# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b0f6c4d-35f7-5e9c-aaa0-6b462c832a79
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-13
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 13.09.2023 WPR.2023.77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2023-77_2023-09-13.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2023.77 / nk / ko  
ZEMIS [***]; N [***] 

 

 

Urteil vom 13. September 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Gerichtsschreiber i.V. Käser 

Rechtspraktikant Okutan 

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau   

vertreten durch Beata Messmer, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 1    

 

 
   

Gesuchsgegner   A._____, von Irak  

amtlich vertreten durch lic. iur. Donato Del Duca, Rechtsanwalt, 

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden 

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftüberprüfung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner reiste eigenen Angaben zufolge am 5. Oktober 2015 

illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch (Akten 

des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 8). 

 

Mit Entscheid vom 28. Juni 2018 lehnte das Staatssekretariat für Migration 

(SEM) das Asylgesuch des Gesuchsgegners ab, wies ihn aus der Schweiz 

weg, ordnete an, er habe die Schweiz bis spätestens 23. August 2018 zu 

verlassen und beauftragte den Kanton Aargau mit dem Vollzug der 

Wegweisung (MI-act. 84 ff). Die dagegen erhobene Beschwerde des 

Gesuchsgegners wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 

13. Februar 2019 ab (MI-act. 131 ff.), womit der Entscheid vom 28. Juni 

2018 in Rechtskraft erwuchs. 

 

Mit Schreiben vom 25. Februar 2019 setzte das SEM eine neue 

Ausreisefrist an und forderte den Gesuchsgegner auf, die Schweiz bis am 

26. März 2019 zu verlassen und bei der Beschaffung von Reisepapieren 

mitzuwirken (MI-act. 153).  

 

Anlässlich des Ausreisegesprächs vom 8. März 2019 gab der 

Gesuchsgegner dem Amt für Migration und Integration Kanton Aargau 

(MIKA) an, nicht freiwillig in den Irak zurückkehren zu wollen und keinen 

Reisepass zu besitzen (MI-act. 167 f.). Gleichentags stellte das MIKA beim 

SEM ein Gesuch um Vollzugsunterstützung (MI-act. 165 f.). 

 

Mit Verfügung vom 15. Juli 2019 ordnete das MIKA eine Eingrenzung des 

Gesuchsgegners auf das Gebiet des Kantons Aargau an (MI-act. 180 ff.). 

 

Der Gesuchsgegner galt ab dem 11. Dezember 2019 als unbekannten 

Aufenthalts (MI-act. 193). Am 11. Juni 2020 meldete das MIKA dem SEM 

die Wiederaufnahme des Aufenthalts des Gesuchsgegners (MI-act. 196). 

 

Im Rahmen eines weiteren Ausreisegesprächs äusserte sich der 

Gesuchsgegner am 8. Juli 2020 erneut dahingehend, dass er nicht bereit 

sei, freiwillig in den Irak auszureisen.  Ausserdem habe er seinen 

Reisepass verloren (MI-act. 199 ff.). 

 

Mit Schreiben vom 31. Mai 2022 forderte das MIKA den Gesuchsgegner 

auf, beim SEM vorzusprechen (MI-act. 295). Dieser Aufforderung kam der 

Gesuchsgegner erst nach mehrmaligem Ermahnen und mit Verzögerung 

nach (MI-act. 300, 303 f., 308). 

 

Am 23. Dezember 2022 teilte das SEM dem MIKA mit, dass der 

Gesuchsgegner anlässlich der zentralen Befragungen durch 

 - 3 - 

 

 

Behördenvertreter des Irak vom 28. November 2022 bis 1. Dezember 2022 

als irakischer Staatsangehöriger anerkannt wurde. Die Beschaffung von 

Ersatzreisedokumenten sei jedoch blockiert, da die irakischen Behörden 

Ersatzreisepapiere momentan nur an freiwillig Ausreisende oder 

Straffällige ausstellen würden (MI-act. 344). 

 

Das Mehrfachasylgesuch des Gesuchsgegners vom 6. Januar 2023 wies 

das SEM mit Verfügung vom 4. April 2023 ab und wies ihn nach Eintritt der 

Rechtskraft aus der Schweiz weg (MI-act. 358 ff.). Die dagegen erhobene 

Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 1. Juni 

2023 ab (MI-act. 369 ff.), womit der Entscheid in Rechtskraft erwuchs. 

 

Im Rahmen eines weiteren Ausreisegesprächs erklärte sich der 

Gesuchsgegner gegenüber dem MIKA erneut nicht bereit, freiwillig in den 

Irak zurückzukehren (MI-act. 389 ff.). In der Folge meldete das MIKA den 

Gesuchsgegner am 26. Juli 2023 für einen Sonderflug in den Irak an (MI-

act. 395 f.). 

 

Am 11. September 2023, 09.10 Uhr, wurde der Gesuchsgegner im Auftrag 

des MIKA von der Kantonspolizei Aargau festgenommen und um 14.40 Uhr 

dem MIKA zugeführt (MI-act. 440 f.).  

 

B. 

Im Rahmen der Befragung durch das MIKA wurde dem Gesuchsgegner am 

11. September 2023 das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung einer 

Ausschaffungshaft gewährt (MI-act. 441 ff.). Im Anschluss an die 

Befragung wurde dem Gesuchsgegner die Anordnung der 

Ausschaffungshaft wie folgt eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet. 
 
2. 
Die Haft begann am 11. September 2023, 11.45 Uhr. Sie wird in 
Anwendung von Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 10. Dezember 2023, 
12.00 Uhr, angeordnet. 
 
3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau.  

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner 

befragt. 

 

 - 4 - 

 

 

D. 

Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung 

(Protokoll S. 5, act. 40). 

 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 6, act. 41): 

 

1. 
Die mit Verfügung vom 11. September 2023 angeordnete 
Ausschaffungshaft des Gesuchstellers sei nicht zu bestätigen. 
 
2. 
Es sei der Gesuchsteller anzuweisen, den Gesuchsgegner unverzüglich 
aus der Haft zu entlassen.  
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I.  

1. 

Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und 

Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft 

aufgrund einer mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden 

(Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und 

Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- 

und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20], § 6 des Einführungsgesetzes 

zum Ausländerrecht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die 

Haftüberprüfungsfrist beginnt mit der ausländerrechtlich motivierten 

Anhaltung der betroffenen Person zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2. 

b/aa). 

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde der Gesuchsgegner am 11. September 2023, 

09.10 Uhr, angehalten. Die mündliche Verhandlung begann am 

13. September 2023, 11.05 Uhr; das Urteil wurde um 11.40 Uhr eröffnet. 

Die richterliche Haftüberprüfung erfolgte somit innerhalb der Frist von 

96 Stunden. 

 

II.  

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet 

oder wurde die betroffene Person mit einer Landesverweisung belegt, kann 

die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicherstellung 

des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG). 

 

 - 5 - 

 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist gemäss 

§ 13 Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die 

Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde 

erlassen (act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es den 

Gesuchsgegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug 

sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche 

Landesverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG). 

 

Mit Verfügung vom 28. Juni 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch des 

Gesuchsgegners ab und wies ihn aus der Schweiz weg (MI-act. 84 ff.). Die 

dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit 

Urteil vom 13. Februar 2019 ab (MI-act. 131 ff.). Das in der Folge am 

6. Januar 2023 gestellte Mehrfachasylgesuch wies das SEM mit Verfügung 

vom 4. April 2023 ab und wies den Gesuchsgegner aus der Schweiz weg 

(MI-act. 358 ff.). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 1. Juni 2023 ab (MI-act- 369 ff.). 

Dieser Entscheid ist am 2. Juni 2023 in Rechtskraft erwachsen (MI-

act. 387), womit ein rechtsgenüglicher Wegweisungsentscheid vorliegt.  

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen 

Gründen undurchführbar ist. 

 

Der Vertreter des Gesuchsgegners brachte im Rahmen der heutigen 

Verhandlung vor, dass der Gesuchsgegner wohl ein neues Asylgesuch 

stellen werde, er folglich den Entscheid des SEM in der Schweiz abwarten 

dürfe und somit ein Vollzug der Wegweisung vorläufig nicht möglich sei. 

Aktenkundig wurde bis jetzt kein neues Asylgesuch gestellt, weshalb der 

Vollstreckbarkeit des Wegweisungsentscheids des SEM vom 4. April 2023 

aktuell nichts im Wege steht.  

 

Weitere Anzeichen, die an der Ausschaffungsmöglichkeit in rechtlicher 

oder tatsächlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen würden, sind keine 

ersichtlich. Dies umso weniger, als der Gesuchsgegner von den irakischen 

Behörden als irakischer Staatsangehöriger anerkannt wurde (MI-act. 344) 

und der Gesuchsgegner bereits für einen Sonderflug in den Irak 

 - 6 - 

 

 

angemeldet werden konnte (MI-act. 395 f.). Anlässlich der heutigen 

Verhandlung gab die Vertreterin des Gesuchstellers zudem zu Protokoll, 

dass der Sonderflug am 21. September 2023 stattfinden werde (Protokoll, 

S. 5, act 40). Ausserdem wurde die Reisefähigkeit des Gesuchsgegners 

medizinisch abgeklärt und er wurde dabei als reisefähig befunden 

(act. 12 ff.).  

 

3. 

3.1. 

Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG, 

wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten 

lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will, 

insbesondere, weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8 

Abs. 1 lit. a oder Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 

SR 142.31) nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser Gesetzesbestimmung 

konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich eine Person der 

Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen bisherigen 

Verhaltens, insbesondere auch gegenüber den Behörden, sowie ihrer 

eigenen Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten für sich eine 

Ausschaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der Gesamtheit 

der Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige 

Anhaltspunkte dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung 

entziehen und untertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der 

Wegweisung entziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich 

gefährdet erscheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).  

 

Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem 

auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen 

Person darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen 

widersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).  

 

Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis 

kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als 

Präzisierung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die 

beiden Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl. 

ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER 

BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar 

Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 7 zu Art. 76 AIG und TARKAN 

GÖKSU, in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR 

[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die 

Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 11 zu Art. 76). 

 

3.2  

Der Gesuchsgegner, gegen den ein rechtskräftiger Wegweisungsentscheid 

vorliegt (MI-act. 358 ff.), hätte die Schweiz längst verlassen müssen (MI-

act. 387 ff). Anlässlich diverser Ausreisegespräche sowie anlässlich der 

 - 7 - 

 

 

Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend die Anordnung einer 

Ausschaffungshaft vom 11. September 2023 äusserte sich der 

Gesuchsgegner dahingehend, dass er nicht bereit sei, die Schweiz freiwillig 

in Richtung Irak zu verlassen (MI-act. 167 ff., 199 ff., 389 ff., 441 ff.). In der 

konstanten Weigerung, der Ausreisepflicht nachzukommen, ist ein klares 

Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich der Gesuchgegner der 

Ausschaffung entziehen will. Daran ändert – entgegen der Auffassung des 

Rechtsvertreters des Gesuchsgegners – auch nichts, dass sich der 

Gesuchsgegner stets an seiner Adresse aufgehalten habe und für die 

Behörden somit auffindbar gewesen sei. Abgesehen davon, dass der 

Gesuchsgegner bereits früher unbekannten Aufenthalts war, ist aufgrund 

der Weigerung, auszureisen, davon auszugehen, dass sich der 

Gesuchsgegner allenfalls bis zum Vorliegen des Flugtickets in der 

zugewiesenen Unterkunft aufhalten würde, jedoch untertauchen würde, 

sobald ihm die Flugdaten bekannt wären.  

 

Ferner hat sich der Gesuchsgegner trotz den entsprechenden 

Aufforderungen des MIKA und des SEM (MI-act. 153, 155) nicht darum 

bemüht, selbständig Reisepapiere zu beschaffen, sondern hat die 

Papierbeschaffung gänzlich den Behörden überlassen. Damit ist er seinen 

Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen und hat sich behördlichen 

Anordnungen widersetzt.  

 

Insgesamt setzte der Gesuchsgegner damit klare Anzeichen für eine 

Untertauchensgefahr, und es ist nicht davon auszugehen, dass er nach 

einer Entlassung aus der Ausschaffungshaft die Schweiz selbständig in 

Richtung Irak verlassen würde. Damit ist der Haftgrund von Art. 76 Abs. 1 

lit. b Ziff. 3 und 4 AIG erfüllt. 

 

3.3  

Nachdem ein Haftgrund vorliegt, kann offenbleiben, ob auch der Haftgrund 

von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 AIG i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. b AIG erfüllt ist.  

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor. 

(Protokoll S. 2 ff., act. 37 ff.). 

 

Der Rechtsvertreter des Gesuchsgegners äusserte sich anlässlich der 

heutigen Verhandlung hinsichtlich der Hafterstehungsfähigkeit des 

Gesuchsgegners dahingehend, dass die eingereichten medizinischen 

Unterlagen lediglich eine Momentaufnahme zeigen würden. Der 

Gesuchsgegner leide an einer chronischen Dickdarmkrankheit, welche im 

Auge behalten werden müsse (Protokoll S. 6, act. 45). Hierzu ist 

festzuhalten, dass die seitens des Verwaltungsgerichts angeordnete 

medizinische Abklärung der Hafterstehungsfähigkeit ergeben hat, dass der 

Gesuchsgegner hafterstehungsfähig ist (act. 16 ff.). Sollte sich der 

 - 8 - 

 

 

Gesundheitszustand des Gesuchsgegners verschlechtern, ist es an der 

Vollzugsbehörde die Hafterstehungsfähigkeit abermals abzuklären.  

 

Weiter ist festzuhalten, dass es dem Gesuchsgegner während seiner 

Inhaftierung jederzeit zusteht, eine Untersuchung durch eine ärztliche 

Fachperson zu verlangen und notwendige Medikamente zu erhalten. 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem 

Beschleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung 

geschenkt hätte. 

 

6. 

Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der 

Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchsgegners 

abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen kann, ist die 

beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass das MIKA bisher stets bemüht war, Ausschaffungen so rasch wie 

möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner bisherigen 

Gewohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die Möglichkeit, 

ein Haftentlassungsgesuch zu stellen.  

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu 

bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der 

Verhältnismässigkeit verstossen würde. Eine mildere Massnahme zur 

Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung ist nicht ersichtlich. 

Insbesondere erscheint weder die Anordnung einer Meldepflicht noch eine 

Eingrenzung zielführend, wäre es ihm diesfalls doch ohne weiteres 

möglich, sich den Behörden bis zum Ausreisezeitpunkt zur Verfügung zu 

halten und trotzdem unterzutauchen, sobald der Rückflug anzutreten wäre. 

 

Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden.  

 

Insgesamt sind keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete Haft 

als unverhältnismässig erscheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Dem Gesuchsgegner ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein amtlicher 

Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für eine Dauer 

 - 9 - 

 

 

von mehr als 30 Tagen anordnete. Der Vertreter des Gesuchsgegners wird 

aufgefordert, nach Haftentlassung des Gesuchsgegners seine Kostennote 

einzureichen. 

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein 

Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung 

gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist 

(§ 15 Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine 

Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische Gerichts- 

und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359 Erw. I/4.3 ff.). Im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA dem Gesuchsgegner daher 

die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchführung einer mündlichen 

Verhandlung wünscht und ob er in diesem Fall eine Präsenzverhandlung 

verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021). Die Anordnung 

einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens 

acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 11. September 2023 angeordnete Ausschaffungshaft wird bis zum 

10. Dezember 2023, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

 - 10 - 

 

 

4. 

Als amtlicher Rechtsvertreter wird lic. iur. Donato Del Duca, Rechtsanwalt, 

Baden, bestätigt. Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach 

Haftentlassung des Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote 

einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz; BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 13. September 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Busslinger Käser