 streitig sind (vgl. dazu nachfolgend E. 5.2.), ist für deren Beurteilung 

die ab diesem Zeitpunkt geltende Rechtslage massgebend (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.2). Daran vermag 

auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer sein Rentenbegehren be-

reits im Juli 2021 gestellt hatte, nichts zu ändern (vgl. Beschwerde S. 8). 

 

3. 

3.1. 

Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder 

die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-

schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind 

und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) 

sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). 

 

3.2. 

Invalidität gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 7 f. ATSG bedeutet im All-

gemeinen den durch die Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 

psychischen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung 

und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der Er-

werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-

beitsmarkt (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum 

Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung 

[IVG], 4. Aufl. 2022, N. 123 zu Art. 4 IVG mit Hinweis auf BGE 130 V 343 

E. 3.2.1 S. 346). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügung vom 30. Oktober 

2023 in medizinischer Hinsicht auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre 

ABI-Gutachten vom 26. September 2023. Dieses vereint eine internistische 

Beurteilung durch Dr. med. C._____, Facharzt für Allgemeine Innere Medi-

zin, eine rheumatologische Beurteilung durch Dr. med. D._____, Facharzt 

für Rheumatologie, eine kardiologische Beurteilung durch Dr. med. 

E._____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Kardiologie, und 

eine psychiatrische Beurteilung durch den Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie F._____. Neben einer leichten CRP-Erhöhung unklarer Ä-

tiologie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagno-

sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (vgl. VB 103, S. 8 f.): 

 

 - 5 - 

 

 

"1. 
Chronische, seropositive, CCP-Antikörper-positive rheumatoide Arthritis 
(ICD-10 M07) 
[…] 
 
2. 
Koronare Eingefässerkrankung (ED 13.11.2020) (ICD-10 I25.1) 
[…]" 

 

Die Gutachter hielten aus gesamtmedizinischer Sicht zusammenfassend 

fest, der Beschwerdeführer sei in seiner früheren Tätigkeit als Reinigungs-

mitarbeiter seit November 2020 voll arbeitsunfähig. In einer angepassten 

leichten wechselbelastenden Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten 

von bis zu 5 bis 7.5 kg bis zur Taille und ohne repetitive Überkopfarbeiten 

habe ab Januar 2021 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden und be-

stehe seit Juli 2022 eine solche von 30 % (VB 103, S. 10).  

 

4.2. 

Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des ABI-Gutachtens vom 

26. September 2023 fachärztlich umfassend und in Kenntnis sowie unter 

Würdigung der Vorakten (vgl. insb. VB 103, S. 12 ff.) und unter Berücksich-

tigung der geklagten Beschwerden untersucht. Dabei beurteilten die Gut-

achter die medizinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situa-

tion einleuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten 

Schlussfolgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert 

im Sinne der massgebenden Kriterien der Rechtsprechung (vgl. statt vieler 

BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 134 V 231 E. 5.1 S. 232 und 125 V 351 E. 3a 

und E. 3b/bb S. 352 f.) zu. Die vom Beschwerdeführer zur Begründung der 

von ihm geltend gemachten 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätig-

keit noch bis 31. März 2022 angeführte frühere Einschätzung von RAD-

Ärztin Dr. med. B._____ vom 27. September 2022 (VB 65) steht der gut-

achterlichen Beurteilung nicht entgegen, fehlen doch darin zum einen ex-

plizite Angaben zur Arbeitsfähigkeit für die Zeit vor dem 31. März 2022 und 

empfahl RAD-Ärztin Dr. med. B._____ zum anderen am 9. Mai 2023 

(VB 85) die Einholung eines verwaltungsexternen Gutachtens zur Klärung 

der Arbeitsfähigkeit für den gesamten hier relevanten Zeitraum. Es ist damit 

nachfolgend von der gutachterlichen Beurteilung des Gesundheitszustands 

und insbesondere der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszuge-

hen. 

 

5. 

5.1. 

In ihrer Verfügung vom 30. Oktober 2023 nahm die Beschwerdegegnerin 

zur Bemessung des Invaliditätsgrades in Anwendung der allgemeinen Me-

thode des Einkommensvergleichs gestützt auf die Tabellenlöhne der 

Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Jahres 2020 des Bun-

desamtes für Statistik (BFS), Tabelle TA1, Abteilungen 77 sowie 79 bis 82 

(sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen ohne Abteilung 78), 

 - 6 - 

 

 

Kompetenzniveau 1, Männer, und unter Berücksichtigung einer betriebs-

üblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 42.1 Stunden sowie einer Nominal-

lohnentwicklung von 2020 bis 2021 von 105.5/105.1 ein Valideneinkommen 

von Fr. 58'230.00 an. Das Invalideneinkommen bemass sie gestützt auf 

Tabelle TA1 der LSE 2020, Kompetenzniveau 1, Total, Männer, und unter 

Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 

41.7 Stunden, einer Nominallohnentwicklung von 2020 bis 2021 von 
106.0/106.8 und einer Arbeitsfähigkeit von 70 % mit Fr. 45'725.00. Ausgehend 

von diesen Vergleichseinkommen errechnete sie einen Invaliditätsgrad von 

gerundet 21 % (VB 105, S. 2). Der Beschwerdeführer bringt dagegen im 

Wesentlichen vor, das Valideneinkommen sei – gleich wie das Invaliden-

einkommen – anhand des Totalwerts der LSE und nicht gestützt auf bran-

chenspezifische Werte zu bemessen. Zudem sei ihm ein leidensbedingter 

Abzug vom Invalideneinkommen von 25 % zu gewähren.  

 

5.2. 

Vorab ist Folgendes festzuhalten: Der Beschwerdeführer hat sich am 8. Juli 

2021 zum Leistungsbezug angemeldet (vgl. VB 4, S. 5), womit ein allfälliger 

Rentenanspruch frühestens am 1. Januar 2022 entstehen konnte (Art. 29 

Abs. 1 IVG). Zu diesem Zeitpunkt war die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen 

Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiter seit mehr als 12 Monaten vollständig 

aufgehoben und es bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in einer an-

gepassten Tätigkeit. Ab Juli 2022 betrug die Arbeitsfähigkeit in einer ange-

passten Tätigkeit bei einer Arbeitsfähigkeit von nach wie vor 0 % in der bis-

herigen Tätigkeit zufolge einer Verbesserung des Gesundheitszustands 

neu 70 % (vgl. vorne E. 4.1.). Soweit die Beschwerdegegnerin davon aus-

ging, dass die Eingliederungsmöglichkeiten (zumindest bis zum 30. Juni 

2022) nicht ausgeschöpft waren und dass folglich nicht bereits am 1. Ja-

nuar 2022 ein Rentenanspruch entstehen konnte, wird dies vom anwaltlich 

vertretenen Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt und gibt hier insbe-

sondere mit Blick auf den am 1. Januar 2022 im Zuge der Änderungen be-

treffend Weiterentwicklung der IV (WEIV; vgl. vorne E. 2.) in Kraft getrete-

nen Art. 28 Abs. 1bis IVG auch zu keinen Weiterungen Anlass.  

 

5.3. 

5.3.1. 

Das Valideneinkommen ist dasjenige Einkommen, das die versicherte Per-

son erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss 

entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Beginns eines 

allfälligen Rentenanspruchs nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, 

was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 131 V 51 E. 5.1.2 S. 53 und 

128 V 174 E. 4a S. 174; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 

vom 5. September 2008 E. 6.4). Dabei wird in der Regel am zuletzt erziel-

ten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an-

 - 7 - 

 

 

gepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tä-

tigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen 

von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

erstellt sein (BGE 135 V 58 E. 3.1 S. 59; vgl. auch BGE 135 V 297 E. 5.1 

S. 300 f., 134 V 322 E. 4.1 S. 325 f. und 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224). Erst 

wenn es nicht möglich ist, zur Bestimmung des Valideneinkommens vom 

zuletzt vor Invaliditätseintritt erzielten Lohn auszugehen, oder wenn sonst 

konkrete Anhaltspunkte für dessen Bestimmung fehlen, ist auf Erfahrungs- 

und Durchschnittswerte zurückzugreifen (SVR 2009 IV Nr. 27 S. 75, 

9C_93/2008 E. 6.3.2). Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist auf 

konkrete Lohnauskünfte des früheren Arbeitgebers abzustellen, wenn an-

genommen werden kann, dass die versicherte Person im Gesundheitsfall 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin beim selben Arbeitgeber 

tätig wäre (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_783/2017 vom 

20. Juni 2018 E. 3.2 mit Hinweisen unter anderem auf das in RKUV 2005 

S. 112 ff. publ. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 66/02 

vom 2. November 2004 E. 4.1.1).  

 

5.3.2. 

Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer – der über keine 

Ausbildung verfügt – nach seiner Immigration in die Schweiz von 1986 bis 

1992 als Betriebsmitarbeiter in einer Verzinkerei, von 1993 bis 1998 als 

Restaurantmitarbeiter, von 1998 bis 2004 als Hilfsarbeiter, von 2004 bis 

2005 als Reinigungs- und Hilfsmitarbeiter bei einer Dienstleisterin im Be-

reich Facility Management, von 2006 bis 2007 als Allrounder und Reini-

gungsmitarbeiter in einem Möbelhaus und ab 2007 für insgesamt vier ver-

schiedene Reinigungsunternehmen als Reinigungsmitarbeiter tätig war 

(vgl. die Angaben in der Anmeldung vom 8. Juli 2021 [VB 4, S. 3], den Le-

benslauf des Beschwerdeführers in VB 7 sowie die Angaben des Be-

schwerdeführers im Rahmen der ABI-Begutachtung in VB 103, S. 22, 

S. 28 f., S. 37 f. und S. 48). Die letzte temporäre Anstellung als Reinigungs-

mitarbeiter im Stundenlohn im Pensum von zirka 50 % (20 bis 30 Stunden 

pro Woche; vgl. VB 4, S. 3, und VB 26, S. 3) wurde durch den Beschwer-

deführer aus gesundheitlichen Gründen per 31. Januar 2021 gekündigt 

(vgl. die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin vom 2. September 2021 in 

VB 26, S. 2). Vor diesem Hintergrund und insbesondere mit Blick auf den 

Umstand, dass der über keine Berufsausbildung verfügende Beschwerde-

führer seit 2004 in der Reinigungsbranche tätig war, ist ohne Weiteres 

nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 

30. Oktober 2023 zur Bemessung des Valideneinkommens auf eine Tätig-

keit in der Reinigungsbranche abstellte und entsprechende lohnstatische 

Werte anwandte. Es handelt sich dabei um eine sonstige wirtschaftliche 

Tätigkeit im Sinne der Tabelle TA1 der LSE (vgl. insb. die Codes 812100 

"Allgemeine Gebäudereinigung" und 812202 "Spezielle Reinigung von Ge-

bäuden und Reinigung von Maschinen" der Allgemeinen Systematik der 

Wirtschaftszweige [NOGA] 2008). Die Beschwerdegegnerin hat daher und 

 - 8 - 

 

 

mit Blick auf die (zufolge der gutachterlich attestierten 100%igen Arbeits-

unfähigkeit in dieser Tätigkeit objektiv gesundheitlich bedingten; vgl. vorne 

E. 4.1.) Aufgabe dieser Tätigkeit das Valideneinkommen zutreffend ge-

stützt auf die Tabelle TA1 der LSE 2020, Abteilungen 77 sowie 79 bis 82 

(sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen ohne Abteilung 78), Kompetenz-

niveau 1, Männer, festgesetzt.  

 

5.3.3. 

Bei diesem Ergebnis ist zu ergänzen, dass bei der Invaliditätsgradberech-

nung die Verhältnisse im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns und damit 

hier diejenigen im Juli 2022 massgebend sind (vgl. Urteil des Bundesge-

richts I 831/06 vom 10. Oktober 2007 E. 2.3.2; vgl. auch SVR 2020 IV 

Nr. 70 S. 243, 8C_132/2020 E. 4.1). Bei Anwendung statistischer Grundla-

gen sind die zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses für diesen Berech-

nungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Erhebungen zu verwenden 

(BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297 mit Verweis unter anderem auf BGE 142 V 

178 E. 2.5.8.1 S. 190; vgl. ferner SVR 2022 IV Nr. 23 S. 73, 8C_202/2021 

E. 6.2.1 f., und SVR 2020 IV Nr. 70 S. 243, 8C_132/2020 E. 4.2.1, sowie 

Urteil des Bundesgerichts 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E. 4.2). 

Vorliegend wäre demnach zufolge eines allfälligen Anspruchsbeginns im 

Juli 2022 das Jahr 2022 massgebend. Bei Erlass der Verfügung vom 

30. Oktober 2023 lagen – neben der Tabelle TA1 der LSE 2020 – insbe-

sondere die Angaben zur Nominallohnentwicklung von 2020 bis 2022 von 
107.2/105.1 (vgl. Tabelle T1.1.10 des Schweizerischen Lohnindex des BFS mit 

Basis 2010, Nominallohnindex, Männer, Abschnitt N ["sonstige wirtschaftli-

che Tätigkeiten"], Jahre 2020 und 2022) und zur betriebsüblichen wöchent-

lichen Arbeitszeit im Jahr 2022 von 42.0 Wochenstunden (vgl. die Tabelle 

T 03.02.03.01.04.01 "'Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilun-

gen" des BFS, Abteilungen 77 sowie 79 bis 82 [Erbringung von sonstigen 

wirtschaftlichen Dienstleistungen ohne Abteilung 78], Jahr 2022) bereits 

vor. Das Valideneinkommen ist daher gestützt auf diese Grundlagen für 

das Jahr 2022 auf Fr. 59'028.15 festzusetzen (12 x Fr. 4'593.00 x 42/40 x 
107.2/105.1). Mit Blick auf die im individuellen Konto (IK) des Beschwerdefüh-

rers verzeichneten Einkommen (vgl. den IK-Auszug vom 16. Juli 2021 in 

VB 18) und das zuletzt erzielte Einkommen (vgl. hierzu die Angaben der 

ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers vom 2. September 2021 

in VB 26, S. 5) ist damit dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hinrei-

chend abgebildet.  

 

5.4. 

Angesichts der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 70 % 

fällt ein auf Art. 26bis Abs. 3 IVV in seiner vom 1. Januar 2022 bis 31. De-

zember 2023 in Kraft gestandenen Fassung gestützter Abzug vom Tabel-

lenlohn ausser Betracht. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist 

insbesondere die frühere Rechtsprechung zum leidensbedingten Abzug 

vom Invalideneinkommen (vgl. statt vieler BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 

 - 9 - 

 

 

und 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f. mit Hinweisen) nicht mehr massgebend (vgl. 

zum Ganzen vorne E. 2.), weshalb auf die diesbezüglichen Vorbringen des 

Beschwerdeführers nicht weiter einzugehen ist. Mit Blick auf die allgemei-

nen übergangsrechtlichen Grundsätze (vgl. wiederum vorne E. 2.) ist zu-

dem ein weitergehender Abzug gemäss der seit dem 1. Januar 2024 in 

Kraft stehenden Fassung von Art. 26bis Abs. 3 IVV bei einem Berechnungs-

zeitpunkt im Jahr 2022 nicht angezeigt. Für den massgebenden Zeitpunkt 

des allfälligen Anspruchsbeginns im Juli 2022 ergibt sich damit unter Be-

rücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2020 bis 2022 von 107.1/106.8 

(vgl. Tabelle T1.1.10 des Schweizerischen Lohnindex des BFS mit Basis 

2010, Nominallohnindex, Männer, Total, Jahre 2020 und 2022), der be-

triebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2022 von 41.7 Stunden 

(vgl. die Tabelle T 03.02.03.01.04.01 "'Betriebsübliche Arbeitszeit nach 

Wirtschaftsabteilungen" des BFS, Total, Jahr 2022) und einer Arbeitsfähig-

keit von 70 % in einer angepassten Tätigkeit ein Invalideneinkommen von 

Fr. 46'200.00 (12 x Fr. 5'261.00 x 41.7/40 x 
107.1/106.8 x 0.7).  

 

5.5. 

Bei einem Valideneinkommen von Fr. 59'028.15 und einem Invalidenein-

kommen von Fr. 46'200.00 resultiert ein Invaliditätsgrad von (gerundet) 

22 % ([Fr. 59'028.15 – Fr. 46'200.00] ÷ Fr. 59'028.15 x 100). Dies vermag 

keinen Anspruch auf eine Invalidenrente zu vermitteln (vgl. Art. 28 Abs. 2 

IVG).  

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00 und sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da diesem die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken.  

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BG 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter wird das an-

gemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versicherungsge-

richtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein (Art. 122 

Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG). 

 

 - 10 - 

 

 

6.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten 

Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege werden sie 

einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

4. 

Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird richterlich auf 

Fr. 2'500.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, 

dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, MLaw Jonas 

Steiner, Rechtsanwalt, Aarau, nach Eintritt der Rechtskraft das Honorar 

von Fr. 2'500.00 auszurichten. 

 

 - 11 - 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 27. Mai 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Berner