# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 651bcac9-0701-593b-afe0-f584f0f15249
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.07.2021 E-2634/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2634-2021_2021-07-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2634/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richterin Mia Fuchs;   

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…),  

Afghanistan,   

vertreten durch Laura Heimgartner-Castelnovi, 

Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch  

(sicherer Drittstaat; Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) 

und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. Mai 2021 / N (…). 

 

 

 

E-2634/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein Angehöriger der Ethnie Hazara aus der Pro-

vinz Daikondi (Zentralafghanistan) – verliess gemäss eigenen Angaben un-

gefähr mit zwölf/dreizehn Jahren Anfang 2018 sein Heimatland Richtung 

Iran. Am 19. April 2018 reichte er in Moria (auf der Insel Lesbos) bei den 

griechischen Behörden ein Asylgesuch ein. Als Geburtsdatum wurde der 

(…) 2003 registriert. Am 7. April 2020 wurde er von Griechenland als 

Flüchtling anerkannt. Am 20. April 2021 sei er in die Schweiz eingereist; 

gleichentags suchte er um Asyl nach. Er reichte keine Identitätspapiere zu 

den Akten. Auf die Frage, ob er jemals eine Tazkira gehabt habe, gab er 

an, sein Vater habe ihm gesagt, er werde nach Kabul gehen, um eine zu 

beantragen, eine elektronische. Dann sei aber seine Familie in den Iran 

gegangen und der Vater habe sich deshalb nicht mehr weiter darum be-

müht.  

Am 3. Mai 2021 unterzeichnete der Beschwerdeführer eine Vertretungs-

vollmacht in Sachen Asyl/Wegweisung zu Gunsten der Mitarbeitenden des 

Rechtsschutzes für Asylsuchende im Rahmen des Asylverfahrens im Bun-

desasylzentrum (BAZ) B._______. 

B.  

Am 10. Mai 2021 fand im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung res-

pektive Vertrauensperson eine Erstbefragung (EB) für unbegleitete Minder-

jährige Asylsuchende statt (UMA; EB UMA, Protokoll in den SEM-Ak-

ten 1094058 [nachfolgend: A] 22). Bezüglich seiner persönlichen Situation 

erklärte der Beschwerdeführer, er sei in Afghanistan nie zur Schule gegan-

gen, sein Vater habe ihn zuhause unterrichtet als er etwa elf oder zwölf 

Jahre alt gewesen sei. Kurz danach habe er seinen Heimatstaat verlassen. 

Seine Mutter lebe zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern seit 2019 

in C._______. Ferner hielt er fest, dass sein Geburtsdatum der (…) 2005 

sei, was er letztes Jahr von seinem inzwischen verstorbenen Vater erfah-

ren habe. Bis zu diesem Zeitpunkt habe er nur ungefähr sein Alter, nicht 

jedoch sein konkretes Geburtsdatum gekannt. In Griechenland habe er 

sich ungefähr eineinhalb Jahre älter gemacht, weil Gerüchte umgegangen 

seien, dass er sonst länger auf der Insel hätte bleiben müssen. Später habe 

er erfahren, dass dies nicht vom Alter abhänge, doch habe er das Datum 

nicht mehr ändern können. 

Einen Monat nach seiner Ankunft in Griechenland sei er nach Kastoria (im 

Nordwesten Griechenlands) gebracht worden. Neun Monate nach seiner 

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Seite 3 

Ankunft in Griechenland habe eine Befragung zu seiner Person von unge-

fähr 40 Minuten stattgefunden. Er habe versucht, eine Änderung seines 

Geburtsdatums anzuregen, doch die Betreuer hätten nichts gemacht, son-

dern nur «Zigaretten geraucht und Kaffee getrunken» (A22 Ziff.  2.06 S. 6). 

Auch die Rechtsvertretung habe nichts unternommen. Ein Jahr später sei 

er zunächst nach Igoumenitsa und später nach Ioannina, wo er neun Mo-

nate bis zu seiner Ausreise geblieben sei, transferiert worden. 

Aufgrund von Zweifeln am in der Schweiz angegebenen Geburtsdatum 

wurde dem Beschwerdeführer anlässlich der EB UMA das rechtliche Gehör 

gewährt (A22 Ziff. 8.01). Anschliessend wurde ihm erklärt, dass dieses auf 

den (…) 2003 angepasst und auf eine Altersabklärung verzichtet werde, er 

jedoch weiterhin als minderjährig gelte. Die Rechtsvertretung beantragte 

darauffolgend eine Abklärung des Alters sowie einen Bestreitungsvermerk 

im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS). Ferner wurde der Be-

schwerdeführer aufgefordert, sich schriftlich zur geplanten Rücküberstel-

lung nach Griechenland zu äussern. 

C.  

Am 3. Mai 2021 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behörden um 

weitere Informationen bezüglich des Beschwerdeführers und – gestützt auf 

die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den 

Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger 

(sog. Rückführungsrichtlinie) und das bilaterale Rückübernahmeabkom-

men zwischen der Schweiz und Griechenland – um dessen Rücküber-

nahme. Ferner sei zu bestätigen, dass der unbegleitete Minderjährige nach 

seiner Rücküberführung nach Griechenland eine entsprechende Unter-

kunft erhalte. 

D.  

Am 5. Mai 2021 stimmte Griechenland der Rücküberstellung des Be-

schwerdeführers zu. Ferner teilten die griechischen Behörden mit, dieser 

sei als Flüchtling anerkannt und habe eine Aufenthaltsbewilligung, welche 

bis zum 6. April 2023 gültig sei. Mit einem weiteren Schreiben mit Datum 

vom 10. Mai 2021 informierten sie, dass er keine Identitätspapiere auf sich 

getragen habe und das Geburtsdatum ([…] 2003) aufgrund seiner Aussa-

gen registriert worden sei. 

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Seite 4 

E.  

Am 11. Mai 2021 wurde das Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) 2003 

(mit Bestreitungsvermerk) geändert. 

F.  

Mit Eingabe vom 17. Mai 2021 nahm der Beschwerdeführer durch seine 

Rechtsvertreterin Stellung zu einer möglichen Rücküberstellung nach Grie-

chenland. Im Wesentlichen wurde dabei auf die schlechte Unterkunftssitu-

ation, insbesondere für Minderjährige, die mangelhafte finanzielle, medizi-

nische sowie soziale Unterstützung, die fehlenden Integrations- und Aus-

bildungsmöglichkeiten und die Gefährdung des Kindeswohls hingewiesen, 

weshalb ein Wegweisungsvollzug nach Griechenland als unzulässig res-

pektive unzumutbar zu betrachten sei. 

G.  

Am 21. Mai 2021 wurde der Rechtsvertreterin ein Entwurf des Asylent-

scheides zugestellt. 

H.  

Mit Eingabe vom 25. Mai 2021 nahm die Rechtsvertreterin hierzu Stellung 

und verwies nochmals auf die unhaltbare Situation für minderjährige 

Flüchtlinge in Griechenland. 

I.  

Mit Verfügung vom 26. Mai 2021 – eröffnet am gleichen Tag – trat das SEM 

gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und ord-

nete den Wegweisungsvollzug an. Ferner händigte es ihm die editions-

pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und hielt fest, dass im 

ZEMIS als Geburtsdatum der (…) 2003 (mit Bestreitungsvermerk) regis-

triert sei. 

J.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

2. Juni 2021 durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde beim Bundesver-

waltungsgericht. Er beantragt dabei, dass nach Aufhebung der Verfügung 

die Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

festzustellen sei. Ferner sei die Vorinstanz anzuweisen, das Geburtsdatum 

des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (…) 2005 anzupassen. Eventu-

aliter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei das 

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Seite 5 

SEM anzuweisen, von den griechischen Behörden individuelle Garantien 

betreffend die adäquate Unterbringung und den Zugang zu nahtloser fach-

ärztlicher Behandlung einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die 

unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses zu verzichten. 

K.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

4. Juni 2021 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG). Am glei-

chen Tag bestätigte dieses den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

2.1 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.2 Die Beschwerde richtet sich sinngemäss sowohl gegen den Wegwei-

sungsvollzug des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 

Bst. a AsylG betreffend das Asylgesuch des Beschwerdeführers (Ziff. 3 und 

4 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) als auch gegen die 

ZEMIS-Eintragung betreffend dessen Geburtsdatum (Ziffer 6 des Verfü-

gungsdispositivs). Nicht Verfahrensgegenstand sind demgegenüber das 

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Nichteintreten auf das Asylgesuch selbst und die Anordnung der Wegwei-

sung (Ziff. 1 und 2 des Verfügungsdispositivs). 

2.3 Praxisgemäss wird das Beschwerdeverfahren betreffend ZEMIS-Da-

tenbereinigung (E-2726/2021) vom vorliegenden getrennt behandelt (vgl. 

BVGE 2018 VI/3). Aufgrund der vorliegenden Verfahrenskonstellation wer-

den auch separate Urteile erlassen. Eine Koordination erfolgt insofern, als 

in beiden Verfahren derselbe Spruchkörper eingesetzt ist.  

2.4 Auf die Beschwerde ist im Umfang des Verfahrensgegenstandes des 

vorliegenden Beschwerdeverfahrens (Ziffer 3 und 4 der angefochtenen 

Verfügung) einzutreten. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

4.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-

risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a 

Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzich-

tet. 

5.  

5.1 Das SEM erachtet in seiner Verfügung das in der Schweiz dargelegte 

Geburtsdatum des Beschwerdeführers ([…] 2005) als unglaubhaft und be-

gründet dies dahingehend, dass er erst vor einem Jahr von diesem Datum 

erfahren habe. Dennoch habe er anlässlich der EB UMA sein Alter im Zeit-

punkt des Heimunterrichts nennen können und sich in Griechenland – ge-

mäss seinen Angaben – absichtlich eineinhalb Jahre älter gemacht. Zudem 

sei nicht plausibel, dass er sein Geburtsdatum gegenüber diversen Perso-

nen in Griechenland erwähnt habe, gegenüber den griechischen Behörden 

aber nicht. Es sei nicht davon auszugehen, dass sowohl die Betreuer wie 

auch die Rechtsvertretung solche Informationen unberücksichtigt lassen 

würden. Ferner habe er Griechenland nach einem dreijährigen Aufenthalt 

verlassen, nachdem ihm mitgeteilt worden sei, mit dem Erreichen der Voll-

jährigkeit müsse er die Unterkunft verlassen. Dies lasse vermuten, dass er 

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Seite 7 

mit der Angabe eines tieferen Alters beabsichtige, das Asylverfahren in der 

Schweiz zu seinen Gunsten zu beeinflussen. 

Die Registrierung des (…) 2003 als Geburtsdatum in Griechenland sei im 

Übrigen nicht als fehlerhaft zu bezeichnen, wie die Rechtsvertretung mo-

niert habe. Dies, weil er selber an der EB UMA bestätigt habe, dieses Da-

tum angegeben zu haben. Das SEM gehe dementsprechend davon aus, 

dass dieses Datum wahrscheinlicher sei, als dasjenige, welches er in der 

Schweiz angegeben habe. 

Weil der Beschwerdeführer auch nach dem in Griechenland registrierten 

Geburtsdatum als minderjährig gelte, sehe das SEM keinen Anlass für die 

Durchführung einer medizinischen Altersabklärung (Art. 17 Abs. 3bis 

AsylG). 

Bezüglich des Wegweisungsvollzugs hielt die Vorinstanz weiter fest, dass 

die Ausreisefrist bis am (…) 2021 verlängert worden sei. Somit sei gewähr-

leistet, dass der Beschwerdeführer bis zum Erreichen der Volljährigkeit in 

einer altersgerechten Struktur untergebracht sei, weshalb der Vollzug der 

Wegweisung zulässig sei. Ferner würden weder die Situation in Griechen-

land noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs sprechen. Gemäss den Schilderungen des Beschwerdeführers habe 

er die notwendige Versorgung, wie beispielsweise eine Unterbringung und 

Verpflegung, erhalten, auch wenn er damit nicht zufrieden gewesen sei. 

Griechenland habe die entsprechende Richtlinie (Richtlinie 2011/95/EU 

des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 

über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen 

einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf sub-

sidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes; sog. 

Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt, weshalb ihm die in diesem Zusammen-

hang stehenden Rechte zustehen würden und er diese selbständig einkla-

gen könne. Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug auch technisch mög-

lich. 

5.2 Dieser Argumentation wird in der Beschwerde entgegengehalten, dass 

die Aussagen des Beschwerdeführers sein Alter betreffend glaubhaft, plau-

sibel und widerspruchsfrei seien. So habe er sein Geburtsdatum ([…] 2005) 

nach dem afghanischen Kalender genau benennen können, wie sein Vater 

es ihm letztes Jahr gesagt habe. Auch habe er erwähnt, dass er bis unge-

fähr zum Alter von elf oder zwölf Jahren zuhause unterrichtet respektive 

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Seite 8 

bis zwölf in seinem Dorf gelebt habe. Ferner habe er plausibel erklären 

können, wie es in Griechenland zur Registrierung des falschen Alters ge-

kommen sei. Er sei dahingehend informiert worden, dass er bis zur Voll-

jährigkeit auf der Insel Lesbos hätte bleiben müssen, weshalb er sein Alter 

um eineinhalb Jahre höher angegeben habe. Erst später habe er erfahren, 

dass der Verbleib auf der Insel nicht im Zusammenhang mit dem Alter 

stehe. Daraufhin habe er den Betreuern und der Rechtsvertretung – no-

tabene den Vertrauenspersonen – versucht zu erklären, dass das angege-

bene nicht sein richtiges Geburtsdatum sei. Doch niemand habe sich um 

dieses Anliegen gekümmert, was sinnbildlich für das griechische Asylver-

fahren sei. Folglich sei die Registrierung in Griechenland kein Indiz für die 

Richtigkeit des Geburtsdatums. Bei Vorliegen von Zweifeln wäre es daher 

angebracht gewesen, seitens der Vorinstanz weitere Abklärungen bezüg-

lich des Alters des Beschwerdeführers vorzunehmen. 

Des Weiteren wurde auf die prekäre Situation für Flüchtlinge sowie sub-

sidiär Geschützte in Griechenland hingewiesen, die durch zahlreiche Be-

richte belegt sei und eine Gefahr der Verletzung von Art. 3 EMRK in Bezug 

auf den Beschwerdeführer wahrscheinlich mache, mindestens aber die 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bedeute. 

6.  

6.1 Als erstes ist die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung 

hinsichtlich des Alters des Beschwerdeführers zu prüfen, da ein allenfalls 

ungenügend abgeklärter Sachverhalt eine materielle Behandlung verun-

möglichen würde. Er rügt diesbezüglich einerseits, es seien trotz Aufforde-

rung der Rechtsvertretung seitens des SEM keine Abklärungen sein Alter 

betreffend vorgenommen worden. Andererseits macht er geltend, bei der 

Prüfung der Glaubhaftigkeit des Alters seien einseitig die zu seinen Lasten 

sprechenden Elemente berücksichtigt und jene zu seinen Gunsten spre-

chenden ausser Acht gelassen worden.  

6.2  

6.2.1 Grundsätzlich gilt festzustellen, dass von der Vorinstanz nicht be-

zweifelt wird, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen derzeit unbe-

gleiteten minderjährigen Asylsuchenden handelt (Art. 1a Bst. d AsylV 1 

[Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen, SR 142.311]). 

Der speziellen Situation von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden 

wird im Asylverfahren unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass 

die Anhörung in der Regel in Anwesenheit des gesetzlichen Vertreters oder 

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der Vertrauensperson erfolgen muss und die Behörde hinsichtlich der Min-

derjährigkeit gewisse Durchführungsmodalitäten zu beachten hat (Art. 7 

Abs. 5 AsylV 1). Dabei sind insbesondere das Alter, der Reifegrad und ge-

gebenenfalls besondere Verletzlichkeiten der minderjährigen Person sowie 

die Komplexität der Vorbringen zu berücksichtigen (vgl. hierzu BVGE 

2014/30). Diesen formellen Anforderungen ist das SEM vorliegend nach-

gekommen. Ob es bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit des Alters die As-

pekte der Minderjährigkeit hinreichend berücksichtigt hat, wird eine mate-

rielle Frage unter der folgenden Erwägung 6.3 sein. 

6.2.2 Festzuhalten ist demgegenüber, dass das Vorgehen des SEM, das 

Ausreisedatum des Beschwerdeführers auf den (…) 2021 zu setzen, einen 

Tag, nachdem der Beschwerdeführer nach seiner Meinung volljährig sei, 

als unzulässig zu bezeichnen ist und für sich alleine einen Kassationsgrund 

darstellen dürfte. Angesichts der folgenden Erwägungen, erübrigen sich 

aber weitere Ausführungen dazu. 

6.3  

6.3.1 Als nächstes ist auf die Frage der Glaubhaftigkeit des Alters des Be-

schwerdeführers einzugehen. Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – 

der allgemeinen asylrechtlichen Beweisregel folgend – von der beschwer-

deführenden Person zumindest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 

E. 3 und 4.2.3).  

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 AsylG bedeutet – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt Raum für ge-

wisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen 

Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Bei der Einschätzung des Alters 

des Beschwerdeführers ist eine Gesamtwürdigung vorzunehmen, bei der 

auch die protokollierten Aussagen zu den persönlichen Lebensumständen 

zu berücksichtigen sind (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 6.4.3 f.: insbes. 

[übereinstimmende] Angaben zum Alter, zu Identitätspapieren bzw. zu den 

Gründen für deren Nichteinreichung, zu den familiären Umständen, zum 

Schulbesuch, zu Berufsbildung / Berufstätigkeit und zu den Ausreiseum-

ständen sowie nachvollziehbare länderspezifische Angaben zum behaup-

teten Herkunftsgebiet). Wie erwähnt, erachtete die Vorinstanz zwar die 

Minderjährigkeit des Beschwerdeführers als glaubhaft gemacht. Demge-

genüber glaubt sie ihm das an der EB UMA angegebene Alter von knapp 

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Seite 10 

(…) Jahren nicht respektive hält es insbesondere das in Griechenland re-

gistrierte Geburtsdatum vom (…) 2003 als wahrscheinlicher als das vom 

Beschwerdeführer geltend gemachte ([…] 2005).  

Wie nun zu zeigen sein wird, ist der Einwand des Beschwerdeführers, das 

SEM habe im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung eine einseitige Gewich-

tung zu seinen Lasten vorgenommen, zutreffend.  

6.3.2  

6.3.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass sich aus den Akten keine Hinweise da-

rauf ergeben, der Beschwerdeführer könnte versucht haben, die Vor-

instanz über seine Identität zu täuschen. Insbesondere sind auch seine Er-

klärungen, weshalb er keine Tazkira einreichen könne, gut nachvollziehbar 

(A22 Ziff. 4.03). Generell hinterlässt er einen glaubwürdigen Eindruck. Er 

gibt bereitwillig Auskunft und seine Aussagen wirken insgesamt authen-

tisch, ungezwungen und sind gut vereinbar mit dem von ihm geltend ge-

machten Alter.  

6.3.2.2 Im Einzelnen hat der Beschwerdeführer nachvollziehbare und stim-

mige Angaben zu seiner Herkunft aus einem Dorf des sogenannten Haza-

radschat (Bergregion im zentralen Hochland Afghanistans, umfassend un-

ter anderem die Provinz Daikondi und Heimat der ethnischen Hazara), zu 

seiner Familie und zu seiner Aus- und Weiterreise gemacht. Lebensnah 

sind aber auch seine Angaben zu seinem rund dreijährigen Aufenthalt in 

Griechenland ausgefallen. Dies auch, weil sich immer wieder Realzeichen 

darunter befinden, etwa wie er angibt die Betreuer hätten lieber «Zigaretten 

geraucht und Kaffee getrunken» und nichts getan (A22 S. 6). Dabei wirkt 

seine diesbezügliche Hilflosigkeit in Griechenland echt, auch weil er später 

immer wieder darauf Bezug nimmt (ebd. Ziff. 8.01).     

6.3.2.3 Was das geltend gemachte Alter von rund (…) Jahren im Spezifi-

schen betrifft, ist festzuhalten, dass auch diesbezüglich die Angaben des 

Beschwerdeführers überwiegend stimmig sind: 

So konnte er ohne zu zögern sein Geburtsdatum gemäss dem afghani-

schen Kalender, so wie er es von seinem Vater erfahren habe, nennen res-

pektive darlegen, dass er in drei Monaten (…) Jahre alt werde. Seine Ant-

wort auf die Frage, woher er sein genaues Geburtsdatum kenne: "Mein 

Vater kannte mein genaues Geburtsdatum…" ist präzise und seine spon-

tane Ergänzung, er sei letztes Jahr verstorben und er habe es auch seiner 

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Seite 11 

Mutter genannt, wirkt echt, auch, weil sie gänzlich unwesentlich ist. Glei-

ches wiederholt sich kurz danach, als er auf Nachfrage hin klar bestätigt, 

ja, sein Vater habe es ihm gesagt, und die Frage nach dem Zeitpunkt prä-

zise wiederum mit der Aussage beantwortet, letztes Jahr, und zwar bevor 

er mit der Mutter gesprochen habe. Auch hier fügt er spontan eine Neben-

sächlichkeit an, indem er ergänzt, er sei das älteste Kind. Schliesslich gibt 

er auch auf eine dritte Nachfrage deutlich an, nein, er habe vorher das Ge-

burtsdatum nicht gewusst, sondern einfach gedacht, dass er (damals) 14 

oder 15 Jahre alt gewesen sei (A22 Ziff.1.06). Dies wiederum lässt sich 

ohne Weiteres damit vereinbaren, dass der Beschwerdeführer für den Zeit-

raum, bevor er sein genaues Alter vom Vater erfahren habe, durchwegs 

ungefähre Angaben gemacht hat (vgl. auch hinsichtlich seines Alters beim 

Heimunterricht: A:"Wissen Sie, wie alt Sie waren, als Ihr Vater Sie unter-

richtet hat?" F: "Ich war etwa 11 oder 12" [A22 Ziff. 1.17.04] oder bei den 

Fragen zu seiner letzten Adresse: A:"Von wann bis wann haben Sie in 

D._______ gewohnt?" F:"Etwa bis zu meinem 12. Lebensjahr. Ich war 

glaube ich 12-jährig, als ich ausreiste,…" [ebd. Ziff. 2.02] oder wiederum 

zum Reiseweg, er sei Anfang 2018 ausgereist und etwa zwölfeinhalb oder 

dreizehn Jahre alt gewesen [ebd. Ziff. 5.01]). Zu Gunsten des Beschwer-

deführers ist in diesem Zusammenhang zu gewichten, dass es im afghani-

schen Kontext für im ländlichen Gebiet aufwachsende Jugendliche (vorlie-

gend: Dorf D._______, Provinz Daikundi) durchaus üblich ist, dass sie ihr 

Alter nicht mit Sicherheit angeben können und dieses von Drittpersonen im 

Verlauf ihres Lebens erfahren (vgl. Urteil des BVGer D-3375/2016 vom 10. 

August 2016 E. 5.2). Auch nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich einer 

asylsuchenden Person aus Afghanistan der Sinn von differenzierten Fra-

gestellungen nach Alter und Geburtsdatum nicht unbedingt erschliesst. 

Vorliegend kommt die unbestrittenermassen geringe Schulbildung und das 

– unabhängig vom wahrscheinlichsten Geburtsdatum – sehr junge Alter 

des Beschwerdeführers hinzu, in dem er seinen Heimatstaat verlassen, 

eine zweifellos strapaziöse Flucht erlebt hat und auch in Griechenland mit 

schwierigen Umständen konfrontiert war.  

Sodann ist die Erklärung des Beschwerdeführers, weshalb er sich älter ge-

macht habe, alles andere als abwegig. Vielmehr ist vor dem Hintergrund 

der bekannten Umstände auf Lesbos in jenem Zeitraum gut nachvollzieh-

bar, dass er möglichst rasch von dort wegwollte. Ebenso, dass er sich von 

entsprechenden Informationen, die sich dann als falsch herausstellten, be-

einflussen liess; erst später habe er herausgefunden, dass der Transfer 

aufs griechische Festland nicht vom Alter abhänge, sondern wenn «der 

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Seite 12 

Name drankommt» (A22 S. 6). Soweit das SEM festhält, es sei nicht plau-

sibel, dass er sein Geburtsdatum gegenüber seinen Betreuern und seiner 

Rechtsvertretung erwähnt habe, jedoch nicht gegenüber den griechischen 

Behörden, konnte er, davon ausgehend, dass er sein genaues Geburtsda-

tum zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gekannt hatte, das registrierte 

Datum ([…] 2003) kaum auf den (…) 2005 ändern lassen. Er hätte sich 

höchstens jünger als angegeben registrieren lassen können. Dass seine 

Vertrauenspersonen sich diesem, wohlgemerkt eher vagen, Anliegen nicht 

angenommen haben, muss – angesichts der bekannten Zustände im grie-

chischen Asylsystem – nicht als unplausibel erachtet werden.  

Aus dem Protokoll ist zwar nicht ersichtlich, auf welchen Angaben das 

exakte Geburtsdatum, das in Griechenland registriert worden ist, basiert. 

Zu Unrecht hält das SEM dem Beschwerdeführer aber jedenfalls entgegen, 

er selber habe an der EB UMA bestätigt, dieses Datum in Griechenland 

angegeben zu haben; so etwas wird aus dem Protokoll gerade nicht er-

sichtlich. Auf die einzige diesbezügliche Frage machte er nämlich wiede-

rum nur eine ungefähre Angabe (nämlich, er habe sich eineinhalb Jahre 

älter gemacht; A22 S. 6). Der Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer 

habe ja sein Alter gar (noch) nicht gekannt und sich deshalb auch nicht 

eineinhalb Jahre älter machen können, ist in dieser Absolutheit unberech-

tigt. Denn es ist nach dem bisher Gesagten durchaus naheliegend, dass er 

sich dabei auf das damals von ihm vermutete Alter von rund dreizehn Jah-

ren bezog. Hätte er bei der Ankunft im Frühjahr 2018 in Griechenland an-

gegeben etwa vierzehneinhalb Jahre alt zu sein (statt richtigerweise drei-

zehn), liegt das dort registrierte Geburtsdatum ([…] 2003) nahe, auch wenn 

damit noch nicht erklärt ist, worauf der exakte Monatstag basiert. Wie be-

reits erwähnt, geht es aber vorliegend um die Glaubhaftigkeit des geltend 

gemachten Alters und nicht etwa, wie im ZEMIS-Verfahren, um das wahr-

scheinlichere Geburtsdatum   

6.3.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Einwand in der Be-

schwerde, das SEM habe einseitig die zu Ungunsten des vom Beschwer-

deführer geltend gemachten Alters sprechenden Elemente gewichtet, zu-

treffend ist. Eine Gesamtwürdigung fällt zu Gunsten der Glaubhaftigkeit 

des Alters des Beschwerdeführers von ungefähr (…) Jahren aus, auch 

wenn nicht sämtliche Zweifel beseitigt sind. Letztere betreffen insbeson-

dere die Frage, wie die Registrierung des (…) 2003 in Griechenland zu-

stande gekommen ist. Letztlich kann diese Frage im vorliegenden Verfah-

ren angesichts des anzuwendenden Beweismasses offenbleiben. Ob die 

E-2634/2021 

Seite 13 

Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich seines exakten Geburtsda-

tums ([…] 2005) den (strengeren) massgeblichen Beweisregeln des VwVG 

standhalten, wonach eine Tatsache als bewiesen gilt, wenn sie in Würdi-

gung sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünfti-

gen Zweifel bleiben, und damit dieses Geburtsdatum wahrscheinlicher ist 

als jenes (…) 2003, das von den griechischen Behörden registriert worden 

ist, wird im Rahmen des Verfahrens betreffend Datenänderung im ZEMIS 

(E-2726/2021) zu beurteilen sein. 

Aus dem Gesagten folgt, dass sich eine Rückweisung der Angelegenheit 

unter dem Aspekt des glaubhaft gemachten Alters – namentlich zur Durch-

führung einer entsprechenden Abklärung – nicht rechtfertigt. Die Akten wa-

ren hinreichend liquid, um diesbezüglich den rechtserheblichen Sachver-

halt zu eruieren. Demgegenüber liegen hinsichtlich des angeordneten 

Wegweisungsvollzugs Kassationsgründe vor, wie nachfolgend zu zeigen 

sein wird. 

7.  

7.1  

7.1.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver-

pflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 33 Abs. 1 des Abkommens 

über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 

BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 und 4 EMRK) einer Weiterreise der Aus-

länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt-

staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann 

der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie 

im aufnehmenden Staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, 

allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  

7.1.2 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie 

Griechenland einer ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen 

Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und 

grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. FANNY 

MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté de droit des 

E-2634/2021 

Seite 14 

migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf Art. 83 

Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen 

EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist.  

Diese Legalvermutung kann allerdings umgestossen werden, wenn ernst-

hafte Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Behörden des in Frage ste-

henden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, der betroffe-

nen Person nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschen-

unwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive dass sie im 

in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, 

wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage ge-

raten würde (vgl. Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 

E. 4.8).  

7.1.3 Im Zusammenhang mit der Anordnung des Wegweisungsvollzugs 

von unbegleiteten Minderjährigen ist das SEM von Amtes wegen verpflich-

tet, das Kindeswohl zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 und 

2009/51 E. 5.6). Unter anderem sind spezifische Abklärungen der persön-

lichen Situation der betroffenen minderjährigen Person nach ihrer Rück-

kehr unter dem Blickwinkel des Kindeswohls vorzunehmen und die zustän-

dige Behörde hat gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG sicherzustellen, dass die UMA 

im Rückkehrstaat einem Familienmitglied oder einer Aufnahmeeinrichtung 

übergeben werden kann, welche den Schutz des Kindes gewährleisten. 

Das SEM darf sich nicht darauf beschränken, pauschal auf das grundsätz-

liche Vorliegen entsprechender sozialer Institutionen im Rückkehrstaat zu 

verweisen (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3 mit Hinweisen auf EMARK 2006 

Nr. 24 E. 6.2.4 und 1998 Nr. 13 E. 5e). 

8.  

8.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon-

kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst das Recht, mit eige-

nen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und 

zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu 

können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachauf-

klärung und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-

recht der Parteien dar. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs beinhaltet, 

dass die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffe-

nen sorgfältig sowie ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung berück-

sichtigt werden (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Zudem müssen die angebotenen 

Beweismittel abgenommen werden, wenn sie zur Abklärung des Sachver-

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Seite 15 

halts tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grund-

sätzliche Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Vorbringen des 

Rechtssuchenden zu befassen und Entscheide zu begründen (Art. 35 

Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst 

sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. In diesem Sinne 

müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, die für den 

Entscheid bedeutsam sind (vgl. BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 

Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-

gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter dieser Norm aufgelisteten 

Beweismittel. Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige 

und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Be-

schaffung der für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung 

der rechtlich relevanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsge-

mässe Beweisführung. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der Untersuchungspflicht bil-

det einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird; unvollständig ist sie, wenn nicht alle 

für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer-

den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Der Untersuchungs-

grundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG; 

Art. 8 AsylG) beschränkt. 

8.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich im heutigen – massgeblichen 

– Zeitpunkt um eine unbegleitete minderjährige Person. Im Zusammen-

hang mit der Anordnung des Wegweisungsvollzugs ist die Vorinstanz dem-

nach von Amtes wegen verpflichtet, das Kindeswohl zu berücksichtigen 

und es sind spezifische Abklärungen der persönlichen Situation unter dem 

Blickwinkel des Kindeswohls vorzunehmen (vgl. oben E. 7.1.3). Daran än-

dert die Legalvermutung von Art. 83 Abs. 5 AIG nichts.  

8.2.1 Das SEM begründet die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

unter anderem damit, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Schilde-

rungen alles Notwendige erhalten habe, auch wenn er mit der Art der Un-

terbringung und den Unterstützungsleistungen nicht zufrieden gewesen 

sei. Weil er schon ein bisschen Griechisch sprechen könne und in guter 

gesundheitlicher Verfassung sei, sollte es ihm möglich sein, sich bei Voll-

jährigkeit auf Arbeits- und Wohnungssuche zu begeben und die griechi-

schen Behörden bei Bedarf um Unterstützung zu ersuchen. Nebenbei 

E-2634/2021 

Seite 16 

habe Griechenland die Qualifikationsrichtlinie umgesetzt, deren Rechte 

einklagbar seien. Ausserdem bestünden neben staatlichen Strukturen 

auch private sowie internationale Organisationen, an welche sich der Be-

schwerdeführer wenden könne. 

Das SEM hat sich zwar anlässlich seiner Anfrage um Rückübernahme des 

Beschwerdeführers vom 3. Mai 2021 um eine altersgerechte Unterkunft in 

Griechenland bemüht (A11). Diese wurden von den griechischen Behörden 

indes nicht zugesagt. Das SEM steht gemäss der massgeblichen Recht-

sprechung aber in der Pflicht, von Amtes wegen konkret abzuklären, in wel-

che Institution der Beschwerdeführer gegebenenfalls zurückgeführt wer-

den kann, und ob dem Kindeswohl damit hinreichend Rechnung getragen 

wird. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass die Ausführungen 

des Beschwerdeführers zu seinem Aufenthalt in Griechenland ebenfalls als 

glaubhaft zu erachten sind, er ist seiner Mitwirkungspflicht umfassend 

nachgekommen und hat ausführlich berichtet (A22 Ziff. 2.06 und insbeson-

dere Ziff. 5.02). Das SEM stellt seine Sachdarstellung zu Recht auch gar 

nicht in Frage. Ob allerdings diese Lebensumstände mit dem Kindeswohl 

vereinbar sind, ist zumindest fraglich, auch wenn der Beschwerdeführer 

jeweils mit Minderjährigen untergebracht worden sei. So gab er etwa an, 

nichts zu tun gehabt zu haben, weder eine Freizeitbeschäftigung oder eine 

Schule, die Betreuer hätten sich nicht gut gekümmert. Jedenfalls wird das 

SEM nach der Abklärung, in welche konkrete Institution der Beschwerde-

führer zurückgeführt werden kann gegebenenfalls einlässlich zu begrün-

den haben, weshalb auch bei Berücksichtigung des Kindeswohls und der 

in Griechenland bekanntermassen prekären Umstände für anerkannte 

Flüchtlinge sich der Vollzug der Wegweisung für den minderjährigen Be-

schwerdeführer als zulässig erachtet werden kann, und inwiefern in seinem 

Fall die Legalvermutung von Art. 83 Abs. 5 AIG nicht umgestossen ist. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachverhalt 

hinsichtlich des angeordneten Wegweisungsvollzugs nur unvollständig 

festgestellt hat. Gleichzeitig hat es das rechtliche Gehör des Beschwerde-

führers – insbesondere auch seine Begründungspflicht – verletzt, indem es 

seine Minderjährigkeit nicht berücksichtigt hat.  

  

E-2634/2021 

Seite 17 

9.  

9.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz ist insbesondere dann gerechtfertigt, wenn wei-

tere Tatsachen festgestellt werden müssen sowie ein umfassendes Be-

weisverfahren durchgeführt werden muss. Die in diesen Fällen fehlende 

Entscheidreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz 

selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomi-

schen Gründen angebracht erscheint (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Eine sol-

che Konstellation liegt offensichtlich nicht vor. Zudem handelt es sich um 

eine schwere Rechtsverletzung. 

9.2 Nach dem Gesagten verletzt die angefochtene Verfügung Bundesrecht 

(Art. 49 Bst. a und b VwVG). Die Beschwerde ist gutzuheissen, die ange-

fochtene Verfügung vom 26. Mai 2021 im Umfang des Verfahrensgegen-

standes (Ziffer 3 und 4 des Dispositivs) aufzuheben und die Sache in An-

wendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG zur vollständigen und richtigen Sach-

verhaltsermittlung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das 

SEM zurückzuweisen. Auf weitere Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe 

ist nicht näher einzugehen, vielmehr wird die Beschwerde inklusive der Be-

weismittel integraler Bestandteil des neu aufzunehmenden erstinstanzli-

chen Asylverfahrens und hat in diesem Rahmen Beachtung zu finden. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung 

auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater AsylG).  

10.3 Die Anträge um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sind mit vorliegen-

dem Entscheid in der Sache gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-2634/2021 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Ziffern 3 und 4 der Verfügung des SEM vom 26. Mai 2021 werden auf-

gehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur vollständigen und 

richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur neuen 

Beurteilung und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Patricia Petermann Loewe 

 

 

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