# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a8b784f6-7017-5ed0-b096-0b81fc3b5d32
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-14
**Language:** de
**Title:** Medizinische Massnahmen; Voraussetzungen für eine Kostenübernahme für das Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV-EDI Anhang nicht erfüllt (nicht sämtliche Anerkennungskriterien gegeben).
**Docket/Reference:** IV.2025.00114
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2025.00114.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2025.00114
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Curiger
Sozialversicherungsrichter Kübler
Gerichtsschreiber Sonderegger
Urteil
vom
14. Mai 2025
in Sachen
X.___
, geb. 2015
Beschwerdeführerin
gesetzlich vertreten durch die Mutter
Y.___
diese vertreten durch Rechtsanwältin Noëlle
Cerletti
Advokatur Bülach
Sonnmattstrasse 5, Postfach, 8180 Bülach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geb
oren
2015
, wurde von ihre
n Eltern
am 1
3.
Oktober 20
2
3 unter Hinweis auf eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstö
rung
(ADHS)
bei der Invalidenversicherung zum Bezug medizinischer Massnah
men angemeldet (
Urk.
6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich nahm medizinische Abklärungen vor (
Urk.
6/5,
Urk.
6/13,
Urk.
6/14,
Urk.
6/22) und wies
das Leistungsbegehren
nach Durchführung des
Vorbescheidsverfahrens
(
Urk.
6/24,
Urk.
6/27+33) mit Verfügung vom
7.
Januar 2025 (
Urk.
2)
ab.
2.
Dagegen erhob die Mutter der Versicherten am
7.
Februar 2025 Beschwerde und beantragte die Anerkennung der ADHS-Erkrankung als Geburtsgebrechen mit Kostengutsprache für medizinische Massnahmen (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
2.
März 2025 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Mutter der Versicherten zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
13 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) haben Versicherte bis zum vollendeten 2
0.
Altersjahr Anspruch auf die zur Behand
lung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) notwendigen medizi
nischen Massnahmen (
Abs.
1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Abs.
2). Der Bundesrat hat von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und in der Liste im Anhang Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-EDI) die in Betracht fallenden Geburtsgebrechen aufgeführt (
Art.
1
GgV
-EDI).
1
.2
Als Geburtsgebrechen im Sinne von
Art.
13 IVG gelten Gebrechen, die bei voll
endeter Geburt bestehen. Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
-EDI
)
; davon ausgenommen ist
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang
(Meyer Ulrich/Reichmuth Marco, in: Stauffer Hans-
Ulrich/
Cardinaux
Basile [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundes
gesetz über die Invalidenversicherung IVG,
4.
Aufl., Zürich 202
2
,
Art.
13 N 5)
.
Geburtsgebrechen im Sinne von
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang
sind angeborene Störun
gen des Verhaltens bei Kindern ohne Intelligenzminderung mit kumula
tivem Nachweis von Störungen des Verhaltens im Sinne einer krankhaften Beeinträch
tigung der Affektivität oder der Kontaktfähigkeit, von Störungen des Antriebes, des Erfassens (perzeptiven Funktionen), der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit (Aufmerksamkeitsdefizit-
/
Hyperaktivitätsstörung [ADHS]; früher «psychoorganisches Syndrom», POS; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_418/2016 vom
4.
November 2016 E. 4)
. D
ie Diagnosestellung und der Beginn der Behandlung müssen vor der Vollendung des
9.
Lebensjahres erfolgt sein (
Abs.
2 von
Ziff.
404
GgV
-EDI, vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 9C_855/2017 vom 1
9.
Dezember 2018 E. 2.3 mit Hinweisen sowie
Ziff.
1.3 ff. des Anhangs 4 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der IV [KSME],
gültig ab
1.
Januar 2022,
Stand:
1.
Januar 202
5).
1.
3
Nach ständiger Rechtsprechung handelt es sich bei der objektiven Bedingung
«
mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des
9.
Altersjahres auch behandelt
»
um zwei kumulativ zu erfüllende Anspruchsvoraussetzungen im Sinne von Abgrenzungskriterien, um zu entscheiden, ob die Störung angeboren oder erworben ist. Das Fehlen von wenigstens einem der beiden Merkmale begründet die unwiderlegbare Rechtsvermutung, es liege kein Geburtsgebrechen im Rechts
sinne vor. Dabei genügt weder eine vor dem Stichtag festgestellte Behandlungs
bedürftigkeit noch die Anmeldung für eine im Sinne von
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang
anerkannte Behandlung, um eine solche anzunehmen (BGE 122 V 113 E. 3c/
bb
und E. 4c; SVR 2017 IV Nr. 26 S. 73, 9C_418/2016 E. 4 mit Hinweisen).
1.
4
Gemäss
KSME-Anhang
4
gelten die Voraussetzungen von
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang als erfüllt, wenn vor Vollendung des
9.
Altersjahres mindestens Störun
gen des Verhaltens im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder der Kontaktfähigkeit, des Antriebes, des Erfassens (perzeptive
oder Wahrnehmungs
störungen), der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit ausgewiesen sind. Diese Symptome müssen kumulativ nachgewiesen sein, wobei es genügt, wenn sie nicht alle gleichzeitig, sondern erst nach und nach auftreten (
sog. Anerkennungskriterien,
Ziff.
2.1 KSME-Anhang
4
)
.
Bei der Diagnose
stellung reicht es nicht aus, eine ADS-Symptomatik als POS zu bezeichnen, son
dern die Anerkennungskriterien müssen mittels Untersuchung nachvollziehbar belegt sein (
Rz
. 404.5 KSME
,
Ziff.
1.3 KSME-Anhang 4)
.
Das Bundesgericht hat die
Gesetzesmässigkeit der
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang sowie die Verordnungs
konformität der seit
1.
Juni 1986 im Wesentlichen unveränderten Verwaltungs
weisungen (
Rs
. 404.5 KSME) wiederholt bestätigt (Urteil des Bundesgerichts
9C_316/2018 vom 2
3.
Oktober 2018 E. 4.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für die Anerkennung und Behand
lung eines Geburtsgebrechens nach
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang
erfüllt sind (
Art.
13 IVG)
. Unbestritten ist, dass vorliegend eine Kostengutsprache für allfällige Therapien gestützt auf
Art.
12 IVG nicht zu prüfen ist. Es kann hierzu auf die Ausführungen in der Verfügung vom
7.
Januar 2025 verwiesen werden (
Urk.
1,
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdegegnerin lehnt die Anerkennung des Geburtsgebrechens gemäss
Ziff.
404
GgV
-EDI Anhang ab mit der Begründung, bei der Versicherten
seien
keine Störung des Antriebs, keine Störung des Erfassens/Erkennens und auch keine Störung der Merkfähigkeit ausgewiesen
. Bei ihrer Beurteilung stützte sie sich auf die Stellungnahmen von
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Neurologie,
vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD;
Urk.
2).
2.3
Demgegenüber erachtet die Beschwerdeführerin sämtliche Anerkennungskrite
rien für ein
Geburtsgebrechen im Sinne von
Ziff.
404
GgV
-EDI Anhang als gege
ben (
Urk.
1).
3.
3.1
Aufgrund von
Konzentrationsschwierigkeiten
,
Mühe beim Lesen und Schreiben
sowie
Verhaltensauffälligkeiten
mit Schwierigkeiten in der emotionalen Regula
tion wurde die Beschwerdeführerin von ihrem Kinderarzt
Dr.
med.
A.___
, Facharzt fü
r Pädiatrie
,
an
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Pädiatrie,
zur entwicklungspädiatri
schen Abklärung
über
wiesen
, welche am
5.
und 2
3.
September 2023 stattfand
(
Urk.
6/5/1-3).
Dr.
med.
B.___
diagnostizierte
ein
en
altersentsprechende
n
kognitive
n
Entwick
lungsstand und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung.
Testdi
a
-
gnostisch
führte er den Kaufmann-ABC II-Test sowie den Zürcher Neuromoto
rik-Test durch. Beim
Kaufmann-ABC II Test
liegt die Norm bei 100+/-1
5.
Es ergaben sich folgende Resultate: Sequenziell 106, Simultan 9
5
, Lernen 110
,
Wissen 100, Planen 85 und FKI 9
7.
Zudem wurden Untertests durchgeführt, die Norm liegt bei diesen bei 10+/-
3.
Die Resultate waren: Atlantis 11, Geschichten ergän
zen 7, Zahlen nachsprechen 12, Rover
7,
Wort und Sachwissen
9
,
Symbole
12
,
Dreiecke
11
,
Wortreihe
10
,
Handbewegungen
6
,
Muster ergänzen
8
und
Rätsel
1
1.
Die Testung nach
Zürcher Neuromotorik
ergab folgende Resultate:
Statische Balance
P 10-25
,
Adaptive Leistungen (Steckbrett)
P 25-5
0. Dr.
B.___
führte aus, er habe
die Beschwerdeführerin
im Alter von
acht
Jahren untersucht und sie als herziges
,
aber auch ungeduldiges, teilweise mürrisches Mädchen kennengelernt
.
Für die
kognitiven Testung
habe sie
immer wieder motiviert werden
müssen. Sie
zeig
e
eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und l
asse
sich schnell ablenken. Insge
samt
habe
sie
altersentsprechende Resultate in der kognitiven
Testung mit jedoch visueller Merkfähigkeitsschwäche
erzielt
.
Sowohl im Gönners
-
Elternfragebogen als auch im Gönners
-
Fragebogen
,
ausgefüllt durch die Lehrperson
,
hätten
sich Auffälligkeiten in den Bereichen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität/
lmpulsivität
, Lern
en
, e
xekutive Funktionen und Aggressivität/Trotz
gezeigt
.
Aufgrund der Befunde und Anamnese
sei
von einer Aufmerksamkeitsstörung im Sinne eines ADHS mit visueller Merkfähigkeitsschwäche auszugehen. Eine Anmeldung bei der IV unter der
Ziff.
404
[
GgV
-EDI
Anhang
]
sei
indiziert
(Bericht vom
2
1.
Dezember 2023,
Urk.
6/5/6-8
)
.
3.2
Mit Schreiben vom 1
8.
März 2024 bestätigte
C.___
, eidg
.
aner
kannte Psychotherapeutin
D.___
, dass die Beschwerdeführerin bei ihr vom
6.
September bis 1
5.
November 2021 für zehn Konsultationen
in Therapie war
. Es habe von Anfang
an der Verdach
t
auf eine Aufmerksamkeitsstörung mit Schwer
punkt auf Impulsivität und Stimmungslabilität bestanden, weshalb sie den Eltern geraten habe, die Beschwerdeführerin auf ein ADHS hin abklären
zu lassen
(
Urk.
6/14).
Weiter ist den Akten zu entn
e
hmen, dass die Beschwerdeführerin vom 2
4.
März 20
21
bis
7.
Februar 2023 eine
Psychomotoriktherapie
besucht
e
(
Urk.
6/16). Seit 2
6.
März 2024 ist sie nun in Ergotherapie (
Urk.
6/13).
3.3
Auf den Hinweis der IV-Stelle, dass aus den Testbefunden keine Antriebsstörung, keine Störung des Erfassens/Erkennens und keine Störung der Gedächtnisfunkti
onen herleitbar seien, und der Aufforderung, eine entsprechende Dokumentation vorzulegen, antwortete
Dr.
A.___
mit Schreiben vom 3
0.
Mai 2024, dass die auditive Testung im Normbereich gelegen habe
und
die visuelle (Handbewegung)
mit einem Rohwert von 6 in der Testung (Normwert 10+/-3) unterdurchschnittlich gewesen
sei
. Hinsichtlich der Antriebsstörung sei zu bemerken, dass die Beschwerde
führerin Mühe mit dem Einhalten von Grenzen habe, was immer wie
der zu Grenzüberschreitungen
führe, bei allgemein sehr hohen Tagesaktivitäten (
Urk.
6/22).
3.4
Im - nach Erlass des Vorbescheids - verfassten Bericht vom
2
6.
November 2024 erklärte die Ergotherapeutin,
E.___
, die Beschwerdeführerin sei ein aufgestelltes Mädchen mit sehr viel Energie. Es falle ihr sehr schwer, sich zu
strukturieren und sich dauerhaft auf eine Aufgabe einzulassen, es sei denn, diese sei von ihr selbst gewählt. In der Therapie könne sie gut fokussiert und struktu
riert werden. Dabei würden unter anderem ihre Exekutivfunktionen in den Bereichen Inhibition (Aufmerksamkeit lenken, Prioritäten setzen) sowie Arbeitsge
dächtnis (planvolles Handeln, Handlungsverläufe reflektieren) geübt (
Urk.
6/38).
4.
4.1
Fest steht, dass be
i der Beschwerdeführerin
im
September
2023 eine einfache Aktivitäts- und Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 F90.0) diagnostiziert wurde. Auch die Behandlungsbedürftigkeit der Symptomatik einer ADHS vor Vollendung des
9.
Altersjahres ist unbestritten.
4.2
Strittig ist demgegenüber die Zuordnung des Leistungsträgers
, also der Invaliden
versicherung oder der Krankenversicherung
. Ein Geburtsgebrechen gemäss
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang ist nur dann anzuerkennen und die entsprechend not
wendigen medizinischen Massnahmen sind nur dann nach
Art.
13 IVG von der Invalidenversicherung zu übernehmen, wenn zusätzlich zur diagnostizierten Verhaltensstörung des normal intelligenten Kindes auch sämtliche Teilleistungsstö
rungen
(Störung des Verhaltens, Störung des Antriebs, Störung des Erfas
sens/Erkennens, Störung der Konzentrationsfähigkeit und Störung der Merkfä
higkeit/des Gedächtnisses)
kumulativ ausgewiesen sind (vgl. E.
1
.
4
hievor).
Die Definition
des Geburtsgebrechens im Sinne von
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang
geht
weit über das Vorliegen eines ADHS
hinaus
, indem zusätzlich weitere Teil
leistungsstörungen diagnostiziert werden müssen
. Wenn bis zum
9.
Geburtstag nur einzelne der im Titel erwähnten Symptome ärztlich festgestellt werden, sind die Voraussetzungen für
Ziff.
404
GgV
-EDI
Anhang
nicht erfüllt
(E. 1.4 hiervor)
.
Bis zu einer sicheren Diagnosestellung ist die Kostenträgerin notwendiger medi
zinischer Massnahmen die Krankenversicherung (
R
z
. 406.6 KSME).
4.
3
Die RAD-Ärztin
Dr.
Z.____
bejahte
gestützt auf die Berichte der behandeln
den Ärzte
das Vorliegen einer Störung des Verhaltens und der Konzentrationsfä
higkeit. Die weiteren Kriterien erachtete sie als nicht gegeben. Zum Kriterium der Antriebsstörung führte sie aus, in der Testsituation habe keine motorische Unruhe festgestellt werden können. Auf Rückfrage erwähne der Behandler, dass die Beschwerde
führerin Mühe beim Einhalten von Gr
enzen habe, es käme zu Grenzüber
schreitungen bei sehr hohen Tagesaktivitäten. Diese Antwort beschreibe jedoch Verhaltensstörungen. Antriebsstörungen könnten daraus nicht abgeleitet werden. Zudem werde erwähnt, dass die Beschwerdeführerin Schwie
rigkeiten habe, eine Aufgabe zu beginnen oder zu Ende zu führen. Dies genüge jedoch nicht als Beleg für eine Antriebsstörung, da aus den Unterlagen kein Antriebs
mangel hervorgehe. Bezüglich de
r
Kriteri
en
der Störung des Erfassens/Erkennens
und der Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
sei festzuhalten, dass testdiagnostisch kein Nachweis für Defizite bestehe. Im Antwortschreiben vom
3
0.
Mai 2024
verweise der behandelnde Arzt darauf, dass sich im Untertest «Handbewegungen» (Rohwert 6, Norm 7-13) Auffälligkeiten gezeigt hätten.
Beide
Teilleistungss
törungen würden damit begründet.
In sämtlichen weiteren Tests und Untertests seien Werte im Normbereich ermittelt worden. Der Untertest «Handbe
wegungen»
entspreche einem visuell basierten Untertest zur Erfassung
einzelheit
lichen
Denkens. Die übrigen Untertests zeigten keine Auffälligkeiten bezüglich des
einzelheitlichen
Denkens oder der visuellen Fähigkeiten. Das auffällige Resul
tat habe daher nicht unabhängig bestätigt werden können. Der angegebene Befund belege damit nicht eine Störung des Erfassens/Erkennens
bzw. eine Stö
rung der Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
. Der Wert von 6 liege zwar unterhalb der Norm. Ein derartig isoliertes Ergebnis könne
zwar
auf leichte Schwierigkeiten im betreffenden Test hindeuten, könne jedoch auch einem Zufallsbefund entspre
chen. Auffälligkeiten in den Untertests müssten anschliessend mit spezifischen Tests weiter abgeklärt werden. Im KSME würden eine ganze Reihe verschiedener Tests zum Nachweis von Störungen des Erfassens/Erkennens und Störungen der
Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
aufgeführt und deren Durchführung werde im Zusammenhang mit der Anerkennung
des Geburtsgebrechens gemäss Ziffer 404
GgV
-EDI Anhang
gefordert. Diese seien jedoch
nicht durchgeführt worden.
Soweit die Ergotherapeutin auf Schwierigkeiten
der Beschwerdeführerin
, sich zu strukturieren, sich dauerhaft auf eine Aufgabe einzulassen oder schulische Auf
gaben zu schildern, hinweise, benenne sie primär Verhaltensstörungen. Solches werde bei ADHS häufig beobachtet, entspreche jedoch keinem Nachweis einer Störung des Erfassens/Erkennens
und der Gedächtnisfunktionen (Stellungnah
men vom 1
1.
Juni 2024 und 1
9.
Dezember 2024,
Urk.
6/23/2-3,
Urk.
6/42/2-3).
5.
5.1
Eine Störung des Antriebes kann sich in Form einer Antriebssteigerung oder
-verminderung zeigen (das Kind ist z.B. zum Handeln auf eine Aufforderung ange
wiesen). Störungen des Antriebes lassen sich sowohl in der Praxis beobach
ten als auch anamnestisch erfragen. Ein Antriebsüberschuss zeigt sich häufig neben der typischen Psychomotorik in einer hohen Arbeitsgeschwindigkeit bei hoher Fehlerzahl, hoher Sprechgeschwindigkeit, allgemein hoher Tätigkeitsak
tivität, Grenzüberschreitungen sowie allgemeiner Mühe im Einhalten von Gren
zen. Ein Antriebsmangel führt oft zu einer äusserst niedrigen Arbeitsgeschwin
digkeit, einem deutlich erschwerten Arbeitsbeginn oder einem
«
Versanden
»
bei selbständiger Arbeit (
Ziff.
2.1.2
KSME-Anhang 4
).
Bei Störungen des Erfassens stehen ausgewiesene Defizite der visuellen und
audita
tiven
Wahrnehmung im Vordergrund. Zu fordern ist hier eine klar defi
nierte und detaillierte Abklärung mit standardisierten Untersuchungsverfahren. Zum Erfassen von Störungen der visuellen Wahrnehmung gibt es eine grosse Fülle von Testverfahren
.
Viele Intelligenztests haben entsprechende Untertests
,
wie z.B. das Bild
ere
rgänzen, der Mosaiktest, das Figurenlegen, das Gestalter
schliessen, die Zauberfenster
und
die Dreiecke. Zusätzlich gibt es auch viele Verfah
ren aus dem
visuokonstruktiven
Bereich:
d
ie Figure
complexe
von Rey oder der DTVP (
Developmental
Test
of
Visual
Perception
). So besteht die Möglich
keit, die Figur-Grund-Unterscheidung, die Formkonstanz, die Raumlage, räumli
che Beziehungen
und
die analytisch-synthetische Formerfassung zu prüfen. Wichtig ist stets die Differenzierung zwischen Störungen des Erfassens und der Reproduktion
(
Ziff.
2.1.2 KSME-Anhang 4).
Störungen der Merkfähigkeit werden meist definiert als eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Das akustische Kurzzeitgedächtnis kann mit sehr vielen Tests geprüft werden: Zahlen nachsprechen, Wortreihen, Anweisungen,
Mottier
-
Silben. Die visuelle Merkfähigkeit kann mit dem Wiedererkennen von Gesichtern, visuellen Lerntests (z.B. Rey
visual
learning
, DCS, wo mit Stäbchen komplizierte Muster nachgelegt werden müssen) erfasst werden. So erlauben viele Tests eine Beurteilung des Kurzzeit
g
edächtnisses. Auch für die Lernfähigkeit gibt es Test
verfahren (DCS und VLMT - visueller Lern- und Merkfähigkeitstest). Einige dieser Verfahren (z.B. Figure de Rey, oder die Wechsler Memory
Scale
) erlauben auch eine Beurteilung des Langzeitgedächtnisses
(
Ziff.
2.1.
5
KSME-Anhang 4
).
5.2
Die behandelnden Ärzte begründeten
die Störung des Erfassens/Erkennens und die Störung der Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
einzig damit, dass die Beschwerde
führerin beim Untertest «Handbewegung»
den Wert 6 erzielt hatte. Dieser Wert ist leicht unterdurchschnittlich. Bereits ein Wert von 7 wäre genü
gend. Sämtliche weiteren Tests und Untertests
er
gaben durchschnittliche Werte und zeigten keine Auffälligkeiten des
einzelheitlichen
Denkens oder der visuellen Fähigkeiten.
D
er RAD-Ärztin
Dr.
Z.___
ist
beizupflichten, dass es sich um ein isoliertes Ergebnis handelt, welches einem Zufallsbefund entsprechen kann. Verifiziert wurde dieser Wert nicht
, obschon hierzu Tests zur Verfügung st
ünden
.
Damit wurden
die Teilleistungsstörungen
des Erfassens/Erkennens und der Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
testdiagnostisch
nicht rechtsgenügend erhoben
, insbesondere nicht
vor Vollendung des neunten Lebensjahres
. Auch
die
weiter
e
n
Ausführungen in den Berichten
genüg
en
nicht als Nachweis für
eine Störung
des Erfassens/Erkennens und der Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
. Dies gilt
nament
lich
in Bezug auf den Bericht der Ergotherapeutin vom
2
6.
November 2024 (
Urk.
6/38), auf welchen sich die Beschwerdeführerin beruft (
Urk.
1 S. 7). Die darin erwähnte Schwierigkeit
der Beschwerdeführerin
, sich zu strukturieren
, sich auf eine Aufgabe einzulassen und zu berichten,
was si
e
in der Schule bearbeitet,
steh
t
primär im Zusammenhang mit den Teilleistungskompetenzen Verhalten und Konzentration.
Gleiches gilt für das Üben von Exekutivfunktionen in den Bereich Inhibition und Arbeitsgedächtnis (planvolles Handeln, Handlungsverläufe; vgl. dazu
Ziff.
2.1.1 und
2.1.
4
KSME-Anhang 4
).
5.3
Da
eine
Störung
des Erfassens/Erkennens und
eine
Störung der Merkfähigkeit/des Gedächtnisses
nicht rechtsgenüglich ausgewiesen sind
,
sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, damit die Beschwerdegegnerin gestützt auf Ziffer 404
GgV
-EDI
Anhang
verpflichtet werden könnte, medizinische Massnahmen im Rahmen de
s
ADHS zu erbringen.
Es braucht daher nicht mehr darauf eingegangen zu werden, ob eine Störung des Antriebs zu bejahen ist.
5.4
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom
7
.
Januar 202
5
(
Urk.
2) nicht zu beanstanden
. Di
e dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. Abschliessend bleibt anzumerken, dass es bei der Beurteilung eines Antrages um Kostengutsprache für medizinische Massnahmen um die Zuordnung des Leistungs
trägers und nicht um die Beurteilung der Therapiebedürftigkeit eines versicherten Kindes geht. Die Ablehnung eines Antrages durch die Invalidenver
sicherung ist insbesondere nicht ein Entscheid gegen das Kind oder eine Vernei
nung seiner Behandlungsbedürftigkeit, sondern ein versicherungsrechtlicher Ent
scheid bezüglich der Zuordnung des Leistungsträgers (vgl.
Ziff.
1.1 KSME
Anhang 4
).
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Noëlle
Cerletti
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
PhilippSonderegger