# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5b9faef-471b-552a-a43f-50f4afb4cf3d
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-13
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 13.09.2023 BS 2023 50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BS-2023-50_2023-09-13.pdf

## Full Text

20230831_142555_ANOM.docx

I. Beschwerdeabteilung BS 2023 50

Oberrichter St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter P. Huber
Oberrichter M. Siegwart
Gerichtsschreiber C. Schwegler

Beschluss vom 13. September 2023 [rechtskräftig]

in Sachen

A.________, 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, IV. Abteilung, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug,
vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt D.________, Jugendanwalt,
Beschwerdegegnerin,

betreffend

Aufhebung von Schutzmassnahmen

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Sachverhalt

1. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug vom 20. März 2019 wurde A.________, 
geb. tt.mm. 2001 (nachfolgend: Beschwerdeführer), des versuchten Raubes, Ungehorsams 
gegen amtliche Verfügungen und mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäubungsmit-
telgesetz schuldig gesprochen und mit einem Freiheitsentzug von acht Monaten unbedingt 
bestraft. Sodann wurde für den Beschwerdeführer eine Unterbringung im Sinne von Art. 15 
Abs. 1 JStG sowie eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 und 2 JStG an-
geordnet (JG 2018 8). 

Bereits mit Verfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 28. Februar 2018 war 
der Beschwerdeführer ab 1. März 2018 ins C.________ eingewiesen und entsprechend den 
Empfehlungen aus Begutachtung und Beobachtung per 12. Juli 2018 in die E.________ ver-
legt worden, von wo er bereits einen Tag später entwich. Am 17. Juli 2018 konnte der Be-
schwerdeführer an seinem Wohnort in F.________ angehalten werden. In der Folge wurde er 
in der Strafanstalt G.________ und ab 23. Juli 2018 in der Jugendabteilung des Gefängnis-
ses H.________ untergebracht. Am 3. September 2018 konnte der Beschwerdeführer in die 
E.________ zurückversetzt werden. Dem Beschwerdeführer wurde eröffnet, dass für den Fall 
weiterer Entweichungen oder Unwegsamkeit im Massnahmenvollzug eine Unterbringung in 
einem engen strukturierten stationären Rahmen eingeleitet würde. 

Am 24. Mai 2019 entwich der Beschwerdeführer abermals aus der E.________ und tauchte 
bei einem Kollegen, mit welchem er früher auch schon "abweichend aufgefallen" war, in 
I.________ unter. 

2. Mit Eingabe vom 1. Dezember 2020 beantragte der Beschwerdeführer bei der Staatsanwalt-
schaft die Aufhebung der vom Strafgericht angeordneten Unterbringung und ambulanten Be-
handlung. Ausserdem sei vom Vollzug des Freiheitsentzuges gestützt auf Art. 32 Abs. 2 
JStG, eventualiter gestützt auf Art. 32 Abs. 3 JStG, abzusehen. Die Staatsanwaltschaft wies 
diese Anträge mit Verfügung vom 9. Dezember 2020 ab.

3. Am 20. Mai 2023 beantragte der Beschwerdeführer bei der Staatsanwaltschaft erneut die 
Aufhebung der vom Strafgericht am 20. März 2019 angeordneten Unterbringung und ambu-
lanten Behandlung. Dieses Gesuch wies die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 12. Juni 
2023 ab.

4. Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 26. Juni 2023 Beschwerde bei der 
I. Beschwerdeabteilung des Obergerichts mit folgenden Anträgen:

1. Es sei die Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 12. Juni 2023 vollumfänglich aufzuheben und 
es seien die Unterbringung i.S.v. Art. 15 Abs. 1 JStG und die ambulante Behandlung i.S.v. Art. 14 
Abs. 1 JStG gemäss Urteil des Jugendgerichts des Kantons Zug vom 20. März 2019 aufzuheben.

2. Eventualiter sei die Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 12. Juni 2023 aufzuheben und die Sa-
che zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten der Staatskasse.

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In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer, ihm sei für das Beschwerdever-
fahren die amtliche Verteidigung zu gewähren.

5. Die Staatsanwaltschaft beantragte in der Vernehmlassung vom 30. Juni 2023 die Abweisung 
der Beschwerde, unter Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdeführers. Sodann beantragte 
sie die Gutheissung des Antrags betreffend amtliche Verteidigung.

6. Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 24. Juli 2023.

Erwägungen

1. Gemäss § 79 lit. c GOG entscheidet die Beschwerdeabteilung des Obergerichts über Be-
schwerden gegen Justizverwaltungsakte, insbesondere betreffend Vollzugsverfügungen der 
Jugendanwältinnen und Jugendanwälte sowie der Gerichtskasse. Nach Art. 43 JStPO kön-
nen mittels Beschwerde u.a. die Änderung und die Beendigung der Massnahme angefochten 
werden (lit. a und d).

2. Die Staatsanwaltschaft begründete die angefochtene Verfügung zusammengefasst wie folgt:

2.1 Der Beschwerdeführer sei zugegebenermassen im Sommer 2019 nach I.________ geflüch-
tet. Ab 2020 solle er sich in J.________ und ab Frühjahr 2021 in K.________ aufgehalten 
und teilweise an verschiedenen Arbeitsorten (temporär) gearbeitet haben. Er habe somit in 
anderen kulturellen und gesellschaftlichen Umfeldern gelebt. Zwar mache er rudimentäre 
Angaben über seine Anstellungen und seine Aufenthaltsorte, jedoch äussere er sich in seiner 
Eingabe kaum dazu, welche sozialen Kontakte er pflege, bei wem er wohne und wie er sein 
Leben seither gestalte. Ebenso wenig lege der Beschwerdeführer dar, wo er sich in der 
nächsten Zukunft aufhalten, wo er arbeiten und wie er sein Leben fristen wolle. Der Eingabe 
seien keine Informationen über den sozialen Empfangsraum, die soziale Einbettung und Be-
ziehungen sowie über die (weitere) Behandlung bzw. Genesung der im Gutachten vom 
11. Juni 2018 festgestellten psychischen Auffälligkeiten zu entnehmen. Solche Angaben sei-
en aber neben dem persönlichen Eindruck und den diesbezüglichen Explorationen sowie 
Testungen für die Beurteilung der Weiterführung bzw. Beendigung der Massnahme von zen-
traler Bedeutung. Praxisgemäss würden diese durch eine aussenstehende neutrale Fachper-
son in einem Gutachten überprüft, bevor die Vollzugsbehörde eine Massnahme als beendet 
erkläre.

2.2 Aufgrund der rudimentären Angaben des Beschwerdeführers sei nicht überprüfbar, wie und 
ob er sich an seinen Aufenthaltsorten sozial und gesellschaftlich integriert habe und wirklich 
straflos geblieben sei. Seiner Eingabe sei auch nicht zu entnehmen, ob er in K.________ 
bleiben oder in die Schweiz zurückkehren möchte. Zudem sei fraglich, wie die gutachterlich 
festgestellten Defizite bearbeitet worden seien und wie die diesbezüglichen (Rückfall-)Prog-
nosen aussähen. Selbst wenn sich der Beschwerdeführer in einem anderen Kulturkreis an-
gepasst verhalten habe, lasse sich eine solche Entwicklung nicht ohne weitergehende Prü-
fung und Bewährung auf die Strukturen und Anforderungen im hiesigen Umfeld übertragen. 
Fest stehe, dass der Beschwerdeführer mit diesen Strukturen bis Frühsommer 2019 überfor-

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dert gewesen sei und gemäss Gutachten und Berichten der Jugendheime institutionelle sta-
tionäre und therapeutische Unterstützung benötigt habe. Zudem sei der Beschwerdeführer 
vor seiner Flucht keinesfalls stabil gewesen und eine positive Entwicklung habe sich damals 
noch nicht angebahnt. Vielmehr habe er zum Zeitpunkt der Entweichung ein Verhalten ge-
zeigt, welches damals eine Umplatzierung in engere stationäre Strukturen aufgedrängt habe. 
Ohne Kenntnis des Umfeldes und der Umstände sei es der Vollzugsbehörde unmöglich, die 
jährliche Überprüfung der gerichtlich angeordneten jugendstrafrechtlichen Massnahmen vor-
zunehmen. 

3. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber zusammengefasst Folgendes geltend:

3.1 Der Beschwerdeführer habe in der Eingabe vom 20. Mai 2023 seine positive Entwicklung mit 
Unterlagen dargetan und die soziale sowie berufliche Entwicklung sowie die Drogenabsti-
nenz und Straflosigkeit während der letzten Jahre mit Unterlagen belegt. Zusätzlich habe er 
ausdrücklich weitere Unterlagen angeboten. Die Staatsanwaltschaft halte fest, dass die ein-
zige Möglichkeit einer Aufhebung der Schutzmassnahmen die Rückkehr in die Schweiz er-
fordere, was zur Folge hätte, dass der Beschwerdeführer zunächst bei der Einreise verhaftet 
und in ein Gefängnis versetzt würde, bis er in der Folge in eine Unterbringung verlegt werden 
könnte, von wo aus er begutachtet würde. Dies würde für den Beschwerdeführer einen mas-
siven Rückschritt in seiner nachweislich sehr positiven Entwicklung bedeuten und sei des-
halb zu verhindern. Aus diesem Grund werde eventualiter beantragt, die Sache zwecks Neu-
beurteilung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, so dass das Gespräch aufgenommen 
und eine Lösung gefunden werden könne.

3.2 Die Fortführung der Schutzmassnahmen erweise sich weder als geeignet noch als erforder-
lich und wäre völlig unverhältnismässig:

3.2.1 Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2015 seinen Grossvater verloren, zu welchem er von 
klein auf eine sehr enge Beziehung gepflegt habe. Nur ein Jahr später sei sehr plötzlich der 
Vater des Beschwerdeführers verstorben. Für den Beschwerdeführer sei damals eine Welt 
zusammengebrochen und er habe mit dem Drogenkonsum angefangen und sei in der Folge 
auf die schiefe Bahn geraten. Vor diesem Zeitpunkt seien keine Einträge verzeichnet. Die 
Beurteilung der Frage der Notwendigkeit der Schutzmassnahmen müsse in diesem Kontext 
betrachtet und beurteilt werden. In der Zwischenzeit seien fünf Jahre vergangen, während 
dieser sich der Beschwerdeführer konstant bewährt und sich sehr positiv entwickelt habe. 
Der Beschwerdeführer habe eingesehen, dass sein damaliges Verhalten falsch gewesen sei, 
und habe aus seiner Zeit in der Untersuchungshaft und den Aufenthalten in den Unterbrin-
gungen seine Lehren gezogen und einen Neustart gemacht. Der Beschwerdeführer habe 
seither nicht mehr delinquiert, was auf eine gute Legalprognose schliessen lasse.

3.2.2 Seit über zwei Jahren lebe der Beschwerdeführer in L.________ und habe sich dort ganz auf 
sich alleine gestellt ein Leben aufgebaut. Seit eineinhalb Jahren arbeite er in einem Vollzeit-
Pensum bei der M.________ im Pre-Sales Departement und erledige seine Arbeit sehr gut, 
dies entgegen den Standortberichten, in welchen jeweils Bedenken in Bezug auf das berufli-
che Fortkommen des Beschwerdeführers ausgesprochen worden seien. Bereits zuvor habe 
er in K.________ und in I.________ berufliche Tätigkeiten ausgeübt und im Jahr 2020 in 
J.________ einen "N.________-Grundkurs" absolviert. Dies alles beweise, dass der Be-

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schwerdeführer bemüht sei, seine Lebenshaltungskosten zu finanzieren, und Verantwortung 
für sein Handeln übernehmen könne. 

3.2.3 Seit über vier Jahren habe sich der Beschwerdeführer von den Drogen distanziert. Bereits im 
Standort- und Abschlussbericht der E.________ sei festgehalten worden, dass er während 
des dortigen Aufenthaltes drogenabstinent geworden sei. Der Beschwerdeführer sei einver-
standen, auch in Zukunft regelmässig Urinproben abzugeben, sollte dies für die Aufhebung 
der Massnahmen als erforderlich erachtet werden. Ausserdem sei er offen dafür, therapeuti-
sche Massnahmen ausserhalb einer Unterbringung wahrzunehmen. Der Beschwerdeführer 
würde in Zukunft gerne wieder in die Schweiz zurückkehren, hier im kaufmännischen Bereich 
eine Stelle suchen und eine Weiterbildung absolvieren. Darüber hinaus würde er gerne wie-
der Zeit mit seiner Familie verbringen. In der Schweiz könnte er vorübergehend bei seiner 
Grossmutter in O.________ leben, bis er eine eigene Wohnung habe.

3.2.4 Eine Betreuung im Rahmen einer Schutzmassnahme sei aufgrund der positiven persönlichen 
und beruflichen Entwicklung des Beschwerdeführers nicht mehr geeignet und auch nicht er-
forderlich. Es bestehe zudem angesichts der positiven Entwicklung keine vernünftige Relati-
on zwischen dem schwerwiegenden Eingriff der angeordneten Schutzmassnahmen und ins-
besondere der Unterbringung und dem angestrebten Ziel, weshalb sich die Massnahmen im 
heutigen Zeitpunkt als völlig unverhältnismässig erwiesen. Dazu komme, dass die Schutz-
massnahmen keine erzieherischen oder therapeutischen Wirkungen entfalten und somit ih-
ren eigentlichen Zweck gemäss Gesetz faktisch gar nicht mehr erfüllen könnten.

4. Die für einen Entscheid in dieser Sache geltende gesetzliche Ausgangslage und Rechtspre-
chung präsentieren sich wie folgt:

4.1 Das Jugendstrafgesetz ist vorab ein Massnahmenstrafrecht. Dies ergibt sich zum einen aus 
Art. 2 JStG und aus der systematischen Einordnung der Schutzmassnahmen vor den Stra-
fen, zum anderen aber auch aus dem Wortlaut von Art. 10 Abs. 1 JStG. Beim Entscheid über 
die anzuordnende Sanktion sind die positiven Entwicklungsmöglichkeiten in Rechnung zu 
stellen und das JStG soll stets individuell angewandt werden. Indessen braucht ein Jugendli-
cher nur Schutz, wenn eine Gefahr vorliegt, welche in einer erzieherisch bedingten oder per-
sönlichen Fehlentwicklung, einer Gefährdung durch sein bestehendes soziales Umfeld oder 
einer Gefährdung durch seine momentane perspektivenlose Situation bestehen kann. Die 
persönliche Entwicklung vollzieht sich in steter Wechselwirkung mit der Umwelt. Das Recht 
setzt in erster Linie darauf, den Jugendlichen vor diesen Gefährdungen zu schützen. Damit 
sollen eine weitere Fehlentwicklung und weitere Straftaten verhindert werden (Hug/Schläfli/ 
Valär, Basler Kommentar, 4. A. 2019, Art. 2 JStG N 4). Gleichzeitig müssen zum Schutz der 
Betroffenen auch im Jugendverfahren der staatlichen Eingriffsermächtigung Grenzen gesetzt 
werden. Trotz der erzieherischen Ausrichtung ist das Jugendverfahren vom Grundsatz her 
ein Strafverfahren und kein Jugendfürsorgeverfahren.

4.2 Die Schutzmassnahmen nach Art. 12 ff. JStG dienen dazu, die notwendige erzieherische Be-
treuung oder therapeutische Behandlung der Jugendlichen bereits im Untersuchungsverfah-
ren sicherzustellen. Sie sollen den Bedürfnissen des Jugendlichen nach Erziehung und 
Schutz Rechnung tragen und sind daher periodisch auf ihre Wirkungen in Bezug auf die Per-
sönlichkeit und Entwicklung des Jugendlichen und damit auf ihre Zweckmässigkeit zu über-

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prüfen und bei Bedarf anzupassen. Ihr Ende bestimmt sich nicht durch simplen Zeitablauf. 
Auch sind sie im Unterschied zu Untersuchungs- und Sicherheitshaft nicht auf die Dauer des 
angeordneten Freiheitsentzugs beschränkt. Sie dauern vielmehr grundsätzlich so lange an, 
bis ihr Zweck erreicht ist, sich eine Zweckerreichung als aussichtslos erweist oder der Ju-
gendliche das 25. Altersjahr erreicht hat (vgl. Art. 19 Abs. 1 und 2 JStG). Der Zweck ist er-
reicht, wenn aufgrund des sozialen Verhaltens des Jugendlichen und seiner gesellschaftli-
chen Integration eine weitere Betreuung nicht mehr erforderlich ist oder bei einer therapeuti-
schen Massnahme eine derartige Besserung eingetreten ist, dass sie beendet werden kann 
(Riesen-Kupper, in: Donatsch [Hrsg.], StGB/JStG Kommentar, 21. A. 2022, Art. 19 JStG N 3 
f. m.H.; vgl. auch BGE 148 IV 419 E. 1.6 m.H.).

4.3 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV) gilt im 
gesamten Massnahmenrecht, sowohl bei der Anordnung von Massnahmen als auch bei den 
Folgeentscheidungen. Gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. c JStG ist Art. 56 Abs. 2 StGB, welcher die 
Verhältnismässigkeit im Massnahmenrecht konkretisiert, sinngemäss anwendbar. Das Ver-
hältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass die Massnahme geeignet ist, beim Betroffenen die 
Legalprognose zu verbessern. Weiter muss die Massnahme notwendig sein. Sie hat zu un-
terbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg 
ausreichen würde. Schliesslich muss zwischen dem Eingriff und dem angestrebten Zweck 
eine vernünftige Relation bestehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_326/2020 vom 17. April 
2020 E. 3.3.3 m.H.). Auch im Jugendstrafrecht darf der mit einer Massnahme verbundene 
Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und 
Schwere weiterer Straftaten mithin zu keinem Zeitpunkt unverhältnismässig sein.

4.4 In Annäherung an zivilrechtliche Grundsätze kann die Anordnung einer ambulanten Schutz-
massnahme nach Erreichen der Volljährigkeit eines Jugendlichen nur noch in seinem Einver-
ständnis erfolgen. Gleichzeitig ist aber keine bedingte Entlassung aus einer Unterbringung 
vorgesehen. Nach Abschluss einer Unterbringung ist deshalb, wenn eine weitere Betreuung 
des Jugendlichen wirklich notwendig erscheint, eine ambulante Schutzmassnahme neu an-
zuordnen. Hat der Jugendliche das 18. Altersjahr überschritten, ist dies jedoch nur mit sei-
nem Einverständnis möglich. Diese Regelung kann als unbefriedigend angesehen werden, 
da eine Nachbetreuung nach einer stationären Unterbringung wichtig sein kann. In der Praxis 
kann diese Situation umgangen werden, indem eine betroffene Person beispielsweise "pro-
beweise" entlassen oder die Aufhebung der Unterbringung an das Einverständnis des Ju-
gendlichen mit einer ambulanten Schutzmassnahme verknüpft wird (vgl. Hug/Schläfli/Valär, 
a.a.O, Vor Art. 1 JStG N 36)

5. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich in verschiedener Hinsicht positiv entwi-
ckelt, weshalb die im Urteil des Strafgerichts vom 20. März 2019 angeordneten Schutzmass-
nahmen unabhängig von einer Prüfung durch Fachpersonen aufzuheben seien. 

5.1 Vorab ist festzustellen, dass die zur Diskussion stehenden Schutzmassnahmen am 20. März 
2019 – aufgrund der damaligen Verhältnisse vollkommen zu Recht – angeordnet wurden, je-
doch seit der rund zwei Monate späteren Entweichung des Beschwerdeführers nicht mehr 
vollzogen werden konnten. Mithin sind für die Frage, ob der mit einer Weiterführung der 
Massnahmen verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die 
Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nach wie vor verhältnismässig ist, auf-

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grund der seither, d.h. seit bald viereinhalb Jahren erfolgten Weiterentwicklung zu beurteilen. 
Dabei ist zu beachten, dass sich die persönliche Entwicklung, welche bei Jugendlichen oft 
ziemlich richtungsoffen ist, auch in einer Wechselwirkung mit der Umwelt vollzieht.

5.2 Der Staatsanwaltschaft ist zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer zu Beginn nur rudi-
mentäre Angaben machte, sich die wenigen bei ihr eingereichten Unterlagen nicht ohne Wei-
teres überprüfen lassen und somit diese Ausgangslage für sich allein noch keine abschlies-
sende Beurteilung zuliess. Im Beschwerdeverfahren wurden indessen im Rahmen der Replik 
vom 24. Juli 2023 zahlreiche weitere Dokumente eingereicht, welche zu berücksichtigen 
sind. Die gesamten Beweisofferten des Beschwerdeführers bilden nunmehr, allein wie auch 
in ihrer Gesamtheit, eine recht deutliche Indizienlage, dass sich das Leben des Beschwerde-
führers positiv entwickelt haben dürfte. So ist aufgrund der eingereichten Unterlagen und 
Darlegungen des heute mehr als 22-jährigen Beschwerdeführers davon auszugehen, dass er 
in den letzten viereinhalb Jahren tatsächlich selbständig im Ausland lebte, dabei auch legal 
Geld verdiente und auf diese Weise gar den ansehnlichen Betrag von EUR 30'000.00 zur 
Seite zu legen vermochte. Zudem sind keinerlei Hinweise auf neue Delikte oder schädlichen 
Drogenkonsum bekannt. Vielmehr deuten auch hier die eingereichten Dokumente auf De-
likts- und Drogenfreiheit hin. Der Beschwerdeführer war also offenbar durchaus in der Lage, 
auch ausserhalb von Heimstrukturen und ohne staatliche therapeutische Massnahmen ein 
altersentsprechend selbständiges und deliktsfreies Leben zu führen. In Anbetracht dieser 
Ausgangslage sowie auch der umfassenden und grundsätzlich nachvollziehbaren und plau-
siblen Darlegungen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers zur positiven Entwicklung, 
heutigen Situation und zu den Zukunftsperspektiven seines Mandanten, kann nicht ausge-
schlossen werden, dass sich in den letzten viereinhalb Jahren eine durchwegs positive Ent-
wicklung einstellte und folglich heute keine persönliche Fehlentwicklung mehr gegeben ist 
und auch keine Gefährdung des Beschwerdeführers mehr durch sein soziales Umfeld oder 
eine momentan perspektivenlose Situation besteht. Folglich bestünde aber auch keine Not-
wendigkeit mehr, eine weitere Fehlentwicklung zu verhindern. Mithin liegen zahlreiche ge-
wichtige Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer keiner jugendstrafrechtlichen 
Massnahmen mehr bedarf bzw. die Weiterführung der vor viereinhalb Jahren angeordneten 
staatlichen Eingriffe in dessen Persönlichkeitsrecht nicht mehr notwendig sein könnten, um 
weitere Straftaten zu verhindern, oder sich diese auch als nicht mehr verhältnismässig erwei-
sen dürften.

5.3 Sofern die unter Ziffer 5.2 hiervor beschriebene, durchaus mögliche bzw. gar wahrscheinli-
che positive Entwicklung im Leben des Beschwerdeführers innerhalb der letzten viereinhalb 
Jahre tatsächlich eingetreten sein sollte, wäre eine zwangsweise Weiterführung der mit Urteil 
des Jugendgerichts des Kantons Zug vom 20. März 2019 angeordneten Unterbringung gar 
nicht mehr nötig. Hinzu kommt, dass beispielsweise Fragen nach dem aktuellen künftigen 
sozialen Empfangsraum, einem strukturierten Umfeld sowie die berufliche, soziale und fami-
liäre Entwicklung bei einem mehr als 22-jährigen jungen Mann, bei welchem nicht nur die 
Pubertäts-, sondern auch die Adoleszenzphase abgeschlossen ist, nicht mehr dieselbe Rolle 
spielen können wie bei einem noch nicht 18-jährigen Jugendlichen. Aus den gleichen Über-
legungen erweist es sich aber auch in keiner Weise als verhältnismässig, nur um letzte Ge-
wissheit zu erhalten, ob die zumindest indizienmässig deutlich belegten und überdies äussert 
plausibel dargelegten Voraussetzungen für eine Aufhebung der Massnahmen allenfalls doch 
noch nicht erfüllt sein könnten, den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in die Schweiz 

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verhaften zu lassen und zwangsweise aus rein (fürsorgerischen) Grundsatzüberlegungen 
wieder in eine vor mehr als viereinhalb Jahren als angebracht erachtete Unterbringung zu 
überführen bzw. umfassend gegen seinen Willen begutachten zu lassen. 

5.4 Entgegen den Darlegungen der Staatsanwaltschaft widersetzt sich der Beschwerdeführer 
aufgrund der heutigen Aktenlage eben gerade nicht einer fundierten Abklärung, sondern er-
klärt sich gemäss seinem Eventualantrag bereit, das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft 
aufzunehmen und eine (verhältnismässige) "Lösung für den vorliegenden Fall" zu finden. Zu-
dem braucht es im Rahmen der heute bekannten Entwicklungen nicht mehr zwingend "das 
gerichtlich angeordnete Umfeld", um über die nächsten Schritte bzw. letztlich die im Haupt-
punkt beantragte Aufhebung der Unterbringung zu entscheiden. Aufgrund welcher zusätzli-
chen Angaben und Belegen des Beschwerdeführers bzw. allenfalls eigener Abklärungen die 
Staatsanwaltschaft ihren endgültigen Entscheid letztlich fällen möchte, wird sie selbst zu ent-
scheiden haben. Bereits heute sei jedoch darauf hingewiesen, dass sich die Darlegungen 
des Beschwerdeführers im Beschwerdeverfahren zur Verhältnismässigkeit durchaus hören 
lassen und beim endgültigen Entscheid auch zu berücksichtigen sein werden.

5.5 Aufgrund des Vorgesagten ist die Beschwerde – dem Eventualantrag des Beschwerdefüh-
rers folgend – teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur allfälligen weiteren Abklärung und 
neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. 
Um für den Beschwerdeführer für die nächste Zeit Klarheit zu schaffen, ist aus pragmati-
schen Gründen der Vollzug der Unterbringung bis zum neuen Entscheid der Staatsanwalt-
schaft auszusetzen, was faktisch einer oben beschriebenen "probeweisen Entlassung" ent-
spricht. Die Staatsanwaltschaft wird danach unter Wahrung der Verteidigungsrechte zu ent-
scheiden haben, ob der Beschwerdeführer definitiv (allenfalls unter Auflagen) entlassen wer-
den kann, der Zustand einer probeweisen Entlassung bis zum 25. Altersjahr (allenfalls unter 
Auflagen) weitergeführt werden soll oder aber der Beschwerdeführer effektiv zwangsweise in 
die ursprünglichen Schutzmassnahmen zurückgeführt werden muss.

6. Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens auf die Staatskasse zu 
nehmen und der Beschwerdeführer ist für seine Aufwendungen im Beschwerdeverfahren an-
gemessen zu entschädigen (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 1 und Art. 429 Abs. 1 
lit. a StPO). 

Der Verteidiger des Beschwerdeführers stellt für das Beschwerdeverfahren einen Aufwand 
von 18,77 Stunden à CHF 220.00, ausmachend CHF 4'519.40 inkl. Auslagen und MWST, in 
Rechnung (act. 6/13). Dieser Aufwand ist überhöht. Die Beschwerde deckt sich – abgesehen 
von der einleitenden Auseinandersetzung mit der angefochtenen Verfügung – über weite Tei-
le mit dem Gesuch an die Staatsanwaltschaft um Aufhebung der Schutzmassnahmen vom 
20. Mai 2023 (Vi act. 4/24 ff.), wofür der Verteidiger im Verfahren vor der Staatsanwaltschaft 
entschädigt werden wird. Bei den Aufwendungen für die Beschwerde und die Stellungnahme 
vom 24. Juli 2023 ist daher ein Abzug von 5 Stunden vorzunehmen. Somit resultiert ein an-
gemessenes Honorar von CHF 3'334.70 (CHF 3'029.40 Honorar, CHF 66.90 Auslagen und 
CHF 238.40 MWST).

7. Damit wird das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der amtlichen Verteidigung 
bzw. der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren gegenstandslos.

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Verfügung des Abteilungspräsidenten

1. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der amtlichen Verteidigung bzw. der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Beschwerdeverfahren wird als gegenstandslos abgeschrieben. 

2. Es werden keine Kosten erhoben.

Beschluss

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 
12. Juni 2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung und neuen Entscheidung 
im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Bis zu diesem Ent-
scheid wird der Vollzug der mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug, Jugendgericht, vom 
20. März 2019 angeordneten Unterbringung gemäss Art. 15 Abs. 1 JStG ausgesetzt.

2. Die Kosten dieses Verfahrens betragen

CHF 800.00 Gebühren
CHF 25.00 Auslagen
CHF 825.00 Total

und werden auf die Staatskasse genommen. 

3. Die Beschwerdeführer wird für seine Aufwendungen im Beschwerdeverfahren mit 
CHF 3'334.70 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

4. Gegen diesen Entscheid ist die Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwerdegründe richten sich nach Art. 95 ff. 
BGG. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich, 
begründet und mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage des Entscheides und der 
Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, 
einzureichen.

5. Mitteilung an:
- Parteien (an die Staatsanwaltschaft unter Rückgabe der eingereichten Akten)
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
I. Beschwerdeabteilung

St. Scherer C. Schwegler
Abteilungspräsident Gerichtsschreiber

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