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**Case Identifier:** 277cf7b0-e18f-5d8b-8980-e7058f324f14
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-21
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 21.12.2023 200 2023 599
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2023-599_2023-12-21.pdf

## Full Text

200 23 599 UV
SCI/SCC/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 21. Dezember 2023

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
vertreten durch Fürsprecher B.________ und/oder Rechtsanwältin 
C.________
Beschwerdeführerin

gegen

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
Postfach, 8010 Zürich
Beschwerdegegnerin

betreffend Einspracheentscheid vom 11. Juli 2023 (UVG …)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1969 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
arbeitete ab April 1985 für die G.______ und war dadurch bei …. (heute: 
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG [Allianz] bzw. Beschwerde-
gegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfäl-
len versichert (Akten der Allianz [act. II] 1001, 1166). Am TT. Dezember 
1996 erlitt die Versicherte bei einer Auffahrkollision (act. II 1001 f.) eine 
Distorsion der HWS mit myogenem Cervikalsyndrom (medizinische Akten 
der Allianz [act. IIA] 2). Die Allianz nahm erwerbliche und medizinische Ab-
klärungen vor, u.a. holte sie ein neuropsychiatrisches Teilgutachten bei 
Prof. Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
Klinik E.________, vom 27. April 2004 (act. IIA 29) und ein neurologisches 
Gutachten bei Dr. med. F.________ sel., Facharzt für Neurologie, Klinik 
E.________, vom 8. November 2004 (act. IIA 30) sowie eine Stellungnah-
me der Gutachter vom 26. Oktober 2005 (act. IIA 31) ein. Mit Verfügung 
vom 19. Mai 2006 sprach die Allianz der Versicherten ab dem 1. Juli 2006 
bei einem Invaliditätsgrad von 38 % eine UV-Rente von monatlich 
Fr. 1'795.-- und bei einem Integritätsschaden von 25 % eine Integritätsent-
schädigung von Fr. 24'300.-- zu (act. II 1110). Hiergegen erhob die Versi-
cherte am 21. Juni 2006 Einsprache (act. II 1113). Mit Schreiben vom 17. 
August 2006 wies die Allianz die Versicherte auf "die bisher entgegenkom-
menderweise ausgeklammerte Adäquanzproblematik" hin. Sie gewährte 
das rechtliche Gehör, kündigte zudem eine reformatio in peius an und gab 
die Möglichkeit zum Rückzug der Einsprache (act. II 1114). Mit dem Rück-
zug der Einsprache am 30. Oktober 2006 (act. II 1117) erwuchs die Verfü-
gung in Rechtskraft (vgl. act. II 1127) und die Beschwerdegegnerin richtete 
die entsprechenden Leistungen aus.

Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (act. II 1127) verfügte die Allianz 
am 25. Februar 2008, dass ab dem 1. März 2008 (noch) zwei Serien Phy-
siotherapie (18 Sitzungen) pro Jahr sowie die in diesem Zusammenhang 
notwendigen Konsultationen beim Hausarzt übernommen würden 
(act. II 1131).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 3

Die Versicherte meldete sich parallel dazu am 18. September 2003 bei der 
IV-Stelle Bern (IVB) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung 
an. Mit Verfügung vom 18. Mai 2006 sprach die IVB der Versicherten bei 
einem Invaliditätsgrad von 48 % ab dem 1. September 2002 und von 35 % 
ab dem 8. November 2004 eine befristete Viertelsrente vom 1. September 
2002 bis zum 1. Februar 2005 zu (act. II 1079, 1109). Mit Entscheid vom 
22. Oktober 2007 wies die IVB die hiergegen erhobene Einsprache ab. Die 
dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons 
Bern mit Urteil vom 23. November 2009 ab (IV/2007/68861).

B.

Mit Verfügung vom 24. September 2021 stellte die Allianz die Versiche-
rungsleistungen per 31. Oktober 2021 ein und entzog einer allfälligen Ein-
sprache die aufschiebende Wirkung. In der Begründung legte sie u.a. dar, 
die Verfügungen vom 19. Mai 2006 und 25. Februar 2008 würden in Wie-
dererwägung gezogen; infolge fehlender Prüfung der Adäquanz in der Ver-
fügung vom 19. Mai 2006 seien diese rechtsfehlerhaft und demzufolge 
zweifellos unrichtig. Der Unfall vom 5. Dezember 1996 sei als mittelschwe-
rer Unfall an der Grenze zu den leichten einzustufen. Von den sieben zu 
prüfenden Kriterien gemäss der Rechtsprechung zum Schleudertrauma der 
Halswirbelsäule könne keines ansatzweise bejaht werden. Zum gleichen 
Ergebnis sei die Allianz bereits im Schreiben vom 17. August 2006 gelangt 
(act. II 1148). Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Fürspre-
cher und Notar B.________, Einsprache (act. II 1150, 1157). Mit Schreiben 
vom 30. März 2023 eröffnete die Allianz die Verfügung vom 24. September 
2021 der Krankenversicherung der Versicherten (act. II 1163). Mit Ent-
scheid vom 11. Juli 2023 wies die Allianz die Einsprache ab (act. II 1166).

C.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 4

Mit Eingabe vom 25. August 2023 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin Dr. iur. C.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons 
Bern Beschwerde. Sie beantragte, der Einspracheentscheid vom 11. Juli 
2023 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die 
Invalidenrente weiterhin auszurichten.

Mit Beschwerdeantwort vom 22. September 2023 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 
ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des 
kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege 
[VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 11. Juli 
2023 (act. II 1166). Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin 
die Verfügungen vom 19. Mai 2006 und 25. Februar 2008, mit welcher sie 
der Beschwerdeführerin Leistungen zugesprochen hatte, zu Recht in Wie-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 5

dererwägung zog und anschliessend die laufende UV-Rente auf der Basis 
einer Erwerbsunfähigkeit von 38 % nach Prüfung der Adäquanz ex nunc et 
pro futuro per 31. Oktober 2021 einstellte.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi-
cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines 
Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung [UVG; 
SR 832.20]).

2.2 Der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung 
setzt nebst anderem einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammen-
hang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus 
(BGE 147 V 161 E. 3.1 S. 162, 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; Entscheid 
des Bundesgerichts [BGer] vom 12. Juli 2022, 8C_596/2021 [zur Publikati-
on vorgesehen], E. 3).

2.2.1 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind 
alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als 
eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit 
eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist 
für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, 
dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher 
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit 
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicher-
ten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge-
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 6

Störung entfiele ("conditio sine qua non"; BGE 147 V 161 E. 3.2 S. 163). 
Steht aufgrund einer speziellen Adäquanzprüfung fest, dass ein allfällig 
bestehender natürlicher Kausalzusammenhang nicht adäquat und damit 
nicht rechtsgenüglich wäre, braucht die Frage, ob der natürliche Kausalzu-
sammenhang tatsächlich besteht, nicht geprüft zu werden (BGE 148 V 301 
E. 4.5.1 S. 309, 147 V 207 E. 6.1 S. 211, 135 V 465 E. 5.1 S. 472).

2.2.2 Nach der Schleudertrauma-Praxis ist analog zu den bei psychi-
schen Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Grundsätzen (BGE 115 V 
133) für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs im Einzelfall 
zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- bzw. Er-
werbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann 
zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten 
ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Un-
fallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Gesche-
hensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (BGE 140 V 356 
E. 5.1 S. 359; SVR 2019 UV Nr. 41 S. 157 E. 8.1). Während der adäquate 
Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne Weiteres 
bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage 
der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des 
Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv 
erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammen-
hang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in 
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126; 
SVR 2019 UV Nr. 11 S. 44 E. 8.2.1). Handelt es sich um einen mittel-
schweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen müssen für die 
Bejahung der Adäquanz vier Kriterien gegeben sein (SVR 2019 UV Nr. 11 
S. 45 E. 8.4). Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven 
Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzu-
sammenhangs (BGE 117 V 359 E. 6 S. 366, 117 V 369 E.4c S. 384). 

Der Katalog der – abschliessend aufgezählten (BGE 134 V 109 E. 10.2 
S. 127) – adäquanzrelevanten Kriterien lautet (BGE 134 V 109 E. 10.3 
S. 130; SVR 2017 UV Nr. 41 S. 143 E. 6.1):

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Ein-
drücklichkeit des Unfalls;

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 7

- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
- fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
- erhebliche Beschwerden;
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver-

schlimmert;
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
- erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengun-

gen.

2.3 Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügun-
gen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos 
unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist 
(Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer an-
fänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststel-
lung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts (BGE 148 V 195 E. 5.3 
S. 202).

2.3.1 Nach der Rechtsprechung kann die Wiedererwägung rechtskräftiger 
Verfügungen bzw. Einspracheentscheide nur in Betracht kommen, wenn es 
sich um die Korrektur grober Fehler der Verwaltung handelt (ZAK 1988 
S. 555 E. 2b). Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zwei-
fel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einzi-
ger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar. In 
diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn die notwendi-
gen (fachärztlichen) Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erfor-
derlichen Sorgfalt durchgeführt wurden, oder wenn eine Leistung aufgrund 
falscher Rechtsregeln bzw. ohne oder in unrichtiger Anwendung der mass-
geblichen Bestimmungen zugesprochen wurde. Zurückhaltung bei der An-
nahme zweifelloser Unrichtigkeit ist stets dann geboten, wenn der Wieder-
erwägungsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren 
Beurteilung massgeblich auf Schätzungen oder Beweiswürdigungen und 
damit auf Elementen beruht, die notwendigerweise Ermessenszüge auf-
weisen. Eine vor dem Hintergrund der seinerzeitigen Sach- und Rechtslage 
einschliesslich der Rechtspraxis vertretbare Beurteilung der (invaliditäts-
mässigen) Anspruchsvoraussetzungen kann nicht zweifellos unrichtig sein 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 8

(BGE 141 V 405 E. 5.2 S. 414; SVR 2021 UV Nr. 1 S. 4 E. 6.1, 2019 IV 
Nr. 47 S. 153 E. 2.1).

2.3.2 Um wiedererwägungsweise auf eine verfügte Leistung zurückkom-
men zu können, genügt es nicht, wenn ein einzelnes Anspruchselement 
rechtswidrig festgelegt wurde. Vielmehr hat sich die Leistungszusprache 
auch im Ergebnis als offensichtlich unrichtig zu erweisen. So muss etwa, 
damit eine zugesprochene Rente wegen einer unkorrekten Invaliditätsbe-
messung wiedererwägungsweise aufgehoben werden kann, – nach dama-
liger Sach- und Rechtslage – erstellt sein, dass eine korrekte Invaliditäts-
bemessung hinsichtlich des Leistungsanspruchs zu einem anderen Ergeb-
nis geführt hätte (BGE 140 V 77 E. 3.1 S. 79; SVR 2019 IV Nr. 47 S. 154 
E. 3.1.2). 

2.3.3 Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung wegen zweifelloser 
Unrichtigkeit zulässig ist, muss von der Sach- und Rechtslage ausgegan-
gen werden, wie sie im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestanden hat, 
wozu auch die seinerzeitige Rechtspraxis gehört; eine Praxisänderung 
vermag kaum je die frühere Praxis als zweifellos unrichtig erscheinen zu 
lassen (BGE 144 I 103 E. 2.2 S. 106, 125 V 383 E. 3 S. 390).

2.3.4 Die Wiedererwägung setzt voraus, dass die Berichtigung der zwei-
fellos unrichtigen Verfügung von erheblicher Bedeutung ist. Massgebend 
für die Beantwortung dieser Frage sind nach der Rechtsprechung die ge-
samten Umstände des Einzelfalls, zu denen auch die Zeitspanne gehört, 
die seit der zu Unrecht erfolgten Leistungsgewährung verstrichen ist. Eine 
allgemeingültige betragliche Grenze lässt sich allerdings nicht festlegen. 
Die Höhe des unrechtmässig ausbezahlten Betrages ist dabei insofern von 
Bedeutung, als das Interesse der Verwaltung an der richtigen Durchführung 
des objektiven Rechts gegenüber demjenigen an der Rechtssicherheit in 
der Regel umso weniger ins Gewicht fällt, je geringer die zu Unrecht ausge-
richteten Leistungen sind. Bei periodischen Leistungen wird die Erheblich-
keit praktisch immer bejaht, während bei punktuellen Leistungen die Gren-
ze praxisgemäss bei einigen hundert Franken liegt. Die Voraussetzung der 
Erheblichkeit der Berichtigung dient im Übrigen der Verwaltungs- und Pro-
zessökonomie (BGE 107 V 180 E. 2b S. 182; ARV 2000 S. 211 E. 3b; Ent-
scheid des BGer vom 4. Mai 2017, 8C_18/2017, E. 3.2.2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 9

3.

3.1 Es ist zwischen den Parteien zu Recht unbestritten, dass die Be-
schwerdeführerin am 5. Dezember 1996 einen Unfall im Rechtssinne erlit-
ten hat (vgl. E. 2.1 hiervor). Die Beschwerdegegnerin erbrachte in der Fol-
ge Leistungen (Heilbehandlungen und Taggelder) und veranlasste eine 
interdisziplinäre Begutachtung durch Prof. Dr. med. D.________ und Dr. 
med. F.________ sel., E.________ (neuropsychiatrisches Teilgutachten 
vom 27. April 2004 [act. IIA 29] und neurologisches Gutachten vom 8. No-
vember 2004 [act. IIA 30] sowie die Stellungnahme vom 26. Oktober 2005 
[act. IIA 31]). Am 19. Mai 2006 erliess die Beschwerdegegnerin eine Leis-
tungsverfügung, mit welcher sie den Fall abschloss und der Beschwerde-
führerin ab dem 1. Juli 2006 eine UV-Rente auf der Basis eines Invali-
ditätsgrades von 38 % sowie eine Integritätsentschädigung von Fr. 24'300.-
- zusprach (act. II 1110). In den Erwägungen äusserte sie sich zum Fallab-
schluss (Endzustand gemäss Gutachter der E.________) und kam zum 
Schluss, dass die Voraussetzungen gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG für einen 
Rentenanspruch erfüllt seien (act. II 1110/2 Ziff. 1). In der Folge nahm sie 
einen Einkommensvergleich vor (act. II 1110/2 ff. Ziff. 2 ff.) und berechnete 
die UV-Rente (act. II 1110/5 f. Ziff. 3 f.). Zudem setzte sie den Integritäts-
schaden fest und berechnete die Integritätsentschädigung (act. II 1110/7 f. 
Ziff. 7). Hiergegen erhob die Beschwerdeführerin Einsprache mit dem An-
trag auf höhere Leistungen (UV-Rente sowie Integritätsentschädigung; act. 
II 1113).

Mit Schreiben vom 17. August 2006 hielt die Beschwerdegegnerin darauf-
hin das Folgende fest: "Nachdem Sie nun einspracheweise eine Erhöhung 
der Invalidenrente und der Integritätsentschädigung geltend machen, müs-
sen wir auf die bisher entgegenkommenderweise ausgeklammerte 
Adäquanzproblematik hinweisen". Die Beschwerdegegnerin führte weiter 
aus, die Beschwerdeführerin habe ein Schleudertrauma erlitten, weshalb 
die Adäquanzprüfung nach der Rechtsprechung für Schleudertrauma und 
äquivalente Verletzungen erfolge. Zum Unfallablauf hielt sie fest, dieser sei 
praxisgemäss als ein mittelschwerer Unfall an der Grenze zu den leichten 
zu qualifizieren, weshalb die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter 
oder auffallender Weise erfüllt sein müssten, um die Adäquanz bejahen zu 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 10

können. Nach Prüfung der Kriterien ging sie davon aus, dass weder eines 
der ereignisbezogenen Kriterien (vgl. E. 2.2.2 hiervor) besonders ausge-
prägt sei, noch mehrere in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt seien. 
In der Folge verneinte sie den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen 
dem Unfall vom 5. Dezember 1996 und den anhaltenden Beschwerden. 
Danach gab die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin Gelegen-
heit, zur Adäquanzfrage Stellung zu nehmen. Gleichzeitig kündigte sie eine 
reformatio in peius an (Abweisung der Einsprache und Einstellung sämtli-
cher Versicherungsleistungen per 31. August 2006) und gab der Be-
schwerdeführerin die Möglichkeit, Ihre Einsprache zurückzuziehen. Weiter 
führte sie aus, "im Falle eines Einspracherückzugs bleiben die mit Verfü-
gung vom 19. Mai 2006 zugesprochenen Leistungen unpräjudiziell und 
ohne Anerkennung einer Rechtspflicht weiter stehen. Wir betonen indes 
ausdrücklich, dass auch eine spätere Geltendmachung weitergehender 
Ansprüche im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 5. Dezember 1996 im 
Lichte der dargelegten Rechtslage ausgeschlossen ist" (act. II 1114). 

3.2 Nach dem Dargelegten unterliess es die Beschwerdegegnerin trotz 
der bereits damals gefestigten bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum 
Schleudertrauma (vgl. BGE 117 V 359, 119 V 335), in der Verfügung vom 
19. Mai 2006 (act. II 1110) eine Prüfung der adäquaten Kausalität vorzu-
nehmen (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Mit Schreiben vom 17. August 2006 holte 
sie diese Prüfung argumentativ nach (act. II 1114). Der Meinung der Be-
schwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin habe bereits in der Verfügung 
vom 19. Mai 2006 implizit eine Adäquanzprüfung vorgenommen (Be-
schwerde S. 6 Ziff. III/11), kann offensichtlich nicht gefolgt werden. Viel-
mehr ist mit Blick auf die Ausführungen im Schreiben vom 17. August 2006 
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin erst im Rahmen des Einspra-
cheverfahrens ihren Fehler erkannt hat, woran nichts ändert, dass sie da-
mals beschönigend festhielt, sie habe die Adäquanzproblematik bisher 
"entgegenkommenderweise ausgeklammert". Weder liegen Unterlagen vor, 
noch bestehen Anzeichen, die belegen würden, dass die Beschwerdegeg-
nerin bereits vor Erlass der Verfügung vom 19. Mai 2006 ein nicht den da-
maligen rechtlichen Voraussetzungen genügendes, d.h. rechtswidriges 
(hierzu vgl. E. 4.2 nachfolgend) Vorgehen im Sinn gehabt haben könnte. 
Ausgehend von der Würdigung der Adäquanz im Schreiben vom 17. Au-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 11

gust 2006 ist damit in diesem Zeitpunkt die zweifellose Unrichtigkeit der 
Verfügung vom 19. Mai 2006 festgestellt worden. Dennoch zog die Be-
schwerdegegnerin die Verfügung vom 19. Mai 2006 (act. II 1110) nicht in 
Anwendung von Art. 53 Abs. 2 ATSG (vgl. E. 2.3 hiervor) in Wiedererwä-
gung. Ein solches Vorgehen stellte sie der Beschwerdeführerin im Schrei-
ben vom 17. August 2006 auch nicht in allgemeiner Weise, sondern - im 
Rahmen einer reformatio in peius - nur für den Fall des Festhaltens an der 
Einsprache und der diesfalls notwendigen Entscheidung in Aussicht. Im 
Gegenteil hielt sie explizit fest, dass im Falle eines Rückzugs die mit Verfü-
gung vom 19. Mai 2006 zugesprochenen Leistungen unpräjudiziell und 
ohne Anerkennung einer Rechtspflicht weiterbestünden. Die Beschwerde-
gegnerin richtete der Beschwerdeführerin die UV-Rente in der Folge denn 
auch weiterhin während Jahren aus, wie sie dies im Schreiben vom 17. 
August 2006 in Aussicht gestellt hatte. Eine Wiedererwägung der Verfü-
gung vom 19. Mai 2006 (act. II 1110) und der (später erlassenen) Verfü-
gung vom 25. Februar 2008 (act. II 1131) erfolgte erst mit der Verfügung 
vom 24. September 2021 (act. II 1148) bzw. dem hier angefochtenen Ein-
spracheentscheid vom 11. Juli 2023 fünfzehn Jahre später (act. II 1166).

3.3

3.3.1 Die Beschwerdeführerin macht zusammenfassend geltend, eine 
Wiedererwägung sei nicht (mehr) zulässig. Das Vorgehen der Beschwer-
degegnerin mit Schreiben vom 17. August 2006 habe einen Vergleichsvor-
schlag dargestellt, so dass die bestehende Verfügung vom 19. Mai 2006 
weiterhin Bestand haben solle, wenn die Einsprache zurückgezogen werde 
(Beschwerde S. 3 Ziff. III/3). Rechtsprechungsgemäss könne auch ein Ver-
gleich in Wiedererwägung gezogen werden. Es seien jedoch höhere Anfor-
derungen zu stellen, um dem Vergleichscharakter Rechnung zu tragen 
(Beschwerde S. 4 Ziff. III/5). Der Vergleich habe aufgrund der 2006 beste-
henden rechtlichen und tatsächlichen Unsicherheiten bezüglich der 
Adäquanzkriterien im Rahmen des Beurteilungsspielraums der Beschwer-
degegnerin gelegen (Beschwerde S. 6 Ziff. III/13).

3.3.2 Streitigkeiten über sozialversicherungsrechtliche Leistungen können 
tatsächlich durch Vergleich erledigt werden (Art. 50 Abs. 1 ATSG). Dieser 
ist in Form einer anfechtbaren Verfügung zu eröffnen (Art. 50 Abs. 2 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 12

ATSG). Die Befugnis zum Abschluss eines Vergleichs ermächtigt die 
Behörde nicht, bewusst eine gesetzwidrige Vereinbarung zu schliessen, 
also von einer von ihr als richtig erkannten Gesetzesanwendung im Sinne 
eines Kompromisses abzuweichen. Ist der Vergleich im Gesetzesrecht zu-
gelassen, so wird aber damit den Parteien bei ungewisser Sach- oder 
Rechtslage die Befugnis eingeräumt, ein Rechtsverhältnis vertraglich zu 
ordnen, um die bestehende Rechtsunsicherheit zu beseitigen. Dabei und 
damit wird in Kauf genommen, dass der Vergleichsinhalt von der Regelung 
des Rechtsverhältnisses abweicht, zu der es bei umfassender Klärung des 
Sachverhalts und der Rechtslage allenfalls gekommen wäre. Ein Vergleich 
ist somit zulässig, soweit der Verwaltung ein Ermessensspielraum zu-
kommt sowie zur Beseitigung rechtlicher und/oder tatsächlicher Unklarhei-
ten (BGE 140 V 77 E. 3.2.1 S. 80). Rechtsprechungsgemäss kann ein Ver-
gleich grundsätzlich ebenso in Wiedererwägung gezogen werden wie eine 
Verfügung. Es sind jedoch im Rahmen von Art. 53 Abs. 2 ATSG höhere 
Anforderungen zu stellen, um dem Vergleichscharakter Rechnung zu tra-
gen (BGE 140 V 77 E. 3.2.2 S. 81).

3.3.3 Zu Recht wird seitens der Beschwerdeführerin nicht geltend ge-
macht, die die Basis der Leistungsausrichtung bildende Verfügung vom 
19. Mai 2006 beruhe auf einem Vergleich. Ein Vergleich wurde entgegen 
der Auffassung der Beschwerdeführerin auch später weder geschlossen 
noch entsprechend verfügt. Insbesondere stellt das Schreiben vom 17. Au-
gust 2006 keine (neue) Verfügung dar. Dass es sich mit Blick auf die Aus-
führungen der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 17. August 2006, 
wonach sie hoffe, "dass die Angelegenheit durch Rückzug der Einsprache 
einvernehmlich gelöst werden kann", inhaltlich um einen Vergleichsantrag 
hätte handeln können, der durch Rückzug der Einsprache als Akzept (mit 
anschliessender Rechtskraft der Leistungsverfügung) hätte wirksam wer-
den können, ist ausgeschlossen. Abgesehen davon, dass auch in diesem 
Fall der Vergleich als solcher mit einer neuen Verfügung bzw. einem (ab-
schreibenden) Einspracheentscheid hätte formell von Seiten der Be-
schwerdegegnerin festgelegt werden müssen (vgl. Art. 50 Abs. 2 und 3 
ATSG), kann zweifellos Unrichtiges nicht durch Vergleich zur Basis eines 
Leistungsanspruchs erhoben werden. Es liegt damit kein durch Vergleich 
festgelegter Leistungsanspruch vor. Auch wenn damit die leistungszuspre-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 13

chende Verfügung vom 19. Mai 2006 und die Folgeverfügung vom 25. Fe-
bruar 2008 mangels der gebotenen Adäquanzprüfung einen grundlegenden 
Mangel aufgewiesen haben, war die Wiedererwägung mittels Verfügung 
vom 24. September 2021 (act. II 1148) bzw. angefochtenem Einspra-
cheentscheid vom 11. Juli 2023 (act. II 1166), wenn auch aus anderen 
Gründen wie nachfolgend aufgezeigt, nicht zulässig.

4.

4.1 Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der Bundesverfassung 
[BV; SR 101]) umfasst einerseits den Anspruch auf Schutz berechtigten 
Vertrauens in Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen be-
gründendes Verhalten der Behörden, sofern sich dieses auf eine konkrete, 
den betreffenden Bürger berührende Angelegenheit bezieht. Andererseits 
verbietet er sowohl den staatlichen Behörden wie auch den Privaten, sich 
in ihren öffentlich-rechtlichen Rechtsbeziehungen widersprüchlich oder 
rechtsmissbräuchlich zu verhalten. Rechtsmissbrauch liegt insbesondere 
dann vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung von In-
teressen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will 
(BGE 130 I 26 E. 8.1 S. 60, 127 II 49 E. 5a S. 56; Entscheid des EVG vom 
14. Dezember 2004, H 157/04, E. 3.3.1). Böswilligkeit respektive ein Ver-
schulden ist für die Annahme von Rechtsmissbrauch nicht notwendig (BGE 
131 V 97 E. 4.3.3 S. 105 in fine).

Praxisgemäss können nicht bloss falsche Auskünfte eine vom materiellen 
Recht abweichende Behandlung der Rechtsuchenden gebieten. Vielmehr 
kann jede Form behördlichen Fehlverhaltens den öffentlich-rechtlichen Ver-
trauensschutz auslösen, wenn und soweit es bei den betroffenen Personen 
eine entsprechende Vertrauenssituation schafft (BGE 111 Ib 116 E. 4 
S. 124). Dazu gehört auch der Umstand, dass die Behörde eine unrichtige 
Verfügung erlassen hat (BGE 113 V 66 E. 2 S. 70; SVR 1998 AHV Nr. 30 
S. 94 E. 8a). 

Der im öffentlichen Recht aus dem Grundsatz von Treu und Glauben her-
geleitete Vertrauensschutz ruft in jedem Fall nach einer Abwägung der wi-
derstreitenden Interessen in dem Sinne, dass selbst bei gegebenen Vor-

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aussetzungen dem Vertrauensschutz nur zum Durchbruch verholfen wer-
den kann, wenn ihm keine öffentlichen Interessen entgegenstehen. Daher 
lässt das öffentliche Recht die Berufung der betroffenen Person auf den 
guten Glauben über den Vertrauensschutz grundsätzlich global zu, wobei 
die erforderliche Interessenabwägung erst im Anwendungsfall vorzuneh-
men ist (BGE 120 V 319 E. 8d bb S. 332).

4.2 Die Beschwerdegegnerin hatte bereits mit Schreiben vom 17. Au-
gust 2006 eine ausführliche Prüfung der Adäquanz vorgenommen und 
wusste deshalb bereits vor Eintritt der Rechtskraft ihrer damals noch mit 
Einsprache angefochtenen Verfügung vom 19. Mai 2006 von einer (ihres 
Erachtens) bestehenden zweifellosen Unrichtigkeit und somit von der Mög-
lichkeit bzw. Pflicht zur Aufhebung der Verfügung nach Art. 53 
Abs. 2 ATSG (vgl. E. 2.3 hiervor), was auch nach einem Rückzug der Ein-
sprache zur Vermeidung einer reformatio in peius möglich gewesen bzw. 
geblieben wäre. Dennoch sicherte sie in vollem Wissen hierüber explizit 
(unter Verwendung der Floskel unpräjudiziell [vgl. hierzu nachfolgend]) die 
Ausrichtung der Dauerleistung zu, sofern die Beschwerdeführerin ihre Ein-
sprache zurückziehe. Damit stellte sie implizit auch den Verzicht auf das 
(nicht erwähnte) rechtlich korrekte Vorgehen im Falle des Einspracherück-
zugs, nämlich den unmittelbar daran anschliessenden Erlass einer Wieder-
erwägungsverfügung, in Aussicht. Dabei ergibt sich, entgegen der Auffas-
sung der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 5 Ziff. III/10), die Motivlage 
für das versichertenfreundliche und wie dargelegt widerrechtliche Vorgehen 
aus den Akten. Bei der Beschwerdeführerin handelte es sich um eine … im 
… der Beschwerdegegnerin, bei der parallel das … zur Prüfung stand. Weil 
die Beschwerdeführerin nicht die Unfallverursacherin war, konnte die Be-
schwerdegegnerin zudem beim Unfallverursacher bzw. dessen Haftpflicht-
versicherung Regress nehmen (vgl. insbesondere act. II 1096, 1101, 1104, 
1105, 1007, 1008). 

Wenn die Beschwerdegegnerin bei dieser Ausgangslage erst nach mehr 
als fünfzehn Jahren nun dennoch auf ihre Verfügungen vom 19. Mai 2006 
und 25. Februar 2008 zurückzukommen will, nachdem sie 2006 die Weiter-
ausrichtung der Rente zugesichert hatte, so stellt dies ein venire contra 
factum proprium dar und sie verletzt damit den Grundsatz von Treu und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 15

Glauben (vgl. E. 4.1 hiervor). Es stellt einen Rechtsmissbrauch dar, wenn 
die Beschwerdegegnerin als Sozialversicherungsträgerin die Beschwerde-
führerin, die gleichzeitig Versicherte und … war, in umfassender Darlegung 
der zweifellosen Unrichtigkeit ihrer eigenen Verfügung dazu anhält, die 
Einsprache zurückzuziehen und für diesen Fall im Schreiben vom 17. Au-
gust 2006 den Weiterbestand der Leistung zusichert (vgl. auch act. II 1118, 
1127, 1131), ohne auch nur mit einem Wort eine Wiedererwägung (in ab-
sehbarer Zeit) in Aussicht zu stellen und danach den (ihrer Ansicht nach) 
rechtsfehlerhaften Zustand während fünfzehn Jahren zu belassen. Die Be-
schwerdegegnerin sicherte zwar die Weiterausrichtung der Rente vom 
Wortlaut her ohne Anerkennung einer Rechtspflicht zu, dies begründete 
jedoch offensichtlich keinen Rechtsvorbehalt, zu jedem späteren Zeitpunkt, 
wie z.B. hier nach fünfzehn Jahren, dennoch unter Anwendung von Art. 53 
Abs. 2 ATSG auf die Verfügung zurückzukommen. Vielmehr ging es der 
Beschwerdegegnerin gemäss dem vollständigen Wortlaut ihres Schreibens 
klarerweise einzig darum, spätere Erhöhungen auszuschliessen. Weil die-
ser Fall singulär ist und das öffentliche Interesse an der korrekten Rechts-
anwendung ausnahmsweise geringer erscheint, als dass durch das treu-
widrige Verhalten der Beschwerdegegnerin bei der Beschwerdeführerin 
geschaffene Vertrauen, war die wiedererwägungsweise Aufhebung der 
Verfügungen vom 19. Mai 2006 und 25. Februar 2008 unzulässig und der 
Einspracheentscheid vom 11. Juli 2023 ist entsprechend aufzuheben. 

4.3 Dieses Ergebnis bedeutet jedoch nicht, worauf hier ausdrücklich 
hinzuweisen ist, dass insbesondere die Rente der Unfallversicherung un-
besehen Bestand hätte, denn eine Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
bleibt weiterhin möglich und ist von der Beschwerdegegnerin bei veränder-
ten Verhältnissen von Amtes wegen vornehmen. Anzeichen hierfür liegen 
vor: Zum Zeitpunkt des Erlasses der Leistungsverfügung vom 19. Mai 2006 
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das neurologische Gutachten der 
Klinik E.________ vom 8. November 2004. Parallel dazu sprach die IVB mit 
Verfügung vom 18. Mai 2006 auf der Basis der damals noch somatischen 
Grundlagen der Beschwerdeführerin befristet eine Viertelsrente vom 
1. September 2002 bis 1. Februar 2005 zu. Ab dem 8. November 2004 
errechnete die IVB einen (rentenausschliessenden) IV-Grad von noch 
35 %, den das Gericht unter Verweis auch auf die Verfügung der Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 16

schwerdegegnerin auf 38 % korrigierte (VGE IV/2007/68861, E. 4.4, 4. Ab-
satz). Das Gericht wies darauf hin, dass der begutachtende Neurologe so-
matische Befunde festgehalten habe, womit in diesem Zeitpunkt noch eine 
somatische Grundlage für die geklagten Beschwerden anzunehmen war 
(vgl. VGE IV/2007/68861, E. 3.1 f.). Die Befunde begründeten die Ein-
schränkung in der Arbeits- und Leistungsfähigkeit im Zeitpunkt des Verfü-
gungserlasses. Sie stellen jedoch nicht per se eine dauerhafte somatische 
Schädigung dar. Die damals erhobenen Gesundheitsschäden sind 
grundsätzlich einer therapeutischen Verbesserung oder auch einer Spon-
tanheilung zugänglich. Die Frage der Entwicklung der damals erhobenen 
Befunde hat die Beschwerdegegnerin nach der einmal erfolgten Leistungs-
zusprache jedoch weder je durch entsprechende medizinische Abklärun-
gen und Begutachtungen geklärt noch hierüber entschieden, weshalb sie 
bis anhin auch kein Revisionsverfahren nach Art. 17 ATSG angehoben hat 
und das Gericht derzeit hierüber nicht zu entscheiden hat.

4.4 In Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene Einspra-
cheentscheid vom 11. Juli 2023 (act. II 1166) ersatzlos aufzuheben.

5.

5.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG 
(Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben.

5.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Diese sind unter Berücksichti-
gung der Kostennote vom 4. Oktober 2023, welche nicht zu beanstanden 
ist, auf total Fr. 3'153.65 (Honorar Fr. 2'850.-- [9.5 Stunden à Fr. 300.--] 
zuzüglich Auslagen von Fr. 78.20 und MWST von Fr. 225.45 [7.7 % von 
Fr. 2'928.20]) festzulegen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Dez. 2023, UV/23/599, Seite 17

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspra-
cheentscheid der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG vom 
11. Juli 2023 aufgehoben.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'153.65 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin Dr. iur. C.________ z.H. der Beschwerde-

führerin
- Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG  
- Bundesamt für Gesundheit

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.