# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 120a9cdb-db4a-5de2-a687-876cc3aa2183
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.04.2008 C-5690/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-5690-2007_2008-04-28.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-5690/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  A p r i l  2 0 0 8

Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 
Richter Bernard Vaudan, Richter Blaise Vuille, 
Gerichtsschreiber Philipp Mäder.

1. D._______, 
2. L._______, 
3. S._______, 
alle vertreten durch Fürsprecher Nicolas De Cet, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung einer Einreisebewilligung für
D._______ und L._______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-5690/2007

Sachverhalt:

A.
Die  1960  geborene  indische  Staatsangehörige D._______  (nachfol-
gend: Gesuchstellerin bzw. Beschwerderführerin 1) und ihr 1989 gebo-
rener Sohn L._______ (nachfolgend: Gesuchsteller bzw. Beschwerde-
führer  2)  beantragten am 1. Mai  2007 bei  der  Schweizerischen Bot-
schaft in Neu Dehli ein Visum für einen dreiwöchigen Besuchsaufent-
halt bei ihrem Schwager bzw. Onkel S._______ (nachfolgend: Gastge-
ber bzw. Beschwerdeführer 3) in Brügg (BE). Nach formloser Verwei-
gerung leitete die Schweizer Vertretung das Gesuch an die Vorinstanz 
zur Prüfung und zum formellen Entscheid weiter.

B.
Nachdem der Migrationsdienst des Kantons Bern über die zuständige 
Einwohnergemeinde beim Gastgeber weitere Abklärungen veranlasst 
hatte, wies die Vorinstanz das Gesuch um Bewilligung der Einreise mit 
Verfügung vom 26. Juli 2007 ab. Dies mit der Begründung, es bestehe 
nicht genügend Gewähr für eine anstandslose und fristgerechte Wie-
derausreise nach einem Besuchsaufenthalt.

C.
Mit  Beschwerde vom 24. August  2007 gelangten der Gastgeber  und 
die  beiden  Gesuchsteller  gemeinsam  an  das  Bundesverwaltungsge-
richt  und beantragten,  die  vorinstanzliche Verfügung sei  aufzuheben 
und das Visum für  einen Besuchsaufenthalt  sei  zu  erteilen. Zur  Be-
gründung rügen sie,  die Vorinstanz gehe zu Unrecht  davon aus,  die 
Wiederausreise nach dem Besuchsaufenthalt wäre nicht gewährleistet. 
Die Beschwerdeführerin 1 und der Beschwerdeführer 2 hätten ihre Fa-
milie in Indien. Der Ehemann der Beschwerdeführerin 1, Vater des Be-
schwerdeführers 2 und Bruder des Beschwerdeführers 3 führe dort ein 
grosses „Bauernunternehmen“,  welches der  Familie  ein  „wohlhaben-
des Leben“ ermögliche. Der Beschwerdeführer 2 arbeite in diesem Be-
trieb mit. Auf seine Unterstützung sei der zuhause bleibende Vater aus 
wirtschaftlicher Sicht unbedingt angewiesen. Der Beschwerdeführer 3 
garantiere zudem als Gastgeber für die fristgerechte Wiederausreise 
seiner Gäste. Der Beschwerde beigefügt wurden Kopien diverser Do-
kumente die finanziellen Verhältnisse des Gastgebers betreffend (Be-
treibungregistersauskunft,  Lohnabrechnung für  den Monat Mai  2007, 
Lastschriftanzeige betr. die Reiseversicherung für die Gesuchsteller), 
Kopien der Antwort auf die Fragen der Einwohnergemeinde des Gast-

Seite 2

C-5690/2007

gebers und beurkundeter Aussagen des Ehemannes der Gesuchstel-
lerin.

D.
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2007 reichten die Beschwerdeführer zwei 
Fotos,  die  das  Wohneigentum  der  Beschwerdeführerin  1  und  ihres 
Ehegatten in Indien zeigen sollen, sowie die beiden Urkunden über die 
Aussagen des Ehegatten im Original beim Bundesverwaltungsgericht 
ein.

E.
Die  Vorinstanz  schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  23. Oktober 
2007 auf Abweisung der Beschwerde. Die geltend gemachten familiä-
ren und beruflichen Verpflichtungen könnten keine genügende Gewähr 
für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise geben. Diese 
Einschätzung werde im Übrigen von der Schweizerischen Vertretung 
vor Ort geteilt.

F.
Die  Beschwerdeführer  halten  ihrerseits  in  einer  Replik  vom 26. No-
vember  2007  an  ihrem  Antrag  und  dessen  Begründung  fest.  Die 
Vorinstanz würdige ihre persönlichen Verhältnisse zu wenig. Die Be-
schwerdeführerin  1  und  der  Beschwerdeführer  2  seien  familiär  und 
wirtschaftlich in Indien verwurzelt. Der Ehemann der Beschwerdefüh-
rerin 1 bzw. Vater des Beschwerdeführers 2 leite dort einen „riesigen 
Landwirtschaftsbetrieb“, welcher ohne ihre Mitarbeit  „nicht existieren“ 
könnte.

G.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit  rechtserheblich, in den Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Am 1. Januar  2008  traten  das  neue  Bundesgesetz  vom 16. De-
zember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 
142.20)  sowie  die  dazugehörigen  Ausführungsverordnungen  in  Kraft 
(u.a. die Verordnung vom 24. Oktober 2007 über das Einreise- und Vi-
sumverfahren  [VEV,  SR  142.204]).  Gemäss  den  Übergangsbestim-
mungen richtet  sich das Verfahren nach dem neuen Recht  (Art. 126 

Seite 3

C-5690/2007

Abs. 2 AuG), womit nach Art. 112 Abs. 1 AuG die allgemeinen Bestim-
mungen der Bundesrechtspflege anwendbar sind. 

1.2 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verweigerung der Einreise-
bewilligung unterliegen demnach der Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht (Art. 31, Art. 32 sowie Art. 33 Bst. d des Verwaltungs-
gerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]).  Gemäss 
Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsge-
richtsgesetz  nichts  anderes bestimmt. Das Urteil  des Bundesverwal-
tungsgerichts  ist  endgültig  (Art. 1  Abs. 2  VGG  i.V.m.  Art. 83  Bst. c 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 
173.110]).

1.3 Die  Beschwerdeführer  sind  zur  Beschwerde  legitimiert;  auf  die 
frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten 
(Art. 48 ff. VwVG).

2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verlet-
zung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch 
des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen Sachverhaltes sowie, wenn nicht eine kantonale Be-
hörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat, die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 
Beschwerdeverfahren das  Bundesrecht  von Amtes wegen an. Es  ist 
gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht 
gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel-
tend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist 
grundsätzlich die  Sach-  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides  (vgl.  E. 1.2  des  in  BGE  129  II  215  teilweise  publ.  Urteils 
2A.451/2002 vom 28. März 2003). Gemäss Art. 126 Abs. 1 AuG bleibt 
auf  Gesuche,  die  vor  dem Inkraftreten des  AuG eingereicht  worden 
sind, aber das bisherige (materielle) Recht anwendbar. 

2.2 Da die der Beschwerde zugrunde liegenden Gesuche um Einreise 
am 1. Mai 2007 eingereicht wurden, erfolgt die Beurteilung noch nach 
dem alten Recht. Einschlägig sind demnach das Bundesgesetz vom 
26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
(aANAG, BS 1 121, zum vollständigen Quellennachweis vgl. Ziff. I des 
Anhangs  zum AuG) sowie  die  gestützt  darauf  erlassenen  Durchfüh-

Seite 4

C-5690/2007

rungsvorschriften; insbesondere die Verordnung vom 14. Januar 1998 
über die Einreise und Anmeldung von Ausländerinnen und Ausländern 
(aVEA, AS 1998 194, zum vollständigen Quellennachweis vgl. Art. 39 
VEV). 

3.
3.1 Die Schweizerische Rechtsordnung gewährt grundsätzlich keinen 
Anspruch auf Bewilligung der Einreise. Der Entscheid darüber ist - vor-
behältlich nachfolgend zu erörternder Hinderungsgründe - von der Be-
willigungsbehörde  in  pflichtgemässer  Ausübung  ihres  Ermessens  zu 
fällen  (Art. 4  und  Art. 16  Abs. 1  aANAG,  Art. 9  Abs. 1  aVEA;  PETER 
UEBERSAX, Einreise und Anwesenheit, in: Peter Uebersax/Peter Münch/ 
Thomas Geiser/Martin Arnold (Hrsg.), Ausländerrecht, Ausländerinnen 
und Ausländer im öffentlichen Recht, Privatrecht, Steuerrecht und So-
zialrecht  der  Schweiz,  Basel/Genf/München  2002,  S. 143;  URS BOLZ, 
Rechtsschutz im Ausländer- und Asylrecht,  Basel und Frankfurt  a.M. 
1990, S. 29 mit weiteren Hinweisen;  PHILIP GRANT,  La protection de la 
vie  familiale  et  de  la  vie  privée  en  droit  des  étrangers,  Basel/Genf/ 
München 2000, S. 24).

3.2 Ausländerinnen  und  Ausländer  benötigen  zur  Einreise  in  die 
Schweiz einen Pass und ein Visum, sofern sie nicht aufgrund beson-
derer Regelung von diesem Erfordernis ausgenommen sind (vgl. Art. 1 
bis 5 aVEA). Die Gesuchsteller können sich auf keine Ausnahmerege-
lung berufen; sie sind aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit visumspflich-
tig.

3.3 Um ein Visum zu erhalten, müssen Ausländerinnen und Ausländer 
die in Art. 1 Abs. 2 aVEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Ge-
mäss Art. 1 Abs. 2 Bst. c aVEA haben sie unter anderem Gewähr für 
eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten. Die Vorinstanz verweiger-
te den Gesuchstellern die Erteilung eines solchen Visums mit der Be-
gründung, ihre fristgerechte Wiederausreise erscheine nicht als hinrei-
chend gesichert. 

3.4
3.4.1 Wenn  es  zu  beurteilen  gilt,  ob  das  Kriterium  der  gesicherten 
Wiederausreise  erfüllt  ist,  muss  ein  zukünftiges  Verhalten  beurteilt 
werden. Dazu lassen sich in der Regel keine Feststellungen, sondern 
lediglich Prognosen treffen. Dabei rechtfertigt es sich durchaus, Einrei-
segesuchen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten oder Regionen 
mit politisch respektive wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Ver-

Seite 5

C-5690/2007

hältnissen zum vornherein mit Zurückhaltung zu begegnen, da die per-
sönliche  Interessenlage  in  solchen  Fällen  häufig  nicht  mit  dem Ziel 
und  Zweck  einer  zeitlich  befristeten  Einreisebewilligung  in  Einklang 
steht. 

3.4.2 Dank anhaltendem kräftigen Wachstums (9,4% im Haushaltsjahr 
2006/7; durchschnittlich 8% in den letzten fünf Jahren), gehört Indien 
heute zu denjenigen Staaten mit dem weltweit grössten Bruttoinland-
produkt (BIP).  Die meisten langfristigen Wachstumsprognosen gehen 
davon aus, dass das Land mit seinen gegenwärtig ca. 1,1 Mia. Men-
schen bis  2050 ein BIP erwirtschaften wird,  das dann nur noch von 
China und USA übertroffen werden kann. Gemessen in Kaufkraftpari-
tät  nimmt  Indien  bereits  jetzt  den  vierten  Rang  weltweit  ein. Hinter 
dem durchschnittlichen jährlichen Prokopfeinkommen von 724 US-Dol-
lar (USD) im abgelaufenen Fiskaljahr 2006/7 verbergen sich allerdings 
grosse regionale Unterschiede und wachsende Disparitäten zwischen 
einer sich herausbildenden städtischen Mittelschicht und der überwie-
gend armen Bevölkerung auf dem Lande, wo noch ca. 70% aller Inder 
leben. Etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung lebt unterhalb der Ar-
mutsgrenze von 1 USD pro Kopf und Tag. Der Dienstleistungssektor 
mit seinem anhaltend überproportionalen Wachstum (2006/7: 11%) er-
wirtschaftet mehr als die Hälfte des BIP (55%), beschäftigt jedoch nur 
ca. 25% der Arbeitskräfte (nach Angaben der Regierung verfügen nur 
5% aller  Arbeitskräfte  überhaupt  über  eine  berufliche  Qualifikation). 
Genau umgekehrt verhält es sich mit der Landwirtschaft, deren Anteil 
bei mageren 2,7% Wachstum im letzten Fiskaljahr weiter absank und 
nur noch bei 18,5% liegt (1990/1 betrug es noch 34%) - weiterhin aber 
fast zwei Drittel der Landbevölkerung mehr schlecht als recht ernährt. 
Unter dem Strich hängt über die Hälfte der 1,1 Mia. Inder direkt von 
der Landwirtschaft ab, die mit häufig suboptimalen Flächen, geringer 
Kapitalintensität,  stagnierenden  Erträgen  und  mangelnder  Logistik- 
und  Absatzorganisation  das  Sorgenkind  jeder  indischen  Regierung 
bleiben  muss (Länder-  und  Reiseinformationen  auf  der  Website  des 
Auswärtigen Amtes, Länder- und Reiseinformationen > Indien, <http://
www.auswaertiges-amt.de>,  Stand:  September  2007,  besucht  am 
21. April  2008).  So  ist  das  Land  trotz  des  anhaltenden  Wirtschafts-
wachstums von weit  verbreiteter  Armut  und einer  hohen Analphabe-
tenrate geprägt; breite Bevölkerungsschichten leben unter schwierigen 
wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen. 

Seite 6

C-5690/2007

3.5
3.5.1 Bei  der  Risikoanalyse  sind  aber  nicht  nur  solche  allgemeinen 
Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte 
des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einem Gesuch-
steller  bzw. einer Gesuchstellerin  im Heimat-  bzw. ständigen Aufent-
haltsstaat beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche 
oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die 
Prognose für  eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umge-
kehrt muss bei Gesuchstellern und Gesuchstellerinnen, die keine der 
erwähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer möglichen Emigra-
tion abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das Risi-
ko eines fremdenpolizeilich nicht vorschriftsgemässen Verhaltens nach 
bewilligter  Einreise  zu  einem  Besuchsaufenthalt  hoch  eingeschätzt 
werden.

3.5.2 Bei den Beschwerdeführern 1 und 2 handelt es sich um eine 48-
jährige, verheiratete Frau und deren 19-jährigen, ledigen Sohn. Beide 
sollen gemeinsam mit dem Ehemann bzw. Vater auf einem Bauernhof 
im landwirtschaftlich geprägten Norden Indiens wohnen. Gemäss den 
Angaben  im  Beschwerdeverfahren  befinden  sich  alle  ihre  sozialen 
Kontakte im Heimatland. Allerdings wurde diese Aussage nur bezüg-
lich  der  Schwieger-  bzw.  Grosseltern  konkretisiert.  Zumindest  der 
Gastgeber als naher Verwandter der beiden lebt mit seiner Familie in 
der Schweiz. Zwar ist  davon auszugehen,  dass der zurückbleibende 
Ehemann bzw. Vater für die Beschwerdeführerin 1 und den Beschwer-
deführer 2 einen gewissen sozialen Bezug zur Herkunftsregion schafft. 
Die Erfahrung zeigt aber ganz allgemein, dass zurückbleibende Ange-
hörige gerade in Situationen angespannter wirtschaftlicher Verhältnis-
se  nicht  verlässlich  davon abhalten  können,  den  Entscheid  für  eine 
Emigration zu fällen. Im Gegenteil,  der Entscheid kann dort  von der 
Hoffnung getragen sein, die Angehörigen aus dem Ausland effizienter 
unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. Aufgrund der 
bestehenden Aktenlage kann auf alle Fälle nicht davon ausgegangen 
werden,  dass  familiäre  oder  persönliche  Verpflichtungen  vorhanden 
wären,  welche  die  beiden  Gesuchsteller  nachhaltig  davon  abhalten 
könnten, eine Emigration in die Schweiz ernsthaft in Erwägung zu zie-
hen. 

3.5.3 Grosse Bedeutung kommt deshalb den wirtschaftlichen Verhält-
nissen  zu,  in  denen  sich  die  Gesuchsteller  befinden.  Allerdings  ist 
darüber nur sehr wenig bekannt. Die Beschwerdeführerin 1 hat anläss-

Seite 7

C-5690/2007

lich  der  Antragsstellung unter  der  Formular-Rubrik  „Beruf“  vermerkt, 
sie sei Hausfrau („domestic work“). Folgerichtig nannte sie keinen Ar-
beitgeber. Der Beschwerdeführer 2 vermerkte, er sei in der Landwirt-
schaft tätig. Er nannte ebenfalls keinen Arbeitgeber. Im Beschwerde-
verfahren wird geltend gemacht, der Ehemann bzw. Vater betreibe ei-
nen  sehr  grossen  Landwirtschaftsbetrieb,  welcher  der  Familie  ein 
wohlhabendes Leben ermögliche. Über die Grösse des Betriebs und 
dessen wirtschaftliche Erträge ist indessen nichts bekannt. Irgendwel-
che Belege wurden in  diesem Zusammenhang nicht  ediert. Nachge-
reicht wurden zwei Fotos, welche die Eingangsseite eines zweistöcki-
gen Baus neueren Datums zeigen. Als solche und für sich allein kön-
nen diese Fotos in Bezug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Be-
schwerdeführerin  1  bzw. derjenigen der  Familie  nicht  aussagekräftig 
sein; geltend gemacht wird diesbezüglich nichts. Tatsache ist, dass die 
Gesuchsteller im Norden Indiens in einer Region leben, die gesamthaft 
gesehen  wirtschaftlich  nicht  besonders  entwickelt  ist,  und  in  einer 
Branche tätig sind, die aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen 
als Sorgenkind der indischen Wirtschaft bezeichnet wird. So wird von 
den Beschwerdeführern denn auch vorgebracht, dass das Überleben 
des  Landwirtschaftsbetriebes nur  dank der  tatkräftigen Mitarbeit  der 
beiden Gesuchsteller gesichert sei. Inwiefern sich dies mit einer mehr-
wöchigen Abwesenheit verträgt, bleibt dagegen offen. Jedenfalls kann 
auf der Grundlage der bestehenden Akten nicht davon ausgegangen 
werden,  die  Gesuchsteller  befänden  sich  in  besonders  vorteilhaften 
und stabilen  wirtschaftlichen  Verhältnissen,  die  verlässlich  von einer 
Emigration abzuhalten vermöchten.

3.6 Der Beschwerdeführer 3 hat sich dazu bereit  erklärt,  für die Le-
bensunterhaltskosten seiner Gäste während des geplanten Besuchs-
aufenthaltes  aufzukommen. Weiter  will  er  für  ihre  anstandslose  und 
fristgerechte Ausreise aus der Schweiz garantieren. Die Integrität des 
Beschwerdeführers 3 in seiner Eigenschaft als Gastgeber wird in kei-
ner Art  und Weise in Zweifel  gezogen. Indessen sind bei der Abwä-
gung  des  Risikos  einer  nicht  fristgerechten  Wiederausreise  nicht  so 
sehr die Einstellung oder Absichten des Gastgebers, sondern in erster 
Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst  von Bedeutung. Nur 
Letzterer  ist  in  der  Lage,  hinreichend  Gewähr  für  eine  fristgerechte 
und anstandslose Wiederausreise zu bieten. Der Gastgeber kann zwar 
für gewisse finanzielle Risiken Garantie leisten, nicht aber - mangels 
rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit - für ein bestimmtes Verhal-
ten des Gastes. 

Seite 8

C-5690/2007

3.7 Gestützt auf vorstehende Erwägungen durfte die Vorinstanz davon 
ausgehen,  die  fristgerechte  Wiederausreise  sei  nicht  gewährleistet 
(vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 2 Bst. c aVEA). Daraus folgt, dass 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt. Der rechtser-
hebliche Sachverhalt wurde richtig und vollständig festgestellt und die 
Vorinstanz hat das ihr zustehende Ermessen pflichtgemäss und zutref-
fend ausgeübt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen.

4.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerdefüh-
rern  die  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Die  Verfah-
renskosten  sind  auf  Fr. 600.-  festzusetzen  (Art. 1,  Art. 2  und  Art. 3 
Bst. b des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und 
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]).

Dispositiv S. 10

Seite 9

C-5690/2007

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  den  Beschwerdeführern 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 600.- verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführer (Einschreiben; zwei Fotos im Original retour) 
- die Vorinstanz (Akten 2 234 346 retour)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Andreas Trommer Philipp Mäder

Versand: 

Seite 10