# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7698fb8-6518-5570-b88f-7fbbc1888ac5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-02-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.02.2015 E-3506/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3506-2013_2015-02-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3506/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m   1 7 .  F e b r u a r  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Gérald Bovier, Richter Walter Stöckli,    

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…),  

B._______, geboren am (…),  

C._______, geboren am (…),  

D._______, geboren am (…),  

E._______, geboren am (…), 

Somalia,   

alle vertreten durch Donato Del Duca, Rechtsberatungsstelle 

für Asyl Suchende (…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug);  

Verfügung des BFM vom 24. Mai 2013 / N (…). 

 

 

E-3506/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Ehemann der Beschwerdeführerin – ebenfalls somalischer Staats-

angehöriger – wurde in der Schweiz mit Verfügung vom 19. Oktober 2010 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenom-

men.  

A.b Am 8. August 2011 (Eingang BFM) stellte dieser beim BFM für seine 

Ehefrau/die Beschwerdeführerin und die Kinder B._______, C._______ 

und D._______ ein Gesuch um Einreisebewilligung zur Durchführung ei-

nes ordentlichen Asylverfahrens. Mit Verfügung vom 30. Dezember 2011 

bewilligte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz 

zur Durchführung des Asylverfahrens. In der Folge reisten die Beschwer-

deführenden am 15. März 2012 in die Schweiz ein. 

A.c Am 26. März 2012 reichten die Beschwerdeführenden im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ ein Asylgesuch ein, wo die Be-

schwerdeführerin am 18. April 2012 befragt wurde.  

A.d Am 17. November 2012 wurde das Kind E._______ geboren. 

A.e Am 21. Mai 2013 wurde die Beschwerdeführerin durch das Bundesamt 

einlässlich angehört.  

Die Beschwerdeführerin machte zur Begründung ihres Asylgesuches im 

Wesentlichen geltend, sie habe in Mogadischu im Distrikt G._______ ge-

lebt. Im Februar 2011 sei sie wegen der Kriegswirren mit ihren drei Kindern 

in den Distrikt H._______ geflüchtet, wo sie bei somalischen Frauen in 

Barracken untergekommen sei. Dort habe sie sich bis Juli 2011 aufgehal-

ten. Sie habe von den Mitgliedern der Shabaab zweimal am Tag Essen 

erhalten. Sie habe für andere Leute geputzt und die Wäsche gemacht. Ei-

nes Tages habe der Chef der Shabaab ihr erklärt, dass er sie heiraten 

wolle, was sie abgelehnt habe. Nach ein paar Tagen sei er in Begleitung 

eines anderen Mannes erschienen und habe sie dasselbe gefragt. Zudem 

habe er von ihr verlangt, dass sie für ihn Wasser trage und kochen müsse. 

Er habe bereits zwei andere Frauen geheiratet, obwohl diese ebenfalls mit 

anderen Männern verheiratet gewesen seien. Schliesslich habe er ihr ge-

droht für den Fall, dass sie sich weiterhin weigern sollte, ihn zu heiraten. 

Sie habe grosse Angst gehabt, da sie nicht habe fliehen können und nicht 

gewusst habe, wie sie ihre Kinder ernähren sollte. Eines frühen Morgens 

E-3506/2013 

Seite 3 

gegen sechs Uhr seien drei maskierte und bewaffnete Männer bei ihr er-

schienen und hätten sie an einen Ort in der Nähe der Essensausgabe ge-

führt. Sie hätten ihr das Kopftuch weggenommen, sie geschlagen und ver-

gewaltigt. Dabei hätten sie sie mit einem Mobiltelefon gefilmt. Nachdem sie 

mit dem Gewehr am Kopf geschlagen worden sei, sei sie vor Schmerzen 

ohnmächtig geworden. Als sie aufgewacht sei, hätten sie die Frauen, bei 

denen sie gewohnt habe, ins Spital gebracht. Am selben Tag sei ihre Tante 

aus I._______ gekommen und habe sie zusammen mit den Kindern nach 

I._______ mitgenommen. Während ihres dortigen Aufenthaltes habe sie 

mit ihrem Ehemann erstmals wieder Kontakt gehabt. Sie habe in ihrem 

Heimatland [Kinder] aus ihrer ersten Ehe, die beim Vater der Beschwerde-

führerin leben würden. Sie mache sich ihretwegen grosse Sorgen, da ihr 

Vater alt und krank sei. Sie wisse nicht, weshalb ihr Ehemann für diese kein 

Familiennachzugsgesuch gestellt habe. Er habe lediglich seine eigenen 

leiblichen Kinder im Gesuch aufgeführt.  

Für den Inhalt der weiteren Aussagen und Einzelheiten wird auf die Akten 

verwiesen. 

B.  

Das BFM stellte mit Verfügung vom 24. Mai 2013 – eröffnet am 27. Mai 

2013 – fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft 

nicht und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei-

sung der Beschwerdeführenden. Indessen wurde der Vollzug der Wegwei-

sung wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf-

geschoben. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen 

damit, dass die geltend gemachten Vorbringen weder den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft 

standhalten würden. Auf die weitere Begründung wird in den nachfolgen-

den Erwägungen eingegangen. 

C.  

Mit Eingabe vom 19. Juni 2013 an das Bundesverwaltungsgericht bean-

tragten die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigen-

schaft und die Gewährung von Asyl. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung ihres 

Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand ersucht. Gleichzeitig 

wurde eine Fürsorgebestätigung in Aussicht gestellt.  

E-3506/2013 

Seite 4 

D.  

Mit verfahrensleitender Verfügung vom 24. Juni 2013 wurde das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG – unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung so-

wie einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Be-

schwerdeführenden – gutgeheissen. Das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen.  

E.  

In ihrer Vernehmlassung vom 25. Juni 2013 beantragte das BFM die Ab-

weisung der Beschwerde. 

F.  

Am 1. Juli 2013 wurde eine Fürsorgebestätigung eingereicht. 

G.  

Mit Schreiben vom 9. September 2013 wurden Geburtsurkunden der bei-

den in Somalia verbliebenen Kinder sowie des Vaters der Beschwerdefüh-

rerin (alle im Original), ein Arztbericht den Vater betreffend sowie je ein 

Foto der [Kinder] eingereicht.  

H.  

Mit Schreiben vom 10. März 2014 erkundigte sich die Beschwerdeführerin 

nach dem Stand des Verfahrens. Dieses wurde am 28. März 2014 beant-

wortet. 

I.  

Am 9. Mai 2014 wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass ihr Vater 

schwer erkrankt sei, weshalb ihre in Mogadischu verbliebenen Kinder auf 

sich alleine gestellt seien. Zudem befürchte sie eine Zwangsverheiratung 

ihrer Tochter. 

J.  

Am 23. Mai 2014 wurde betreffend die Beschwerdeführerin ein Arztbericht 

der psychiatrischen Dienste J._______ vom 14. Mai 2014 eingereicht. 

K.  

Am 1. September 2014 erkundigte sich die Beschwerdeführerin erneut 

nach dem Stand des Verfahrens. Darauf wurde am 4. September 2014 re-

agiert.  

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Seite 5 

L.  

Mit Eingabe vom 8. Dezember 2014 wurde auf die Schwangerschaft der 

Beschwerdeführerin sowie ihre persönliche schwierige Lage hingewiesen. 

Gleichzeitig wurde ein ärztlicher Bericht des (…)spitals J._______ vom 

17. November 2014 eingereicht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

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Seite 6 

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das BFM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen 

damit, die Vorbringen der Beschwerdeführerin enthielten gewichtige Wider-

sprüche. Im EVZ habe sie angegeben, sie sei zusammen mit ihren drei 

Kindern während zirka fünf Monaten gewaltsam von der (Al) Shabaab in 

einer Basis festgehalten worden. Sie sei von mehreren Männern vergewal-

tigt worden. Zudem sei dort eine andere Frau gefangen gehalten worden. 

Ihre Tante habe sie von dort befreien können. Demgegenüber habe sie bei 

der Anhörung geltend gemacht, sie habe sich lediglich ein paar Stunden in 

der Gewalt der Shabaab befunden. Zudem sei sie nur von einem Angehö-

rigen der Shabaab vergewaltigt worden. Sie sei in einem zerstörten Ge-

bäude in der Nähe der Essensausgabe der Shabaab festgehalten worden. 

Es hätten Frauen, bei denen sie seit Februar 2011 untergekommen sei, sie 

befreit und ins Spital gebracht. Schliesslich sei es auch gemäss dem Asyl-

gesuch aus dem Ausland vom 8. August 2011 zu zwei Vergewaltigungen 

der Shabaab gekommen, währenddem die Beschwerdeführerin während 

ihrer Befragung bzw. Anhörung nur von einem Vergewaltigungsereignis ge-

sprochen habe. Ausserdem stimme die Angabe, wonach die Shabaab zum 

Zeitpunkt der geltend gemachten Übergriffe die Kontrolle in ihrer Herkunfts-

region innegehabt habe, nicht mit den Tatsachen überein. Im Weiteren hielt 

die Vorinstanz fest, eine Bürgerkriegssituation führe für sich alleine nicht 

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zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Die von der Beschwerdefüh-

rerin geltend gemachten kriegerischen Auseinandersetzungen bzw. die da-

raus resultierende Nahrungsmittelknappheit seien auf die herrschenden 

Machtkämpfe in bestimmten Regionen Somalias zurückzuführen, von de-

nen eine Vielzahl der Einwohner betroffen seien.  

4.2 Die Beschwerdeführenden halten dazu in ihrer Rechtsmitteleingabe 

fest, die Vorinstanz habe den rechtserheblichen Sachverhalt ungenügend 

abgeklärt und damit den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Die Argumen-

tation der Vorinstanz basiere auf zwei angeblichen Widersprüchen. Die Be-

schwerdeführerin habe im EVZ ausgesagt, sich während zirka fünf Mona-

ten in der Gewalt der Shabaab befunden zu haben. Bei der Anhörung habe 

sie angegeben vom zweiten Monat 2011 bis 15. Juli 2011 im Quartier 

H._______ gewesen zu sein, welches ein von der Shabaab kontrolliertes 

Gebiet sei. Bei der Aussage, wonach sie "während einiger Stunden" fest-

gehalten worden sei, handle es sich um die Vergewaltigung. Im Weiteren 

seien bezüglich der geschilderten Vergewaltigung keine Widersprüche vor-

handen. Schliesslich wurde auf den Grundsatzentscheid in EMARK 2006 

Nr. 18 hinsichtlich der Schutztheorie hingewiesen. In Somalia hätte keine 

funktionierende Behörde die Beschwerdeführenden schützen können.  

Im Laufe des Beschwerdeverfahrens machte die Beschwerdeführerin gel-

tend, sie mache sich grosse Sorgen um ihre beiden in Somalia verbliebe-

nen Kinder aus ihrer ersten Ehe. Diese seien seit der schweren Erkrankung 

ihres Vaters auf sich alleine gestellt.  

In einem Arztbericht der psychiatrischen Dienste J._______ vom 14. Mai 

2014 wird der Beschwerdeführerin eine depressive Symptomatik attestiert. 

5.  

5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu 

werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 

3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, 

Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde 

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Seite 8 

sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in ab-

sehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende An-

haltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem 

Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-

schluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die 

begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und 

zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zu-

dem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über 

keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6 S. 

1016 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37, je mit weiteren Hinweisen). 

Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genü-

gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich 

nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht 

widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen o-

der der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der 

Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann 

nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst 

falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert 

oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren 

verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten 

Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für ge-

wisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts-

darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti-

vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-

MARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 

6.  

6.1 Nach Durchsicht der Akten stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, 

dass die Vorinstanz die Angaben der Beschwerdeführerin zu Unrecht als 

insgesamt widersprüchlich und damit unglaubhaft bezeichnet hat. Zwar be-

stehen in einzelnen Teilen der Gesuchsbegründung auf den ersten Blick 

gewisse Unstimmigkeiten respektive Unklarheiten. Diese können jedoch 

mehrheitlich erklärt werden. Vorliegend ist vorab zu berücksichtigen, dass 

die Beschwerdeführerin anlässlich der lediglich eine Stunde dauernden 

summarischen Befragung im EVZ wenig Gelegenheit hatte, ihre Gesuchs-

gründe ausführlich darzulegen. Von den neun Protokollseiten entfielen ge-

rade eineinhalb Seiten auf den Teil ihrer Gesuchsbegründung (vgl. C4 S. 8 

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Seite 9 

f.). Immerhin führte sie bereits dort in freier Erzählweise die zentralen Er-

eignisse an, nämlich die Kontrolle/Präsenz von Al Shabaab in ihrem Quar-

tier, die von Al Shabaab an sie gerichtete Aufforderung zur Heirat eines 

ihrer Mitglieder, die Mitnahme durch drei Männer und die an ihr begangene 

Vergewaltigung und Verletzung sowie der Wegzug mit ihrer Tante nach 

I._______. Insbesondere erwähnte sie bereits dort den genauen Ablauf der 

Vergewaltigung (Mitnahme durch drei vermummte Männer, Schläge auf 

den Hinterkopf, das gegen sie gerichtete Gewehr und das Filmen mit einem 

Mobiltelefon). Der Feststellung der Vorinstanz, wonach sie sich hinsichtlich 

der Dauer des Festhaltens durch Al Shabaab widersprochen habe – im 

EVZ habe sie von fünf Monaten gesprochen, bei der späteren Anhörung 

von lediglich mehreren Stunden – kann nicht gefolgt werden. Vielmehr 

müssen die Aussagen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit 

zwei verschiedenen Ereignissen gesehen werden. So hat sie einerseits bei 

beiden Befragungen ausgesagt, dass sie während fünf Monaten in 

H._______ gewesen sei. Dieses sei unter der Kontrolle von Al Shabaab 

gewesen. Bei der summarischen Befragung gab sie auf die Frage, wie 

lange sie in der Gewalt von Al Shabaab geblieben sei, fünf Monate an. 

Indessen scheint klar, dass sie damit kaum die Festhaltung im Zusammen-

hang mit der Vergewaltigung gemeint hat. In der späteren eingehenden 

Anhörung führte sie weiter aus, sie habe vom zweiten Monat (Februar) bis 

15. Juli 2011 in H._______ gelebt, wo Al Shabaab Essen ausgegeben 

habe. Während dieser Zeit sei sie von Al Shabaab wiederholt zur Heirat 

einer deren Soldaten aufgefordert worden. Sie machte weiter geltend, sie 

hätte fliehen wollen, habe aber aus Angst, ihre Kinder nicht ernähren zu 

können, darauf verzichtet. Aus dieser Aussage kann geschlossen werden, 

dass sie dort (während fünf Monaten) unter einem gewissen Druck, d.h. 

nicht freiwillig gelebt hat. Dieser Schluss kann auch aus der Antwort der 

Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung, wo man ihr diese Aussagen 

vorhielt, gezogen werden (vgl. C15 S. 7: "Ich war fünf Monate dort. Ich 

konnte auch dort essen. … Man kann dort nicht weggehen. Man muss dort 

bleiben"). In diesem Sinne sind die Aussagen der Beschwerdeführerin be-

züglich des "Festhaltens" nicht widersprüchlich ausgefallen. Schliesslich 

können den Schilderungen der Beschwerdeführerin zur Vergewaltigung 

selber keine Widersprüche entnommen werden. So gab sie im EVZ an, drei 

Männer hätten sie mitgenommen und vergewaltigt. Gleichzeitig schilderte 

sie den Ablauf der Vergewaltigung, indem sie angab, einer der Männer sei 

"über ihr" gewesen, ein anderer habe das Gewehr auf sie gerichtet und der 

dritte habe sie mit dem Mobiltelefon gefilmt (vgl. Akte C4 S. 8). Daraus ist 

zu schliessen, dass der Vergewaltigungsakt selbst nur durch einen der drei 

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Männer, indessen mit Hilfe der beiden andern, stattgefunden hat. Dies ent-

spricht auch den Aussagen anlässlich der Anhörung, wo sie angab, einer 

habe sie vergewaltigt, einer habe die Waffe auf sie gerichtet und der dritte 

habe sie mit dem Mobiltelefon gefilmt (vgl. C15 S. 5).  

Weiter kann auch aus den Aussagen der Beschwerdeführerin zum Ort des 

Festhaltens kein Widerspruch festgestellt werden. Ihre Aussage, wonach 

sie in einer Basis der Shabaab festgehalten worden sei, bezog sich offen-

sichtlich auf ihren (gesamten) Aufenthalt im Quartier H._______, während-

dem sie bei der Anhörung ausführte, die Männer hätten sie in ein zerstörtes 

Gebäude gebracht, welches eben in diesem Quartier resp. der Basis der 

Shabaab lag (vgl. C15 S. 5). Auch wenn die Aussagen der Beschwerde-

führerin nicht immer in allen Teilen klar erscheinen – die meisten, wichtigen 

Ereignisse nannte sie bei beiden Befragungen im Wesentlichen überein-

stimmend, was eher für als gegen ihre Glaubwürdigkeit spricht –, so ist 

vorliegend auch zu berücksichtigen, dass es sich bei ihr um eine (…)-jäh-

rige traumatisierte Frau handelt, die gemäss ihren Angaben nie die Schule 

besucht hat und auch über keine Ausbildung verfügt. Zudem heiratete sie 

bereits im frühen Alter von 14 Jahren und wurde mit 15 Mutter von [Kinder], 

um welche sie sich nach dem frühen Tod ihres ersten Ehemannes geküm-

mert habe. Diese Umstände wurden weder von der Vorinstanz in Frage 

gestellt, noch hat das Gericht Anlass, an diesen zu zweifeln. Ferner kann 

den vorinstanzlichen Akten entnommen werden, dass die Beschwerdefüh-

rerin in gewissen Situationen panisch reagierte, so beispielsweise beim 

misslungenen Transfer in den ihr ursprünglich zugewiesenen Kanton, wo 

sie befürchtete, Landsleute anzutreffen, welche sie wegen ihrer Vergewal-

tigung ächten würden. Sie wurde daraufhin einem anderen Kanton zuge-

wiesen. Zudem ist dem Anhörungsprotokoll zu entnehmen, dass sie weinte 

und auf die Befragerin einen "unglücklichen Eindruck" hinterliess (S. 4, 9 

und 11). Dieses Verhalten ist als Realkennzeichen zu bewerten, welches 

insbesondere für die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vergewalti-

gung spricht. Im Übrigen kann der von der Vorinstanz festgestellte Wider-

spruch bei der Anzahl der Vergewaltigungen – im seinerzeitigen Asylge-

such aus dem Ausland sei von zwei die Rede gewesen – nicht der Be-

schwerdeführerin angelastet werden, zumal ihr Ehemann jene Eingabe 

vom 8. August 2011 verfasst hatte (vgl. Akte B1).  

6.2 Indessen muss die geltend gemachte Vergewaltigung – das zentrale 

Motiv des Asylgesuches der Beschwerdeführerin – wie nachstehend auf-

zuzeigen sein wird, als asylrechtlich nicht relevant bezeichnet werden. 

Zwar ist Al Shabaab gemäss Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts 

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Seite 11 

– entgegen der Feststellung der Vorinstanz – zum Zeitpunkt des Aufenthal-

tes der Beschwerdeführerin in H._______ vor Ort gewesen. Diese hatten 

das Quartier eine gewisse Zeit unter ihrer Kontrolle, bevor Soldaten der 

Afrikanischen Union/Transitional Federal Government (TFG) Al Shabaab 

im August 2011 zur Aufgabe des Gebietes zwangen (Bertelsmann Stiftung, 

BTI 2014 – Somalia Country Report, 12.02.2014, http://www.bti-ro-

ject.de/uploads/tx_itao_download/BTI_2014_Somalia.pdf, abgerufen am 

09.10.2014; Somalia Report, New Mogadishu Fighting Pushes North, 

04.06.2011, http://www.somaliareport.com/index.php/post/ 894/New_Mog-

adishu_Fighting_Pushes_North, abgerufen am 09.10.2014; Somalia Re-

port, Hope and Peace Loom in Mogadishu, 06.08.2011, http:// www.soma-

liareport.com/index. php/post/1306/Hope_ and_Peace_Loom_ in_Moga-

dishu, abgerufen am 09.10.2014.). Jedoch besteht Unklarheit über die tat-

sächliche Täterschaft der Vergewaltigung und des Motivs. So erklärte die 

Beschwerdeführerin im EVZ, zwei Männer von Al Shabaab hätten ihr er-

klärt, dass sie einen ihrer Leute heiraten müsse. Beim zweiten Mal seien 

drei vermummte Personen gekommen, die sie vergewaltigt hätten. Bei der 

Anhörung gab sie diesbezüglich zu Protokoll, der Chef von Al Shabaab 

habe sie heiraten wollen und sie wiederholt dazu aufgefordert. Eines Tages 

seien drei Männer gekommen, hätten sie mitgenommen und vergewaltigt. 

Ob der Chef von Al Shabaab darunter gewesen sei, wusste sie indessen 

nicht, da die Männer maskiert gewesen seien (vgl. Akten C4 S. 8 und C15 

S. 5). Aus den Vorbringen können demnach keine konkreten und glaubhaf-

ten Hinweise dafür entnommen werden, wonach der geschilderten Verge-

waltigung ein Verfolgungsmotiv gemäss Art. 3 AsylG zugrunde lag. Im Wei-

teren ist darauf hinzuweisen, dass die Gewährung von Asyl nicht dazu die-

nen kann, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern 

vielmehr bezweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. 

BVGE 2008/4 E. 5.4). Den Vorbringen der Beschwerdeführerin können 

aber – insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Al 

Shabaab im August 2011 vom Wohnort der Beschwerdeführerin 

H._______ vertrieben worden ist – keine glaubhaften und konkreten An-

haltspunkte dafür entnommen werden, dass sie eine begründete Furcht 

hat, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft weitere 

gezielte Nachteile dieses Ausmasses zu erleiden. Es erübrigt sich daher, 

auf die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe zur Frage einer adäqua-

ten Schutzgewährung durch die heimatlichen Behörden einzugehen.  

E-3506/2013 

Seite 12 

6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-

den nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfol-

gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat 

ihre Asylgesuche demzufolge zu Recht abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Auch die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 

7.3 Nachdem die Beschwerdeführerin und ihre Kinder infolge eines unzu-

mutbaren Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen worden sind, ist 

darüber nicht mehr zu befinden (vgl. Sachverhalt Bst. B). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

9.  

Die am 9. September 2013 im Original eingereichten Beweismittel sind, da 

sie nicht ausschliesslich für das vorliegende Beschwerdeverfahren erstellt 

worden sind, den Beschwerdeführenden zurückzugeben. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischen-

verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Juni 2013 das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut-

geheissen wurde, die Beschwerdeführenden innert Frist eine Bestätigung 

ihrer Fürsorgeabhängigkeit zu den Akten reichten und keine Anhaltspunkte 

dafür bestehen, dass sich ihre finanzielle Lage seither entscheidrelevant 

verändert hätte, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzich-

ten. 

E-3506/2013 

Seite 13 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3506/2013 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener 

 

 

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