# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2079ac25-4992-5e18-baf9-519c1c00565e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.04.2024 F-2159/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2159-2024_2024-04-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2159/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Yannick Antoniazza-Hafner, 

mit Zustimmung von Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. 

   

Parteien 

 
A._______, 

B._______, 

C._______, 

D._______, 

Türkei,  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 27. März 2024 / N (…). 

 

 

 

F-2159/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (nachstehend: Beschwerdeführer), B._______ (nachstehend: 

Beschwerdeführerin) und ihre Kinder C._______ und D._______ ersuch-

ten am 5. November 2023 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich der Fin-

gerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) 

ergab, dass sie am 1. November 2023 in Kroatien um Asyl ersucht hatten. 

B.  

Mit Verfügung vom 27. März 2024 (eröffnet am 3. April 2024) trat das SEM 

in Anwendung des Dublin Abkommens auf die Asylgesuche der Beschwer-

deführenden nicht ein, ordnete deren Überstellung nach Kroatien an und 

forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu 

verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung der editionspflichti-

gen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

C.  

Mit Beschwerde vom 9. April 2024 (Datum Poststempel), gelangten die Be-

schwerdeführenden an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten 

sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. 

Gleichentags ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) 

und das Gericht entscheidet über diese endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG). Die üblichen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf 

die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG 

und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Bei Beschwerden gegen Nichteintretens-

entscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine 

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Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurtei-

lungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-

schränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten 

ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

1.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

2.  

2.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).  

Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III  

(Art. 8-15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch  

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23-25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Der Mitglied-

staat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, 

ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheits-

gebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf in-

ternationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch 

während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats 

zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 

wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). 

2.2 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

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Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylge-

such «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür ge-

mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entschei-

dung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht darf 

sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 

und E. 8.1 in fine). 

3.  

Zu Beginn der Dublin-Gespräche vom 28. November 2023 stellte der zu-

ständige Sachbearbeiter des SEM jeweils fest, das Gespräch finde im (so-

genannten) «Remote-Verfahren» statt – der Gesuchsteller beziehungs-

weise die Gesuchstellerin und die Rechtsvertreterin seien in E._______, 

der Befrager in F._______ (vgl. Vorakten [SEM-act.] 38/1; 40/1). Aus den 

Protokollen der Dublin-Gespräche ergeben sich keine Hinweise, die darauf 

schliessen liessen, der Beschwerdeführer beziehungsweise die Beschwer-

deführerin seien nicht in der Lage gewesen, das Gespräch sinnvoll zu füh-

ren und ihre Einwände adäquat darzulegen. Diesbezügliche Vorbringen 

wurden auch nicht erstattet. Jedoch ist die Frage, ob ein «Remote-Verfah-

ren» im Dublin-Verfahren überhaupt zulässig ist, umstritten, weshalb das 

SEM eingeladen wird, bis zum Erlass eines Leiturteils zu dieser Thematik 

auf diese Vorgehensweise zu verzichten. Im konkreten Fall würde aller-

dings eine allfällige Kassation der angefochtenen Verfügung offensichtlich 

zu einem prozessökonomischen Leerlauf führen (vgl. Urteil des BVGer  

D-1029/2024 vom 23. Februar 2024 E. 4). 

4.  

4.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke ergab, dass der Beschwerdeführer 

und die Beschwerdeführerin am 1. November 2023 in Kroatien daktylosko-

pisch erfasst wurden. Gleichentags stellten sie gemäss Auszug aus der 

«Eurodac»-Datenbank Asylgesuche. Die kroatischen Behörden stimmten 

dem Wiederaufnahmeersuchen der Vorinstanz hinsichtlich aller Beschwer-

deführenden gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO fristgerecht zu (SEM-

act. 47; 48). Somit sind sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch der 

Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für die Asyl-

gesuche der Beschwerdeführenden zuständigen Mitgliedstaats gemäss 

Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde, als erstellt 

zu betrachten mit der Folge, dass die Verfahren nach einer Rücküberstel-

lung der Beschwerdeführenden fortgesetzt werden (Urteil des BVGer  

E-6460/2023 vom 1. Dezember 2023 E. 4.3). 

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4.2 Sämtliche Dublin-Mitgliedstaaten sind von Gesetzes wegen dazu  

verpflichtet, Personen, die internationalen Schutz beantragen, beziehungs-

weise Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, die beim illegalen  

Überschreiten einer Aussengrenze aufgegriffen werden, den Abdruck aller 

Finger abzunehmen (Art. 9 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EU] 

Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 [Eurodac-Verordnung]). Die schweizerischen Behörden dürfen 

grundsätzlich darauf vertrauen, dass die Einträge in der Eurodac-Daten-

bank korrekt sind. Andererseits sieht das Gericht nicht ein, wieso die kroa-

tischen Behörden diesbezüglich falsche Angaben machen würden  

(vgl. Urteile des BVGer F-2134/2020 vom 29. April 2020; E-2222/2017 vom  

20. April 2017 S. 6; F-3426/2022 vom 20. Dezember 2022 E. 4.5.2). Es ist  

somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden – entgegen  

ihrem Vorbringen (vgl. SEM-act. 38/1; 40/1) – in Kroatien um Asyl ersucht 

haben.  

4.3 Zusammenfassend ist die Zuständigkeit Kroatiens somit grundsätzlich 

gegeben. 

5.  

Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Rechtsmitteleingabe vom  

9. April 2024, ihrer Stellungnahme vom 27. März 2024 und in ihren Dublin-

Gesprächen vom 28. November 2023 im Wesentlichen vor, dass sie nicht 

nach Kroatien zurückkehren möchten. Man habe sie dort zwei Tage lang in 

einem Container festgehalten, was vor allem die Kinder sehr verängstigt 

habe. Während dieser Zeit habe man ihnen kein Essen und Trinken gege-

ben. Es sei nur möglich gewesen, aus einem Art Waschbecken/Toilette zu 

trinken. Sie seien in dem Land sehr schlecht behandelt worden und die 

ganze Familie sei psychisch angeschlagen und wegen der dortigen Erleb-

nisse traumatisiert. Obwohl die Kinder krank gewesen seien, seien sie in 

Kroatien nicht medizinisch behandelt worden. Für die kroatischen Polizis-

ten sei ihr Leben wertlos und sie hätten dieses auch gefährdet (vgl. SEM-

act. 40/2). Wenn sie nach Kroatien zurückgingen, liefen sie Gefahr in die 

Türkei gebracht zu werden. Dort herrsche Lebensgefahr für die Familie. 

Der Beschwerdeführer sei im Jahr 2016 von türkischen Sicherheitskräften 

angeschossen worden. Seither sei sein linkes Bein ab Kniehöhe gefühlslos 

und er sei auf Krücken angewiesen. Ferner verletzte eine Rückweisung 

das Kindeswohl und führe zu einer Retraumatisierung der ganzen Familie. 

 

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6.  

Gemäss Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 wei-

sen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO auf. Demnach sind Dublin-Überstellungen nach Kroa-

tien grundsätzlich sowohl in Aufnahme- ("take charge") als auch in Wieder-

aufnahmeverfahren ("take back") zulässig. Es wird demnach vermutet, 

dass Kroatien die Sicherheit der Asylbewerber garantiert und ihre Rechte 

gemäss dem internationalen Recht einhält (namentlich die EMRK, das 

Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, 

SR 0.105], das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]; die Richtlinien des Europäischen Parla-

ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen 

Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

Schutzes [sog. Verfahrensrichtlinie] sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-

onalen Schutz beantragen [sog. Aufnahmerichtlinie]). 

Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen 

völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso-

nen in der Situation der Beschwerdeführenden nachkommt und insbeson-

dere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens- 

und Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. Urteile F-1883/2023 vom 12. April 

2023 E. 8.2; F-647/2023 E. 7.1; je m.H.). Diese Vermutung kann im Einzel-

fall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hin-

weise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 

2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018  

E. 5.3.1). Wie dies bei der Prüfung von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO 

dargelegt wird (vgl. E. 7 unten), gelingt dies den Beschwerdeführenden 

vorliegend jedoch nicht. 

7.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz vom Selbsteintrittsrecht  

gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV hätte  

Gebrauch machen müssen. 

7.1 Die Beschwerdeführenden vermögen kein konkretes und ernsthaftes 

Risiko darzutun, die Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und 

einen allfälligen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Re-

geln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Die Behörden haben ihrer 

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Aufnahme explizit zugestimmt. Den Akten sind denn auch keine Gründe für 

die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in ihrem Fall den Grundsatz 

des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwin-

gen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach  

Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur 

Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.  

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt zwar, dass das Verhalten 

der kroatischen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchenden 

im Rahmen der Erstaufnahme bis zur Gesuchstellung problematisch sein 

können. Vor diesem Hintergrund ist nicht auszuschliessen, dass die Be-

hauptungen der Beschwerdeführenden über eine inakzeptable Vorgehens-

weise der Anhaltung in Kroatien der Wahrheit entsprechen, auch wenn 

diese nicht hinreichend belegt wurden. Dies vermag jedoch die angefoch-

tene Verfügung nicht in Frage zu stellen. In objektiver Hinsicht ist die not-

wendige hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich eine entsprechende schlechte 

Behandlung bei einer Rückkehr im Rahmen des Dublin-Verfahrens wieder-

holen könnte, nicht gegeben. Die Beschwerdeführenden vermögen nicht 

darzutun, dass sie in Kroatien – nach legaler Rückkehr aus einem Dublin-

Mitgliedstaat – kein faires Asylverfahren erhalten und ernsthaft Gefahr lau-

fen würden, unmenschlich im Sinne von Art. 3 EMRK behandelt zu werden. 

Sie werden sich nach der Dublin-Überstellung in einer anderen Situation 

als bei ihrer ersten (zuerst illegalen) Einreise befinden. Das Bundesverwal-

tungsgericht geht davon aus, dass Kroatien grundsätzlich als Rechtsstaat 

mit einem funktionierenden Justizsystem einzustufen ist. Folglich ist von 

der grundsätzlichen Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit dieses Staates 

auszugehen. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der den 

Beschwerdeführenden zustehenden Aufnahmebedingungen könnten sie 

sich an die kroatischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem 

Rechtsweg einfordern. Überdies obliegt es den kroatischen Behörden im 

Rahmen der von ihnen eingegangenen Verpflichtungen, Familien mit Kin-

dern rechtskonform unterzubringen und zu betreuen (vgl. Urteil des BVGer  

F-3957/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 6.4). Es liegen keine Hinweise vor, 

dass die kroatischen Behörden dieser Verpflichtung nicht nachkommen 

würden. 

7.3 Die Beschwerdeführenden berufen sich sinngemäss darauf, ihr  

Gesundheitszustand stehe einer Überstellung entgegen. 

7.3.1. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen  

Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die 

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betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krank-

heitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung 

mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unter-

stützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die 

damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 

[EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwer-

kranke, die durch die Abschiebung - mangels angemessener medizinischer 

Behandlung im Zielstaat - mit einem realen Risiko konfrontiert würden, ei-

ner ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Ge-

sundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder 

einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Ur-

teil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse 

Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 

7.3.2. Beim Beschwerdeführer wurden folgende Krankheiten beziehungs-

weise Beschwerden diagnostiziert (vgl. SEM-act. 72; 73):  

Psychisch: Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2) bei Flüchtlingssituatio-

nen, Zukunftsängste, intermittierende depressive Verstimmung (Diagnose 

vom 1. Februar 2024). Eine Behandlung mit Psychopharmaka wurde 

durchgeführt und auf Wunsch des Beschwerdeführers wegen übermässi-

ger Müdigkeit beendet. 

Physisch: Schussverletzung Knie links (im Jahr 2016) mit deutlichen Krepi-

tationen patello-femural und starker seitlicher Instabilität (Diagnose vom 

16. November 2023); Angina Tonsillaris (akute Mandelentzündung; Diag-

nose vom 5. März 2024). Es wurde eine Röntgenkontrolle, eine temporäre 

Analgesie-Therapie, Physiotherapie sowie eine medikamentöse Behand-

lung der Mandelentzündung durchgeführt. Nach Angaben des Beschwer-

deführers ist hinsichtlich seines Beines eine Operation geplant (Akten im 

Beschwerdeverfahren [BVGer-act.] 1). 

7.3.3. Bei der Beschwerdeführerin wurden folgende Krankheiten bezie-

hungsweise Beschwerden diagnostiziert (vgl. SEM-act 72; 74):  

Psychisch: Schlafstörungen, hoher Stresspegel. Behandlung: Mehrmalige 

Einnahme von pflanzlichen Medikamenten. 

Physisch: Varikosis Stadium I (Krampfadern; Diagnose vom 28. November 

2023); Verdacht auf mukoide Dorsalzyste Fuss links; Verdacht auf Lichen 

Simplex chronicus Fuss links (chronische, juckende Hauterkrankung;  

Diagnose vom 19. Dezember 2023); chronische Tonsillitis (chronische 

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Mandelentzündung; Diagnose vom 7. März 2024); Zahnschmerzen.  

Bezüglich der Venenproblematik wurde im November eine Therapie initi-

iert. Die Zahnschmerzen wurden durch einen Zahnarzt behandelt.  

Hinsichtlich der Angina Tonsillaris ist eine Tonsillektomie (chirurgische Ent-

fernung der Gaumenmandeln) geplant. 

7.3.4. Bei D._______ wurden folgende Krankheiten beziehungsweise Be-

schwerden diagnostiziert (vgl. SEM-act. 72; 75):  

Verdacht auf Angina Tonsillaris (akute Mandelentzündung; Diagnose vom 

12. Dezember 2023); Tonsillopharyngitis (akute Rachen- und Gaumen-

mandelinfektion; Diagnose vom 25. Januar 2024); leichte mikrozytäre hy-

pochrome Anämie und Eisenmangel (Diagnose vom 13. März 2023). Die 

Mandelentzündung sowie die Rachenentzündung wurden jeweils medika-

mentös behandelt. Es wurde Vitamin D sowie für die Anämie und den  

Eisenmangel die Einnahme von Maltofer für drei Monate verschrieben. 

7.3.5. Bei C._______ wurden folgende Krankheiten beziehungsweise Be-

schwerden diagnostiziert (vgl. SEM-act. 72; 76):  

Ohrenschmerzen, abklingende Otitis externa (akute Infektion der Gehör-

gangshaut; Diagnose vom 1. Dezember 2023); rechts betonte Myoarthro-

pathie beider Kiefergelenke (Erkrankung der Kaumuskulatur und des  

Kiefergelenkes durch Zähneknirschen; Diagnose vom 12. Dezember 

2023); Hörminderung, Tinnitus (Diagnose vom 16. Dezember 2023); 

Schlafprobleme. Eine Behandlung in der HNO ist noch laufend. Eine Phy-

siotherapie für den Kiefer wurde durchgeführt. Sie erhielt als Reserveanal-

gesie, Flector Pflaster und Analgesietropfen. 

7.4 Die obgenannten medizinischen Beschwerden sind nicht unerheblich 

und zweifellos mit besonderen Schwierigkeiten und (Behandlungs- und 

Therapie-)Bedürfnissen verbunden. Jedoch ergeben sich keine Anhalts-

punkte für die Annahme, dass die erforderliche medizinische Betreuung mit 

den notwendigen Untersuchungen, Operationen und Therapien in Kroatien 

− einem Mitgliedstaat der Europäischen Union mit einem dem Schweizer 

Niveau qualitativ vergleichbaren Gesundheitssystem − nicht verfügbar res-

pektive zugänglich wären. Auch ist davon auszugehen, dass der Zugang 

zum dortigen Gesundheitssystem für asylsuchende Personen gewährleis-

tet ist, zumal die Mitgliedstaaten den Antragsstellenden die erforderliche 

medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe-

dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi-

schen Störungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 

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Seite 10 

Aufnahmerichtlinie). Den Antragsstellenden mit besonderen Bedürfnissen 

ist sodann die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe, einschliess-

lich psychologischer Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahme-

richtlinie; vgl. auch Urteile des BVGer D-919/2023 vom 11. Mai 2023 E. 8.4, 

E-1488/2020 E. 10.2). Es ist davon auszugehen, dass Kroatien seinen 

diesbezüglichen Verpflichtungen nachkommt und es sind keine Hinweise 

ersichtlich, dass das Land den Beschwerdeführenden eine adäquate me-

dizinische sowie psychologische Behandlung verweigern werde. Es ist da-

her nicht davon auszugehen, dass den Beschwerdeführenden bei einer 

Überstellung nach Kroatien eine ernste, rasche und unwiederbringliche 

Verschlechterung ihres Gesundheitszustands droht, die zu intensivem Lei-

den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung und damit ei-

ner Verletzung von Art. 3 EMRK führen würde. Vielmehr ist davon auszu-

gehen, dass sich die Familie nach einer entsprechenden Anpassungszeit 

zurechtfinden wird.  

7.5 Im Zusammenhang mit den Rügen bezüglich der Beachtung des Kin-

deswohls ist festzuhalten, dass Kroatien Signatarstaat der KRK ist und sei-

nen daraus erwachsenen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt, wes-

halb eine Überstellung nach Kroatien weder eine Verletzung von  

Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet. Aus der Kinderrechtskonvention 

kann kein Anspruch auf Aufenthalt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaf-

testen Lebensbedingungen abgeleitet werden kann. Angesichts der relativ 

kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz sind die Kinder hier noch nicht ver-

wurzelt, sodass ein Vollzug der Wegweisung nicht gegen das Kindeswohl 

spricht. Die notwendige medizinische Behandlung kann nach dem Ausge-

führten (vgl. E. 7.4 oben) auch in Kroatien erfolgen. 

7.6 Die Vorinstanz hat selbst anerkannt, dass es sich vorliegend um einen 

Medizinalfall handelt (SEM-act. 79). Die schweizerischen Behörden, die 

mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, haben dem 

aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden bei der Organi-

sation der Überstellung nach Kroatien Rechnung tragen, indem sie die dor-

tigen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig 

diesbezüglich informieren. Im Zuge dieser Information sind Kopien der ge-

sammelten Medizinalakten (SEM act. 73 – 76) zu übermitteln. Um einen 

Unterbruch bei der Medikamenteneinnahme zu vermeiden, ist den Be-

schwerdeführenden ein entsprechender Medikamentenvorrat mitzugeben. 

7.7 Nach dem Ausgeführten können die Beschwerdeführenden kein kon-

kretes und ernsthaftes Risiko dartun, wonach ihre Überstellung nach Kro-

atien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. 

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Seite 11 

Darüber hinaus bestehen keine Hinweise auf eine nicht gesetzeskonforme 

Ausübung des Ermessens hinsichtlich Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (humanitäre 

Gründe). Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz 

gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vor. 

8.  

Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss  

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vor. Kroatien 

bleibt zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, 

die Beschwerdeführenden wiederaufzunehmen. 

9.  

Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Die Überstel-

lung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu 

Recht angeordnet. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des 

SEM zu bestätigen. 

Der am 10. April 2024 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem  

vorliegenden Urteil dahin. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-

renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]).  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-2159/2024 

Seite 12 

 
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter 

 

 

Versand: