# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68b0dfda-1799-51de-8898-210f689bb9d8
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-09-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 22.09.2009 BF.2009.18
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_BF-2009-18_2009-09-22.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/2

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BF.2009.18

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 22.09.2009

Entscheiddatum: 22.09.2009

Entscheid Kantonsgericht, 22.09.2009
Art. 310 ZGB: Stimmt der sorgeberechtigte Elternteil einer Fremdplatzierung 
des Kindes zu, so ist ein Obhutsentzug erst geboten, wenn sein Verhalten 
als unberechenbar erscheint (Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 22. September 
2009, BF.2009.18).  

Sachverhalt:

 

Ein elfjähriges Mädchen steht in der Obhut des Vaters, lebt aber seit mehreren Jahren 

in einer Pflegefamilie. Der Vater kündigte überraschend den Pflegevertrag und teilte 

mit, er wolle das Kind bei sich aufnehmen. Darauf wurde ihm die Obhut entzogen. 

Dagegen erhebt der Vater Berufung.

 

Aus den Erwägungen:

Für die Aufhebung der elterlichen Obhut müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein 

(Art. 310 Abs. 1 ZGB): Zum einen muss das Kindeswohl gefährdet sein. Zum anderen 

muss ein Obhutsentzug das geeignete Mittel sein, um diese Gefahr abzuwenden. Eine 

solche Massnahme ist im Sinne der Subsidiarität grundsätzlich nicht geboten, solange 

der obhutsberechtigte Elternteil mit der Platzierung des Kindes in einem Heim oder 

einer Pflegefamilie einverstanden ist. Wenn er aber seine Meinung wiederholt ändert 

und sich damit unberechenbar verhält, kann es notwendig werden, ihm die Obhut zu 

entziehen (Guler, Die Aufhebung der elterlichen Obhut, ZVW 1995, 121, 132; Häfeli, Die 

Aufhebung der elterlichen Obhut nach Art. 310 ZGB, ZVW 2001, 111, 114). Hier wollte 

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der Vater zunächst mit dem Kind zusammenleben. Dann behauptete er, dass er nur 

eine Umplatzierung verlangt habe. Schliesslich erklärte er, dass er nichts gegen die 

Weiterführung des bisherigen Pflegeverhältnisses einzuwenden habe.

Die Tochter wurde von der Vormundschaftsbehörde angehört. Sie meinte, sie komme 

mit dem Vater gut aus, es sei aber doch besser, wenn er nicht "alles machen kann" 

und wenn sie wisse, wo sie lebe und wer für sie sorge. Dieses Bedürfnis nach stabilen 

Verhältnissen und insbesondere nach Sicherheit, in ihrer jetzigen Familie bleiben zu 

dürfen, ist ernst zu nehmen. Hinzu kommt, dass sich die Lage des Vaters im Laufe des 

Verfahrens nicht gefestigt hat. Er leidet nach wie vor an Suchtproblemen, verweigert 

jede Zusammenarbeit mit dem Beistand und hat zudem kürzlich seine Arbeitsstelle 

verloren.

Eine Kindesschutzmassnahme ist unter diesen Umständen auch nach dem Widerruf 

der Kündigung des Pflegevertrags erforderlich. Daran vermag der Einwand des Vaters, 

ihm sei eine Rücknahme ja schon nach Art. 310 Abs. 3 ZGB verwehrt, nichts zu ändern. 

Diese Bestimmung kann einen lückenlosen Schutz des Kindes gerade nicht 

garantieren. Befindet sich das Kind an einem Pflegeplatz und soll es auch gegen den 

Willen des zuständigen Elternteils dort bleiben können, so muss diesem die Obhut 

entzogen werden (ZVW 1993, 71 f.). Sonst stünde es dem Vater jederzeit frei, das Kind 

zu sich nehmen. Die Vormundschaftsbehörde könnte eine solche Unterbrechung der 

Kontinuität nicht verhindern, sondern müsste sich darauf beschränken, nachträglich 

eine Rückführung an den Pflegeplatz anzuordnen (vgl. Häfeli, ZVW 2001, 116).

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	Entscheid Kantonsgericht, 22.09.2009
	Art. 310 ZGB: Stimmt der sorgeberechtigte Elternteil einer Fremdplatzierung des Kindes zu, so ist ein Obhutsentzug erst geboten, wenn sein Verhalten als unberechenbar erscheint (Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 22. September 2009, BF.2009.18).  

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