# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9313869b-5f0c-5654-93f3-842db6864169
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-10-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.10.2011 IV 2009/317
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2009-317_2011-10-27.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2009/317

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 22.06.2020

Entscheiddatum: 27.10.2011

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2011
Art. 28a IVG. Art. 27bis IVV. Methodenwahl bei der Invaliditätsbemessung 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. 
Oktober 2011, IV 2009/317). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
9C_887/2011

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2012

Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2011

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 27. Oktober 2011 

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4, 

Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___ meldete sich am 13. Juni 2003 aufgrund eines lumboradiculären 

Schmerzsyndroms zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung – namentlich 

Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit und Rente – bei der IV-Stelle des 

Kantons St.Gallen an (IV-act. 1).

A.b   Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. B.___, Facharzt FMH für 

Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, am 23. September 2004 ein 

fachärztliches Gutachten, in welchem er im Wesentlichen ein chronisches 

lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links und ein residuelles sensibles 

lumboradiculäres Ausfallsyndrom L5 links sowie eine beginnende Gonarthrose links 

diagnostizierte und volle Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere, 

wechselbelastende Tätigkeiten unter Vermeidung repetitiven Lastenhebens über 12,5 

Kilogramm attestierte (IV-act. 26).

A.c   Nachdem zwei weitere Operationen an der Wirbelsäule der Versicherten 

durchgeführt worden waren, beauftragte die IV-Stelle Dr. B.___ mit der Erstellung eines 

Verlaufsgutachtens. Dieses wurde am 21. September 2006 erstattet. Im Wesentlichen 

diagnostizierte Dr. B.___ ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit 

anamnestisch lumbospondylogener Komponente; die Arbeitsfähigkeit schätzte 

Dr. B.___ auf 50 % (zweimal zwei Stunden täglich) in einer körperlich leichten, 

wechselbelastenden Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis maximal 15 

Kilogramm und bis Schulterhöhe, unter Vermeidung von Tätigkeiten in 

Wirbelsäulenzwangshaltungen und Über-Kopf-Arbeiten sowie ohne repetitive 

Wirbelsäulenflexionen und Wirbelsäulenextensionen. Für den Zeitraum von Juni 2005 

bis Januar 2006 sei gemäss den zur Verfügung stehenden Unterlagen von einer 

100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu-gehen. In Haushalttätigkeiten bestehe eine 

Einschränkung der Leistungsfähigkeit für körperlich anstrengendere Tätigkeiten, 

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entsprechend einer Verminderung von maximal 20–30 %. Es sei schliesslich fraglich, 

so Dr. B.___, ob der bald dreifachen Mutter (Sohn zudem unter einem 

Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidend) eine ausserhäusliche Berufstätigkeit über 

50 % zugemutet werden könne (IV-act. 59).

A.d   Dr. med. C.___, Facharzt FMH für Arbeitsmedizin, vom IV-internen regionalen 

ärztlichen Dienst (RAD), hielt am 27. September 2006 gestützt auf das 

Verlaufsgutachten von Dr. B.___ sowie die übrigen aktenkundigen medizinischen 

Berichte fest, dass die angestammte Tätigkeit ab September 2002 nicht mehr 

zumutbar sei und in einer leidensadaptierten Tätigkeit von September 2002 bis und mit 

Juli 2004 von vollständiger Arbeitsunfähigkeit, von August 2004 bis und mit Mai 2005 

von vollständiger Arbeitsfähigkeit, von Juni 2005 bis und mit Januar 2006 von 

vollständiger Arbeitsunfähigkeit und ab Februar 2006 von 50%iger Arbeitsunfähigkeit 

auszugehen sei (IV-act. 60).

A.e   In der Folge prüfte die IV-Stelle berufliche Eingliederungsmassnahmen. Im 

Schlussbericht vom 3. November 2006 wurde festgehalten, die Versicherte habe 

mitgeteilt, dass es ihr nicht gut gehe, sie im sechsten Monat schwanger sei und 

eventuell nochmals operiert werden müsse. Sie habe im Jahr 2002 das letzte Mal 

gearbeitet, damals zu 100 %. Bei voller Gesundheit würde sie zu 50 % arbeiten, da sie 

noch zwei Kinder (damals neun und 13 Jahre alt) habe, die sie selbst betreuen müsse 

(IV-act. 65).

A.f    Nach der Geburt des dritten Kindes der Versicherten prüfte die IV-Stelle erneut 

berufliche Eingliederungsmassnahmen. Im Schlussbericht vom 18. Mai 2007 wurde 

festgehalten, die Versicherte habe mitgeteilt, sie sei aus gesundheitlichen Gründen 

nicht arbeitsfähig. Da sie ein Kleinkind zu betreuen habe und eines der beiden anderen 

Kinder an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leide, sie für die Kinderbetreuung 

aber keine familiäre Unterstützung habe, sei sie zusätzlich in ihrer Erwerbsfähigkeit 

beeinträchtigt (IV-act. 74).

A.g   Am 12. Juli 2007 wurde eine Abklärung im Haushalt der Versicherten 

durchgeführt. Im entsprechenden Bericht vom 27. Juli 2007 wurde unter anderem 

festgehalten, dass die Versicherte bei voller Gesundheit – wie bereits vor ihrer 

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Erkrankung – einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde, einerseits aus 

finanziellen Gründen und andererseits, weil sie unter die Leute müsse; sie habe das 

Gefühl, zuhause falle ihr die Decke auf den Kopf. Sie würde abends im Service arbeiten 

(ab ca. 16.00 oder 17.00 Uhr); ihr Lebenspartner würde auf die Kinder aufpassen (IV-

act. 78).

A.h   Mit Vorbescheid vom 8. Februar 2008 teilte die IV-Stelle mit, dass die Zusprache 

einer halben Invalidenrente ab 1. Juni 2006 vorgesehen sei (IV-act. 93). Dagegen liess 

die Versicherte am 31. März 2008 Einwand erheben. Sie beantragte die Zusprache 

einer Rente auch für die Zeit vor dem 1. Juni 2006, gestützt auf die Stellungnahme des 

RAD-Arztes Dr. C.___ vom 27. September 2006 und unter Berücksichtigung der 

Tatsache, dass für den Zeitraum von August 2004 bis und mit Mai 2005 nicht von 

vollständiger Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (IV-act. 99).

A.i     In der Folge führte die IV-Stelle eine weitere Abklärung im Haushalt der 

Versicherten durch. Im entsprechenden Bericht vom 16. Januar 2009 wurde unter 

anderem festgehalten, dass die Versicherte bei voller Gesundheit aus finanziellen 

Gründen zu 100 % als Serviertochter arbeiten würde, und zwar jeweils von etwa 16.00 

bis etwa 01.00 Uhr; werktags würde eine Freundin das jüngste Kind betreuen, ab 17.30 

Uhr könne der Ehemann die Betreuung übernehmen, ebenso an den Wochenenden. 

Die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle hielt im Abklärungsbericht dazu fest, die 

Angaben der Versicherten seien nicht durchwegs überzeugend. Zudem sei im 

Anschluss an die Abklärung mitgeteilt worden, dass die Versicherte zum vierten Mal 

Mutter wurde. Die Qualifikation sei daher ab Geburt des vierten Kindes nochmals neu 

zu prüfen (IV-act. 119).

A.j     Mit Vorbescheid vom 3. Juni 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass kein Anspruch auf 

eine Invalidenrente bestehe. Die Versicherte sei als Mutter von vier Kindern zu 100 % 

als Hausfrau und Mutter zu qualifizieren; eine zusätzliche Erwerbstätigkeit zu diesem 

belastenden Aufgabenbereich sei als realitätsfremd zu qualifizieren, was auch für die 

Zeit vor der Geburt des vierten Kindes gelte. Der Invaliditätsgrad betrage demnach 

24 % (IV-act. 129). Dagegen liess die Versicherte am 3. Juli 2009 Einwand erheben. Sie 

habe im Rahmen der Haushaltsabklärungen glaubhaft dargelegt, dass sie ohne 

gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100 % erwerbstätig wäre. Sie und ihre Familie 

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seien auf das entsprechende Einkommen angewiesen. Aufgrund der Arbeitszeiten wäre 

eine weitgehende Betreuung der Kinder gewährleistet; an den Schnittstellen würden 

die beiden kleinen Kinder im Kinderhort betreut. Sie sei deshalb als Vollerwerbstätige 

zu qualifizieren (IV-act. 130).

A.k   Am 10. Juli 2009 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom 3. Juni 2009. 

Eine vollzeitige Erwerbstätigkeit werde weiterhin als realitätsfremd qualifiziert, zumal die 

Versicherte ja auch ihre 50%ige Erwerbstätigkeit nicht verwerte (IV-act. 133).

B.     

B.a   Dagegen richtet sich die am 14. September 2009 erhobene und am 11. Januar 

2010 ergänzte Beschwerde, mit der die Überprüfung des Invaliditätsgrades beantragt 

und zur Begründung ausgeführt wird, aufgrund der gesamten Umstände sei die 

Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige zu qualifizieren; eventualiter sei zu prüfen, ob 

ihr rückwirkende Leistungen bis mindestens zur Geburt des dritten Kindes zustünden 

(act. G 1 und G 9).

B.b   Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer 

Beschwerdeantwort vom 3. März 2010 führte sie zur Begründung ihres Antrages aus, 

die Ausführungen der Beschwerdeführerin seien realitätsfremd. Zudem zeige die 

Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin bislang nicht bemüht habe, ihre 

verbliebene Erwerbsfähigkeit zu verwerten, dass die Möglichkeit und der Wille, ausser 

Haus zu arbeiten, eher theoretischer Natur seien. Eine 50%ige Erwerbstätigkeit sei 

zwar allenfalls bis zur Geburt des vierten Kindes noch denkbar, was aber am Ergebnis 

nichts ändere, da der Invaliditätsgrad für den entsprechenden Zeitraum auch bei dieser 

Annahme weniger als 40 % betrage und damit nicht zum Bezug einer Rente berechtige 

(act. G 11).

B.c   Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 14).

Erwägungen:

1.      

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In der Regel wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads gemäss Art. 16 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; 

SR 830.1) das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der 

Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das 

sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Bei Versicherten mit 

vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht 

erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, ist 

gemäss Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; 

SR 831.20) und Art. 8 Abs. 3 ATSG hingegen die Unmöglichkeit, sich im bisherigen 

Aufgabenbereich zu betätigen, massgebend (vgl. auch Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei 

Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird der Invaliditätsgrad für den auf 

die Erwerbstätigkeit entfallenden Teil gemäss Art. 16 ATSG und für den auf den 

Aufgabenbereich entfallenden Teil gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG ermittelt (Art. 28a Abs. 3 

IVG). Ist aber anzunehmen, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des 

Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre, so ist die 

Invaliditätsbemessung gemäss Art. 27  der Verordnung über die 

Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) ausschliesslich nach den Grundsätzen für 

Erwerbstätige zu bemessen. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

ist für die Beantwortung der Frage, ob eine versicherte Person ohne 

Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre, entscheidend, was diese bei im 

Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung 

bestünde, weshalb die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse 

ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das 

Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen 

Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen sind (vgl. etwa BGE 125 V 146 E. 2c 

S. 150 mit Hinweisen).

2.      

2.1    Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, sie wäre ohne 

Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig (vgl. IV-act. 78, 99, 119 und 130 sowie 

act. G 1 und G 9). Zwar soll sie im Rahmen des Eingliederungsgesprächs vom 

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3. November 2006 ausgeführt haben, sie würde bei voller Gesundheit nur zu 50 % 

arbeiten (vgl. IV-act. 65), doch hat die Beschwerdeführerin diese von ihr nicht 

gegengezeichnete Feststellung nie bestätigt – im Gegenteil: Sie hielt anlässlich der 

Haushaltabklärung vom 25. November 2008 explizit fest, sie habe diese Aussage nie 

gemacht (vgl. IV-act. 119). Es ist deshalb davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin durchwegs den Standpunkt vertritt, sie wäre ohne 

Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig. Indessen ist nicht allein der von der 

Beschwerdeführerin vertretene Standpunkt massgebend. Vielmehr ist – mit Blick auf 

die bundesgerichtliche Rechtsprechung – zu prüfen, wovon angesichts der gesamten 

Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.

2.2    Herausragende Bedeutung kommt dabei der Tatsache zu, dass die 

Beschwerdeführerin vierfache Mutter ist, wobei sich zwei der vier Kinder noch im 

Kleinkindalter befinden – die Kinder sind zwei, vier, 14 und 18 Jahre alt (vgl. IV-act. 1 

und 122). Ohne Gesundheitsschaden könnte die Beschwerdeführerin vor dem 

Hintergrund dieser Tatsache nur dann einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen, 

wenn eine genügende Betreuung der Kinder gewährleistet wäre. Ohne geeignete 

Betreuungslösung müsste die Aufnahme einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit als 

unrealistisch qualifiziert werden. Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, 

sie würde abends und nachts arbeiten, das heisst jeweils von etwa 16.00 Uhr oder 

17.00 Uhr bis etwa 01.00 Uhr, und zwar an drei Werktagen und an den Wochenenden. 

Ihr Mann würde seinerseits jeweils frühmorgens mit der Arbeit beginnen (etwa um 

07.00 Uhr), weshalb er am Abend entsprechend früh nach Hause kommen würde und 

die Kinderbetreuung übernehmen könnte. Ergänzend würde eine Freundin oder ein 

Kinderhort die Betreuung während der Zeit, in der die Beschwerdeführerin zur Arbeit 

gehe und ihr Ehemann noch nicht zuhause sei, übernehmen, womit eine 

durchgehende, angemessene Kinderbetreuung gewährleistet wäre. Die Situation wäre 

damit etwa mit der eines Ehepaares, das Gegenschicht arbeitet, vergleichbar. Diese 

Lösung kann zwar nicht als ideal bezeichnet werden, ist sie doch mit erheblicher 

Belastung für die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann verbunden. Allerdings ist 

notorisch, dass nicht wenigen Familien aus finanziellen Gründen keine andere Wahl 

bleibt, als ähnliche Lösungen zu leben. Dass beide Ehepartner vollzeitig erwerbstätig 

sind, obwohl sie Kinder im Kleinkindalter haben, ist keine Seltenheit: Gemäss den 

aktuellen Ergebnissen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des 

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Bundesamtes für Statistik (BFS) arbeiten immerhin rund 50’000 Frauen mit Kindern im 

Alter von 0–6 Jahren in einem Vollzeitpensum (BFS, SAKE, T 03.02.01.15). Dass auch 

die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit 

nachginge bzw. nachgehen müsste, ist aufgrund der finanziellen Verhältnisse des 

Ehepaares als wahrscheinlich anzunehmen: Die Beschwerdeführerin würde im 

Gastgewerbe erfahrungsgemäss einen tiefen Lohn beziehen; der Ehemann war 

offensichtlich wiederholt arbeitslos. Dass für die beiden älteren Kinder Waisenrenten 

ausgerichtet werden – wovon eine wohl in absehbarer Zeit entfallen wird, nachdem das 

älteste Kind in diesem Jahr volljährig wird und wohl auch bald die Erstausbildung 

abschliessen wird –, ändert daran nichts, sind die Beträge doch nicht so hoch, dass sie 

es der Beschwerdeführerin erlauben würden, ihr hypothetisches Erwerbspensum 

massgebend zu reduzieren. Dies gilt vor allem für Zeiträume, während denen der 

Ehemann arbeitslos ist.

2.3    Andere Umstände, die einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit entgegenstehen 

würden, sind nicht ersichtlich. Irrelevant ist auch der Hinweis der Beschwerdegegnerin, 

die Beschwerdeführerin habe (angeblich) keine Bemühungen unternommen, ihre 

Resterwerbsfähigkeit zu verwerten, was zeige, dass sie auch ohne 

Gesundheitsschaden keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde, kann doch nicht 

aufgrund des (angeblichen) tatsächlichen Verhaltens der Beschwerdeführerin in ihrer 

aktuellen Situation unbesehen auf ihr hypothetisches Verhalten ohne 

Gesundheitsschaden geschlossen werden.

2.4    Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Frage, ob und allenfalls in welchem 

Pensum die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden arbeiten würde, in jedem 

Fall nur rein hypothetisch beantwortet werden kann. Entscheidend ist vor diesem 

Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin durchwegs und entschieden den 

Standpunkt vertreten hat, sie wäre vollzeitig erwerbstätig, dass sie eine angemessene 

Betreuungslösung für die Kinder aufgezeigt hat, dass die Tätigkeit im Service zeitlich 

eine vollzeitige Erwerbstätigkeit erlaubt, dass die finanzielle Notwendigkeit einer 

vollzeitigen Erwerbstätigkeit gerade angesichts der wiederholten Phasen von 

Arbeitslosigkeit des Ehemannes ausgewiesen ist und dass keine Umstände ersichtlich 

sind, die der entsprechenden Hypothese, die Beschwerdeführerin wäre ohne 

Gesundheitsschaden vollzeitig erwerbstätig, entgegen stehen.

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3.      

3.1    Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde gutzuheissen. Die 

Beschwerdeführerin hat – ausgehend von der überzeugenden Aufstellung des RAD-

Arztes Dr. C.___ (IV-act. 60) und unter der Berücksichtigung von Art. 88a IVV – vom 

1. September 2003 bis 31. Oktober 2004 und vom 1. September 2005 bis 30. April 

2006 Anspruch auf eine ganze und ab 1. Mai 2006 auf eine halbe Rente der 

Invalidenversicherung.

3.2    Nach Art. 69 Abs. 1  IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 

Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand 

und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. 

Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95 

Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren 

ganz oder teilweise abgewiesen werden. Demnach hat die unterliegende 

Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten gesamthaft zu tragen. Die Bewilligung der 

unentgeltlichen Prozessführung wird damit obsolet.

3.3    Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat sodann Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung 

der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 

lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit mittlerem Aufwand und 

Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.-- 

ausgerichtet. Insgesamt rechtfertigt sich in der vorliegenden Sache, die Entschädigung 

auf pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen. 

Eine Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsvertretung wird damit obsolet.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

bis

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1.       In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 10. Juli 2009 

aufgehoben und der Beschwerdeführerin eine ganze Rente vom 1. September 2003 bis 

31. Oktober 2004 und vom 1. September 2005 bis 30. April 2006 sowie eine halbe 

Rente ab 1. Mai 2006 zugesprochen. Die Sache wird zur Berechnung der 

Rentenbeträge und anschliessender Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit Fr. 3’500.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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