# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d458e4bf-5f55-5a77-ab18-de245133da98
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-15
**Language:** de
**Title:** Aargau Verwaltungsbehörden Department Bau, Verkehr und Umwelt 15.09.2017 BVURA.17.95
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_BV_001_BVURA-17-95_2017-09-15.pdf

## Full Text

2017 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 417 

brüchen sind Dachaufbauten, Dacheinschnitte, Dachflächenfenster 
sowie spezielle Giebelkonstruktionen gemeint (Anhang 3 BauV: § 16 
Abs. 2 ABauV). 

Was Dachaufbauten sind, führt der Verordnungstext nicht näher 
aus. Darunter fallen namentlich Lukarnen und Gauben. Es sind Bau-
teile, die die Dachhaut nach aussen durchbrechen. Die hier fraglichen 
Vorbauten sind nun allerdings nur zum Teil auf dem Dach positio-
niert. Sie durchbrechen die Trauflinie und sind dieser vorgelagert. 
Sie werden so zu Fassadenteilen und machen das Dachgeschoss zum 
Vollgeschoss. Zusammen mit dem Erd- und dem Obergeschoss zäh-
len die Häuser drei Geschosse. In der Dorfzone, in der nur zwei Voll-
geschosse erstellt werden dürfen, sind solche Häuser unzulässig (§ 6 
BO). 

Auch in diesem Punkt ist die Beschwerde gutzuheissen. 

 

Abbildung 2 Der Vorbau steht 1,15 m vor der Trauflinie und macht das Dachgeschoss zum 

Vollgeschoss. 

 

88 Gebäudeabstand und geschlossene Bauweise 

Der Gebäudeabstand darf null sein, wenn das kommunale Recht den Ge-

bäudeabstand zwar für zwingend, gleichzeitig aber die geschlossene Bau-

weise für zulässig erklärt. 

418 Verwaltungsbehörden 2017 

Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 

15. September 2017 (BVURA.17.95) 

Aus den Erwägungen 

1. Bauvorhaben 
Die Bauparzelle Nr. 879 liegt in der Wohnzone W2. Das Projekt 

sieht den Bau von zwei zweigeschossigen Einfamilienhäusern mit 
seitlich an den jeweiligen Hauptbau angebauten Doppelgaragen (von 
je 3 m Breite) vor. … Die einander gegenüber liegenden Doppelgara-
gen sind auf ihrer gesamten Länge zusammengebaut. …  

3.2 Gebäudeabstand zwischen den beiden neuen Einfamilien-
häusern 

3.2.1 
Die Beschwerdeführenden machen … eine Verletzung des Ge-

bäudeabstands geltend. Dieser betrage lediglich 6 m statt 8 m. Eine 
Verminderung des Gebäudeabstands sei nach § 8.1.4 Abs. 1 Satz 3 
BO nicht zulässig. … Durch die beiden Garagen zwischen den Einfa-
milienhäusern würde der Gebäudeabstand nicht aufgehoben. … 

Der Gemeinderat entgegnet, dass sich bei den beiden Einfa-
milienhäusern in der Mitte jeweils eine Garage einfüge, welche sich 
unter der jeweiligen Dachverlängerung des Hauptdachs befinde. Mit 
den verbundenen Dächern der Garage, dem visuellen Zusammen-
hang mit den Hauptdächern und dem direkten Zugang von der Ga-
rage in das Wohnhaus handle es sich um eine zusammengebaute 
Situation. Die Garagen seien nicht mehr als Klein- und Anbauten er-
kennbar. … Bei einem Zusammenbau komme der Gebäudeabstand 
nicht zur Anwendung.  … 

3.2.2 
Bei der Auslegung kommunaler Bauvorschriften ist zu berück-

sichtigen, dass die Gemeinden bei der Ausscheidung und Definition 
der verschiedenen Zonen (§§ 13 Abs. 1 sowie 15 Abs. 1 und 2 lit. a 
BauG) aufgrund von § 106 der Verfassung des Kantons Aargau vom 
25. Juni 1980 verfassungsrechtlich geschützte Autonomie geniessen; 
hierin eingeschlossen ist die Anwendung des autonomen Gemeinde-

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rechts. Daraus folgt, dass sich das Verwaltungsgericht – und mit ihm 
das BVU – bei der Überprüfung einschlägiger gemeinderätlicher 
Entscheide zurückzuhalten hat, zumindest soweit es bei den zu ent-
scheidenden Fragen um rein lokale Anliegen geht und weder 
überörtliche Interessen noch überwiegende Rechtsschutzanliegen be-
rührt werden. Die Gemeinde kann sich in solchen Fällen bei der 
Auslegung kommunalen Rechts insbesondere dort auf ihre Autono-
mie berufen, wo eine Regelung unbestimmt ist und verschiedene 
Auslegungsergebnisse rechtlich vertretbar erscheinen. Die kantona-
len Rechtsmittelinstanzen sind hier gehalten, das Ergebnis der 
gemeinderätlichen Rechtsauslegung zu respektieren und nicht ohne 
Not ihre eigene Rechtsauffassung an die Stelle der gemeinderätlichen 
zu setzen. Die Autonomie der Gemeindebehörden hat jedoch auch in 
diesen Fällen dort ihre Grenzen, wo sich eine Auslegung mit dem 
Wortlaut sowie mit Sinn und Zweck des Gesetzes nicht mehr 
vereinbaren lässt (AGVE 2003, S. 190). 

Gemäss § 47 Abs. 1 BauG schreiben die Gemeinden Grenz- und 
Gebäudeabstände vor. Soweit sie nichts anderes festlegen, können 
die Abstände ungleich verteilt, verkleinert oder aufgehoben werden 
(§ 47 Abs. 2 BauG). Der Gebäudeabstand zwischen Gebäuden auf 
dem gleichen Grundstück kann reduziert oder aufgehoben werden, 
wenn die architektonischen, gesundheits- und feuerpolizeilichen An-
forderungen gewahrt bleiben und die Gemeinden nichts anderes 
festlegen (§ 20 Abs. 3 ABauV in Anhang 3 BauV). Gemäss § 8.1.4 
Abs. 1 BO ist der Gebäudeabstand gleich der Summe der 
vorgeschriebenen Grenzabstände. Privatrechtliche Vereinbarungen 
über eine Verminderung des Gebäudeabstands können nicht berück-
sichtigt werden. Bei Gebäuden auf der gleichen Parzelle ist der 
Gebäudeabstand so zu bemessen, dass sich die Begrenzungslinien 
der Abstandsdiagramme der einzelnen Gebäude nicht überschneiden 
(§ 8.1.4 Abs. 2 BO). Das heisst, die kommunale Vorschrift … lässt 
eine Unterschreitung des Gebäudeabstands auch auf der gleichen 
Parzelle nicht zu. 

… Einschränkungen in Bezug auf die Bauweise, insbesondere 
Vorschriften über die zulässige Anzahl der Wohneinheiten und die 
Zulässigkeit der geschlossenen Bauweise finden sich in der BO 

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nicht. In der BO hingegen werden Reihenhausüberbauungen 
ausdrücklich erwähnt: Gemäss § 8.1.1 Abs. 4 BO ist bei Reihenhaus-
überbauungen, Teppich- und Terrassensiedlungen die Ausnützungs-
ziffer gesamthaft einzuhalten, ohne Aufteilung der Parzelle in Einzel-
stücke. Damit ist klar, dass die geschlossene Bauweise in der Ge-
meinde grundsätzlich zulässig ist. Der Gebäudeabstand ist in solchen 
Fällen offensichtlich nicht mehr relevant. Es stellt sich demnach die 
Frage, ob bei den beiden Einfamilienhäusern vorliegend von ge-
schlossener Bauweise auszugehen ist. 

Der Begriff "geschlossene Bauweise" ist im kommunalen Bau-
recht nicht genau bestimmt. In Literatur und Rechtsprechung wird 
unter "geschlossener Bauweise", unter Abgrenzung zum Begriff der 
"offenen Bauweise", das Aneinanderfügen von mehreren, funktional 
unabhängigen Baueinheiten auf einer Achse verstanden (vgl. 
ZIMMERLIN ERICH, Baugesetz des Kantons Aargau, Aarau 1985, 
S. 347; FRITZSCHE CHRISTOPH/BÖSCH PETER, Züricher Planungs- 
und Baurecht, 4. Aufl., Zürich 2006, S. 874 f.; SIEBER ROMAN, Die 
bauliche Verdichtung aus rechtlicher Sicht, Diss. Freiburg 1996, 
S. 113 f.; AGVE 1969, S. 160; 1992, S. 352). Unter einer "offenen 
Bauweise" wird im allgemeinen eine Überbauung verstanden, bei der 
u.a. die Gebäude nicht durchgehend, über die Grundstücksgrenze 
hinweg, aneinanderstossen, wobei Zwischenbauten, wie zum Bei-
spiel Garagen, noch angehen (AGVE 1969, S. 160). Entscheidend 
für die geschlossene Bauweise ist, ob die zusammengebauten Ge-
bäude als "Ganzheit" erscheinen (vgl. dazu Regierungsratsbeschluss 
[RRB] Nr. 2009-000835 vom 3. Juni 2009), d.h. der optische Ein-
druck ist ausschlaggebend (VGE III/55 vom 31. August 2006, 
E. 5.2.2). Unter diesen Voraussetzungen erscheint die Schlussfolge-
rung des Gemeinderats nachvollziehbar. Entscheidend ist insbeson-
dere, dass die Dächer der Garagen und der Hauptbauten ineinander 
übergehen und so einen zusammenhängenden Eindruck ergeben. … 
(Somit gelten) die beiden Einfamilienhäuser mit den Garagen als 
bauliche Einheit. 

 

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89 Schattendiagramm  

- Der Schattenwurf wird an den mittleren Wintertagen, dem 

8. Februar und 3. November, gemessen (Erw. 3.1). 

- Eine zusätzliche Beschattung um wenige Minuten steht – in Abwä-

gung der Interessen – der freien Anordnung eines Attikageschosses 

nicht entgegen (Erw. 3). 

Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 

13. April 2017 (BVURA.16.574) 

Aus den Erwägungen 

3. Schattenwurf 
3.1 
Die Beschwerdeführenden beanstanden eine unzulässige Be-

schattung ihrer eigenen Liegenschaft 1424 und der östlich 
angrenzenden Liegenschaft 3487. 

Alle Gebäude müssen den Anforderungen des Gesundheits-
schutzes entsprechen, wie namentlich in Bezug auf eine genügende 
Besonnung (§ 52 Abs. 1 BauG). Weitere präzisierende Bestimmun-
gen zur Zulässigkeit des Schattenwurfs enthält das kantonale Recht 
nicht. Ob eine übermässige Beeinträchtigung durch Schattenwurf 
vorliegt, ist allerdings nach aargauischer Praxis nur zu überprüfen, 
wenn die durch die Bau- und Nutzungsordnung vorgegebenen 
Grenzabstände unter- oder die Gebäudehöhen überschritten werden, 
überdies aber auch, wenn – wie hier – ein Attikageschoss realisiert 
wird und sich die Frage stellt, ob wegen der frei gewählten Anord-
nung der Attikafläche das Nachbargrundstück übermässig be-
einträchtigt wird (vgl. Anhang 3 BauV: § 12 ABauV; VERENA 
SOMMERHALDER FORESTIER, in: Kommentar zum Baugesetz des 
Kantons Aargau, Bern 2013, § 52 N 67, RRB 2006-000075 vom 
25. Januar 2006, Erw. 2b; EBVU BDRA.04.486 vom 7. Februar 
2005, Erw. 6b). 

Die zulässige Dauer des Schattenwurfs auf eine Nachbarliegen-
schaft darf an einem mittleren Wintertag in der Regel höchstens zwei