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**Case Identifier:** 80c4ece5-2cb5-5e13-9841-33afdae02288
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-26
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 26.02.2024 VBE.2023.183
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-183_2024-02-26.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.183 / lf / fi 
Art. 26 

 

 

Urteil vom 26. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichter Kathriner 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____ 

vertreten durch lic. iur. Marco Unternährer, Rechtsanwalt, 

Sempacherstrasse 6 (Schillerhof), Postfach, 6002 Luzern 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 16. März 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1986 geborene Beschwerdeführer war bei der Beschwerdegegnerin 

obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er gemäss 

Schadenmeldung vom 17. Juli 2015 am 11. Juli 2015 bei einer Liftschacht-

demontage im Inneren des Schachtes rund sechs Meter abstürzte und sich 

dabei eine Mehrfachverletzung zuzog. Die Beschwerdegegnerin aner-

kannte ihre Leistungspflicht für die Folgen dieses Ereignisses und erbrach-

te Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Sie führte Abklärungen in me-

dizinischer und beruflicher Hinsicht durch, liess den Beschwerdeführer 

mehrfach kreisärztlich untersuchen und nahm wiederholt Rücksprache mit 

dem Kreisarzt. Mit Schreiben vom 9. Mai 2022 stellte die Beschwerde-

gegnerin die Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 31. August 2022 

ein. Mit Verfügung vom 13. Juni 2022 sprach sie dem Beschwerdeführer 

eine Integritätsentschädigung für eine Integritätseinbusse von 35 % zu und 

verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die dagegen erhobene 

Einsprache wies die Beschwerdegegnerin nach Eingang weiterer medizini-

scher Berichte und erneuter mehrmaliger Rücksprache mit dem Kreisarzt 

mit Einspracheentscheid vom 16. März 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 16. März 2023 erhob der Beschwer-

deführer mit Eingabe vom 13. April 2023 fristgerecht Beschwerde und 

stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Der Einsprache-Entscheid der SUVA vom 16.03.2023 sei aufzuheben 
und die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer weiterhin 
UV Taggelder bis zum erreichten medizinischen Endzustand auszu-
richten. 

 
 Eventualiter sei ihm eine mindestens 50 %ige UV Rente zu gewähren, 

sowie eine Integritätsentschädigung aufgrund einer mindestens 45 
%igen Integritätseinbusse. Zusätzlich seien weitere Heilmassnahmen 
gemäss Art. 21 UVG interdisziplinär medizinisch zu beurteilen. 

 
2. Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer sämtliche zu-

sätzlichen medizinischen Abklärungskosten, welche aufgrund von zu-
sätzlichen Abklärungen durch die Fachärzte des Kantonsspitals 
B._____ entstanden sind, zurückzuerstatten. 

 
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-

gegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 27. April 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 - 3 - 

 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 5. Mai 2023 reichte der Beschwerdeführer ein aktuelles 

Arbeitsunfähigkeitszeugnis zu den Akten. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einspracheentscheid vom 16. März 

2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 843) gestützt auf verschiedene kreis-

ärztliche Stellungnahmen davon aus, dass die Knie- und Wirbelsäulenbe-

schwerden in keinem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 

11. Juli 2015 stünden (VB 843 S. 6 ff.) und betreffend die unfallbedingten 

Fussbeschwerden von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung über den 

31. August 2022 hinaus keine namhafte Besserung mehr zu erwarten ge-

wesen sei, weshalb auf diesen Zeitpunkt hin der Fallabschluss vorzuneh-

men sei (VB 843 S. 8 ff.). Da unter Berücksichtigung der 100%igen Arbeits-

fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit kein rentenbegründender Invalidi-

tätsgrad resultiere, habe der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine 

Rente (VB 843 S. 11 f.). Die aus dem Unfall verbleibenden Schäden an bei-

den Füssen bedeuteten eine Integritätseinbusse von 35 %, weshalb An-

spruch auf eine Integritätsentschädigung in entsprechender Höhe bestehe 

(VB 843 S. 13 ff.). 

 

1.2. 

Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber im Wesentlichen – unter 

Hinweis auf die Einschätzungen seiner behandelnden Ärzte – auf den 

Standpunkt, auf die Aktenbeurteilungen des Kreisarztes 

Dr. med. univ. B._____, Praktischer Arzt, könne nicht abgestellt werden. 

Der Unfall vom 11. Juli 2015 sei zumindest teilkausal für die Knie- und 

Rückenbeschwerden. Zudem habe die Beschwerdegegnerin – in 

Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes – den "unfallkausale[n] 

psychische[n] Aspekt […] völlig ausgeblendet" (vgl. Beschwerde S. 16). 

Der Fallabschluss per 31. August 2022 erweise sich zudem als verfrüht 

(vgl. Beschwerde S. 7 ff.; 28 f.). Zudem rügt der Beschwerdeführer, die ihm 

zugesprochene Integritätsentschädigung sei zu tief (vgl. Beschwerde 

S. 21 f.), und kritisiert, die Beschwerdegegnerin habe die der Berechnung 

des Invaliditätsgrades zu Grunde gelegten Vergleichseinkommen falsch 

festgesetzt (die Berechnung des Valideneinkommens, angewandter 

Tabellenlohn für die Berechnung des Invalideneinkommens, höherer 

leidensbedingter Abzug; vgl. Beschwerde S. 22 ff.). 

 

1.3. 

Streitig ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid 

vom 16. März 2023 (VB 843) zu Recht betreffend den Unfall vom 11. Juni 

 - 4 - 

 

 

2015 den Fallabschluss per 31. August 2022 vorgenommen, ihre Leis-

tungspflicht im Zusammenhang mit den gemeldeten Knie- und Rückenbe-

schwerden sowie den Anspruch auf eine Invalidenrente für die Unfallfolgen 

verneint und dem Beschwerdeführer nur eine Integritätsentschädigung für 

eine Integritätseinbusse von 35 % zugesprochen hat. 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, 

dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-

heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ur-

sachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-

stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-

treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-

getreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für 

die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, 

dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher 

Störungen ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit 

anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicher-

ten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge-

dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö-

rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch 

BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406). 

 

2.1.2. 

Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen 

Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, 

worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen 

der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-

recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. 

(BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 

S. 181) zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs ge-

nügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 

E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Die Sozialversicherungsorgane und das Ge-

richt haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von 

allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen 

(BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). Der Beweis des natürlichen Kausalzusam-

menhangs ist in erster Linie mittels Angaben medizinischer Fachpersonen 

zu führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2015 vom 21. August 2015 

E. 2.2.3.1; vgl. auch RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundes-

gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver-

sicherung, 4. Aufl. 2012, S. 55). 

 

 - 5 - 

 

 

2.2. 

2.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-

tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

2.2.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut-

achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-

forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-

lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 

E. 4.4 S. 469 f. und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

2.2.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

3. 

3.1. 

Hinsichtlich der Verneinung eines natürlichen Kausalzusammenhangs 

zwischen den vom Beschwerdeführer geklagten Knie- und Rückenbe-

schwerden und dem Unfallereignis vom 11. Juli 2015 stützte sich die Be-

schwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vom 16. März 

2023 (VB 843 S. 6 ff.) im Wesentlichen auf die kreisärztlichen Aktenbeur-

teilungen von Dr. med. univ. B._____ vom 6. Mai (VB 728) und 

6. Dezember 2022 (VB 809). 

 

 - 6 - 

 

 

3.1.1. 

Am 6. Mai 2022 führte Dr. med. univ. B._____ aus, die nunmehr sieben 

Jahre nach dem Unfall vom Beschwerdeführer geklagten 

Rückenbeschwerden würden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

in unfallkausalem Zusammenhang stehen. Anlässlich des Ereignisses 

seien keine Beschwerden und Verletzungen von Seiten des Rückens 

dokumentiert. Bei den im MRI vorgefundenen Befunden handle es sich 

überwiegend wahrscheinlich um degenerative Veränderungen. Bereits 

2009 und 2011 seien radiologische Abklärungen der Wirbelsäule erfolgt, 

offenbar wegen bereits damals bestehenden Beschwerden (VB 728 S. 2). 

 

3.1.2. 

In seiner Aktenbeurteilung vom 6. Dezember 2022 hielt 

Dr. med. univ. B._____ fest, anlässlich des geltend gemachten Ereignisses 

sei es aufgrund der vorliegenden Dokumentation nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit zu strukturellen Läsionen der Wirbelsäule und beider 

Kniegelenke gekommen. Von wirbelsäulenchirurgischer Seite sei dezidiert 

festgehalten worden, dass es sich bei den vorliegenden Befunden um 

chronisch degenerative Veränderungen handle, welche durch den Unfall 

aktiviert werden könnten oder im Rahmen einer durchgeführten 

beidseitigen Fussoperation. Aktivierte Wirbelsäulenbeschwerden durch 

das Unfallereignis oder zeitnah durch eine der durchgeführten 

Fussoperationen seien nicht dokumentiert. Eine erstmalige Dokumentation 

von Wirbelsäulenbeschwerden finde sich 2021 und damit sechs Jahre nach 

dem Unfallereignis. Zudem würde diese Beurteilung im Kehrschluss 

bedeuten, dass eine Unfallversicherung grundsätzlich bei 

Wirbelsäulenbeschwerden nach einem Eingriff an den unteren 

Extremitäten, sei es Hüfte, Kniegelenk oder Fuss, bei Schmerzauslösung 

chronisch degenerativer Veränderungen leistungspflichtig wäre. Dies wäre 

als vorübergehende Schmerzauslösung zeitnah zum Unfallereignis für eine 

begrenzte Zeit nachvollziehbar, nicht jedoch sechs Jahre nach dem Unfall-

ereignis (VB 809 S. 3 f.). Bezüglich der beidseitigen Knieproblematik werde 

eine Teilunfallkausalität analog zur Beurteilung der Wirbelsäulenbeschwer-

den geltend gemacht. Eine unfallbedingte strukturelle Läsion werde nicht 

nachvollziehbar ausgewiesen. Geltend gemacht werde, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund des Unfalles [die Beine] lange habe immobilisie-

ren müssen und diverse Operationen im Bereich der Füsse stattgefunden 

hätten, welche die natürliche Laufbiomechanik verändert hätten, was Ein-

fluss auf die beschriebene Knieproblematik habe. Auch diese Argumenta-

tion lasse sich nicht nachvollziehen. So werde im Sprechstundenbericht 

von Dr. med. C._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma-

tologie des Bewegungsapparates, Kantonsspital B._____, ein sicheres 

Gangbild mit ein bisschen Hinken rechts anlässlich der orthopädischen Wir-

belsäulensprechstunde festgehalten. Entsprechend werde auch im 

Sprechstundenbericht von Prof. Dr. med. E._____, Facharzt für Ortho-

pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

 - 7 - 

 

 

Kantonsspital B._____, vom 5. März 2021 ein zunehmend chronischer Ver-

lauf und nicht eine akute Beschwerdesymptomatik infolge Unfalls doku-

mentiert. Abgesehen davon, dass in der vorliegenden Dokumentation keine 

überwiegend wahrscheinliche unfallkausale strukturelle Läsion der Kniege-

lenke dokumentiert sei, würden die Befunde und Anamnese für eine über-

wiegend wahrscheinlich degenerative Beschwerdesymptomatik sprechen. 

Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass in den von 

Prof. Dr. med. E._____ und Dr. med. C._____ erstellten Berichten keine 

unfallkausalen strukturellen Läsionen der Kniegelenke und der Wirbelsäule 

ausgewiesen seien (VB 809 S. 4). 

 

3.2. 

Dr. med. univ. B._____ verkennt damit jedoch, dass hinsichtlich der 

geforderten Leistungen auch für die Knie- und Rückenbeschwerden nicht 

vorgebracht wird, dass die Knie oder der Rücken beim Unfallereignis vom 

11. Juli 2015 direkt betroffen gewesen seien. Unfallbedingte 

Fussverletzungen, wie sie der Beschwerdeführer – unbestrittenermassen 

– beim fraglichen Unfall erlitten hat, können aber zu andauernden 

Fehlbelastungen führen, die als indirekte Unfallfolgen später zu 

unfallkausalen Beschwerden führen können (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 4.3.3). Denn für die 

Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist es nicht erforderlich, 

dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher 

Störungen bildet. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen 

mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der 

versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht 

weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene 

gesundheitliche Störung entfiele (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_274/2021 vom 31. März 2023 E. 9.3.1). Die Leistungspflicht des 

obligatorischen Unfallversicherers erstreckt sich damit praxisgemäss auch 

auf mittelbare bzw. indirekte Unfallfolgen (vgl. BGE 147 V 161 E. 3.2; Urteil 

des Bundesgerichts 8C_316/2022/ 8C_330/2022 vom 31. Januar 2023 

E. 6.4.4.1 mit Hinweis). 

 

Hinsichtlich der Latenz der Kniebeschwerden sowie der Rückenbeschwer-

den, die entgegen den Ausführungen von Dr. med. univ. B._____ nicht erst 

sieben Jahre nach dem Unfall, sondern bereits im Bericht vom 25. Februar 

2016 erstmals erwähnt wurden (VB 102 S. 2), ist des Weiteren darauf hin-

zuweisen, dass es rechtsprechungsgemäss in der Natur von unfallbeding-

ten Fehlbelastungsbeschwerden liegt, dass diese erst einige Zeit nach dem 

Unfall auftreten und nicht direkt traumatisch bedingt sind (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_117/2012 vom 20. September 2012). Daher hätte sich 

Dr. med. univ. B._____ in seinen Stellungnahmen vom 6. Mai (VB 728) 

und 6. Dezember 2022 (VB 809) damit auseinandersetzen müssen, ob es 

nach dem Unfall zu einer Fehlhaltung/Fehlbelastung aufgrund der 

unfallbedingten Fussverletzungen kam, welche überwiegend 

 - 8 - 

 

 

wahrscheinlich – im Sinne zumindest einer Teilursache – natürlich kausal 

für die ab Oktober 2016 geklagten Schmerzen an beiden Knien (VB 167; 

179) und die beständig ab Februar 2022 geklagten Rückenschmerzen 

(VB 704 S. 2) war bzw. ist. 

 

Dafür, dass eine Fehlbelastung infolge der unfallbedingten Fussbeschwer-

den (teil-)ursächlich für die Rücken- und insbesondere die Kniebeschwer-

den sein könnte, gibt es in den Akten verschiedene Hinweise. So wurde 

nach Durchführung der Ganzkörperskelettszintigraphie vom 21. April 2016 

festgehalten, es würden degenerativ bzw. belastungsbedingte Mehrbele-

gungen (u.a.) beidseits im medialen Kompartiment der Kniegelenke beste-

hen (VB 124 S. 1). Zudem würden posttraumatisch bedingte Arthrosen 

bzw. Fehlbelastungen im unteren Sprunggelenk vorliegen (VB 124 S. 2). 

Im Bericht vom 3. November 2016 wurde vom behandelnden Orthopäden 

festgehalten, die Beschwerden in beiden Kniegelenken seien sicherlich in-

folge der Fehlbelastung zu sehen (VB 183 S. 2). Prof. Dr. med. E._____ 

führte in seinem Bericht vom 27. Juli 2022 ebenfalls aus, bezogen auf die 

Knie-Problematik liege mindestens eine Teilunfallkausalität vor. Nicht nur 

habe der Beschwerdeführer lange Zeit aufgrund seines Unfalls 

"immobilisieren müssen", auch hätten diverse Operationen im Bereich der 

Füsse stattgefunden, die die natürliche Laufbiomechanik verändert hätten, 

was auch Einfluss nehme auf die beschriebene Knieproblematik (VB 773 

S. 1). Zudem hatte sich Dr. med. univ. B._____ in seiner Aktenbeurteilung 

vom 19. Januar 2021 selbst dahingehend geäussert, dass eine unfallbe-

dingte Teilkausalität für die Beschwerden am rechten Kniegelenk anzuneh-

men sei (VB 604 S. 2). Weshalb er in der Folge in seiner Beurteilung am 

6. Dezember 2022 zu einem gegenteiligen Schluss gelangte, legte der 

Kreisarzt nicht dar. 

 

Soweit Dr. med. univ. B._____ zur durch Prof. Dr. med. E._____ ange-

nommenen Teilkausalität des Unfalls für die Kniebeschwerden (VB 773 

S. 1) sodann lediglich ausführte, dessen Argumentation lasse sich nicht 

nachvollziehen, da im Sprechstundenbericht von Dr. med. C._____ ein 

sicheres Gangbild mit ein bisschen Hinken rechts festgehalten worden sei 

(vgl. E. 3.1.2. hiervor), liess er massgebliche Aspekte völlig ausser Acht. 

So sass der Beschwerdeführer nach dem Unfall zuerst ein halbes Jahr lang 

im Rollstuhl (VB 17 S. 1; 30 S. 1 f.; 39 S. 2 f.), wobei Anfang September 

2015 eine Steigerung von der (absoluten) Null- auf eine Teilbelastung in 

dem Sinne erfolgte, als er nun beispielsweise die Treppen mittels Knie-

schonern bei Nullbelastung der Füsse bewältigen musste (VB 30 S. 2). Da-

nach war er über längere Zeit und nach diversen Operationen nur an Geh-

stöcken mobil (VB 59 S. 1, 3, 5; 86; 102 S. 1; 183 S. 2; 219 S. 1; 250 S. 2; 

251; 524) oder es war operationsbedingt eine andere spezielle Belastung 

notwendig (VB 302 S. 2; 398 S. 3; 514 S. 4; 684 S. 3). Noch Jahre nach 

dem Unfallereignis vom 11. Juli 2015 wurde ein hinkendes Gangbild fest-

gestellt (beispielsweise im Februar 2020, VB 492 S. 2; im Februar 2021, 

 - 9 - 

 

 

VB 632 S. 2; im Juni 2022, VB 786 S. 2) und es wurde aktenausweislich 

mehrfach auf eine eingeschränkte Abrollbewegung beim Gehen (VB 176 

S. 1; 422 S. 2; 428 S. 2; 442 S. 2; 492 S. 2) sowie eine Gangunsicherheit 

(VB 182 S. 3; 467 S. 1) hingewiesen. Zudem gab der Beschwerdeführer 

kontinuierlich Schmerzen beim Gehen an (VB 186; 216 S. 2; 219 S. 1; 221; 

266 S. 1; 310 S. 2; 353 S. 3; 361 S. 2; 362 S. 2; 371 S. 1; 422 S. 2; 492 

S. 2; 577 S. 1; 619 S. 2; 704; 767 S. 2; 786). All diese Punkte wären bei 

der Beurteilung der Unfallkausalität der Knie- und Rückenbeschwerden 

ebenfalls miteinzubeziehen gewesen, was Dr. med. univ. B._____ jedoch 

unterlassen hat. 

 

3.3. 

Insgesamt erweisen sich die Aktenbeurteilungen von 

Dr. med. univ. B._____ vom 6. Mai (VB 728) und 6. Dezember 2022 

(VB 809) demnach als unvollständig und nicht nachvollziehbar begründet. 

In Anbetracht der strengen Anforderungen an Beurteilungen durch 

versicherungsinterne medizinische Fachpersonen als 

Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 2.2.2. hiervor) ist nach dem Dargelegten 

damit von zumindest geringen Zweifeln an den Beurteilungen von 

Dr. med. univ. B._____ vom 6. Mai (VB 728) und 6. Dezember 2022 

(VB 809) auszugehen (vgl. vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_274/2021 

vom 31. März 2023 E. 9.3.1; 8C_246/2020 vom 10. September 2020 

E. 3.3; 8C_487/2019 vom 9. Oktober 2019 E. 6.1). Der vorliegend re-

levante Sachverhalt erweist sich damit im Lichte der Untersuchungsma-

xime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 

132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 S. 195; UELI KIESER, ATSG-Kom-

mentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) als nicht rechtsgenüglich 

erstellt, weshalb eine Beurteilung des (weiteren) Leistungsanspruchs des 

Beschwerdeführers im Zusammenhang mit dem Unfall vom 11. Juli 2015 

aktuell nicht möglich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_274/2021 vom 

31. März 2023 E. 10). Die Sache ist daher zur ergänzenden Abklärung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1 

S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Anschliessend hat sie neu über den 

weiteren Leistungsanspruch des Beschwerdeführers im Zusammenhang 

mit dem Unfallereignis vom 11. Juli 2015 zu verfügen. Ausgangsgemäss 

erübrigen sich Ausführungen zu den weiteren Vorbringen des Beschwer-

deführers.  

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 16. März 2023 aufzuhe-

ben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und 

zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

 - 10 - 

 

 

4.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

4.3. 

4.3.1. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz seiner 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

4.3.2. 

4.3.2.1. 

Der Beschwerdeführer beantragte schliesslich, die Beschwerdegegnerin 

habe ihm sämtliche Kosten, welche ihm aufgrund von zusätzlichen Abklä-

rungen durch die Fachärzte des Kantonsspitals B._____ entstanden seien, 

zurückzuerstatten (vgl. Beschwerdeantrag Ziff. 2). 

 

4.3.2.2. 

Die Vornahme der notwendigen Abklärungen obliegt dem Versicherungs-

träger (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG), weshalb die Partei grundsätzlich keine 

eigenen Abklärungen einzuleiten hat. Es entspricht aber einer Erfahrungs-

tatsache, dass nicht angeordnete Abklärungen – etwa die Einholung ärztli-

cher Berichte oder die Beauftragung einer sachverständigen Person – zu 

massgebenden Erkenntnissen für das Abklärungsverfahren führen können. 

Was die Kostentragung betrifft, hält Art. 45 Abs. 1 ATSG fest, dass der Ver-

sicherungsträger die Kosten der Abklärung übernimmt, soweit er die Mass-

nahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so über-

nimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung 

des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugespro-

chener Leistungen bilden. 

 

4.3.2.3. 

Die Berichte des Kantonsspitals B._____ waren vorliegend nicht uner-

lässlich für die Entscheidfindung, da den kreisärztlichen Aktenbeur-

teilungen, auf welche sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Ein-

spracheentscheid stützte, bereits aufgrund der aktenkundigen medizini-

schen Berichte kein Beweiswert hätte beigemessen werden dürfen (vgl. 

E. 3.2. f. hiervor). Die Kosten dieser Berichte sind demnach – entgegen 

dem entsprechenden Antrag des Beschwerdeführers – nicht der Beschwer-

degegnerin aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_483/2018 

vom 11. Dezember 2018 E. 6; 8C_20/2013 vom 16. Mai 2013 E. 6.2.2). 

 

  

 - 11 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid 

vom 16. März 2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'500.00 zu bezahlen. 

 

4. 

Der Antrag auf Kostenersatz für die Berichte des Kantonsspitals B._____ 

wird abgewiesen. 
 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 12 - 

 

 

   

Aarau, 26. Februar 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Roth Fricker