# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de1419be-6bf7-5764-a6ef-d5545eee3320
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-03
**Language:** de
**Title:** Dachgestaltung. Definition des Kreuzdaches. Anwendbarkeit von § 292 lit. a PBG.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0130/2013
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_II_Nr._0130_2013_980.pdf

## Full Text

BRGE II Nr. 0130/2013 vom 3. September 2013 in BEZ 2013 Nr. 44 

4.1  Die  Rekurrentin  moniert,  entgegen  dem  Dafürhalten  der  Vorinstanz 
seien vorliegend keine Kreuzfirste geplant, weil solche besondere Gebäudeteile 
überspannten,  was  am  Grundriss  wie  auch  an  der  Fassade  ablesbar  sei.  (…) 
Daher müsse auf je zwei der vier Gebäudeseiten die Vorschrift von § 292 PBG 
eingehalten werden, was indes nicht der Fall sei. (…) 

4.2  Die  sechs  –  je  zu  zweien  zusammengebauten  – Wohnhäuser weisen 
einzeln je einen quadratischen Grundriss auf und werden mit einem Kreuzdach 
gedeckt.  Dieser  Dachtypus  weist  zwei  mittig  gekreuzte,  gleichlange  Firste  und 
acht Dachflächen auf, nämlich ab jedem der vier Firstabschnitte deren zwei, die 
sich  nach  unten  gegen  Null  verjüngen.  Dergestalt  entstehen  vier  Giebelseiten 
und  keine  Trauflängen,  sondern  –  an  den  Gebäudeecken  –  gleichsam 
Traufpunkte  (vgl.  H.  Köpf/G.  Binding,  Bildwörterbuch  der  Architektur,  1999,  S. 
115). 

Lehre  und  Rechtsprechung  definieren  den  Kreuzfirst  wie  folgt:  Dieser  ist 
nicht  nur  eine  besondere  Dachform,  sondern  auch  der  obere  Abschluss  einer 
besonderen  Gebäudeform.  Deshalb  ist  der  Kreuzfirst  nicht  nur  am  Dach, 
sondern  auch  am  darunter  liegenden  Baukörper,  insbesondere  auch  an  der 
Fassade  erkennbar.  Der  herkömmliche  Kreuzfirst  setzt  auf  der  Höhe  des 
Hauptfirstes an und verläuft horizontal im rechten Winkel zur Fassade. Er kann 
nur  auf  der  einen  Seite  des  Hauptfirstes  angeordnet  sein  oder  aber  diesen 
durchschneiden  und  beidseits  des  Hauptfirstes  von  Fassade  zu  Fassade 
verlaufen. Die Fassade ist dementsprechend im Bereich des Kreuzfirstes ohne 
Unterbrechung  bis  zum  First  hinaufgezogen.  Der  Kreuzfirst  kann  die  ganze 
Breite  des Gebäudes oder nur einen Teil davon  einnehmen.  Die  Fassade  des 
Kreuzfirstes verläuft entweder auf der gleichen Flucht wie die restliche Fassade 
der  betreffenden  Gebäudeseite  oder  ist  dieser  in  der  Breite  des  Kreuzfirstes 
leicht vorgelagert. Auf Kreuzfirste sind die Vorschriften über die Dachaufbauten 
nicht  anwendbar 
I  Nr.  616/1992  =  BEZ  1993  Nr.  9, 
www.baurekursgericht-zh.ch;  Ch.  Fritzsche/P.  Bösch/Th.  Wipf,  Zürcher 
Planungs-  und  Baurecht,  5.  A.,  2011,  S.  948  f.).  Mit  andern  Worten  bilden 
Kreuzfirste  bzw.  die  zugehörigen  Dachflächen  die  eigentliche  Dachfläche  und 
nicht deren Durchstossung mit einer – ihrerseits bedachten – Dachaufbaute.  

(BRKE 

Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  vorliegend  Kreuzfirste  und  keine 
Dachaufbauten projektiert sind. Die Firste setzen alle auf der gleichen Höhe an. 
Für  das  Vorliegen  eines  Kreuzfirstes  wird  nicht  verlangt,  dass  ein  längerer 
Haupt-  und  ein  kürzerer  Nebenfirst  gegeben  sind;  vielmehr  können  alle  vier 
Firste  bzw.  die  von  diesen  ausgehenden  Dachflächen  sowie  die  darunter 
liegenden Fassaden gleich dimensioniert sein. Dass die Firste die ganze Breite 
der  betreffenden  Fassade  einnehmen  und  somit  kein  auf  die  Firstbreite 

beschränkter Fassadenvorsprung entstehen kann, spricht ebenfalls nicht gegen 
das Vorliegen eines Kreuzfirstes; ein sich im Gebäudegrundriss abzeichnender 
Vorsprung  unter  dem  Kreuzfirst  wird  nach  dem  Gesagten  nicht  vorausgesetzt. 
Andernfalls  wäre  ausgerechnet  bei  Kreuzdächern 
im  vorstehend  um-
schriebenen  Sinne  das  Vorliegen  eines  Kreuzfirstes  zu  verneinen,  was  offen-
sichtlich völlig  widersinnig wäre. Gerade dort, wo alle Dachflächen gleich sind, 
entfällt  die  Unterscheidung  in  Dachflächen  und  sie  durchstossende,  im 
Verhältnis zur Dachfläche untergeordnete Dachaufbauten vollends. Insofern ist 
das Kreuzdach geradezu der Prototyp eines Kreuzfirstes. All dies nicht weniger 
auch  dann,  wenn 
jeweils  zwei  mit  Kreuzdächern  gedeckte  Gebäude 
zusammengebaut  werden  sollen.  Dieser  Zusammenbau  macht  weder  die 
Längsseiten  zu  Traufseiten  noch  die  dortigen  Kreuzfirste  zu  Dachaufbauten. 
Erst  recht  ist  die  Gebäudehöhe  nicht  bis  zu  den  Firsten  zu  messen.  Der 
Zusammenbau  erlaubt  höchstens  die  Unterscheidung  in  einen  längeren 
Hauptfirst  und  zwei  (durchgehende)  kürzere  Nebenfirste,  was  indes  keine 
andere  Beurteilung  zur  Folge  hat.  Dass  mit  Kreuzdächern  maximale  grosse 
Fassadenflächen  mit  einem  entsprechenden  Maximum  an  Fensterflächen 
erzielt  werden  kann,  indem  die  Gebäudehöhe  nur  noch  an  vier  Punkten 
jedenfalls  unter  dem  Aspekt  der 
eingehalten  werden  muss, 
Baubegrenzungsnormen  nicht  zur  Unzulässigkeit  dieser  Dachform  bzw.  des 
angefochtenen  Projektes.  Ob  dies  bauästhetisch  erwünscht  ist,  beurteilt  sich 
nach der Gestaltungsvorschrift von § 238 PBG. 

führt 

4.3  Liegen  dergestalt  Kreuzfirste  vor,  entfällt  die  Anwendung  der 

Vorschriften über die Dachaufbauten (§ 292 PBG) auf diese Bauteile.