# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6646baf-58f7-5d5f-a8f7-32ec01766dfa
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-22
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 22.09.2017 BK 2017 297
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2017-297_2017-09-22.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 17 297

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 22. September 2017

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Stucki, 
Oberrichter Kiener
Gerichtsschreiberin Lauber 

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigte

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeer-
strasse 10, Postfach 6250, 3001 Bern

C.________
v.d. Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin

Gegenstand Nichtanhandnahme

Strafverfahren wegen Körperverletzung

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Berner Jura-Seeland vom 12. Juli 2017 (BJS 17 14035)

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Regeste:

Art. 31 StGB, Art. 90 Abs. 1 StPO; Beginn und Berechnung der Strafantragsfrist

Art. 90 Abs. 1 StPO gelangt entgegen dem Wortlaut von Art. 31 StGB auch bei der Be-
rechnung der Strafantragsfrist zur Anwendung. Dies hat zur Folge, dass auch die Strafan-
tragsfrist erst am Folgetag zu laufen beginnt, an welchem der antragsberechtigten Person 
der Täter bekannt wird (E. 8). 

Erwägungen:

1. Am 31. Mai 2017 erstattete C.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) Anzei-
ge gegen Dr. med. A.________ (nachfolgend: Beschuldigte) wegen Körperverlet-
zung, stellte Strafantrag und konstituierte sich als Straf- und Zivilklägerin. Die Be-
schwerdeführerin machte geltend, die Beschuldigte habe am 28. Februar 2017 oh-
ne Vorankündigung und gegen ihren Willen eine 1,7 m lange Tamponade aus einer 
Wunde im Vaginalbereich gezogen und sie dadurch in ihrer Psyche verletzt. Mit 
Verfügung vom 12. Juli 2017 nahm die Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-
Seeland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) das Verfahren gegen die Beschuldigte 
wegen Körperverletzung, angeblich begangen am 28. Februar 2017, nicht an die 
Hand (Ziff. 1). Die Verfahrenskosten wurden dem Kanton überbunden (Ziff. 2). Eine 
Entschädigung wurde nicht ausgerichtet (Ziff. 3). Zur Begründung führte die 
Staatsanwaltschaft aus, es fehle an einer Prozessvoraussetzung, da der Strafan-
trag eindeutig zu spät erfolgt sei. Zudem erfülle der angezeigte Sachverhalt nicht 
den Straftatbestand der qualifizierten Körperverletzung nach Art. 123 Ziff. 2 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0). Hiergegen erhob die Be-
schwerdeführerin am 27. Juli 2017 Beschwerde. Sie beantragte, Ziff. 1 der ange-
fochtenen Verfügung sei aufzuheben und es sei die Staatsanwaltschaft anzuwei-
sen, das Strafverfahren betreffend den Strafantrag vom 31. Mai 2017 an die Hand 
zu nehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte am 8. August 2017 die Ab-
weisung der Beschwerde. Die Beschuldigte stellte innert gewährter Fristerstre-
ckung am 22. August 2017 den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit Replik 
vom 12. September 2017 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.

2. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei 
der Beschwerdekammer in Strafsachen innert 10 Tagen schriftlich und begründet 
Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der 
Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0], Art. 35 des Gesetzes 
über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; 
BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts 
[OrR OG; BSG 162.11]). Die Beschwerdeführerin ist als Straf- und Zivilklägerin 
durch die angefochtene Nichtanhandnahmeverfügung unmittelbar in ihren rechtlich 
geschützten Interessen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert 
(Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten. 

Die Beschwerdeführerin thematisiert in ihrer Begründung einzig die Rechtzeitigkeit 
des Strafantrags. Ihre Beschwerde bezieht sich damit nur auf die von der 
Staatsanwaltschaft geprüften Antragselikte fahrlässige Körperverletzung (Art. 125 
Abs. 1 StGB), evtl. einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB), evtl. 

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Tätlichkeit (Art. 126 Abs. 1 StGB). Die Nichtanhandnahme unter dem 
Gesichtspunkt der qualifizierten Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 StGB) ist folglich 
nicht angefochten und damit nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. 

3. Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht vorab eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs. Die Staatsanwaltschaft habe nicht begründet, weshalb der Strafan-
trag zu spät erfolgt sei. 

Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 
der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) folgt die Pflicht der Behör-
den, ihren Entscheid zu begründen. Der Entscheid ist so zu begründen, dass die 
betroffene Person sich über dessen Tragweite Rechenschaft geben, ihn in voller 
Kenntnis der Sache weiterziehen und die obere Instanz prüfen kann, ob die untere 
Instanz Recht verletzt hat (STOHNER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 81 StPO; vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2 mit 
Hinweisen). Bei einer Nichtanhandnahmeverfügung ist in jedem Fall der Grund der 
Nichtanhandnahme zu erwähnen (vgl. Art. 81 Abs. 3 Bst. b StPO). Die Nichtan-
handnahme muss nicht ausführlich begründet werden (OMLIN, in: Basler Kommen-
tar, Schweizerische Strafprozessordnung, a.a.O., N. 15 zu Art. 310 StPO).

Die Staatsanwaltschaft hat in der angefochtenen Verfügung auf Art. 31 StGB ver-
wiesen, wonach das Antragsrecht nach Ablauf von drei Monaten erlischt. Sie hat 
zudem dargetan, dass die Beschwerdeführerin erst am 31. Mai 2017 Strafantrag 
gestellt hatte wegen einer angeblich am 28. Februar 2017 begangenen Straftat. Die 
Staatsanwaltschaft zog den Schluss, dass der Strafantrag daher eindeutig zu spät 
erfolgt sei, weshalb die Prozessvoraussetzungen für die Verfolgung der Tat 
grundsätzlich nicht erfüllt seien. Mit diesen Ausführungen ist die Staatsanwaltschaft 
ihrer Begründungspflicht in zureichender Weise nachgekommen. Anders als es der 
Beschwerdeführer meint, waren keine weitergehenden Erwägungen notwendig, 
insbesondere keine konkretere Fristberechnung oder ein weiterer Verweis auf bun-
desgerichtliche Rechtsprechung oder Literatur. Die Begründung war im Ergebnis 
denn auch so abgefasst, dass die Beschwerdeführerin diese sachgerecht anfech-
ten konnte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt damit nicht vor.

4. In materieller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, der Entscheid der 
Staatsanwaltschaft, der Strafantrag sei nicht rechtzeitig erhoben worden, sei bun-
desrechtswidrig. Das Antragsrecht erlösche nach Ablauf von drei Monaten. Die 
dreimonatige Frist beginne am Folgetag der Kenntnisnahme von Tat und Täter-
schaft zu laufen. Zunächst sei der Tag, an dem die Frist zu laufen beginne, zu be-
stimmen und erst dann die Fristlänge. Das strafrechtlich-relevante Ereignis habe 
am 28. Februar 2017 stattgefunden. Die Strafantragsfrist habe damit am Folgetag – 
1. März 2017 – zu laufen begonnen und frühestens am 31. Mai 2017 geendet. Der 
gleichentags bei der Polizeiwache erhobene Strafantrag sei damit rechtzeitig er-
folgt. Einzig diese Rechtsauffassung werde dem Gesetzestext treu. Die geschädig-
te Person solle drei volle Monate haben, um den Strafantrag zu stellen. 

5. Die Generalstaatsanwaltschaft hält dem entgegen, bei der Strafantragsfrist handle 
es sich um eine Monatsfrist, die gemäss Art. 110 Abs. 6 StGB nach dem Kalender 

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berechnet werde. Die gleiche, vom Gesetz festgelegte Zeitspanne könne daher im 
konkreten Fall unterschiedlich lang sein. Wenn dem Geschädigten der Täter am 
15. Januar bekannt werde, so laufe die dreimonatige Frist bis zum 15. April, da der 
erste Tag, der die Frist auslöse, bei der Berechnung nicht mitgezählt werde. Vorlie-
gend sei der Beschwerdeführerin die angebliche Täterin am 28. Februar 2017 be-
kannt geworden, folglich sei die Strafantragsfrist bis zum 28. Mai 2017 gelaufen. 
Da es sich um einen Sonntag gehandelt habe, habe die Frist erst am Montag, 
29. Mai 2017, geendet (Art. 90 Abs. 2 StPO). Der Strafantrag vom 31. Mai 2017 sei 
daher verspätet erfolgt. Zum gleichen Ergebnis gelange man auch unter Berück-
sichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Berechnung von Monats-
fristen (BGE 127 II 174). Anders als vorliegend sei es in diesem Entscheid um die 
Berechnung einer Haftdauer gegangen, bei welcher bereits der erste Tag der Haft 
mitberechnet werde. Weil die dreimonatige Haft am 28. Februar 2001 angetreten 
worden sei, habe sie am 27. Mai 2001 geendet. Im vorliegenden Fall, bei dem der 
ereignisauslösende Tag nicht mitgezählt werde, habe die dreimonatige Frist dem-
nach einen Tag später, am 28. Mai 2017 (bzw. am 29. Mai 2017 wegen des Sonn-
tags) geendet.

6. Die Beschuldigte bringt vor, die Berechnung gemäss Kalender habe zur Folge, 
dass die Gesamtdauer von einem Monat möglicherweise nicht exakt 30 Tage oder 
allenfalls ein Vielfaches davon betrage (BGE 127 II 174). Bezüglich der Berech-
nung der Frist gelte, dass der Tag, an dem die verletzte Person die nötige Kenntnis 
erlange, nicht mitgezählt werde (BGE 97 IV 238). BGE 127 II 174 stamme zwar aus 
dem Haftbereich, er lasse sich jedoch analog anwenden. Der verkürzte Monat Fe-
bruar führe unbesehen des effektiven Fristbeginns dazu, dass die Antragsfrist von 
drei Monaten verkürzt werde und damit nicht zwingend einem Zeitraum von min-
destens 91 Tagen entsprechen müsse (zwei Monate à 30 Tage sowie ein Monat à 
31 Tage). Hätte der Gesetzgeber eine solche Mindestfrist gewollt, hätte er dieselbe 
in Form von Tagen kodifiziert und nicht in Form von Monaten. Vorliegend habe die 
Beschwerdeführerin unbestrittenermassen am 28. Februar 2017 Kenntnis von der 
angeblichen Tat und der angeblichen Täterin gehabt. Die Frist habe demnach am 
1. März 2017 zu laufen begonnen und am 28. Mai 2017 geendet. Dieses Ergebnis 
erhalte man auch, wenn man Art. 77 Abs. 1 Ziff. 3 des Obligationenrechts (OR; 
SR 220) hilfsweise beiziehe, der festlege, dass bei der Berechnung von Fristen 
nach Monaten auf denjenigen Tag des letzten Monats abzustellen sei, der durch 
seine Zahl dem Tag des Vertragsschlusses entspreche. Ganz offensichtlich sei der 
Strafantrag vom 31. Mai 2017 zu spät erfolgt. 

7. In ihrer Replik ergänzt die Beschwerdeführerin, hinsichtlich der Berechnung der 
Strafantragsfrist könne Art. 110 Abs. 6 StGB zweierlei entnommen werden. Ers-
tens, dass die im Laufe eines Tages eingetretenen Umstände als zu Beginn des 
Tages eingetreten gälten, die Tageszeit des fristauslösenden Ereignisses sei irre-
levant. Zweitens, dass sich die effektive Dauer eines Monats nach dem laufenden 
Kalender bemesse. Darüber hinaus enthalte Art. 110 Abs. 6 StGB hinsichtlich der 
Berechnung der Strafantragsfrist keine weiteren Vorgaben. Für die Fristberechnung 
sei zunächst der Fristbeginn massgebend. Erst in einem zweiten Schritt könne an-
hand der Fristlänge das Fristende berechnet werden. Die Generalstaatsanwalt-

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schaft bestimme das Fristende ohne auf den Fristbeginn einzugehen, direkt und in 
quasi analoger Anwendung von Art. 77 Abs. 1 Ziff. 3 OR auf den Tag, der nume-
risch dem Tag des fristauslösenden Ereignisses plus drei Monate entspreche. Die-
se Berechnungsweise führe aber immer dann zu einem falschen Resultat, wenn 
das fristauslösende Ereignis am 28. Februar stattfinde und kein Schaltjahr vorliege. 
Diesem Umstand habe die Generalstaatsanwaltschaft keine Rechnung getragen. 
Das Bundesgericht habe sich vor Inkrafttreten der StPO im Interesse einer einheit-
lichen Fristenberechnung bereits am damals bekannten Grundsatz orientiert, dass 
Fristen, die durch ein Ereignis ausgelöst würden, erst am darauffolgenden Tag zu 
laufen begingen. Diese Rechtsauffassung sei später sowohl für das Straf- wie auch 
für das Zivilprozessrecht explizit kodifiziert worden (Art. 90 Abs. 1 StPO; Art. 142 
Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Fristauslösung 
und Fristbeginn würden nie auf denselben Tag fallen. Die Strafantragsfrist beginne 
vorliegend nicht am Tag des fristauslösenden Ereignisses (28. Februar 2017), son-
dern am darauffolgenden Tag (1. März 2017) zu laufen. Addiere man kalendarisch 
drei volle Monate (März, April, Mai), falle das Fristende auf den letzten Maitag, d.h. 
auf den 31. Mai 2017. Unverständlich sei, inwieweit die Beschuldigte glaube, der 
Fristbeginn sei nach den allgemeinen Grundsätzen zu berechnen, das Fristende 
jedoch in hilfsweise Anwendung von Art. 77 Abs. 1 Ziff. 3 OR. Ein Fristende per 
28. Mai sei nach Art. 31 StGB nur in Schaltjahren möglich (Fristauslösung: 28. Fe-
bruar, Fristbeginn: 29. Februar, Fristende: 28. Mai). 

8.

8.1 Die Staatsanwaltschaft verfügt gemäss Art. 310 Abs. 1 Bst. a StPO die Nichtan-
handnahme, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, 
dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig 
nicht erfüllt sind. Bei Antragsdelikten ist ein rechtzeitig eingereichter Strafantrag 
positive Prozessvoraussetzung. Kernfrage ist vorliegend, ob der für das Antragsde-
likt der fahrlässigen bzw. einfachen Körperverletzung bzw. der Tätlichkeit erforder-
liche Strafantrag innerhalb der in Art. 31 StGB vorgesehenen Frist eingereicht wor-
den ist. Umstritten ist die Berechnung der Strafantragsfrist.

8.2 Gemäss Art. 31 StGB erlischt das Antragsrecht nach Ablauf von drei Monaten. Die 
Frist beginnt mit dem Tag, an welchem der antragsberechtigten Person der Täter 
bekannt wird (Art. 31 StGB). Die Dreimonatsfrist von Art. 31 StGB wird gemäss 
Art. 110 Abs. 6 StGB nach der Kalenderzeit berechnet (RIEDO, in: Basler Kommen-
tar, Strafrecht, 3. Aufl. 2013, N. 34 zu Art. 31 StGB; BGE 73 IV 6). Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung ist auch bei der Berechnung der Strafantragsfrist 
der Tag, an dem die Antragsfrist zu laufen beginnt, nicht mitzuzählen (BGE 73 IV 6; 
97 IV 238 E. 2; Urteil des Bundesstrafgerichts BG.2012.42 vom 23. Januar 2013 
E. 1.5; STRATENWERTH/WOHLERS, Schweizerisches Strafgesetzbuch Handkom-
mentar, 3. Aufl. 2013, N. 16 zu Art. 110 StGB mit Hinweis; TRECHSEL/RICHARD-DIT-
BRESSEL, Schweizerisches Strafgesetzbuch Handkommentar, 2. Aufl. 2013, N. 2 f. 
zu Art. 31 StGB mit konkreter Berechnung). Das Bundesgericht begründet seine 
Auffassung damit, dass es keinerlei Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Bundes-
gesetzgeber bei der Schaffung des StGB auf den Erlass einer Bestimmung über 
die Berechnung der Fristen verzichtet hätte, um eine von den Normen des übrigen 

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Bundesrechts abweichende Ordnung aufzustellen und zum Ausdruck zu bringen, 
dass im materiellen Strafrecht das Gegenteil von dem gelten solle, was bereits im 
übrigen Bundesrecht gelte, nämlich dass bei der Verjährungs-, Verwirkungs- und 
prozessualen Fristen der Tag, an dem die Frist beginne, nicht mitzuzählen sei. Es 
liege im Interesse einer einheitlichen Fristberechnung, die in den entsprechenden 
Bestimmungen des übrigen Bundesrechts vorgesehene Berechnungsart anzuwen-
den (BGE 97 IV 238 E. 2). Diese Regel ergibt sich nunmehr auch direkt aus Art. 90 
Abs. 1 StPO, welcher normiert, dass die Fristen, die durch den Eintritt eines Ereig-
nisses ausgelöst werden, am folgenden Tag zu laufen beginnen (vgl. RIEDO, in: 
Basler Kommentar, Strafrecht, a.a.O., N. 35 zu Art. 31 StGB). Art. 90 Abs. 1 StPO 
als allgemeine Regel der Fristberechnung muss auch mit Bezug auf die Strafan-
tragsfrist Anwendung finden. Zu unterscheiden ist somit auch bei der Berechnung 
der Strafantragsfrist zwischen der Fristauslösung (die als solche die Frist eben ge-
rade nicht auslöst) und dem Beginn der Frist (vgl. RIEDO, in: Basler Kommentar, 
Schweizerische Strafprozessordnung, a.a.O., N. 29 zu Art. 90 StPO; vgl. zudem 
ZURBRÜGG, in: Basler Kommentar, Strafrecht, a.a.O., N. 9 zu Art. 110 Abs. 6 StGB, 
wonach dies namentlich auch für die Verjährungsfristen gelte, obwohl diese nach 
dem Wortlaut von Art. 98 und 100 StGB mit dem Tag zu laufen begingen, an dem 
die strafbare Tätigkeit ausgeführt bzw. das Urteil vollstreckbar geworden sei).

Der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten beizupflichten, dass bei der Be-
rechnung der dreimonatigen Strafantragsfrist zunächst der Tag des Fristbeginns zu 
bestimmen ist. Erst dann wird nach dem Kalender gerechnet und das Fristende be-
stimmt. Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin am 28. Februar 
2017 von der angeblichen Tat und der angeblichen Täterschaft Kenntnis erlangt 
hat. Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung sowie Art. 90 Abs. 1 StPO 
ist die dreimonatige Strafantragsfrist somit vom 1. März 2017 an zu rechnen (vgl. in 
diesem Sinne auch BGE 73 IV 6 und Urteil des Bundesstrafgerichts BG.2012.42 
vom 23. Januar 2013 E. 1.5 sowie die dortige Berechnung; vgl. ebenso TRECH-
SEL/RICHARD-DIT-BRESSEL, a.a.O., N. 2 f. zu Art. 31 StGB). Bei der Berechnung der 
dreimonatigen Strafantragsfrist nach Art. 110 Abs. 6 StGB nach der Kalenderzeit 
lief die Strafantragsfrist am 31. Mai 2017 ab (vgl. dazu die zutreffenden Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin in der Beschwerde und Replik). Daran vermag auch 
der Verweis auf Art. 77 Abs. 1 Ziff. 3 OR sowie BGE 127 II 174 nichts zu ändern. 
Bei Art. 77 Abs. 1 Ziff. 3 OR handelt es sich um eine Spezialbestimmung des Ver-
tragsrechts, welche vorliegend nicht massgeblich sein kann. Der für den Zivilpro-
zess massgebliche Art. 142 Abs. 1 ZPO statuiert demgegenüber gleichermassen 
wie Art. 90 Abs. 1 StPO, dass Fristen, die durch den Eintritt eines Ereignisses aus-
gelöst würden, am folgenden Tag zu laufen beginnen. BGE 127 II 174, welcher die 
Berechnung einer Haftdauer betrifft, ist für die vorliegende Situation insoweit nicht 
einschlägig, als bei der Fristberechnung der Haft – anders als bei der Strafantrags-
frist – der allgemeine Grundsatz, wonach Fristen erst nach dem das Ereignis aus-
lösenden Tag zu Laufen beginnen, gerade nicht gilt. Vorliegend begann die Straf-
antragsfrist erst am 1. März 2017 zu laufen, weshalb nicht gestützt auf BGE 127 II 
174 argumentiert werden kann, hier habe die dreimonatige Frist einen Tag später, 
d.h. am 28. Mai 2017 geendet, da der ereignisauslösende Tag nicht mitgezählt 
werde. 

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8.3 Die Beschwerdeführerin hat am 31. Mai 2017 am Schalter der Polizeiwache 
E.________(Ortschaft) betreffend einen Vorfall vom 28. Februar 2017 gegen die 
Beschuldigte Strafanzeige eingereicht und Strafantrag gestellt. Damit wurde die 
dreimonatige Strafantragsfrist gewahrt (vgl. oben). Die Staatsanwaltschaft durfte 
folglich das Verfahren nicht mit der alleinigen Begründung nicht an die Hand neh-
me, es fehle an einer Prozessvoraussetzung (fristgerechter Strafantrag). In der Sa-
che hat sich die Staatsanwaltschaft zu den fraglichen Straftatbeständen noch nicht 
geäussert. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die Verfügung der 
Staatsanwaltschaft vom 12. Juli 2017 ist aufzuheben. Die Sache geht zurück an die 
Staatsanwaltschaft zur weiteren formellen und materiellen Prüfung der Strafanzei-
ge.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Kanton Bern die Verfahrenskosten 
(Art. 428 Abs. 1 und 4 StPO). Zudem hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf ei-
ne Entschädigung für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren (Art. 436 i.V.m. 
Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO [analog]). Diese wird nach Eingang der Kostennote von 
Rechtsanwalt D.________ festgesetzt. 

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Berner Jura-Seeland vom 12. Juli 2017 (BJS 17 14035) wird aufgehoben. Die 
Sache geht zurück an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Prüfung der Strafanzeige 
der Beschwerdeführerin vom 31. Mai 2017.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 800.00, trägt der Kanton 
Bern. 

3. Die Entschädigung der Beschwerdeführerin für ihre Aufwendungen im Beschwerde-
verfahren wird nach Eingang der Kostennote von Rechtsanwalt D.________ be-
stimmt. 

4. Zu eröffnen:
- der Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin, v.d. Rechtsanwalt D.________
- der Generalstaatsanwaltschaft 
- der Beschuldigten, v.d. Rechtsanwalt B.________

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Staatsanwältin 

F.________
(mit den Akten)

Bern, 22. September 2017 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell

Die Gerichtsschreiberin:

Lauber

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be-
schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.