# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a0bcc11c-cd54-553f-be9e-64232e1112b6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2010 BVGE 2010/45
**Docket/Reference:** BVGE-2010-45
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGE_001_BVGE-2010-45_2010-08-31

## Full Text

Asile (non-entr&eacute;e en mati&egrave;re) et renvoi | 
Nichteintreten auf Asylgesuch (Dublin-Verfahren). Für die Prüfung
des Asylgesuchs zuständiger Staat. Souveränitätsklausel. Überstel­lungshindernisse
aus internationalem öffentlichem Recht oder aus humanitären Gründen.
Art.&#160;34 Abs.&#160;2 Bst.&#160;d und Art.&#160;44 AsylG. Art.&#160;83
AuG. Art.&#160;29a Abs.&#160;3 AsylV 1.
Art.&#160;3 Abs.&#160;2 erster&#160;Satz der Verordnung (EG) Nr.&#160;343/2003 des Rates vom 18.&#160;Februar
2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung
eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat ge­stellten Asylantrags zuständig
ist (nachfolgend: Dublin-II-VO). Art.&#160;3 EMRK.
Art.&#160;33 FK. Art.&#160;3 des Übereinkommens vom 20.&#160;November 1989 über die
Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK). 

Art.&#160;3 Abs.&#160;2 erster Satz Dublin-II-VO
(Souveränitätsklausel) ist nicht direkt anwendbar. Allerdings kann sich ein Asyl­ge­such­steller
in einem Beschwerdeverfahren auf die Verletzung einer direkt anwendbaren Bestimmung des internationalen
öffent­lichen Rechts oder einer Norm des Landesrechts - insbesondere Art.&#160;29a
Abs.&#160;3 AsylV 1 -, welche einer Überstellung entgegen­stehen, berufen. Ist die Rüge
begründet, muss die Souveränitäts­klausel angewendet werden und die Schweiz ist zuständig
zur Prüfung des Asylgesuchs (E.&#160;5).
Die Dublin-II-VO setzt voraus, dass alle Mitgliedstaaten
des Dublin-Raums ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nach­kommen. Grundsätzlich gilt
diese Vermutung, solange nicht er­härtet ist, dass der Zielstaat der Überstellung seinen
Mindest­verpflichtungen aus dem EU-Gemeinschaftsrecht systematisch nicht nachkommt. Die Vermutung
kann umgestossen werden durch ernsthafte Hinweise darauf, dass die Behörden des zu­ständigen
Staates im konkreten Fall das internationale Recht nicht respektieren würden (E.&#160;7.4 und 7.5).
Der unbestimmte Rechtsbegriff der «&#160;humanitären
Gründe&#160;» im Sinne von Art.&#160;29a Abs.&#160;3
AsylV 1 ist restriktiver auszulegen als der Begriff der «&#160;konkreten Gefährdung&#160;»
in Art.&#160;83 Abs.&#160;4 AuG (E.&#160;8.2).
Die Rüge, das Kindeswohl im Sinne von
Art. 3 KRK sei nicht oder nicht ausreichend gewürdigt worden, überschneidet sich mit jener
der Nichtberücksichtigung der humanitären Gründe, wel­che zum Verzicht auf die Überstellung
führen müssten (E.&#160;8.3).
Individuelle Wegweisungsvollzugshindernisse
sind nicht zu prü­fen, wenn ein Nichteintretensentscheid in einem Dublin-Verfah­ren zu
treffen ist, weil ein anderer Staat des Dublin-Raums zur Behandlung des Asylgesuchs zuständig und
die Souveränitäts­klausel nicht anwendbar ist. Demgegenüber führt die Aner­ken­nung
von Überstellungshindernissen nicht zur Anordnung einer vorläufigen Aufnahme im Sinne von Art.&#160;44
Abs.&#160;2 AsylG und Art.&#160;83 AuG, sondern zieht einzig die Verpflichtung der Schweizer Behörden
nach sich, das Asylgesuch zu prüfen (E.&#160;8.2.3 und 10.2).

2012-03-06T11:03:31Z