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**Case Identifier:** 462da57c-146d-5f26-a20c-d38566bac2fd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.11.2023 BVGE 2023 VI/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2023-VI-4_2023-11-24.pdf

## Full Text

Dublin-Verfahren. Nichteintreten auf Asylgesuch 2023 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 25 

 

2023 VI/4 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i.S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

E-6348/2023 vom 24. November 2023 

Nichteintreten auf Asylgesuch (Dublin-Verfahren). Gehörsanspruch 

eines mutmasslichen unbegleiteten Minderjährigen.  

Art. 30 Abs. 1 VwVG. Art. 17 Abs. 3bis AsylG. Art. 7 AsylV 1. Art. 5 

Abs. 1 und Abs. 2 Dublin-III-VO.  

1. Spezifische Verfahrensvorschriften zum Anhörungsrecht von 
Asylsuchenden, die behaupten, minderjährig zu sein. Tragweite 

von Art. 5 Dublin-III-VO (E. 6.2–6.5).  

2. Nichtigkeit eines Dublin-Nichteintretensentscheids. Von der 
Rechtsprechung entwickelte Kriterien. Die fehlende Erstbefra-

gung und das unterlassene Dublin-Gespräch eines unbegleiteten 

minderjährigen Asylsuchenden führen nicht zwingend zur Nich-

tigkeit des Entscheids des SEM (E. 7). 

Non-entrée en matière sur une demande d'asile (procédure Dublin). 

Droit d'être entendu d'un prétendu mineur non accompagné.  

Art. 30 al. 1 PA. Art. 17 al. 3bis LAsi. Art. 7 OA 1. Art. 5 par. 1 et  2 

règlement Dublin III. 

1. Dispositions de procédure spécifiques relatives au droit d'être en-
tendu des requérants d'asile qui prétendent être mineurs. Portée 

de l'art. 5 du règlement Dublin III (consid. 6.2–6.5).  

2. Nullité d'une décision de non-entrée en matière dans une procé-
dure Dublin. Critères développés par la jurisprudence. Le fait de 

ne pas avoir mené de premier entretien et d'avoir omis l'entretien 

Dublin en présence d'un requérant d'asile mineur non accom-

pagné n'entraîne pas forcément la nullité de la décision du SEM 

(consid. 7). 

Non entrata nel merito di una domanda d'asilo (procedura Dublino). 

Diritto di essere sentito di un asserito minorenne non accompagnato.  

Art. 30 cpv. 1 PA. Art. 17 cpv. 3bis LAsi. Art. 7 OAsi 1. Art. 5 cpv. 1 e 

cpv. 2 Regolamento Dublino III.  

2023 VI/4 Dublin-Verfahren. Nichteintreten auf Asylgesuch 

 

 

26 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

1. Disposizioni procedurali specifiche sul diritto di essere sentito dei 
richiedenti l'asilo che affermano di essere minorenni. Portata 

dell'art. 5 del Regolamento Dublino III (consid. 6.2–6.5). 

2. Nullità di una decisione di non entrata nel merito Dublino. Criteri 
sviluppati dalla giurisprudenza. Il mancato svolgimento della pri-

ma audizione e del colloquio Dublino nel caso di un minorenne non 

accompagnato non comportano necessariamente la nullità della 

decisione della SEM (consid. 7). 

 

Der Beschwerdeführer suchte am 9. Juni 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank 

« Eurodac » ergab, dass er bereits in Italien erkennungsdienstlich erfasst 

worden war und ein Asylgesuch gestellt hatte. 

Das anschliessende Gesuch des Staatssekretariats für Migration (SEM) um 

Wiederaufnahme des Beschwerdeführers durch den italienischen Staat 

blieb unbeantwortet. 

Ein vom SEM in Auftrag gegebenes rechtsmedizinisches Gutachten ergab, 

dass der Beschwerdeführer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich-

keit das 18. Lebensjahr vollendet und somit die Volljährigkeit erreicht 

habe.  

Mit Schreiben vom 22. September 2023 gewährte das SEM dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör. 

Mit Schreiben vom 3. Oktober 2023 hielt der Beschwerdeführer an dem 

von ihm ursprünglich angegebenen Geburtsdatum und somit an der Min-

derjährigkeit fest und reichte dazu eine Geburtsurkunde im Original ein. 

Mit Verfügung vom 1. November 2023 trat das SEM auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung nach Italien 

sowie deren Vollzug an. Schliesslich wurde der Eintrag des Geburtsdatums 

(Volljährigkeit) im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) 

verfügt. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde und beantragte in der Hauptsache, es sei die Nichtigkeit die-

ses Entscheids festzustellen und im ZEMIS sei das von ihm ursprünglich 

angegebene Geburtsdatum (Minderjährigkeit) einzutragen.  

Das Verfahren betreffend Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

und betreffend ZEMIS-Eintrag wurde aufgetrennt.  

Dublin-Verfahren. Nichteintreten auf Asylgesuch 2023 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 27 

 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut, soweit die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. 

Aus den Erwägungen: 

6.  
6.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) umfasst als 
Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, da-

mit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen 

kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Das Recht auf 

vorgängige Anhörung im Sinne von Art. 30 Abs. 1 VwVG als Teilgehalt 

des rechtlichen Gehörs sieht insbesondere vor, dass die Behörde sich beim 

Erlass ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf, zu denen sich 

die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äussern und dies-

bezüglich Beweis führen konnte. 

Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG [SR 142.31]; 

Art. 13 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Unter-

suchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b 

AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung 

ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be-

weise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle 

für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer-

den (vgl. BVGE 2014/2 E. 5.1 m.w.H.). 

6.2 In Verfahren von minderjährigen Asylsuchenden hat das SEM ge-
wisse Anforderungen und namentlich spezifische Verfahrensvorschriften 

zu beachten (vgl. BVGE 2021 VI/3 E. 5.1; dazu auch die einschlägigen 

Bestimmungen in Art. 17 AsylG und Art. 7 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). 

6.3 Grundsätzlich trägt die asylsuchende Person die Beweislast für 
die behauptete Minderjährigkeit (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3 

m.w.H.). Im Asylverfahren ist das Geburtsdatum von der asylsuchenden 

Person zumindest glaubhaft zu machen, wobei die Minderjährigkeit dann 

als glaubhaft gemacht zu erachten ist, wenn für deren Vorhandensein 

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gewisse Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht noch mit der Mög-

lichkeit rechnet, dass die gesuchstellende Person bereits volljährig ist 

(BGE 140 III 610 E. 4.1; 130 III 321 E. 3.3) 

6.4 In Verfahren von potenziell minderjährigen unbegleiteten Asyl-
suchenden führt das SEM im Regelfall eine Erstbefragung für unbegleitete 

minderjährige Asylsuchende (nachfolgend: EB UMA) durch, damit einer-

seits die Urteilsfähigkeit abgeschätzt werden kann, aber auch, um Anhalts-

punkte über weiter zu treffende Massnahmen im Hinblick auf die Beurtei-

lung der behaupteten Minderjährigkeit und die Wahrung der Interessen des 

Minderjährigen zu gewinnen (vgl. Handbuch Asyl und Rückkehr des 

SEM, Artikel C9, UMA, Ziff. 2.4.1 Registrierung und Befragung zur Per-

son, S. 9).  

6.5 Die Rechtsprechung verlangt, sofern (wie vorliegend) keine 
Reise- oder Identitätspapiere vorliegen, bei der Einschätzung des Alters 

von angeblich minderjährigen Asylsuchenden eine Gesamtwürdigung, bei 

der namentlich die protokollierten Aussagen zu den persönlichen Lebens-

umständen zu berücksichtigen sind; dabei interessieren insbesondere die 

Angaben zum Alter, zu Identitätspapieren respektive den Gründen für de-

ren Nichteinreichung, zu den familiären Umständen, zum Schulbesuch, zu 

Berufsbildung/Berufstätigkeit, zu den Ausreiseumständen sowie gegebe-

nenfalls länderspezifische Angaben zum behaupteten Herkunftsgebiet 

(vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 6.4.3 f. und 

2005 Nr. 16 E. 4.1; statt vieler auch die Urteile des BVGer D-264/2022 

vom 14. März 2022 E. 6.2.1 oder D-102/2022 vom 17. Januar 2022 E. 4.5 

und 5). 

6.6 Das « persönliche Gespräch » gemäss Art. 5 der Verordnung 
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsange-

hörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf 

internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 

29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO), ist – unter Vorbehalt der in sei-

nem Abs. 2 genannten Ausnahmetatbestände – in Form einer Befragung 

durchzuführen, auf die nicht verzichtet und die nicht durch eine schrift-

liche Stellungnahme ersetzt werden kann (vgl. Urteile des BVGer 

F-3788/2022 vom 20. September 2022 E. 3.4.2 m.H. auf BVGE 2017 VI/5 

E. 7.2.; F-2619/2022 vom 24. Juni 2022 E. 5.3). 

http://links.weblaw.ch/BGE-130-III-321

Dublin-Verfahren. Nichteintreten auf Asylgesuch 2023 VI/4 

 

 

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7.  
7.1 Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in der Regel nicht nichtig, son-
dern bloss anfechtbar. Nach der vom Bundesgericht entwickelten soge-

nannten Evidenztheorie sind Entscheide nichtig, wenn der ihnen anhaften-

de Mangel erstens besonders schwer ist, wenn er zweitens offensichtlich 

oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem drittens die Rechts-

sicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet 

wird. Inhaltliche Mängel einer Entscheidung führen nur ausnahmsweise 

zur Nichtigkeit. Als Nichtigkeitsgründe fallen vorab funktionelle und 

sachliche Unzuständigkeit der entscheidenden Behörde sowie krasse Ver-

fahrensfehler in Betracht. Die Nichtigkeit eines Entscheids ist von sämtli-

chen rechtsanwendenden Behörden jederzeit von Amtes wegen zu beach-

ten (vgl. zum Ganzen etwa BGE 145 IV 197 E. 1.3.2 und 138 II 501 E. 3.1, 

je m.w.H.).  

7.2 Nach Durchsicht der Akten ist festzustellen, dass das SEM im 
vorliegenden Asylverfahren in der Tat weder eine EB UMA noch ein 

Dublin-Gespräch durchgeführt hat. Der einzige aktenkundige persönliche 

Kontakt einer SEM-Sachbearbeiterin mit dem Beschwerdeführer erfolgte 

am 18. Juli 2023, als diesem Fragen gestellt wurden, deren Antworten für 

die Durchführung des Altersgutachtens relevant sein konnten ([…]). Die 

entsprechende Gesprächsnotiz umfasst eine halbe A4-Seite und betrifft 

sieben standardisierte Fragen nach den vom Beschwerdeführer beherrsch-

ten Sprachen, nach chronischen Erkrankungen und der Einnahme von Me-

dikamenten, nach Erkrankungen, Hungerphasen und Knochenbrüchen in 

der Kindheit/Jugendzeit und nach dem Land, in dem er aufgewachsen sei. 

7.3  
7.3.1 Der Beschwerdeführer hält – wie nachfolgend dargelegt wird – 
zu Recht fest, dass die angefochtene Verfügung des SEM an erheblichen 

Mängeln leidet. Bei der Beurteilung der Frage der Nichtigkeit ist jedoch 

auch zu berücksichtigen, dass die einschlägigen Verfahrensregeln der 

Dublin-III-VO Ausnahmen von der in Art. 5 Abs. 1 Dublin-III-VO statu-

ierten Regel der persönlichen Anhörung der Asylsuchenden vorsehen. 

Diese betreffen gemäss Art. 5 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht nur die offen-

sichtliche Konstellation des Verschwindens der antragstellenden Person 

(Bst. a), sondern auch den wenig liquiden Sachverhalt, dass diese bereits 

sachdienliche Angaben gemacht habe, sodass der zuständige Mitgliedstaat 

« auf andere Weise » bestimmt werden könne (Bst. b).  

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30 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

7.3.2 Dem Beschwerdeführer wurde nach Vorliegen des Altersgutach-
tens schriftlich das rechtliche Gehör gewährt ([…]); zudem hatte, wie er-

wähnt, zuvor immerhin eine kurze technische « Zusatzbefragung » mit 

ihm stattgefunden. Unter diesen Umständen kann nach Ansicht des Bun-

desverwaltungsgerichts jedenfalls nicht gesagt werden, dass die Rechts-

verletzung des SEM – nach Massgabe der Evidenztheorie – offenkundig 

ist. Der Verzicht auf die Durchführung einer EB UMA und des Dublin-

Gesprächs genügt vorliegend deshalb noch nicht, um der Verfügung des 

SEM jegliche Rechtsverbindlichkeit abzusprechen. Nichtigkeitsgründe 

sind damit hier nicht gegeben. 

7.4 Das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers um Feststellung der 
Nichtigkeit der Verfügung des SEM vom 1. November 2023 ist demnach 

abzuweisen. 

8.  
8.1 Die Vorinstanz hat es versäumt, vom Beschwerdeführer Angaben 
zu seinem persönlichen Hintergrund einzuholen, die für die Beurteilung 

der von ihm geltend gemachten Minderjährigkeit erforderlich sind. Dass 

eine Konstellation vorliegen würde, aufgrund derer ausnahmsweise auf die 

Durchführung einer persönlichen Befragung verzichtet werden könne 

(Art. 5 Abs. 2 Dublin-III-VO), wird vom SEM in der angefochtenen Ver-

fügung nicht einmal behauptet; solches ergibt sich auch aus den Akten 

nicht.  

8.2 Die Vorinstanz scheint zu verkennen, dass medizinische Altersab-
klärungen nicht den Beweis für das Vorliegen der Minder- beziehungs-

weise Volljährigkeit einer Person zu erbringen vermögen, sondern besten-

falls als Indiz hierfür gelten können (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Die 

sich aus den Akten ergebenden Indizien für die Volljährigkeit des Be-

schwerdeführers (Altersgutachten, Angaben der italienischen Behörden) 

sind für eine umfassende diesbezügliche Beurteilung offensichtlich nicht 

ausreichend.  

8.3 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das Vor-
bringen des Beschwerdeführers, das SEM hätte mangels entsprechender 

Anhaltspunkte gar kein Altersgutachten in Auftrag geben dürfen – bezie-

hungsweise das Altersgutachten sei nicht verwertbar – nicht zu überzeugen 

vermag. Das SEM konnte sich, nachdem Italien in seiner Mitteilung vom 

8. August 2023 darauf verwies, der Beschwerdeführer sei dort als volljäh-

riger Asylsuchender registriert, durchaus veranlasst sehen, ein medizini-

sches Altersgutachten in Auftrag zu geben. Bezüglich der gesetzlichen 

Dublin-Verfahren. Nichteintreten auf Asylgesuch 2023 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 31 

 

Grundlage für solche Abklärungen wird auf Art. 12 VwVG (Möglichkeit 

zur Anordnung von Expertisen im Rahmen von Beweisanordnungen) ver-

wiesen, sowie auf Art. 17 Abs. 3bis AsylG, wonach mit wissenschaftlichen 

Methoden abgeklärt werden kann, ob das von einem Gesuchstellenden ge-

nannte Alter mit dem tatsächlichen Alter übereinstimmt (s. auch Art. 26 

Abs. 2 AsylG; vgl. Urteil des BVGer E-3630/2023 vom 11. Juli 2023 

E. 6.3). 

8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM den Sachver-
halt unvollständig festgestellt und das rechtliche Gehör des Beschwerde-

führers (sowie die Begründungspflicht) verletzt hat.