# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5459dc8-d405-58da-adca-be5af8ec1364
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.02.2022 D-2511/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2511-2021_2022-02-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2511/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Angela Hefti. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Bülent Zengin,  

Rechtsschutz für Asylsuchende – Bundesasylzentrum,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 28. April 2021 / N (…). 

 

 

 

D-2511/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie aus der Provinz B._______ stammend – verliess Afghanistan 

gemäss eigenen Angaben im April/Mai 2020 und gelangte über den Iran, 

die Türkei, Bulgarien und Österreich am 13. Februar 2021 in die Schweiz, 

wo er gleichentags als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (UMA) 

ein Asylgesuch stellte.  

B.  

Am 16. Februar 2021 gelangte das SEM mit Informationsersuchen bezüg-

lich des Asylverfahrens des Beschwerdeführers an Bulgarien und Öster-

reich. Am gleichen Tag antworteten die österreichischen Behörden, der Be-

schwerdeführer sei mit dem Geburtsdatum (…) 2006 in Österreich regis-

triert. Es liege noch kein Sachentscheid vor. Mit Antwortschreiben vom 

24. Februar 2021 führten die bulgarischen Behörden aus, der Beschwer-

deführer sei in ihrem System mit dem Geburtsdatum (…) 2005 registriert. 

Es liege ebenfalls noch kein Sachentscheid vor.  

C.  

Am 19. März 2021 führte das SEM eine Befragung (Erstbefragung unbe-

gleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. 

D.  

Am 26. März 2021 gab das SEM beim Institut für Rechtsmedizin der Uni-

versität Bern ein Gutachten zur Altersschätzung in Auftrag. Das Altersgut-

achten vom 6. April 2021 bestätigte die Minderjährigkeit des Beschwerde-

führers. 

E.  

Am 19. April 2021 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asyl-

gründen angehört. 

F.  

Zur Begründung seines Gesuchs machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen geltend, sein Bruder habe eine militärische Ausbildung in der 

Türkei absolviert. Anschliessend habe dieser in der afghanischen Nation-

alarmee gedient, wo er eine hohe Position gehabt und ungefähr 150-170 

Personen kommandiert habe. Weil er erfolgreich im Ausland studiert habe 

– dies sei unter anderem aufgrund von Facebook-Einträgen bekannt ge-

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Seite 3 

wesen – hätten die Dorfbewohner vom Militärdienst seines Bruders ge-

wusst, weswegen die Familie ins Visier der Taliban geraten sei. Die Taliban 

hätten seinem Vater einen Drohbrief (Anm. des Gerichts: datiert auf 

(…) August 2018) geschickt und verlangt, dass der Bruder des Beschwer-

deführers seinen Militärdienst verlasse. Dies habe er aber nicht tun wollen, 

da er viel Zeit in seine Ausbildung investiert habe und seinem Heimatland 

habe dienen wollen. Eines Tages – ungefähr zehn Tage vor dem Ramadan 

2019 – sei der Beschwerdeführer mit seinem Vater in einem Taxi vom Ba-

zar unterwegs nach Hause gewesen als drei Motorradfahrräder mit sechs 

Taliban angehalten und seinen Vater aus dem Auto gezerrt hätten. Er habe 

dazwischen gehen wollen, sei aber von den Taliban mit einem Gewehrkol-

ben niedergeschlagen worden. Er sei erst im Spital wieder aufgewacht; 

sein linker Arm sei gebrochen gewesen. Zuhause habe er vom Tod seines 

Vaters beim Taliban-Angriff und dem Drohbrief erfahren. Aus Angst vor den 

Taliban sei er fortan nur noch eine Woche beziehungsweise nicht mehr zur 

Schule gegangen und meist zuhause geblieben. Seine Familie habe Hilfe 

bei der Polizei gesucht, diese habe aber nichts tun können beziehungs-

weise sie hätte sich nicht an die Polizei gewandt, da diese sowieso nicht 

habe helfen können. 

Ungefähr ein Jahr nach diesem Vorfall – und nachdem die Taliban mehrere 

Male versucht hätten, den Bruder des Beschwerdeführers zu töten – habe 

seine Mutter vor dem Haus einen zweiten an den Beschwerdeführer und 

seinen Bruder adressierten Drohbrief (Anm. des Gerichts: datiert auf Feb-

ruar 2020) gefunden. In diesem sei sein Bruder erneut aufgefordert wor-

den, den Militärdienst zu verlassen, oder den Beschwerdeführer den Tali-

ban zu übergeben, ansonsten würde Letzterer wie sein Vater bestraft. Aus 

Furcht um sein Leben und vor einer Zwangsrekrutierung durch die Taliban 

sei er dank der finanziellen Unterstützung seines Onkels und Bruders ein-

einhalb bis zwei beziehungsweise zwei bis zweieinhalb Monate später ille-

gal aus Afghanistan ausgereist.  

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine 

Tazkira, einen Drohbrief der Taliban an seinen Vater, einen Drohbrief der 

Taliban an ihn und seinen Bruder, ein Diplom seines Bruders des «(…)», 

ein Diplom seines Bruders betreffend Weiterbildung, vier Fotos seines Bru-

ders in Militäruniform sowie diverse medizinische Akten aus Afghanistan, 

Griechenland und der Schweiz betreffend seinen Herzfehler zu den Akten 

(alle in Kopie). 

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Seite 4 

G.  

Nachdem die Vorinstanz am 26. April 2021 den Entscheidentwurf – wohl 

versehentlich datiert auf den 28. April 2021 – der Rechtsvertretung zur 

Stellungnahme unterbreitet hatte, nahm diese am 27. April 2021 dazu Stel-

lung. Die Vorinstanz wurde mit Nachdruck darum ersucht, den in Aussicht 

gestellten Entscheid zu überdenken. Der Beschwerdeführer habe sich in 

ungefähren Zeitangaben geäussert, da er noch sehr jung gewesen sei und 

deshalb keine genauen Angaben zu den Zeitspannen zwischen den Erleb-

nissen habe machen können, wobei auf seine Traumatisierung verwiesen 

wurde. Er habe erst von seiner Mutter vom ersten Drohbrief erfahren, wes-

halb seine diesbezüglichen Aussagen lediglich auf Hörensagen basieren 

würden. In seiner freien Rede habe er sich substantiiert, lebensnah und 

unter Zuhilfenahme von Gesten zum Taliban-Vorfall geäussert. Seine Schil-

derungen bezüglich der zentralen Asylgründe seien für einen 15-jährigen 

UMA mit eher geringer Schulbildung ausreichend erlebnisbasiert. Bezüg-

lich des weiteren Inhalts der Stellungnahme kann auf die Akten verwiesen 

werden. 

H.  

Mit Verfügung vom 28. April 2021 – gleichentags eröffnet – lehnte das SEM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des beschleunigten 

Verfahrens ab und ordnete die Wegweisung an, nahm den Beschwerde-

führer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

Schweiz vorläufig auf. 

I.  

Mit Eingabe vom 27. Mai 2021 liess der Beschwerdeführer durch seine bis-

herige Rechtsvertretung gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde erheben. Beantragt wurde die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und 

die Asylgewährung sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht wurde um vollum-

fängliche unentgeltliche Rechtspflege sowie Verzicht auf Kostenvorschuss 

ersucht. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. Juni 2021 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung sowie um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht 

gut. Das Gesuch um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes wies 

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Seite 5 

sie jedoch ab, da es sich um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsver-

tretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelte, deren Leistungen vom 

Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden. 

K.  

In seiner Vernehmlassung vom 10. Juni 2021 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest. 

L.  

Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 

15. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend –  endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-

lingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung. Der Wegwei-

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Seite 6 

sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-

schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-

fig aufgenommen hat. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

4.  

Im Sinne eines Eventualantrages beantragte der Beschwerdeführer zu-

nächst die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Dieser Antrag wurde 

in der Folge kaum begründet, weshalb – auch in Anbetracht der nachfol-

genden Erwägungen, insbesondere hinsichtlich der Befragungsumstände 

eines UMAs – auf weitere diesbezügliche Ausführungen verzichtet werden 

kann. Das Gericht entscheidet in der Sache selbst (vgl. Art. 61 Abs. 1 

VwVG). 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. zur Glaubhaftmachung 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

 

 

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Seite 7 

6.  

6.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung fest, es gehe davon 

aus, dass der Bruder des Beschwerdeführers in der afghanischen Nation-

alarmee gedient habe. Es schliesse ebenfalls nicht aus, dass sein Vater 

zunächst bedroht und später getötet worden sei – die Vorinstanz bedauere 

die tragischen Umstände und die vom Beschwerdeführer erlittenen Miss-

handlungen. Es habe sich bei diesem Ereignis aber um eine einmalige und 

nun abgeschlossene Bedrohung gegenüber seiner Familie gehandelt. Der 

Überfall durch die Taliban stehe nicht in einem Zusammenhang mit seiner 

späteren Ausreise aus Afghanistan, weshalb dieser nicht mehr als flucht-

auslösendes Ereignis gewertet werden könne. Auch die generell schlechte 

Sicherheitssituation in Afghanistan entfalte keine Asylrelevanz.  

Zwar könnten Familienangehörige einer Person, die für die Regierung tätig 

sei, einer Reflexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt sein. Die Angaben 

des Beschwerdeführers, er sei kurz vor seiner Ausreise durch die Taliban 

verfolgt worden, seien allerdings nicht glaubhaft. Er habe in Bezug auf den 

Erhalt des ersten Drohbriefs und seiner Ausreise verschiedentlich wider-

sprüchliche und ungenaue Angaben gemacht. So habe er bei der EB UMA 

angegeben, er habe von den Taliban einen Drohbrief erhalten, weshalb er 

die Schule habe abbrechen müssen und in die Schweiz gekommen sei. Er 

habe angegeben die achte Klasse nicht abgeschlossen zu haben und vier-

zehn Jahre alt gewesen zu sein, als er die Schule verlassen habe. Hinge-

gen habe er bei der Anhörung gesagt, er sei nach dem Tod des Vaters nur 

kurz, ungefähr eine Woche in die Schule gegangen. Weil sein Vater ein 

Jahr vor dem zweiten Drohbrief gestorben sei und er im Jahr 2020 noch 

die Schule besucht habe, würden seine Angaben zu diesem zentralen Er-

eignis – auch vor dem Hintergrund seines Alters (dem das SEM im Übrigen 

zusammen mit seiner Schulbildung Rechnung getragen habe) – nicht stim-

men.  

Hinsichtlich des Datums des zweiten Drohbriefs habe der Beschwerdefüh-

rer unpräzise und widersprüchliche Angaben gemacht. Er habe bei der EB 

UMA gesagt, diesen vor ungefähr zwei Jahren erhalten zu haben, somit im 

Jahr 2019. Er habe sich nicht an den Monat erinnern können, habe den 

Brief aber zwei bis vier Monate nach dem Tod seines Vaters erhalten. In 

der Anhörung habe er dann bestätigt, den zweiten Drohbrief ungefähr ein 

Jahr nach dem Tod seines Vaters erhalten zu haben. Der erste Drohbrief 

sei am (…) August 2018 ausgestellt worden. Sein Vater sei angeblich zwei 

oder drei Monate nach Erhalt des ersten Drohbriefs gestorben – er müsse 

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also zwischen Oktober und November 2018 verstorben sein. Der Be-

schwerdeführer habe in der Anhörung aber gesagt, die Bedrohungen hät-

ten erst im Jahr 2019 begonnen. Er hätte den zweiten Drohbrief demnach 

zwischen Oktober und November 2019 erhalten müssen. Der zweite Droh-

brief sei aber auf den 2. Februar 2020 datiert. Seine Angaben zum Ausrei-

sedatum seien ebenfalls unklar ausgefallen (Ausreise vor ein oder einein-

halb Monaten [EB UMA] beziehungsweise vor zwei bis zweieinhalb Mona-

ten [Anhörung]). An anderer Stelle habe er angegeben, vor 10 Monaten (ab 

Datum EB UMA) ausgereist zu sein, was Mai 2020 bedeuten würde. Es 

bestehe ein erheblicher Unterschied darin, ob er nach Erhalt des Droh-

briefs nach einem Monat oder erst nach drei Monaten ausgereist sei. Wei-

ter habe er einerseits in der EB UMA ausgesagt, Afghanistan mit zwei 

Freunden verlassen zu haben, während er andererseits bei der Anhörung 

gesagt habe, sein Onkel habe einen Schlepper organisiert. In Begleitung 

von sechs bis sieben Personen habe er Afghanistan verlassen. Auf den 

Widerspruch angesprochen, habe er bloss gesagt, er habe diese Freunde 

in der Unterkunft kennengelernt und versucht bei ihnen zu bleiben. Diese 

Erklärung vermöge nicht zu überzeugen, zumal er die organisierte Aus-

reise durch den Schlepper bei der EB UMA nicht erwähnt habe.  

Es sei auch widersprüchlich, dass er bei der EB UMA angegeben habe, er 

sei nach Erhalt des Drohbriefs zur Polizei gegangen, er aber bei der Anhö-

rung angegeben habe, er habe sich nicht an die Behörden gewandt. Auf 

die unterschiedliche Darstellung angesprochen, habe er gemeint, die Poli-

zei habe nicht helfen können. Er sei langsam müde geworden und habe 

deshalb Erinnerungslücken. Das SEM habe Verständnis für seine Müdig-

keit aufgrund des Ramadans und der Befragungssituation. Es seien aber 

regelmässig Pausen gemacht worden, inklusive einer Mittagspause von 

eineinhalb Stunden. Die Müdigkeit erkläre seine unterschiedlichen Anga-

ben nicht, zumal er konkret auf die behördliche Schutzsuche angespro-

chen worden sei. Deshalb sei davon auszugehen, dass er die Umstände 

des Ramadans als Erklärung für seine unterschiedlichen Darstellungen 

hinzuziehen wolle. Aufgrund dieser Widersprüche entstünden schwerwie-

gende Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen.  

Seine Ausführungen zur Zeit zwischen dem Tod seines Vaters, allfälliger 

Sicherheitsvorkehrungen und seiner Ausreise beziehungsweise dem zwei-

ten angeblichen Drohbrief seien ungenau, vage und unsubstantiiert ausge-

fallen. Einerseits habe er angegeben, ihm sei die Gefahr gegenüber der 

Familie nach dem Tod des Vaters bewusst geworden. Gleichzeitig habe er 

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gesagt, er sei damals noch jung gewesen und habe nicht erwartet, in Ge-

fahr zu geraten, was sich mit dem Drohbrief geändert habe. Es sei nicht 

nachvollziehbar, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise den genauen Inhalt 

des zweiten Drohbriefs nicht gekannt habe. Trotz seines jugendlichen Al-

ters hätte er die Gründe für seine Ausreise in Erfahrung bringen und die 

diesbezüglichen Ängste und Gedanken erlebnigsgeprägt schilden können.  

Schliesslich sei der eingereichte Drohbrief nicht fälschungssicher und be-

inhalte widersprüchliche Angaben (Rekrutierung und Todesdrohung), was 

dessen Echtheit wiederum in Zweifel ziehe. Aufgrund seines jungen Alters 

zum Zeitpunkt der Ausreise sei nicht ersichtlich, welchen Mehrwert die Ta-

liban an ihm gehabt hätten. Die Taliban würden keine neuen Mitglieder an-

werben, die ihnen gegenüber allenfalls eine oppositionelle Position einneh-

men würden. Insgesamt könne ihm die geltend gemachte Reflexverfolgung 

im Zusammenhang mit dem zweiten Drohbrief nicht geglaubt werden.  

6.2 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Rechtsmitteleingabe fest, die 

Glaubhaftigkeitsprüfung sei selektiv und unsachgemäss ausgefallen. Er 

habe anlässlich der beiden Anhörungen konsistente und ausführliche An-

gaben zum Verfolgungsmotiv, den Verfolgungen durch die Taliban sowie 

zum Inhalt der Drohbriefe und den Gesprächen mit seiner Familie und Ver-

wandten gemacht. Seine Ausführungen wiesen etliche Einzelheiten auf, 

ohne dass gegen die logische Konsistenz verstossen werde. Sie seien in 

sich stimmig und könnten von einer unbeteiligten Drittperson nicht ohne 

Weiteres nacherzählt werden. Zudem habe er stets kohärent erzählt. Seine 

Angaben stünden weder im Widerspruch zu Tatsachen und Herkunftslän-

derinformationen noch zu den eingereichten Beweismitteln. Er habe aus-

führliche und authentische Angaben zur Zeit nach dem Tod seines Vaters 

und dem Erhalt und Inhalt des zweiten Drohbriefs sowie zur Planung und 

Organisation seiner Ausreise durch seinen Onkel gemacht. Seine Ausfüh-

rungen zum zweiten Drohbrief und wie seine Familie diesen erhalten habe, 

seien völlig ausser Acht gelassen worden. Unberücksichtigt geblieben 

seien auch sein Alter, sein Gesundheitszustand sowie seine Müdigkeit bei 

der Anhörung anlässlich des Ramadans. Seine in sich stimmigen Schilde-

rungen würden zum Schluss führen, dass er wegen der Tätigkeit und Po-

sition seines Bruders in der Nationalarmee eine Verfolgung durch die Tali-

ban zu befürchten habe.  

Zum Vorhalt der Vorinstanz, es erstaune, dass er zum Zeitpunkt seiner 

Ausreise vom Inhalt des zweiten Drohbriefs nicht genügend Kenntnis ge-

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Seite 10 

habt habe, führte er aus, er sei darauf hingewiesen worden, nur das We-

sentliche beziehungsweise zusammenfassend zu erzählen. Er habe den 

wesentlichen Inhalt des Drohbriefs vollständig wiedergegeben. Die Ermor-

dung seines Vaters in seiner Anwesenheit, der ebenfalls einen Drohbrief 

erhalten habe, habe sich als Schicksal dargestellt, das ihm wohl ebenfalls 

drohen würde. Angesichts dieser traumatischen Erlebnisse und seines Kin-

desalters sei nachvollziehbar, dass er keinen Antrieb gehabt habe, den ge-

nauen Inhalt des Drohbriefs zu lesen, was im Übrigen für die Glaubhaf-

tigkeit seiner Aussagen spreche, zumal er diesen auch hätte auswendig 

lernen können. Es scheine weiter heikel, einem UMA aus einer äusserst 

summarischen EB UMA Widersprüche vorhalten zu wollen. Seine Schilde-

rungen bezüglich der zentralen Gründe seien für einen traumatisierten 

UMA mit geringer Schulbildung ausreichend erlebnisorientiert und detail-

reich. Er habe die Drohungen der Taliban glaubhaft geschildert und durch 

die beiden Drohbriefe belegt. Die Würdigung dieser Beweismittel müsse im 

Gesamtkontext erfolgen.  

Ferner würde sich die Vorinstanz auf unwesentliche Nebenpunkte bezie-

hen, wie etwa unterschiedliche Angaben, ob er mit zwei Freunden oder mit 

einem Schlepper ausgereist sei, obwohl er diese habe schlüssig auflösen 

können. Zudem werde fast ausschliesslich auf zeitliche Ungereimtheiten 

abgestellt und der chronologisch stimmige Ablauf in seinen Ausführungen 

verkannt, selbst wenn sich in der exakten zeitlichen Einordnung vereinzelt 

kleinere Widersprüche ergeben würden. Ebenfalls sei die überspitzt forma-

listische Methodik der Glaubhaftigkeitsprüfung eines traumatisierten Kin-

des fragwürdig – dem Beschwerdeführer werde vorgeworfen, er habe ein-

mal von ungefähr ein oder eineinhalb Monaten, ein anderes Mal von unge-

fähr zwei oder zweieinhalb Monaten gesprochen. Der Vorhalt der Vo-

rinstanz zu den Jahresangaben zum Schulbesuch sei entschieden zurück-

zuweisen. An der EB UMA habe er gesagt, dass er mit sechs eingeschult 

worden sei und acht Jahre die Schule besucht habe, die achte Klasse aber 

nicht abgeschlossen habe. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz 

habe er nie gesagt, dass er im Jahr 2020 die Schule noch besucht habe. 

Er habe wiederholt angegeben, sein Vater sei vor zirka zwei Jahren getötet 

worden. Er sei heute ungefähr 16 Jahre alt, weshalb seine Angabe stimme, 

er habe die Schule mit 14 Jahren verlassen. Die Vorinstanz habe die Um-

rechnungen zwischen dem afghanischen und gregorianischen Kalender – 

der Beschwerdeführer sei im Jahr 1384 nach afghanischem Kalender ge-

boren, das zwischen März 2005 und März 2006 liege – nicht gebührend 

berücksichtigt. Zudem spreche es für seine persönliche Glaubwürdigkeit, 

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Seite 11 

dass sich seine Angaben mit den Befunden aus dem Altersgutachten de-

cken würden.  

Tatsachenwidrig sei die Behauptung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer 

habe angegeben, die Bedrohungen hätten erst im Jahr 2019, 10 Tage vor 

dem Ramadan, somit Ende April 2019, stattgefunden. Mit Verweis auf 

Ziff. 7.01 EB UMA führte er aus, er habe auf die Frage nach dem Zeitpunkt 

des Angriffs und der Ermordung seines Vaters von 10 Tagen vor dem Ra-

madan gesprochen. 

Zur Asylrelevanz führte der Beschwerdeführer aus, sein Bruder habe eine 

Führungsposition in der afghanischen Armee gehabt, weshalb nicht von 

einer einmaligen Verfolgung ausgegangen werden könne. Der Taliban-Vor-

fall zeige, dass die Bedrohung real sei und der Beschwerdeführer gezielt 

angegriffen worden sei. Da die Vorinstanz die Vorbringen bezüglich des 

ersten Drohbriefs und des Überfalls als glaubhaft erachte, sei nachvollzieh-

bar, dass er in den Augen der Taliban der afghanischen Regierung nahe-

stehe und die Furcht nach dem zweiten Drohbrief sowohl subjektiv als auch 

objektiv begründet erscheine. Bezüglich der subjektiven Furcht sei zu be-

rücksichtigen, was die betroffene Person bereits erlebt habe und über wel-

ches Wissen sie bezüglich allfälliger Konsequenzen der Verfolgung ver-

füge. Er habe selbst massive Gewalt erlebt und dauerhafte Verletzungen 

davongetragen und sein Vater sei von den Taliban getötet worden. Auf-

grund dieser Erlebnisse habe er grosse Furcht vor Verfolgung.   

Es sei zu berücksichtigen, dass der Bruder des Beschwerdeführers von 

den Taliban mehrfach angegriffen worden sei. Weil in Afghanistan keine 

funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung stehe, 

würden objektive Hinweise auf eine begründete Furcht vor Verfolgung vor-

liegen. Er habe seine Verfolgungssituation belegen können, indem er Fotos 

und Diplome seines Bruders eingereicht habe, der in der afghanischen Ar-

mee als Major gedient habe. Er verfüge über ein Gefährdungsprofil, womit 

eine erhöhte Gefahr bestehe, über die allgemeine Bedrohungslage hinaus 

Opfer gezielter Verfolgungshandlungen seitens der Taliban zu werden. Der 

Vorwurf der Vorinstanz, die Taliban hätten kein Interesse an ihm, sei reali-

tätsfremd und stehe im Widerspruch zur Länderinformation. Gemäss ver-

schiedener Länderberichte würden die Taliban Kinder zwangsrekrutieren. 

Im Falle einer Weigerung sei mit schwerer körperlicher Schädigung oder 

Tötung zu rechnen. Überdies liege es nicht am Beschwerdeführer die Logik 

der Verfolger nachvollziehen zu müssen. Nachdem sich die Sicherheits-

lage in Afghanistan verschlechtert habe, habe er im Falle einer Rückkehr 

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Seite 12 

nach Afghanistan aktuell auch künftige begründete Furcht vor Verfolgung. 

Es sei auch gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

keine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur vorhanden. Als Fa-

milienangehöriger einer Person, die für die Regierung tätig gewesen sei, 

sei er einer Reflexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt, weshalb er die 

Flüchtlingseigenschaft erfülle. 

7.  

7.1 Es wird vom SEM nicht bestritten, dass der Bruder des Beschwerde-

führers im Ausland militärisch ausgebildet wurde und eine hohe Position in 

der afghanischen Armee innehatte. Auch das Bundesverwaltungsgericht 

sieht keine Veranlassung dazu, dieses Vorbringen in Frage zu stellen. Der 

Beschwerdeführer hat substantiiert von der militärischen Karriere seines 

Bruders erzählt, der aufgrund seiner Leistungen in der Türkei eine Militär-

akademie besuchen konnte. Dies wird durch die eingereichten Beweismit-

tel (zwei Diplome des Bruders betreffend Aus- und Weiterbildung sowie vier 

Fotos des Bruders in Militäruniform und mit Kommilitonen vor einem türki-

schen Militärgebäude) belegt. Seinen substantiierten Ausführungen ist zu 

entnehmen, dass sein Bruder sowohl gegen die Taliban als auch den so-

genannten Islamischen Staat gekämpft hat, in den Provinzen C._______ 

und D._______ verschiedene Stämme leitete und etwa 150-170 Soldaten 

kommandierte (vgl. Anhörung F75-78). Diesen insgesamt übereinstim-

menden Angaben zufolge erlangte sein Bruder durch seine militärische 

Karriere und dem Studium im Ausland Bekanntheit im Heimatdorf.  

7.2 Wie die Vorinstanz betrachtet das Gericht die Erklärungen zum ersten 

Drohbrief sowie die Umstände betreffend den Taliban-Angriff ebenfalls als 

glaubhaft. Seine Erklärungen zur Weigerung des Bruders, seine militäri-

sche Karriere zu beenden, weil er so lange studiert habe und dem Heimat-

land habe dienen wollen (vgl. Anhörung F57), sind hinreichend detailliert 

und realistisch. Auch den Taliban-Angriff hat der Beschwerdeführer anhand 

von zahlreichen Realkennzeichen (der Gewehrkolben, die Motorräder der 

sechs Taliban und die Schläge, vgl. Anhörung F111) detailliert veranschau-

licht und auch die beteiligten Personen und Ereignisse präzise umschrie-

ben («Die anderen 4 standen immer noch vor dem Fahrzeug. Eine von 

diesen 2 hatte die Türe des Fahrzeugs geöffnet und der andere hat meinen 

Vater gepackt und rausgezogen. Der andere hat die Türe wieder zuge-

macht und mit seinem Waffenkolben 2 Mal geschlagen» vgl. Anhörung 

F111). Wie er bewusstlos geschlagen wurde und zuhause vom Tod des 

Vaters bei diesem Angriff sowie dem vorausgehenden Drohbrief erfahren 

hat sowie die Stimmung in dieser Zeit konnte er ebenso erlebnisbasiert 

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Seite 13 

schildern. Gemäss den glaubhaften Angaben des Beschwerdeführers 

wurde der Taliban-Angriff aufgrund der Tätigkeit seines Bruders auf den 

Vater verübt. 

7.3 Zudem ist die geltend gemachte Verfolgung des Bruders des Be-

schwerdeführers sowie die entsprechende Reflexverfolgung mit den Ge-

gebenheiten im afghanischen Kontext vereinbar. Gemäss aktueller Bericht-

erstattung gehören Armeeangehörige zu den vulnerabelsten Personen 

überhaupt und sind aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt (vgl. The Danish Immigration Service, Afghanistan, 

Recent developments in the security situation, impact on civilians and tar-

geted individuals, September 2021, <https://www.ecoi.net/en/file/lo-

cal/2060188/Afghanistan_Targetedindiv_FINAL.pdf>, abgerufen am 

7.12.2021). Demgemäss betrachten die Taliban Angehörige der afghani-

schen Sicherheitskräfte als Feinde ihrer Sache. Dies gilt umso mehr für 

Personen, welche sich in besonderer Weise exponiert haben – wie der 

ranghohe Bruder des Beschwerdeführers (vgl. Urteil des BVGer D-

2720/2021 E. 6.2.1). Auch das SEM anerkennt schliesslich zu Recht, dass 

«Familienangehörige einer Person, die für die Regierung tätig ist, einer Re-

flexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt sein [können]» (vgl. angefoch-

tene Verfügung, S. 5). 

7.4 Somit ist erstellt, dass die Familie des Beschwerdeführers in den Fokus 

der Taliban geraten war und ernsthafte Nachteile erlitten hatte. Die Vo-

rinstanz bezweifelt indessen, dass die Bedrohungslage im Zeitpunkt der 

Ausreise, die ca. ein Jahr nach dem Tod des Vaters erfolgte, noch anhielt 

beziehungsweise geht das SEM davon aus, dass die Verfolgung mit der 

Ermordung des Vaters abgeschlossen gewesen sei. Diese Einschätzung 

überzeugt jedoch nicht.  

7.4.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das ursprüngliche Verfol-

gungsmotiv der Taliban weiterhin Bestand hatte. Sein Bruder blieb als rang-

hohes Militärmitglied im Dienst der afghanischen Armee. Entgegen den 

Ausführungen der Vorinstanz besteht ein enger Kausalzusammenhang 

zwischen dem Taliban-Angriff, den der Beschwerdeführer miterlebt hat, 

und dem zweiten Drohbrief. Nach dem Tod des Vaters verübten die Taliban 

erfolglose Angriffe auf den Bruder des Beschwerdeführers; sodann über-

trug sich die Verfolgung auf den Beschwerdeführer, als ältestes männliches 

Mitglied der Familie. Auch dies ist mit den Gegebenheiten vor Ort ohne 

weiteres in Übereinstimmung zu bringen.   

D-2511/2021 

Seite 14 

7.4.2 Die Vorinstanz hat sodann zumindest implizit die Echtheit des ersten 

Drohbriefs anerkannt. Der in Format und Verfassungsart übereinstim-

mende zweite Drohbrief – dessen Authentizität das Gericht zwar nicht über-

prüfen kann (vgl. Urteil des BVGer E-1581/2018 vom 25. Februar 2020 

E. 7.2) – stützt seine Schilderungen im Gesamtkontext. Die Umstände be-

treffend den zweiten Drohbrief und seine Ausreise hat der Beschwerdefüh-

rer präzise beschrieben (vgl. Anhörung F58, F62 und F66). Es findet sich 

insbesondere auch kein Bruch im Erzählstil der ersten (glaubhaften) Be-

drohungslage und den Folgeereignissen. Die Aussagen sind vielmehr mit 

seiner bereits erlittenen Verfolgung verknüpft, wirken nicht übertrieben o-

der konstruiert und weisen verschiedene Realkennzeichen auf. So habe 

seine Mutter den Drohbrief auf dem Weg zum Vieh Hüten entdeckt. Dessen 

Inhalt hat er bereits anlässlich der EB UMA wiedergegeben (vgl. EB UMA 

Ziff. 7.01). Auch das Gespräch betreffend die Ausreise sowie seine Emoti-

onen stellte er anschaulich dar. Er habe Angst gehabt, sich «sehr schlecht» 

gefühlt (vgl. Anhörung F155) und sich gefragt, «was wollen die [Taliban] 

von mir in diesem jungen Alter» (vgl. Anhörung F146). Zum zweiten Droh-

brief machte er somit insgesamt konsistente Angaben.  

7.4.3 Die vom SEM aufgeführten Ungereimtheiten sind, wie der Beschwer-

deführer zu Recht einwendet, entweder nicht stichhaltig, weil sie auf fal-

schen Grundannahmen fussen, oder beziehen sich nur auf Unwesentli-

ches. 

7.4.3.1 Zunächst ist auffallend, dass sich die Vorinstanz auf teilweise 

schwer nachvollziehbare zeitliche Unstimmigkeiten berufen hat, die offen-

sichtlich auf einseitigen, ungenauen oder formalistischen Berechnungen 

beruhen. Gesamthaft verwendete der Beschwerdeführer keine konkreten 

(gregorianischen) Zeitangaben, sondern setzte diese stets in den Kontext 

der Ereignisse. Gefragt nach dem Ausreisedatum gab er beispielsweise 

an, er sei «vor circa 10 Monaten [ab Datum EB UMA] ausgereist» (vgl. EB 

UMA Ziff. 5.01) und der Überfall der Taliban habe «ungefähr 10 Tage vor 

dem Ramadan [2019]» stattgefunden (vgl. EB UMA Ziff. 7.01). Seine zeit-

lichen Angaben waren dennoch stets in sich konsistent und konzeptionell 

mit seinen Erlebnissen, dem örtlichen, zeitlichen sowie biographischen 

Kontext im Einklang. Allenfalls verbleibende unwesentliche Abweichungen 

bei Zahlen- und Datenangaben vermögen die Glaubhaftigkeit seiner Aus-

sagen nicht in Zweifel zu ziehen und dürfen ihm vorliegend nicht vorgehal-

ten werden (vgl. STEPHAN PARAK, Was stimmt denn jetzt?, in: 

LUDEWIG/BAUMER/TAVOR [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspra-

xis, 2017, S. 391). 

D-2511/2021 

Seite 15 

7.4.3.2 Dem Vorhalt der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe wider-

sprüchliche Zeitangaben zum Zeitpunkt des Erhalts des zweiten Drohbriefs 

und seiner Ausreise gemacht, kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Der Be-

schwerdeführer wurde nach afghanischem Kalender im Jahr 1384 gebo-

ren. Gemäss der Anmerkung der dolmetschenden Person liegt dieses Da-

tum im gregorianischen Kalender zwischen März 2005 und März 2006 

(vgl. EB UMA Ziff. 1.06) und nicht zwingend im Jahr 2006. Offenbar hat das 

SEM das Jahr 2006 als Grundlage für seine Berechnungen verwendet, 

weshalb es zum Schluss kam, er habe die Schule erst im Jahr 2020 ver-

lassen, was angesichts des Erhalts des zweiten Drohbriefs im Februar 

2020 nicht stimmen könne. Allerdings hat der Beschwerdeführer selbst nie 

gesagt, er habe die Schule im Jahr 2020 verlassen, sondern angegeben, 

mit sechs Jahren – also im Jahr 2011 oder 2012 – eingeschult worden zu 

sein und in der achten Klasse die Schule verlassen zu haben (vgl. EB UMA 

Ziff. 1.17.04). Im Jahr 2019 oder 2020 war er also in der achten Klasse. 

Somit sind seine Angaben, er habe die Schule aufgrund der Bedrohungs-

lage im Zusammenhang mit dem ersten Drohbrief – also im Jahr 2019 – 

verlassen, in sich stimmig und nachvollziehbar. Auch stellt seine Aussage 

in der Anhörung, er habe die Schule nach dem Tod des Vaters noch eine 

Woche besucht, eine Konkretisierung dar. Ebenso stimmen seine Antwor-

ten zu Vertiefungsfragen bezüglich des Alters seiner Mutter bei seiner Ge-

burt sowie seines Alters bei der Einschulung und in der achten Klasse mit 

den übrigen Zeitangaben überein und passen in die Chronologie seiner 

Verfolgungsgeschichte (vgl. EB UMA Ziff. 1.16.04 und 1.17.04).  

7.4.3.3 Das SEM geht sodann stets davon aus, dass das Datum des Er-

halts der Drohbriefe mit dem Ausstellungsdatum übereinstimmt. Diese An-

nahme überzeugt nicht, da sein Vater zwei oder drei Monate nach dem 

Erhalt des ersten Drohbriefs – nicht drei Monate nach Ausstellungsdatum 

– getötet worden ist (vgl. EB UMA Ziff. 7.02). Der erste Drohbrief ist zwar 

auf den (…) August 2018 datiert, was jedoch nicht mit dem Zeitpunkt der 

Veröffentlichung oder Übergabe übereinstimmen muss. Im ruralen Afgha-

nistan ist es durchaus möglich, dass ein Drohbrief erst einige Zeit später 

bekannt wird, was mit dem Taliban-Vorfall im April 2019 und den stets über-

einstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers vereinbar ist. So hat 

denn auch sein Vater «an einem Tag früh am Morgen» vor dem Haus den 

Drohbrief gefunden (vgl. Anhörung F57). Zudem hatte seine Familie dem 

Beschwerdeführer zunächst nichts vom ersten Drohbrief erzählt, weshalb 

selbst verbleibende zeitliche Ungenauigkeiten angesichts der im Übrigen 

glaubhaften Angaben kein gewichtiges Indiz gegen die Glaubhaftigkeit sei-

ner Aussagen sind. Schliesslich ist auch nachvollziehbar, dass der zweite 

D-2511/2021 

Seite 16 

Drohbrief, ausgestellt im Februar 2020, ungefähr im Februar/März 2020 

von der Mutter gefunden wurde, was mit dem Ausreisezeitpunkt im Ap-

ril/Mai 2020 vereinbar ist. Damit fallen auch die vermeintlichen Widersprü-

che bezüglich des zeitlichen Ablaufs in sich zusammen. 

7.4.3.4 Auch dem Vorwurf der fehlenden Plausibilität kann nicht gefolgt 

werden; Zwangsrekrutierung von Minderjährigen, auch mittels Drohbriefen, 

sind in Afghanistan Alltag: «Die Rekrutierung von Kindern für die Taliban 

[bedeutet] im Allgemeinen nicht […], dass Taliban-Kommandeure Kinder 

mit vorgehaltener Waffe aus ihren Familien holen, sondern dass mit ande-

ren Mitteln (einschließlich Drohungen) Druck auf die Familie ausgeübt 

wird» (vgl. European Asylum Support Office [EASO], Informationsbericht 

über das Herkunftsland Afghanistan – Rekrutierung durch bewaffnete 

Gruppen, 2016, S. 48, <https://coi.easo.europa.eu/administra-

tion/easo/PLib/Afghanistan_Recruitment_German.pdf>, abgerufen am 

7.1.2022). Weil er wie die Taliban Paschtune ist, ist auch ein Interesse ih-

rerseits am Beschwerdeführer nachvollziehbar. Hierzu wandte er auf Be-

schwerdeebene zu Recht ein, von ihm könne nicht erwartet werden, das 

Verhalten seiner Verfolger zu erklären (vgl. Urteil des BVGer E-2720/2021 

vom 19. Oktober 2021 E. 6.1).  

7.4.3.5 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz spricht für die Glaubhaftigkeit 

seiner Aussagen, dass er den Inhalt des Briefs an der EB UMA nicht 

wortwörtlich, sondern summarisch – inhaltlich aber korrekt – 

wiedergegeben hatte (EB UMA Ziff. 7.01). Dass er seine Ermordung, nicht 

aber die Zwangsrekrutierung (die im Weigerungsfall ebenso den Tod nach 

sich gezogen hätte), bei der EB UMA erwähnt hatte, spricht nicht gegen 

die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Entgegen der Ansicht des SEM hatte 

er genügende Kenntnis vom zweiten Drohbrief. Es kann ihm nicht 

vorgehalten werden, er habe sich zu wenig über den Inhalt des Drohbriefs 

informiert, denn er «wusste, dass vorher [s]ein Vater sein Leben wegen so 

einem Brief verloren hat» (vgl. Anhörung F165). Auch seine Aussagen zur 

Gefahrensituation und Organisation der Ausreise schilderte er 

erlebnisgeprägt. Angesichts seines damals sehr jungen Alters von 14 

Jahren ist sodann nachvollziehbar, dass die entsprechenden 

Entscheidungen von seinem Onkel und Bruder getroffen wurden. Es lässt 

sich auch kein Widerspruch bezüglich der Organisation durch den 

Schlepper erkennen. Bereits in seinen Ausführungen bei der EB UMA 

finden sich Hinweise auf den Schlepper (hohe Reisekosten von […] Euros 

und die Organisation durch den Onkel, vgl. EB UMA Ziff. 5.02), wobei er 

äusserst kurz zum Reiseweg befragt wurde. Ohnehin dürfen dem 

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D-2511/2021 

Seite 17 

minderjährigen Beschwerdeführer unwesentliche Aussagewidersprüche 

zwischen der summarischen EB UMA und der einlässlichen Anhörung 

gemäss konstanter Praxis nicht vorgehalten werden (vgl. statt vieler Urteil 

des BVGer E-5136/2019 vom 21. September 2021 E. 5.1). 

7.4.3.6 Schliesslich lässt sich eine marginale Ungereimtheit hinsichtlich der 

Inanspruchnahme staatlicher Hilfe erkennen. Gerade in Anbetracht des-

sen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ereignisse noch sehr 

jung war, im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters die Behörden invol-

viert gewesen sein dürften und der Bruder ebenfalls Teil der Streitkräfte ist, 

sind diese Unstimmigkeiten jedoch zu relativieren. Aus dem Kontext und 

den Antworten des Beschwerdeführers ergibt sich, dass er sich vor allem 

auf die Machtlosigkeit der Behörden berief, indem er bei der Anhörung er-

klärte, keine Hilfe in Anspruch genommen zu haben («die Behörden kön-

nen sich selbst nicht schützen. Wie können sie uns helfen», vgl. Anhörung 

F164, siehe auch F174), und er bereits an der EB UMA erwähnte «sie [die 

Polizei] sagten, sie hätten keine Möglichkeiten, uns zu schützen (vgl. EB 

UMA Ziff. 7.02). Schliesslich wurde die Frage zur Inanspruchnahme staat-

licher Hilfe am Ende der Anhörung gestellt. Sowohl sein Rechtsvertreter 

als auch der Beschwerdeführer wiesen auf seine Erschöpfung aufgrund 

seiner Herzkrankheit sowie des Ramadans hin (vgl. Anhörung F165 und 

F174). So bestätigte er auch, dass er aufgrund des Ramadans während 

der Anhörung weder esse noch trinke (vgl. Anhörung F108). Zwar wurden 

seine Herzprobleme und allgemeine Befindlichkeit angesprochen. Aller-

dings wurden ihm während der über sechsstündigen Befragung (von 9:00 

bis 15:45 Uhr, inkl. Pausen) kaum offene Fragen gestellt und es lässt sich 

nach Durchsicht der Protokolle auch kein besonderes Vertrauensklima o-

der eine angemessene empathische Reaktion der befragenden Person er-

kennen (vgl. zur Anhörung von UMAs BVGE 2014/30 E. 2.4). Im Lichte 

dieser Umstände, die bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen 

sind, erscheinen seine konsistenten Ausführungen überwiegend glaubhaft. 

7.5 In einer Gesamtwürdigung überwiegen die Gründe, die für die Richtig-

keit der vorgebrachten Sachverhaltsdarstellung sprechen. Der Beschwer-

deführer hat weitgehend substantiiert und schlüssige Aussagen zu den 

zentralen Asylgründen gemacht. Seine Erzählungen sind erlebnisbasiert 

wie es von einem UMA in Berücksichtigung aller Umstände erwartet wer-

den kann. Die bestehenden Unstimmigkeiten lassen sich entweder auflö-

sen oder sind als marginal zu qualifizieren. Dass er die nachfolgende Ver-

D-2511/2021 

Seite 18 

folgung hätte frei erfinden können, ist – unter Berücksichtigung eines in-

folge der glaubhaft gemachten Minderjährigkeit reduzierten Beweismas-

stabs – weitgehend auszuschliessen. 

8.  

8.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem 

Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu 

BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).  

8.2 Der Beschwerdeführer machte geltend, aufgrund der militärischen Tä-

tigkeit seines Bruders einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen zu sein. 

Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen 

Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung 

vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-

gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtli-

cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss (zum 

Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 m.w.H.). 

8.3 Zwar kann die Sicherheitslage in Afghanistan nicht abschliessend be-

urteilt werden, sie hat sich jedoch nach der Machtübernahme der Taliban 

im August 2021 stark verschlechtert (vgl. Urteil des BVGer E-4649/2021 

vom 15. November 2021 E. 7.4.1 und 7.4.2). Bereits bei der Beurteilung 

der Sicherheitslage in Afghanistan im Jahr 2017 (vgl. Urteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017, als Referenzurteil publiziert) hatte das Gericht fest-

gestellt, dass sich Gruppen von Personen definieren lassen, die in diesem 

Land aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus-

gesetzt sind. Derzeit sind Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte 

besonders gefährdet (vgl. Urteil des BVGer D-2720/2021 E. 6.2.1). Der 

D-2511/2021 

Seite 19 

erste Drohbrief und die Tötung des Vaters richtete sich gegen das militäri-

sche Engagement des Bruders des Beschwerdeführers. Gezielt ins Visier 

der Taliban geriet der Beschwerdeführer spätestens mit dem zweiten Droh-

brief, womit von einer Reflexverfolgung und einer politisch motivierten Ver-

folgung auszugehen ist.  

8.4 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den 

erlittenen Misshandlungen und der Tötung seines Vaters bereits ernsthaf-

ten Nachteilen ausgesetzt. Angesichts der erneuten Bedrohung durch den 

zweiten Drohbrief war die Furcht vor Verfolgung des Beschwerdeführers 

zum Zeitpunkt der Ausreise sowohl subjektiv als auch objektiv begründet. 

(vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, 

dass er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan auch aktuell künftige 

Verfolgung vor Übergriffen seitens der Taliban zu befürchten hat (vgl. zur 

Regelvermutung, dass von erlittener, mit der Ausreise in Kausalzusam-

menhang stehender Vorverfolgung ohne Weiteres auf das Bestehen einer 

begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung zu schliessen ist: BVGE 

2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.).  

8.5 Angesichts der aktuellen Situation und des zusehends manifestierten 

Einflusses der Taliban in allen Landesteilen ist – mit Blick auf den nunmehr 

vollzogenen vollständigen Abzug der amerikanischen und ausländischen 

Streitkräfte und der faktischen Machtübernahme durch die Taliban (vgl. Af-

ghanistan Analysts Network, The Moment in Between: After the Americans, 

before the new regime, 1. September 2021, <https://www.afghanistan-ana-

lysts.org/en/reports/war-and-peace/the-moment-in-between-after-the-

americans-before-the-new-regime/>, abgerufen am 7.1.2022) – im vorlie-

genden Fall auch nicht vom Bestehen einer sicheren innerstaatlichen 

Flucht- respektive Schutzalternative auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-

2720/2021 E. 7). 

8.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer als Bruder 

eines Armeeangehörigen sowie der erlittenen Nachteile zum Zeitpunkt sei-

ner Ausreise aus Afghanistan begründete Furcht vor Verfolgung hatte und 

auch heute, insbesondere angesichts der Machtübernahme durch die Tali-

ban, begründete Furcht vor Verfolgung hegen muss. Das SEM hat demzu-

folge sein Asylgesuch zu Unrecht abgelehnt. 

8.7 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefoch-

tene Verfügung ist aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling anzu-

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D-2511/2021 

Seite 20 

erkennen und das SEM ist anzuweisen, ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh-

ren. Konkrete Hinweise für das Vorliegen von Asylausschlussgründen im 

Sinne von Art. 53 AsylG liegen aufgrund der Aktenlage nicht vor. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus-

zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden 

(vgl. auch Art. 111ater AsylG).  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2511/2021 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt. 

3.  

Die Verfügung des SEM vom 28. April 2021 wird aufgehoben und das SEM 

wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

5.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Angela Hefti 

 

 

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