# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 65e96e64-5732-553d-9c26-138ba0206b6a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.07.2009 D-1424/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1424-2009_2009-07-01.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1424/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichter Fulvio Haefeli, 
mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;
Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann.

A._______, geboren (...),
B._______, geboren (...),
Eritrea,
beide vertreten durch die Freiplatzaktion Zürich, 
Rechtshilfe Asyl und Migration,
(...),
Beschwerdeführerinnen,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Familienzusammenführung und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 30. Januar 2009 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1424/2009

Sachverhalt:

A.
Mit Entscheid vom 14. Mai 2007 (A21) wurde die Beschwerdeführerin, 
da sie mit einem in der Schweiz anerkannten Flüchtling verheiratet ist, 
gemäss Art. 51 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG, 
SR  142.31)  als  Flüchtling  anerkannt.  Auch  ihre  Kinder  X._______, 
Y._______ und Z._______ erlangten aufgrund derselben Bestimmung 
den Flüchtlingsstatus.

B.
Mit  Schreiben vom 23. Oktober  2008 stellte  die  Beschwerdeführerin 
ein Familienzusammenführungsgesuch für die Tochter B._______.

C.
Das BFM bewilligte mit  Verfügung vom 30. Januar 2009 die Einreise 
von  B._______  nicht  und  lehnte  das  Gesuch  um  Familienzu-
sammenführung ab. Auf die Begründung der ablehnenden Verfügung 
wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführerinnen mit Ein-
gabe vom 4. März 2009 (Poststempel: 5. März 2009) Beschwerde und 
beantragten, es sei B._______ gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG die 
Einreise in die Schweiz über die Schweizer Vertretung in C._______ 
zu  gestatten,  und  sie  sei  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihrer  Mutter 
einzubeziehen. Eventualiter sei das BFM zur Feststellung der Identität 
der  nachzuziehenden  Tochter  der  Beschwerdeführerin  anzuweisen, 
über die Schweizer Vertretung in  C._______ die Durchführung einer 
DNA-Analyse  vorzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht. Auf die Begründung 
im  Einzelnen  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen 
Bezug genommen.

E.
Mit Verfügung vom 20. März 2009 hiess der zuständige Instruktions-
richter  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um  Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG,  SR  172.021)  gut  und  verzichtete  antragsgemäss  auf  die 

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Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Zudem wurde  die  Vorinstanz  in 
Anwendung  von  Art.  57  Abs.  1  VwVG  zur  Einreichung  einer 
Vernehmlassung eingeladen.

F.
Das BFM wies in  seiner Vernehmlassung vom 21. April  2009 darauf 
hin, dass es der Beschwerdeführerin obliege, die nötigen Schritte zu 
unternehmen, um die Verwandtschaft mit der Person, für welche das 
Familienzusammenführungsgesuch  gestellt  worden  sei,  glaubhaft  zu 
machen. Diese könne anhand eines DNA-Tests erfolgen. Falls die Be-
schwerdeführerin eine DNA-Analyse vornehmen wolle,  müsse sie di-
rekt mit der Schweizerischen Vertretung in C._______ Kontakt aufneh-
men und die diesbezüglich anfallenden Kosten selber tragen. Im Wei-
teren hielt es an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung 
der Beschwerde.

G.
Mit  Verfügung vom 23. April  2009 räumte der Instruktionsrichter  des 
Bundesverwaltungsgerichts  den  Beschwerdeführerinnen  das  Replik-
recht ein.

H.
Mit Schreiben vom 7. Mai 2009 stellten die Beschwerdeführerinnen die 
Vornahme  eines  DNA-Tests  über  die  Schweizer  Vertretung  in 
C._______ in Aussicht.

I.
In ihrem Schreiben vom 22. Mai 2009 (Poststempel) übermittelten die 
Beschwerdeführerinnen  den  E-Mail-Verkehr  zwischen  ihnen  und  der 
Schweizer Vertretung in C._______ betreffend die Durchführung einer 
DNA-Analyse. Für die Durchführung eines solchen Tests brauche die 
Schweizer  Vertretung  in  C._______  Instruktionen  seitens  der 
Behörden in der Schweiz. Gemäss telefonischer Mitteilung könne das 
BFM  im  vorliegenden  Fall  keine  Anweisungen  erteilen,  da  der  Fall 
beim  Bundesverwaltungsgericht  hängig  sei.  Aus  den  genannten 
Gründen seien die Beschwerdeführerinnen auf die Unterstützung der 
Behören angewiesen und ersuchten diese, die Schweizer Vertretung in 
C._______ über die Vornahme einer DNA-Analyse zu instruieren.

J.
Mit  Verfügung  vom 26. Mai  2009  forderte  der  Instruktionsrichter  die 
Beschwerdeführerinnen auf, innert Frist den vollständigen und gesam-

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ten  E-Mail-Verkehr  zwischen ihnen und der  Schweizer  Vertretung  in 
C._______  betreffend  die  Durchführung  einer  DNA-Analyse  zu 
zustellen.

K.
Mit Schreiben vom 29. Mai 2009 (Poststempel) reichten die Beschwer-
deführerinnen den diesbezüglich lückenlosen E-Mail-Verkehr ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerinnen sind durch die angefochtene Verfügung berührt 
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Die Beschwerdeführerinnen sind daher zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 
sowie 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 

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eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist.

4.

4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen 
und deren minderjährige Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten 
Asyl,  sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Beson-
dere Umstände sind beispielsweise anzunehmen, wenn das Familien-
mitglied Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling und die Fami-
lie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Sta-
tus derivativ erworben hat, oder wenn das Familienleben während län-
gerer Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmit-
glieder nicht  den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. In je-
dem Fall bedingt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, dass die 
anspruchsberechtigte  Person ihren Heimat-  oder  Herkunftsstaat  ver-
lassen hat; im Hinblick hierauf haben Personen, welche nach Art. 51 
Abs. 1 AsylG als  Flüchtlinge anzuerkennen sind,  aus Art. 51 Abs. 4 
AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern 
sie sich im Ausland aufhalten und durch die Flucht vom anerkannten 
Flüchtling  getrennt  wurden (vgl.  dazu Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 7 
E. 5.4. und 6.1.). Massgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung ist derje-
nige des Asyl- beziehungsweise Beschwerdeentscheides.

4.2 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung vom 30. Januar 
2009 aus, die Beschwerdeführerin (Mutter) und deren Ehemann hätten 
bezüglich  des  in  Eritrea  zurückgelassenen  Kindes  widersprüchliche 
Angaben gemacht. Anlässlich der Befragung zur Person im EVZ (...) 
habe sowohl  die  Beschwerdeführerin  als  auch ihr  Ehemann geltend 
gemacht,  sie  hätten  eine  Tochter  in  Eritrea  zurückgelassen,  welche 
D._______ heisse. Bei der Anhörung zu den Asylgründen hätten die 
beiden  hingegen  erklärt,  die  zurückgelassene  Tochter  heisse 
E._______.  Der  Ehemann  habe  zusätzlich  geltend  gemacht,  die 
Tochter  F._______  genannt  zu  haben,  obwohl  sie  als  G._______ 
registriert sei. Allerdings habe er den Vornamen seiner Tochter, als er 
danach gefragt  worden sei,  zuerst  nicht  einmal  nennen können. Auf 
diese  Ungereimtheiten  angesprochen  habe  der  Ehemann ein  Doku-
ment in Aussicht gestellt, welches auf den Namen G._______ laute. Im 
Gesuch  um Familienzusammenführung  vom 23.  Oktober  2008  laute 
der  Name des in  Eritrea  zurückgelassenen  Kindes  noch einmal  an-

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ders.  In  diesem  Schreiben  werde  der  Kindername  als  B._______ 
angegeben.  Das  Geschlecht  des  Kindes  sei  zudem  nicht  einmal 
erwähnt. Als Beleg für die Identität sei eine Kopie eines Geburtsschei-
nes beigelegt worden. Obwohl der Ehemann bei der Anhörung zu den 
Asylgründen  angegeben  habe,  ein  Dokument  einzureichen,  welches 
auf den Namen G._______ laute, sei eine Kopie eines Taufscheines zu 
den Akten gegeben worden, welche auf den Namen B._______ laute. 
Abgesehen  von den  völlig  verschiedenen  Namensangaben  vermöge 
der  anlässlich  des  Familienzusammenführungsgesuchs  eingereichte 
Taufschein  die  Identität  des  Kindes  nicht  zu  belegen.  Beim 
eingereichten Dokument handle es sich lediglich um eine Kopie. Kopi-
en  seien  aufgrund  ihrer  leichten  Manipulierbarkeit  nicht  beweistaug-
lich. Es müsse zudem festgehalten werden, dass selbst ein Originalt-
aufschein nicht beweistauglich wäre, da es sich hierbei nicht um ein 
amtliches Dokument handle. Es sei überdies bekannt, dass Taufschei-
ne in Eritrea leicht käuflich erwerbbar seien. Im Weiteren habe die Be-
schwerdeführerin als Beweismittel Fotos der angeblichen Tochter ein-
gereicht. Diese Fotos belegten jedoch in keiner Weise die Verwandt-
schaft des Kindes. Aufgrund der Ungereimtheiten bezüglich der Identi-
tät  des Kindes könnten die Beschwerdeführerin und deren Ehemann 
nicht glaubhaft machen, dass es sich beim fraglichen Kind um ein leib-
liches Kind handle.

4.3 In ihrer Beschwerde vom 5. März 2009 wiesen die Beschwerde-
führerinnen darauf  hin,  dass  anlässlich  der  Asylbefragungen  sowohl 
von  der  Beschwerdeführerin  als  auch  von  ihrem Ehemann  überein-
stimmend  angegeben  worden  sei,  sie  hätten  ihre  jüngste  Tochter, 
E._______,  in  H._______  bei  ihrer  Schwester  -  wo  sie  sich  immer 
noch befinde - zurücklassen müssen, da sie zum Zeitpunkt der Flucht 
krank gewesen sei und deshalb ihre Eltern und ihre älteren Geschwis-
ter  nicht  habe begleiten  können. Als  Krankheit  und somit  Grund für 
das Zurücklassen der jüngsten Tochter sei von den Ehegatten Windpo-
cken genannt worden (A18, S. 4; A17, S. 4 f.; A1, S. 3 sowie A2, S. 2 
[recte: A2, S. 3]). Mit Angabe der entsprechenden Textstellen im Anhö-
rungsprotokoll wiesen die Beschwerdeführerinnen überdies darauf hin, 
dass  die  Beschwedeführerin  immer  wieder  von  ihrer  im  Heimatland 
verbliebenen Tochter gesprochen habe (A18, S. 9, S. 20. S. 22 und S. 
24). Die zitierten Aussagen seien derart  von Spontaneität und Reali-
tätsnähe geprägt, dass die Annahme, es handle sich bei der im Hei-
matland zurückgebliebenen Tochter  um einen konstruierten Sachver-
halt,  nicht zulässig sei. Eine solche Unterstellung scheine auch des-

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halb nicht angebracht zu sein, da nicht ernsthaft angenommen werden 
könne, der Beschwerdeführerin sei es über die ganze Anhörung zu ih-
ren Asylgründen hinweg lediglich darum gegangen, ein Kind als das 
eigene vorzutäuschen. In ihren weiteren Ausführungen wiesen die Be-
schwerdeführerinnen auf die unterschiedliche Namensgebung in Erit-
rea hin, da dort alle Personen sowohl einen Namen von der Kirche als 
auch einen offiziellen Namen hätten und erklärten dadurch die Unge-
reimtheiten bei der Angabe des Vor- und Nachnamens ihrer zurückge-
lassenen Tochter anlässlich der Asylbefragungen. Im Gesuch um Fa-
milienzusammenführung  vom  23.  Oktober  2009  sei  B._______  als 
Namen der zurückgebliebenen Tochter angegeben. Dies liege jedoch 
daran,  dass  das  Gesuch  sich  auf  das  einzig  vorhandene  Identi-
tätsdokument, den Taufschein, habe stützen können. Es sei darauf ver-
zichtet worden, den bei den Anhörungen angegebenen Namen anzu-
führen, was vorliegend nicht zulasten der Beschwerdeführerinnen ge-
hen könne. Über andere Identitätsdokumente als die Kopie des einge-
reichten Taufscheines – welchen die in H._______ lebende Schwester 
ihr zugestellt habe – verfügten die Beschwerdeführerinnen nicht. Auch 
die Identität  der anderen Kinder der Beschwerdeführerin sei  mit  den 
jeweiligen Taufscheinen belegt worden. Sie verfüge jedoch nicht mehr 
über  das  Original  des  Taufscheines,  da  sie  es  auf  dem  Fluchtweg 
verloren habe. Zudem sei es – entgegen der Ansicht der Vorinstanz im 
angefochtenen  Entscheid  –  allgemein  bekannt,  dass  eritreische 
Staatsangehörige,  die  wie  die  Beschwerdeführerin  auf  dem  Land 
gelebt hätten, als Identitätsdokumente einzig Taufurkunden besässen. 
Die  in  Eritrea  zurückgelassene  jüngste  Tochter  der 
Beschwerdeführerin  könne  als  Angehörige  einer  politischen 
Flüchtlingsperson in Anbetracht der überaus restriktiven Haltung des 
eritreischen Regimes keine Identitätsdokumente beantragen.

5.

5.1 Der Untersuchungsgrundsatz  gehört  zu den allgemeinen Grund-
sätzen des Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Er bedeutet, dass die Be-
hörde gehalten ist, von Amtes wegen für die richtige und vollständige 
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Unvollstän-
dig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid 
rechtsrelevanten  Sachumstände  berücksichtigt  wurden,  unrichtig, 
wenn  der  Verfügung  ein  falscher  und  aktenwidriger  Sachverhalt  zu-
grunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit  einer Tatsache 
zu Unrecht verneint wird, so dass diese nicht zum Gegenstand eines 

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Beweisverfahrens gemacht  wird,  oder  weil  Beweise falsch gewürdigt 
worden sind (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Ver-
waltungsrechtspflege des Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998,  Rz 630 ff.). 
Gemäss Art. 49 Bst. b VwVG bildet denn auch die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des Sachverhalts neben Verletzung von Bun-
desrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauchs des Ermes-
sen (Art. 49 Bst. a VwVG) und der Unangemessenheit (Art. 49 Bst. c 
VwVG) einen Beschwerdegrund. Die Pflicht der Behörden zur vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts ist 
unabdingbar  (Art. 12  VwVG; vgl.  auch  Art. 49  Bst. b  VwVG; für  das 
Asylverfahren ausserdem Art. 6 AsylG).

5.2 Anlässlich der Befragungen vom 6. und 7. Juli 2006 und der kanto-
nalen Anhörungen vom 12. September  2006 führten sowohl  die  Be-
schwerdeführerin  als  auch  deren  Ehemann  übereinstimmend  aus, 
dass sie gemeinsam vier Kinder hätten und bei ihrer Flucht ihre jüngs-
te Tochter wegen Windpocken in H._______ bei ihrer Schwester bezie-
hungsweise einer Schwägerin hätten zurücklassen müssen (A1, S. 3; 
A1 S. 3; A17, S. 4 f. sowie A18, S. 4). Von einem Sachverhaltskonstrukt 
zwecks zusätzlicher Einbeziehung eines weiteren, nicht leiblichen Kin-
des, kann daher nicht von vornherein ausgegangen werden. Mit einem 
DNA-Test kann ein Abstammungsverhältnis mit einer nahezu 100-pro-
zentigen Sicherheit  nachgewiesen werden. Deshalb ist  in  casu nicht 
auf die von der Vorinstanz aufgezeigten Ungereimtheiten bei der Na-
mensgebung beziehungsweise Namensnennung des Kindes einzuge-
hen. Eine DNA-Analyse kann hingegen der diesbezüglichen Unklarheit 
Abhilfe schaffen. Im vorliegenden Fall wurde der entscheidwesentliche 
Sachverhalt somit unvollständig ermittelt.

5.3 Die Beschwerdeführerinnen boten an,  zwecks wissenschaftlicher 
Feststellung  des  Verwandtschaftsverhältnisses  zwischen  den  Be-
schwerdeführerinnen, eine DNA-Analyse durchzuführen. Gemäss Aus-
kunft der Schweizer Vertretung in C._______ können sie diese jedoch 
nicht  selbstständig  und  rechtsgenüglich  initiieren,  sondern  brauchen 
die Unterstützung durch die Schweizerischen Behörden, die dann der 
Schweizer Vertretung vor Ort die notwendigen Instruktionen zu erteilen 
haben.  Die  Klärung  des  Verwandtschaftsverhältnisses  zwischen  den 
Beschwerdeführerinnen  gehört  zur  Ermittlung  des  Sachverhaltes  im 
vorinstanzlichen Verfahren und ist  nicht Aufgabe der Beschwerdeins-
tanz.

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6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der rechtserhebliche Sachverhalt 
im vorliegenden Fall  unvollständig festgestellt  worden ist. Angesichts 
dieser Umstände ist die Beschwerde vom 5. März 2009 im Sinne der 
Erwägungen gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 30. Janu-
ar 2009 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM 
zurückzuweisen. Die Vorinstanz ist im Sinne der obigen Erwägungen 
aufzufordern,  die  Durchführung  eines  DNA-Tests  zwecks  Ermittlung 
des Verwandtschaftsverhältnisses zwischen den beiden Beschwerde-
führerinnen anzuordnen und somit den rechtserheblichen Sachverhalt 
vollständig abzuklären.

7.

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(Art 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).

7.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsie-
genden Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-
gung für  die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-
hen Kosten zugesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemes-
sung  der  Parteientschädigung  ausserdem  Art. 7  ff.  des  Reglements 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt  vom  21. Februar  2008  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Seitens  der 
Rechtsvertretung  ist  keine  Kostennote  eingereicht  worden.  Auf  die 
Nachforderung  einer  solchen  wird  indessen  verzichtet  (vgl.  Art. 14 
Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand des Schrif-
tenwechsels zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in 
Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) wird die 
Parteientschädigung auf Grund der Akten auf Fr. 800.-- (inkl. Auslagen 
und Mehrwertsteuer)  festgesetzt. Dieser Betrag ist  den Beschwerde-
führerinnen durch das BFM zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des BFM vom 
30. Januar 2009 wird aufgehoben.

2.
Die Akten werden dem BFM zur erneuten Beurteilung der Sache im 
Sinne der Erwägungen überwiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Den  Beschwerdeführerinnen  wird  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 800.-- zugesprochen, die ihnen durch das BFM zu entrichten ist.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerinnen (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Daniel Stadelmann

Versand:

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