# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0a5b0a04-5762-54bc-b530-8d8e6afd9e5c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 E-4441/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4441-2011_2011-12-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­4441/2011

U r t e i l   v om   1 2 .   D e z embe r   2 0 1 1  

Besetzung Richterinnen Muriel Beck Kadima, Nina Spälti Giannakitsas, 
Emilia Antonioni;  
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

Parteien A._______, geboren am (…),
Nigeria,  
vertreten durch lic.iur. Kathrin Stutz, Zürcher Beratungsstelle 
für Asylsuchende, (…) 8036 Zürich,
Beschwerdeführer, 

Gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien 
(Dublin­Verfahren);
Verfügung des BFM vom 26. August 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass  der  Beschwerdeführer  am  15. Juli  2011  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso um Asyl nachsuchte, 

dass  einer  Mitteilung  der  EURODAC­Datenbank  vom  15.  Juli  2011 
zufolge der Beschwerdeführer am 23. Januar 2008 in B._______/Italien in 
der Eigenschaft als Asylsuchender  (Kategorie 1) daktyloskopisch erfasst 
wurde,

dass er im EVZ C._______ anlässlich der Befragung zur Person vom 28. 
Juli 2011 zu den Umständen seiner Ausreise ausführte, er habe Nigeria 
im Jahre 1995 verlassen und sei über den Niger nach Libyen gereist, wo 
er  sich  bis  zum  12.  November  2007  und  danach  in  Italien  aufgehalten 
habe, 

dass er  in  Italien  im Jahre 2008 ein Asylgesuch gestellt,  aber nie einen 
Entscheid erhalten habe, 

dass die  italienischen Behörden  ihm  im Jahre 2008 einen  "permesso di 
soggiorno" für dreissig Tage ausgestellt hätten,

dass er nach dessen Ablauf mit Hilfe eines Anwaltes bei der "Questura" 
von  D._______  in  Neapel  erfolglos  einen  Antrag  um  eine  weitere 
Aufenthaltsbewilligung eingereicht habe, 

dass er sich folglich die letzten drei Jahre ohne Aufenthaltsbewilligung in 
Italien aufgehalten und nur mit Hilfe der dort lebenden Gemeinschaft der 
Yoruba habe überleben können, 

dass er sich im Jahre 2008 in einem Gesundheitszentrum für Flüchtlinge 
medizinisch habe behandeln lassen können und es ihm heute gut gehe, 

dass er anlässlich der gleichzeitigen Gewährung des rechtlichen Gehörs 
zur  mutmasslichen  Zuständigkeit  Italiens  und  eines  allfälligen 
Wegweisungsvollzugs  dorthin  angab,  er  wolle  nicht  zurück  nach  Italien 
gehen, dort habe er keine Aufenthaltspapiere und keine Arbeit,

dass das BFM Italien am 10. August 2011 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. 
c  der  Verordnung  (EG)  Nr.  343/2003  des Rates  vom  18. Februar  2003 
zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 

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Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist (Dublin­II­VO), um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers 
ersuchte,

dass  die  italienischen  Behörden  dieses  Ersuchen  bis  zum  25.  August 
2008 unbeantwortet liessen,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  26.  August  2011  –  eröffnet  am  29. 
August  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch 
nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug 
nach Italien anordnete,

dass  es  den  Beschwerdeführer  gleichzeitig  aufforderte,  die  Schweiz 
spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den 
Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung beauftragte, 
die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis 
verfügte  und  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe 
keine aufschiebende Wirkung,

dass  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertretung  mit  Eingabe 
vom  2.  September  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  unter  anderem 
beantragte,  die  vorinstanzliche  Verfügung  vom  26.  August  2011  sei 
aufzuheben  und  das  BFM  sei  anzuweisen,  das  Recht  auf  einen 
Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  Asylverfahren  zuständig  zu 
erklären, 

dass  in  prozessrechtlicher  Hinsicht  beantragt  wurde,  es  sei  der 
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die zuständigen 
Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Italien 
abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  die  vorliegende 
Beschwerde entschieden haben werde,  

dass  ferner  auf  die  Erhebung  eines  Verfahrenskostenvorschusses  zu 
verzichten und ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei, 

dass er zur Begründung unter anderem geltend machte, anfangs August 
sei  er  beim  Treppensteigen  gestürzt  und  habe  als  Folge  davon  eine 
Thrombose erlitten, weshalb er hospitalisiert worden sei,

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dass er – ohne entsprechende Unterlagen einzureichen – gestützt auf die 
Aussagen  der  ihn  behandelnden  Ärztin  zwingend  auf  regelmässige 
Spritzen  und  die  Einnahme  von  Medikamenten  angewiesen  sei, 
ansonsten ihm eine Lungenembolie drohe,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 5. September 2011 
die  vorsorgliche  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung  gemäss 
Art. 56  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) verfügte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  6.  September  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

dass  die  zuständige  Instruktionsrichterin  mit  Verfügung  vom  12. 
September  2011  das  Gesuch  um  Gewährung  der  aufschiebenden 
Wirkung der Beschwerde gestützt auf Art. 107a AsylG guthiess und den 
Beschwerdeführer  gleichzeitig aufforderte,  bis  zum 27. September 2011 
einen aktuellen ärztlichen Bericht sowie eine Fürsorgebestätigung zu den 
Akten zu reichen, 

dass  die  Beurteilung  über  das  Gesuch  betreffend  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verschoben 
und  auf  die  Erhebung  eines  Verfahrenskostenvorschusses  verzichtet 
wurde,

dass  eine  an  das  BFM  adressierte  Zustimmungserklärung  des 
italienischen  Innenministeriums  vom  21.  September  2011  dem 
Bundesverwaltungsgericht zugestellt wurde, 

dass  daraus  hervorgeht,  Italien  stimme  der  Wiederaufnahme  des 
Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO 
(abgelehnter Asylantrag) zu,

dass  es  die  schweizerischen  Asylbehörden  gleichzeitig  bittet,  den 
Beschwerdeführer anzuweisen, sich nach Ankunft in Catania (Sizilien) bei 
der Grenzpolizei zu melden,

dass  weiter  darum  gebeten  wird,  zehn  Tage  vor  der  Überstellung 
mitzuteilen, ob beim Beschwerdeführer gesundheitliche oder psychische 
Beschwerden  vorlägen,  bzw.  wenn  von  einer  Überstellung  nicht 
abgesehen  werden  könne,  die  medizinisch  relevanten  Arztzeugnisse, 

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insbesondere diejenigen, die Auskunft über dessen Reisefähigkeit (Flug) 
geben, zuzustellen, 

dass der Beschwerdeführer  innert Frist am 26. September 2011 sowohl 
eine  Fürsorgebestätigung  als  auch  ärztliche  Unterlagen  (Schreiben  von 
E._______ vom 23. September einschliesslich der Unterlagen betreffend 
seine Hospitalisation  im Spital  F._______  vom 16. August  2011 bis  26. 
August  2011  [Röntgenbefund  und  phlebologische  Untersuchung]) 
einreichte,

dass  die  Vorinstanz  am  4.  November  2011  vom 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Vernehmlassung  eingeladen  wurde  und 
sich  mit  Schreiben  vom  18.  November  2011  zur  Frage  der 
gesundheitlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  und  seiner  weiteren 
Behandlung  ausführte,  Italien  halte  sich  an  die  völkerrechtlichen 
Verpflichtungen  und  eine  angemessene  Versorgung  sei  durch  die 
Einhaltung der Aufnahmerichtlinie (RI 2003/9/EG) sichergestellt, 

dass  neben  staatlichen  Behörden  auch  private  Hilfsorganisationen 
Dublin­Rückkehrenden Hilfe leisten würden; insbesondere auf verletzliche 
Personen werde Rücksicht genommen, 

dass weiter anzumerken sei, dass nach Art. 35 des "Decreto Legislativo 
n.  286"  vom 25.  Juli  1998 mit  dem Titel  "Testo  unico  delle  disposizioni 
concernenti la disciplina dell'immigrazione e norme sulla condizione dello 
straniero"  auch  illegal  anwesenden  Personen  das  Recht  auf  die 
erforderliche medizinische Grundversorgung zu gewährleisten sei, 

dass  somit  einzig  die  Transportfähigkeit  für  die  Überstellung  des 
Beschwerdeführers  ausschlaggebend  sei  und  gemäss  Aktenlage 
(Austrittsbericht  des  Spitals  F._______  vom  5.  September  2011)  als 
transportfähig  gelte,  weshalb  keine  Gründe  vorlägen,  von  einer 
Überstellung nach Italien abzusehen, 

dass  der Beschwerdeführer  durch  seinen Rechtsvertreter mit Schreiben 
vom  7.  Dezember  2011  replizierte  und  ausführte,  gemäss  dem  Bericht 
"Asylverfahren  und  Aufnahmebedingungen  in  Italien"  der  SFH  vom Mai 
2011 würden grosse Defizite beim Zugang zu medizinischer Versorgung 
bestehen, weshalb nicht von der Hand zu weisen sei, dass die erwähnte 
Richtlinie nur ungenügend umgesetzt sei,

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dass von einer Wegweisung nach Italien abzusehen sei, weil er aufgrund 
seines  Alters  zur  Gruppe  der  verletzlichsten  Personen  gehöre  und 
befürchte  als  in  Italien  illegal  Anwesender  medizinisch  unzureichend 
versorgt zu werden, 

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 
selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1),

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dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich 
volle Kognition zukommt,

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass  sich  aus  den  Akten  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  als 
Asylsuchender  in  Italien  im Januar  2008 daktyloskopisch erfasst wurde, 
was er denn auch anlässlich der vorinstanzlichen Befragung 28. Juli 2011 
bestätigte und weiter dazu ausführte,  sich dort  bis  zu seiner Einreise  in 
die Schweiz illegal aufgehalten zu haben, 

dass das BFM zu Recht feststellte, die italienischen Asylbehörden hätten 
gemäss  Art. 20  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  einer  Rückübernahme  des 
Beschwerdeführers  (stillschweigend)  zugestimmt, weshalb  Italien  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens des Beschwerdeführers zuständig sei, 

dass  Italien  sich  inzwischen  explizit  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e 
Dublin­II­VO für zuständig erklärte,

dass die geltend gemachten Einwände des Beschwerdeführers anlässlich 
der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  nicht  die  Zuständigkeit 
beschlagen,  und  die  Zuständigkeit  Italiens  auch  auf  Beschwerdeebene 
nicht bestritten wird, 

dass  infolgedessen  die  gesetzliche  Grundlage  für  einen 
Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG grundsätzlich 
erfüllt ist,

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG), 

dass  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und 
auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 
2001 Nr. 21),

dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach 
Hindernissen  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits 

http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21

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Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheides  ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2) und allfällige 
völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse  im  Rahmen  der 
eventuellen  Anwendung  der  sogenannten  Souveränitätsklausel  (Art.  3 
Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  AsylV  1)  zu  prüfen  sind, 
weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 
i.V.m.  Art.  83  Abs.  1­4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) besteht,

dass  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemacht  wird,  die  Schweiz  sei 
gehalten  aufgrund  humanitärer  Gründe  von  ihrem  Selbsteintrittsrecht 
gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO Gebrauch zu machen,

dass  gemäss  bundesverwaltungsgerichtlicher  Rechtsprechung  Art.  3 
Abs. 2  erster  Satz  Dublin­II­VO  (Souveränitätsklausel)  nicht  direkt 
anwendbar  ist,  sich  allerdings  ein  Asylgesuchsteller  in  einem 
Beschwerdeverfahren  auf  die  Verletzung  einer  direkt  anwendbaren 
Bestimmung des internationalen öffentlichen Rechts oder einer Norm des 
Landesrechts  –  insbesondere  Art.  29a  Abs.  3  AsylV  1  –,  welche  einer 
Überstellung entgegenstehe, berufen kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5),

dass  er  vorbringt,  die  Gesundheitsversorgung  in  Italien  sei  gemäss 
diversen  Berichten  –  entgegen  der  Einschätzung  der  Vorinstanz – 
keineswegs  gesichert,  weil  Asylsuchende  und  Flüchtlinge  zwar  ein 
Anrecht auf medizinische Versorgung hätten, dieses Recht aber an eine 
"Residenza"  geknüpft  sei  und  gemäss  eines  Berichts  der 
Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom Mai 2011 es für eine medizinische 
Untersuchung in der Regel eine "Tessera Sanitaria" brauche,

dass  diesem  Bericht  zufolge  Italien  den  Anforderungen  der  EU­
Mindestrichtlinien  in  Bezug  auf  die  Bedürfnisse  von  kranken  Personen 
nicht nachkomme, 

dass  mit  dieser  Rüge  eine  direkt  anwendbare  Bestimmung  des 
öffentlichen  Rechts  angerufen  wird,  weshalb  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO 
zur Anwendung kommen könnte, 

dass  aus  der  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO  gestützten 
Zustimmungserklärung  Italiens  hervorgeht,  dass  der  dort  gestellte 
Asylantrag des Beschwerdeführers abgewiesen wurde, 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/45
http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/45
http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/45

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dass dieser sich eigenen Angaben zufolge in Italien bis zur Einreise in die 
Schweiz illegal aufgehalten habe, 

dass er sich somit nicht  (mehr) auf die  "Richtlinie 2003/9 EG des Rates 
vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung  der  Mindestnormen  für  die 
Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten" berufen kann, weil 
er  als  abgewiesener  Asylbewerber  kein  Recht  darauf  hat,  in  diesem 
verbleiben zu dürfen (vgl. Art. 3 der Richtlinie 2003/9 EG […]),

dass  es  sich  infolgedessen  erübrigt  zu  den  geltend  gemachten 
Einwänden  der  mangelnden  Gesundheitsversorgung  für  Asylsuchende 
und Flüchtlinge Ausführungen zu machen,  

dass der Beschwerdeführer als "illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger" 
gelten dürfte  und  Italien  ihm deshalb bis  zu  seiner Rückweisung  in den 
Heimatstaat  gestützt  auf  Art.  14  bzw.  allenfalls  Art.  16  Abs.  3  der 
"Richtlinie  2008/115/EG  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates 
vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den 
Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger" 
eine  gesundheitliche  Notfallversorgung  und  unbedingt  erforderliche 
Behandlung von Krankheiten zu gewährleisten hat, 

dass  davon  auszugehen  ist,  Italien  halte  sich  an  diese  Bestimmungen, 
bzw. keine gegenteiligen Anhaltspunkte vorliegen,

dass  hinsichtlich  der  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Problemen, 
wonach  der  65­jährige  Beschwerdeführer  infolge  eines  im  August  2011 
ereigneten  Sturzes  auf  der  Treppe  eine  Thrombose  erlitten  habe, 
weswegen  er  habe  hospitalisiert  und  medikamentös  behandelt  werden 
müssen, und eine Weiterbehandlung zwingend notwendig sei, ansonsten 
die Gefahr einer Lungenembolie bestehe, das Folgende festzustellen ist, 

dass die Beschwerden mittels nachgereichter Arztberichte belegt werden 
konnten,  und  bei  ihm  eine  4­Etagen  Beinvenenthrombose  links  mit 
Ausdehnung  in  die  Vena  iliaca  communis  diagnostiziert  wurde,  welche 
anfänglich mit niedermolekularen Heparinen behandelt und überlappend 
dazu eine Therapie  für vorerst sechs Monate mit Marcoumar empfohlen 
wurde, 

dass  aktuell  durch  den  Hausarzt  durchzuführende  regelmässige  INR­ 
(International  Normalized  Ratio)  und  Blutdruckkontrollen  sowie 
Oberschenkel­Kompressionsverbände links indiziert sind, 

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dass daraus hervorgeht, dass sich diese gesundheitlichen Beschwerden 
mit einer einfachen Therapie (Blutverdünnungs­Medikamente) behandeln 
lassen  und  infolgedessen  weder  aus  völkerrechtlichen  (Art.  3  der 
Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten  [EMRK, SR 0.101]) noch aus humanitären Gründen 
(Art. 29a AsylV 1) ein Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) angezeigt 
ist, 

dass  das  BFM  demnach  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist  und  die  Überstellung 
(Wegweisung) nach Italien sowie deren Vollzug angeordnet hat,

dass  die  Vorinstanz  hinsichtlich  des  Vollzugs  anzuweisen  ist,  die 
medizinische Versorgung sicherzustellen und die  italienischen Behörden 
darüber zu informieren,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  folglich  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung 
angesichts der Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­ 
(Art. 1 ­ 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

 (Dispositiv nächste Seite)

E­4441/2011

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

Versand: