# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 629e41cd-4d14-5cfa-bc34-860ade7c5fb6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.07.2020 D-4578/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4578-2018_2020-07-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4578/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, 

Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

und ihr Sohn, 

C._______, geboren am (…), 

alle Afghanistan, 

alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, 

(…), 

Beschwerdeführende, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 10. Juli 2018 / N (…). 

 

 

 

D-4578/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und seine Ehefrau 

B._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) – beide zur Ethnie der Ha-

zara gehörende afghanische Staatsangehörige – verliessen ihren Heimat-

staat im (…) und reisten mit gültigen Visa per Flugzeug von Q._______ 

über D._______ nach E._______. Von dort aus gelangten sie eigenen An-

gaben zufolge via die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroa-

tien, Slowenien und Österreich am 13. Januar 2016 illegal in die Schweiz, 

wo sie am darauffolgenden Tag beim Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) F._______ um Asyl nachsuchten. 

A.b Nach der Einreise kam der gemeinsame Sohn C._______ zur Welt. Er 

wurde in der Folge in das Asylverfahren seiner Eltern miteinbezogen. 

B.  

B.a Die Vorinstanz befragte die Beschwerdeführenden am 28. Januar 2016 

zu ihrer Person, zum Reiseweg und summarisch zu ihren Asylgründen (Be-

fragung zur Person [BzP]). 

B.b Am 19. Februar 2018 wurden sie vertieft zu ihren Asylgründen ange-

hört. 

B.c Anlässlich der Befragungen machte die Beschwerdeführerin zu ihrer 

Person und Herkunft geltend, am (…) in G._______, Iran, geboren zu sein 

und sieben bis acht Jahre dort gelebt zu haben. Danach sei sie mit ihren 

Eltern und ihren Geschwistern nach Q._______, Afghanistan, gezogen, wo 

sie elf Jahre lang die Schule besucht habe. Nach Abschluss der Schule 

habe sie sechs Monate in einem (…) gearbeitet. Während dieser Zeit habe 

sie auch ihren zukünftigen Ehemann kennen gelernt. Im (…) habe sie sich 

mit ihrer Familie in H._______, Afghanistan, aufgehalten. Aufgrund der 

Probleme ihres älteren Bruders mit den Taliban und den Mitgliedern des 

Friedensrates hätten sie vorerst nicht nach Q._______ zurückgehen kön-

nen und seien infolgedessen zu ihrem Onkel nach I._______, Pakistan, 

gegangen. Nach der religiösen Trauung am (…) sei sie zusammen mit ih-

rem Ehemann nach Q._______ zurückgekehrt. 

Hinsichtlich ihren Asylgründen führte sie im Wesentlichen aus, ihr älterer 

Bruder, J._______, habe (…) heimlich Filmaufnahmen gemacht, welche 

die Taliban und den Friedensrat kompromittieren könnten. In der Folge 

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Seite 3 

seien er und seine gesamte Familie bedroht worden. Da sie davon ausge-

gangen sei, ihr geschehe nach der Heirat nichts mehr, sei sie (…) zusam-

men mit ihrem Ehemann nach Afghanistan zurückgekehrt. Bereits zwei 

oder drei Monate nach ihrer Rückkehr aus Pakistan habe ihr Mann jedoch 

anonyme Anrufe erhalten, wobei er nach dem Aufenthaltsort ihres Bruders 

gefragt worden sei. Er habe sich daraufhin mit ihrem Bruder in Verbindung 

gesetzt, woraufhin dieser ihn gewarnt und ihm dazu geraten habe, die An-

rufe nicht mehr entgegen zu nehmen. Als er es trotzdem getan und den 

Anrufern mitgeteilt habe, nicht zu wissen, wo sich sein Schwager aktuell 

aufhalte, seien sie von diesen bedroht worden. Ihr Mann habe ihr daraufhin 

gesagt, sie beide seien nicht mehr sicher und müssten weggehen. Da sie 

selber von diesen Leuten weder persönlich kontaktiert noch bedroht wor-

den sei und ihr Ehemann ihr bis dahin ansonsten kaum Einzelheiten zu den 

Drohanrufen verraten habe, habe sie erst zu diesem Zeitpunkt begriffen, 

dass ihre beiden Leben auf dem Spiel standen. Daraufhin seien sie nach 

K._______ zu einem Freund ihres Ehemannes geflüchtet, wo sie sich 

knapp einen Monat lang versteckt hätten. (…) hätten sie ihren Heimatstaat 

legal verlassen und seien per Flugzeug in den Iran gereist. 

B.d Der Beschwerdeführer gab bezüglich seiner Person und Herkunft an, er 

sei am (…) in L._______, Iran, geboren und dort zusammen mit seinen El-

tern, seiner Schwester und seinen beiden Brüdern aufgewachsen. Nachdem 

er die Schule bis zur achten Klasse besucht habe, sei er im (…) nach 

Q._______, Afghanistan, gezogen, wo er weitere drei Jahre zur Schule ge-

gangen sei. Anschliessend habe er den Beruf des (…) gelernt und bis zu 

seiner Ausreise bei einer Firma namens M._______ gearbeitet. 

In Bezug auf seine Asylgründe führte der Beschwerdeführer aus, er sei im 

(…) von angeblichen Kollegen seines Schwagers auf seinem Mobiltelefon 

angerufen worden, die sich nach dessen Aufenthaltsort erkundigt hätten. 

Er habe deshalb Kontakt mit diesem aufgenommen, wobei ihm dieser dann 

erzählt habe, dass er heimlich Filmaufnahmen von einem höheren Taliban-

Mitglied gemacht habe, weshalb er und seine Familie seitdem von der af-

ghanischen Regierung bedroht und verfolgt worden seien. Obwohl ihm 

sein Schwager davon abgeraten habe, die Telefonate weiterhin entgegen-

zunehmen, habe er den Anrufern mitgeteilt, dass er nicht wisse, wo 

J._______ sei. Daraufhin hätten sie ihm gedroht, sie würden ihm oder sei-

ner Frau etwas antun, falls er nicht mit ihnen zusammenarbeite. Da habe 

er Angst bekommen und sei zu seiner Frau zurückgekehrt, welcher er vorher 

jeweils keine Details zu den Telefongesprächen mitgeteilt habe, und habe 

sie darüber informiert, dass sie ihre Sachen packen und sich verstecken 

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Seite 4 

müssten. Sie seien vorerst bei einem Freund in K._______ untergekommen. 

Von seinem Nachbarn und seinen Arbeitskollegen habe er dann erfahren, 

dass man bei ihm zu Hause und im Büro nach ihm gesucht habe. Auf An-

raten seines Schwagers habe er die Polizei nicht eingeschalten und habe 

stattdessen zusammen mit seiner Frau das Land verlassen. 

B.e Zum Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden im 

vorinstanzlichen Verfahren ihre Reisepässe sowie ihre Tazkeras (jeweils 

im Original) als Beweismittel zu den Akten. 

C.  

Mit Verfügung vom 10. Juli 2018 – eröffnet am 11. Juli 2018 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte 

ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der 

Schweiz, schob den Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten ei-

ner vorläufigen Aufnahme auf. 

D.  

D.a Die Beschwerdeführenden erhoben – handelnd durch ihre Rechtsver-

treterin – mit Schreiben vom 9. August 2018 Beschwerde beim Bundesver-

waltungsgericht. In materieller Hinsicht beantragen sie die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1 bis 3 unter Feststellung 

der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl, eventualiter die 

Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs unter Gewäh-

rung der vorläufigen Aufnahme als Flüchtling. In prozessualer Hinsicht be-

antragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. 

D.b Der Beschwerde lag eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit der 

Flüchtlingshilfe der Stiftung Heilsarmee Schweiz, Regionalstelle 

N._______, vom 9. August 2018 bei. 

E.  

Mit Schreiben vom 16. August 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt den Beschwerdeführenden den Eingang ihrer Beschwerde. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2018 teilte der damals zuständige 

Instruktionsrichter den Beschwerdeführenden mit, sie dürften den Ausgang 

des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess er das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 

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Seite 5 

Abs. 1 VwVG – unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage der 

Beschwerdeführenden – gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. 

G.  

Im Dezember 2019 wurde das vorliegende Verfahren aus organisatori-

schen Gründen zur Behandlung auf Richter Hans Schürch übertragen. 

H.  

H.a Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2020 wurde das SEM zur Ver-

nehmlassung eingeladen. 

H.b In ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2020 hielt die Vorinstanz fest, die 

Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen und Beweismit-

tel, die eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten und bean-

tragte die Abweisung der Beschwerde. 

H.c Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 

6. April 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

I.  

Die vorinstanzlichen Dossiers der beiden Brüder der Beschwerdeführerin 

(J._______, N … und O._______, N …) wurden beigezogen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

(AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt 

das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände-

rung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor dem die beschwerdeführende Person 

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Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Aus-

nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das 

Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/25 

E. 5). 

3.  

Da die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 10. Juli 2018 in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen wurden, richtet sich die vorliegende Be-

schwerde ausschliesslich gegen die Feststellung des SEM, die Beschwer-

deführenden erfüllen die Flüchtlingseigenschaft nicht, die Ablehnung des 

Asylgesuchs sowie die Anordnung der Wegweisung. Die Frage des Voll-

zugs der Wegweisung bildet nicht Gegenstand des Beschwerdeverfah-

rens. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Flucht-

gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

4.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung: BVGE 2007/19 E. 3.3, 

unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem 

EMARK 1994 Nr. 17). 

4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangte in ihrer ablehnenden Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen der Beschwerdeführerenden würden weder den Anforde-

rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die 

Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG standhalten. 

5.1.1 In Bezug auf die Glaubhaftigkeit führte das SEM zur Begründung aus, 

die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden zahlreiche Widersprü-

che und Unstimmigkeiten aufweisen. Beispielsweise habe die Beschwer-

deführerin erklärt, sie habe sich nach ihrer Rückkehr aus Pakistan rund 

zwei oder drei Monate in Afghanistan aufgehalten. Gemäss dem Stempel 

in ihrem Pass und ihren zeitlichen Angaben zu ihrer Hochzeit beziehungs-

weise ihrer unmittelbaren Rückkehr nach Afghanistan nach der Heirat 

müssten das aber rund sechs Monate gewesen sein. Als sie mit dieser Ab-

weichung konfrontiert worden sei, habe sie erklärt, sie wisse es nicht mehr 

und es könne sein, dass sie einen Fehler gemacht habe, wobei sie sich 

nicht mehr richtig erinnern könne. Mit diesen Aussagen sei es ihr nicht ge-

lungen, den Sachverhalt richtigzustellen oder zu präzisieren. Des Weiteren 

habe sie während der BzP ausgesagt, ihr Mann habe ihr die Anrufe der 

Personen, die nach ihrem Bruder gesucht hätten, anfänglich verschwie-

gen. Anlässlich der Anhörung habe sie das anders dargestellt und nichts 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17

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Seite 8 

von einem Verschweigen der Anrufe gesagt. Auf diese Diskrepanz ange-

sprochen, habe sie erklärt, ihr Mann habe ihr vom ersten und dritten Anruf 

erzählt, beim vierten habe er sich mit ihrem Bruder in Verbindung gesetzt 

und ihr nichts gesagt. Auch zur Länge ihres Aufenthaltes in Pakistan und 

zum letzten Wohnsitz im Heimatstaat habe sie im Verlaufe des Verfahrens 

inkonsistente Angaben gemacht, wofür sie keine überzeugende Begrün-

dung habe vorbringen können. Des Weiteren brachte die Vorinstanz zu-

sammengefasst vor, der Beschwerdeführer habe zur Anzahl, zum Inhalt 

und zu den zeitlichen Abständen der Telefonanrufe mit den Taliban oder 

den Mitgliedern des Friedensrates im Verlaufe des Verfahrens wider-

sprüchliche Aussagen getätigt. Ausserdem habe er bei der BzP auf die 

Frage, ob abgesehen von den geltend gemachten Telefonanrufen durch 

die Taliban oder Mitglieder des Friedensrates sonst noch etwas vorgefallen 

sei, lediglich einen Vorfall mit seinem Bruder erwähnt, der sich Jahre zuvor 

ereignet und ihn letztlich nicht tangiert habe. Weitere Vorfälle, wie zum Bei-

spiel die anlässlich der Anhörung geltend gemachten Besuche der Taliban 

oder Mitglieder des Friedensrates in seinem Büro beziehungsweise bei ihm 

zu Hause oder den Vorfall mit den Behörden bei der Ausreise, habe er mit 

keinem Wort erwähnt. Seine Erklärung, wonach er bei der ersten Befra-

gung nicht alles habe erzählen können, vermöge nicht zu überzeugen und 

müsse deshalb als Schutzbehauptung eingestuft werden. So sei ihm an-

lässlich der BzP mehrmals die Möglichkeit gegeben worden, diese Sach-

verhalte anzusprechen. Zudem wäre es ihm auch im Rahmen der Rück-

übersetzung möglich gewesen, Fakten klarzustellen oder zu ergänzen. So-

dann habe der Beschwerdeführer auch zu den Informationen und Instruk-

tionen, die ihm sein Schwager am Telefon gegeben haben soll, im Verlaufe 

des Verfahrens unvereinbare Angaben gemacht. 

Darüber hinaus würden die Angaben der Beschwerdeführenden zu zentra-

len Vorbringen erheblich voneinander abweichen. So habe der Beschwer-

deführer geltend gemacht, die Anrufer hätten ihn nach ihrer Flucht sowohl 

zu Hause als auch an seinem Arbeitsplatz gesucht und sich nach ihm er-

kundigt, wohingegen die Beschwerdeführerin diese Vorfälle mit keinem 

Wort erwähnt habe. Auch ihre Ausführungen, mit wem sie ihre Ausreise-

pläne diskutiert hätten, wann der Entscheid zur Ausreise gefallen sei oder 

betreffend die Anzahl, den Inhalt und die zeitlichen Abstände der Telefonate 

mit den Taliban beziehungsweise den Mitgliedern des Friedensrates und 

auch mit J._______ würden divergieren. 

Die Vorbringen der Beschwerdeführenden müssten überdies als wenig 

konkret bezeichnet werden. Den Darstellungen würden die typischen 

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Merkmale (Realkennzeichen) wie Detailreichtum, die Beschreibungen von 

Emotionen und Gedankengängen, die räumliche und zeitliche Verknüpfung 

der erzählten Ereignisse sowie die Schilderungen von nebensächlichen 

und ausgefallenen Einzelheiten fehlen. Ihre Beschreibungen zentraler Vor-

bringen, wie zum Beispiel der Gespräche zwischen dem Beschwerdeführer 

und den Taliban beziehungsweise den Mitgliedern des Friedensrates, der 

Erklärung des Beschwerdeführers, wie die Anrufer an seine Telefonnum-

mer gekommen seien, und der Ausführungen der Beschwerdeführerin, was 

sie ihrem Mann vor ihrer Hochzeit über die Probleme ihres Bruders angeb-

lich erzählt habe, seien stereotypisch, detailarm, emotionslos und ober-

flächlich gewesen, was darauf hinweise, dass sie sich auf einen konstru-

ierten Sachverhalt und nicht auf tatsächlich Erlebtes gestützt hätten. 

5.1.2 Bezüglich der Asylrelevanz führte die Vorinstanz aus, die Asylakten 

der in der Schweiz lebenden Familienangehörigen würden keine Anhalts-

punkte für die Annahme liefern, dass die Beschwerdeführenden in ihrer 

Heimat eine flüchtlingsrelevante Gefährdung zu befürchten hätten. Dem 

Bruder der Beschwerdeführerin, J._______, sei zwar aufgrund einer poten-

tiellen asylrelevanten Gefährdung durch die Taliban oder Vertreter des Frie-

densrates die Flüchtlingseigenschaft zugesprochen worden. Demgegen-

über seien jedoch die als glaubhaft erachteten Vorbringen ihres Zwillings-

bruders, O._______, der ebenso eine Verfolgung aufgrund der Tätigkeiten 

seines älteren Bruders geltend gemacht habe, nicht als asylrelevant einge-

stuft worden. Ausserdem weise die Tatsache, dass die beiden Schwestern 

der Beschwerdeführerin zusammen mit ihren Ehemännern seit Jahren un-

behelligt in Afghanistan leben würden, eindeutig daraufhin, dass die Bemü-

hungen des Friedensrates beziehungsweise der Taliban nicht so weit gehen 

würden oder diese Akteure schlichtweg nicht interessiert oder in der Lage 

seien, auch die verheirateten Frauen der Familie P._______ zu behelligen. 

Dies gelte umso mehr, als dass das von ihrem Bruder eingereichte und an 

seine Familie gerichtete Drohschreiben der Taliban, das in der Wohnpro-

vinz ihrer Schwester aufgetaucht sein soll, offenbar keinerlei Folgen gehabt 

habe. Des Weiteren seien die Vorfälle unterdessen schon bald vier Jahre 

her und dürften somit in Vergessenheit geraten sein. Zudem sei aufgrund 

der unglaubhaften Aussagen der Beschwerdeführenden zu ihrer eigenen 

Gefährdung in Afghanistan grundsätzlich davon auszugehen, dass beide 

für mehrere Monate unbehelligt in Q._______ gelebt hätten.

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Seite 10 

5.2  

5.2.1 In der Beschwerdeschrift wurde im Wesentlichen an der Glaubhaf-

tigkeit der Angaben festgehalten und behauptet, die vorgeworfenen Un-

stimmigkeiten seien unzutreffend. Die Vorinstanz übersehe, dass zwischen 

den ersten und den zweiten Anhörungen mehr als ein Jahr vergangen sei 

und die afghanischen Gepflogenheiten hinsichtlich der Achtung auf Zeit 

und Datum nicht dieselben seien, wie in der Schweiz. Darüber hinaus sei 

bewiesen, dass niemand bei erneuter Schilderung eines Ereignisses die-

selben Aussagen mache. 

Soweit das SEM der Beschwerdeführerin vorwerfe, dass sie von drei bis 

vier Monaten Aufenthalt in Q._______ nach ihrer Rückkehr aus Pakistan 

gesprochen habe, man gemäss dem Heiratsdatum und dem Stempel in 

ihrem Pass aber auf rund sechs Monate komme, bestünden gestützt auf 

ihre Angaben keine Widersprüche. Die Beschwerdeführerin habe (…) ge-

heiratet und sei (…) nach Q._______ zurückgekehrt. Dort habe sie mit ih-

rem Ehemann etwa drei bis vier Monate in einer gemeinsamen Wohnung 

gelebt und sich danach eineinhalb Monate lang bei einem Freund ver-

steckt. Sie habe nur von ihrem Aufenthalt bei sich zu Hause gesprochen 

und nicht, wo und wie lange sie sich versteckt habe. Bezüglich der Droh-

anrufe habe ihr Ehemann sie nicht beängstigen wollen. Sie sei über den 

ersten Anruf dahingehend informiert worden, dass ein Freund ihres Bru-

ders ihren Ehemann nach dessen Aufenthaltsort gefragt habe. Den Ernst 

der Lage habe sie nicht mitbekommen, bis ihr Ehemann eines Tages nach 

Hause gekommen sei und gesagt habe, sie solle ihre Sachen packen und 

sie müssten die Wohnung verlassen. 

Das SEM werfe dem Beschwerdeführer sodann zu Unrecht vor, dass er 

über den Inhalt der Telefongespräche widersprüchliche Angaben gemacht 

habe. Wenn man die Anhörungsprotokolle lese, stelle man fest, dass wenn 

er von Filmaufnahmen und Materialien spreche, er damit dasselbe gemeint 

habe. Wie er bei der Bundesanhörung zu erklären versucht habe, hätten 

die Anrufer von Anfang an Informationen über seinen Schwager haben wol-

len und sich dabei als dessen Arbeitskollegen und Freunde ausgegeben. 

Er habe zunächst keinen Verdacht geschöpft und deshalb auch gesagt, er 

gehe der Sache nach und frage seinen Schwager. Erst nach dem Kontakt 

mit ihm habe er verstanden, mit was für gefährlichen Personen er es zu tun 

habe, und habe in der Folge versucht, mit diversen Ausreden die Sache zu 

regeln. Als der Anrufer dies bemerkt habe, habe er ihn und seine Familie 

bedroht. Da er von seinem Schwager erfahren habe, dass es sich bei den 

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Seite 11 

Anrufern wahrscheinlich um Taliban oder Mitglieder des Friedensrates han-

delte, habe er diesbezüglich an der Anhörung keine weiteren Informationen 

geben können. Er habe zudem nur ansatzweise mit seiner Ehefrau über 

diese Telefongespräche gesprochen, da man in ihrer Kultur Probleme von 

den Frauen fernhalte und er sie auch nicht habe beängstigen wollen. Dem-

entsprechend wisse sie nicht viel über den Inhalt dieser Gespräche. 

Wie die Anrufer an die Nummer des Beschwerdeführers gekommen seien, 

könnten die Beschwerdeführenden selber nur vermuten. Sie hätten nach 

der Heirat und ihrer Rückkehr aus Pakistan eine Hochzeitsparty gefeiert. 

Der Beschwerdeführer habe den Gästen seine Ehefrau vorgestellt und 

ihnen dabei erzählt, dass sie die jüngere Schwester von J._______ sei, 

einem bekannten Fotografen und Medienschaffenden. Da sie nicht alle 

Gäste persönlich gekannt hätten, sei es durchaus möglich und vorstellbar, 

dass unter ihnen Spione der Taliban oder Regierungsangehörige gewesen 

seien, die dann über die eingeladenen Kollegen und Freunde an die Tele-

fonnummer gekommen seien. 

Gemäss Ansicht der Beschwerdeführenden sei die Argumentation des 

SEM in Bezug auf das, was die Beschwerdeführerin ihrem Ehemann vor 

der Hochzeit über die Probleme ihres Bruders gesagt habe, nicht nachvoll-

ziehbar und unbegründet. Sie hätten sich schon längere Zeit gekannt, da sie 

Nachbarn gewesen seien. Als die Beschwerdeführerin mit ihren Eltern nach 

Pakistan geflohen sei, sei sie selber nicht im Detail über die Probleme ihres 

Bruders J._______ informiert gewesen. Sie habe von ihrem Vater lediglich 

mitbekommen, dass er mit den Taliban und der Regierung Probleme habe 

und deshalb ihre Leben in Gefahr schweben würden. Weil es oft vorkomme 

und üblich sei, dass jemand von den Taliban oder der Regierung auf der 

Flucht sei, habe sich der Beschwerdeführer auch nicht gross gewundert 

oder nach Details gefragt. 

5.2.2 Bezüglich der Argumentation der Vorinstanz, wonach die Beschwer-

deführerin aufgrund der Tätigkeit ihres Bruders in Zukunft keiner asylrele-

vanten Verfolgungsmassnahme ausgesetzt werde und auch ihre beiden 

Schwestern immer noch in Afghanistan lebten, wurde ausgeführt, dass ihre 

Schwestern, die bereits vor Jahren geheiratet hätten und aus dem Eltern-

haus ausgezogen seien, nicht in der Stadt Q._______, sondern in einer 

abgelegenen Ortschaft leben würden. Das SEM habe ausserdem mit Ent-

scheid vom 10. Juli 2018 festgestellt, dass der Zwillingsbruder der Be-

schwerdeführerin, O._______, aufgrund der Tätigkeiten seines Bruders, 

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Seite 12 

J._______, Reflexverfolgung und Repressalien in Zukunft befürchten 

müsse und deshalb auf den Schutz der Schweiz angewiesen sei. 

6.  

6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich das Bundesverwaltungsgericht den 

vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit des von der 

Beschwerdeführerin geltend gemachten Sachverhalts anschliessen kann. 

6.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durch-

aus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der Be-

schwerdeführerenden. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtig-

keit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Bei der 

Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung al-

ler Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhal-

tes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwür-

digkeit usw.), die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaub-

haft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente über-

wiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der 

Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As-

pekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte 

Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. hierzu BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 

2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.2 und 2.3; ANNE KNEER/LINUS 

SONDEREGGER Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick 

über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, in: ASYL 2/2015 

S. 4 ff.). 

6.3 Das SEM führte in seiner Verfügung diverse widersprüchliche Aussa-

gen der Beschwerdeführenden auf und gelangte zum Schluss, ihre Vor-

bringen würden in den wesentlichen Punkten den Anforderungen an das 

reduzierte Beweismass des Glaubhaftmachens nach Art. 7 AsylG nicht 

standhalten. 

6.3.1 Zunächst hielt die Vorinstanz zutreffend fest, die Beschwerdeführerin 

habe in der Anhörung unter anderem zu Protokoll gegeben, dass sie und ihr 

Ehemann sich nach ihrer gemeinsamen Rückkehr aus Pakistan im (…) le-

diglich zwei oder drei Monate in Afghanistan aufgehalten hätten (vgl. SEM-

Akte A/22, F 33 f. und F 107), obwohl dieses Vorbringen offensichtlich im Wi-

derspruch zum Stempel in ihrem Reisepass steht, wonach sie am (…) in den 

Iran eingereist ist (vgl. SEM-Akte A/24, Beweismittel 1). Als sie auf diese Un-

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Seite 13 

gereimtheit angesprochen wurde, vermochte sie diese nicht plausibel aufzu-

lösen (vgl. SEM-Akte A/22, F 108). Auch die Erklärungsversuche in der Be-

schwerdeschrift, wonach die Angaben der Beschwerdeführerin auf eine 

Aufenthaltsdauer von insgesamt sechs Monaten hindeuten würden, ver-

mögen ihre unterschiedlichen Aussagen nicht zu begründen. 

Des Weiteren gab die Beschwerdeführerin während der BzP bezüglich ih-

res letzten Wohnortes in Q._______ an, nach ihrer Rückkehr aus Pakistan 

bis zu ihrer Ausreise in einer Mietwohnung im Stadtteil R._______ in 

Q._______ gelebt zu haben (vgl. SEM-Akte A/5, Ziffer 2.01). Ihren Aufent-

halt bei einem Freund in K._______ erwähnte sie – ohne nachvollziehba-

ren Grund – dagegen mit keinem Wort. Auch wenn der BzP nur summari-

scher Charakter zukommt und bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit den 

Aussagen im Erstprotokoll nur ein beschränkter Beweiswert beizumessen 

ist, wäre zu erwarten gewesen, dass sie dieses wesentliche Element des 

Sachverhalts bereits von Anfang an vorträgt. 

6.3.2 Soweit die Beschwerdeführerin in der BzP zu Protokoll gab, ihr Ehe-

mann habe die Drohanrufe anfangs vor ihr verschwiegen (vgl. SEM-

Akte A/5, Ziffer 7.01), besteht – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – kein 

Widerspruch zu ihren späteren Aussagen anlässlich der Anhörung, wonach 

er ihr vom ersten und dritten Anruf sowie seinem Gespräch mit ihrem Bru-

der erzählt habe (vgl. SEM-Akte A/22, F 70 ff. und F 137), da er ihr davon 

– wenn auch zu einem späteren Zeitpunkt – doch noch erzählt hatte. Vor 

dem Hintergrund, dass es sich bei den geltend gemachten telefonischen 

Drohungen jedoch um zentrale Punkte der Asylbegründung gehandelt ha-

ben soll, erstaunt dennoch, dass die Beschwerdeführerin keine weiterge-

henden Angaben zu den Anrufen machen konnte. Zwar wies sie in der 

zweiten Befragung daraufhin, dass ihr der Beschwerdeführer nicht viel über 

die Drohanrufe berichtet habe (vgl. SEM-Akte A/22, F 56). Damit überein-

stimmend lässt sich – wie in der Beschwerdeschrift vorgebracht – den An-

hörungsprotokollen des Beschwerdeführers entnehmen, dass er seiner 

Ehefrau nicht viele Einzelheiten von den Telefongesprächen erzählt habe, 

um sie nicht zu beunruhigen (vgl. SEM-Akte A/23, F 78 ff.). In diesem Zu-

sammenhang erscheint es jedoch unrealistisch, dass sie kaum etwas von 

den Bedrohungen wusste, obwohl sie deshalb aus ihrem Heimatland ge-

flohen sein will. 

6.3.3 Sodann konnte die Beschwerdeführerin den vom SEM erwähnten 

Widerspruch hinsichtlich der Länge ihres Aufenthaltes in Pakistan nicht 

auflösen. Gemäss ihren Aussagen anlässlich der BzP hielt sie sich von 

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Seite 14 

1392 bis 1394 und damit über einen Zeitraum von zwei Jahren in Pakistan 

auf (vgl. SEM-Akte A/5, Ziffern 2.04 und 7.01). In der Anhörung gab sie da-

gegen zu Protokoll, sie habe zusammen mit ihrer Familie knapp ein Jahr 

lang in Pakistan gelebt (vgl. SEM-Akte A/22, F 12, F 24, F 38 und F 56). 

Als sie am Schluss der zweiten Befragung auf diese Unvereinbarkeit hin-

gewiesen wurde, gab sie zur Antwort, sie denke nicht, dass sie damals bei 

der BzP von zwei Jahren gesprochen habe und hielt daran fest, lediglich 

ein Jahr lang dort gewesen zu sein (vgl. SEM-Akte A/22, F 139 f.). Dadurch 

dass die Beschwerdeführerin keine überzeugende Begründung für ihre 

diesbezüglichen divergierenden Aussagen vorzubringen vermochte, ent-

stehen weitere Zweifel an ihrer Glaubhaftigkeit. 

6.3.4 Soweit die Vorinstanz darlegt, der Beschwerdeführer habe in Bezug 

auf die Anzahl der mit den Taliban oder den Mitgliedern des Friedensrates 

geführten Telefongesprächen und deren zeitliche Einordnung widersprüch-

liche Aussagen getätigt, ist ihr zuzustimmen. Während er in der BzP vom 

14. Januar 2016 noch von zwei Anrufen sprach und dabei angab, er sei 

erstmals an einem Donnerstag vor circa vierzig Tagen und anschliessend 

am nächsten Tag von den Taliban per Telefon kontaktiert worden 

(vgl. SEM-Akte A/4, Ziffer 7.01), machte er anlässlich der Anhörung gel-

tend, insgesamt drei bis vier Mal angerufen worden zu sein, wobei er diese 

erstmals drei oder vier Monate nach der Hochzeit respektive der Rückkehr 

aus Pakistan erhalten hätte (vgl. SEM-Akte A/23, F 44, F 59 ff. und F 48). 

Die Erklärung des Beschwerdeführers, als er während der Anhörung auf 

diese Diskrepanz hingewiesen wurde, wonach er sich in der BzP habe 

kurzfassen müssen, vermag nicht zu überzeugen (vgl. SEM-Akte A/23, 

F 125). Auch seine Schilderungen zum Inhalt dieser telefonischen Gesprä-

che sind – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – nicht 

konzis (vgl. SEM-Akten A/3, Ziffer 7.01 und A/23, F 44-46, F 50, F 60 f., 

F 64 sowie F 125). Überdies gelang es dem Beschwerdeführer nicht, das 

angebliche Interesse der Taliban respektive der Mitglieder des Friedensra-

tes an seiner Person substantiiert darzutun. Auf die entsprechenden Nach-

fragen der Vorinstanz, woher die Anrufer seine Telefonnummer erhalten 

und woher sie gewusst hätten, dass er verheiratet sei, konnte er keine 

stichhaltige Erklärung liefern, sondern stellte lediglich Mutmassungen an 

(vgl. SEM-Akte A/23, F 54 ff. und F 130 f.). Mit der Vorinstanz sind die Aus-

sagen betreffend die Drohanrufe als widersprüchlich zu erachten. 

6.3.5 Ferner kann sich das Gericht der Einschätzung des SEM hinsichtlich 

der unvereinbaren Aussagen in Bezug auf die telefonischen Informationen 

und Instruktionen, die J._______ dem Beschwerdeführer gegeben haben 

D-4578/2018 

Seite 15 

soll, anschliessen. Der Beschwerdeführer konnte insbesondere nicht nach-

vollziehbar und substantiiert darlegen, weshalb er den Rat seines Schwa-

gers, sich nicht mit den Taliban einzulassen (vgl. SEM-Akte A/23, F 70 f. 

und 96 f.), nicht befolgte und zunächst gar mit ihnen «spielen» wollte 

(vgl. SEM-Akte A/23, F 84 ff. und F 113). 

6.3.6 Insofern als die Vorinstanz dem Beschwerdeführer vorwirft, die an-

lässlich der Anhörung geltend gemachten Besuche der Taliban oder der 

Mitglieder des Friedensrates in seinem Büro und bei ihm zu Hause sowie 

den Vorfall mit den Behörden bei der Ausreise in der BzP mit keinem Wort 

erwähnt zu haben, womit folglich von einer Schutzbehauptung auszugehen 

sei, ist ihr ebenfalls beizupflichten. Diese Vorbringen sind als nachgescho-

ben und damit unglaubhaft zu qualifizieren, denn es wäre ihm – entgegen 

seinen Behauptungen, er habe bei der ersten Anhörung nicht alles erzäh-

len können (vgl. SEM-Akte A/23, F 126) – ohne weiteres möglich gewe-

sen, diese zentralen Vorkommnisse bereits in der BzP vorzubringen. Wes-

halb auch die Beschwerdeführerin die Suche nach ihrem Mann in seinem 

Büro und an ihrer Adresse in Q._______ weder während der BzP noch der 

Anhörung thematisierte, blieb auch in der Rechtsmittelschrift unbeantwor-

tet. 

6.4 Schliesslich teilt das Bundesverwaltungsgericht die Ansicht der Vor-

instanz, wonach die Aussagen der Beschwerdeführenden in zentralen Vor-

bringen erheblich voneinander abweichen. So bestehen im Besonderen 

zwischen den Ausführungen des Beschwerdeführers zur Anzahl, dem In-

halt und der zeitlichen Einordnung der Telefonate mit den Taliban bezie-

hungsweise den Mitgliedern des Friedensrates als auch mit J._______ 

(vgl. SEM-Akte A/23, F 49 ff.) und den entsprechenden Darstellungen der 

Beschwerdeführerin (vgl. SEM-Akte A/22, F 72 ff.) erhebliche Widersprü-

che, womit der Glaubhaftigkeit der gesamten Fluchtgeschichte letztlich die 

Grundlage entzogen ist, handelt es sich bei den Drohanrufen doch um 

zentrale Kernvorbringen. Der Umstand, dass zwischen den ersten und 

zweiten Befragungen knapp zwei Jahre liegen, vermögen die Unstimmig-

keiten in den wesentlichen Aussagen der Beschwerdeführenden nicht zu 

begründen. Auch die weiteren, in der Beschwerdeschrift aufgeführten Ar-

gumente, weshalb es zu diesen unterschiedlichen Aussagen gekommen 

sei, lassen sich weder mit einem divergierenden soziokulturellen Hinter-

grund in ihrer Heimat (andere Gepflogenheiten hinsichtlich Zeit und Datum) 

noch dem Umstand, dass niemand in der Lage sei, bei erneuter Wieder-

gabe eines Ereignisses genau dieselben Aussagen zu machen, schlüssig 

aufklären. 

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Seite 16 

Des Weiteren ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass 

die Ausführungen der Beschwerdeführenden nicht nur unvereinbar, son-

dern insgesamt wenig konkret, vage und unsubstantiiert ausgefallen sind. 

Ihre Erzählungen enthalten zudem – abgesehen von wenigen Ausnahmen 

(vgl. hierzu beispielsweise SEM-Akten A/22, F 79, F 85 f. und F 114 ff. so-

wie A/23, F 45 f. und F 86) – kaum Realkennzeichen, Details, Nebensäch-

liches oder persönliche Reaktionen, die auf selbst Erlebtes hinweisen wür-

den. Die weiteren Ausführungen in der Beschwerde führen zu keiner ande-

ren Betrachtungsweise, sondern erschöpfen sich in blossen Wiederholun-

gen ihrer Vorbringen und dem Festhalten an deren Wahrheitsgehalt. Damit 

wurde nicht substantiiert dargelegt, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf 

die Unglaubwürdigkeit der Beschwerdeführenden geschlossen hat. 

6.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt das Bundesverwal-

tungsgericht zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden 

den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht 

genügen. Es ist ihnen demnach nicht gelungen, eine gezielt gegen sie per-

sönlich gerichtete Verfolgung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu 

machen. 

7.  

7.1 In der Rechtsmitteleingabe wird geltend gemacht, dass nicht nur dem 

älteren Bruder der Beschwerdeführerin, J._______, aufgrund einer asylre-

levanten Gefährdung durch die Taliban oder Vertreter des Friedensrates in 

der Schweiz Asyl gewährt wurde, sondern in der Zwischenzeit auch das 

Wiedererwägungsgesuch des Zwillingsbruders der Beschwerdeführerin, 

O._______, der ebenfalls eine (Reflex-) Verfolgung aufgrund der Tätigkeit 

von J._______ geltend machte, gutgeheissen, er als Flüchtling gemäss 

Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG anerkannt und ihm Asyl gewährt wurde. Folglich 

ist zu prüfen, ob aufgrund der Tatsache, dass zwei Brüder der Beschwer-

deführerin in der Schweiz Asyl erhalten haben, eine Reflexverfolgung vor-

liegt. 

7.2  

7.2.1 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG 

setzt voraus, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von be-

stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche im Fall einer Rück-

kehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen gezielt und aufgrund 

bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Aus-

gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob 

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Seite 17 

im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung bestand. Die Verfolgungsfurcht 

muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein (vgl. dazu 

BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5, je m.w.H.). Erstre-

cken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen Person 

auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung vor. 

Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfolgung 

betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG 

ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten muss 

(zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 25). 

7.3 Wie unter E. 6 zur Frage der Glaubhaftigkeit erwogen wurde, ist es den 

Beschwerdeführenden im Rahmen ihres Asylverfahrens nicht gelungen, im 

Zeitpunkt ihrer Ausreise eine ihnen persönlich drohende Verfolgung durch 

die Taliban oder die Vertreter des Friedensrates nachzuweisen oder zumin-

dest glaubhaft zu machen. Weiter kann den Akten nicht entnommen wer-

den, dass nach ihrer Ausreise im (…) die in Afghanistan verbliebenen An-

gehörigen, insbesondere die beiden Schwestern der Beschwerdeführerin, 

die in H._______, Provinz S._______, beziehungsweise in T._______, Pro-

vinz U._______, leben (vgl. SEM-Akten A/5, Ziffer 3.01 sowie A/22, F 9, 

F 43 und F 123), aufgrund der Tätigkeiten von J._______ oder ihrer Ver-

wandtschaft zu ihm und O._______ irgendwelchen Repressalien durch die 

Taliban oder den Friedensrat ausgesetzt gewesen wären. Dies wird von 

den Beschwerdeführenden auch nicht geltend gemacht. So führten sie 

hierzu in der Beschwerdeschrift aus, die Taliban würden keine verheirate-

ten Frauen der Familie P._______ belästigen. Vor diesem Hintergrund sind 

keine konkreten Anzeichen für eine begründete Furcht der Beschwerde-

führenden vor Reflexverfolgung in ihrem Heimatland ersichtlich. 

7.4 Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht verneint und 

ihre Asylgesuche abgelehnt hat. 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf 

nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz 

und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-

heit der Familie (Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

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Seite 18 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]. 

9.2 Nachdem die Beschwerdeführenden von der Vorinstanz infolge Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenom-

men worden sind, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen weiterer Voll-

zugshindernisse (Unzulässigkeit und Unmöglichkeit) nicht, da diese alter-

nativer Natur sind: Ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als un-

durchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

9.3 Die vom SEM in seiner Verfügung vom 10. Juli 2018 angeordnete vor-

läufige Aufnahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Rechts-

kraft. 

10.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 

richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies-

bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzu-

weisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 

Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das 

mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung mit Verfügung vom 24. August 2018 gutgeheissen wurde 

und weiterhin von der prozessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführen-

den auszugehen ist, werden ihnen keine Verfahrenskosten auferlegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Kathrin Rohrer