# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d4a1138d-d512-5b54-86cb-936f589edf06
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Gesundheits-, Sozial und Integrationsdirektion 19.08.2025 2025.GSI.1289
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Weitere/BE_VB_003_2025-GSI-1289_2025-08-19.pdf

## Full Text

11!  
Kanton Bern  
Canton de Berne  

Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion 

Rathausplatz  1  
Postfach  
3000  Bern  8 
+41 31 633 79 41  (Telefon)  
+41 31 633 79 56 (Fax)  
info.ra.gsi@be.ch  
www.be.ch/gsi  

Referenz: 2025.GSI.1289 / vb 

Beschwerdeentscheid vom  19.  August  2025 

in der  Beschwerdesache  

A.  

Beschwerdeführer 

gegen 

Amt für Integration und Soziales  (AIS),  Rathausplatz  1,  Postfach,  3000  Bern  8  

Vorinstanz 

betreffend Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren nach BLG 

(Verfügung  der  Vorinstanz vom  3.  April  2025) 

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Kanton Bern 	 Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion  
Canton de Berne 	 2025.GSI.1289  

I. 	Sachverhalt  

1. Am 22.  Januar  2024  stellte  A. 	(nachfolgend: Beschwerdeführer) beim Amt für In- 

tegration und Soziales  (AIS;  nachfolgend: Vorinstanz) das Gesuch um Zulassung zum Bedarfser-

mittlungsverfahren  .1  

2. Mit Verfügung vom  3.  April  2025  wies  die  Vorinstanz das Gesuch um Zulassung zum 

Bedarfsermittlungsverfahren ab.2  

3. Dagegen erhob  der  Beschwerdeführer  am 5. Mai 2025  Beschwerde bei  der  Gesund-

heits-, Sozial- und lntegrationsdirektion  des  Kantons Bern (GSI).  Er  beantragt,  die  angefochtene 

Verfügung sei aufzuheben und sein Gesuch um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren sei 

gutzuheissen  .3  

4. Die  Rechtsabteilung  des  Generalsekretariats, welche  die  Beschwerdeverfahren für  die  

GSI leitet,4  holte  die  Vorakten ein und führte  den  Schriftenwechsel durch.  

5. Die  Vorinstanz schliesst  in  ihrer Beschwerdevernehmlassung vom  4.  Juni  2025  auf Ab-

weisung  der  Beschwerde.  

6. Der  Beschwerdeführer reichte  am 30.  Juni  2025  eine Replik ein.  

7. Die  Vorinstanz äusserte sich mit Duplik vom  '15.  Juli  2025  ebenfalls ein zweites  Mal in 

der  Sache. 

Auf  die  Rechtsschriften und Akten wird, soweit für  den  Entscheid wesentlich,  in den  nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen. 

Angefochtene Verfügung vom  3.  April  2025  (Vorakten, Register  4),  Benachrichtigungen (Vorakten, Register  3) 
2  Angefochtene Verfügung vom  3.  April  2025  (Vorakten, Register  4) 
3  Beschwerde vom  5. Mai 2025 
4  Art. 7  Abs.  1  Bst.  m  der  Verordnung vom  30.  Juni  2021  über  die Organisation  und  die  Aufgaben  der  Gesundheits-, 
Sozial- und Integrationsdirektion (Organisationsverordnung GSI, OrV GSI; BSG  152.221.121)  i.V.m.  Art. 14a der  Direk-
tionsverordnung über  die  Delegation  von  Befugnissen  der  Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion vom  17.  Ja-
nuar  2001  (DelDV GSI; BSG  152.221.121.2)  und  Art. 6  Abs.  1  Bst.  e  des  Organisationsreglements  des  Generalsekre-
tariats  der  Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (OrgR  GS  GSI)  

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Erwägungen  

1. Sachurteilsvoraussetzungen 

1.1 	Angefochten ist  die  Verfügung  der  Vorinstanz vom  3.  April  2025.  Diese Verfügung ist gemäss  

Art. 58  BLG5  i.V.m.  Art. 62  Abs.  1  Bst.  a  VRPG8  bei  der  GSI als  der in der  Sache zuständigen Direktion 

anfechtbar.  Die  GSI ist somit zur Beurteilung  der  Beschwerde vom  5. Mai 2025  zuständig.  

1.2 	Der  Beschwerdeführer ist als Adressat  der  Verfügung ohne Weiteres zur Beschwerdefüh-

rung befugt  (Art. 65  VRPG).  

1.3 	Die  Verfügung vom  3.  April  2025  wurde dem Beschwerdeführer  am 11.  April  2025  zugestellt.7  

Die  Beschwerde vom  5. Mai 2025,  aufgegeben  am 6. Mai 2025,  wurde damit fristgerecht eingereicht  

(Art. 67  VRPG). Auch erfüllt  die  Beschwerde  die  Formerfordernisse  (Art. 67  i.V.m.  Art. 32  VRPG).  

1.4 	Auf  die  Beschwerde vom  5. Mai 2025  ist folglich einzutreten.  

1.5 	Die  GSI prüft, ob  die  Vorinstanz  von  einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung  des  

Sachverhalts ausgegangen ist, ob sie Recht verletzt hat (einschliesslich allfälliger Rechtsfehler bei  der  

Ausübung  des  Ermessens) und ob  die  angefochtene Verfügung unangemessen ist  (Art. 66  VRPG).  

Der  GSI steht somit volle Kognition zu.  

2. Streitgegenstand  

2.1 	Anfechtungsobjekt bildet vorliegend  die  Verfügung  der  Vorinstanz vom  3.  April  2025.  Strittig 

und nachfolgend zu prüfen ist, ob  die  Vorinstanz das Gesuch  des  Beschwerdeführers um Zulassung 

zum Bedarfsermittlungsverfahren zu Recht abgewiesen hat.  

2.2 	Vorab gilt festzuhalten, dass  der  Beschwerdeführer — trotz Abweisung  seines  Gesuchs um 

Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren —  von der  Vorinstanz zum Bedarfsermittlungsverfahren 

zugelassen wurde.  Der  Beschwerdeführer konnte deshalb  am 19.  März  2024  bereits sein Gesuch um 

Leistungsgutsprache einreichen.8  Die  Einreichung  des  Gesuchs um Leistungsgutsprache sollte dem-

gegenüber nur dann möglich sein, wenn das Gesuch um Zulassung gutgeheissen wurde und  die  Vor-

instanz  den  Beschwerdeführer auf AssistMe zur Einreichung  des  Gesuchs um Leistungsgutsprache 

aufgefordert bzw. freigeschaltet hat.9  In der  angefochtenen Verfügungen befand  die  Vorinstanz einzig  

5  Gesetz vom  13.  Juni  2023  über  die  Leistungen für Menschen mit Behinderungen (BLG; BSG  860.3) 
6  Gesetz vom  23. Mai 1989  über  die  Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG  155.21) 
7  Sendungsverfolgung (Akten GSI)  
8  Dossier  (Vorakten, Register  3) 
9  Art. 10  Abs.  3  BLG; vgl. auch Vortrag  des  Regierungsrates  an den  Grossen  Rat  zum Gesetz über  die  Leistungen für 
Menschen mit Behinderungen (BLG) vom  6.  Juli  2022, Art. 10 S. 31 

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über das Gesuch um Zulassung. Das Gesuch um Leistungsgutsprache gehört damit vorliegend nicht 

zum Streitgegenstand.  

2.3 	In  diesem Zusammenhang ist ausserdem zu erwähnen, dass  die  Vorinstanz im Sachverhalt  

der  angefochtenen Verfügung festgehalten hat,  der  Beschwerdeführer habe das Gesuch um Zulas-

sung zum Bedarfsermittlungsverfahren  am 22.  Januar  2024  eingereicht. Im Titel  der  angefochtenen 

Verfügung wie auch im (anfechtbaren) Dispositiv hielt  die  Vorinstanz im Widerspruch dazu fest, das 

Gesuch um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren sei  am 19.  März  2024  eingereicht worden. 

Gestützt auf  die  Akten ist erstellt, dass das Gesuch um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren 

vom  22.  Januar  2024  datiert.1°  Am 19.  März  2024  wurde das Gesuch um Leistungsgutsprache einge-

reicht.11  Nur das Dispositiv bzw.  die  Verfügungsformel wird rechtswirksam und kann angefochten wer-

den. Das Dispositiv muss klar, vollständig und widerspruchsfrei sein.12  Es  ist davon auszugehen, dass  

es  sich im Dispositiv um einen Redaktionsfehler  der  Vorinstanz handelt,  der  grundsätzlich mittels Be-

richtigung verbesserlich ist.13  Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob  die  Vorinstanz das Gesuch  des  Be-

schwerdeführers um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren vom  22.  Januar  2024  zu Recht ab-

gewiesen hat.  

3. 	Rechtliche Grundlagen  

3.1 	Das  am 1.  Januar  2024 in Kraft  getretene BLG regelt  den  Zugang und  die  Finanzierung  von  

Leistungsangeboten für Menschen mit Behinderungen  (Art. 1  Abs.  1  BLG). Bisher wurden  die  Leis-

tungserbringer direkt vom Kanton abgegolten. Neu werden  die  Leistungen direkt  an die  Menschen mit 

Behinderungen ausbezahlt. Dieser Paradigmenwechsel  von der  Objekt- zur Subjektfinanzierung soll  

den  Menschen mit Behinderungen ein möglichst eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben 

sowie  die  gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und richtet sich nach dem individuellen behinde-

rungsbedingten Unterstützungsbedarf  (Art. 2  Abs.  1  Bst.  a  und  b  BLG).  

3.2 	Die  Menschen mit Behinderungen reichen bei  der  zuständigen Stelle  der  GSI, d.h. bei  der  

Vorinstanz  (Art. 1  Abs.  1  BLV14), ein Gesuch um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfahren ein  

(Art. 10  Abs.  1  BLG).  Die  Vorinstanz prüft anschliessend, ob  die  Voraussetzungen nach  Art. 8  Abs.  1  

Bst.  a  BLG erfüllt sind  (Art. 10  Abs.  2  BLG). Anspruch auf personale Leistungen haben Menschen mit 

Behinderungen nach  Art. 4  BLG,  die  unter Vorbehalt  von Art. 20  Abs.  2  BLG ihren zivilrechtlichen 

Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt im Kanton haben  (Art. 8  Abs.  1  Bst.  a  BLG). Als Menschen mit 

Behinderungen im Sinne  des  BLG gelten volljährige Personen,  die  Anspruch auf eine Rente nach dem  

10  Dossier  (Vorakten, Register  3);  Benachrichtigungen (Vorakten, Register  3) 
11  Benachrichtigungen (Vorakten, Register  3) 
12  Michel Daum, in:  Kommentar zum bernischen VRPG,  2.  Auflage  2020  (fortan: VRPG-Kommentar),  Art. 52  N.  10f. 
13  Michel Daum,  a.a.O.,  Art. 52  N.  12 
14  Verordnung vom  22.  November  2023  über  die  Leistungen für Menschen mit Behinderungen (BLV; BSG  860.31) 

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IVG15, UVG16  oder MVG17  oder auf eine Hilflosenentschädigung nach IVG, UVG oder MVG haben  

(Art. 4  Abs.  1  BLG). Ebenfalls als Menschen mit Behinderungen im Sinne  des  BLG gelten Personen,  

die  bis zum Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters nach dem AHVG19  Leistungen  der  Behinderten-

hilfe bezogen haben  (Art. 4  Abs.  2  BLG).  

4. 	Argumentation der  Verfahrensbeteiligten  

4.1 	Beschwerdeführer  

4.1.1 	Der  Beschwerdeführer macht  in  seiner Beschwerde zusammengefasst geltend, er habe als 

geburtsblinder  Mann  bis zum Übertritt ins Rentenalter eine Hilflosenentschädigung (HE)  der  Invaliden-

versicherung  (IV)  bezogen. Auch habe er seit  2011  bis zum Übertritt ins Rentenalter eine volle Rente  

der IV  bezogen.  Er  habe bei seiner Gesuchstellung angegeben (und auch alle Unterlagen dazu ein-

gereicht), dass er ein Assistenzgeld  der IV  beziehe.  Dies  könnte er nicht, wenn er  die  Voraussetzun-

gen dafür,  die die  gleichen seien wie im BLG, nicht schon im Erwerbsalter erfüllt hätte. Ferner führt  

der  Beschwerdeführer aus, dass er sich vor seinem Gesuch bei  der  Vorinstanz danach erkundigt habe, 

wer anspruchsberechtigt im Sinne  des  BLG sei und habe eine Mailantwort  von  einem wissenschaftli-

chen Mitarbeiter  der  Vorinstanz erhalten, wonach als Menschen mit Behinderungen auch Personen 

gelten würden,  die  bis zum Erreichen  des  ordentlichen Pensionsalters nach dem AHVG Leistungen  

der  Behindertenhilfe bezogen hätten (sogenannte Besitzstandwahrung).  Die  Vorinstanz verkenne 

oder beachte somit zu Unrecht nicht, dass sein Gesuch um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfah-

ren aufgrund  der  Besitzstandwahrung gutzuheissen sei.19  

4.1.2 	In  seiner Replik führt  der  Beschwerdeführer aus, im E-Mail  der  Vorinstanz sei keine Rede 

davon gewesen sei, dass  es  sich bei  den  Leistungen  der  Behindertenhilfe um solche  der  Vorinstanz 

bzw.  des  Kantons Bern handeln müsse. Im Gegenteil,  es  werde ausgeführt, dass als Menschen mit 

Behinderungen im Sinne  des  BLG auch Personen gelten würden,  die  nach dem AHVG Leistungen  

der  Behindertenhilfe bezogen hätten. Leistungen  der  kantonalen Behindertenhilfe seien aber nicht  in  

diesem Bundegesetz geregelt. Weiter hält  der  Beschwerdeführer fest, dass er sich nach dem Tod 

seiner Frau im Jahr  2018  und aufgrund  seines  zunehmenden Assistenzbedarfs um Aufnahme ins  

Berner  Assistenzmodell bemüht habe.  Es  sei ihm jedoch mitgeteilt worden, dass keine weiteren Teil-

nehmer mehr aufgenommen werden könnten. Hätte  es  keine Aufnahmebeschränkungen gegeben, 

wäre er wohl mit Sicherheit ins  Berner  Modell aufgenommen worden.  Er  müsse seither mehr als  die  

Hälfte  seines  Assistenzbedarfs selber finanzieren. Andere vergleichbare Assistenzleistungen habe  es 

seines  Wissens im Kanton Bern nicht gegeben.  Es  wäre willkürlich, denen  den  Anspruch auf kantonale  

15  Bundesgesetz vom  19.  Juni  1959  über  die  Invalidenversicherung (IVG;  SR 831.20) 
16  Bundesgesetz vom  20.  März  1981  über  die  Unfallversicherung (UVG;  SR 832.20) 
17  Bundesgesetz vom  19.  Juni  1992  über  die  Militärversicherung (MVG;  SR 833.1) 
18  Bundesgesetz vom  20.  Dezember  1946  über  die  Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG;  SR 831.10) 
19  Beschwerde vom  5. Mai 2025 

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Assistenzleistungen abzusprechen,  die  sie vor dem Inkrafttreten  des  BLG aus Gründen,  die  sie nicht 

zu vertreten hätten, keine (mehr) hätten beziehen können. Für  die, die  nicht mehr ins kantonale As-

sistenzmodell hätten aufgenommen werden können, bestehe immerhin eine  Art  virtueller Besitzstand. 

Für  die an  sich Anspruchsberechtigten,  die  aus Platzgründen nicht mehr ins vorherige  Berner  Assis-

tenzmodell aufgenommen worden seien, sich aber noch nicht für  die  seit  2024  aktuelle Lösung hätten 

anmelden können, weil diese noch nicht  in Kraft  gewesen sei, müsse eine Übergangslösung greifen. 

Andernfalls würden diese «zwischen Stühle und Bänke» fallen. Abschliessend hält  der  Beschwerde-

führer fest, dass er mit dem Eintritt ins Rentenalter einen realen Besitzstand verloren habe, falls  die  

Stiftung  B. 	,  die  für Menschen mit Behinderungen Taxifahrten subventioniere und offensichtlich eng 

mit  der  GSI zusammenarbeite, zur massgeblichen Behindertenhilfe im Sinne  der  Vorinstanz zähle.2°  

4.2 	Vorinstanz  

4.2.1 	Die  Vorinstanz führt  in  ihrer Beschwerdevernehmlassung im Wesentlichen aus, sie erkenne  

an,  dass  die  Bedingungen erfüllt wären, wenn sich  der  Beschwerdeführer nicht im Pensionsalter be-

finden würde. Aufgrund  des  Alters sei  die  Zugehörigkeit zur Zielgruppe nach BLG nur dann gegeben, 

wenn  die  Bedingungen für  die  Besitzstandwahrung erfüllt seien  (Art. 4  Abs.  2  BLG).  Der  Beschwerde-

führer wäre zum Bedarfsermittlungsverfahren zuzulassen, wenn er  in der  Zeit «nach» (recte: vor) dem 

Eintritt ins Pensionsalter irgendwelche Leistungen  der  Behindertenhilfe bezogen hätte, d.h. wenn er 

zwar nicht  in  einem Wohnheim gelebt,  aber  andere  von der  Vorinstanz finanzierten Leistungen bezo-

gen hätte,  die  bis  zum Inkrafttreten  des  BLG gestützt auf SHG21  / SLG22  für Menschen  mit  Behinde-

rungen ausgerichtet worden seien.  Art. 4  Abs.  2  BLG solle sicherstellen, dass Menschen  mit  Behinde-

rungen nicht plötzlich  mit  Erreichen  des  Rentenalters gemäss  der  Alters-  und  Hinterlassenenversiche-

rung (AHV) das  Setting  abbrechen müssten.  Auch ambulante  oder teilstationäre  Settings  könnten auf 

diese Weise im Rahmen  der  Behindertenhilfe weitergeführt werden, womit Brüche  in der  behinde-

rungsbedingten Unterstützung sowie  der  sozialen Teilhabe vermieden würden. Wenn  der  Beschwer-

deführer keine solchen Leistungen bezogen habe, sei  Art. 4  Abs.  2  BLG nicht anzuwenden.  Die  Vor-

instanz hält weiter fest, dass sie  den  Sachverhalt telefonisch  mit  dem Beschwerdeführer abgeklärt  und  

mündlich  die  Auskunft erhalten habe, dass keine Behindertenleistungen nach SLG / SLV23  bezogen 

worden seien  und  würden.24  

4.2.2 	In der  Duplik bringt  die  Vorinstanz zusammengefasst vor, dass  der  Beschwerdeführer  Art. 4  

Abs.  2  BLG offensichtlich falsch interpretiere.  Der  Verweis auf das AHVG ziele darauf ab, das ordent-

liche Rentenalter zu definieren und stelle keinen Bezug zur Behindertenhilfe  des  AHVG her (weil  es 

die  tatsächlich nicht gebe). Beim  Berner  Modell habe  es  sich sodann um ein Pilotprojekt gehandelt  

20  Replik vom  30.  Juni  2025 
21  Gesetz vom  11.  Juni  2001  über  die  öffentliche Sozialhilfe (Sozialhilfegesetz, SHG; BSG  860.1) 
22  Gesetz vom  9.  März  2021  über  die  sozialen Leistungsangebote (SLG; BSG  860.2) 
23  Verordnung vom  24.  November  2021  über  die  sozialen Leistungsangebote (SLV; BSG  860.21) 
24  Beschwerdevernehmlassung vom  4.  Juni  2025 

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und  es  habe zu keinem Zeitpunkt ein Anrecht auf Teilnahme bestanden.  Es  seien keine neuen Teil-

nehmenden mehr zugelassen worden, da mit  der  relativ grossen Summe  an  Teilnehmenden das Sys-

tem bereits eingehend habe getestet werden können. Auch  der  Hinweis  des  Beschwerdeführers, wo- 

nach er subventionierte Fahrten  der  Stiftung  B. 	beziehe, reiche nicht aus, um eine Zulassung zu 

erhalten. Bei Fahrten  der  Stiftung  B. 	 handle  es  sich nicht um personale Leistungen gemäss BLG, 

da  die  Leistungen  in  einem separaten Leistungsvertrag geregelt würden.25  

5. 	Würdigung  

5.1 	Verletzung  des  rechtlichen Gehörs  

5.1.1 	Der  Anspruch auf rechtliches Gehör ist  in Art. 29  Abs.  2  BV26  sowie  Art. 26  Abs.  2  KV27  ver- 
ankert und dient als grundlegende Verfahrensgarantie  der  Gewährleistung eines fairen Verfahrens. Im 

kantonalen Verwaltungsverfahren wird  der  Gehörsanspruch  in Art. 21 if.  VRPG konkretisiert.28  Ge-
mäss  Art. 21  Abs.  1  VRPG ist  die  Behörde gehalten,  die  Partei anzuhören, bevor sie verfügt oder 
entscheidet. Aus  der  behördlichen Anhörungs- und Prüfungspflicht folgt als wesentlicher Bestandteil  
des  Gehörsanspruchs auch  die  Begründungspflicht.  Die  betroffene Partei soll wissen, warum  die  Be-

hörde entgegen ihrem Antrag entschieden hat. Im Allgemeinen muss  die  Begründung zumindest so 

abgefasst sein, dass  die  Betroffenen  die  Verfügung oder  den  Entscheid gegebenenfalls sachgerecht 

anfechten können.  Es  müssen wenigstens kurz  die  Überlegungen genannt werden,  von  denen sich  
die  Behörde hat leiten lassen und auf  die  sich ihr Entscheid stützt.29  Im Einzelnen können Umfang und 

Inhalt  der  Begründungspflicht nicht abstrakt umschrieben werden, sondern sind je nach Sach- und 

Rechtslage nach Fallgruppen sowie im Einzelfall zu konkretisieren.3°  

5.1.2 	Eine Gehörsverletzung ist nicht nur beachtlich, wenn sie gerügt wird.  Art. 27  Abs.  2  KV ver- 
pflichtet alle Instanzen, bei ihrer Tätigkeit zur Verwirklichung  der  Grundrechte beizutragen. Jedenfalls 

eindeutige und erhebliche Gehörsverletzungen sind deshalb auf Beschwerde hin auch ohne entspre-

chende Rüge  von  Amtes wegen aufzugreifen, sofern  die  Umstände nicht auf einen Verzicht durch  die  

benachteiligte Partei schliessen lassen.31  Der  Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur.  
Seine  Verletzung führt ungeachtet  der  Erfolgsaussichten  der  Beschwerde  in der  Sache grundsätzlich 
zur Aufhebung  des  angefochtenen Entscheids.32  Die  Rückweisung einer Sache zur Gewährung  des  

rechtlichen Gehörs muss durch ein entsprechendes Interesse  der  betroffenen Person gerechtfertigt  

28  Duplik vom  15.  Juli  2025 
28  Bundesverfassung  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom  18.  April  1999  (BV;  SR 101) 
27  Verfassung  des  Kantons Bern vom  6.  Juni  1993  (KV; BSG  101.1) 
28  Michel Daum, in:  Kommentar zum VRPG,  2.  Auflage, Bern  2020, Art. 21  N.  1 
29  Michel Daum,  a.a.O.,  Art. 21  N.  28 
39  Michel Daum,  a.a.O.,  Art. 21  N.  30  m.w.H.  
31  Michel Daum,  a.a.O.,  Art. 21  N.  12 
32  BVR  2018/281  E.  3.1 

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sein.  Die Praxis  lässt deshalb unter bestimmten Voraussetzungen  die  Heilung  von  Gehörsverletzun-

gen zu oder verzichtet auf prozessuale Folgen. Voraussetzung ist, dass  der  Rechtsmittelinstanz  die  

gleiche Kognition zukommt wie  der  Vorinstanz und  der  betroffenen Partei kein Nachteil erwächst, d.h. 

sie ihre Rechte voll wahrnehmen konnte. Dem Umstand, dass sich  die  Partei erst vor einer höheren 

Instanz äussern konnte, ist  in der  Regel im Kostenpunkt Rechnung zu tragen.33  

5.1.3 	Weder aus  der  angefochtenen Verfügung  der  Vorinstanz vom  3.  April  2024  noch aus  den  

Vorakten ergibt sich, dass  die  Vorinstanz dem Beschwerdeführer vor Verfügungserlass das rechtliche 

Gehör gewährt hat. Ferner hat  die  Vorinstanz  die  angefochtene Verfügung ungenügend begründet.  

Die  Vorinstanz führte zur Begründung  der  Abweisung  des  Gesuchs um Zulassung lediglich aus, dass  

der  Beschwerdeführer weder eine Rente noch eine Hilflosenentschädigung nach IVG, UVG oder MVG 

beziehe und damit nicht als Mensch mit Behinderungen im Sinne  von Art. 4  Abs.  1  BLG gelte. Sie hat  

es  jedoch unterlassen zu begründen, weshalb  der  Beschwerdeführer auch nicht als Mensch mit Be-

hinderung im Sinne  von Art. 4  Abs.  2  BLG gelten soll.  Der  Beschwerdeführer hat Jahrgang  1956.34  Er  

ist damit über  65  Jahre alt und befindet sich im ordentlichen Rentenalter gemäss  Art. 21  Abs.  1  AHVG. 

Angesichts  des  Alters  des  Beschwerdeführers sowie  des  Umstands, dass  die  Vorinstanz das Recht  

von  Amtes wegen anzuwenden hat  (Art. 20a  Abs.  1  VRPG), hätte  die  Vorinstanz ihre Verfügung auch  

in  Bezug auf  Art. 4  Abs.  2  BLG prüfen und begründen müssen.  Die  Vorinstanz hat  es  unterlassen,  in 

der  angefochtenen Verfügung ihre Überlegungen darzulegen, weshalb ihrer Ansicht nach  Art. 4  Abs.  2  

BLG vorliegend nicht erfüllt sei. Erst im Rahmen  der  Beschwerdevernehmlassung bzw.  in  dem vom 

Beschwerdeführer anhängig gemachten Beschwerdeverfahren legte  die  Vorinstanz ihre Überlegun-

gen dar, weshalb  der  Beschwerdeführer  die  Voraussetzungen nach  Art. 4  Abs.  2  BLG nicht erfülle und 

weshalb sie das Gesuch um Zulassung abgewiesen habe.  Die  Vorinstanz verletzte damit das rechtli-

che Gehör  des  Beschwerdeführers  in  mehrfacher und grober Weise.  

5.1.4 	Die  Gehörsverletzung führt grundsätzlich zur Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung 

(vgl.  E.  5.1.2). Die  Rückweisung  der  Sache zur Gewährung  des  rechtlichen Gehörs muss aber durch 

ein entsprechendes Interesse  der  betroffenen Person gerechtfertigt sein. Vorliegend steht  der  Be-

schwerdeinstanz volle Kognition zu  (Art. 66  VRPG; vgl.  E.  1.5). Der  Beschwerdeführer konnte sich 

zudem im Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens äussern. Eine Rückweisung käme letztlich einem for-

malistischen Leerlauf gleich, was nicht im Interesse  des  Beschwerdeführers liegen kann. Auch wenn  

die  Verletzung  des  Gehörsanspruchs schwer wiegt, konnte sie im vorliegenden Verfahren ohne Nach-

teil für  den  Beschwerdeführer geheilt werden.  

33  Michel Daum, a.a.O., Art. 21 N. 11 
34  Dossier (Vorakten, Register 3) 

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5.2 	Auslegung  von Art. 4  Abs.  2  BLG  

5.2.1 	Es  ist unbestritten, dass  der  Beschwerdeführer nicht als Mensch mit Behinderung im Sinne  

von Art. 4  Abs.  1  BLG gilt, da er aufgrund  seines  Alters keinen Anspruch auf eine Rente oder eine 

Hilflosenentschädigung nach IVG, UVG oder MVG mehr hat.  

5.2.2 	Als Menschen mit Behinderungen im Sinne  des  BLG gelten gemäss  Art. 4  Abs.  2  BLG aber 

auch Personen,  die  bis zum Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters nach AHVG Leistungen  der  Be-

hindertenhilfe bezogen haben. Personen,  die  über dem ordentlichen Rentenalter  von 65  Jahren sind, 

sind folglich dann vom subjektiven Geltungsbereich  des  BLG erfasst, wenn sie bis zum Erreichen  des  

ordentlichen Rentenalters «Leistungen  der  Behindertenhilfe» bezogen haben  (Art. 4  Abs.  2  BLG i.V.m.  

Art. 21  Abs.  1  AHVG). Weder das BLG noch  die  dazugehörige BLV regeln, was unter «Leistungen  der  

Behindertenhilfe» zu subsumieren ist.  Es  bedarf damit einer Auslegung  von Art. 4  Abs.  2  BLG.  

5.2.3 	Die  Gesetzesauslegung hat zum Ziel,  den Sinn  eines Rechtssatzes zu ermitteln. Auslegung 

ist notwendig, wo  der  Gesetzeswortlaut nicht klar ist oder wo Zweifel bestehen, ob ein scheinbar klarer 

Wortlaut  den  wahren  Sinn der  Norm wiedergibt.  Die  Gründe für  die  Auslegungsbedürftigkeit  von  

Rechtsnormen liegen einerseits  in der  Unzulänglichkeit  der  Sprache. Andererseits kann  die  Tragweite 

einer abstrakten Regelung bezüglich zukünftiger Anwendungsfälle oft nur unvollkommen vorausgese-

hen werden.35  Zur Anwendung gelangen  die  grammatikalische,  die  historische,  die  zeitgemässe,  die  

systematische und  die  teleologische Auslegungsmethode.36  Lehre und Rechtsprechung bejahen  den  

Methodenpluralismus,  der  keiner Auslegungsmethode einen grundsätzlichen Vorrang zuerkennt. Viel-

mehr sollen alle jene Methoden kombiniert werden,  die  für  den  konkreten Fall im Hinblick auf ein ver-

nünftiges und praktikables, d.h. ohne unverhältnismässig grossen Verwaltungsaufwand durchsetzba-

res Ergebnis,  am  meisten Überzeugungskraft haben.37  Führen  die  verschiedenen Methoden zum glei-

chen Resultat, so ist  die  Auslegungsfrage damit klar beantwortet. Ergeben sie jedoch verschiedene 

Lösungsvarianten, so muss das rechtsanwendende Organ eine wertende Abwägung vornehmen und 

jener Methode  den  Vorzug geben,  die  seiner Ansicht nach  am  ehesten dem wahren  Sinn der  Norm 

entspricht.38  

5.2.4 	Ausgangspunkt  der  Auslegung eines Rechtssatzes bildet  der  Wortlaut  der  Bestimmung 

(sog. grammatikalische Auslegung). ist er klar, d.h. eindeutig und unmissverständlich, so darf davon 

nur abgewichen werden, wenn ein triftiger Grund für  die  Annahme besteht, er ziele  am  wahren  Sinn,  

d.h.  am  Rechtssinn  der  Regelung vorbei. Anlass für eine solche Annahme können  die  Entstehungs-

geschichte  der  Bestimmung (sog. historische Auslegung), ihr  Sinn  und Zweck (sog. teleologische Aus-

legung) oder  der  Zusammenhang mit anderen Vorschriften (sog. systematische Auslegung) geben,  

36  Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,  8.  Auflage, Zürich/St.Gallen  2020,  Rz.  175 
36  Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz.  177 
37  Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz.  178;  statt vieler: BGE  142  V  299  E.  5,1 
38  Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht,  11.  Auflage, Zürich/Genf  2024,  Rz.  103 

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so namentlich, wenn  die  grammatikalische Auslegung zu einem Ergebnis führt, das  der  Gesetzgeber 

nicht gewollt haben kann. Ist  der  Wortlaut  der  Bestimmung unklar bzw. nicht restlos klar und sind 

verschiedene Interpretationen möglich, muss nach  der  wahren Tragweite  der  Bestimmung gesucht 

werden. Dabei sind im Sinne  des  pragmatischen Methodenpluralismus alle anerkannten Auslegungs-

elemente zu berücksichtigen.39  

5.2.5 	Dem Wortlaut  von Art. 4  Abs.  2  BLG ist lediglich zu entnehmen, dass als Menschen mit 

Behinderungen im Sinne  des  BLG auch Personen gelten,  die  bis zum Erreichen  des  ordentlichen 

Rentenalters nach AHVG Leistungen  der  Behindertenhilfe bezogen haben. Was unter «Leistungen  

der  Behindertenhilfe» zu verstehen ist, wird jedoch nicht weiter ausgeführt.  In der  französischen Fas-

sung lautet  Art. 4  Abs.  2  BLG wie folgt:  «Sont également considérées  comme  telles les personnes qui 

bénéficiaient  de  prestations  de  soutien liées  au handicap au moment  d'atteindre l'âge ordinaire  de la  

retraite selon  la  loi fédérale  du 20  décembre  1946  sur l'assurance-vieillesse  et  survivants  (LAVS)».  

Der  Begriff «Leistungen  der  Behindertenhilfe» wird  in der  französischen Fassung somit als Unterstüt-

zungsleistungen im Zusammenhang mit  der  Behinderung umschrieben. Auch  die  französiche Fas-

sung verzichtet aber auf eine Umschreibung, welche Unterstützungsleistungen konkret darunter fallen.  

Der  Wortlaut  von Art. 4  Abs.  2  BLG ist somit unklar.  

5.2.6 	Das systematische Auslegungselement fragt danach, wie eine Norm  in  ihrem Gesamtkontext 

zu verstehen ist.49  Bei  der  systematischen Auslegung wird  der Sinn  einer Rechtsnorm bestimmt durch 

ihr Verhältnis zu anderen Rechtsnormen und durch  den  systematischen Zusammenhang,  in  dem sie 

sich  in  einem Gesetz präsentiert. Massgebliches Element ist damit einmal  der  systematische Aufbau 

eines Gesetzes. Dabei ist auch  die  Systematik  der  Titel und  der  Sachüberschriften oder  der  Randtitel 

(Marginalien)  von  Bedeutung. Weiter kann das Verhältnis einer Norm zu Vorschriften  in  einem anderen 

Erlass berücksichtigt werden  41  Art. 4  BLG trägt  die  Artikelüberschrift «Menschen mit Behinderungen» 

und befindet sich  in den  allgemeinen Bestimmungen  des  BLG.  Art. 4  Abs.  1  BLG regelt, dass als 

Menschen mit Behinderungen im Sinne  des  BLG volljährige Personen gelten,  die  Anspruch auf eine 

Rente oder eine Hilflosenentschädigung nach IVG, UVG oder MVG haben. Absatz  2  regelt, dass als 

Menschen mit Behinderungen «auch» Personen gelten,  die  bis zum Erreichen  des  ordentlichen Ren-

tenalters «Leistungen  der  Behindertenhilfe» bezogen haben. Nach  der  hier vertretenen Auffassung ist 

Abs.  2 in  systematischer Hinsicht dahingehend auszulegen, dass mit «Leistungen  der  Behinderten-

hilfe»  die in  Absatz  1  aufgeführten Leistungen (Rente oder Hilflosenentschädigung nach IVG, UVG 

oder MVG) gemeint sind und diese  in  Absatz  2  unter dem Begriff  der  «Leistungen  der  Behinderten-

hilfe» wieder aufgegriffen und zusammengefasst werden. Nach dieser Auslegung gelten als Men-

schen mit Behinderungen im Sinne  des  BLG somit auch Personen,  die  bis zum Erreichen  des  ordentli- 

39  Urteil  des  Bundesgerichts  5A_741/2022  vom  12.  Januar  2023  E.  3.4.3  mit Verweis auf BGE  147 III 41  E.  3.3.1 
40  Urteil  des  Verwaltungsgerichts  des  Kantons Bern Nr.  100.2021.267  E.  5.5 
41  Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., Rz.  75 if. 

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chen Rentenalters nach  21  Abs.  1  AHVG (vollendetes  65.  Lebensjahr) eine Rente oder eine Hilflo-

senentschädigung nach IVG, UVG oder MVG bezogen haben.  Der  Begriff  der  «Behindertenhilfe» fin-

det sich nicht nur im BLG, sondern auch  in Art. 112c  BV. Darin regelt  der  Verfassungsgeber unter  der  

Artikelüberschrift «Betagten- und Behindertenhilfe», dass  die  Kantone für  die  Hilfe und Pflege  von  

Betagten und Behinderten zu Hause sorgen (Abs.  1). Der  Bund unterstützt gesamtschweizerische 

Bestrebungen zu Gunsten Betagter und Behinderter. Zu diesem Zweck kann er Mittel aus  der  Alters-, 

Hinterlassenen- und Invalidenversicherung verwenden (Abs.  2). Der  Begriff «Behinderte» im  Sinn von 

Art. 112c  BV geht weiter als  der  Begriff «lnvalide» und erfasst auch jene Personen,  die  nicht mehr im 

erwerbsfähigen  Alter  stehen oder deren Behinderung keine Auswirkungen auf  die  Erwerbstätigkeit im 

Sinne  der IV  hat.42  Die  systematische Auslegung  von Art. 4  Abs.  2  BLG führt somit insgesamt zum 

Ergebnis, dass als «Leistungen  der  Behindertenhilfe» nicht nur Unterstützungsleistungen  des  Kan-

tons, sondern auch jene  des  Bundes  in  Form einer Rente oder einer Hilflosenentschädigung nach 

IVG, UVG oder MVG für Menschen mit Behinderungen zu verstehen sind.  

5.2.7 	Die  historische Auslegung stellt auf  den Sinn  ab,  den man  einer Norm zur Zeit ihrer Entste- 

hung gab. Eine Norm soll so gelten, wie sie vom Gesetzgeber vorgesehen worden war.43  Der  Vortrag 

hält zu  Art. 4  Abs.  2  BLG Folgendes fest: «Erreichen Menschen  mit  Behinderungen das ordentliche 

Rentenalter nach dem AHVG, wird  die  IV-Rente  in  eine AHV-Rente umgewandelt. Wenn  die  Men-

schen  mit  Behinderungen bisher  personale  Leistungen bezogen haben, haben sie — subsidiär zur 

Pflegefinanzierung — weiterhin einen Anspruch auf Leistungen  der  Behindertenhilfe, obwohl sie keine 

IV-Rente mehr beziehen.  Dies  entspricht  der  bisherigen Handhabung für Menschen  mit  Behinderun-

gen,  die in  einem Wohnheim leben. Auf diese Weise müssen Menschen  mit  Behinderungen nicht 

plötzlich  mit  Erreichen  des  Rentenalters gemäss  der  Alters-  und  Hinterlassenenversicherung  [ANA  

das  Setting  abbrechen.  Auch ambulante  oder teilstationäre  Settings  können auf diese Weise im Rah-

men  der  Behindertenhilfe weitergeführt werden, womit Brüche  in der  behinderungsbedingten Unter-

stützung sowie  der  sozialen Teilhabe vermieden werden.  Mit  einem allfälligen altersbedingten Anstieg  

des  Pflegebedarfs kann sich  die  Frage nach einem Übertritt  in  ein Alters-  und  Pflegeheim genau wie 

bei Menschen ohne Behinderungen stellen.  Die  Entwicklung im Altersbereich wird genau beobachtet  
[sic!]  um sicherzustellen, dass für  die  Anspruchsgruppe adäquate Angebote bereitstehen.  »44  

Aus dem Vortrag ergibt sich somit, dass unter «Leistungen  der  Behindertenhilfe» bisher bezogene  

personale  Leistungen zu verstehen sind,  die  bis  zum Übertritt ins ordentliche Rentenalter entweder im 

Wohnheim oder  in  einem teilstationären oder ambulanten  Setting  bezogen wurden.  Der  Begriff  «per-

sonale  Leistungen» wurde erst  mit  dem BLG eingeführt. Als  personale  Leistungen gelten  die  gestützt  

42  Hardy  Landolt,  in: Die  Schweizerische Bundesverfassung, St.Galler Kommentar,  4.  Auflage, St.Gallen  2023, 
Art. 112c  N.  13; Giovanni  Biaggini,  in:  Bundesverfassung  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft, Drell  Füssli  Kom- 
mentar,  2.  Auflage, Zürich  2017, Art. 112c  N.  3 
43  Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., Rz.  79 
44  Vortrag  des  Regierungsrates  an den  Grossen  Rat  zum Gesetz über  die  Leistungen für Menschen mit Behinderungen 
(BLG) vom  6.  Juli  2022, Art. 4  Abs.  2, S. 26 f. 

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auf  den  individuellen behinderungsbedingten Unterstützungsbedarf erbrachten Leistungen, insbeson-

dere  die  Betreuung, Begleitung, Beratung, Unterstützung bei  der  sozialen Teilhabe  und  der  beruflichen 

Integration, Gesundheitsleistungen, Therapie  und  Unterstützung bei  der  Planung,  Organisation  und  

Abrechnung personaler Leistungen  (Art. 7  Abs.  1  BLG).  Personale  Leistungen können  in  Institutionen 

(z.B. Wohnheimen, Tagesstätten) oder als Assistenzleistungen im ambulanten  Setting in  Anspruch 

genommen werden.45  Vor  der  Einführung  des  BLG wurden  die  Leistungserbringer gestützt auf  die  

Bestimmungen  des  SHG  und  SLG vom Kanton abgegolten (sog. Objektfinanzierung). Weder das SHG 

noch das SLG kannten jedoch  den  Begriff  der  personalen Leistungen. Gemäss Vortrag haben  die  

Menschen  mit  Behinderungen dann weiterhin Anspruch auf Leistungen  der  Behindertenhilfe, wenn sie 

«bisher  personale  Leistungen bezogen haben». Aus dem Vortrag kann somit abgeleitet werden, dass  

der  Gesetzgeber  mit  Art. 4  Abs.  2  BLG eine Besitzstandwahrung ausschliesslich für diejenigen Men-

schen  mit  Behinderungen einführen wollte,  die  bis  zum Übertritt ins ordentliche Rentenalter bereits  

personale  Leistungen  und  damit Leistungen nach BLG oder — wie  es die  Vorinstanz sinngemäss gel-

tend macht — zumindest kantonale Leistungen  der  Behindertenhilfe bezogen haben.  Dies  wiederum 

würde bedeuten, dass diejenigen Menschen  mit  Behinderungen,  die  bereits vor  der  Einführung  des  

BLG das ordentliche Rentenalter erreicht haben, vom persönlichen Geltungsbereich  des  BLG ausge-

schlossen wären, auch wenn sie zuvor etwa eine IV-Rente bezogen haben,  die  mit  dem Übertritt ins 

ordentliche Rentenalter  von  einer AHV-Rente abgelöst wurde. Ebenfalls ausgeschlossen wären dem-

gemäss Menschen  mit  Behinderungen,  die  zwar  bis  zum Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters 

beispielsweise eine IV-Rente bezogen haben,  aber  statt  in  einem Wohnheim zu Hause gelebt  und  

dadurch keine kantonalen Leistungen  der  Behindertenhilfe bezogen haben.  

5.2.8 	Art. 4  Abs.  2  BLG wurde vom Grossen  Rat  stillschweigend angenommen." Entsprechend 

lassen sich  in  historischer Sicht keine weiteren Schlüsse  in  Bezug auf  die  Auslegung  von Art. 4  Abs.  2  

BLG ziehen.  

5.2.9 	Die  teleologische Auslegung stellt  ab  auf  die  Zweckvorstellung,  die  mit  einer Rechtsnorm 

verbunden ist  (ratio  legis).47  Dabei ist stets vom Wortlaut  der  auszulegenden Norm auszugehen."  Der 

Sinn  und  Zweck  von Art. 4  Abs.  2  BLG besteht einerseits  in der  Besitzstandwahrung für Menschen  mit  

Behinderungen.  Sie  sollen das bisherige  Setting, in  dem sie  bis  zum Erreichen  des  ordentlichen Ren-

tenalters nach AHVG eingebettet waren, nach dem vollendeten  65.  Lebensjahr nicht abbrechen müs-

sen. Auf  der  anderen Seite soll  mit  Art. 4  Abs.  2  BLG erreicht werden, dass Einschränkungen oder  

45  Vortrag  des  Regierungsrates  an den  Grossen  Rat  zum Gesetz  über  die  Leistungen für Menschen  mit  Behinderungen 
(BLG) vom  6.  Juli  2022, Ziff. 3.3.1, S. 16 
46  Vgl.  1.  Lesung vom  7.  Dezember  2022  und  2.  Lesung vom  12.  Juni  2023,  Tagblatt  des  Grossen  Rates,  abrufbar un-
ter https://www.tagblatt.gr.be.ch/shareparl/  
47  Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., Rz.  94 
48  Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., Rz.  97 

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Behinderungen,  die  aufgrund  des  Alters eintreten, nicht  in den  Bereich  des  BLG fallen. Diese Perso-
nen fallen  in die  Zuständigkeit  der  Gesundheitsversorgung.  Der  altersbedingte Pflegebedarf wird durch 
entsprechende Alters- und Pflegeheime gedeckt.  

5.2.10 	Die  zeitgemässe (auch: geltungszeitliche) Auslegung stellt ab auf das Normverständnis und  
die  Verhältnisse, wie sie gegenwärtig, d.h. zurzeit  der  Rechtsanwendung, bestehen.  Die  geltungszeit-
liche Auslegung steht  in  einem Spannungsverhältnis zur historischen Auslegung. Eine Korrektur  von  
Normen kann nicht über eine geltungszeitliche Auslegung erfolgen, wenn  der  Gesetzgeber bisherige 
Vorgaben erst vor Kurzem ausdrücklich bestätigt hat.49  Da  seit dem Inkrafttreten  des  BLG  am 1.  Ja-
nuar  2024  bis heute noch nicht einmal zwei Jahre vergangen sind, erübrigt sich vorliegend eine zeit-
gemässe Auslegung  von Art. 4  Abs.  2  BLG, da diese mit  der  historischen Auslegung als identisch zu 
betrachten ist.  

5.2.11 	Nach dem Vorstehenden ergibt sich, dass  die  verschiedenen Auslegungsmethoden zu un- 
terschiedlichen Ergebnissen führen.  Es  ist folglich eine Abwägung vorzunehmen, welcher Methode  
den  Vorzug zu geben respektive welche Auslegung  am  ehesten dem wahren  Sinn der  Norm entspricht 
(vgl.  E.  5.2.3.).  Gestützt auf  den  Vortrag («Wenn  die  Menschen mit Behinderungen bisher personale 

Leistungen bezogen haben») und dem sich daraus ergebenden Willen  des  Gesetzgebers, kann  Art. 4  
Abs.  2  BLG dahingehend verstanden werden, dass  die  betreffende Person vor dem Erreichen  des  
ordentlichen Rentenalters nach  Art. 21  Abs.  1  AHVG bereits Leistungen nach BLG bezogen haben 
muss, um vom subjektiven Geltungsbereich  des  BLG erfasst zu sein. Demgemäss wäre ein erstmali-
ger Bezug  von  personalen Leistungen respektive  von  Leistungen nach BLG nach dem vollendeten  
65.  Lebensjahr nicht möglich. Liest  man Art. 4  Abs.  2  BLG demgegenüber  in Relation  zu  Art. 4  Abs.  1  
BLG, ist Absatz  2  dahingehend zu verstehen, dass  die  betreffende Person vor dem Erreichen  des  
ordentlichen Rentenalters nach  Art. 21  Abs.  1  AHVG entweder eine Rente oder eine Hilflosenentschä-
digung nach IVG, UVG oder MVG bezogen haben muss, um auch nach dem Erreichen  des  ordentli-
chen Rentenalters weiterhin als Mensch mit Behinderungen im Sinne  des  BLG zu gelten.  

5.2.12 	Wie sich aus dem Nachstehenden ergibt, ist  der  systematischen Auslegung vorliegend  den  
Vorzug zu geben. Würde  der  historischen Auslegung gefolgt werden, wäre —wie nachfolgend aufge-
zeigt wird —  Art. 4  Abs.  2  BLG mit dem höherrangigem Recht nicht vereinbar und dürfte nicht ange-
wendet werden.  Die  verfassungs-, völkerrechts- bzw. gesetzeskonforme Auslegung ist  der  Nichtan-
wendung  von  Normen jedoch immer vorzuziehen (vgl.  E.  5.3.2). 

5.3 	Konkrete Normenkontrolle  

5.3.1 	Gemäss  Art. 66  Abs.  3  KV dürfen kantonale Erlasse,  die  höherrangigem Recht widerspre- 
chen, nicht  von den  Justizbehörden angewendet werden.  Art. 66  Abs.  3  KV berechtigt und verpflichtet  

49  Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., Rz. 89 f. 

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die  Justizbehörden,  die  dem angefochtenen Entscheid zugrundeliegenden kantonalen Erlasse auf ihre 

Rechts- und Verfassungskonformität zu überprüfen (konkrete Normenkontrolle). Ergibt  die  vorfrage-

weise Prüfung, dass kantonale bzw. kommunale Erlasse höherrangigem Recht widersprechen, sind 

sie nicht anzuwenden und  der  gestützt auf sie ergangene Entscheid (Anwendungsakt) ist aufzuheben. 

Justizbehörden sind alle kantonalen Organe,  die  auf Beschwerde oder Klage hin Rechtsstreitigkeiten 

zu entscheiden haben (Verwaltungsjustiztätigkeit), wogegen verfügende Behörden, offenkundige Fälle 

gegebenenfalls vorbehalten, keine Pflicht zur Normenkontrolle trifft.50  Eine Kollision mit höherrangigem 

Recht liegt dann vor, wenn  der  Norm nach  den  anerkannten Auslegungsregeln kein  Sinn  zugemessen 

werden kann,  der  sich mit höherrangigem Recht vereinbaren lässt.51  Bei Zweifeln über  die  Konformität 

mit übergeordnetem Recht ist zu untersuchen, ob  der  interessierenden Norm nach  den  anerkannten 

Auslegungsregeln ein  Sinn  zugemessen werden kann,  der  sie mit dem Recht höherer Stufe vereinbar 

erscheinen lässt.  In  sinngemässer Übertragung  des  Grundsatzes  der  Normerhaltung  des  Vorgangs  

der  abstrakten Normenkontrolle ist  die  verfassungs-, völkerrechts- bzw. gesetzeskonforme Auslegung 

einer Nichtanwendung  von  Normen immer vorzuziehen.52  

5.3.2 	Ein Erlass verletzt das Gebot  der  Rechtsgleichheit  (Art. 8  Abs.  1  BV), wenn er rechtliche 

Unterscheidungen trifft, für  die  ein vernünftiger Grund  in den  zu regelnden Verhältnissen nicht ersicht-

lich ist, oder Unterscheidungen unterlässt,  die  sich aufgrund  der  Verhältnisse aufdrängen. Das Rechts-

gleichheitsgebot ist insbesondere verletzt, wenn Gleiches nicht nach Massgabe seiner Gleichheit 

gleich oder Ungleiches nicht nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird  .53  Ge-

mäss  Art. 8  Abs.  2  BV darf niemand diskriminiert werden, namentlich nicht wegen  der  Herkunft,  der  

Rasse,  des  Geschlechts,  des  Alters,  der  Sprache,  der  sozialen Stellung,  der  Lebensform,  der  religiö-

sen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder 

psychischen Behinderung. Das Diskriminierungsverbot schliesst aber  die  Anknüpfung  an  ein verpön-

tes Merkmal nicht absolut aus. Eine solche Anknüpfung begründet zunächst lediglich  den  Verdacht 

einer unzulässigen Differenzierung,  der  nur durch eine qualifizierte Rechtfertigung umgestossen wer-

den kann.54  Art. 8  Abs.  2  BV verbietet nicht nur  die  direkte, sondern auch  die  indirekte Diskriminierung. 

Letztere ist dann gegeben, wenn eine Regelung,  die  keine offensichtliche Benachteiligung  von  spezi-

fisch gegen Diskriminierung geschützter Gruppen enthält,  in  ihren tatsächlichen Auswirkungen Ange-

hörige einer solchen Gruppe besonders stark benachteiligt, ohne dass  dies  sachlich begründet wäre.55  

5.3.3 	Sachlich begründet ist  die  Unterscheidung danach, ob eine Person vor oder nach dem Er- 

reichen  des  ordentlichen Rentenalters nach  Art. 21  Abs.  1  AHVG behindert wird. Personen,  die  nach 

dem Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters psychische, geistige oder körperliche Defizite erlangen,  

511  BVR  2014 S. 14,  E.  3.1 
51  Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege,  3.  Auflage  2021, S. 200 f. 
52  Ruth Herzog, in:  VRPG-Kommentar,  Art. 66  N.  54 
53  Statt vieler: BGE  136 11 120  E.  3.3.2;  Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz.  576 
54  BGE  136 1297  E.  7.1 
55  Vgl. BGE  136 I 297  E.  7.1 

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gelten auch sozialversicherungsrechtlich nicht als invalid oder behindert (vgl.  Art. 8  ATSG56). Das Re-

ferenzalter nach AHVG als Abgrenzungskriterium ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, da  die  Per-

sonen  in  diesem Altersabschnitt nicht mehr erwerbstätig sein müssen und damit nicht mehr  die  För-

derung  der  Kompetenzen im Vordergrund steht, sondern  die  Betreuung und Pflege.57  Sachlich nicht 

begründet ist indes eine Unterscheidung, wie sie  die  historische Auslegung machen würde bzw. wie 

sie  die  Vorinstanz vorbringt. Demnach wäre auf  den  Bezug  von  personalen Leistungen respektive 

Leistungen nach BLG oder anderen kantonalen Behindertenleistungen vor Erreichen  des  ordentlichen 

Rentenalters abzustellen. Entsprechend würden Personen mit Behinderungen im Rentenalter,  die  bis 

zum Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters eine Rente und/oder eine Hilflosenentschädigung bezo-

gen haben und bis vor dem Inkrafttreten  des  BLG  in  einem vom Kanton Bern subventionierten Wohn-

heim gelebt haben, unter  den  subjektiven Geltungsbereich  des  BLG fallen, während Personen mit 

Behinderungen,  die  bis zum Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters ebenfalls eine Rente und/oder 

eine Hilflosenentschädigung bezogen haben, aber privatwohnend waren und keine kantonalen Behin-

dertenleistungen bezogen haben, vom BLG ausgeschlossen, obwohl sie ebenfalls einen behinde-

rungsbedingten Unterstützungsbedarf aufweisen. Sachlich ebenfalls nicht gerechtfertigt wäre eine Un-

terscheidung danach, ob eine Person mit Behinderungen vor dem Erreichen  des  ordentlichen Ren-

tenalters personale Leistungen bzw. Leistungen nach BLG bezogen hat.  Dies  hätte zur Folge, dass 

während  der  vierjährigen Einführungszeit  des  BLG  (Art. 67  Abs.  1  BLG) Personen mit Behinderungen,  

die in  oder vor dieser Zeit das ordentliche Rentenalter erreichen, nicht unter  Art. 4  Abs.  2  BLG fallen. 

Sie hatten jedoch vor dem Übertritt ins Rentenalter gar keine Möglichkeit, personale Leistungen bzw. 

Leistungen nach BLG zu beziehen. Das BLG trat erst  am 1.  Januar  2024 in Kraft  trat und  die  Personen 

mit Behinderungen werden erst nach und nach ins neue System überführt. Zu berücksichtigen gilt 

ausserdem, dass  die  Personen mit Behinderungen,  die in  Institutionen leben, keinen Einfluss auf  den  

Zeitpunkt  der  Umstellung haben  (Art. 67  Abs.  2  BLG) während  dies  bei privatwohnenden Personen 

mit Behinderungen auch nur bedingt  der  Fall ist (Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung). Insgesamt würde  

die  Bestimmung damit  in  unverhältnismässiger Weise Unterscheidungen treffen,  die  sachlich nicht 

gerechtfertigt wären.  Es  läge eine Ungleichbehandlung vor.  

5.3.4 	Wie bereits erwähnt, ist damit  der  systematischen Auslegung  den  Vorzug zu geben 

(vgl.  E.  5.2.12).  Entsprechend gelten gestützt auf  Art. 4  Abs.  2  BLG auch Personen als Menschen mit 

Behinderungen im Sinne  des  BLG,  die  vor dem Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters nach  Art. 21  

Abs.  1  AHVG Leistungen  der  Behindertenhilfe — d.h. entweder eine Rente oder eine Hilflosenentschä-

digung nach IVG, UVG oder MVG — bezogen haben.  

56  Bundesgesetz vom  6.  Oktober  2000  über  den  Allgemeinen Teil  des  Sozialversicherungsrechts (ATSG;  SR 830.1) 
57  Vgl. Urteil  des  Appellationsgerichts  des  Kantons Basel-Stadt VD.2019.110 vom  28.  April  2020  E.  4.2.2 

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5.3.5 	Der  Beschwerdeführer bezog bis zum Übertritt ins ordentliche Rentenalter eine Rente sowie 

eine Hilflosenentschädigung nach IVG.58  Der  Beschwerdeführer gilt damit als Mensch mit Behinde-

rungen im Sinne  von Art. 4  Abs.  2  BLG.  Dies  muss umso mehr gelten, wenn  man  berücksichtigt, dass  

der  Beschwerdeführer auch nach dem Erreichen  des  ordentlichen Rentenalters eine Hilflosenentschä-

digung und einen Assistenzbeitrag  der  Invalidenversicherung bezieht (Besitzstandsgarantie nach  

Art.  43b1s und 43ter  AHVG).59  Die  Beschwerde ist folglich gutzuheissen und  die  angefochtene Verfü-

gung ist aufzuheben.  

5.3.6 	Die  Vorinstanz hat  in der  angefochtenen Verfügung vom  3.  April  2025  offengelassen, ob  der  

Beschwerdeführer seinen zivilrechtlichen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt im Kanton Bern hat  

(Art. 10  Abs.  2  i.V.m.  Art. 8  Abs.  1  Bst.  a  BLG).89  Entsprechend ist durch  die  Vorinstanz noch zu prü-

fen, ob  der  Beschwerdeführer diese Voraussetzungen ebenfalls erfüllt, um zum Bedarfsermittlungs-

verfahren zugelassen zu werden bzw. um  sein Gesuch um Zulassung zum Bedarfsermittlungsverfah-

ren vom  22.  Januar  2024  gutzuheissen.  

6. Ergebnis 

Zusammenfassend ergibt sich, dass  der  Beschwerdeführer als Mensch mit Behinderungen im Sinne  

von Art. 4  Abs.  2  BLG gilt.  Die  angefochtene Verfügung vom  3.  April  2025  ist somit  in  Gutheissung  der  

Beschwerde vom  5. Mai 2025  aufzuheben.  Die  Sache ist zur Prüfung  der  weiteren Zulassungsvoraus-

setzungen  an die  Vorinstanz zurückzuweisen.  

7. Kosten  

7.1 	Die  Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Diese beträgt für Entscheide  in  

Verwaltungsjustizsachen CHF  200.00  bis  4000.00 (Art. 103  Abs.  1  VRPG i.V.m.  Art. 19  Abs.  1  und  

Art. 4  Abs.  2  GebV81).  Die  Verfahrenskosten werden  der  unterliegenden Partei auferlegt,  es  sei denn, 

das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder  die  besonderen Um-

stände rechtfertigen, keine Verfahrenskosten zu erheben  (Art. 108  Abs.  1  VRPG). Behörden im Sinne  

von Art. 2  Abs.  1  Bst.  a  VRPG werden keine Verfahrenskosten auferlegt  (Art. 108  Abs.  2  VRPG).  Der  

Beschwerdeführer ist mit seinem Antrag durchgedrungen und gilt als obsiegend. Entsprechend hätte  

58  Verfügungen  der  IV-Stelle  des  Kantons Bern vom  14.  September  2018  und  7.  März  2022  (Vorakten, Register  2) 
59  Mitteilungen  der  IV-Stelle  des  Kantons Bern vom  7.  und  8.  März  2022  (Vorakten, Register  2) 
69  Angefochtene Verfügung vom  3.  April  2025:  «Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine Prüfung, ob  die  gesuchstel- 
lende Person ihren zivilrechtlichen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt im Kanton Bern hat.»  
61  Verordnung vom  22.  Februar  1995  über  die  Gebühren  der  Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG  154.21) 

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die  Vorinstanz als unterliegende Partei  die  Verfahrenskosten zu tragen. Nachdem ihr keine Verfah-

renskosten auferlegt werden können, ist vorliegend auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten zu ver-

zichten.  

7.2 	Parteikosten sind keine angefallen und demzufolge keine zu sprechen  (Art. 104  i.V.m.  

Art. 108  Abs.  3  VRPG).  

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Entscheid  

1. Die  Beschwerde vom  5. Mai 2025  wird gutgeheissen.  

2. Die  Verfügung  der  Vorinstanz vom  3.  April  2025  wird aufgehoben und  die  Sache wird zur 

Prüfung  der  weiteren Zulassungsvoraussetzungen  an die  Vorinstanz zurückgewiesen.  

3. Verfahrenskosten werden keine erhoben.  

4. Parteikosten werden keine gesprochen.  

IV. 	Eröffnung 

— Beschwerdeführer,  per  Einschreiben 

— Vorinstanz,  per  Kurier 

Gesundheits-, Sozial- und 
Integrationsdirektion  

Pierre Alain  Schnegg 
Regierungsrat 

Rechtsmittelbelehrung 
Dieser Entscheid kann innert  30  Tagen seit seiner Eröffnung mit schriftlicher und begründeter Beschwerde beim Ver-
waltungsgericht  des  Kantons Bern, Verwaltungsrechtliche Abteilung, Speichergasse  12, 3011  Bern, angefochten wer-
den.  Die  Verwaltungsgerichtsbeschwerde,  die  mindestens  in 2  Exemplaren einzureichen ist, muss einen Antrag,  die  
Angabe  von  Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift enthalten;  der  angefochtene Ent-
scheid und greifbare Beweismittel sind beizulegen.  

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