# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bfc5f1d1-6b96-5258-957a-c7d6206f5ea8
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-15
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 15.02.2024 SST.2023.112
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-112_2024-02-15.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.112 
(ST.2021.228; OSTA.2022.70) 

 

 

Urteil vom 15. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin i.V. Bekaj 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

 
    

Beschuldigter   D._____,  

geboren am tt.mm.1992, von Eritrea, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Daniel Hirschi,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung, Raufhandel, Nötigung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 3. Dezember 2021 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen Raufhandels gemäss Art. 133 StGB, versuchter 

schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 3 [in der bis 30. Juni 2023 

geltenden Fassung] i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Nötigung gemäss Art. 181 

StGB, versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB, geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. 

Art. 172ter Abs. 1 StGB, Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB und Widerhandlung gegen das 

Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG. 

 

Der Anklagesachverhalt lautete im vorliegend noch strittigen Zusammen-

hang: 

 

Straftatendossier 1: 

Ort:   Aarau 

Zeit:  04.04.2020, ca. 23.45 Uhr bis 23.59 Uhr 

Zivil- und Strafkläger: A._____ 

Strafantrag:  05.04.2020 

 
Am 04.04.2020, kurz vor Mitternacht, waren der Beschuldigte, C._____ (sep. Anklage) und 
B._____ (sep. Anklage) in alkoholisiertem Zustand in Aarau unterwegs und unterhielten 
sich lautstark.  
 
Der Zivil- und Strafkläger (sep. Anklage), welcher an der X-Strasse-Strasse wohnte, 
forderte sie vom Küchenfenster aus auf, wegzugehen, da seine Kinder nicht schlafen 
könnten. Da es nicht ruhiger wurde ging der Zivil- und Strafkläger zu C._____, dem 
Beschuldigten und B._____, welche sich vor dem E._____ Shop aufhielten, und sagte 
ihnen, dass sie leiser sein sollten. Anschliessend entfernte sich der Zivil- und Strafkläger 
in Richtung seiner Wohnung, kehrte aber zu C._____, dem Beschuldigten und B._____ 
zurück, da sie nicht leiser wurden. Der Zivil- und Strafkläger forderte C._____, den 
Beschuldigten und B._____ erneut auf, leiser zu sein, da seine Kinder schlafen möchten. 
Zudem sagte der Zivil- und Strafkläger etwas auf Arabisch, worauf B._____ ihn wegstiess 
und C._____ aggressiv wurde. Der Beschuldigte versuchte B._____ und C._____ zu 
beruhigen und zurückzuhalten. In der Folge begannen nacheinander C._____, B._____ 
und der Beschuldigten mit den Fäusten auf den Zivil- und Strafkläger einzuschlagen, 
welcher ebenfalls mit den Fäusten zurückschlug und dabei gegen deren Köpfe zielte. 
C._____ schlug mehrmals mit der Faust gegen den Kopf des Zivil- und Strafklägers. Der 
Zivil- und Strafkläger schlug zwei Mal mit der Faust auf den Mund von C._____ und kurz 
darauf auf dessen rechtes Ohr. 
 
Mit der Zeit verschob sich die Auseinandersetzung zum Denkmal. Die Ex- Freundin des 
Zivil- und Strafklägers hörte den Lärm und schrie vom Küchenfenster der Wohnung des 
Zivil- und Strafklägers aus, dass sie aufhören sollten. Der Zivil- und Strafkläger wurde zu 
Boden gestossen und über den Boden gezogen. Die Auseinandersetzung verschob sich 
weiter zum F._____-Shop. Der Zivil- und Strafkläger lag auf dem Rücken und C._____ 
sass mit gespreizten Beinen auf der Brust des Zivil- und Strafklägers, wobei die Knie von 
C._____ rechts und links des Zivil- und Strafklägers am Boden waren. C._____ hielt die 
Arme des Zivil- und Strafklägers mit beiden Händen fest, so dass sich dieser nicht bewegen 
konnte. In dieser Zeit kickten der Beschuldigte und B._____ mehrfach den Zivil- und 

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Strafkläger, wobei jeder von ihnen auf einer Seite des Zivil- und Strafklägers stand. Der 
Beschuldigte trat den Zivil- und Strafkläger mehrfach mit den Füssen und zielte dabei 
gegen den Kopf und Oberkörper des Zivil- und Strafklägers. Seine Kickbewegungen 
erfolgten einmal mit links und einmal mit rechts. Zudem trat er auch von oben nach unten 
auf ihn ein. Er schlug mit dem Fuss wie mit einem Hammer auf den Zivil- und Strafkläger 
ein und trat ihn mit dem Fuss auf die linke Seite des Kopfes. B._____ kickte mehrmals in 
den Brustbereich des Zivil- und Strafklägers. C._____ schlug mit der Faust mehrmals 
gegen den Kopf des Zivil- und Strafklägers, währendem er auf dessen Brust sass. 
Irgendwann wurde der Zivil- und Strafkläger bewusstlos. Im Verlaufe der gesamten 
Auseinandersetzung biss der Zivil- und Strafkläger den Beschuldigten in zwei Finger der 
linken Hand und B._____ in den rechten Kleinfinger. 
 
Als die Ex-Freundin des Zivil- und Strafklägers aus dem Gebäude kam und ihn am Boden 
liegen sah, bat sie die Anwesenden, aufzuhören ihn zu schlagen. Sie ging näher und sah, 
dass der Beschuldigte etwas in der Hand hielt, worauf sie Angst bekam und retour ging. 
Als sie sich erneut den Streitenden näherte, sagte der Beschuldigte ihr, dass er sie auch 
schlagen würde, wenn sie näherkomme. Sie trat daher zurück und der Streit ging weiter. 
Zudem suchte der Beschuldigte am Boden seinen Schlüssel, welchen er zuvor in der Hand 
hielt und nun verloren hatte. Die Auseinandersetzung dauerte solange, bis schliesslich ein 
Taxi anhielt und der Taxichauffeur sowie sein Beifahrer hinzukamen und B._____ 
festhielten. C._____ und der Beschuldigte entfernten sich vom Tatort, konnten jedoch kurz 
darauf von der Polizei angehalten werden. Der Beschuldigte wusste, dass Fusstritte und 
Faustschläge gegen den Kopf, insbesondere bei einer Person, welche auf harten 
Pflastersteinen bzw. Asphalt liegt, erfahrungsgemäss schwere Verletzungen hervorrufen 
und nahm dies zumindest in Kauf. 
 
Der Zivil- und Strafkläger erlitt bei dieser Auseinandersetzung folgende Verletzungen als 
Folgen stumpfer Gewalt: Zahnwurzelfraktur, wodurch der 2. Schneidezahn am Unterkiefer 
links operativ entfernt werden musste; Bluterguss mit Weichteilschwellung an der Stirn 
rechts; Blutergüsse an beiden Geheimratsecken, links zusätzlich mit Schürfkomponente; 
Druckschmerzhaftigkeit an der gesamten Kopfhaut ohne objektivierbare Schwellung oder 
Verfärbungen der Haut; streifiger Bluterguss am Nasenrücken; Schleimhautläsion an der 
Unterlippeninnenseite links auf Höhe des 2. Schneidezahns; Schwellung und braune 
Verfärbung am Zahnfleisch des fehlenden 2. Schneidezahns im Unterkiefer links und 
Druckschmerzhaftigkeit des 1. Schneidezahns im Oberkiefer rechts; kleine, strichförmige 
Hautabschürfung rechts des Brustbeins; Druck- und/oder Bewegungsschmerz der rechten 
Schulter, des rechten Handgelenkes und der Wirbelsäule ohne objektivierbare Schwellung 
oder Verfärbungen der Haut; kleinflächige Hautabschürfung am rechten Daumenballen, 
am linken Handrücken, am linken Mittelfinger und an der rechten Unterschenkel-
aussenseite; Bluterguss an der linken Unterarmkleinfingerseite; flächige Hautab-
schürfungen über beide Knie sowie Weichteilschwellung des rechten Knies. 
 
C._____ erlitt als Folgen stumpfer Gewalt folgende Verletzungen: mehrere, überwiegend 
chirurgisch versorgte, Hautläsionen ohne Schürfsaum und glatten Wundrändern an der 
rechten Ohrmuschel aussen und innen; streifige Hautabschürfung an der rechten Wange; 
streifige, verkrustete Hautabschürfung mit zweizipfeligen Wundwinkeln und umgebender 
Hautrötung an der linken Rumpfaussenseite; runde, nebeneinander angeordnete 
Blutergüsse an den Schultervorderseiten, in Verlängerung der Achselhöhlen; bandförmiger 
Bluterguss an der linken Oberarmaussenseite; feinstreifige Hautabschürfung an der 
rechten Unterarmbeugeseite; kleinflächige Hautabschürfungen an beiden Knien und am 
rechten Ellenbogen sowie eine Lockerung des 1. Schneidezahns im Unterkiefer links (Zahn 
Nr. 31). 
 
Der Beschuldigte erlitt folgende Verletzungen als Folgen stumpfer Gewalt: oberflächliche, 
kleine Quetschwunde an der Stirn links; streifige Hautabschürfung hinter dem linken Ohr; 
landkartenartige Hautläsionen an der Kleinfingerseite des Mittel- und Ringfingers der linken 
Hand; kleinflächige Hautläsion an der Daumenseite des Mittelfingers der linken Hand; 

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flächige Hautabschürfungen am linken Handteller, an der Streckseite des rechten 
Mittelfingers und am linken Knie sowie eine kleinflächige Hautabschürfung am rechten 
Handrücken. 
 
B._____ erlitt als Folgen stumpfer Gewalt folgende Verletzungen: mässige 
Weichteilschwellung des gesamten rechten Kleinfingers; an der rechten 
Kleinfingerbeugeseite, auf Höhe des Mittelgelenkes und des Mittelgliedes, eine chirurgisch 
versorgte Hautläsion mit, soweit beurteilbar, unregelmässigen Wundrändern Und 
angrenzend eine runde Hautläsion sowie an der rechten Kleinfingerstreckseite, 
fingerspitzenabwärts des Mittelgelenkes, eine strichförmige, quer zur Fingerlängsachse 
verlaufende, braun verkrustete Hautläsion. 
 
[…] 
 
Straftatendossier 2: 
Ort: Q._____ 
Zeit: 02.01.2020, 02.25 Uhr 
Zivil- und Strafkläger: G._____ […] 
Strafantrag:  28.01.2020 
Deliktsgut:  Schlüssel 
Deliktsbetrag: CHF 200.00 
Sachschaden: CHF 1’000 00 
 
Am 02.01.2020, um 02.25 Uhr, warf der Beschuldigte einen Stein durch das Fenster des 
Spielsalons N._____ in Q._____, so dass dieses zu Bruch ging. Anschliessend griff der 
Beschuldigte durch das Fenster, betätigte den Fensterdrehgriff innenseitig und schob das 
Fenster nach oben. In der Folge gelangte der Beschuldigte durch das eingeworfene 
Fenster in den Spielsalon und begab sich direkt zum Kassenbereich, wo er die 
Kassenschublade durchsuchte und das Münzfach entfernte, um dort Bargeld oder andere 
Vermögenswerte an sich zu nehmen, um sich damit zu bereichern. Da diese Schublade 
jedoch leer war, nahm der Beschuldigte lediglich einen Schlüssel an sich und versuchte 
noch zwei weitere Schubladen zu öffnen, welche jedoch verschlossen waren. In der Folge 
verliess der Beschuldigte den Spielsalon mit dem Schlüssel via Einstieg. Der Wert des 
Schlüssels, welcher zu den Spielautomaten passt, beträgt ca. CHF 200.00 und der 
Sachschaden am Fenster ca. CHF 1'000.00. Der Beschuldigte verschaffte sich dadurch 
einem ihm nicht zustehenden Vermögensvorteil. 
 
[…] 

 

2. 

Mit Urteil vom 10. November 2022 erkannte das Bezirksgericht Aarau: 

 
1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 

1 StGB, 
- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB,  
- der Nötigung gemäss Art. 181 StGB, 
- des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, 
-  der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, 
- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, 
- der Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 

PBG. 
 
2. 

 - 5 - 

 

 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 24 MonatenFreiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Freiheitsstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre 
festgesetzt. 
 
[…] 
 
4. 
Die Untersuchungshaft von 3 Tagen (5. April 2020 bis 6. April 2020 sowie 11. Juni 2020) 
wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet.  
 
5. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 106 StGB teilweise i.V.m. Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer Busse von Fr. 2'000.00 
verurteilt. 
 
6. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen 
vollzogen. 
 
7. 
Der mit Urteil der Bundesanwaltschaft vom 10. Dezember 2018 für 10 Tagessätze 
Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 30.00 gewährte bedingte Vollzug wird gestützt 
auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen.  
 
Die widerrufene Geldstrafe von total Fr. 300.00 ist zu bezahlen. Wird die Geldstrafe nicht 
bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen vollzogen. 
 
8. 
Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes verwiesen. 
 
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) 
im Schengener Informationssystem angeordnet. 
 
9. 
9.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 1 A._____ Fr. 500.00 zzgl. 
Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 
 
Der Beschuldigte hat dem Zivil- und Strafkläger 1 A._____ zudem die gerichtlich auf 
Fr. 488.10 (inkl. Fr. 34.90 MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
9.2 
Die Zivilforderungen der Zivil- und Strafklägerin 2 G._____ AG werden auf den Zivilweg 
verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO). 
 
9.3 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 3 H._____ AG Fr. 110.00 als 
Schadenersatz zu bezahlen. 
 
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin 3 H._____ AG zudem die gerichtlich auf 
Fr. 50.00 festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 

  

 - 6 - 

 

 

10. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00 
b) der Anklagegebühr von Fr. 1'550.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 14'669.15 
d) andere Auslagen Fr.  2'017.50 
Total Fr.  20'736.65 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d im Gesamtbetrag von Fr. 6'067.50 auferlegt. 
 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 14'669.15 abzüglich der beiden 
Teilzahlungen von total Fr. 4'764.95, werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Ver-
teidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 lit. a StPO). 
 
11. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 9'904.20 zu 
Lasten der Staatskasse zugesprochen.  
 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 17. Mai 2023 beantragte der Beschuldigte, er 

sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung, des 

Raufhandels und des vollendeten Diebstahls sowie – was sich e contrario 

aus den beantragten Schuldsprüchen ergibt – der Nötigung freizusprechen. 

Er sei stattdessen – nebst den nicht angefochtenen Schuldsprüchen wegen 

Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Widerhandlung gegen das 

Personenförderungsgesetz – wegen versuchten Diebstahls schuldig zu 

sprechen. Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Bundesanwaltschaft 

vom 10. Dezember 2018 für die Geldstrafe von 10 Tagessätzen gewährten 

bedingten Strafvollzugs sei zu verzichten. Von der Landesverweisung 

sowie der Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) sei 

abzusehen und die Zivilklage abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu 

verweisen. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte reichte am 30. Oktober 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine partielle Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 7. November 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft, die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen.  

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 15. Februar 2024 zusammen mit den 

Berufungsverfahren i.S. B._____ (SST.2023.30) und C._____ 

(SST.2023.31) statt. A._____ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

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ST.2021.226 vom 19. Mai 2022 vom Vorwurf des Raufhandels rechtskräftig 

freigesprochen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die vorinstanzlichen 

Schuldsprüche wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Rauf-

handels, Nötigung und vollendeten Diebstahls und damit einhergehend die 

Strafzumessung, den Vollzug einer Widerrufsstrafe, die Zivilklage und die 

Landesverweisung. Nicht angefochten und somit im Berufungsverfahren 

nicht zu überprüfen sind die vorinstanzlichen Schuldsprüche wegen Hausf-

riedensbruchs, Sachbeschädigung und Widerhandlung gegen das 

Personenbeförderungsgesetz (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wurde mit Anklage vorgeworfen, sich am 4. April 2020 

kurz vor Mitternacht in Aarau an einem Raufhandel beteiligt zu haben und 

dabei auf A._____ – zusammen mit B._____ und C._____ – eingeschlagen 

und eingetreten zu haben. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt gemäss Anklageschrift grundsätzlich 

als erstellt erachtet. Gestützt darauf hat sie den Beschuldigten wegen 

Raufhandels und – in Mittäterschaft begangener – versuchter schwerer 

Körperverletzung schuldig gesprochen (vorinstanzliches Urteil E. 3 und 4). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Gemäss Art. 133 StGB wird bestraft, wer sich an einem Raufhandel 

beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge 

hat (Abs. 1). Ein Raufhandel ist nach der Rechtsprechung eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen. 

Strafbar macht sich, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv in einer Weise am 

Raufhandel teilnimmt, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern 

bzw. deren Intensität zu steigern (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2). Tätliche 

Auseinandersetzungen zwischen mehr als zwei Personen sind oft derart 

unübersichtlich, dass sich nicht nachweisen lässt, wer die Körperverletzung 

oder den Tod einer Person verursacht hat. Sinn und Zweck von Art. 133 

StGB ist, in solchen Situationen zu verhindern, dass die Verantwortlichen 

straflos bleiben. Aufgrund der Beweisschwierigkeiten ist bereits die 

Beteiligung am Raufhandel unter Strafe gestellt. Es handelt sich beim Rauf-

handel mithin um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, obschon ein Erfolg 

eintreten muss (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2 und Urteil des Bundesgerichts 

 - 8 - 

 

 

6B_1163/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.1.1, beide mit Hinweisen). Wer 

ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet, macht sich indessen 

nicht strafbar (Art. 133 Abs. 2 StGB). Dies ist der Fall, wenn eine Person 

sich zwar aktiv am Raufhandel beteiligt, dies jedoch ausschliesslich 

abwehrend oder trennend, d.h. ausschliesslich Schläge austeilt, um sich zu 

schützen, andere zu verteidigen oder Streitende zu scheiden (BGE 131 IV 

150 E. 2.1). Subjektiv ist Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. 

Der Vorsatz muss sich nur auf die objektiven Tatbestandsmerkmale 

beziehen, nicht aber auf die Todes- oder Körperverletzungsfolge (BGE 141 

IV 454 E. 2.3.2; BGE 139 IV 168 E. 1.1.1). Der Täter muss insbesondere 

erkennen und in Kauf nehmen, dass sich mehr als zwei Personen an der 

tätlichen Auseinandersetzung beteiligen (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2; BGE 106 

IV 246 E. 3b). 

 

2.3.2. 

Gemäss Art. 122 StGB [in der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] macht 

sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer vorsätzlich einen 

Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den Körper, 

ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend 

arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines 

Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine 

andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Eine lebens-

gefährliche Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung darf nur ange-

nommen werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt hat, in 

dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet hat, dass sie zur 

ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde, was aber nicht 

bedeutet, dass die Lebensgefahr notwendigerweise eine zeitlich unmittel-

bare, akute sein muss. Massgebend ist vielmehr die erhebliche Wahr-

scheinlichkeit des tödlichen Verlaufs (BGE 131 IV 1 E. 1.1). Vorsätzlich 

begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 

ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für 

möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB).  

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-

hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der 

Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten kann. 

Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektive Tatbestandsmerkmale 

und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle objektiven 

Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1159/2018 vom 18. September 2019 E. 2.2.2, nicht 

publ. in: BGE 145 IV 424; je mit Hinweisen).  

 

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Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von 

Faustschlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. 

Massgeblich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die 

Verfassung des Opfers. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

handelt es sich bei der Kopfregion um einen besonders sensiblen Bereich 

des menschlichen Körpers. Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen 

der Hirnregion, können demnach gravierende Folgen nach sich ziehen 

(Urteile des Bundesgericht 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.4; 

6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2). Das Bundesgericht hat 

mehrfach festgehalten, es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, 

dass Fusstritte und Faustschläge gegen den Kopfbereich eines am Boden 

liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt und den Kopf 

mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden Beein-

trächtigungen der körperlichen Integrität führen können (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1024/2017 E. 2.2.1; 6B_1180/2015 E. 4.1; 

6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.4; 6B_181/2015 vom 23. Juni 

2015 E. 2.3). Es ist jedoch nicht generell davon auszugehen, dass Schläge 

oder Tritte gegen den Kopf regelmässig zu schweren und bleibenden 

Schäden oder lebensgefährlichen Verletzungen führen, es sind stets die 

konkreten Tatumstände zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_161/2016 vom 12. Oktober 2016 E. 1.4.1 f.). Im Übrigen setzt die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung für die Erfüllung des Tatbestandes der 

versuchten schweren Körperverletzung nicht voraus, dass neben den 

eigentlichen Fusstritten oder Schlägen gegen den Kopf ein aggravierendes 

Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des 

Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung 

mehrerer Personen, hinzutreten muss (Urteile des Bundesgerichts 

6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2; 6B_1180/2015 vom 13. 

Mai 2016 E. 4.1; je mit Hinweisen). 

 

Eine (versuchte) schwere Körperverletzung kann nicht nur eigenhändig, 

sondern auch in Mittäterschaft begangen werden. Nach der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, 

Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender 

Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter 

dasteht. Nach den Umständen des konkreten Falls muss der Tatbeitrag des 

Mittäters als für die Ausführung des Delikts wesentlich erscheinen. Das 

blosse Wollen der Tat allein genügt nicht; es ist allerdings nicht erforderlich, 

dass der Mittäter an der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu 

beeinflussen vermag. Die Mittäterschaft setzt einen gemeinsamen Tatent-

schluss voraus, der indessen nicht notwendigerweise ausdrücklich sein 

muss, sondern sich auch im konkludenten Handeln äussern kann, wobei 

Eventualvorsatz bezüglich des Erfolgs genügt. Es ist nicht erforderlich, 

dass der Mittäter an der Planung des Delikts beteiligt ist; er kann später 

dazu stossen. Es ist auch nicht notwendig, dass von Beginn an ein Vorsatz 

besteht; der Mittäter kann sich den Vorsatz während der Ausführung zu 

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eigen machen. Massgeblich ist, dass der Mittäter am Entschluss, ein Delikt 

zu begehen, oder an seiner Ausführung unter Umständen oder in einem 

Mass beteiligt ist, die ihn nicht als weiteren Beteiligten, sondern als 

Hauptbeteiligten erscheinen lassen (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1). Erscheint 

die Tat demnach als Ausdruck eines gemeinsamen Willens und Handelns, 

ist jeder der Mittäter für die Tat als Ganzes verantwortlich (BGE 120 IV 17 

E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 

1.2.2). Auch an spontanen, nicht geplanten Aktionen oder unkoordinierten 

Straftaten ist Mittäterschaft möglich (Urteile des Bundesgerichts 

6B_759/2021 vom 16. Dezember 2021; 6B_180/2011 vom 5. April 2012 E. 

2.2 [nicht publ. in BGE 138 IV 113]). 

 

2.4. 

2.4.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es am 

4. April 2020 gegen Mitternacht in Aarau zu einer tätlichen 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten, den beiden Mitbe-

schuldigten B._____ und C._____ sowie A._____ gekommen ist. Erstellt 

und unbestritten geblieben sind zudem die nach der Auseinandersetzung 

durch Dr. med. I._____, Dr. med. L._____ und Dr. med. M._____ vom 

Institut für Rechtsmedizin im Kantonsspital Aarau festgestellten und in den 

jeweiligen Gutachten vom 7. Mai 2020 dokumentierten Verletzungen des 

Beschuldigten, der beiden Mitbeschuldigten (B._____ und C._____) und 

A._____ (UA act. 73 ff., act. 107 ff. act. 147 ff., act. 159 ff.). 

 

Umstritten ist mit Blick auf den Tatbestand des Raufhandelns und der 

versuchten schweren Körperverletzung jedoch, welche Handlungen der 

Beschuldigte und die Mitbeschuldigten begangen haben und welches die 

Rolle des Beschuldigten während dieser Auseinandersetzung war. 

 

2.4.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach einer objektiven 

Sachlage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Der Grundsatz 

«in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des 

urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 

worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante 

Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu begründen 

vermag (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

 - 11 - 

 

 

2.4.3. 

Mit der Vorinstanz bestehen keine Zweifel daran, dass sich der 

Beschuldigte aktiv an der tätlichen Auseinandersetzung zwischen ihm, den 

beiden Mitbeschuldigten (B._____ und C._____) und A._____ beteiligt hat. 

 

Die Vorinstanz hat die Aussagen von J._____ (vorinstanzliches Urteil E. 

2.3.5), K._____ (vorinstanzliches Urteil E. 2.3.6), A._____ (vorinstanzliches 

Urteil E. 2.3.4) sowie des Beschuldigten (vorinstanzliches Urtiel E. 2.3.1) 

zusammengefasst. Darauf kann verwiesen werden.  

 

2.4.3.1. 

Mit der Vorinstanz ist auf die im Kerngeschehen konstanten, detaillierten 

und widerspruchsfreien und damit glaubhaften Aussagen des Zeugen 

J._____, der selber nicht an der Tat beteiligt war und als die neutralste 

Person zu werten ist, abzustellen: 

 

Der Mitbeschuldigte B._____ habe angefangen, A._____ wegzustossen 

(UA act. 314; UA act. 350 und 352, wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, 

B._____ als denjenigen identifizierte, der zuerst gestossen habe; Protokoll 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7, wonach 

die drei mit dem Schubsen angefangen hätten, er aber nicht mehr wisse, 

welcher angefangen habe). Danach sei es von beiden Seiten zu Faust-

schlägen gekommen, wobei der Mitbeschuldigte C._____ mit den Faust-

schlägen begonnen habe (UA act. 314; UA act. 349 f. und 353, wonach 

J._____ auf Vorlage von Fotos, C._____ als denjenigen identifizierte, der 

begonnen habe mit den Fäusten; vgl. Protokoll der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7 f., wobei er nicht mehr wisse, wer 

angefangen habe). Als er habe filmen wollen, hätte ihn der Mitbeschuldigte 

B._____ entdeckt und weggeschickt. Er habe sich versteckt und sei dann 

zurückgekommen (UA act. 314; UA act. 350, wonach J._____ auf Vorlage 

von Fotos, B._____ als denjenigen identifizierte, der ihn weggeschickt 

habe; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, 

S. 12, wonach B._____ ihm gedroht habe; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 13, wonach B._____ ihn habe schlagen wollen). A._____ 

sei dann am Boden gelegen. Sie hätten ihn getreten (UA act. 315 f.; UA 

act. 350; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 

2022, S. 8 f.). Der Mitbeschuldigte C._____ sei auf A._____ draufgesessen 

und habe ihn mit Fäusten gegen den Kopf geschlagen (UA act. 315 f.; UA 

act. 347 und 350 f., wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, C._____ als 

denjenigen identifizierte, der auf A._____ draufgesessen sei) und ihn 

festgehalten, sodass er sich nicht habe bewegen können (UA act. 352). Der 

Beschuldigte und der Mitbeschuldigte B._____ hätten im Kopf- und 

Schulterbereich auf ihn eingekickt (UA act. 316; UA act. 350 f., wonach 

J._____ auf Vorlage von Fotos, den Beschuldigten und B._____ als 

diejenigen identifizierte, die gekickt haben; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 9, wonach der Abwesende 

 - 12 - 

 

 

[Beschuldigter] und B._____ gegen den Oberkörper gekickt hätten). Es 

seien dann Personen mit einem Motorrad gekommen (UA act. 316; UA 

act. 356; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 

2022, S. 10; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 14).  

 

Der Zeuge J._____ schilderte den Vorfall vor allem in den zwei tatnächsten 

Einvernahmen detailliert. Er konnte Nebensächlichkeiten schildern. Die 

Gruppe sei beim Schild des E._____ Shops gestanden (UA act. 314) oder 

dass er die Kinder habe weinen hören (UA act. 356). Zudem war es ihm 

möglich, die Auseinandersetzung mit den örtlichen Verhältnissen zu 

verknüpfen, wonach es beim E._____ Shop angefangen habe, sich danach 

zur Statue und schliesslich weiter zum F._____ Shop verlagert habe (UA 

act. 315, 350 und 355). Dabei gab der Zeuge J._____ seine eigenen 

psychischen Vorgänge wieder. Er sei im Schockzustand gewesen und 

habe Herzrasen gehabt. Dadurch habe er vergessen den Knopf für die 

Aufnahme zu drücken (UA act. 354). In dieser Hinsicht machte er sich denn 

auch Selbstvorwürfe, weil er es nicht geschafft habe, die Auseinander-

setzung zu filmen, obwohl es – seiner Ansicht nach – seine Aufgabe 

gewesen wäre (UA act. 354 f.). Nicht zuletzt äusserte er sich, wenn er 

etwas nicht (mehr) wusste. Alsdann ist kein Motiv des Zeugen J._____ zu 

erkennen, jemanden falsch belasten oder entlasten zu wollen. Er steht in 

keinem besonders nahen Verhältnis zu A._____, zum Beschuldigten oder 

zu den beiden Mitbeschuldigten. Der Zeuge J._____ hat zwar angegeben, 

dass A._____ ein Kollege von ihm sei, erweckt aber mit seinen 

Äusserungen nicht den Anschein, dass es sich um eine enge freund-

schaftliche Beziehung handelt. Gelegentliches gemeinsames Essen oder 

Telefongespräche zwischen A._____ und J._____ sprechen dem Zeugen 

seine Glaubwürdigkeit nicht ab. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die 

auf eine Befangenheit des Zeugen J._____ hindeuten würden. Der Zeuge 

äusserte sich denn auch hinsichtlich des Beitrags von A._____ dahin-

gehend belastend, dass dieser recht geladen gewesen sei, als er zu der 

Gruppe ging (UA act. 352).  

 

An den glaubhaften Aussagen des Zeugen J._____ ändert nichts, dass er 

anlässlich seiner ersten Einvernahme ausgesagt hat, der Kleinste sowie 

die Person mit der schwarz/weissen Jacke – den er zuvor als den 

Mittelgrossen (den tatsächlichen Grössenverhältnissen nach wohl 

C._____) bezeichnet hatte (UA act. 315) – hätten A._____ getreten, 

während der Grösste (den tatsächlichen Grössenverhältnissen nach wohl 

der Beschuldigte) auf ihm gesessen habe (UA act. 316), zumal Grössen-

verhältnisse in einer Schlägerei zufolge des regen Bewegens der 

Beteiligten keine verlässliche Angabe darstellen. Er stellte dies denn auch 

– als ihm die Fotos der Beschuldigten das erste Mal im Rahmen der zweiten 

Einvernahme vorgelegt wurden – umgehend richtig und äusserte sich 

dahingehend, dass es sich bei der Person mit der schwarz/weissen Jacke 

um den Beschuldigten – und folglich nicht um den Mitbeschuldigten 

 - 13 - 

 

 

C._____ – gehandelte habe (UA act. 347). Dieser habe zusammen mit dem 

Mitbeschuldigten B._____ den am Boden liegenden A._____ mit Füssen 

getreten, während der Mitbeschuldigte C._____ auf A._____ gesessen 

habe. Dies bestätigte er anlässlich der zweiten Einvernahme mehrmals (UA 

act. 350, Frage 46 sowie Frage 49; UA act. 351, Frage 55; UA act. 352, 

Fragen 63, 64 und 65; UA act. 356, Fragen 94 und 97). Ebensowenig sind 

die Abweichungen in seinen Aussagen vor Vorinstanz sowie im Rahmen 

der Berufungsverhandlung im Vergleich zu seinen zwei tatnächsten 

Aussagen geeignet, die Glaubhaftigkeit seiner überwiegend kongruenten 

Aussagen in Frage zu stellen: Er äusserte sich insofern abweichend, als er 

davon ausging, dass es keine Faustschläge mehr gegeben habe, als 

A._____ am Boden gelegen habe (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 9), dass A._____ nicht gegen den 

Kopf gekickt worden sei (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, 

S. 9; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 13), dass er die gesamte 

Schlägerei gesehen habe (Protokoll der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung, S. 10) oder dass er nicht mehr genau sagen könne, wer auf 

A._____ draufgesessen sei bzw. er nach mehrmaliger Nachfrage auf 

B._____ zeigte, wobei er nicht mehr wisse, was C._____ gemacht habe 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f.). Die vorinstanzliche Haupt-

verhandlung fand zwei Jahre und die Berufungsverhandlung rund vier 

Jahre nach dem Ereignis statt. Dabei ist es offenkundig, dass nach einer 

so langen Zeitspanne die Erinnerung an einzelne Handlungen eines 

dynamischen Ereignisses wie einer Schlägerei, wo Schläge und Tritte von 

allen Seiten her fielen, nicht mehr im Detail wiedergegeben werden kann. 

Es ist auf seine frühen und tatnächsten Aussagen abzustellen. Entgegen 

den Ausführungen des Beschuldigten (Berufungsbegründung S. 4) war es 

dem Zeugen J._____ aufgrund seines ursprünglichen Standorts nahe der 

Auseinandersetzung zudem durchaus möglich, die Beteiligung des 

Beschuldigten an der Auseinandersetzung festzustellen; dies sodann auch 

nachdem er kurz weggerannt war, sich dem Geschehen dann aber wieder 

genähert hatte und die Auseinandersetzung wiederum bewusst hat 

beobachten können (vgl. UA act. 355). Dass er – wie er selbst aussagte – 

kurzzeitig, als er zwischen den Toren war, nichts sehen konnte, ändert 

nichts daran, zumal er das Geschehen zuvor und danach sehen konnte 

(UA act. 355).  

 

2.4.3.2. 

Damit übereinstimmend sagte A._____ schlüssig und nachvollziehbar aus, 

dass er während der Auseinandersetzung vom Beschuldigten und den 

beiden Mitbeschuldigten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und, 

als er am Boden gelegen und eine Person ihn festgehalten habe, auch mit 

den Füssen gegen den Kopf, den Oberkörper und gegen die Beine getreten 

worden sei (UA act. 301, 303; Protokoll der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung vom 19. Mai 2022, S. 21 und 24; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 5 ff.). Als er den zwei bzw. drei Beschuldigten an der 

 - 14 - 

 

 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022 bzw. der 

Berufungsverhandlung gegenüberstand, identifizierte er den 

Mitbeschuldigten C._____ als denjenigen, der sich auf ihn gesetzt und ihn 

festgehalten habe, als er am Boden gelegen habe (Protokoll der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 23 f.; Protokoll 

der Berufungsverhandlung, S. 5-7). Der Beschuldigte und der 

Mitbeschuldigte B._____ hätten gegen seinen Oberkörper, die Beine und 

den Kopf getreten (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 

19. Mai 2022, S. 23 f., wonach ihn beide gegen den Kopf getreten hätten; 

Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5-7, wonach B._____ ihn auf die 

Füsse und die Knie geschlagen habe, während D._____ ihm gegen den 

Kopf getreten habe). Dass seine Aussagen hinsichtlich der einzelnen 

Tatbeiträge des Beschuldigten bzw. der beiden Mitbeschuldigten nicht im 

gesamten Verfahren kongruent erscheinen und er sich insbesondere 

anders dazu äusserte, ob eine oder zwei Personen Tritte gegen seinen 

Kopf ausgeführt haben, ist insofern nachvollziehbar, als im Zeitpunkt der 

gerichtlichen Verhandlungen bereits zwei bzw. rund vier Jahre vergangen 

waren, sein Fokus während der Auseinandersetzung darauf lag, sich zu 

schützen und nicht darauf, zu schauen, wer welche Schläge/Tritte austeilt 

und er im Übrigen erst während den Einvernahmen vor Gericht die 

Beschuldigten bildlich vor sich hatte, nachdem dies im Vorverfahren nicht 

der Fall war. Das ändert nichts am basierend auf den glaubhaften 

Aussagen des Zeugen J._____ erstellten Sachverhalt, wonach der 

Beschuldigte und der Mitbeschuldigte B._____ A._____ gegen den Kopf 

getreten haben (vgl. oben). 

 

2.4.3.3. 

Ebenso im Kerngeschehen – für die Zeit ihrer Beobachtung – 

übereinstimmend sagte die Zeugin K._____ schlüssig und nachvollziehbar 

aus: Als sie nach draussen gegangen sei, sei A._____ bereits auf dem 

Boden gelegen und die drei Beschuldigten hätten auf ihn eingeschlagen. 

Einer habe ihn festgehalten und die anderen beiden hätten mit den Füssen 

gegen seinen Kopf getreten (UA act. 321, 324 f.; Protokoll der vorin-

stanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 14, 16 f.; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 17 f., 20). Zu den jeweiligen Tatbeiträgen 

äusserte sich die Zeugin zwar grossmehrheitlich konstant, jedoch auf den 

ersten Blick im Widerspruch zu den Aussagen des Zeugen J._____ 

dahingehend, dass B._____ auf A._____ gesessen habe, während die 

anderen beiden ihn mit den Füssen getreten hätten. Nachdem sich der 

Mitbeschuldigte C._____ selbst (vorinstanzliches Protokoll der 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 31) in Übereinstimmung mit dem 

Zeugen J._____ und A._____ (vgl. oben) dahingehend äusserte, dass er 

auf dem Bauch von A._____ gekniet sei und die Hände festgehalten habe, 

ist davon auszugehen, dass die Zeugin K._____ zwei der drei Beteiligten 

(C._____ und B._____) miteinander verwechselt hat. Das ist denn auch 

umso verständlicher, zumal sie wahnsinnig im Stress gewesen sei, ihre 

 - 15 - 

 

 

Kinder geweint hätten und sie vom Beschuldigten bedroht worden sei 

(vorinstanzliches Protokoll der Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 16; 

vgl. unten). Dass die Zeugin K._____ aussagte, den Beschuldigten nicht 

schlagen gesehen zu haben (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 18 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 18) bzw. dass einer auf A._____ gewesen sei, der andere 

getreten habe und der Beschuldigte ihr gedroht habe (Protokoll der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 14 und 16), 

erscheint bei einer gesamthaften Betrachtung nicht als Widerspruch, haben 

sich ihre Äusserung doch nicht auf die ganze Dauer der Auseinander-

setzung bezogen, sondern jenen, als sie vom Beschuldigten bedroht 

worden war (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 20, wonach ein 

Mann ihn von der einen Seite und ein anderer ihn von der anderen Seite 

geschlagen habe).  

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten ist ein Motiv für eine falsche 

Aussage der Zeugin K._____ nicht erkennbar. Es ist zwar so, dass sie und 

A._____ gemeinsame Kinder haben. Sie sind jedoch seit mehreren Jahren 

getrennt und der Kontakt zu A._____ sei nur wegen den gemeinsamen 

Kindern vorhanden (UA act. 321, 322; Protokoll der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung vom 19. Mai 2022, S. 13; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 16). Auch wenn ihre Aussagen mit einer gewissen Zurück-

haltung zu würdigen sind, ist bei ihr kein Belastungseifer auszumachen und 

auch sonst liegen keine Anhaltspunkte für eine bewusste Falschaussage, 

eine falsche Anschuldigung oder Begünstigung vor.  

 

2.4.3.4. 

Die im medizinischen Gutachten beschriebenen Verletzungen von A._____ 

stehen sodann im Einklang mit den obigen Schilderungen des Zeugen 

J._____, die von der Zeugin K._____ sowie von A._____ bestätigt wurden. 

 

A._____ hat mehrere Verletzungen im Kopfbereich (Blutergüsse, 

Weichteilschwellungen und Schürfkomponenten an der Stirn, Druck-

schmerzhaftigkeit an der gesamten Kopfhaut, Bluterguss am Nasenrücken) 

und mehrere Verletzungen im Mundbereich (Schleimhautverletzungen an 

der Unterlippeninnenseite, Schwellungen und braune Verfärbungen am 

Zahnfleisch, im Unterkiefer und Druckschmerzhaftigkeit) erlitten. Zudem 

war seine Zahnprothese nach der Auseinandersetzung defekt (UA act. 

163). Diese Verletzungen, die sich A._____ nicht selbst beigebracht hat, 

lassen sich gestützt auf das medizinische Gutachten «plausibel durch 

mehrere Faustschläge und/oder Fusstritte gegen den Kopf erklären» (UA 

act. 164), wobei die Zahnschäden und die Schäden an der Prothese sich 

nicht allein durch die zugestandenen Bisse von A._____ in die Finger der 

beiden Mitbeschuldigten erklären liessen. Vielmehr würden die bei B._____ 

und C._____ festgestellten Verletzungen dafür sprechen, dass die 

Prothese zum Zeitpunkt der Bisse bereits defekt war (UA act. 164). Ebenso 

 - 16 - 

 

 

seien die Verletzungen am Oberkörper (Druckschmerzhaftigkeit und 

Bewegungsschmerzen der rechten Schulter, des rechten Handgelenkes 

und der Wirbelsäule sowie Taubheitsgefühle an der Aussenseite des 

rechten Armes) «durch die Schläge, Tritte und / oder Stürze zu Boden im 

Rahmen der Auseinandersetzung zu erklären» (UA act. 165). 

 

2.4.3.5. 

Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich hingegen sowohl in Bezug 

auf seine Handlungen als auch seine Rolle während der Auseinander-

setzung als widersprüchlich, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann 

bzw. seine verharmlosenden oder ihn als Täter ausschliessenden 

Aussagen als Schutzbehauptungen zu qualifizieren sind. 

 

So sagte der Beschuldigte in der ersten Einvernahme vom 6. April 2020 

aus, A._____ habe ihn am Nacken gepackt und nach vorne geschleudert 

(UA act. 277). Im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte er 

aus, A._____ sei zu ihm und den beiden Mitbeschuldigten gekommen und 

habe sie beleidigt, wobei der Mitbeschuldigte C._____ versucht habe, ihm 

zu antworten und der Beschuldigte daraufhin C._____ gesagt habe, er solle 

nicht weiter mit A._____ diskutieren (VA act. 560, 561). Erste Widersprüche 

in den Aussagen des Beschuldigten zeigen sich folglich bereits im Hinblick 

auf den Beginn der Auseinandersetzung. Der Beschuldigte schilderte 

sodann in der ersten Einvernahme, dass er danach zu Boden gefallen sei, 

A._____ habe ihn weiterschlagen wollen, aber einer seiner Kollegen habe 

ihm geholfen und ihn gerettet; welcher das gewesen sei, wisse er nicht 

mehr (UA act. 277). Später sagte er dann aber aus, er könne sich erinnern, 

dass der Mitbeschuldigte C._____ ihn gerettet habe (UA act. 279). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte er wiederum aus, 

dass es ihm selbst gelungen sei, sich von A._____ zu lösen (VA act. 560), 

wobei er in einem späteren Zeitpunkt wiedergab, dass die beiden 

Mitbeschuldigten ihm geholfen hätten, wieder aufzustehen (VA act. 561). 

Als er dann aufgestanden sei, sei er nicht mehr an der Streiterei beteiligt 

gewesen (VA act. 561). Vor Obergericht sagte der Beschuldigte dann aus, 

dass A._____ sie (die Beschuldigten) geschlagen habe, sie hätten ihn nicht 

geschlagen. Für die unbestrittenen Verletzungen von A._____ hatte der 

Beschuldigte allerdings keine Erklärung (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 31). Hinsichtlich des Endes der Auseinandersetzung 

äusserte sich der Beschuldigte in der ersten Einvernahme dahingehend, 

dass er und C._____ weggelaufen seien. Der Dritte, B._____, sei 

dortgeblieben, weil «derjenige der uns geschlagen hat» (A._____), 

B._____ am Ende der Auseinandersetzung festgehalten habe (UA act. 277 

und 282). Demgegenüber äusserte er sich an der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung dahingehend, dass er und die beiden Mitbeschuldigten 

weggegangen und A._____ sowie seine Frau (Zeugin K._____) hinter-

hergekommen seien (VA act. 561 f.). 

 

 - 17 - 

 

 

2.4.3.6. 

Nach dem Gesagten ist in sachverhaltlicher Hinsicht erstellt, dass es 

zwischen dem Beschuldigten, den beiden Mitbeschuldigten B._____ und 

C._____ sowie A._____ zu einer gegenseitigen, wechselseitigen 

Auseinandersetzung gekommen ist, bei der der Beschuldigte aktiv 

mitgewirkt hat, indem er im Verlauf der Auseinandersetzung Faustschläge 

und Fusstritte gegen den Kopf und Oberkörper von A._____ ausgeteilt hat. 

Mithin war es dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten B._____ – 

aufgrund des Festhaltens des auf dem Boden liegenden A._____ durch 

den Mitbeschuldigten C._____ – möglich, ungehemmt mit den Füssen 

mitunter in Form von Kickbewegungen gegen den Oberkörper und den 

Kopf von A._____ einzutreten.  

 

2.5. 

2.5.1. 

Gestützt auf den erstellten Sachverhalt steht fest, dass sich der Beschul-

digte an einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung zwischen 

ihm, B._____, C._____ und A._____, bei dem alle vier Beteiligten 

Verletzungen (darunter solche, bei denen es sich mindestens um einfache 

Körperverletzungen im Sinne der Strafbarkeitsbedingung handelt) erlitten 

haben, aktiv beteiligt und damit den objektiven Tatbestand des Rauf-

handels gemäss Art. 133 StGB erfüllt hat. Fest steht auch, dass der 

Beschuldigte nicht bloss abgewehrt oder die Streitenden auseinander-

gehalten hat. Subjektiv hat der Beschuldigte im Wissen um die tätliche 

Auseinandersetzung gehandelt und das auch gewollt. Er ist somit wegen 

Raufhandels gemäss Art. 133 StGB schuldig zu sprechen. Daran ändert 

auch nichts, dass A._____ mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

ST.2021.226 vom 19. Mai 2022 vom Vorwurf des Raufhandels rechtskräftig 

freigesprochen worden ist (vgl. Art. 133 Abs. 2 StGB, wonach nicht strafbar 

ist, wer sich bloss als Abwehrender an einem Raufhandel beteiligt; BGE 

137 IV 1 E. 4.2.2), was vom Obergericht nicht zu überprüfen ist. 

 

2.5.2. 

Der Beschuldigte hat gestützt auf den erstellten Sachverhalt sodann auch 

den objektiven und subjektiven Tatbestand der versuchten schweren 

Körperverletzung gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 22 StGB – begangen in 

Mittäterschaft mit den Mitbeschuldigten B._____ und C._____ – erfüllt. 

 

Auch wenn die Auseinandersetzung mit A._____ nicht zum vornherein 

geplant war und selbst wenn der Beschuldigte zu Beginn zu schlichten 

versucht hätte (Berufungsbegrünung S. 4), zeigt sich aufgrund des Ablaufs 

und der erstellten Handlungen des Beschuldigten und der beiden 

Mitbeschuldigten B._____ und C._____, dass diese nicht einfach 

unabhängig voneinander agiert haben, sondern den sich stets steigernden 

Konflikt letztlich ganz bewusst gemeinsam gegen A._____ ausgetragen 

haben, so dass alle Beschuldigten als Hauptbeteiligte und damit Mittäter 

 - 18 - 

 

 

anzusehen sind: Der Beschuldigte teilte zusammen mit den 

Mitbeschuldigten C._____ und B._____ wechselseitig Schläge gegen 

A._____ aus. Als dieser auf dem Boden lag und C._____ die Arme von 

A._____ festhielt, sodass dieser sich nicht mehr wehren konnte, kickten der 

Beschuldigte und der Mitbeschuldigte B._____ mehrfach auf A._____ ein. 

Dieses Vorgehen der Beteiligten ermöglichte es ihnen, koordiniert auf 

A._____ einzutreten, indem ihn einer am Boden festhielt und nahezu 

unbeweglich und wehrlos machte, und die anderen beiden, darunter der 

Beschuldigte, von beiden Seiten auf ihn eintraten. Der Beschuldigte wirkte 

folglich vorsätzlich und in massgebender Weise bei der Tatausführung mit, 

wobei die Tatausführung durch die Beteiligten gemeinsam erfolgte. Ist – 

wie vorliegend – von Mittäterschaft auszugehen, sind dem Beschuldigten 

auch die Tathandlungen der anderen beiden Mittäter B._____ und C._____ 

anzurechnen. 

 

Durch die Faustschläge und Fusstritte des Beschuldigten sowie der beiden 

Mitbeschuldigten gegen A._____, hat dieser mehrere Verletzungen unter 

anderem im Kopfbereich erlitten (vgl. medizinisches Gutachten, UA act. 

163, vgl. vorstehend E. 2.4.1). Gemäss dem medizinischen Gutachten 

konnten bei A._____ relevante Verletzungen des Hirnschädels und des 

Gehirns ausgeschlossen werden und es ergaben sich keine Anhaltspunkte 

für das Vorliegen einer konkreten Lebensgefahr. Dem Gutachten ist jedoch 

zu entnehmen, dass Schläge gegen den Kopf, neben den von aussen 

sichtbaren Verletzungen, grundsätzlich auch zu Schädel-Hirn-Verletzun-

gen führen, die, je nach Lokalisation und Ausdehnung, unter Umständen 

tödlich enden können (UA act. 165). Die Intensität der Fusstritte wurde 

durch A._____ als «wie mit einem Hammer» ausgeführt, beschrieben (UA 

act. 301). Der Zeuge J._____ beschrieb die Intensität der Faustschläge als 

extrem, die Beschuldigten hätten voll auf A._____ eingeschlagen und 

eingetreten (UA act. 317), resp. als «brutal» (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7). Auf Nachfrage der Vorinstanz 

hin schätzte der Zeuge J._____ die Intensität der Fusstritte auf einer Skala 

von 1 bis 10 auf 8 ein (UA act. 351). Die Zeugin K._____ schätzte die 

Intensität der Schläge und Tritte auf einer Skala von 1 bis 10 gar auf 9 ein 

(UA act. 326). 

 

Die mit einer erheblichen Intensität gegen den Kopf ausgeführten Schläge 

und Tritte des ohne Abwehrmöglichkeit am Boden liegenden bzw. fixierten 

A._____ waren zweifellos geeignet, ihm eine schwere Körperverletzung mit 

Todesfolgen, wie etwa eine Schädel-Hirn-Verletzung (vgl. auch 

medizinisches Gutachten, UA act. 165), zuzufügen. Der Beschuldigte und 

die beiden Mitbeschuldigten B._____ und C._____ nahmen als Mittäter 

handelnd den Eintritt lebensbedrohlicher Verletzungen zumindest in Kauf, 

als sie während der Auseinandersetzung zunächst mehrfach Faustschläge 

und danach mehrfach Fusstritte gegen den Kopfbereich von A._____ 

erteilten, zumal dieser für die Beteiligten offensichtlich wehrlos am Boden 

 - 19 - 

 

 

lag, da er durch den Mitbeschuldigten C._____, der auf ihm sass, fixiert 

wurde. Der Beschuldigte und die beiden Mitbeschuldigten führten die 

Fusstritte und Faustschläge völlig unkontrolliert aus und es war während 

dieser dynamischen Auseinandersetzung für die Beteiligten unmöglich, die 

Faustschläge und Fusstritte derart gezielt durchzuführen, sodass mögliche 

lebensbedrohliche Verletzungen hätten vermieden werden können. Indem 

sie mehrmals auf den Kopf- und Brustbereich von A._____ einschlugen und 

– als dieser wehrlos am Boden lag – mit den Füssen eintraten, kann 

vernünftigerweise nur davon ausgegangen werden, dass sie derartige 

Verletzungen auch als möglich erkannt und mindestens in Kauf genommen 

haben, zumal sie von A._____ erst abgehalten haben, als Drittpersonen 

eingegriffen haben. Dass A._____ keine schweren Verletzungen erlitten 

hat, bleibt unter den vorliegenden Umständen ohne Bedeutung, da es in 

der Natur der Sache liegt, dass der tatbestandliche Erfolg bei einem 

Versuch nicht eintritt. 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte der versuchten schweren 

Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

 

2.6. 

Zwischen den Tatbeständen des Raufhandels und den Körperverletzungs-

delikten besteht echte Konkurrenz, weil beim Raufhandel nicht nur die 

verletzte Person, sondern alle Beteiligten und auch Dritte zumindest 

abstrakt gefährdet werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_555/2018 vom 

11. September 2018 E. 2.2.1; BGE 118 IV 227 E. 5b; BGE 83 IV 192). 

 

Der Beschuldigte ist folglich sowohl wegen Raufhandels gemäss Art. 133 

StGB als auch versuchter schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 

i.V.m. Art. 22 StGB zu verurteilen. 

 

3.  

3.1. 

Dem Beschuldigten wurde mit Anklage vorgeworfen, der anlässlich des 

Vorfalls vom 4. April 2020 herbeieilenden Ex-Freundin von A._____, 

K._____, gesagt zu haben, dass wenn sie näherkomme, er auch sie 

schlagen werde. 

 

3.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich dieses Vorwurfs wegen 

Nötigung nach Art. 181 StGB schuldig gesprochen. Sie ging im 

Wesentlichen gestützt auf die Zeugenaussagen von K._____ davon aus, 

dass der Beschuldigte ihr gedroht habe, sie ebenfalls zu schlagen, falls sie 

näherkommen würde. Damit habe er sie durch Androhung ernstlicher 

Nachteile, namentlich der Beeinträchtigung ihrer körperlichen Unversehrt-

heit, dazu genötigt, nicht in das Geschehen einzugreifen. K._____ habe 

 - 20 - 

 

 

sich verängstigt gefühlt und von ihrem Vorhaben aufgrund der Drohung 

abgesehen. 

 

3.3. 

Eine Nötigung nach Art. 181 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt 

oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung 

seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu 

dulden. Zwischen Nötigungsmittel und Nötigungserfolg muss ein Kausal-

zusammenhang bestehen. In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, 

dass der Täter mit Vorsatz handelt, das heisst, dass er im Bewusstsein um 

die Unrechtmässigkeit seines eigenen Verhaltens, sein Opfer zu einem 

bestimmten Verhalten zwingen will; Eventualvorsatz genügt (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_28/2021 vom 29. April 2021 E. 2.1 mit weiteren 

Hinweisen). 

 

3.4. 

Angesichts der Aussagen der Zeugin K._____ und des Beschuldigten ist 

nicht erstellt, dass eine Androhung eines Übels durch den Beschuldigten 

gegenüber der Zeugin stattgefunden hat: K._____ hat den Vorfall 

mehrmals geschildert, wobei sie einmal erwähnt hat, dass der Beschuldigte 

ihr gedroht habe, er würde sie schlagen, wenn sie näherkomme, wobei sie 

sich dabei nicht ganz sicher gewesen zu sein schien. K._____ schilderte, 

dass der Grösste der drei Männer «etwas wie ein Messer in der Hand» 

gehabt habe und sie aufgrund dessen Angst vor ihm gehabt habe und 

retour gegangen sei. Sie sei hin und her gerissen gewesen, ob sie bei 

A._____ bleiben oder zu den Kindern gehen solle (UA act. 321). Sie habe 

versucht näher zu gehen, dann habe sie der ganz grosse Mann 

(Beschuldigter) bedroht und sie habe nichts machen können. Er habe sie 

angeschrien und gesagt, sie solle nicht näherkommen und weggehen (UA 

act. 324, Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 17). Im weiteren Verlauf 

der ersten Einvernahme beschrieb K._____, dass der Beschuldigte etwas 

in der Hand gehalten und ihr gesagt habe, dass sie nicht näherkommen 

solle, ansonsten er sie schlagen werde, woraufhin sie zurücktrat (UA act. 

330). Im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte K._____ 

aus, der Beschuldigte habe ihr gedroht, sie wisse jedoch nicht genau, was 

er in der Hand gehabt habe. K._____ schilderte, dass der Beschuldigte 

sofort zu ihr gekommen sei und ihr gedroht habe («du musst nicht in die 

Nähe von ihm kommen»; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

vom 19. Mai 2022, S. 15). Sie habe Angst gehabt, weil der Beschuldigte 

neben ihr gestanden und gesagt habe, sie dürfe nicht in die Nähe kommen 

(Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, 

S. 15). Auf Nachfrage der Vorinstanz hin, welche Folgen der Beschuldigte 

angedroht habe, sagte K._____ «sonst schlägt er mich oder ich weiss nicht, 

ich hatte so Angst» (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 

19. Mai 2022, S. 15). Die Schilderungen durch K._____ lassen erkennen, 

dass sie sich vom Beschuldigten bedroht gefühlt hat, weil dieser ihr 

 - 21 - 

 

 

gegenüber gesagt habe, sie solle nicht näherkommen. Bei einer solchen 

verbalen Aufforderung handelt es sich unter den vorliegenden Umständen 

jedoch nicht um eine tatbestandsmässige Androhung ernstlicher Nachteile 

im Sinne von Art. 181 StGB, zumal sich gestützt auf die Aussagen von 

K._____ nicht erstellen lässt, was überhaupt ihr konkret beabsichtigtes 

Verhalten in dieser Situation gewesen ist. Vielmehr macht es den Anschein, 

als wäre sie sich darüber selbst nicht im Klaren gewesen, weshalb 

entgegen der Vorinstanz nicht von einer (wesentlichen) Beschränkung der 

Handlungsfreiheit von K._____ durch den Beschuldigten ausgegangen 

werden kann. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als begründet und er ist vom Vorwurf der Nötigung freizu-

sprechen.  

 

4.  

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich des Straftatendossiers 2 

wegen Diebstahls nach Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen. Sie sah 

es gestützt auf den Polizeibericht vom 4. Februar 2020 (UA act. 373 ff.) und 

die Aufzeichnungen der Überwachungskameras (UA act. 388) als erstellt 

an, dass der Beschuldigte den ihm in der Anklage vorgeworfenen Diebstahl 

eines Spielautomaten-Schlüssels am 2. Januar 2020 im Spielsalon 

N._____ in Q._____ begangen hat.  

 

Der Beschuldigte hat den ihm vorgeworfenen Sachverhalt anlässlich der 

vorinstanzlichen Verhandlung grundsätzlich anerkannt, führt jedoch aus, 

keine Absicht gehabt zu haben, die von ihm behändigten Schlüssel zu 

behalten. Er habe mit den Schlüsseln den Spielsalon öffnen wollen, habe 

jedoch davon abgelassen, als der Alarm losgegangen sei. Draussen habe 

er die Schlüssel weggeworfen (VA act. 566, Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 32). Er macht geltend, er habe keinen (vorübergehenden) 

Aneignungswillen gehabt, da er die Schlüssel sofort weggeworfen habe. 

Sodann habe in Bezug auf die Schlüssel keine Bereicherungsabsicht 

bestanden, da die Schlüssel für ihn keinen Substanz-, Veräusserungs- oder 

Gebrauchswert gehabt hätten. Er sei deshalb nur wegen versuchten 

Diebstahls schuldig zu sprechen.  

 

4.2. 

Einen Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB begeht, wer jemandem eine 

fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen 

andern damit unrechtmässig zu bereichern. Neben Vorsatz muss eine 

Aneignungsabsicht sowie die Absicht unrechtmässiger Bereicherung 

vorliegen.  

 

 - 22 - 

 

 

4.3. 

Entgegen dem Beschuldigten sind sowohl seine Aneignungsabsicht als 

auch seine Bereicherungsabsicht zu bejahen: 

 

Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskameras (UA act. 388, 

02:25:12 – 02:25:42) ist ersichtlich, wie sich der Beschuldigte durch das 

Fenster in den Raum mit der Kasse begibt und direkt auf die Schubladen 

bei der Kasse zusteuert. Er durchwühlt die Kassenschublade und entfernt 

das Münzfach. Danach nimmt er die Schlüssel mit und geht durch das 

Fenster wieder raus. In diesem Verhalten des Beschuldigten manifestiert 

sich einerseits sein Wille der dauernden Enteignung des Schlüsselbundes 

des bisherigen Eigentümers und andererseits sein Wille auf Verwendung 

der Sache für seine eigenen Zwecke und somit zur zumindest vorüber-

gehenden Zueignung, was für die Annahme des Aneignungswillens 

ausreicht (BGE 129 IV 223 E. 6.2.1). Entgegen dem Beschuldigten hat er 

die Schlüssel denn auch nicht sofort bei Auslösung des Alarms weg-

geworfen oder beim Fenster, über das er sich Zutritt verschafft hatte, 

liegengelassen, sondern diese bewusst mit nach draussen genommen. 

Unter diesen Umständen liegt keine blosse Gebrauchsanmassung, die als 

bloss vorübergehend bezeichnet werden könnte, mehr vor. Tatsächlich 

konnten die Schlüssel denn auch nicht aufgefunden werden und es musste 

Ersatz dafür beschafft werden, auch wenn der Beschuldigte behauptet, 

diese «in der Nähe» (VA act. 566) resp. «in der Umgebung» (VA act. 567) 

weggeworfen zu haben. Es handelt sich dabei um eine Schutzbehauptung 

des Beschuldigten. 

 

Sodann handelte der Beschuldigte auch mit Bereicherungsabsicht, denn 

eine Bereicherung i.S.v. Art. 139 StGB kann nicht nur im tatsächlichen Wert 

der entwendeten Sache, sondern auch in ihrem Gebrauch liegen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_776/2016 vom 8. November 2016 E. 2.5.3). Der 

Beschuldigte hat die Schlüssel in der Absicht entwendet, sich mit diesen 

Zugang zu den Spielautomaten zu verschaffen und sich dadurch zu 

bereichern. Der Beschuldigte verfügte hinsichtlich der an sich 

genommenen Schlüssel somit zweifellos über eine Bereicherungsabsicht. 

 

Auch wenn die Schlüssel letztlich nicht zur sofortigen Öffnung der 

Spielautomaten verwendet worden sind, so ändert dies hinsichtlich der in 

Aneignungs- und Bereicherungsabsicht behändigten Schlüssel, die dem 

Beschuldigten bis zum Ersatz der Schlösser auch zu einem späteren 

Zeitpunkt den Zugang hätten verschaffen können, nichts daran, dass 

diesbezüglich von einem vollendeten und – entgegen dem Beschuldigten 

– nicht bloss einem versuchten Diebstahl auszugehen ist. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. Er ist wegen Diebstahls gemäss Art. 139 

Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

 - 23 - 

 

 

5.  

5.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung 

gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, des Raufhandels gemäss 

Art. 133 StGB, des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie – was 

im Berufungsverfahren nicht mehr umstritten war – der Sachbeschädigung 

gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 

StGB und der Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz 

gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG schuldig gemacht, wofür er angemessen zu 

bestrafen ist. 

 

Der Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das Personenbe-

förderungsgesetzt und die dafür von der Vorinstanz ausgesprochene 

Übertretungsbusse von Fr. 100.00 sind im Berufungsverfahren nicht 

angefochten worden, womit es damit sein Bewenden hat. 

 

5.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die vom ihm begangenen 

Verbrechen und Vergehen mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 

Monaten, 3 Jahren Probezeit, sowie einer Busse von Fr. 2'000.00, 

ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. Zudem hat sie den mit 

Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 10. Dezember 2018 für die 

Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00, d.h. Fr. 300.00, gewährten 

bedingten Vollzug widerrufen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, ausgehend von den von ihm 

beantragten Freisprüchen und eines blossen Versuchs hinsichtlich des 

Diebstahls, er sei – als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts vom 

8. Februar 2022 – zu einer bedingten Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu 

verurteilen. Auf eine Verbindungsbusse und den Vollzug der Widerrufs-

strafe sei zu verzichten. 

 

5.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.4. 

5.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die versuchte schwere Körperverletzung gemäss 

Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil von A._____ 

festzusetzen, da es sich hierbei gemäss dem abstrakten Strafrahmen von 

Art. 122 StGB um das schwerste Delikt handelt. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

 - 24 - 

 

 

Der Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

sieht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung; seit 1. Juli 2023 beträgt die Mindeststrafe 1 Jahr] bis 

zu zehn Jahren vor. Bleibt es beim Versuch, so kann das Gericht die Strafe 

mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Ausgangsganspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der schweren 

Körperverletzung schützt die körperliche und gesundheitliche Integrität des 

Menschen als sein höchstes Gut neben dem Leben. 

 

Der Beschuldigte hat zusammen mit B._____ und C._____ u.a. mehrfach 

auf den Kopf von A._____ eingeschlagen und eingetreten. Auch wenn es 

dabei nicht zu lebensgefährlichen Verletzungen gekommen ist, hätten dem 

rechtsmedizinischen Gutachten zufolge aufgrund der Vielzahl, der 

Intensität und der Ausführung der Fusstritte und Faustschläge schwer-

wiegende Schädel-Hirn-Verletzungen eintreten können (siehe dazu oben). 

Unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglicher Verletzungen 

und Verletzungsfolgen im Rahmen des Tatbestands der schweren 

Körperverletzung wäre somit hinsichtlich des vollendeten Delikts von einer 

lebensgefährlichen Kopfverletzung mit möglicherweise irreparabler 

Schädigung des Hirns und damit einer sehr schweren Form der schweren 

Körperverletzung auszugehen. Entsprechend schwer wiegt beim 

vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung der hypothetische 

Taterfolg. 

 

Der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten B._____ und C._____ haben 

ihr Vorgehen zwar nicht von langer Hand geplant, sondern – nachdem sie 

mit A._____ zuerst verbal aneinandergeraten sind – aus der zunehmend 

eskalierenden Situation heraus gehandelt. Es besteht jedoch kein Zweifel, 

dass der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten B._____ und C._____ in 

voller Kenntnis der Sachlage bewusst zusammengewirkt und schliesslich 

auf den Kopf des am Boden fixierten und somit weitgehend wehrlosen 

A._____ mehrfach und mit erheblicher Intensität eingeschlagen und 

eingetreten haben. Die Art und Weise der Tatbegehung und die damit 

einhergehende Verwerflichkeit des Handelns ging allerdings nicht 

wesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands, der in der 

vorliegenden Tatbestandsvariante eine lebensgefährliche Verletzung 

voraussetzt, hinaus, was sich neutral auswirkt. Leicht verschuldens-

 - 25 - 

 

 

mindernd ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten lediglich 

eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist, was verschuldensmässig 

weniger schwer wiegt als direktvorsätzliches Handeln (BGE 136 IV 55 

E. 5.6). 

 

Auch wenn der Beschuldigte die Auseinandersetzung mit A._____ nicht 

von Anfang gesucht hatte, er zu Beginn allenfalls noch schlichten wollte 

und die Situation zunehmend eskaliert ist, verfügte er hinsichtlich der 

Schläge und Tritte gegen den Kopf des am Boden liegenden A._____ über 

ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit. Ihm wäre es durchaus möglich 

gewesen, sich aus der Auseinandersetzung mit A._____ rauszuhalten oder 

diese zu beenden, zumal er sich zusammen mit B._____ und C._____ in 

einer überlegenen Mehrheit befand. Es ist auch nicht ersichtlich, dass der 

Beschuldigte nur unter dem Druck der Mitbeschuldigten B._____ und 

C._____ oder aus einer subjektiv aussichtlos empfundenen Lage heraus 

gehandelt hätte. Dies wird im Übrigen auch nicht vorgebracht. Je leichter 

es aber für ihn gewesen wäre, sich aus der Auseinandersetzung 

rauszuhalten oder klar zu distanzieren und damit die körperliche Integrität 

von A._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung 

dagegen und damit einhergehend das den Beschuldigten treffende 

Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt wäre unter Berücksichtigung des weiten Strafrahmens von 

6 Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung von Art. 122 StGB] für die vollendete schwere 

Körperverletzung in Form einer lebensgefährlichen Kopfverletzung mit 

möglicherweise irreparabler Hirnschädigung von einem mittelschweren bis 

schweren Tatverschulden auszugehen, wofür eine Freiheitsstrafe von 7 

Jahren angemessen wäre. Da es vorliegend bei einem Versuch geblieben 

ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei 

hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der 

tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der 

Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). 

 

Vorliegend ist es einzig dem Zufall zu verdanken, dass sich die nahe 

liegende Gefahr einer lebensgefährlichen Verletzung von A._____ nicht 

verwirklicht hat. Der Beschuldigte hat im Zusammenwirken mit B._____ 

und C._____ alles getan, was für die Vollendung des Tatbestands der 

schweren Körperverletzung notwendig gewesen wäre. Sie liessen denn 

auch nicht aus Eigeninitiative von A._____ ab. Erst als Drittpersonen 

hinzugekommen sind, konnte die Auseinandersetzung beendet werden. 

Auch wenn es nur glücklichen Umständen zu verdanken ist, dass A._____ 

keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten hat, ist zugunsten des 

Beschuldigten zu berücksichtigen, dass die tatsächlich eingetretenen 

Verletzungsfolgen von A._____ – ohne diese zu bagatellisieren – deutlich 

 - 26 - 

 

 

davon entfernt sind, weshalb eine Strafminderung um 50 % auf 3 ½ Jahre 

angemessen erscheint.  

 

5.4.2. 

Diese Einsatzstrafe wäre für den Raufhandel gemäss Art. 133 StGB, den 

Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, den Hausfriedensbruch gemäss 

Art. 186 StGB sowie die Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB 

in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen oder es 

wäre – wenn die Schwere des jeweiligen Verschuldens dies noch zuliesse 

und eine Geldstrafe nicht unzweckmässig wäre, was an dieser Stelle offen 

bleiben kann – eine zusätzliche Geldstrafe auszusprechen. Vorliegend hat 

jedoch nur der Beschuldigte ein Rechtsmittel erhoben, weshalb das 

Obergericht an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO 

gebunden ist und es somit – auch bei Annahme einer Verletzung des 

Beschleunigungsgebots (siehe dazu unten) – bei der von der Vorinstanz 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 24 Monaten bleibt, zumal sich die 

Täterkomponente (siehe dazu unten) nicht strafmindernd auswirkt – (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, 

demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte nicht mehr 

im Einzelnen asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des Verschlech-

terungsverbots nicht zu Lasten der beschuldigten Person abgeändert wer-

den darf). 

 

5.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Strafregister-

auszug des Beschuldigten enthält zwei Verurteilungen. Mit Strafbefehl der 

Bundesanwaltschaft vom 10. Dezember 2018 wurde er wegen Inumlauf-

setzens falschen Geldes zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tages-

sätzen und mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 8. Februar 

2022 wegen gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer 

Datenverarbeitungsanlage zu einer bedingten Geldstrafe von 360 

Tagessätzen verurteilt, was im Rahmen der Täterkomponente straf-

erhöhend zu berücksichtigen ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Zu beachten ist 

allerdings, dass dem Urteil des Obergerichts vom 8. Februar 2022 zwar ein 

strafbares Verhalten aus dem Jahr 2016 zu Grunde liegt, dieses im 

Zeitpunkt der Begehung der vorliegenden neu zu beurteilenden Straftaten 

aber noch nicht rechtskräftig beurteilt war, weshalb diesbezüglich nicht von 

einer Vorstrafe ausgegangen werden kann. 

 

Der Beschuldigte hat erst nach Abschluss der Untersuchung anlässlich der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung ein teilweises Geständnis zumindest 

hinsichtlich des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung abgelegt 

(VA act. 563), was die Strafverfolgung allerdings angesichts der 

erdrückenden Beweislage nicht erheblich erleichtert hat und deshalb nicht 

strafmindernd zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1388/2021 vom 3. März 2022 E. 1.3.2). 

 - 27 - 

 

 

Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist nur bei aussergewöhnlichen 

Umständen zu bejahen (Urteile des Bundesgerichts 6B_301/2019 vom 

17. September 2019 E. 1.4.1; 6B_1354/2021 vom 22. März 2023 E. 2.4.3). 

Solche aussergewöhnlichen Umstände sind nicht ersichtlich und werden 

im Übrigen auch nicht vorgebracht.  

 

Insgesamt überwiegen die negativen Faktoren. Mit Blick auf das 

Verschlechterungsverbot ist eine straferhöhende Berücksichtigung jedoch 

ausgeschlossen. 

 

5.6. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen 

werden.  

 

Gemäss Art. 408 Abs. 2 StPO [in Kraft seit 1. Januar 2024] entscheidet das 

Berufungsgericht innerhalb von zwölf Monaten. Das vollständig begründete 

Urteil ist den Parteien sodann innert 60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen 

zuzustellen (Art. 84 Abs. 4 StPO). Diese Ordnungsfristen sind vom 

Obergericht nicht eingehalten worden. Die Berufungserklärung des 

Beschuldigten datiert vom 17. Mai 2023. Die Berufungsverhandlung hat 

sodann zwar am 15. Februar 2024 stattgefunden. Eine mündliche 

Eröffnung oder schriftliche Eröffnung im Dispositiv ist jedoch nicht erfolgt 

und bis zum Vorliegen des begründeten Urteils hat es knapp zwölf Monate 

gedauert. Es ist bei einer Gesamtbetrachtung von einer nicht mehr leichten, 

jedoch auch noch nicht sehr schweren Verletzung des Beschleunigungs-

gebots im Berufungsverfahren auszugehen. Dieser wäre mit einer 

Strafminderung im Umfang von drei Monaten angemessen Rechnung zu 

tragen, was aber nicht zu einer Reduktion der vorinstanzlichen Strafe führt, 

da es bei dieser nur aufgrund des Verschlechterungsverbots bleibt und 

ansonsten eine – auch unter strafmindernder Berücksichtigung der 

Verletzung des Beschleunigungsgebots – deutlich höhere Strafe 

auszufällen gewesen wäre (siehe dazu oben; Urteil des Bundesgerichts 

6B_127/2022 vom 22. März 2023 E. 5.3.2). Die Verletzung des 

Beschleunigungsgebots ist jedoch im Urteilsdispositiv aufzunehmen. 

 

5.7. 

Nach dem Gesagten kann die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheits-

strafe von 24 Monaten nicht herabgesetzt werden. Das Obergericht hätte 

bereits für die schwerste Straftat, die versuchte schwere Körperverletzung, 

eine deutlich höhere Freiheitsstrafe als die Vorinstanz ausgesprochen, 

ohne dabei die Strafen für den Raufhandel und die weiteren Delikte 

festzulegen. Aufgrund des Verschlechterungsverbots hat es damit sein 

Bewenden. 

 

 - 28 - 

 

 

5.8. 

Die Vorinstanz hat die Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt 

ausgesprochen, worauf aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht 

zurückzukommen ist. 

 

Der Beschuldigte hat bei der Tatbegehung über ein hohes Mass an 

Entscheidungsfreiheit verfügt. Im Strafverfahren hat er sich sodann nur 

teilweise und zu einem vergleichsweise späten Zeitpunkt geständig 

gezeigt. Von einer nachhaltigen Einsicht und aufrichtigen Reue kann somit 

nicht gesprochen werden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände und 

mit Blick auf den Strafregisterauszug des Beschuldigten, der zwei 

Verurteilungen aufweist, bestehen nicht unerhebliche Bedenken an seiner 

Legalbewährung. Diesen ist – nebst der Ausfällung einer Verbindungs-

busse (siehe dazu unten) – mit einer erhöhten Probezeit von drei Jahren, 

wie sie von der Vorinstanz ausgesprochen worden ist, Rechnung zu tragen. 

 

5.9. 

Die vorläufigen Festnahmen (5. April 2020 bis 6. April 2020 sowie 11. Juni 

2020) sind dem Beschuldigten im Umfang von drei Tagen auf die 

Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB). 

 

5.10.  

Eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe kann mit einer Busse 

verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der 

bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um 

dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll er gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung – hier einer Tätlichkeit 

statt einer versuchten schweren Körperverletzung – zu verantworten hat 

und dafür mit einer Busse bestraft wird, nicht besser gestellt werden (sog. 

Schnittstellenproblematik). 

 

Mit Blick auf die Höhe der Verbindungsbusse ist zu berücksichtigen, dass 

das Obergericht aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht über die 

vorinstanzlich ausgefällte Verbindungsbusse von Fr. 1'900.00 hinaus-

gehen kann. Eine Herabsetzung der Verbindungsbusse ist jedoch auch 

nicht angezeigt, zumal nach der Rechtsprechung der Verbindungsbusse 

nicht lediglich symbolische Bedeutung zukommen soll und bei einer 

bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten weit höhere Verbindungsbussen 

denkbar wären (vgl. BGE 149 IV 321 E. 1.3.1 f.). 

 

5.11. 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse von 

insgesamt Fr. 2'000.00 (Übertretungsbusse Fr. 100.00; Verbindungsbusse 

Fr. 1'900.00) ist gemäss Art. 106 Abs. 2 und Abs. 3 StGB ausgehend vom 

 - 29 - 

 

 

als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden Tagessatz von Fr. 100.00 

(BGE 149 I 248 E. 5.4.2) auf 20 Tage festzusetzen.  

 

5.12. 

Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 

10. Dezember 2018 wegen Inumlaufsetzens falschen Geldes zu einer 

bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00, d.h. Fr. 300.00, 

verurteilt. Die Probezeit wurde auf 3 Jahre festgesetzt und hat mit 

Eröffnung am 16. Januar 2019 zu laufen begonnen. 

 

Sämtliche Verbrechen und Vergehen, für welche der Beschuldigte 

vorliegend verurteilt wird, wurden noch während der laufenden Probezeit 

begangen. Die Vorinstanz hat den mit Strafbefehl der Bundesanwaltschaft 

vom 10. Dezember 2018 für die Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00 

gewährten bedingten Vollzug gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen, 

was nicht zu beanstanden ist. 

 

Der Beschuldigte hat die ihm gewährte Chance, sich während der 

angesetzten Probezeit von 3 Jahren zu bewähren, nicht genutzt. Im 

Gegenteil hat er völlig unbeeindruckt von dieser Strafe erneut und zudem 

in deutlich schwerwiegenderem Masse delinquiert. Von einer nachhaltigen 

Einsicht und aufrichtigen Reue kann zudem nicht gesprochen werden 

(siehe dazu oben). Mithin bestehen erhebliche Bedenken an seiner 

Legalbewährung, wovon – nebst den vorliegenden Verurteilungen – denn 

auch die weitere im Strafregister verzeichnete Verurteilung zu einer hohen 

(bedingten) Geldstrafe zeugt, zumal eine grundlegende positive 

Persönlichkeitsentwicklung des Beschuldigten oder eine nennenswerte 

positive Veränderung seiner Lebensumstände nicht zu erkennen ist. 

Insbesondere konnten ihn seine bereits vor der Tatbegehung bestehenden 

familiären Beziehungen und seine Arbeitstätigkeit nicht von der Begehung 

neuer Straftaten abhalten. Nichts zu seinen Gunsten kann der Beschuldigte 

daraus ableiten, dass die für die neu begangenen Straftaten ausgefällte 

Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen worden ist, ändert dies an den 

erheblichen Bedenken an seiner Legalbewährung doch nichts. Zudem 

konnte das Obergericht den von der Vorinstanz gewährten bedingten 

Strafvollzug für die Freiheitsstrafe aufgrund des Verschlechterungsverbots 

nicht überprüfen. 

 

Die Frist, nach deren Ablauf der Widerruf gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB nicht 

mehr angeordnet werden kann, ist noch nicht abgelaufen (BGE 143 IV 441 

E. 2.2 f.). Mit der Vorinstanz ist der mit Strafbefehl der Bundesanwaltschaft 

vom 10. Dezember 2018 für die Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00 

gewährte bedingte Vollzug zu widerrufen, d.h. die Geldstrafe von Fr. 300.00 

ist vom Beschuldigten zu bezahlen. Hingegen ist die Festsetzung einer 

Ersatzfreiheitsstrafe für die zu vollziehende Geldstrafe für den Fall, dass 

diese schuldhaft nicht bezahlt wird, weder nötig noch sinnvoll. Wird die 

 - 30 - 

 

 

Geldstrafe nicht fristgemäss bezahlt, ordnet die Vollzugsbehörde die 

Betreibung an, wenn davon ein Ergebnis zu erwarten ist (Art. 35 Abs. 3 

StGB). Soweit die Geldstrafe uneinbringlich ist, tritt an die Stelle der Geld-

strafe eine Freiheitsstrafe. Ein Tagessatz entspricht einem Tag Freiheits-

strafe (Art. 36 Abs. 1 StGB). Anders als bei einer Busse, bei welcher sich 

im Gesetz kein Umwandlungssatz findet und das Gericht deshalb gemäss 

Art. 106 Abs. 2 StGB gehalten ist, nicht nur die Busse selbst, sondern auch 

die Ersatzfreiheitsstrafe zu bestimmen, entfällt dies bei der Geldstrafe. 

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a StGB für die 

Dauer von 7 Jahren des Landes verwiesen und die Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem angeordnet. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, es sei von einer Landes-

verweisung abzusehen. 

 

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 

145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4). Darauf kann verwiesen werden. 

 

6.3. 

Der Beschuldigte ist eritreischer Staatsangehöriger. Er hat mit der 

versuchten schweren Körperverletzung eine Katalogtat für eine 

obligatorische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB 

begangen (vgl. zur Anwendung auf den Versuch: BGE 144 IV 168 

E. 1.4.1). Sodann liegt mit dem Diebstahl in Verbindung mit Haus-

friedensbruch eine weitere Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB 

vor. Er ist somit grundsätzlich für die Dauer von 5 bis 15 Jahre aus der 

Schweiz zu verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. 

 

Die gesetzlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB, wonach die Landes-

verweisung bei Vorliegen einer Katalogtat die Regel und das Absehen von 

der Landesverweisung unter restriktiver Annahme eines Härtefalls und 

eines überwiegenden privaten Interesses an einem Verbleib in der Schweiz 

 - 31 - 

 

 

die Ausnahme sein sollte, wurde u.a. bei Straftätern mit einer langen 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz («long-term immigrants») oder solchen, 

die sich auf das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 EMRK 

berufen können, durch die Rechtsprechung des Bundesgerichts und des 

Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) stark relativiert 

(siehe dazu unten). 

 

6.4. 

6.4.1. 

Der eritreische Beschuldigte ist am tt.mm1992 in Dorok (Eritrea) geboren. 

Nach eigenen Angaben ist er am 2. September 2013 illegal in die Schweiz 

eingereist (MIKA-Akten S. 9-10). Im Mai 2015 wurde ihm in der Schweiz 

Asyl gewährt und wurde er als Flüchtling anerkannt (MIKA-Akten S. 23). 

Ihm wurde die Aufenthaltsbewilligung B erteilt. Er lebt somit seit mehr als 

10 Jahren in der Schweiz. Damit ist er nach der Rechtsprechung des 

EGMR als «long-term immigrant» anzusehen (Urteil des Bundesgerichts 

7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4.6.1 mit Verweis auf das Urteil des 

EGMR Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz vom 17. 

September 2024, § 28), was es bei seinen persönlichen Interessen zu 

berücksichtigen gilt. Die Muttersprache des Beschuldigten ist Bilen, wobei 

er angibt, auch Tigrinya zu sprechen. Trotz seines mehrjährigen 

Aufenthalts in der Schweiz spricht er nur gebrochen Deutsch. Für die 

Berufungsverhandlung war er auf einen Dolmetscher angewiesen. Mithin 

ist er sprachlich nur ungenügend integriert. 

 

Auch wenn der Beschuldigte erst im Alter von ca. 21 Jahren (illegal) in die 

Schweiz eingereist ist, befindet sich sein Lebensmittelpunkt nunmehr 

unstrittig in der Schweiz. Er ist verheiratet und wohnt zusammen mit seiner 

am 3. Juli 2018 in die Schweiz eingereisten Ehefrau AA._____ (geb. 

tt.mm.1994) sowie seinen drei in der Schweiz geborenen Kindern (geb. 

tt.mm.2019; tt.mm.2021; tt.mm.2024) in R._____. Diesbezüglich ist von 

einer nahen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung im Sinne von Art. 

8 EMRK auszugehen. Es ist allerdings zu beachten, dass die Ehefrau des 

Beschuldigten ebenfalls in Eritrea geboren ist und über die eritreische 

Staatsbürgerschaft verfügt. Sie ist erst im Rahmen des Familiennachzugs 

in die Schweiz gekommen ist und hat davor – wie auch der Beschuldigte – 

in Eritrea und im Sudan gelebt. Mithin ist sie mit der dortigen Sprache und 

Kultur bestens vertraut, weshalb es ihr grundsätzlich zumutbar wäre, den 

Beschuldigten in das gemeinsame Heimatland zu begleiten. Auch unter 

Berücksichtigung ihres aktuellen Gesundheitszustands wäre ein Umzug 

nach Eritrea möglich. Gemäss den vom Beschuldigten eingereichten 

medizinischen Berichten ist seine Ehefrau im Jahr 2021 an Covid erkrankt 

und litt unter einem akuten Atemnotsyndrom. Nach einem Spitalaufenthalt 

in der Intensivmedizin vom 6. September 2021 bis 28. September 2021 

begab sie sich vom 12. Januar 2022 bis 14. Juni 2022 sowie vom 5. Juli 

2023 bis 24. August 2023 in Physiotherapie. Die Ehefrau des Beschul-

 - 32 - 

 

 

digten ist demnach seit September 2023 nicht mehr in Behandlung und es 

besteht folglich kein Grund zu der Annahme, dass sie in der Schweiz auf 

zwingende medizinische Versorgung angewiesen ist. Was die 

gemeinsamen Kinder anbelangt, so sind diese noch sehr jung. Sie 

besuchen die Schule noch nicht, weshalb sie sich nach der Recht-

sprechung des Bundesgerichts noch in einem anpassungsfähigen Alter 

befinden (Urteil des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 

E. 4.4). Es kann zudem davon ausgegangen werden, dass die gemein-

samen Kinder mit den kulturellen Gepflogenheiten und der Sprache des 

Heimatlandes grossgezogen werden, wodurch es ihnen auch unter diesem 

Aspekt nicht schwerfallen wird, sich in Eritrea zu integrieren.  

 

Abgesehen von seinem Familienleben und den mit seiner Arbeitstätigkeit 

einhergehenden Kontakten scheint der Beschuldigte in der Schweiz sozial 

oder kulturell nicht besonders stark integriert zu sein. Er bringt zwar vor, in 

der Schweiz persönliche Beziehungen zu haben und zu pflegen, nennt aber 

als Freund nur gerade eine Person, die bei der Caritas arbeite und ihn 

unterstützt habe (VA act. 567, vgl. auch Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 34). Von einem Engagement in einem Verein oder einer 

(gemeinnützigen) Organisation ist nichts bekannt, was allerdings auch bei 

Schweizern zunehmend nicht mehr der Fall ist. 

 

Die berufliche und wirtschaftliche Integration des Beschuldigten erweist 

sich insgesamt als mangelhaft. Er ist seit seiner Einreise zwar immer 

wieder einer (unqualifizierten) Arbeit nachgegangen, verfügt aber nicht 

über eine Festanstellung, was mitunter auf seine mangelnden sprachlichen 

Fähigkeiten zurückzuführen sein dürfte. Im Zeitpunkt der Berufungs-

verhandlung war er in temporärer Anstellung als Lagermitarbeiter bei der 

Firma O._____ AG tätig und hat dabei einen monatlichen Nettolohn von ca. 

Fr. 1'500.00 erhalten (Lohnabrechnung Januar 2024). Dieses Einkommen 

ist aber offensichtlich ungenügend, um für sich und seine Familie 

aufzukommen. Nach eigenen Angaben hat er zudem Schulden von rund 

Fr. 12'000.00 bis Fr. 15'000.00 (so vor Vorinstanz, VA act. 566) bzw. rund 

Fr. 10'000.00 (so seine Angabe anlässlich der Berufungsverhandlung, 

Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 34). 

 

Sodann liegen – nebst den vorliegend zu beurteilenden Straftaten (siehe 

dazu unten) – mehrere mittlerweile rechtskräftige Verurteilungen vor, was 

gegen eine positive Integration spricht. Insbesondere die Verurteilung 

durch das Obergericht vom 8. Februar 2022, mit welcher der Beschuldigte 

wegen gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Daten-

verarbeitungsanlage zu einer hohen bedingten Geldstrafe von 360 

Tagessätzen verurteilt worden ist, wirft ein sehr schlechtes Licht auf die 

Integration des Beschuldigten ins Recht- und Wertesystem der Schweiz. 

Zu beachten ist allerdings, dass dem Urteil des Obergerichts vom 8. 

Februar 2022 zwar ein strafbares Verhalten aus dem Jahr 2016 zu Grunde 

 - 33 - 

 

 

liegt, dieses im Zeitpunkt der Begehung der vorliegenden neu zu 

beurteilenden Straftaten aber noch nicht rechtskräftig beurteilt war, 

weshalb diesbezüglich nicht von einem unbelehrbaren Wiederholungstäter 

ausgegangen werden kann. 

 

6.4.2. 

Der in Eritrea geborene Beschuldigte hat gemäss eigenen Angaben dort 

bis zum 6. Schuljahr die Schule besucht. Danach habe er die Schule 

aufgrund einer Erkrankung seines Vaters abgebrochen. Er sei aufgefordert 

worden, in den Militärdienst einzutreten, zu welchem er am 7. März 2011 

auch angetreten sei (MIKA-Akten S. 6). Am 20. August 2012 sei er aus 

einem Gefängnis in Eritrea in den Sudan geflüchtet, wo auch seine Eltern 

leben würden. Weitere Verwandte würden noch in Eritrea leben (Protokoll 

der Berufungsverhandlung, S. 32). 

 

Nachdem der Beschuldigte mit der Sprache, der Kultur und den 

Gepflogenheiten bestens vertraut ist, sind keine Gründe dafür ersichtlich, 

weshalb er sich in Eritrea nicht resozialisieren können sollte, zumal er dort 

nach eigenen Angaben noch gewisse Verwandte hat, die ihn bei der 

Resozialisierung unterstützen könnten, insofern eine solche überhaupt 

nötig ist. Aus den Akten ergeben sich – abgesehen von der Inhaftierung in 

Eritrea – sodann keine Hinweise darauf, dass der Beschuldigte Probleme 

mit den eritreischen Behörden gehabt hätte. Der Beschuldigte lässt 

vorbringen, dass Militärdienstverweigerern neben langjährigen Haftstrafen 

auch unmenschliche Behandlungen, Folter oder gar der Tod drohen würde 

(ergänzende Berufungsbegründung, S. 6). Der Beschuldigte vermag mit 

diesen Vorbringen jedoch keine konkrete Gefährdung seines Leib und 

Lebens darzulegen. Eine individuell-persönliche Gefährdung resp. eine 

persönliche Gefährdungssituation müsste der Beschuldigte gemäss Recht-

sprechung des Bundesgerichts individuell-konkret belegen oder zumindest 

glaubhaft machen (Urteile des Bundesgerichts 6B_33/2022 vom 9. 

Dezember 2022 E. 3.2.7; 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.5 und E. 

3.4.1; je mit Hinweisen). Es ist folglich nicht davon auszugehen, dass ihm 

bei einer Rückkehr nach Eritrea Folter oder eine anderweitige 

unmenschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung im Sinne von 

Art. 3 EMRK drohen würde. Das Bundesgericht hat sodann in Bezug auf 

eritreische Flüchtlinge wiederholt festgestellt, dass die Flüchtlings-

eigenschaft allein der Anordnung der Landesverweisung nicht 

entgegensteht (Urteile des Bundesgerichts 6B_1367/2022 vom 7. August 

2023 E. 1.4.3; 6B_507/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2, 6B_348/2020 

vom 14. August 2020 E. 1.2, 6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.2.2 und 

2.3).  

 

6.4.3. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte, bei dem es sich 

um einen anerkannten Flüchtling handelt und der über die Aufenthalts-

 - 34 - 

 

 

bewilligung B verfügt, seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz lebt und 

deshalb zufolge EGMR als «long-term immigrant» gilt, auch wenn seine 

sprachliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration alles andere 

als mustergültig erscheint. Angesichts seiner Aufenthaltsdauer in der 

Schweiz, der Tatsache, dass es sich bei ihm um einen anerkannten 

Flüchtling handelt, er hier seinen Lebensmittelpunkt hat und insbesondere 

aufgrund seiner nahen und echten gelebten familiären Beziehung zu seiner 

Ehefrau und den drei minderjährigen Kindern, mit denen er zusammenlebt, 

ist von einem hohen privaten Interesse des Beschuldigten an einem 

Verbleib in der Schweiz auszugehen, auch wenn eine berufliche, soziale 

und kulturelle Wiedereingliederung in der Heimat für ihn durchaus zu 

bewältigen wäre und es sowohl seiner Ehefrau als auch den Kindern, die 

sich noch in einem anpassungsfähigen Alter befinden, grundsätzlich 

zumutbar wäre, ihn in das gemeinsame Heimatland zu begleiten. Es ist 

insgesamt von einem schweren persönlichen Härtefall auszugehen. 

 

6.5. 

6.5.1. 

Bei der Interessenabwägung zwischen den öffentlichen Interessen an einer 

Landesverweisung und den privaten Interessen des Beschuldigten am 

Verbleib ist die aktuelle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs 

für Menschenrechte zu berücksichtigen. Dieser hat im Urteil Nr. 52232/20 

vom 17. September 2024 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz (betreffend 

das Urteil des Bundesgerichts 6B_191/2020 vom 17. Juni 2020) 

entschieden, dass die Schweiz einen Straftäter, der wegen qualifizierter 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden war, zu Unrecht 

ausgewiesen und dessen Recht auf Achtung des Familienlebens (Art. 8 

EMRK) verletzt habe. Insbesondere sei die Tatsache, dass die Strafe zur 

Bewährung ausgesetzt worden sei, er deshalb keine Gefahr mehr für die 

öffentliche Sicherheit darstelle, dass er seit langem im Land lebe und dass 

die Ausweisung nachteilige Auswirkungen auf seine Familienangehörigen 

habe, falsch gewichtet worden (§ 48-55). Diese Rechtsprechung des 

EGMR führt dazu, dass der Legalprognose im Bereich der bedingten 

Freiheitsstrafen ein ganz erhebliches Gewicht zukommt. 

 

6.5.2. 

Der Beschuldigte wird vorliegend u.a. wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Damit 

wurde zwar ein besonders hochstehendes Rechtsgut betroffen bzw. 

gefährdet und bedarf es gemäss der «Zweijahresregel» bei einer 

Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr 

ausserordentlicher Umstände, damit das private Interesse des Betroffenen 

an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an einer 

Landesverweisung überwiegt, was grundsätzlich sogar bei bestehender 

Ehe mit einer Schweizerin und gemeinsamen Kindern gelte (so z.B. Urteil 

 - 35 - 

 

 

des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4.5 mit 

Hinweisen). 

 

Zu beachten ist jedoch, dass die Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen 

worden ist und der Beschuldigte im Tatzeitpunkt nur gerade mit einer 

bedingten rechtskräftigen Vorstrafe von 10 Tagessätzen Geldstrafe im 

Strafregister verzeichnet war, weshalb er gemäss EGMR keine erhebliche 

Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. Auch hat sich der 

Beschuldigte, der aufgrund seiner Aufenthaltsdauer in der Schweiz gemäss 

EGMR als «long-term immigrant» gilt und sich zudem aufgrund seiner 

nahen und echten gelebten Beziehung zu seiner Ehefrau und den drei 

gemeinsamen Kindern auf das Recht auf Achtung des Familienlebens 

gemäss Art. 8 EMRK berufen kann, seit der Tatbegehung wohl verhalten. 

Zumindest ist es bis zur Berufungsverhandlung zu keinen neuen Einträgen 

im Strafregister gekommen. Damit liegen unter Berücksichtigung der 

Rechtsprechung des EGMR ausserordentliche Umstände vor, aufgrund 

welcher das private Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung überwiegt. 

 

6.5.3. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten, der seinen 

Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat, einerseits aufgrund seines langen 

Aufenthalts in der Schweiz («long-term immigrant») und andererseits 

seiner nahen und echten gelebten familiären Beziehung zu seiner Ehefrau 

und seinen minderjährigen Kindern, die in den Schutzbereich von Art. 8 

EMRK fällt, nicht nur ein Härtefall zu bejahen ist, sondern ihm auch ein 

hohes privates Interesse an einem Verbleib zu attestieren ist, welches unter 

Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR und des Bundesgerichts 

das nicht unerhebliche öffentliche Interesse an der Anordnung der Landes-

verweisung überwiegt. Damit erweist sich die Berufung des Beschuldigten 

in diesem Punkt als begründet und es von einer Landesverweisung 

abzusehen. 

 

7. 

7.1. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

den Beschuldigten schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die 

Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre 

Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b 

StPO). Ein Zivilanspruch ist sodann auch auf den Zivilweg zu verweisen, 

wenn die vollständige Beurteilung unverhältnismässig aufwendig wäre 

(Art. 126 Abs. 3 StPO). 

 

7.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, A._____ Fr. 500.00 zzgl. 

Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen.  

 - 36 - 

 

 

Der Beschuldigte beantragt, die Zivilforderung sei abzuweisen, eventualiter 

auf den Zivilweg zu verweisen, da die Schwelle für die Zusprechung einer 

Genugtuung infolge Fehlens der Voraussetzungen auch im Falle eines 

Schuldspruchs nicht gegeben sei.  

 

7.3. 

Im strafrechtlichen Adhäsionsprozess gilt die Dispositions- wie auch die 

Verhandlungsmaxime (Urteile des Bundesgerichts 7B_269/2022 vom 

11. Juni 2024 E. 4.2.1, 6B_193/2014 vom 21. Juli 2014 E. 2.2 und 

6B_267/2016 vom 15. Februar 2018 E. 6.1; MARCO WEISS, Der Adhäsions-

prozess, Basel 2023, S. 39 und Fussnote 252; ANNETTE DOLGE, in: Basler 

Kommentar, StPO, 3. Aufl. 2023, N. 22 f. zu Art. 122 StPO). 

 

Gemäss Art. 47 OR kann das Gericht dem Verletzten bei Vorliegen einer 

Körperverletzung unter Würdigung der besonderen Umstände eine 

angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Die Genugtuung 

bezweckt den Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Nicht jede physische 

oder psychische Verletzung oder Beeinträchtigung führt zu einer 

Genugtuung (BGE 125 III 70 E. 3c). Verlangt wird eine gewisse Schwere 

der Beeinträchtigung. Die Körperverletzung, die sowohl physische als auch 

psychische Beeinträchtigungen umfasst, muss grundsätzlich mit 

erheblichen körperlichen oder seelischen Schmerzen verbunden sein oder 

eine dauerhafte Gesundheitsschädigung verursacht haben. Ist die 

Zusprechung einer Genugtuung gerechtfertigt, ist diese unter Würdigung 

der besonderen Umstände festzulegen. Hierzu zählen u.a. die Art und 

Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die 

Persönlichkeit des Betroffenen und das Verschulden des Haftpflichtigen, 

ein allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf 

Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags. Die 

Festsetzung ist eine Entscheidung nach Billigkeit. Das Bundesgericht hat 

es daher abgelehnt, dass die Bemessung der Genugtuung nach 

schematischen Massstäben oder festen Tarifen erfolgt (BGE 141 III 97 

E. 11.2; BGE 132 II 117 E. 2.2.2 f.; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1070/2015 vom 2. August 2016 E. 1.3.2). 

 

7.4. 

Der Beschuldigte hat A._____ zusammen mit B._____ und C._____ im 

Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung mehrere Verletzungen 

zugefügt, wofür er u.a. der versuchten schweren Körperverletzung schuldig 

gesprochen wird (siehe oben). 

 

A._____ hat einen Bruch der Zahnwurzel erlitten, ein Zahn musste operativ 

entfernt und die Zahnprothese angepasst werden. Hinzu kommen weitere 

Verletzungen im Kopfbereich sowie anderen Körperteilen (siehe oben). Die 

körperlichen Verl