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**Case Identifier:** 7aa0e6aa-5ce7-5a36-a787-d628da0d6702
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.06.2021 IV 2019/214
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2019-214_2021-06-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/214

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 09.02.2022

Entscheiddatum: 09.06.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 09.06.2021
Art. 28 IVG: Verwertbarkeit einer allfällig vorhandenen medizinisch-
theoretischen Restarbeitsfähigkeit verneint. Anspruch auf eine ganze 
Invalidenrente bejaht. Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juni 2021, IV 
2019/214).

Entscheid vom 9. Juni 2021

Besetzung

Präsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider und 

Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Sabrina Bleile

Geschäftsnr.

IV 2019/214

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. Januar 2018 bei der IV-Stelle 

des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und 

Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie hatte sich damals in einem langjährigen, jedoch 

bereits gekündigten Anstellungsverhältnis als Betriebsmitarbeiterin bei der B.___ AG 

befunden. Gemäss Angaben der Arbeitgeberin war die Kündigung aufgrund 

ungenügender Leistungen und fehlender Selbständigkeit ausgesprochen worden (IV-

act. 9). Auf Anraten ihrer Arbeitgeberin sowie der Opferhilfe hatte sich die Versicherte 

zunächst in ambulante Behandlung beim Ambulatorium der Psychiatrie C.___ begeben. 

Aufgrund einer zunehmenden Verschlechterung des psychischen Zustandes war sie 

am 2. November 2017 stationär in der Krisenintervention der Psychiatrie C.___ 

aufgenommen worden, wo sie bis zum 2. Januar 2018 hospitalisiert worden war. Im 

Austrittsbericht nannten die behandelnden Fachpersonen als Hauptdiagnose 

Anpassungsstörungen mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen (F43.23) und 

als Nebendiagnose Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die 

wirtschaftliche Lage (Z59; IV-act. 10-1). Weiter hielten die Behandler fest, dass sich die 

Versicherte bei Beginn der stationären Behandlung in einem schlechten psychischen 

Zustand mit bedrückter Stimmung, Anspannungsgefühlen, Durchschlafstörungen, 

Konzentrationsstörungen sowie einer vegetativen Symptomatik mit Zittern der Hände 

gezeigt habe. Des Weiteren hätten sich multiple Kommunikationsstörungen (z.B. 

Wortfindungsstörungen und stotternde, stockende Sprache) und Probleme mit der 

Feinmotorik, die insbesondere in unbekannten und stressbezogenen Situationen (v.a. in 

der ersten Hospitalisationswoche) aufgetreten seien, gezeigt. Aufgrund der von Beginn 

an zu beobachtenden deutlichen Sprechblockaden sowie ausgeprägten 

Wortfindungsstörungen unklarer Genese sei die Kommunikation mit der Versicherten 

deutlich erschwert gewesen. Aufgrund des klinischen Gesamtbildes sei eine 

neuropsychologische Untersuchung durchgeführt worden, in der sich leichte bis 

A.a. 

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mittelschwere Einschränkungen im kognitiven Leistungsprofil gezeigt hätten (IV-

act. 10-2 und 27-1 ff.). Die Versicherte habe angegeben, dass die seit ihrer Kindheit 

bestehenden sprachlichen sowie motorischen Probleme sich in den letzten zwei Jahren 

aufgrund der beruflichen und partnerschaftlichen Schwierigkeiten verschlechtert 

hätten. Es habe viele Konflikte mit dem Partner gegeben, (…), sodass die Opferhilfe 

involviert worden sei. Sie könne sich am Arbeitsplatz nicht konzentrieren, weswegen 

sie Probleme habe, ihre Leistung zu erbringen. Im Verlauf der stationären Behandlung 

habe sich die Versicherte psychisch stabilisiert, was sich in einer insgesamt deutlich 

aufgehellten Stimmungslage sowie einer Verbesserung der Schlafqualität gezeigt habe. 

Auch sei sie im Kontakt offener geworden (IV-act. 10). Im Anschluss an die stationäre 

Behandlung wurde die Versicherte zur Sicherung der Tagestruktur sowie der 

psychischen Stabilität vom 3. Januar bis 2. Februar 2018 in der Krisenintervention der 

Psychiatrie C.___ tagesklinisch behandelt. Im entsprechenden Austrittsbericht wurden 

als Diagnosen Anpassungsstörungen mit vorwiegender Störung anderer Gefühle, 

Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die wirtschaftliche Lage sowie 

eine Entwicklungsstörung des Sprechens oder der Sprache, nicht näher bezeichnet, 

gestellt. Weiter hielten die behandelnden Fachpersonen fest, dass sich die Versicherte 

im tagesklinischen Setting psychisch weiter habe stabilisieren können. Es sei im Verlauf 

deutlich geworden, dass die langjährige Arbeitsstelle auch eine strukturierend-

regulative Funktion für die Versicherte gehabt habe. Da die Bereitstellung einer 

Tagesstruktur daher auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Stabilität der 

Versicherten einnehmen werde, werde diese in der Psychiatrischen Tagesklinik D.___ 

angemeldet (IV-act. 21).

Am 5. Februar 2018 trat die Versicherte in die Psychiatrische Tagesklinik D.___ ein. 

In einem Bericht an die IV-Stelle vom 10. April 2018 nannten die behandelnden 

Fachpersonen folgende Diagnosen: Anpassungsstörungen mit vorwiegender Störung 

anderer Gefühle, Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die 

wirtschaftliche Lage, Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache, nicht 

näher bezeichnet, sowie den Verdacht auf eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, z.B. 

im Rahmen eines Asperger-Syndroms oder einer Autismus-Spektrums-Störung. Weiter 

hielten die behandelnden Fachpersonen fest, dass die Versicherte im tagesklinischen 

Setting mit der bereits aus den Vorbehandlungen bekannten auffälligen Art zu sprechen 

A.b. 

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in Form abgehackter, umständlicher, teilweise weitschweifiger Sprache mit starken 

Wortfindungsstörungen, Antwortlatenz, Stottern, Satzabbrüchen und Danebenreden 

bis hin zu einer vollständigen Sprachblockade imponiert habe, sodass in manchen 

Gesprächen kein verständlicher Austausch möglich gewesen sei. Dies habe sich nach 

der ersten Eingewöhnungszeit in der Tagesklinik gebessert, komme jedoch in 

Gesprächen und Situationen mit sozialer Exposition oder schwierigen Themen immer 

wieder vor. Aus den Erzählungen der Versicherten gehe etwas Eigenweltliches bis 

manchmal leicht Eigenlogisches hervor, jedoch ohne Hinweis auf wahnhaftes Erleben. 

Zwischenzeitlich könne die Versicherte mit starken und abrupt wechselnden 

Schwankungen in relativ flüssiger, fester Sprache sprechen und verfüge dann über 

einen differenzierten Wortschatz. Im Kontakt imponiere die Versicherte mit einer 

unsicher-unruhigen Verhaltensweise und Körpersprache. Sie wirke häufig erschreckt, 

starr, selbstunsicher und gehemmt. Augenkontakt werde auch im Gespräch nur 

sporadisch aufgenommen. Mimik, Kopf- und Augenbewegungen seien auffällig und 

erschienen teilweise schnell wechselnd bis manieriert, zwischenzeitlich kindlich 

anmutend, insbesondere, wenn sie angesprochen werde und in Kontakt treten müsse. 

Dann zeige die Versicherte verstärkte Konzentrationsschwierigkeiten, eine 

Gedankensperre, eine Ablenkbarkeit und eine Überforderung. Im Oberkörper wirke die 

Versicherte häufig starr, mit leicht ataktischen Bewegungen in Armen und Beinen. Im 

Affekt scheine die Versicherte sehr fluktuierend von ängstlich-gehetzt bis teilweise 

affektstarr, dann wieder situationsadäquat gelöst-fröhlich und schwingungsfähig. 

Mindestens bis zum geplanten Austritt aus der Tagesklinik am 4. Mai 2018 bestehe bei 

der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die bisherige Tätigkeit sei zwar 

grundsätzlich noch zumutbar, jedoch hätten die belastenden psychosozialen 

Umstände dazu geführt, dass sich die Versicherte in den letzten zwei Jahren 

zunehmend schlechter auf die Arbeit habe konzentrieren und die erforderlichen 

Leistungen nicht mehr habe erbringen können. Welche Rolle dabei die Tätigkeit im (…) 

per se (z.B. aufgrund motorischer Schwierigkeiten) eine Rolle gespielt habe oder eher 

die Atmosphäre (interaktionell, Hektik etc.) oder ob der Leistungsdruck zu hoch 

gewesen sei, müsse mit der Versicherten geklärt und wahrscheinlich erprobt werden. 

Regelmässigkeit sowie klare Strukturen seien für die Versicherte sehr wichtig. Es werde 

eine niederschwellige, sinnstiftende Beschäftigung, welche die Versicherte alleine und 

ohne allzu viele soziale Interaktionen ausüben könne, mit niedrigem 

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Anforderungsniveau an die Konzentration, die Merkfähigkeit und die Feinmotorik, 

selbständigen Regulationsmöglichkeiten des Arbeitstempos und wohlwollenden 

anleitenden und begleitenden Vorgesetzten empfohlen. Gemäss den Eindrücken aus 

dem tagesklinischen Alltag werde zumindest vorerst ein Arbeitspensum von maximal 

40-50 % (eventuell tiefer beginnend und sukzessive steigernd) in einem ruhigen, gut 

strukturierten und wohlwollenden Umfeld empfohlen. Eine Tätigkeit auf dem ersten 

Arbeitsmarkt sei unrealistisch. Sowohl die Komplexität der Tätigkeit als auch der Zeit- 

und Leistungsdruck seien auch längerfristig möglichst niederschwellig zu halten (IV-

act. 22).

In einer Stellungnahme vom 27. April 2018 hielt der regionale ärztliche Dienst 

(RAD) fest, aufgrund der vorliegenden Berichte sei es unwahrscheinlich, dass die 

Versicherte innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 

% in der freien Wirtschaft erreiche. Das Anforderungsprofil entspreche gemäss den 

behandelnden Institutionen auch längerfristig einem geschützten Rahmen. Bei 

unklarem medizinischem Sachverhalt mit deutlichen Einschränkungen einerseits und 

andererseits nicht dazu passenden Diagnosen bei Attestierung einer 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit sei eine polydisziplinäre Begutachtung angezeigt (IV-act. 31-4 f.).

A.c. 

Am 30. Oktober 2018 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von der ABI 

Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI) polydisziplinär 

(allgemeininternistisch, psychiatrisch und neurologisch) untersucht. Zudem fand im 

Rahmen der Begutachtung am 8. November 2018 eine neuropsychologische 

Untersuchung statt (IV-act. 40-5). In der Konsensbeurteilung ihres Gutachtens vom 2. 

Januar 2019 (zum Datum des Gutachtens vgl. IV-act. 40-1) nannten die 

Sachverständigen als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit den Verdacht auf 

eine Entwicklungsstörung (des Sprechens und der Sprache) sowie eine minimale bis 

leichte neuropsychologische Hirnfunktionsschwäche mit hauptsächlicher 

Einschränkung wahrnehmungsgebender Funktionen und Einschränkungen in der 

Emotionsverarbeitung. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erwähnten 

sie einen atypischen Autismus, eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung 

anderer Gefühle, gegenwärtig remittiert, sowie einen Status nach Nikotinabusus (IV-

act. 40-7 f.). Aus psychiatrischer Sicht wurde erklärend festgehalten, dass keine klare 

und sichere Aussage bezüglich einer Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

A.d. 

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gemacht werden könne. Eine psychiatrische Diagnose sei nur sehr schwierig zu stellen. 

Die Versicherte wirke in ihrem Verhalten und in ihrer Sprechweise auffällig, stottere, 

schaue weg oder schliesse die Augen. Auf den ersten Blick könnte man eine Debilität, 

eine latente Schizophrenie oder zumindest eine erhebliche Persönlichkeitsstörung 

vermuten. Im weiteren Verlauf der Untersuchung hätten sich diese Verdachtsmomente 

aber nicht bestätigen lassen. Das kognitive Leistungsprofil sei in den bisherigen 

Untersuchungen als leicht bis mittelschwer beeinträchtigt beschrieben worden. In ihrer 

Persönlichkeit wirke die Versicherte unterwürfig und mit einem geringen 

Selbstvertrauen ausgestattet. Offenbar bestünden gegenüber ihrer Mutter und ihrem 

Partner massive Abgrenzungsprobleme. Die Versicherte laufe Gefahr, ausgenutzt zu 

werden. Im affektiven Bereich könne weder eine depressive noch eine ängstliche 

Symptomatik festgestellt werden. Hauptbefunde seien die emotionale und sprachliche 

Blockierung, sodass am ehesten eine Kommunikationsstörung diagnostiziert werden 

könne. Inwieweit sich diese auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, sei fraglich. Tätigkeiten 

mit hohem Publikumsverkehr seien kaum möglich. Aus rein psychiatrischer Sicht sei 

aber im Prinzip eine selbständige Tätigkeit, zum Beispiel im Bereich Verpackung, die 

auf die Eigenarten der Versicherten zugeschnitten sei, durchaus im Vollpensum 

vorstellbar. Zwischen September 2017 und April 2018 sei die Arbeitsfähigkeit jedoch 

aufgrund einer Krisenintervention vollständig aufgehoben gewesen (IV-act. 40-8 f.). Aus 

neurologischer Sicht wurde angemerkt, dass die von psychiatrischer Seite geäusserte 

Verdachtsdiagnose einer Entwicklungsstörung, vor allem die Sprache betreffend, 

bestätigt werden könne. Trotz der Beeinträchtigung in der expressiven Kommunikation 

und einer gewissen psychomotorischen Verlangsamung habe sich die Versicherte 

während vieler Jahre in der Berufswelt behaupten können. Zumindest bei den 

ausgeübten Tätigkeiten sei offenbar auch nicht die Feinmotorik das Limitierende 

gewesen. Eine relevante diesbezügliche Einschränkung habe auch in der klinischen 

Untersuchung nicht festgestellt werden können. Allenfalls bestehe eine gewisse 

Beeinträchtigung der Diadochokinese, insgesamt aber in einem moderaten Ausmass. 

Aus neurologischer Sicht sei die Versicherte für eine angepasste Tätigkeit zu 80 % 

arbeitsfähig. Die 20%ige Reduktion resultiere aufgrund der psychomotorischen 

Verlangsamung (IV-act. 40-8). Im neuropsychologischen Teilgutachten wurde 

festgehalten, dass die Einschränkungen betreffend die rein neuropsychologischen 

Faktoren auf 10 bis 20 % einzuschätzen seien. Die Einschränkungen verhielten sich 

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direkt proportional zum Ausmass, in dem die Versicherte ihren Schwächen (z.B. direkte 

Gesprächsführung, Kundenkontakte, Telefonate etc.) ausgesetzt sei. Die in der 

neuropsychologischen Untersuchung gefundenen Defizite bei den Testverfahren zur 

Prüfung sozialer Fertigkeiten deckten sich mit den Schwierigkeiten, welche Menschen 

mit einer autistischen Störung aufwiesen. Sollte eine Autimsus-Spektrums-Störung 

vorliegen, hätte dies eine hohe berufliche Relevanz (IV-act. 40-46). Zusammenfassend 

kamen die Gutachter in ihrer Konsensbeurteilung zum Schluss, dass in der 

angestammten Tätigkeit aufgrund der psychomotorischen Verlangsamung sowie der 

intellektuellen und neurokognitiven Voraussetzungen eine um 20 % reduzierte 

Leistungsfähigkeit vorliege. Da sich das aktuelle Zustandsbild der Versicherten nicht 

von demjenigen der vorangegangenen Jahre unterscheide, dürfte die Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit in der angestammten beruflichen Tätigkeit bereits während des 

gesamten beruflichen Lebens gegolten haben. Bei der bisher ausgeübten beruflichen 

Tätigkeit handle es sich grundsätzlich um eine optimal angepasste Tätigkeit. Der 

Einbruch der Arbeits- und Leistungsfähigkeit im Herbst 2017 gründe in einer 

psychischen Dekompensation aufgrund einer Anpassungsstörung, welche aktuell 

jedoch wieder remittiert sei, sodass es der Versicherten wieder möglich sein sollte, in 

der bisherigen Tätigkeit im gleichen Umfang tätig zu sein, wie sie dies vor Herbst 2017 

gewesen sei. In einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit von 80 %. Es müsse sich um eine an die intellektuellen Fähigkeiten 

der Versicherten angepasste Tätigkeit ohne höhere Ansprüche an die Feinmotorik, 

ohne Anforderung an die expressive Kommunikation (Kundenkontakt) und ohne 

grossen Zeit- und Leistungsdruck handeln. Des Weiteren sollte darauf geachtet 

werden, dass die Versicherte in einem eher kleinen familiären Betrieb arbeiten könne, 

wo sie sozialen Situationen nicht allzu stark ausgesetzt sei. Ferner sollte das Setting 

hoch angepasst sein (klare bzw. keine zweideutigen verbalen Instruktionen). Auch 

Berufe mit hohen Anforderungen an die sozialen Fertigkeiten (Verkauf, Beratung und 

Pflege), vor allem auf der Ebene der verbalen Kommunikation, seien ungeeignet. 

Spezifische berufliche Massnahmen könnten nicht empfohlen werden. Eine 

Wiederaufnahme der bisherigen beruflichen Tätigkeit, bei welcher es sich um eine 

optimal angepasste Tätigkeit gehandelt habe, wäre erstrebenswert. Die Suche nach 

einer geeigneten Verweistätigkeit dürfte sich aufgrund der multiplen qualitativen 

Einschränkungen schwierig gestalten (IV-act. 40-10 f.).

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In einer Stellungnahme vom 29. Januar 2019 hielt der RAD fest, dass aus 

versicherungsmedizinischer Sicht vollumfänglich auf das polydisziplinäre Gutachten 

abgestellt werden könne (IV-act. 41-4). Noch gleichentags wies die IV-Stelle das 

Gesuch der Versicherten um berufliche Massnahmen mit einer entsprechenden 

Mitteilung ab. Zur Begründung führte die IV-Stelle im Wesentlichen an, dass aus 

versicherungsmedizinischer Sicht sowohl in der bisher ausgeübten als auch in einer 

angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehe. Aufgrund der 

durchgeführten Begutachtung sei anzunehmen, dass die Versicherte in der bisherigen 

beruflichen Tätigkeit wieder im gleichen Umfang wie früher tätig werden könne. Eine 

optimal angepasste Tätigkeit entspreche der bisher ausgeübten Tätigkeit. Berufliche 

Massnahmen seien somit nicht angezeigt (IV-act. 44).

A.e. 

Mit Vorbescheid vom 8. April 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung des Rentenbegehrens bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 % und einem 

Invaliditätsgrad von 16 % in Aussicht (IV-act. 50).

A.f. 

Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch die Procap 

H.___, am 24. Mai 2019 Einwand. Sie machte im Wesentlichen geltend, dass sie an 

einer schweren Sprech- und Sprachstörung leide, was von den ABI-Gutachtern 

bestätigt worden sei. Ihre Schwierigkeiten deckten sich mit denjenigen, die Personen 

mit autistischer Störung hätten. Im Rahmen der ABI-Begutachtung sei nicht geklärt 

worden, ob nun tatsächlich eine Autismus-Spektrums-Störung (ASS) vorliege. Gemäss 

dem Gutachten wäre eine solche Störung aber von hoher beruflicher Relevanz. 

Demnach sei die medizinische Abklärung mangelhaft. Es sei anzunehmen, dass es sich 

bei der vorhandenen Störung um eine Frühbehinderung handle. Daher habe sie nur 

eine ungenügende berufliche Ausbildung abschliessen können. Zwar sei es ihr 

jahrelang möglich gewesen, beruflich tätig zu sein, jedoch nur bei weit 

unterdurchschnittlichem Verdienst, was bei der Festlegung des Valideneinkommens zu 

berücksichtigen sei. Auf Seiten des Invalideneinkommens sei überdies ein 

Tabellenlohnabzug zu prüfen. Schliesslich seien ihr berufliche Massnahmen zu 

gewähren. Eine Arbeitsvermittlung sei nicht ausreichend. Sie benötige ein intensives 

Jobcoaching, damit es ihr überhaupt wieder gelingen könne, einen Nischenarbeitsplatz 

zu finden. Sie sei aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage, adäquat zu 

A.g. 

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kommunizieren, sodass sie eine spezielle Unterstützung als Türöffner für einen 

potentiellen Arbeitgeber benötige (IV-act. 56).

Am 17. Juni 2019 nahm der RAD zu den von der Versicherten vorgebrachten 

Einwänden Stellung. Er führte aus, dass sich das ABI-Gutachten ausführlich mit den 

sprachlichen und neurokognitiven Einschränkungen der Versicherten 

auseinandergesetzt habe. Schliesslich sei als Hauptdiagnose der Verdacht auf eine 

Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache gestellt worden. Hierbei handle 

es sich um eine Störung, bei der die normalen Muster des Spracherwerbs von frühen 

Entwicklungsstadien an beeinträchtigt seien. Diese Störung müsse von einer Autismus-

Spektrums-Störung abgegrenzt werden. Mit Ausnahme des Asperger-Syndroms 

gingen sämtliche Autismusstörungen mit multiplen und schweren neurokognitiven 

Beeinträchtigungen und nicht nur mit einer Sprachentwicklungsstörung einher. In der 

neuropsychologischen Begutachtung habe sich ein IQ im durchschnittlichen Bereich 

sowie lediglich eine minimale bis leichte neuropsychologische Hirnfunktionsschwäche 

gezeigt. Der Asperger-Autismus unterscheide sich vom Autismus in erster Linie durch 

eine fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. einen fehlenden 

Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. Aufgrund des 

Vorliegens einer Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache scheide ein 

Asperger-Autismus somit aus. Vom ABI sei unter den Diagnosen ohne Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit ein atypischer Autismus aufgeführt worden. Auch hierbei handle es 

sich um eine Störung mit Beginn in der Kindheit. Sollte eine solche bei der Versicherten 

vorliegen, sei die Ausprägung derart gering, dass in vielen Bereichen über Jahre 

hinweg keine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. Für 

die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seien nicht nur die Diagnosen entscheidend, 

sondern die funktionellen Einschränkungen im Rahmen der Diagnosen. Die ausführliche 

neuropsychologische Begutachtung habe eine 10-20%ige Einschränkung ergeben. Die 

Adaptationskriterien für eine angepasste Arbeit seien im Gutachten ebenfalls 

ausführlich beschrieben worden. Im Übrigen seien im Einwand keine neuen 

medizinischen Erkenntnisse vorgebracht worden. Zusammenfassend könne aus 

versicherungsmedizinischer Sicht weiterhin auf das ABI-Gutachten abgestellt werden 

(IV-act. 58).

A.h. 

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B.  

Mit Verfügung vom 2. Juli 2019 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der 

Versicherten ab (IV-act. 60).

A.i. 

Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

am 29. August 2019 Beschwerde, in welcher sie eine Überprüfung ihrer Invalidität 

beantragte. Sie machte geltend, ihre behandelnden Ärzte hegten den starken Verdacht, 

dass bei ihr eine Autismus-Spektrums-Störung vorliege. Die IV-Stelle sei auf ihren 

Einwand einer ungenügend abgeklärten Sachlage nicht eingegangen. In der 

Zwischenzeit sei sie durch die behandelnde Therapeutin zu einer spezialisierten 

Autismusabklärung in der Psychiatrischen Klinik E.___ angemeldet worden. Da es aus 

ihrer Sicht relevant sei, welchen Diagnosen ihr Krankheitsbild zugeordnet werden 

könne, bitte sie um eine Fristerstreckung, damit sie die Erkenntnisse aus der Abklärung 

dem Gericht zukommen lassen könne. Überdies bemängelte die Beschwerdeführerin, 

dass die IV-Stelle sie nicht in der beruflichen Eingliederung unterstützt habe. Sie gehe 

davon aus, dass es sich bei ihrem letzten Arbeitsplatz um einen Nischenarbeitsplatz 

gehandelt habe. Um wieder einen solchen zu finden, sei sie auf Unterstützung 

angewiesen (act. G 1). Weiter beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung (act. G 1 und 3).

B.a. 

Am 11. September 2019 informierte die Verfahrensleitung die Parteien über die 

Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen eines Berichtes der Psychiatrischen Klinik 

E.___ (einstweilen längstens bis zum 31. Oktober 2019) und forderte die 

Beschwerdeführerin dazu auf, den Bericht bei Erhalt unverzüglich dem Gericht 

einzureichen (act. G 2).

B.b. 

Am 30. Oktober 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen Kurzbericht der 

Psychiatrischen Klinik E.___ vom 28. Oktober 2019 ein (act. G 4). Am 5. November 

2019 verlängerte die Verfahrensleitung die am 11. September 2019 verfügte Sistierung 

bis zum Vorliegen des im Kurzbericht in Aussicht gestellten vollständigen 

Abklärungsberichts, einstweilen längstens bis zum 10. Dezember 2019 (act. G 5).

B.c. 

Am 20. November 2019 ging beim Versicherungsgericht der Bericht der 

Psychiatrischen Klinik E.___ vom 12. November 2019 über die am 23. September, 1. 

B.d. 

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Oktober und 7. Oktober 2019 durchgeführte Autismus-Spektrums-Abklärung ein, in 

welcher die Diagnose eines frühkindlichen Autismus gestellt worden war. Weiter hatten 

die untersuchenden Fachpersonen festgehalten, dass sich sowohl in den 

Selbstbeurteilungs- als auch in den Fremdbeurteilungstests klare Hinweise auf 

autismustypische Symptome und Ausprägungen mit eingeschränkter 

Empathiefähigkeit, erhöhter Rigidität und verminderter kommunikativer Flexibilität 

finden liessen. Die Beschwerdeführerin zeige sowohl Defizite in der Kommunikations- 

und Interaktionsfähigkeit als auch in der Anpassungsfähigkeit, die sich am ehesten im 

Kontext eines frühkindlichen Autismus verstehen liessen. Insbesondere seien hier 

deutliche Defizite der expressiven Sprache und der reziproken sozialen Interaktion 

hervorzuheben. Mimik, Gestik und Blickkontakt könnten weder zur Regulation von 

sozialen Interaktionen verwendet werden noch zeigten sich während der Gespräche 

eine adäquate Verhaltensmodulation im Sinne einer sozio-emotionalen Gegenseitigkeit. 

Leichte motorische Manierismen im Sinne stereotyper Verhaltensweisen zeigten sich 

während eines Gesprächs ebenfalls und äusserten sich in wiederholten, aber ungewollt 

wirkenden Finger- und Kopfbewegungen. Obwohl das zeitliche Kriterium aufgrund 

einer fehlenden Fremdanamnese nicht zweifelsfrei habe geklärt werden können, legten 

die seit der Kindheit wiederholt auftretenden Schwierigkeiten mit denselben Auslösern 

eine zeitliche Stabilität der Symptome mit Beginn in der frühen Kindheit nahe. 

Zusammenfassend seien die berichteten Schwierigkeiten am ehesten in Defiziten der 

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit - bedingt durch eine verlangsamte 

Informationsverarbeitung bei Reiz- oder Informationsüberflutung des zentralen 

Nervensystems - begründet, weshalb von einer Autismus-Spektrums-Störung im Sinne 

eines frühkindlichen Autismus ausgegangen werde. Obwohl es der Beschwerdeführerin 

teilweise gelinge, gewisse Defizite durch aufwändiges Lernen von Verhaltensweisen 

und durch Nachahmen ihres Umfeldes zu kompensieren, sei dennoch von einem hohen 

Leidensdruck und von Einschränkungen in verschiedenen alltäglichen Aufgaben 

auszugehen (act. G 6).

In ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2020 beantragte die IV-Stelle 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Das ABI-

Gutachten sei beweiskräftig. Daran änderten auch die im Beschwerdeverfahren 

eingereichten Berichte der Psychiatrischen Klinik E.___ nichts. Wie der RAD-

B.e. 

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Stellungnahme vom 13. Dezember 2019 (vgl. dazu IV-act. 70) entnommen werden 

könne, sei die Diagnose eines atypischen Autismus wahrscheinlicher als diejenige 

eines frühkindlichen Autismus. Im Rahmen der Invaliditätsbemessung sei auf einen 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen, der auch Nischenarbeitsplätze umfasse. 

Sodann sei festzuhalten, dass der Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht 

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde. Berufliche Massnahmen seien mit der 

Mitteilung vom 29. Januar 2019 abgelehnt worden. Es bestehe die Möglichkeit, bei ihr 

diesbezüglich direkt einen schriftlichen Antrag einzureichen (act. G 8).

Am 24. Januar 2020 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch der 

Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 9).

B.f. 

Mit Eingabe vom 20. Februar 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht 

ihrer behandelnden Therapeuten Dr. med. F.___ und G.___, Psychologin, eidg. 

anerkannte Psychotherapeutin, Ambulatorium Psychiatrie C.___, vom 20. Februar 2020 

ein. Diese hatten unter anderem festgehalten, dass sie mit den gutachterlichen 

Feststellungen, wonach ein atypischer Autismus ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

und eine 80%ige Leistungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe, nicht 

einverstanden seien. Die Ergebnisse der Abklärungen der Psychiatrischen Klinik E.___ 

erfassten das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin besser als das Gutachten. Die 

Diagnose eines frühkindlichen Autismus sei schlüssig, auch wenn das zeitliche 

Kriterium nicht zweifelsfrei habe geklärt werden können. Auch im ABI-Gutachten sei 

aus neuropsychologischer Sicht festgehalten worden, dass das Vorliegen einer 

Autismus-Spektrums-Störung eine hohe berufliche Relevanz hätte. Schliesslich hätten 

die Gutachter aber lediglich eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im ersten 

Arbeitsmarkt in einem hoch angepassten Setting attestiert. Die Beschwerdeführerin 

habe ihre Behinderung offensichtlich über lange Zeit bis ca. ins Jahr 2015 mit 

aufwändigen Strategien bei zunehmenden Schwierigkeiten kompensieren können. In 

der beruflichen Laufbahn habe sich aber schon davor gezeigt, dass sich die 

Beschwerdeführerin von Tätigkeiten mit zwischenmenschlichen Kontakten aufgrund 

eines Überforderungsgefühls distanziert habe und mehrere Phasen der Arbeitslosigkeit 

hinter sich habe, bei denen ein Zusammenhang mit ihrer Krankheit wahrscheinlich sei. 

Erst ab ___ habe die Beschwerdeführerin bei der letzten Arbeitgeberin einen 

Nischenarbeitsplatz gefunden, jedoch sei die Beschwerdeführerin bereits zwei bis drei 

B.g. 

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Erwägungen

1.

Anfechtungsgegenstand im vorliegenden Verfahren ist die Verfügung vom 2. Juli 2019, 

mit welcher die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin 

verneint hat (vgl. act. G 1.1). Vorliegend strittig und zu prüfen ist demnach der 

Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente (vgl. dazu auch die 

Beschwerde vom 29. August 2019, worin die Beschwerdeführerin die Überprüfung 

ihrer Invalidität verlangt; act. G 1).

Jahre vor der Kündigung wegen stark nachlassender Leistung intensiv begleitet 

worden. Die deutliche Leistungsreduktion habe im Kontext von erneut zunehmender 

Überforderung, mangelnder Abgrenzungsfähigkeit und Bewältigungsmöglichkeiten von 

zwischenmenschlichen Situationen und Konflikten sowohl privat (…) als auch beruflich 

resultiert. Aufgrund der Grundstörung bestehe bei der Beschwerdeführerin eine stark 

verminderte Kommunikations-, Interaktions- und Anpassungsfähigkeit, sodass 

zwischenmenschliche Konflikte überdurchschnittlich stark als Stressor wirkten. Die 

Beschwerdeführerin werde in der Therapie als stark beeinträchtigt erlebt. Die massiven 

Kommunikationsschwierigkeiten verunmöglichten eine gezielte Vorgehensweise 

weitestgehend. In den psychologischen Gesprächen könne die Beschwerdeführerin nur 

mit viel Unterstützung (z.B. Wortvorschläge machen, Versuche einer 

Zusammenfassung, Auswahl geben, Aufzeichnungen machen) Themen anschneiden. 

Die Beschwerdeführerin habe nicht, wie im ABI-Gutachten behauptet, den 

gesundheitlichen Zustand vor Eintritt der langanhaltenden Arbeitsunfähigkeit erreicht. 

Vielmehr seien die Beeinträchtigungen langanhaltend und hätten sich trotz der 

vielfältigen professionellen und privaten Behandlungs- und 

Unterstützungsmassnahmen nicht verbessert (act. G 11).

Mit Schreiben vom 3. März 2020 hielt die Beschwerdegegnerin am in der 

Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest und verzichtete auf die 

Erstattung einer ausführlichen Duplik (act. G 13).

B.h. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/21

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2.  

Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 

830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen 

Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine 

Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 

von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.1. 

Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im 

Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts 

eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/21

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3.  

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der 

Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).

Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Rentenablehnung in medizinischer 

Hinsicht in erster Linie auf das ABI-Gutachten (vgl. act. G 8), in welchem der 

Beschwerdeführerin für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit und optimal leidensangepasste 

Tätigkeiten eine 80%ige medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit attestiert worden ist 

(IV-act. 40-10 f.). Nur vorübergehend haben die Sachverständigen der 

Beschwerdeführerin ab Herbst 2017 aufgrund einer Anpassungsstörung eine höhere 

Arbeitsunfähigkeit zugestanden (IV-act. 40-11). Im Zeitpunkt der Begutachtung haben 

sie diese Anpassungsstörung als remittiert angesehen (vgl. IV-act. 40-7 und 40-11). 

Demgegenüber sind Dr. F.___ und die Psychologin G.___ mit der Einschätzung der 

ABI-Gutachter, wonach ein atypischer Autismus ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

vorliege (vgl. dazu IV-act. 40-7) und eine 80%ige Arbeitsfähigkeit auf dem ersten 

Arbeitsmarkt bestehe, nicht einverstanden. Sie sind der Ansicht, dass das 

Beschwerdebild der Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht der Psychiatrischen 

Klinik E.___ vom 12. November 2019 (act. G 6) besser erfasst worden sei als im ABI-

Gutachten. Entgegen der Ansicht der Gutachter sei nicht wieder der Zustand, wie er 

vor der psychischen Dekompensation im Herbst 2017 bestanden habe, erreicht 

worden. Vielmehr bestünden bei der Beschwerdeführerin anhaltende schwere 

Beeinträchtigungen (act. G 11).

3.1. 

Das ABI-Gutachten beruht auf eigenständigen Abklärungen. Unter anderem ist im 

Rahmen der Begutachtung eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt 

worden. Die im Begutachtungszeitpunkt bestehende Aktenlage sowie die seitens der 

Beschwerdeführerin geklagten Leiden sind im Gutachten berücksichtigt worden. Die 

anlässlich der Begutachtung festgestellten Verhaltensauffälligkeiten der 

Beschwerdeführerin, namentlich die sprachlichen Schwierigkeiten, sind von den 

Gutachtern offen dargelegt worden und spiegeln sich in den zahlreichen qualitativen 

Einschränkungen, welche die Sachverständigen für eine angepasste Tätigkeit definiert 

haben. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gutachter bei ihren 

Untersuchungen sowie beim Verfassen ihrer Beurteilung nicht lege artis vorgegangen 

wären (vgl. IV-act. 40).

3.2. 

Angesichts der von der Psychiatrischen Klinik E.___ aufgrund einer nach der ABI-

Begutachtung durchgeführten mehrtägigen Untersuchung gestellten Diagnose eines 

frühkindlichen Autismus (vgl. act. G 6) ergeben sich allerdings gewisse Zweifel an der 

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/21

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gutachterlichen Diagnosestellung. Dies gilt umso mehr, weil die ABI-Gutachter ihre 

Unsicherheiten bezüglich der aus psychiatrischer Sicht gestellten Diagnosen offen 

dargelegt haben. Im Gutachten ist festgehalten worden, dass aus psychiatrischer Sicht 

keine klare und sichere Aussage bezüglich einer Diagnose mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit gemacht werden könne. Eine psychiatrische Diagnose sei nur sehr 

schwierig zu stellen. Die Beschwerdeführerin wirke in ihrem Verhalten und ihrer 

Sprechweise auffällig, stottere, schaue weg oder schliesse die Augen. Auf den ersten 

Blick könnte man eine Debilität, eine latente Schizophrenie oder zumindest eine 

erhebliche Persönlichkeitsstörung vermuten. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen 

hätten sich diese Verdachtsmomente aber nicht bestätigten lassen. Hauptbefunde 

seien die emotionale und sprachliche Blockierung, sodass am ehesten eine 

Kommunikationsstörung diagnostiziert werden könne (IV-act. 40-8). Zwar ist dem RAD 

darin zuzustimmen, dass es zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht einzig auf die 

gestellten Diagnosen ankommt (vgl. IV-act. 70). Im vorliegenden Fall scheinen die ABI-

Gutachter den Diagnosen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin aber doch bedeutendes Gewicht beigemessen zu haben. Denn im 

neuropsychologischen Fachgutachten ist festgehalten worden, dass die im Rahmen 

der neuropsychologischen Untersuchung gefundenen Defizite bei den Testverfahren 

zur Prüfung sozialer Fertigkeiten sich mit den Schwierigkeiten decken würden, welche 

Menschen mit einer autistischen Störung aufwiesen, und dass das Vorliegen einer 

Autismus-Spektrums-Störung eine hohe berufliche Relevanz hätte (IV-act. 40-46). Im 

Rahmen der unterdessen durchgeführten Autismus-Spektrums-Abklärung in der 

Psychiatrischen Klinik E.___ ist nun ein frühkindlicher Autismus festgestellt worden. Die 

Diagnose ist im Bericht vom 12. November 2019 ausführlich und nachvollziehbar 

begründet worden (act. G 6). Auch Dr. F.___ und die Psychologin G.___ schliessen sich 

im Bericht vom 20. Februar 2020 dieser Diagnosestellung an (vgl. act. G 11). Die 

theoretische Aktenbeurteilung des RAD vom 13. Dezember 2019 vermag die Diagnose 

eines frühkindlichen Autismus nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen (IV-act. 70). Folglich 

stellt sich die Frage, ob die ABI-Sachverständigen in Kenntnis dieser Diagnose eine 

andere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgeben würden. Aber auch unabhängig von 

den vorhandenen Diagnosen ist es fraglich, ob die von den Gutachtern attestierte 

medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit den teils doch schweren Einschränkungen 

der Beschwerdeführerin, wie sie sowohl aus den Berichten der behandelnden Ärzte 

(vgl. z.B. act. G 6 und 11) als auch aus dem Gutachten selbst hervorgehen (vgl. IV-

act. 40), ausreichend Rechnung trägt. Beispielsweise geht aus dem Gutachten nur 

ungenügend hervor, weshalb dem diagnostizierten atypischen Autismus keine 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zukommen soll (vgl. IV-act. 40-7 ff.), während eine 

Autismus-Spektrums-Störung zumindest gemäss den Aussagen im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/21

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4.  

neuropsychologischen Fachgutachten von hoher beruflicher Relevanz wäre (vgl. IV-

act. 40-46). Auch bestehen aufgrund der Ausführungen von Dr. F.___ und der 

Psychologin G.___ (act. G 11) sowie denjenigen im Bericht der Psychiatrischen Klinik 

E.___ vom 12. November 2019 (act. G 6) Zweifel daran, ob die Beschwerdeführerin, wie 

von den Gutachtern behauptet (vgl. IV-act. 40-11), tatsächlich wieder den 

gesundheitlichen Zustand, wie er vor der psychischen Dekompensation im Herbst 2017 

bestanden hat, erreicht hat. Auf eine genaue Feststellung der medizinisch-

theoretischen Restarbeitsfähigkeit kann im vorliegenden Fall jedoch verzichtet werden, 

da es, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden, ohnehin an deren 

berufspraktischen Verwertbarkeit fehlt (vgl. E. 4).

Die Zumutbarkeit der Ausschöpfung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit ist unter 

Annahme eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes zu bestimmen. Der Begriff des 

ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein theoretischer und 

abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt (BGE 134 

V 70 f. E. 4.2.1). Er umschliesst einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem 

Angebot von Stellen und der Nachfrage nach solchen. Andererseits bezeichnet er einen 

Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen 

offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und 

intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 

110 V 276 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 

2.2; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 3. Dezember 2003, I 

349/01, mit Hinweisen). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte 

Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen mit einem 

sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil 

des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2, mit Hinweis auf 

Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3). Von einer 

Arbeitsgelegenheit kann allerdings nicht mehr gesprochen werden, wenn die 

zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der 

ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem 

Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden 

einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil 

des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E 3.3. mit weiteren Hinweisen).

4.1. 

Das fortgeschrittene Alter wird, obwohl an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in 

der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, das zusammen mit weiteren persönlichen 

und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person 

4.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/21

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verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch 

gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer 

wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige 

Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet 

(Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2017, 8C_253/2017, E. 2.2.2, und vom 31. 

August 2018, 8C_117/2018, E. 2.2.3; je mit Hinweisen).

Die ABI-Sachverständigen haben an eine leidensangepasste Tätigkeit zahlreiche 

qualitative Anforderungen gestellt. Sie haben festgehalten, dass es sich um eine an die 

intellektuellen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin angepasste Tätigkeit ohne höhere 

Ansprüche an die Feinmotorik, ohne Anforderung an die expressive Kommunikation 

(Kundenkontakt) und ohne grossen Zeit- und Leistungsdruck handeln müsse. Des 

Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Beschwerdeführerin in einem eher 

kleinen familiären Betrieb arbeiten könne, wo sie sozialen Situationen nicht allzu stark 

ausgesetzt sei. Ferner sollte das Setting hoch angepasst sein (klare bzw. keine 

zweideutigen verbalen Instruktionen). Auch Berufe mit hohen Anforderungen an die 

sozialen Fertigkeiten (Verkauf, Beratung und Pflege), vor allem auf der Ebene der 

verbalen Kommunikation, seien ungeeignet (IV-act. 40-10). Angesichts der multiplen 

qualitativen Einschränkungen haben die ABI-Gutachter die Suche nach einer 

geeigneten Verweistätigkeit in nachvollziehbarer Weise als schwierig eingestuft (IV-act. 

40-11). Es dürfte bereits mit Schwierigkeiten verbunden sein, auf dem ersten 

Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz in einem familiären Betrieb zu finden, der sowohl in 

intellektueller als auch zwischenmenschlicher und feinmotorischer Hinsicht geringe 

Anforderungen stellt. Denn gerade Tätigkeiten ohne grössere intellektuelle 

Herausforderung verlangen nicht selten den Einsatz der Hände und sämtliche 

Arbeitsstellen dürften wohl ein gewisses Mass an sozialen Interaktionen erfordern, 

zumal sich solche gerade in der Einarbeitungszeit kaum vermeiden lassen. Kommt es 

in der Einarbeitungszeit aufgrund der für die Beschwerdeführerin neuen Situation, aber 

auch in späteren ungewohnten Situationen oder bei sozialen Interaktionen zu massiven 

Wortfindungsstörungen und teils auch anderen Symptomen, wie sie in den Berichten 

der Behandler beschrieben worden sind (vgl. z.B. IV-act. 10-2 und 27-1 ff.; act. G 6 und 

11), steht sehr in Frage, wie realistisch eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt ist. 

Auch die von den Gutachtern definierte Anforderung, dass verbale Anweisungen eines 

potentiellen Arbeitgebers unzweideutig erfolgen müssten (die Gutachter haben in 

diesem Zusammenhang von einem hoch angepassten Setting gesprochen; IV-act. 

40-10), deutet darauf hin, dass der Beschwerdeführerin lediglich noch eine Tätigkeit auf 

dem zweiten Arbeitsmarkt zumutbar ist. Neben den bereits erwähnten gewichtigen 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/21

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Einschränkungen kommt erschwerend hinzu, dass gemäss der gutachterlichen 

Einschätzung nur Tätigkeiten ohne grösseren Zeit- und Leistungsdruck möglich sind, 

solche Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt aber nur selten zu finden sind. Zwar hat die 

Beschwerdeführerin über Jahre hinweg eine Tätigkeit als Mitarbeiterin im Bereich (…) 

ausgeübt (vgl. IV-act. 9), doch scheint sie dabei unter anderem gerade aufgrund des 

Leistungsdrucks an ihre Grenzen gestossen zu sein. Dr. F.___ und die Psychologin 

G.___ haben in ihrem Bericht vom 20. Februar 2020 nämlich ausgeführt, dass die 

Beschwerdeführerin an ihrer letzten Arbeitsstelle einer einfachsten Tätigkeit im Sinne 

einer Nischenarbeit habe nachgehen können. Bereits zwei bis drei Jahre vor der 

Kündigung durch die Arbeitgeberin sei sie aber entsprechend ihren Aussagen aufgrund 

stark nachlassender Leistung (z.B. (…)) intensiv begleitet worden (act. G 11). Dazu 

passend hat die ehemalige Arbeitgeberin im Arbeitgeberfragebogen ausgeführt, dass 

die Kündigung aufgrund unzureichender Leistung und mangelnder Selbständigkeit 

erfolgt sei (IV-act. 9-2). Auch die Behandler der Psychiatrischen Tagesklinik D.___ 

haben in Betracht gezogen, dass die Beschwerdeführerin bei der letzten Arbeitsstelle 

mit motorischen Problemen oder einem zu hohen Leistungsdruck konfrontiert gewesen 

sein könnte (IV-act. 22). Folglich erscheint die zuletzt ausgeübte Tätigkeit entgegen der 

Einschätzung der ABI-Gutachter (vgl. IV-act. 40-10 f.) gerade nicht (mehr) dem von 

ihnen definierten Leistungsprofil (vgl. dazu IV-act. 40-10) zu entsprechen.

Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführerin die Ausübung der Tätigkeit bei 

der letzten Arbeitgeberin lange Zeit möglich gewesen ist, lässt sich nicht ohne Weiteres 

schliessen, dass diese Tätigkeit optimal angepasst gewesen ist bzw. noch immer ist. 

Dem Bericht der Psychiatrischen Klinik E.___ vom 12. November 2019 kann nämlich 

entnommen werden, dass es der Beschwerdeführerin teilweise gelungen sei, gewisse 

Defizite durch aufwändiges Lernen von Verhaltensweisen und Nachahmen ihres 

Umfeldes zu kompensieren, wobei gleichwohl von einem hohen Leidensdruck und 

Einschränkungen in verschiedenen täglichen Aufgaben, insbesondere in der sozialen 

Interaktion, auszugehen sei (act. G 6). So lässt sich erklären, dass die 

Beschwerdeführerin die Tätigkeit bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin unter grosser 

Anstrengung lange Zeit hat meistern können, es schliesslich aber aufgrund von 

Überforderung, mangelnder Abgrenzungsfähigkeit und Bewältigungsmöglichkeiten von 

zwischenmenschlichen Situationen und Konflikten sowohl privat als auch beruflich 

doch zu einer psychischen Dekompensation mit deutlicher Leistungsreduktion 

gekommen ist. Wie Dr. F.___ und die Psychologin G.___ in Übereinstimmung mit der 

Aktenlage nachvollziehbar beschrieben haben, wirken bei der Beschwerdeführerin 

aufgrund ihrer Grundstörung zwischenmenschliche Themen und Konflikte 

überdurchschnittlich stark als Stressoren und führen zu hohem Leid (act. G 11 S. 2). 

4.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/21

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Nach dem Gesagten muss damit gerechnet werden, dass eine Tätigkeit, wie sie die 

Beschwerdeführerin lange Zeit ausgeübt hat, zumindest angesichts des aktuellen 

Gesundheitszustandes (vgl. dazu act. G 6 und 11) immer wieder zu einer psychischen 

Dekompensation führen kann. Eine solche Tätigkeit kann folglich nicht als angepasst 

gelten.

Eine Tätigkeit kann der Beschwerdeführerin also nur unter Berücksichtigung des 

von den ABI-Gutachtern dargelegten Anforderungsprofils zugemutet werden (vgl. IV-

act. 40-10; vgl. ferner E. 4.3). Ein solches Zumutbarkeitsprofil lässt aber, wie bereits 

erwähnt, die Verwertbarkeit einer allfälligen medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit 

auf dem ersten Arbeitsmarkt als unrealistisch erscheinen. Diese Einschätzung stimmt 

mit derjenigen der Behandler der Psychiatrischen Tagesklinik D.___ im Bericht vom 10. 

April 2018 überein. Sie haben eine niederschwellige, sinnstiftende Beschäftigung, 

welche die Beschwerdeführerin alleine und ohne allzu viele soziale Interaktionen 

ausüben könne, mit niedrigem Anforderungsniveau an die Konzentration, die 

Merkfähigkeit und die Feinmotorik, selbständigen Regulationsmöglichkeiten des 

Arbeitstempos und wohlwollenden anleitenden und begleitenden Vorgesetzen 

empfohlen. Regelmässigkeit und klare Strukturen haben sie als wichtig empfunden. 

Unter Berücksichtigung der mit der Beschwerdeführerin gemachten Erfahrungen aus 

dem tagesklinischen Alltag haben sie ein Arbeitspensum von maximal 40-50 % in 

einem ruhigen, gut strukturierten Umfeld für möglich gehalten. Eine Tätigkeit auf dem 

ersten Arbeitsmarkt haben sie als unrealistisch eingestuft (IV-act. 22). Der RAD hat in 

seiner Beurteilung vom 27. April 2018 ebenfalls festgehalten, dass das 

Anforderungsprofil gemäss den behandelnden Institutionen auch längerfristig einem 

geschützten Rahmen entspreche (IV-act. 31-4 f.). Schliesslich dürfte sich auch das 

Alter der Beschwerdeführerin erschwerend auf die Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit auswirken (Jahrgang 19__, vgl. IV-act. 1-1). Wenn die verbleibende 

Aktivitätsdauer nicht besonders lange ist, wird sich ein Arbeitgeber noch weniger dazu 

bereit erklären, eine auf die Bedürfnisse der Beschwerdeführerin hoch angepasste 

Einarbeitung auf sich zu nehmen. Aufgrund der eingeschränkten Flexibilität, 

Anpassungsfähigkeit und der massiven Kommunikationsprobleme (vgl. dazu z.B. act. 

G 6 und 11), die in für die Beschwerdeführerin ungewohnten Situationen noch verstärkt 

auftreten können (vgl. dazu z.B. IV-act. 10-2), dürfte sich nämlich gerade die 

Einarbeitungszeit besonders herausfordernd gestalten.

4.5. 

Zusammenfassend ist die berufspraktische Verwertbarkeit einer allfällig 

vorhandenen medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit vorliegend zu verneinen. 

Demnach ist bei der Beschwerdeführerin von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit 

4.6. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/21

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5.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung aufgehoben und 

der Beschwerdeführerin rückwirkend ab dem 1. September 2018 eine ganze 

Invalidenrente zugesprochen; zur Festsetzung des Rentenbetrages wird die Sache an 

die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

auf dem ersten Arbeitsmarkt auszugehen (vgl. E. 4.2). Folglich hat sie einen Anspruch 

auf eine ganze Invalidenrente. Die IV-Anmeldung der Beschwerdeführerin ist bei der 

Beschwerdegegnerin am 3. Januar 2018 eingegangen (IV-act. 1). Der frühestmögliche 

Beginn des Rentenanspruchs i.S.v. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG fällt damit auf den 1. Juli 

2018. Zwar ist anzunehmen, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen bereits lange 

Zeit vor der IV-Anmeldung bestanden haben, doch scheint die Beschwerdeführerin 

noch bis in den September 2017 hinein gearbeitet zu haben. Ab Ende September 2017 

scheint es dann zur Krankschreibung gekommen zu sein (vgl. IV-act. 9-2 und 9-14). 

Aus psychiatrischer Sicht haben die ABI-Gutachter ausgeführt, dass es im Herbst 2017 

zu einer psychischen Dekompensation gekommen sei, wobei die Arbeitsfähigkeit 

aufgrund einer Krisenintervention zwischen September 2017 und April 2018 komplett 

aufgehoben gewesen sei (vgl. IV-act. 40-8 f.; vgl. ferner IV-act. 40-11). Folglich 

rechtfertigt es sich, den Beginn des Wartejahres i.S.v. Art. 28 Abs. 1 IVG in den 

September 2017 zu legen. Unter Berücksichtigung des Wartejahres fällt der 

Rentenbeginn somit auf den 1. September 2018.

Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der 

Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführerin ist rückwirkend ab dem 1. 

September 2018 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.

5.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

Die bereits erfolgte Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wird damit hinfällig.

5.2. 

bis

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	Entscheid Versicherungsgericht, 09.06.2021
	Art. 28 IVG: Verwertbarkeit einer allfällig vorhandenen medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit verneint. Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bejaht. Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juni 2021, IV 2019/214).

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