# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3aace2d0-1797-5281-a331-68786330cb3a
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-19
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2010 und 2011 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2010 und 2011
**Docket/Reference:** DB.2015.247
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2015_247_mr.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

Entscheid 

19. September 2016 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Marcus Thalmann und Gerichtsschreiberin Andrea Schmid 

1.  A,    

Steuergemeinde C,   

2.  B,    

Steuergemeinde C,   

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Konsum,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 2010 und 2011 sowie  
Staats- und Gemeindesteuern 2010 und 2011 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. A, Inhaber der Einzelunternehmung D, und B (nachfolgend der/die Pflichti-

ge, zusammen die Pflichtigen) deklarierten in der Steuererklärung 2010 ein steuerba-

res  Einkommen  von  Fr. 17'145.-  (direkte  Bundessteuer)  und  Fr. 20'452.-  (Staats-  und 

Gemeindesteuern) sowie ein steuerbares Vermögen von Fr. 0.- (Staats- und Gemein-

desteuern). 

In der Steuererklärung 2011 deklarierten sie ein steuerbares Einkommen von 

Fr.  5'218.-  (direkte  Bundessteuer)  und  Fr. 10'472.-  (Staats-  und  Gemeindesteuern) 

sowie ein steuerbares Vermögen von Fr. 722'980.- (recte: Fr. 0.-; Staats- und Gemein-

desteuern).  

Mit Beweisauflage vom 26. Februar 2013 ersuchte der zuständige Revisor des 

kantonalen Steueramts die Pflichtigen im Zusammenhang mit einer geplanten steuer-

amtlichen Buchprüfung 2010/11 um Einreichung diverser Unterlagen, welchem Begeh-

ren  die  Pflichtigen  am  27.  März  2013  nachkamen.  Die  Buchprüfung  fand  am  30.  Ap-

ril 2014 beim kantonalen Steueramt statt.  

Zur Vornahme der Veranlagung bzw. der Einschätzung ersuchte der Revisor 

die  Pflichtigen  sodann  am  9.  Mai  2014  um  weitere  Auskünfte  und  Unterlagen.  Insbe-

sondere  verlangte  er  einen  Nachweis  der  Vermögensentwicklungen  der  Jahre  2010 

und 2011. Die Pflichtigen nahmen am 27. Mai 2014 zur Sache Stellung. Da der Revisor 

die  Erfüllung  der  Auflage  als  ungenügend  erachtete,  mahnte  er  deren  Erfüllung  am 

3. Juni 2014, worauf die Pflichtigen am 16. Juni 2014 eine weitere Eingabe einreichten.  

Nach  der  Schlussbesprechung  vom  30.  Juni  2014  unterbreitete  der  Revisor 

den Pflichtigen am 21. Juli 2014 einen Einschätzungsvorschlag mit einem steuerbaren 

Einkommen  von  Fr.  55'200.-  (direkte  Bundessteuer  2010),  Fr.  58'500.-  (Staats-  und 

Gemeindesteuern  2010),  Fr. 97'900.-  (direkte  Bundessteuer  2011)  und  Fr. 104'400.- 

(Staats- und Gemeindesteuern 2011) sowie mit einem steuerbaren Vermögen 2010/11 

von  je  Fr. 0.-.  Dabei  rechnete  er  geschätzte  Mehreinnahmen  aus  selbständiger  Er-

werbstätigkeit  in Höhe von  Fr. 19'000.-  (2010)  und  Fr. 30'000.-  (2011)  auf, da  ein Wi-

derspruch 

zwischen  den  deklarierten  Werten  und  dem  Lebensaufwand  

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

(inkl. Vermögensvermehrung) der Pflichtigen nicht aufgelöst werden konnte. Die Pflich-

tigen verzichteten auf eine Stellungnahme zum Einschätzungsvorschlag.  

Der  Steuerkommissär  setzte  in den  Veranlagungsverfügungen  und Einschät-

zungsentscheiden vom 13. März 2015 das steuerbare Einkommen auf Fr. 70'700.- (di-

rekte  Bundessteuer  2010),  Fr. 73'200.-  (Staats-  und  Gemeindesteuern  2010), 

Fr. 100'600.-  (direkte  Bundessteuer  2011)  und  Fr. 103'200.-  (Staats-  und  Gemeinde-

steuern 2011) sowie das steuerbare Vermögen 2010/11 auf je Fr. 0.- fest. Dabei nahm 

er  eine  globale  Schätzung  des  steuerbaren  Einkommens  nach  pflichtgemässem  Er-

messen  im  Sinn  von  Art.  130  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundes-

steuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 139 Abs. 2  Satz 1 des Steuergesetzes 

vom 8. Juni 1997 (StG) vor.  

B. Mit Eingabe vom 9. April 2015 erhoben die Pflichtigen hiergegen Einspra-

che und beantragten die "Streichung der angenommenen Einkünfte". Am 8. Mai 2015 

erliess der Revisor eine  Beweisauflage, welche  dieselben Punkte enthielt wie die Be-

weisauflage vom 9. Mai 2014. Am 31. Mai 2015 nahmen die Pflichtigen zur Sache Stel-

lung,  worauf  der  Revisor  am  23.  Juli  2015  wiederum  dieselben Punkte  wie  am  3.  Ju-

ni 2014 mahnte. Die Pflichtigen äusserten sich am 14. August 2015 zur Mahnung. Am 

2. Oktober 2015 wies das kantonale Steueramt die Einsprachen ab.  

C.  Am  5.  November  2015  erhoben  die  Pflichtigen  Beschwerde  und  Rekurs 

gegen diese Entscheide und erneuerten den mit der Einsprache gestellten Antrag. Zur 

Begründung  machten  sie  geltend,  aus  dem  Formular  "Lebensaufwand  2010"  sei  er-

sichtlich,  dass  Wertschriften  im  Umfang  von  Fr. 33'366.28  veräussert  worden  seien, 

was  bei  der  Aufrechnung  gewürdigt  werden  müsse.  Sämtliche  Kontoauszüge  der 

E  und  der  F  seien  von  ihnen  eingereicht  worden,  weshalb  die  Finanzbewegungen 

transparent  seien.  Es  seien  nachweislich  keine  weiteren  Einkünfte  zugeflossen.  Mit 

Eingaben  vom  23.  und  30.  November  2015  reichten  sie  auf  entsprechende  Aufforde-

rung des Steuerrekursgerichts die Rechtsschriften mit Originalunterschrift ein.  

In  der  Beschwerde-  und  Rekursantwort  vom  18.  Dezember  2015  beantragte 

das kantonale Steueramt die Abweisung der Rechtsmittel. Zur Begründung verwies es 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

auf  die  angefochtenen  Einspracheentscheide  und  machte  ergänzend  geltend,  dass 

betreffend die Wertschriftenverkäufe keine Kaufabrechnungen vorlägen. Die Eidgenös-

sische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. 

Am  27.  Juni  2016  gab  der  zuständige  Einzelrichter  des  Steuerrekursgerichts 

den Pflichtigen die Gelegenheit, sich zu einer in Aussicht gestellten Höhereinschätzung 

zu äussern. Die Pflichtigen verzichteten auf eine Stellungnahme.  

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1. a) Gemäss Art. 140 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-

steuer  vom  14.  Dezember  1990  (DBG)  und  §  147  Abs.  1  des  Steuergesetzes  vom 

8. Juni 1997 (StG) kann der Steuerpflichtige die Einspracheentscheide des kantonalen 

Steueramts  innert  30  Tagen  nach  Zustellung  mit  Beschwerde/Rekurs  anfechten.  Die 

Beschwerde-/Rekursfrist ist – wie die Einsprachefrist – eine Verwirkungsfrist; mit deren 

Ablauf muss feststehen, ob der ergangene Entscheid angefochten oder anerkannt ist. 

Eine verspätete Beschwerde bzw. ein verspäteter Rekurs ist – wie auch eine nach Ab-

lauf der Frist erhobene Einsprache – unwirksam und vermag im Interesse der Rechts-

sicherheit keine materielle Prüfung des angefochtenen Einspracheentscheids herbeizu-

führen, selbst wenn er formell oder materiell fehlerhaft sein sollte; auf eine verspätete 

Beschwerde bzw. einen verspäteten Rekurs darf das Steuerrekursgericht folglich nicht 

eintreten  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  3. A.,  2016, 

Art. 140  N  4  DBG,  und  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3. A.,  2013,  §  147  

N 5 StG). Vorbehalten bleibt die Wiederherstellung der versäumten Frist.  

b) Gemäss § 12 Abs. 1 der Verordnung zum Steuergesetz vom 1. April 1998 

(VO StG) wird der Tag der Zustellung eines Entscheids bei der Berechnung nicht mit-

gezählt.  Die  Frist  gilt  als  eingehalten,  wenn  die  Handlung  innerhalb  derselben  vorge-

nommen  wird.  Schriftliche  Eingaben  müssen  spätestens  am  letzten  Tag  der  Frist  an 

die Behörde gelangt oder der Post übergeben sein. Für die Beschwerde gilt eine ent-

sprechende  Regelung  (Art.  140  Abs. 4  DBG  i.V.m.  Art.  133  Abs.  1  DBG).  Eingaben 

gelten als der schweizerischen Post übergeben, wenn sie am Postschalter abgegeben 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

oder 

in  einen  Briefkasten  eingeworfen  werden  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Art. 133 N 9 DBG und § 129 N 12 StG, je mit Hinweisen).  

c) Aus den Sendungsinformationen der Post ergibt sich, dass die Pflichtige die 

Einspracheentscheide am 5. Oktober 2015 am Postschalter abholte. Die Beschwerde-/ 

Rekursfrist  begann  damit  am  6.  Oktober  2015  zu  laufen  und  endete folglich  am  Mitt-

woch,  4.  November  2015.  Die  Eingabe  wurde  erst  am  5.  November  2015  der  Post 

übergeben.  Damit  erweist  sich  die  Eingabe  der  Pflichtigen  als  verspätet.  Auf  die  Be-

schwerde  bzw.  den  Rekurs  der  Pflichtigen  ist  deshalb  nicht  einzutreten.  Da  die  Be-

schwerde/der  Rekurs  durch  den  Pflichtigen  aber  rechtzeitig  eingereicht  worden  ist, 

ergeht  der  nachfolgende  Entscheid  aufgrund  des  Instituts  der  notwendigen  Streitge-

nossenschaft zwingend auch für die Pflichtige. 

2. a) Zur Vornahme einer Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen wird 

geschritten,  wenn  der  Steuerpflichtige  trotz  Mahnung  seine  Verfahrenspflichten  nicht 

erfüllt oder die Steuerfaktoren mangels  zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei er-

mittelt werden können (Art. 130 Abs. 2 DBG, § 139 Abs. 2 Satz 1 StG). Vorausgesetzt 

ist  ein  Untersuchungsnotstand.  Dieser  ist  im  Regelfall  dadurch  verursacht,  dass  der 

Steuerpflichtige trotz Mahnung seinen Mitwirkungspflichten nicht oder nur unvollständig 

nachgekommen ist.  

Eine  Ermessensveranlagung  kann  nach  dem Wortlaut  der  vorgenannten  Be-

stimmungen  aber  auch  dann  erfolgen,  wenn  die  Steuerfaktoren  aufgrund  eines  nicht 

geklärten  Widerspruchs  zwischen  den  deklarierten  Werten  und  dem  Lebensaufwand 

(inkl.  Vermögensvermehrung)  der  daraus  lebenden  Personen  nicht  einwandfrei  ermit-

telt werden können (Martin Zweifel, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 

Band I/2b, 2. A., 2008, Art. 130 N 42 DBG sowie BGr, 16. März 1999 = Pra 1999, 880). 

Ein solcher Fall liegt insbesondere dann vor, wenn die Summe der Lebenshaltungskos-

ten des Steuerpflichtigen und der von seinen Einkünften abhängigen Personen sowie 

die  deklarierte  Vermögensvermehrung  höher  sind  als  das  angegebene  und  belegte 

steuerbare  und  steuerfreie  Einkommen.  Voraussetzung  für  die  Vornahme  einer  dies-

bezüglichen  Ermessenseinschätzung  bildet  jedoch,  dass  die  Steuerbehörde  diesen 

Widerspruch mittels einer Untersuchung vorgängig zu klären versucht und der Steuer-

pflichtige dabei trotz Mahnung den notwendigen Aufschluss nicht geliefert hat. 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

Daraus ergibt sich, dass die Rechtsmittelbehörde in diesen Fällen zunächst zu 

prüfen hat, ob der Steuerpflichtige den Widerspruch zwischen den deklarierten Werten 

und  dem  Lebensaufwand  (inkl.  Vermögensvermehrung)  trotz  Auflage  und  Mahnung 

nicht geklärt hat. Ist diese Frage zu bejahen, liegt ein Untersuchungsnotstand vor und 

hat  die  Steuerbehörde  zu  Recht  eine  Ermessenseinschätzung  getroffen.  Andernfalls 

mangelt  es  an  der  erforderlichen  rechtlichen Grundlage für  eine  solche  Einschätzung 

und ist diese aufzuheben. 

b)  Im  Rahmen  der  steueramtlichen  Prüfung  fasste  der  Revisor  das  Ergebnis 

seiner  Untersuchungen  zusammen  und  machte  es  zum  Gegenstand  von  Einschät-

zungsvorschlägen.  Aus  dem  Bericht  des  Revisors  ergibt  sich  insbesondere,  dass  ne-

ben kleineren  Positionen  in erster  Linie  eine  Ungewissheit  des  Sachverhalts  hinsicht-

lich  der  Vermögensentwicklung  zu  verzeichnen  war.  Was  die  übrigen  Elemente  des 

Sachverhalts betraf, bestand keine Ungewissheit.  

Trotz der umfangreichen Vorarbeiten des Revisors stellte der Steuerkommis-

sär  in  den  angefochtenen  Einspracheentscheiden  und  in  den  Veranlagungsverfügun-

gen  bzw.  Einschätzungsentscheiden  nicht  auf  die  Berechnungen  des  Revisors  ab, 

sondern  nahm  Globalschätzungen  des  gesamten  Einkommens  vor  und  beschränkte 

seine Schätzung nicht auf das ungewisse Element der Vermögensentwicklung.  

c) Ziel der ermessensweisen Schätzung ist die bestmögliche Annäherung an 

den wirklichen Sachverhalt. Sie ist pflichtgemäss, wenn sie auf dieses Ziel ausgerichtet 

ist.  Als  Ausfluss  davon  muss  sich  der  Umfang  der  Ermessenseinschätzung  auf  das 

beschränken, was im vorangegangenen Auflage- und Mahnverfahren unbestimmt bzw. 

ungewiss geblieben ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 130 N 65 DBG und § 139 

N 85 StG, beide auch zum Folgenden). Gegenstand der Ermessenseinschätzung kann 

je nach der verfahrensmässigen Ausgangslage z.B. das gesamte steuerbare Einkom-

men, der gesamte steuerbare Reingewinn (insbesondere bei Fehlen einer Steuererklä-

rung)  oder  ein  Bestandteil  desselben  bilden,  also  z.B.  bloss  des  Einkommens  aus 

selbstständiger  Erwerbstätigkeit,  während  das  Einkommen  aus  unselbstständiger  Er-

werbstätigkeit  gemäss  Steuererklärung  festgelegt  wird.  Sind  einzelne  Einkommens- 

oder Vermögensbestandteile klar ermittelt, besteht hingegen in Bezug auf andere Teile 

Unklarheit, darf nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht zu einer integralen 

Ermessenseinschätzung  geschritten  werden.  Die  Ermessenseinschätzung  hat  sich 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

daher  auf  die  ungewiss  gebliebenen  Tatsachen  zu  beschränken  und  darf  nicht  über-

schiessend sein (StRK I, 3. Oktober 2000 = ZStP 2000, 285). 

d) Vorliegend ist im Wesentlichen unklar, wie die Pflichtigen ihren Lebensun-

terhalt  unter  Berücksichtigung  der  Vermögensentwicklung  aus  den  steuerbaren  und 

allenfalls nicht steuerbaren Einkünften finanzieren konnten. Deswegen kann nur dieser 

Punkt Gegenstand der Ermessenseinschätzung bilden. Allenfalls basieren noch weite-

re,  kleinere  Positionen  des  Revisionsberichts  und  der  Einschätzungsvorschläge  auf 

einer  Schätzung.  Die  übrigen  Elemente  des  Sachverhalts  sind  indessen  erstellt  und 

können nicht in die Ermessenseinschätzung einbezogen werden. Richtigerweise hätte 

der  Steuerkommissär  die  Berechnungen  des  Revisors  übernehmen  oder  abändern 

müssen.  Alternativ  hätte  er  auch  selber  Berechnungen  erstellen  können.  Die  globale 

Ermessenseinschätzung  erweist  sich  deshalb  als  überschiessend  und  somit  unzuläs-

sig.  

Im Einspracheverfahren wurde dieser Mangel nicht behoben, sondern die glo-

bale  Ermessenseinschätzung  mit  der  Begründung  geschützt,  die  Pflichtigen  hätten 

deren Unrichtigkeit oder Unangemessenheit nicht nachgewiesen.  

e) Das Steuerrekursgericht hat gemäss Art. 143 Abs. 1 DBG und § 149 Abs. 2 

StG  die  Steuerfaktoren  grundsätzlich  nach  seinen  eigenen  Erhebungen  festzustellen 

(RB  ORK  1958  Nr.  44).  Ausnahmsweise  kann  es  zwecks  Wahrung  des  gesetzlichen 

Instanzenzugs  die  Sache  mit  verbindlichen  Weisungen  an  die  Vorinstanz  zurückwei-

sen,  namentlich,  wenn  zu  Unrecht  noch  kein  materieller  Entscheid  getroffen  wurde 

oder wenn dieser an einem schwerwiegenden Verfahrensmangel leidet (§ 149 Abs. 3 

StG). Bedeutsame Verfahrensmängel kann das Gericht nicht heilen, da der gesetzlich 

vorgeschriebene  Instanzenzug  unzulässigerweise  verkürzt  und  die  Einschätzungsbe-

hörde  praktisch  von  der  Einhaltung  eines  korrekten  Verfahrens  dispensiert  würde 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 143 N 29 DBG und § 149 N 30 StG).  

Ergeht in einem Fall, in welchem sich das Einkommen und das Vermögen der 

Steuerpflichtigen aus zahlreichen Positionen zusammensetzen, zu Unrecht eine globa-

le  Ermessenseinschätzung,  lässt  sich  nicht  feststellen,  wie  die  einzelnen,  der  Ermes-

seneinschätzung tatsächlich zugänglichen Positionen eingeschätzt worden sind. Dem-

entsprechend ist es dem Steuerpflichtigen auch schlicht nicht möglich, im Einsprache-, 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

Beschwerde- oder Rekursverfahren die Unrichtigkeit oder zumindest die Unangemes-

senheit solcher Schätzpositionen nachzuweisen. Dieses Recht aber würde der Steuer-

pflichtige  verlieren,  wenn  das  Steuerrekursgericht  den  Mangel  im  Beschwerde-  und 

Rekursverfahren  heilen  und  erstmals  eine  Schätzung  einzelner  Einkommens-  oder 

Vermögensteile  nach  pflichtgemässem  Ermessen  vornehmen  würde.  Mithin  liegt  ein 

bedeutsamer Verfahrensmangel im eingangs beschriebenen Sinn vor. 

f)  Nach  dem  Gesagten  sind  die  angefochtenen  Einspracheentscheide  des 

kantonalen Steueramts in teilweiser Gutheissung von Rekurs und Beschwerde  aufzu-

heben und ist die Sache zum Neuentscheid im Sinn der Erwägungen an das kantonale 

Steueramt ins Einspracheverfahren zurückzuweisen.  

Im  zweiten  Rechtsgang  ist  der  Steuerkommissär  gehalten,  eine  Berechnung 

des  steuerbaren  Einkommens  zu  erstellen,  welche  alle  Einkommensbestandteile  und 

Abzüge enthält und welche die Ermessenseinschätzung auf die Positionen beschränkt, 

welche trotz des Beweisverfahrens ungewiss blieben. Sollte der Steuerkommissär die 

beiden Listen des Lebensaufwands vom 14. August 2015 als sachdienlich anerkennen, 

so müsste wohl eine Korrektur zugunsten der Pflichtigen angebracht werden: Die Posi-

tion  "Mastercard  G"  dürfte  zudem  Lebenshaltungskosten  enthalten,  so  dass  sie  inso-

weit zu streichen ist. Der Kursgewinn der Aktien ist ausgewiesen.  

3.  a)  Diese  Erwägungen  führen  zur  teilweisen  Gutheissung  der  Rechtsmittel 

des Beschwerdeführers/Rekurrenten Nr. 1 (Rückweisung).  

b) Eine Rückweisung mit – wie hier – offenem Ausgang gilt als (vollständiges) 

Obsiegen  des  Pflichtigen,  wobei  es  keine  Rolle  spielt,  ob  die  Rückweisung  beantragt 

wurde  (VGr,  22.  April  2015,  SB.2014.00131  +  00132,  E.  3,  und  BGr,  28.  April  2014, 

2C_845  +  846/2013  E.  3).  Daher  sind  die  Gerichtskosten  der  Beschwerdegegne-

rin/dem  Rekursgegner  aufzuerlegen.  Der  Beschwerdeführerin/Rekurrentin  Nr.  2  sind 

keine  Kosten  aufzuerlegen.  Die  Beschwerdegegnerin/der  Rekrusgegner  haben  dem 

Pflichtigen  zudem  eine  Parteientschädigung  für  das  Beschwerdeverfahren  auszurich-

ten  (Art.  144  Abs.  4  DBG  i.V.m.  Art.  64  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes 

vom 20. Dezember 1968).  

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

c)  Soweit  eine  Partei  den  vorliegenden  Entscheid  einzig  mit  Bezug  auf  die 

Rückweisung  mit  Beschwerde  beim  Verwaltungsgericht  anfechten  will,  ist  darauf  hin-

zuweisen, dass dies nur möglich ist, soweit der Entscheid einen nicht wiedergutzuma-

chenden Nachteil bewirken könnte oder die Gutheissung der Beschwerde sofort einen 

Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten 

für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (§ 19a Abs. 2 VRG i.V.m. Art. 93 

Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG]). 

Demgemäss verfügt der Einzelrichter: 

1.  Auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin Nr. 2 wird nicht eingetreten. 

2.  Auf den Rekurs der Rekurrentin Nr. 2 wird nicht eingetreten; 

und erkennt: 

1.  Die  Beschwerde  des  Beschwerdeführers  Nr.  1  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der 

Einspracheentscheid  vom  2. Oktober  2015  wird  aufgehoben.  Die  Sache  wird  zum 

Neuentscheid  im  Sinn  der  Erwägungen  an  das  kantonale  Steueramt  ins  Einspra-

cheverfahren zurückgewiesen.  

2.  Der Rekurs des Rekurrenten Nr. 1 wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheent-

scheid  vom  2. Oktober  2015  wird  aufgehoben.  Die Sache wird zum  Neuentscheid 

im Sinn der Erwägungen an das kantonale Steueramt ins Einspracheverfahren zu-

rückgewiesen.  

[...] 

2 DB.2015.247 
2 ST.2015.299