# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e0d55bda-76f3-56ac-b3a0-4ed97ade79b5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-30
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Weitere Kammern 30.09.2016 GG160025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_999_GG160025_2016-09-30.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Zürich 
10. Abteilung - Einzelgericht    
 

 

 Geschäfts-Nr.: GG160025-L / U  

 

Mitwirkend: Bezirksrichter lic. iur. C. Maira 

 Gerichtsschreiber MLaw N. von Wartburg 

Urteil vom 30. September 2016 

(begründete Ausfertigung) 

 

 
 
 
 

in Sachen 

 
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, Büro D-1, Unt. Nr. 2014/10001530, Stauffa-

cherstr. 55, Postfach, 8036 Zürich, 

Anklägerin 

gegen 

P.G., […] 

Beschuldigter 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt M.P. […] 

 
betreffend mehrfache üble Nachrede und mehrfache Widerhandlung gegen 
das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb 

 

Privatkläger 

 

1. S.G. […] 
2. P.S. […] 

 

1, 2 vertreten durch Rechtsanwalt D.G. […] 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Feb-
ruar 2016 (act. 31) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Zur Hauptverhandlung erschienene Parteien: 
(Prot. S. 10) 

- Der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers 
Rechtsanwalt M.P. 

- Staatsanwalt U.K. 

- Die Privatkläger in Begleitung ihres erbetenen Rechtsvertreters 
Rechtsanwalt D.G. sowie dessen Substitutin  

Anträge der Staatsanwaltschaft: 
(act. 31 S. 9) 

" - Schuldigsprechung von P.G. im Sinne der Anklageschrift 

 - Bestrafung des Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 240 Tages-
sätzen zu CHF 130.‒ (entsprechend CHF 31'200.‒) sowie einer 
Busse von CHF 6'000.‒ 

 - Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter Anset-
zung einer Probezeit von 2 Jahren 

 - Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 47 Tagen bei schuldhaf-
ter Nichtbezahlung der Busse 

 - Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft 
 - Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von 

CHF 3'200.‒)." 

Anträge der Privatklägerschaft: 
(act. 55 S. 2) 

" (i) Der Beschuldigte sei gemäss Anklage schuldig zu sprechen und 
angemessen zu bestrafen. 

 (ii) Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den Privatklägern total 
CHF 35'527.30 (zzgl. MwSt.) Entschädigung für notwendigen An-
waltsaufwand in diesem Verfahren (unter Vorbehalt der Geltend-
machung zukünftiger Aufwände), eventualiter als Schadenersatz, 
zu bezahlen." 

-   3   - 

Anträge der Verteidigung: 
(act. 56 S. 18) 

" 1. Es sei die beschuldigte Person von Schuld und Strafe freizuspre-
chen. 

 2. Es seien die Zivilforderungen der Privatklägerschaft vollumfänglich 
abzuweisen. 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. der gesetzlichen 
Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates." 
 

 

Erwägungen: 

 

I. Prozessgeschichte 

1. Am 3. Februar 2016 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gegen 

P.G. Anklage wegen mehrfacher übler Nachrede und mehrfacher Widerhandlung 

gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Die Ankla-

geschrift ging am 10. Februar 2016 beim hiesigen Gericht ein (act. 31). 

2. Mit Schreiben vom 1. März 2016 teilte Bezirksrichter Bozzone den Partei-

en mit, dass es ihm aufgrund seiner bevorstehenden Pensionierung nicht mehr 

möglich sei, den Fall zu verhandeln, und bat die Parteien um Mitteilung allfälliger 

Ausstandsgründe betreffend seinen Nachfolger, Bezirksrichter Maira, insbesonde-

re im Hinblick darauf, dass dieser zuvor im parallel hängigen Zivilverfahren betref-

fend Persönlichkeitsverletzung (Prozess Nr. CG150062) mitgewirkt hatte 

(act. 32/1-3). Die Parteien teilten daraufhin mit, sie sähen diesbezüglich keine 

Ausstandsgründe (act. 33/1-3). 

3. Die Hauptverhandlung wurde mit Verfügung vom 9. Mai 2016 auf den 

30. September 2016 angesetzt. Den Parteien wurde gleichzeitig eine 10-tägige 

Frist angesetzt, um Beweisanträge zu stellen (act. 35/1). 

4. Mit Eingabe vom 20. Mai 2016 stellte die Verteidigung innert Frist diverse 

Verfahrens- und Beweisanträge (act. 36 S. 3 f.). Des Weiteren beantragte sie mit 

Eingabe vom 3. Juni 2016, den Beschluss der 7. Abteilung des Bezirksgerichts 

-   4   - 

Zürich vom 31. Mai 2016 im vorerwähnten, parallel laufenden Zivilverfahren 

(act. 40 = 42) zu den Akten zu nehmen (act. 41). Mit Schreiben des Gerichts vom 

6. Juni 2016 wurden die von der Verteidigung gestellten Anträge teilweise gutge-

heissen (act. 43). Ein im Anschluss von der Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 

12. Juni 2016 gestellter Beweisantrag (act. 45) wurde mit Schreiben vom 16. Juni 

2016 abgewiesen (act. 46). Mit Eingabe vom 14. September 2016 stellte die Pri-

vatklägerschaft nach Ablauf der mit Verfügung vom 9. Mai 2016 angesetzten Frist 

Beweisanträge (act. 48). Diese wurden mit Schreiben des Gerichts vom 20. Sep-

tember 2016 behandelt (act. 50; vgl. dazu auch Prot. S. 5-8). 

5. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 30. September 2016 stellte der Be-

schuldigten erneut Beweisanträge, wobei vier davon bereits mit Eingabe vom 

20. Mai 2016 gestellt worden waren (act. 52 S. 3 bzw. act. 36 S. 3 f. bzw. dazu 

soeben vorne unter 4.). Sodann beantragte er zwei neue Urkunden zu den Akten 

zu nehmen (act. 52 S. 3 und act. 53/1-2). 

II. Prozessuales 

 1. Zuständigkeit 

 Dem Beschuldigten wird in der Hauptsache vorgeworfen, als Journalist und 

stellvertretender Chefredaktor der wöchentlich in einer Druckauflage von 80'000 

Exemplaren sowie online erscheinenden Zeitung Weltwoche, die von der Weltwo-

che Verlags AG mit Sitz in Zürich herausgegeben wird, im Zeitraum zwischen 

dem 2. Oktober und 20. November 2014 mehrere, die Ehre der beiden Privatklä-

ger verletzende Artikel verfasst und publiziert zu haben. Zudem habe er sich am 

2. Oktober 2014 während eines Auftritts im Fernsehsender Tele Züri in der Sen-

dung "Züri News" in einem Interview im Sinne der gleichentags in der Weltwoche 

veröffentlichten Ehrverletzungen geäussert. Auf entsprechenden Strafantrag der 

Privatkläger hin erfolgten die ersten Verfolgungshandlungen durch die Staatsan-

waltschaft Zürich-Limmat. Diese beantragt nicht, den Beschuldigten mit einer 

Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr zu bestrafen. Das hiesige Einzelgericht 

ist deshalb für die Beurteilung der gegen den Beschuldigten erhobenen Anklage 

örtlich und sachlich zuständig (Art. 35 StPO und § 27 Abs. 1 lit. b GOG). 

-   5   - 

 2. Strafanträge 

 2.1. Am 10. Oktober 2014 erstatteten die Privatkläger aufgrund der Artikel 

"Beziehungsdelikt", erschienen in der Weltwoche am 2. Oktober 2014 (act. 2/6 f.), 

und "Helden der Doppelmoral", erschienen in der Weltwoche am 9. Oktober 2014 

(act. 2/13 f.), erstmals Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen Ehrverlet-

zung (act. 1). Ein weiterer Strafantrag gegen den Beschuldigten wegen Ehrverlet-

zung folgte am 16. Oktober 2014 aufgrund des gleichentags in der Weltwoche er-

schienen Artikels "[P.S's]  Lücken" (act. 6/1; vgl. dazu act. 5). Ergänzend dazu 

folgte am 5. Dezember 2014 ein Strafantrag gegen den Beschuldigten wegen der 

am 23. und 30. Oktober sowie am 6. und 20. November 2014 erschienen Weltwo-

cheartikel "Teure Dienste", "Der Rektor will", "Das grosse Alibi" und "Personen-

kontrolle" sowie der am 2. Oktober 2014 im Fernsehsender Tele Züri in der Sen-

dung "Züri News" gemachten Äusserungen des Beschuldigten, wiederum wegen 

Ehrverletzung (act. 8/5-13; vgl. dazu act. 7). Schliesslich folgte am 10. April 2015 

eine letzte Ehrverletzungsanzeige gegen den Beschuldigten wegen des Artikels 

"Personenkontrolle" vom 12. Februar 2015 sowie, soweit es die Privatklägerin be-

trifft, wegen Widerhandlungen gegen das UWG, "begangen durch die bereits an-

gezeigten Aussagen" (act. 11/1; vgl. dazu act. 9 = 10). 

 2.2. Ehrverletzungsdelikte werden nur auf Antrag des Verletzten hin verfolgt 

(Art. 173 ff. StGB). Die Frist zur Stellung eines Strafantrages beginnt mit dem 

Tag, an dem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird, und erlischt 

nach Ablauf von drei Monaten (Art. 31 StGB). Zum Strafantrag gemäss Art. 23 

UWG berechtigt ist, wer durch unlauteren Wettbewerb in seiner Kundschaft, sei-

nem Kredit oder beruflichen Ansehen, in seinem Geschäftsbetrieb oder sonst in 

seinen wirtschaftlichen Interessen bedroht oder verletzt wird (Art. 9 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 23 Abs. 2 UWG). Im Übrigen gelten die allgemeinen Regeln von Art. 30 ff. 

StGB über den Strafantrag (statt Weiterer Ferrari Hofer/Vasella in Handkommen-

tar zum Schweizer Privatrecht, Wirtschaftsrechtliche Nebenerlasse: KKG, FusG, 

UWG und PauRG, 3. Aufl., Zürich 2016, N 12 zu Art. 23-27 UWG). 

 2.3. Die Privatkläger haben bezüglich der eingeklagten mehrfachen üblen 

Nachrede mit den gegen den Beschuldigten gestellten Strafanträgen die dreimo-

-   6   - 

natige Frist zur Strafantragsstellung eingehalten. Gleiches gilt für die Privatkläge-

rin hinsichtlich des Strafantrags wegen Widerhandlung gegen das UWG. Dieser 

erfolgte zwar ausdrücklich erst am 10. April 2015 (act. 9 = 10) und damit über drei 

Monate nach Erscheinen der in der Weltwoche erschienen Artikel "Beziehungsde-

likt" vom 2. Oktober 2014 und "Helden der Doppelmoral" vom 9. Oktober 2014, 

auf die die Anklage in diesem Punkt Bezug nimmt. Zu beachten ist indes, dass 

der seinerzeitige Vertreter der Privatkläger bereits in seiner ersten Rechtsschrift 

vom 10. Oktober 2014 die später in der Anklageschrift zitierten Passagen um-

schrieb (act. 1 S. 7 und 12). Damit gab die Privatklägerin bereits am 10. Oktober 

2014 die Willenserklärung ab, dass unter anderem die erwähnten Zitate straf-

rechtlich verfolgt werden sollen. Dass die Rechtsschrift vom 10. Oktober 2014 le-

diglich den Titel "betreffend Ehrverletzung" trägt und in der Begründung alleine 

auf ehrverletzende Straftatbestände hingewiesen wird, ändert daran nichts und 

hinderte insbesondere die Strafbehörden nicht daran, später auch hinsichtlich an-

derer Straftatbestände zu ermitteln, die durch die umschriebenen Zitate verletzt 

sein könnten, auch wenn dies erst auf ausdrücklichen Hinweis der Privatkläger-

schaft erfolgt sein mag (act. 9 = 10). Jedenfalls kann nicht von einer bewussten 

sachlichen Beschränkung ausgegangen werden, wurden doch die relevanten 

Passagen von den Privatklägern wie gesehen von allem Anfang an explizit um-

schrieben (vgl. dazu im Einzelnen BSK StGB-Riedo, 3. Aufl., Art. 30, N 47-55).  

 2.4. Damit liegen die erforderlichen gültigen Strafanträge betreffend die ein-

geklagten Delikte vor. 

 3. Quellenschutz i.S.v. Art. 28a StGB 

 3.1. Der Beschuldigte beruft sich auf "Quellenschutz" (so unter anderem in 

act. 16/1 S. 6, act. 16/3 S. 4, act. 16/5 S. 3 und Prot. S. 17) bzw. das Zeugnisver-

weigerungsrecht i.S.v. Art. 28a StGB (vgl. so ausdrücklich in der Eingabe seines 

Verteidigers vom 14. April 2015, act. 12 S. 3 Rz. 5, bzw. anlässlich der Hauptver-

handlung, act. 56 S. 10). Dazu vorab, was folgt: 

 3.2. Art. 28a StGB statuiert (wie der praktisch gleichlautende Art. 172 StPO) 

ein Zeugnisverweigerungsrecht und setzt damit voraus, dass der Medienschaf-

-   7   - 

fende Zeuge nicht - wie vorliegend - Beschuldigter ist. Die Frage nach dem Zeug-

nisverweigerungsrecht stellt sich mithin nur dann, wenn der Verantwortliche als 

Zeuge befragt werden soll und nicht etwa, wenn er die Stellung eines potenziellen 

Täters am zu untersuchenden Delikt innehat (Donatsch in Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., N 3 und 13 zu Art. 172 

StPO; in diesem Sinne auch BSK StPO-Zeller, 2. Aufl., Art. 172, N 12 bzw. in BSK 

StGB-Zeller, 3. Aufl., Art. 28a, N 26). Wird eine Person mit den in Art. 28a Abs. 1 

StGB umschriebenen Eigenschaften wegen eines Delikts im Zusammenhang mit 

der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit angeschuldigt, so verstösst dies nicht 

gegen Sinn und Zweck des journalistischen Quellenschutzes gemäss Art. 28a 

StGB, da sie - wie jede beschuldigte Person - die Aussage verweigern kann (BGE 

127 IV 133, betreffend Art. 27bis StGB; dazu in diesem Sinne auch Riklin, in medi-

alex 3/99, S. 166). Mit anderen Worten: Mit Ausnahme der besonderen Regelung 

von Art. 28a StGB geniesst der Journalist im Fall einer mittels der Presse began-

genen Ehrverletzung keinerlei Privileg (BGE 137 IV 313, E. 2.1.5, S. 317 ["Excep-

tion faite du régime particulier découlant de l'art. 28a CP, le journaliste ne bénéfi-

cie d'aucun privilège en cas d'atteinte à l'honneur par voie de presse."], deutsch 

zitiert gemäss Praxis 2012, Nr. 53, S. 369, m.w.H.). 

 4. Verfahrens- und Beweisanträge der Parteien 

 Was die Verfahrens- und Beweisanträge der Parteien betrifft, so kann dies-

bezüglich - soweit nachfolgend nicht im Einzelnen darauf eingegangen wird - auf 

die vor der Hauptverhandlung ergangenen Schreiben des Gerichts verwiesen 

werden (vgl. dazu vorne unter I.4.). Insbesondere ist betreffend die anlässlich der 

Hauptverhandlung vom Beschuldigten erneut gestellten Beweisanträge (vgl. dazu 

vorne unter I.5.) darauf hinzuweisen, dass sich seit dem 6. Juni 2016 (vgl. dazu 

act. 43 bzw. vorne unter I.4.) nichts ergeben hat, was die Abnahme der genann-

ten Beweise zum heutigen Zeitpunkt erforderlich machen würde. Es sind die Be-

weisanträge deshalb mit derselben Begründung auch heute abzuweisen. 

-   8   - 

III. Schuldpunkt 

 1. Anklagevorwürfe 

 1.1. Mehrfache üble Nachrede 

 Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, durch die in der 

Anklageschrift aufgeführten, im Zeitraum zwischen dem 2. Oktober 2014 und 

12. Februar 2015 in acht von ihm verfassten und in der Weltwoche publizierten 

Artikeln enthaltenen Äusserungen sowie durch seine am 2. Oktober 2014 anläss-

lich eines Auftritts im Fernsehsender Tele Züri in der Sendung "Züri News" in ei-

nem Interview gemachten und in der Anklageschrift ebenfalls zitierten Äusserun-

gen wiederholt die unwahre Tatsachenbehauptung aufgestellt zu haben, die Pri-

vatkläger hätten schon vor dem Berufungsverfahren zur Neubesetzung des Lehr-

stuhls für Geschichte der Neuzeit an der Philosophischen Fakultät der Universität 

Zürich, das im Jahre 2009 begonnen und 2011 mit der Berufung der Privatkläge-

rin zur Professorin endete, eine Liebesbeziehung unterhalten. Die Privatkläger 

hätten sich nicht korrekt verhalten, weil sie diese Liebesbeziehung gegenüber den 

Verantwortlichen der Universität Zürich verschwiegen hätten und der Privatkläger 

daraufhin im Berufungsverfahren nicht in den Ausstand getreten sei. 

 Die Privatkläger, die vor und während des Berufungsverfahrens noch in kei-

nem Intimverhältnis gestanden hätten, seien durch all diese unwahren Tatsa-

chenbehauptungen, welche der Beschuldigte mittels der Weltwoche verbreitet 

habe, in ihrer Ehre massiv herabgesetzt worden. Der Beschuldigte habe den Pri-

vatklägern mehrfach vorgeworfen, sich nicht ehrenhaft verhalten, nämlich sich 

nicht so benommen zu haben, wie nach allgemeinen Anschauungen ein charak-

terlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflege. Der Beschuldigte habe dem 

Privatkläger unter anderem vorgeworfen: "Vetterliwirtschaft", "Beziehungsfilz", 

"lgnorierung von sämtlichen Vorschriften", "dreistes Verhalten, um aktiv mitzuhel-

fen, seine Geliebte zur Professorin an der eigenen Forschungsstelle zu machen", 

"Normen ausser Kraft gesetzt", "beziehungskorrupte Verstrickung", "Beziehungs-

korruption", "Doppelmoral", "nicht die Wahrheit gesagt habe", "unverantwortliches 

-   9   - 

Treiben", "extremer Fall von Befangenheit". Mit diesen Vorwürfen gegen den Pri-

vatkläger habe der Beschuldigte aber auch entsprechende Vorwürfe gegen die 

Privatklägerin erhoben, die durch die falschen Anschuldigungen auch betroffen 

gewesen sei, da sie gemäss der Darstellung des Beschuldigten die Professoren-

stelle nur erhalten habe, weil sie eine Intimbeziehung mit dem Privatkläger unter-

halten habe. ln diesem Zusammenhang habe der Beschuldigte die Privatklägerin 

als "Körper der Nation" dargestellt [Portraitfoto der Privatklägerin mit der Bildun-

terschrift "Körper der Nation"]. Namentlich mit den Vorwürfen der "Vetterliwirt-

schaft", des "Beziehungsfilzes", der "Beziehungskorruption" und der "Doppelmo-

ral" habe der Beschuldigte die Privatklägerin in seine Vorwürfe miteinbezogen. 

Darüber hinaus habe der Beschuldigte behauptet, die Privatklägerin sei "aus-

serhalb sozialhistorischer Fachzirkel weitgehend unbekannt" und "nicht wissen-

schaftliche Leistung und intellektuelle Brillanz" seien somit für die Berufung der 

Privatklägerin entscheidend gewesen, "sondern Vitamin B in starken Dosen" und 

die Privatkläger seien korrupt ("Das süsse Gift der Korruption" [mit Fotos der Pri-

vatkläger]). 

 Gestützt auf die unwahre Behauptung der schon vor dem Berufungsverfah-

ren bestehenden Liebesbeziehung zwischen den Privatklägern habe der Be-

schuldigte diesen mit den erwähnten Behauptungen somit ein unehrenhaftes Ver-

halten vorgeworfen, nämlich ein Verhalten, wonach sich die Privatkläger nicht so 

benehmen würden, wie nach allgemeinen Anschauungen charakterlich anständi-

ge Menschen sich zu verhalten pflegten. 

 Der Beschuldigte habe gewollt und gewusst, dass seine Artikel in der Welt-

woche erscheinen und somit von sehr vielen Personen gelesen würden, er sei 

sich der Ehrenrührigkeit seiner Behauptungen bewusst gewesen und habe bei 

seinem Tun zumindest in Kauf genommen, dass beim Durchschnittsleser der Ein-

druck entstehen könnte, dass die Privatkläger sich nicht so benähmen, wie nach 

allgemeinen Anschauungen ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhal-

ten pflegt und dass dadurch der Ruf der Privatkläger geschädigt würde. 

 Dadurch habe sich der Beschuldigte der mehrfachen üblen Nachrede im 

Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht. 

-   10   - 

 1.2. Mehrfache Widerhandlung gegen das UWG 

Durch die oben geschilderten unwahren Behauptungen in den genannten 

Artikeln des Beschuldigten, wie namentlich den Vorwurf der "Korruption" und spe-

ziell durch unwahre Behauptungen wie jene im Artikel "Beziehungsdelikt" in der 

Weltwoche vom 2. Oktober 2014, wonach die Privatklägerin "ausserhalb sozial-

historischer Fachzirkel weitgehend unbekannt" sei und der Privatkläger habe 

"vielmehr sein ganzes Gewicht eingesetzt, um seiner Intimfreundin erfolgreich 

zum begehrten Lehrstuhl samt Professorentitel zu verhelfen" und jene im Artikel 

"Helden der Doppelmoral" in der Weltwoche vom 9. Oktober 2014, wonach bei 

der Privatklägerin "nicht wissenschaftliche Leistungen und intellektuelle Brillanz" 

über ihre Berufung an der Universität Zürich entschieden hätten, "sondern Vitamin 

B in starken Dosen" und das führe dann "zu Verpflichtungen von Professoren, die 

über Themen schreiben wie 'Mimesis und Männlichkeit am Beispiel der deutschen 

Turnbewegung' (S.G.) und die Sätze schreibt wie diesen: 'Verfolgt man die Kon-

struktion der Männlichkeit innerhalb der Turnbewegung, ist eine Ausblendung des 

Körpers als eines Mediums der Einverleibung und der Verkörperung von Ge-

schlechtsbeschreibung schlechterdings nicht möglich'", hätte der Beschuldigte - 

im Wissen um die wissenschaftliche Qualifikation der Privatklägerin bzw. im Wis-

sen um deren Leistungsausweis - willentlich deren wissenschaftliche Qualifikation 

und deren Leistungsausweis unrichtig sowie darüber hinaus auch die Privatkläge-

rin selber in massiv rufschädigender Weise dar- und herabgestellt. Durch diese 

negative Berichterstattung über die Privatklägerin habe der Beschuldigte zumin-

dest in Kauf genommen, dass ihr guter Ruf als Wissenschaftlerin in Mitleiden-

schaft gezogen und dadurch ihre marktwirtschaftliche Attraktivität herabgesetzt 

würde. 

Dadurch habe sich der Beschuldigte der mehrfachen Widerhandlung gegen 

das UWG im Sinne von Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG schuldig ge-

macht. 

-   11   - 

2. Sachverhalt 

 2.1. Beweismittel 

 Als Beweismittel liegen zunächst die Zeitungsartikel mit den inkriminierten 

Äusserungen und ein Transskript des Interviews des Beschuldigten im Fernseh-

sender Tele Züri in der Sendung "Züri News" vom 2. Oktober 2014 (vgl. dazu be-

reits vorne unter II.2.) sowie die Einvernahmen des Beschuldigten (act. 16/1 und 

16/3-6 sowie Prot. S. 12 ff.) und der Privatkläger (act. 17 f.) im Recht. 

 Sodann wurden von den Privatklägern verschiedene Unterlagen eingereicht, 

unter anderem folgende: E-Mail des Beschuldigten an Prof. Dr. X.Y., Professor 

am Historischen Institut der Universität Zürich, vom 30. September 2014 und die 

(undatierte) Antwort von N.H., stellvertretende Medienbeauftragte der Universität 

Zürich (act. 2/8 f.), E-Mail des Beschuldigten an Prof. Dr. A.J., Dekan der Philoso-

phischen Fakultät der Universität Zürich, vom 6. Oktober 2014 und dessen Ant-

wort per E-Mail vom Tag darauf (act. 2/10 f.), öffentliche Erklärung des Privatklä-

gers vom 9. Oktober 2014 zu den Artikeln der Weltwoche vom 2. und 9. Oktober 

2014 (act. 2/16), öffentliche Erklärung von Prof. Dr. X.Y. vom 10. Dezember 2014 

zu den Artikeln der Weltwoche vom 2. und 9. Dezember [recte Oktober] 2014 

(act. 2/17), E-Mail des Beschuldigten an den Privatkläger vom 29. September 

2014 und die Antwort darauf von Prof. Dr. S.S., Seminarvorsteher des Histori-

schen Seminars der Universität Zürich, vom gleichen Tag (act. 11/3 f.). Weiter lie-

gen - ebenfalls von den Privatklägern eingereicht - unter anderem Abmahnungen 

der privatklägerischen Anwälte, Anwaltskorrespondenz, Artikel verschiedener Zei-

tungen, die das Thema im Zuge der Artikelkampagne des Beschuldigten aufge-

griffen haben, und Unterlagen zu den wissenschaftlichen Qualifikationen der Pri-

vatklägerin im Recht (vgl. in act. 2, act. 4/1, in act. 6, in act. 8, in act. 11, in 

act. 16/2 sowie im Anhang von act. 16/5). Weitere (teilweise bereits vorhandene) 

Unterlagen wurden von der Privatklägerschaft zusammen mit ihrer Eingabe vom 

14. September 2016 (act. 48) ins Recht gereicht (act. 49/1-18). 

-   12   - 

 Der Beschuldigte reichte im Rahmen des Vorverfahrens zusammen mit ver-

schiedenen Beweisanträgen (vgl. dazu im Einzelnen act. 12 [Eingabe vom 14. Ap-

ril 2015], act. 14/2 [Eingabe vom 1. Oktober 2015] und act. 15/1 [Eingabe vom 

5. Januar 2016]) unter anderem folgende Unterlagen ins Recht: Artikel von Mi-

chèle Binswanger im Tagesanzeiger vom 11. November 2014 (act. 13/1), Ge-

sprächsnotizen des Beschuldigten (act. 13/2), Interview mit dem Privatkläger im 

Tagesanzeiger vom 11. Oktober 2014 (act. 13/3 = 6/2), E-Mail des Beschuldigten 

an B.M., Stv. Leiter Kommunikation/Medienbeauftragter der Universität Zürich, 

und dessen Antwort per E-Mail vom selben Tag (act. 14/3/1) sowie ein Schreiben 

des Audienzrichters am Bezirksgericht Zürich vom 7. Oktober 2014 (act. 14/3/2). 

Auf Antrag des Beschuldigten vom 14. April 2015 hin wurde sodann Y.Z., Medi-

enbeauftragter der Privatkläger, als Zeuge befragt (vgl. act. 19/1-2). Weitere Be-

weisanträge des Beschuldigten, soweit es nicht um die Aktenergänzung durch 

eingereichte Unterlagen ging, wurden von der Staatsanwaltschaft weitestgehend 

abgelehnt (vgl. dazu im Einzelnen act. 14/4 [Beweisergänzungsentscheid vom 

29. Oktober 2015] und act. 15/4 [Beweisergänzungsentscheid vom 3. Februar 

2016]). 

 Nach Anklageerhebung stellte der Beschuldigte mit Eingabe vom 20. Mai 

2016 (act. 36) weitere Beweis- und Verfahrensanträge und reichte weitere Unter-

lagen ins Recht (act. 37/1-13), unter anderem neu einen Artikel der Zeitschrift 

"Schweizer Journalist", Ausgabe 10/11 2014 (act. 37/6), und eine Aktennotiz über 

ein Gespräch zwischen R.S. und R.K. vom 3. Oktober 2014, erstellt von R.K. (act. 

37/7).  

 Weiter liegt der von der Staatsanwaltschaft beigezogene, im Zuge der vom 

Beschuldigten in der "Weltwoche" publizierten Artikelserie von der Universität Zü-

rich bei Prof. Dr. U.C., Ordinaria für Strafrecht an der Université de Genève und 

Richterin am Cour d'appel du pouvoir judiciaire de Ia République et canton de 

Genève, und Prof. Dr. Dr. E.H., Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafpro-

zessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Julius-

Maximilian-Universität Würzburg, in Auftrag gegebene Untersuchungsbericht mit 

dem Titel "SACHVERHALTSABKLÄRUNG ZUM BERUFUNGSVERFAHREN BEI DER NEUBE-

-   13   - 

SETZUNG DES LEHRSTUHLS FÜR GESCHICHTE DER NEUZEIT AN DER PHILOSOPHISCHEN 

FAKULTÄT DER UNIVERSITÄT ZÜRICH - BEST PRACTICES ZUR UNBEFANGENHEIT VON BE-

RUFUNGSKOMMISSIONEN" vom 24. bzw. 25. August 2015 im Recht (act. 20/7 = 20/8, 

nachfolgend: Untersuchungsbericht der Universität Zürich zum Berufungsverfah-

ren). 

 Schliesslich hat die Staatsanwaltschaft von sich aus verschiedene Medien-

berichte zu den Akten genommen (act. 24/1-3). An der Hauptverhandlung reichte 

der Beschuldigte zwei weitere Urkunden zu den Akten (act. 53/1-2). 

 Soweit entscheidrelevant ist nachfolgend auf die erhobenen Beweise näher 

einzugehen. 

2.2. Aussagen des Beschuldigten 

2.2.1. Der Beschuldigte gab in der ersten staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 13. März 2015 auf Vorhalt der ihm gegenüber seitens der Privatklä-

ger bis zu diesem Zeitpunkt erhobenen Strafanzeigen zunächst allgemein zu Pro-

tokoll, es sei selbstverständlich alles richtig, was er da geschrieben habe, er halte 

daran fest. Sie ("Wir") hätten mehrere, voneinander unabhängige Quellen, welche 

diese Vorgänge bestätigten. Es gebe nicht den geringsten Zweifel an der Glaub-

würdigkeit dieser Quellen. Es sei selbstverständlich ihre ("unsere") Pflicht als 

Journalisten, über solche Missstände an der grössten Universität der Schweiz zu 

berichten und solche Missstände in einem Berufungsverfahren aufzudecken. Das 

Gericht habe im Rahmen der Beurteilung vorsorglicher Massnahmen bestätigt, 

dass ein öffentliches Interesse an dieser Berichterstattung bestehe [vgl. dazu 

act. 14/3/2, Schreiben des Audienzrichters am Bezirksgericht Zürich vom 

7. Oktober 2014]. Es sei generell eine der Kernaufgaben der Medien insbesonde-

re bei öffentlichen Institutionen besonders genau zu schauen, dass alles korrekt 

bzw. mit rechten Dingen ablaufe. Dass dies die Uni gleich sehe, zeige sich darin, 

dass sie gleich zwei unabhängige Korruptionsexperten beigezogen habe, um die 

Abläufe zu untersuchen [vgl. dazu act. 20/7 = 20/8, Untersuchungsbericht der 

Universität Zürich zum Berufungsverfahren]. Der vorliegende Fall habe dazu An-

lass gegeben. Dies sei somit schon ein erster Erfolg ihrer ("unserer") Berichter-

-   14   - 

stattung, nämlich dass die Uni solche Berufungsverfahren genauer anschauen 

wolle, dass dies der Uni, bis hinauf zum Rektor, wichtig erscheine. Man könne 

gespannt sein, was dabei herauskomme. Die Unileitung habe auch zum Ausdruck 

gebracht, dass sie froh über die kritische Berichterstattung sei. Der Unirektor habe 

ihm persönlich gesagt, es wäre grundsätzlich natürlich besser gewesen, wenn die 

Uni bzw. die Unileitung dies selber gemerkt hätte, ohne dass Medien diesbezüg-

lich hätten den Anstoss geben müssen (act. 16/1 S. 4 f.). 

Zu den konkreten Vorhaltungen gab der Beschuldigte dann zu Protokoll, er 

habe nie geschrieben, dass zur Zeit des Berufungsverfahrens eine Beziehung 

zwischen den Privatklägern bestanden habe, sondern, dass sie in früheren Jah-

ren eine Beziehung gehabt hätten. Ob dies auch während des Berufungsverfah-

rens so gewesen sei, wisse er nicht und habe er so nicht geschrieben. Man könne 

nur vermuten, dass dies so gewesen sei, wenn ja zuvor eine Liebesbeziehung 

bestanden habe und nachher auch. Wichtig sei auch, dass der Privatkläger die 

berufliche Beziehung zur Privatklägerin in einem Tagi-Interview massiv herunter-

gespielt habe [vgl. dazu act. 6/2 = 13/3, Interview mit dem Privatkläger im Tages-

anzeiger vom 11. Oktober 2014]. Er habe dabei behauptet, es sei da nur zu sehr 

marginalen beruflichen Kontakten gekommen. Es sei aber so, dass der Privatklä-

ger schon Ende der 90er Jahre, als die Privatklägerin dissertiert habe, in ihrer 

Dissertation im Vorwort erwähnt worden sei, wo sie ihm für das Lektorieren der 

Dissertation bzw. einzelner Kapitel davon, danke. Das zeige auf jeden Fall, dass 

schon damals eine grosse berufliche Nähe bestanden habe, dass diese berufliche 

Beziehung nicht marginal gewesen sei. Die Frage sei, weshalb der Privatkläger 

dies heruntergespielt, weshalb er die Unwahrheit über die berufliche Beziehung 

zur Privatklägerin gesagt habe (act. 16/1 S. 5). 

Soweit ausgeführt worden sei, die Privatklägerin habe sich ihre Position 

quasi durch Sex erkauft, so hätten sie ("wir") das so nicht geschrieben. Dies möge 

vielleicht die Interpretation anderer Medien sein. Ihre ("Unsere") Berichterstattung 

hätte sich aber nicht gegen die Privatklägerin sondern gegen den Privatkläger ge-

richtet. An ihn gingen die Vorwürfe, dass er im Berufungsverfahren nicht in den 

Ausstand getreten sei. Es gehe um ein Fehlverhalten des Privatklägers auf der 

-   15   - 

einen und eines der Uni Zürich bzw. der Berufungskommission auf der anderen 

Seite. Die Privatklägerin könne nichts dafür, an sie sei der Vorwurf nicht gerichtet. 

Nur schon von der zeitlichen Abfolge her wäre dieser Vorwurf völlig absurd. Das 

würde ja bedeuten, dass sie Sexualkontakt mit dem Privatkläger gesucht hätte, 

um Professorin an der Uni Zürich werden zu können, was chronologisch völlig 

falsch sei, die Beziehung habe ja schon längere Zeit bestanden (act. 16/1 S. 5 f.). 

Auf die Frage, woher er wissen wolle, dass die Privatkläger schon in den 

Jahren vor der Berufung eine Liebesbeziehung unterhalten hätten, gab der Be-

schuldigte an, dass sie ("wir") selbstverständlich ihre Quellen schützten. Es seien 

mehrere absolut vertrauenswürdige Quellen. Alle betonten und bestätigten, dass 

eine Beziehung bestanden habe. Er habe absolut keinen Grund, an der Vertrau-

enswürdigkeit der Quellen zu zweifeln. Es sei auch am Historischen Seminar ab-

solut kein Geheimnis, dass zwischen den Privatklägern schon lange eine Liebes-

beziehung bestanden habe. Es sei eine intensive persönliche und berufliche Be-

ziehung. Auf Vorhalt, weshalb er die Quellen nicht nennen wolle, zumal diese, 

wenn sie wahrheitsgemässe Aussagen machen könnten, nichts zu befürchten 

hätten, gab der Beschuldigte an, er berufe sich auf den Quellenschutz, der ihm 

als Journalist zustehe, er wolle die Quelle nicht "verbrennen" (act. 6/1 S. 6 f.).  

 Auf Vorhalt der öffentlichen Stellungnahme des Privatklägers vom 9. Okto-

ber 2014, worin dieser darlegt, dass die Beziehung zur Privatklägerin erst seit 

Sommer 2013 bestehe [act. 2/16], gab der Beschuldigte an, dies sei falsch. Zu 

diesem Zeitpunkt seien die Privatkläger in Zürich zusammengezogen bzw. hätten 

die Beziehung "offizialisiert". Es gebe x Quellen, die bestätigten, dass die Liebes-

beziehung schon früher bestanden habe, unter anderem auch enge Freunde des 

Privatklägers, die das so bestätigten. Interessant sei auch, dass die Journalisten 

des Tagesanzeigers anfangs eher skeptisch gewesen seien. Auch bei dieser Zei-

tung habe sich die Sichtweise gedreht und es gebe auch dort diverse Journalis-

ten, die von der Beziehung zwischen den Privatklägern wüssten, ebenso auch 

Personen in der Chefredaktion der Sonntagszeitung oder auch Personen beim 

Blick. Interessant sei auch die Berichterstattung anderer Medien, z.B. habe auch 

der Tagesanzeiger festgehalten, dass es nicht um eine sexistische Kampagne 

-   16   - 

gegen die Privatklägerin gehe, sondern um eine Berichterstattung betreffend die 

Vorgänge im Berufungsverfahren an der Uni Zürich im Zusammenhang mit der 

Person des Privatklägers bzw. dessen Umgang mit Ausstandsregeln. Und es sei 

ja nicht so, dass der Tagesanzeiger eine bürgerliche Hochburg wäre. Interessant 

sei auch die Berichterstattung der Medien im Zusammenhang mit dem Umstand, 

dass beide Privatkläger gleichzeitig krankgeschrieben worden seien, was auch 

diesen etwas komisch vorgekommen zu sein scheine bzw. diese schienen auch 

den Eindruck gehabt zu haben, es sei "etwas faul daran" (act. 16/1 S. 7 f.). 

 Vor seiner ersten Berichterstattung zu diesem Fall habe er die involvierten 

Personen mit den infrage stehenden Vorwürfen konfrontiert, namentlich den Pri-

vatkläger sowie andere Mitglieder der Berufungskommission, z.B. Professor X.Y. 

[vgl. act. 11/3, E-Mail des Beschuldigten an den Privatkläger vom 29. September 

2014 und act. 2/8, E-Mail des Beschuldigten an Prof. Dr. X.Y. vom 30. September 

2014]. Es sei ungewöhnlich lange gegangen, bis eine Antwort gekommen sei, 

was doch sehr komisch sei, wenn man mit einem angeblich falschen Vorwurf kon-

frontiert werde (act. 16/1 S. 8). 

 Auf die Frage, ob sich der Beschuldigte, falls seine Behauptung, dass be-

reits vor dem Berufungsverfahren eine Liebesbeziehung zwischen den Privatklä-

gern bestanden habe, nicht zutreffen sollte, vorstellen könne, dass seine Bericht-

erstattung die Ehre der Privatkläger hätte verletzen können, gab dieser an, dies 

sei eine hypothetische Frage. Die Vorwürfe träfen zu, sonst hätten sie ("wir") das 

nicht geschrieben. Es habe ein inkorrektes Verhalten vorgelegen. Der Staatsan-

walt könne davon ausgehen, dass dies hundertprozentig zutreffe, ansonsten sie 

("wir") das nicht geschrieben hätten. Das Berufungsverfahren an einer Universität 

sei ein Kernbereich, in welchem die Universität sehr sorgfältig arbeiten müsse, 

weil das die Qualität einer Universität ausmache. Zusammenfassend hielt er so-

dann fest, dass der korrekte Umgang im Berufungsverfahren wichtig sei und dass 

es die Pflicht der Medien sei, in einem solchen Bereich genau hinzuschauen. Ihre 

Quellenlage sei einwandfrei. Die Aussagen, die in den Artikeln enthalten seien, 

träfen absolut zu (act. 16/1 S. 8). 

-   17   - 

 Auf Ergänzungsfrage des Rechtsbeistands der Privatklägerschaft, wie der 

Beschuldigte den wissenschaftlichen Leistungsausweis der Privatklägerin recher-

chiert habe, gab dieser an, dies sei eine Frage, die nicht im Zentrum der Bericht-

erstattung stehe. Im Zentrum der Berichterstattung stehe das inkorrekte Beru-

fungsverfahren, die Verletzung der Ausstandsregelung im Berufungsverfahren 

durch den Privatkläger. Der Beschuldigte könne aber trotzdem wie folgt antwor-

ten: Natürlich hätten sie ("wir") sich auch eingehend mit dem wissenschaftlichen 

Leistungsausweis der Privatkläger auseinandergesetzt. Der Beschuldigte habe 

zum Teil auch in den Artikeln aus den Schriften der Privatklägerin zitiert. Im Beru-

fungsverfahren sei es so gewesen, dass die Liste der letzten sechs Kandidatinnen 

und Kandidaten einige Personen nicht mehr enthalten habe, welche über einen 

wirklich grossen Leistungsausweis und ein grosses internationales Renommee 

verfügt hätten. Er gehe davon aus, dass die nun eingesetzten "Korruptionsexper-

ten" [vgl. dazu nachfolgend unter 2.5.] bei der Untersuchung feststellen würden, 

dass es den einen oder anderen Kandidaten darunter gehabt habe, der den grös-

seren Leistungsausweis vorzuweisen gehabt hätte als die Privatklägerin. Das 

könne er selbst beurteilen, zumal er selber auch Assistent am Historischen Semi-

nar der Uni Zürich gewesen sei und selber eine Dissertation verfasst habe. Die 

Frage der Qualität der Privatklägerin spiele aber in diesem Zusammenhang wie 

gesagt überhaupt keine Rolle. Sie könnte "die beste Wissenschaftlerin der Welt 

sein", doch ändere dies nichts daran, dass das Berufungsverfahren inkorrekt ab-

gelaufen sei, dass Ausstandsregeln verletzt worden seien, weil sie mit dem Pri-

vatkläger schon eine langjährige intensive berufliche wie private Beziehung ge-

pflegt habe (act. 16/1 S. 9). 

 Auf entsprechenden Vorhalt des Privatklägervertreters gab der Beschuldigte 

an, er könne sich nicht mehr genau daran erinnern, ob er auch den die Privatklä-

gerin betreffenden Wikipedia-Eintrag (act. 16/2/2) gelesen habe. Natürlich könne 

ein Wikipedia-Eintrag eine erste Informationsquelle sein, doch das allein sei nicht 

Grundlage seiner Recherchen. Er habe auch die Originalschriften der Privatkläge-

rin beigezogen. Diese Frage sei aber nebensächlich. Es gehe im Wesentlichen 

darum, ob die Privatklägerin vor dem Berufungsverfahren eine Liebesbeziehung 

mit dem Privatkläger gehabt habe und damit Ausstandsregeln im Berufungsver-

-   18   - 

fahren verletzt worden seien. Auf weitere Vorhalte des Privatklägervertreters gab 

der Beschuldigte sodann an, er habe bei seiner Recherche selbstverständlich ge-

sehen, dass die Privatklägerin für ihre Schriften vier renommierte Auszeichnun-

gen erhalten habe. Selbstverständlich habe er auch Kenntnis von den Schriftver-

zeichnissen, Vorträgen und Aktivitäten der Privatklägerin gehabt, die auf der 

Website der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Uni Zü-

rich einsehbar seien. Es möge auch sein, dass das Habilitationswerk der Privat-

klägerin in mehreren Bestenlisten enthalten gewesen und von zahlreichen Medien 

auch ausserhalb der Geschichtswissenschaft rezensiert worden sei. Dies lenke 

aber vom Problem ab. Die Frage sei, ob das Berufungsverfahren korrekt verlau-

fen sei, ob Ausstandsregeln verletzt worden seien und ob der Privatkläger befan-

gen gewesen sei (act. 16/1 S. 9 f.). 

 Auf Vorhalt des Privatklägervertreters, was der Beschuldigte dazu sage, 

dass er vor seinem ersten Artikel vom 2. Oktober 2014 ein Dementi seiner Vor-

würfe von der Kommunikationsstelle der Universität Zürich erhalten habe [vgl. 

act. 2/9, undatiertes Schreiben von N.H., Stv. Medienbeauftragte der Universität 

Zürich], gab dieser an, diese Antwort der Kommunikationsstelle sei selbstver-

ständlich in die Berichterstattung aufgenommen worden. Die Universität habe zu 

diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht wissen können, was vorgefallen sei. Dies 

habe sie erst später erfahren, nachdem sie Experten zur Beurteilung des Beru-

fungsverfahrens eingesetzt habe. Es sei davon auszugehen, dass die Antwort der 

Kommunikationsstelle vorwiegend auf der Einschätzung des Hauptbetroffenen, 

nämlich des Privatklägers, beruhe. Offensichtlich habe die Universität aber selber 

am Wahrheitsgehalt dieser Einschätzung gezweifelt, ansonsten sie wohl nicht Ex-

perten zur Beurteilung eingesetzt hätte (act. 16/1 S. 10 f.). Auf weitere Frage des 

Privatklägervertreters, weshalb er die Privatklägerin zu keinem Zeitpunkt mit den 

schweren Tatsachenvorwürfen konfrontiert habe, wiederholte der Beschuldigte 

seinen Standpunkt, diese hätten sich nicht gegen die Privatklägerin, sondern ge-

gen den Privatkläger, die Berufungskommission, das Historische Institut, die Phi-

losophische Fakultät und die Leitung der Universität Zürich gerichtet. Man könne 

sogar noch weiter gehen: Die Privatklägerin sei eigentlich Opfer des unvorsichti-

gen und nicht korrekten Vorgehens ihres langjährigen beruflichen und privaten 

-   19   - 

Partners, des Privatklägers, geworden. Wäre dieser in den Ausstand getreten, wie 

dies die uniinternen Richtlinien zwingend vorsähen, wäre es gar nicht so weit ge-

kommen (act. 16/1 S. 11). Auf weitere Frage (und Nachfrage) des Privatklägerver-

treters, wie der Beschuldigte die "Einwandfreiheit" und die Vertrauenswürdigkeit 

seiner angeblichen Quellen geprüft habe, gab der Beschuldigte an, es habe sich 

um mehrere, voneinander unabhängige, absolut vertrauenswürdige Quellen ge-

handelt, die im Detail über die Vorgänge Bescheid gewusst hätten. Es bestehe 

nicht der geringste Anlass zum Zweifel, dass die Angaben dieser Quellen zuträ-

fen. Derart gravierende Vorwürfe würden von ihnen ("wir") nur erhoben, wenn sie 

("wir") hundertprozentig sicher seien, dass die Vorwürfe der Wahrheit entsprä-

chen. Selbstverständlich werde er, so es zu einem Gerichtsverfahren komme, 

sämtliche ihm sinnvoll erscheinenden Belege vorlegen (act. 16/1 S. 11). 

2.2.2. Nach den Einvernahmen der Privatkläger vom 13. März 2015 

(act. 17/1 und 18/1; vgl. dazu nachfolgend unter 2.3.) und des Zeugen Y.Z. am 

11. Mai 2015 (act. 19/1; vgl. dazu nachfolgend unter 2.4.), der, wie bereits ausge-

führt, vom Beschuldigten angerufen worden war, wurde diesem in der staatsan-

waltschaftlichen Einvernahme vom 11. Mai 2015 Gelegenheit gegeben, zu deren 

Ausführungen Stellung zu nehmen (act. 16/3 S. 2 ff.). 

Zu den Angaben des Zeugen Y.Z., der die Behauptung des Beschuldigten, 

er (Y.Z.) habe ihm (dem Beschuldigten) anlässlich eines Telefonats am 10. April 

2015 gesagt, sie wüssten alle, dass die Privatkläger Ende der 1990er Jahre eine 

Affäre gehabt hätten, anlässlich der Zeugeneinvernahme als "Haferkäs" zurück-

gewiesen hatte, gab der Beschuldigte zu Protokoll, dies sei falsch und er könne 

sich nicht erklären, wie der Zeuge sich nicht mehr daran erinnern könne, zumal 

dieser ja anscheinend sehr genaue Notizen vom Gespräch gemacht habe. Der 

Zeuge habe ihm anlässlich dieses Telefonats gesagt, sie wüssten alle, dass die 

Privatkläger schon Ende der 1990er Jahre eine Affäre gehabt hätten, aber wie er 

(der Beschuldigte) das vor Gericht beweisen wolle. In dieses "wir", eben, dass alle 

davon gewusst hätten, habe er sich mit dieser Aussage eingeschlossen. Interes-

sant sei auch, dass er einen genauen Zeitpunkt genannt habe, nämlich Ende der 

1990er Jahre. In seinem Artikel habe er das nicht geschrieben, sondern erwähnt, 

-   20   - 

dass es vor dem Berufungsverfahren gewesen sei. Denn nur das sei für das Be-

rufungsverfahren relevant gewesen. Von irgendwem, vielleicht von seinen Kun-

den, müsse er die Information haben. Für den Beschuldigten sei einfach augenfäl-

lig gewesen, dass der PR-Berater der Gegenseite den Vorfall anlässlich dieses 

Telefonats bestätigt habe. Er habe ja zuvor schon ein paar Mal mit Y.Z. Kontakt 

gehabt. Als er diesen Anruf von Y.Z. erhalten habe, sei er unterwegs gewesen, er 

sei über den Brünig gefahren. Umgehend habe er diese Neuigkeit R.K. telefo-

nisch mitgeteilt. Seine Ehefrau sei im Auto anwesend gewesen, als er es R.K. 

mitgeteilt habe, sie habe mitbekommen, was er R.K. damals mitgeteilt habe 

(act. 16/3 S. 2).  

Auf Vorhalt der Aussagen der Privatkläger gab der Beschuldigte zu Proto-

koll, er könne einfach sagen, dass er vor der Publikation der Artikel über rund ein 

halbes Dutzend unabhängige, sehr glaubwürdige Quellen verfügt habe, was für 

ihn belege, dass die Aussagen, die die Privatkläger gemacht hätten, falsch seien. 

Nach der Publikation des ersten Artikels habe er mit mehreren weiteren Quellen 

Kontakt gehabt, welche ihm den Sachverhalt in gleicher Weise bestätigt hätten. 

Insgesamt habe er somit über rund 10 Quellen verfügt, was journalistisch gese-

hen sehr komfortabel sei. Dabei habe es sich um Personen aus der Uni oder dem 

"uni-nahen" Umfeld gehandelt, Personen aus dem nahen Umfeld des Privatklä-

gers, sogar Freunde von ihm seien darunter gewesen (act. 16/3 S. 2 f.). Unter 

Bezugnahme auf die Eingabe seines Verteidigers vom 14. April 2015 (act. 12), 

worin unter anderem ausgeführt worden war, der Beschuldigte habe seinen Quel-

len Anonymität zugesichert, um Repressionen gegen diese Personen bzw. eine 

etwaige Entlassung zu verhindern und auf Vorhalt, keine Person hätte Repressio-

nen oder eine Entlassung zu befürchten, wenn sie lediglich darüber berichtete, 

dass sie Kenntnis davon habe, dass die Privatkläger schon in der Zeit vor dem 

Berufungsverfahren eine Liebesbeziehung unterhalten hätten, gab der Beschul-

digte zu Protokoll, die Entlassung sei eine Sache, die akademische Karriere eine 

andere. Er könne sich gut vorstellen, dass Leute Angst davor hätten, einen sehr 

einflussreichen Ordinarius an einer Universität mit einer solchen Aussage öffent-

lich zu attackieren. Diese Personen hätten ihm gegenüber gesagt, sie hätten 

Angst. Es sei immer so bei Informanten, sie hätten meistens Angst und wollten 

-   21   - 

nicht, dass die Quelle bekannt werde (act. 16/3 S. 3). Auf weiteren Vorhalt, dass 

er bei Nichtbekanntgabe der Quellen eine Verurteilung riskiere, gab der Beschul-

digte an, er habe nicht diffamiert, sondern Tatsachen geschildert. Es seien sehr 

relevante Vorgänge, die auch der Uni als sehr relevant erschienen seien, zumal 

diese zwei externe Experten und Korruptionsspezialisten zur Untersuchung des 

Berufungsverfahrens beigezogen habe. Es sei seine Aufgabe als Journalist sol-

che Missstände, die im öffentlichen Interesse seien, aufzudecken und darüber zu 

berichten. Es sei nachvollziehbar, dass die Gegenseite diesen Fakt bestreite. 

Entscheidend für ihn sei aber, dass stimme, was er geschrieben habe. Es sei 

nicht so, dass er Quellen verstecke, sondern es sei einfach fundamental für die 

Medien als vierte Macht im Staat, dass die Quellen geschützt würden, ansonsten 

solche Leute nicht mehr bereit wären, ihnen etwas anzuvertrauen, wenn sie be-

fürchten müssten, vor Gericht gezogen zu werden. Persönlich würde er noch so 

gerne diese Quellen im Verfahren nennen, aber er müsse diese einfach schützen 

(act. 16/3 S. 3 f.). 

Auf Ergänzungsfragen des Privatklägervertreters gab der Beschuldigte zum 

Telefonat mit R.K. an, er habe dieses unmittelbar nach dem Anruf von Y.Z. mit 

diesem geführt. Es habe ca. zehn Minuten gedauert. Er sei am Fahren gewesen 

und habe mit Kopfhörer telefoniert. Er sei über den Brünigpass gefahren. Vom 

ersten Telefonat habe seine Frau nichts gehört, da er die Kopfhörer angehabt ha-

be. Er habe gewusst, dass Y.Z. ihn habe anrufen wollen, da er (Y.Z.) ihm seit 

zwei Tagen immer wieder auf die Combox gesprochen habe und ihn habe errei-

chen wollen. Er habe kurz auf dem Brünig angehalten. Er habe zuerst das Blue-

tooth einstellen müssen. Dann sei er weitergefahren und habe mit R.K. über die 

Freisprechanlage telefoniert. Das sei ca. um 18:00 Uhr gewesen. Er wisse nicht, 

ob er ihn direkt erreicht oder es mehrmals habe versuchen müssen. Es sei nicht 

nötig gewesen, Y.Z. mitzuteilen, dass seine Frau im Auto gesessen habe, da die-

se wegen der Kopfhörer ja nicht habe hören können, was Y.Z. gesagt habe (act. 

16/3 S. 5 f.). 

2.2.3. An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. Juli 2015 ging 

es im Wesentlichen um die Ausdehnung der Strafuntersuchung auf den Tatbe-

-   22   - 

stand der Widerhandlung gegen das UWG. Dabei gab der Beschuldigte zu Proto-

koll, die ganze Berichterstattung der Weltwoche habe im Kern auf Folgendes ge-

zielt: Auf die Befangenheit des Privatklägers im Berufungsverfahren und damit 

zusammenhängend auf die Verletzung von Ausstandsregeln, welche notabene 

jene der Universität Zürich gewesen seien und nicht solche, die irgendein "böses 

Medium" aufgestellt habe. Dass dies der Kern ihrer ("unserer") Berichterstattung 

gewesen sei, sehe man auch daran, dass nach der ersten Geschichte eine zweite 

Geschichte von ihnen ("uns") publiziert worden sei, wo sie ("wir") die Unileitung 

kritisiert hätten. In allen Artikeln hätten sie x-fach betont, worum es gehe, nämlich 

um Befangenheit und die Verletzung von Ausstandsregeln. In erster Linie habe 

dabei der Privatkläger im Fokus gestanden, dann die Unileitung und die Mitglieder 

der Berufungskommission (act. 16/4 S. 2; vgl. in diesem Sinne auch S. 3, Antwort 

zu Frage 6, am Ende, und S. 4, Antwort zu Frage 8).  

Auf Vorhalt, in der Eingabe der Privatklägerschaft vom 10. April 2015 (act. 9 

= 10) werde von dieser geltend gemacht, der Beschuldigte hätte den Leistungs-

ausweis der Privatklägerin, welcher ihm bestens bekannt gewesen sei, infrage 

gestellt und der Lächerlichkeit preisgegeben, gab dieser an, er weise diesen Vor-

wurf in aller Form zurück. Selbst wenn die Privatklägerin die beste Historikerin der 

Welt wäre, wäre das Berufungsverfahren immer noch inkorrekt gewesen. Die Be-

rufung der Privatklägerin sei nicht korrekt gewesen, weil Ausstandsregeln verletzt 

worden seien, weil der Privatkläger mit der Privatklägerin eine Affäre vor der Zeit 

des Berufungsverfahrens gehabt habe. In der Schweiz herrsche Medienfreiheit 

und es sei allen Medienschaffenden unbenommen, den wissenschaftlichen Leis-

tungsausweis und die Karriere eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftle-

rin kritisch zu betrachten. Zum Vorwurf der Verletzung des UWG wolle er festhal-

ten, dass dies eine dreiste Umkehrung des Sachverhalts darstelle, da es nicht die 

Privatklägerin sei, die benachteiligt worden sei, sondern die anderen Mitbewerber 

um die Professorenstelle. Mitbewerber, die die Stelle schliesslich wegen des in-

korrekten Berufungsverfahrens nicht erhalten hätten. Auf die Frage, weshalb er 

sich in seinen Artikeln derart negativ über den wissenschaftlichen Leistungsaus-

weis der Privatklägerin geäussert habe, obwohl er anlässlich der Einvernahme 

vom 13. März 2015 (act. 16/1; vgl. dazu vorne unter 2.2.1.) auf entsprechende 

-   23   - 

Vorhalte des Privatklägervertreters hin zugegeben habe, von ihren wissenschaftli-

chen Publikationen und ihrem international grossen Ruf Kenntnis gehabt zu ha-

ben, gab der Beschuldigte an, er habe sich nie so geäussert, dass sie "eine 

wahnsinnig gute Wissenschaftlerin" sei. Es spiele aber eben keine Rolle, auch 

wenn sie "die allerbeste Wissenschaftlerin der Welt" wäre, da das Berufungsver-

fahren trotzdem als nicht korrekt einzustufen sei. Wenn man die Liste der damali-

gen Kandidaten konsultieren würde, sähe man, dass es darunter einige besser 

qualifizierte Wissenschaftler gehabt habe und dass die Einschätzung, dass die 

Privatklägerin nicht die allerbeste unter den Kandidaten gewesen sei, relativ rea-

listisch sei (act. 16/4 S. 3). 

Auf Vorhalt, von der Privatklägerschaft werde geltend gemacht, durch die 

negative Berichterstattung über die Privatklägerin sei deren berufliches Ansehen 

massiv geschädigt oder zumindest offenkundig bedroht worden, was eine unlau-

tere Herabsetzung im Sinne des UWG sei, gab der Beschuldigte an, wenn je-

mand das Ansehen der beiden Privatkläger und der Universität Zürich geschädigt 

habe, dann sei dies der Privatkläger, indem er nicht in den Ausstand getreten sei. 

Es sei nicht eine Zeitung mit ihrer Berichterstattung dafür verantwortlich. Es sei 

jedem Medium, als vierte Macht im Staat, unbenommen, genau hinzusehen, 

wenn es um staatliche Institutionen gehe, wenn Steuergelder eingesetzt würden. 

Die Universität Zürich habe das ja selber so gesehen und unabhängige Korrupti-

onsexperten zur Klärung des Berufungsverfahrens eingesetzt. Betreffend den 

Vorwurf, dass die Berichterstattung der Karriere der Privatklägerin geschadet oder 

diese bedroht habe, so sei wohl eher das Gegenteil der Fall, zumal seitens der 

Privatklägerschaft in einer Eingabe ja geltend gemacht worden sei, dass sich Dut-

zende Professoren auf der ganzen Welt mit der Privatklägerin soldarisiert hätten. 

Somit habe ihr diese Berichterstattung - wenn schon - eher genützt. Dies gerade 

in den massgeblichen wissenschaftlichen Kreisen, welche Karrieren von Wissen-

schaftlern bzw. Professoren voranbringen bzw. diese wählen könnten. Es seien ja 

nicht die Medien oder die Leute von der Strasse, die Professoren berufen könn-

ten. Er betone nochmals: Er verteidige vehement die freie Berichterstattung der 

Medien, auch über Professoren, in diesem freien Land (act. 16/4 S. 3 f.). 

-   24   - 

2.2.4. Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. Sep-

tember 2015 wurden dem Beschuldigten Passagen des inzwischen vorliegenden 

Untersuchungsberichtes der Universität Zürich zum Berufungsverfahren vorgehal-

ten (act. 20/7 = 20/8, S. 36 f.; vgl. nachfolgend unter 2.5.), worauf er dem Staats-

anwalt den von ihm verfassten, in der Weltwoche unter dem Titel "Täuschungs-

manöver im Fall [S.]" publizierten und anlässlich der Einvernahme eingereichten 

Artikel, der sich mit dem Untersuchungsbericht befasst, zum Studium empfahl. 

Wenn man den Bericht genau lese, komme ganz etwas anderes heraus als in der 

harmlosen Zusammenfassung und im PR-Communiqué der Uni. Es sei eigentlich 

erschütternd, wie viele Fehler in diesem Verfahren vorgekommen seien, nicht nur 

bezüglich des Privatklägers. Es seien da mehrere Sachen schief gelaufen. Das 

habe man übrigens auch schon kurz nach dem Verfahren an der Uni erfahren, 

dass da vieles im Argen liege. Zum "Hauptpunkt [S.]" sei zu sagen, dass die Ex-

perten selber gesagt hätten, sie hätten nicht den Auftrag gehabt und auch nicht 

die Mittel dazu, um abzuklären, ob die Privatkläger eine Affäre vor dem Beru-

fungsverfahren gehabt hätten. Auf S. 21 heisse es wörtlich: "Es war nicht Ziel der 

uns aufgetragenen internen Sachverhaltsfeststellung, abzuklären, ob die behaup-

tete frühere Liebesbeziehung tatsächlich bestanden habe." Das heisse, die Ex-

perten gestünden ein, dass sie den zentralen Punkt gar nicht untersucht hätten. 

So hätten sie zu diesem Punkt gar keine richtigen Aussagen machen können, 

weshalb der Bericht dazu grundsätzlich wertlos sei. Es sei schon klar gewesen, 

als der Auftrag an die Experten gegangen sei, dass dieser Bericht eine Farce sein 

würde. Er habe dies bereits betont, als der Bericht in Auftrag gegeben worden sei. 

Der Uni-Sprecher B.M. habe dies mehrfach betont, nämlich dass es nicht um die 

Personen gehe, sondern um formale Abläufe. Die Expertenkommission habe 

auch nicht die Befugnis gehabt, unabhängige Zeugen zu befragen, sondern nur 

die Mitglieder der Berufungskommission. Auch das weise darauf hin, dass dieser 

Bericht zu der entscheidenden Frage keine Antwort liefern könne. Trotzdem seien 

viele Missstände zu Tage getreten, sogar solche, die er noch nicht gekannt habe. 

Es sei vieles schief gelaufen. Interessant sei auch, dass alle Kommissionsmitglie-

der ausser einem betont hätten, sie wollten sich inhaltlich zu der in Frage stehen-

den Affäre nicht äussern. Auf die Kernfrage seien sie also nicht eingegangen. 

-   25   - 

Man suche irgendeinen absurden Vorwurf eines angeblichen Rachefeldzuges, ir-

gendwelche Verschwörungstheorien. Dies zeige auch wieder, dass man auf die 

eigentliche Kernfrage nicht eingehen wolle. Das sei kein seriöser Umgang mit 

dem Thema. Im Gegensatz zur schweigenden Mehrheit habe ein Befragter eine 

klare Aussage gemacht. Er habe die von der Weltwoche veröffentlichte Geschich-

te bestätigt. Er habe gesagt, er habe zwei sichere Quellen, die bestätigt hätten, 

dass die Vorwürfe zuträfen. Es sei also zusammenfassend keineswegs so, dass 

dieser Bericht die Uni entlaste, im Gegenteil sei neu bekannt, dass auch ein 

Kommissionsmitglied bestätigt habe, dass er über zwei sichere Quellen verfüge 

für die vor dem Berufungsverfahren liegende Affäre der Privatkläger. Es sei 

schlicht unverständlich, wie man bei solchen Feststellungen zum Schluss kom-

men könne, dass es sich um ein weitgehend korrektes Verfahren gehandelt habe 

(act. 16/5 S. 2 f.). Auf Vorhalt, dies ändere nichts an der Lage, wie sie sich im 

Strafverfahren präsentiere, da die angeblichen sicheren Quellen nicht bekannt 

seien und von der Staatsanwaltschaft nicht überprüft werden könnten, womit der 

Tatvorwurf bestehen bleibe, gab der Beschuldigte zu Protokoll, für sie ("uns") sei 

der Quellenschutz absolut substantiell und wichtig. Darum wollten sie ("wir") die 

Quellen nicht bekannt geben. Das sei auch im Kodex der Journalisten enthalten. 

Deshalb wollten sie ("wir") die Quellen schützen. Es gebe ja auch den sogenann-

ten Gutglaubensbeweis, den er als Laie so verstehe, dass man, wenn man über 

mehrere verlässliche, glaubwürdige Quellen verfüge, auf diese abstellen dürfe. 

Diese hätten alles mit grosser Detailtreue und sehr präzise geschildert. Sie ("wir") 

hätten sehr sauber gearbeitet und hätten schlicht keine Veranlassung daran ge-

habt, an den Quellen und deren Angaben zu zweifeln (act. 16/5 S. 3 f.). 

2.2.5. In der Schlusseinvernahme vom 14. Dezember 2015 hielt der Be-

schuldigte an seinen bisherigen Aussagen fest. Sie ("wir") hätten sehr belastende 

Quellen gehabt, voneinander unabhängige, mehr als ein halbes Dutzend. Die 

Aussagen dieser Personen seien später noch bestätigt worden, unter anderem 

von PR-Berater Y.Z. und seinem engen Bekannten und Freund R.S. Y.Z. habe 

sogar das Jahr genannt, in welchem die Beziehung begonnen habe. Sie ("Wir") 

hätten nach bestem Wissen und Gewissen sehr sauber die Fakten abgeklärt und 

der Sachverhalt sei auch relevant, das sei keine Nebensache. Auch ein Kollege 

-   26   - 

des Staatsanwalts habe bestätigt, dass es von öffentlichem Interesse sei, ob sol-

che Berufungen an der Uni sauber abliefen oder nicht. Der Beschuldigte könne 

die Vorwürfe nicht ganz nachvollziehen. Gewisse Dinge seien auch schlicht 

falsch, nämlich, dass die üble Nachrede beide Privatkläger beträfe. Sie ("Wir") 

hätten nie geschrieben, dass sich die Privatklägerin nicht korrekt verhalten habe. 

Die Vorwürfe hätten ausschliesslich den Privatkläger betroffen (act. 16/6 S. 7). 

Was den Vorwurf des Verstosses gegen das UWG betreffe, so bestehe überhaupt 

kein Wettbewerbsverhältnis (act. 16/6 S. 8). 

2.2.6. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 30. September 2016 erklärte 

der Beschuldigte zunächst, dass seine im Verlauf der bisherigen Untersuchung 

gemachten Aussagen nach wie vor Gültigkeit hätten. Er bestätigte auf entspre-

chende Nachfrage des Bezirksrichters, die eingeklagte Artikelserie als stellvertre-

tender Chefredaktor der Weltwoche verfasst und publiziert sowie sich während 

eines Fernsehauftrittes bei Tele Züri am 2. Oktober 2014 im Sinne des gleichen-

tags publizierten Artikels geäussert zu haben. Der Beschuldigte gab sodann zu 

Protokoll, seine Quellen auch heute nicht zu nennen, da sie ("wir") den Quellen-

schutz sehr hoch stellten. Er habe jedoch eine anonymisierte Zusammenfassung 

von gewissen Aussagen abgegeben. Namen würden sie ("wir") aber nicht nen-

nen, da der Quellenschutz über alles gehe, auch über eine mögliche Verurteilung 

(Prot. S. 16 f.). 

Wann er die Zusammenfassung der Aussagen seiner Quellen erstellt habe, 

wisse er nicht mehr genau. Der Ablauf sei jedoch in etwa folgender gewesen: Er 

habe schon länger von dieser Geschichte gehört. Dies sei "talk of the town" in be-

stimmten akademischen Kreisen gewesen. Viele Leute hätten von der Affäre zwi-

schen den Privatklägern vor der Berufung der Privatklägerin gewusst. Er (der Be-

schuldigte) habe mit verschiedenen Quellen gesprochen und von diesen Gesprä-

chen Notizen mit Datum gemacht. Dies seien handschriftliche Notizen gewesen. 

Später - wohl im Rahmen des Verfahrens - habe er die handschriftlichen Notizen 

dann in einem Dokument zusammengefasst und zu den Akten gereicht. Die 

handschriftlichen Notizen seien noch greifbar, er könne diese jedoch nicht einrei-

-   27   - 

chen, da darin die Namen der Personen vorkämen, die er schützen wolle (Prot. 

S. 17 ff.). 

Auf Vorhalt der Aussage des Zeugen Y.Z., es sei "Haferkäs", dass er zum 

Beschuldigten gesagt haben soll, "wir wissen alle, dass die beiden [gemeint sind 

die Privatkläger] Ende der 1990er Jahre eine Affäre hatten", erklärte der Beschul-

digte, es sei völlig klar, dass sich der Zeuge Y.Z. damals "verschnepft", d.h. ver-

sprochen habe. Das Gleiche sei auch bei R.S. passiert. Dieser habe die Artikel 

nicht genau gelesen und habe fälschlicherweise gedacht, es sei in den Artikeln 

um eine Affäre zum Zeitpunkt des Berufungsverfahrens gegangen. Das habe er 

(der Beschuldigte) nie geschrieben. Dies könne sein. Möglicherweise sei es so 

gewesen, aber er habe dies nie geschrieben. Er habe immer gesagt, es sei vor 

dem Berufungsverfahren gewesen. R.S. habe sich gegenüber R.K. am Rande ei-

ner Talksendung "[R.] gegen [R.]" folgendermassen geäussert: Er sei ein sehr 

enger Freund des Privatklägers. Sie hätten schon gemeinsam Ferien gemacht. 

Sie hätten auch über Liebschaften usw. gesprochen. Er wisse über diese Affäre 

Bescheid. Aber wir lägen falsch. Diese Affäre liege schon weit zurück. Das sei 

doch kalter Kaffee. Damit habe R.S. nochmals bestätigt, dass diese Affäre früher 

stattgefunden habe, aus seinem Versehen heraus, dass er gedacht habe, sie 

("wir") hätten geschrieben, es sei zur Zeit des Berufungsverfahrens gewesen. 

Auch das hätten sie ("wir") protokolliert und zu den Gerichtsakten gereicht. Er 

nehme an, dass es sich bei Y.Z., den er übrigens sehr gut kenne, auch so zuge-

tragen habe. Y.Z. habe mit ihm im Vertrauen gesprochen und quasi gesagt: "Hört 

doch auf. Das ist doch zu lange her, was soll das noch." Auf Zürich-Deutsch: "Mir 

wüssed doch alli, dass sie scho damals e Affäre gha hend." Er habe sogar eine 

sehr genaue Bestimmung der Zeit genannt, nämlich Ende der 90er-Jahre. Es gä-

be auch Zeugen dieses Gespräches, die man aber vor Gericht nicht anrufen kön-

ne. Das sowohl Y.Z. als auch R.S. im Nachhinein als Freunde bzw. PR-Berater 

des Privatklägers abstreiten, diese Aussagen gemacht zu haben, leuchte ihm ein. 

Möglicherweise mache man das halt so, um Freunde zu schützen. Das entspre-

che aber nicht der Wahrheit. Es sei absurd, auf solche Ideen zu kommen, wenn 

die beiden das nicht so gesagt hätten. Beide hätten das deutlich so gesagt. Dies 

sei eine Bestätigung für ihn (den Beschuldigten). Es gäbe auch weitere Personen, 

-   28   - 

die die Geschichte bestätigt hätten. Ein Chefredaktor eines Schweizer Magazins 

habe ebenfalls gesagt, er wisse auch davon. Ein Mitglied einer Chefredaktion ei-

ner Tages-Anzeiger-Publikation habe ihm auch gesagt, dass sie selbstverständ-

lich davon wisse. Auch beim Blick gebe es Personen, die davon wüssten. Selbst 

ein ehemaliger Spitzen-Diplomat der Schweiz habe ihm gesagt, er habe von ei-

nem Historiker der Uni Zürich genau dasselbe gehört. Dies sei auch nach der 

Publikation x-fach bestätigt worden. Im Umfeld des Privatklägers, bei seinen Be-

kannten, wisse man das. In den Intellektuellen- und Journalistenkreisen sei das 

seit längerem bekannt. Die Aussagen von R.S. und Y.Z. reihten sich da natürlich 

ein (Prot. S. 19 f.). 

Ein wichtiger Punkt sei vielleicht noch, dass eine Person, die er auch damals 

als Quelle kontaktiert habe, ihm gesagt habe, sie sei überrascht, dass sich ein 

Journalist erst jetzt bei ihr melde. Sie hätte schon viel früher damit gerechnet, 

dass ein Journalist auf sie zukommen würde. Sie habe auch gesagt, sie sei abso-

lut keine Freundin der Weltwoche. Wenn sie so direkt gefragt werde, sage sie 

aber die Wahrheit. Dann habe sie mit verschiedenen Details bestätigt, dass es 

diese Affäre gegeben habe. Dass die Privatkläger seine Darstellung bestreiten, 

sei ihr gutes Recht. Sie wüssten aber selber am besten, dass das nicht stimme. 

Sie wüssten, was sie erlebt hätten. Er nehme an, sie kämpften um ihre Reputati-

on. Dies allerdings mit einem gewissen Risiko. Es könne auch nach dem Prozess, 

egal wie er ausgehe, noch irgendwann an die Öffentlichkeit kommen. Dies sei ei-

ne riskante, aber natürlich nachvollziehbare Strategie. Wenn man sich nicht ver-

teidige, sei das ein indirektes Eingeständnis dafür, dass das stimme. Es sei aber 

selbstverständlich nicht richtig, was die Privatkläger sagten (Prot. S. 21). 

Auf Vorhalt des Untersuchungsberichts der Universität Zürich zum Beru-

fungsverfahren erklärte der Beschuldigte, es gebe zwei Punkte, die in diesem Be-

richt wichtig seien. Einerseits werde in diesem Bericht explizit festgestellt, dass es 

nicht Aufgabe und Zweck gewesen sei, herauszufinden, ob die Privatkläger vor 

der Berufung der Privatklägerin eine Affäre gehabt hätten. Das heisse, dass gar 

nicht festgestellt worden sei, was Fakt sei. Trotzdem habe der Bericht dann in der 

Summe gesagt, dass das Berufungsverfahren korrekt abgelaufen sei, was ein 

-   29   - 

Widerspruch in sich selbst sei. Man könne nicht sagen, es sei alles korrekt abge-

laufen, ohne das Alleinige zur Diskussion stehende in diesem Fall nicht zu unter-

suchen. Weiter werde in diesem Bericht, den die Uni als "reinwaschen" verkauft 

habe, ein Mitglied der Berufungskommission zitiert, das im innersten Kreis dabei 

gewesen sei. Dieses Mitglied habe gesagt, es wisse aus "zwei sicheren Quellen", 

dass es stimme, was die Weltwoche schreibe und dass diese Affäre schon vor 

dem Berufungsverfahren stattgefunden habe. Sogar in diesen Quellen, die laut 

Uni-Darstellung die Uni entlasten sollten, komme ein weiterer Belastungszeuge 

zum Vorschein, von dem er (der Beschuldigte) vorher nichts gewusst habe. Das 

sei jemand, der in dieser Drucksituation, da er selbst in der Berufungskommission 

gewesen sei, sagt, er habe zwei sichere Quellen aus diesem nahen Umfeld. Das 

sei sehr bemerkenswert (Prot. S. 22). 

Er wolle auch betonen, dass die Anklage viele Dinge nicht berücksichtige 

und zu wenig auf die gute Quellenlage eingehe bzw. nicht sehe, dass er den 

Quellenschutz sehr hoch einschätzen müsse. Wenn sie ("wir") dies nicht machen 

würden, könnten sie ("wir") ihre Wächterfunktion im Staat nicht wahrnehmen. Es 

kämen viele Leute zu ihnen ("uns"), weil sie Vertrauen hätten. Diese erzählten 

Dinge und wollten über Missstände berichten, weil sie wüssten, dass sie danach 

nicht zur Kasse gebeten würden. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte man kriti-

sche Berichterstattung, wie sie insbesondere die Weltwoche betreibe, nicht mehr 

durchführen. Er könnte natürlich heute mehrere Quellen benennen, was er aber 

nicht tue. Es sei wichtiger, dass die Weltwoche und die Medien an sich weiter die-

se kritische Funktion einer vierten Macht im Staat wahrnehmen könnten. Dazu 

gehöre fundamental der Quellenschutz. Dies sei auch in den "Rechten und Pflich-

ten der Journalisten" vorgeschrieben (Prot. S. 22 f.). 

Auf Ergänzungsfrage seines Verteidigers, wie der Privatkläger, konfrontiert 

mit den vom Beschuldigten gemachten Recherchen, reagiert habe, erklärte der 

Beschuldigte, der Privatkläger habe gar nicht reagiert. Dies sei nach seinem Emp-

finden einigermassen merkwürdig. Normal sei es, dass man, wenn man mit einem 

schweren Vorwurf konfrontiert werde, diesen sofort zurückweisen würde, wenn er 

denn unwahr sei. Er habe aber kein Echo bekommen, was er als Indiz dafür wer-

-   30   - 

te, dass der Privatkläger geschockt gewesen sei, dass die Affäre nun heraus-

komme. Dies habe ihn in Probleme gestürzt. Er (der Beschuldigte) habe es als ein 

sehr merkwürdiges Verhalten empfunden. Merkwürdigerweise sei eine Reaktion 

auch bei dem in seinem zweiten Artikel thematisierten Professor X.Y. ausgeblie-

ben. Auch diesen habe er konfrontiert, weil er als enger Vertrauter des Privatklä-

gers gelte und laut verschiedenen Quellen ebenfalls von der Affäre gewusst ha-

ben solle (Prot. S. 24 f.). 

2.3. Aussagen der Privatkläger 

2.3.1. Der als Auskunftsperson i.S.v. Art. 178 lit. a StPO befragte Privatklä-

ger gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. März 2015 

zu Protokoll, er stehe in keiner Beziehung zum Beschuldigten. Die Privatklägerin 

sei seine Partnerin. Sie hätten seit Juni 2013 eine Liebesbeziehung. Es sei kom-

pliziert. Es habe im Juni 2013 angefangen und seit Sommer 2013 könne man es 

als Liebesbeziehung bezeichnen (act. 17/1 S. 2). Dass er bereits vor dem Beru-

fungsverfahren eine Liebesbeziehung zur Privatklägerin unterhalten hätte und das 

Berufungsverfahren daher nicht korrekt abgelaufen sei, weil er in den Ausstand 

hätte treten müssen, sei schlicht nicht wahr. Er habe die Privatklägerin im Jahre 

1997 an einer Tagung der Universität Bielefeld kennengelernt. Er habe dort als 

Habilitant der Uni Basel an einer Tagung teilgenommen. Die Privatklägerin sei zu 

jener Zeit Doktorandin an der Uni Bielefeld gewesen. 1998 habe es in Bielefeld 

wieder zwei Tagungen gegeben. An der ersten seien sie beide dabei gewesen, an 

der zweiten sei sie nicht dabei gewesen. Sie hätten beide im Forschungsfeld Kör-

pergeschichte gearbeitet und seien dadurch ins Gespräch gekommen. Sie hätten 

sich ausgetauscht, auch per Mail. Sie hätten ein freundschaftlich kollegiales Ver-

hältnis gehabt. Das habe sich z.B. auch darin gezeigt, dass sie ihm ein Kapitel ih-

rer Dissertation zugesandt habe, was unter Doktoranden und Habilitanden häufig 

vorkomme. Zwischen 2000 und 2010, als das Berufungsverfahren gelaufen sei, 

hätten sie sich insgesamt vier Mal gesehen (act. 17/1 S. 3 f.). Auf entsprechende 

Vorhalte gab der Privatkläger an, es treffe zu, dass das Berufungsverfahren 2009 

begonnen und 2011 mit der Berufung der Privatklägerin abgeschlossen worden 

sei. Die entscheidende Phase mit den Vorträgen sei im Oktober 2010 gewesen. 

-   31   - 

Bis und mit Abschluss des Berufungsverfahrens im Jahre 2011 habe er keine Lie-

besbeziehung zur Privatklägerin unterhalten. Auf die Frage, ob es neben den er-

wähnten vier Kontakten in der Zeit von 2000 bis Oktober 2010, weitere gegeben 

habe, gab der Privatkläger an, es habe im Jahr 2009 ein Telefonat gegeben, bei 

dem er die Privatklägerin gefragt habe, ob sie während seines Freisemesters im 

Wintersemester 2010 einen Lehrauftrag übernehmen wolle. Diesen Lehrauftrag 

habe sie dann aber nicht übernommen, weil sie eine Einladung als Fellow am 

"Freiburg Institut of Advanced Studies" (FRIAS) gehabt habe und dort Residenz-

pflicht gelte. Vor dem Sommer 2013 habe er nie eine Liebesbeziehung zur Privat-

klägerin gehabt, entsprechende Behauptungen des Beschuldigten träfen nicht zu 

(act. 17/1 S. 4). Selbstverständlich seien ihm die Regeln der Universität Zürich be-

treffend Ausstand in einem Berufungsverfahren bekannt (act. 17/1 S. 5). Auf Er-

gänzungsfrage des Beschuldigten, wieso er in einem Interview im Tagesanzeiger 

[wohl act. 13/3 = 6/2] nicht erwähnt habe, dass er in der Dissertation der Privat-

klägerin im Vorwort dankend erwähnt worden sei, sagte der Privatkläger aus, ers-

tens, weil er sich im Moment des Interviews nicht daran erinnert habe und zwei-

tens, weil es unerheblich sei. Auf weitere Ergänzungsfrage des Beschuldigten, 

weshalb er gerade die Privatklägerin für einen Lehrauftrag in einem Freisemester 

angefragt habe, gab der Privatkläger an, erstens frage man Leute an, die habili-

tiert seien, aber noch keinen Lehrstuhl hätten, zweitens frage man Leute an, die 

man als Kolleginnen und Kollegen schätze und drittens habe die Privatklägerin 

mit ihrem interessanten psychiatrie- und wissensgeschichtlichen Projekt ins Lehr- 

und Forschungsprofil ihres Instituts gepasst. Auf weitere Frage des Beschuldigten 

gab der Privatkläger zu Protokoll, er habe der Kommission korrekt Auskunft dar-

über gegeben, dass er die Privatklägerin kenne und ein sehr lockeres kollegiales 

Verhältnis zu ihr gehabt habe, was die Kommission als absolut unproblematisch 

angesehen habe. Der Kommission hätten auch die Schriften vorgelegen, nament-

lich die Dissertation mit dem erwähnten Vorwort (act. 17/1 S. 5 f.). 

 2.3.2. Die als Auskunftsperson i.S.v. Art. 178 lit. a StPO befragte Privatklä-

gerin gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. März 

2015 zu Protokoll, sie stünde in keiner Beziehung zum Beschuldigten. Sie sei die 

Partnerin bzw. Lebensgefährtin des Privatklägers (act. 18/1 S. 2). Vor dem Som-

-   32   - 

mer 2013 hätten sie keine Liebesbeziehung gehabt (act. 18/1 S. 3). Sie und der 

Privatkläger hätten sich auf einer Tagung in Bielefeld 1997 kennengelernt. Sie 

hätten sich im darauffolgenden Jahr nochmals auf einer Tagung in Bielefeld ge-

sehen. In den späteren 90er Jahren hätten sie sich drei, vier Mal gesehen. Im 

Jahr 2000 sei sie nach Bremen gegangen, habe dort eine Assistentenstelle ange-

nommen und sich mit anderen Themen beschäftigt als vorher und es habe daher 

keinen Grund für berufliche Kontakte gegeben. Sie sei dann eingeladen worden 

für einen Vortrag an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 

an der Universität Zürich. Das sei im Jahr 2005 oder 2006 gewesen. Dort habe 

sie ihr Habilitationsprojekt vorgestellt. Sie wisse, dass der Vorschlag, sie einzula-

den, von B.B. gekommen sei. Das habe sie ihr damals erzählt. Mit ihr habe sie in 

losem freundschaftlich-beruflichem Kontakt gestanden. Sie erwähne dies deshalb, 

weil sie dann 2008 nochmals wegen eines Vortrags des Privatklägers in Zürich 

gewesen sei. Da habe sie sich auch mit B.B. getroffen und sie seien zusammen 

zu diesem Vortrag gegangen. Der Privatkläger habe sie im Frühjahr 2010 ange-

schrieben und sie gefragt, ob sie einen Lehrauftrag an der Uni Zürich für ein Se-

mester annehmen wolle, für das Herbstsemester. So seien sie wieder in Kontakt 

gekommen. Sie habe dies aber abgelehnt, weil sie damals gewusst habe, dass 

sie in Freiburg ein Stipendium habe, um dort am "FRIAS" zu sein, endlich einmal 

ohne Lehre. Nach dieser Anfrage für den Lehrauftrag hätten sie sich ein Mal ge-

sehen, um sich auszutauschen, an welchen Projekten sie gerade dran seien. Sie 

hätten sich damals in Basel getroffen. Das müsse spätes Frühjahr oder Früh-

sommer 2010 gewesen sein. Genau könne sie das nicht mehr sagen. Dann hät-

ten sie sich das nächste Mal gesehen, als sie Anfang Oktober 2010 ihren Vortrag 

im Rahmen des Berufungsverfahrens an der Universität Zürich gehalten habe. 

Dann habe sie den Ruf erhalten, sie glaube im Mai 2011, und dann habe im 

Sommer 2011 in Potsdam eine Tagung stattgefunden, das könne Juni oder Juli 

gewesen sein, sie wisse es nicht. Da seien sie beide eingeladen gewesen, da hät-

ten sie sich gesehen. Und dann erst wieder, als sie im Zusammenhang mit den 

Berufungsverhandlungen nach Zürich gemusst habe, um mit dem Dekan und dem 

Vorstand des Historischen Seminars die sogenannten Berufungsverhandlungen 

zu führen. Im Januar 2012 sei sie nach Zürich gezogen. Am 1. Februar 2012 habe 

-   33   - 

ihre Stelle am Historischen Seminar angefangen. Und von da an habe man sich 

natürlich fortwährend im Betrieb gesehen. Ab Sommer 2013 habe sich die Lie-

besbeziehung zum Privatkläger ergeben. Vorher habe sie nie eine Liebesbezie-

hung zu ihm gehabt (act. 18/1 S. 3 f.). Ergänzend fügte die Privatklägerin an, sie 

sitze nicht hier, weil der Beschuldigte dem Privatkläger Korruption im Rahmen des 

Berufungsverfahrens vorwerfe, sondern weil der Beschuldigte in seinen Artikeln 

Sachen über sie geschrieben habe, die ein Zürcher ihr gegenüber so zusammen-

gefasst habe: Sie werde "in diesen Artikeln als Nutte vorgeführt" (act. 18/1 S. 5). 

 2.4. Aussagen des Zeugen Y.Z. 

 Der als Zeuge i.S.v. Art. 177 StPO befragte Y.Z. gab anlässlich der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Mai 2015 zu Protokoll, er kenne den 

Beschuldigten, er habe ihn sogar einmal angestellt bei der Weltwoche, als er dort 

Chefredaktor gewesen sei. Er habe jetzt auch im Zusammenhang mit dem Man-

dat, dass er für die Privatkläger ausübe, Kontakt mit ihm gehabt. Zu den Privat-

klägern habe er keine spezielle Beziehung, er habe einfach das Mandat zur 

Kommunikationsunterstützung erhalten (act. 19/1 S. 2). Auf die Frage, was er 

über das vorliegende Verfahren wisse, gab der Zeuge an, nach der Publikation 

des ersten und zweiten Artikels in der Weltwoche sei er für die kommunikative 

Unterstützung beigezogen worden, da diese Artikel die Reputation der beiden Pri-

vatkläger arg beeinträchtigt hätten. Sein Job sei vor allem gewesen, mit den Me-

dien zu sprechen und eben abzusprechen, was und wie in diesem Zusammen-

hang gegenüber den Medien kommuniziert werden solle. Von daher kenne er die 

materiellen Vorwürfe natürlich gut und gleichermassen auch die Argumentation 

der Privatkläger. Von seinen Klienten, den Privatklägern, wisse er, dass diese seit 

Sommer 2013 eine Liebesbeziehung hätten (act. 19/1 S. 3). Auf entsprechende 

Fragen gab der Zeuge an, es treffe zu, dass er am späteren Nachmittag des 

10. April 2015 mit dem Beschuldigten telefoniert habe, es sei gut möglich, dass er 

(Y.Z.) ihn (den Beschuldigten), wie dieser es in seinen Notizen festgehalten habe 

[vgl. act. 13/2 S. 3], um 17:28 Uhr angerufen habe. Der Zeuge habe den Beschul-

digten schon seit zwei Tagen gesucht, sie hätten sich gegenseitig telefonisch ver-

passt und am 10. April 2015 habe er ihn erreicht. Schon in den Tagen zuvor, als 

-   34   - 

er ihn zu erreichen versucht habe, habe er ihm und R.K. schliesslich auf die 

Combox gesprochen und gesagt, es handle sich um einen "last call". Anlässlich 

des Telefonates vom 10. April 2015 habe er zum Beschuldigten gesagt, es sei ja 

so, dass erstens die Strafuntersuchung laufe und nun auch die Zivilklagen einge-

reicht würden. Ab jetzt würde es teuer werden. Er habe den Beschuldigten ge-

fragt, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, die ganze Sache einvernehmlich zu lö-

sen. Unter Bezugnahme auf seine mitgebrachten Notizen (act. 19/2) fuhr der 

Zeuge sodann fort, der Beschuldigte habe ihm gesagt, er sei immer bereit, Lö-

sungen zu diskutieren und er habe den Zeugen gefragt, was seine bzw. ihre Vor-

stellungen seien. Er habe dann gesagt, es seien im Prinzip die gleichen Punkte, 

die sie früher schon besprochen hätten. Sie hätten schon früher telefonisch mitei-

nander diskutiert. Erstens würde eine Entschuldigung erwartet, zweitens die 

Streichung der Artikel im Archiv und im Internet und drittens der Verzicht, diese 

Vorwürfe künftig zu wiederholen. Die Kostenfrage habe der Zeuge anlässlich die-

ses Telefonats ausgeklammert, doch die Kostenfrage hätten sie früher schon 

einmal diskutiert gehabt und es habe der Vorschlag bestanden, dass zumindest 

ein Teil der Kosten durch den Beschuldigten übernommen würde. Dieser habe 

dann sinngemäss zu ihm gesagt, er habe riesige Probleme, sich zu entschuldi-

gen, weil er verschiedene Zeugen hätte, die ihm das in der Weltwoche Wiederge-

gebene glaubwürdig geschildert hätten. Der Zeuge habe geantwortet, der Be-

schuldigte müsse diese Beweise im juristischen Verfahren offenlegen. Der Be-

schuldigte habe daraufhin sinngemäss gesagt, seine Zeugen würden nur anony-

misierte Aussagen machen. Sie hätten dann noch ein wenig hin und her disku-

tiert. Am Schluss habe der Beschuldigte gesagt, der Zeuge solle ihm die Vor-

schläge schriftlich zukommen lassen, damit sie diese nochmals diskutieren könn-

ten, was er in Aussicht gestellt habe (act. 19/1 S. 3 f.). Auf Vorhalt, der Beschul-

digte behaupte, der Zeuge habe ihm anlässlich des Telefonats vom 10. April 2015 

Folgendes gesagt: "Wir wissen alle, dass die beiden Ende der 1990er Jahre eine 

Affäre hatten." und: "Aber wie willst du das vor Gericht beweisen? Es war ja nie-

mand dabei." [Zitat gemäss act. 13/2 S. 3], gab der Zeuge zu Protokoll, das sei 

"Haferkäs", das habe er nie gesagt, das sei absurd. Er habe ihm gesagt, er könne 

es nicht beweisen, das habe er gesagt. Auf die Frage, ob er selber nie geltend 

-   35   - 

gemacht habe, er wisse, dass die Privatkläger schon Ende der 1990er Jahre eine 

Affäre gehabt hätten, gab der Zeuge an, das habe er nie. Er habe nicht nur ge-

genüber dem Beschuldigten sondern auch gegenüber dessen früherem Rechts-

vertreter M.W. klar seine Position vertreten, nämlich erstens, dass keine Bezie-

hung bestanden habe und zweitens, dass eine Liebesbeziehung erst seit Sommer 

2013 bestanden habe. Der Beschuldigte habe in seinen Notizen von diesem Tele-

fonat etwas festgehalten, was er so nie gesagt habe (act. 19/1 S. 4 f.). Auf Ergän-

zungsfrage des Verteidigers, ob er wisse, ob an der Universität Zürich schon län-

ger von Personen gesagt werde, die Privatkläger hätten schon vor dem Beru-

fungsverfahren eine Beziehung gehabt, gab der Zeuge an, er habe von diesen 

Gerüchten aus der Weltwoche Kenntnis, er könne sie selber nicht beurteilen 

(act. 19/1 S. 6).  

 2.5. Untersuchungsbericht der Universität Zürich zum Berufungsverfahren 

 Dem Untersuchungsbericht der Universität Zürich zum Berufungsverfahren 

ist unter dem Titel "Offenlegung persönlicher Bekanntschaften von Kommissi-

onsmitgliedern mit PD Dr. [G.]" zu entnehmen, was folgt (act. 20/7 = 20/8, S. 20-

23): 

"Die Kommissionsmitglieder, die sich daran erinnern konnten, dass die Frage der Unbefangenheit 

in der Berufungskommission erörtert worden war, gaben an, nur zwei Kommissionsmitglieder hät-

ten eine Bekanntschaft mit Bewerbern oder Bewerberinnen offengelegt. 

So gab ein Kommissionsmitglied in Bezug auf PD Dr. [G.] an, er sei 1996 Mitglied der Promotions-

kommission gewesen und habe das Zweitgutachten verfasst, wofür er im Vorwort der 1998 veröf-

fentlichten Dissertation dankend erwähnt worden sei. Dieser Umstand wurde von der Kommission 

richtigerweise nicht als ein Hinweis auf Befangenheit gewertet. 

Prof. [S.] informierte die Kommission darüber, dass er PD Dr. [G] vor vielen Jahren im Rahmen 

von Kongressen kennengelernt hatte und ebenfalls im Vorwort ihrer Dissertation, neben zahlrei-

chen anderen Personen, dankend erwähnt wurde. Auch diese Umstände wurden richtigerweise 

nicht als eine "persönliche Beziehung" bewertet, die die Unbefangenheit eines Berufungskommis-

sionsmitglieds in Frage stellt. 

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, stellte der Journalist [P.G.], der selber früher am Histori-

schen Seminar gearbeitet und sich dort promoviert hatte, diese Darstellung der damaligen Be-

-   36   - 

kanntschaft öffentlich in Frage. ln mehreren seit Oktober 2014 in der Weltwoche veröffentlichen 

Artikeln behauptet er sinngemäss, die Beziehung zwischen Frau [G.] und Herrn [S.] sei zu einem 

nicht präzisierten Zeitpunkt vor dem Berufungsverfahren eine Liebesbeziehung gewesen. Letzte-

rer sei folglich befangen gewesen und habe seine Position in der Berufungskommission dazu 

missbraucht, seiner vermeintlichen "vormaligen Geliebten" zum Nachteil anderer Bewerber/innen 

auf "korrupte" Art und Weise eine Anstellung an der Universität Zürich zu verschaffen. 

Wäre diese Anschuldigung wahr, so hätte es sich bei diesem Verhältnis um eine "persönliche Be-

ziehung" gehandelt, deren Beschaffenheit gemäss Ziff. 9.2. lit. b der Geschäftsordnung für Beru-

fungskommissionen Befangenheit indiziert hätte. Ziff. 9.2. lit. b der Geschäftsordnung erfasst aus-

drücklich auch ehemalige Beziehungen, ohne eine temporelle Begrenzung vorzunehmen. Folglich 

hätte Prof. [S.], wären die in der Weltwoche formulierten Vorwürfe fundiert, nach Eingang der Be-

werbungen die Kommission von seiner Befangenheit informieren und bei der ersten Auswahl von 

Bewerbern in den Ausstand treten müssen. Nachdem der Name von PD Dr. [G.] bereits bei der 

ersten Sitzung in die engere Wahl genommen wurde, hätte er am 14. April 2010 aus der Kommis-

sion austreten müssen. 

Es war nicht Ziel der uns aufgetragenen internen Sachverhaltsfeststellung abzuklären, ob die be-

hauptete frühere Liebesbeziehung tatsächlich bestanden habe. Zwar haben weder die uns zur 

Verfügung gestellten Unterlagen noch die Aussagen der Befragten diesen Vorwurf erhärtet; wir 

verfügten jedoch nicht über die Kompetenz, bei Drittpersonen Beweise zu erheben. Vielmehr be-

stand unsere Aufgabe darin abzuklären, ob die Kommission und später die Universitätsleitung 

Umstände, die auf Befangenheit hindeuteten, ignoriert haben. 

Allgemein bekannt und unbestritten ist, dass Prof. [S.] und Prof. [G.] über zwei Jahre nach dem 

Abschluss des Berufungsverfahrens Lebensgefährten wurden. Prof. [S.] sagte aus, die Liebesbe-

ziehung bestehe seit dem Sommer 2013, und seit 2014 teile er eine Wohnung mit Prof. [G.]. Letz-

tere habe er 1997 auf einer Tagung in Bielefeld kennengelernt und bis 2000 wenige Male getrof-

fen. Es entstand ein freundschaftlicher Email-Kontakt; man tauschte sich über gemeinsame wis-

senschaftliche Themen wie die damals aktuelle Körpergeschichte aus, sowie über die kleinen Kin-

der, die beide hatten. Der Kontakt sei nach 2000 aber eingeschlafen und existierte in den zehn 

Jahren bis zum Berufungsverfahren praktisch nicht mehr. Getroffen hätte er [S.G.], als sie 2005 

einen Vortrag an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der UZH gehalten 

habe. 

Die Befragung der übrigen Mitglieder der Berufungskommission hat ergeben, dass es zur Zeit des 

Berufungsverfahrens keinerlei Hinweis auf ein früheres oder noch bestehendes Liebesverhältnis 

zwischen Prof. [S.] und der Bewerberin gab. Es zirkulierten damals nach Wissen der Befragten am 

Historischen Seminar auch keine diesbezüglichen Gerüchte, die zu Abklärungen hätten Anlass 

geben müssen. Auch habe das Verhalten Prof. [S's] während der Kommissionsarbeiten keines-

-   37   - 

wegs vermuten lassen, er sei voreingenommen gewesen und habe sich von Anfang an für eine 

bestimmte Bewerbung eingesetzt oder hinter den Kulissen dafür die Fäden gezogen. Im Gegenteil 

habe er sich, so erinnert sich der Kommissionspräsident, bis zum Schluss ambivalent gezeigt, wer 

auf den ersten Platz gehörte. 

Von anderen Befragten wurde auch auf die Tatsache hingewiesen, dass die für den Ausgang des 

Berufungsverfahrens äusserst wichtige Begutachtung der Schriften von PD Dr. [G] nicht von Prof. 

[S.] übernommen wurde, sondern von zwei anderen Kommissionsmitgliedern, darunter ein Kolle-

ge, dessen ehemaliger Dissertant sich ebenfalls beworben hatte. Hätte Prof. [S.] eine Bewerbung 

in unredlicher Weise favorisieren wollen, so hätte er sich vermutlich gerade in dieser besonders 

heiklen Phase der Auswahl der zur Probevorlesung Geladenen für eine andere Rollenverteilung 

eingesetzt. 

Den Entwurf für den Strukturbericht, in dem die Weichen für das weitere Verfahren gestellt wur-

den, hat Prof. [S.] zwar in seiner Eigenschaft als Co-Leiter des Instituts mitverfasst, aber dies zu-

sammen mit demselben Kollegen, der sich später dezidiert für einen der drittplatzierten Bewerber 

einsetzte. Ausserdem, so wurde von einem anderen Kommissionmitglied geltend gemacht, habe 

Prof. [S.] bei der Festlegung der Stellenausschreibung immer für ein möglichst offenes Profil plä-

diert, um möglichst viele Bewerbungen anzuziehen. 

Die Befragten waren über die von der Weltwoche geäusserten Vorwürfe orientiert; sie wollten sich 

aber grösstenteils dazu inhaltlich nicht äussern. Der allgemeine Tenor der Aussagen war, es 

handle sich um eine politisch motivierte Pressekampagne. Ausserdem wurden die wiederholten 

Angriffe auf Prof. [S.] und auf die Objektivität des Berufungsverfahrens als Ausdruck eines persön-

lichen Ressentiments des Journalisten gegenüber dem Historischen Seminar, dem er einmal an-

gehört hatte, gewertet, bzw. auf frühere Konflikte einzelner Exponenten der Zürcher Historiker mit 

der Weltwoche nahestehenden Personen zurückgeführt. Letztlich, so wurde wiederholt gesagt, 

gehe es um die politische Kontrolle der Universität und die Eindämmung der akademischen Frei-

heit. 

Ein einziger Befragter gab zu Protokoll, er halte die Vorwürfe gegen Prof. [S.] für plausibel und ha-

be im Laufe des letzten Jahres aus "zwei sicheren Quellen" erfahren, dass diese zuträfen, be-

nannte diese aber nicht und betonte spontan, er verfüge über keine Beweise. 

Auch dieser Befragte behauptet also jedenfalls nicht, es habe zum Zeitpunkt des Berufungsverfah-

rens Informationen oder Gerüchte gegeben, die von der Berufungskommission, der Philosophi-

schen Fakultät oder der Universitätsleitung pflichtwidrig ignoriert wurden." 

-   38   - 

 Im Ergebnis beantworteten die Experten die ihnen gestellte Frage, ob das 

Berufungsverfahren "Moderne Geschichte" an der Philosophischen Fakultät kor-

rekt abgelaufen sei, wie folgt (act. 20/7 = 20/8, S. 36 f.): 

"Das Berufungsverfahren zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Geschichte der Neuzeit (de facto 

Nachfolge Prof. [M.]) ist weitgehend korrekt verlaufen. Ein Verfahrensfehler in Bezug auf den ex-

ternen Experten wurde durch die Einholung von zwei zusätzlichen externen Gutachten geheilt. 

Die Untersuchung hat keine gravierenden Verstösse gegen die Ausstandsregelung der Philoso-

phischen Fakultät der Universität Zürich ergeben. 

Sowohl der Dekan als auch der für die Philosophische Fakultät zuständige Prorektor räumten an-

lässlich ihrer Befragung ein, der Umgang mit dem Unbefangenheitsgebot sei zu der damaligen 

Zeit nicht immer ganz korrekt verlaufen. Inzwischen habe die Philosophische Fakultät aber eine 

Stabstelle eingerichtet, deren Aufgabe es sei, alle Berufungsverfahren administrativ zu begleiten 

und darauf zu achten, dass sämtliche formellen und materiellen Erfordernisse genau eingehalten 

und dokumentiert werden. 

Das Prinzip der Unbefangenheit war allen Kommissionsmitgliedern bekannt. Im Einzelnen war 

man sich jedoch über die geltenden Regeln im Unklaren. So hat die Untersuchung ergeben, dass 

ein Kommissionsmitglied in Bezug auf einen Bewerber, der früher am Historischen Seminar ange-

stellt war, hätte in den Ausstand treten müssen. Das Anstellungsverhältnis war zwar zumindest 

den Kommissionsmitgliedern aus dem Historischen Seminar bekannt, aber es kam nicht zur Spra-

che und wurde nicht als Ausstandsgrund erkannt. Offensichtlich entsprach das Rechtsempfinden 

der Kommissionsmitglieder in Bezug auf den Ausstand bei Betreuungs- und Arbeitsverhältnissen 

nicht den damals wie heute an der Philosophischen Fakultät geltenden Vorschriften, die sich nicht 

damit begnügen, dass die Beziehung transparent gemacht wird, sondern den Ausstand der be-

troffenen Kommissionsmitglieder fordern. 

Auch die Tatsache, dass ein Kommissionsmitglied am Strukturbericht mitgearbeitet und sich 

nachher auf die Stelle beworben hat, ist nicht zufriedenstellend. Solche Situationen, die den An-

schein aufkommen lassen, ein Kommissionsmitglied habe die Gelegenheit gehabt, im eigenen In-

teresse zu handeln, sollten durch eine rechtzeitige, sorgfältige Abklärung der Intentionen der Be-

troffenen vermieden werden. 

In Bezug auf Prof. [S.] haben unsere Abklärungen keine Verletzung der Ausstandsvorschriften und 

kein sonstiges Fehlverhalten an den Tag gebracht." 

-   39   - 

 2.6. Zwischenergebnis 

 An dieser Stelle ist in Bezug auf den äusseren Sachverhalt zunächst festzu-

halten, dass erstellt ist, dass der Beschuldigte als Journalist und stellvertretender 

Chefredaktor der wöchentlich in einer Druckauflage von 80'000 Exemplaren sowie 

online erscheinenden Zeitung Weltwoche die eingeklagte Artikelserie verfasste 

und publizierte und er sich während eines Fernsehauftritts bei Tele Züri im Sinne 

des gleichentags publizierten Artikels äusserte. Dies wurde vom Beschuldigten 

denn auch nie in Abrede gestellt. Vielmehr erachtet er die von ihm in den genann-

ten Artikeln gemachten Äusserungen vor dem Hintergrund der von ihm aufgestell-

ten und den Artikeln gleichsam als Prämisse zugrundeliegenden Behauptung, die 

Privatkläger hätten schon vor dem Berufungsverfahren zur Neubesetzung des 

Lehrstuhls für Geschichte der Neuzeit an der Philosophischen Fakultät der Uni-

versität Zürich, das im Jahre 2009 begonnen und 2011 mit der Berufung der Pri-

vatklägerin zur Professorin geendet habe, eine Liebesbeziehung unterhalten, als 

gerechtfertigt und zulässig. 

 Im Folgenden wird im Lichte der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen 

vor dem Hintergrund der erhobenen Beweise zu prüfen sein, ob (1.) der einge-

klagte Straftatbestand der üblen Nachrede in objektiver und subjektiver Hinsicht 

erfüllt ist, bejahendenfalls, ob (2.) der Beschuldigte zum Entlastungsbeweis zuzu-

lassen ist und, wiederum bejahendenfalls, ob (3.) ihm dieser gelingt. Schliesslich 

wird zu prüfen sein, ob der Beschuldigte gegen das UWG verstossen hat. 

3. Rechtliches zur eingeklagten Üblen Nachrede 

 3.1. Relevanter Ehrbegriff und Umfang des Ehrenschutzes 

 Der strafrechtliche Ehrbegriff ist enger als der zivilrechtliche. Nach ständiger 

Bundesgerichtspraxis beschränkt sich der strafrechtliche Schutz der Ehre auf den 

sittlichen Bereich. Geschützt ist der Ruf, ein ehrbarer Mensch zu sein, d.h. "sich 

so zu benehmen, wie nach allgemeiner Anschauung ein charakterlich anständiger 

Mensch sich zu verhalten pflegt". Nicht geschützt hingegen ist nach ständiger 

bundesgerichtlicher Praxis der gesellschaftliche Ruf, namentlich die berufliche 

-   40   - 

Geltung, die z.B. bei der Herabsetzung als Berufsmann, Künstler oder Sportler, 

bei einer Kritik an der politischen Auffassung, bei abschätzigen Bemerkungen 

wegen körperlicher Missbildung und beim Vorwurf schwacher schulischer Leis-

tungen beeinträchtigt ist (statt Weiterer BSK StGB-Riklin, 3. Aufl., Vor Art. 173 N 7 

und 16 f. m.w.H.). Wegen der Beschränkung des Rechtsgutsschutzes auf die sitt-

liche Ehre liegt eine Rechtsverletzung namentlich dann vor, wenn ein individual- 

oder sozialethisch verpöntes Verhalten vorgeworfen, wenn jemand charakterlich 

als nicht einwandfreier, als nicht anständiger, integrer Mensch dargestellt wird 

(a.a.O., N 20, m.w.H.). Ehrverletzend ist etwa der Vorwurf, vorsätzlich eine straf-

bare Handlung begangen zu haben, wie etwa die Diskreditierung als Betrüger 

(a.a.O., N 21, m.w.H.), ebenso der Vorhalt, jemand habe gelogen oder sei unehr-

lich (a.a.O., N 22, m.w.H.). Nicht ehrverletzend ist hingegen z.B. die Äusserung 

gegenüber einem Professor der Jurisprudenz, er habe von seinem Fach keine 

Ahnung oder der Vorwurf gegenüber einem Zahnarzt, er habe den Zeitpunkt für 

die Änderung der Zahnstellung eines Kindes verpasst (a.a.O., N 24, m.w.H.). 

 3.2. Erheblichkeit von Verletzungen, massgebende Wertmassstäbe und In-

terpretationsfragen 

 Massgebend für den Richter sind nicht die Wertmassstäbe des Verletzers 

oder des Betroffenen, sondern derjenigen, die von der Eingriffshandlung Kenntnis 

erhalten, d.h. i.d.R. eine "Durchschnittsmoral" bzw. eine "Durchschnittsauffas-

sung" über die Bedeutung der zur Diskussion stehenden Ausdrucksweisen. Es 

kommt auf den Sinn an, den ein unbefangener Adressat (bzw. der Durchschnitts-

rezipient) einer Aussage nach den Umständen beilegen muss (Riklin, a.a.O., N 

28, m.w.H.). Handelt es sich um einen Text, so ist er nicht allein anhand der ver-

wendeten Ausdrücke - je für sich allein genommen - zu würdigen, sondern auch 

nach dem Sinn, der sich aus dem Text als Ganzes ergibt, so wie die Äusserungen 

im Gesamtzusammenhang verstanden werden (a.a.O., N 30, m.w.H.). 

 3.3. Ehrverletzungen durch die Medien 

 Den Medien kommt nach ständiger Bundesgerichtsrechtsprechung im Prin-

zip keine Sonderstellung zu; sie unterstehen den allgemeinen Regeln über das 

-   41   - 

Ehrverletzungsrecht (vgl. dazu bereits vorne unter II.3.2.). Diese Feststellung ist 

allerdings zu relativieren. Medien haben nicht per se einen Anspruch auf Privile-

gierung. Hingegen sind der Wertgehalt der Medienfreiheit und damit die staatspo-

litisch wichtige Aufgabe der Medien bei der Auslegung unbestimmter Rechtsbe-

griffe heranzuziehen, namentlich auch im Strafrecht. Diese Normen sind verfas-

sungskonform (und unter Berücksichtigung von Art. 10 EMRK) auszulegen (Riklin, 

a.a.O., N 65, m.w.H.). Dass Art. 10 Abs. 1 EMRK (wie Art. 16 BV) die Freiheit der 

Meinungsäusserung schützt, ist namentlich für die Tätigkeit der Medien von gros-

ser Bedeutung: Nach dieser Norm darf allerdings die Meinungsäusserungsfreiheit 

"zum Schutz des guten Rufes" bzw. zum Schutz des Ansehens von Einzelperso-

nen und Personenmehrheiten durch staatliche Organe eingeschränkt werden 

(a.a.O., N 66, m.w.H., insbesondere auf BGE 137 IV 322).  

 In diesem Zusammenhang führte das Bundesgericht aus, was folgt: Gleich 

wie jeder andere Schöpfer eines Werks ist der Autor eines Artikels den von 

Art. 10 Abs. 2 EMRK vorgesehenen Möglichkeiten der Einschränkung unterwor-

fen: Wer sich auf die Meinungsfreiheit beruft, übernimmt nach dem Wortlaut die-

ses Absatzes "Pflichten und Verantwortung". Aufgrund dieser "Pflichten und Ver-

antwortung" ist die Meinungsfreiheit, die Art. 10 EMRK den Journalisten bezüglich 

der Berichterstattung über Fragen von allgemeinem Interesse gewährleistet, an 

die Voraussetzung gebunden, dass die Betroffenen in guten Treuen handeln, um 

genaue und glaubwürdige Informationen unter Wahrung der journalistischen Be-

rufsethik zu verbreiten. Der Autor muss sich somit an die für die Journalisten übli-

che Pflicht halten, Fakten zu verifizieren. Diese Pflicht bedeutet, dass er sich auf 

eine Faktenlage zu stützen hat, die im Verhältnis zur Natur und zur Wirkung der 

Behauptung genügend genau und glaubwürdig erscheint, im Wissen, dass die 

Faktengrundlage umso solider sein muss, je ernsthafter die Behauptung ist (BGE 

137 IV 313, E. 3.3.2, S. 323 f., zitiert gemäss Praxis 2012, Nr. 53, S. 375, unter 

Auslassung der Verweise). 

-   42   - 

 3.4. Üble Nachrede 

 3.4.1. Massgebende Gesetzesbestimmung 

 Der üblen Nachrede macht sich schuldig, wer jemanden bei einem anderen 

eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen, die geeignet sind, sei-

nen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt, sowie wer eine solche Be-

schuldigung oder Verdächtigung verbreitet (Art. 173 Ziff. 1 StGB). 

 3.4.2. Objektive Tatbestandsmerkmale 

 Voraussetzung ist das Vorliegen eines Ehreingriffs, d.h. der Vorwurf eines 

unehrenhaften Verhaltens. Gegenstand einer üblen Nachrede können aber auch 

andere Tatsachen sein, die geeignet sind, den Ruf zu schädigen (Riklin, a.a.O., 

N 2 f. zu Art. 173 StGB; vgl. zum geschützten Rechtsgut und zur Kasuistik auch 

vorne unter 3.1. f.). Auch die Verdächtigung und Weiterverbreitung von Rufschä-

digungen sind unzulässig (a.a.O., N 4, m.w.H.). Gegenstand einer üblen Nachre-

de können sowohl wahre als auch unwahre die Ehre beeinträchtigende Aussagen 

sein. Unerheblich ist, ob der Adressat die Beschuldigung oder Verdächtigung für 

wahr hält. Die Frage der Wahrheit einer Aussage betrifft nicht die Tatbestands-

mässigkeit, sondern die Strafbarkeit. Der Täter bleibt straflos, wenn er zu einem 

Entlastungsbeweis zugelassen wird und der Beweis gelingt (a.a.O., N 5, m.w.H.). 

Die Äusserung muss gegenüber einem Dritten erfolgen, es genügt, wenn es sich 

um eine einzige Person handelt (a.a.O., N 6). Vollendet ist die Tat, wenn der An-

dere die Äusserung zur Kenntnis nimmt (a.a.O., N 8, m.w.H.). 

 3.4.3. Subjektive Tatbestandsmerkmale 

 Die üble Nachrede setzt Vorsatz voraus. Der Täter muss alle objektiven Tat-

bestandsmerkmale mit Wissen und Willen erfüllen. Eventualvorsatz genügt. Eine 

besondere Beleidigungsabsicht ist nicht erforderlich. Der Vorsatz braucht sich 

nicht auf die tatsächliche Schädigung des Rufs zu beziehen; der Täter muss sich 

nur der Ehrenrührigkeit seiner Behauptung bewusst gewesen sein und sie trotz-

dem erhoben haben (Riklin, a.a.O., N 9 f., m.w.H.). 

-   43   - 

 3.4.4. Entlastungsbeweise 

 3.4.4.1. Massgebende Gesetzesbestimmung 

 Gemäss Art. 173 Ziff. 2 StGB ist, wer eine ehrverletzende Äusserung ge-

macht hat, nicht strafbar, wenn er beweist, dass die Äusserung der Wahrheit ent-

spricht [Wahrheitsbeweis] oder dass er ernsthafte Gründe hatte, sie in guten 

Treuen für wahr zu halten [Gutglaubensbeweis]. 

 3.4.4.2. Wahrheitsbeweis  

 Wahre ehrverletzende Behauptungen sind i.d.R. straflos. Der Verletzer kann 

den Wahrheitsbeweis erbringen. Er ist beweispflichtig. Es liegt eine Umkehr der 

üblichen Beweislast vor. Gegenstand des Wahrheitsbeweises können nur Tatsa-

chen sein, d.h. "Ereignisse oder Zustände der Gegenwart oder Vergangenheit 

[...], die äusserlich in Erscheinung treten und dadurch wahrnehmbar und dem 

Beweise zugänglich werden". Im Gegensatz zum Gutglaubensbeweis kann sich 

der Wahrheitsbeweis auch auf Umstände stützen, die dem Täter erst nach der 

Äusserung bekannt werden oder sich aus einer späteren Abklärung ergeben (Rik-

lin, a.a.O., N 13 f., m.w.H.). 

3.4.4.3. Gutglaubensbeweis 

 Ehreingriffe sind demgegenüber i.d.R. strafbar, wenn sie unwahr sind. Der 

Verletzer kann jedoch den Gutglaubensbeweis erbringen, d.h. er ist ausnahms-

weise auch in diesem Fall nicht belangbar, wenn er nachweist, dass er ernsthafte 

Gründe hatte, eine Behauptung in guten Treuen für wahr zu halten (Riklin, a.a.O., 

N 19, m.w.H.). Auch hier trägt der Verletzer die Beweislast und das Beweislastri-

siko. Der gute Glaube genügt noch nicht, der Angeschuldigte muss