# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c4a2bf9f-ff09-5589-98b5-7af98e02cf4f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-10
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 10.06.2020 SK 2019 265
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-265_2020-06-10.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 19 265

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 10. Juni 2020 

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), Oberrichter Kiener,
Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiber Engel

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 9. Mai 2019 (PEN 2018 961-963)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Am 9. Mai 2019 fällte das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht) – so-
weit A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) betreffend – folgendes Urteil 
(pag. 718 ff.):

A. […]

B. A.________

I.

A.________ wird 

schuldig erklärt:

der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 25. August 2017 in Bern zN 
C.________

und er wird in Anwendung der Art. 2 Abs. 2, Art. 22, Art. 40, Art. 42 Abs. 1, Art. 44, Art. 47, Art. 48a, 
Art. 51, Art. 66a Abs. 1 lit. b, alt Art. 122 StGB, Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Die Polizeihaft von 1 Tag wird vollumfänglich auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt

2. Es wird eine Landesverweisung von 7 Jahren ausgesprochen.

3. Zu den auf seinen Teil entfallenden Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren 
von Fr. 4'000.00 und Auslagen von Fr. 1'920.65, insgesamt bestimmt auf Fr. 5'920.65.

[Kostentabelle]

II.

[Amtliche Entschädigung für Rechtsanwalt B.________]

III.

Weiter wird 

beschlossen:

1. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

3

2. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. .________ [Nummer]) vorzeitig erteilt (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

3. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig 
erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer er-
kennungsdienstlicher Daten).

4. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt B.________ namens und im Auftrag 
des Beschuldigten mit Schreiben vom 20. Mai 2019 (pag. 736) Berufung an. Die 
erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 25. Juni 2019 (pag. 745 ff.). Die Be-
rufungserklärung des Beschuldigten ging form- und fristgerecht am 10. Juli 2019 
beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 838 f.). Die Generalstaatsanwalt-
schaft des Kantons Bern schloss sich mit Schreiben vom 5. August 2019 der Beru-
fung des Beschuldigten an (pag. 847 f.). Keine der Parteien beantragte ein Nicht-
eintreten auf die (Anschluss-)Berufung der jeweils anderen Partei (pag. 848, 854).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Berufungsverhandlung wurde von Amtes we-
gen ein Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt (datierend vom 
25. Mai 2020, pag. 892).

Des Weiteren wurde das von Rechtsanwalt B.________ eingereichte Lichtbild ei-
nes Schreibens der Lebensgemeinschaft L.________ vom 20. Mai 2020 (pag. 899) 
zu den Akten erkannt. Der ebenfalls am 8. Juni 2020 gestellte Beweisantrag wurde 
anlässlich der Berufungsverhandlung zurückgezogen (pag. 903). Anlässlich der Be-
rufungsverhandlung reichte Rechtsanwalt B.________ zudem einen Scan des Ent-
scheids des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland CIV 18 2729 vom 20. Feb-
ruar 2020 zu den Akten (pag. 928 ff.).

Schliesslich wurden namentlich der Beschuldigte (pag. 915 ff.) und C.________ 
(pag. 908 ff.) anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung erneut ein-
vernommen.

4. Anträge der Parteien

Anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung stellte Rechtsanwalt 
B.________ den Antrag, der Beschuldigte sei unter Kosten- und Entschädigungs-
folge freizusprechen (pag. 920).

Staatsanwältin M.________ beantragte demgegenüber, der Beschuldigte sei we-
gen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig zu erklären und zu einer Frei-
heitsstrafe von 30 Monaten zu verurteilen, wovon 6 Monate zu vollziehen und für 
eine Teilstrafe von 24 Monaten der Vollzug aufzuschieben sei. Die ausgestandene 
Polizeihaft von 1 Tag sei auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Des Weiteren sei ei-
ne Landesverweisung für die Dauer von 7 Jahren anzuordnen. Schliesslich seien 
dem Beschuldigten die Verfahrenskosten aufzuerlegen (pag. 922).

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5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das erstinstanzliche Urteil wurde – soweit den Beschuldigten betreffend – durch 
diesen vollständig und durch die Generalstaatsanwaltschaft in Bezug auf den 
Sanktionenpunkt gemäss Ziff. B.I des erstinstanzlichen Urteildispositivs angefoch-
ten. Die Kammer hat somit das gesamte erstinstanzliche Urteil in Bezug auf den 
Beschuldigten neu zu beurteilen.

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0). Sie darf Entscheide nicht zum Nachteil der Beschuldigten abän-
dern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist (sogenann-
tes Verschlechterungsverbot, Art. 391 Abs. 2 StPO). Vorliegend hat die General-
staatsanwaltschaft Anschlussberufung gegen den Sanktionenpunkt gemäss Ziff. B.I 
des erstinstanzlichen Urteildispositivs erklärt. Die genannte Ziffer darf daher auch 
zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden. Die Kammer ist dabei nicht 
an die Anträge der Parteien gebunden (Art. 391 Abs. 1 StPO). Im Übrigen gilt das 
Verschlechterungsverbot.

6. Anklagegrundsatz

Die Verteidigung macht eine Verletzung des Anklagegrundsatzes geltend. Sie stellt 
sich auf den Standpunkt, entgegen der Überschrift in der Anklageschrift («Versuch-
te schwere Körperverletzung […]») werde dem Beschuldigten im Anklagesachver-
halt ein vollendetes Delikt vorgeworfen. Es werde nämlich angegeben, dass der 
Schlag mit einer Bierflasche eine Verletzung oberhalb des linken Auges von 
C.________ verursacht habe. Des Weiteren hätte der Schlag mit der Flasche in der 
Anklageschrift weiter konkretisiert werden müssen (pag. 920 f.).

Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; 
SR 101) sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 3 Bst. a und b der Konvention zum Schutze 
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) abgeleiteten und 
in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Grundsatz bestimmt die Anklageschrift 
den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Sie hat die der 
beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu 
umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend 
konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidi-
gungsrechte der angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör (Informationsfunktion). Gemäss Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO bezeichnet 
die Anklageschrift möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorge-
worfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tataus-
führung (Urteil des Bundesgerichts 6B_1440/2019 vom 25. Februar 2020 E. 1.2). 

Bei versuchten Delikten, bei denen unter Umständen gar keine objektiven Tatbe-
standsmerkmale erfüllt sind, ist der subjektive Tatbestand – im Sinne eines Tatent-
schlusses – zentrale Grundlage für die Tatbestandsmässigkeit. Wird ein Versuch 
angeklagt, sind zudem jene tatsächlichen objektiven Elemente zu erwähnen, die 
nach den diesbezüglichen rechtlichen Kriterien einen Versuch gemäss Art. 22 
Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB; SR 311.0) annehmen lassen. Die Anklageschrift hat 
insbesondere jene Momente festzuhalten, die einen örtlichen und zeitli-
chen Konnex zur geplanten Tat indizieren, sodass das inkriminierte Verhalten als 

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Beginn der Tatausführung im Sinne der Schwellentheorie qualifiziert werden kann. 
Sind bereits einzelne Tatbestandsmerkmale erfüllt worden, sind die entsprechen-
den Sachverhaltselemente darzulegen (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, Art. 325 
N 35a).

Vorliegend wird in der Anklageschrift die vorgeworfene Erfüllung des subjektiven 
Tatbestands einer versuchten schweren Körperverletzung genügend umschrieben. 
Es wird angegeben, der Beschuldigte habe in Kauf genommen, C.________ blei-
bende schwere gesundheitliche Schädigungen zuzufügen, namentlich eine blei-
bende Beeinträchtigung der Sehkraft und/oder eine Entstellung des Gesichts durch 
die Verletzung des Gesichtsnervs. Des Weiteren wird auch umschrieben, inwiefern 
der Beschuldigte in objektiver Hinsicht die Schwelle zum Versuch überschritten ha-
ben soll, nämlich indem er gegen C.________ mit Fäusten und einer Bierflasche 
eingeschlagen habe, insbesondere mit einer Bierflasche gegen den Kopf. Anläss-
lich dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte C.________ eine Bierfla-
sche derart gegen den Kopf bzw. das Gesicht geschlagen, dass C.________ eine 
tiefe Rissquetsch- resp. Schnittwunde oberhalb des linken Auges erlitten habe. 
Diese Umschreibung genügt, um beurteilen zu können, ob der Beschuldigte in ob-
jektiver Hinsicht die Schwelle zum Versuch überschritten hat.

Dass im Anklagesachverhalt auch ein Erfolg umschrieben wird, schadet nicht. 
Gemäss Art. 325 Abs. 2 StPO kann die Staatsanwaltschaft für den Fall der Verwer-
fung ihrer Hauptanklage eine Eventualanklage erheben, wenn eindeutige tatsächli-
che Feststellungen zwar nicht möglich sind, aber doch feststeht, dass die beschul-
digte Person sich in jeder der in Betracht fallenden Sachverhaltsalternativen schul-
dig gemacht haben könnte. Es ist in diesem Fall Sache des Gerichts, allenfalls wi-
dersprüchliche Beweisergebnisse zu würdigen und den Sachverhalt verbindlich 
festzustellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 1.3.2). 
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft in der Anklage-
schrift auch einen Erfolg umschrieb, der im Falle der Verwerfung ihrer Hauptankla-
ge (versuchte schwere Körperverletzung) Grundlage ihrer Eventualanklage (einfa-
che Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand) bildete. Es ist nicht ersichtlich, 
inwiefern der Anklagesachverhalt dadurch verwirrlich geworden wäre.

Alles in Allem steht ausser Frage, dass der Beschuldigte wusste, welcher konkre-
ten Handlung er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird. Der 
Anklagegrundsatz ist nicht verletzt.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Anklagesachverhalt

Am 25. August 2017 um 00:25 Uhr ging bei der Kantonspolizei Bern die Meldung 
ein, auf dem K.________ [Platz] in Bern sei eine Streiterei zwischen 
zehn Personen im Gange. Bei Eintreffen der Polizei drei Minuten später konnten 
der Beschuldigte und C.________ mit nacktem Oberkörper und bereits blutver-
schmiert beim Faustkampf gesichtet werden. In der Nähe der beiden wurden Glas-
scherben vorgefunden, wovon mindestens ein Teil einer Bierflasche mit frischem 
Blut behaftet war. Die beiden Streitenden konnten voneinander getrennt werden. 

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Sie wurden beide auf den Boden gesetzt und ins Schliesszeug gelegt. Da sowohl 
beim Beschuldigten, insbesondere aber auch bei C.________, Verletzungen im 
Kopfbereich festgestellt wurden, erfolgte umgehend die Avisierung der Sanitätspo-
lizei. Im Umfeld des Ereignisorts befanden sich mehrere Personen, darunter 
D.________, E.________, der Melder F.________ und G.________. Sowohl der 
Beschuldigte wie auch C.________ wurden in der Folge verzeigt (zum Ganzen 
pag. 171 ff.). C.________ gab nach anfänglichem Abstreiten zu, mit einer Bierfla-
sche gegen den Kopf des Beschuldigten geschlagen zu haben, und wurde hierfür 
rechtskräftig verurteilt (vgl. pag. 944 ff.).

Gegenstand des oberinstanzlichen Berufungsverfahrens ist damit einzig noch das 
Verfahren gegen den Beschuldigten. Gemäss Anklageschrift vom 4. Dezem-
ber 2018 (pag. 622 ff.) wird ihm folgender Sachverhalt vorgeworfen:

Anlässlich einer tätlichen Auseinandersetzung mit C.________, bei welcher die beiden mit den Fäus-
ten und Bierflaschen auf einander einschlugen, insbesondere mit den Bierflaschen gegen den Kopf, 
schlug [der Beschuldigte] dem C.________ eine Bierflasche derart gegen den Kopf resp. das Gesicht, 
dass dieser eine tiefe Rissquetsch- bzw. Schnittwunde oberhalb des linken Auges erlitt. [Der Beschul-
digte] nahm dabei in Kauf, ihm bleibende schwere gesundheitliche Schädigungen zuzufügen, nament-
lich eine bleibende Beeinträchtigung der Sehkraft und/oder eine Entstellung des Gesichts durch die 
Verletzung des Gesichtsnervs.

8. Unbestrittener / Bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass es zwischen dem Beschuldigten und C.________ am 25. Au-
gust 2017 zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam, anlässlich welcher beide 
Kontrahenten Verletzungen davongetragen haben. C.________ gab zu, im Rah-
men der Schlägerei eine Bierflasche in den Händen gehabt und damit gegen den 
Kopf des Beschuldigten eingeschlagen zu haben. Er wurde wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Der 
Beschuldigte demgegenüber bestreitet, im Rahmen der Schlägerei überhaupt eine 
Bierflasche in den Händen gehabt zu haben. Er gibt lediglich zu, mit den Fäusten 
und dem Kopf auf C.________ eingewirkt zu haben.

9. Beweismittel

Der Anzeigerapport, die Arztberichte, die rechtsmedizinischen Gutachten und der 
Bericht des KTD sind von der Vorinstanz korrekt zusammengefasst worden. Darauf 
kann verwiesen werden. Desgleichen auf die von der Vorinstanz erwähnten Aus-
sagen der Parteien und der Zeugen (siehe zum Ganzen pag. 773 – 777).

10. Beweiswürdigung

10.1 Vorbemerkungen

Für die Beweiswürdigung kann vorab auf die zwar eher knappen, aber dennoch zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 778 – 780).

Nachfolgend soll darauf eingegangen werden, (1) ob der Beschuldigte mehrfach 
mit einer Glasflasche gegen den Kopf von C.________ einschlug (E. 10.2 hier-
nach) und, falls ja, (2) wie heftig diese Schläge waren (E. 10.3 hiernach). 

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10.2 Mehrfaches Einschlagen mit einer Glasflasche gegen den Kopf

Gemäss dem rechtsmedizinischen Gutachten zur körperlichen Untersuchung 
(pag. 198 ff.) ist die bei C.________ festgestellte Hautdurchtrennung im Bereich 
der linken Augenbraue «am ehesten» Zeichen halbscharfer Gewalt. Eine Entste-
hung unter Einsatz eines kantigen Gegenstandes oder von Glasflaschen wäre 
«denkbar». Aufgrund der Lage der Verletzung über dem Knochen wäre eine Ent-
stehung als Folge eines Schlages «ebenso möglich». Die übrigen Verletzungen 
seien Zeichen stumpfer Gewalteinwirkung.

Dem Bericht des KTD (pag. 217 ff.) lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte 
mit den Scherben und dem Mundstück einer Bierflasche in Kontakt gekommen ist 
und dabei biologisches Material hinterlassen hat. Ob die Flasche als Tatwaffe ein-
gesetzt worden war, konnte nicht beantwortet werden.

F.________, der während des Vorfalls die Polizei gerufen hatte (pag. 238 Z. 24), 
gab in seiner ersten Einvernahme vom 25. August 2017 an, er könne nichts zur 
Verletzung sagen, die C.________ über dem Auge gehabt habe. Das sei vermut-
lich passiert, bevor er [dazu-]gekommen sei (pag. 239 Z. 93 f.). Er sagte jedoch ex-
plizit aus, es seien «Bierflaschen» [Plural] im Spiel gewesen (pag. 239 Z. 71) und 
gab auf Frage, zu welchem Zweck diese Flaschen benötigt worden seien, an, «sie 
[Plural, gemeint: C.________ und der Beschuldigte] haben so geschlagen» 
(pag. 239 Z. 75). Einer der Schläge, die er beobachtet habe, sei gegen die rechte 
hintere Kopfseite des Beschuldigten gegangen (pag. 239 Z. 77 f.).

In seiner zweiten Einvernahme vom 2. Juli 2018 wiederholte F.________ unter 
Zeugenpflicht stehend, beide hätten eine Flasche gehabt (pag. 245 Z. 87) und sich 
gegenseitig damit geschlagen (pag. 245 Z. 91). Sie hätten sich mal mit der Fla-
sche, mal mit der Faust geschlagen. Mal sei der Beschuldigte, dann C.________ 
und dann wieder der Beschuldigte zu Boden gegangen (pag. 245 Z. 109 ff.). So-
dann führte er aus, dass jemand [gemeint: einer der beiden, d.h. inklusive 
C.________] hätte sterben können, weil mit Glas geschlagen worden sei (pag. 246 
Z. 122 ff.). Es seien auch mehrere Flaschen [Plural] kaputtgegangen (pag. 246 
Z. 143). Zuletzt wiederholte er nochmals: «Aber die [gemeint: der Beschuldigte und 
C.________] haben einander mit Glas geschlagen, darum war es gefährlich» 
(pag. 248 Z. 205 f.).

Wenngleich F.________ somit die Entstehung der Verletzung über dem Auge von 
C.________ nicht gesehen hatte, hielt er doch mehrfach und dezidiert fest, dass 
beide, auch der Beschuldigte, mit einer Glasflasche gegen den jeweils anderen ge-
schlagen hatten. Seine Aussagen sind dabei konstant, präzise und wenn er etwas 
nicht gesehen hatte oder nicht mehr wusste, gab er dies jeweils klar an (vgl. 
pag. 239 Z. 94; pag. 246 Z. 140). Hinzu kommt, dass es keinen Grund gibt, wieso 
F.________ den Beschuldigten falsch belasten und das Risiko eines Strafverfah-
rens gegen sich wegen falscher Zeugenaussage eingehen sollte. Sowohl den Be-
schuldigten als auch C.________ kannte er fast nicht (pag. 238 Z. 63 ff.). Auf seine 
glaubhaften Aussagen kann daher abgestellt werden.

D.________ gab in seiner ersten Einvernahme vom 29. November 2017 an, beide 
der am Streit beteiligten Personen – d.h. der Beschuldigte und C.________ – hät-

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ten Bierflaschen gehabt. Zuerst habe der eine mit der Flasche geschlagen und 
dann der andere auch (pag. 257 Z. 94 ff.). Verletzte Personen habe er keine gese-
hen, da er nicht so nahe gewesen sei. Er habe nur gesehen, dass sie sich ge-
schlagen hätten (pag. 258 Z. 110 ff.). Das Schlagen beschrieb er wie folgt: Der eine 
habe [mit einer Flasche] geschlagen und dann der andere wieder, wie beim Gericht 
[Verbal: Der Einvernommene macht eine Schlagbewegung wie ein Richter mit dem 
Hammer] (pag. 258 Z. 120 ff.). Auf Frage, wie die Beteiligten die Flaschen in den 
Händen gehalten hätten und wie oft und wie intensiv sie mit den Flaschen zuge-
schlagen hätten, gab D.________ an, dass er nicht wisse wie. Der eine habe ge-
schlagen und sei zu Boden gegangen. Der andere habe ihn auch geschlagen und 
sei dann auch zu Boden gegangen. Sie hätten sich einfach gegenseitig geschla-
gen. Anschliessend sei die Ambulanz gekommen und dann sei fertig gewesen 
(pag. 258 Z. 128 ff.). 

In seiner zweiten Einvernahme vom 18. Mai 2018 wiederholte D.________ als 
Zeuge befragt, dass sich der Beschuldigte und C.________ mit Flaschen geschla-
gen hätten. Dann sei die Polizei und die Ambulanz gekommen. Er sei etwa 15 Me-
ter entfernt gewesen (pag. 267 Z. 88, Z. 92 f.). Wieder umschrieb er die Flaschen-
schläge mit der Formulierung «wie wenn [man] beim Gericht mit dem Hammer 
schlagen würde» (pag. 267 Z. 100 f.). Er gab an, nicht mitgezählt zu haben, wie oft 
sich die Beteiligten mit den Flaschen geschlagen hätten [Anm.: d.h. offenbar 
mehrmals] (pag. 267 Z. 109 f.). Auf Frage, wohin sich die Beteiligten geschlagen 
hätten, vermutete er, dass die Schläge wohl gegen den Kopf gegangen seien, er 
habe es nur so gesehen (vgl. pag. 267 Z. 112 ff.). Auf Nachfrage, ob er gesehen 
habe, wie eine Flasche an den Kopf von einem der beiden geprallt ist, gab er an, 
beide hätten sich gegenseitig geschlagen (pag. 268 Z. 155 f.). Die beiden Beteilig-
ten hätten die Flaschen jeweils beim Flaschenhals gehalten. Das habe er so gese-
hen (pag. 268 Z. 124 ff.). Die Flaschen seien zudem aus Glas gewesen, wie er das 
bereits gesagt habe (pag. 268 Z. 139 f.). Der Beschuldigte und C.________ hätten 
sich gegenseitig beim Kragen gehalten und dabei auf einander [mit den Flaschen] 
eingeschlagen (pag. 268 Z. 145 ff.).

Auch D.________ bestätigt somit, dass der Beschuldigte und C.________ mit 
Glasflaschen gegenseitig und mehrfach aufeinander eingeschlagen haben. Er kann 
zwar nicht eindeutig bestätigen, dass die Flaschenschläge gegen den Kopf der Be-
teiligten gegangen sind und so die Verletzungen verursacht haben. Er vermutet das 
aber, da er es selber nur so gesehen hat. Seine Aussagen enthalten ausserge-
wöhnliche Details («Schlagen wie beim Gericht mit dem Hammer») und er unter-
scheidet klar zwischen dem, was er gesehen hat, und dem, was er nicht gesehen 
hat. Auf kritische Fragen der einvernehmenden Person vermochte er überzeugend 
zu antworten, ohne dabei von seiner Version abzuweichen. So beispielsweise in 
folgendem Austausch (pag. 258 Z. 140 ff.):

«Sind Sie sicher, dass es sich bei den erwähnten Gegenständen, die die beiden Streitenden 
verwendeten, um Flaschen und nicht um Aludosen gehandelt hat?

Ich bin ja nicht blind. Es waren Flaschen. Wie könnte man mit Aludosen das Gesicht so verletzen?

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Demnach haben Sie trotzdem gesehen, wie jemand verletzt wurde?

Ich habe es ja vorhin gesagt, dass sich die beiden Beteiligten gegenseitig mit Flaschen geschlagen 
haben. Wenn man mehrmals mit einer Dose schlägt, wird man sicher nicht so verletzt.

Verbal: Der Einvernommene regt sich sichtlich auf.

Wer verletzt wurde, habe ich nicht gesehen. Aber es kam eine Ambulanz. Sie können die Ambulanz 
fragen.»

Schliesslich gibt D.________ an, den Beschuldigten und C.________ nicht bzw. 
nur vom Sehen her zu kennen (pag. 256 Z. 40 ff.) und nicht mit ihnen befreundet zu 
sein (pag. 265 Z. 41), weshalb kein Grund ersichtlich ist, weshalb er einen von ih-
nen zu Unrecht belasten und sich der Gefahr eines falschen Zeugnisses aussetzen 
sollte. Seine Aussagen sind glaubhaft, weshalb auf sie abgestellt werden kann.

E.________, der am fraglichen Abend vor dem Vorfall mit dem Beschuldigten zu-
sammen war (pag. 278 Z. 43 ff.), gab in seiner ersten Einvernahme vom 25. August 
2017 an, der Beschuldigte und C.________ seien zunächst mit Fäusten aufeinan-
der losgegangen. Als die beiden dann getrennt worden seien, seien sie zur Tram-
haltestelle beim K.________ [Platz] gegangen und plötzlich hätten beide eine Bier-
flasche in der Hand gehabt. Sie seien dann beide mit den Flaschen aufeinander 
losgegangen und hätten sich mit den Flaschen geschlagen (pag. 279 Z. 72 ff.). Er 
könne zwar nicht sagen, wer wen wie oft und wie geschlagen habe. Er wisse aber, 
dass sich die beiden mehrere Male mit den Bierflaschen geschlagen hätten 
(pag. 279 Z. 98 ff.). Er habe sich ungefähr 20 Meter vom Geschehen entfernt be-
funden. Der Streit sei aber immer in Bewegung gewesen und so seien sie mal 
nähergekommen und hätten sich dann wieder entfernt (pag. 279 Z. 102 ff.). Als der 
Beschuldigte und C.________ verhaftet worden seien, habe er gesehen, wie beide 
geblutet hätten. Er habe aber nicht gesehen, dass die Verletzungen durch die 
Schläge mit den Glasflaschen entstanden seien (pag. 280 Z. 118 ff.).

In seiner Zeugeneinvernahme vom 18. Mai 2018 bestätigte E.________ seine bis-
herige Aussage, wonach sich der Beschuldigte und C.________ gegenseitig mit 
Flaschen geschlagen hätten (pag. 284 Z. 68 ff.). Gegenüber seiner ersten Einver-
nahme präzisierte er, die beiden Kontrahenten hätten mit den Bierflaschen gegen 
den Kopf des jeweils anderen geschlagen (pag. 284 Z. 73 ff.; pag. 286 Z. 128). Er 
könne nicht richtig beschreiben, wo genau sie sich am Kopf getroffen hätten, da er 
etwas weit weg gewesen sei. Aber jeder habe den anderen gegen den Kopf ge-
schlagen und sich mit dem Kopf bewegt (pag. 286 Z. 130 ff.). Er bestätigte erneut, 
dass sich die beiden mehrmals, vielleicht sieben oder acht Mal, geschlagen hätten 
(pag. 285 Z. 87). Die Flaschen hätten sie aus dem Abfall genommen. Sie hätten 
mehrere Flaschen genommen (pag. 287 Z. 161 f.). Auf Frage, wer zuerst eine Fla-
sche geholt habe, gab er an, beide seien eine Flasche holen gegangen (pag. 287 
Z. 180 f.). Beide seien gleich aggressiv gewesen (pag. 288 Z. 214 f.). Wieder gab 
er an, die Flaschen seien nicht beim Schlagen, sondern erst am Boden kaputtge-
gangen (pag. 285 Z. 114 f.).

Im Einklang mit den anderen beiden Zeugen hielt E.________ somit klar fest, dass 
sich der Beschuldigte und C.________ gegenseitig mehrfach mit Flaschen gegen 
den Kopf geschlagen hatten. Er erwähnte die Glasflaschen dabei von Anfang an 

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und schilderte auch, wie der Streit nach und nach eskalierte. Bei seiner Präzisie-
rung bezüglich des Schlagens gegen den Kopf handelt es sich nicht um einen Wi-
derspruch zu seinen vorherigen Aussagen. Er wurde nämlich bis dahin überhaupt 
nie gefragt, ob gegen den Kopf geschlagen worden sei. Er wurde lediglich gefragt, 
ob er gesehen habe, wie einer der beiden den anderen verletzt habe, was er so-
wohl in der ersten wie in der zweiten Einvernahme übereinstimmend verneinte 
(pag. 280 Z. 124 ff.; pag. 288 Z. 223 ff.). Er unterschied – wie die anderen auch – 
klar zwischen dem, was er sicher gesehen hatte, und dem, was er nicht gesehen 
hatte. Seine Aussagen sind präzise, enthalten aussergewöhnliche Details («so 
grüne wie Heineken», pag. 285 Z. 106; «beim Flaschenhals [gehalten]», pag. 285 
Z. 98 ff.) und sind daher glaubhaft, zumal auch er die beiden Beteiligten nicht bzw. 
nur vom Sehen her kannte (vgl. pag. 283 Z. 36 ff.) und nicht davon auszugehen ist, 
dass er den Beschuldigten, mit welchem er vorher Bier getrunken hatte (pag. 278 
Z. 43 ff.), zu Unrecht belastete. Auf seine Aussagen kann abgestellt werden.

C.________ bestritt in seiner ersten Einvernahme vom 25. August 2017 zunächst, 
mit einer Bierflasche auf den Beschuldigten eingeschlagen zu haben. So gab er auf 
Vorhalt der Zeugenaussage von F.________ an: «Von wo kam diese Bierflasche? 
Dort gab es keine Bierflasche» (pag. 316 Z. 159 ff.), was in klarem Widerspruch zu 
den objektiven Beweismitteln stand (vgl. pag. 174 «Angetroffene Situation» und 
pag. 177 «DNA-Auswertungsergebnisse» für eine Übersicht). Nach einigem Hin 
und Her gab er zu: «Ich selber, als ich dorthin gegangen bin, habe keine Flasche 
mitgenommen. Aber es ist möglich, dass [der Beschuldigte] eine Flasche mitge-
nommen hatte oder sonst eine Flasche herumlag, welche ich dann möglicherweise 
gegen [den Beschuldigten] eingesetzt habe. Er gegen mich auch, wir waren ja am 
Streiten» (pag. 318 Z. 289 ff.). 

In seiner zweiten Einvernahme vom 18. Mai 2018 gab er dann an, er und der Be-
schuldigte hätten sich nach dem Vorfall gegenseitig entschuldigt (pag. 322 Z. 25 f.), 
und sagte zur Sache aus: «Es gab dort Bierflaschen. Mit der Hand haben wir uns 
gegenseitig geschlagen. Ich ging auf den Boden, er auch. Wir haben uns gegensei-
tig geschlagen. Er hat mich an der Stirn mit der Flasche geschlagen. Später kam 
die Polizei und sie nahmen uns fest» (pag. 323 Z. 80 ff.). Er selber habe aber keine 
Flasche gehabt (pag. 324 Z. 92 f.). Der Beschuldigte habe die Flasche wahrschein-
lich von der sich in der Nähe befindenden Bar gehabt (pag. 324 Z. 95 ff.). Seine ei-
gene Verletzung am Kopf könne nicht von einer Faust gewesen sein, die sei von 
einer Flasche gewesen (pag. 324 Z. 99 ff.). Auf erneute Nachfrage, ob er gesehen 
habe, dass der Beschuldigte auf ihn eingeschlagen habe, oder ob er dies nur ver-
mute, relativierte er mit: «Ich weiss es nicht. Wir haben gegenseitig gekämpft. Die-
se Verletzung, die ich oben meinem Auge hatte, kann nur von einer Flasche sein» 
(pag. 324 Z. 107 ff.).

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab C.________ an, es sei rich-
tig, dass er mehrmals mit einer Flasche gegen den Kopf des Beschuldigten ge-
schlagen habe. Er habe auch Flaschen geworfen (pag. 672 Z. 10 ff.). Auch der Be-
schuldigte habe mit Flaschen gegen ihn geworfen (pag. 674 Z. 25 ff.).

Anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung gab er zunächst an, er er-
innere sich nicht, dass er mit einer Bierflasche zugeschlagen habe. Er denke aber 

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nicht, dass er das getan habe (pag. 910 Z. 12 ff.). Der Beschuldigte habe ebenfalls 
nicht mit einer Bierflasche gegen seinen Kopf geschlagen (pag. 910 Z. 22 f.). 
Später zog er dann aber seine Berufung zurück und akzeptierte das vorinstanzliche 
Urteil, wonach er mit einer Bierflasche gegen den Kopf des Beschuldigten geschla-
gen hatte (pag. 920).

Die Aussagen des Beschuldigten sind alles andere als konstant. Teilweise belaste-
te er den Beschuldigten, teilweise entlastete er ihn und teilweise wollte er sich nicht 
erinnern können. In Anbetracht der Tatsache, dass C.________ mit dem Beschul-
digte befreundet ist (pag. 322 Z. 23 ff.) und aufgrund der Reihenfolge der Einver-
nahmen für C.________ jeweils die Gefahr bestand, dass der Beschuldigte ihn 
ebenfalls belastet, wenn er ihn zuerst belastet (vgl. pag. 321 und 304, Protokoll der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung pag. 657 ff. und Protokoll der oberinstanzli-
chen Berufungsverhandlung pag. 908 ff.), weist die Kammer den belastenden Aus-
sagen von C.________ ein höheres Gewicht zu, zumal sie mit den Aussagen der 
vorgenannten Zeugen übereinstimmen. Auf dessen Aussagen kann somit insoweit 
abgestellt werden, als sie mit denjenigen der Zeugen übereinstimmen.

Der Beschuldigte sagte von Anfang an aus, er habe C.________ einzig mit dem 
Kopf und mit den Fäusten geschlagen (pag. 298 Z. 172 ff.). Mit einer Bierflasche 
habe er ihn aber nicht geschlagen (pag. 298 Z. 183 ff., Z. 211). Auch in den folgen-
den Einvernahmen beharrte er jeweils auf diesem Standpunkt (vgl. bspw. pag. 306 
Z. 64 f.; pag. 307 Z. 92, Z. 106; pag. 308 Z. 122; pag. 682 Z. 32; pag. 683 Z. 1 f., 
Z. 21, Z. 32; pag. 916 Z. 19).

Er hatte jedoch Mühe, auf kritische Fragen der Staatsanwaltschaft und der Vorin-
stanz diesen Standpunkt mit guten Argumenten zu verteidigen. So gab er bei-
spielsweise auf Frage der Staatsanwaltschaft, wie er sich erkläre, dass auf einer 
der Bierflaschen, die am Tatort gefunden worden seien, seine DNA gefunden wor-
den sei, wenig überzeugend an, er wisse es nicht. Sie seien ja beide am Boden 
gewesen und dort habe es kaputte Flaschen gehabt. Auf erneutes Nachhaken der 
Staatsanwaltschaft, dass an der besagten Flasche die DNA des Beschuldigten am 
Flaschenhals gefunden worden sei und zudem auch das Blut von C.________ ha-
be sichergestellt werden können, antwortete der Beschuldigte mit: «Ich weiss es 
nicht, ich kann es mir nicht erklären. Aber ich hatte ja auch nicht so viel getrunken.» 
Als die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten schliesslich auch vorhielt, dass die 
am Flaschenhals gesicherte DNA zu den Zeugenaussagen passe, wonach beide 
Beteiligten Flaschen am Flaschenhals gehalten und aufeinander eingeschlagen 
hätten, gab er an, er erinnere sich nicht, eine Flasche in der Hand gehalten zu ha-
ben (pag. 308 Z. 133 ff.).

Auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde er mit der Beweis-
lage konfrontiert und gab jeweils wenig überzeugende Antworten. So gab er bei-
spielsweise als Erklärung für die Verletzung von C.________ zu Protokoll: «Ich 
persönlich habe nicht mit einer Flasche geschlagen. Als wir gemeinsam am Boden 
lagen, gab es viele Scherben. Eventuell stammt seine Verletzung von den Scher-
ben, die am Boden waren» (pag. 683 Z. 32 ff.), was in Anbetracht des bei 
C.________ vorgefundenen Verletzungsbildes eher abstrus scheint (vgl. pag. 311) 
und zudem dem rechtsmedizinischen Gutachten widerspricht, wonach die Verlet-

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zung auf halbscharfe oder stumpfe Gewalt im Rahmen einer körperlichen Ausein-
andersetzung zurückzuführen sei (pag. 201). Auch auf Frage, wieso am Hals und 
am Mundstück einer der Flaschen seine DNA festgestellt worden sei, wenn er doch 
nach eigenen Angaben nie eine Flasche in der Hand gehalten habe, gab er lapidar 
die Scherben am Boden als Erklärung dafür an (pag. 683 Z. 36 ff.).

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten zwar konstant in Bezug darauf, 
dass er keine Flasche in den Händen gehalten und den Beschuldigten lediglich mit 
dem Kopf und den Fäusten angegriffen haben will. Weitere Realkennzeichen sind 
indes keine auszumachen. Da die Aussagen zudem in Widerspruch zu den objekti-
ven und subjektiven Beweismitteln stehen, kann darauf nicht abgestellt werden.

Insgesamt ergeben das rechtsmedizinische Gutachten, der Bericht des KTD sowie 
die drei Zeugenaussagen ein stimmiges Gesamtbild: Der Beschuldigte schlug mit 
einer Glasflasche mehrfach gegen C.________. F.________ und E.________ sa-
hen zudem, dass die Schläge mit der Flasche gegen den Kopf von C.________ 
gingen, was auch von D.________ vermutet wird und Stütze im rechtsmedizini-
schen Gutachten findet, wonach die Hautdurchtrennung im Bereich der linken Au-
genbraue von C.________ «am ehesten» Zeichen halbscharfer Gewalt ist. 
Schliesslich bestätigte auch C.________ – obwohl mit dem Beschuldigten befreun-
det und trotz Gefahr von belastenden Aussagen aufgrund der Einvernahmereihen-
folge –, dass der Beschuldigte mit einer Glasflasche gegen seine Stirn geschlagen 
hat.

Die Aussagen des Beschuldigten vermögen an diesem Gesamtbild keine Zweifel 
zu erwecken. Er hatte Mühe, für die erdrückende Beweislage eine Erklärung zu fin-
den.

Die Kammer hat keine Zweifel, dass der Beschuldigte wie im Anklagesachverhalt 
umschrieben mehrfach mit einer Glasflasche gegen den Kopf von C.________ ein-
schlug.

10.3 Intensität der Schläge

Als F.________ gefragt wurde, ob es gefährlich gewesen sei, was zwischen dem 
Beschuldigten und C.________ abgelaufen sei, antwortete er – noch bevor der 
Übersetzer die Frage übersetzen konnte – mit einem klaren «Ja». Er habe Angst 
gehabt, dass jemand hätte sterben können, wenn es so weitergegangen wäre 
(pag. 245 Z. 116 ff.). Weiter führte er aus, dass mehrere Flaschen auch kaputtge-
gangen seien (pag. 246 Z. 143). Die beiden hätten nicht nur heute eine Schlägerei 
gehabt. Auch schon früher hätten sie eine Schlägerei auf der Grossen Schanze 
gehabt, und zwar nur, weil sie einander einmal «Nuttensohn» gesagt hätten. Seit-
her hätten sie immer wieder Streit gehabt. Deshalb hätten sie sich auch am 
25. August 2017 geschlagen (pag. 238 Z. 54 ff.). Auf Frage, wie heftig die beiden 
aufeinander eingeschlagen hätten, gab er [auf Deutsch und ohne Übersetzung] an: 
«Nur leicht. Die waren ja betrunken» (pag. 248 Z. 205).

D.________ gab an, er habe keine kaputte Flasche gesehen. Er sei weit weg vom 
Geschehen gewesen (pag. 259 Z. 159 ff.). Er glaube auch nicht, dass der Beschul-
digte oder C.________ aufgrund der Schläge mit den Flaschen zu Boden gefallen 

13

seien. Sie seien ja besoffen gewesen und wenn der eine den anderen schubse, 
könne das so gehen (pag. 259 Z. 259 ff.). Er habe auch keine verletzten Personen 
gesehen (pag. 258 Z. 112). Er habe nur gesehen, dass die beiden sich gegenseitig 
mit Flaschen geschlagen hätten, zu Boden gegangen seien und anschliessend die 
Ambulanz gekommen sei (pag. 258 Z. 131 ff., Z. 148 ff.). Er habe es aber als ge-
fährlich empfunden, was zwischen den beiden abgelaufen sei. Beide seien besof-
fen gewesen. Sie seien unsicher auf den Beinen gewesen und man habe gesehen, 
dass sie nicht gerade hätten laufen können. Einen solchen Kampf habe er noch nie 
gesehen gehabt (pag. 268 Z. 158 ff.). Auf Frage schliesslich, wie heftig die beiden 
geschlagen hätten, gab D.________ an, er könne nur sagen, einfach leicht 
(pag. 271 Z. 236 f.).

E.________ gab an, die Herumstehenden hätten zwar noch interveniert, als der 
Beschuldigte und C.________ mit Fäusten aufeinander losgegangen seien. Als sie 
dann aber mit Flaschen aufeinander eingeschlagen hätten, hätten sie sich entfernt 
und nicht mehr interveniert (pag. 279 Z. 72 ff.). Er habe Angst bekommen und sei 
daher zur Seite gegangen (pag. 284 Z. 83). Die Flaschen seien jedoch nicht beim 
Schlagen, sondern erst am Boden kaputtgegangen. Er sei zudem zu weit weg ge-
wesen und habe daher nicht richtig beobachtet, wie stark die Schläge gewesen 
seien. Sie hätten einfach geschlagen und er habe Blut gesehen (pag. 285 
Z. 114 ff.). Er habe es sehr gefährlich gefunden, was zwischen den beiden abge-
laufen sei, da sie sich mit den Flaschen am Kopf getroffen hätten (pag. 286 
Z. 124 ff.).

C.________ sagte aus, der Beschuldigte habe ihm mit der Faust auf den Zahn und 
ins Gesicht geschlagen. Als er am Boden gelegen sei, habe er weiter versucht, ihn 
zu schlagen (pag. 315 Z. 97 ff.). Sie hätten sich danach gegenseitig geschlagen 
(pag. 323 Z. 80). Die Auseinandersetzung bezeichnete er als «Schlägerei» 
(pag. 316 Z. 156). Mit der Flasche habe der Beschuldigte ihn auf die Stirn geschla-
gen (pag. 323 Z. 81 f.). Die Verletzung, die er am Kopf habe [Anm.: 2.5 Zentimeter 
lange und auf 0.7 Zentimeter klaffende Hautdurchtrennung im Bereich der linken 
Augenbraue, pag. 199], könne nicht von einer Faust sein, die seien von einer Fla-
che gewesen (pag. 324 Z. 103 f.). Das Schlagen mit einer Glasflasche gegen den 
Kopf sei gefährlich (pag. 326 Z. 159 ff.; pag. 910 Z. 25 ff.). Es könnten schwere Sa-
chen passieren. Wenn man betrunken sei, könne man sich nämlich nicht kontrollie-
ren (pag. 325 Z. 153 ff.).

Der Beschuldigte bestritt wie gesagt seinen eigenen Flascheneinsatz. Er gab je-
doch an, die Flasche, mit welcher C.________ ihn geschlagen habe, sei beim 
Schlag kaputtgegangen. Danach habe er ihn mit der kaputten Flasche erneut ge-
schlagen. Es sei daher viel Blut geflossen (pag. 299 Z. 261 ff.). Es hätten viele Sa-
chen passieren können. Es hätte auch tödlich enden können (pag. 308 Z. 151 f.). 
Als C.________ ihn beschimpft habe, habe er sich nicht mehr kontrollieren können 
(pag. 296 Z. 77 f.). Er habe ihn mehrmals geschlagen. Nach dem ersten Schlag 
von C.________ sei er sehr wütend gewesen (pag. 682 Z. 25). Während der Aus-
einandersetzung sei ihm schliesslich dunkel geworden und er habe sehr stark ge-
blutet (pag. 684 Z. 35 f.).

14

Sowohl der Beschuldigte als auch C.________ und die Zeugen gaben somit uniso-
no zu Protokoll, die Auseinandersetzung sei gefährlich und schwere Verletzungen 
seien möglich gewesen. Aus den Aussagen wird klar, dass die Beteiligten nicht be-
sonnen und zurückhaltend gegeneinander agierten. Beide waren betrunken, konn-
ten ihre Aggressionen und Impulse nicht mehr zähmen und prügelten aufeinander 
ein (Beschuldigter: «Ich konnte mich nicht kontrollieren», pag. 296 Z. 77 f.; «Ich 
[war] sehr wütend», pag. 682 Z. 25). Auch das bei C.________ und dem Beschul-
digten im Rahmen der körperlichen Untersuchung festgestellte, nicht unerhebliche 
Verletzungsbild (vgl. pag. 199 ff. und pag. 209 ff.) sowie die durch die Polizei ange-
troffene Situation, wonach die Beteiligten mit nacktem Oberkörper und blutver-
schmiert beim Faustkampf gesichtet wurden (pag. 174), weist darauf hin, dass es 
sich um eine heftige Schlägerei gehandelt haben muss. Das erstaunt nicht, be-
standen doch offenbar schon vor dem Vorfall Spannungen zwischen den beiden 
(vgl. pag. 238 Z. 54 ff.). Dass insbesondere auch die Flaschenschläge heftig wa-
ren, zeigt der Umstand, dass F.________ sich unter deren Eindruck sowie aus 
Angst, es könnte jemand sterben, schliesslich gezwungen sah, die Polizei zu rufen, 
und die Herumstehenden sich nicht mehr getrauten, zu intervenieren, nachdem sie 
dies zuvor noch getan hatten, als die Beteiligten lediglich mit Fäusten aufeinander 
losgegangen waren. Zudem gaben alle Zeugen an, dass sich die Gefährlichkeit der 
Auseinandersetzung in erster Linie aus den Flaschenschlägen ergab.

Aus dem Rahmen springen und kurios wirken die jeweils am Ende ihrer staatsan-
waltschaftlichen Einvernahmen geäusserten Aussagen von F.________ und 
D.________, die auf Frage nach der Intensität der Schläge die Alkoholisierung der 
Beteiligten erwähnten und angaben: «nur leicht» (pag. 248 Z. 205; pag. 271 
Z. 237). Sie stellen sich damit nicht nur in Widerspruch zu ihren vorangehenden 
Aussagen (wonach sie Angst hatten, es könnte jemand sterben, das Geschehen 
als sehr gefährlich empfanden und einen solchen Kampf noch nie zuvor gesehen 
hatten), sondern auch zu ihrem Handeln während des Vorfalls (es war F.________, 
der unter dem Eindruck der Flaschenschläge die Polizei rief). Die Kammer erachtet 
diese Aussagen daher nicht als realitätsbezogen und führt sie auf Schonungsten-
denz und / oder Übersetzungsschwierigkeiten zurück: F.________ äusserte sich 
ohne Übersetzung (pag. 248 Z. 205) und in einer Fremdsprache, die er nur gebro-
chen sprach (pag. 237). Und die Übersetzung zur Aussage von D.________ ist in-
sofern unklar, als nicht genau hervorgeht, ob sich das Wort «leicht» auf die Heftig-
keit der Schläge oder die Alkoholisierung der Beteiligten bezieht. Die anschliessen-
de Klärungsfrage der Staatsanwaltschaft gibt hierüber ebenfalls keinen Aufschluss 
(vgl. pag. 271 Z. 236 – 240).

Zusammengefasst ist daher von einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den 
Beteiligten sowie von heftigen Flaschenschlägen durch den Beschuldigten auszu-
gehen.

10.4 Gesamtwürdigung

Die Kammer erachtet den Anklagesachverhalt als erstellt. Der Beschuldigte schlug 
anlässlich einer tätlichen Auseinandersetzung mit C.________ mit den Fäusten 
und Bierflaschen auf diesen ein. Er schlug ihm dabei mehrfach und heftig mit Bier-

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flaschen gegen den Kopf. Ihm war dabei bewusst, dass dies zu schweren Verlet-
zungen führen kann.

Da damit der Sachverhalt des Hauptanklagepunktes (versuchte schwere Körper-
verletzung) erwiesen ist, kann offenbleiben, ob die bei C.________ festgestellte 
Hautdurchtrennung auf Höhe der linken Augenbraue durch einen Flaschenschlag 
oder – wie von der Verteidigung behauptet – eine Kopfnuss des Beschuldigten ver-
ursacht wurde.

III. Rechtliche Würdigung

Gemäss Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer 
einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1); wer den Körper, ein wichtiges 
Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder 
Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich 
oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt 
(Abs. 2); oder wer eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperli-
chen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). 
Nach Art. 123 StGB wird wegen einfacher Körperverletzung bestraft, wer einen 
Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt (BGE 141 IV 97 
E. 2.3.1).

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Wil-
len ausführt oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt 
(Art. 12 Abs. 2 StGB). Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter die Tatbe-
standsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für 
den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch un-
erwünscht sein. Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in 
Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des Be-
schuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des 
dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der 
Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathand-
lung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je 
schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der 
Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Das Gericht darf 
vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt 
des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge 
hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt wer-
den kann. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und 
je schwerer die Rechtsgutsverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolge-
rung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Eventual-
vorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen 
Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. 
Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgs-
eintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere 
Umstände hinzukommen. Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter 
das ihm bekannte Risiko nicht kalkulieren und dosieren kann und das Opfer keine 

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Abwehrchancen hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_464/2017 vom 7. August 2017 
E. 1.3).

Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder eines 
Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende, macht er sich 
gemäss Art. 21 Abs. 1 StGB des unvollendeten Versuchs strafbar. Beim Versuch 
erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale, ohne dass alle objek-
tiven Merkmale verwirklicht wären. Nach der Rechtsprechung gehört zur «Aus-
führung» der Tat im Sinne von Art. 21 Abs. 1 StGB jede Tätigkeit, die nach dem 
Plan, den sich der Täter gemacht hat, auf dem Weg zur Tatbestandsverwirklichung 
den letzten entscheidenden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück 
mehr gibt, es sei denn wegen äusserer Umstände, die eine Weiterverfolgung der 
Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1).

Vorliegend trug C.________ keine schwere Verletzung des Körpers davon, wes-
halb der objektive Tatbestand von Art. 122 Abs. 2 StGB nicht erfüllt ist.

Der Beschuldigte nahm jedoch beim Schlagen mit der Flasche gegen den Kopf 
bewusst in Kauf, C.________ eine schwere Verletzung, namentlich eine bleibende 
Beeinträchtigung der Sehkraft oder eine Entstellung des Gesichts durch die Verlet-
zung des Gesichtsnervs, zuzufügen. Das Risiko, dass solche Verletzungen entste-
hen, wenn mit einer Glasflasche mehrfach und heftig gegen den Kopf eines Men-
schen geschlagen wird, ist hoch. Eine Glasflasche kann dabei in Scherben zerbre-
chen und dient daher nicht nur als Schlagwaffe, sondern kann auch Schnittverlet-
zungen verursachen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_617/2019 vom 14. No-
vember 2019 E. 1.3.3 und 6B_908/2017 vom 15. März 2018 E. 1.4). Am Kopf be-
finden sich zahlreiche empfindliche Körperstellen und wichtige Organe (Augen, 
Gesichtsnerv, Blutgefässe), mit deren Verletzung durch stumpfe oder scharfe Ge-
walteinwirkung bleibende, schwere Schädigungen einhergehen können. Auch eine 
Entstellung des Gesichts aufgrund von Narbenbildung ist ohne weiteres möglich. 
Der hohen Verletzungsgefahr war sich der Beschuldigte durchaus bewusst («Es 
können viele Sachen passieren. Wir hätten beide viel Blut verlieren können. Es 
kann auch tödlich sein», pag. 308 Z. 149 ff.; «Es stimmt schon, dass eine Flasche 
sehr gefährlich ist. Damals floss ja auch eine Menge Blut», pag. 916 Z. 31 f.). Bei 
der in Frage stehenden Auseinandersetzung handelte es sich zudem um ein dy-
namisches Geschehen, bei welchem der Beschuldigte beim mehrfachen, heftigen 
Schlagen mit der Flasche gegen den Kopf unmöglich zielen konnte, wo und wie 
genau er C.________ treffen wird. Er war zudem emotional geladen («Er hat mich 
erneut beschimpft, ich konnte mich nicht kontrollieren», pag. 296 Z. 77 f.; «Nach 
dem ersten Schlag [Anm.: von C.________] war ich sehr wütend», pag. 682 Z. 25) 
und angetrunken (Blutalkoholkonzentration von mindestens 1.43 Gewichts-
promillen, pag. 214). Es war ihm unter diesen Umständen nicht möglich, das vom 
Schlag mit der Flasche gegen den Kopf von C.________ ausgehende Risiko zu 
dosieren oder zu kontrollieren. C.________ war im Übrigen selber angetrunken 
(Blutalkoholkonzentration von mindestens 0.89 Gewichtspromillen, pag. 207) und 
daher kaum in der Lage, auf die Schläge des Beschuldigten zeitgerecht zu reagie-
ren. Es hing damit allein vom Zufall ab, ob C.________ aufgrund des Schlages des 
Beschuldigten eine schwere Verletzung des Körpers, namentlich eine bleibende 

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Beeinträchtigung der Sehkraft oder eine Entstellung des Gesichts durch die Verlet-
zung des Gesichtsnervs, davontrug. Das mehrfache und heftige Schlagen mit der 
Flasche gegen den Kopf von C.________ kann daher vernünftigerweise nur als In-
kaufnahme eines solchen Erfolgs gewertet werden. Der Beschuldigte hat den sub-
jektiven Tatbestand von Art. 122 Abs. 2 StGB verwirklicht.

Indem er sodann mit der Bierflasche mehrfach und heftig gegen den Kopf von 
C.________ schlug, begann er in objektiver Hinsicht mit der Ausführung der Tat 
und überschritt damit die strafbedrohte Schwelle zum Versuch gemäss Art. 22 
Abs. 1 StGB.

Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich. Insbesondere 
kann sich der Beschuldigte nicht auf (rechtfertigende oder entschuldigende) Not-
wehr berufen, da er sich aus freien Stücken auf die Auseinandersetzung mit 
C.________ einliess. Sämtliche Zeugen sowie auch der Beschuldigte und 
C.________ beschrieben ein gegenseitiges «Hochschaukeln» (vgl. pag. 244 
Z. 81 ff.; pag. 266 Z. 84 ff.; pag. 279 Z. 73 ff. pag. 306 Z. 51 f., pag. 314 Z. 64 ff.). 
In einer solchen Konstellation kann von einer Verteidigung des Rechts gegen das 
Unrecht keine Rede sein (Urteil des Bundesgerichts 6B_706/2011 vom 3. April 
2012 E. 3.1.2). Im Übrigen handelte der Beschuldigte auch nicht «in entschuldbarer 
Aufregung oder Bestürzung über den Angriff» i.S.v. Art. 16 Abs. 2 StGB. Stheni-
sche Affekte wie Wut, Zorn oder Kampfeseifer (vgl. pag. 296 Z. 77 f. und pag. 682 
Z. 25) kommen als Schuldausschlussgrund nicht in Betracht (Urteil des Bundesge-
richts 6B_432/2010 vom 1. Oktober 2010 E. 5.3).

Der Beschuldigte hat sich daher der versuchten schweren Körperverletzung 
gemäss Art. 122 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

IV. Strafzumessung

11. Anwendbares Recht

Die versuchte schwere Körperverletzungen wurde am 25. August 2017 und damit 
vor Inkrafttreten des StGB in seiner Fassung vom 1. Januar 2018 begangen, die 
Beurteilung erfolgt aber erst nachher. Da das neue Recht vorliegend nicht milder 
ist, ist in Anwendung von Art. 2 Abs. 2 StGB altes Recht anzuwenden.

12. Allgemeines

Für die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung kann grundsätzlich auf die 
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 795 ff.).

Zu ergänzen ist lediglich, dass das Gericht für die Bemessung der Strafe bei einer 
versuchten Tatbegehung in einem ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für 
das vollendete Delikt festzulegen hat. Die derart ermittelte hypothetische Strafe ist 
in der Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrunds von 
Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 
25. Juli 2013 E. 2.3.1).

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13. Strafrahmen und Strafart

Der Strafrahmen einer schweren Körperverletzung beträgt Freiheitsstrafe bis zu 
zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen (Art. 122 Abs. 4 StGB). 
Angesichts der Höhe der vorliegend auszufällenden Strafe kommt jedoch einzig ei-
ne Freiheitsstrafe in Betracht (Art. 34 Abs. 1 StGB e contrario).

14. Versuchte schwere Körperverletzung

14.1 Objektive Tatschwere

Im Rahmen des hypothetisch vollendeten Delikts hätte der Beschuldigte eine blei-
bende Beeinträchtigung der Sehkraft oder eine Entstellung des Gesichts durch die 
Verletzung des Gesichtsnervs herbeigeführt. Hierbei handelt es sich um Verletzun-
gen der körperlichen Integrität, die im Vergleich zu anderen unter Art. 122 
Abs. 2 StGB fallenden Beeinträchtigung nicht mehr als leicht bezeichnet werden 
kann. Die Sehkraft erfüllt im Alltag wichtige Funktionen und ihre Beeinträchtigung 
führt zu grossen Einschränkungen. Eine Entstellung des Gesichts durch Verletzung 
des Gesichtsnervs hat nicht nur einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung 
des Betroffenen durch andere Personen, sondern stellt auch eine nachhaltige Be-
lastung für die eigene Psyche dar. Das Ausmass der Rechtsgutsverletzung ist da-
her nicht mehr leicht.

Der Beschuldigte schlug mehrfach und heftig auf den Kopf von C.________ ein, 
was jedoch erst zur Annahme von Eventualvorsatz führte und daher an dieser Stel-
le nicht nochmals straferhöhend gewertet werden darf (Doppelverwertungsverbot). 
Es handelte sich um eine Streitigkeit, die ausartete, und nicht um ein kalkuliertes 
Vorgehen des Beschuldigten.

Insgesamt ist für das hypothetisch vollendete Delikt von einem leichten bis mittle-
ren Verschulden auszugehen. Eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten scheint ange-
messen. 

14.2 Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich, was einen Abzug von rund 3 Mona-
ten rechtfertigt.

Dass er aus nichtigen Beweggründen handelte, ist neutral zu gewichten.

Er war angetrunken und wies im Tatzeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration zwi-
schen 1.43 und 2.45 Gewichtspromillen auf (pag. 213). Von einer Verminderung 
der Schuldfähigkeit ist bei ihm gleichwohl nicht auszugehen (BGE 122 IV 49 E. 1). 
Der Beschuldigte liess verlauten, dass er Alkohol gut vertrage (pag. 309 Z. 175), 
und gab auf Vorhalt der errechneten Blutalkohlkonzentration zu Protokoll: «Ich? Ei-
gentlich wusste ich schon was ich tue, ich habe nicht so viel getrunken. Nach die-
sem Schlag war mir einfach schwindelig» (pag. 309 Z. 168 f.) und: «Ich wusste, 
was ich machte, und war auch nicht besoffen» (pag. 916 Z. 22). E.________, der 
vor dem Vorfall mit dem Beschuldigten zusammen gewesen war (pag. 278 
Z. 43 ff.), gab an, dass dieser zwar betrunken gewesen sei, er aber nach wie vor 
normal habe laufen und reden können (pag. 287 Z. 192 ff.). Zudem spricht auch die 
Tatsache, dass der Beschuldigte für eine gewisse Zeit wuchtige Schläge austeilen 

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und einstecken konnte, gegen eine verminderte Schuldfähigkeit. Gleichwohl verrin-
gerte die festgestellte Blutalkoholkonzentration die Vermeidbarkeit der Tat und 
rechtfertigt eine Minderung der Freiheitsstrafe um 1 Monat.

Aufgrund der subjektiven Tatkomponenten reduziert sich die Strafe somit von 
32 um 4 auf insgesamt 28 Monate Freiheitsstrafe.

14.3 Versuch

Der Beschuldigte hat alles in seiner Macht Stehende getan, damit das Delikt zur 
Vollendung gelangt. Dass der Erfolg letztlich ausblieb, ist einzig dem Zufall zu ver-
danken. Es handelt sich mithin um einen vollendeten Versuch.

Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass zwischen dem hypothetischen Taterfolg 
(bleibende Beeinträchtigung der Sehkraft oder Entstellung des Gesichts durch Ver-
letzung des Gesichtsnervs) und dem tatsächlich eingetretenen Erfolg (Rissquetsch- 
bzw. Schnittwunde oberhalb des linken Auges, die unter Narbenbildung problemlos 
ausheilt) ein erheblicher Unterschied besteht. Der tatsächliche Erfolgsunwert ist 
ungleich geringer als der Erfolgsunwert, auf welchem das Strafmass gemäss 
E. 14.2 basiert. Wenngleich dieser Umstand nicht dem Beschuldigten zu verdanken 
ist, hat er dennoch strafmindernd einzufliessen.

Insgesamt rechtfertigt sich daher ein Abzug von vier Monaten für die versuchte Be-
gehung. Die Strafe vermindert sich somit von 28 um 4 auf 24 Monate Freiheitsstra-
fe.

14.4 Täterkomponenten

Für die Täterkomponenten kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 813 f.). Das Vorleben, die persönlichen 
Verhältnisse, das Nachtatverhalten und die Strafempfindlichkeit sind neutral zu be-
werten.

Insgesamt bleibt es somit bei einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

14.5 Konkretes Strafmass

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten 
zu verurteilen. Die ausgestandene Polizeihaft von einem Tag ist auf die Freiheits-
strafe anzurechnen.

14.6 Bedingter Vollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von höchs-
tens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 
erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen 
abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (pag. 449). Es ist nicht ersichtlich, wieso eine 
unbedingte Freiheitsstrafe nötig wäre, um ihn von der Begehung weiterer Delikte 
abzuhalten. Ihm ist daher der bedingte Vollzug zu gewähren. Die Probezeit ist auf 
2 Jahre festzusetzen.

20

V. Landesverweisung

15. Allgemeines

Nach dem Wortlaut des am 1. Oktober 2016 in Kraft getretenen Art. 66a Abs. 1 
Bst. b StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der wegen schwerer Körperver-
letzung (Art. 122 StGB) verurteilt worden ist, unabhängig von der Höhe der Strafe, 
für eine Dauer von fünf bis fünfzehn Jahren aus der Schweiz (BGE 144 IV 332 
E. 3.1.3). Die Landesverweisung greift dabei nicht nur bei einer Verurteilung als Al-
lein- und Haupttäter, sondern muss bei sämtlichen Täterschafts- und Teilnahme-
formen ausgesprochen werden sowie unabhängig davon, ob es beim Versuch ge-
blieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt ausfällt (BGE 144 
IV 168 E. 1.4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_627/2018 vom 22. März 2019 
E. 1.3.4).

Nach Art. 66a Abs. 2 StGB (sogenannte Härtefallklausel) kann das Gericht aus-
nahmsweise von einer Landesverweisung absehen, wenn (erste kumulative Bedin-
gung) diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken 
würde und (zweite kumulative Bedingung) die öffentlichen Interessen an der Lan-
desverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in 
der Schweiz nicht überwiegen. Das Gericht muss bei der Ausübung seines ihm 
durch Art. 66a Abs. 2 StGB übertragenen Ermessens die Verfassungsprinzipien re-
spektieren. Sind die Voraussetzungen der Härtefallklausel erfüllt, verlangt das in 
Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) verankerte Verhältnismässig-
keitsprinzip, von einer Landesverweisung abzusehen (BGE 144 IV 332 E. 3; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_598/2019 vom 5. Juli 2019).

Das Gesetz definiert weder, was unter einem persönlichen Härtefall zu verstehen 
ist noch bezeichnet es die bei der Interessenabwägung zu berücksichtigenden Kri-
terien. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bietet sich zur Beurteilung 
eines Härtefalls grundsätzlich eine Orientierung an den Kriterien zur Erteilung einer 
Aufenthaltsbewilligung bei Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härte-
falls gemäss Art. 31 der Verordnung über die Zulassung, den Aufenthalt und die 
Erwerbstätigkeit von Ausländern (VZAE; SR 142.020). Demgemäss ist insbesonde-
re die Integration des Gesuchstellers, die Beachtung der schweizerischen Rechts-
ordnung durch den Gesuchsteller, die Familienverhältnisse, der Zeitpunkt der Ein-
schulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder, die finanziellen Verhältnisse 
sowie der Willen, am Wirtschaftsleben teilzunehmen und eine Ausbildung zu erlan-
gen, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand sowie die 
Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat zu berücksichtigen. Da 
die Auflistung in Art. 31 VZAE nicht abschliessend ist, sind zudem die Wiederein-
gliederungsaussichten des Verurteilten mit einzubeziehen (BGE 144 IV 332 E. 3; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_598/2019 vom 5. Juli 2019 E. 4.2). Ebenso ist der 
Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. Dabei darf das 
Gericht auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene Straftaten 
berücksichtigen (Urteil 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.2).

Bei der Beurteilung eines Härtefalls schreibt Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB des Wei-
teren vor, dass der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen sei, 

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https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5dhmjpxax3boj2f6mjuga
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die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind. Hierzu sind die von der 
Rechtsprechung entwickelten Kriterien zum Widerruf der Niederlassungsbewilli-
gung eines Ausländers der zweiten Generation zu berücksichtigen. Diese nimmt 
an, dass der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung zwar mit besonderer 
Zurückhaltung vorgenommen werden muss, im Fall von schweren oder wiederhol-
ten Straftaten aber selbst bei einem in der Schweiz geborenen Ausländer, der sein 
ganzes Leben hier verbracht hat, nicht ausgeschlossen ist. Besonders zu berück-
sichtigen sind dabei die Intensität der Bindungen des Ausländers an die Schweiz 
und die Wiedereingliederungsschwierigkeiten in seinem Ursprungsland (BGE 144 
IV 332 E. 3).

Aus der parlamentarischen Debatte geht hervor, dass der Gesetzgeber beabsich-
tigte, Ausnahmen von der obligatorischen Landesverweisung restriktiv zu regeln. 
Das richterliche Ermessen soll im Einzelfall so weit wie möglich eingeschränkt sein 
(BGE 144 IV 332 E. 3 S. 341 f.; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1474/2019 vom 
23. März 2020 E. 1.1). Es ist nicht zu verkennen, dass die neue Regelung strenger 
ist im Vergleich zur bisherigen Praxis des ausländerrechtlichen Ausweisungsregi-
mes. Das Bundesgericht ist daher nach einer ersten Stellungnahme dem parlamen-
tarischen Willen gefolgt, die Umsetzung der Ausschaffungsinitiative möglichst 
streng zu gestalten. Es erkannte, dass das Gesetz zweifellos eine restriktive Aus-
legung und Anwendung der Härtefallklausel verlangt. Nach dem Gesetzeswortlaut 
ist eine Verweisung zwingend, es sei denn, besondere Umstände erlaubten, «aus-
nahmsweise» darauf zu verzichten. Ein Absehen von der Landesverweisung hat 
mithin den Ausnahmefall zu bilden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_627/2018 
vom 22. März 2019 E. 1.3.3 f.). Das bedeutet, dass soziale und wirtschaftliche 
Nachteile einer Rückkehr in das Herkunftsland unberücksichtigt bleiben müssen, 
soweit sie bei Landesverweisungen typischerweise vorkommen (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1474/2019 vom 23. März 2020 E. 1.4). Des Weiteren ist bei der 
Orientierung an der Rechtsprechung zum Ausländerrecht die mit der Einführung 
von Art. 121 Abs. 3 – 6 BV und Art. 66a ff. StGB beabsichtigte Verschärfung der 
bestehenden Ordnung zu beachten (BGE 144 IV 332 E. 3 S. 342, vgl. auch Urteil 
des Bundesgerichts 6B_690/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.2).

Das Strafgericht darf die Prüfung der Verhältnismässigkeit einer Landesverweisung 
nicht einfach der für den Vollzug zuständigen Behörde überlassen, wenn ein 
Rückweisungsverbot (das Non-refoulement-Gebot) oder andere zwingende völker-
rechtliche Normen einer Landesverweisung entgegenstehen. Bei der vom Strafge-
richt vorzunehmenden Prüfung ist namentlich dem Umstand Rechnung zu tragen, 
dass zufolge Art. 66c Abs. 2 StGB unbedingte Strafen oder Strafteile sowie frei-
heitsentziehende Massnahmen vor dem Vollzug der Landesverweisung zu vollzie-
hen sind. Da aufgrund dessen zwischen der Anordnung und dem Vollzug der Lan-
desverweisung eine relativ lange Zeit vergehen kann, muss beachtet werden, dass 
sich die Umstände, welche einer Landesverweisung entgegenstehen, ändern könn-
ten. Wenn das Strafgericht aufgrund seiner Prüfung zum Schluss gelangt, dass ein 
stabiler Zustand besteht, welcher sich aller Vernunft nach nicht bessern wird, muss 
es auf die Landesverweisung verzichten, falls sie sich als unverhältnismässig im 
Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB erweist. Umgekehrt kann die Landesverweisung 
verhältnismässig erscheinen, wenn der dieser entgegenstehende Zustand vorüber-

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gehender Natur ist. Dies gilt auch für ein Rückschiebungsverbot oder bei Flücht-
lingseigenschaft. Es ist zu beachten, dass sich die politische Situation im Zielland 
innerhalb des für die Landesverweisung relevanten Zeitraums von 5 – 15 Jahren 
massgeblich ändern kann, ebenso während der Dauer einer vorab zu vollziehen-
den Freiheitsstrafe oder freiheitsentziehenden Massnahme (Urteile des Bundesge-
richts 6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.2.2; siehe ferner Urteil des Bundesge-
richts 6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.5).

Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist 
schliesslich in der Regel bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den 
Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 der Konvention zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) verankerte 
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens auszugehen. Zum durch 
Art. 8 EMRK geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. 
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern. Andere familiäre 
Verhältnisse fallen in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK, sofern eine genügend 
nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Der Anspruch auf Achtung 
des Familienlebens gilt nicht absolut: Liegt eine aufenthaltsbeendende oder 
-verweigernde Massnahme im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, 
erweist sich diese als zulässig, falls sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen 
Zweck im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht (Schutz der nationalen oder öf-
fentlichen Sicherheit, Aufrechterhaltung der Ordnung, Verhütung von Straftaten 
etc.) und verhältnismässig ist. Bei der Prüfung der Eingriffsvoraussetzungen nach 
Art. 8 Ziff. 2 EMRK sind folgende Elemente zu beachten: (1) die Art und Schwere 
der begangenen Straftat und ob sie als Jugendlicher oder Erwachsener verübt 
wurde; (2) die Aufenthaltsdauer des Betroffenen im Land; (3) die seit der Tatbege-
hung vergangene Zeit und das Verhalten des Ausländers während dieser; (4) die 
sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Aufnahmestaat und zum Her-
kunftsland; (5) der Gesundheitszustand sowie (6) die mit der aufenthaltsbeenden-
den Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung. Keines dieser Elemente ist 
für sich allein ausschlaggebend; erforderlich ist eine Würdigung der gesamten Um-
stände im Einzelfall. Das Recht auf Schutz des Familien- und Privatlebens nach 
Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt - in seiner verfahrensrechtlichen Tragweite - als verletzt, 
wenn keine umfassende, faire Interessenabwägung vorgenommen wird. Art. 66a 
StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung im Rahmen der 
Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich daher an der Verhältnismässig-
keitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3).

16. Obligatorische Landesverweisung

Der Beschuldigte wird der versuchten schweren Körperverletzung (Art. 122 StGB) 
schuldig erklärt. Er hat damit ein Verbrechen nach Art. 66a Abs. 1 Bst. b StGB be-
gangen, was grundsätzlich die obligatorische Landesverweisung zur Folge hat.

Nachfolgend ist zu prüfen, ob ein Ausnahmefall gemäss der sogenannten «Härte-
fallklausel» nach Art. 66 Abs. 2 StGB vorliegt.

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17. Härtefallklausel

17.1 Unechter Härtefall

Der Beschuldigte ist in der Schweiz als Flüchtling anerkannt (pag. 451) und macht 
geltend, er sei in Eritrea aus dem Militärdienst geflohen. Er könne dort nicht für fünf 
Minuten leben. Dort habe es einen Diktator, wo es auch Morde gebe. Auf Frage, ob 
er in Eritrea um sein Leben fürchten würde, gab er an: «Sehr» (pag. 680 Z. 8 ff.).

Weder der Flüchtlingsstatus des Beschuldigten noch die den Flüchtlingsstatus be-
gründenden Umstände stehen der Anordnung einer Landesverweisung per se ent-
gegen. Die Kammer hat jedoch zu prüfen, ob die geltend gemachten Umstände 
vorübergehender Natur sind oder ob ein stabiler Zustand besteht, welcher sich aller 
Vernunft nach nicht bessern wird (siehe E. 15 hiervor).

Im Jahr 2010 etablierte das Bundesverwaltungsgericht eine Praxis, wonach bei ei-
ner illegalen Ausreise aus Eritrea im Falle einer Rückkehr die Gefahr einer flücht-
lingsrechtlich relevanten Bestrafung bestehe. Es hielt dazu in seinem Entscheid D-
3892/2008 vom 6. April 2010 fest, dass durch Republikflucht zum Flüchtling werde, 
wer sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen seines Heimatstaates 
konfrontiert sehe, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation des 
Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden. 
Gemäss Art. 11 der Proklamation Nr. 24/1992, welche die Ein- und Ausreise nach 
und von Eritrea regle, sei ein legales Verlassen lediglich mit einem gültigen Reise-
pass und einem zusätzlichen Ausreisevisum möglich. In der Praxis würden Ausrei-
sevisa nur unter sehr strengen Bedingungen und gegen Bezahlung hoher Geldbe-
träge (im Gegenwert von rund USD 10'000.00) an wenige, als loyal beurteilte Per-
sonen ausgestellt, wobei Kinder ab elf Jahren, Männer bis zum Alter von 54 und 
Frauen bis zu jenem von 47 Jahren grundsätzlich von der Visumerteilung ausge-
schlossen seien. Wer versuche, das Land ohne behördliche Erlaubnis zu verlas-
sen, riskiere neben der gesetzlich angedrohten Bestrafung sein Leben, da die 
Grenzschutztruppen den Befehl hätten, Fluchtversuche mit gezielten Schüssen zu 
verhindern. Das eritreische Regime erachte das illegale Verlassen des Landes als 
Zeichen politischer Opposition gegen den Staat und versuche, mit drakonischen 
Massnahmen der sinkenden Wehrbereitschaft und der Massenfluchtbewegung in 
der Bevölkerung Herr zu werden (E. 5.3.1 f.)

Im Jahr 2014 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Praxis. Im 
Entscheid D-4787/2013 vom 20. November 2014 hielt es fest, dass eine illegale 
Ausreise aus einem Land nicht bereits aufgrund des Umstands glaubhaft gemacht 
sei, dass man sich in einem Alter befindet, in dem es prinzipiell nicht möglich sei, 
ein Ausreisevisum zu erhalten. Wenn die illegale Ausreise das Kernkriterium blei-
be, um das Verfolgungsrisiko zu beurteilen, so müsse die asylsuchende Person 
diese zumindest glaubhaft machen (E. 9). Aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbrin-
gen zur Ausreise und der restriktiven Praxis der eritreischen Behörden bei der Aus-
stellung von Visa könne nicht auf eine legale Ausreise geschlossen werden. Wenn 
aber die illegale Ausreise nicht glaubhaft gemacht werden könne, so sei von einer 
legalen Ausreise auszugehen, da der beschwerdeführenden Person hinsichtlich 

24

der Ausreise die Beweis- bzw. Substanziierungslast obliege (Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts D-3121/2015 vom 16. Juli 2015 E. 5.2).

Im Jahr 2017 änderte das Bundesverwaltungsgericht schliesslich seine Rechtspre-
chung. Nach einer eingehenden Analyse der Lage in Eritrea in Bezug auf die Mög-
lichkeit der Ausreise und die wahrscheinlichen Konsequenzen einer nachweislich il-
legalen Ausreise ist das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil D-7898/2015 
vom 30. Januar 2017 unter Berücksichtigung von Berichten verschiedener Organi-
sationen und in Würdigung der Erkenntnisse aus verschiedenen Fact-Finding-
Missionen in Eritrea zum Ergebnis gelangt, dass die bisherige Praxis, wonach eine 
illegale Ausreise aus Eritrea per se zur Flüchtlingseigenschaft führt, nicht mehr auf-
rechterhalten werden könne. Insbesondere sei nicht mehr mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer il-
legalen Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohe. 
Es sei unbestritten, dass Personen aus der Diaspora in nicht unerheblichem Aus-
mass (für kurze Aufenthalte) nach Eritrea zurückkehrten, und es sei anzunehmen, 
dass sich unter diesen Personen auch solche befänden, welche Eritrea illegal ver-
lassen hätten. Es scheine bei den eritreischen Behörden ein gewisses Umdenken 
bezüglich der Verfolgung von Rückkehrern stattgefunden zu haben, und es sei 
fraglich, inwiefern die Strafbestimmungen der illegalen Ausreise überhaupt noch 
zur Anwendung gelangten. Die bisherige Annahme, wonach sich Eritreer aufgrund 
einer unerlaubten Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sähen, 
die aufgrund ihrer Intensität und der politischen Motivation des Staates als ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG qualifiziert werden müssten, kön-
ne vor diesem Hintergrund nicht mehr aufrechterhalten werden. Es fehle insbeson-
dere an einem politischen Motiv; denn wenn die Rückkehr – selbst wenn es sich 
nur um einen kurzen Aufenthalt im Heimatland handle – problemlos verlaufe, so 
spreche dies gegen die Annahme, wonach illegal ausgereiste Personen generell 
als Verräter betrachtet würden. Gegen eine bestehende flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgungsgefahr spreche auch der Umstand, dass illegal ausgereiste Per-
sonen nach einer gewissen Zeit den Diaspora-Status erhalten könnten, der eine 
gefahrlose (vorübergehende) Rückkehr ermögliche. Gestützt auf diese Erwägun-
gen ist das Gericht zum Schluss gekommen, dass im Kontext von Eritrea alleine 
die illegale Ausreise zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht mehr ausrei-
che (vgl. a.a.O. E. 4.3 und E. 5.1 f.; siehe ferner Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-139/2017 vom 14. März 2018 E. 5.3).

Diese Entwicklung in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zeigt, 
dass der Zustand in Eritrea nicht statisch, sondern in einem gewissen Fluss ist. 
Neue Erkenntnisse aus Berichten von Fact-Finding-Missionen in Eritrea erlaubten, 
die dortige Lage besser beurteilen zu können, das Regime zeigte, dass es zu ei-
nem gewissen Umdenken fähig ist, und es fand eine tatsächliche Verbesserung der 
menschenrechtlichen Situation für die lokale Bevölkerung statt. 

Im heutigen Zeitpunkt herrscht in Eritrea weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt. Zwar ist die wirtschaftliche Lage in Eritrea nach wie vor 
schwierig, aber die Lebensbedingungen haben sich dennoch in einigen Bereichen 
verbessert. Auch die Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und der Zugang 

25

der Bevölkerung zu Bildung haben sich stabilisiert. Zudem sind im Bereich der Ge-
sundheitsversorgung wesentliche Fortschritte gemacht worden. Der kriegerische 
Konflikt mit dem Nachbarland Äthiopien ist seit vielen Jahren beendet, und auch im 
Inneren des Landes sind keine ernsthaften ethnischen oder religiösen Konflikte zu 
verzeichnen. Ein grosser Teil der Bevölkerung profitiert ferner von den umfangrei-
chen Zahlungen aus der eritreischen Diaspora im Ausland (Entscheid des Bundes-
verwaltungsgericht E-5691/2018 vom 5. November 2018 E. 5.2.1).

Gemäss den verfügbaren Quellen bestehen des Weiteren – auch im Kontext des 
starken Exodus aus Eritrea – Anzeichen einer gewissen Reformbereitschaft Eritre-
as und eines Willens zur Kooperation mit Entwicklungsakteuren und der Diploma-
tie. So unterzeichneten die Regierung und die UNO im Jahre 2013 ein Rahmenab-
kommen zur Kooperation in den Bereichen nationaler Kapazitätsaufbau, Nah-
rungsmittelsicherheit, nachhaltige Lebensbedingungen, Umwelt und Geschlechter-
gleichstellung. Im Dezember 2013 empfing Eritrea eine hochrangige Delegation der 
UNO zu einem dreitägigen Besuch. Auch gegenüber europäischen Regierungsver-
tretern zeigt sich eine gewisse Öffnung. So besuchte etwa eine finnische Delegati-
on Eritrea im Januar 2014. Der stellvertretende italienische Aussenminister reiste 
im Juli 2014 nach Asmara. Der für Eritrea zuständige norwegische Botschafter un-
terzeichnete im Dezember 2014 in Asmara ein Abkommen zwischen Norwegen 
und der Vertreterin des United Nations Development Programme (UNDP) in Eri-
trea, wonach Norwegen Eritrea in der Ausbildung und dem Training von jungen 
Menschen sowie von Frauen unterstützt, um ihre Lebensbedingungen zu verbes-
sern. Mittlerweile hat der Norwegian Refugee Council ein entsprechendes Projekt 
aufgenommen, welches vom SEM mitfinanziert wird. Im Dezember 2015 reiste der 
deutsche Entwicklungsminister nach Eritrea und traf dort Staatspräsident Afwerki. 
Im Dezember 2015 gewährte die Europäische Union Eritrea eine Unterstützung 
von 200 Millionen Euro bis zum Jahr 2020, um die Armutsreduktion und die sozioö-
konomische Entwicklung zu fördern. Dänemark konnte im Oktober 2014, Norwegen 
letztmals 2016 und Grossbritannien im Februar 2016 Fact-Finding-Missions durch-
führen. Das SEM führte im Dezember 2013 eine technische Mission nach Eritrea 
durch. Ein Vizedirektor des SEM reiste im Januar 2015 nach Eritrea, um die Rah-
menbedingungen einer bilateralen Zusammenarbeit im Migrationsbereich abzu-
klären. Im Februar und März 2016 besuchte das SEM Eritrea im Rahmen einer 
Fact-Finding-Mission. Hingegen beantwortete Eritrea diverse Anfragen betreffend 
Besuche seitens des UNHRC und verschiedener UN-Sonder-berichterstatter in den 
Jahren 2003 bis 2016 nicht. Allerdings besuchte eine Delegation des Büros des 
Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) im Fe-
bruar 2016 auf Ersuchen der eritreischen Regierung das Land und erhielt Gele-
genheit, mit Funktionären und Richtern zu sprechen und das Sembel-Gefängnis in 
Asmara zu besuchen. Dies war das erste Mal seit vielen Jahren, dass Vertreter ei-
ner internationalen Organisation Zugang zu einem eritreischen Gefängnis erhalten 
haben. Im September 2014 ratifizierte Eritrea das Übereinkommen gegen Folter 
und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 
E. 4.8.5).

26

Dienstverweigerung und Desertion in Eritrea werden zwar nach wie vor unverhält-
nismässig streng bestraft und führen – wenn die betroffene Person in einem kon-
kreten Kontakt zu den Militärbehörden stand, was regelmässig anzunehmen ist, 
wenn die betroffene Person im aktiven Dienst stand und desertierte – zur Anerken-
nung der betroffenen Person als Flüchtling (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
E-2291/2018 vom 9. April 2019 E. 6.2). Die von der eritreischen Regierung zur 
Rechtfertigung der unbeschränkten Nationaldienstdauer angerufene no-war-no-
peace-Situation mit Äthiopien könnte jedoch angesichts der Friedensbemühungen 
in jüngster Zeit in Zukunft gänzlich obsolet werden. Gemäss dem Bundesverwal-
tungsgericht ist von einer Beilegung dieses Konflikts auszugehen (Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 E. 6.1.5.1 und E. 5.1.2).

Schliesslich ist in Erwägung zu ziehen, dass der vom Beschuldigten erwähnte 
«Diktator», Isayas Afewerki, bereits 74 Jahre alt ist (https://de.wikipedia.org/wiki, 
Suchbegriff: «Isayas Afewerki») und die durchschnittliche Lebenserwartung für 
Männer in Eritrea gut 62 Jahre beträgt (https://de.wikipedia.org/wiki, Suchbegriff: 
«Liste von Ländern nach durchschnittlicher Lebenserwartung»). Es bleibt offen, wie 
sich das Regime unter seinem Nachfolger entwickeln wird.

Aufgrund dieser Überlegungen kann in Bezug auf die Lage in Eritrea nicht von ei-
nem statischen Zustand ausgegangen werden, welcher sich aller Vernunft nach 
nicht bessern wird. 

Im Übrigen sei angemerkt, dass der Beschuldigte, soweit er eine persönliche 
Gefährdungssituation geltend machen will, sie belegen oder zumindest glaubhaft 
machen müsste. Selbst im Asylverfahren sind Asylsuchende verpflichtet, an der 
Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken; sie müssen insbesondere: «allfällige 
Beweismittel vollständig bezeichnen und sie unverzüglich einreichen oder, soweit 
dies zumutbar erscheint, sich darum bemühen, sie innerhalb einer angemessenen 
Frist zu beschaffen» (Art. 8 Abs. 1 Bst. d Asylgesetz [AsylG; SR 142.31]) (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_34/2019 vom 5. September 2019 E. 2.4.5).

Vorliegend nannte der Beschuldigte nicht ein einziges Ereignis, das er in seinen 
zwei Jahren im Gefängnis in Eritrea (vgl. pag. 469 f.) erlebt hätte und das als Folter 
oder unmenschliche Behandlung aufgefasst werden könnte. Er gab auch nicht an, 
eine persönliche Gefährdungssituation sei Grund seiner Ausreise gewesen («No[n], 
ho lasciato il paese perché non volevo più fare il servizio militare, non ci sono altri 
motivi», pag. 472). Nach seiner Flucht reiste er während einer Dauer von rund 
sechs Jahren in Äthiopien, Sudan, Libyen und Italien herum, offenbar ohne jemals 
in Gefahr gewesen zu sein (pag. 472). Seine Identitätskarte soll ihm dabei bereits 
in Libyen abhandengekommen sein (vgl. pag. 472). Von einem Belegen oder 
Glaubhaftmachen einer persönlichen Gefährdungssituation kann daher keine Rede 
sein.

Die Situation in Eritrea begründet somit keinen Ausnahmefall i.S.v. Art. 66 
Abs. 2 StGB, der einer Landesverweisung entgegenstehen würde. Ob im Falle des 
Beschuldigten allenfalls Vollzugshindernisse i.S.v. Art. 66d Abs. 1 StGB bestehen, 
ist im gegebenen Zeitpunkt von der gemäss Art. 66d Abs. 2 StGB zuständigen 
Behörde zu berücksichtigen. Dabei ist nicht das Sachgericht gemeint, sondern die 

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für den Vollzug zuständige Administrativbehörde (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.5).

17.2 Echter Härtefall

17.2.1 Integration

Der Beschuldigte gefährdete die öffentliche Sicherheit und Ordnung der Schweiz, 
indem er am 25. August 2017 eine versuchte schwere Körperverletzung beging. 
Hierbei handelt es sich um ein Gewaltdelikt, das der Gesetzgeber als Verbrechen 
einstuft (Art. 10 Abs. 2 StGB) und als besonders verwerflich erachtet (Urteil des 
Bundesgerichts 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 4.3.3). Durch die Tat 
missachtete der Beschuldigte auch die Werte der Bundesverfassung, namentlich 
das Recht auf körperliche Unversehrtheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV. Weitere Vor-
strafen bestehen indes nicht (pag. 449).

Der Beschuldigte benötigte in all seinen Einvernahmen eine Übersetzung 
(pag. 293; pag. 304; pag. 676; pag. 902). Er gibt an, er besuche einen Deutschkurs 
und verstehe ein wenig Deutsch, aber nicht alles (pag. 676 Z. 30 ff.; pag. 915 
Z. 13 f.). Alles in Allem sind seine Deutschkenntnisse nach sechs Jahren Aufenthalt 
in der Schweiz nach wie vor bescheiden.

Er wird durch die Sozialhilfe mit einem Grundbetrag von CHF 977.00 pro Monat 
plus Bezahlung von Miete und Krankenkasse unterstützt (pag. 677 Z. 2 ff.). Abge-
sehen von einem Pflegekurs / Praktikum hat er in der Schweiz nie gearbeitet 
(pag. 677 Z. 2 ff.; pag. 915 Z. 24). Von einer Teilnahme am Wirtschaftsleben kann 
daher keine Rede sein. 

Insgesamt ist der Beschuldigte nach wie vor schlecht integriert. Er gefährdete die 
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz, respektierte die Werte der Bun-
desverfassung nicht, spricht nur bescheiden Deutsch und nimmt am Wirtschaftsle-
ben nicht teil.

17.2.2 Beachtung der Schweizer Rechtsordnung

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (pag. 449). Er missachtete die schweizerische 
Rechtsordnung jedoch, als er im Alter von 31 Jahren eine versuchte schwere Kör-
perverletzung beging. Dabei handelt es sich um ein Gewaltdelikt, das der Gesetz-
geber als Verbrechen einstuft (Art. 10 Abs. 2 StGB) und als besonders verwerflich 
erachtet (Urteil des Bundesgerichts 2C_108/2018 vom 28. September 2018 
E. 4.3.3). Dies war zudem nicht das erste Mal, dass der Beschuldigte sich unter Al-
koholeinfluss auf eine Prügelei mit Gegenständen einliess. Auch am 10. Septem-
ber 2015 ereignete sich ein entsprechender Vorfall unter Beteiligung des Beschul-
digten, wonach ein Hausverbot gegen ihn verhängt und er in Polizeigewahrsam 
genommen wurde (pag. 477 ff.). Zudem wurde am 3. Mai 2017 Strafanzeige gegen 
ihn eingereicht, weil er an eine Hausfassade urinierte (pag. 505 f.).

Der Beschuldigte missachtete somit mehrfach die Schweizer Rechtsordnung, wo-
bei diese Verfehlungen angesichts des Alters des Beschuldigten nicht etwa als Ju-
gendsünden abgetan werden können.

28

17.2.3 Familienverhältnisse

Die eigentliche Kernfamilie des Beschuldigten (d.h. seine Eltern und seine jüngeren 
Geschwister) lebt in Eritrea. Zudem gibt er an, Halbgeschwister in Deutschland, Is-
rael und Äthiopien zu haben. Mit allen habe er lediglich manchmal Kontakt, d.h. et-
wa ein bis zwei Mal pro Jahr (pag. 678 Z. 26 ff.).

In der Schweiz lebt der Beschuldigte alleine. Eine Freundin hat er nicht. Zwar zeug-
te er mit H.________ (ebenfalls aus Eritrea) eine Tochter in der Schweiz 
(I.________). Kontakt zur Kindesmutter hat er jedoch keinen und das Kind lebt in 
einem Heim in J.________ [Ort]. Der Grund für die Fremdplatzierung, deren (nicht 
gedeckte) Kosten sich auf CHF 10'000.00 pro Monat [sic] belaufen, sind einerseits 
psychische Probleme der Kindesmutter sowie der Umstand, dass der Beschuldigte 
das Kind zunächst nicht als seines anerkannte, danach einen DNA-Test machte, 
der seine Vaterschaft bestätigte, und nun das Kind erst besser kennenlernen will. 
Er sah seine Tochter zum ersten Mal anlässlich ihrer Geburt am 28. März 2018 und 
danach wieder vor der COVID-19-Pandemie. Seither wurden ihm im Juni 2020 so-
wie vorher mehrere Besuchsrechtstermine eingeräumt (pag. 894 f. / 897 f.; 
pag. 896 / 899; pag. 915 Z. 26 ff.; pag. 917 Z. 26 ff.; pag. 918 Z. 5 ff.; pag. 928 ff.). 
Im Weiteren gibt der Beschuldigte an, in der Schweiz einen Halbbruder kennen ge-
lernt zu haben. Dieser wohne in N.________ [Ort]. Sie hätten aber nicht viel Kon-
takt, sie telefonierten einfach manchmal (pag. 455; pag. 678 Z. 5 ff.).

Alles in Allem ist die gut zwei Jahre alte Tochter des Beschuldigten seine einzige 
Verbindung zur Schweiz. Diese Beziehung ist jedoch als schwach bis nicht beste-
hend zu beurteilen. Zuerst anerkannte er das Kind nicht als seines, sodann ver-
langte er einen DNA-Test und auch jetzt will er es nicht zu sich nehmen, sondern 
belässt es in einem Heim, weil er es zuerst «kennen lernen» will. Die enormen Kos-
ten von CHF 10'000.00 pro Monat hierfür trägt zwar grundsätzlich zur Hälfte der 
Beschuldigte. Aufgrund seiner Bedürftigkeit ist jedoch davon auszugehen, dass 
diese Kosten der Staat übernehmen muss. Des Weiteren springt ins Auge, dass 
die Bemühungen des Beschuldigten um Kontaktaufnahme zum Kind erst began-
nen, nachdem er erstinstanzlich bereits für sieben Jahre des Landes verwiesen 
worden war. Es ist daher die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, dass die 
Kontaktaufnahme auch prozesstaktisch motiviert war. Diese Umstände der Famili-
engründung bzw. Kindesanerkennung sind bei der Interessenabwägung zu beach-
ten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1394/2019 vom 17. Juli 2020 E. 4.2.2). 
Schliesslich ist das Kind des Beschuldigten noch sehr jung, nicht eingeschult und 
befindet sich in einem Heim, weshalb anzunehmen ist, dass es durch eine Rück-
kehr des Beschuldigten nach Eritrea nicht aus seiner gewohnten Umgebung geris-
sen würde.

Ein gefestigtes Beziehungsnetz des Beschuldigten in der Schweiz besteht somit 
nicht. Ein solches findet sich einzig in Eritrea bei seiner Kernfamilie, d.h. seinen El-
tern und jüngeren Geschwister. 

17.2.4 Einschulung

Der Beschuldigte absolvierte sieben Schuljahre und eine militärische Ausbildung in 
Eritrea. Danach war er in Eritrea als Angehöriger des Militärs tätig (pag. 455). Er 

29

gibt an, in der Schweiz ein Praktikum bzw. einen Pflegekurs absolviert zu haben 
und einen Deutschkurs zu besuchen (pag. 677 Z. 20; pag. 915 Z. 21 – 24).

Der ganz überwiegende Schwerpunkt der Ausbildung des Beschuldigten fand somit 
in Eritrea statt. Seine Bemühungen, sich in der Schweiz weiterzubilden, sind dem-
gegenüber bescheiden.

17.2.5 Finanzielle Verhältnisse

Der Beschuldigte lebt von der Sozialhilfe und erhält CHF 977.00 pro Monat. Zudem 
werde ihm Miete und Krankenkasse bezahlt (pag. 677 Z. 2 ff.). Über Vermögen ver-
fügt er nicht (pag. 450). Er ist bedürftig und häuft seit dem 20. Februar 2020 Schul-
den in Höhe von CHF 5'000.00 pro Monat für die Fremdbetreuung seiner Tochter 
an (pag. 931). Zudem wird er die durch seine Tat vom 25. August 2017 verursach-
ten erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten von insgesamt CHF 9'120.65 zu 
tragen haben (siehe E. 19 hiernach). Seine finanziellen Verhältnisse sind damit de-
solat.

17.2.6 Teilnahme am Wirtschaftsleben

Der Beschuldigte hat in der Schweiz – abgesehen vom in E. 17.2.4 erwähnten 
Praktikum – nie gearbeitet (pag. 677 Z. 2 ff.; pag. 915 Z. 24). Er nimmt folglich am 
Wirtschaftsleben nicht teil.

17.2.7 Dauer der Anwesenheit in der Schweiz

Der Beschuldigte reichte am 23. Juni 2015 im Alter von 29 Jahren ein Asylgesuch 
in der Schweiz ein (pag. 454) und hält sich damit im Zeitpunkt der oberinstanzli-
chen Berufungsverhandlung knapp 6 Jahre, d.h. noch nicht lange, in der Schweiz 
auf. 

17.2.8 Gesundheitszustand

Der Beschuldigte ist jung und gesund (pag. 209, pag. 209 Z. 34; pag. 455; pag. 915 
Z. 10 f.).

17.2.9 Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat

Der Beschuldigte ist jung und gesund, spricht die Sprache seines Herkunftsstaats 
(Tigrinya), besuchte dort die Schule und absolvierte eine militärische Ausbildung, 
verbrachte die ersten, prägendsten zwei Drittel seines Lebens in Eritrea und hat 
dort seine Kernfamilie, d.h. seine Eltern und jüngeren Geschwister. Es dürfte ihm 
daher leichtfallen, in Eritrea sozial und wirtschaftlich wieder Fuss zu fassen.

17.2.10 Wiedereingliederungsaussichten in der Schweiz

Der Beschuldigte befindet sich erst seit 6 Jahren hier, spricht nicht gut Deutsch, 
verfügt über kein gefestigtes Beziehungsnetz, ist arbeitslos und lebt bei hoher 
Schuldenlast von der Sozialhilfe, beachtet die schweizerische Rechtsordnung 
nicht und ist wenig integriert. Die Wiedereingliederungsaussichten in der Schweiz 
sind daher gering.

30

17.2.11 Rückfallgefahr / wiederholte Delinquenz

Es ist nicht davon auszugehen, dass A.________ nach dem vorliegenden Urteil in 
Zukunft weitere Straftaten begehen wird (siehe E. 14.6 hiervor).

17.2.12 Gesamtwürdigung

Jede Landesverweisung bedeutet eine persönliche Härte für den Betroffenen. 
Das Gesetz verlangt jedoch nicht nur eine Härte, sondern eine aussergewöhnli-
che Härte, d.h. eine Situation, die auch angesichts der sonst schon schweren La-
ge noch als besonders hart ins Auge springt (einen «Ausnahmefall», Urteil des 
Bundesgerichts 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.3). Das bedeutet na-
mentlich, dass soziale und wirtschaftliche Nachteile einer Rückkehr in das Her-
kunftsland unberücksichtigt bleiben müssen, soweit sie bei Landesverweisungen 
typischerweise vorkommen, d.h. eine grosse Zahl von Betroffenen in vergleichba-
rer Weise treffen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1474/2019 vom 23. März 2020 
E. 1.4).

Vorliegend ist zwar nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte in Zukunft 
erneut delinquieren wird. Er beging jedoch in der Schweiz als Erwachsener ein 
besonders verwerfliches Gewaltverbrechen, ist schlecht integriert, beachtet die 
schweizerische Rechtsordnung nicht, verfügt hier über kein gefestigtes Bezie-
hungsnetz, lebt in desolaten finanziellen Verhältnissen, nimmt nicht am Wirt-
schaftsleben teil, befindet sich erst seit 6 Jahren hier und seine Wiedereingliede-
rungsaussichten sind gering. 

Demgegenüber hat er in Eritrea seine Kernfamilie, verbrachte dort die ersten zwei 
Drittel seines Lebens, besuchte die Schule, absolvierte eine militärische Ausbil-
dung, spricht die Ortssprache und ist nach wie vor jung und gesund. Seine Wie-
dereingliederungsaussichten in Eritrea sind intakt.

Aufgrund dieser Überlegungen liegt ein schwerer persönlicher Härtefall im Falle 
des Beschuldigten – auch mit Blick auf Art. 8 EMRK – nicht vor.

17.3 Interessenabwägung

Eine Interessenabwägung als zweite kumulative Voraussetzung von Art. 66a 
Abs. 2 StGB entfällt mangels Vorliegens eines schweren persönlichen Härtefalls. 
Doch selbst bei Annahme eines solchen würde die Interessenabwägung ange-
sichts der bisherigen höchstrichterlichen Rechtsprechung nicht zugunsten des Be-
schuldigten ausfallen. Das öffentliche Interesse an der Landesverweisung (der Be-
schuldigte beging ein besonders verwerfliches Gewaltverbrechen und missachtete 
auch vorher schon die Schweizer Rechtsordnung, vgl. E. 17.2.2 hiervor) überwiegt 
gegenüber dem privaten Interesse des Beschuldigten (seine wirtschaftlichen und 
sozialen Wiedereingliederungschancen in Eritrea sind durchaus intakt, vgl. 
E. 17.2.3, 17.2.4 und 17.2.9 hiervor).

18. Dauer

Die Dauer der Landesverweisung ist aufgrund des Tatverschuldens und der Ge-
fährdung der öffentlichen Sicherheit zu bestimmen (Urteil des Bundesgerichts 

31

6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.4). Dabei besteht zwischen der Dauer der 
Strafe und jener der Landesverweisung in der Regel eine gewisse Übereinstim-
mung (vgl. zum alten Recht BGE 123 IV 107).

Vorliegend ist dem Beschuldigten keine ungünstige Prognose zu stellen (siehe 
E. 14.6 hiervor) und die gegen ihn verhängte Strafe befindet sich im untersten 
Sechstel des gesetzlichen Strafrahmens, ist mit 24 Monaten aber nicht mehr gering 
und wurde für ein Gewaltverbrechen verhängt. Insgesamt scheint eine Dauer der 
Landesverweisung von 6 Jahren angemessen.

VI. Kosten und Entschädigung

19. Verfahrenskosten

19.1 Erste Instanz

Aufgrund seiner Verurteilung hat der Beschuldigte die auf ihn entfallenden erstin-
stanzlichen Verfahrenskosten von CHF 5'920.65 zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

19.2 Obere Instanz

Die auf den Beschuldigten entfallenden Verfahrenskosten werden auf 
CHF 4'000.00 bestimmt (Art. 424 Abs. 1 i.V.m. Art. 24 Bst. b Verfahrenskostende-
kret [VKD; BSG 162.12]).

Hiervon hat der Beschuldigte aufgrund seines teilweisen Unterliegens vier Fünftel 
oder CHF 3'200.00 zu tragen. CHF 800.00 gehen zulasten des Kantons Bern, weil 
die Generalstaatsanwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung unterlegen ist (Art. 428 
Abs. 1 StPO).

20. Amtliche Entschädigungen

Die amtliche Entschädigung von Rechtsanwalt B.________ wurde erstinstanzlich 
auf CHF 10'707.10 (inklusive Auslagen und MWST) bestimmt.

Oberinstanzlich macht Rechtsanwalt B.________ einen Aufwand von 18.32 Stun-
den sowie Auslagen von CHF 128.35 geltend. Dies scheint angemessen. Der Kan-
ton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ mit CHF 4'084.35 (inklusive Ausla-
gen und MWST).

Der Beschuldigte hat dem Kanton Bern die ausgerichtete Entschädigung für das 
erstinstanzliche Verfahren sowie – in Analogie zur Verteilung gemäss E. 19.2 – vier 
Fünftel der für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichteten Entschädigung, ins-
gesamt ausmachend CHF 13‘974.60, zurückzuzahlen und Rechtsanwalt 
B.________ die entsprechende Differenz zum vollen Honorar, ausmachend 
CHF 3‘263.10, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 StPO).

32

VII. Verfügungen

21. Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem

Es ist die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverwei-
gerung) des Beschuldigten im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen 
(Art. 20 N-SIS-Verordnung).

22. DNA-Profil / Biometrische erkennungsdienstliche Daten

Dem zuständigen Bundesamt ist die Zustimmung zur Löschung des erstellten 
DNA-Profils (PCN-Nr. .________ [Nummer]) nach Ablauf der gesetzlichen Frist 
vorzeitig zu erteilen (Art. 16 Abs. 4 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 
die Verwendung von DNA-Profilen im Strafverfahren und zur Identifizierung von 
unbekannten oder vermissten Personen [DNA-ProfilG; SR 363]).

Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Lö-
schung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf 
der gesetzlichen Frist vorzeitig erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 der Ver-
ordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten 
[SR 361.3]).

33

VIII. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt

der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 25. August 2017 in Bern 
z.N. von C.________

und in Anwendung der Artikel
22 Abs. 1, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 51, 66a Abs. 1 Bst. b, 122 Abs. 2 StGB
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.

Die ausgestandene Polizeihaft von 1 Tag wird vollumfänglich auf die Freiheitsstrafe 
angerechnet.

A.________ wird für 6 Jahre des Landes verwiesen.

2. zu den anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 5‘920.65.

3. zu den anteilsmässigen und auf sein Unterliegen im Umfang von 4/5 entfallenden 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 3‘200.00. CHF 800.00 trägt der Kan-
ton Bern.

34

II.

1. Die auf den Schuldspruch (erstinstanzliches Verfahren) bzw. das Unterliegen (oberin-
stanzliches Verfahren) entfallende Entschädigung des amtlichen Verteidigers der be-
schuldigten Person, Rechtsanwalt B.________, wird wie folgt bestimmt:

Erste Instanz
Leistungen bis 31.12.2017

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 5.83 200.00 CHF 1'166.00
Entschädigung Praktikant 2.00 100.00 CHF 200.00

CHF 10.50
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 1'376.50 CHF 110.10
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 1'486.60

volles Honorar CHF 1'457.50
Entschädigung Praktikant CHF 250.00

CHF 10.50
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 1'718.00 CHF 137.45
Total CHF 1'855.45

nachforderbarer Betrag CHF 368.85

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Leistungen ab 1.1.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 39.09 200.00 CHF 7'818.00
CHF 308.15

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 8'126.15 CHF 625.70
CHF 468.65

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 9'220.50

volles Honorar CHF 9'772.50
CHF 308.15

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 10'080.65 CHF 776.20
CHF 468.65

Total CHF 11'325.50

nachforderbarer Betrag CHF 2'105.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

35

Obere Instanz
Leistungen ab 1.1.2018

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 14.66 200.00 CHF 2'931.20

CHF 102.70
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 3'033.90 CHF 233.60
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 3'267.50

volles Honorar CHF 3'664.00
CHF 102.70

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 3'766.70 CHF 290.05
Total CHF 4'056.75

nachforderbarer Betrag CHF 789.25

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete Entschädigung von insgesamt 
CHF 13‘974.60 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz zwischen 
der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend CHF 3‘263.10, zu 
erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 
StPO).

2. Die auf das Obsiegen im Umfang von 1/5 im oberinstanzlichen Verfahren entfallende 
Entschädigung des amtlichen Verteidigers der beschuldigten Person, Rechtsanwalt 
B.________, wird wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 1.1.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 3.66 200.00 CHF 732.80
CHF 25.65

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 758.45 CHF 58.40
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 816.85

Auslagen MWST-pflichtig

III.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweige-
rung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

2. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-
Profils (PCN-Nr. .________ [Nummer]) nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig er-
teilt (Art. 16 Abs. 4 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 DNA-ProfilG).

3. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung 
der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzli-
chen Frist vorzeitig erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über die 
Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

36

4. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten, a.v.d Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv; nach unbenutztem Ablauf der 

Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)
- den Einwohnerdiensten, Migration und Fremdenpolizei der Stadt Bern (Urteil mit 

Begründung; nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid 
der Rechtsmittelbehörde)

- Amt für Bevölkerungsdienste, Migrationsdienst (Urteil mit Begründung; nach unbe-
nutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)

Bern, 10. Juni 2020
(Ausfertigung: 1. September 2020)

Im Namen der 2. Strafkam