# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3af54b88-fd63-5baa-bb6b-fde93b77115d
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1997-10-29
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 29.10.1997 Verwaltung ARGVP 1998 1333
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_Verwaltung-ARGVP-199_1997-10-29.pdf

## Full Text

A. Verwaltungsentscheide 1333

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Anschlusspflicht. Voraussetzungen für die Befreiung von Land­
wirtschaftsbetrieben von der generellen Anschlusspflicht.

Nach Art. 12 Abs. 4 des BG vom 24. Januar 1999 über den Schutz der 
Gewässer (GSchG, SR 814.20) können Landwirtschaftsbetriebe mit 
erheblichem Rindvieh- und Schweinebestand von der generellen An­
schlusspflicht befreit werden. So besteht die Möglichkeit, dass auch 
innerhalb des Kanalisationsbereiches gelegene Landwirtschaftsbe­
triebe das häusliche Abwasser zusammen mit der Gülle aus der Nutz­
tierhaltung landwirtschaftlich verwertet können, wenn die langfristige 
Sicherung der Hof- und Betriebsfläche mit Umschwung für die land­
wirtschaftliche Nutzung angestrebt wird. Erheblich ist der Rindvieh- 
und Schweinebestand dann, wenn er mindestens acht Düngergross­
vieheinheiten umfasst (Art. 15 Abs. 2 AGSchV). Diese Voraussetzun­
gen gewährleisten, dass zwischen der Gülle und dem beigemengten 
häuslichen Abwasser ein ausreichendes Mischverhältnis besteht.

Mit der Befreiung von der Anschlusspflicht wurde ein Sonderrecht 
zugunsten des tierhaltenden Zweiges der Landwirtschaft geschaffen. 
Demnach kann häusliches Abwasser grundsätzlich nur dann von der 
Anschlusspflicht befreit werden, wenn es aus Wohnungen stammt, die 
dem landwirtschaftlichen Wohnbedarf dienen, das bedeutet aus Woh­
nungen, die für einen Landwirtschaftsbetrieb bestimmt sind. Es würde 
Sinn und Zweck von Art. 12 Abs. 4 GSchG zuwiderlaufen und gegen 
die grundsätzliche Anschlusspflicht nach Art. 11 Abs. 1 GSchG ver- 
stossen, wenn unter der Bezeichnung „Landwirtschaftsbetrieb“ auch 
das häusliche Abwasser von Personen, die nicht auf dem Landwirt­
schaftsbetrieb tätig sind, von der Anschlusspflicht befreit würde. Ein 
Landwirtschaftsbetrieb muss vielmehr eine Einheit darstellen (vgl. die 
Botschaft vom 29. April 1987 zur Volksinitiative „zur Rettung unserer 
Gewässer“  und zur Revision des Bundesgesetzes über den Schutz 
der Gewässer, in: Bbl 1987 II 1117; KPG-Bulletin 5/1994 S. 27f., Ziff. 
3.4/3.5). Die Ausnahmeregelung von Art. 12 Abs. 4 GSchG gilt daher 
nur für Gebäude mit eindeutig landwirtschaftlicher Zweckbindung und 
Nutztierhaltung (vgl. BVR 1996 S. 27). Zwar ist der ökonomieteil des 
Gebäudes verpachtet. Das Wohnhaus wird indessen zonenfremd ge­

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nutzt, obwohl der Rekurrent noch gelegentlich auf dem Betrieb mitar­
beitet. Damit fehlt die landwirtschaftliche Zweckbindung des Wohntei- 
les des Gebäudes, womit eine Befreiung von der Anschlusspflicht 
gestützt auf Art. 12 Abs. 4 GSchG ausgeschlossen ist.

Entscheid Umweltschutz- und Energiedirektion vom 29.10.1997