# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e0d5a09-17f4-5e56-8cc3-1479ad735d6e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240352-O1
**Docket/Reference:** SB240352-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240352-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240352-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

lic. iur. R. Faga sowie Gerichtsschreiberin MLaw A. Sieber

Urteil vom 12. Dezember 2024

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____

gegen

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, 

vertreten durch Jugendanwältin MLaw Y._____, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Veruntreuung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Jugendgericht, 

vom 26. März 2024 (DJ230005)

-   2   -

Anklage:
(Urk. 18/2 und Urk. 18/3)

Der Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Unterland vom 17. August 2023 (Urk. 18/2) 

sowie  die  Berichtigung  des  Strafbefehls  vom  25.  August  2023  (Urk. 18/3)  sind 

diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 58 S. 21 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte hat sich wie folgt schuldig gemacht:









Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB 

mehrfache Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB

mehrfacher Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB

Vergehen gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbin-
dung mit Art. 4 Abs. 1 lit. g WG

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 10.– und 

einer Busse von Fr. 200.–.

3.

a) Der Vollzug der Geldstrafe wird bei einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. 

b) Die Busse ist zu bezahlen. 

4.

a) Die mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Unterland vom 1. März 2022 beschlagnahmte 

Soft-Air Pistole und der Plastiksack (Inhalt Marker Filzer / Squeezer Sprühkopf) werden zur 

Vernichtung eingezogen.

b) Folgende mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Unterland vom 1. März 2022 beschlag-

nahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles 

herausgegeben:

1.

2.

3.

4.

5.

Mobiltelefon SE2020 inkl. Ladekabel

Sichtmappe grün mit diversen Skizzen und Schablone "The Nord Side"

vier B._____ Kleber

Tafel "Videoüberwacht"

Sporttasche schwarz enthaltend: 





Roger-Staub-Mütze schwarz

Sportschuhe weiss mit Farbrückständen

-   3   -





Handschuhe schwarz

Trainerhose Nike, Jacke der Marke Ellesse

6.

"Frauenfürze"

Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils kein entsprechendes Begehren gestellt, 

wird der Verzicht angenommen. 

5.

6.

Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft werden auf den Zivilweg verwiesen.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'000.–

; die weiteren Auslagen betragen:

900.–

  Gebühr für die Strafuntersuchung

3'170.–

  Auslagen Gutachten / morphologischer Bildvergleich 

60.–

  Zeugenentschädigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

Wird keine Begründung verlangt, ermässigt sich die Entscheidgebühr auf 2/3.

7.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten 

auferlegt.

8.

9.

(Mitteilungen)

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

(Prot. II S. 4 ff.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

Ursprüngliche Berufungsanträge:
(Urk. 61 S. 2)

1.

Unter Aufhebung der Ziff. 1, 2, 3a, 3b, 4a, 6 und 7 des Erkenntnis-
ses  im  Dispositiv  des  Urteils  des  Jugendgerichts  Bülach  vom 
26. Januar [recte: März] 2023 (Geschäfts-Nr. DJ230005-C/U1) und 
der zugehörigen Erwägungen sei

A._____ freizusprechen;

2.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für die erste und zweite 
Instanz zulasten des Kantons Zürich.

-   4   -

Vorfrage / prozessuale Anträge:
(Urk. 81 S. 2)

Das Verfahren betreffend mehrfacher Hausfriedensbruch gemäss 
Art. 185 StGB und mehrfache Sachbeschädigung gemäss Art. 144 
Abs. 1 StGB sei einzustellen.

Angepasste bzw. eingeschränkte Berufungsanträge:
(Urk. 85 S. 2)

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Berufung von 
A._____ in der Dispositiv-Ziffer 4a des Urteils des Jugendgerichts 
Bülach vom 26. März 2024 (Geschäfts-Nr. DJ230005-C/U1) zu-
rückgezogen wurde.

Es sei zudem davon Vormerk zu nehmen, dass die Berufung von 
A._____ in der Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des Jugendgerichts 
Bülach vom 26. März 2024 (Geschäfts-Nr. DJ230005-C/U1) in 
Bezug auf folgenden Punkt zurückgezogen wurde: Vergehen ge-
gen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in 
Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. g WG.

Es sei daher festzustellen, dass die genannten Dispositiv-Ziffern 
des Urteils des Jugendgerichts Bülach vom 26. März 2024 (Ge-
schäfts-Nr. DJ230005-C/U1) in Rechtskraft erwachsen sind.

Unter Aufhebung der Ziff. 1 des Erkenntnisses im Dispositiv des 
Urteils des Jugendgerichts Bülach vom 26.03.2024 (Geschäfts-
Nr. DJ230005-C/U1) und der zugehörigen Erwägungen sei das 
Verfahren gegen A._____ betreffend mehrfache Sachbeschädi-
gung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sowie das Verfahren be-
treffend mehrfacher Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB 
einzustellen.

Unter Aufhebung der Ziff. 1, 2, 3a, 3b, 6 und 7 des Erkenntnisses 
im Dispositiv des Urteils des Jugendgerichts Bülach vom 
26.03.2024 (Geschäfts-Nr. DJ230005-C/U1) und der zugehörigen 
Erwägungen sei A._____ vom Vorwurf der Veruntreuung im 
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB freizusprechen.

A._____ sei, soweit er schuldig zu sprechen ist, ein Verweis ge-
mäss Art. 22 JStG zu erteilen.

Die Kosten für das Rechtsmittelverfahren seien auf die Staats-
kasse zu nehmen.

A._____ sei für das Rechtsmittelverfahren eine Parteientschädi-
gung (zzgl. MwSt.) für die entstandenen Anwaltskosten in der 
Höhe von CHF 2'914.88 auszurichten.

Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und die Kosten des 
Vorverfahrens betreffend mehrfache geringfügige Veruntreuung 

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sowie die Kosten des Gutachtens des FOR vom 18.07.2023 seien 
auf die Staatskasse zu nehmen.

10. A._____ sei für das erstinstanzliche Verfahren eine Parteient-

schädigung (zzgl. MwSt.) für die entstandenen Anwaltskosten in 
der Höhe von CHF 2'534.68 auszurichten.

b)

Der Oberjugendanwaltschaft:

(Urk. 86)

1.

2.

Das Urteil des Jugendgerichts Bülach vom 26. März 2024 sei zu 
bestätigen, die Berufung des Beschuldigten vom 2. August 2024 
sei vollumfänglich abzuweisen.

Der Beschuldigte sei wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 
Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen und es sei festzustellen, dass 
der Schuldspruch des Vergehens gegen das Waffengesetz im 
Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 
lit. g WG in Rechtskraft erwachsen ist.

c)

Der Privatklägerin:

(Urk. 63 und Urk. 64)

Keine Anträge.

Erwägungen:

I. Verfahrensgang 

1.1. Am 17. August 2023 erliess die Jugendanwaltschaft Unterland einen Straf-

befehl  gegen  den  Beschuldigten  wegen  mehrfacher  Sachbeschädigung,  mehr-

fachen Hausfriedensbruchs, eines Vergehens gegen das Waffengesetz und mehr-

facher  geringfügiger  Veruntreuung  und  bestrafte  ihn  mit  einer  Geldstrafe  von  20 

Tagessätzen  zu  Fr.  10.–,  entsprechend  Fr. 200.–,  sowie  mit  einer  Busse  von 

Fr. 300.– (Urk. 18/2; Art. 32 JStPO i.V.m. Art. 352 ff. StPO). Am 25. August 2023 

berichtigte  die  Jugendanwaltschaft  Ziffer  8  des  Dispositivs  des  Strafbefehls 

(Kostenfestsetzung; Urk. 18/3). Gegen den Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 

4. September 2023 fristgerecht Einsprache (Urk. 18/4; Art. 32 Abs. 5 JStPO). Die 

Jugendanwaltschaft  hielt  an  ihrem  Strafbefehl  fest  und  überwies  die  Akten  am 

26. September  2023  dem  Jugendgericht  des  Bezirksgerichts  Bülach  zur  Durch-

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führung des Hauptverfahrens (Urk. 23/1; Art. 32 Abs. 6 JStPO i.V.m. Art. 356 Abs. 1 

StPO). 

1.2. Der Verfahrensgang bis zum vorstehend wiedergegebenen Urteil der Vor-

instanz  ergibt  sich  aus  deren  Entscheid  vom  26.  März  2024  (Urk. 58  S.  4  E. I.). 

Gegen  das  gleichentags  mündlich  eröffnete  Urteil  liess  der  Beschuldigte  durch 

seine Verteidigerin am 5. April 2024 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 50). 

1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 55 = Urk. 58; zugestellt am 

12. Juli 2024, Urk. 57) liess der Beschuldigte – ebenfalls fristgerecht – am 2. August 

2024  die  Berufungserklärung  einreichen  (Urk. 61).  Mit  Präsidialverfügung  vom 

5. August 2024 wurde der Oberjugendanwaltschaft sowie der Privatklägerin in An-

wendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und Art. 401 StPO die Berufungserklärung des 

Beschuldigten  zugestellt  und  Frist  angesetzt,  um  gegebenenfalls  Anschluss-

berufung  zu  erheben  oder  ein  Nichteintreten  auf  die  Berufung  zu  beantragen. 

Gleichzeitig  wurde  der  Beschuldigte  unter  Hinweis  auf  sein  Aussagever-

weigerungsrecht  aufgefordert,  ein  Datenerfassungsblatt  auszufüllen  und  seine 

finanziellen Verhältnisse darzulegen (Urk. 63). Mit Eingabe vom 14. August 2024 

erklärte die Oberjugendanwaltschaft Verzicht auf Erhebung einer Anschlussberu-

fung (Urk. 65). Die Privatklägerin holte die Präsidialverfügung nicht ab und verzich-

tete somit stillschweigend auf eine Anschlussberufung (Urk. 63 und Urk. 64). Der 

Beschuldigte liess sich nicht vernehmen.

1.4. Am 13. September 2024 wurde zur Berufungsverhandlung vom 12. Dezem-

ber  2024  vorgeladen,  wobei  die  Oberjugendanwaltschaft  zur  Teilnahme  an  der 

Berufungsverhandlung verpflichtet wurde (Urk. 66).

1.5. Am  10.  Dezember  2024  teilte  die  Verteidigerin  telefonisch  mit,  dass  die 

Privatklägerin  C._____  AG 

ihre  Strafanträge 

betreffend  mehrfacher 

Hausfriedensbruch sowie mehrfache Sachbeschädigung zurückgezogen habe und 

liess den Rückzug der Strafanträge dem Obergericht vorab per E-Mail zukommen 

(Urk. 72-74).  Am  11. Dezember  2024  teilte  die  Verteidigung  ebenfalls  vorab  per 

E-Mail  mit,  dass  der  Beschuldigte  die  Berufung  weiter  einschränke  und  die 

Berufung  hinsichtlich  des  Schuldspruchs  wegen  Vergehens  gegen  das  Waffen-

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gesetz  (Dispositivziffer  1)  sowie  hinsichtlich  der  Dispositivziffer 4.a  zurückziehe 

(Urk. 75  und  Urk. 76).  Der  Rückzug  der  Strafanträge  der  Privatklägerin  C._____ 

AG  sowie  die  Einschränkung  der  Berufung  des  Beschuldigten  gingen  am 

12. Dezember  2024  auch  noch  postalisch  beim  Obergericht  ein  (Urk. 79  und 

Urk. 80).

1.6.

Zur  Berufungsverhandlung  vom  12. Dezember  2024  erschienen  der 

Beschuldigte  in  Begleitung  seiner  Verteidigerin,  Rechtsanwältin  Dr. iur  X._____ 

sowie  die  Jugendanwältin  MLaw  Y._____  (Prot. II  S. 4).  Die  Verteidigung  bean-

tragte im Rahmen von Vorfragen unter Beilage des Rückzugs der Strafanträge der 

Privatklägerin  C._____  AG,  dass  das  Verfahren  betreffend  mehrfacher 

Hausfriedensbruch  und  mehrfache  Sachbeschädigung  einzustellen  sei  (Urk. 81-

83; Prot. II S. 6 f.). Die Oberjugendanwaltschaft folgte dem Antrag des Beschuldig-

ten mit der Bedingung, dass ein Original des Rückzugs der Strafanträge der Privat-

klägerin  C._____  AG  bei  den  Akten  liege  (Prot.  II  S. 7).  Abgesehen  von  der 

Einvernahme des Beschuldigten waren keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 7 

f.; Urk. 84). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.

II. Prozessuales 

1.

Anwendbarkeit des JStG, der JStPO und des StGB

1.1. Dem Beschuldigten werden im Strafbefehl vom 17. August 2023 Straftaten 

über den Zeitraum vom 11. Juni 2021 bis 28. Februar 2023 vorgeworfen (Urk. 18/2). 

Der Beschuldigte war zu den inkriminierten Straftaten 17 Jahre und sieben Monate 

(Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Waffengesetz) 

und 19 Jahre und vier Monate alt (Veruntreuung). Weil das Strafverfahren gegen 

den Beschuldigten eingeleitet wurde, bevor die nach Vollendung des 18. Altersjahrs 

begangene Tat bekannt wurde, bleibt das Jugendstrafverfahren (JStPO) anwend-

bar  (Art. 3  Abs. 2  Satz  4  JStG).  Infolgedessen  war  für  sämtliche  vorgeworfenen 

Taten  des  Beschuldigten  das  Verfahren  gemäss  Jugendstrafverfahrensrecht 

durchzuführen, weshalb zur Vertretung der Anklage die Jugendanwaltschaft Unter-

land  im  erstinstanzlichen  Verfahren  zuständig  war  bzw.  die  Oberjugendanwalt-

schaft im zweitinstanzlichen Verfahren zuständig ist.

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1.2. Sind  gleichzeitig  eine  vor  und  eine  nach  Vollendung  des  18.  Altersjahres 

begangene Tat zu beurteilen, so ist hinsichtlich der Strafen nur das erwachsenen-

strafrecht (StGB) anwendbar (Art. 9 Abs. 2 StGB und Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG).

2.

Vorfrage betreffend eine Rückweisung der Anklage

Vor Vorinstanz machte die Verteidigung vorfrageweise noch geltend, das Gericht 

hätte die Anklage gestützt auf Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 329 Abs. 2 StPO zur 

Berichtigung an die Jugendanwaltschaft zurückweisen müssen, da die mehrfache 

geringfügige Veruntreuung mangels Strafantrags nicht hätte zur Anklage gebracht 

werden dürfen (Urk. 39). Diese Rüge wurde vor Berufungsgericht nicht mehr wie-

derholt (Urk. 85). Die Verteidigung ist zunächst auf die vorinstanzlichen Erwägun-

gen zu verweisen (Urk. 58 S. 4 ff. E. II.1.). Eine Rückweisung der Anklage gemäss 

Art. 329 Abs. 2 StPO erfolgt nur, falls dies erforderlich ist. Vorliegend war bzw. ist 

eine  Rückweisung  nicht  angezeigt,  da  eine  Einstellung  des  Verfahrens  wegen 

mehrfacher geringfügiger Veruntreuung mangels Strafantrags auch noch zusam-

men mit der Urteilsfällung erfolgen kann (vgl. Urk. 329 Abs. 5 StPO). Ob ein gültiger 

Strafantrag vorliegt bzw. ob ein Strafantrag für das zur Anklage gebrachte Verhal-

ten des Beschuldigten notwendige Prozessvoraussetzung für die Strafverfolgung 

ist, sind vorliegend mit der rechtlichen Würdigung zusammenhängende Fragen. Bei 

der rechtlichen Würdigung ist das Gericht nicht an diejenige der Staatsanwaltschaft 

bzw. der Jugendanwaltschaft gebunden (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 344 StPO 

und Art. 350 Abs. 1 StPO). Wie noch zu zeigen sein wird, ist die rechtliche Würdi-

gung der Jugendanwaltschaft der mehrfachen geringfügigen Veruntreuung falsch 

(vgl. nachfolgend E. III.2.5.). 

3.

Verfahrenshindernisse der Verfolgungsverjährung und fehlender Strafantrag

3.1. Die Verteidigung beantragte vor Vorinstanz, dass die Verfahren betreffend 

mehrfache Sachbeschädigung sowie Veruntreuung einzustellen seien, da diese je 

als geringfügige Vermögensdelikte im Sinne von Art. 172ter StGB zu qualifizieren 

seien und damit Verfahrenshindernisse vorlägen (vgl. Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. 

mit Art. 329 Abs. 1 lit. c und Abs. 4 StPO; Urk. 42 S. 2).

-   9   -

3.2. Hinsichtlich  des  Verfahrens  betreffend  Veruntreuung  machte  die  Verteidi-

gung geltend, es liege kein Strafantrag vor und es fehle damit an einer Prozessvor-

aussetzung für ein Verfahren wegen geringfügiger Veruntreuung (Urk. 42 S. 2 f.; 

Urk. 85 S. 5 f. Rz. 22 ff.). Wie im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu zeigen sein 

wird, ist die dem Beschuldigten vorgeworfene Veruntreuung nicht als geringfügiges 

Vermögensdelikt zu qualifizieren (vgl. hierzu nachfolgend E. III.2.5.). Bei der Ver-

untreuung nach Art. 138 Ziff. 1 StGB handelt es sich um ein Offizialdelikt (es sei 

denn,  sie  erfolgt  zum  Nachteil  eines  Angehörigen  oder  Familiengenossen).  Die 

Strafverfolgung  von  Offizialdelikten  erfolgt  von  Amtes  wegen  unabhängig  vom 

Willen  der  Beteiligten  und  damit  unabhängig  davon,  dass  die  Filialleitung  der 

"D._____" in E._____ ihren Strafantrag rechtmässig und endgültig zurückgezogen 

hat (Urk. 31 = Urk. 43).

3.3. Entgegen der Ansicht der Verteidigung fehlt es im Verfahren betreffend Ver-

untreuung  an  keiner  Prozessvoraussetzung,  die  zu  einer  Verfahrenseinstellung 

führen würden. 

4.

Einstellung der Verfahren betreffend mehrfacher Hausfriedensbruch und 

mehrfache Sachbeschädigung

4.1. Der  Strafantrag  stellt  eine  Prozessvoraussetzung  dar  (OFK/StGB-DO-

NATSCH, 21. Aufl., Zürich 2022, StGB 30 N 2). Die antragsberechtigte Person kann 

ihren Strafantrag zurückziehen, solange das Urteil der zweiten kantonalen Instanz 

noch nicht eröffnet ist (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 33 Abs. 1 StGB). Da der Rü-

ckzug  des  Strafantrages  endgültig  ist  (Art.  3  Abs. 1  JStPO  i.V.m.  Art.  33  Abs. 2 

StGB), fehlt es definitiv an einer Prozessvoraussetzung. Obwohl der Wortlaut von 

Art. 403 StPO einen Nichteintretensentscheid vorsieht, ist das Verfahren bei Rück-

zug  des  Strafantrages  einzustellen  (Art.  3  Abs. 1  JStPO  i.V.m.  Art. 329  Abs. 4 

StPO; BSK StPO-KELLER, 3. Aufl., Basel 2023, Art. 403 StPO N 6 und BSK StPO-

ACHERMANN, a.a.O., Art. 329 N 71 ff.).

4.2. Da die Privatklägerin C._____ AG den Strafantrag noch vor Eröffnung des 

zweitinstanzlichen  Entscheides  gültig  und  unwiderruflich  zurückgezogen  hat 

-   10   -

(Urk. 79  bzw.  Urk. 82),  ist  das  Verfahren  gegen  den  Beschuldigten  betreffend 

mehrfacher Hausfriedensbruch und mehrfache Sachbeschädigung einzustellen.

5.

Umfang der Berufung

5.1. Der Beschuldigte wandte sich ursprünglich gegen sämtliche Schuldsprüche 

(Dispositivziffer 1, 1. bis 4. Spiegelstrich), die Sanktion und den Strafvollzug (Dis-

positivziffern 2 und 3), die Vernichtung der beschlagnahmten Soft-Air-Pistole und 

des Plastiksacks (Dispositivziffer 4.a), die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dis-

positivziffer 6) sowie die Kostenauflage (Dispositivziffer 7; Urk. 61 S. 2).

5.2. Mit Eingabe vom 11. Dezember 2024 zog der Beschuldigte seine Berufung 

hinsichtlich des Schuldspruchs des Vergehens gegen das Waffengesetz (Disposi-

tivziffer 1, 4. Spiegelstrich) sowie hinsichtlich Dispositivziffer 4.a zurück (Urk. 76 = 

Urk. 80). Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte die Verteidigerin, dass 

in Bezug auf die erstinstanzliche Kostenfestsetzung die Zeugenentschädigung in 

Höhe von Fr. 60.– nicht angefochten sei (Prot. II S. 7).

5.3. Unangefochten bleiben damit der Schuldspruch des Vergehens gegen das 

Waffengesetz (Dispositivziffer 1,  4. Spiegelstrich), die  Vernichtung  der beschlag-

nahmten  Soft-Air-Pistole  und  des  Plastiksacks  (Dispositivziffer  4.a),  die  Heraus-

gabe diverser beschlagnahmter Gegenstände (Dispositivziffer 4.b), der Verweis der 

Zivilansprüche  auf  den  Zivilweg  (Dispositivziffer  5),  die  Zeugenentschädigung  in 

Höhe  von  Fr. 60.–  (Dispositivziffer 6;  vgl.  Prot.  II  S.  7).  Der  vorinstanzliche  Ent-

scheid ist insoweit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschlusses vor-

zumerken ist (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 399 Abs. 3 und Art. 437 StPO). 

5.4.

Im  Übrigen  steht  der  angefochtene  Entscheid  unter  Berücksichtigung  des 

Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 391 Abs. 2 

StPO zur Disposition.

-   11   -

III. Schuldpunkt 

1.

Ausgangslage

1.1.

Zum Schuldpunkt sind nur noch zwei Vorfälle Gegenstand des vorliegenden 

Berufungsverfahrens, die sich laut Anklage am 16. Juli 2021 (Vergehen gegen das 

Waffengesetz;  Besitz  einer  Air-Soft-Pistole)  und  am  27. Februar  2023,  ca.  17:00 

Uhr, bis zum 28. Februar 2023, 18:30 Uhr (Veruntreuung durch Spielen bzw. Über-

geben von Losen als Mitarbeiter der Filiale D._____ E._____) ereignet haben sollen 

(Urk. 18/2 S. 4).

1.2.

In  der  Untersuchung  machte  der  Beschuldigte  durchgehend  von  seinem 

Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 3/1, Urk. 6/1, Urk. 12/1 und Urk. 6/2). 

Vor Vorinstanz sowie vor dem Berufungsgericht zeigte sich der Beschuldigte hin-

sichtlich der Tatvorwürfe grundsätzlich geständig (Prot. I S. 8 ff.; Urk. 84 S. 5 f.).

1.3. Die Verteidigung beantragte vor Vorinstanz, der Beschuldigte sei einzig hin-

sichtlich der Vorwürfe des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie des Vergehens 

gegen das Waffengesetz schuldig zu sprechen und mit einer Busse von maximal 

Fr. 100.– zu bestrafen (Urk. 42 S. 2 ff.; Prot. I S. 16 f.). Im Berufungsverfahren for-

derte die Verteidigung zunächst noch einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 61 

S. 2). Kurz vor der Berufungsverhandlung schränkte sie die Berufung ein und be-

antragte anlässlich der Berufungsverhandlung, der Beschuldigte sei einzig des Ver-

gehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 

Abs. 1 lit. g WG schuldig zu sprechen und es sei ihm ein Verweis gemäss Art. 22 

JStG zu erteilen (Urk. 85 S. 2). 

1.4. Wie erwähnt, ist der Schuldspruch des Vergehens gegen das Waffengesetz 

im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. g WG bereits in Rechts-

kraft erwachsen (vgl. voranstehend E. II.5.3.).

2.

Veruntreuung

2.1.

Zusammengefasst  wird  dem  Beschuldigten  zur  Last  gelegt,  am  27.  und 

28. Februar 2023 in seiner Funktion als Mitarbeiter der Filiale "D._____" in E._____ 

diverse Lose aus dem Verkaufstresen behändigt, diese geöffnet bzw. aufgerubbelt 

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zu haben, um so in den Genuss eines allfälligen Losgewinnes zu kommen. Lose, 

deren Gewinn den jeweiligen Kaufpreis des Loses überstiegen habe, habe der Be-

schuldigte an der Kasse sowie am Losterminal eingescannt und sich den Losge-

winn in bar aus der Kasse ausbezahlt. Zudem habe er einer unbekannten männli-

chen Drittperson sowie F._____ verschiedene Lose ohne entsprechende Bezah-

lung bzw. zum Nachteil der Arbeitgeberin weitergegeben. Gemäss "Vereinbarung" 

vom 6. März 2023 zwischen dem Beschuldigten und der Filialleitung sei durch die-

ses Vorgehen des Beschuldigten der "D._____" in E._____ ein finanzieller Schaden 

von Fr. 684.– entstanden (Urk. 18/2 S. 4). 

2.2. Diesen  ihm  im  Strafbefehl  der  Jugendanwaltschaft  vorgeworfenen  Sach-

verhalt anerkannte der Beschuldigte vor Vorinstanz wie auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung (Prot. I S. 11 ff.; Urk. 84 S. 6 und Prot. II S. 12).

2.3. Das  Geständnis  des  Beschuldigten  deckt  sich  mit  dem  Untersuchungser-

gebnis (vgl. insb. Urk. 2/2 [Schuldanerkennung bzw. "Vereinbarung" vom 6. März 

2021]; Urk. 2/3 [sichergestellte Lose]; Urk. 2/4 [Videoaufnahme der Verkaufsfläche 

vom  27./28.  Februar  2023];  Urk. 7/1  S. 3  ff.  [Aussagen  der  Zeugin  G._____]; 

Urk. 2/1  S.  4  f.  [Berechnung  Preis/Gewinn/Vermögensschaden  aufgrund  der  si-

chergestellten Lose]). Mit der Vorinstanz (Urk. 58 S. 11 E. VI.2.) lässt sich der ein-

gestandene Sachverhalt erstellen.

2.4. Die Verteidigung bringt vor dem Berufungsgericht zusammengefasst vor, bei 

Sachen mit einem Marktwert sei allein dieser entscheidend, weshalb vom effektiven 

Verkaufswert  der  Lose  und  nicht  vom  etwaigen  Gewinn  auszugehen  sei.  Ferner 

könnten die begangenen Taten – das Öffnen der Lose – nicht als einheitliches Ge-

schehen  betrachtet  werden.  Der  Beschuldigte  habe  an  den  Tagen  vom  27.  und 

28. Februar 2023 mindestens vier separate Tatentschlüsse gefasst. Die Schadens-

summe von Fr. 684.– geteilt durch vier ergebe einen Betrag weit unter der Grenze 

von Fr. 300.–. Damit liege eine geringfügige Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 

StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB vor, wobei es an der Prozessvoraussetzung 

des Strafantrags fehle (Urk. 85 S. 3 ff. Rz. 6 ff.).

-   13   -

2.5. Die Vorinstanz hat in ihrer rechtlichen Würdigung theoretische Erwägungen 

zum objektiven Tatbestand der Veruntreuung gemacht, die Geringfügigkeit gemäss 

Art. 172ter  StGB  mit  zutreffender  Begründung  verneint  und  das  Verhalten  des 

Beschuldigte als Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB qualifiziert 

(vgl. Urk. 58 S. 12 E. VI.3.). Darauf kann vorab verwiesen werden. Aufgrund der 

sachlichen,  räumlichen  und  zeitlichen  Nähe  ist  –  entgegen  der  Ansicht  der 

Verteidigung  –  von  einer  Tateinheit  bzw.  von  einem  generellen  Tatentschluss 

auszugehen, durch das "Spielen" von insgesamt 135 Losen über die Tage vom 27. 

und 28. Februar 2023 einen Gewinn zu erzielen. Dabei ist der "D._____" in E._____ 

ein  finanzieller  Schaden  von  Fr.  684.–  entstanden.  Damit  übersteigt  bereits  der 

Deliktsbetrag den Grenzwert für die Geringfügigkeit im Sinne von Art. 172ter StGB 

von  Fr. 300.–  (BGE  123  IV  113  E. 3d).  Das  entscheidende  Kriterium  für  die 

Geringfügigkeit ist jedoch die Absicht des Täters und nicht der eingetretene Erfolg 

(vgl. BGE 122 IV 156 E. 2a). Der Vorsatz des Beschuldigten richtete sich klar über 

einen Gewinn von Fr. 300.– hinaus (bspw. liegt der potentielle maximale Gewinn 

beim Glückslos "H._____", welches der Beschuldigte 33 Mal gespielt hat [Urk. 2/1 

S. 4,  Urk. 

2/3  S. 

1], 

bei 

Fr. 1 Mio.; 

vgl.  www.swisslos.ch/de/ 

informationen/spiele/lose/sortiment/H._____.html).  Das  Bundesgericht  äusserte 

sich  explizit  dazu,  dass  nicht  der  Marktwert  eines  Lotteriescheines  entscheidend 

sei,  wenn  ein  möglichst  hoher  Gewinn  angestrebt  werde.  In  einem  solchen  Fall, 

wenn sich der Vorsatz – wie vorliegend – auf einen möglichst hohen Gewinn und 

damit  auf  eine  den  Grenzwert  von  Fr. 300.–  übersteigende  Summe  richtet,  ist 

gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Anwendung von Art. 172ter StGB 

per  se  ausgeschlossen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_1318/2015  vom  18. 

November  2016  E.  1.2.).  Mit  der  Vorinstanz  hat  sich  der  Beschuldigte  der 

Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB strafbar gemacht. 

2.6. Sofern  der  Beschuldigte  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  erneut  gel-

tend  machen  liess,  das  Verfahren  betreffend  Veruntreuung  sei  aufgrund  eines 

fehlenden  Strafbedürfnisses  und  einer  Wiedergutmachung  im  Sinne  von  Art.  52 

und 53 StGB einzustellen (vgl. Urk. 85 S. 6 f. Rz. 29 ff.; Prot. II S. 8), ist er auf die 

zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 58 S. 6 E. II.2.). Die 

kumulative  Bedingung  für  die  Strafbefreiung  im  Sinne  von  Art.  52  StGB,  dass 

-   14   -

sowohl die Schuld als auch die Tatfolgen geringfügig sind, ist nicht gegeben. Es 

liegt kein Bagatelldelikt vor. Mit seiner Delinquenz zum Nachteil seiner Arbeitge-

berin  missbrauchte  er  das  ihm  entgegengebrachte  Vertrauen  wiederholt.  Auch 

unter  generalpräventiven  Gesichtspunkten  (Urteil  des  Bundesgerichts  6B_345/ 

2011 vom 17. November 2011 E. 9) lässt sich eine Strafbefreiung in Anwendung 

von  Art. 52  StGB  nicht  rechtfertigen.  Ausserdem  kann  nicht  davon  gesprochen 

werden, der Beschuldigte hätte im Sinne von Art. 53 StGB den Schaden gedeckt 

oder  alle  zumutbaren  Anstrengungen  unternommen.  Bei  den  Akten  liegt  eine 

"Vereinbarung"  bzw.  eine  Schuldanerkennung  vom  6.  März  2021  zwischen  dem 

Beschuldigten  und  der  Agenturleiterin  sowie  des  Geschäftsleiters  der  Filiale 

"D._____" in E._____, wonach sich der Beschuldigte verpflichtet hat, den Delikts-

betrag von Fr. 684.– sowie eine noch offene Differenz zu bezahlen (Urk. 2/2). Aus 

dem Rückzug des Strafantrags bzw. der Desinteresseerklärung der Agenturleiterin 

des "D._____" in E._____ vom 26. Februar 2024 geht einzig deren Desinteresse 

an  der  strafrechtlichen  Verfolgung  des  Beschuldigten  hervor  (Urk. 31  =  Urk. 43). 

Der  Beschuldigte  hat  bis  heute  weder  eine  Rückzahlung  des  Deliktsbetrags 

geleistet noch eine sonstige Wiedergutmachung belegt. Soweit der Beschuldigte 

und  seine  Verteidigung  vorbringen,  die  Geschädigte  hätte  auf  die  Rückzahlung 

verzichtet bzw. sie hätten sich aussergerichtlich geeinigt (Urk. 84 S. 6; Urk. 85 S. 6 

Rz.  31  und  Prot.  II  S. 8),  so  handelt  es  sich  um  eine  unbelegte  Behauptung. 

Entgegen  der  Verteidigung  ist  auch  heute  noch  davon  auszugehen,  dass  ein 

evidentes  öffentliches  Interesse  an  der  Durchführung  des  Strafverfahrens  gegen 

den  Beschuldigten  besteht.  Ein  öffentliches  Interesse  an  der  Aufklärung  der  im 

Raum  stehenden  Tat  der  Veruntreuung  ist  nicht  von  bloss  geringem  Ausmass, 

selbst wenn die Filiale "D._____" in E._____ am 26. Februar 2024 ihr Desinteresse 

am Strafverfahren erklärt hat.

3.

Fazit

Neben dem Schuldspruch des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. g WG ist der Beschuldigte der Ver-

untreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.

-   15   -

IV. Strafe und Vollzug

1.

Anwendbares Recht und allgemeine Strafzumessungsregeln

1.1. Der  Beschuldigte  ist  ein  "Übergangsstraftäter";  er  hat  vor  und  nach  dem 

zurückgelegten 18. Altersjahr delinquiert (vor dem 18. Altersjahr: Vergehen gegen 

das  Waffengesetz;  nach  dem  18.  Altersjahr:  Veruntreuung).  Die  Vorinstanz  hielt 

zutreffend  fest,  dass  das  Erwachsenenstrafrecht  betreffend  die  auszufällende 

Strafe  zur  Anwendung  kommt,  da  Taten  zu  beurteilen  sind,  welche  sich  vor  und 

nach Vollendung des 18. Altersjahrs ereignet haben (Art. 9 Abs. 2 StGB und Art. 3 

Abs. 2 Satz 1 JStG; vgl. Urk. 58 S. 15 E. VII.2.).

1.2. Die  Vorinstanz  hat  den  Beschuldigten  mit  einer  Geldstrafe  von  30  Tages-

sätzen zu Fr. 10.– und einer Busse von Fr. 200.– bestraft (Urk. 58 S. 21). In Bezug 

auf die im Alter von 17 Jahren und sieben Monaten begangenen Taten erwog die 

Vorinstanz, diese seien mit einer Busse im Sinne des Jugendstrafrechts zu ahnden 

(Urk. 58 S. 15 E. VII.3.2. und S. 17 E. VII.6.; in Anwendung von Art. 24 Abs. 1 JStG: 

Busse  bis  Fr. 2'000.–).  Die  Vorinstanz  verkennt,  dass  gestützt  auf  Art. 3  Abs.  2 

JStG eine Sanktionierung mit einer Busse nach Jugendstrafrecht ausser Betracht 

fällt.  Vielmehr  statuiert  Art.  3  Abs.  2  JStG,  dass  ausschliesslich  die  Strafen  des 

StGB Anwendung finden, mithin eine Freiheits- oder Geldstrafe (vgl. Art. 33 Abs. 1 

WG). Erst, aber immerhin bei der Bemessung der Strafhöhe ist zu berücksichtigen, 

dass die Tat noch unter Geltung des Jugendstrafrechts begangen wurde. 

1.3. Hat der Täter eine oder mehrere Taten vor Vollendung des 18. Altersjahres 

begangen, so dürfen diese bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 

StGB nicht stärker ins Gewicht fallen, als wenn sie für sich allein beurteilt worden 

wären (Art. 49 Abs. 3 StGB). Die Bemessung der Strafe für die vor dem 18. Alters-

jahr  begangene  Tat  hat  somit  nach  den  Regeln  des  JStG  zu  erfolgen  (BSK 

StGB/JStG-HUG/SCHLÄFLI/VALÄR, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 3 JStG N 14 f.; so auch 

die Vorinstanz in Urk. 58 S. 15 E. VII.2.).

1.4. Gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG sind für die Strafzumessung die Art. 47, 48 

und 51 StGB sinngemäss anwendbar. Dabei sind gemäss Art. 1 Abs. 3 JStG die 

Grundsätze nach Art. 2 JStG zu beachten sowie der Alters- und Entwicklungsstand 

-   16   -

des Jugendlichen zu seinen Gunsten zu berücksichtigen. Die Strafen sind primär 

als Erziehungsmassnahmen gedacht, wobei dies eine Sühnewirkung nicht aussch-

liesst. Es erfordert jedoch, dass Strafart und Strafmass nicht allein auf Grund der 

Schwere der begangenen Straftat und des Verschuldens, sondern auch unter Be-

rücksichtigung  erzieherischer  und  spezialpräventiver  Gesichtspunkte  festgelegt 

werden (BSK StGB/JStG-HUG/SCHLÄFLI/VALÄR, a.a.O., Vor Art. 21 JStG N 11).

2.

Strafrahmen und Strafart

2.1. Die  Vorinstanz  hält  zutreffend  fest,  dass  beim  anwendbaren  Strafrahmen 

von der am 27./28. Februar 2023 begangenen Veruntreuung als schwerstem Delikt 

auszugehen ist (Urk. 58 S. 15 E. VII.4.). Der Strafrahmen erstreckt sich von drei 

Tagessätzen  Geldstrafe  bis  Freiheitsstrafe  von  fünf  Jahren  (vgl.  Art. 138  Abs. 1 

StGB). 

2.2. Soweit  die  im  jugendlichen  Alter  begangene  Tat  des  Beschuldigten  (Ver-

gehen gegen das Waffengesetz) zu beurteilen ist, ist diese, wie bereits erwogen, 

zwar  in  Korrektur  des  vorinstanzlichen  Entscheides  nach  Erwachsenenstrafrecht 

zu sanktionieren. Es ist aber im Rahmen der Asperation im Sinne von Art. 49 Abs. 3 

StGB bei der Strafhöhe zu berücksichtigen, dass die Tat noch unter Geltung des 

Jugendstrafrechts begangen wurde und der Beschuldigte daher nicht schwerer zu 

bestrafen  ist,  als  bei  einer  gesonderten  Betrachtung  dieses  Delikts  nach  dem 

Jugendstrafrecht.

2.3. Mit  der  Vorinstanz  (Urk. 58  S.  15  E.  VII.3.)  kommt  unter  Beachtung  des 

Primats  der  Geldstrafe,  angesichts  des  insgesamt  leichten  Verschuldens  (siehe 

nachfolgend) und unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots im Sinne 

von Art. 391 Abs. 2 StPO nur eine Geldstrafe in Betracht.

3.

Veruntreuung

3.1.

Tatkomponente

3.1.1.  Zur objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

während  seiner  Erwerbstätigkeit  und  zum  Nachteil  seiner  Arbeitgeberin  delin-

quierte,  was  zu  einem  Vertrauensbruch  gegenüber  der  Arbeitgeberin  führte.  Der 

-   17   -

Beschuldigte  behändigte  während  zweier  Arbeitstage  135  Lose  und  schädigte 

seine Arbeitgeberin mit seinem Vorgehen im Betrag von Fr. 684.–. In Anbetracht, 

dass  bei  einer  Veruntreuung  noch  weitaus  höhere  Deliktssummen  denkbar sind, 

erweist sich der effektiv nachgewiesene Deliktsbetrag von Fr. 684.– als sehr tief. 

Allerdings strebte der Beschuldigte einen viel höheren Losgewinn an. Insgesamt ist 

das objektive Tatverschulden des Beschuldigten jedoch – im Vergleich zu anderen 

unter  den  Tatbestand  der  Veruntreuung  fallenden  Konstellationen  –  als  leicht  zu 

qualifizieren.

3.1.2.  Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Dass er aus finanziellen Grün-

den  delinquierte,  ist  der  (unrechtmässigen)  Bereicherungsabsicht  immanent. 

Gleichwohl handelte er aus egoistischen Motiven, da er die erhältlich gemachten 

Mittel  hauptsächlich  für  eigene  Zwecke  verwendete.  Die  subjektive  Seite  seines 

Handelns vermag den Beschuldigten nicht zu entlasten.

3.1.3.  Gesamthaft betrachtet handelt es sich bei der Veruntreuung um einen leich-

ten  Fall.  Angesichts  der  Schwere  des  Verschuldens  und  unter  Berücksichtigung 

des Strafrahmens der Veruntreuung erweist sich eine Einsatzstrafe von 30 Tages-

sätzen Geldstrafe als angemessen. 

3.2.

Täterkomponente

3.2.1.  Zu den persönlichen Verhältnissen und des Vorlebens des Beschuldigten ist 

bekannt, dass er im Juni 2021 im "D._____" in E._____ als Praktikant tätig war, bis 

ihm aufgrund des zur Anzeige gebrachten Vorfalles gekündigt wurde. Vor Vorin-

stanz gab der Beschuldigte an, dass er ledig sei, alleine wohne und monatlich So-

zialhilfe im Umfang von Fr. 800.– sowie für Miete und Krankenkasse erhalte. Eine 

Arbeitsstelle beim Flughafen Zürich habe er ab April 2024 in Aussicht (vgl. Prot. I. 

S. 6 ff.).  Im Rahmen der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu seinen 

persönlichen Verhältnissen aktualisierend bzw. ergänzend an, nach wie vor alleine 

zu wohnen und auf die Sozialhilfe angewiesen zu sein. Momentan arbeite er nicht 

und  sei  auf  Stellensuche.  Per  Oktober  2024  habe  er  über  ein  Temporärbüro  als 

Logistiker am Flughafen arbeiten können. Im April 2025 habe er ein Praktikum mit 

einer Lehre in einem Spital in Aussicht (Urk. 84 S. 1 ff.). Der Beschuldigte weist 

keine Vorstrafen auf (Urk. 60). Mit der Vorinstanz sind die persönlichen Verhält-

-   18   -

nisse strafmessungsneutral zu werten. Der Delinquenz während laufenden Ver-

fahrens ist hingegen im Umfang von 5 Tagessätzen straferhöhend Rechnung zu 

tragen.

3.2.2.  Es kann von keiner aufrichtigen Reue und Einsicht hinsichtlich seines Fehl-

verhaltens im Sinne von Art. 48 lit. d StGB gesprochen werden. Das Geständnis 

vor Vorinstanz erfolgte erst spät und bei erdrückender Beweislage, womit das Ver-

fahren  nicht  erleichtert  wurde.  In  Abweichung  zur  Vorinstanz  (Urk. 58  S. 16 

E. VII.5.2.)  erscheint  es  jedoch  angemessen,  das  unmittelbare  Nachtatverhalten 

des  Beschuldigten,  das  heisst  die  zivilrechtliche  Schuldanerkennung  gegenüber 

der "D._____" in E._____ vom 6. März 2023, im Umfang von 5 Tagessätzen straf-

mindernd zu berücksichtigen. 

3.2.3.  Unter  Berücksichtigung  aller  strafzumessungsrelevanten  Kriterien  erweist 

sich  für  die  Veruntreuung  eine  Einsatzstrafe  von  30  Tagessätzen  Geldstrafe  als 

angemessen.

3.3. Höhe des Tagessatzes

Der Beschuldigte bezieht nach wie vor Sozialhilfe und verfügt über keine weiteren 

Einkünfte (vgl. Urk. 84 S. 2 und 4). Angesichts der knappen finanziellen Verhält-

nisse des Beschuldigten ist der Tagessatz in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

auf Fr. 10.– festzusetzen (Art. 34 Abs. 2 StGB).

4.

Vergehen gegen das Waffengesetz

4.1.

Tatkomponente

Bezüglich  der  objektiven  Tatschwere  des  unbefugten  Besitzes  einer  Soft-Air-

Pistole  ist  zunächst  festzustellen,  dass  der  Beschuldigte  die  Waffe  zu  Hause  in 

seinem Zimmer aufbewahrte. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte nie beabsichtigte, sie an öffentlich zugänglichen Orten zu tragen oder 

mit  sich  zu  führen.  Des  Weiteren  konnte  kein  Konnex  zwischen  dem  Besitz  der 

Waffe und anderen Delikten erstellt werden, wobei anzumerken ist, dass die Soft-

Air-Pistole als Zufallsfund im Sinne von Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 243 StPO 

zu qualifizieren ist. Schliesslich ist hervorzuheben, dass es sich bei der Soft-Air-

-   19   -

Pistole zwar um eine Waffe im Sinne des Waffengesetzes handelt, diese aber als 

ungefährliche  Waffe  einzustufen  ist.  Beim  subjektiven  Verschulden  ist  zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte zumindest eventualvorsätzlich handelte. 

4.2.

Täterkomponente

Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse und des Vorlebens kann vollumfänglich 

auf  die  Ausführungen  in  Bezug  auf  die  Veruntreuung  verwiesen  werden  (vgl. 

voranstehende  Erwägungen  gemäss  E.  IV.3.2.1.);  diese  wirken  sich  strafzumes-

sungsneutral aus, nachdem hier eine Delinquenz während laufenden Verfahrens 

nicht vorliegt. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 85 S. 7 Rz. 34) ist der 

Umstand, dass die Verurteilung vor dem erstinstanzlichen Gericht wenige Wochen 

vor der dreijährigen Verjährungsfrist erfolgte, nicht strafmindernd zu berücksichti-

gen, zumal sich der Beschuldigte nach seiner Tat nicht weiter wohlverhalten hat. 

Weitere strafzumessungsrelevanten Kriterien sind nicht ersichtlich.

4.3.

Zwischenfazit und Asperation

Insgesamt ist aufgrund der objektiven und subjektiven Tatkomponente von einem 

leichten  Verschulden  auszugehen.  Die  hypothetische  Einsatzstrafe  ist  somit  auf 

5 Tagessätze Geldstrafe festzusetzen. In Anwendung des Asperationsprinzips ist 

das vom Beschuldigten verwirkte Vergehen gegen das WG innerhalb der auszu-

fällende Gesamtstrafe mit 3 Tagessätzen zu berücksichtigen.

5.

Fazit

Nach  dem  Gesagten  wäre  der  Beschuldigte  mit  einer  Geldstrafe  von  33 Tages-

sätzen zu belegen. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer bedingten Geld-

strafe von 30 Tagessätzen sowie einer Busse von Fr. 200.– bestraft (Urk. 58 S. 21). 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine bedingte Geldstrafe grund-

sätzlich  milder  als  eine  Busse  (BGE  134  IV  82  E. 7.2.4).  Ausgehend  von  einem 

Umrechnungsschlüssel,  bei  welchem  ein  Tag  Freiheitsstrafe  bzw.  ein  Tagessatz 

Geldstrafe einer jugendstrafrechtlichen Busse in Höhe von Fr. 70.– entspricht (vgl. 

BSK  StGB/JStG-HUG/SCHLÄFLI/VALÄR,  a.a.O.,  Art. 24  JStG  N  7),  ist  die  vor-

instanzlich festgesetzte Busse von Fr. 200.– mit zwei Tagessätzen an die bedingte 

-   20   -

Geldstrafe  anzurechnen.  In  Nachachtung  des  Verschlechterungsverbots  gemäss 

Art. 391 Abs. 2 StPO ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 32 Tagessätzen 

zu bestrafen.

6.

Strafvollzug

Bezüglich  der  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  des  bedingten  Strafvollzugs 

kann auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 58 S. 18 E. V III.1.). Die 

objektive Voraussetzung für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs ist erfüllt, 

da  eine  Geldstrafe  ausgefällt  wird  (Art. 42  Abs. 1  StGB).  Der  Beschuldigte  weist 

keine Vorstrafe auf (Urk. 60), weshalb die günstige Prognose als subjektive Vor-

aussetzung der bedingten Strafe vermutet wird. Im Übrigen stünde einer unbeding-

ten  Strafe  das  Verschlechterungsverbot  entgegen  (Art. 3  Abs. 1  JStPO  i.V.m. 

Art. 391 Abs. 2 StPO). Der Vollzug der Geldstrafe ist daher in Übereinstimmung mit 

der Vorinstanz aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren

1.1. Erstinstanzliche Kostenfestsetzung

1.1.1.  Der Beschuldigte wendet sich gegen die erstinstanzliche Kostenfestsetzung 

(Dispositivziffer 6), mit Ausnahme der Zeugenentschädigung in Höhe von Fr. 60.–, 

die wie voranstehend ausgeführt (in E. II. 5.3.) bereits in Rechtskraft erwachsen ist. 

Damit wendet er sich gegen die Entscheidgebühr in Höhe von Fr. 3'000.–, die Ge-

bühr für die Strafuntersuchung in Höhe von Fr. 900.– sowie die Auslagen für das 

Gutachten / den morphologischen Bildvergleich in Höhe von Fr. 3'170.–.

1.1.2.  Zur  erstinstanzlichen  Entscheidgebühr  liess  der  Beschuldigte  ausführen, 

diese sei, wie im Kanton Zürich bei Jugendstrafverfahren üblich, auf Fr. 100.– fest-

zusetzen (Urk. 85 S. 8 Rz. 45). 

1.1.3.  Im  Jugendstrafprozess  sind  betreffend  die  Verfahrenskosten  die  ent-

sprechenden  Bestimmungen  der  StPO  (Art. 422  bis  Art. 428  StPO)  sinngemäss 

anwendbar  (Art. 44  Abs. 2  JStPO).  Im  Kanton  Zürich  richtet  sich  die  Höhe  der 

-   21   -

Gerichtskosten  auch  im  Jugendstrafprozess  nach  der  Gebührenverordnung  des 

Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; LS 211.11; vgl. Art. 44 Abs. 2 

JStPO  i.V.m.  Art.  242  Abs. 1  StPO).  Mit  der  Vorinstanz  (Urk. 58  S.  20  E.  VI.  2.) 

erscheint die Entscheidgebühr von Fr. 3'000.– angesichts des Umfangs des Falles 

gestützt  auf  § 14  Abs. 1  lit. b  GebV  OG  i.V.m.  § 2  Abs. 2  lit. b-d  GebV  OG  als 

angemessen. 

Die Höhe der Verfahrensgebühr richtete sich sodann nach der Verordnung über die 

Gebühren,  Auslagen  und  Entschädigungen  der  Strafverfolgungsbehörden  vom 

24. November 2010 (GebV StrV; LS 323.1; vgl. Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 242 

Abs. 1 StPO). Gestützt auf § 5 Abs. 2 GebV StrV i.V.m. § 4 Abs. 1 lit. d und § 2 

Abs.  1  lit. a  und  b  GebV  StrV  erweist  sich  auch  die  Gebühr  für  die  Strafunter-

suchung in Höhe von Fr. 900.– als angemessen.

1.1.4.  Hinsichtlich  der  Auslagen  für  das  Gutachten  des  Forensischen  Instituts 

Zürich vom 18. Juli 2023 (Urk. 9/3) liess der Beschuldigte durch seine Verteidigerin 

vorbringen,  die  Einholung  des  Gutachtens  sei  eine  unnötige,  vermeidbare  Ver-

fahrenshandlung gewesen, da die Beweislage aufgrund der Aussagen erdrückend 

gewesen  sei  und  man  den  Beschuldigten  auf  den  Aufnahmen  hätte  erkennen 

können (Urk. 42 S. 8; Prot. I S. 18; Urk. 85 S. 8 Rz. 40 ff.).

1.1.5.  Der Beschuldigte wurde zwar von verschiedenen Mitbeschuldigten belastet, 

auf dem Areal der Privatklägerin gewesen zu sein und u.a. das Graffiti "…" gesprayt 

zu haben (vgl. bspw. I._____ in Urk. 4/2 S. 3 f. F/A 27 und 30; Urk. 8/2 S. 3 f. und 

Urk. 7/4 S. 4). Da man insbesondere auf der ab dem Mobiltelefon von I._____ si-

chergestellten Videoaufnahme den sprayenden Jugendlichen nur von der Seite und 

eine Sonnenbrille tragend sieht und der Beschuldigte von seinem Aussageverwei-

gerungsrecht Gebrauch machte, musste die Jugendanwaltschaft zur Identifikation 

ein morphologisches Gutachten in Auftrag geben. Entgegen der Ansicht der Ver-

teidigung war dies angezeigt und verhältnismässig. Die Auslagen für das Gutach-

ten / den morphologischen Bildvergleich in Höhe von Fr. 3'170.– sind als Verfah-

renskosten ausgewiesen (Urk. 9/3; Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 422 Abs. 2 lit. 

c StPO).

-   22   -

1.1.6.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  angefochtene  erstinstanzliche  Kostenfest-

setzung (Dispositivziffer 6) zu bestätigen.

1.2. Erstinstanzliche Kostenauflage

1.2.1.  Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 

(Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). Wird das Verfahren eingestellt 

oder die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr die Verfahrenskosten 

ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Ein-

leitung  des  Verfahrens  bewirkt  oder  dessen  Durchführung  erschwert  hat  (Art. 44 

Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 426 Abs. 2 StPO).

1.2.2.  Im Gegensatz zum vorinstanzlichen Entscheid wird mit heutigem Entscheid 

das  Verfahren  bezüglich  der  Vorwürfe  der  mehrfachen  Sachbeschädigung  im 

Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB und des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne 

von  Art.  186  StGB  zufolge  Rückzugs  des  Strafantrags  eingestellt.  Ausgangsge-

mäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, mit 

Ausnahme der Auslagen für das Gutachten / den morphologischen Bildvergleich, 

zu  1/2  dem  Beschuldigten  aufzuerlegen  und  zu  1/2  auf  die  Gerichtskasse  zu 

nehmen. Da die Auslagen für das Gutachten / den morphologischen Bildvergleich 

in  Zusammenhang  mit  den  eingestellten  Verfahren  stehen,  sind  diese  Kosten  in 

Höhe von Fr. 3'170.– vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.

1.3. Erstinstanzliche Parteientschädigung

Gestützt  auf  die  eingereichte  Honorarnote  vom  25.  März  2024  (Urk. 86/1)  ist 

Rechtsanwältin Dr. iur. X._____ antragsgemäss eine pauschale Prozessentschä-

digung  von  Fr. 2'500.–  (inkl.  MwSt.  und  Barauslagen)  für  die  Kosten  der 

Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens aus der Gerichtskasse zuzu-

sprechen.

2.

Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren

2.1. Die  Gerichtsgebühr  ist  praxisgemäss  auf  Fr. 3'600.–  zu  veranschlagen 

(Art.  44  Abs.  2  JStPO  i.V.m.  Art. 424  Abs.  1  StPO  und  § 16  Abs. 1  und  § 14 

GebV OG).

-   23   -

2.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung zunächst einen vollumfängli-

chen Freispruch an und zog sodann die Berufung in Bezug auf den Schuldspruch 

des Vergehens gegen das Waffengesetz zurück. Er unterliegt im Berufungsverfah-

ren  mit  seinen  Anträgen  in  Bezug  auf  die  Veruntreuung  sowie  die  Sanktion  und 

obsiegt in Bezug auf die eingestellten Verfahren. Die Oberjugendanwaltschaft un-

terliegt teilweise in Bezug auf die Sanktion. Ausgangsgemäss sind die Kosten des 

Berufungsverfahrens zu 1/2 dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu 1/2 auf die 

Gerichtskasse zu nehmen (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 1 StPO).

2.3. Mit Honorarnote vom 11. Dezember 2024 machte die Verteidigerin für das 

Berufungsverfahren  Aufwendungen  in  Höhe  von  Fr. 2'914.88  (inkl.  MwSt.  und 

Barauslagen)  geltend  (Urk. 86/2).  Ausgangsgemäss  ist  Rechtsanwältin  Dr. iur. 

X._____  eine  reduzierte  Prozessentschädigung  von  Fr. 1'457.–  (inkl.  MwSt.  und 

Barauslagen) für anwaltliche Verteidigung für die Kosten des Berufungsverfahrens 

aus der Gerichtskasse zuzusprechen.

Es wird beschlossen:

1.

Es  wird  festgestellt,  dass  das  Urteil  des  Bezirksgerichts  Bülach,  Jugend-

gericht, vom 26. März 2024 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte hat sich wie folgt schuldig gemacht:

(…)

(…)

(…)

Vergehen gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in 
Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. g WG









2.-3.b) (…)

4.

a) Die mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Unterland vom 1. März 2022 beschlag-

nahmte Soft-Air Pistole und der Plastiksack (Inhalt Marker Filzer / Squeezer Sprüh-

kopf) werden zur Vernichtung eingezogen.

-   24   -

b) Folgende mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Unterland vom 1. März 2022 be-

schlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechts-

kraft des Urteiles herausgegeben:

1.

2.

3.

4.

5.

Mobiltelefon SE2020 inkl. Ladekabel

Sichtmappe grün mit diversen Skizzen und Schablone "The Nord Side"

vier B._____ Kleber

Tafel "Videoüberwacht"

Sporttasche schwarz enthaltend: 









Roger-Staub-Mütze schwarz

Sportschuhe weiss mit Farbrückständen

Handschuhe schwarz

Trainerhose Nike, Jacke der Marke Ellesse

6.

"Frauenfürze"

Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils kein entsprechendes Begehren ge-

stellt, wird der Verzicht angenommen. 

Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft werden auf den Zivilweg verwiesen.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

(…)

(…)

(…)

; die weiteren Auslagen betragen:

  (…)

  (…)

60.–

  Zeugenentschädigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

Wird keine Begründung verlangt, ermässigt sich die Entscheidgebühr auf 2/3.

(…)

(Mitteilungen)

(Rechtsmittel)"

5.

6.

7.

8.

9.

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

-   25   -

Es wird erkannt:

1.

Die Verfahren bezüglich der Vorwürfe der mehrfachen Sachbeschädigung 

im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB und des mehrfachen Hausfriedensbruchs 

im Sinne von Art. 186 StGB werden zufolge Rückzugs des Strafantrags ein-

gestellt.

2.

Der Beschuldigte A._____ ist zudem schuldig der Veruntreuung im Sinne 

von Art. 138 Ziff. 1 StGB .

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 32 Tagessätzen zu 

Fr. 10.–. 

3.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt.

4.

Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffern 6 [Entscheidgebühr 

in Höhe von Fr. 3'000.–, Gebühr für die Strafuntersuchung in Höhe von 

Fr. 900.– sowie die Auslagen für das Gutachten / den morphologischen Bild-

vergleich in Höhe von Fr. 3'170.–]) wird bestätigt.

5.

Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, mit 

Ausnahme der Auslagen für das Gutachten / den morphologischen Bildver-

gleich, werden zu 1/2 dem Beschuldigten auferlegt und zu 1/2 auf die Ge-

richtskasse genommen. Die Auslagen für das Gutachten / den morphologi-

schen Bildvergleich werden auf die Gerichtskasse genommen.

6.

Rechtsanwältin Dr. iur. X._____ wird eine pauschale Prozessentschädigung 

von Fr. 2'500.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) für anwaltliche Verteidigung 

für die Kosten der Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren aus der 

Gerichtskasse zugesprochen.

7.

8.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–.

Die Kosten des Berufungsverfahrens werden zu 1/2 dem Beschuldigten auf-

erlegt und zu 1/2 auf die Gerichtskasse genommen.

-   26   -

9.

Rechtsanwältin Dr. iur. X._____ wird eine Prozessentschädigung von 

Fr. 1'457.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) für anwaltliche Verteidigung für die 

Kosten des Berufungsverfahrens aus der Gerichtskasse zugesprochen.

10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich (übergeben)

die Privatklägerin (versandt)

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 
der Privatklägerin nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach 
Erhalt des Dispositivs verlangt.)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten

die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich

das Bundesamt für Polizei (fedpol), Zentralstelle Waffen, 3003 Bern 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, 8090 Zürich

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben
(§ 54a Abs. 1 PolG).

11. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

-   27   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 12. Dezember 2024

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

MLaw A. Sieber

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.