# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f010e685-9009-5960-a383-7c3086baf159
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.12.2022 D-5484/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5484-2022_2022-12-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5484/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, 

mit Zustimmung von Richterin Susanne Genner;   

Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 22. November 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5484/2022 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 11. Oktober 2022 im Bundesasylzentrum 

(BAZ) B._______ Asyl in der Schweiz nachsuchte,  

dass vom SEM drei Tage später aufgrund eines Abgleichs seiner Finger-

abdrücke mit der Eurodac-Datenbank festgestellt wurde, dass er vor der 

Gesuchstellung in der Schweiz bereits in Italien und den Niederlanden als 

Asylantragsteller registriert worden war (vgl. dazu die Akten), 

dass das SEM in der Folge die Behandlung seines Asylgesuches im BAZ 

C._______ an die Hand nahm, wo am 18. Oktober 2022 die Personalien-

aufnahme (PA) stattfand,  

dass er in diesem Rahmen vom SEM auf seinen Anspruch auf unentgeltli-

che Rechtsvertretung während des Verfahrens hingewiesen wurde, worauf 

er sein diesbezügliches Interesse bekundete und sich damit einverstanden 

erklärte, dass das SEM das Protokoll PA an den im BAZ C._______ tätigen 

Leistungserbringer Rechtschutz übermittelt (vgl. Protokoll S. 2 Bst. f),  

dass er allerdings gemäss Aktenlage weder zu diesem Zeitpunkt noch spä-

ter den Mitarbeitenden dem im BAZ C._______ tätigen Leistungserbringer 

Rechtsschutz Vollmacht zu seiner Vertretung erteilte,  

dass das SEM ungeachtet dessen am 27. Oktober 2022 eine den Be-

schwerdeführer betreffende Vorladung zum sogenannten Dublin-Gespräch 

an den im BAZ C._______ tätigen Leistungserbringer Rechtsschutz 

sandte,  

dass der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage nicht zu dem vom SEM in 

der Vorladung auf den 31. Oktober 2022 (um 10:00 Uhr) angesetzten Dub-

lin-Gespräch erschien,  

dass das SEM am 31. Oktober 2022 (um 10:47 Uhr) ein Ersuchen um Wie-

deraufnahme des Beschwerdeführers gemäss den Bestimmungen der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags 

auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) an die 

Niederlande sandte,  

D-5484/2022 

Seite 3 

dass dem SEM am 8. November 2022 aus den Niederlanden die Antwort 

zuging, dem Ersuchen um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers wer-

de gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO entsprochen,  

dass das SEM dem Beschwerdeführer in der Folge mit an ihn persönlich 

versandten Schreiben vom gleichen Tag schriftlich das rechtliche Gehör zu 

einer möglichen Wegweisung in die Niederlande gewährte,  

dass das SEM in diesem Schreiben zuhanden des Beschwerdeführers 

festhielt, er sei am 31. Oktober 2022 trotz seiner Anwesenheit im BAZ 

C._______ unentschuldigt dem Dublin-Gespräch ferngeblieben, für wel-

ches er am 27. Oktober 2022 vorgeladen worden sei, womit er seine Mit-

wirkungsplicht gemäss Art. 8 AsylG grob verletzt habe,  

dass es zudem ausführte, es sei ferner "darauf hinzuweisen, dass bis dato 

keine Mandatsanzeige der vom SEM mandatierten Rechtsvertretung des 

BAZ C._______ eingegangen" sei,  

dass das Schreiben gemäss Aktenlage am 9. November 2022 am BAZ-

Aussenstandort D._______ dem Beschwerdeführer – oder allenfalls auch 

einem Dritten (vgl. dazu nachfolgend) – gegen Empfangsbestätigung per-

sönlich eröffnet wurde,  

dass innert der angesetzten Frist keine Stellungnahme eingereicht wurde,  

dass das SEM in der Folge mit Verfügung datierend vom 22. November 

2022 in Anwendung der Bestimmungen zum Dublin-Verfahren und gestützt 

auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Be-

schwerdeführers nicht eintrat und dessen Wegweisung aus der Schweiz in 

die Niederlande anordnete,  

dass es gleichzeitig eine Ausreisefrist auf den Tag nach Ablauf der Be-

schwerdefrist ansetzte, den Kanton E._______ mit dem Vollzug der Weg-

weisung beauftragte, dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten 

gemäss Aktenverzeichnis aushändigte und festhielt, einer Beschwerde ge-

gen diese Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu,  

dass diese Verfügung dem Beschwerdeführer am 24. November 2022 am 

erwähnten Aussenstandort des BAZ C._______ gegen Empfangsbestäti-

gung persönlich eröffnet wurde,  

D-5484/2022 

Seite 4 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. November 2022 (Post-

stempel) gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde erhoben hat,  

dass er in seiner Eingabe die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und 

Rückweisung der Sache ans SEM beantragt, verbunden mit der Anwei-

sung an die Vorinstanz, auf sein Asylgesuch einzutreten,  

dass er in prozessualer Hinsicht darum ersucht, seiner Beschwerde die 

aufschiebende Wirkung zu erteilen, sowie um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege und Befreiung von der Kostenvorschusspflicht,  

dass vom Bundesverwaltungsgericht nach Eingang der Beschwerde und 

summarischer Aktenprüfung der Vollzug der Wegweisung per sofort einst-

weilen ausgesetzt wurde (Art. 56 VwVG),  

dass dem Gericht die vorinstanzlichen Akten seit dem 29. November 2022 

in elektronischer Form vorliegen (Art. 109 Abs. 3 AsylG), 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der  

Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Ver-

fügungen des SEM entscheidet (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG 

und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), 

dass der Beschwerdeführer legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und er 

seine Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 

AsylG, 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist,  

dass sich die Beschwerde sodann – wie nachfolgend aufgezeigt – als  

offensichtlich begründet erweist, soweit die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung beantragt wird, weshalb über die Beschwerde in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zwei-

ten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), 

dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-

scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),  

D-5484/2022 

Seite 5 

dass sich die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen im Asylbe-

reich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),  

dass das Gericht das Recht von Amtes wegen anwendet und nicht an die 

Anträge oder die rechtlichen Begründungen der Parteien gebunden ist 

(Art. 62 Abs. 4 VwVG),  

dass das SEM in der angefochtenen Verfügung in entscheidrelevanter Hin-

sicht darauf abstellt, vorliegend sei der Erlass eines Nichteintretens- und 

Wegweisungsentscheides in Anwendungen der Bestimmungen zum Dub-

lin-Verfahren möglich, auch wenn kein Dublin-Gespräch stattgefunden 

habe und in der Folge vonseiten des Beschwerdeführers auch keine 

schriftliche Stellungnahme zur Frage seiner Überstellung in den für ihn zu-

ständigen Staat eingereicht worden sei,  

dass das SEM in diesem Zusammenhang wiederum – wie schon im Schrei-

ben vom 8. November 2022 – festhält, der Beschwerdeführer sei trotz sei-

ner Anwesenheit im BAZ C._______ dem Dublin-Gespräch vom 31. Okto-

ber 2022 ferngeblieben, für welches er am 27. Oktober 2022 vorgeladen 

worden sei,  

dass allerdings aufgrund der Aktenlage erstellt ist, dass dem Beschwerde-

führer die Vorladung zum Dublin-Gespräch nicht ordnungsgemässe eröff-

net wurde, da diese Vorladung gemäss Aktenlage einzig an den im BAZ 

C._______ tätigen Leistungserbringer Rechtschutz ging, welcher jedoch 

– mangels entsprechender Bevollmächtigung – nicht zur Vertretung befugt 

war und damit auch nicht als Zustellungsdomizil des Beschwerdeführers 

(im Sinne von Art. 11 Abs. 3 VwVG sowie Art. 12a Abs. 2 AsylG) gelten 

konnte,  

dass das SEM die Vorladung zum Dublin-Gespräch vielmehr dem Be-

schwerdeführer hätte zustellen müssen (vgl. Art. 12a Abs. 3 AsylG),  

dass vor diesem Hintergrund lediglich der Ordnung halber anzumerken 

bleibt, dass aufgrund der Aktenlage auch als fraglich erscheint, ob die vom 

SEM angerufene Vorladung dem Leistungserbringer Rechtschutz über-

haupt zugestellt wurde, da sich in den Akten jedenfalls keine Empfangsbe-

stätigung findet respektive die Rubrik betreffend Kenntnisnahme der Vor-

ladung durch den Leistungserbringer nicht gegengezeichnet worden ist 

(vgl. SEM-Akte […]-9/2 [Rückseite]),  

D-5484/2022 

Seite 6 

dass nach dem Gesagten aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen 

werden muss, der Beschwerdeführer sei der Vorladung zum Dublin-Ge-

spräch nicht nachgekommen, weil ihm diese gar nie zugegangen ist, 

dass das SEM demnach dem Beschwerdeführer zu Unrecht den Vorhalt 

einer schweren Verletzung seiner Mitwirkungspflicht (nach Art. 8 AsylG) 

gemacht und ihn zur (bloss) schriftlichen Stellungnahme aufgefordert hat,  

dass es sodann mit seiner Aufforderung zur bloss schriftlichen Stellung-

nahme – anstelle einer nochmaligen, nunmehr ordnungsgemässen La-

dung zum Dublin-Gespräch – die Verfahrensrechte des Beschwerdefüh-

rers in unzulässiger Weise verkürzt hat,  

dass in diesem Zusammenhang festzuhalten bleibt, dass die Möglichkeit 

zur mündlichen Äusserung vor Erlass einer Wegweisungsverfügung in An-

wendung der Bestimmungen zum Dublin-Verfahren das zentrale Element 

der Wahrung des rechtlichen Gehörs darstellt und nur unter engen Voraus-

setzungen auf die Durchführung des Gesprächs verzichtet werden darf 

(vgl. dazu Art. 5 Abs. 1 und 3–6 sowie Art. 5 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. ferner 

u.a. CONSTANTIN HRUSCHKA, Dublin-Verfahren, in: Ausländerrecht, 3. Aufl. 

2022, Rz. 16.68 f.),  

dass diese engen Voraussetzungen vorliegend offensichtlich nicht erfüllt 

waren, 

dass an der Verletzung der Verfahrensrechte auch nichts zu ändern ver-

mag, dass dem Beschwerdeführer nachträglich schriftlich das rechtliche 

Gehör gewährt wurde,   

dass in diesem Zusammenhang im Übrigen auch fraglich erscheint, ob das 

Schreiben des SEM vom 8. November 2022 am erwähnten BAZ-Aussen-

standort wirklich dem Beschwerdeführer ausgehändigt wurde,  

dass nämlich die auf der zugehörigen Empfangsbestätigung vom 9. No-

vember 2022 ersichtliche Unterschrift (vgl. SEM–Akte […]-14/1) sehr deut-

lich von jenen Unterschriften abweicht, welche der Beschwerdeführer auf 

dem Personalienblatt, dem Formular "Questionnaire Europa" und der vom 

24. November 2022 datierenden Empfangsbestätigung angebracht hat 

(vgl. dazu SEM-Akten […]-2/2, -3/1 und -15/10), 

dass diese Frage aber letztlich offenbleiben kann, 

D-5484/2022 

Seite 7 

dass diesen Erwägungen gemäss die angefochtene Verfügung in Gutheis-

sung der Beschwerde aufzuheben und die Sache zur Fortsetzung respek-

tive ordnungsgemässen Durchführung des erstinstanzlichen Verfahrens 

ans SEM zurückzuweisen ist,  

dass mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache die Gesuche um Er-

teilung der aufschiebenden Wirkung (nach Art. 107a AsylG) und um Befrei-

ung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegen-

standslos geworden sind,  

dass mit vorliegendem Entscheid auch der am 29. November 2022 ange-

ordnete Vollzugstopp dahinfällt,  

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten aufzu-

erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), womit sich auch das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG) als gegenstandslos erweist,  

dass auf der anderen Seite dem Beschwerdeführer trotz Obsiegens keine 

Parteientschädigung zuzusprechen ist, da insgesamt kein Anlass zur An-

nahme besteht, ihm wären durch die Beschwerdeerhebung in relevantem 

Umfang Kosten erwachsen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 4 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5484/2022 

Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur Fortset-

zung respektive Durchführung des erstinstanzlichen Verfahrens im Sinne 

der Erwägungen an das SEM zurückgewiesen.  

3.  

Mit vorliegendem Urteil fällt der am 29. November 2022 vom Bundesver-

waltungsgericht angeordnete Vollzugsstopp dahin. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

5.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer 

 

 

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