# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2c8aeea-5526-524c-b614-3c585c64056e
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-23
**Language:** de
**Title:** Solothurn Verwaltungsgericht 23.04.2024 VWBES.2023.385
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VG_001_VWBES-2023-385_2024-04-23.html

## Full Text

Verwaltungsgericht

 

Urteil vom 23. April 2024
                              

Es wirken mit:

Präsident Thomann

Oberrichter Frey    

Oberrichterin Obrecht Steiner 

Gerichtsschreiberin Law

In Sachen

A.___ 

Beschwerdeführer 

 

 

gegen

 

 

Departement des Innern,  vertreten durch Migrationsamt,  

 

Beschwerdegegner 

 

 

betreffend     Familiennachzug

zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:

 

I.

 

1. A.___ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
wurde in Pakistan geboren und reiste am 15. November 2010 als Asylsuchender in
die Schweiz ein. Nachdem sein Asylgesuch abgewiesen wurde, verheiratete sich
der Beschwerdeführer mit einer 27 Jahre älteren Schweizer Bürgerin. Infolge der
Heirat wurde der Beschwerdeführer am 16. September 2016 eingebürgert. Am 1.
Oktober 2016 verstarb seine Schweizer Ehefrau.

 

2. Am 16. August 2021 verheiratete sich
der Beschwerdeführer in Pakistan mit der pakistanischen Staatsbürgerin [...]
(nachfolgend: Ehefrau), bei welcher es sich um seine Cousine und um die
Ex-Ehefrau seines Bruders handelt. Der Bruder des Beschwerdeführers ist seit
dem Jahr 2018 mit einer Schweizerin verheiratet und im Kanton Basel-Landschaft
wohnhaft.

 

3. Nachdem am 25. März 2022 beim
Migrationsamt die Visumsanträge der Ehefrau und ihrer vier Kinder, deren
Kindsvater der Bruder des Beschwerdeführers ist, eingingen, stellte der
Beschwerdeführer am 2. September 2022 ein Gesuch um Familiennachzug.

 

4. Im Zuge der Visumsanträge prüfte die
Schweizer Botschaft in Islamabad diverse Dokumente der Ehegatten und hegte
alsdann, auch gestützt auf Abklärungen eines Vertrauensanwalts, den Verdacht
auf Scheinehe.

 

5. Am 28. September 2023 wurde die Ehe
zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau in der Schweiz anerkannt und im
Schweizerischen Zivilstandesregister eingetragen.

 

6. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs
wies das Migrationsamt namens des Departements des Innern das
Familiennachzugsgesuch der Ehefrau und ihre Kinder mit Verfügung vom 6.
Dezember 2023 ab. 

 

7. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am
18. Dezember 2023 Verwaltungsgerichtsbeschwerde und beantragte die Aufhebung
der Verfügung.

 

8. In seiner Vernehmlassung vom 11.
Januar 2024 schloss das Migrationsamt namens des Departements des Innern auf
vollumfängliche Beschwerdeabweisung unter Kostenfolge.

 

9. Mit Eingabe vom 22. Januar 2024
reichte der Beschwerdeführer seine Schlussbemerkungen ein.

 

 

II.

 

1. Die Beschwerde ist frist- und
formgerecht erhoben worden. Sie ist zulässiges Rechtsmittel und das
Verwaltungsgericht zur Beurteilung zuständig (vgl. § 49
Gerichtsorganisationsgesetz, GO, BGS 125.12). Der Beschwerdeführer ist durch
den angefochtenen Entscheid beschwert und damit zur Beschwerde legitimiert. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 

2.1 Der Beschwerdeführer rügt eine
Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV, SR 101]). Indem der
Vertrauensanwalt auf Seite 11 seines Berichts vom 24. Juni 2022 den Fall des
Beschwerdeführers mit einem Älteren verglichen habe und sich das Migrationsamt
allenfalls dadurch habe beeinflusst lassen, hätte ihm das Migrationsamt die
relevanten Stellen aus diesem Fall zukommen lassen müssen. Zudem sei ihm die
Mitschrift der in der Botschaft geführten Befragung nicht zugänglich gemacht
worden. Der Vertrauensanwalt habe des Weiteren nicht offengelegt, in welcher
örtlichen Nähe die befragten Dorfbewohner zu seinem Elternhaus leben.
Stichhaltige Beweise des Migrationsamtes seien ihm im Rahmen der Akteneinsicht
nicht zugänglich gemacht worden.

 

2.2 Das rechtliche Gehör gemäss Art. 29
Abs. 2 BV dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar,
welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere
das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache
zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen,
mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle
Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren
ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1
S. 293 mit Hinweisen).

 

2.3 Inwiefern das Migrationsamt das
rechtliche Gehör verletzt haben soll, ist nicht ersichtlich. Aus dem Entscheid
des Migrationsamtes geht klar hervor, auf welche Beweismittel abgestützt und
welche Aktenstücke für die Entscheidung miteinbezogen wurden. In den Akten liegt
keine Mitschrift der Botschaft vor, welche dem Beschwerdeführer hätte zur
Kenntnis gebracht werden können. Dem Beschwerdeführer wurde im Vorverfahren Akteneinsicht
gewährt (AS 330), wodurch er sich ein eigenes Bild der Aktenlage machen
konnte. Die Subsumierung und Gründe für die Ablehnung des
Familiennachzugsgesuches sind dem Entscheid klar zu entnehmen.  Zudem ist fraglich,
ob die Entfernung der Dorfbewohner zum Haus seiner Eltern etwas am Sachverhalt
geändert hätte, da sich das Migrationsamt nicht einzig auf die Aussagen der
Dorfbewohner abstützte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt demzufolge
nicht vor. Im Übrigen wäre eine Gehörsverletzung im Beschwerdeverfahren geheilt
worden, erhielt der Beschwerdeführer doch im vorliegenden Beschwerdeverfahren
die Möglichkeit, sich vor dem Verwaltungsgericht, das sowohl den Sachverhalt
als auch die Rechtsanwendung frei überprüfen kann (vgl. § 67bis
VRG), umfassend zu äussern.

 

3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
(AIG, SR 142.20) haben ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren
von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. 

 

3.2 Der Familiennachzug ist zu
bewilligen, wenn gemäss Art. 51 AIG kein Rechtsmissbrauch und keine
Widerrufsgründe nach Art. 63 AIG gegeben sind, die nachziehenden Eltern das
Sorgerecht haben und das Kindeswohl dem Nachzug nicht entgegensteht und die
Voraussetzungen nach Art. 42 AIG erfüllt sind (vgl. BGE 136 II 78 E. 4.7 und
4.8).

 

3.3 Ein Familiennachzug ist
rechtmissbräuchlich, wenn damit die Vorschriften des AIG und seiner
Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufenthalt umgangen werden
sollen. Hierunter fällt die Scheinehe oder Ausländerrechtsehe.

 

3.4 Eine den Rechtsmissbrauchstatbestand
erfüllende, sog. Ausländerrechtsehe oder Scheinehe, liegt nicht bereits dann
vor, wenn auch ausländerrechtliche Motive für den Eheschluss entscheidend
waren. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bedarf es für die Annahme
einer Ausländerrechtsehe konkreter Hinweise dafür, dass die Ehegatten nicht
eine eigentliche Lebensgemeinschaft zu führen beabsichtigten, sondern die
Beziehung nur aus aufenthaltsrechtlichen Überlegungen eingegangen wurde.
Erforderlich ist, dass der Wille zur Führung der Lebensgemeinschaft im Sinne
einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen, körperlichen und spirituellen
Verbindung zumindest bei einem Ehepartner fehlt (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 2C_613/2019 vom 14. November 2019 E. 3.6.3; 2C_782/2018 vom 21.
Januar 2019 E. 3.2.1 und 3.2.3 mit zahlreichen Hinweisen; 2C_936/2016 vom
17. März 2017 E. 2.3). Ob dies der Fall ist bzw. ob die Migrationsbehörde
über den fehlenden Willen zur Aufnahme einer tatsächlichen, ehelichen
Lebensgemeinschaft getäuscht wurde, entzieht sich in der Regel dem direkten
Beweis und ist nur durch Indizien zu erstellen. Grundsätzlich muss die
Migrationsbehörde die Ausländerrechtsehe nachweisen. Dass eine solche vorliegt,
darf dabei nicht leichthin angenommen werden. Die Behörde muss den Sachverhalt
von Amtes wegen möglichst zuverlässig abklären; indessen wird der
Untersuchungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert
(Art. 90 AIG). Diese kommt naturgemäss bei Tatsachen zum Tragen, die eine
Partei besser kennt als die Behörden und die ohne ihre Mitwirkung gar nicht
oder nicht mit vernünftigem Aufwand erhoben werden könnten. Das gilt
insbesondere, wenn bereits gewichtige Hinweise auf eine Ausländerrechtsehe
hindeuten; dann darf und muss von den Eheleuten erwartet werden, dass sie auch
von sich aus Umstände vorbringen und belegen, um die in eine andere Richtung
weisenden Indizien zu entkräften (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_613/2019
vom 14. November 2019 E. 3.6.4; 2C_279/2017 vom 25. September 2017 E. 3.1;
2C_936/2016 vom 17. März 2017 E. 2.3). Lässt die Indizienlage keinen
klaren und unzweideutigen Schluss zu, ist das Vorliegen einer
Ausländerrechtsehe nicht erstellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_782/2018
vom 21. Januar 2019 E. 3.2.5).

 

Indizien für eine Scheinehe können
äussere Begebenheiten sein wie die Umstände des Kennenlernens, eine kurze Dauer
der Bekanntschaft, eine drohende Wegweisung, das Fehlen einer Wohngemeinschaft,
ein erheblicher Altersunterschied, Schwierigkeiten in der Kommunikation,
fehlende Kenntnisse über den anderen 

oder die Bezahlung einer Entschädigung für die Heirat. Sie können aber auch
innere (psychische) Vorgänge betreffen (vgl. BGE 128 II 145 E. 2.3; Urteile des
Bundesgerichts 2C_782/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.2.2; 2C_200/2017 vom 14.
Juli 2017 E. 3.2).

 

4.1 Der Beschwerdeführer bestreitet das
Vorliegen einer Scheinehe, zumal keine Indizien einer solchen gegeben seien.
Seine Ehefrau habe vor der Ehe nie versucht, in der Schweiz oder in Europa eine
Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Es gäbe in Pakistan und in seiner Familie
zwar starke Vorbehalte gegen die Heirat mit der geschiedenen Frau des Bruders.
Eine solche Heirat verbiete der Koran allerdings nicht. Über die Ehe hätten
sich der Beschwerdeführer und seine Ehefrau lange Gedanken gemacht und sich
dafür gegenüber beiden Elternteilen intensiv eingesetzt. Die vom Migrationsamt
vorgelegten Beweise seien weder stichhaltig noch gewissenhaft gesammelt worden.
Das im Bericht des Vertrauensanwaltes enthaltene Foto zeige nicht seine
Ehefrau, sondern deren Schwester, was gegen eine sorgfältige Arbeitsweise des
Vertrauensanwaltes spreche. Beim befragten Rikscha-Fahrer handle es sich nicht
um eine verlässliche Quelle. Die Befragung durch den Vertrauensanwalt sei im
Winter 2018/2019 erfolgt und nicht in der Zeit nach der Scheidung seiner
Ehefrau und Bruders im Jahr 2017. Zumal die Familie seiner Ehefrau gegen seinen
Bruder Gewaltanschläge ausgeübt habe, sei es unwahrscheinlich, dass seine
Ehefrau mit den Eltern des Beschwerdeführers zusammengelebt habe. Aufgrund der
vielen Bewohner im Haus seiner Eltern sei es unwahrscheinlich, dass die
Dorfbewohner beurteilen konnten, wer dort alles wohne. Sein Vater und sein
Bruder seien bei der zweiten Hochzeit seiner Ehefrau anwesend gewesen, weil es
sich bei ihnen um Onkel und Cousin der Ehefrau handle. Es entspräche den
pakistanischen Gebräuchen, dass sich Familienmitglieder um eine Verheiratung
der heiratsfähigen Ehefrau kümmern. Eine geschiedene Mutter zähle zu den schwer
zu vermittelnden Ehefrauen. Um die Kinder von eventuellen Übergriffen vom
Stiefvater zu schützen, hätten sich sein Vater und sein Bruder bei der Suche um
einen neuen Ehemann beteiligt. Seine Ehefrau habe sich aufgrund der Umstände
der Befragung (lange Anfahrtszeit, Druck der Behörden) nicht an Details der Ehe
und sein Leben erinnern können, zumal die Ehegatten nicht über Triviales
sprechen würden. Via Chat würden sich die Ehegatten über die Kinder und die
gemeinsame Zukunft unterhalten. Der Beschwerdeführer leide an einer zwanghaften
Angewohnheit, Privates vor Blicken anderer schützen zu wollen, weshalb er
seinen Gesprächsverlauf mehrmals pro Woche lösche. Sein Bruder habe keinen
Kontakt mehr zu den Kindern, was seine Schweizer Ehefrau in einem Schreiben bezeuge.

 

4.2 Für das Migrationsamt hingegen habe
es seit Einreichung der persönlichen Einreisegesuche Zweifel gegeben, weil
mehrere Hinweise auf eine Scheinehe hindeuten würden. Neben diverser Indizien
sowie aufgrund der sehr aussergewöhnlichen Konstellation der Familie (Heirat
mit Ex-Ehefrau des Bruders und Nachzug der Kinder des Bruders), welche in
grossem Masse der muslimischen Kultur und den pakistanischen Gebräuchen
widerspreche, sei davon auszugehen, dass die Ehe lediglich zur Umgehung der
ausländerrechtlichen Vorschriften eingegangen worden sei und keine Absicht
bestünde, eine auf längerfristige Dauer ausgelegte Lebensgemeinschaft zu
begründen.

 

4.3 Die Auffassung der Vorinstanz ist
nicht zu beanstanden, indem sie gestützt auf die diversen Indizien zum Schluss
gelangte, die Berufung auf die Ehe sei rechtsmissbräuchlich und bezwecke als
Scheinehe die Umgehung ausländerrechtlicher Vorschriften. Auch wenn im
vorliegenden Fall das Zivilstandsamt Solothurn nach Prüfung der relevanten
Unterlagen die Ehe in das Schweizer Zivilstandsregister eingetragen hat und
eine Ehe unter Cousins in Pakistan nicht unüblich ist, sprechen gewichtige
Hinweise für eine Scheinehe. Die Zweifel konnte der Beschwerdeführer nicht
ausräumen, zumal er überwiegend die Arbeitsweise des Vertrauensanwaltes
bemängelt. Überzeugende Beweismittel, welche für seine Ehe sprechen, welche
nicht zur Umgehung der ausländerrechtlichen Vorschriften gedacht ist, konnte er
nicht vorbringen. Mitunter konnte der Beschwerdeführer trotz entsprechender
Mitwirkungspflicht keine Nachweise eines schriftlichen oder telefonischen Austausches
zwischen den Ehegatten ins Recht legen. Dass der Beschwerdeführer aufgrund
einer zwanghaften Angewohnheit mehrmals pro Woche seine Chatverläufe löscht, mag
dahingestellt sein. Weil jedoch der Verdacht einer Scheinehe im Raum steht und
dem Beschwerdeführer die Wichtigkeit der Chatverläufe bewusst gewesen sein muss,
hätte er nach Gewährung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz mehrere
Monate Zeit gehabt, diverse Screenshots von Chatverläufen zu machen und diese erst
nachfolgend zu löschen. Zudem hätte der Beschwerdeführer eine Anrufliste ins
Recht legen können, aus welcher keine Details zu privaten Gesprächen hervorgeht.
In den Akten liegt zwar ein Screenshot des undatierten Anrufverlaufs der
Ehefrau vor (AS 36). Die daraus hervorgehende Kontaktaufnahme mit dem
Beschwerdeführer erfolgte allerdings höchstwahrscheinlich im Rahmen der
Befragung durch den Vertrauensanwalt, um vom Beschwerdeführer Hochzeitsfotos zu
verlangen (AS 37). Der Beschwerdeführer hingegen reichte einen Screenshot
von fünf verpassten Anrufen seiner Ehefrau zu den Akten (AS 307), welcher
undatiert ist und nicht für eine gegenseitige Kommunikation spricht. Obschon
die Ehefrau gewisse Angaben zur Ex-Ehefrau des Beschwerdeführers und zu dessen
Berufstätigkeit machen konnte (AS 110), zeugen die vom Beschwerdeführer vorgebrachten
trivialen Gesprächsinhalte zwischen den Ehegatten von einer gewissen gegenseitigen
Interessenslosigkeit. Im Laufe einer nun vierjährigen partnerschaftlichen
Gemeinschaft erlangt man zwangsläufig zumindest rudimentäre Kenntnisse über den
Wohnort und Alltag des Partners, auch wenn nach Angaben des Beschwerdeführers
einzig die Kinder der Ehefrau Gesprächsthema sind, wobei sein Wohnort laut ihm
nichts zur Sache tut. Auch wenn der Beschwerdeführer ein paar Fotos zu den
Akten reichte, überzeugt die zwanghafte Wahrung der Privatsphäre nicht. Gemäss
Aussagen des Beschwerdeführers seien Fotos das Einzige, was Paare an
Liebkosungen vornehmen können (AS 313). Die eingereichten Fotos stammen überwiegend
von der Hochzeit (AS 204-207) und von einem Heimatbesuch im Juli 2022 (AS
196-203). Diverse Fotos vom Heimatbesuch im Juli 2022 scheinen jeweils am
gleichen Tag gemacht worden zu sein (AS 196-202; AS 196-203). Von den weiteren
Besuchen, wie dem im Juni 2023 (AS 309), gibt es keine Fotos der Ehegatten,
resp. Nachweise, dass sie gemeinsam Zeit verbracht haben. Diesbezüglich bringt
der Beschwerdeführer vor, dass die Ehegatten die Zeit bewusst geniessen und
dadurch keine Fotos entstanden sind. Diese Aussage erstaunt, zumal es
lebensfremd scheint, bei einer gelebten Fernbeziehung die gemeinsamen Momente nicht
fotografisch festhalten zu wollen. Die Daten auf den eingereichten Fotos (AS
196-203) wurden vom Beschwerdeführer selber hinzugefügt, weshalb es schwierig
ist, seine Angaben verifizieren zu können. Durch die fehlenden Chatverläufe
sowie anhand der Fotos konnte der Beschwerdeführer den Verdacht einer Scheinehe
mit einfachen Mitteln nicht entkräften. Des Weiteren sind die Motive zur
Eheschliessung sowie die Umstände der Scheidung seiner Ehefrau vom Bruder des
Beschwerdeführers nicht schlüssig. Im Vorverfahren gab der Beschwerdeführer
selber an, dass die Ehe mit seiner Ehefrau äusserst unsittlich und unangemessen
ist, da es sich um die Ex-Ehefrau seines Bruders handelt (AS 351). Die Ehefrau nannte
als Grund für die Heirat, sich wegen «property issues and inheritance matters» mit
einem Familienmitglied des Beschwerdeführers verheiraten zu müssen (AS 109).
Dass es sich somit um eine Liebesheirat handelt, was der Beschwerdeführer
wiederholt vorbringt, bestätigt die Ehefrau dadurch nicht. Ihre Aussage hat die
Ehefrau denn auch unterschriftlich bestätigt 

(AS 109), sodass Missverständnisse, wie der Beschwerdeführer meint, nicht
entstehen konnten. Die Scheidungsakte zwischen der Ehefrau und dem Bruder des
Beschwerdeführers ist gemäss Vertrauensanwalt verdächtig, zumal diverse Seiten
mit anderer Handschrift und Tinte verfasst wurden (AS 114). Die Ehefrau ist
ferner nicht im Besitz des Scheidungsurteils (AS 111). Die fehlende Scheidung
vom Bruder des Beschwerdeführers ist nach Einschätzung des Vertrauensanwalts
auch dadurch erstellt, dass bei der zweiten Ehe der Ehefrau der Vater und der
Bruder des Beschwerdeführers anwesend waren und als Trauzeugen dienten. Dies ist
nach Auffassung des Vertrauensanwaltes sehr merkwürdig und in Pakistan nicht
Usanz. Dieses Mitwirken des Vaters und Bruders kommt gemäss Angaben des
Vertrauensanwaltes nur bei Scheinehefällen vor, weshalb eben gerade keine
Scheidung vom Bruder des Beschwerdeführers von statten gegangen ist (AS 114). Das
Verwaltungsgericht ist an die Einschätzung des Vertrauensanwaltes gebunden,
zumal der Beschwerdeführer keine anderweitigen Beweise oder Gegenberichte ins
Recht legen konnte. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass seine Familie die
Kinder lediglich von einem gewalttätigen Stiefvater schützen und den Kontakt zu
den Kindern aufrechterhalten wollte. Diese Behauptung wirkt vorgeschoben und kann
vom Beschwerdeführer mit keinen Belegen untermauert werden. Wiederum kann der
Verdacht der Scheinehe nicht mit einfachen Mitteln ausgeräumt werden, zumal bis
anhin auch keine Validierung der Scheidung durch das Zivilgericht in Pakistan eingereicht
wurde. Weiteres Indiz der fehlenden Scheidung ist das Zusammenwohnen der
Ehefrau bei den Eltern des Beschwerdeführers, auch vor deren Heirat. Wiederum
bestreitet dies der Beschwerdeführer und will den Vertrauensanwalt in
Misskredite bringen. Fakt ist, dass die Dorfbewohner bestätigten, dass keine
Scheidung zwischen der Ehefrau und dem Bruder des Beschwerdeführers erfolgt ist
(AS 358-359). Es ist davon auszugehen, dass die Einwohner des Dorfes über die Lebensumstände
des Beschwerdeführers Bescheid wissen, zumal sie auch von der neuen
Schweizer-Ehefrau des Bruders des Beschwerdeführers wussten (AS 357). Ferner
haben auch die Nachbarn bestätigt, dass die Ehefrau weiterhin mit dem
Ex-Ehemann zusammenlebt bzw. nicht von ihm geschieden ist (AS 120). Auch die
Aussagen der Putzfrau decken sich mit diesen Äusserungen (AS 358). Notabene hat
eine Putzfrau detaillierte Einsicht ins Familienleben ihres Arbeitgebers,
weshalb ihre Aussage glaubhaft scheint. Ferner ist augenfällig, dass die
Einvernahme des Rikscha-Fahrers, welcher ebenfalls das Zusammenleben der
Ehefrau mit ihren Schwiegereltern bestätigte, von Familienangehörigen (Cousin
oder Neffen) des Beschwerdeführers verhindert wurde (AS 358). Der
Beschwerdeführer bestreitet die Anstellung einer Putzfrau resp. den Aufenthalt
eines Cousins oder Neffen im Haushalt und reicht dazu eine Liste von
Familienangehörigen ein, welche sich zum damaligen Zeitpunkt im Haushalt
aufgehalten haben sollen. Diese Liste ist jedoch nicht verifizierbar und ausschliesslich
eine Parteibehauptung des Beschwerdeführers. Ein weiteres Indiz für eine
Scheinehe ist, dass gemäss Aussagen der Schwägerin des Beschwerdeführers, dieser
im Jahr 2021 eine andere Beziehung geführt hat (AS 1-2). Die angebliche
Freundin beschrieb das Verhältnis zum Beschwerdeführer in einem, notabene zwei
Jahre später, verfassten Schreiben lediglich als Freundschaft (AS 343-344).
Auch hier liegen Diskrepanzen vor, zumal die Schwägerin eigenen Aussagen
zufolge die angebliche Freundin sehr gut kannte und somit sicherlich um das
Verhältnis zwischen ihr und dem Beschwerdeführer wusste. Der Beschwerdeführer
behauptet diesbezüglich, dass die Schwägerin nicht ganz verstanden hatte, um
was es bei der Frage ging, was wiederum vorgeschoben wirkt. Die Aussage der
Schwägerin erfolgte im Rahmen einer Befragung durch das Migrationsamt, welches
klar und unmissverständlich um Auskunft bat, um wen es sich bei der Freundin des
Beschwerdeführers handelt. Augenfällig ist denn auch, dass diese Freundin die
Vermieterin der zukünftigen ehelichen Wohnung des Beschwerdeführers ist (AS
304). Des Weiteren ist die Familienkonstellation unüblich, indem die Ex-Ehefrau
des Bruders geehelicht wird. Zumal die Familie der Ehefrau Anschläge gegen den
Bruder des Beschwerdeführers verübt haben soll (AS 283, 286), mutet es
merkwürdig an, dass der Beschwerdeführer, trotz weiterhin intensivem Kontakt
mit seinem Bruder (AS 286), die Ehe eingegangen ist. Angaben des
Beschwerdeführers zufolge hat er bei seinen wiederholten Reisen im Winter
2018/2019 seine Ehefrau nach langer Zeit wiedergesehen und alsdann die
Beziehung aufgenommen. Erst im Herbst 2020 habe er darüber seine Familie
informiert. Weshalb der Beschwerdeführer der Ehefrau allerdings bereits ab März
2019 mehrere tausend Franken pro Monat geschickt hat, ist angesichts dieses
Zeitablaufs nicht schlüssig. Aus den Ein- und Ausreisedaten geht denn auch
hervor, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2021 lediglich einmal ins Heimatland
gereist ist und bereits zehn Tage nach der Heirat wieder in die Schweiz zurückkehrte
(AS 188-191, 309). Eigenen Angaben zufolge konnte der Beschwerdeführer aufgrund
seines Studiums die Ehefrau über ein Jahr nicht besuchen. Angesichts der
Semesterferien sowie der finanziellen Möglichkeiten eines Heimatbesuchs mutet
dies befremdlich an. Als Drittstaatsangehörige ohne hohe berufliche
Qualifikation kann die Ehefrau entgegen der Vorbringen des Beschwerdeführers denn
auch einzig durch die Ehe mit einem Schweizer in die Schweiz einreisen bzw. hier
verbleiben. Summa summarum liegen zahlreiche Ungereimtheiten vor, die eine
Scheinehe nachweisen. Der Beschwerdeführer bringt hingegen weder im
vorinstanzlichen noch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren beweismässig
unterlegte Anhaltspunkte vor, die einen echten Ehewillen glaubhaft machen oder
zumindest die vorinstanzliche Sachverhaltsermittlung oder Beweiswürdigung
relativieren und die Ungereimtheiten klären würden. Der Anspruch auf
Familiennachzug nach Art. 42 AIG ist somit gemäss Art. 51 AIG erloschen.

 

5. Bei der Ehe des Beschwerdeführers
handelt es sich um eine Scheinehe und somit um keine echte und tatsächlich
gelebte Beziehung und kein schützenswertes Familienleben (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_981/2017 vom 18. Februar 2019 E. 4.2). Art. 8 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten wird deshalb
durch die Ablehnung des Familiennachzugsgesuchs nicht verletzt.

 

6. Die Beschwerde erweist sich somit als
unbegründet, sie ist abzuweisen. Bei diesem
Ausgang hat der Beschwerdeführer die Kosten des Verfahrens vor Verwaltungsgericht
zu bezahlen, die einschliesslich der Entscheidgebühr auf CHF 1'500.00
festzusetzen sind.

 

 

Demnach wird erkannt:

 

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.    A.___ hat die Kosten des Verfahrens vor Verwaltungsgericht
von CHF 1'500.00 zu bezahlen.

 

 

Rechtsmittel: Gegen
diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Eröffnung des begründeten Urteils
beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
eingereicht werden (Adresse: 1000 Lausanne 14). Die Frist wird durch
rechtzeitige Aufgabe bei der Schweizerischen Post gewahrt. Die Frist ist nicht
erstreckbar. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines
Vertreters zu enthalten. Für die weiteren Voraussetzungen sind die Bestimmungen
des Bundesgerichtsgesetzes massgeblich.

Im Namen des Verwaltungsgerichts

Der Präsident                                                                    Die
Gerichtsschreiberin

Thomann                                                                          Law