# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22a57453-4b79-5717-832f-06f399dd2829
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.12.2023 D-6812/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6812-2023_2023-12-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6812/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger,  

Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiber Vito Fässler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Marek Wieruszewski,  

(…),  

Gesuchsteller,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern. 

   

Gegenstand 

 
Revision;  

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-6612/2023 vom 1. Dezember 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6812/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Gesuchsteller suchte am 17. September 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach.  

B.  

Mit Verfügung vom 17. November 2023 – eröffnet am 21. November 2023 – 

trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf das Asylgesuch des Gesuchstellers nicht ein, ordnete seine Wegwei-

sung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen.  

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Gesuchsteller mit auf den 26. Novem-

ber 2023 datierter Eingabe (Datum des Poststempels: 29. November 2023) 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.  

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht trat mit Entscheid D-6612/2023 vom 1. De-

zember 2023 auf die Beschwerde nicht ein. Dabei hielt das Gericht fest, 

die am 29. November 2023 eingereichte Beschwerde sei verspätet und da-

her offensichtlich unzulässig, da die im vorliegenden Verfahren geltende 

Beschwerdefrist von fünf Arbeitstagen am 28. November 2023 abgelaufen 

sei.  

E.  

Mit Eingabe vom 7. Dezember 2023 (Eingang beim BVGer: 11. Dezember 

2023) gelangte der Gesuchsteller erneut an das Bundesverwaltungsgericht 

und ersuchte sinngemäss darum, das Urteil des Bundesverwaltungs-

gerichts D-6612/2023 vom 1. Dezember 2023 sei in Revision zu ziehen 

und das ihn betreffende Beschwerdeverfahren sei wieder aufzunehmen. In 

prozessualer Hinsicht ersuchte er um Sistierung des Wegweisungsvoll-

zugs sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.  

F.  

Am 12. Dezember 2023 setzte der zuständige Instruktionsrichter superpro-

visorisch den Vollzug der Wegweisung des Gesuchstellers einstweilen aus.  

  

D-6812/2023 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des SEM 

(vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es ist 

ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funk-

tion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1). 

1.2 Der Gesuchsteller bringt vor, dass das Gericht in seinem Urteil 

D-6612/2023 vom 1. Dezember 2023 fälschlicherweise davon ausgegan-

gen sei, dass er die Beschwerdefrist nicht eingehalten habe. Die Eingabe 

ist als Revisionsgesuch anhand zu nehmen, da sinngemäss ein Revisions-

grund nach Art. 121 Bst. d BGG geltend gemacht und die Wiederaufnahme 

des Beschwerdeverfahrens beantragt wird (vgl. Art. 45 und Art. 47 VGG 

i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG).  

1.3 Über Revisionsgesuche, die nicht in die einzelrichterliche Zuständigkeit 

gemäss Art. 23 Abs. 1 VGG fallen, wird in der Regel in der Besetzung von 

drei Richtern oder Richterinnen entschieden.  

2.  

2.1 Der Gesuchsteller ist durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

D-6612/2023 vom 1. Dezember 2023 besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung des Revisionsgesuchs legitimiert (zur analogen An-

wendung von Art. 89 BGG vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ 

KNEUBÜHLER /MARTIN KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-

gericht, 3. Aufl., 2022, S. 359 Rz. 5.70).  

2.2 Die 30-tägige Frist von Art. 124 Abs. 1 Bst. b BGG ist mit der Eingabe 

vom 7. Dezember 2023 gewahrt.  

2.3 Auf das – formgerecht eingereichte (vgl. Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 

Abs. 3 VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) – Revisionsgesuch ist folglich ein-

zutreten.  

3.  

3.1 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich 

gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-

such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-

D-6812/2023 

Seite 4 

teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl. 

MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, a.a.O., S. 348 Rz. 5.36). 

3.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus 

den in Art. 121-123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). 

3.3 Der Gesuchsteller beruft sich sinngemäss auf den Revisionsgrund ge-

mäss 121 Bst. d BGG, wonach ein Entscheid in Revision zu ziehen ist, 

wenn das Gericht in den Akten liegende erhebliche Tatsachen aus Verse-

hen nicht berücksichtigt hat. Ein Versehen liegt dann vor, wenn das Gericht 

ein Aktenstück gar nicht zur Kenntnis genommen oder nicht richtig gelesen, 

dessen Sinn nicht korrekt erfasst hat und deshalb irrtümlich von seinem 

klaren Wortlaut abgewichen ist (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, 

a.a.O., S. 354 Rz. 5.54).  

3.4 Der Gesuchsteller führt in seinem Revisionsgesuch aus, dass er seine 

Beschwerdeeingabe vor Ablauf der Beschwerdefrist – am 28. November 

2023 – der Post übergeben habe. Das Bundesverwaltungsgericht habe 

fälschlicherweise auf den Poststempel vom 29. November 2023 abgestellt 

und damit zu Unrecht festgestellt, die Beschwerdefrist sei nicht eingehalten 

worden. Als Beweismittel legte er seinem Gesuch einen Ausdruck der 

Sendungsverfolgung der Post bei. 

3.5 Die Verfügung des SEM vom 17. November 2023, mit welcher dieses 

auf das Asylgesuch vom 17. September 2023 nicht eingetreten war, wurde 

dem Gesuchsteller am 21. November 2023 eröffnet. Die Beschwerdefrist 

von fünf Arbeitstagen (vgl. Art. 108 Abs. 3 AsylG) endete somit am 28. No-

vember 2023.  

3.6 Das Gericht stellte im Verfahren D-6612/2023 bezüglich des Datums 

der Postaufgabe der Beschwerde auf den auf dem Couvert der Briefsen-

dung angebrachten Poststempel ab (29. November 2023) und erachtete 

die Beschwerde aus diesem Grund als verspätet eingereicht. Auf dem Cou-

vert war neben dem Poststempel auch die Sendungsnummer der Schwei-

zerischen Post angebracht. Gestützt auf diese Nummer hätte das Datum 

der Postaufgabe bei der Post online überprüft werden können (sog. Sen-

dungsnachverfolgung). Wie die mit dem Revisionsgesuch als Ausdruck 

eingereichte Sendungsnachverfolgung der Post zeigt, hatte der Gesuch-

steller seine Beschwerde bereits am 28. November 2023 und damit recht-

zeitig der Post übergeben. Diese im Urteilszeitpunkt des ursprünglichen 

Beschwerdeverfahrens bereits bei den Akten liegende erhebliche Tatsache 

D-6812/2023 

Seite 5 

hat das Bundesverwaltungsgericht im damaligen Zeitpunkt übersehen und 

ist deshalb zu Unrecht auf die Beschwerde des Gesuchstellers nicht ein-

getreten. Der Revisionsgrund von Art. 121 Bst. d BGG ist somit erfüllt.  

4.  

Das Revisionsbegehren ist demnach gutzuheissen und das Urteil 

D-6612/2023 vom 1. Dezember 2023 ist aufzuheben. Das Beschwerdever-

fahren ist unter neuer Verfahrensnummer wiederaufzunehmen.  

5.  

Der am 12. Dezember 2023 superprovisorisch angeordnete Vollzugsstopp 

bleibt einstweilen bestehen. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung wird somit gegenstandslos. 

6.2 Dem vertretenen Gesuchsteller ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

6.3 Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die not-

wendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 

Abs. 2 in fine VGKE). Die vom Bundesverwaltungsgericht auszurichtende 

Parteientschädigung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen 

und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren dem-

nach von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 200.– festgelegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-6812/2023 

Seite 6 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen. 

2.  

Das Urteil D-6612/2023 vom 1. Dezember 2023 wird aufgehoben und das 

ordentliche Beschwerdeverfahren wird unter neuer Verfahrensnummer 

wiederaufgenommen.  

3.  

Der am 12. Dezember 2023 superprovisorisch angeordnete Vollzugsstopp 

bleibt einstweilen bestehen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Dem vertretenen Gesuchsteller wird zulasten der Gerichtskasse eine 

Parteientschädigung von insgesamt Fr. 200.– zugesprochen. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das SEM und die kantonale Mig-

rationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Vito Fässler 

 

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