# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c73bdc97-e926-5e79-8d43-50a67948aa5b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-01-08
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 08.01.2019 HG150232
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG150232_2019-01-08.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 
 

Geschäfts-Nr.: HG150232-O U2/ei 

 

Mitwirkend: Oberrichter Roland Schmid, Präsident, und Oberrichterin Flurina 

Schorta, die Handelsrichter Werner Heim, Ruedi Kessler und  

Michael Küttel sowie die Gerichtsschreiberin Sabrina Schalcher 

Beschluss und Urteil vom 8. Januar 2019 

 

in Sachen 

 

A._____ AG,  
Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____,  
Beklagter 

 

vertreten durch Rechtsanwalt PD Dr. iur. Y._____ 

 
 
betreffend Forderung  

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Inhaltsverzeichnis 

Sachverhalt und Verfahren .................................................................................... 5 
A. Sachverhaltsübersicht ................................................................................. 5 

a. Parteien und ihre Stellung ....................................................................... 5 
b. Hintergrund und Prozessgegenstand ...................................................... 5 

B. Prozessverlauf .............................................................................................. 6 
a. Klageeinleitung und wesentliche Verfahrensschritte ............................... 6 
b. Beweismittel ............................................................................................ 8 

Erwägungen: ......................................................................................................... 9 
1. Formelles ....................................................................................................... 9 

1.1. Zuständigkeit und Klageeinleitung .......................................................... 9 
1.2. Beseitigung Rechtsvorschlag: Fehlendes Rechtschutzinteresse ............ 9 
1.3. Übrige Prozessvoraussetzungen .......................................................... 10 
1.4. Prozessualer Antrag in Ziffer 5 Klagebegehren ..................................... 10 
1.5. Allgemeines zur Beweisführung ............................................................ 10 

1.5.1. Behauptungs-, Substantiierungs- und Beweislast ....................... 11 
1.5.2. Bestreitungslast .......................................................................... 15 

2. Unbestrittener Sachverhalt im Überblick .................................................. 15 
3. Rechtliche Einordnung des Honorarvertrags ........................................... 17 
4. Rechnungen – Honoraransprüche ............................................................ 19 

4.1. Verhältnis zwischen Schluss- und Honorarrechnung ............................ 19 
4.1.1. Parteibehauptungen ................................................................... 19 
4.1.2. Rechtliches ................................................................................. 19 
4.1.3. Würdigung .................................................................................. 20 
4.1.4. Fazit ............................................................................................ 21 

4.2. Schlussrechnung – Grundleistungen (Ziffer 1 Klagebegehren) ............. 22 
4.2.1. Keine Anerkennung der Schlussrechnung .................................. 22 
4.2.2. Entstehung, Fälligkeit und Höhe des Honoraranspruchs ............ 24 
4.2.3. Fazit ............................................................................................ 26 

4.3. Honorarrechnung – Zusatzleistungen (Ziffer 2 Klagebegehren) ............ 26 
4.3.1. Relevante Parteibehauptungen .................................................. 26 
4.3.2. Rechtliches: Qualifikation und Voraussetzungen der Vergütung 33 
4.3.3. Würdigung und Fazit ................................................................... 35 

4.4. Gesamtfazit ........................................................................................... 38 
5. Honorarminderung ...................................................................................... 38 

5.1. Parteibehauptungen im Überblick ......................................................... 38 
5.2. Rechtliches ............................................................................................ 39 

5.2.1. Anwendbare Bestimmungen ....................................................... 39 
5.2.2. Auftragsrecht: Voraussetzungen der Honorarminderung ............ 40 
5.2.3. Vorgehen .................................................................................... 41 

5.3. Zu reduzierendes Honorar und Berechnungsgrundlage........................ 41 
5.4. Behauptete Pflichtverletzungen ............................................................. 42 

5.4.1. Falsche Grob(kosten)schätzung, Kostenschätzung und -
voranschlag .......................................................................................... 42 
5.4.2. Mangelhafte Ausschreibung ....................................................... 47 

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5.4.3. Fehlende Unterzeichnung der Nutzungsvereinbarung ................ 49 
5.4.4. Fehlerhafte Planung und Bauleitung betreffend Tiefgarage inkl. 
Parkdeck ............................................................................................... 51 

5.5. Gesamtfazit und Zins ............................................................................ 58 
6. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen ........................................ 59 
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen .......................................................... 60 

7.1. Gerichtskosten ...................................................................................... 60 
7.2. Parteientschädigungen .......................................................................... 61 

 

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Ursprüngliches Klagebegehren: 
(act. 1 S. 2) 

" 1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
Fr. 56'268.00 zuzüglich Zins ab 06. November 2012 zu bezahlen, 
unter Nachklagevorbehalt bei der Erhöhung der Bausumme. 

 2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
Fr. 54'432.00 zuzüglich Zins ab 20. Januar 2014 zu bezahlen. 

 3. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
Fr. 53'011.95 zuzüglich Zins ab 18. Oktober 2014 zu bezahlen. 

 4. Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. … des Betreibungs-
amtes D._____ vom 11. Februar 2014 sei aufzuheben. 

 5. Bezüglich der Forderung über Fr. 53'011.95 sei vorzumerken, 
dass der Genossenschaft C._____, … [Adresse] der Streit ge-
mäss Art. 78 Abs. 1 ZPO verkündet wird. 

 6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der be-
klagten Partei." 

Replicando modifiziertes Klagebegehren: 
(act. 1 S. 2 und act. 60 S. 2) 

" 1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
Fr. 56'268.00 zuzüglich Zins ab 06. November 2012 zu bezahlen, 
unter Nachklagevorbehalt bei der Erhöhung der Bausumme. 

 2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
Fr. 54'432.00 zuzüglich Zins ab 20. Januar 2014 zu bezahlen. 

 3. […] 
 4. Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. … des Betreibungs-

amtes D._____ vom 11. Februar 2014 sei aufzuheben. 
 5. Bezüglich der Forderung über Fr. 53'011.95 sei vorzumerken, 

dass der Genossenschaft C._____, … [Adresse] der Streit ge-
mäss Art. 78 Abs. 1 ZPO verkündet wird. 

 6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der be-
klagten Partei." 

 

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Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien und ihre Stellung 

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._____ (ZH). Sie bezweckt im 

Wesentlichen den Betrieb eines Architekturbüros (act. 4/1). E._____ ist der Inha-

ber der Klägerin (act. 1 Rz. II.5; act. 21 Rz. I.7).  

Beim Beklagten handelt es sich um den Inhaber B._____ des 'Einzelunterneh-

mens F._____, Inhaber B._____'. Das Einzelunternehmen mit Sitz in D._____ 

(ZH) bezweckt den Transport und Handel mit Waren aller Art, insbesondere mit 

Brennstoffen und Flüssiggas, sowie den Betrieb von Lagerhäusern und die Ver-

waltung von Immobilien (act. 4/2). 

b. Hintergrund und Prozessgegenstand 

Der Beklagte beauftragte die Klägerin mit den Architektur-, Planungs- und Baulei-

tungsarbeiten am Objekt G._____ für die Erweiterung des bestehenden Betriebs-

gebäudes, die Erstellung der Parkdeckanlage und die dazugehörige Umgebungs-

anlage sowie die Umbau- und Anpassungsarbeiten am bestehenden Betriebsge-

bäude in D._____ (act. 1 Rz. II.1; act. 68 Rz. 14; act. 22/1 Ziffer 1.1). Am 7. Juli 

2010 schlossen die Parteien einen diesbezüglichen Honorarvertrag ab (act. 1 

Rz. II.1; act. 21 Rz. II.A.1.2; act. 68 Rz. 14; act. 22/1). Im Frühjahr 2012 traten bei 

E._____ gesundheitliche Probleme auf (act. 1 Rz. II.5; act. 68 Rz. 20), weshalb 

die Klägerin das Projekt nicht zu Ende brachte. Stattdessen beauftragte der Be-

klagte die H._____ ag für die weiteren Arbeiten am Objekt G._____ (act. 1 

Rz. II.5; act. 21 Rz. II.A.5). Zur Abgrenzung der Leistungsanteile der Architekten 

verfasste die Klägerin das Schnittstellenpapier vom 14. Mai 2012 (act. 3/7) und 

übergab das Projekt bis Ende Juni 2012 phasenweise an die H._____ ag (act. 1 

Rz. II.6; act. 21 Rz. II.A.6.1). Schliesslich stellte die Klägerin dem Beklagten mit 

der Schlussrechnung vom 17. September 2012 CHF 56'268.– für Grundleistun-

gen (act. 1 Rz. II.7; act. 68 Rz. 21; act. 3/9) sowie mit der Honorarrechnung vom 

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22. Mai 2013, revidiert 16. September 2014, CHF 54'432.00 für Zusatzleistungen 

in Rechnung (act. 1 Rz. II.11; act. 60 Rz. 21; act. 3/12). Beide Rechnungen blie-

ben unbezahlt. 

Die Klägerin verlangt mit vorliegender, replicando modifizierter Klage vom Beklag-

ten das ihres Erachtens ausstehende Honorar gemäss vorerwähnten Rechnun-

gen für von ihr vor ihrem Ausstieg für das Objekt G._____ erbrachte Leistungen 

(Ziffer 1 und 2 Klagebegehren) sowie die Beseitigung des Rechtsvorschlags in 

der zur Eintreibung ausstehender Honorare angehobenen Betreibung (act. 1 Ziffer 

4 Klagebegehren; act. 60). Der Beklagte beantragt die vollumfängliche Abweisung 

der Klage (act. 21 S. 2; act. 68 S. 2). Er bestreitet den Bestand und die Höhe der 

Forderung von CHF 56'268.– gemäss Schlussrechnung sowie der Honorarrech-

nung von CHF 54'432.– (act. 21 Rz. II.A.9.1.; act. 68 Rz. 161, 162 und 188). Letz-

tere Forderung sei zudem ungenügend bzw. gar nicht substantiiert (act. 68 

Rz. 129). Überdies seien die Rechnungsbeträge auch aufgrund der wegen 

Pflichtverletzungen der Klägerin vorzunehmenden Honorarminderung nicht ge-

schuldet (act. 21 Rz. II.A.6.3 ff.; act. 68 Rz. 23 ff., 59 ff.).  

B. Prozessverlauf  

a. Klageeinleitung und wesentliche Verfahrensschritte 

Am 19. Oktober 2015 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin ihre Klage unter 

Verkündung des Streits an die Genossenschaft C._____ mit eingangs erwähntem 

Rechtsbegehren hierorts ein (act. 1). Mit Verfügung vom 21. Oktober 2015 wurde 

der Klägerin Frist zur Leistung eines Gerichtskostenvorschusses von 

CHF 11'500.– angesetzt, die Streitverkündung vorgemerkt und diese der streitbe-

rufenen Person mitgeteilt (act. 5). Nach rechtzeitigem Eingang des Kostenvor-

schusses (act. 7) wurde dem Beklagten Frist zur Erstattung der Klageantwort an-

gesetzt (act. 8). Mit elektronischer Eingabe vom 27. November 2015 teilte die Ge-

nossenschaft C._____ mit, sich zur Unterstützung der Klägerin als Nebeninterve-

nientin am Streit zu beteiligen (act. 13), wovon mit Verfügung vom 1. Dezember 

2015 Vormerk genommen wurde (act. 15). Daraufhin erstattete der Beklagte in-

nert der mit Verfügung vom 13. Januar 2016 angesetzten Nachfrist (act. 18) seine 

- 7 - 

Klageantwort, mit welcher er Widerklage erhob und diverse prozessuale Anträge 

stellte (act. 21). Mit Verfügung vom 8. Februar 2016 wurde dem Beklagten Frist 

zur Leistung eines Gerichtskostenvorschusses für die Widerklage von 

CHF 16'750.– angesetzt (act. 23), der fristgerecht einging (act. 26). Gleichzeitig 

wurde der Klägerin Frist angesetzt, um sich zu den prozessualen Anträgen des 

Beklagten zu äussern (act. 23). Mit Eingabe vom 14. März 2016 reichte die Kläge-

rin ihre Stellungnahme ein (act. 27), woraufhin mit Beschluss vom 12. April 2016 

die prozessualen Anträge des Beklagten allesamt abgewiesen wurden (act. 29). 

Mit Eingabe vom 6. Juni 2016 teilte der damalige Rechtsvertreter des Beklagten 

mit, den Beklagten nicht mehr zu vertreten (act. 33). Danach reichte die Klägerin 

innert der mit Verfügung vom 24. August 2016 erstreckten Frist die Widerkla-

geantwort ein (act. 37; act. 39). Deren Doppel wurden mit Verfügung vom 

19. September 2016 dem Beklagten und der Nebenintervenientin zugestellt und 

das Verfahren zugleich an die Instruktionsrichterin delegiert (act. 41). Mit Eingabe 

vom 18. Januar 2017 zeigte der Beklagte seine neue Rechtsvertretung an 

(act. 46).  

Am 8. März 2017 fand eine Vergleichsverhandlung statt, an der neben den Par-

teien des vorliegenden Verfahrens auch diejenigen des Verfahrens mit der Pro-

zessnummer HG160005-O teilnahmen (act. 45; Prot. S. 15 ff.). Anlässlich dieser 

Vergleichsverhandlung wurde ein Teil-Vergleich betreffend Ziffer 3 des Klagebe-

gehrens geschlossen, worin auch festgehalten wurde, dass sich die Nebeninter-

venientin fortan am Verfahren nicht mehr beteilige (act. 50; Prot. S. 16). In der 

Folge wurde den Parteien mit Verfügung vom 27. März 2017 (act. 51) Frist zur 

Äusserung zur Frage der Zulässigkeit der Widerklage angesetzt, der sie fristge-

recht nachkamen (act. 54; act. 55). Daraufhin trat das Handelsgericht mit Be-

schluss vom 29. Mai 2017 auf die Widerklage nicht ein und schrieb das Verfahren 

im Umfang von CHF 53'011.95 (Ziffer 3 Klagebegehren) zufolge Teil-Vergleichs 

als erledigt ab (act. 56). Die Regelung der Entschädigungsfolgen für das weiterzu-

führende Klageverfahren wurde darin dem Endentscheid vorbehalten. Der nicht 

beanspruchte Anteil des Kostenvorschusses des Beklagten für die Widerklage 

wurde ihm nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist zurückerstattet, wäh-

rend der nicht beanspruchte Anteil des Kostenvorschusses der Klägerin von 

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CHF 10'100.– zufolge Weiterführung des Klageverfahrens bei der Gerichtskasse 

verblieb (act. 56).  

In der Folge wurde mit Verfügung vom 7. Juli 2017 ein zweiter Schriftwechsel an-

geordnet und der Klägerin Frist zur Replik angesetzt (act. 58). Nach Eingang der 

Replik (act. 60) erging am 16. Oktober 2017 eine neue Verfügung betreffend De-

legation des Verfahrens an die neue Instruktionsrichterin (act. 62). Mit Eingabe 

vom 11. Januar 2018 erstattete daraufhin der Beklagte innert mit Zustimmung der 

Gegenpartei (act. 65; act. 66/1-2) erstreckter Frist (act. 63; Prot. S. 23) seine Dup-

lik und beantragte den Beizug der Akten des Verfahrens HE140317-O betreffend 

vorsorgliche Beweisführung (act. 68; act. 70). Mit Verfügung vom 18. Januar 2018 

wurden die Akten des Verfahrens HE140317-O antragsgemäss beigezogen sowie 

der Klägerin das Doppel der Duplik unter Hinweis auf den Aktenschluss zuge-

stellt. Zudem wurde darin das Rubrum formal bereinigt, indem die Nebeninterve-

nientin daraus entfernt wurde (act. 71). Nach Erhalt der Verfügung vom 

31. Oktober 2018 (act. 76) – welche die Androhung enthielt, dass bei Stillschwei-

gen ein Verzicht auf die Hauptverhandlung angenommen werde – erklärte der 

Beklagte, auf die Hauptverhandlung zu verzichten (act. 78), während sich die Klä-

gerin nicht vernehmen liess und damit ebenfalls verzichtete. Weitere Eingaben 

ergingen nicht. Das Verfahren ist spruchreif.  

b. Beweismittel 

Die Parteien reichten mit ihren Rechtsschriften jeweils Beilagen- bzw. Beweismit-

telverzeichnisse ein (act. 3/1; act. 3-57 [Deckblatt]; act. 22/1-29 [Deckblatt]; 

act. 40/1-8 [Deckblatt]; act. 61/1-8 [Deckblatt]; act. 69/1-16 [Deckblatt]). Neben 

der Einreichung verschiedener Urkunden boten die Parteien als Beweismittel die 

Einvernahme verschiedener Zeugen, die Parteibefragung sowie Gutachten an. 

Darüber hinaus beantragte die Klägerin die Edition diverser Unterlagen. Zudem 

wurden die Akten des Verfahrens HE140317-O inklusive der im Rahmen der vor-

sorglichen Beweisführung erstellten Gerichtsgutachten beigezogen. 

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Erwägungen: 

1. Formelles 

1.1. Zuständigkeit und Klageeinleitung 

Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons Zürich 

ist gegeben (Art. 17 ZPO und act. 22/1 Ziffer 7.1; Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 

lit. b GOG ZH) und im Übrigen unbestritten geblieben (act. 21 Rz. I.4.). f 

Das vorgängig durchgeführte, unnötige Schlichtungsverfahren (Art. 198 lit. f ZPO; 

vgl. act. 3/1) steht dem vorliegenden Verfahren wegen anderweitiger Rechtshän-

gigkeit im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. d ZPO nicht entgegen, denn – soweit be-

kannt – wurde innert der dreimonatigen Gültigkeitsfrist der Klagebewilligung an-

dernorts keine Klage eingereicht. Damit ist die diesbezügliche Rechtshängigkeit 

samt Sperrwirkung dahingefallen (vgl. auch act. 1 Rz. I.1; vgl. HGer Urteil 

HG120224-O vom 25. März 2013 E. 2.3; Art. 59 und Art. 209 Abs. 3 ZPO; vgl. 

act. 3/1). Zudem ändert das Schlichtungsverfahren nichts an der Rechtshängig-

keit vorliegender Klage durch Klageeinreichung am hiesigen Gericht (Art. 62 ZPO; 

Art. 220 f. ZPO; act. 1).  

1.2. Beseitigung Rechtsvorschlag: Fehlendes Rechtschutzinteresse  

Die Klägerin verlangt mit Ziffer 4 Klagebegehren, dass der Rechtsvorschlag in der 

Betreibung Nr. … des Betreibungsamtes D._____ vom 11. Februar 2014 aufzu-

heben sei (act. 1 S. 2).  

Gemäss Art. 88 Abs. 2 SchKG erlischt das Recht, die Fortsetzung der Betreibung 

zu verlangen, ein Jahr nach der Zustellung des Zahlungsbefehls. Nach Ablauf 

dieser Frist besteht daher kein Rechtsschutzinteresse mehr an der Beseitigung 

des Rechtsvorschlags. Das Vorliegen eines Rechtsschutzinteresses als Prozess-

voraussetzung ist von Amtes wegen zu prüfen (Art. 60 ZPO); fehlt ein solches, ist 

auf die Klage nicht einzutreten (Art. 59 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a ZPO; STÜCHELI, Die 

Rechtsöffnung, 2000, S. 94 f.).  

https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/d14b19c8-5e79-4de6-89de-e2501acd79f5/94a77464-45b8-434e-98fd-de4fdbb2f46d?source=document-link&SP=4|zluegx

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Vorliegend datiert der nicht im Recht liegende Rechtsvorschlag gemäss klägeri-

schen Behauptungen vom 11. Februar 2014 (act. 1 S. 2, Ziffer 4 Klagebegehren). 

Der Zeitpunkt der Zustellung des Zahlungsbefehls ist nicht bekannt, er wird aber 

naturgemäss kurz davor liegen. Im Zeitpunkt der Klageeinreichung am 

19. Oktober 2015 war demnach die einjährige Frist bereits abgelaufen, woran 

auch das davor mit Eingabe vom 16. Mai 2015 fälschlicherweise eingeleitete 

Schlichtungsverfahren (act. 3/1) nichts ändert. Auf das Gesuch um Beseitigung 

des Rechtsvorschlags (Ziffer 4 Klagebegehren) ist folglich mangels Rechtschutz-

interesse nicht einzutreten.  

1.3. Übrige Prozessvoraussetzungen 

Die übrigen Prozessvoraussetzungen der vorliegenden Klage erweisen sich als 

erfüllt und geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass. Damit ist in Bezug auf 

Ziffer 1 und 2 Klagebegehren auf die Klage einzutreten. 

1.4. Prozessualer Antrag in Ziffer 5 Klagebegehren 

In der Replik erklärte die Klägerin, am prozessualen Antrag in Ziffer 5 Klagebe-

gehren festhalten zu wollen (act. 60 S. 2), mit welchem sie beantragt hat, dass 

bezüglich der Forderung über CHF 53'011.95 vorzumerken sei, dass der Genos-

senschaft C._____, … [Adresse] der Streit gemäss Art. 78 Abs. 1 ZPO verkündet 

werde (act. 1 S. 2). Von dieser Streitverkündung wurde bereits mit Verfügung vom 

21. Oktober 2015 Vormerk genommen (act. 5, Dispositiv-Ziffer 4). Zudem bezog 

sich die Streitverkündung lediglich auf die mit Ziffer 3 Klagebegehren eingeklagte 

Forderung über CHF 53'011.95. Über diese Forderung wurde ein Teil-Vergleich 

abgeschlossen (act. 50), worin festgehalten wird, dass sich die Nebenintervenien-

tin am Verfahren nicht weiter beteilige; entsprechend wurde das Verfahren bezüg-

lich Ziffer 3 Klagebegehren mit Beschluss vom 29. Mai 2017 als erledigt abge-

schrieben (act. 56, Dispositiv-Ziffer 2). Folglich ist der prozessuale Antrag in Zif-

fer 5 Klagebegehren hinfällig. 

 

1.5. Allgemeines zur Beweisführung 

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1.5.1. Behauptungs-, Substantiierungs- und Beweislast 

Aufgrund des vorliegend anwendbaren Verhandlungsgrundsatzes darf das Ge-

richt sein Urteil nur auf die von den Parteien behaupteten Tatsachen abstützen, 

wobei es keine Rolle spielt, welche Partei die Tatsachen einbringt (BGer Urteil 

4C.36/2006 vom 29. März 2006 E. 3.1; BRÖNNIMANN, Die Behauptungs- und Sub-

stantiierungslast im schweizerischen Zivilprozessrecht, 1989, S. 37 m.H.; Art. 55 

Abs. 1 ZPO). Da dem Rechtssuchenden im Normalfall die Behauptungslast ob-

liegt, ist es diesfalls aber grundsätzlich an ihm, die Tatsachen zu behaupten, zu 

substantiieren und zu beweisen, aus deren Vorliegen er seinen Anspruch herleitet 

(BGer Urteil 4A_169/2011 vom 19. Juli 2011 E. 5.5 m.H.). Inwieweit Tatsachen zu 

behaupten und zu substantiieren sind, ergibt sich einerseits aus den Tatbe-

standsmerkmalen der angerufenen Norm und anderseits aus dem prozessualen 

Verhalten der Gegenpartei (BGE 127 III 365 E. 2b). 

Bei der Behauptungslast handelt es sich nicht um eine Rechtspflicht, sondern 
um eine prozessuale Obliegenheit, deren Unterlassung zu einem prozessualen 

Nachteil führt, indem die betreffende Tatsache im Prozess unberücksichtigt bleibt. 

Ihr ist durch das Aufstellen eines schlüssigen Tatsachenvortrags Genüge getan. 

Das heisst, dass eine Partei diejenigen Tatsachen widerspruchsfrei und vollstän-

dig angeben muss, auf die sie ihre Begehren stützt (Art. 55 Abs. 1 ZPO; SUTTER-

SOMM/SCHRANK, in: SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER [Hrsg.], Kommen-

tar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A., 2016, Art. 55 N 21 m.H.). Ei-

ne Tatsachenbehauptung hat dabei nicht zwingend alle Einzelheiten zu enthalten. 

Es genügt, wenn die Tatsachen, die unter die das Begehren stützenden Normen 

zu subsumieren sind, in einer den Gewohnheiten des Lebens entsprechenden 

Weise in ihren wesentlichen Zügen oder Umrissen behauptet werden 

(BGE 136 III 322 E. 3.4.2; BGer Urteil 4A_591/2012 vom 20. Februar 2013 

E. 2.1). Ein solchermassen vollständiger Tatsachenvortrag wird als schlüssig be-

zeichnet, da er bei Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die anbegehrte 

Rechtsfolge zulässt (BGer Urteile 4A_210/2009 vom 7. April 2010 E. 3.2 m.H.; 

4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.1). Nur soweit der Prozessgegner den 

schlüssigen Tatsachenvortrag der behauptungsbelasteten Partei bestreitet, greift 

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eine über die Behauptungslast hinausgehende Substantiierungslast. Die Vor-
bringen sind diesfalls nicht nur in den Grundzügen, sondern in Einzeltatsachen 

zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass einerseits darüber Beweis 

abgenommen werden könnte und andererseits substantiiertes Bestreiten möglich 

ist bzw. dagegen der Gegenbeweis angetreten werden kann (BGer Urteil 

4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.1; BGE 127 III 365 E. 2b m.H.).  

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Behauptungs- und Sub-

stanziierungslast in den Rechtsschriften nachzukommen. Gemäss Art. 221 Abs. 1 

lit. d und e ZPO muss die Klage die Tatsachenbehauptungen und die Bezeich-

nung der einzelnen Beweismittel zu den behaupteten Tatsachen enthalten. Der 

blosse pauschale Verweis auf Beilagen genügt in aller Regel nicht (BGer Urteile 

4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5; 4A_264/2015 vom 10. August 2015 

E. 4.2.2; 5A_61/2015 vom 20. Mai 2015 E. 4.2.1.3; 4A_317/2014 vom 17. Oktober 

2014 E. 2.2; 4A_195/2014 und 4A_197/2014 vom 27. November 2014 E. 7.3). Es 

muss bei den einzelnen Beweisanträgen ersichtlich sein, welche Tatsachen damit 

bewiesen werden sollen. Die Behauptungen und Beweisanträge sind miteinander 

zu verknüpfen, d.h. die Beweismittel sind den behaupteten Tatsachen zuzuordnen 

und unmittelbar anschliessend aufzuführen (LEUENBERGER, in: SUTTER-

SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER, Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro-

zessordnung (ZPO), 3. A., Art. 221 N 51 m.H.). Zweck dieses Erfordernisses ist, 

dass das Gericht erkennen kann, auf welche Tatsachen sich der Rechtssuchende 

stützt und womit er diese beweisen will, sowie die Gegenpartei weiss, gegen wel-

che konkreten Behauptungen sie sich verteidigen muss; jeweils ohne die Sach-

darstellung aus den Beilagen zusammensuchen bzw. Beilagen danach durchfors-

ten zu müssen (BGer Urteile 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2; 

4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5; 4A_195/2014 vom 27. November 2014 

E. 7.3.3 m.H.). Das bedeutet nicht, dass es nicht ausnahmsweise zulässig sein 

kann, seinen Substantiierungsobliegenheiten durch Verweis auf eine Beilage 

nachzukommen. Werden Tatsachen in ihren wesentlichen Zügen oder Umrissen 

in einer Rechtsschrift behauptet (BGE 136 III 322 E. 3.4.2; BGer Urteil 

4A_591/2012 vom 20. Februar 2013 E. 2.1) und wird für Einzelheiten auf eine 

Beilage verwiesen, ist vielmehr zu prüfen, ob die Gegenpartei und das Gericht 

- 13 - 

damit die notwendigen Informationen in einer Art erhalten, die eine Übernahme in 

die Rechtsschrift als blossen Leerlauf erscheinen lässt, oder ob der Verweis un-

genügend ist, weil die nötigen Informationen in den Beilagen nicht eindeutig und 

vollständig enthalten sind oder aber daraus zusammengesucht werden müssten. 

Es genügt nicht, dass in den Beilagen die verlangten Informationen in irgendeiner 

Form vorhanden sind. Der entsprechende Verweis in der Rechtsschrift muss spe-

zifisch ein bestimmtes Aktenstück nennen und aus dem Verweis muss selbst klar 

werden, welche Teile des Aktenstücks als Parteibehauptung gelten sollen. Es 

muss auch ein problemloser Zugriff darauf gewährleistet sein. Ein problemloser 

Zugriff ist gewährleistet, wenn eine Beilage selbsterklärend ist und genau die ver-

langten (bzw. in der Rechtsschrift bezeichneten) Informationen enthält. Sind diese 

Voraussetzungen nicht gegeben, kann ein Verweis nur genügen, wenn die Beila-

ge in der Rechtsschrift derart konkretisiert und erläutert wird (vgl. BGer Urteil 

4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2), dass die Informationen ohne Weite-

res zugänglich werden und nicht interpretiert und zusammengesucht werden 

müssen (vgl. BGer Urteil 4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5) (zum Ganzen: 

BGer Urteil 4A_443/2017 vom 30. April 2018, E. 2.2.2). Überdies sind die Be-

weismittel im Rahmen des doppelten Schriftenwechsels zu nennen. Danach gilt 

das Novenrecht (Art. 229 ZPO). Die Klägerin behält sich in ihren Beweismittelver-

zeichnissen jeweils die Nennung weiterer Beweismittel vor. Mit solchen Vorbehal-

ten können die Voraussetzungen des Novenrechts nicht umgangen werden, sie 

sind entsprechend unbeachtlich.  

Wird dem Gebot der Substantiierung ungenügend nachgekommen, ergeht ein 

Sachentscheid ohne Beweisabnahme. Über einen nicht substantiiert behaupteten 

Sachverhalt ist kein Beweis abzunehmen. Ein Beweisverfahren darf nicht dazu 

dienen, ungenügende Parteivorbringen, d.h. nicht oder nicht genügend substanti-

ierte Behauptungen, nachträglich zu vervollständigen, führte dies ansonsten doch 

zu einer Aushöhlung der Substantiierungslast und damit zu einer Verletzung des 

Verhandlungsgrundsatzes (vgl. auch BGE 108 II 337 E. 3 m.H.). So können bei-

spielsweise eine Parteibefragung oder eine Zeugeneinvernahme die Behauptun-

gen der Parteien nicht ersetzen. Soweit erst die Beweiserhebung, z.B. durch Par-

teibefragung oder Zeugeneinvernahme, überhaupt die zu beweisenden Behaup-

- 14 - 

tungen hervorbringen würde, sind folglich die Beweise dazu nicht abzunehmen 

(siehe Ziffern 4 und 5 unten). Zu den vom Beklagten offerierten sachverständigen 

Zeugen I._____ und J._____ (act. 68 Rz. 100, 102, 103 f., 106 f., 126, 153, 156, 

173) ist zudem zu ergänzen, dass deren Einvernahme höchstens zur Klarstellung 

der Untersuchungen in Frage käme. Da sie an den Bauarbeiten nicht beteiligt wa-

ren, ist nicht ersichtlich, inwiefern sie über die Feststellungen in ihren Gutachten 

hinaus etwas zur Klärung des Sachverhaltes beitragen können sollten. Weiter 

sind insbesondere vage, generelle und pauschale Behauptungen, die auf einen 

Ausforschungsbeweis abzielen, unbeachtlich (BRÖNNIMANN, in: HAUS-

HEER/WALTER, Berner Kommentar ZPO, Band II, 2012, Art. 152 N 33 f.).  

Zulässige Beweismittel sind gemäss Art. 168 Abs. 1 ZPO u.a. auch Gutachten 

(lit. d). Vor allem zu den seitens des Beklagten in der Duplik nach den meisten 

Randziffern offerierten Gutachten ('Expertise') (vgl. act. 68) sowie der seitens der 

Klägerin offerierten Gutachten (act. 1 Rz. II.12 und II.12c) ist festzuhalten, dass 

diese Offerten zumeist erfolgen, ohne dass konkret ausgeführt wird, was der 

Sachverständige beantworten soll. Die Einholung eines Gutachtens setzt jedoch 

voraus, dass der Beweisführer einzelne Tatsachen behauptet, dartut, dass die zu 

beweisende Tatsachen erheblich sind und ohne Beizug eines Sachverständigen 

nicht abgeklärt werden können und damit klar darlegt wird, welche Tatsachen mit 

dem Gutachten bewiesen werden sollen (BRÖNNIMANN, a.a.O., Art. 152 N 33; vgl. 

BGE 127 III 365 E. 2c). Es ist nicht Sache des Gerichts, dies herauszusuchen. 

Ebenso kann ein Gutachten die genügend konkrete und substantiierte Parteibe-

hauptung nicht ersetzen. Fehlen diese Angaben, ist kein Beweis abzunehmen. 

Beweis zu führen ist nach Art. 150 Abs. 1 ZPO über rechtserhebliche, streitige 

Tatsachen. Rechtserheblich sind dabei Tatsachen, deren Vorliegen oder Fehlen 

den Ausgang des konkreten Verfahrens beeinflussen können (GUYAN, in: SPÜH-

LER/TENCHIO/INFANGER, Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 

3. A., 2017, Art. 150 N 3). Keine Beweise sind demgegenüber über Behauptun-

gen abzunehmen, die für das Verfahren nicht relevant sind. Ebenso stehen 

Rechtsfragen nicht dem Beweis offen. Gleiches gilt für nicht strittige, schlüssige 

Tatsachenbehauptungen; diese gelten als wahr.  

- 15 - 

1.5.2. Bestreitungslast 

Als Gegenstück zur Behauptungslast trifft die beweisfreie Partei die Bestrei-
tungslast. Sie hat im Einzelnen darzutun, welche Tatsachen anerkannt und wel-
che bestritten werden. Im Falle von substantiierten Behauptungen genügen pau-

schale Bestreitungen nicht; auch diesbezüglich sind substantiierte Ausführungen 

zu verlangen. Die Anforderungen dürfen jedoch nicht so hoch angesetzt werden, 

dass daraus eine Umkehr der Beweislast resultiert (vgl. WALTER, in: HAUS-

HEER/WALTER [Hrsg.], Berner Kommentar, Einleitung und Personenrecht, Art. 1-9 

ZGB, 2012, Art. 8 N 191 ff.). 

2. Unbestrittener Sachverhalt im Überblick 

Die Parteien schlossen am 7. Juli 2010 einen Honorarvertrag, worin der Beklagte 

der Klägerin die Architektur-, Planungs- und Bauleitungsarbeiten am Objekt 

G._____, …strasse …, in D._____ für die Erweiterung des bestehenden Be-

triebsgebäudes, die Erstellung der Parkdeckanlage und die dazugehörige Umge-

bungsanlage sowie die Umbau- und Anpassungsarbeiten am bestehenden Be-

triebsgebäude übertrug (nachfolgend "Honorarvertrag") (act. 1 Rz. II.1; act. 21 
Rz. II.A.1.2; act. 68 Rz. 14; act. 22/1). Das Honorar bestimmt sich gemäss Hono-

rarvertrag nach Baukosten (act. 68 Rz. 16). Diese Baukosten wurden im Honorar-

vertrag auf CHF 4'650'000.– (inkl. MWST) geschätzt (act. 68 Rz. 17). Diese 

Schätzung erhöhte die Klägerin in ihrer E-Mail vom 23. November 2011 an den 

Beklagten aufgrund der Baukosten-Nachträge vom 3. Januar 2011 um 

CHF 822'000.– auf CHF 5'478'400.– (act. 68 Rz. 18; act. 22/7; act. 69/1; act. 60 

Rz. 12). Diese Erhöhung wurde mit Mehrkosten wegen der Anwohner Vereinba-

rung Süd (CHF 62'000.–), Anwohner Vereinbarung Nord (CHF 14'000.–), Objekt-

Brandschutz (CHF 136'000.–), Hochwasser-Schutz (CHF 24'000.–), Bodenver-

schiebung (CHF 128'000.–), Mieterwünsche (CHF 117'000.–), Parkdeckbeschich-

tung (CHF 95'000.–), Baunebenkosten (CHF 165'000.–) und Mehrwertsteuer 

(CHF 81'000.–) begründet (act. 68 Rz. 17; act. 22/7). In der Finanzprognose per 

30. Juni 2012 ging die Klägerin schliesslich von gesamten Baukosten von 

CHF 5'631'702.60 aus (act. 68 Rz. 144; act. 22/21). Bis Projektende kamen weite-

re Mehrkosten hinzu (act. 21 Rz. II.A.6.3.1; act. 68 Rz. 19 und 142; vgl. u.a. 

- 16 - 

act. 60 Rz. 12.4). Der Honorarvertrag definiert die prozentualen Anteile der ver-

einbarten Leistungen am Honorar wie folgt: Phase 3: Projektierung 32.5% (9% 

Vorprojekt, 21% Bauprojekt, 2.5% Baubewilligungsverfahren); Phase 4: Aus-

schreibung 18% (Ausschreibung, Offertvergleich und Vergabeantrag) und Phase 

5: Realisierung 49.5% (16% Ausführungsplanung, 29% Ausführung, 4.5% Inbe-

triebnahme, Abschluss) des gesamten Honorars (act. 68 Rz. 16, 60; act. 22/1 An-

hang 1, S. 3). 

Im April 2010 begann die Klägerin mit der Baueingabe und den Planungsarbeiten. 

Am tt. August 2010 wurde die Baubewilligung erteilt. Infolge eines Rekurses wur-

de das Projekt jedoch gestoppt und nach einiger Verzögerung im November 2011 

wieder aufgenommen (act. 1 Rz. II.2.; vgl. act. 21 Rz. II.A.2). Die Genossenschaft 

C._____ (nachfolgend "C._____") drängte zu diesem Zeitpunkt auf eine zügige 
Fertigstellung des Projekts, da im Mietvertrag mit ihr als Hauptmieterin der Miet-

antritt auf voraussichtlich 1. April 2011 festgelegt worden war (act. 1 Rz. II.4; 

act. 21 Rz. II.A.4; vgl. act. 60 Rz. 9). Im Frühjahr 2012 traten bei E._____ ge-

sundheitliche Probleme auf (act. 1 Rz. II.5; act. 68 Rz. 20), weshalb die Klägerin 

das Projekt nicht fertigstellte. Stattdessen beauftragte der Beklagte die H._____ 

ag basierend auf deren Honorarofferte vom 21. Mai 2012 (act. 3/8), die Arbeiten 

am Objekt G._____ zu Ende zu bringen (act. 1 Rz. II.5 f.; act. 21 Rz. II.A.5). Die 

Klägerin verfasste zur Abgrenzung der Leistungsanteile der Architekten das 

Schnittstellenpapier vom 14. Mai 2012 und übergab das Projekt bis Ende Juni 

2012 phasenweise an die H._____ ag (act. 1 Rz. II.5 f.; act. 3/7). Im Schnittstel-

lenpapier sah die Klägerin ein Gesamthonorar für die Architekturleistungen von 

neu total CHF 440'000.– und ein ihr – bei einem Anteil von 66.5% an den Archi-

tekturleistungen – daran zustehender Betrag von CHF 292'600.– vor, worauf sich 

die Parteien einigten (act. 68 Rz. 20 f.; act. 3/7). Gestützt auf diese neue Honorar-

regelung und die Aufteilung der Leistungsanteile im Schnittstellenpapier sowie un-

ter Einbezug der bereits seitens des Beklagten geleisteten Akontozahlungen in 

der Höhe von CHF 240'500.– (act. 68 Rz. 21; act. 3/9) stellte die Klägerin mit Da-

tum vom 17. September 2012 eine Schlussrechnung über die Grundleistungen, 

d.h. Architekturleistungen, Administration und Bauleitung gemäss Honorarvertrag, 

über CHF 56'268.– an den Beklagten (nachfolgend "Schlussrechnung") (act. 1 

- 17 - 

Rz. II.6 f.; act. 21 Rz. II.A.7; act. 68 Rz. 21; act. 3/9), welche auch nach der Mah-

nung per E-Mail am 6. November 2012 (act. 3/10) an den Beklagten unbezahlt 

blieb (act. 1 Rz. II.8 f.; act. 21 Rz. II.A.7). Unter Hinweis auf Ziffer 4.2 Honorarver-

trag (Zusätzliche Kostenelemente) stellte die Klägerin dem Beklagten mit revidier-

ter Honorarrechnung vom 16. September 2014 (ursprünglich 22. Mai 2013) über-

dies einen Betrag von CHF 54'432.– für Zusatzleistungen in Rechnung (nachfol-

gend "Honorarrechnung"; act. 1 Rz. II.11; act. 60 Rz. 21; act. 21 Rz. II.A.9.1 f.; 
act. 3/12). Diese Rechnung blieb ebenfalls unbezahlt. 

3. Rechtliche Einordnung des Honorarvertrags 

Die rechtliche Einordnung eines Architektenvertrags kann nicht allgemeingültig 

vorgenommen werden (BGer Urteile 4A_55/2012 vom 31. Juli 2012 E. 4.4; 

4A_252/2010 vom 25. November 2010 E. 4.1). Es ist vielmehr darauf abzustellen, 

welche Leistungen die Parteien im konkreten Vertrag vereinbart haben. Ist allein 

das Verfassen von Plänen geschuldet, untersteht dieser Vertrag den Bestimmun-

gen über den Werkvertrag (ZINDEL/PULVER/SCHOTT, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND 

[Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1-529, 6. A., Art. 363 N 17; 

BGE 130 III 362 E. 4.1; 127 III 543 E. 2a; 109 II 462 E. 3d; BGer Urteil 

4A_55/2012 vom 31. Juli 2012 E. 4.4; BGE 110 II 380 E. 2 und 114 II 53 E. 2b 

[beide a. Rechtsprechung]). Gehören dagegen ausschliesslich die Bauleitung 

bzw. -aufsicht und / oder die Vergabe von Arbeiten und / oder die Ausarbeitung 

eines Kostenvoranschlages zum Pflichtenheft des Architekten, untersteht der Ar-

chitektenvertrag dem Auftragsrecht (ZINDEL/PULVER/SCHOTT, a.a.O., Art. 363 

N 17; BGE 109 II 462 E. 3d; 127 III 543 E. 2a; 134 III 361 E. 6.2.2 m.H.= Pra 98 

(2009) Nr. 8; BGer Urteil 4A_55/2012 vom 31. Juli 2012 E. 4.4; BGE 110 II 380 

E. 2 und 114 II 53 E. 2b [beide a. Rechtsprechung]). Ein Architektenvertrag als 

Gesamtvertrag, bei welchem der Architekt sämtliche Architekturleistungen für die 

Durchführung eines Bauvorhabens, mindestens aber die Projektierung und die 

Bauausführung übernimmt, qualifiziert das Bundesgericht als gemischten Vertrag, 

welcher erlaubt, je nach konkreten Umständen eine sachgerechte Lösung nach 

Massgabe des Auftrags- oder Werkvertragsrechts zu finden. Insofern ist eine 

Spaltung der Rechtsfolgen denkbar. Bei solchen Gesamtverträgen können sich 

- 18 - 

auch die rechtlichen Qualifikationen einzelner Pflichten und damit die anzuwen-

denden Bestimmungen verglichen zu Architektenverträgen mit nur einzelnen 

Pflichten verschieben. Zu beachten ist dabei, dass einzelne Fragen der rechtli-

chen Einordnung noch immer nicht abschliessend höchstrichterlich geklärt sind 

(vgl. zum Ganzen: ZINDEL/PULVER/SCHOTT, a.a.O., Art. 363 N 18; BGE 127 III 543 

E. 2a; 109 II 462 E. 3d; BGer Urteile 4A_55/2012 vom 31. Juli 2012 E. 4.4 und 

4A_252/2010 vom 25. November 2010 E. 4.1, je m.H.).  

Vorliegend haben die Parteien mit dem Honorarvertrag, der als Leistungen der 

Klägerin Architektur-, Planungs- und Bauleitungsarbeiten vorsieht (siehe Ziffer 2), 

einen Gesamtvertrag abgeschlossen. Dieser qualifiziert als gemischtes Vertrags-

verhältnis, wovon im Übrigen auch der Beklagte ausgeht (act. 68 Rz. 55 ff.). An 

dieser Qualifikation und der damit möglichen Anwendung sowohl werkvertragli-

cher als auch auftragsrechtlicher Bestimmungen ändert auch nichts, dass die Par-

teien in Ziffer 2.2 Honorarvertrag (act. 22/1) vereinbart haben, dass – soweit keine 

abweichende Parteiabrede besteht – die Ordnung SIA 102, Ausgabe 2003, (nach-

folgend "SIA 102") erstrangig und nachfolgend die Bestimmungen über den 
Werkvertrag (Art. 363 bis 379 OR) auf das Vertragsverhältnis anwendbar sind 

(act. 21 Rz. II.A.1.2; act. 68 Rz. 15). Damit wird lediglich – was in Art. 1.1 und 1.2 

SIA 102 bereits vorgesehen ist – das Verhältnis des Honorarvertrags, der SIA 102 

sowie des Obligationenrechts geregelt. Denn während bei dispositiven gesetzli-

chen Bestimmungen die Vereinbarung der Anwendung einzelner Bestimmungen 

eines anderen Vertragstyps zwar möglich ist, ist eine von den Parteien selbst 

verwendete rechtliche Qualifikation eines Vertragstyps – sei es durch eine ent-

sprechende Bezeichnung oder durch einen (wie vorliegend) umfassenden Ver-

weis auf die gesetzlichen Bestimmungen des Vertragstyps – nicht verbindlich. Die 

Qualifikation ist Gegenstand der Rechtsanwendung und damit dem Parteiwillen 

entzogen (vgl. BGE 113 II 264 E. 2a). Entsprechend der vorstehenden Qualifikati-

on des Honorarvertrags als gemischtes Vertragsverhältnis können demnach vor-

liegend neben werkvertraglichen auch auftragsrechtliche Bestimmungen des Ob-

ligationenrechts – bei dispositiven Bestimmungen unter Berücksichtigung allfällig 

vorgehender Vereinbarungen im Honorarvertrag und der SIA 102 – zur Anwen-

dung kommen. Von einer möglichen Anwendung des Auftragsrechts gehen auch 

- 19 - 

die Parteien aus, welche sich in ihren Rechtsschriften auf den Honorarvertrag als 

Auftrag respektive Auftragsrecht berufen (vgl. act. 1 Rz. II.1.; act. 68 Rz. 55 ff., 

113). Auf welche der vorliegend zu beurteilenden Aspekte auftragsrechtliche bzw. 

werkvertragliche Bestimmungen Anwendung finden, wird – soweit notwendig – 

nachfolgend dargelegt.  

4. Rechnungen – Honoraransprüche 

4.1. Verhältnis zwischen Schluss- und Honorarrechnung 

4.1.1. Parteibehauptungen 

Der Beklagte erklärt, der mit der Honorarrechnung verlangte Betrag von 

CHF 54'432.– sei nicht geschuldet (act. 68 Rz. 188). Er stellt sich auf den Stand-

punkt, dass er nach Erhalt der Schlussrechnung nach Treu und Glauben habe 

davon ausgehen können, dass alle Leistungen der Klägerin damit abgegolten ge-

wesen seien. Dies auch deshalb, weil auf der Schlussrechnung am unteren Ende 

der Seite 2 in "1) per 30. April 2012" und in "2) per 31. August 2012" erwähnt 

werde, dass diese Phasen "erledigt" seien (act. 68 Rz. 162; act. 3/9). Die Schluss-

rechnung (act. 3/9) sei zudem ausdrücklich als Schlussrechnung bezeichnet ge-

wesen und habe keinen besonderen Hinweis enthalten, dass zusätzliche Kosten-

elemente gemäss Ziffer 4.2 Honorarvertrag separat in Rechnung gestellt würden. 

Die Anmerkung am Schluss der Rechnung sage nur, dass ausserordentliche 

Aufwendungen separat erfasst worden seien (act. 21 Rz. II.A.9.2.1).  

Die Klägerin führt aus, dass ihre Schlussrechnung allein Grundleistungen umfasst 

habe, darauf sei darin bereits deutlich hingewiesen worden (act. 1 Rz. II.11). Ins-

besondere sei am Ende der Schlussrechnung in einer Anmerkung ausdrücklich 

erwähnt worden, dass ausserordentliche Aufwendungen separat erfasst worden 

seien (act. 60 Rz. 22). Auch gehe aus dem Honorarvertrag hervor, dass zusätzli-

che Kostenelemente im Architekturhonorar nicht enthalten seien und gemäss Zif-

fer 4.2 Honorarvertrag separat in Rechnung gestellt würden, was mit der Honorar-

rechnung erfolgt sei (act. 60 Rz. 22).  

4.1.2. Rechtliches  

- 20 - 

Was der Beklagte mit seinen Behauptungen im rechtlichen Sinne geltend machen 

möchte, bleibt unklar. Anders als die SIA 118 in Art. 156 sieht die SIA 102 nämlich 

nicht vor, dass der Unternehmer durch die Vorlage einer Schlussrechnung mit ei-

ner Zusammenstellung sämtlicher gestellten Rechnungen sowie erhaltener und 

ausstehender Zahlungen des Bauherrn ohne schriftlichen Vorbehalt auf jeden 

weiteren Vergütungsanspruch verzichtet. In Frage käme deshalb vorliegend ein-

zig ein Forderungsverzicht gemäss Art. 115 OR. Art. 115 OR macht deutlich, dass 

es für einen Forderungsverzicht eine entsprechende Übereinkunft, d.h. eine Zu-

stimmung beider Parteien (Antrag und Annahme), bedarf, auch wenn er formlos 

und damit konkludent erfolgen kann (GABRIEL, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND [Hrsg.], 

Basler Kommentar Obligationenrecht I, 6. A., 2015, Art. 115 N 6 m.H.; BGE 127 III 

147 E. 2 d). In Abwesenheit eines tatsächlichen Konsenses sind zur Ermittlung 

des mutmasslichen Parteiwillens und damit zur Klärung der Frage des allfälligen 

Vorliegens eines Forderungsverzichts die Erklärungen der Parteien aufgrund des 

Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammen-

hang sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften und mussten 

(BGE 138 III 659 E. 4.2.1). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist nicht 

leichthin von einer Verzichtserklärung auszugehen (BGer Urteile 5C.56/2005 vom 

15. Juli 2005 E. 3.2 m.H.; 9C_472/2012 vom 31. Oktober 2012 E. 5.2; GABRIEL, 

a.a.O., Art. 115 N 6 m.H.). Der Wille zur Aufhebung einer Forderung im Sinne von 

Art. 115 OR ist nicht zu vermuten und muss klar zum Ausdruck gelangen (BGer 

Urteil 5C.56/2005 vom 15. Juli 2005 E. 3.2 m.H.). Das bedeutet, aus dem Antrag 

muss der klar zum Ausdruck gebrachte Wille auf endgültigen Verzicht auf die 

Forderung durch den Gläubiger hervorgehen (GABRIEL, a.a.O., Art. 115 N 6 m.H.). 

Die Beweislast für einen Forderungsverzicht trägt der Ansprecher, d.h. vorliegend 

der Beklagte, wobei bei einem stillschweigenden Antrag strenge Anforderungen 

an den Beweis gestellt werden (GABRIEL, a.a.O., Art. 115 N 6 und 12).  

4.1.3. Würdigung 

Gemäss beklagtischen Vorbringen wäre ein Verzicht allein vom Begriff der 

Schlussrechnung (act. 3/9), der darin enthaltenen Fussnoten und dem Fehlen ei-

nes Hinweises auf separate Inrechnungstellung zusätzlicher Kostenelemente ge-

- 21 - 

mäss Ziffer 4.2 Honorarvertrag abzuleiten. Die seitens des Beklagten angebotene 

Parteibefragung/Beweisaussage des Beklagten (act. 68 Rz. 162) kann unterblei-

ben, bleibt doch unklar, was damit bewiesen werden soll. Sein erinnerlich tatsäch-

liches Verständnis von der Schlussrechnung bei Erhalt ist jedenfalls irrelevant 

(siehe Ziffern 1.5.1 und 4.1.2).  

Die Schlussrechnung kann in guten Treuen nicht als Forderungsverzicht im Sinne 

von Art. 115 OR aufgefasst werden. Der Begriff Schlussrechnung genügt für sich 

allein zur Manifestation eines solchen Verzichtswillens nicht. Insbesondere enthält 

die Schlussrechnung auch keine für Schlussrechnungen oft typische Saldoklau-

sel, welche die Parteien endgültig auseinandersetzt und aus welcher sich ent-

sprechend ein Verzicht auf offene Forderungen jeweils klar ergibt. Zwar unbestrit-

ten geblieben ist der beklagtische Hinweis auf die Fussnoten. Allerdings zeigen 

diese gemäss dem Beklagten nur, dass die Phasen erledigt gewesen seien. Dar-

aus in guten Treuen einen Verzicht auf die Geltendmachung der Vergütung von 

Zusatzleistungen abzuleiten, ist nicht naheliegend. Hinzu kommt die erwähnte 

Anmerkung betreffend separater Erfassung ausserordentlicher Aufwendungen. 

Mit der Anmerkung erklärt die Klägerin zwar nicht ausdrücklich, dass noch eine 

separate Rechnungsstellung für Zusatzleistungen erfolgen werde, doch geht dies 

implizit daraus hervor, zumal nicht ersichtlich ist, welchen Sinn die Anmerkung 

und eine separate Erfassung von ausserordentlichen, d.h. zusätzlichen Leistun-

gen denn sonst hätte haben können. Davon, dass Zusatzleistungen möglich und 

bei Erbringung separat zu vergüten sind, musste die Klägerin aufgrund des von 

ihr unterzeichneten Honorarvertrags in der Tat Kenntnis haben. Entsprechend 

durfte und musste die Schlussrechnung entgegen den Ausführungen des Beklag-

ten in guten Treuen nicht als Antrag der Klägerin auf Verzicht auf die Vergütung 

von Zusatzleistungen verstanden werden.  

 

4.1.4. Fazit 

Da aus der Schlussrechnung kein Forderungsverzicht betreffend die mit der Ho-

norarrechnung geforderten Honorare für Zusatzleistungen abgeleitet werden 

- 22 - 

kann, ist nachfolgend zu prüfen, ob die mit den beiden Rechnungen geltend ge-

machten Forderungen entstanden und vom Beklagten – vorbehältlich einer Hono-

rarminderung – zu vergüten sind. 

4.2. Schlussrechnung – Grundleistungen (Ziffer 1 Klagebegehren) 

4.2.1. Keine Anerkennung der Schlussrechnung 

4.2.1.1. Parteibehauptungen 

Die Klägerin bringt vor, dass der Beklagte in seiner E-Mail vom 23. November 

2012 (act. 3/11) den Eingang der Mahnung betreffend die Schlussrechnung 

(act. 3/10) bestätigt sowie diese Schlussrechnung in vollem Umfang anerkannt 

habe (act. 1 Rz. II.9; act. 60 Rz. 19). Der Beklagte habe die Schlussrechnung in 

keiner Art und Weise bestritten, sondern lediglich geltend gemacht, dass die Klä-

gerin allenfalls an den ausufernden Kosten des Projekts mitschuldig sei und auf 

die Möglichkeit der Verrechnung aus Schadenersatz wegen dieser Kostenüber-

schreitung hingewiesen. Deshalb habe er vorgeschlagen, die Honorarsumme auf 

ein Sperrkonto zu überweisen, was sie, die Klägerin, mit Schreiben vom 

26. November 2012 abgelehnt habe (act. 1 Rz. II.9; act. 60 Rz. 19; act. 3/11).  

Der Beklagte bestreitet, dass die E-Mail vom 23. November 2012 eine Anerken-

nung der klägerischen Forderung darstelle. Im Gegenteil, es sei in der E-Mail vom 

23. November 2012 explizit darauf hingewiesen worden, dass auch die Klägerin 

eine Mitschuld an den explodierenden Kosten trage (act. 68 Rz. 159; act. 21 

Rz. II.A.7; act. 3/11 S. 2) und wegen ihr der Terminplan aus dem Ruder liefe 

(act. 21 Rz. II.A.7; act. 3/11). Er habe die Schlussrechnung absichtlich nicht be-

zahlt (act. 21 Rz. II.A.7). 

 

 

4.2.1.2. Rechtliches 

- 23 - 

Bei einer Schuldanerkennung gibt der Schuldner gegenüber dem Gläubiger die 

Erklärung ab, dass eine bestimmte Schuld des Schuldners gegenüber dem Gläu-

biger bestehe (KRAUSKOPF, Der Begriff, die Erscheinungsformen und die Bedeu-

tung der Schuldanerkennung im Obligationenrecht, in: recht 2005, S. 169 ff., 

S. 169 m.H.; GAUCH/SCHLUEP, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner 

Teil, Bd. I, 10. A., 2014, Rz. 1177; SCHWENZER, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND 

[Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1-529 OR, 6. A., 2015, Art. 17 

Rz. 2). Aus einem blossen Schweigen lässt sich folglich nicht auf die Anerken-

nung einer empfangenen Rechnung schliessen. Im Falle einer teilweisen Bestrei-

tung oder einer allgemein gehaltenen Erklärung stellt sich die Frage der (teilwei-

sen) Anerkennung. Darauf gibt es keine generelle Antwort (vgl. GAUCH, Der 

Werkvertrag, 5. A., 2011, Rz. 1267 f.). Die Erklärung, aus welcher der Ansprecher 

eine Anerkennung ableiten will, ist nach dem Vertrauensprinzip zur Ermittlung des 

mutmasslichen Parteiwillens, d.h. wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammen-

hang sowie den gesamten Umständen vom Empfänger in guten Treuen verstan-

den werden durfte und musste, auszulegen (vgl. BGE 138 III 659 E. 4.2.1). 

Äusserungen, die einen faktischen Vorgang beschreiben, qualifizieren i.d.R. nicht 

als Schuldanerkennung, da der Wille zur Begründung konkreter Leistungspflich-

ten fehlt (vgl. SCHWENZER, a.a.O., Art. 17 Rz. 4). Die Schuldanerkennung bedarf 

keiner besonderen Form (SCHWENZER, a.a.O., Art. 17 Rz. 3). Ihr Vorliegen hat der 

Gläubiger, vorliegend die Klägerin, zu beweisen (SCHWENZER, a.a.O., Art. 17 

Rz. 14). 

4.2.1.3. Würdigung und Fazit 

Vorliegend möchte die Klägerin die E-Mail des Beklagten vom 23. November 

2012 (act. 3/11, S. 2 unten) als Anerkennung des in der Schlussrechnung ver-

merkten Betrags von CHF 56'268.– verstanden haben. Mit ihrem Argument, der 

Beklagte habe die Rechnung nicht bestritten, verkennt sie jedoch, dass im aus-

serprozessualen Verhältnis anders als im gerichtlichen Verfahren eine fehlende 

Bestreitung nicht als Anerkennung gilt. Für die Anerkennung des Rechnungsbe-

trages als Schuld müsste vielmehr eine Erklärung des Beklagten vorliegen, dass 

die Schuld bestehe. Die Ausführungen in der erwähnten E-Mail können aber in 

- 24 - 

guten Treuen nicht als Schuldanerkennung verstanden werden. Der Beklagte be-

stätigt darin lediglich den Erhalt einer Rechnung, also einen faktischen Vorgang, 

wobei die Rechnung und ihr Betrag nicht einmal klar spezifiziert werden. Weiter 

kann das Angebot der Bezahlung des Rechnungsbetrags auf ein Sperrkonto in 

guten Treuen aufgrund des sonstigen Inhalts der E-Mail, in welcher der Beklagte 

auf terminliche Probleme und massive Kostenüberschreitungen hinwies und eine 

Mitverantwortung der Klägerin vermutete, eben gerade nur so verstanden werden, 

dass der Beklagte den Rechnungsbetrag nicht akzeptierte bzw. die Forderung 

zumindest zuerst prüfen wollte. Zusammengefasst erklärte der Beklagte nicht, 

dass er der Klägerin den genannten Betrag schulde. Es liegt daher keine Schuld-

anerkennung betreffend des Betrags der Schlussrechnung über CHF 56'268.– 

vor. 

4.2.2. Entstehung, Fälligkeit und Höhe des Honoraranspruchs 

4.2.2.1. Entstehung und Fälligkeit 

Gestützt auf Art. 8 ZGB ist grundsätzlich die Klägerin hinsichtlich der Vorausset-

zungen der Entstehung und Fälligkeit eines vertraglichen Vergütungsanspruchs 

behauptungs- und beweisbelastet. Bringt allerdings die Gegenpartei die entspre-

chenden Tatsachenbehauptungen vor, sind diese genauso zu berücksichtigen 

(siehe Ziffer 1.5.1). Als Voraussetzungen der Entstehung und Fälligkeit (welche 

nach auftragsrechtlichen und werkvertraglichen Bestimmungen jeweils unter-

schiedlich definiert sind, was vorliegend nicht von Bedeutung ist, wie sich nach-

folgend zeigen wird) gelten allgemein das Zustandekommen des Vertrags, die 

Vereinbarung einer Vergütung sowie die Erbringung der unter dem Vertrag ge-

schuldeten Leistung. Die Fälligkeit der Vergütung tritt gemäss Art. 1.4.4 SIA 102 

mit Eintreffen der Schlussabrechnung beim Auftraggeber ein.  

Die Parteien berufen sich übereinstimmend auf das Zustandekommen des Hono-

rarvertrags (act. 1 Rz. II.1; act. 21 Rz. II.A.1.2), die aufgrund der vorzeitigen Ver-

tragsauflösung im Schnittstellenpapier getroffene Honorarregelung (act. 1 Rz. II.6; 

act. 68 Rz. 21) und die dem Beklagten zugestellte Schlussrechnung (act. 1 

Rz. II.7 ff.; act. 3/9; act. 3/11 vgl. act. 21 Rz. II.A.7). Weiter hat der Beklagte auf-

- 25 - 

gezeigt, welche Leistungen gemäss ursprünglichem Honorarvertrag geschuldet 

gewesen wären und wie die eingeklagte Forderung aufgrund des Honorarvertrags 

und des Schnittstellenpapiers unter Einbezug der Akontozahlungen hergeleitet 

werden kann (act. 21 Rz. II.A.6.1 f.; act. 68 Rz. 16, 20 f.; siehe Ziffer 2). Zudem 

hat der Beklagte in der Duplik erklärt, dass die Klägerin die Projektierung, welche 

32.5% beträgt (siehe Ziffer 2), vollständig selber übernommen (act. 68 Rz. 62), 

14% von möglichen 18% der Arbeiten in der Ausschreibungsphase selber erledigt 

(act. 68 Rz. 63) und die Phase der Realisierung zu 20% erbracht habe (act. 68 

Rz. 64). Folglich ist seitens des Beklagten behauptet, dass die Klägerin 66.5% der 

Grundleistungen (addiert: 32.5%+14%+20%=66.5%) erbracht hat. Damit sind die 

genannten Voraussetzungen für die Entstehung und Fälligkeit des Honoraran-

spruchs gemäss Schlussrechnung soweit erstellt; ein Beweisverfahren entfällt.  

4.2.2.2. Höhe 

Die Klägerin fordert gestützt auf die Schlussrechnung CHF 56'268.– (act. 1 

Rz. II.7.; act. 1 Ziffer 1 Klagebegehren; act. 3/9). Der Beklagte führt in der Duplik 

zum eingeklagten Betrag des Honorars und zur Honorarberechnung gemäss 

Schnittstellenpapier aus, dass die Klägerin in der Schlussrechnung fälschlicher-

weise CHF 440'000.– als Betrag exkl. MWST behandle und zusätzlich, also dop-

pelt, 8% Mehrwertsteuer fordere. Aufgrund des von der Klägerin übernommenen 

Leistungsanteils schulde der Beklagte der Klägerin maximal CHF 292'600.– (inkl. 

MWST) (bestritten), wovon die bereits bezahlten CHF 240'500.– abzuziehen sei-

en, womit der Beklagte maximal noch CHF 52'100.– (inkl. MWST) schulde 

(act. 68 Rz. 21, 129; act. 3/7; act. 3/9). Diese Ausführungen sind korrekt: Im 

Schnittstellenpapier vom 14. Mai 2012 (act. 3/7) ist vermerkt, dass im für die Klä-

gerin bei Erbringung von 66.5% der Architekturleistungen (Grundleistung) vorge-

sehenen Betrag von CHF 292'600.–, abweichend von Art. 5.1.1 SIA 102 sowie 

Ziffer 4.1.4 Honorarvertrag (act. 22/1), die Mehrwertsteuer bereits enthalten ist 

(vgl. act. 3/7 S. 1). Die Klägerin hat demnach in der Schlussrechnung tatsächlich 

fälschlicherweise ein zweites Mal Mehrwertsteuer aufgerechnet (vgl. act. 3/9 

S. 3). Der mathematisch korrekte Betrag des noch offenen Honorars würde – vor-

- 26 - 

behältlich einer Honorarminderung – daher CHF 52'100.– (inkl. MWST) (= 

CHF 292'600.– minus CHF 240'500.–) betragen (vgl. act. 68 Rz. 129).  

4.2.3. Fazit 

Die Entstehung und Fälligkeit einer Forderung von CHF 52'100.– (inkl. MWST) für 

Grundleistungen (Schlussrechnung; Ziffer 1 Klagebegehren) ist grundsätzlich – 

vorbehältlich einer allfälligen späteren Honorarminderung wegen Nicht- und 

Schlechterfüllung – zu bejahen. Auf den Nachklagevorbehalt der Klägerin (act. 1 

Rz. II.10; act. 1 Klagebegehren Ziffer 1) ist nicht einzugehen, da im vorliegenden 

Verfahren nur der eingeklagte Betrag der Beurteilung unterliegt. 

4.3. Honorarrechnung – Zusatzleistungen (Ziffer 2 Klagebegehren) 

4.3.1. Relevante Parteibehauptungen 

4.3.1.1. Allgemein 

Die Klägerin macht geltend, die mit der Honorarrechnung in Rechnung gestellten 

Leistungen seien Zusatzleistungen nach Ziffer 4.2 Honorarvertrag (zusätzliche 

Kostenelemente) und mit CHF 54'432.– separat zu vergüten (act. 1 Rz. II.11; 

act. 3/12). Sollten die Leistungen bestritten werden, seien diese Aufwendungen 

und die Abgeltung durch ein Gutachten zu beurteilen (act. 1 Rz. II.12). Die Be-

rechnung des Honorars sei auf der Basis des nach Stunden abgeschätzten Min-

destaufwandes erfolgt; es sei auf ein beispielhaftes Honorarschema samt  

-berechnung verwiesen. Gemäss Honorarvertrag sei das Honorar eigentlich auf-

grund der Baukosten zu berechnen, dies sei aber nicht möglich gewesen, weil ihr 

seitens des Beklagten bis heute keine Bauabrechnung vorgelegt worden sei 

(act. 1 Rz. II.16; act. 3/53).  

Der Beklagte bringt vor, die eingeklagten CHF 54'432.– schulde er nicht. Trotz 

vertraglicher Pflicht in Ziffer 4.2.2 Honorarvertrag habe ihm die Klägerin die ent-

stehenden Kosten nicht baldmöglichst angezeigt (act. 68 Rz. 187). Während der 

ganzen Tätigkeit habe sie nie davon gesprochen, dass sie solche Zusatzleistun-

gen erbringe bzw. erbracht habe und ihm diese gemäss Ziffer 4.2 Honorarvertrag 

- 27 - 

zusätzlich in Rechnung stellen werde (act. 21 Rz. II.A.9.2.1). Aus diesem Grund 

sei die Rechnungsstellung per 22. Mai 2013 bzw. 16. September 2014, d.h. mehr 

als acht Monate bzw. zwei Jahre – was nicht baldmöglichst entspreche (act. 68 

Rz. 187) – nach der Schlussrechnung (act. 68 Rz. 162), klar verspätet (act. 21 

Rz. II.A.9.2.1). Überhaupt seien von der Klägerin keine zusätzlichen Leistungen 

erbracht worden. Sie sei zu deren Erbringung bereits aus dem Grundauftrag ver-

pflichtet gewesen oder es handle sich um Leistungen als Folge der Schlechterfül-

lung, die sie deshalb nicht in Rechnung stellen könne (act. 21 Rz. II.A.9.2). Des 

Weiteren weist der Beklagte darauf hin, dass die Positionen der Honorarrechnung 

ungenügend bzw. gar nicht substantiiert worden seien (act. 68 Rz. 129). Bei den 

auf total 480 Stunden bezifferten Zusatzaufwendungen handle es sich um eine 

diffuse, unsubstantiierte Schätzung, die er in keiner Art und Weise habe nachvoll-

ziehen können (act. 68 Rz. 187).  

4.3.1.2. Zu den einzelnen Rechnungspositionen 

4.3.1.2.1. Bauverfahren 

Die Klägerin bringt vor, dass sie unter dem Titel Bauverfahren 50 Stunden ab Pro-

jektbeginn in 2009, im Zusammenhang mit der Baubewilligung vom tt. August 

2010 und bis zur Projektübergabe geltend mache. Diese bezögen sich auf die Un-

terpositionen Wiedererwägung des Brandschutzes, Hochwasserschutz, Altlasten-

verdacht sowie Konzepterarbeitung Entrauchung. Zur Widererwägung des Brand-

schutzes führt die Klägerin aus, dass in der Baubewilligung der Brandschutz auf-

grund provisorischer und wenig detaillierter Angaben der C._____ projektiert wor-

den sei. Nach Erhalt detaillierter Angaben von der C._____ habe die Klägerin eine 

Herabsetzung des Brandschutzes erwirkt. Aufgrund durch den Projektunterbruch 

und das neue Ladenkonzept bedingte Änderungswünsche der C._____ sei zu-

dem eine erneute Revision und Nachführen der Projektierung der Brandschutz-

massnahmen notwendig gewesen (act. 1 Rz. II.12a; act. 3/13-18). Die Unterposi-

tion Hochwasserschutz begründet die Klägerin damit, dass, weil die für die Bear-

beitung der Baueingabe notwendigen Unterlagen seitens des AWEL nicht vorge-

legen hätten, diese sowie das Alarmsystem im Nachgang mit dem Ingenieurbüro 

K._____ überarbeitet und ergänzt worden seien (act. 1 Rz. 12a; act. 3/19-20). 

- 28 - 

Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Altlastenverdacht seien entstanden, 

weil die Baubehörde wegen Verdacht auf das Vorhandensein von kontaminiertem 

Material eine Dokumentation durch eine Fachperson verlangt habe, welche durch 

das Büro L._____ AG in Zusammenarbeit mit der Klägerin erstellt worden sei 

(act. 1 Rz. II.12a; act. 3/21). Schliesslich sei in der Baubewilligung eine Auflage 

enthalten gewesen, dass vor Baubeginn ein Konzept für eine Rauch- und Wär-

meabzugsanlage einzureichen sei. Dessen Erarbeitung sei durch die Klägerin in 

Zusammenarbeit mit der Firma M._____ RWA erfolgt, auch wenn zu diesem Zeit-

punkt die Aufteilung der Kosten zwischen dem Beklagten und der C._____ noch 

offen gewesen sei (act. 1 Rz. II. 12a; act. 3/22-24).  

Der Beklagte bestreitet die seitens der Klägerin geltend gemachten Ansprüche. 

Diese seien ungenügend substantiiert, ganz pauschal werde auf Leistungen ver-

wiesen, jedoch werde nicht dargelegt, wieso die Arbeiten angefallen sein sollen 

(act. 68 Rz. 163 ff.). Zudem habe die Klägerin seine in der Klageantwort in act. 21 

Rz. II.A.9.2.2 gemachten Ausführungen nicht bestritten (act. 68 Rz. 163) und da-

mit u.a. anerkannt, dass die Begleitung des Bauverfahrens, inkl. Auflagen und 

Planung der Brandschutzmassnahmen, zum Grundauftrag gehöre und dass diese 

Leistungen bis 30. August 2011 im Akontogesuch vom 12. September 2011 ent-

halten und abgegolten seien sowie sie eine Erklärung schuldig geblieben sei, 

weshalb nach diesem Zeitpunkt Grundleistungen als Zusatzleistungen zu gelten 

hätten. Weiter habe sie anerkannt, dass die geltend gemachten Leistungen die 

Voraussetzungen gemäss Ziffer 4.2.2 (gewünschte Änderungen) und 4.2.3 (prin-

zipielle Änderungen behördlicher Vorschriften) Honorarvertrag nicht erfüllen. Zu-

dem weist der Beklagte darauf hin, dass nicht unberücksichtigt bleiben dürfe, 

dass die Klägerin gemäss Ziffer 3.7 Honorarvertrag verpflichtet gewesen sei, die 

massgebenden Bestimmungen gemäss Gesetz, Verordnungen sowie der Baube-

willigung (datierend vom tt. August 2010 mit Bestimmungen betreffend Hochwas-

ser, Brandschutz, Fluchtwegkonzept, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sowie 

Altlasten) einzuhalten. Unterlagen wie Fluchtwegkonzept, Konzept der Rauch- 

und Wärmeabzugsanlagen, Belege bezüglich Altlasten seien sodann bereits vor 

Baubeginn einzureichen gewesen. Wieso die Klägerin ab 1. September 2011 bis 

zur Projektübergabe diesbezügliche Aufwände geltend mache, sei nicht nachvoll-

- 29 - 

ziehbar. Der Beklagte könne nicht verpflichtet werden, Korrekturen für Planungs-

fehler bzw. Versäumnisse der Klägerin zu bezahlen (act. 68 Rz. 164; act. 3/4; 

act. 22/1). 

4.3.1.2.2. Planung 

Die Klägerin begründet ihre Forderung damit, dass wegen der Projektblockierung 

aufgrund eines Rekurses eine zweite Submissionsrunde notwendig gewesen sei 

(act. 1 Rz. II.12b; act. 3/25-27). Weiter habe sie Flächen-, Nutzungs-, Fluchtweg-

konzepte, Verkehrsregime, Einhausung, Andockstellen erstellt, die nicht als 

Grundleistung im Honorarvertrag enthalten seien (act. 1 Rz. II.12b; act. 3/28-30). 

Zudem hätten infolge diverser Projektänderungen – welche zum Teil auf den Be-

klagten, zum Teil auf die C._____ zurückzuführen seien – die Ausführungs- und 

Terminpläne laufend und mehrere Male angepasst werden müssen (act. 1 

Rz. II.12b; act. 60 Rz. 23; act. 3/31-38). Ferner hätten die Vorbedingungen der 

Baubehörde zum Baugesuch und die Auflagen aus der Baubewilligung umgesetzt 

werden müssen, wozu der Beklagte die Klägerin stillschweigend beauftragt habe. 

Weitere Aufwendungen von mindestens 80 Stunden seien mit der Sanierung des 

Warenlifts, der Planung der Lüftung des Parkdecks, der Abklärung bezüglich An-

bindung an den öffentlichen Verkehr, der Nachbearbeitung des Lärmschutzes und 

dem Nachweis unterirdischer Bauweise entstanden (act. 1 Rz. II.12b; act. 3/54). 

Der Beklagte bestreitet die Ansprüche der Klägerin; sie seien keine zusätzlichen 

Kostenelemente, sondern bereits im Grundhonorar enthalten (act. 21 

Rz. II.A.9.2.3; act. 68 Rz. 166, 170 f., 174). Die Forderung sei zudem unsubstanti-

iert (act. 68 Rz. 167, 172). Es würden mindestens 190 Stunden, pauschal, ohne 

Nachweis effektiv angefallener Arbeitsstunden verrechnet, obwohl gerade das Er-

stellen von Planunterlagen und das Revidieren von Plänen das Vertragsverhältnis 

der Parteien beschreibe (act. 68 Rz. 167; act. 21 Rz. II.A.9.2.3). Ebenso bereits 

im Grundauftrag enthalten bzw. nicht separat zu vergüten seien Aufwendungen 

bei der Submission (act. 68 Rz. 171), Konzepte sowie Arbeiten im Zusammen-

hang mit der Erfüllung von Auflagen der sich auf die langjährigen gesetzlichen 

Vorgaben stützenden Baubewilligung (act. 21 Rz. II.A.9.2.3; act. 68 Rz. 167 ff. 

[u.a. betreffend Verkehr, Einhausungen, Andockstellen, Fluchtwegkonzept, Lüf-

- 30 - 

tung, Lärmschutz]). Wenn die Konzepte und Pläne bis zur Baubewilligung nicht 

erstellt worden seien, so sei dies ein nicht vom Beklagten zu vergütender Pla-

nungsfehler (act. 68 Rz. 168). Überhaupt sei der überwiegende Anteil der geltend 

gemachten Arbeiten klare Folge der schlechten Planung der Klägerin, was das 

Gerichtsgutachten I._____ inklusive Ergänzungsbericht betreffend das Parkdeck 

verschiedentlich festhalte (act. 21 Rz. II.A.9.2.3; act. 68 Rz. 173). Weiter habe der 

Beklagte zur Sanierung des Warenlifts keinen Auftrag erteilt (act. 21 

Rz. II.A.9.2.3) und die Leistungen betreffend Planung der Lüftung des Parkdecks, 

Abklärungen zur Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Nachbearbeitung des 

Lärmschutzes oder die behaupteten Nachweise der unterirdischen Bauweise sei-

en von der Klägerin in keiner Weise erbracht worden (act. 21 Rz. II.A.9.2.3). In 

Bezug auf eine erhebliche Verzögerung der Auftragserledigung / Projektverschie-

bung weist der Beklagte zudem darauf hin, dass der Architekt nur bei Verschul-

den des Auftraggebers einen Schadenersatzanspruch habe. Wenn Dritte gegen 

ein Bauprojekt Rechtsmittel ergreifen würden, könnten die entsprechenden Mehr-

aufwendungen nicht dem Beklagten berechnet werden. Im Übrigen lege die Klä-

gerin ohnehin nicht dar, welche Kosten auf eine Verschiebung zurückgehen sollen 

und warum (act. 68 Rz. 171). 

4.3.1.2.3. Baufinanzierung 

In der Klageschrift behauptet die Klägerin, der Beklagte habe bei ihr Unterlagen 

(Tabellen über Kapitalisierungssätze, Mieterspiegel, Mietzinsgestaltung, Berech-

nungsschema von Mietzins für Gewerberäume und Raummieten), welche nicht 

Bestandteil des Honorarvertrags gewesen seien, zur Unterstützung seiner Finan-

zierungsanträge an die finanzierende Bank bestellt. Diese Leistungen seien im 

Bestreitungsfalle gutachterlich zu beurteilen (act. 1 Rz. II.12c; act. 3/39-40). In der 

Replik führt die Klägerin davon abweichend aus, dass sie gemäss Ziffer 3.6 Hono-

rarvertrag dringliche Arbeiten in Eigenregie auslösen habe können, unter gleich-

zeitiger schriftlicher Orientierung des Beklagten. Da das Projekt von allen Parteien 

mit Zeitdruck habe vorangetrieben werden wollen, sei es im Interesse des Beklag-

ten gestanden, dass sie die finanzierende Bank möglichst schnell und ausführlich 

über Finanzierungsfragen dokumentiert habe. Dem Beklagten sei eine Kopie des 

- 31 - 

an die Bank gerichteten Schreibens und der Unterlagen zugestellt worden. Da er 

keine Einwendungen erhoben habe, sei von einer Genehmigung der Intervention 

auszugehen (act. 60 Rz. 24). 

Der Beklagte bestreitet in der Klageantwort, die Unterlagen bestellt zu haben. Die 

Klägerin habe ihn lediglich während einer Bausitzung mit einer handschriftlichen 

Berechnung unterstützt. Das Schreiben der Klägerin an die N._____ vom 14. Juni 

2011 (act. 3/40) zeige, dass sie von selbst und aus eigenem Interesse die Finan-

zierungsbemühungen unterstützt habe. Sie weise darin selbst explizit darauf hin, 

dass sie nicht willens sei, die Arbeiten zugunsten des Bauvorhabens fortzusetzen, 

solange keine Zusage zur vollständigen Baufinanzierung vorliege. Für diese 

selbstbestimmte Intervention könne sie keinen Zusatzaufwand in Rechnung stel-

len (act. 21 Rz. II.A.9.2.4). In seiner Duplik ergänzt er, dass die klägerischen Be-

hauptungen in Bezug auf behauptete Aufwendungen von "mind. 10 Std." pau-

schal und nicht substantiiert seien. Er bestreite diese Position, er habe der Kläge-

rin keinen Auftrag für Verhandlungen mit der finanzierenden Bank erteilt. Die klä-

gerische Behauptung stützte sich auf keinerlei Akten und sei so auch nicht in der 

Definition des Auftrags im Honorarvertrag vermerkt. Nach Art. 4.31 SIA 102 ge-

hörten Finanzierungsverhandlungen zu den besonders zu vereinbarenden Leis-

tungen. Eine solche besondere Vereinbarung liege nicht vor (act. 68 Rz. 175; 

act. 69/1A; act. 22/1). 

4.3.1.2.4. Mieterschaft C._____ 

Die Klägerin begründet ihre Forderung damit, dass die Baubehörde vom Beklag-

ten sowie von der C._____ als Hauptmieterin des Gebäudes verlangt habe, dass 

die Klägerin im Baueingabeverfahren gleichzeitig mit dem Baugesuch des Beklag-

ten auch das Nutzungsgesuch für die C._____ einbeziehe, um das Verfahren zu 

koordinieren und das Projekt zu beschleunigen (act. 1 Rz. II.12d; act. 3/41-44). 

Eine Zusammenarbeit zwischen der Klägerin, der C._____ und dem Beklagten sei 

im Sinne einer effizienten Raumplanung und im Hinblick auf die notwendigen Mie-

terausbauten unabdingbar und für eine effiziente Behandlung des Baugesuchs 

notwendig gewesen. Die Korrespondenz weise klar daraufhin, dass die C._____ 

jeweils sehr zeitnah über den Baufortschritt und die Planungsschritte informiert 

- 32 - 

worden sei (act. 60 Rz. 25; act. 3/42-44). Es sei versucht worden, die Kostenver-

teilung zwischen dem Beklagten und der C._____ in einem Schnittstellenpapier 

für den Neubau zu regeln. Ob darüber eine Einigung erzielt worden sei, entziehe 

sich ihrer Kenntnis (act. 1 Rz. II.12d). Dieses sei zu edieren (act. 60 Rz. 25).  

Der Beklagte erklärt, für Leistungen zugunsten der C._____ nie einen Auftrag an 

die Klägerin erteilt zu haben. Die Klägerin habe auch nie diesbezügliche Kosten 

angemeldet. Es sei den Parteien immer klar gewesen, dass die Klägerin für sol-

che Leistungen von der C._____ beauftragt und bezahlt werden müsse. Soweit 

die Klägerin im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens aufgrund der Nutzungs-

bewilligung oder aus anderen Gründen Leistungen hätte erbringen müssen, was 

bestritten werde, wären diese keine zusätzlichen Kostenelemente und könnten 

nicht separat in Rechnung gestellt werden (act. 21 Rz. II.A.9.2.5). Es sei völlig un-

klar, weshalb der Beklagte der Klägerin zusätzliche Arbeiten im Umfang von min-

destens 200 Stunden vergüten solle. Dies auch weil die Klägerin zuerst der 

C._____ und anschliessend dem Beklagten bereits 328.25 Stunden für Aufwände 

im Zusammenhang mit der C._____ berechnet habe. Zudem habe die Klägerin 

mit der C._____ am 8. März 2017 einen Vergleich, insbesondere für Leistungen 

im Jahre 2009, abgeschlossen. Mit der vorliegenden Klage wolle die Klägerin 

doppelt kassieren. Darüber hinaus seien die klägerischen Ausführungen zu pau-

schal und ungenügend substantiiert. Insbesondere für die Jahre 2010 bis 2012 

fehle es vollständig an der Substantiierung, die Unterlagen act. 3/42-44 seien wi-

dersprüchlich und untauglich; gemäss act. 3/43 seien die Leistungen 2009 über-

wiegend an die C._____ erfolgt (act. 68 Rz. 177 ff.). 

4.3.1.2.5. Mieterschaft O._____ 

Die Klägerin begründet diese mindestens 10 Stunden mit Arbeit ab 

12. September 2011 betreffend Projektentwicklung mit O._____. Sie habe von 

März 2010 bis September 2011 mit Willen des Beklagten O._____ als Mieterin für 

den Beklagten akquiriert (act. 1 Rz. II.12e; act. 3/45). Die Idee, O._____ anzuge-

hen, sei von ihr, der Klägerin, aus gekommen. Es sei ein Mietvertrag mit O._____ 

zustande gekommen, auch wenn O._____ diesen später aufgelöst habe. Bei die-

sen Dienstleistungen handle es sich offensichtlich nicht um Honorare, welche 

- 33 - 

durch den Grundauftrag abgegolten seien (act. 60 Rz. 26.1). Der Beklagte be-

streitet die Forderung der Klägerin; sie sei ungenügend substantiiert und er habe 

ihr nie einen Auftrag zur Akquisition neuer Mieter erteilt (act. 68 Rz. 183; act. 21 

Rz. II.A.9.2.6). Es gebe weder im Honorarvertrag noch in der SIA Ordnung eine 

Bestimmung, welche der Klägerin den Auftrag gegeben hätte, im Namen des Be-

klagten Verhandlungen mit potenziellen Mietern zu führen. Dies hätte explizit ver-

einbart werden müssen. Auch wenn die Klägerin Korrespondenz mit O._____ ge-

führt habe, belege dies bei Weitem nicht, dass die Klägerin vom Beklagten dazu 

mandatiert worden sei. Zudem sei bestritten, auch wenn das Datenblatt der Klä-

gerin betreffend O._____ gewisse Zeitaufwände festhalte (act. 61/7), dass diese 

durch den Beklagten zu bezahlen seien (act. 68 Rz. 183). Die Klägerin habe in-

formationshalber höchstens an ein oder zwei Sitzungen mit O._____ teilgenom-

men und den Beklagten lediglich im Rahmen des Grundauftrags gemäss Hono-

rarvertrag unterstützt (act. 21 Rz. II.A.9.2.6).  

4.3.1.2.6. Musikgesellschaft P._____ 

Die Klägerin bringt vor, dass mindestens 20 Stunden zusätzlicher Aufwand durch 

Überprüfung der Nutzung der von der Musikgesellschaft P._____ gemieteten 

Räume und deren Anpassung (z.B. Einbau eines Oberlichts) entstanden seien 

(act. 1 Rz. II.12f). Die diversen Umplanungen der bereits benützten Räumlichkei-

ten im Zuge des Erweiterungsbaus habe Absprachen zwischen ihr und der 

P._____ notwendig gemacht, was aus den eingereichten Unterlagen hervorgehe 

(act. 60 Rz. 26.2; act. 3/32 Nr. 59). Der Beklagte führt aus, die Forderung sei be-

stritten, ungenügend substantiiert und es liege kein Vertrag oder Auftrag vor, der 

die Klägerin ermächtigte, diesbezüglich Zeit auf Kosten der Beklagten aufzuwen-

den (act. 68 Rz. 185 f.; act. 21 Rz. II.A.9.2.6). Solche behaupteten Abklärungen 

hätte die Klägerin wenn dann ohne Absprache mit ihm vorgenommen (act. 21 
Rz. II.A.9.2.6).  

4.3.2. Rechtliches: Qualifikation und Voraussetzungen der Vergütung  

Gestützt auf Ziffer 4.2 Honorarvertrag sind Zusatzleistungen, d.h. Nebenkosten 

und Drittleistungen nach Art. 5.3 SIA 102, welche nicht als Grundleistungen im 

- 34 - 

Honorar gemäss Ziffer 4.1 Honorarvertrag enthalten sind, nach ausgewiesenem 

Aufwand separat zu vergüten. Die Vergütung richtet sich entgegen den Behaup-

tungen der Klägerin nicht nach Baukosten (vgl. act. 1 Rz. II.16), sondern nach 

dem effektiven Zeitaufwand (Art. 7.1.6 und 7.13.1 SIA 102). Zu den separat zu 

vergütenden Zusatzleistungen zählen gemäss Ziffer 4.2.2 Honorarvertrag Mehr-

arbeiten und Mehraufwendungen, welche durch nachträglich von der Bauherr-

schaft gewünschte Änderungen entstehen. Die durch diese Mehrarbeiten und 

Mehraufwendungen entstehenden Kosten sind der Bauherrschaft baldmöglichst 

anzuzeigen. Das Fehlen eines jeweiligen bauseitigen, schriftlichen Auftrags ent-

bindet die Bauherrschaft nicht zur Zahlung der nachgewiesenen Leistung des Ar-

chitekten. Eine vorgängige Vereinbarung ist damit bei solchen Mehrarbeiten und 

Mehraufwendungen wegen vom Auftraggeber nachträglich gewünschten Ände-

rungen für eine Vergütung nicht vorausgesetzt. Andere, nicht unter Ziffer 4.2.2 

Honorarvertrag subsumierbare Mehrkosten können hingegen nur unter den Vo-

raussetzungen von Art. 3.3.4 SIA 102 geltend gemacht werden. Art. 3.3.4 SIA 102 

sieht vor, dass besonders zu vereinbarende Leistungen zu Grundleistungen hin-

zutreten können, wenn die Art der Aufgabe dies erfordert oder wenn sie der Auf-

traggeber wünscht. Der in Art. 4 SIA 102 aufgeführte, in Projektphasen geglieder-

te Katalog von Grundleistungen und besonders zu vereinbarenden Leistungen ist 

nicht abschliessend. Die Ausführung dieser besonders zu vereinbarenden Leis-

tungen ist vorgängig gemeinsam festzulegen, d.h. anders als unter Ziffer 4.2.2 

Honorarvertrag ist zwingend eine vorgängige Vereinbarung der Zusatzleistung er-

forderlich (Art. 3.3.4 SIA 102; GAUCH, §1 Vom Architekturvertrag, seiner Qualifika-

tion und der SIA 102, Rz. 51, in: GAUCH/TERCIER [Hrsg.], Das Architektenrecht, 

3. A., 1995; EGLI/STÖCKLI, §7 Planerhonorar, Rz. 7.100 und 7.153, in: STÖCK-

LI/SIEGENTHALER [Hrsg.], Die Planerverträge, Verträge mit Architekten und Ingeni-

euren, 2013).  

Die Klägerin als Ansprechende (vgl. Art. 8 ZGB) trägt daher die Beweis- und da-

mit auch die Behauptungslast dafür, welche Leistungen sie erbracht hat, dass und 

wieso diese nicht zu den Grundleistungen gehören, sondern zusätzlich zu vergü-

tende Zusatzleistungen sind, und dass und in welchem Umfang (effektiver Zeit-

aufwand; Stundenanzahl) sie diese ausgeführt hat (Quantitativ). Infolge der Be-

- 35 - 

streitung des Anspruchs durch den Beklagten hat sie die von ihr erbrachten Arbei-

ten so detailliert darzulegen, dass deren gezieltes Bestreiten durch den Beklagten 

sowie eine entsprechende Beweisabnahme möglich ist. Dazu hat die Klägerin ge-

nau anzugeben, welche ihrer Mitarbeiter welche Arbeiten wann und wie lange 

ausgeführt hat. Weiter hat sie die jeweiligen Arbeitsergebnisse eindeutig zu be-

zeichnen und soweit möglich zu ihren Behauptungen taugliche Beweismittel in der 

gesetzlich vorgeschriebenen Form anzubieten. Damit eine Vergütung für eine er-

brachte Zusatzleistung geschuldet ist, hat die Klägerin zudem zu beweisen, dass 

die Voraussetzungen gemäss (i) Ziffer 4.2.2 Honorarvertrag (von der Bauherr-

schaft nachträglich gewünschte Änderung) oder (ii) Art. 3.3.4 SIA 102 (Vereinba-

rung) erfüllt sind. Sofern die Klägerin ihrer Behauptungs-, Substantiierungs- und 

Beweislast nachgekommen ist, ist die klägerische Forderung von CHF 54'432.– – 

vorbehältlich einer Honorarminderung – gutzuheissen. Dies ist nachfolgend zu 

prüfen.  

4.3.3. Würdigung und Fazit  

Wie vorstehende Ausführungen in Ziffer 4.3.1 zeigen, beschränkt sich die Kläge-

rin darauf, pauschal einzelne Leistungskategorien zu nennen, ohne bei irgendei-

ner Rechnungsposition konkret zu behaupten, wann und wie lange sie bzw. ihre 

Mitarbeiter welche Leistungen erbrachten (siehe Ziffer 4.3.1.2). Weiter unterlässt 

sie es, überhaupt alle Rechnungspositionen vollständig zu behaupten, so wurden 

u.a. die Unterpositionen der Planung PP-Nachweis, Betonaktivierung und Son-

nenkollektoren gar nicht erwähnt (siehe Ziffer 4.3.1.2.2). Fehlende Behauptungen 

betreffend Leistungserbringung lassen sich durch Beweisofferten – wie beispiels-

weise bei der Position Mieterschaft O._____ bezüglich E-Mails, Schreiben und 

Datenblätter (act. 3/45; act. 61/7) oder bei der Position Mieterschaft C._____ be-

züglich notabene unvollständige und nicht unterzeichnete Stundenrapporte und 

einer Chronologie (act. 3/43-44) – und Editionsbegehren – wie u.a. bei der Positi-

on Musikgesellschaft P._____ (act. 1 Rz. II.12f.) – nicht ersetzen, ist über einen 

nicht substantiiert behaupteten Sachverhalt doch gar kein Beweis abzunehmen 

(siehe Ziffer 1.5.1). Für das Quantitativ wird in den Rechtsschriften der Klägerin – 

ausser bei den Oberpositionen Bauverfahren, Mieterschaft O._____, Musikgesell-

- 36 - 

schaft P._____ sowie einzelnen Unterpositionen der Planung (siehe Ziffern 

4.3.1.2.1, 4.3.1.2.5, 4.3.1.2.6, 4.3.1.2.2) – nicht einmal die Anzahl geleisteter 

Stunden je Position / Unterposition behauptet. Auch in der Honorarrechnung 

(act. 3/12) selbst fehlt es weitgehend an der Aufschlüsslung der geltend gemach-

ten Stunden nach Unterpositionen. Überdies sind die Stundenzahlen – was be-

reits das Wort "mind." vor jeder Stundenzahl für jede Rechnungsposition zeigt und 

die Klägerin selbst zugibt – grobe Schätzungen (act. 1 Rz. II.16; act. 68 Rz. 187). 

Dies genügt den Substantiierungsanforderungen offensichtlich nicht. Allein wegen 

des Fehlens substantiierter Behauptungen in Bezug auf die Erbringung der in 

Rechnung gestellten Leistungen sowie das Quantitativ ist die Klage betreffend Zif-

fer 2 Klagebegehren abzuweisen. 

Hinzu kommt, dass auch die übrigen Voraussetzungen für die Geltendmachung 

des Honorars für Zusatzleistungen nicht erfüllt wären respektive keine rechtsge-

nügenden Behauptungen vorliegen: So legt die Klägerin nicht dar, wieso die be-

haupteten Leistungen als Zusatzleistungen qualifizieren sollen. In Bezug auf das 

Bauverfahren anerkennt sie gar durch fehlendes Bestreiten, dass die darunter 

geltend gemachten Leistungen vom Grundauftrag erfasst sind. Bei der Rech-

nungsposition Musikgesellschaft P._____ stellte die Klägerin dazu überhaupt kei-

ne passenden Behauptungen auf. Eine Vereinbarung oder Bestellung des Beklag-

ten wird in Bezug auf die Positionen Baufinanzierung, die Mieterschaft O._____ 

und die Mieterschaft C._____ sowie die Umsetzung der Vorbedingungen zum 

Baugesuch und die Auflagen aus der Baubewilligung bei der Position Planung 

behauptet. Betreffend die Position Baufinanzierung fehlt es jedoch bereits an ei-

nem schlüssigen Tatsachenvortrag, äussert sich die Klägerin doch widersprüch-

lich, indem sie zwar zuerst die erwähnte Bestellung des Beklagten geltend macht, 

um danach vorzubringen, diese aufgrund Dringlichkeit gestützt auf Ziffer 3.6 Ho-

norarvertrag in Eigenregie ausgelöst zu haben. Auf einen derart widersprüchli-

chen Vortrag kann nicht abgestellt werden. Hinzu kommt, dass sich aus Ziffer 3.6 

Honorarvertrag kein Vergütungsanspruch für eine Zusatzleistung des Architekten 

ableiten lässt, diese bezieht sich auf die Arbeitsvergabe durch den Architekten an 

Dritte. In Bezug auf die Position Mieterschaft O._____ bringt die Klägerin zwar 

vor, dass der Beklagte ihr Tätigwerden gewollt habe, was vom Beklagten bestrit-

- 37 - 

ten wird. Betreffend die Umsetzung der Vorbedingungen zum Baugesuch und die 

Auflagen aus der Baubewilligung bei der Position Planung behauptet die Klägerin, 

der Beklagte habe sie stillschweigend dazu beauftragt; der Beklagte qualifiziert 

die Leistungen als Grundleistungen. Bei beiden Positionen fehlt es bereits an der 

vorerwähnten Substantiierung der Leistungserbringung und des Quantitativs, 

weshalb dieser Aspekt nicht näher zu prüfen ist. Beim Nutzungsgesuch als Teil 

der Rechnungsposition Mieterschaft C._____ tut die Klägerin sodann ebenfalls 

nicht dar, dass der Beklagte mit ihr die Ausführung dieser Arbeiten vereinbart ha-

be. Aufgrund der klägerischen Ausführungen betreffend die Information der 

C._____ über den Baufortschritt und die Planungsschritte sowie den Zusammen-

hang mit den Mieterausbauten scheint es viel naheliegender, dass eigentlich die 

C._____ die Bestellerin dieser Leistungen war und damit passivlegitimiert gewe-

sen wäre. Im Übrigen ist anzumerken, dass in Ziffer 10.1 des Honorarvertrags – 

worauf sich allerdings keine der Parteien beruft – explizit vorgesehen ist, dass 

Leistungen zugunsten des Mieters nicht Gegenstand des Vertrages sind. Nach-

trägliche Änderungswünsche werden im Zusammenhang mit der zum Bauverfah-

ren gehörenden Unterposition Brandschutz und der zu der Planung gehörenden 

Pläne behauptet. Gemäss klägerischer Rechtsschrift stammen die Änderungs-

wünsche betreffend Brandschutz aber von der C._____ und nicht vom Beklagten. 

In Bezug auf die Pläne schreibt die Klägerin die Änderungswünsche zum Teil dem 

Beklagten und zum Teil der C._____ zu, ohne zu spezifizieren zu welchen Teilen. 

Aufgrund dessen fehlt es bei diesen Positionen (nebst der Substantiierung und 

beim Bauverfahren der Anerkennung als Grundleistung) – zumindest teilweise, 

wobei der jeweilige Teil aufgrund der Vorbringen nicht bestimmt werden kann – 

bereits an der Passivlegitimation des Beklagten.  

Zusammengefasst ist die Klägerin ihrer Behauptungs- und Substantiierungslast 

insbesondere in Bezug auf die Erbringung und den Umfang der behaupteten Leis-

tungen, aber auch betreffend die Abgrenzung von Grund- und Zusatzleistungen 

und die Voraussetzungen für die Vergütung einer Zusatzleistung nicht nachge-

kommen. Sie legt die von ihr behaupteten Arbeiten nicht so detailliert dar, dass 

ein gezieltes Bestreiten durch den Beklagten sowie eine Beweisabnahme möglich 

sind. Über einen nicht substantiiert behaupteten Sachverhalt sind keine Beweise 

- 38 - 

abzunehmen. Entsprechend ist auf die Befragung der angebotenen Zeugen sowie 

die Parteibefragung (vgl. act. 1 Rz. II.12; act. 60 Rz. 26.2) und die beantragte Edi-

tion von Unterlagen (vgl. act. 1 Rz. II. 12b, f; act. 60 Rz. 25.2) zu verzichten, diese 

können die mangelnde Aufstellung rechtsgenügender Behauptungen nicht erset-

zen (siehe Ziffer 1.5.1). Ebenso ist aus dem gleichen Grunde von der Erstellung 

der im Zusammenhang mit der Baufinanzierung sowie des für alle Aufwendungen 

und die Abgeltung beantragten Gutachten abzusehen (act. 1 Rz. II.12 und II.12c; 

siehe Ziffer 1.5.1). Schliesslich kommt hinzu, dass die Klägerin auch dem Prinzip 

der Beweisverbindung nicht genügend Rechnung trägt. Dies ist wohl Folge davon, 

dass sie es eben unterlassen hat, für jede individuelle Leistung aufzuzeigen, wer 

sie wann mit welchem Ergebnis erbracht hat. Entsprechend offeriert sie nach all-

gemein gehaltenen Behauptungen Beweismittel, bei denen meist unklar ist, was 

damit bewiesen werden soll. Folglich ist die Klage in Bezug auf Ziffer 2 Klagebe-

gehren über CHF 54'432.– (Honorarrechnung) abzuweisen.  

4.4. Gesamtfazit 

Da vorliegend einzig die Entstehung und Fälligkeit des Honoraranspruch für die 

Grundleistungen (Schlussrechnung) in der Höhe von CHF 52'100.– (inkl. MWST) 

soweit erstellt ist, könnte – sollte die nachfolgend zu prüfende Honorarminderung 

verneint werden – der Beklagte maximal zur Bezahlung dieses Betrags verpflich-

tet werden.  

5. Honorarminderung 

5.1. Parteibehauptungen im Überblick 

Der Beklagte bestreitet, dass die Klägerin den Honorarvertrag ordnungsgemäss 

ausgeführt hat (act. 68 Rz. 133). Vielmehr habe sie Vertragsverletzungen began-

gen, welche in der Verletzung bzw. der Nicht- oder Schlechterfüllung ihr obliegen-

der Pflichten bestünden (act. 68 Rz. 91). Pflichtverletzungen der Klägerin verortet 

er namentlich bei den falschen Baukostenschätzungen (act. 68 Rz. 94 ff.), der 

mangelhaften Ausschreibung (act. 68 Rz. 97), dem Fehlen einer unterzeichneten 

Nutzungsvereinbarung samt Kontrollplan (act. 68 Rz. 99 ff.) sowie der fehlerhaf-

- 39 - 

ten Planung und Bauleitung in Bezug auf das Parkdeck inklusive Tiefgarage 

(act. 68 Rz. 102 ff.). Weiter führt er aus, dass angesichts der zahlreichen Pflicht-

verletzungen der Klägerin das Äquivalenzprinzip massiv gestört sei (act. 68 

Rz. 113 ff.). Das Honorar der Klägerin sei nur in dem Masse geschuldet, als die 

Tätigkeit für ihn im Hinblick auf den Auftragszweck brauchbar sei, weshalb es um 

mindestens CHF 114'200.– zu reduzieren sei (act. 68 Rz. 59, 129). Entsprechend 

sei nichts mehr geschuldet (act. 68 Rz. 129). Die Klägerin bestreitet, dass sie ihre 

Tätigkeit schlecht bzw. nicht vertragskonform erfüllt habe (act. 60 Rz. 3, 11.1). 

Auf die behaupteten Pflichtverletzungen und die klägerischen Entgegnungen ist 

nachfolgend – soweit erforderlich – detailliert einzugehen. 

5.2. Rechtliches 

5.2.1. Anwendbare Bestimmungen 

Vorliegend werden seitens des Beklagten sowohl betreffend werkvertraglicher 

(Planung) als auch auftragsrechtlicher (Erstellung Kostenvorschlag / -schätzung, 

Ausschreibung, Bauleitung) Leistungen Pflichtverletzungen geltend gemacht (sie-

he Ziffer 5.1). Entsprechend stellt sich die Frage, ob auf die behauptete Honorar-

minderung sowohl werkvertragliche als auch auftragsrechtliche Bestimmungen 

oder einzig das vorliegend vorherrschende Auftragsrecht Anwendung findet. Das 

Bundesgericht hat dies – soweit ersichtlich – noch in keinem vergleichbaren Fall 

entschieden. EGLI/STÖCKLI führen zu dieser Frage aus: "Zu einer Spaltung der 

Rechtsfolgen, die das Bundesgericht für den Gesamtvertrag propagiert, kann es 

hinsichtlich der Honorarminderung im Grundsatz nicht kommen, da sie sowohl bei 

den auftrags- als auch den werkvertragsrechtlichen Leistungsteilen greifen kann. 

Was aber deren Voraussetzungen angeht, wird man beim heutigen Stand der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung davon ausgehen müssen, dass eine Minde-

rung bei werkvertraglichen Leistungen zwar möglich, indes davon abhängig ist, 

dass der Bauherr den Mangel, auf den er sich für die Minderung beruft, wirksam 

gerügt hat." (EGLI/STÖCKLI, §7 Planerhonorar, Rz. 7.174, in: STÖCK-

LI/SIEGENTHALTER, Die Planerverträge, Verträge mit Architekten und Ingenieuren, 

2013). Diesem Ansatz ist zuzustimmen und im Folgenden die Honorarminderung 

- 40 - 

nach Auftragsrecht zu prüfen, wobei bei den werkvertraglichen Aspekten die wirk-

same Mängelrüge eine zusätzliche Voraussetzung bildet.  

5.2.2. Auftragsrecht: Voraussetzungen der Honorarminderung 

Wenn der Architekt als Beauftragter die geschuldete Leistung erbringt, wenn auch 

verspätet, schlecht oder unvollständig, steht ihm gleichwohl ein Honoraranspruch 

zu, wobei dem Auftraggeber das Recht auf Minderung der Vergütung als vertrag-

liche Gegenleistung eingeräumt wird (BGE 124 III 423 E. 3c; BGer Urteile 

4A_658/2015 vom 30. März 2016 E. 3.1 und 4A_89/2012 vom 17. Juli 2012 

E. 3.1, je m.H.; FELLMANN, Berner Kommentar, VI/2/4, Obligationenrecht, Die ein-

zelnen Vertragsverhältnisse, Der einfache Auftrag, Art. 394 - 406 OR, 1992, 

Art. 394 Rz. 496 ff. m.H.; SCHUMACHER, §5 Die Haftung des Architekten aus Ver-

trag, Rz. 601 ff., in: GAUCH/TERCIER, Das Architektenrecht, 1986). Dem Architek-

ten steht demnach selbst im Falle mangelhafter Erfüllung des Auftrages ein Hono-

rar für diejenige Tätigkeit zu, die er vertragsgemäss ausgeübt hat (BGE 124 III 

423 E. 4a). Nur wenn das Ergebnis der Leistungen des Architekten für den Bau-

herrn komplett unbrauchbar und der Misserfolg auf eine unsorgfältige Auftragser-

füllung zurückzuführen ist, kann der Architekt gar jeglichen Vergütungsanspruch 

verlieren (BGE 124 III 423 E. 4a; BGer Urteile 4A_658/2015 vom 30. März 2016 

E. 3.1 und 4A_89/2012 vom 17. Juli 2012 E. 3.1, je m.H.). Eine Schlechterfüllung 

besteht bei unsorgfältiger Tätigkeit, aber auch im Falle der Verletzung anderer 

gesetzlicher und vertraglicher Haupt- oder Nebenleistungspflichten oder blossen 

Nebenpflichten des Architekten (FELLMANN, a.a.O., Art. 398 N 341). Die Beweis- 

und damit auch die Behauptungslast für die Pflichtverletzung und deren Kausalität 

für den Misserfolg obliegen dem Bauherrn als Auftraggeber, d.h. vorliegend dem 

Beklagten. Er hat, soweit möglich und zumutbar, alle Umstände nachzuweisen, 

die für eine Honorarminderung sprechen und dem Gericht die Schätzung des 

Herabsetzungsbetrags erlauben oder erleichtern. Falls dieser Beweis gelingt, 

kann der Architekt – um eine Honorarminderung zu verhindern – nachweisen, 

dass ihn kein Verschulden trifft (FELLMANN, a.a.O., Art. 394 Rz. 541 ff. m.H.). 

 

- 41 - 

5.2.3. Vorgehen 

Eine schlechte oder unvollständige Erfüllung kann zu einer Reduktion des Hono-

rars berechtigen, wobei wie folgt vorzugehen ist (GMÜR, Die Vergütung des Be-

auftragten, Ein Beitrag zum Recht des einfachen Auftrages, 1994, Rz. 503 f. und 

559 ff.): (i) Zunächst ist das bei richtiger Erfüllung geschuldete Honorar zu be-

stimmen. (ii) Dann ist zu prüfen, ob Pflichtverletzungen vorliegen. (iii) Wenn ja, 

sind je die Abzüge festzulegen, welche wegen der jeweiligen Pflichtverletzung zur 

Wahrung des Äquivalenzprinzips vorgenommen werden müssen, wobei dem Ge-

richt ein weiter Ermessensspielraum zur Verfügung steht. Das Äquivalenzprinzip 

besagt, dass bei einem synallagmatischen Vertrag die Leistung und die Gegen-

leistung annähernd gleichwertig sein sollten und daher bei einer Leistungsstörung 

das Entgelt an die erbrachte Leistung angeglichen werden soll (GMÜR, a.a.O., 

Rz. 457). In der Lehre werden verschiedene Varianten der Festlegung der Abzü-

ge erwähnt. Zu diesen Varianten gehört auch die pauschale Kürzung des gesam-

ten Honorars, wonach gewisse Honorarprozente für Teilleistungen überhaupt 

nicht oder teilweise geschuldet werden (SCHUMACHER, a.a.O., Rz. 606). Aufgrund 

der vorliegend je Leistung festgelegten Prozentanteile am Honorar (siehe Ziffer 2) 

drängt sich deren Anwendung auf. (iv) Schliesslich steht dem Gericht die Mög-

lichkeit offen, in analoger Anwendung von Art. 43 f. OR bei der Bemessung einer 

Honorarminderung weitere Umstände zu berücksichtigen, wie z.B. Selbstver-

schulden der Bauherrschaft (GMÜR, a.a.O., Rz. 501 f.).  

5.3. Zu reduzierendes Honorar und Berechnungsgrundlage  

Das zu reduzierende Honorar entspricht dem bei richtiger Erfüllung des Vertrags 

der Klägerin geschuldete Honorar, welches sich vorliegend auf CHF 292'600.– 

beläuft (siehe Ziffer 2; act. 3/7). Als Berechnungsgrundlage für eine prozentuale 

Reduktion des Honorars dient nachfolgend jedoch das Gesamthonorar von 

CHF 440'000.– (= 100%) gemäss Schnittstellenpapier (act. 3/7), da darin je ver-

einbarter Leistung ein prozentualer Anteil am Gesamthonorar vorgesehen ist.  

- 42 - 

Falls eine allfällige Minderung das gemäss Ziffer 4 noch offene Honorar von 

CHF 52'100.– (inkl. MWST) übersteigt, ist nichts mehr geschuldet und die Klage 

wäre abzuweisen. Dies ist nachfolgend zu prüfen. 

5.4. Behauptete Pflichtverletzungen 

5.4.1. Falsche Grob(kosten)schätzung, Kostenschätzung und -voranschlag 

5.4.1.1. Pflichten 

Art. 4.31 SIA 102 sieht vor, dass der Architekt im Rahmen der Projektierung (Vor-

projekt) als Grundleistung eine Grobschätzung der Baukosten (Schätzung der 

Grössenordnung der Baukosten für die erarbeiteten Lösungsmöglichkeiten) sowie 

eine Kostenschätzung zu erstellen hat. Mangels anderer Vereinbarung beträgt der 

Genauigkeitsgrad der Kostenschätzung +/- 15% (vgl. act. 68 Rz. 75). Weiter wird 

im Rahmen der Phase Projektierung (Bauprojekt) gemäss Art. 4.32 SIA 102 vom 

Architekten die Erstellung eines Kostenvoranschlags mit der detaillierter Be-

schreibung der vorgesehenen Arbeiten, Lieferungen, der Bezeichnung der ge-

wählten Materialien, dem Ausmass und den geschätzten Preisen als Grundleis-

tung geschuldet. Der Genauigkeitsgrad des Kostenvorschlags beträgt mangels 

besonderer Vereinbarung +/- 10% (vgl. act. 68 Rz. 76). Das Bauprojekt ist unter 

Berücksichtigung des festgelegten Kostenrahmens auszuarbeiten und Beträge für 

Unvorhergesehenes sind separat auszuweisen. Parteivereinbarungen, mit wel-

chen andere als in der SIA 102 verankerte Genauigkeitsgrade hätten vereinbart 

werden können, wurden nicht behauptet (vgl. act. 68 Rz. 58; siehe Zif-

fern 5.4.1.2). 

5.4.1.2. Parteibehauptungen 

Der Beklagte führt aus, die akkurate Kostenschätzung stelle eine Hauptpflicht un-

ter der SIA 102 dar (act. 68 Rz. 94, 84 ff.). Die unsorgfältig erstellten Kosten-

schätzungen der Klägerin seien jedoch stets zu tief ausgefallen (act. 68 Rz. 24), 

die prognostizierten Baukosten seien in der Realität massiv und chronisch über-

schritten worden (act. 68 Rz. 95). Ursprünglich habe die Klägerin die Baukosten 

auf CHF 4'650'000.– geschätzt (act. 22/1), mit Nachtrag vom 3. Januar 2011 

- 43 - 

(act. 22/7) seien CHF 822'000.– hinzugekommen, womit die Klägerin von Baukos-

ten von CHF 5'478'400.– ausgegangen sei (revidierter Kostenvoranschlag). Auch 

kurz vor Ausscheiden der Klägerin seien im Baukostenstand per 21. Mai 2012 

Baukosten von CHF 5'481'200.– (act. 22/6) vermerkt worden. Obwohl sich die 

Kostenüberschreitungen aufgrund bereits abgeschlossener Werkverträge bereits 

damals abgezeichnet hätten, habe die Klägerin den Kostenvoranschlag nicht 

überarbeitet und keine Kostenwarnung ausgesprochen (act. 68 Rz. 94, 29, 45, 47, 

48). Die bis September 2015 bezahlten Rechnungen in der Höhe von 

CHF 9'979'753.77 hätten den revidierten Kostenvoranschlag um CHF 4'400'000.– 

bzw. 94% überschritten (act. 21 Rz. II.A.6.3.1), was die Klägerin anerkannt habe 

(act. 68 Rz. 143). Weiter fasst der Beklagte zusammen, dass die revidierten Kos-

tenvoranschläge um mindestens 51.9% überschritten worden seien (act. 68 

Rz. 95, 28). Selbst wenn es nur bei den in der Duplik (act. 68 Rz. 27 ff.) genann-

ten BKP-Positionen Überschreitungen gegeben hätte, hätte das gesamte Baupro-

jekt den Kostenvoranschlag um 20% überschritten (act. 68 Rz. 95). Dabei habe 

ihm die Klägerin vor Auftragserteilung versichert, das Projekt ohne Kostenüber-

schreitungen ausführen zu können, was ein Grund für den Abschluss des Hono-

rarvertrags gewesen sei (act. 21 Rz. II.A.1.1 f.). Aufgrund der chronischen und 

massiven Kostenüberschreitungen werde ersichtlich, dass die Grobkostenschät-

zungen und Kostenschätzungen unsorgfältig erstellt worden seien und sich diese 

als völlig wertlos erwiesen hätten (act. 68 Rz. 97). Auch die Ergänzungen zum 

Kostenvoranschlag seien völlig falsch, das heisst viel zu tief (act. 68 Rz. 98), aus-

gefallen. Aufgrund der völlig falsch eingeschätzten Baukosten sei das Honorar 

wie folgt zu reduzieren (act. 68 Rz. 117 ff.; act. 3/7):  

Projektphase: 

Vorprojekt (Ziffer 3.31: Studium von Lösungsmöglichkeiten und Grobkosten-

schätzung der Baukosten 3%, Vorprojekt und Kostenschätzung 6%): Reduk-

tion um 5% (1.5% Grobkostenschätzung; 3.5% Kostenschätzung) 

Bauprojekt (Ziffer 3.32: Bauprojekt 13%, Detailstudien 4%, Kostenvoran-

schlag 4%): Reduktion um 4%  

- 44 - 

Die Klägerin führt aus, dass sie aufgrund ihrer Planung vor Baubeginn die Ge-

samtkosten im Rahmen von CHF 5'478'000.– veranschlagt habe (act. 60 

Rz. 12.1). Dazu habe sie in ihrer Erläuterung in der E-Mail vom 23. November 

2011 Vorbehalte angebracht und ausdrücklich auf Unsicherheiten betreffend noch 

nicht definierte Leistungen, u.a. betreffend Heizung und Brandschutz, Hochwas-

ser, RWA, hingewiesen (act. 60 Rz. 12.2; act. 40/7). Zudem habe sie im Nachtrag 

Kostenvoranschlag (act. 22/7) die Baukostennachträge, welche aufgelistet wur-

den, klar und deutlich mit approximativ beziffert (act. 60 Rz. 12.3, 13). Die rollen-

de Planung stelle zum grossen Teil die Ursache für die Mehrkosten dar (act. 60 

Rz. 12.4). Die Entscheidfindung des Beklagten und der C._____ sei nur zögerlich 

vonstattengegangen, sie hätten sich zu offenen Punkten nicht fristgerecht geäus-

sert, so dass die Plangrundlagen per Oktober 2011 nicht vollständig vorhanden 

gewesen seien (act. 60 Rz. 12.3). Auf Druck der C._____ habe sich der Beklagte 

aber trotzt Kostenunsicherheiten entschieden, mit der rollenden Planung weiter-

zumachen und Mehrkosten in Kauf zu nehmen (act. 60 Rz. 3 und 12.4; act. 61/1). 

Die Klägerin habe mit E-Mail vom 5. April 2012 an Q._____ von der C._____ zum 

wiederholten Mal auf die ungewisse Kostenentwicklung hingewiesen (act. 60 

Rz. 6; act. 61/3-4). Mit Verweis in der Replik (act. 60 Rz. 20) auf die Widerkla-

geantwort (act. 39 Rz. 2) bestreitet die Klägerin zudem den vom Beklagten be-

haupteten Betrag der gesamten Projektkosten von CHF 9'979'753.77. Dieser Be-

trag enthalte offensichtlich Positionen, die nicht in die Baubuchhaltung gehörten 

(act. 39 Rz. 2). Für entstandene Mehrkosten sei sie nicht verantwortlich, vier Mo-

nate nach ihrem Ausscheiden habe der Beklagte der Bank einen Baukostenstand 

von CHF 6'267'500 kommuniziert (act. 60 Rz. 20; act. 39 Rz. 1). Weiter bestreitet 

sie, dem Beklagten zugesichert zu haben, dass es bei diesem Projekt keine Kos-

tenüberschreitungen geben werde (act. 60 Rz. 2) 

Zu den Vorbringen der Klägerin gibt der Beklagte Folgendes zu bedenken: Ver-

weise die Klägerin als Rechtfertigung für die Kostensteigerung auf die im ur-

sprünglichen Kostenvoranschlag wegen Verzögerungen in der Bauplanung nicht 

mögliche Bezifferung diverser Positionen bzw. rollende Planung, so sei dies un-

behelflich. Falls dem so gewesen wäre, hätte die Klägerin den Beklagten auf-

grund ihrer Abmahnungspflicht über die Kostenfolgen mit neuen Kostenvoran-

- 45 - 

schlägen auf dem Laufenden halten müssen (act. 68 Rz. 98, 135, 145). Dies habe 

die Klägerin offensichtlich unterlassen, es fehle an entsprechenden Hinweisen in 

der Aktennotiz vom 4. Oktober 2011 (act. 61/1) und der Finanzprognose per 

30. Juni 2012 (act. 22/21; act. 68 Rz. 98, 145). Ebenso bringe die Klägerin keinen 

Beweis dafür vor, dass die (bestrittenen) Verzögerungen zu Mehrkosten geführt 

hätten (act. 68 Rz. 135). Nicht die verzögerten