# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b8fa9f4b-02cb-579b-8375-7ab0e34f201e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.08.2020 E-1779/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1779-2018_2020-08-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1779/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  A u g u s t  2 0 2 0   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 

Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung 

des SEM vom 20. Februar 2018 / N (…). 

 

 

 

E-1779/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Araber ursprünglich aus 

B._______ (Gouvernement Deir ez-Zor) – ist gemäss eigenen Angaben am 

(…) 2013 legal bei Dscharābulus (Gouvernement Aleppo; dieser Grenz-

posten sei damals von der früheren Jabhat al Nusra-Front kontrolliert wor-

den, vgl. A24 F98 f.), in die Türkei eingereist. Seine Familie – die Ehefrau 

und drei Kinder – seien zunächst in C._______ (kurdisch: […]; Gouverne-

ment al-Hasaka) verblieben, bevor sie zwei bis drei Monate später nach-

gekommen seien (A24 F38 f.). Am 13. oder 14. Oktober 2015 habe er die 

Türkei ohne seine Familie Richtung Griechenland verlassen. Am 22. Okto-

ber 2015 reiste er in die Schweiz ein (A5), wo er am 27. Oktober 2015 um 

Asyl nachsuchte. Am 11. November 2015 wurde er dem Kanton (…) zuge-

wiesen. 

B.  

Anlässlich der summarischen Befragung (BzP) vom 3. November 2015 

und der eingehenden Anhörung vom 3. Juli 2017 brachte er vor, er sei in 

B._______ aufgewachsen und habe an der Pädagogischen Fachhoch-

schule Englisch studiert (A24 F52 und 63 ff.). Im (…) habe er geheiratet. 

Später habe er für zweieinhalb Jahre bis zum November 2001 Militärdienst 

geleistet (A24 F62). Seit 2003 sei er bei der Firma «D._______» angestellt 

gewesen (A24 F20, 53 und 104 f.). Im Jahr 2006 (A24 F19) habe er einen 

Gedichtband namens «(…)» publiziert, mit welchem er auch die Baath-

Partei und die frühere Jabhat al Nusra-Front kritisiert habe (A24 F78). Fer-

ner habe er verschiedene Artikel für eine Zeitung geschrieben (A24 F5, 

14 f. und 89). Auch weil er ein Kosmopolit gewesen sei, sei er schon vor 

Ausbruch des Bürgerkrieges von Nationalisten und Religiösen schikaniert 

worden (A24 F78). Seine Ehefrau habe als (…) gearbeitet und sie hätten 

in B._______ seit dem Jahr 2010 eine Wohnung besessen (A24 F51). Hin-

sichtlich seiner Religionszugehörigkeit informierte er an der BzP, er sei nur 

auf dem Papier muslimisch; tatsächlich fühle er sich konfessionslos, weil 

er auf den einzelnen Menschen und nicht auf dessen Religionszugehörig-

keit schaue (A6 S. 3). 

Am (…) 2012 sei sein Bruder, der von einem Mittagessen mit dem Vater 

gekommen sei, in einem Stadtteil von B._______ umgekommen, das da-

mals unter der Kontrolle des Regimes gewesen sei. Man habe zwar be-

hauptet, sein Bruder sei während eines Beschusses umgekommen. Tat-

sächlich sei er indes, wie die Menschen des dortigen Gemüsemarktes dem 

E-1779/2018 

Seite 3 

Beschwerdeführer erzählt hätten, von einem Scharfschützen des Regimes 

getötet worden (A24 F77 und 79 f.). Seine Leiche habe neben dem (…) 

gelegen; wäre es ein Beschuss gewesen, wären dort mehrere Leichen ge-

funden worden. Der Beschwerdeführer sei telefonisch über den Tod seines 

Bruders informiert worden (A24 F77). Daraufhin, weil sein Wohnquartier 

(…) (A24 F26) unter Beschuss gestanden habe, habe er sich mit seiner 

Familie im Keller eines Nachbarn versteckt (A24 F77). Zwei bis drei Tage 

später habe der Beschwerdeführer vor seiner Wohnungstür im dritten 

Stock des Gebäudes eine Kalaschnikow-Kugel gefunden. Weil vor keiner 

anderen Wohnungstür eine weitere Patrone gelegen habe, sei dies eine 

persönliche Drohung des Assad-Regimes, welches damals die Kontrolle in 

diesem Quartier ausgeübt habe, gegen ihn gewesen (A24 F77 und 81 ff.). 

Ausserdem habe er als Intellektueller und Kosmopolit freie Gedanken und 

könne diese auch äussern (A24 F85 f.). Hinzugekommen sei, dass er sich 

ein paar Tage vor dem Tod seines Bruders geweigert habe, auf Geheiss 

des Unternehmens, in welchem er angestellt gewesen sei, während einer 

Kundgebung ein Bild von Bashar al-Assad zu tragen (A24 F82 und 85). 

Am gleichen Abend, als er die Patrone gefunden habe, habe er einen Be-

kannten, einen Taxifahrer, angerufen, dass dieser ihn und seine Familie am 

nächsten Tag aus der Stadt fahre. Er habe diese Entscheidung getroffen, 

weil in dieser Zeit viele Intellektuelle – wie der Beschwerdeführer und sein 

bereits getöteter Bruder – sowie Ingenieure, Lehrer und Ärzte bedroht wor-

den seien (A24 F77 und 83 f.). So sei auch der Philosoph und Lehrer (…), 

der in seinem Quartier gelebt habe, getötet worden (A24 F77). Am nächs-

ten Tag seien sie mit dem Taxi zunächst zu einem Freund gefahren (A24 

F77). Dabei hätten sie einen Kontrollposten passiert (A24 F93 f.). Nach drei 

Tagen seien sie nach (…) (kurdisch: […], Gouvernement al-Hasaka) wei-

tergereist, wo sie acht Monate geblieben seien. Wegen den Kämpfen mit 

der früheren Jabhat al Nusra-Front seien sie über (…) bei (…) (kurdisch: 

[…], Gouvernement al-Hasaka) nach C._______ geflohen (A24 F35 ff., 77 

und 95 ff.). In dieser Zeit im kurdischen Gebiet sei die Ehefrau einmal zu-

rück in die Wohnung in B._______ gefahren, um Winterkleider zu holen. 

Die Tür sei kaputt gewesen und die Wohnung sei durchsucht worden (A24 

F12 und 97). Der Beschwerdeführer sei bis zu seiner Ausreise im Juni 2013 

weiterhin für die Firma «D._______» tätig gewesen (A24 F102 ff.). 

Von seiner Familie seien noch ein Bruder und sein Vater in Damaskus 

wohnhaft, drei weitere Geschwister seien im Ausland (A6 S. 5; A24 F40 ff., 

69 ff. und 112). Seine Ehefrau und die gemeinsamen Kinder würden sich 

in (…) (Türkei) aufhalten (A24 F29 ff. und 44 ff.). 

E-1779/2018 

Seite 4 

C.  

Bis im Juli 2017 reichte der Beschwerdeführer folgende Unterlagen zu den 

Akten (A23): 

 Einen Gedichtband namens «(…)», von welchem an der Anhörung 

Kopien des Umschlages und von weiteren Seiten gemacht wurden 

(A23 Beweismittel 1; A24 F5 ff. und 16 ff.). 

 Einen Ausweis der Firma «D._______» (Production Department, 

[…]) lautend auf den Namen des Beschwerdeführers (A23 Beweis-

mittel 2; A24 F20). 

 Einen USB-Stick, dessen Inhalt (Videos und Dokumente) auf eine 

CD gespeichert wurde (A23 Beweismittel 3 und 6 ff.; A24 F5 

und 73): Video (a) mit dem Leichnam des Bruders (A24 F9 und 77); 

Video (b) mit dem gleichen Bruder, der eine Oud (arabische Laute) 

spielt und dabei singt (A24 F10; als Beweis, dass das Opfer sein 

Bruder sei); Video (c) als Beweismittel, dass die Wohnung in 

B._______ während der Abwesenheit der Familie durchsucht wor-

den sei (A24 F10 ff.); Auszüge aus dem Gedichtband «(…)» (A23 

Beweismittel 6); zwei Links zum Video (a) betreffend den Bruder 

(A23 Beweismittel 7; Anmerkung des Gerichts: diese Links sind 

nicht abrufbar) und einen Link zu einem Artikel der Zeitung «(…)» 

sowie dessen Inhalt (16 Seiten) respektive einen Auszug davon als 

Rezension (mit englischer und deutscher Übersetzung; A23 Be-

weismittel 8 und 9). 

 Einen Reiseausweis der Syrischen Republik des Beschwerdefüh-

rers (ausgestellt am […] 2012 in B._______; A23 Beweismittel 4) 

und seine syrische Identitätskarte (A23 Beweismittel 5). 

D.  

Mit Verfügung vom 20. Februar 2018 – eröffnet am 22. Februar 2018 – hielt 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung an. Weil 

der Vollzug der Wegweisung zurzeit nicht zumutbar sei, sei der Beschwer-

deführer vorläufig aufzunehmen. Auf Details dieses Entscheides wird – so-

weit entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

E.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-

vertreter am 23. März 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht 

E-1779/2018 

Seite 5 

und beantragte, die Ziffern 1 bis 3 des Verfügungsdispositivs seien aufzu-

heben und die Sache sei zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung so-

wie zur neuen Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Even-

tualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen 

und ihm Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei ihm die 

unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten sowie der Rechtsvertreter als unentgeltlicher 

Rechtsbeistand zu bestellen. Auf Details dieser Rechtsmitteleingabe wird 

– soweit entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-

gen. 

Der Eingabe lagen (jeweils) Kopien einer Taufbestätigung der Kirche (…) 

vom 30. April 2017, eines Schreibens des Pfarrers dieser Kirche vom 

20. März 2018, eines handschriftlichen Briefes des Beschwerdeführers 

(ohne Datum) hinsichtlich seiner Konversion zum Christentum sowie ein 

(neuer) Zeitungsartikel von «(…)» (Auszug der Webpage) aus dem Jahr 

2009 (vgl. Beschwerde S. 7) und eine Fürsorgebestätigung des Migrations-

amtes des Kantons (…) vom 15. März 2018 bei. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2018 lehnte die zuständige Instrukti-

onsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und amtliche Ver-

beiständung ab und ordnete innert Frist die Zahlung eines Kostenvor-

schusses in der Höhe von Fr. 750.– an. Dieser Betrag wurde am 12. April 

2018 fristgerecht der Gerichtskasse einbezahlt. 

G.  

Im Rahmen seiner Vernehmlassung äusserte sich das SEM am 3. Mai 

2018 hinsichtlich der neuen Tatsache, dass der Beschwerdeführer in der 

Schweiz zum Christentum konvertiert sei. Im Übrigen verwies es auf seine 

Erwägungen, an welchen es vollumfänglich festhalte. 

H.  

Am 12. Juni 2018 nahm der Beschwerdeführer sein Replikrecht wahr und 

reichte gleichzeitig jeweils eine Kopie eines Schreibens von (…) vom 

21. Mai 2018 sowie von (…) (im Namen des christlichen arabischen Netz-

werkes CAN) vom 25. Mai 2018, verschiedene Fotos, Videos und eine Ho-

norarnote vom 12. Juni 2018 zu den Akten. 

E-1779/2018 

Seite 6 

I.  

Am 11. November 2019 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM um ei-

nen Wechsel des Wohnsitzkantons. Seine Partnerin (mit Schweizer Bür-

gerrecht), welche er im Oktober 2017 kennengelernt habe, lebe im Kanton 

(…) und beide wünschten, zusammen leben zu können. Am 3. Januar 

2019 (recte: 2020) wurde dieses Gesuch von der Vorinstanz bewilligt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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Seite 7 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde wurde die Kassation der angefochtenen Verfügung 

beantragt, da der relevante Sachverhalt nicht ausreichend geklärt sei. Die-

ses Begehren ist vorab zu prüfen. 

3.2 Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde als neue Tatsache 

geltend, er sei in der Schweiz zum Christentum konvertiert und am 30. April 

2017 in der Kirche (…) getauft worden (vgl. verschiedene Beilagen der Be-

schwerdeschrift). Anlässlich der Anhörung – obwohl er zu diesem Zeitpunkt 

bereits konvertiert sei – habe er dies nicht erwähnt, da er besorgt darüber 

gewesen sei, sich hinsichtlich seiner früheren Aussagen der BzP zu wider-

sprechen. Um den ganzen Sachverhalt vollständig abzuklären, sei die Sa-

che daher an das SEM zurückzuweisen. Insbesondere sei eine weitere An-

hörung durchzuführen, damit sich der Beschwerdeführer zu seiner Konver-

sion und den befürchteten Nachteilen in Syrien äussern könne (Be-

schwerde S. 5, 12; vgl. auch Replik S. 1, 6). 

3.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a-e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG und Art. 13 VwVG). 

Dazu gehört, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken, allfällige 

Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen 

(vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, 

wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde 

gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist 

sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände 

berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren 

und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

3.4 Der Antrag auf Kassation der Verfügung und Rückweisung des Verfah-

rens an die Vorinstanz ist abzuweisen. Eine Kassation kann namentlich 

nicht dadurch erwirkt werden, dass relevante Vorbringen im vorinstanzli-

chen Verfahren nicht geltend gemacht, sondern erst auf Beschwerdeebene 

vorgebracht werden. Der Beschwerdeführer hätte sich bereits an der An-

hörung gestützt auf seine Mitwirkungspflicht zu seinem Übertritt zum Chris-

tentum äussern können respektive müssen, ohne dass er sich dabei mit 

seinen Aussagen der BzP widersprochen hätte. Dass die Vorinstanz ihre 

Untersuchungspflicht verletzt hätte, wird offenkundig nicht dargetan. Nach 

E-1779/2018 

Seite 8 

Eingang der Beschwerde, bei welcher er durch einen handgeschriebenen 

Brief (ohne Datum) seine diesbezügliche Situation darlegte, wurde das 

SEM eingeladen, sich zu dieser neuen Tatsache zu äussern, was es am 

3. Mai 2018 auch getan hat. Hinsichtlich dieser Erwägungen nahm der Be-

schwerdeführer im Rahmen der Replik am 12. Juni 2018 Stellung. Er 

konnte folglich seine Gründe, weshalb er zum Christentum konvertiert sei, 

und die damit verbundenen Nachteile, welche er in Syrien befürchte, voll-

umfänglich darlegen. Es besteht demnach keine Veranlassung für eine 

Kassation. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe gel-

tend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum 

Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht 

missbräuchlich gesetzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 

5.  

5.1 Das SEM begründete seinen Entscheid dahingehend, dass die Vorbrin-

gen teils nicht glaubhaft (Art. 7 AsylG), teils nicht asylrelevant (Art. 3 AsylG) 

E-1779/2018 

Seite 9 

seien. So sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, substantiiert dar-

zulegen, dass er als regierungskritischer Autor und Publizist in Syrien ge-

fährdet gewesen sei. Im Jahr 2006 habe er einen Gedichtband und bis ins 

Jahr 2010 verschiedene Artikel in der Zeitung «(…)» publiziert. Danach sei 

er, aus Angst, verfolgt zu werden, nicht mehr publizistisch tätig gewesen. 

Einerseits, so das SEM, könne den eingereichten Gedichten keine regie-

rungskritische Einstellung des Beschwerdeführers entnommen werden; 

anderseits habe er diese Gedichte im Jahr 2006 in einem Buch publiziert 

und deswegen bis zur Ausreise keine Behelligungen seitens der Regierung 

erfahren. Dem eingereichten Artikel, welcher in «(…)» erschienen sei und 

sich mit den Gedichten des Beschwerdeführers befasse, seien weder das 

Erscheinungsdatum noch der Autor zu entnehmen (vgl. A23 Beweismittel 8 

und 9); auch aus dieser Rezension sei kein Hinweis auf eine regierungs-

kritische Haltung des Beschwerdeführers ersichtlich. Folglich habe er nicht 

glaubhaft darlegen können, dass er durch seine Tätigkeit als Autor einen 

besonderen Bekanntheitsgrad und ein exponiertes politisches Profil erlangt 

habe, aufgrund dessen er als regimefeindlich hätte eingestuft werden kön-

nen. 

Ferner habe er keine genauen Angaben zu den Umständen des Todes sei-

nes Bruders machen können. Zeugen hätten ihm mitgeteilt, der Bruder sei 

von Scharfschützen der Regierung getötet worden. Es gebe gemäss den 

Aussagen des Beschwerdeführers keinen bestimmten Grund, weshalb 

sein Bruder getötet worden sei, da die Regierung während des Krieges 

ihrer eigenen Agenda folge (A24 F77 ff. und 111). Der Beschwerdeführer 

habe folglich nicht glaubhaft darlegen können, dass die Tötung seines Bru-

ders gezielt und aus politischen Gründen erfolgt sei und zu einer Gefähr-

dung seiner Person geführt habe. Die eingereichten Videos vermöchten 

diese Einschätzung nicht zu ändern, weil sie keine diesbezüglichen Hin-

weise enthieten und ausserdem keinen Zusammenhang zu seiner vorge-

brachten Gefährdung aufzeigen würden. 

Seine Angst, persönlich und gezielt verfolgt zu werden, gründe nur auf Ver-

mutungen. Selbst wenn er vor seiner Wohnungstüre eine Patrone einer 

Kalaschnikow gefunden hätte, würden ausreichende Anhaltspunkte fehlen, 

dass dies eine Bedrohung seiner Person seitens der Regierung sei. Die 

Argumente, sein Quartier habe (damals) unter der Kontrolle des Regimes 

gestanden und er sei schon vorher im Visier der Behörden gewesen, weil 

er ein Intellektueller sei und sich geweigert habe, ein Bild von Bashar al-

Assad zu tragen, seien nicht überzeugend. Der Urheber der vorgebrachten 

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Seite 10 

Drohung sei objektiv gesehen nicht zu bestimmen und seine Schlussfolge-

rung daher nur eine reine Vermutung. Folglich würden keine hinreichenden 

Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung seiner Person vorliegen. 

Gleich verhalte es sich mit dem geltend gemachten Angriff auf seine Woh-

nung in B._______ nach dem Verlassen der Stadt. Auch das diesbezügli-

che Video (c) zeige keine Hinweise auf die Täterschaft oder auf Gründe 

eines solchen Aktes. Dieser Angriff sei letztlich als Folge des syrischen 

Bürgerkrieges zu beurteilen, welche grosse Teile der Bevölkerung in ähnli-

cher Weise getroffen habe und daher keine Asylrelevanz entfalte. 

Diese Einschätzung werde dadurch bestätigt, dass er in Syrien keine kon-

kreten Nachteile seitens der Regierung erlitten habe. Im Gegenteil habe er 

bis zu seiner Auseise im Juni 2013 beim (…) Unternehmen «D._______» 

– einem halbstaatlichen syrischen Unternehmen – gearbeitet. Zudem habe 

er sich beim Verlassen der Region B._______ an einem Kontrollposten der 

Regierung ausgewiesen, ohne dort behelligt zu werden. Schliesslich habe 

er im (…) 2013 Syrien legal mit seinem Reisepass verlassen. Sein persön-

liches Verhalten – insbesondere seine Tätigkeit bei einem halbstaatlichen 

Unternehmen mit engem Kontakt zur Direktion – zeige, dass er die Gefahr 

von Seiten der Regierung nicht als derart gross eingeschätzt habe, dass er 

Kontakte mit staatlichen Einrichtungen vermieden hätte. Hätten die syri-

schen Behörden ein Interesse an ihm gehabt, sei davon auszugehen, dass 

er konkreten Nachteilen ausgesetzt gewesen wäre. Es zeige sich demge-

mäss, dass zu keinem Zeitpunkt ein Interesse des Regimes an seiner Per-

son bestanden und er sich folglich nicht in akuter Gefahr befunden habe. 

5.2  

5.2.1 In der Beschwerde wurde zunächst darüber informiert, dass der Be-

schwerdeführer nach seiner Einreise in die Schweiz zum Christentum kon-

vertiert und am 30. April 2017 in der Kirche (…) getauft worden sei. Er habe 

sich schon anlässlich der BzP distanziert zu seiner ursprünglichen Religion 

geäussert. Durch die Werte des Christentums habe er nach seiner Einreise 

in die Schweiz neuen Halt gefunden. Heute übe er seinen Glauben offen 

aus, besuche regelmässig Kurse und nehme an Gottesdiensten und wei-

teren Treffen dieser Kirchgemeinde teil. Ausserdem versuche er, andere 

Asylsuchende von dieser Kirche zu überzeugen und sei in diesem Sinne 

missionarisch tätig. 

Aufgrund seiner Konversion zum Christentum befürchte er, in Syrien von 

nichtstaatlichen Akteuren wie seine streng religiöse Familie oder islamisch 

E-1779/2018 

Seite 11 

oppositionelle Gruppierungen sowie vom syrischen Regime verfolgt zu 

werden. 

5.2.2 Ferner wurde hinsichtlich der Ausreisegründe des Beschwerdefüh-

rers ausgeführt, er habe sich in seinen Gedichten sehr wohl regimekritisch 

geäussert. Aufgrund der Unterdrückung durch das Regime von al-Assad 

habe er in seinen Gedichten Metaphern – also einen indirekten Weg, das 

Regime zu kritisieren – verwendet. Bereits der Titel «(…)» des Gedicht-

bands solle zum Ausdruck bringen, dass er sich (…) verstecken müsse, 

um seine Kritik ausdrücken zu können. Auch der bereits eingereichte Arti-

kel der Zeitung «(…)» (A23 Beweismittel 8 und 9) – eine Rezension seines 

Gedichtbands – zeige, dass er mit seinen Gedichten das Regime kritisiert 

habe. In einem weiteren Artikel der gleichen Zeitung, der mit der Be-

schwerde eingereicht wird, nehme der Journalist, seinerseits ebenfalls auf 

lyrische Art, auf die Gedichte des Beschwerdeführers Bezug. Beide Artikel 

würden überdies zeigen, dass der Beschwerdeführer mit seinen Gedichten 

einen bestimmten Bekanntheitsgrad in der Region erlangt habe. Ferner 

könne klargestellt werden, dass beide Artikel aus dem Jahr 2009 stammen 

würden und von einem Journalisten namens (…) verfasst worden seien. 

Hinsichtlich der Tötung seines Bruders habe der Beschwerdeführer auf-

grund seiner detailreichen Schilderungen glaubhaft dargelegt, dass sein 

Bruder von Scharfschützen umgebracht worden sei (A24 F77). Das Video 

(a) zeige ausserdem, dass sein Bruder gezielt getötet worden sei. Dort sei 

eine Stimme zu hören, welche «von Scharfschützen, von Scharfschützen» 

rufe. Ausserdem sei der Leichnam seines Bruders alleine neben einem (…) 

gefunden worden, was die Tatsache belege, dass er von Scharfschützen 

gezielt getötet worden sei, weil man sonst weitere Leichen gefunden hätte. 

Überdies sei offensichtlich, dass diese Tötung nicht nur gezielt, sondern 

auch aus politischen Gründen erfolgt sei. Wie der Beschwerdeführer glaub-

haft dargelegt habe und Berichten zu entnehmen sei, seien dannzumal 

sämtliche gebildeten und oppositionell gesinnten Personen im Visier der 

Regierung gestanden. So sei es auch das Ziel der Regierung gewesen, die 

Familie des Beschwerdeführers zu eliminieren, weil es sich dabei um ge-

bildete und folglich kritische Personen gehandelt habe, welche für die Re-

gierung eine Gefahr gewesen seien. Auch die Weigerung des Beschwer-

deführers, an einer Kundgebung ein Bild von Bashar al-Assad zu tragen, 

habe seine politische Einstellung deutlich zum Ausdruck gebracht. 

E-1779/2018 

Seite 12 

Weiter sei die hinterlegte Kalaschnikow-Patrone klar als eine gezielte Dro-

hung gegen den Beschwerdeführer zu qualifizieren, weil vor keiner ande-

ren Wohnungstür im Haus eine solche gelegen habe. Diese sei mit Absicht 

dort hinterlegt worden, denn die Wohnung habe sich im obersten Stock 

befunden. Weil der Beschwerdeführer in einem Regierungsgebiet (genannt 

[…]) gelebt habe, sei offensichtlich, dass diese Patrone von der Regierung 

stamme. Diese Annahme werde durch die Tatsache belegt, dass die Woh-

nung später durchsucht worden sei. 

Der Meinung der Vorinstanz, beim früheren Arbeitgeber handle es sich um 

ein halbstaatliches Unternehmen, sei klar zu widersprechen. Wie der Be-

schwerdeführer schon ausgesagt habe, basiere dieses Unternehmen auf 

einem «Joint Venture»-Abkommen – folglich sei er nicht von der Regie-

rung, sondern von einem privaten Unternehmen angestellt gewesen. Fer-

ner widerlege der Umstand, dass der Beschwerdeführer beim Verlassen 

der Stadt B._______ beim Passieren eines Checkpoints nicht behelligt 

worden sei, nicht die Tatsache, dass er von der Regierung verfolgt worden 

sei. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass er Syrien an einem Grenz-

posten der früheren Jabhat al Nusra-Front verlassen habe und folglich bei 

der Ausreise nicht von der Regierung kontrolliert worden sei. 

Zusammenfassend habe der Beschwerdeführer glaubhaft dargelegt, dass 

er aufgrund seiner unterstellten politischen Einstellung als gebildete Per-

son von der Regierung verfolgt worden sei. 

5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM hinsichtlich der Konversion 

des Beschwerdeführers fest, die geltend gemachten befürchteten Nach-

teile würden in der Beschwerde in keiner Weise ausgeführt, womit keine 

hinreichenden Hinweise auf eine begründete Furcht vor gezielter und per-

sönlicher Verfolgung vorliegen würden. Überdies würden Christen in Syrien 

rein aufgrund ihres Glaubens grundsätzlich keiner Verfolgung durch den 

syrischen Staat unterliegen. Ferner sei nicht von einer landesweiten Kol-

lektivverfolgung von Christen in Syrien gemäss geltender Rechtsprechung 

– mit einer möglichen Ausnahme der Regionen, in welchen der IS (soge-

nannter "Islamischer Staat") aktiv sei – auszugehen. Eine solche Aus-

nahme sei bezüglich B._______ aus aktueller Sicht jedoch zu verneinen. 

5.4 In der Replik wurde diesbezüglich entgegengehalten, dass Christen in 

Syrien allgemein – vom Staat wie auch von islamisch-extremistischen Or-

ganisationen – diskriminiert und verfolgt würden. Dies sei insbesondere 

dann der Fall, wenn eine Person vom Islam zum Christentum – wie der 

E-1779/2018 

Seite 13 

Beschwerdeführer – konvertiert sei. Der Beschwerdeführer fürchte sich in-

des auch vor einer Verfolgung durch seine eigene Familie, welche streng 

religiös sei. Im islamischen Recht sei die Apostasie eine Todsünde, wes-

halb die Mitglieder seiner Familie das Recht hätten, den Beschwerdeführer 

umzubringen. Aus diesem Grund, und weil seine Ehefrau und die gemein-

samen Kinder sich in Grenznähe zu Syrien aufhalten würden, habe er kei-

nen Kontakt zu seiner Familie. 

Ausserdem könne er seine neue Religion in Syrien nicht ausleben, was 

gegen völkerrechtliche Rechtsprechung spreche (vgl. Urteil des Europäi-

schen Gerichtshofs [EuGH] C-71/11 und C-91/11 vom 5. September 2012). 

Es wäre unmöglich für ihn, seinen Glauben nach einer möglichen Rückkehr 

nach Syrien zu verbergen, ein unerträglicher psychischer Druck anzuneh-

men sei. 

6.  
Vorab sind die geltend gemachten Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers 
zu prüfen. 
 

6.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend, er habe nach der Tö-

tung seines Bruders in begründeter Weise befürchten müssen, seinerseits 

ebenfalls gezielt vom syrischen Regime umgebracht zu werden; als intel-

lektueller und kosmopolitischer Mensch gelte er in Syrien als Regimekriti-

ker und sei in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise bedroht. 

6.2 Hinsichtlich der Einschätzung der allgemeinen Lage in Syrien ist auf 

das Referenzurteil des BVGer D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 zu ver-

weisen. Die Situation in Syrien hat sich seither zwar verändert, aber nicht 

verbessert. Durch zahlreiche Berichte ist belegt, dass die staatlichen syri-

schen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 ge-

gen tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität 

und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die durch die staatlichen sy-

rischen Sicherheitskräfte als Gegner des Regimes identifiziert werden, ha-

ben eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt (vgl. ebenda E. 5.7.2). 

6.3 Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, hat der Beschwerde-

führer bis zu seiner Ausreise aus Syrien keine persönlich und gezielt gegen 

ihn gerichteten staatlichen Verfolgungsmassnahmen erlebt.  

E-1779/2018 

Seite 14 

Dass er im Zeitpunkt der Ausreise eine begründete Frucht vor gezielter 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gehabt habe, lässt sich aufgrund sei-

ner Vorbringen ebenfalls nicht bejahen. Diesbezüglich müsste konkreter 

Anlass zur Annahme bestehen, dass sich eine Verfolgung mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit ereignen würde; namentlich genügt 

es nicht, wenn die Furcht vor Verfolgung lediglich in einem hypothetischen 

Sinne mit Vorkommnissen oder Umständen, die sich früher oder später 

möglicherweise ereignen könnten, begründet wird. Ob in einem bestimm-

ten Fall eine solche Wahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objekti-

vierten Betrachtungsweise zu beurteilen; es müssen hinreichende Anhalts-

punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein (vgl. zu den Anforde-

rungen an die Darlegung einer begründeten Furcht BVGE 2014/27 E. 6.1, 

2011/51 E. 6.2, 2011/50 E. 3.1.1, 2020/57 E. 2.5, je m.w.H.). 

Das Gericht schliesst sich der Einschätzung an, dass aus den Akten nicht 

hervorgeht, dass der Beschwerdeführer im Heimatland als Regimekritiker 

betrachtet worden sei. Seit seinen Publikationen – der Gedichtband im Jahr 

2006 (A24 F19) und die Artikel auf der Kulturseite der Zeitung «(…)» in den 

Jahren bis 2010 oder 2011, die im Verfahren nicht eingereicht worden sind 

(A24 F14 f.; Beschwerde S. 4); nach 2011 habe der Beschwerdeführer 

nichts mehr publiziert – sind bis zur Ausreise aus Syrien im Jahr 2013 Jahre 

vergangen, ohne dass der Beschwerdeführer je aus diesem Grund behel-

ligt worden wäre; den Protokollen sind keine Hinweise dafür zu entnehmen, 

dass er aufgrund dieser Publikationen bis zum Todesfall seines Bruders im 

(…) 2012 je Nachteile erlitten hätte. Seinen Angaben gemäss habe der Be-

schwerdeführer bis ins Jahr 2012 allgemein «ein gutes Leben» geführt 

(A24 F51). Allfällige schikanöse Behandlungen (A24 F78), welche in diese 

Zeit fallen, wurden auch nicht in substantiierter Weise dargelegt. Dass die 

Tötung des Bruders einen Zusammenhang zu der publizistischen Tätigkeit 

des Beschwerdeführers gehabt habe und demnach habe befürchtet wer-

den müssen, als nächstes stehe der Beschwerdeführer selber im Visier der 

Verfolger, findet ebenfalls keine objektiven Grundlagen in den Vorbringen. 

Ausserdem ist dem SEM zuzustimmen, dass den vorgelegten Auszügen 

seines Gedichtbands (A23 Beweismittel 6; A24 F18) kein regimefeindli-

ches Profil – weder implizit noch explizit – entnommen werden kann. 

Die Rezensionen des Gedichtbands (A23 Beweismittel 8 und 9 und Be-

schwerdebeilage Nr. 7), welche im Jahr 2009 erschienen seien (vgl. Be-

schwerde S. 7), zeugen wohl von einem gewissen Bekanntheitsgrad des 

Beschwerdeführers, sagen indes ebenfalls nichts über einen regimekriti-

schen Inhalt oder eine politische Wirkung der Gedichte aus.  

E-1779/2018 

Seite 15 

Zusammenfassend lässt sich bezüglich den Publikationen des Beschwer-

deführers keine begründete Furcht vor Verfolgung im Zeitpunkt der Aus-

reise feststellen. Auch dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt 

seiner früheren Publikationen wegen als Regimekritiker gelten würde und 

zukünftige Verfolgung zu befürchten hätte, ist nicht zu bejahen. 

6.4 Der Beschwerdeführer brachte vor, sein Bruder sei vom syrischen Re-

gime gezielt getötet worden; dies habe einen politischen Hintergrund und 

habe sich gegen den Bruder als intellektuelle Person gerichtet, wie auch 

andere Intellektuelle, beispielsweise der im selben Quartier wie der Be-

schwerdeführer wohnhaft gewesene Lehrer und Philosoph (…), gezielt um-

gebracht worden seien. Auch das Leben des Beschwerdeführers sei in Ge-

fahr gewesen, weil auch er ein Regimegegner, Intellektueller und gebilde-

ter Kosmopolit sei. Seine Abneigung gegen das Regime sei auch durch 

seine Weigerung, an einer Demonstration ein al-Assad-Bild zu tragen, zum 

Ausdruck gekommen. Ausserdem habe man ihn durch die Hinterlegung ei-

ner Kalaschnikow-Kugel persönlich bedroht. 

Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass die Tötung des Bruders nicht 

bestritten wird. Indes ist nicht erstellt, ob dieser gezielt getötet wurde. Ei-

nerseits war der Monat (…) 2012 in B._______ teilweise von heftigen 

Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und der Freien Syrischen Ar-

mee (FSA) geprägt (vgl. Reuters, [Quelle zur Lage in B._______]). Ander-

seits ist in den Aussagen des Beschwerdeführers kein Grund erkennbar, 

weshalb das Regime beabsichtigt habe, seinen Bruder zu töten. Es 

scheint, dass dieser ein unauffälliges Leben geführt habe. So habe er als 

Leiter in der Firma (…) ([…]), einer Zulieferfirma für Erdölunternehmen, ge-

arbeitet (A24 F90 f.). Auf dem Rückweg eines Mittagessens mit seinem Va-

ter sei er in der Nähe des (…) umgekommen (A24 F77). Dass es keine 

weiteren Leichen in der Nähe gegeben habe (A24 F77) und eine Stimme 

auf dem Video (a) rufe, ein Scharfschütze habe ihn getötet (A23 Beweis-

mittel 3; A24 F9), ist als Beweis für eine gezielte Tötung nicht ausreichend. 

Auch wenn sein Bruder «aufgrund seiner möglichen kritischen Haltung» 

(vgl. Beschwerde S. 9) tatsächlich gezielt getötet worden wäre, ist nicht 

ersichtlich, wie dieser Umstand mit einer angeblich gezielten und politisch 

motivierten Verfolgung des Beschwerdeführers im Zusammenhang steht. 

Gemäss den Einschätzungen des UNHCR zur Lage in Syrien (vgl.           

UNHCR-Erwägungen zum Schutzbedarf von Personen, die aus der Arabi-

schen Republik Syrien fliehen, 5. aktualisierte Fassung vom November 

E-1779/2018 

Seite 16 

2017, HCR/PC/SYR/17/01, S. 56 ff. m.w.H.) sind bestimmte Berufsgrup-

pen wie Journalisten, Lehrer, Dozenten, Ärzte und sonstiges Gesundheits-

personal, Mitarbeiter humanitärer Hilfsorganisationen, Menschenrechtsak-

tivisten sowie Künstler je nach Umständen des Einzelfalls aufgrund ihrer 

tatsächlichen oder vermeintlichen politischen Meinung oder gemäss ande-

rer massgeblicher Gründe in Syrien gefährdet. Der Beschwerdeführer, der 

sich wie bereits erwähnt nicht als lyrischer Regimekritiker mit einer politi-

schen Meinung exponiert hat und deshalb im Sinne von Art. 3 AsylG ge-

fährdet wäre (vgl. E. 6.3), mag eine gute Ausbildung genossen haben, ist 

indes lediglich aus diesem Grund asylrechtlich nicht gefährdet. 

Die Weigerung des Beschwerdeführers, an einer Kundgebung auf Geheiss 

seines Vorgesetzten ein Bild von Bashar al-Assad zu tragen (A24 F82), ist 

ohne weitere sichtbare Konsequenzen geblieben und folglich asylrechtlich 

irrelevant. Dass aufgrund dieser Weigerung dem Beschwerdeführer eine 

Kalaschnikow-Kugel vor die Wohnungstür hingelegt worden sei, ist als 

blosse Spekulation zu werten; auch diesbezüglich liegen keinerlei konkrete 

Hinweise vor, die zur Darlegung einer begründeten Furcht vor Verfolgung 

geeignet wären. 

6.5 Gemäss der Vorinstanz würden bezüglich der Hinterlegung einer Ka-

laschnikow-Patrone vor die Wohnungstür des Beschwerdeführers im 

obersten Stockwerk ausreichende Anhaltspunkte dafür fehlen, dass dies 

als eine persönliche Bedrohung seiner Person seitens des Regimes zu be-

urteilen wäre. Das Gericht teilt diese Einschätzung. Wie bereits erwähnt, 

war der Monat (…) 2012 von heftigen Kämpfen zwischen der Regierung 

und der FSA geprägt. Aber auch wenn diese Kugel tatsächlich absichtlich 

vor die Wohnungstür gelegt worden wäre, fehlt ein flüchtlingsrelevantes 

Motiv für diese Tat, da ein solches weder durch die Publikationen noch 

durch die gute Bildung des Beschwerdeführers erkennbar wird. Es ist dem 

SEM zuzustimmen, dass der Urheber der vorgebrachten Drohung objektiv 

gesehen nicht zu bestimmen ist und die Schlussfolgerung des Beschwer-

deführers daher nur auf Vermutungen basiert. 

6.6 Hinsichtlich der Frage, ob das Unternehmen «D._______» eine halb-

staatliche syrische Firma sei, ist festzuhalten, dass verschiedene Erdölfel-

der in Syrien vor Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 2011 durch «Joint 

Ventures» in Zusammenarbeit zwischen staatlichen syrischen Firmen und 

internationalen Unternehmen erschlossen und betrieben wurden. So be-

zeichnete auch die (…)» ihre Zusammenarbeit im Rahmen der 

«D._______» als «Joint Venture» mit der «Syrian Petroleum Company». 

E-1779/2018 

Seite 17 

Ein grosser Teil dieser Firmen hat die Operationen in Syrien gemäss den 

durch die Europäische Union (EU) verhängten Sanktionen Ende 2011 ein-

gestellt, indes teilweise die vertraglichen Rechte behalten (vgl. BUTTER DA-

VID, Salvaging Syria’s Economy, Research Paper, Middle East and North 

Africa Programme, Chatham House [Hrsg.], März 2016). Ob es sich bei 

den Mitarbeitenden von «D._______» im rechtlichen Sinne um Staatsage-

stellte handelt, ist gemäss Kenntnissen des Gerichts unklar. Folglich kann 

nicht eindeutig gesagt werden, dass der Beschwerdeführer ohne Probleme 

offiziell in Kontakt mit staatlichen Einrichtungen gestanden ist. Dies ist in-

des für vorliegendes Verfahren nicht relevant, da aufgrund des zuvor Ge-

sagten kein flüchtlingsrelevanter Grund ersichtlich ist, dass der Beschwer-

deführer vom syrischen Regime verfolgt wurde. 

6.7 Als Zwischenfazit ist festzustellen, dass keine konkreten Anhaltspunkte 

dafür bestehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise 

aus Syrien einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war. 

7.  

Zweitens ist das Vorliegen von Nachfluchtgründen zu untersuchen. Es ist 

zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund seines Übertritts zum Chris-

tentum nach seiner Ausreise aus Syrien bei einer Rückkehr asylrechtlich 

gefährdet sein könnte.  

7.1 Vorab ist festzustellen, dass das SEM die Glaubhaftigkeit der geltend 

gemachten Konversion des Beschwerdeführers nicht in Frage gestellt hat. 

Auch das Gericht zieht die Konversion nicht in Zweifel. Im Beschwerdever-

fahren werden Beweisunterlagen eingereicht (Bestätigung der Taufe, 

Schreiben des Pfarrers, Beschwerdebeilagen 4 und 5; persönliches 

Schreiben des Beschwerdeführers mit der Motivation seiner Konversion, 

Beschwerdebeilage 6; Fotos und Videos von kirchlichen Anlässen, Replik-

beilagen 3-6; zwei Bestätigungsschreiben, Replikbeilagen 1 und 2). Aus 

den Unterlagen geht hervor, dass der Beschwerdeführer im Rahmen eines 

Begegnungstreffs für Migranten Kontakte zu Angehörigen der Kirche (…) 

geknüpft und seit 2016 kirchliche Anlässe in (…) besucht hat; im April 2017 

wurde er getauft. Er besuche die Gottesdienste und andere Anlässe, Se-

minare und Kurse, studiere die Bibel und nehme an Veranstaltungen des 

"christlichen arabischen Netzwerkes (CAN)" teil, an einem Anlass im Mai 

2018 habe er einen Beitrag präsentiert. Wie sich die Glaubensausübung 

seit dem Umzug des Beschwerdeführers in den Kanton (…) darstellt (vgl. 

oben Bst. I), geht aus den Akten nicht hervor.  

E-1779/2018 

Seite 18 

7.2 Der Beschwerdeführer fürchtet eine Verfolgung sowohl von Seiten pri-

vater Dritter, gegen die der syrische Staat ihn nicht schützen würde, als 

auch seitens des Staats selber. Er begründet seine Gefährdung dahinge-

hend, dass sowohl seine Familie als auch islamisch-extremistische Grup-

pierungen seine Konversion nicht billigen würden und er bei einer Rück-

kehr nach Syrien um sein Leben fürchten müsste. Er könnte seinen christ-

lichen Glauben in Syrien nicht mehr ausüben, was einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken würde. Auch seitens des syrischen Staates 

sei mit einer Verfolgung zu rechnen, da die Apostasie in Syrien verboten 

sei. 

7.3 Was die allgemeine Situation der christlichen Minderheit in Syrien be-

trifft, hat das Bundesverwaltungsgericht bisher keine Kollektivverfolgung 

von Christen in Syrien festgestellt, zumal diese in der Bürgerkriegssituation 

in der Regel nicht oder nicht alleine aus religiösen Gründen verfolgt werden 

und überdies davon auszugehen ist, dass nur ein Bruchteil der Christen in 

Syrien Opfer von religiös motivierten Übergriffen geworden sind (vgl. Refe-

renzurteile des BVGer D-5884/2015 vom 13. April 2017 E. 6 [Aleppo]; E-

7028/2014 vom 6. Dezember 2016 E. 10 [Provinz al-Hasaka]; D-

5337/2014 vom 27. Oktober 2016 E. 7 [Stadt al-Hasaka]; D-1495/2015 

vom 21. März 2016 E. 9 [Stadt al-Qamishli]). 

7.4 Was die Situation der Christen in Gebieten unter der Kontrolle von fun-

damentalistischen islamistischen Gruppierungen betrifft, ist in der Tat eine 

Gefährdung anzuerkennen. In Gebieten, welche vom IS oder der früheren 

Jabhat al Nusra-Front (heute Jabhat Fatha al-Sham) kontrolliert werden, 

werden Minderheiten – so auch Christen – der Gefahr ausgesetzt, willkür-

lich entführt, misshandelt oder getötet zu werden; besonders dann, wenn 

gegen die von diesen Gruppen implementierte Auslegung des Islams oder 

der Scharia verstossen wurde. Eine freie Religionsausübung ist dort nicht 

möglich (vgl. BAMF, a.a.O., S. 5 m.w.H.; UNHCR-Erwägungen, a.a.O., 

S. 61 f. m.w.H. sowie Referenzurteil des BVGer E-7028/2014 vom 6. De-

zember 2016 E. 10.2.2). 

Nach dem Sommer 2014 vertrieb der IS die FSA aus den von dieser kon-

trollierten Stadtteilen; weiter unter der Kontrolle der Regierung befanden 

sich B._______ (…). Gegen Ende des Jahres 2017 wurde der erfolgreiche 

Abschluss der Offensive der Regierungstruppen vermeldet, der IS sei aus 

der Region vertrieben worden. Im März 2019 wurde auch das letzte vom 

IS gehaltene Dorf Baghouz von den Demokratischen Kräften Syriens 

(DKS; Syrian Democratic Forces SDF) befreit. Das Gouvernement Deir ez-

E-1779/2018 

Seite 19 

Zor bleibt jedoch zersplittert und umstritten (vgl. EASO, Syria Security Si-

tuation, Mai 2020, S. 161 ff. m.w.H. [https://coi.easo.europa.eu/administra-

tion/easo/PLib/05_2020_EASO_COI_Report_Syria_ Security_sitution.pdf, 

besucht am 10. Juni 2020]). Hinsichtlich des IS ist aus aktueller Sicht zwar 

nicht davon auszugehen, dass dieser komplett aus dem Gouvernement 

Deir ez-Zor verschwunden ist. Ein grosser Teil der dortigen Anschläge und 

Angriffe zwischen März 2019 und März 2020 wurde vom IS durchgeführt 

(vgl. EASO, a.a.O., S. 165 f. m.w.H.; AARON ZELIN, [Washington Institute 

for Near East Policy], A Year Since Baghuz, the Islamic Staate is Neither 

Defeated nor Resurging [Yet], 25. März 2020 [https://www.washingtoninsti-

tute.org/policy-analysis/view/a-year-since-baghuz-the-islamic-state-is-

neither-defeated-nor-resurging-yet, besucht am 10. Juni 2020]).  

Nichtsdestotrotz wird B._______ heute wieder durch die Regierungstrup-

pen kontrolliert; wenige hundert Meter (…) entfernt beginnt das Gebiet, 

welches sich unter der Kontrolle der DKS respektive SDF – dieses Militär-

bündnis gehört indes nicht zu islamisch-extremistischen Organisationen – 

befindet. Eine bloss entfernte Möglichkeit, dass der IS oder eine andere 

islamisch-extremistische Organisation die Kontrolle über B._______ über-

nehmen wird, reicht zur Darlegung einer begründeten Furcht vor flücht-

lingsrechtlich relevanten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG nicht aus. 

Es müssten konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten 

– und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Be-

nachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor 

als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen. Dies kann vorlie-

gend nicht bejaht werden. 

7.5 Was die Situation von zum Christentum konvertierten Personen betrifft, 

macht der Beschwerdeführer geltend, die Konversion vom Islam zu einem 

anderen Glauben sei nach syrischem Recht eine Straftat, weshalb ihm 

auch vom syrischen Regime Verfolgung drohe; auch wäre es ihm verboten, 

seine neue Religion auszuüben (vgl. Replik S. 2 f.). 

In der Tat garantiert die syrische Verfassung de facto zwar allen Bürgerin-

nen und Bürgern Religionsfreiheit, welche jedoch in unterschiedlicher 

Weise eingeschränkt wird; die Konversion zum Christentum beispielsweise 

ist verboten, zum Islam hingegen nicht. Eine gezielte Christenverfolgung 

fand jedoch weder während der Amtszeit von Hafiz al-Assad noch Bashar 

al-Assad statt. Auch zur Zeit des Bürgerkrieges blieben christliche Minder-

heiten, zumindest in den Gebieten unter Regierungskontrolle, von geziel-

ten Angriffen allein wegen ihres Glaubens verschont (vgl. Länderreport 18 

E-1779/2018 

Seite 20 

des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge [BAMF], Syrien, Lage der 

Christen, September 2019, S. 5 m.w.H.). Mit Ausweitung des Bürgerkrie-

ges sahen sich ausserdem viele Christen gezwungen, Partei für al-Assad 

zu ergreifen, da sie das Regime des alawitischen Herrschers als einzigen 

Schutz gegen eine mögliche Herrschaft sunnitischer Extremisten sehen 

(vgl. BAMF, a.a.O., S. 6 m.w.H.). Dem Gericht liegen keine Berichte über 

Verfolgungen von Konvertiten zum Christentum in Syrien vor; auch der Be-

schwerdeführer verweist einzig auf die bestehende Sanktionsmöglichkeit, 

zitiert indessen keine entsprechenden Berichte (Replik S. 2); die bereits 

erwähnten Einschätzungen des UNHCR zur Situation in Syrien (UNHCR-

Erwägungen zum Schutzbedarf von Personen, die aus der Arabischen Re-

publik Syrien fliehen, 2017, a.a.O.) berichten ebenfalls nicht von bekannt 

gewordenen Verfolgungssituationen konvertierter Personen. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Entscheid vom 16. April 2020 

(E-3085/2018) festgehalten, auch betreffend zum Christentum konvertierte 

Personen in Syrien könne nicht von einer Kollektivverfolgung ausgegangen 

werden (a.a.O., E. 6.3); eine Verfolgungsgefahr für Konvertierte hat es zu-

dem namentlich dann verneint, wenn davon ausgegangen werden kann, 

dass im Heimatland die Konversion nicht allgemein bekannt geworden ist 

(Entscheid D-3397/2017 vom 25. Juli 2019 E. 552 f.).  

7.6 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er fürchte eine Verfol-

gung durch seine eigene Familie, welche streng religiös sei, ist Folgendes 

festzuhalten: 

Der Beschwerdeführer gab an der BzP zu Protokoll, er habe sich schon im 

Heimatland – obwohl er auf dem Papier muslimisch gewesen sei – konfes-

sionslos gefühlt (A6 S. 3). Seinen weiteren Aussagen lässt sich entneh-

men, dass die Bande zwischen den einzelnen Familienmitgliedern eng res-

pektive unproblematisch waren. So habe er sich nach der Tötung seines 

Bruders telefonisch zunächst mit einem Cousin, später mit seinem anderen 

Bruder – (…), der heute in Damaskus lebe – ausgetauscht (A24 F77). An-

gesichts dieser engen Familienbande ist nicht davon auszugehen, dass die 

frühere Konfessionslosigkeit des Beschwerdeführers in Syrien ein Problem 

für die Familie gewesen war. Überhaupt sind keine Aussagen in den Pro-

tokollen zu finden, welche auf Probleme zwischen den Familienmitgliedern 

hindeuten. Demzufolge ist das Vorbringen zu bezweifeln, dass die eigene 

Familie den Beschwerdeführer aufgrund seiner Konversion verfolgen 

würde. 

E-1779/2018 

Seite 21 

7.7 Ferner ist aufgrund der heute bestehenden Aktenlage davon auszuge-

hen, dass die Konversion des Beschwerdeführers bisher in Syrien nieman-

dem bekannt geworden ist. Seinen Angaben gemäss habe er seine Familie 

über die Konversion nicht informiert (vgl. Replik S. 3). Auch anderweitig 

wird nicht ersichtlich, wie sein Glaubenswechsel im Heimatland hätte be-

kannt werden sollen. Namentlich ist festzuhalten, dass die geltend ge-

machten missionarischen Aktivitäten des Beschwerdeführers sich bisher in 

einem sehr geringem Rahmen gehalten haben; er führt diesbezüglich aus, 

er versuche andere Asylsuchende, die an den Treffen seiner Kirche teil-

nehmen würden, von seinem neuen Glauben zu überzeugen (Beschwerde 

S. 5, 12) und habe damit begonnen, sich im "christlichen arabischen Netz-

werk CAN" zu vernetzen; er erhoffe sich, vielleicht in Zukunft in einem grös-

seren Rahmen missionarisch aktiv zu werden (Replik S. 4 f.); derzeit han-

delt es sich dabei offenbar vorwiegend um beabsichtigte zukünftige Aktivi-

täten. 

7.8 Soweit der Beschwerdeführer schliesslich geltend macht, nach seiner 

Konversion müsse ein unerträglicher psychischer Druck bejaht werden, 

bleiben seine Ausführungen letztlich unsubstantiiert. Er führt diesbezüglich 

aus, bei einer Rückkehr nach Syrien wäre er nun allenfalls gezwungen, 

gegen seinen heutigen Glauben an islamischen Bräuchen wie dem Rama-

dan oder den Freitagsgebeten teilzunehmen (Beschwerde S. 12); seinem 

streng islamischen Vater würde andernfalls auffallen, dass der Sohn sich 

an islamischen Ritualen nicht beteiligt (Beschwerde S. 15); es könne von 

ihm nicht verlangt werden, dass er seinen Glauben gerade seiner Familie 

gegenüber verheimlichen müsse, um eine Verfolgung zu vermeiden (Rep-

lik S. 3). Diese Ausführungen bleiben – nicht zuletzt angesichts der frühe-

ren Aussagen, der Beschwerdeführer habe sich schon im Heimatland nicht 

als Muslim, sondern als Konfessionsloser gefühlt – zu wenig substantiiert, 

um den geltend gemachten unerträglichen psychischen Druck nachvoll-

ziehbar aufzuzeigen. 

7.9 Eine Furcht vor zukünftiger Verfolgung aufgrund der in der Schweiz er-

folgten Konversion des Beschwerdeführers zum Christentum ist nach dem 

Gesagten nicht mit der erforderlichen hinreichenden Wahrscheinlichkeit 

aufgezeigt worden. Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsge-

richt zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer keine subjektiven Nach-

fluchtgründe in seiner Person vorliegen. Er erfüllt die originäre Flüchtlings-

eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG (i.V.m. Art. 54 AsylG) nicht.  

E-1779/2018 

Seite 22 

7.10 Nach dem Gesagten bestehen insgesamt keine konkreten Anhalts-

punkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus 

Syrien einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war. Gleichzeitig ist 

auch nicht davon auszugehen, dass er im Falle einer Wiedereinreise nach 

Syrien im Zusammenhang mit der geltend gemachten Konversion zum 

Christentum eine flüchtlingsrelevante Verfolgung zu befürchten hätte. Die 

Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asyl-

gesuch zu Recht abgelehnt.  

Die Gesamtsituation in Syrien gilt jedoch weiterhin als ausgesprochen vola-

til und die weitere Entwicklung der militärischen und politischen Lage in 

diesem Land ist ungewiss. Diesen Aspekten trägt die aufgrund der Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs angeordnete vorläufige Aufnahme 

Rechnung. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Namentlich ist eine Heirat mit der Schweizer Partnerin 

nicht beabsichtigt (vgl. Akten zum Kantonswechselgesuch). Die Wegwei-

sung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 

E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 20. Februar 

2018 den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzuges vorläufig aufgenommen. Praxisgemäss stellen sich in diesem 

Zusammenhang keine weiteren Fragen mehr, nachdem die Wegweisungs-

vollzugshindernisse alternativer Natur sind und bei Vorliegen eines dieser 

Hindernisse der Vollzug als nicht durchführbar gilt (vgl. BVGE 2011/7 E. 8 

m.w.H.). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

E-1779/2018 

Seite 23 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der 

Verfahrenskosten zu verwenden. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1779/2018 

Seite 24 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung der Verfah-

renskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Patricia Petermann Loewe 

 

 

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