# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3bde09bc-1f9d-5417-a274-af1bc4287b00
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1992-07-03
**Language:** de
**Title:** Dachgestaltung. Kreuzfirst/Dachaufbaute. Für Kreuzfirste massgebende Vorschriften.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0616/1992
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_616_1992_575.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 616/1992 vom 3. Juli 1992 in BEZ 1993 Nr. 9 

(Bestätigt mit VB 92/0109 vom 3. Dezember 1992)

4.a)  Als  Grund  für  die  Verweigerung  der  baurechtlichen  Bewilligung  führt  die 
Vorinstanz  die  "Dachaufbauten  an  der  Ost- und  Nordfassade"  an.  Der  Rekurrent 
macht geltend, es handle sich bei den gerügten Bauteilen nicht um Dachaufbauten, 
sondern um einen Kreuzfirst, der als besondere Dachform bewilligungsfähig sei.

b) Es ist unbestritten, dass gemäss Art. 24 BauO auf dem rekurrentischen Ge-
bäude Dachaufbauten nicht zulässig sind. Die Vorinstanz führt aus, auch ein Kreuz-
first sei als - unzulässige - Dachaufbaute zu betrachten. Sowohl die Bauordnung als 
auch das Baugesetz von 1893 gingen davon aus, dass ein Gebäude stets Giebelsei-
ten und Traufseiten aufweise, eine Kombination beider Elemente an derselben Fas-
sade aber nicht möglich sei. Diesen Schluss zieht die Baubehörde aus Art. 23 BauO 
und den §§ 55 und 63 BauG - Bestimmungen also, welche für die Definition von Ge-
bäudehöhe,  Firsthöhe  und  Dachgestaltung  das  Dachgesims  als  Ausgangspunkt 
nennen, sowie aus Art. 24 Abs. 2 BauO, wo bei Flachdächern die Gebäudeschmal-
seiten zu Giebelseiten im Sinne von Art. 23 BauO erklärt werden.

c) Ein generelles Verbot von Kreuzfirsten bedeutet eine sehr weitgehende bau-
liche und gestalterische Einschränkung und bedarf daher einer eindeutigen gesetzli-
chen  Grundlage.  Zwar  ist  es  richtig,  dass  die  von  der  Vorinstanz  angeführten  Be-
stimmungen davon ausgehen, ein Gebäude weise im Normalfall Giebel- und Trauf-
seiten auf. Ein Verbot, auf Giebel- oder Traufseiten zu verzichten bzw. Giebel- und 
Traufseiten zu kombinieren, ist jedoch explizit nicht statuiert. Ein Blick auf die in der 
Stadt  X  vorhandene  Bausubstanz  zeigt,  dass  die  von  der  Vorinstanz  geäusserten 
Befürchtungen neu sind, gibt es doch eine Vielzahl von Bauten, bei denen auf eine 
oder  beide  Giebelseiten  verzichtet  wurde  bzw.  verzichtet  werden  musste;  so  etwa 
bei  Reiheneinfamilienhäusern,  die  unter  Vorbehalt  der  maximalen  Gebäudelänge 
immer  möglich  waren,  oder  bei  (vorgeschriebenen)  Blockrandüberbauungen.  Aber 
auch bei der Erstellung von Kreuzfirsten, die zu einem teilweisen oder völligen Ver-
zicht von Traufseiten führt, handelt es sich um herkömmliche zu allen Zeiten gewähl-
te und vielerorts anzutreffende Dachgestaltungen. Auch die Befürchtungen der Bau-
behörde,  die  Gebäudehöhe  könne  bei  Kreuzfirsten  nicht  mehr  festgestellt  werden, 
sind unbegründet, weil bei Gebäuden mit Kreuzfirsten in aller Regel noch Teile einer 
Traufseite und somit Dachgesimse vorhanden sind, die als Ausgangspunkte für die 
Höhenbestimmung dienen können. Selbst wenn ein Gebäude so ausgestaltet würde, 
dass es allseitig Giebelseiten aufwiese, liesse sich die Gesimshöhe bestimmen, weil 
die  Dachfläche  zumindest  an  den  Ecken  hinuntergezogen  werden  müsste.  Somit 
sind  die  Vorschriften  zur  Feststellung  der  Gebäude- und  Firsthöhen  auch  im  Zu-
sammenhang mit Kreuzfirsten ohne weiteres anwendbar. Eine gesetzliche Grundla-
ge für ein Kreuzfirstverbot besteht nicht.

d) Zu prüfen ist allerdings noch, ob der Rekurrent auf seinem Gebäude erlaubte

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Kreuzfirste oder verpönte Dachaufbauten erstelle.

Der Kreuzfirst ist nicht nur eine besondere Dachform, sondern auch ein oberer 
Abschluss  einer  besonderen  Gebäudeform.  Deshalb  ist  der  Kreuzfirst  nicht  nur  am 
Dach, sondern auch am darunterliegenden Baukörper, insbesondere an der Fassa-
de  erkennbar.  Der  herkömmliche  Kreuzfirst  setzt  auf  der  Höhe  des  Hauptfirstes  an 
und verläuft horizontal im rechten Winkel dazu bis zur Fassade. Er kann nur auf der 
einen Seite des Hauptfirstes angeordnet sein oder diesen durchschneiden und beid-
seits des Hauptfirstes von Fassade zu Fassade verlaufen. Die Fassade ist dement-
sprechend im Bereich des Kreuzfirstes ohne Unterbrechung bis zum First hinaufge-
zogen.  Der  Kreuzfirst  kann  die  ganze  Breite  des  Gebäudes  oder,  was  öfters  anzu-
treffen  ist,  nur  einen  Teil  davon  einnehmen.  Die  Fassade  des  Kreuzfirstes  verläuft 
entweder auf der gleichen Flucht wie die Fassade des Hauptgebäudes oder ist die-
ser in der Breite des Kreuzfirstes leicht vorgelagert.

Demgegenüber  sind  unter  Dachaufbauten  Bauteile  zu  verstehen,  welche  wie 
Dachgauben  oder  Kamine  oberhalb  der  Dachhaut  in  Erscheinung  treten.  Einem 
Kreuzfirst am ehesten vergleichbar sind die Giebelgauben. Die typische Giebelgau-
be  besteht  aus  einem  kleinen  Giebeldach,  seitlichen  Fassadenteilen  und  einem 
frontseitigen  Fenster.  Sie  sitzt  vollständig  auf  dem  Hauptdach;  ihr  rechtwinklig  zur 
Dachfläche angeordneter Giebel setzt also unterhalb des Hauptgiebels an, und das 
Frontfenster  endet  oberhalb  der  Traufe  des  Hauptdaches;  beidseitig  des  Giebels 
verläuft die Dachfläche.

Ausser den geschilderten typischen Kreuzfirsten und Dachaufbauten gibt es ei-
ne Vielzahl von Varianten, die im Einzelfall der einen oder anderen Kategorie zuzu-
ordnen sind; dies trifft auch für die vorliegend zu beurteilende Dachkonstruktion zu.

e) Anhand einer Isometrie hat der Rekurrent darzulegen versucht, dass es sich 
bei  der  vorliegend zu beurteilenden Konstruktion um den logischen Dachabschluss 
von  zwei  ineinander  verschachtelten  Baukörpern,  mithin  um  zwei  Kreuzfirste  und 
nicht  etwa  um  Dachaufbauten  handle.  Die  beiden  Baukörper,  der  eine  bestehend, 
der andere projektiert, sind einander volumenmässig etwa gleich und bilden zusam-
men  einen  rechten  Winkel,  wobei  an  der  äusseren  gemeinsamen  Ecke,  bedingt 
durch  die  einzuhaltenden  Grenzabstände,  ein  Stück  in  Form  eines  Quaders  fehlt. 
Die  ebenfalls  rechtwinklig  zueinander  verlaufenden Dachfirste  sind  ineinander  hin-
eingeschoben, wobei der Dachfirst des bestehenden Gebäudeteils bis zur Fassade 
des  projektierten  Gebäudeteils  reicht,  während  der  Dachfirst  des  projektierten  Ge-
bäude-teils  kurz  nach  dem  First  des  alten  Gebäudeteils  und  noch  vor der Fassade 
endet. Bedingt durch verschiedene Höhenlagen der Gebäude verläuft der First des 
neuen Gebäudeteils etwa 35 cm höher als derjenige des alten Gebäudeteils. An der 
Ostseite  ist  ein  quer  zur  Dachfläche  verlaufendes  Giebeldach  projektiert,  dessen
First  um  das  Mass  der  genannten  35  cm  unterhalb  des  Hauptfirstes  beginnt.  Die 
Giebelfassade  soll  in  der  gleichen  Ebene  wie  die  Hauptfassade,  allerdings  nicht 
durchgehend  verlaufen,  weil  sie  vom  Vorsprung  des  Hauptdaches  durchschnitten 
wird.  Als  weitere  Besonderheit  kommt  hinzu,  dass  der  nördliche  Teil  des  Giebels 
seitlich ein gutes Stück über die dahinterliegende Dachfläche hinausragt. Der Bezug 
des  quergestellten. Giebeldaches  zum  darunter  liegenden  Gebäudekörper  ist  unter 
diesen  Umständen so gut sichtbar vorhanden, dass die Konstruktion ohne weiteres 
als  Kreuzgiebel  und  nicht  als  Dachaufbaute  zu  qualifizieren  ist.  Dieser  Bauteil  ist 
somit  zulässig.  Dagegen liegt der an der Nordfassade umstrittene Bauteil praktisch 

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vollständig  innerhalb  der  Dachfläche.  Nur gerade  die  oberste  Spitze  des  Giebels 
überragt  den  First  des  Hauptdaches,  und  irgendein  Bezug  zum  darunterliegenden 
Gebäudekörper ist nicht erkennbar. Damit überwiegen die Merkmale einer Dachauf-
baute bei weitem, so dass dieser Bauteil nicht zulässig ist.