# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de8910f4-12b4-5b89-a1ac-577ed24b8449
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-07-08
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 08.07.2022 SK.2021.48
**Docket/Reference:** SK.2021.48
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2021-48_2022-07-08

## Full Text

Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB); eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff.1 Abs. 2 StGB); eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); subeventualiter ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB); subeventualiter Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 + 2 StGB);;Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB); eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff.1 Abs. 2 StGB); eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); subeventualiter ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB); subeventualiter Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 + 2 StGB);;Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB); eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff.1 Abs. 2 StGB); eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); subeventualiter ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB); subeventualiter Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 + 2 StGB);;Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB); eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff.1 Abs. 2 StGB); eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); subeventualiter ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB); subeventualiter Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 + 3 StGB i.V.m. Art. 25 StGB); Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 + 2 StGB)

Urteil vom 8. Juli 2022 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichterin Joséphine Contu Albrizio, Vorsitz, 

Bundesstrafrichter Adrian Urwyler und David Bouverat, 

Gerichtsschreiber Rafael Schoch  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsanwalt 

des Bundes Thomas Hildbrand 

  

und als Privatklägerschaft: 

 

FÉDÉRATION INTERNATIONALE DE FOOTBALL 

ASSOCIATION (FIFA), vertreten durch Rechtsanwältin 

Catherine Hohl-Chirazi 

 

gegen  

 

1. Joseph S. BLATTER, erbeten verteidigt durch 

Rechtsanwalt Lorenz Erni   

 

2. Michel François PLATINI, erbeten verteidigt durch 

Rechtsanwalt Dominic Nellen   

 

Gegenstand  
1. Betrug, eventualiter Veruntreuung, subeventualiter 

ungetreue Geschäftsbesorgung, und Urkundenfäl-

schung (Joseph S. Blatter) 

 

2. Betrug, eventualiter Gehilfenschaft zu Veruntreuung, 

subeventualiter Gehilfenschaft zu ungetreuer 

Geschäftsbesorgung, und Urkundenfälschung 

(Michel François Platini) 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2021.48 

- 2 - 

SK.2021.48 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

Betreffend Joseph S. Blatter: 

1. Joseph S. Blatter sei schuldig zu sprechen des Betrugs gemäss Art. 146 

Abs. 1 StGB, eventualiter der Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, 

subeventualiter der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 

und 3 StGB, und der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB. 

 

2. Joseph S. Blatter sei dafür zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 

8 Monaten. 

 

3. Es sei Joseph S. Blatter der bedingte Strafvollzug für eine Probezeit von 2 Jahren 

zu gewähren. 

 

4. Es seien Joseph S. Blatter die Untersuchungskosten in Höhe von Fr. 31'908.55 und 

die noch festzulegenden Gerichtskosten aufzuerlegen. 

 

Betreffend Michel François Platini: 

1. Michel François Platini sei schuldig zu sprechen des Betrugs gemäss Art. 146 

Abs. 1 StGB, eventualiter der Gehilfenschaft zur Veruntreuung gemäss Art. 138 

Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 StGB, subeventualiter der Gehilfenschaft zur ungetreuen 

Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 25 StGB, und 

der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB. 

 

2. Michel François Platini sei dafür zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr 

und 8 Monaten. 

 

3. Es sei Michel François Platini der bedingte Strafvollzug für eine Probezeit von 2 Jah-

ren zu gewähren. 

 

4. Es seien Michel François Platini die Untersuchungskosten in Höhe von 

Fr. 30'661.80 und die noch festzulegenden Gerichtskosten aufzuerlegen. 

 

5.  

5.1. Michel François Platini sei zur Bezahlung einer Ersatzforderung in Höhe von 

Fr. 2'229'126.– zu verpflichten. 

 

5.2. Die vorsorglich beschlagnahmten Vermögenswerte seien im Umfang von 

Fr. 2'229'126.– zu Gunsten des Staates einzuziehen. 

 

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SK.2021.48 

5.3. Dies unter Vorbehalt der Verwendung zugunsten der Geschädigten Fédération In-

ternationale de Football Association (FIFA) und unter Vorbehalt der Rückübertra-

gung auf den Beschuldigten, sofern und soweit dieser der Geschädigten Schaden-

ersatz geleistet hat. 

 

Anträge der Rechtsbeistandschaft der Fédération Internationale de Football 

Association (FIFA): 

Betreffend den Schuldpunkt: 

1. Der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft sei stattzugeben. 

 

2. Joseph S. Blatter sei schuldig zu sprechen des Betrugs gemäss Art. 146 StGB, 

eventualiter der Veruntreuung gemäss Art. 138 StGB, subeventualiter der unge-

treuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 StGB, und der Urkundenfälschung ge-

mäss Art. 251 StGB. 

 

3. Michel François Platini sei schuldig zu sprechen des Betrugs gemäss Art. 146 StGB, 

eventualiter der Gehilfenschaft zur Veruntreuung gemäss Art. 138 i.V.m. 

Art. 25 StGB, subeventualiter der Gehilfenschaft zur ungetreuen Geschäftsbesor-

gung gemäss Art. 158 i.V.m. Art. 25 StGB, und der Urkundenfälschung gemäss 

Art. 251 StGB. 

 

Betreffend Massnahmen im Sinne der Art. 70 bis 73 StGB (teilweise zusammengefasst): 

1. Es seien die beschlagnahmten Vermögenswerte von Fr. 2 Millionen an die Fédéra-

tion Internationale de Football Association (FIFA) auszuhändigen, eventualiter seien 

diese einzuziehen und der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) 

zuzusprechen, subeventualiter sei in dieser Höhe auf eine Ersatzforderung des 

Staats zu erkennen und diese der Fédération Internationale de Football Association 

(FIFA) zuzusprechen. 

 

2. Es sei auf eine Ersatzforderung des Staats von Fr. 229'126.– zu erkennen und diese 

der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) zuzusprechen. 

 

3. Es sei die Beschlagnahme der Vermögenswerte im Hinblick auf die Durchsetzung 

der Ersatzforderung und der Verwendung zu Gunsten der Fédération Internationale 

de Football Association (FIFA) aufrechtzuerhalten. 

 

4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Fédération Internationale de Football 

Association (FIFA) bis zur Höhe jedes tatsächlich erhaltenen Betrags, den entspre-

chenden Teil ihrer Forderung gegen Joseph S. Blatter zu Gunsten des Staats abtritt. 

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SK.2021.48 

5. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Fédération Internationale de Football 

Association (FIFA) bis zur Höhe jedes tatsächlich erhaltenen Betrags, den entspre-

chenden Teil ihrer Forderung gegen Michel François Platini zu Gunsten des Staats 

abtritt. 

 

6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

7. Sämtliche anderslautenden gegnerischen Rechtsbegehren seien abzuweisen. 

 

Betreffend die Zivilklagen: 

1. Joseph S. Blatter sei dazu zu verurteilen, der Fédération Internationale de Football 

Association (FIFA) Fr. 2 Millionen, zzgl. Zinsen von 5 % pro Jahr ab dem 1. Feb-

ruar 2011, zu bezahlen. 

 

2. Joseph S. Blatter und Michel François Platini seien solidarisch dazu zu verurteilen 

der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) Fr. 229'126.–, zzgl. Zin-

sen von 5 % pro Jahr ab dem 24. März 2011, zu bezahlen. 

 

3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass sich die Fédération Internationale de Foot-

ball Association (FIFA) das Recht vorbehält, ihre Zivilklage gegen Joseph S. Blatter 

zu erhöhen. 

 

4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass sich die Fédération Internationale de Foot-

ball Association (FIFA) das Recht vorbehält, ihre Zivilklage gegen Michel François 

Platini zu erhöhen. 

 

5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

6. Sämtliche anderslautenden gegnerischen Rechtsbegehren seien abzuweisen. 

 

Betreffend die Entschädigung: 

1. Es seien Joseph S. Blatter und Michel François Platini solidarisch dazu zu verpflich-

ten, der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) Fr. 429'319.50 zu 

zahlen. 

 

2. Sämtliche anderslautenden gegnerischen Rechtsbegehren seien abzuweisen. 

 

  

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SK.2021.48 

Anträge der Verteidigung von Joseph S. Blatter: 

1. Joseph S. Blatter sei freizusprechen. 

 

2. Die Kosten des gesamten Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen und es 

sei Joseph S. Blatter für seine Umtriebe, d.h. insbesondere für die Kosten seiner 

Verteidigung, angemessen zu entschädigen. 

 

3. Joseph S. Blatter sei eine angemessene Genugtuungssumme auszurichten. 

 

4. Die Zivilklage der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) sei ab-

zuweisen. 

 

Anträge der Verteidigung von Michel François Platini: 

1. Michel François Platini sei freizusprechen vom Vorwurf des Betrugs, eventualiter 

der Gehilfenschaft zur Veruntreuung, subeventualiter der Gehilfenschaft zur unge-

treuen Geschäftsbesorgung, angeblich begangen z.N. der Fédération Internationale 

de Football Association (FIFA).  

 

2. Michel François Platini sei freizusprechen vom Vorwurf der Urkundenfälschung. 

 

3. Die Zivilklage der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) sei ab-

zuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen, sofern darauf einzutreten ist; 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MWST. 

 

4. Michel François Platini sei eine Entschädigung für die Auslagen im Strafverfahren 

in Höhe von Fr. 4'153.10 und für Anwaltskosten in Höhe von Fr. 237'040.10 auszu-

richten. 

 

5. Die sichergestellten Vermögenswerte in Höhe von Fr. 2'229'126.– seien vollumfäng-

lich an Michel François Platini herauszugeben. 

 

6. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.  

 

  

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Prozessgeschichte: 

A. Am 18. November 2014 erstattete die Fédération Internationale de Football 

Association (FIFA) bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt 

aufgrund des Verdachts, dass Einzelpersonen inkriminierte Vermögenswerte via 

Schweiz verschoben hätten. Zur Begründung verwies die FIFA auf den «Report 

on the Inquiry into the 2018/2022 FIFA World CupTM Bidding Process». Gleichen-

tags übermittelte die FIFA der Bundesanwaltschaft mittels separatem Schreiben 

die folgenden drei Teile des sog. Garcia-Berichts: «Report on the Inquiry into the 

2018/2022 FIFA World CupTM Bidding Process», «Report on Issues Related to 

the U.S. Bid Team» und «Report on Issues Related to the Russian Bid Team» 

(TPF 266.262.2.007 ff.; 266.262.2.447 ff.). 

B. Am 10. März 2015 eröffnete die Bundesanwaltschaft ein Verfahren (SV.15.0088) 

gegen Unbekannt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 

Abs. 3 StGB) und Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) aufgrund des Verdachts, 

dass im Zusammenhang mit der Vergabe der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 

(nachfolgend: FIFA-WM) für die Jahre 2018 und 2022 Unregelmässigkeiten be-

gangen bzw. Personen unrechtmässig bereichert worden seien (siehe Medien-

mitteilung der Bundesanwaltschaft vom 27. Mai 2015; abrufbar unter: 

<https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-

57391.html>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022). 

C. Am 26. Mai 2015 erliess der damalige Leitende Staatsanwalt des Bundes Olivier 

Thormann eine Verfügung betreffend Edition und Beweismittelbeschlagnahme 

(TPF 266.262.2.874 ff.), gestützt worauf am 27. Mai 2015 eine begleitete Edition 

am Sitz der FIFA in Zürich durchgeführt und verschiedene Akten sichergestellt 

wurden (siehe Medienmitteilung der Bundesanwaltschaft vom 27. Mai 2015, 

a.a.O.). 

D. Am 27. Mai 2015 informierte die Bundesanwaltschaft die Öffentlichkeit über die 

vorgenannten Umstände und teilte mit, dass gleichentags im Zusammenhang mit 

einem separaten, von der für den Bezirk Ost von New York zuständigen Staats-

anwaltschaft geführten Strafverfahren rechtshilfeweise Fussballfunktionäre fest-

genommen und in Auslieferungshaft versetzt worden seien (siehe Medienmittei-

lung der Bundesanwaltschaft vom 27. Mai 2015, a.a.O.). 

E. Am 8. Juli 2015 trafen sich Michael Lauber (damaliger Bundesanwalt), André 

Marty (damaliger Informationschef der Bundesanwaltschaft) sowie Rinaldo 

Arnold (Oberstaatsanwalt im Kanton Wallis) im Büro des ehemaligen Bundesan-

waltes zu einer Besprechung; dieses Treffen wurde nicht protokolliert. Im Zusam-

menhang mit diesem sowie drei weiteren, von den Vertretern der Bundesanwalt-

schaft nicht protokollierten Treffen vom 22. März 2016 (mit Michael Lauber, Gi-

anni Infantino [damaliger und aktueller FIFA-Präsident], André Marty und Rinaldo 

Arnold), 22. April 2016 (mit Michael Lauber, Gianni Infantino, Olivier Thormann 

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und Marco Villiger [damaliger Leiter Rechtsdienst der FIFA]) und 16. Juni 2017 

(mit Michael Lauber, Gianni Infantino, André Marty, Rinaldo Arnold und allenfalls 

einer fünften Person) ist derzeit eine von zwei ausserordentlichen Bundesanwäl-

ten geführte Strafuntersuchung gegen Teilnehmer dieser Treffen wegen Ver-

dachts auf Amtsmissbrauch (Art. 312 StGB), Verletzung des Amtsgeheimnisses 

(Art. 320 StGB) und Begünstigung (Art. 305 StGB) hängig (TPF 266.661.001 ff.; 

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2138/2020 vom 22. Juli 2020 Lit. B; 

siehe auch Berichte der Gerichtskommission vom 9. September 2020 [abrufbar 

unter: <https://www.parlament.ch/centers/kb/Documents/2020/Kommissionsbe-

richt_GK-V_20.211_2020-09-09.pdf>; zuletzt abgerufen am 28. Septem-

ber 2022] und 2. Dezember 2021 [abrufbar unter: <https://www.parla-

ment.ch/centers/kb/Documents/2021/Kommissionsbericht_GK-V_21.204_2021-

12-02.pdf>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022]). 

F. Am 23. Juli 2015 erliess der damalige Leitende Staatsanwalt des Bundes Olivier 

Thormann eine Verfügung an die Bank A. und verlangte unter anderem die Her-

ausgabe von Unterlagen betreffend zweier auf Michel François Platini (nachfol-

gend: Platini) lautenden bzw. ihn begünstigenden Konten mit folgenden Interna-

tionalen Bankkontonummern (IBAN): «1» und «2» (BA 07.101-0001 ff.). Mit 

Schreiben der Bank A. vom 28. Juli 2015 wurden der Bundesanwaltschaft die 

entsprechenden Auskünfte erteilt und die verlangten Bankunterlagen zu vorge-

nannten zwei Konten übermittelt, namentlich sämtliche Basisdokumente, interne 

Notizen betreffend Abklärungen über Hintergründe zu Transaktionen und Konto-

auszüge für den Zeitraum ab Mai 2007 bis Juli 2015 (BA 07.101-0007 f.). 

G. Am 9. September 2015 erliess die Bundesanwaltschaft eine weitere Verfügung 

an die Bank A. und verlangte zur Identifizierung einer Zahlung vom 1. Feb-

ruar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen, welche von einem Konto der FIFA bei der 

Bank A. auf das auf Platini lautende Konto mit der IBAN «1» erfolgt sein soll, 

weitere Unterlagen (BA 07.101-0010 ff.). Mit Schreiben vom 10. Septem-

ber 2015 übermittelte die Bank A. der Bundesanwaltschaft Detailbelege zur vor-

genannten Zahlung, namentlich die – sowohl für das Kundendossier der FIFA als 

auch für jenes von Platini unabhängig voneinander erstellten – zwei internen No-

tizen betreffend die Hintergrundabklärungen zu dieser Transaktion (BA 07.101-

0015 ff.). 

H. Am 15. September 2015 erliess die Bundesanwaltschaft eine weitere Verfügung 

an die Bank A. und verlangte weitergehende Informationen im Zusammenhang 

mit der konkreten Ausführung der vorgenannten Zahlung vom 1. Februar 2011 in 

Höhe von Fr. 2 Millionen (BA 07.101-0023 ff.). Die entsprechende Auskunft 

wurde mit Schreiben der Bank A. vom 16. September 2015 erteilt (BA 07.101-

0028 f.). 

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I. Mit Verfügung des damaligen Leitenden Staatsanwalts des Bundes Olivier Thor-

mann vom 24. September 2015 wurde eine Strafuntersuchung (SV.15.1013) ge-

gen Joseph S. Blatter (nachfolgend: Blatter) wegen ungetreuer Geschäftsbesor-

gung (Art. 158 StGB), eventualiter Veruntreuung (Art. 138 StGB), eröffnet. In der 

Eröffnungsverfügung wurde festgehalten, dass der Verdacht bestehe, dass Blat-

ter als FIFA-Präsident unter Verletzung seiner Treuepflichten bewirkt oder zuge-

lassen habe, dass die FIFA am Vermögen geschädigt werde, indem diese am 

1. Februar 2011 eine Zahlung über Fr. 2 Millionen an Platini getätigt habe. Zu-

dem habe der Verdacht bestanden, dass Blatter unter Verletzung seiner Treue-

pflichten bewirkt oder zugelassen habe, dass die FIFA bzw. die FIFA Marketing & 

TV AG am Vermögen geschädigt worden sei, indem die FIFA bzw. die FIFA Mar-

keting & TV AG im Jahre 2005 der Caribbean Football Union bzw. ihrem damali-

gen Präsidenten TV-Rechte unter dem Marktwert veräussert und vertragliche 

Rechte der FIFA gegenüber der Caribbean Football Union nicht durchgesetzt 

habe, um diese bzw. ihren damaligen Präsidenten unrechtmässig zu bereichern 

(BA 01.100-0001 f.). 

J. Am 25. September 2015 fand am Sitz der FIFA eine Hausdurchsuchung statt, 

anlässlich welcher eine Vielzahl von physischen Dokumenten und elektronischen 

Datenträgern sichergestellt wurden (BA 08.101-0001 ff.; -0024 ff.). 

K. Ebenfalls am 25. September 2015 wurden Blatter (als Beschuldigter) und Platini 

(als Auskunftsperson) zeitgleich und separat zum vorgenannten Sachverhalt be-

treffend die Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen befragt 

(BA 13.001-0001 ff.; 12.001-0001 ff.). 

L. Im Anschluss edierte und beschlagnahmte die Bundesanwaltschaft ver-

schiedenste Unterlagen, namentlich Bankunterlagen (BA 07.101 ff.; 08.100 f.). 

Zudem wurden mehrere Befragungen von in die untersuchten Vorgänge invol-

vierten Personen durchgeführt (BA 12.002 ff.). 

M. Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 (BA 01.202-0001) dehnte der zwischenzeitlich 

neu eingesetzte Verfahrensleiter (Staatsanwalt des Bundes Thomas Hildbrand) 

die ursprünglich im Zusammenhang mit der Zahlung vom 1. Februar 2011 in 

Höhe von Fr. 2 Millionen nur gegen Blatter geführte Strafuntersuchung auf Platini 

aus. Gegen Platini bestand der Verdacht der Gehilfenschaft zur ungetreuen Ge-

schäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 25 StGB), eventualiter 

Gehilfenschaft zur Veruntreuung (Art. 138 i.V.m. Art. 25 StGB), sowie Urkunden-

fälschung (Art. 251 StGB). 

N. Im Zeitraum von August 2020 bis März 2021 führte die Bundesanwaltschaft ins-

besondere weitere Einvernahmen mit Blatter (13.001-0276 ff.) und Platini 

(13.004-0011 ff.) sowie mit mehreren Zeugen und Auskunftspersonen durch 

(BA 12.002-0213 ff.; 12.009-0146 ff.; 12.010-0105 ff.; 12.012-0078 ff.; 12.013-

0127 ff.; 12.014-0013 ff.; 12.015-0013 ff.). 

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SK.2021.48 

O. Am 15. März 2021 fand die Schlusseinvernahme von Platini (BA 13.004-0573 ff.) 

und in der Zeit vom 9. bis 12. August 2021 die Schlusseinvernahme von Blatter 

statt (BA 13.001-0598 ff.). 

P. Mit Verfügung vom 22. Juni 2021 trennte die Bundesanwaltschaft den nachfol-

gend zu beurteilenden Teilsachverhalt betreffend die Zahlung der FIFA an Platini 

vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen vom mittels Verfügung vom 

22. Mai 2020 eingestellten Verfahren betreffend den Verkauf von TV-Rechten an 

die Caribbean Football Union bzw. ihren damaligen Präsidenten (siehe Prozess-

geschichte Lit. I) ab und führte die abgetrennte Untersuchung gegen Blatter und 

Platini in einem separaten Verfahren (SV.21.0850) weiter (BA 16.001-0377 ff.; 

16.004-0345 ff.). 

Q. Mit Schreiben vom 30. August 2021 kündigte die Bundesanwaltschaft den Par-

teien den bevorstehenden Abschluss des Vorverfahrens an, informierte sie über 

die beabsichtigte Anklageerhebung gegen Blatter und Platini und setzte ihnen 

eine Frist bis zum 27. September 2021 zur Stellung von Beweisanträgen 

(BA 03.100-0001 ff.; 03.200-0001 ff.). Die FIFA verzichtete mit Schreiben vom 

13. September 2021 auf die Stellung von Beweisanträgen (BA 19.101-0001). Die 

von den Verteidigern gestellten Beweisanträge (BA 19.102-0001 ff. [betreffend 

Blatter]; 19.103-0001 ff. [betreffend Platini]) wurden mit Verfügung der Bundes-

anwaltschaft vom 8. Oktober 2021 vollumfänglich abgewiesen (BA 19.102-

0007 ff.; 19.103-0017 ff.). 

R. Am 29. Oktober 2021 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts Anklage (TPF 266.100.001 ff.) gegen Blatter wegen Betrugs 

(Art. 146 Abs. 1 StGB), eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB), 

subeventualiter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 

und 3 StGB), sowie Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB) und 

gegen Platini wegen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft 

zu Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 StGB), subeventualiter Ge-

hilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 

i.V.m. Art. 25 StGB), und Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 

und 2 StGB). Den Beschuldigten wurde zusammengefasst vorgeworfen, zum 

Nachteil der FIFA unrechtmässig eine Zahlung von Fr. 2 Millionen sowie 

Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 229'126.– zugunsten von Platini er-

wirkt zu haben (näher E. 2 [Anklagevorwurf]).  

S. Mit Verfügung vom 16. November 2021 lud die Vorsitzende die Parteien ein, bis 

zum 7. Dezember 2021 Beweisanträge zu stellen und zu begründen 

(TPF 266.400.003 f.). Im Anschluss entschied die Vorsitzende mit weiteren Ver-

fügungen über Beweismassnahmen über die gestützt auf die Verfügung vom 

16. November 2021 und später gestellten Beweisanträge und ordnete verschie-

dene Beweismassnahmen von Amtes wegen an (TPF 266.250.001 ff.). 

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SK.2021.48 

T. Am 29. März 2022 setzte die Vorsitzende die Daten der Hauptverhandlung 

(8. bis 22. Juni 2022) fest und erliess in der Folge die Vor- bzw. Einladungen an 

die Parteien, Zeugen und Dolmetscher (TPF 266.320 ff.). Mit Verfügungen vom 

5. April 2022 (TPF 266.255.010 ff.) und 2. Juni 2022 (TPF 266.255.019 ff.) wies 

sie die Anträge der Verteidigung von Platini vom 1. April 2022 

(TPF 266.522.175 f.) und 24. Mai 2022 (TPF 266.522.186 ff.) auf Verschiebung 

der Hauptverhandlung ab. 

U. In der Zeit vom 8. bis 21. Juni 2022 fand die Hauptverhandlung in Anwesenheit 

der Bundesanwaltschaft, der Rechtsbeistandschaft der FIFA sowie der Beschul-

digten Blatter und Platini in Begleitung ihrer Verteidiger am Sitz des Bundesstraf-

gerichts statt. 

V. Das Urteil wurde am 8. Juli 2022 mündlich eröffnet und begründet. 

W. Die Bundesanwaltschaft (mit Schreiben vom 15. Juli 2022 [TPF 266.940.001 f.]) 

und die FIFA (mit Schreiben vom 18. Juli 2022 [TPF 266.940.003]) meldeten in 

der Folge Berufung gegen das Urteil an und verlangten die Zustellung des schrift-

lich begründeten Urteils. Mit Schreiben vom 18. Juli 2022 ersuchte auch Platini 

um Zustellung des schriftlich begründeten Urteils (TPF 266.940.004). 

X. Am 28. September 2022 wurde das schriftlich begründete Urteil der Berufungs-

kammer des Bundesstrafgerichts (zusammen mit den Berufungsanmeldungen 

und Akten) sowie den Parteien zugestellt. 

  

- 11 - 

SK.2021.48 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales 

In prozessualer Hinsicht ist einleitend näher auf die von den Verteidigern an der 

Hauptverhandlung aufgeworfenen Vorfragen i.S.v. Art. 339 Abs. 2 StPO einzu-

gehen (E. 1.1-1.3). Über diese entschied das Gericht anlässlich der Hauptver-

handlung in einem prozessleitenden Beschluss gemäss Art. 339 Abs. 3 StPO, 

der von der Vorsitzenden summarisch begründet wurde (TPF 266.720.019 ff.). 

Eine vollständige Begründung dieses Beschlusses erfolgt im vorliegenden En-

dentscheid (hierzu HAURI/VENETZ, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 

Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 339 StPO 

N. 21). Im Anschluss wird auf die übrigen prozessualen Aspekte eingegangen 

(E. 1.4 f.).  

1.1 Zuständigkeit 

1.1.1 Der Verteidiger von Platini machte geltend, die angeklagten Straftaten unterstün-

den nicht der Bundesgerichtsbarkeit gemäss Art. 23 und 24 StPO und die Straf-

kammer des Bundesstrafgerichts sei folglich für deren Beurteilung sachlich nicht 

zuständig. Zur Begründung führte er zusammengefasst aus, dass der diesem 

Strafverfahren zugrundeliegende Sachverhalt – nach der Abtrennung des Sach-

verhaltskomplexes im Zusammenhang mit dem Verkauf von TV-Rechten an die 

Caribbean Football Union bzw. ihren damaligen Präsidenten (siehe Prozessge-

schichte Lit. I und P) – keinen Auslandsbezug i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO auf-

weise und es diesem auch nicht an einem eindeutigen kantonalen Schwerpunkt 

i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit. b StPO mangle, sondern dessen Schwerpunkt – trotz der 

von Platini ausgestellten angeblich gefälschten Urkunde im Kanton Waadt 

(Nyon) – vielmehr im Kanton Zürich liege. Zwar habe der Sachverhaltskomplex 

betreffend den Verkauf von TV-Rechten an die Caribbean Football Union bzw. 

ihren damaligen Präsidenten einen wesentlichen Auslandsbezug aufgewiesen 

und wohl die Zuständigkeit des Bundes nachgezogen. Als dieser Sachverhalts-

komplex abgetrennt worden sei, hätte das vorliegende Verfahren aber – aufgrund 

des Wegfalls dieses Auslandsbezugs – an die kantonalen Strafverfolgungsbe-

hörden übergeben werden müssen. Zudem sei der in Art. 26 Abs. 3 StPO ent-

haltene Grundsatz der perpetuatio fori im vorliegenden Fall nicht anwendbar, da 

dieser gemäss dessen Wortlaut einzig bei Einstellung, nicht jedoch bei Abtren-

nung des die Bundesgerichtsbarkeit begründenden Verfahrensteils zur Anwen-

dung komme. Es werde – so der Verteidiger weiter – immer deutlicher, dass die 

Entscheidung, die Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen un-

ter Verletzung der Regeln über die Bundeszuständigkeit zu untersuchen und an-

zuklagen, das Ergebnis einer mutmasslich rechtswidrigen Absprache zwischen 

Gianni Infantino und den höchsten Instanzen der Bundesanwaltschaft war mit 

- 12 - 

SK.2021.48 

dem Ziel, die Kandidatur von Platini für das Amt des FIFA-Präsidenten auszu-

schliessen. Eine etwaige behauptete Bundeszuständigkeit wäre – auch mit Blick 

auf diese Umstände – missbräuchlich. Das Verfahren sei demnach an die Bun-

desanwaltschaft zurückzuweisen, damit diese über das weitere Vorgehen, ins-

besondere die Abtretung an eine zuständige kantonale Staatsanwaltschaft, ent-

scheiden könne (TPF 266.522.177 ff.; 266.720.005 f.). 

1.1.2  

1.1.2.1 Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts urteilt in Fällen der Bundesgerichts-

barkeit als erstinstanzliches Gericht, sofern die Bundesanwaltschaft die Beurtei-

lung nicht den kantonalen Behörden übertragen hat (Art. 35 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 

19. März 2010 [StBOG; SR 173.71]). Welche Straftaten der Bundesgerichtsbar-

keit unterstehen, ergibt sich aus Art. 23 und 24 StPO. Bei Verbrechen des zwei-

ten und elften Titels des Strafgesetzbuches kann die Bundesanwaltschaft eine 

Untersuchung eröffnen, wenn die Straftaten entweder zu einem wesentlichen 

Teil im Ausland oder in mehreren Kantonen begangen worden sind und dabei 

kein eindeutiger Schwerpunkt in einem Kanton besteht (Art. 24 Abs. 1 und 2 

lit. a StPO) und alternativ keine kantonale Strafverfolgungsbehörde mit der Sa-

che befasst ist oder die zuständige kantonale Strafverfolgungsbehörde die 

Staatsanwaltschaft des Bundes um Übernahme des Verfahrens ersucht (Art. 24 

Abs. 2 lit. b StPO). Die Eröffnung einer Untersuchung nach Art. 24 Abs. 2 StPO 

begründet Bundesgerichtsbarkeit (Art. 24 Abs. 3 StPO). Ist in einer Strafsache 

sowohl Bundesgerichtsbarkeit als auch kantonale Gerichtsbarkeit gegeben, so 

kann die Bundesanwaltschaft die Vereinigung der Verfahren in der Hand der 

Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO). 

Eine so begründete Gerichtsbarkeit bleibt bestehen, auch wenn der die Zustän-

digkeit begründende Teil des Verfahrens eingestellt wird (Art. 26 Abs. 3 StPO). 

1.1.2.2 Die Zuständigkeit wird zweckmässigerweise zu einem möglichst frühen Zeitpunkt 

festgelegt. Die in diesem Stadium des Verfahrens bestehenden Unsicherheiten 

führen häufig dazu, dass die Strafverfolgungsbehörden sich über die Zuständig-

keit verständigen. Haben die eidgenössischen und kantonalen Strafverfolgungs-

behörden eine Vereinbarung über die Bundesgerichtsbarkeit getroffen, darf die 

Strafkammer des Bundesstrafgerichts diese nur in Frage stellen, wenn die Ver-

einbarung auf einem eigentlichen Missbrauch des Ermessens beruht. Nach der 

Rechtsprechung ist eine nachträgliche Änderung der einmal vereinbarten Zu-

ständigkeit zwar möglich, es bedarf dafür aber triftiger Gründe. Das ergibt sich 

namentlich bei fortgeschrittener Untersuchung bereits daraus, dass Gründe der 

Effizienz und der beschleunigten Durchführung des Verfahrens gegen eine sol-

che Änderung sprechen. Diese Zweckmässigkeitsüberlegungen sind auch anzu-

stellen, wenn sich die Bundesanwaltschaft mit dem als zuständig in Betracht fal-

lenden Kanton nicht verständigt hat, weil sie die Bundesgerichtsbarkeit für gege-

ben hielt. Auch ohne (ausdrückliche) Vereinbarung zwischen den Strafverfol-

gungsbehörden ist eine Änderung der Zuständigkeit nur in Betracht zu ziehen, 

- 13 - 

SK.2021.48 

wenn triftige Gründe dies gebieten. Denn allgemein gilt, dass die Strafverfolgung 

leiden müsste, wenn die Zuständigkeit ohne Notwendigkeit nachträglich in die 

Kantone verschoben würde, was allenfalls sogar dazu führt, dass unter den Kan-

tonen ein (negativer) Kompetenzkonflikt entbrennt. Wenn das Untersuchungs-

verfahren nahezu abgeschlossen ist, ist ein Wechsel der Zuständigkeit in der 

Regel zu vermeiden. Das muss erst recht gelten, wenn die Untersuchung bereits 

vollständig zu Ende geführt und Anklage erhoben worden ist. In diesem Sinne 

darf die Strafkammer des Bundesstrafgerichts die Bundesgerichtsbarkeit nach 

Anklageerhebung nur ausnahmsweise, nur aus besonders triftigen Gründen in 

Frage stellen. Denkbar ist etwa, dass bereits die Annahme einer Ermittlungskom-

petenz durch die Bundesanwaltschaft als offensichtlich missbräuchlich erscheint, 

oder dass der Angeschuldigte die Zuständigkeit mit besonders gewichtigen Ar-

gumenten bestreitet, wobei im Hinblick auf den Zweck der Strafverfolgung stets 

eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und in diesem Rahmen 

auch dem Prozessverhalten Rechnung zu tragen ist (BGE 133 IV 235 E. 7.1 

m.w.H.).  

1.1.3 Vorliegend kann offen bleiben, ob der diesem Strafverfahren zugrundeliegende 

Teilsachverhalt einen wesentlichen Auslandbezug i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO 

aufweist oder es diesem an einem eindeutigen kantonalen Schwerpunkt i.S.v. 

Art. 24 Abs. 1 lit. b StPO mangelt und dieser Teilsachverhalt folglich für sich al-

leine eine die Bundesgerichtsbarkeit begründende Untersuchungseröffnung 

nach Art. 24 Abs. 2 StPO erlaubt hätte. Die am 24. September 2015 ursprünglich 

verfügte Verfahrenseröffnung erfolgte nämlich nicht nur wegen des nachfolgend 

zu prüfenden Teilsachverhalts, sondern auch wegen des Verdachts der unge-

treuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB), eventualiter Veruntreuung 

(Art. 138 StGB), im Zusammenhang mit dem Verkauf von TV-Rechten an die 

Caribbean Football Union bzw. ihren damaligen Präsidenten (siehe Prozessge-

schichte Lit. I). Es ist unbestritten, dass die Voraussetzungen von Art. 24 

Abs. 2 StPO zumindest im Zusammenhang mit letzterem Sachverhaltskomplex 

erfüllt waren, namentlich aufgrund dessen – von der Verteidigung von Platini 

selbst eingeräumten (TPF 266.522.179) – wesentlichen Auslandsbezugs i.S.v. 

Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO (zu den entsprechenden internationalen Sachverhalts-

elementen siehe auch Beschluss der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-

richts BB.2020.203 vom 21. Juli 2021 E. 2.2). Auch wenn die Voraussetzungen 

von Art. 24 Abs. 2 StPO in Bezug auf den diesem Strafverfahren zugrundelie-

genden Teilsachverhalt nicht erfüllt gewesen wären, hätte die Bundesanwalt-

schaft das diesbezügliche Verfahren nicht an die kantonalen Strafverfolgungsbe-

hörden abtreten müssen, sondern hätte dieses vielmehr in der Hand der Bundes-

behörden vereinigen können (Art. 26 Abs. 2 StPO). Die gemeinsame Verfolgung 

und Beurteilung der beiden Sachverhaltskomplexe durch die Bundesanwalt-

schaft stand demnach im Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung – sei es gestützt auf 

Art. 24 Abs. 2 oder Art. 26 Abs. 2 StPO – im Einklang mit den strafprozessualen 

Regeln über die Zuständigkeiten und war überdies aufgrund des Grundsatzes 

- 14 - 

SK.2021.48 

der Verfahrenseinheit geboten (Art. 29 Abs. 1 lit. a StPO). Gleiches gilt für die 

Ausdehnung des in Bundesgerichtsbarkeit geführten Verfahrens auf Platini 

(Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO). Entgegen dem Vorbringen des Verteidigers von Pla-

tini hätte das Verfahren nach der Abtrennung des Sachverhaltskomplexes betref-

fend den Verkauf von TV-Rechten an die Caribbean Football Union bzw. ihren 

damaligen Präsidenten auch nicht an die kantonalen Strafverfolgungsbehörden 

abgetreten werden müssen. Gemäss Ziff. I.2 der Verfügung der Bundesanwalt-

schaft vom 22. Juni 2020 (BA 16.001-0378; 16.004-0346) erfolgte die Abtren-

nung dieses Sachverhaltskomplexes aufgrund der diesbezüglich erlassenen – 

und in der Zwischenzeit in Rechtskraft erwachsenen – Einstellungsverfügung 

vom 22. Mai 2020 (Prozessgeschichte Lit. P; siehe Beschluss der Beschwerde-

kammer des Bundesstrafgerichts BB.2020.203 vom 21. Juli 2021). Entgegen 

dem Vorbringen der Verteidigung ist der Grundsatz der perpetuatio fori auch in 

einer solchen Konstellation anwendbar, ist Art. 26 Abs. 3 StPO doch nicht nur bei 

Einstellung des die Bundesgerichtsbarkeit begründenden Verfahrensteils, son-

dern allgemein bei dessen Erledigung anwendbar (Beschluss der Beschwerde-

kammer des Bundesstrafgerichts BB.2018.184 vom 3. April 2019 E. 4.4; Urteil 

der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2020.15 vom 13. Januar 2021 

E. 1.1). 

1.1.4 Zusammenfassend ist – jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Begründung der 

Bundesgerichtsbarkeit – nicht ersichtlich, dass die vorliegend relevante Untersu-

chungseröffnung und Verfahrensführung in Bundeszuständigkeit auf einem 

offensichtlichen Ermessensmissbrauch der Bundesanwaltschaft beruhen. Diese 

stehen gestützt auf die dem Gericht vorliegenden Informationen vielmehr im Ein-

klang mit den strafprozessualen Zuständigkeitsregeln. Daran würde aufgrund 

des Verfolgungszwangs (Art. 7 Abs. 1 StPO) auch die von Platinis Verteidigung 

behauptete, angebliche Absprache zwischen Gianni Infantino und Vertretern der 

Bundesanwaltschaft, den Sachverhalt betreffend die Zahlung der FIFA vom 

1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen durch die Bundesanwaltschaft un-

tersuchen und anklagen zu lassen, nichts ändern. Die Frage nach der Existenz 

solcher Absprachen kann an dieser Stelle somit ausdrücklich offen gelassen wer-

den. Weitere besonders triftige Gründe, welche die sachliche Zuständigkeit der 

Strafkammer des Bundesstrafgerichts ausnahmsweise entfallen lassen könnten, 

werden weder behauptet noch sind solche ersichtlich. 

1.1.5 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Zuständigkeit der Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts für die Beurteilung der angeklagten Straftaten gegeben ist. Der 

Antrag von Platinis Verteidiger, das Verfahren an die Bundesanwaltschaft zu-

rückzuweisen, war demnach im Rahmen der Vorfragen abzuweisen. 

  

- 15 - 

SK.2021.48 

1.2 Legitimation der FIFA als Privatklägerschaft 

1.2.1 Der Verteidiger von Platini bestritt die Legitimation der FIFA als Privatkläger-

schaft. Zur Begründung führte er zusammengefasst aus, dass in den Akten zwar 

eine Anwaltsvollmacht liege, welche vom Deputy Secretary General Administra-

tion und Chief Legal & Integrity Officer der FIFA unterzeichnet sei. Diese Voll-

macht sei aber bereits am 7. März 2019 und somit vor Ausdehnung des Strafver-

fahrens auf Platini ausgestellt worden, weshalb dieser gar nicht von dieser Voll-

macht umfasst sei. Zudem sei auch nicht erkennbar, dass der Deputy Secretary 

General Administration und Chief Legal & Integrity Officer der FIFA vereinsrecht-

lich zuständig seien, um die FIFA als Privatklägerschaft in einem Strafverfahren 

gegen zwei ehemalige Spitzenvereinsfunktionäre zu konstituieren. Hierfür sei 

mindestens ein Beschluss des Vereinsvorstandes erforderlich. Die FIFA sei folg-

lich nicht als Privatklägerschaft zuzulassen (TPF 266.522.180; 266.720.009 f.). 

Der Verteidiger von Blatter schloss sich der aufgeworfenen Vorfrage in Bezug 

auf die Legitimation der FIFA als Privatklägerschaft an. Zur Begründung führte er 

zusammengefasst aus, dass es für eine gültige Konstituierung als Privatkläger-

schaft bei der FIFA als Verein eines Beschlusses des Vereinsvorstandes, wenn 

nicht gar der Vereinsversammlung bedürfe, zumal es sich vorliegend um eine 

Klage gegen den ehemaligen Präsidenten und einen ehemaligen Vize-Präsiden-

ten der FIFA handle. Die bei den Akten liegende und lediglich durch zeichnungs-

berechtigte Personen der FIFA-Administration unterschriebene Vollmacht ge-

nüge folglich nicht. Die FIFA sei deshalb nicht als Privatklägerschaft im vorlie-

genden Verfahren zuzulassen (TPF 266.521.017; 266.720.004/017). 

1.2.2 Gemäss Art. 104 Abs. 1 StPO sind Parteien im Hauptverfahren die beschuldigten 

Personen (lit. a), die Privatklägerschaft (lit. b) und die Staatsanwaltschaft (lit. c). 

Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person gemäss Art. 115 Abs. 1 StPO, 

die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu 

beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Die Erklärung ist gegenüber einer Strafverfol-

gungsbehörde spätestens bis zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben 

(Art. 118 Abs. 3 StPO). Die geschädigte Person kann die Erklärung schriftlich 

oder mündlich zu Protokoll abgeben (Art. 119 Abs. 1 StPO). Juristische Perso-

nen erklären die Konstituierung als Privatklägerschaft durch ihre Organe oder 

durch eine rechtsgültig bevollmächtigte Rechtsbeistandschaft (vgl. PITTELOUD, 

Code de procédure pénale suisse, 2012, Art. 118 bis 121 StPO N. 263; MAZZUC-

CHELLI/POSTIZZI, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 118 StPO N. 10). 

1.2.3 Vorab ist festzuhalten, dass zu Recht unbestritten ist, dass die FIFA im vorlie-

genden Verfahren (angeblich) geschädigte Person i.S.v. Art. 115 Abs. 1 StPO 

ist. Bestritten wird lediglich ihre rechtsgültige Konstituierung als Privatkläger-

schaft und damit ihre Parteistellung. Diesbezüglich ergibt sich aus den Akten Fol-

gendes: Rechtsanwältin Hohl-Chirazi wurde mit Vollmacht der FIFA vom 

7. März 2019, unterzeichnet durch B. (Deputy Secretary General Administration) 

- 16 - 

SK.2021.48 

und C. (Chief Legal & Integrity Officer), als Rechtsbeistandschaft für das durch 

die Bundesanwaltschaft geführte Verfahren SV.15.1013 sowie alle damit zusam-

menhängenden Verfahren eingesetzt und namentlich zur Vertretung der FIFA vor 

staatlichen Behörden und Gerichten sowie zur Klageeinreichung in deren Namen 

ermächtigt (BA 15.101-0098). Mit Eingabe vom 16. Dezember 2019 erklärte 

Rechtsanwältin Hohl-Chirazi im Namen der FIFA ausdrücklich, dass sich diese 

im (zum damaligen Zeitpunkt nur gegen Blatter geführten) Verfahren SV.15.1013 

als Privatklägerschaft beteilige, und machte gleichzeitig privatrechtliche Ansprü-

che gegen Blatter geltend (BA 15.101-0289). Mit Eingabe vom 24. August 2021 

– und somit nach Ausdehnung des Strafverfahrens auf Platini (siehe Prozessge-

schichte Lit. M) und Abtrennung des nachfolgend zu beurteilenden Teilsachver-

halts vom restlichen Sachverhaltskomplex (siehe Prozessgeschichte Lit. P) – 

machte Rechtsanwältin Hohl-Chirazi namens der FIFA unter Verweis auf Art. 

118 f. StPO privatrechtliche Ansprüche gegen Blatter und Platini geltend 

(BA 15.101-0767 ff.). Anderweitige Erklärungen der FIFA bzw. ihrer Organe be-

treffend die Privatklägerschaft befinden sich nicht in den Akten. 

1.2.4 Zu prüfen ist somit, ob die FIFA sich durch die vorgenannten Erklärungen von 

Rechtsanwältin Hohl-Chirazi im vorliegenden Verfahren gültig als Privatkläger-

schaft konstituiert hat. Hierfür ist erforderlich, dass Rechtsanwältin Hohl-Chirazi 

– erstens – gültig als Rechtsbeistandschaft der FIFA sowie zur Erhebung der 

Privatklage im Namen der FIFA bevollmächtigt wurde und – zweitens – form- und 

fristgerecht eine entsprechende Erklärung abgegeben hat. Diesbezüglich ist re-

levant, dass B. (Deputy Secretary General Administration) und C. (Chief Legal & 

Integrity Officer), welche die Vollmacht vom 7. März 2019 unterzeichneten, ge-

mäss Handelsregistereintrag der FIFA im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung über 

eine Kollektivunterschrift zu zweien verfügten und auch heute noch über eine 

solche verfügen (siehe <https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/aus-

zug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022). 

Auch waren und sind sie gemäss FIFA-internen Zuständigkeitsregeln zu zweit 

zur Vertretung der FIFA berechtigt (Art. 14, 15 und 20 der Internen Organisati-

onsweisung der FIFA [TPF 266.551.431 ff.]). Aus den dem Gericht vorliegenden 

Akten ergibt sich im Übrigen nicht, dass gemäss FIFA-internen Zuständigkeits-

vorschriften für die Bevollmächtigung einer Rechtsanwältin in einem Strafverfah-

ren bzw. für die Erhebung einer Privatklage in einem solchen Verfahren – sei es 

gegen den ehemaligen Präsidenten bzw. Vize-Präsidenten der FIFA oder gegen 

eine andere Person – die Zustimmung einer übergeordneten Instanz, namentlich 

des Vereinsvorstandes oder der Vereinsversammlung, notwendig wäre. Somit 

wurde Rechtsanwältin Hohl-Chirazi mittels Vollmacht vom 7. März 2019 rechts-

gültig als Rechtsbeistandschaft der FIFA eingesetzt und ist seither – im Rahmen 

der erteilten Vollmacht – zu deren Vertretung berechtigt, namentlich zur Klage-

einreichung bei staatlichen Behörden und Gerichten im Verfahren SV.15.1013 

und damit zusammenhängenden Verfahren (BA 15.101-0098). Dies umfasste 

namentlich auch die am 16. Dezember 2019 bzw. am 24. August 2021 form- und 

- 17 - 

SK.2021.48 

fristgerecht gegenüber der Bundesanwaltschaft im Namen der FIFA vorgenom-

menen Erklärungen, sich im Verfahren wegen nachfolgend zu beurteilendem 

Sachverhalt als Privatklägerschaft zu konstituieren, handelte es sich dabei doch 

um Erklärungen gegenüber einer Behörde (Bundesanwaltschaft), welche das 

Strafverfahren SV.15.1013 (Erklärung vom 16. Dezember 2019) bzw. das davon 

abgetrennte und folglich mit Ersterem zusammenhängenden Verfahren 

SV.21.0850 (Erklärung vom 24. August 2021) betraf. Dass das Strafverfahren 

erst nach der Vollmachtserteilung auf Platini ausgedehnt worden ist, ändert da-

ran nichts, war er doch im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung sowohl in sachver-

haltsmässiger als auch persönlicher Hinsicht – als Empfänger der Zahlung, zu 

welcher er als Auskunftsperson einvernommen wurde – davon umfasst. Im Übri-

gen ist festzuhalten, dass die FIFA bzw. ihre Organe trotz Kenntnis des vorlie-

genden Strafverfahrens die Privatklage bis zum Urteilsdatum weder gegen Blat-

ter noch gegen Platini zurückgezogen haben. Nach dem Gesagten ergibt sich, 

dass sich die FIFA im vorliegenden Verfahren gegen Blatter und Platini rechts-

gültig als Privatklägerschaft konstituiert hat. 

1.2.5 Im Ergebnis ist die FIFA als Privatklägerschaft im vorliegenden Verfahren gegen 

Blatter und Platini zuzulassen. 

1.3 Antrag auf Vertagung der Hauptverhandlung und Sistierung des Verfahrens 

1.3.1 Der Verteidiger von Platini beantragte anlässlich der Hauptverhandlung die Ver-

tagung der Hauptverhandlung bzw. die Sistierung des Verfahrens bis die von ihm 

beantragten Aktenbeizüge aus dreier anderer Verfahren erfolgt seien (Akten aus 

dem noch hängigen Verfahren der ausserordentlichen Bundesanwälte im Zu-

sammenhang mit den von Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollier-

ten Treffen [siehe Prozessgeschichte Lit. E], Akten der Verfahren der Aufsichts-

behörde über die Bundesanwaltschaft sowie des Bundesverwaltungsgerichts be-

treffend des in diesem Zusammenhang eingeleiteten und in der Zwischenzeit 

rechtskräftig abgeschlossenen Disziplinarverfahrens gegen den ehemaligen 

Bundesanwalt Michael Lauber und die Akten des mittels Einstellungsverfügung 

der Bundesanwaltschaft vom 9. November 2018 rechtskräftig abgeschlossenen 

Strafverfahrens gegen den ehemaligen Leitenden Staatsanwalt des Bundes und 

ursprünglichen Verfahrensleiter des vorliegenden Verfahrens Olivier Thormann 

im Zusammenhang mit mehreren angeblichen Kontakten zwischen diesem und 

dem ehemaligen Leiter Rechtsdienst der FIFA). Als Begründung führte er in all-

gemeiner Hinsicht aus, dass zwischen dem vorliegenden und den vorgenannten 

Verfahren ein enger Konnex bestehe und die Akten aus den drei Verfahren damit 

für die Einordnung der Verfahrensakten und Verfahrenshandlungen im vorliegen-

den Verfahren zentral seien. Zudem präzisierte er, dass die Akten für die Erken-

nung allfälliger Ausstandsgründe gegen den ehemaligen Verfahrensleiter Olivier 

Thormann zentral seien und Aufschluss über Aspekte im Zusammenhang mit 

dem Anfangsverdacht bzw. der Beweisverwertbarkeit liefern würden 

(TPF 266.721.484 ff.; 266.720.007 ff.; 266.720.018 f.). 

- 18 - 

SK.2021.48 

1.3.2 Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wis-

senschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig 

sind. Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt 

oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Beweis geführt 

(Art. 139 StPO). Gemäss Art. 339 Abs. 2 StPO können das Gericht und die Par-

teien Vorfragen aufwerfen, insbesondere betreffend Verfahrenshindernisse 

(lit. c) sowie die Akten und die erhobenen Beweise (lit. d). Bei der Behandlung 

solcher Vorfragen kann das Gericht die Hauptverhandlung jederzeit vertagen, um 

die Akten oder die Beweise zu ergänzen oder durch die Staatsanwaltschaft er-

gänzen zu lassen (Art. 339 Abs. 5 StPO). 

1.3.3  

1.3.3.1 Vorab ist festzuhalten, dass die beantragten Akten – wie Platinis Verteidiger zu 

Recht nicht vorbringt – nicht zur Beurteilung des materiellen Anklagesachverhalts 

relevant sind. Dies ergibt sich bereits daraus, dass die drei Verfahren weder die 

gleichen Parteien noch denselben Sachverhalt betreffen. In Bezug auf das Dis-

ziplinarverfahren gegen den ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber sowie 

das Strafverfahren gegen den ehemaligen Leitenden Staatsanwalt des Bundes 

Olivier Thormann ist überdies festzuhalten, dass diese rechtskräftig abgeschlos-

sen und die entsprechenden Endentscheide bei den Akten liegen bzw. öffentlich 

zugänglich sind (Verfügung der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft 

vom 2. März 2020 [TPF 266.721.001 ff.], Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

A-2138/2020 vom 22. Juli 2020 [Entscheiddatenbank des Bundesverwaltungs-

gerichts], Einstellungsverfügung der Bundesanwaltschaft vom 9. Novem-

ber 2018 [TPF 266.522.153 ff.]), sodass sich die wesentlichen Akteninhalte oh-

nehin bereits aus den tatsächlichen Erwägungen der jeweiligen Endentscheide 

ergeben.  

 

1.3.3.2 Ein Beizug der beantragten Akten ist aber auch aus prozessualer Sicht nicht not-

wendig. Sofern Platinis Verteidiger seine Anträge damit begründet, dass die ent-

sprechenden Akten der Erkennung allfälliger Ausstandsgründe gegen den ur-

sprünglichen Verfahrensleiter Olivier Thormann dienen würden, ist darauf hinzu-

weisen, dass die Strafkammer des Bundesstrafgerichts als erstinstanzliches Ge-

richt – selbst nach Anklageerhebung – nicht für die Behandlung von Ausstands-

verfahren zuständig ist (Art. 59 Abs. 1 StPO; BGE 148 IV 17 E. 2). Folglich kann 

im vorliegenden Verfahren auch nicht darüber Beweis geführt werden, ob ent-

sprechende Ausstandssgründe vorliegen. Hierfür ist – nach Eingang eines ent-

sprechenden Ausstandsgesuchs (Art. 58 Abs. 1 StPO) – vielmehr die Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts zuständig (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO; zur Zu-

lässigkeit von Beweisabnahmen im Ausstandsverfahren siehe Urteil des Bundes-

gerichts 1B_186/2019 vom 24. Juni 2019 E. 4.1). Wie noch zu zeigen sein wird, 

begründet auch die aufgeworfene Thematik des Anfangsverdachts bzw. die da-

mit zusammenhängende prozessuale Frage der Beweisverwertbarkeit den Bei-

zug der beantragten Akten nicht (E. 1.4). Inwiefern die Edition der beantragten 

- 19 - 

SK.2021.48 

Akten darüber hinaus prozessual für die «Einordnung der Verfahrensakten und 

Verfahrenshandlungen im vorliegenden Verfahren» entscheidend sein könnte, 

wird von der Verteidigung weder näher begründet noch ist dies für das Gericht 

ersichtlich. 

1.3.4 Im Ergebnis sind die beantragten Akten weder aus materieller noch prozessualer 

Sicht entscheidwesentlich. Entsprechend war die Hauptverhandlung nicht zu ver-

tagen bzw. das Verfahren nicht zu sistieren. Die entsprechenden Anträge waren 

demnach im Rahmen der Vorfragen abzuweisen. 

1.4 Tatverdacht und Beweisverwertbarkeit 

1.4.1 Die Verteidigung von Platini brachte das vorliegende Verfahren bzw. deren Er-

öffnung mehrfach in Zusammenhang mit den von den Vertretern der Bundesan-

waltschaft nicht protokollierten Treffen (siehe Prozessgeschichte Lit. E) und 

machte darüber hinaus zusammengefasst geltend, dass unklar sei, wie die Bun-

desanwaltschaft auf die inkriminierte Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von 

Fr. 2 Millionen aufmerksam geworden sei. In diesem Zusammenhang verwies 

der Verteidiger einerseits auf die Aussagen des ursprünglichen Verfahrensleiters 

Olivier Thormann anlässlich der Hauptverhandlung, wonach der FIFA-Mitarbeiter 

D. (zu seiner Person E. 3.5.2.15) ihn im Rahmen der begleiteten Edition vom 

27. Mai 2015 (siehe Prozessgeschichte Lit. C) auf die Zahlung aufmerksam ge-

macht habe. Andererseits verwies er auf verschiedene öffentlich zugängliche 

Medienberichte, wonach sich der ehemalige Informationschef der Bundesanwalt-

schaft André Marty einerseits dahingehend geäussert haben soll, dass die Bun-

desanwaltschaft durch einen Whistleblower auf die Zahlung aufmerksam ge-

macht worden sei, und andererseits erklärt haben soll, dass die Finanzanalysten 

der Bundesanwaltschaft auf die inkriminierte Zahlung gestossen seien. Weder 

der angebliche Hinweis von D. an Olivier Thormann – den D. im Übrigen anläss-

lich der Hauptverhandlung bestritt (TPF 266.767.008 f.) – noch derjenige eines 

allfälligen Whistleblowers seien dokumentiert worden. Dass die Finanzanalysten 

der Bundesanwaltschaft selbst auf die Zahlung aufmerksam geworden seien, er-

scheine aufgrund der anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 sicher-

gestellten Datenmenge (9-11 Terrabytes) unwahrscheinlich und diese seien im 

Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung überdies vollumfänglich versiegelt und folglich 

nicht verwertbar gewesen. Aufgrund der Fernwirkung unverwertbarer Beweise 

gemäss Art. 141 Abs. 4 StPO seien auch die gestützt auf diese Erstbeweise er-

hobenen Zweitbeweise – mithin sämtliche Beweise dieses Verfahrens – unver-

wertbar (TPF 266.721.484 ff.). Auch der Verteidiger von Blatter wies auf diese 

Problematik hin, ohne jedoch die Unverwertbarkeit ausdrücklich geltend zu ma-

chen (TPF 266.721.435 f.). 

  

- 20 - 

SK.2021.48 

1.4.2  

1.4.2.1 Wenn die Strafprozessordnung einen Beweis als unverwertbar bezeichnet, darf 

dieser in keinem Falle verwertet werden (Art. 141 Abs. 1 StPO). Beweise, die 

Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschrif-

ten erhoben haben, dürfen nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung 

sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich (Art. 141 Abs. 2 StPO). Be-

weise, bei deren Erhebung Ordnungsvorschriften verletzt worden sind, sind ver-

wertbar (Art. 141 Abs. 3 StPO). Ermöglichte ein Beweis, der nach Art. 141 

Abs. 2 StPO nicht verwertet werden darf, die Erhebung eines weiteren Beweises, 

so ist dieser nicht verwertbar, wenn er ohne die vorhergehende Beweiserhebung 

nicht möglich gewesen wäre (Art. 141 Abs. 4 StPO). Es liegt somit keine Fern-

wirkung des Beweisverwertungsverbots gemäss Art. 141 Abs. 4 StPO vor, wenn 

der Folgebeweis im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufs zumindest 

mit einer grossen Wahrscheinlichkeit auch ohne den illegalen ersten Beweis er-

langt worden wäre. Entscheidend sind die konkreten Umstände des Einzelfalls. 

Die bloss theoretische Möglichkeit, den Beweis rechtmässig zu erlangen, genügt 

nicht (BGE 138 IV 169 E. 3.3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_654/2019 vom 

12. März 2020 E. 3.2.3). 

 

1.4.2.2 Im Zusammenhang mit den erwähnten Bestimmungen zur Beweiserhebung und 

-verwertung ist in rechtlicher Hinsicht relevant, dass die beschuldigte Person An-

spruch darauf hat, dass das Verfahren in den vom Gesetz vorgesehenen Formen 

durchgeführt und abgeschlossen wird (Art. 2 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwalt-

schaft leitet das Vorverfahren (Art. 16 Abs. 2 StPO), das aus dem Ermittlungs-

verfahren der Polizei und der Untersuchung der Staatsanwaltschaft besteht 

(Art. 299 Abs. 1 StPO). Das Vorverfahren wird eingeleitet durch die Ermittlungs-

tätigkeit der Polizei oder die Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsan-

waltschaft (Art. 300 Abs. 1 StPO). Zudem ist jede Person berechtigt, Straftaten 

bei einer Strafverfolgungsbehörde schriftlich oder mündlich anzuzeigen 

(Art. 301 Abs. 1 StPO). Aufgrund der im Strafverfahren geltenden Dokumentati-

onspflicht (hierzu BGE 143 IV 408 E. 8.2) sind mündlich erstattete Strafanzeigen 

zu protokollieren (Art. 76 Abs. 1 StPO; RIEDO/BONER, in: Niggli/Heer/Wiprächti-

ger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 

2014, Art. 301 StPO N. 15). Die Staatsanwaltschaft eröffnet namentlich dann 

eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, 

aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender 

Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die zur Eröffnung einer Strafun-

tersuchung erforderlichen tatsächlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung 

müssen erheblich und konkreter Natur sein. Blosse Gerüchte oder Vermutungen 

genügen nicht. Der Anfangsverdacht soll eine plausible Tatsachengrundlage ha-

ben, aus der sich die konkrete Möglichkeit ergibt, dass eine Straftat begangen 

worden ist (Urteile des Bundesgerichts 6B_572/2021 vom 10. Februar 2022 

E. 3.1; 6B_700/2020 vom 17. August 2021 E. 3.3; 6B_472/2020 vom 

- 21 - 

SK.2021.48 

13. Juli 2021 E. 2.2.1). Lediglich in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fäl-

len kann die Staatsanwaltschaft eine Nichtanhandnahmeverfügung erlassen und 

folglich darauf verzichten, eine Untersuchung zu eröffnen (vgl. Art. 309 Abs. 4 

i.V.m. Art. 310 Abs. 1 StPO). Im Zweifelsfall ist eine Untersuchung zu eröffnen 

(BGE 137 IV 285 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_572/2021 vom 10. Feb-

ruar 2022 E. 3.1). Ohne Vorliegen eines Tatverdachts bedeutet die Eröffnung ei-

nes Strafverfahrens indes eine unstatthafte Beweisausforschung (sog. «fishing 

expedition»), die zur Unverwertbarkeit der damit erlangten Beweismittel führen 

kann (BGE 137 I 218 E. 2.3.2; TPF 2015 1 E. A.2.5). Schliesslich ist festzuhal-

ten, dass Aufzeichnungen und Gegenstände, die nach Angaben der Inhaberin 

oder des Inhabers wegen eines Aussage- oder Zeugnisverweigerungsrechts 

oder aus anderen Gründen nicht durchsucht oder beschlagnahmt werden dürfen, 

zu versiegeln sind und von den Strafbehörden weder eingesehen noch verwen-

det werden dürfen (Art. 248 Abs. 1 StPO). 

1.4.3 Die am 24. September 2015 formell gegen Blatter verfügte Untersuchungseröff-

nung im Zusammenhang mit dem vorliegend relevanten Sachverhalt stützte sich 

gemäss der Eröffnungsverfügung (BA 01.100-0001 f.) bzw. dem entsprechenden 

Entwurf (TPF 266.510.044 f.) zusammengefasst auf öffentlich zugängliche 

Medienberichte, auf anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 sicher-

gestellte Dokumente betreffend Platini sowie auf von der Bank A. edierte Bank-

unterlagen. Es gilt in einem ersten Schritt zu prüfen, ob die letztgenannten Un-

terlagen am 24. September 2015 verwertbar waren und folglich zur Verdachts-

begründung gegen Blatter verwendet werden konnten (E. 1.4.3.1). Anschlies-

send ist zu prüfen, ob gestützt auf die am 24. September 2015 verwertbaren Un-

terlagen hinreichende tatbezogene (E. 1.4.3.2) und täterbezogene (E. 1.4.3.3) 

Verdachtsmomente vorlagen, um die Untersuchung gegen Blatter zu eröffnen. 

1.4.3.1 Verwertbarkeit der verdachtsbegründenden Unterlagen 

Sowohl die anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 sowie die bei der 

Bank A. edierten Unterlagen, auf welche sich die Untersuchungseröffnung gegen 

Blatter stützte, wurden im Rahmen des gegen Unbekannt geführten Ursprungs-

verfahrens SV.15.0088 des Verfahrenskomplexes «Weltfussball» erlangt. Die 

damalige Untersuchungseröffnung erfolgte aufgrund des Verdachts, dass im Zu-

sammenhang mit der FIFA-WM 2018 und 2022 Unregelmässigkeiten begangen 

bzw. Personen unrechtmässig bereichert worden seien (siehe Prozessge-

schichte Lit. B). In allgemeiner Hinsicht wird von Seiten der Parteien nicht bestrit-

ten, dass diese Untersuchungseröffnung gestützt auf einen hinreichenden Tat-

verdacht erfolgte. Auch die dem Gericht diesbezüglich vorliegenden Akten, na-

mentlich die Strafanzeige der FIFA vom 18. November 2014 sowie der Garcia-

Bericht (siehe Prozessgeschichte Lit. A), ergeben, dass ein hinreichender Tat-

verdacht für diese Untersuchungseröffnung bestanden hat. Die im Rahmen die-

ses Ursprungsverfahrens erhobenen Unterlagen waren demnach auch für die 

- 22 - 

SK.2021.48 

Verdachtsbegründung gegen Blatter verwertbar, sofern diese nicht von einem 

Beweisverwertungsverbot erfasst waren.  

a) Betreffend die Unterlagen aus der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 

Die Untersuchungseröffnung vom 24. September 2015 stützte sich konkret auf 

folgende 4 Unterlagen aus der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 

(TPF 266.510.044 f.): ein FIFA-internes Factsheet betreffend Platini, ein FIFA-

internes Accountsheet betreffend Platini sowie zwei Schreiben der FIFA an Pla-

tini vom 30. Oktober 2009 und 19. November 2012. Aus diesen Unterlagen ist 

ersichtlich, dass die FIFA am 1. Februar 2011 einen Betrag von Fr. 2 Millionen 

zugunsten von Platini für dessen in den Jahren 1998 bis 2002 erbrachte Tätigkeit 

für die FIFA bezahlt hat; das Schreiben vom 19. November 2012 thematisiert dies 

sogar ausdrücklich. Auf dem Factsheet betreffend Platini sind zudem zwei Ge-

schäftsbeziehungen bei der Bank A. mit folgenden Internationalen Bankkonto-

nummern (IBAN) vermerkt: «1» und «2» (BA B07.203.059-0103 bis -0110 [Pagi-

nas im Verfahren SV.15.0088] bzw. BA B07.201.002-0103 bis -0110 [Paginas im 

vorliegenden Verfahren]).  

Die vorgenannten Unterlagen befanden sich am Tag der begleiteten Edition – 

zusammen mit 226 weiteren Seiten (DIN A4) zu den übrigen damaligen Mitglie-

dern des FIFA-Exekutivkomitees – in einem blauen Ordner mit der Aufschrift 

«EXCO 2009-2011» (Pos. Nr. 01.02.0002; TPF 266.262.2.918; 

BA B07.203.059-0001 ff. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. 

BA B07.201.002-0001 ff. [Paginas im vorliegenden Verfahren]). Zu Recht unbe-

stritten ist, dass dieser Ordner bzw. dessen Inhalt ordnungsgemäss durch die 

Bundesanwaltschaft erhoben worden ist. So ordnete die Bundesanwaltschaft mit 

Verfügung vom 26. Mai 2015 die Edition und Beschlagnahme verschiedener Do-

kumente an, u.a. sämtlicher für den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis 31. De-

zember 2011 bestehenden Unterlagen und Belege bezüglich die Entlöhnung und 

Entschädigung der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, namentlich von Blatter 

und Platini (TPF 266.262.2.874 ff.). Zum Vollzug der Edition und Beschlagnahme 

dieser Dokumente wurde am 27. Mai 2015 von 7.50 bis 21.30 Uhr am Sitz der 

FIFA die erwähnte begleitete Edition durchgeführt (TPF 266.262.2.881 ff.). Aus 

den Akten ist sodann ersichtlich, dass der Erhalt der Editions- und Beschlagnah-

meverfügung vom 26. Mai 2015 zu Beginn der begleiteten Edition durch Vertreter 

der FIFA unterschriftlich bestätigt worden ist (TPF 266.262.2.877; 

266.262.2.883). 

Hinsichtlich der Verwertung der Unterlagen zur Verdachtsbegründung ist festzu-

halten, dass auf der zu Beginn der begleiteten Edition unterschriebenen 

Empfangsbestätigung von den Vertretern der FIFA zwar handschriftlich «Wir er-

klären Siegelung» vermerkt worden ist (TPF 266.262.2.877; 266.262.2.883). Im 

Verlauf der begleiteten Edition wurde diese vorläufig erklärte Siegelung jedoch 

dahingehend präzisiert, dass sie in Bezug auf einen Teil der konkret erhältlich 

- 23 - 

SK.2021.48 

gemachten Unterlagen einerseits bekräftigt bzw. wiederholt und andererseits wi-

derrufen worden ist (TPF 266.262.2.883 f.; 266.262.2.893 f.; 266.262.2.895 ff.; 

266.262.2.902 ff.). Keine Siegelung wurde namentlich für den blauen Ordner mit 

der Aufschrift «EXCO 2009-2011» (Pos. Nr. 01.02.0002) bzw. dessen Inhalt er-

klärt (TPF 266.262.2.902). Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung (E. 1.4.1) 

waren die sich in diesem Ordner befindenden Unterlagen somit spätestens am 

Ende des 27. Mai 2015 nicht versiegelt und folglich für die am 24. Septem-

ber 2015 formell verfügte Eröffnung der Untersuchung gegen Blatter verwertbar.  

b) Betreffend die von der Bank A. edierten Unterlagen 

Die Eröffnungsverfügung stützt sich weiter auf zwei von der Bank A. edierte – 

und unabhängig voneinander erstellte – interne Notizen betreffend Hintergrund-

abklärungen zur inkriminierten Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von 

Fr. 2 Millionen (TPF 266.510.044 f.): Konkret handelt es sich dabei einerseits um 

eine für das Kundendossier von Platini erstellte Notiz vom 23. März 2011 

(BA B07.102.024.01.K-0032 f. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. 

BA B07.101.001.01.K-0032 f. [Paginas im vorliegenden Verfahren]) sowie ande-

rerseits um eine für das Kundendossier der FIFA erstellte Notiz vom 

21. März 2011 (BA 07.102-0379 [Pagina im Verfahren SV.15.0088] bzw. 

BA 07.101-0019 [Pagina im vorliegenden Verfahren]). 

Betreffend die Erhebung dieser Beweismittel ist in chronologischer Hinsicht Fol-

gendes festzuhalten: Im Anschluss an die begleitete Edition vom 27. Mai 2015 

und immer noch im Rahmen der Untersuchung SV.15.0088 verlangte die Bun-

desanwaltschaft von der Bank A. erstmals mit Verfügung vom 23. Juli 2015 – und 

damit nach dem ersten von den Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht proto-

kollierten Treffen vom 8. Juli 2015 (siehe Prozessgeschichte Lit. E) – die Heraus-

gabe von Bankunterlagen betreffend die sich auf dem vorgenannten Factsheet 

betreffend Platini vermerkten Bankkonten mit den IBAN «1» und «2» (BA 07.102-

0361 ff. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. BA 07.101-0001 ff. [Paginas im 

vorliegenden Verfahren]). Mit Schreiben der Bank A. vom 28. Juli 2015 wurden 

der Bundesanwaltschaft die entsprechenden Bankunterlagen übermittelt, na-

mentlich die für das Kundendossier von Platini erstellte interne Notiz vom 

23. März 2011 (BA 07.102-0367 ff. und B07.102.024.01.K-0032 f. [Paginas im 

Verfahren SV.15.0088] bzw. BA 07.101-0007 ff. und B07.101.001.01.K-0032 f. 

[Paginas im vorliegenden Verfahren]). Am 9. September 2015 erliess die Bun-

desanwaltschaft eine weitere Verfügung an die Bank A. und verlangte zur Iden-

tifizierung der inkriminierten Zahlung weitere Unterlagen (BA 07.102-0370 ff. [Pa-

ginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. BA 07.101-0010 ff. [Paginas im vorliegen-

den Verfahren]). Mit Schreiben vom 10. September 2015 übermittelte die Bank 

A. der Bundesanwaltschaft Detailbelege zur vorgenannten Zahlung, namentlich 

die für das Kundendossier der FIFA erstellte interne Notiz vom 21. März 2011 

sowie erneut die für das Kundendossier von Platini erstellte Notiz vom 

- 24 - 

SK.2021.48 

23. März 2011 (BA 07.102-0375 ff. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. 

BA 07.101-0015 ff. [Paginas im vorliegenden Verfahren]). 

Die vorgenannte Chronologie der Verfahrenshandlungen zeigt, dass die vorlie-

gend relevante Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen spätes-

tens am 9. September 2015 in den Fokus der Ermittlungen der Bundesanwalt-

schaft rückte, als diese spezifisch hierzu Bankunterlagen von der Bank A. ver-

langte. Aus der Chronologie lässt sich indes nicht eindeutig ableiten, zu welchem 

genauen Zeitpunkt und aufgrund welcher Ursache die Bundesanwaltschaft kon-

kret von der inkriminierten Zahlung erfahren hat. Namentlich bleibt unklar, ob die 

Transaktion bereits am Tag der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 aufgrund 

eines Hinweises von D. – wie dies der ehemalige Verfahrensleiter Olivier Thor-

mann behauptete (TPF 266.761.009/012 f.), von D. indes bestritten wird 

(TPF 266.767.008 f.) – oder aufgrund eines Hinweises anlässlich des von den 

Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollierten Treffen vom 

8. Juli 2015 – wie dies Platinis Verteidiger für am wahrscheinlichsten hält 

(TPF 266.721.485) – oder schliesslich ganz allgemein aufgrund der im Zeitraum 

vom 27. Mai bis 9. September 2015 erfolgten Ermittlungstätigkeit der Bundesan-

waltschaft bekannt geworden ist. Ohne die Szenarien eines allfälligen Hinweis-

gebers eindeutig ausschliessen zu können oder wollen, ist jedoch festzuhalten, 

dass die vorgenannte Chronologie eher dafür spricht, dass die Bundesanwalt-

schaft ohne entsprechenden Hinweis auf die inkriminierte Zahlung aufmerksam 

wurde. Hätte nämlich D. am 27. Mai 2015 oder eine andere Person anlässlich 

des nicht protokollierten Treffens vom 8. Juli 2015 auf die Zahlung aufmerksam 

gemacht, wäre zu erwarten gewesen, dass die Bundesanwaltschaft bei der Bank 

A. bereits mit ihrer ersten Verfügung vom 23. Juli 2015 – und nicht erst mit ihrer 

Verfügung vom 9. September 2015 – spezifische Auskünfte und Detailbelege zur 

inkriminierten Zahlung verlangt hätte. Im Ergebnis kann diese Frage aber ohne-

hin offengelassen werden. Für das Gericht besteht nämlich im Sinne eines hypo-

thetischen Ermittlungsverlaufs eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Bundes-

anwaltschaft – unabhängig von einem allfälligen, aufgrund mangelnder Protokol-

lierung allenfalls nicht verwertbaren Hinweis – aufgrund der am 27. Mai 2015 si-

chergestellten, nicht versiegelten und demnach verwertbaren Unterlagen, na-

mentlich aufgrund der vorgenannten 4 Dokumente betreffend Platini im blauen 

Ordner mit der Aufschrift «EXCO 2009-2011» (E. 1.4.3.1a), auf die inkriminierte 

Zahlung gestossen wäre. Es mag zwar – wie Platinis Verteidiger im Grundsatz 

zu Recht vorbringt (TPF 266.721.485) – zutreffen, dass diese FIFA-internen Un-

terlagen die damalige Verdachtslage nicht unmittelbar hätten erhärten können, 

da allfällige Korruptionszahlungen zur Beeinflussung der Vergabe der FIFA-WM 

2018 und 2022 nicht von der FIFA, sondern vielmehr von den Länderteams, wel-

che sich um die Austragung der FIFA-WM 2018 und 2022 beworben hatten, er-

folgt wären. Für das Gericht liegt es dennoch nahe, dass die Bundesanwaltschaft 

primär diese Unterlagen sichten wollte bzw. im Sinne eines hypothetischen Er-

mittlungsverlaufs gesichtet hätte, da sie diese einerseits in ihrer Verfügung vom 

- 25 - 

SK.2021.48 

26. Mai 2015 ausdrücklich verlangt hatte und andererseits in solchen Unterlagen 

insbesondere Bankdaten der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees zu erwarten 

waren, welche für die weiteren Ermittlungen in einem Strafverfahren dieser Art 

unerlässlich sind. Unter Berücksichtigung, dass die inkriminierte Zahlung sich 

ohne Weiteres aus den 4 Dokumenten betreffend Platini ergibt (E. 1.4.3.1a) und 

die Zahlung bereits aufgrund der Höhe des ausbezahlten Betrages sowie der 

zeitlich lang zurückliegenden Dauer der erbrachten und damit vergüteten Dienst-

leistungen Platinis auffällt, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die 

Bundesanwaltschaft bereits bei Sichtung dieser Unterlagen auf die inkriminierte 

Zahlung aufmerksam geworden ist bzw. wäre. Aber selbst wenn die Bundesan-

waltschaft die inkriminierte Zahlung zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt 

hätte, ist sehr wahrscheinlich, dass die Bundesanwaltschaft – erneut unabhängig 

von einem allfälligen, aufgrund mangelnder Protokollierung allenfalls nicht ver-

wertbaren Hinweis – aufgrund der in Platinis Factsheet vermerkten Bankdaten 

bei der Bank A. – wie in einem Verfahren der vorliegenden Art üblich – entspre-

chende Bankunterlagen allgemeiner Natur betreffend Platinis Bankkonten ediert 

hätte. Spätestens bei der Sichtung der ihr übermittelten Bankunterlagen, nament-

lich der internen Notiz vom 23. März 2011, wäre sie auf die inkriminierte Zahlung 

aufmerksam geworden, hätte anschliessend die in der Verfügung an die Bank A. 

vom 9. September 2015 beschriebenen Unterlagen zur Identifizierung der inkri-

minierten Zahlung verlangt und dadurch schliesslich die beiden internen Notizen 

erhalten. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Bank A. mittels 

Verfügungen vom 23. Juli 2015 und 9. September 2015 edierten Unterlagen, na-

mentlich die zur Verdachtsbegründung verwendeten internen Notizen vom 

21. und 23. März 2011, im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufes mit 

einer grossen Wahrscheinlichkeit auch ohne einen allfälligen Hinweisgeber er-

langt worden wären, diese demnach nicht von der Fernwirkung eines allfälligen 

Beweisverwertungsverbots erfasst sind und folglich zur Verdachtsbegründung 

gegen Blatter verwertet werden konnten. Aus diesem Grund kann an dieser 

Stelle ausdrücklich offengelassen werden, ob es einen Hinweisgeber – sei dies 

D. anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 oder eine andere Person 

anlässlich des von den Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollierten 

Treffens vom 8. Juli 2015 – gegeben hat und ob die fehlende Protokollierung ei-

nes solchen Hinweises im konkreten Fall überhaupt zu einer Verwertungsprob-

lematik geführt hätte. 

1.4.3.2 Tatbezogene Verdachtsmomente 

Die tatbezogenen Verdachtsmomente ergeben sich in primis aus den vorgenann-

ten, anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 erhobenen Unterlagen 

betreffend Platini, wird darin doch zusammengefasst festgehalten, dass die FIFA 

am 1. Februar 2011 einen Betrag von Fr. 2 Millionen zugunsten von Platini für 

dessen in den Jahren 1998 bis 2002 erbrachte Tätigkeit für die FIFA bezahlt habe 

(BA B07.201.002-0103 ff.). Diese Zahlung wirkt – wie der Entwurf der Eröff-

nungsverfügung selbst ausführt (TPF 266.510.044 f.) – bereits aufgrund der 

- 26 - 

SK.2021.48 

Höhe des ausbezahlten Betrages sowie der zeitlich lang zurückliegenden Dauer 

der (angeblich) erbrachten und damit vergüteten Dienstleistungen Platinis ver-

dächtig. Verdachtserhöhend wirkt sich zudem der Umstand aus, dass der Zah-

lungsgrund aus den damaligen Unterlagen nicht klar ersichtlich war. So war die 

Zahlung in den FIFA-internen Unterlagen einerseits als Bonus (siehe Factsheet 

betreffend Platini [BA B07.201.002-0103]) und andererseits als Lohn bzw. «Sa-

laries» deklariert (siehe Accountsheet betreffend Platini [BA B07.201.002-0107]). 

Gleiches gilt für die von der Bank A. erhältlich gemachten Informationen, habe 

es sich bei der inkriminierten Zahlung gemäss den edierten internen Notizen 

doch einerseits um eine Bonuszahlung im Zusammenhang mit der FIFA-

WM 2010 (siehe Notiz vom 21. März 2011 [BA 07.101-0019]) und andererseits 

um eine aufgeschobene Vergütung für von Platini in den Jahren 1998 bis 2002 

erbrachten Leistungen für die FIFA gehandelt (siehe Notiz vom 23. März 2011 

[B07.101.001.01.K-0032 f. bzw. BA 07.101-0020]). Der Entwurf der Eröffnungs-

verfügung hält überdies nachvollziehbar fest, dass sich verdachtserhöhend auch 

die Umstände ausgewirkt haben sollen, dass Platini gemäss öffentlich zugängli-

chen Medienberichten seine Tätigkeit als Berater in den Jahren 1998 bis 2002 

unentgeltlich geleistet habe und gemäss dem Accountsheet (BA B07.201.002-

0107) prima vista nicht ersichtlich gewesen sei, dass für die Bezahlung der 

Fr. 2 Millionen Rückstellungen aufgelöst worden seien (TPF 266.510.045). Die 

Zahlung vom 1. Februar 2011 bettete sich schliesslich zeitlich bestens sowohl in 

die laufende Untersuchung betreffend der im Jahr 2010 vorgenommenen 

Vergabe der FIFA-WM 2018 und 2022 sowie die FIFA-Präsidentschaftswahl im 

Jahr 2011 ein und es konnte daher zum damaligen Zeitpunkt nicht ausgeschlos-

sen werden, dass die inkriminierte Zahlung damit hätte in Verbindung stehen 

können. Im Ergebnis steht für das Gericht somit ausser Frage, dass die Bundes-

anwaltschaft gestützt auf die vorgenannten Verdachtsmomente ein Strafverfah-

ren wegen allfälliger Vermögensdelikte, namentlich wegen ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung (Art. 158 StGB), zwingend eröffnen musste. 

1.4.3.3 Täterbezogene Verdachtsmomente 

Für das Gericht erscheint es im Grundsatz auch nachvollziehbar, dass die Un-

tersuchung zunächst nur gegen Blatter eröffnet worden ist. So war aus dem Zu-

sammenspiel zwischen den von der Bundesanwaltschaft erhobenen, vorgenann-

ten Unterlagen und öffentlich zugänglichen Medienberichten (BA 10.201-0003 f.) 

ersichtlich, dass es sich bei der von Platini in den Jahren 1998 bis 2002 erbrach-

ten und mit den Fr. 2 Millionen (angeblich) vergüteten Tätigkeit um Beraterdienst-

leistungen zugunsten des damaligen FIFA-Präsidenten Blatter gehandelt haben 

soll (TPF 266.510.044). Die damalige Strafuntersuchung wurde zudem aus-

schliesslich wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB), eventuali-

ter Veruntreuung (Art. 138 StGB), geführt (BA 01.100-0001 f.; 

TPF 266.510.050 ff.). Die von diesen Sonderdelikten verlangten besonderen Tä-

tereigenschaften kamen gemäss den öffentlich zugänglichen Handelsregisterda-

ten – jedenfalls prima vista – ausschliesslich Blatter und nicht Platini zu, verfügte 

- 27 - 

SK.2021.48 

Letzterer doch nicht über eine entsprechende Zeichnungsberechtigung für die 

FIFA. Es ist daher nachvollziehbar, dass Blatter als verantwortlicher FIFA-Präsi-

dent für die Bundesanwaltschaft primär als mutmasslicher Täter in Frage gekom-

men ist. 

1.4.4 Für die am 29. Mai 2020 formell verfügte Ausdehnung der Strafuntersuchung auf 

Platini (Prozessgeschichte Lit. M) bestand nach dem Gesagten und unter Be-

rücksichtigung, dass Platini Empfänger der inkriminierten Zahlung war, ebenfalls 

ein hinreichender Tatverdacht.  

1.4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass für die Eröffnung der Strafuntersu-

chung gegen Blatter und Platini wegen dem vorliegend zu beurteilenden Sach-

verhalt ein hinreichender Tatverdacht bestand, welcher sich auf verwertbare Un-

terlagen stützte. Es kann daher im vorliegenden Verfahren offengelassen wer-

den, ob die Bundesanwaltschaft allenfalls durch einen allfälligen Hinweisgeber 

auf die inkriminierte Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen 

aufmerksam gemacht worden ist. 

1.5 Verjährung 

1.5.1 Wie noch zu zeigen sein wird, sind die Beschuldigten in der Hauptsache freizu-

sprechen, da entgegen der Anklage in tatsächlicher Hinsicht nicht erstellt ist, 

dass die inkriminierte Zahlung von Fr. 2 Millionen sowie die darauf geleisteten 

Sozialversicherungsbeiträge nicht gestützt auf eine zwischen der FIFA und Pla-

tini im Jahr 1998 abgeschlossene mündliche Vereinbarung geleistet worden sind. 

Aufgrund dieses Beweisergebnisses handelten die Beschuldigten u.a. nicht in 

der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, sodass die 

angeklagten Straftatbestände des Betrugs, der Veruntreuung und der qualifizier-

ten ungetreuen Geschäftsbesorgung bereits deswegen nicht erfüllt sind (näher 

E. 2 [Anklagevorwurf] und E. 3 [Tatsächliches]). 

1.5.2 Zu prüfen wäre indes, ob sich die Beschuldigten des Grundtatbestandes der un-

getreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB bzw. der Gehilfen-

schaft hierzu, welcher kein Handeln in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht 

voraussetzt, strafbar gemacht haben. Die Strafandrohung des Grundtatbestan-

des lautet allerdings auf Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe und die 

Verjährungsfrist für solche Delikte betrug gemäss der im mutmasslichen Hand-

lungszeitpunkt (2011) geltenden, milderen und folglich massgebenden (Art. 2 

Abs. 2 und Art. 389 Abs. 1 StGB) altrechtlichen Regelung 7 Jahre (aArt. 97 

Abs. 1 lit. c StGB, in der bis zum 31. Dezember 2013 in Kraft gewesenen Fas-

sung). Die Strafverfolgung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss 

Art. 158 Ziff. 1 StGB bzw. Gehilfenschaft dazu gemäss Art. 25 StGB ist demnach 

bereits vor Anklageerhebung – im Jahr 2018 – verjährt. Das Verfahren gegen die 

Beschuldigten wegen des Grundtatbestandes der ungetreuen Geschäftsbesor-

gung (Blatter) bzw. Gehilfenschaft dazu (Platini) ist folglich einzustellen. 

- 28 - 

SK.2021.48 

2. Anklagevorwurf 

2.1 Die Anklage wirft Blatter und Platini in der Hauptsache Betrug vor, indem sie zu-

sammengefasst – aufgrund gemeinsamer Entschlussfassung und Planung sowie 

durch Zusammenwirken bei der Tatausführung – Mitarbeitende der FIFA über 

den Bestand einer aus der von Platini in der Zeit von Juli 1998 bis Juni 2002 

zugunsten des damaligen FIFA-Präsidenten Blatter erbrachten Beratertätigkeit 

resultierenden – in Wahrheit indes nicht bestehenden – Forderung der FIFA zu-

gunsten von Platini in Höhe von Fr. 2 Millionen getäuscht hätten. Erfolgt seien 

die Täuschungshandlungen einerseits durch mehrfache wahrheitswidrige münd-

liche Angaben von Blatter als damaliger FIFA-Präsident und Platini als damaliger 

FIFA-Vizepräsident im Jahr 2010/2011, wonach sich die Forderung auf eine zwi-

schen ihnen im Jahr 1998 mündlich abgeschlossene Vereinbarung stütze, sowie 

andererseits durch die von Platini vorgenommene Einreichung einer fiktiven 

Rechnung vom 17. Januar 2011 über Fr. 2 Millionen und die von Blatter auf die-

ser Rechnung unterschriftlich vorgenommene Bestätigung der Forderung. AIs 

Folge dieser arglistigen täuschenden Handlungen seien durch die mit der Ab-

wicklung dieser angeblichen Forderung befassten und irrtümlicherweise von de-

ren Bestand ausgehenden Mitarbeitenden der FIFA am 1. Februar 2011 von ei-

nem auf die FIFA lautenden Konto Fr. 2 Millionen auf ein Konto von Platini sowie 

am 24. März 2011 Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 229'126.– zu-

gunsten von Platini an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich über-

wiesen worden. In der Höhe der genannten Beträge sei die FIFA geschädigt und 

Platini unrechtmässig bereichert worden. 

Aufgrund des oben beschriebenen Verhaltens sollen sich die Beschuldigten 

eventualiter der Veruntreuung (Blatter) bzw. der Gehilfenschaft dazu (Platini) 

oder subeventualiter der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Blatter) bzw. der Ge-

hilfenschaft dazu (Platini) strafbar gemacht haben. 

2.1.1 Weiter wird Blatter und Platini Urkundenfälschung vorgeworfen, indem Platini am 

17. Januar 2011 und Blatter am 18. Januar 2011 die vorgenannte, für die Buch-

haltung der FIFA bestimmte Rechnung unterschrieben und damit deren unrichti-

gen Inhalt bekräftigt hätte, wonach die FIFA Platini aus dessen in den Jah-

ren 1998 bis 2002 erbrachten Beratertätigkeit noch Fr. 2 Millionen sowie entspre-

chende Sozialversicherungsbeträge schulde. Mit der Einreichung und Unter-

zeichnung der Rechnung hätten die Beschuldigten die mit der Abwicklung der 

Zahlung befassten Mitarbeitenden der FIFA über den wahren Hintergrund der 

Leistung täuschen wollen und die Auszahlung der Fr. 2 Millionen und der Sozial-

versicherungsbeiträge von Fr. 229'126.– angestrebt. 

  

- 29 - 

SK.2021.48 

3. Tatsächliches 

3.1 Übersicht über die in den Sachverhalt involvierten Parteien 

3.1.1 FIFA 

3.1.1.1 Die FIFA ist ein Verein im Sinne von Art. 60 ff. ZGB mit Sitz in Zürich (Art. 1 FIFA-

Statuten, in der jeweils geltenden Fassung [BA B07.201.078 f.; nachfolgend: 

FIFA-Statuten]). Seit dem 2. April 1996 ist die FIFA im Handelsregister des Kan-

tons Zürich eingetragen (<https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/aus-

zug.xhtml?uid=CHE-107.301. 064>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022). 

3.1.1.2 Mitglieder der FIFA sind die insgesamt 211 nationalen Mitgliedsverbände 

(Art. 3 ff. bzw. 10 ff. FIFA-Statuten; siehe auch Liste der Mitgliedsverbände 

[BA B07.201.082-0001 ff.]). Die nationalen Mitgliedsverbände, die dem gleichen 

Kontinent angehören, haben sich zu insgesamt 6 Konföderationen zusammen-

geschlossen; diejenigen des europäischen Kontinents zur Union des Associa-

tions Européennes de Football (UEFA) (Art. 9 bzw. 20 FIFA-Statuten).  

3.1.1.3 Im für das vorliegende Strafverfahren relevanten Zeitraum von 1998 bis 2011 

gliederte sich die FIFA in folgende statutarischen Organe (Art. 10 bzw. 21 FIFA-

Statuten): 

 den Kongress als legislatives und oberstes Organ (entspricht der Vereinsver-

sammlung im Sinne von Art. 64 ff. ZGB); 

 das Exekutivkomitee als exekutives Organ (entspricht dem Vereinsvorstand 

im Sinne von Art. 69 ff. ZGB); 

 das Generalsekretariat als administratives Organ; 

 die ständigen Kommissionen und Ad-hoc-Kommissionen mit unterstützender 

und beratender Funktion, namentlich die Finanzkommission (Art. 23 lit. a bzw. 

34 lit. a FIFA-Statuten). 

Die Statuten sahen ferner das Amt des Präsidenten der FIFA vor. Im vorliegend 

relevanten Zeitraum war der Präsident von Statuten wegen vorsitzendes Mitglied 

des Exekutivkomitees (Art. 19 i.V.m. 21 bzw. 30 i.V.m. 32 FIFA-Statuten). 

3.1.2 Joseph S. Blatter 

3.1.2.1 Blatter war seit 1975 bei der FIFA tätig und wurde am 15. Januar 1982 als Ge-

neralsekretär der FIFA gewählt (BA B07.201.102.1-0002; -0006). Hinsichtlich 

dessen Rechte und Pflichten als Generalsekretär im für den vorliegend relevan-

ten Zeitraum im Jahr 1998 ist Folgendes relevant: 

- 30 - 

SK.2021.48 

a) Aus den Statuten ergibt sich, dass Blatter als Generalsekretär namentlich für 

die Kontoführung und -verwaltung, die Ausführung von Entscheiden des Exeku-

tivkomitees, die Protokollführung, die Korrespondenz, die Beziehungspflege so-

wie die Organisation des Generalsekretariats, einschliesslich die Ernennung des-

sen Personals, verantwortlich war (Art. 43 Abs. 3 FIFA-Statuten, in der Fassung 

vom 4. Juli 1996 [BA B07.201.078-0065 ff.]). Der zwischen der FIFA und Blatter 

nachträglich abgeschlossene Arbeitsvertrag vom 11. Dezember 1989 

(BA B07.201.102.1-0001 ff.) hält darüber hinaus fest, dass «le Secrétaire Géné-

ral remplit le rôle de Directeur Général (Chief Executive Officer) dans tous les 

domaines en relation avec les objectifs de la Fédération, comme décrits dans les 

Statuts et décidés, soit par le Congrès, soit par le Comité Exécutif, soit par le 

Président de la FIFA» (Art. 2 des Arbeitsvertrages). Als Lohn wurde eine Vergü-

tung von jährlich Fr. 720'000.– sowie eine im Ermessen des FIFA-Präsidenten 

stehende Gratifikation vereinbart (Art. 3 des Arbeitsvertrages). 

b) Blatter war in seiner Funktion als Generalsekretär seit dem 2. April 1996 bis 

19. November 1998 zudem im Handelsregister des Kantons Zürich mit 

Einzelunterschrift für die FIFA eingetragen (siehe <https://zh.chregister.ch/cr-

portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen am 

28. September 2022). 

3.1.2.2 Am 8. Juni 1998 wurde Blatter anlässlich des 51. FIFA-Kongresses in Paris erst-

mals als Präsident der FIFA gewählt (TPF 266.551.123). In der Folge wurde er 

mehrmals als FIFA-Präsident wiedergewählt, letztmals am 29. Mai 2015 (siehe 

Mitteilung der FIFA vom 29. Mai 2015 [<https://www.fifa.com/de/about-fifa/orga-

nisation/media-releases/fifa-prasident-blatter-fur-eine-funfte-amtszeit-wiederge-

wahlt-ich-nehm-2610303>]; zuletzt abgerufen am 28. September 2022). Hin-

sichtlich dessen Rechte und Pflichten als FIFA-Präsident im anklagerelevanten 

Zeitraum ist Folgendes massgebend: 

a) Gemäss den Statuten kam Blatter als Präsident u.a. die Aufgabe zu, die FIFA 

in rechtlicher Hinsicht zu vertreten (Art. 21 bzw. 32 FIFA-Statuten). Statutarisch 

war dessen Vertretungsbefugnis im vorliegend relevanten Zeitraum von 1998 bis 

2011 – mit Ausnahme der in den Jahren 1999 bis 2003 geltenden Beschränkun-

gen in Bezug auf Immobilientransaktionen (Art. 21 Abs. 2 FIFA-Statuten) – nicht 

beschränkt (Art. 21 bzw. 32 FIFA-Statuten e contrario).  

b) Mit Wirkung per 1. Januar 2004 wurde gestützt auf den mit Statutenänderung 

vom 19. Oktober 2003 in Kraft getretenen Art. 31 Abs. 12 der FIFA-Statuten erst-

mals ein internes Organisationsreglement der FIFA erlassen. Das Organisations-

reglement beschränkte die Vertretungsbefugnis des FIFA-Präsidenten zum Ab-

schluss von Verträgen im Namen der FIFA nicht (Art. III.9.1 f. i.V.m. Anhang 2 

des Organisationsreglements in den Fassungen vom 1. Januar 2004 und 8. De-

zember 2005 [BA B07.201.077-0023; -0032; -0081; -0090] sowie Art. 7.1 i.V.m. 

- 31 - 

SK.2021.48 

Art. 24.5 des Organisationsreglements in der Fassung vom 1. Januar 2008 

[BA B07.201.077-0127; -0142]). 

c) In den Akten befinden sich zudem zwei sog. Präsidentschaftsverträge, welche 

zwischen der FIFA und Blatter abgeschlossen worden sind (Vertrag vom 18. Ap-

ril 1999 [BA B18.102.002-0188 ff.], Vertrag vom 5. Februar 2008 

[BA B07.201.102.1-0007 ff.]). Diese halten fest, dass Blatter die ihm gemäss 

FIFA-Statuten zukommenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten wahrzuneh-

men habe und sämtliche für deren Erfüllung notwendigen Rechte besitze (Art. 1 

der genannten Verträge). Zudem sei er für sämtliche Angelegenheiten im Zu-

sammenhang mit den in den Statuten festgelegten Zielen der FIFA verantwortlich 

(Art. 2 der genannten Verträge). Im Übrigen werden in den Verträgen vor allem 

Blatters finanzielle Ansprüche gegenüber der FIFA geregelt, namentlich, dass er 

Anspruch auf einen jährlichen Lohn von Fr. 1.2 Millionen sowie eine durch die 

Finanzkommission festzulegende Gratifikation von mindestens Fr. 600'000.– 

(Art. 3.1 und 3.2 des Vertrages vom 18. April 1999) bzw. von Fr. 2 Millionen so-

wie einer durch die Finanzkommission festzulegende Gratifikation habe (Art. 3.1 

und 3.2 des Vertrages vom 5. Februar 2008). 

d) Aus dem Handelsregister des Kantons Zürich ergibt sich schliesslich, dass 

Blatter im Zeitraum vom 20. November 1998 bis 20. Oktober 2013 – und somit 

unmittelbar anschliessend an dessen Einzelzeichnungsberechtigung als Gene-

ralsekretär – in seiner damaligen Funktion als FIFA-Präsident über eine Einzel-

zeichnungsberechtigung für die FIFA verfügte. Diese wurde per 21. Okto-

ber 2013 in eine Kollektivunterschrift zu zweien umgewandelt und per 25. Au-

gust 2016 aus dem Handelsregister gelöscht (siehe <https://zh.chregister.ch/cr-

portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen am 

28. September 2022). 

3.1.3 Michel François Platini 

3.1.3.1 Platini war ab den 1970-er Jahren bis zum Jahr 1987 professioneller Fussball-

spieler in mehreren nationalen Fussballvereinen (Association Sportive Nancy 

Lorraine [AS Nancy], Association Sportive de Saint-Étienne Loire [AS Saint-Éti-

enne], Juventus Football Club S.p.A. [Juventus Turin]) und in der französischen 

Nationalmannschaft sowie dreifacher Gewinner des Ballon d’Or (1983, 1984, 

1985). Im Zeitraum von 1988 bis 1992 war er französischer Nationaltrainer und 

anschliessend Co-Präsident der in Frankreich stattfindenden FIFA-WM 1998 

(BA BA07.201.001-0088; -0209). 

3.1.3.2 Nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten am 8. Juni 1998 übte Platini ein Be-

ratermandat zu dessen Gunsten aus (näher zur Beratertätigkeit und deren Dauer 

E. 3.4). Aufgrund der im Jahr 2002 erfolgten Wahl von Platini in das Exekutivko-

mitee der UEFA und FIFA wurde die Beratertätigkeit per 30. Juni 2002 beendet 

(BA 11.101-0027). Am 26. Januar 2007 wurde Platini erstmals sowie 

- 32 - 

SK.2021.48 

im März 2011 und März 2015 erneut als Präsident der UEFA gewählt (siehe Me-

dienmitteilungen der UEFA vom 17. Juli 2017 [<https://www.uefa.com/in-

sideuefa/news/01e1-0f85dd078ff8-9fd266bc935f-1000--past-presidents>; zuletzt 

abgerufen am 28. September 2022]). Als UEFA-Präsident war Platini ex officio 

auch Vize-Präsident der FIFA und damit weiterhin Mitglied des Exekutivkomitees 

der FIFA (Art. 19 Abs. 4 UEFA-Statuten [BA B07.201.108-0240 ff.] i.V.m. Art. 30 

FIFA-Statuen). Er verfügte gemäss Handelsregister des Kantons Zürich indes 

nicht über eine Zeichnungsberechtigung für die FIFA (siehe <https://zh.chregis-

ter.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen 

am 28. September 2022). 

3.2 Übersicht über die Beweisthematik 

3.2.1 Unbestritten und aktenkundig ist, dass Platini nach Blatters Wahl zum FIFA-Prä-

sidenten bis zum 30. Juni 2002 dessen Berater war (BA 11.101-0027). Zur Re-

gelung dieser Beratertätigkeit haben Platini und die FIFA, vertreten durch Blatter, 

am 25. August 1999 einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen, welcher rückwir-

kend auf den 1. Januar 1999 in Kraft trat und festlegte, dass Platini für diese 

Tätigkeit Anspruch auf eine jährliche Vergütung von Fr. 300'000.–, exkl. Ausrich-

tung allfälliger Sozialversicherungsbeiträge, hatte (Art. 4, 5 und 7 des schriftli-

chen Vertrags [BA B07.301.002-0003 ff.]; näher hierzu E. 3.5.2.1). Die FIFA hat 

für die in der Zeit vom 1. Januar 1999 bis 30. Juni 2002 erbrachten Beratertätig-

keit von Platini – gestützt auf von diesem an die FIFA gesandte Rechnungen 

(BA B07.201.006.2.4.6-0880 ff.) – insgesamt Fr. 1'050'000.– an Platini bezahlt; 

die erste Zahlung erfolgte am 29. September 1999 (BA 11.102-0008 bis 0018). 

Entsprechend wurde die im schriftlichen Vertrag vereinbarte Vergütung vollstän-

dig beglichen. Weiter unbestritten und erstellt ist zudem, dass Platini mit Rech-

nung vom 17. Januar 2011 für seine Beratertätigkeit in den Jahren 1998 bis 2002 

insgesamt Fr. 2 Millionen, einschliesslich Sozialversicherungsbeiträge, forderte 

(BA B07.301.002-0201). Nachdem diese Rechnung bei der FIFA einging, wurde 

diese durch Blatter am 18. Januar 2011 unterzeichnet (BA B07.301.002-0202). 

Schliesslich überwies die FIFA am 1. Februar 2011 einen Betrag von Fr. 2 Milli-

onen auf ein Konto von Platini (BA B08.101.059-0006 ff.) und am 24. März 2011 

Sozialversicherungsbeiträge zugunsten von Platini in Höhe von Fr. 229'126.– an 

die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich; letzterer Betrag entsprach 

den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen der AHV, IV, EO, FAK und ALV ge-

mäss damals geltenden Ansätzen, zzgl. entsprechender Verwaltungskosten 

(BA B07.201.115-0001 ff.). 

3.2.2 In tatsächlicher Hinsicht strittig und nachfolgend anhand der dem Gericht vorlie-

genden Personal- und Sachbeweise zu klären sind jedoch folgende drei Aspekte: 

Erstens wird zu prüfen sein, ob Platini seine Beratertätigkeit – wie im schriftlichen 

Vertrag vom 25. August 1999 festgehalten und von der FIFA behauptet – erst ab 

dem 1. Januar 1999 oder – wie in der Anklageschrift umschrieben und von den 

Beschuldigten geltend gemacht – bereits im Juli 1998 aufgenommen hat (E. 3.4). 

- 33 - 

SK.2021.48 

Zweitens wird der Grund für die nachträgliche Zahlung vom 1. Februar 2011 in 

der Höhe von Fr. 2 Millionen an Platini zu klären sein, nämlich ob es sich hierbei 

– wie von den Beschuldigten vorgebracht – um eine gestützt auf eine mündliche 

Vereinbarung geschuldete und aufgeschobene Forderung Platinis aus seiner Be-

ratertätigkeit für Blatter handelt oder ob diese Überweisung – wie in der Anklage-

schrift umschrieben – lediglich zur Bereicherung von Platini erfolgte (E. 3.5). 

Schliesslich wird auf die zugunsten von Platini geleisteten Sozialversicherungs-

beiträge in Höhe von Fr. 229'126.– einzugehen sein (E. 3.6). 

3.3 Rechtliches betreffend die Beweisthematik 

3.3.1  

3.3.1.1 Zum Abschluss eines Vertrages ist die übereinstimmende gegenseitige Wil-

lensäusserung der Parteien erforderlich. Sie kann ausdrücklich oder stillschwei-

gend sein (Art. 1 OR). Das Zustandekommen bzw. der Inhalt eines Vertrags be-

stimmt sich in erster Linie durch die subjektive Auslegung, d.h. nach dem über-

einstimmenden wirklichen Parteiwillen (Art. 18 Abs. 1 OR). Was die Parteien 

beim Vertragsabschluss gewusst, gewollt oder tatsächlich verstanden haben, ist 

eine Tatfrage (BGE 133 III 675 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 5A_15/2018 

vom 16. April 2019 E. 4.2). Gleiches gilt für die Frage, in wessen Namen die Ver-

tragsparteien gehandelt haben (Urteil des Bundesgerichts 4A_69/2012 vom 

2. Mai 2012 E. 3.3). 

 

3.3.1.2 Ein Verein als juristische Person schliesst Rechtsgeschäfte durch seine Organe 

ab (Art. 55 Abs. 2 ZGB). Vorausgesetzt ist, dass die mit der Organfunktion be-

fasste Person für den Verein als juristische Person und nicht im eigenen Namen 

handelt (JAKOB, in: Büchler/Jakob [Hrsg.], Kurzkommentar ZGB, 2. Aufl. 2018, 

Art. 55 ZGB N. 6; MEIER-HAYOZ/FORSTMOSTER/SETHE, Schweizerisches Gesell-

schaftsrecht, 12. Aufl. 2018, § 2 N. 39). Bei einem solchen rechtsgeschäftlichen 

Organhandeln ist zwischen der Vertretungsmacht («rechtliches Können») und 

der Vertretungsbefugnis («rechtliches Dürfen») zu unterscheiden. Die Vertre-

tungsmacht nach aussen wird – neben sich aus dem Verbot von sog. «Insichge-

schäften» (Selbstkontrahieren und Doppelvertretung) ergebenden (vorliegend 

nicht relevanten) Einschränkungen (hierzu BGE 144 III 388 E. 5.1) – nur vom 

Vereinszweck begrenzt und umfasst demnach sämtliche Rechtshandlungen, 

welche dieser mit sich bringen kann bzw. durch diesen nicht geradezu ausge-

schlossen sind (JAKOB, a.a.O., Art. 55 ZGB N. 5 f. und Art. 69 ZGB N. 2; MEIER-

HAYOZ/FORSTMOSTER/SETHE, a.a.O., § 2 N. 41). Nur in Extremfällen sind Vertre-

tungshandlungen wegen Zweckwidrigkeit und damit Überschreitung der Vertre-

tungsmacht als von Anfang an unverbindlich und ungültig anzusehen (Urteile des 

Bundesgerichts 4A_147/2014 vom 19. November 2014 E. 3.1.1; 4A_46/2016 

vom 20. Juni 2016 E. 5.2; REITZE, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom-

mentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Aufl. 2022, Art. 54/55 ZGB N. 22). Handelt ein Or-

gan in Ausübung seiner Vertretungsmacht, vermag es die juristische Person ge-

genüber gutgläubigen Dritten auch dann zu binden, wenn es intern – gemäss 

- 34 - 

SK.2021.48 

dessen Vertretungsbefugnis – nicht zur Vertretung befugt ist (REITZE, a.a.O., 

Art. 54/55 ZGB N. 23). Etwas anderes gilt bei Beschränkungen, die im Handels-

register eingetragen oder dem Dritten kundgetan sind. In diesem Fall entfällt eine 

rechtsgeschäftliche Bindung infolge Bösgläubigkeit des Dritten (REITZE, a.a.O., 

Art. 54/55 ZGB N. 24, 26). Zudem ist bei einem Konflikt zwischen den Interessen 

der juristischen Person und jenen des handelnden Organs zwar grundsätzlich 

davon auszugehen, dass die Vertretungsbefugnis nach dem mutmasslichen Wil-

len der juristischen Person stillschweigend jene Geschäfte ausschliesst, welche 

sich als interessen- bzw. pflichtwidriges Vertreterhandeln erweisen. Eine still-

schweigende Beschränkung der Vertretungsbefugnis kann aber dem gutgläubi-

gen Dritten nicht entgegengehalten werden. Der Interessenkonflikt vermag die 

Vertretungsmacht nur zu begrenzen, wenn er für den Dritten erkennbar war oder 

dieser ihn wenigstens bei gebührender Sorgfalt hätte erkennen müssen. Ist kein 

Interessenkonflikt in diesem Sinn erkennbar, soll sich der Vertragspartner auf die 

Vertretungsbefugnis gemäss Handelsregistereintrag verlassen können. Die Auf-

merksamkeit, die vom Vertragspartner hinsichtlich eines möglichen Interessen-

konflikts verlangt werden kann, hängt von der Art des abgeschlossenen Rechts-

geschäfts ab (BGE 144 III 388 E. 5.1; 126 III 361 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 

4A_147/2014 vom 19. November 2014 E. 3.1.1). 

 

3.3.2  

3.3.2.1 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-

son günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, 

dass die tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese 

Bestimmung operationalisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Un-

schuldsvermutung (in dubio pro reo; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK). 

Sie verbietet es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem 

belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der ge-

samten Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich 

so verwirklicht hat, oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tat-

version vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann. Auf der anderen 

Seite kann keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoreti-

sche Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1). 

 

3.3.2.2 Keine Anwendung findet der Grundsatz in dubio pro reo auf die Frage, welche 

Beweismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenenfalls zu würdigen sind. 

So stellt das Gericht bei sich widersprechenden Beweismitteln nicht unbesehen 

auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis ab. Mit andern Worten enthält 

der Grundsatz keine Anweisung, welche Schlüsse aus den vorhandenen Beweis-

mitteln zu ziehen sind. Die Beweiswürdigung als solche wird vom Grundsatz der 

freien und umfassenden Beweiswürdigung beherrscht: Nach Art. 10 Abs. 2 StPO 

würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren 

gewonnenen Überzeugung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1). Der Grundsatz in dubio 

pro reo wird erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts 

- 35 - 

SK.2021.48 

notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Insoweit stellt er 

gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, wider-

sprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte gegen-

einander abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis fest-

stellen. Dieses kann je nach Würdigung als gesichert erscheinen – sofern die 

Widersprüche bereinigt werden konnten – oder aber mit Unsicherheiten behaftet 

bleiben. Das Beweisergebnis kann aber auch deswegen zweifelhaft sein, weil es 

im Kontext der feststehenden Tatsachen verschiedene Deutungen zulässt und 

damit verschiedene Sachverhaltsalternativen in den Raum stellt. Zum Tragen 

kommt der Grundsatz in dubio pro reo jetzt erst bei der Beurteilung des Resultats 

der Beweisauswertung, das heisst beim auf die freie Würdigung der Beweismittel 

folgenden Schritt vom Beweisergebnis zur Feststellung derjenigen Tatsachen, 

aus denen sich das Tatsachenfundament eines Schuldspruchs zusammensetzt 

(BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2). Eine tatbestandsmässige, zum Schuldspruch bei-

tragende Tatsache ist rechtserheblich festgestellt, sobald das Gericht erkennt, 

dass die Zuverlässigkeit des Beweisergebnisses nicht ernsthaft zu bezweifeln ist. 

Die freie Beweiswürdigung ermächtigt den Richter schon bei vernünftig schei-

nenden Zweifeln an der Schuld des Angeklagten, diesen freizusprechen. Mit 

Blick auf die Ausprägung des Grundsatzes in dubio pro reo als Beweislastregel 

muss ein Sachverhalt nach Überzeugung des Gerichts umgekehrt mit an Sicher-

heit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt sein, damit er dem Angeklagten zur 

Last gelegt werden kann. Die dem Grundsatz in dubio pro reo zugrundeliegende 

Regel ist mithin eine Anforderung zum Beweismass. Für die richterliche Über-

zeugung ist ein jeden vernünftigen Zweifel ausschliessendes Urteil eines beson-

nenen und lebenserfahrenen Beobachters erforderlich (BGE 144 IV 345 

E. 2.2.3.3). 

 

3.3.2.3 Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein indi-

rekter Beweis zulässig. Indizien (Anzeichen) sind Hilfstatsachen, die, wenn sel-

ber bewiesen, auf eine andere, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache schliessen 

lassen. Es gilt, die Indizien daraufhin zu überprüfen, ob sie ausschliesslich für 

eine Hypothese sprechen oder ob sie ambivalent sind, weil sie je nach Kontext 

unterschiedlich verstanden werden können. Die dem Grundsatz in dubio pro reo 

zugrundeliegende Regel weist den Rechtsanwender an, ernsthaften Anhalts-

punkten für alternative Sachverhalte nachzugehen und zu prüfen, ob sich daraus 

allenfalls ein unüberwindlicher Zweifel ergibt, der es verbietet, den tatbestands-

mässigen Sachverhalt anzunehmen. Der erfolgreiche Indizienbeweis begründet 

eine der Lebenserfahrung entsprechende Vermutung, dass die nicht bewiesene 

Tatsache gegeben ist. Für sich allein betrachtet deuten Indizien jeweils nur mit 

einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache hin. Auf das ein-

zelne Indiz ist der Grundsatz in dubio pro reo denn auch nicht anwendbar. Ge-

meinsam – einander ergänzend und verstärkend – können Indizien aber zum 

Schluss führen, dass die rechtserhebliche Tatsache nach der allgemeinen Le-

benserfahrung gegeben sein muss. Der Indizienbeweis ist dem d