# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4ab3f4d-1719-5cec-8abe-c9c881a86064
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 15.08.2023 U 2022 96
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2022-96_2023-08-15.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 22 96

1. Kammer 

Vorsitz Audétat

RichterInnen Paganini und von Salis

Aktuarin ad hoc Fuchs

URTEIL

vom 15. August 2023

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt Christian Jungen, 

Beschwerdeführer

gegen

Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden, 

Beschwerdegegner

betreffend Familiennachzug

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geboren am B._____, und C._____, geboren am D._____, 

russische Staatsangehörigkeit, heirateten nach ihrem Kennenlernen über 

eine Online-Plattform im Jahr 2007 am E._____ in Chur. 

2. Rund ein Jahr später reichten die Ehegatten das gemeinsame 

Scheidungsbegehren beim Regionalgericht Plessur ein, welches jedoch 

seitens des Ehemannes am 27. März 2012 auf Anraten seines Anwalts 

einseitig zurückgezogen wurde. In der Folge schrieb das Bezirksgericht 

Plessur das Verfahren am 13. April 2012 ab. 

3. Am 24. August 2015 reichte A._____ das Gesuch um Familiennachzug 

beim Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden ein (nachfolgend: AFM). 

Da A._____ und seine Ehegattin am E._____ geheiratet hatten, lief die 

Nachzugsfrist jedoch bereits am 5. August 2015 ab. Das Gesuch um 

Familiennachzug erwies sich in der Folge als verspätet. Aufgrund des 

Verdachts des Bestehens einer Aufenthaltsehe tätigte das AFM in der 

Folge weitere Abklärungen, die den Verdacht nicht zu entkräften 

vermochten. In der Folge wies das AFM mit Verfügung vom 29. September 

2015 das Gesuch um nachträglichen Familiennachzug ab. A._____ focht 

die Verfügung im Weiteren erfolglos vor dem Departement für Justiz, 

Sicherheit und Gesundheit Graubünden (nachfolgend: DJSG) sowie dem 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden an (siehe Urteil des 

Verwaltungsgerichts [VGU] U 16 56 vom 25. Januar 2017). 

4. Sowohl am 27. Januar 2021 als auch am 10. Juni 2022 ersuchte A._____ 

das AFM um Wiedererwägung. Zur Begründung führte er an, dass sich die 

Lebensumstände in Russland aufgrund des Ukrainekriegs wesentlich 

verändert hätten, sodass nun ein wichtiger Grund für einen nachträglichen 

Familiennachzug vorliege. Das AFM trat auf beide 

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Wiedererwägungsgesuche mangels neuer relevanter Sach- und 

Rechtslage nicht ein. Im Übrigen fehle es nach wie vor an einem für den 

nachträglichen Familiennachzug wichtigen familiären Grund im Sinne von 

Art. 47 Abs. 4 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und 

Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]. 

5. Den Nichteintretensentscheid des AFM vom 17. Juni 2022 focht A._____ 

anschliessend mit Beschwerde vom 7. Juli 2022 beim DJSG an. In seiner 

Beschwerde machte er nach wie vor die kriegsbedingte Situation in 

Russland geltend. Zudem brachte er erstmals hervor, dass seine 

Ehegattin an HIV erkrankt und auf die medizinische Versorgung in der 

Schweiz angewiesen sei.

6. Das DJSG bestätigte den Entscheid des AFM und wies die Beschwerde 

mit Departementsverfügung vom 18. Oktober 2022 ab. 

7. Gegen die Verfügung des DJSG (nachfolgend: Beschwerdegegner) erhob 

A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 21. November 2022 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Die Vernehmlassung des DJSG 

erfolgte am 8. Dezember 2022 und die Replik des Beschwerdeführers am 

12. Dezember 2022. Auf eine Duplik wurde verzichtet. 

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und die übrigen 

Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen 

eingegangen. 

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Für die Beurteilung der angefochtenen Verfügung vom 18. Oktober 2018 

ist das Verwaltungsgericht zuständig (Art. 49 Abs. 1 lit. c des Gesetzes 

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über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Als Adressat des 

angefochtenen Entscheids ist der Beschwerdeführer zur 

Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 50 Abs. 1 VRG). Die Beschwerde 

wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 38 und Art. 52 Abs. 1 VRG), 

weshalb darauf einzutreten ist. 

2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Beschwerdegegner die 

Beschwerde betreffend Nichteintreten zu Recht abgewiesen hat. Fraglich 

ist in diesem Zusammenhang, ob die HIV-Erkrankung der Ehegattin und 

die Kriegssituation in der Ukraine Gründe für eine Wiedererwägung im 

Sinne von Art. 24 f. VRG darstellen oder nicht. Im gleichen Zuge ist zu 

klären, ob diese allenfalls als wichtige familiäre Gründe angesehen 

werden können, die einen nachträglichen Familiennachzug gemäss Art. 

47 Abs. 4 AIG ermöglichen würden. 

3.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 VRG kann eine Partei jederzeit um 

Wiedererwägung der Verfügung ersuchen. Den allgemeinen 

Widerrufsgründen gehen spezialgesetzliche Widerrufsregelungen vor 

(Art. 25 Abs. 3 VRG; Urteil des Bundesgerichts 2C_487/2012 vom 2. April 

2013 E. 3.2). Das AIG sieht keine eigene Wiedererwägungs- bzw. 

Widerrufsregelung vor, weshalb auf die in Art. 25 VRG genannten 

Widerrufsgründe zurückzukommen ist. 

3.2 Voraussetzung für einen Widerruf ist, dass sich die Sach- oder Rechtslage 

gegenüber der ursprünglichen Entscheidungsgrundlage geändert hat 

(Art. 25 Abs. 1 lit. a VRG) und keine überwiegenden öffentlichen oder 

privaten Interessen einem Widerruf entgegenstehen (Art. 25 Abs. 1 lit. b 

VRG). Dabei kann es sich neben der Veränderung der Verhältnisse auch 

um neue Tatsachen und Beweismittel handeln, die dem Beschwerdeführer 

im früheren Verfahren nicht bekannt waren oder die schon damals geltend 

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zu machen für ihn rechtlich oder tatsächlich unmöglich war oder keine 

Veranlassung bestand (BGE 136 II 177 E. 2.1). 

3.3 Der Beschwerdeführer hat die Gründe des Widerrufs glaubhaft zu machen 

(Art. 24 Abs. 2 VRG). Es ist mit geeigneten Beweismitteln zu belegen, 

welche tatsächlichen Verhältnisse sich seit dem ersten Entscheid derart 

verändert haben, dass sich eine erneute Überprüfung der Situation 

aufdrängt (Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2022 vom 27. Oktober 2022 

E. 4.2). Mit anderen Worten muss sich die Sachlage und/oder Rechtslage 

derart verändert haben, dass ein anderes Ergebnis ernstlich in Betracht 

fällt (Urteil des Bundesgerichts 2C_678/2021 vom 6. Dezember 2021 

E. 4.2). 

3.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vor, dass sich die 

Sachlage dahingehend geändert habe, dass nun wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorlägen, weshalb ein 

nachträglicher Familiennachzug zu gewähren wäre. Zur Begründung führt 

der Beschwerdeführer die HIV-Erkrankung von C._____ und dem daraus 

resultierenden Behandlungsbedürfnis in der Schweiz sowie die durch den 

Ukrainekrieg bedingte Situation in Russland an. 

3.5 Sowohl die HIV-Erkrankung als auch die Kriegssituation stellen an sich 

neue Tatsachen im Sinne von Art. 25 Abs. 1 lit. a VRG dar, die bei Erlass 

der Verweigerungsverfügung noch nicht vorlagen. Ob diese neuen 

Tatsachen jedoch auch die erforderliche Schwelle zur Erheblichkeit 

erreichen, wird im Nachfolgenden zu prüfen sein. Entscheidend ist, ob im 

Vergleich zur damals rechtskräftig entschiedenen Situation (siehe VGU 16 

56 vom 25. Januar 2017), in welcher der nachträgliche Familiennachzug 

verweigert wurde, die vorgebrachten neuen Tatsachen derart erheblich 

sind, dass diese in Bezug auf den nachträglichen Familiennachzug heute 

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zu einem anderen Ergebnis führen würden (Urteil des Bundesgerichts 

2C_451/2022 vom 27. Oktober 2022 E. 4.3).

4.1 Zutreffend und unbestritten ist, dass die Voraussetzungen eines 

nachträglichen Familiennachzuges im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG zu 

prüfen sind, da die Nachzugsfrist um wenige Tage verpasst wurde. Art. 47 

Abs. 4 AIG sieht vor, dass ein nachträglicher Familiennachzug nur aus 

wichtigen familiären Gründen bewilligt werden kann. Die Bewilligung des 

nachträglichen Familiennachzugs soll hierbei die Ausnahme sein (Urteil 

des Bundesgerichts 2C_855/2022 vom 7. Februar 2023 E. 6.1). Der 

Gesetzgeber beabsichtigte mit dieser strengen und restriktiven Regelung 

zum einen die Integration durch einen möglichst frühen Nachzug zu 

fördern und die Einwanderung zu beschränken. So geht das 

Bundesgericht bei einer Familie, die jahrelang getrennt gelebt hat, davon 

aus, dass diese dadurch ihr beschränktes Interesse an einem 

ortsgebundenen (gemeinsamen) Familienleben zum Ausdruck bringt. 

Wurden die familiären Beziehungen während Jahren über die Grenzen 

hinweg gelebt und mehrheitlich mittels moderner Kommunikationsmittel 

Kontakt gehalten, überwiegt regelmässig das Interesse an einer 

Einwanderungsbeschränkung (Kontrolle und Steuerung der 

Zuwanderung), solange nicht objektive, nachvollziehbare Gründe durch 

den Betroffenen dargelegt werden können (Urteil des Bundesgerichts 

2C_476/2022 vom 1. November 2022 E. 4.1). 

4.2 Kein objektiver Grund ist bspw. der Wunsch ein bislang gelebtes 

Lebensmodell zu ändern aufgrund der Müdigkeit eine Fernbeziehung zu 

führen; vielmehr handelt es sich bei diesem Bedürfnis um einen 

subjektiven Grund, auf den keine Rücksicht zu nehmen ist (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_654/2021 vom 6. Mai 2022 E. 3.5.1). Der alleinige 

Wunsch die Familie zu vereinigen, stellt folglich keinen wichtigen 

familiären Grund dar. Insbesondere, wenn die Nachzugsfrist verpasst 

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wurde und die Familie freiwillig getrennt gelebt hat, sind andere Gründe 

erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2022 vom 27. Oktober 

2022 E. 4.3).

5.1 Der Beschwerdeführer macht in seinem Wiedererwägungsgesuch vom 10. 

Juni 2022 (beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] I/67) und seiner 

Beschwerde vom 7. Juli 2022 geltend, dass die Pflege des Vaters der 

Ehegattin aufgrund veränderter Rechtsprechung heute als wichtiger 

Grund zu werten und daher in Wiedererwägung zu ziehen sei. Das AFM 

hielt in seiner Verfügung vom 17. Juni 2022 (Bg-act. I/69) fest, dass dieser 

Einwand unberechtigt sei, zumal es sich in seiner Verfügung vom 29. 

September 2015 (Bg-act. I/11) sehr wohl mit dem Gesundheitszustand der 

Eltern befasst habe. Der Beschwerdegegner fügte in seiner 

Departementsverfügung vom 18. Oktober 2022 (Bg-act. II/6, 

beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2) hinzu, dass das 

Verwaltungsgericht sich eingehend mit diesem Vorbringen beschäftigt 

habe (siehe VGU U 16 56 vom 25. Januar 2017 E. 2d). Dem ist 

zuzustimmen. 

5.2 Überdies ist den Ausführungen des Beschwerdeführers 

entgegenzuhalten, dass eine geänderte Gerichts- und Verwaltungspraxis 

gemäss Bundesgericht keinen Grund für einen Widerruf darstellt (Urteil 

des Bundesgerichts 1C_660/2021 vom 20. Dezember 2022). Gemäss 

bundesgerichtlicher Praxis ist im Zusammenhang mit zu pflegenden 

Verwandten zu beachten, dass in deren Pflege nur dann ein wichtiger 

familiärer Grund erblickt werden kann, wenn die Pflege trotz vergeblicher 

Suchbemühungen um Pflegealternativen nur durch den nachzuziehenden 

Ehegatten sichergestellt werden kann. Existieren hingegen während der 

Nachzugsfrist Pflegealternativen und zieht es der Ehegatte dennoch vor, 

die Pflege selbst zu übernehmen, liegt später kein wichtiger familiärer 

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Grund im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vor (Urteil des Bundesgerichts 

2C_476/2022 vom 1. November 2022 E. 4.2). 

5.3 Der Beschwerdeführer reichte – soweit bekannt – zu keinem Zeitpunkt 

Suchbemühungen ins Recht, die darlegen würden, dass sich C._____ um 

Pflegealternativen bemüht hätte. Vielmehr entschied sie sich von Anfang 

an freiwillig dazu, die Pflege der Eltern zu übernehmen. Weder damals 

noch heute konnte der Beschwerdeführer glaubhaft darlegen, dass die 

Pflege ausschliesslich durch C._____ gewährleistet werden konnte. 

Insofern liegt zwar ein achtbarer aber kein neuer, wichtiger familiärer 

Grund vor. 

6.1 Der Beschwerdeführer erblickt in der HIV-Erkrankung einen wichtigen 

familiären Grund im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG, der einen nachträglichen 

Familiennachzug gestatten würde. Zur Begründung führt er an, dass die 

medizinische Versorgung insbesondere der Zugang zu HIV-

Medikamenten in Russland nicht gesichert sei. Die Medikamente seien 

überdies in der Schweiz fortschrittlicher als in Russland und es sei 

notwendig, dass C._____ auch weiterhin ihre Behandlung in der Schweiz 

erhalte, um nicht in eine lebensbedrohliche Situation zu geraten (Bg-act. 

II/1; act.1). Die HIV-Behandlung könne somit nur in der Schweiz 

gewährleistet werden. Überdies erschwere die neue Erkrankung der 

Ehefrau die Erhältlichmachung einer Arbeitsstelle auf dem russischen 

Arbeitsmarkt. 

6.2 Dem hält der Beschwerdegegner entgegen, dass C._____ ihren Job als 

Verkäuferin im Tieflohnsektor vor Jahren aufgegeben hat und seither der 

Heimarbeit nachgeht. Zudem werde sie vom Beschwerdeführer finanziell 

unterstützt. Insofern wirke der Einwand vorgeschoben, dass die Ehefrau 

sich zwischen einer Arbeitsstelle in Russland oder dem Eheleben ohne 

Job entscheiden müsse. Weiter führt der Beschwerdegegner aus, dass die 

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HIV-Argumentation einzig dazu diene, von einer besseren und einfacher 

zugänglichen medizinischen Versorgung in der Schweiz zu profitieren. 

Aktuell bestünden keine Anzeichen dafür, dass die HIV-Erkrankung von 

C._____ zu deren Pflegeabhängigkeit führe, die einen nachträglicher 

Familiennachzug rechtfertige. Eine bessere medizinische Versorgung 

stelle keinen wichtigen familiären Grund dar. Würde darin ein wichtiger 

Grund erblickt werden, müssten sämtliche Gesuchsteller, die aus Ländern 

mit weit schlechteren Lebensbedingungen kämen, der nachträgliche 

Familiennachzug gewährt werden. 

6.3 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde, dass der 

aktuell gute Zustand von C._____ gerade der Behandlung im 

Kantonsspital Chur zu verdanken sei und dass es nicht die Intention des 

Gesetzgebers sein könne, zuwarten zu müssen, bis die 

Pflegebedürftigkeit eintrete. Die Situation in Russland sei nur bedingt mit 

derjenigen in anderen Drittländern vergleichbar. So sei der Versand von 

Medikamenten im Gegensatz zu Russland, welches mit Sanktionen belegt 

ist, in anderen Entwicklungsländern ohne weiteres möglich. 

6.4 Eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des 

nachzuziehenden Familienmitglieds kann eine Änderung der Umstände 

darstellen und damit eine Neubeurteilung des Gesuchs um 

Familiennachzug rechtfertigen (Urteil des Bundesgerichts 2C_678/2021 

vom 6. Dezember 2021 E. 5.3 mit Verweis auf BGE 146 I 185 E. 4).

6.5 Das Bundesgericht äussert sich in seiner Rechtsprechung bei 

gesundheitlichen Problemen des nachzuziehenden Ehegattens 

dahingehend, dass sobald dieser seine persönlichen Angelegenheiten nur 

noch mit intensiver Unterstützung Dritter bzw. Verwandter bewältigen 

könne, ein wichtiger familiärer Grund vorliege, der den Nachzug in die 

Schweiz gebieten würde (Urteil des Bundesgerichts 2C_106/2021 vom 

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15. Juni 2021 E. 3.5.3). Praxisgemäss sind die Anforderungen an einen 

gesundheitlich bedingten Härtefall sehr hoch. Vorausgesetzt ist, dass die 

gesundheitlich bedingte Beeinträchtigung eine längere und dringliche 

Behandlung erfordert, die im Heimatland nicht sichergestellt wäre. Allein 

der Umstand, dass in der Schweiz eine bessere oder günstigere 

Behandlung möglich ist, genügt bspw. im Rahmen eines 

Familiennachzuges nach Auflösung der Ehe nicht für die Annahme eines 

nachehelichen Härtefalls. Gleiches hat auch für den hier zu behandelnden 

Fall zu gelten. Anders verhielte es sich nur, wenn die Rückkehr in das 

Heimatland eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes bewirke (SPESCHA MARC/BOLZLI PETER/DE WECK 

FANNY/PRIULI VALERIO, Handbuch zum Migrationsrecht, 4. Aufl., 

Zürich 2020, S. 273). Dabei vermag allerdings dies allein keinen Anspruch 

auf Familiennachzug rechtfertigen. So verneinte das Bundesgericht das 

Vorliegen eines wichtigen familiären Grundes, im Falle von gutachterlich 

bestätigten Selbstmordgedanken und depressiven Störungen aus Angst 

in das Heimatland zurückkehren zu müssen (Urteil des Bundesgerichts 

2C_678/2021 vom 6. Dezember 2021 E. 5.3.2).

6.6 Es liegen aktuell keine Anzeichen dafür vor, dass C._____ auf derartige 

Hilfe angewiesen ist, die einen nachträglichen Familiennachzug zu 

rechtfertigen vermögen. Die HIV-Medikamente sollen in der Schweiz zwar 

fortschrittlicher sein, jedoch heisst das nicht, dass diejenigen in Russland 

unwirksam wären. Auch steht es C._____ nach wie vor frei, sich in der 

Schweiz im Zuge ihres regelmässigen Besuches weiterhin behandeln zu 

lassen. Eine Einreisesperre für russische Staatsangehörige ist aktuell 

nicht zu erwarten. Eine gegenteilige Auffassung wäre reine Spekulation. 

6.7 In der HIV-Erkrankung der Ehegattin ist folglich im Einklang mit der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung kein für den nachträglichen 

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Familiennachzug wichtiger familiärer Grund im Sinne von Art. 47 Abs. 4 

AIG zu erblicken. 

7.1 Als weiteren Widerrufsgrund gemäss Art. 25 Abs. 1 lit. a VRG nennt der 

Beschwerdeführer die durch den Ukrainekrieg bedingte veränderte 

Lebenssituation für C._____ in Russland. Im Wesentlichen führt er an, 

dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt sei, was im Hinblick auf die von 

C._____ getätigten kritischen Äusserungen betreffend Krieg nicht 

unproblematisch sei. Zudem sei es schwieriger geworden, Arbeit im 

Tieflohnsektor zu finden. Auch habe Russland sämtliche Direktflüge in die 

Schweiz gestrichen, was eine Einreise für C._____ in die Schweiz 

erschwere. 

7.2 In diesem Zuge rügt der Beschwerdeführer, dass durch die Verweigerung 

des Nachzuges das Eheleben des Beschwerdeführers und C._____ 

faktisch verunmöglicht werde, was gegen Art. 8 der Konvention zum 

Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101], 

Art. 13 und 14 der Bundesverfassung der Schweizerischen 

Eidgenossenschaft [BV; SR 101] und Art. 17 und 23 des Internationales 

Paktes über bürgerliche und politische Rechte [UNO-Pakt II; SR 0.103.2] 

verstosse. Zur Begründung führt er an, dass aus den genannten 

Bestimmungen das Recht fliesse eine Familie zu gründen. Dies setze aber 

faktisch auch die Möglichkeit des Zusammenlebens voraus. Der Staat sei 

zur Erfüllung dieses Auftrages verpflichtet, Massnahmen zu treffen, um die 

Einheit der Familie und das Zusammenleben sicherzustellen. Das Gericht 

habe aus diesem Grund eingehend zu prüfen, ob es den Ehegatten 

zumutbar sei in Russland zu leben. Erweise sich ein Eheleben in Russland 

als faktisch unmöglich, liege ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 47 

Abs. 4 AIG vor, so dass der nachträgliche Familiennachzug in die Schweiz 

wegen Unzumutbarkeit zu gestatten sei. 

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7.3 Die Vorinstanz hält in ihrer Verfügung vom 18. Oktober 2022 (Bg-act. II/6; 

Bf-act. 2) unter Zuhandnahme des Urteils BGE 146 I 185 (Pra 110 [2021] 

Nr. 36) fest, dass die Unmöglichkeit das Familienleben im Ausland zu 

führen keine gesetzliche Voraussetzung für die Gewährung des 

nachträglichen Familiennachzugs darstellt, weshalb sämtliche 

Ausführungen des Beschwerdeführers in dieser Sache unbeachtlich 

seien. Der Beschwerdeführer entgegnet, dass der zitierte Entscheid sich 

nur auf Art. 44 AIG beziehe und nicht auf den hier zur Diskussion 

stehenden Art. 47 Abs. 4 AIG, weshalb die Zumutbarkeit zu prüfen sei. 

7.4 Hinsichtlich BGE 146 I 185 ist richtig zu stellen, dass dieser Entscheid sich 

mit einem nachträglichen Familiennachzug eines Ehegatten mit 

gefestigtem Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu befassen hatte. 

Richtigerweise zog das Gericht für die Beurteilung der Frage sowohl 

Art. 44 als auch Art. 47 Abs. 4 AIG heran. In seiner Erwägung E. 7.2 hielt 

es fest, dass nicht zu prüfen sei, ob vom Gesuchsteller eine Rückkehr in 

den Kosovo verlangt werden könne. Die Unmöglichkeit, das Familienleben 

im Ausland zu führen, stelle keine gesetzliche Voraussetzung für den 

Familiennachzug dar und würde über die Anforderungen des Art. 44 und 

47 Abs. 4 AIG hinausgehen. Insofern sind die Ausführungen des 

Beschwerdegegners zu BGE 146 I 185 nicht zu beanstanden. 

7.5 Den Ausführungen des Beschwerdeführers ist insoweit zuzustimmen, als 

dass es für ihn unzumutbar wäre nach Russland auszureisen. Zum einen 

empfiehlt das EDA eine Reise nach Russland aktuell nur in Notfällen, zum 

anderen kann vom Beschwerdeführer nicht verlangt werden, seine beiden 

KMU aufzugeben. Überdies könnte er ohnehin keine 

Aufenthaltsbewilligung erhältlich machen, da er der russischen Sprache 

nicht mächtig ist. 

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7.6 Hingegen übersieht der Beschwerdeführer, dass eine Weiterführung des 

bisherigen Beziehungsmodells sehr wohl zumutbar ist. Aufgrund der 

gestrichenen Direktflüge ist eine Einreise in die Schweiz für C._____ zwar 

umständlicher geworden, jedoch nicht unmöglich. Zudem sind die Parteien 

die Distanz seit Jahren gewohnt. Mit der Rückkehr von C._____ nach 

Russland aufgrund des Heimwehs des Sohnes und zur Pflege des 

kranken Vaters, entschieden sich der Beschwerdeführer und C._____ 

bewusst und freiwillig dafür, ihre Beziehung über die Grenzen hinweg zu 

leben und sich mittels verschiedener Kommunikationsmittel zu 

verständigen (siehe VGU U 2016 56 vom 25. Januar 2017 E. 2d). Einem 

gemeinsamen Zusammenleben im Rahmen von Art. 8 EMRK massen sie 

folglich bloss untergeordnete Bedeutung bei. In einer solchen 

Konstellation überwiegt regelmässig das Interesse an einer 

Einwanderungsbeschränkung das private Interesse auf nachträglichen 

Familiennachzug (Urteil des Bundesgerichts 2C_664/2021 vom 3. 

November 2021 E. 2.5.4). 

7.7 So entschied das Bundesgericht in einem ähnlich gelagerten Fall, dass es 

den Ehegatten, die über Jahrzehnte ihre Beziehung über die lange Distanz 

zwischen dem Kosovo und der Schweiz hinweg gelebt haben, zumutbar 

ist, dies auch weiterhin so zu tun. Selbst die Tatsache, dass die Kinder 

mittlerweile in die Schweiz gezogen waren und die Ehefrau als Einzige im 

Kosovo zurückblieb, erachtetet das Bundesgericht als keinen wichtigen 

familiären Grund im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_692/2021 vom 23. Mai 2022 E. 5.3). Gleich entschied 

es auch im Fall 2C_143/2022 vom 18. Januar 2023, in dem es den 

nachträglichen Familiennachzug für die in Thailand lebende Frau 

verweigerte, da diese zugunsten der Pflege der Töchter (17 und 18 Jahre 

alt) bewusst auf ein gemeinsames Familienleben verzichtet hatte (E. 4.5). 

Auch die Tatsache, dass die Ehegattin Deutsch sprechen konnte und mit 

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der Schweizer Kultur und Gepflogenheiten vertraut war, vermochte an der 

Einschätzung des Bundesgerichts nichts zu ändern. 

7.8 Nach dem Gesagten stellt auch die kriegsbedingte veränderte 

Lebenssituation in Russland kein wichtiger familiärer Grund im Sinne von 

Art. 47 Abs. 4 AIG dar. 

8. Der Beschwerdeführer vermochte keine neuen erheblichen Tatsachen 

vorzubringen. Gründe für eine Wiedererwägung liegen nicht vor. Die 

Abweisung des Nichteintretensentscheid des Beschwerdegegners 

verletzte folglich weder das rechtliche Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 1 

und 2 BV noch liegt eine formelle Rechtsverweigerung vor. Die 

Beschwerde ist aus den genannten Gründen daher abzuweisen. 

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zulasten des 

Beschwerdeführers (Art. 73 Abs. 1 VRG). Es wird praxisgemäss eine 

Staatsgebühr von CHF 1'500.-- erhoben (VGU U 22 29 vom 15. November 

2022, VGU U 22 44 vom 13. September 2022, VGU U 22 71 vom 9. Mai 

2023). 

9.2 Dem Beschwerdegegner ist keine Parteientschädigung auszurichten, da 

dieser in seinem amtlichen Wirkungskreis obsiegt (Art. 78 Abs. 1 VRG). 

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Gerichtskosten, bestehend aus

- einer Staatsgebühr von CHF 1'500.--

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- und den Kanzleiauslagen von CHF 302.--

zusammen CHF 1'802.--

gehen zulasten von A._____.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilung]