# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4599c511-076e-5ec8-99e6-68e58f26f965
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-30
**Language:** de
**Title:** Sucht. Medizinischer Sachverhalt nicht genügend abgeklärt. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2013.01173
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.01173.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.01173
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin F. Brühwiler
Urteil
vom
30. Januar 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Daniel
Christe
Christe
& Isler Rechtsanwälte
Obergasse 32, Postfach 1663, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1969
,
gelernte Zahnarztassistentin,
mel
det
e sich am
19.
Dezember 2011
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf psychische Beeinträchtigungen seit der Pubertät
zum Leistungsbezug (Rente/Berufliche Massnahmen) an (Urk. 8/9). Die IV-Stelle
liess einen IK-Auszug erstellen
(
Urk. 8/13),
holte Berichte bei den be
handelnden Ärzten ein
(Urk. 8/
18,
Urk. 8/21
,
Urk. 8/24
,
Urk. 8/27
)
und führte am
5. März 2013 eine Abklärung hinsichtlich Beeinträchtigungen der Arbeitsfä
hig
keit in Beruf und Haushalt durch (Abklärungsbericht vom 20. März 2013
in
klu
sive der anlässlich der Abklärung zusätzlich eingereichte
n
ärztliche
n
Be
richte,
Urk. 8
/30-32
).
Mit
Vorbescheid vom 30. Juli 2013 (Urk. 8/35) stellte
sie
der Ver
sicherten
gestützt auf einen ermittelten Invaliditätsgrad von 83 %
die Ausrich
tung einer ganzen Rente ab 1. August 2012 in Aussicht.
1.2
I
m Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
ersucht
e die Versicherte die IV-Stelle
, neben dem Anspruch auf eine Rente auch einen Anspruch auf
eine
Hilflo
sen
ents
chädigung
zu prüfen (Urk. 8/41). Daraufhin
führte die IV-Stelle am
28. August 2013
entsprechende Abklärungen bei der Versicherten zu Hause durch
(
Abklärungsbericht vom 30. September 2013
, Urk. 8/49
)
und stellte der Versi
cherten m
it Vorbescheid vom 2. Oktober 2013 (Urk. 8/51) die Ausrichtung einer
Hilfl
os
ene
ntschädigung
leichten Grades
ab 1. Januar 2014 in Aussicht.
1.3
Am 7. Oktober 2013 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid
(Urk. 8/55)
,
mit
welchem sie - unter Hinweis darauf, dass kein IV-relevanter
Gesundheits
scha
den
vorliege – die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht stellte.
Nach
dem die Versicherte Einwände erhoben
und die Ausrichtung einer Rente sowie einer
Hilflosenentschädigung
beantragt hatte
(Urk. 8/58),
verneinte
die IV-Stelle m
it Verfügung vom 19. November 2013 (Urk.
2
)
einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
.
2.
Dagegen erhob
X.___
am 19. Dezember 2013 Be
schwer
de (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Juni 2012 sowie eine
Hilf
losenentschädigung
leichten Grades zuzusprechen.
In prozessualer Hin
sicht ersuchte d
ie
Beschwerdeführer
in
um Gewährung der unentgeltlichen
Prozess
führung
sowie um Bestellung von Rechtsanwalt
Daniel
Christe
zum un
ent
geltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
5. Februar 2014 (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-68
) schloss die
Be
schwer
de
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführer
in
mit Schrei
ben vom
18. Februar 2014 (Urk. 9
) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Vorbescheid vom 30. Juli 2013
(Urk. 8/35)
-
mit welchem der Beschwerde
führerin
bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 83 %
die Ausrichtung einer ganzen Rente
ab 1. August 2012
in Aussicht gestellt worden war
-
ging
die
Be
schwerdegegnerin
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab dem 16. Augus
t 2011
aus
und hielt dafür, dass die Beschwerdeführerin ohne
Ge
sundheits
scha
den
zu 80
% einer Erwerbstätigkeit
nachgehen würde
und zu 20
% im Haushalt tätig
wäre.
1.2
Im Vorbescheid vom
2. Oktober 2013 (Urk. 8/51)
-
mit welchem der
Beschwer
deführerin die Ausrichtung
einer
Hilflosenentschädigung
leichten Grades ab 1. Januar 2014 in Aussicht
gestellt worden war
–
kam die Beschwerdegegnerin zum Schluss
, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer gesundheitlichen Be
einträchtigungen auf lebenspraktische Begleitung angewiesen sei.
1.3
Mit neuem Vorbescheid vom 7. Oktober 2013
(Urk. 8/55)
respektive mit
Verfü
gung vom 19. November 2013 (Urk. 2)
erwog die Beschwerdegegnerin sodann
,
die erneuten Abklärungen hätten ergeben, dass
kein IV-relevanter
Gesund
heits
schaden
vor
liege, weshalb
k
ein
Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
siche
rung
bestehe
.
1.4
Die Beschwerdeführerin machte
beschwerdeweise
im Wesentlichen geltend
(Urk. 1)
, aufgrund
ihrer
Suchterkrankung in Kombination mit der depressiven Angsterkrankung und der abhängigen Persönlichkeitsstörung sei sie nicht ar
beits
fähig, was die
Ärzte
bestätigt hätten. Aufgrund der eindeutigen
Arztbe
richte
komme der Suchterkrankung in Kombination mit den weiteren psychi
schen Störungen entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin IV-rechtliche
Be
de
utung zu, weshalb Anspruch auf eine ganze Rente sowie auf eine
Hilflo
sen
entschädigung
leichten Grades bestehe. Eventualiter seien ergänzende Ab
klä
rung
en sowohl in psychiatrischer als auch in somatischer Hinsicht vorzu
neh
men, wobei abzuklären wäre, ob und inwieweit von einer Überwindbarkeit der
Suchterkrankung in Kombination mit den übrigen psychischen
Störungen aus
zu
gehen
sei
sowie
,
wie
sich die bestehende schwere Lebererkrankung auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
. Ausserdem machte die Beschwerdeführerin geltend,
es sei davon auszugehen, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu 100 % erwerbstätig wäre
(Urk. 1).
2
.
2
.1
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein
keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit b
e
einträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen
Gesundheitsscha
den
mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge einge
treten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E.
2; AHI 2002 S.
30 E.
2a, 2001 S.
228 f. E.
2b; SVR 2001 IV Nr.
3 S.
7 E.
2b; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen).
Daraus
folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbstständiger Gesundheitsschädigungen darstellen
(
Art.
6 ff.
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungs
rechts
[
ATSG
]
und
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versi
che
rung [
IVG
]
;
Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.1
mit Hinweisen auf
BGE 127 V 294
E. 5a und Urteil
I
955/05 vom
6.
November 2006 E. 3.3.2
).
Angesichts der insoweit finalen
Natur der Invalidenversicherung
ist nicht ent
scheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen
Gesund
heitsschadens
ist oder ob die Sucht
ausserhalb
eines Kausalzusammenhangs mit
dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine
Suchtfolgen IV-rechtlich
irrelevant
, soweit sie als solche allein
leistungs
min
dernd
wirken. Hingegen sind sie
gleichermassen
IV-rechtlich relevant, so
weit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen
Gesund
heitsschaden
stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht - einem Symptom gleich
- Teil eines Gesundheitsschadens bildet; dies unter der Vo
raussetzung, dass nicht
allein die unmittelbaren Folgen des
Rauschmittelkon
sums
, sondern wesent
lich
auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsun
fähigkeit führt. Sodann können
selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychi
scher Gesundheitsschaden besteht, welcher die
Betäu
bungsmittelabhängigkeit
auf
recht erhält oder deren Folgen
massgeblich
ver
stärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psycho
so
ziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität bei
tragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines
Ge
sundheits
schadens
beeinflussen (
Urteil
des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.2 mit Hinweisen auf
BGE 99 V 28
E.
3b,
120 V 95
E.
4c, SVR 2012 IV Nr. 32 S.
127, 9C_776/2010 vom
20. Dezember 2011
E. 2.3.3
,
ZAK 1992 S. 169
).
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des
Forderbaren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 E. 2.2.1, 131 V 49).
2
.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Ver
fah
ren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
re
levante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S.
69)
.
3
.
3
.1
Dr.
med.
Y.___
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, bei welchem
die Beschwerdeführerin
von November 2006 bis Dezember 2010
in Behandlung
gewesen war
(Urk. 8/24/1),
führte
mit Bericht vom 27. September 2012
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(Urk. 8/24/1)
:
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.25)
, seit zirka 18. Lebensjahr
;
-
Nikotinabhängigkeit (
ICD-10
F17.25) mit COPD
, seit dem 12. Lebensjahr
;
-
Opiatabhängigkeit (
ICD-10
F11.22)
mit chronischer Hepatitis C
,
ab zirka 18. Lebensjahr,
seit 2007 Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Ent
zugsprogramm
;
-
Cannabismissbrauch
, ab zirka 15. Lebensjahr
;
-
Abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
.
Ausserdem wies er auf schwierige psychosoziale Rahmenbedingungen hin (
Fürsor
geabhängigkeit
, Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten bei der
Alltagsbewälti
gung
, Vereinsamung wegen fehlendem bzw. problematischem sozialem Netz, Urk. 8/24/1).
Dr.
Y.___
berichtete
,
es sei der Beschwerdeführerin i
n den letzten Jahren
nicht mehr gelungen, sich im ambulanten Rahmen anhaltend psychisch zu stabilisieren. Es sei immer wieder
zu massiven Krisen mit Alkohol/
Drogen
und zu
stationären Behandlungen gekommen.
Aufgrund
ihrer abhängigen Per
sönlichkeitsstruktur sei es
wiederholt
zu destruktiven Beziehungen und dadurch auch zu Destabilisierung
en
gekommen.
Infolgedessen
sei die Beschwerdeführe
rin bei der Erfüllung ihrer Alltagspflichten überfordert und immer wieder auf Hilfe von aussen angewiesen
gewesen (Urk. 8/24/2).
P
sychische und körperliche
Einschränkungen verunmöglichten eine Erwerbsfähigkeit. Die Erkrankungen wirk
ten
sich auf die zeitliche Präsenz (Unzuverlässigkeit), auf die Durchhalte
- und
die Konzentration
sfähigkeit
, die Belastbarkeit sowie auf
das
Auffassung
s
vermögen
aus. Die
se
Einschränkungen liessen sich durch medizinische Mass
nahmen nicht vermindern
(Urk. 8/24/3)
.
3
.2
Die Ärzte des
Z.___
in
A.___
– wo
sich
die Beschwerdeführerin vom 16. August 2011 bis 11. Oktober 2011 zum
stationären
Alkohol- und
Dormicumentzug
aufgehalten hatte
–
führten in ihrem Bericht
vom 24. Mai 2012
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf (Urk. 8/21/1)
:
-
Benzodiazepinabhängigkeit
,
gegenwärtig abstinent in beschützender Um
gebung
(ICD-10 F13.21)
;
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent in beschützender
Umgebung
(ICD-10 F10.21)
;
-
Opiatabhängigkeit, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwach
ten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F11.22)
;
-
Hypnotikaabhängigkeit
(ICD-10 F13.24)
;
-
Cannabisabhängigkeit,
gegenwärtig abstinent in beschützender Umge
bung
(ICD-10 F12.21)
;
-
Status nach Heroin- und Kokainkonsum, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F14.20)
.
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erachteten die Ärzte
eine
abhän
gige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7),
einen
Status nach
entzugsbeding
tem
epileptischem Anfall,
eine
COPD
sowie
eine
Hepatitis C
(Urk. 8/21/1)
.
Die Ärzte
attestierten für die Zeit des stationären Aufenthaltes eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Zahnarztassistentin
und hielten dafür, d
ie Beschwerde
führerin sei
psychisch vermindert belastbar und könne ihre Grenzen nicht gut an
geben. Ob die
Tätigkeit als Zahnarztassistentin
noch zumutbar sei,
hänge
von der weiteren Nachbehandlung ab. Die Einschränkungen
liessen
sich durch eine alkoholspezifische und soziale Nachbetreuung vermindern, da die Beschwerde
führerin
dadurch
weniger schnell überlastet und
das Risiko eines Rückfalls in die Alkoholabhängigkeit geringer wäre
.
3
.3
Die Ärzte
der
B.___
, wo
die
Beschwerdeführerin vom 19.
Oktober 2011 bis 20. Januar 2012 in
ambu
lan
ter
Behandlung
gestanden
hatte
,
führten
mit
Bericht vom 27. März 2012
fol
gen
de
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 8/18/2):
-
Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2)
;
-
Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
;
-
Störung durch Sedativa und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom,
gegen
wärtig Substanzgebrauch
(ICD-10 F13.24)
;
-
Störung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, mit episodischem
Sub
stanzgebrauch
(ICD-10 F10.26)
;
-
Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlichen überwachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F11.22)
;
-
Störung durch
Cannabinoide
, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig
Sub
stanzgebrauch
(ICD-10 F12.24)
.
Die Ärzte berichteten, i
n den letzten Jahren sei die Beschwerdeführerin
auf
grund ängstlich-depressiver Episoden und multiplem
Substanzabusus
mehrmals
zur Behandlung
in der Klinik
C.___
gewesen
.
Sie
empfahlen als
weiter
e
Massnahmen
eine Psychotherapie,
die Teilnahme am ärztlich überwachten
Er
satzdrogenprogramm
sowie
eine soziale Integration in geschütztem Rahmen
(Urk. 8/18/3-4)
.
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit hielten sie dafür, die Beschwerde
führerin sei während der Behandlung bei ihnen zu 100 % arbeitsunfähig gewe
sen. In Anbetracht des Krankheits- und Behandlungsverlaufs sei mittel- bis län
ger
fristig
eine Arbeitsfähigkeit in geschütztem Rahmen
zu
einem Pensum von
maximal 50 % vorstellbar
(Urk. 8/18/1+3)
.
Es bestünden mässige
Konzentrati
ons
störungen
,
eine stark verminderte Belastbarkeit, starke
Stimmung
sschwan
kung
en
,
Verlassensängste
sowie eine
mässige eingeschränkte
Absprache
fähig
keit
. Es er
gebe sich
daraus
ein sehr schwankendes Leistungs- und
Belastbar
keitsprofil
.
Eine verlässliche kontinuierliche Tätigkeit sei daher unwahrschein
lich. Die Ein
schrän
kungen liessen sich auch durch medizinische
Massnahmen nicht vermin
dern
(Urk. 8/18/4)
.
3
.4
Ab dem 4. Oktober 2012 befand sich die Beschwerdeführerin erneut zur statio
nären Behandlung im
Z.___
in
A.___
.
Im
Bericht vom 22. Oktober 2012 führten die Ärzte folgende Diagno
sen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(Urk. 8/27
/1
)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
;
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
;
-
Störung durch Opioide, gegenwärtig Teilnahme an ärztlich überwachtem Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F11.22)
;
-
Benzodiazepinabhängigkeit
, gegenwärtig Substanzgebrauch (ICD-10 F13.25)
.
Die Ärzte hielten dafür, Auslöser für den erhöhten Alkoholkonsum sei
die
de
pressive Erkrankung.
A
ufgrund der psychiatrischen Vorgeschichte, der Schwere der Depression sowie der bestehenden Suchterkrankung sei von einem langwie
rigen Krankheitsverlauf
auszugehen.
Die Beschwerdeführerin sei bis auf weiteres als Zahnarztassiste
ntin vollständig arbeitsunfähig. E
s
bestünden
ein stark ein
geschränktes Konzentrations- und Auffassungsvermögen, eine geringe Belast
bar
keit und eine geringe Anpassungsfähigkeit.
Sie
empfahlen eine längerfris
tige
, stationäre psychotherapeutische Behandlung der depressiven sowie der
Suchter
krankung
und hielten dafür, dass d
urch
eine solche Behandlung (Psy
chothera
pie/
Psychopharmakatherapie
) die psychische und geistige Belastbarkeit gesteigert
werden könnte.
3
.5
V
om 2. November 2012 bis 9. Januar 2013
war die Beschwerdeführerin erneut in
der
B.___
zur tagesklinischen
Weiterbetreuung
, wobei der Austritt wegen un
ent
schuldigter Abwesenheit eingeleitet wurde. Im Austrittsbericht vom 11. Februar 2013 führten
die Ärzte folgende
Diagnosen
auf
(Urk. 8/30):
-
Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F11.22)
;
-
Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, mit episodischem
Sub
stanzgebrauch
(ICD-10 F10.26)
;
-
Störungen durch Sed
a
tiva oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, mit ge
genwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10 F13.24)
;
-
Störungen durch
Cannabinoide
, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig absti
nent, aber in
beschützender Umgebung (ICD-10 F12.21)
;
-
Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
.
3
.6
A
m 12. Februar 2013
wurde
im
Spital D.___
bei einer Verschlech
terung des Allgemeinzustandes, rezidivierendem Erbrechen und
druckdolenter
Leber
eine
sonographische
Untersuchung
des Abdomens
durchgeführt (Urk. 8/31/1
)
,
welche ein
en ausgeprägten diffusen
Leberparenchymscha
den
zeigte
(Urk. 8/31)
.
4
.
Die aufliegenden medizinischen Berichte lassen eine abschliessende Beurteilung der vorliegenden Streitsache nicht zu.
Einerseits bleibt unklar, ob neben den bestehenden Suchterkrankungen eigenständige psychische Gesundheitsschäden mit Krankheitswert vorliegen und wie sich diese - bejahendenfalls - auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken. So hatten die Ärzte des
Z.___
im Mai 2012 noch dafür
gehalten, die
Leistungsfähigkeit
sei einzig aufgrund
der vorliegenden
Suchter
krankungen
eingeschränkt, wobei sie die Prognose von einer erfolgreichen
al
koholspezifischen
und sozialen Nachbetreuung abhängig machten. Als eigen
ständige psychische Störung attestierten sie lediglich eine abhängige
Persön
lichkeitsstörung
, die sie jedoch als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erachteten (E. 3.2). Im Oktober 2012 hielten
sie sodann
dafür, die Beschwerde
führerin leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung, welche die Ar
beitsfähigkeit einschränke und welche auch der Grund für den erhöhten
Alko
holkonsum
sei. Hingegen diagnostizierten sie – im Gegensatz zum Bericht vom Mai 2012 - keine Persönlichkeitsstörung mehr (E. 3.4).
Auf die Gründe für diese unterschiedlichen Diagnosen und Begründungen für die eingeschränkte Leis
tungs
fähigkeit gingen sie nicht ein.
Die Ärzte des
B.___
wiederum attestierten im
März 2012 eine abhängige Persönlichkeitsstörung
und eine Angststörung (Angs
t und depressive Störung, gemischt)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
, im
Bericht vom
Februar 2013 wurde die Diagnose einer Angststörung
hin
gegen
nicht mehr aufgeführt (E. 3.3, E. 3.5).
Angesichts dieser verschiedenen Einschätz
ungen
sind diesbezüglich weitere Abklärungen angezeigt.
Sind sodann die
aufgrund der Suchterkrankungen bestehenden Einschränkun
gen
der Leistungsfähigkeit
IV-rechtlich nur relevant, soweit sie in einem engen Zu
sammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen
(vgl. E. 2.1)
,
sind auch diesbezüglich weitere Abklärungen angezeigt, falls denn
psychische
Gesundheitsschäden mit Krankheitswert vorliegen sollten
. Diesbe
züglich ist unter
anderem auch abzuklären, ob ein eigenständiger psychischer
Gesundheits
scha
den
besteht, welcher die Suchtmittelabhängigkeiten aufrechter
hält (vgl. E. 2.1).
Schliesslich sind
mit Blick auf die erhobenen Befunde im
Spital D.___
auch
hinsicht
lich des somatischen Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin
weitere Abklärungen a
ngezeigt
, da unklar bleibt, ob der diagnostizierte Leberschaden (längerfristige) Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit zeitigt.
Nach getätigten Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin erneut über den An
spruch auf eine Rente respektive über
den Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
di
gung
zu entscheiden.
Die angefochtene Verfügung ist folglich aufzuheben und
die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung zurückzu
weisen
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
Sollte die Beschwerdegegnerin zum Schluss kommen,
dass
ein
e
IV-rechtlich rele
vante Einschränkung der Leistungsfähigkeit vor
liegt
, ist darauf hinzuweisen, dass es
– entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin im (nun ersetz
ten) Vorbescheid vom 30. Juli 2013 (Urk. 1.1) -
keine Veranlassung gibt,
den Invaliditätsgrad mittels der
gemischte
n
Methode
zu ermitteln
.
Die gemischte Methode kommt lediglich zur Anwendung,
wenn davon auszugehen ist, dass die versicherte Person
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
im Aufgabenbereich tätig wäre (
vgl.
Art. 28 Abs. 2 IVG und Art. 27
der Verordnung über die Invali
denversicherung [
IVV
]
)
.
D
ie Beschwerdeführerin
hat
keine Kinder und lebt
ge
mäss
Abklärungsbericht alleine in einer Notwohnung der Stadt
E.___
(Urk. 8/32/1-2). Unter diesen Umständen kann nicht vom Vorliegen eines Auf
gabenbereichs ausgegangen werden. Mangels eines überwiegend wahrscheinli
chen Aufgabenbereichs h
ä
t
te
die Invaliditätsbemessung daher nach der allge
mei
nen Methode und nicht nach der gemischten Methode zu erfolgen.
6
.
6
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Vorliegend ist eine Entschädi
gung von Fr. 1‘
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00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
Mithin erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der un
entgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 19. November 2013 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen, über
die Leistungsansprüche
der Beschwerde
führerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Daniel
Christe
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstF. Brühwiler