# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e6e6780-33d5-545a-9b2b-3d03c06891f0
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-21
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 21.02.2022 P1 21 84
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-21-84_2022-02-21.pdf

## Full Text

P1 21 84 

URTEIL VOM 18. FEBRUAR 2021 

Kantonsgericht Wallis 

I. Strafrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Präsident; Jérôme Emonet und Dr. Lionel Seeberger, 

Kantonsrichter; Samira Schnyder, Gerichtsschreiberin 

in Sachen 

Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, vertreten durch 

Staatsanwältin Lara Zengaffinen, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

und 

X _________, Privatklägerin, Berufungsbeklagte vertreten durch Rechtsanwalt Thierry 

Arnold 

gegen 

Y _________, Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter, ver-

treten durch Rechtsanwalt Christian Perrig 

und  

Z _________, Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter vertre-

ten durch Rechtsanwalt Patrick Ruppen 

 

Berufung gegen das Urteil des Kreisgerichts Oberwallis für den Bezirk Brig  

vom 25. Juni 2021 [BRG S1 21 8]  

- 2 - 

Verfahren 

Die Aktenstellen werden nachfolgend wie folgt zitiert: 
 
Gerichtsakten orange Hefter (S.) 
Hauptakten Staatsanwaltschaft graue Ordner (Staatsanwaltschaft S. ) 
Akten der Polizei grauer Ordner (Polizei S. ): 
Stick Tatrekonstruktion auf S. 1039 der Akten (Rekonstruktion Stunde:Minute:Sekunde) 
CD Aussage Sohn zu Vorfall 15. Juli 2020 S. 288s (Sohn Stunde;Minute:Sekunde) 
CD Aussage Sohn zum Zusammenleben Staatsanwaltschaft S. 116 (Kind Stunde:Minute:Sekunde) 
Fotoordner 
Akten Zivilverfahren Bezirksgericht Brig (Z2 20 25 S. ) 
Akten Migrationsbehörden (Migration S.) 

 

A.  Das Kreisgericht Oberwallis für den Bezirk Brig fällte nach Abschluss der Strafunter-

suchung und aufgrund der Anklageschrift vom 25. Februar 2021 (S. 1 ff.) am 28. Juni 

2021 folgendes Urteil, welches am 16. Juli 2021 in begründeter Form schriftlich eröffnet 

wurde (S. 524 ff.): 

1. Das Strafverfahren gegen A _________, Y _________ und Z _________ wird eingestellt:  

a.  mangels Schweizerischer Gerichtsbarkeit bezüglich den Vorfällen in Frankreich gemäss Anklage-
sachverhalt Ziff. 1.1.1;  

b.  infolge Verjährung wegen Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 116 Abs. 1 lit. a pAIG), 
begangen vor dem 25. Juni 2014.  

2. Das Strafverfahren gegen A _________ wegen einfacher Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 
StGB), angeblich begangen Ende 2013/Anfang 2014 (Ziff. 1.1.2 der Anklageschrift), wird mangels Straf-
antrags eingestellt.  

3. A _________ wird der qualifizierten Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB) 
sowie der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 116 Abs. 1 lit. a AIG) schuldig gesprochen. 

4. A _________ wird zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, wobei ihr der bedingte Strafvollzug 
gewährt wird, unter Einräumung einer Probezeit von 2 Jahren.  

5. Das Gericht sieht von einer Landesverweisung für A _________ ab.  

6. Y _________ wird schuldig gesprochen:  

a.  der Nötigung (Art. 181 StGB);  

b.  der qualifizierten Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB);  

c.  der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 116 Abs. 1 lit. a AIG);  

d.  des Fahrens ohne Berechtigung (Art. 95 Abs. 1 SVG).  

7. Y _________ wird zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt, wobei 6 Monate unbedingt und 24 
Monate bedingt zu vollziehen sind. Für den bedingt ausgesprochenen Teil wird eine Probezeit von 2 
Jahre auferlegt.  

8. Das Gericht sieht von einer Landesverweisung für Y _________ ab.  

9. Das Strafverfahren gegen Z _________ wird eingestellt:  

- 3 - 

a.  wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 und 6 StGB) und einfacher 
Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 6 StGB), angeblich begangen im Frühjahr 2013 (Ziff. 1.1.2 
der Anklageschrift), infolge Verjährung;  

b.  wegen mehrfachen Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 2 StGB), angeblich begangen vom 5. Juli 2012 bis 
31. Dezember 2019 (Ziff. 1.1.2 der Anklageschrift), infolge Verletzung des Anklagegrundsatzes.  

10. Z _________ wird von der Anklage der Nötigung (Art. 181 StGB), angeblich begangen an Silvester 
2019/2020 (Ziff. 1.1.3 der Anklageschrift) freigesprochen.  

11. Z _________ wird schuldig gesprochen:  

a.  der versuchten vorsätzlichen Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB);  

b.  der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 StGB) sowie der versuchten einfachen Körperver-
letzung (Art. 123 Ziff. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB);  

c.  der mehrfachen Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 2 StGB);  

d.  der mehrfachen Drohung (Art. 180 Abs. 2 StGB);  

e.  der mehrfachen Nötigung (Art. 181 StGB);  

f.  der qualifizierten Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB);  

g. der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 116 Abs. 1 lit. a AIG).  

12. Z _________ wird zu einer (unbedingten) Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Die 
seit dem 16. Juli 2020 ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft wird an die Strafe angerech-
net. 

13. Vollzugsbegleitend wird für Z _________ eine ambulante Massnahme angeordnet (Art. 63 Abs. 1 
StGB). Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufgescho-
ben. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.  

14. Z _________ wird zur Sicherung des Strafvollzugs in Sicherheitshaft belassen. Die gegen ihn angeord-
nete Sicherheitshaft wird für die Dauer von drei Monaten, d.h. höchstens bis 25. September 2021, bzw. 
bis zum Vollzugsbefehl der Vollzugsbehörde oder — im Fall der Berufung — bis zum gegenteiligen 
Entscheid der Verfahrensleitung der Berufungsinstanz verlängert (vgl. separater Entscheid).  

15. Z _________ wird für 8 Jahre aus der Schweiz verwiesen. Es wird die Ausschreibung der Landesver-
weisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener Informationssystem (SIS) angeord-
net.  

16. Z _________ bezahlt an X _________ eine Genugtuung von Fr. 3'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 
15. Juli 2020.  

17. Die Beschlagnahme über die Armbandkette, gold, LOVE, wird aufgehoben. Diese ist nach Rechtskraft 
des Urteils an Z _________ auszuhändigen.  

18. Die übrigen beschlagnahmten Gegenstände (Messer mit Militärdekor, Klingenlänge 8 cm; Fleece Ja-
cke, Gents&Co, weiss mit schwarzen Punkten; T-Shirt, Angela Tritico, Gr. M schwarz, Jeans Hose, 
FSBN, dunkelblau, mit schwarzem Gürtel; Freizeitschuhe KAPPA, weiss, Gr. 44; T-Shirt, LW Jeans, 
schwarz, BH, dunkelblau; Hose, Chicoree, blau; Umschlag mit 2 Haushaltspapieren mit roten Linien, 
aus Abfall gesichert; Umschlag mit 1 Messer aus Besteckschublade; Umschlag mit 3 Messern aus Be-
steckfach Geschirrspüler; Umschlag mit 1 BH, zerrissen aus Schlafzimmer; Messer im Kinderzimmer 
sichergestellt; Mobiltelefon iPhone "355404073050291"; alle Fall-Nr. 1923-20) werden eingezogen und 
vernichtet.  

19. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 31'809.80, bestehend aus den Verfahrenskosten der Staats-
anwaltschaft von Fr. 29'309.80 (Gebühr ohne Polizeikosten Fr. 1'300.--; Kosten Vorverfahren 
Fr. 28'009.80) sowie der Gerichtsgebühr des Kreisgerichts von Fr. 2'500.--, werden wie folgt auferlegt:  

- 4 - 

a.  A _________ Fr. 960.-- (Fr. 200.-- Anteil Kosten Vorverfahren, Fr. 260.-- Anteil Gebühr Staatsan-
waltschaft, Fr. 500.-- Anteil Gebühr Kreisgericht);  

b.  Y _________ Fr. 1'060.-- (Fr. 300.-- Anteil Kosten Vorverfahren, Fr. 260.-- Anteil Gebühr Staatsan-
waltschaft, Fr. 500.-- Anteil Gebühr Kreisgericht);  

c.  Z _________ Fr. 29’789.80 (Fr. 27’509.80 Anteil Kosten Vorverfahren inkl. Kosten Gutachten, Fr. 
780.-- Anteil Gebühr Staatsanwaltschaft, Fr. 1'500.-- Anteil Gebühr Kreisgericht).  

20. Die Kosten der Übersetzung gehen zu Lasten des Staats Wallis (Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO).  

21. a)  A _________, Y _________ und Z _________ bezahlen der Privatklägerin X _________ unter 
solidarischer Haftbarkeit eine Parteientschädigung von Fr. 6’772.70 (inkl. Auslagen von Fr. 393.50 
und MWST). 

b)  Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwalt Thierry Arnold als unentgeltlichem Rechtsvertreter der Pri-
vatklägerin vorab eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 6’772.70 (inkl. Auslagen von Fr. 393.50 
und MWST). A _________, Y _________ und Z _________ sind verpflichtet, dem Staat Wallis die 
ausgerichtete Parteientschädigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben.  

22. Es wird Akt davon genommen und gegeben, dass der vormalige amtliche Verteidiger von A _________, 
Rechtsanwalt Fabian Williner, für seine Aufwände im vorliegenden Verfahren mit Fr. 5'200.-- inkl. Aus-
lagen und MWST entschädigt wurde.  

A _________ hat dem Staat Wallis die Entschädigung für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, 
sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

23. Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwalt Christian Perrig als amtlichem Verteidiger von Y _________ eine 
Parteientschädigung von Fr. 8'000.-- (inkl. MWST und Auslagen). Y _________ hat dem Staat Wallis 
die Entschädigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

24. Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwalt Patrick Ruppen als amtlichem Verteidiger von Z _________ eine 
Parteientschädigung von Fr. 15'000.-- (inkl. MWST und Auslagen). Z _________ hat dem Staat Wallis 
die Entschädigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

B.  Der Verteidiger von Y _________ meldete die Berufung am 30. Juni 2021 an (S. 399) 

und deponierte am 20. Juli 2021 eine Berufungserklärung mit folgenden Anträgen (S. 

557): 

1. Y _________ wird, abgesehen von der Verurteilung wegen Verletzung von Art. 95 Abs. 1 SVG von 
Schuld und Strafe freigesprochen. 

2. Die Kosten des (gesamten bisherigen) Verfahrens und der Entscheide gehen zulasten des Staates. 

3. Y _________ wird für das gesamte bisherige Verfahren eine angemessene Parteientschädigung zu 
Lasten des Fiskus zugesprochen. 

Der Verteidiger von Z _________ meldete die Berufung am 30. Juni 2021 an (S. 401) 

und hinterlegte am 16. August 2021 eine Berufungserklärung mit folgenden Anträgen (S. 

616 f.): 

1. In Gutheissung dieser Berufung sei das Urteil des Kreisgerichtes Oberwallis für die Bezirke Brig, Öst-
lich-Raron und Goms vom 25. Juni 2021 in Bezug auf Ziff. 11, 12, 13, 14, 15, 16, 18, 19 und 21 des 
Judikatums im folgenden Sinne aufzuheben: 

- Z _________ sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB), der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 StGB), der versuchten einfachen Körper-

verletzung (Art. 123 Ziff. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), der mehrfachen Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 

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2 StGB), der mehrfachen Drohung (Art. 180 Abs. 2 StGB), der mehrfachen Nötigung (Art. 181 

StGB), der qualifizierten Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB) sowie der 

Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 116 Abs. 1 lit. a AIG) freizusprechen. 

- Auf die Anordnung einer ambulanten Massnahme gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB sei zu verzichten. 

- Auf die obligatorische Landesverweisung von Z _________ i.S.v. Art. 66a Abs. 1 StGB sei zu ver-

zichten, subsidiär sei darauf aufgrund der Anwendbarkeit von Art. 8 EMRK und Art. 66a Abs. 2 

StGB zu verzichten. 

- Die Zivilforderung der Privatklägerin ist auf den Zivilweg zu verweisen. 

2. Z _________ sei in Bezug auf den Vorfall vom 15./16. Juli 2020 der fahrlässigen einfachen Körperver-
letzung (Art. 125 Abs. 1 StGB) sowie der versuchten Nötigung (Art. 180 i.V.m. Art. 22 StGB) schuldig 
zu sprechen und (unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft) ange-
messen zu bestrafen, wobei der bedingte Strafvollzuq unter Ansetzung einer minimalen Probezeit zu 
gewähren ist. 

3. Z _________ sei spätestens zum Zeitpunkt der Zustellung des Berufungsurteils umgehend aus der 
Sicherheitshaft zu entlassen. 

4. Die zu viel ausgestandene Untersuchungs- resp. Sicherheitshaft sei angemessen zu entschädigen. 

5. Die beschlagnahmten Gegenstände gemäss Ziff. 18 des Judikatums des angefochtenen Entscheides 
seien Z _________ nach Rechtskraft des Urteils herauszugeben. 

6. Die Kosten dieses Verfahrens und Entscheides sowie sämtliche Kosten des erstinstanzlichen Verfah-
rens sind entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens (neu) zu verteilen. 

7. Der unterzeichnete Rechtsanwalt Patrick Ruppen ist für das Berufungsverfahren ab der Zustellung des 
begründeten Urteils vom 25. Juni 2021 (weiterhin) zum amtlichen und notwendigen Verteidiger von Z 
_________ zu ernennen. Die Kosten des unterzeichneten amtlichen Verteidigers für dessen Tätigkeit 
für das Berufungsverfahren seien vollumfänglich vom Fiskus zu tragen. 

C.  Die Staatsanwältin reichte am 8. September 2021 eine Anschlussberufung mit fol-

genden Anträgen ein (S. 760 f.): 

1. Das angefochtene Urteil S1 21 8 des Kreisgerichts Oberwallis für die Bezirke Brig, Östlich-Raron und 
Goms vom 25. Juni 2021 ist in Bezug auf die Bemessungen der Strafe von Z _________ und 
Y _________ (Ziff. 7 und 12) sowie in Bezug auf die Anordnung der Massnahmen von Z _________ 
und Y _________ (Ziff. 8 und 15) aufzuheben. 

2. Das angefochtene Urteil S1 21 8 des Kreisgerichts Oberwallis für die Bezirke Brig, Östlich-Rayon und 
Goms vom 25. Juni 2021 ist betreffend die übrigen Ziffern, sofern Z _________ und Y _________ be-
treffend, zu bestätigen. 

3. Z _________ wird zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren verurteilt, wobei die seit dem 16. Juli 2020 
ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft der Freiheitsstrafe angerechnet wird. Ferner wird 
Z _________ mit einer Busse von CHF 500.00 bestraft, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise in 
eine Freiheitsstrafe von 5 Tagen. 

4. Y _________ wird zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Im Umfang von 18 
Monaten ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen. Der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgescho-
ben unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. 

5. Z _________ wird für 10 Jahre aus der Schweiz verwiesen (Art. 660 Abs. 1 lit. a und g StGB). Es wird 
die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener In-
formationssystem (SIS) angeordnet. 

6. Y _________ wird für 7 Jahre aus der Schweiz verwiesen (Art. 660 Abs. 1 lit. g StGB). Es wird die 
Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener Infor-
mationssystem (SIS) angeordnet. 

- 6 - 

7. Dies unter den entsprechenden Kostenfolgen zu Lasten der Beschuldigten Z _________ und 
Y _________. 

D.  Die Beteiligten stellten an der Berufungsverhandlung vom 5. Oktober 2021 folgende 

Anträge: 

Staatsanwaltschaft (S. 959): 

1. Die Berufung von Y _________ vom 20. Juli 2021 gegen das Urteil S1 21 8 des Kreisgerichts Oberwallis 
für die Bezirke Brig, Östlich-Raron und Goms vom 25. Juni 2021 ist abzuweisen. 

2. Die Berufung von Z _________ vom 16. August 2021 gegen das Urteil S1 21 8 des Kreisgerichts Ober-
wallis für die Bezirke Brig, Östlich-Raron und Goms vom 25. Juni 2021 ist abzuweisen. 

3. Das angefochtene Urteil S1 21 8 des Kreisgerichts Oberwallis für die Bezirke Brig, Östlich-Raron und 
Goms vom 25. Juni 2021 ist - in Gutheissung der Anschlussberufung - in Bezug auf die Bemessungen 
der Strafe von Z _________ und Y _________ (Ziff. 7 und 12) sowie in Bezug auf die Anordnung der 
Massnahmen von Z _________ und Y _________ (Ziff. 8 und 15) aufzuheben. 

4. Das angefochtene Urteil S1 21 8 des Kreisgerichts Oberwallis für die Bezirke Brig, Östlich-Raron und 
Goms vom 25. Juni 2021 ist bezüglich der übrigen Ziffern, sofern Z _________ und Y _________ be-
treffend, zu bestätigen. 

5. Z _________ wird zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren verurteilt, wobei die seit dem 16. Juli 2020 
ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft der Freiheitsstrafe angerechnet wird. Ferner wird 
Z _________ mit einer Busse von CHF 500.00 bestraft, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise in 
eine Freiheitsstrafe von 5 Tagen. 

6. Y _________ wird zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Im Umfang von 18 
Monaten ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen. Der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgescho-
ben unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. 

7. Z _________ wird für 10 Jahre aus der Schweiz verwiesen (Art. 660 Abs. 1 lit. a und g StGB). Es wird 
die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener In-
formationssystem (SIS) angeordnet. 

8. Y _________ wird für 7 Jahre aus der Schweiz verwiesen (Art. 660 Abs. 1 lit. g StGB). Es wird die 
Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise-und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener Infor-
mationssystem (SIS) angeordnet. 

9. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden anteilsmässig Z _________ und Y _________ auferlegt. 

10. Z _________ und Y _________ bezahlen X _________ unter solidarischer Haftbarkeit eine angemes-
sene und vom Gericht festzusetzende Parteientschädigung für das Berufungsverfahren. 

Privatklägerin (S. 961): 

1. Das erstinstanzliche Urteil im Verfahren S1 21 8 sei zu bestätigen. 

2. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter ist eine Entschädigung in Höhe der hinterlegten Kostennote zuzu-
sprechen. 

3. Die Angeklagten entschädigen die Privatklägerin für die notwendig gewordenen Auslagen in Höhe von 
CHF 2’184.40, welche im Falle der Gutheissung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 138 
Abs. 2 StPO an den Kanton fällt. 

 

Verteidigung Y _________ (S. 965): 

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1. Y _________ ist von Schuld und Strafe bzw. vom Vorwurf der Drohung, der mehrfachen Nötigung, der 
qualifizierten Freiheitsberaubung und der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts freizusprechen. 

2. Von der Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung wird abgesehen. 

3. Die Kosten von Verfahren und Entscheid gehen zu Lasten des Staates. 

4. Herr Y _________ ist eine Entschädigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zuzusprechen. 

5. Die amtliche Verteidigung wird angemessen entschädigt. 

Verteidigung Z _________ (S. 966): 

1. In Gutheissung dieser Berufung sei das Urteil des Kreisgerichtes Oberwallis für die Bezirke Brig, Öst-
lich-Raron und Goms vom 25. Juni 2021 in Bezug auf Ziff. 11, 12, 13, 14, 15, 16, 18, 19 und 21 des 
Judikatums im folgenden Sinne aufzuheben: 

- Z _________ sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB), der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 StGB), der versuchten einfachen Körper-

verletzung (Art. 123 Ziff. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), der mehrfachen Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 

2 StGB), der mehrfachen Drohung (Art. 180 Abs. 2 StGB), der mehrfachen Nötigung (Art. 181 

StGB), der qualifizierten Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 Abs. 4 StGB) sowie der 

Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 116 Abs. 1 lit. a AIG) freizusprechen. 

- Auf die Anordnung einer ambulanten Massnahme gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB sei zu verzichten. 

- Auf die obligatorische Landesverweisung von Z _________ i.S.v. Art. 66a Abs. 1 StGB sei zu ver-

zichten, subsidiär sei darauf aufgrund der Anwendbarkeit von Art. 8 EMRK und Art. 66a Abs. 2 

StGB zu verzichten. Von einer SIS-Ausschreibung sei ebenfalls abzusehen. 

- Die Zivilforderung der Privatklägerin ist auf den Zivilweg zu verweisen. 

2. Z _________ sei in Bezug auf den Vorfall vom 15./16. Juli 2020 der fahrlässigen einfachen Körperver-
letzung (Art. 125 Abs. 1 StGB) sowie der versuchten Nötigung (Art. 180 i.V.m. Art. 22 StGB) schuldig 
zu sprechen und (unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft) ange-
messen zu bestrafen, wobei der bedingte Strafvollzuq unter Ansetzung einer minimalen Probezeit zu 
gewähren ist. 

3. Z _________ sei spätestens zum Zeitpunkt der Zustellung des Berufungsurteils umgehend aus der 
Sicherheitshaft zu entlassen. 

4. Die zu viel ausgestandene Untersuchungs- resp. Sicherheitshaft sei angemessen zu entschädigen. 

5. Die beschlagnahmten Gegenstände gemäss Ziff. 18 des Judikatums des angefochtenen Entscheides 
seien Z _________ nach Rechtskraft des Urteils herauszugeben. 

6. Die Kosten dieses Verfahrens und Entscheides sowie sämtliche Kosten des erstinstanzlichen Verfah-
rens sind entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens (neu) zu verteilen. 

7. Der unterzeichnete Rechtsanwalt Patrick Ruppen ist für das Berufungsverfahren ab der Zustellung des 
begründeten Urteils vom 25. Juni 2021 (weiterhin) zum amtlichen und notwendigen Verteidiger von 
Z _________ zu ernennen. Die Kosten des unterzeichneten amtlichen Verteidigers für dessen Tätigkeit 
für das Berufungsverfahren seien vollumfänglich vom Fiskus zu tragen. 

E.  Die Beteiligten verzichteten am Schluss der Berufungsverhandlung auf ein mündlich 

begründetes Urteil (S. 919). Die Beteiligten erhielten, wie an der Berufungsverhandlung 

vereinbart, die Aufnahme und Übersetzung eines Telefongesprächs nachträglich über-

mittelt und konnten dazu Stellung beziehen. 

- 8 - 

 

 
Sachverhalt und Erwägungen 

1. Formelles 

1.1  Nach der vorliegend anwendbaren StPO (Art. 1 Abs. 1 StPO) ist gegen Urteile erst-

instanzlicher Gerichte, d.h. des Bezirksrichters als Einzelrichter und des Kreisgerichts 

als Kollegialgericht (Art. 19 StPO; Art. 12 EGStPO), mit denen das Verfahren ganz oder 

teilweise abgeschlossen worden ist, gemäss Art. 398 Abs. 1 i.V.m. Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO die Berufung zulässig. Das Kantonsgericht ist Berufungsinstanz (Art. 14 Abs. 1 

EGStPO). Ein Kantonsrichter kann bei Berufungen gegen Urteile der Bezirksrichter allein 

entscheiden, wenn als Hauptstrafe eine Busse, eine Geldstrafe, eine gemeinnützige Ar-

beit oder eine bedingte Freiheitsstrafe auszufällen und keine vorausgehende bedingte 

Freiheitsstrafe zu widerrufen ist (Art. 19 Abs. 2 StPO; Art. 14 Abs. 2 Satz 1 EGStPO). 

Der mit der Behandlung betraute Kantonsrichter kann den Fall vor den Gerichtshof brin-

gen, welcher auch die übrigen Berufungen beurteilt (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 

EGStPO).  

Die Zuständigkeit des hier urteilenden Gerichts ist in casu gegeben. 

1.2  Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-

rung eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen. Der Beschuldigte ist vom 

erstinstanzlichen Schuldspruch direkt betroffen. Er ist damit in seinen rechtlich geschütz-

ten Interessen berührt und demzufolge zur Berufung legitimiert (Art. 392 Abs. 1 StPO). 

Die Berufungskläger und die Anschlussberufungsklägerin sind zur Einreichung der 

Rechtsmittel legitimiert. 

1.3  Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils beim erstinstanzlichen 

Gericht entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 

StPO). Innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils hat die Partei, die 

Berufung angemeldet hat, dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung 

einzureichen und darin anzugeben, inwieweit sie das Urteil anficht und dessen Abände-

rung verlangt (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Die anderen Parteien können innert 20 Ta-

gen seit Empfang der Berufungserklärung Anschlussberufung einreichen (Art. 400 Abs. 

3 StPO). 

Die Beschuldigten erhielten das Judikatum am 28. Juni 2021 übermittelt (S. 391) und 

meldeten die Berufungen am 30. Juni 2021 an (S. 399). Das angefochtene Urteil wurde 

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am 16. Juli 2021 schriftlich begründet versandt (bei Z _________ am 26. Juli 2021 zu-

gestellt, am 19. Juli 2021 avisiert ins Postfach zur Abholung am Schalter; S. 638). Die 

Berufungserklärungen wurden am 20. Juli 2021 (S. 553) und am 16. August 2021 recht-

zeitig zugestellt (S. 746).  

Das Kantonsgericht zeigte den Eingang der Berufungserklärungen am 18. August 2021 

an (S. 747), worauf die Staatsanwaltschaft am 8. September 2021 Anschlussberufung 

erhoben hat (S. 760). 

Das Kantonsgericht hat auf die form- und fristgerecht deponierten Rechtsmittel einzutre-

ten. 

1.4  Die Beteiligten können mit der Berufung im Regelfall Rechtsverletzungen, Rechts-

verweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung 

des Sachverhalts sowie Unangemessenheit rügen (Art. 398 Abs. 3 StPO). Einschrän-

kende Vorschriften gelten für Übertretungen sowie im Zivilpunkt (Art. 398 Abs. 4 und 5 

StPO). Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich an-

zugeben, auf welche der in Art. 399 Abs. 4 lit. a bis g StPO aufgezählten Teile sich die 

Berufung beschränkt. Das Berufungsgericht kann das Urteil in allen angefochtenen 

Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Seine Kontrolle bleibt jedoch im 

Prinzip auf die angefochtenen Punkte beschränkt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann aber 

zu Gunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte kontrollieren, um 

gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO; zur 

Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide vgl. Art. 392 StPO). Die Berufung 

hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). 

Das Berufungsgericht fällt bei Eintreten auf die Berufung ein neues Urteil (Art. 408 StPO) 

oder weist die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück, sofern das erstin-

stanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren nicht ge-

heilt werden können (Art. 409 StPO). 

Das Urteil ist A _________ betreffend (Ziff. 2 - 5) und in Bezug auf diverse Einstellungen 

(Ziff. 1; Ziff. 9) rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat einen Freispruch gegen 

Z _________ (Ziff. 10) nicht angefochten. Die Goldkette ist aufgrund des rechtskräftigen 

Entscheids (Ziff. 17) an Z _________ zurückzugeben. Auch die Kosten und Entschädi-

gungen A _________ betreffend (Ziff. 19 a; 21 a; 22), die Auferlegung der Übersetzungs-

kosten an den Fiskus (Ziff. 20) sowie die Entschädigungen an die notwendigen Verteidi-

ger (Ziff. 21b; Ziff. 22 - 24) sind nicht angefochten worden. Y _________ akzeptiert einzig 

die Verurteilung wegen des Verkehrsregeldelikts (Ziff. 6d). Er ficht mithin die Verurteilung 

- 10 - 

wegen Nötigung, qualifizierter Freiheitsberaubung und Förderung des rechtswidrigen 

Aufenthalts (Ziff. 6a - 6c) an. Z _________ ficht alle Verurteilungen gemäss Ziff. 11 an. 

Er ist damit einverstanden, wegen des Vorfalls vom 15./16. Juli 2020 wegen fahrlässiger 

einfacher Körperverletzung sowie versuchter Nötigung (S. 616 und S. 624 ff.) verurteilt 

zu werden. Die Vorinstanz hat das damalige Verhalten hingegen als versuchte vorsätz-

liche Tötung, mehrfacher Drohung, einfacher Körperverletzung und mehrfacher Tätlich-

keit qualifiziert (S. 499 f. E. 4.3 in fine und Ziff. 11a-d). Die bestrittene Nötigung bzw. 

mehrfache Nötigung betrifft einen Vorfall vom 3. Januar 2020, für den sowohl 

Y _________ wie auch Z _________ verurteilt worden sind (Ziff. 6a und Ziff. 11 e) und 

den die Vorinstanz in E. 3.10 (S. 461 ff.; Ziff. 6a und Ziff. 11e) beurteilt hat. Z _________ 

ist diesbezüglich wegen mehrfacher Nötigung verurteilt worden, weil er seiner Partnerin 

nach dem Vorfall mehrfach Gewalt angedroht hat, falls sie ihn verlasse. Die angefoch-

tene Verurteilung wegen qualifizierter Freiheitsberaubung (Ziff. 6b sowie 11f) betrifft 

ebenso beide Berufungskläger. Sie ist ab S. 433 in der E. 3.2 plus E. 3.3 begründet. Die 

Vorinstanz geht davon aus, zwischen dem 17. Februar 2017 und dem 31. Dezember 

2019 hätten Z _________ und X _________ zusammen und von den anderen zwei Be-

schuldigten getrennt gelebt. Der Einfluss der Eltern von Z _________ sei ab diesem 

Moment strafrechtlich nicht mehr relevant (S. 454 E. 3.3.10). Das Kreisgericht prüft in 

diesem Zusammenhang ferner, ob auch ein rechtswidriger Aufenthalt gefördert worden 

ist (S. 445 f. E. 3.2.7.c). Es erachtet einen Teil dieses Tatvorwurfs als verjährt und spricht 

Y _________ und Z _________ für die Begehung dieses Delikts zwischen November 

2016 bis Januar 2017 schuldig. Diese Verurteilung wird von den Angeklagten ebenso 

angefochten, während die Einstellung rechtskräftig ist. Die Staatsanwältin und die Beru-

fungskläger zeigen sich mit den ausgesprochenen Sanktionen nicht einverstanden. Die 

Staatsanwaltschaft fordert ferner eine Landesverweisung für Y _________ (S. 525 Ziff. 

7) und beantragt, diejenige für Z _________ (S. 526 Ziff. 15) zu verlängern. Letzterer 

ficht seinerseits die gegen ihn ausgesprochene Landesverweisung an. Er fordert 

schliesslich diverse beschlagnahmten Gegenstände (S. 526 Ziff. 18) zurück. 

1.5  Die Rechtsmittelinstanz darf nach Art. 391 Abs. 2 StPO Entscheide nicht zum Nach-

teil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten 

ergriffen worden ist (Verbot der reformatio in peius; vgl. BGE 139 IV 282 E. 2.5). Das 

Verschlechterungsverbot ist auch verletzt, wenn die Kosten- und Entschädigungsrege-

lung zum Nachteil des Rechtsmittelklägers geändert wird (Bundesgerichtsurteil 

6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014 E. 2.3). Die Staatsanwaltschaft hat vorliegend An-

schlussberufung erhoben, weshalb dieser Grundsatz unbeachtlich ist. 

- 11 - 

1.6  X _________ und Z _________ haben zur Zeit der angeklagten Vorfälle unbestrit-

tenermassen im Konkubinat gelebt. Sie haben sich im Februar 2020 getrennt und sind 

im Juli 2020 wieder zusammengezogen. Die Privatklägerin hat am 13. Juli 2020 eine 

Desinteresseerklärung vom 9. Juli 2020 deponiert (Staatsanwaltschaft S. 196 ff.). Es ist 

zu prüfen, inwiefern sich dies auf den vorliegenden Prozess auswirkt.  

Verschiedene Delikte der häuslichen Gewalt werden aufgrund der unbestrittenermassen 

vorhandenen Lebensgemeinschaft zu Offizialdelikten (vgl. z.B. Art. 123 Abs. 2 StGB; Art. 

126 Abs. 2 StGB; Art. 180 Abs. 2 StGB). Deren Verfolgung kann auf Antrag des Opfers 

unter Umständen sistiert werden (vgl. Art. 55a StGB). Eine solche Verfahrenssistierung 

ist gemäss Desinteresseerklärung nicht einverlangt und von der Staatsanwaltschaft 

auch nicht ausgesprochen worden. Dies liegt wegen des Vorfalls vom 15. Juli 2020 auf 

der Hand, die Situation hat sich deswegen erheblich verschärft und eine Sistierung hätte 

keinen Sinn mehr ergeben. Die Betroffene hat demzufolge freilich einen Verzicht oder 

einen Rückzug gemäss Art. 120 StPO deponiert. Dieser kann sich jedoch einzig für De-

likte auswirken, welche vor der Desinteresseerklärung erfolgt sind. Das Kantonsgericht 

hat keine Antragsdelikte mehr zu beurteilen, welche vor dem 15. Juli 2020 erfolgt sind. 

Die Privatklägerin hat ausserdem am 7. September 2020 einen Strafantrag für allfällige 

am 15. Juli 2020 begangene Antragsdelikte deponiert und sich gleichzeitig als Zivil- und 

Strafklägerin konstituiert (Staatsanwaltschaft S. 395 f.). Die Desinteresseerklärung vom 

9. Juli 2020 hat demnach auf die im Rechtsmittelprozess zu prüfenden Verurteilungen 

keine Auswirkungen.  

Die zulasten von Z _________ und zugunsten von X _________ ausgesprochene Ge-

nugtuung wird aufgrund des Vorfalls vom 15. Juli 2020 berechnet, was mit der Desinte-

resseerklärung vereinbar ist. 

1.7  Z _________ behauptet, es fehle beim vorgeworfenen Sachverhalt für die Taten vor 

dem 15. Juli 2020 eine hinreichende zeitliche Eingrenzung. Die Anklage enthält für die 

Dauerdelikte der qualifizierten Freiheitsberaubung und der Förderung des rechtswidri-

gen Aufenthalts eine exakt definierte Zeitspanne (vgl. Ziff. 1.1.1 und 1.1.2). Die Einlei-

tung umschreibt ausserdem hinreichend genau Zeiträume, in welchen sich die Privatklä-

gerin und ihr Partner nicht in der Schweiz aufgehalten haben (S. 4 f.). Der Vorfall mit der 

Zigarette hat laut Anklage «Ende Dezember 2019» stattgefunden (S. 7). Die nachfolgend 

behandelte Nötigung vom 3. Januar 2020 ist in der Anklageschrift datiert (S. 8). 

Z _________ ist sehr wohl im Stande gewesen, sich im vorliegenden Prozess hinrei-

chend zu verteidigen. Der Anklagegrundsatz ist für diejenigen Delikte, welche im Beru-

fungsverfahren zu prüfen sind, mitnichten verletzt. 

- 12 - 

2.  Sachverhalt 

Der nachfolgend vom Kreisgericht festgestellte Sachverhalt ist unstrittig (S. 427 E. 2 und 

S. 495 ff. E. 4.2.9): 

A _________ und Y _________ stammen aus dem Kosovo, gehören der Ethnie der 

Roma an und sind islamischen Glaubens. Sie haben 12 Kinder, wovon eines gestorben 

ist und mehrere Töchter in verschiedenen Ländern leben.  

Y _________ beherrscht die deutsche Sprache gegenwärtig kaum, seine Ehegattin 

überhaupt nicht. Letztere ist Analphabetin, hat keine Schule besucht und keine Ausbil-

dung genossen. Sie ist Hausfrau und geht in der Freizeit spazieren. Der Ehemann be-

hauptet, nur ein Jahr in der Schule gewesen zu sein und als Eisenleger gearbeitet zu 

haben. Er ist in der Schweiz frühzeitig kurz Erwerbstätigkeiten nachgegangen (S. 143 f.) 

und hat, laut Akten des Migrationsamts, ab Juli 2015 in einem 10% Pensum bei der 

Rhone-Immobilien Management AG als Hilfsarbeiter geleistet (Migration S. 629). Diese 

Tätigkeit ist im Jahr 2020, laut Y _________, zumindest unterbrochen gewesen (S. 152). 

Er habe bis Juni 2021 zu 30% gearbeitet und ist mittlerweile in der Unternehmensgruppe 

der B _________.ch zu 80 Prozent als Hilfsarbeiter engagiert. «Die Leistungen von 

Y _________ waren stets zu unserer vollsten Zufriedenheit, weshalb wir das Arbeitspen-

sum im Laufe der Jahre auf 80% erhöht haben. » Dieser Arbeitgeber hat ihm am 8. 

November 2021 ein sehr gutes Arbeitszeugnis ausgestellt (S. 924). Die Familie 

Y _________ hat ihren Lebensunterhalt bis 2020 zumindest teilweise mit Sozialhilfe fi-

nanziert.  

Z _________ hat die obligatorischen Schulen in der Schweiz besucht und musste dort 

frühzeitig unterstützt werden. Er leidet an einer Intelligenzminderung leichten Grades, 

welche aufgrund der ausgeprägten psychosozialen Leistungsdefizite als schwergradig 

zu beurteilen sei. Er benötige im alltäglichen Bereich Unterstützung beim Einkaufen, bei 

der Organisation des Haushalts, bei Bankgeschäften, im Umgang mit Geld, bei der Ta-

gesstrukturierung, beim Fällen rechtlicher Entscheidungen und zur Bewältigung familiä-

rer Konflikte. Der Experte hat festgestellt, beim Vorfall vom 15. Juli 2020 sei von einer 

mittelgradig reduzierten Schuldfähigkeit auszugehen, bei den übrigen Tatvorwürfen sei 

diese leichtgradig reduziert. Dies wird im Berufungsverfahren nicht mehr in Frage ge-

stellt, es kann auf die treffenden Ausführungen der Vorinstanz und die dortigen Hinweise 

auf das Gutachten verwiesen werden (S. 501 ff. E. 6). 

Die beiden Berufungskläger sind in keinem Verein aktiv. 

- 13 - 

Die Familie Y _________ sind am 23. Oktober 2000 in die Schweiz eingereist und haben 

ein Asylgesuch gestellt. Dieser ist abgewiesen, die Gesuchsteller sind jedoch vorläufig 

aufgenommen worden. Die Familie, teilweise mit weiteren Personen, hat ab August 2001 

in einem alleinstehenden, vom Asylwesen finanzierten Haus in einem Industriegebiet der 

Gemeinde C _________ gelebt. Die nächsten Wohnhäuser befinden sich mehrere Hun-

dert Meter entfernt und bei den Nachbarn handelt es sich um Gewerbebetriebe. 

A _________ und Y _________ leben mittlerweile mit zwei Töchtern zentraler in 

C _________, die übrigen Kinder sind ausgezogen. Eine Tochter lebt gemäss überein-

stimmenden Äusserungen der Eltern vor der Staatsanwaltschaft vom 5. Juni 2020 im 

Kosovo (S. 152 und [erst auf Nachfrage] S. 162). Y _________ und A _________ be-

haupten vor Kreisgericht bereits in der ersten Antwort, eine Tochter lebe in Montenegro 

und nicht im Kosovo (S. 292 und S. 297). Der Kindsvater ist jedoch nicht im Stande zu 

erklären, wo die Tochter genau in Montenegro lebt (S. 294). Z _________, der vor seinen 

Eltern befragt wird, ist weiterhin der Meinung, eine Schwester im Kosovo zu haben (S. 

285). Er habe sie noch nie gesehen. Diese 30 Jahre alte Schwester sei nämlich 2000 im 

Kosovo geblieben, weil sie bereits verheiratet gewesen und Kinder gehabt habe. 

Z _________ gibt vor Kantonsgericht an, er habe einen Onkel im Kosovo, mit dem er 

aber – wie sein Vater gerade gesagt habe – keinen Kontakt habe (S. 957 A. 27). Das 

Gericht geht davon aus, dass die angeklagten Eltern, die in der Hauptverhandlung mit 

einer Ausweisung rechnen mussten, zu ihrem Schutz behauptet haben, die Tochter 

wohne nicht mehr im Kosovo. Der Sohn hat hingegen während der Hauptverhandlung 

die Wahrheit gesagt, vor Kantonsgericht jedoch die entsprechende Problematik ebenso 

realisiert.  

X _________, geb. am xxx 1992, seit Geburt Muslima, lebte bis 2012 in Albanien. Sie 

besuchte dort acht Jahre die Primarschule und absolvierte eine zweijährige Ausbildung 

als Stylistin. Sie lernte erst nach Beginn dieses Prozesses Französisch (S. 276) und 

sprach vorher keine Amtssprache des Kantons Wallis.  

Die damals 20 Jahre alte X _________ reiste am 5. Juli 2012 in Begleitung ihres Bruders 

D _________ freiwillig und im Besitz eines gültigen Reisepasses in die Schweiz ein und 

«heiratete» den damals 16 Jahre alten Z _________ in einer traditionellen Art. Die von 

den Eltern arrangierte Ehe wurde nicht in Schweizer Registern eingetragen, die beiden 

gelten mithin gemäss Schweizer Recht als unverheiratet.  

Die Privatklägerin kehrte seit 2012 nicht mehr nach Albanien zurück. 

- 14 - 

Der gemeinsame Nachwuchs Y _________ (geb. 2013), E _________ (geb. 2015) und 

F _________ (geb. 2019) entstammen der Beziehung zwischen X _________ und 

Z _________. Die ersten zwei Kinder kamen in Frankreich nahe der Schweizer Grenze 

zur Welt, das Dritte im Spital von Visp. 

Das Paar hielt sich ab September 2013 in Frankreich bei der Schwester von 

Z _________, G _________ und ihrem Mann, auf. Die Privatklägerin kehrte nach der 

Geburt von Y _________, im November 2013, in die Schweiz zu A _________ und 

Y _________ zurück. X _________ zog im Mai 2014 erneut nach Frankreich und bat 

dort Oktober 2014 um Asyl (S. 74 ff.). Die Partner bezogen in Colmar eine gemeinsame 

Wohnung, wo sie mit dem Nachwuchs lebten (S. 273). Die Aussagen, wie lange die 

Familie bei diesem zweiten Aufenthalt im Ausland blieb, sind uneinheitlich. Z _________ 

erhielt ab November 2016 eine Schweizer Aufenthaltsbewilligung F ausgestellt (Migra-

tion S. 418). Er kehrte mithin spätestens zu diesem Zeitpunkt, nach der Geburt der Toch-

ter E _________, aus Frankreich zu seinen Eltern nach C _________ zurück. Die Familie 

Z _________ und X _________ bezog gemäss Mietvertrag vom Dezember 2016 und 

erstem bezahlten Mietzins ab Februar 2017 eine eigene Wohnung in C _________ und 

lebte anschliessend mit den Kindern gemeinsam in eigenen Appartements (S. 78 f.).    

Die Privatklägerin habe sich nach einer Denunziation eines Angehörigen im Jahr 2019 

anmelden müssen (Staatsanwaltschaft S. 20 A. 30). Sie wurde gemeinsam mit ihren 

Kindern seit 29. Mai 2019 vorläufig in der Schweiz aufgenommen. 

Die Schwester der Privatklägerin, H _________, verbrachte den Silvester 2019/20 bei 

jener in C _________. Es kam dabei zu Konflikten mit Mitgliedern der Familie 

Y _________. Die Polizei musste am 3. Januar 2020 intervenieren, leitete aber von Am-

tes wegen keinen Strafprozess ein. 

Zwei Kosovarische Medien thematisierten, namentlich aufgrund einer Intervention von 

H _________ und weiteren Verwandten, im Februar 2020 angebliche nötigende und ge-

walttätige Handlungen gegen X _________. Dies wurde teils auch von Schweizer Me-

dien aufgegriffen (Staatsanwaltschaft S. 9 ff.). Die Ehegatten Y _________ und deren 

Sohn meldeten sich selbst bei der Schweizer Polizei, um diese auf die Publikationen 

aufmerksam zu machen und sich dagegen zu wehren. 

Die Privatklägerin und Z _________ trennten sich am 19. Februar 2020. Die Partnerin 

hielt sich mit ihren Kindern zunächst in einer Unterkunft der Opferhilfe und später in einer 

Flüchtlingsunterkunft auf (Polizei S. 61). 

- 15 - 

Das Bezirksgericht Brig erliess am 6. März 2020 ein superprovisorisches Kontakt- und 

Annäherungsverbot. Die Parteien schlossen am 13. Mai 2020 einen gerichtlichen Ver-

gleich zur Verlängerung dieses Verbots bis zum 1. Mai 2021 sowie weiterer Nebenfolgen 

ab (Verfahren Z2 20 25).  

Die Privatklägerin und der Beschuldigte zogen am 9. Juli 2020 wieder zusammen. Die 

Partnerin verfasste im bereits laufenden Strafprozess eine Desinteresseerklärung. 

Der Beschuldigte befindet sich wegen häuslicher Gewalt vom 15. Juli 2020 seit dem 16. 

Juli 2020 in Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Polizei S. 30). 

3.  Strafrechtliche Vorhalte 

3.1  Unschuldsvermutung und Beweiswürdigung 

3.1.1  Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (Un-

schuldsvermutung, Art. 10 Abs. 1 StPO). Das Gericht würdigt die Beweise frei nach sei-

ner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO).  

Die in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK gewährleistete Unschuldsvermutung 

besagt als Beweislastregel, die Anklagebehörde müsse die Schuld des Angeklagten be-

weisen und nicht dieser seine Unschuld. Der gleiche Grundsatz verbietet dem Strafrich-

ter als Beweiswürdigungsregel, sich von der Existenz eines für den Angeklagten ungüns-

tigen Sachverhalts überzeugt erklären zu lassen, wenn bei objektiver Betrachtung er-

hebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, der Sachverhalt habe sich so 

verwirklicht (BGE 138 V 74 E. 7). Der Strafrichter geht im Falle unüberwindlicher Zweifel 

von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus. Die Maxime bezieht sich 

nur auf die Feststellung der Tatsachen und nicht auf deren rechtliche Würdigung. „Aus-

sage-gegen-Aussage-Konstellationen“, in welchen sich als massgebliche Beweise be-

lastende Aussagen des mutmasslichen Opfers und bestreitende Aussagen der beschul-

digten Person gegenüberstehen, müssen keineswegs zwingend oder auch nur höchst-

wahrscheinlich gestützt auf den Grundsatz „in dubio pro reo“ zu einem Freispruch führen 

(vgl. BGE 137 IV 122 E. 3.3). Der Erstaussage kommt in der Aussagepsychologie auf-

grund gedächtnispsychologischer Voraussetzungen entscheidende Bedeutung zu (Bun-

desgerichtsurteil 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1).  

Die Glaubhaftigkeit einer Aussage ist für die Wahrheitsfindung bedeutungsvoll. Sie wird 

durch methodische Prüfung ihres Inhalts darauf analysiert, ob die auf ein bestimmtes 

Geschehen bezogenen Angaben dem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. 

Die betreffende Äusserung ist namentlich auf das Vorhandensein von Realitätskriterien 

- 16 - 

(Aussagedetails, Individualität, Verflechtung, Widerspruchsfreiheit, Konstanz etc.) und 

umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu untersuchen. Das Gericht hat zu 

kontrollieren, ob die aussagende Person eine solche Behauptung unter Berücksichti-

gung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage auch ohne 

realen Erlebnishintergrund machen könnte. Die Richter sollen im Rahmen eines hypo-

thesengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerk-

male, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der 

Aussage sowie des Aussageverhaltens das insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehler-

quellen testen. Die Prüfung soll ausserdem die persönliche Kompetenz der aussagen-

den Person werten. Das Gericht hat dabei vorab von einer nichtrealitätsbegründeten 

Aussage auszugehen. Erst wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) aufgrund der fest-

gestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, darf das Gericht darauf schliessen, 

dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 

E. 4.3; Bundesgerichtsurteil 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinwei-

sen). 

Selbst erlebte Ereignisse bleiben länger im Gedächtnis gespeichert als blosse Erfindun-

gen. Erlebnisbegründete Schilderungen schneiden bei wiederholten Befragungen be-

züglich Konstanz besser ab als erfundene Aussagen. Erinnerungsverluste sind aller-

dings immer möglich, sie müssen geradezu erwartet werden. Teils wird von „relativer 

Konstanz“ gesprochen, wobei Abweichungen, die mit einem natürlichen Erinnerungsver-

lust zu vereinbaren sind, Merkmale für die Bejahung der Glaubhaftigkeit sind: Es wäre 

zu einfach, zu behaupten, die Konstanz einer Aussage spräche für ihre Glaubhaftigkeit, 

während die Inkonstanz ihre Unglaubhaftigkeit anzeigt. Entscheidend ist die Prüfung der 

Art der Konstanz. Erwartete Konstanzen betreffen etwa Handlungen des Kerngesche-

hens, unmittelbar am Kerngeschehen beteiligte Personen, Tatörtlichkeiten, handlungs-

relevante Gegenstände, globale Körperpositionen oder Lichtverhältnisse (Helligkeit bzw. 

Dunkelheit). Erwartete Erinnerungsverluste (psychologisch erwartete Inkonstanzen) be-

ziehen sich hingegen auf Schilderungen des peripheren Geschehens, die zeitliche Rei-

henfolge von verschiedenen Phasen eines Vorganges oder von verschiedenen abge-

schlossenen Handlungen, auf Schätzungen beruhende Angaben, Angaben über unan-

genehme Empfindungen, Häufigkeitsangaben bei ähnlichen Vorfällen, Kleidung, Wetter-

verhältnisse oder Zahlenangaben (Berlinger, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafpro-

zess, Beweiseignung und Beweiswert, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 44 f.).  

Es ist mithin zu prüfen, was als „Kerngeschehen“ und was als „Randgeschehen“ anzu-

sehen ist. Die überwiegende Meinung in Rechtsprechung und Literatur definiert das 

- 17 - 

Kerngeschehen subjektiv: Das Gericht hat mithin das, was für die betreffende Auskunfts-

person in der konkreten Situation emotional besonders wichtig erschien und sie bewegt 

hat, zu bestimmen. Dieses subjektive Kerngeschehen muss somit im Prozess von Zeuge 

zu Zeuge neu bestimmt werden. Es existiert kein (feststehendes) prozessuales, sondern 

nur ein personales Kerngeschehen. Die herrschende Rechtsprechung und Lehre defi-

niert Kerngeschehen folglich nicht aus der Sicht des in Frage stehenden Tatbestandes 

oder Lebenssachverhaltes (Hussels, Von Wahrheiten und Lügen - Eine Darstellung der 

Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012 S. 372). 

Die Zeitintervalle zwischen den Aussagen sowie zwischen den Aussagen und den ge-

schilderten Ereignissen sind bei der Konstanzanalyse von zentraler Bedeutung. Ein Un-

terschied von wenigen Wochen erlaubt es regelmässig nicht, signifikante Konstanzphä-

nomene zu entwickeln. Das Gericht darf andererseits bei Zeiträumen von mehr als zwei 

oder drei Jahren auch bei erlebnisbegründeten Aussagen regelmässig keine Konstanz 

mehr erwarten (Berlinger, a.a.O., S. 45). 

3.1.2  Die Vorinstanz hat nach einer umfangreichen Begründung (S. 432 E. 2.6) über-

zeugend Grundsätze festgehalten, wie die Aussagen der Beteiligten zu würdigen sind.  

3.1.2.1  Besonders wichtig erscheinen Erörterungen in Bezug auf die geringe Schulbil-

dung der Beteiligten (vgl. den Bericht des Kinderarztes zur Lernbehinderung von 

Z _________ in den Akten Staatsanwaltschaft S. 177) und deren Interesse am Verfah-

rensausgang.  

3.1.2.2  Die Parteien berichten teils über dynamischen Tatabläufe, was eine unterschied-

liche Auffassung über den Tathergang oder Erinnerungslücken erklärt. Das Kreisgericht 

beachtet ferner die Plausibilität von Generalisierungen bei Gegebenheiten, die sich über 

Jahre erstreckt oder wiederholt haben (S. 433 E. 3.2.2. in fine).  

3.1.2.3  Das Kantonsgericht erachtet das Aussageverhalten des Beschuldigten trotz sei-

ner Lernbehinderungen als nicht ausserordentlich einsilbig. Er ist, wie an der Berufungs-

verhandlung festgestellt, durchaus im Stande, eloquent aufzutreten, was auch das Video 

zur Tatrekonstruktion aufzeigt. Der Gerichtsgutachten bestätigt ebenso ein freundliches 

Auftreten (Staatsanwaltschaft S. 574 f.). 

3.1.2.4  Es ist weiter bemerkenswert, dass das Strafverfahren wegen Freiheitsentzie-

hung bereits am Laufen gewesen war, bevor dasjenige wegen versuchter Tötung be-

gonnen hat und sich damit der Schwerpunkt der Untersuchungen verlagert hat. 

- 18 - 

3.1.2.5  Die Privatklägerin hat dem Angeklagten, Vater von drei gemeinsamen Kindern, 

während der Trennungsphase im Mai 2020 per WhatsApp geschrieben, «ich rede zwar, 

aber nicht über dich» (Staatsanwaltschaft S. 193). Sie ist kurz darauf zu diesem zurück-

gekehrt, obwohl das Strafverfahren wegen Freiheitsberaubung bereits hängig gewesen 

ist. Die zitierte digitale Mitteilung könnte laut Berufungsklägern dahingehend verstanden 

werden, dass die Betroffene darin zugibt, ihren Partner zu Unrecht zu belasten. Die Pri-

vatklägerin gibt in ihrer ersten polizeilichen Befragung am Tag der Trennung ohne Um-

schweife an, ihren Partner nach wie vor zu lieben. Sie möchte ihre Kinder nicht ohne 

Vater aufwachsen sehen (Staatsanwaltschaft S. 19 A. 22). Die Betroffene hat sich in 

dieser Phase nicht endgültig für eine Trennung entschieden und wird ihren Entschluss 

in den nächsten Monaten wiederholt hinterfragt haben.  

Die Schwester H _________ hat sich nach dem Vorfall vom 3. Januar 2020, den sie 

selbst miterlebt hat, erheblich für die Betroffene eingesetzt (vgl. E. 3.4). Der Angeklagte 

gibt deswegen zu bedenken, seine Partnerin habe sich nach dem 3. Januar 2020 zwi-

schen den beiden Familien entscheiden müssen. Eine solche Konfliktsituation (S. 622) 

hat durchaus vorgelegen. X _________ berichtigt aber bereits in der ersten Einvernahme 

die von der Schwester deponierten Beschuldigungen zu sexuellen Missbräuchen 

(Staatsanwaltschaft S. 17 A. 3). Sie übernimmt somit nicht unkritisch die Behauptungen 

ihrer Schwester. Sie hat ausserdem, gemäss nachfolgenden Ausführungen, vor dem 15. 

Juli 2020 durchaus zurückhaltend ausgesagt hat.  

Die Betroffene ist nach der Trennung vom 19. Februar 2020 nach der Einvernahme von 

Z _________ vom 5. Juni 2020 zu diesem zurückgekehrt. Es ist zu prüfen, ob diese 

Wiedervereinigung die bisherigen Aussagen zur Freiheitsberaubung relativiert: Die Pri-

vatklägerin führt ihren Entschluss vor den Gerichten auf schwarze Magie zurück (S. 278 

A. 14; S. 943 A. 52 f.). Der Angeklagte habe ihr gesagt, er habe einen Religionsführer 

im Kosovo bezahlt und ein Lamm geopfert, damit sie zurückgehe. Sie könne sich dies 

auch nicht erklären (S. 280 A. 12). Solche Mutmassungen sind nicht glaubwürdig. Sie 

zeigen aber auf, dass sich die Beschuldigte nachträglich, nach dem Vorfall vom 15. Juli 

2020, selbst nicht rational zu erklären vermag, warum sie zum Partner zurückgekehrt ist. 

Die Betroffene gibt zu Beginn der Trennung an, sie liebe ihren Partner noch und möchte 

ihre Kinder nicht ohne Vater aufwachsen sehen (Staatsanwaltschaft S. 19 A. 22). Gerade 

diese Aussage zeigt, wie bereits erwähnt, auf, dass sie zu Beginn der Trennung nicht 

endgültig mit der Beziehung abgeschlossen hatte. Die Staatsanwältin hat am 4. März 

2020 nach einem Telefon mit der Opferhilfe festgehalten, die Privatklägerin wolle nicht 

- 19 - 

zu ihrem Partner zurückkehren. Sie sehe keine Zukunft mit Z _________ und sei über-

zeugt, an den Umständen und dem Verhalten werde sich nichts ändern (Staatsanwalt-

schaft S. 77). Dieser hat auf nächtliche WhatsApp-Botschaften vom 14. Mai 2020 hinge-

wiesen (S. 147 A. 95 ff.), welche auf S. 189 ff. der Staatsanwaltsakten übersetzt worden 

sind. Die Betroffene beteuert ihrem Partner, sie liebe ihn, er sei der ihrige, niemand auf 

der Welt könne sie trennen, jetzt verstehe sie, dass ihr Leben ohne ihn sinnlos sei. Die 

Privatklägerin hat den Beschuldigten vom Heim aus angerufen und gebeten, sie zurück-

zuholen (Polizei S. 99 A. 96). Sie hat am 13. Juli 2020 im Strafprozess eine Desinteres-

seerklärung deponiert (Staatsanwaltschaft S. 196 ff.) und die Partner sind mit den Kin-

dern in C _________ zusammengezogen. Dieses Verhalten erscheint in Anbetracht der 

späteren Vorfälle freilich als unlogisch und unvernünftig. Ein Wandel der Denkweise zu 

einer Beziehung ist jedoch, aus Sicht des Gerichts, in der damaligen Situation nicht aus-

sergewöhnlich. Es ist notorisch, dass sich Opfer häuslicher Gewalt nach einer Trennung 

dazu entscheiden können, zum gewalttätigen Partner zurückzukehren. Dies gilt vorlie-

gend umso mehr, weil die Frau mit ihren Kindern in einem Flüchtlingsheim Zuflucht ge-

sucht und dort wenig soziale Kontakte gehabt hat. Die Privatklägerin ist mit der Betreu-

ung der drei Kinder zugegebenermassen gestresst gewesen (S. 282). Sie hat ausser-

dem geglaubt, die Familie des Mannes würde diesen zu ihren Ungunsten beeinflussen 

und gehofft, nun mehr Freiheiten zu erhalten. Dies auch, weil die Opferhilfe gemeinsam 

mit Anwälten eingeschaltet gewesen ist (Polizei S. 111 Bemerkung Lengen). Die kurze 

Wiedervereinigung, die sich nachträglich als Fehler erwiesen hat, relativiert die bisher 

erhobenen Vorwürfe gegen den Partner mitnichten. 

3.1.2.6  Auch die entsprechenden Ausführungen des Kreisgerichts zur Aussagewürdi-

gung von Sohn Y _________ erscheinen korrekt. Deren Beweiswert ist hoch (S. 473 

letzter Absatz). Es ist nach Konsultation der Videoaufnahmen zur versuchten Tötung in 

Bezug auf das Kind zu ergänzen, dass die Übersetzerin wegen der manchmal sponta-

nen, schnellen und umfangreichen Äusserungen teilweise überfordert erscheint. Das 

Kind ermüdet ausserdem am Ende der Befragung. Der Bericht der anwesenden Psycho-

login, wonach eine angemessene Befragung erfolgt ist (Staatsanwaltschaft S. 291), kann 

sonst vollumfänglich bestätigt werden. Die erste Befragung (Staatsanwaltschaft 

S. 113 ff.) ist mit einem männlichen Übersetzer realisiert worden. Dieser strahlt beim 

Übersetzen mehr Ruhe aus.  

3.2  Qualifizierte Freiheitsentziehung 

Die Erkenntnisse der Vorinstanz zur Freiheitsberaubung können wie folgt bestätigt und 

ergänzt werden: 

- 20 - 

3.2.1  Wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder jemandem in 

anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht, begeht eine Freiheitsberaubung (Art. 

183 Ziff. 1 StGB). Erschwerende Umstände im Sinne von Art. 184 Ziff. 4 StGB liegen 

vor, wenn der Entzug der Freiheit mehr als zehn Tage dauert.  

Das geschützte Rechtsgut ist die körperliche Fortbewegungsfreiheit (vgl. BGE 128 IV 73 

E. 2a; Art. 10 Abs. 2 BV, Art. 5 EMRK). Eine unzulässige Beschränkung der Fortbewe-

gungsfreiheit liegt darin, jemand daran zu hindern, sich nach eigener Wahl vom Ort, an 

dem er sich befindet, an einen anderen Ort zu begeben (vgl. BGE 101 IV 154 E. 3b; 

Delnon/Rüdy, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 20 zu Art. 183 StGB).  

Der Gesetzgeber hat mit dieser Strafbestimmung Situationen erfassen wollen, in denen 

Personen gänzlich an der Betätigung der körperlichen Fortbewegungsfreiheit gehindert 

werden (BGE 141 IV 10 E. 4.4.1). Die Rechtsprechung hat einen Freiheitsentzug bei-

spielsweise in folgenden Situationen bestätigt: Eine Ehefrau hat die Familienwohnung 

nicht verlassen dürfen (Bundesgerichtsurteil 6B_139/2013 vom 20. Juni 2013 E. 2), eine 

Person wird während 20 - 30 Minuten in einem Appartement (Bundesgerichtsurteil 

6B_400/2012 vom 15. November 2012 Sachverhalt lit. A) oder in einer Waschküche 

festgehalten (Bundesgerichtsurteil 6B_20/2012 vom 29. Mai 2012 E. 1.3.5). 

Die Freiheitsberaubung kann durch unrechtmässige Festnahme, Gefangenhalten oder 

unrechtmässige Freiheitsentziehung auf andere Weise (Generalklausel) geschehen. Als 

Tatmittel ist insbesondere auch psychischer Druck wie beispielweise eine Drohung denk-

bar (vgl. BGE 128 IV 73 E. 2a). Die Drohung muss so schwer sein, dass dem Opfer nicht 

zuzumuten ist, ihr zu widerstehen (Egli, Freiheitsberaubung, Entführung und Geisel-

nahme nach der StGB-Revision vom 9. Oktober 1981, 1986, S. 45). Beim Tatmittel der 

psychischen Einwirkung ist der Zwangsintensität besonderes Augenmerk zu schenken. 

Das Nachgeben des Opfers muss unter den konkreten Umständen verständlich erschei-

nen. Dabei ist insbesondere auch die individuelle Fähigkeit der betroffenen Person zu 

berücksichtigen, den Widerstand bzw. die Schranke zu überwinden. Die völlige Aufhe-

bung der Bewegungsfreiheit der geschädigten Person ist nicht Tatbestandsvorausset-

zung. Dem Opfer muss die Überwindung der Freiheitsbeschränkung nicht gänzlich un-

möglich sein. Es genügt, wenn dies unverhältnismässig gefährlich oder schwierig ist 

(Bundesgerichtsurteil 6B_139/2013 vom 20. Juni 2013 E. 2.2). 

Die Mittäterschaft nicht ist gesetzlich geregelt. Wer bei der Entschliessung, Planung oder 

Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern 

zusammenwirkt, sodass er als Hauptbeteiligter dasteht, gilt als Mittäter. Es kommt dabei 

- 21 - 

darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falls und dem Tatplan 

für die Ausführung des Delikts so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das 

blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung von Mittäter-

schaft nicht. Daraus folgt andererseits nicht, dass nur Mittäter ist, wer an der eigentlichen 

Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Tatbestandsmässige Aus-

führungshandlungen sind keine notwendige Voraussetzung für die Annahme von Mittä-

terschaft. Das mittäterschaftliche Zusammenwirken setzt einen gemeinsamen Ent-

schluss voraus, der jedoch nicht ausdrücklich bekundet werden muss. Es genügt, wenn 

er konkludent zum Ausdruck kommt. Der Mittäter muss bei der Entschlussfassung nicht 

mitwirken, es reicht aus, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht 

(Bundesgerichtsurteil 6B_1437/2020 vom 22. September 2021 E. 1.2.3 mit Hinweisen).  

Die in Mittäterschaft begangenen Tatbeiträge werden jedem Mittäter zugerechnet. Wer 

zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet, die Tat jedoch nur durch 

einen untergeordneten Tatbeitrag unterstützt, gilt als Gehilfe gemäss Art. 25 StGB. Jeder 

kausale Beitrag, der die Tat fördert, sodass sich diese ohne Mitwirkung des Gehilfen 

anders abgespielt hätte, gilt als Hilfeleistung. Der Gehilfe fördert eine Tat, wenn er sie 

durch einen untergeordneten Tatbeitrag unterstützt bzw. wenn er die Ausführung der 

Haupttat durch irgendwelche Vorkehren oder durch psychische Hilfe erleichtert. Die Hil-

feleistung muss tatsächlich zur Tat beitragen und die Erfolgschancen der tatbestandser-

füllenden Handlung erhöhen. Es ist jedoch nicht erforderlich, dass es ohne die Beihilfe 

nicht zur Tat gekommen wäre. Art. 25 StGB erfordert subjektiv, dass der Gehilfe weiss 

oder damit rechnet, eine bestimmt geartete Straftat zu unterstützen, und dass er dies will 

oder in Kauf nimmt. Es reicht aus, wenn der Gehilfe den Geschehensablauf voraussieht, 

d.h. die wesentlichen Merkmale des vom Täter zu verwirklichenden strafbaren Tuns er-

kennt. Einzelheiten der Tat braucht er hingegen nicht zu kennen. Die blosse Billigung 

der Tat eines anderen genügt jedoch nicht (Bundesgerichtsurteil 6B_1437/2020 vom 22. 

September 2021 E. 1.2.3 mit Hinweisen).  

Ein Verbrechen oder Vergehen kann auch durch pflichtwidriges Untätigbleiben began-

gen werden (Art. 11 Abs. 1 StGB). Dieses begeht, wer die Gefährdung oder Verletzung 

eines strafrechtlich geschützten Rechtsguts nicht verhindert, obwohl er aufgrund seiner 

Rechtsstellung dazu verpflichtet ist, namentlich aufgrund des Gesetzes, eines Vertrags, 

einer freiwillig eingegangenen Gefahrengemeinschaft oder der Schaffung einer Gefahr 

(Art. 11 Abs. 2 StGB). Irgendeine beliebige Rechtspflicht genügt allerdings nicht. Sie 

muss sich aus einer Garantenstellung ergeben, d.h. der Täter muss sich in einer Situa-

- 22 - 

tion befinden, die ihn in diesem Punkt verpflichtet, ein bestimmtes Gut gegen unbe-

stimmte Gefahren zu schützen (Obhutspflicht) oder zu verhindern, dass bekannte Ge-

fahren, denen ein unbestimmtes Gut ausgesetzt ist, sich verwirklichen (Überwachungs-

pflicht), sodass sein Untätigbleiben dem aktiven Herbeiführen des verpönten Erfolgs 

gleichgestellt werden kann. Nicht jede, sondern nur eine qualifizierte Rechtspflicht ge-

nügt für die Annahme einer Garantenstellung. Eine moralische oder sittliche Pflicht reicht 

dagegen nicht aus, da ohne das Erfordernis der Garantenstellung jeder immer für alle 

tatbestandsmässigen Rechtsgutsverletzungen strafbar wäre und dies zu einer uferlosen 

Strafbarkeit führte (Bundesgerichtsurteil 6B_1437/2020 vom 22. September 2021 E. 

1.2.4 mit Hinweisen).   

3.2.2  Es ist nachfolgend zu prüfen, ob und inwiefern die beiden Berufungskläger die 

Freiheit der Privatklägerin eingeschränkt haben. 

3.2.2.1  Die Betroffene habe laut Vorinstanz ihren Ehegatten fragen müssen, ob sie das 

Haus verlassen dürfe. Sie bestätigt dies vor Kantonsgericht (S. 939 A. 23).  

Y _________ sagt am 20. Februar 2020 und am 5. Juni 2020 aus, sein Sohn habe zu 

entscheiden, ob seine Partnerin nach draussen gehe oder nicht (Staatsanwaltschaft 

S. 43 A. 18 und S. 155 A. 24). Es obliege seinem Sohn zu entscheiden, ob dessen Part-

nerin das Haus verlassen dürfe (Staatsanwaltschaft S. 44 A. 31 f.). Der Vater bestätigt 

somit in seinen ersten Befragungen die Version der Privatklägerin. Der Vater könne sei-

nem Sohn schlecht sagen, was dieser «mit seiner Frau machen soll» (Staatsanwalt-

schaft S. 44 A. 32). Er bestätigt vor Kantonsgericht, seine Frau teile ihm mit, wenn sie 

rausgehen müsse, was sie zu erledigen habe und frage ihn, ob sie etwas holen oder 

kaufen gehen könne und er sage immer ja (S. 949 A. 10). Y _________ bekennt somit 

ein entsprechendes Vorgehen in Bezug auf seine Ehegattin und deutet an, es obliege 

seinem Sohn zu entscheiden, wie er dies mit seiner Gattin handhaben wolle.  

Z _________ legt bei seiner ersten Befragung vom 20. Februar 2020 dar, seine Partnerin 

dürfe sowohl das Appartement seines Vaters wie auch die eheliche Wohnung verlassen, 

müsse ihn aber zunächst fragen, weil er ihr Mann sei (Staatsanwaltschaft S. 32 A. 14 

ff.). Diese Erstaussage, der bei der Beweiswürdigung eine erhebliche Bedeutung zu-

kommt (vgl. Bundesgerichtsurteil 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1), die 

selbstbelastend ist und die den Äusserungen der Betroffenen und der anderen Beschul-

digten am besten entspricht erscheint glaubwürdig. Der Angeklagte behauptet am 5. Juni 

2020 vor der Staatsanwaltschaft, die Partnerin müsse berichten, wo sie geht, wenn sie 

irgendwo hingehen wolle. Das sei bei ihnen so (Staatsanwaltschaft S. 141 A. 42). 

- 23 - 

Z _________ gibt vor Kantonsgericht freilich an, seine Partnerin habe «nicht unbedingt» 

fragen müssen, wenn sie das Haus habe verlassen wollen. Er präzisiert auf Nachfrage, 

sie habe nicht fragen müssen (S. 955 A. 9).  

Das Kantonsgericht schliesst aufgrund der Erstaussage von Z _________, die mit der-

jenigen der Privatklägerin und von Y _________ übereinstimmt, die Betroffene habe ih-

ren Partner jeweils fragen müssen, ob sie die Wohnung verlassen darf.  

3.2.2.2  X _________ behauptet in ihren ersten Einvernahmen, sie werde den ganzen 

Tag eingesperrt und dürfe nicht einmal auf den Balkon (Staatsanwaltschaft S. 17 A. 4 

ff.). Die Privatklägerin bezeichnet Z _________ als sehr eifersüchtig. Er habe nicht ge-

wollt, dass sie sich schön anziehe und habe sie überwacht, wenn sie gemeinsam das 

Haus verlassen hätten (Polizei S. 81 A. 48). Sie habe nie hinausgehen dürfen (Staats-

anwaltschaft S. 94 A. 9 und S. 95 A. 15). Letzteres stimmt so gemäss aktenkundigen 

Fotos (S. 704 ff.; Fotodossier) und anderen Aussagen in dieser Absolutheit nicht. Die 

Betroffene präzisiert aber in der gleichen Befragung, «alleine durfte ich ja nie raus» 

(Staatsanwaltschaft S. 95 A. 17). Sie habe nie alleine hinausgehen können (Staatsan-

waltschaft S. 96 A 21). Sie habe die Wohnung freilich gemeinsam mit ihrem Partner 

verlassen können, um das Appartement der Schwiegereltern putzen zu gehen (Staats-

anwaltschaft S. 96 A. 22). Z _________ habe ihr verboten, das Wohndomizil alleine zu 

verlassen (Staatsanwaltschaft S. 96 A. 24). Sie habe ihn nicht gefragt, ob sie alleine das 

Haus verlassen dürfe, weil sie gewusst habe, dass er dies nicht erlaubt hätte (S. 273).  

Der Beschuldigte behauptet am 5. Juni 2020, seine Partnerin habe durchaus alleine aus-

gehen können (S. 141 A. 43). Er gibt andererseits am 19. Januar 2021 an, sie seien 

immer gemeinsam zum Kindergarten gegangen (Staatsanwaltschaft S. 649 A. 41). Der 

Angeklagte hält vor Kreisgericht fest, die Privatklägerin habe alleine hinausgehen kön-

nen, wenn sie dies gewollt habe (S. 287).  

A _________ legt am 5. Juni 2020 dar, sie habe keinen Grund, alleine auszugehen. Sie 

dürfte dies aber schon tun (Staatsanwaltschaft S. 166 A. 33 f.).  

Das Kantonsgericht stellt aufgrund der Aussage der Betroffenen sowie der nachfolgen-

den Erörterungen zu fehlenden Kontakten mit Drittpersonen (vgl. E. 3.2.2.4) fest, die 

Privatklägerin habe die Wohnung nie alleine verlassen dürfen. 

3.2.2.3  X _________ hat sich ab 2012 bis im Mai 2019 ohne erforderliche Ausweise in 

der Schweiz aufgehalten. Sie verfügt erst seit diesem Zeitpunkt über eine Aufenthalts-

bewilligung F. Der illegale Aufenthalt gilt für diverse Zeiträume im Jahr 2012, 2013 und 

- 24 - 

2016 bis 2019. Unterbrüche bestehen, weil die Betroffene sonst mit ihrem Partner in 

Frankreich gelebt hat. Die Beschuldigten haben in der Schweiz eine entsprechende An-

meldung unterlassen, was unstrittig ist.  

Der Beschuldigte gibt vor Kantonsgericht zu, er sei mit seiner Partnerin phasenweise 

nach Frankreich gezogen, weil diese in der Schweiz über kein Aufenthaltsrecht verfügt 

habe (S. 954 A. 5). Die Beschuldigten haben somit durchaus gewusst, dass sich die 

Privatklägerin illegal in diesem Land aufhält. 

Y _________ hat in der Berufungsverhandlung entsprechende Fragen zunächst auswei-

chend beantwortet und anschliessend dargelegt, er habe nicht gewusst, wie diese Be-

willigung eingeholt werden könne (S. 950 A. 18 ff.).  

Z _________ hat bei der Anhaltung die Aufenthaltsbewilligung seiner Partnerin und der 

Kinder auf sich getragen. Er behauptet dazu, er habe mit der Intervention der Polizei 

gerechnet. Er habe die Papiere deswegen vorbereitet (S. 36 f. A. 54). Es erschliesst sich 

allerdings dem Kantonsgericht nicht, warum der Angeklagte in diesem Moment die Pa-

piere bei sich trägt, statt sie seiner Partnerin zu übergeben.  

Die Familie Y _________ hat selbst ein Asylverfahren durchlaufen. X _________ hat ein 

Asylgesuch in Frankreich gestellt und im Übrigen im Jahr 2019 eine Aufenthaltsbewilli-

gung F erlangt. Z _________ hat einen Anwalt beauftragt, die erforderlichen Ausweis-

papiere einzuholen (Staatsanwaltschaft S. 620). Er hat mit Hilfe eines Anwalts am 

10. Juni 2016 um Verlängerung seines Ausweises F ersucht (Migration S. 409). Die 

Schwester  I_________ hat das Centre Suisses-Immigrés am 18. März 2019 mit der 

Interessenvertretung beauftragt (Migration S. 594) und ab 2017 mit Hilfe eines Anwalts 

um Umwandlung der Aufenthaltsbewilligung F in B ersucht (Migration S. 465). Der Bru-

der J _________ hat mit Hilfe eines Anwalts am 11.  Februar 2014 um die Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung und um Familiennachzug ersucht (Migration S. 240). Die Migra-

tionsakten bestätigen weitere Administrativverfahren der Familienmitglieder 

Y _________. Z _________ und Y _________ hätte somit über diverse Möglichkeiten 

verfügt, sich helfen zu lassen, um die Partnerin frühzeitiger anzumelden, wenn dies 

ihnen tatsächlich Schwierigkeiten verursacht hätte.  

Die Privatklägerin hat sich somit unbestrittenermassen ab 2012 über Monate in der 

Schweiz aufgehalten, ohne über die erforderlichen Bewilligungen zu verfügen. Den bei-

den Angeklagten ist die entsprechende Problematik bewusst gewesen. Die Rechtferti-

gung, die Angeklagten hätten sich nicht zu helfen gewusst und deswegen keinen Aus-

weis eingefordert, ist widerlegt.  

- 25 - 

3.2.2.4  Die Privatklägerin hat in der Schweiz über keinen Kontakt mit Lehrern, Ärzten 

oder Kolleginnen verfügt. Sie hat während der Schwangerschaft mit ihrem Sohn zwei 

Mal einen Mediziner im Wallis aufgesucht. Z _________ bestätigt vor Kantonsgericht 

fehlenden Kontakt mit Ärzten, Lehren oder Kolleginnen. Er begründet dies mit nicht vor-

handenen Sprachkenntnissen (S. 954 A. 7 f.).  

Die Betroffene habe, laut Z _________, wegen sprachlichen Schwierigkeiten keine Kon-

takte ausserhalb der Familie gepflegt (S. 287).  

X _________ gibt an, einzig mit der Familie und den Gästen, die zu Besuch gekommen 

seien, geredet zu haben (S. 938 A. 13; S. 274). Dies wird auch von Y _________ in 

seiner ersten Einvernahme so dargelegt (Staatsanwaltschaft S. 46 A. 46).  

Eine im Verlauf des Prozesses befragte Lehrerin hat wohl den Kindsvater, nicht aber die 

Kindsmutter gekannt. Sie will die Privatklägerin nur selten und nur in Begleitung von 

Z _________ gesehen haben (S. 639 A. 7 f.). Letzterer hat am 15. September 2021 

beantragt, zwei Zeuginnen zu befragen, die fehlende soziale Kontakte widerlegen soll-

ten. Seine ehemalige Lehrerin könne nämlich bestätigen, dass sie ihn gemeinsam mit 

der Privatklägerin in C _________ angetroffen habe. Die Friseuse könne ausserdem 

bezeugen, dass die Privatklägerin die Wohnung auch alleine habe verlassen können. 

Das Kantonsgericht hat die entsprechenden Anträge am 13. September 2021 gutgeheis-

sen (P2 21 51) und die Personen mit folgendem Ergebnis befragt: Der Name der Be-

troffenen ist beiden Zeuginnen nicht bekannt gewesen (S. 931 A. 2; S. 927 A. 8). Die 

Lehrerin hat die Privatklägerin nie mit dem ihr bekannten Kind von Z _________ gesehen 

(S. 927 A. 8 ff.). X _________ hat bestätigt, sie hätte selten mit Lehrern kommuniziert. 

Dies sei mehrheitlich durch ihren Partner erfolgt (S. 939 A. 22). Die befragte Friseuse 

will die Privatklägerin einmal frisiert haben (S. 932 A. 8), wobei sie von Z _________ in 

den Laden gebracht und abgeholt worden sei (S. 932 A. 11). Eine Kommunikation sei 

aufgrund sprachlicher Barrieren nicht möglich gewesen (S. 932 A. 9). Es sei ihr sonst 

nichts Spezielles aufgefallen (S. 932 A. 14). Die Privatklägerin hat dazu erklärt, sie habe 

sich einmalig vor einer Hochzeit die Haare färben lassen, weil dies Tradition sei. Sie 

habe den Betrieb dazu zwei Mal betreten müssen, da sie mit der ersten Haarfärbung 

nicht zufrieden gewesen sei. Sie habe sich sonst die Haare immer selbst geschnitten (S. 

938 A. 15 f.). Sie habe nur an dieser Hochzeit teilgenommen und sonst weder kulturelle 

noch sportliche Anlässe oder ein Restaurant besucht (S. 938 A. 18).  

Das Gericht stellt somit fest, dass die Betroffene in der Schweiz ausserhalb der Woh-

nung über Jahre kaum mit Drittpersonen in Kontakt getreten ist. 

- 26 - 

Die Betroffene hat nach der kurzen Wiederaufnahme des Zusammenlebens über mehr 

Freiheiten genossen, zumal sie z.B. ihr neues Handy selbst abholen und selbst bezahlen 

konnte. Es ist mithin zwischen den Situationen vor und nach der Trennung zu differen-

zieren (S. 77 A. 15). 

3.2.2.5  Die Eltern des Paars haben seit der Einreise den Albanischen Pass der Privat-

klägerin bei sich aufbewahrt. Dies wird von Z _________ an der Berufungsverhandlung 

bestätigt (S. 955 A. 11). Z _________ gibt vor Kantonsgericht zu, er habe den Pass nicht 

übergeben wollen, weil seine Partnerin diesen an ihre Schwester hätte weitergeben wol-

len. Er habe befürchtet, diese könnte «etwas» damit machen. Man könne mit dem Aus-

weis «alles» machen (S. 955 A. 14). 

Y _________ gibt an, die Betroffene haben ihm diesen selbst ausgehändigt (S. 950 

A. 21). Er hätte ihn ihr jedoch auf Verlangen zurückgegeben, ohne dass die Polizei in-

terveniert hätte (S. 950 A. 21 ff.). Dies deutet darauf hin, dass der Sohn den initialen 

Entscheid gefällt hat, den Pass nicht zu übergeben. Der Vater hat jedoch, anders als 

behauptet, den Entscheid des Sohns mitgetragen und das bei den Eltern befindliche 

Dokument nicht herausgerückt. Er hat die Übergabe gemeinsam mit dem Sohn tatkräftig 

verhindert (vgl. E. 3.4). Der Polizeieinsatz wäre sonst nicht erforderlich gewesen. 

A _________ argumentiert, sie hätten den Pass vor den Kindern verstecken müssen, 

damit diese ihn nicht zerreissen (S. 164 A. 12).  

Ein aktenkundiger Polizeibericht legt dar, H _________ habe den abgelaufenen Pass 

ihrer Schwester X _________ verlangt, worauf Z _________ und K _________ das Do-

kument nicht hätten herausgeben wollen. Die Ordnungshüter hätten den Ausweis erhal-

ten und umgehend der Besitzerin ausgehändigt (S. 912).  

Z _________ argumentiert in der Berufungserklärung (S. 621), die Eigentümerin habe 

nicht gewollt, dass die französischen Behörden deren illegale Einreise in die Schweiz 

feststellen. Sie habe die Urkunde ausserdem von den Kindern fernhalten wollen, damit 

Letztere den Ausweis nicht beschädigten. Solche Argumente überzeugen nicht: Das 

Kantonsgericht vermag nicht nachzuvollziehen, warum sich die Situation der Beschul-

digten verschlechtert hätte, wenn sie die damals bei ihr vorhandenen Ausweise franzö-

sischen Behörden gezeigt hätte. Es wäre ausserdem einfach gewesen, den Ausweis an 

einem für die Betroffene zugänglicheren Ort aufzubewahren und sie trotzdem vor den 

Kindern zu verbergen.  

- 27 - 

Der Vorfall vom 3. Januar 2020 (vgl. E. 3.4) beweist letztlich, dass Z _________ sehr 

wohl bestimmen wollte, wann und unter welchen Umständen er diese für die Fortbewe-

gung wichtige Urkunde an die Privatklägerin übergibt. Der Pass hat sich somit nicht rein 

zufällig bei den Eltern von Z _________ befunden, sondern weil dieser dadurch verhin-

dern konnte, dass die Inhaberin darüber nach eigenem Gutdünken verfügt. 

3.2.2.6  Die Betroffene gibt vor Kantonsgericht an, die Familie des Betroffenen habe ihr 

keine Rückkehr nach Albanien erlaubt, um ihre Familie zu treffen. Sie hätten ihr den 

Reisepass nicht gegeben (S. 937 A. 8).  

Y _________ bestätigt in seiner ersten Befragung, dazu hätten die erforderlichen Bewil-

ligungen gefehlt (Staatsanwaltschaft S. 44 A. 24).  

Z _________ bestätigt, seine Partnerin habe nicht über gültige Reisepapiere verfügt und 

deswegen nicht zur Familie zurückkehren können (S. 35 A. 43). Er habe Angst gehabt, 

dass seine Partnerin bei einer Ausreise nicht mehr zurückkommen werde «da ich selber 

nicht ausreisen konnte» (S. 35 A. 44). Die ermittelnden Beamten fragen nach, worauf 

der Angeklagte diese belastende Antwort relativiert, indem er behauptet, die Rückkehr 

in die Schweiz werde wegen fehlender Ausweise verhindert (S. 35 A. 47).  

Die erste Aussage ist verfänglich und bestätigt, Z _________ habe eine Rückkehr ver-

hindert, weil er befürchtet hat, seine Partnerin werde von dort aus nicht mehr in die 

Schweiz zurückkehren, wenn er sie nicht begleite. Diese Befürchtung erklärt auch die 

Passivität der Familie Y _________, sich um eine ordentliche Anmeldung der Betroffe-

nen zu kümmern und ihr am 3. Januar 2020 den Pass nicht zurückgeben zu wollen. 

3.2.2.7  Die Hausarbeiten würden, laut Aussage von A _________ vor Kreisgericht, 

durch sie, die Töchter und die Schwiegertöchter erledigt (S. 294). Die Männer hätte auch 

«ein wenig» im Haushalt geholfen. Dies seien aber «Frauenarbeiten» (S. 295). Dieser 

vorinstanzlich festgestellte Sachverhalt ist in der Berufungserklärung nicht mehr strittig 

und wird mit «eher traditionellen Ansichten» begründet (S. 620).  

Folgende Begebenheit ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert: Die Beschuldigte 

hat anlässlich der Tatrekonstruktion überraschend behauptet, ihr Partner habe sich wäh-

rend der Trennung mit einer anderen Frau vermählt. Diese habe ihm den Haushalt ge-

führt und die Wäsche gewaschen (Rekonstruktion 00:27:00). Der Beschuldigte wird sei-

nerseits in der Rekonstruktion auf die angebliche Neuverheiratung angesprochen und 

bestreitet dies. Er wird daraufhin gefragt, wie er die Hausarbeiten alleine erledigt habe. 

Er gibt an, seine Schwester habe das für ihn gemacht (Rekonstruktion 02:10:00). Diese 

- 28 - 

Aussage bestätigt das vorinstanzlich festgehaltene Rollenbild und lässt sich im Übrigen 

auch deswegen nicht nur als traditionelles Rollenbild bezeichnen, weil Z _________ auf-

grund seiner geringen Erwerbstätigkeit über genug Zeit verfügt hätte, im Haushalt mit-

zuhelfen. 

Die Betroffene hatte aufgrund des traditionellen Rollenverständnisses im Alltag viel mit 

der Schwiegermutter zu tun. Sie belastet diese, wie nachfolgend ersichtlich, deutlich 

stärker als den Mitbeschuldigten Y _________, unterdrückt worden zu sein. 

Die Akten enthalten zwei Videos aus einer Silvesterfeier (Staatsanwaltschaft S. 703). 

Man sieht den Angeklagten sowie mehrere mässig begeisterte Frauen mit einem Kind 

tanzen. Der Tisch ist gemäss einer anderen Sequenz reich gedeckt, der Angeklagte trägt 

etwas in einen anderen Raum. Die am Tisch sitzenden Erwachsenen blicken bemer-

kenswert ernst. Eine ausgelassene Silvesterfeier sieht anders aus. Die Betroffene gibt 

an, sie habe an diesem Abend viel arbeiten müssen. Es ist notorisch und keinesfalls 

unüblich, dass ein Gastgeber bei einer grösseren Anzahl Gäste im Rahmen einer Sil-

vesterfeier viel zu tun hat. Das alleine wäre nicht strafbar. 

3.2.2.8  Die Betroffene hat unbestrittenermassen über kein eigenes Bankkonto verfügt. 

Sie behauptet, nie Geld erhalten zu haben (S. 105 A. 100 ff.).  

Z _________ bestätigt, seine Partnerin habe über kein Konto verfügt, aber durchaus 

Geld erhalten (S. 954 A. 4).  

Die Familie Y _________ hat mehrheitlich von Sozialhilfe oder einer IV-Rente gelebt und 

somit nur wenig Geld zur Verfügung gehabt. Die Eltern hätten ihn unterstützt, wenn das 

Geld aufgebraucht gewesen sei (Staatsanwaltschaft S. 142 A. 55 ff). Es wäre unter den 

vorliegenden Umständen fragwürdig, wie Z _________ bei diesen knappen finanziellen 

Verhältnissen noch regelmässig «Sackgeld» für seine Partnerin hätte finanzieren wollen.  

Es wäre ferner nicht nachvollziehbar, was die Privatklägerin, welche kaum über Aussen-

kontakte in der Schweiz verfügt hat, mit finanziellen Mitteln hätte bewerkstelligen wollen. 

Angebliche Überweisungen an deren Familie ins Ausland sind, bis auf eine Ausnahme 

(S. 450 E. 3.3.6), nicht nachgewiesen. 

Diese Behauptung, die Privatklägerin habe regelmässig von ihrem Partner Geld erhal-

ten, ist schlicht unrealistisch. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass Z _________ auch 

von seinem Vater finanziell unterstützt worden ist und nicht über die Mittel verfügt hat, 

Geld an seine Partnerin zur freien Verfügung abzugeben. 

- 29 - 

3.2.2.9  Die Betroffene gibt an, sie habe mehrheitlich auch über kein Mobiltelefon verfügt. 

Sie habe ihren Partner um sein Handy bitten müssen, wenn sie mit ihrer Familie in Alba-

nien telefoniert habe. Dieser habe jeweils zugehört (S. 937 A. 12; S. 939 A. 24).  

Z _________ bestätigt in der Erstbefragung vom 20. Februar 2020, seine Partnerin habe 

kein eigenes Telefon besessen und auch keines gewollt. Sie habe seines benutzen dür-

fen. Er sei immer bei ihr gewesen, wenn sie telefoniert habe (Staatsanwaltschaft S. 36 

A. 49 und S. 38 A. 69). Die Partnerin habe, laut Aussage vom 5. Juni 2020 nach drei – 

vier Jahren über ein eigenes Mobiltelefon verfügt und habe auch in seiner Abwesenheit 

mit ihrer Mutter telefonieren dürfen (Staatsanwaltschaft S. 145 A. 85). Die Erstaussage 

erscheint glaubwürdiger, auch weil nicht nachvollziehbar wäre, wie die Privatklägerin die 

Telefonkosten hätte übernehmen können. Der Angeklagte gibt vor Kantonsgericht an, 

seine Partnerin habe auch in der Schweiz über ein Handy verfügt, welches sie «immer 

wieder zerstört» hatte (S. 956 A. 23). Es entspreche andererseits muslimischer Kultur, 

dass Frauen aus Respekt kein Mobiltelefon besitzen (S. 957 A. 24). 

Die Betroffene hat vor Kantonsgericht glaubhaft ausgeführt, ihr Partner sei bei den Te-

lefonaten immer dabei gewesen, weshalb sie ihrer Mutter nicht habe erzählen können, 

wie sie in der Schweiz behandelt werde (S. 939 A. 24). Dies entspricht wiederum der 

glaubwürdigen Erstaussage von Z _________. 

Es ist weiter unstrittig, dass die Privatklägerin nach der Trennung vom Beschuldigten im 

Jahr 2020 ein Mobiltelefon besessen und dieses in der Woche des Zusammenseins zer-

stört hat (S. 937 A. 11). Z _________ hat ihr daraufhin ein neues gekauft. Die Betroffene 

erklärt zum Vorfall, sie habe dieses Handy nach der Trennung erhalten, um die Opferhilfe 

zu kontaktieren, falls etwas passiere. Z _________ habe nach der Wiederaufnahme des 

gemeinsamen Zusammenlebens Daten auf dem Mobiltelefon ausspionieren wollen, wo-

rauf die Betroffene dieses zerstört hat. Sie habe ihm danach den Zweck des Kommuni-

kationsmittels erklärt, worauf er befürchtete, die Kantonspolizei werde vorbeikommen. 

Er habe ihr daraufhin ein neues Handy gekauft, welches sie selbst abgeholt und bezahlt 

habe (Polizei S. 77 A. 13 und 15 ff.). Der Angeklagte hat diese Version vor der Polizei 

bestätigt (Polizei S. 145 A. 63), sie erscheint auch deswegen glaubwürdig. 

Das Kantonsgericht stellt fest, die Privatklägerin habe bis 2020 in der Schweiz über kein 

eigenes Mobiltelefon verfügt. Sie hat sich jeweils das Handy ihres Partners borgen müs-

sen, wenn sie mit ihrer Familie in Albanien telefonieren wollte. Dieser hat dabei zugehört. 

3.2.2.10  Die Beschuldigte gibt an, wiederholt von Z _________ mit Gewalt bedroht wor-

den zu sein, falls sie ihn verlasse (vgl. E. 3.4; Staatsanwaltschaft S. 94 A. 6). Dies ist 

- 30 - 

angesichts des Vorfalls vom 15. Juli 2020 glaubhaft und hat die Betroffene zusätzlich 

unter Druck gesetzt, die Freiheitseinschränkungen zu akzeptieren. 

3.2.2.11 Der Angeklagte postuliert am 21. Juli 2020, also bei einer Befragung nach dem 

Vorfall vom 15. Juli 2020, Frauen dürften nicht mit Männern telefonieren. Das sei Betrug 

oder ein Hintergehen. Er habe deswegen das Recht, ihr Mobiltelefon zu kontrollieren 

(Polizei S. 112 A. 20 ff.). Er antwortet auf eine Frage, ob die Privatklägerin mit anderen 

Männern Kontakt haben darf (Polizei S. 148 A. 91): 

Nein. Darf Ihre Frau das? 

Er selbst gibt in der gleichen Befragung zu, mit anderen Frauen zu schreiben (Polizei S. 

148 A. 97). 

Der Beschuldigte sieht sich in diesem Moment des Prozesses neu mit dem Vorwurf eines 

Tötungsversuchs konfrontiert, welcher die bisherigen Vorhalte in den Schatten stellt. 

Seine Aussage entlarvt eine rückständige Denkweise, die weit über ein traditionelles o-

der konservatives Weltbild hinausgeht. Die verfassungsmässig geschützte Gleichbe-

rechtigung zwischen Mann und Frau wird vom Angeklagten, der sie kennen muss, weil 

er in der Schweiz einen Grossteil seines Lebens verbracht hat, schlicht ignoriert. 

3.2.2.12 Sie habe zwei Mal aus dem Fenster zu springen versucht, als sie noch bei sei-

nen Eltern gewohnt hätten. Es sei jedoch sehr hoch gewesen, sie hätten im zweiten 

Stock gewohnt. Sie habe deswegen den Sprung nicht gewagt (S. 273). Die Privatklägerin 

hat durchaus mit diesen für sie beengenden Verhältnisse im Haus von A _________ und 

Y _________ (vgl. dazu auch die Ausführungen im Kreisgerichtsurteil S. 433 E. 3.2.2) 

gehadert. Sie ist somit nicht freiwillig in der Familienwohnung geblieben. 

3.2.2.13  Es stellt sich die Frage, inwiefern sich Y _________ die vorgeworfenen Ein-

schränkungen in strafrechtlich relevanter Weise mitverursacht hat.  

Die Privatklägerin hat in ihrer ersten Einvernahme ausgesagt, sie sei vor allem von 

A _________ und deren Töchtern tyrannisiert worden. Ihr Schwiegervater sei nicht 

schlecht zu ihr gewesen und habe sie nicht beleidigt. A _________ sei die Schlimme 

(Staatsanwaltschaft S. 21 A. 35). Sie erklärt in den weiteren Befragungen, die Schwie-

germutter habe den Pass gehabt, nur sie habe den Schlüssel (Staatsanwaltschaft S. 102 

A. 71). Die Eltern hätten einen grossen Einfluss auf Z _________ gehabt, solange sie 

noch bei ihnen gewohnt habe (Staatsanwaltschaft S. 19 A. 18 ff.). Z _________ habe 

laut Betroffener für die Verheiratung alles gemacht, was ihm die Familie sage (Staatsan-

waltschaft S. 93 A. 2). Z _________ habe die Aufenthaltsbewilligungen der Kinder bei 

- 31 - 

Y _________ versteckt gehalten (Staatsanwaltschaft S. 102 A. 75). Y _________ habe 

sie nicht geschlagen, aber am Vorfall vom 3. Januar 2020 am Hals festgehalten (Staats-

anwaltschaft S. 100 A. 63). Y _________ und Z _________ hätten ihr beim Vorfall vom 

3. Januar 2020 gedroht, nicht mehr mit der Familie telefonieren zu dürfen (Staatsanwalt-

schaft S. 103 A. 83). Z _________ habe gemacht, was ihm die Familie gesagt habe. 

Diese hätten ihm befohlen, seine Partnerin nicht frei nach Draussen gehen zu lassen, 

was er dann befolgt habe (S. 279 A. 9). Die Familie habe sich auch nach dem Auszug 

noch eingemischt (S. 939 A. 27). Die Betroffene hält hingegen vor Kantonsgericht fest, 

der Schwiegervater habe in der Familie nicht das Sagen gehabt. Er sei kein richtiger 

Mann (S. 939 A. 25). Er habe immer zu allem «Ja» gesagt (S. 939 A. 26).  

Z _________ bestätigt, von seinem Vater finanziell unterstützt zu werden (Staatsanwalt-

schaft S. 142 A. 55 ff.). Der Einfluss seiner Eltern sei aber nicht gross (Staatsanwalt-

schaft S. 143 A. 63), was auch sein Vater bestätigt (Staatsanwaltschaft S. 156 A. 33 ff.). 

Seine Eltern hätten ihn nicht angestiftet, der Partnerin zu verbieten, die Wohnung alleine 

zu verlassen (Staatsanwaltschaft S. 143 A. 66). Auch Y _________ behauptet, er habe 

seinen Sohn nicht gezwungen, der Partnerin zu verbieten, die Wohnung zu verlassen 

(Staatsanwaltschaft S. 156 A. 33 ff.)  

Y _________ sieht sich gemäss Aussage vor Kantonsgericht als Chef der Familie. Er 

habe seinen Kindern beigebracht, sich gut zu benehmen und zur Arbeit zu gehen (S. 948 

A. 7). Er habe mit der Privatklägerin nie Streit oder Probleme gehabt (S. 949 A. 14). Er 

sei seinem Sohn mit Rat und Tat zur Verfügung gestanden, soweit dies möglich gewesen 

sei (S. 950 A. 16). 

Der Sohn ist gemäss Gutachten vom 3. Januar 2019 im Alltag unselbstständig und be-

nötige eine Anleitung und Hilfe durch Drittpersonen. Z _________ benötige beim Ein-

kaufen, bei der Organisation des Haushalts, bei Bankgeschäften und beim Umgang mit 

Geld Hilfe. Er brauche Unterstützung bei der Tagesstrukturierung, beim Fällen rechtli-

cher Entscheidungen oder zur Bewältigung familiärer Konflikte (S. 599). Welches Fami-

lienmitglied jedoch hier wie mithilft, ist offen. Die Vorinstanz hat Z _________ gefragt, 

wer ihm geholfen habe, nachdem er mit 16 Jahren seine Partnerin «geheiratet» habe. 

Er gibt an, er sei für dieses Alter bereits sehr gut im Kopf gewesen und habe niemanden 

fragen müssen. Vater, Mutter und Geschwister hätten ihm bei den Finanzen oder admi-

nistrativen Problemen geholfen (S. 286).  

- 32 - 

A _________ hat gemeinsam mit ihren Töchtern und den übrigen Frauen den Haushalt 

geführt. Die Betroffene hat im Haushalt mitgeholfen und fühlt sich gemäss eigenen Aus-

sagen im Alltag vor allem von der «Schwiegermutter» unterdrückt. Diese Form des 

Drucks hat angedauert, solange sich die Betroffene im Haushalt von A _________ und 

Z _________ aufgehalten hat. Diese Beschuldigte ist bereits rechtskräftig wegen quali-

fizierter Freiheitsberaubung verurteilt worden. 

Die Aussagen der Betroffenen gegenüber Y _________ fallen hingegen den Freiheits-

entzug betreffend weniger negativ aus. Die Betroffene behauptet vor Kantonsgericht, 

dieser sei ein «Ja-Sager» und setze sich innerhalb der Familie nicht durch. Y _________ 

qualifiziert sich selbst freilich als Chef der Grossfamilie Y _________, will diese jedoch 

mit seiner Vorbildfunktion führen. Er hat im Jahr 2012 sicherlich massgeblich bei der 

arrangierten «Hochzeit» mitgewirkt. Y _________ hat ausserdem seinen damals jugend-

lichen Sohn, der finanziell von ihm abhängig ist, das altertümliche Rollenmodell vorge-

lebt. Er hat den in der Intelligenz geminderten Sohn initial unterstützen müssen, damit 

dieser seine Partnerin hinreichend unter Druck zu setzen vermag, sich nicht gegen die 

Freiheitsentzüge zur Wehr zu setzen. Er hat ausserdem seine Ehegattin gewähren las-

sen, wenn diese die Betroffene im Alltag, bei den Hausarbeiten, überwacht und unter-

drückt hat. Der Pass der Privatklägerin ist im Schlafzimmer von Y _________ und 

A _________ aufbewahrt worden, wobei die Betroffene behauptet, der Schlüssel zum 

Schrank werde von der Schwiegermutter aufbewahrt. Y _________ hat am 3. Januar 

2020 die Rückgabe gemeinsam mit seinem Sohn verweigert, bis die Polizei erschienen 

ist. Die Initiative zu dieser Verweigerung dürfte vorgängig vom Sohn ausgegangen sein, 

der Vater hat den Entscheid aber anschliessend tatkräftig mitgetragen (vgl. E. 3.4). Er 

hat den Partnern ausserdem bis Anfang 2017 den Wohnraum zur Verfügung gestellt, in 

welchem sich die Privatklägerin mehrheitlich aufhalten musste, wenn sie in der Schweiz 

gelebt hat. Die Betroffene hat von 2012 bis 2014, abgesehen von einem verhältnismäs-

sig kurzen Unterbruch, dort gelebt. Z _________ und X _________ haben danach wäh-

rend mehr als zwei Jahren in grosser räumlicher Distanz zu Y _________ in einer Woh-

nung in Colmar gelebt, ohne dass es der Betroffenen gelungen wäre, sich mehr Freihei-

ten auszubedingen. Z _________ dürfte zu diesem Zeitpunkt von seiner dort lebenden 

Schwester und deren Ehemann unterstützt worden sein, soweit dies noch erforderlich 

gewesen ist. Der danach volljährige Sohn hat keine väterliche Unterstützung zur Frei-

heitsberaubung der Privatklägerin gebraucht, nachdem die Partner mit den Kindern im 

November 2016 in die Schweiz zurückgekehrt sind. Beide Berufungskläger geben über-

einstimmend an, der Sohn habe zu diesem Zeitpunkt über die Form des Zusammenle-

bens mit seiner Partnerin alleine entschieden. Die Familie Z _________ und 

- 33 - 

X _________ sind freilich noch für einen beschränkten Zeitraum in der Wohnung von 

A _________ und Y _________ geblieben, haben aber innerhalb eines Monats bereits 

einen Mietvertrag abgeschlossen und sind ab Februar 2017 in eine eigene Wohnung 

gezogen. Die Partner haben sich somit übergangsweise bei der Familie Y _________ 

aufgehalten, bis sie eine eigene Unterkunft organisiert hatten. Eine aktive Mitwirkung 

von Y _________ beim illegalen Aufenthalt liegt für diesen Zeitraum freilich vor, weil er 

die Wohnung zur Verfügung gestellt hat. Er hat aber in Bezug auf die Freiheitsentziehung 

ab November 2016 nicht mehr in strafrechtlich relevanter Weise mitgewirkt. 

3.2.2.14 Die zusammenfassenden Ausführungen der Vorinstanz zur Freiheitsberaubung 

kann wie folgt bestätigt und ergänzt werden: 

Die Privatklägerin ist von Juli 2012 bis September 2013, von November 2013 bis Mai 

2014 und von November 2016 bis Februar 2020 gehindert worden, sich nach eigener 

Wahl aus der jeweils genutzten Wohnung an einen anderen Ort zu begeben. Sie hätte 

dazu einerseits die Einwilligung ihres eifersüchtigen Partners gebraucht und dieser hätte 

ihr andererseits ohnehin nicht erlaubt, sich alleine zu entfernen. 

Die damals 20 Jahre alte Betroffene hat mit ihrem damals 16 Jahre alten Partner ab Juli 

2012 bei der Grossfamilie von A _________ und Y _________ gelebt. Die Ehe, welche 

in keinem Register der Schweiz eingetragen worden ist, ist von den Eltern des jungen 

Paars arrangiert worden. Die Betroffene ist von Albanien, aus einem anderen Kulturkreis, 

nach C _________ gezogen und hat damals keine Amtssprache des Kantons Wallis 

gesprochen. Sie hat nach ihrer Ankunft sofort den Reisepass an ihre Schwiegereltern 

abgeben müssen und bis 2019 über keine Aufenthaltsberechtigung verfügt. Niemand hat 

sich bemüht, den illegalen Aufenthaltsstatus der Privatklägerin zu ändern, obwohl an-

dere Familienmitglieder mit vergleichbaren Problemen teils sogar Anwälte zur Lösung 

engagiert hatten. X _________ hat nicht voraussehen können, was passiert, wenn ihre 

unrechtmässige Anwesenheit aufgedeckt wird oder wenn sie nach Albanien reist und in 

die Schweiz zurückkehren will. Sie hat kein Geld zur Verfügung gehabt und über kein 

Mobiltelefon verfügt, mit welchem sie frei hätte kommunizieren können. Die Betroffene 

hat weder private noch behördliche Kontakte ausserhalb des Hauses wahrnehmen kön-

nen. Sogar Arztbesuche blieben ihr fast vollständig verwehrt. Die drei Kinder haben sie 

zusätzlich an ihren Partner gebunden und von diesem abhängig gemacht. Diese Um-

stände sind den Berufungsklägern, welche über ein altertümliches Rollenbild der Frau 

verfügen und leben, beim Unterdrücken der Privatklägerin entgegengekommen und sie 

haben kein Interesse gehabt, etwas dagegen zu unternehmen. Die Gesamtsituation er-

- 34 - 

klärt, warum sich die Privatklägerin nicht vermehrt gegen die auferlegten Einschränkun-

gen gewehrt hat, z.B. indem sie aus der Wohnung geflüchtet und sich hilfesuchend an 

die Polizei gewandt hätte.  

Z _________ hat der Privatklägerin zusätzlich Gewalt angedroht, falls sie ihn verlässt. 

Er hat sie gezwungen, ihn um Erlaubnis zu bitten, wenn sie die Wohnung verlassen will. 

Sie hat gewusst, dass ihr dies höchstens erlaubt wird, wenn sie vom zugegebenermas-

sen eifersüchtigen Partner (S. 586) begleitet wird. Sie hat es demzufolge unterlassen, 

ihn zu bitten, das jeweils genutzte Appartement selbstständig zu verlassen. 

Die Vorinstanz hat Z _________ zu Recht wegen qualifizierter Freiheitsberaubung ver-

urteilt für den Zeitraum vom: 

- Juli 2012 bis September 2013 (rund 14 Monate) 

- November 2013 bis Mai 2014 (rund 6 Monate) 

- November 2016 bis Februar 2020 (rund 27 Monate) 

Die Vorinstanz hat Y _________ zu Recht wegen qualifizierter Freiheitsberaubung ver-

urteilt für den Zeitraum vom: 

- Juli 2012 bis September 2013 (rund 14 Monate) 

- November 2013 bis Mai 2014 (rund 6 Monate) 

Y _________ ist des Vorwurfs der qualifizierten Freiheitsberaubung freizusprechen für 

den Zeitraum vom: 

- November 2016 bis Februar 2017 

3.3  Förderung illegaler Aufenthalt in der Schweiz  

X _________ hat sich von Juli 2012 bis September 2013 unangemeldet in der Schweiz 

im Haus von Y _________ und A _________ aufgehalten. Sie ist gemeinsam mit ihrem 

Sohn im November 2013 bis Mai 2014 in die Schweiz zurückgekehrt und hat wiederum 

dort gewohnt. Die Privatklägerin hat schliesslich gemeinsam mit zwei Kindern von No-

vember 2016 bis Februar 2017 im Haus am L _________ gewohnt, bevor sie mit 

Z _________ und den Kindern in eine eigene Wohnung gezogen ist. Sie hat im Mai 2019 

ein Permis F erhalten und damit ihren Aufenthalt sowie denjenigen ihrer Kinder legalisiert 

(S. 443 E. 3.2.7).  

3.3.1  Wer im In- oder Ausland einer Ausländerin den rechtswidrigen Aufenthalt in der 

Schweiz erleichtert erfüllt den objektiven Tatbestand von Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG. Der 

- 35 - 

Tatbestand erfasst grundsätzlich alle Handlungen, die den Behörden den Erlass oder 

Vollzug von Verfügungen gegen die Ausländerin oder den Ausländer erschweren oder 

die Möglichkeit des Zugriffs auf diese Person einschränken. Als solche Handlung gilt 

nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch das Beherbergen von illegal 

in der Schweiz anwesenden Ausländerinnen, sofern es sich nicht gerade um ein bloss 

kurzzeitiges Unterbringen handelt (Bundesgerichtsurteil 6B_426/2014 vom 18. Septem-

ber 2014 E. 4 mit Verweis auf den BGE 130 IV 77 E. 2.3).  

3.3.2  Den Angeklagten ist der illegale Aufenthalt der Privatklägerin bewusst gewesen, 

sie haben diesen billigend in Kauf genommen. Z _________ hat seiner Partnerin verbo-

ten, das Haus alleine zu verlassen und hat dadurch eine Anmeldung in der Schweiz 

verhindert. Alle drei Beschuldigten haben gemeinsam mitgewirkt, dass sich die Beschul-

digte im Haus von A _________ und Y _________ versteckt. Z _________ hat ab Feb-

ruar 2017 eine eigene Wohnung gemietet, wo sich die Betroffene hauptsächlich aufge-

halten hat.  

Die Behauptung der Berufungskläger, sie hätten nicht gewusst, wie sie die Privatklägerin 

anzumelden hätten, erweist sich gemäss obigen Ausführungen (vgl. E. 3.2.2.3) als 

Schutzbehauptung, zumal die Angeklagten und deren Familienmitglieder selbst auslän-

derrechtliche Verwaltungsprozesse, teils sogar mit Hilfe von Anwälten, angestrengt ha-

ben. 

Die Vorinstanz hat Y _________ und Z _________, unter Beachtung der Verjährungs-

bestimmungen zu Übertretungen zu Recht wegen Förderung des illegalen Aufenthalts 

für den Zeitraum vom November 2016 bis Februar 2017 verurteilt (S. 445 f. E. 3.2.8.c). 

Das Kreisgericht hat ferner Z _________ korrekterweise wegen Förderung des illegalen 

Aufenthalts für den Zeitraum ab Februar 2017 bis Mai 2019 schuldig gesprochen (vgl. S. 

454 E. 3.3.10.a). Die vorausgegangenen Handlungen sind in Bezug auf diese Strafnorm 

verjährt (Art. 97 aStGB und Art. 97 StGB). Die Vorinstanz hat dies korrekterweise so 

festgestellt (S. 446 E. 3.2.8.c), das vorausgehende Verhalten bei der Strafzumessung 

von Y _________ aber trotzdem beachtet (S. 517 E. 7.4.2). 

3.4  Nötigungen vom Januar 2020 

Die im Berufungsprozess noch zu beurteilenden Nötigungen hängen mit einem Vorfall 

vom 3. Januar 2020 zusammen. Die Vorinstanz geht nach einer Beweiswürdigung, auf 

die verwiesen werden kann (S. 462 E. 3.10.2), davon aus, die Privatklägerin habe an 

diesem Tag ihren Pass zurückgewollt. Y _________ habe X _________ an diesem Tag 

am Hals festgehalten. Z _________ habe sie gleichzeitig an den Haaren gehalten. Sie 

- 36 - 

hätten die Betroffene gleichzeitig gefragt, welchen Pass sie denn haben wolle und sie 

dadurch einzuschüchtern versucht. Sie hätten eine ausweglose Drohkulisse für die kör-

perlich unterlegene X _________ aufgebaut und ihr konkludent ernstliche körperliche 

Nachteile angedroht. Z _________ habe seiner Partnerin im Nachgang zu diesem Vorfall 

gedroht, Leute zu engagieren, welche sie aufsuchen und schlagen würden oder ihr ge-

droht, sie umzubringen oder zu verletzen, wenn sie sich von ihm trenne.  

3.4.1 Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch an-

dere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder 

zu dulden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 181 

StGB). Die rechtswidrige Verletzung der Freiheit der Willensbildung oder -betätigung 

durch Gewalt, ernstliche Drohung oder andere Mittel bildet Tathandlung. Die Willens- 

und Handlungsfreiheit einer Person ist geschütztes Rechtsgut, wobei es durch die 

Rechtsordnung begrenzt wird (Velnon/Rüdy, Basler Kommentar, 4. A., N. 14 zu Art. 181 

StGB). Nicht jedes tatbestandsmässige Verhalten ist bei Fehlen von Rechtfertigungs-

gründen auch rechtswidrig. Die Rechtswidrigkeit bei Art. 181 StGB bedarf vielmehr einer 

zusätzlichen, besonderen Begründung. Eine Nötigung ist rechtswidrig, wenn das Mittel 

oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstrebten Zweck im falschen 

Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel 

und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 134 IV 216 

E. 1). Die Intensität der angewandten Gewalt braucht nicht so gross zu sein, dass das 

Opfer widerstandsunfähig wird. Es reicht die Anwendung von Gewalt, welche den kon-

kreten Willen des Opfers bricht (Trechsel/Mona, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskom-

mentar, 3. A., Zürich/St. Gallen 2018, Nr. 3 zu Art. 181 StGB). Die Nötigung ist erst voll-

endet, wenn sich das Opfer nach dem Willen des Täters verhält (Trechsel/Mona, a.a.O., 

N. 9 zu Art. 181). 

Das Urteil kann bei ein und derselben Tat nur einheitlich auf Verurteilung oder Freispruch 

lauten. Es erfolgt kein Freispruch, wenn das Gericht den Anklagesachverhalt lediglich 

rechtlich anders als die Anklagebehörde würdigt und ihn vollständig behandelt. Dies gilt 

auch bei Eventual- und Alternativanklagen, die zu keiner Verurteilung führen