# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a7d3ff0-b153-5fef-a083-a55723ac04d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.05.2007 E-2223/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2223-2007_2007-05-10.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2223/2007
{T 0/2}

Urteil vom 10. Mai 2007

Mitwirkung: Richterin Teuscher, Richter Scherrer, Gysi
Gerichtsschreiber Abbühl

A._______, 
alias B._______, Sri Lanka,
wohnhaft C._______,

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 31. Januar 2007 i.S. Einreisebewilligung und Asyl / N 

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

2

Sachverhalt:

A. Mit bei der Schweizerischen Vertretung in Colombo eingereichter Eingabe vom 6. 
Juni 2006 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung von Asyl in der Schweiz. 
Zur  Begründung  machte  er  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  Hindu  tamilischer 
Ethnie und stamme aus D._______. Seit dem 22. März 2003 sei er mit E._______ 
verheiratet, welche am 30. Dezember 2004 ihr gemeinsames Kind, F._______, zur 
Welt gebracht habe. Er sei politisch nie aktiv gewesen. Aus beruflichen Gründen 
sei  er gelegentlich nach Colombo gereist.  Am 2. Februar  2000 sei er anlässlich 
eines  Besuchs  in  Colombo  von  der  "Terrorist  Investigation  Division"  (T.I.D.) 
grundlos  verhaftet  und  in  deren  Hauptquartier  in  Colombo festgehalten  worden. 
Am  11.  Juli  2000  sei  er  auf  Anordnung  des  "Chief  Magistrate's  Court"  ins 
Gefängnis nach G._______ gebracht worden. Während seiner Inhaftierung sei er 
von Beamten der T.I.D. gefoltert und misshandelt worden, bevor man ihn am 27. 
Juni 2001 auf Anweisung des Generalstaatsanwaltes auf freien Fuss gesetzt habe. 
Nach  seiner  Freilassung  sei  er  verschiedentlich  von  bewaffneten  Personen 
bedroht worden. Am 25. April 2006 sei er erneut verhaftet und während rund drei 
Wochen auf der Polizeistation H._______ festgehalten, gefoltert und misshandelt 
worden. Vorübergehend habe man ihn auch zum "Nawala Head Office" gebracht. 
Seine  Frau  habe  auf  Grund  dieser  Vorkomnisse  eine  Fehlgeburt  erlitten.  Seit 
seiner Entlassung am 16. Mai 2006 habe er sein Haus nicht verlassen können, da 
er  von  verschiedenen  terroristischen  Gruppierungen,  der  srilankischen  Armee 
sowie von der Polizei  bedrängt  worden sei.  Er  sei  psychisch angeschlagen und 
könne kein normales Leben mehr führen,  da er um sein Leben fürchte und sich 
immer versteckt halten müsse.

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer mit Schreiben 
vom 25. Juli 2006 (Posteingang bei der Schweizerischen Vertretung in Colombo) 
verschiedene  Beweismittel  zu  den  Akten,  darunter  der  Entlassungsbefehl  des 
Colombo  Chief  Magistrate's  Court  vom  28.  Juni  2001  und  ein 
Bestätigungsschreiben  des  Gefängnisses  in  G._______  vom  29.  Juni  2001  - 
jeweils  samt  englischer  Übersetzung  -,  ein  Bestätigungsschreiben  des 
"International Committee Of The Red Cross, Delegation in Sri Lanka" (ICRC) vom 
12.  Juli  2001,  ein Bestätigungsschreiben der "Human Rights  Commission Of Sri 
Lanka"  vom  8.  August  2001,  ein  undatiertes  Bestätigungsschreiben  der 
"Presidential Commission in Respect Of Illegal Arrests Including Hindrance", eine 
Haftbestätigung des ICRC vom 14. Juni 2006 sowie Kopien des Geburtsscheins, 
der Identitätskarte und des Reisepasses.

B. Am 12.  Oktober  2006 übermittelte  die Schweizerische Botschaft  in Colombo die 
Gesuchsunterlagen mit ihren Bemerkungen dem BFM.

C. Mit Verfügung vom 31. Januar 2007 - eröffnet am 9. März 2007 - verweigerte das 
BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  sein 
Asylgesuch ab. Zur Begründung führte es aus, dass der Beschwerdeführer am 28. 
Juni  2001  auf  Anordnung  des  Generalstaatsanwalts  aus  der  Haft  entlassen 
worden  sei,  woraus  geschlossen  werden  müsse,  dass  er  in  diesem  Verfahren 

3

freigesprochen  worden  sei.  Im  Zusammenhang  mit  der  Festhaltung  durch  die 
Polizei von H._______ vom April /Mai 2006 sei gegen den Beschwerdeführer kein 
Strafverfahren eröffnet  worden,  da er  bereits  nach wenigen  Wochen  wieder  auf 
freien  Fuss  gesetzt  worden  sei.  Falls  gegen  ihn  ernsthafte  Verdachtsmomente 
bezüglich  strafrechtlich  relevanter  Handlungen,  insbesondere  terroristischer 
Aktivitäten,  vorgelegen  hätten,  wäre  er  bestimmt  nicht  aus  der  Haft  entlassen 
worden.  Auf  Grund  der  Akten  sei  ein  Zusammenhang  zwischen  den  beiden 
Festnahmen nicht ersichtlich. Vielmehr müsse die Polizeihaft vom April /Mai 2006 
vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage in gewissen Regionen Sri 
Lankas gesehen werden.  Weiter  führt  das BFM aus,  die vom Beschwerdeführer 
geltend  gemachten  Behelligungen  und  Drohungen  seitens  bewaffneter  Kreise 
seien  wenig  konkret  und  würden  eine  objektiv  nachvollziehbare  Furcht  vor 
einreisebeachtlicher  Verfolgung  in  absehbarer  Zukunft  nicht  zu  begründen 
vermögen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er gezielten Verfolgungsmassnahmen 
seitens  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  oder  irgendwelcher  bewaffneter 
Gruppierungen ausgesetzt sein sollte, zumal er politisch nie aktiv gewesen sei und 
auch keine exponierte Stellung bekleidet habe. Überdies sei er in der Lage, sich 
allfälligen lokal  bedingten Behelligungen  durch Verlegung seines  Wohnsitzes  im 
Grossraum Colombo entziehen.  Bezüglich des von der Ehefrau erlittenen Aborts 
sei  festzuhalten,  dass  dieser  Vorfall  zwar  zweifelsohne  einen  schweren  Schlag 
darstelle, asylrechtlich jedoch nicht relevant sei.

D. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer  mit  an die Schweizerische 
Vertretung in Colombo gerichtetem Schreiben vom 9. März 2007 (Posteingang bei 
der Botschaft am 13. März 2007) Beschwerde, welche zuständigkeitshalber an das 
Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet wurde (Posteingang 27. März 2007). Zur 
Begründung  brachte  er  vor,  dass  eine  begründete  Furcht  vor  zukünftiger 
Verfolgung  auf  Grund  der  früheren  Festnahmen  und  der  Behelligungen  durch 
Militär,  Polizei  und  Militante  angesichts  der  allgemeinen  Situation  in  Sri  Lanka 
durchaus plausibel erscheine. Als Tamile und Hindu sei er auf Grund der früheren 
Festnahmen besonders gefährdet, in Zukunft erneut das Opfer von Festnahmen zu 
werden.  Die  Furcht  vor  zukünftigen  Verfolgungsmassnahmen  sei  unter 
Berücksichtigung der  besonderen Situation  in  seinem Heimatstaat  und nicht  auf 
Grund  der  Art  und  Schwere  der  in  der  Vergangenheit  gegen  ihn  erhobenen 
Vorwürfe zu beurteilen. Es sei eine gängige Vorgehensweise der Sicherheitskräfte, 
jugendliche Tamilen ohne ersichtlichen Grund und nur  gestützt  auf  eine frühere 
Verhaftung,  im Sinne einer "Vorsichtsmassnahme",  erneut  festzunehmen und zu 
inhaftieren.  Zwar  würde  er  im  Falle  einer  erneuten  Verhaftung  vom  Gericht 
zweifelsohne  wieder  auf  freien  Fuss  gesetzt,  doch  wäre  er  immer  wieder 
physischer und psychischer Folter und unmenschlicher Behandlung ausgesetzt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art.  31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 

4

173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen 
nach  Art.  5  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 
vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. 
Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt  auf  das Asylgesetz  vom 26.  Juni 
1998  (AsylG;  SR 142.31);  das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem 
Bereich  endgültig  (Art.  105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]).

1.2 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die 
Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3 Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einem  vereinfachten 
Verfahren  entschieden.  Wie nachstehend aufgezeigt,  handelt  es sich  vorliegend 
um eine solche, weshalb auf einen Schriftenwechsel verzichtet werden kann und 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111 Abs. 1 und 3 
AsylG).

2. Die Beschwerdeeingabe ist nicht in einer Amtsprache des Bundes (in der Regel 
also  Deutsch,  Französisch  oder  Italienisch  vgl.  Art.  70  Abs.  1  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999 
[BV; SR 101]) abgefasst und müsste daher grundsätzlich zur Übersetzung an den 
Beschwerdeführer  zurückgewiesen  werden.  Aus  prozessökonomischen  Gründen 
wird  indessen  im  vorliegenden  Fall  auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur 
Beschwerdeverbesserung  verzichtet,  da  der  in  Englisch  verfassten  Eingabe 
sinngemäss  ein  Beschwerdebegehren  mit  entsprechender  Begründung 
entnommen  und  darüber  aufgrund  der  Aktenlage  ohne  weiteres  entschieden 
werden kann.

3. Die Beschwerde ist  form-  und fristgerecht  eingereicht;  der  Beschwerdeführer  ist 
legitimiert  (Art.  6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist 
mithin einzutreten.

4.

4.1 Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsu-
chenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können oder ihnen die Auf-
nahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 
Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die 
Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden 
kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land aus-
zureisen.

4.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewil-
ligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Er-
messensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von 
Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der 
Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen 
Schutzsuche sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs-  und Assimilationsmög-
lichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen.  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der 

5

Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen, 
mithin  die Prüfung  der  Fragen,  ob  eine Gefährdung  im Sinne  von  Art.  3  AsylG 
glaubhaft  gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort  für die Dauer der 
Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. (vgl. um Ganzen Entscheide und 
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 2004 Nr. 
20, S. 128 ff., mit Verweis auf EMARK 1997 Nr. 15, S. 126 ff.)

5. Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zunächst  zum 
Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die vom Beschwerdeführer 
geäusserten Vorbringen betreffend seine Festnahme am 2.  Februar  2000 durch 
die  T.I.D.  und  der  anschliessenden,  vom  11.  Juli  2000  bis  am  29.  Juni  2001 
dauernden  Inhaftierung  im  Gefängnis  in  G._______,  sowie  betreffend  die 
Festhaltung durch die Polizei von H._______ vom April /Mai 2006, nicht geeignet 
sind, eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu belegen. 

5.1 Gemäss Art. 3 AsylG sind Flüchtlinge Ausländer, die in Ihrem Heimatstaat oder im 
Land,  wo  sie  zuletzt  wohnten,  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder 
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Flüchtling ist 
damit nicht nur, wer eine aktuelle Verfolgung geltend machen kann, sondern auch, 
wer vor künftiger  Verfolgung flieht.  Ist  also die bereits  erlittene Verfolgung nicht 
asylrelevant, indem sie zum Beispiel zu wenig intensiv ist, oder weil sie zeitlich zu 
weit zurückliegt, um für die Flucht kausal zu sein, muss geprüft werden, ob diese 
Ereignisse  Anhaltspunkte  für  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung 
darstellen können. Die Praxis verlangt eine Kausalität zwischen abgeschlossener 
Verfolgung und Ausreise. Diese wird als gegeben erachtet, wenn der zeitliche und 
sachliche Zusammenhang genügend eng ist. Der zeitliche Kausalzusammenhang 
gilt  dann  als  zerrissen,  wenn  zwischen  Eingriff  und  Ausreise  mehr  als  zwölf 
Monate  vergangen  sind  (vgl.  Alberto  Achermann/  Christina  Hausammann, 
Handbuch  des  Asylrechts,  2.,  vollständig  überarbeitete  Auflage,  Bern  1991,  S. 
107). In Bezug auf den geltend gemachten Freiheitsentzug von Juli 2000 bis Juni 
2001  ist  festzuhalten,  dass  dieser  den  Anforderungen  an  die  Aktualität  der 
Verfolgung  nicht  zu  genügen  vermag,  zumal  zwischen  dem geltend  gemachten 
Eingriff  und dem Ersuchen um Schutzgewährung mehr als fünf Jahre vergangen 
sind, womit es an der erforderlichen Kausalität fehlt. 

5.2 Eine  Verfolgung  ist  nur  dann  asylrelevant  im Sinne  von  Art  3  AsylG,  wenn  die 
erlittenen  oder  befürchteten  Nachteile  auf  bestimmten  Verfolgungsmotiven 
basieren.  Das  Asylgesetz  nennt  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer bestimmten sozialen Gruppe und politische Anschauungen des Verfolgten. 
Die  asylrelevante  Verfolgung  ist  insbesondere  von  der  legitimen  staatlichen 
Verfolgung auseinanderzuhalten (vgl. Alberto Achermann/ Christina Hausammann, 
a.a.O., S. 74). Nicht alle staatlichen Massnahmen, die in Leib, Leben oder Freiheit 
des oder der Einzelnen eingreifen, sind somit auch asylrelevant. Jeder Staat darf 
legitimerweise  Massnahmen  zur  Verbrechensbekämpfung,  zur  Aufrechterhaltung 
der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit und zum Schutze der Einheit des 
Staates  ergreifen.  Beruhen  Verfolgungsmassnahmen  auf  legitimen  Gründen,  ist 
das Asylgesuch wegen Fehlens asylrelevanter Verfolgungsmotivation abzulehnen 
(vgl.  Alberto  Achermann/  Christina  Hausammann,  a.a.O.,  S.  100).  Wie  der 
Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe ausführt,  wurde er im Mai 2006 
von  der  Polizei  verhaftet,  weil  diese  ein  Telefonat  eines  LTTE-Mitgliedes 

6

abgefangen hatte, welches von seinem Mobiltelefon geführt wurde. Die Liberation 
Tigers of Tamil Eelam (LTTE) sind eine paramilitärische Organisation, die für die 
Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas vom 
Rest  der  Insel  kämpfen.  Die  Regierung  Sri  Lankas  hat  somit  -  im  Sinne  einer 
Massnahme  zur  Aufrechterhaltung  der  inneren  und  äusseren  Sicherheit  des 
Staates  -  ein  legitimes  Interesse  an  der  Verfolgung  mutmasslicher  LTTE-
Mitglieder. Die Verhaftung des Beschwerdeführers stellt offensichtlich eine solche 
Massnahme  dar  und  ist  demzufolge  asylrechtlich  irrelevant.  An  dieser 
Betrachtungsweise  vermag  auch  die  Tatsache,  dass  es  sich  beim 
Beschwerdeführer  um  einen  Angehörigen  der  tamilischen  Minderheit  handelt, 
nichts zu ändern, zumal davon auszugehen ist, der zu beurteilende Eingriff sei auf 
Grund konkreter  Verdachtsmomente  erfolgt  und nicht  auf  Grund  der  ethnischen 
Zugehörigkeit des Beschwerdeführers. Zu prüfen bleibt, ob der Eingriff gegenüber 
dem  Beschwerdeführer  mit  öffentlichen  Interessen  gerechtfertigt  werden  kann, 
oder ob die Repressionsmassnahmen als unverhältnismässig zu bezeichnen sind. 
Eine  solche  Prüfung  der  Verhältnismässigkeit  staatlicher  Eingriffe  kann  nicht 
losgelöst  von  der  allgemeinen  Situation  im  betreffenden  Staat  erfolgen.  So  ist 
beispielsweise in Bürgerkriegssituationen oder bei der Bekämpfung von Unruhen 
und Terrorismus die Schwelle zur Annahme einer Verletzung des Grundsatzes der 
Verhältnismässigkeit  höher  anzusetzen.  Im Grossraum Colombo und in anderen 
Teilen  der  Insel  hat  sich  die  Sicherheit  der  Bevölkerung,  insbesondere  der 
tamilischen  und  muslimischen  Minderheit,  aber  auch  der  singhalesischen 
Bevölkerung, wo sie eine Minderheit bildet, seit Beginn des Jahres 2006 allgemein 
verschlechtert.  In  Colombo  gibt  es  wieder  zahlreiche  Checkpoints,  an  denen 
Fahrzeuge  und  Fussgänger  aufgehalten  werden.  Razzien  und  Verhaftungen 
besonders  in  den  von  Tamilen  bewohnten  Vierteln  Kotahena  und  Wellawatte 
haben  zugenommen.  Nach  dem  Anschlag  auf  Aussenminister  Kadirgamar  im 
August  2005  erliess  das  Parlament  Emergency  Regulations,  die  der  Armee 
erlauben,  auf  blossen  Verdacht  hin  Verhaftungen  vorzunehmen  und  verhaftete 
Personen ein Jahr ohne Prozess festzuhalten. Die Emergency Regulations wurden 
im  Juli  2006  für  weitere  sechs  Monate  verlängert.  Die  LTTE  haben  mit  ihren 
zunehmenden  und  erfolgreichen  Anschlägen  auf  hohe  Regierungs-  und 
Militärangehörige in Colombo bewiesen, dass sie ihre Ziele überall treffen können. 
Folge  der  von  der  LTTE  verübten  Anschläge  ist  jeweils  eine  Verstärkung  der 
Sicherheitsmassnahmen, wobei vor allem Tamilen ins Visier der Polizei  geraten. 
Eigenen Angaben zufolge wurde der Beschwerdeführer am 25. April 2006 von der 
Polizei in H._______ auf Grund eines konkreten Tatverdachts verhaftet und am 16. 
Mai 2006 ohne Gerichtsverhandlung und ohne Intervention Dritter wieder aus der 
Haft  entlassen.  Angesichts  der  bürgerkriegsähnlichen  Zustände  und  der 
gegenüber  dem  Beschwerdeführer  bestehenden  Verdachtsmomente  dürfte  der 
erlittene Eingriff das allgemein übliche Mass nicht überschritten haben und damit 
als  verhältnismässig  bezeichnet  werden.  Der  Beschwerdeführer  hat  darüber 
hinaus in seinem schriftlichen Asylgesuch vom 6. Juni 2006 keine Misshandlungen 
seitens  der  Behörden  geltend  gemacht  und  die  entsprechenden  Vorbringen  in 
seiner  Eingabe  vom  25.  Juli  2006  (Posteingang  bei  der  Schweizerischen 
Vertretung  in  Colombo)  erscheinen  wenig  glaubhaft  und  müssen  als 
nachgeschoben betrachtet werden.

7

5.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aus I._______, Batticaloa 
District  stammt,  wo  er  gemäss  Schreiben  vom  6.  Juni  2006  auch  über  eine 
ständige Wohnadresse verfügt. Dort dürfte sich denn auch der Lebensmittelpunkt 
der Familie des Beschwerdeführers befinden, zumal sich seine Frau anlässlich der 
erlittenen Fehlgeburt am 26. Mai 2006 im Spital in J._______ behandeln liess (vgl. 
Beweismittel  A10).  Bei  der  angegebenen  Anschrift  in  Colombo  handelt  es  sich 
offensichtlich lediglich um die Geschäftsadresse des Beschwerdeführers. Sodann 
stehen  sämtliche  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Eingriffe  und 
Behelligungen im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt im Grossraum Colombo. 
Es  sollte  dem  Beschwerdeführer  somit  möglich  und  zumutbar  sein  sein,  sich 
zukünftigen  Beeinträchtigungen  durch  eine  sorgfältige  Wahl  seines  Aufenthaltes 
und der entsprechenden Gestaltung seiner Geschäftstätigkeit zu entziehen

5.4 Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  der 
Beschwerdeführer keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft  machen kann.  Unter 
diesen  Umständen  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Erteilung  der 
Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgewiesen.

6. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist 
nach dem Gesagten abzuweisen.

7. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem Beschwerdeführer 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr.  600.--  festzusetzen 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements über die Kosten 
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 11. Dezember 2006 
[VGKE]).  Aus verwaltungsökonomischen Gründen ist  indessen auf die Erhebung 
von Verfahrenskosten zu verzichten (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b 
VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

8

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Dieses Urteil geht an:

- den Beschwerdeführer, durch die Schweizerische Vertretung in Colombo

- die  Schweizerische  Vertretung  in  Colombo,  mit  der  Bitte  um Eröffnung  des 
Urteils  an  den  Beschwerdeführer  sowie  um  Zustellung  der 
Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungsgericht

- die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung mit den Akten N 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Marianne Teuscher Marco Abbühl

Versand am: