# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 65d3ff08-d0cc-584e-863d-b898eb20dc58
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-12-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.12.2018 E-4587/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4587-2018_2018-12-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4587/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  D e z e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Beschwerdeführer 

B._______, geboren am (…), 

Beschwerdeführerin, 

und ihre Kinder   

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

alle vertreten durch MLaw Michèle Künzi, (…) Rechtsbera-

tungsstelle für Menschen in Not, (…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 9. Juli 2018 / N (…). 

 

E-4587/2018 

  Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden ersuchten am 15. November 2015 um Asyl und 

machten anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 19. November 

2015 sowie der Anhörungen vom 8. Dezember 2017 und vom 26. Juni 2018 

(ergänzende Anhörung der Beschwerdeführerin) im Wesentlichen Folgen-

des geltend: 

Sie seien afghanische Staatsangehörige aus E._______, Provinz Ghazni. 

Der Vater des Beschwerdeführers sei ungefähr im Jahr 2005 von den Tali-

ban getötet worden. Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer 

hätten sich ineinander verliebt und heiraten wollen. Ihr Vater habe den An-

trag des Beschwerdeführers jedoch zweimal abgelehnt, da seine Familie 

zu den Sayed gehöre und die Familie des Beschwerdeführers ethnische 

Hazara seien. Der Vater der Beschwerdeführerin sei opiumsüchtig gewe-

sen und habe Schulden bei einem Mann namens F._______ gehabt. Da er 

seine Schulden nicht habe begleichen können, habe er die Beschwerde-

führerin F._______ zur Frau geben wollen. Dieser sei bereits verheiratet 

gewesen und habe (…) Töchter in ihrem Alter gehabt. Gegen ihren Willen 

sei es zur Verlobung gekommen. Daraufhin habe sie sich mit dem Be-

schwerdeführer getroffen und über eine gemeinsame Ausreise gespro-

chen. Während dieses Gesprächs sei ihr Vater aufgetaucht und habe sie 

beide geschlagen. Am selben Abend sei der Beschwerdeführer von 

F._______ bedroht worden. In der Folge habe jener mit Hilfe seiner Mutter 

ein Haus verkauft und damit die Ausreise finanziert. Er habe mit der Be-

schwerdeführerin eine Tazkira für sie besorgt und danach Pässe für beide 

organisiert. Nachdem sie Afghanistan im (…) 2014 in Richtung Iran verlas-

sen hätten, sei F._______ bei der Familie des Beschwerdeführers aufge-

taucht und habe dessen Bruder zusammengeschlagen, dessen Mutter ge-

ohrfeigt und nach dessen Adresse gefragt. Seitdem lasse er die Familie 

nicht in Ruhe und erkundige sich nach dem Verbleib des Beschwerdefüh-

rers. Auch drohe er, dessen Schwester zu heiraten, sobald sie erwachsen 

werde. Im Iran hätten die Beschwerdeführenden geheiratet und ihre älteste 

Tochter sei dort zur Welt gekommen. Der Onkel des Beschwerdeführers 

habe ihm mitgeteilt, dass er von seinem Schwager gesucht werde. Darauf-

hin seien die Beschwerdeführenden in die Türkei geflohen und von dort 

über mehrere Länder am 15. November 2015 in die Schweiz gelangt.  

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  Seite 3 

Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden ihre Tazkiras, ihre Hei-

ratsurkunde, die Geburtsurkunde ihrer älteren Tochter, eine Geburtsmittei-

lung die jüngere Tochter betreffend (alles im Original) und eine an den Be-

schwerdeführer gerichtete Einsatzbestätigung der Stadt G._______ vom 

(…) (in Kopie) ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 9. Juli 2018 – eröffnet am 10. Juli 2018 – verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte ihre 

Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz 

an, schob den Vollzug jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten einer 

vorläufigen Aufnahme auf.  

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 9. August 2018 be-

antragten die Beschwerdeführenden die Feststellung der Flüchtlingseigen-

schaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter sei die angefochtene Ver-

fügung zur erneuten Überprüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sowie die Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin.  

Als Beweismittel reichten sie eine "Schnellrecherche der SFH-Länderana-

lyse vom 24. Mai 2016 zu Afghanistan: Besondere Gefährdung von 

Frauen", eine Fürsorgebestätigung vom (…) Juli 2018 und eine Kostennote 

vom 9. August 2018 ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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  Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriften-

wechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl ersucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 AsylG bedeutet – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

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  Seite 5 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach-

verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob-

jektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-

nisse betreffende substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und 

konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsge-

mässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeich-

net durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Über-

einstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbe-

sondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachge-

schobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es 

um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (insbesondere Übereinstim-

mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und 

Plausibilität der Angaben), die für oder gegen die gesuchstellende Person 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 

E. 5.1, 2010/57 E. 2.3; vgl. auch LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Einführung in 

die Aussagepsychologie, in: Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, 

2017, S. 47 ff.).  

5.  

5.1 Zur Begründung des ablehnenden Entscheids befand die Vorinstanz 

die Vorbringen der Beschwerdeführenden als nicht glaubhaft im Sinne von 

Art. 7 AsylG. Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der BzP zu Protokoll 

gegeben, ethnische Hazara zu sein. Im Widerspruch dazu habe sie wäh-

rend der Anhörung ausgeführt, eine Sayed zu sein. Sie habe keine Anga-

ben zu dieser Volksgruppe machen können. Die Ausführungen des Be-

schwerdeführers, er habe zweimal um die Hand der Beschwerdeführerin 

angehalten, würden fiktiv erscheinen, hätte ihm doch bewusst sein müs-

sen, dass er eine Sayed nicht auf legalem Weg zur Frau nehmen könne. 

Innerhalb der Gruppe der Hazara gäbe es Personen, die als Sayed gelten 

würden. Aufgrund ihres elitären Selbstverständnisses würden sie ihre 

Töchter nicht mit Hazara verheiraten, könnten jedoch deren Töchter heira-

ten. Nach der Beschimpfung und Zurückweisung anlässlich des ersten Hei-

ratsantrages hätte der Beschwerdeführer kaum nochmals einen vor die-

sem Hintergrund aussichtslos erscheinenden Brautwerbungsversuch un-

ternommen. Die Beschwerdeführerin habe sich in Bezug auf den Wohnort 

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  Seite 6 

und den Zivilstand ihres Bruders widersprochen. Auch habe sie die Um-

stände, welche den Beschwerdeführer zu einem Heiratsantrag veranlasst 

hätten und den zeitlichen Ablauf der massgeblichen Ereignisse wider-

sprüchlich geschildert. Vor dem Hintergrund der soziokulturellen Verhält-

nisse in Afghanistan wirke es ferner konstruiert, dass ihr, angesichts ihrer 

Verbindung zu einem heiratswilligen Hazara und der bevorstehenden Hei-

rat mit einem vermögenden Sayed, nicht das Handy weggenommen und 

sie nicht zu Hause "überwacht und/oder eingesperrt" worden sei. Der Be-

schwerdeführer habe während der BzP (am 19. November 2015) angege-

ben, vor ungefähr eineinhalb Jahren Afghanistan verlassen zu haben, an-

lässlich der Anhörung jedoch im Widerspruch dazu ausgeführt, es sei der 

(…) 2014 gewesen. Die Behauptung, ein Jahr im Iran gewesen zu sein, 

erweise sich als aktenwidrig. Zudem habe er widersprüchliche Aussagen 

zu seinem Pass gemacht. Diese unstimmigen Angaben seien ein "untrüg-

liches Indiz" dafür, dass die Beschwerdeführenden den Asylbehörden die 

tatsächlichen Ausreiseumstände verheimlichen würden. Die ethnische Zu-

gehörigkeit des Beschwerdeführers sei nicht asylrelevant, da keine Anzei-

chen vorliegen würden, die Hazara seien allein wegen ihrer ethnischen Zu-

gehörigkeit gezielter Verfolgung ausgesetzt. Die Diskriminierung von 

Frauen sei eine Folge der soziokulturellen Verhältnisse in Afghanistan und 

damit ebenfalls nicht asylrelevant. Zudem habe sich die Beschwerdeführe-

rin durch ihre Heirat von der Familie gelöst.  

5.2 Auf Beschwerdeebene konkretisieren die Beschwerdeführenden ver-

schiedene Punkte ihrer Aussagen und führen aus, für die Beschwerdefüh-

rerin bestehe kein wichtiger Unterschied zwischen den Hazara und den 

Sayed. Sie habe nicht viel über ihre Ethnie von ihrem Vater erfahren, da 

dieser der Opiumsucht verfallen sei. Ihre Mutter habe, gleich wie sie selbst, 

keine Schuldbildung genossen und deshalb kein Hintergrundwissen zu den 

Sayed. Mit Verweis auf eine Anfragebeantwortung des Austrian Centre for 

Country of Origin and Asylum Research and Documentation (ACCORD) zu 

Afghanistan: Informationen zur Volksgruppe der Sadat (Sayed, Sayyed, 

Sadaat, Sayyid, Sayid, Sayeed) vom 25. Oktober 2017 (abrufbar unter 

< https://www.ecoi.net/de/dokument/1419111.html > abgerufen am 

21.11.2018) führen die Beschwerdeführenden ferner aus, innerhalb der 

ethnischen Gruppe der Hazara gäbe es ein komplexes System von Unter-

gruppen, zu diesen würden auch die Sayed gehören. Ehen zwischen Ha-

zara-Männern und Sayed-Frauen seien selten aber nicht ausgeschlossen. 

Manchmal würden sich die Sayed selbst als Hazara bezeichnen und von 

anderen als solche bezeichnet werden. Hinsichtlich der Aussagen der Be-

schwerdeführerin bezüglich des Aufenthaltsortes ihres Bruders sei darauf 

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  Seite 7 

hinzuweisen, dass die BzP einen summarischen Charakter aufweise und 

die Antworten nicht – wie in der Anhörung – wortwörtlich wiedergegeben 

würden. Ihr Bruder habe im selben Haus gewohnt, jedoch seien die beiden 

separaten Haushalte nur durch einen Innenhof miteinander verbunden ge-

wesen. Sie könne keinen genauen Zeitpunkt der Heiratsvereinbarung zwi-

schen ihr und F._______ nennen, da sie die Gespräche und Abmachungen 

zwischen diesem und ihrem Vater nicht persönlich miterlebt habe. Der 

Vorinstanz könne nicht gefolgt werden, wenn sie das Kriterium der Plausi-

bilität zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen heranziehe. Die 

psychische Verfassung der Beschwerdeführerin sei zum Zeitpunkt der Be-

fragungen ferner sehr schlecht gewesen. Obwohl die Hilfswerkvertretung 

(HWV) angeregt habe, einen psychiatrischen Bericht anzufordern, habe 

die Vorinstanz dies unterlassen. Zudem sei zwischen der ersten und der 

ergänzenden Anhörung über ein halbes Jahr vergangen und die BzP habe 

über zwei Jahre zurückgelegen. Es sei nachvollziehbar, dass es bei einem 

solch langen Verfahren zu Unterschieden in den Vorbringen komme. Die 

Vorinstanz habe keine objektive Gesamtbetrachtung, sondern eine einsei-

tige Würdigung ihrer Aussagen vorgenommen. Bei einer Rückkehr nach 

Afghanistan müssten die Beschwerdeführenden aufgrund der vereitelten 

Zwangsheirat und der Flucht damit rechnen, umgebracht zu werden oder 

andere ernsthafte Nachteile sowohl seitens der Familie der Beschwerde-

führerin, des Umfelds von F._______ als auch seitens der afghanischen 

Behörden, zu erleiden. Das Umfeld von F._______ habe sie sogar im Iran 

gesucht. Die afghanischen Behörden seien weder schutzfähig noch -willig.  

6.  

6.1 Den Beschwerdeführenden ist zuzustimmen, dass gewisse von der 

Vorinstanz angeführte Widersprüche vermeintlicher Art sind. So erscheint 

das Vorbringen des SEM, die Beschwerdeführerin habe sich bezüglich ih-

rer Ethnie widersprochen, nicht nachvollziehbar, hat es doch selbst festge-

halten, die Sayed seien eine Untergruppe der Hazara (vgl. angefochtene 

Verfügung S. 4). Entsprechend stellt es keinen Widerspruch dar, wenn die 

Beschwerdeführerin sich einmal als Hazara und bei anderer Gelegenheit 

als Sayed bezeichnet. Zudem scheint es gemäss dem von den Beschwer-

deführenden zitierten Bericht von ACCORD vom 25. Oktober 2017 für die 

Sayed nicht unüblich zu sein, sich selbst als Hazara zu bezeichnen. Ferner 

fällt auf, dass die Vorinstanz mehrmals auf das Kriterium der Plausibilität 

zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit zurückgriff, ohne sich dabei auf objek-

tivierbare Kriterien abzustützen (vgl. zur Kritik am Kriterium der Plausibilität 

zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit Urteil des BVGer D-2124/2014 und D-

4194/2015 vom 15. Januar 2016 E. 7.3). So führt sie aus, es sei "fiktiv", 

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  Seite 8 

dass sich der Beschwerdeführer nicht von den ethnischen Unterschieden 

und der ersten Abweisung durch den Vater der Beschwerdeführerin habe 

entmutigen lassen und ein zweites Mal um ihre Hand angehalten habe. 

Des Weiteren ist in Übereinstimmung mit den Beschwerdeführenden fest-

zuhalten, dass ihren Vorbringen mehrere Realkennzeichen zu entnehmen 

sind, was von der Vorinstanz nicht thematisiert wurde. Die Darstellung der 

Beschwerdeführenden vermag in einigen Punkten durchaus zu überzeu-

gen und weist ganz grundsätzlich einen eher komplexen, mithin nicht ste-

reotypen Charakter auf. Ferner besteht eine gewisse Übereinstimmung ih-

rer anlässlich der ersten Anhörungen geltend gemachten Asylvorbringen. 

Demgegenüber ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass im zentralen 

Punkt ihrer Darlegungen – der drohenden Zwangsheirat mit F._______ – 

gravierende Widersprüche bestehen. Anlässlich der ersten Anhörung schil-

derte die Beschwerdeführerin (in Übereinstimmung mit dem Beschwerde-

führer), F._______ sei nach dem zweiten Heiratsantrag des Beschwerde-

führers beim Vater der Beschwerdeführerin aufgetaucht und habe die Be-

gleichung der Schulden oder die Beschwerdeführerin zur Ehefrau verlangt. 

Danach habe sie sich mit dem Beschwerdeführer auf den Feldern getroffen 

und sie seien dabei von ihrem Vater überrascht worden (vgl. vorinstanzli-

che Akten A31 F32). Während der ergänzenden Anhörung gab sie dage-

gen zu Protokoll, den Anlass zu einem Heiratsantrag des Beschwerdefüh-

rers habe die bevorstehende Heirat mit F._______ gegeben. Sie führte aus: 

"Als ich H._______ gesehen habe, habe ich ihm gesagt, dass mein Vater 

mich verheiraten möchte und ich einen Mann, den ich nicht mag, heiraten 

muss. Ich habe ihm gesagt: 'Falls du mich wirklich liebst, dann komm und 

halte um meine Hand bei meinem Vater an.' Er sagte, dass er das machen 

würde. Er kam mit seiner Mutter zu uns und hielt bei meinem Vater um 

meine Hand an" (vgl. A36 F30). Danach sei sie mit F._______ verlobt wor-

den. Nach der Verlobung sei es zum Vorfall gekommen, als sie (die Be-

schwerdeführenden) vom Vater der Beschwerdeführerin auf den Feldern 

überrascht worden seien. Zwei Wochen nach diesem Vorfall habe der Be-

schwerdeführer ein zweites Mal um ihre Hand angehalten (vgl. A36 F30). 

Damit schilderte sie im zentralen Punkt ihrer Vorbringen nicht nur den Ab-

lauf der Ereignisse sondern auch die Kausalität unterschiedlich. Sodann 

führte sie im Unterschied zur ersten Anhörung aus, ihr Vater habe sie dem 

Beschwerdeführer neben der unterschiedlichen Abstammung auch wegen 

der Verlobung mit F._______ nicht zur Frau geben wollen (vgl. A31 F32 

und A36 F30). Auch legte sie unterschiedlich dar, von wem die Initiative zur 

Heirat ausgegangen sei. Anlässlich der ersten Anhörung führte sie aus, der 

Beschwerdeführer habe die Initiative ergriffen (vgl. A31 F32 S. 5). Aus der 

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  Seite 9 

ergänzenden Anhörung geht dagegen hervor, dass es die Beschwerdefüh-

rerin war, die den Beschwerdeführer darum gebeten habe, um ihre Hand 

anzuhalten (vgl. A36 F30 S. 5). Angesichts dessen, dass es sich bei der 

angeblich drohenden Zwangsheirat um das fluchtauslösende Ereignis ge-

handelt haben soll, lassen sich die erwähnten erheblichen Widersprüche 

betreffend die Ereignisse, die vorher stattgefundenen haben sollen, nicht 

mit der zeitlichen Distanz zwischen den vorgebrachten Vorfällen und den 

Anhörungen erklären. Ferner vermag die von den Beschwerdeführenden 

geltend gemachte schlechte psychische Verfassung der Beschwerdefüh-

rerin die erheblich divergierenden Aussagen nicht in entscheidender Weise 

zu relativieren. Den Anhörungsprotokollen lassen sich keine Anhaltspunkte 

entnehmen, wonach es ihr nicht möglich gewesen wäre, der Anhörung zu 

folgen, oder sie Schwierigkeiten bei der Beantwortung der Fragen gehabt 

hätte. Insgesamt lässt das Bestehen wesentlicher Widersprüche im zent-

ralen Vorbringen der Beschwerdeführerden nicht darauf schliessen, dass 

sie das Geschilderte in dieser Form selbst erlebt haben.  

Zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten: Obwohl der vorinstanzli-

chen Einschätzung in mehreren Punkten nicht gefolgt werden kann, über-

wiegen bei einer Gesamtwürdigung aller Elemente diejenigen, welche ge-

gen die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführenden 

hinsichtlich der fluchtauslösenden Umstände sprechen. Das Gericht 

kommt somit zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht ge-

lungen ist, ihre Sachverhaltsdarstellung als überwiegend wahrscheinlich 

und damit glaubhaft erscheinen zu lassen. Entsprechend kann auch nicht 

von einer allenfalls asylrelevanten Entführung der Beschwerdeführerin 

durch den Beschwerdeführer ausgegangen werden, zumal, wie soeben 

dargetan, sich deren vorgebrachter Beweggrund – die drohende Zwangs-

heirat – als nicht glaubhaft herausstellte. 

6.2 Die Beschwerdeführenden konnten keine Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Vorinstanz 

hat ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt.  

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

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  Seite 10 

7.2 Die Beschwerdeführende verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Nachdem das SEM die vorläufige Aufnahme anstelle eines Wegweisungs-

vollzugs angeordnet hat, ist dieser nicht mehr zu prüfen. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

Die Vorinstanz ist im Übrigen zum wiederholten Mal auf ihre Aktenfüh-

rungs- und Paginierungspflicht hinzuweisen (vgl. dazu Urteile des BVGer 

D-6126/2016 vom 24. August 2017 E. 6.2.2; D-4122/2016 vom 16. August 

2016 E. 6.2.3; E-4491/2017 und E-4500/2017 vom 10. November 2017 

E. 6). Im Dossier befinden sich mehrere Dokumente, welche weder ins Ak-

tenverzeichnis aufgenommen noch paginiert worden sind (bspw. sämtliche 

Identitätspapiere der Beschwerdeführenden, ihre Heiratsurkunde, die Ge-

burtsurkunde der ältesten Tochter, die Geburtsmitteilung die jüngste Toch-

ter betreffend, sowie sämtliche Übersetzungen der vorgenannten Doku-

mente).  

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sie bedürftig sind 

(vgl. Fürsorgebestätigung vom (…) Juli 2018) und sich die Beschwerde 

zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als aussichtslos präsentierte, ist das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 

1 VwVG) gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu ver-

zichten. Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht der Erhe-

bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

11.2 Folglich ist auch das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut-

zuheissen (vgl. Art. 110a Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 2 VwVG) und die 

rubrizierte Rechtsvertreterin den Beschwerdeführenden als amtliche 

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  Seite 11 

Rechtsbeiständin beizuordnen, zumal sie die persönlichen Voraussetzun-

gen gemäss Art. 110a Abs. 3 AsylG erfüllt. 

11.3 Amtlichen Rechtsbeiständen ist ein amtliches Honorar für ihre not-

wendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. In ihrer 

mit der Beschwerde eingereichten Kostennote macht die rubrizierte 

Rechtsvertreterin einen Aufwand von 14 Stunden à Fr. 180.–, insgesamt 

Fr. 2'764.04 (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag und Spesen) geltend. Der zeit-

liche Aufwand von 14 Stunden erscheint dem vorliegenden, nicht übermäs-

sig komplexen oder umfangreichen Verfahren nicht als vollumfänglich an-

gemessen respektive notwendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Zudem 

ist bei nichtanwaltlichen Rechtsvertretungen ein Stundenansatz von maxi-

mal 150.– vorzusehen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Unter Berücksichtigung 

der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 – 13 VGKE) und der Ent-

schädigungspraxis in Vergleichsfällen ist der Vertretungsaufwand für das 

Beschwerdeverfahren auf pauschal Fr. 1'500.– (inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteuerzuschlag) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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  Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen und 

den Beschwerdeführenden wird MLaw Michèle Künzi, Berner Rechtsbera-

tungsstelle für Menschen in Not, als amtliche Rechtsbeiständin beigeord-

net.  

5.  

Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin wird auf Fr. 1‘500.– festge-

setzt und durch die Gerichtskasse vergütet.  

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Maria Wende 

 

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