# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2555fda0-1f35-51f4-b443-4e58ad7bdfa1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 28.07.2023 LC230027
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LC230027_2023-07-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Zivilkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: LC230027-O/U 

 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. M. Kriech, Vorsitzender, Oberrichterin  

lic. iur. Ch. von Moos Würgler und Ersatzoberrichterin  

lic. iur. N. Jeker sowie Gerichtsschreiberin MLaw L. Hengartner 

Beschluss vom 28. Juli 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Gesuchsteller und Berufungskläger 

 

gegen 

 

B._____,  
Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend Ehescheidung  
 
 
 
 
 
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfah-
ren am Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, vom 23. Mai 2023 (FE220806-L) 
  

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Erwägungen: 

1.1. Die Parteien standen sich seit dem 24. November 2022 bei der Vor-

instanz in einem Scheidungsverfahren gegenüber (Urk. 1). Anlässlich der Anhö-

rung vom 30. Januar 2023 schlossen sie eine Vereinbarung über die Scheidungs-

folgen (Prot. I. S. 17; Urk. 11). Mit Verfügung vom 13. April 2023 setzte die Vor-

instanz den Parteien Frist an, um diverse Unterlagen einzureichen unter der An-

drohung, dass im Säumnisfalle auf das Scheidungsbegehren nicht eingetreten 

werde (Urk. 13). Mit Verfügung vom 23. Mai 2023 trat die Vorinstanz auf das 

Scheidungsbegehren nicht ein (Urk. 15 S. 3 = Urk. 22 S. 3).  

1.2. Dagegen erhoben die Parteien mit undatierter Eingabe (Poststempel 

vom 11. Juli 2023) gemeinsam Berufung und beantragten die Weiterführung des 

Scheidungsverfahrens (Urk. 21). Es wurden zwei separate Verfahren eröffnet 

(LC230026-O und LC230027-O). Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen 

(Urk. 1-20). Da sich die Berufung sogleich als offensichtlich unzulässig erweist, 

kann auf weitere Prozesshandlungen verzichtet werden (Art. 312 Abs. 1 ZPO). 

2. Die Berufungsfrist beträgt 30 Tage (Art. 311 Abs. 1 ZPO; vgl. dazu 

auch die korrekte Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Entscheid, Urk. 22 

S. 3 Dispositivziffer 6). Eine eingeschriebene Postsendung gilt am siebten Tag 

nach dem erfolglosen Zustellversuch als zugestellt, sofern der Adressat mit einer 

Zustellung rechnen musste (Art. 138 Abs. 3 lit. a ZPO). Diese sogenannte "Zu-

stellfiktion" rechtfertigt sich, weil für die an einem Verfahren Beteiligten nach dem 

Grundsatz von Treu und Glauben die Pflicht besteht, dafür zu sorgen, dass ihnen 

behördliche Akte eröffnet werden können. Die Rechtsprechung gilt während eines 

hängigen Verfahrens, wenn die Verfahrensbeteiligten mit der Zustellung eines 

behördlichen oder gerichtlichen Entscheides oder einer Verfügung mit einer ge-

wissen Wahrscheinlichkeit rechnen müssen (BGer 2C_364/2021 vom 5. August 

2021, E. 3.3.2 m.w.H.). 

3. Die angefochtene Verfügung konnte dem Berufungskläger und Ge-

suchsteller (fortan Gesuchsteller) nicht zugestellt werden (Urk. 16). Da er das  

vorinstanzliche Verfahren jedoch selbst eingeleitet hatte und somit Kenntnis von 

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diesem hatte, musste er mit weiteren Zustellungen rechnen. Damit greift die Zu-

stellfiktion (siehe E. 2) und die Verfügung vom 23. Mai 2023 galt am letzten Tag 

der Abholfrist – dem 2. Juni 2023 – als zugestellt (siehe Urk. 18). Die Berufungs-

frist endete daher am 3. Juli 2023 und die am 11. Juli 2023 eingereichte Berufung 

ist damit verspätet erhoben worden. Auf sie kann demzufolge nicht eingetreten 

werden. 

4. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist in Anwendung von § 5 Abs. 

1, § 6 Abs. 1, § 10 Abs. 1 sowie § 12 Abs. 1 und Abs. 2 GebV OG auf Fr. 100.– 

festzusetzen und angesichts seines Unterliegens dem Gesuchsteller aufzuerlegen 

(Art. 106 Abs. 1 ZPO). Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen, dem Ge-

suchsteller angesichts seines Unterliegens und der Gesuchstellerin und Beru-

fungsbeklagten mangels erheblicher Umstände (Art. 95 Abs. 3, Art. 106 Abs. 1 

ZPO). 

Es wird beschlossen: 

1. Auf die Berufung wird nicht eingetreten. 

2. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 100.–. 

3. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens werden dem Gesuchsteller 

auferlegt.  

4. Für das Berufungsverfahren werden keine Parteientschädigungen zuge-

sprochen. 

5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Vorinstanz, je gegen 

Empfangsschein. 

Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmit-

telfrist an die Vorinstanz zurück. 

6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 
30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

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schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). 

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine nicht 
vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine 
aufschiebende Wirkung. Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. 

 
Zürich, 28. Juli 2023 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Zivilkammer 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw L. Hengartner 
versandt am: 
ya 

	Beschluss vom 28. Juli 2023
	Erwägungen:
	Es wird beschlossen:
	1. Auf die Berufung wird nicht eingetreten.
	2. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 100.–.
	3. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens werden dem Gesuchsteller auferlegt.
	4. Für das Berufungsverfahren werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
	5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Vorinstanz, je gegen Empfangsschein.
	6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (...