# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1bf3f486-6b08-54a5-917a-772fbffe1748
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.04.2010 D-2050/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2050-2010_2010-04-08.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2050/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______ dessen Ehefrau B._______
und deren Kind C.______ Syrien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 18. März 2010 / N_______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2050/2010

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG, 
SR 173.110),

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschen-
rechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention, 
EMRK, SR 0.101),

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30),

des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und der Europäischen Gemeinschaft  über die Kri-
terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung  eines  in  einem Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten 
Asylantrags (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]),

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 
in  einem Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags zuständig  ist  (Dublin-II-
VO),

der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 
2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO (DVO Dublin),

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des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2),

stellt fest,

dass die Beschwerdeführenden am 21. November 2009 in der Schweiz 
um Asyl nachsuchten,

dass den Beschwerdeführenden gestützt auf die Tatsache, dass sie am 
24.  Juli  2009  in  Italien  registriert  beziehungsweise  daktyloskopiert 
worden  waren,  im D._______am 21. November  beziehungsweise  30. 
November 2009 das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung 
nach Italien gewährt wurde (vgl. BFM-Protokoll, A2, S. 8 und 9; A14, S. 
2 und 3),

dass die Beschwerdeführerin dabei unter anderem angab, sie und ihr 
Ehemann  hätten  in  Italien  ein  Asylgesuch  eingereicht,  das  bei  ihrer 
Ausreise noch nicht entschieden gewesen sei (vgl. A2, S. 8),

dass  sie  nicht  nach  Italien  zurückkehren  wolle,  da  sie  dort  beleidigt  
worden seien und auf der Strasse hätten leben müssen (vgl. A2, S. 9),

dass  der  Beschwerdeführer  seinerseits  auf  die  schwierige  Wohn-
situation in Italien hinwies und im Weiteren angab, das Ziel ihrer Reise 
sei die Schweiz und nicht Italien gewesen (vgl. A14, S. 2 und 3), 

dass  das BFM gestützt  auf  den oben  erwähnten Eurodac-Treffer  am 
13. Januar  2010  an  Italien  ein  Ersuchen  um  Übernahme  der  Be-
schwerdeführenden stellte, das in der Folge unbeantwortet blieb,

dass es mit - am 26. März 2010 eröffneter - Verfügung vom 18. März 
2010  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  die  Asyl-
gesuche nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 
Vollzug anordnete,

dass  es  die  Beschwerdeführer  gleichzeitig  aufforderte,  die  Schweiz 
sofort zu verlassen, und festhielt, einer Beschwerde gegen diese Ver-
fügung komme keine aufschiebende Wirkung zu,

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dass es zur Begründung seiner Verfügung anführte, die Beschwerde-
führenden hätten nach eigenen Angaben in Italien ein Asylgesuch ge-
stellt,  dort  während  zirka  dreieinhalb  Monaten  in  vier  verschiedenen 
Asylzentren  gelebt  und  im  Weiteren  liege  ein  Eurodac-Treffer  vom 
24. Juli 2009 vor,

dass gestützt auf die einschlägigen Staatsverträge (DAA, Dublin-II-VO, 
DVO Dublin) Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig 
sei,

dass Italien den Antrag auf Übernahme der Beschwerdeführenden bis 
am  28.  Januar  2010  nicht  beantwortet  habe,  weshalb  aufgrund  der 
Verfristung  davon  auszugehen  sei,  Italien  akzeptiere  die  Wiederauf-
nahme der Beschwerdeführenden,

dass  die  Beschwerdeführenden  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs 
keine  relevanten  Gründe,  welche  die  Durchführung  des  Dublin-Ver-
fahrens in Frage stellen würden, geltend gemacht hätten, weshalb auf  
ihre Asylgesuche nicht einzutreten sei, 

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu 
bejahen seien,

dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 30. März 2010 an das 
Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde 
erhoben  und  dabei  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  unter  anderem 
darum ersuchten, es sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der 
vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen,  die 
unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu ge-
währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, 

dass  in  der  Beschwerde  im  Wesentlichen  auf  die  bestehende 
Schwangerschaft  der  Beschwerdeführerin  und  auf  die  schwierigen 
Lebensumstände für Asylsuchende in Italien hingewiesen wurde,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  1.  April  2010  beim  Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden 
gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet  (Art. 105 
AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde, der Be-
schwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert ist (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht,  die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  ent-
schieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt  auf  Art. 111a Abs. 1 AsylG auf  einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

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dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  aufgrund  der  Abklärungen  des  BFM bei  der  EURODAC-Daten-
bank der Aufenthalt der Beschwerdeführenden in Italien feststeht und 
sie diesen auch nicht bestreiten,

dass somit  Italien für die Prüfung der am 21. November 2009 in der  
Schweiz  eingereichten  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  zu-
ständig ist (vgl. Art. 10 Abs. 1 Dublin II-VO),

dass  die  italienischen  Behörden  das  Ersuchen  der  Schweizer  Be-
hörden  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  innert  zweier 
Wochen  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens 
gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  so  genannten 
Verfristung definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Dublin II-VO),

dass  hinsichtlich  der  grundsätzlichen  Vorbehalte  gegenüber  der  Be-
handlung Asylsuchender in Italien festzuhalten ist, dass Asylsuchende 
in Italien zwar bei der Unterkunft, der Arbeit und dem Zugang zur me-
dizinischen  Infrastruktur  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein 
können, 

dass  indessen  Italien  Signatarstaat  sowohl  der  Flüchtlingskonvention 
als auch der EMRK ist,

dass  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vorliegen,  wonach  sich  Italien 
nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen 
hält,

dass Dublin-Rückkehrende betreffend Unterbringung von den italieni-
schen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  -  neben  den 
staatlichen Strukturen - auch zahlreiche private Hilfsorganisationen der 
Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, 

dass  die  Organisation  E.______  seit  dem  1. Januar  2009  die 
Betreuung  der  Flüchtlinge  im  Flughafen  Fiumicino  (Rom)  organisiert 
und dort den Asylsuchenden kostenlose Rechtsberatung anbietet,

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dass  unter  diesen  Umständen  entgegen  den  Beschwerdevorbringen 
keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, die Beschwerde-
führerin würde im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle 
Notlage geraten  (vgl. auch Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts E-
4109/2009  vom 17. August  2009  und  E-6195/2009  vom 30. Oktober 
2009), 

dass an dieser Einschätzung die bestehende Schwangerschaft der Be-
schwerdeführerin im sechsten Monat nichts ändert, kann doch von ei-
ner  diesbezüglichen  hinreichenden  medizinischen  Betreuung der  Be-
schwerdeführerin in Italien ausgegangen werden, 

dass  die  Beschwerdeführenden  weder  im  Rahmen  des  rechtlichen 
Gehörs noch auf Beschwerdeebene hinreichend bestimmte Vorbehalte 
gegenüber  einer  Rückkehr  nach  Italien  geltend  machten,  weshalb 
keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, die Beschwerde-
führenden  würden  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Italien  in  eine 
existenzielle  Notlage  geraten  (vgl.  auch  Urteile  des  Bundesver-
waltungsgerichts E-4109/2009 vom 17. August 2009 und E-6195/2009 
vom 30. Oktober 2009), 

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  ein-
getreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 
Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 
AuG,

dass eine entsprechende Prüfung soweit notwendig vielmehr bereits im 
Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vorgehende 
Erwägungen),

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dass in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach 
Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

dass  die  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  darzutun  vermögen, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art.  1-3 VGKE) 
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), 
indessen  angesichts  der  voraussichtlichen  Uneinbringlichkeit  auf  die 
Kostenauferlegung verzichtet wird (Art 6 Bst. b VGKE),

dass bei  dieser Sachlage das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos 
wird.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführenden (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N______ (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand: 

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