# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7cea7db-5bdc-514e-af64-9136253082d2
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.07.2023 SB220464
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220464_2023-07-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB220464-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Wasser-

Keller und Ersatzoberrichter lic. iur. Kessler sowie Gerichtsschreibe-

rin MLaw Brülisauer 

 
Urteil vom 7. Juli 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

1. B._____,  
2. C._____,  
Privatklägerinnen 

 

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ 

2 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ 

 

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc. 
 

- 2 - 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 
15. Juni 2022 (DG220013) 
 
 
  

- 3 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 13. Januar 2022 

(Urk. D1/50) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 84 S. 109 ff.) 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 

− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 50 Monaten, wo-

von bis und mit heute 2 Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 

StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten der stationären Massnahme 

aufgeschoben. 

5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes 

verwiesen. 

6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet. 

7. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im 

Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes angeordnet. Das Forensische 

Institut Zürich (FOR) wird mit dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte 

verpflichtet, innert 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des Urteils beim  

Forensischen Institut Zürich, Polizei- & Justizzentrum PJZ, Erkennungs-

dienst‚ Güterstrasse 33, 8010 Zürich zwecks DNA-Probenahme für die DNA-

Profilerstellung zu erscheinen. Kommt er dieser Verpflichtung unentschuldigt 

nicht nach, wird die Kantonspolizei hiermit verpflichtet, ihn – auf entspre-

- 4 - 

chende Mitteilung des Forensischen Instituts Zürich hin – zwangsweise vor-

zuführen. Der Beschuldigte wird auf Art. 205, 207 und 417 StPO aufmerk-

sam gemacht. 

8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

3. Januar 2022 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände wer-

den der Privatklägerin 1 nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids in-

nert einer Frist von 90 Tagen auf erstes Verlangen hin herausgegeben, an-

sonsten werden sie der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung 

überlassen: 

− 1 Damenjacke "H&M" (Asservat Nr. A011'875'288); 

− 1 Trägerkleid "Chicorée" (Asservat Nr. A011'875'324); 

− 1 Sport-BH "Brunes" (Asservat Nr. A011'875'313); 

− 1 Slip (Asservat Nr. A011'875'302); 

− 1 Stulpen und 1 Socke (Asservat Nr. A011'875'299). 

9. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

3. Januar 2022 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände wer-

den der Privatklägerin 2 nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids in-

nert einer Frist von 90 Tagen auf erstes Verlangen hin herausgegeben, an-

sonsten werden sie der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung 

überlassen: 

− 1 gestreifter Büstenhalter (Asservat Nr. A014'114'546); 

− 1 Damenhose (Asservat Nr. A014'114'557); 

− 1 hellblaues Shirt (Asservat Nr. A014'114'568). 

10. Das einzig zu Beweiszwecken gesicherte und beim FOR Lager der Kan-

tonspolizei Zürich unter den Nummern K200821-006 und K180925-082 ge-

lagerte Spurenmaterial sowie die erstellten Beweisfotografien werden der 

Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zur Vernich-

tung überlassen. 

- 5 - 

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 CHF 8'000.– zuzüg-

lich 5 % Zins ab 22. September 2018 als Genugtuung zu bezahlen.  

12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 CHF 8'000.– zuzüg-

lich 5 % Zins ab 20. August 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-

trag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

13. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 2 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig 

ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin 2 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

14. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit CHF 14'600.– 

(pauschal, inkl. 7.7 % MwSt. und Barauslagen) entschädigt. Es wird davon 

Vormerk genommen, dass Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ bereits mit Verfü-

gung vom 15. September 2021 für seine Bemühungen als amtlicher Vertei-

diger mit CHF 11'512.80 (inkl. 7.7 % MwSt. und Barauslagen) entschädigt 

wurde. 

15. Rechtsanwalt lic. iur. Y1._____ wird für seine Aufwendungen als unentgeltli-

cher Rechtsvertreter der Privatklägerin 1 aus der Gerichtskasse mit 

CHF 7'550.– (pauschal, inkl. 7.7 % MwSt. und Barauslagen) entschädigt. 

16. Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltli-

che Rechtsvertreterin der Privatklägerin 2 aus der Gerichtskasse mit 

CHF 3'500.– (pauschal, inkl. 7.7 % MwSt. und Barauslagen) entschädigt, 

zusätzlich zu der bereits ausgerichteten Akontozahlung in der Höhe von 

CHF 6'413.85. 

- 6 - 

17. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

CHF 5'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

CHF 2'100.– : Gebühr für das Vorverfahren, 

CHF 16'172.46 : Auslagen im Vorverfahren (Gutachten), 

CHF 6'420.– : Auslagen im Vorverfahren (Telefonkontrolle), 

CHF 11'512.80 : ehemalige amtliche Verteidigung (RA X1._____), 

CHF 14'600.– : amtliche Verteidigung (RA X._____), 

CHF 7'550.– : unentgeltliche Rechtsvertretung Privatklägerin 1, 

CHF 9'913.85 : unentgeltliche Rechtsvertretung Privatklägerin 2. 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

18. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens einschliess-

lich der unentgeltlichen Rechtsvertretungen der Privatklägerschaft werden 

dem Beschuldigten auferlegt, jedoch abgeschrieben. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichtskas-

se genommen. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 108 S. 1) 

1. Dispositivziffern 1 bis und mit 7 sowie 11 bis und mit 13 als auch 

18 Abs. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 15. Juni 2022 

(Geschäfts-Nr. DG220013-L) seien aufzuheben. 

2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung und 

der sexuellen Nötigung von Schuld und Strafe vollumfänglich freizu-

sprechen. 

- 7 - 

3. Für die erstandene Untersuchungshaft sei der Beschuldigte angemes-

sen zu entschädigen. 

4. Von den Anordnungen einer Massnahme sowie eines Landesverwei-

ses als auch einer Abnahme einer DNA-Probe sei abzusehen. 

5. Die Zivilklagen der Privatklägerinnen seien vollumfänglich abzuweisen; 

eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen vor erster und zweiter Instanz 

zu Lasten des Staates. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:  

(Urk. 110) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Des Vertreters der Privatklägerin 1: 

(Urk. 100 S. 1) 

1. Die Berufung des Berufungsklägers sei vollumfänglich abzuweisen und 

das Urteil der Vorinstanz sei zu bestätigen. 

2. Das Urteil sei der Privatklägerin 1 hernach in vollständiger Ausführung 

zukommen zu lassen. 

d) Der Vertreterin der Privatklägerin 2: 

(Urk. 105 S. 1) 

1. Es sei das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigen und die 

Berufung des Beschuldigten abzuweisen. 

2. Der Privatklägerin 2 sei ein schriftlich begründetes Urteil zuzustellen. 

 
  

- 8 - 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung 

1. Verfahrensgang 

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil sei auf die Erwägun-

gen dazu im genannten Urteil verwiesen (Urk. 84 S. 4-6). Das eingangs im Dispo-

sitiv erwähnte Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 15. Juni 2022 

wurde den Parteien nach durchgeführter Hauptverhandlung sogleich mündlich er-

öffnet und begründet sowie im Dispositiv mitgeteilt (Prot. I S. 35 ff.; Urk. 72). Zwei 

Tage später meldete der Beschuldigte Berufung gegen das Urteil an, an den die 

Zustellung in der schriftlich begründeten Fassung am 24. August 2022 erfolgte 

(Urk. 73 und Urk. 83/2). Gegen das schriftlich begründete Urteil (Urk. 84) erstatte-

te der Beschuldigte mit Eingabe vom 12. September 2022 fristgerecht die Beru-

fungserklärung (Urk. 87). Auf die Fristansetzung vom 15. September 2022 hin 

verzichteten sowohl die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (nachfolgend: Staats-

anwaltschaft) als auch die Privatklägerinnen auf Anschlussberufung (Urk. 90-92). 

Die Privatklägerinnen beantragen gleichzeitig, im Falle ihrer Befragung durch eine 

Person gleichen Geschlechts befragt zu werden (Urk. 91 und Urk. 92) und die 

Privatklägerin 2 ersucht zudem um Durchführung der allfälligen Einvernahme mit-

tels Videoübertragung (Urk. 92). Anlässlich der mündlichen Berufungsverhand-

lung vom 7. Juli 2023 wurde zu Beginn die parteiöffentliche Befragung der Privat-

klägerin 2 als Auskunftsperson mittels Videoübertragung durchgeführt. Die Privat-

klägerin 2 wurde dabei von ihrer unentgeltlichen Rechtsvertreterin Rechtsanwältin 

lic. iur. Y2._____ sowie einer Vertrauensperson begleitet, welche allesamt an der 

weiteren Berufungsverhandlung nicht mehr teilnahmen, die in Anwesenheit des 

Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

des Staatsanwaltes lic. iur. Krayenbühl sowie der Privatklägerin 1 persönlich in 

Begleitung einer Vertrauensperson durchgeführt wurde (Prot. II S. 6). Damit er-

weist sich der Fall als spruchreif. 

- 9 - 

2. Gegenstand des Berufungsverfahrens 

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es na-

heliegend, dass weitere nicht angefochtene Punkte in die Überprüfung des Urteils 

einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den angefochtenen Punkten 

besteht. Bei Anfechtung des Schuldspruchs mit Antrag auf Freispruch gelten für 

den Fall der Gutheissung automatisch auch damit zusammenhängende Folge-

punkte des Urteils, wie zum Beispiel Nebenfolgen von Entscheiden über Einzie-

hungen, Zivilpunkte sowie Kosten- und Entschädigungsregelungen, als angefoch-

ten. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch, sind die weiteren nicht an-

gefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu überprü-

fen (BGE 147 IV 93 E. 1.5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 

12. Januar 2022 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 22]; vgl. auch SCHMID/JOSITSCH, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar [kurz: Praxiskommentar 

StPO], 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 18 zu Art. 399 StPO; HUG/SCHEIDEGGER 

in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 

Strafprozessordnung StPO [kurz: SK StPO], 3. Aufl., Zürich 2020, N 19 und 20 zu 

Art. 399 StPO; SPRENGER in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 

2014 [kurz: BSK StPO], N 31 f. zu Art. 437 StPO).  

Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt 

es am Ende ein insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzuge-

ben hat, welche Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 

244 E. 1.3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2016 vom 29. November 2016 

E. 4.2 mit Hinweisen). 

2.2. Der Beschuldigte verlangt mit seiner Berufung einen vollumfänglichen Frei-

spruch mit ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsregelung (Urk. 87 

S. 2; Urk. 108 S. 1 und Prot. II S. 7). 

- 10 - 

2.3. Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerinnen beantragen die Bestäti-

gung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 90-92; Urk. 100; Urk. 105; Urk. 110). 

2.4. Unangefochten geblieben sind die Anordnungen betreffend die beschlag-

nahmten Beweismittel für den Fall des Eintritts der Rechtskraft des Urteils (Dispo-

sitiv-Ziffern 8-10) sowie die Festsetzung der Kosten und Entschädigungen (Dis-

positiv-Ziffer 14-17). Da die Herausgabe der beschlagnahmten Beweismittel erst 

mit Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils erfolgen kann und die Kosten- 

und Entschädigungsfolgen naturgemäss dem Entscheid in der Hauptsache fol-

gen, wird das vorinstanzliche Urteil in keinem Punkt rechtskräftig. Es kann jedoch 

nach dem vorstehend Gesagten in Bezug auf die Herausgabe der Beweismittel 

und der Kostenfestsetzung infolge deren Nichtanfechtung gegebenenfalls ohne 

weiteres auf die vorinstanzliche Regelung zurückgegriffen werden. 

II. Prozessuales 

1. Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sach-

verhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils im Einzelnen 

explizit Erwähnung findet. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Entscheid-

begründung nach der Rechtsprechung kurz die wesentlichen Überlegungen 

nennen muss, von denen sich das Gericht leiten liess und auf die es seinen Ent-

scheid stützt. Es darf sich auf die massgebenden Gesichtspunkte beschränken 

und muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem 

rechtlichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen (BGE 147 IV 409 

E. 5.3.4 mit Hinweisen). Dabei kommt es auf den Einzelfall an (BGE 146 IV 297 

E. 2.2.7; 141 IV 249 E. 1.3.1). Die Begründungspflicht ist eingehalten, wenn die 

Gründe erkennbar sind, von welchen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat 

leiten lassen, selbst wenn die angegebene Begründung falsch ist. Im Übrigen 

kann die Begründung implizit erfolgen und sich aus verschiedenen Erwägungen 

des angefochtenen Entscheids ergeben (BGE 141 V 557 E. 3.2.1; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_219/2021 vom 19. April 2023 E. 2.2 [zur Publ. vorgesehen]; 

- 11 - 

6B_1097/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 3.4; 6B_85/2022 vom 25. August 2022 

E. 1.2). 

2. Sofern die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung 

notwendig erscheint, erhebt das Berufungsgericht im Vorverfahren ordnungsge-

mäss erhobene Beweise noch einmal (Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 

StPO; BGE 143 IV 288 E. 1.4.1). Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme 

durch das Berufungsgericht in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich 

sein, wenn dieses von den erstinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abwei-

chen will (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 

22. März 2023 E. 6.3.1; 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 1.2 [nicht publ. in 

BGE 146 IV 153]; 6B_918/2018 vom 24. April 2019 E. 2.2.2; je mit Hinweisen). 

Eine unmittelbare Abnahme eines Beweismittels ist namentlich notwendig, wenn 

es den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann, insbesondere wenn die Kraft 

des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner 

Präsentation entsteht. Dies ist etwa der Fall, wenn es in besonderem Masse auf 

den unmittelbaren Eindruck einer Aussage ankommt, so wenn diese das einzige 

direkte Beweismittel ("Aussage gegen Aussage Konstellation") darstellt. Allein der 

Inhalt der Aussage einer Person (was sie sagt), lässt eine erneute Beweisabnah-

me nicht notwendig erscheinen. Massgebend ist, ob das Urteil in entscheidender 

Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es sagt) abhängt (BGE 140 IV 196 

E. 4.4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 3.3.3; 

6B_992/2022 vom 17. Februar 2023 E. 2.3.3; 6B_612/2020 vom 1. November 

2021 E. 2.3.3; je mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung können auf Video 

aufgezeichnete Einvernahmen genügen, um sich ein hinreichendes Bild von der 

Glaubwürdigkeit der Auskunftsperson oder des Zeugen resp. der Glaubhaftigkeit 

deren Aussagen zu verschaffen. Dies ist namentlich der Fall, wenn weitere Sach-

beweise oder Indizien vorliegen und die einvernommene Person konstant und in 

sich logisch konsistent aussagt (Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 

22. März 2023 E. 6.3.1; 6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 3.3.4; 

6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 1.2 [nicht publ. in BGE 146 IV 153]; 

6B_687/2018 vom 4. Juni 2019 E. 2.3; je mit Hinweisen).  

- 12 - 

2.1. Im Hinblick auf die Privatklägerin 1 ist zu erwägen, dass sie im Vorverfahren 

am 25. September 2018 durch die Polizei und am 19. August 2020 im Rahmen 

einer delegierten Einvernahme erneut durch die Polizei mittels Videoaufzeichnung 

zur Sache befragt wurde (vgl. Urk. D1/4/1-2 und Urk. D1/34/5-6), wobei auch je-

weilige Wortprotokolle in den Akten liegen (vgl. Urk. D1/34/7 und Urk. D1/34/9). 

Am 24. Januar 2020 wurde sie zusätzlich betreffend Personenidentifizierung be-

fragt, was ebenfalls per Video aufgezeichnet wurde und wovon ein Wortprotokoll 

besteht (Urk. D1/19-20; Urk. D1/34/8). Die zweite und dritte Einvernahme fanden 

in Anwesenheit der Verteidigung statt (Urk. D1/19 S. 2; Urk. D1/34/5 S. 11). Die 

Verteidigung stellte am Ende des Vorverfahrens keine Beweisanträge 

(Urk. D1/43/4). Vor diesem Hintergrund, insbesondere der Tatsache, dass zwei 

auf Video aufgezeichnete Einvernahmen der Privatklägerin 1 zur Sache vorhan-

den sind, in denen sie sich konstant, in sich konsistent und glaubhaft zur Sache 

äussert (vgl. nachstehend Erw. III.A.3.2. f.), ist aus Gründen des Opferschutzes – 

die Einvernahmen belasteten die Privatklägerin 1 in der Untersuchung sehr stark 

(vgl. beispielhaft Urk. D1/4/1 S. 11; Urk. D1/5 S. 7 und Urk. D1/6 F/A 9) – auf eine 

nochmalige Befragung ihrer Person vor zweiter Instanz zu verzichten (vgl. 

Art. 152 Abs. 1 StPO). 

2.2. Die Privatklägerin 2 wurde am 21. August 2020 schriftlich von der Polizei 

(Urk. D4/4/1) und danach am 24. Februar 2021 durch die Staatsanwaltschaft mit-

tels Videoaufzeichnung (Urk. D4/4/2-3) befragt. Letztere Einvernahme fand in 

Anwesenheit des Beschuldigten und seines Verteidigers statt (Urk. D4/4/2 S. 1). 

Mit anderen Worten liegt bei ihr nur eine auf Video aufgezeichnete Einvernahme 

vor, weshalb auf eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungsgericht 

nicht verzichtet werden konnte und die Privatklägerin 2 anlässlich der Berufungs-

verhandlung nochmals zu befragen war.  

3. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Aufgabe des Ge-

richts (BGE 129 I 49 E. 4). Zu prüfen ist, ob die Aussagen verständlich, zusam-

menhängend und glaubhaft sind. Ebenso ist abzuklären, ob sie mit den weiteren 

Beweisen in Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1176/2021 vom 

26. April 2023 E. 2.5.2; 6B_1087/2022 vom 16. Januar 2023 E. 6.3; 6B_567/2020 

- 13 - 

vom 6. Dezember 2021 E. 2.3.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 57]; je mit Hinweisen). 

Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch eine sachverständige Person gestützt 

auf Art. 182 StPO drängt sich nach der Rechtsprechung nur bei besonderen Um-

ständen auf. Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder schwer interpre-

tierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei ernsthaften Anzei-

chen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit der Zeugin beeinträchti-

gen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Zeugin unter 

dem Einfluss von Drittpersonen steht (BGE 129 IV 179 E. 2.4; Urteile des Bun-

desgerichts 6B_1176/2021 vom 26. April 2023 E. 2.5.2; je mit Hinweisen). Das 

Vorliegen einer psychischen Störung allein rechtfertigt keine aussagepsychologi-

sche Begutachtung. Es braucht vielmehr ernsthafte Anzeichen dafür, dass eine 

vorhandene psychische Störung die Aussageehrlichkeit der betroffenen Person 

beeinträchtigen könnte (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1176/2021 vom 

26. April 2023 E. 2.5.2; 6B_141/2022 vom 10. Oktober 2022 E. 2.3.3; 

6B_567/2020 vom 6. Dezember 2021 E. 2.3.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 57]; je 

mit Hinweisen).  

Zunächst ist festzuhalten, dass die Videobefragungen der Privatklägerin 1 einen 

direkten und unverfälschten Eindruck ihrer Aussagen und ihres Aussageverhal-

tens vermitteln. Es ergibt sich daraus, dass sie durchaus in der Lage war, sachlich 

logische und im zeitlichen Ablauf stimmige und realistische Angaben zu machen, 

insbesondere auch indem sie spezifische Ausdrucksweisen des Beschuldigten 

wie "Baby, du bruchsch das" wiedergab. Im Übrigen deckt sich das auch mit der 

Feststellung der Psychotherapeutin, welche die Privatklägerin 1 regelmässig be-

handelt, und der sich die Privatklägerin 1 sofort nach ihrer Rückkehr vom Tatort 

ins Wohnheim anvertraute (Urk. D1/34/7 F/A 97 ff.). Die Therapeutin sagte als 

Zeugin aus, dass sich die Genauigkeit in den Aussagen der Privatklägerin 1 auch 

damit erkläre, dass diese aufgrund ihrer psychischen Erkrankung stets bemüht 

sei, die Dinge so penibel genau wie möglich zu schildern (Urk. D1/6 F/A 17). Auch 

ist der Vorinstanz vollumfänglich beizupflichten, wenn sie darlegt, dass die sich 

namentlich in der ersten polizeilichen Befragung der Privatklägerin 1 deutlich zei-

genden Wechsel in einen anderen Persönlichkeitsanteil die Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen zum Tatgeschehen in keiner Weise beeinträchtigen. Es kann auch hier 

- 14 - 

auf die einlässlichen und sorgfältigen Abwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 84 S. 30 unten bis 33). Bei dieser Ausgangslage und beim Vorliegen 

von zwei mittels Videoeinvernahmen aufgezeichneten Befragungen der Privatklä-

gerin 1 liegen keine besonderen, für eine Glaubhaftigkeitsbegutachtung spre-

chenden Umstände vor, so dass auf die Einholung eines Gutachtens verzichtet 

werden kann.  

4. Die Verteidigung bringt schliesslich vor, dass die Aussagen des Beschuldig-

ten gegenüber der Gutachterin nur für die Erstellung des Gutachtens zu gebrau-

chen und darüber hinaus unverwertbar seien. Er argumentiert, dass der Beschul-

digte zwar auf sein strafprozessuales Aussageverweigerungsrecht aufmerksam 

gemacht worden sei, indes habe eine notwendige Verteidigung vorgelegen, wes-

halb die Verteidigung für die Verwertbarkeit der Aussagen bei der Befragung 

zwingend hätte anwesend sein müssen, was nicht der Fall gewesen sei (Urk. 108 

S. 2).  

Die vom Beschuldigten gegenüber der Gutachterin getätigten Aussagen sind für 

die fachliche Einschätzung der Gutachterin relevant und zu gebrauchen, ansons-

ten jedoch – entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 84 S. 19) und mit der Verteidi-

gung – unverwertbar. Die Vorinstanz stellte ganz vereinzelt auf diese Aussagen 

ab (vgl. Urk. 84 S. 36), was nicht zulässig ist. Indes sind die vom Beschuldigten 

gegenüber der Gutachterin getätigten Aussagen für die Sachverhaltserstellung 

nicht von entscheidender Bedeutung und es braucht – wie nachfolgend zu zeigen 

ist – nicht auf sie abgestellt zu werden. 

III. Schuldpunkt 

A.Vergewaltigung und sexuelle Nötigung z.N. der Privatklägerin 1 

1. Anklagevorwurf 

1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 

13. Januar 2022 in Bezug auf die Privatklägerin 1 B._____ zum einen 

vorgeworfen, am 22. September 2018 zwischen 18.00 Uhr und 19.00 Uhr im Park 

- 15 - 

der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (nachfolgend: PUK) auf einer 

Sitzbank einen Arm um die Privatklägerin 1 gelegt zu haben und zunächst die 

Wolljacke von den Schultern der Privatklägerin 1 weg geschoben, seine Hand 

oberhalb ihres Brustbereichs platziert und ihre Haare hinter die Schultern gelegt 

zu haben. Die Privatklägerin 1 habe ihn aufgefordert, dies zu unterlassen und 

versucht, seine Hand wegzuschieben, was ihr jedoch nicht gelungen sei. Der 

Beschuldigte habe erwidert "Baby du bruchsch das!". Er habe sodann begonnen 

die Jacke der Privatklägerin 1 auszuziehen und sei mit einer Hand zu ihrem 

Bauch und dann zwischen ihre Beine – noch über der Unterhose – gefahren. Die 

Privatklägerin 1 habe versucht, ihr Kleid weiter nach unten zu ziehen und den 

Beschuldigten aufgefordert, ihr ihre Jacke zurückzugeben. Der Beschuldigte habe 

dies nicht getan. Danach habe er begonnen die Privatklägerin 1 auf die Wange 

und später auf den Mund zu küssen, wobei er versucht habe, mit seiner Zunge in 

ihren Mund einzudringen. Schliesslich habe er seine Hand unter ihren Rock 

zwischen ihre Beine geführt, ihre Unterhose beiseitegeschoben und einen oder 

zwei Finger in die Vagina der Privatklägerin 1 eingeführt. Die Privatklägerin 1 sei 

ab dem Zeitpunkt der Zungenküsse erstarrt, da sie nicht gewusst habe, wie sie 

auf das bestimmende Verhalten des Beschuldigten reagieren sollte, der jegliche 

verbale Opposition von ihr ignoriert habe. Aus Angst, dass der Beschuldigte eine 

Waffe dabeihaben könnte, und da keine Leute in der näheren Umgebung anwe-

send gewesen seien sowie aufgrund ihrer Plateauschuhe und ihren zwei mitge-

führten Taschen, die eine Flucht erschwert hätten, habe sie sich nicht mehr 

gerührt. 

Der Beschuldigte habe dabei gewusst oder aufgrund des abweisenden Verhal-

tens und der Worte der Privatklägerin 1 zumindest in Kauf genommen, dass sie 

mit seinen Berührungen im Intimbereich und den Küssen sowie dem Einführen 

eines oder zweier Finger in ihre Vagina nicht einverstanden gewesen sei. Er habe 

sich aber bewusst über ihren Willen hinweggesetzt. Er habe gewusst, dass er die 

Privatklägerin 1 in eine ausweglose Situation gebracht habe, er ihr körperlich 

überlegen gewesen sei, sich in der Nähe keine Leute aufgehalten hätten und sein 

bestimmtes und gezieltes Vorgehen dazu geeignet gewesen sei, die genannten 

Handlungen zu vollziehen und ihren Willen zu brechen (Urk. D1/50 S. 2-4). 

- 16 - 

1.2. Zum anderen wird dem Beschuldigten vorgeworfen, anschliessend an die 

Handlungen auf der Sitzbank im Park der PUK (vorstehende Ziffer) die Privatklä-

gerin 1 mit herrischer und bestimmter Stimme dazu aufgefordert zu haben, mit 

ihm in den unmittelbar anliegenden Wald zu gehen. Er habe sie am Handgelenk 

gepackt und hoch gezerrt. Die Privatklägerin 1 habe dem Beschuldigten mehr-

mals gesagt, er solle sie in Ruhe lassen und habe versucht, sich aus dem Griff 

des Beschuldigten zu lösen. Im Wald habe der Beschuldigte die Privatklägerin 1 

auf den Boden mit dem Kopf hangabwärts gelegt. Sie habe versucht ihre Beine 

zusammenzudrücken. Der Beschuldigte habe diese jedoch auseinander gedrückt, 

bis sie keine Kraft mehr gehabt habe. Der Beschuldigte habe ihr die Unterhose 

unter dem Kleid ausgezogen. Die Privatklägerin 1 habe erneut gebeten, sie in 

Ruhe zu lassen, was der Beschuldigte ignoriert habe. Er habe seine Hose nach 

unten gezogen, die Privatklägerin 1 an den Handgelenken festgehalten und mit 

ihr den ungeschützten Geschlechtsakt vollzogen. Die Privatklägerin 1 habe dabei 

ein paar Mal um Hilfe gerufen, woraufhin der Beschuldigte ihr seine Hand auf den 

Mund gepresst habe. Die Privatklägerin 1 habe Schmerzen im Unterleib verspürt. 

Der Körper des Beschuldigten sei auf ihr gelegen, sodass sie das Gefühl gehabt 

habe, keine Luft mehr zu bekommen. Da sie um ihr Leben gefürchtet und sich 

hilflos gefühlt habe, dem Beschuldigten körperlich unterlegen gewesen sei, sich 

keine Leute in der näheren Umgebung aufgehalten hätten und sie nicht gewusst 

habe, ob der Beschuldigte eine Waffe bei sich gehabt habe, habe sie schliesslich 

ihre Gegenwehr aufgegeben und den Geschlechtsverkehr über sich ergehen las-

sen. Als ein Jogger vorbeigerannt sei, sei der Beschuldigte erschrocken, habe mit 

der Penetration aufgehört und sei weggegangen.  

Der Beschuldigte habe gewusst, dass die Privatklägerin 1 keinen Geschlechts-

verkehr mit ihm gewollt habe oder habe dies zumindest in Kauf genommen. Aus-

serdem habe er aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit und der versteckten 

Örtlichkeit im Wald um die ausweglose Situation der Privatklägerin 1 gewusst. Die 

Situation habe er bewusst herbeigeführt. Er habe gewusst, dass sein Verhalten 

dazu geeignet gewesen sei, mit ihr den Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen zu 

vollziehen (Urk. D1/50 S. 4-6). 

- 17 - 

2. Standpunkt des Beschuldigten 

Der Beschuldigte gesteht ein, sexuelle Handlungen mit der Privatklägerin 1 auf 

der Sitzbank im Park der PUK und anschliessend den ungeschützten Ge-

schlechtsverkehr mit ihr im angrenzenden Wald vollzogen zu haben (Urk. 84 

S. 10 f. mit Verweis auf Aktenstellen). Er wendet jedoch ein, die Berührungen auf 

der Sitzbank und der Geschlechtsakt seien von der Privatklägerin 1 ebenfalls ge-

wollt gewesen, obwohl er vor Vorinstanz einräumte, dass die Initiative für beides 

von ihm ausgegangen sei, sie jedoch nichts (sc. Ablehnendes) gesagt habe und 

in den Wald mitgekommen sei (Prot. I S. 14). Bei dieser Sachdarstellung blieb der 

Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung. Er wiederholte, dass er 

die Privatklägerin 1 in der Klinik getroffen und sie angesprochen habe. Er habe 

mit ihr draussen spazieren gehen wollen und sie sei mitgekommen. Bei der Park-

bank habe er die Privatklägerin 1 berührt, sie ihn auch. Es sei schnell gegangen. 

Sie seien in den Wald und hätten Sex gehabt. Als er die Privatklägerin 1 berührt 

habe, habe sie nichts gesagt oder gemacht. Er habe sie nicht vergewaltigt (Prot. II 

S. 34 f. und S. 39 ff.). Zusammengefasst bestreitet der Beschuldigte nach wie vor 

nicht, dass es zu sexuellen Kontakten mit der Privatklägerin 1 gekommen sei, je-

doch seien diese Kontakte allesamt einvernehmlich gewesen. Dass eine Verge-

waltigung stattgefunden habe, bestreite er ebenfalls nicht, aber seine Täterschaft 

(Urk. 108 S. 3 i.V.m. Prot. II S. 42).  

3. Beweiswürdigung 

3.1. Zu den allgemeinen Beweiswürdigungsregeln (insb. der freien Würdigung 

der Beweismittel, der Unschuldsvermutung, der Aussage gegen Aussage-

Konstellation) kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 84 

S. 12 ff.) und die einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 146 IV 

88 E. 1.3.1; 145 IV 154 E. 1.1; 144 IV 345 E. 2.2.3.2; 138 V 74 E. 3; 124 IV 86 

E. 2a; je mit Hinweisen) verwiesen werden. Die nachfolgenden Ausführungen 

verstehen sich als Ergänzungen bzw. punktuelle Hervorhebungen: 

a) Die in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerte Unschuldsver-

mutung bedeutet, dass es Sache der Strafverfolgungsbehörden ist, der beschul-

- 18 - 

digten Partei ihre Täterschaft nachzuweisen. Gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO muss 

sich die beschuldigte Person nicht selbst belasten. Sie hat namentlich das Recht, 

die Aussage und Mitwirkung im Strafverfahren zu verweigern. Sie muss sich aber 

den gesetzlich vorgesehenen Zwangsmassnahmen unterziehen. Das Recht zu 

schweigen und sich nicht selbst zu belasten, gehört zum allgemein anerkannten 

internationalen Standard eines fairen Verfahrens (BGE 147 I 57 E 5.1; 144 I 242 

E. 1.2.1; je mit Hinweis). Gegen das Verbot des Selbstbelastungszwangs ver-

stösst zum Beispiel ein strafbewehrter Befehl an die beschuldigte oder an eine 

andere aussageverweigerungsberechtigte Person, potentiell belastende Beweis-

unterlagen herauszugeben oder belastende Aussagen gegen sich oder (im Rah-

men des Aussageverweigerungsrechts) eine andere Person zu machen 

(BGE 142 IV 207 E. 8.3.1 mit Hinweisen). Unzulässig wäre es ferner auch, das 

Schweigen der beschuldigten Person als Indiz für ihre Schuld zu werten 

(BGE 138 IV 47 E. 2.6.1 S. 51 mit Hinweisen). Demgegenüber ist es – wie das 

Bundesgericht unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Europäischen Ge-

richtshofs für Menschenrechte in Sachen John Murray gegen Vereinigtes König-

reich (Urteil vom 8. Februar 1996, Nr. 18731/91) festgestellt hat – nicht ausge-

schlossen, das Aussageverhalten der beschuldigten Person in die freie Beweis-

würdigung miteinzubeziehen, so insbesondere, wenn sie sich weigert, zu ihrer 

Entlastung erforderliche Angaben zu machen, bzw. es unterlässt, entlastende Be-

hauptungen näher zu substantiieren, obschon eine Erklärung angesichts der be-

lastenden Beweiselemente vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1202/2021 vom 11. Februar 2022 E. 1.8.2; 6B_1302/2020 

vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in BGE 147 IV 176]; 6B_289/2020 vom 

1. Dezember 2020 E. 7.8.1; je mit weiteren Hinweisen). 

b) Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein 

indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, 

die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu 

beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Der Indizien-

beweis ist dem direkten Beweis gleichwertig. Eine Mehrzahl von Indizien, welche 

für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine be-

stimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, 

- 19 - 

können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen 

rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt (Urteile des Bundesgerichts 

6B_790/2021 vom 20. Januar 2022 E. 1.2.3; 6B_1019/2021 vom 8. Dezember 

2021 E. 1.3.3; 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 [nicht publ. in: 

BGE 147 IV 176]; je mit Hinweisen). Der Indizienprozess als solcher verletzt we-

der die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teilrechte (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1097/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 3.2; 6B_1018/2021 vom 

24. August 2022 E. 2.1.1 f.; 6B_188/2022 vom 17. August 2022 E. 3.2; 

6B_245/2020 vom 6. Mai 2020 E. 3.3.3). Der Grundsatz "in dubio pro reo" als 

Entscheidregel verlangt nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln un-

besehen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die 

Entscheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung 

als Ganzem relevante Zweifel verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1019/2021 vom 8. Dezember 2021 E. 1.3.3; 6B_1302/2020 

vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 [nicht publ. in: BGE 147 IV 176]; je mit Hinweisen).  

3.2. Die Vorinstanz hat die im vorliegenden Verfahren relevanten Aussagen und 

Beweismittel sehr umfassend, vollständig und korrekt aufgeführt (Urk. 84 S. 15 f.) 

und zusammengefasst (Urk. 84 S. 20-28). Sie hat sich eingehend mit der vorlie-

genden Beweislage auseinandergesetzt, die vorhandenen Beweise sowohl ein-

zeln als auch in ihrer Gesamtheit gewürdigt und insbesondere die vorliegend 

massgeblichen Personalbeweise einer umfassenden Glaubhaftigkeitsprüfung un-

terzogen (Urk. 84 S. 28-38). Dabei hat sie sich unter Einbezug der Aussagen und 

Angaben der Psychotherapeutin der Privatklägerin 1 (Urk. D1/5 und Urk. D1/6) 

mit dem allfälligen Einfluss der multiplen Persönlichkeitsstörung der Privatkläge-

rin 1 auf ihre Aussagetüchtigkeit und ihre Wahrnehmung oder ihre Fähigkeit das 

Wahrgenommene wiederzugeben eingehend befasst (Urk. 84 S. 28-33). Gleich-

ermassen ist sie auch mit der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Be-

schuldigten verfahren. Unter Einbezug des psychiatrischen Gutachtens vom 

13. April 2021 von Dr. med. D._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe-

rapie, Schwerpunkt Forensische Psychiatrie und Psychotherapie FMH (nachfol-

gend kurz: Gutachten D._____, Urk. D1/36/7), wonach im Deliktszeitraum mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beim Beschuldigten eine Schizophrenie 

- 20 - 

(ICD-10 F20) und eine komorbide Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.2) vorlagen 

(Urk. D1/36/7 S. 83), befasste sich die Vorinstanz sorgfältig und einlässlich mit 

den Auswirkungen auf die Aussagetüchtigkeit des Beschuldigten und würdigte 

seine Aussagen vor dem Hintergrund seiner psychischen Erkrankung mit ent-

sprechender Vorsicht auf ihre Glaubhaftigkeit (Urk. 84 S. 34-38). Sie hat so ins-

gesamt eine sehr sorgfältige und nachvollziehbare Sachverhaltserstellung vorge-

nommen (Urk. 84 S. 39-41), die überzeugt und der, mit Ausnahme betreffend die 

Aussagen des Beschuldigten gegenüber der Gutachterin, welche für die Sachver-

haltserstellung unverwertbar, aber auch nicht weiter von Relevanz sind (vgl. vor-

stehend Erw. II.4.), uneingeschränkt zu folgen ist, so dass darauf zwecks Vermei-

dung von Wiederholungen verwiesen werden kann. Zusammenfassend gelangte 

die Vorinstanz nach Würdigung sämtlicher Beweismittel und Umstände zum 

Schluss, dass die Aussagen der Privatklägerin 1 detailliert, schlüssig und daher 

glaubhaft seien und überzeugender als jene des Beschuldigten, der mit seinen 

stereotypen, widersprüchlichen Bestreitungen und offensichtlichen Schutzbehaup-

tungen keine ernsthaften Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privat-

klägerin 1 zu begründen vermocht habe. Dem kann unter Verweis auf die detail-

lierten Erwägungen der Vorinstanz zugestimmt werden (Urk. 84 S. 39 ff.). 

3.3. Lediglich ergänzend und verstärkend ist unter Hinweis auf die einleitende 

Erwägung der Vorinstanz zur Aussagewürdigung der Privatklägerin 1 (Urk. 84 

S. 28) festzuhalten, dass keinerlei Motiv ersichtlich ist, weshalb sie den Beschul-

digten zu Unrecht belasten sollte. Gemäss unbestrittener und übereinstimmender 

Darstellung kannten sich die beiden zuvor nicht. Der Beschuldigte war der Privat-

klägerin 1 mithin völlig unbekannt; sie sah ihn an jenem Tag zum ersten Mal. Es 

können daher weder Rache noch irgendwelche verletzten Gefühle im Raum ste-

hen. Ein Grund, weshalb sie ihn bewusst falsch anschuldigen und sich dadurch 

selbst strafbar machen sollte, ist nicht ersichtlich. Dagegen spricht namentlich, 

wie es zur Anzeigeerstattung kam. Gemäss Polizeirapport der Kantonspolizei Zü-

rich meldete sich eine Mitarbeiterin des Universitätsspitals am 23. September 

2018, mithin am Tag nach den angeklagten Vorfällen, und teilte mit, die Privatklä-

gerin 1 sei mit ihrer Psychiaterin (recte: Psychologin) beim gynäkologischen Not-

fall erschienen und mache eine Vergewaltigung geltend, wobei es ihr darum ge-

- 21 - 

gangen sei, die "Pille danach" zu bekommen. Erst nach telefonischer Aufklärung 

durch den Rapportierenden über die rechtlichen Möglichkeiten habe die Privatklä-

gerin 1 mitgeteilt, dass sie ein Strafverfahren wünsche (Urk. D1/1 S. 3). Ausser-

dem überzeugt, dass die Privatklägerin 1 ihre Motivation zur Aussage damit be-

gründet, sie wolle mit ihren Aussagen dazu beitragen, dass der Beschuldigte so 

etwas nicht mit anderen Frauen machen könne (Urk. D1/34/7 F/A 20). Die Vorin-

stanz legt ebenfalls zutreffend dar, dass sich die Aussagen der Privatklägerin 1 

dadurch auszeichnen, dass sie konsistent, klar und lebensnah schildern könne, 

was aus ihrer Sicht geschehen sei, wobei sie insbesondere anlässlich ihrer ersten 

polizeilichen Videobefragung nur drei Tage nach den infrage stehenden Ereignis-

sen mit einer Fülle an lebendigen, sachlich richtigen und psychologisch stimmigen 

Details geschildert habe, was aus ihrer Sicht am Nachmittag des 22. September 

2018 geschehen sei (Urk. 84 S. 29 f.). Die Verteidigung bringt dagegen vor, dass 

unklar sei, in welcher Persönlichkeit die Privatklägerin 1 damals die Handlungen 

erlebt und wie weit jene Persönlichkeit sich mit anderen in der Folge ausgetauscht 

habe oder ob während dem Vorfall verschiedene Persönlichkeiten anwesend ge-

wesen seien, weshalb unmöglich zu erkennen sei, ob die Privatklägerin 1 von ei-

nem früher erlebten Vorfall erzähle und diesen mit der tatsächlich erlebten Hand-

lung mit dem Beschuldigten verwebe. Denkbar sei auch, dass die damals vor-

herrschende Persönlichkeit – allenfalls zum Selbstschutz und nur vordergründig – 

mit den Handlungen einverstanden gewesen sei, danach aber die Hauptpersön-

lichkeiten B._____ und/oder B1._____ sich dagegen gewehrt hätten (vgl. Urk. 108 

S. 3 f.). Dieser Einwand verfängt nicht. Die Privatklägerin 1 schildert das Vorgefal-

lene zu Beginn der ersten polizeilichen Einvernahme flüssig bzw. in zusammen-

hängender Form und eigenen Worten. Dieses authentische Aussageverhalten, 

welches den Beschuldigten auch nicht übermässig belastet, bzw. der materielle 

Gehalt ihrer Aussagen lässt ein Wechsel in den Persönlichkeiten ausschliessen 

(vgl. Urk. D1/4/2). Erst als sie mit der Vergewaltigung direkt konfrontiert wurde, 

wechselte sie die Persönlichkeit, was aber deutlich wahrzunehmen und entspre-

chend auch einzuordnen ist (vgl. Urk. D1/4/2 ab Minute 34). Der Vorinstanz ist mit 

anderen Worten zu folgen, wenn sie erwägt, dass die Privatklägerin 1 den Vorfall 

- 22 - 

im Wesentlichen ohne Wahrnehmungsverzerrungen und Wiedergabebeeinträch-

tigungen schildern konnte.  

Ausserdem werden die Aussagen der Privatklägerin 1 insbesondere durch die 

Aussagen des Beschuldigten zu den Umständen des Vorfalles bestätigt, wie zum 

Beispiel, dass sie einander nicht gekannt hatten (Urk. D1/33/1 F/A 22; Prot. II 

S. 40); sie zuerst auf der Parkbank und erst später im Wald gewesen seien 

(Urk. D1/33/1 S. 2, S. 6 und 8; Prot. II S. 34 f.); dass der Privatklägerin 1 auf dem 

Weg in den Wald schwindelig geworden sei (Urk. D1/33/1 F/A 4) oder dass ein 

Jogger vorbeigerannt sei, woraufhin er von ihr abliess und wegging (Urk. D1/33/1 

F/A 44; D1/33/2 F/A 5). Das spricht als Indiz dafür, dass ihre Aussagen nicht nur 

bezüglich der äusseren Umstände zutreffen, sondern auch bezüglich des Tatge-

schehens. Die Vorinstanz hat sich auch detailliert und überzeugend mit der Frage 

auseinandergesetzt, inwiefern sich die Privatklägerin 1 gegen das Ansinnen des 

Beschuldigten zur Wehr setzte und dieser erkennen konnte, dass sie mit dem 

Geschlechtsverkehr und den übrigen sexuellen Handlungen nicht einverstanden 

war. Letzteres ist entscheidend, wusste der Beschuldigte doch nicht, dass die Pri-

vatklägerin 1 an einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Die lebensnahen 

Schilderungen der Privatklägerin 1 über den Umstand, dass sie wegen ihrer ho-

hen Plateauschuhe, ihrer beiden Taschen und ihres Asthmas nicht habe wegren-

nen können, ihre vergeblichen Versuche, um Hilfe zu rufen und seine sexuellen 

Handlungen abzuwehren, sind im Übrigen sehr plausibel und nachvollziehbar. Al-

le einzeln von der Privatklägerin 1 genannten Interaktionen vermitteln ein äusserst 

plastisches und damit auch realistisches Bild des Geschehensablaufes. Dass die 

Privatklägerin 1 gerade aufgrund ihrer psychischen Erkrankung gemäss Angaben 

ihrer Psychotherapeutin stets bemüht ist, die Dinge so penibel wie möglich zu 

schildern (Urk. D1/6 F/A 17), deckt sich mit ihrem Aussageverhalten und unter-

stützt ihre Authentizität. Auch auf die diesbezüglichen vorinstanzlichen Ausfüh-

rungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 84 S. 30 f.). Der Vorinstanz 

ist beizupflichten, wenn sie festhält, dass insgesamt kein Anlass besteht, an den 

Aussagen der Privatklägerin 1 zu zweifeln. 

- 23 - 

3.4. Betreffend die Aussagen des Beschuldigten trifft jedoch das Gegenteil zu. 

Diese strotzen nur so von Ausflüchten, Widersprüchen und der Anpassung seiner 

Aussagen an das jeweilige Untersuchungsergebnis sowie dem Versuch, der Pri-

vatklägerin 1 die "Schuld" zuzuschieben, wie die Vorinstanz zutreffend festhält 

(Urk. 84 S. 34-37). Dies gilt auch unter Berücksichtigung des Einwands der Ver-

teidigung, dass beim Beschuldigten aufgrund der verstrichenen Zeitdauer zwi-

schen Vorfall und erster Einvernahme bezüglich Realitätskriterien nicht derselbe 

Massstab anzusetzen sei wie bei der Privatklägerin 1 (vgl. Urk. 108 S. 5). Seine 

Tendenz, sein eigenes Verhalten zu bagatellisieren, indem er – entgegen seiner 

früheren Darstellung – aussagt, nicht einmal richtig Sex gehabt zu haben bzw. sie 

hätten fast keinen Sex gehabt, und gleichzeitig die Privatklägerin 1 herabzuwürdi-

gen, indem er ausführt, er habe ihr während dem Sex gesagt, sie sei nicht sexy 

(Urk. D1/33/2 F/A 10; Prot. I S. 16), ist ein starkes Indiz für die Unglaubhaftigkeit 

seiner Aussagen zum Kerngeschehen. Dieser Eindruck wird noch dadurch ver-

stärkt, dass er dann aber die Angaben der Privatklägerin 1 zum Rahmengesche-

hen durchaus bestätigt, namentlich dass sie sich nicht gekannt hätten. Des Weite-

ren gelang es dem Beschuldigten nicht, nachvollziehbar kundzutun, wie er zufällig 

auf die Privatklägerin 1 getroffen sei (Prot. II S. 34 und S. 39 f.). Der Vorinstanz ist 

schliesslich vor dem Hintergrund des forensisch-psychiatrischen Gutachtens zum 

Beschuldigten von Frau Dr. med. D._____ auch darin zuzustimmen, dass nicht 

davon auszugehen sei, dass die Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiederga-

befähigkeit des Beschuldigten aufgrund seiner psychischen Erkrankung komplett 

ausgeschaltet gewesen wäre und dass stattdessen davon auszugehen ist, dass 

der Beschuldigte demnach die Signale und Äusserungen der Privatklägerin 1 

durchaus richtig lesen und deuten konnte (Urk. 84 S. 34 f. und S. 37 f.). Entgegen 

der Verteidigung (Urk. 108 S. 5) ist rechtsgenügend auszuschliessen, dass der 

Beschuldigte infolge sexualisierter Grössenideen die Zeichen der Privatklägerin 1 

wahnhaft verzerrt wahrgenommen haben könnte (vgl. nachstehend 

Erw. III.A.4.2.). 

3.5. Im Ergebnis ist einhergehend mit der Vorinstanz festzustellen, dass auf-

grund ihrer durchwegs glaubhaften Aussagen keine unüberwindbaren Zweifel an 

der Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 1 verbleiben, während den Aussa-

- 24 - 

gen des Beschuldigten, soweit sie überhaupt zur Sachverhaltserstellung herange-

zogen werden können, die Glaubhaftigkeit weitestgehend abzusprechen ist 

(Urk. 84 S. 39-41). Der in der Anklage geschilderte Sachverhalt ist deshalb gänz-

lich als erstellt zu betrachten, auch soweit es die Wahrnehmung des Beschuldig-

ten betrifft, wonach die Privatklägerin 1 wiederholt und manifest ihren Willen äus-

serte, weder (auch nicht im Intimbereich) berührt noch geküsst zu werden und 

auch keinen Sex mit dem Beschuldigten haben zu wollen, und so dem Urteil zu-

grunde zu legen. 

3.6. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, wie bereits erwogen, auf weite-

re Beweiserhebungen zu verzichten. 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1. Eine Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB begeht, wer eine 

Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich in-

dem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder 

zum Widerstand unfähig macht. Art. 190 StGB bezweckt – wie auch der Tatbe-

stand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB – den Schutz der sexu-

ellen Selbstbestimmung. Das Individuum soll sich im Bereich des Geschlechtsle-

bens unabhängig von äusseren Zwängen oder Abhängigkeiten frei entfalten und 

entschliessen können. Die sexuellen Nötigungstatbestände von Art. 189 und 190 

StGB setzen übereinstimmend voraus, dass der Täter das Opfer durch eine Nöti-

gungshandlung dazu bringt, eine sexuelle Handlung zu erdulden oder vorzuneh-

men. Die Tatbestände erfassen alle erheblichen Nötigungsmittel, auch solche oh-

ne unmittelbaren Bezug zu physischer Gewalt. Es soll ebenfalls das Opfer ge-

schützt werden, das in eine ausweglose Situation gerät, in der es ihm nicht zuzu-

muten ist, sich dem Vorhaben des Täters zu widersetzen, auch wenn dieser keine 

Gewalt anwendet. Dementsprechend umschreibt das Gesetz die Nötigungsmittel 

nicht abschliessend. Es erwähnt namentlich die Ausübung von Gewalt und von 

psychischem Druck sowie das Bedrohen und das Herbeiführen der Widerstands-

unfähigkeit, wobei der zuletzt genannten Variante kaum eigenständige Bedeutung 

- 25 - 

zukommt (zum Ganzen: BGE 148 IV 234 E. 3.3; 131 IV 167 E. 3; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_643/2021 vom 21. September 2021 E. 3.3.2; je mit Hinweisen).  

Gewalt im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Art. 190 Abs. 1 StGB ist nach der 

Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein grösseres Mass an körperlicher 

Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug des Akts notwendig ist bzw. wenn sich 

der Täter mit körperlicher Kraftentfaltung über die Gegenwehr des Opfers hin-

wegsetzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe Gewalt oder Brutalität, etwa in 

Form von Schlägen und Würgen, ist indes nicht erforderlich. Es genügt, wenn der 

Täter seine überlegene Kraft einsetzt, indem er das Opfer festhält oder sich mit 

seinem Gewicht auf es legt (BGE 148 IV 234 E.  3.3; Urteile des Bundesgerichts 

6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_367/2021 vom 14. Dezember 2021 

E. 2.2.1; 6B_995/2020 vom 5. Mai 2021 E. 2.1; je mit Hinweisen). 

Die Tatbestandsvariante des Unter-Druck-Setzens stellt klar, dass sich die Aus-

weglosigkeit der Situation auch ergeben kann, ohne dass der Täter eigentliche 

Gewalt anwendet. Es kann vielmehr genügen, dass dem Opfer eine Widersetzung 

unter den gegebenen Umständen aus anderen Gründen nicht zuzumuten ist. 

Durch Art. 189 f. StGB geschützt werden soll auch das Opfer, das durch Überra-

schungseffekt, Erschrecken, Verblüffung oder aufgrund einer ausweglosen Lage 

keinen Widerstand leistet (BGE 148 IV 234 E. 3.3; 128 IV 106 E. 3a/bb; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_488/2021 vom 22. Dezember 2021 E. 5.4.2; je mit Hinwei-

sen). Eine Situation kann für das Opfer bereits aufgrund der sozialen und körper-

lichen Dominanz des Täters aussichtslos im Sinne der genannten Tatbestände 

sein. Diese Dominanz muss nicht notwendigerweise mit der Furcht des Opfers vor 

körperlicher Gewalt verknüpft sein (BGE 128 IV 106 E. 3a/bb mit Hinweis; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 

21. September 2021 E. 3.3.4; 6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2). Der 

psychische Druck, welchen der Täter durch die Schaffung einer Zwangslage er-

zeugen muss, hat indes von besonderer Intensität zu sein. Zwar wird nicht ver-

langt, dass er zur Widerstandsunfähigkeit des Opfers führt. Die Einwirkung auf 

dasselbe muss aber immerhin erheblich sein und eine der Gewaltanwendung  

oder Bedrohung vergleichbare Intensität erreichen. Dies ist der Fall, wenn vom 

- 26 - 

Opfer unter den gegebenen Umständen und in Anbetracht seiner persönlichen 

Verhältnisse verständlicherweise kein Widerstand erwartet werden kann bzw. ihm 

ein solcher nicht zuzumuten ist, der Täter mithin gegen den Willen des Opfers an 

sein Ziel gelangt, ohne dafür Gewalt oder Drohungen anwenden zu müssen (BGE 

131 IV 167 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Auslegung der Art. 189 f. StGB hat sich in-

soweit insbesondere an der Frage der zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten des 

Opfers zu orientieren (BGE 128 IV 106 E. 3b mit Hinweisen; Urteile des Bundes-

gerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 21. Sep-

tember 2021 E. 3.3.4; 6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2). 

Vom Opfer wird nicht verlangt, dass es sich gegen die Gewalt mit allen Mitteln zu 

wehren versucht. Dieses muss sich nicht auf einen Kampf einlassen oder Verlet-

zungen in Kauf nehmen. Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des 

Opfers meint grundsätzlich eine tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit 

welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Handlun-

gen nicht einverstanden zu sein (Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 

22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 21. September 2021 E. 3.3.3; 

6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2; je mit Hinweisen). Der Tatbestand 

der sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung ist auch erfüllt, wenn das Opfer unter 

dem Druck des ausgeübten Zwangs zum Voraus auf Widerstand verzichtet oder 

ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt (BGE 126 IV 124 E. 3c; 118 IV 52 E. 2b; Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 3.2.3; je mit Hin-

weisen). Die Aufgabe des Widerstands kann insbesondere aufgrund der Ausweg-

losigkeit resp. aus Angst vor einer weiteren Eskalation der Situation erfolgen 

(BGE 147 IV 409 E. 5.5.3 mit Hinweisen).  

Bei der Beurteilung, ob eine sexuelle Nötigung vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung 

der konkreten Umstände vorzunehmen (BGE 148 IV 234 E. 3.3; 131 IV 107 

E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 

6B_488/2021 vom 22. Dezember 2021 E. 5.4.2; je mit Hinweisen). Die Recht-

sprechung hat namentlich den verbalen Widerstand des Opfers unter Berücksich-

tigung der Gesamtumstände als genügenden Widerstand qualifiziert (Urteil 

6B_367/2021 vom 14. Dezember 2021 E. 2.3). 

- 27 - 

Die Tatbestände der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung erfordern Vor-

satz, wobei Eventualvorsatz genügt. Wer es für möglich hält, dass das Opfer mit 

den sexuellen Handlungen nicht einverstanden ist, und dies in Kauf nimmt, 

begeht eventualvorsätzlich eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 

21. September 2021 E. 3.3.5; 6B_995/2020 vom 5. Mai 2021 E. 2.1; je mit Hin-

weisen). Das subjektive Element ist erfüllt, wenn das Opfer offensichtliche und 

entzifferbare Zeichen seines Widerstands gibt, die für den Täter erkennbar sind, 

worunter neben körperlichen Widerstandshandlungen auch etwa Weinen, Bitten, 

in Ruhe gelassen zu werden, Ablehnen von Besänftigungsversuchen oder Flucht-

versuche fallen (vgl. BGE 148 IV 234 E. 3.4; Urteile des Bundesgerichts 

6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_367/2021 vom 14. Dezember 2021 

E. 2.2.2; 6B_1285/2018 vom 11. Februar 2019 E. 2.2; je mit Hinweisen), und er 

die sexuellen Handlungen dennoch vornimmt. 

4.2. Die Vorinstanz nahm eine zutreffende rechtliche Würdigung des erstellten 

Sachverhalts vor, sowohl in objektiver wie subjektiver Hinsicht und als auch be-

züglich der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung der Privatklägerin 1 

(Urk. 84 S. 62-64 und S. 65-67). Dem ist nichts hinzuzufügen. Hervorzuheben 

bleibt, dass das Vorgehen des Beschuldigten, der die ihm im Tram aufgefallene 

und persönlich unbekannte Privatklägerin 1 in der PUK ansprach, sie immer mehr 

bedrängte bis er sie schliesslich zum Zwecke des Vollzugs des Geschlechtsver-

kehrs in den Wald zog, eindrücklich aufzeigt, dass er die Fähigkeit hatte, sein 

Verhalten situationsabhängig anzupassen, die Zeichen seines Gegenübers zu le-

sen und sich zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse darüber hinwegzuset-

zen. Er war somit durchaus in der Lage, bewusst und gewollt zu handeln. Das 

Vorbringen der Verteidigung, dass der Verdacht auf sexuellen Grössenwahn beim 

Beschuldigten nicht auszuschliessen sei (Urk. 108 S. 4 f.), ist vor diesem Hinter-

grund und unter Verweis auf das schlüssige Gutachten D._____ (Urk. D1/36/7; 

vgl. nachstehend auch Erw. IV.2.3. und V.3.2.) zu verwerfen. Die Gutachterin be-

fasst sich einlässlich mit dieser Frage und kommt nachvollziehbar zum Schluss, 

dass sich wahnhaft verzerrte Wahrnehmungen im Sinne sexualisierter Grössen-

ideen nicht belegen liessen. (vgl. Urk. D1/36/7 S. 79 f. und S. 84), was auch in 

- 28 - 

Übereinstimmung mit den vorstehenden Erwägungen zum Tatvorgehen des Be-

schuldigten steht. Der Beschuldigte ist daher der Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190 Abs. 1 StGB und der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen. 

B. Vergewaltigung z.N. der Privatklägerin 2 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 

13. Januar 2022 in Bezug auf die Privatklägerin 2 C._____ vorgeworfen, am 

20. August 2020 zwischen ca. 16.00 Uhr und 17.00 Uhr im Wald beim E._____-

Weg in F._____ mit der Privatklägerin 2 gegen deren Willen den ungeschützten 

Geschlechtsakt vollzogen zu haben. Zuvor habe die Privatklägerin 2 die …-

psychiatrie für Erwachsene, Station …, der Integrierten Psychiatrie Winterthur, … 

(nachfolgend: IPW), wo sie und der Beschuldigte seit dem 15. August 2020 

Patienten gewesen seien, verlassen, um beim Bahnhof Zigaretten zu kaufen. Sie 

habe dort Zigaretten und zwei kleine Fläschchen Whisky oder Cognac gekauft, 

wovon sie auf dem Rückweg bei einem Brunnen sogleich ein Fläschchen 

getrunken habe. Bei diesem Brunnen habe sie vier Männer getroffen, darunter 

den Beschuldigten, mit welchen sie sich jedoch nicht weiter unterhalten habe. Sie 

habe sich Richtung IPW … und eine Unterführung entfernt. Die vier Männer seien 

der Privatklägerin 2 nachgelaufen, wobei sie sie eingeholt hätten. Der 

Beschuldigte habe schliesslich angeboten, sie in die Klinik zurückzubegleiten. Die 

Privatklägerin 2 habe ihm jedoch gesagt, dass sie das nicht wolle. Nachdem sie 

den Männern gesagt habe, sie sollten sie in Ruhe lassen, sei der Beschuldigte 

der Privatklägerin 2 dennoch die Treppe zur Brücke hoch gefolgt und habe ihr 

gesagt, er werde sie in die Klinik begleiten. Sie sei nicht weggerannt, weil sie sich 

zu schwach gefühlt habe. Die anderen drei Männer seien zurückgeblieben und 

weitere Personen hätten sich nicht in der näheren Umgebung befunden. Der 

Beschuldigte habe sie in der Folge einen bewaldeten Hügel hinaufgedrängt und 

gestossen. Sie habe ihm gesagt, er solle sie in Ruhe lassen, was er jedoch 

ignoriert habe. Da es steil hoch gegangen sei und sich die Privatklägerin 2 in 

- 29 - 

schlechter körperlicher Verfassung befunden habe, sei sie auf allen vieren den 

Hügel hinauf gekrochen, wobei sie der Beschuldigte von hinten festgehalten und 

nach oben geschoben habe. Er habe sie weiter das Wäldchen hoch gedrängt, ihr 

unter dem T-Shirt an die rechte Brust gefasst und gesagt, es koste etwas, dass er 

sie in die Klinik zurückbegleitet habe. Die Privatklägerin 2 habe um ihr Leben 

gefürchtet und dem Beschuldigten angesehen, dass er fest entschlossen sei und 

sie keine Chance haben würde. Es hätten sich in der näheren Umgebung keine 

Leute aufgehalten und die Privatklägerin 2 habe Angst gehabt, dass die anderen 

drei Männer nachkommen würden, weshalb sie sich körperlich nicht gegen den 

Beschuldigten gewehrt, ihm jedoch mitgeteilt habe, dass sie dies nicht wolle und 

er sie in Ruhe lassen solle. Der Beschuldigte habe jedoch die Privatklägerin 2 

gepackt, ihr die Hose hinunter gezogen und sie gefragt: "stehend oder liegend?". 

Schliesslich habe er sie zu Boden gedrückt, sie festgehalten, sich auf sie gelegt, 

sei in sie eingedrungen und habe mit ihr den ungeschützten Geschlechtsverkehr 

vollzogen. Die Privatklägerin 2, welche Angst um ihr Leben gehabt habe, keine 

Fluchtmöglichkeit gesehen und keine Möglichkeit gehabt habe, um Hilfe zu rufen, 

da sich niemand in der näheren Umgebung aufgehalten habe, habe schliesslich 

den Geschlechtsverkehr über sich ergehen lassen. Währenddessen sei sie 

schliesslich ohnmächtig geworden. Die Privatklägerin 2 habe Beruhigungsmittel 

eingenommen und sei zum Tatzeitpunkt unter dem zusätzlichen Einfluss von 

Cannabis und Alkohol gestanden. Zudem habe sie als physisch und psychisch 

wenig belastbar gegolten. Sie sei durch ihre physische und psychische Verfas-

sung nicht im Stande gewesen, um Hilfe zu rufen und sich mit Gewalt gegen das 

Vorgehen des Beschuldigten zu wehren. Dieser habe angesichts ihrer verbalen 

Gegenwehr gewusst, dass sie keinen Geschlechtsverkehr mit ihm gewollt habe 

und habe dies zumindest in Kauf genommen. Zudem habe der Beschuldigte auf-

grund seiner körperlichen Überlegenheit und der versteckten Örtlichkeit im Wald 

ohne Leute in der näheren Umgebung um die ausweglose Situation der Privat-

klägerin 2 gewusst, wobei er diese Situation auch bewusst herbeigeführt habe. Da 

er die Privatklägerin 2 zudem aus der IPW … gekannt habe, sei ihm bewusst 

gewesen, dass sie physisch und psychisch wenig belastbar gewesen sei und er 

sie mit seinem bestimmten Vorgehen ihr gegenüber dazu bringen konnte, den 

- 30 - 

Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen mit ihm zu vollziehen und sie nicht in der 

Lage sein würde, sich gegen ihn zu wehren, um Hilfe zu rufen oder davon-

zurennen (Urk. D1/50 S. 6-8). 

2. Standpunkt des Beschuldigten 

Der Beschuldigte bestreitet den Anklagevorwurf und namentlich, am 20. August 

2020 gegen den Willen der Privatklägerin 2 den Geschlechtsakt vollzogen zu ha-

ben. Zusammengefasst wendet er ein, er habe zwar mit der Privatklägerin 2 ein-

vernehmlichen ungeschützten Sex gehabt, dies jedoch ein oder zwei Tage vor 

dem 20. August 2020 im Fernsehzimmer der IPW … sowie auch früher, etwa im 

Jahr 2013, als sie schon einmal zusammen in der IPW stationiert gewesen seien. 

Sie sei am Abend des 20. August 2020 in die Klinik zurückgekehrt und habe ihm 

erzählt, dass sie vergewaltigt worden sei und er habe sie dazu ermuntert, Straf-

anzeige zu erstatten (Urk. D4/3/1 F/A 3 ff.; D4/3/2 F/A 3 ff.; Prot. I S. 16 ff.). An-

lässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung räumte er sodann neu ein, die 

Privatklägerin 2 am Nachmittag des 20. August 2020 beim Bahnhof F._____ ge-

sehen zu haben (Prot. I S. 18 f.). Bei dieser Sachdarstellung blieb der Beschuldig-

te auch anlässlich der Berufungsverhandlung, namentlich bestätigte er erneut, die 

Privatklägerin 2 an jenem Tag am Bahnhof F._____ gesehen zu haben. Auch 

machte er geltend, dass die Privatklägerin 2 ihn mit seiner Freundin beobachtet 

habe und eifersüchtig gewesen sei bzw. Sex mit ihm gewollt habe (Prot. II S. 35-

38). 

3. Beweiswürdigung 

3.1. Zu den allgemeinen Beweiswürdigungsregeln kann auf das Vorstehende un-

ter Erwägung III.A.3.1. verwiesen werden. 

3.2. Die Vorinstanz hat auch bezüglich diesen Anklagepunkt die im vorliegenden 

Verfahren relevanten Aussagen und Beweismittel sehr umfassend, vollständig 

und korrekt aufgeführt (Urk. 84 S. 16 f.) und zusammengefasst (Urk. 84 S. 41-48). 

Sie hat sich eingehend mit der vorliegenden Beweislage auseinandergesetzt, die 

vorhandenen Beweise sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit gewürdigt und 

- 31 - 

insbesondere die vorliegend massgeblichen Personalbeweise einer umfassenden 

Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen (Urk. 84 S. 49-54 und S. 57 f.) und sie mit 

den objektiven Beweismitteln in Beziehung gesetzt (Urk. 84 S. 54-57). Sie hat so 

eine sehr einlässliche und nachvollziehbare Sachverhaltserstellung vorgenom-

men, die überzeugt und der uneingeschränkt zu folgen ist, so dass darauf zwecks 

Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann. Zusammenfassend 

gelangt die Vorinstanz nach Würdigung sämtlicher Beweismittel und Umstände 

zum Schluss, dass die Aussagen der Privatklägerin 2 zum Kerngeschehen 

gleichbleibend, stringent und durchaus nachvollziehbar seien. Sie seien trotz der 

eingeschränkten Wahrnehmung zum Tatzeitpunkt glaubhaft und liessen sich über 

weite Strecken mit dem objektiven Beweisergebnis verflechten. Es bestünden 

aufgrund der DNA in der Sperma-Spur ab dem Inneren der Vagina (Zervix) der 

Privatklägerin 2 keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte mit der Privatkläge-

rin 2 den Geschlechtsakt vollzogen habe, wobei die Erklärung des Beschuldigten, 

er habe ein oder zwei Tage vor dem 20. August 2020 mit der Privatklägerin 2 ein-

vernehmlich ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt, derart unglaubhaft sei, 

dass sie als Schutzbehauptung zu qualifizieren sei. Angesichts der Täterbe-

schreibung durch die Privatklägerin 2 sei erstellt, dass es sich beim Täter um den 

Beschuldigten handle (Urk. 84 S. 57 f.). Dieser sorgfältigen Beweiswürdigung 

kann vollumfänglich zugestimmt werden, so dass auf sie vollumfänglich verwiesen 

werden kann. 

3.3. Lediglich im Sinne einer Hervorhebung bzw. einer unterstützenden Ergän-

zung ist darauf hinzuweisen, dass die Umstände der Anzeigeerstattung durch die 

Privatklägerin 2 gegen die Darstellung des Beschuldigten sprechen, wonach er 

vor dem 20. August 2020 einvernehmlichen Sex mit ihr gehabt haben will. So wird 

die Aussage der Privatklägerin 2 durch die Abklärungen der Kantonspolizei Zürich 

bestätigt, wonach die Privatklägerin 2 auf der Station der Klinik angerufen und 

mitgeteilt habe, sie sei auf dem Gelände der Klinik vergewaltigt worden, worauf er 

als G._____ [Sicherheitsdienst] Mitarbeiter von der Station die Meldung erhalten 

habe und sich auf die Suche nach der Patientin gemacht habe. Gemäss Angaben 

der G._____ AG sei die Patientin um 22.35 Uhr aufgefunden und zurück in die 

Klinik gebracht worden (Urk. D4/2/1 S. 2 und 3). Der Umstand, dass die Privatklä-

- 32 - 

gerin 2 den Täter nur beschreiben ("Es kamen dann vier Typen zum Brunnen, es 

waren alles dunkelhäutige Männer gewesen. Einer von denen sprach etwas 

Deutsch, …" bzw. "der Typ, der etwas Deutsch sprach", Urk. D4/4/1 F/A 12), aber 

weder dessen Namen noch sonst etwas über ihn wusste, als sie bei der Polizei 

aussagte (Urk. D4/4/1 F/A 14; Urk. D4/1 S. 1), spricht ebenfalls für die Glaubhaf-

tigkeit ihrer Angaben und gegen die Darstellung des Beschuldigten, wonach sie 

ein oder zwei Tage zuvor einvernehmlichen Sex gehabt hätten. Aufgrund der sich 

zudem durch das Auffinden des einen Flipflops der Privatklägerin 2 im Wäldchen 

(Urk. D4/5 S. 5) sowie der DNA-Spur des Spermas des Beschuldigten in ihrer Va-

gina als zutreffend herausgestellten Aussagen der Privatklägerin 2 zum Tatge-

schehen erweisen sich die zur Entlastung vorgebrachten Angaben des Beschul-

digten als völlig unglaubhaft. So ergaben die Ermittlungen, dass es nicht zutrifft, 

wie er behauptete, dass sie sich bereits 2013 in der Klinik getroffen hätten, zumal 

die Privatklägerin 2 damals nicht in der IPW … stationär gewesen ist 

(Urk. D4/6/2). Die Privatklägerin 2 erklärte anlässlich der Berufungsverhandlung in 

diesem Sinne auch, das erste Mal in dieser Klinik gewesen zu sein und sich über-

haupt nicht ausgekannt zu haben (vgl. Prot. II S. 15, S. 18 und S. 22). Zudem de-

cken die Widersprüche des Beschuldigten zur Frage, wo er sich am besagten 

20. August 2020 aufgehalten habe (vgl. Urk. 84 S. 54), auf, dass er anfänglich 

log, als er angab, gar nicht in F._____ gewesen zu sein (Urk. D4/3/1 F/A 5), vor 

Vorinstanz und anlässlich der Berufungsverhandlung dann aber einräumt, die Pri-

vatklägerin 2 am Bahnhof F._____ getroffen zu haben (Prot. I S. 18 f.; Prot. II 

S. 36 f.). Schliesslich erweist sich auch die Schilderung, wonach sich ihm die Pri-

vatklägerin 2 nach dem Vorfall anvertraut und er sie ermuntert habe, Anzeige zu 

erstatten (Urk. D4/3/1 F/A 9 und 14; vgl. auch Prot. II S. 37 f.), als unzutreffend 

bzw. aktenwidrig, zumal die Aussage der Privatklägerin 2 gemäss Polizeirapport 

bestätigt wird, wonach sie sich selbst bei der Klinik per Handy meldete, worauf 

diese die Polizei avisierte. 

3.4. An dieser Würdigung der Beweislage hat sich auch durch die Einvernahme 

der Privatklägerin 2 vor Schranken anlässlich der Berufungsverhandlung nichts 

geändert. Namentlich ist festzuhalten, dass die Privatklägerin 2 den Ablauf des 

Übergriffs im Kern deckungsgleich schildert (vgl. Prot. II S. 13 ff.). Eine auffallen-

- 33 - 

de Abweichung zu ihren bisherigen Depositionen ergibt sich einzig daraus, dass 

sie das erste Mal kundtut, dass sie nicht von einem Mann, sondern von zwei 

Männern über die Brücke und schliesslich ins Wäldchen gedrängt worden sei 

(Prot. II S. 19 ff.). Hierbei handelt es sich um einen Widerspruch zu ihrer früheren 

Darstellung. Indes könnte diese Aussage das Spurenprofil – es wurden zwei un-

terschiedliche Spurengeber für die Spermaspuren ab Vulva und ab Zervix ermit-

telt (vgl. Urk. D4/7/4-5) – erklären. Auch ist nicht auszuschliessen, dass die Erin-

nerung im Laufe der Zeit zurückgekommen ist (vgl. nachstehende Erw. III.B.3.5.), 

was letztlich aber offen bleiben kann. Der Umstand vermag das Beweisergebnis, 

mithin die im Übrigen durchaus glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 2 und 

die Tatsache, dass sie den Beschuldigten im Nachhinein als Täter identifizierte, in 

Kombination mit den weiteren Indizien – Beschuldigter spricht nach Wahrneh-

mung der hiesigen Kammer gebrochen Deutsch (und nicht gutes Schweizer-

deutsch, wie die Verteidigung vorbringt), Auffinden von DNA des Beschuldigten in 

der Sperma-Spur ab Zervix der Privatklägerin 2 und weiterer Spuren am Tatort 

sowie aktenkundige Verletzungen der Privatklägerin 2 – ohnehin nicht in Zweifel 

zu ziehen. 

3.5. Auch die Vorbringen der Verteidigung vermögen nichts am Beweisergebnis 

zu ändern. Entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 108 S. 6) räumte die Privatkläge-

rin 2 nicht ein, den Beschuldigten bereits in der Klinik kennengelernt zu haben. 

Zwar befanden sich der Beschuldigte und die Privatklägerin 2 im Deliktszeitraum 

beide auf der gleichen Station (…-Station für Erwachsene …) in der IPW … in sta-

tionärer Behandlung (vgl. Anhang von Urk. D4/6/2). Die Privatklägerin 2 erklärt je-

doch konstant und übereinstimmend, dass sie den Beschuldigten zuvor noch nie 

gesehen habe. So beantwortete sie in der ersten Einvernahme bei der Polizei die 

Frage, ob sie den Täter wiedererkennen würde, mit vielleicht, wenn er ihr über 

den Weg laufen würde, wobei sie glaube, dass dem eher nicht so sei. Dies weil es 

ja anfänglich vier dunkelhäutige Männer, allesamt grösser als sie, gewesen seien 

(Urk. D4/4/1 F/A 32). Bei der Staatsanwaltschaft erklärte sie, dass sie den Be-

schuldigten nicht wirklich kenne. Sie habe ihn nur an jenem Tag gesehen, davor 

und danach nicht mehr, bzw. diese Person (gemeint diejenige, die ihr gefolgt sei) 

zuvor noch nie gesehen zu haben (Urk. D4/4/2 F/A 5 und F/A 25). Auch auf die 

- 34 - 

Frage, ob sich der Beschuldigte ebenfalls in der IPW … aufgehalten habe, erklär-

te sie, dass sie es nicht wisse und sie ihn noch nie gesehen habe. Es habe eine 

Person gegeben, die ihm ähnlich gesehen habe (D4/4/2 F/A 71). Auch anlässlich 

der Berufungsverhandlung blieb sie bei diesen Depositionen (Prot. II S. 16). In 

diesem Zusammenhang bringt die Verteidigung weiter vor, dass sich die Privat-

klägerin 2 anfänglich überhaupt nicht an das Aussehen des Täters habe erinnern 

können, jedoch ein halbes Jahr später den Beschuldigten anhand eines gestellten 

Fotos an dessen Blick erkannt haben will, weshalb nicht ohne grossen Zweifel 

auszuschliessen sei, dass sie auf dem ihr vorgehaltenen Foto Monate nach der 

Tat lediglich eine dem Täter ähnliche Person erkannt habe (vgl. Urk. 108 S. 6 

i.V.m. Prot. II S. 42). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass die Erstaussagen 

der Privatklägerin 2 direkt nach dem Vorfall – vom G._____ aufgegriffen wurde sie 

um 22.35 Uhr (Urk. D4/2/1 S. 2 und 3) und die Einvernahme fand in der gleichen 

Nacht um 05.55 Uhr statt (vgl. Urk. D4/4/1) – erfolgten. Einerseits ist notorisch, 

dass ein Trauma bzw. akuter Stress den Erinnerungsabruf erschwert, mithin dann 

der Erinnerungsabruf schwierig und fehleranfällig ist, und zu einer geringeren 

Aussagequalität führen kann (vgl. SOM-

MER/GAMER, Einfluss traumatischer Ereignisse auf das Gedächtnis, in: Praxis der 

Rechtspsychologie, Jahrgang 28, Nr. 1, S. 97–120). Mit anderen Worten ent-

spricht es einer normalen Reaktion, dass Erinnerungen an Details nach einem 

derartigen Erlebnis teilweise erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen, 

was aus Opfererkenntnissen auch nachvollziehbar ist, zumal die Privatklägerin 2 

auch angibt, später an den Tatort zurückgekehrt zu sein (Prot. II S. 13). Anderer-

seits wurde der Privatklägerin 2 in der zweiten Einvernahme ein Foto vorgelegt, 

was eine Erinnerung bzw. Täteridentifikation vereinfacht. Die von der Verteidigung 

vorgebrachten Umstände sprechen deshalb nicht gegen die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen der Privatklägerin 2. 

3.6. Zusammenfassend kann unter Verweis auf die Vorinstanz und mit ihr über-

einstimmend festgehalten werden, dass die Angaben der Privatklägerin 2 als de-

tailreich, lebensnah und ihre damalige Situation auch emotional schildernd zu be-

urteilen sind und sowohl authentisch als auch glaubhaft sind, da sie im Wesentli-

chen konstant und in sich stimmig erscheinen. Dagegen erweisen sich die Aussa-

- 35 - 

gen des Beschuldigten insgesamt als unzutreffend, teilweise gar widerlegt und 

insbesondere widersprüchlich. Namentlich ist sein Vorbringen, mit der Privatklä-

gerin 2 ein bis zwei Tage zuvor Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, was seine 

DNA-Spur erklären würde, unglaubhaft. Dies im Gegensatz zur Privatklägerin 2, 

die ihn nicht unnötig belastet und gar aussagt, er habe sie nicht brutal zu Boden 

gestossen oder er habe ihr keine körperliche Gewalt angetan, also er habe sie 

nirgends fest angefasst oder sie verletzt (Urk. D4/4/1 F/A 13 und 28), was für die 

Glaubhaftigkeit ihrer Angaben spricht. Auf die Aussagen der Privatklägerin 2 kann 

somit abgestellt werden, nicht jedoch auf jene des Beschuldigten. Da die Anga-

ben der Privatklägerin 2 zudem durch die objektiven Beweismittel und das Ermitt-

lungsergebnis gemäss Polizeirapport gestützt werden, verbleiben keine unüber-

windbaren Zweifel daran, dass sich das Geschehen, das in der Anklageschrift ge-

schildert wird, in der Realität so zugetragen hat. Das bedeutet auch, dass der Be-

schuldigte sowohl die schlechte Verfassung der Privatklägerin 2 wahrnahm, wel-

che sie an einer effektiven körperlichen Gegenwehr hinderte, als auch ihre verba-

le Ablehnung und ihr Bitten, sie zu verschonen, sie, die vier Kinder habe und in ih-

rer Ehe noch nie fremdgegangen sei (Urk. D4/4/1 F/A 18; vgl. auch Prot. II S. 23). 

Mithin ist der Anklagesachverhalt in objektiver und subjektiver Hinsicht erstellt. 

4. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz nahm auch in Bezug auf Dossier 4 eine zutreffende rechtliche 

Würdigung vor und verneint ebenfalls korrekt die Erfüllung des Tatbestands der 

Schändung im Sinne von Art. 191 StGB. Auf ihre Erwägungen kann vollumfäng-

lich verwiesen werden (Urk. 84 S. 64 f.). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass 

sich die Schändung und die sexuellen Nötigungstatbestände (Art. 189 f. StGB) 

nach der Rechtsprechung in Bezug auf die Ausnutzung einer bestehenden bzw. 

der Herbeiführung einer Widerstandsunfähigkeit des Opfers unterscheiden. Bei 

der Schändung nutzt der Täter eine ohne sein Zutun bestehende Urteils- oder 

Widerstandsunfähigkeit aus, während er bei den sexuellen Nötigungstatbestän-

den aktiv auf eine Beschränkung der Handlungsfreiheit des Opfers hinwirkt. Zur 

Erfüllung des Tatbestands der Schändung wird vorausgesetzt, dass die Fähigkeit 

zu Abwehrhandlungen ganz aufgehoben und nicht nur eingeschränkt ist. Wird ein 

- 36 - 

Rest von Widerstand überwunden, liegt eine Tat nach Art. 189 f. StGB vor 

(BGE 148 IV 329 E. 3.2 und E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 

22. März 2023 E. 7.1). Nachdem die Privatklägerin 2 trotz ihres Alkohol- und Me-

dikamentenkonsums sowie ihrer generell schlechten physischen und psychischen 

Verfassung am Tag der Tat in der Lage war, ihren Widerwillen und ihre Ableh-

nung des Ansinnens des Beschuldigten verbal kundzutun und sie versuchte, mit 

der Darstellung ihrer privaten familiären Situation von seinem Vorhaben abzuhal-

ten, er ihren Widerstand letztlich doch noch durch sein bestimmendes Verhalten 

(von hinten Festhalten und sofort mit dem ganzen Körper auf sie Legen) brach 

und ihre ausweglose Situation (versteckt im Wäldchen, sie ohne Kraft, keine Leu-

te in der Nähe) ausnutzte, hat er aktiv auf die Beschränkung der Handlungsfähig-

keit des Opfers hingewirkt. Damit hat er den Tatbestand der Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB objektiv und subjektiv erfüllt.  

C. Fazit 

Der Beschuldigte ist gestützt auf den erstellten Anklagesachverhalt der mehrfa-

chen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB und der sexuellen Nöti-

gung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und angemessen 

zu bestrafen. 

IV. Sanktion 

1. Grundsätze 

1.1. Bezüglich der allgemeinen Strafzumessungsregeln nach Art. 47 ff. StGB und 

zur Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB kann erneut auf die korrekten 

Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 84 S. 69-72) verwiesen werden. Im Übrigen hat 

das Bundesgericht die Grundsätze der Strafzumessung wiederholt dargelegt 

(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bildung der 

Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des As-

perationsprinzips (BGE 144 IV 217 E. 2 f.; 141 IV 61 E. 6.1.2 [Pra 104 (2015) 

Nr. 68]; 132 IV 102 E. 8 f.). 

- 37 - 

1.2. Für die konkrete Strafzumessung sind die gesetzlichen Strafrahmen der 

Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB: 1 bis 10 Jahre Freiheitsstrafe) und der se-

xuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 34 StGB: Freiheitsstrafe bis zu 

10 Jahren oder Geldstrafe von 3 bis 180 Tagen) zu beachten. Einhergehend mit 

der Vorinstanz (Urk. 84 S. 71) ist für die Gesamtstrafenbildung von der Vergewal-

tigung als dem schwersten Delikt auszugehen, wobei weder die eine noch die an-

dere Tat als klar schwerwiegender erscheint, so dass für die zeitlich erste Tat die 

Einsatzstrafe festzulegen ist, welche hernach mit den weiteren Delikten asperiert 

wird. Da vorliegend keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich sind, welche 

es rechtfertigen würden, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen, ist die De-

liktsmehrheit im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB innerhalb des Strafrahmens straf-

erhöhend zu berücksichtigen. 

2. Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin 1 

2.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der Vergewaltigung zum Nachteil der 

Privatklägerin 1 fällt ins Gewicht, dass sich der Beschuldigte an die ihm zuvor völ-

lig unbekannte Privatklägerin 1 in der PUK heranmachte. Sein Vorgehen, ihr zu-

nächst mit dem Tragen der Einkaufstaschen Hilfe anzubieten, mithin einen 

freundlichen und wohlgesinnten Eindruck zu erwecken, um ihr anschliessend auf 

der Parkbank körperlich und sexuell nahezukommen, zeugt von einiger krimineller 

Energie und Durchtriebenheit, selbst wenn die Tat nicht von langer Hand geplant 

war. Aufgrund des Tatablaufes hat der Beschuldigte auf der Parkbank zunächst 

ausgelotet, wieviel Widerstand er zu erwarten hat, wurde immer zudringlicher bis 

er seine Körperkraft einsetzte, um zu seinem Ziel, Geschlechtsverkehr mit der 

Privatklägerin 1 zu haben, zu kommen. Er umfasste sie an der Schulter so fest, 

dass sie sich weder umdrehen, noch dass sie wegrennen konnte (was ihr auch 

wegen ihrer Plateauschuhe schwer möglich war), und führte sie von der Parkbank 

in das vor Blicken geschützte Wäldchen, wo er sie mit dem Kopf nach unten auf 

dem leicht abschüssigen Waldboden an den Armen fixierte, ihre mit voller Kraft 

zusammengedrückten Beine auseinanderdrückte und mit seinem vollen Körper-

gewicht auf ihr lag. Dabei ignorierte er konstant die wiederholten Bitten der Privat-

klägerin 1, er solle sie in Ruhe lassen und hinderte sie durch Zudrücken ihres 

- 38 - 

Mundes auch daran, (weiter) um Hilfe zu rufen. Sie war dem Beschuldigten hilflos 

ausgeliefert. Er hat ihre Lage, in die er sie absichtlich brachte, und die Abwesen-

heit von anderen Leuten schamlos und unverfroren ausgenutzt. Die dadurch of-

fenbarte Geringschätzung gegenüber der menschlichen Würde der Privatklägerin 

1 wiegt stark belastend, ebenso wie die ganz beträchtlichen Auswirkungen auf 

das Leben der bereits vor dem aktuellen Übergriff in psychiatrischer Behandlung 

stehenden Privatklägerin 1, die durch die Traumatisierung in ihrer persönlichen 

und beruflichen Entwicklung weit zurückgeworfen wurde, nachdem sie sich auf 

dem Weg der Besserung befunden habe (siehe dazu nachstehende Erw. IX.). 

Auch wenn der Beschuldigte über das Festhalten und Fixieren mit seinem ganzen 

Körpergewicht hinaus keine weitere Gewalt ausübte und ihr keine weiteren (unnö-

tigen) Verletzungen zufügte, ist festzuhalten, dass es sich bei einer Vergewalti-

gung um das schwerste Delikt gegen die sexuelle Selbstbestimmung handelt, 

über welche sich der Beschuldigte ohne Rücksicht hinwegsetzte. Sein Tatvorge-

hen ist als erbarmungslos zu bezeichnen. Sein Verschulden wird auch durch das 

Unterlassen weiterer Quälereien und Demütigungen nicht herabgesetzt, zumal bei 

einem derartigen Vorwurf der Tatbestand der qualifizierten Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 3 StGB mit einem Strafrahmen von nicht unter drei Jah-

ren Freiheitsstrafe im Raum stünde. Weiter fällt erschwerend in Betracht, dass der 

Beschuldigte nicht aus eigenem Antrieb von der Privatklägerin 1 abliess, sondern 

nur, weil ein Jogger vorbeirannte und dieser ihn hätte erwischen können. Das ob-

jektive Tatverschulden ist daher mit Blick auf den Strafrahmen von einem bis zehn 

Jahren als im mittleren Bereich liegend einzustufen, so dass die hypothetische 

Einsatzstrafe auf ca. 4 Jahre Freiheitsstrafe festzusetzen ist. 

2.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass das direktvorsätzliche 

Handeln verschuldensneutral zu werten ist. In subjektiver Hinsicht wirkt sich je-

doch zulasten des Beschuldigten zum einen aus, dass er sich ein Opfer aussuch-

te, von dem wenig effektive Gegenwehr zu erwarten war und zum anderen, dass 

er ohne weiteres von seinem Vorhaben hätte Abstand nehmen können, nachdem 

ihm die Privatklägerin 1 bereits auf der Parkbank kundtat, er solle sie in Ruhe las-

sen.  

- 39 - 

2.3. Frau Dr. med. D._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, 

Schwerpunkt forensische Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erstellte am 

13. April 2021 ein ausführliches und detailliertes forensisch-psychiatrisches Sach-

verständigengutachten, in dem sie auf 86 Seiten umfassend zu den Fragen der 

Staatsanwaltschaft betreffend das Vorliegen einer psychischen Erkrankung beim 

Beschuldigten, dessen Einsichts- und Steuerungsfähigkeit, der Rückfallgefahr und 

der Indikation für eine Massnahme Stellung nahm und diese abschliessend be-

antwortete (Urk. D1/36/7). Es lagen ihr nebst der eigenen Exploration und den ak-

tuellen Tests insbesondere auch die durch die Gutachterin am 14. Januar 2019 

und am 10. Dezember 2020 erstellten Vorgutachten samt der damals verfügbaren 

Akten und erhobenen Befunde sowie diverse Austrittsberichte von psychiatri-

schen Einrichtungen (namentlich IPW, PUK, Klinik Schlössli Clienia AG), der Kan-

tonsspitäler Winterthur und Frauenfeld sowie die Verlaufsberichte des Psychiat-

risch-psychologischen Dienstes des Amtes für Justizvollzug und Wiedereingliede-

rung (PPD) und des Massnahmezentrums H._____ vor (Urk. D1/36/7 S. 2 f.). Die 

Gutachterin diagnostiziert beim Beschuldigten im Deliktszeitraum mit an Sicher-

heit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Schizophrenie und eine komorbide Can-

nabisabhängigkeit (Urk. D1/36/7 S. 83; siehe auch vorstehende Erw. III.A.3.2). 

Das Gutachten erweist sich als nachvollziehbar aufgebaut, inhaltlich differenziert, 

schlüssig und überzeugend. Das Gutachten würdigt die Lebens- und Krankenge-

schichte des Beschuldigten umfassend, erläutert die der Diagnose, der empfohle-

nen Behandlung und dem Rückfallrisiko allgemein zugrunde liegenden Kriterien 

und wendet diese dann nachvollziehbar und überzeugend auf die vorliegende ak-

tuelle Fragestellung betreffend den Beschuldigten an. Es sind – übereinstimmend 

mit der Würdigung der Vorinstanz – keine Gründe ersichtlich, um für die Beurtei-

lung der sich stellenden Fragen nicht auf das Gutachten abzustellen (Urk. 84 

S. 83). Beim Beschuldigten ist daher gemäss gutachterlicher Feststellung auf-

grund der Basissymptomatik seiner zur Tatzeit unbehandelten schizophrenen Er-

krankung nicht von einer Schuldunfähigkeit, aber von einer zumindest leichtgradig 

eingeschränkten Steuerungsfähigkeit auszugehen (Urk. D1/36/7 S. 84 und vor-

stehende Erw. III.A.3.2). 

- 40 - 

War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzu-

sehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe 

(Art. 19 Abs. 2 StGB). Entsprechend hat sich die leichtgradig eingeschränkte 

Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten strafmindernd auszuwirken. Bei der Fra-

ge, in welchem Umfang die Einschränkung der Steuerungsfähigkeit die Verschul-

densbewertung beeinflusst, gilt es vor Augen zu halten, dass die verminderte 

Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB eines von mehreren Kriterien 

sein kann, wenn auch – je nach Grad der Verminderung – von wesentlichem Ge-

wicht. Nach der Rechtsprechung ist der Verminderung der Schuldfähigkeit bei der 

Strafzumessung im vollen Ausmass der Verminderung Rechnung zu tragen. Da-

bei ist jedoch keine lineare Reduktion nach einem bestimmten Tarif vorzunehmen 

(BGE 136 IV 55 E. 5.3; 134 IV 132 E. 6.2; Urteile des Bundesgerichts 

6B_485/2022 vom 12. September 2022 E. 8.2.7; 6B_200/2022 vom 23. Mai 2022 

E. 3.3.2; je mit Hinweisen). Eine leichte, mittelgradige oder schwere Herabset-

zung der Schuldfähigkeit führt daher nicht zwingend zu einer rein mathematischen 

Reduktion der Strafe um 25, 50 oder 75% (BGE 136 IV 55 E. 5.6; 134 IV 132 

E. 6.2; je mit Hinweisen). Indessen muss ein bestimmtes Verhältnis zwischen der 

festgestellten Verminderung der Schuldfähigkeit und den Folgen für die Strafe be-

stehen (BGE 136 IV 55 E. 5.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

6B_485/2022 vom 12. September 2022 E. 8.2.7). Aufgrund seines konkreten Tat-

vorgehens, das einigermassen zielgerichtet war, und dem Umstand, dass der Be-

schuldigte durchaus in der Lage war, die ablehnenden Signale der Privatkläge-

rin 1 wahrzunehmen, sich aber bewusst darüber hinwegsetzte (zum Beispiel als 

er ihr auf ihren Einwand, sie müsse nach Hause, antwortete, sie müsse jetzt gar 

nichts, Urk. D1/34/7 F/A 26). Er war daher – einhergehend mit der Vorinstanz – 

durchaus in der Lage, sein Verhalten gemäss diesem Bewusstsein, wenn auch 

eingeschränkt, zu steuern. Es kann auch hier auf die Erwägungen der Vorinstanz 

verwiesen werden (Urk. 84 S. 69). Das objektiv mittelschwere Tatverschulden re-

duziert sich aufgrund der subjektiven Tatschwere auf ein erhebliches Tatver-

schulden und damit auf eine hypothetische Einsatzstrafe im Bereich von 40 Mo-

naten Freiheitsstrafe. 

- 41 - 

3. Sexuelle Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 1 

3.1. In objektiver Hinsicht wiegt das Tatverschulden im Rahmen aller denkbaren 

sexuellen Nötigungshandlungen erheblich, insbesondere durch das ungewollte 

Einführen eines Fingers in die Vagina der Privatklägerin 1. Der Beschuldigte setz-

te sich jedoch bereits bei der Berührung ihres Bauches und der Küsse auf ihren 

Mund gegen ihren klar geäusserten Willen hinweg, indem er ihr die Jacke auszog, 

ihr diese trotz entsprechender Bitte nicht zurückgab und seine Hand auch nicht 

von ihrem Körper wegnahm, auch wenn er keine übermässige Gewalt anwendete. 

3.2. Das schwere Tatverschulden wird nicht dadurch relativiert, dass die sexuel-

len Nötigungshandlungen als Vorbereitung bzw. Einleitung zur Vergewaltigung zu 

sehen sind. Allerdings kann die Schwere des Verschuldens nicht gänzlich isoliert 

betrachtet werden. Aus diesem Grund erweist sich eine Geldstrafe als nicht mehr 

dem Tatverschulden angemessene Sanktion und es ist eine Freiheitsstrafe aus-

zufällen. Jedoch ist auch hier die leichtgradig verminderte Steuerungsfähigkeit 

des Beschuldigten deutlich strafmindernd zu berücksichtigen, so dass – isoliert 

betrachtet – das Verschulden noch als erheblich einzustufen ist. Die hypotheti-

sche Einzelstrafe ist auf 7 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. 

4. Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin 2 

4.1. Mit Bezug auf die objektive Tatschwere fällt das Tatvorgehen des Beschul-

digten ins Gewicht. Er suchte sich gezielt ein Opfer aus, das ihm bisher unbe-

kannt war. Dass der Beschuldigte vorgab, der Privatklägerin 2, die zu schwach 

war, alleine in die Klinik IPW … zurückzukehren, zu helfen und sie zu begleiten, 

zeugt von einem überlegten und die Chancen bzw. die Risiken abwägenden Ver-

halten, auch wenn die Tat nicht von langer Hand geplant war. Dass der Beschul-

digte aufgrund ihres schlechten physischen und psychischen Zustandes (sie 

kroch auf allen vieren den Hügel im Wäldchen hoch; sie wurde während der Tat 

ohnmächtig) bis auf das Festhalten und das bestimmende Auftreten nicht beson-

ders viel Gewalt anwenden musste, um den Geschlechtsverkehr gegen den – 

trotz des schlechten Zustands – klar geäusserten Widerwillen der Privatklägerin 2 

zu vollziehen, ist ebenfalls bei der objektiven Tatschwere zu berücksichtigen. Al-

- 42 - 

lerdings ist dabei in Betracht zu ziehen, dass er selbst die Privatklägerin 2 in eine 

ausweglose Situation gebracht hatte, indem er sie in das Wäldchen gestossen 

und festgehalten hatte, wo sie vor Blicken geschützt waren. Wie bereits ausge-

führt, handelt es sich jedoch bei der Vergewaltigung um das schwerste Delikt ge-

gen die sexuelle Integrität, selbst wenn die Privatklägerin 2 angesichts ihrer aus-

weglosen Situation den Akt über sich ergehen liess. Erschwerend wirkt sich zulas-

ten des Beschuldigten sodann aus, dass er die ohnmächtig gewordene Privatklä-

gerin 2 nach vollzogener Tat einfach am Tatort in dem Wäldchen zurückliess, was 

von einer äussersten Geringschätzung ihrer menschlichen Würde zeugt. Das ob-

jektive Tatverschulden erweist sich als mittelschwer, so dass die hypothetische 

Einsatzstrafe auf rund 4 Jahre Freiheitsstrafe festzusetzen ist. 

4.2. In subjektiver Hinsicht fällt erschwerend in Betracht, dass das Verhalten des 

Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin 2 aufgrund ihres Zustandes als be-

sonders perfide und rücksichtslos beurteilt werden muss, zumal er trotz ihres 

Hinweises auf ihr Eheleben und ihre Kinder keinerlei Gnade walten liess. Das 

wirkt sich straferhöhend aus. Allerdings ist an dieser Stelle ebenfalls auf das fo-

rensisch-psychiatrische Gutachten D._____ hinzuweisen und die leichtgradig ein-

geschränkte Steuerungsfähigkeit strafmindernd im gleichen Umfang zu berück-

sichtigen, wie bei der Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin 1. Auch hier 

ist aufgrund des Beweisergebnisses davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

die ablehnenden Signale der Privatklägerin 2 durchaus wahrnahm, sich aber dar-

über hinwegsetzte. Seine Steuerungsfähigkeit war demnach zwar nicht vollstän-

dig, aber dennoch teilweise eingeschränkt. Daher wird das objektive Tatverschul-

den ebenfalls spürbar relativiert, so dass – isoliert betrachtet – die Einzelstrafe 

hypothetisch auf 40 Monate Freiheitsstrafe zu bemessen ist. 

5. Gesamtstrafenbildung / Asperation 

Da es sich bei allen Einzelstrafen um Freiheitsstrafen handelt, mithin um Sanktio-

nen mit der gleichen Strafart, ist in Anwendung von Art. 49 StGB unter Berück-

sichtigung des Asperationsprinzips eine Gesamtstrafe zu bilden. Die Einsatzstrafe 

für die Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin 1 ist um 30 Monate für die 

- 43 - 

Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin 2 zu erhöhen, namentlich da es 

sich um ein von der ersten Tat völlig unabhängiges Tatgeschehen handelt und die 

Deliktsmehrheit straferhöhend zu berücksichtigen ist. Für die sexuelle Nötigung, 

die der Vergewaltigung der Privatklägerin 1 vorausging, ist eine Asperation um 

4 Monate vorzunehmen, so dass sich eine verschuldensadäquate Strafe von 

74 Monaten, mithin rund 6 Jahren Freiheitsstrafe ergibt. 

6. Täterkomponenten 

Zur Biographie des Beschuldigten und seinem Vorleben kann auf die ausführli-

chen und korrekten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 84  

S. 77-79). Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte anlässlich der Beru-

fungsverhandlung angab, seit er alleine sei einen Beistand zu haben, wobei er 

den Grund hierfür nicht kenne (Prot. II S. 26). Er bestätigte erneut, dass er nach 

seiner Ankunft in der Schweiz mit dem Kiffen angefangen habe, was auch der 

Grund für die abgebrochenen Berufsausbildungen sei, erklärte indes, damit auf-

gehört zu haben, weil er nicht mehr kiffen möchte (Prot. II S. 27 f.). Er sei ledig 

und habe keine Kinder. Vermögen habe er auch keines, aber Schulden in unbe-

kannter Höhe (Prot. II S. 29). Auch wenn der Werdegang des Beschuldigten 

durch seinen frühen Drogenkonsum und damit einhergehend durch seine fortlau-

fende Delinquenz geprägt ist, wirkt sich dieser Umstand unter dem Titel Vorleben 

weder be- noch entlastend auf den Beschuldigten aus. Darauf hat bereits die Vor-

instanz zutreffend hingewiesen (Urk. 84 S. 78 f.).  

Allerdings fallen die drei im Strafregister (noch) eingetragenen Vorstrafen deutlich 

straferhöhend ins Gewicht, zumal es sich dabei nicht nur um leichtere Delikte wie 

geringfügige Vermögensdelikte (Diebstähle) und Hausfriedensbrüche handelte, 

sondern auch um Betäubungsmitteldelikte, Brandstiftung, Veruntreuung und Dro-

hung. So wurde der Beschuldigte am 12. August 2015 zu 54 Monaten Freiheits-

strafe und Fr. 700.– Busse verurteilt. Der Vollzug dieser Strafe wurde zugunsten 

einer stationären Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben, aus welcher 

er wegen guten Verlaufs bedingt entlassen wurde (Urk. D1/28/3; vgl. auch Prot. II 

S. 30 f.). Die bedingte Entlassung wurde jedoch mit Urteil des Bezirksgerichts 

- 44 - 

Winterthur vom 5. Mai 2021 wegen ungünstigen Verlaufs der Probezeit und 

Verstosses gegen Weisungen etc. widerrufen und der Vollzug der Strafe zuguns-

ten einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB aufgeschoben (Urk. D1/37/6; 

Urk. 103). Ebenfalls straferhöhend ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

die vorliegend zu beurteilenden Taten während seiner bedingten Entlassung 

beging. Insgesamt führen die Vorstrafen zu einer Straferhöhung im Bereich von 

ca. vier Monaten. 

Lediglich der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle das am 17. Oktober 2022 

gegen den Beschuldigten eröffnete und neu im Strafregister eingetragene Straf-

verfahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu erwähnen (vgl. Urk. 103), 

wobei es sich um keine Vorstrafe handelt und welches aufgrund der geltenden 

Unschuldsvermutung als neutral zu bewerten ist, auch wenn der Beschuldigte an-

lässlich der Berufungsverhandlung erklärte, diesbezüglich geständig zu sein 

(Prot. II S. 31). 

Weitere im Rahmen der Täterkomponente zu berücksichtigende Umstände liegen 

nicht vor, namentlich keine Verletzung des Beschleunigungsgebots (vgl. Urk. 108 

S. 8 i.V.m. Prot. II S. 42). Zwischen der Verhaftung des Beschuldigten am 

11. September 2020 (Urk. D4/12/1) und dem Urteil der hiesigen Kammer vom 

7. Juli 2023 vergingen knapp drei Jahre, weshalb unter Berücksichtigung des Um-

fangs der Untersuchung – mehrere Vorfälle mit verschiedenen Opfern – nicht von 

einem unangemessen langen Verfahren gesprochen werden kann. Unter diesem 

Titel hat somit keine Strafreduktion zu erfolgen.  

7.  Fazit 

Die verschuldensadäquate Strafe wäre somit auf 6 ½ Jahre Freiheitsstrafe zu 

bemessen. Da jedoch einzig der Beschuldigte Berufung erhob, hat die erkennen-

de Kammer das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zu be-

achten, so dass es bei der von der Vorinstanz ausgefällten, sehr milden, Strafe 

von 50 Monaten Freiheitsstrafe zu bleiben hat. 

- 45 - 

Auf diese Strafe sind – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – ohne weiteres in 

Anwendung von Art. 51 StGB die bereits von ihr berücksichtigten 2 Tage Haft an-

zurechnen. 

Abschliessend ist zu erwähnen, dass die Verteidigung im Hinblick auf das Straf-

mass nichts aus dem von ihr angestellten Quervergleich mit anderen, ähnlich ge-

lagerten Fällen ableiten kann (vgl. Urk. 108 S. 8). Die Strafzumessung beruht auf 

einer Beurteilung aller massgeblichen Umstände des Einzelfalls. Selbst gleich o-

der ähnlich gelagerte Fälle in zumessungsrelevanten Punkten können sich erheb-

lich unterscheiden. Die daraus resultierende Ungleichheit in der Zumessung der 

Strafe erlaubt für sich allein nicht, auf einen Missbrauch des sachrichterlichen Er-

messens zu schliessen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_118/2019 vom 2. Mai 

2019 E. 3.3 m.w.H.). 

V. Massnahme 

1. Standpunkt der Parteien 

1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt unter Hinweis auf das Sachverständigen-

gutachten D._____ die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von 

Art. 59 Abs. 1 StGB zur Behandlung von psychischen Störungen, nachdem die 

Gutachterin eine stationäre Massnahme eindeutig empfehle, diese verhältnismäs-

sig sei und es sowohl Behandlungskonzepte als auch mit dem Zentrum für Foren-

sische Stationäre Therapie in Rheinau eine geeignete Einrichtung gebe, um der 

schweren psychischen Störung des Beschuldigten und der damit einhergehenden 

Gefahr weiterer Straftaten zu begegnen (Urk. 63 S. 12 ff.; Urk. 110). 

1.2. Der Beschuldigte wendete sich vor Vorinstanz gegen die Durchführung der 

stationären Massnahme in Rheinau und wollte die Therapie lieber in der Justiz-

vollzugsanstalt Pöschwies absolvieren. Im Weiteren blieb er bei seinem Stand-

punkt, niemanden vergewaltigt zu haben, so dass – sollte er eine Vergewaltigung 

begangen haben – eine Verwahrung nach Art. 64 StGB sinnvoller sei (Prot. I 

S. 23 und S. 34). Die amtliche Verteidigung machte geltend, es fehle an der  

Massnahmewilligkeit des Beschuldigten, weshalb von einer Massnahme abzuse-

- 46 - 

hen sei (Urk. 70 S. 10). Anlässlich der Berufungsverhandlung wollte sich der Be-

schuldigte zur Frage der stationären Massnahme nicht äussern (Prot. II S. 32), 

liess aber durch seinen Verteidiger vorbringen, dass er im Falle eines Schuld-

spruchs mit einer Massnahme, unter Aufschub des Vollzugs zugunsten der Mas-

snahme, einverstanden wäre (Urk. 108 S. 8). 

2. Grundsätze 

Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, der 

Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungsbedürfnis 

des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und die Voraus-

setzungen der Art. 59-61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind (Art. 56 Abs. 1 StGB). Die 

Anordnung einer Massnahme setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in 

die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und 

Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB). 

Nach Art. 59 Abs. 1 StGB ist für die Anordnung einer stationären therapeutischen 

Massnahme erforderlich, dass der Täter psychisch schwer gestört ist, sein Ver-

brechen oder Vergehen im Zusammenhang mit seiner psychischen Störung steht 

und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner Störung im 

Zusammenhang stehender Taten begegnen (BGE 146 IV 1 E. 3.5.5; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1143/2021 vom 11. März 2022 E. 3.2.4; 6B_551/2014 vom 

15. Juli 2014 E. 3.4).  

Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass die Massnahme geeignet ist, 

beim Betroffenen die Legalprognose zu verbessern. Weiter muss die Massnahme 

notwendig sein. Sie hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere 

Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde. Dieses Kriterium trägt 

dem Aspekt des Verhältnisses zwischen Strafe und Massnahme bzw. der Subsi-

diarität von Massnahmen Rechnung. Schliesslich muss zwischen dem Eingriff 

und dem angestrebten Zweck eine vernünftige Relation bestehen (Verhältnis- 

mässigkeit i.e.S.). Bei einer Prüfung des Zweck-Mittel-Verhältnisses fallen im 

Rahmen der Gesamtwürdigung auf der einen Seite insbesondere die Schwere 

des Eingriffs in die Freiheitsrechte des Betroffenen in Betracht. Auf der anderen 

- 47 - 

Seite si