# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3191e3ce-a7cc-5d2a-8203-82782a6a07f8
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2013-03-21
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 21.03.2013 BG.2012.51
**Docket/Reference:** BG.2012.51
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2012-51_2013-03-21

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).

Beschluss vom 21. März 2013  
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

KANTON BASEL-STADT, Staatsanwaltschaft 

Basel-Stadt,  

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft, 

 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2012.51 

 

 

 

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Sachverhalt: 

 

A. Die Stiftung A. reichte am 5. Juli 2012 bei der Staatsanwaltschaft Basel-

Stadt Strafanzeige gegen unbekannte Täterschaft wegen unlauteren Wett-

bewerbs ein. Gemäss der Strafanzeige habe die Täterschaft im April 2012 

per Fax Offertformulare für ein nicht näher beschriebenes "B.-Verzeichnis" 

an diverse in der Schweiz domizilierte Unternehmen und Privatpersonen 

versandt und dabei insbesondere gegen Art. 3 Abs. 1 lit. p und q des Bun-

desgesetzes vom 19. Dezember 1986 gegen den unlauteren Wettbewerb 

(UWG, SR 241) verstossen (act. 1.1). 

 

 

B. Mit Entscheid BG.2012.33 vom 28. November 2012 trat die Beschwerde-

kammer des Bundesstrafgerichts auf ein Gesuch der Staatsanwaltschaft 

Basel-Stadt um Festlegung der Zuständigkeit mangels Vorliegen eines 

endgültigen Gerichtsstandskonflikts nicht ein. 

 

 

C. Hierauf richtete die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt Gerichtsstandsanfragen 

an die zuständigen Strafbehörden der Kantone Zürich, Solothurn, Thurgau, 

Graubünden und Bern (act. 1.9 – 1.13). Die Generalstaatsanwaltschaft des 

Kantons Thurgau (act. 1.16), die Staatsanwaltschaft Graubünden 

(act. 1.17), die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich (act. 1.18) so-

wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn (act. 1.20) lehnten die 

an sie gerichteten Ersuchen ab. Die letzte dieser abschlägigen Antworten 

datiert vom 18. Dezember 2012 (act. 1.18). 

 

 

D. Hierauf gelangte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit Gesuch vom 

23. Dezember 2012 erneut an die Beschwerdekammer und beantragt, die 

Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich im vorliegenden Fall zur 

Strafverfolgung für zuständig zu erklären (act. 1). 

 

Die Beschwerdekammer forderte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt dies-

bezüglich auf, die noch ausstehende Antwort der Generalstaatsanwalt-

schaft des Kantons Bern auf die an sie gerichtete Gerichtsstandsanfrage 

einzureichen (act. 2). Diese ging am 10. Januar 2013 bei der Beschwerde-

kammer ein (act. 3, 3.1). 

 

In ihrer Stellungnahme vom 15. Januar 2013 verweist die Oberstaatsan-

waltschaft des Kantons Zürich auf ihre im Rahmen des Meinungsaus-

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tauschs gemachten Ausführungen und verzichtet ansonsten auf eine Ge-

suchsantwort (act. 5). Diese Eingabe wurde der Staatsanwaltschaft Basel-

Stadt am 17. Januar 2013 zur Kenntnis gebracht (act. 6). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-

weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten 

einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 

Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren 

sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentli-

chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Ei-

nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden 

verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbrei-

tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst 

war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 

Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb 

welcher die ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Nor-

malfall die Frist von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog an-

zuwenden (vgl. hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be-

rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der 

Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen 

kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu KUHN, Basler Kommen-

tar, Basel 2011, Art. 39 StPO N. 9 sowie Art. 40 StPO N. 10; SCHMID, 

Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, 

N. 488; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di procedura penale [CPP] – 

Commentario, Zürich/St. Gallen 2010, n. 5 ad art. 40 CPP). 

 

1.2 Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ist berechtigt, den Gesuchsteller bei in-

terkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts zu vertreten (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. § 49 Abs. 2 

des Gesetzes betreffend Wahl und Organisation der Gerichte sowie der 

Arbeitsverhältnisse des Gerichtspersonals und der Staatsanwaltschaft des 

Kantons Basel-Stadt vom 27. Juni 1895 [Gerichtsorganisationsgesetz, 

GOG/BS; SG 154.100]). Im Kanton Zürich steht diese Befugnis der Ober-

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staatsanwaltschaft zu (§ 107 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Gerichts- 

und Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess des Kantons Zürich 

vom 10. Mai 2010 [GOG/ZH; LS 211.1]). Die übrigen Eintretensvoraus-

setzungen geben vorliegend – nach nunmehr ordentlich erfolgtem Ab-

schluss des Meinungsaustauschs zwischen den Parteien und dem nach-

träglichen Eintreffen der Stellungnahme der vom Gesuchsteller ebenfalls 

noch angegangenen Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern – zu 

keinen weiteren Bemerkungen Anlass, weshalb auf das Gesuch einzutre-

ten ist. 

 

 

2.  

2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-

tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist. Liegt nur der Ort, an dem 

der Erfolg der Straftat eingetreten ist, in der Schweiz, so sind die Behörden 

dieses Ortes zuständig (Art. 31 Abs. 1 StPO). Der in der Schweiz liegende 

Handlungsort geht somit dem Erfolgsort vor und ist bei der Bestimmung 

des Gerichtsstandes allein massgebend (vgl. u. a. den Beschluss des Bun-

desstrafgerichts BG.2011.50 vom 31. Januar 2012, E. 2.1 m.w.H.). Lässt 

sich der Handlungsort in der Schweiz nicht bestimmen oder nicht ermitteln, 

so sind ebenfalls die Behörden am Erfolgsort zuständig. Vorausgesetzt 

wird hierbei, dass die schweizerische Gerichtsbarkeit nach Art. 3 ff. StGB 

nicht offensichtlich auszuschliessen ist (siehe FINGERHUTH/LIEBER, Kom-

mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Zürich/Ba-

sel/Genf 2010, Art. 31 StPO N. 16 m.w.H.). 

 

Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten 

verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-

hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedroh-

te Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden 

des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen 

worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). Sind noch an keinem der Tatorte Ver-

folgungshandlungen vorgenommen worden und besteht überdies in keinem 

dieser Kantone ein Schwergewicht der deliktischen Tätigkeit, ist darauf ab-

zustellen, wo die beschuldigte Person das erste Delikt begangen hat 

(vgl. BGE 128 IV 216).  

 

2.2 Im vorliegenden Fall liess sich durch die bisherigen Ermittlungen der Straf-

behörden des Gesuchstellers kein in der Schweiz liegender Ort ermitteln, 

von welchem aus die unbekannte Täterschaft die zur Diskussion stehenden 

Fax-Schreiben versandt hat. Das wird auch vom Gesuchsgegner nicht 

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bestritten, weshalb diesbezüglich auf die Ausführungen des Gesuchstellers 

in act. 1, Rz. 2.2 f. verwiesen werden kann. 

 

2.3 Umstritten ist demgegenüber die Frage, ob und wo sich in der Schweiz al-

lenfalls ein Erfolgsort im Sinne von Art. 31 Abs. 1 StPO ermitteln lässt. Der 

Gesuchsgegner vertritt diesbezüglich den Standpunkt, dass es sich bei den 

zu untersuchenden Straftaten um reine Tätigkeitsdelikte handle (mit Hin-

weis auf das Urteil des Bundesgerichts 6S.677/2001 vom 16. März 2002, 

E. 4.b.cc), denen es an einem Erfolgsort fehle, weshalb sich der Gerichts-

stand nach Art. 31 StPO nicht fixieren lasse (act. 1.18). Der Gesuchsteller 

macht demgegenüber mit Hinweis auf BGE 125 IV 177 geltend, dass auch 

bei Tätigkeitsdelikten wie beispielsweise bei Ehrverletzungen, bei denen 

die Täterschaft vom Ausland aus handle, die Möglichkeit eines hiesigen 

"Erfolgs" im Sinne von Art. 8 Abs. 1 StGB anerkannt werde, wenn die Ehr-

verletzung in der Schweiz zur Kenntnis genommen werde (act. 1, Rz. 3.1). 

 

Mit Blick auf die vom Gesuchsteller angeführte Rechtsprechung ist bei den 

hier zur Diskussion stehenden Delikten von einem in der Schweiz liegen-

den Erfolgsort im Sinne von Art. 8 Abs. 1 StGB auszugehen, wurde die 

vom Lauterkeitsrecht verpönte Werbung offensichtlich gezielt an in der 

Schweiz domizilierte Kunden verschickt ("B.-Verzeichnis") bzw. in der 

Schweiz zur Kenntnis genommen. Die schweizerische Gerichtsbarkeit ist 

demzufolge nicht offensichtlich auszuschliessen. Folgt man den Ausfüh-

rungen des Gesuchsgegners, so würde es im vorliegenden Fall trotz Beja-

hung der schweizerischen Strafhoheit aber an einem schweizerischen Ge-

richtsstand fehlen; ein solches Ergebnis ist nicht vertretbar (vgl. hierzu FIN-

GERHUTH/LIEBER, a.a.O., Art. 31 StPO N. 7 m.w.H.) bzw. muss durch eine 

analoge Anwendung von Art. 8 Abs. 1 StGB auch auf die inter- bzw. inner-

kantonale Gerichtsstandsbestimmung korrigiert werden können. Damit soll 

der Grundsatz, wonach der Begehungsort nach Art. 8 StGB keinen direkten 

Einfluss auf die Gerichtsstandsbestimmung innerhalb der Schweiz hat 

(BGE 120 IV 146 E. 2a S. 151 f.; Urteil des Bundesgerichts 8G.94/2003 

vom 17. Oktober 2003, E. 2.1), nicht ausser Kraft gesetzt werden (diesbe-

züglich nicht eindeutig der Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2012.37 

vom 24. Januar 2013, E. 2.2.2). Fehlt es – wie im vorliegenden Fall – aber 

trotz gestützt auf den Erfolgsort im Sinne des Art. 8 Abs. 1 StGB bejahter 

schweizerischer Strafhoheit an jeglichen bestimmbaren Anknüpfungspunk-

ten zur Festlegung des Gerichtsstandes innerhalb der Schweiz, so ist hilfs-

weise auf den Erfolgsort im Sinne von Art. 8 Abs. 1 StGB und die hierzu 

ergangene Gerichtspraxis zurückzugreifen (vgl. im Ergebnis bereits den 

Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2012.14 vom 2. August 2012, 

E. 3.5). 

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Bezüglich der hier zur Diskussion stehenden Delikte befinden sich die Er-

folgsorte im oben beschriebenen Sinne am jeweiligen Ort, wo die Empfän-

ger die Offertformulare empfangen haben (Standorte der jeweiligen Tele-

fax-Geräte der betroffenen Personen). 

 

2.4 Vorliegend wurden mehrere Personen und Unternehmen in verschiedenen 

Kantonen mit Offertformularen bedient. In keinem der betroffenen Kantone 

wurden bisher jedoch Verfolgungshandlungen vorgenommen. Solche er-

folgten bis dato nur im Kanton Basel-Stadt, in dessen Gebiet jedoch keiner-

lei Erfolgsort im oben beschriebenen Sinne vorliegt. Eine Gerichtsstands-

bestimmung gestützt auf das "forum praeventionis" im Sinne von Art. 34 

Abs. 1 StPO erweist sich hier somit als nicht möglich. Für Schwergewichts-

überlegungen fehlt es vorderhand bereits an der vorausgesetzten grossen 

Anzahl von bisher in Frage stehenden Delikten (Beschlüsse des Bundes-

strafgerichts BG.2012.15 vom 23. Mai 2012, E. 3.3; BG.2012.9 vom 

10. Mai 2012, E. 3.2 in fine; BG.2011.25 vom 28. September 2011, E. 3.2). 

Mit Blick auf den in E. 2.1 angeführten BGE 128 IV 216 ist daher auf das in 

zeitlicher Hinsicht erste Delikt abzustellen. Ausgehend vom jeweiligen – 

zumindest gemäss derzeitigem Aktenstand – an das Versanddatum der 

Fax-Schreiben angepassten Redaktionschluss für Rückantworten dürfte es 

als gesichert anzunehmen sein, dass das erste der zur Diskussion stehen-

den Offertformulare unmittelbar vor dem 13. April 2012 an die Eheleute C. 

in Z. (Kanton Zürich) gerichtet worden ist (act. 1.1, pag. 16). 

 

 

3. Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch als begründet und es sind 

die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich für berechtigt und ver-

pflichtet zu erklären, die vorliegenden Widerhandlungen gegen das UWG 

zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

 

4. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons Zürich sind berechtigt und verpflichtet, die 

von der Stiftung A. zur Anzeige gebrachten Widerhandlungen gegen das 

UWG zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.  

 

 

Bellinzona, 21. März 2013 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft Basel-Stadt 

- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.