# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5fcbe44-0181-5f34-8267-4df80445cfc8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 E-4614/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4614-2011_2011-09-19.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­4614/2011

U r t e i l   v om   1 9 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Markus König (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richter François Badoud,
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______,
Sri Lanka,
p.A. Schweizer Botschaft in Colombo, Sri Lanka,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011 / N (…).

E­4614/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  englischsprachiger  Eingabe  vom 
25. August  2009  (Eingangsstempel:  5.  Oktober  2009)  an  die 
Schweizer  Botschaft  in  Colombo  gelangte  und  unter  Hinweis  auf 
massive  Schwierigkeiten  mit  staatlichen  Behörden  –  die  mit  der 
Ausreise  ihres Bruders B._______ begonnen hätten, der  in Sri Lanka 
ein  regimekritischer Journalist gewesen und dem  in der Schweiz Asyl 
gewährt worden sei – für sich und ihre Familie um Asyl in der Schweiz 
nachsuchte,

dass  die  Botschaft  die  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom 
14. Oktober 2009 aufforderte, eine Reihe von Fragen zum Asylgesuch 
zu  beantworten  und  allfällige  Beweismittel  einzureichen 
beziehungsweise zu bezeichnen,

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  einer  ausführlichen  Eingabe  vom 
10. November 2009 (Eingangsstempel vom folgenden Tag) die geltend 
gemachten Asylgründe weiter substanziierte,

dass  die  Botschaft  die  Akten  dem  BFM  mit  Begleitnotiz  vom 
18. Dezember 2009 zum Entscheid überwies, wobei sie die Gründe für 
das Absehen von einer Anhörung stichwortartig anführte,

dass  das  Bundesamt  der  Beschwerdeführerin  durch  Vermittlung  der 
Botschaft  mit  englischsprachigem  Schreiben  vom  10.  März  2011 
mitteilte,  der  Sachverhalt  werde  aufgrund  der  gesamten  Akten  als 
erstellt  erachtet,  weshalb  sich  eine  Befragung  durch  die  Botschaft 
erübrige,

dass beabsichtigt sei, das Asylgesuch abzuweisen und die Einreise in 
die  Schweiz  nicht  zu  bewilligen,  wozu  die  Beschwerdeführerin  sich 
innert Frist äussern könne, 

dass die Beschwerdeführerin sich mit Schreiben an die Botschaft vom 
7. April 2011 äusserte,

dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 8. Juli 2011 die Einreise in die 
Schweiz  nicht  bewilligte  und  das  Asylgesuch  ablehnte,  was  der 
Beschwerdeführerin  mit  Begleitschreiben  der  Botschaft  vom  19.  Juli 
2011 mitgeteilt wurde,

E­4614/2011

Seite 3

dass die Beschwerdeführerin diese Verfügung mit Rechtsmitteleingabe 
vom  15.  August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfocht  und 
sinngemäss beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben 
und es sei ihr und ihren Angehörigen in der Schweiz nach Bewilligung 
der Einreise Asyl zu gewähren,

und erwägt,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  Art. 31  des  Verwaltungs­
gerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt, das 
BFM  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  gehört  und  daher  eine 
Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist,  eine  das  Sachgebiet 
betreffende Ausnahme  im Sinn  von Art.  32 VGG nicht  vorliegt  und  das 
Gericht daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig 
ist  und  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  entscheidet,  ausser  bei 
Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art. 31­33  VGG,  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht 
eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG), 

dass mit  Beschwerde  die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerde­
entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

E­4614/2011

Seite 4

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  die  Durchführung  des 
Schriftenwechsels verzichtet wurde,

dass  die  Schweiz  gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl  gewährt  und  eine  ausländische  Person  als 
Flüchtling  anerkannt  wird,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im 
Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion, 
Nationalität, Zugehörigkeit  zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 
wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen 
ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen 
ausgesetzt  zu werden,  wobei  als  ernsthafte  Nachteile  namentlich  die 
Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  und  Massnahmen  gelten, 
die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken,

dass  das  BFM  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder wenn  ihnen die Aufnahme  in einem Drittstaat zugemutet 
werden  kann,  wobei  Vorbringen  glaubhaft  gemacht  sind,  wenn  die 
Behörde  ihr  Vorhandensein mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  für 
gegeben  hält,  und  unglaubhaft  insbesondere  Vorbringen  sind,  die  in 
wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 
sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf 
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (vgl. Art. 3, 
Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG),

dass das Bundesamt gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG Asylsuchenden die 
Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes  bewilligt, wenn  ihnen  nicht 
zugemutet  werden  kann,  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu 
bleiben oder in ein anderes Land auszureisen, und gestützt auf Art. 20 
Abs.  3  AsylG  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement 
(EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen  kann,  Asylsuchen­
den, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und 
Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 
besteht, die Einreise zu bewilligen,

dass bei  diesem Entscheid  für  die Erteilung einer Einreisebewilligung 
restriktive  Voraussetzungen  gelten,  wobei  den  Behörden  ein  weiter 
Ermessensspielraum  zukommt  und  neben  der  erforderlichen 
Gefährdung  im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  namentlich  die  Nähe  der 
Beziehung  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch 
einen anderen Staat, die Qualität allfälliger persönlicher Beziehungen 

E­4614/2011

Seite 5

zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive 
Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die 
voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in 
Betracht  zu  ziehen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
[vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997 
Nr.  15  E. 2  S.  131  ff.;  die  dort  beschriebene  Praxis  hat  nach  bloss 
redaktionellen  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des 
Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit),

dass  bei  Durchsicht  der  Vorakten  eine  Vielzahl  formeller Mängel  der 
angefochtenen  Verfügung  und  des  erstinstanzlichen  Verfahrens 
festzustellen sind,

dass die Beschwerdeführerin erstens in jeder Eingabe an die Botschaft 
erwähnt  hatte,  sie  ersuche  für  sich  und  ihre  (…)  kleinen  Kinder  um 
Schutz in der Schweiz,

dass  das  BFM  trotzdem  nur  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin 
(als  Einzelperson)  behandelt  hat  und  dem  angefochtenen 
Asylentscheid  namentlich  keinerlei  Ausführungen  zur 
flüchtlingsrechtlichen  Relevanz  der  Situation  der  drei  Kleinkinder  zu 
entnehmen  sind  (worauf  in  der  Beschwerde  zu  Recht  hingewiesen 
wird, vgl. S. 2: "…you didn't mention anything about my children"),

dass  aufgrund  der  Akten  davon  auszugehen  ist,  dass  die 
Beschwerdeführerin  auch  für  ihren  Ehemann  um  Asyl  nachsucht, 
nachdem  sie  in  ihren  Eingaben  verschiedene 
Verfolgungsmassnahmen  beschreibt,  die  ihr  Mann,  mit  dem  sie 
offenbar in ungetrennter Ehe zusammenlebt, erlitten habe,

dass  das  BFM  sich  zweitens  mit  dem  Hauptvorbringen  der 
Beschwerdeführerin,  sie  erleide  eine  so  genannte  Anschluss­  oder 
Reflexverfolgung  wegen  ihres  in  der  Schweiz  am  29.  Juli  2009  als 
Flüchtling  anerkannten  Bruders,  im  Ergebnis  inhaltlich  nicht 
auseinandergesetzt hat,

dass den Vorakten auch nicht zu entnehmen wäre, dass das BFM die 
Akten  des  Bruders  (N  (…);  die  Botschaft  in  Colombo  hatte  in  ihrem 
Übermittlungsschreiben  vom  18.  Dezember  2009  auf  diese 
Dossiernummer hingewiesen) vor seinem Entscheid beigezogen hätte, 
um das konkrete Risiko einer Reflexverfolgung abschätzen zu können,

E­4614/2011

Seite 6

dass drittens  festzustellen  ist, dass das BFM mit dem Entscheid über 
die  Einreisebewilligung  fast  zwei  Jahre  lang  zugewartet  hat,  was 
angesichts  der  geltend  gemachten  Behelligungen  durch  staatliche 
Organe  und  der  Verwandtschaft  zu  einem  von  der  Schweiz 
anerkannten Flüchtling nicht nachvollziehbar ist,

dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  in  ihrer  Eingabe  vom  7.  April 
2011 darauf hingewiesen hatte, sie warte bereits seit fast zwei Jahren 
auf  einen  Entscheid  über  die  Asylgesuche  und  die  staatlichen 
Behelligungen  hätten  seit  Einreichung  der  Schutzbegehren  nicht 
abgenommen,

dass  die  Beschwerdeführerin  in  dieser  Eingabe  schliesslich  auch  ein 
Schreiben ("Letter of Remind") von ihr an die Botschaft vom 1. Februar 
2010 erwähnt, das bei den amtlichen Akten nicht aufzufinden ist,

dass  die  Vorinstanz  die  behördliche  Untersuchungspflicht  gemäss 
Art. 12  VwVG  verletzt  und  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
unvollständig festgestellt hat,

dass  der  angefochtene  Entscheid  deshalb  aufzuheben  ist  und  die 
Akten  zur  unverzüglichen  vollständigen  Sachverhaltsfeststellung  und 
zur  umgehenden  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen 
sind,

dass  die  Beschwerde  nach  dem Gesagten  insoweit  gutzuheissen  ist, 
als die vorinstanzliche Verfügung vom 8. Juli 2011 aufzuheben ist,

dass bei  diesem Ausgang des Verfahrens  keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass die Beschwerdeführerin sich  für das vorliegende Verfahren nicht 
hat  vertreten  lassen,  weshalb  ihr  keine  Parteikosten  gemäss  Art.  64 
Abs. 1 VwVG erwachsen sein können und keine Parteientschädigung 
zuzusprechen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

E­4614/2011

Seite 7

E­4614/2011

Seite 8

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  die  Aufhebung  der 
angefochtenen Verfügung beantragt wird.

2. 
Die  Verfügung  des  BFM  vom  8.  Juli  2011  wird  aufgehoben.  Die 
Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
vollständig  festzustellen  und  in  der  Sache  unverzüglich  neu  zu 
entscheiden. 

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
Schweizer Botschaft in Colombo.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand: