# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ede277ad-a290-57ce-a38d-f6ef8b0a865e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.09.2021 E-6533/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6533-2019_2021-09-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6533/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis, Richterin Gabriela Freihofer,    

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

amtlich verbeiständet durch lic. iur. Kathrin Stutz, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 1. November 2019 / N (…). 

 

 

 

E-6533/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die aus dem Distrikt Jaffna stammende Beschwerdeführerin verliess ihren 

Heimatstaat gemäss ihren eigenen Angaben am (…) Juli 2017 auf dem 

Luftweg von B._______ Richtung C._______ und gelangte am (…) Juli 

2017 in die Schweiz, wo sie noch am selben Tag um Asyl nachsuchte. An-

lässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 7. August 2017 gab sie zu 

Protokoll, seit ihr älterer Bruder Sri Lanka im Jahr 2006 verlassen habe, sei 

die Familie regelmässig von Armeeangehörigen zu Hause heimgesucht 

worden. Mit der Ausreise des jüngeren Bruders im Jahr 2009 hätten diese 

Besuche noch zugenommen. Nach einer kurzzeitigen Rückkehr des jün-

geren Bruders im Jahr 2012 sowie seiner Weiterreise nach Malaysia habe 

sie schliesslich auch persönlich Schwierigkeiten mit diesen Soldaten be-

kommen. Sie sei ab dem Jahr 2014 von einer "Army-Fieldbike-Group" be-

helligt und am 14. April 2014 von einem dieser Männer vergewaltigt wor-

den. Zwei Tage später habe sie wegen ihrer sehr schlechten psychischen 

Verfassung einen Arzt aufgesucht, dieser habe ihr aber keine Bestätigung 

ausstellen wollen, weil er befürchtet habe, diesfalls selber bedroht zu wer-

den. Eine Anzeige bei der Polizei habe sie nicht erstatten wollen. Der aus-

schlaggebende Grund für ihre Ausreise im Jahr 2017 sei schliesslich eine 

versuchte Zwangsrekrutierung durch diese Soldaten gewesen. Sie sei ge-

schieden und habe ihre Tochter bei ihren Eltern zurücklassen müssen. 

Als Beweismittel legte die Beschwerdeführerin ihre Identitätskarte sowie 

ihren Geburtsschein ins Recht. 

B.  

An der Anhörung zu den Asylgründen vom 6. September 2019 trug die Be-

schwerdeführerin hinsichtlich ihres Gesundheitszustands vor, sie befinde 

sich seit drei Monaten in Therapie zur Behandlung ihrer Rückenschmer-

zen, unter welchen sie seit der Vergewaltigung leide. Sie telefoniere regel-

mässig mit ihrer Tochter sowie ihren Eltern. Letztere hätten sie darüber in-

formiert, dass sich die Armee nach ihrer Ausreise einmal nach ihr erkundigt 

habe.  

Nach der Ausreise ihrer Brüder habe sie derentwegen Probleme bekom-

men. Zunächst sei ihr damaliger Ehemann mitgenommen und geschlagen 

worden, weswegen dieser schliesslich sie und die gemeinsame Tochter 

verlassen habe. Seit dem Jahr 2011 seien sie offiziell geschieden. Im Jahr 

2014 sei sie von sechs Personen einer "Fieldbike-Group" zu Hause miss-

handelt und von einem Soldaten vergewaltigt worden. Sie hätten auch  

Zigaretten auf ihren Oberschenkeln ausgedrückt und ihr ein Tuch um den 

E-6533/2019 

Seite 3 

Mund gebunden. Danach habe sie sich jeweils versteckt, wenn die Behör-

denangehörige sie aufgesucht hätten. Im Jahr 2017 sei sie auf dem Weg 

zur Arbeit von ihrem vormaligen Peiniger aufgefordert worden, mitzukom-

men, ansonsten werde er sie umbringen. Sie habe in einen Laden flüchten 

und von dort aus ihren Vater informieren können. Bereits zwei Tage später 

hätten diese Personen sie wieder zu Hause aufgesucht, weshalb sie glei-

chentags nach Colombo gereist sei. Sie sei in Lebensgefahr und könne 

deshalb nicht mehr in ihren Heimatstaat zurückkehren. Sie habe sich nie 

an die heimatlichen Behörden gewandt, weil sie befürchtet habe, andere 

Leute würden davon erfahren. 

C.  

Mit Verfügung vom 1. November 2019 – eröffnet am 7. November 2019 – 

lehnte das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. 

D.  

Die Beschwerdeführerin liess am 12. November 2019 bei der Vorinstanz 

um Einsicht in die Verfahrensakten ersuchen, welchem Ersuchen am 

15. November 2019 weitgehend entsprochen wurde. 

E.  

Gegen die ablehnende Asylverfügung liess die Beschwerdeführerin mit 

Eingabe vom 9. Dezember 2019 beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und zwecks weiterer Abklärungen, insbesondere zur Einho-

lung eines psychiatrischen Gutachtens, sowie zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen; eventualiter sie ihr Asyl zu gewähren oder zu-

mindest die Flüchtlingseigenschaft festzustellen; subeventualiter sei unter 

Feststellung der Unzumutbarkeit beziehungsweise der Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs ihre vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuord-

nen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess sie um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung inklusive Verzichts auf Erhebung eines Kosten-

vorschusses und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ersuchen. 

Zur Untermauerung ihrer Vorbringen legte die Beschwerdeführerin unter 

anderem eine Behandlungsbestätigung der Praxis D._______ vom 21. No-

vember 2019 sowie eine weitere Behandlungsbestätigung des (…) Hospi-

tals vom 13. November 2019 betreffend eine ärztliche Behandlung nach 

ihrer Vergewaltigung im Jahr 2014 ins Recht.  

E-6533/2019 

Seite 4 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2019 forderte die vormalige  

Instruktionsrichterin die Beschwerdeführerin auf, eine Fürsorgebestätigung 

nachzureichen; dieser Aufforderung kam sie innert erstreckter Frist mit Ein-

gabe vom 6. Januar 2020 nach. 

G.  

Die Instruktionsrichterin hiess mit Verfügung vom 7. Januar 2020 die Ge-

suche der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Rechtsverbeiständung gut und setzte lic. iur. Kathrin Stutz 

als amtliche Rechtsbeiständin ein. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur 

Vernehmlassung ein. 

H.  

Mit Schreiben vom 8. Januar 2020 liess die Beschwerdeführerin einen Be-

richt zum Erstgespräch des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer vom 

28. November 2019 ins Recht legen, wonach sie unter einer Posttraumati-

schen Belastungsstörung sowie einer schweren depressiven Episode 

leide. Diese Eingabe wurde zur Berücksichtigung im Rahmen des Ver-

nehmlassungsverfahrens an das SEM weitergeleitet. 

I.  

In der nach gewährter Fristerstreckung eingereichten Vernehmlassung 

vom 30. Januar 2020 beantragte das SEM die Abweisung der Beschwerde. 

Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 3. Februar 2020 

zur Kenntnisnahme zugestellt. 

J.  

Die amtliche Rechtsbeiständin gab am 12. Februar 2020 eine Honorarnote 

zu den Akten. 

K.  

Anfang des Jahres 2021 wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren von 

der Leitung der Abteilung V aus organisatorischen Gründen dem im 

Rubrum erwähnten vorsitzenden Richter zur weiteren Behandlung zuge-

teilt. 

  

E-6533/2019 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

E-6533/2019 

Seite 6 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM im 

Wesentlichen aus, die Erklärungen der Beschwerdeführerin, aus welchen 

Gründen sie ihren Heimatstaat verlassen habe, seien nicht überzeugend 

ausgefallen. Ihre Ausführungen seien dürftig, oberflächlich und stereotyp, 

obschon sie darauf hingewiesen worden sei, detaillierter von ihren Erleb-

nissen zu berichten. Ihre Aussagen würden zudem offensichtliche Wider-

sprüche enthalten. Angesichts der angeblich langjährigen Suche nach ihr 

könne auch der beschriebene fluchtauslösende Vorfall nicht geglaubt wer-

den, wonach sie den Militärangehörigen durch die Flucht in ein Geschäft 

habe entkommen können. Vor diesem Hintergrund stehe die im Jahr 2014 

erlebte Vergewaltigung in keinem kausalen Zusammenhang zu ihrer Aus-

reise im Jahr 2017. Nachdem auch keine Risikofaktoren gemäss Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts vorliegen würden, welche sie bei einer 

Wiedereinreise in ihren Heimatstaat in den Fokus der heimatlichen Behör-

den rücken würden, bestehe kein Grund zur Annahme, sie wäre bei einer 

Rückkehr nach Sri Lanka gezielten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. 

Damit erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft nicht und ihr Asylgesuch sei 

abzuweisen.  

Der Vollzug der Wegweisung erweise sich als zulässig, zumutbar und mög-

lich. In Sri Lanka herrsche keine Bürgerkriegssituation und sie verfüge in 

ihrer Heimatregion über ein familiäres Beziehungsnetz, familiäre Wohn-

möglichkeiten sowie Arbeitserfahrung. Es sei ihr im Übrigen unbenommen, 

sich an die finanzielle Rückkehrhilfe zu wenden, um ihre Reintegration zu 

vereinfachen. 

E-6533/2019 

Seite 7 

4.2 Die Beschwerdeführerin rügte in ihrer Beschwerde, das SEM habe 

seine Untersuchungspflicht und das rechtliche Gehör verletzt, indem es ei-

nerseits zur Begründung der Unglaubhaftigkeit ihrer Aussagen die summa-

rische Erstbefragung der direkten Bundesanhörung gegenübergestellt 

habe, obwohl der Summarbefragung lediglich beschränkter Beweiswert 

zukomme. Andererseits sei unberücksichtigt geblieben, dass zwischen den 

beiden Befragungen immerhin zwei Jahre liegen würden und, dass sie ge-

rade mit ihrem kulturellen Hintergrund als Opfer sexueller Übergriffe nicht 

in der Lage gewesen sei, diese Vorbringen in detaillierter Weise zu schil-

dern. Das SEM habe es – trotz entsprechenden Antrags der bei der Anhö-

rung mitwirkenden Hilfswerksvertretung (HWV) – auch unterlassen, ihren 

psychischen Gesundheitszustand abzuklären. Dies werde an dieser Stelle 

erneut beantragt. Der sexuelle Übergriff sei ausserdem bestätigt worden 

durch ein Schreiben ihres Vaters und durch einen Arztbericht des (…) Hos-

pitals, den ihr Vater nach Erhalt des negativen Asylentscheids endlich habe 

erhältlich machen können. Der Kausalzusammenhang zwischen der Ver-

gewaltigung und ihrer Ausreise sei gegeben, da sie ihren Heimatstaat un-

mittelbar nach erneuter Begegnung mit ihrem Peiniger (am […] Juli 2017) 

verlassen habe. Die angefochtene Verfügung sei unverständlich  

begründet; aus den Erwägungen gehe nicht hervor, ob die Vergewaltigung 

geglaubt werde oder diese als Reflexhandlung der Armee auf die Flucht 

der Brüder in die Schweiz betrachtet werde, oder ob das SEM davon aus-

gehe, dies sei ohne Zusammenhang zu ihren Brüdern oder gar nicht ge-

schehen. Das SEM hätte insgesamt die Pflicht gehabt, ein psychiatrisches 

Gutachten einzuholen und bei Unklarheiten nachzuhaken sowie die vorge-

brachte Reflexverfolgung aufgrund der Flucht ihrer Brüder abzuklären. 

4.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz zunächst an, für die 

Glaubhaftigkeitsbeurteilung sei ein gewisser Vergleich zwischen den Aus-

sagen der Anhörung zu den Asylgründen und jenen von der Summarbefra-

gung notwendig, um Irregularitäten feststellen zu können. Sodann erklärte 

es einerseits, dass es sich insbesondere bei der nachgereichten Behand-

lungsbestätigung vom 13. November 2019 um ein leicht fälschbares Doku-

ment handle, das insbesondere die Frage aufwerfe, wieso die in der Nord-

provinz wohnhafte Beschwerdeführerin für einen solchen Untersuch nach 

Colombo gereist sein wolle. Andererseits setzte sich die Vorinstanz mit 

dem durch die Beschwerdeführerin eingereichten Arztbericht vom 3. Ja-

nuar 2020 auseinander und informierte über die Behandlungsmöglichkei-

ten psychischer Krankheiten in Sri Lanka. Das SEM hielt abschliessend 

fest, die eingereichten Beweismittel würden an seiner Einschätzung nichts 

zu ändern vermögen.  

E-6533/2019 

Seite 8 

5.  

5.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, die Vorinstanz habe den Sach-

verhalt nicht vollständig abgeklärt und den Untersuchungsgrundsatz sowie 

den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. 

Diese verfahrensrechtlichen Rügen werden vom Gericht vorab geprüft. 

5.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungs- 

gericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli-

chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwei-

sung an die Vorinstanz ist insbesondere dann angezeigt, wenn weitere Tat-

sachen festgestellt werden müssen sowie ein umfassendes Beweisverfah-

ren durchzuführen ist. 

5.3  

5.3.1 Im Asylverfahren ist der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen 

festzustellen (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Asylbehörden haben 

aufgrund dieser Untersuchungspflicht für die richtige und vollständige  

Abklärung des Sachverhalts zu sorgen. Unvollständig ist die Sachverhalts-

feststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtserheblichen Sachum-

stände berücksichtigt wurden; unrichtig ist sie, wenn dem Entscheid ein 

falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wurde, wie dies 

der Fall ist, wenn die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht ver-

neint und diese gar nicht erst zum Gegenstand eines Beweisverfahrens 

gemacht wurde. Die behördliche Untersuchungspflicht wird durch die den 

Asylsuchenden gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht ein-

geschränkt, wobei diese insbesondere bei der Anhörung vollständig anzu-

geben haben, weshalb sie um Asyl nachsuchen.  

5.3.2 Die Parteien haben ein aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör 

fliessendes Recht, an der Erstellung des Sachverhaltes mitzuwirken 

(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG). Der Grundsatz des rechtlichen Ge-

hörs verlangt unter anderem, dass sich die Parteien zumindest zu den 

Grundlagen des Entscheids, insbesondere zum Sachverhalt, vorweg äus-

sern und insbesondere ihre Standpunkte einbringen können (vgl. BGE 

132 II 257 E. 4.2). Ferner hat die verfügende Behörde die Vorbringen des 

Betroffenen tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in 

der Entscheidfindung zu berücksichtigen, was sich entsprechend in der 

Entscheidbegründung niederschlagen muss (Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 

Abs. 1 VwVG). Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach den Ver-

fahrensumständen, dem Verfügungsgegenstand und den Interessen der 

E-6533/2019 

Seite 9 

Betroffenen, wobei die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei schwerwie-

genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen 

eine sorgfältige Begründung verlangt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 m.w.H.). 

5.4  

5.4.1 Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerde zu Recht, das SEM 

habe die von ihr vorgebrachte Reflexverfolgung aufgrund der Flucht ihrer 

Brüder in die Schweiz gänzlich unbeachtet gelassen. Tatsächlich wies sie 

bereits anlässlich der BzP mehrmals darauf hin, dass ihre Asylvorbringen 

in engem Zusammenhang mit der zuvor erfolgten Ausreise ihrer Brüder 

respektive deren Asylgründen stehen würden (vgl. A6, S. 5 und S. 8 f.).  

An der einlässlichen Anhörung machte sie wiederum darauf aufmerksam, 

dass ihre Brüder in der Schweiz leben würden und sie wegen deren Ver-

folgung und Flucht Probleme gehabt habe (vgl. A12 ad F23, F56, F64, 

F66 f., F69, F112). Beim Versuch ihrerseits, die Situation ihrer Brüder zu 

erklären, wurde ihr jedoch verständlich gemacht, es gehe nur um die Prob-

leme, die sie persönlich mit den heimatlichen Behörden gehabt habe (vgl. 

a.a.O., ad F114 f.). Auch die gemäss ihrer Schilderung aus demselben 

Grund erfolgten Behelligungen ihres Ex-Mannes, die schliesslich auch zu 

ihrer Scheidung geführt hätten, wurden nicht näher abgeklärt (vgl. a.a.O., 

ad F126 ff.). 

5.4.2 Aus den vorinstanzlichen Verfahrensakten ist kein Hinweis darauf zu 

entnehmen, dass die Vorinstanz zur Beurteilung des Asylgesuchs der Be-

schwerdeführerin die Verfahrensakten ihrer Brüder – deren Asylgesuche 

im Jahr 2014 gutgeheissen wurden – beigezogen hätte. In der angefoch-

tenen Verfügung wurde die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft der 

beiden Brüder zudem mit keinem Wort erwähnt. Trotz einer expliziten Rüge 

in der Beschwerdeschrift nahm das SEM auch in seiner Vernehmlassung 

nicht Stellung zu diesem Punkt. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde 

demnach offensichtlich nicht vollständig erfasst. 

5.4.3 Nach Durchsicht der Beizugsakten (N […] und N […]) ist festzustel-

len, dass diese geeignet sind, sich auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

der Vorbringen der Beschwerdeführerin auszuwirken. Schon zur Gewähr-

leistung einer sachgerechten Anfechtung eines negativen Asylentscheids 

wird in jedem Fall eine sorgfältige inhaltliche Prüfung der von der Be-

schwerdeführerin geltend gemachten Reflexverfolgung vorzunehmen sein; 

dabei wird zu berücksichtigen sein, dass eine solche bei den Brüdern der 

Beschwerdeführerin zu bejahen war (vgl. interner Antrag Asylgewährung 

im Verfahren N […] [A26 S. 3]: "[…] Der Gesuchsteller wurde im Rahmen 

E-6533/2019 

Seite 10 

einer Reflexverfolgung wegen seines Bruders mit LTTE-Hintergrund im 

SLA-Camp misshandelt […]. Überdies ist anzumerken, dass auch die 

Schwestern des Gesuchstellers und deren Familien schwersten Reflexver-

folgungen ausgesetzt waren und immer noch sind."; interner Antrag Asyl-

gewährung im Verfahren N […] [A19 S. 3]: "[…] Auf den ersten Blick wirken 

die Vorbringen eher harmlos. Doch nach neuesten Erkenntnissen des 

BFM, resp. des UNHCR weisen auch Personen mit familiären Verbindun-

gen zur LTTE und vermeintlicher Zugehörigkeit zur Bewegung ein grosses 

Gefährdungsprofil auf. Dies trifft beim Gesuchsteller zu, da zwei seiner On-

kel gefallene LTTE-Kämpfer waren, weswegen auch sein Bruder befragt 

und zunehmend belästigt wurde […].").  

5.5  

5.5.1 Der Beschwerdeführerin ist auch beizupflichten, soweit sie die feh-

lenden Abklärungen zu ihrem Gesundheitszustand sowie die Durchführung 

der Anhörung zu den Asylgründen bemängelt.  

5.5.2 Die Beschwerdeführerin wies an der Anhörung darauf hin, dass sie 

eine Therapie für ihre physischen Schmerzen begonnen habe. Zudem 

kann dem Anhörungsprotokoll entnommen werden, dass die Beschwerde-

führerin mehrmals weinte und die ihr gestellten Fragen auffällig oft sichtlich 

nicht verstand (vgl. SEM-Akten N 697 033, A12 ad F70, 104, 107, 118, 

120 f., 148 und 160). 

5.5.3 Auch die Hilfswerksvertretung wies auf ihrem Unterschriftenblatt (vgl. 

A12 letzte Seite) darauf hin, dass die Beschwerdeführerin unkonzentriert 

wirke und die Fragestellungen mehrmals hätten wiederholt oder verändert 

werden müssen. Die Asylsuchende habe grosse Mühe gehabt, ihre Erleb-

nisse kohärent mit präzisen, chronologisch aufgebauten und nachvollzieh-

baren Angaben zu schildern, und sie habe oft mit den Tränen gekämpft. 

Vor diesem Hintergrund werde angeregt, von Amtes wegen ein psychiatri-

sches Gutachten einzuholen. Auch mit dieser Anregung setzte sich das 

SEM nicht erkennbar auseinander. 

5.5.4 Insgesamt scheint die Art der Befragung für die Beschwerdeführerin 

aufgrund ihrer damaligen psychischen Verfassung ungeeignet und für die 

Erhebung des Sachverhalts nicht zielführend gewesen zu sein. Angesichts 

der zahlreichen Nachfragen seitens der Beschwerdeführerin wäre es  

angezeigt gewesen, die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die An-

hörungssituation zu verbessern. 

E-6533/2019 

Seite 11 

5.6 Nach dem Gesagten hat das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt 

nicht vollständig festgestellt und den Untersuchungsgrundsatz, seine Be-

gründungspflicht sowie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtli-

ches Gehör verletzt. 

5.7 Derart massive prozessuale Mängel des erstinstanzlichen Verfahrens 

sind einer Heilung auf Beschwerdeebene nicht zugänglich. Überdies hat 

die Vorinstanz das Fehlende – insbesondere eine Auseinandersetzung mit 

den Akten der Brüder – auch im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens 

nicht nachgeholt, was eine Heilung zusätzlich verunmöglicht. 

5.8 Das SEM ist daher anzuweisen, die notwendigen Verfahrenshandlun-

gen nachzuholen und das Asylgesuch danach neu zu beurteilen. Hierzu 

werden zunächst die Akten der Asylverfahren der Brüder der Beschwerde-

führerin beizuziehen und auszuwerten sein. Sollte dies nicht bereits zur 

Gutheissung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin führen, wird insbe-

sondere ihr Gesundheitszustand mit geeigneten Mitteln abzuklären sowie 

im Anschluss daran eine erneute Anhörung durchzuführen sein. 

6.  

Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Kassation der vor- 

instanzlichen Verfügung beantragt worden ist. Diese ist aufzuheben und 

die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung 

im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

7.  

Angesichts des Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren Aus-

führungen in den Eingaben der Beschwerdeführerin einzugehen. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der 

Kostennote der Rechtsbeiständin aufgeführte zeitliche Vertretungsauf-

wand erscheint angemessen. Dem Beschwerdeführer ist demnach zulas-

ten des SEM eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2790. (inkl. 

Auslagen) zuzusprechen.  

E-6533/2019 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanz-

lichen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 1. November 2019 wird aufgehoben und die 

Sache im Sinn der Erwägungen zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung 

und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2790.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

Versand: