# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2abdd344-9fb6-56c8-b570-21b63f50a46e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 E-6360/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6360-2011_2011-12-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6360/2011

U r t e i l   v om   1 5 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima,
mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis;  
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

Parteien A._______, geboren am (…),
Kirgisistan,  
vertreten durch lic.iur. Dominik Löhrer, Zürcher 
Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…)
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung);
Verfügung des BFM vom 17. November 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass  der  Beschwerdeführer  Kirgisistan  eigenen  Angaben  zufolge  am 
14. Juli  2011  zusammen mit  seinem Geschäftspartner E.T.  (…)  verliess 
und  am  31. Oktober  2011  über Moskau  auf  dem  Luftweg  nach  Zürich­
Kloten gelangte, 

dass er am 1. November 2011 bei der Grenzpolizei am Flughafen Zürich 
um Asyl nachsuchte, 

dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit  gleichentags  eröffneter 
Verfügung vom 1. November 2011 die Einreise  in die Schweiz vorläufig 
verweigerte und ihm für die Dauer von 60 Tagen den Transitbereich des 
Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zuwies,

dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  summarischen  Befragung  vom  4. 
November  2011  und  der  Anhörung  vom  14.  November  2011  zur 
Begründung  seines  Asylgesuchs  vorbrachte,  dass  er  mit  zwei  anderen 
Geschäftspartnern E.T und D.K im Jahre 2008 eine GmbH (…) gegründet 
habe, welche zum Zweck habe, (…) und (…) zu nähen und zu verkaufen, 

dass  sie  seit  anfangs  Januar  2011  mit  fünfzehn  (…)  einen  monatlich 
durchschnittlichen Gewinn von 3000 US­Dollar erzielen würden, 

dass  sein  Geschäftspartner  E.T.  erstmals  am  (…)  beziehungsweise  er 
selber einige Tage später von unbekannten Männern angehalten worden 
sei, das Geschäft für die Summe von (…) US­Dollar zu verkaufen, 

dass  sein Geschäftspartner  E.T.  telefonisch  versucht  habe,  Anzeige  zu 
erstatten, wobei die Polizei diese nicht entgegengenommen habe, und er 
(Beschwerdeführer) daraufhin auch auf eine Anzeige verzichtet habe, 

dass  vermutlich  dieselben  Personen  in  der  Nacht  vom  (…)  versucht 
hätten, die Wohnung von E.T. in Brand zu setzen, es ihm aber umgehend 
gelungen sei, diesen zu löschen,  

dass dieser daraufhin die Polizei verständigt habe, welche gekommen sei 
und ein Strafverfahren eingeleitet habe, 

dass  er  (Beschwerdeführer)  in  derselben  Nacht  zirka  um  drei  Uhr  von 
zwei  Unbekannten  bewusstlos  geschlagen  worden  sei  und  dabei  einen 
Nasenbruch erlitten habe, 

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dass er, nachdem er wieder zu sich gekommen sei, einen Benzinbehälter 
gefunden  habe,  und  daraufhin  die  Polizei  avisiert  habe,  welche 
umgehend eine Strafuntersuchung eingeleitet habe,

dass  ihm  am  darauffolgenden  Tag  im  Spital  die  gebrochene  Nase 
operiert worden sei, 

dass  der  Untersuchungsrichter  die  eingeleiteten  Ermittlungen  am  (…) 
eingestellt  habe mit der Begründung, auf dem Benzinbehälter  seien nur 
noch  die  Fingerabdrücke  des  Beschwerdeführers  vorzufinden  gewesen 
und den Nasenbruch habe er sich beim Treppensturz zugezogen, 

dass die Einstellung der Ermittlungen widerrechtlich sei, und er und sein 
Geschäftspartner  E.T.  deswegen  bei  der  Generalstaatsanwaltschaft  ein 
Verfahren hätten einleiten wollen, 

dass  ihnen  in  einem  Vorgespräch  jedoch  mitgeteilt  worden  sei, 
angesichts der prekären Situation im Land hätten sie keine Zeit für solche 
Untersuchungen, 

dass  sie  sich  daraufhin  im  (…)  an  die Presse  gewendet  hätten, worauf 
der  Autorin  des  von  ihnen  in  Auftrag  gegebenen  Artikels  nach  dessen 
Publikation Druck aufgesetzt worden sei, damit sie diesen widerrufe,

dass  am  (…)  der  Geschäftspartner  D.  K.  im  Büro  von  Unbekannten 
zusammengeschlagen  worden  und  kurz  darauf  im  Spital  an  seinen 
Verletzungen verstorben sei, 

dass am gleichen Abend der Geschäftspartner E.T. vor seinem Büro von 
Unbekannten  tätlich angegriffen und entführt worden sei, wobei er habe 
fliehen können, 

dass einige Passanten diesen Überfall beobachtet und die Polizei avisiert 
hätten, 

dass  E.T.  zurück  im  Büro  von  der  Polizei  des  Mordes  an  seinem 
Geschäftspartner D.K  beschuldigt  und mit  aufs Polizeirevier  genommen 
worden sei, wo er über Nacht befragt und auch geschlagen worden sei, 

dass  E.T.  erst  am  darauffolgenden  Tag,  dem  (…),  freigelassen worden 
sei,  und  sie  (Beschwerdeführer  und Geschäftspartner E.T.)  nach  einem 

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Gespräch mit dem beigezogenen Anwalt entschieden hätten, Kirgisistan 
zu verlassen, 

dass  er  (Beschwerdeführer)  vermute,  dass  die  Täter  und  die  Polizei 
zusammenarbeiten würden, 

dass der Beschwerdeführer den Asylbehörden einen auf  seinen Namen 
lautenden  kirgisischen  Reisepass,  einen  Führerschein  und  einen  den 
Vorfall  vom  (…)  betreffenden  Untersuchungsbericht  der  zuständigen 
kirgisischen  Behörden  (Kopien)  einschliesslich  der  dazugehörenden 
Unterlagen (in Kopie) zu den Akten gab, 

dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung 
vom 17. November  2011  –  eröffnet  am 19. November  2011  –  ablehnte 
und die Wegweisung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich samt 
Vollzug anordnete,

dass auf die Begründung – soweit wesentlich für den Entscheid – in den 
Erwägungen näher einzugehen ist, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. November 2011 gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben 
und  beantragen  liess,  der  angefochtene  Entscheid  vom  17.  November 
2011  sei  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Neubeurteilung  an  die 
Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei der angefochtene Entscheid 
aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren

dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte,  es  sei  ihm  die 
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses sei zu verzichten, 

dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  geltend  gemacht  wird,  das  BFM  stelle 
seinen  Entscheid  einzig  auf  die  Einstellungsverfügung  ab,  obwohl  eine 
Vielzahl von Beweismitteln (Zeitungsartikel vom (…) und Bestätigung des 
Spitalaufenthalts)  eingereicht  worden  seien,  deren  Echtheit  von  der 
Vorinstanz nicht bezweifelt worden sei, und die den Sachverhalt belegen 
würden, 

dass deshalb die einseitige Würdigung der Beweismittel eine Verletzung 
des  rechtlichen  Gehörs  darstelle,  weshalb  die  angefochtene  Verfügung 
aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen sei,  

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dass auf die weitere Begründung – soweit wesentlich für den Entscheid – 
in den Erwägungen einzugehen ist, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Verfügung  vom  5.  Dezember 
2011 den Eingang der Beschwerde bestätigte, 

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  die  Beschwerdefrist  mittels  Faxbeschwerde  vom  23.  November 
2011  und  dem  unmittelbar  danach  nachgereichten  Original  eingehalten 
wurde, weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

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dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 
111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde, 

dass  das  vorliegende  Verfahren  und  dasjenige  des  Geschäftspartners 
des Beschwerdeführers E.T. (…) wegen des persönlichen und sachlichen 
Zusammenhangs koordiniert behandelt werden,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  an  die  vorinstanzlichen 
Erwägungen gebunden ist, 

dass der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe durch die einseitige 
Würdigung  beziehungsweise  Nichtberücksichtigung  der  Beweismittel 
seinen Anspruch auf Gewährung seines rechtlichen Gehörs verletzt, 

dass mit diesen Einwänden einerseits  implizit die unrichtige Feststellung 
des  Sachverhalts  und  andererseits  explizit  die  Verletzung  der 
Begründungspflicht  (vgl.  Art.  35  VwVG)  als  Teilgehalte  des  rechtlichen 
Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) gerügt 
werden,

dass  der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  formeller  Natur  ist,  weshalb 
seine Verletzung grundsätzlich ohne weiteres – das heisst ungeachtet der 
materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen 
Entscheides  führt  (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185; BVGE 2007/30 E. 
8.2 S. 371 mit weiteren Hinweisen; BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332) und 
infolgedessen vorab zu prüfen ist, 

dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 
VwVG)  verlangt,  dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des 
Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der 
Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der 
Begründung  des  Entscheids  niederschlagen  muss  (vgl.  Art.  35  Abs.  1 
VwVG), 

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dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen  soll, 
den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich 
ist,  wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz 
über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (BGE 129 I 
232 E. 3.2 S. 236 f.), 

dass  sich  dabei  die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder 
tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand 
auseinander  setzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen 
Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b) darf, 

dass sich die Begründungsdichte nach dem Verfügungsgegenstand, den 
Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen richtet, wobei 
die  bundesgerichtliche Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen 
in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  eine  sorgfältige 
Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110) (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 
f. mit weiteren Hinweisen), 

dass demgegenüber der Beschwerdeführer gesetzlich verpflichtet  ist, an 
der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken und anzugeben, weshalb 
er um Asyl nachsucht (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG), 

dass  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  hauptsächlich mit  der  Begründung 
abwies,  dass Übergriffe  durch Dritte  nur  dann  asylrelevant  seien, wenn 
der  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme  oder  nicht  in  der  Lage 
sei, Schutz zu gewähren, 

dass  aus  den  eingereichten  Beweismitteln  hervorgehe,  dass  sich  die 
Behörden  vertieft  mit  der  Sache  des  Beschwerdeführers 
auseinandergesetzt  hätten,  bevor  sie  das  Strafverfahren  eingestellt 
hätten,

dass  im  vorliegenden  Fall  die  staatlichen  Behörden  deshalb  ihrer 
Schutzpflicht vollumfänglich nachgekommen seien, 

dass  es  dem  Beschwerdeführer  und  dem  Geschäftspartner  möglich 
gewesen  wäre,  das  Verfahren  an  die  Generalstaatsanwaltschaft 
weiterzuziehen, 

dass die Behauptung des Beschwerdeführers,  die  staatlichen Behörden 
würden  die  unbekannten  Drittpersonen  (Verfolger)  unterstützen,  mit 
keinerlei Anhaltspunkten (in den Akten) untermauert werden könne, 

http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232
http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232
http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232
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http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97
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http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97
http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107
http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107
http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107
http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107
http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47

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dass  die  weiteren  Beweismittel  zu  Gunsten  des  Beschwerdeführers 
nichts an ihrer Einschätzung zu ändern vermöchten,

dass  die  vom  Beschwerdeführer  abgegebenen  Dokumente  vielmehr 
grösstenteils  die  von  den  staatlichen  Behörden  durchgeführten 
Massnahmen bestätigen würden, 

dass die Vorinstanz in der Tat – wie vom Beschwerdeführer gerügt – den 
Arztbericht  und  den  eingereichten  Zeitungsartikel  beweisrechtlich  nicht 
einzeln würdigte, sondern vielmehr pauschal als nicht erheblich einstufte, 

dass  hinsichtlich  des  erwähnten  Arztberichtes  festzuhalten  ist,  dass 
dieser  einzig  zu  belegen  vermag,  dass  der Beschwerdeführer  die Nase 
gebrochen  hatte  und  deshalb  eine  Operation  durchgeführt  werden 
musste,  indessen  keinen  Hinweis  für  etwelche  Unregelmässigkeiten  im 
Zusammenhang mit der strafrechtlichen Untersuchung zu liefern vermag, 
mithin für die Klärung der umstrittenen Frage keine Beweiskraft entfaltet, 

dass  der  erwähnte  Zeitungsartikel  (Publikation  betreffend  die  untätigen 
Behörden)  zwar  durchaus  geeignet  wäre,  Zweifel  an  der  korrekten 
Vorgehensweise  des  Staates  hervorzurufen,  weshalb  eine  explizite 
Beweiswürdigung  dieses  Beweismittels  grundsätzlich  zu  begrüssen 
gewesen wäre,  

dass das BFM aber – gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers 
sowie  der  eingereichten  Unterlagen  –  von  einem  funktionierenden 
zweistufigen  Staatssystem  Kirgisistans  ausging,  und  die  Ausführungen, 
wonach dem Beschwerdeführer in einem Vorgespräch empfohlen worden 
sei,  auf  einen  Weiterzug  zu  verzichten,  nicht  als  Rechtsweigerung 
beurteilte,  weshalb  eine  explizite  Beweiswürdigung  vermutlich  nicht  zu 
einer  anderen  Einschätzung  geführt  hätte,  zumal  der  Zeitungsartikel 
explizit  auf  Wunsch  des  Beschwerdeführers  und  seines 
Geschäftspartners erstellt worden war, 

dass  die  Vorinstanz  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  –  wie  soeben 
dargelegt  –  demzufolge  vollständig  berücksichtigte  und  die  Verfügung 
ausreichend begründete, so dass der Beschwerdeführer in der Lage war, 
die im Streit liegende Verfügung sachgerecht anzufechten, 

dass das  rechtliche Gehör des Beschwerdeführers somit durch die eher 
knappe Beweiswürdigung der Vorinstanz nicht verletzt wurde,  

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dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt  (Art. 2 Abs. 1 
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder 
im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), 

dass  seit  dem  von  der  Vorgängerorganisation  des 
Bundesverwaltungsgerichts  erlassenen  Grundsatzentscheid 
(Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18), in welchem sie sich mit der 
völkerrechtskonformen Anwendung von Art. 3 AsylG auseinandergesetzt 
hatte, die nichtstaatliche Verfolgung als grundsätzlich  flüchtlingsrechtlich 
relevant anzuerkennen ist (Wechsel von der Zurechenbarkeitstheorie zur 
Schutztheorie, bestätigt in BVGE 2008/5 E. 4), 

dass  auch  nach  der  Ausweitung  der  Verfolgungsakteure  auf 
nichtstaatliche  Dritte  die  bisherigen  Verfolgungselemente  (wie 
Verfolgungsmotivation,  Intensität,  Gezieltheit)  weiterhin  erfüllt  sein 
müssen,  um  die  Flüchtlingseigenschaft  anerkennen  zu  können  (vgl. 
EMARK 2006 Nr. 18 E. 6.1 und 7), 

dass sodann eine nichtstaatliche Verfolgung als asylrechtlich relevant gilt, 
wenn der Heimatstaat (bzw. allenfalls ein Quasi­Staat) nicht  in der Lage 
oder nicht willens ist, adäquaten Schutz vor Verfolgung zu bieten, 

dass  es  dabei  nicht  darum  geht,  von  Dritten  bedrohte  Personen  eine 
faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz zu gewähren, weil 
es  keinem  Staat  gelingen  kann,  die  absolute  Sicherheit  seiner 
Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren, 

dass  indessen  eine  zur  Verfügung  stehende  funktionierende  und 
effiziente  Schutzinfrastruktur  erforderlich  ist,  wobei  in  erster  Linie  an 
polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts­ und 
Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht, 

dass die Inanspruchnahme dieses Schutzsystems der betroffenen Person 
zudem  objektiv  zugänglich  und  individuell  zumutbar  sein  muss,  was 
jeweils  im  Rahmen  einer  Einzelfallprüfung  unter  Berücksichtigung  des 
länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 32 E. 
6.1 S. 340 f.),

http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32
http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32
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Seite 10

dass  in  Bestätigung  der  vorinstanzlichen  Einschätzung  festzustellen  ist, 
dass gemäss Aussagen des Beschwerdeführers die Polizei  nach einem 
Gespräch  vom  (…)  zwar  keine  Strafanzeige  entgegennahm,  aber  sich, 
sobald  der  Beschwerdeführer  und  sein  Geschäftspartner  die 
Gewalttätigkeiten  vom  (…)  gemeldet  hatten,  rasch  und  effizient 
einschaltete, 

dass es dem Beschwerdeführer und seinem Geschäftspartner tatsächlich 
auch nach Einstellung der Strafuntersuchung möglich gewesen wäre, das 
Verfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft weiterzuziehen, 

dass  die  vom  Beschwerdeführer  demgegenüber  in  der 
Rechtsmitteleingabe  gemachten  Ausführungen,  die  kirgisischen 
Behörden seien korrupt und das Gerichtsverfahren sei unfair abgelaufen, 
unbehelflich sind,

dass  überdies  festzustellen  ist,  dass  die  angeführten  Behelligungen 
weder  aus  politischen  oder  religiösen  Gründen  noch  wegen  der 
Nationalität  oder  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Ethnie 
beziehungsweise zu einer bestimmten Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 
AsylG  erfolgt  sind,  sondern,  weil  sich  er  und  sein  Geschäftspartner 
geweigert hätten, die Firma zu verkaufen, 

dass es den Vorbringen des Beschwerdeführers deshalb offenkundig an 
der  erforderlichen  Asylrelevanz  fehlt,  und  sich  eine  Prüfung,  ob  der 
kirgisische  Staat  willens  und  fähig  ist,  ihm  den  adäquaten  Schutz  zu 
gewähren, deshalb erübrigt hätte,

dass deshalb auf eine Auseinandersetzung mit den weiteren Vorbringen 
des Beschwerdeführers (korruptes Staatssystem) zu verzichten ist,

dass das Bundesamt das Asylgesuch demzufolge  im Ergebnis zu Recht 
ablehnte, und die Wegweisung aus dem Transitbereich anordnete, 

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

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dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 
da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich 
erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, 
weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im 
Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 

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droht,  zumal  ihm  im  Heimatland  auch  keine  (übermässige)  Strafe  (im 
Sinne eines "real risks") droht (vgl. EMARK 2000 Nr. 26), 

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass  das  BFM  darin  zu  bestätigen  ist,  dass  keine 
Wegweisungsvollzugshindernisse  bestehen  und  die  Situation  in 
Kirgisistan  sich  seit  den  Unruhen  vom  Frühling  2010  kontinuierlich  und 
nachhaltig  verbessert  hat,  so  dass  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt 
festzustellen  ist  und  auch  keine  individuellen Gründe  auf  eine  konkrete 
Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, 

dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  gesunden 
Beschwerdeführer  handelt,  der  über  eine  gute  Schul­  und  Ausbildung 
sowie  langjährige  Arbeitserfahrung  namentlich  im  Bereich  der  (…) 
verfügt,  und  deshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  er  über  ein 
umfangreiches  soziales Netz  in Kirgisistan  verfügt, weshalb  der Vollzug 
der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach 
Kirgisistan  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse 
bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei 
der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4 
AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515),

dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung 
abzuweisen  ist,  weil  die  Rechtsbegehren  –  wie  vorgängig  ausgeführt – 
offenkundig keine Erfolgschancen haben,

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dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600 
(Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki