# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71c39dc4-8c3d-5ef8-b78d-43600a222aef
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.08.2010 D-5623/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5623-2010_2010-08-11.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5623/2010
law/mah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A._______, geboren (...),
Togo,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 23. Juli 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5623/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 23. Juli 2010 – eröffnet am 29. Juli 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers vom 24. Mai 2010 nicht eintrat, die Wegweisung nach 
Italien  verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von 
Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz 
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den 
Kanton Zürich verpflichtete, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, 
feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung 
habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem Beschwerdeführer  die 
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass gegen diesen Entscheid am 6. August 2010 beim BFM eine Be-
schwerde  des  Beschwerdeführers  einging,  welche  das  BFM an  das 
Bundesverwaltungsgericht weiterleitete,

dass  der  Beschwerdeführer  darin  sinngemäss  beantragte,  die  Ver-
fügung vom 23. Juli 2010 sei aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei 
einzutreten, 

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
9. August 2010 vorsorglich aussetzte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am 10. August  2010  beim  Bundes-
verwaltungsgericht vollständig eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]),

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dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer in Italien 
am 22. Juli  2005 und am 15. November 2006 je ein Asylgesuch ein-
reichte und entsprechend in der EURODAC Datenbank erfasst worden 
ist,

dass das BFM bei dieser Sachlage und der innert Frist seitens Italiens 
unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Verordnung 
Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrags zuständig ist [Dublin-II-VO]), gestützt auf Art. 16 
Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO erfolgten Anfrage um Wiederaufnahme des 

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Beschwerdeführers  vom  18. Juni  2010,  Italien  zu  Recht  als  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
das in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 

dass insofern der Beschwerdeführer geltend macht, Schwarze würden 
in Italien täglicher Gewalt und Rassismus ausgesetzt sein und er be-
fürchte von der Mafia in Napoli  oder von seinem ehemaligen Arbeit-
geber, welchem er noch Geld schulde,  umgebracht  zu werden, fest-
zustellen  ist,  dass  er  sich  bezüglich  allfälliger  Schwierigkeiten  mit 
privaten  Drittpersonen  an  die  zuständigen  italienischen  Behörden 
wenden kann,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, 

dass  das  italienische  Fürsorgesystem für  Asylsuchende  zwar  in  der 
Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts-  und  Verfahrensbedingungen  für 
Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien 
aufhalten, indessen kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,

dass  Dublin-Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  bezüglich 
Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt 
werden und sich – neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche 
private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und 
Flüchtlingen annehmen,

dass  beispielsweise  die  Organisation  Arciconfraternita  seit  dem 
1. Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino 
(Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechts-
beratung anbietet,

dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür 
ersichtlich sind, die darauf hindeuten, der Beschwerdeführer würde im 
Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,

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dass aufgrund der Akten auch sonst keine Gründe zur Ausübung des 
Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3  Abs. 2 Dublin-II-VO) ersicht-
lich sind,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung 
im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach 
vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  
oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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