# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8e1e505-2df1-5857-ade7-4f8134d6822a
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240213-O1
**Docket/Reference:** SB240213-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240213-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240213-O/U/bs

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, Oberrichter lic. iur. M. Lang-

meier und Oberrichter lic. iur. B. Amacker sowie Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Kümin

Urteil vom 16. Januar 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigte und Berufungsklägerin

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache qualifizierte einfache Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur 

vom 14. Februar 2024 (DG230043)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 3. August 2023 

(Urk. 20/1) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 49 S. 46 f.)

"Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig







der mehrfachen qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von 
Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum Nachteil von 
B._____, 

der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in 
Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum Nachteil von C._____, 

der mehrfachen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht im Sinne 
von Art. 219 Abs. 1 StGB.

2.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 14 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 147 Tage 

durch Haft erstanden sind.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

Es wird keine Landesverweisung angeordnet.

Die Privatkläger 1 und 2 werden mit ihren Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

4.

5.

6.

Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 und 2 je Fr. 300.– als Ge-

nugtuung zu bezahlen.

7.

8.

Das Genugtuungsbegehren der Beschuldigten wird abgewiesen.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.00   die weiteren Kosten betragen:

3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

- 3 -

Fr.

Fr.

16'881.00   Auslagen Gutachten

363.00   Auslagen Untersuchung

Fr. 

4'373.25

Entschädigung vormalige amtliche Verteidigung lic. iur. 
X2._____ (inkl. MwSt. und Barauslagen)

Fr.

Fr.

9'332.95

  Entschädigung amtliche Verteidigung Dr. iur. X3._____

(inkl. MwSt. und Barauslagen)

37'550.20   Total

Wird auf eine Begründung dieses Entscheids verzichtet, ermässigt sich die Ent-

scheidgebühr auf zwei Drittel.

9.

Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 8 werden der Beschuldigten auferlegt. Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-

nommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

10.

(Mitteilungen)

11.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung der Beschuldigten:

(Urk. 63 S. 2)

1.

Die Beschuldigte sei der qualifizierten Tätlichkeiten zum Nachteil von B._____ 

schuldig zu sprechen. 

2.

3.

4.

Bezüglich der übrigen Vorwürfe sei die Beschuldigte freizusprechen.

Die Beschuldigte sei mit einer Busse von max. CHF 1'500 zu bestrafen.

Der Beschuldigte sei für die unrechtmässig erlittene Haft von 147 Tagen eine 

Genugtuung in der Höhe von CHF 29'400 zuzusprechen.

5.

Die  Verfahrenskosten  seien  im  Umfang  von  4/5  auf  die  Staatskasse  zu 

nehmen. 

- 4 -

6.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien definitiv auf die Staatskasse zu 

nehmen. 

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 57)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

c)

Der Privatklägerschaft:

(Urk. 65)

1.

Das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur sei vollumfänglich 

zu bestätigen.

2.

Den Geschädigten und Privatklägern 1 und 2 sei die unentgeltliche Prozess-

führung zu gewähren.

Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1. Mit  vorstehend  im  Dispositiv  wiedergegebenem  Urteil  des  Bezirksgerichts 

Winterthur vom 14. Februar 2024 wurde die Beschuldigte der mehrfachen qualifi-

zierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit 

Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum Nachteil von B._____, der qualifizierten einfachen Körper-

verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum 

Nachteil von C._____ sowie der mehrfachen Verletzung der Fürsorge- oder Erzie-

hungspflicht im Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Dafür wurde 

sie mit einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten bestraft, wobei der Vollzug der Frei-

heitsstrafe  unter  Ansetzung  einer  zweijährigen  Probezeit  bedingt  aufgeschoben 

wurde (Urk. 49). Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung mit Eingabe vom 14. 

Februar 2024 rechtzeitig Berufung an (Urk. 43). Nach Erhalt des begründeten Ur-

teils reichte die Verteidigung am 22. April 2024 innert Frist die Berufungserklärung 

ein (Urk. 50). 

- 5 -

2. Mit Präsidialverfügung vom 8. Mai 2024 wurde der Privatklägerschaft sowie 

der  Staatsanwaltschaft  die  Berufungserklärung  des  Beschuldigten  zugestellt  und 

Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 53). 

Mit Eingabe vom 16. Mai 2024 beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung 

des vorinstanzlichen Urteils und ersuchte um Dispensation von der Teilnahme an 

der Berufungsverhandlung (Urk. 57). Mit Eingabe vom 15. Mai 2024 teilte sodann 

die Vertretung der Privatkläger mit, dass sie auf Anschlussberufung und einen An-

trag auf Nichteintreten verzichte (Urk. 55). Mit Verfügung vom 18. November 2024 

wurde die Publikumsöffentlichkeit teilweise und unter Auflagen von der Berufungs-

verhandlung ausgeschlossen (Urk. 58).

3.

Am 19. November 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 8. Januar 

2025 vorgeladen (Urk. 60). An der Berufungsverhandlung nahmen die Beschuldigte 

und deren amtlicher Verteidiger sowie die Vertreterin von B._____ und C._____ teil 

(Prot. II S. 5). Das Urteil wurde am 8. und 16. Januar 2025 beraten und wurde den 

Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet (Urk. 66).

II. Prozessuales

1.

Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich gegen die vorinstanz-

lichen Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 & 3 (Sanktion), 6 (Genugtuungsbegeh-

ren Privatkläger), 7 (Genugtuungsbegehren Beschuldigte) und 9 (Kostenauflage) 

(Urk. 50, Prot. II S. 7). Gemäss Art. 402 StPO wird die Rechtskraft des angefoch-

tenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft 

nur  die  angefochtenen  Punkte  des  erstinstanzlichen  Entscheids  (Art.  404  Abs. 1 

StPO).  Nachdem  vorliegend  die  Dispositiv-Ziffern  4  (Verzicht  auf  Landesver-

weisung), 5 (Schadenersatzbegehren) und 8 (Kostenfestsetzung) unangefochten 

blieben, ist vorab mittels Beschlusses festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil 

in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. Stattdessen beantragt die Beschul-

digte eine Schuldigsprechung wegen qualifizierter Tätlichkeiten zum Nachteil von 

B._____, die Bestrafung mit einer Busse von max. Fr. 1'500.–, eine Entschädigung 

von Fr. 29'400.– als Genugtuung für die unrechtmässig erlittene Haft von 147 Ta-

gen,  die  Auflage  der  Kosten  auf  die  Gerichtskasse  im  Umfang  von  vier  Fünfteln 

- 6 -

sowie  die  definitive  Übernahme  der  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  auf  die 

Staatskasse (Urk. 63 S. 2). 

2.

Per 1. Januar 2024 ist die revidierte StPO in Kraft getreten. Gemäss Art. 448 

Abs. 1 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes hängig sind, 

nach  neuem  Recht  fortgeführt,  soweit  die  nachfolgenden  Bestimmungen  nichts 

anderes  vorsehen.  Verfahrenshandlungen,  die  vor  Inkrafttreten  dieses  Gesetzes 

angeordnet oder durchgeführt worden sind, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 

StPO).  Ist  ein  Entscheid  vor  Inkrafttreten  dieses  Gesetzes  gefällt  worden,  so 

werden Rechtsmittel dagegen nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen 

Behörden, beurteilt (Art. 453 Abs. 1 StPO). Das Verfahren richtet sich folglich nach 

bisherigem Recht.

3.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten delinquentes Verhalten in der 

Zeit von 2014 bis 2022 vor (Urk. 20/1). Auch das StGB hat zwischenzeitlich rele-

vante Teilrevisionen erfahren. So trat per 1. Januar 2018 das neue Sanktionenrecht 

in Kraft. Weiter wurde per 1. Juli 2023 das Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 

über  die  Harmonisierung  der  Strafrahmen  in  Kraft  gesetzt.  Der  Tatbestand  der 

schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB sowie derjenige der einfachen 

Körperverletzung  wurden  verschärft.  Die  revidierten  Bestimmungen  des  Strafge-

setzbuches kommen auch bei Straftaten zur Anwendung, die vor ihrem Inkrafttreten 

begangen wurden, aber erst nachher beurteilt werden, sofern das neue Recht das 

mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB), was vorliegend nicht der Fall ist. Es gilt somit durch-

weg das alte, mildere Recht. 

4.

An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht 

mit  allen  Parteistandpunkten  einlässlich  auseinandersetzen  und  jedes  einzelne 

Vorbringen  ausdrücklich  widerlegen  muss  (BGE  141  IV  249  E.  1.3.1;  BGE 139 

IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann 

sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.

5.

Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  angeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

- 7 -

in  Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO,  auch  ohne  dass  dies  jeweils  explizit 

Erwähnung findet.

III. Sachverhalt

1.1. Die Anklage wirft der Beschuldigten im Wesentlichen vor, durch häufige und 

regelmässige  Schläge,  unter  anderem  auch  mit  einem  Staubsaugerrohr,  einem 

Gürtel und einer Fliegenklatsche, ihre beiden Kinder misshandelt zu haben, was 

die beiden schwer traumatisiert und deren Gesundheit schwer beeinträchtigt habe, 

was die Beschuldigte in Kauf genommen habe (Urk. 20). 

1.2. Die  Beschuldigte  bestritt  den  Sachverhalt  weitgehend.  Sie  habe  lediglich 

B._____ ab und zu mit der flachen Hand geschlagen, C._____ habe sie nicht an-

gefasst (Prot. I S. 20 f., Urk. 62 S. 9). Auf konkretes Nachfragen nach den genauen 

Tatumständen, namentlich die Art und die Häufigkeit der verpassten Schläge gab 

sie zur Antwort, dass sie B._____ ausschliesslich Klapse auf den Hintern gegeben 

habe (Urk. 62 S. 10). 

1.3.

In  der  Folge  ist  zu  überprüfen,  ob  sich  der  angeklagte  Sachverhalt  mit  den 

Akten erstellen lässt. 

2.

Schläge zum Nachteil von B._____

2.1.

In  Bezug  auf  B._____  wird  der  Beschuldigten  vorgeworfen,  diesen  von  ca. 

2014  bis  am  20.  Juni  2022  nahezu  wöchentlich  mit  der  offenen  Hand  mit  voller 

Wucht  ins  Gesicht  oder  gegen  den  Oberkörper  oder  das  Gesäss  geschlagen  zu 

haben. Sie habe ihn zudem wiederholt mit dem Fuss gegen den Oberkörper getre-

ten, wenn er am Boden gelegen habe, und ca. 3-4 Mal pro Monat mit einem Gürtel 

gegen den Oberkörper und das Gesäss geschlagen, wobei er einmal eine blutende 

Verletzung  an  den  Rippen  erlitten  habe.  Bei  einem  weiteren  Vorfall  habe  sie 

B._____ gestossen und mit einem Gürtel in der Hand verfolgt, worauf er im Eltern-

schlafzimmer mit dem Gesicht gegen die Bettkante gestürzt sei und sich eine leicht 

blutende Verletzung sowie ein Hämatom am linken Auge zugezogen habe. Ein an-

deres  Mal  habe  die  Beschuldigte  B._____  mehrfach  mit  einem  Staubsaugerrohr 

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heftig  gegen  den  Kopf  geschlagen,  sodass  dieser  am  nächsten  Tag  noch  Kopf-

schmerzen gehabt habe. Zudem habe die Beschuldigte B._____ wiederholt mit ei-

ner Fliegenklatsche gegen den Oberkörper geschlagen. Sie habe bei diesen Hand-

lungen gewusst, dass sie B._____ die genannten Verletzungen zufügen könnte und 

dies in Kauf genommen. B._____, wie auch C._____, habe durch die regelmässi-

gen Schläge über den langen Zeitraum hinweg unter ständiger Angst vor erneuten 

Schlägen  gelitten.  Er  habe  jeweils  Angst  verspürt,  wieder  nachhause  gehen  zu 

müssen.  Die  Schwere  und  Dauer  der  besagten  Misshandlungen  hätten  B._____ 

wie auch C._____ schwer traumatisiert und deren psychische Gesundheit schwer 

beeinträchtigt.

2.2. Die Vorinstanz hat die Beweismittel, namentlich die Aussagen der Beteiligten, 

ausführlich wiedergegeben, worauf verwiesen werden kann (Urk. 49 S. 11 ff.). Die 

Beschuldigte  hat  sich  an  der  Berufungsverhandlung  zu  den  verschiedenen  Vor-

würfen geäussert (Urk. 62 S. 7 ff.). Darauf wird nachfolgend eingegangen. 

2.2.1.1. Die Verteidigung brachte zur Glaubwürdigkeit von B._____ vor, dieser sei 

aufgrund des enormen Spannungsverhältnisses in der Schule wie auch zuhause in 

starker Bedrängnis gewesen, weshalb er sich mit überzeichneten Anschuldigungen 

gegen die Beschuldigte aus dieser Position zu befreien versucht haben könnte. Es 

sei auch davon auszugehen, dass sich B._____ von der Schule nicht ernst genom-

men gefühlt habe, weshalb er die Vorwürfe gegen die Beschuldigte erhoben haben 

könnte,  um  gehört  zu  werden  (Urk.  63  S.  7).  Dies  sind  reine  Spekulationen,  die 

zwar nicht vollkommen abwegig sind, wofür es jedoch mit Blick auf die konkreten 

Aussagen  keine  Anzeichen  gibt.  Auch  das  beim  Beschuldigten  diagnostizierte 

ADHS ist kein Indiz für Falschaussagen. 

2.2.1.2.

Entscheidend  sind  aber  ohnehin  die  Aussagen  von  B._____.  Dieser 

wirkt  - so  auch  in  den  Videoaufnahmen  der  Einvernahme  vom  30.  August  2022 

(Urk. 5/2) - in seinem Aussageverhalten authentisch. Wenn die Verteidigung in den 

unterschiedlichen Aussagen bezüglich des Alters, in welchem ihm die Schläge mit 

dem Gurt widerfahren sein sollen, Widersprüche sieht (Urk. 63 S. 9), ist dem ent-

gegenzuhalten, dass einem Kind resp. Jugendlichen die zeitliche Einordung schwer 

fällt, wenn sich diese auf eine Zeit im jungen Kindesalter bezieht. Auch der Um-

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stand, dass B._____ behauptete, eine Gehirnerschütterung davongetragen zu ha-

ben und die Schmerzen dann später mit einem Sonnenstich verglich (Urk. 5/3 S. 9, 

S. 21), tut der Glaubhaftigkeit keinen Abbruch. Wesentlich sind die angegebenen 

Symptome. Wenn B._____ die Symptome mit einem früher erlittenen Sonnenstich 

in Verbindung brachte, ist dies sogar eher ein Wahrheitskriterium. Auch dass sich 

B._____ nicht mehr an seine früheren Aussagen gegenüber der Schule betreffend 

Nasenbruch erinnern konnte, ist nicht ungewöhnlich. Vielmehr kann der Vorinstanz 

beigepflichtet werden, wenn sie B._____s Aussagen zum vorgeworfenen Sachver-

halt  als  logisch  konsistent,  individuell  geprägt,  detailliert  und  nachvollziehbar  be-

zeichnet (Urk. 49 S. 20). 

2.2.2.1. D._____ wurde erstmals unmittelbar nach der polizeilichen Intervention 

befragt. Er sprach von sporadischen Schlägen gegen die Kinder, wobei manchmal 

auch zwei Monate nichts gewesen sei (Urk. 4/1 S. 4). Die Beschuldigte fühle sich 

durch  B._____  provoziert.  Das  sei  wahrscheinlich  auch  der  Grund,  weshalb  sie 

schlage  (Urk.  4/1  S.  4).  Die  Ausführungen  von  D._____  anlässlich  dieser  ersten 

Einvernahme sind klar, widerspruchsfrei, zurückhaltend und insgesamt glaubhaft. 

2.2.2.2.

Als Auskunftsperson befragt gab er später an, dass er die Gewaltanwen-

dungen in der Regel nicht mit eigenen Augen gesehen habe sondern jeweils dazu 

geeilt, jedoch zu spät gewesen sei, um die Gewalt zu verhindern. Es habe dann in 

der Zeit nach der Offenlegung während rund zwei Jahren Ruhe geherrscht und es 

sei zu keinen Vorfällen gekommen (Urk. 4/2 S. 4 f.). Die Beschuldigte habe B._____ 

zweimal  geschlagen  (Urk.  4/2  S.  4).  Beobachtet  habe  er  es  aber  tatsächlich  nur 

einmal (Urk. 4/2 S. 5). Im Gegensatz zu den Ausführungen in der polizeilichen Be-

fragung wirken diese weit weniger überzeugend. In seinem Aussageverhalten wirkt 

D._____ ausweichend und stark verharmlosend. Dabei verwickelt er sich auch in 

Widersprüche. So gab er mit Bezug auf den Vorfall mit dem Staubsaugerrohr an, 

dass er in einem anderen Raum gewesen sei und einen Schlag gehört habe, wel-

cher aber mit Sicherheit nicht über den Kopf von B._____ sondern an einem Fens-

tersims  erfolgt  sei,  woraufhin  er  "rauf"  gerannt  sei  (Urk.  4/2  S.  7).  Es  ist  jedoch 

schlicht  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  ein  solch  banaler  und  üblicher  Vorgang 

beim Staubsaugen wie ein Schlag gegen einen festen Gegenstand Anlass zum an 

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den Ort des Geschehens rennen darstellen sollte. Dies ist schlicht lebensfremd und 

spricht gegen tatsächlich Erlebtes. Vollends in Widersprüche verwickelte sich der 

Beschuldigte, als er die Frage, ob B._____ durch Schläge der Mutter verletzt wor-

den sei, mit "Nein " beantwortete (Urk. 4/2 S. 7). Dies, nachdem er nur wenig vorher 

von  konkreten  Schlägen  der  Mutter  gegenüber  B._____  berichtet  hatte  (Urk.  4/2 

S. 4). Die selbe Tendenz zu widersprüchlichen und teilweise ins wahrheitswidrige 

abrutschenden  Verharmlosungen findet  sich  auch in seinen  Aussagen  zur  durch 

ihn selbst erlittenen Gewalt. Entgegen der ausführlichen Schilderung der erlittenen 

physischen und psychischen Gewalt in der polizeilichen Einvernahme unmittelbar 

nach Festnahme der Beschuldigten antwortete er an der zweiten Einvernahme auf 

die Frage, wie oft er von seiner Frau geschlagen worden sei: "Geschlagen? Nein, 

also geschlagen direkt nein" (Urk. 4/2 S. 11). Einzig vor 8, 9 Jahren habe sie ihn 

mit ihren Händen links und rechts an die Wange geschlagen, ansonsten sei es bei 

Ihnen wie bei Italienern ein bisschen emotional, dort flögen auch Teller "und so" 

(Urk. 4/2 S. 11). Mit Bezug auf ausgesprochene Drohungen gegenüber ihm selbst 

wich  er  aus  und  lenkte  auf  B._____  über.  Erst  auf  nochmaliges  Nachhaken  er-

wähnte er die Drohung der Beschuldigten, wonach sie das Haus anzünden werde. 

Nachdem er auch dazu in der polizeilichen Einvernahme klare und detaillierte An-

gaben gemacht hatte, gab er bei der Staatsanwaltschaft einerseits an, dass dies 

gar nicht sein könne, da sie ja schliesslich Haus und Garten pflege, anderseits be-

stätigte er aber, dass sie ihm dies schon so gesagt habe (Urk. 4/2 S. 12). Wenn die 

Verteidigung geltend macht, dass D._____ bei der polizeilichen Einvernahme zum 

Schutz  seiner  Kinder  überzeichnete  Angaben  gemacht  habe  und  deshalb  seine 

zweite Einvernahme aufgrund der zeitlichen und emotionalen Distanz zum Konflikt 

glaub- und vertrauenswürdiger sei (Urk. 63 S. 5), so führt die konkrete Würdigung 

und Gegenüberstellung seiner Aussagen zum gegenteiligen Ergebnis. Seine ersten 

Aussagen machte er unter dem frischen Eindruck der Ereignisse, sie kommen ohne 

Übertreibungen aus und wirken durchaus zurückhaltend. Zusammengefasst lässt 

sich somit festhalten, dass die von D._____ an der zweiten Einvernahme getätigten 

Aussagen als stark verharmlosend und bagatellisierend zu werten und damit mit 

grosser Zurückhaltung zu würdigen sind.

- 11 -

2.2.3.1. Die Beschuldigte schliesslich gab im Rahmen ihrer staatsanwaltschaft-

lichen Einvernahme an, dass sie ihren Kindern manchmal einen Klaps auf den Hin-

tern oder die Oberschenkel resp. an die Füsse gebe (Urk. 3/2 S. 5 f.). An der Beru-

fungsverhandlung  gab  sie  an,  B._____  auf  den  Hintern  geschlagen  zu  haben 

(Urk. 62  S. 10).  Wie  in  der  Folge  noch  zu  zeigen  sein  wird,  äussert  sich  die  Be-

schuldigte offensichtlich stark verharmlosend. Ihre Aussagen sind mit Zurückhal-

tung zu würdigen. 

2.3.1.

Mit Blick auf die Aussagen von B._____ und von D._____ ist zunächst 

festzustellen, dass bezüglich des Kerngeschehens eine hohe inhaltliche Überein-

stimmung  zwischen  den  Aussagen  besteht.  Zudem  ist  darauf  hinzuweisen,  dass 

bereits im Bericht der Schulsozialarbeit der Stadt Winterthur vom 31. Mai 2022 fest-

gehalten  worden  war,  dass  B._____  von  wöchentlichen  Schlägen  seitens  der 

Beschuldigten mit der offenen Hand oder Gegenständen berichtet habe (Urk. 13/2 

S. 1). 

2.3.2.  Mit  Bezug  auf  den  Tatvorwurf  gemäss  Absatz  1  der  Anklage,  wonach  die 

Beschuldigte ihren Sohn B._____ im Zeitraum von ca. 2014 - 20. Juni 2022 nahezu 

wöchentlich  mit  der  offenen  Hand  mit  voller  Wucht  ins  Gesicht  oder  gegen  den 

Oberkörper oder das Gesäss geschlagen habe, lässt sich somit erstellen, dass sie 

diesen zumindest regelmässig mit der offenen Hand an die erwähnten Stellen ge-

schlagen hat. Bezüglich der Heftigkeit der Schläge ist mit der Verteidigung festzu-

halten, dass keinerlei Verletzungen oder blaue Flecken aktenkundig sind (Urk. 63 

S. 12). Somit ist von subjektiv starken, wuchtigen Schlägen auszugehen, welche 

jedoch nicht derart waren, dass sie zu wiederholten Verletzungen geführt hätten. 

Mit der Vorinstanz ist schliesslich der Tatzeitraum einzuschränken gestützt auf die 

Aussagen von D._____, wonach Gewalt ab Schuleintritt von B._____, das heisst 

seit August 2016, ein Thema gewesen sei (Urk. 4/2 S. 8), nach dem Offenlegungs-

gespräch vom 13. Januar 2020 es aber deutlich besser geworden sei und erst ab 

Frühling 2022 wieder begonnen habe (Urk. 4/2 S. 6, Urk. 49 S. 22). 

2.3.3.

Zum Vorwurf, die Beschuldigte habe B._____ wiederholt mit dem Fuss 

gegen den Körper getreten, wenn dieser auf dem Boden gelegen habe, äusserte 

sich die Beschuldigte an der Berufungsverhandlung ausführlich und demonstrierte 

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die  Situation  auf  dem  Boden.  Sie  erklärte  dabei,  wie  B._____,  wenn  er  auf  den 

Boden  gefallen  sei,  sie  an  den  Füssen  gepackt  und  sich  an  diesen  festgehalten 

habe und wie sie sich dann gewehrt habe, um ihre Füsse von seinen Händen weg-

zunehmen (Urk. 62 S. 10). Diesbezüglich fällt auf, dass die Beschuldigte in der Un-

tersuchung mit diesem Vorwurf konfrontiert nie explizit Stellung genommen hatte 

(Urk. 3/1 S. 3, Urk. 3/2 S. 5 f., Urk. 3/3) und in der Befragung bei der Vorinstanz die 

Aussage verweigerte (Prot. I S. 22). Dass sie erst an der Berufungsverhandlung 

eine  detaillierte  Erklärung  für  die  Anschuldigung  betreffend  Fusstritte  lieferte,  er-

scheint als nachgeschobene, wenig glaubhafte Erklärung. Im Gegenteil spricht der 

Umstand, dass die Beschuldigte Situationen schildert, bei denen B._____ auf dem 

Boden gelegen und sie mit ihren Füssen agiert habe, vielmehr für die Wahrheit von 

B._____s Aussagen. Der besagte Sachverhaltsabschnitt ist somit als erstellt zu er-

achten  (vgl.  allerdings  nachfolgend  unter  der  rechtlichen  Würdigung  Ziff.  IV./5.2 

betr. reformatio in peius). 

2.3.4.

Betreffend den Vorwurf, die Beschuldigte habe B._____ ca. 3-4 Mal pro 

Monat  mit  einem  Gürtel  gegen  den  Oberkörper  und  das  Gesäss  geschlagen, 

sodass  er  dadurch  rote  Striemen  erlitten  habe,  erscheinen  die  Aussagen  von 

B._____  wiederum  glaubhaft  und  authentisch.  Wenn  die  Beschuldigte  an  der 

Berufungsverhandlung  unter  Hinweis  auf  ihren  breiten  Gürtel  mit  grosser 

Gürtelschnalle geltend machte, B._____ hätte blaue Flecken gehabt, wenn sie ihn 

damit geschlagen hätte (Urk. 62 S. 11), ist dem entgegenzuhalten, dass B._____ 

ja angab, er habe "schon so Abdrücke bekommen wegen dem Gurt" (Urk. 5/3 S. 

22)  und  dass  es  nach  einem  Schlag  mit  der  Gürtelschnalle  einmal  am  Bauch-

/Rückenbereich richtig zu bluten angefangen habe (Urk. 5/3 S. 10) resp. dass es 

dort einmal rote Streifen gegeben habe (Urk. 5/3 S. 22). Den glaubhaften Aussagen 

von B._____ ist zu folgen. Er gab an, mit dem Gürtel mehrmals pro Monat, "so 3-4 

Mal" geschlagen worden zu sein (Urk. 5/3 S. 22). Die Vorfälle mit dem Gürtel seien 

"ganz früher", als er 10 oder 7 Jahre alt gewesen sei, passiert (Urk. 5/3 S. 6). Die 

Taten mit der Gürtelschnalle sind somit im Zeitraum zwischen Ende Oktober 2016 

(d.h. nach seinem 7. Geburtstag) und Ende Oktober 2019 anzusiedeln. 

- 13 -

2.3.5.

Bezüglich des Vorwurfs, die Beschuldigte habe B._____ mit einem Gür-

tel in der Hand verfolgt, worauf dieser mit dem Gesicht gegen die Bettkante gestürzt 

und sich eine leicht blutende Verletzung und ein Hämatom am linken Auge zuge-

zogen habe, ist grundsätzlich den detaillierten Schilderungen von B._____ zu fol-

gen (Urk. 5/3 S. 13). Wie noch zu zeigen sein wird, ist vorliegend darauf aber in 

Nachachtung  des  Verschlechterungsverbots  nicht  mehr  einzugehen  (vgl.  Ziff. 

IV./5.5.). 

2.3.6.

Hinsichtlich  des  Vorwurfs,  die  Beschuldigte  habe  B._____  bei  einem 

Vorfall mehrfach mit einem Staubsaugerrohr heftig gegen den Kopf geschlagen, so 

dass dieser auch am nächsten Tag noch Schmerzen am Kopf verspürt habe, ver-

mögen die Erklärungen der Beschuldigten an der Berufungsverhandlung nicht zu 

überzeugen. Diese brachte zur vermeintlichen Untermauerung ihrer Behauptung, 

dass sie beim besagten Vorfall mit dem Staubsaugerrohr nicht auf B._____s Kopf 

sondern auf dessen Tisch resp. gemäss Verteidigung auf den Fenstersims geschla-

gen habe (Urk. 62 S. 8; Prot. II S. 7), ein Staubsaugerrohr mit einem Hick mit an 

die Verhandlung (Urk. 62 S. 8 und 11), was sie natürlich nicht zu entlasten vermag, 

da die Entstehung dieses Hicks völlig offen ist. Vielmehr sind auch bei den diesbe-

züglichen Aussagen von B._____ in Übereinstimmung mit der Vorinstanz viele Re-

alitätsmerkmale auszumachen (vgl. Urk. 49 S. 19). 

2.3.7.

Die Aussagen von B._____ zum Vorwurf, die Beschuldigte habe ihn wie-

derholt mit einer Fliegenklatsche gegen den Oberkörper geschlagen, sind ebenfalls 

glaubhaft und überzeugend, insbesondere angesichts der Originalität der Anschul-

digungen (vgl. hierzu auch die Ausführungen der Vorinstanz, Urk. 49 S. 19). 

2.3.8.

Schliesslich kann auch der Vorwurf, B._____ habe angesichts der über 

einen  längeren  Zeitraum  hinweg  regelmässig  erfolgten  Schläge  unter  ständiger 

Angst vor erneuten Schlägen gelitten, als erstellt erachtet werden. Wie die Vorin-

stanz zutreffend erwog (Urk. 49 S. 21 f.), sprach B._____ zwar nur von einem Mal, 

bei  dem  er  aus  Angst  vor  der  Beschuldigten  nicht  mehr  habe  nachhause  gehen 

wollen (Urk. 5/3 S. 28), jedoch geht aus dem Umstand, dass er sich hilfesuchend 

an die Schule wandte und beispielsweise nach Schlägen der Beschuldigten wei-

nend zur Logopädin ging (Urk. 5/3 S. 23 f.), hervor, dass sich B._____ vor weiteren 

- 14 -

Gewaltakten seitens der Beschuldigten offensichtlich fürchtete, was auch nachvoll-

ziehbar ist. Dass ihn die festgehaltenen dauerhaften Misshandlungen traumatisier-

ten, zumal er diese von Seiten einer engen Bezugsperson erleiden musste, welche 

ihm  eigentlich  Schutz  und  Geborgenheit  hätte  bieten  müssen,  ist  eine  logische 

Schlussfolgerung.  Somit  gilt  auch  der  Vorwurf,  die  psychische  Gesundheit  von 

B._____ sei durch das Vorgehen der Beschuldigten schwer beeinträchtigt worden, 

als erstellt. 

2.4.1

Zusammenfassend sind die eingeklagten Vorwürfe betreffend B._____ 

als erstellt zu erachten mit den besagten Einschränkungen bezüglich der Heftigkeit 

der Schläge mit der offenen Hand und bezüglich des Deliktzeitraums, der sich auf 

die Zeit von August 2016 bis 13. Januar 2020 und von Frühling resp. April 2022 bis 

20. Juni 2022 bezieht. 

2.4.2.

Hinsichtlich  des  inneren  Sachverhalts  ergibt  sich,  soweit  die  Beschul-

digte  geständig  ist,  dass  sie  alles  mit  Wissen  und  Willen  tat:  Es  sei  seitens  der 

Schule zu vielen Reklamationen gekommen und B._____ habe oft provoziert. Da 

habe sie sich enerviert und "Klapse" gegeben (Urk. 62 S. 9 f.). Dies muss auch für 

die nicht eingestandenen Taten gelten, unterscheiden sich diese doch lediglich gra-

duell von den eingestandenen Taten. Dass die erstellten Tathandlungen bei Kin-

dern zu den erstellten Tatfolgen führen ist allgemein bekannt und war somit auch 

der Beschuldigten bekannt. Indem sie in diesem Wissen trotzdem handelte nahm 

sie die Tatfolgen zumindest in Kauf.

3.  Schläge zum Nachteil von C._____

3.1. Bezüglich C._____ wird der Beschuldigen vorgeworfen, diesen im Zeitraum 

von ca. 2017 bis. 20. Juni 2020 nahezu wöchentlich mit der offenen Hand mit voller 

Wucht  ins  Gesicht  oder  gegen  den  Oberkörper  oder  das  Gesäss  geschlagen  zu 

haben (Urk. 49 S. 2). 

3.2.1.

Die Anklage fusst in diesem Punkt im Wesentlichen auf den belastenden 

Aussagen von B._____. Auf die Frage wie die Mutter reagiere, wenn sie etwas an 

ihm  störe,  gab  er  zur  Antwort,  dass  diese  dann  überreagiere.  Sie  haue  ihn  und 

- 15 -

schreie herum. Auf Nachfrage, ob dies auch mit C._____ passiere gab er zur Ant-

wort "Ja, eigentlich schon" (Urk. 5/3 S. 4). Nach konkreten Beispielen befragt gab 

er an, dass er einmal ein Trinkglas verschüttet habe und C._____ durch die dadurch 

entstandene Pfütze gelaufen sei, woraufhin sie diesem dann mit der offenen Hand 

mehrere Schläge auf den Rücken verpasst habe. Nach der Heftigkeit der Schläge 

befragt gab er an, dass es sich dabei mehr um Klapse denn schwungvolle Schläge 

gehandelt habe (Urk. 5/3 S. 7). Von diesen Schlägen habe er auch Verletzungen 

davon getragen, konkret konnte er sich allerdings nur an ein Ereignis erinnern als 

C._____ von den Fingernägeln der Mutter Kratzspuren im rechten Rippenbereich 

davongetragen habe (Urk. 5/3 S. 28). Auch in diesem Punkt gilt mit Bezug auf seine 

Aussagen, dass sie klar, detailliert und damit glaubhaft erscheinen. Sie erscheinen 

differenziert,  zurückhaltend,  frei  von  Übertreibungen  und  ohne  Lügensignale.  So 

beschrieb er insbesondere die Art der Schläge sehr präzise und konnte deren Un-

terschiede mit Bezug auf ihn und seinen Bruder C._____ anschaulich darstellen, 

namentlich dass diejenigen, welche seinem Bruder verpasst wurden, weit weniger 

heftig gewesen seien als diejenigen welche er abbekommen habe (Urk. 5/3 S. 8 f.). 

3.2.2.1. C._____s  Vater,  D._____,  wurde  erstmals  unmittelbar  nach  der 

polizeilichen  Intervention  befragt.  Nachdem  er  anfänglich  generell  von  Gewalt 

gegenüber  den  Kindern  sprach,  gab  er  mit  Bezug  auf  C._____  an,  dass  die 

Beschuldigte,  so  viel  er  wisse,  diesem  Klapse  auf  das  Gesäss  gegeben  habe, 

wobei er selbst nichts gesehen habe (Urk. Urk. 4/1 S. 3). Doch habe ihm C._____ 

erzählt, dass er von der Beschuldigten Schläge auf den Hintern bekommen habe. 

Nach der Häufigkeit befragt gab er lediglich "sporadisch" an, wobei manchmal auch 

zwei  Monate  nichts  gewesen  sei  (Urk.  4/1  S.  4).  Diese  Ausführungen  sind  klar, 

widerspruchsfrei, zurückhaltend und insgesamt glaubhaft. 

3.2.2.2.

Als Auskunftsperson befragt gab er später an, dass er die Gewaltanwen-

dungen in der Regel nicht mit eigenen Augen gesehen habe sondern jeweils dazu 

geeilt, jedoch zu spät gewesen sei, um die Gewalt zu verhindern. Es habe dann in 

der Zeit zwischen der Offenlegung während rund zwei Jahren Ruhe geherrscht und 

es sei zu keinen Vorfällen gekommen (Urk. 4/2 S. 4 f.). Verletzungen habe C._____ 

- 16 -

von den Schlägen nie davon getragen (Urk. 4/2 S. 8). In Bezug auf C._____ machte 

D._____ grundsätzlich gleichlautende Aussagen wie bereits bei der Polizei. 

3.2.3.

Die Beschuldigte gab im Rahmen ihrer staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme  an,  dass  sie  ihren  Kindern  manchmal  einen  Klaps  auf  die  Oberschenkel 

oder den Hintern verpasst habe, sie habe zwei schwierige Kinder (Urk. 3/2 S. 5 f.). 

In der Schlusseinvernahme zog sie dieses Geständnis zurück und machte geltend, 

dass sie C._____ nie geschlagen habe (Urk. 3/3 S. 4). Dabei blieb sie auch an der 

Berufungsverhandlung, wo sie ausführte, wie C._____ mit vielen Krankheiten ge-

boren worden sei und er viel Freude ins Haus gebracht habe, sodass man ihn nicht 

anschreien könne, sie habe ihn nicht angefasst (Urk. 62 S. 9). Gleich darauf folgend 

gab sie an, dass wenn man C._____ anschreie, sich B._____ gleich dazwischen 

stelle (ebd.). Unter Berücksichtigung dieses widersprüchlichen und ausweichenden 

Aussageverhaltens kommt den Aussagen der Beschuldigten keine hohe Glaubhaf-

tigkeit zu. 

3.3.1.

Die  belastenden  Aussagen  von  B._____  finden  in  denjenigen  von 

D._____ insofern Bestätigung,  als es  zu  Schlägen der  Beschuldigten  gegenüber 

C._____ gekommen war. Dass diese - wie in der Anklage festgehalten - mit voller 

Wucht ausgeführt worden sind, ergibt sich weder aus den Akten noch wurde dies 

von  B._____  behauptet.  Er  gab  darauf  angesprochen  an,  es  habe  sich  um  sehr 

laute, schmerzhafte Klapse gehandelt (Urk. 5/3 S. 8). Hinsichtlich der körperlichen 

Lokalisierung  der  Schläge  lässt  sich  der  Anklagesachverhalt  einzig  bezüglich 

Schlägen auf den Oberkörper (Urk. 5/3 S. 7, 9, 28) und das Gesäss (Urk. 5/3 S. 9) 

erstellen.  Betreffend  Schläge  an  den  Kopf  fielen  die  Aussagen  von  B._____  zu 

ungenau aus. Einerseits verneinte er Schläge gegen den Kopf, gab jedoch an, dass 

die Beschuldigte, wenn es wichtig gewesen sei, mit der geschlossenen Hand fest 

an die Stirn geklopft habe und zwar ausdrücklich auch bei C._____ (Urk. 5/3 S. 9). 

Aufgrund der unklaren Angaben und mangels anderer konkreten Belastungen sind 

zu  Gunsten  der  Beschuldigten  Schläge  gegen  den  Kopf  von  C._____  nicht  als 

erstellt zu erachten. 

3.3.2.

Auch  in  zeitlicher  Hinsicht  lässt  sich  der  Sachverhalt  nicht  zur  Gänze 

erstellen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, dient als Hinweis die Schilde-

- 17 -

rung von B._____, gemäss welcher er einmal ein Glas Wasser ausgeschüttet habe, 

C._____ durch die Pfütze gelaufen sei und die Beschuldigte darauf C._____ ge-

schlagen habe (Urk. 49 S. 23, mit Hinweis auf Urk. 5/3 S. 6). Dass es "erst einige 

Jahre nach 2017 zu Handgreiflichkeiten zum Nachteil von C._____ gekommen" sei 

(Urk. 49 S. 23), wird jedoch von der Vorinstanz zu ungenau umschrieben. Mit Blick 

auf den Anhaltspunkt, dass C._____ beim konkret umschriebenen Vorfall bereits 

gehen konnte, und unter Berücksichtigung, dass C._____s körperliche und geistige 

Entwicklung  etwas  verlangsamt  ist,  scheint  es  überzeugend,  von  einem  Tatzeit-

raum ab Anfang 2019 auszugehen. Gestützt auf die Aussagen von D._____, wo-

nach es nach dem Offenlegungsgespräch und während der Coronazeit ruhig ge-

wesen sei und es erst im Frühjahr 2022 wieder zu Übergriffen gekommen sei (Urk. 

4/1 S. 5, Urk. 4/2 S. 5), ist der vorinstanzlich ermittelte Tatzeitraum weiter einzu-

schränken auf die Zeit ab Anfang 2019 bis 13. Januar 2020 und von Frühling resp. 

April 2022 bis 20. Juni 2022. 

3.3.3.

Mit Bezug auf den Tatvorwurf gemäss Absatz 1 der Anklage lässt sich 

somit erstellen, dass die Beschuldigte ihrem Sohn C._____ im ebengenannten Zeit-

raum regelmässig mit der offenen Hand laute und schmerzhafte Klapse gegen den 

Oberkörper und das Gesäss gegeben hat. Die Vorinstanz sieht es weiter als erstellt 

an, dass C._____ Verletzungen in Form von roten Striemen von den Fingernägeln 

der Beschuldigten davontrug (Urk. 49 S. 21). Dies wirft die Anklage der Beschul-

digten indes nicht vor, weshalb dies der weiteren Beurteilung nicht zu Grunde ge-

legt werden darf.

3.4. Schliesslich wirft die Anklage in Absatz 9 der Beschuldigten auch bezüglich 

C._____ vor, dass dieser unter ständiger Angst gelebt habe, erneut geschlagen zu 

werden, und dass C._____ sich gegenüber seinem Bruder B._____ dahingehend 

geäussert  habe,  dass  die  Beschuldigte  ihn  töten  werde.  B._____  gab  bei  seiner 

Einvernahme an, C._____ habe einmal zu ihm gesagt "Mami wird mich töten". Er 

habe sich wie in einem Horrorfilm gefühlt (Urk. 5/3 S. 28). Aus dieser diffusen und 

allgemeinen  Angabe  allein  lässt  sich  mit  Bezug  auf  den  Anklagevorwurf  jedoch 

nichts  konkretes  ableiten.  Weitere  Hinweise,  welche  darauf  schliessen  liessen, 

dass C._____ unter ständiger Angst vor erneuten Schlägen der Beschuldigten litt 

- 18 -

und dass ihn die Misshandlungen traumatisierten, können den Akten nicht entnom-

men  werden.  Wohl  liegt  die  Vermutung  nahe,  dass  auf  Grund  der  zahlreichen 

Klapse auch C._____ in ständiger Angst gelebt hat. Um den Anklagevorwurf als mit 

an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt zu erachten, reicht dies aber 

nicht. 

3.5. Bezüglich des inneren Anklagesachverhalts ist festzuhalten, dass es der Be-

schuldigten bewusst sein musste, dass die Klapse gegen den Oberkörper und das 

Gesäss schmerzhaft waren und sie dies zumindest auch in Kauf nahm.

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Die Vorinstanz qualifizierte die Handlungen der Beschuldigten als mehrfache 

qualifizierte einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung 

mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum Nachteil von B._____, als qualifizierte einfache Körper-

verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum 

Nachteil  von  C._____  und  als  mehrfache  Verletzung  der  Fürsorge-  oder  Erzie-

hungspflicht im Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB (Urk. 49 S. 46). 

2.

Die Verteidigung will das Verhalten der Beschuldigten, ausgehend von einem 

Sachverhalt, wonach diese ihrem Sohn B._____ lediglich sporadische Klapse ver-

passt habe, als qualifizierte Tätlichkeiten qualifiziert wissen. Hinsichtlich sämtlicher 

übriger Vorwürfe sieht die Verteidigung den Sachverhalt als nicht erstellt an und 

beantragt diesbezüglich je Freisprüche (Urk. 41 S. 19 ff., Urk. 50 S. 2, Urk. 63 S. 2 

und 16 f.). 

3.

Die Vorinstanz hat den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Handlungen zum 

Nachteil  von  B._____  als  schwere  Körperverletzung  zu  qualifizieren,  verworfen 

(Urk. 49 S. 23 ff.). Darauf kann nicht mehr zurückgekommen werden. 

4.

Im  Vordergrund  stehen  somit  die  Tatbestände  der  einfachen  Körperverlet-

zung und der Tätlichkeiten. Diese grenzen sich folgendermassen voneinander ab: 

Der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht 

sich  strafbar,  wer  vorsätzlich  einen  Menschen  in  anderer  Weise  an  Körper  oder 

- 19 -

Gesundheit  schädigt.  In  anderer  Weise  schädigt  der  Täter  jemanden  an  Körper 

oder Gesundheit, wenn die Verletzung weder die Voraussetzungen einer schweren 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB noch diejenigen einer Tätlichkeit im 

Sinne von Art. 126 StGB erfüllt (Donatsch, OFK StGB, Art. 123 N 1). Eine einfache 

Körperverletzung ist in Abgrenzung zur Tätlichkeit gegeben, wenn nicht mehr bloss 

eine  harmlose  Beeinträchtigung  der  körperlichen  Integrität  oder  des  gesund-

heitlichen Wohlbefindens gegeben ist. Die körperliche Integrität ist dann im Sinne 

einer  einfachen  Körperverletzung  beeinträchtigt,  wenn  innere  oder  äussere  Ver-

letzungen  oder  Schädigungen  zugefügt  werden,  die  mindestens  eine  gewisse 

Behandlung und Heilungszeit erfordern, sofern sie um einiges über blosse Kratzer 

hinausgehen. Bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratzwunden oder Prellungen ist die 

Abgrenzung der einfachen Körperverletzung zum Tatbestand der Tätlichkeiten be-

grifflich  nur  schwer  möglich  (BGE  134  IV  189  E.  1.3  mit  Hinweisen).  Auf  blosse 

Tätlichkeiten ist zu erkennen, wenn Schürfungen, Kratzwunden, Quetschwunden 

oder bloss blaue Flecken so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen 

und ausheilen (Roth/Berkemeier, BSK StGB, Art. 123 N 3 f.). Die Tätlichkeit wird 

gegenüber der einfachen Körperverletzung somit dadurch abgegrenzt, dass diese 

gerade keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge hat (Roth/ 

Keshelava, BSK StGB, Art. 126 N 5). Typische Beispiele für Tätlichkeiten sind z.B. 

Faustschläge, Fusstritte, heftige Stösse, Bewerfen mit Gegenständen von einigem 

Gewicht. Selbst leichte gesundheitliche Beeinträchtigungen, welche ein deutliches, 

freilich  vorübergehendes  Missbehagen  verursachen,  sind  als  Tätlichkeiten  zu 

werten  (Roth/Keshelava,  BSK  StGB,  Art.  126  N  3  f.).  Die  Abgrenzung  zwischen 

Tätlichkeiten  und  einfacher  Körperverletzung  gilt  als  schwierig,  weshalb  sich  der 

Richter  auf  sein  Erfahrungswissen  berufen  und  seine  eigene  Wertung  in  die 

Würdigung einbringen darf (vgl. Roth/Berkemeier, BSK StGB, Art. 123 N 6 mit Ver-

weisen).  Dem  Richter  steht  somit  ein  relativ  grosses  Ermessen  zu  (Roth/ 

Keshelava,  BSK  StGB,  Art.  126  N  5.).  Tätlichkeiten  sind  einerseits  nach  "unten" 

abzugrenzen  zu  den  harmlosen,  noch  nicht  strafwürdigen  "Rempeleien"  sowie 

gegen "oben" zu den als Vergehen geltenden Körperverletzungen. Damit nur schon 

eine  Tätlichkeit  vorliegt,  muss  mithin  eine  gewisse  Intensität  erreicht  werden 

(Roth/Keshelava, BSK StGB, Art. 126 N 2 f.).

- 20 -

5.

Taten zum Nachteil von B._____

5.1. Absatz 1 (Schläge mit der offenen Hand)

Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  geht  es  hier  um  regelmässige,  subjektiv  starke 

Schläge ins Gesicht, gegen den Oberkörper und das Gesäss, welche jedoch nicht 

derart waren, dass sie zu wiederholten Verletzungen geführt hätten. Die Vorinstanz 

sieht darin den Tatbestand der mehrfachen qualifizierten Körperverletzung in Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB als erfüllt (Urk. 49 S. 26 - 

28). Da, wie oben erwähnt, der Tatbestand der einfachen Körperverletzung nebst 

der Einwirkung auf den Körper auch eine Schädigung desselben voraussetzt, die 

mindestens  eine  gewisse  Behandlung  und  Heilungszeit  erfordert,  fällt  vorliegend 

diese  Qualifikation  ausser  Betracht,  da  in  der  Anklage  keine  Folgen  aufgeführt 

werden. Indessen liegt die jeweilige Intensität der Schläge klar über derjenigen von 

straflosen  Rempeleien.  Die  Schläge  der  Beschuldigten  sind  in  diesem  Anklage-

punkt als mehrfache Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB zu qualifizieren. Zur 

Frage der Konkurrenz ist unter den weiteren Tatbeständen Stellung zu nehmen. 

5.2. Absatz 2 (Fusstritte gegen den Körper) 

Grundsätzlich gilt dazu das eben zu den Schlägen mit der Hand Ausgeführte. Zwar 

sieht die Vorinstanz den Vorwurf des mehrfachen Tretens mit dem Fuss bei einem 

Vorfall als erstellt an (Urk. 49 S. 21). Im Rahmen der vorinstanzlichen rechtlichen 

Würdigung  findet  dieser  Anklagevorfall  indessen  keine  Erwähnung  mehr  (vgl. 

Urk. 49 S. 26 f.). Demzufolge wurde die Beschuldigte in diesem Punkt nicht verur-

teilt. In Nachachtung des Verschlechterungsverbots darf somit auch im Berufungs-

verfahren diesbezüglich keine Verurteilung erfolgen. 

5.3. Absatz 3 (Schläge mit dem Gürtel) 

Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  hat  die  Beschuldigte  ihrem  Sohn  B._____  durch 

das Schlagen mit dem Gürtel an Oberkörper und Gesäss rote Striemen zugefügt. 

Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 49 S. 26) sind die Gürtelschläge, 

welche  bei  B._____  höchstens  Striemen  verursachten,  noch  als  Tätlichkeiten  im 

Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. 

- 21 -

5.4. Absatz 4 (Schlag mit dem Gürtel und blutende Verletzung)

Hinsichtlich  des  erstellten  Sachverhalts,  gemäss  welchem  die  Beschuldigte 

B._____ durch das Schlagen mit dem Gürtel einmal eine blutende Verletzung am 

Oberkörper  zufügte,  ist  der  Vorinstanz  beizupflichten,  wenn  sie  damit  das  Mass 

blosser Tätlichkeiten als klar überschritten erachtet (Urk. 49 S. 26). Im Gegensatz 

zu blossen roten Striemen sind blutende Verletzungen nicht bloss vorübergehender 

Natur und nicht in kürzester Zeit ausgeheilt. Dieser Anklagepunkt ist somit als ein-

fache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 StGB zu qualifizieren. 

5.5. Absatz 5 (Sturz gegen die Bettkante)

Die Vorinstanz hielt zu diesem Vorwurf fest, dass dieser Vorfall nicht der Beschul-

digten angelastet werden könne, da dieser von ihr weder beabsichtigt noch vorher-

sehbar gewesen sei (Urk. 49 S. 27). Damit hat sie den Beschuldigten materiell von 

diesem  Vorwurf  freigesprochen.  Wegen  des  Verbotes  der  reformatio  in  peius  ist 

dieser Entscheid verbindlich. 

5.6. Absatz 6 (Schlag mit dem Staubsaugerrohr) 

Gemäss erstelltem Sachverhalt schlug die Beschuldigte B._____ bei einem Vorfall 

mehrfach mit dem Staubsaugerrohr heftig gegen den Kopf, so dass dieser auch am 

nächsten Tag noch Kopfschmerzen hatte. Im Lichte der oben angeführten Abgren-

zungskriterien ist dieser Vorfall angesichts der zugefügten starken und lange an-

dauernden Schmerzen als einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 

Abs. 3 StGB zu qualifizieren. 

5.7. Absatz 7 (Schläge mit der Fliegenklatsche)

Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  hat  die  Beschuldigte  B._____  wiederholt  mit  der 

Fliegenklatsche gegen den Oberkörper geschlagen. Von Folgen ist in der Anklage 

nicht die Rede. Wenn die Vorinstanz in diesen Handlugen blosse Tätlichkeiten (Urk. 

49 S. 26) sieht, ist dieser Qualifikation beizupflichten, übersteigt doch der Schlag 

mit einer Fliegenklatsche in ihrer Intensität die noch straflose "Rempelei", wobei auf 

- 22 -

Grund des Verschlechterungsverbots eine strengere Qualifikation ohnehin nicht in 

Frage kommt.

5.8. Absatz 9 (psychische Einwirkungen) 

Gemäss erstelltem Sachverhalt litt B._____ angesichts der besagten Misshandlun-

gen an stetiger Angst. In ihrer Gesamtheit habe ihn das alles schwer traumatisiert 

und sei die psychische Gesundheit schwer geschädigt worden. Die Vorinstanz qua-

lifizierte dies als einfache qualifizierte Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 

1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB und nicht als schwere Körperverletzung, da 

die notwendige schwere Intensität nicht erwiesen sei (Urk. 49 S. 30). Die Verteidi-

gung hielt dagegen, dass keine Hinweise vorlägen, welche einer psychischen Be-

einträchtigung im Sinne eines krankhaften Zustandes gleichkämen (Urk. 63 S. 17). 

B._____  hat  eindrücklich  beschrieben,  wie  er  in  ständiger  Angst  vor  der  Mutter 

lebte. Daraus folgt, dass er nicht nur gelegentlich, etwa nach verabreichten Schlä-

gen  oder  in  konfliktreichen  Situationen,  Angst  hatte  sondern  über  den  gesamten 

Deliktszeitraum hinweg (Urk. 5/3 S. 27). Bezeichnend für diese konstante Angst vor 

der Beschuldigten ist die von B._____ beschriebene Begebenheit, wonach er aus 

einem Zimmer ein "klüpfen" gehört habe und er davon ausgegangen sei, dass die 

Beschuldigte mit dem Messer auf den Vater losgegangen sei, worauf er "Papi" ge-

rufen habe und in das Zimmer gerannt sei, wo er die Beschuldigte alleine liegend 

gesehen habe (Urk. 5/3 19 f.). Wer bei einem Klopfgeräusch aus dem Elternzimmer 

nicht  einen  üblichen  Grund  wie  etwa  eine  zugeschlagene  Türe  sondern  einen 

gewalttätigen Messerübergriff vermutet, tut dies nicht ohne Grund. Angesichts der 

gesamten Umstände kommt dafür einzig eine stets und dauernd vorhandene Angst 

in  Frage,  dass  die  Beschuldigte  einem  Familienmitglied  etwas  Schlimmes  antun 

könnte.  Damit  ist  auch  in  psychischer  Hinsicht  die  Grenze  zur  Tätlichkeit  klar 

überschritten, eine strengere Qualifikation kommt auf Grund der vorinstanzlichen 

Erwägungen nicht mehr in Frage. Dieser Anklagepunkt ist als einfache Körperver-

letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 StGB zu qualifizieren. 

5.9.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die physischen Übergriffe 

als  in  ihrer  Gesamtheit  auch  psychischer  Übergriff  durch  letzteren  konsumiert 

werden. Konsumtion liegt dann vor, wenn der eine Tatbestand nicht mit allen ein-

- 23 -

zelnen Merkmalen, wohl aber wertmässig, dem Verschulden und Unrecht nach, in 

anderen enthalten ist (Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, § 18 N 5). Struk-

turell ist die Konsumtion ihren Geschwisterregeln der Spezialität/Subsidiarität sehr 

ähnlich.  Das  lässt  sich  an  der  Spezialität  leicht  illustrieren.  Spezialität  bedeutet, 

dass eine Norm eine andere ganz enthält, und noch mehr. So ist etwa die vorsätz-

liche Tötung immer im Mord enthalten. Während also Spezialität anzunehmen ist, 

wenn eine Norm immer eine andere ganz enthält, und noch mehr, soll nach herr-

schender Lehre Konsumtion dann infrage kommen, wenn der zurücktretende Tat-

bestand doch wenigstens eine typische oder regelmässige Begleiterscheinung des 

vorgehenden Delikts darstellt. Man spricht gelegentlich auch vom «Regeltatbild», 

welches die vorrangige Norm (mit)verkörpern müsse. Zusätzlich soll Konsumtion 

voraussetzen, dass die zurücktretende Rechtsverletzung im Vergleich zur vorge-

henden Strafnorm relativ unbedeutend ist, sodass auch die Sinnhaftigkeit einer zu-

sätzlichen Bestrafung zweifelhaft erscheint (Vogler Patrick, Der Schockschaden im 

Strafrecht, Zürich - Basel - Genf 2020, S. 179).

Vorliegend sind die gegenüber B._____ begangenen Tätlichkeiten typische und re-

gelmässige Begleiterscheinungen der psychischen Körperverletzung, jedoch nicht 

ausschliessliche, da andere Regeltatbilder, wie etwa das Anschreien oder schika-

nöse Verhalten, ohne weiteres zum selben Resultat führen. Somit werden die als 

blosse  Tätlichkeiten  zu  qualifizierende  Taten  durch  die  psychische  Körperverlet-

zung  konsumiert,  nicht  jedoch  die  physischen,  da  diese  im  Vergleich  zu  den 

psychischen Körperverletzungen nicht unbedeutend, sondern gleichwertig sind. 

6.

Taten zum Nachteil von C._____

6.1. Die Vorinstanz hat die Schläge gegenüber C._____ als Tätlichkeiten qualifi-

ziert (Urk. 49 S. 24). 

Gemäss erstelltem Sachverhalt ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte ihren 

Sohn C._____ in der Zeit ab Anfang 2019 bis 13. Januar 2020 und von Frühling 

resp. April 2022 bis 20. Juni 2022 regelmässig schlug, indem sie ihm mit der offe-

nen Hand laute und schmerzhafte Klapse gegen den Oberkörper oder das Gesäss 

verabreichte. Damit ist einerseits die Grenze zur straflosen "Rempelei" klar über-

- 24 -

schritten, andererseits ist die Grenze zur Körperverletzung noch nicht erreicht, da 

die  Schläge  keine  Folgen  zeitigten,  welche  eine  gewisse  Behandlung  oder  Hei-

lungszeit erforderten. Die Beschuldigte ist somit der mehrfachen Tätlichkeiten im 

Sinne von Art. 126 zum Nachteil von C._____ schuldig zu sprechen. 

6.2. Wie oben ausgeführt lässt sich der Sachverhalt bezüglich des Tatvorwurfs der 

psychischen Einwirkung nicht erstellen. 

7.

Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht

Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorin-

stanz verwiesen werden, insbesondere auch was die Frage der Konkurrenz anbe-

langt (Urk. 49 S. 30). Die Verteidigung wendet dagegen ein, dass der Tatbestand 

nicht  erfüllt  sei,  weil  bis  heute  keine  Anzeichen  psychischer  Beeinträchtigungen 

oder  Entwicklungsstörungen  aufgrund  der  Handgreiflichkeiten  der  Beschuldigten 

vorlägen. Zudem sei die psychische Belastung bereits mit der Verurteilung wegen 

Körperverletzung abgegolten (Urk. 63 S. 18). 

Dabei verkennt die Verteidigung, dass bereits die Gefährdung der körperlichen und 

seelischen Entwicklung tatbestandsmässig ist. Eine Verletzung ist nicht erforder-

lich.  Zudem  verzichtete  der  Gesetzgeber  bewusst  darauf,  eine  "schwere"  Ver-

letzung zu fordern (Trechsel, PK StGB, Art. 219 N 4). Die Anforderungen an die 

Erfüllung dieses Tatbestands sind damit tief. So sieht die Praxis den Tatbestand 

bereits bei ständigem Anschreien der Kinder als erfüllt an (a.a.O., Art. 219 N 3). 

Dies gilt erst recht für ständiges Schlagen. Sodann wird die Verletzung der Fürsor-

gepflicht auch nicht durch die Körperverletzung/Tätlichkeiten konsumiert, wie dies 

die Verteidigung sinngemäss geltend macht. Die beiden Tatbestände schützen un-

terschiedliche Rechtsgüter und sind gleichwertig. Keiner der beiden tritt gegenüber 

dem  anderen  in  den  Hintergrund  (vgl.  dazu  die  Ausführungen  oben  unter 

Ziff. IV./5.9.). Die Beschuldigte somit ist der mehrfachen Verletzung der Fürsorge- 

und Erziehungspflicht im Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

8.

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass die Beschuldigte wegen

- 25 -

-

mehrfacher einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Ver-

bindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum Nachteil von B._____, das heisst wegen 

mehrfacher physischer Verletzung (Absatz 4 betr. Gürtel mit Verletzung und 

Absatz 6 betr. Staubsaugerrohr) und einfacher psychischer Verletzung (Ab-

satz 9; dadurch konsumiert die Tätlichkeiten gemäss Absätze 1, 3 und 7),

-

-

mehrfacher Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB zum Nachteil von 

C._____ (Absatz 1) sowie

Verletzung  der  Fürsorge-  oder  Erziehungspflicht  im  Sinne  von  Art. 219 

Abs. 1 StGB

schuldig zu sprechen ist.

V. Sanktion

1.

Die  Vorinstanz  bestrafte  die  Beschuldigte  mit  einer  Freiheitsstrafe  von 

14 Monaten  (Urk.  49  S.  46),  die  Verteidigung  beantragt  die  Bestrafung  mit  einer 

Busse von maximal Fr. 1'500.– (Urk. 63 S. 2). 

2.

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE  136  IV  55  E.  5.4  ff.  S.  59  ff.  mit  Hinweisen).  Entsprechendes  gilt  für  die 

Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung 

des  Asperationsprinzips  (BGE  144  IV  313  E.  1.1  S.  316  ff.,  217  E. 2.2  und  E. 3 

S. 219 ff.; 141 IV 61 E. 6.1.2 S. 67 f.; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen 

werden.

Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleich-

artige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, 

wenn  mehrere  gleichartige  Strafen  ausgesprochen  werden.  Mehrere  gleichartige 

Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm-

verstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzuwendenden Strafbe-

stimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 142 IV 265 

E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit Hinweisen). Wie zu zeigen sein 

- 26 -

wird, sind für sämtliche Delikte Freiheitsstrafen auszufällen. Damit sind die Voraus-

setzungen für die Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe gegeben.

3. Wahl Sanktionsart/Strafrahmen

3.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit 

einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf die Täterin und ihr soziales Um-

feld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2 S. 100 

mit  Hinweisen).  Nach  dem  Prinzip  der  Verhältnismässigkeit  soll  nach  konstanter 

Rechtsprechung  bei  alternativ  zur  Verfügung  stehenden  und  hinsichtlich  des 

Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, 

die  weniger  stark  in  die  persönliche  Freiheit  des  Betroffenen  eingreift  (BGE  138 

IV 120  E.  5.2  S.  123;  Urteil  6B_125/2018  vom  14.  Juni  2018  E.  1.3.2;  je  mit 

Hinweis). 

Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101). Sie 

wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die per-

sönliche  Freiheit  (BGE  138  IV  120  E.  5.2  S.  123;  134  IV  97  E.  4.2.2  S.  101,  82 

E. 7.2.2 S. 90). Am Vorrang der Geldstrafe hat der Gesetzgeber im Rahmen der 

erneuten Revision des Sanktionenrechts entgegen der ursprünglichen Stossrich-

tung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 S. 237 f. mit Hinweisen). Art. 41 StGB 

statuiert  diese  Priorität.  Eine  kurze  Freiheitsstrafe  anstelle  einer  Geldstrafe  von 

höchstens 180 Tagessätzen ist unter anderem zulässig, wenn eine solche geboten 

erscheint,  um  den  Täter  von  der  Begehung  weiterer  Verbrechen  oder  Vergehen 

abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB). 

3.2. Für die zur Beurteilung stehenden Delikte stehen die zur Anwendung gelan-

genden Tatbestände (Art. 123 StGB, Art. 219 Abs. 1 StGB) Freiheitsstrafe (bis zu 

drei Jahren) oder Geldstrafe vor. Die Tätlichkeiten sind ausschliesslich mit Bussen 

zu bestrafen (Art. 126 StGB). 

3.3. Die Vorinstanz ging bei der Gesamtstrafenbildung von der mehrfachen einfa-

chen  Körperverletzung  als  schwerstem  Delikt  aus,  fällte  dafür  eine  Einsatzstrafe 

- 27 -

aus,  asperierte  diese  mit  den  weiteren  Sanktionen  und  fällte  schliesslich  eine 

14 monatige Freiheitsstrafe (Urk. 49 S. 35 f.).

3.4. Die  mehrfache  Körperverletzung  ist,  ebenso  wie  die  mehrfachen  Tätlich-

keiten, kein eigenständiger Tatbestand welcher mehrere Einzeldelikte umfasst, wie 

dies etwa bei gewerbsmässigen Delikten der Fall ist. Vielmehr hat die Beschuldigte 

mit  jeder  Einzelhandlung,  sprich  jedem  einzelnen  Schlag,  den  Tatbestand  erfüllt 

und  sich  mithin  sehr  vieler  verschiedener  Taten  schuldig  gemacht.  In  BGE 144 

IV 217 hielt das Bundesgericht fest, dass eine Gesamtbetrachtung aller Taten oder 

die  Bildung  von  Deliktsgruppen  zur  Strafartbestimmung  im  Ergebnis  auf  eine 

(selektive) Aufgabe der Gesamtstrafe nach dem Asperationsprinzip zugunsten der 

gesetzlich  nicht  vorgesehenen  "Einheitsstrafe"  hinauslaufe.  Ein  derartiges  Vor-

gehen bedeute gleichzeitig die Wiedereinführung der aufgegebenen Rechtsfiguren 

des  fortgesetzten  Delikts  und  der  verjährungsrechtlichen  Einheit  auf  der  Straf-

zumessungsebene, was das Bundesgericht explizit für unzulässig erklärt hat (vgl. 

BGE 131 IV 83 E. 2.4.1). Zudem habe der Gesetzgeber aufgrund der Aufgabe der 

Rechtsfigur  der  fortgesetzten  Tat  durch  das  Bundesgericht  im  Rahmen  der 

Konkurrenzen  explizit  auf  eine  Regelung  des  Fortsetzungszusammenhangs  ver-

zichtet.  Die  Kriterien  und  Voraussetzungen  für  eine  (ausnahmsweise)  von  der 

konkreten  Methode  abweichende  Gesamtbetrachtung  mehrerer  Delikte  und  die 

Schaffung von Deliktsgruppen seien unklar. Es lasse sich erst nach einer Einzel-

strafzumessung beurteilen, ob und welche Delikte gleich schwer wiegen. Auch sei 

im Rahmen der Gesamtstrafenbildung dem Verhältnis der einzelnen Taten unter-

einander, ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder geringeren Selbständigkeit 

sowie  der  Gleichheit  oder  Verschiedenheit  der  verletzten  Rechtsgüter  und 

Begehensweisen  Rechnung  zu  tragen.  Der  Grundsatz,  dass  der  Gesamtschuld-

beitrag  des  einzelnen  Delikts  geringer  zu  veranschlagen  ist,  wenn  die  Delikte 

zeitlich,  sachlich  und  situativ  in  einem  engen  Zusammenhang  stehen,  werde 

hingegen  bei  einer  Gesamtbetrachtung  zum  Nachteil  des  Täters  durch  einen 

Strafartwechsel strafschärfend gewichtet, anstatt geringer veranschlagt zu werden 

(BGE 144 IV 217 E. 3.5.4.).

- 28 -

3.5. Die strikte Nachachtung dieser Grundsätze erweist sich indes gerade in Kon-

stellationen wie der vorliegenden als nicht praktikabel, alleine schon deshalb, weil 

über die Jahre hunderte von identischen Taten begangen wurden, deren genaue 

Zahl aber nicht feststeht. 

3.6. Auch wegen Fallkonstellationen wie der vorliegenden hat das Bundesgericht 

mit  Urteil  6B_483/2016  grundsätzlich  Ausnahmen  von  der  konkreten  Methode 

im Einzelfall als zulässig erklärt (E. 2.4 mit Hinweisen und E. 4.3). So etwa wenn 

- unter  Beachtung  des  Verhältnismässigkeitsprinzips  im  Rahmen  von  Art. 41 

StGB - bei der Bildung einer Gesamtstrafe als Einsatzstrafe für die schwerste Straf-

tat eine Freiheitsstrafe festgesetzt und deren Dauer für die weiteren Delikte ange-

messen erhöht wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_849/2016 vom 9. Dezember 

2016 E. 1.3.2; 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.3), oder wenn verschiedene 

Straftaten zeitlich und sachlich derart eng miteinander verknüpft sind, dass sie sich 

nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein beurteilen lassen (Urteil des Bundes-

gerichts  6B_1011/2014  vom  16.  März  2015  E.  4.4;  Urteil  des  Obergerichts  des 

Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 10. Januar 2019 [SB180398], E. III./4.). Allem 

zum Trotz hat indessen das Bundesgericht mit BGE 144 IV 217 (Entscheid vom 

30. April  2018)  die  vorstehend  skizzierte  Rechtsprechung  revidiert  und  entschie-

den, künftig keine Ausnahmen von der konkreten Methode mehr zuzulassen. 

3.7. Wer die Entwicklung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in dieser Frage 

nach  den  erwähnten  Entscheiden  144  IV  217  und  313  verfolgt,  erhält  indes  den 

Eindruck,  dass  diese  trotz  diesem  Grundsatzentscheid  nicht  mehr  in  jedem  Fall 

bereit ist, unbillige Ergebnisse in der Strafzumessung hinzunehmen. So bestätigte 

es  zwar  in  seinem  Grundsatzentscheid  6B_382/2021  vom  25.  Juli  2022  seine 

Praxis  mit  Verweis  auf  die  beiden  publizierten  Entscheide,  um  aber  sogleich 

Folgendes festzuhalten: «Zudem darf nach der neusten Rechtsprechung eine Ge-

samtfreiheitsstrafe  ausgesprochen  werden,  wenn  viele  Einzeltaten  zeitlich  sowie 

sachlich eng miteinander verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der 

in  einem engen Zusammenhang  stehenden  Delikte geeignet  ist, in genügendem 

Masse präventiv auf den Täter einzuwirken». Der Anfang dieses Satzes erinnert 

fast wortwörtlich an die alte Rechtsprechung, gemäss der das Bundesgericht noch 

- 29 -

Ausnahmen zur konkreten Methode zuliess. Das Bundesgericht verweist dabei auf 

vier weitere, neuere Urteile (ausführlich dazu: von Felten Rolf, Strafzumessung bei 

Deliktsmehrheit  nach  Art.  49  Abs.  1  StGB:  Entwicklung  der  neuesten  bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung, forumpoenale 3/2023 S. 222 ff., 223 f.). 

3.8. Einer davon ist der Entscheid 6B_141/2021 vom 23. Juni 2021. Es ging unter 

anderem um die mehrfache Verletzung von Verkehrsregeln in zahlreichen Fällen. 

Das Bundesgericht hielt fest, dass in Konstellationen wo für die einzelnen Delikte 

eine Geldstrafe unter Umständen noch angemessen gewesen wäre eine Freiheits-

strafe dann als zweckmässig erscheine, wenn die Art der Delinquenz Ausdruck von 

Uneinsichtigkeit und hartnäckiger Bereitschaft zu kriminellen Handeln sei und eine 

blosse  Geldstrafe  nicht  geeignet  erscheine,  in  genügendem  Masse  präventiv  zu 

wirken. 

3.9. Aber auch mit Blick auf die Gesamtstrafenbildung lässt die neueste Bunde-

gerichtliche Rechtsprechung Ausnahmen zu, so etwa wenn eine derartige Vielzahl 

von Fällen zur Beurteilung stehen, dass diese Züge eines Dauerdelikts aufweisen 

und Opfer und Täter stets dieselben sind. Diesfalls ist die Gesamtheit der Hand-

lungen im Blick zu behalten und es ist nicht jede Handlung gesondert nach Art. 49 

Abs. 1 StGB zu verfahren und auch nicht für jede der zahlreichen Einzelhandlungen 

eine separate Strafe festzusetzen und einzeln zu asperieren, insbesondere wenn 

diese auf Grund der hohen Zahl einschlägiger Handlungen nicht bestimmbar sind 

(vgl. Urteil 6B_432/2020, Urteil vom 30. September 2021). 

Im Lichte dieser Grundsätze lassen sich vorliegend in qualitativer Hinsicht mehrere 

Tatgruppen  bilden:  Einerseits  die  zahlreichen  Tätlichkeiten  zum  Nachteil  von 

C._____ und andererseits die als einfache Körperverletzungen zu qualifizierenden 

Verletzungen zum Nachteil von B._____ sowie die Verletzung der Fürsorge- und 

Erziehungspflicht. 

3.10. Für die Tätlichkeiten gegenüber C._____ kommt nur eine Busse in Frage, wo-

bei darauf zu verzichten ist, im Rahmen einer Gesamtstrafenbildung für sämtliche 

Taten je eine separate Sanktion auszufällen. 

- 30 -

3.11. Dieser enge zeitliche und sachliche Zusammenhang liegt hingegen bei den 

als Körperverletzung qualifizierten Delikten nicht vor. Dort ist eine Gesamtstrafe zu 

bilden,  wobei  aufgrund  der  vorliegenden  Umstände  als  Sanktion  eine  Freiheits-

strafe zu wählen ist. Die Beschuldigte hat mit ihrer über einen sehr langen Zeitraum 

andauernden und einschlägigen Delinquenz ein sehr hohes Mass an Uneinsichtig-

keit  an  den  Tag  gelegt.  Insbesondere  fuhr  sie  auch  nach  dem  Offenlegungs-

gespräch, bei dem ihr der Unrechtsgehalt ihrer Taten und das Leid, welches sie 

verursacht hatte, vor Augen geführt wurden, einschlägig fort. Darüber hinaus gilt es 

zu berücksichtigen, dass diese Delikte in eine hohe Vielzahl von gleichgelagerten, 

weniger  schweren  und  als  Übertretungen  qualifizierte  Delikte  eingebettet  waren. 

Hier ist, um es mit den Worten des Bundesgerichts zu sagen, eine härtere Gangart 

angezeigt und reicht eine Geldstrafe nicht mehr aus (vgl. Urteil BGer 6B_141/2021 

vom 23.06.2021 Erw. 1.3.4.).  

4.

Einsatzstrafe einfache Körperverletzung (gem. Absatz 9) z.N. von B._____

4.1. Die Körperverletzung in Form der durch die regelmässigen Schläge zugefüg-

ten Angst erweist sich als das schwerste Delikt. Dabei gilt zu beachten, dass sich 

die Folgen der Schläge der Beschuldigten über einen langen Zeitraum erstreckten 

und die Lebensführung von B._____ in erheblichem Masse beeinträchtigt wurde. 

Verschuldenserschwerend fällt zudem das erhebliche Machtgefälle zwischen Täte-

rin und Opfer ins Gewicht und zwar nicht nur in körperlicher Hinsicht. Zudem war 

B._____  der  Beschuldigten  auf  Gedeih  und  Verderb  ausgeliefert,  er  hatte  keine 

Möglichkeiten sich vor ihr zu schützen, zumal ihm auch der Vater keine Hilfe war. 

In  Anbetracht  dieser  Umstände  ist  das  objektive  Tatverschulden  als  keineswegs 

leicht einzustufen. Eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten erscheint als angemessen. 

4.2.1. In  subjektiver  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  die  Beschuldigte 

lediglich  mit  Eventualvorsatz  gehandelt  hat.  Aus  ihrer  Warte  mag  die  Motivlage 

nicht darauf ausgerichtet gewesen sein, B._____ zu schaden. Vielmehr wollte sie 

ihn  "erziehen"  in  der  -  offensichtlich  -  irrigen  Annahme,  die  Situation  werde  sich 

dadurch  verbessern.  Verschuldensmindernd  wirkt  sich  zudem  der  Umstand  aus, 

dass  die  Beschuldigte  in  mehrfacher  Hinsicht  überfordert  war,  namentlich  auch 

angesichts  B._____'s  Verhaltensstörung  (ADHS).  Diesbezüglich  hätten 

ihr 

- 31 -

allerdings  zahlreiche  Hilfsangebote  öffentlicher  und  privater  Natur  zur  Verfügung 

gestanden. Dass sie darauf verzichtete, B._____ entsprechende Medikamente zu 

verabreichen und diesen stattdessen physisch und psychisch misshandelte, zeugt 

von  einer  gewissen  Unbelehrbarkeit  und  Sturheit,  wenn  auch  die  von  der 

Beschuldigten  geschilderten,  früheren  Bedenken  gegenüber  den  Medikamenten 

zur Behandlung des ADHS (Urk. 62 S. 6 f.) in gewisser Weise nachvollziehbar sind.

4.2.2. Die  gutachterlich  festgestellte  leichte  Verminderung  der  Schuldfähigkeit 

(Urk. 15/8 S. 45 ff.) hat sich ebenfalls zu Gunsten der Beschuldigten auszuwirken. 

Gemäss Gutachten war die Beschuldigte stets in der Lage, das Unrecht der Taten 

einzusehen,  jedoch  sei  sie  nur  teilweise  fähig  gewesen,  nach  dieser  Einsicht  zu 

handeln, woraus eine leichte Minderung der Schuldfähigkeit resultiere (Urk. 15/8 

S. 46). Dies gilt es zu berücksichtigen.

4.2.3. Im  Lichte  dieser  Tatsachen  wird  das  objektive  Verschulden  durch  die 

subjektive  Tatkomponente  relativiert,  wobei  von  einem  noch  leichten  Tatver-

schulden auszugehen ist. Die Einsatzstrafe ist somit auf 7 Monate Freiheitsstrafe 

festzusetzen. 

4.3. Täterkomponente

Die  Beschuldigte  ist  in  E._____,  Kamerun,  geboren  und  bei  ihrer  Familie  in  ge-

ordneten  Verhältnissen  aufgewachsen.  Sie  hat  dort  eine  Sekretariatsausbildung 

absolviert. Mit 22 Jahren ist sie in die Schweiz eingereist, um in F._____ Informatik 

zu studieren. Nach Abbruch des Studiums zog sie nach Belgien zu ihrer Tante und 

arbeitete  dort  in  deren  Coiffeursalon.  Zusätzlich  absolvierte  sie  auch  eine 

Ausbildung in spitalexterner Betreuung. In der Folge zog sie wieder in die Schweiz, 

wo  2009  ihr  erster  Sohn  B._____  zur  Welt  kam.  2012  hat  sie  den  Kindsvater 

D._____ geheiratet. 2016 kam der zweite Sohn C._____ zur Welt. B._____ leidet 

an der Verhaltensstörung ADHS und C._____ an (körperlicher) Retardierung (Urk. 

62 S. 3, 7, 14). Die Beschuldigte arbeitet im Stundenlohn in einem 50-60%-Pensum 

als  G._____-Angestellte  und  erzielt  ein  Einkommen  zwischen  Fr.  1'700  und  Fr. 

4'000. Ihr Ehemann verdient bei der H._____ monatlich Fr. 6'500. Vermögen habe 

sie  keines,  eher  Schulden.  So  müsse  die  Hypothek  des  Hauses  bezahlt  werden 

- 32 -

und man habe viele Auslagen wegen B._____s Sportanlässe. Zudem müsse man 

den  Hort  bezahlen.  Die  Beschuldigte  unterstützt  nach  wie  vor  ihre  Mutter  in 

Kamerun. Sie ist vorstrafenlos (Urk. 62 S. 5). In einem kleinen Umfang zeigt sie 

sich geständig. Seitens der Wohngemeinde besteht eine Familienbegleitung, bei 

welcher die Beschuldigte partizipiert, ebenso hat sie nach der Haftentlassung eine 

Therapie  besucht  (Prot. I  S. 12 ff.,  Urk.  62  S.  4).  Dies  und  die  im  Rahmen  des 

Schlusswortes  an  der  Berufungsverhandlung  (Prot. II  S. 9)  gezeigte  Einsicht 

erlauben  unter  dem  Titel  des  Nachtatverhaltens  eine  leichte  Reduktion  der 

hypothetischen Einsatzstrafe um einen Monat auf 6 Monate Freiheitsstrafe. 

5.

Asperation  wegen  mehrfacher  Verletzung  der  Fürsorge-  und  Erziehungs-

pflicht z.N. von B._____ und C._____

In  objektiver  Hinsicht  wiegt  das  Verschulden  bereits  erheblich.  Genügen  für  die 

Erfüllung  des  Tatbestands  bereits  einmalige  Ereignisse,  gilt  es  vorliegend  zu 

berücksichtigen, dass sich ihr Handeln über einen sehr langen Zeitraum erstreckte. 

Zudem richtete sich ihr Handeln gegen zwei Opfer, welche zum Tatzeitpunkt noch 

sehr  jung  waren.  Die  Form  der  Vernachlässigung,  nämlich  das  Ausüben  körper-

licher  und  im  Fall  von  B._____  auch  psychischer  Gewalt,  ist  eine  heftige.  Im 

Übrigen  und  in  subjektiver  Hinsicht  gilt  das  bereits  zur  Einsatzstrafe  Gesagte. 

Insgesamt ist das Tatverschulden auch diesbezüglich als noch leicht einzustufen. 

Ebenso  ist  auf  die  Ausführungen  zur  Täterkomponente  zu  verweisen.  Bei  der 

Bemessung des Asperationsfaktors gilt es zu berücksichtigen, dass die vorliegend 

zur  Beurteilung  anstehenden  Taten 

in  Tateinheit  begangen  wurden.  Die 

hypothetische Einsatzstrafe ist daher um 3 Monate zu erhöhen.

6.

Asperation  wegen  einfacher  Körperverletzung  gemäss  Absatz  4  z.N.  von 

B._____ (Schlag mit dem Gürtel und blutender Verletzung)

In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden leicht. Diese Qualifikation dient nicht 

einer  generellen  und  damit  verharmlosenden  Beurteilung  der  Tat,  sondern  dient 

einzig dazu, das Tatverschulden innerhalb des grossen Spektrums der möglichen 

Tatausführungen zu verankern. Zwar überschreiten die Tatfolgen diejenigen einer 

Tätlichkeit, bewegen sich aber immer noch im Grenzbereich. Die weiteren Straf-

- 33 -

zumessungselemente  entsprechen  den  bereits  zur  Einsatzstrafe  aufgeführten, 

weshalb unter diesem Titel eine Asperation von einem Monat Freiheitsstrafe an-

gezeigt ist. 

7.

Asperation  wegen  einfacher  Körperverletzung  gemäss  Absatz  6  z.N.  von 

B._____ (Schlag mit dem Staubsaugerrohr)

Die Tatfolgen entsprechen ebenso wie alle anderen Strafzumessungsfaktoren und 

damit die Bemessung des Verschuldens den im vorstehenden Abschnitt erwähn-

ten, weshalb für diese Tat ebenfalls eine Asperation von einem Monat Freiheits-

strafe angemessen ist. 

8.

Zusammengefasst ergibt sich somit eine Gesamtstrafe von 11 Monaten Frei-

heitsstrafe. 

9.

Sanktion wegen Tätlichkeiten z.N. von C._____

Wie oben ausgeführt ist in einer Konstellation wie der vorliegenden, wo über einen 

langen  Zeitraum  eine  hohe  Zahl  von  identischen  Taten  in  derselben  Opfer-  und 

Täterkonstellation begangen werden, die Ausfällung einer Einheitsstrafe nicht nur 

angezeigt, sondern in anderer Form die Strafzumessung gar nicht durchführbar.

In objektiver Hinsicht gilt zu beachten, dass die Taten über einen langen Zeitraum 

und in hoher Kadenz ausgeübt wurden. Bei der Täterin handelt es sich zudem um 

C._____s Mutter, der er hilflos ausgeliefert war. Insgesamt wiegt das Verschulden 

somit bereits erheblich. Im Übrigen, insbesondere in subjektiver Hinsicht und mit 

Bezug auf die Täterkomponente, gilt auch hier das bereits zur Einsatzstrafe Ge-

sagte. Da bei der Bemessung der Busse nebst dem Verschulden auch die finanzi-

ellen  Verhältnisse  zu  berücksichtigen  sind  (Trechsel,  a.a.O.,  Art.  106  N  3),  ist  in 

Anbetracht  der  zwar  bescheidenen,  aber  keinesfalls  ärmlichen  Verhältnisse  eine 

Busse  von  Fr. 2'000.–  angemessen.  Bei  schuldhafter  Nichtbezahlung  wird  die 

Busse in 20 Tage Ersatzfreiheitsstrafe umgewandelt.

Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 147 Tagen steht nichts 

entgegen. 

- 34 -

VI. Vollzug

1.

Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  der  Freiheitsstrafe  aufgeschoben  und  eine 

Probezeit von 2 Jahren festgesetzt (Urk. 49 S. 40 f.). Die Erwägungen erweisen 

sich  als  in  jeder  Hinsicht  zutreffend,  weshalb  vollumfänglich  darauf  verwiesen 

werden kann und der vorinstanzliche Aufschub samt zweijähriger Probezeit zu be-

stätigen ist (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2.

Die  Busse  ist  zu  bezahlen.  Im  Falle  der  schuldhaften  Nichtbezahlung  der 

Busse  ist  eine  Ersatzfreiheitsstrafe  von  einem  Tag  pro  Fr.  100.–  festzusetzen 

(Art. 106 Abs. 2 StGB). Somit ist für die Beschuldigte eine Ersatzfreiheitsstrafe von 

20 Tagen festzusetzen. 

VII. Genugtuung Privatkläger

1.

Die Vorinstanz hat die Beschuldigte verpflichtet, ihren Söhnen B._____ und 

C._____ je Fr. 300.– als Genugtuung auszurichten (Urk. 49 S. 46). 

2.

Die Voraussetzungen für die Leistung einer Genugtuung wurden im angefoch-

tenen Entscheid dargelegt; es kann darauf verweisen werden (Urk. 49 S. 43). 

3.

Die  Vertretung  der  Söhne  der  Beschuldigten  und  Privatkläger  hat  den  An-

spruch auf Genugtuung vor Vorinstanz sowohl in qualitativer als auch in quantitati-

ver Hinsicht überzeugend begründet. So legte sie anschaulich dar, wie die Kinder 

unter den physischen und psychischen Qualen der Beschuldigten zu leiden hatten 

(Urk.  35  S.  11).  An  der  Berufungsverhandlung  erwähnte  die  Vertretung  von 

B._____ und C._____, dass diese kein bzw. nur geringeres Interesse an einer Ge-

nugtuung hätten (Urk. 65). 

4.

Die  Verteidigung  brachte  vor  Vorinstanz  vor,  dass  eine  solche  ohnehin  nur 

symbolische Genugtuung auch nur einen symbolischen Wiedergutmachungswert 

erreichen würde und den bereits bestehenden Loyalitätskonflikt zwischen der Be-

schuldigten und den Privatklägern lediglich verstärken würde. Sie werde aber die 

Fr.  300.–  pro  Kind  gerne  für  gemeinsame  Unternehmungen  und  Erlebnisse  ein-

setzen (Urk. 41 S. 35). 

- 35 -

5.

Damit  verkennt  die  Verteidigung  den  Charakter  der  Genugtuung.  Gemein-

same Unternehmungen und Erlebnisse sind selbstverständliche Bestandteile einer 

jeden  Eltern-Kind  Beziehung.  Die  Genugtuung,  wenn  auch  nur  in  symbolischer 

Grösse,  ist  demgegenüber  Ausgleich  für  erlittene  Unbill,  welche  ohnehin  nur 

schwer in Franken und Rappen auszudrücken ist. Inwiefern die Leistung der Ge-

nugtuung  zur  Verstärkung  des  innerfamiliären  Konflikts  führen  sollte,  hat  die 

Verteidigung weder dargelegt noch ist vorstellbar, wie sie dies könnte. Abgesehen 

davon findet sich keine gesetzliche Grundlage für diesen - sinngemäss - geltend 

gemachten  Reduktions-  oder  Ausschlussgrund.  Die  vorinstanzlich  zugesproche-

nen,  ohnehin  sehr  moderaten  Genugtuungen  von  Fr.  300.–  sind  demzufolge  zu 

bestätigen. Entgegen dem ursprünglichen Antrag der Privatkläger (Urk. 35 S. 1) hat 

die Vorinstanz ohne Angabe von Gründen die beantragten Zinsen nicht zugespro-

chen. Gestützt auf das Verbot der reformatio in peius muss es bei den unverzinsten 

Genugtuungen sein Bewenden haben. 

VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.1. Die Verteidigung beantragt, die von der Beschuldigten zu tragenden Kosten 

für das Gutachten der PUK vom 28. März 2023 (Urk. 15/8) seien angemessen zu 

reduzieren, mindestens um die Hälfte und damit um Fr. 8'440.50. Zur Begründung 

führte sie an, dass Teile des in Auftrag gegebenen Gutachtens von Anfang an nicht 

notwendig gewesen seien, insbesondere die Frage, welche Auflagen der Beschul-

digten im Falle einer Haftentlassung zu stellen seien, wobei offensichtlich darauf 

abgezielt worden sei, die Haftentlassung der Beschuldigten besser einschätzen zu 

können. Auch die übrigen im Gutachten gestellten Fragen seien äusserst detailliert. 

Zum Zeitpunkt der Anordnung des Gutachtens hätten keinerlei Anhaltspunkte für 

die  Notwendigkeit  einer  Massnahme  bestanden,  geschweige  denn  einer  statio-

nären (Urk. 63 S. 20 f.). 

1.2. Das  Gutachten  der  PUK  vom  28.  März  2023  befasste  sich  mit  den  Fragen 

nach dem Vorliegen einer psychischen Störung oder einer Suchtmittelabhängigkeit, 

der  Frage  nach  einer  verminderten  Schuldfähigkeit  oder  einer  Schuldunfähigkeit 

sowie  den  Fragen  nach  der  Notwendigkeit  von  Massnahmen  (Urk.  15/8  S. 45). 

- 36 -

Hierzu  ist  festzuhalten,  dass  die  gestellten  Fragen  in  Fällen  von  Verdacht  auf 

Gewaltdelikte  wie  vorliegend  üblicherweise  vorsorglich  gestellt  werden  und  auch 

notwendig sind. Wenn die Verteidigung indirekt geltend macht, Fragen nach dem 

Risiko im Falle einer Haftentlassung seien unnötig gewesen, ist dem entgegenzu-

halten, dass damals Anzeichen hinsichtlich erneuter Gewalt durch die Beschuldigte 

bestanden. So gab der Ehemann der Beschuldigten, D._____, gegenüber der Po-

lizei an, die Beschuldigte habe unter anderem gesagt, sie zünde das Haus an (Urk. 

4/1 S. 5). Das in Auftrag gegebene Gutachten war in jenem Zeitpunkt demzufolge 

nicht unnötig sondern absolut indiziert. Überdies wurde die Prüfung ihrer Schuldfä-

higkeit alleine zwecks einer allfälligen Entlastung in Bezug auf die Strafzumessung 

vorgenommen. Die Beschuldigte hat die Kosten des Gutachtens in vollem Umfang 

zu tragen.

1.3. Die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziff. 9) ist somit zu bestätigen 

(Art. 426 Abs. 1 StPO). 

2.1. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 3'600.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO 

in  Verbindung  mit  §  16  Abs.  1  und  §  14  der  Gebührenverordnung  des  Ober-

gerichts). 

2.2. Die  Kosten  im  Rechtsmittelverfahren  tragen  die  Parteien  nach  Massgabe 

ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens  (Art.  428  Abs.  1  StPO).  Ob  eine  Partei  im 

Rechtsmittelverfahren  als  obsiegend  oder  unterliegend  gilt,  hängt  davon  ab,  in 

welchem  Ausmass  ihre  vor  Beschwerdeinstanz  bzw.  Berufungsgericht  gestellten 

Anträge  gutgeheissen  wurden  (THOMAS  DOMEISEN,  in:  Basler  Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N 6 zu Art. 428 StPO).

Die Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren mit ihren Anträgen teilweise. Der 

Sachverhalt wird dieser teilweise milder gewürdigt, was auch eine tiefere Sanktion 

zur Folge hat. Ausgangsgemäss sind ihr die Kosten des Berufungsverfahrens, mit 

Ausnahme  der  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung,  zu  drei  Vierteln  aufzuerlegen 

und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO in 

Verbindung mit Art. 425 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zu drei 

Vierteln einstweilen und zu einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

- 37 -

Das  Nachforderungsrecht  des  Staates  bleibt  im  Umfang  von  drei  Vierteln  vorbe-

halten (Art. 426 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO).

3.

Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  besteht  für  die  beantragte  Entschädi-

gung  der  Beschuldigten  wegen  unrechtmässig  erlittener  Haft  (Urk.  63  S.  2,  20) 

keine Grundlage. 

4.

Der  amtliche  Verteidiger  hat  seine  Honorarnote  samt  Leistungsübersicht 

anlässlich  der  Berufungsverhandlung  eingereicht  (Urk.  64).  Er  beantragt  eine 

Entschädigung von Fr. 5'275.35, welche sich als angemessen erweist. Somit ist er 

entsprechend aus der Gerichtskasse zu entschädigen. 

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

14. Februar 2024 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1.-3.

[...]

4.

5.

Es wird keine Landesverweisung angeordnet.

Die Privatkläger 1 und 2 werden mit ihren Schadenersatzbegehren auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

6.-7.

[…]

8.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.00   die weiteren Kosten betragen:

3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

16'881.00   Auslagen Gutachten

363.00   Auslagen Untersuchung

Fr. 

4'373.25

Entschädigung vormalige amtliche Verteidigung lic. iur. 
X2._____ (inkl. MwSt. und Barauslagen)

- 38 -

Fr.

Fr.

9'332.95

  Entschädigung amtliche Verteidigung Dr. iur. X3._____

(inkl. MwSt. und Barauslagen)

37'550.20   Total

Wird auf eine Begründung dieses Entscheids verzichtet, ermässigt sich die Ent-

scheidgebühr auf zwei Drittel.

9.

[…]

10.

(Mitteilungen)

11.

(Rechtsmittel)"

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig







der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 
Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB zum Nachteil von B._____, 

der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbin-
dung mit Abs. 2 lit. a StGB zum Nachteil von C._____ sowie

der mehrfachen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht im 
Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB.

2.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 11 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

147 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse in der Höhe von 

Fr. 2'000.–. 

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. 

4.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen. 

5.

Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 und 2 je Fr. 300.– als 

Genugtuung zu bezahlen.

6.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 9) wird bestätigt.

- 39 -

7.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:

5'275.35   amtliche Verteidigung

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amt-

lichen Verteidigung, werden zu drei Vierteln der Beschuldigten auferlegt und 

zu einem Viertel auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtli-

chen Verteidigung werden zu drei Vierteln einstweilen und zu einem Viertel 

definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht der 

Beschuldigten im Umfang von drei Vierteln bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO vorbehalten.

9.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

die Vertretung der Privatkläger dreifach für sich und die 
Privatklägerschaft 

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die Vertretung der Privatkläger dreifach für sich und die 
Privatklägerschaft

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

- 40 -

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 16. Januar 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

lic. iur. S. Kümin