# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8dd23798-7773-5dbb-9e51-c2dd8fdf873d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-05-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.05.2017 D-1579/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1579-2015_2017-05-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1579/2015 
brl 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M a i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiber Gian-Flurin Steinegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt,   

vertreten durch Suzanne Stotz,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 5. Februar 2015 / N (…). 

 

 

 

D-1579/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A. 

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 23. September 2012 zusammen 

mit ihrer Schwester B._______ (N […]) auf der Schweizer Botschaft in 

Khartum/Sudan um Asyl nach. Zwecks Durchführung eines Asylverfahrens 

wurde ihr und ihrer Schwester am 6. Mai 2014 die Einreise in die Schweiz 

bewilligt. Am 16. Juli 2014 reiste die Beschwerdeführerin zusammen mit 

ihrer Schwester B._______ in die Schweiz ein. In der Schweiz leben auch 

ihre gemeinsamen Brüder C._______ (N […]) und D._______ (N […]). Im 

Rahmen der Befragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel vom 

14. August 2014 (nachfolgend: Erstbefragung) und der Anhörung nach 

Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) durch das vormalige Bundesamt für Mig-

ration (BFM) vom 24. Oktober 2014 (nachfolgend: Zweitbefragung) brachte 

sie im Wesentlichen vor, sie sei eritreische Staatsangehörige sowie ethni-

sche Bilen aus E._______, wo sie geboren worden sei und bis zu ihrer 

Ausreise aus Eritrea gelebt habe. Weil man ihren Vater verdächtigt habe, 

er habe ihrem Bruder D._______ bei der Ausreise aus Eritrea geholfen und 

habe auch ihr bei der Ausreise aus Eritrea helfen wollen, sei ihr Vater im 

März 2012 festgenommen und inhaftiert worden. Ausschlaggebend für ihre 

Ausreise sei ein behördliches Schreiben gewesen, mit welchem sie in der 

7. Klasse zur Arbeit in einem Steinbruch beordert worden sei. In der Folge 

sei sie im August 2012 aus Eritrea ausgereist und habe zunächst während 

zwei Jahren in F._______ bei einem Bekannten ihres Bruders gewohnt. 

Gesundheitlich gehe es ihr gut.  

A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten 

des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle (vgl. vor-

instanzliche Akten A3/11 und A15/22) bei den Akten verwiesen. 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 5. Februar 2015 – eröffnet am 9. Februar 2015 – 

stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle. Es lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

B.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die Beschwerdefüh-

rerin habe zu ihrer angeblichen Beorderung in einen Steinbruch unsub-

stantiierte, oberflächliche und detailarme Aussagen gemacht. So habe sie 

nicht darlegen können, von welcher Behörde sie zur Arbeit im Steinbruch 

beordert worden sei. Auch habe sie keine Angaben darüber machen kön-

nen, wann und auf welche Weise ihr diese Beorderung in den Steinbruch 

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zur Kenntnis gebracht worden sei. Sie sei auch nicht im Stande gewesen, 

konkrete Angaben zum Inhalt der geltend gemachten Beorderung zu ma-

chen, etwa zum Zeitpunkt und zum Ort der Tätigkeit. Ihre diesbezüglichen 

Schilderungen liessen jegliche persönliche Betroffenheit vermissen. Ihre 

Asylvorbringen seien folglich nicht glaubhaft. 

Weil die Beschwerdeführerin keine Identitätspapiere vorgelegt habe und 

aufgrund von Zweifeln an ihren Identitätsangaben, seien ihr Fragen zu den 

geografischen Gegebenheiten ihrer angeblichen Herkunftsregion sowie zu 

ihrem Alltagswissen gestellt worden. Ihre dazu gemachten Aussagen hät-

ten grosse Wissenslücken zu Tage gebracht. So habe die Beschwerdefüh-

rerin ihre Adresse in E._______ nicht gekannt, habe keine Angaben zu den 

Quartieren E._______ machen können, habe nicht sagen können, ob 

E._______ eine Stadt oder ein Dorf sei, habe weder ein Nachbardorf von 

E._______ noch die nächst grössere zu E._______ liegende Stadt ge-

kannt, habe auch kein Nachbarland von Eritrea benennen können und le-

diglich Asmara zutreffend als Hauptstadt bezeichnet. Auch ihre Aussagen 

zum Alltagswissen seien nicht überzeugend ausgefallen. So habe sie we-

der ihr Einschulungsalter noch das Datum ihres letzten Schultages nennen 

können, habe über das eritreische Bewertungs- und Notensystem keine 

Angaben machen können, habe nicht sagen können, wo ihre Familie die 

Lebensmitteleinkäufe getätigt habe, habe die eritreische Landeswährung 

erst auf mehrmaliges Nachfragen korrekt benennen können, sei, obwohl 

ihre Familie gemäss ihren Aussagen fünf Schafe besessen habe, nicht im 

Stande gewesen, den Melkvorgang der Schafe zu beschreiben, habe, ent-

gegen den anderslautenden Schilderungen ihrer Geschwister, dass ihre 

Familie auch Kühe und Land besitze, zu Protokoll gegeben, ihre Familie 

besitze weder Kühe noch Land, habe nicht sagen können, wer für die Si-

cherheitslage in Eritrea zuständig sei und wo sich der zu ihrem Wohnort 

nächstgelegene Polizeiposten befinde, und weder zur Geschichte Eritreas 

noch zum eritreischen Militärdienst Kenntnisse vorweisen können. Weitere 

Zweifel an der angegebenen Herkunft der Beschwerdeführerin hätten sich 

aus den Aussagen zu ihren Sprachkenntnissen ergeben. So habe die Be-

schwerdeführerin zu Protokoll gegeben, über Tigrinya-Kenntnisse zu ver-

fügen; der Tigrinya-Dolmetscher, der anlässlich der Zweitbefragung zur 

Überprüfung ihrer Tigrinya-Kenntnisse beigezogen worden sei, habe sie 

jedoch nicht verstanden. Auch habe die Beschwerdeführerin – entgegen 

ihrer Aussage – lediglich bruchstückhaft Tigre und, obwohl sie gemäss ei-

genen Angaben zur Volksgruppe der Bilen gehöre, kein Bilen gesprochen.  

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Ferner habe die Beschwerdeführerin an der Erst- und Zweitbefragung un-

terschiedliche Aussagen zum Lebensalter ihrer Eltern gemacht. Auch sei 

der Vater, gemäss seiner Identitätskarte, die einer ihrer Brüder dem SEM 

zu den Akten reichte, deutlich älter, als von der Beschwerdeführerin be-

hauptet.  

Die Schilderungen der Beschwerdeführerin zur illegalen Ausreise aus Erit-

rea seien widersprüchlich und unsubstantiiert ausgefallen. So sei sie etwa 

nicht im Stande gewesen, Örtlichkeiten zu benennen, die sie bei ihrer Aus-

reise passiert habe. Ihre Schilderungen zum zehntägigen Fussmarsch 

seien äusserst stereotyp und oberflächlich ausgefallen. Trotz Nachfrage 

habe sie nicht beschreiben können, wie sie die Nächte auf ihrer Reise ver-

bracht habe. An der Erstbefragung sei es ihr zudem nicht möglich gewe-

sen, den Ort ihres Grenzübertritts zu benennen. Erst an der Zweitbefra-

gung habe sie G._______ als den Ort des Grenzübertritts genannt, ohne 

jedoch zu wissen, in welchem Land G._______ liege. Auch seien ihre Aus-

sagen zur illegalen Ausreise aus Eritrea widersprüchlich ausgefallen. So 

habe die Beschwerdeführerin an der Erstbefragung ausgesagt, sie sei bis 

nach H._______ gelaufen, wohingegen sie an der Zweitbefragung behaup-

tet habe, von G._______ nach H._______ gefahren zu sein. Sie sei zudem 

nicht im Stande gewesen, ihren zweijährigen Aufenthalt in F._______ sub-

stantiiert zu schildern. Demzufolge seien auch die Voraussetzungen für die 

Annahme von subjektiven Nachfluchtgründen vorliegend nicht erfüllt. 

Insgesamt sei davon auszugehen, dass sie sich ihre Einreisebewilligung in 

die Schweiz mit falschen Angaben erschlichen habe. Diese Schlussfolge-

rung könne auch mittels einem von der Vorinstanz angeregten DNA-Test, 

der die Blutsverwandtschaft der vier Geschwister belegen soll, nicht umge-

stossen werden. Ein allenfalls erwiesener Verwandtschaftsgrad zwischen 

den Geschwistern vermöge weder die Sozialisierung der Beschwerdefüh-

rerin im behaupteten Gebiet zu belegen noch die genannten Ungereimt-

heiten zu erklären. Ihre krass unsubstantiierten und widersprüchlichen 

Aussagen liessen keinen anderen Schluss zu, als dass sie nie in dem von 

ihr behaupteten Gebiet gewohnt habe. Anlässlich des ihr gewährten recht-

lichen Gehörs habe sie dann auch lediglich darauf beharrt, aus Eritrea zu 

stammen, und jegliche klärenden Ausführungen unterlassen.  

Die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar grundsätzlich von 

Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungsplicht finde aber ihre Gren-

zen an der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers, welcher auch die Sub-

stanziierungslast zu tragen habe. Es sei nach der Rechtsprechung des 

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Bundesverwaltungsgerichts nicht Sache der Asylbehörde, bei fehlenden 

Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach Wegweisungsvollzughinder-

nissen in hypothetischen Herkunftsländern zu suchen. Nach dem Grund-

satz der Rechtsgleichheit könne im vorliegenden Fall nicht von dieser Pra-

xis abgewichen werden. Die Beschwerdeführerin habe das SEM erwiese-

nermassen über ihre Identität getäuscht. Aus den Akten würden sich keine 

Hinweise dafür ergeben, dass der Beschwerdeführerin im Falle einer Rück-

kehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine verbo-

tene Strafe oder Behandlung drohe. Der Vollzug der Wegweisung nach 

Eritrea werde im vorliegenden Fall jedoch ausgeschlossen. Aus der Ver-

heimlichung ihrer Staatsangehörigkeit sei auch zu schliessen, dass die im 

Heimatstaat tatsächlich herrschende politische Situation nicht gegen die 

Zumutbarkeit der Rückführung spreche. Eine abschliessende Würdigung 

ihrer persönlichen und familiären Verhältnisse müsse letztlich offen gelas-

sen werden, da es die Beschwerdeführerin dem SEM verunmöglicht habe, 

dem Untersuchungsgrundsatz nachzukommen. Es sei der Beschwerde-

führerin schliesslich zuzumuten, allenfalls benötigte Reisedokumente zu 

beschaffen.  

C.  

C.a Mit Eingabe vom 11. März 2015 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, worin um Aufhebung der vor-

instanzlichen Verfügung, um Gewährung von Asyl, um Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft, eventualiter um Feststellung der Unzulässigkeit  

oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und um Gewährung der 

vorläufigen Aufnahme ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde unter Beilage einer Fürsorgebestätigung Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses und sinngemäss unentgeltliche Rechtspflege 

beantragt.  

Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin eine 

Abstammungsuntersuchung und Gutachten vom 9. März 2015 der Ge-

netica AG Zürich und vier Familienfotos als Beweismittel zu den Akten. 

C.b Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, sie habe wäh-

rend der Befragungen unter grossem Stress gestanden. Die neue Situation 

in der Schweiz habe sie sehr verunsichert, die Ankunft im EVZ sei gar wie 

ein Schock für sie gewesen. Im Gespräch mit ihrer Rechtsvertreterin habe 

sie die Fragen zum Alltagswissen und zu den geografischen Gegebenhei-

ten ihrer Heimatregion problemlos beantworten können. Auch ihr Bruder 

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D._______ sei ab ihren Aussagen in den Befragungen überrascht gewe-

sen. Hätte sie die Vorinstanz über ihre Identität jedoch wirklich täuschen 

wollen, hätte sie ihr Bruder C._______ betreffend die geografischen Gege-

benheiten ihrer Herkunftsregion und betreffend Alltagswissen sicherlich 

besser instruiert, da dieser selber ein Asylverfahren durchlaufen habe. 

Zwar könne man ihr vorwerfen, dass sie anlässlich der Befragungen den 

Ernst der Lage verkannt habe, man müsse aber ihr junges Alter, ihren tiefen 

Bildungsstand und ihr früheres, äusserst behütetes Leben berücksichtigen. 

Sie sei mit der Vorgehensweise der Befragerin des SEM an der Zweitbe-

fragung überfordert gewesen. Diese habe ihr weder Hilfestellung geboten 

noch sei sie bestrebt gewesen, eine wohlwollende Atmosphäre zu schaf-

fen. Zudem stammten die an der Erst- und Zweitbefragung anwesenden 

Dolmetscher wohl selbst nicht aus Eritrea und hätten verschiedentlich 

Mühe gehabt, sie zu verstehen.  

Was die von der Vorinstanz als widersprüchlich qualifizierten Aussagen zur 

Art und Anzahl der Tiere ihrer Familie betreffe, sei festzuhalten, dass sich 

die Frauen in ihrem familiären Umfeld nicht um die Tierhaltung gekümmert 

hätten und auch nur das Kleinvieh, das Grossvieh sei weiter weg auf den 

Feldern gewesen, ums Haus gehalten worden sei. Unter diesen Umstän-

den seien ihre Aussagen nicht widersprüchlich, sondern nachvollziehbar. 

Dem Einwand der Vorinstanz, sie habe nicht plausibel darlegen können, 

weshalb ihre um drei Jahre jüngere Schwester lediglich ein Jahr unter ihr 

zur Schule gegangen sei, müsse entgegnet werden, dass die Altersdiffe-

renz zu ihrer Schwester lediglich zwei Jahre und drei Monate betrage und 

es somit nicht ungewöhnlich sei, dass diese ein Jahr unter ihr die Schule 

besucht habe.  

Betreffend die Sprachkenntnisse sei darauf hinzuweisen, dass sie kein Bi-

len, sondern nur Arabisch spreche, obschon ihre Familie der Volksgruppe 

der Bilen angehöre. Ihre Eltern hätten in erster Linie Arabisch mit ihr ge-

sprochen. Auch in der Schule sei Arabisch die Umgangssprache gewesen. 

Die alte Sprache Bilen werde nur noch von einer kleinen Minderheit ge-

sprochen. Weil ihre beiden Brüder, im Unterschied zu ihr, Kontakt zu tigre- 

und bilensprechenden Personen gehabt hätten, verfügten diese über 

Kenntnisse dieser Sprachen. Dieser Umstand könne ihr somit nicht als Wi-

derspruch angelastet werden. 

Eine Vielzahl von weiteren Indizien würden zudem für ihre geltend ge-

machte Identität sprechen. So gelte es zu berücksichtigen, dass sie als 

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minderjähriges Mädchen aus Eritrea ausgereist sei und in Eritrea erst voll-

jährige Personen in den Besitz einer Identitätskarte kämen. Auch sei für sie 

nie eine Geburtsurkunde ausgestellt worden. Entgegen der Vorinstanz 

habe sie sich sehr wohl darum bemüht, ihre Identität zu belegen. Ihre in 

E._______ verbleibende Mutter habe im November 2014 auf der Gemein-

deverwaltung eine Geburtsurkunde für sie beantragt. In der Folge sei ihre 

Mutter auf die Gemeindeverwaltung vorgeladen und zum Verbleib ihrer vier 

Kinder befragt worden; Dokumente seien ihr aber keine ausgehändigt wor-

den. Im Übrigen sei bei ihren Brüdern D._______ und C._______ die erit-

reische Herkunft auch nicht angezweifelt worden. Mit dem eingereichten 

DNA-Test sei nun bewiesen, dass sie, B._______, D._______ und 

C._______ Vollgeschwister seien. Zwar könne dies ihre gemeinsame So-

zialisation in E._______ nicht hinreichend belegen, sei aber als wichtiges 

Indiz dafür zu werten. Die eingereichten Familienfotos würden ihr gemein-

sames Aufwachsen bekräftigen.  

Betreffend die geltend gemachten Vor- und Nachfluchtgründe führte die 

Beschwerdeführerin aus, sie sei zur Arbeit in einem Steinbruch beordert 

worden, worauf ihre Mutter beschlossen habe, sie solle zusammen mit ih-

rer Schwester B._______ aus Eritrea ausreisen. Nun befinde sie sich im 

militärdienstpflichtigen Alter. Die eritreischen Behörden würden illegal aus 

Eritrea ausgereisten Personen grundsätzlich eine regierungsfeindliche 

Haltung unterstellen und diese brutal bestrafen. Sie müsse davon ausge-

hen, dass sie bei einer Rückkehr nach Eritrea umgehend verhaftet würde.  

Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz habe sie konkrete Angaben zu 

ihrer Flucht aus Eritrea gemacht. Weil sie zum Fluchtzeitpunkt erst fünf-

zehn Jahre alt gewesen sei, sich um ihre kranke Schwester habe kümmern 

müssen und die Ausreise aus Eritrea durch einen Schlepper organisiert 

gewesen sei, habe sie sich nicht auf Örtlichkeiten geachtet. Im Übrigen sei 

es eher unwahrscheinlich, dass ein Schlepper seine Flüchtlinge über die 

jeweiligen Aufenthaltstorte informiere. Entgegen der Vorinstanz seien ihre 

Schilderungen zu ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea glaubhaft ausgefallen, 

weshalb die Voraussetzungen für die Annahme subjektiver Nachflucht-

gründe erfüllt seien und sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle.  

C.c Am 13. Mai 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine weitere Fotogra-

fie als Beweismittel nach.  

D. 

Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2015 stellte der damals zuständige 

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Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und lud die Vorinstanz zu einem Schriftenwechsel ein.  

E. 

In seiner Vernehmlassung vom 1. April 2015 beantragte das SEM die Ab-

weisung der Beschwerde. Betreffend DNA-Test habe es bereits in der Ver-

fügung vom 5. Februar 2015 festgehalten, dass der Verwandtschaftsgrad 

alleine die krassen Wissenslücken der Beschwerdeführerin zu ihrer angeb-

lichen Herkunftsregion nicht zu erklären vermöge. Eher sei eine Neubeur-

teilung des Asylgesuchs ihres Bruders D._______ und eine Würdigung die-

ser Umstände im laufenden Asylverfahren ihres Bruders C._______ in Be-

tracht zu ziehen. Den eingereichten Familienfotos sei nicht zu entnehmen, 

wo diese entstanden seien, weshalb diesen kein Beweiswert zukomme. 

Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Verstän-

digungsschwierigkeiten anlässlich der Befragungen, sei darauf hinzuwei-

sen, dass es sich um sachliche Diskrepanzen handle, die nicht durch eine 

ungenaue Übersetzung der Dolmetscher erklärt werden könnten. Die Be-

schwerdeführerin habe zudem auch zu Protokoll gegeben, dass sie die 

Dolmetscher gut verstanden habe, und die Richtigkeit ihrer Aussagen nach 

erfolgter Rückübersetzung unterschriftlich bestätigt. 

F. 

Betreffend den Beweiswert des DNA-Tests und der Familienfotos verwies 

die Beschwerdeführerin in ihrer Replik vom 24. April 2015 auf ihre Ausfüh-

rungen in ihrer Rechtsmitteleingabe. Im Übrigen fürchte ihr Bruder 

D._______ sich nicht vor einer Überprüfung seines Asylgesuchs, weil er im 

Asylverfahren wahrheitsgetreue Aussagen gemacht und nichts zu verbre-

gen habe. Die Frage nach der Verständigung mit dem Dolmetscher sei ihr 

jeweils zu Beginn der Befragungen gestellt worden. Die Verständigungs-

schwierigkeiten seien aber erst im Verlauf der Befragungen aufgetreten, 

weil die Dolmetscher wohl selbst nicht aus Eritrea gewesen seien und ihre 

Sprechweise stark von der ihrigen abgewichen habe. Es sei ihr schlicht 

nicht bewusst gewesen, dass sie während der Befragungen auf Verständi-

gungsschwierigkeiten hätte hinweisen sollen.  

G.  

Mit Eingabe vom 19. August 2015 informierte die Beschwerdeführerin den  

damals zuständigen Instruktionsrichter, dass ihr Bruder C._______ vom 

SEM als Flüchtling vorläufig aufgenommen worden sei. Aus der Verfügung 

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des SEM gehe auch hervor, dass die eritreische Herkunft ihres Bruders 

C._______ nicht angezweifelt worden sei.  

H.  

In ihrer erneuten Vernehmlassung vom 6. Oktober 2015 führte die Vor-

instanz aus, C._______ habe trotz mehrfacher Aufforderung keine Identi-

tätspapiere zu den Akten gereicht. Jedoch habe er seine Herkunft und 

seine Sozialisierung in Eritrea im Rahmen seiner Befragungen glaubhaft 

darlegen können. So spreche dieser neben Arabisch auch Bilen und sehr 

gut Tigre. Auch sei er in der Lage gewesen, korrekte Angaben zu den geo-

grafischen Gegebenheiten seiner Herkunftsregion zu machen. Auch die 

Schilderung seiner Ausreise aus Eritrea sei glaubhaft ausgefallen. Folglich 

sei C._______ vom SEM als Flüchtling anerkannt worden. Die Beschwer-

deführerin hingegen habe ihre geltend gemachte Herkunft und Sozialisie-

rung bis heute nicht zu belegen vermocht. Sie spreche neben Arabisch nur 

äussert dürftig Tigre und gar kein Bilen, obwohl sie geltend gemacht habe, 

am gleichen Ort aufgewachsen und zur Schule gegangen zu sein wie ihr 

Bruder C._______. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin seien von 

evidenter Unkenntnis und krasser Oberflächlichkeit geprägt. Ausserdem 

hätten ihre Aussagen verschiedentlich jenen ihrer Geschwister widerspro-

chen. Es müsse somit davon ausgegangen werden, dass sie das SEM 

über ihre tatsächlichen Lebensumstände habe täuschen wollen. Nach dem 

Gesagten stelle der erwiesene Verwandtschaftsgrad zu den in der Schweiz 

als Flüchtlinge anerkannten Brüdern C._______ und D._______ den einzi-

gen Anhaltspunkt dar, der die von der Beschwerdeführerin behauptete Her-

kunft stütze. Angesichts dessen könne nicht gänzlich ausgeschlossen wer-

den, dass die familiären Wurzeln der Beschwerdeführerin tatsächlich in 

Eritrea liegen würden. Eher sei davon auszugehen, dass sie entweder seit 

Geburt oder aber seit vielen Jahren nicht mehr in Eritrea gelebt habe. Die 

Hintergründe einer derartigen Familienkonstellation seien wegen ihrer feh-

lenden Mitwirkung nicht zu ermitteln. Den eingereichten Familienfotos sei 

nicht zu entnehmen, wann und unter welchen Umständen diese entstan-

den seien. Da die Beschwerdeführerin keine konkreten und glaubhaften 

Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, 

sei davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtli-

chen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort vor-

liegen würden.  

Am 22. Oktober 2015 wurde die zweite Vernehmlassung der Vorinstanz 

der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht. 

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Seite 10 

I.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 23. Januar 2017 ersuchte die Be-

schwerdeführerin um eine Mitteilung zum Verfahrensstand, welche vom 

Gericht am darauffolgenden Tag erteilt wurde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer sich darauf beruft, durch sein Verhalten nach der Ausreise aus 

dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder durch die Ausreise selber eine Ge-

fährdungssituation erst geschaffen zu haben, macht subjektive Nachflucht-

gründe gemäss Art. 54 AsylG geltend. Als subjektive Nachfluchtgründe gel-

ten insbesondere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Ver-

lassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder die Einreichung eines 

Asylgesuchs im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung 

begründen (BVGE 2009/29 E. 5.1; BVGE 2009/28 E.7.1). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwie-

gen oder nicht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1). 

4.  

4.1 Das SEM erachtete die geltend gemachte eritreische Herkunft und 

Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin als den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend. Dieser Einschätzung 

ist beizupflichten. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann zunächst auf 

die nicht zu beanstandenden Ausführungen in der angefochtenen Verfü-

gung verwiesen werden.  

4.2 Eine Überprüfung der Akten ergibt, wie nachfolgend zu zeigen ist, dass 

die Schilderungen der Beschwerdeführerin zu ihrer Herkunft nicht zu über-

zeugen vermögen. Der Rechtsmitteleingabe und der Replik sind keine 

stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen. 

4.2.1 Der in Art. 12 VwVG statuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die 

Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt, findet seine Grenze 

an der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (Art. 8 AsylG), der auch die 

Substanziierungspflicht trägt (Art. 7 AsylG). Zur Mitwirkungspflicht gehört, 

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Seite 12 

die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, 

an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken und die Asylgründe dar-

zulegen sowie Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich 

einzureichen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4).  

4.2.2 Die Identität der Beschwerdeführerin steht nicht fest. Sie hat bis zum 

heutigen Tag – trotz wiederholter Aufforderung (vgl. SEM-Akte A3/11, Ziff. 

4.07; A15/22, F3-F15) - keine sie betreffenden Identitätspapiere einge-

reicht.  

Der in der Beschwerdeeingabe geäusserten Auffassung der Beschwerde-

führerin, die Wissenslücken zu den geografischen Gegebenheiten ihrer 

Herkunftsregion sowie zum Alltagswissen seien auf ihr junges Alter, ihre 

tiefe Schulbildung und ihre Verunsicherung anlässlich der Befragungen zu 

zurückzuführen, kann nicht gefolgt werden. Weder das Alter der Beschwer-

deführerin noch die geltend gemachte Verunsicherung vermögen die gra-

vierenden Lücken im Länder- und Alltagswissen über ihre Herkunftsregion 

zu erklären. Die Beschwerdeführerin wurde vor allem bei der Zweitbefra-

gung vom 24. Oktober 2014 wiederholt explizit nach typisierenden Merk-

malen ihrer Herkunftsregion und zu ihrem Alltagswissen gefragt. Trotz die-

ser Impulse machte die Beschwerdeführerin lediglich detailarme Aussagen 

über ihre Herkunft, die sich überdies in etlichen Punkten widersprechen. 

Zum Einwand der Beschwerdeführerin, dass die Befragerin des SEM sie 

anlässlich der Zweitbefragung nicht unterstützt und zur Beantwortung der 

Fragen keine Hilfestellung geboten habe, ist festzuhalten, dass es wohl 

zutrifft, dass von Seiten der Befragerin zu Beginn der Zweitbefragung keine 

besondere Rücksicht auf die eben erst erreichte Volljährigkeit der Be-

schwerdeführerin genommen wurde. Im Laufe der Zweitbefragung hat sich 

die Befragerin jedoch bemüht, viele Fragen offen zu stellen (vgl. exempla-

risch SEM-Akte A15/22, F154), und der Beschwerdeführerin wiederholt die 

Gelegenheit gegeben, ihre ungenügenden Auskünfte zu ergänzen (vgl. 

exemplarisch SEM-Akte A15/22, F92-F95). Beim Lesen des Befragungs-

protokolls entsteht auch nicht der Eindruck einer schlechten Stimmung. 

Weder das Protokoll der Erst- noch jenes der Zweitbefragung lassen Zwei-

fel am korrekten Zustandekommen ihres Inhalts aufkommen und geben 

auch keinen Anlass zu anderweitigen Beanstandungen. So darf davon aus-

gegangen werden, dass die bei der Zweitbefragung mitwirkende Hilfs-

werksvertretung keineswegs ausdrücklich darauf verzichtet hätte, Ein-

wände zum Protokoll zu erheben, Anregungen für Sachverhaltsabklärun-

gen vorzuschlagen oder Bemerkungen zur Befragung festzuhalten (vgl. 

SEM-Akte A15/22, Anhang), wenn diese die von der Beschwerdeführerin 

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Seite 13 

behaupteten Mängel aufgewiesen hätte. Die Protokolle der Erst- und 

Zweitbefragung wurden in die Muttersprache der Beschwerdeführerin rück-

übersetzt, und die Verständigung mit dem Dolmetscher war gemäss ihrer 

Angabe sowohl an Erst- und Zweitbefragung «gut» (vgl. SEM-Akte A15/22, 

F1; SEM-Akte A3/11, Mitwirkungspflicht/h). Es wurde ihr dabei die Gele-

genheit geboten, ihre Aussagen zu korrigieren oder präzisieren; bei einem 

Punkt nahm sie solche Protokollergänzungen vor (vgl. SEM-Akte A15/22, 

S. 18, F43). Nach der Rückübersetzung bestätigte sie, dass die jeweiligen 

Protokolle vollständig seien und ihren Äusserungen entsprächen, was sie 

mit ihrer Unterschrift – am Ende der Erst- und Zweitbefragung und zusätz-

lich auf jeder einzelnen Protokollseite – bekräftigte. Somit ist auch ihrem 

Vorbringen, die Verständigungsschwierigkeiten seien erst im Verlauf der 

Befragung entstanden, der Boden entzogen. Die Beschwerdeführerin 

muss sich bei dieser Aktenlage auf ihre protokollierten Äusserungen behaf-

ten lassen. 

Den gemäss Vorinstanz unglaubhaften, weil zu den Aussagen ihrer beiden 

Brüder im Asylverfahren im Widerspruch stehenden Aussagen der Be-

schwerdeführerin, dass ihre Familie kein Vieh gehalten habe, und dass die 

Beschwerdeführerin zwar angab, ihre Familie habe zur Milchgewinnung 

Schafe besessen, jedoch den Melkvorgang dieser Schafe nicht hinrei-

chend beschreiben konnte, wird auf Beschwerdeebene entgegnet, dass 

sich Frauen in ihrem familiären Umfeld nicht um Angelegenheiten der Tier-

haltung gekümmert hätten. Zudem habe ihre Familie nur das Kleinvieh ums 

Haus gehalten, das Vieh sei weiter weg auf den Feldern gewesen, wo sich 

die Beschwerdeführerin nicht hinbegeben habe. Dieser Argumentations-

weg muss mangels anderweitiger Hinweise als Schutzbehauptung gewer-

tet werden. So hat die Beschwerdeführerin anlässlich der Zweitbefragung 

zu Protokoll gegeben, sie habe die Schafe gemolken (vgl. SEM-Akte 

A15/22, F142), und den Melkvorgang – wenn auch nur ansatzweise – be-

schrieben (vgl. SEM-Akte A15/22, F154), so dass mithin davon auszuge-

hen ist, dass sie in die Tierhaltung involviert gewesen ist. Im Lichte dessen 

erscheint es auch unglaubhaft, dass das gehaltene Vieh der Beschwerde-

führerin gänzlich unbemerkt geblieben sein soll.    

Mit dem auf Beschwerdeebene eingereichten genetischen Gutachten ge-

lingt es der Beschwerdeführerin zwar, die Blutsverwandtschaft zu ihren 

ebenfalls in der Schweiz lebenden Geschwistern nachzuweisen. Wie die 

Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, kann aus dieser Verwandtschaftsbe-

ziehung allerdings kein zuverlässiger Rückschluss auf die eritreische 

Staatszugehörigkeit der Beschwerdeführerin gezogen werden, weil damit 

D-1579/2015 

Seite 14 

nicht belegt ist, dass die Geschwister im gleichen Sozialisierungsraum auf-

gewachsen sind. Das SEM würdigt denn auch die Tatsache, dass es im 

Asylverfahren des Bruders C._______ zu einem unterschiedlichen Ergeb-

nis gelangt sei, indem es betont, dass ihrem Bruder C._______ deshalb 

die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden sei, weil dieser – im Unter-

schied zu ihr – in seinem Asylverfahren glaubhafte Aussagen zu seiner 

Herkunft gemacht habe und neben Arabisch die in Eritrea gesprochenen 

Sprachen Bilen und Tigre spreche. An dieser Einschätzung vermögen auch 

die eingereichten Familienfotos nichts zu ändern. Denn entgegen der in 

der Beschwerde vertretenen Auffassung wird durch die Familienfotos nicht 

bekräftigt, dass die Geschwister gemeinsam sozialisiert worden sind, da 

nicht eruiert werden kann, wo und wann die Fotos gemacht wurden und 

die zu den Familienfotos gemachte Erklärung, dass diese von einer Hoch-

zeit in E._______ stammten, als unbelegte Parteibehauptung zu werten ist. 

Zudem räumt die Beschwerdeführerin selber ein, dass die gemeinsame 

Abstammung eine gemeinsame Sozialisation noch nicht zu beweisen ver-

mag.  

In ihrer Rechtsmitteleingabe bringt die Beschwerdeführerin schliesslich 

vor, die Vorinstanz habe ihre Sprachkenntnisse zu Unrecht als Indiz gegen 

ihre behauptete Herkunft gewertet. Obwohl die Sprachkenntnisse der Be-

schwerdeführerin im Asylverfahren nicht speziell überprüft worden sind, ist 

der Vorinstanz beizupflichten, dass die Beschwerdeführerin diesbezüglich 

unplausible und teils widersprüchliche Angaben gemacht hat. So erstaunt 

es doch sehr, dass sie einerseits zu Protokoll gibt, ihre Eltern würden der 

Volkgruppe der Bilen angehören, selbst aber kein Bilen spricht. Auch hat 

die Vorinstanz die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin zunächst aus-

sagte, über Tigrinya- und Tigre-Kenntnisse zu verfügen, anlässlich der 

Zweitbefragung aber kein Tigrinya verstand und sich ihre Tigre-Kenntnisse 

als bruchstückhaft erwiesen, zutreffenderweise als Indiz gegen ihre Sozia-

lisierung in der behaupteten Region gewertet, zumal ihre beiden Brüder in 

ihren Asylverfahren gute Tigre- und mittlere Bilen-Kenntnisse vorweisen 

konnten. Der beiläufige Hinweis in der Beschwerdeschrift, dass ihre beiden 

Brüder - im Unterschied zu ihr - halt Kontakt zu tigre- und bilensprechenden 

Personen gehabt hätten, vermag nicht zu überzeugen, da die Beschwer-

deführerin selbst vorbringt, sie habe mit ihrer Mutter und ihren Geschwis-

tern unter einem Dach gelebt (vgl. SEM-Akte A3/11, Ziff. 2.02) und sei zur 

selben Schule gegangen wie ihr Bruder D._______ (vgl. SEM-Akte A15/22, 

F117/118), mithin nicht ersichtlich wird, wie sich die unterschiedlichen 

Sprachkenntnisse der Geschwister unter den von ihr geltend gemachten 

Umständen entwickelt haben sollten.        

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Seite 15 

Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die detailarmen Aussagen der 

Beschwerdeführerin über ihre Herkunft in etlichen Punkten auch wider-

sprechen. Überdies hat die Beschwerdeführerin auffällige Lücken im Län-

der- und Alltagswissen über ihre behauptete Herkunftsregion, welche für 

das Gericht nicht nachvollziehbar sind und in Ermangelung an Realkenn-

zeichen gegen eine tatsächliche Herkunft der Beschwerdeführerin aus 

E._______ sprechen. Wie die Vorinstanz hält das Gericht die Herkunftsan-

gaben der Beschwerdeführerin für unglaubhaft. Es ist davon auszugehen, 

dass sie an einem anderen Ort und in einem anderen Land sozialisiert wor-

den ist als angegeben (und als ihre Brüder) und sie dort auch über eine 

Aufenthaltsberechtigung verfügt. Ihren Vor- und subjektiven Nachflucht-

gründen wird damit die Grundlage entzogen.  

4.3 Durch die Verheimlichung respektive Verschleierung der wahren Her-

kunft verunmöglicht die Beschwerdeführerin den Behörden nähere Abklä-

rungen hinsichtlich einer allfälligen Verfolgungssituation in ihrem tatsächli-

chen Heimat- oder Herkunftsstaat und des effektiven Status in einem et-

waigen Drittstaat. Sie hat die Folgen ihres Verhaltens insofern zu tragen, 

als vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder 

wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen 

Aufenthaltsort bestehen.  

Nur der Vollständigkeit halber sei anzumerken, dass weder die von der Be-

schwerdeführerin geltend gemachten Nachteile im angeblichen Wohnsitz-

staat Eritrea, wonach sie dort zur Arbeit in einem Steinbruch beordert wor-

den sei, noch die illegale Ausreise aus Eritrea, die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 AsylG zu begründen vermögen, da auch ihre diesbezügli-

chen Aussagen – wie von der Vorinstanz richtig erkannt – unglaubhaft aus-

gefallen sind und bei Wahrunterstellung nicht asylrelevant sind (vgl. Refe-

renzurteil D-7898/2015). 

4.4 Aufgrund des Gesagten hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft ge-

mäss Art. 3 AsylG zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.  

5.  

Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über 

eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch 

auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht 

angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9). 

D-1579/2015 

Seite 16 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist zwar grundsätzlich 

von Amtes wegen zu prüfen, jedoch findet diese Abklärungspflicht der 

Asylbehörden – wie bereits zuvor ausgeführt – ihre Grenze an der Mitwir-

kungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), die auch die Sub-

stanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörden, bei 

fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach allfälligen 

Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu 

forschen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 und 6). Entzieht der Asylsuchende mit 

seinem Verhalten dem Gericht die für genauere Abklärungen erforderliche 

Grundlage, ist es nicht Sache der Beschwerdeinstanz, sich in Mutmassun-

gen und Spekulationen zu ergehen. 

6.3 Die Beschwerdeführerin hat keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere 

eingereicht und ihre Angaben zur Herkunft sind – wie vorstehend ausge-

führt – unglaubhaft ausgefallen. Ihre Identität und Staatsangehörigkeit so-

wie ihre persönlichen Verhältnisse stehen bis heute nicht fest. Durch die 

Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht respektive die Verheimlichung ihrer 

wahren Identität und Herkunft verunmöglicht sie die Prüfung, welche 

Staatsangehörigkeit sie besitzt und welchen Status sie an ihrem bisherigen 

Aufenthaltsort hat. Sie hat die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern 

zu tragen, als vermutungsweise davon auszugehen ist, dass einer Weg-

weisung in den tatsächlichen Heimat- oder Herkunftsstaat respektive der 

Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse im 

gesetzlichen Sinne (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2-4 AuG) entgegen-

stehen. Das SEM hat den Vollzug der Wegweisung somit zu Recht als 

durchführbar erachtet. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, 

eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu 

machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschie-

bung vorliegend keine Anwendung finden. 

D-1579/2015 

Seite 17 

6.4 Der verfügte Wegweisungsvollzug ist damit zu bestätigen und eine An-

ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 

AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch mit 

Zwischenverfügung vom 18. März 2015 die unentgeltliche Rechtspflege 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von ihrer pro-

zessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der Kostenerhebung abzu-

sehen.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1579/2015 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Simon Thurnheer Gian-Flurin Steinegger 

 

 

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