# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cf8a0ce8-e942-5433-b0db-9c6908756126
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.10.2010 D-6966/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6966-2010_2010-10-04.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6966/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  4 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotá (CO)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 21. Juli 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6966/2010

Sachverhalt:

A.
Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  Eingabe 
(Posteingang am 23. Mai 2008) ersuchte der Beschwerdeführer – ein 
ursprünglich  aus  A._______  (Departement  C._______)  stammender 
kolumbianischer  Staatsangehöriger  mit  aktuellem  Wohnsitz  in 
D._______ – um Gewährung von Asyl in der Schweiz. Zur Begründung 
machte er im Wesentlichen geltend, er sei wie viele andere Bewohner 
der  Gemeinden  E._______,  F._______,  G._______,  H._______, 
I._______, A._______ und J._______ von den Übergriffen der Guerilla 
betroffen, die in den Kaffeeanbaugebieten operiere. Die Gruppe "[...]" 
der EPL (Ejército Popular de Liberación) habe am 22. Juni 2005 unter 
der Führung ihres Kommandanten K._______ alias "[...]" seinen Onkel 
L._______ auf  dessen Finca "[...]"  entführt. Da er selber Anwalt  sei,  
habe  er  bei  den  Verhandlungen  der  Familie  mit  den  Entführern 
mitgewirkt,  wobei  er  von  der  Guerilla  für  ein  aktives  Mitglied  der 
militärischen  Anti-Entführungs-Einheiten  GAULA  (Grupos  de  Acción 
Unificada  por  la  Libertad)  gehalten  worden  sei.  Im  Verlaufe  der 
Entführung  seien  verschiedene  Familienmitglieder  –  darunter  die 
minderjährige Tochter des Onkels und dessen erst 5-jährige Enkelin – 
bedroht  und  ein  Lösegeld  von  20'000'000  Pesos  gefordert  worden. 
Seine Mutter – die Schwester des entführten Onkels – habe sich in der 
Folge  an  die  Medien  gewandt  und  ihrem Leiden  über  die  mehr  als 
zweieinhalb  Jahre  dauernde  Entführung  Ausdruck  verliehen,  worauf 
man die Leiche seines Onkels aufgefunden habe. Im November 2007 
sei er zunächst telefonisch bedroht und anschliessend in M._______ 
(Departement N._______) von zwei unbekannten Personen in einem 
Ford verfolgt worden, und am 28. Februar 2008, als er die Leiche sei -
nes Onkels identifiziert habe, habe er erneut einen Drohanruf auf sein  
Mobiltelefon erhalten.

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer zahlrei -
che Beweismittel zu den Akten, so Anzeigen bei der kolumbianischen 
Generalstaatsanwaltschaft und bei der Defensoría del Pueblo bezüg-
lich der gegen ihn gerichteten Drohungen, Zeitungsberichte im Zusam-
menhang  mit  der  Entführung  und  Ermordung  seines  Onkels,  sowie 
eine Bestätigung des zuständigen Staatsanwaltes vom 21. November 
2007  betreffend  einer  in  dieser  Angelegenheit  laufenden  Untersu-
chung.

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B.
Mit Schreiben vom 10. Juni 2008 forderte die schweizerische Vertre-
tung in Bogotá den Beschwerdeführer für den Fall, dass er an seinem 
Asylgesuch festzuhalten gedenke, auf,  innert  30 Tagen sein  Asylbe-
gehren gestützt auf einen beigelegten Fragenkatalog einlässlich zu be-
gründen und allenfalls weitere vorhandene Beweismittel einzureichen.

C.
Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  Eingabe 
(Posteingang bei der Botschaft am 9. Juli 2008) beantwortete der Be-
schwerdeführer die ihm gestellten Fragen und führte im Wesentlichen 
aus, er sei ledig und arbeite einerseits als Künstler und andererseits 
als Anwalt. Ausserhalb seines Heimatstaates habe er verwandtschaftli-
che Beziehungen zu Personen in  Grossbritannien (zwei  verheiratete 
Tanten, welche neben der kolumbianischen auch die britische Staats-
angehörigkeit besässen) und Spanien; die Beziehung zu diesen Perso-
nen sei  angesichts  der  gemeinsam erlittenen  Ereignisse im Zusam-
menhang mit der Entführung seines Onkels eng. Er selber könne nicht 
in Kolumbien verbleiben, weil er dort nirgendwo sicher sei, da die ge -
walttätigen Gruppierungen national bestens vernetzt und mobil seien 
und er als Anwalt der Familie bedroht werde. Er habe bereits ander-
weitig versucht, Schutz zu erhalten, aber ohne Erfolg. Neben den bei 
den  zuständigen  kolumbianischen  Behörden  eingereichten  Anzeigen 
habe  er  sich  an das UNHCR gewendet,  welches ihn  aber  nicht  als  
Flüchtling anerkannt habe, weil er seinen Heimatstaat noch nicht ver -
lassen habe, und ein Versuch, nach Venezuela zu gelangen, sei we-
gen  der  diplomatischen  Auseinandersetzungen  zwischen  Kolumbien 
und diesem Staat an der venezolanischen Grenze gescheitert. Mit sei-
ner Eingabe reichte der Beschwerdeführer sodann weitere Beweismit-
tel zu den Akten.

D.
Die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  übermittelte  die  Akten  am 
28. Juli  2008 zuständigkeitshalber an das BFM; sie führte dabei aus, 
dass eine persönliche Befragung der Beschwerdeführenden aus Kapa-
zitätsgründen  nicht  möglich  sei.  Mit  Sendungen  vom 14. September 
2009 und vom 17. Februar 2010 leitete sie in der Folge weitere bei ihr 
eingegangene Eingaben des Beschwerdeführers vom 25. März 2009 
und vom 15. Februar 2010 an die Vorinstanz weiter, in welchen der Be-
schwerdeführer sein nach wie vor bestehendes Interesse an der Be-
handlung seines Asylgesuches manifestierte.

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E.
Mit  Zwischenverfügung vom 12. April  2010 teilte  das  BFM dem Be-
schwerdeführer  mit,  es erachte den entscheidrelevanten Sachverhalt 
aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches und der ein-
gereichten ausführlichen Dokumentation als erstellt, weshalb eine An-
hörung auf der Botschaft  nicht notwendig erscheine. Im Weiteren er -
wäge das Bundesamt – unter Berücksichtigung der Akten, der zu be-
achtenden  Aspekte  und  des  ihm  zukommenden  weiten  Ermessens-
spielraumes  –  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  abzuweisen 
und ihm die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere er-
achte es die Möglichkeit  einer anderweitigen Schutzsuche als  gege-
ben. Das BFM gab dem Beschwerdeführer Gelegenheit, sich innert 30 
Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung dazu zu äussern.

F.
Der Beschwerdeführer machte mit an die schweizerische Vertretung in 
Bogotá gerichteter und zuständigkeitshalber an das BFM weitergelei-
teter  Eingabe vom 4. Juni  2010  von dem ihm gewährten  Recht  zur 
Stellungnahme  Gebrauch  und  machte  dabei  neue  Sachverhaltsele-
mente geltend. Im Wesentlichen brachte er vor, er sei im August 2009 
von bewaffneten Angehörigen eines Guerilleros namens "[...]"  in der 
Nähe  seiner  Wohnung  in  A._______  bedroht  worden.  Am  27. De-
zember 2009 sei er sodann in M._______ wegen seiner Anwesenheit 
in einem Strafprozess gegen Mitglieder der Guerilla von drei Männern 
angegriffen worden. Er sei in ein Seitengässchen gedrängt worden, wo 
ihn die Männer bedroht,  geschlagen und mit einer zerborstenen Fla-
sche am Augenlid verletzt hätten. Er habe dabei einen Kreuzbandriss 
am linken Knie und eine Verletzung an der Schulter erlitten. Um seine 
Familie nicht  zu gefährden, habe er auf  eine Anzeige verzichtet und 
sich  lediglich  medizinisch  behandeln  lassen. Am 16. Mai  2010 habe 
der Prozess gegen die Entführer seines Onkels begonnen und er habe 
daran einerseits als Opfer und andererseits als Rechtsvertreter für sei-
ne Angehörigen teilgenommen. Am 23. Mai 2010 sei er in A._______ 
verfolgt und mit einer Stichwaffe angegriffen worden, habe sich aber 
mit einem Stock zur Wehr setzen und in ein Taxi flüchten können; beim 
Übergriff sei er jedoch erneut verletzt worden. In diesem Zusammen-
hang reichte der Beschwerdeführer zahlreiche Beweismittel zu den Ak-
ten,  darunter neben Kopien von bereits zuvor eingereichten Unterla-
gen namentlich eine Anzeige bei der Polizei vom 23. Mai 2010 betref-
fend den am selben Tag in A._______ erlittenen Übergriff  und medi-
zinische Akten betreffend die ihm dabei zugefügten Verletzungen.

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G.
Mit Verfügung vom 21. Juli 2010 – eröffnet am 7. August 2010 – wies 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und verweigerte 
ihm die Einreise in die Schweiz. Zur Begründung führte das Bundes-
amt zunächst in formeller Hinsicht aus, dass in den vorliegenden Fäl-
len die Voraussetzungen für ein Absehen von einer Anhörung der Be-
schwerdeführenden  gegeben  seien.  In  materieller  Hinsicht  hielt  das 
BFM im Wesentlichen dafür, der kolumbianische Staat verfüge grund-
sätzlich  über  eine  funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur, 
insbesondere über einen adäquaten Polizeiapparat sowie ein ebensol-
ches Rechts-  und Justizsystem. Da die Behörden die Aktivitäten der 
Guerilla im Rahmen des Möglichen bekämpfe, könne die Schutzwillig-
keit  als  gegeben  erachtet  werden;  im  Falle  des  Beschwerdeführers 
laufe denn auch ein Verfahren gegen die Verantwortlichen für die Ent-
führung und Ermordung seines Onkels. Ferner sei festzuhalten, dass 
es keinem Staat  gelinge,  die absolute Sicherheit  aller  seiner  Bürger 
und Bürgerinnen jederzeit und überall zu garantieren. Beim Beschwer-
deführer  handle  es  sich  sodann  nicht  um eine  landesweit  bekannte 
Person, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass ihn seine Verfolger 
an einem beliebigen Ort  in Kolumbien ausfindig machen könnten. Er 
mache  zwar  geltend,  mehrfach  seinen  Aufenthaltsort  gewechselt  zu 
haben, aber letztlich habe er stets in A._______ gelebt. Die von ihm 
vorgebrachten Drohungen und Angriffe hätten sich alle in A._______ 
oder  M._______  ereignet,  so  dass  ihm  innerstaatliche 
Fluchtalternativen offenstünden. Ferner sei es dem Beschwerdeführer 
möglich und zumutbar, gegebenenfalls in einem anderen Land als der 
Schweiz  um  Schutz  nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der 
Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30) als auch das entsprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 
1967 ratifiziert hätten; besonders nahe Beziehungen zur Schweiz habe 
der Beschwerdeführer in seinem Asylgesuch nicht geltend gemacht.

H.
Mit undatierter, an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichteter 
Eingabe (Posteingang bei der Botschaft am 6. September 2010) erhob 
der  Beschwerdeführer  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  21. Juli 
2010  Beschwerde,  welche  in  der  Folge  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  wurde  (Posteingang  beim 
Bundesverwaltungsgericht  am  27. September  2010).  Er  beantragte 
sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ge-

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währung von Asyl beziehungsweise die Bewilligung der Einreise in die 
Schweiz. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, für ihn als  
Anwalt und Künstler gebe es in Kolumbien keine Sicherheit. Er habe 
die Schweiz um Schutz ersucht, weil sich dieses Land durch politische 
und  wirtschaftliche  Stabilität  auszeichne  und  sich  für  eine  kulturelle 
Vielfalt  und  die  Wahrung  der  Menschenrechte  einsetze. Demgegen-
über stellten die Länder Süd- und Mittelamerikas trotz der kulturellen 
Nähe keine valable Alternative dar; deren ökonomische, politische und 
soziale Probleme würden es einer Person, die vor drohender Gewalt 
fliehe, nicht erlauben, die notwendige Ruhe und die Voraussetzungen 
für den Aufbau einer menschenwürdigen Existenz zu finden. In Süd-
amerika gelte dies namentlich für Brasilien, das eine der höchsten Kri -
minalitätsraten aufweise, Argentinien mit einer Arbeitslosenquote von 
rund 25 Prozent, und Chile, wo die kürzlichen Naturkatastrophen ge-
waltige soziale Schwierigkeiten zur Folge gehabt hätten und sich die 
Behörden in erster Linie um das Wohlergehen der eigenen Staatsan-
gehörigen kümmerten. In  Mittelamerika stelle  sodann die Gewalt  ein 
unkontrollierbares  Problem für  die  Regierungen  dar;  dies  gelte  glei -
chermassen für  Länder wie El Salvador, Mexiko, die Dominikanische 
Republik, Haiti oder Kuba. Die USA hinwiederum würden regelmässig 
versuchen,  Lateinamerikaner  auszuweisen,  und  auch  europäische 
Länder wie Frankreich und Spanien würden angesichts der gegenwär-
tigen  Weltwirtschaftslage  keine  ausländischen  Personen  mehr  be-
schäftigen; so seien denn auch seine Schutzersuchen von den spani -
schen, italienischen, französischen und kanadischen Behörden abge-
wiesen worden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach-
gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem Gebiet  des 

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Asyls endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, 
SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die Beschwerdeeingabe ist  nicht in einer Amtssprache des Bun-
des abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesse-
rung kann indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten 
Beschwerdeeingabe  genügend  klare,  sinngemässe  Rechtsbegehren 
und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber 
befunden werden kann.

1.4 Die Beschwerde ist frist- und – abgesehen vom sprachlichen Man-
gel – formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch 
die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 
daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG 
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli -
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

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4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in 
BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung 
aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  bei  der  je-
weiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden Land 
oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Grün-
den ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung 
der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei 
gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mit -
wirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels konkreter 
Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein stan-
dardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller 
Regel  nicht  zu  genügen  (BVGE a.a.O. E. 5.4).  Allerdings  kann  sich 
eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklä-
rung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereich-
ten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden 
Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die 
Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu einem abzusehenden negativen Ent-
scheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7). 
Schliesslich ist  das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen 
von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begrün-
den (BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

4.2 Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer von der schwei-
zerischen Vertretung in Bogotá zu seinem Asylgesuch nicht befragt, da 
die Botschaft dazu gemäss Überweisungsschreiben vom 28. Juli 2008 
aus gerichtsnotorischen und mithin nachvollziehbaren Kapazitätsgrün-
den nicht in der Lage war. Dem Beschwerdeführer wurde indessen mit 
Zwischenverfügung des BFM vom 12. April 2010 Gelegenheit zur wei-
teren Konkretisierung seiner  Asylgründe sowie  das rechtliche Gehör 
im Hinblick auf die vom Bundesamt in Erwägung gezogene Abweisung 

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des Asylgesuches gewährt und der Beschwerdeführer hat von dieser 
Möglichkeit  mit  Eingabe  vom  21. Juni  2010  unter  Einreichung  von 
Beweismitteln  Gebrauch  gemacht.  Aufgrund  der  einlässlichen 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  in  seinem  schriftlichen 
Asylgesuch und den weiteren Eingaben sowie der zahlreichen von ihm 
eingereichten  Beweismittel  erscheint  der  entscheidwesentliche 
Sachverhalt – wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht 
ausführt – als genüglich abgeklärt. Schliesslich hat das BFM in seiner  
Verfügung  vom  21. Juli  2010  das  Absehen  einer  persönlichen 
Anhörung einlässlich begründet. Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, 
dass  das  BFM  den  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  Genüge 
getan hat.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

5.2 Die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung sind 
grundsätzlich  restriktiv,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessens-
spielraum zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne 
von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die 
Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Be-
ziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und ob-
jektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraus-
sichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht 
zu ziehen (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis gemäss Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK]  1997  Nr.  15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welche  angesichts 
bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asyl-
gesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Ertei-
lung der Einreisebewilligung ist  dabei die Schutzbedürftigkeit der be-
troffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die 
Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3  AsylG 
glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die 
Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

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6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
der Beschwerdeführer habe in seinem Gesuch keine besonders nahen 
Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht; gewisse Anküpfungspunk-
te bestehen demgegenüber zu England und Spanien, wo einige nähe-
re Verwandte von ihm leben und teilweise die jeweilige Staatsangehö-
rigkeit  besitzen. Im Weiteren hat  das Bundesamt zu Recht erwogen, 
dass es dem Beschwerdeführer zuzumuten sei, in einem anderen la-
teinamerikanischen Land um Asylgewährung nachzusuchen (vgl. Art. 
52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nachbarstaaten Brasilien, 
Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch 
des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela 
wiederum hat  zwar  das Abkommen selbst  nicht  ratifiziert,  wohl  aber 
das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme Venezuelas über 
ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von 
Flüchtlingen. Zudem halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen des 
Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich an das Gebot des Non-Re-
foulement  von Art. 33  FK, auch wenn als  Einschränkung festgestellt 
werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbesondere denjeni -
gen zu Panama und Venezuela – in den letzten Jahren zu unkontrol -
lierten Rückschiebungen durch die Grenzbehörden gekommen ist. Für 
die  praktische  Möglichkeit  und  die  Zumutbarkeit  der  anderweitigen 
Schutzsuche spricht im Weiteren die Möglichkeit der visumsfreien Ein-
reise nach Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jähr -
lich mehrere tausend kolumbianische Staatsangehörige in den Nach-
barländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort  
zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt 
werden. Soweit  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerdeeingabe 
vorbringt, er könne in anderen lateinamerikanischen Ländern (vgl. die 
Aufzählung in Bst. H hievor) keinen valablen Schutz finden, weil es de-
ren ökonomische,  politische und soziale  Probleme einer  Person,  die 
vor  drohender  Gewalt  fliehe,  nicht  erlauben würden,  die  notwendige 
Ruhe und die Voraussetzungen für den Aufbau einer menschenwürdi-
gen Existenz zu finden, ist festzuhalten, dass sich aus diesen generel-
len Einwänden keinerlei Hinweise auf eine ihm in diesen Staaten kon-
kret drohende Gefährdung ergeben; die Tatsache, dass in den vom Be-
schwerdeführer genannten Ländern die Lebensumstände für Flüchtlin-
ge  allenfalls  nicht  in  jeder  Hinsicht  schweizerischen  Standards  ent-
sprechen mögen,  ändert  ferner  nichts  daran,  dass  sie  durchaus ein 
menschenwürdiges Dasein ermöglichen. Insgesamt ergeben sich dem-

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nach keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, es sei dem 
Beschwerdeführer praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, sich 
in einen anderen Staat,  insbesondere einen der Nachbarstaaten Ko-
lumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15 E. 
2f S. 132). Dies gilt umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass 
es  sich  beim  Beschwerdeführer  nicht  um  eine  landesweit  bekannte 
Persönlichkeit handelt, die aufgrund ihrer besonders exponierten Stel -
lung  auch  bei  einer  Flucht  ins  nahe  Ausland  allenfalls  befürchten 
müsste, weiterhin verfolgt zu werden.

6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich der Be-
schwerdeführer den geltend gemachten Bedrohungen allenfalls durch 
eine innerstaatliche Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen könnte.

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer  aufgrund  der  Akten  über  keine  konkrete  Bezie-
hungsnähe zur Schweiz verfügt, hingegen die Möglichkeit der ander-
weitigen Schutzsuche hat. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz 
dem Beschwerdeführer zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung 
verweigert und das Asylgesuch abgewiesen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art.  106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG);  aus  verwal-
tungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung von Art. 6 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) 
auf das Erheben von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

D-6966/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer durch Vermittlung der schweizerischen Ver-
tretung in Bogotá (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung 
des Urteils an den Beschwerdeführer und um Zustellung der beilie -
genden  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
(per EDA-Kurier)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 
Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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