# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5442a9b1-91c8-5a2f-bdca-4a07f3e17ca1
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-10-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 28.10.2010 S 2010 15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-15_2010-10-28.pdf

## Full Text

S 10 15

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 28. Oktober 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. a) Die heute 36-jährige ... (geb. … 1974) ist seit September 2009 verheiratet und 

kinderlos. Seit ihrer Kindheit ist sie auf dem linken Ohr taub. Nachdem sie ab 

Juli 2001 unter einer depressiven Episode mit Panikattacken gelitten hatte, 

sprach ihr die IV-Stelle Graubünden ab 01.11.2002 aufgrund eines IV-Grads 

von 40% eine Viertelsrente, ab 01.01.2003 eine halbe Rente aufgrund eines 

IV-Grads von 54% und vom 01.02.2003 bis 31.10.2003 eine ganze Rente 

aufgrund eines IV-Grads von 100% zu. Ab 01.08.2003 war sie wieder zu 100% 

arbeitsfähig.

b) Die Versicherte arbeitete in der Folge zunächst selbständig in … und danach 

ab Februar 2007 in der … (80%). Ende September 2007 fiel sie in eine akute 

Krise, fügte sich im betrunkenen Zustand Schnittwunden zu und schluckte 

verschiedene Tabletten. Vom 27.09.2007 bis 29.09.2007 und vom 30.09.2007 

bis 13.12.2007 war sie stationär in der psychiatrischen Klinik ... Während 

diesen Zeiten war sie gemäss den Berichten der Psychiatrischen Dienste 

Graubünden (PDG) vom 03.10.2007 und vom 31.12.2007 zu 100% 

arbeitsunfähig. Danach arbeitete sie wiederum teilzeitig in der …, fiel aber im 

Januar 2008 wiederum in eine Krise und wurde danach vom 22.01.2008 bis 

25.01.2008 in der psychiatrischen Klinik … stationär behandelt. Per Ende Juni 

2008 wurde ihr von der … gekündigt. Sie arbeitete ab Oktober 2008 weiterhin 

mit einem Pensum von 15% als Redakteurin für die Evangelische ... Zudem 

absolvierte sie auf Veranlassung der Arbeitslosenversicherung an zwei Tagen 

in der Woche ein Programm zur beruflichen Integration.

c) Am 10.03.2008 reichte die Versicherte eine erneute Anmeldung zum Bezug 

von IV-Leistungen (Rente) ein. Sie gab an, an einer Borderline-

Persönlichkeitsstörung, einer generalisierten Angststörung und einer 

bipolaren Störung seit August 2001 zu leiden.

d) Am 25.03.2008 erstatteten die PDG einen weiteren Arztbericht. Sie stellten 

die Hauptdiagnose emotional instabile Persönlichkeitsstörung (seit 

30.09.2007) und die Nebendiagnose Störung durch Alkohol/schädlicher 

Gebrauch (seit mindestens September 2007) und eine rezidivierende 

depressive Störung (seit mindestens 05.12.2006). Die Versicherte sei seit 

dem 06.02.2008 in der Klinik … hospitalisiert, weshalb genauere Angaben 

nicht gemacht werden könnten. 

e) Am 10.04.2008 diagnostizierte die Klinik … eine emotional instabile 

Persönlichkeitsstörung (seit 2002), eine schwere depressive Episode (seit 

2007) und die Taubheit (seit Kindheit). Sie sei vom 27.09.2007 bis 31.12.2007 

zu 100%, vom 01.01.2008 bis 21.01.2008 zu 50% und vom 22.01.2008 bis 

auf weiteres wieder zu 100% arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei noch 

für 3-4 Stunden pro Tag zumutbar. 

f) Im Verlaufsbericht vom 21.07.2008 hielt die Klinik … fest, dass die bisherige 

Tätigkeit noch zumutbar sei, ohne Einschränkung. Auch andere Tätigkeiten 

seien ihr zumutbar, sie benötige aufgrund ihrer guten geistigen Fähigkeiten 

bei gleichzeitiger Aufmerksamkeitsstörung mehr Herausforderung.  

g) Vom 10.11.2008 bis 12.11.2008 wurde die Versicherte bei der SAM (Servizio 

Accertamento Medico) … polydisziplinär abgeklärt. Die SAM … erstattete am 

13.01.2009 Bericht. Sie diagnostizierte eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode und eine emotional 

instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typus und ohne Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit eine einseitige Resthörigkeit links, rechts normal. Aus 

psychiatrischer Sicht sei sie zu 60% in jeder Berufstätigkeit und mit 70% als 

Hausfrau arbeitsfähig. Im neurologischen Bereich konnte keine Diagnose 

gestellt werden. Hier bestehe keine Arbeitsunfähigkeit, ebenso wenig 

aufgrund der einseitigen Resthörigkeit. In der Gesamtbeurteilung wurde der 

derzeitige Grad der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit der 

Versicherten in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Büroangestellte und 

Redakteurin mit insgesamt 60% beurteilt, verstanden als verminderte 

Arbeitsleistung bei einem vollen Arbeitstag. Die Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit ergäben sich einzig aus der psychiatrischen Erkrankung. Die 

ständigen Gedankeninterferenzen bezüglich einer überdurchschnittlichen 

Performance (die eine kompensatorische Funktion für den Mangel an 

Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl hätten), verbunden mit der erhöhten 

psychophysischen Erschöpfbarkeit, die bei jeglicher Art von Tätigkeit 

(körperlicher wie geistiger) auftrete, die sie in Angriff nehme, hätten bei der 

Versicherten eine grössere Langsamkeit, eine grössere Ungenauigkeit, eine 

grössere Diskontinuität und eine geringere Ausdauer zur Folge. Aus 

körperlicher und psychischer Sicht sei sie zu 60% arbeitsfähig, auch in den 

zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Büroangestellte und Redakteurin. Die 

Entwicklung des klinischen Gesamtbildes habe zu einer Arbeitsunfähigkeit 

von 40% ab 2007 geführt, der Zeit, in der es zu einer Verschlechterung des 

klinischen Bildes gekommen sei, wie aus den wiederholten stationären 

Aufenthalten in Psychiatrien hervorgehe. Seit dieser Zeit habe bei der 

Versicherten diese Arbeitsunfähigkeit bestanden und bestehe auch heute. 

Dabei seien die Zeiten vollständiger Arbeitsunfähigkeit während der 

erwähnten stationären Aufenthalte in den Psychiatrie- und Krankenhäusern 

zu berücksichtigen. Auch in einer anderen Tätigkeit bestünde eine 

Arbeitsfähigkeit von insgesamt 60%, verstanden als verminderte 

Arbeitsleistung bei einem vollen Arbeitstag, seit September 2007. Als 

Hausfrau wäre sie zu 70% arbeitsfähig. Berufliche 

Eingliederungsmassnahmen seien nicht indiziert. Der Psychiater beobachte 

ein klinisches Bild mit einem tendenziell chronischen Verlauf. Die derzeitige 

Behandlung müsste von einer psychotherapeutischen Behandlung in Form 

einer regelmässigen Einzeltherapie begleitet sein, mit dem Ziel, der 

Versicherten eine Verarbeitung ihrer intrapsychischen Konflikte, vor allem mit 

der Mutterfigur, zu ermöglichen. Die Prognose hange von der 

psychotherapeutischen Behandlung ab.

h) Am 15.07.2009 verfügte die IV-Stelle Graubünden den Abschluss der 

beruflichen Massnahmen.

i) Am 16.09.2009 stellt die IV-Stelle der Versicherten sodann auch noch den 

Vorbescheid betreffend Rente zu. Sie sei seit dem 27.09.2007 in ihrer 

Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Aus medizinischer Sicht sei ihr in der 

angestammten Tätigkeit ein Pensum von 60% zumutbar. Damit könnte sie ein 

Einkommen von Fr. 48'623.75 pro Jahr erzielen, was einen IV-Grad von 46% 

ergebe. Sie habe folglich ab dem 01.09.2008 Anspruch auf eine Viertelsrente.   

j) Am 21.09.2009 schrieb die Versicherte, ihr Gesundheitszustand erlaube es 

ihr nicht, mehr als ein 30%-Pensum auszuüben. Sie fügte die Arztzeugnisse 

der PDG vom 03.07.2008 und vom 27.11.2008 bei, in denen ihr für eine 

angepasste Tätigkeit eine 20%-ige bzw. 30%-ige Arbeitsfähigkeit attestiert 

wurde.   

k) Am 26.10.2009 bestätigte die IV-Stelle ihren Entscheid. Für die Einschätzung 

der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit stütze sie sich auf das 

Gutachten der SAM (MEDAS) Bellinzona vom 13.01.2009.  

2. Dagegen erhob die Versicherte am 25.01.2010 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit dem Begehren um 

nochmalige Prüfung ihrer Rente. Zudem rügte sie die fehlende Übersetzung 

der SAM-Gutachten (geheilt mit Durchführung des zweiten 

Schriftenwechsels). Die Arztberichte der Klinik Meissenberg seien bloss eine 

Prognose des nach Klinikaustritt zu erwartenden Gesundheitszustands. 

Dieser habe sich aber nicht wie erwartet entwickelt. Der Status quo ihres 

Gesundheitszustands sei ungenügend berücksichtigt worden. Auch die PDG 

hätten ihr hier im Juli und November 2008 höchstens eine 30%-ige 

Arbeitsfähigkeit attestiert. Seit dem 01.09.2009 habe sie einen neuen 

Therapeuten und werde im Moment auf einen allfälligen Eisenmangel hin 

behandelt.

3. Am 11.02.2010 beantragte die IV-Stelle (hiernach Vorinstanz) die 

kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Das MEDAS-Gutachten Bellinzona 

attestiere ihr eine Arbeitsfähigkeit von 60% in angestammter und adaptierter 

Tätigkeit. Im Gutachten sei auch berücksichtigt worden, dass sich die 

Versicherte unter anderem in psychiatrischer Behandlung in der Klinik 

Waldhaus befunden habe. Die pauschalen Arztberichte dieser Klinik vom 

03.07.2008 und vom 27.11.2008 vermöchten jenes ausführliche MEDAS-

Gutachten vom 13.01.2009 nicht zu erschüttern. 

4. Am 28.04.2010 replizierte die Beschwerdeführerin. Ihr seien trotz 

mehrmaliger Aufforderung die Akten der Klinik … nicht zugestellt worden. Die 

Vorinstanz habe von den PDG keinen aktuellen Arztverlaufsbericht eingeholt. 

Ein solcher würde zeigen, dass bei ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 80 bzw. 

70% bestehe. Ihr sei auch von den PDG kein Austrittsbericht zugestellt 

worden. Hingegen habe sie das Verlaufsblatt erhalten. Die gesundheitliche 

Beeinträchtigung gehe daraus hervor. Die festgelegte Arbeitsfähigkeit von 

60% sei unter Berücksichtigung der medizinischen Berichte der PDG – 

einzuholen von der Vorinstanz – neu zu bemessen. Die Wartezeit sei unter 

Berücksichtigung der früher zurückgelegten Zeiten neu zu berechnen. Ihr 

gesundheitlicher Zustand habe sich bereits anfangs 2006 so verschlechtert, 

dass sie ihre selbständige Tätigkeit habe weitgehend aufgeben müssen. 

Arztzeugnisse lägen nicht vor, jedoch diverse Rechnungen für die 

psychiatrische Behandlung bei Dr. … (Behandlung vom März bis Oktober 

2006). Diese Behandlung habe sie an den Rand einer Psychose gebracht und 

sie habe notfallmässig die Klinik … aufsuchen müssen. In der Zeit vom 

13.12.2006 bis 28.03.2007 sei sie dann in der Tagesklinik … behandelt 

worden. Diese Akten seien ihr nicht zugestellt worden. Sie sei folglich ab 

anfangs 2006 wegen desselben Leidens, für das vom 01.11.2002 bis 

31.10.2003 eine Rente ausgerichtet worden sei, rentenbegründend 

arbeitsunfähig gewesen. Zu prüfen sei, ob nicht sogar Art. 29quater IVV 

anzuwenden sei. Die erstmalige Rentenzusprache sei wegen einer von ihr 

gemeldeten Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit aufgehoben worden. Noch 

vor Ablauf der fünf Jahre nach Aufhebung der Rente sei sie während 

mindestens 30 Tagen ununterbrochen arbeitsunfähig gewesen. Das 

Valideneinkommen (Jahreseinkommen als Gesunde; VAE) sei neu zu 

berechnen. Die Invalidenversicherung gehe bei der Ermittlung des VAE von 

der Tätigkeit als Leiterin Public Relation (PR) und Marketing aus. Sie könnte 

heute ohne Gesundheitsschaden in dieser Kaderfunktion deutlich mehr Lohn 

erzielen, begründet durch zusätzliche Berufserfahrung, die Erfahrung als 

selbständige Unternehmerin und zusätzliche Qualifikation als PR-Redaktorin. 

Aus der Branchenumfrage 2007 des Berufsregisters der Schweizerischen PR 

Gesellschaft gehe hervor, dass sie Fr. 97'500.-- bzw. Fr. 120'000.-- oder sogar 

Fr. 117'500.-- bis Fr. 132'500.-- verdienen könnte. Im … sei das Lohnniveau 

ausserdem wesentlich tiefer als zum Beispiel in ... Dieses wiederum sei 

bedeutend tiefer als im Grossraum …, wo sie seit September 2009 - nach 

ihrer Heirat - wohne.

5. Am 07.05.2010 hielt die Vorinstanz nochmals an ihren Anträgen fest. Der 

Rentenanspruch entstehe frühestens dann, wenn die Versicherte mindestens 

zu 40% bleibend erwerbsunfähig geworden sei oder während eines Jahres 

ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% 

arbeitsunfähig gewesen sei. Ein wesentlicher Unterbruch der 

Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG liege gemäss Art. 

29ter IVV vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinander 

folgenden Tagen voll arbeitsfähig gewesen sei. Vorliegend liessen sich den 

Akten zwischen dem 31.10.2003 und dem 27.09.2007 keine 

Arbeitsunfähigkeiten entnehmen. Für die Zeit von anfangs 2006 lägen auch 

nach den Angaben der Beschwerdeführerin keine Arztzeugnisse vor. Wenn 

sie sage, sie sei vom 13.12.2006 bis 28.03.2007 in der Tagesklinik Waldhaus 

behandelt worden, sei darauf hinzuweisen, dass der Arztbericht der Klinik 

Waldhaus vom 25.03.2008 lediglich für den Zeitraum vom 22.01.2008 bis 

25.01.2008 eine Arbeitsunfähigkeit attestiere. Die Klinik Meissenberg 

bescheinige eine Arbeitsunfähigkeit seit dem 27.09.2007 (Klinikbericht vom 

10.04.2008). Dies stimme mit den Selbstangaben der Beschwerdeführerin in 

der Anmeldung vom 09.03.2008 überein. Die Beschwerdeführerin sei somit 

nachweislich seit dem 27.09.2007 relevant in der Arbeitsfähigkeit 

eingeschränkt. Der neue Art. 29quater IVV sei am 01.01.2008 in Kraft 

getreten. Hinsichtlich der Beurteilung des vorliegenden Rentenanspruchs sei 

er nicht anwendbar. Er wäre bloss auf Sachverhalte anwendbar, in denen eine 

Rente nach dem 01.01.2008 aufgehoben werde. Vorliegend sei der 

Rentenanspruch der Beschwerdeführerin aber schon am 31.10.2003 

aufgehoben worden. Die erneute Arbeitsunfähigkeit sei ebenfalls vor dem 

01.01.2008 eingetreten. Was das Valideneinkommen (VAE) betreffe, 

erscheine es nicht als wahrscheinlicher, dass die Beschwerdeführerin ohne 

gesundheitliche Beschwerden eine andere Tätigkeit als diejenige als Leiterin 

PR/Marketing bei der … ausüben würde. Es fehle besonders an konkreten 

Anhaltspunkten vor Eintritt der Invalidität 2001, dass die Beschwerdeführerin 

eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen hätte. Daran ändere auch der 

von ihr besuchte Nachdiplomkurs „PR/-Redaktorin“ nichts. Dieser gehöre zur 

normalen beruflichen Weiterbildung einer Leiterin PR/Marketing. Die 

Vorinstanz habe daher zu Recht für die Ermittlung des VAE auf das vor Eintritt 

der Invalidität als Leiterin PR/Marketing erzielte Einkommen abgestützt, wie 

zuvor bereits bei den rechtskräftigen Verfügungen vom 12.11.2004.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Nach Art. 29 Abs. 1 des Invalidenversicherungsgesetzes (IVG; in der bis zum 

31.12.2007 geltenden und hier massgeblichen Fassung) entsteht der 

Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person 

mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig geworden ist (lit. a) oder sonst 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b; vgl. neu Art. 28 Abs. 1 

lit. b IVG; in Kraft seit 01.01.2008). Ein wesentlicher Unterbruch der 

Arbeitsunfähigkeit im Sinne jener Bestimmung liegt nach Art. 29ter IVV dann 

vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinander folgenden 

Tagen voll arbeitsfähig war. Konkret ist hier der Zeitpunkt der Eröffnung der 

Wartezeit und damit der Rentenbeginn strittig und zu klären.

b) Als Invalidität gilt laut Allgemeinem Teil der 

Sozialversicherungsgesetzgebung die durch einen körperlichen oder 

geistigen Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder 

längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG i.V.m. Art. 4 IVG). Bei 

erwerbstätigen Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel 

nach der Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG; Art. 28a Abs. 1 

IVG). Bei dieser Methode wird das gegenwärtig trotz Behinderung noch 

zumutbare Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen, 

wobei die daraus resultierende Differenz in Prozenten den Invaliditätsgrad (IV-

Grad) ergibt. Ist eine Versicherte danach mindestens 40% invalid, so hat sie 

Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, 

bei mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine ganze 

Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Feststellung des IV-Grads kommt es in 

erster Linie auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die 

medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 

V 395 E. 2.1). Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der 

graduellen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte als Beurteilungsgrundlage ist eine 

seriöse Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit jedoch nicht möglich (BGE 125 V 

261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c, 115 V 134 E. 2).

c) Laut polydisziplinärem SAM-Gutachten Bellinzona vom 13.01.2009 (vgl. dazu 

auch die komplette Übersetzung auf Deutsch vom 01.03.2010) wurde die 

Beschwerdeführerin umfassend sowohl körperlich (vgl. Teilgutachten: 

Neurologie Dr. … und HNO Dr. … jeweils vom 11.11.2008) als auch 

psychiatrisch (Gutachten Dr. … vom 12.11.2008) abgeklärt. Bei den 

Diagnosen wurde darin klar zwischen solchen mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit (S. 9, Ziff. 5.1: Rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode [ICD-10: F33.0]; emotional 

instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typus [ICD-10: F60.31]) und 

solchen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9, Ziff. 5.2; einseitige 

Resthörigkeit links [normal erhaltenes Hörvermögen rechts], mit Zustand nach 

Versorgung mit einem Hörgerät mit Cros-Technik und mit einem BAHA-

Implantat links im Januar 2008) unterschieden. Aufgrund der psychiatrischen 

Erkrankung wurde auf eine Restarbeitsfähigkeit von 60% in jeder 

Berufstätigkeit (inkl. früherer Tätigkeit als Büroangestellte; Redakteurin) bzw. 

von 70% als Hausfrau erkannt (S. 11). Die neurologisch -und 

neuropsychologischen Defizite sowie die Gehörsproblematik wurden darin 

hingegen als ohne Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit eingestuft (S. 12). In der 

Gesamtbeurteilung wurde deshalb auf eine Arbeitsfähigkeit von 60% in 

angestammter und adaptierter Tätigkeit erkannt. An diesem Resultat 

vermögen die von der Beschwerdeführerin angerufenen Arztzeugnisse der 

Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDG; Assistenzärztin Dr. …) vom 

03.07.2008 und 27.11.2008 nichts zu ändern, weil sie sich nicht mit den 

Diagnosen und Beschwerdebildern der Versicherten auseinandersetzen und 

die darin enthaltenen Zumutbarkeitsbeurteilungen (als freischaffende 

Journalistin ohne Zeitdruck noch zu 20% bzw. 30% arbeitsfähig) auf keinen 

konkreten Fakten zur Restarbeitsfähigkeit der Versicherten beruhen. Sie 

stellen vielmehr eine Pauschalisierung der subjektiv geklagten Leiden der 

Beschwerdeführerin dar und gründen daher vorwiegend auf Annahmen und 

Vermutungen der behandelnden Assistenzärztin. Für das Gericht ist damit 

klar, dass jene beiden – nahezu identisch lautenden - Arztzeugnisse der PDG 

nicht geeignet sind, das schlüssige, in sich widerspruchsfreie und 

einleuchtende SAM-Gutachten zu erschüttern.

d) In der Replik machte die Beschwerdeführerin noch geltend, dass die 

Wartezeit neu zu berechnen sei. Dieser Auffassung kann sich das Gericht 

indessen nicht anschliessen, da die leistungsrelevante Arbeitsfähigkeit der 

Versicherten nachweislich erst im September 2007 (Einlieferung in Klinik 

Waldhaus zur stationären Behandlung) wiederum erheblich eingeschränkt 

war. Dieser Sachverhalt geht erstmals aus den früheren Arztberichten der 

PDG vom 03.10.2007 und 31.12.2007 hervor. Damals wurde der Versicherten 

infolge einer akuten Lebenskrise (mit übermässigem Alkohol- und 

Tablettenkonsum) eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 27.-29.09.2007 

sowie vom 30.09.-13.12.2007 attestiert. Diese Daten wurden in der Folge im 

Klinikbericht Meissenberg vom April 2008 und im SAM-Gutachten vom Januar 

2009 übernommen. Vorher sind erhebliche Einschränkungen der 

Arbeitsfähigkeit bei der Beschwerdeführerin jedoch nicht aktenkundig und 

damit auch nicht nachgewiesen. Vielmehr ist erstellt, dass die 

Beschwerdeführerin ab August 2003 wieder zu 100% arbeitsfähig war. Zuerst 

war sie selbständig in … tätig und danach ab Februar 2007 in einem 

Arbeitspensum von 80% bei der … beschäftigt. Nach Überwindung der akuten 

Lebenskrise im 4. Quartal 2007 arbeitete sie ab Januar 2008 bis Ende Juni 

2008 wieder teilzeitlich in der … und ab Oktober 2008 war sie dann als 

Redakteurin in einem Pensum von 15% erwerbstätig, wobei sie an zwei 

Tagen in der Woche zusätzlich ein Programm zur beruflichen 

Wiedereingliederung der ALV absolvierte. Von einer während eines Jahres 

(12 Monate) ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlichen 

Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% seit Ende 2003 kann somit keine 

Rede sein, womit auch kein Rentenanspruch gestützt auf Art. 29 Abs. 1 lit. b 

IVG (neu: Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) entstehen konnte. Ein wesentlicher 

Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit (Art. 29ter IVV) für eine Neuberechnung der 

Wartezeit und den Rentenbeginn muss nach dem Gesagten ebenfalls klar 

verneint werden, weil die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit lediglich bis 

Ende 2007 (3 Monate) andauerte und die Beschwerdeführerin seit 2008 

wieder mehrfach an mindestens 30 aufeinander folgenden Tagen voll 

arbeitsfähig war. Daran vermögen auch die Rechnungen für psychiatrische 

Therapiesitzungen bei Dr. … (Zeitraum: März bis Oktober 2006) nichts zu 

ändern, da sie keine Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten 

in jener Zeit zulassen und selbst auch keine entsprechenden Angaben 

zuhanden der Krankenkasse enthalten.

e) Für das Gericht nicht nachvollziehbar ist die weiter erhobene Rüge, wonach 

die Beschwerdeführerin vom PDG (Klinik Waldhaus) keine aktuellen 

Arztverlaufsberichte erhalten habe und daher in ihrer Argumentation für ihren 

Rechtsstandpunkt behindert worden sei. Dieser Einwand erweist sich schon 

deswegen als unbegründet, weil die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 

05.05.2010 noch selber sämtliche Unterlagen betreffend ihrer Behandlung in 

der Klinik … in … nachreichte und somit eindeutig Kenntnis aller wesentlichen 

Fakten zur Wahrung und Verteidigung ihrer Rechte hatte. Eine 

Gehörsverletzung ist demnach klar zu verneinen.

f) Was die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sowie die 

Berechnung des Valideneinkommens 2008 (VAE; mutmasslicher 

Jahresverdienst als Gesunde) und somit am Ende die Höhe des IV-Grads 

(Differenz aus hypothetischem Validen-/Invalideneinkommen) betrifft, so gibt 

es an dem von der Vorinstanz festgelegten VAE von Fr. 48'623.75 (bei 

Arbeitspensum 60%) nichts auszusetzen. Die Vorinstanz ging zu Recht davon 

aus, dass die Beschwerdeführerin ihre Erwerbsstelle im … (Leiterin 

PR/Marketing, …) ohne Gesundheitsschaden nicht verlassen hätte und daher 

ohne Behinderung noch heute dort arbeiten würde. Sie stellte deshalb auch 

mit Grund auf das damals konkret im Durchschnitt erzielte Jahreseinkommen 

– und nicht etwa auf die abstrakten Lohnstrukturerhebungen [LSE] - ab. Die 

Umrechnung von einem Voll- (100%) in das Teilzeitpensum (60%) erfolgte 

zudem korrekt. Was die Beschwerdeführerin im Vergleich dazu zur Erhöhung 

des VAE (in der Grössenordnung von Fr. 97'500.-- bis Fr. 132'500.--) 

vorbrachte, kann nicht als realistisch bezeichnet werden, da grundsätzlich auf 

die tatsächlichen Verdienstmöglichkeiten in einer bestimmten Randregion 

(Talschaft) und nicht auf utopische Vorgaben in städtischen 

Wirtschaftszentren abzustellen ist.

g) Der Vollständigkeit halber sei einzig noch vermerkt, dass der von der 

Beschwerdeführerin angerufene Art. 29quater IVV im konkreten Fall nicht zur 

Anwendung kommt, da er erst auf den 01.01.2008 in Kraft gesetzt wurde. Die 

in diesem Zusammenhang allein interessierende IV-Rente wurde aber 

nachweislich bereits per 31.10.2003 aufgehoben (seit 01.08.2003 wieder 

100% AF) und die erneute Arbeitsunfähigkeit trat vier Jahre später ohne 

Zweifel noch zeitlich davor ein (100% AUF im 4. Quartal 2007).

2. a) Der angefochtene Einspracheentscheid vom 26.10.2009 ist infolgedessen in 

jeder Beziehung rechtmässig, was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung 

der dagegen erhobenen Beschwerde vom 25.01.2010 führt.

b) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung 

von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand 

und unabhängig vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens rechtfertigt es 

sich vorliegend, der unterliegenden Beschwerdeführerin Kosten von Fr. 700.-- 

zu überbinden.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.