# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a669f0c5-5002-577b-ac4f-144ce394021b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-31
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 31.10.2023 SB230162
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230162_2023-10-31.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB230162-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. B. Amacker 

und der Ersatzoberrichter lic. iur. K. Vogel sowie 

der Gerichtsschreiber MLaw J. Stegmann

Urteil vom 31. Oktober 2023

in Sachen

A._____, 
Beschuldigte und Berufungsklägerin

verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. R. Michel,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht, 
vom 5. Dezember 2022 (GG220058)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. Juni 2022 

(Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 50 S. 36 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung im 

Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StGB.

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 70.– (entsprechend 

CHF 4'200.–).

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

4. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers wird abgewiesen.

5. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine reduzierte Genugtuung von CHF 1'500.–, zu-

züglich 5 % Zins ab 19. Mai 2020, zu bezahlen.

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

CHF 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

CHF 2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren;

CHF 230.00   Auslagen (Arztberichte);

CHF 9'749.60   Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung des   Privatklägers (inkl. MwSt. und Barauslagen)

CHF 13'879.60   Total

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Gerichtsgebühr auf 

zwei Drittel.

7. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 6 werden der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgeltli-

chen Rechtsvertretung des Privatklägers werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genom-

men. Eine Nachforderung gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

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8. [Mitteilungen]

9. [Rechtsmittel]"

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung der Beschuldigten:

(Urk. 63, schriftlich)

" 1. Die Beschuldigte sei in Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils voll-
umfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Für den Fall einer Verurteilung sei die Beschuldigte höchstens mit 
einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à CHF 60.– bedingt unter An-
setzung einer Probezeit von höchstens zwei Jahren zu bestrafen.

3. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers sei integral abzu-
weisen.

4. Sämtliche Verfahrenskosten (Rechtsmittel- und Vorverfahren) 
seien auf die Staatskasse zu nehmen; eventualiter seien die 
Kosten für die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers 
definitiv vom Staat zu übernehmen, resp. die Beschuldigte von 
diesem Kostenanteil zu befreien.

5. Die Beschuldigte sei für den Honoraraufwand der erbetenen Ver-
teidigung (zzgl. MwSt. von aktuell 7.7 % und Spesenaufwand) vom 
Staat zu entschädigen."

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 56 und 68, schriftlich)

" 1. Das vorinstanzliche Urteil sei – soweit nicht bereits in Rechtskraft 
erwachsen – zu bestätigen.

2. Die Kosten des Verfahrens seien dem (recte: der) Beschuldigten 
aufzuerlegen."

c) Des Privatklägers B._____:

(Urk. 69, schriftlich)

Bestätigung des Urteils der ersten Instanz vom 5. Dezember 2022 in sämt-

lichen Punkten.

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang und Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1. Mit Eingabe vom 7. Juni 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unter-

land gegen A._____ beim Bezirksgericht Winterthur Anklage (Urk. 25). Der Verfah-

rensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem Entscheid vom 5. De-

zember 2022 (Urk. 50 E. I/1 f. S. 4).

1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 5. Dezember 2022 wurde den 

Parteien gleichentags mündlich eröffnet (Urk. 43; Prot. I S. 24 ff.). Die Beschul-

digte liess mit Eingabe vom 14. Dezember 2022 innert Frist Berufung anmelden 

(Urk. 45).

1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 47 = Urk. 50; Urk. 48) liess die 

Beschuldigte am 24. Februar 2023 fristgerecht die Berufungserklärung einreichen 

(Urk. 51).

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 15. März 2023 wurde dem Privatkläger sowie der 

Staatsanwaltschaft ein Doppel der Berufungserklärung der Beschuldigten zuge-

stellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder 

ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde die Beschul-

digte unter Hinweis auf ihr Aussageverweigerungsrecht aufgefordert, ein Daten-

erfassungsblatt auszufüllen und ihre finanziellen Verhältnisse mit weiteren Unter-

lagen darzulegen (Urk. 54). Mit Eingabe vom 17. März 2023 beantragte die Staats-

anwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 56). Mit Eingabe 

vom 6. April 2023 liess der Privatkläger vermelden, dass keine Anschlussberufung 

erklärt, sondern die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt werde 

(Urk. 57).

1.5. Nachdem sich sämtliche Parteien mit der schriftlichen Durchführung des Be-

rufungsverfahrens einverstanden erklärt haben (Urk. 58/1-3), wurde mit Präsidial-

verfügung vom 25. April 2023 das schriftliche Verfahren im Sinne von Art. 406 

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Abs. 2 lit. a und b StPO angeordnet (Urk. 59). Zudem wurde der Beschuldigten Frist 

angesetzt, um Berufungsanträge zu stellen und zu begründen sowie letztmals 

Beweisanträge zu stellen bzw. die finanzielle Situation der Beschuldigten dar-

zulegen (Urk. 59). Mit Eingabe vom 30. Juni 2023 liess die Beschuldigte die 

schriftliche Berufungsbegründung fristgerecht einreichen (Urk. 63 und Urk. 64/1-6; 

vgl. auch Urk. 61 und Urk. 62).

1.6. Mit Präsidialverfügung vom 4. Juli 2023 wurde dem Privatkläger sowie der 

Staatsanwaltschaft ein Doppel der Berufungsbegründung der Beschuldigten zuge-

stellt und Frist angesetzt, um die Berufungsantwort einzureichen sowie letztmals 

eigene Beweisanträge zu stellen (Urk. 65). Mit Eingabe vom 14. Juli 2023 liess die 

Staatsanwaltschaft sich zur Berufungsbegründung der Beschuldigten vernehmen 

und beantragte wiederum die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 68). 

Mit Eingabe vom 20. Juli 2023 liess der Privatkläger vermelden, dass auf eine 

Stellungnahme zur Berufungsbegründung verzichtet werde, und liess die Bestäti-

gung des vorinstanzlichen Urteils beantragen (Urk. 69).

1.7. Mit Eingabe vom 14. August 2023 reichte das Bezirksgericht Winterthur die 

Korrespondenz mit dem Verteidiger betreffend Tonbandaufnahme der Hauptver-

handlung vom 5. Dezember 2022 (samt Tonbandaufnahme) hierorts ein (Urk. 71 

und 72/1-7). Mit Eingabe vom 17. August 2023 nahm der Verteidiger Stellung zur 

mündlichen Urteilseröffnung des Bezirksgerichts Winterthur (Urk. 73).

Das Verfahren erweist sich als spruchreif.

2. Umfang der Berufung

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht 

erfassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-EUGSTER, Art. 402 

N 1 f.).

2.2. Die Beschuldigte hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung auf den 

Schuldspruch, die Strafe, die Genugtuung zugunsten des Privatklägers sowie die 

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Kostenauflage beschränkt (Urk. 51 S. 1; vgl. auch Urk. 63). Die Staatsanwaltschaft 

sowie der Privatkläger beantragen die Bestätigung des angefochtenen Entscheids 

(Urk. 56, Urk. 57, Urk. 68 und Urk. 69).

2.3. Somit ist im Berufungsverfahren der Schuldspruch, die Strafe, die Genugtu-

ung sowie die Kostenauflage (Dispositivziffern 1 bis 3 sowie 5 bis 7) angefochten, 

während Dispositivziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils unangefochten blieb. Der 

Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnung ist vorab festzustellen (Art. 399 Abs. 3 

StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).

2.4. In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid unter Vorbehalt des 

Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) grundsätzlich zur Disposition. In 

den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche 

Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

3. Formelles

3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO) folgt die Pflicht des Gerichts, seinen Entscheid zu begründen. Die Be-

gründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich das 

Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich aber 

auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht ausdrück-

lich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand ausein-

andersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Entscheid 

wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in 

der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument gefordert 

würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2, mit Hinweisen).

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4. Anklageprinzip

4.1. Die Verteidigung rügt in ihrer Berufungsbegründung eine Verletzung des An-

klageprinzips, indem sie geltend macht, dass man eine Substantiierung der man-

gelnden Aufmerksamkeit der Beschuldigten in der Anklageschrift vergebens suche. 

Die Staatsanwaltschaft habe sich damit begnügt, abstrakte, allgemein bekannte 

Verhaltensweisen des Strassenverkehrs widerzugeben, da ihre Untersuchung 

nichts Konkretes zu Tage gebracht habe. Es sei von der Staatsanwaltschaft nichts 

widergegeben worden, was tatsächlich für eine ungenügende Aufmerksamkeit, re-

spektive eine tatsächliche Ablenkung der Beschuldigten spreche. An keiner Stelle 

enthalte die Anklageschrift konkrete Momente, welche aufzeigen würden, dass die 

Beschuldigte gegen diese unbestrittenen allgemeingültigen Verhaltensanforderun-

gen effektiv verstossen habe (Urk. 63 Rz. 16 ff.). Bereits vor Vorinstanz rügte die 

Verteidigung eine Verletzung des Anklageprinzips (Urk. 40 S. 5 ff.; Prot. I S. 19 ff.).

4.2. Die rechtlichen Grundlagen zum Anklageprinzip wurden von der Vorinstanz 

zutreffend wiedergegeben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 50 

E. II/3.2 S. 6).

4.3. Die Rüge der Verteidigung ist unbegründet. Der zu prüfende Anklagesach-

verhalt wurde vorliegend als einmaliges Ereignis sowohl in örtlicher, zeitlicher und 

sachlicher Hinsicht konkret und präzis umschrieben. So wird der Beschuldigten 

explizit vorgeworfen, sie habe – bei aufgrund tageszeitbedingter Dunkelheit leicht 

eingeschränkter Sicht – den Privatkläger, welcher die Strasse überquert habe, nicht 

wahrgenommen und somit nicht rechtzeitig gebremst, weshalb sie mit diesem 

kollidiert sei. Ungenügende Aufmerksamkeit auf den Strassenverlauf und die 

Verkehrsverhältnisse seien nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der all-

gemeinen Lebenserfahrung geeignet, eine Kollision zu verursachen. Weiter wird 

der Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfen, dass wenn sie sich genügend 

um die konkreten Strassenverhältnisse sowie den Strassenverlauf und die Ver-

kehrsverhältnisse gekümmert bzw. ausreichend auf die vor ihr liegende Strecke 

geachtet hätte – wie sie dies als pflichtbewusste Fahrzeuglenkerin jederzeit hätte 

tun müssen und was ihr auch ohne Weiteres möglich gewesen wäre –, sie es ohne 

Weiteres hätte vermeiden können, mit dem Privatkläger zu kollidieren, da sie ihn in 

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diesem Fall rechtzeitig wahrgenommen hätte, um entweder rechtzeitig zu bremsen 

oder ihm auszuweichen. Weiter wird in der Anklageschrift konstatiert, dass bei 

pflichtgemässem bzw. verkehrsregelkonformem Verhalten der Beschuldigten, die 

Kollision mit dem Privatkläger sowie die dadurch verursachten Verletzungen ver-

meidbar gewesen wären (Urk. 25 S. 2 f.). Damit wird das pflichtwidrige Verhalten 

der Beschuldigten ausreichend umschrieben. Eine weitere Umschreibung durch die 

Staatsanwaltschaft – wie die Beschuldigte den Privatkläger nicht wahrgenommen 

habe bzw. wie sie nicht rechtzeitig gebremst habe (mangelnde Aufmerksamkeit) – 

war nicht notwendig. Den Vorwurf, den die Strasse überquerenden Privatkläger 

nicht wahrgenommen zu haben, geht offensichtlich mit dem Vorwurf einher, in 

pflichtwidriger Unvorsichtigkeit die C._____-strasse in D._____ entlang gefahren 

zu sein, was zur Kollision mit dem Privatkläger geführt habe. Dass und inwiefern 

der Beschuldigten eine wirksame Verteidigung nicht möglich gewesen sein sollte, 

ist unter dem Gesichtspunkt des Anklagegrundsatzes nicht ersichtlich. Nach dem 

Dargelegten ergibt sich, dass das Anklageprinzip nicht verletzt ist.

II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

1. Standpunkt der Parteien

1.1. Anklagevorwurf

Der Beschuldigten wird – zusammengefasst – vorgeworfen, dass sie am 19. Mai 

2020 um ca. 23.00 Uhr ihren Personenwagen mit einer Geschwindigkeit von 

mindestens 45 km/h auf der C._____-strasse in D._____ gelenkt habe, wobei sie 

auf Höhe der Verzweigung obere F._____-strasse mit dem Privatkläger – welcher 

die Strasse (zu Fuss) überquert habe – kollidiert sei, da sie diesen nicht wahrge-

nommen habe und nicht rechtzeitig habe bremsen können. Bei der Kollision habe 

sich der Privatkläger u.a. diverse Frakturen im linken Fuss zugezogen, der mittlere 

Zeh seines linken Fusses habe in der Folge amputiert werden müssen, es seien 

drei Operationen notwendig gewesen, und der Privatkläger sei einen Monat hospi-

talisiert gewesen. Ungenügende Aufmerksamkeit auf den Strassenverlauf und die 

Verkehrsverhältnisse sei nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allge-

meinen Lebenserfahrung geeignet, eine Kollision zu verursachen. Hätte sich die 

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Beschuldigte – so der Vorwurf weiter – genügend um die konkreten Strassenver-

hältnisse sowie den Strassenverlauf und die Verkehrsverhältnisse gekümmert bzw. 

ausreichend auf die vor ihr liegende Strecke geachtet – wie sie dies als pflichtbe-

wusste Fahrzeuglenkerin jederzeit hätte tun müssen und was ihr auch ohne Weite-

res möglich gewesen wäre –, hätte sie es ohne Weiteres vermeiden können, mit 

dem Privatkläger zu kollidieren, da sie ihn in diesem Fall rechtzeitig wahrgenom-

men hätte, um entweder rechtzeitig zu bremsen oder ihm auszuweichen. Bei pflicht-

gemässem bzw. verkehrsregelkonformem Verhalten der Beschuldigten wäre die 

Kollision mit dem Privatkläger sowie die dadurch verursachten Verletzungen des 

Privatklägers – gemäss Anklageschrift – somit vermeidbar gewesen.

In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft der Beschuldigten fahrlässige 

Körperverletzung mit schwerer Schädigung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StGB vor (Urk. 25 S. 3).

1.2. Standpunkt der Beschuldigten

Die Beschuldigte stellt sich auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe ihrem Urteil 

einen falschen Unfallhergang zugrunde gelegt. Die Beschuldigte habe entgegen 

der Vorinstanz vor der Kollision gebremst und den Privatkläger davor frühzeitig 

erblickt und hierauf rasch mit einer (Voll-)Bremsung reagiert. Das diesbezügliche 

Abstellen der Vorinstanz auf die Aussagen der Beschuldigten – namentlich, dass 

sie den Privatkläger, als dieser die Strasse überquert habe, nicht wahrgenommen 

habe, ihn erst unmittelbar vor resp. zum Zeitpunkt der Kollision bemerkt und im 

Abschluss gebremst habe – sei verfehlt, da objektive Beweismittel (Spurenbericht 

des Forensischen Instituts Zürich) dies widerlegen würden, zumal die Beschuldigte 

in der ersten Einvernahme noch ausgesagt habe, dass sie den Privatkläger vor der 

Kollision gesehen habe. Ebenfalls sei die Vorinstanz beim Privatkläger von einem 

falschen Verletzungsbild ausgegangen. Die Vorinstanz habe zu Unrecht eine straf-

rechtlich relevante Sorgfaltspflichtverletzung auf Seiten der Beschuldigten ange-

nommen und sei – ohne sich auf hinreichende Beweise stützen zu können – von 

der Vermeidbarkeit des Unfalls aus Sicht der Beschuldigten ausgegangen. Über-

dies seien die Verletzungen des Privatklägers fälschlicherweise als schwere 

Körperverletzung qualifiziert worden (Urk. 63 Rz. 1 ff.; vgl. auch Urk. 73).

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2. Sachverhaltserstellung

2.1. Grundsätze der Beweiswürdigung

Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhaltser-

stellung und den Beweiswürdigungsregeln ausführt, ist zutreffend (Urk. 50 E. III/3 

S. 8 f.), weshalb zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen darauf verwiesen 

werden kann.

2.2. Massgebliche Beweismittel

Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel genannt und deren Inhalt mit Aus-

nahme der nachfolgenden Bemerkungen umfassend und richtig wiedergegeben, 

worauf verwiesen werden kann (Urk. 50 E. III/4.1-4.4 S. 9-11 sowie E. III/5.1-5.3 

S. 12-14).

Zur Fotodokumentation des Unfallorts gilt es entgegen der Vorinstanz festzuhalten, 

dass die Strasse auf Höhe des Unfallorts vierspurig ist. Es ist richtig, dass die Fahr-

bahnseite, auf welcher sich die Beschuldigte befand, aus zwei Spuren bestand und 

die Gegenfahrbahn aus einer Spur. Dazu ergänzend gilt es jedoch anzufügen, dass 

sich aus der Fotodokumentation weiter ergibt, dass sich neben der Gegenfahrbahn 

noch eine Bus-/Fahrradspur befindet (Urk. 9; vgl. auch die diesbezügliche Aussage 

der Beschuldigten Urk. 6 S. 11).

Zu den ärztlichen Unterlagen des Privatklägers gilt es anzufügen, dass sich aus 

diesen ergibt, dass der Privatkläger nicht drei-, sondern viermal operiert werden 

musste. Zusätzlich zu den in den drei Operationsberichten vom 27. Mai 2020, 

2. Juni 2020 und 8. Juni 2020 aufgeführten Operationen ergibt sich aus dem 

Operationsbericht vom 27. Mai 2020, dass der Privatkläger erstmals bereits am 

20. Mai 2020 – also direkt nach der Kollision – operiert werden musste (Urk. 13/16; 

Urk. 16/13 Anästhesie).

2.3. Beweiswürdigung äusserer Sachverhalt der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den hier zu beurteilenden äusseren Sachverhalt gestützt 

auf die massgeblichen Beweismittel als erstellt (Urk. 50 E. III/5.4.2 a-d S. 15 f.).

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Unbestritten sei, dass die Beschuldigte am Dienstag, 19. Mai 2020, 23.00 Uhr, 

den Personenwagen Mazda mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h auf der 

C._____-strasse in D._____ in Richtung Autobahneinfahrt E._____ gelenkt habe. 

Ebenso unbestritten sei, dass es auf Höhe der Verzweigung obere F._____-strasse 

zu einer Kollision zwischen dem Personenwagen der Beschuldigten und dem 

Privatkläger gekommen sei, als dieser die Strasse überquert habe. Weiter sei auch 

erstellt, dass sich der Privatkläger dabei diverse Frakturen im Bereich des linken 

Fusses zugezogen habe und dessen mittlerer Zeh des linken Fusses habe ampu-

tiert werden müssen (Urk. 50 E. III/2.1 S. 7).

Die Beschuldigte habe konstant in all ihren Einvernahmen und damit glaubhaft zu 

Protokoll gegeben, dass sie den Privatkläger ("etwas Weisses") erst unmittelbar 

vor, respektive im Zeitpunkt der Kollision ("Knall", es habe "geklöpft") bemerkt und 

erst im Anschluss gebremst habe. Die Sachverhaltsvariante der Verteidigung, dass 

anhand des Spurenberichte des Forensischen Instituts Zürich erstellt sei, dass die 

Beschuldigte den Privatkläger früh wahrgenommen und darauf mit einer Voll-

bremsung reagiert habe, finde in den Aussagen der Beschuldigten keinerlei Stütze 

und erweise sich schlicht als aktenwidrig (Urk. 50 E. III/5.4.2 a S. 15).

Weiter sei aufgrund der objektiven Beweismittel sowie der glaubhaften Aussagen 

der Beschuldigten erstellt, dass der Privatkläger von der Fahrerperspektive her von 

links nach rechts über die Strasse gelaufen sei und die Kollision mit dem Privat-

kläger im linken Eckbereich des Personenwagens der Beschuldigten und damit 

mitten auf der Strasse stattgefunden habe (Urk. 50 E. III/5.4.2 b S. 15).

2.4. Würdigung äusserer Sachverhalt

In Bezug auf die Fahrtrichtung und die Fahrgeschwindigkeit des Personenwagens 

der Beschuldigten, darauf, dass es auf Höhe der Verzweigung obere F._____--

strasse zu einer Kollision zwischen dem Personenwagen der Beschuldigten und 

dem Privatkläger gekommen ist, die Laufrichtung des Privatklägers (aus der 

Fahrerperspektive von links nach rechts über die Strasse) sowie den Kollisionsort 

(linker Eckbereich des Personenwagens) kann den von der Vorinstanz aus dem 

Beweismaterial gezogenen Schlüssen gefolgt werden (vgl. dazu Urk. 50 E. III/2.1 

S. 7, E. III/5.4.2 b S. 15). Mit der Verteidigung ist festzuhalten, dass sich aus dem 

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Spurenbild ergibt, dass es vor der Kollisionsstelle des Privatklägers mit dem 

Personenwagen der Beschuldigten Bremsspuren gibt, die – entgegen der Aus-

sagen der Beschuldigten – darauf hindeuten, dass die Beschuldigte allenfalls kurz 

vor der Kollision gebremst und den Privatkläger gegebenenfalls kurz vor der Kolli-

sion gesehen hat (Urk. 1 S. 2; Urk. 3 F/A 4 und 6; Urk. 4 F/A 12, 25 ff.; Urk. 6 S. 4, 

10, 13, 15; Urk. 9; Urk. 10 S. 7; Prot. I S. 13 f.). Wie nachfolgend aufzuzeigen sein 

wird, kommt diesem Umstand jedoch keine wesentliche Bedeutung zu bzw. kann 

die Beschuldigte nichts Wesentliches für sich daraus ableiten, da – entgegen der 

Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 Rz. 23 ff.) – daraus nicht abgeleitet werden kann, 

dass die Beschuldigte den Privatkläger rechtzeitig gesehen hat (vgl. nachfolgend 

E. II/3.2.3 und 3.2.4).

Der Umstand, dass sich der Privatkläger die in der Anklageschrift festgehaltenen 

Verletzungen bei der Kollision mit dem Personenwagen der Beschuldigten zuzog, 

ist bei der vorliegenden Beweislage sodann klar. Seine Verletzungen sind mit den 

Arztberichten rechtsgenügend erstellt (Urk. 13/10-13, Urk. 13/16; vgl. auch 

Urk. 16/13). Der äussere Sachverhalt ist somit erstellt.

Im Rahmen der Fahrlässigkeitsdelikte sind die Sachverhaltserstellung und die 

rechtliche Würdigung eng miteinander verwoben. Ob mit den vorliegenden Beweis-

mitteln der für die rechtliche Würdigung relevante innere Sachverhalt, welcher die 

Frage mitumfasst, ob die Beschuldigte sich pflichtwidrig verhalten hat und das Un-

fallgeschehen für sie vorhersehbar und vermeidbar war, erstellt werden kann, wird 

daher im Folgenden geprüft.

3. Rechtliche Würdigung (fahrlässige Körperverletzung)

Wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt, wird 

auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 125 

Abs. 1 StGB). Ist die Schädigung schwer, so wird der Täter von Amtes wegen ver-

folgt (Art. 125 Abs. 2 StGB). Dass der Privatkläger aufgrund der Kollision mit dem 

von der Beschuldigten gelenkten Fahrzeug die in der Anklageschrift aufgelisteten 

Verletzungen erlitten hat, steht ausser Diskussion.

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3.1. Schwere Schädigung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB

3.1.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur schweren Schädigung im 

Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB zutreffend wiedergegeben, worauf vorab verwiesen 

werden kann (Urk. 50 E. IV/1.1 Abs. 2 und 3 S. 16 f.). In teilweiser Wiederholung 

und Ergänzung gilt anzufügen, dass eine Schädigung schwer im Sinne von Art. 125 

Abs. 2 StGB ist, wenn sie Art. 122 StGB entspricht (BGE 109 IV 18; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_20/2021 vom 17. März 2021 E. 2.2). Den Tatbestand der 

schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB erfüllt unter anderem, wer 

den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeits-

unfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg 

und bleibend entstellt (lit. b) oder eine andere schwere Schädigung des Körpers 

oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (lit. c).

3.1.2. Als wichtige Glieder im Sinne von Art. 122 Abs. 2 aStGB (= Art. 122 lit. b 

StGB) gelten vor allem die Extremitäten wie Arme und Beine sowie Hände und 

Füsse, aber auch etwa Handgelenke. Unbrauchbar ist ein wichtiges Organ oder 

Glied nur, wenn es in seinen Grundfunktionen erheblich gestört ist. Eine nur leichte 

Beeinträchtigung genügt hingegen nicht, selbst wenn sie dauerhaft ist. Was die 

bleibende Arbeitsunfähigkeit betrifft, genügt es, wenn diese in der angestammten 

Tätigkeit der verletzten Person besteht, zumal die in Art. 122 StGB vorausgesetzte 

Schwere der Körperverletzung auch aufgrund des Umstandes gegeben wäre, dass 

der verletzten Person dadurch ein Berufswechsel aufgezwungen wird. Die in 

Art. 122 Abs. 1 und 2 aStGB (= Art. 122 lit. a und b StGB) genannten Beein-

trächtigungen haben beispielhaften Charakter. Als "andere schwere Schädigung 

des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit" im Sinne der 

Generalklausel von Art. 122 Abs. 3 aStGB (= Art. 122 lit. c StGB) kommt nur eine 

Beeinträchtigung in Frage, die mit den genannten Sachlagen in ihrer Schwere 

vergleichbar ist. Dies ist etwa der Fall, wenn sie mit einer langen Bewusstlosigkeit, 

einem schweren und lang dauernden Krankenlager, einem ausserordentlich langen 

Heilungsprozess oder einer Arbeitsunfähigkeit während eines grossen Zeitraumes 

verbunden ist. Im Übrigen kann eine Kombination verschiedener Beeinträch-

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tigungen, die für sich allein noch nicht als schwere Körperverletzung gelten, diese 

Qualifikation in der gesamtheitlichen Würdigung im Rahmen der Generalklausel 

nach Art. 122 Abs. 3 aStGB (= Art. 122 lit. c StGB) rechtfertigen. Der Begriff der 

schweren Körperverletzung ist mit Blick auf den Einzelfall auszulegen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_20/2021 vom 17. März 2021 E. 2.2 mit Hinweisen).

3.1.3. Die Vorinstanz hat die Verletzungen des Privatklägers, die an ihm vorge-

nommenen Operationen (mit der Ergänzung, dass der Privatkläger viermal operiert 

werden musste), die Dauer seines Spitalaufenthalts und seine Aussagen zu den 

Folgen der Kollision zutreffend wiedergegeben, worauf verwiesen werden kann 

(Urk. 50 E. IV/1.2 S. 17 ff.).

3.1.4. Der Privatkläger erlitt gemäss erstelltem Sachverhalt sowie gemäss den Arzt-

berichten durch die Kollision mehrere offene Frakturen am linken Fuss (Undis-

lozierte Fraktur des Os cuboideum; Undislozierte subcapitale Fraktur des Os 

metatarsale V; Dislozierte Fraktur der Grundphalanx Dig. V; Dislozierte Fraktur der 

Grundphalanx Dig. IV; Mehrfragmentäre Fraktur der End- und Mittelphalanx Dig. III; 

Fraktur der Endphalanx Dig. III, IV und V; Urk. 13/11 S. 2). In der Folge musste der 

Privatkläger viermal operiert werden, wobei ihm auch der Digitus III des linken 

Fusses amputiert werden musste. Dass die Amputation des Digitus III auf die ge-

sundheitliche Vorbelastung des Privatklägers zurückzuführen wäre – wie von der 

Verteidigung vorgebracht (Urk. 63 Rz. 52 und 55) –, ergibt sich aus den Akten nicht. 

Auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz, zur Wichtigkeit der Füsse und 

Zehen kann überdies vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 50 E. IV/1.2 S. 18). 

Mit der Vorinstanz ist der Zeh (vorliegend Digitus III des linken Fusses) als 

wichtiges Glied eines Menschen im Sinne von Art. 122 lit. b StGB zu qualifizieren. 

Durch die Kollision, welche unter anderem die Amputation des Zehs beim Privat-

kläger zur Folge hatte, wurde dieses wichtige Glied verstümmelt und auf Lebzeiten 

unbrauchbar gemacht, weshalb vorliegend – entgegen der Ansicht der Verteidi-

gung (Urk. 63 Rz. 48-55) – eine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

lit. b StGB zu bejahen ist. Überdies gilt es anzufügen, dass sich die vorliegende 

Fussverletzung des Privatklägers auch unter die schwere Körperverletzung im 

Sinne von Art. 122 lit. c StGB subsumieren liesse aufgrund der Kombination ver-

-   15   -

schiedener Beeinträchtigungen des Privatklägers. Der Privatkläger litt auch ein 

Jahr und knapp fünf Monate nach der Kollision an Krämpfen, Schmerzen (ver-

bunden mit nächtlichem Aufwachen), Gleichgewichtsstörungen, Ameisenlaufen 

und Schonhinken. Er berichtete auch davon, dass die Funktionen des Fusses nicht 

mehr die gleichen seien und er orthopädische Schuhe tragen müsse (Urk. 6 S. 4, 

S. 15 ff., S. 19). Dies erstaunt nicht bei den zahlreichen Brüchen im linken Fuss des 

Privatklägers sowie der Amputation seines Zehs. Überdies musste er sich vier 

Operationen unterziehen, befand sich einen Monat im Spital und klagte auch weit 

über ein Jahr nach dem Unfall noch über Panikattacken (Urk. 6 S. 16). Des 

Weiteren musste eine Defektdeckung am linken Fuss des Privatklägers mit-

tels Spalthauttransplantation vom linken Oberschenkel vorgenommen werden 

(Urk. 13/16).

3.2. Fahrlässigkeit

Gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB handelt fahrlässig, wer die Folge seines Verhaltens 

aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf keine Rücksicht 

nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht be-

achtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen 

verpflichtet ist. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt fahrlässiges 

Handeln voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht 

verursacht hat sowie, dass der Eintritt des Erfolgs vorhersehbar und vermeidbar 

war (vgl. BGE 135 IV 56 E. 2.1). Die Vorsicht, welche der Täter zu beachten hat, 

besteht darin, entweder ein Risiko für strafrechtlich geschützte Rechtsgüter über-

haupt nicht einzugehen oder aber das höchstzulässige Risiko nicht zu über-

schreiten (BGE 134 IV 204). In erster Linie ist dabei von gesetzlichen Normen 

auszugehen, deren Schutzzweck in der Vermeidung der fraglichen Gefahren liegt. 

Diese gesetzliche Verhaltensregel ist sodann den persönlichen Verhältnissen 

sowie den konkreten Umständen des potentiellen Täters anzupassen (vgl. 

OFK/StGB-DONATSCH, 21. Aufl., Art. 12 N 15 f.). Im Strassenverkehr richtet sich der 

Umfang der Sorgfalt, welche zu beachten ist, nach den Bestimmungen des 

Strassenverkehrsgesetzes (SVG) und der Verkehrsregelverordnung (VRV). 

Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts stellt die Übertretung 

-   16   -

einer solchen Vorschrift – bei Eintritt eines entsprechenden tatbestandsmässigen 

Erfolgs – regelmässig auch eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit im Sinne von Art. 12 

Abs. 3 StGB dar (BGE 116 IV 306 E. 1a). Das Mass der Aufmerksamkeit, das vom 

Fahrzeuglenker verlangt wird, beurteilt sich nach den gesamten Umständen, 

namentlich der Verkehrsdichte, den örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und 

den voraussehbaren Gefahrenquellen (BGE 129 IV 282 E. 2.2.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1125/2020 E. 4.3).

3.2.1. Missachtung einer Sorgfaltspflicht

3.2.1.1. Gemäss Art. 31 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig so be-

herrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Beherrschen 

bedeutet, jederzeit in der Lage sein, auf jede Gefahr ohne Zeitverlust genügend 

schnell und zweckmässig zu reagieren. Dies verlangt, dass Fahrzeugführer jeder-

zeit die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug ausüben und die Verkehrsregeln 

– beispielsweise Bremsen auf Sicht – beachten können. Entsprechend muss der 

Führer jederzeit in der Lage sein, auf selbst überraschende Verkehrsverhältnisse 

mit einer durchschnittlichen Reaktionszeit angemessen zu reagieren. Art. 3 VRV 

konkretisiert die Norm mit beispielhaften Sorgfaltspflichten. Der Fahrzeugführer 

muss gemäss Art. 3 Abs. 1 VRV der Strasse und dem Verkehr die erforder-

liche Aufmerksamkeit zuwenden (WEISSENBERG, Kommentar SVG, 2. Auflage, 

Zürich/St. Gallen 2015, Art. 31 N 1).

3.2.1.2. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, war die Sicht an besagtem Abend 

gut und das Verkehrsaufkommen gering, weshalb es der Beschuldigten nach den 

gesamten (konkreten) Umständen möglich gewesen wäre, den Privatkläger recht-

zeitig auf der Strasse zu erblicken und ein entsprechendes Brems- oder Ausweich-

manöver einzuleiten (vgl. nachfolgend E. II/3.2.3 und 3.2.4). Daraus sowie aus den 

Aussagen der Beschuldigten, dass sie den Privatkläger nicht bzw. erst kurz vor 

der Kollision wahrgenommen habe (Urk. 3 F/A 4 und 6; Urk. 6 S. 4, 10, 13, 15; 

Urk. 4 F/A 12, 25 ff.; Prot. I S. 13 f.), muss mit der Vorinstanz geschlossen werden 

(Urk. 50 E. IV/2.4.2), dass sich die Beschuldigte nicht aufmerksam genug auf die 

Strasse geachtet und den Privatkläger deshalb zu spät gesehen hat. Dass die 

Beschuldigte den Privatkläger nicht oder zu spät wahrgenommen hat und ein ent-

-   17   -

sprechendes Brems- oder Ausweichmanöver zu spät eingeleitet hat, kann nicht an-

ders als mangelnde Aufmerksamkeit und damit als Verstoss gegen die in Art. 31 

Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 3 Abs. 3 VRV statuierte Verhaltenspflicht gewertet werden.

3.2.1.3. Zur Kollision kam es somit, weil die Beschuldigte den Privatkläger aufgrund 

mangelnder Aufmerksamkeit nicht oder zu spät wahrnahm, und somit nicht mehr 

rechtzeitig bremsen oder ausweichen konnte. Dazu wäre sie aber gemäss den 

Regeln des Strassenverkehrsgesetzes bzw. der Verkehrsregelverordnung (Art. 31 

Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV) verpflichtet gewesen.

3.2.2. Vertrauensgrundsatz

3.2.2.1. Nach dem Vertrauensgrundsatz darf jedermann davon ausgehen, dass 

sich seine Mitbürger pflichtgemäss verhalten. Dieses Prinzip wird für den Bereich 

des Strassenverkehrs aus Art. 26 SVG abgeleitet (DONATSCH/GODENZI/TAG, Straf-

recht I, Verbrechenslehre, S. 369 f.). Gemäss Art. 26 Abs. 1 SVG muss sich im Ver-

kehr jedermann so verhalten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung 

der Strasse weder behindert noch gefährdet. Gemäss Art. 26 Abs. 2 SVG ist be-

sondere Vorsicht gegenüber Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten geboten, 

ebenso wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein Strassenbenützer nicht 

richtig verhalten wird.

3.2.2.2. Aus Art. 47 Abs. 1 und Abs. 5 VRV ergibt sich, dass vorliegend die 

Beschuldigte Vortritt hatte, da der Privatkläger die Strasse nicht auf einem Fuss-

gängerstreifen überschritt und sich in nächster Nähe der Kollisionsstelle eine Unter-

führung befand. Auf dem Weg zum Erreichen der Fahrspur der Beschuldigten hat 

der Privatkläger allenfalls sogar eine Sicherheitslinie überquert. Es stellt sich daher 

die Frage, ob die Beschuldigte damit rechnen musste, dass ihr der Privatkläger 

den Vortritt nicht lassen werde im Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG. Vorliegend ist 

davon auszugehen, dass der Privatkläger die ganze Strasse in einem Zug zu über-

queren plante. Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass der Zeuge G._____ den 

Privatkläger in zügigem Schritt die Strasse überqueren sah. Auch der Privatkläger 

selbst erklärte, dass er normal bzw. schnell über die Strasse gelaufen sei (vgl. zur 

Gehgeschwindigkeit des Privatklägers auch nachfolgend E. II/3.2.3.4). Überdies 

-   18   -

war der Privatkläger bei Überqueren der Strasse alkoholisiert (Blutalkohol-

wert zwischen 0,98 bis 1,08 Gewichtspromille, respektive einen Mittelwert von 

1,03 Gewichtspromille; Urk. 12/5), was der Beschuldigten – wenn sie diesen auf 

der Strasse rechtzeitig gesehen hätte – gegebenenfalls aufgefallen wäre. Aufgrund 

des erkennbaren verkehrswidrigen Verhaltens des Privatklägers wäre die Beschul-

digte trotz ihres Vortrittsrechts zum Bremsen bzw. Ausweichen verpflichtet ge-

wesen, da sie davon hätte ausgehen müssen, dass sich der Privatkläger "nicht 

richtig verhalten wird" im Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG (vgl. dazu auch BGE 94 

IV 140 E. 2). Etwas anderes ergibt sich aus den Akten nicht. Sodann ist darauf 

hinzuweisen, dass die Beschuldigte den Privatkläger eben gerade nicht bzw. erst 

kurz vor der Kollision wahrgenommen hat (Urk. 3 F/A 4 und 6; Urk. 4 F/A 12, 25 ff.; 

Urk. 6 S. 4, 10, 13, 15; Prot. I S. 13 f.), weswegen sie sich gerade nicht darauf 

berufen kann, vom verkehrsregelkonformen Verhalten des Privatklägers ausge-

gangen zu sein.

3.2.3. Vorhersehbarkeit

3.2.3.1. Grundvoraussetzung für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorherseh-

barkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den 

konkreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Dabei 

muss in Beachtung der massgeblichen Adäquanz das fragliche Verhalten geeignet 

sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens 

den eingetretenen Erfolg herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Das 

Verhalten der beschuldigten Person braucht dabei nicht die einzige oder unmittel-

bare Ursache der Schädigung zu sein. Die Vorhersehbarkeit wird nur dann verneint, 

wenn ganz aussergewöhnliche Umstände wie das Mitverschulden des Opfers 

als Mitursachen hinzutreten, mit denen die beschuldigte Person schlechthin nicht 

rechnen musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und 

unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitver-

ursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten der jeweiligen beschuldigten 

Person – in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1093/2017 vom 25. April 2018 E. 1.3.2).

-   19   -

3.2.3.2. Bei der C._____-strasse (im Bereich der Verzweigung mit der oberen 

F._____-strasse) in D._____ handelt es sich um eine vierspurige Strasse. Die Fahr-

bahnseite, auf welcher sich die Beschuldigte befand, besteht aus zwei Spuren. Die 

Gegenfahrbahn besteht aus einer Spur und daneben befindet sich eine Bus-/Fahr-

radspur (Urk. 9). Die C._____-strasse verläuft vor dem Kollisionsort – im Bereich 

der Verzweigung mit der oberen F._____-strasse – über mehrere hundert Meter 

gerade (vgl. zu den örtlichen Gegebenheiten: https://map.geo.admin.ch). Der Foto-

dokumentation des Unfalls ist zu entnehmen, dass es sich bei der C._____-strasse 

(im und vor dem Bereich des Kollisionsorts) um eine gut bzw. hell beleuchtete – die 

Strassenbeleuchtung befindet sich mittig über den vier Strassenspuren – und über-

sichtliche Strasse handelt (Urk. 9). Dies ist auch den Aussagen der Beschuldigten 

zu entnehmen, die die Verkehrsverhältnisse als trocken und die Sichtverhältnisse 

als klar bezeichnete. Es sei zwar dunkel, die Strasse aber beleuchtet gewesen. An 

das Verkehrsaufkommen an besagtem Abend vermochte sich die Beschuldigte 

nicht zu erinnern (Urk. 6 S. 8; Prot. I S. 10 ff.). Auch der Privatkläger berichtete, 

dass die Kollision mitten in der Stadt erfolgt sei und die Strasse gut beleuchtet ge-

wesen sei. Die Verkehrsverhältnisse seien ruhig und die Sichtverhältnisse gut bzw. 

hell beleuchtet gewesen (Urk. 8 S. 8 und S. 18). Auch der Zeuge G._____ führte 

aus, dass die Sichtverhältnisse gut und die Strasse hell (beleuchtet) gewesen 

seien. Auf die Verkehrsverhältnisse angesprochen, erklärte der Zeuge G._____, 

dass es gar keinen Verkehr gehabt habe bzw. nur sehr selten Autos durchgefahren 

seien (Urk. 8 F/A 14 ff.). Weitere Lichtquellen an der Unfallörtlichkeit waren die hell 

beleuchtete Tankstelle, die beim Eingangsbereich beleuchtete Unterführung sowie 

die Bushaltestelle (Urk. 9 Bild 2). Auch war das Autolicht des Personenwagens der 

Beschuldigten eingeschaltet (Urk. 3 F/A 21). Dass die Sichtverhältnisse trotz später 

Stunde gut bzw. die Strasse hell beleuchtet und das Verkehrsaufkommen gering 

bzw. kaum vorhanden gewesen sein musste, ergibt sich auch aus dem Umstand, 

dass der Zeuge G._____ einen Mann (aus der Nähe dann als den Privatkläger er-

kannt) – vom Fussgängerstreifen beim Restaurant Industriehalle aus einer Distanz 

von rund 70 Metern – die Strasse überqueren sah (vgl. zu den örtlichen Gegeben-

heiten bzw. den Distanzen: https://map.geo.admin.ch; vgl. auch Urk. 7 F/A 3 f., 

Urk. 8 F/A 11).

-   20   -

3.2.3.3. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass es sich im Bereich (vor) der 

Kollisionsstelle nicht um eine ausserordentliche Verkehrssituation handelte, in 

welcher die Anforderungen an die menschliche Beobachtungs- und Reaktions-

fähigkeit der Beschuldigten überspannt worden wäre (Urk. 50 E. IV/2.4.2 S. 25 mit 

Verweis auf BGE 103 IV 101; vgl. dazu auch BGE 104 IV 28 E. 2). In der Tankstelle 

– welche sich im rechten Blickfeld der Beschuldigten befand – ist überdies keine 

konkrete Gefahrenquelle zu erblicken, weshalb die Beschuldigte nicht von der 

Pflicht entbunden gewesen wäre, sämtliche Vorgänge auf der Strasse zu beo-

bachten (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 6B_867/2009 vom 3. Dezember 

2009 E. 5.5.1 und 5.4). Überdies gilt anzufügen, dass die Beschuldigte dies-

bezüglich erklärte, dass sie lediglich kurz mit den Augen rechts zur Tankstelle 

geschaut und den Kopf dafür nicht gedreht habe (Urk. 3 F/A 4, Urk. 6 S. 4), ihre 

Aufmerksamkeit somit nicht durch die Tankstelle absorbiert war. Auch sonstige 

Gefahrenquellen, welche der Beschuldigten besondere Aufmerksamkeit abverlangt 

hätten, sind im Bereich (vor) der Kollisionsstelle nicht ersichtlich.

3.2.3.4. Die drei Fahrspuren (inkl. Bus- und Fahrradspur), welche der Privatkläger 

überqueren musste, um auf die Fahrbahn zu gelangen, auf welcher die Beschul-

digte ihren Personenwagen fuhr, waren mindestens 11 Meter breit (vgl. zu den ört-

lichen Gegebenheiten bzw. den Distanzen: https://map.geo.admin.ch). Auf Frage, 

wie schnell er über die Strasse gegangen sei, erklärte der Privatkläger, dass er 

ganz normal gegangen sei (Urk. 5 F/A 14). In der Konfrontationseinvernahme er-

klärte der Privatkläger, dass er in seinem Tempo, schnell eigentlich, rüber gelaufen 

sei (Urk. 6 S. 8). Der Zeuge G._____ erklärte in der polizeilichen Einvernahme, 

dass der Privatkläger zügig unterwegs gewesen sei (Urk. 7 F/A 10). Diese Aussage 

relativierte er in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, wo er erklärte, dass 

sich der Privatkläger normal, weder schnell noch langsam, bewegt habe (Urk. 8 

F/A 20). Beim Privatkläger handelt es sich um einen zum Kollisionszeitpunkt 58-

jährigen Mann. Zu seinen medizinischen Leiden bzw. Vorerkrankungen zählten 

zum damaligen Zeitpunkt u.a. chronische Bronchitis, eine posttraumatische Belas-

tungsstörung, Alkoholabusus, Diabetes und eine (noch nicht entdeckte) Krebser-

krankung (Urk. 13/15). Die Blutalkoholanalyse des Privatklägers vom 20. Mai 2020 

ergab, dass der Privatkläger zum Zeitpunkt der Blutentnahme um 01.00 Uhr einen 

-   21   -

Blutalkoholwert zwischen 0,98 bis 1,08 Gewichtspromille, respektive einen Mittel-

wert von 1,03 Gewichtspromille aufwies (Urk. 12/5). Der Privatkläger ist überdies 

Raucher und 1,76 Meter gross (Urk. 13/11 S. 11). Von einer höheren Gehge-

schwindigkeit – des zum Zeitpunkt der Kollision bereits gesundheitlich angeschla-

genen und betrunkenen Privatklägers – als 1,5 m/s bzw. 5,4 km/h ist nicht auszu-

gehen, entsprechen doch 5,4 km/h einem zügigen Gehen (vgl. dazu Urteil des Bun-

desgerichts 6B_493/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 4.4). Der Privatkläger war 

bei einer Gehgeschwindigkeit von 1,5 m/s bzw. 5,4 km/h mindestens 7,33 Sekun-

den auf der Strasse unterwegs (bei geradem Überqueren der Strasse), bis er die 

Fahrspur des Personenwagens der Beschuldigten erreichte. Bei leicht schrägem 

Überqueren der Strasse würde sich die Strecke und somit die Zeit und Sichtbarkeit 

des Privatklägers auf der Strasse entsprechend verlängern. Der Vollständigkeit hal-

ber und als Anschauungsbeispiel gilt anzufügen, dass sich bei einer schnellen Geh-

geschwindigkeit des Privatklägers von 2 m/s bzw. 7,2 km/h die Zeit des Privatklä-

gers auf der Strasse (bis zum Erreichen der Fahrspur des Personenwagens der 

Beschuldigten) auf 5,5 Sekunden reduzieren würde.

3.2.3.5. Der Anhalteweg eines Personenwagens besteht aus dem Reaktionsweg 

und dem Bremsweg. Vorliegend ist mit der Verteidigung von einer Reaktionszeit 

der Beschuldigten von einer Sekunde auszugehen (vgl. dazu BGE 115 II 283 E. 1a; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_493/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 4.3.1). Zur 

Reaktionszeit ist die sogenannte Bremsschwellzeit (Zeit vom Beginn der Brems-

wirkung bis zum Beginn der Blockier- oder Regelspurzeichnung) von 0,2 Sekunden 

hinzuzurechnen (Urteile 6B_533/2012 vom 25. Januar 2013 E. 1.5; 6B_493/2011 

vom 12. Dezember 2011 E. 4.3). Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 45 km/h – wie 

von der Beschuldigten selbst geltend gemacht (Urk. 3 F/A 4 und 7; Urk. 6 S. 4) – 

ergibt dies ein Reaktionsweg (inkl. Bremsschwellzeit) von 15 Meter (45 km/h = 12,5 

m/s; 12,5 Meter x 1,2 Sekunden). Der gesetzliche Mindestverzögerungswert für 

Personenwagen beträgt 5,8 m/s2 (vgl. dazu die Verordnung über die technischen 

Anforderungen an Strassenfahrzeuge vom 19. Juni 1995, Anhang 7). Der ge-

setzliche Mindestverzögerungswert dürfte zwar bei vielen modernen Personen-

wagen übertroffen werden (vgl. dazu beispielsweise SCHAFFHAUSER/PETER, 

Strassenverkehr: Wie das Bundesgericht Anhaltewege berechnet, in: Jusletter 

-   22   -

10. Juni 2013, Rz. 13). Da der Beschuldigten aber bei der vorliegenden Beweislage 

nichts anderes nachgewiesen werden kann, muss von einer Bremsverzögerung 

von 5,8 m/s2 ausgegangen werden, da die Strassenverhältnisse trocken waren und 

sich vorliegend aus den Akten auch sonst nichts ergibt, was für eine geringere oder 

höhere Bremsverzögerung sprechen würde (act. 6 S. 8; vgl. dazu auch Urteil des 

Bundesgerichts 6B_493/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 4.3.3). Der Bremsweg 

beträgt vorliegend bei einer Bremsverzögerung von 5,8 m/s2 rund 13,47 Meter 

[(12,5)2 / (2 x 5,8 m/s2)] und dauerte 2,155 Sekunden (12,5 m/s : 5,8 m/s2). Der 

Anhalteweg bei der vorliegenden Ausgangslage beträgt somit 28,47 Meter 

(15 Meter Reaktionsweg und 13,47 Meter Bremsweg) und dauerte 3,355 Sekunden 

(1,2 Sekunde Reaktionszeit [inkl. Bremsschwellzeit] sowie 2,155 Sekunden Brems-

zeit; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2012 vom 25. Januar 

2013 E. 1.5 sowie OFK SVG-GIGER Art. 32 N 8 ff.).

3.2.3.6. Ausgehend von einer Gehgeschwindigkeit von 1,5 m/s muss sich der 

Privatkläger 3,355 Sekunden (Zeit des Anhaltewegs) vor der Kollision bzw. zum 

"letztmöglichen Bremszeitpunkt" der Beschuldigten gut 5 Meter von der Kollisions-

stelle entfernt befunden haben, demnach bereits in der Mitte der Gegenfahrbahn. 

Ausgehend von einer Gehgeschwindigkeit des Privatklägers von 2 m/s würde die 

Distanz 6,71 Meter betragen, dann hätte sich der Privatkläger am Ende der Bus-

spur bzw. am Anfang der Gegenfahrbahn befunden (vgl. zu den örtlichen Gegeben-

heiten: https://map.geo.admin.ch).

3.2.3.7. Aufgrund der guten Sichtverhältnissen und dem geringen Verkehrs-

aufkommen hätte die Beschuldigte den Privatkläger aber bereits, als dieser die 

Bus-/Fahrradspur betrat, bemerken müssen. Der Privatkläger befand sich unter 

Berücksichtigung einer zügigen Gehgeschwindigkeit mindestens 7,33 Sekunden 

bis zur Kollisionsstelle auf der Strasse. Bei der Dauer des Anhalteweg des Perso-

nenwagens der Beschuldigten von 3,355 Sekunden hätte die Beschuldigte somit 

genügend Zeit gehabt, nämlich 3,975 Sekunden (7,33 Sekunden - 3,355 Sekun-

den), den Privatkläger beim Betreten der Strasse (auf der Bus-/Fahrradspur) und 

spätestens inmitten der Gegenfahrbahn wahrzunehmen und mit einem ent-

sprechenden Brems- oder Ausweichmanöver zu reagieren. Zum Zeitpunkt, als der 

-   23   -

Privatkläger die Strasse betrat, hätte sich die Beschuldigte – bei in der Folge 

vollständiger Bremsung ihres Personenwagens – 78,15 Meter (3,975 x 12,5 + 

28,47 Meter) von der Kollisionsstelle entfernt befunden. Ein rechtzeitiges Wahr-

nehmen des Privatklägers auf der Strasse und Einleiten eines Brems- oder 

Ausweichmanövers der Beschuldigten wäre dieser sogar dann möglich gewesen, 

wenn der Privatkläger – wovon nicht auszugehen ist – sich mit schneller Geh-

geschwindigkeit (2 m/s bzw. 7,2 km/h) auf die Strasse bewegt hätte. Auch dann 

wären der Beschuldigten noch 2,145 Sekunden geblieben, um den Privatkläger auf 

der Strasse wahrzunehmen und mit einem Brems- oder Ausweichmanöver zu 

reagieren (5,5 Sekunden - 3,355 Sekunden; bei einer Entfernung der Beschul-

digten von der Kollisionsstelle von 55,28 Metern bei Betreten der Strasse durch den 

Privatkläger [2,145 Sekunden x 12,5 m/s + 28,47 Meter]).

3.2.3.8. Eine Sichtverdeckung durch die A-Säule – wie von der Beschuldigten und 

von der Verteidigung vorgebracht (Urk. 4 F/A 26, Urk. 6 S. 10, Urk. 63 Rz. 63; 

Prot. I S. 14) – erscheint vorliegend nicht plausibel. Die Beschuldigte fuhr mit ihrem 

Personenwagen auf einer über mehrere hundert Meter gerade verlaufenden 

Strasse mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Zum Zeitpunkt des Betretens der 

Strasse (auf der Bus-/Fahrradspur) durch den Privatkläger befand sich die Beschul-

digte zwischen 78.15 Meter (bei Annahme einer vollständigen Bremsung des Per-

sonenwagens der Beschuldigten) und 91.625 Meter (bei ungebremster Fahrt 

des Personenwagens der Beschuldigten bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h; 

7,33 x 12,5) und der Privatkläger mindestens 11 Meter von der Kollisionsstelle ent-

fernt. Zum "letztmöglichen Bremszeitpunkt" der Beschuldigten befand sich diese 

28,47 Meter und der Privatkläger gut 5 Meter von der Kollisionsstelle entfernt (vgl. 

vorstehend E. II/3.2.3.4 ff.). Der tote Winkel der linken A-Säule – wie vorliegend 

geltend gemacht – wäre bei sich näher befindlichen Personen oder Objekten im 

linken Sichtfeld der Beschuldigten relevant, beispielsweise beim Linksabbiegen, 

beim (Links-)Kurvenfahren, oder wenn der Winkel aufgrund geringerer Distanz 

zwischen dem Personenwagen der Beschuldigten und dem Privatkläger – im rele-

vanten Distanzbereich – weniger spitz gewesen wäre. Eine solche Konstellation ist 

vorliegend jedoch nicht zu beurteilen, weswegen eine Sichtverdeckung durch die 

A-Säule des Personenwagens der Beschuldigten im Einklang mit den vorinstanzli-

-   24   -

chen Erwägungen nicht in Betracht kommt (vgl. dazu Urk. 50 E. IV/2.4.2 Abs. 3 

S. 25 f.).

3.2.3.9. Der Privatkläger überquerte die Strasse zügig, um zur auf der gegenüber-

liegenden Strassenseite befindlichen Tankstelle zu gelangen, obwohl sich gleich 

bei der Unfallörtlichkeit eine Unterführung befand. Dass Personen jedoch innerorts 

– insbesondere im Stadtgebiet, zu später Stunde, wenn das Verkehrsaufkommen 

gering ist, die Sicht aber gut und sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite 

eine Tankstelle befindet – die Strasse ausserhalb der dafür vorgesehenen Stellen 

überqueren, ist nicht derart aussergewöhnlich, dass die Beschuldigte damit 

schlechthin nicht hätte rechnen müssen. Daran ändert auch der Umstand nichts, 

dass der Privatkläger beim Überqueren der Strasse alkoholisiert war. Das Mitver-

schulden des Privatklägers ist durchaus vorhanden, es wiegt aber nicht derart 

schwer, als dass es das Verhalten der Beschuldigten in den Hintergrund zu drän-

gen vermag.

3.2.3.10. Die unaufmerksame Fahrweise der Beschuldigten war nach dem gewöhn-

lichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens geeignet, zur Kollision und 

den schweren Körperverletzungen des Privatklägers zu führen. In einer übersicht-

lichen Verkehrssituation – insbesondere im Stadtgebiet, in der Nähe einer Tank-

stelle, zu später Stunde, mit guter Sicht und reduziertem Verkehrsaufkommen – 

muss damit gerechnet werden, dass nicht vortrittsberechtigte Personen die Strasse 

überqueren. Auch war der Beschuldigten klar, dass es zu einer Kollision und zu 

den schweren Verletzungen des Privatklägers kommt, wenn sie diesen mangels 

genügender Aufmerksamkeit zu spät oder nicht wahrnimmt und deshalb das 

Brems- oder Ausweichmanöver zu spät einleitet. Entgegen dem Einwand der Ver-

teidigung erscheint das Verhalten des Privatklägers nicht derart aussergewöhnlich, 

dass es den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Pflichtverletzung der 

Beschuldigten (fehlende Aufmerksamkeit) und deren Folgen unterbricht (vgl. 

Urk. 63 Rz. 66 ff.).

-   25   -

3.2.4. Vermeidbarkeit

3.2.4.1. Der Erfolg wäre vermeidbar gewesen, wenn er nach dem hypothetischen 

Kausalverlauf bei pflichtgemässem Verhalten der Beschuldigten ausgeblieben 

wäre (Urteil des Bundesgerichts 6B_250/2012 vom 1. November 2012 E. 3.2.1) 

beziehungsweise wenn die Beschuldigte grundsätzlich die Möglichkeit gehabt 

hätte, durch ihr Verhalten den Eintritt des voraussehbaren Erfolgs zu vermeiden 

(DONATSCH/GODENZI/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, S. 379 f.).

3.2.4.2. Dass die Sichtverhältnisse am Abend des Vorfalles gut und die Strassen-

verhältnisse trocken bzw. das Verkehrsaufkommen gering gewesen sein müssen, 

wurde vorstehend bereits dargelegt. Auch auf die vorstehenden Erwägungen zum 

Anhalteweg des Personenwagens der Beschuldigten, zur Gehgeschwindigkeit des 

Privatklägers sowie zur Dauer des Privatklägers auf den drei Strassenspuren, 

bis zum Erreichen der Kollisionsstelle, kann verwiesen werden (vgl. vorstehend 

E. II/3.2.3). Es ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der Privatkläger für das Über-

queren der drei Strassenspuren bis zur Kollisionsstelle mindestens 7,33 Sekunden 

benötigte und der Anhalteweg der Beschuldigten 3,355 Sekunden gedauert hätte. 

Der Beschuldigten wären somit 3,975 Sekunden zur Verfügung gestanden, um den 

Privatkläger bei Betreten der Strasse (auf der Bus/Fahrradspur) und spätestens 

inmitten der Gegenfahrbahn wahrzunehmen und mit einem entsprechenden 

Brems- oder Ausweichmanöver zu reagieren. Von einer Sichteinschränkung der 

Beschuldigten ist nicht auszugehen und die Sichtverhältnisse waren gut, weshalb 

die Beschuldigte den Privatkläger während den gesamten ihr zur Verfügung 

stehenden 3,975 Sekunden auf der Strasse hätte wahrnehmen können. Der Be-

schuldigten wäre somit eine vollständige Bremsung ihres Personenwagens vor der 

Kollision mit dem Privatkläger möglich gewesen, womit sie die Kollision mit dem 

Privatkläger und dessen Verletzungsfolgen hätte vermeiden können, wenn sie die-

sen rechtzeitig wahrgenommen hätte. Vor diesem Hintergrund ist es sodann auch 

unerheblich, ob die Beschuldigte den Privatkläger allenfalls kurz vor der Kollision 

gesehen und gegebenenfalls kurz vor der Kollision ein Bremsmanöver eingeleitet 

hat (wie von der Verteidigung in Urk. 63 Rz. 23 ff. vorgebracht).

-   26   -

4. Fazit

Zusammenfassend sind vorliegend sämtliche Tatbestandsmerkmale der fahr-

lässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung erfüllt. Rechtfertigungs- und 

Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich. Die Beschuldigte ist daher der 

fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

III. Sanktion

1. Ausgangslage, Strafrahmen, Grundsätze der Strafzumessung, Strafart

1.1. Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit einer (bedingten) Geldstrafe von 

60 Tagessätzen zu Fr. 70.– (Urk. 50 S. 36).

Da einzig die Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhob, fällt 

aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) eine strengere 

Bestrafung von vornherein ausser Betracht.

1.2. Die Vorinstanz hat den für Art. 125 Abs. 1 StGB (in Verbindung mit Art. 125 

Abs. 2 StGB) angedrohten Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu einer drei-

jährigen Freiheitsstrafe korrekt abgesteckt und zutreffend festgehalten, dass 

vorliegend kein Anlass besteht, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen 

(Urk. 50 E. V/1 S. 27).

1.3. Auch die Erwägungen der Vorinstanz zu den allgemeinen Strafzumessungs-

regeln (Urk. 50 E. V/3 S. 27 f.) brauchen nicht wiederholt zu werden. In teilweiser 

Wiederholung sowie Ergänzung dazu gilt es anzufügen, dass das Gericht innerhalb 

des Strafrahmens die Strafe nach dem Verschulden zumisst. Bei Fahrlässigkeits-

delikten ist in erster Linie massgebend, wie krass der Täter gegen die ihm oblie-

genden Sorgfaltspflichten verstossen hat: Gleichgültiges, leichtfertiges oder rück-

sichtsloses Verhalten wiegt offenkundig schwerer als blosse Unachtsamkeit oder 

eine Fehlreaktion, wie sie jedermann gelegentlich unterlaufen kann. Der Grad des 

Sorgfaltsverstosses hängt dabei, wie die Fahrlässigkeit überhaupt (vgl. Art. 12 

Abs. 3 Satz 2 StGB), nicht nur von den äusseren Umständen, sondern auch von 

-   27   -

den persönlichen Fähigkeiten des Täters ab. Das Verschulden ist umso grösser, je 

leichter es für ihn gewesen wäre, die Rechtsgutsverletzung zu vermeiden, und um-

gekehrt (STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: 

Strafen und Massnahmen, 3. Aufl., Bern 2020, § 5 N 28).

1.4. Vorab kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zur Strafart ver-

wiesen werden (Urk. 50 E. V/2 S. 27). In Ergänzung dazu gilt es anzufügen, dass 

nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit bei alternativ zur Verfügung stehenden 

Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden soll, die weniger stark in die per-

sönliche Freiheit der Betroffenen eingreift, bzw. die sie am wenigsten hart trifft 

(BGE 138 IV 120 E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 und BGE 134 IV 82 E. 4.1), wobei 

eine Geldstrafe im Verhältnis zur Freiheitsstrafe milder wirkt. Massgebend ist auch 

die Zweckmässigkeit der Sanktion bzw. ihre Auswirkung auf den Täter und sein 

soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz (BGE 134 IV 97 E. 4.2).

Die Beschuldigte ist nicht vorbestraft und seit dem hier thematisierten Vorfall 

strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung getreten (vgl. Urk. 53). Der Aussprechung 

einer Freiheitsstrafe würde zum einen das Verschlechterungsverbot entgegen-

stehen, sodann erscheint eine solche mit der Vorinstanz von vornherein als nicht 

geboten, um die Beschuldigte von weiteren Straftaten abzuhalten.

2. Tatverschulden

2.1. Objektive Tatschwere

Der Privatkläger zog sich zufolge der Kollision mit dem Personenwagen der 

Beschuldigten – wie vorstehend dargelegt (vgl. vorstehend E. II/3.1.5) – mehrere 

Frakturen am linken Fuss zu. Ein Zeh seines linken Fusses musste amputiert 

werden und der Privatkläger litt mindestens ein Jahr und knapp fünf Monate nach 

dem Unfall noch immer an Gleichgewichtsstörungen, Schonhinken, Krämpfen und 

Ameisenlaufen. Diese Verletzungen sind am unteren Rand des Denkbaren bei 

schweren Körperverletzungen einzustufen. Weiter ist festzuhalten, dass die 

Beschuldigte, indem sie die ihr im Strassenverkehr obliegende pflichtgemässe 

Aufmerksamkeit gegenüber dem Privatkläger missachtete, eine wichtige Ver-

-   28   -

haltensnorm verletzte. Aufgrund ihrer Unachtsamkeit bemerkte sie den Privatkläger 

zu spät, kollidierte mit diesem und überrollte seinen linken Fuss hernach mit dem 

linken Vorderrad ihres Personenwagens. Bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit 

hätte sie den Privatkläger auf der Strasse erblicken und rechtzeitig bremsen 

können, so dass die Kollision und das Überrollen des Fusses des Privatklägers und 

damit dessen schwere Verletzung hätten verhindert werden können. Die Unauf-

merksamkeit hinsichtlich der Geschehnisse auf der Strasse dauerte allerdings nur 

wenige Sekunden, weshalb von einer minderschweren Pflichtverletzung und 

jedenfalls nicht von einem rücksichtslosen Verhalten zu sprechen ist. Weiter ist zu 

berücksichtigen, dass der Privatkläger die Strasse unvermittelt, mit anderen Worten 

ohne sich auf herannahenden Verkehr zu achten und in angetrunkenem Zustand, 

betreten und bis zur Kollisionsstrassenspur mutmasslich eine Sicherheitslinie 

überquert hat. Überdies fand die Kollision zu später Stunde statt. Die Be-

leuchtungsverhältnisse waren zwar gut, diese sind aber nicht mit der aufgrund des 

Sonnenlichts zu Tageszeit herrschenden Sichtbarkeit vergleichbar. Der Privat-

kläger trug an besagtem Abend ein blaues Hemd und blau/weisse Shorts (Urk. 10), 

was die Sichtbarkeit des Privatklägers auf der Strasse erschwert haben dürfte. 

Auch hat der Privatkläger nicht die sich direkt bei der Unfallörtlichkeit befindliche 

Unterführung verwendet. Ein Überqueren der Strasse durch Fussgänger an der 

Unfallstelle dürfte aufgrund der sich dort befindlichen Unterführung verhältnis-

mässig selten sein. In Anbetracht des Dargelegten und des gesamten Spektrums 

möglicher fahrlässiger Körperverletzungsdelikte (mit schwerer Schädigung) liegt in 

objektiver Hinsicht ein leichtes Verschulden vor.

2.2. Subjektive Tatschwere

Die Beschuldigte handelte fahrlässig. Dieser Umstand verringert jedoch die 

Tatschwere nicht erheblich, da dieser Tatsache bereits im deutlich tieferen Straf-

rahmen des Tatbestands Rechnung getragen wird. Auch wenn der Beschuldigten 

kein grobfahrlässiges Handeln anzulasten ist, stellt es doch eine erhebliche Pflicht-

verletzung dar, dass die Beschuldigte den Privatkläger nicht rechtzeitig bemerkte 

und nicht rechtzeitig ein Bremsmanöver einleitete oder auswich. Die subjektiven 

-   29   -

Verschuldensaspekte vermögen somit das objektive Tatverschulden nicht zu rela-

tivieren, weshalb es bei einem leichten Tatverschulden bleibt.

2.3. Einsatzstrafe

Das Tatverschulden ist nach dem Gesagten als leicht zu qualifizieren. Eine hypo-

thetische Einsatzstrafe im unteren Bereich des Strafrahmens von 80 Tagessätzen 

Geldstrafe erscheint vorliegend mit der Vorinstanz als angemessen.

3. Täterkomponenten

3.1. Was die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten anbelangt, kann auf die 

Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 50 E. V/5.1 S. 29) verwiesen werden. Ergän-

zend dazu gilt es anzufügen, dass die Beschuldigte seit 1. April 2023 nur noch in 

einem 60 % Pensum bei der H._____ AG tätig ist, dabei ein monatliches Netto-

einkommen in der Höhe von Fr. 2'644.15 erzielt und daneben die Einzelfirma 

"I._____" aufbaut. Der Mietzins beträgt noch immer Fr. 1'180.– pro Monat und die 

Krankenkassenprämie beläuft sich auf monatlich Fr. 325.80 (Urk. 63 Rz. 78. 

Urk. 64/2 und 64/6). Eine gesteigerte Strafempfindlichkeit weist die Beschuldigte 

nicht auf. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die Lebensgeschichte oder der Werde-

gang der Beschuldigten Auswirkungen auf die Strafzumessung zeitigen sollten. 

Aus der Biografie und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten lassen 

sich mit der Vorinstanz keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten.

3.2. Auch die Vorstrafenlosigkeit der Beschuldigten (Urk. 53) ist mit der Vorinstanz 

(Urk. 50 E. V/5.2 S. 29) als strafzumessungsneutral zu bewerten.

3.3. Zum Nachtatverhalten kann sodann angeführt werden, dass die Beschuldigte 

sich zwar keiner Schuld im rechtlichen Sinne bewusst ist, sie sich indessen in Be-

zug auf den äussern Sachverhalt teilweise geständig zeigte bzw. zur Klärung des 

Unfallhergangs beitrug und sich anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 

von den Folgen des Unfalls für den Privatkläger betroffen zeigte (Prot. I S. 16, 

S. 23; gleich auch die Vorinstanz in Urk. 50 E. V/5.3 S. 29), was leicht straf-

mindernd – im Umfang von 10 Tagessätzen – zu berücksichtigen ist.

-   30   -

3.4. Mit der Vorinstanz ist die Strafe unter dem Titel der Verletzung des Beschleu-

nigungsgebots – aufgrund der langen Verfahrensdauer – leicht, im Umfang von 

10 Tagessätzen, zu reduzieren.

4. Zwischenfazit

In Anbetracht aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint in Würdigung der 

objektiven und subjektiven Komponenten der begangenen Straftat sowie in 

Berücksichtigung der Täterkomponenten für die fahrlässige Körperverletzung mit 

schwerer Schädigung eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen angemessen.

5. Tagessatzhöhe

Um Wiederholungen zu vermeiden, kann einleitend auf die zutreffenden Erwägun-

gen der Vorinstanz zu den rechtlichen Grundlagen hinsichtlich der Bemessung der 

Tagessatzhöhe verwiesen werden (Urk. 50 E. V/8.1 S. 30). Nochmals hervorzu-

heben ist, dass das Gericht die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und 

finanziellen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Ein-

kommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungs-

pflichten sowie nach dem Existenzminimum bestimmt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Die 

Vorinstanz setzte den Tagessatz auf Fr. 70.– fest, unter Berücksichtigung der 

damaligen Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Beschuldigten sowie 

deren Lebensaufwand (vgl. Urk. 50 E. V/8.2 S. 30). Wie vorstehend dargelegt hat 

die Beschuldigte ihr Arbeitspensum bei der H._____ GmbH (freiwillig) auf 60 % re-

duziert und erzielt deshalb ein tieferes monatliches Nettoerwerbseinkommen. Auf-

grund der freiwilligen Reduktion des Einkommens und obwohl ihr eine 100 % Er-

werbstätigkeit noch immer zumutbar wäre, ist vorliegend noch immer vom (nun-

mehr hypothetischen) Erwerbseinkommen der Beschuldigten vor Vorinstanz von 

Fr. 4'297.50 auszugehen (vgl. dazu BGE 134 IV 60 E. 6.1). Somit erweist sich die 

von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatzhöhe von Fr. 70.– noch immer als 

angemessen (vgl. Urk. 50 E. V/8.2 S. 30).

-   31   -

6. Vollzug der Geldstrafe

Der bedingte Vollzug der Geldstrafe steht nur schon wegen des Verschlechterungs-

verbots, aber auch wegen der in Nachachtung von Art. 42 Abs. 2 StGB zu vermu-

tenden günstigen Prognose nicht zur Diskussion. Unter diesen Umständen kann 

der Beschuldigten vorbehaltlos eine gute Prognose gestellt werden, weshalb eine 

Probezeit von 2 Jahren als angemessen erscheint.

7. Fazit

Im Ergebnis ist die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

Fr. 70.– zu bestrafen, deren Vollzug bedingt aufzuschieben ist bei einer Probezeit 

von 2 Jahren.

IV. Zivilansprüche

Die Vorinstanz hat die Genugtuungsforderung des Privatklägers in der Höhe von 

Fr. 10'000.– mit der Zusprechung von Fr. 1'500.– reduziert (jeweils zuzüglich Zins; 

Urk. 50 E. VII/2.3 S. 34 f.).

Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die Beurteilung 

der Genugtuungsforderung wurden durch die Vorinstanz korrekt wiedergegeben 

(Urk. 50 E. VII/1 S. 31 ff.).

Daran, dass dem Privatkläger angesichts der durch den Beschuldigten verur-

sachten Unbill grundsätzlich eine Genugtuung zusteht, bestehen keine Zweifel.

Gefolgt werden kann der Vorinstanz bezüglich ihres schlüssig begründeten 

Entscheids, dem Privatkläger eine reduzierte Genugtuung von Fr. 1'500.– zu-

züglich Zins zu 5 % ab dem 19. Mai 2020 zuzusprechen (vgl. Urk. 50 E. VII/2.3 

S. 34 f.). Berücksichtigt man die von der Vorinstanz dargelegten Faktoren (vgl. 

Urk. 50 E. VII/2.3 S. 34 f.), worauf verwiesen werden kann, erweist sich eine 

Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.– zuzüglich Zins zu 5 % ab 19. Mai 2020 als 

angemessen, weshalb die Beschuldigte entsprechend zu verpflichten ist.

-   32   -

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kostendispositiv 

(Dispositivziffern 6 und 7) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Entgegen der 

Ansicht der Verteidigung ist das erstinstanzliche Kostendispositiv auch in Bezug 

auf die vorläufige Kostentragung der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung 

des Privatklägers durch die Gerichtskasse, verbunden mit dem Nachforderungs-

vorbehalt gegenüber der Beschuldigten, zu bestätigen (vgl. Urk. 63 Rz. 85).

2. Kosten des Berufungsverfahrens / Prozessentschädigung

Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzusetzen (§ 2 

Abs. 1 lit. b, c und d, § 14 Abs. 1 lit. b sowie § 16 Abs. 1 GebV OG).

Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Ob-

siegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unterliegt mit 

ihren Berufungsanträgen vollumfänglich, weshalb ihr die Kosten des Berufungsver-

fahrens aufzuerlegen sind. Ausgangsgemäss ist der Beschuldigten auch keine Pro-

zessentschädigung zuzusprechen (vgl. Urk. 63 Rz. 86; vgl. auch Urk. 74 und 75).

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

5. Dezember 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1.-3. […]

4. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers wird abgewiesen.

5.-7. […]

8. [Mitteilungen]

9. [Rechtsmittel]"

-   33   -

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung mit 

schwerer Schädigung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 125 Abs. 2 StGB.

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

Fr. 70.–.

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt.

4. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung von 

Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 19. Mai 2020 zu bezahlen.

Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

5. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 6 und 7) wird bestätigt.

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–.

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.

8. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
 die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des 

Privatklägers

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 das Verkehrssicherheitszentrum OW/NW, Administrativmassnahmen, 

Kreuzstrasse 2, Postfach, 6371 Stans
 J._____ AG, … [Adresse] (Dossier-Nr. …)

-   34   -

 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 31. Oktober 2023

Der Präsident:

lic. iur. B. Gut

Der Gerichtsschreiber:

MLaw J. Stegmann

-   35   -

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam ge-

macht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie 

die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheits-

strafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 

Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.