# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f59c0647-432c-5d53-80f8-0f2fe8de9f52
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.11.2021 E-1569/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1569-2019_2021-11-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1569/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  N o v e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richterin Mia Fuchs,  

Richter Grégory Sauder,  

Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

afghanischer Herkunft,  

vertreten durch MLaw Katarina Socha,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 7. März 2019 / N (…). 

 

 

 

E-1569/2019 

 

Seite 2 

 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 25. Oktober 2015 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 11. November 2015 befragte ihn das SEM zu seiner Person 

und seinem Reiseweg (Befragung zur Person; BzP).  

Dabei brachte er vor, er sei ethnischer Hazara, seine Muttersprache sei 

Dari und er sei am (…) in B._______, Distrikt C._______, Provinz 

D._______, Afghanistan, geboren. Er habe seit Kleinkindesalter in Pakis-

tan gelebt, wo er auch mehrere Jahre zur Schule gegangen sei. Von dort 

sei er in den Iran, weiter in die Türkei und via Griechenland, Mazedonien 

und Österreich in die Schweiz gereist.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer im Rahmen dieser Befragung 

das rechtliche Gehör zu seiner Ansicht, dass er nicht wie von ihm angege-

ben am (…) geboren und damit minderjährig sei. Unter anderem gestützt 

auf seine Angaben gegenüber den griechischen Behörden, seinem Ausse-

hen nach sowie aufgrund einer Knochenaltersanalyse werde er als volljäh-

rig erachtet. Der Beschwerdeführer führte dazu aus, er sei einverstanden, 

wenn das SEM sein Geburtsdatum fortan mit dem (…) führe und ihn als 

volljährig erachte.  

B.  

Am 17. Januar 2018 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen 

Fluchtgründen an.  

Im Rahmen dieser Anhörung gab er hauptsächlich zu Protokoll, seine Mut-

tersprache sei Hazaregi Farsi, er verstehe aber Dari. Als er noch ein Klein-

kind gewesen sei, seien seine Eltern verstorben. Nach deren Tod habe er 

in E._______, Quetta, Pakistan, gelebt. Sein Onkel habe ihn dort anfäng-

lich betreut. Später habe er vier Jahre lang bei einer Frau gelebt, bis diese 

verstorben sei. Danach habe er mit psychisch kranken Personen leben res-

pektive für diese arbeiten müssen. Fünf Jahre lang sei er in einer Einrich-

tung für psychisch kranke Personen gequält und geschlagen worden. Ein 

Jahr lang habe er zugleich die Schule besucht. Anschliessend habe er ei-

nige Jahre in einem Laden gearbeitet. Dessen Besitzer sei etwa 2015 ge-

tötet und der Laden geschlossen worden. Die Täter hätten gewusst, dass 

E-1569/2019 

 

Seite 3 

 

in dem Laden Hazara gearbeitet hätten. Ihm habe man auch einmal mit 

Schlägen gedroht. Nach der Schliessung des Ladens habe er auf den 

Strassen Plastiktüten verkauft. Im September 2015 habe er Pakistan mit 

Hilfe seines Onkels verlassen. Bei einer Rückkehr nach Pakistan würde er 

aufgrund seiner Ethnie geschlagen und getötet werden. Nach Afghanistan 

könne er nicht zurückkehren, da er dort niemanden kenne und Krieg herr-

sche.  

Der Beschwerdeführer brachte ausserdem vor, dass es ihm in Pakistan 

schlecht gegangen sei. Auch hier in der Schweiz gehe es ihm psychisch 

und körperlich schlecht. Er sei vergesslich und werde fast verrückt. In ärzt-

licher Behandlung sei er nicht; niemand habe ihn zu einem Arzt geschickt.  

C.  

Mit Verfügung vom 7. März 2019 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-

deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg-

weisung an.  

Auf die Begründung wird, sofern massgeblich, in den nachfolgenden Erwä-

gungen eingegangen.  

D.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 2. April 2019 erhob der Be-

schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die 

Verfügung des SEM vom 7. März 2019.  

Darin wurde beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

die Sache sei zur korrekten Sachverhaltsfeststellung und zur Neubeurtei-

lung der Wegweisung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei 

die Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung der rubri-

zierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin ersucht.  

Der Beschwerde waren unter anderem ein Kurzbericht der bei der einläss-

lichen Anhörung anwesenden Hilfswerksvertretung vom 23. Januar 2018 

E-1569/2019 

 

Seite 4 

 

und Kopien zweier ärztlicher Bescheinigungen aus Pakistan beigelegt. Ge-

mäss den ärztlichen Zeugnissen war der Beschwerdeführer in Pakistan 

wegen einer (…) in Behandlung gewesen.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. Mai 2019 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und den 

Antrag auf Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin 

gut. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. Der Be-

schwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist einen aktuellen ärztlichen 

Bericht sowie zu Handen des Gerichts und der Vorinstanz eine Erklärung 

über die Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht einzureichen.  

F.  

Am 25. Juni 2019 wurde ein ärztlicher Bericht des (…) Kantonsspitals vom 

13. Juni 2019 zu den Akten gereicht. Demnach wurde beim Beschwerde-

führer eine (…) diagnostiziert. Mit Bezug auf die erwähnte Krankheit wurde 

durch die Rechtsvertreterin geltend gemacht, eine Wegweisung nach Pa-

kistan sei unzumutbar und unzulässig. Ein Vollzug der Wegweisung nach 

Afghanistan komme ebenfalls nicht in Frage.  

G.  

Die Instruktionsrichterin lud das SEM am 8. Januar 2020 zur Vernehmlas-

sung ein. Die Vorinstanz reichte ihre Stellungnahme, in der sie die Abwei-

sung der Beschwerde beantragte, mit Eingabe vom 23. Januar 2020 ein. 

H.  

Nachdem der Beschwerdeführer am 28. Januar 2020 zur Replik eingela-

den wurde, bezog dessen Rechtsvertreterin am 11. Februar 2020 zur Ver-

nehmlassung des SEM Stellung.  

I.  

Mit Eingabe vom 10. März 2020 reichte die Rechtsvertreterin eine ärztliche 

Terminbestätigung ein und verwies auf die Medikation des Beschwerdefüh-

rers.  

E-1569/2019 

 

Seite 5 

 

J.  

Am 19. Oktober 2020 wurde eine afghanische Tazkera (afghanischer Iden-

titätsausweis) und am 4. November 2020 ein weiterer Arztbericht zu den 

Gerichtsakten gereicht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 

AsylG [SR 142.31]; Art.83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten 

(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das frühere Recht (vgl. 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Wie sich den Rechtsbegehren und insbesondere der Begründung der Be-

schwerde entnehmen lässt (vgl. S. 2 und S. 5 ff. der Beschwerde), richtet 

sich diese ausschliesslich gegen den von der Vorinstanz angeordneten 

E-1569/2019 

 

Seite 6 

 

Vollzug der Wegweisung. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und 

die Ablehnung des Asylgesuchs sind demnach in Rechtskraft erwachsen. 

Praxisgemäss ist somit auch die Wegweisung als solche nicht mehr zu 

überprüfen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet damit lediglich 

die Frage, ob die Wegweisung des Beschwerdeführers zu vollziehen oder 

ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist.  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich der vorliegend interessierenden Normen des Aus-

länderrechts (Art. 83 Abs. 1 bis 4 AIG) nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG).  

4.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Auslände-

rin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat 

noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann 

(Art. 83 Abs. 2 AIG).  

4.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

E-1569/2019 

 

Seite 7 

 

5.  

5.1 Das SEM hält in seinem Entscheid fest, die Zulässigkeit, Zumutbarkeit 

und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung seien zwar grundsätzlich 

von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht finde jedoch ihre 

vernünftigen Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden. Die-

sen komme eine Substantiierungslast zu. Es sei nicht Sache der Asylbe-

hörden, bei fehlenden Hinweisen seitens der Asylsuchenden nach allfälli-

gen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen.  

Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, seine afghanische Herkunft 

glaubhaft zu machen. Diesbezüglich verwies das SEM auf seine Erwägun-

gen zur Flüchtlingseigenschaft, wo es im Wesentlichen festhielt, der Be-

schwerdeführer habe widersprüchliche Angaben zum Geburtsort und zum 

Zeitpunkt der Ausreise nach Pakistan gemacht. Zum Alter seiner Eltern und 

jenem seines Ziehonkels habe er keine Angaben machen können. Seine 

Familienverhältnisse habe er daher verschleiern wollen. Erschwerend 

komme hinzu, dass seine Aussagen zur Schulbildung und zur Arbeitsstelle 

ebenfalls unterschiedlich ausgefallen seien. Das SEM stelle zwar nicht in 

Frage, dass er ein ethnischer Hazara schiitischen Glaubens sei, der in 

Quetta, Pakistan, gelebt habe. Es bestünden indes Zweifel an der geltend 

gemachten Staatsangehörigkeit respektive es würden vielmehr Indizien 

vorliegen, die auf eine Herkunft ausserhalb Afghanistans, insbesondere 

aus Pakistan, hindeuten würden. Bei einer Person, die ihre wahre Herkunft 

verschleiere, könne jedoch mutmasslich davon ausgegangen werden, 

dass sie eine Aufenthaltsbewilligung oder Duldung in einem Drittstaat oder 

eine andere Staatsangehörigkeit besitze.  

Angesichts der unglaubhaften Vorbringen des Beschwerdeführers könne 

ferner nicht angenommen werden, dass er über kein familiäres Bezie-

hungsnetz verfüge. Er sei im Übrigen jung, gesund sowie voll und ganz 

arbeitsfähig und es sei ihm als erwachsener junger Mann zuzumuten, auch 

ohne Unterstützung eines familiären Netzwerks erneut Fuss an seinem 

früheren Wohnort zu fassen. Zudem würden gemäss ständiger Praxis des 

Bundesverwaltungsgerichts blosse soziale und wirtschaftliche Schwierig-

keiten keine existenzbedrohende Situation darstellen, die gegen die Zu-

mutbarkeit des Vollzugs sprechen würden (m.H. auf BVGE 2014/26 E. 7.6).  

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Seite 8 

 

Zur Zulässigkeit des Vollzugs – so das SEM im Weiteren – könne festge-

halten werden, dass mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft mit Be-

zug auf Pakistan das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot nach 

Art. 33  Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar sei. Anhaltspunkte 

dafür, dass der Beschwerdeführer in Pakistan mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung im Sinne von Art. 

3 EMRK oder Art. 1 FoK ausgesetzt wäre, würden nicht vorliegen. Der Voll-

zug der Wegweisung nach Pakistan sei daher zulässig.  

Es sei – so das SEM zusammenfassend – nicht davon auszugehen, dass 

wegweisungsbeachtliche Gründe gegen eine Rückkehr des Beschwerde-

führers an den bisherigen Aufenthaltsort sprechen würden. Auch sei die 

Möglichkeit des Vollzuges zu bejahen. Dies gelte selbst dann, wenn ein 

Asylsuchender seine wahre Identität oder Nationalität verheimliche (m.H. 

auf Urteile des BVGer D-3609/2008 und E-4070/2008).  

5.2 In der Beschwerde wird die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

beantragt und dabei gerügt, das SEM hätte bei – wie vorliegend – offen-

sichtlich vorhandenen psychologischen Defiziten ein medizinisches res-

pektive psychologisches Gutachten anordnen müssen. Es würden hierfür 

genügend Indizien vorliegen. Das SEM nehme ohne Weiteres an, der Be-

schwerdeführer sei ein junger und gesunder Mann, der voll und ganz ar-

beitsfähig sei. Dem Unterschriftenblatt des Anhörungsprotokolls (SEM-

Akte A17) sowie auch dem beigelegten Bericht der Hilfswerksvertretung 

vom 17. (recte 23.) Januar 2018 sei zu entnehmen, dass es ihm nicht mög-

lich gewesen sei, klare Angaben zu machen. Aus dem Anhörungsprotokoll 

würden sich Hinweise ergeben, die auf psychische Defizite des Beschwer-

deführers hindeuteten. Dem beiliegenden ärztlichen Schreiben sei sodann 

zu entnehmen, dass er in Pakistan infolge einer (…) zur Beobachtung in 

die Einrichtung (…) überwiesen worden sei. Ausserdem würden aus dem 

Anhörungsprotokoll Verständnis- und Verständigungsprobleme ersichtlich. 

Der Sachverhalt sei daher nicht genügend ermittelt worden, weshalb das 

Verfahren zur erneuten Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen und hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs neu zu beurteilen sei.  

Mit Eingabe vom 25. Juni 2019 wird zudem auf einen ärztlichen Bericht 

vom 13. Juni 2019 verwiesen, wonach schlafgebundene, generalisierte 

E-1569/2019 

 

Seite 9 

 

(…) Anfälle beim Beschwerdeführer diagnostiziert wurden und zu diesem 

Zweck eine medikamentöse Therapie begonnen wurde.  

5.3 Das SEM stellt sich in seiner Vernehmlassung vom 23. Januar 2020 

auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer habe in der BzP einzig erklärt, 

dass er in der Nacht stark schwitzen würde, darüber hinaus aber angege-

ben, dass es ihm gesundheitlich gut gehe. Es habe daher keine Veranlas-

sung für die Vornahme einer medizinischen Abklärung gegeben. Im Rah-

men der Anhörung habe er zwar dargelegt, dass es ihm psychisch und 

körperlich nicht so gut gehe, er jedoch noch keinen Arzt aufgesucht habe. 

Obwohl er darauf hingewiesen worden sei, sich bei gesundheitlichen Prob-

lemen an die Betreuung zu wenden, habe er dies nicht getan. Aus den 

Aussageprotokollen würden sich keine besonderen Auffälligkeiten erge-

ben, die zur Annahme führten, dass er aufgrund einer psychischen Ein-

schränkung den Anhörungen nicht habe folgen können. Es sei üblich, dass 

Gesuchsteller manchmal nachfragen würden. Der Beschwerdeführer habe 

jedoch den Grossteil der Fragen auf Anhieb verstanden. Indizien dafür, 

dass er entwicklungspsychologisch nicht in der Lage gewesen sei, dem 

Gespräch zu folgen, seien nicht vorhanden. Seine widersprüchlichen An-

gaben zu seiner Biographie liessen sich nicht widerlegen. Die von der 

Rechtsvertretung in der Beschwerde aufgeführten Protokollstellen würden 

deutlich machen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers zur angeblich 

psychiatrischen Klinik, in der er sich befunden habe, oberflächlich und nicht 

erlebnisgeprägt seien. Die im Arztbericht dargelegte, schlafgebundene (…) 

beruhe alleine auf den Aussagen des Beschwerdeführers. Der Arztbericht 

sage nichts über eine allfällige Bewusstseinsstörung oder psychische Er-

krankung aus. Der Beschwerdeführer habe zudem ausgesagt, in Pakistan 

nie bei einem Arzt oder in einem Spital gewesen zu sein. Die Einreichung 

ärztlicher Bescheinigungen aus Pakistan würde daher erstaunen. Überdies 

sei das Schreiben von F._______ sehr knapp ausgefallen. Jenes der (…) 

bestätige eine Behandlung in dieser Institution. Damit würden sich aber 

neue Fragen zur Biographie ergeben, insbesondere jene danach, weshalb 

der Beschwerdeführer eine zweijährige Behandlung in der erwähnten In-

stitution, welche auf die Behandlung von (…) spezialisiert sei, verschwie-

gen habe. Die von der Rechtsvertretung eingereichten Dokumente würden 

im Übrigen belegen, dass er in Pakistan Zugang zu medizinscher Behand-

lung gehabt habe und damit eine Behandlung dort möglich sei.  

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Seite 10 

 

Aufgrund der widersprüchlichen Angaben zur Biographie bestünden Zwei-

fel an der afghanischen Staatsangehörigkeit. Es sei davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer in Pakistan eine Aufenthaltsbewilligung oder 

Duldung besessen habe. Die Beurteilung von Wegweisungsvollzugshin-

dernissen finde indes ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht dort, wo diese 

grob verletzt werde, indem die Behörden bewusst über die wahre Herkunft 

getäuscht würden, wovon vorliegend aufgrund der widersprüchlichen An-

gaben zur Biographie und den aus Pakistan stammenden Dokumenten 

auszugehen sei. 

5.4 In der Replik wird dem entgegengehalten, im Herkunftskanton des Be-

schwerdeführers sei die Anzahl der Sozialarbeitenden begrenzt. Er habe 

keine ihm zugewiesene Betreuung gehabt. Er sei in der Vergangenheit 

nicht in einer Asylunterkunft, sondern in externen Wohnungen unterge-

bracht gewesen, wo kein Betreuungspersonal vor Ort sei. Es sei daher 

nicht nachvollziehbar, inwiefern er Schuld an der fehlenden medizinischen 

Betreuung haben solle. Für die Vorinstanz hätten genügend Anhaltspunkte 

bestanden, eine medizinische Abklärung zu veranlassen. Ihre Haltung hin-

sichtlich der Einschränkungen des Beschwerdeführers überrasche ange-

sichts der Angaben der Hilfswerksvertretung. Dem Beschwerdeführer sei 

durch den Oberarzt des (…) ein Medikament gegen (…) verordnet worden, 

weshalb die Argumentation des SEM, die Diagnose stütze sich allein auf 

die Aussagen des Beschwerdeführers, erstaune und zu rügen sei. Im bei-

gelegten Arztbericht vom 26. August 2019 werde die Fortführung der The-

rapie unverändert empfohlen. Als Zufallsbefund werde darin zudem eine 

Läsion in der Ausrichtung der (…) (Anmerkung Gericht: […]) angegeben. 

(…) Anfälle könnten kognitive Fähigkeiten beeinflussen und auch Gedächt-

nisverlust auslösen. Es sei zwar zu diskrepanten Angaben gekommen, der 

Beschwerdeführer wirke indes unbeholfen und verwirrt. Eine (…) Testung 

sei beim Hausarzt, der inzwischen pensioniert sei, beantragt worden. Eine 

Meldung über das weitere Vorgehen sei ausstehend.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu-

chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). 

E-1569/2019 

 

Seite 11 

 

Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher 

und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch 

gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-

scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).  

Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungs-

pflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, die 

Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, an 

der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhörung die 

Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen 

und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen 

Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). 

6.2 Wie nachstehend aufgezeigt (vgl. E. 7 ff.), würdigt das Gericht den vom 

SEM erstellten Sachverhalt anders als die Vorinstanz. So lässt sich bei ei-

ner Gesamtbetrachtung keine grobe Mitwirkungspflichtverletzung des Be-

schwerdeführers, mithin keine Täuschung über dessen Herkunft feststellen 

und es ist davon auszugehen, dass er afghanischer Herkunft ist sowie jah-

relang in Pakistan gelebt hat und an (…) leidet. Wahrscheinlich erscheinen 

dem Gericht auch allfällige kognitive Defizite. Ein Vollzug der Wegweisung 

des Beschwerdeführers nach Pakistan oder aber nach Afghanistan er-

scheint sodann unzumutbar, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und 

der Beschwerdeführer in der Folge durch das SEM vorläufig aufzunehmen 

ist. Vor diesem Hintergrund kann darauf verzichtet werden, auf die in der 

Beschwerde erhobene formelle Rüge näher einzugehen. 

7.  

7.1 Zunächst ist festzustellen, dass die BzP des damals sehr jungen Be-

schwerdeführers nicht einmal eine Stunde dauerte, davon allein 15 Minu-

ten der Rückübersetzung dienten und auf eine – wie ansonsten üblich –  

eigentliche summarische Befragung zu den Flucht- respektive Ausreise-

gründen verzichtet wurde. Zwischen der BzP und der einlässlichen Anhö-

rung verstrich zudem ein Zeitraum von über zwei Jahren. Diesen Faktoren, 

insbesondere der Länge des zwischen der BzP und der Anhörung verstri-

chenen Zeitraums, ist daher bei der Würdigung der Aussagen des Be-

schwerdeführers Rechnung zu tragen (vgl. dazu Urteil des BVGer 

E-1569/2019 

 

Seite 12 

 

D- 3937/2014 vom 30. April 2018 E. 6.4.4 mit Hinweis auf das Urteil 

D- 2157/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 6.3.5). 

7.2 Im Weiteren berücksichtigt das Gericht, dass es sich beim Beschwer-

deführer – und dies verkennt das SEM in seiner Vernehmlassung – um 

eine Person handelt, die nach ihren Angaben und ihrem Aussageverhalten 

wohl lediglich über eine sehr geringe Schulbildung verfügt und welche ge-

mäss den klaren Anmerkungen der Hilfswerksvertretung im Rahmen der 

Anhörung nervös und verwirrt schien (vgl. act. A17/19 S. 19). Dass der Be-

schwerdeführer in seinen kognitiven Fähigkeiten womöglich – wie auf Be-

schwerdeebene unter Hinweis auf weitere Bemerkungen der Hilfswerks-

vertretung geltend gemacht wird – eingeschränkt ist, erscheint durchaus 

möglich. Dies umso mehr, als eine solche Einschränkung – wie in der Rep-

lik dargelegt wird – in Zusammenhang mit der beim Beschwerdeführer di-

agnostizierten (…) Erkrankung, an der das Gericht keine Zweifel hat (vgl. 

nachfolgende E. 7.5.3), vorkommen kann (vgl.  […]) abgerufen am 4. No-

vember 2021). 

7.3  

7.3.1 Die vom SEM erkannten Widersprüche sind im Lichte dieser Fakto-

ren (kurze BzP, längerer Zeitraum zwischen BzP und Anhörung, womöglich 

eingeschränkte kognitive Fähigkeiten des Beschwerdeführers) zu betrach-

ten. Zu den vom SEM angeführten Widersprüchen lässt sich vor diesem 

Hintergrund Folgendes feststellen:  

7.3.2 Dem SEM ist zwar beizupflichten, dass der Beschwerdeführer an-

lässlich der BzP als Geburts- und Wohnort in Afghanistan B._______, Dis-

trikt C._______, Provinz D._______, nannte (SEM-Akte A9/13 S. 3), im 

Rahmen der Anhörung hingegen zunächst darlegte, sich nicht daran erin-

nern zu können, da er als Einjähriger aus Afghanistan ausgereist sei (vgl. 

SEM-Akte A17/19 F15, F 18). Das SEM klammert bei dieser Beurteilung 

allerdings aus, dass der Beschwerdeführer im Verlauf derselben Anhörung 

auch angab, er könne sich wieder erinnern und der Ort sei F._______ ge-

wesen (vgl. a.a.O. F162). Einen massiven Widerspruch in den Aussagen 

des Beschwerdeführers lässt sich demnach nicht erkennen.  

7.3.3 Das SEM hält dem Beschwerdeführer vor, er habe in der Anhörung 

zunächst angegeben, er sei im Alter von einem Jahr mit seiner Familie aus 

E-1569/2019 

 

Seite 13 

 

Afghanistan ausgereist, an anderer Stelle habe er jedoch erklärt, er sei un-

gefähr ein Jahr alt gewesen, als er mit seinem Onkel väterlicherseits aus-

gereist sei und die Eltern seien da schon verstorben gewesen. In der BzP 

habe er hingegen erwähnt, seine Mutter sei verstorben, als er zwei Jahre 

alt gewesen sei, und er sei damals aus Pakistan ausgewandert. In der BZP 

habe er zudem dargelegt, sein Vater sei verstorben, als er fünf Jahre alt 

gewesen sei. Diese ungereimten Angaben sind gestützt auf die jeweiligen 

Protokollstellen zwar ebenfalls zu bestätigen (vgl. SEM-Akte A17/19 F8, 

F83-F85, F 93 und A9/13 S. 5). Zu beachten gilt es aber, dass der Be-

schwerdeführer sowohl an der BzP als auch im Rahmen der Anhörung sei-

nen Heimatstaat jeweils übereinstimmend mit Afghanistan bezeichnete so-

wie erzählte, seine Eltern seien verstorben. Insbesondere sprach er stets 

davon, im Kleinkindalter, nämlich entweder mit ein oder zwei Jahren, Af-

ghanistan verlassen zu haben (vgl. SEM-Akte A9/13 S. 6 f., A17/19 F8, 

F15, F83 f., F168).  

Seine Erzählungen stimmen demnach dahingehend überein, dass er noch 

im Kleinkindesalter gewesen sei, als seine Eltern verstarben, und er als 

Kleinkind Afghanistan verlassen habe und nach Pakistan gelangt sei. Dass 

er sich nicht mehr an die genauen Begebenheiten respektive den genauen 

Zeitpunkt oder sein konkretes Alter im Zeitpunkt seiner Ausreise oder – wie 

ihm vom SEM ausserdem vorgehalten wird – nicht an das Alter seiner El-

tern zu erinnern vermag, erscheint angesichts seines damaligen Kindesal-

ters nachvollziehbar. Eine Absicht des Beschwerdeführers die wahren Fa-

milienverhältnisse verschleiern zu wollen, lässt sich daher – entgegen der 

Ansicht des SEM – nicht erblicken.  

7.3.4 Der Beschwerdeführer machte zwar – wie das SEM ebenso zutref-

fend ausführt – unterschiedliche Angaben zu seiner Schulbildung respek-

tive zur Dauer derselben. So gab er an der BzP zu Protokoll, er sei fünf 

Jahre in Pakistan in eine englischsprachige Schule gegangen, in der An-

hörung erwähnte er jedoch zunächst, er habe keine Schule besucht (vgl. 

SEM-Akte A9 S 4 f., A19/17 F21 f.). Später versuchte er – und dies lässt 

das SEM bei seiner Beurteilung ausser Acht – klarzustellen, dass er die 

Schule in Pakistan zwar ein Jahr lang besucht, aber nichts gelernt habe 

(vgl. a.a.O. F 149 ff.). Wie lange genau und welche Schule er in Pakistan 

E-1569/2019 

 

Seite 14 

 

besucht hat, bleibt damit unklar. Angesichts seines eher tiefen Bildungs-

standes kann zumindest davon ausgegangen werden, dass er nicht über 

eine längere oder gar abschliessende Schulbildung verfügt.   

7.3.5 Was die vom Beschwerdeführer dargelegten Arbeitstätigkeiten anbe-

langt, gab er – wie vom SEM zutreffend erwähnt – im Rahmen der BzP an, 

er habe in einem Hotel in Pakistan als Reinigungskraft gearbeitet sowie die 

letzten drei Jahre vor der Ausreise auf dem Markt Plastiktüten verkauft (vgl. 

SEM-Akte A9/13 S. 5). Im Rahmen der Anhörung erklärte er jedoch, er 

habe, nachdem er in der Einrichtung für psychisch kranke Personen gelebt 

und dort zugleich habe arbeiten müssen, in einem Laden gearbeitet und – 

was das SEM hier nicht erwähnt – nach dem Tod des Ladenbesitzers auf 

der Strasse Plastiktüten verkauft (vgl. SEM-Akte A17/19 F17 f, F 29 ff., 

F75, F98 ff.). Auch wenn damit Unzulänglichkeiten in den Schilderungen 

zur Arbeitstätigkeit in Pakistan bestehen, fällt zumindest auf, dass der Be-

schwerdeführer in beiden Befragungen erklärte, Plastiktüten verkauft zu 

haben. Ausserdem vermag er den Standort des Warenladens in Pakistan 

sowie den Namen dessen Besitzers anzugeben (vgl. a.a.O. F34, F 36). 

Damit ist zwar nicht konkret geklärt, wann der Beschwerdeführer genau 

welche Tätigkeiten in Pakistan ausgeübt hat. Wahrscheinlich erscheint da-

mit aber, dass er in Pakistan in einem Laden gearbeitet hat.  

7.4  

7.4.1 Es lässt sich demnach feststellen, dass zwar verschiedene Unge-

reimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers, insbesondere hin-

sichtlich der von ihm dargelegten Schulbildung und seinen genauen Ar-

beitstätigkeiten in Pakistan, bestehen. Entgegen der Würdigung des SEM 

kann aber bei einer Gesamtbetrachtung aus seinen Aussagen weder ge-

schlossen werden, dass er versucht habe, seine wahren Familienverhält-

nisse zu verschleiern, noch lässt sich folgern, dass er die Schweizer 

Asylbehörden bewusst über seine "wahre" Herkunft getäuscht und damit 

eine schwere Verletzung seiner Mitwirkungspflicht begangen habe.  

7.4.2 Denn wie gesehen, gab der Beschwerdeführer stets an, in Afghanis-

tan geboren zu sein und dieses Land im Kleinkindalter verlassen zu haben 

und nach Pakistan gereist zu sein, wo er in Quetta gelebt und gearbeitet 

habe. Hinzukommt, dass er Dari, eine unter anderem in Afghanistan ge-

sprochene Sprache spricht und er seinen Angaben gemäss auch Hazaregi-

E-1569/2019 

 

Seite 15 

 

Farsi beherrsche. Letztere Sprache oder Dialekt, wird nach Kenntnis des 

Gerichts mitunter in Afghanistan gesprochen (vgl. Jamal, Abedin, Attitudes 

Toward Hazaragi, 01.05.2010 < http://opensiuc.lib.siu.edu/cgi/viewcon-

tent.cgi?article=1224&context=theses >  abgerufen am 4. November 2021; 

Refugee Review Tribunal, N00/34478 [2000] RRTA 835, 28.08.2000 <     

http://www.austlii.edu.au/au/cases/cth/RRTA/2000/835.html > abgerufen 

am 24.08.2021.) Eindeutige Indizien dafür, dass er nicht wie von ihm er-

klärt, aus Afghanistan stammt oder als Person afghanischer Herkunft nicht 

in Quetta gelebt habe, sind aufgrund der gesamten Aktenlage jedenfalls 

nicht erkennbar und werden vom SEM in der angefochtenen Verfügung 

bezeichnenderweise nicht konkret dargetan. Es zweifelt zudem selber 

nicht daran, dass der Beschwerdeführer den Hazara zugehöre und in 

Quetta, Pakistan gelebt habe. Im Gegenteil, es geht mitunter davon aus, 

dass Indizien für eine pakistanische Herkunft bestünden und nimmt in die-

sem Zusammenhang eine Prüfung darüber vor, ob der Beschwerdeführer 

als Hazara bei einer Rückkehr nach Quetta einer Kollektivverfolgung un-

terliegen würde, was es verneint.  

7.5  

7.5.1 Ausgehend von einer – wie vom SEM angenommenen – pakistani-

schen Herkunft respektive Staatsangehörigkeit und der nicht strittigen Zu-

gehörigkeit zu den Hazara sowie auch, dass der Beschwerdeführer in 

Quetta gelebt hat, müsste vorliegend aber der Schluss gezogen werden, 

dass eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Quetta, Pakistan, nicht 

zumutbar wäre:  

7.5.2 So herrscht in Pakistan zwar weder Bürgerkrieg noch eine Lage all-

gemeiner Gewalt (vgl. Urteile des BVGer E-1305/2019 vom 4. November 

2020 E. 6.4.4, E-3954/2018 vom 24. Juli 2018 E. 9.4.1). Das Bundesver-

waltungsgericht hat sich in BVGE 2014/32 aber ausführlich zur Situation 

der Hazara in Pakistan, insbesondere in der Provinz Belutschistan und in 

der Stadt Quetta geäussert. Dabei führte es aus, als Schiiten gehörten die 

Hazara in Pakistan zu den von religiöser Gewalt seitens sunnitischer Ext-

remisten besonders betroffenen Minderheiten. Der pakistanische Staat 

vermöge nicht oder nur unzulänglich vor der Gewalt extremistischer Grup-

pen zu schützen (vgl. a.a.O. E. 6.9). Eine Kollektivverfolgung der Hazara 

sei zwar nicht anzunehmen (vgl. a.a.O. E. 7.2). Hingegen sei die Zugehö-

http://opensiuc.lib.siu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1224&context=theses%20%3e%20%20
http://opensiuc.lib.siu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1224&context=theses%20%3e%20%20
http://www.austlii.edu.au/au/cases/cth/RRTA/2000/835.html%20%3e

E-1569/2019 

 

Seite 16 

 

rigkeit zu dieser ethnischen Minderheit ein starkes Indiz für die Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs. Ergebe sich aus der persönlichen Situ-

ation eines abgewiesenen Asylsuchenden ein zusätzliches Gefährdungs-

indiz, das über die schwierige generelle Lage hinausgehe, sei der Wegwei-

sungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen (vgl. a.a.O. E. 9.4). Das Be-

stehen von internen Aufenthaltsalternativen sei für Hazara nur mit äussers-

ter Zurückhaltung anzunehmen (vgl. a.a.O. E. 9.5). Diese Lageeinschät-

zung ist nach wie vor aktuell und das Bundesverwaltungsgericht stützt sich 

weiterhin darauf ab (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer E-3518/2020 vom 

22. Oktober 2020 E. 5.3 m.w.H. und E-1305/2020 vom 4. November 2020 

E. 6.4.4). 

7.5.3 Wäre der Beschwerdeführer den Indizien des SEM zufolge pakista-

nischer Herkunft respektive pakistanischer Staatsangehöriger, so wäre 

nicht nur dem Umstand, dass der Beschwerdeführer zweifellos Hazara ist 

und in Quetta gelebt hat, sondern auch jenem, dass er offenbar krank ist, 

Rechnung zu tragen und diese Erkrankung als zusätzlicher Faktor, der zur 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen kann, anzuerkennen.   

So wird dem Beschwerdeführer nämlich eine (…), attestiert. Diese Diag-

nose wurde fachärztlich durch das (…) Kantonsspitals erstmals am 

13. Juni 2019 gestellt (vgl. Beilage zur Eingabe vom 25. Juni 2019). Inwie-

fern in medizinischer Hinsicht an diesem Attest zu zweifeln ist, ist nicht er-

sichtlich, zumal die Begründung des SEM in dessen Vernehmlassung, die 

Diagnose basiere auf den Angaben des Beschwerdeführers, nicht aus-

reicht, um erwähnte ärztliche Meinung in Frage zu stellen. Anhaltspunkte 

dafür, dass die fachärztliche Begutachtung nicht zutrifft, erkennt das Bun-

desverwaltungsgericht nicht. So wird im Arztbericht vom 13. Juni 2019 aus-

geführt, dass der Beschwerdeführer seit dem Kindesalter unter einer (…) 

ausschliesslich mit schlafgebundenen hochwahrscheinlich generalisierten 

(…) Anfällen leide. Die Angaben des Beschwerdeführers werden gemäss 

der medizinischen Meinung des Facharztes zudem als eindeutig gewertet 

(vgl. a.a.O.). Im Arztbericht vom 2. November 2020 wird zudem bestätigt, 

dass der Beschwerdeführer an (…) leidet und die Fortführung der medika-

mentösen Therapie wird unverändert durch den Facharzt empfohlen. Seit 

der Beschwerdeführer das Medikament einnehme, träten keine Anfälle 

mehr auf (vgl. Beilage zur Eingabe vom 4. November 2020).  

E-1569/2019 

 

Seite 17 

 

7.5.4 Auch wenn der Beschwerdeführer bereits in der Vergangenheit in Pa-

kistan wegen erwähnter Erkrankung in Behandlung gewesen sein sollte, 

ändert dieser Umstand – entgegen der Ansicht des SEM – sehr wohl etwas 

daran, dass darin ein zusätzliches Kriterium, das zur Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs führen kann, zu erblicken wäre.  

So gilt es nicht nur zu bedenken, dass das Gesundheitswesen in Pakistan 

– wie in der Replik zu Recht ausgeführt wird – ganz allgemein als schwach 

bezeichnet wird, sondern auch, dass die Hazara in Quetta allgemein nur 

unter erschwerten Bedingungen Zugang zu medizinischer Versorgung er-

halten. Es wurde von Angriffen auf Sanitäter sowie davon berichtet, dass 

aufgrund der schlechten Sicherheitslage für die Hazara diese die vorhan-

denen Spitäler nicht aufsuchen können. Zwar gibt es in ihren Quartieren 

private Gesundheitseinrichtungen, welche allerdings für Ärmere nicht be-

zahlbar sind. Nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung in Pakistan ist 

zudem krankenversichert und der grösste Anteil der Gesundheitskosten ist 

von den Patienten selbst zu tragen, wobei die meisten Kosten für Medika-

mente anfallen (vgl. Urteil des BVGer E-741/2021 vom 19. Juli 2021 E. 

8.3.5; Hussain, S. et al., Integration of mental health into primary 

healthcare: perceptions of stakeholders in Pakistan, in: East Mediterr 

Health J. 2018; 24 (2):146-153 < https://doi.org/10.26719/2018.24.2.146; 

Australian Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT), DFAT Country 

Information Report Pakistan, 20.02.2019 < https://dfat.gov.au/about-

us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf >; Na-

tional Commission for Human Rights (NCHR), Understanding the agonies 

of ethnic Hazaras, 02.2018 < https://nchr.gov.pk/wp-content/up-

loads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf >; Economist Intelligence Unit (EIU), 

Pakistan launches national health insurance scheme, 31.12.2015 < 

http://www.eiu.com/industry/article/703816654/pakistan-launches-nation-

al-health-insurance-scheme/_10 >; World Health Organization (WHO), Pri-

mary Care Systems Profiles & Performance (PRIMASYS), 2017 < 

https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf >; 

The World Bank, Out-of-pocket expenditure (% of current health expendi-

ture) – Pakistan, undatiert, < https://data.worldbank.org/indica-

tor/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK > alle Links abgerufen am 

20.  Oktober 2021). 

https://doi.org/10.26719/2018.24.2.146
https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf
https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf
https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf
https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf
http://www.eiu.com/industry/article/703816654/pakistan-launches-nation-al-health-insurance-scheme/_10
http://www.eiu.com/industry/article/703816654/pakistan-launches-nation-al-health-insurance-scheme/_10
https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf
https://data.worldbank.org/indicator/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK
https://data.worldbank.org/indicator/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK

E-1569/2019 

 

Seite 18 

 

7.5.5 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer über eine geringe Ausbil-

dung verfügt und sich die Arbeitssituation und allgemein die ökonomische 

Lage für Hazara in Quetta seit 2018 zunehmend verschlechtert hat (vgl.  

Australian Department of Foreign Affairs and Trade [DFAT], DFAT Country 

Information Report Pakistan, 20.02.2019 < https://dfat.gov.au/about-

us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf >; Na-

tional Commission for Human Rights [NCHR]: Understanding the agonies 

of ethnic Hazaras, 02.2018 < https://nchr.gov.pk/wp-content/uplo-

ads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf > beide Links abgerufen am 20. Okto-

ber 2021 >).  

7.5.6 Schliesslich ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 

in Pakistan über ein funktionierendes Beziehungsnetz verfügt, zumal seine 

Eltern – was glaubhaft erscheint (vgl. E. 7.4) – verstorben sind und sich 

sein Onkel seinen Aussagen zufolge im Iran befinde (vgl. SEM-Akte 9/13 

S. 6).  

7.5.7 Es liegen damit mehrfache Anhaltspunkte dafür vor, dass der Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Quetta einer konkreten Gefähr-

dung ausgesetzt wäre. Eine inländische Aufenthaltsalternative fiele zudem 

nicht in Betracht.  

7.6  

7.6.1 Ohnehin ist aber – wie unter E. 7.4 aufgezeigt – vorliegend davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer afghanischer Herkunft ist und er 

seit Kindesalter in Quetta, Pakistan, gelebt hat. Letzteres erscheint auch 

im historischen Kontext plausibel:  

Seit Ende des 19.  Jahrhunderts sind afghanische Hazara nach Quetta mi-

griert. Seit den 1980er Jahren flohen zudem Hazara aus Afghanistan nach 

Pakistan, wobei nur wenige von ihnen in Flüchtlingscamps unterkamen. 

Vielmehr versuchten viele ihr Glück in urbanen Zentren wie Quettan. Nach-

kommen der ersten Generation von Migranten wurden dabei pakistanische 

Staatsbürger, jene der letzten Dekade besitzen hingegen immer noch die 

afghanische Staatsbürgerschaft (vgl. Afghanistan Research and Evalua-

tion Unit (AREU), Afghans in Quetta – Settlements, Livelihoods, Support 

Networks and Cross-Border Linkages, 01.2006 < https://areu.org.af/wp- 

https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf
https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf
https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf
https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf
https://areu.org.af/wp-content/uploads/2015/12/604E-Afghans-in-Quetta-CS-web.pdf

E-1569/2019 

 

Seite 19 

 

content/uploads/2015/12/604E-Afghans-in-Quetta-CS-web.pdf > abgeru-

fen am 20. Oktober 2021; Monsutti, A., Guerres et migrations: réseaux so-

ciaux et stratégies économiques des Hazaras d’Afghanistan, 2004; Mon-

sutti, A. Image of the Self, Image of the Other: Social Organization and the 

Role of 'Ashura' among the Hazaras of Quetta (Pakistan), In: Monsutti, A., 

et Naef, S. The Other Shiites – From the Mediterranean to Central Asia, 

2007, S.  178; Monsutti, A., Guerres et migrations: réseaux sociaux et stra-

tégies économiques des Hazaras d’Afghanistan, 2004, S. 135; Monsutti, 

A., Guerres et migrations: réseaux sociaux et stratégies économiques des 

Hazaras d’Afghanistan, 2004, S. 146; Landinfo, Temanotat Pakistan: Op-

prør, sekterisk vold og lokale konflikter i Baluchistan, 26.10.2018 < 

https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Op-

prør-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf > ab-

gerufen am 4. November 2021).  

7.6.2 Wenn der Beschwerdeführer in Pakistan – wie vom SEM in der Ver-

nehmlassung angenommen – über eine Duldung oder Aufenthaltsbewilli-

gung verfügt haben sollte, so wäre er demzufolge als afghanischer Hazara 

bei einer Rückkehr nach Quetta derselben Gefährdungslage, wie sie unter 

E.  7.5 aufgezeigt wurde – ausgesetzt und eine Rückkehr dorthin erschiene 

demnach nicht zumutbar. 

7.7   

7.7.1 Sollte der Beschwerdeführer die afghanische Staatsangehörigkeit 

nach wie vor besitzen – worauf zumindest die nunmehr auf Beschwerde-

ebene eingereichte Tazkera hindeutet – so liesse sich schliesslich feststel-

len, dass ein Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan ebenfalls nicht zur 

Debatte stehen würde:  

7.7.2 Es lässt sich nämlich feststellen, dass – ungeachtet der veränderten 

Lage in Afghanistan – vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte dafür be-

stehen, der Beschwerdeführer stamme aus einer der gemäss der bisheri-

gen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts bezeichneten Städ-

ten respektive Regionen (Kabul, Mazar i Sharif oder Herat), wohin bis anhin 

der Vollzug der Wegweisung nur ausnahmsweise respektive nur unter ge-

wissen begünstigenden Umständen als zumutbar bezeichnet werden 

konnte (vgl. Referenzurteile des BVGer D-5800/2016 vom 13. Oktober 

2017 E. 8.4, D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 E. 8.4 und D-4705/2016 

https://areu.org.af/wp-content/uploads/2015/12/604E-Afghans-in-Quetta-CS-web.pdf
https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Oppr%C3%83%C2%B8r-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf
https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Oppr%C3%83%C2%B8r-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf
https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Oppr%C3%83%C2%B8r-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5800/2016

E-1569/2019 

 

Seite 20 

 

vom 14. Juni 2021 E. 10.6). Ausgehend von der afghanischen Staatsange-

hörigkeit wäre daher der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers 

nach Afghanistan ebenfalls als unzumutbar zu erachten.  

8.  

Zusammenfassend lässt sich demnach feststellen, dass sich der Vollzug 

der Wegweisung des Beschwerdeführers in seinen Herkunfts- oder Hei-

matstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG als unzumutbar erweist. Nachdem 

sich aus den Akten keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 

AIG ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme daher erfüllt.  

 

9.  

Aufgrund dieser Sachlage kann auf Ausführungen zur Zulässigkeit und 

Möglichkeit des Vollzuges der Wegweisung verzichtet werden, denn die 

vorstehend erwähnten Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der 

Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alter-

nativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegwei-

sung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der 

Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu re-

geln. Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem 

weggewiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das Bun-

desverwaltungsgericht offen (Art. 112 AIG i. V. m. Art. 84 Abs. 2 AIG), wo-

bei in jenem Verfahren die Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach 

Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse von Neuem zu prü-

fen sind (vgl. BVGE 2011/7 E. 8 S. 88 f.). 

10.  

Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die Ziffern 4 und 5 des Dispo-

sitivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 7. März 2019 sind aufzuheben. 

Das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer gemäss den gesetzlichen 

Bestimmungen vorläufig aufzunehmen.  

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 

erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

E-1569/2019 

 

Seite 21 

 

11.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts des Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

11.3 In der Beschwerde wird ein zeitlicher Aufwand von 6 Stunden und 5 

Minuten zu einem Stundenansatz von Fr. 193.85 (inkl. Mehrwertsteuer) so-

wie eine Pauschale von Fr. 54.– geltend gemacht. Der aufgeführte Stun-

denaufwand erscheint angemessen. Der veranschlagte Stundenansatz be-

wegt sich im nach Art. 10 Abs. 2 VGKE vorgesehenen Rahmen. Für die 

weiteren Vertretungshandlungen wurde keine Kostennote eingereicht. Auf 

die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden, da sich 

dieser Aufwand zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE), zumal 

es sich dabei hauptsächlich um Eingaben von Beweismitteln (Arztberichte 

und Tazkera), die teils kurz kommentiert werden, Kurzmitteilungen, einem 

Fristverlängerungsgesuch und einer dreiseitigen Replik handelt (vgl. act. 

BVGer 3, 5, 7, 8 und 13). Die Parteientschädigung wird daher unter Be-

rücksichtigung der Bemessungsfaktoren auf insgesamt Fr. 2000– (inkl. 

Mehrwertsteuerzuschlag und Auslagen) festgesetzt. 

(Dispositiv nächste Seite)  

  

E-1569/2019 

 

Seite 22 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs 

der vorinstanzlichen Verfügung vom 7. März 2019 werden aufgehoben.  

2.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzuneh-

men.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Claudia Jorns Morgenegg