# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cb25b35e-5767-5e69-b047-66ff91409cce
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-05-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.05.2015 D-1455/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1455-2015_2015-05-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1455/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M a i  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Martin Zoller (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Hans Schürch;    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

Staat unbekannt, 

(…),   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 4. Februar 2015 / N (…). 

 

 

 

D-1455/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 22. Oktober 2012 in der Schweiz um 

Asyl nach.  

A.a Zur Begründung brachte sie im Rahmen der Befragung im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ vom 14. November 2012 und der 

Anhörung durch das vormalige BFM nach Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) 

vom 27. Mai 2014 im Wesentlichen vor, sie sei chinesische Staatsangehö-

rige tibetischer Ethnie. Sie habe von Geburt an in dem von etwa fünfzehn 

bis zwanzig Familien bewohnten Dorf C._______ ([andere Schreibweise]) 

in der Gemeinde D._______ (Bezirk E._______, Präfektur F._______, Pro-

vinz G._______) in der autonomen Region Tibet gelebt. Oberhalb ihres 

Heimatdorfes lägen die Dörfer H._______, I._______ und J._______. Auf 

einem Berg ausserhalb des Dorfes befinde sich das Mönchskloster 

K._______. Bei Pilgerreisen habe sie die Klöster L._______, M._______ 

und N._______ sowie den Tempel O._______ besucht. Nach Lhasa ge-

lange man von ihrem Dorf aus mit dem Bus. Die Busfahrt koste ungefähr 

zwanzig Währungseinheiten. Die Währung sei in einer, zweier, fünfer, zeh-

ner, zwanziger, fünfziger und hunderter Münzen respektive Noten unter-

teilt. Früher hätten die Stückelungen Motze geheissen, heute Gormo. Sie 

habe von klein auf Schafe und Ziegen gehütet und im Haushalt gearbeitet. 

Zur Schule sei sie nie gegangen, sondern habe nur von ihrem Vater ein 

wenig Lesen und Schreiben in tibetischer Sprache gelernt. Abgesehen von 

ein paar wenigen Wörtern (bspw. Wochentage, Begrüssungsfloskeln) habe 

sie keine Chinesischkenntnisse. Ihre Mutter habe etwas Geld mit dem We-

ben von Kleidungsstücken verdient und ihr Vater habe Handel betrieben. 

Er sei dafür nach Lhasa, Dram und auch bis Nepal gereist. Genaueres über 

seine Arbeit und seine Reisen respektive die dafür benötigten Dokumente 

wisse sie nicht, da er nicht mit ihr darüber gesprochen habe; sie wisse nur, 

dass er eine Identitätskarte besessen habe. Am (…) 2000 habe sie gehei-

ratet. Ihr Mann habe zusammen mit ihrem Vater mit (…) gehandelt. Sie sei 

Hausfrau gewesen, habe weiterhin bei der Feldarbeit geholfen und sich um 

ihre zwei Kinder (geboren […] und […]) gekümmert, die immer noch in ih-

rem Heimatdorf bei ihrem Vater, ihrer Schwester und ihrem Schwager le-

ben würden. Eine Schulpflicht gebe es nicht (vgl. vorinstanzliche Akten A15 

S. 7 F68) beziehungsweise allenfalls in der Stadt, aber nicht in den Dörfern, 

wo jede Familie selbst entscheide, ob sie die Kinder in die Schule schicke 

(vgl. A15 S. 13 F112). Sie habe ihre Kinder nicht zur Schule geschickt, da 

dort nur Chinesisch unterrichtet werde (vgl. A15 S. 7 F66 f.). 

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Im April 2008 hätten sich ihr Mann und ihre Mutter auf eine Pilgerreise zu 

den Klöstern um Lhasa herum begeben und seien nicht mehr zurückge-

kehrt. Ihr Vater habe nach ihnen gesucht, aber nicht herausgefunden, was 

passiert sei, respektive die Polizei habe ihm gesagt, die beiden hätten ge-

gen die Chinesen protestiert, und ihm mit der Verhaftung gedroht, sollte er 

weitere Nachforschungen anstellen. Damals habe es Unruhen gegeben, 

bei denen viele Tibeter umgekommen seien, und sie gehe davon aus, dass 

auch ihr Mann und ihre Mutter getötet worden seien.  

Am 6. Juli 2012 – dem Geburtstag des Dalai Lama, den sie feiern würden, 

wie sie auch am 10. März dem Volksaufstand gegen die Chinesen geden-

ken würden (Sum Tschü Düten), wobei bei beiden Anlässen jeweils Poli-

zisten anwesend seien, um die Situation zu kontrollieren – habe sie mit den 

anderen Dorfbewohnern Rauchopfer dargebracht und Gebete rezitiert. An-

schliessend habe sie zusammen mit etwa zwanzig oder dreissig Personen 

demonstriert. Die Demonstration sei spontan zustande gekommen, da die 

Leute über die Vorkommnisse der letzten Zeit – Selbstverbrennungen, 

Festnahme eines jungen Mannes vor etwa zwei Monaten wegen des Be-

sitzes buddhistischer Unterweisungen – aufgebracht gewesen seien. Sie 

habe "Freiheit für Tibet, lang lebe der Dalai Lama" gerufen. Kurz nach De-

monstrationsbeginn seien vier bis fünf Polizisten gekommen und hätten ei-

nige Personen festgenommen. Sie habe auch zwei Schüsse gehört. Ihr 

und ihrer Freundin P._______ sei die Flucht gelungen und sie hätten sich 

drei Tage lang bei einem Aku (Onkel oder ältere Person) im Nachbardorf 

versteckt. Am 9. Juli 2012 sei sie mit der besagten Freundin und einem 

Bekannten ihres Schwagers (vgl. A8 S. 7) respektive einem anderen Aku 

(vgl. A15 S. 7 F71) mit dessen Wagen nach Q._______ gefahren; sie habe 

sich auf der Ladefläche zwischen den zu transportierenden Waren ver-

steckt. Von Q._______ aus seien sie mit Hilfe eines Schleppers zu Fuss 

weitergelaufen. Über einen Fluss und einen Berg seien sie zu einer Strasse 

gelangt, von wo aus sie mit einem Auto zu einem Chörten in Nepal gefah-

ren seien. Ein Verwandter von P._______ habe in der Nähe dieses Chörten 

in R._______ gewohnt und sie hätten bei ihm Unterschlupf gefunden. Am 

Abend des 20. Oktober 2012 habe sie Nepal verlassen. Sie sei mit einem 

Schlepper, der ein dunkelgrünes, mit ihrem Foto versehenes Ausweisdo-

kument – wahrscheinlich ein nepalesischer Pass – für sie dabei gehabt 

habe, von Kathmandu mit einer Zwischenlandung an einen ihr unbekann-

ten Ort geflogen, von wo aus sie am Folgetag mit dem Zug in die Schweiz 

gelangt sei. Sie könne keine Identitätspapiere zu den Akten reichen. Einen 

Pass habe sie nie gehabt und die ihr im Jahr 2008 (vgl. A8 S. 6) respektive 

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im Alter von achtzehn oder neunzehn Jahren (vgl. A15 S. 4 F36) ausge-

stellte Identitätskarte habe sie in der Nähe von Q._______ in einen Fluss 

geworfen. Ein Familienbüchlein habe sie nicht besessen (vgl. A8 S. 6) res-

pektive sie habe mit ihrem Mann und ihren Kindern ein Huku (Familien-

büchlein) gehabt (vgl. A15 S. 4 F31). 

A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten 

des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle bei den Akten 

verwiesen (vgl. A8 und A15).  

B.  

B.a Mit Verfügung vom 4. Februar 2015 – eröffnet am 5. Februar 2015 – 

stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, wobei es den 

Vollzug in die Volksrepublik China ausschloss.  

B.b Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, die Vorbringen 

der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Die geltend gemachte Herkunft müsse 

bezweifelt werden. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage gewesen, 

korrekte Angaben zu ihrer Heimat zu machen. So habe sie beispielsweise 

angegeben, ihr Vater sei nur mit einer Identitätskarte nach Nepal gereist. 

Für den Grenzübertritt reiche dieses Dokument indes nicht aus. Des Wei-

teren habe sie ein Mönchskloster namens K._______ in der Nähe ihres 

Dorfes erwähnt. Dieses existiere zwar wirklich, jedoch handle es sich dabei 

um ein Nonnenkloster. Auch zur chinesischen Währung habe sie unzutref-

fende Angaben gemacht, indem sie angegeben habe, die Stückelung na-

mens Motze würde heutzutage nicht mehr existieren. Motze sei jedoch der 

umgangssprachliche Ausdruck für Jiao und nach wie vor in Umlauf; Tibeter 

würden sie gerne in den Klöstern als Opfergaben spenden. Die Stückelung 

der Geldscheine habe die Beschwerdeführerin zwar korrekt angegeben, 

aber sie habe die Währung Gormo genannt. Dieser Ausdruck bedeute in-

des nur "Geldeinheit" und könne daher für jede Währung gebraucht wer-

den. Zudem habe sich die Beschwerdeführerin zur Schulpflicht unkorrekt 

geäussert. Als Mutter hätte sie wissen sollen, dass in China eine Schul-

pflicht bestehe und nicht nur Chinesisch, sondern auch Tibetisch unterrich-

tet werde. Auch die Aussage, es sei in China erlaubt, den Geburtstag des 

Dalai Lama und Sum Tschü Düten zu feiern, nur erscheine die Polizei re-

gelmässig bei den Feierlichkeiten, um die Lage zu kontrollieren, sei unzu-

treffend. In China sei es verboten, diese beiden Tage zu feiern. Im Übrigen 

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habe sie sich zu den administrativen Einheiten unkorrekt geäussert; ihr 

Dorf befinde sich vielmehr im Kreis S._______, der sich in der Stadt Lhasa 

befinde. Insgesamt würden die länderspezifischen Angaben der Beschwer-

deführerin nicht überzeugen. Ausweispapiere, welche die behauptete Her-

kunft oder den zurückgelegten Reiseweg belegen könnten, habe sie keine 

eingereicht. Zudem habe sie diesbezüglich widersprüchliche Aussagen ge-

macht, indem sie erst angegeben habe, die Identitätskarte sei ihr im Jahr 

2008 ausgestellt worden und sie habe kein Familienbüchlein besessen, 

danach aber ausgesagt habe, sie habe die Identitätskarte im Alter von acht-

zehn oder neunzehn Jahren erhalten und ein Huku (Familienbüchlein) ge-

habt. Es sei davon auszugehen, dass sie den Asylbehörden Ausweispa-

piere bewusst vorenthalte, um ihre Identität und den Reiseweg zu ver-

schleiern und so den Vollzug einer Wegweisung in den tatsächlichen Her-

kunftsstaat zu erschweren oder gar zu verunmöglichen.  

Die Asylgründe habe die Beschwerdeführerin unsubstanziiert, tatsachen-

widrig und der allgemeinen Erfahrung widersprechend geschildert. Ge-

burtstagsfeiern für den Dalai Lama seien in China verboten. Die Angabe 

der Beschwerdeführerin, wonach der Dorfvorsteher die Gebete und die Ze-

remonie für den 6. Juli 2012 organisiert und der Tag öffentlich gefeiert wor-

den sei, widerspreche daher den lokalen Gegebenheiten. Zudem habe sich 

die Beschwerdeführerin zur Frage, wie es zu der besagten Demonstration 

vom 6. Juli 2012 gekommen sei, nur oberflächlich geäussert. Hinsichtlich 

der Pilgerreise ihrer Mutter und ihres Mannes im April 2008 sei darauf hin-

zuweisen, dass die damalige Sicherheitslage in und um Lhasa sehr ange-

spannt gewesen sei. Die grösseren Klöster um Lhasa seien im März 2008 

für Besucher geschlossen worden. Das Kloster N._______ sei für Besu-

cher erst am 28. April 2008 und das Kloster M._______ im August 2008 

wieder geöffnet worden. Angesichts der unsicheren Lage, die bei der Be-

völkerung weithin bekannt gewesen sei, sei es nicht nachvollziehbar, dass 

sich damals Personen aus der näheren Umgebung von Lhasa auf eine Pil-

gerreise begeben hätten. Obwohl die Beschwerdeführerin unbestrittener-

massen tibetischer Ethnie sei, würden ihre mangelhaften Länder- bezie-

hungsweise Regionalkenntnisse, die fehlenden Chinesischkenntnisse, das 

Fehlen von Identitätspapieren und die unglaubhaft vorgetragenen Asyl-

gründe nahelegen, dass sie nicht in der von ihr angegebenen Region sozi-

alisiert worden sei. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-

von auszugehen, dass sie vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in China, 

sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie aber keine kon-

kreten und glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem 

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Drittstaat geliefert habe, sei davon auszugehen, dass keine flüchtlings- o-

der wegweisungsbeachtlichen Gründe bestehen würden, die gegen eine 

Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort sprechen würden. Die Be-

schwerdeführerin habe damit keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermocht. Sie sei des-

halb nicht als Flüchtling anzuerkennen. Das Asylgesuch sei abzulehnen 

und die Wegweisung anzuordnen.  

Die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar von Amtes we-

gen zu prüfen, aber diese Untersuchungspflicht finde ihre Grenzen an der 

Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden, der auch die Substanziierungslast 

trage. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen sei-

tens des Asylsuchenden nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernis-

sen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Vollzug der Weg-

weisung der Beschwerdeführerin, welche die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfülle, sei zulässig, wobei ein Vollzug in die Volksrepublik China auszu-

schliessen sei. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin aber die Folgen 

ihrer unglaubhaften Identitätsangaben und Asylgründe zu tragen, indem 

vermutungsweise davon auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung 

an den bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. Es 

sei ihr auch zuzumuten, sich bei der zuständigen Vertretung die allenfalls 

benötigten Reisepapiere zu beschaffen. 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 4. März 2015 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, worin um Aufhebung der vor-

instanzlichen Verfügung und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 

sowie um Gewährung des Asyls, eventualiter um Feststellung der Flücht-

lingseigenschaft aufgrund des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe 

und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme infolge Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs, subeventualiter um Gewährung der vorläufigen 

Aufnahme infolge Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungs-

vollzugs, ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem – 

unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 12. Februar 

2015 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

C.b Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen gel-

tend, sie stamme aus dem zentraltibetischen Dorf C._______. Das beilie-

gende Schreiben des schweizerischen Tibet Bureau vom (…) 2015 bestä-

tige ihre tibetische Herkunft. Nach der Teilnahme an einer Demonstration 

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gegen die chinesische Regierung anlässlich des Geburtstags des Dalai 

Lama am 6. Juli 2012 habe sie aus ihrem Heimatdorf fliehen müssen. Die 

Vorinstanz habe bemängelt, dass sie nicht wisse, welche Dokumente not-

wendig seien, um ins Ausland zu reisen. Da sie ihr Heimatland zuvor nie 

verlassen habe, könne sie dies aber nicht wissen. Ihren Vater, der gele-

gentlich beruflich nach Nepal gereist sei, habe sie nie gefragt, mit welchen 

Dokumenten er reisen würde. Sie wisse nur, dass er im Besitz einer Iden-

titätskarte gewesen sei. Bei dem Kloster in ihrem Heimatdorf handle es 

sich nicht um ein Nonnen-, sondern ein Mönchskloster. Hingegen existiere 

nördlich von Lhasa ein Nonnenkloster namens T._______; allenfalls liege 

eine diesbezügliche Verwechslung des SEM vor (vgl. beiliegende Fotos 

und Kartenausdrucke [Google Maps]). Bezüglich der Währung habe sie 

nicht behauptet, Motze würden nicht mehr existieren, sondern gesagt, dass 

heutzutage nur noch wenige Motze, die fast keinen Wert mehr hätten, in 

Umlauf seien. Sie hätten immer das Wort "Gormo" benutzt, wie sie dies 

nun auch in der Schweiz für die hiesige Währung gebrauche. Die chinesi-

schen Behörden würden zwar stets propagieren, dass eine Schulpflicht 

existiere, jedoch sehe die Realität anders aus, wie der beiliegende Bericht 

"Education in Tibet" zeige. In ihrem Dorf würden die Kinder häufig für die 

Haus- und Feldarbeit gebraucht. Zudem habe eine ihrer Töchter Probleme 

mit dem Gehör und sich deshalb gegen einen Schulbesuch gewehrt. Pom-

pöse Festlichkeiten seien in Tibet zwar verboten, aber zeremonielle Ereig-

nisse wie Rauchopfergaben zu Ehren des Dalai Lama fänden – teils öffent-

lich, teils versteckt – statt. Erst vor wenigen Tagen sei in Tibet während des 

tibetischen Neujahrs ein Altar mit einem Bild des Dalai Lama öffentlich auf-

gestellt worden und tausende Landsleute hätten ihm gehuldigt. In den Me-

dien sei darüber berichtet worden. Die Vorinstanz liege deshalb falsch, 

wenn sie davon ausgehe, dass in Tibet keine Feierlichkeiten stattfänden 

(vgl. beiliegende Medienberichte zu Feierlichkeiten in Tibet). Hinsichtlich 

der administrativen Einheiten, bei denen die chinesischen Behörden oft 

seltsame Gliederungen machen würden, kenne sie sich nicht gut aus. Von 

Tibetern würden diese nur selten benutzt. Ihr Dorf C._______ gehöre zu 

E._______. Die Provinz werde von Tibetern G._______ genannt. Bezüg-

lich ihrer Papierlosigkeit weise sie darauf hin, dass es für Tibeter schwierig 

sei, Dokumente zu organisieren, wie die beiliegende Länderanalyse der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 4. März 2014 zeige. Zudem 

sei sie vom Schlepper angewiesen worden, ihre Dokumente zu vernichten. 

Hinsichtlich des Ausstellungsdatums ihrer Identitätskarte sei es zu einem 

Missverständnis gekommen; ihr Vater habe die Identitätskarte für sie be-

antragt, als sie etwa achtzehn Jahre alt gewesen sei. Bezüglich des Vor-

wurfs, es sei nicht nachvollziehbar, dass ihre Mutter und ihr Mann im April 

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2008 eine Pilgerreise angetreten hätten, weise sie darauf hin, dass sie von 

der damaligen Schliessung der Klöster in der Umgebung von Lhasa in ih-

rem Dorf nichts erfahren hätten. Die chinesische Regierung versuche stets, 

Unruhen im Keim zu ersticken und Geschehnisse nicht publik zu machen. 

Sie habe ihre Flucht aus Tibet und die Gründe, die dazu geführt hätten, so 

ausführlich wie möglich geschildert. Sollte ihr kein Asyl gewährt werden, 

wäre sie zumindest vorläufig aufzunehmen. Aufgrund der illegalen Aus-

reise aus China drohe ihr bei einer Rückkehr die Festnahme, weshalb sie 

die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Im Übrigen wäre der Wegweisungsvoll-

zug unzumutbar und unmöglich. Sie besitze in keinem anderen Staat eine 

Aufenthaltsbewilligung und wisse daher nicht, in welches Land sie ausrei-

sen könnte.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. März 2015 stellte der Instruktionsrichter 

fest, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten dürfe. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und 

verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 27. März 2015 beantragte das SEM die 

Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin vermöge die Zweifel 

an der geltend gemachten Herkunft aus China nicht zu entkräften. Hinsicht-

lich des Klosters im Dorf der Beschwerdeführerin liege zwar tatsächlich ein 

Irrtum seitens des SEM vor, dieser ändere aber nichts an der Unglaubhaf-

tigkeit der geltend gemachten Sozialisation in Tibet. Auch wenn die Be-

schwerdeführerin nur Pilgerreisen in der Umgebung von Lhasa unternom-

men habe, wäre von einer Person, die rund dreissig Jahre in Tibet gelebt 

habe und aus einer Familie stamme, die Handel betrieben habe, zu erwar-

ten gewesen, dass sie die für eine Nepal-Reise notwendigen Dokumente 

kennen würde. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe zum Ge-

brauch von Motze würden nicht mit den örtlichen Gegebenheiten überein-

stimmen. Motze seien auch heute noch weit verbreitet und würden von der 

lokalen Bevölkerung verwendet. Hinsichtlich der Schulpflicht stimme das 

SEM der Beschwerdeführerin insofern zu, als dass diese in Tibet nicht 

überall gleich streng eingehalten werde. Als Mutter wäre von der Be-

schwerdeführerin aber zu erwarten gewesen, dass sie die Tatsache, dass 

grundsätzlich eine Schulpflicht bestehe, bei der Anhörung erwähnt hätte. 

Ihre Angabe in der Anhörung, wonach sie die Kinder nicht zur Schule ge-

schickt habe, da dort nur Chinesisch unterrichtet würde, sei realitätsfremd, 

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zumal gemäss einem aus dem Jahr 2011 datierenden Bericht gerade in 

ländlichen Regionen tibetische Unterrichtsmaterialien verwendet würden. 

Das SEM zweifle nicht an, dass die Bevölkerung Feierlichkeiten und Ge-

denktage trotz des bestehenden Verbots durchführe, jedoch sei es nicht 

vorstellbar, dass der Geburtstag des Dalai Lama oder das Sum Tschü Dü-

ten-Gedenken öffentlich gefeiert würden und die Behörden nur zur Kon-

trolle anwesend seien. Die Unkenntnis der Beschwerdeführerin bezüglich 

der Schliessung der Klöster um Lhasa nach den Unruhen im März 2008 

sei unglaubhaft. Zwar treffe es zu, dass die chinesische Regierung den 

Informationsfluss über solche Ereignisse stark reguliere und einschränke, 

aber über die Unruhen im März 2008 und die damalige Schliessung der 

Klöster sei auch in den chinesischen Staatsmedien berichtet worden. In 

Anbetracht der Nähe des Heimatdorfes der Beschwerdeführerin zu Lhasa 

könne davon ausgegangen werden, dass die Dorfbewohner zumindest 

grobe Kenntnisse über diese Vorkommnisse und die Unmöglichkeit einer 

Pilgerreise zu jenem Zeitpunkt gehabt hätten. Da die tibetische Abstam-

mung der Beschwerdeführerin nicht bestritten werde, könne das mit der 

Rechtsmitteleingabe eingereichte Schreiben des Tibet Bureau, das ihre 

Herkunft bestätige, nicht zu ihren Gunsten ausgelegt werden. Der Gesetz-

geber sehe hinsichtlich der Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts 

keine Pflicht zur Erstellung von Experten-Gutachten vor. Aufgrund des ho-

hen Masses der Unglaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin 

zu ihrer angeblichen Herkunft sei auf die Erstellung eines Lingua-Gutach-

tens verzichtet worden.  

F.  

In der Replik vom 16. April 2015 brachte die Beschwerdeführerin im We-

sentlichen vor, dass die Geschäftsangelegenheiten in ihrem Dorf von den 

Männern erledigt worden seien, weshalb sie keine genauen Angaben zu 

den für eine Handelsreise nach Nepal benötigten Dokumenten machen 

könne. Hinsichtlich des Gebrauchs von Motze habe sie lediglich gesagt, 

dass diese aufgrund ihres geringen Werts im Alltagsleben nur wenig be-

nutzt worden seien, was aber nicht heisse, dass sie heute nicht mehr exis-

tieren würden. Die Chinesen würden propagieren, dass Tibeter gleichbe-

rechtigt seien und Tibetisch in der Schule gelehrt werde. Dies entspreche 

aber nicht der Realität. Tibetisch werde nur rudimentär gelehrt. Da niemand 

von ihrer Familie die Schule besucht habe, könne sie zum Schulsystem 

keine näheren Angaben machen. Sie habe ihre Kinder nicht in die Schule 

geschickt, sondern ihr Vater habe ihnen fast alles beigebracht, was man 

dort lernen sollte. Bezüglich des Geburtstags des Dalai Lama habe sie 

nicht geltend gemacht, dass sie diesen Tag mit einem grossen Fest feiern 

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würden, sondern gesagt, dass sie nur Rauchopfer (Sangsoel) darbringen 

würden. Allenfalls habe die Dolmetscherin den Ausdruck "Sangsoel" nicht 

richtig verstanden und mit "Feier" übersetzt. Am Sum Tschü Düten-Ge-

denktag seien öffentliche Kundgebungen selbstverständlich verboten, aber 

zu Hause werde für diejenigen gebetet, die sich für Tibet angezündet hät-

ten. Auch wenn ihr Dorf nicht weit von Lhasa entfernt sei, habe sie nicht 

gewusst, was dort im Jahr 2008 geschehen sei. Sie hätten zu Hause kei-

nen Computer und keinen Zugang zum Internet gehabt. Aufgrund der 

Überwachung und Zensur der chinesischen Medien habe sie generell 

kaum etwas von Lhasa mitbekommen. Auch hierzulande lese man kaum 

etwas zu Tibet in den Zeitungen, obwohl sie fünf bis sieben Mal pro Jahr 

vor der chinesischen Botschaft demonstrieren würden.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

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Seite 11 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwie-

gen oder nicht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 [S. 142 f.]). 

4.  

Die Vorinstanz hielt es zwar für wahrscheinlich, dass die Beschwerdefüh-

rerin tibetischer Ethnie sei, erachtete jedoch die von ihr geltend gemachte 

Herkunft aus Tibet sowie ihre Fluchtgründe als nicht glaubhaft (Art. 7 

AsylG); es sei vielmehr davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 

nicht auf tibetischem beziehungsweise chinesischem Gebiet gelebt habe. 

4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat seine bis anhin gültige Praxis ge-

mäss Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1 sowie BVGE 2009/29 in BVGE 

2014/12 (Urteil vom 20. Mai 2014) einer eingehenden Überprüfung unter-

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zogen. Es ist dabei zum Schluss gelangt, dass für Angehörige der tibeti-

schen Ethnie sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit bestehe, 

unter gewissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, und 

es unter engen Voraussetzungen auch möglich sei, die entsprechende 

Staatsangehörigkeit zu erwerben, womit die chinesische Staatsangehörig-

keit wegfalle. Es müsse aber (weiterhin) davon ausgegangen werden, dass 

ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeterinnen und –

Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben habe und nach wie vor 

die chinesische Staatsangehörigkeit besitze (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.8). 

Weiter wurde im besagten BVGE präzisierend festgestellt, dass bei Perso-

nen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Identität verschleiern oder verheimli-

chen, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- o-

der wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bis-

herigen Aufenthaltsort bestünden, zumal die Abklärungspflicht der Asylbe-

hörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person 

finde. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung 

der Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal 

respektive Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung 

im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch 

die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prü-

fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr 

effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.8-5.10).  

Aufgrund des Gesagten kommt der Frage der Verlässlichkeit der Her-

kunftsangaben der asylsuchenden Person wesentliche Bedeutung zu. 

4.2 Das BFM beurteilte die Frage der Herkunft der Beschwerdeführerin ein-

zig gestützt auf deren Aussagen anlässlich der Befragung vom 14. Novem-

ber 2012 und der Anhörung vom 27. Mai 2014. Es erachtete die Antworten 

zu den Fragen zum Alltags- und Länderwissen als ungenügend und kam 

gestützt darauf zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin nicht aus Tibet 

stamme. Ein Lingua-Gutachten, mit welchem die sprachlichen und landes-

kundlich-kulturellen Kenntnisse eines Asylsuchenden durch einen entspre-

chend befähigten Experten geprüft werden, wurde nicht erstellt. 

4.2.1 Das Gesetz sieht zwar keine Pflicht zur Erstellung eines Lingua-Gut-

achtens vor. Die Behörde ist aber verpflichtet, von Amtes wegen für die 

richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu 

sorgen (Art. 12 VwVG). Die Asylsuchenden trifft dabei gemäss Art. 8 AsylG 

eine Mitwirkungspflicht, im Rahmen derer sie insbesondere ihre Identität 

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offenzulegen und vorhandene Reise- oder Identitätspapiere abzugeben 

haben (vgl. hierzu auch BVGE 2011/28 E. 3.4).  

4.2.2 In casu liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass das vorinstanz-

liche Verfahren den Anforderungen an eine vollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts nicht zu genügen vermag. Die Beschwer-

deführerin hat keine Identitätspapiere eingereicht, die verbindliche Rück-

schlüsse auf ihre Identität erlauben würden. Es liegen auch keine weiteren 

Dokumente vor, die zumindest Hinweise auf ihre wahre Identität geben 

könnten. Allein die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin Tibetisch 

spricht und im Rahmen der Anhörung verschiedentlich chinesische Aus-

drücke verwendete (bspw. für die Identitätskarte [A15 S. 4 F26] und das 

Familienbüchlein [A15 S. 4 F30], den Bus [A15 S. 6 F53], die Polizei [A15 

S. 7 F70], einen Transportwagen [A15 S. 7 F71] oder den Dorfvorsteher 

[A15 S. 8 F74]), stellt keinen hinreichenden Beweis dafür dar, dass sie chi-

nesische Staatsangehörige ist. Demgegenüber vermögen allfällige Zweifel 

an dem von der Beschwerdeführerin geltend gemachten fluchtauslösen-

den Ereignis vom 6. Juli 2012 die geltend gemachte Herkunft aus Tibet 

nicht eindeutig in Frage zu stellen. Die Identität der Beschwerdeführerin 

steht daher nicht fest. Auch wenn das SEM berechtigterweise auf gewisse 

Lücken im anlässlich der Anhörung vom 27. Mai 2014 erfragten Länderwis-

sen der Beschwerdeführerin hinweist, sind ihre Aussagen zur behaupteten 

Herkunftsregion in Tibet keineswegs gänzlich unsubstanziiert geblieben. 

Die Beschwerdeführerin vermochte beispielsweise Angaben zur Grösse ih-

res Dorfes (zirka fünfzehn bis zwanzig Familien ansässig), umliegenden 

Ortschaften (H._______, I._______, J._______), Sakralbauten in ihrem 

Heimatdorf (Mönchskloster K._______) und der Umgebung (Klöster 

L._______, M._______, N._______; Tempel O._______), öffentlichen 

Transportmitteln nach Lhasa (Bus) und dem Preis einer solchen Busfahrt 

(zwanzig Währungseinheiten) oder der Münz- respektive Notenstückelung 

der Währung (einer, zweier, fünfer, zehner, zwanziger, fünfziger, hunderter) 

zu machen. Ob diese Angaben korrekt sind, vermag das Gericht nicht zu 

beurteilen. Allein aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin im Rah-

men der Befragung vom 14. November 2012 und der Anhörung vom 

27. Mai 2014 kann nicht abschliessend beurteilt werden, ob die von ihr gel-

tend gemachte Herkunft aus Tibet zutrifft, zumal das SEM mehrere Un-

glaubhaftigkeitselemente, welches es der Beschwerdeführerin vorhielt, in 

seiner Vernehmlassung vom 27. März 2015 selbst relativierte (Einräumung 

eines Irrtums seitens des SEM bezüglich des Klosters im Dorf der Be-

schwerdeführerin, Relativierung der Vorhalte betreffend die Einhaltung der 

Schulpflicht in Tibet und die dortige Durchführung von Feierlichkeiten und 

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Gedenktagen, Anerkennung der starken staatlichen Regulierung und Ein-

schränkung der Berichterstattung über Ereignisse in Tibet). Darüber hinaus 

liegen auch zur sprachlichen Färbung des Tibetisch der Beschwerdeführe-

rin keinerlei Angaben vor. Aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage lässt sich 

nicht mit rechtsgenüglicher Sicherheit auf eine bewusste Verschleierung 

der Herkunft schliessen. Zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung 

scheint vorliegend die Durchführung eines Alltagswissenstests und einer 

Lingua-Analyse durch einen ausgewiesenen Experten geboten, verbunden 

mit der anschliessenden Einräumung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 

Abs. 2 BV, Art. 29 f. und Art. 32 Abs. 1 VwVG; vgl. hierzu auch EMARK 

2004 Nr. 28). 

4.3 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung ist 

insbesondere dann angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden 

müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Vorlie-

gend ist eine Rückweisung angezeigt, zumal es nicht Sinn und Zweck des 

Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht ist, den Sach-

verhalt rechtsgenüglich zu erstellen.  

5.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, soweit die 

Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 4. Februar 2015 beantragt 

wird, und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Damit erübrigt es sich, auf 

die weiteren Beschwerdevorbringen näher einzugehen.  

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

6.2 Aufgrund der Akten besteht kein Anlass zur Annahme, der nicht anwalt-

lich vertretenen Beschwerdeführerin wären durch die Beschwerdeführung 

notwendige Kosten im gesetzlichen Sinne erwachsen, weshalb ihr trotz 

Obsiegens keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 4 sowie Art. 9 des Reglements vom 21. Feb-

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

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(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanz-

lichen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung vom 4. Februar 2015 wird aufgehoben und die Sache im 

Sinne der Erwägungen zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Martin Zoller Susanne Burgherr 

 

 

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