# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 94dbb1ef-9b36-53ba-8f87-130544ed8f7c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-10-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 31.10.2018 SK1 2017 36
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2017-36_2018-10-31.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

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Ref.: Chur, 31. Oktober 2018 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 17 36 12. November 2018

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Schnyder
RichterInnen Pedrotti und Michael Dürst
Aktuarin Lenz

In der strafrechtlichen Berufung

des X._____, Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christian 
Schreiber, Hartbertstrasse 11, 7001 Chur, 

gegen

das Urteil des Regionalgerichts Viamala vom 21. März 2017, mitgeteilt am 9. Au-
gust 2017, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhof-
strasse 17, 7001 Chur, Berufungsbeklagte, gegen den Berufungskläger,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. X._____ wurde am _____ 1959 als Sohn der A._____ und des B._____ in 
O.1_____ geboren. Zurzeit arbeitet er als Aussendienstmitarbeiter bei der 
C._____ und generiert gemäss Auskünften der Steuerverwaltung des Kantons 
Graubünden betreffend die Steuerperiode 2014 ein jährliches Nettoeinkommen 
von CHF 52'255.00, was einem monatlichen Nettoeinkommen von etwa 
CHF 4'355.00 entspricht. 

B. Im Schweizerischen Zentralstrafregister und im SVG-Massnahmenregister 
ist X._____ nicht verzeichnet.

C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) 
eröffnete am 30. März 2016 eine Strafuntersuchung gegen X._____ wegen grober 
Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung 
mit Art. 90 Abs. 2 SVG (vgl. StA act. 11). Anlässlich dieser Strafuntersuchung führ-
te der zuständige Staatsanwalt am 30. Juni 2016 im Beisein von X._____ als Be-
schuldigter in Begleitung seines privaten Verteidigers sowie des Zeugen D._____ 
und einem Sachbearbeiter an der Örtlichkeit des Überholmanövers in O.2_____ 
einen Augenschein durch.

D. Die Staatsanwaltschaft teilte X._____ am 4. August 2016 mit, dass die Stra-
funtersuchung abgeschlossen sei. Gleichzeitig wurde die Anklageerhebung beim 
Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie 
wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG in Aussicht gestellt und eine 
Frist von zehn Tagen eingeräumt, um allfällige Beweisanträge zu stellen. 

E. Am 8. Dezember 2016, mitgeteilt am 12. Dezember 2016, erging die Ankla-
geschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden. Der Anklageschrift liegt folgender 
Sachverhalt zugrunde: 

Grobe Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in 
Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und der Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG

Am _____ 2015 war die Südspur der A _____ zwischen der Rechtskurve 
vor der O.3_____ bis Höhe nordöstliches Ende des O.2_____stausees von 
der Nordspur durch eine Leitlinie (6.03) getrennt. Nach dieser Rechtskurve 
folgt die O.3_____ bzw. eine längere Gerade, die in eine unübersichtliche 
Linkskurve verläuft. Die Strasse ist 6.70 m breit und weist dort eine Stei-

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gung von 6 - 7% auf. Die Fahrspuren sind in diesem Bereich beidseits 
durch Leitplanken und das Brückengeländer begrenzt. Die Höchstge-
schwindigkeit war damals in beiden Fahrtrichtungen mit 100 km/h signali-
siert. Die Distanz zwischen der 1. und der 2. Schwelle der O.3_____ be-
trägt 125.5 m, während die Distanz von der 2. Schwelle der O.3_____ bis 
zu dem Brückenkordon, wo die Autostrasse über die Kantonsstrasse _____ 
führt, 120 m beträgt. Nach der O.3_____ bzw. vor der Überführung über die 
Kantonsstrasse befindet sich rechterhand der Südspur ein SOS-
Ausstellplatz. Die Sichtdistanz von dem frühestmöglichen Beginn des 
Überholmanövers in dieser Rechtskurve bis in die unübersichtliche Links-
kurve beträgt unter Berücksichtigung des im Zusammenhang mit dem Au-
genschein berechneten toten Winkels rund 356 m (383 m - 27 m = 356 m).

Am 13. November 2015 fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen 
E._____, Kontrollschild GR _____, auf der Nordspur der Autostrasse _____ 
von O.4_____ in Richtung O.2_____. Nach dem _____tunnel schloss er 
auf eine Kolonne von mehreren Fahrzeugen auf. Die Kolonne wurde von 
einem Sattelschlepper angeführt, welchem ein blauer Personenwagen der 
Marke BMW mit _____ Kontrollschildern folgte. An dritter Stelle fuhr der 
Polizeibeamte D._____ mit dem Dienstfahrzeug und hinter diesem fuhren 
ein weisser und grauer Personenwagen. In der Folge setzte X._____ um 
ca. 12.10 Uhr, rund 63 m unterhalb der 1. Schwelle der O.3_____, Ge-
meinde O.2_____, in der oben erwähnten Rechtskurve zum Überholen die-
ser Kolonne an, die zu diesem Zeitpunkt mit ca. 40 km/h unterwegs war. 
Um alle Fahrzeuge dieser Kolonne korrekt überholen zu können, reichte 
die Sichtdistanz, die dem Beschuldigten zur Verfügung stand, nicht aus. In 
der Folge beschleunigte er beim Überholen sein Fahrzeug auf 120 km/h 
und überschritt damit bewusst die damals dort geltende Höchstgeschwin-
digkeit von 100 km/h. Nachdem X._____ vier Personenwagen und dieses 
Sattelmotorfahrzeug überholt hatte, bog er im Bereich des SOS- Ausstell-
platzes bzw. unmittelbar vor der Vorwegweisertafel Anschluss O.2_____ 
und somit nach rund 290 m (Überholweg) mit seinem Personenwagen GR 
_____ wieder auf die rechte Fahrspur zurück. Gegenverkehr herrschte zum 
Zeitpunkt des Überholmanövers keiner. Der Beschuldigte führte sein Über-
holmanöver aus, obwohl er bei Beginn seines Überholmanövers in dieser 
Rechtskurve die Strasse wegen der rechtsseitigen Leitplanke bzw. des 
Brückengeländers nur eingeschränkt überblicken konnte und für ihn auf-
grund der vorausfahrenden Personenwagen und der die Sicht nach vorne 
zusätzlich einschränkenden Grösse des Sattelschleppers notwendige 
Raum nicht einsehbar war und er die Gewissheit, wieder rechtzeitig auf die 
Normalspur zurückfahren zu können, nicht hatte. Beim Entscheid an der 
fraglichen Stelle vier Personenwagen und einen Sattelschlepper zu überho-
len, zog der Beschuldigte aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, 
dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche 
Verkehrssituation und eine ernsthafte Gefahr für die Sicherheit anderer 
Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Insassen der überholten Fahrzeuge, 
schaffen würde.

F. Das Bezirksgericht Hinterrhein (ab 1. Januar 2017 Regionalgericht Viamala) 
lud mit prozessleitender Verfügung vom 15. Dezember 2016 zur Hauptverhand-

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lung vor. Gleichzeitig wurde den Parteien eine Frist bis am 23. Januar 2017 ange-
setzt, um Beweisanträge zu stellen und zu begründen. 

G. In der Folge liess X._____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christian 
Schreiber, mit Eingabe vom 9. Januar 2017 folgenden Beweisantrag stellen (vgl. 
RG act. III.1): 

Die Berechnung des Überholweges sei entsprechend dem beigelegten 
act. 4 der Staatsanwaltschaft mit folgenden Werten anzustellen:

- Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges 120 km/h
- Fahrzeugabstände 10m
- Geschwindigkeit der überholten Fahrzeuge 20 km/h
- Anzahl der überholten PW's 3 bzw. 4
- Einsehbare Strecke 382 m bzw. 356 m
- Geschwindigkeit Gegenverkehr 100 km/h.

H. Am 27. Januar 2017 lehnte der Präsident des Regionalgerichts Viamala in 
Anwendung von Art. 331 StPO diesen Beweisantrag mit Verweis auf die Stellung-
nahme der Staatsanwaltschaft ab. Er hielt fest, dass das Gericht bei Bedarf in das 
Beweisverfahren zurückkehren könne. 

I. Die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Viamala fand am 21. März 
2017 statt. Anwesend waren X._____ als Beschuldigter in Begleitung seines priva-
ten Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. Christian Schreiber, sowie die Staatsan-
waltschaft. Die Parteien stellten die folgenden Anträge (Art. 346 Abs. 1 StPO). 

Anträge der Staatsanwaltschaft Graubünden:

1. X._____ sei schuldig zu sprechen der groben Verletzung von Verkehrs-
regeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 
2 SVG und der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.

2. Dafür sei er zu verurteilen:

a) Zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 90.00. Der Vollzug 
der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 
2 Jahren.

b) Zur Bezahlung einer Busse von CHF 1'060.00, ersatzweise zu einer 
Freiheitsstrafe von 11 Tagen.

3. Kostenfolge sei die gesetzliche.

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Anträge von X._____:

1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Die Kosten gehen zulasten des Staates, der den Beschuldigten ausser-
amtlich angemessen zu entschädigen hat.

J. Gegen das am 21. März 2017 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und 
ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts Viamala mel-
dete X._____ (nachfolgend: Berufungskläger) nach der mündlichen Eröffnung des 
Urteilsdispositivs am 3. April 2017 Berufung an. Daraufhin teilte das Regionalge-
richt Viamala den Parteien am 9. August 2017 das begründete Urteil mit. Darin 
erkannte es wie folgt:

1. X._____ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss 
Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und der 
Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.

2. a) Dafür wird X._____ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 
CHF 90.00 bestraft.

c) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 
Jahren aufgeschoben.

3. a) Zudem wird X._____ mit einer Busse von CHF 1'000.00 bestraft.

b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 10 Tage. Sie tritt an 
die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.

4. Die Kosten des Verfahrens von CHF 8'756.00 (Untersuchungsge-
bühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden 
CHF 2'756.00, Gerichtsgebühren CHF 6'000.00) gehen zu Lasten von 
X._____.

5. (Rechtsmittelbelehrung)

6. (Mitteilung).

K. Am 30. August 2017 reichte X._____ die Berufungserklärung beim Kan-
tonsgericht von Graubünden ein und beantragte was folgt: 

1. Ziffer 1.-4. des angefochtenen Urteils seien aufzuheben, soweit dem 
Beklagten die Verletzung von Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung 
mit Art. 90 Abs. 2 SVG vorgeworfen wird.

2. Es sei wegen Verletzung von Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit 
Art. 90 Abs. 1 SVG eine Busse von Fr. 240.00 auszusprechen.

3. Unter amtlicher und ausseramtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge 
für beide Instanzen zulasten des Staates.

Der Berufungskläger stellte zudem die folgenden Beweisanträge: 

Es sei der Überholweg für das Fahrzeug des Beschuldigten gemäss der 
Berechnung von act. 4 mit folgenden Parametern vorzunehmen und das 
Ergebnis zu würdigen: 

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- Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges 120 km/h;
- Fahrzeugabstände 10m;
- Geschwindigkeit der überholten Fahrzeuge 15 km/h;
- Anzahl der überholten Fahrzeuge 3;
- Einsehbare Strecke 383 m;
- Geschwindigkeit Gegenverkehr 100 km/h.

Es seien die beigelegten Zeitungsberichte der "F._____" vom 16. August 
2017 und der G._____ vom 17. August 2017 betreffend Geschwindigkeits-
übertretung von D._____ zu den Akten zu nehmen.

Beweis: - Zeitungsbericht "F._____" vom 16. August 2017      (act. 2)

             - Zeitungsbericht G._____ vom 17. August 2017 (act. 3)

Der Berufungskläger beantragte zudem, es sei lediglich das schriftliche Verfahren 
durchzuführen.

L. Mit Schreiben vom 31. August 2017 bat der Vorsitzende der I. Strafkammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden die Staatsanwaltschaft um Mitteilung, ob 
diese mit der Anordnung des schriftlichen Verfahrens einverstanden sei. 

M. Mit Schreiben vom 1. September 2017 verzichtete die Staatsanwaltschaft 
auf eine Stellungnahme zur Berufungserklärung sowie zu den darin gestellten Be-
weisanträgen. Sie sei mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einver-
standen.

N. Mit Schreiben vom 6. September 2017 teilte der Vorsitzende der I. Straf-
kammer des Kantonsgerichts von Graubünden dem Berufungskläger mit, dass die 
beiden mit Berufungserklärung vom 30. August 2017 eingereichten Zeitungsbe-
richte vom 16. bzw. 17. August 2017 zu den Akten genommen würden. Das 
Rechtsbegehren auf Berechnung des Überholweges mit den vom berufungskläge-
rischen Rechtsvertreter vorgeschlagenen Parametern stelle kein eigentlicher Be-
weisantrag dar, da damit keine neuen Tatsachen bewiesen würden. Der Antrag 
beschlage letztlich die mathematische und rechtliche Würdigung des Sachver-
halts, falls die behaupteten Werte als zutreffend und entscheidrelevant einge-
schätzt würden. Im Weiteren teilte der Vorsitzende der I. Zivilkammer dem Beru-
fungskläger mit, dass dieser in seiner Berufungserklärung vom 30. August 2017 
beantragt habe, "es sei lediglich das schriftliche Verfahren durchzuführen". Indes-
sen werde die vorinstanzliche Beweiswürdigung und insbesondere die Glaubwür-
digkeit einzelner Zeugenaussagen beanstandet. Unter diesen Umständen hänge 
die Durchführung des schriftlichen Verfahrens im Sinne von Art. 406 Abs. 2 lit. a 

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StPO grundsätzlich davon ab, dass ein ausdrücklicher und vorbehaltsloser Ver-
zicht des Berufungsklägers auf seine persönliche Einvernahme und die Abnahme 
weiterer Beweise vorliege. Nur wenn die Anwesenheit des Berufungsklägers im 
Hinblick auf die gesamte Entscheidfindung nicht relevant sei, könne die Verfah-
rensleitung nach dem Wortlaut des Gesetzes im Einvernehmen mit allen Parteien 
die Durchführung des schriftlichen Verfahrens anordnen. Abschliessend bat der 
Vorsitzende der I. Strafkammer den Berufungskläger um schriftliche Bestätigung, 
dass dieser ausdrücklich und vorbehaltlos auf seine Einvernahme durch das Ge-
richt und die Erhebung weiterer Beweise verzichte. Der Berufungskläger bestätigte 
dies mit Schreiben vom 12. September 2017.

O. Mit Verfügung vom 15. September 2017 ordnete der Vorsitzende der 
I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden gestützt auf Art. 406 Abs. 2 
lit. a StPO die Durchführung des schriftlichen Verfahrens an und setzte dem Beru-
fungskläger Frist zur Einreichung einer schriftlichen Berufungsbegründung.

P. Innert Frist reichte der Berufungskläger am 9. Oktober 2017 die Berufungs-
begründung ein. Darin hielt er an seinen Rechtsbegehren gemäss Berufungser-
klärung vom 30. August 2017 (Rechtsbegehren Ziff. 1-3) fest.

Q. In der Stellungnahme vom 14. November 2017 beantragte die Staatsan-
waltschaft die kostenfällige Abweisung der Berufung und äusserte sich ergänzend 
zu einigen Sachverhaltspunkten.

R. Der Berufungskläger replizierte mit Eingabe vom 11. Dezember 2017. Die 
Staatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 18. Dezember 2017 auf eine 
Duplik.

S. Auf die weitere Begründung der Anträge in den Rechtsschriften sowie auf 
die Erwägungen im angefochtenen Urteil wird, soweit erforderlich, in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1.1. Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit de-
nen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 
StPO). Die Berufung bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und 
Zivilfragen materiell befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie 
auf Urteile, die auf Verurteilung oder Freispruch lauten und der Fall vor der ersten 

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Instanz damit abgeschlossen wird (Luzius Eugster, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger 
[Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Art. 196-
457 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 2 zu Art. 398 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 
StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröff-
nung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden, worauf das 
erstinstanzliche Gericht die Anmeldung nach Ausfertigung des begründeten Urteils 
zusammen mit den Akten dem Kantonsgericht von Graubünden als Berufungsge-
richt übermittelt (Art. 399 Abs. 2 StPO; Art. 22 des Einführungsgesetzes zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; BR 350.100]). Nach Art. 399 
Abs. 3 StPO reicht die Partei, die Berufung angemeldet hat, dem Kantonsgericht 
von Graubünden innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine 
schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie anzugeben hat, ob sie das Urteil 
vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche Abänderungen des erstin-
stanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Beweisanträge sie stellt (lit. c).

1.2. Gegen das am 21. März 2017 mündlich eröffnete und gleichen Tages ohne 
schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts Viamala meldete 
X._____ am 3. April 2017 unter Berücksichtigung von Art. 90 StPO innert der 
zehntägigen Frist rechtzeitig die Berufung an (act. A.1). Nach Mitteilung des be-
gründeten Urteils am 9. August 2017 reichte er fristgerecht am 30. August 2017 
seine Berufungserklärung ein. Da auch die anderen gesetzlich statuierten Voraus-
setzungen gegeben sind, ist auf die Berufung einzutreten.

1.3. Als Berufungsgericht kann das Kantonsgericht von Graubünden das erstin-
stanzliche Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 
Abs. 2 StPO). Die Berufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit welchem 
erstinstanzliche Urteile in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hinsicht 
mit freier Kognition überprüft werden können (vgl. Niklaus Schmid, Schweizerische 
Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich 2013, N 1 zu Art. 398 
StPO; Markus Hug/Alexandra Scheidegger, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber 
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., 
Zürich 2014, N 14 zu Art. 398 StPO). Bildeten aber ausschliesslich Übertretungen 
Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur 
geltend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des 
Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. 
Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 
Abs. 4 StPO). Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues 
Urteil, welches das erstinstanzliche ersetzt (Art. 408 StPO). 

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2. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die 
Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch-
lich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. BGE 136 I 229 
E. 5.2 S. 236; BGE 124 I 241 E. 2 S. 242, je mit Hinweisen). Daraus folgt die Ver-
pflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforder-
lich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und 
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 138 IV 81 E. 2.2 S. 84 
= Pra 2012 Nr. 105). Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentli-
chen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der 
Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in vol-
ler Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne 
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die 
Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 136 I 229 
E. 5.2 S. 236; BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen). Im Rechtsmittelverfahren 
kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklag-
ten Sachverhalts aus Gründen der Prozessökonomie auf die Begründung der Vor-
instanz verweisen, wenn es dieser beipflichtet (Art. 82 Abs. 4 StPO; Botschaft vom 
21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1157 
Ziff. 2.2.8.5 zu Art. 80). Auf neue tatsächliche oder rechtliche Vorbringen, die 
erstmals im Rechtsmittelverfahren vorgebracht werden, ist einzugehen. Vom In-
strument der Verweisung ist zurückhaltend Gebrauch zu machen, da andernfalls 
bei der das Rechtsmittel ergreifenden Person der Eindruck entstehen kann, die 
Rechtsmittelinstanz setze sich mit ihren Vorbringen nicht auseinander (vgl. Nils 
Stohner, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 
2014, N 9 zu Art. 82 StPO). Ein Verweis erscheint in erster Linie bei nicht streiti-
gen Sachverhalten und abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen 
bei strittigen Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Sub-
sumtion des konkreten Falls nur dann in Frage, wenn die Rechtsmittelinstanz den 
vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichtet. Art. 82 Abs. 4 StPO 
entbindet die Rechtsmittelinstanzen nicht von deren Begründungspflicht und findet 
seine Grenzen, wenn sich nicht mehr ohne Weiteres feststellen lässt, was die 
massgebenden tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen der Rechtsmittelinstanz 
sind (vgl. zum Ganzen: BGE 141 IV 244 E. 1.3.3 mit weiteren Hinweisen auf die 
Urteile des Bundesgerichts 6B_776/2013 vom 22. Juli 2014 E. 1.5; 6B_356/2012 
vom 1. Oktober 2012 E. 3.5).

3.1. Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach sei-
ner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis 

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zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Be-
stehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person 
günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus 
der derart statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldig-
ten Person ist, ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden ver-
pflichtet sind, den Nachweis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N 6 zu Art. 10 StPO). An diesen Nachweis 
sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahr-
scheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach der aus 
Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO fliessenden Be-
weiswürdigungsregel "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter jedoch nicht von 
der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Vorausset-
zungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2.a). 
Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil 
solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 
Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel han-
deln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Rechtslage aufdrängen 
(vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2.c S. 37). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung an 
Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeu-
gung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der 
Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Ange-
klagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünf-
tige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 1987 
Nr. 12, Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, Eine Einführung auf der Grundlage des 
Strafprozessrechts des Kantons Zürich und des Bundes, 4. Aufl., Zürich 2004, 
N 294 f.). Diese allgemeine Rechtsregel kommt nicht schon dann zur Anwendung, 
wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher sich aus 
den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der Anklage 
den Richter zu überzeugen vermag. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in 
der einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem 
Grundsatz "in dubio pro reo" der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt an-
genommen werden. In diesem Fall hat ein Freispruch zu erfolgen. 

3.2. Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung (vgl. Schmid, Praxiskommentar, 

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a.a.O., N 5 zu Art. 10 StPO). Vielmehr schliesst der strafprozessuale Grundsatz 
der Ermittlung der materiellen Wahrheit eine Bindung an die Anträge und Vorlagen 
der Parteien aus (vgl. ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aussagen von Zeu-
gen, Auskunftspersonen und Angeklagten vollgültige Beweismittel mit derselben 
Beweiseignung. Auch wenn der Angeklagte am Verfahren direkt beteiligt ist, stellt 
seine Aussage gleichwohl ein Beweismittel dar und sind seine Aussagen richter-
lich auf ihre materielle Richtigkeit hin zu würdigen. Bei der Beweiswürdigung ist 
nicht die Form, sondern der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der 
Bekundung sowie die Überzeugungskraft der Beweismittel im Einzelfall entschei-
dend (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizerisches Straf-
prozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 5), wobei nicht in erster Linie die 
Glaubwürdigkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner 
konkreten Aussage im Vordergrund steht. Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer 
Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Dar-
stellung des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des 
Erlebten zu werten (vgl. im Detail: Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, Psy-
chologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., 
München 1993).

3.3. Lehre und Rechtsprechung anerkennen, dass die Strafverfolgungsbehör-
den nicht alle möglichen Beweise zusammenzutragen haben. Vielmehr kann auf 
die Erhebung weiterer Beweise dann verzichtet werden, wenn die für die Beurtei-
lung der Sache erforderlichen Tatsachen bereits aufgrund der vorhandenen Be-
weismittel feststehen und nicht zu erwarten ist, dass neue Beweismittel das Er-
gebnis der freien Würdigung der vorhandenen Beweismittel zu erschüttern vermö-
gen (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3; BGE 129 I 151 E. 5; BGE 125 I 127 E. 6c/aa). Das 
Gericht hat nur solchen Beweisanträgen zu folgen, die nach seiner Würdigung 
rechts- und entscheiderheblich sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_655/2012 
vom 15. Februar 2013 E. 2.2)

4. Gemäss Art. 406 Abs. 1 lit. a StPO kann das Berufungsgericht die Berufung 
in einem schriftlichen Verfahren behandeln, wenn ausschliesslich Rechtsfragen zu 
behandeln sind. Mit dem Einverständnis der Parteien kann die Verfahrensleitung 
das schriftliche Verfahren zudem anordnen, wenn die Anwesenheit der beschul-
digten Person nicht erforderlich ist (Art. 406 Abs. 2 lit. a StPO).

Der Berufungskläger beanstandet in seiner Berufungserklärung vom 30. August 
2017 insbesondere die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung sowie die Glaub-
würdigkeit einzelner Zeugenaussagen. Da er indessen ausdrücklich und vorbe-

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haltlos auf seine Einvernahme durch das Gericht und die Erhebung weiterer Be-
weise verzichtete, ordnete der Vorsitzende der I. Strafkammer des Kantonsge-
richts von Graubünden gestützt auf Art. 406 Abs. 2 lit. a StPO das schriftliche Ver-
fahren an. 

5. Des Weiteren stellt der Berufungskläger in der Berufungserklärung "Be-
weisanträge" (vgl. act. A.2 S. 3). Darin verlangt er, dass die Berechnung des 
Überholweges für das Fahrzeug des Berufungsklägers mit bestimmten von ihm 
bezeichneten Parametern vorzunehmen und das Ergebnis entsprechend zu wür-
digen sei. Wie der Vorsitzende der I. Strafkammer dem Berufungskläger mit 
Schreiben vom 6. September 2017 bereits mitteilte, stellt das Rechtsbegehren auf 
Berechnung des Überholweges mit den vom berufungsklägerischen Rechtsvertre-
ter vorgeschlagenen Parametern keinen eigentlichen Beweisantrag dar, da damit 
keine Tatsachen bewiesen werden. Der Antrag beschlägt letztlich die mathemati-
sche und rechtliche Würdigung des Sachverhalts, falls die behaupteten Werte vom 
Kantonsgericht als zutreffend und entscheidrelevant eingeschätzt würden. Aus 
diesem Grund ist auf die vom Berufungskläger gestellten "Beweisanträge" nicht 
unter dem Gesichtspunkt der Beweisabnahme, sondern der Sachverhaltsfeststel-
lung einzugehen. Bezüglich der Feststellung und Würdigung des Sachverhalts ist 
demnach auf die im Recht liegenden Akten abzustellen (insbesondere das Proto-
koll der polizeilichen Einvernahme des Berufungsklägers vom 16. November 2015, 
Konfronteinvernahme des Berufungsklägers mit D._____ vom 30. Mai 2016, poli-
zeiliche Befragung von D._____ vom 25. Dezember 2015 sowie das Augen-
scheinprotokoll vom 30. Juni 2016).

6.1. Der Berufungskläger wurde von der Vorinstanz der groben Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 
SVG und der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig gesprochen und hierfür mit einer Gelds-
trafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 90.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit 
von zwei Jahren, sowie mit einer Busse von CHF 1'000.00 bestraft. Die Ersatzfrei-
heitsstrafe für die Busse wurde von der Vorinstanz auf 10 Tage festgesetzt. 

Die Vorinstanz stellte auf die Aussagen des Polizeibeamten D._____ ab und sah 
den Sachverhalt gemäss Anklageschrift als erstellt an. Sie hielt jedoch fest, dass – 
selbst wenn auf die finalen Angaben des Berufungsklägers abgestellt werden wür-
de – die frei überblickbare Strecke nicht ausreichend wäre, um ein Überholmanö-
ver durchzuführen, ohne ein allfällig entgegenkommendes Fahrzeug zu gefährden. 
Der Tatbestand von Art. 35 Abs. 2 SVG sei damit erfüllt. Da der Berufungskläger 

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sein Überholmanöver im Bereich einer unübersichtlichen Kurve begonnen habe 
und damit ein potentiell entgegenkommendes Fahrzeug, welches sich im toten 
Winkel der vorausfahrenden Fahrzeuge befunden hätte, nicht habe erkennen kön-
nen, und da er das Überholmanöver erst eingangs der der O.3_____ folgenden 
Linkskurve abgeschlossen habe, liege zudem ein Verstoss gegen Art. 35 Abs. 4 
SVG vor. Die Vorinstanz sah den qualifizierten Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG 
zudem als erfüllt an, da der Berufungskläger die wichtige Verkehrsregel von Art. 
35 Abs. 2 bzw. 4 SVG offensichtlich in objektiv schwerwiegender Weise missach-
tete. Schliesslich verurteilte die Vorinstanz den Berufungskläger auch wegen Ver-
letzung von Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG, da der Be-
rufungskläger während des Überholvorganges 120 km/h gefahren sei, obschon 
die signalisierte Höchstgeschwindigkeit 100 km/h betragen habe.

6.2. Mit der vorliegenden Berufung verlangt der Berufungskläger die Aufhebung 
von Dispositivziffern 1.-4. des angefochtenen Urteils, soweit ihm die Verletzung 
von Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG vorgeworfen 
werde. Wegen Verletzung von Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 
SVG sei eine Busse von CHF 240.00 auszusprechen. Für beide Instanzen seien 
ihm die amtlichen und ausseramtlichen Kosten und Entschädigungen zulasten des 
Staates zuzusprechen. Die Staatsanwaltschaft beantragt die kostenfällige Abwei-
sung der Berufung.

Gegenstand im vorliegenden Berufungsverfahren bildet die Frage, ob die Vor-
instanz den Berufungskläger zu Recht wegen Verletzung von Art. 35 Abs. 2 und 4 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG verurteilte. 

7. Der Berufungskläger bemängelt in sachverhaltsmässiger Hinsicht die von 
der Vorinstanz vorgenommene Beweiswürdigung, d.h. er rügt eine unrichtige 
Feststellung des Sachverhalts. Bei der Beweiswürdigung handelt es sich um eine 
Tatfrage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_57/2016 vom 16. Mai 2016 E. 1.5 mit 
weiterem Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 6B_515/2011 vom 24. Januar 
2012 E. 2.2), welche das Kantonsgericht im Rahmen des Berufungsverfahrens mit 
voller Kognition überprüft (vgl. Art. 398 Abs. 3 StPO). 

7.1.1. Der Berufungskläger zweifelt in seiner Berufung zum einen generell die 
Glaubwürdigkeit des Zeugen D._____ an. Er reichte dazu im Berufungsverfahren 
zwei Zeitungsberichte vom 16. August 2017 (F._____) bzw. 17. August 2017 
(G._____) ein. Zum anderen macht der Berufungskläger geltend, D._____s Aus-
sagen wiesen zahlreiche Ungereimtheiten auf. So habe dieser den Berufungsklä-

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ger bereits seit einem Vorfall im Frühling/Sommer 2015 "im Visier", ohne jedoch 
eine Verkehrsregelverletzung nennen zu können. Sein Verhalten zeige, dass er 
am 13. November 2015 die Gelegenheit habe kommen sehen, den Berufungsklä-
ger zu überführen. Ein solches Verhalten müsse zur Relativierung seiner Aussa-
gen zulasten des Berufungsklägers führen, da es subjektive Aspekte gebe, die 
das Vorgehen und die Aussagen von D._____ beeinflusst hätten. Der Berufungs-
kläger fragt sodann, weshalb D._____ nichts unternommen habe, um am Tag des 
Vergehens die Beweislage zu sichern. Er stellt sodann verschiedene Fragen, ins-
besondere "Warum hat er den Beschuldigten nicht eingeholt und gestellt?", "Wes-
halb liess D._____ den Beschuldigten nicht auf der Strecke anhalten?" oder 
"Weshalb hat er nicht zumindest die Kontrollschilder dieser Fahrzeuge notiert?" 
etc. (vgl. act. A.2 Rz. 14.1). Im Weiteren habe D._____ hinsichtlich der Frage, ob 
bzw. wie gut er den Berufungskläger kenne, nicht konsistent ausgesagt. Seine 
Aussagen seien zudem auch mit Bezug auf die von ihm geschilderte Verkehrssi-
tuation nicht überzeugend und nicht zutreffend. D._____ sei dermassen mit sei-
nem eigenen Überholmanöver und der Beobachtung des restlichen Verkehrs be-
schäftigt gewesen, dass er gar keine genauen Beobachtungen habe machen kön-
nen. Auch die Aussagen von D._____ mit Bezug auf die Beendigung des Über-
holmanövers seien alles andere als klar und eindeutig (vgl. act. A.2 Rz. 14.2). 

7.1.2. Den Zeitungsberichten ist zu entnehmen, dass D._____ auf einer Dienst-
fahrt von einem Radar geblitzt und anschliessend mit einer Busse von 
CHF 800.00 bestraft worden ist. Die Verurteilung wurde von D._____ bestätigt. 
Diese Zeitungsberichte wurden vom Kantonsgericht zu den Akten genommen. Der 
Berufungskläger bringt vor, dass es der Zeuge D._____ mit den Strassenver-
kehrsvorschriften selber nicht sehr genau nehme. Auch sei er bekannt dafür, dass 
er im Strassenverkehr andere Verkehrsteilnehmer denunziere (act. A.2 Rz. 13). 
Letztere Behauptung ist nicht bewiesen und schränkt die Glaubwürdigkeit von 
D._____ daher in keiner Weise ein. Auch die beiden Zeitungsberichte ändern 
nichts an seiner Glaubwürdigkeit. Es ist nicht erkennbar, inwieweit die Verfehlun-
gen von D._____ im Strassenverkehr im konkreten Fall die Glaubwürdigkeit seiner 
Aussagen bezüglich des berufungsklägerischen Überholmanövers mindern wür-
den. 

Der Rüge des Berufungsklägers, D._____ sei generell die Glaubwürdigkeit als 
Zeuge abzusprechen, kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Es kann vollumfänglich 
auf die detaillierten und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden, insbesondere auf die Erwägung 4 des angefochtenen Urteils (Art. 84 Abs. 
4 StPO). Die Vorinstanz setzte sich zunächst mit den Aussagen des Berufungs-

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klägers und sodann mit jenen von D._____, welche die beiden anlässlich der poli-
zeilichen Einvernahme machten, auseinander. Sie würdigte sodann die Konfronta-
tionseinvernahme zwischen dem Berufungskläger und D._____ sowie das Ergeb-
nis des Augenscheins (vgl. angefochtenes Urteil E. 3.1 und 3.2). Nach Würdigung 
der Aussagen kam sie zum Schluss, dass keine Gründe ersichtlich seien, die 
Zweifel an der Glaubwürdigkeit von D._____ aufkommen liessen. Seine Aussagen 
seien klar, detailliert, anschaulich und logisch in der Abfolge. Sie seien in sich ge-
schlossen und leicht nachvollziehbar. D._____ sei im Konfront mit dem Beru-
fungskläger bei der Sachverhaltsschilderung gemäss Polizeirapport geblieben, 
obgleich dieser das ihm Vorgeworfene mit Vehemenz abgestritten habe. Auch sei 
zu beachten, dass Polizeibeamte bezüglich des Beobachtens und Feststellens 
von Verkehrsverhältnissen besonders geschult seien und hierin in der Regel über 
eine gewisse Erfahrung verfügten. Zudem sei D._____ mit den örtlichen Gege-
benheiten bestens vertraut. Auch aus diesen Gründen sei nicht anzunehmen, 
dass unbewusst falsche Bekundungen durch den Polizeibeamten vorliegen könn-
ten (vgl. angefochtenes Urteil E. 4.1). Diese Ausführungen werden hiermit vom 
Kantonsgericht vollumfänglich übernommen.

In seiner Berufung stellt der Berufungskläger insbesondere die folgenden Fragen: 
"Warum hat er [D._____] den Beschuldigten nicht eingeholt und gestellt?", "Wes-
halb liess D._____ den Beschuldigten nicht auf der Strecke anhalten? […]", "Wes-
halb hat der Zeuge [D._____] nicht die vorausfahrenden Fahrzeuglenker und ins-
besondere den Chauffeur des Sattelschleppers angehalten bzw. den direkt vor 
ihm fahrenden PW-Lenker? Sie hätten als Zeugen befragt werden können." und 
"Weshalb hat er nicht zumindest die Kontrollschilder dieser Fahrzeuge notiert?" 
(vgl. A.2 Rz. 14.1). Damit unterstellt der Berufungskläger D._____, dass er sich 
anders hätte verhalten müssen, damit er glaubhaft wäre. Dem kann jedoch nicht 
gefolgt werden, da das vom Berufungskläger vorgeschlagene Alternativverhalten 
(den Berufungskläger einholen und stellen, ihn von Polizeibeamten auf der Stre-
cke anhalten lassen, vorausfahrende Fahrzeuglenker anhalten und als Zeugen 
befragen bzw. Kontrollschilder dieser Fahrzeuge notieren) allenfalls möglich ge-
wesen wäre, ein anderes Verhalten von D._____ aber keine Rückschlüsse auf 
dessen Glaubwürdigkeit zulässt.

Das Kantonsgericht ist der Ansicht, dass die Aussagen von D._____ kohärent, klar 
und widerspruchsfrei sind, weshalb im Grundsatz auf diese abgestellt werden 
kann.

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7.2.1. Mit Bezug auf die vorinstanzliche Würdigung seiner Aussagen macht der 
Berufungskläger geltend, er verfüge als ehemaliger Berufschauffeur und heutiger 
Aussendienstmitarbeiter und jährlichen Kilometerleistungen von über 70'000 km 
über die noch grössere Erfahrung im Strassenverkehr als D._____, was die Vorin-
stanz nicht würdige. Aus diesem Grund und auch weil sie seinen Beweisantrag, 
den Überholweg mit anderen Eckwerten neu zu berechnen und das Ergebnis zu 
werten, unterlassen habe, verstosse sie gegen den Grundsatz des rechtlichen 
Gehörs. Er habe Anspruch darauf, dass der Überholweg berechnungsmässig 
nach dem in der Anklage vorhandenen Schema überprüft werde (vgl. act. A.2 Rz. 
13). Zudem sei die Vorinstanz in ihrer Argumentation widersprüchlich. So beurteile 
sie die Aussagen des Berufungsklägers als nicht kongruent. Dem sei jedoch ent-
gegenzuhalten, dass im fahrenden Fahrzeug während eines Überholens an einer 
Fahrzeugkolonne entlang eine genaue Beobachtung der relevanten Örtlichkeiten 
und der gefahrenen Geschwindigkeit gar nicht möglich sei (vgl. act. A.2 Rz. 15).

7.2.2. Die Vorinstanz erwog, dass, was die Aussagen des Berufungsklägers anbe-
langten, diese zwar nicht zum vornherein als weniger glaubwürdig zu qualifizieren, 
jedoch unter Berücksichtigung seiner prozessualen Stellung entsprechend zu 
würdigen seien. Der Berufungskläger sei bei seinen Aussagen nicht zur Wahrheit 
verpflichtet gewesen und er habe sich selber auch nicht belasten müssen. Auch 
habe er augenscheinlich ein starkes Interesse am Ausgang des Verfahrens. Es sei 
im Weiteren auffällig, dass er seine Aussagen mehrfach angepasst bzw. relativiert 
habe. So habe er den Beginn seines Überholmanövers bei der polizeilichen Ein-
vernahme zunächst "beim Beginn der langen Geraden" festgemacht, bei der 
Staatsanwaltschaft aber ausgesagt, er habe am Scheitelpunkt der Rechtskurve 
überholt. Anlässlich des Augenscheins habe er sodann ausgesagt, dass er sein 
Überholmanöver 63 m vor der ersten Schwelle der O.3_____ begonnen habe, was 
offensichtlich weder mit der Aussage bei der Polizei noch mit derjenigen bei der 
Staatsanwaltschaft übereinstimme. Auch betreffend seine Geschwindigkeit habe 
er diese zunächst mit 80 km/h angegeben, wogegen er sodann seine Geschwin-
digkeit in der Konfronteinvernahme auf 120 km/h geschätzt habe. Auch hinsicht-
lich der Abstände der vorausfahrenden Fahrzeuge weise sein Aussageverhalten 
Diskrepanzen auf, indem er zunächst von so grossen Abständen ausging, dass 
ihm jederzeit und ohne Behinderung oder Gefährdung der Verkehrsteilnehmer ein 
Wiedereinbiegen möglich gewesen wäre, aber in der Folge eingeräumt habe, dass 
die Abstände nicht mehr gross genug gewesen wären, damit er wieder hätte ein-
biegen können. Die Vorinstanz schloss aus diesem Aussageverhalten, dass der 
Berufungskläger seine Aussagen deshalb angepasst und relativiert habe, weil er 

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nachgelagert jeweils zur Erkenntnis gelangt sei, die früheren Depositionen seien 
für seinen Standpunkt, wonach er keine Verkehrsregelverletzung begangen habe, 
doch nicht hilfreich. Die Vorinstanz ist der Ansicht, dass die Aussagenwürdigung 
aufgrund der seitens des Berufungsklägers aufgezeigten Ungereimtheiten nicht zu 
dessen Gunsten ausfallen könne (vgl. angefochtenes Urteil E. 4.2).

7.2.3. Dass es sich beim Begehren des Berufungsklägers, die Berechnung des 
Überholwegs sei gemäss den von ihm angegebenen Parametern vorzunehmen, 
nicht um einen eigentliche Beweisantrag handelt, wurde bereits dargelegt (vgl. 
oben E. 5). Ebenso wenig kann darin, dass die Vorinstanz die Aussagen des Be-
rufungsklägers anders als von ihm gewünscht würdigte, eine Gehörsverletzung 
erblickt werden. Aus seiner Aussage, im fahrenden Fahrzeug sei während eines 
Überholens an einer Fahrzeugkolonne entlang eine genaue Beobachtung der re-
levanten Örtlichkeiten und der gefahrenen Geschwindigkeit gar nicht möglich, 
kann der Berufungskläger nichts zu seinen Gunsten ableiten, zeigt diese doch im 
Gegenteil, dass seine eigenen Angaben nicht genau sein können. Auch überzeugt 
das Argument des Berufungsklägers, er verfüge als ehemaliger Berufschauffeur 
und heutiger Aussendienstmitarbeiter und jährlichen Kilometerleistungen von über 
70'000 km über die noch grössere Erfahrung im Strassenverkehr als D._____, 
nicht. Es ist nämlich nicht ersichtlich, inwieweit eine angeblich grosse Zahl von 
jährlichen Strassenkilometern für sich allein zu einer besseren Einschätzung der 
Verkehrslage führen soll.

Ebenso ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass der Berufungskläger seine 
Angaben mehrfach korrigierte. Mit Bezug auf das Überholmanöver sagte er 
zunächst aus, dass er dieses beim "Beginn der langen Geraden" (vgl. StA act. 5 
Frage 3) begonnen habe. In der Folge sagte er anlässlich der Einvernahme vor 
der Staatsanwaltschaft aus, er habe sein Überholmanöver beim Scheitelpunkt der 
Rechtskurve begonnen (vgl. StA act. 22 S. 7). Schliesslich bezeichnete der Beru-
fungskläger den Beginn des Überholmanövers mit 63 m vor der ersten Schwelle 
der O.3_____ (vgl. StA act. 27 S. 1). Seine Aussagen sind auch mit Bezug auf 
seine Überholgeschwindigkeit nicht konsistent. Zunächst gab er diese mit 80 km/h 
an (vgl. act. 5 Frage 9), sodann mit 120 km/h (vgl. act. 22 S. 6). Er habe "damals 
bei der Polizei ein bisschen zu salopp eine Antwort gegeben, das muss ich heute 
zugeben" (act. 22 S. 6). Sein inkonsistentes Aussageverhalten legt den Schluss 
nahe, dass er seine Angaben jeweils anpasste, um die für ihn günstigere Aussage 
zu machen. Ein solches Verhalten wirkt sich auf die Glaubwürdigkeit des Beru-
fungsklägers negativ aus und es ist auf die glaubhaften Aussagen des Zeugen 

18 / 33

D._____ abzustellen. Das Kantonsgericht übernimmt zudem vollumfänglich die 
weitergehende Begründung der Vorinstanz (vgl. angefochtener Entscheid E. 4.2).

7.3. Nach dem Gesagten steht fest, dass die Aussagen des Zeugen D._____ 
glaubhaft sind und im Grundsatz auf diese abgestellt werden kann. Zu bemerken 
ist, dass für jedes Sachverhaltsmerkmal selbständig zu beurteilen ist, ob zu Guns-
ten des Berufungsklägers auf seine Aussagen oder auf jene von D._____ abzu-
stellen ist (vgl. sogleich E. 7.4). Nachfolgend wird deshalb einzeln auf die Parame-
ter, welche für die Berechnung massgebend sind, sowie auf die spezifischen Rü-
gen des Berufungsklägers eingegangen.

7.4.1. Die Sichtdistanz von dem frühestmöglichen Beginn des Überholmanövers 
in der Rechtskurve bis in die unübersichtliche Linkskurve beträgt unter Berücksich-
tigung des im Zusammenhang mit dem Augenschein berechneten toten Winkels 
gemäss Anklageschrift rund 356 m (383 m - 27 m = 356 m). Der Berufungskläger 
moniert, die ganze einsehbare Strecke zwischen der Rechtskurve vor der Brücke 
bis zur Linkskurve vor O.2_____ betrage effektiv 383 m. Nach Ansicht des Kan-
tonsgerichts ist der tote Winkel von 27 m nicht nachvollziehbar, weshalb zu Guns-
ten des Berufungsklägers von einer Sichtdistanz von 383 m auszugehen ist.

7.4.2. Betreffend den Überholweg rügt der Berufungskläger, die Vorinstanz sei 
willkürlich von einem solchen von rund 290 m ausgegangen. Um den Überholweg 
zu berechnen, muss Anfang und Ende der Überholstrecke festgelegt werden.

Anlässlich des Augenscheins bezeichnet der Berufungskläger den Anfang des 
Überholmanövers auf 63 m vor der O.3_____. Die O.3_____ misst von Schwelle 
zu Schwelle unbestrittenermassen 125.5 m. 

Was das Ende des Überholmanövers anbelangt, argumentiert der Berufungsklä-
ger, dass er am Augenschein genötigt worden sei, genaue Angaben zu machen 
und deshalb angegeben habe, er sei rund 16 m nach der zweiten Schwelle wieder 
auf die rechte Fahrbahn gebogen. Eine solch genaue Angabe sei jedoch unrealis-
tisch und widerspreche seinen früheren Aussagen. Das Augenscheinprotokoll ge-
be nicht seine Angaben und Äusserungen wieder. Vielmehr sei auf die "Aussagen 
der ersten Stunde" (vgl. act. E.3/5 S. 2 Frage 4) abzustellen, wonach er ca. 200-
300 m vor der folgenden Linkskurve wieder auf die rechte Fahrbahn einge-
schwenkt habe (vgl. act. A.2 Rz. 16; vgl. auch A.5 Rz. 6 und A.7 Rz. 3). Diese 
Aussage ist indessen als reine Schutzbehauptung zu werten. Sie ist zum einen 
ungenau (200-300 m), zum anderen wurde sie glaubhaft von D._____ widerlegt, 
welcher anlässlich des Augenscheins zu Protokoll gab, dass der Überholvorgang 

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etwa auf Höhe der Signalisationstafel beendet worden sei, was im Vergleich zum 
Berufungskläger einem weiteren Weg von 86 m entsprechen würde (vgl. StA 
act. 27 S. 2). Ebenfalls ist nicht ersichtlich, inwieweit er anlässlich des Augen-
scheins zu einer solchen Aussage "genötigt" worden ist. Vielmehr hätte er auch zu 
Protokoll geben können, dass er das Ende seines Überholmanövers nicht mehr 
festlegen könne. Zu Gunsten des Berufungsklägers ist jedoch von seiner anläss-
lich des Augenscheins gemachten Aussage und nicht von jener von D._____ aus-
zugehen. Das Ende des Überholmanövers befindet sich damit 16 m nach der 
zweiten Schwelle der O.3_____. Da mit Bezug auf das Ende des Überholmanö-
vers (Einbiegemanöver) des Berufungsklägers nicht auf die Aussagen von 
D._____, sondern auf jene des Berufungsklägers abgestellt wird, erübrigt sich 
auch, auf die Rüge des Berufungsklägers, wonach D._____ nicht in der Lage ge-
wesen sei, sein Einbiegemanöver zu beachten (vgl. act. A.5 Rz. 5), einzugehen. 

Der gesamte Überholweg beträgt daher 204.5 m (63 m + 125.5 m + 16 m). 

Wie überdies noch zu zeigen sein wird (vgl. unten E. 8.2.2), wäre der eingeklagte 
Sachverhalt auch dann erfüllt, wenn auf die von seinem Rechtsanwalt mit Schrei-
ben vom 15. August 2016 nachträglich korrigierten Angaben abgestellt würde.

7.4.3. Die Geschwindigkeit des berufungsklägerischen Fahrzeuges beträgt zu 
Gunsten des Berufungsklägers 120 km/h (=33 m/s; vgl. act. A.2 Rz.17). 

7.4.4. Die Höchstgeschwindigkeit auf der gegenständlichen Strecke betrug zu 
diesem Zeitpunkt unbestrittenermassen 100 km/h. Unter Berücksichtigung, dass 
die Mehrzahl der Fahrzeuglenker die Toleranzgrenze ausnutzt, ist betreffend die 
Geschwindigkeit des potentiellen Gegenverkehrs von einer Geschwindigkeit von 
110 km/h (=30.5 m/s) auszugehen.

7.5. Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass in sachverhalts-
mässiger Hinsicht von einer Sichtdistanz von 383 m, einem Überholweg von 
204.5 m, einer Geschwindigkeit des berufungsklägerischen Fahrzeuges von 120 
km/h und einer solchen des entgegenkommenden Verkehrs von 110 km/h auszu-
gehen ist. Die folgende rechtliche Würdigung hat gestützt auf diese Angaben zu 
erfolgen.

8. Die Vorinstanz kam in rechtlicher Hinsicht zum Schluss, dass der Beru-
fungskläger mit seinem Verhalten gegen Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG verstiess. 

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8.1. Das Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen ist gemäss Art. 35 Abs. 2 
SVG nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Ge-
genverkehr nicht behindert wird. Frei ist der nötige Raum, wenn er frei von Hin-
dernissen ist und mit dem Auftauchen von solchen auch nicht gerechnet werden 
muss (vgl. René Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Strassenverkehrs-
rechts, Band I, 2. Aufl., Bern 2002, N 722). In unübersichtlichen Kurven darf 
gemäss Art. 35 Abs. 4 SVG nicht überholt werden, weil dort der nötige Raum nicht 
übersichtlich ist. Ein korrekt durchgeführtes Überholmanöver setzt somit unter an-
derem voraus, dass die Gegenfahrbahn über die eigentliche Überholstrecke hin-
aus frei überblickbar ist und in diesem Bereich auch kein Fahrzeug entgegen fährt. 
Konkret bedeutet dies, dass nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Weg-
strecke übersichtlich und frei sein muss, sondern zusätzlich auch jene, die ein 
entgegenkommendes Fahrzeug bis zu diesem Punkt zurücklegt oder zurücklegen 
könnte, wo der Überholende die linke Strassenseite wieder freigibt (vgl. Urteil des 
Bundesgerichts 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 1.1). Das Überholmanöver 
muss soweit vor diesem Punkt beendet sein, dass ein während des Überholvor-
gangs allenfalls auf der Gegenfahrbahn auftauchendes Fahrzeug seinen Weg un-
ter Einhaltung einer angemessenen Geschwindigkeit fortsetzen kann, ohne ge-
fährdet zu werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_272/2010 vom 9. Juli 2010 
E. 4; BGE 121 IV 235 E. 1b; BGE 109 IV 134 E. 2; Philippe Weissenberger, Kom-
mentar zum Strassenverkehrsgesetz, Bundesgerichtspraxis, Zürich 2011, N 11 zu 
Art. 35). Dabei muss derjenige, der überholt, berücksichtigen, dass ein Fahrzeug 
mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit entgegen kommen könnte, wobei allen-
falls damit gerechnet werden muss, dass diese Höchstgeschwindigkeit leicht 
überschritten wird, ausserorts allenfalls bis 90 km/h (vgl. dazu sinngemäss BGE 
118 IV 277 E. 5). Erkennt der Überholende während des Überholvorgangs, dass 
er es nicht gefahrlos zu Ende fahren kann, so ist er verpflichtet, das Manöver ab-
zubrechen und sich hinter dem zu Überholenden in den Verkehr einzuordnen (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 6B_1209/2013 vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1; 
6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 1.1). Der Überholende muss von Anfang an die 
Gewissheit haben, sein Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter ab-
schliessen zu können, das heisst, er muss sich vergewissern, dass die gesetzli-
chen Voraussetzungen in dem Zeitpunkt erfüllt sind, wo er zum Überholen ansetzt 
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1209/2013 vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1). Wer 
keine Gewissheit hat, bevor er das Überholmanöver einleitet, gefahrlos vor dem 
Ende des für ihn sichtbaren Raums wieder einbiegen zu können, verletzt somit 
Art. 35 Abs. 2 SVG (vgl. BGE 129 IV 155 E. 3.2.1; PKG 1997 Nr. 24 mit weiteren 
Hinweisen; Philippe Weissenberger, a.a.O., N. 17 zu Art. 35 SVG; René Schaff-

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hauser, a.a.O., N. 551). Weiter ist beim Beenden des Überholvorgangs ein Si-
cherheitsabstand sowohl gegenüber dem überholten Fahrzeug als auch gegenü-
ber dem allenfalls entgegenkommenden Fahrzeug einzuhalten. Was den Abstand 
zum entgegenkommenden Fahrzeug betrifft, hat das Kantonsgericht von 
Graubünden in Anlehnung an Jürg Boll wiederholt ausgeführt, dass ein Sicher-
heitsabstand von mindestens 2 Sekunden einzuhalten ist. So führte der Kantons-
gerichtsausschuss Graubünden in seinem Urteil SB 02 45 vom 23. Januar 2003 in 
E. 4 und 5 mit überzeugender Begründung aus, dass ein Abstand von zwei Se-
kunden der Sache angemessen sei (Rechtsprechung bestätigt mit Urteil des Kan-
tonsgerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005 E. 7b; sodann auch mit 
Urteil der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 14. März 
2012 SK1 11 39 E. 7b und vom 11. Juni 2014 SK1 14 8 E. 13; vgl. auch Jürg Boll, 
Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 84). Es wird somit verlangt, dass 
zwischen dem Zeitpunkt des Wiedereinbiegens nach dem Überholmanöver und 
dem Kreuzen eines (allfällig) entgegenkommenden Fahrzeuges eine gewisse Si-
cherheitsmarge bestehen muss, damit nicht die Gefahr droht, dass der (allfällig) 
entgegenfahrende Fahrzeuglenker sich aufgrund einer drohenden Frontalkollision 
falsch verhalten und dadurch einen Unfall verursachen könnte. 

8.2.1. Vorliegend ist sachverhaltsmässig erstellt, dass von einer Sichtdistanz von 
383 m, einem Überholweg von 204.5 m, einer Geschwindigkeit des berufungsklä-
gerischen Fahrzeuges von 120 km/h (=33.3 m/s) und einer solchen des entgegen-
kommenden Verkehrs von 110 km/h (=30.5 m/s) auszugehen ist (vgl. oben E. 7). 

Ausgehend von einer Geschwindigkeit des Fahrzeuges des Berufungsklägers von 
33.3 m/s und einem Überholweg von 204.5 m beträgt die Überholzeit des Beru-
fungsklägers 6.14 s (204.5 m geteilt durch 33.3 m/s). Aus der Geschwindigkeit des 
potentiellen Gegenverkehrs (30.5 m/s) und der Überholzeit des Berufungsklägers 
(6.14 s) berechnet sich der Weg der potentiell entgegenkommenden Fahrzeuge. 
Dieser beträgt 187.2 m (6.14 s x 30.5 m/s). 

Zusätzlich ist der Weg, welcher gemäss der "Zweisekundenregel" benötigt wird, zu 
berücksichtigen: Ein Überholender darf den Überholweg nicht so knapp bemes-
sen, dass er bei einem allenfalls mit 110 km/h entgegenkommenden Fahrzeug 
noch haarscharf vor dem überholten Fahrzeug einbiegen kann. Dadurch entsteht 
nicht nur eine Gefahr für das überholte Fahrzeug, sondern auch für ein allfällig 
entgegenkommendes Fahrzeug, da der Lenker jenes Fahrzeuges durch das fron-
tal auf ihn zukommende Fahrzeug erschrecken kann oder eine Vollbremsung vor-
nehmen muss. Gemäss Lehre (vgl. Boll, a.a.O., S. 84) und Praxis des Kantonsge-

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richts muss zwischen dem Wiedereinbiegen des überholenden Fahrzeugs und 
dem Kreuzen mit einem allfällig entgegenkommenden Fahrzeug eine Sicherheits-
marge von mindestens  zwei  Sekunden bestehen (vgl. oben E. 8.1). Die zusätz-
lich erforderliche Strecke beträgt demnach 127.6 m (2s x [33.3 m/s + 30.5 m/s]).

Um das Überholmanöver sicher durchführen zu können, brauchte der Berufungs-
kläger eine Strecke von 519.3 m (204.5 m + 187.2 m + 127.6 m). Die überblickba-
re Distanz von 383 m war daher klar ungenügend, da ein Sichtmanko von 136.3 m 
resultierte (519.3 m - 383 m).

8.2.2. Selbst wenn zugunsten des Berufungsklägers von einer Geschwindigkeit 
des potentiell entgegenkommenden Gegenverkehrs von bloss 100 km/h (d.h. 27.7 
m/s) anstatt 110 km/h (vgl. act. A.7 Rz. 6) ausgegangen würde, ändert sich nichts 
an der grundsätzlichen Einschätzung des Verhaltens des Berufungsklägers. Was 
das Ende des Überholmanövers anbelangt, gibt der Berufungskläger am Augen-
schein an, er sei rund 16 m nach der zweiten Schwelle der O.3_____ wieder auf 
die rechte Fahrbahn gebogen (vgl. Augenscheinprotokoll in StA act. 27 S. 2). Mit 
Schreiben vom 15. August 2016 (vgl. StA act. 35) korrigierte der Rechtsvertreter 
des Berufungsklägers diese Angabe und verlangte, es müsse im Augenscheinpro-
tokoll "16 m vor der zweiten Schwelle der O.3_____" heissen. Zugunsten des Be-
rufungsklägers wird das Ende des Überholweges für die folgende Berechnung 
daher auf 16 m vor der Schwelle angesetzt, was zu einem Überholweg des Beru-
fungsklägers von 172.5 m führt (63 m + 125.5 m – 16 m). Der Überholweg wird 
auch vom Berufungskläger in seinem Schreiben vom 15. August 2016 (vgl. StA 
act. 35) mit 172.5 m angegeben. Bei einem Überholweg von 172.5 m und einer 
Geschwindigkeit des Berufungsklägers von 120 km/h bzw. 33.3 m/s ergibt sich 
eine Überholzeit von 5.18 s (172.5 m geteilt durch 33.3 m/s).

Aus der Überholzeit des Berufungsklägers von 5.18 s und der Geschwindigkeit der 
entgegenkommenden Fahrzeuge von 27.7 m/s ergibt sich eine Wegstrecke der 
entgegenkommenden Fahrzeuge von rund 143 m. Unter Berücksichtigung der 
"Zweisekundenregel" (vgl. oben E. 8.1.) ergibt sich eine zusätzlich erforderliche 
Wegstrecke von 122 m (2 x [33.3 m/s + 27.7 m/s]). 

Um das Überholmanöver sicher durchführen zu können, brauchte der Berufungs-
kläger eine Strecke von 437.5 m (172.5 m + 143 m + 122 m). Die überblickbare 
Distanz von 383 m wäre daher, selbst wenn auf die Angaben des Berufungsklä-
gers abgestellt werden würde, ungenügend gewesen, da ein Sichtmanko von rund 
55 m resultiert hätte (437.5 m - 383 m). 

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8.2.3. Der Berufungskläger bezeichnet in seinem "Beweisantrag" nebst der Ge-
schwindigkeit seines Fahrzeuges, der einsehbaren Strecke und der Geschwindig-
keit des Gegenverkehrs auch die Anzahl der überholten Fahrzeuge, deren Fahr-
zeugabstände (vgl. dazu auch act. A.7 Rz. 5) sowie deren Geschwindigkeit. Diese 
Angaben betreffend die Fahrzeugkolonne werden indessen nicht benötigt, da für 
das Kantonsgericht Anfang und Ende des Überholmanövers feststehen (vgl. oben 
E. 7.4.2). Auf eine weitere Geschwindigkeitsberechnung kann deshalb verzichtet 
werden.

8.3. Die gesamte benötigte Sichtdistanz beträgt gemäss vorstehender Berech-
nung 519.3 m (204.5 m + 187.2 m + 127.6 m) bzw. nach Berechnung der vom Be-
rufungskläger gemachten Angaben 437.5 m (172.5 m + 143 m + 122 m), die effek-
tive Sichtdistanz jedoch lediglich 383 m. Bei einem Sichtmanko von 136.3 m bzw. 
55 m kann deshalb nicht von einer genügenden Sichtdistanz ausgegangen wer-
den. Das Kantonsgericht kommt damit zum Schluss, dass die einsehbare Strecke 
nicht ausreichend war, um ein Überholmanöver auszuführen, ohne ein allfällig 
entgegenkommendes Fahrzeug zu gefährden. Daher liegt eine Verletzung von 
Art. 35 Abs. 2 SVG vor. Ebenso liegt eine Verletzung von Art. 35 Abs. 4 SVG vor, 
da, ausgehend vom Anfang des Überholmanövers, welchen der Berufungskläger 
angab, die in einer leichten Rechtskurve verlaufende Strasse über maximal 130 m 
frei überblickbar ist. Die Sicht auf die übrige Strecke ist aktenkundig eingeschränkt 
(vgl. Fotoblatt in StA act. 30 S. 3). Da der Berufungskläger sein Überholmanöver 
im Bereich einer unübersichtlichen Kurve begann und ein potentiell entgegen-
kommendes Fahrzeug nicht hätte erkennen können, und das Überholmanöver erst 
in einer unübersichtlichen Linkskurve abschloss, ist auch der Tatbestand von 
Art. 35 Abs. 4 SVG erfüllt. 

Zum selben Schluss käme man, wenn auf die Angaben des Berufungsklägers ab-
gestellt würde. Auch in diesem Fall wäre die vom Berufungskläger anerkannte 
Sichtdistanz von 383 m ungenügend.

8.4.1. Nachdem feststeht, dass der Berufungskläger Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG 
verletzt hat, ist zu prüfen, ob er den Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt hat. 
Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer 
durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicher-
heit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Der qualifizierte Tatbestand 
von Art. 90  Abs. 2 SVG ist objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrs-
vorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernst-
lich gefährdet. Eine ernstliche Gefährdung für die Sicherheit anderer ist nicht erst 

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bei einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung 
gegeben (vgl. BGE 130 IV 32 E. 5.1; 123 IV 88 E. 3a, je mit weiteren Hinweisen). 
Objektiv grob ist ein Verstoss gegen die Verkehrsregeln immer dann, wenn eine 
wichtige Verkehrsvorschrift in gravierender Weise betroffen ist, das heisst, wenn 
der Verstoss nach den konkreten Umständen als schwerwiegend bezeichnet wer-
den muss (vgl. PKG 1989 Nr. 39 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung). Ob eine konkrete, eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte Ge-
fahr geschaffen wird, hängt von der Situation ab, in welcher die Verkehrsregelver-
letzung begangen wird. Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten 
abstrakten Gefahr ist die Nähe der Verwirklichung (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2). 
Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr genügt demnach nur 
zur Erfüllung des Tatbestandes von Art. 90 Abs. 2 SVG, wenn in Anbetracht der 
Umstände des Einzelfalles – Tageszeit, Verkehrsdichte, Sichtverhältnisse – der 
Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar eine Verletzung nahe liegt (vgl. BGE 
123 IV 88 E. 3a; BGE 118 IV 285 E. 3a). Subjektiv erfordert der Tatbestand 
von Art. 90  Abs. 2 SVG nach der Rechtsprechung ein rücksichtsloses oder sonst 
schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, das heisst, ein schweres Verschul-
den, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist zu be-
jahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen 
Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch bei unbewusst fahr-
lässigem Handeln vorliegen, wenn nämlich das Nichtbedenken der Gefährdung 
anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht (vgl. BGE 131 IV 133 
E. 3.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1209/2013 vom 26. Juni 2014 E. 1.3.1 und 
6B_62/2011 vom 1. Juli 2011 E. 2.3.1).

8.4.2. Das Überholen gehört – insbesondere auf Strassen mit Gegenverkehr – zu 
den gefährlichsten Fahrmanövern überhaupt und ist deshalb nur gestattet, wenn 
keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden. Die Regeln 
über das Überholen bezwecken, die damit verbundenen Risiken zu minimieren. 
Wer sich über diese Normen hinwegsetzt, handelt den Verkehrsvorschriften 
grundsätzlich in grober Weise zuwider. Die vom Berufungskläger missachteten 
Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG sind deshalb für die Gewährleistung der Sicherheit 
im Strassenverkehr wichtige Bestimmungen (vgl. BGE 129 IV 155 E. 3.2.1; 121 IV 
235 E. 1 c; Urteil des Bundesgerichts 6B_616/2010 vom 19. Oktober 2010 
E. 3.2.2; Philippe Weissenberger, a.a.O., N 69 zu Art. 90 SVG).

Durch sein Überholmanöver missachtete der Berufungskläger diese offensichtlich 
in objektiv schwerwiegender Weise, indem er auf einer nicht genügend übersichtli-
chen Strecke und im Bereich einer unübersichtlichen Kurve überholte. Wie bereits 

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festgestellt, hätte für ein verkehrsregelkonformes Überholen eine Strecke von 
mindestens 519.3 m überblickbar und frei sein müssen. Die dem Berufungskläger 
effektiv zur Verfügung gestandene überblickbare Strecke von 383 m genügte im 
vorliegenden Fall nicht, um die vor ihm fahrenden Fahrzeuge zu überholen, ohne 
andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Gleiches gilt, selbst wenn auf die Be-
rechnung gemäss der vom Berufungskläger gemachten Angaben abgestellt würde 
(siehe oben E. 8.2.2 und E. 8.3), gemäss welcher für ein verkehrsregelkonformes 
Überholen eine Strecke von mindestens 437.5 m überblickbar und frei hätte sein 
müssen. Das daraus resultierende und nicht zu vernachlässigende Sichtmanko 
von rund 55 m führt ebenfalls zu einer erheblichen Gefährdung anderer Verkehrs-
teilnehmer. Wie der Berufungskläger an der Konfronteinvernahme mit D._____ am 
30. Mai 2016 einräumte, wäre es nach Beginn des Überholmanövers "schwierig 
geworden" (vgl. StA act. 22 S. 10 Frage 22), dieses abzubrechen und ohne Be-
hinderung oder Gefährdung der überholten Lenker in die vorhandenen Lücken der 
Kolone wieder einzubiegen. Mit seinem Verhalten schuf der Berufungskläger – 
unabhängig davon, ob von einem Sichtmanko von 136.3 m oder rund 55 m aus-
gegangen wird – eine erhebliche Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer, womit 
der objektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt ist. Auch in subjektiver 
Hinsicht ist der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt. Aufgrund der konkreten 
Umstände – namentlich der nicht genügend übersichtlichen und freien Strecke – 
konnte der Berufungskläger nicht die Gewissheit haben, das Manöver ohne erheb-
liche Behinderung des Gegenverkehrs abschliessen zu können. Aufgrund der un-
übersichtlichen Kurve musste der Berufungskläger zu Beginn seines Überhol-
manövers damit rechnen, ein potentiell entgegenkommendes Fahrzeug zu gefähr-
den. Der Berufungskläger handelte rücksichtslos, indem er die allgemeine Gefähr-
lichkeit seines verkehrsregelwidrigen Überholmanövers nicht bedachte bezie-
hungsweise sich bedenkenlos über die Interessen der anderen Verkehrsteilneh-
mer hinwegsetzte. Der Berufungskläger handelte damit grobfahrlässig. 

8.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Berufungskläger durch sein Über-
holmanöver gegen die wichtigen Verkehrsbestimmungen von Art. 35 Abs. 2 und 4 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG verstossen hat. Zu prüfen bleibt die 
Frage der Strafzumessung.

9. Der Berufungskläger anerkennt, das Überholmanöver mit 120 km/h durch-
geführt zu haben und anerkennt im Berufungsverfahren die Verletzung von Art. 27 
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG. Auf seinen Antrag im Beru-
fungsverfahren, es sei deswegen eine Busse von CHF 240.00 auszusprechen, ist 

26 / 33

sodann weiter unten bei den Ausführungen betreffend das Strafmass einzugehen 
(vgl. unten E. 10.3).

10. Mit Blick darauf, dass seitens der Verteidigung ein Freispruch mit Bezug auf 
Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG beantragt wurde, 
ist nicht zu beanstanden, dass der Berufungskläger diesbezüglich von Ausführun-
gen zur Strafzumessung abgesehen hat. Nach der Rechtsprechung des Bundes-
gerichts ist nämlich grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn sich die 
Verteidigung, die ihren Hauptantrag auf Freispruch nicht mit Ausführungen über 
das Strafmass schwächen will (sog. Verteidigerdilemma), auf Ausführungen zum 
Schuldpunkt beschränkt und darauf verzichtet, in einem Eventualstandpunkt zur 
Strafzumessung Stellung zu nehmen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Verzicht 
auf Ausführungen zum Strafpunkt für alle Verfahrensbeteiligten erkennbar auf ei-
ner durchdachten und klar umrissenen Verteidigungsstrategie beruht (vgl. hierzu 
Urteile des Bundesgerichts 6B_482/2012 vom 3. April 2013 E. 2.5.2; 6B_172/2011 
vom 23. Dezember 2011 E. 1.3.2; 6B_100/2010 vom 22. April 2010 E. 3.1). Da der 
Berufungskläger in seinem Schlusswort den Ausführungen seines Rechtsvertre-
ters nichts Rechtserhebliches anfügte, ist davon auszugehen, dass der Verteidiger 
in seinem mündlichen Plädoyer in Absprache mit seinem Mandanten darauf ver-
zichtet hat, Eventualanträge für den Fall eines allfälligen Schuldspruchs zu stellen. 
Damit ist den Anforderungen des Bundesgerichts Genüge getan.

10.1.1. Das Regionalgericht Viamala bestrafte den Berufungskläger für die Verlet-
zung von Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG mit einer 
Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 90.00. Die vom Täter beabsichtigte 
Handlung, das Überholen der Fahrzeuge, bildet eine faktische und willentliche 
Einheit. Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG sollen – angewandt auf den vorliegenden 
Fall – die Gefährdung entgegenkommender Fahrzeuge, beziehungsweise deren 
Insassen, ausschliessen. Sowohl das geschützte Rechtsgut wie auch der Un-
rechtsgehalt der inkriminierten Handlung sind vorliegend identisch und deshalb im 
Rahmen der Verbotsnorm von Art. 90 Abs. 2 SVG als einheitlicher Tatvorgang zu 
werten, der keine konkurrenzbedingte Straferhöhung im Sinne von Art. 49 StGB 
auslöst.

10.1.2. Art. 90 Abs. 2 SVG sieht als Sanktion Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 
oder Geldstrafe vor. Da im vorliegenden Berufungsverfahren eine reformatio in 
peius gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO ausgeschlossen ist (vgl. Franz Riklin, in: 
Kommentar StPO, Schweizerische Strafprozessordnung mit JStPO, StBOG und 
weiteren Erlassen, 2. Aufl., Zürich 2014, N 2 f. zu Art. 391 StPO; BGE 134 IV 82 

27 / 33

E. 7.2.2), mithin nicht auf die schärfere Sanktion der Freiheitsstrafe erkannt wer-
den kann, ist der Berufungskläger zu einer Geldstrafe zu verurteilen.

Gemäss der zum Zeitpunkt des Vergehens und des vorinstanzlichen Entscheides 
in Kraft stehenden Fassung des Strafgesetzbuches darf eine Geldstrafe höchstens 
360 Tagessätze betragen. Die Höhe der Tagessätze wiederum beträgt maximal 
CHF 3'000.00 (Art. 34 Abs. 2 StGB). Die Bemessung der Geldstrafe erfolgt in zwei 
selbständigen Schritten, die strikte auseinander zu halten sind. Zunächst hat das 
Gericht die Anzahl der Tagessätze nach dem Verschulden des Täters zu bestim-
men (Art. 34 Abs. 1 StGB). Unter dem Begriff des Verschuldens ist das Mass an 
Vorwerfbarkeit des Rechtsbruchs zu verstehen; der Begriff bezieht sich auf den 
gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der Straftat (BGE 134 IV 1 E. 5.3.3 S. 11) 
und ist damit das wesentliche Strafzumessungskriterium (BGE 127 IV 101 E. 2.a 
S. 103). Die Bewertung des Verschuldens wird in Art. 47 Abs. 2 StGB dahinge-
hend präzisiert, dass dieses nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung 
des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-
gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt wird, wie weit der Täter 
nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder 
Verletzung zu vermeiden. Neben dem Verschulden hat der Richter jedoch auch 
das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das 
Leben des Täters zu berücksichtigen (Art. 47 Abs. 1 StGB). Im Anschluss daran 
hat er die Höhe des einzelnen Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaft-
lichen Verhältnissen des Täters festzusetzen (Art. 34 Abs. 2 StGB). Der Gesamt-
betrag der Geldstrafe, die dem Verurteilten auferlegt wird, ergibt sich erst aus der 
Multiplikation von Zahl und Höhe der Tagessätze. Beide Faktoren sind im Urteil 
getrennt festzuhalten (Art. 34 Abs. 4 StGB). 

10.1.3. Das Verschulden des Berufungsklägers wiegt im Rahmen der begangenen 
Verkehrsregelverletzung leicht bis mittelschwer, hat er doch durch sein Überhol-
manöver die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel gesetzt und mit 
seinem krass verkehrswidrigen Verhalten für potentiell entgegenkommende Ver-
kehrsteilnehmer eine enorme konkrete Gefahr geschaffen. Straferhöhungs-, Straf-
schärfungs-, Strafmilderungs- und Strafminderungsgründe sind nicht ersichtlich. 
Die Anordnung einer kurzen Freiheitsstrafe kommt im konkreten Fall nicht in Fra-
ge, da – wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (vgl. unten E. 10.3) – dem 
Berufungskläger der bedingte Vollzug gewährt werden kann. In Würdigung sämtli-
cher Strafzumessungskriterien sowie der groben Verletzung der Verkehrsregeln 
erscheint es dem Kantonsgericht als angemessen, die Strafe für die Verletzung 
von Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG auf 50 Tagessätze festzulegen.

28 / 33

10.1.4. Bezüglich der Bemessung der Tagessatzhöhe hat das Bundesgericht in 
zwei Urteilen das korrekte Vorgehen aufgezeigt (vgl. BGE 134 IV 60 E. 6 S. 68 ff.; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_476/2007 vom 29. März 2008 E. 3.4). Ausgangs-
punkt für die Bemessung bildet das Einkommen, das dem Täter durchschnittlich 
an einem Tag zufliesst, und zwar unabhängig davon, aus welcher Quelle die Ein-
künfte stammen; massgeblich ist die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähig-
keit. Nach dem Nettoeinkommensprinzip ist indes bei den ermittelten Einkünften 
nur der Überschuss der Einnahmen über die damit verbundenen Aufwendungen 
zu berücksichtigen. Vom Einkommen ist daher abzuziehen, was gesetzlich ge-
schuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden 
Steuern, die Beiträge an die Sozialversicherungen und an die obligatorische Kran-
ken- und Unfallversicherung sowie die notwendigen Berufsauslagen beziehungs-
weise bei Selbständigerwerbenden die branchenüblichen Geschäftsunkosten. 
Vom Nettoeinkommen abzuziehen sind sodann allfällige Familien- und Unterstüt-
zungspflichten, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt. Für deren Be-
rechnung kann sich das Gericht weitgehend an den Grundsätzen des Familien-
rechts orientieren. Anderweitige finanzielle Lasten können nur im Rahmen der 
persönlichen Verhältnisse berücksichtigt werden. Dabei fallen grössere Zahlungs-
verpflichtungen des Täters, die schon unabhängig von der Tat bestanden haben 
(zum Beispiel Ratenzahlungen für Konsumgüter, Wohnkosten), grundsätzlich 
ebenso ausser Betracht wie Schuldverbindlichkeiten, die mittelbare oder unmittel-
bare Folge der Tat sind (Schadenersatz- und Genugtuungsleistungen, Gerichts-
kosten usw.). Auch Hypothekarzinsen können, wie an sich Wohnkosten über-
haupt, in der Regel nicht in Abzug gebracht werden. Aussergewöhnliche finanziel-
le Belastungen dagegen können reduzierend berücksichtigt werden, wenn sie ei-
nen situations- oder schicksalsbedingt höheren Finanzbedarf darstellen. Weiter 
nennt Art. 34 Abs. 2 StGB das Vermögen als Bemessungskriterium. Gemeint ist 
die Substanz des Vermögens, da dessen Ertrag bereits Einkommen darstellt. Das 
Vermögen ist bei der Bemessung des Tagessatzes von Bedeutung, wenn der 
Täter ohnehin von der Substanz des Vermögens lebt, und es bildet Bemessungs-
grundlage in dem Ausmass, in dem er es selbst für seinen Alltag anzehrt. 
Schliesslich ist bei der Bemessung des Tagessatzes das Existenzminimum zu 
berücksichtigen (Art. 34 Abs. 2 StGB; vgl. zum Ganzen BGE 134 IV 60 E. 5 f. S. 
65 ff. sowie das Urteil des Bundesgerichts 6B_476/2007 vom 29. März 2008 E. 3). 

Gestützt auf die Auskünfte der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden, wo-
nach der Berufungskläger im Jahr 2014 ein jährliches Nettoeinkommen von 
CHF 52'255.00 erzielte, veranschlagte die Vorinstanz die Höhe des Tagessatzes 

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auf CHF 90.00. Für das Kantonsgericht von Graubünden besteht kein Anlass, da-
von abzuweichen. Dies namentlich deshalb, weil vom Berufungskläger zu erwar-
ten gewesen wäre, dass er im Berufungsverfahren aktuelle Belege über seine 
Einkommensverhältnisse vorgelegt hätte, wenn er mit den vorinstanzlichen Fest-
stellungen nicht einverstanden gewesen wäre. Dies hat er nachweislich nicht ge-
tan, weshalb für eine Änderung der Tagessatzhöhe zu seinen Gunsten kein Raum 
besteht; es bleibt mithin bei einer Tagessatzhöhe von CHF 90.00.

10.2. Als korrekt erweisen sich des Weiteren auch die vorinstanzlichen Aus-
führungen bezüglich der Gewährung des bedingten Strafvollzugs sowie der Be-
messung der Probezeit (angefochtener Entscheid E. 9). Darauf kann vollumfäng-
lich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

10.3. Die Vorinstanz hat den Berufungskläger nebst der bedingten Geldstrafe 
überdies mit einer Busse von insgesamt CHF 1'000.00 bestraft, um der Warnwir-
kung der ausgesprochenen Geldstrafe Nachdruck zu verleihen und ihn wegen der 
Übertretung nach Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG zu 
bestrafen. 

Eine bedingte Geldstrafe kann mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden 
werden (Verbindungsstrafe, Art. 42 Abs. 4 StGB). Die Bestimmung dient in erster 
Linie dazu, die sog. Schnittstellenproblematik zwischen der Busse (für Übertretun-
gen) und der bedingten Geldstrafe (für Vergehen) zu entschärfen. Auf Massende-
likte (namentlich im Bereich des SVG), die im untersten Bereich bloss mit Bussen 
geahndet werden, soll zusätzlich mit einer unbedingten Sanktion begegnet werden 
können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. Dadurch soll die 
Möglichkeit geschaffen werden, eine spürbare Sanktion zu verhängen. Insoweit 
verhilft Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer rechtsgleichen Sanktionierung und übernimmt 
auch Aufgaben der Generalprävention. Darüber hinaus erhöht die Strafenkombi-
nation ganz allgemein die Flexibilität des Gerichts bei der Auswahl der Strafart. 
Diese kommt in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Vollzug der Strafe 
gewähren möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der Auferlegung einer 
zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen spürbaren Denkzettel verpassen 
will. Eine spezifische Legalprognose für die Verbindungsstrafe an sich ist aber 
nicht erforderlich (Roland M. Schneider/Roy Garré, in: Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 
Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl., Basel 2013, N 102 f. zu Art. 42 StGB; Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_412/2010 vom 19. August 2010 E. 2.2). Aus der sys-
tematischen Einordnung von Art. 42 Abs. 4 StGB ergibt sich, dass das Hauptge-
wicht auf der bedingten Strafe liegt und die unbedingte Verbindungsstrafe nur un-

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tergeordnete Bedeutung hat (Schneider/Garré, a.a.O., N 106 zu Art. 42 StGB). Um 
dem akzessorischen Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu werden, hat das 
Bundesgericht entschieden, die Obergrenze grundsätzlich auf einen Fünftel be-
ziehungsweise 20% festzulegen (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4 S. 191). Im Lichte die-
ser bundesgerichtlichen Rechtsprechung hält das Kantonsgericht eine Verbin-
dungsbusse in Höhe von CHF 840.00 für angemessen. Zudem reicht eine Verbin-
dungsbusse in dieser Höhe aus, um dem Berufungskläger die Ernsthaftigkeit der 
bedingten Geldstrafe vor Augen zu führen. 

Die Vorinstanz sprach für die ebenfalls zu ahndende Geschwindigkeitsüberschrei-
tung (Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG) von 11-15 km/h 
gestützt auf den Anhang 1 zur Ordnungsbussenverordnung (SR 741.031) zusätz-
lich eine Übertretungsbusse in Höhe von CHF 160.00 aus. Der Berufungskläger 
beantragt im Berufungsverfahren, es sei wegen Verletzung von Art. 27 Abs. 1 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG eine Busse von CHF 240.00 auszu-
sprechen. Dabei muss es sich um ein Versehen handeln und das Kantonsgericht 
belässt es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen Busse in Höhe von 
CHF 160.00, welche nicht zu beanstanden ist.

Der Berufungskläger ist also insgesamt mit einer Busse von CHF 1'000.00 zu be-
strafen.

10.4. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der unbedingten Busse hat 
das Gericht gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe auszuspre-
chen, wobei dem Gericht ein weiter Ermessensspielraum zusteht. Das Kantonsge-
richt erachtet im vorliegenden Fall die von der Vorinstanz ausgesprochene Ersatz-
freiheitsstrafe von zehn Tagen für angemessen.

11. Nach den vorangegangenen Ausführungen erweist sich die Berufung in 
allen Punkten als unbegründet, was deren Abweisung zur Folge hat.

11.1. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfah-
renskosten, wenn sie verurteilt wird. Da vorliegend der Schuld- und Strafspruch 
der Vorinstanz nicht zu beanstanden ist, wurden dem Berufungskläger im ange-
fochtenen Urteil die Verfahrenskosten zu Recht auferlegt.

11.2. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-
mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Vorliegend 
ist der Berufungskläger mit seinem Antrag auf Freispruch von Schuld und Strafe 
nicht durchgedrungen und die Berufung wird vollumfänglich abgewiesen. Dem-

31 / 33

nach gehen die Kosten des Berufungsverfahrens zu Lasten des Berufungsklägers. 
Für Entscheide im Berufungsverfahren wird eine Gerichtsgebühr von 
CHF 1'500.00 bis CHF 20'000.00 erhoben (vgl. Art. 7 der Verordnung über die 
Gerichtsgebühren in Strafverfahren [VGS; BR 350.210]). Die Kosten des vorlie-
genden Berufungsverfahrens werden auf CHF 3'000.00 festgelegt.

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III. Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. X._____ ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 
35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und der Verlet-
zung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 
90 Abs. 1 SVG.

3.a) Dafür wird X._____ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 
90.00 bestraft.

   b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-
ren aufgeschoben.

4.a) Zudem wird X._____ mit einer Busse von CHF 1'000.00 bestraft.

   b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 10 Tage. Sie tritt an die Stelle 
der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.

5.a.) Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens von CHF 8'756.00 (Untersu-
chungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden 
CHF 2'756.00, Gerichtsgebühren CHF 6'000.00) gehen zu Lasten von 
X._____.

   b) X._____ hat dem Regionalgericht Viamala folglich zu überweisen:

Busse CHF 1'000.00
Verfahrenskosten CHF 8'756.00
Total CHF 9'756.00

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 3'000.00 gehen zu Lasten 
von X._____.

7. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 

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und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

8. Mitteilung an: