# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e71328a3-0aab-56f1-8242-aaa9a28438bf
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-05-21
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 21.05.2013 IV 2011/147
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-147_2013-05-21.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/147

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 21.05.2013

Entscheiddatum: 21.05.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 21.05.2013
Art. 28a Abs. 3 IVG. Rentenanspruch. Beweiswert Gutachten. 
Invaliditätsbemessung nach der vom Bundesgericht praktizierten 
gemischten Methode. Zusprache einer Viertelsrente unter Berücksichtigung 
einer Wochenarbeitszeit von 25 Stunden und eines Leidensabzugs von 10% 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Mai 
2013, IV 2011/147). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_428/2013.

Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Marie Löhrer; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer

 

Entscheid vom 21. Mai 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Rufener, Anwaltskanzlei schmuckipartner, 

Marktgasse 3, 9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

betreffend

Rente

 

 

Sachverhalt:

A.       

A.a   A.___ meldete sich am 6. Februar 2009 bei der IV-Stelle zum Bezug von 

Leistungen (Rente) an (act. G 5.1.1). Gemäss telefonischer Abklärung der RAD-Ärztin 

Dr. med. B.___ bei Hausarzt Dr. med. C.___ vom 13. Februar 2009 litt die Versicherte 

unter schwerster Adipositas. Es bestehe sicher keine Arbeitsfähigkeit (act. G 5.1.5). Im 

Arztbericht vom 1. März 2009 diagnostizierte der Hausarzt mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit eine morbide Adipositas (BMI 68.6 kg/m ). Zudem bestünden eine 

arterielle Hypertonie sowie eine Angstkrankheit, welche Diagnosen jedoch ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien (act. G 5.1.10-6f.). Prof. Dr. med. D.___, 

Adipositaszentrum des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), gab im Bericht vom 28. April 

2009 an, die Versicherte seit dem 23. Januar 2006 ambulant zu behandeln. Er empfahl 

die Vornahme einer bariatrischen Operation, wodurch sich die Einschränkungen 

vermindern lassen würden. Eine sitzende Tätigkeit wie beispielsweise 

Schreibtischarbeit hielt er für durchaus möglich (act. G 5.1.13-6). Im Bericht vom 12. 

Mai 2009 diagnostizierte Dr. med. Dipl.-Psych. E.___, Oberarzt mbF, Innere Medizin 

und Psychosomatik des KSSG, eine komplexe Angststörung (F41.9/ICD-10) und eine 

depressive Episode (F33.0/ICD-10). Die Versicherte würde die Möglichkeit einer 

bariatrischen Operation durchaus in Betracht ziehen, wenn sie keine Angst vor der 

Operation hätte. Die Vorstellung einer Narkose löse bei ihr jedoch massive Angst aus, 

weil sie befürchte, dann nicht mehr zu erwachen. Die Narkosen bei der Geburt ihrer 

beiden Kinder habe sie in schlechter Erinnerung (act. G 14.3).

A.b   Am 30. September 2009 fand zwischen der Versicherten und der 

Eingliederungsverantwortlichen ein Assessmentgespräch statt. Die Versicherte 

2

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

schilderte, an schmerzhaften Schulterproblemen zu leiden. Auf Grund ihres jetzigen 

Zustands und ihrer Depressionen könne sie nicht mehr so arbeiten wie vor drei oder 

vier Jahren. Sie sei nicht mehr so beweglich, könne nicht mehr arbeiten und beantrage 

daher eine Rente (act. G 5.1.25). Gestützt darauf teilte die IV-Stelle der Versicherten am 

16. November 2009 mit, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen (act. G 5.1.27).

A.c   Nach einem Sturz führte Dr. med. F.___, Facharzt Innere Medizin, am 

22. Dezember 2009 eine Sonographie der linken Schulter durch. Dabei konnte eine AC-

Gelenksluxation Tossy I mit mässig ausgeprägtem Gelenkserguss (DD: chronisch) und 

ein subacromiales Impingement festgestellt werden. Für eine frische 

Rotatorenmanschettenruptur ergaben sich keine sicheren Hinweise (act. G 14.4).

A.d   Am 15. und 17. Februar 2010 wurde die Versicherte in der MEDAS internistisch, 

rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet. Im Gutachten vom 6. Mai 2010 hielten 

die Experten als Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren 

Arbeitsfähigkeit eine morbide Adipositas mit BMI um/über 65kg/m , eine deutliche 

Gonarthrose im medialen Kompartiment rechts, eine leichte Gonarthrose im medialen 

Kompartiment links, eine Periarthropathie der linken Schulter, vermutlich infolge eines 

subacromialen Impingements, Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2), 

psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten 

Krankheiten (ICD-10 F54) fest. Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, 

aber mit Krankheitswert (ICD-10 F54) diagnostizierten sie eine leichtgradige 

Arthropathie der rechten Schulter, eine arterielle Hypertonie sowie 

Hypercholesterinämie. Sowohl in der bisherigen Tätigkeit an einer ergonomisch gut 

eingerichteten Kasse als auch in einer Verweistätigkeit schätzten sie die 

Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz auf 50%. Auch als Hausfrau sei die 

Versicherte zu 50% eingeschränkt (act. G 5.1.35-11).

A.e   Im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 20. Mai 2010 gab die Versicherte an, 

dass sie heute ohne die Behinderung keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Bei 

den meisten Haushaltstätigkeiten werde sie von der Tochter und/oder dem Sohn 

unterstützt (act. G 5.1.36).

2

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.f    Hausarzt Dr. C.___ nahm mit ärztlichem Zeugnis vom 21. Mai 2010 zum MEDAS-

Gutachten Stellung. Er hielt fest, dass die Versicherte - entgegen den Ausführungen, es 

habe bisher noch keine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung 

stattgefunden - bereits im Rahmen der stationären Behandlung im Jahr 1998 

psychotherapeutisch behandelt worden sei, nebst allen anderen Versuchen, das 

Gewicht zu reduzieren. Schon seit Jahrzehnten versuche die Versicherte abzunehmen. 

Alle Appetitzügler habe sie schon eingenommen. Trotzdem habe eine stetige 

Gewichtszunahme festgestellt werden müssen. Es sei unvorstellbar, wie die Versicherte 

auf Grund ihrer körperlichen Gegebenheiten an einem Arbeitsplatz als Kassiererin eines 

Lebensmittelgeschäfts überhaupt absitzen, sich drehen oder auch nur schon mit ihren 

Armen die Ware ergreifen und das Band bedienen könnte (act. G 5.1.37). RAD-Ärztin 

Dr. B.___ befand mit Stellungnahme vom 16. Juni 2010 das MEDAS-Gutachten als 

ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar. Somit betrage die Arbeitsfähigkeit adaptiert 

aus polydisziplinärer Sicht 50%, ganztags bei reduzierter Leistung. Zudem seien die 

empfohlenen therapeutischen Massnahmen medizinisch sinnvoll. Auflagen im Rahmen 

der Schadenminderungspflicht seien jedoch nicht indiziert (act. G 5.1.38).

A.g   Mit Schreiben vom 2. Juni 2010 äusserte sich die psychiatrische MEDAS-

Gutachterin Dr. med. G.___, FMH Psychiatrie/Psychotherapie, hinsichtlich der Eingabe 

des Hausarztes zur Klärung von Missverständnissen. Sie hielt sinngemäss fest, sich auf 

die Angaben der Versicherten gestützt zu haben, welche offensichtlich von denjenigen 

des Hausarztes abwichen. Dies könne jedoch verschiedene Gründe haben, ändere an 

der Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht aber nichts (act. G 5.1.40).

A.h   Am 24. November 2010 fand eine Abklärung der Verhältnisse an Ort und Stelle 

statt. Dabei gab die Versicherte an, sie würde heute ohne Behinderung arbeiten. Sie 

habe Teilzeitstellen gesucht für ein 40 - 50%-Pensum. Am liebsten würde sie zu ca. 

30 Stunden im Monat arbeiten. Die Abklärungsverantwortliche hielt dazu fest, dass auf 

Grund der Bewerbungen der Versicherten auf 40 - 50%-Stellen von einer 

Erwerbstätigkeit von 45% ausgegangen werde. Insgesamt sei schliesslich von einem 

Invaliditätsgrad von 14% auszugehen (act. G 5.1.48).

A.i     Mit Vorbescheid vom 10. Januar 2011 wies die IV-Stelle den Antrag auf 

Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 14% ab (act. G 5.1.51).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.j     Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Rufener, 

St. Gallen, am 8. März 2011 Einwand (act. G 5.1.55-3f.).

A.k   Mit Verfügung vom 11. März 2011 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest 

und wies den Antrag auf Invalidenrente ab (act. G 5.1.56).

B.     

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 15. April 

2011 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Ausrichtung der gesetzlichen 

Leistungen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Rechtsvertreter machte 

geltend, dass die IV-Akten unvollständig seien, da im MEDAS-Gutachten auf weitere 

Akten Bezug genommen werde, welche sich nicht in den Akten befänden. Zur 

Begründung der Beschwerde hielt er fest, die psychiatrische Gutachterin habe zwar 

Diagnosen gestellt, den Umfang der Beeinträchtigung jedoch nicht bestimmt. Zudem 

fehle dem Gutachten eine Begründung, weshalb aus polydisziplinärer Sicht von einer 

Arbeitsunfähigkeit von 50% ausgegangen werde. Damit sei das Gutachten nicht 

schlüssig. Weiter sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin heute einer 100%-

Erwerbstätigkeit nachgehen würde, wenn sie nicht unter Adipositas per magna leiden 

würde. So habe sie in Unkenntnis der Rechtsfolgen eine Wunschvorstellung von 30 

Stunden pro Woche als Arbeitszeit formuliert, was entgegen der Annahme der IV-Stelle 

auch keinem 50%-Pensum entspreche. Auf Grund der divergierenden Aussagen der 

Beschwerdeführerin sowie der Aktenlage sei vielmehr von einem 100%-Pensum 

auszugehen, so dass ein Anspruch auf Rente gegeben sei (act. G 1).

B.b   Mit Stellungnahme vom 31. Mai 2011 nahm RAD-Ärztin Dr. B.___ aus 

medizinischer Sicht zu den Argumenten des Rechtsvertreters Stellung. Sie hielt 

weiterhin dafür, dass auf das MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne (act. 

G 5.1.61).

B.c   Mit Beschwerdeantwort vom 27. Juni 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Sie begründete dies damit, dass bei einer 

polydisziplinären Einschätzung der Arbeitsfähigkeit die somatischen und psychischen 

Einschränkungen in der Regel nicht addiert würden, weshalb auch am MEDAS-

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gutachten festgehalten werden könne. Zudem widerspreche es der Lebenserfahrung, 

dass die Beschwerdeführerin ihr kleines Teilzeitpensum heute ohne gesundheitliche 

Beeinträchtigungen auf eine Vollzeittätigkeit ausgebaut hätte, habe sie im Jahr 2002 

doch sogar die Kündigung durch die H.___ einer Vollzeittätigkeit bei der I.___ 

vorgezogen (act. G 5).

B.d   In der Replik vom 29. August 2011 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem 

Rechtsbegehren fest. Ihr Rechtsvertreter beantragte ausserdem für das Aktenstudium 

der im Verfahren vor dem Versicherungsgericht neu nummerierten IV-Akten die 

Zusprache einer ausseramtlichen Entschädigung in Höhe von Fr. 500.-- (act. G 9). Die 

Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 11).

B.e   Am 30. Januar 2013 ersuchte das Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin 

um Einreichung von verschiedenen, im MEDAS-Gutachten aufgeführten medizinischen 

Unterlagen, welche sich nicht in den IV-Akten befanden (act. G 13). Dem kam die 

Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 6. Februar 2013 nach (act. G 14).

B.f    Am 12. Februar 2013 reichte die Beschwerdeführerin ein ärztliches Zeugnis ihres 

Hausarztes vom 11. Februar 2013 ein. Dieser attestierte eine Veränderung des 

Gesundheitszustands insofern, als am 23. Januar 2013 eine erhebliche Gonarthrose 

(Arthrose des rechten Knies) diagnostiziert worden sei. Mittelfristig werde eine Opera­

tion wohl unausweichlich sein (act. G 16 und G 16.1).

 

Erwägungen:

1.

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Rentenleistungen 

der Invalidenversicherung hat.

2.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung 

einer Streitsache auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 

11. März 2011) eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 4 E. 1.2 und 129 V 169 E. 1, 

je mit Hinweis). Berichte, welche nach diesem Zeitpunkt datieren, sind zu 

berücksichtigen, sofern sie Rückschlüsse in Bezug auf die im Zeitpunkt der streitigen 

Verfügung bestehende Situation erlauben (BGE 121 V 366 E. 1b, 99 V 102, je mit 

Hinweisen). Das trifft auf das ärztliche Zeugnis des Hausarztes Dr. C.___ vom 

11. Februar 2013 (act. G 16.1), worin dieser neu die Diagnose einer erheblichen 

Gonarthrose im rechten Knie stellte, nicht zu. Darüber hinaus ist fraglich, ob es sich um 

eine neue Diagnose handelt, wird doch im MEDAS-Gutachten eine deutliche 

Gonarthrose im medialen Kompartiment rechts diagnostiziert.

3.

3.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht 

zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt 

gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

als Invalidität. Die Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen 

Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der 

konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht 

geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 IVG. Es ist darauf abzustellen, in welchem 

Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als 

Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche 

Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische 

Tätigkeiten (Art. 27 IVV). Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die so 

genannte gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil 

erwerbstätig und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen 

"gemischten" Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im 

Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der 

Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen 

Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche 

Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 

261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und 

Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das 

Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche 

Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten 

begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).

4.

4.1 Vorab zu klären ist die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche 

Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die 

Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das Gutachten 

der MEDAS Zentralschweiz vom 6. Mai 2010 (act. G 5.1.35).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.2 Im Rahmen seiner rheumatologischen Untersuchung vom 17. Februar 2010 hielt Dr. 

med. J.___, Chefarzt MEDAS, fest, die Untersuchung der Versicherten sei in jeder 

Hinsicht erheblich durch die Adipositas behindert gewesen. An den Gelenken habe 

sich an beiden Schultern linksbetont ein Schulter-Armschmerz posttraumatischer 

Genese präsentiert und radiologisch sei ein Befund zu erheben, welcher vermutlich zu 

einem subakromialen Impingement führe. Hinsichtlich der Knieschmerzen rechts mehr 

als links zeige sich radiologisch eine fortgeschrittene Gonarthrose im medialen 

Kompartiment rechts mehr als links. Der auffälligste Befund sei jedoch die extreme 

Adipositas von über 160kg mit einem BMI um 65kg/m . Diese stelle zweifellos eine 

Behinderung dar. Dazu belege die medizinische Fachliteratur, dass ein BMI über 35kg/

m  nicht nur ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko mit sich bringe oder vermehrte 

direkte Operationskomplikationen verursache, sondern auch erheblich die Mobilität 

behindere, in einer linearen Beziehung zu verlorenen Arbeitstagen. Weiter belegt werde 

aber auch eine sehr günstige Auswirkung einer Gewichtsreduktion, welche offenbar 

schon in kurzer Zeit beobachtet werden könne. Bei der Versicherten bestehe aus 

somatischen Gründen im angestammten Beruf als Kassiererin bei ganztägiger Präsenz 

noch eine 50%ige Leistungsfähigkeit, wobei dasselbe unter bestimmten Vorgaben für 

eine Verweistätigkeit gelte. Dr. med. G.___ hielt nach psychiatrischer Untersuchung 

vom 17. Februar 2010 fest, dass bei der Beschwerdeführerin zwar psychiatrische 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden, die Einschränkung ihrer 

Arbeitsfähigkeit aber auch aus psychiatrischer Sicht vorwiegend durch die extreme 

Adipositas verursacht werde, die ihre Leistungsfähigkeit erheblich einschränke. Das 

Ausmass der beklagten, glaubhaft geschilderten Beschwerden werde im Wesentlichen 

durch die Adipositas bestimmt, weshalb sich eine Gewichtsreduktion durchaus positiv 

auswirken könnte. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei rein medizinisch-

theoretisch, da die Beschwerdeführerin zum vorneherein eine weitere erwerbsmässige 

Wiedereingliederung ablehne, vorwiegend aus motivationalen Gründen. So seien in 

ihrem Umfeld beide Eltern im Alter von Mitte 50 IV-pensioniert worden und ihr 

Ehemann mit Mitte 40. Für ein Arbeitsleben über dieses Alter hinaus habe sie im 

engeren Kreis keine Vorbilder. Auf Grund von krankheitsbedingten Faktoren wie 

Verlangsamung, verminderte Ausdauer, schnelle Ermüdbarkeit und erhöhte 

Erholungsbedürftigkeit leitete die Psychiaterin eine 60%ige Arbeitsfähigkeit für die 

angestammte sowie für Verweistätigkeiten ab. Nach einer im Zirkulationsverfahren 

2

2

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

erfolgten Konsensabsprache der beteiligten Fachpersonen fand am 29. März 2010 

zwischen Dr. med. K.___, Innere Medizin FMH, und Dr. J.___, eine Schlussbesprechung 

statt. Anlässlich dieser fassten die Gutachter zusammen, dass bei der 

Beschwerdeführerin die morbide Adipositas zu zunehmenden Problemen im 

Arbeitsalltag geführt habe, in welchem sie durch zunehmende Verlangsamung und 

schnelle Ermüdbarkeit, aber auch durch Schmerzen an den Gelenken, aggraviert nach 

Stürzen mit Schulterverletzungen, immer mehr eingeschränkt worden sei. 

Gewichtsreduktionsversuche seien (aktenkundig) zweimal durchgeführt worden, Ihr sei 

mehrfach nahegelegt worden, sich einer bariatrischen Operation zu unterziehen, jedoch 

sei sie auf Grund schlechter Erfahrungen anlässlich einer Narkose während einer 

Geburt und auf dem Boden ihrer lebenslangen phobischen Ängste jeglichem 

chirurgischem Eingriff ablehnend gegenübergestanden. Auf Grund der diagnostizierten 

morbiden Adipositas mit BMI um/über 65 kg/m , einer deutlichen Gonarthrose im 

medialen Kompartiment rechts, einer leichten Gonarthrose im medialen Kompartiment 

links, einer Periarthropathie der linken Schulter, vermutlich infolge eines subakromialen 

Impingements, einer Angst und depressiven Störung gemischt (ICD-10 F41.2) sowie 

psychologischer Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten 

Krankheiten (ICD-10 F54) beurteilten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit in der 

bisherigen wie in anderen adaptierten Tätigkeiten als zu 50% eingeschränkt. In der 

angestammten Tätigkeit bestehe die 50%ige Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz 

an einer ergonomisch gut eingerichteten Kasse. Einschränkend sei hier die extreme 

Adipositas, welche sie am Bücken und Kauern hindere und auf Grund derer sie in 

jeglicher Tätigkeit viel mehr Platz als normalgewichtige Personen benötige. Auch in 

Verweistätigkeiten gebe es erhebliche Einschränkungen, wie die Unmöglichkeit von 

Überkopfarbeiten mit dem linken Arm, beim Heben von Lasten über 10kg über die 

Hüfthöhe sowie durch verminderte Steh- und Gehfähigkeit am rechten Bein. Dadurch 

ergebe sich eine Leistungsfähigkeit von 50%. Die Einschränkung im Haushalt betrage 

ebenfalls 50% (act. G 5.1.35-9ff.).

4.3 Dass entgegen der Beurteilung des Hausarztes Dr. C.___, welcher von einer 

100%igen Arbeitsunfähigkeit ab 16. September 2005 ausging (act. G 5.1.10-7), 

dennoch eine Arbeitsfähigkeit gegeben sei, hielt auch Prof. Dr. D.___ im Arztbericht 

vom 28. April 2009 fest. Er befand eine sitzende Tätigkeit z.B. an einem Schreibtisch 

2

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

als durchaus zumutbar (act. G 5.1.13). Allerdings äusserte er sich nicht zum Ausmass 

der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit.

4.4 Auch der Rüge der Beschwerdeführerin, die von den MEDAS-Gutachtern festge­

legte Höhe der Arbeitsfähigkeit sei weder begründet noch schlüssig dargelegt, kann 

nicht beigepflichtet werden. Vielmehr konkretisierte Dr. J.___ in seinem Teilgutachten 

vom 18. Februar 2010 sowohl die objektivierbaren somatischen Befunde als auch die 

daraus resultierenden Behinderungen. So könne die Beschwerdeführerin auf Grund der 

Periarthropathie der linken Schulter bei subacromialem Impingement keine Überkopf­

arbeiten mit dem linken Arm ausführen und keine Lasten über 10kg über Hüfthöhe 

anheben. Zudem bestehe wegen der fortgeschrittenen Gonarthrose rechts eine 

verminderte Steh- und Gehfähigkeit, die Beschwerdeführerin könne sich nur mit Mühe 

bücken, keine Arbeiten in kauernder Stellung ausführen und nicht auf Leitern steigen. 

Die extreme Adipositas mit Krankheitswert verlangsame schliesslich ihr 

Bewegungsmuster generell, sie könne sich nicht bücken, nicht kauern und benötige 

viel mehr Platz als eine normalgewichtige Person. Für die sitzende Tätigkeit an einer 

ergonomisch gut eingerichteten Kasse schätze er die Leistungsfähigkeit daher auf 50% 

der Norm bei ganztägiger Präsenz. Als Reinigungsfrau werde sie auf dem freien 

Arbeitsmarkt kaum mehr eine verwertbare Leistung erbringen können. Wie oben 

erwähnt (vgl. Erwägung 4.2) folgten die Gutachter anlässlich des Zirkulationsverfahrens 

bzw. der Schlussbesprechung dieser Beurteilung, wobei sie unter Einbezug auch der 

psychiatrischen Faktoren gesamthaft eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit angestammt und 

adaptiert bestätigten. Es bestehen keine Zweifel an dieser gutachterlichen 

Einschätzung. Bei der Bemessung der Invalidität im Erwerbsbereich ist daher darauf 

abzustellen.

5.

Weiter zu prüfen ist die Statusfrage. Ob eine versicherte Person als ganztägig oder 

zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der 

Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine 

gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei im Haushalt 

tätigen Versicherten im Besonderen sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, 

familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die 

Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. 

Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis 

zum Erlass der Verfügung entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme 

einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im 

Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117 V 194 f. E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 

S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit Hinweisen). Vorliegend verneinte die 

Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 20. Mai 2010, dass sie 

"heute - ohne Behinderung - eine Erwerbstätigkeit ausüben" würde (act. G 5.1.36-2). 

Demgegenüber gab sie anlässlich der Haushaltsabklärung vom 24. November 2010 an, 

sie würde heute ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben. Sie habe 

Teilzeitstellen für ein 40 - 50%-Pensum gesucht. Am liebsten würde sie zu ca. 30 

Stunden im Monat arbeiten. Die Erwerbsausübung begründete sie damit, sie habe 

immer einen guten Willen gehabt zu arbeiten, jedoch bringe sie keine Leistung mehr 

und könne dies keinem Arbeitgeber mehr zumuten. Dies mache sie auch depressiv, da 

sie einen Willen habe, es aber nicht gehe. Auch müsste sie aus finanziellen Gründen 

arbeiten gehen (act. G 5.1.48-3). Offensichtlich ergibt sich somit nicht nur ein 

Widerspruch in den Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung vor Ort 

und Stelle mit den Angaben im Fragebogen, sondern auch darin, dass ein Pensum von 

40 - 50% auch nicht nur annähernd mit einem solchen von 30 Stunden pro Monat 

übereinstimmt. Diese Unklarheiten hätte die Beschwerdegegnerin daher sofort klären 

müssen. Nachdem dies heute nicht mehr möglich ist, weil die Angaben der 

Beschwerdeführerin von Versicherungsaspekten geleitet sein könnten, muss auf Grund 

der gesamten Umstände geprüft werden, welches Erwerbspensum ohne die 

Erkrankung nach überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeführt worden wäre. Dabei 

spricht jedoch nichts dafür, dass die Beschwerdeführerin - wie sie neu geltend macht - 

bei voller Gesundheit einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Einerseits war sie 

seit der Geburt ihrer Kinder nie mehr voll erwerbstätig und andererseits sind die beiden 

Kinder bereits selbstverdienend und der Sohn ausgezogen, so dass den Eltern für sie 

auch keine Ausbildungs- und Unterhaltskosten mehr anfallen. Schliesslich würde die 

Beschwerdeführerin auch von ihrem Ehemann keine grosse Unterstützung im Haushalt 

erwarten können, da dieser auf Grund seiner Rückenbeschwerden körperlich ebenfalls 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eingeschränkt ist. Da somit konkrete Anhaltspunkte fehlen, welche eine Pensum­

erhöhung der Beschwerdeführerin seit ihrem Stellenverlust bei der H.___ als 

überwiegend wahrscheinlich untermauern würden, ist darauf abzustellen, wie hoch ihr 

Arbeitspensum vorher war. Anlässlich der MEDAS-Begutachtung vom 17. Februar 

2010 gab sie an, zehn Jahre lang Kassiererin gewesen zu sein, davon sieben Jahre bei 

der I.___ und drei Jahre bei der H.___. Bei der Letzteren habe sie pro Woche sehr 

unterschiedlich etwa 20 bis 30 Stunden gearbeitet und habe monatlich zwischen 

Fr. 1'500.-- und Fr. 2'000.-- verdient (act. G 5.1.35-16). Mit Blick auf den IK-Auszug 

(vgl. act. G 5.1.9-2) und die bei der H.___ von 1999 bis 2002 erzielten Löhne (Fr. 

4'205.-- von Oktober bis Dezember 1999, Fr. 21'351.-- im Jahr 2000, Fr. 24'974.-- im 

Jahr 2001 und Fr. 15'659.-- von Januar bis September 2002), sowie unter 

Berücksichtigung, dass es sich bei der Tätigkeit "Kassiererin" um eine eher schlecht 

bezahlte Tätigkeit handelt, erscheint dieses Arbeitspensum zwischen 20 und 30 

Wochenstunden bzw. ein durchschnittliches Pensum von 25 Wochenstunden am 

ehesten wahrscheinlich. Umgerechnet ergibt dies ein Pensum von 60%. Folglich ist 

von einer Aufteilung Erwerbstätigkeit/Haushalt von 60% / 40% auszugehen.

6.

Zur Abklärung der Invalidität im Aufgabenbereich hat die Beschwerdegegnerin am 

24. November 2010 eine Haushaltabklärung vorgenommen. Dabei hat sie in 

verschiedenen Positionen die Mithilfe des Ehemanns sowie der noch zu Hause 

wohnenden erwachsenen Tochter berücksichtigt, was von der Beschwerdeführerin 

grundsätzlich nicht bestritten wurde. Aus den Akten ergeben sich denn auch keine 

Hinweise, die gegen die von der zuständigen Abklärungsperson ermittelte 

Einschränkung von 24.73% sprechen würden (act. G 5.1.48-14). Somit kann darauf 

abgestellt werden.

7.

7.1 Für den Erwerbsbereich ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 28 IVG auf Grund eines 

Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Dazu wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen).

7.2 Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte bei der Bestimmung des Validen- sowie 

des Invalideneinkommens dieselbe Lohngrundlage (act. G 5.1.48-14). Aus den Akten 

ergeben sich keine Hinweise, welche gegen diese Vorgehensweise sprechen würden. 

Sie blieb denn auch von der Beschwerdeführerin unbestritten. Das Bundesgericht 

nimmt in derartigen Fällen, wo zur Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens 

dieselbe Vergleichsgrösse herangezogen wird, einen Prozentvergleich vor. Diesfalls 

entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung 

des Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2007, I 697/05, 

E. 5.4 mit Hinweis).

7.3 Die Beschwerdegegnerin wandte die vom Bundesgericht praktizierte (und vom 

hiesigen

Gericht mehrmals kritisierte [vgl. etwa Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons 

St. Gallen vom 9. August 2005, IV 2005/21]) sogenannte gemischte Methode zur 

Invaliditätsbemessung an. Jedoch rechnete sie der Beschwerdeführerin beim 

Invalideneinkommen die bei einem 100%-Pensum verbleibende Restleistungsfähigkeit 

an. Da die Beschwerdeführerin aber im Gesundheitsfall lediglich mit einem 

Beschäftigungsgrad von 60% erwerbstätig sein würde (vgl. Erwägung 5), ist dieses 

Vorgehen mit der vom Bundesgericht praktizierten Methode nicht zu vereinbaren und 

damit unzulässig. Vielmehr darf im Rahmen der Invaliditätsbemessung lediglich die bei 

einem - im Gesundheitsfall ausgeübten - 60%-Pensum bestehende 

Restleistungsfähigkeit berücksichtigt werden. Die Gutachter hielten fest, dass die 

Beschwerdeführerin über ein vermindertes Arbeitstempo verfüge und zur Erreichung 

einer 50%igen Arbeitsleistung einen ganzen Tag bzw. die Ausübung einer 100%igen 

Beschäftigung benötige (act. G 5.1.35-11). Entsprechend wirkt sich das verminderte 

Arbeitstempo auch in einem Teilpensum aus. Schliesslich rechtfertigt sich auf Grund 

der körperlichen Bewegungseinschränkungen, der Beschränkungen auf körperlich 

leichte Tätigkeiten und der für einen Arbeitgeber womöglich mit Mehrkosten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

verbundenen Arbeitsplatzanpassungen (vgl. act. G 5.1.35-11) ein Leidensabzug von 

10%. Bei der von der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ausgeübten 60%igen 

Beschäftigung und unter Berücksichtigung eines Abzugs von 10% entspricht demnach 

ihre erwerbliche Restleistungsfähigkeit 27% ([60%/120%] x 60% x 0.9) und die 

Invalidität im Erwerbsbereich 55% ([(60% - 27%) / 60%] x 100) bzw. auf das Pensum 

gewichtet 33% (55% x 0.6). Zusammen mit dem im Haushaltsbereich gewichteten 

Invaliditätsgrad von 9.89% (Anteil 40% der Einschränkung von 24.73%) ergibt sich ein 

Invaliditätsgrad von gerundet 43% und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

8.

8.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung vom 11. März 2011 gutzuheissen und der Beschwerdeführerin gestützt auf 

einen Invaliditätsgrad von 43% eine Viertelsrente zuzusprechen. Die Angelegenheit ist 

zur Festsetzung des Rentenbeginns und der Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die 

Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

zu bezahlen. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von 

Fr. 600.-- zurückerstattet.

8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 

22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Vorliegend 

macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zusätzlich zur Parteientschädigung 

eine Entschädigung für Mehraufwand beim Aktenstudium wegen neuer 

Aktennummerierung der Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren in Höhe von 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fr. 500.-- geltend. Hierzu ist festzuhalten, dass der Rechtsvertreter zu Recht erwarten 

durfte, dass die einmal gewählte Paginierung durchgezogen wird, da sonst die neu 

eingereichten Akten jeweils auf Abweichungen gegenüber der letzten Zustellung 

überprüft werden müssen (vgl. zur Pflicht des Versicherungsträgers zur systematischen 

Erfassung der Akten: Art. 46 ATSG). Daher erscheint unter Berücksichtigung des 

unterdurchschnittlichen Aufwands der vorliegenden Streitigkeit sowie des 

Zusatzaufwands (Art. 95 Abs. 2 VRP) auf Grund der teils unsystematischen 

Aktenführung eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 3'500.-- (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.

 

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.       In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 11. März 

2011 aufgehoben und der Beschwerdeführerin eine Viertelsrente zugesprochen. Die

Sache wird zur Festsetzung des Rentenbeginns und der Rentenhöhe sowie zu neuer 

Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 21.05.2013
	Art. 28a Abs. 3 IVG. Rentenanspruch. Beweiswert Gutachten. Invaliditätsbemessung nach der vom Bundesgericht praktizierten gemischten Methode. Zusprache einer Viertelsrente unter Berücksichtigung einer Wochenarbeitszeit von 25 Stunden und eines Leidensabzugs von 10% (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Mai 2013, IV 2011/147). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_428/2013.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:43:23+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen