# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e4cc18c-0ee6-549d-bf67-c28b94a2f45d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 14.07.2023 SB210519
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210519_2023-07-14.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210519-O/U/jv 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

M. Knüsel und Ersatzoberrichterin lic. iur. S. Nabholz sowie die  

Gerichtsschreiberin MLaw J. Bischof 
 

Urteil vom 14. Juli 2023 

in Sachen 
 
Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin MLaw R. Meier,  

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 
 

sowie 
 

A._____,  
Privatklägerin und II. Berufungsklägerin (Rückzug) 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 
 

gegen 
 

B._____, 
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw Y1._____ 

Beschuldigter und III. Berufungskläger 
 
betreffend Menschenhandel etc.  
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 11. Juni 2021 
(DG190073) 
  

- 2 - 

Anklage: 
(Urk. D1/23) 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

10. September 2019 ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:  
(Urk. 101 S. 123 ff.) 

"Das Gericht erkennt: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig 

− des Menschenhandels im Sinne von Art. 182 Abs. 1 StGB; 

− des Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; 

− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB; 

− der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB; 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf die Privatklägerin A._____); 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG (in Be-

zug auf die Privatklägerin A._____); 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Alters- 

und Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG; 

− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 

Ziff. 1 StGB. 

2. Von folgenden Vorwürfen wird der Beschuldigte B._____ freigesprochen: 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf C._____, D._____ und E._____); 

− der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG (in Be-

zug auf C._____, D._____, E._____, F._____ und G._____). 

- 3 - 

3. Der Beschuldigte B._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, 

wovon 38 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 

180 Tagessätzen à CHF 30.–.  

4. Die Freiheitsstrafe wird im Umfange von 24 Monaten aufgeschoben und im Umfan-

ge von 12 Monaten (abzüglich 38 Tage, die durch Haft erstanden sind) vollzogen. 

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben. 

Die Probezeit für den bedingt aufgeschobenen Teil der Freiheitsstrafe sowie für die 

Geldstrafe wird auf 2 Jahre festgesetzt.  

5. Auf den Antrag, wonach eine obligatorische Landesverweisung im Sinne von 

Art. 66a Abs. 1 lit. n StGB für die Dauer von 5 Jahren auszufällen sei, wird nicht 

eingetreten. 

6. Auf den Antrag, wonach die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem anzuordnen sei, wird nicht eingetreten. 

7. Der Beschuldigte B._____ wird verpflichtet, der Privatklägerin A._____, solidarisch 

mit allfälligen Mittätern, CHF 12'000.–, zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2016, als 

Genugtuung zu bezahlen. 

Zusätzlich wird er alleine verpflichtet, der Privatklägerin A._____ CHF 6'000.–, zu-

züglich 5 % Zins ab 7. Juni 2016, als Genugtuung zu bezahlen. 

8. Der Beschuldigte B._____ wird gestützt auf seine Anerkennung verpflichtet, der 

Privatklägerin A._____, solidarisch mit allfälligen Mittätern, CHF 400.–, zuzüglich 5 

% Zins ab 10. Januar 2016, sowie CHF 1'900.–, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Mai 

2016, zu bezahlen.  

Weiter wird der Beschuldigte B._____ gestützt auf seine Anerkennung verpflichtet, 

der Privatklägerin A._____, solidarisch mit allfälligen Mittätern, CHF 400.–, 

zuzüglich 5 % Zins ab 10. Januar 2016, zu bezahlen. 

9. Im Mehrbetrag wird auf die Zivilforderungen der Privatklägerin A._____ nicht 

eingetreten. 

- 4 - 

10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

CHF 12'000.00 ;  die weiteren Kosten betragen: 

CHF 2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren; 

CHF 7'080.00   Auslagen Untersuchung; 

CHF 471.60   Entschädigung Dolmetscher Untersuchung; 

CHF 12'800.00   Kosten amtliche Verteidigung (bereits bezahlt); 

CHF 51'820.80   Kosten amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Barauslagen); 

CHF 16'309.55   Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (inkl. MwSt. und Barauslagen); 

CHF 102'581.95   Total 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

11. Die Kosten werden im Umfange von CHF 471.60 auf die Gerichtskasse genom-

men.  

Im Übrigen werden die Kosten der Untersuchung (Gebühr Vorverfahren und Aus-

lagen Untersuchung) und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich diejenigen 

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklä-

gerin, dem Beschuldigten B._____ zu 9/10 auferlegt und zu 1/10 auf die Gerichts-

kasse genommen. Die auf ihn entfallenden Kosten der amtlichen Verteidigung und 

der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin werden indessen einstwei-

len auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO bleibt vorbehalten.  

12. (Mitteilungen) 

13. (Rechtsmittel)" 

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Berufungsanträge 
(Prot. II S. 7 ff.) 

a) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 137 S. 1) 

 1. In Bezug auf Dispositiv-Ziffer 3 sei der Beschuldigte mit einer Freiheits-

strafe von 45 Monaten zu bestrafen, wovon 38 Tage durch Haft erstan-

den sind, sowie mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à CHF 30.–. 

 2. In Bezug auf Dispositiv-Ziffer 4 seien die Freiheitsstrafe und die Geld-

strafe zu vollziehen. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 138 S. 1 ff.) 

 " 1. Ziff. 1 des Dispositivs sei aufzuheben und Herr B._____ sei einzig wie 

folgt schuldig zu sprechen: 

  - Der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 

lit. a i.V.m. Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf die Privatklägerin 

A._____); 

  - der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 

AIG (in Bezug auf die Privatklägerin A._____);  

  - der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Alters- und 

Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG 

(in Bezug auf die Privatklägerin A._____). 

  2. Herr B._____ sei von den nachfolgenden Vorwürfen freizusprechen 

(Ziff. 2): 

  - Des Menschenhandels im Sinne von Art. 182 Abs. 1 StGB; 

  - des Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB; 

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  - der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB; 

  - der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB; 

  - der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 116 Abs. 1 

lit. a i.V.m. Abs. 3 lit. a AIG (in Bezug auf C._____, D._____ und 

E._____); 

  - der Widerhandlung gegen das AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 

AIG (in Bezug auf C._____, D._____, E._____, F._____ und 

G._____); 

  - der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Alters- und 

Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG 

(in Bezug auf D._____); 

  - der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne 

von Art. 285 Ziff. 1 StGB. 

  3. Ziff. 3 des Dispositivs sei aufzuheben und Herr B._____ sei mit ei-

ner  Geldstrafe von maximal 120 Tagessätzen à CHF 30.– (abzüglich 

38 Tagessätze, die durch Haft erstanden sind) zu bestrafen. 

  4. Ziff. 4 des Dispositivs sei aufzuheben und es sei der Vollzug der Geld-

strafe aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen. 

  5. Ziff. 7 des Dispositivs sei aufzuheben und es seien die seitens der 

Privatklägerin A._____ geltend gemachten Genugtuungsforderungen 

abzuweisen. 

  6. Ziff. 9 des Dispositivs sei ersatzlos aufzuheben. 

  7. Ziff. 11 des Dispositivs sei aufzuheben und es seien die Kosten der Un-

tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich der Kos-

ten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertre-

tung der Privatklägerin, Herrn B._____ zu 1/20 aufzuerlegen und zu 

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19/20 definitiv auf die Staatskasse zu nehmen. Es seien die auf Herrn 

B._____ entfallenden Kosten der amtlichen Verteidigung und der un-

entgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin – d.h. 1/20 dieser 

Gesamtkosten – einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine 

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO 

sei für den Fall des Eintritts der dafür notwendigen Bedingungen vor-

zubehalten.  

  8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich der Kosten für die 

amtliche Verteidigung (inkl. MWST und Spesen) und der unentgeltli-

chen Rechtsvertretung (inkl. MWST und Spesen), seien ausgangsge-

mäss vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen." 

c) Der Privatklägerin A._____: 

(Urk. 140 S. 2) 

 " 1. Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen, soweit sie die straf- 

als auch zivilrechtlichen Ansprüche der Privatklägerin A._____ betref-

fen. 

  2. Das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 11. Juni 

2021 (DG190073) sei insbesondere in Bezug auf die Ziffer 7 (Genug-

tuung) zu bestätigen. 

  3. Die Kosten des Verfahrens, inklusive denjenigen der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin (gemäss eingereichter Honorarno-

te) seien dem Beschuldigten aufzuerlegen." 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

1. Die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (nachfolgend "Staatsanwalt-

schaft") führte zusammen mit der Kantonspolizei Zürich (nachfolgend "Kantons-

polizei") unter dem Aktionsnamen "H._____" gestützt auf eine Meldung von 

- 8 - 

A._____ (Geschädigte und Privatklägerin, nachfolgend "Privatklägerin") eine 

Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten B._____ und dessen Ehefrau 

I._____ (nachfolgend "die Mitbeschuldigte" oder mitgemeinte Person der 

"Beschuldigten" oder der "beiden Beschuldigten"). Die Eheleute standen unter 

Verdacht auf Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft, auf 

Wucher und Widerhandlung gegen das AIG und das AHVG. Der Beschuldigte 

wurde zusätzlich der sexuellen Nötigung und Drohung zum Nachteil der Privat-

klägerin und der Hehlerei verdächtigt (Urk. D1/1/1-2). Die Untersuchung wurde 

gegen beide Beschuldigten später auf weitere mögliche Opfer des Menschen-

handels ausgedehnt (Urk. D1/1/5) und mit Bezug auf den Beschuldigten auf den 

Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte wegen 

Handlungen zum Nachteil des Privatklägers J._____ (nachfolgend "Privatkläger"). 

Am 10. September 2019 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren betreffend 

Hehlerei ein (Urk. D1/21). Gleichentags erhob sie gegen den Beschuldigten und 

die Mitbeschuldigte Anklage an das Bezirksgericht Winterthur (Urk. D1/23; 

SB210520, Urk. 23). 

2. Die Vorinstanz führte die Verfahren unter separaten Prozessnummern 

(DG190073-K und DG190074-K), setzte aber eine gemeinsame Hauptverhand-

lung an (Urk. 26). Nachdem die erstmals auf den 30. März 2020 bis 1. April 2020 

anberaumte Hauptverhandlung (Urk. 31) u.a. pandemiebedingt mehrmals ver-

schoben werden musste, konnte sie schliesslich an mehreren Tagfahrten im Mai 

2021 durchgeführt werden (Prot. I S. 11 ff.). Am 11. Juni 2021 fällte die Vorinstanz 

das Urteil, welches gleichentags mündlich eröffnet wurde (Prot. I S. 168 ff.). Zum 

Verfahrensgang im Einzelnen ist zur Vermeidung von Wiederholungen auf die 

Darstellung der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 101 S. 7 ff.). 

3. Gegen das Urteil vom 11. Juni 2021 meldeten der Beschuldigte (Urk. 96), 

die Staatsanwaltschaft (Urk. 92/1) sowie die Privatklägerin (Urk. 93/1) rechtzeitig 

Berufung an. Die Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft (Urk. 102) sowie 

des Beschuldigten (Urk. 104) gingen innert Frist hier ein. Die Privatklägerin zog 

die angemeldete Berufung innert der Frist für die Einreichung einer Berufungser-

klärung wieder zurück (Urk. 107). Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass 

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auch die Mitbeschuldigte in die Berufung ging, welches Verfahren hierorts unter 

der Prozessnummer SB210520 geführt wird. 

4. Mit Präsidialverfügung vom 25. Oktober 2021 wurde den Parteien Frist zur 

Erhebung einer Anschlussberufung beziehungsweise zum Antrag auf Nichteintre-

ten auf die Berufungen der Gegenparteien angesetzt. Gleichzeitig wurde der Pri-

vatklägerin Frist für Erklärungen im Sinne von Art. 335 Abs. 24 StPO, Art. 153 

Abs. 1 StPO und Art. 68 Abs. 4 StPO betreffend Besetzung des urteilenden Ge-

richts mit einer Person gleichen Geschlechts etc. angesetzt. Dem Beschuldigten 

wurde dieselbe Frist angesetzt, um Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnis-

sen einzureichen (Urk. 109). Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 

2. November 2021 ihren Verzicht auf Anschlussberufung (Urk. 111). Die Privat-

klägerin und der Beschuldigte liessen unter dem 16. November 2021 das Gleiche 

vermelden (Urk. 112 und Urk. 114). Seitens der Privatklägerin wurden überdies 

für den Fall ihrer erneuten Befragung Anträge gestellt (Urk. 112). Innert erstreck-

ter Frist (Urk. 116) reichte der amtliche Verteidiger Unterlagen zu den wirtschaftli-

chen Verhältnissen des Beschuldigten ein (Urk. 118, Urk. 119 und Urk. 121/1-7). 

Der Privatkläger J._____ (nachfolgend "Privatkläger") liess sich nicht vernehmen. 

5. Mit Präsidialverfügung vom 6. März 2023 wurde die Publikumsöffentlichkeit 

von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen und den akkreditierten Gerichts-

berichterstattern der Zutritt unter Auflagen ermöglicht (Urk. 123). 

6. Am 28. März 2023 wurden die Parteien des vorliegenden Verfahrens und je-

ne (soweit nicht bereits hier involviert) des Verfahrens gegen die Mitbeschuldigte 

(SB2101520) zur gemeinsamen Berufungsverhandlung auf den 13./14. Juli 2023 

vorgeladen (Urk. 125). 

7. Mit Eingabe vom 22. Juni 2023 beantragte der bisherige Verteidiger, 

Rechtsanwalt Dr. iur. Y2._____, es sei die kanzleiinterne Rechtsanwältin MLaw 

Y1._____ als neue amtliche Verteidigerin des Beschuldigten einzusetzen 

(Urk. 128), welchem Antrag mit Verfügung vom 23. Juni 2023 entsprochen wurde 

(Urk. 129). 

- 10 - 

8. Am 3. Juli 2023 wurde über den Beschuldigten ein neuer Strafregisteraus-

zug eingeholt (Urk. 131). 

9. Zur Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Begleitung seiner 

amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin MLaw Y1._____, die Staatsanwältin MLaw 

Runa Meier, die Rechtsvertreterin Rechtsanwältin lic. iur. X._____ für die 

Privatklägerin sowie die übrigen Parteien des Verfahrens SB210520. Vorfragen 

waren anlässlich der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden (Prot. II S. 11). 

Es wurden abgesehen von der Befragung des Beschuldigten (Urk. 134) keine 

Beweise abgenommen (vgl. zu den Beweisanträgen sogleich unten, E. II.8).  

10. Das Verfahren erweist sich als spruchreif. 

II. Prozessuales 

1. Umfang der Berufung 

1.1 Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in 

Rechtskraft. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur 

in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

1.2 Die Privatklägerin hat ihre Berufung zurückgezogen (Urk. 107). Hiervon ist 

vorab Vormerk zu nehmen. 

1.3 Der Beschuldigte ficht das erstinstanzliche Urteil vom 11. Juni 2021 hinsicht-

lich dessen Dispositiv-Ziffern 1, 1.-4. und 7.-8. Spiegelstrich, sowie hinsichtlich der 

Dispositiv-Ziffern 3 und 4, 7, 9 und 11 an (Urk. 104, Prot. II S. 11). Von der 

Staatsanwaltschaft ebenfalls angefochten sind Dispositiv-Ziffern 3 und 4 

(Urk. 102). Unangefochten sind damit einzig die Dispositiv-Ziffern 1, 5. und 6. 

Spiegelstrich (Schuldspruch betreffend die Widerhandlungen gegen das AIG hin-

sichtlich der Privatklägerin), Ziffer 2 (Freispruch betreffend Widerhandlungen ge-

gen das AIG hinsichtlich weiterer Personen), Ziffern 5 und 6 (Landverweisung und 

Ausschreibung im SIS), Ziffer 8 (Zivilforderungen) sowie Ziffer 10 (Kostenfestset-

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zung), was vorab festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 

437 StPO). 

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1.4  Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid im Rahmen des Beru-

fungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes in den nur vom 

Beschuldigten angefochtenen Punkten gesamthaft zur Disposition (Art. 391 

Abs. 2 StPO).  

1.5 Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 

BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungs-

instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-

schränken. 

1.6 Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit 

Erwähnung findet. 

2. Anwendbares Recht 

2.1 Am 1. Januar 2018 trat die jüngste Teilrevision des Sanktionenrechts in 

Kraft. Art. 2 StGB gilt auch für Partialrevisionen (BSK StGB I-POPP/BERKEMEIER, 

Art. 2 N 4).  

2.2 Die vorliegend zu beurteilenden strafbaren Handlungen ereigneten sich im 

Zeitraum zwischen November 2015 und 25. März 2017 und damit vor dem er-

wähnten Datum. Es stellt sich daher die Frage nach dem milderen Recht. Darauf 

ist im Rahmen der konkreten Strafzumessung einzugehen (vgl. E. V). 

2.3 Pro memoria ist darauf hinzuweisen, dass die Einführung der Landesver-

weisung erst per 1. Oktober 2016 erfolgte, so dass eine Landesverweisung – für 

die Katalogtaten des Menschenhandels und der sexuellen Nötigung – schon 

grundsätzlich kein Thema ist. Das Nichteintreten der Vorinstanz auf den entspre-

chenden Antrag der Staatsanwaltschaft ist denn auch nicht angefochten worden.  

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3. Strafantrag 

Bei der vorgeworfenen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB gemäss Anklagezif-

fer IV. handelt es sich um ein Antragsdelikt. Es liegt ein form- und fristgerecht ge-

stellter Strafantrag der Privatklägerin vor (Urk. D1/6/1).  

4. Anklageprinzip 

4.1 Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 

BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b EMRK; BGE 143 IV 63 E. 2.2; 141 IV 132 

E. 3.4.1; je mit Hinweisen). Wie Art. 9 Abs. 1 StPO ausdrücklich festlegt, kann ei-

ne Straftat nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen 

eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim 

zuständigen Gericht Anklage erhoben hat. Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO be-

zeichnet die Anklageschrift insbesondere möglichst kurz, aber genau die der be-

schuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit 

sowie Art und Folgen der Tatausführung (lit. f) und die nach Auffassung der 

Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwendbaren Ge-

setzesbestimmungen (lit. g). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur 

Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die 

Vorwürfe in objektiver und  subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind (BGer 

6B_171/2022 vom 29. November 2022 mit Verweis auf: BGE 147 IV 439 E. 7.2; 

141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). 

4.2 Wie oben dargelegt, entnimmt man der Anklageschrift nicht, wo das Anwer-

ben der Privatklägerin erfolgt sein soll, auch wenn anzunehmen ist, dass dies am 

Wohnort der Beschuldigten geschah (also in K._____). Dies wird den Beschuldig-

ten hauptsächlich vorgeworfen. Angesichts des konkreten Sachverhalts steht aber 

der Vorwurf des eigentlichen Ausbeutens der Arbeitskraft der Privatklägerin im 

Fokus (vgl. hierzu auch E. IV.1.). Diesbezüglich ergibt sich aus der Anklageschrift 

unmissverständlich als Tatort die L._____-strasse … in K._____. Ebenso klar um-

schrieben ist ein vorgeworfenes mittäterschaftliches Handeln des Beschuldigten 

und der Mitbeschuldigten hinsichtlich der Anklagepunkte I. und II. sowie V.-VII. 

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Die Anklage ist zwar etwas umständlich – ohne Nummerierungen im romanarti-

gen Sachverhalt und teilweise mit Begründungselementen – verfasst, aber sie 

hält dem Anklageprinzip als Ganzes noch stand. 

5. Polizeieinsatz vom 19. Juli 2016 

Nachdem die Privatklägerin über einen Nachbarn (spätere polizeiliche Aus-

kunftsperson M._____) im Mehrfamilienhaus L._____-strasse …, K._____, die 

Polizei kontaktiert hatte, kam es am 19. Juli 2016 daselbst zu einem 

Polizeieinsatz. Dabei wurden Fotos von der Mitbeschuldigten und der Wohnung 

der beiden Beschuldigten erstellt (Urk. D1/1/7). Da die Staatsanwaltschaft trotz 

laufender Untersuchung (ab 22. Juli 2016) erst am 7. Februar 2018 bei der 

Stadtpolizei Winterthur um diese ersuchte, vermochte Letztere darüber zufolge 

Zeitablaufs von rund 18 Monaten keinen Wahrnehmungsbericht mehr zu 

verfassen (vgl. Urk. D1/1/7; vgl. auch Urk. D1/4/7 S. 1). Immerhin ist unstrittig, wo 

und wie die Aufnahmen zu verorten sind.  

6. Polizeiliche Vorermittlungen und Eröffnung der Strafuntersuchung 

6.1.1 Die beschuldigte Person hat Anspruch darauf, dass das Verfahren in den 

vom Gesetz vorgesehenen Formen durchgeführt und abgeschlossen wird 

(vgl. Art. 2 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwaltschaft leitet das Vorverfahren (Art. 16 

Abs. 2 StPO), das aus dem Ermittlungsverfahren der Polizei und der Untersu-

chung der Staatsanwaltschaft besteht (Art. 299 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 299 

Abs. 2 StPO werden im Vorverfahren, ausgehend vom Verdacht, es sei eine 

Straftat begangen worden, Erhebungen getätigt und Beweise gesammelt, um 

festzustellen, ob gegen eine beschuldigte Person ein Strafbefehl zu erlassen 

(lit. a), Anklage zu erheben (lit. b) oder das Verfahren einzustellen ist (lit. c). 

6.1.2 Mit der Rapporterstattung und anschliessenden Untersuchungseröffnung 

endet das selbstständige Ermittlungsverfahren der Polizei und die Staatsanwalt-

schaft übernimmt auch die faktische Verfahrensherrschaft. Sie entscheidet im 

Rahmen von Art. 312 Abs. 1 StPO, ob und in welchem Umfang die Polizei noch 

weiter ermitteln muss und darf und hat ihr zu diesem Zweck konkrete Ermittlungs-

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aufträge zu erteilen. Gemäss Art. 307 Abs. 1 StPO informiert die Polizei die 

Staatsanwaltschaft unverzüglich über schwere Straftaten sowie über andere 

schwer wiegende Ereignisse. Die polizeiliche Orientierung der Staatsanwaltschaft 

über schwere Straftaten und andere schwer wiegende Ereignisse führt gestützt 

auf Art. 309 Abs. 1 lit. c StPO zur Eröffnung eines Untersuchungsverfahrens (BSK 

StPO-RÜEGGER, a.a.O., Art. 307 N 4).  

6.1.3 Nach Art. 309 Abs. 3 StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft die Untersuchung 

in einer Verfügung. Die Strafuntersuchung gilt in jedem Fall als eröffnet, wenn die 

Staatsanwaltschaft Zwangsmassnahmen anordnet. Da die Vorladung als 

Zwangsmassnahme gilt, genügt es in aller Regel für die Eröffnung, wenn die 

Staatsanwaltschaft erste Untersuchungshandlungen selber vornimmt, namentlich 

die beschuldigte Person einvernimmt oder eine Editionsverfügung erlässt (BGE 

141 IV 20 E. 1.1.4 S. 24 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_256/2017 

vom 13. September 2018 E. 2.1). Der Eröffnungsverfügung kommt lediglich 

deklaratorische Wirkung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_84/2020 vom 

22. Juni 2020 mit Hinweisen). 

6.2.1 Eine formelle Eröffnungsverfügung der Staatsanwaltschaft im Sinne von 

Art. 309 Abs. 3 StPO findet sich in den Akten nicht. Diesen ist jedoch folgender 

Gang der Untersuchung in der ersten Phase zu entnehmen:  

6.2.2 Der Polizeieinsatz vom 19. Juli 2016 führte vorerst zu einer Verhaftung der 

Privatklägerin (vgl. Polizeirapport vom 22. Juli 2016 als Bestandteil der "Geschä-

digtenakten"; Urk. D16/1) und zu einer Befragung der Privatklägerin als Beschul-

digte betreffend Widerhandlung gegen das (damalige) Ausländergesetz (vgl. 

Urk. D1/15/1). Auf entsprechende Anfrage der Verteidigung der Mitbeschuldigten 

I._____ anlässlich der Berufungsverhandlung informierte die Staatsanwaltschaft 

darüber, dass gegen die Privatklägerin ein Strafbefehl ergangen sei, mit dem die 

Privatklägerin wegen Widerhandlung gegen das AIG mit einer bedingten Geld-

strafe sowie mit einer Verbindungsbusse sanktioniert worden sei (vgl. Prot. II 

S. 68).  

- 16 - 

6.2.3 Bereits am 22. Juli 2016 rapportierte die Kantonspolizei Zürich an die 

Staatsanwaltschaft (STA II, fallführende Staatsanwältin MLaw Runa Meier) betref-

fend Menschenhandel, sexuelle Nötigung und Förderung der rechtswidrigen Ein- 

und Ausreise sowie rechtswidrigen Aufenthalts. Sie stellte der Staatsanwaltschaft 

den Antrag auf Überwachung der Rufnummer … (rückwirkende Teil-

nehmeridentifikation und Echtzeitüberwachung; Mobiltelefon des Beschuldigten). 

Dem Rapport, der als beschuldigte Personen den heutigen Beschuldigten und die 

Mitbeschuldigte mit vollständigen Personalien und Koordinaten aufführt, lagen 

u.a. der Verhaftsrapport in Sachen der Privatklägerin vom 21. Juli 2016 

(Urk. D1/15), das Protokoll der polizeilichen Einvernahme der Privatklägerin vom 

20. Juli 2016 (Urk. D1/5/1) und die Aktennotiz des polizeilichen Sachbearbeiters 

über das informelle Gespräch mit der Privatklägerin vom 22. Juli 2016 (Urk. 

D1/5/2) bei.  

6.2.4 Die Staatsanwaltschaft reagierte darauf umgehend und ordnete unter der 

Untersuchungsnr. A-3/2016/10024631 die Überwachung des Post- und Fernmel-

deverkehrs an (Urk. D1/11/1/3) und stellte erstmals einen Antrag auf deren Ge-

nehmigung an das Obergericht des Kantons Zürich, Zwangsmassnahmengericht 

(Urk. D1/11/1/2). Diesem wurde am 26. Juli 2016 entsprochen (Urk. D1/11/1/5).  

6.3 Mit der polizeilichen Orientierung der Staatsanwaltschaft und deren Anord-

nung der Zwangsmassnahme vom 22. Juli 2016 (Urk. 1/1/11/3) wurde die 

Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten (und die Mitbeschuldigte) demnach 

faktisch eröffnet (vgl. auch BGE 141 IV 20 E. 1.1.4.).  

6.4 Die Staatsanwaltschaft ordnete in der Folge weitere Zwangsmassnahmen an, 

so am 19. September 2016 eine Observation der Beschuldigten, welche vorerst 

bis zum 19. März 2017 befristet war (Urk. D1/11/5). Auf Antrag der Kantonspolizei 

Zürich (Urk. D1/13/1) wurde diese von der Staatsanwaltschaft bis zum 31. Mai 

2017 verlängert (Urk. D1/13/2-3). Die Staatsanwaltschaft erliess sodann am 

1. Dezember 2016 eine Editionsverfügung zulasten der N._____ AG 

(Urk. D1/8/1), am 12. Mai 2017 einen Vorführungsbefehl für den Beschuldigten 

(Urk. D1/12/1), am 15. Mai 2017 einen Hausdurchsuchungsbefehl für die Woh-

nung der Beschuldigten an der L._____-strasse …, K._____ (Urk. D1/9/1) und am 

- 17 - 

16. Mai 2017 ein Auskunftsersuchen vom 16. Mai 2017 an die Western Union 

Company (Urk. D1/8/2). 

6.5 Eine Delegation an die Polizei im Sinne von Art. 312 StPO durch die Staats-

anwaltschaft erfolgte erst am 16. Mai 2017 (Urk. D1/2). 

7. Geheime Überwachungsmassnahmen 

Für die angeordneten geheimen Überwachungsmassnahmen (Observationen 

und  verschiedene Telefonüberwachungen (Urk. D1/1 S. 4; Urk. D1/1/5 ff.; Urk. 

D1/11/6/1-14) lagen die entsprechenden Genehmigungen vor (Urk. D1/11). Der 

Beschuldigte wurde hierüber am 5. Februar 2019 in Kenntnis gesetzt (Urk. 

D1/11/15). Auch wurden die daraus hervorgebrachten Erkenntnisse dem Be-

schuldigten rechtsgenügend vorgehalten (vgl. Urk. D1/3/3-4 und Urk. D1/3/7-8). 

Entsprechend sind die aus den geheimen Überwachungsmassnahmen gewonne-

nen Erkenntnisse verwertbar, soweit sie heute Bestandteil der Akten bilden, was 

im Übrigen bisher nicht bestritten wurde. 

8. Beweisanträge 

8.1 Die amtliche Verteidigerin stellte anlässlich der Berufungsverhandlung diver-

se Beweisanträge (Urk. 135). Im Einzelnen: 

8.2 Zunächst wurde – wie bereits anlässlich der Hauptverhandlung – erneut der 

Antrag gestellt, es sei O._____ als Zeuge zu befragen. Die Vorinstanz wies die-

sen Antrag ab (Prot. I S. 123 ff.). Dieser Antrag wurde von der Verteidigung des 

Beschuldigten bereits im Vorfeld gestellt (Urk. 34).  

8.2.1 Bei O._____, geb. tt. Oktober 1962, wohnhaft P._____ [Strasse] …, 

Q._____, Serbien, handelt es sich um den Ex-Partner der Privatklägerin und Va-

ter des gemeinsamen Sohnes R._____, geb. tt.mm.2008 (Urk. 49/1-2). Gemäss 

Aussagen der Privatklägerin waren sie unverheiratet und zog sie am 

28. Oktober 2013 bei O._____ aus (Urk. D1/5/6, F/A 45). Die Beziehung war ge-

mäss Privatklägerin belastet durch das von O._____ alleine beanspruchte Sorge-

- 18 - 

recht, was ein Motiv für die Arbeitssuche in der Schweiz gewesen sei. Ein Kontakt 

mit ihm und dem Kind fand seither kaum mehr statt. 

8.2.2 Die Verteidigung erhofft sich aus der Einvernahme dieses Ex-Partners, dass 

damit überprüft werden könne, ob die Aussagen der Privatklägerin rund um ihren 

Sohn stimmen würden, was für die rechtliche Würdigung des Sachverhalts von 

grosser Bedeutung sei (Urk. 135 S. 3 f.). 

8.2.3 Zutreffend ist zwar, dass O._____ von der Privatklägerin stark belastet 

wurde, wie die Verteidigung richtig festhält (Urk. 135 S. 3). Ausgehend davon, 

dass der letzte effektive Kontakt aber sehr weit zurückliegt, die Beziehung 

offenbar von Drohungen und die Elternbeziehung stark durch das 

Sorgerechtsthema belastet war (vgl. Urk. 37; Urk. D1/5/1 F/A 160 ff.; Prot. I 

S. 29 ff.), sind keine sachdienlichen Aussagen für einen Jahre später sich hier 

abspielenden Sachverhalt zu erwarten. Im Gegenteil wären vielmehr von grosser 

Emotionalität geprägte Aussagen zu erwarten. O._____ könnte sich zwar zum 

Thema der Sorgerechtsstreitigkeit äussern, was für die rechtliche Würdigung 

indessen nicht von Relevanz ist, da die Privatklägerin – wie später noch zu zeigen 

sein wird – den Beschuldigten und die Mitbeschuldigte nicht über die laufende 

Sorgerechtsstreitigkeit informierte beziehungsweise ihnen davon nichts erzählte. 

Von einer Einvernahme von O._____ als Zeuge ist daher auch heute abzusehen 

(vgl. hierzu Urk. 37 und Urk. 101 S. 10).  

8.3 Weiter wurden diverse Abklärungen im Heimatland der Privatklägerin – in 

Serbien – beantragt. Namentlich seien die durchschnittlichen Lohnverhältnisse 

und die Ersatzerwerbseinkommensmöglichkeiten in Serbien während des gemäss 

Anklageschrift deliktsrelevanten Zeitraums für die Gastronomiebranche abzuklä-

ren. Auch seien der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege in Serbien und die 

dazugehörigen Voraussetzungen abzuklären sowie die Voraussetzungen für die 

Erlangung des Sorgerechts für ein leibliches Kind durch die Mutter in Serbien 

(Urk. 135, Anträge 2 bis 5). Hierzu ist grundsätzlich festzuhalten, dass es 

notorisch ist, dass in Serbien ein tieferes Lohnniveau herrscht als in der Schweiz. 

Indessen sind für den vorliegenden Fall die Verhältnisse in der Schweiz relevant. 

Soweit die Beweisanträge auf die Sorgerechtsstreitigkeiten in Serbien abzielen, 

- 19 - 

ist erneut darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin diesbezüglich die 

Beschuldigten nicht informierte. Ob und unter welchen Umständen die 

Privatklägerin in Serbien einen gerichtlichen Sorgerechtsstreit hätte führen 

können, ist für das vorliegende Verfahren von untergeordneter Bedeutung. Im 

Übrigen ist hinsichtlich dieser Beweisanträge festzuhalten, dass darauf im 

Rahmen der Sachverhaltserstellung einzugehen ist (vgl. E. III.2).  

8.4 Schliesslich wurde beantragt, dass diverse Unterlagen (Lohnabrechnungen, 

Arbeitsbestätigung und Aufsatz von S._____) zu den Akten zu nehmen seien 

(Urk. 135 Antrag 6). Dieser Antrag ist ohne Weiteres gutzuheissen und die Unter-

lagen sind als Urk. 136/1 bis Urk. 136/3 zu den Akten zu nehmen. 

9. Haft 

Der Beschuldigte wurde am 16. Mai 2017, 10:25 Uhr, von der Polizei verhaftet 

(Urk. D1/12/2) und befand sich vom 19. Mai 2017 bis zum 22. Juni 2017, 15.45 

Uhr, in Untersuchungshaft (Urk. D1/12/16). Damit sind 38 Tage durch Haft er-

standen. 

III. Sachverhalt 

A. Anklagevorwurf  

Gegenstand des Strafverfahrens sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ge-

mäss Anklageschrift vom 10. September 2019 (Urk. D1/23). Angefochten und im 

Berufungsverfahren zu überprüfen sind nur noch die vorinstanzlichen Schuldsprü-

che betreffend Menschenhandel im Sinne von Art. 182 Abs. 1 StGB (D1), Wucher 

im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (D1), sexuelle Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB (D1), Drohung im Sinne von Art. 180 StGB (D1), Widerhand-

lung gegen das Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung 

im Sinne von Art. 87 Abs. 2 AHVG in Bezug auf D._____ (D1) und Drohung sowie 

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 

StGB (D2).  

- 20 - 

B. Standpunkt des Beschuldigten 

1. Sowohl in der Untersuchung als auch anlässlich der Hauptverhandlung be-

anspruchte der Beschuldigte mehrheitlich sein Aussageverweigerungsrecht. So-

weit er Aussagen machte, hat er die Vorwürfe mit Ausnahme der 

Widerhandlungen gegen das AIG und das AHVG, je in Bezug auf die 

Privatklägerin, bestritten (vgl. nachfolgend). 

2. Anlässlich der Berufungsverhandlung verweigerte der Beschuldigte die Aus-

sagen zur Sache (Urk. 134 S. 9 und Prot. II S. 12). Die amtliche Verteidigung hielt 

im Wesentlichen an ihren bisherigen Ausführungen fest (vgl. Urk. 77; Prot. I 

S. 133 ff. und S. 162 ff.) und brachte an der Berufungsverhandlung zusammenge-

fasst vor, dass die Telefonüberwachungsprotokolle keineswegs ein strafrechtli-

ches Verhalten des Beschuldigten aufzuzeigen vermögen. Die Redeart des Be-

schuldigten müsse im Kontext der kulturell-sprachlich vorherrschenden Unter-

schiede zum deutschsprachigen Raum gelesen werden. Zur Privatklägerin sei 

festzuhalten, dass deren Aussagen nicht vollumfänglich Glauben geschenkt 

werden dürfe. Ausserdem habe sie sich vor deren Einreise in die Schweiz im 

November 2015 in keiner vulnerablen Situation, in keiner besonderen Hilflosigkeit 

und in keiner im Lichte von Art. 182 StGB relevanten Notlage befunden (Urk. 

138). 

3. Die Mitbeschuldigte berief sich heute ganz auf ihr Aussageverweigerungs-

recht (Prot. II S. 9). 

C. Grundsätze der Beweiswürdigung 

1. Auf die in allen Teilen korrekten einleitenden Erwägungen der Vorinstanz zu 

den theoretischen Grundsätzen der Beweiswürdigung sowie zur einschlägigen 

Lehre und Rechtsprechung kann vorab vollumfänglich verwiesen werden 

(Urk. 101 S. 16 ff.). 

2. Die Vorinstanz hat auch eine eingehende Beurteilung der Glaubwürdigkeit 

sämtlicher einvernommenen Personen vorgenommen (Urk. 101 S. 39 ff.). Zu er-

innern ist in diesem Zusammenhang, dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit im 

- 21 - 

Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft nach heutiger Erkenntnis bei der 

Würdigung von Aussagen kaum mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus 

bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die 

Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen (Erw. C.2.). Dies bedeutet, dass die 

Privatklägerin aufgrund ihrer Geschädigtenrolle nicht a priori glaubwürdiger ist als 

die mit erheblichen Vorwürfen konfrontierten Beschuldigten. In diesem Sinne legte 

denn auch die Vorinstanz den Fokus auf die Aussagenanalyse (Urk. 101 S. 41 

ff.).  

D. Konkrete Beweiswürdigung 

1. Beweismittel 

Die Anklagebehörde stützt sich zum Nachweis des eingeklagten Sachverhalts 

hauptsächlich auf die Aussagen der Privatklägerin (Urk. D1/5/1 und Urk. D1/5/3-

10), sodann auf die wenigen des Beschuldigten (Urk. D1/3), jene der Mitbeschul-

digten (Urk. D1/4) und von diversen Auskunftspersonen (T._____, U._____, 

V._____, W._____). An angerufenen Beweismitteln sind weiter die Erkenntnisse 

aus den Telefonkontrollen (Urk. D1/7), die anlässlich des Polizeieinsatzes vom 

19. Juli 2016 in der Wohnung des Beschuldigten angefertigten Fotos (Urk. D1/1/7) 

sowie die anlässlich der Hausdurchsuchung vorgenommenen Sicherstellungen 

und die sich daraus ergebenden Erkenntnisse zu erwähnen. Weitere 

Beweiserhebungen der Staatsanwaltschaft waren Editionen sowie Observationen. 

Keine relevanten Ergebnisse lieferte offenbar die monatelange Observation der 

Beschuldigten, denn es liegt kein selbständiger Bericht vor, sondern nur "ein als 

ergänzender und abschliessender Ermittlungsbericht zu verstehender 

Polizeirapport" (Urk. F/1/5 S. 4). Die Staatsanwaltschaft nahm in der Begründung 

der Anklage vor Vorinstanz denn auch keinen Bezug auf die Observation (vgl. 

Urk. 73 und Prot. I S. 129 ff.).  

2. Sachverhalt betreffend Menschenhandel und Wucher 

2.1 Die Vorinstanz gelangte nach eingehender und überzeugender Beweis-

würdigung zum Schluss, dass der Anklagesachverhalt in Bezug auf den 

- 22 - 

Menschenhandel aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin mit den 

nachfolgenden Ausnahmen erstellt sei (Urk. 101 S. 64). Sie hielt dafür, dass offen 

bleiben könne, ob die Beziehung der Privatklägerin zum Kindsvater aufgrund 

von  psychischen und physischen Verletzungen nicht mehr auszuhalten gewesen 

(Urk. D1/23, Ziff. 1.I. S. 2-3) und ob der Sohn tatsächlich auf Grund von 

Drohungen des Kindsvaters und/oder der finanziellen Situation der Privatklägerin 

beim Kindsvater verblieben sei, welcher es der Privatklägerin verwehrt habe, den 

Sohn zu sehen (Urk. D1/23, Ziff. 1.I. S. 2-3). Das genaue Verhältnis zum 

Kindsvater sei vorliegend nicht weiter von Belang. Unstrittig habe der Sohn, 

dessen Existenz belegt sei (Urk. 49/1-2; Urk. 61), nicht bei der Privatklägerin 

gelebt und lebe er auch [heute beziehungsweise damals] nicht bei ihr. Nicht klar 

ergebe sich sodann aus den Aussagen der Privatklägerin die Tragweite ihrer 

Augenprobleme und dass diese Probleme eine Operation oder eine monatliche 

medizinische Behandlung von rund EUR 100.– notwendig gemacht hätten 

(Urk. D1/23, Ziff. 1.I. S. 2-3). Ebenso unklar bleibt nach der Vorinstanz, ob die 

Privatklägerin aufgrund von Schulden über keine Krankenversicherung verfügt 

habe und jeden Arztbesuch selber habe bezahlen müssen, da der Kindsvater 

ihres Sohnes eine Firma auf ihren Namen eröffnet und die Pflichtbeträge im 

Zusammenhang mit Versicherungen (Krankenkasse, Pensionskasse) nicht 

bezahlt habe (Urk. D1/23, Ziff. 1.I. S. 2-3). Ferner ergebe sich aus den Aussagen 

der Privatklägerin nicht, dass die Beschuldigten im Vorfeld ihres Arbeitsantritts 

gewusst hätten, dass die Privatklägerin arbeitslos gewesen sei (Urk. D1/23 

Ziff. 1.I. S. 4). Schliesslich habe die Privatklägerin entgegen der Darstellung in der 

Anklageschrift (Urk. D1/23 Ziff. 1.I. S. 5 und Ziff. 1.I. S. 10) Zugang zu ihrem 

Reisepass gehabt, auch wenn es ihr unangenehm gewesen sei, das 

Schlafzimmer der Beschuldigten zu betreten, in welchem der Pass aufbewahrt 

worden sei (Urk.101 S. 64). 

In Bezug auf den Wucher erachtete die Vorinstanz den Sachverhalt ebenfalls 

gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin als erstellt. Bezüglich 

der Augenprobleme und der ökonomischen Situation der Privatklägerin in deren 

Heimatland verwies sie auf die obigen Ausführungen im Zusammenhang mit dem 

Menschenhandel (Urk. 101 S. 64). 

- 23 - 

2.2.1 Auch die Vorinstanz stützt sich somit im Wesentlichen auf die Aussagen der 

Privatklägerin, welche in der Untersuchung insgesamt neun Mal formell einver-

nommen (Urk. D1/5) und in der Hauptverhandlung als Auskunftsperson 

einlässlich befragt wurde (Prot. I S. 23-69). Die Vorinstanz hat die wesentlichen 

Aussagen im  angefochtenen Urteil zusammengefasst dargestellt, worauf zur 

Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 101 S. 18 ff. und 

S. 41 ff.). Die Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft wurden audiovisuell 

festgehalten (vgl. jeweils Anhang zu Urk. D1/5/6-10). Aus diesen Aufnahmen 

ergibt sich auch das nonverbale Verhalten der Privatklägerin. Dieses ist 

aufschlussreich und korrespondiert mit verbal zum Ausdruck gebrachten 

Belastungssituationen. Soweit Ergänzungen oder Korrekturen anzubringen sind, 

erfolgen diese im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung. 

2.2.2 Die Aussagen der Privatklägerin fanden in der Untersuchung zwischen dem 

20. Juli 2016 (damals noch als Beschuldigte) und dem 24. Oktober 2017 statt 

(Urk. D1/5/1 und Urk. D1/5/3-10). Nicht nur in jener Zeit, sondern auch an der vor-

instanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2019 – und damit in einer Zeitspan-

ne von fast drei Jahren – hielt die Privatklägerin an ihren Vorwürfen fest. Sie 

schilderte das Kerngeschehen im Wesentlichen über die ganze Zeit (und nicht nur 

zwischen der ersten und zweiten Einvernahme) gleichlautend und stringent. Da-

mit relativiert sich auch die Problematik der von ihr gewünschten Rücküberset-

zung in der zweiten Einvernahme (vgl. oben und Urk. D1/5/3). Sie präzisierte in 

den Einvernahmen gewisse Vorkommnisse und versuchte auch Unklarheiten oder 

vermeintliche Widersprüche aufzulösen. Ihre Schilderungen waren bisweilen von 

starken Emotionen geprägt, was teilweise auch zu Pauschalisierungen führte, wie 

nachfolgend aufzuzeigen ist. Die grosse Emotionalität kann ein Lügensignal dar-

stellen, im Kontext mit wiederkehrenden und gleich beschriebenen, örtlich und 

zeitlich identisch verknüpften Belastungssituationen und der Schwierigkeit der 

Verarbeitung aber genauso ein Indiz für tatsächlich Erlebtes. Die Aussagen der 

Privatklägerin werden sodann durch die Erkenntnisse aus der Telefonüberwa-

chung gestützt und plausibilisiert: Zahlreiche Gespräche zeigen genau das Ver-

halten der Beschuldigten auf, worüber die Privatklägerin Aussagen machte, wie 

zu den erwarteten Haushaltsarbeiten, zur Kinderbetreuung, zu Lohnversprechen 

- 24 - 

und willkürlichen Kürzungen oder zum abschätzigen, sexualisierten und vulgären 

Umgangston der Beschuldigten (vgl. nachfolgend).  

2.2.3 Der Beschuldigte verlas an der Hauptverhandlung eine kurze Erklärung, u.a. 

beinhaltend Zugeständnisse betreffend Widerhandlungen gegen das AIG und das 

AHVG in Bezug auf die Privatklägerin. Er wisse nun, dass sie für die 

Beschäftigung einer Haushaltshilfe eine Bewilligung gebraucht hätten und die 

entsprechenden Anmeldungen bei den Sozialversicherungen hätten vornehmen 

müssen. Dass sie das nicht gemacht hätten, sei falsch und tue ihm aufrichtig leid 

und er sei bereit, dafür die Konsequenzen zu tragen. Sodann bestritt er, dass er 

die Privatklägerin oder sonst jemanden jemals schlecht behandelt, bedroht, 

ausgebeutet oder er sich an ihr sexuell vergriffen habe. Vielmehr habe es nie 

einen sexuellen Kontakt zur Privatklägerin gegeben. Die Privatklägerin habe 

gegenüber seiner Ehefrau (der Mitbeschuldigten) Lügengeschichten erzählt, was 

das Vertrauensverhältnis zur Privatklägerin zerstört habe. Die Situation sei 

damals eskaliert und er habe die Privatklägerin vor die Türe gesetzt. Die 

Privatklägerin sei damit wohl nicht einverstanden gewesen und habe weiter 

Lügengeschichten über ihn und seine ganze Familie erzählt (Urk. 72). Ansonsten 

blieb es bei pauschalen Bestreitungen, d.h. der Beschuldigte äusserte sich weder 

in den delegierten Einvernahmen bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft 

oder vor Vorinstanz konkret zu den Tatvorwürfen. Auch an der heutigen 

Berufungsverhandlung schwieg der Beschuldigte zur Sache (Urk. 134, Prot. II. 

S. 12).  

2.2.4 Die Mitbeschuldigte machte in diversen Einvernahmen Aussagen zu den 

Vorwürfen der Privatklägerin. Die Vorinstanz hat auch diese korrekt zusammen-

gefasst und gewürdigt, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen auf die ent-

sprechenden Erwägungen zu verweisen ist (vgl. Urk. 101 S. 32-37 und S. 50-54). 

Soweit nötig, erfolgen Ergänzungen oder Abweichungen in der nachfolgenden 

Beweiswürdigung. Vorweg kann gesagt werden, dass die Mitbeschuldigte durch-

aus Zugeständnisse machte, von denen sich aber teilweise in der Folge wieder 

distanzierte. Ihre Schilderungen sind geprägt von Anpassungen, da sie unstet, 

widersprüchlich, oft pauschal, sie selber betreffend verharmlosend und die Privat-

- 25 - 

klägerin betreffend auffällig herabsetzend sind. Zudem findet ihre Darstellung in 

den übrigen Beweismitteln kaum Bestätigung (vgl. nachfolgend).  

2.2.5 Die Aussagen von Dritten sind im angefochtenen Urteil in zusammengefass-

ter Form zu finden (Urk. 101 S. 37-38), wo sie auch gewürdigt werden (Urk. 101 

S. 54-56). Grundsätzlich kann auf die entsprechenden Erwägungen der Vo-

rinstanz verwiesen werden. Im Rahmen der Beweiswürdigung ist nachfolgend 

soweit nötig noch darauf einzugehen.  

2.3 Die Vorbringen der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren (Urk. 138, 

Prot. II S. 20 f. und S. 43 f.) vermögen an den zutreffenden vorinstanzlichen 

Feststellungen nichts zu ändern, zumal diese im Wesentlichen bereits an der erst-

instanzlichen Hauptverhandlung vorgetragen und von der Vorinstanz in die 

Beweiswürdigung einbezogen wurden. Auf die Vorbringen der amtlichen 

Verteidigung ist, soweit nötig und soweit diese neu sind, nachfolgend einzugehen.  

2.4. Rekapitulierend und in teilweiser Ergänzung zu den Erwägungen der Vor-

instanz präsentiert sich die Beweislage wie folgt, wobei hier vor allem die für die 

rechtliche Würdigung (vgl. E. IV) relevanten Aspekte aufzuzeigen sind.  

2.4.1. Ausgangslage 

2.4.1.1 Der Beschuldigte zeigte sich bereits in der Hafteinvernahme vom 17. Mai 

2017 – vor allem via Verteidigung – geständig, zusammen mit seiner Frau, der 

Mitbeschuldigten, mehrere Frauen ohne Arbeitsbewilligung als Unterstützung im 

Haushalt beschäftigt zu haben. Sklavenähnliche Zustände, wie dies der von der 

Privatklägerin an die Adresse der Beschuldigten gerichtete Vorwurf des Men-

schenhandels im Sinne von Art. 182 StGB voraussetze, wie auch andere Verfeh-

lungen, wurden von ihm von Beginn weg vehement bestritten (vgl. Urk. D1/3; Urk. 

D1/12/8).  

2.4.1.2 Die Mitbeschuldigte äusserte sich zu allfälligen Haushaltshilfen sehr wider-

sprüchlich, anerkannte aber schliesslich ebenfalls, die Privatklägerin ohne Be-

willigung beschäftigt zu haben (vgl. u.a. Urk. 78 S. 1 und 21).  

- 26 - 

2.4.1.3 Der Schuldspruch in Bezug auf die Widerhandlung gegen das AIG im Sin-

ne von Art. 116 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 3 lit. a AIG, die Widerhandlung gegen das 

AIG im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AIG und die Widerhandlung gegen das Bun-

desgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung im Sinne von Art. 87 

Abs. 2 AHVG wurde in Bezug auf die Privatklägerin von beiden Beschuldigten ak-

zeptiert, mit Bezug auf D._____ hingegen bestritten.  

2.4.1.4 Der in der Anklageschrift den Beschuldigten unter dem Titel Förderung 

des rechtswidrigen Aufenthalts zur Last gelegte Sachverhalt in Bezug auf die Per-

sonen "C._____", "D._____" und "E._____" konnte gemäss Vorinstanz nicht er-

stellt werden. Zwar würden namentlich gestützt auf die Erkenntnisse aus den 

Telefonkontrollen und die Aussagen der Mitbeschuldigten Anhaltspunkte beste-

hen, dass diese Personen aus Ländern wie Nordmazedonien, Serbien und Bosni-

en stammten. Rechtsgenügend erstellt sei der Aufenthaltsstatus beziehungsweise 

die Nationalität dieser Personen jedoch nicht. Es fehlten urkundliche Nachweise 

über die Personalien der betreffenden Personen, respektive weigerten sich diese 

teilweise, ihre Personalien bekannt zu geben. Die gleich vage Beweislage zeige 

sich beim Vorwurf der Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne 

Bewilligung (Urk. 101 S. 65). Dies führte zu einem Freispruch in diesen beiden 

Punkten, was die Staatsanwaltschaft ihrerseits akzeptierte.  

2.4.2 Kennenlernen/Anwerbung 

2.4.2.1 Die Privatklägerin sagte bereits in ihrer ersten Einvernahme aus, dass sie 

in AA._____ [Stadt in Serbien] gelebt habe und in einer Cafe-Bar gearbeitet habe. 

Sie habe von ihrem Lohn nicht leben können. Ausserdem habe sie private Prob-

leme gehabt. Sie habe Geld benötigt, um einen Anwalt zu bezahlen, um ihren 

Sohn zu sehen. Ausserdem brauche sie eine Augenoperation. Deshalb habe sie 

ein Inserat geschaltet auf "AB._____". Dies sei eine Internetseite, auf der die Leu-

te Babysitter suchten (Urk. D1/5/1, F/A 12). Auf ihre Ausschreibung als normale 

Haushaltshilfe sei sie von der Mitbeschuldigten über Viber kontaktiert worden 

(Urk. D1/5/1, F/A 12). An dieser Darstellung hielt sie im weiteren Verlauf des Ver-

fahrens fest (Urk. D1/5/6, F/A 82 ff.), so letztmals vor Vorinstanz (Prot. I S. 35 f.).  

- 27 - 

2.4.2.2 Die Mitbeschuldigte sagte in der ersten Einvernahme vom 17. Mai 2017 

(Urk. D1/4/1) auf den Vorhalt, sie werde beschuldigt, Frauen illegal in ihrem 

Haushalt beschäftigt zu haben, aus, keine Haushaltshilfen, sondern nur Besuch 

gehabt zu haben, dass sie nicht arbeite und gar keine Nanny brauche, ihre Kinder 

seien gross genug (a.a.O., F/A 5 f.). Wie oben dargelegt, revidierte sie diesen 

Punkt später und konzedierte, illegal Haushaltshilfen beschäftigt zu haben. Konk-

ret angesprochen auf die Privatklägerin holte die Beschuldigte gleich zum Rund-

umschlag aus und sagte, dass die Privatklägerin ihr schon grosse Probleme ge-

macht habe, denn sie habe Geld gewollt. Sie habe "einige Sachen" gestohlen 

(a.a.O., F/A 7 f.), ohne dass die Mitbeschuldigte diese Sachen näher bezeichnet 

hätte, und dass die Privatklägerin gesagt habe, etwas mit ihrem Mann gehabt zu 

haben (a.a.O., F/A 7 f.). In Bezug auf das Kennenlernen änderte die Mitbeschul-

digte mehrmals ihre Version. Sie habe die Privatklägerin über Facebook kennen-

gelernt, da der Privatklägerin ihre Lieder gefallen hätten [die Mitbeschuldigte ist 

Musikerin und …; Prot. I S. 70]. Sie seien miteinander über ihren Beruf, ihre Lie-

der, in Kontakt getreten (a.a.O., F/A 23). Auf Nachfrage wollte die Mitbeschuldigte 

sich nicht auf Facebook anmelden und der Polizei die angeblich ausgetauschten 

Nachrichten zeigen. Später erachtete sie die von der Privatklägerin beschriebene 

Kontaktaufnahme als möglich (a.a.O., F/A 39), um sie gleich wieder zu relativie-

ren ("Es ist sehr lange her, da hat sie mir eine Freundschaftsanfrage geschickt 

und erst vielleicht so ein Jahr später sind wir wirklich wirklich so miteinander in 

Kontakt getreten"; a.a.O., F/A 40). Hingegen räumte sie in der Folge ein, dass 

man vielleicht doch über die Webseite www.AB._____.com Kontakt aufgenom-

men und via Viber kommuniziert habe (a.a.O., F/A 22 ff.). Es sei möglich, dass die 

Privatklägerin mit ihrem Inserat Arbeit gesucht habe: "Glauben Sie mir, keine Ah-

nung aber es ist möglich. Als sie bei mir war, hat sie auch zwei Wochen lang ein 

Telefon benützt. Es ist schon möglich, dass sie so etwas gemacht hat" (a.a.O., 

F/A 38). 

2.4.2.3 Die konstanten Aussagen der Privatklägerin überzeugen weit mehr als die 

widersprüchliche, mit pauschalen Gegenvorwürfen und bagatellisierenden Erklä-

rungen gespickte Darstellung der Mitbeschuldigten. 

- 28 - 

2.4.3 Internetplattform www.AB._____.com 

2.4.3.1 Gemäss der Privatklägerin suchte sie über die Internetseite 

www.AB._____.com nach bezahlter Arbeit in der Schweiz (Urk. D1/5/1, F/A 12). 

2.4.3.2 Die Mitbeschuldigte bezeichnete diese Plattform als Anzeigenwebsite. Es 

gebe Anzeigen für Verkauf, Kauf, Arbeit, alles Mögliche. Sie selber habe schon 

eine Haarglättemaschine verkauft. Sodann sagte sie: "Auf dieser Seite suchen 

auch Frauen nach Hilfe, die zum Beispiel schwer leben, die es nicht leicht haben. 

Vielleicht habe ich auch dort einmal reingeschaut" (Urk. D1/4/1, F/A 31). Auf die 

Frage, inwiefern es so eine Frau schwer habe, antwortete sie: "Sie hat Kinder, sie 

hat keine Arbeit, sie wünscht Unterstützung mit Waren, Kleider, etwas für die 

Kinder" (a.a.O., F/A 33), und auf die Frage, woher diese Frauen stammten, mein-

te sie: "Ich weiss es von den Frauen, die bei mir waren, vielleicht Serbien, Bosni-

en. Ich beachte das nicht" (a.a.O., F/A 34). Frauen suchten auf dieser Website 

auch Arbeit, z.B. als Kellnerin, oder sie selber habe jemanden gesucht, der ihr 

günstig die Nägel mache (a.a.O., F/A 37).  

2.4.3.3 Nach allgemeinen – durchaus möglichen – Aussagen zum Inserate-

Spiegel dieser Plattform, beschreibt die Mitbeschuldigte gerade jene Gruppe von 

Inserierenden, wie sich die Privatklägerin selber beschreibt: Frauen, die sich in 

einer schwierigen wirtschaftlichen oder sozialen Situation befinden, aus ihrer pre-

kären Situation kommen wollen und dafür eine bezahlte Arbeit suchen.  

2.4.4 Soziale und wirtschaftliche Situation der Privatklägerin in Serbien 

2.4.4.1 Aus den Akten ergibt sich, dass die Privatklägerin in AC._____/Serbien 

geboren wurde und die Kindheit zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren 

Bruder verbracht hat. Sie hätten in einer Einzimmerwohnung gelebt. Die Kindheit 

sei nicht perfekt gewesen, doch die Eltern hätten sich Mühe gegeben, ihnen so 

viel wie möglich zu bieten. Später – es wird in den Aussagen zeitlich mit dem 

Schuleintritt verknüpft – hätten die Eltern eine eigene Wohnung gekauft. Ihre El-

tern hätten keine gute Beziehung miteinander gehabt und oft gestritten. Ihr Vater 

habe ihre Mutter geschlagen und sei dem Alkohol verfallen. In alkoholisiertem Zu-

- 29 - 

stand sei er aggressiv und unausstehlich gewesen. Ihr Bruder und sie hätten sol-

che Situationen oft miterleben müssen (Urk. D1/5/3, F/A 15). Sie und ihr Bruder 

seien auch geschlagen worden (a.a.O., F/A 18). Geleichzeitig behauptet sie aber 

an anderer Stelle, sie und ihr Bruder seien mit einer gewissen Kultur und guter 

Erziehung aus dem Elternhaus gegangen (Urk. D1/5/3, F/A 15). Die Alkoholprob-

leme habe der Vater heute noch (Urk. D1/5/6, F/A 15). An der Hauptverhandlung 

bezeichnete die Privatklägerin ihre Kindheit als "normal" (Prot. 29). Auf Vorhalt 

der Staatsanwaltschaft, wonach die Privatklägerin in der Untersuchung von 

Armut, Vernachlässigung und Alkoholkonsum ihres Vaters gesprochen habe, 

sagte sie: "Ich sage dazu, dass das wahr ist". Die Eltern hätten ihr das gegeben, 

was damals möglich gewesen sei, sie hätten getan, was sie hätten tun können 

(Prot. I S. 54).  

2.4.4.2 Die Privatklägerin absolvierte gemäss eigenen Angaben eine 4-jährige 

wirtschaftlich-gewerbliche Mittelschule (inkl. Praktikum) mit Fachrichtung "kauf-

männisch-rechtlich", die sie im Jahre 2007 abgeschlossen hat und mit welcher sie 

in Serbien auf dem Gericht oder in der Verwaltung hätte arbeiten können 

(Urk. D1/5/6, F/A 16 f. und F/A 22). Auf diesem Beruf habe sie dann nicht ge-

arbeitet, sondern sei mit ihrem Freund, geb. 1962, zusammengezogen, und habe 

im Jahre 2008 den gemeinsamen Sohn R._____ zur Welt gebracht (Urk. 49/1-2; 

Urk. D1/5/6, F/A 15 ff.). Die Privatklägerin berichtet von etlichen Jahren der 

Misshandlung seitens des Ex-Partners, worauf sie ihm erklärt habe, dass sie sich 

von ihm trennen und das Kind mitnehmen werde. Dann habe er angefangen, ihr 

massiv zu drohen. Im Oktober 2013 sei sie ausgezogen. Bis Ende 2015 habe sie 

keinen Kontakt zum Kind gehabt. Der letzte Kontakt zu ihm habe in einer 

Nachricht im letzten Jahr [vor der Hauptverhandlung] bestanden, in der man ihr 

wieder gedroht habe (Prot. I S. 63). Nach der Trennung von ihrem Ex-Partner sei 

sie wieder zu den Eltern gezogen. Die Eltern hätten sie finanziell unterstützt. Sie 

habe sich sehr geschämt, dass sie mit 26 Jahren die Hilfe ihrer Eltern habe 

beanspruchen müssen. Dann habe sie sich für eine Weiterbildung entschieden 

und sei in die Stadt, nach AA._____, gezogen (Prot. I S. 30). Dort habe sie eine 

Barman-Ausbildung absolviert (Urk. D1/5/6 F/A 52), habe bei ihrem damaligen 

Freund AD._____ (Urk. D1/5/6 F/A 57) gelebt und sei von diesem unterstützt 

- 30 - 

worden (Prot. I S. 31). Später habe sie eine anständige kleine Wohnung für 

EUR 150.– gefunden (Urk. D1/5/6, F/A 55), aus finanziellen Gründen dann aber in 

eine WG gewechselt, wo ihr Mietanteil noch EUR 90.– betragen habe (Urk. 

D1/5/6 S. 13).  

2.4.4.3 Mit der Arbeit in AA._____ habe sie pro Monat EUR 180.– bis EUR 240.– 

(Urk. D1/5/6, F/A 55) beziehungsweise EUR 250.– verdient (Prot. I S. 30) und 

damit Essen und die Wohnung finanziert (Prot. I S. 30). Eine existenzsichernde 

Arbeit zu finden sei schwierig gewesen. Zur Höhe eines durchschnittlichen Ein-

kommens auf der Basis ihrer Grundausbildung z.B. an einem Gericht oder in der 

Verwaltung äusserte sie sich nicht. 

2.4.4.4 Zum Thema Schulden berichtete die Privatklägerin, dass ihr Ex-Partner 

auf ihren Namen eine Firma eröffnet, dann aber die notwendigen Beiträge nicht 

bezahlt habe, weshalb sie letztlich keine Krankenkassenversicherung gehabt und 

Bezüge in der Apotheke und beim Arzt privat und mit Bargeld habe zahlen müs-

sen. Wie hoch diese Schulden seien, wisse sie nicht, da sie seit 2013 gar keinen 

Kontakt mehr habe (Prot. I S. 65). Ihrem Freund schulde sie noch eine Monats-

miete, die er für sie bezahlt habe (Urk. D1/5/3, F/A 63).  

2.4.4.5 Die Privatklägerin, die sich gemäss eigenen Angaben auf Serbisch (Mut-

tersprache), Russisch und Englisch verständigen kann (Urk. D1/5/4, F/A 35), hielt 

sich vom 2. Februar 2015 bis 16. Februar 2015 bei einem älteren, kranken Freund 

namens AE._____ in Schweden auf. Dort habe sie nichts gemacht. Die Reise sei 

von diesem bezahlt worden (Urk. D1/5/1 F/A 155; Prot. I S. 31).  

2.4.4.6 Gemäss Passeintrag flog die Privatklägerin am 22. Mai 2015 nach 

AF._____ und am 15. Juli 2015 wieder zurück nach Serbien. Gemäss ihren An-

gaben habe sie in dieser Zeit in AG._____ bei einer AH._____ als Babysitterin 

gearbeitet. Auf diese Stelle sei sie auf die gleiche Art und Weise wie bei den Be-

schuldigten gekommen, d.h. durch ihre eigene Annonce. Sie habe auch dafür kei-

ne Arbeitserlaubnis gehabt. AH._____ habe die Flugreise für den Hin- und Rück-

weg finanziert. Sie habe pro Monat CHF 700.– oder CHF 800.– verdient. Sie sei 

mit einem Betrag zwischen CHF 1'400.– und CHF 1'600.– nach AA._____ zu-

- 31 - 

rückgekehrt (Prot. I S. 32 f.). Nach AG._____ sei sie gegangen, weil sie eine Au-

genoperation habe bezahlen müssen und weil sie unbedingt einen Anwalt gewollt 

habe, um das Sorgerecht für ihren Sohn zu bekommen (Prot. I S. 33). Diese 

Gründe nannte die Privatklägerin bereits in der ersten polizeilichen Einvernahme 

auch für ihren Einsatz bei den Beschuldigten, wenn auch in umgekehrter Reihen-

folge der Prioritäten (Urk. D1/5/1, F/A 12). Daran hielt sie durchwegs fest. Im Zeit-

punkt der Hauptverhandlung war die elterliche Sorge über ihren Sohn noch nicht 

geregelt und hatte die Privatklägerin noch keine Augenoperation vorgenommen; 

sie trug weder Brille noch Kontaktlinsen (Prot. I S. 34). 

2.4.4.7 Die Privatklägerin sagte von sich, sie sei, bevor sie die Beschuldigten 

kennengelernt habe, "ein kerngesunder Mensch" gewesen, und weiter: "Ich hatte 

nie psychische Probleme, ich musste nie Medikamente nehmen, ich war äusserst 

selbständig und voller Ideen. Ich liebte die Menschen" (Prot. I S. 62).  

2.4.4.8 Die Privatklägerin machte zu ihren Lebensumständen überwiegend über-

einstimmende Aussagen. Ein nicht aufgelöster Widerspruch liegt jedoch in Bezug 

auf ihre familiären Verhältnisse vor, welche in einer Bandbereite von Armut/Ver-

nachlässigung/häuslicher Gewalt zufolge Alkoholsucht ihres Vaters bis zu 

"normal" beschrieben werden. Dies mag mit einer eigenen Definition von 

Normalität zusammenhängen, erstaunt aber doch, da sie durchaus 

differenzierend davon spricht, dass sie mit einer gewissen Kultur und guter 

Erziehung aus dem Elternhaus gegangen sei. Dass das Kind, zu dem ein 

Geburtsausweis vorliegt (Urk. 49/1-2), beim Kindsvater lebt und sie keinen 

Kontakt mit ihm pflegt, hat sie so konstant ausgesagt. Das Motiv der Erlangung 

von finanziellen Mitteln, um das Sorgerecht anzugehen, erscheint vor diesem 

Hintergrund nachvollziehbar. Die weiteren Umstände um ihren Ex-Partner, mit 

dem sie seit 2013 keinen Kontakt pflege, sind vor diesem Hintergrund nicht von 

zentraler Bedeutung, so auch die behauptete Firmenverschuldung auf den 

Namen der Privatklägerin, worüber die Privatklägerin im Übrigen kaum 

aussagenkräftige Angaben lieferte (Urk. D1/5/3, F/A 6), wie die Vorinstanz zu 

Recht schloss (Urk. 101 S. 64). Eine eigentliche Verschuldenssituation ist nicht 

erstellt.  

- 32 - 

2.4.5 Motiv für die Arbeitssuche  

2.4.5.1 Die Privatklägerin nannte wie oben erwähnt als Grund für die Arbeitssuche 

in der Schweiz konstant, dass sie Geld verdienen wollte, um ihre "Probleme zu lö-

sen", nämlich den Sorgerechtsstreit und eine Augenoperation. Ihre Augenärztin 

habe ihr wegen hoher Dioptrien eine Augenoperation empfohlen, die EUR 1'100.– 

gekostet hätte (Urk. D1/5/3, F/A 50). Auf die Frage der Kantonspolizei Zürich, ob 

sie den Beschuldigten die Gründe, in der Schweiz arbeiten zu wollen, erzählt ha-

be, antwortete die Privatklägerin: "Sie haben mich zu der Zeit gar nichts gefragt 

über den Grund, warum ich in die Schweiz kommen will. Sie haben nur meine An-

zeige beantwortet. Beim ersten Kontakt nannten sie ihre Bedürfnisse, dass ich 

mich um die Kinder und den Haushalt kümmern muss. Nur als ich dann in der 

Schweiz war, habe ich beim Plaudern erwähnt, wofür ich das verdiente Geld 

brauche" (Urk. D1/5/3, F/A 68). Auf die Frage, wie die Beschuldigten darauf rea-

giert hätten, sagte die Privatklägerin: "Ganz normal. Sie haben nur bei den Augen 

nachgefragt. Über das Kind wollte ich keine Ausführungen machen, weil das mei-

ne Privatsache ist" (Urk. D1/5/3, F/A 69). Betreffend Anwalt für den 

Sorgerechtsstreit sagte die Privatklägerin in der Untersuchung, sie habe noch 

keinen kontaktiert. Dafür hätte sie wahrscheinlich – für das ganze Verfahren – 

EUR 500.– bis EUR 600.– oder EUR 1'000.– benötigt (Urk. D1/5/6, F/A 38 ff. und 

75). Vor Vorinstanz sagte sie auf die Frage, wieviel Geld sie für einen Anwalt 

gebraucht hätte, dass die Anwaltskosten in Serbien sehr stark variieren würden. 

Sie könne sich nicht mehr an die damalige Höhe der Kosten erinnern, sie denke, 

eine Gerichtsverhandlung hätte um die EUR 100.– gekostet. An der 

Hauptverhandlung sagte sie dann auch, dass Prozesse in Serbien "mehr als 10 

Jahre lang" dauern würden (Prot. I S. 35).  

2.4.5.2 Dass sie ihr Kind und das damit zusammenhängende Motiv für die Ar-

beitssuche vor der Einreise nicht erwähnt hat, deckt sich mit den Aussagen der 

Mitbeschuldigten, die sichtlich erstaunt auf den Vorhalt der Aussage der Privat-

klägerin, wonach sie Angst um ihren Sohn gehabt habe etc., reagierte, nämlich: 

"Ihren Sohn? Also ich höre das erste Mal, dass sie einen Sohn hat. Ich bin über-

zeugt, dass sie krankhaft lügt. Ich habe sie ein einziges Mal weinen sehen, das 

- 33 - 

war etwa 10 Tage vor dem Eklat. Damals hat sie mir offenbart, dass sie eine 

Tochter habe und diese ins Heim gegeben habe" (Urk. D1/4/5, F/A 54), was ihr of-

fenbar schwer auf dem Herzen gelegen habe (a.a.O., F/A 56). Die Privatklägerin 

habe ihr gesagt, dass sie in die Schweiz gekommen sei, da ihr Exfreund sie 

bedroht und sie Probleme mit ihrer Familie habe (Urk. D1/4/2, F/A 29 ff.). Zur 

Frage, ob sie über die finanzielle Situation der Privatklägerin Bescheid gewusst 

habe, sagte die Mitbeschuldigte: "Sie sprach nicht so sehr darüber, dass sie Geld 

brauche. Dass es ihr eher etwas bedeute aus diesem Umfeld wegzukommen und 

an einen anderen Ort zu kommen. Als sie ankam, hatte sie Geld" (Urk. D1/4/1, 

F/A 47).  

2.4.5.3 Aus den Aussagen der Privatklägerin ergibt sich, dass die Beschuldigten 

im Vorfeld ihres Arbeitsantritts nicht gewusst hatten, dass die Privatklägerin ar-

beitslos war, zumal sie nirgends ausführt, dass dieser Umstand thematisiert wor-

den wäre (vgl. Urk. 101 S. 63 mit Verweisen). Ebenso behielt die Privatklägerin ih-

ren Sohn und die Sorge um ihn für sich, weil sie dieses Thema als Privatsache 

erachtete. Das Motiv der Erlangung von finanziellen Mitteln, um das Sorgerecht 

anzugehen, konnte den Beschuldigten damit ebenfalls nicht bekannt sein, ebenso 

wenig erstellt sind die Augenprobleme und der Firmenverschuldung ihres Ex-

Partners, wie die Vorinstanz zu Recht schloss (Urk. 101 S. 64). 

2.5.1 Lohn und Reisekosten 

2.5.1.1 Bezüglich Lohn für die Arbeit bei den Beschuldigten sagte die Privatkläge-

rin, die Mitbeschuldigte habe ihr zuerst CHF 500.– pro Monat versprochen und 

dann plötzlich gesagt, sie erhalte nur CHF 400.– pro Monat (Urk. D1/5/1, F/A 101; 

Urk. D1/5/3, F/A 125) beziehungsweise CHF 350.– (Urk. D1/5/6 Frage 

F/A 107 ff.). Den auf CHF 350.– gesenkten Lohn hätten die Beschuldigten dann 

aus Mitleid wieder auf CHF 400.– erhöht. Der Lohn des dritten Monats sei als 

Strafe nicht gezahlt worden (Urk. D1/5/9 Frage 25 ff.). Sie habe, obwohl sie in 

AG._____ CHF 800.– im Monat verdient habe, einem Lohn von CHF 500.– zuge-

stimmt, da sie Geld gebraucht habe (Urk. D1/5/10, F/A 11): "Ich hatte absolut kein 

anderes Ziel, als in einer kurzen Zeit etwas Geld zu verdienen, um diese Proble-

me zu lösen." 

- 34 - 

2.5.1.2 Wie oben dargetan, lief die Mitbeschuldigte hinsichtlich des Vorwurfs der 

illegalen Beschäftigung von Haushaltshilfen einen Zickzackkurs. Auch zu anderen 

Themen fehlte der rote Faden. Die Staatsanwaltschaft sprach denn auch zu 

Recht davon, dass die Mitbeschuldigte einen wahrhaftigen Aussageslalom gefah-

ren sei (Urk. 73 S. 6). So machte die Mitbeschuldigte auch in Bezug auf Lohnzah-

lungen mehrere sich widersprechende und ausweichende Aussagen. Anfangs 

sagte sie, dass die Privatklägerin kein Geld oder Lohn bekommen habe. Später 

gestand sie eine Bezahlung ein, hütete sich jedoch davor, von Lohn zu sprechen. 

Zunächst will sie der Privatklägerin CHF 500.– als Geschenk angeboten haben, 

allerdings wenn die Privatklägerin gehe, aber nicht als Lohn (Urk. D1/4/1 Fra-

ge 77 ff.). In der gleichen Einvernahme sagte sie auf Vorhalt der Behauptung der 

Privatklägerin, dass ein Lohn von CHF 500.– pro Monat plus Kost/Logis und die 

Reisekosten für die Hinreise vereinbart worden sei: "Ich erinnere mich und ich 

weiss nicht auf welche Art. Ich weiss nicht, wie wir zu dieser Absprache kamen. 

Ich kann mich nur erinnern, dass sie mich fragte, ob sie auf meine Hilfe zählen 

kann. Ich fragte sie, welche Hilfe sie meine. Sie fragte mich, ob ich ihr Geld leihen 

könne. Ich erinnere mich, dass es um einen Betrag von CHF 450.– ging. Weil sie 

sagte, sie müsse jemandem in der Heimat etwas zurückzahlen, sei es für eine 

Schuld oder für eine Wohnung. Sie schuldete auf jeden Fall jemandem etwas. 

Und ich sagte ihr sinngemäss, ja für diese drei Monate oder so könne sie das 

haben. Aber es ging nicht um eine Zahlung. Ich hätte ihr das einfach freiwillig 

gegeben" (a.a.O., F/A 109). Und auf Nachfrage, ob eine Vereinbarung über 

CHF 500.– stimme, erklärte die Mitbeschuldigte wiederum: "Ich kann mich jetzt 

vage erinnern, dass ich ihr CHF 500.– als Geschenk angeboten hatte, wenn sie 

geht, aber nicht als Lohn." (a.a.O., F/A 110). Die CHF 500.– hätte sie ihr am 

Schluss für alle drei Monate gegeben (a.a.O., F/ 111). Nachdem die Mitbeschul-

digte in der vierten Einvernahme angekündigt hatte, ein Geständnis abzulegen 

(Urk. D1/4/4, F/A 4: "Ich möchte zugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe. 

Ich habe ein paar Frauen bei mir gehabt, ich weiss aber nicht mehr wieviel, die 

bei mir gearbeitet haben. Ich habe auch Besuch gehabt. Das gebe ich zu"), sagte 

die Mitbeschuldigte aus, sie wisse auch nicht mehr, ob ein Lohn vereinbart wor-

den sei. Die Privatklägerin habe sie gefragt, wie das gehandhabt werde, und sie 

- 35 - 

habe ihr gesagt, dass CHF 400.– oder CHF 500.– üblich seien. Sie habe ja auch 

bei ihnen geschlafen und gegessen. Daran, dass man CHF 500.– plus Kost und 

Logis sowie den Ersatz der Hinreisekosten vereinbart habe, erinnere sie sich nicht 

mehr genau, aber wenn die Privatklägerin das so gesagt habe, werde diese sich 

besser daran erinnern. Beim ersten Aufenthalt sei man der Privatklägerin etwas 

schuldig geblieben, wie ihr Mann – der Beschuldigte – ihr gesagt habe. Beim 

zweiten Aufenthalt habe ihr die Privatklägerin von sich aus gesagt, dass ihr der 

Lohn bezahlt werden soll, wenn sie wieder zurückreise, "… jedoch kam es wie es 

kam und sie ist aufgebrochen, ohne Lohn zu erhalten". Auf  jeden Fall schulde 

man den Lohn für drei Monate des zweiten Aufenthalts (Urk. D1/4/4, F/A 13 ff.). 

Von ihrem "Geständnis" nahm die Mitbeschuldigte in der Einvernahme vom 31. 

Mai 2017 wieder Abstand, indem sie zu Protokoll gab, die Frauen seien grund-

sätzlich zu Besuch gewesen und hätten dabei etwas gemacht, aber nicht im Sin-

ne davon, dass man zum Arbeiten komme und einen Lohn dafür erhalte. Und wei-

ter: "Es ist etwas anderes, wenn mir bei Tätigkeiten geholfen wird und ich dann 

entscheide, der Person einen 'Ehrenstutz' [Anm. der Dolmetscherin im Protokoll: 

Im Sinne einer Anerkennung] zu geben". (Urk. D1/4/5, F/A 8.). Im Zusammenhang 

mit einer anderen Frau ("D._____") sprach die Mitbeschuldigte von einem "Obu-

lus", wenn sie ihr zur Hand gehen könne, aber nicht als Lohn gedacht mit der 

Pflicht zu arbeiten (Urk. D1/4/5, F/A 13 f.).  

2.5.1.3 Die Aussagen der Privatklägerin zum Lohnversprechen sind im Kern kon-

stant und glaubhaft, auch wenn sie mit Bezug auf den offenen Saldo mehrmals 

nachrechnen musste (vgl. hierzu auch Urk. 101 S. 45 f.). Immerhin wurden sie im 

Sinne von fehlender Erinnerung von der Mitbeschuldigten auch nicht ganz be-

stritten, so auch in Bezug auf die Reisekosten, bevor sie von ihr durch wider-

sprüchliche und ausweichende Erklärungen wieder in Frage gestellt wurden. Vor 

diesem Hintergrund ist aufgrund der viel überzeugenderen Aussagen der Privat-

klägerin ebenso davon auszugehen, dass der versprochene Lohn willkürlich ge-

kürzt wurde im Fall von angeblicher Schlechtleistung (Urk. D1/5/8, F/A 8). Von 

Kürzungen nach Gutdünken zeugen im Übrigen auch die Ausschnitte aus den 

Telefonkontrollen mit Gesprächen zwischen der Mitbeschuldigten und dem Be-

- 36 - 

schuldigten, welche die Vorinstanz exemplarisch mit Bezug auf andere Frauen 

dargestellt hat (Urk. 101 S. 57):  

- A-2, 15. Dezember 2016, 15.49 Uhr, Anhänge von Urk. D1/3/4 und 
Urk. D1/3/8: Die Beschuldigten sprechen über das Kindermädchen C._____, 
und darüber, dass man ihr nur die Hälfte vom Lohn gebe (CHF 300.–);  

- A-2, 21. Februar 2017, 18.35 Uhr, Anhang zu Urk. D1/3/8: Sie (D._____) 
werde CHF 300.– bekommen und nicht mehr; auch das sei noch viel; wenn 
sie nicht von U._____ vermittelt worden wäre, hätte sie ihr nichts gegeben, 
da sie eine Strassengöre sei. 

2.5.1.4 Unbestritten ist, dass die Privatklägerin ihren Lohn beim ersten Einsatz 

erst am Schluss und nur zum Teil erhielt. Nach Darstellung der Mitbeschuldigten 

sei dies auf Wunsch der Privatklägerin so gehandhabt worden, "[…] sie hat mich 

explizit gebeten, ihr ihren Verdienst erst auszuhändigen, wenn sie sich auf die 

Rückreise begebe und nicht vorher, damit sie es nicht verbrauche" (Urk. D1/4//5, 

F/A 83). Angesichts der widersprüchlichen Aussagen der Mitbeschuldigten zum 

Thema Lohn kann auch darauf nicht abgestellt werden, zumal auch bei anderen 

Haushaltshilfen sich willkürliche Kürzungen ergaben. Unbestritten ist, dass der 

Lohn des zweiten Einsatzes geschuldet und noch zu bezahlen ist.  

2.6 Darlehen der Privatklägerin an die Beschuldigten  

Dass die Privatklägerin mit Geld in die Schweiz eingereist ist, ist unbestritten 

(Urk. D1/4/1, F/A 47). Dabei habe es sich um Ersparnisse beziehungsweise das 

verbleibende Einkommen aus ihrem früheren Einsatz in AG._____ gehandelt. Die 

Privatklägerin bezifferte es auf CHF 700.– Prot. I S. 38). Dass die Privatklägerin 

der Mitbeschuldigten später ein Darlehen gewährte, wird seitens der Beschuldig-

ten anerkannt (Urk. 77 S. 59 i.V.m. Prot. I S. 138). Während die Privatklägerin 

ausführte, die Mitbeschuldigte sei auf sie zugekommen und habe sie um ein Dar-

lehen gebeten (Prot. I S. 38), sagte die Mitbeschuldigte, die Privatklägerin habe 

sich anerboten, ihr Geld auszuleihen, als sie irgendwohin habe gehen wollen und 

ihr Mann – der Beschuldigte – gesagt habe, er habe nicht genug Geld bei sich 

(Urk. D1/4/1, F/A S. 6). Zum Grund für das zweite Darlehen sagte die Privatkläge-

rin: "Ich bin mit CHF 500.– in die Schweiz eingereist, welche ich der Familie 

B._____I._____ gleich ausleihen musste, so dass mir kein Geld übrig blieb. Sie 

benötigten das Geld für einen Grosseinkauf in Deutschland und Frau I._____ für 

- 37 - 

den Besuch in einem Nagelstudio" (Urk. D1/5/3, F/A 128). Fakt und anerkannt von 

den Beschuldigten ist jedoch, dass bis zur definitiven Abreise der Privatklägerin 

nicht die ganze Rückzahlung erfolgte (in der Einvernahme vom 28. August 2017 

sprach die Privatklägerin ihrerseits von ausstehenden CHF 300.–; Urk. D1/5/8, 

F/A 22 f.). Die Mitbeschuldigte hatte in der Hafteinvernahme anerkannt, von der 

Privatklägerin beim ersten Mal EUR 400.– (Urk. D1/4/2, F/A 54) und beim zweiten 

Mal CHF 500.– entgegengenommen zu haben (Urk. 1/4/2, F/A 80).  

2.7 Arbeitsort 

2.7.1 Die Privatklägerin verrichtete ihre Arbeit in der Wohnung der Beschuldigten. 

Erstellt ist aufgrund der Aussagen der Beschuldigten und der Fotodokumentation, 

die anlässlich des Polizeieinsatzes vom 19. Juli 2016 angefertigt wurde (Urk. 

D1/1/7), dass die Beschuldigten im relevanten Zeitraum mit ihren drei Kindern 

(AI._____, geb. tt.mm.2005; AJ._____, geb. tt.mm.2007; AK._____, geb. 

tt.mm.2010), in einer 3.5-Zimmerwohnung von rund 90 qm Fläche im 6. Stock ei-

nes Wohnhauses in K._____ lebten. Die Wohnung verfügte über eine 

Waschmaschine und einen Geschirrspüler (Urk. D1/4/1, F/A 60) und war 

eingeteilt in ein Wohnzimmer, ein Elternschafzimmer, ein Kinderzimmer, eine 

Küche, ein Bad, einen Balkon und einen kleinen Korridor, der mit dem 

Wohnzimmer verbunden war. Der Schlafplatz der Privatklägerin befand sich auf 

einer Matratze, ausgelegt am Boden neben dem Kajütenbett der Kinder, welches 

nur zwei Matratzen für zwei Kinder bot (Urk. D1/4/7, Anhang S. 9). Die 

Privatklägerin musste die Matratze in diesem Zimmer, in dem auch die drei Kinder 

auf den zwei Betten schliefen, jeden Abend von Neuem platzieren. Aufgrund der 

Kinder- und Bettenzahl erscheint es glaubhaft, dass die Privatklägerin teilweise 

die Matratze mit dem jüngsten Sohn teilen musste.  

2.7.2 Die Mitbeschuldigte sprach davon, dass die Privatklägerin gewählt habe, wo 

sie schlafe, manchmal im Wohnzimmer, manchmal im Zimmer mit den Kindern 

(Urk. D1/4/2, F/A 64). Die Privatklägerin habe auf diesem Hilfsbett und auf der 

Matratze geschlafen. Damit ist jedenfalls erstellt, dass die Privatklägerin über kein 

eigenes Schlafzimmer und keinen Rückzugsort verfügte. Unter diesen Umständen 

- 38 - 

– wie die Mitbeschuldigte – von einer "Wahl" der Privatklägerin zu sprechen, ist 

reichlich schönfärberisch.  

2.7.3 Das Gepäck der Privatklägerin, inklusive einer Tasche mit ihrem Pass, be-

fand sich im Schlafzimmer der Beschuldigten. Dort musste sie jeweils ihre Kleider 

aus dem Koffer holen. Sie hatte freien Zutritt zu diesem Zimmer (Prot. I S. 40). Ihr 

Pass und Portemonnaie befanden sich in einer Umhängetasche ebenfalls im El-

ternschlafzimmer. Auch dazu hatte sie immer Zugang (Prot. I S. 41).  

2.7.4 Die Privatklägerin hatte einen eigenen Wohnungsschlüssel (Urk. D1/5/3, 

F/A 102) und ging mit den Kindern auch regelmässig auf den Spielplatz (vgl. hier-

zu Urk. D1/5/3, F/A 78 zum typischen Tagesablauf: "Jeder Tag war gleich wie der 

andere. … Nach der Rückkehr aus der Schule [am Nachmittag] wartete ich mit 

den Kindern noch eine Stunde und dann führte ich sie alle zum Spielplatz. Am 

Spielplatz verbrachten wir zwei bis drei Stunden. Dann kamen wir nach Hause. In 

den meisten Fällen kochte I._____  das Nachtessen.").  

2.8 Arbeitsmodalitäten 

2.8.1 Die Privatklägerin wohnte und arbeitete in der relevanten Zeit bei der Fami-

lie der Beschuldigten. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte damals als Kurier 

bei AL._____ arbeitete und die Mitbeschuldigte, von Beruf Sängerin, Hausfrau 

war und keiner Erwerbstätigkeit nachging, ausser dass sie vielleicht mal Werbe-

aufträge in Serbien hatte, wo sie für eine TV-Sendung eingeladen wurde 

(Urk. D1/4/2, F/A 56). Für Letztere erhielt sie kein Geld (Urk. D1/4/2, F/A 109).  

2.8.2 Die Arbeit schilderte die Privatklägerin zusammengefasst so, dass sie ent-

gegen den gemachten Versprechen ("Sie hat gesagt, dass es ihr am wichtigsten 

sei, dass sie eine zuverlässige Person für ihre Kinder habe, weil sie öfters mal 

verreise. Sie mache etwas mit Musik. Sie hat gesagt, dass es nicht wichtig sei, 

dass ich eine ausgezeichnete Köchin bin, sondern dass die Kinder einfach satt 

seien. Und das Haus müsse sauber sein. Ich solle mich mit den Kindern beschäf-

tigen, dass ich auch noch etwas lernen können und so", Urk. D1/5/1, F/A 23), den 

ganzen Tag mit der Betreuung der überaus aktiven Kinder und dem Haushalt be-

- 39 - 

schäftigt gewesen sei. Sie habe die Wohnung putzen, die Kinder umsorgen und 

kochen müssen (Urk. D1/5/1, F/A 47), dies in gewissem Widerspruch zu ihrer 

Aussage, wonach meist die Mitbeschuldigte das Nachtessen gekocht habe (Urk. 

D1/5/3, F/A 78). Die Privatklägerin schilderte über die zahlreichen Einvernahmen 

hinweg detailliert, welche Arbeiten sie im Haushalt mit den Kindern sowie darüber 

hinaus habe ausführen müssen, wozu neben in schikanierender Wiederholung 

von Putzarbeiten, wie beispielsweise dem Staubsaugen, mehrmals am Tag Wä-

sche waschen, eben auch das Kochen des Mittagessens für die Kinder, das Ein-

kaufen von Lebensmitteln, diverse Botengänge, so auch zur Tankstelle sowie das 

Bedienen der Beschuldigten bis in die Abend- beziehungsweise teilweise Nacht-

stunden gehört habe (vgl. Urk. D1/5/3, F/A 78 ff., 98, 101; Urk. D1/5/4, F/A 58 f. 

und 73 ff.; Urk. D1/5/6, F/A 105 ff.; Urk. D1/5/8, F/A 47 ff.; Prot. I S. 43 f.). Teilwei-

se sei sie auch drei- bis viermal nachts aus dem Schlaf geholt worden, meistens 

von der Mitbeschuldigten, vielleicht einmal vom Beschuldigten (Urk. D1/5/3, F/A 

84 f.).  

2.8.3 Der Beschuldigte liess einwenden, dass die vorgebrachte Arbeitslast gar 

nicht möglich gewesen sei (Urk. 77 Rz. 55). Dem kann so nicht ganz gefolgt wer-

den. Zum einen führte die Privatklägerin bereits in der ersten Einvernahme als 

Auskunftsperson aus, dass die Mitbeschuldigte "absolut nichts" mache, sie schla-

fe bis 12 Uhr oder 13 Uhr, dann werde sie auch nicht müde und bleibe bis 3 oder 

4 Uhr morgens wach. So habe sie ständig Kaffee oder Tee oder was auch immer 

gewünscht serviert und manchmal auch den Geschirrspüler ausräumen müssen 

(Urk. D1/5/3, F/A 84 ff.). Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass es sich um 

einen 6-Personen-Haushalt mit drei Erwachsenen und drei Kindern handelte, die-

se offenbar sehr lebhaft und schlecht erzogen waren, was die Betreuung mit den 

langen Arbeitsstunden und ohne Freitage als nachvollziehbar zeitfüllend und 

anstrengend erscheinen lässt. Hiervon zeugen auch Ausschnitte aus der Telefon-

kontrolle. In den nachfolgenden Telefongesprächen wird beispielsweise gerade 

der anstrengende Umfang mit den Kindern thematisiert:  

 - A-2, 19. Februar 2017, 17.07 Uhr, Gespräch zwischen dem Beschul-
digten und AM._____, Anhänge zu Urk. D1/3/4, Urk. D1/3/8 und 
Urk. D1/4/6: B._____ erzählt, dass er auf diese "Kleine" gewartet habe, 

- 40 - 

die gekommen sei, um seine Kinder zu hüten; heute weine sie den 
ganzen Tag; seine Kinder hätten sie fertig gemacht; sie sage, es sei 
das erste Mal, dass sie solche Kinder sehe. 

 - A-2, 5. Januar 2017, Gespräch zwischen den Beschuldigten, Anhänge 
zu Urk. D1/4/6:  
I._____:  (weint) Bitte? 
B._____:  (brüllt) Schatz! Spricht nicht mit ihnen! 
I._____:  Ich schwöre dir beim Kuran (weiter unverständlich) Ich bitte 

dich bei Gott, beim Allah, bringe ihn in ein Heim! Ich schwöre 
dir beim Kuran, bringe ihn in ein Heim! Kapierst du, dass das 
nicht mehr normal ist, beim Kuran! 

B._____:  Sprich mit keinem von ihnen! Also, sprich mit keinem! Du 
bist nicht 5 Jahre alt. Sprich mit niemandem und fertig. 

I._____:  ... 
B._____:  Also, kommuniziere mit keinem von ihnen. 
I._____:  Mich nervt mein Sohn, dieser ... 
B._____:  Ha? 
I._____:  Du musst dich nicht nerven. 
B._____:  Schatz, mich kann niemand von ihnen fertig machen, (we-

der) AI._____ (noch) AJ._____ (noch) AK._____. Konse-
quenzen ... Mach ihnen nichts zu essen, beachte sie nicht, 
und das war's. Und nicht wie du – Immer das Gegenteil! Du 
kaufst Geschenke ein, hier hast du 2.- Franken, hier hast du 
5.- Franken, hier hast du dieses und  jenes - und sie werden 
immer schlimmer und schlimmer. Nein! Sprich gar nichts mit 
ihnen. 

I._____:  So wird es auch sein, ich schwöre dir beim Kuran. Du wirst 
sehen. 

B._____:  Gar nichts! Sie sollten dich nicht fragen und gar nichts sa-
gen, nichts. 

I._____:  OK. Also dann ... (Kinderstreit im Hintergrund) 
B._____:  Nichts, Mensch (murmelt fromme Sprüche). Die Kinder ma-

chen dich fertig ... 
I._____:  (weint immer noch). Aber nein, das kann man nicht aushal-

ten, seit dem frühen Morgen, Ich schwöre dir beim Kuran, 
die Polizei kommt noch zu uns, die ganze Zeit nur Geschrei, 
das könnte ein Gestörter, ein Pferd nicht ertragen, hey!  

B._____:  Das könnte es, aber hast du eine Frau gefunden? 

Diese Ausschnitte zeigen vor allem eine Situation eines Kindermädchens und der 

Mitbeschuldigten, welche mit der Erziehung der Kinder mit auffälligem Verhalten, 

v.a. eines Sohnes, überfordert sind. Darin findet auch die Behauptung der Privat-

klägerin, dass die Kinder bisweilen frech waren und deren Betreuung intensiv und 

damit wohl auch Mehraufwand verursachte, Bestätigung. Offenbar war die Ent-

- 41 - 

wicklung des Jüngsten, der zwischenzeitlich ein Internat besucht, auch danach 

nicht problemlos (Prot. I S. 100 ff.).  

2.8.4 Zum anderen schilderte die Privatklägerin immer wieder von ihr erwartete 

Arbeiten, die ins Schikanöse gingen, z.B. das erneute Saugen, nachdem die Kin-

der sich mit Knabberzeug durch die Wohnung bewegt hätten, oder das Aufräu-

men des Kellers, der seit langer Zeit nicht mehr aufgeräumt worden war 

(Urk. D1/5/8, F/A 55), und nicht nur nötige Arbeiten betrafen. Anlässlich der Ver-

haftung der Mitbeschuldigten am 16. Mai 2017 wurde eine kleine Menge Mari-

huana sichergestellt (Urk. D1/1/2) und anlässlich der Zollkontrolle in AN._____ im 

Sommer 2016 wurde die Mitbeschuldigte wegen zwei Joints gebüsst 

(Urk. D1/19/1), was die entsprechenden Angaben der Privatklägerin – neben den 

einschlägigen Stellen der Protokolle der Telefonkontrollen (vgl. nachfolgend) – 

plausibilisiert. Konstant sagte die Privatklägerin sodann aus, dass sie in der zwei-

ten Phase die gleichen Aufgaben habe verrichten müssen, diese aber extremer 

gewesen seien und sie sei viel mehr schikaniert worden als in der ersten Phase. 

In der zweiten Phase habe sie auch kein Geld erhalten (Prot. I S. 51 ff.). 

Eine Relativierung der Arbeitsbelastung der Privatklägerin ergibt sich durch ihre 

Aussage, dass in den meisten Fällen die Mitbeschuldigte das Nachtessen ge-

kocht habe (Urk. D1/5/3, F/A 78). Erst vor Vorinstanz behauptete die Privatkläge-

rin dann, dass die Mitbeschuldigte nur ab und zu gekocht habe (Prot. I S. 43).  

2.9 Beleidigungen, Beschimpfungen, Schläge und Drohungen 

2.9.1 Die Privatklägerin berichtete ab ihrer ersten Einvernahme von Be-

schimpfungen und Aggressionen seitens der Beschuldigten und deren Kinder. Zur 

Frage nach dem Verhältnis zwischen ihr und der Familie B._____I._____, den 

Beschuldigten, sagte sie (Urk. D1/5/1, F/A 50): "Die ersten zwei Tage ok. Ab dem 

vierten Tag bei denen wollte ich nach Hause gehen. Ich habe gesagt, dass ich 

mich nicht in diese Familie einleben kann. Weil das ist eine Familie, die dauernd 

schimpfen. Die Kinder schimpfen auch. Die Kinder sind sehr aggressiv, spucken, 

schlagen. Vor allem der Jüngere, der jetzt sechs Jahre alt ist, er heisst AK._____, 

war allen gegenüber aggressiv, spuckte und schlug". Auf die Nachfrage, ob diese 

- 42 - 

Familie sie auch beschimpft, geschlagen oder bespuckt habe, gab die Privatklä-

gerin zu Protokoll: "Ja, die haben mich auch beschimpft, geschlagen und be-

spuckt. Also mich geohrfeigt, meine Familie beschimpft" (Urk. D/1/5/1, F/A 51). 

Sie sei von der Mitbeschuldigten beschimpft worden, weil sie nach Hause habe 

gehen wollen und nicht zufrieden mit der Hausarbeit gewesen sei. Auf die Frage, 

wie oft dies passiert sei, sagte die Privatklägerin: "Also beschimpft hat sie mich 

sehr oft. Also in den ersten drei Monaten hat sie mich zwei- bis dreimal geschla-

gen. Und oft hat sie mir gedroht in der Art, dass sie mit mir den Boden wischt, 

etc." (Urk. D1/5/1, F/A 57 ff.). Sie sei als dumm, schwerhörig, als Hure und 

Nichtsnutz beschimpft worden (Urk. D1/5/9, F/A 33).  

2.9.2 Die aus den Aussagen der Privatklägerin vorgehaltenen Drohungen des Be-

schuldigten gegenüber der Privatklägerin (Todesdrohung, Kehle aufschneiden, 

Beine brechen, mit dem Kombi überfahren) stufte die Mitbeschuldigte als möglich 

ein, wenn auch nur "in seiner Erregung": "Ich weiss wirklich nichts davon, ich 

glaube, das war einfach nur seine Erregung. Er war aufgebracht, nehme ich an. 

Möglich, dass er im Eifer alles Mögliche an Worten an den Kopf werfen wollte. Ich 

war nicht dabei als so etwas geschehen sein soll. Aber ich kann es mir nur so 

vorstellen. In all den Ehejahren habe ich nie mitbekommen oder erlebt, dass er je 

mit einem anderen Mann eine Schlägerei gehabt hätte, geschweige denn mit ei-

ner Frau irgendwelche physischen Auseinandersetzungen. Ich glaube das war 

nur aufbrausendes Geschwätz" (Urk. D1/4/3, F/A /3). Die Mitbeschuldigte konze-

dierte, sie habe die Privatklägerin im schlimmsten Fall einmal in die Haare gefasst 

und sie gerüttelt: "Sie hat mittellanges Haar, es kann sein, dass ich sie an den 

Spitzen der Haare gefasst habe oder am Oberarm und im Affekt gerüttelt habe. 

Bestimmt habe ich nicht an den Haaren gerissen oder mit der Hand ausholend sie 

geschlagen. Bestimmt nicht" (Urk. D1/4/5, F/A 50). Die Privatklägerin habe sich 

bei den Beschuldigten zu Hause benehmen dürfen wie eine Tochter. Es seien 

gegenseitig schon Beleidigungen und Beschimpfungen vorgekommen. Es gebe 

so Leute, die es geniessen würden, wenn sie geplagt würden (Urk. D1/4/5 Fragen 

46 ff.). Bedroht habe sie die Privatklägerin nicht. Der Satz mit dem Bodenwischen 

könnte gefallen sein (Urk. D1/4/5 Frage 54 ff.). Die Mitbeschuldigte erklärte in der 

Einvernahme vom 19. Mai 2017 auf Vorhalt eines Gesprächs aus der Telefonkon-

- 43 - 

trolle zwischen den Beschuldigten, in der nicht nur Allah und der Koran (Kuran) 

bemüht und fromme Sprüche gemurmelt werden, sondern sehr viele Kraftausdrü-

cke und abschätzige Worte über Frauen ("Huren" etc.) fallen, dass der Beginn, 

der Wortschatz, da "nicht gerade angemessen" sei, was sie wie folgt erklärte: "Ich 

wiederhole, dass der grösste Teil dieses Gesprächs 'in einer Balkansprache', da-

her sehr umgangssprachlich, gefasst ist. Es gab da auch sicher die eine oder an-

dere verbale Beleidigung. Das ist vor allem darauf zurück zu führen, dass es mir 

an diesem Tag sehr schlecht ging. Ich habe geweint und fühlte mich sehr ver-

letzt." (Urk. D/1/3/3, F/A 5). Sie erklärte später noch zum Ausdruck "Hure" oder 

"Nutte", wie er hier falle, nicht so wörtlich genommen werden sollte, nämlich: "Ich 

möchte wirklich verdeutlichen: Wenn man in der Umgangssprache von einer Hure 

oder einer Tusse spricht, heisst das nicht, dass man glaubt, dass sie als Hure o-

der als Prostituierte tatsächlich arbeiten würde, sondern es ist ein Wort wie Tusse 

oder Zicke oder 'Zwetschge'" (Urk. D1/3/3, F/A 42).  

2.9.3 Auch Gesprächsaufzeichnungen über körperliche Übergriffe wurden von der 

Mitbeschuldigten erklärt. So sagte sie auf Vorhalt eines Zitats des Beschuldigten 

eines überwachten Gesprächs ("Wenn die meine Frau wäre, ich schwöre dir beim 

Allah, ich würde sie jeden Tag [unverständlich], also ich würde sie am Ende um-

bringen. Ich sage dir das nur, damit du weisst, was sie für eine Person ist. Also 

ich würde sie jeden Tag schlagen. Gut, dass AO._____ sie gleich, Kumpel ... "): 

"Dazu kann ich lediglich sagen, dass mein Mann ist ein Mann. Sie ist eine Frau, 

die sich als Lügnerin gezeigt hat. Sie ist verdorben. Sie ist intrigant und versucht, 

jeden Tag Streit zu säen und darum sieht er das so aus seinen Augen. Das ist 

seine Ansicht als Mann" (Urk. D1/3/3, F/A 59). Und auf Nachfrage, wieso er sie 

umbringen würde: "Ich muss da schmunzeln, es tut mir wirklich leid. Die Wortwahl 

und die Bildsprache ist sehr intensiv. Aber ehrlich gesagt weder mein Mann noch 

ich oder sonst jemand, den ich kenne, würde das ernst meinen und tun. Das kann 

ich unterschreiben, das niemand das tun würde. Das ist in Aufregung, im Aufge-

brachtsein eine Sprache, die sehr bildhaft und dramatisch ist" (a.a.O., F/A 60). 

Dies seien nicht Worte mit einer realen Tragweite, und weiter: "Es ist nichts wirkli-

ches, das sind nur Worte. Ich bringe ein Beispiel. In Bosnien, wenn ein Kind et-

was falsch gemacht hat, ist eine erste Reaktion von Erwachsenen, dass sie sa-

- 44 - 

gen: 'Ich töte dich jetzt, weil du das gemacht hast!' Aber das ist nur ein Ausruf" 

(a.a.O., F/A 61).  

2.9.4 Betreffend Drohungen des Beschuldigten im Zusammenhang mit dem 

Vorfall beim Fenster, als das kleinste Kind "sehr, sehr aggressiv" gewesen sei, 

hatte die Privatklägerin ausgeführt (Urk. D1/5/3, F/A 66): "Ich wollte das Kind weg 

vom Fenster haben, er hat dann um sich geschlagen, mich getreten. Die Eltern 

haben das Kind dann vom Fenster aus gesehen und dann sind sie wieder zurück 

in die Wohnung gekommen. Dann kam der Vater sofort zu mir in die Küche. Und 

dann ist er sofort zu mir. Er wollte gar nicht hören, was los ist. Dann hat er mir mit 

der Hand an den Kopf gestossen und gesagt, dass ich nicht ganz normal sei und 

nicht mit den Kindern umgehen könne. Dann hat er mich bedroht. Wenn etwas 

seinem Kind passiert wäre, hätte er mich auch aus dem Fenster 

rausgeschmissen. Er hätte mich sofort getötet. Und wenn so etwas wieder 

vorkommen sollte, würde er mich umbringen." Die Mitbeschuldigte sagte, sie 

wisse nichts von dem Vorfall, und: "Es ist möglich, dass mein Mann aufgebracht 

ist, wenn er ein Kind am Fenster sieht im 6. Stock. Aber sie blieb ja da, sie wurde 

auch nicht aus dem Fenster geworfen und ich schwöre bei meinem Leben und 

beim Leben meiner Kinder, soweit mir bekannt ist, niemand wurde unter Zwang 

bei uns gehalten. Niemandem wurde gedroht. Das können auch Bekannte 

bezeugen. Meine Tochter hat mir erzählt, dass sie, Frau A._____, gesessen habe 

und offenbar mit AP._____ Nachrichten getauscht hat und nicht auf den Kleinen 

geachtet hat, der hinter ihr auf das Fenster gestiegen sei im 6. Stock. Sie hat dem 

Kind nicht Acht gegeben. Aber auch bei dieser Sache hat ihr niemand etwas 

angetan, obwohl ihrer Unachtsamkeit meinem Kind etwas hätte zustossen 

können" (Urk. D1/4/3, F/A 77).  

2.9.5 Die Behauptung der Privatklägerin, wonach ihr der Beschuldigte mit dem 

Tod gedroht habe, und dass er ihr mit einem Messer die Kehle aufschneiden wer-

de, er  ihr die Beine brechen und sie mit dem Kombi überfahren werde 

(Urk. D1/5/1, F/A 60), wird durch die Ergebnisse der geheimen Überwachung 

plausibilisiert. Es erscheint daher sehr glaubhaft, dass solche verbalen, gewaltbe-

zogenen Entgleisungen des Beschuldigten vorkamen. Dass die Gespräche im 

- 45 - 

Haushalt der Beschuldigten eine deutliche, bildhafte Bezugnahme zu Gewalt 

hatten und Gewaltandrohungen enthielten, ergibt sich nämlich auch mit Bezug auf 

andere Frauen, die dort tätig waren. Dies erkannte die Vorinstanz richtigerweise 

in den nachfolgenden Gesprächsausschnitten, die hier aufgrund der expliziten 

und eindrücklichen Sprache nochmals anzuführen sind (Urk. 101 S. 58):  

 - A-2, 30. November 2016, 00.21 Uhr, Gespräch zwischen den Beschul-
digten, Anhänge zu Urk. D1/3/3 und Urk. D1/3/7: B._____ schlägt 
I._____ mehrmals vor, die Privatklägerin zu packen und ihr alle Kno-
chen zu brechen, dass sie zu einer Behinderten werde; 

 - A-2, 15. Dezember 2016, 15.49 Uhr, Gespräch zwischen den Beschul-
digten, Anhänge zu Urk. D1/3/4 und Urk. D1/3/8: Die Beschuldigten 
sprechen über das Kindermädchen C._____, der man nur die Hälfte 
vom Lohn gebe (CHF 300.–); eine Geschichte über ein Kabel, wobei 
I._____ zugibt, dass sie ihr gegenüber damit gedroht hat, sie von der 
Terrasse zu schmeissen; sie deutet an, ihr gegenüber gesagt zu ha-
ben, sie hätte ihr einen Schlag versetzen sollen, damit sie in Ohnmacht 
falle, denn sie sei einfach eine dumme Bosnierin;  

 - A-2, 13. Februar 2017, 21.58 Uhr, Gespräch zwischen dem Beschul-
digten und U._____, Anhang zu Urk. D1/3/8: E._____ sei weggelaufen; 
sie habe die Beschuldigten bei einer Frau schlecht gemacht; ihr müsse 
man doch alle Knochen im Leibe brechen, nichts anderes; 

 - A-2, 7. April 2017, 12.59 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhänge zu Urk. D1/3/3 und Urk. D1/3/8: E._____ ist offenbar nach 
Bosnien verschwunden; B._____ sagt, er würde E._____ so gerne zu-
sammenschlagen; E._____ soll angelockt werden, ohne zu drohen, 
ganz nett. Und dann, wenn sie ankomme, dann könne I._____ es 
aussprechen: "Jetzt wirst Du … die Hölle erleben!", was dann auch so 
kommen würde;  

 - A-2, 7. April 2017, 17.52 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhänge zu Urk. D1/3/3 und Urk. D1/4/3: B._____ sagt, wenn das 
[E._____] seine Frau wäre, dann würde er diese Schlampe jeden Tag 
schlagen und sie am Ende umbringen (bereits oben unter E. III.D.2.9.3 
erwähnt); 

 - A-2, 7. April 2017, 18.43 Uhr, Gespräch zwischen den Beschuldigten, 
Anhänge zu Urk. D1/3/3 und Urk. D1/4/3: Ein Mädchen, das blöd sei, 
könne man schön anlocken (gemeint wahrscheinlich E._____); I._____ 
sagt, dass sie mit ihr (wohl Kindermädchen) "den Boden putzen werde" 
(vgl. ferner auch Urk. D1/4/5 Frage 5); ferner hasse der Beschuldigte 
alle (Mädchen), die hier gewesen wären. 

2.9.6.1 Bei den Schilderungen der Privatklägerin betreffend den letzten Streit fällt 

zunächst auf, dass sie bei der ersten Einvernahme sagte, der Beschuldigte habe 

- 46 - 

ihr "gestern Abend" massiv gedroht. Er habe sie geschlagen. Und dann habe er 

sie mit den Füssen getreten und aus der Wohnung rausgeschmissen 

(Urk. D1/5/1, F/A 62). Sie relativierte diese Aussage im weiteren Verlauf aber da-

hingehend, dass der Beschuldigte sie habe schlagen wollen, "[…] ich konnte da 

jedoch ausweichen. Er schlug dann aber seine Frau. Mich riss er einfach an den 

Haaren" (Urk. D/1/5/1, F/A 75).  

2.9.6.2 Die Mitbeschuldigte bestätigte die Darstellung der Privatklägerin insofern, 

als der Beschuldigte auf die Privatklägerin zugegangen sei. Sie sei erschrocken 

ab seiner Reaktion und sei dazwischen getreten. Sie habe dann einen Schlag be-

kommen, es sei so ein Hin und Her und reiner Zufall gewesen. Sie sei dann um-

gefallen. Der Schlag sei von ihrem Mann gewesen, aber es sei in einer Bewegung 

gewesen, es sei nicht so, dass er sie geschlagen habe (Urk. D1/4/1, F/A 77).  

2.9.6.3 Im Rahmen des danach, d.h. am 19. Juli 2016, erfolgten Polizeieinsatzes 

wurde eine Fotodokumentation erstellt. Diese belegen deutliche Verletzungen der 

linken Gesichtshälfte der Mitbeschuldigten (Urk. D1/1/7), womit die Darstellung 

der Privatklägerin hierzu Bestätigung findet.  

2.9.6.4 Die Mitbeschuldigte hatte behauptet, sie lebe seit bald 14 Jahren mit ih-

rem Mann (jeweils der Beschuldigte gemeint) zusammen. In dieser Zeit sei es nie 

vorgekommen, dass die Polizei zu ihnen gekommen sei, dass die Nachbarn et-

was bemerkt hätten, dass Probleme da wären zwischen ihr und ihrem Mann. Es 

stimme, dass ihr Mann beim Reden impulsiv und aufbrausend werde, aber er be-

ruhige sich auch wieder schnell (Urk. D1/4/3, F/A 74). Es ist indessen aktenkun-

dig, dass die Polizei bereits im Jahre 2009 (vgl. Ordner 6, Beizugsakten KESB, 

Polizeirapport Stadtpolizei Winterthur vom 11. Mai 2009) und im März 2015 we-

gen häuslicher Gewalt an den Wohnort der Beschuldigten ausrücken musste 

(Urk. D1/1/1 S. 3 und Ordner 6, Beizugsakten Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland). Dies zeigt auch, dass Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung im 

Haushalt der Beschuldigten nicht unbekannt ist und die Beschuldigten nicht erst 

mit diesem Verfahren Kontakt mit der Polizei hatten. 

2.10 Sexualisierte Sprache und Zuhalten von Personen mit sexuellem Motiv 

- 47 - 

2.10.1 Die Privatklägerin thematisierte in ihrer ersten Einvernahme bei der Polizei 

ihre erste Begegnung mit dem Beschuldigten. So sei sie am 24. November 2015 

mit dem Bus eingereist. Der Beschuldigte habe sie an der Raststätte AQ._____ 

abgeholt. Er sei nicht nett gewesen und habe gesagt, dass alle Frauen, die in die 

Schweiz kämen, so Huren seien, die fürs Geld "ficken" würden, dass sie nicht 

Kinder hüten, sondern das Geld mit der Prostitution verdienen wollten; solche wol-

le er nicht in seiner Wohnung. Das sei ihr natürlich nicht gleich gewesen, er habe 

sie ja zum ersten Mal gesehen, "[…] und dann hatte ich mich gefragt, mein Gott, 

wo bin ich da gelandet. Ich überlegte mir dann sogleich, ob ich zurückgehen soll" 

(Urk. D1/5/1, F/A 41 ff.). Die beschriebene, emotionale Reaktion auf die unerwar-

tete Unterstellung wirkt erlebt.  

2.10.2 Die behauptete sexualisierte und rüde Sprache der Beschuldigten ergibt 

sich nicht nur aus den Telefonkontrollen, sie wird seitens der Beschuldigten selber 

anerkannt (Urk. 77 S. 44; Urk. 78 S. 19). Selbstredend wird das Ganze – als quasi 

"üblich" und nicht nur im Umgang mit der Privatklägerin angewendet – relativiert 

(Urk. 77 S. 44; Urk. 78 S. 19). So führte die Verteidigung des Beschuldigten hier-

zu vor Vorinstanz aus, es lasse sich nicht in Abrede stellen, dass die Wortwahl 

und die Sprache seines Klienten, insbesondere in Gesprächen mit seiner Frau, 

oftmals von sexuellen Anspielungen geprägt sei und als derb bezeichnet werden 

müsse. Aus dem Gesamtzusammenhang werde jedoch sofort ersichtlich, dass es 

sich dabei vielmehr um internes Flachsen, als um ernstgemeinte Gespräche 

handle. Dazu verwies er gleich selber exemplarisch auf die Konversation vom 

17. Februar 2017 zwischen den Beschuldigten, welche im Beisein einer Kinder- 

und Haushaltshilfe stattgefunden haben soll (vgl. TK Nr. ZHK00417 /5259; nach-

folgend jeweils: I._____  = Mitbeschuldigte; B._____ = Beschuldigter): 

 I._____:  (lacht, dann zur Kindehüte-Frau) «Mein Mann sagt, da wir gerne 
furchtbar reden, und uns gegenseitig auf den Arm nehmen, er 
sagt, man muss dir einen guten ... finden, hahahahah! Sie sagt, 
sie kann einen guten brauchen. Hahahah! Du wirst dich daran 
gewöhnen, an diesen Dummkopf wirst du dich am einfachsten 
gewöhnen.» 

 B._____: «Das ist zu 100 % sicher. Ha?» 
 I._____:  «Ich sagte, ich entschuldige diesen „Dummkopf".» 
 B._____:  «Wer ist ein Dummkopf, ich ficke dich ... » 

- 48 - 

 I._____:  «Ich ficke dich auch.» (lacht) 

Als anschaulich bezeichnet die amtliche Verteidigung sodann die Konversation 

zwischen den Beschuldigten vom 7. April 2017 (vgl. TK Nr. ZH00417/8975): 

 B._____:  «Jetzt siehst du mal, was Hölle ist, ich ficke dir deine Mutter in 
den Mund, deinen Vater und deine Mutter auch! Ich ficke dir al-
les.» 

 I._____:  «Aber schau mal, ich ficke ihr alles. Die Mutter, den Vater, die 
Schwester und diese Kinder, denn sieht es so aus, dass ihr Sa-
men so ist.» 

Kurzum: Die verwendete Sprache habe nichts Ernsthaftes an sich, und - wichtig -: 

In der Muttersprache des Ehepaars B._____I._____ (der Beschuldigten) werde 

der Begriff "ficken" anders