# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5a8528bc-5173-58e3-8ea2-041cd965b316
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-02
**Language:** de
**Title:** Quellensteuer 2008 und 2009
**Docket/Reference:** QS.2011.2
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_QS_2011_2_3_mv.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

Entscheid 

2. März 2012 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Anton Tobler und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

In Sachen 

A   G m b H ,    

vertreten durch Diethelm Treuhand GmbH,  
Russikerstrasse 71, 8320 Fehraltorf,  

Rekurrentin,  

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Dienstabteilung Quellensteuer,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Quellensteuer 2008 und 2009 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A.  Nachdem  die  A  GmbH  (nachfolgend  die  Pflichtige)  trotz  Mahnung  vom 

21. September  2010  keine  Abrechnungen  über  die  Quellensteuern  ausländischer  Ar-

beitnehmer  bzw.  Versicherungsnehmer 

für  den  Zeitraum  vom  1.  Januar  bis 

31. Dezember  2008  bzw.  vom  1.  Januar  bis  31.  Dezember  2009  eingereicht  hatte, 

nahm die Dienstabteilung Quellensteuer des kantonalen Steueramts am 6. Dezember 

2010  eine  Einschätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  gemäss  §  139  Abs. 2  des 

Steuergesetzes  vom  8.  Juni  1997  (StG)  vor  und  schätzte  die  geschuldeten  Quellen-

steuern für 2008 bzw. 2009 auf je Fr. 12'000.-.  

B.  Dagegen  liess  die  Pflichtige  am  4./7.  März  2011  –  nach  Erhalt  der  Quel-

lensteuerrechnungen  vom  25.  Februar  2011  –  durch  ihren  Treuhänder  Einsprache  

erheben  und  reichte  am  8./9.  März  2011  ein  weiteres  Schreiben  sowie  zwei  von  ihr 

unterzeichnete,  auf  den 4.  Dezember  2010  datierte  Kopien  der  Quellensteuerabrech-

nungen  2008  und  2009  ein.  Sie  machte geltend,  die  Einschätzungen  2008  und  2009 

vom  6.  Dezember  2010  nicht  erhalten  zu  haben  und  hielt  das  kantonale  Steueramt 

diesbezüglich  an,  einen  Nachweis  für  deren  Zustellung  zu  erbringen.  Des  Weiteren 

seien  die  Quellensteuerabrechnungen  vom  4. Dezember  2010  dem  kantonalen  Steu-

eramt  am  6.  Dezember  2010  zugestellt  worden.  Mit  Einspracheentscheiden  vom 

20. Juli 2011 trat das kantonale Steueramt infolge Verspätung auf die Eingaben nicht 

ein.  

C. Am 2. August 2011 erhob die Pflichtige Rekurs gegen die beiden Einspra-

cheentscheide und machte wiederum die Einreichung der Quellensteuerabrechnungen 

am  6.  Dezember  2010  sowie  den  Nichterhalt  der  Einschätzungsentscheide  vom 

6. Dezember 2010 geltend. Diesbezüglich wies sie darauf hin, dass in den ihr – nach 

Fällung  der  Einspracheentscheide  –  vom  kantonalen  Steueramt  vorgelegten  Zustell-

nachweisen nicht sie, sondern andere Zustellungsempfänger aufgeführt seien.  

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

Das kantonale Steueramt beantragte mit Rekursantwort vom 23. August 2011, 

die Rekurse abzuweisen, und legte den Einschätzungsakten einen neuen Zustellnach-

weis bei.  

In der Folge kam es zu einem mehrfachen Schriftenwechsel, der den Parteien 

Gelegenheit gab, sich zur Frage der Zustellung der Einschätzungsentscheide zu äus-

sern.  Die  Pflichtige  wurde  zudem  aufgefordert,  unter  Nennung  bzw.  Beibringung  von 

Beweismitteln  eine  substanziierte  Sachdarstellung  zur  behaupteten  Einreichung  der 

Quellensteuerabrechnungen 2008 und 2009 am 6. Dezember 2010 abzugeben. 

Auf die Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.  

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1.  a)  Gemäss  § 146  Abs. 1  i.V.m  §  140  StG  kann  der  Steuerpflichtige  innert 

30 Tagen  nach  Zustellung  des  Einschätzungsentscheids  beim  kantonalen  Steueramt 

schriftlich Einsprache erheben. Die Einsprachefrist beginnt am Tag nach der Zustellung 

des Entscheids zu laufen (§ 12 Abs. 1 der Verordnung zum Steuergesetz vom 1. April 

1998, VO StG) und ist – wie die Rekursfrist – eine Verwirkungsfrist (Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz,  2. A.,  2006, 

§ 140 N 48 mit Hinweisen, auch zum Folgenden). Eine nach Ablauf der Einsprachefrist 

erhobene  Einsprache  ist  unwirksam  und  vermag  keine  materielle  Prüfung  der  ange-

fochtenen  Einschätzung  herbeizuführen  (vgl.  RB 1973  Nr. 34,  1981  Nr. 76),  selbst 

wenn diese formell oder materiell fehlerhaft ist. Auf eine verspätete Einsprache darf die 

Einsprachebehörde – Fristwiederherstellung vorbehalten – daher nicht eintreten. 

b) Beweispflichtig für die rechtswirksame Eröffnung einer Verfügung, von wel-

cher der Ablauf der Einsprachefrist abhängt, bzw. für den Zeitpunkt ihrer Mitteilung ist 

die zustellende Behörde (RB 1985 Nr. 49; 1970 Nr. 35; BGE 61 I 6 und 92 I 257; StE 

1991 B 93.6 Nr. 10). Wird die Verfügung mit eingeschriebener Post zugestellt, so lässt 

sich der Zeitpunkt der Zustellung durch Einholen eines Postlaufzettels ermitteln, wobei 

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

es dem Empfänger vorbehalten bleibt, die Richtigkeit oder Verlässlichkeit der postamt-

lichen Bescheinigung im Einzelfall zu entkräften (RB ORK 1947 Nr. 41 = ZR 46 Nr. 76; 

RB 1961 Nr. 55 = ZR 61 Nr. 127). 

c) Die Zustellung einer Sendung gilt als vollzogen, wenn sie an den Adressaten 

selbst  oder  an  ein  zu  seiner  Haushaltung  gehörendes  erwachsenes  Familienmitglied 

oder an eine Person mit Postvollmacht erfolgt und von diesen Personen für den Adres-

saten  entgegengenommen  worden  ist  (§ 9 Abs. 1 VO StG;  Richner/Frei/Kaufmann/ 

Meuter,  § 126  N 24  ff.,  auch  zum  Folgenden).  Nach  der  Rechtsprechung  genügt  aber 

beispielsweise  auch  die  Zustellung  einer  Sendung  an  eine  Person  ohne  schriftliche 

Postvollmacht,  sofern  der  handelnde  Postangestellte  unter  den  gegebenen  jeweiligen 

tatsächlichen  Verhältnissen  des  Einzelfalls  nach  Treu  und  Glauben  auf  das  Bestehen 

einer mündlichen oder stillschweigenden Bevollmächtigung  schliessen durfte (vgl. BGE 

110  V  36,  www.bger.ch).  Eine  stillschweigende  Bevollmächtigung  kann  sich  aus  den 

vom  Steuerpflichtigen  geschaffenen  oder  gebilligten  Umständen  ergeben,  so  beispiels-

weise,  wenn  dieser  wissentlich  duldet,  dass  eine  Drittperson  als  Empfangsberechtigter 

auftritt,  oder  wenn  er  zwar  um  das  Auftreten  eines  andern  als  angeblich  Empfangsbe-

rechtigten  nicht  weiss,  es  aber  bei  pflichtgemässer  Sorgfalt  erkennen  und  verhindern 

könnte (VGr, 11. April 1989, SB 88/0054 und 0055).  Diesbezüglich handelt es sich um 

eine  Duldungs-  bzw.  Anscheinsvollmacht 

(Gauch/Schluep/Schmid/Emmenegger, 

OR AT, Band 1, 9. A., 2008, Rz 1411 f.).  

Da  die  Zustellung  nur  eine  empfangsbedürftige,  nicht  aber  eine  annahmebe-

dürftige  einseitige  Rechtshandlung  ist,  wird  für  eine  ordnungsgemässe  Zustellung  die 

Kenntnisnahme des Entscheids nicht vorausgesetzt.  

d)  Die  Einschätzungsentscheide  vom  6.  Dezember  2010  wurden  gemäss 

Postlaufzettel am 7. Dezember 2010 zugestellt (R-act. 17/1 und 17/2). Demnach wäre 

die  dreissigtägige  Einsprachefrist  bei  Einspracheerhebung  am  7.  März  2011  (Datum 

Poststempel)  längst  abgelaufen  gewesen.  Die  Pflichtige  wendet  jedoch  ein,  die  Ein-

schätzungsentscheide nie bzw. nicht rechtmässig erhalten zu haben. Denn die Unter-

schrift  auf  den  Zustellnachweisen  entspreche  nicht  derjenigen  des  einzigen  Zeich-

nungsberechtigten  der  Pflichtigen,  B;  R-act. 12). Als  Nachweis  wurde eine  vom  Notar 

beglaubigte Grundbuchanmeldung mit der Unterschrift von B (R-act. 13). Ein Vergleich 

von  dessen  Unterschrift in  dieser  Grundbuchanmeldung  und in weiteren Dokumenten 

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

(T-act. 7 bis 9) mit derjenigen auf den Zustellnachweisen legt aufgrund von deren Ver-

schiedenheit tatsächlich nahe, dass er die Einschätzungsentscheide nicht persönlich in 

Empfang  genommen  hat.  Die  persönliche  Entgegennahme  der  Einschätzungsent-

scheide durch die Pflichtige bzw. deren Einzelzeichnungsberechtigten ist jedoch – wie 

bereits ausgeführt – nicht erforderlich, kann die Zustellung doch auch an eine andere 

Person erfolgt sein und der Pflichtigen  dennoch zugerechnet werden. Dies ist im Fol-

genden zu prüfen.  

e) Aus der eingereichten Grundbuchanmeldung war für das kantonale Steuer-

amt ersichtlich, dass am 31. März 2010 ein Grundstück von der damaligen Alleineigen-

tümerin, C, in eine einfache Gesellschaft, bestehend aus ihr selbst und B, zu Gesamt-

eigentum eingebracht wurde. Bei beiden Personen wurde dabei dieselbe Wohnadresse 

in  der  Gemeinde  D  angegeben.  Besagte  Adresse  ist  seit  Februar  2009  zugleich  die 

Firmenadresse  der  Pflichtigen  (R-act.  14).  In  der  Folge  vertrat  das  kantonale  Steuer-

amt  die  Ansicht,  dass  mutmasslich  C  die  Einschätzungsentscheide  in  Empfang  ge-

nommen  habe,  da  die Unterschrift  auf  den Zustellnachweisen  mit  derjenigen  auf  Sei-

te 4  ihrer  Steuererklärung  2009  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  übereinstimme  

(R-act. 16).  In  der  Folge  stellte  das  Steuerrekursgericht  der  Pflichtigen  Seite  4  der 

Steuererklärung  2009  von  C  wie  auch  das  von  ihr  unterzeichnete  Barcodeblatt  2009 

bzw. Wertschriften- und Guthabenverzeichnis 2009 zur Stellungnahme zu (R-act. 17/3, 

18, 22, 23/1, 23/2). Die Pflichtige bzw. deren Vertreterin schwieg sich in ihren Stellung-

nahmen jedoch darüber aus, ob es sich bei der fragliche Unterschrift um diejenige von 

C handelte (R-act. 19 und 24).  

Vergleicht  man  die  Unterschrift  auf  den  Zustellnachweisen  –  allerdings  kopf-

über betrachtet – mit denjenigen aus der Steuererklärung 2009 von C, lässt sich mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass es sich dabei um diejenige von 

C  handelt.  Die  Übereinstimmung  in  der  Schriftführung  sowie  der  markante  Anfangs-

buchstabe des Vornamens mit anschliessender Punktsetzung springt förmlich ins Au-

ge. Es mutet daher äusserst seltsam an, dass dies die Vertreterin der Pflichtigen nicht 

anerkennt; dies umso mehr, als sie doch – gemäss der von C eingereichten Steuerer-

klärung  2009  –  auch  bereits  als  deren  Vertreterin  aufgetreten  ist.  Das  Wissen  der 

Vertreterin ist dem Vertretenen ohne Weiteres zuzurechnen.  

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

Damit  gilt  als  erwiesen,  dass  die  Einschätzungsentscheide  von  C  entgegen-

genommen  worden  sind.  Es  fragt  sich  nun  noch,  ob  diese  Zustellung  der  Pflichtigen 

zuzurechnen ist.  

f)  Gemäss  Auskunft  der  Gemeinde  D  ist  C  seit  September  2007,  B  seit  No-

vember 2008 an dieser Adresse angemeldet (Prot. S. 6 und 8). Des Weiteren existierte 

am  7.  Dezember  2010  nur  eine  Wohneinheit  an  dieser  Adresse.  Die  nach  dem  An-

bau/Umbau entstandenen weiteren Wohneinheiten wurden erst in der zweiten Jahres-

hälfte  2011  zum  Bezug  zugelassen  und  von  weiteren  Personen  bezogen  bzw.  als 

Wohnadresse bei der Gemeinde registriert/angemeldet (Prot. S. 8).  

Folglich kann davon ausgegangen werden, dass zum Zeitpunkt der Zustellung 

der  Einschätzungsentscheide  am  7.  Dezember  2010  B  und  C  in  der  gleichen Wohn-

einheit  –  und damit  im gleichen  Haushalt  –  in der  Gemeinde D gelebt  haben,  welche 

gleichzeitig  Firmenadresse  der  Pflichtigen  war.  Die  Zustellung  der  Einschätzungsent-

scheide  an  C  muss  sich  die  Pflichtige  anrechnen  lassen,  war  es  dem  handelnden 

Postangestellten  doch  nach  Treu  und  Glauben  erlaubt,  bei  ihr  zumindest  von  einer 

stillschweigenden  Bevollmächtigung  durch  die  Pflichtige  auszugehen.  Denn  selbst 

wenn  der  einzige  Zeichnungsberechtigte  der  Pflichtigen,  B,  –  dessen  Wissen  bzw. 

Wissen  müssen  der  Pflichtigen  zugerechnet  wird  –  in  Unkenntnis  über  das  Auftreten 

von  C  als  angebliche  Empfangsberechtigte  war,  so  hätte  er  dies  bei  pflichtgemässer 

Sorgfalt erkennen und verhindern können. Wer zusammen im gleichen Haushalt lebt – 

sei  es  nun  in  blosser  Wohngemeinschaft  oder  im  Konkubinat  –  hat  aufgrund  der  Le-

benserfahrung  damit  zu  rechnen,  dass  der  andere  Mitbewohner  an  ihn  adressierte 

Sendungen entgegennimmt. Nichts anderes gilt, wenn die Wohnadresse einer natürli-

chen  Person  –  welche  eine  nicht  an  sie  adressierte  Sendung  in  Empfang  nimmt  – 

gleichzeitig auch die Firmenadresse eines Unternehmens ist, sofern letztere dem glei-

chen Haushalt zurechenbar ist (z.B. gleicher Briefkasten, gleiche Türklingel). Dies hat 

umso  mehr  zu  gelten,  wenn  der  einzige  im  Handelsregister  ausgewiesene  Zeich-

nungsberechtigte  eines Unternehmens  –  wie hier  bei  der  Pflichtigen -  ebenfalls  seine 

Wohnadresse  im  gleichen  Haushalt  wie  die  Firmenadresse  des  Unternehmens  bzw. 

Wohnadresse  seines  Mitbewohners  hat.  Die  Pflichtige  hätte  dies  bei  pflichtgemässer 

Sorgfalt nicht nur erkennen, sondern auch verhindern können, z.B. durch explizite An-

weisung  an  die  Post,  eingeschriebene  Sendungen  nur  an  den  Einzelzeichnungsbe-

rechtigten zuzustellen. Eine Anscheinsvollmacht von C ist daher gegeben. 

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

g) War somit C zum Empfang der Einschätzungsentscheide vom 7. Dezember 

2010 berechtigt, sind diese folglich rechtswirksam der Pflichtigen eröffnet worden. Die 

nachgewiesenermassen am 7. März 2011 erhobenen Einsprachen erweisen sich damit 

als verspätet. Das kantonale Steueramt ist zu Recht auf die Einsprachen nicht einge-

treten. Fristwiederherstellungsgründe sind nicht ersichtlich, noch wurde Fristwiederher-

stellung beantragt.  

2.  a)  Die  Pflichtige  macht  allerdings  –  wie  bereits  im  Einspracheverfahren  – 

geltend, dem kantonalen Steueramt die Quellensteuerabrechnungen – wenn auch mit 

Verspätung – am 6. Dezember 2010 eingereicht bzw. zugestellt zu haben (T-act. 4 und 

10; R-act. 2, 19 und 24). Dies wurde vom kantonalen Steueramt in den Einspracheent-

scheiden bestritten, hält es doch fest, dass trotz Mahnung keine Abrechnung über die 

Quellensteuern eingereicht worden seien (R-act. 4 und 5).  

Sollte die Behauptung der Pflichtigen zutreffen, wären die eingereichten Quel-

lensteuerabrechnungen als Einsprache aufzufassen gewesen.  

b) Die Einspracheerhebung ist eine Prozesshandlung. Die Rechtzeitigkeit sol-

cher Handlungen hat regelmässig derjenige nachzuweisen, der sie vornimmt. Die  Be-

weislast  für  den  Zeitpunkt  der  Einspracheerhebung  und  damit  deren  Rechtzeitigkeit 

trägt  daher  der  Einsprecher  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  §  140  N  45  mit  Hinwei-

sen).  Erfolgt  die  Einspracheerhebung  mittels  eingeschriebener  Post,  lässt  sich  die 

Postaufgabe und deren Zeitpunkt regelmässig leicht nachweisen, entweder durch Vor-

lage  des  von  der  Post  anlässlich  der  Postaufgabe  ausgestellten  Belegs  oder  durch 

Einholen  eines  Postlaufzettels,  aus  dem  sich u.a.  das  Datum  der  Postaufgabe  ergibt. 

Wurde  die  Einsprache  dagegen  mit  uneingeschriebener  Post  befördert,  fallen  diese 

Beweismittel ausser Betracht, weil ein Beleg bei der Postaufgabe nicht ausgestellt wird 

bzw. ein Postlaufzettel über die Aufgabe und deren Datum regelmässig keine Klärung 

verschafft. Diesfalls verbleibt für den Nachweis des Aufgabedatums nur der Poststem-

pel auf dem Kuvert der Sendung. Kann der Steuerpflichtige die Rechtzeitigkeit der Ein-

gabe nicht mit dem Poststempel beweisen, hat er den Zeitpunkt der Postaufgabe an-

derweitig,  z.B.  mittels  Zeugen,  nachzuweisen.  Gelingt  ihm  dies  nicht,  trägt  er  die 

Folgen  der  Beweislosigkeit,  indem  davon  auszugehen  ist,  es  sei  keine  (rechtzeitige) 

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

Einsprache  erfolgt.  Um  dem  Steuerpflichtigen  die  Beweisführung  zu  ermöglichen,  hat 

die  angeschriebene  Behörde  bei  uneingeschriebener  Post  jedoch  das  mit  dem  Post-

stempel versehene Kuvert sicherzustellen (STRK III, 4. März 1993 = StE 1993 B 92.8 

Nr. 4). 

c)  Die  Pflichtige  wurde  mit  Verfügung  des  Steuerrekursgerichts  vom  29.  No-

vember  2011  aufgefordert,  hinsichtlich  der  vorgebrachten  Einreichung  der  Quel-

lensteuerabrechnungen  am  6. Dezember  2010  eine  substanziierte  Sachdarstellung 

abzugeben, unter Nennung bzw. Beibringung von Beweismitteln. Sie hat es jedoch in 

ihrer  Stellungnahme vom  19. Dezember  2011 (R-act.  24)  dabei  belassen,  das  bereits 

in  der  Rekursschrift  Ausgeführte  wiederzugeben  und  als  Beweis  der  Einreichung  die 

Kopien  der  Quellensteuerabrechnungen  zu  bezeichnen.  Damit  wird  die  Behauptung, 

am  6.  Dezember  2010  die  Quellensteuerabrechnungen  eingereicht  bzw.  zugestellt  zu 

haben, jedoch mit keinerlei aussagekräftigem Nachweis unterlegt. Nicht hilfreich ist der 

Verweis auf die Kopien der Quellensteuerabrechnungen, sagen diese doch höchstens 

aus,  von  der  Pflichtigen  allenfalls  am  4.  Dezember  2010  erstellt  worden  zu  sein.  Ein 

tatsächlicher Aufgabenachweis bei der Post oder allenfalls Zustellnachweis beim kan-

tonalen Steueramt wird damit jedoch nicht erbracht. Die Folgen der Beweislosigkeit hat 

die  Pflichtige  zu  tragen.  Es  bleibt  damit  bei  der  erstmaligen  Einsprache  am  7.  März 

2011, welche sich als verspätet erweist. Wie diesbezüglich bereits ausgeführt, ist das 

kantonale Steueramt zu Recht auf die Einsprachen nicht eingetreten.  

d) Im Übrigen sei noch darauf hingewiesen, dass es sich bei der behaupteten 

Einreichung  bzw.  Zustellung  der  Quellensteuerabrechnungen  am  6.  Dezember  2010 

ohnehin  um  eine  vorzeitige  Einsprache  handeln  würde,  wurden  doch  die  auf  den 

6. Dezember  2010  datierten  Einschätzungsentscheide  erst  am  7.  Dezember  2010  er-

öffnet. Eine vorzeitige Einsprache ist ungültig, da es an einem Anfechtungsobjekt fehlt 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 140 N 46 mit Hinweis auf RB ORK 1955 Nr. 58 = ZR 

55 Nr. 20, RB 1978 Nr. 54). Auf eine solche Einsprache dürfte mangels Gültigkeit gar 

nicht eingetreten werden. Da die Frist zur Einreichung der Quellensteuerabrechnungen 

längst abgelaufen und auch die darauffolgende Mahnfrist längst unbenutzt verstrichen 

war,  die  Pflichtige  damit  ihre  Mitwirkungspflichten  verletzt  hatte,  wäre  das  kantonale 

Steueramt sodann auch nicht mehr gehalten gewesen, die Pflichtige später nochmals 

zur  Nachreichung  der  Quellensteuerabrechnungen  bzw.  Einspracheerhebung  aufzu-

fordern.  

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

3.  Diese  Erwägungen  führen  zur  Abweisung  des  Rekurses.  Trotz  Obsiegen 

sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem  Rekursgegner  aufzuerlegen,  da  dieser  den  Zu-

stellnachweis  für  die  Einschätzungsentscheide  nicht  schon  im  Einspracheverfahren 

geleistet und damit das Rekursverfahren verursacht hat (vgl. § 151 Abs. 2 StG). 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

[…

1 QS.2011.2 
1 QS.2011.3