# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c716ef8a-8d53-53ad-afd9-7476b1a1c2a1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.07.2023 D-3592/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3592-2023_2023-07-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3592/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  J u l i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;    

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Burundi,   

vertreten durch Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, 

substituiert durch MLaw Nathalie Vainio,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 13. Juni 2023 / N (…). 

 

 

D-3592/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 13. November 2022 in der Schweiz 

um Asyl nach. 

A.b Ein am 16. November 2022 durchgeführter Abgleich mit der europäi-

schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass 

er am (…) in Kroatien registriert worden war. 

A.c Im Rahmen des persönlichen Dublin-Gesprächs vom 12. Januar 2023 

gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einer 

allfälligen Zuständigkeit Kroatiens respektive der damit zusammenhängen-

den Möglichkeit eines Nichteintretensentscheids, verbunden mit einer 

Überstellung nach Kroatien. Der Beschwerdeführer brachte dabei vor, er 

sei nach der Einreise nach Kroatien festgenommen, geschlagen und be-

schimpft worden. Ein Polizist habe absichtlich sein Mobiltelefon beschä-

digt. Sodann sei er zwei Tage lang eingesperrt worden. Nachdem er die 

Frage, ob er ein Asylgesuch stellen wolle, abgelehnt habe, sei er genötigt 

worden, ein Dokument mit ihm unbekanntem Inhalt zu unterschreiben. Er 

habe eine Wegweisungsverfügung erhalten, und ihm sei angedroht wor-

den, er würde Probleme bekommen, falls er innerhalb der Ausreisefrist er-

neut aufgegriffen werde. In der Folge sei er aus Kroatien ausgereist. Nach 

seinem Gesundheitszustand gefragt, gab er an, es gehe ihm eigentlich gut, 

aber die Erlebnisse in der Vergangenheit belasteten ihn. Er habe sich aber 

bisher noch nicht bei MedicHelp gemeldet.  

A.d Am 13. Januar 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um 

Aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).  

A.e Die kroatischen Behörden stimmten dem Aufnahmeersuchen am 

13. März 2023 explizit zu.  

B.  

Mit Verfügung vom 13. Juni 2023 – eröffnet am 19. Juni 2023 – trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung 

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aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz spä-

testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner be-

auftragte es den Kanton Glarus mit dem Vollzug der Wegweisung, ordnete 

die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an und stellte fest, einer 

allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.  

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 26. Juni 2023  

(E-Eingabe) beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben, und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylge-

such einzutreten. Eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung beziehungs-

weise subeventuell zur Einholung individueller Zusicherungen der kroati-

schen Behörden an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hin-

sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, in-

klusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ausserdem 

beantragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, 

und die Vollzugsbehörden seien superprovisorisch anzuweisen, von einer 

Überstellung nach Kroatien abzusehen. 

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Vollmacht vom 

24. Juni 2023 sowie eine Substitutionsvollmacht vom 23. März 2020, meh-

rere vorinstanzliche Aktenstücke sowie eine E-Mail vom 1. Juni 2023 von 

Médecins du Monde an Asylex bei (alles in Kopie).  

D.  

Ebenfalls am 26. Juni 2023 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der 

Wegweisung per sofort einstweilen aus. Die vorinstanzlichen Akten lagen 

dem Bundesverwaltungsgericht gleichentags in elektronischer Form vor 

(Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel –so auch hier – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG).  

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Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (Art. 105 und 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 VwVG) 

ist einzutreten.  

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel 

verzichtet. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den rechtserheblichen 

Sachverhalt hinsichtlich seiner medizinischen Probleme, der in Kroatien 

bestehenden Gesundheitsversorgung und der Tätigkeit von Médecins du 

Monde ungenügend abgeklärt. Die Sache sei daher zur Vornahme von wei-

teren Abklärungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. 

4.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer 

machte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens keine konkreten ge-

sundheitlichen Probleme geltend. Nach seinem Gesundheitszustand ge-

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Seite 5 

fragt, erklärte er im Dublin-Gespräch vom 12. Januar 2023, es gehe ihm 

«eigentlich gut» (vgl. A16 S. 2). Er erwähnte zwar, dass ihn vergangene 

Ereignisse belasten würden, sah es aber offensichtlich nicht als nötig an, 

sich deswegen bei MedicHelp zu melden. Jedenfalls geht weder aus den 

vorinstanzlichen Akten noch aus der Beschwerdeschrift hervor, dass er 

sich je um eine medizinische Abklärung und/oder Behandlung seines an-

geblichen psychischen Unwohlseins bemüht hätte. Bei dieser Sachlage so-

wie unter Berücksichtigung der dem Beschwerdeführer obliegenden Mit-

wirkungspflicht (vgl. Art. 8 Abs. 1 AsylG) konnte das SEM ohne weiteres, 

insbesondere ohne von Amtes wegen nähere Erkundigungen einzuholen, 

davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer nicht an behandlungsbedürf-

tigen psychischen Problemen leidet. Es ist daher auch nicht zu beanstan-

den, dass es den medizinischen Sachverhalt als ausreichend erstellt er-

achtet und sich in seinen Erwägungen mit allgemeinen Feststellungen zur 

medizinischen Versorgungslage in Kroatien begnügt hat (vgl. S. 8 der vor-

instanzlichen Verfügung); es war nach dem Gesagten nicht verpflichtet, 

spezifische Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-

rers, zur Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden respektive Dublin-

Rückkehrenden in Kroatien und der Tätigkeit von bestimmten, in diesem 

Bereich tätigen NGOs (wie beispielsweise den Médecins du Monde) zu 

treffen. Eine unzureichende Sachverhaltsfeststellung (vgl. Art. 6 AsylG 

i.V.m. Art. 12 VwVG) ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich; die entspre-

chende Rüge erweist sich damit als unbegründet.  

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat (respektive innert Frist auf die entsprechende Anfrage nicht geantwor-

tet hat; vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin-III-VO), auf das Asylgesuch nicht 

ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kri-

terien (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. 

auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

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Seite 6 

6.  

6.1 Aufgrund des EURODAC-Hits vom 16. November 2022 ist davon aus-

zugehen, dass der Beschwerdeführer am (…) illegal nach Kroatien einge-

reist und dort gleichentags daktyloskopiert worden ist. Die zuständigen kro-

atischen Behörden stimmten dem Aufnahmeersuchen des SEM vom 

13. Januar 2023 innert der massgeblichen Frist (vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 

Dublin-III-VO) ausdrücklich zu. Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens 

für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens betreffend 

den Beschwerdeführer ist damit gegeben. Der Einwand in der Beschwerde, 

die Zustimmungserklärung der kroatischen Behörden beziehe sich auf eine 

Person mit anderen Personalien (vgl. dazu A20), ändert daran nichts; denn 

die Identität des Beschwerdeführers steht infolge fehlender Identitätspa-

piere ohnehin nicht fest, und die Zustimmung erfolgte aufgrund der über-

einstimmenden Fingerabdrücke. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer sei-

nen vorgängigen Aufenthalt in Kroatien nicht bestritten.  

6.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es 

wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU-Grund-

rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 

6.2.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, der FoK sowie der FK, und es 

ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völ-

kerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon aus-

gegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich 

für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und 

des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für 

die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. 

Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung 

von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz 

beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Entgegen der in der Be-

schwerde namentlich unter Verweis auf mehrere kritische Berichte ein-

schlägiger Organisationen geäusserten Auffassung bestehen zurzeit we-

der im Bereich der (hier interessierenden) Aufnahmeverfahren («take 

charge») noch im Bereich der Wiederaufnahmeverfahren («take back») 

Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingun-

gen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstellen 

im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen, 

welche zur Feststellung der generellen Unzulässigkeit der Überstellung 

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nach Kroatien führen müssten (vgl. dazu das kürzlich ergangene Urteil des 

BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 9.5 [zur Publikation als Refe-

renzurteil vorgesehen]).  

6.2.2 Insbesondere ist davon auszugehen, dass jenen Gesuchstellenden, 

welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien überstellt wer-

den, grundsätzlich weder eine (Ketten-)Abschiebung noch systematische 

Gewaltanwendung durch die kroatische Polizei droht, und ihnen der Zu-

gang zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren offen-

steht (a.a.O., E. 9.3 ff.). Auch die vom Beschwerdeführer thematisierten 

Push-backs betreffen nicht Dublin-Rückkehrer, sondern allenfalls jene Per-

sonen, welche illegal nach Kroatien einreisen. Die in der Beschwerde unter 

Verweis auf zwei Urteile deutscher Verwaltungsgerichte sinngemäss ge-

äusserte Befürchtung, der Beschwerdeführer könnte bei einer Rückkehr 

nach Kroatien zu seinem Nachteil und in Verletzung der Dublin-III-VO als 

Folgeantragsteller behandelt werden, erscheint bereits deshalb unbegrün-

det, weil er eigenen Angaben zufolge bisher in Kroatien gar kein Asylge-

such gestellt hat.  

6.2.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-

VO nicht gerechtfertigt. 

6.3 Die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO 

respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden 

– Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 

1999 (AsylV 1, SR 142.311) ist aus nachfolgenden Gründen ebenfalls nicht 

angezeigt.  

6.3.1 Es gilt die Vermutung, dass Kroatien – als Dublin-Mitgliedstaat – bei 

der Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens die einschlägi-

gen völkerrechtlichen Verpflichtungen respektiert. Der Beschwerdeführer 

bringt nichts vor, was diese Vermutung widerlegen könnte, und auch eine 

Durchsicht der Akten fördert keinerlei konkrete Hinweise auf das Bestehen 

eines völkerrechtlichen Vollzugshindernisses im Sinne von Art. 3 EMRK – 

welches zwingend zu einem Selbsteintritt führen müsste – zutage. So lässt 

insbesondere das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei (im Anschluss 

an seine irreguläre Einreise nach Kroatien) geschlagen, zwei Tage lang 

festgehalten und zur Unterzeichnung eines ihm vorgängig nicht übersetz-

ten Dokuments genötigt worden, nicht den Schluss zu, es bestehe ein kon-

kretes und ernsthaftes Risiko, dass sich die kroatischen Behörden weigern 

würden, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz 

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unter Einhaltung der massgeblichen Bestimmungen der Verfahrensrichtli-

nie zu prüfen, oder dass ihm in Kroatien dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-

merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten 

würde; denn im Falle der Überstellung nach Kroatien im Rahmen eines 

Dublin-Aufnahmeverfahrens befände er sich in einer grundsätzlich ande-

ren Situation als bei seiner ersten, irregulären Einreise nach Kroatien und 

seinem nur wenige Tage dauernden dortigen Aufenthalt (vgl. dazu auch 

das Urteil des BVGer F-37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 8.2). Gegebenen-

falls ist es ihm zudem zuzumuten, fehlbare Beamte anzuzeigen und die 

ihm zustehenden Rechte und Leistungen auf dem Rechtsweg einzufor-

dern, wobei er bei Bedarf die Hilfsangebote von lokalen karitativen Organi-

sationen, welche in den Empfangszentren vor Ort sind (vgl. dazu die UN-

HCR-Webseite https://help.unhcr.org/croatia/reception-centers/) in An-

spruch nehmen kann. Im Weiteren hat das SEM in Übereinstimmung mit 

der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. dazu statt vieler 

E-2808/2023 vom 19. Juni 2023 E. 6.3.3 m.w.H.) festgestellt, dass in Kro-

atien eine ausreichende medizinische Infrastruktur besteht, Kroatien auf-

grund der Aufnahmerichtlinie verpflichtet ist, dem Beschwerdeführer eine 

allenfalls erforderliche medizinische Behandlung zu gewähren und keine 

Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es dieser Verpflichtung nicht nach-

kommen würde. Aktuell bestehen beim Beschwerdeführer keine substan-

ziierten Hinweise auf behandlungsbedürftige medizinische Probleme (vgl. 

dazu auch vorstehend E. 4.2). Sollte er zukünftig eine psychologische Be-

handlung benötigen, könnte er diese auch in Kroatien in Anspruch nehmen. 

Der Einwand in der Beschwerde, die NGO «Médecins du Monde» sei zur-

zeit nicht mehr im Aufnahmezentrum Zagreb tätig, vermag an dieser Ein-

schätzung nichts zu ändern, da sich der Beschwerdeführer gegebenenfalls 

auch an andere Organisationen (beispielsweise das Kroatische Rote 

Kreuz, welches die Aufnahmezentren betreibt) wenden kann. Nach dem 

Gesagten erscheint es nicht erforderlich, das SEM zu verpflichten, bei den 

kroatischen Behörden eine individuelle Zusicherung bezüglich des Zu-

gangs zu Obdach, Nahrung und adäquater medizinischer Versorgung ein-

zuholen (vgl. Ziff. 4 der Rechtsbegehren). 

6.3.2 Bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 verfügt das SEM über einen Ermessensspielraum (vgl. 

BVGE 2015/9 E. 7 f.). Vorliegend bestehen entgegen den Ausführungen in 

der Beschwerde keine substanziierten Hinweise auf eine Ermessensunter-

schreitung oder eine andere, nicht gesetzeskonforme Ausübung des Er-

messens (Ermessensmissbrauch vgl. dazu auch vorstehend E. 4.3 in fine). 

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Seite 9 

Bei dieser Sachlage enthält sich das Gericht in diesem Zusammenhang 

weiterer Äusserungen. 

6.4 Nach dem Gesagten bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asyl-

gesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-

III-VO.  

7.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da 

dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbe-

willigung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von 

Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

8.  

Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG. Allfällige 

Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) sind da-

her nicht mehr separat zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 

9.  

Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

10.  

10.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden Urteil abge-

schlossen. Die Anträge, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

zu verzichten und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er-

teilen, sind damit gegenstandslos geworden, und der am 26. Juni 2023 an-

geordnete Vollzugsstopp fällt dahin. 

10.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen 

Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend 

den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen 

haben.  

10.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut