# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ffc50549-76f3-5c8b-a70c-56a64ef08752
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-03-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.03.2014 BVGE 2014/15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2014-15_2014-03-06.pdf

## Full Text

2014/15 Mehrwertsteuer 

 

 

226 BVGE / ATAF / DTAF 

 

6 Finanzen 
Finances 
Finanze 

15 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung I 
i.S. A. gegen Eidgenössische Steuerverwaltung 

A‒3942/2013 vom 6. März 2014 

Mehrwertsteuer, Verjährung, Kollektivgesellschaft.  

Art. 32 Abs. 1 Bst. a MWSTG von 1999. Art. 149a Abs. 1 SchKG. 

Art. 568 Abs. 3, Art. 591 Abs. 1 OR. 

1. Die Vollstreckung von Mehrwertsteuerforderungen richtet sich 
grundsätzlich nach dem Schuld- und Konkursbetreibungsrecht, 

womit auch die zwanzigjährige Verjährung von Art. 149a Abs. 1 

SchKG Anwendung findet (E. 3.3). 

2. Die solidarische Haftung des Kollektivgesellschafters für Mehr-
wertsteuerschulden der Kollektivgesellschaft tritt erst ein, wenn 

er selbst in Konkurs geraten oder wenn die Kollektivgesellschaft 

aufgelöst oder erfolglos betrieben worden ist (E. 3.4). 

3. Forderungen von Gesellschaftsgläubigern gegen einen Gesell-
schafter für Verbindlichkeiten der Gesellschaft verjähren grund-

sätzlich fünf Jahre nach der Veröffentlichung seines Ausschei-

dens oder der Auflösung der Gesellschaft im SHAB. In solchen 

Konstellationen verlängert der Konkursverlustschein gegen die 

Gesellschaft die Verjährung der Forderung gegenüber den Ge-

sellschaftern nicht auf 20 Jahre (E. 3.5). 

Taxe sur la valeur ajoutée, prescription, société en nom collectif. 

Art. 32 al. 1 let. a LTVA de 1999. Art. 149a al. 1 LP. Art. 568 al. 3, 

art. 591 al. 1 CO. 

1. L'exécution forcée des créances de taxe sur la valeur ajoutée est 
régie par le droit de la poursuite pour dettes et la faillite; par 

conséquent, la prescription de vingt ans de l'art. 149a al. 1 LP est 

aussi applicable (consid. 3.3). 

Mehrwertsteuer 2014/15 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 227 

 

2. La responsabilité solidaire de l'associé en nom collectif pour les 
dettes de taxe sur la valeur ajoutée de la société ne prend 

naissance que s'il tombe lui-même en faillite ou que la société est 

dissoute ou a été l'objet de poursuites infructueuses (consid. 3.4). 

3. Les prétentions des créanciers de la société contre un associé 
pour des dettes de la société se prescrivent par cinq ans après la 

publication dans la FOSC de sa sortie de la société ou de la 

dissolution de cette dernière. Dans un tel cas de figure, l'acte de 

défaut de biens concernant la société n'allonge pas à 20 ans le 

délai de prescription des créances à l'égard des associés 

(consid. 3.5). 

Imposta sul valore aggiunto. Prescrizione. Società in nome collettivo. 

Art. 32 cpv. 1 lett. a LIVA del 1999. Art. 149a cpv. 1 LEF. Art. 568 

cpv. 3, art. 591 cpv. 1 CO. 

1. L'esecuzione dei crediti di imposta sul valore aggiunto è retta, di 
principio, dalla legislazione in materia di esecuzione e falli-

mento; di conseguenza, il termine di prescrizione ventennale 

dell'art. 149a cpv. 1 LEF è anch'esso applicabile (consid. 3.3). 

2. La responsabilità solidale del socio di una società in nome 
collettivo per i debiti d'imposta sul valore aggiunto della società 

subentra soltanto quando egli sia fallito oppure la società sia 

stata sciolta o inutilmente escussa (consid. 3.4). 

3. Le pretese dei creditori sociali nei confronti di un socio per 
impegni della società si prescrivono di principio cinque anni dopo 

la pubblicazione nel FUSC dell'uscita del socio o dello sciogli-

mento della società. In tali circostanze, l'attestato di carenza  beni 

emesso nei confronti della società in seguito a fallimento non 

estende a 20 anni la prescrizione del credito nei confronti del 

socio (consid. 3.5). 

 

Frau A. betrieb gemeinsam mit Herrn B. in der Rechtsform einer Kollek-

tivgesellschaft ein Hotel-Restaurant. 

Am 14. September 2004 stellte das Konkursamt des Kantons Y. der Eid-

genössischen Steuerverwaltung (ESTV) infolge Konkurses der Kollek-

tivgesellschaft einen Konkursschein in der Höhe von Fr. 43 914.50 aus. 

2014/15 Mehrwertsteuer 

 

 

228 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Mit Schreiben vom 25. Mai 2012 informierte das Grundbuchamt und 

Notariat W. die ESTV, dass die erwähnte Steuerforderung ins öffentliche 

Inventar im Nachlass von Herrn B., verstorben am 30. November 2011, 

aufgenommen worden sei. 

In der Folge stellte die ESTV beim Betreibungsamt W. ein Betreibungs-

begehren gegen Frau A. Sie hafte als Gesellschafterin der aufgelösten 

Kollektivgesellschaft solidarisch für die Steuerforderung in der Höhe von 

Fr. 43 914.50. Das Betreibungsamt stellte daraufhin am 16. November 

2012 Frau A. den diesbezüglichen Zahlungsbefehl zu. 

Mit Schreiben vom 19. November 2012 an das Betreibungsamt erhob 

Frau A. Rechtsvorschlag. Die Forderung gegenüber ihr als Gesellschafte-

rin der Kollektivgesellschaft sei verjährt. Im Übrigen seien die Gesell-

schafter selber nie betrieben worden, womit keine deren Privatvermögen 

betreffenden Verlustscheine existieren würden. 

Mit Verfügung vom 8. Januar 2013 beseitigte die ESTV den Rechtsvor-

schlag. Die dagegen erhobene Einsprache wies die ESTV mit Entscheid 

vom 4. Juni 2013 ab. 

Gegen den Einspracheentscheid der ESTV erhob Frau A. am 11. Juli 

2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dieses heisst die Be-

schwerde gut, soweit darauf einzutreten ist. 

Aus den Erwägungen: 

3.  
3.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem 
System der Nettoallphasensteuer (auch als Allphasensteuer mit Vor-

steuerabzug beziehungsweise Mehrwertsteuer bezeichnet; Art. 130 BV). 

Steuerobjekt der Mehrwertsteuer (Inlandsteuer) ist gemäss Art. 5 des 

Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer 

(aMWSTG AS 2000 1300) der durch die mehrwertsteuerpflichtige 

Person getätigte Umsatz, sofern dieser nicht ausdrücklich von der Steuer 

ausgenommen ist. Ein Umsatz im Sinne des Mehrwertsteuerrechts ent-

steht durch entgeltliches Erbringen von Dienstleistungen und Liefe-

rungen im Inland (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A‒3149/2012 vom 

4. Januar 2013 E. 2.1 f.) 

3.2 Die Mehrwertsteuerforderung verjährt gemäss Art. 49 Abs. 1 
aMWSTG fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie ent-

standen ist. Der Lauf der Verjährungsfrist wird durch jede Einforde-

Mehrwertsteuer 2014/15 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 229 

 

rungshandlung und jede Berichtigung durch die zuständige Behörde 

gegenüber allen Zahlungspflichtigen unterbrochen (Art. 49 Abs. 2 und 3 

aMWSTG). Jede Unterbrechungshandlung führt dazu, dass die Frist neu 

zu laufen beginnt. Die Einforderungshandlung ist nach der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung an keine besondere Form gebunden. So 

fallen unter den Begriff der Einforderungshandlung nicht nur die eigent-

lichen Steuerbezugshandlungen; jede der mehrwertsteuerpflichtigen 

Person zur Kenntnis gebrachte, auf Einforderung oder Feststellung des 

Steueranspruchs gerichtete Amtshandlung genügt, um die Verjährung zu 

unterbrechen. Als verjährungsunterbrechende Einforderungshandlung gilt 

namentlich die Ankündigung und Vornahme von Bücheruntersuchungen, 

die Zustellung einer Ergänzungsabrechnung beziehungsweise einer 

Gutschrift oder die Aufforderung beziehungsweise Mahnung zur Zahlung 

(vgl. statt vieler BGE 126 II 1 E. 2c; Urteil des BGer 2C_806/2008 vom 

1. Juli 2009 E. 2.2.4; Urteil des BVGer A‒7843/2010 vom 22. Juli 2011 

E. 2.2; MICHAEL BEUSCH, Der Untergang der Steuerforderung, 2012, 

S. 299 ff. mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Die Steuerforderung 

verjährt in jedem Fall 15 Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem 

sie entstanden ist (Art. 49 Abs. 4 aMWSTG). Die Verjährung der Mehr-

wertsteuerforderung ist von Amtes wegen zu prüfen (BGE 133 II 366 

E. 3.3; Urteil des BGer 2C_227/2010 vom 5. August 2010 E. 2.2; BVGE 

2009/12 E. 6.3.1; BEUSCH, a.a.O., S. 282 mit zahlreichen weiteren Hin-

weisen).  

3.3 Das Mehrwertsteuerrecht selbst regelt die Vollstreckung von 
Steuerforderungen ebenso wenig wie das Zivilrecht. Hierfür kommt 

grundsätzlich das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht zur Anwendung 

(Art. 38 SchKG [SR 281.1]; BGE 137 II 17 E. 2.6; BEUSCH, a.a.O., 

S. 117 ff. mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Wenn die Forderungen 

gemäss diesem Erlass zwangsvollstreckt werden, gelangen auch dessen 

Vorschriften  einschliesslich der Verjährungsnorm von Art. 149a Abs. 1 

SchKG  zur Anwendung. Art. 149a Abs. 1 SchKG sieht vor, dass die 

durch den Verlustschein verurkundete Forderung 20 Jahre nach der 

Ausstellung des Verlustscheins verjährt. Bei zivilrechtlichen Forderungen 

müssen nach dem Ausgeführten die allgemeinen Verjährungsregeln des 

Obligationenrechts gegenüber jenen des Schuldbetreibungs- und Kon-

kursrechts zurücktreten, weil es sich bei Forderungen, für welche ein 

Verlustschein ausgestellt wurde, um eine besondere Art von Forderungen 

handelt. Der Gesetzgeber hat für solche eine längere als die zivilrechtlich 

nach Obligationenrecht geltende Verjährungsfrist gewähren wollen (vgl. 

2014/15 Mehrwertsteuer 

 

 

230 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Botschaft vom 8. Mai 1991 über die Änderung des Bundesgesetzes über 

Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG], BBl 1991 III 1, insb. S. 104). 

Dem entspricht, dass das AHVG [SR 831.10] ausdrücklich festlegt, dass 

für die Vollstreckung von Beitragsforderungen aArt. 149 Abs. 5 SchKG 

nicht anwendbar ist (Art. 16 Abs. 2 AHVG), was ebenfalls für Art. 149a 

Abs. 1 SchKG gilt. Daraus ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung zu schliessen, dass auch Mehrwertsteuerforderungen nicht von 

Art. 149a Abs. 1 SchKG ausgenommen sind, da dies im Mehrwertsteuer-

recht nirgends vorgesehen ist. Dementsprechend gilt in Bezug auf Mehr-

wertsteuerforderungen, für welche ein Verlustschein ausgestellt wurde, 

die Verjährungsfrist von Art. 149a Abs. 1 SchKG und nicht jene von 

Art. 49 Abs. 1 aMWSTG. Die Ausstellung eines Verlustscheins lässt also 

die ursprüngliche Forderung zwar grundsätzlich bestehen. Neben den 

betreibungsrechtlichen Folgen bewirkt der Verlustschein aber, dass die 

Forderung nunmehr nach den betreibungsrechtlichen Bestimmungen 

verjährt (vgl. zum Ganzen: BGE 137 II 17 E. 2.7 f.; Urteil des BVGer 

A‒491/2007 vom 25. Februar 2010 E. 2.4.5). Steuerforderungen sind in 

der Zwangsvollstreckung auch ansonsten gleich zu behandeln, wie 

solche, die ihren Ursprung in einem privatrechtlichen Verhältnis haben, 

es sei denn, das SchKG selber sehe ‒ wie etwa bis Ende 2013 in Art. 219 

Abs. 4 Zweite Klasse Bst. e SchKG (AS 2009 5203, 5255) ‒ eine Privi-

legierung vor. 

3.4  
3.4.1 Mit der steuerpflichtigen Person haften gemäss Art. 32 Abs. 1 
Bst. a aMWSTG die Teilhaber an einer einfachen Gesellschaft, Kollek-

tiv- oder Kommanditgesellschaft im Rahmen ihrer zivilrechtlichen Haft-

barkeit solidarisch (vgl. Urteile des BVGer A‒4941/2007 vom 11. März 

2009 E. 5 und A‒5418/2007 vom 11. März 2009 E. 5). Der Anspruch 

gegen die Gesellschafter bleibt öffentlich-rechtlicher Natur, richtet sich 

jedoch nach dem Zivilrecht (Urteile des BVGer A‒1544/2006 vom 

11. September 2008 E. 2.2 und A‒1514/2006 vom 14. Februar 2008 

E. 2.2). 

3.4.2 Eine Kollektivgesellschaft gemäss Art. 552 ff. OR haftet grund-
sätzlich gegenüber Dritten zunächst mit ihrem Gesellschaftsvermögen, 

das sich zusammensetzt aus den Beiträgen der Gesellschafter und den 

nichtbezogenen Gewinnen, Zinsen und Honoraren (vgl. Art. 557 Abs. 2 

i.V.m. Art. 531 Abs. 1 OR; Art. 559 Abs. 3 OR). Das Gesellschaftsver-

mögen steht rechtlich nicht der Gesellschaft als solcher, sondern den 

Gesellschaftern zu gesamter Hand zu (MEIER-HAYOZ/FORSTMOSER, 

Mehrwertsteuer 2014/15 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 231 

 

Schweizerisches Gesellschaftsrecht, 11. Aufl. 2012, Rz. 19). Beim Ge-

sellschaftsvermögen handelt es sich um ein Sondervermögen, welches 

primär der Haftung für Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber 

Dritten dient (BGE 134 III 643 E. 5.2.1). Konsequenterweise ist denn die 

Kollektivgesellschaft auch betreibungsfähig und unterliegt der Konkurs-

betreibung (Art. 39 Abs. 1 Ziff. 6 SchKG). Kann das Gesellschaftsver-

mögen die Gesellschaftsschulden nicht mehr decken, haften subsidiär 

alle Gesellschafter persönlich und zwar unbeschränkt und solidarisch mit 

ihrem ganzen Vermögen (Art. 568 Abs. 1 OR). Gemäss Art. 568 Abs. 3 

OR tritt die Haftung des Gesellschafters erst ein, wenn er selbst in 

Konkurs geraten oder wenn die Gesellschaft aufgelöst oder erfolglos 

betrieben worden ist. Die primäre Haftung des Gesellschaftsvermögens 

hat zur Folge, dass der Konkurs der Gesellschaft nicht zwangsläufig den 

Konkurs der einzelnen Gesellschafter bewirkt. Vielmehr sind der 

Konkurs der Gesellschaft und der allfällige Konkurs des Gesellschafters 

voneinander unabhängig (Art. 571 Abs. 1 OR; BGE 134 III 644 E. 5.5.2; 

PIERRE-ROBERT GILLIÉRON, Poursuite pour dettes, faillite et concordat, 

5. Aufl. 2012, Rz. 1779 ff., insb. 1781). Die jeweilige Betreibung ist 

selbstständig durchzuführen, was insbesondere auch bedeutet, dass eine 

gegen die Gesellschaft eingeleitete Betreibung nicht gegen die Gesell-

schafter fortgesetzt werden kann (PESTALOZZI/HETTICH, in: Basler Kom-

mentar, Obligationenrecht II, 4. Aufl. 2012, Art. 571 N. 1, nachfolgend: 

BSK-OR II; WILHELM HARTMANN, in: Berner Kommentar zum Schwei-

zerischen Zivilgesetzbuch, 1943, Art. 568 N. 25). 

3.5 Gemäss Art. 591 Abs. 1 OR verjähren die Forderungen von 
Gesellschaftsgläubigern gegen einen Gesellschafter für Verbindlichkeiten 

der Gesellschaft in fünf Jahren nach der Veröffentlichung seines 

Ausscheidens oder der Auflösung der Gesellschaft im SHAB, sofern 

nicht wegen der Natur der Forderung eine kürzere Verjährungsfrist gilt. 

Die Frage der Verjährung stellt sich erst, wenn der Gesellschafter gemäss 

Art. 568 Abs. 3 OR haftbar geworden ist (E. 3.4; DANIEL STAEHELIN, in: 

BSK-OR II, a.a.O., Art. 591 N. 5). Die fünfjährige Frist gilt insbesondere 

auch gegenüber den Gesellschaftern, die nach dem Konkurs der 

Gesellschaft belangt werden. Nach einhelliger Meinung verlängert in 

solchen Konstellationen der Konkursverlustschein gegen die Gesellschaft 

die Verjährung der Forderung gegenüber den Gesellschaftern nicht auf 

20 Jahre (STAEHELIN, in: BSK-OR II, a.a.O., Art. 591 N. 6; HANDSCHIN/ 

CHOU, in: Zürcher Kommentar zum schweizerischen Zivilgesetzbuch, 

Art. 552‒619 OR, 4. Aufl. 2009, Art. 591‒593 N. 45; HARTMANN, a.a.O., 

Art. 591 N. 6; ANDREAS CASUTT, OR Kommentar, 2. Aufl. 2009, 

2014/15 Mehrwertsteuer 

 

 

232 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Art. 591 N. 3). Vielmehr bewirkt der Konkursverlustschein gemäss 

herrschender Lehre eine Verjährungsunterbrechung (statt vieler: 

STAEHELIN, in: BSK-OR II, a.a.O., Art. 591 N. 6 m.w.H.; anderer Ansicht 

HARTMANN, a.a.O., Art. 591 N. 6).  

3.6 Die Ausstellung eines Verlustscheins begründet keine neue 
Forderung. Die ursprüngliche Forderung wird also nicht noviert im Sinne 

von Art. 116 OR. Vielmehr bleibt die alte Forderung bestehen. Insbeson-

dere belegt der Verlustschein nicht den Bestand der Forderung, sondern 

ist lediglich ein Indiz dafür. Die ursprüngliche Forderung behält also 

ihren zivil- oder öffentlich-rechtlichen Charakter, wird jedoch durch den 

Verlustschein mit neuen Eigenschaften, insbesondere einer neuen Ver-

jährungsfrist, versehen (so schon BGE 69 III 89 E. 1, bestätigt in: BGE 

81 III 20 E. 2a und 86 III 77 E. 2; Urteil des BGer 4P.126/2003 vom 

25. August 2003 E. 2.3 m.H.; BGE 137 II 17 E. 2.5; Urteil A‒491/2007 

E. 2.1). 

4.  
4.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die zu beurteilende, im Verlust-
schein vom 14. September 2004 verurkundete Mehrwertsteuerforderung 

über Fr. 43 914.50 zuzüglich Verzugszins primär gegenüber der Kollek-

tivgesellschaft und nicht gegenüber der Beschwerdeführerin besteht. Die 

gegenüber der Kollektivgesellschaft dergestalt verurkundete Forderung 

verjährt gemäss Art. 149a Abs. 1 SchKG 20 Jahre nach der Ausstellung 

des Verlustscheins und ist deshalb vorliegend noch nicht verjährt (E. 3.3). 

Die ESTV geht mit der Beschwerdeführerin einig, dass die Ausstellung 

eines Verlustscheins die erfolglose Betreibung gegen die Kollektivge-

sellschaft voraussetzt und damit grundsätzlich die Voraussetzungen der 

Solidarhaftung der einzelnen Gesellschafter gemäss Art. 568 Abs. 3 OR 

gegeben sind (E. 3.4). Strittig vor Bundesverwaltungsgericht ist somit 

einzig, ob bezüglich der Mehrwertsteuerforderung gegen die aufgelöste 

Kollektivgesellschaft, für die ein Verlustschein ausgestellt wurde, für die 

Forderung gegenüber der einzelnen Gesellschafterin, der Beschwerde-

führerin, die fünfjährige Verjährungsfrist für Forderungen von Gesell-

schaftsgläubigern gegen den Gesellschafter für Verbindlichkeiten der 

Gesellschaft gemäss Art. 591 Abs. 1 OR zur Anwendung gelangt oder die 

zwanzigjährige Verjährungsfrist gemäss Art. 149a Abs. 1 SchKG für 

Forderungen, für die ein Verlustschein ausgestellt wurde. 

4.2 Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, die im 
Verlustschein verurkundete Forderung sei auf die Kollektivgesellschaft 

ausgestellt, weshalb sie als solidarisch haftende Gesellschafterin gemäss 

Mehrwertsteuer 2014/15 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 233 

 

Art. 591 Abs. 1 OR lediglich fünf Jahre nach Veröffentlichung der Auf-

lösung der Gesellschaft im SHAB für Forderungen gegen die Gesell-

schaft belangbar sei. Da diese Veröffentlichung am 15. November 2004 

erfolgte (…), sei die Forderung gegenüber ihr mittlerweile verjährt. 

4.3 Die ESTV bestreitet dies und bringt vor, dass es sich vorliegend 
um eine öffentlich-rechtliche Forderung handle, für welche Art. 591 

Abs. 1 OR nicht unbesehen übernommen werden könne. Das Bundesver-

waltungsgericht habe in seinem Entscheid A‒491/2007 vom 25. Februar 

2010 festgestellt, dass weder das Mehrwertsteuerrecht noch das Zivil-

recht die Vollstreckung von Forderungen regle. Hierfür sei vielmehr das 

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht inklusive der Verjährungsvor-

schrift in Art. 149a Abs. 1 SchKG heranzuziehen. Die Verjährungsbe-

stimmungen des Mehrwertsteuer- beziehungsweise des Obligationen-

rechts hätten dagegen gegenüber denjenigen des SchKG zurückzutreten, 

denn das SchKG regle die Verjährung von Forderungen, für welche ein 

Verlustschein ausgestellt wurde. Art. 149a SchKG kenne keine Ein-

schränkung, wonach die darin statuierte Verjährungsfrist nur gegenüber 

dem Schuldner und nicht auch gegenüber anderen Mitverpflichteten 

gelte. Auch das Mehrwertsteuerrecht selbst halte in Art. 49 Abs. 3 

aMWSTG unmissverständlich fest, dass Unterbrechung und Stillstand 

gegenüber allen zahlungspflichtigen Personen (also auch gegenüber den 

Mithaftenden nach Art. 32 aMWSTG) wirke. 

4.4  
4.4.1 Vorab sei festgehalten, dass Art. 32 Abs. 1 Bst. a aMWSTG für 
die solidarische Haftung der Kollektivgesellschafter mit der Kollektiv-

gesellschaft für Mehrwertsteuerschulden auf die zivilrechtlichen Haf-

tungsbestimmungen verweist (E. 3.4.1). Dementsprechend richtet sich 

die Haftbarkeit der Beschwerdeführerin für die Mehrwertsteuerschulden 

der Kollektivgesellschaft nach den Bestimmungen des Obligationen-

rechts. Art. 568 Abs. 3 OR sieht unter anderem eine subsidiäre Haftung 

des Gesellschafters vor, falls die Gesellschaft aufgelöst wurde (E. 3.4.2). 

Im vorliegenden Fall wurde die Kollektivgesellschaft, an welcher die Be-

schwerdeführerin als Gesellschafterin beteiligt war, mit Entscheid vom 

12. Oktober 2004 durch den Konkursrichter gelöscht. Spätestens ab 

diesem Zeitpunkt war diese entscheidende Voraussetzung für die 

« subsidiäre » Haftbarkeit der Beschwerdeführerin grundsätzlich erfüllt. 

4.4.2 Das Mehrwertsteuerrecht selbst regelt die Vollstreckung von 
Forderungen nicht umfassend. Hierfür kommt grundsätzlich das Schuld-

betreibungs- und Konkursrecht zur Anwendung (E. 3.3). Dieses unter-

2014/15 Mehrwertsteuer 

 

 

234 BVGE / ATAF / DTAF 

 

scheidet in Art. 218 SchKG zwischen zwei Konstellationen. In Abs. 1 

werden die konkursrechtlichen Folgen festgelegt, für den Fall, dass über 

eine Kollektivgesellschaft und einen Gesellschafter gleichzeitig der 

Konkurs eröffnet ist. Abs. 2 regelt die Konstellation, in der zwar über den 

Gesellschafter, aber nicht über die Kollektivgesellschaft der Konkurs 

eröffnet wurde. Die dritte denkbare Konstellation, dass nämlich ein 

ausschliesslicher Konkurs der Gesellschaft vorliegt, wird durch Art. 218 

SchKG nicht geregelt. Die Rechtsfolgen ergeben sich grundsätzlich zu-

nächst aus den Normen des Obligationenrechts. Den Verfahrensakten ist 

nicht zu entnehmen, ob gegen die Beschwerdeführerin nach Konkurs der 

Gesellschaft (also im Zeitpunkt des Eintritts der Haftung der Beschwer-

deführerin) eine Betreibung eingeleitet wurde. Der Konkurs der Kollek-

tivgesellschaft hätte gemäss Art. 570 ff. OR jedenfalls nicht ohne 

selbstständiges Zwangsvollstreckungsverfahren den Konkurs der Be-

schwerdeführerin zur Folge. Mit anderen Worten sind der Konkurs der 

Kollektivgesellschaft und ein allfälliger Konkurs der Beschwerdeführerin 

(der wie bereits dargestellt weder aktenkundig noch behauptet ist) von-

einander unabhängig (E. 3.4.2). 

4.5  
4.5.1 Diese « Unabhängigkeit » des Konkurses der Kollektivgesell-
schaft und des allfälligen späteren Konkurses des Kollektivgesellschaf-

ters hat auch Auswirkungen auf die anwendbaren Bestimmungen der 

Verjährung. 

4.5.2 Der von der ESTV herangezogene Art. 149a SchKG sieht eine 
Verjährung der verurkundeten Forderung 20 Jahre nach der Ausstellung 

des Verlustscheins vor. Wie die ESTV zu Recht vorbringt, haben das 

Bundesgericht in BGE 137 II 17 E. 2.7 f. und das Bundesverwaltungs-

gericht im Urteil A‒491/2007 E. 2.4.5 entschieden, dass auch Mehrwert-

steuerforderungen, für welche ein Verlustschein besteht, gemäss 

Art. 149a SchKG verjähren (E. 3.3). 

Vorliegend kann aber Art. 149a SchKG  entgegen der Auffassung der 

ESTV  keine Anwendung finden. Es ist zwar richtig, dass sich Art. 149a 

SchKG mit Ausnahme der Regelung betreffend die Erben des Schuldners 

keine Einschränkung entnehmen lässt, wonach die darin enthaltene 

Verjährungsfrist von 20 Jahren nur gegenüber dem Schuldner und nicht 

auch gegenüber dem Mitverpflichteten gilt. Diese Frage ist aber vor-

liegend schlicht nicht von Belang, bezieht sich Art. 149a SchKG doch 

auf die gegenüber dem Schuldner, hier also der Kollektivgesellschaft, im 

Verlustschein verurkundete Forderung. Gegenüber der Beschwerdeführe-

Mehrwertsteuer 2014/15 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 235 

 

rin als Kollektivgesellschafterin besteht zwar bei Vorliegen der Voraus-

setzungen der subsidiären Haftung durchaus eine eigenständige For-

derung, welche auch auf dem Weg der Zwangsvollstreckung geltend ge-

macht werden kann (E. 3.4). Die Frist, innerhalb derer dies zu geschehen 

hat, richtet sich allerdings mangels einer vollstreckungsrechtlichen 

Spezialregelung nach den Regeln des Zivilrechts (E. 3.4 und 4.4.2). 

Art. 591 Abs. 1 OR sieht ‒ neben anderem ‒ vor, dass Forderungen von 

Gesellschaftsgläubigern gegen einen Gesellschafter für Verbindlichkeiten 

der Gesellschaft fünf Jahre nach der Veröffentlichung der Auflösung der 

Gesellschaft im SHAB verjähren (E. 3.5). Mit anderen Worten: Diese 

Bestimmung tritt damit vorliegend nicht gegenüber Art. 149a SchKG 

zurück. Die zu beurteilenden Mehrwertsteuerschulden sind nämlich 

primär Verbindlichkeiten der Kollektivgesellschaft und nicht der Kollek-

tivgesellschafter (E. 4.4.1). Aufgrund der Publikation im SHAB am 

15. November 2004 bezüglich der Auflösung der Kollektivgesellschaft 

ist  da weder eine Unterbrechungshandlung geltend gemacht wurde 

noch ein Stillstandstatbestand einschlägig ist  die relative, fünfjährige 

Verjährungsfrist am 15. November 2009 abgelaufen. 

4.5.3 Was die ESTV dagegen vorbringt, vermag nicht zu überzeugen. 
Sie macht zwar zutreffend geltend, dass es sich bei der Mehrwert-

steuerschuld um eine öffentlich-rechtliche Forderung handle, für die die 

Gültigkeit der privatrechtlichen Verjährungsnormen nicht ohne Weiteres 

angenommen werden könne. Abgesehen davon, dass gerade das Mehr-

wertsteuerrecht selber in Art. 32 Abs. 1 Bst. a aMWSTG für die vorlie-

gende Konstellation auf das Zivilrecht verweist, vermag die ESTV aber 

nicht darzulegen, inwieweit im Rahmen der Vollstreckung von öffentlich-

rechtlichen Forderungen gegenüber einer Kollektivgesellschaft nicht 

dieselben Bestimmungen Anwendung finden sollten, wie für privatrecht-

liche Forderungen. Bei privatrechtlichen Forderungen ist  wie bereits 

dargestellt  unbestritten, dass der Konkursverlustschein gegen die 

Kollektivgesellschaft die Verjährung der Forderung gegen den Gesell-

schafter nicht auf 20 Jahre verlängert (E. 3.5). Es ist nicht ersichtlich, 

inwieweit nun allein aufgrund der öffentlich-rechtlichen Natur der 

Mehrwertsteuerforderung für diese etwas anderes gelten sollte. Für die 

Vollstreckung von Mehrwertsteuerforderungen finden  falls keine Son-

dernormen bestehen  dieselben Bestimmungen Anwendung wie für die 

Vollstreckung von privatrechtlichen Forderungen (E. 3.3 und 4.4.2). Eine 

solche auf den vorliegenden Sachverhalt anwendbare Norm, welche die 

Vollstreckung einer Mehrwertsteuerforderung gegenüber einer Kollektiv-

2014/15 Mehrwertsteuer 

 

 

236 BVGE / ATAF / DTAF 

 

gesellschaft anders als Art. 591 Abs. 1 OR regeln würde, besteht aber 

gerade nicht (E. 3.3). 

4.5.4 Im Übrigen kann die ESTV entgegen ihrer Vorbringen auch 
nichts aus Art. 49 Abs. 3 aMWSTG zu ihren Gunsten ableiten. Diese Be-

stimmung sieht vor, dass Unterbrechung und Stillstand gegenüber allen 

zahlungspflichtigen Personen wirken. Zu diesen gehören neben der 

steuerpflichtigen Person zwar durchaus auch die mit ihr nach Art. 32 

Abs. 1 Bst. a aMWSTG solidarisch Haftenden. Wie bereits dargelegt 

(E. 4.4.1), sieht diese letztere Bestimmung ausdrücklich vor, dass Kollek-

tivgesellschafter im Rahmen ihrer zivilrechtlichen Haftbarkeit solidarisch 

mit der steuerpflichtigen Person haften. Mit anderen Worten verweist die 

Norm selber auf die Bestimmungen (im Obligationenrecht) zur « zivil-

rechtlichen Haftbarkeit » des Kollektivgesellschafters. Der ESTV ist 

deshalb nicht zu folgen, wenn sie vorbringt, aus Art. 49 Abs. 3 aMWSTG 

könne der Rückschluss gezogen werden, dass Art. 591 Abs. 1 OR keine 

Anwendung bei Mehrwertsteuerforderungen finde. 

4.6 Vorliegend ist somit die Forderung gegenüber der Beschwerde-

führerin  fünf Jahre nach Veröffentlichung der Auflösung der Kollektiv-

gesellschaft im SHAB  am 16. November 2009 verjährt. Die Beschwer-

de wird somit gutgeheissen und der Einspracheentscheid vom 14. Juni 

2013 aufgehoben.