# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 76e38644-6d4d-5c84-83d1-38816bdfafd7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-25
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 25.06.2024 SK 2022 578
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-578_2024-06-25.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 22 578 + 579

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 25. Juni 2024 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin), 
Obergerichtssuppleant Erismann, Oberrichter Wuillemin
Gerichtsschreiberin Kilchenmann

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin E.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

B.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin C.________

Straf- und Zivilklägerin

D.________

Strafklägerin

Gegenstand Schändung (mehrfach), Nötigung (Versuch), Beschimpfung 
(mehrfach) etc. sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 1. Juni 2022 (PEN 21 318 / 319)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht in Dreierbe-
setzung; nachfolgend Vorinstanz) vom 1. Juni 2022 (pag. 921 ff.) wurde 
A.________ (nachfolgend Beschuldigter) vom Vorwurf der Nötigung, evtl. Versuch 
dazu, angeblich begangen in der Zeit vom 9. Juli 2018 bis am 12. Oktober 2018 am 
F.________ (Strasse) in G.________ (Ortschaft) sowie an der H.________ (Stras-
se) in I.________ (Ortschaft), evtl. anderswo, zum Nachteil von J.________, sowie 
vom Vorwurf der versuchten Erpressung, evtl. versuchten Nötigung, angeblich be-
gangen am 18. November 2018 an der H.________(Strasse) in 
I.________(Ortschaft), evtl. anderswo, zum Nachteil von J.________, freigespro-
chen, unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/5) von insge-
samt CHF 5'604.95 (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) an den Kanton Bern 
und unter Ausrichtung einer Entschädigung (1/5) von CHF 2'340.95 an Rechtsan-
walt K.________ für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten (Ziff. I. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs).

Hingegen wurde der Beschuldigte der mehrfachen Schändung, begangen in der 
Zeit zwischen 29. Juni 2019 und 29. Juli 2019 an der L.________ (Strasse) in 
M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von B.________ (nachfolgend Privatkläge-
rin), der versuchten Nötigung, begangen am 6. September 2019 an der 
H.________(Strasse) in I.________(Ortschaft) und anderswo zum Nachteil von 
D.________ (nachfolgend Strafklägerin), der mehrfachen Beschimpfung, begangen 
in der Zeit vom 19. August 2019 bis am 6. September 2019 an der 
H.________(Strasse) in I.________(Ortschaft) und anderswo zum Nachteil der 
Strafklägerin sowie des betrügerischen Konkurses und Pfändungsbetrugs, began-
gen am 31. Januar 2019 an der N.________ (Strasse) in O.________ (Ortschaft), 
schuldig erklärt. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten hierfür in Anwendung 
der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten 
(Gesamtstrafe für die mehrfache Schändung, die versuchte Nötigung und den be-
trügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug) – wobei es ihm im Umfang von 27 
Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren den bedingten Vollzug gewährte und 
die erstandene Polizeihaft von einem Tag an die zu vollziehenden Teilstrafe von 
neun Monaten anrechnete – zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 90.00 
(Gesamtstrafe für die mehrfachen Beschimpfungen), ausmachend total 
CHF 1'800.00, zu einer Landesverweisung von sechs Jahren sowie zu den auf die 
Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten (4/5) von insgesamt CHF 28'532.25 
(inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Verbeiständung 
der Privatklägerin; Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Weiter sah die Vorinstanz vom Widerruf des mit Strafbefehl der regionalen Staats-
anwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 10. November 2017 (BJS 16 27040) für ei-
ne Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend total 
CHF 1'650.00, gewährten bedingten Vollzugs ab; sie verlängerte jedoch die Probe-

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zeit um ein Jahr (laufend ab 1. Juni 2022) und auferlegte dem Beschuldigten die 
Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 (Ziff. III. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs). 

Ferner wurde die auf den Schuldspruch entfallende amtliche Entschädigung und 
das volle Honorar der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsver-
tretung der Privatklägerin festgesetzt, jeweils unter Rück- und Nachzahlungspflicht 
des Beschuldigten (Ziff. IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Im Zivilpunkt verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung einer Ge-
nugtuung von CHF 8'000.00 an die Privatklägerin (Ziff. V. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs). Für den Zivilpunkt wurden keine Kosten ausgeschieden (Ziff. VI. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Im Weiteren verfügte die Vorinstanz die Einziehung und Verwertung diverser Ge-
genstände sowie die Verwendung des Verwertungserlöses zur Deckung der Ver-
fahrenskosten. Schliesslich traf sie die Verfügung betreffend die über den Beschul-
digten erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. VII. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs). 

2. Berufung

Gegen das Urteil der Vorinstanz meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch 
Rechtsanwalt K.________, mit Schreiben vom 10. Juni 2022 fristgerecht die Beru-
fung an (pag. 954). Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfü-
gung vom 20. Oktober 2022 (pag. 1115 f.) reichte der Beschuldigte am 10. Novem-
ber 2023 form- und fristgerecht eine Berufungserklärung ein (pag. 1125 ff.). 
Gemäss Ziff. II. der Berufungserklärung («Umfang der Berufung») beschränkt er 
die Berufung auf die Schuldsprüche der mehrfachen Schändung, der versuchten 
Nötigung sowie des betrügerischen Konkurses und Pfändungsbetrugs und die da-
mit zusammenhängenden Punkte des erstinstanzlichen Urteils (Verurteilung zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 36 Monaten, Verurteilung zu einer Landesverweisung von 
sechs Jahren, Auferlegung der Verfahrenskosten [pag. 1128]); mit Blick auf die An-
träge des Beschuldigten (pag. 1129 f.) wird jedoch klar, dass sich seine Berufung 
auch gegen die Höhe und den Vollzug der ausgesprochenen Geldstrafe, den Zivil-
punkt sowie die weiteren Verfügungen gemäss Ziff. VII.1. und 2. des erstinstanzli-
chen Urteilsdispositivs richtet. 

Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 17. November 2022 form- 
und fristgerecht die Anschlussberufung. Sie beschränkte diese auf die Strafzumes-
sung und teilte mit, dass sie kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten 
beantrage (pag. 1138 ff.). 

Die Privatklägerin teilte mit Schreiben vom 5. Dezember 2022 mit, dass sie auf die 
Anschlussberufung verzichte (pag. 1142). Die Strafklägerin und J.________ liessen 
sich zur Frage der Anschlussberufung und des Nichteintretens auf die Berufung 
des Beschuldigten nicht vernehmen. Mit Verfügung vom 23. Januar 2023 wurde 
sodann festgestellt, dass keine der Parteien ein Nichteintreten auf die Anschluss-
berufung der Generalstaatsanwaltschaft beantragt habe (pag. 1154 f.). Mit gleicher 
Verfügung wurde festgehalten, dass die Strafklägerin (ehemals Straf- und Zivilklä-

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gerin) erstinstanzlich keine Zivilansprüche geltend gemacht habe und daher im vor-
liegenden Verfahren lediglich noch als Strafklägerin teilnehme. Zudem wurde 
J.________ (ehemalige Strafklägerin) aus dem Verfahren entlassen.

Mit Verfügung vom 31. Oktober 2023 (und damit kurz vor der angesetzten Beru-
fungsverhandlung) wurde der vom Beschuldigten beantragte Wechsel der amtli-
chen Verteidigung – nach Eingang der Stellungnahmen der Parteien – bewilligt und 
Rechtsanwalt K.________ per sofort aus dem amtlichen Mandat entlassen 
(pag. 1188 ff.). Als neue amtliche Verteidigerin wurde dem Beschuldigten wunsch-
gemäss Rechtsanwältin E.________ per sofort gerichtlich beigeordnet. Zudem 
wurde die Berufungsverhandlung vom 13./14. November 2023 abgesetzt. Die Beru-
fungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand schliesslich am 24./25. Juni 2024 
statt. 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden ein deutscher und schweizeri-
scher Strafregisterauszug (vom 10. Mai 2024 [pag. 1276 ff.]; vom 17. Juni 2024 
[pag. 1298 ff.]), ein Bericht des Migrationsdienstes des Kantons Bern inkl. Akten-
auszüge (vom 14. Juni 2024 [pag. 1286 ff.]), ein Betreibungsregisterauszug des 
Kantons Bern (vom 13. Juni 2024 [pag. 1296 f.]) sowie ein Leumundsbericht (inkl. 
wirtschaftliche Verhältnisse; vom 23. Oktober 2023 [pag. 1213 ff.]) über den Be-
schuldigten eingeholt. Aufgrund der Kooperationsverweigerung des Beschuldigten 
wurde auf die erneute Einholung eines Leumundsberichts auf den Ersatztermin der 
Berufungsverhandlung hin verzichtet. Des Weiteren wurden die Akten EO 24 4701 
hinsichtlich des zwischenzeitlich neu eröffneten Strafverfahrens gegen den Be-
schuldigten wegen Veruntreuung bei der regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau ediert (pag. 1283). Weiter wurde der Beschuldigte anlässlich der obe-
rinstanzlichen Verhandlung ergänzend einvernommen (pag. 1342 ff.).

Mit Beschluss vom 24. Juni 2024 wurde die Privatklägerin – nachdem sie am 
23. Juni 2024 durch ihre Rechtsvertreterin ein Arztzeugnis hatte einreichen lassen 
(pag. 1333 f.), bereits parteiöffentlich befragt wurde, es sich bei ihren Aussagen 
nicht um das einzige belastende Beweismittel handelt und sich die Parteien damit 
einverstanden erklärten – antragsgemäss von der persönlichen Teilnahme an der 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung (vollständig) dispensiert. Auf ihre Befragung 
wurde folglich verzichtet (pag. 1339). Infolge Rückzugs der Berufung des Beschul-
digten anlässlich der Berufungsverhandlung hinsichtlich des Schuldspruchs wegen 
versuchter Nötigung zum Nachteil der Strafklägerin wurde auch auf die Einvernah-
me der Strafklägerin verzichtet (pag. 1340 f.). 

Schliesslich wurden die vom Beschuldigten bzw. Rechtsanwältin E.________ ein-
gereichten Unterlagen (Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und seinen 
Ex-Ehepartnerinnen sowie seiner aktuellen Partnerin und zwei Fotos [pag. 1376 
ff.]) zu den Akten erkannt (pag. 1340 ff., pag. 1376 ff.). Des Weiteren liegt eine Ko-
pie des B-Ausweises des Beschuldigten dem oberinstanzlichen Einvernahmeproto-
koll bei (pag. 1383). 

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4. Anträge der Parteien

4.1 Beschuldigter

Rechtsanwältin E.________ stellte und begründete anlässlich der oberinstanzli-
chen Hauptverhandlung namens und auftrags des Beschuldigten folgende Anträge 
(pag. 1364, pag. 1385 ff.):

1. Es sei festzustellen, dass die nicht (mehr) angefochtenen Punkte des erstinstanzlichen Urteils in 
Rechtskraft erwachsen sind. 

2. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich des Schuldspruchs unter Ziffer II. 1. vollumfänglich 
aufzuheben und das Strafverfahren gegen A.________ wegen des Vorwurfs der mehrfachen 
Schändung gemäss Art. 191 StGB zum Nachteil von B.________ sei vollumfänglich einzustel-
len.

3. Eventualiter: Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich des Schuldspruchs unter Ziffer II. 1. voll-
umfänglich aufzuheben und A.________ sei vom Vorwurf der mehrfachen Schändung gemäss 
Art. 191 StGB zum Nachteil von B.________ vollumfänglich freizusprechen.

4. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich des Schuldspruchs unter Ziffer II. 4. vollumfänglich 
aufzuheben und A.________ sei vom Vorwurf des betrügerischen Konkurses und Pfändungsbe-
trugs gemäss Art. 163 Ziff. 1 StGB vollumfänglich freizusprechen.

5. A.________ sei hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen versuchten Nötigung zum Nachteil 
von D.________ mit einer angemessenen bedingten Geldstrafe zu bestrafen.

6. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Verurteilungen gemäss den Ziffern 1. betreffend 
die verhängte Freiheitsstrafe und 3. betreffend die angeordnete Landesverweisung vollumfäng-
lich aufzuheben.

7. Eventualiter: Bei einem Schuldspruch wegen Schändung sei unter Miteinbezug des in Rechts-
kraft erwachsenen Schuldspruchs wegen mehrfacher Nötigung unter Wegfall der beantragten 
bedingten Geldstrafe (Ziff. 5 hievor) eine bedingte Freiheitsstrafe von maximal 22 Monaten aus-
zusprechen und auf die Anordnung einer Landesverweisung sei zu verzichten.

8. Es sei eine Probezeit anzusetzen von 2 Jahren.

9. Für die erstandene Polizeihaft von 1 Tag am 9. Juni 2020 sei A.________ eine Genugtuung von 
CHF 200.00 aus der Staatskasse zu entrichten.

10. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Verurteilung gemäss Ziff. 4. dahingehend abzuän-
dern, als dass die anteilsmässige Auferlegung der erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten 
an die Staatskasse bzw. an A.________ dem Ausgang des Berufungsverfahrens anzupassen 
sei, wobei A.________ maximal 4/5 der Verfahrenskosten aufzuerlegen seien.

11. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Kostenverfügung gemäss Ziff. IV 2. dahingehend 
abzuändern, als dass A.________ von der Kostentragung für die Rechtsvertretung von 
B.________ im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren vollumfänglich zu entlasten sei (vgl. die 
beiden letzten Absätze).

12. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich dessen Ziffer V. vollumfänglich aufzuheben und die 
Genugtuungsforderung von B.________ sei vollumfänglich abzuweisen, soweit auf diese einzu-
treten ist.

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13. Das erstinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Ziffer VII. 1. vollumfänglich aufzuheben und sämt-
liche beschlagnahmten Gegenstände seien den Berechtigten nach Rechtskraft des Urteils un-
verzüglich herauszugeben.

14. Die amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. E.________, sei für deren Aufwendungen im 
zweitinstanzlichen Verfahren gemäss der heute eingereichten Honorarnoten vollumfänglich aus 
der Staatskasse zu entschädigen.

4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung ihrerseits folgende Anträge (pag. 1370, pag. 1391 ff.): 

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 1. Juni 2022 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Freisprüche von den Anschuldigungen der Nötigung, evtl. Versuch dazu (Ziff. 2 AKS), an-
geblich begangen am 9. Juli 2018 bis am 12. Oktober 2018 am F.________(Strasse) in 
G.________(Ortschaft) und an der H.________(Strasse) in I.________(Ortschaft), evtl. anders-
wo, zum Nachteil von J.________, sowie der versuchten Erpressung, evtl. versuchten Nötigung 
(Ziff. 3.1 AKS), angeblich begangen am 18. November 2018 an der H.________(Strasse) in 
I.________(Ortschaft), evtl. anderswo, zum Nachteil von J.________;

2. der Schuldsprüche wegen Beschimpfung, mehrfach begangen in der Zeit vom 19. August 2019 
bis am 6. September 2019 an der H.________(Strasse) in I.________(Ortschaft) und anderswo, 
zum Nachteil von D.________ (Ziff. 4 AKS), und der versuchten Nötigung, begangen am 6. Sep-
tember 2019 an der H.________ in I.________(Ortschaft) und anderswo, zum Nachteil von 
D.________ (Ziff. 3.2 AKS).

II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Schändung, mehrfach begangen in der Zeit zwischen 29. Juni 2019 und 29. Juli 2019 an 
der L.________(Strasse) in M.________(Ortschaft), zum Nachteil von B.________ (Ziff. 1 AKS);

2. des betrügerischen Konkurses und Pfändungsbetrugs, begangen am 31. Januar 2019 an 
der N.________(Strasse) in O.________(Ortschaft) (Ziff. 5 AKS).

und gestützt darauf sowie gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche (Ziff. I. 2. hiervor) sowie in 
Anwendung der

Art. 22 Abs. 1, 34, 40, 41, 47, 49 Abs. 1, 51, 66a Abs. 1 lit. h, 163 Ziff. 1, 177 Abs. 1, 181, 191 StGB; 
Art. 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 45 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Polizeihaft 
von 1 Tag; 

2. zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 90.00, ausmachend total CHF 1800.00; 

3. zu einer Landesverweisung von 6 Jahren; 

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4. zur Bezahlung der anteilsmässigen erstinstanzlichen und den gesamten oberinstanzlichen 
Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

III.

Das Widerrufsverfahren betreffend den Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-
Seeland vom 10. November 2017 sei nicht zu widerrufen. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten sei-
en A.________ und die oberinstanzlichen Verfahrenskosten dem Kanton Bern aufzuerlegen.

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Die beschlagnahmten Gegenstände seien zur Verwertung einzuziehen (Art. 69 StGB i.V.m. 
Art. 267 Abs. 3 und 268 StPO). 

2. Die Zustimmung zur Löschung der von A.________ erhobenen biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten (PCN-Nr. ________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist sei vorzeitig zu ertei-
len (Art. 354 Abs. 4 lit. a StGB i.V.m. Art. 261 Abs. 1 StPO i.V.m. 16 Abs. 2 lit. h DNA-Profil-
Gesetz). 

3. Die Honorare der amtlichen Verteidigerin und der amtlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin 
B.________ seien gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

4.3 Privatklägerin

Die Privatklägerin stellte und begründete anlässlich der Berufungsverhandlung die 
folgenden Anträge (pag. 1371, pag. 1393):

1) A.________ sei wegen Schändung, mehrfach begangen zum Nachteil der Privatklägerin 
B.________ schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

2) A.________ sei zu verurteilen, der Privatklägerin eine Genugtuungssumme von CHF 8’000.00 
zu bezahlen. 

3) A.________ sei zu verurteilen, die Parteikosten der Privatklägerin in der Höhe von CHF 8’122.50 
für das erstinstanzliche Verfahren sowie in der Höhe von CHF 5'229.85 für das Berufungsverfah-
ren zu bezahlen. 

4) Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den 
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]). Mit Blick auf den Umfang der (Anschluss-)Berufung bzw. die 
Anträge der Parteien (dazu Ziff. I.2. und I.4. hiervor) ist vorab festzustellen, dass 
das Urteil der Vorinstanz vom 1. Juni 2022 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, 
als der Beschuldigte freigesprochen wurde von den Vorwürfen der Nötigung, evtl. 
Versuch dazu, sowie der versuchten Erpressung, evtl. versuchten Nötigung, (Ziff. I. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) unter Auferlegung der anteilsmässigen 
erstinstanzlichen Verfahrenskosten (1/5), ausmachend CHF 3'264.00 (ohne Kosten 
für die amtlichen Entschädigungen), an den Kanton Bern. Rechtskräftig sind zudem 
die Schuldsprüche wegen mehrfacher Beschimpfung und versuchter Nötigung 
(Ziff. II.2.-3. der Schuldsprüche gemäss erstinstanzlichem Urteilsdispositiv) sowie 

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die Nichtausscheidung von Verfahrenskosten im Zivilpunkt (Ziff. VI. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs). 

Nicht rechtskräftig und von der Kammer zu überprüfen sind hingegen die Schuld-
sprüche wegen mehrfacher Schändung und betrügerischen Konkurses und Pfän-
dungsbetrugs (Ziff. II.1. und II.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), damit zu-
sammenhängend die Sanktionen (Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe und Lan-
desverweisung sowie die Höhe und der Vollzug der Geldstrafe; Ziff. II.1.-3. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie der Kosten- und Entschädigungspunkt 
(Ziff. I., Ziff. II.4. und Ziff. IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Ebenfalls 
nicht in Rechtskraft erwachsen sind der Zivilpunkt (Ziff. V. des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs) und die weiteren Verfügungen gemäss Ziff. VII.1. und 2. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs.

Der Nichtwiderruf des mit Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-
Seeland vom 10. November 2017 für eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 
CHF 110.00, ausmachend CHF 1'650.00, gewährten bedingten Vollzugs sowie die 
in diesem Zusammenhang ausgesprochene Verlängerung der Probezeit blieben 
unangefochten. Weil aber die Strafzumessung gesamthaft zu überprüfen ist, hat 
auch das Widerrufsverfahren als mitangefochten zu gelten, weil gegebenenfalls 
anzuordnende Widerrufe oder Ersatzmassnahmen im Falle von Schuldsprüchen 
grundsätzlich untrennbar mit den im Rahmen der Wahl der Strafart und des beding-
ten Vollzugs zu stellenden Legalprognosen verbunden sind. Der Richter soll die 
Freiheit haben, den Entscheid über den (Nicht-)Widerruf in seine Überlegung zur 
(neuen) Strafzumessung in der Hauptsache einzubeziehen (z.B. Mischrechnungs-
praxis). Entsprechend kann der gesamte Punkt des Widerrufsverfahrens (Ziff. III. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) nicht in Rechtskraft erwachsen (vgl. auch 
KELLER, Basler Kommentar StPO/JStPO, 3. Aufl. 2023, N 3 zu Art. 404 StPO, 
Fn 12) und bildet daher ebenfalls Gegenstand der Überprüfung durch die Kammer. 

Die Höhe der amtlichen Entschädigungen der Verteidigung des Beschuldigten und 
der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin blieben unangefochten. Auf 
die Höhe der amtlichen Entschädigungen für das erstinstanzliche Verfahren ist nur 
zurückzukommen, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zuste-
hende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundes-
gerichts [nachtstehend BGer] 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 
6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). Darüber hinausgehend unterliegt dieser 
Punkt auf Grund der fehlenden Beanstandung durch die Generalstaatsanwaltschaft 
dem Verschlechterungsverbot (BGer 6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.2.5).

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen – und/oder der 
Rechtskraft nicht zugänglichen – Punkte über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 
StPO). Aufgrund der Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft darf sie 
das erstinstanzliche Urteil, soweit die Strafzumessung betreffend, auch zum Nach-
teil des Beschuldigten abändern; das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 
StPO) kommt bezüglich der Bemessung der Strafe nicht zum Tragen.

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II. Einstellung Widerrufsverfahren

Nach Art. 46 Abs. 5 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) darf 
ein Widerruf nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit 
drei Jahre vergangen sind. Dies bedeutet, dass das Urteil, mit dem der Strafauf-
schub widerrufen wird, innerhalb dieser Frist gefällt werden muss. Wird ein erstin-
stanzlicher Widerruf beim Berufungsgericht angefochten, so ist nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung das Datum des Berufungsurteils massgebend 
(BGer 6B_733/2019 vom 15. November 2019 E. 1.4). Die zeitliche Befristung von 
Art. 46 Abs. 5 StGB gilt auch für Ersatzmassnahmen (vgl. TRECHSEL/PIETH, Praxis-
kommentar StGB, 4. Aufl. 2021, N 8 und N 16 zu Art. 46 StGB). 

Der Beschuldigte wurde mit Urteil vom 10. November 2017 des Regionalgerichts 
Berner Jura-Seeland verurteilt und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt; seit 
November 2022 liegt diese Verurteilung mehr als fünf Jahre zurück (zwei Jahre 
Probezeit und drei Jahre nach Art. 46 Abs. 5 StGB). Entsprechend ist das Wider-
rufsverfahren oberinstanzlich einzustellen.

III. Verletzung Anklagegrundsatz

6. Vorbringen der Parteien

Rechtsanwältin E.________ führte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
aus, dass die Formulierung in der Anklageschrift, wonach die Privatklägerin even-
tuell zusätzlich unter Cannabis- und Alkoholeinfluss gestanden sei, viel zu ungenau 
sei und das Bestimmtheitsgebot verletze (vgl. Art. 325 Abs. 1 Bst. f. StPO). Die 
Staatsanwaltschaft offenbare mit ihrer Formulierung der Anklage selbst Zweifel am 
Sachverhalt: Entgegen den Aussagen der Privatklägerin – welche von Komaschlaf 
und Tiefschlaf gesprochen habe – stehe in der Anklageschrift, die Privatklägerin 
habe geschlafen. Die Widerstandsunfähigkeit sei ein essenzielles Tatbestands-
merkmal der Schändung. Entsprechend hätte sich die Staatsanwaltschaft festlegen 
müssen, ob sie mit dem Schlaf zusätzlich von einem relevanten Cannabis- 
und/oder Alkoholeinfluss ausgehe oder nicht und wenn ja, in welchem Ausmass. 
Nicht zuletzt aufgrund der Schilderungen des Beschuldigten und der Privatklägerin 
sei denkbar, dass sie mindestens während des dritten angeblichen Schändungs-
vorfalls in einem dissoziativen Zustand gewesen sei. Ein solcher Zustand stelle ei-
nen psychischen Defekt dar, welcher eine vorübergehende Widerstandsunfähigkeit 
nach sich ziehen könne. Dies werde aber in der Anklageschrift mit keinem Wort 
erwähnt. Ein Schuldspruch wegen Schändung könne somit nicht erfolgen. Das Ver-
fahren gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher Schändung sei daher aus ver-
schiedenen Gründen einzustellen (pag. 1364 f.). 

Staatsanwältin P.________ brachte anlässlich der Berufungsverhandlung demge-
genüber vor, dass der Anklagegrundsatz nicht verletzt sei: Dem Beschuldigten sei 
klar, welches Verhalten ihm vorgeworfen werde. Die Widerstandsunfähigkeit werde 
ausdrücklich als Beweisthema genannt (pag. 1367).

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7. Gesetzliche und theoretische Ausführungen

Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die 
Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; 
vgl. auch Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 Bst. a und b der 
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK; 
SR 0.101]). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt 
gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch 
die Anklagebehörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person 
zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die 
Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Dabei 
muss aus der Anklageschrift selbst hervorgehen, welcher konkrete Lebensvorgang 
zur Beurteilung steht (statt vieler: BGer 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 2.3.3; 
BGE 143 IV 63 E. 2.2). Zugleich hat das Anklageprinzip eine Informationsfunktion, 
weil es den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person bezweckt 
und den Anspruch auf rechtliches Gehör garantiert (BGE 143 IV 63 E. 2.2; BGE 
141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen).

Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO hält die gesetzlichen Minimalanforderungen an die 
Formulierung des Sachverhalts in inhaltlicher Hinsicht fest. Demnach bezeichnet 
die Anklageschrift die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten möglichst 
kurz, aber genau mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tat-
ausführung. Dennoch sind an eine Anklageschrift keine überspitzten Anforderun-
gen zu stellen. Das Bundesgericht hielt in zahlreichen Entscheiden fest, die Ankla-
geschrift sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Umgrenzung des 
Prozessgegenstandes und der Information des Beschuldigten, damit dieser die 
Möglichkeit habe, sich zu verteidigen. Etwaige Ungenauigkeiten seien nicht von 
entscheidender Bedeutung, solange für die beschuldigte Person keine Zweifel 
darüber bestünden, welches Verhalten ihr angelastet werde (vgl. BGer 6B_28/2018 
vom 7. August 2018 E. 6.3, 6B_760/2017 vom 23. März 2018 E. 1.3, 6B_684/2017 
vom 13. März 2018 E. 2; je mit Hinweisen). Eine Verletzung des Anklageprinzips 
liegt nur vor, wenn der Beschuldigte nicht (vor dem Hauptverfahren) in genügender 
Weise über den ihm vorgeworfenen Sachverhalt informiert worden ist, sodass er 
Zweifel darüber hatte, für welches Verhalten er angeklagt wurde. Wurden dem Be-
schuldigten anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen die Vorwürfe de-
tailliert erläutert, haben untergeordnete Lücken in der Anklageschrift nicht zwingend 
zur Folge, dass der Beschuldigte sich nicht genügend auf die Hauptverhandlung 
vorbereiten konnte. Überdies ist das Anklageprinzip verletzt, wenn die Anklage 
nicht die Umstände anführt, welche auf das Vorliegen der Kernelemente eines Tat-
bestands schliessen lassen (HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kommentar StPO/
JStPO, 3. Aufl. 2023, N 37 zu Art. 325 StPO). 

Soweit die Staatsanwaltschaft aufgrund der Beweislage unterschiedliche Sachver-
haltsvarianten als evtl. beweisbar betrachtet, kann sie verschiedene Tatvorwürfe 
bezeichnen, die sich entweder subsidiär oder alternativ zueinander verhalten. In-
soweit ist es zulässig, verschiedene voneinander abweichende tatsächliche Fest-
stellungen in der Anklageschrift aufzuführen. Es geht dabei um Fälle, bei denen ei-

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ne (primäre) Anklagehypothese der Staatsanwaltschaft unter Umständen vom Ge-
richt nicht als bewiesen betrachtet werden wird und eine andere Hypothese indes 
eventuell beweisbar ist (HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., N 43 zu Art. 325 StPO).

8. Erwägungen der Kammer
Vorliegend hat die Anklageschrift den mutmasslichen Täter, das Angriffsobjekt 
(zum Widerstand unfähiges Opfer), die Tathandlung (Missbrauch der Schwäche 
des Opfers zu beischlafsähnlichen und anderen sexuellen Handlungen) sowie 
Elemente des subjektiven Tatbestands (Kenntnis des Zustands des Opfers) und 
damit sämtliche Umstände aufgeführt, die für eine Subsumtion unter den angeklag-
ten Tatbestand der Schändung unabdingbar sind. Insbesondere wurden auch die 
tatsächlichen Elemente angegeben, aufgrund derer sich die Privatklägerin im Zu-
stand der Widerstandsunfähigkeit befunden haben soll (Schlaf, evtl. zusätzlicher 
Cannabis- und Alkohol). Der Umstand, dass in der Anklageschrift als mögliches 
Zusatzelement für die Bejahung der Widerstandsunfähigkeit der Einfluss von Can-
nabis und Alkohol aufgeführt wurde, ist entgegen der Verteidigung ohne Weiteres 
zulässig, zumal Alternativ- und Eventualsachverhalte von Gesetzes wegen vorge-
sehen sind (vgl. Art. 325 Abs. 2 StPO). Die konkreten Schändungsvorwürfe wurden 
dem Beschuldigten sodann mehrfach in den Befragungen vorgehalten (vgl. z.B. 
pag. 182 ff., pag. 16 ff.). Ihm und der Verteidigung war daher immer klar, welche 
Handlungen an welchem Tag bzw. in welcher Nacht ihm zum Vorwurf gemacht 
werden. Entsprechend war es dem Beschuldigten auch möglich, sich gegen sämt-
liche Sachverhaltsvarianten zu verteidigen, davon zeugen auch seine Aussagen 
zur Sache. Von welchem Zustand der Privatklägerin dann schlussendlich auszuge-
hen ist, beschlägt sodann die Frage der Beweiswürdigung und nicht des Anklage-
grundsatzes. Insgesamt erfüllt die vorliegende Anklageschrift damit die Umgren-
zungs- und Informationsfunktion. Der Beschuldigte wusste zu jedem Zeitpunkt ge-
nau, was ihm vorgeworfen wird und er konnte sich entsprechend rechtzeitig sowie 
umfassend verteidigen. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes liegt damit nicht 
vor.

IV. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Bezüglich der allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagen-
analyse im Besonderen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz 
verwiesen werden (pag. 971 ff.; S. 11 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

10. Vorwurf der mehrfachen Schändung zum Nachteil der Privatklägerin

10.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift Ziff. I.1.

Dem Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift vom 21. Mai 2021 folgender Sach-
verhalt vorgeworfen (pag. 718 ff.):

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Schändung, mehrfach begangen

in der Zeit zwischen ca. 29.06.2019 und 29.07.2019, evtl. früher, in M.________(Ortschaft), 
L.________(Strasse), zum Nachteil von B.________,

indem der Beschuldigte die Privatklägerin B.________ am Körper anfasste, an mindestens drei ver-
schiedenen Malen einen Finger in ihre Vagina einführte, wiederholt, mindestens jedoch einmal, ver-
suchte mit seinem Penis in ihre Vagina einzudringen und er einmal mit seinem Penis in ihren After 
eindrang und ejakulierte,

obwohl die Privatklägerin zu den jeweiligen Zeitpunkten schlief, evtl. zusätzlich unter Cannabis- und 
Alkoholeinfluss stand, und deshalb weder in der Lage war einzuwilligen noch sich dagegen zur Wehr 
zu setzen; insbesondere: 

▪ am 29.06.2019, ca. 04:00 Uhr, durch Anfassen der Privatklägerin überall am Körper, dem Ver-
such mit seinem Penis in ihre Vagina einzudringen und dem Einführen eines Fingers in ihre Va-
gina; 

▪ am 05.07.2019, durch Einführen eines Fingers in die Vagina der Privatklägerin; 

▪ in der Nacht vom 28./29.07.2019, durch Eindringen mit seinem Penis in den After der auf dem 
Bauch liegenden Privatklägerin sowie dem Ejakulieren. 

Der Beschuldigte nahm die sexuellen Handlungen vor, obwohl er wusste, dass die Privatklägerin in 
dem für ihn erkennbaren Zustand der Schläfrigkeit, evtl. unter dem zusätzlichen Einfluss von Canna-
bis und Alkohol, nicht in der Lage war, sich gegen die sexuellen Handlungen zur Wehr zu setzen und 
sie mit diesen nicht einverstanden war. Evtl. nahm der Beschuldigte billigend in Kauf, dass die Privat-
klägerin sich in einem Zustand der Schläfrigkeit befand, evtl. zusätzlich unter Cannabis- und Alkohol-
einfluss stand, und deshalb nicht in der Lage war, sich gegen die sexuellen Handlungen zur Wehr zu 
setzen und akzeptierte damit das Risiko die sexuellen Handlungen ohne Einwilligung der Privatkläge-
rin vorzunehmen und sie dadurch zu missbrauchen.

10.2 Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz qualifizierte die Aussagen der Privatklägerin als glaubhaft. Ihnen 
seien keinerlei übermässige Anschuldigungen oder Diskreditierungen zu entneh-
men. Demgegenüber seien die Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich und 
geprägt von Gegenangriffen und Schuldzuweisungen. Gestützt auf die Aussagen 
der Privatklägerin – sowie (insbesondere) unter Einbezug der Chatnachrichten zwi-
schen der Privatklägerin und dem Beschuldigten – erachtete die Vorinstanz den 
Vorwurf der mehrfachen Schändung gemäss dem angeklagten Sachverhalt als er-
stellt (pag. 997 ff.; S. 37 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

10.3 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

10.3.1 Beschuldigter

Rechtsanwältin E.________ führte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
aus, es sei unbestritten, dass es in der Nacht vom 28./29. Juli 2019 zu Ge-
schlechtsverkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gekommen 
sei. Aus der Sicht der Privatklägerin sei sie ins Nirvana/in den Tiefschlaf/
Komaschlaf gefallen, aus dem sie aufgrund des Schmerzes in ihrem Anus heraus-
gerissen worden sei. Aus dem Chatverlauf der beiden werde klar, dass es sich bei 
diesem Komaschlaf nicht um einen gewöhnlichen Schlaf gehandelt habe. Aufgrund 

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ihrer Aussagen erscheine es denkbar, dass die Privatklägerin für ihre störungsbe-
dingten Dissoziationen mit den Begriffen Komaschlaf/Tiefschlaf/Nirvana umgangs-
sprachliche Ausdrücke gefunden habe (vgl. pag. 166 Z. 332 ff.). Wenn der Be-
schuldigte also von Schlaf gesprochen habe, habe er damit einen tranceähnlichen 
Zustand gemeint. Es sei denkbar, dass die Privatklägerin während den intimen 
Handlungen des Beschuldigten irgendwann dissoziiert und sich dabei unbewusst 
aktiv bewegt und gestöhnt habe. Ein dissoziativer Zustand sei schwer erkennbar, 
weil die betroffenen Personen wirken könnten, als seien sie noch präsent, obschon 
sie nur noch langsam agieren würden. Die Privatklägerin leide zudem an einem 
chronischen Schmerzsyndrom, welches sich auf den ganzen Beckenbereich er-
strecke. Es könne daher sein, dass sie den Schmerz im Anus gespürt habe, dieser 
aber durch die vaginale Penetration verursacht worden sei. Weiter sei denkbar, 
dass die Privatklägerin in ihrer Dissoziation bspw. aufgrund eines Geruchs oder 
Geräuschs getriggert und in eine traumatische Situation in ihrer Vergangenheit des 
frühkindlichen sexuellen Missbrauchs zurückgeworfen worden sei und sie vergan-
genen Schmerz wiedererlebt und nachträglich aufgrund der diversen physischen 
und psychischen Umstände als ungewollten Analverkehr interpretiert habe. Die Pri-
vatklägerin leide zudem an vaginalen Schmierblutungen. Das Sperma und das Blut 
könnten also auch aus der Vagina geflossen sein, wobei sie dies reflexartig dem 
Anus zugeordnet habe (pag. 1365).

Zu Unrecht sei die scheinbare Widersprüchlichkeit der Aussagen allein dem Be-
schuldigten angelastet worden. Die Vorinstanz verlasse sich einfach auf die Anga-
ben einer schwer traumatisierten Borderlinerin und schliesse aus, dass sich die 
Privatklägerin in ihrer zweiten Persönlichkeit befunden habe. Borderliner würden es 
zudem nicht so genau mit der Wahrheit nehmen. Die (früheren) Partnerinnen wür-
den zudem bestätigen, dass der Beschuldigte keinen Analsex praktiziere. Er sei 
zwar vorbestraft, allerdings sei er kein Sexualstraftäter. Auf den angeklagten Sach-
verhalt könne nicht abgestellt werden, weshalb der Beschuldigte vom Vorwurf der 
mehrfachen Schändung in dubio pro reo freizusprechen sei (pag. 1366).

10.3.2 Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin P.________ brachte anlässlich der Berufungsverhandlung vor, dass 
hinsichtlich der heute vom Beschuldigten eingereichten Schreiben seiner (Ex-)Part-
nerinnen etliche Fragezeichen bestehen würden (E-Mail-Versand, grammatikali-
sche Fehler, Schreibstil etc.). Weil die Authentizität dieser Schreiben nicht bewie-
sen sei, könne auch nicht darauf abgestellt werden. So oder so würden diese 
Schreiben nichts darüber aussagen, was damals zwischen dem Beschuldigten und 
der Privatklägerin vorgefallen sei. Vorliegend sei einzig unbestritten, dass der Be-
schuldigte am 28./29. Juli 2019 mit seinem Penis in die Privatklägerin eingedrun-
gen sei. Der Beschuldigte bestreite aber, die Privatklägerin während des Schlafens 
anal penetriert zu haben. Die weiteren angeklagten Sachverhalte bestreite er eben-
falls. Direkte Zeugen für den Vorfall gebe es nicht. Als objektive Beweismittel wür-
den die Nachrichten der Privatklägerin und des Beschuldigten vorliegen. Daneben 
stehe Aussage gegen Aussage. Zum Vorfall vom 28./29. Juli 2019: Die Privatkläge-
rin habe konstant ausgesagt, dass sie erwacht sei, als der Beschuldigte seinen Pe-
nis in ihrem Anus gehabt habe. Aufgrund des heftigen Schmerzes im Anus sei sie 

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erwacht. Vor dem Vorfall hätten sie eine längere Diskussion geführt. Sie habe ei-
nen Nervenzusammenbruch gehabt und sei neben sich gestanden, weshalb sie 
nicht allein habe sein wollen. Der Beschuldigte sei deshalb bei der Privatklägerin 
geblieben. Der Beschuldigte habe den Vorfall demgegenüber diametral anders ge-
schildert: Er sei erwacht, weil die Privatklägerin an seinem Penis herumgespielt 
habe. Daraufhin habe er ihr gesagt, sie solle aufhören, weil er früh aufstehen müs-
se. Sie habe aber nicht aufgehört und ihn sozusagen zum Sex genötigt, sie habe 
sich auf ihn gesetzt. Er habe aber keinen Orgasmus gehabt und habe das ganze 
nach fünf Minuten abgebrochen, was seinen Nachrichten vom 29. Juli 2019, 02:58 
Uhr, und vom 4. August 2019, 12:12 Uhr, klar widerspreche (vgl. pag. 197, 
pag. 203). Diese Nachrichten würden denn auch belegen, dass die Privatklägerin 
währenddessen geschlafen habe. Plötzlich bringe er dann die zweite Persönlichkeit 
ins Spiel und versuche damit zu erklären, dass es die Privatklägerin gewesen sei, 
welche das gewollt habe. Es bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass die zweite 
Persönlichkeit der Privatklägerin sexuelle Handlungen vorgenommen habe. Sie be-
schreibe die zweite Persönlichkeit denn auch als aggressiv (vgl. pag. 166). Es 
handle sich also um eine reine Schutzbehauptung des Beschuldigten. Die Nach-
richten in Kombination mit den Aussagen der Privatklägerin würden ein stimmiges 
Bild ergeben. Sie habe konstant, widerspruchsfrei und detailliert ausgesagt, darauf 
sei abzustellen. Sie habe den Beschuldigten zudem nicht übermässig belastet (vgl. 
pag. 168). Der Beschuldigte habe demgegenüber widersprüchlich ausgesagt, auch 
hinsichtlich der angeblichen Observierung durch Rechtsanwalt K.________ (vgl. 
pag. 186 und pag. 191). Auch heute habe der Beschuldigte seine Aussagen wie-
derum angepasst und gereizt darauf reagiert, als er auf seine widersprüchlichen 
Aussagen hingewiesen worden sei. Es bestünden keine Zweifel, dass der Beschul-
digte die Privatklägerin am 28./29. Juli 2019 mit seinem Penis anal penetriert habe, 
währenddem sie geschlafen habe. Zu den weiteren Schändungsvorwürfen: Der 
Beschuldigte habe die Privatklägerin von Beginn weg unnötig schlechtgemacht 
(Lügnerin, bekifft, betrunken). Sein Aussageverhalten sei von Schuldzuweisungen 
und Gegenangriffen geprägt. Dass die Initiative für Intimitäten von beiden ausge-
gangen sei, widerlege zudem seine Nachricht vom 29. Juli 2019, 01:52 Uhr (pag. 
195). Entgegen seinen Angaben sei es zudem nicht die Privatklägerin gewesen, 
welche ihn darum gebeten habe, vorbeizukommen. Aus seinen Nachrichten gehe 
vielmehr hervor, dass er gefragt habe, ob er vorbeikommen solle, was die Privat-
klägerin verneint habe. Trotzdem sei er zu ihr gegangen. Die Nachricht der Privat-
klägerin vom 8. Juli 2019, 23:32 Uhr (pag. 192), zeige zudem, dass sie, und nicht 
der Beschuldigte, die Wahrheit gesagt habe. Ihre Schilderung, wonach sie sich 
nach dem ersten Vorfall weggedreht und eine Art Mauer gebaut habe, stimme mit 
der Nachricht des Beschuldigten vom 4. August 2019, 12:12 Uhr, überein, wonach 
er gefragt habe, weshalb sie sich dann nicht weggedreht habe, wie sie es sonst 
gemacht habe (pag. 203). Somit sei auch in Bezug auf diese beiden Vorfälle auf 
die Aussagen der Privatklägerin abzustellen. Die angeklagten Sachverhalte seien 
somit erwiesen (pag. 1367 ff.).

10.3.3 Privatklägerin

Rechtsanwältin C.________ führte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
aus, dass auffallend sei, wie der Beschuldigte immer wieder versucht habe, die Pri-

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vatklägerin in ein schlechtes Licht zu rücken, dies, obwohl er selbst kein unbe-
schriebenes Blatt sei. Heute sei die Privatklägerin von der Verteidigung nun nicht 
mehr als Lügnerin dargestellt worden, sie habe nicht wissentlich falsche Aussagen 
gemacht, sondern dissoziiert. Wenn die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin auch 
nur im Ansatz bejaht werde, dann stehe fest, dass sie aus dem Anus geblutet ha-
be. Für derartige Verletzungen brauche es ein grobes Vorgehen. Ob die Privatklä-
gerin dissoziiert habe oder nicht, spiele somit keine Rolle. Entweder habe es den 
Analsex gegeben oder nicht. Einer der beiden müsse also lügen. Gemäss dem Be-
schuldigten habe es keinen Analsex gegeben. Hier gehe die Verteidigungsstrategie 
nicht auf: Man stelle sich auf den Standpunkt, die Privatklägerin habe dissoziiert 
und den Akt fälschlicherweise als Vergewaltigung eingestuft. Sie habe mitgemacht 
und der Beschuldigte habe nicht gemerkt, dass die Privatklägerin geistig nicht an-
wesend gewesen sei. Wenn man dieser Ansicht folge, müsse die Privatklägerin ja 
dann einmal aus der Dissoziation erwacht sein. Gemäss der Verteidigung habe 
sich die Privatklägerin die Schmerzen nur eingebildet. Zudem leide sie ohnehin un-
ter chronischen Unterleibsschmerzen. Man werfe der Privatklägerin somit vor, sie 
könne nicht unterscheiden, ob sie aus dem Anus oder der Vagina geblutet habe. 
Wenn die Privatklägerin zudem eine Amnesie gehabt hätte, hätte sie alles verges-
sen und zu diesen Vorwürfen wäre es gar nicht erst gekommen. Weiter solle die 
Privatklägerin hinsichtlich der anderen beiden Vorfälle eine Amnesie gehabt oder 
diese schlicht erfunden haben. Diese Verteidigungsstrategie sei nicht schlüssig und 
erkläre nicht ansatzweise, weshalb der Beschuldigte derart widersprüchlich ausge-
sagt habe (pag. 1370 f.).

10.4 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Vorliegend ist unbestritten, dass sich die Privatklägerin und der Beschuldigte über 
ihren Vater kennenlernten. Zunächst arbeitete er als Automechaniker bei ihrem Va-
ter, bis er dann in anderen Garagen tätig war und schliesslich die Garage in 
Q.________ (Ortschaft) übernahm bzw. dort als Filialleiter angestellt wurde. Unbe-
stritten ist weiter, dass die Privatklägerin als Praktikantin für den Beschuldigten 
tätig war und sie ab Frühling 2019 bis ca. Juni/Juli 2019 eine Liebesbeziehung führ-
ten, wobei es zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen kam (pag. 16 Z. 85 f., 
pag. 148, pag. 159 Z. 78 ff., pag. 856 Z. 31 ff., pag. 182 f. Z. 17 ff., pag. 15 Z. 44 
ff.). Überdies ist nicht bestritten, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 
28./29. Juli 2019 bei der Privatklägerin im Wohnwagen schlief und es dabei zu Ge-
schlechtsverkehr kam (pag. 151, pag. 164 Z. 251 ff., pag. 187 Z. 263 ff., pag. 20 
Z. 205 f., pag. 870 Z. 4 ff.). 

Der Beschuldigte bestreitet hingegen, dass es jemals zu Geschlechtsverkehr 
und/oder sexuellen Handlungen gegen den Willen der Privatklägerin und während 
sie schlief gekommen sein soll (pag. 184 Z. 105 f., pag. 185 Z. 195 f., pag. 873 Z. 1 
ff.). Er habe nur an ihr «herumgespielt», wenn sie es gewollt habe (pag. 185 Z. 192 
f.). Konkret bestreitet er den Vorwurf des nicht einvernehmlichen Analverkehrs in 
der Nacht vom 28./29. Juli 2019 (pag. 187 Z. 295 f., pag. 870 Z. 12 ff.) und den 
Versuch, gegen ihren Willen mit seinem Penis in ihre Vagina einzudringen (pag. 17 
Z. 120 ff.). Das Einführen seines Fingers in ihre Vagina bestreitet er generell 
(pag. 18 Z. 155 ff.).

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10.5 Beweismittel

Als Beweismittel liegen der Kammer insbesondere der Anzeigerapport vom 23. Ju-
ni 2020 (pag. 131 ff), der Patientenbericht von Dr. prakt. R.________ vom 4. Mai 
2020 (pag. 142 ff.), die Chatverläufe zwischen dem Beschuldigten und der Privat-
klägerin in der Zeit vom 8. Juli 2019 bis 19. März 2020, die von ihr anlässlich der 
Einvernahme vom 22. April 2020 eingereicht wurden (pag. 191 ff.) sowie ihre Aus-
sagen (vom 22. April 2020 [pag. 146 ff.], vom 3. März 2021 [pag. 157 ff.], vom 
31. Mai 2022 [pag. 856 ff.]), die Aussagen des Beschuldigten (vom 9. Juni 2020 
[pag. 181 ff.], vom 3. März 2021 [pag. 14 ff.], vom 31. Mai 2022 [pag. 868 ff.]) sowie 
die Aussagen der Strafklägerin (vom 8. April 2020 [pag. 177 ff.], vom 31. Mai 2022 
[pag. 862 ff]) vor. 

Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Beweismittel, die bereits dem 
erstinstanzlichen Verfahren zugrunde lagen, zutreffend wiedergegeben und zu-
sammengefasst; darauf kann verwiesen werden (pag. 973 ff.; S. 13 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Soweit notwendig wird im Rahmen der nachfol-
genden Beweiswürdigung näher darauf eingegangen. Dies gilt auch für die vom 
Beschuldigten bzw. Rechtsanwältin E.________ eingereichten Unterlagen (Korre-
spondenz zwischen dem Beschuldigten und seinen Ex-Ehepartnerinnen sowie sei-
ner aktuellen Partnerin und zwei Fotos [pag. 1376 ff.]) und die Aussagen des Be-
schuldigten (pag. 1342 ff.) im oberinstanzlichen Verfahren.

10.6 Beweiswürdigung durch die Kammer

10.6.1 Aussagewürdigung des Beschuldigten

Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten zutreffend gewürdigt. Darauf 
wird – unter ergänzenden Erwägungen der Kammer – vollumfänglich verwiesen 
(pag. 997 ff.; S. 37 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Beim Aussageverhalten des Beschuldigten fällt zunächst auf, dass er die Privatklägerin zu diskreditie-
ren und in ein schlechtes Licht zu rücken versucht. So gab er gleich von Beginn weg an, dass sie 
stets betrunken und bekifft gewesen sei, auch bei der Arbeit und dass sie manchmal so «zugedröhnt» 
gewesen sei, dass er sie nicht wachbekommen habe (pag. 182 f., 188). Um seine Beteuerung, wo-
nach er nicht den Analverkehr an der Privatklägerin vollzogen habe, noch zu unterstreichen, gab er zu 
Protokoll, auch mit dem Vater der Privatklägerin darüber gesprochen zu haben, der seiner Tochter 
ebenfalls nicht glaube (pag. 187 RZ 295 ff.). Nachdem die Privatklägerin Anzeige gegen ihn erstatte-
te, nannte er sie gegenüber den Behörden «so eine Stalkerin» (pag. 187) und gab als Motiv an, sie 
wolle sich bestimmt nur wegen der Aufhebung des Lehrlingsvertrags an ihm rächen (pag. 189). 

Ein Rachemotiv aufgrund des aufgelösten Arbeitsvertrages erscheint zudem wenig 
glaubhaft. Denn die Privatklägerin äusserte sich in den Textnachrichten nur einmal 
dahingehend, dass sie die vom Beschuldigten in Aussicht gestellte Kündigung 
schmerze (pag. 192: Nachricht vom 8. Juli 2019, 23:34 Uhr). Ansonsten schien ihr 
dieser Umstand eher egal bzw. von ihr gewollt zu sein. Denn entweder ging sie auf 
die beabsichtigte Kündigung gar nicht ein (pag. 191: Nachrichten vom 25. Juli 
2019, zwischen 21:23 Uhr und 21:43 Uhr) oder thematisierte, das offenbar für sie 
viel zentralere Thema, nämlich den Vorfall vom 28./29. Juli 2019 (pag. 203: Nach-
richt vom 4. August 2019, 12:12 Uhr [wobei davon auszugehen ist, dass mit «Ver-
trag» die Kündigung gemeint ist, weil sie zu diesem Zeitpunkt bereits bei ihm gear-

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beitet hat, er ihr vor rund einem Monat schrieb, er werde per Monatsende die Auf-
hebung «fertigmachen» und sie sich anfangs September 2019 mehrmals nach dem 
Verbleib der Kündigung erkundigte, pag. 215]; Nachricht vom 15. August 2019, 
07:37 Uhr). Weiter lassen ihre Nachrichten darauf schliessen, dass für sie die Ar-
beit aufgrund ihres Gesundheitszustands und des Vorfalls vom 28./29. Juli 2019 
ohnehin nicht (mehr) von Bedeutung war. So führte sie aus, dass sie einfach nicht 
arbeiten könne (pag. 192: Nachricht vom 8. Juli 2019, 23:32 Uhr), ihr alles «scheiss 
egal» sei, sie nichts mehr zu verlieren habe, sie sich selber Vorwürfe mache, dass 
sie einfach nichts auf die Reihe bekomme (pag. 194: Nachricht vom 27. Juli 2019, 
21:33 Uhr) und sie zum Arbeiten keinen Kopf habe, weil sie die «Vergewaltigung» 
aus der Bahn geworfen habe (pag. 206: Nachrichten vom 15. August 2019, 09:00 
Uhr und 09:14 Uhr). Auch auf die Nachricht des Beschuldigten hin, wonach er sie 
noch nicht bei «S.________» [wohl Frau S.________ vom Sozialdienst 
T.________, bei welcher sie einmal pro Jahr einen Termin gehabt habe, weil sie 
vom Sozialdienst finanziell unterstützt werde, pag. 155 Z. 174 ff., vgl. zudem 
pag. 189 Z. 369, wonach er den Aufhebungsvertrag dem Sozialdienst T.________ 
zugestellt habe] abgemeldet habe [wohl, dass er die Kündigung noch nicht offiziell 
mitgeteilt hat], reagierte die Privatklägerin gleichgültig, indem sie ihm mitteilte, dass 
ihr das egal sei (pag. 205 f.: Nachrichten vom 5. August 2019, 08:41 Uhr und 08:50 
Uhr). Schliesslich wiederholte sie auch mehrfach, dass sie den Beschuldigten nicht 
mehr sehen wolle (pag. 198: Nachricht vom 3. August 2019, 20:47 Uhr; pag. 201: 
Nachricht vom 3. August 2019, 22:15 Uhr; pag. 203: Nachricht vom 15. August 
2019, 07:37 Uhr; pag. 209: Nachricht vom 15. August, 10:10 Uhr; pag. 212: Nach-
richt vom 15. August, 11:35 Uhr und 12:13 Uhr) und erkundigte sich zweimal bei 
ihm – nachdem er ihr Ende Juli die Kündigung ist Aussicht gestellte hatte 
(pag. 191: Nachricht vom 25. Juli 2019, 21:23 Uhr) – nach dem Verbleib der Kündi-
gung, welche sie vor einem Monat hätte bekommen sollen (pag. 215: Nachricht 
vom 1. September 2019, 00:37 Uhr; Nachricht vom 3. September 2019, 17:15 Uhr 
[gemäss seinen Aussagen habe er sie dann im September rausgeschmissen 
pag. 183 Z. 61 ff.]). Dass ihr irgendwelche Nachteile durch die Auflösung des Ver-
trags drohten, ist entgegen dem Beschuldigten («Als ich den Aufhebungsvertrag 
von ihrem Praktikum dem Sozialdienst T.________ zustellte, bekam sie mächtig 
Ärger. Ich denke sie wollte sich einfach Rächen. Sie schrieb mir einmal, dass ich 
ein Arschloch sei, nachdem ich diesen Aufhebungsvertrag dem Sozialdienst 
T.________ zustellte», pag. 189 Z. 369 ff.) nicht auszumachen, vielmehr regte sie 
sich darüber auf, dass er entgegen seinen Behauptungen weder den Sozialdienst 
informiert noch den Aufhebungsvertrag geschickte hatte (pag. 215: «Du bist so ein 
scheiss lügner!! Du hast weder sotz angerufen noch mir den kündigusvertrag ge-
schikt!! Was wohl sonst noch alles so gelogen wahr!!! […]» [Nachricht vom 
17. September 2019, 17:27 Uhr]). 

Insgesamt war es damit vielmehr die Privatklägerin, welche beim Beschuldigten 
nicht mehr arbeiten wollte. Somit bestand auch kein Grund dafür, sich bei ihm für 
die erfolgte Kündigung zu rächen, im Gegenteil, sollte er doch endlich ihrem 
Wunsch nachkommen, die Angelegenheit rund um das Arbeitsverhältnis abzusch-
liessen. Bei der Staatsanwaltschaft nannte er dann als mögliches Motiv für die «Er-

18

findungen», dass die Privatklägerin gerne im Mittelpunkt stehe und wenn sie das 
nicht sei, erfinde sie gerne solche «Scheisse» (pag. 18 Z. 139 ff).

Weiter stellte er die Privatklägerin mehrfach als Lügnerin hin, nicht nur in Bezug auf die ihm gemach-
ten Vorwürfe (pag. 185, 187), sondern auch in Bezug auf ihren Gesundheitszustand: Sie sage nur, 
dass sie «diesen Borderline Scheiss» habe, aber das stimme gar nicht, nicht einmal ihr eigener Vater 
glaube ihr (pag. 185). In diesem Zusammenhang machte er jedoch nachweislich die wahrheitswidrige 
Bekundung, wonach er nichts von den psychischen Problemen der Privatklägerin gewusst haben will 
(pag. 183, 17, 872). Dies obwohl er selber von «Borderline Scheiss» sprach (pag. 185) und letztlich 
auch aus dem WhatsApp Chat hervorgeht, dass ihre Erkrankung durchaus ein Thema zwischen den 
Parteien und ihm damit bestens bekannt war (vgl. Nachricht der Privatklägerin an den Beschuldigten 
vom 15.08.2019 um 08:35:41 Uhr, pag. 205: [dass Borderline nunmal nicht eine schöne Welt sei und 
auch nicht einfach, aber er dies ja eigentlich wisse, wenn er sich nicht wie ein Arschloch verhalte, 
worauf er antwortete, dass sie ihm immer gesagt habe, er solle mit ihr reden und sie mache jetzt ge-
nau das Gegenteil davon], seine Nachricht an sie vom 04.08.2019 um 12:12:56 Uhr, pag. 203: [(...) 
denn diesmal is alles von dir ausgegangen bzw. von deiner 2. Persönlichkeit] sowie ihre Nachricht an 
ihn vom 15.08.2019 um 08:50:04 Uhr; pag. 206: [(…) Wie gesagt wen du nich ein arschloch durch 
drückst würdes du micht verstehen so wie du es schon einmal getah hast oder hast du mich dah auch 

nur angelogen als wir die borderlime videos geschaut haben (…)]) [Anm. Kammer: pag. 997; S. 37 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung].

Einerseits macht er in der Textnachricht die «zweite Persönlichkeit» der Privatklä-
gerin für den Vorfall verantwortlich, andererseits stellt er diese anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung in Frage (pag. 873 Z. 17 ff.: «Diese zweite Persön-
lichkeit hat sie mir immer versucht einzureden. Sie konnte mir aber nie irgendwel-
che Beweise vorlegen. […] Ich habe stundenlang mit ihrem Vater gesprochen und 
der sagte, dass sie ab und zu «so rumspinne» mit einer 2. Persönlichkeit und mit 
Borderline, was aber nicht wahr ist.»), wobei dann anlässlich der Berufungsver-
handlung wiederum eine Kehrtwende erfolgte, wonach der Grund für die Vorwürfe 
dann doch in der bei der Privatklägerin diagnostizierten psychischen Erkrankung zu 
sehen sei (vgl. Plädoyer der Verteidigung [pag. 1364 ff.]).

Sein Aussageverhalten ist weiter geprägt von Gegenangriffen und Schuldzuweisungen an die Privat-
klägerin. So gab der Beschuldigte zu Beginn des Verfahrens, als er noch nicht wusste, dass die 
Behörden Kenntnis vom Chatverlauf haben, an, die Initiative für Intimitäten zwischen ihm und der Pri-
vatklägerin während ihrer Beziehung sei – wie in einer Beziehung üblich – teilweise von ihm und teil-
weise von ihr ausgegangen (pag. 183), um dann wenig später zu behaupten, die Initiative sei meis-
tens von ihr (pag. 185) und schliesslich an der Hauptverhandlung, die Initiative sei bei allen drei ange-
klagten Vorfällen von ihr und nicht von ihm ausgegangen (pag. 869). Die Übersteigerung spitzte sich 
dann so weit zu, als dass der Beschuldigte nicht nur zum Gegenangriff überging, wonach vielmehr die 
Privatklägerin ihm während dem Schlaf den Penis angefasst (pag. 19 RZ 184 f.) haben soll, sondern 
ihn dann auch noch zum Sex «genötigt» haben soll, obwohl er dies gar nicht gewollt habe, indem sie 
sich einfach auf ihn drauf gesetzt (pag. 186 RZ 207 ff.) und sich letztlich den Penis selber (in die Va-
gina) eingeführt («reingesteckt») haben soll (pag. 42). Dem widerspricht jedoch bereits seine eigene 
WhatsApp Nachricht von derselben Nacht, unmittelbar nach dem Vorfall (29.07.2019 um 02:33:07 
Uhr; pag. 196): [(…) dann bin ich über dich und bin langsam in deine nasse pussy eingedrungen (…)]. 
Diese übertriebenen Beteuerungen, gepaart mit dem Drang, sich ständig in ein möglichst gutes Licht 
rücken zu müssen, sind tendenziell als Lügensignale zu werten. Dass diese Gegenangriffe und 

19

Schuldzuweisungen reine Schutzbehauptungen sind, um seine Aussagen glaubhafter erscheinen zu 
lassen und auch die Privatklägerin davon zu überzeugen, unterstreicht beispielhaft auch die Whats-
App Nachricht des Beschuldigten vom 29.07.2019 um 01:52:38 Uhr (Anm. unmittelbar nach dem an-
geklagten 3. Vorfall gemäss Ziff. 1 AKS); pag. 195: [(…) ich habe nicht angefangen zu fummeln. Das 
is diesmal wirklich von dir ausgegangen (…) du hast wirklich angefangen zu fummeln (…)]. Auf den 
Widerspruch angesprochen, konnte der Beschuldigte diesen nicht nachvollziehbar auflösen, sondern 
sagte ausweichend aus: «Weil sonst war es immer halt … ja, wie soll ich das erklären. Klar habe ich 
sie sonst mal ab und zu in den Arm genommen, das ist ja normal in einer Beziehung» (pag. 871 
RZ 17 f.). In diesem Zusammenhang behauptete er auch, dass die Privatklägerin ihn am Abend des 
dritten Vorfalls gebeten habe, zu ihr zu kommen, wobei er letztlich «eingewilligt» habe (pag. 185). 
Dem Chatauszug vom 28.07.2019 ist hingegen zu entnehmen, dass es der Beschuldigte war, der der 
Privatklägerin um 21:34:51 Uhr, nachdem diese ihm geschrieben hatte, dass es ihr nicht gut gehe, ge-
fragt hat, ob er «kurz rüberkommen» soll, was sie mehrfach verneinte, bevor er dann doch zu ihr ging 
(pag. 194).

Den nachfolgenden beispielhaft aufgeführten Chatnachrichten ist ebenfalls zu entnehmen, dass der 
Beschuldigte den Spiess umzudrehen und die Schuld der Privatklägerin zuzuweisen versucht. Dies 
ergibt sich unter anderem aus dem Chat vom 04.08.2019 um 12:12:56 Uhr (pag. 203), als er ihr 
schrieb: [wenn du an diesem besagtem abend alles mitbekommen hast was angeblich gelaufen ist 
wieso hast du dann nicht sofort was gesagt oder dich gedreht wie es sonst gemacht hast?] sowie aus 
seiner Nachricht vom 15.08.2019 um 10:28:15 Uhr (pag. 210): [(…) wir hatten sex das geb ich zu aber 
das es von mir ausgegangen ist das geb ich nicht zu. Du gast angefangen als ich eingeschlafen bin 

und als ich dann wach war hast du mir dein hintern hingestreckt. Klar hab ich dann weitergemacht. Du 

hast es 10 min lang genossen, hast sogar gestöhnt dabei. Und dann als ich aufgehört habe weil ich 

es nicht mehr wollte da bist du mit einmal anders geworden (…)] sowie weiter auch aus seiner Nach-
richt vom 03.08.2019 um 21:39:06 Uhr (pag. 199): [(…) als wir ins bett gegangen sind habe ich mich 
an deine worte gehalten und dich nicht intim gestreichelt. (…) Als ich dann gemerkt habe das du 

schläfst habe ich auch versucht zu schlafen. ich muss auch ca. ne stunde geschlafen haben aber 

dann bin ich wach geworden weil du an mir rumgespielt hast. Ich hatte dich gebeten aufzuhören aber 

du hast weiter gemacht. Als ich es dann bald nich mehr ausgehalten habe hab ich dir denn arsch ge-

streichelt. Da hast du mir dein arsch dann entgegen gedrückt. Dann hast du mein schwanz in deine 

richtung gezogen. Klar war ich nachher auch so geil aber du hast ihn dir selbst reingesteckt (…).]. Es 
erscheint sodann höchst fragwürdig, einem sexuellen Missbrauchsvorwurf mit dem lapidaren Hinweis 
zu begegnen, dass es das Gegenüber genossen beziehungsweise gar gewollt habe und dem Opfer 
gegenüber zu äussern, dass es sich ja hätte wehren können.

Ebenso lassen sich im Aussageverhalten des Beschuldigten zum Rahmensachverhalt einige Wider-
sprüche aufzeigen, einerseits durch Abgleich mit den zur Verfügung stehenden Chatverläufen, ande-
rerseits aber auch innerhalb seiner eigenen Aussagen im Verlaufe der Einvernahmen. Im Hinblick auf 
den 3. Vorfall in der Nacht vom 28. auf den 29.07.2019 bestritt er mehrfach, zum Orgasmus gekom-
men zu sein (pag. 19, 870), obwohl aus den WhatsApp Chats klar hervorgeht, dass es seinerseits 
zum Samenerguss kam (pag. 197: Nachricht an die Privatklägerin vom 29.07.2019 um 02:58:29 Uhr 
[(…) bin nämlich kurz bevor du hochgeschreckt bist gekommen in dir und es war nicht dein arsch (…) 
als ich gekommen bin kurz danach hast du dich einmal verkrampft. da habe ich ihn rausgenommen 

und du bist verwacht (…)]). An der Hauptverhandlung bestätigte er dann implizit, zum Orgasmus ge-
kommen zu sein, indem er präzisierte, nicht in ihr gekommen zu sein, da er wisse, dass sie die Pille 
nur unregelmässig zu sich nehme (pag. 871). Dieses Eingeständnis widerspricht sodann aber zu-
gleich auch seiner ohnehin nicht konsistenten Schilderung, wonach er den Verkehr vorzeitig beendet 

20

habe, weil er nicht mehr gewollt habe (pag. 187) bzw. weil sich die Privatklägerin auf einmal gedreht 
haben und nicht mehr bei der Sache gewesen sein soll (pag. 870) [Anm. Kammer: pag. 997 ff.; 
S. 37 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung]. 

Ebenfalls befremdlich mutet seine Nachricht an die Privatklägerin an, wonach er in 
der Nacht weder vaginal noch anal in ihr gekommen sei und er nur habe sehen 
wollen, wie sie reagiere, wenn er ihr das so erzähle, wobei er jetzt seine Antworten 
habe (pag. 201: Nachricht vom 3. August 2019, 22:31 Uhr) und dann am Tag dar-
auf wieder ausführte, dass sie nicht wisse, was an dem Abend passiert sei bis sie 
erwacht sei als er aufgehört habe sie «zu vögeln» (pag. 203: Nachricht vom 4. Au-
gust 2019, 12:12 Uhr).

Weiter verstrickte sich der Beschuldigte auch hinsichtlich des Zustands der Privatklägerin anlässlich 
des sexuellen Verkehrs in der Nacht vom 28. auf den 29.07.2019 in nicht erklärbare Widersprüche. 
So gab er einerseits an, B.________ habe an diesem Abend 4 bzw. später nur noch 2-3 Joints sowie 
allein eine halbe Flasche Whisky getrunken (pag. 185, 17), sei aber «voll und ganz bei der Sache, 
nicht irgendwie abwesend oder so» (pag. 870 RZ 13 f.), also «ganz normal» gewesen (pag. 870). 
Durch den Konsum der Privatklägerin von 2-3 Joints will er mit dieser sogar «richtig geilen Sex» ge-
habt haben, bei der sie «alles andere als schläfrig» gewesen sei (pag. 23). Anlässlich der ersten Ein-
vernahme hatte er hingegen noch beteuert, «das Ganze» nach 5 Minuten abgeblasen zu haben, weil: 
«Sie war zwar da, aber nicht so, wie ich sie kenne» (pag. 186 RZ 219 ff.). Später gab er dann noch 
eine andere Version zu Protokoll, indem er schilderte, nach 10 Minuten abgebrochen zu haben, weil 
er keine Lust auf «diesen Scheiss» gehabt habe. Auf Nachfrage erklärte er völlig überraschend und 
nicht nachvollziehbar, er habe bereits damals gewusst, dass ihm die die Privatklägerin einen Strick 
daraus drehen würde (pag. 20). Dann wiederum präzisierte er zwar, dass sie ihn in ihrem schlaftrun-
kenen Zustand, also als sie am Schlafen gewesen sei, am Penis angefasst habe (pag. 21), gab aber 
gleichzeitig an, sie sei während der Penetration «hellwach» gewesen (pag. 21). Auch der Beizug des 
WhatsApp Chats widerlegt seine Darstellung, wonach die Privatklägerin «hellwach» gewesen sein 
soll. Am 29.07.2019 um 02:33:07 Uhr schrieb der Beschuldigte der Privatklägerin: [(…) vielleicht soll-
test du mal ins schlaflabor gehen für n paar nächte. da siehst du es dann schwarz auf weis was du 

nachts so im komaschlaf machst (…)] (pag. 196). Anlässlich der Hauptverhandlung vermochte in die-
sem Zusammenhang auch seine Antwort, wonach er ihr dies geschrieben habe, weil sie am Tag zu-
vor im Schlaf um sich geschlagen habe und weil seine Emotionen hochgekocht seien (pag. 871 RZ 25 
ff), nicht zu überzeugen. Ausserdem zeigt auch der Wortlaut seiner weiteren Nachricht an die Privat-
klägerin vom 29.07.2019 um 02:58:29 Uhr (pag. 197) [(…) als ich gekommen bin kurz danach hast du 
dich einmal verkrampft. da habe ich ihn rausgenommen und du bist verwacht (…)] auf, dass diese im 
Gegensatz zu seinen gegenteiligen Beteuerungen während des Verkehrs gerade nicht «hellwach» 
war, sondern erst danach aufgewacht ist. Auch seine diesbezüglichen Erklärungen, wonach sie nicht 
«verwacht» sondern einfach plötzlich «anders drauf» (pag. 21 RZ 272 f.) beziehungsweise «auf ein-
mal nicht mehr da, nicht mehr bei der Sache» gewesen sei (vgl. pag. 871 RZ 39 f.), wirken nachträg-
lich zurecht gelegt und konstruiert, um sich möglichst nicht selbst zu belasten. Dies umso mehr, als er 
angab, dass es schwierig sei, Aussagen bei der Polizei zu machen, wenn man angeschrien werde 
(pag. 21 RZ 272 f.) – wobei er klar verkennt, dass es sich dabei um eine von ihm an die Privatklägerin 
(noch vor Einleitung des Strafverfahrens) verfasste Nachricht und nicht um eine seiner bei der Polizei 
getätigten Aussagen handelte. Ein weiterer Hinweis bietet seine Antwort auf die Frage, ob er die Pri-
vatklägerin demnach dennoch penetriert habe, obwohl sie nicht in ihrem normalen Zustand gewesen 
sei, als er verneinte und angab, als er es gemerkt habe, habe er aufgehört (pag. 22 RZ 306 f.). Dies 
stimmt immerhin mit dem WhatsApp Chat überein, in welchem er ihr am 03.08.2019 um 21:39:06 Uhr 

21

schrieb (pag. 199): [(…) Als ich dich dann gut 10 min gevögelt habe hab ich gemerkt das mit dir ir-
gentwas nicht stimmt. Da hab ich aufgehört und hab ihn rausgezogen. In dem Moment hast du dich 

umgedreht und mich doof angeschaut und gefragt warum ich dich gevögelt habe (…) als ich fort ge-
fahren bin is mir bewust geworden das war nicht die B.________ die ich liebe sondern eine andere 

persönlichkeit von dir (…) das ging alles von dir aus. Ich wollte einfach für dich da sein in der nacht 
weil es dir wirklich scheisse ging und dann macht dein anderes ich solche scheisse mit mir]. Schliess-
lich betitelte der Beschuldigte es als reine «Interpretationsfrage» des Gerichtspräsidenten, welcher 
zusätzlich aus der nachfolgenden Nachricht schloss, dass die Privatklägerin während des Vorfalls am 
Schlafen gewesen sein musste: (Nachricht vom Beschuldigten an die Privatklägerin vom 04.08.2019 
um 12:12:56 Uhr, pag. 203: [(…) du weist nämlich nicht, was an dem abend gelaufen ist, bis du ver-
wacht bist als ich aufgehört habe, dich zu vögeln (…)]. An der Hauptverhandlung machte er wiederum 
widersprüchliche Aussagen, indem er vorerst angab, nachdem die Privatklägerin plötzlich «hyste-
risch» geworden sei, habe er mit der Penetration aufgehört, erklärte dann aber auf konkrete Nachfra-
ge, dass sie nicht hysterisch, sondern wohl ruhig geworden sei, weshalb er gemerkt habe, dass etwas 
nicht stimmte (pag. 870). Dass der Beschuldigte mit Muttersprache Deutsch hier zwei völlig ge-
gensätzliche, alltägliche Adjektive zur Beschreibung eines identischen Moments verwendete, lässt 
ebenfalls darauf schliessen, dass sich die Situation nicht so wie von ihm beschrieben zugetragen hat. 
Die Aussagen des Beschuldigten zum Zustand der Privatklägerin während des 3. Vorfalls in der Nacht 
vom 28. auf den 29.07.2019 sowie zum gesamten Ablauf der stattgefundenen sexuellen Handlungen 
sind demnach in mehreren wesentlichen Bereichen widersprüchlich, unstimmig, nicht nachvollziehbar 
und mit den vorhandenen objektiven Beweismitteln nicht vereinbar. Seine diesbezüglichen Aussagen 
erscheinen daher unglaubhaft.

Auch in nebensächlichen Punkten, die im vorliegenden Verfahren eigentlich keine bedeutende Rolle 
spielen, kann sein widersprüchliches Aussageverhalten anhand eines Beispiels aufgezeigt werden. 
So bestritt er, der Privatklägerin je gesagt zu haben, dass er sie durch seinen Anwalt habe observie-
ren lassen (pag. 186: er wisse nicht, was sie rauche, aber das habe er nie gesagt). Auf Vorhalt des 
Chats zwischen ihm und der Privatklägerin vom 25.07.2019 reagierte er empört und fragte, woher 
dieser Chat sei. Im Anschluss daran diskreditierte er die Privatklägerin gleich wieder indem er aus-
führte, er erinnere sich nur noch daran, dass diese nicht bei der Arbeit erschienen und mit einem an-
deren Typen an den See gefahren sei. Zuerst behauptete er noch, dass er niemals diesen Chat ge-
schrieben habe. Kurz danach gab er sodann an, er habe nur Teile davon geschrieben, was noch viel 
unglaubhafter erscheint. Und schliesslich erblickte er die Schuld für sein eigenes Verhalten einmal 
mehr in der Handlung der Privatklägerin, denn wenn man tagelang mit «so Scheisse» bombardiert 
werde, wisse man letztlich nicht mehr, was man genau geschrieben habe. Dennoch wisse er genau, 
dass nicht er diese Nachrichten verfasst habe (pag. 186). Diese Tendenz, die Realität zu seinen 
Gunsten zu verzerren und andere Personen davon überzeugen zu wollen, schlagen sich auch in sei-
nen manipulativen Nachrichten an die deutlich jüngere Privatklägerin nieder, in welchen er ihr gar 
mehrfach mit Selbstmord drohte. 

Hinsichtlich der Frage, ob es anlässlich des dritten Vorfalls zu vaginalem oder analem Verkehr ge-
kommen ist, sind die Aussagen des Beschuldigten zwar konstant (er spricht stets von vaginalem Ver-
kehr) und stimmen auch mit seinen eigenen Nachrichten an die Privatklägerin überein, darauf kann 
jedoch mit Verweis auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin hierzu (vgl. hiernach) nicht abge-
stellt werden [Anm. Kammer: pag. 999 ff.; S. 39 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung]. 

Wenn man bedenkt, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin am 28./29. Juli 
2019 vor dem Vorfall noch geschlafen haben, dürften immerhin seine zeitlichen 

22

Angaben, wonach er und sie entgegen ihren anfänglichen Ausführungen zwei 
(gemäss seiner Nachricht, pag. 196) bzw. drei und nicht fünfeinhalb Stunden disku-
tiert hätten (vgl. pag. 151, pag. 870 Z. 8, wobei sie aber anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme dann von 2.5 Stunden sprach [pag. 160 f. Z. 127 f.]) 
– mit Blick auf die Zeitangaben in den Chatprotokollen – übereinstimmen (pag. 194 
f.: letzte Nachricht vom 28. Juli 2019 21:41 Uhr, erste Nachricht vom 29. Juli 2019, 
01:52 Uhr). Allerdings hatte er in diesem Punkt auch keinen Grund zu lügen. 

Auf Frage, weshalb die Privatklägerin so etwas behaupten sollte, wenn es nicht 
stimme, führte der Beschuldigte aus, dass er nicht der erste sei, bei dem sie das 
«probiert» habe. Das gleiche «Ding» habe sie schon bei ihrem Exfreund durchge-
zogen, also ihn anzuzeigen wegen Vergewaltigung. Er wolle den Namen aber nicht 
nennen (pag. 184 Z. 136 ff.). Dieser Aussage widerspricht, dass die Privatklägerin 
weder in der Datenbank der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern noch in derjeni-
gen der Kantonspolizei Bern wegen Sittlichkeitsdelikten verzeichnet ist (vgl. Ab-
klärungen der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, pag. 692), wobei dies nicht 
ausschliesst, dass es allenfalls in einem anderen Kanton zu einem Vorfall gekom-
men sein könnte – rein theoretisch jedenfalls.

Hinsichtlich der beiden weiteren Vorwürfe, wonach es bereits vor dem dritten Vorfall zu ungewollten 
sexuellen Handlungen während dem Schlaf der Privatklägerin gekommen sei, kann den Aussagen 
des Beschuldigten nichts weiter entnommen werden. Beim Abstreiten eines Vorwurfs ohne einen al-
ternativen Geschehensablauf vorbringen zu können – wie dies bei Vorwürfen von Sexualdelikten na-
turgemäss der Fall ist – besteht hinsichtlich einer eingehenden Würdigung von vornherein weniger 
Spielraum, da kein zusammenhängender Sachverhalt geschildert wird [Anm. Kammer: pag. 1001; 
S. 41 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung].

Wie die Vorinstanz zu Recht schlussfolgerte, weist das Aussageverhalten des Be-
schuldigten Unstimmigkeit bis hin zu widerlegbaren, wahrheitswidrigen Bekundun-
gen auf. In weiten Teilen ist seine Darstellung unlogisch und von massiven Wider-
sprüchen geprägt und damit offensichtlich unglaubhaft. Dies bestätigte sich auch 
hinsichtlich seiner oberinstanzlich gemachten Angaben zu seinen Familienverhält-
nissen und Ferienaufenthalten (vgl. Ziff. VII.32.2.4 unten). 

10.6.2 Aussagewürdigung der Privatklägerin

Aussagefähigkeit / Aussagetüchtigkeit

Die Verteidigung weist zutreffend darauf hin, dass bei Opfern mit einer psychischen 
Krankheit bei der Würdigung der Aussagefähigkeit und der Aussagequalität ein be-
sonderes Augenmerk auf die Auswirkungen der psychischen Einschränkung auf 
die kognitiven Fähigkeiten zu legen ist. Sie hat im Wesentlichen den Einwand er-
hoben, die Privatklägerin lüge zwar nicht aktiv, aber aufgrund ihrer diagnostizierten 
Komorbidität habe sie Probleme, Abgrenzungen zwischen Erlebtem und Ima-
ginärem vorzunehmen. Sie könne empfundenen körperlichen Schmerz nicht genau 
verorten resp. bringe sie die Ursache und den Ort durcheinander und sei anfällig 
für Projektionen.

Instabile Persönlichkeitsstörungen des Typs Borderline kommen in der strafrechtli-
chen Praxis immer wieder vor und führen nicht per se zur Annahme, das Spektrum 

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der gerichtlichen Zweifel an der Aussagequalität des Opfers weite sich derart mas-
siv aus, wie es die Verteidigung darzustellen versucht. 

Dass die Privatklägerin seit vielen Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen 
hat und längere Zeit in psychologischer Behandlung war, ist unbestritten. So ist 
dem Patientenbericht des Hausarztes Dr. prakt. R.________ in U.________ vom 
4. Mai 2020 zu entnehmen, dass bei der Privatklägerin eine instabile Persönlich-
keitsstörung des Typs Borderline (F60.31) und eine dissoziative Störung (und 
Schlafstörungen) diagnostiziert wurden (pag. 144). Bei der emotional instabilen 
Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung mit deutli-
cher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, 
verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Nei-
gung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu 
kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu 
Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt 
oder behindert werden. Dabei können zwei Erscheinungsformen unterschieden 
werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Insta-
bilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline-Typus, zusätzlich ge-
kennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präfe-
renzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständi-
ge Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizi-
dalen Handlungen und Suizidversuchen (https://www.dimdi.de/static/de/klassifika-
tionen/icd/icd-10-who/kode-suche/htmlamtl/index.htm?gf60.htm+; zuletzt besucht 
am 25. Februar 2025). 

Menschen mit einer dissoziativen Störung können Aktivitäten, die sich über Minu-
ten, Stunden oder manchmal viel längere Zeiträume ereignet haben, vollkommen 
vergessen. Sie können das Gefühl haben, dass ihnen die Erinnerung an einen Zeit-
raum fehlt. Darüber hinaus fühlen sie sich möglicherweise von sich selbst, das 
heißt, von ihren Erinnerungen, Eindrücken, ihrer Identität, ihren Gedanken, Ge-
fühlen, ihrem Körper und ihrem Verhalten losgelöst (dissoziiert). Oder sie fühlen 
sich von der Welt um sich herum losgelöst. Ihr Identitätsgefühl, ihre Erinnerung 
und/oder ihr Bewusstsein ist also bruchstückhaft. Zu den dissoziativen Störungen 
zählen das Gefühl von Loslösens vom Selbst und/oder der Umgebung (Depersona-
lisations-/Derealisationsstörung), die Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche In-
formationen zu erinnern, die für gewöhnlich mit Traumata oder Stress zusammen-
hängen (dissoziative Amnesie) sowie bruchstückhaftes Erleben der Identität und 
von Erinnerungen (dissoziative Identitätsstörung). Dissoziative Störungen werden 
normalerweise durch überwältigenden Stress oder Trauma ausgelöst (htt-
ps://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsstörungen/dissozi-
ative-störungen/überblick-über-dissoziative-störungen; zuletzt besucht am 25. Feb-
ruar 2025). 

Die Privatklägerin selbst sagte zu ihrem psychischen Zustand aus, dass sie Border-
linerin sei und eine zweite Persönlichkeit habe. Dies mache es für sie schwierig, al-
les zu kontrollieren und bei der Sache zu bleiben (pag. 147, erster Absatz nach 
Z. 35). Am Anfang ihrer Liebesbeziehung zum Beschuldigten habe sie versucht, 
ihm ihre Borderline-Störung zu erklären und ihre dadurch vorhandenen Stim-

https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsst%C3%B6rungen/dissoziative-st%C3%B6rungen/dissoziative-amnesie

24

mungsschwankungen. Sie habe es sogar geschafft, während eines ganzen Monats 
ihre zweite Persönlichkeit zu unterdrücken, was sie extrem viel Kraft gekostet habe 
(pag. 148, drittletzter Absatz). In Bezug auf den ersten Vorfall vom 29. Juni 2019 
schilderte die Privatklägerin, dass der Beschuldigte dann nach Deutschland gefah-
ren sei. Danach sei eine Nachricht gekommen. Der Beschuldigte habe ihr noch ei-
ne WhatsApp-Nachricht geschrieben, wonach er sie nicht wachbekommen habe 
[…]. Es sei ihr an diesem Morgen psychisch schlecht gegangen und sie habe sich 
sogar übergeben müssen. Sie sei dann in ein Borderline gefallen, habe sich dem 
Beschuldigten gegenüber distanziert und abwesend gezeigt. Sie habe ihm auch 
keine Herzen mehr auf sein Handy geschickt (pag. 149, erster, sechster und sieb-
ter Absatz). Sie befinde sich ab und zu wie in einem komatösen Schlaf, in dem sie 
dann nichts mehr mitbekomme. Sie nehme keine Medikamente ein. Ab und zu rau-
che sie einen Joint (pag. 150, sechster Absatz). Ihr sei psychisch alles zu viel ge-
worden und sie habe sich den ganzen Tag übergeben. Am 10. Juli [2019] habe sie 
dann einen körperlichen Zusammenbruch erlitten und habe vom Beschuldigten 
zum Arzt nach U.________ (Ärztezentrum) gefahren werden müssen (pag. 151, 
erster Absatz). Als der Beschuldigte ihr gestanden habe, dass er sie und ihren Kol-
legen habe observieren lassen, sei sie total ausgerastet. Der Beschuldigte habe ihr 
gesagt, dass er über seinen Anwalt, K.________, Leute habe observieren lassen 
können. Sie habe den Beschuldigten angeschrien und verlangt, dass er weggehe, 
aber er habe nicht gehen wollen und sie immer wieder gepackt, damit sie zuhöre. 
Vom 25. Juli [2019] an habe er ihr dann die ganze Zeit über immer wieder Whats-
App-Nachrichten geschrieben und versucht, sie fertig zu machen. Sie habe einen 
Nervenzusammenbruch erlitten (pag. 151, dritter Absatz). Im ersten Monat nach 
der Tat habe sie sich im «Bipolar» befunden und alle Psychologentermine verpasst 
(pag. 152, achter Absatz). Ihre Psychologin heisse Frau V.________. Bei ihr sei sie 
schon seit 2019 in Behandlung. Vorher sei sie bei Frau Dr. W.________ in Behand-
lung gewesen (pag. 154 Z. 110 ff.). Sie habe zweimal eine bipolare Störung erlitten, 
einmal in der Zeit, als sie noch bei Frau Dr. W.________ gewesen sei und das 
zweite Mal nach dem letzten Vorfall. Diagnostiziert sei eine Borderline-Störung und 
dass sie eine zweite Persönlichkeit habe. Dies heisse dissoziative Persönlichkeitss-
törung. Weiter leide sie unter einer Ess- und Schlafstörung. Sie sei 2018 sechs 
Wochen stationär in X.________ (Ortschaft) in Behandlung gewesen (pag. 155 
Z. 157 ff.). Anlässlich der zweiten Befragung am 3. März 2021 führte die Privatklä-
gerin aus, dass sie die letzten Nächte nur ein paar Stunden geschlafen und einen 
Nervenzusammenbruch erlitten habe (pag. 159 Z. 71 ff.). Am 28. Juli 2019 hätten 
sie und der Beschuldigte per SMS diskutiert. Er sei dann zu ihr gekommen und ha-
be weiter auf sie eingeredet. Sie habe einen Nervenzusammenbruch gehabt, die 
Diskussion sei 2.5 Stunden gegangen. Dann sei sie plötzlich weggetreten. Ihr Kör-
per sei sehr erschöpft gewesen […]. Ihr Körper sei vom ganzen Weinen über 2.5 
Stunden erschöpft gewesen (pag. 164 Z. 254 ff.). Nach 2.5 Stunden Nervenzu-
sammenbruch und weinen sei sie immer wieder weggetreten. Ihr Körper habe nicht 
mehr gekonnt, ihr sei schwarz vor Augen geworden und sie sei geschwankt 
(pag. 165 Z. 304 ff.). Mit «koma schlaf» meine sie, wenn sie psychisch komplett 
neben den Schuhen stehe, einen Nervenzusammenbruch habe und dermassen 
kaputt sei, dass sie nicht wirklich etwas mitbekomme. Wenn sie im Tiefschlaf sei. 

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[Beim dritten Vorfall] sei sie nicht in der zweiten Persönlichkeit gewesen, sondern 
habe einen Nervenzusammenbruch gehabt und sei neben sich gestanden. Wenn 
sie in einer zweiten Persönlichkeit stehe, sei sie sehr aggressiv. Mit «zweiter Per-
sönlichkeit» meine sie, dass sie eine gespaltene Persönlichkeit habe. Ihre zweite 
Persönlichkeit sei misstrauisch. Wenn sie heute respektlos behandelt werde, greife 
ihre zweite Persönlichkeit ein und beschütze sie. In ihrer zweiten Persönlichkeit 
weine sie auch nicht. Sie sei dann sehr aggressiv. Die Frage, ob man anstatt von 
einer «zweiten Persönlichkeit» auch von einer «zweiten Seite» sprechen könne, 
bejahte die Privatklägerin und fügte an, dass man es eine Borderline-Störung nen-
ne. Sie habe eine zweite Persönlichkeit und eine Borderline (pag. 166 Z. 329 ff.). 
Die Borderline-Störung äussere sich in einem sehr impulsiven Handeln. Es sei alles 
super oder alles schlecht. Wenn es schlecht gehe, dann fühle sie sich wie in einem 
schwarzen Loch und sei ganz allein, gefühlslos (pag. 167 Z. 359 ff.). Mit Borderline 
sei es schwierig. Es sei ein auf und ab, negativ oder positiv. Durch ihre schlechten 
Erfahrungen falle sie schnell ins Borderline. Eine dumme Bemerkung reiche. Sie 
sei nicht bipolar, sondern Borderline. In der Klinik X.________(Ortschaft) sei sie 
aufgrund der Borderline und eines Traumas gewesen (pag. 169 Z. 437 ff.). Als sie 
und der Beschuldigte nicht mehr zusammen gewesen seien, habe sie einen 
fünfstündigen Nervenzusammenbruch gehabt. Sie habe immer wieder Angstzu-
stände gehabt (pag. 857 Z. 24 ff.). Sie sei bei Frau V.________ in Behandlung ge-
wesen. Sie sei dann weggezogen und dort, wo sie jetzt wohne, habe sie noch kei-
nen neuen Psychologen gefunden. Ihre Krankheit beschreibe sie so, dass es ein 
auf und ab sei im Alltag. Mittlerweile könne sie gut damit umgehen, ausser in Situa-
tionen wie heute. Wenn sie etwas erlebe, was sie schon einmal erlebt und verletzt 
habe, sei es schwierig. In gewissen Situationen spüre sie sich selbst nicht mehr. 
Deshalb habe sie solche Sachen wie einen Igelball, um sich selbst zu spüren. Sie 
wechsle in die zweite Persönlichkeit, wenn etwas total Respektloses passiere. Sie 
habe Mühe mit solchen Situationen und ihre zweite Persönlichkeit habe noch viel 
mehr Mühe. Es sei sozusagen ein Schutzmechanismus, den sie entwickelt habe. 
Die Persönlichkeit habe sich abgespaltet. Das habe aber keinen Einfluss mehr auf 
ihr Erinnerungsvermögen. Früher habe sie das Problem gehabt, dass sie sich bei 
einem Wechsel nicht mehr habe erinnern können. Inzwischen habe sie genug dar-
an gearbeitet, damit dies nicht mehr passiere. Sie sei 2018 sechs Wochen stationär 
in X.________(Ortschaft) gewesen (pag. 859 Z. 4 ff.). 

Aus den Aussagen der Privatklägerin ergeben sich keine Hinweise darauf, dass sie 
an einer psychischen Beeinträchtigung leidet, welche ihre Wahrnehmungs-, Erinne-
rungs- oder Wiedergabefähigkeit beeinträchtigen würde. Die Privatklägerin hat von 
sich aus und von Beginn weg den gesamten Hintergrund ihrer Krankheit offenge-
legt und unumwunden Emotionen, Vorgänge und Einschätzungen geteilt. Sie hat 
detailliert, nicht ausweichend und beispielhaft erzählt, wie sich ihre Erkrankung im 
Alltag bemerkbar macht. So schilderte sie mehrfach, dass sie in die «zweite Per-
sönlichkeit» wechsle, wenn sich jemand ihr gegenüber respektlos verhalte. Sie 
werde dann sehr aggressiv, was sich mit ihrem Krankheitsbild deckt und beispiels-
weise auch mit ihrer Nachricht vom 15. August 2019 um 09:21 Uhr an den Be-
schuldigten übereinstimmt, wonach ihre «zweite Seite» ihn tot sehen wolle 
(pag. 207). Die im Patientenbericht vom 4. Mai 2020 erwähnte mangelhafte 

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Ernährung und die vorhandenen Substanzmängel (pag. 143 f.) stehen denn auch 
im Einklang mit ihrer Beschreibung der körperlichen Abgeschlagenheit, wonach ihr 
schwarz vor Augen werde, sie schwanke und körperlich zusammenbreche. Aus ih-
ren Schilderungen geht denn auch hervor, dass sie sich seit längerer Zeit mit ihrer 
psychischen Krankheit befasst und ihr dies auch von medizinischer Seite her ein-
gehend erklärt wurde. So war sie auch im Stande, differenziert darzulegen, dass 
der Wechsel in die «zweite Persönlichkeit» mittlerweile keinen Einfluss mehr auf ihr 
Erinnerungsvermögen habe, nachdem sie sich im Jahr 2018 während sechs Wo-
chen in X.________(Ortschaft) in Behandlung gewesen sei und den Umgang damit 
(bspw. durch Hilfsmittel wie einen Igelball) erlernt habe. Eine selbstständige Bewäl-
tigung ihrer psychischen Krankheit liegt somit – entgegen der Verteidigung – nicht 
vor. Zusammen mit ihren widerspruchsfreien Aussagen – teilweise unterlegt durch 
die objektiven Beweismittel (vgl. nachfolgend) – besteht somit kein Anlass, von ei-
ner aktuellen gesundheitlich indizierten Störung der Aussagequalität der Privatklä-
gerin auszugehen. Deutliche Anzeichen, dass die psychische Störung die Aussa-
geehrlichkeit einer Person beeinträchtigen könnte (vgl. BGer 6B_1176/2021 vom 
26. April 2023 E. 2.5.2), liegen nicht vor: In den Aussagen der Privatklägerin lassen 
sich weder Aggravierungen ausmachen noch Hinweise darauf finden, sie habe im 
Belastungseifer Lügengeschichten erfunden oder fantastische Parallelwelten auf-
gebaut, womit sie nicht im Stande wäre, Reales von Eingebildeten zu unterschei-
den. Der Einwand der Verteidigung kann somit nicht gehört werden. 

Darüber hinaus muss das (vermeintliche) Argument der Verteidigung, die Privat-
klägerin könne rein vom nahe beieinanderliegenden Nervensystem allenfalls nicht 
unterscheiden, welche Körperöffnung – ob Vagina oder Anus – betroffen gewesen 
sei und führe getriggert auf ein vergangenes Trauma hin, alles zum Anus zurück, 
als geradezu anmassend bezeichnet werden: Einerseits ist eine Frau im Stande zu 
unterscheiden, ob eine Flüssigkeit aus dem Anus oder der Vagina kommt und zum 
anderen beschrieb die Privatklägerin unmissverständlich, dass Blut und Sperma 
aus ihrem After «geronnen» sei. Sie überbrückt dabei keine fehlenden Erinnerun-
gen, indem sie von Blut in der Unterhose auf den Anus zurückgreift. Zudem er-
wachte sie mit dem Penis in ihrem Anus und berichtete von Schmerzen und Aus-
fluss über Tage und Wochen hinweg (vgl. nachfolgend). Ebenfalls anmassend ist 
die Schlussfolgerung der Verteidigung, die Privatklägerin habe aufgrund einer 
Schmerzstörung wohl den gesamten Beckenbereich, welcher ja nahe bei den 
Sexualorganen liege, als grosses Ganzes gesehen und einen generalisierten 
Schmerz zum Anlass genommen, diesen im Anus zu verorten. Dabei geht aus dem 
Patientenbericht von Dr. prakt. R.________ zwar hervor, dass bei der Privatkläge-
rin ein Tuber ischiadicum (Sitzbeinhöcker) nach komplizierter Pseudarthrose sowie 
Hüftprobleme und eine Femurkopfnekrose vorliegen (pag. 144). Hierbei handelt es 
sich aber um Einschränkungen orthopädischer Natur, welche einen klar zuordenba-
ren Schmerz verursachen dürften und daher eine Verwechslung mit Schmerzen im 
Anus ausgeschlossen werden kann. Indizien für eine verzerrte, physische Wahr-
nehmung finden sich jedenfalls weder in den Akten noch in den Aussagen der Pri-
vatklägerin. 

Insgesamt wird damit die Aussagefähigkeit und -tüchtigkeit der Privatklägerin be-
jaht und die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin kann 

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somit – wie dies im Regelfall vorgesehen ist – vom Gericht im Rahmen der norma-
len Aussagenanalyse vorgenommen werden. 

Allgemeines Aussageverhalten

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin zutreffend gewürdigt. Darauf 
wird – unter ergänzenden Erwägungen der Kammer – vollumfänglich verwiesen 
(pag. 1001 ff.; S. 41 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Vorab ist auf die Entstehungsgeschichte der Anzeige hinzuweisen. Die Vorfälle sollen sich in der Zeit 
von Ende Juni bis Ende Juli 2019 ereignet haben, die Anzeige erfolgte jedoch erst rund 9 Monate 
später. Darüber hinaus war es nicht die Privatklägerin selber, sondern stellvertretend ihre Freundin 
D.________, welche die Strafverfolgungsbehörden über die Vorwürfe gegen den Beschuldigten in 
Kenntnis setzte. Die Tatsache, dass sich die Privatklägerin nicht unmittelbar nach dem letzten ange-
klagten Vorfall und nota bene auch nicht selber bei der Polizei meldete sowie auch keine körperliche 
Untersuchung hat durchführen lassen, erscheint im Gegensatz zu den Ausführungen der Verteidigung 
anlässlich der Hauptverhandlung (vgl. pag. 894 f.) [Anm. Kammer: und der Polizei, pag. 133] alles an-
dere als merkwürdig. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Opfer sexueller Gewalt das von ihnen Durchleb-
te nicht oder erst viel später offenbaren (können) und auch unmittelbar nach dem Übergriff keine Kraft 
haben oder sich schämen, sich einer körperlichen Untersuchung zu unterziehen. Weiter ist notorisch, 
dass sich Opfer zumeist erst einer Person aus ihrem Umfeld anvertrauen, bevor sie sich trauen, zur 
Polizei zu gehen. Darüber hinaus ist im vorliegenden Fall weiter zu berücksichtigen, dass B.________ 
nachweislich an einer Borderline-Erkrankung leidet und gemäss eigenen Angaben bereits im Kindes-
alter Erfahrungen im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen machen musste. Daher erstaunt es 
umso weniger, dass sie sich erst so spät überwinden konnte, die Vorwürfe den Behörden zur Kennt-
nis zu bringen, wie sie selbst auch nachvollziehbar erklärte (vgl. pag. 147, 860). Auch ein Racheakt 
ihrerseits oder seitens D.________ gegenüber dem Beschuldigten ist mit Blick auf die nachstehenden 
Ausführungen auszuschliessen.

Dass ein Opfer mit einer Anzeige zuwartet, ist nicht unüblich, geschweige denn ein 
Zeichen für falsche Bezichtigungen, sondern geradezu notorisch (vgl. 
BGer 6B_257/2020 vom 24. Juni 2021 E. 5.4.1). Zudem ist darauf hinzuweisen, 
dass die Privatklägerin die eigentlichen Vorwürfe bereits unmittelbar nach der Tat 
gegenüber ihrem Hausarzt und ihren Freundinnen offenlegte. Sie hat also von An-
fang an geltend gemacht, was ihr widerfahren sein soll, konnte sich aber erst 
später dazu durchringen, es auch der Polizei zu melden. 

Es gilt zudem das soeben Ausgeführte; dass sie weder in der Datenbank bei der 
Staatsanwaltschaft des Kantons Bern noch bei der Kantonspolizei Bern als Opfer 
eines früheren Sittlichkeitsdelikts verzeichnet ist, spricht nicht gegen ihre Aussa-
gen. Zum einen ist nicht klar, ob sich dies im Kanton Bern zugetragen haben soll 
und zum anderen war es im Zeitpunkt der Abklärung bereits zwanzig Jahre her (sie 
gab an, dass der Missbrauch durch ihren Halbbruder stattgefunden habe, als sie 
«vielleicht fünf Jahre» alt gewesen sei). Es ist somit nicht ausgeschlossen, dass die 
entsprechenden Einträge dazu in der Zwischenzeit gelöscht wurden. Zudem konnte 
sie sich daran erinnern, dass sie in einem Zimmer mit Kameras gewesen sei und 
Fragen habe beantworten müssen (pag. 860 Z. 20 ff.), was jedenfalls dem gängi-
gen polizeilichen Prozedere entspricht.

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Anlässlich ihrer ersten Befragung führte sie aus, dass sie die wiederholten (unan-
gemeldeten) Besuche des Beschuldigten bei ihr zu Hause immer wieder in «ein 
Loch geworfen hätten», weshalb sie sich dann entschieden habe, Anzeige zu ma-
chen (pag. 147, letzter Absatz). Diese Darlegung wird durch die Chatnachrichten 
untermauert, wonach sie die Besuche des Beschuldigten jeweils sehr aufwühlten 
und sie ihn mehrfach aufforderte, nicht mehr wieder zu kommen, damit sie das 
ganze verarbeiten könne. Entsprechend ist es auch nachvollziehbar, dass sie sich 
dann doch zur Anzeigeerstattung entschied, um seinen Besuchen ein Ende zu set-
zen. Überdies führte sie zu Beginn der Einvernahme aus, dass der letzte Besuch 
des Beschuldigten vor zwei Wochen gewesen sei, was sie dann auf Frage hin 
nochmals am Ende der Befragung gleichbleibend schilderte (pag. 147, letzter Ab-
satz; pag. 155 Z. 142 f.).

Die Aussagen der Privatklägerin zum Kerngeschehen beinhalten eine Vielzahl an detailreichen, stim-
migen, gefühlsbezogenen und differenzierten Schilderungen. So gab sie konstant an, anlässlich des 
letzten Vorfalls auf dem Bauch gelegen und geschlafen zu haben, als sie ab einem «stechenden 
Schmerz» im Anus aufgewacht sei und der Beschuldigte auf ihrem Rücken und mit dem Penis «in ih-
rem Arsch» gewesen sei (pag. 151 f., 161 RZ 130 ff., 164, 169 RZ 445 ff., 857). Eindrücklich schilder-
te sie weiter, dass Blut und Sperma aus ihrem Anus «geronnen» seien, worüber sie geschockt gewe-
sen sei und es ihr sehr weh getan habe (pag. 151), dass sie an ihrem Anus «etwas Nasses» gespürt 
habe und in ihrer Unterhose Sperma und Blut gewesen seien (pag. 165 RZ 284 ff.) und dass sie auch 
noch 6 Monate nach dem Vorfall beim Gang auf die Toilette geblutet habe (pag. 167). Sie beschrieb 
auch innere Vorgänge in diesem Zusammenhang, wie beispielsweise, dass sie Angst gehabt habe, 
etwas zu essen, weil dies wiederum Stuhlgang verursacht hätte und sie Angst gehabt habe, dass ihr 
Darm platze (pag. 152 f., 858 f.). Diese real erlebt wirkenden Schilderungen finden sich sodann weiter 
auch in den WhatsApp Nachrichten der Privatklägerin an den Beschuldigten wieder: Chat vom 
29.07.2019 02:00:56 Uhr (pag. 195): [(…) Und doch hast du mich ins arachloch gwfiggt wiso tut mir 
denn jetzt das gabze arsch loch weh und bin verwacht woh es im arschloch weh tat?!? (…)]; Chat 
vom 29.07.2019 02:47:04 Uhr (pag. 196): [(…) du hast mich ins arsch vergewaltigt. Ich fühle mich 
echt scheisse und dreckig. (…) Den mein arsch tut jetzt übelst wwh und wahr schon 3 mal kotzen! 

Jetzt habe ich wenigstens einen grund wiso ich mein leben nicht mehr will! Weil ich gerade in mein 

arschlochvergewaltigt wurde als würde meine vergewaltigungen nicht reichen nein du machst genau 

disen scheiss das ist nicht das eeste mal!!! (…)]; Chat vom 29.07.2019 um 03:13:10 Uhr (pag. 197): 
[Und wie du mein nein respektiert hast. Deswegen kann ich kaum laufen weil mein arschloch so weh 
tut weil es geblutet hat. Und ich darm und bauch krämpfe habe und jetzt schon zum 4 mal kotzen!!!!]; 
Chat vom 03.08.2019 um 21:00:19 Uhr (pag. 199): [Ja weil ich sonst weiss wie sich sperma in der 
votze an fühlt aber im arsch ist was ganz neues!!! (…) Und ich konnte jetzt fast eine woche lang fast 

micht richtig sitzen habe immer wider gekotzt und wen ich scheissen musste bin ich vor schmerzen 

fast gestorben!!! (…)].

Ihre Aussagen zum Kerngeschehen blieben über die verschiedenen Einvernahmen hinweg konstant 
und inhaltlich gleich, so auch die Anzahl der geschilderten Vorfälle und die konkreten Umstände. So-
gar an der Hauptverhandlung knapp drei Jahre nach dem letzten Vorfall konnte die Privatklägerin 
noch detaillierte Aussagen machen. Nota bene hat sie keine pauschalen Anschuldigungen gegen den 
Beschuldigten erhoben, sondern dessen Handlungen differenziert und ebenfalls konstant umschrie-
ben, ohne dabei jedoch stereotype oder auswendig gelernt erscheinende Aussagen zu machen. So 
gab sie in jeder Einvernahme an, dass es zu insgesamt drei Vorfällen gekommen sei, die sie dann 
anhand von Ereignissen auch zeitlich genau einordnen konnte. Sie schilderte den ersten Vorfall vom 

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Samstag 29.06.2019, welchen sie zeitlich an jenen Wochenendtag knüpfte, an welchem sie gemein-
sam mit dem Beschuldigten frühmorgens hätte aufstehen und mit ihm nach Deutschland fahren sollen 
(pag. 149 1. und 5. Abschnitt, pag. 160 f.), den zweiten Vorfall nur knapp eine Woche später am 
05.07.2019, welchen sie mit der Rückkehr des Beschuldigten aus Deutschland verband (pag. 150, 
163) und angab, dieser habe kurz nach dem ersten Vorfall stattgefunden (pag. 163 RZ 223 ff.) und 
schliesslich den letzten und alles abschliessenden Vorfall vom 28. auf den 29.07.2019. Diese zeitli-
chen Angaben lassen sich für den zweiten und dritten Vorfall anhand der WhatsApp Chats überprü-
fen: so schrieb die Privatklägerin dem Beschuldigten am 08.07.2019 um 23:32:15 Uhr – also nur drei 
Tage nach dem zweiten Vorfall – auszugsweise die folgende Nachricht (pag. 192): [ (…) ich dachte 
ich sei dir wichtig aber so wie du schribst hast du dich doch nur in mein körperverliebt. Sonst hättest 

du das respektiert was ich gesagt habe. Nei du tuhs es wider und ich bin wider ins lochgefallen (…)]. 
Dass sie den zweiten Vorfall anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 03.03.2021 
vorerst vergass zu schildern und sich nicht mehr ganz sicher war, dann aber bestätigen und wiederum 
zeitlich an die Rückkehr des Beschuldigten aus Deutschland anknüpfen konnte (vgl. pag. 163), ist im 
Gesamtkontext nicht als Widerspruch, sondern vielmehr als Realkriterium zu werten, weil sie auch in 
einer anderen chronologischen Abfolge die Vorfälle inhaltlich gleichbleibend geschildert hat.

Für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht weiter, dass die Privatklägerin grundsätzlich keine 
übermässigen Anschuldigungen gegenüber dem Beschuldigten erhoben und auch auf Aggravierun-
gen verzichtet hat. So hat sie etwa ausgeführt, der Beschuldigte habe keine über die geschilderten 
Vorfälle hinausgehende Gewalt angewendet (pag. 153, 155, 168) und dass er nicht weitergemacht, 
sondern sofort aufgehört habe, als sie ihn dazu aufgefordert beziehungsweise weggeschubst oder 
sich von ihm abgewandt habe (pag. 149, 153, 161). Sie differenzierte auch klar, dass «nur» ein Pene-
trationsversuch und eine vollendete Penetration mit dem Penis stattgefunden hätten, die anderen ge-
schilderten Vorfälle hingegen eine Penetration mit dem Finger in die Vagina gewesen seien (pag. 153, 
163), wobei sie zahlenmässig konstant von insgesamt drei Vorfällen sprach. Weiter gab sie an, ab 
dem 10.07.2019 (und damit fünf Tage nach dem zweiten Vorfall) seien nur noch schriftliche Kon-
taktaufnahmen mit dem Beschuldigten erfolgt, beziehungsweise wenn es zu Treffen gekommen sei, 
dann nur um gemeinsam zu reden, wobei es aber nicht zu körperlichem Kontakt gekommen sei 
(pag. 151). Sie nahm den Beschuldigten gar in Schutz indem sie ausführte, dieser sei sich bis heute 
sicher, dass er anlässlich des letzten Vorfalls vaginal und nicht anal bei ihr eingedrungen sei, was je-
doch falsch sei (pag. 152) [Anm. Kammer: pag. 1002 f.; S. 42 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung]. 

Auch sonst belastete sie den Beschuldigten nicht übermässig, indem sie beispiels-
weise ausführte, dass sie sich erstmals küssten, als er ihr das Praktikum in Aus-
sicht gestellt hatte. Es sei etwas überraschend gekommen, aber nicht gegen ihren 
Willen (pag. 148, 4. Absatz). Zudem korrigierte sie ihre Aussagen während des 
Durchlesens des Protokolls zu seinen Gunsten, wonach der Beschuldigte vor dem 
29. Juni 2019 nie während des Schlafens seinen Finger in ihre Vagina eingeführt 
habe. Er habe sie zwar angefasst, aber eingeführt habe er den Finger erstmals am 
29. Juni 2019 (pag. 150, 2. Absatz). Weiter verneinte sie die Frage, ob der Be-
schuldigte ihr gedroht habe (pag. 153 Z. 51 f.) und führte auch aus, dass es nicht 
so gewesen sei, dass sich der Beschuldigte jemals Analverkehr gewünscht hätte 
(pag. 153 Z. 83 f.).

Weiter gestand B.________ auch Wissens- oder Erinnerungslücken ein. Sie gab zu, nicht sagen zu 
können, ob der Beschuldigte sie anlässlich des ersten Vorfalls mit dem Penis bereits am Körper 

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berührt habe oder nicht, und präzisierte, sich nur mit dem Finger sicher zu sein. Dadurch entlastete 
sie den Beschuldigten wiederum, indem sie aussagte, dass er hierbei im Begriff gewesen sei, mit sei-
nem nackten Penis in sie einzudringen, was er letztlich jedoch nicht getan habe (pag. 149 1. und 
5. Abschnitt, pag. 160 f.). Sehr differenziert gab sie auch an, anlässlich des dritten Vorfalls nicht mit-
bekommen zu haben, wie der Beschuldigte sie angefasst und seinen Penis in sie eingeführt habe, 
sondern einfach ab dem stechenden Schmerz im Anus aufgewacht zu sein, womit sie die Frage, ob 
sie es mitbekommen habe, mit ja und nein beantworten müsse (pag. 169 RZ 445 ff.). Auch hinsicht-
lich der Anzahl der Vorfälle gab sie an, es seien mit Sicherheit drei gewesen, da sie bei diesen auf-
gewacht sei, darüber