# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4610831b-dd15-5db8-94f1-5d6aa12303fb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.10.2025 A-5727/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-5727-2024_2025-10-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

Entscheid angefochten beim BGer 

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-5727/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  O k t o b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Jürg Steiger (Vorsitz), 

Richter Pierre-Emmanuel Ruedin, 

Richterin Annie Rochat Pauchard,    

Gerichtsschreiberin Aisha Rutishauser. 
 

 
 

Parteien 
 X._______ AG, 

(…),   

vertreten durch 

lic. iur. Roland Mösch, 

Roland Mösch Steuerberatungen AG 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, 

Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 

Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Mehrwertsteuer; Saldosteuersätze, Bezugsteuer, Ermes-

senseinschätzung (Steuerperioden 2016 bis 2019). 

 

 

 

A-5727/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Unter der Firma Y._______ führte A._______ eine Einzelfirma mit Sitz 

in (…). Diese war vom 30. August 2005 bis zum 31. Dezember 2019 im 

Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen bei der ESTV eingetra-

gen. Gemäss Handelsregistereintrag bestand der Zweck der Y._______ 

(nachfolgend: Einzelfirma) im Ausführen von Unterhalts-, Service- und Rei-

nigungsarbeiten in den Bereichen (…). Gemäss Antrag vom 28. Septem-

ber 2005 (vgl. Vernehmlassungsbeilage [VB] 31; von der ESTV bewilligt 

am 4. Oktober 2005) rechnete die Einzelfirma nach vereinnahmten Entgel-

ten ab. Ebenfalls am 4. Oktober 2005 bewilligte die ESTV den mit Unter-

stellungserklärung vom 28. September 2005 beantragten Saldosteuersatz 

(SSS) von 6 %. 

A.b Nach erneutem Einreichen des Formulars «Unterstellungserklärung 

Saldosteuersatzmethode» der Einzelfirma am 24. Mai 2016 (VB 30), ge-

nehmigte die ESTV am 30. September 2016 die Saldosteuersätze 2,9 % 

(«Kälte-, Klimaanlagen: Lieferung mit Montage sowie Service») und 5,2 % 

(«Klima-, Lüftungsanlagen: Reinigen») (VB 29). In der Folge reichte die 

Einzelfirma für die Steuerperioden 2011 bis 2015 Korrekturabrechnungen 

ein und erhielt daraufhin Gutschriften der ESTV. Im Zuge der Kontrolle der 

Steuerperioden 2013 bis 2015 stellte die ESTV fest, dass über 95 % der 

Leistungen dem höheren Saldosteuersatz unterlegen hätten, womit die 

10 %-Grenze klar unterschritten und der tiefere Steuersatz unrechtmässig 

angewendet worden sei. In der Folge rechnete die ESTV die zuvor ausbe-

zahlten Differenzen wieder auf (VB 24, 25, 26). Mit Einspracheentscheid 

vom 2. September 2021 hielt sie jedoch fest, dass ihre eigene vorbehalt-

lose Auszahlung des geltend gemachten Guthabens eine Vertrauens-

grundlage schaffe, weshalb der tiefere Steuersatz bestehen bleibe (VB 21). 

A.c Gemäss Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) 

übernahm die neu gegründete X._______ AG (nachfolgend: Steuerpflich-

tige) das Geschäft der Einzelfirma aufgrund eines Vermögensübertra-

gungsvertrags vom 6. Dezember 2019 rückwirkend per 30. Juni 2019. 

B.  

B.a Die ESTV kündigte der Steuerpflichtigen mit Schreiben vom 11. August 

2021 (VB 22) eine Kontrolle gemäss Art. 78 des Bundesgesetzes vom 

12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) für die Steu-

erperioden 2016 bis 2020 an. Diese umfasste auch die Prüfung der ehe-

mals steuerpflichtigen Einzelfirma für die Jahre 2016 bis 2019 (Zeitraum 

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vom 1. Januar 2016 bis zum 30. Juni 2019). Ursprünglich war die Kontrolle 

für den 16. und 17. September 2021 vorgesehen; die ESTV legte sodann 

jedoch mehrere Termine fest. Schliesslich konnte die Kontrolle am 2. März 

2022 abgeschlossen und gemeinsam mit der Steuerpflichtigen sowie ihrem 

Vertreter besprochen werden. Zum Ergebnis der Kontrolle nahm die Steu-

erpflichtige mit Schreiben vom 25. Mai 2022 Stellung (VB 20). 

B.b Mit Einschätzungsmitteilung (EM) Nr. (…) vom 21. September 2022 

(VB 18) setzte die ESTV die Steuerforderung für die Steuerperioden 2016 

bis 2019 (Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 30. Juni 2019) auf insge-

samt Fr. 321’271.-- fest (Jahr 2016: Fr. 85'718.--, Jahr 2017: Fr. 99’781.--, 

Jahr 2018: Fr. 94'668.--, Jahr 2019: Fr. 41'104.--); zugleich forderte sie von 

der Steuerpflichtigen die Bezahlung der sich auf Fr. 81'402.-- belaufenden 

Differenz zwischen dieser Steuerforderung und der (seitens der Einzel-

firma) deklarierten Steuer zuzüglich Verzugszins. Die Korrektur erfolgte 

zum einen deshalb, weil die Einzelfirma Umsätze nicht den richtigen Sal-

dosteuersätzen zugeordnet habe und sie stattdessen fälschlicherweise mit 

dem tieferen Saldosteuersatz deklariert habe (Ziff. 1 des Beiblatts zur EM). 

Zum anderen habe die Einzelfirma, Leistungsbezüge, die der Bezugsteuer 

unterliegen würden, nicht deklariert (Ziff. 2 des Beiblatts zur EM).  

C.  

C.a Mit Schreiben vom 17. Oktober 2022 bestritt die Steuerpflichtige die 

Steuernachforderungen (VB 17); die Argumentation wurde mit Schreiben 

vom 23. Februar 2023 ergänzt (VB 15).  

C.b Die ESTV hielt mit Verfügung vom 21. August 2023 daran fest, dass 

die Steuerpflichtige die in der EM vom 21. September 2022 genannten 

Nachforderungsbeträge samt Verzugszins zu bezahlen habe (VB 11). 

D.  

D.a  Am 18. September 2023 liess die Steuerpflichtige Einsprache gegen 

die Verfügung vom 21. August 2023 der ESTV erheben und ersuchte um 

Ansetzung eines Besprechungstermins (VB 10).  

D.b Mit Schreiben vom 5. Oktober 2023 ersuchte die ESTV die Steuer-

pflichtige um Nachreichung von Belegen, die im Rahmen der Kontrolle 

nicht vorgelegt werden konnten und lehnte das Besprechungsangebot ab 

(VB 7). Die Steuerpflichtige reichte die verlangten Unterlagen in der Folge 

teilweise mit E-Mail vom 23. November 2023 (VB 6) sowie mit schriftlicher 

Eingabe vom 29. Januar 2024 ein, in welcher sie zudem erneut um einen 

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Gesprächstermin ersuchte (VB 5). Darüber hinaus beantragte die Steuer-

pflichtige eine Neubeurteilung von sieben Belegen, die nach ihrer Ansicht 

von ihr fälschlicherweise dem höheren Saldosteuersatz zugeordnet wor-

den seien. Die entsprechenden Nachweise reichte sie teilweise mit Ein-

gabe vom 29. Januar 2024 ein. 

D.c Mit Schreiben vom 5. Februar 2024 legte die ESTV ihre Rechtsauffas-

sung sowie die Beweiswürdigung dar und räumte der Steuerpflichtigen Ge-

legenheit zur schriftlichen Stellungnahme ein (VB 4). Am 26. Februar 2024 

reichte die Steuerpflichtige per E-Mail weitere Unterlagen – einschliesslich 

ergänzender Nachweise zu den sieben Belegen (vgl. Sachverhalt Bst. D.b) 

– ein und erneuerte ihr Begehren um eine Besprechung (VB 3). 

D.d Die ESTV hiess die Einsprache der Steuerpflichtigen mit Einsprache-

entscheid vom 12. August 2024 teilweise gut und setzte die Steuerforde-

rung für die Steuerperioden 2016 bis 2019 (Zeitraum vom 1. Januar 2016 

bis zum 30. Juni 2019) auf insgesamt Fr. 318’314.-- fest (Jahr 2016: 

Fr. 84’133.--, Jahr 2017: Fr. 99’694.--, Jahr 2018: Fr. 93’781.--, Jahr 2019: 

Fr. 40’706.--); zugleich forderte sie von der Steuerpflichtigen die Bezahlung 

der sich auf Fr. 78’445.-- belaufenden Differenz zwischen dieser Steuerfor-

derung und der (seitens der Einzelfirma) deklarierten Steuer zuzüglich Ver-

zugszins seit dem 30. April 2018 (VB 2). 

E.  

E.a Die Steuerpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 

12. September 2024 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht erheben 

mit den folgenden Anträgen: 

«1. Die ergangene Verfügung sei aufzuheben. 

2. Eventuell sei die Sache zur nochmaligen Durchführung des Ein-

spracheverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien der Staatskasse zu auf-

erlegen und der Vertreterin eine angemessene Parteientschädigung 

zuzusprechen.» 

E.b Mit Vernehmlassung vom 1. November 2024 beantragt die ESTV 

(nachfolgend auch: Vorinstanz), die Beschwerde vom 12. September 2024 

sei unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin abzuweisen und 

der Einspracheentscheid vom 12. August 2024 sei zu bestätigen. 

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Seite 5 

E.c Das Bundesverwaltungsgericht teilte am 23. Juli 2025 Wechsel im 

Spruchkörper (Instruktionsrichter und Gerichtsschreiberin) mit. 

 

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die Akten wird – soweit dies 

für den Entscheid wesentlich ist – im Rahmen der folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-

gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 

das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme 

nach Art. 32 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, 

SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt nicht 

vor. Der angefochtene Einspracheentscheid ist eine Verfügung im Sinne 

von Art. 5 VwVG. Die ESTV ist zudem eine Vorinstanz des Bundesverwal-

tungsgerichts (vgl. Art. 33 VGG). Dieses ist daher für die Beurteilung der 

vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren richtet sich – soweit 

das VGG oder das MWSTG nichts anderes bestimmen – nach den Vor-

schriften des VwVG (Art. 37 VGG; Art. 81 Abs. 1 MWSTG). 

1.2 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids 

und damit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht 

(vgl. Art. 20 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in 

vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-

letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder 

unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 

Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG). 

1.4  

1.4.1 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende 

Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und voll-

ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die 

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Seite 6 

Verwaltungsrechtspflege werden deshalb grundsätzlich von der Untersu-

chungsmaxime beherrscht (Art. 12 VwVG, der im Mehrwertsteuerrecht 

trotz der Ausnahme in Art. 2 Abs. 1 VwVG anwendbar ist [Art. 81 Abs. 1 

MWSTG]). Demnach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt 

von sich aus abklären. Sie trägt die Beweisführungslast (sog. subjektive 

oder formelle Beweislast). Der Untersuchungsgrundsatz wird im Mehrwert-

steuerverfahren indes dadurch relativiert, dass der steuerpflichtigen Per-

son spezialgesetzlich statuierte Mitwirkungspflichten auferlegt werden 

(Art. 13 VwVG i.V.m. Art. 81 Abs. 1 MWSTG). Dazu zählt namentlich das 

im Mehrwertsteuerrecht geltende (modifizierte) Selbstveranlagungsprinzip 

(vgl. Art. 66 Abs. 1 und 3, Art. 68 Abs. 1, Art. 71 Abs. 1 und Art. 72 

MWSTG; BGE 140 II 202 E. 5.4; Urteile des BGer 2C_998/2021 vom 

12. Mai 2022 E. 7.1, 2C_443/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 3.2.3; Urteile 

des BVGer A-4282/2021 vom 24. August 2022 E. 1.6.2 und E. 2.1.1, 

A-4569/2020 vom 4. Juli 2022 E. 1.3.1 [auf die dagegen erhobene Be-

schwerde ist das BGer mit Urteil 2C_708/2022 vom 26. September 2022 

nicht eingetreten]). 

1.4.2 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der Grundsatz 

der freien Beweiswürdigung (Art. 81 Abs. 3 MWSTG; BGE 130 II 482 

E. 3.2). Art. 81 Abs. 3 MWSTG ist dabei lediglich deklaratorisch; der 

Grundsatz ergibt sich bereits aus Art. 19 VwVG, der auf Art. 40 des Bun-

desgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess (BZP, 

SR 273) zurückgreift (Urteil des BGer 2C_411/2014 vom 15. September 

2014 E. 2.3.3 m.w.H.). Daraus folgt, dass Nachweise nicht an eine beson-

dere Form gebunden sind und nicht ausschliesslich vom Vorliegen be-

stimmter Beweismittel abhängig gemacht werden dürfen (Art. 81 Abs. 3 

MWSTG; Urteile des BGer 2C_809/2017 vom 23. April 2019 E. 2.2, 

2C_709/2017 vom 25. Oktober 2018 E. 3.3). Es ist mit anderen Worten 

nicht zulässig, einen Numerus clausus von Beweismitteln zu definieren 

(IVO P. BAUMGARTNER ET AL., Vom alten zum neuen Mehrwertsteuergesetz, 

2010, § 10 N. 111; FELIX GEIGER, in: Geiger/Schluckebier [Hrsg.], Kom-

mentar MWSTG, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: MWSTG Kommentar 2019], 

Art. 81 N. 11; MARTIN KOCHER, in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson 

[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz 

über die Mehrwertsteuer, 2. Aufl. 2025 [nachfolgend: MWSTG Kommentar 

2025], Art. 81 N. 53). 

1.4.3 Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, 

ob eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. 

Der Beweis ist geleistet, wenn das Gericht gestützt auf die freie 

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Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserheb-

liche Sachumstand verwirklicht hat. Gelangt das Gericht nicht zu diesem 

Ergebnis, kommen die Beweislastregeln zur Anwendung. Dabei ist – in 

analoger Anwendung von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches 

vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) – im Fall der Beweislosigkeit zu-

ungunsten jener Partei zu urteilen, welche die Beweislast trägt. Im Steuer-

recht gilt betreffend die Beweislast der Grundsatz, dass die Behörde die 

Beweislast für Tatsachen trägt, welche die Steuerpflicht begründen oder 

die Steuerforderung erhöhen; demgegenüber ist die steuerpflichtige Per-

son für die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet 

(anstatt vieler: BGE 147 II 338 E. 3.2, 140 II 248 E. 3.5; Urteil des BGer 

2C_353/2013 vom 23. Oktober 2013 E. 3.3; Urteil des BVGer A-1356/2022 

vom 27. Oktober 2022 E. 1.3.2 m.w.H.). 

1.4.4 Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 81 Abs. 1 MWSTG nimmt die 

Behörde die ihr angebotenen Beweise ab, wenn diese für den Entscheid 

erheblich und zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Die ur-

teilende Behörde kann ohne Verletzung des verfassungsrechtlichen An-

spruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; 

Art. 29 VwVG) von einem beantragten Beweismittel dann absehen, wenn 

der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht rechtserheblich ist, 

wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn zum Voraus ge-

wiss ist, dass der angebotene Beweis keine wesentlichen Erkenntnisse zu 

vermitteln vermag oder wenn die verfügende Behörde den Sachverhalt auf 

Grund eigener Sachkunde ausreichend würdigen kann (sog. antizipierte 

Beweiswürdigung; vgl. BGE 145 I 167 E. 4.1, 131 I 153 E. 3, 122 V 157 

E. 1d; Urteile des BVGer A-2315/2021 vom 14. März 2023 E. 1.6 [bestätigt 

durch Urteil des BGer 9C_306/2023 vom 19. Dezember 2023], 

A-4569/2020 vom 4. Juli 2022 E. 1.3.4 [auf die dagegen erhobene Be-

schwerde ist das BGer mit Urteil 2C_708/2022 vom 26. September 2022 

nicht eingetreten]; ANDRÉ MOSER ET AL., Prozessieren vor dem Bundesver-

waltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 3.144; PATRICK SUTTER, in: Auer/Mül-

ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-

tungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Art. 12 N. 18 und Art. 33 N. 2 ff.). 

1.5  

1.5.1 Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahrens-

rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche im Zeit-

punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben, unter Vorbehalt spezial-

gesetzlicher Übergangsbestimmungen (vgl. BGE 130 V 1 E. 3.2). In 

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Seite 8 

materieller Hinsicht sind dagegen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze 

massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sach-

verhalts Geltung hatten (vgl. BGE 134 V 315 E. 1.2, 130 V 329 E. 2.3; zum 

Ganzen: Urteil des BVGer A-553/2021 vom 8. Februar 2022 E. 1.2.1). 

1.5.2 Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt betrifft die Steuerperio-

den 2016 – 2019 (Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 30. Juni 2019). In 

materieller Hinsicht findet daher für die Steuerperioden 2016 bis 2017 das 

am 1. Januar 2010 in Kraft getretene MWSTG in der bis zum 31. Dezember 

2017 geltenden Fassung (AS 2009 5203) bzw. die dazugehörige Mehrwert-

steuerverordnung vom 27. November 2009 (MWSTV, SR 641.201) Anwen-

dung. Für die Steuerperioden 2018 bis 1. Semester 2019 ist indes das ab 

1. Januar 2018 geltende, teilrevidierte MWSTG (Änderung vom 30. Sep-

tember 2016; AS 2017 3575) bzw. die dazugehörige MWSTV (Änderung 

vom 18. Oktober 2017; AS 2017 6307) massgebend. In der Folge wird das 

MWSTG / MWSTV mit «MWSTG» / «MWSTV» zitiert, soweit die Fassun-

gen vor und nach der Teilrevision – soweit hier relevant – inhaltlich iden-

tisch sind. Ansonsten wird das MWSTG / MWSTV entweder mit «MWSTG 

2009» / «MWSTV 2009» oder mit «MWSTG 2016» / «MWSTV 2017» zi-

tiert. Soweit nachfolgend auch auf die Rechtsprechung zum früheren Mehr-

wertsteuergesetz vom 2. September 1999 (aMWSTG; AS 2000 1300) ver-

wiesen wird, liegt der Grund darin, dass diese im vorliegenden Fall auch 

für das heute geltende MWSTG übernommen werden kann. 

2.  

2.1 Zunächst ist auf die formelle Rüge der Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs einzugehen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz 

habe ihre Anträge auf eine persönliche Besprechung im Einspracheverfah-

ren zu Unrecht abgelehnt (Beschwerde, S. 4, Bst. C). Sie begründet ihren 

Eventualantrag auf Rückweisung an die Vorinstanz zur nochmaligen 

Durchführung des Einspracheverfahrens mit dieser Gehörsverletzung. 

2.2 Im Zentrum des verfassungsmässigen Anspruchs auf rechtliches Ge-

hör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV steht das Recht der Parteien, sich vor dem 

Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu 

äussern (sog. rechtliches Gehör im engeren Sinn; vgl. WALDMANN/BICKEL, 

in: Waldmann/Krauskopf [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfah-

rensgesetz, 3. Aufl. 2023 [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG], Art. 29 

N. 80 ff.). Die Anhörung erfolgt im Rahmen eines (einfachen) Schriften-

wechsels und es besteht kein Anspruch auf mündliche Stellungnahme 

(BGE 130 II 425 E. 2.1, 125 I 209 E. 9b; vgl. auch WALDMANN/BICKEL, 

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Seite 9 

Praxiskommentar VwVG, Art. 29 N. 84). Auch ein Anspruch auf mündliche 

Verhandlung besteht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grund-

sätzlich weder aufgrund des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV) noch des Grundsatzes der Öffentlichkeit von Gerichtsverhand-

lungen (Art. 30 Abs. 3 BV; vgl. JULIAN BERIGER, Praxiskommentar VwVG, 

Art. 57 N. 50). Ein Anspruch auf mündliche Verhandlung liesse sich einzig 

aus Art. 6 Abs. 1 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 

Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ableiten. Da aber 

das Steuerrecht nicht in den Anwendungsbereich von Art. 6 EMRK fällt 

(vgl. anstatt vieler: BGE 132 I 140 E. 2.1), hat die Beschwerdeführerin im 

vorliegenden Verfahren – ebenso wie im Verfahren vor der Vorinstanz – 

keinen Anspruch auf mündliche Verhandlung (vgl. Urteil des BVGer 

A-5345/2023 vom 29. August 2024 E. 6 m.w.H.). 

2.3 Die Vorinstanz durfte somit den Antrag auf eine persönliche Bespre-

chung abweisen und aufgrund der Akten entscheiden. Zu erwähnen ist, 

dass wie die Vorinstanz ausführlich aufzeigt (Einspracheentscheid, S. 6, 

E. 3.3.2), der Beschwerdeführerin mehrfach Gelegenheit gegeben wurde, 

sich mündlich im Kontrollverfahren und schriftlich im Einspracheverfahren 

zur Sache zu äussern. Vor diesem Hintergrund liegt keine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz vor und der Eventualantrag ist ab-

zuweisen. 

3.  

3.1  

3.1.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem Sys-

tem der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug (Mehrwertsteuer; 

Art. 130 BV; Art. 1 Abs. 1 MWSTG). Die Steuer wird auf den im Inland von 

steuerpflichtigen Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen (Inlands-

teuer), auf dem Bezug von Leistungen von Unternehmen mit Sitz im Aus-

land durch Empfänger und Empfängerinnen im Inland (Bezugssteuer) und 

auf Einfuhren von Gegenständen (Einfuhrsteuer) erhoben (Art. 1 Abs. 2 

MWSTG). Die Erhebung erfolgt nach den Grundsätzen der Wettbewerbs-

neutralität, der Wirtschaftlichkeit der Entrichtung und der Erhebung und der 

Überwälzbarkeit (Art. 1 Abs. 3 MWSTG; zum Ganzen anstatt vieler: Urteil 

des BVGer A-2668/2019 vom 6. April 2021 E. 2.1 m.w.H. [bestätigt durch 

Urteil des BGer 2C_401/2021 vom 7. September 2022]). 

3.1.2 Der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität verlangt, dass ein moder-

nes Verbrauchssteuersystem wie die Mehrwertsteuer nach Möglichkeit in 

seinen Auswirkungen neutral sein muss. Das heisst, es darf den 

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Seite 10 

Wettbewerb zwischen den Unternehmen nicht beeinträchtigen und hat das 

Gleichbehandlungsgebot zu beachten. Die Mehrwertsteuer muss deshalb 

umfassend sein und alle Waren und Dienstleistungen im Inland gleichmäs-

sig erfassen. Andererseits muss vermieden werden, dass eine Steuerku-

mulation entsteht, weil die Waren und Dienstleistungen auf allen Stufen der 

Produktion und Verteilung und bei der Einfuhr besteuert werden. Diesem 

Zweck dient der Vorsteuerabzug. Damit wird die Wettbewerbsneutralität 

der Mehrwertsteuer dem Grundsatz nach verwirklicht, indem sichergestellt 

wird, dass die Endbelastung beim Konsumenten immer gleich hoch ist, und 

zwar unabhängig davon, auf welchem Weg die Ware oder Dienstleistung 

zu ihm gelangt (vgl. BGE 125 II 326 E. 6a, 124 II 193 E. 8a; Urteile des 

BVGer A-1763/2020 vom 22. September 2021 E. 5.5.1.2, A-5789/2018 

vom 27. Mai 2020 E. 2.2.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_562/2020 

vom 21. Mai 2020]; GEIGER, MWSTG Kommentar 2019, Art. 1 N. 29; NI-

KLAUS HONAUER ET AL., Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], 

4. Aufl. 2024, Rz. 141 ff.). 

3.2 Der Mehrwertsteuer unterliegen – wie gezeigt (vgl. E. 3.1.1) – unter an-

derem die im Inland von steuerpflichtigen Personen gegen Entgelt erbrach-

ten Leistungen; sie sind steuerbar, soweit das MWSTG keine Ausnahme 

vorsieht (Inlandsteuer, Art. 18 Abs. 1 MWSTG). 

Als Leistung gilt die Einräumung eines verbrauchsfähigen wirtschaftlichen 

Wertes an eine Drittperson in Erwartung eines Entgelts (Art. 3 Bst. c 

MWSTG). Die Leistung umfasst als Oberbegriff sowohl Lieferungen (Art. 3 

Bst. d MWSTG) als auch Dienstleistungen (Art. 3 Bst. e MWSTG; vgl. Bot-

schaft vom 25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer, BBl 2008 

6885 ff. [nachfolgend: Botschaft MWSTG], 6939). 

3.3 Dienstleistungen von Unternehmen, die ihren Sitz im Ausland haben 

und nicht im Register der steuerpflichtigen Personen eingetragen sind, un-

terliegen der Bezugsteuer, sofern sich der Ort der Leistung im Inland befin-

det (Art. 45 Abs. 1 Bst. a MWSTG; vgl. auch E. 3.1.1). Steuerpflichtig ist 

(soweit vorliegend relevant) der Empfänger der Leistung im Inland, sofern 

er entweder nach Art. 10 MWSTG steuerpflichtig ist oder – bei gegebenen 

weiteren Voraussetzungen – im Kalenderjahr für mehr als Fr. 10'000.-- der 

Bezugsteuer unterliegende Leistungen bezieht (Art. 45 Abs. 2 Bst. a und b 

MWSTG). Es kommen die ordentlichen Steuersätze zur Anwendung 

(Art. 46 i.V.m. Art. 24 f. MWSTG; zum Steuersatz vgl. auch E. 3.6.7).  

 

A-5727/2024 

Seite 11 

3.4  

3.4.1 Im Mehrwertsteuerrecht stellt jede einzelne Leistung grundsätzlich 

ein selbständiges Steuerobjekt dar, d.h. voneinander unabhängige Leis-

tungen werden selbständig behandelt (Art. 19 Abs. 1 MWSTG; Urteil des 

BGer 2C_833/2016 vom 20. Februar 2019 E. 5.2.2; BVGE 2019 III/1 

E. 3.4.1; Urteile des BVGer A-3038/2022 vom 22. Mai 2024 E. 3.3 [bestä-

tigt durch Urteil des BGer 9C_375/2024 vom 15. November 2024], 

A-2036/2022 vom 6. Januar 2024 E. 2.5.1, A-2686/2020 vom 15. Februar 

2022 E. 2.3.1 m.w.H.). 

Leistungen, die miteinander verbunden sind (sog. Leistungskomplexe), 

werden mehrwertsteuerlich jedoch dann als einheitlicher wirtschaftlicher 

Vorgang betrachtet, wenn sie wirtschaftlich derart eng zusammengehören 

und ineinandergreifen, dass sie entweder ein unteilbares Ganzes bilden 

(sog. Gesamtleistung; Art. 19 Abs. 3 MWSTG) oder dass sie zueinander im 

Verhältnis einer Hauptleistung mit akzessorischer Nebenleistung stehen 

(Art. 19 Abs. 4 MWSTG; BVGE 2019 III/1 E. 3.4.1; Urteile des BVGer 

A-3038/2022 vom 22. Mai 2024 E. 3.3 [bestätigt durch Urteil des BGer 

9C_375/2024 vom 15. November 2024], A-2686/2020 vom 15. Februar 

2022 E. 2.3.1 m.w.H.). 

3.4.2 Leistungen sind steuerlich dann einheitlich zu beurteilen, wenn sie 

zueinander im Verhältnis von Haupt- und untergeordneter (akzessorischer) 

Nebenleistung stehen (Art. 19 Abs. 4 MWSTG). Die Annahme einer sol-

chen unselbständigen Nebenleistung, die das steuerliche Schicksal der 

Hauptleistung teilt, setzt gemäss ständiger Rechtsprechung kumulativ vo-

raus, dass sie im Vergleich zur Hauptsache nebensächlich ist, mit der 

Hauptleistung wirtschaftlich eng zusammenhängt, die Hauptleistung wirt-

schaftlich ergänzt, verbessert oder abrundet und üblicherweise mit der 

Hauptleistung vorkommt. Die Hauptleistung stellt dabei den eigentlichen 

Kern des Leistungskomplexes dar. Nicht massgebend sind die Wertver-

hältnisse der einzelnen Leistungen (Urteil des BGer 2C_969/2015 vom 

24. Mai 2016 E. 2.3.4; BVGE 2019 III/1 E. 3.4.3; Urteile des BVGer 

A-3038/2022 vom 22. Mai 2024 E. 3.3.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 

9C_375/2024 vom 15. November 2024], A-2686/2020 vom 15. Februar 

2022 E. 2.3.3 m.w.H.). Eine Leistung ist insbesondere dann als Nebenleis-

tung zu einer Hauptleistung anzusehen, wenn sie für Leistungsempfänger 

keinen eigenen Zweck hat, sondern das Mittel dafür darstellt, um die 

Hauptleistung des Leistungserbringers unter optimalen Bedingungen in 

Anspruch zu nehmen (Urteile des BVGer A-4569/2020 vom 4. Juli 2022 

E. 2.4.3 [auf die dagegen erhobene Beschwerde ist das BGer mit Urteil 

A-5727/2024 

Seite 12 

2C_708/2022 vom 26. September 2022 nicht eingetreten], A-3285/2017 

vom 21. Juni 2018 E. 2.5.3; GEIGER, MWSTG Kommentar 2019, Art. 19 

N. 27). 

Dass die massgebenden Kriterien kumulativ verlangt werden, bildet auch 

Ausdruck des Ausnahmecharakters von Art. 19 Abs. 4 MWSTG. Grund-

sätzlich werden mehrere Leistungen nämlich selbständig gewürdigt. Nur 

bei Vorliegen der einschlägigen Voraussetzungen dürfen und müssen 

mehrere Leistungen ausnahmsweise als Einheit betrachtet werden; an-

dernfalls bleibt es bei der Behandlung als Leistungsmehrheit (Urteil des 

BGer 2C_969/2015 vom 24. Mai 2016 E. 3.3.3; Urteile des BVGer 

A-3038/2022 vom 22. Mai 2024 E. 3.3.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 

9C_375/2024 vom 15. November 2024], A-2686/2020 vom 15. Februar 

2022 E. 2.3.3 m.w.H.). 

3.4.3 Welche Konstellation – Gesamtleistung oder Haupt- mit Nebenleis-

tung – im konkreten Einzelfall anzunehmen ist, beurteilt sich in Anwendung 

der wirtschaftlichen Betrachtungsweise, welche der zivilrechtlichen Beur-

teilung vorgeht. Zudem ist diese Frage primär aus der Sicht des Verbrau-

chers, d.h. des Leistungsempfängers, zu beantworten. Massgeblich ist die 

allgemeine Verkehrsauffassung einer bestimmten Verbrauchergruppe. Der 

subjektive Parteiwille ist sekundär (BVGE 2019 III/1 E. 3.2; Urteile des 

BVGer A-3038/2022 vom 22. Mai 2024 E. 3.3.3 [bestätigt durch Urteil des 

BGer 9C_375/2024 vom 15. November 2024], A-2686/2020 vom 15. Feb-

ruar 2022 E. 2.3.4 m.w.H.). 

Die Art und Weise der Fakturierung ist für die Qualifikation nach Art. 19 

Abs. 1, 3 oder 4 MWSTG nicht (allein) entscheidend. Die Teilkomponenten 

einer Gesamtleistung oder einer Haupt- und Nebenleistung können etwa 

nicht einzig dadurch verselbständigt werden, dass sie in der Rechnung des 

Leistungserbringers gesondert ausgewiesen und selbständig versteuert 

werden. Umgekehrt führt die Tatsache, dass ein Gesamtentgelt in Rech-

nung gestellt wurde, nicht (automatisch) zur Annahme einer Gesamtleis-

tung oder einer Haupt- und Nebenleistung (Urteil des BVGer A-2686/2020 

vom 15. Februar 2022 E. 2.3.4 m.w.H.; GEIGER, MWSTG Kommentar 

2019, Art. 19 N. 30; HONAUER ET AL., a.a.O., Rz. 987). 

3.4.4 Gemäss Art. 19 Abs. 2 MWSTG können mehrere voneinander unab-

hängige Leistungen, die zu einer Sachgesamtheit vereinigt oder als Leis-

tungskombination angeboten werden, einheitlich nach der überwiegenden 

Leistung behandelt werden, wenn sie zu einem Gesamtentgelt erbracht 

A-5727/2024 

Seite 13 

werden und die überwiegende Leistung wertmässig mindestens 70 Pro-

zent des Gesamtentgelts ausmacht (Kombination). Auch für die wertmäs-

sig untergeordneten Leistungen gelten dann dieselben Steuerfolgen (z.B. 

der gleiche Steuersatz) wie für die wertmässig überwiegende Leistung 

(BVGE 2019 III/1 E. 3.4.4; Urteile des BVGer A-3038/2022 vom 22. Mai 

2024 E. 3.3.5 [bestätigt durch Urteil des BGer 9C_375/2024 vom 15. No-

vember 2024], A-2686/2020 vom 15. Februar 2022 E. 2.3.6 m.w.H.). 

3.5 Wer ein Unternehmen übernimmt, tritt in die steuerlichen Rechte und 

Pflichten des Rechtsvorgängers oder der Rechtsvorgängerin ein (Art. 16 

Abs. 2 MWSTG). 

Rechtsfolge der Steuersukzession ist der Eintritt des Nachfolgers in alle 

Rechte und Pflichten des bisherigen Steuerpflichtigen. Dazu gehören ne-

ben der Haftung für die Steuerschulden (sog. «Zahlungssukzession») 

sämtliche Verfahrens- und materiellen Rechte und Pflichten im Bereich der 

Mehrwertsteuer für die übernommene Unternehmung (sog. «Verfahrens-

sukzession»; zum Ganzen: Urteile des BGer 2A.349/2004 vom 1. Dezem-

ber 2004 E. 2.2 und 2A.351/2004 vom 1. Dezember 2004 E. 2.2; Urteile 

des BVGer A-373/2023 vom 14. März 2024 E. 2.2.3 [bestätigt durch Urteil 

des BGer 9C_250/2024 vom 10. Juni 2024], A-4326/2019 vom 22. Juni 

2021 E. 2.9.3; BOSSART MEIER/CLAVADETSCHER, MWSTG Kommentar 

2019, Art. 16 N. 1 m.w.H.; SUTER/VOGELSANG, Kommentar MWSTG 2025, 

Art. 16 N. 1a; vgl. auch: MARC VOGELSANG, Ausweitung der Steuersukzes-

sion im Mehrwertsteuerrecht, in: Steuer Revue [StR] 75/2020, S. 630 ff., 

insb. S. 633; BENNO SUTER ET AL., Bundesgericht öffnet Tore für partielle 

Steuersukzessionen, in: Expert Focus [EF] 8/20, S. 562 ff., S. 563 f.). 

3.6  

3.6.1 Gemäss Art. 37 Abs. 1 MWSTG 2009 (AS 2010 2055) konnte, wer 

als steuerpflichtige Person jährlich nicht mehr als Fr. 5,02 Mio. steuerbaren 

Umsatz tätigte und im gleichen Zeitraum nicht mehr als Fr. 109'000.-- 

Mehrwertsteuer – berechnet nach dem massgebenden Saldosteuersatz – 

zu bezahlen hatte, nach der Saldosteuersatzmethode abrechnen. In der 

vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2023 gültig gewesenen Fassung 

dieser Bestimmung betrugen die entsprechenden Schwellenwerte 

Fr. 5,005 Mio. und Fr. 103'000.-- (Art. 37 Abs. 1 MWSTG 2016 [AS 2017 

6305]).  

Bei Anwendung der Saldosteuersatzmethode ist die Steuerforderung durch 

Multiplikation des Totals aller in einer Abrechnungsperiode erzielten 

A-5727/2024 

Seite 14 

steuerbaren Entgelte, einschliesslich Steuer, mit dem von der ESTV bewil-

ligten Saldosteuersatz zu ermitteln (Art. 37 Abs. 2 MWSTG).  

3.6.2 Die Abrechnung nach der Saldosteuersatzmethode ist bei der ESTV 

zu beantragen (vgl. Art. 37 Abs. 4 Satz 1 MWSTG). Trotz Wahlrechtes der 

steuerpflichtigen Person muss der jeweils anzuwendende Saldosteuersatz 

von der ESTV vorgängig bewilligt werden (vgl. Urteile des BVGer 

A-2859/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 2.4.3, A-6686/2018 und 

A-6691/2018 vom 30. August 2019 E. 2.8.2; MICHAEL BEUSCH, MWSTG 

Kommentar 2019, Art. 37 N. 17 f.). Wie bereits erwähnt, ist die Steuerfor-

derung bei Abrechnung nach der Saldosteuersatzmethode von Gesetzes 

wegen mit dem von der ESTV bewilligten Saldosteuersatz zu ermitteln 

(Art. 37 Abs. 2 MWSTG). Auf Verordnungsstufe ist ebenfalls festgehalten, 

dass die steuerpflichtigen Personen ihre Tätigkeiten zu den von der ESTV 

bewilligten Saldosteuersätzen abrechnen müssen (Art. 84 Abs. 1 

MWSTV). Nach Art. 84 Abs. 3 MWSTV muss die steuerpflichtige Person, 

der zwei verschiedene Steuersätze bewilligt wurden, die Erträge für jeden 

der beiden Saldosteuersätze separat verbuchen.  

3.6.3 Der steuerpflichtigen Person wird grundsätzlich die Anwendung eines 

einzigen SSS bewilligt (Art. 85 MWSTV). Der steuerpflichtigen Person wird 

die Anwendung von zwei SSS bewilligt, wenn sie zwei oder mehr Tätigkei-

ten ausübt, deren von der ESTV festgelegte SSS sich unterscheiden 

(Art. 86 Abs. 1 Bst. a MWSTV) und mindestens zwei dieser Tätigkeiten ei-

nen Anteil von je mehr als 10 % am Gesamtumsatz aus steuerbaren Leis-

tungen haben (Art. 86 Abs. 1 Bst. b MWSTV 2017 [im Vergleich zu den in 

den Jahren 2016 und 2017 gültig gewesenen Fassung wurde der Zusatz 

«aus steuerbaren Leistungen» ergänzt). Im Rahmen der Teilrevision des 

Mehrwertsteuergesetzes wurde vorgenannter Artikel per 1. Januar 2025 

revidiert (AS 2024 485). 

Die Umsätze aus Tätigkeiten der steuerpflichtigen Person, der die Anwen-

dung von zwei SSS bewilligt worden ist, sind zu versteuern (Art. 88 Abs. 1 

MWSTV): 

a. zum höheren bewilligten SSS, wenn der für die betreffende Tätigkeit 

vorgesehene SSS über dem tieferen bewilligten Satz liegt; 

b. zum tieferen bewilligten SSS in den übrigen Fällen. 

In Fällen von Art. 19 Abs. 2 MWSTG (vgl. E. 3.4.4) kann das Gesamtent-

gelt mit dem bewilligten Saldosteuersatz abgerechnet werden, der für die 

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Seite 15 

überwiegende Leistung gilt (Art. 88 Abs. 2 Satz 1 MWSTV 2017). Werden 

hingegen mehrere voneinander unabhängige Leistungen, die alle dem glei-

chen Steuersatz nach Art. 25 MWSTG unterliegen, zu einem Pauschal-

preis angeboten, so ist das Gesamtentgelt zum höheren bewilligten Sal-

dosteuersatz abzurechnen. Vorbehalten bleibt der kalkulatorische Nach-

weis der steuerpflichtigen Person, welcher Anteil der Gesamtleistung auf 

die einzelnen Teilleistungen entfällt (Art. 88 Abs. 2 Satz 2 MWSTV 2017; 

MWST-Info 12 «Saldosteuersätze» [nachfolgend: MI 12], Version vom 

23. März 2018 [Stand ab 1. Januar 2018 bis 6. April 2020], Ziff. 17.1). Ge-

mäss der Seite 13 der Erläuterungen der ESTV vom 18. Oktober 2017 zur 

Änderung der Mehrwertsteuerverordnung (< https://www.newsd.ad-

min.ch/newsd/message/attachments/49966.pdf >, zuletzt aufgerufen am 

23. September 2025) wurde mit Art. 88 Abs. 2 MWSTV 2017 die bereits 

zuvor bestehende Praxis in der Verordnung festgeschrieben (vgl. zu dieser 

bereits bestehenden Praxis Urteil des BGer 2C_135/2020 vom 21. April 

2020 E. 5.2.2 für die Steuerperioden 2010 bis 2014). 

3.6.4 Der Saldosteuersatz berücksichtigt die branchenübliche Vorsteuer-

quote (Art. 37 Abs. 3 Satz 1 MWSTG). Er basiert auf branchen-, nicht auf 

betriebsspezifischen Gesichtspunkten (Urteil des BVGer A-904/2017 vom 

18. Dezember 2017 E. 5.4). Die Vorsteuerquote wird von der ESTV nach 

Konsultation der betroffenen Branchenverbände festgelegt (Art. 37 Abs. 3 

Satz 2 1. Halbsatz MWSTG). Aufgrund der Pauschalierung mittels bran-

chenüblicher Vorsteuerquote ist der Saldosteuersatzmethode eine gewisse 

Ungenauigkeit zwingend immanent (Urteil des BVGer A-904/2017 vom 

18. Dezember 2017 E. 5.4; zum früheren Recht: Urteil des BGer 

2A.520/2003 vom 29. Juni 2004 E. 9.2; GANI/ROCHAT PAUCHARD, MWSTG 

Kommentar 2025, Art. 37 N. 17).  

3.6.5 Dass der Abzug der Vorsteuer bereits in den Saldosteuersätzen ent-

halten ist, steht auch in der MI 12, Ziff. 1.2 (materiell gleichlautende Versi-

onen vom 4. Oktober 2013 [Stand ab 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 

2017] und vom 23. März 2018 [Stand ab 1. Januar 2018 bis 16. Mai 2024]). 

Gleiches hält der Bundesrat in der Botschaft zum neuen Mehrwertsteuer-

gesetz fest (Botschaft MWSTG, 6982). Er führt zudem aus, dass es sich 

bei den Saldosteuersätzen um Durchschnittssätze handle und es dem ein-

zelnen Steuerpflichtigen frei stehe, die effektive Abrechnungsmethode zu 

wählen, wenn er der Ansicht sei, damit besser zu fahren (Botschaft 

MWSTG, 6981). Er hält ausdrücklich fest, viele Steuerpflichtige würden die 

effektive Abrechnungsmethode wählen, weil sie so die Vorsteuern vollum-

fänglich geltend machen könnten (Botschaft MWSTG, 6982). Die 

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Seite 16 

Abrechnung nach der Saldosteuersatzmethode wird denn auch lediglich 

als verfahrenstechnisch einfachere, nicht aber als für den Steuerpflichtigen 

wertmässig günstigere Methode beschrieben (Botschaft MWSTG, 6981 f., 

7029, 7033; GANI/ROCHAT PAUCHARD, MWSTG Kommentar 2025, Art. 37 

N. 4). Der Bundesrat hält in der Botschaft zwar auch fest, die nach Saldo-

steuersätzen abrechnenden Steuerpflichtigen sollten gegenüber den nach 

der effektiven Methode abrechnenden Steuerpflichtigen weder bevorzugt 

noch benachteiligt werden. Aus dem Umstand, dass es sich um Durch-

schnittssätze handelt, folgt aber gleichzeitig, dass dieses Ziel des Bundes-

rates nur annäherungsweise erreicht werden kann und sich im Einzelfall 

durchaus Abweichungen ergeben können (vgl. E. 3.6.4). Bezeichnender-

weise weist der Bundesrat in diesem Kontext auch darauf hin, dass die 

Saldosteuersatzmethode nicht in erster Linie der Steueroptimierung dienen 

soll (Botschaft MWSTG, 6982; Urteil des BVGer A-904/2017 vom 18. De-

zember 2017 E. 5.5).  

3.6.6 Der Saldosteuersatz für «Kälte-, Klimaanlagen: Lieferung mit Mon-

tage sowie Service» sowie «Klima-, Lüftungsanlagen: Reinigen» betrug in 

den Jahren 2016 und 2017 2,9 % resp. 5,2 % (Anhang zur alten Verord-

nung der ESTV vom 6. Dezember 2010 über die Höhe der Saldosteuers-

ätze nach Branchen und Tätigkeiten, AS 2010 6105 [nachfolgend: aVO 

Saldosteuersätze], in der in den Jahren 2011 bis 2017 geltenden Fassung 

gemäss AS 2010 6105) und in den Jahren 2018 und 2019 für «Kälte- und 

Klimaanlagen: Lieferung mit Montage [Mischbranche; Nebentätigkeiten 

sind Reparatur- und Servicearbeiten]» sowie «Klima- und Lüftungsanla-

gen: Reinigen» 2,8 % resp. 5,1 % (aVO Saldosteuersätze in der in den 

Jahren 2018 bis 2023 geltenden Fassung gemäss AS 2017 5587).  

3.6.7 Art. 91 MWSTV hält fest, dass steuerpflichtige Personen, die nach 

der Saldosteuersatzmethode abrechnen und Leistungen von Unternehmen 

mit Sitz im Ausland nach Art. 45-49 MWSTG beziehen (vgl. zur Bezugs-

teuer E. 3.3), die Bezugsteuer (halbjährlich) zum entsprechenden gesetz-

lichen Steuersatz entrichten müssen. Dies erscheint folgerichtig, denn 

wäre die Leistung von einem inländischen steuerpflichtigen Unternehmen 

erbracht worden, wäre diese Steuer auf den Leistungsempfänger über-

wälzt worden (Urteile des BVGer A-4747/2019 vom 14. April 2021 E. 4.4.2, 

A-904/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 5.8; GANI/ROCHAT PAUCHARD, 

MWSTG Kommentar 2025, Art. 37 N. 15). In Ziff. 5 der MI 12 (materiell 

gleichlautende Versionen vom 4. Oktober 2013 [Stand ab 1. Januar 2011 

bis 31. Dezember 2017] und vom 23. März 2018 [Stand ab 1. Januar 2018 

bis 16. Mai 2024]) wird darauf hingewiesen, dass die Bezugsteuer bei 

A-5727/2024 

Seite 17 

Anwendung der Saldosteuersatzmethode zum gesetzlichen Steuersatz, 

d.h. in aller Regel zum Normalsatz abzurechnen ist.  

3.7  

3.7.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgt nach dem 

Selbstveranlagungsprinzip (vgl. bereits E. 1.4.1). Die Steuerpflichtige stellt 

dabei eigenständig fest, ob sie die Voraussetzungen der subjektiven Steu-

erpflicht (Art. 10 und 66 MWSTG) erfüllt, ermittelt die Steuerforderung sel-

ber (Art. 71 MWSTG) und begleicht diese innerhalb von 60 Tagen nach 

Ablauf der Abrechnungsperiode (Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Das Selbstver-

anlagungsprinzip bedeutet somit, dass die Leistungserbringerin selbst für 

die Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht bzw. -forderung verantwortlich 

ist (vgl. BGE 140 II 202 E. 5.4; Urteile des BVGer A-1418/2018 vom 24. Ap-

ril 2019 E. 2.2, A-2788/2018 vom 27. September 2018 E. 2.6; nichts daran 

ändert, dass neuere deutschsprachige Bundesgerichtsentscheide von 

«modifizierter Selbstveranlagung» sprechen [BGE 144 I 340 E. 2.2.1]). 

3.7.2 Zu den Pflichten der mehrwertsteuerpflichtigen Person gehört insbe-

sondere auch die Buchführungspflicht. Der Mehrwertsteuerpflichtige hat 

seine Geschäftsbücher und Aufzeichnungen nach den handelsrechtlichen 

Grundsätzen zu führen (Art. 70 Abs. 1 MWSTG). Die Buchführung, welche 

die Grundlage der Rechnungslegung bildet, ist das lückenlose und plan-

mässige Aufzeichnen sämtlicher Geschäftsvorfälle einer Unternehmung 

auf der Grundlage von Belegen. Sie schlägt sich in den Geschäftsbüchern 

und den zugehörigen Aufzeichnungen nieder (Art. 957a des Obligationen-

rechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]; anstatt vieler: Urteile des BVGer 

A-4282/2021 vom 24. August 2022 E. 2.1.2, A-1336/2020 vom 12. Oktober 

2021 E. 3.4.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_933/2021 vom 23. Sep-

tember 2022]). 

3.7.3 Die ESTV kann ausnahmsweise über die handelsrechtlichen Grund-

sätze hinausgehende Aufzeichnungspflichten erlassen, wenn dies für die 

ordnungsgemässe Erhebung der Mehrwertsteuer unerlässlich ist (Art. 70 

Abs. 1 MWSTG). Von dieser Befugnis hat sie unter anderem im Rahmen 

des Erlasses der MWST-Info 16 «Buchführung und Rechnungsstellung» 

(nachfolgend: MI 16) Gebrauch gemacht. Diese enthält genaue Angaben 

dazu, wie eine derartige Buchführung auszugestalten ist (MI 16, Ziff. 1.1 

ff.). Alle Geschäftsvorfälle müssen chronologisch fortlaufend aufgezeichnet 

werden, wobei dies zeitnah, das heisst zeitlich unmittelbar nach ihrer Ver-

wirklichung – und damit aktuell – zu geschehen hat. Essentiell ist die so-

genannte «Prüfspur», welche die formelle Dokumentation sicherstellt 

A-5727/2024 

Seite 18 

(MI 16, Ziff. 1.5). Darunter zu verstehen ist die Verfolgung der Geschäfts-

vorfälle sowohl vom Einzelbeleg über die Buchhaltung bis zur Mehrwert-

steuerabrechnung als auch in umgekehrter Richtung. Diese «Prüfspur» 

muss – auch stichprobeweise – ohne Zeitverlust jederzeit gewährleistet 

sein (BGE 140 II 495 E. 3.4.4; zum Ganzen: Urteile des BVGer 

A-2316/2021 vom 14. März 2023 E. 2.2.3, A-4282/2021 vom 24. August 

2022 E. 2.1.2, A-6521/2019 vom 29. Juli 2020 E. 2.2.2). 

3.7.4 Die ESTV kann bei steuerpflichtigen Personen Kontrollen durchfüh-

ren (Art. 78 MWSTG; Urteil des BGer 2C_326/2015 vom 24. November 

2016 E. 3.2). Zu diesem Zweck haben diese Personen der ESTV den Zu-

gang zu ihrer Buchhaltung sowie zu den dazugehörigen Belegen zu ge-

währen. Dazu gehören namentlich jene Unterlagen, die gestützt auf Art. 70 

MWSTG zu führen und aufzubewahren sind (vgl. E. 3.7.2 f.). Dazu zählen 

etwa Bilanzen, Erfolgsrechnungen, die Haupt- und Hilfsbuchhaltungen, 

Kunden- und Lieferantenrechnungen, Bank- und Kassabelege, Warenin-

ventare, Lohnbücher und Unterlagen für die Erstellung der Mehrwertsteu-

erabrechnungen (vgl. BEATRICE BLUM, MWSTG Kommentar 2019, Art. 78 

N 21; zum Ganzen: Urteile des BVGer A-2316/2021 vom 14. März 2023 

E. 2.2.4, A-4282/2021 vom 24. August 2022 E. 2.1.4). 

3.7.5  

3.7.5.1 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor (Verstoss 

gegen die formellen Buchführungsvorschriften) oder stimmen die ausge-

wiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht 

überein (Verstoss gegen die materiellen Buchführungsregeln), so schätzt 

die ESTV die Steuerforderung nach pflichtgemässem Ermessen ein 

(Art. 79 Abs. 1 MWSTG). Die Festsetzung der Steuerforderung erfolgt mit 

einer Einschätzungsmitteilung (Art. 79 Abs. 2 MWSTG). 

3.7.5.2 Art. 79 MWSTG unterscheidet nach dem Ausgeführten zwei vonei-

nander unabhängige Konstellationen, welche zu einer Ermessensein-

schätzung führen: 

Zum einen ist eine Ermessenseinschätzung bei ungenügenden Aufzeich-

nungen vorzunehmen (Konstellation 1). Eine Schätzung hat damit insbe-

sondere auch dann zu erfolgen, wenn – bei feststehender Steuerpflicht – 

die Verstösse gegen die formellen Buchhaltungsvorschriften als derart gra-

vierend zu qualifizieren sind, dass sie die materielle Richtigkeit der Buch-

haltungsergebnisse in Frage stellen (vgl. Urteil des BGer 2C_265/2018 

A-5727/2024 

Seite 19 

vom 19. August 2019 E. 4.3; Urteile des BVGer A-4282/2021 vom 24. Au-

gust 2022 E. 2.2.1, A-2496/2020 vom 18. November 2020 E. 2.3.3). 

Zum anderen kann selbst eine formell einwandfreie Buchführung die 

Durchführung einer Schätzung erfordern, wenn die ausgewiesenen Ergeb-

nisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht übereinstimmen 

(Konstellation 2; vgl. Urteil des BGer 2C_1077/2012 und 2C_1078/2012 

vom 24. Mai 2014 E. 2.2). Dies ist nach der Rechtsprechung dann der Fall, 

wenn die in den Büchern enthaltenen Geschäftsergebnisse von den von 

der Steuerverwaltung erhobenen branchenspezifischen Erfahrungszahlen 

wesentlich abweichen und die kontrollierte Person nicht in der Lage ist, 

allfällige besondere Umstände, auf Grund welcher diese Abweichungen er 

klärt werden können, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen 

(vgl. Urteile des BGer 2C_595/2016 vom 11. Januar 2017 E. 3.2.2 f., 

2C_576/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4; Urteile des BVGer 

A-4282/2021 vom 24. August 2022 E. 2.2.1, A-7088/2016 vom 11. Dezem-

ber 2017 E. 2.4.2, je m.w.H.). 

3.7.6  

3.7.6.1 Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, ist die 

ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach pflichtge-

mässem Ermessen vorzunehmen. Die ESTV hat dabei alle Umstände zu 

beachten, von denen sie Kenntnis hat. Wohl hat die Steuerbehörde eine 

vorsichtige Schätzung anzustellen, doch ist sie nicht verpflichtet, im Zwei-

felsfall die für die steuerpflichtige Person günstigste Annahme zu treffen. 

Die Verletzung von Verfahrenspflichten darf sich nicht lohnen. Fälle, in de-

nen die Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen bzw. 

keine, unvollständige oder ungenügende Aufzeichnungen über ihre Um-

sätze (bzw. hinsichtlich der Feststellung oder Überprüfung der Steuer-

pflicht) führen, dürfen keine Steuerausfälle zur Folge haben (Urteile des 

BGer 9C_302/2024 vom 27. November 2024 E. 2.2.6 m.w.H., 

2C_885/2019 vom 5. März 2020 E. 6.1; anstatt vieler: Urteile des BVGer 

A-2316/2021 vom 14. März 2023 E. 2.4.1, A-4282/2021 vom 24. August 

2022 E. 2.2.2, A-2589/2020 vom 3. Mai 2021 E. 2.5.2). 

3.7.6.2 Hat die ESTV eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen 

vorzunehmen, hat sie dabei diejenige Schätzungsmethode zu wählen, die 

den individuellen Verhältnissen im Betrieb der steuerpflichtigen Person so-

weit als möglich Rechnung trägt, auf plausiblen Annahmen beruht und de-

ren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahekommt (Urteil des 

BGer 9C_302/2024 vom 27. November 2024 E. 2.2.6 m.w.H.). In Betracht 

A-5727/2024 

Seite 20 

kommen Schätzungsmethoden, die auf eine Ergänzung oder Rekonstruk-

tion der ungenügenden Buchhaltung hinauslaufen, aber auch Umsatz-

schätzungen aufgrund unbestrittener Teil-Rechnungsergebnisse in Verbin-

dung mit Erfahrungssätzen. Die brauchbaren Teile der Buchhaltung und 

allenfalls vorhandene Belege sind soweit als möglich bei der Schätzung zu 

berücksichtigen. Sie können durchaus als Basiswerte der Ermessensein-

schätzung fungieren (zum Ganzen anstatt vieler: Urteile des BVGer 

A-2316/2021 vom 14. März 2023 E. 2.4.2, A-1336/2020 vom 12. Oktober 

2021 E. 3.5.3, A-7088/2016 vom 11. Dezember 2017 E. 2.5.2, je m.w.H.). 

Gemäss Rechtsprechung ist es im Rahmen einer Ermessenstaxation 

ebenfalls zulässig, dass die ESTV eine Prüfung der Verhältnisse während 

eines Teils der Kontrollperiode vornimmt und in der Folge das Ergebnis auf 

den gesamten kontrollierten Zeitraum umlegt bzw. hochrechnet (sog. Um-

lageverfahren). Voraussetzung dafür ist, dass die massgebenden Verhält-

nisse im eingehend kontrollierten Zeitabschnitt ähnlich sind wie in der ge-

samten Kontrollperiode (anstatt vieler: Urteile des BVGer A-1652/2025 

vom 8. Juli 2025 E. 2.3.2, A-2922/2022 vom 25. Januar 2024 E. 2.9.4 f.; 

JÜRG STEIGER, MWSTG Kommentar 2025, Art. 79 N. 29).  

3.7.6.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft das Vorliegen der Vor-

aussetzungen für die Vornahme einer Ermessenstaxation – als Rechts-

frage – uneingeschränkt. Als ausserhalb der Verwaltungsorganisation und 

Behördenhierarchie stehendes, von der richterlichen Unabhängigkeit be-

stimmtes Verwaltungsgericht auferlegt es sich trotz des möglichen Rüge-

grundes der Unangemessenheit (vgl. E. 1.3) bei der Überprüfung von zu-

lässigerweise erfolgten Ermessensveranlagungen jedoch eine gewisse Zu-

rückhaltung und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich 

setzt das Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes Ermessen an 

die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der Schätzung er-

hebliche Ermessensfehler unterlaufen sind (anstatt vieler: Urteile des BGer 

2C_27/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 3.1.3, 2C_950/2015 vom 11. März 

2016 E. 4.5, 2C_1077/2012 und 2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.5; 

Urteil des BVGer A-4282/2021 vom 24. August 2022 E. 2.2.4). Diese Pra-

xis wurde vom Bundesgericht nach jahrelanger Kenntnisnahme und Billi-

gung einer eingehenden Prüfung unterzogen und in der aktuellen Recht-

sprechung explizit bestätigt (Urteil des BGer 9C_302/2024 vom 27. No-

vember 2024 E. 3.4.5 m.w.H. [zur amtlichen Publikation vorgesehen]; 

vgl. hierzu auch: Urteil des BVGer A-2713/2024 vom 14. August 2025 

E. 2.8.1). 

A-5727/2024 

Seite 21 

3.7.6.4 Für das Vorliegen der Voraussetzungen einer Ermessenseinschät-

zung ist nach der vorn genannten Beweislastregel (vgl. E. 1.4.3) die ESTV 

beweisbelastet. Sind die Voraussetzungen einer Ermessenseinschätzung 

erfüllt («erste Stufe») und erscheint die vorinstanzliche Schätzung nicht be-

reits im Rahmen der durch das Bundesverwaltungsgericht mit der gebote-

nen Zurückhaltung (E. 3.7.6.3) vorzunehmenden Prüfung als pflichtwidrig 

(«zweite Stufe»), obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Beweislast – der 

steuerpflichtigen Person, den Nachweis für die Unrichtigkeit der Schätzung 

zu erbringen («dritte Stufe»; vgl. anstatt vieler: Urteil des BVGer 

A-2315/2021 vom 14. März 2023 E. 2.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 

9C_306/2023 vom 19. Dezember 2023]). 

Weil das Ergebnis der Ermessensveranlagung selbst auf einer Schätzung 

beruht, kann sich die steuerpflichtige Person gegen eine zulässigerweise 

durchgeführte Ermessenseinschätzung nicht mit allgemeiner Kritik zur 

Wehr setzen. Vielmehr hat sie darzulegen, dass die von der ESTV vorge-

nommene Schätzung offensichtlich fehlerhaft ist; dabei hat sie auch den 

Beweis für ihre vorgebrachten Behauptungen zu erbringen (Urteile des 

BGer 9C_302/2024 vom 27. November 2024 E. 2.2.9 [zur amtlichen Pub-

likation vorgesehen], 2C_27/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 3.1.4; Urteile 

des BVGer A-4282/2021 vom 24. August 2022 E. 2.2.5, A-7088/2016 vom 

11. Dezember 2017 E. 2.6.3, je m.w.H.). Gelingt es der steuerpflichtigen 

Person nicht zu beweisen, dass das Ergebnis der Ermessenseinschätzung 

klarerweise nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt, hat 

sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen und es bleibt bei der bisheri-

gen Schätzung (Urteil des BVGer A-2315/2021 vom 14. März 2023 E. 2.5.2 

m.w.H. [bestätigt durch Urteil des BGer 9C_306/2023 vom 19. Dezember 

2023]). Dies ist das Resultat einer Situation, die sie letztlich selber zu ver-

treten hat. Die steuerpflichtige Person muss somit die Ungewissheit tragen, 

die eine Schätzung zwangsläufig mit sich bringt (anstatt vieler: Urteil des 

BVGer A-2922/2022 vom 25. Januar 2024 E. 2.10.2). 

3.8 Im alten Mehrwertsteuerrecht wurde der Rechnung eine zentrale Be-

deutung beigemessen. Sie war nicht ein reiner Buchungsbeleg, sondern 

stellte ein wichtiges Indiz dafür dar, dass der Aussteller auch Leistungser-

bringer ist und die mehrwertsteuerlich relevante Handlung tatsächlich statt-

gefunden hat (BGE 131 II 185 E. 5; Urteile des BGer 2C_1151/2014 vom 

4. Juni 2015 E. 4.1, 2C_561/2009 vom 25. März 2011 E. 4.1; Urteile des 

BVGer A-3497/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.1, A-720/2013 vom 30. Ja-

nuar 2014 E. 2.5; vgl. auch: DIEGO CLAVADETSCHER, MWSTG Kommentar 

2025, Art. 18 N. 38 m.w.H.). Unter dem neuen Mehrwertsteuerrecht ist die 

A-5727/2024 

Seite 22 

Bedeutung der Fakturierung zu relativieren; bei der Beurteilung, wer Leis-

tungserbringer ist, sind die gesamten Umstände massgeblich (vgl. CLAVA-

DETSCHER, MWSTG Kommentar 2025, Art. 18 N. 38). Die Rechnung ist 

nach wie vor ein zu berücksichtigendes, aber nicht mehr das entschei-

dende Kriterium (CLAVADETSCHER, MWSTG Kommentar 2025, Art. 18 

N. 37). Entspricht eine Rechnung den mehrwertsteuerlichen Anforderun-

gen (Art. 3 Bst. k MWSTG), so das Bundesgericht unlängst, «stellt sie ein 

wichtiges Indiz dafür dar, dass die fakturierende Person (Rechnungsadres-

sant) auch tatsächlich die leistungserbringende Person ist und die in der 

Rechnung ausgewiesene Leistung erbracht hat, während spiegelbildlich 

der Rechnungsadressat grundsätzlich als leistungsempfangende Person 

zu gelten hat» (Urteil des BGer 9C_185/2024 und 9C_188/2024 vom 4. No-

vember 2024 E. 4.1 m.H. auf 2C_680/2021 vom 31. Mai 2022 E. 3.4.3 f.; 

vgl. auch: Urteil des BGer 9C_433/2024 vom 16. Dezember 2024 E. 5.4.3 

[zur Publikation vorgesehen]). 

4.  

Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin das Ge-

schäft der Einzelfirma übernommen hat und damit Steuernachfolgerin mit-

samt allen Rechten und Pflichten geworden ist (vgl. Sachverhalt Bst. A.c 

und E. 3.5). Weiter unbestritten ist die Zuteilung der beiden Saldosteuer-

sätze für Kälte- und Klimaanlagen: Die Lieferung mit Montage sowie Ser-

vice unterstand in den Jahren 2016/2017 einem Saldosteuersatz von 2,9 % 

und in den Jahren 2018/1. Semester 2019 einem solchen von 2,8 %. Das 

Reinigen unterstand hingegen in den Jahren 2016/2017 einem Saldosteu-

ersatz von 5,2 % und in den Jahren 2018/1. Semester 2019 einem solchen 

von 5,1 % (vgl. Sachverhalt Bst. A.b und E. 3.6.6). 

Die Vorinstanz hat sämtliche Rechnungen der Jahre 2016/2017 geprüft 

und daraufhin Anpassungen bei der Zuordnung von Leistungen der 

Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin zu den bewilligten Saldosteu-

ersätzen vorgenommen. Für die Jahre 2018/1. Semester 2019 wurde mit-

tels Umlage auf der Grundlage der Jahre 2016/2017 eine Ermessensein-

schätzung erstellt. Strittig ist einerseits die Zuordnung von Leistungen der 

Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin zu den bewilligten Saldosteu-

ersätzen für die Jahre 2016/2017 (E. 4.1) und andererseits die Rechtmäs-

sigkeit der Ermessenseinschätzung der Steuerforderung für die Jahre 

2018/1. Semester 2019 (E. 4.2). Schliesslich ist auf die Nachforderung der 

Bezugsteuer einzugehen (E. 4.3). 

 

A-5727/2024 

Seite 23 

4.1  

4.1.1 Gemäss Beschwerdeführerin sei unbestritten, dass bei Aufträgen mit 

überwiegendem Anteil an Service- und Unterhaltsleistungen der tiefere 

Steuersatz bei der Mehrwertsteuer zur Anwendung gelange. Dieser tiefere 

Steuersatz basiere darauf, dass bei Service und Unterhalt ein deutlich 

grösserer Aufwand für Material, Ersatzteile usw. anfalle. Ebenso müsse mit 

erhöhtem Personalaufwand gerechnet werden. Bei Reinigungen fielen 

demgegenüber lediglich geringe Kosten für Verbrauchsmaterial wie Putz-

mittel oder Putzlumpen an (Beschwerde, S. 2, Bst. A). 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, ihre Hauptleistungen bestünden im Un-

terhalt und Service von Betriebseinrichtungen und Geräten sehr unter-

schiedlicher Art. Nebst dieser Haupttätigkeit biete sie auch die Reinigung 

der entsprechenden Einrichtungen an. Reinigungen könnten in diesem Zu-

sammenhang als Nebentätigkeit betrachtet werden. Zum Vergleich könne 

am besten eine Autoreparaturwerkstatt herangezogen werden. Diese erle-

dige den Unterhalt und die Reparatur von Fahrzeugen. Als Nebentätigkeit 

werde das Fahrzeug der Kundschaft in der Regel innen und aussen gerei-

nigt. Letztere Tätigkeit stelle einen zusätzlichen Kundenservice dar. Im Ver-

hältnis zur Haupttätigkeit spiele die Reinigung indessen eine untergeord-

nete Rolle, insbesondere in Bezug auf die Rechnungsstellung des Gara-

gisten. Auch dort könne die Reinigung von unqualifizierten Personen aus-

geführt werden, während für Service und Reparaturen von Autos speziell 

ausgebildete Fachkräfte mit einem höheren Einkommen eingesetzt werden 

müssten. Gleiches gelte für ihren Betrieb (Beschwerde, S. 2, Bst. A). 

4.1.2  

4.1.2.1 Die Vorinstanz hat aufgrund von drei Fallgruppen Korrekturen bei 

der Zuordnung von Leistungen der Rechtsvorgängerin der Beschwerde-

führerin zu den bewilligten Saldosteuersätzen in den Jahren 2016/2017 

vorgenommen: Erstens wurden Umsätze dem höheren Saldosteuersatz für 

Reinigungen zugeordnet, wenn aus dem Leistungsbeschrieb auf der Rech-

nung ersichtlich war, dass eine Reinigungsleistung erbracht worden ist. 

Zweitens sind Rechnungen mit dem Leistungsbeschrieb «Service», «War-

tung» oder Ähnlichem dem höheren Saldosteuersatz zugeordnet worden, 

wenn erkennbar war, dass eine Pauschale in Rechnung gestellt und die 

darin enthaltenen Reinigungsleistungen nicht separat ausgewiesen wur-

den. Drittens sind während der Kontrolle und im Verfügungsverfahren nicht 

alle Rechnungen vorgelegt worden, weshalb die entsprechenden Umsätze 

zunächst dem höheren Saldosteuersatz zugeordnet wurden (Einsprache-

entscheid, S. 15, E. 3.3). Die für sämtliche Zahlungseingänge der Jahre 

A-5727/2024 

Seite 24 

2016 und 2017 nachträglich im Einspracheverfahren vollständig nachge-

reichten Belege wurden daraufhin entweder den Reinigungs- oder den Ser-

viceleistungen zugeordnet (Einspracheentscheid, S. 19 ff., E. 6.2 ff.). Vor-

liegend konnte die dritte Fallgruppe somit im Einspracheverfahren bereinigt 

werden, weshalb lediglich die ersten beiden Fallgruppen zu überprüfen 

sind (E. 4.1.2.3 für die erste sowie E. 4.1.2.4 für die zweite Fallgruppe). 

4.1.2.2 Vorab ist zu erwähnen, dass weil der Vorsteuerabzug eine steuer-

mindernde Tatsache ist, die steuerpflichtige Person hierfür beweisbelastet 

ist (E. 1.4.3; vgl. Urteil des BVGer A-2814/2023 vom 19. April 2024 E. 2.3.2 

[bestätigt durch Urteil des BGer 9C_302/2024 vom 27. November 2024]). 

Folglich trägt die Beschwerdeführerin die Beweislast für die Zuordnung der 

Tätigkeiten zu den bewilligten Saldosteuersätzen, da die Anwendung eines 

tieferen Saldosteuersatzes der Geltendmachung eines höheren Vorsteuer-

abzugs gleichkommt.  

4.1.2.3 Massgebend für die Zuordnung einer Tätigkeit zu einem der beiden 

bewilligten Saldosteuersätzen ist – wie die Vorinstanz zutreffend festhält – 

der effektive Leistungsinhalt. 

Vorliegend ergibt sich aus einem Teil der dem Bundesverwaltungsgericht 

vorliegenden Rechnungen, dass die Beschwerdeführerin in den Rech-

nungspositionen ausdrücklich verschiedene Reinigungsarbeiten ausge-

wiesen hat (vgl. Beilagen zur  VB 5: Rechnung Nr. 15308: «Reinigung der 

Lüftungsanlagen gemäss Auftragsbestätigung und Offerte», Rechnung 

Nr. 16157: «Reinigung des Abluftkanalsystem Küche gemäss Offerte», 

Rechnung Nr. 16169: «Umluftmonoblock Kapsellinie 5+6 2 von 4 Monoblö-

cke gereinigt», Rechnung Nr. 16179: «Reinigung der Abluft Ofen 4»). Eine 

Zuordnung zum Saldosteuersatz «Kälte-, Klimaanlagen: Lieferung mit 

Montage sowie Service» bzw. «Kälte- und Klimaanlagen: Lieferung mit 

Montage [Mischbranche; Nebentätigkeiten sind Reparatur- und Servicear-

beiten]» ist angesichts dieses eindeutigen Leistungsbeschriebs ausge-

schlossen.  

Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Leistungen seien als 

Servicearbeiten zu qualifizieren, weil im Rahmen der Arbeiten auch Mate-

rial eingesetzt worden sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Reinigungsarbei-

ten schliessen den Einsatz von Material nicht aus. Wie die Vorinstanz zu 

Recht hervorhebt, fällt bei den für die Reinigung von Klima- und Lüftungs-

anlagen geltenden Saldosteuersätzen von 5,2 % (ab 2018: 5,1 %) im Bran-

chendurchschnitt ein vorsteuerbelasteter Aufwand von rund 35 % an. 

A-5727/2024 

Seite 25 

Damit berücksichtigt der Saldosteuersatz gewisse vorsteuerbelastete Auf-

wendungen (wie bspw. für Maschinenteile und Verbrauchsmaterial). Dies 

zeigt, dass auch nach Auffassung der konsultierten Branchenverbände 

(Art. 37 Abs. 3 MWSTG) Reinigungsleistungen typischerweise mit einem 

erheblichen Materialeinsatz verbunden sind. Der Umstand, dass bei den 

hier in Frage stehenden Reinigungsarbeiten Materialkosten anfielen, recht-

fertigt daher keine Qualifikation als Servicearbeiten. 

Im Ergebnis ist die Vorinstanz somit zu Recht davon ausgegangen, dass 

die von der Beschwerdeführerin als Reinigungen ausgewiesenen Leistun-

gen dem höheren Saldosteuersatz für «Klima- und Lüftungsanlagen: Rei-

nigen» unterliegen. 

4.1.2.4 Weiter sind die Rechnungen mit dem Leistungsvermerk «Wartung» 

oder «Service» zu würdigen, bei welchen die Vorinstanz das Vorhanden-

sein von Reinigungsleistungen angenommen hat. Solche Rechnungen 

sind zwar ein wichtiges Indiz für die erbrachte Leistung, die Bedeutung der 

Fakturierung ist jedoch nach dem neuen Mehrwertsteuerrecht zu relativie-

ren. Entscheidend sind vielmehr die gesamten Umstände (vgl. E. 3.8). Es 

kann daher nicht allein aus dem blossen Fehlen des Stichworts «Reini-

gung» in den Rechnungen geschlossen werden, dass keine entsprechen-

den Arbeiten ausgeführt wurden. Vielmehr sind auch die weiteren Um-

stände einzubeziehen. So zeigen die wenigen im Verfahren eingereichten 

Offerten, dass im Rahmen von Service- und Reparaturleistungen jeweils 

auch Reinigungen ausgeführt wurden. Zudem sind den Internetauftritten 

der Beschwerdeführerin zu entnehmen, dass ihre Tätigkeiten im Wesentli-

chen auf Reinigungsleistungen ausgerichtet sind. Diese Einschätzung 

deckt sich mit den Feststellungen der Vorinstanz. So wird im Bereich «[…]» 

eine Vielzahl von Dienstleistungen angeboten, die allesamt Reinigungsar-

beiten betreffen (z.B. […]; vgl. < […] > [zuletzt aufgerufen am 29. Septem-

ber 2025], jeweils unter «Dienstleistungen» die einzelnen Sparten). Auch 

der Unternehmensbereich «Lüftungsservice» wird ausdrücklich als Betrieb 

für Lüftungsreinigung, Hygiene und Desinfektion beschrieben (vgl. < […] > 

[zuletzt aufgerufen am 29. September 2025]). Lediglich im Bereich «Klima-

service» finden sich Tätigkeiten, die nicht von vornherein als Reinigungen 

einzuordnen wären. Doch selbst dort wird im Rahmen der Wartung der Kli-

maanlagen ein Grossteil der aufgezählten Tätigkeiten als Reinigungsleis-

tungen bezeichnet (vgl. < […] > [zuletzt aufgerufen am 29. September 

2025], unter «Produkte» > «Benutzerhandbücher»). Zusammengenom-

men rechtfertigen diese Indizien durchaus die Annahme der Vorinstanz, 

dass unter den pauschal als «Service» oder «Wartung» verrechneten 

A-5727/2024 

Seite 26 

Leistungen zumindest auch ein relevanter Anteil an Reinigung enthalten 

war. Der Vollständigkeitshalber ist darauf hinzuweisen, dass gemäss den 

ab 1. Januar 2025 geltenden Anpassungen bei den Saldosteuersätzen die 

Stichworte Service und Reinigung unter einer gemeinsamen Tätigkeit zu-

sammengefasst sind und somit dem gleichen Saldosteuersatz von 5,3 % 

unterliegen (Anhang zur Verordnung der ESTV vom 5. September 2024 

über die Höhe der Saldosteuersätze nach Branchen und Tätigkeiten 

[SR 641.202.62]). Diese Neuregelung verdeutlicht, dass Reparaturen bzw. 

Serviceleistungen in der Praxis regelmässig mit Reinigungsarbeiten ver-

bunden sind. 

In diesem Zusammenhang ist somit das Vorbringen der Beschwerdeführe-

rin zu prüfen, die Reinigungsleistung stelle gemäss Art. 19 Abs. 4 MWSTG 

eine akzessorische Nebenleistung zu den Service- und Reparaturleistun-

gen dar. Wird diese Sichtweise verworfen, ist grundsätzlich von zwei von-

einander unabhängigen Leistungen, die selbständig behandelt werden, 

auszugehen (Art. 19 Abs. 1 MWSTG). Wie in Erwägung 3.4.2 aufgezeigt, 

setzt die Annahme einer unselbständigen Nebenleistung laut ständiger 

Rechtsprechung kumulativ voraus, dass sie im Vergleich zur Hauptleistung 

nebensächlich ist, mit dieser wirtschaftlich eng zusammenhängt, sie wirt-

schaftlich ergänzt, verbessert oder abrundet und üblicherweise mit ihr vor-

kommt. Die Bejahung einer Nebenleistung hat Ausnahmecharakter. Entge-

gen der Ansicht der Beschwerdeführerin erscheinen die Reinigungsarbei-

ten im Verhältnis zu Reparaturen bzw. Serviceleistungen nicht als neben-

sächlich in dem Sinn, dass erstere (Neben)-Leistung die letzteren (Haupt)-

Leistungen wirtschaftlich nur ergänzen, verbessern oder abrunden würde. 

Der von der Beschwerdeführerin gezogene Vergleich mit einer Autorepa-

raturwerkstatt überzeugt deshalb nicht: Während dort die Fahrzeugreini-

gung typischerweise lediglich als beiläufiger Zusatzservice erbracht wird, 

zeigen die konkreten Umstände im vorliegenden Fall – wie bereits ein-

gangs dargelegt –, dass Reinigungen nicht nur am Rand, sondern regel-

mässig als wesentlicher Bestandteil der angebotenen Leistungen auftre-

ten. Damit unterscheidet sich die Konstellation grundlegend vom Werk-

statt-Beispiel: Dort bleibt die Reinigung im Verhältnis zur Haupttätigkeit klar 

untergeordnet, während sie im Betrieb der Beschwerdeführerin gerade 

eine zentrale, von der Kundschaft erwartete Leistung darstellt, welche den 

Gesamtcharakter des Angebots prägt. Da bereits die fehlende Nebensäch-

lichkeit der streitbetroffenen Reinigungsleistungen zu den Service- und Re-

paraturleistungen die Annahme einer unselbstständigen Nebenleistung 

ausschliesst, erübrigt sich die Prüfung der übrigen kumulativ zu erfüllenden 

Voraussetzungen. 

A-5727/2024 

Seite 27 

Da es sich vorliegend bei den Service- und Reparaturleistungen sowie Rei-

nigungsleistungen um zwei voneinander unabhängige Leistungen handelt, 

könnte vorliegend ein Fall von Art. 19 Abs. 2 MWSTG vorliegen und damit 

die Regelung von Art. 88 Abs. 2 MWSTV 2017zur Anwendung kommen. 

Aus den aktenkundigen Rechnungen ergibt sich, dass die Beschwerdefüh-

rerin teilweise Service- und Reparaturleistungen sowie Reinigungsleistun-

gen zu einem Gesamtentgelt fakturiert hat. Es ist kalkulatorisch jedoch we-

der mit den Rechnungen noch anderen Dokumenten (bspw. Offerten, Ar-

beitsrapporte oder interne Kalkulationen) nachgewiesen, welcher Anteil der 

Gesamtleistung auf die einzelnen Teilleistungen entfällt. Damit ist das Ge-

samtentgelt dieser Leistungen gemäss Art. 88 Abs. 2 MWSTV 2017 zum 

höheren bewilligten Saldosteuersatz abzurechnen (vgl. E. 3.6.3). Es ist so-

mit korrekt, festzuhalten, dass der Steuersatz für «Klima- und Lüftungsan-

lagen: Reinigen» auf den Umsatz aus diesen Leistungen anzuwenden ist.  

4.1.2.5 Zusammenfassend ist somit die vorgenommene Zuordnung von 

Leistungen der Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin zu den bewil-

ligten Saldosteuersätzen in den Jahren 2016/2017 anhand der detaillierten 

Überprüfung sämtlicher Rechnungen durch die Vorinstanz insgesamt zu 

bestätigen. 

4.2  

4.2.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, der Einspracheentscheid strotze 

nur so von Unterstellungen, Vermutungen und fehlerhaften Schätzungen. 

An allen Ecken und Enden mangle es an seriösen Abklärungen bzw. Un-

tersuchungen. Steuerbegründende Tatsachen müssten seitens der Steu-

erverwaltung nachgewiesen werden; Vermutungen und Unterstellungen 

genügten nicht (Beschwerde, S. 3, Bst. B). 

Generell leide das Verfahren daran, dass die Ermittlungen von Seiten der 

Mehrwertsteuerverwaltung nicht von Fachleuten durchgeführt worden 

seien. Es fehle an der Meinung von Praktikern, welche sich in der Materie 

auskennen würden. Auch im Einspracheverfahren seien ihre Anträge auf 

eine nochmalige Revision zurückgewiesen worden, und ihren Gesuchen 

um Vorladung sei nicht entsprochen worden. Auch an der Besichtigung des 

umfangreichen Ersatzteillagers sei kein Interesse gezeigt worden (Be-

schwerde, S. 2, Bst. A). Anstelle einer zusätzlichen Besprechung sei nur 

umfangreiche Arbeitszeit mit der Kontrolle von Rechnungen, Belegen usw. 

verbraucht worden. Dass diese Art der Abklärung zu keinem vernünftigen 

Ergebnis führen könne, verstehe sich von selbst (Beschwerde, S. 3, 

Bst. B). 

A-5727/2024 

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Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, Ermessensveranlagungen 

müssten pflichtgemäss erfolgen. Das heisse, der Sachverhalt sei so weit 

als möglich abzuklären und die Verhältnisse des Einzelfalls seien zu be-

rücksichtigen. Sämtliche bekannten Tatsachen seien festzuhalten, und die 

Veranlagungsbehörde müsse im zumutbaren Rahmen Auskünfte und Un-

terlagen einholen. Unzulässig sei es, einem Pflichtigen nur aufgrund von 

Vermutungen und Unterstellungen Einkünfte in einem bestimmten Umfang 

zuzurechnen und ihm die Erbringung eines negativen Beweises aufzubür-

den. Pflichtgemässes Ermessen bedeute zudem, dass die Veranlagung 

nach bestem Wissen und Gewissen zu erfolgen habe. Auch sei das recht-

liche Gehör bei Ermessensveranlagungen zu gewähren (Beschwerde, 

S. 3, Bst. B). 

4.2.2  

4.2.2.1 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz die Zuordnung der Leistun-

gen zu den Saldosteuersätzen in den Steuerperioden 2018/1. Semester 

2019 ermessensweise mittels Umlage auf Grundlage der Jahre 2016/2017 

ermittelt. Zu untersuchen ist, ob diese Ermessenseinschätzung zu Recht 

erfolgt ist. Wie erwähnt, ist dabei zu prüfen, ob die Voraussetzungen für 

eine Ermessenseinschätzung gegeben waren («erste Stufe» [E. 3.7.6.4], 

dazu nachfolgend: E. 4.2.2.2). Ist die Rechtmässigkeit der Vornahme einer 

Ermessenseinschätzung zu bejahen, ist – mit der gebotenen Zurückhal-

tung (E. 3.7.6.3) – zu prüfen, ob die Vorinstanz die Ermessensveranlagung 

pflichtgemäss vorgenommen hat («zweite Stufe» [E. 3.7.6.4], dazu nach-

folgend: E. 4.2.2.3) und, falls dies ebenfalls zu bejahen ist, ob es der Be-

schwerdeführerin gelingt, die Unrichtigkeit der vorinstanzlichen Schätzung 

nachzuweisen («dritte Stufe» [E. 3.7.6.4], dazu nachfolgend: E. 4.2.2.4). 

4.2.2.2 Grundsätzliche Voraussetzung für eine zulässige Ermessensein-

schätzung ist, dass die ESTV ihrer Untersuchungspflicht nachgekommen 

ist (vgl. E. 1.4.1). Dies war entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht 

der Fall. Die ESTV nahm vorliegend eine Kontrolle vor Ort vor und eruierte 

mittels sämtlicher vorgelegener Rechnungen der Jahre 2016 und 2017 die 

Zuteilung der Leistungen zu den bewilligten Saldosteuersätzen. Sie ver-

langte diesbezüglich mehrmals mit Schreiben und Fristansetzungen die 

nicht eingereichten Kundenrechnungen der Jahre 2016 und 2017 ein und 

gab der Beschwerdeführerin genug Zeit, diese beizubringen (vgl. Sachver-

halt Bst. D.b). Inwiefern die Kontrolle der Kundenrechnungen zu keinem 

vernünftigen Ergebnis hätte führen sollen, wie dies die Beschwerdeführerin 

behauptet, ist für das Bundesverwaltungsgericht nicht ersichtlich und wird 

von der Beschwerdeführerin auch nicht näher begründet. Auch aus der 

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Tatsache, dass die Vorinstanz das Ersatzteillager nicht besichtigt hat, ergibt 

sich keine Verletzung der Untersuchungspflicht, da nicht ersichtlich ist, wel-

chen Erkenntnisgewinn eine solche Besichtigung im vorliegenden Fall 

hätte bringen können (vgl. E. 1.4.4) – zumal der vorliegend bewilligte hö-

here Saldosteuersatz (Klima-, Lüftungsanlagen: Reinigen) auch dann zur 

Anwendung kommt, wenn Materialaufwand anfällt (vgl. E. 4.1.2.3). Die  

Vorinstanz hat damit von Amtes wegen umfassende und relevante Beweis-

massnahmen durchgeführt und das ihr Zumutbare vorgenommen, um den 

entscheidwesentlichen Sachverhalt möglichst vollständig abzuklären. Von 

einer Verletzung der Untersuchungspflicht kann deshalb keine Rede sein. 

Die Vorinstanz hat zudem zutreffend dargelegt, dass die Mehrwertsteuer-

deklarationen in den Steuerperioden 2016 und 2017 nicht mit den erbrach-

ten Leistungen übereinstimmen, da die Zuordnung der Leistungen zu den 

bewilligten Saldosteuersätzen mangelhaft war (vgl. hierzu bereits E. 4.1.2). 

Sie geht sodann zu Recht davon aus, dass die Rechtsvorgängerin der Be-

schwerdeführerin wohl auch im Jahr 2018 und im ersten Semester 2019 

die Leistungen in gleicher Weise unzutreffend zugeordnet hat. Dies ergibt 

sich aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin im Schreiben vom 

29. Januar 2024, worin sie darlegt, keinen Anlass gesehen zu haben, die 

Beurteilungskriterien in den Steuerperioden 2016 bis 2019 zu ändern. 

Gleichzeitig hält sie ausdrücklich fest, nach wie vor der Ansicht zu sein, 

dass jede Leistung, welche Material benötigt, zum tieferen Saldosteuersatz 

abzurechnen sei. Es ist somit nicht zu bestanden, wenn die Vorinstanz von 

fehlender Übereinstimmung mit dem wirklichen Sachverhalt für das Jahr 

2018 und das erste Semester 2019 ausgeht. Die Vorinstanz war damit nicht 

nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine Ermessenseinschätzung vorzu-

nehmen (vgl. E. 3.7.6.1).  

4.2.2.3 Auf einer zweiten Stufe ist zu prüfen, ob die Schätzung selbst – also 

materiell – nicht zu beanstanden ist. Dabei ist – wie bereits in Erwägung 

3.7.6.3 dargelegt – zu beachten, dass das Bundesverwaltungsgericht sein 

Ermessen grundsätzlich nur dann an die Stelle jenes der Vorinstanz setzt, 

wenn dieser bei der Schätzung erhebliche Ermessensfehler unterlaufen 

sind. 

Bei einer Ermessenseinschätzung ist keine konkrete Berechnungsart vor-

gegeben. Unter Berücksichtigung der Umstände des konkreten Einzelfalls 

ist jeweils diejenige Methode zu wählen, die den individuellen Verhältnis-

sen im Betrieb der steuerpflichtigen Person soweit als möglich Rechnung 

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trägt, auf plausiblen Annahmen beruht und deren Ergebnis der wirklichen 

Situation möglichst nahekommt (E. 3.7.6.2). 

Für die Schätzung prüfte die Vorinstanz vorliegend – gemäss eigener und 

soweit unbestrittener Darstellung – sämtliche Rechnungen der Jahre 2016 

und 2017. Drei Rechnungstypen ordnete sie entgegen der Deklaration der 

Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin dem höheren Saldosteuersatz 

zu: Rechnungen mit dem Leistungsbeschrieb «Reinigung», Rechnungen 

mit dem Leistungsbeschrieb «Wartung», «Service» o.ä, bei denen sowohl 

Service- als auch Reinigungskomponenten vorhanden, jedoch nicht sepa-

rat ausgewiesen waren und Rechnungen, die während der Kontrolle und 

im Verfügungsverfahren nicht vorlagen. In den Jahren 2016 und 2017 hatte 

die Rechtsvorgängerin Leistungen von insgesamt Fr. 2'765'508.-- zum tie-

feren Saldosteuersatz deklariert. Bei der Prüfung stellte die ESTV jedoch 

fest, dass ein grosser Teil davon – nämlich Fr. 1'920'383.-- – eigentlich dem 

höheren Saldosteuersatz hätte unterstellt werden müssen. Zunächst ergab 

sich daraus ein falscher Deklarationsanteil von 69 %. Nachdem im Ein-

spracheverfahren zusätzliche Belege eingereicht worden waren, korrigierte 

die ESTV den Schlüssel: Effektiv waren noch Fr. 1'847'712.-- falsch dekla-

riert, was 67 % aller zum tieferen Saldosteuersatz gemeldeten Leistungen 

entspricht. Dieser auf die Steuerperioden 2016/2017 basierende Prozent-

satz wurde anschliessend auf die im Jahr 2018 und im ersten Semester 

2019 zum tieferen Saldosteuersatz deklarierten Leistungen umgelegt, in-

dem jeweils 67 % dieser Leistungen rechnerisch so behandelt wurden, als 

ob sie dem höheren Saldosteuersatz unterliegen würden; auf diesen Teil 

wurde dann die Differenz zwischen höherem und tieferem Saldosteuersatz 

nachbesteuert (Einspracheentscheid, S. 30 f., E. 8.2).  

Damit nennt die Vorinstanz in rechtsgenügender Weise die Überlegungen, 

von denen sie sich bei der Schätzung leiten liess. Die von ihr angewendete 

Schätzungsmethode – nämlich die Ermittlung des prozentualen Anteils der 

zu Unrecht zum niedrigeren Saldosteuersatz versteuerten Leistungen in 

den Jahren 2016/2017 (als Basis) und die Umlage auf die übrigen streitbe-

troffenen Steuerperioden 2018/1. Semester 2019 – ist nicht zu beanstan-

den. Sodann gehen aus den Akten im vorliegenden Fall keine Hinweise 

hervor, welche auf eine Überschreitung des pflichtgemässen Ermessens 

der Vorinstanz bei der Schätzung deuten würden. Namentlich hat die Vor-

instanz den individuellen Verhältnissen der Beschwerdeführerin soweit als 

möglich Rechnung getragen, indem sie sich auf die vorhandenen Beweis-

mittel gestützt hat (vgl. E. 3.7.6.2).  

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Seite 31 

Das Vorgehen der Vorinstanz, ausgehend von den geprüften Rechnungen 

der Jahre 2016 und 2017 den prozentualen Anteil der zu Unrecht zum tie-

feren Saldosteuersatz deklarierten Leistungen zu ermitteln und diesen Pro-

zentsatz anschliessend auch auf die Jahre 2018 sowie das erste Semester 

2019 anzuwenden, erweist sich ebenfalls als rechtskonform. Dieses soge-

nannte Umlageverfahren (E. 3.7.6.2 a.E.) ist sachgerecht, da sich die mas-

sgebenden Verhältnisse im kontrollierten Zeitabschnitt ähnlich gestalten 

wie in der gesamten Kontrollperiode. Wie die Vorinstanz zutreffend aus-

führt (Einspracheentscheid, S. 30, E. 8.1), ist davon auszugehen, dass 

auch im Jahr 2018 und dem ersten Semester 2019 die Rechtsvorgängerin 

der Beschwerdeführerin die Rechnungen nach denselben (inkorrekten) 

Beurteilungskriterien zugeordnet hat. Gegenteiliges wurde weder vorge-

bracht noch ergibt sich solches aus den Akten. Zudem hat die Vorinstanz 

die Umstände des Jahres 2018 und des ersten Semesters 2019 berück-

sichtigt, als sie die damals tatsächlich zum tieferen Saldosteuersatz dekla-

rierten Leistungen als Berechnungsbasis für die Nachforderung heranzog. 

Nach dem Dargelegten kann das Vorgehen der Vorinstanz unter Berück-

sichtigung der gebotenen Zurückhaltung insgesamt nicht als offensichtlich 

pflichtwidrig gelten (vgl. E. 3.7.6.4). Ebenso wenig sind Berechnungsfehler 

erkennbar. 

4.2.2.4 Die bisherigen Ausführungen ergeben, dass die Vorinstanz zur Vor-

nahme einer Ermessenseinschätzung berechtigt war (E. 4.2.2.2) und dabei 

pflichtgemäss vorgegangen ist (E. 4.2.2.3). Die Beschwerdeführerin bringt 

sodann nichts vor und auch den vorliegenden Aktenstücken ist nichts zu 

entnehmen, was die Ermessenseinschätzungen der Vorinstanz als offen-

sichtlich unrichtig zu qualifizieren vermöchte («dritte Stufe»). Im Ergebnis 

misslingt der Beschwerdeführerin der Nachweis der offensichtlichen Un-

richtigkeit der vorinstanzlichen Schätzung. 

4.3 Schliesslich hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2016 und im 1. Se-

mester 2019 unbestrittenermassen Dienstleistungen von Anbietern mit Sitz 

im Ausland, die nicht im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetra-

gen sind, in Anspruch genommen. Der Ort dieser Dienstleistungen befindet 

sich gemäss Art. 8 Abs. 1 MWSTG ebenfalls unbestrittenermassen am Sitz 

der wirtschaftlichen Tätigkeit der Beschwerdeführerin in der Schweiz. So-

mit hat die im Inland nach Art. 10 MWSTG steuerpflichtige Beschwerdefüh-

rerin hinsichtlich dieser bezogenen steuerbaren Dienstleistungen die Be-

zugsteuer von Fr. 642.-- nachzuentrichten. 

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Seite 32 

4.4 In diesem Zusammenhang ist abschliessend zu erwähnen, dass das 

Bundesverwaltungsgericht nicht verkennt, dass die Steuernachforderung 

von Fr. 78'445.-- nebst Verzugszins seit dem 30. April 2018 für die Be-

schwerdeführerin – wie sie vorbringt (Beschwerde, S. 4, Bst. D) – eine 

grosse psychische und finanzielle Belastung darstellt. Auch wenn die Be-

schwerdeführerin dadurch in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte, 

kann dies (selbst unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnis-

mässigkeit [vgl. Art. 5 Abs. 2 BV]) nicht dazu führen, dass zu ihren Gunsten 

in rechtsungleicher Weise von den anwendbaren Vorschriften abgewichen 

wird. Es steht der Beschwerdeführerin sodann offen, bei der Vorinstanz die 

Erstreckung der Zahlungsfrist oder Ratenzahlungen zu beantragen (Art. 90 

MWSTG). 

5.  

5.1 Ausgangsgemäss hat die unterliegende Beschwerdeführerin die auf 

Fr. 5'000.-- festzusetzenden Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG und Art. 2 Abs.1 i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Der von ihr einbezahlte Kostenvorschuss in glei-

cher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

5.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG 

e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE). 

 

Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.   

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Seite 33 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 5'000.-- werden der Beschwerdefüh-

rerin auferlegt. Der von ihr einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe 

wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jürg Steiger Aisha Rutishauser 

 

  

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Seite 34 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 

BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten 

Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der 

Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder 

konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die 

Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 

deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu 

enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 

sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 

BGG). 

 

Versand: 

 

  

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Seite 35 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde)