# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 580e93df-0c4f-5940-a2ad-647cd8bf33e9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.04.2024 D-3662/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3662-2023_2024-04-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3662/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richter Thomas Segessenmann, Richter Manuel Borla, 

Gerichtsschreiber Jonas Perrin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

vertreten durch Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, 

(…), 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung  

(sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG);  

Verfügung des SEM vom 26. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

D-3662/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und ethni-

scher Hazara – suchte am 13. Dezember 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. Hierzu reichte er einen griechischen Flüchtlingsausweis, einen gülti-

gen griechischen Reiseausweis, eine Tazkera und eine Bankkarte ein.  

B.  

Am 11. Januar 2023 führte das SEM das persönliche Dublin-Gespräch ge-

mäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO) durch und gewährte dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör zu einer möglichen Überstellung nach Griechenland. 

Anlässlich des Dublin-Gesprächs brachte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen vor, er habe seinen Heimatstaat alleine verlassen, seine Familie 

befinde sich in Afghanistan. Am 16. Juni 2018 sei er in Griechenland ein-

gereist, wo er am 25. Juli 2018 ein Asylgesuch gestellt habe; damals sei er 

noch minderjährig gewesen. Am 24. März 2022 sei ihm Flüchtlingsschutz 

gewährt worden. Am 5. Dezember 2022 beziehungsweise am 6. Dezem-

ber 2022 habe er Griechenland über den Luftweg nach Italien verlassen, 

von wo er direkt mit dem Zug in die Schweiz eingereist sei. 

In Griechenland habe er sechs Monate in einer Flüchtlingsunterkunft ge-

lebt, im Jahr 2020 sei er nach B._______ gebracht worden. Er sei aus der 

Unterkunft ausgeschlossen worden, weil er einmal fünf Stunden zu spät 

zurückgekehrt sei. Er habe ein Dokument unterschreiben müssen, das sei-

nen Ausschluss aus der Unterkunft bestätigt habe. Bereits vor der Schutz-

gewährung sei er obdachlos gewesen, er habe keine bestimmte Adresse 

gehabt. Teilweise habe er bei Bekannten gewohnt, anschliessend habe er 

in Parks oder sonst im Freien übernachtet. Danach sei er nach Thessalo-

niki gegangen, wo er sich bei der Nichtregierungsorganisation (NGO) 

Association for the Social Support of Youth (ARSIS) gemeldet habe. Dort 

sei ihm mitgeteilt worden, dass er gemäss dem unterschriebenen Formular 

seinen Austritt aus der Unterkunft aus freiem Willen kundgetan habe, wes-

halb ARSIS nichts für ihn tun könne. Zwei Monate nach seinem Ausschluss 

aus der Unterkunft seien auch die monatlichen Zahlungen von 150 Euro 

eingestellt worden. Anschliessend habe er sich beim Hellenic Integration 

D-3662/2023 

Seite 3 

Support for Beneficiaries of International Protection (HELIOS) gemeldet, 

wo ihm gesagt worden sei, er könne sich erst im Anschluss an die Schutz-

gewährung registrieren lassen.  

Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, habe er zunächst bei einer Re-

cycling-Unternehmung gearbeitet. Nach zwei Monaten sei er aufgrund sei-

ner Beeinträchtigung am Arm gekündigt worden. Danach habe er auf ei-

nem Bauernhof Arbeit gefunden, wo er Schweine gefüttert habe. Auch dort 

sei er wegen seiner Beeinträchtigung am Arm entlassen worden. An-

schliessend habe er für zweieinhalb Monate in einem Hotel gearbeitet, wo 

er etwa 700 Euro verdient habe. 

Er habe in Iran, wo er sich für ungefähr zwei Jahre aufgehalten habe, eine 

Ausbildung zum Tischler gemacht, in Griechenland habe er einen sechs-

monatigen Sprachkurs absolviert. Trotzdem spreche er nur sehr wenig 

Griechisch. 

Wegen seiner Beeinträchtigung am Arm sei er in Griechenland während 

drei Jahren in Behandlung gewesen, die Termine hätte aber nur unregel-

mässig und mit grösseren Zeitabständen stattgefunden. Auch aufgrund 

seiner psychischen Verfassung sei er in Griechenland drei oder vier Mal 

bei einem Arzt gewesen. 

Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu einem allfälligen 

Nichteintretensentscheid aufgrund seines Flüchtlingsstatus in Griechen-

land und einer allfälligen Überstellung dorthin machte der Beschwerdefüh-

rer geltend, seine Beeinträchtigung am Arm sei der einzige Grund, weshalb 

er nicht nach Griechenland zurückkehren könne. Er habe drei beziehungs-

weise vier Jahre lang versucht, trotz seiner Beeinträchtigung in Griechen-

land seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, was ihm nicht gelungen sei. Die 

Situation sei unerträglich gewesen, weshalb er zweimal versucht habe, 

sich das Leben zu nehmen. 

Mit Blick auf den medizinischen Sachverhalt gab er an, er verliere seine 

Kontrolle und Konzentration, wenn er rede, sein ganzer Körper und sein 

Kopf fingen an zu zittern. Abgesehen von seinem linken Arm sei er körper-

lich jedoch gesund. 

C.  

Am 13. Januar 2023 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-

stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und 

des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und 

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Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-

staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) sowie das Abkommen vom 

28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Re-

gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen 

mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme des 

Beschwerdeführers. 

D.  

Am 14. Januar 2023 stimmten die griechischen Behörden dem Gesuch um 

Rückübernahme zu und teilten dem SEM mit, dem Beschwerdeführer sei 

am 24. März 2022 der Flüchtlingsstatus in Griechenland zuerkannt worden 

und er verfüge über eine bis zum 23. März 2025 gültige Niederlassungs-

bewilligung. 

E.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 30. März 2023 reichte der Be-

schwerdeführer seine medizinische Dokumentation des Bundesasylzent-

rums (BAZ) C._______, einen ärztlichen Kurzbericht des BAZ C._______ 

vom 25. Januar 2023, eine Medikamententabelle des BAZ C._______, ein 

Austrittsblatt des Medic-Help BAZ D._______ vom 12. Januar 2023 und 

einen provisorischen Arztbericht der Universitätsklinik für Plastische- und 

Handchirurgie des (…) Spitals C._______ vom 24. März 2023 zu den Ak-

ten. 

F.  

Mit Entscheid vom 27. April 2023 wies das SEM den Beschwerdeführer 

dem Kanton C._______ zu. 

G.  

Am 21. April 2023 fügte sich der Beschwerdeführer mehrere Schnittverlet-

zungen am Unterarm zu, woraufhin er zur Behandlung in die Notaufnahme 

des Spitals D._______ gebracht wurde. 

H.  

Am 12. Mai 2023 übermittelte das SEM der zugewiesenen Rechtsvertre-

tung des Beschwerdeführers seinen Entscheidentwurf vom 10. Mai 2023 

zur Stellungnahme. 

I.  

Mit Eingabe vom 15. Mai 2023 nahm die zugewiesene Rechtsvertretung 

des Beschwerdeführers Stellung zum Entscheidentwurf des SEM und 

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Seite 5 

reichte ein ärztliches Attest von Dr. med. E._______ vom 10. Mai 2023 zu 

den Akten. 

J.  

Die geplante Entscheideröffnung vom 16. Mai 2023 wurde suspendiert, da 

der Beschwerdeführer gleichentags in das Psychiatriezentrum (…) zwecks 

stationärer Behandlung eingewiesen wurde. 

K.  

Mit Eingabe vom 25. Mai 2023 reichte der Beschwerdeführer einen Be-

handlungsplan des (…) vom 17. Mai 2023 ein. 

L.  

Mit Eingabe vom 16. Juni 2023 reichte der Beschwerdeführer einen ärztli-

chen Bericht des (…) vom 8. Juni 2023 zu den Akten. 

M.  

Mit Verfügung vom 26. Juni 2023 – eröffnet am 27. Juni 2023 – trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug nach Griechenland an und forderte ihn auf, die 

Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. 

N.  

Am 27. Juni 2023 legte die ihm zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat 

nieder. 

O.  

Mit Eingabe vom 29. Juni 2023 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid des 

SEM und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die 

Vorinstanz sei anzuweisen, eine vorläufige Aufnahme zu verfügen. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschiebenden 

Wirkung der Beschwerde und der unentgeltlichen Rechtspflege ein-

schliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvorschusses. 

P.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

30. Juni 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

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Seite 6 

Q.  

Mit Instruktionsverfügung vom 4. Juli 2023 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig forderte sie ihn unter Ansetzung ei-

ner Frist auf, einen ärztlichen Austrittsbericht des (…) einzureichen. 

R.  

Am 7. Juli 2023 reichte der Beschwerdeführer zwei medizinische Austritt-

berichte des (…) datiert auf den 6. Juni 2023 sowie auf den 22. Juni 2023 

zu den Akten. 

S.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2023 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und 

verfügte den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig 

hiess sie das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und forderte 

den Beschwerdeführer unter Ansetzung einer Frist auf, dem Bundesver-

waltungsgericht eine von ihm bestimmte Rechtsvertretung zu benennen. 

T.  

Am 11. Juli 2023 stellte das Schweizerische Rote Kreuz dem Bundesver-

waltungsgericht den Austrittsbericht des (…) vom 22. Juni 2023 zu. 

U.  

Mit Schreiben vom 28. Juli 2023 zeigte Marek Wieruszewski, Solidaritäts-

netz Bern, mittels Einreichung einer Vollmacht sein Mandat an. 

V.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. August 2023 setzte die Instruktionsrichterin 

Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, als amtlichen Rechtsbeistand 

des Beschwerdeführers ein. Gleichzeitig räumte sie der Vorinstanz Gele-

genheit zur Vernehmlassung ein. 

W.  

In seiner Vernehmlassung vom 9. August 2023 hielt das SEM an der an-

gefochtenen Verfügung fest und nahm zu einzelnen Beschwerdevorbrin-

gen Stellung. 

X.  

Mit Instruktionsverfügung vom 11. August 2023 forderte die Instruktions-

richterin den Beschwerdeführer auf, eine Replik und entsprechende Be-

weismittel einzureichen. 

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Seite 7 

Y.  

Mit Eingabe vom 12. September 2023 reichte der Beschwerdeführer einen 

Verlaufsbericht der psychiatrischen Familienpflege (…) der Universitären 

Psychiatrischen (…) vom 8. September 2023 und einen ärztlichen Bericht 

des (…) vom 11. September 2023 zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Der Beschwerdeführer beantragt zwar die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung. Mit seinem materiellen Begehren um vorläufige Aufnahme in 

der Schweiz sowie mit seiner Begründung, eine Rückführung nach Grie-

chenland könnte zu einer erneuten Destabilisierung führen, bezieht er sich 

ausschliesslich auf die Zulässigkeit und die Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit ein-

zig der Vollzug der Wegweisung. Die Dispositivziffern 1 (Nichteintreten auf 

das Asylgesuch) und 2 (Wegweisung) der Verfügung vom 26. Juni 2023 

sind mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen.  

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3.  

3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.2 Die Begründung der Begehren bindet die Beschwerdeinstanz in kei-

nem Fall (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Nach dem Grundsatz der Rechtsanwen-

dung von Amtes wegen ist das Bundesverwaltungsgericht verpflichtet, auf 

den festgestellten Sachverhalt jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als 

den zutreffenden erachtet. Im Rahmen seiner Kognition kann das Gericht 

daher die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Grün-

den gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer 

Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 

2009/61 E. 6.1; 2007/41 E. 2). 

4.  

4.1 Das SEM begründete seinen Entscheid damit, dass die Handverlet-

zung sowie die psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers nicht 

derart gravierend seien, dass die hohe Schwelle der Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs erreicht würde. Auch sei nicht davon auszugehen, 

dass diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine äusserste Vulnera-

bilität im Sinne des Referenzurteils E-3427/2021, E-3431/2021 zu begrün-

den vermöchten, zumal der Vollzug der Wegweisung medizinisch eng be-

treut und begleitet werden könne. Es könne ausgeschlossen werden, dass 

sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr 

nach Griechenland drastisch verschlechtern würde, weshalb keine medizi-

nische Notlage bestehe. Ferner sei festzuhalten, dass in Griechenland für 

Personen mit Schutzstatus der Zugang zu medizinischer Versorgung 

grundsätzlich gewährleistet sei. Den Akten sei zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund der Handverletzung und der psychischen Be-

schwerden bereits medizinische Behandlung in Anspruch genommen 

habe, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass er nach einer 

Rückkehr die begonnene Therapie fortsetzen könne. Ausserdem sei zu er-

warten, dass die Funktionsschienen, welche in der Schweiz angefertigt 

worden seien, die Beschwerden an der linken Hand beziehungsweise am 

Unterarm zu lindern vermöchten und sich die Beweglichkeit der Finger ver-

bessere. 

Auch sein Vorbringen anlässlich der Stellungnahme zum Entscheident-

wurf, wonach er sich bemüht habe, sich in Griechenland sozial und wirt-

schaftlich einzugliedern, er jedoch aufgrund seiner körperlichen Beein-

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Seite 9 

trächtigung jeweils nach kurzer Zeit entlassen worden sei und er auch 

keine Unterstützungsleistungen habe beziehen können, würde nichts an 

der Einschätzung zu ändern vermögen, zumal es ihm gelungen sei, trotz 

seiner gesundheitlichen Einschränkungen genügend Mittel anzusparen, 

um Griechenland auf dem Luftweg zu verlassen. 

Da es sich beim Beschwerdeführer nicht um eine äusserst vulnerable Per-

son handle, dürfte von ihm erwartet werden, sich an die griechischen Be-

hörden zu wenden, um seine Rechte als anerkannter Flüchtling einzufor-

dern. In der Vergangenheit habe er sich jedoch nur einmal an HELIOS ge-

wandt, auch habe er unversucht gelassen, Unterstützung von Kirchen oder 

zivilen Hilfsorganisationen zu erhalten. In der Folge habe er nicht alles ihm 

Zumutbare unternommen, um seine Eingliederung in Griechenland sicher-

zustellen. 

4.2 In seiner Beschwerde erwiderte der Beschwerdeführer, bei einer Rück-

führung nach Griechenland bestehe ein beachtliches Risiko einer erneuten 

Destabilisierung seines psychischen Zustands und somit einer Verletzung 

von Art. 3 EMRK, weshalb ein Wegweisungsvollzug unzulässig erscheine. 

Auch sei den Akten zu entnehmen, dass er keine adäquate Unterstützung 

erhalten habe, obwohl er alles ihm Zumutbare unternommen habe. Seine 

psychischen Beschwerden gekoppelt mit seiner Beeinträchtigung am Arm 

würden zwangsläufig zu seiner sozialen, wirtschaftlichen und gesundheit-

lichen Verwahrlosung führen. 

4.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz an, auch die anlässlich 

der Beschwerde eingereichten medizinischen Berichte vermöchten den 

Beschwerdeführer nicht als äusserst vulnerable Person erscheinen zu las-

sen. Das Bundesverwaltungsgericht gehe in seiner Praxis davon aus, dass 

der Wegweisungsvollzug nach Griechenland von Personen, die an einer 

Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), Depressionen oder Suizi-

dalität leiden würden, als zumutbar erscheine. Dasselbe gelte für den Be-

schwerdeführer, zumal es diesem in Griechenland möglich gewesen sei, 

eine Behandlung seiner körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen 

in Anspruch zu nehmen.  

Die Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers seien nicht derart gravie-

rend, dass ein beachtliches Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK be-

stehe. Ausserdem sei aufgrund gesundheitlicher Beschwerden nur dann 

von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen, wenn 

eine notwendige medizinische Behandlung im Zielstaat nicht zur Verfügung 

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stehe und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein-

trächtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führen 

würde. Entscheidend sei dabei, ob eine zur Gewährleistung einer men-

schenwürdigen Existenz absolut notwendige Behandlung vorhanden und 

verfügbar sei. Vorliegend sei jedenfalls nicht von einer raschen und lebens-

gefährdenden Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwer-

deführers auszugehen, zumal die seine psychischen und physischen Be-

einträchtigungen auch in Griechenland behandelt werden könnten. 

5.  

5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

5.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-

mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der 

Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen 

Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 

Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund 

von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-

scher Notlage konkret gefährdet sind.  

Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der 

Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen 

Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83  

Abs. 2 AIG). 

5.3 Gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG besteht zugunsten sicherer Dritt-

staaten, zu welchen der EU-Staat Griechenland gehört, die Vermutung, 

dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im Wesentli-

chen das Refoulement-Verbot und grundlegende menschenrechtliche Ga-

rantien, einhalten (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-4040/2021 vom  

7. Oktober 2021 E. 9.3). Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die 

Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der 

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Seite 11 

Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen Person, diese beiden Legal-

vermutungen umzustossen (vgl. Referenzurteil des BVGer D-559/2020 

vom 13. Februar 2020 E. 8.1). 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Referenzurteil 

E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation 

in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-

chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-

land für Personen, die dort einen internationalen Schutzstatus erhalten ha-

ben, grundsätzlich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation 

aus, in der jeder in Griechenland schutzberechtigten Person eine un-

menschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne einer drohenden 

Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Trotz existierender Schwach-

stellen kann nicht von einem dysfunktionalen Aufnahmesystem gespro-

chen werden. Gewisse Angebote existieren in Griechenland, die auch für 

Schutzberechtigte offenstehen, wenn auch die Kapazitäten kaum ausrei-

chend sein dürften und Infrastrukturhilfen und Angebote bisher vor allem 

von internationalen Akteuren, zuvorderst der EU, dem Hohen Flüchtlings-

kommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) und der In-

ternationalen Organisation für Migration (IOM) abhängen, die – in Zusam-

menarbeit mit der lokalen Zivilgesellschaft – Leistungen erbringen und fi-

nanzieren. Trotz dieser schwierigen Verhältnisse geht das Bundesverwal-

tungsgericht davon aus, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in 

der Lage sind, ihre existenziellen Bedürfnisse abzudecken. Auch ist davon 

auszugehen, dass Rückkehrenden keine menschenunwürdige Behand-

lung droht, weshalb für sie kein «real risk» einer völkerrechtswidrigen Be-

handlung besteht.  

6.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine 

Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (Re-

ferenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.3). Die Legalvermutung der 

Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt im Fall Griechenlands 

grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel Schwangere 

oder Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als 

schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. Referenzurteil 

E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5.1). Es obliegt grundsätzlich der be-

troffenen Person, diese Legalvermutung umzustossen. Dazu hat sie ernst-

hafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden im konkreten 

Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren 

oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden 

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Seite 12 

respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von individuellen Umstän-

den sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle 

Notlage geraten würde (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 

E. 11.4). 

6.3 Gleichzeitig hielt das Gericht fest, dass die Legalvermutung der Zumut-

barkeit des Vollzuges der Wegweisung bei Personen mit Schutzstatus, wel-

che aufgrund ihrer besonders hohen Verletzlichkeit im Falle einer Rückkehr 

nach Griechenland Gefahr laufen, dauerhaft in eine schwere Notlage zu 

geraten, weil sie nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft die ihnen zu-

stehenden Rechte vor Ort einzufordern, nicht aufrechterhalten werden 

kann. Das Gericht erachtet den Vollzug der Wegweisung von äusserst vul-

nerablen schutzberechtigten Personen, wie zum Beispiel unbegleiteten 

Minderjährigen oder Personen, deren psychische oder physische Gesund-

heit in besonders schwerwiegender Weise beeinträchtigt ist, grundsätzlich 

als unzumutbar, ausser es bestehen im Einzelfall besonders begünsti-

gende Umstände, aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit 

des Vollzugs der Wegweisung ausgegangen werden kann. Solche beson-

ders begünstigenden Umstände sind namentlich dann gegeben, wenn da-

von auszugehen ist, dass die äusserst vulnerablen Rückkehrenden Zu-

gang zu einer angemessenen Unterkunft, Grundversorgung, benötigten 

Gesundheitsleistungen und Hilfe zur sozialen sowie wirtschaftlichen In-

tegration haben werden. Die Vorinstanz ist gehalten, in Fällen, in denen die 

Gesuchstellenden zum genannten Personenkreis der äusserst Verletzli-

chen gehören, vertiefte Abklärungen vorzunehmen. Sind keine besonders 

begünstigenden Faktoren gegeben, so ist der Vollzug der Wegweisung von 

äusserst verletzlichen Personen als unzumutbar zu bezeichnen (vgl. Refe-

renzurteil E - 3427/2021, E - 3431/2021 E. 11.5.3).  

6.4 Im Lichte dieser Rechtsprechung ist vorliegend entscheidend, ob der 

Beschwerdeführer ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorgebracht hat, dass er 

aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder ge-

sundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde, aus der er 

sich alleine nicht behelfen könnte und er deshalb als äussert verletzlich zu 

bezeichnen ist, oder ob es möglich erscheint, dass er in Griechenland 

seine Rechte aus eigener Kraft einfordern wird können. Im ersten Fall wäre 

die Vorinstanz gehalten gewesen, vertiefte Abklärungen mit Blick auf das 

Bestehen besonders begünstigender Umstände vorzunehmen (vgl. Urteile 

des BVGer D-4560/2021 vom 1. Juli 2022 E. 4.4 und D-4562/2021 vom 

18. Oktober 2022 E. 5.5). 

D-3662/2023 

Seite 13 

6.5  

6.5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen einerseits tatsächlich zu hören, sorgfältig zu prüfen 

und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen – was ge-

wissermassen das Kernstück des rechtlichen Gehörs ausmacht (vgl. 

WALDMANN/BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 32 

Rz. 18; BGE 123 I 31 E. 2c) – und andererseits der gesuchstellenden Per-

son gegenüber im Rahmen einer Verfügung mitzuteilen, wieso der Ent-

scheid so und nicht anders ausgefallen ist, beziehungsweise warum ihren 

Anträgen nicht stattgegeben wird. Demgegenüber ist nicht erforderlich, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2).  

6.5.2 Gleichzeitig gilt im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsver-

fahren – der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG), 

gemäss dem die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus 

abklärt, was heisst, dass sie verantwortlich für die Beschaffung der für den 

Entscheid notwendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsre-

levanter Tatsachen ist (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KOPF/EMMEN-

EGGER/BABEY, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 

2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Das bedeutet, dass die Sachverhalts-

feststellung unvollständig ist, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, a.a.O., Rz. 1043).  

6.5.3 Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwir-

kungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG), wozu insbe-

sondere gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspa-

piere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken. In 

Drittstaatenfällen – wie dem vorliegenden – ist zusätzlich die Widerlegung 

der Legalvermutung der Sicherheit des Drittstaats erforderlich, so dass es 

dem Beschwerdeführer obliegt, ernsthafte Anhaltspunkte für eine ihm dro-

hende Gefahr der unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung vor-

zubringen. 

D-3662/2023 

Seite 14 

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Funktionalität der 

linken Hand des Beschwerdeführers stark beeinträchtigt ist. Er leidet an 

einer linksseitigen Fallhand (keine oder stark beschränkte Dorsalextension 

der Finger) bei Verdacht auf eine Läsion des Radialisnervs; es wurde eine 

Amputation des distalen Fingerknochens (Endphalanx) des Mittelfingers 

(Dig. III) infolge eines Arbeitsunfalls festgestellt. In Flexionsstellung ist 

keine Extension der Finger möglich, bei passiver Extension der Finger-

grundgelenke kann der Beschwerdeführer die Finger nur ganz wenig be-

wegen. Zur Behandlung wurde eine Funktionsschiene angepasst, mittels 

welcher eine leichte aktive Extension der Finger möglich ist; zusätzlich ist 

eine Schiene geplant, welche das Ergreifen von Gegenständen ermögli-

chen soll. Ferner weist der Beschwerdeführer selbst zugefügte Schnittver-

letzungen auf dem Vorderarm auf (vgl. SEM-eAkte […] -18/13, provisori-

scher Arztbericht der Universitätsklinik für Plastische- und Handchirurgie 

des Inselspitals C._______ vom 24. März 2023).  

Mit Blick auf seine psychischen Beschwerden ist festzuhalten, dass der 

Beschwerdeführer aufgrund der von ihm als ausweglos empfundenen Si-

tuation bereits in Griechenland zwei Suizidversuche verübte (vgl. SEM-e-

Akte […] -12/5 S. 4). In der Schweiz wurde er am 21. April 2023 nach einer 

Selbstverletzung am Arm und wegen Suizidgedanken hospitalisiert 

(vgl. SEM-eAkte […] -22/1). Während seines stationären Aufenthalts in der 

Psychiatrie vom 16. Mai 2023 bis zum 2. Juni 2023 wurde ihm eine akute 

Suizidalität im Rahmen einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: 

F32.1) und eine PTBS (ICD-10: F43.1) diagnostiziert; behandelt wurde er 

zunächst mit Escitalopram (selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer 

[SSRI]). Da eine Verbesserung der Suizidalität ausblieb, wurde auf Saroten 

(trizyklisches Antidepressiva) umgestellt, zur Behandlung seiner starken 

Angespanntheit und Schlafstörungen wurden Sequase (Quetiapin, atypi-

sches Neurolektikum) und Temesta (Benzodiazepin) verschrieben; ausser-

dem wurden ihm Maltofer (Eisenpräparat) sowie Redormin (Baldrian) ver-

abreicht. Während des stationären Aufenthalts im (…) fügte sich der Be-

schwerdeführer mehrere Selbstverletzungen zu. Zweimal kletterte er auf 

das Dach der Station, woraufhin die Polizei und die Feuerwehr gerufen 

werden musste. Er wehrte sich gegen den Einsatz der Polizei und schlug 

sich den Kopf gegen eine Wand. Aufgrund dieser Episoden wurde eine 

Eins-zu-eins-Betreuung in einem Intensivbehandlungszimmer mit Fixation 

und Zwangsmedikation verordnet. Da er sich rasch von fremdgefährden-

dem Verhalten und Suizidabsichten distanzierte, konnte das Setting gelo-

ckert werden und er wurde in die Kollektivunterkunft F._______ entlassen 

D-3662/2023 

Seite 15 

(vgl. Austrittsbericht des […] vom 6. Juni 2023; Behandlungsplan des […] 

vom 17. Mai 2023).  

Nach einem weiteren Suizidversuch mit Medikamenten wurde der Be-

schwerdeführer vom 6. Juni 2023 bis zum 22. Juni 2023 erneut stationär 

psychiatrisch behandelt. Dabei wurde ihm nebst einer akuten Suizidalität 

im Rahmen einer leichtgradigen beziehungsweise mittelgradigen depres-

siven Episode zusätzlich eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung 

(Borderline) (ICD-10: F60.31 diagnostiziert. Anlässlich des Aufnahmege-

sprächs gab er an, fremde Stimmen zu hören, welche ihn zur Fremd-

gefährdung aufforderten. Im Lauf der Behandlung musste die Polizei auf-

geboten und der Beschwerdeführer fixiert und mit Clopixol (Dopamin- und 

Serotonin-Rezeptor-Antagonist) sowie Valium (Benzodiazepin) zwangs-

mediziert werden. Am dritten Tag der Behandlung verbesserte sich sein 

Zustand, er verletzte sich jedoch noch zweimal selbst (oberflächliches 

Schneiden). Beim Austritt bestanden laut den ärztlichen Berichten keine 

Hinweise mehr auf eine akute Selbst- beziehungsweise Fremdgefährdung, 

aufgrund seiner psychischen Instabilität wurde jedoch eine Sonderunter-

bringung empfohlen (vgl. Austrittsbericht des […] vom 22. Juni 2023; Arzt-

bericht des […] vom 8. Juni 2023). 

Seit dem 13. Juli 2023 ist der Beschwerdeführer im Rahmen der psychiat-

rischen Familienpflege (…) der (…) in einer Gastfamilie platziert. Inzwi-

schen habe eine unterstützende Beziehung seitens der Gastfamilie aufge-

baut werden können; der Beschwerdeführer sei sehr dankbar, dort unter-

gebracht zu sein. Die Gastfamilie nehme ihn jedoch weiterhin als psychisch 

instabil wahr (vgl. Verlaufsbericht […] vom 8. September 2023). Inzwischen 

haben regelmässige psychotherapeutische Gespräche bei Dr. med. 

G._______ begleitet von einer psychiatrisch-medikamentösen Behandlung 

stattgefunden. Die Platzierung in einer Gastfamilie habe insgesamt zu ei-

ner Stabilisierung des Zustands des Beschwerdeführers geführt (vgl. ärzt-

licher Bericht von Dr. med. G._______ vom 11. September 2023).  

7.2 Das SEM erachtet die Vorbringen zum Gesundheitszustand des Be-

schwerdeführers als zu wenig gravierend und beachtlich; die Schwelle für 

eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK sei nicht erreicht, auch bei psy-

chischen Beschwerden erachte das Bundesverwaltungsgericht die Rück-

führung nach Griechenland als zulässig. Zudem sei der Beschwerdeführer 

auch in Griechenland bereits in ärztlicher Behandlung gewesen. 

D-3662/2023 

Seite 16 

Nach Auffassung des Gerichts greift diese Argumentation im vorliegenden 

Fall zu kurz. Die vorliegenden Arztberichte zeigen auf, dass der Beschwer-

deführer nicht nur physisch in erheblichem Mass beeinträchtigt ist – jeden-

falls in Hinblick auf eine handwerkliche oder manuelle Tätigkeit – sondern 

er auch psychisch äusserst labil ist. Entscheidend dürfte es in diesem Zu-

sammenhang deshalb sein, ob es dem Beschwerdeführer aufgrund des 

Risikos erneuter schwerer psychischer Episoden möglich und zumutbar er-

scheint, längerfristig aus eigener Kraft seinen Lebensunterhalt zu bestrei-

ten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass seine Beeinträchtigung an der lin-

ken Hand eine erhebliche Benachteiligung in Bezug auf die Ausübung ei-

ner Erwerbstätigkeit darstellen dürfte, zumal er ein gelernter Tischler ist. In 

Bezug auf seinen psychischen Gesundheitszustand ist zu beachten, dass 

eine Überstellung nach Griechenland den Beschwerdeführer, der sich nach 

zweimaligen Aufenthalten in der Psychiatrie inzwischen in einem geschütz-

ten Setting (Gastfamilie) zumindest einigermassen stabilisieren konnte, 

aus diesem für ihn günstigen und heilsamen Setting herausreissen würde 

und er jedenfalls gemäss dem ärztlich dokumentierten Zustand eines 

neuen Settings sowie einer engmaschigen Betreuung bedürfte, um eine 

drastische Verschlechterung und das Risiko erneuter schwerer psychi-

scher Episoden vorzubeugen. Es ist fraglich, ob er in Griechenland Zugang 

zu der für ihn nötigen intensiven Behandlung erhalten könnte, was in Hin-

blick auf die nicht nur vorgebrachte (in Bezug auf Griechenland, vgl. SEM-

Akten A12 S. 4) sondern auch dokumentierte (in Bezug auf die Schweiz, 

SEM-Akten A22, A26, A28; Beschwerdeakten Ziff. 4, Ziff. 6) Suizidalität des 

Beschwerdeführers elementar erscheint.  

7.3 Auch die von der Vorinstanz getroffene Feststellung, der Beschwerde-

führer habe sich um den Erhalt der ihm zustehenden Leistungen und Un-

terstützung durch den Staat beziehungsweise durch Nichtregierungsorga-

nisationen nicht genügend bemüht, kann vor diesem Hintergrund – auch 

angesichts seines damals noch jungen Alters – nicht vorbehaltlos gestützt 

werden. Tatsächlich scheint es nachvollziehbar, dass ein junger, psychisch 

stark belasteter Mensch, der wegen eines Handicaps im Zugang zum Ar-

beitsmarkt stark eingeschränkt ist, den harten Lebensbedingungen für an-

erkannt Schutzberechtigte in Griechenland nicht gewachsen sein könnte 

und von ihm deshalb nicht ohne Weiteres erwartet werden kann, dass er 

aus eigener Kraft eine Grundlage für ein menschenwürdiges Dasein für 

sich schaffen wird können. Gemäss eigenen Aussagen hat der Beschwer-

deführer auch in Griechenland jeweils nur kurze Arbeitseinsätze leisten 

können, teilweise ohne Bewilligung (vgl. SEM-Akten A12, Arbeit, S. 3). 

Schliesslich ist der Umstand einzubeziehen, dass der Beschwerdeführer 

D-3662/2023 

Seite 17 

offenbar zwar ein wenig Englisch kann (vgl. SEM-eAkten […] -26/5 und […] 

-18/13), aber gemäss eigenen Angaben nur über sehr schlechte 

Griechischkenntnisse verfügt, was sich ebenfalls nachteilig auf seine Mög-

lichkeiten, seine Rechte einzufordern, auswirken könnte. 

7.4 In Würdigung aller Sachverhaltsaspekte und der Beschwerdevorbrin-

gen ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer an erheblichen psychi-

schen Beschwerden mit damit verbundenen wiederkehrenden starken Epi-

soden und Suizidalität leidet, weshalb er auf eine engmaschige psychiatri-

sche und medikamentöse Behandlung sowie Betreuung angewiesen ist. 

Bei fehlendem beziehungsweise unpassendem Setting hat sich der Be-

schwerdeführer wiederholt fremd- und selbstgefährdend gezeigt. Mit Blick 

auf seine körperliche Beeinträchtigung an der linken Hand ist zunächst 

festzustellen, dass diese aufgrund der ihm verordneten Funktionsschienen 

etwas gelindert werden konnte. Dennoch ist nach wie vor nicht davon aus-

zugehen, dass er in Zukunft in der Lage sein wird, eine körperliche bezie-

hungsweise manuelle Arbeitstätigkeit, insbesondere nicht in seinem Beruf 

als Tischler, aufzunehmen. Aufgrund der Kombination der erheblichen psy-

chischen Beschwerden mit der körperlichen Beeinträchtigung (vgl. auch 

Urteile des BVGer D-2916/2023 vom 25. August 2023 E. 8.5.2, 

D-2810/2023 vom 30. August 2023 E. 5.5.1) liegen ernsthafte Anhalts-

punkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach 

Griechenland nicht befähigt sein könnte, seine ihm zustehenden Rechte 

aus eigener Kraft einzufordern, weshalb er als äusserst vulnerabel im 

Sinne des Referenzurteils E-3427/2021, E-3431/2021 bezeichnet werden 

muss. Die Vorinstanz ist deshalb gehalten, vertiefte Abklärungen bezüglich 

des Vorliegens besonders begünstigender Umstände vorzunehmen, da 

der rechtserhebliche Sachverhalt aufgrund der festgestellten Vulnerabilität 

des Beschwerdeführers im Hinblick auf das Bestehen besonders begüns-

tigender Umstände bisher nur unvollständig festgestellt wurde. Im Rahmen 

dieser Überprüfung ist im Sinne der obenstehenden Erwägung besonderes 

Augenmerk darauf zu legen, ob der Beschwerdeführer in Griechenland Zu-

gang zu einer angemessenen Unterkunft, Grundversorgung, benötigten 

Gesundheitsleistungen und Hilfe zur sozialen sowie wirtschaftlichen In-

tegration haben wird. 

8.   

Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanzli-

chen Verfügungen im Wegweisungsvollzugpunkt beantragt wird, und die 

Sache ist zur Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur neuen 

D-3662/2023 

Seite 18 

Entscheidung im Sinne der Erwägungen an das SEM zurückzuweisen. Die 

weiteren Beschwerdevorbringen sind somit nicht weiter zu prüfen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Partei-

kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Die vom Bundesverwaltungsgericht auszurichtende Partei-

entschädigung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen und un-

ter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren demnach 

von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 100.– festgelegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird in den Dispositivziffern 3 und 4 aufgeho-

ben und die Sache wird zur Abklärung des Sachverhalts sowie zur Neube-

urteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung in der Höhe von Fr. 100.– auszurichten 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Susanne Bolz-Reimann Jonas Perrin 

 

 

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