# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6fdc66a7-b60d-53e6-8b99-c750110695c3
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-18
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 18.02.2021 VG.2020.00107 (VG.2021.1030)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2020-00107_2021-02-18.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 18.
  Februar 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2020.00107

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde

    	
    Beschwerdegegnerin

    
	
    des Kantons Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Erteilung einer
  Weisung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht
  in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______ ist der Vater von C.______, geboren am
  […], von D.______, geboren am […], und von E.______, geboren am […].
  Betreffend C.______ ging am 18. August 2020 bei der Kindes- und
  Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Glarus eine Gefährdungsmeldung ein, worauf
  Letztere Abklärungen vornahm.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 24. August 2020 fand eine Anhörung mit A.______
  und seiner Ehefrau statt. Gemäss ihren Schilderungen holte C.______ ihren
  Freund nach Hause, als sie beide nicht zu Hause waren. Dabei habe C.______
  mit ihrem Freund Fotos gemacht, auf denen er C.______ die Hose
  heruntergezogen habe. A.______ bejahte, C.______ eine Ohrfeige gegeben zu
  haben. Den Freund habe er angewiesen, die Fotos zu löschen, was dieser
  gemacht habe. 

  
	
   

  
	
  1.3 In der Anhörung vom 24. August 2020 bestätigte
  C.______, ihr Vater habe ihr eine Ohrfeige versetzt, die aber ihrer Meinung
  nach verdient gewesen sei. 

  
	
   

  
	
  1.4 Mit Beschlüssen vom 27. Oktober 2020 erteilte die
  KESB A.______ die Weisung, eine Therapie betreffend Gewalt im Umfang von zehn
  bis zwölf Sitzungen zu absolvieren (Disp.-Ziff. 1).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1
  Dagegen gelangte A.______ mit Beschwerde vom 27. November 2020 ans
  Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Beschlüsse vom
  27. Oktober 2020; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
  der KESB.

  
	
   

  
	
  2.2 Die
  KESB schloss am 6. Januar 2021 auf Abweisung der Beschwerde; alles unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 105 Abs. 1
  lit. d des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986
  (VRG) i.V.m. Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
  vom 10. Dezember 1907 (ZGB) i.V.m.
  Art. 67 des Gesetzes über die Einführung des Schweizerischen
  Zivilgesetzbuchs im Kanton Glarus vom 7. Mai 1911 (EG ZGB) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Das Verwaltungsgericht prüft auch die
  Angemessenheit der angeordneten Kindesschutzmassnahme (Art. 107 Abs. 2
  lit. f VRG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, Auslöser für die
  Intervention der Beschwerdegegnerin sei der Vorfall vom 18. August 2020
  gewesen. Er und seine Ehefrau seien abwesend gewesen, als C.______ ihren
  Freund in die elterliche Wohnung eingeladen habe. Dabei hätten sie zusammen
  Fotos erstellt. In einem Foto sei die Hose von C.______ heruntergezogen
  worden, den Slip habe sie jedoch getragen. Er habe C.______ eine Ohrfeige
  erteilt und ihr Hausarrest verordnet. Beide Massnahmen seien von ihr
  akzeptiert worden. Der zweite Vorfall betreffe den 18. Mai 2020, als
  C.______ aufgrund der Stundenplanumstellung irrtümlicherweise eine Lektion zu
  früh zur Schule gegangen sei. Die Schilderungen der Lehrerin seien
  diesbezüglich nicht nachvollziehbar, wonach er C.______ ins Gesicht
  geschlagen und ihr dabei mit den Worten gedroht habe: "Warte nur, bis du
  am Mittag wieder zu Hause bist." Die Lehrerin könne diese Feststellungen
  nicht gemacht haben, da sie nicht vor Ort gewesen sei. Sodann decke sich die
  Aussage von C.______ mit seiner Aussage, wonach sie eine Ohrfeige kassiert
  habe, die sie ihrer Meinung nach auch verdient gehabt habe. C.______ sage
  überdies nicht aus, sie werde von ihm auch sonst geschlagen. Sodann zeugten
  die wörtlich wie auch sinngemäss wiedergegebenen Aussagen aus dem
  Anhörungsprotokoll vom 24. August 2020 von einer Voreingenommenheit der
  Beschwerdegegnerin, […]. Es sei unzutreffend, dass er Schläge als probates
  Erziehungsmittel betrachte. Ob im damaligen Moment die Ohrfeige die richtige
  Massnahme gewesen sei, darüber lasse sich streiten. Ferner sei das Wohl der
  Kinder in keiner Art und Weise gefährdet. Gerade die Berichte der Lehrer und
  insbesondere die SMS des Lehrers F.______ zeigten, dass keine
  Kindeswohlgefährdung vorliege. Der Vorfall mit der Ohrfeige vermöge die
  Gefährdung noch nicht zu beweisen. Schliesslich bringe die Therapie nichts,
  da er sich bewusst sei, wie er mit seinen Kindern umzugehen habe und durch
  die Anordnung einer Therapie nur Kosten verursacht würden.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, das Argument des
  Beschwerdeführers greife nicht, wonach sie nicht nur ihn, sondern die ganze
  Familie überrollt habe und er daher wolle, dass seine Familie aus dem
  Verfahren rausgehalten werde. Die vom Beschwerdeführer gegen seine Tochter
  angewendete Gewalt betreffe nicht nur ihn, sondern auch die ganze Familie, da
  sie diese Gewalt mitansehen müsse bzw. selbst direkt davon betroffen
  sei. Sodann sei C.______ im Verfahren involviert gewesen und bereits 15 Jahre
  alt, weshalb sie ein Recht habe, über den Entscheid informiert zu werden.
  Nicht nachvollziehbar sei, weshalb sich der Beschwerdeführer daran stosse,
  dass der Beschluss ihr direkt zugestellt worden sei. Er bestreite zudem den
  Punkt im Gesprächsprotokoll von C.______, wonach sie nur einen Freund aus dem
  Land G.______ haben dürfe. Er sei am Gespräch nicht anwesend gewesen und
  dessen Vertreter habe keinen Kontakt zu C.______ gehabt. Daher sei eine
  Bestreitung des Protokolls nicht angezeigt. Überdies würden gemäss Art. 19
  des Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989
  (UN-KRK, für die Schweiz am 26. März 1997 in Kraft getreten) Ohrfeigen
  als Körperstrafen gelten, welche nicht zulässig seien und klar eine
  Gefährdung des Kindeswohls darstellten. Ferner verkenne der Beschwerdeführer,
  dass die angewiesene Therapie ihm nicht nur helfe, neue Erziehungsmethoden zu
  erlernen, sondern seine Kinder vor weiteren Gewaltanwendungen schütze und
  dadurch der bestehenden Kindeswohlgefährdung entgegenwirke.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Grundsätzlich tragen die Eltern die
  Hauptverantwortung für das Kind. Als Inhaber der elterlichen Sorge sind sie
  verpflichtet, für die Erhaltung, Förderung und Entwicklung des Kindes zu
  sorgen und es zu einer eigenverantwortlichen sowie gemeinschaftsfähigen
  Persönlichkeit zu erziehen (vgl. Art. 301 Abs. 1 ZGB). Erst
  wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist und sie nicht selber Abhilfe schaffen,
  hat die Kindesschutzbehörde Massnahmen zu dessen Schutz zu treffen (Art. 307
  Abs. 1 ZGB). Dabei kann sie laut Art. 307 Abs. 3 ZGB insbesondere die Eltern,
  die Pflegeeltern oder das Kind ermahnen, ihnen bestimmte Weisungen für die
  Pflege, Erziehung oder Ausbildung erteilen und eine geeignete Person oder
  Stelle bestimmen, der Einblick und Auskunft zu geben ist.

  
	
   

  
	
  3.2 Eine Gefährdung des Kindeswohls wird dann
  angenommen, wenn nach den Umständen die ernstliche Möglichkeit einer
  Beeinträchtigung des Kindeswohls vorauszusehen ist. Es kann sich dabei um
  körperliche oder psychische Gefährdungen oder Kombinationen zwischen den
  beiden Arten handeln. Ein Verschulden der Eltern ist nicht notwendig und die
  Gefahr muss nicht direkt von ihnen ausgehen. Es genügt, wenn sie das Kind
  nicht ausreichend schützen können. Aus der fehlenden Kooperationsbereitschaft
  der Eltern darf aber nicht direkt und ohne Weiteres auf die Gefährdung des
  Kindes geschlossen werden. Kindesschutzmassnahmen sollen präventiv wirken. Es
  ist deshalb nicht erforderlich, dass sich die ernstliche Möglichkeit einer
  Beeinträchtigung schon verwirklicht hat (Linus Cantieni/Stefan Blum, in
  Christiana Fountoulakis et al. [Hrsg.], Fachhandbuch Kindes- und
  Erwachsenenschutzrecht, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 5.10 f.). 

  
	
   

  
	
  3.3 Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich
  sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende
  Massnahme anzuordnen (Proportionalität); die Kindesschutzmassnahmen sollen
  elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Peter Breitschmid, in
  Peter Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar,
  Zivilgesetzbuch I, Art. 1 – 456 ZGB, 5. A., 2014, Art. 307 N. 4). 

  
	
   

  
	
  3.4

  
	
  3.4.1 Nach Art. 19 UN-KRK haben die Vertragsstaaten alle
  geeigneten Massnahmen zu treffen, um das Kind vor jeder Form körperlicher
  oder geistiger Gewaltanwendung zu schützen, solange es sich in der Obhut der
  Eltern oder eines Elternteils befindet. Den Körperstrafen zugeordnet sind
  alle Strafen, die mit Kraft ausgeübt werden und zum Ziel haben, dem Kind
  Schmerzen zuzufügen, seien es auch nur leichte Schmerzen. Darunter fallen
  namentlich Schläge, Ohrfeigen oder Tritte (UN Committee on the Rights of
  the Child [CRC], General comment No. 8 [2006], The Right of the Child to
  Protection from Corporal Punishment and Other Cruel or Degrading Forms of
  Punishment [Arts. 19; 28, Para. 2; and 37, inter alia],
  2 March 2007, CRC/C/GC/8, abrufbar unter:
  https://www.refworld.org).

  
	
   

  
	
  3.4.2 Die Frage der gewaltfreien Erziehung war Thema der
  jüngeren politischen Debatte. Der Bundesrat brachte dazu vor, das neue
  Kindesrecht enthalte zwar kein explizites Züchtigungsverbot, allerdings
  entspreche es der heutigen Auffassung, dass ein Züchtigungsrecht der Eltern
  mit dem Kindeswohl nicht zu vereinbaren sei. Daher sei eine gesetzliche
  Bestimmung nicht notwendig, die diesen Grundsatz im ZGB ausdrücklich
  festhalte. Ferner sei in Art. 11 Abs. 1 der Bundesverfassung der
  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) der Anspruch von
  Kindern und Jugendlichen auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit verankert
  und nach Art. 126 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937
  (StGB) sowie nach Art. 123 StGB seien Tätlichkeiten und einfache
  Körperverletzungen strafbar. Die Anforderungen aus der UN-KRK in Bezug auf
  den Schutz des Kindes vor körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung seien
  dadurch erfüllt (vgl. etwa die von Yvonne Feri am 20. März 2013
  eingereichte Motion [13.3156] oder die am 18. Juni 2015 von Chantal
  Galladé eingereichte Motion [Nr. 15.3639], abrufbar unter:
  https:/www.parlament.ch).

  
	
   

  
	
  3.4.3 Aus Art. 10 BV wird das Verbot der Körperstrafe
  abgeleitet. Mit Blick auf diese Bestimmung dürfen nur körperliche
  Erziehungsmittel eingesetzt werden, die dem Kind keinen physischen oder
  psychischen Schaden zufügen und nicht entwürdigend sind. Die
  Erziehungsmassregel darf sich höchstens im Bereich von harmlosen, nicht
  wiederholten und nicht strafrechtlich relevanten, Tätlichkeiten bewegen,
  wobei entscheidend ist, dass sie einer erzieherischen Absicht folgt. Eine
  enge Vertrauensbasis, ein für das Kind verständliches Motiv für das
  eingesetzte Erziehungsmittel sowie deren Verhältnismässigkeit sind
  Grundvoraussetzung dafür, dass die Erziehungsmassnahme wirksam ist. Diesbezüglich
  fallen als zulässiges Erziehungsmittel gegenüber Kleinkindern physische
  Übergriffe jeglicher Art und gegenüber heranwachsenden Kindern insbesondere
  regelmässige Ohrfeigen oder Fusstritte ausser Betracht (vgl. zum Ganzen
  Bettina Lienhard/Kurt Affolter, in Thomas Geiser/Christiana Fountoulakis
  [Hrsg.], Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 6. A., 2018, Art. 327c
  N. 55).

  
	
   

  
	
  3.4.4 Ein Täter handelt dann wiederholt, wenn er die
  Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB mehrmals am gleichen Opfer
  verübt und dadurch eine gewisse Regelmässigkeit entsteht. Ein Täter begeht
  jedoch nicht schon dann eine Tätlichkeit, wenn er seinem Kind zwei Ohrfeigen
  verabreicht. Die Bestimmung soll vielmehr dann zur Anwendung kommen,
  wenn die Schläge sehr zahlreich und systematisch, und sei es auch nur während
  weniger Stunden oder Tage, verabreicht wurden (vgl. Botschaft
  des Bundesrats über die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs und des
  Militärstrafgesetzes [Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, gegen die
  Sittlichkeit und gegen die Familie] vom 26. Juni 1985, BBl 1985 II 1009
  ff., 1032 f.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung überschreiten zehn
  Ohrfeigen und Fusstritte innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren das
  zulässige Mass von Erziehungshilfen (vgl. BGE 129 IV 216
  E. 2.5 und E. 3.2). 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Am 18. August 2020 erhielt die Beschwerdegegnerin
  eine Gefährdungsmeldung bezüglich C.______. Das Mädchen mit Wurzeln aus dem
  Land G.______ habe sehr strenge Eltern. Diese würden keinen Kontakt zu
  Personen mit einer anderen Nationalität erlauben. Am Wochenende habe der
  Beschwerdeführer C.______ mit ihrem Freund abgepasst und beide ins Auto
  gesperrt. Darin habe der Beschwerdeführer den Freund mit einer Faust
  geschlagen. Danach sei er mit beiden zum Obersee gefahren und habe seine
  Tochter verprügelt. Anschliessend sei er mit beiden zurückgefahren. Seit
  Samstag sei C.______ in ihrem Zimmer eingesperrt. Da sie sichtbare Blessuren
  am Körper aufweise, hätten die Eltern sie von der Schule in […] abgemeldet.

  
	
   

  
	
  4.2 In der Anhörung vom 24. August 2020 erläuterten der
  Beschwerdeführer und seine Ehefrau, sie seien an jenem Samstag beide nicht zu
  Hause gewesen, da sie aktuell ein Haus bauten und dort beschäftigt gewesen
  seien. C.______ sei mit ihrer Schwester alleine zu Hause gewesen. Ohne ihr
  Wissen habe sie ihren Freund ins Haus geholt und dabei schlimme Fotos
  gemacht, auf denen der Freund C.______ die Hose heruntergezogen habe. Er, der
  Beschwerdeführer, sei mit C.______ und ihrem Freund mit dem Auto in Richtung
  Wald gefahren, da sie dort niemand sehen könne und er der Familie zuliebe die
  Probleme nicht habe aufbauschen wollen. Den Jungen habe er nicht geschlagen,
  sondern ihn angewiesen, die Fotos zu löschen, was dieser gemacht habe. Zur
  Strafe habe er C.______ das Handy weggenommen und ihr Zimmerarrest gegeben.
  Ausserdem habe er nach einem Vorfall, bei dem er ihr auf dem Schulweg eine
  Ohrfeige gegeben habe, C.______ zur Schulsozialarbeiterin geschickt. Er setze
  manchmal Ohrfeigen als Erziehungsmittel ein. Für ihn seien jedoch Ohrfeigen
  nicht das Gleiche wie Schläge. Schlagen würde er seine Kinder nicht. 

  
	
   

  
	
  4.3 Am 24. August 2020 berichtete C.______, sie habe an
  diesem Tag ausnahmsweise nicht rausgehen dürfen, da sie auf einen Möbelumzug
  habe warten müssen. Sie sei dann auf die Idee gekommen, ihren Freund zu sich
  einzuladen. Ihren Eltern habe sie nichts von ihm erzählt, da sie nur einen
  Freund aus dem Land G.______ haben dürfe. Sie habe Angst gehabt, ihr Vater
  wäre von ihr enttäuscht und habe sich daher nicht getraut, etwas zu sagen.
  Ihrer Mutter habe sie ebenfalls nichts gesagt, obwohl diese das eher
  verstehen würde als der Vater. Nach dem Vorfall habe sie eine Ohrfeige von
  ihrem Vater kassiert, welche sie sich jedoch verdient habe. Danach habe der
  Vater ganz normal mit ihr reden wollen. Sodann sei sie Anfang der Woche nicht
  zur Schule gegangen, da sie sich geschämt und schlecht gefühlt habe, ihre
  Eltern enttäuscht zu haben. Sie habe zu Hause alles, was sie brauche. Sie
  habe eine sehr gute, perfekte Beziehung zu ihren Eltern. Mit ihrem Verhalten
  habe sie allerdings das Vertrauen ihrer Eltern kaputt gemacht. Künftig werde
  sie auf ihre Eltern hören und nichts mehr mit Jungs zu tun haben, bis sie 16
  Jahre alt sei. Ab dann sei es erlaubt. 

  
	
   

  
	
  4.4 H.______, Schulleiterin […], teilte am 26. August
  2020 mit, C.______ habe am 18. Mai 2020 nach dem neuen Stundenplan erst in
  der 2. Lektion Sport gehabt. C.______ und zwei Knaben seien irrtümlicherweise
  bereits auf die 1. Lektion gemäss altem Stundenplan gekommen und hätten
  ihre Klasse in der Turnhalle […] gesucht. Da dort niemand gewesen sei, hätten
  sie gedacht, die Sportlektion sei in der […]-Turnhalle. Auf dem Weg zur
  anderen Turnhalle habe C.______ ihren Vater getroffen, der im Auto unterwegs
  zur Arbeit gewesen sei. Der Vater habe geflucht und habe wissen wollen, wieso
  C.______ sich während der Schulzeit mit zwei Jungs rumtreibe. C.______ habe
  ins Auto einsteigen müssen und sei von ihrem Vater ins Gesicht geschlagen
  worden. Er habe ihr gedroht: "Warte nur, bis du am Mittag wieder zu Hause
  bist." C.______ habe Angst gehabt, überhaupt wieder nach Hause zu gehen.
  Auf die Frage hin, ob sie schon öfters von ihrem Vater geschlagen worden sei,
  sei ein Schweigen gefolgt.

  
	
   

  
	
  4.5 Anlässlich der Anhörung vom 19. Oktober 2020
  erklärte der Beschwerdeführer, er würde seine Kinder nicht regelmässig
  ohrfeigen. Er habe C.______ wegen des Vorfalls mit dem Jungen zum ersten Mal
  geschlagen. Er bestreite, Ohrfeigen manchmal als Erziehungsmittel einzusetzen
  und C.______ auf dem Schulweg geohrfeigt zu haben. Er habe in der ersten
  Anhörung vielleicht etwas gesagt, jedoch nicht so gemeint.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Aus den vorliegenden Akten ergibt sich, dass der
  Beschwerdeführer C.______ in zwei Vorfällen geohrfeigt hat. Beim ersten
  Vorfall berichtete H.______, C.______ sei auf dem Schulweg geohrfeigt worden
  und sie habe danach die Sportlehrperson aufgesucht, um ihr darüber zu
  erzählen. Zwar ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, wonach die
  Sportlehrperson nicht vor Ort war, als sich der Vorfall ereignete. Letztere
  konnte aber aus den Erzählungen von C.______ schliessen, dass der
  Beschwerdeführer ihr eine Ohrfeige versetzt hatte. Sodann gab der
  Beschwerdeführer in der ersten Anhörung vom 24. August 2020 zu, C.______ auf
  dem Schulweg eine Ohrfeige gegeben zu haben. Diesbezüglich ist festzuhalten,
  dass der Bericht von H.______ bei der Beschwerdegegnerin am 27. August
  2020 eingegangen ist. Die Beschwerdegegnerin hatte somit bereits bei der
  ersten Anhörung des Beschwerdeführers Kenntnis vom Vorfall, wobei dieser
  durch den Bericht von H.______ bestätigt wurde. Die Aussagen des
  Beschwerdeführers und der Sportlehrperson stimmen sodann zumindest in Bezug
  auf die Ohrfeige überein, weshalb darauf abzustellen ist. Demgegenüber
  erweist sich die spätere Äusserung des Beschwerdeführers in der zweiten
  Anhörung nicht ohne Widersprüche, gibt er doch zu Protokoll, dass er C.______
  zum ersten Mal wegen des Vorfalls mit dem Jungen geschlagen habe und er den
  Vorfall auf dem Schulweg bestreite. Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht
  den Beschwerdeführer auf seine widersprüchlichen Äusserungen hingewiesen.
  Sodann ist unbestritten, dass C.______ wegen des Vorfalls vom 18. August 2020
  eine Ohrfeige vom Beschwerdeführer erhalten hat. Sowohl C.______ als auch der
  Beschwerdeführer geben in den jeweiligen Anhörungen zu Protokoll, dass es zu
  einer Ohrfeige gekommen sei.

  
	
   

  
	
  5.2 Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, er schlage
  seine Kinder nicht, da Ohrfeigen nicht dasselbe seien wie Schläge. Er
  verkennt jedoch, dass für die Qualifikation, ob Gewalt gegenüber einem Kind
  angewendet wird, nicht die Intensität des Schlags massgebend ist. Selbst eine
  leichte Ohrfeige, die nur geringfügige Schmerzen verursacht, wird gemäss Art.
  19 UN-KRK den Körperstrafen zugeordnet. Ferner trug der Beschwerdeführer vor,
  er setze Ohrfeigen manchmal als Erziehungsmittel ein, wobei er auch diese
  Äusserung in der zweiten Anhörung bestritt. Er würde seine Kinder nicht
  regelmässig ohrfeigen. Er erziehe seine Kinder sehr gut ohne Gewalt. Die
  Aussagen des Beschwerdeführers erweisen sich auch in diesem Punkt als
  widersprüchlich. Dennoch lässt sich aus den vorliegenden Akten nicht
  entnehmen, ob der Beschwerdeführer Ohrfeigen regelmässig als Erziehungsmittel
  einsetzt. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin lässt sich aus der
  Reaktion von C.______, wonach sie ihrer Meinung nach die Ohrfeige verdient
  habe, nicht zweifelsfrei ableiten, Ohrfeigen gehören zu den
  Erziehungsmethoden der Eltern. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer nach
  der Ohrfeige mit C.______ normal habe reden wollen. Es ist genauso gut
  möglich, dass durch die anschliessende Unterhaltung C.______ das Motiv für
  das eingesetzte Erziehungsmittel verstanden hat und sie deswegen die Ohrfeige
  als verdient ansah. An dieser Stelle ist mit Nachdruck festzuhalten, dass
  Körperstrafen immer und ausnahmslos unangebracht sind. Es kam aber offenbar
  nur vereinzelt vor, dass der Beschwerdeführer Ohrfeigen versetzte, wobei
  lediglich zwei Vorfälle aktenkundig sind. Die zwei Ohrfeigen lassen jedoch
  noch nicht den Rückschluss zu, dass der Beschwerdeführer seine Kinder
  regelmässig ohrfeigt und seine
  Erziehungsmethode auf physischer Gewalt beruht.

  
	
   

  
	
  5.3 Die Beschwerdegegnerin konnte in den Anhörungen den Eindruck gewinnen, dem Beschwerdeführer und
  seiner Ehefrau seien die Kinder wichtig und die Liebe zu ihnen sei sicht- und
  spürbar. Daneben erwähnte C.______ mehrfach in der Anhörung, sie habe eine
  sehr gute Beziehung zu ihren Eltern. Wenn sie mit ihrer Familie zusammen sei,
  habe sie alles, was sie brauche. Zudem gehe es ihr perfekt. Sodann äusserte
  sich der ehemalige Lehrer von C.______ über die familiäre Beziehung zwischen
  C.______ und ihren Eltern. Nach seiner Einschätzung hat C.______ wunderbare
  Eltern, die immer für sie da seien, was nicht bei allen Kindern
  selbstverständlich sei. Die Aussagen des Beschwerdeführers sind daher
  glaubhaft, wonach er seine Kinder liebe und nur das Beste für seine Kinder
  möchte, weshalb er hart arbeite, um ihnen alles zu ermöglichen. Ferner
  zeichnen sowohl H.______ wie auch I.______, Schulleiter […], ein
  grundsätzlich positives Bild betreffend die schulischen Leistungen und das
  Verhalten von D.______ und E.______. Hierauf Bezug nehmend beschreibt
  I.______, bei E.______ seien keine Auffälligkeiten festzustellen, weder
  körperlich noch auf das Verhalten bezogen. Ihre Leistungen seien in den
  letzten Jahren wie auch aktuell gut und positiv. Weiter hält H.______ fest,
  dass D.______ gut mitarbeite und sehr höflich sei. Sein Verhalten sei
  unauffällig. In Bezug auf C.______ bleibt anzumerken, dass H.______ in ihrem
  Bericht vom 26. August 2020 den Vorfall vom 18. Mai 2020 erwähnte,
  eine Meldung bei der Beschwerdegegnerin jedoch nicht erfolgte. Stattdessen
  veranlasste die Sportlehrperson, dass C.______ den Vorfall mit der
  Schulsozialarbeiterin besprechen konnte. Nach der Besprechung mit der Schulsozialarbeiterin
  scheint die vom Beschwerdeführer ausgehende Gefahr von physischer Gewalt
  gegenüber seinen Kindern als vernachlässigbar beurteilt worden zu sein. Zu
  berücksichtigen ist zudem, dass C.______ aufgrund ihrer Reife und ihres
  Alters fähig ist, Hilfe zu beantragen, wenn sie unter der familiären
  Situation leiden würde. Aus den vorliegenden Akten ist nicht zu entnehmen,
  dass sie sich jemandem anvertraut hätte. Auch in der Anhörung äusserte sich
  C.______ nicht dahingehend, dass sie regelmässig geschlagen werde, vielmehr
  drückte sie wiederholt aus, wie wohl sie sich zu Hause fühle.

  
	
   

  
	
  5.4 Dem Beschwerdeführer scheint es wichtig zu sein,
  was seine Kinder und Eltern über ihn denken. In der Anhörung führte er aus,
  dass er Angst habe, den Respekt seiner Kinder zu verlieren und vor den
  eigenen Eltern als Versager dazustehen, der seine eigenen Probleme nicht
  selber regeln könne. Daher sollten sie vom Verfahren bei der
  Beschwerdegegnerin nichts erfahren. Positiv zu werten ist dabei, dass in der
  Familie Gespräche wegen des Vorfalls mit der Ohrfeige geführt wurden und
  C.______ den Eindruck erweckt, alles mit ihren Eltern geklärt zu haben. Der
  Beschwerdeführer wird allerdings in Zukunft aufzeigen müssen, dass er im
  eigenen Interesse, will er den Respekt seiner Familie nicht verlieren,
  insbesondere aber im Interesse der Familie seine Kinder ohne Gewalt erziehen
  kann.

  
	
   

  
	
  5.5 Die Beschwerdegegnerin hält zutreffend fest, der
  Beschwerdeführer bagatellisiere die Ohrfeigen, indem er Ohrfeigen nicht mit
  Schlägen gleichsetze. Damit zeigt der Beschwerdeführer Schwächen in seiner
  Erziehung auf. Insgesamt scheinen die Kinder des Beschwerdeführers jedoch gut
  versorgt zu sein, sich gut zu entwickeln und in einem liebevollen Umfeld
  aufzuwachsen. Belegt sind lediglich zwei Ohrfeigen, die der Beschwerdeführer
  C.______ gab. Eine relevante Kindeswohlgefährdung ist insofern nicht
  ersichtlich, weshalb eine Kindesschutzmassnahme ausser Betracht fällt. Es ist
  somit nicht weiter zu prüfen, ob die angeordnete Massnahme erforderlich und geeignet
  ist.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Gutheissung
  der Beschwerde und zur Aufhebung der Beschlüsse der Beschwerdegegnerin vom
  27. Oktober 2020.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1. 

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG
  i.V.m. Art. 135 Abs. 1 VRG). Dem Beschwerdeführer ist der von ihm geleistete
  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'000.- zurückzuerstatten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Beschwerdegegnerin ist
  gemäss Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG zu verpflichten, dem obsiegenden
  Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer)
  zu bezahlen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Die Beschlüsse der Beschwerdegegnerin vom 27.
    Oktober 2020 werden aufgehoben.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete
    Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'000.- zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    in der Höhe von Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]