# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 43daf59d-0341-5a8c-9b8c-30e50c1caffa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-07-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.07.2014 D-3219/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3219-2014_2014-07-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-3219/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  J u l i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Einzelrichter Hans Schürch, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Gian Ege,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung; 

Verfügung des BFM vom 22. Mai 2014 / N (…). 

 

 

D-3219/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess als Minderjähriger sein Heimatland Ende 

2007/anfangs 2008, reiste (…) und von dort aus (…), wo er ungefähr Mit-

te August 2008 ein Asylgesuch einreichte. Nach dessen Ablehnung begab 

er sich im Zug nach B._______ und von dort aus in Richtung C._______. 

Am 14. November 2010 reiste er unter Umgehung der Grenzkontrollen zu 

seinen Eltern in die Schweiz. Am folgenden Tag stellte er in Begleitung 

seines Vaters ein Asylgesuch. Am 24. November 2010 fand in D._______ 

die summarische Befragung zur Person statt, und mit Verfügung vom 

6. Dezember 2010 wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kan-

ton E._______, wo sich seine Eltern aufhalten, zugewiesen. Am 

5. Februar 2014 führte das BFM die Anhörung zu den Asylgründen durch. 

Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei afghani-

scher Staatsangehöriger, ethnischer Tadschike und habe seit seiner Ge-

burt bis zur Ausreise aus dem Heimatland in F._______ gelebt. Vor sie-

ben oder acht Jahren habe er Probleme bekommen. Eines Tages sei er 

auf dem Weg zur Arbeit von unbekannten Personen entführt und in einem 

Raum, in welchem sich auch zwei seiner Freunde befunden hätten, fest-

gehalten worden. Später seien sie von den Entführern mit insgesamt vier 

oder fünf Fahrzeugen vom Entführungsort weggefahren worden. Man sei 

während der Nacht gefahren und habe am Tag eine Pause eingelegt. 

Nach einiger Zeit seien sie in Lastwagen versteckt weitergereist, bis sie 

(…) angekommen seien.  

Gestützt auf die vom BFM in Auftrag gegebene Lingua-Analyse ist von 

der vom Beschwerdeführer angegebenen afghanischen Herkunft auszu-

gehen.  

Das BFM ging davon aus, dass der Beschwerdeführer bereits im Zeit-

punkt der Einreichung seines Asylgesuches volljährig war. 

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine 

Taskara, zwei niederländische Ausweise und die Kopie einer Kreditkarte 

zu den Akten.  

B.  

Das BFM stellte mit Verfügung vom 22. Mai 2014 – eröffnet am folgenden 

Tag – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung 

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aus der Schweiz und deren Vollzug an. Zur Begründung wurde ausge-

führt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an 

die Glaubhaftigkeit nicht genügten. Insbesondere habe er den Grund der 

Entführung gänzlich unterschiedlich angegeben. Zudem habe er sich hin-

sichtlich der Dauer der Festhaltung widersprochen. Auch die Entführung 

an sich und die Namen der beiden Freunde, welche mit ihm festgehalten 

worden seien, habe der Beschwerdeführer gänzlich unterschiedlich dar-

gestellt. Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als zuläs-

sig, zumutbar und möglich. Insbesondere sei eine Rückkehr des Be-

schwerdeführers nach F._______ gestützt auf die geltende Praxis nicht 

generell unzumutbar. In seinem Fall würden ein jüngerer Bruder und eine 

Schwester bei der Tante in F._______ leben. Ausserdem habe er eine 

weitere Tante und zahlreiche Onkel in der Stadt F._______. Es sei des-

halb davon auszugehen, dass er bei seiner Rückkehr über ein tragfähiges 

soziales Beziehungsnetz, das ihn unterstützen könne, und eine gesicher-

te Wohnsituation verfüge. Ferner könne er von den in der Schweiz leben-

den Verwandten (Eltern und Geschwister) finanziell unterstützt werden. 

Angesichts dessen, dass der junge und gesunde Beschwerdeführer sein 

bis zur Ausreise gelebtes Leben gänzlich in F._______ verbracht und dort 

in einem (…) gearbeitet habe, sei es ihm zuzumuten, sich beruflich wie-

der in dieser Stadt zu reintegrieren.  

C.  

Mit Beschwerde vom 11. Juni 2014 an das Bundesverwaltungsgericht be-

antragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der Dispositivpunkte 4 und 

5 der angefochtenen Verfügung und die Gewährung der vorläufigen Auf-

nahme infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Gewährung der vollständigen 

unentgeltlichen Rechtspflege und um Erlass des Kostenvorschusses. Zur 

Begründung wirdgeltend gemacht, dass die gemäss geltender Praxis er-

forderliche Prüfung individueller Wegweisungshindernisse nicht sorgfältig 

genug erfolgt sei. Das BFM habe einseitig nach Gründen gesucht, die für 

eine Rückkehr des Beschwerdeführers ins Heimatland sprächen, wäh-

rend keine nachvollziehbare Abwägung mit den dagegen sprechenden 

Gründen stattgefunden habe. Hinsichtlich der im Heimatland verbliebe-

nen Verwandten sei das BFM in völliger Unklarheit deren tatsächlichen 

Wohn- und Lebenssituation vom Bestehen eines familiären Beziehungs-

netzes und einer gesicherten Wohnsituation ausgegangen, obwohl der 

Beschwerdeführer seit seiner Ausreise vor acht Jahren keinen Kontakt 

mehr zu seinen Verwandten im Heimatland gehabt habe. Unter diesen 

Umständen könne nicht davon ausgegangen werden, dass diese etwas 

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zur Abwendung einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers bei-

tragen könnten. Da sich die Kernfamilie des Beschwerdeführers in der 

Schweiz und nicht im Heimatland befinde, fehle das familiäre Bindeglied 

zu Tanten und Onkeln. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass er als volljäh-

riger junger Mann, der aus der reichen Schweiz zurückkehre, seinem 

Schicksal überlassen werde und mit einer Entführung rechnen müsse, da 

Leute mit Verbindungen in den Westen beliebte Entführungsopfer seien, 

zumal man in diesen Fällen meine, man könne grosse Geldsummen er-

pressen. Die in direktem Kontakt mit ihren Angehörigen im Heimatland 

stehenden Eltern des Beschwerdeführers hätten zudem ausgesagt, dass 

ihre Verwandten in ärmlichen Verhältnissen lebten und den Beschwerde-

führer bei seiner Rückkehr nicht unterstützen könnten. Ferner seien die in 

der Schweiz lebenden Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers 

fürsorgeabhängig und könnten somit den Beschwerdeführer nicht finan-

ziell unterstützen. Auch die Angabe des BFM, der Beschwerdeführer ver-

füge in F._______ über ein dichtes Netz von Freunden und Bekannten, 

sei realitätsfremd, da er sich dort seit acht Jahren nicht mehr aufgehalten 

und sein damals bestehendes soziales Umfeld als Jugendlicher verlassen 

habe. Der Beschwerdeführer habe zudem als 12-jähriges Kind unqualifi-

zierte Arbeiten verrichtet und kein Handwerk gelernt. Mit Blick auf den 

ohnehin schwierigen Arbeitsmarkt in Afghanistan eröffne ihm diese Erfah-

rung keine beruflichen Chancen. Zudem habe er in F._______ keine 

Schulbildung genossen. Die Schulbildung sei indessen das Hauptkriteri-

um, auf welches das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis stütze, um 

von einer beruflichen Integrationsmöglichkeit im Heimatland auszugehen. 

Ausserdem habe sich der Beschwerdeführer in der Schweiz gut integriert 

und sei hier verwurzelt, zumal er in diesem Land einen wichtigen Teil sei-

ner Sozialisation durchlebt habe. Er spreche gut deutsch, habe im Berufs-

leben Fuss gefasst und arbeite als (…). Insbesondere habe er die prä-

genden Jugendjahre in der Schweiz verbracht. Schliesslich sei darauf 

hinzuweisen, dass die Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers 

eine vorläufige Aufnahme bekommen hätten, weil die Zumutbarkeit deren 

Wegweisungsvollzugs nicht habe bejaht werden können. Mit Hinweis auf 

das Gebot der rechtsgleichen Behandlung sei die Situation eines weite-

ren Familienmitglieds – des Beschwerdeführers – nicht unterschiedlich zu 

bewerten.  

 

Der Beschwerde lagen Kopien der angefochtenen Verfügung, eine Voll-

macht und eine Honorarrechnung bei.  

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Seite 5 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2014 teilte der zuständige In-

struktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts dem Beschwerdeführer 

mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das 

Gesuch um Gewährung der vollständigen unentgeltlichen Rechtspflege 

wurde abgewiesen und der Beschwerdeführer aufgefordert, innert Frist 

einen Kostenvorschuss zu leisten, verbunden mit der Androhung, im Un-

terlassungsfall werde auf die Beschwerde nicht eingetreten.     

E.  

Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-

nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-

führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig 

entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

In der Rechtsmitteleingabe wird nicht angefochten, dass die Flüchtlings-

eigenschaft verneint und demzufolge das Asyl nicht gewährt worden ist. 

Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den Vollzug der Weg-

weisung, mithin gegen die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochte-

nen Verfügung. Es ist deshalb zu prüfen, ob die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht angeordnet hat. 

 

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

Familie (Art. 44 AsylG). 

5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie 

bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei-

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sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar-

auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat  ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat  dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho-

fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folteraus-

schusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real 

risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-

schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-

teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam-

mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer in-

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dessen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im 

Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt kla-

rerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der 

Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-

rechtlichen Bestimmungen zulässig. 

6.4  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-

fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

6.4.1 Gemäss der aktuellen und nach wie vor zutreffenden Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts ergibt eine Analyse der Lage in 

Afghanistan ein düsteres Bild. Experten sind sich einig, dass in diesem 

Land nach wie vor kriegerische Zustände herrschen (vgl. BVGE 2011/7 

E. 9.7.4). Aber auch hinsichtlich der humanitären Situation muss von ei-

nem der ärmsten Länder ausgegangen werden, wobei erhebliche Unter-

schiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten ausgemacht wur-

den (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.8). Auf diese an und für sich gefährliche Situ-

ation weisen auch neueste Berichte hin, welche zusammenfassen, dass 

die afghanische Regierung ihren Bürgern weder Sicherheit noch effiziente 

Regierungsinstitutionen, Rechtsstaatlichkeit, soziale Basisdienstleistun-

gen und Schutz vor Menschenrechtsverletzungen bieten könne (vgl. CO-

RINNE TROXLER GULZAR, Afghnistan Update, Die aktuelle Sicherheitslage, 

Hrsg. SFH [Schweizerische Flüchtlingshilfe], Bern 2013, S. 1). 

Angesichts des Umstandes, dass sich in F._______ die Sicherheitslage 

nicht dermassen schlecht zeigt wie in anderen Gebieten und die humani-

täre Situation im Vergleich weniger dramatisch ist, ist der Vollzug der 

Wegweisung dorthin grundsätzlich als zumutbar zu erachten (vgl. BVGE 

2011/38 E. 4.3.3). Es gilt indes zu beachten, dass bezogen auf den Ein-

zelfall begünstigende Umstände vorzuliegen haben. So muss für die 

Rückkehr eines jungen und gesunden Mannes ein tragfähiges soziales 

Netz vorhanden sein, das ihn bei der Heimkehr unterstützen könnte (vgl. 

BVGE 2011/7 E. 9.9.2) 

6.4.2 Vorliegend ergeben sich aus den Akten keine individuellen Umstän-

de, welche es rechtfertigen würden, den Vollzug der Wegweisung des 

Beschwerdeführers als unzumutbar zu qualifizieren. Vorab ist in diesem 

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Zusammenhang festzuhalten, dass das BFM – entgegen der Darstellung 

in der Beschwerdeschrift – nicht einseitig Gründe für die Bejahung des 

Vollzugs der Wegweisung aufgeführt hat. Vielmehr hat es die gestützt auf 

die Praxis entwickelten Kriterien, anhand derer die Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs nach F._______ zu beurteilen ist, gestützt auf die 

bestehenden Akten geprüft und ist insgesamt zum Schluss gekommen, 

dass der Vollzug im Fall des Beschwerdeführers zu bejahen ist, weil kei-

ne Gründe dagegen sprechen. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst 

sich diesen Erwägungen der Vorinstanz vollumfänglich an. Gestützt auf 

die Aktenlage ist der Beschwerdeführer jung, gesund und ungebunden. 

Zudem verfügt er in F._______ gemäss eigenen Aussagen über ein um-

fangreiches und tragfähiges familiäres Beziehungsnetz (zwei Tanten und 

zehn Onkel, eine inzwischen 23-jährige Schwester und einen inzwischen 

zehnjährigen Bruder), woraus geschlossen werden kann, dass er auf die 

Unterstützung sowohl hinsichtlich der Existenzsicherung als auch der 

Wohnsituation zählen kann, auch wenn ein Teil seiner Kernfamilie, seine 

Eltern und weitere Geschwister, in der Schweiz leben und er seit mehre-

ren Jahren nicht mehr in Afghanistan war. Entgegen der in der Beschwer-

de vertretenen Ansicht ist nicht davon auszugehen, dass er von sämtli-

chen Verwandten im Heimatland als junger erwachsener Mann seinem 

Schicksal überlassen sein wird und folglich als Rückkehrer aus der 

Schweiz mit einer Entführung zwecks Erpressung von Geld zu rechnen 

hat, zumal den Akten keine entsprechenden konkreten Hinweise, gestützt 

auf welche dieser Schluss naheliegend wäre, entnommen werden kön-

nen. Allein aufgrund der Rückkehr aus der "reichen" Schweiz ist nicht auf 

eine Entführung zu schliessen. Darüber hinaus sollen die Eltern des Be-

schwerdeführers – gemäss der Darstellung in der Beschwerdeschrift – 

mit ihren Verwandten im Heimatland in Kontakt stehen, so dass die 

Rückkehr des Beschwerdeführers zu seinen Verwandten entsprechend 

vorbereitet werden kann. An dieser Einschätzung vermag das in der Be-

schwerde vertretene Argument, die Verwandten würden aus ärmlichen 

Verhältnissen stammen und könnten ihn nicht unterstützen, nicht zu 

überzeugen, da angesichts der grossen Anzahl der Verwandten und des 

allgemein bekannten innerfamiliären Zusammenhalts in Afghanistan 

selbst in diesem Fall mit einer – wenn auch marginalen – Unterstützung 

und der Gewährung eines Daches über dem Kopf gerechnet werden 

kann. Ausserdem ist die Armut der Verwandten weder aufgrund der Akten 

anzunehmen noch ist sie belegt. Immerhin ist in diesem Zusammenhang 

auch festzustellen, dass zwei Geschwister des Beschwerdeführers von 

diesen Verwandten aufgenommen und für sie während mehrerer Jahre 

gesorgt wurde, was die Annahme des Bestehens einer solidarischen Un-

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terstützung durch die Verwandten im Heimatland untermauert. Gestützt 

auf diese Erwägungen ist deshalb der Schluss zu ziehen, dass im Fall 

des Beschwerdeführers trotz gegenteiliger Argumentation im Beschwer-

deverfahren mit der Unterstützung durch die im Heimatland lebenden 

Verwandten gerechnet werden kann, auch wenn der Beschwerdeführer 

selber seit mehreren Jahren keinen persönlichen Kontakt zu diesen Ver-

wandten gehabt haben will. Der Beschwerdeführer will zwar gemäss sei-

nen Aussagen im Heimatland mangels Interesse keine Schule besucht 

und keine Berufslehre absolviert haben; dennoch ist es ihm – angesichts 

des bestehenden grossen familiären Beziehungsnetzes und der gestützt 

darauf zu erwartenden Unterstützung – zuzumuten, sich im Heimatland 

um eine berufliche Integration zu bemühen. Immerhin verfügt er über ver-

schiedene Sprachkenntnisse, die er sich in Europa angeeignet habe, hat 

die lateinische Schrift gelernt und gewisse Erfahrungen im Berufsleben 

(im Heimatland in einem […] und in der Schweiz als […]) vorzuweisen. 

Ausserdem ist er noch jung, weshalb es ihm zuzumuten ist, sich um die in 

der frühen Jugend verpasste Bildung nachträglich zu bemühen und/oder 

sich im Heimatland auf die Suche nach Arbeit zu machen. Die allgemein 

unbefriedigende Situation auf dem Arbeitsmarkt in Afghanistan vermag 

dieser Einschätzung nichts entgegenzuhalten, da sämtliche Bewohner 

dieses Landes davon betroffen sind. Entgegen der in der Beschwerde 

vertretenen Meinung ist überdies die Voraussetzung einer absolvierten 

Schulbildung nicht das Hauptkriterium, auf welches sich die geltende 

Praxis zur Bejahung einer möglichen beruflichen Reintegration im Hei-

matland stützt, auch wenn die Schulbildung an sich von grosser Bedeu-

tung ist; vielmehr bildet sie nur eines von verschiedenen Kriterien, ge-

stützt auf welche im Sinne einer Gesamtbetrachtung der Vollzug der 

Wegweisung und die Chancen einer beruflichen (Re)Integration zu beur-

teilen sind. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, ist im Übrigen 

auf die in der Zwischenverfügung vom 17. Juni 2014 festgehaltenen Er-

wägungen zu verweisen. Insbesondere ist diesbezüglich die im Be-

schwerdeverfahren erhobene Rüge der rechtsungleichen Behandlung 

abzuweisen, da einerseits – wie in der Zwischenverfügung erwähnt – die 

Voraussetzungen für die Gewährung der vorläufigen Aufnahme individuell 

zu prüfen sind und andererseits der Beschwerdeführer – im Gegensatz 

zu seinen in der Schweiz lebenden Angehörigen – die massgeblichen be-

günstigenden Faktoren erfüllt, welche für einen Wegweisungsvollzug 

sprechen. Schliesslich vermag angesichts der strafrechtlichen Verurtei-

lung des Beschwerdeführers und der vollzogenen Haftstrafe auch das in 

der Beschwerdeschrift aufgeführte Kriterium der guten Integration und 

Verwurzelung in der Schweiz nicht zu überzeugen. Zudem hat der Be-

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Seite 11 

schwerdeführer – entgegen der Darstellung in der Beschwerde – nicht die 

prägenden Jugendjahre in der Schweiz verbracht, weil er bei seiner An-

kunft in diesem Land bereits volljährig war oder kurz vor der Volljährigkeit 

stand, wobei dieser Sachverhalt aufgrund der inzwischen definitiv einge-

tretenen Volljährigkeit nicht mehr zu prüfen ist. Zusammengefasst sind 

den Akten keine spezifischen individuellen Unzumutbarkeitskriterien zu 

entnehmen. Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach F._______ in eine exis-

tenzbedrohende Situation geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung 

erweist sich damit auch im Lichte der aktuellen Rechtsprechung zu Af-

ghanistan sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zu-

mutbar. 

6.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 

AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird 

zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezah-

lung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Eva Zürcher 

 

 

Versand: