# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f06d034f-c741-5c04-b343-26ebd652390c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-02-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 16.02.2006 BK 2006 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2006-1_2006-02-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 16. Februar 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 06 1

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
Richter Rehli und Hubert 
Aktuarin ad hoc Halter

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des A., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irene Kobler-
Bryner, BPC-Bürogebäude, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten SG,

gegen

die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 30. Novem-
ber 2005, mitgeteilt am 19. Dezember 2005, in Sachen des Beschwerdeführers 
gegen B., Beschwerdegegner, 

betreffend fahrlässige Körperverletzung,

hat sich ergeben:

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A. Am 15. September 2005 um ca. 12.45 Uhr kam es auf dem Pass 
bei der Örtlichkeit L., Gemeindegebiet S., zu einem Verkehrsunfall. A. fuhr mit 
dem Motorrad, Kontrollschild FK-X, über den Pass in Richtung S.. Bei der Ört-
lichkeit L. kam ihm nach einer Rechtskurve in einer Distanz von ca. 55-60 m das 
Motorrad von B. mit dem Kennzeichen SU-Y entgegen. In der Folge bremste A. 
sein Motorrad so stark ab, dass das Hinterrad von der Strasse abgehoben wurde. 
Nachdem sich die beiden Motorräder gekreuzt hatten ohne sich zu touchieren, 
stürzte A. und sein Motorrad kam im Bereich der Strassenmitte zum Stillstand. 
Beim Unfall erlitt A. gemäss Bericht des Spital Z. eine Verletzung an der rechten 
Schulter. Der Sachschaden am Motorrad (Kratzspuren an Verschalung usw.) be-
trug gemäss Polizeirapport ca. Fr. 1'000.--.

Über den Unfall wurden A. und B. noch am selben Tag polizeilich einver-
nommen. A. gab in seiner Einvernahme zu Protokoll, der Lenker des anderen 
Motorrades sei zu weit links gefahren und habe zugleich einen Schwenker ge-
macht. Darauf sei er unsicher geworden und habe sein Motorrad abgebremst; 
seine Geschwindigkeit in der Rechtskurve habe etwa 30-40 km/h betragen. Er 
habe so stark abgebremst, dass sich das Hinterrad von der Strasse abgehoben 
habe, worauf er zu Fall gekommen sei. B. seinerseits führte in der Befragung aus, 
dass er auf seiner Strassenseite gefahren sei. Der entgegenkommende Lenker 
habe so stark gebremst, dass dieser nach vorne über die Lenkstange geraten 
und zu Boden gefallen sei. Er habe dann sein Motorrad angehalten und seine 
Hilfe angeboten. Beide Motorradlenker gaben an, dass keine Kollision zwischen 
den zwei Motorrädern stattfand.

B. A. stellte am Unfalltag gegen den Verantwortlichen des Verkehrs-
unfalles Strafantrag wegen Körperverletzung. Mit Verfügung vom 18. November 
2005 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafuntersuchung ge-
gen B. wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB.

C. Mit Verfügung vom 30. November 2005 stellte die Staatsanwalt-
schaft Graubünden die gegen B. wegen fahrlässiger Körperverletzung geführte 
Strafuntersuchung ein. Zur Begründung wird angeführt, aufgrund der getätigten 
Ermittlungen könne der Beweis, dass B. nicht auf seiner Seite gefahren sei und 
einen Schlenker gemacht haben soll, nicht erbracht werden. Auch habe nach-
weislich keine Kollision zwischen den beiden Motorrädern stattgefunden. Weitere 
Zeugen, die zum Unfallhergang Aussagen machen könnten oder andere Beweis-
mittel, die das Untersuchungsergebnis zu beeinflussen vermöchten, seien nicht 

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vorhanden. B. könne ein Verschulden nicht rechtsgenüglich nachgewiesen wer-
den, weshalb das gegen ihn geführte Strafverfahren wegen fahrlässiger Körper-
verletzung unter Übernahme der Kosten auf die Staatskasse einzustellen sei. 

Am 16. Dezember 2005 wurde ein Kompetenzentscheid zu Handen des 
Kreispräsidiums Val Müstair gegen A. erlassen (Widerhandlung gegen Art. 31 
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG).

D. Gegen die am 19. Dezember 2005 mitgeteilte Einstellungsverfü-
gung liess A. am 2. Januar 2006 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des 
Kantonsgerichts von Graubünden erheben. Am 9. Januar 2006 wurde eine er-
gänzende Beschwerde innert der Rechtsmittelfrist eingereicht. Der Beschwerde-
führer beantragt was folgt:

„1. Die Einstellung der Strafuntersuchung gegen B. sei aufzuheben 
und die Strafuntersuchung fortzusetzen.

2. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staa-
tes.“

Der Beschwerdeführer macht geltend, zur Abklärung des genauen Sach-
verhaltes habe die Staatsanwaltschaft beide Beteiligten erneut zum Unfallher-
gang zu befragen. Allenfalls sei durch die Staatsanwaltschaft ein verkehrstechni-
sches Gutachten in Auftrag zu geben.

E. Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragte mit Stellungnahme 
vom 24. Januar 2006 unter Hinweis auf die Akten und die Ausführungen in der 
angefochtenen Einstellungsverfügung die kostenfällige Abweisung der Be-
schwerde. In seiner Vernehmlassung vom 6. Februar 2006 bekräftigte der Be-
schwerdeführer die Notwendigkeit einer erneuten Einvernahme.

Auf die Begründung der Anträge und die Ausführungen im angefochtenen 
Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen einge-
gangen. 

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 138 StPO kann gegen die vom Staatsanwalt geneh-
migten Amtshandlungen von Untersuchungsorganen bei der Beschwerdekam-
mer des Kantonsgerichtes wegen Rechtswidrigkeit oder Unangemessenheit Be-
schwerde geführt werden. Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer durch den 
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner 
Aufhebung oder Änderung geltend macht. Insbesondere kann sich der Geschä-
digte gegen Einstellungsverfügungen beschweren (Art. 139 Abs. 1 StPO). Die 
Beschwerde ist innert 20 Tagen, seit der Betroffene vom angefochtenen Ent-
scheid Kenntnis erhalten hat, schriftlich einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer A. wurde beim fraglichen Unfall verletzt und hat da-
durch einen unmittelbaren Schaden erlitten. Somit ist er als Geschädigter im 
Sinne von Art. 139 Abs. 1 StPO zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die frist- 
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 

2. Die Beschwerdekammer kann angefochtene Einstellungsverfügun-
gen gemäss Art. 138 StPO nicht nur auf Rechtswidrigkeit, sondern auch auf Un-
angemessenheit überprüfen. Bei der Überprüfung der Angemessenheit eines 
Entscheides soll aber die Beschwerdekammer ihr Ermessen nur dort an die Stelle 
desjenigen der Vorinstanz setzen, wo sich deren Verfügung nicht mit triftigen 
Gründen vertreten lässt. Eine Einstellungsverfügung ist dann angemessen und 
hält der umschriebenen Prüfung stand, wenn aufgrund des Untersuchungsergeb-
nisses objektiv und subjektiv nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen ei-
ner straf- und verfolgbaren Handlung gegeben sind und somit ein Freispruch er-
wartet werden müsste, und wenn keine neuen Beweismittel ersichtlich sind, die 
das Beweisergebnis beeinflussen könnten (Padrutt, Kommentar zur Strafpro-
zessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, S. 347, Ziff. 2.1). 

Die eben dargelegten Kriterien sind inhaltlicher und nicht formaler Natur; 
sie können deshalb nicht rein schematisch gehandhabt werden. Notwendig ist 
eine sachlich begründbare Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsresultat 
in zweifacher Hinsicht. Zum einen sind die vorliegenden Beweise zu werten, kann 
doch der vordergründige Aussagegehalt eines Beweismittels für sich allein nicht 
massgeblich sein, weil der Inhalt einer Aussage auf seine Glaubwürdigkeit zu 
überprüfen ist. Nur wenn eine Gesamtwürdigung der Beweise zur nachvollzieh-
baren Schlussfolgerung führt, dass eine Verurteilung unwahrscheinlich ist, er-

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scheint die Einstellung der Untersuchung gerechtfertigt. Als zweites kumulativ 
notwendiges Element setzt die Einstellung der Untersuchung voraus, dass die 
Verfügung überhaupt auf einem entscheidungsreifen Beweisergebnis beruht. 
Dies ist dann der Fall, wenn keine konkret zu erhebenden Beweismittel erkennbar 
sind, die das Resultat im gegenteiligen Sinn beeinflussen könnten (vgl. PKG 1995 
Nr. 45; Padrutt, a.a.O., S. 164, Ziff. 3.3).

Der Beschwerdeführer machte geltend, die Qualität der Aussagen vor der 
Staatsanwaltschaft sei deutlich besser als solche gegenüber der Polizei, weshalb 
zur Abklärung des genauen Sachverhaltes eine erneute Befragung sowohl des 
Beschwerdeführers als auch des Beschwerdegegners durchzuführen sei. Wenn 
es sich nach den Aussagen der Parteien als nötig erweisen sollte, sei zudem ein 
verkehrstechnisches Gutachten einzuholen. Es ist nun nachfolgend zu prüfen, ob 
diese Schlussfolgerungen haltbar sind.

3.a) Gemäss Art. 43 StPO obliegt die Kompetenz zur Strafverfolgung in 
Vergehens- und Verbrechenssachen der Staatsanwaltschaft mit ihren Untersu-
chungsrichterämtern. Abs. 4 dieses Artikels verpflichtet die Kantonspolizei, als 
gerichtliche Polizei bei der Untersuchung mitzuwirken. Somit ist die Polizei ein 
Hilfsorgan der Untersuchungsbehörden mit der Aufgabe, den genauen Sachver-
halt abzuklären und tatsachengetreu aufzunehmen, also Fakten und Personen 
festzustellen (Art. 71 Abs. 1 StPO). Grösste Bedeutung kommt dabei dem ersten 
Zugriff zu. Denn was zur Sicherung des Tatbestandes verpasst wird, ist oft nicht 
mehr nachholbar (Padrutt, a.a.O., S. 91, Ziff. 1 und S. 93, Ziff. 5). Im Zusammen-
hang mit Verkehrsstrafsachen gehört auch die Einvernahme von Angeschuldig-
ten und Zeugen zum polizeilichen Aufgabenkreis (Padrutt, a.a.O., S. 193, Ziff. 
2.1). Eine zusätzliche Befragung durch die Staatsanwaltschaft der von der Polizei 
einvernommenen Personen ist nur angezeigt, wenn die polizeilichen Einvernah-
men unvollständig oder unklar sind oder wenn aus anderen Gründen zusätzliche 
Erkenntnisse zu erwarten sind.

Vorliegend finden sich keine Anhaltspunkte, die eine erneute Befragung 
durch die Staatsanwaltschaft notwendig machen würden. Insbesondere sind die 
polizeilichen Befragungen weder unvollständig noch lassen sie die erforderliche 
Klarheit vermissen. Allein der Umstand, dass die Betroffenen zum Unfallhergang 
widersprüchliche Aussagen machten, stellt noch keinen Grund dar, sie zusätzlich 
durch die Staatsanwaltschaft befragen zu lassen, zumal erfahrungsgemäss an 
den einmal deponierten Standpunkten festgehalten wird. Im Übrigen ist nicht er-

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sichtlich, inwiefern eine Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft in qualitativer 
Hinsicht zu besseren Aussagen führen soll.

b) Gemäss Rapport der Kantonspolizei Graubünden vom 15. Septem-
ber 2005 waren keine Fahr- oder Bremsspuren auf der Unfallstelle ersichtlich. 
Ausserdem haben beide Beteiligten am Unfalltag zu Protokoll gegeben, dass sich 
die beiden Motorräder nicht touchiert haben. Es liegen somit keine Grundlagen 
vor, gestützt worauf mittels verkehrstechnischem Gutachten der Unfallhergang 
rekonstruiert werden könnte. Sind von einem solchen daher keine sachdienlichen 
Erkenntnisse zu erwarten, ist der diesbezügliche Antrag des Beschwerdeführers 
abzuweisen.

4. Da nach dem Gesagten keine weiteren konkret zu erhebenden Be-
weismittel ersichtlich sind, die zur Klärung des Sachverhalts beitragen könnten 
und sich diesbezüglich einzig die zwei sich widersprechenden Aussagen der Par-
teien gegenüber stehen, hat die Staatsanwaltschaft daher das Strafverfahren ge-
gen B. wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Recht eingestellt. Angesichts der 
gegebenen Beweislage wäre bei einer Beurteilung des Vorfalles durch ein Ge-
richt doch mit grösster Wahrscheinlichkeit mit einem Freispruch zu rechnen. Die 
Beschwerde ist somit abzuweisen. 

5. Bei diesem Ausgang gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens 
zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 160 Abs. 1 StPO). 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 600.-- gehen zu Lasten des 
Beschwerdeführers.

3. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin ad hoc: