# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e5d981f-ed72-5c0b-9ccf-0e71c334bf23
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 E-2463/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2463-2009_2012-02-20.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­2463/2009

U r t e i l   v om   2 0 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richterin Christa Luterbacher, Richter François Badoud,   
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

Parteien A._______,
Irak, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 17. März 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  den  Heimatstaat  eigenen  Angaben 
zufolge am 18. August 2008 und gelangte über die Türkei sowie weitere, 
ihm unbekannte Staaten am 22. September 2008  in die Schweiz, wo er 
gleichentags  ein  Asylgesuch  stellte.  Im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ) Basel wurde er  am 1. Oktober  2008 erstmals 
summarisch befragt. 

B. 
Im Auftrag des Bundesamtes führte am 13. Oktober 2008 ein Experte der 
Fachstelle  LINGUA  mit  dem  Beschwerdeführer  eine  Herkunftsanalyse 
(nachfolgend LINGUA­Analyse) durch und kam dabei zum Schluss, dass 
die  Sprachkenntnisse  des Beschwerdeführers  sowie  sein  geografisches 
und kulturelles Wissen darauf schliessen lassen würden, er sei  in einem 
kurdischen  Milieu  im  Irak,  höchstwahrscheinlich  in  der  Region  Dohuk       
– jedoch mit Sicherheit nicht, wie geltend gemacht, in B._______ (Provinz 
Mosul) – sozialisiert worden. 

C. 
Am  4.  März  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  ausführlich  zu  seinen 
Asylgründen  befragt.  Er  machte  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs 
geltend,  aufgrund  eines  Zwischenfalls  mit  Arabisch  sprechenden 
Terroristen in seinem angeblichen Herkunftsort gefährdet zu sein und das 
Heimatland aus diesem Grund verlassen zu haben. 

Neben  eingehenden  Fragen  zu  den  Asylgründen  wurde  ihm  das 
rechtliche  Gehör  zu  den  Ergebnissen  der  LINGUA­Abklärung  gewährt. 
Der  Beschwerdeführer  hielt  dabei  an  der  behaupteten Herkunft  fest.  Er 
sei  zwar  arabischer  Abstammung,  jedoch  von  einer  kurdischen  Familie 
aufgenommen und aufgezogen worden. Er stellte das Einreichen seines 
Original­Identitätsausweises  in Aussicht  und  führte  aus,  er  habe nie  die 
Schule besucht, sondern sei als Hirte tätig gewesen. 

D. 
Mit Verfügung vom 17. März 2009 – eröffnet am 20. März 2009 – stellte 
das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  lehnte  sein  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die Wegweisung  aus  der 
Schweiz sowie den Vollzug an. 

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E. 
Am  17.  April  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  gegen  die 
vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
ein. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 17. März 2009, die 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  des  Asyls. 
Weiter  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der Wegweisung  unzumutbar 
respektive  unzulässig  sei,  und  es  ihm  sei  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
gewähren.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  sowie  der  Verzicht  auf  eine 
Kostenbevorschussung beantragt. 

F. 
Mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  27.  April  2009  verfügte  der 
Instruktionsrichter, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  und 
verzichtete  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. 
Gleichzeitig  überwies  er  die  Beschwerdeschrift  mit  den  Vorakten  der 
Vorinstanz zur Stellungnahme. 

G. 
Das BFM hielt in seiner Stellungnahme vom 30. April 2009 vollumfänglich 
an den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte 
die Abweisung der Beschwerde.

Die  vorinstanzliche  Stellungnahme  wurde  dem  Beschwerdeführer  am 
5. Mai 2009 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021)  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinn  von Art. 32 VGG  liegt  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 

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beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31],  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Zur  Begründung  seiner  Verfügung  stellte  das  Bundesamt  fest,  der 
Experte  der  Fachstelle  LINGUA  sei  im  Rahmen  der  Herkunftsanalyse 
zum  Schluss  gekommen,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht,  wie  von  ihm 

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behauptet,  in  der  Region  Mosul,  sondern  im  kurdischen  Nordirak 
sozialisiert  worden.  Die  Erklärungen  des  Beschwerdeführers  in  seiner 
diesbezüglichen mündlichen Stellungnahme sowie  die  lediglich  in Kopie 
eingereichte  Identitätskarte vermöchten diese Ablärungsergebnisse nicht 
umzustossen. Folglich seien auch seine Vorbringen unglaubhaft, wonach 
er im August 2008 von arabisch sprechenden Terroristen in seinem Dorf 
verfolgt  worden  sei;  dies  umso  mehr,  als  die  diesbezüglichen 
Ausführungen  in mehreren Punkten  der  allgemeinen Erfahrung  und  der 
Logik  des  Handelns  zuwiderlaufen  würden  und  nicht  nachvollziehbar 
seien.  Vor  diesem  Hintergrund  kam  die  Vorinstanz  zum  Schluss,  der 
Beschwerdeführer  stamme  entgegen  seinen  Angaben  aus  dem 
kurdischen  Teil  des  Nordiraks,  höchstwahrscheinlich  aus  Dohuk,  und 
seine  Asylgründe  seien  insgesamt  als  frei  erfunden  und  damit  als 
unglaubhaft zu beurteilen.

4.2.  Der  Beschwerdeführer  hält  in  seiner  Beschwerde  an  der 
Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen fest. Er habe sowohl hinsichtlich seiner 
Herkunft aus der Provinz Mosul als auch seiner Asylgründe die Wahrheit 
gesagt und halte an seinen Fluchtgründen fest.

5. 
5.1.  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann 
glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und 
plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen, 
in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  1  E.  5  S.  4 
ff.).  Angesichts  des  reduzierten  Beweismasses  der  Glaubhaftmachung 
besteht  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den 
Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  eine 
Gesamtwürdigung  aller  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die 
Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers  sprechen 
überwiegen oder nicht (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren 
Hinweisen, EMARK 1993 Nr. 21 S. 134 ff., EMARK 1993 Nr. 11 S. 67 ff.).

5.2. 
5.2.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  anerkennt  LINGUA­Analysen  des 
BFM nicht als Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 
ff.  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember  1947  über  den 
Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273]  i.V.m.  Art.  19  VwVG),  sondern  als 

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schriftliche Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP 
i.V.m.  Art.  19  VwVG),  misst  ihnen  indessen  −  sofern  bestimmte 
Anforderungen an die  fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität 
des  Experten  wie  auch  an  die  inhaltliche  Schlüssigkeit  und 
Nachvollziehbarkeit  der  Analyse  erfüllt  sind  −  erhöhten  Beweiswert  zu. 
Demnach sind LINGUA­Analysen grundsätzlich geeignet, den Nachweis 
einer Herkunftstäuschung zu erbringen (vgl. zum Ganzen etwa das Urteil 
E­1833/2010 vom 16. November 2011 mit Hinweisen auf die publizierte 
Praxis der ARK).

5.2.2.  Die  LINGUA­Analyse  vom  17. Oktober  2009  ist  fundiert  und 
differenziert begründet. Sie gibt  zu keinen Beanstandungen Anlass. Der 
eingesetzte  Gutachter  verfügt  gemäss  Akten  über  die  erforderlichen 
Fachkenntnisse; es sind keine Gründe ersichtlich, an seiner Qualifikation 
oder  der  Richtigkeit  seiner  Analyse  zu  zweifeln.  Das 
Bundesverwaltungsgericht teilt die vom BFM vertretene Auffassung, dass 
vom Beschwerdeführer auch unter Berücksichtigung seines jungen Alters 
und  der  angeblich  fehlenden  Schulbildung  gewisse  Grundkenntnisse 
seines  angeblichen  Herkunftsorts  –  beispielsweise  die  Namen  der 
umliegenden  Dörfer  oder  die  ethnische  Zusammensetzung  der 
Dorfbevölkerung – hätte erwartet werden können. Der Beschwerdeführer 
vermochte  der  vom  Gutachter  getroffenen  Einschätzung  weder  im 
Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  (vgl.  Protokoll  der  Anhörung  zu  den 
Asylgründen  S.  5  f.)  noch  in  seiner  Beschwerdeeingabe  stichhaltige 
Argumente  entgegenzuhalten.  Er  hat  sich  im  Wesentlichen  auf  das 
Festhalten an der von ihm angegebenen Herkunft beschränkt, ohne dazu 
substanzielle  Argumente  anzubringen  und/oder  beweisbildende 
Unterlagen vorzulegen. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hatte er zwar 
noch  die  Beschaffung  seines  Original­Identitätsausweises  in  Aussicht 
gestellt  (vgl.  a.a.O. S.  6),  diesen  jedoch bezeichnenderweise ohne  jede 
Erklärung bis heute nicht eingereicht. 

Nach dem Gesagten hat sich die Vorinstanz zu Recht auf das Ergebnis 
der  LINGUA­Analyse  abgestützt,  wonach  der  Beschwerdeführer 
entgegen seinen Angaben nicht in Mosul, sondern im kurdischen Nordteil 
des  Landes,  höchstwahrscheinlich  in  der  Provinz  Dohuk,  sozialisiert 
wurde.

5.2.3.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  vom  Beschwerdeführer  geltend 
gemachten Gefährdung durch Arabisch sprechende Terroristen in seinem 
angeblichen Herkunftsort die Glaubhaftigkeitsgrundlage entzogen.

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Diese Einschätzung wird dadurch gestützt,  dass die Asylvorbringen des 
Beschwerdeführers  in  ihrer  Gesamtheit  als  lebensfremd,  unlogisch  und 
unsubstanziiert  zu  beurteilen  sind.  Es  kann  hierzu  auf  die  zutreffenden 
Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden.  Der 
Beschwerdeführer  vermochte  die  offenkundigen  Ungereimtheiten  weder 
anlässlich  der  Anhörung  vom  4.  März  2009  noch  in  der 
Beschwerdeeingabe aufzulösen.

5.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 
nicht  gelungen  ist,  eine  im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  asylrelevante 
Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz 
hat sein Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen).

7. 
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

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den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

7.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter 
oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung 
unterworfen werden.

7.2.2.  Die  Vorinstanz  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf  hingewiesen,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­
Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft 
erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine 
asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu 
machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der 
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. 
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Irak ist demnach unter dem 
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  in  den  Irak  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im kurdischen 
Nordirak,  woher  der  Beschwerdeführer  nach  dem  oben  Gesagten 

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stammt,  lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 
unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.2 ff.). 

7.2.3. Der  Vollzug  der Wegweisung  erweist  sich  im  Sinn  der  asyl­  wie 
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.

7.3. 
7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

7.3.2.  Wie  oben  ausgeführt,  ist  von  einer  Herkunft  des 
Beschwerdeführers aus der Provinz Dohuk im Nordirak auszugehen. 

7.3.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  in  konstanter  Praxis  davon 
aus, dass  in den kurdisch­nordirakischen Provinzen Dohuk, Suleimaniya 
und  Erbil  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  und  die  dortige 
politische Lage nicht dermassen angespannt  ist, dass eine Rückführung 
dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet  werden  müsste.  Die 
Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  ist  deshalb  für  alleinstehende, 
gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus einer der drei 
Provinzen  stammen  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  haben  und  dort 
nach  wie  vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen, 
grundsätzlich zumutbar (vgl. das Grundsatzurteil BVGE 2008/5 E. 7.5 und 
insbesondere  E.  7.5.8  S.  65  ff.).  Die  Sicherheitslage  in  den  drei 
kurdischen Provinzen hat sich seit Publikation des erwähnten Urteils nicht 
verschlechtert;  in  Berichten  von  nationalen  und  internationalen 
Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  wird  eine  grundsätzlich 
insgesamt  stabile  Situation  beschrieben  (vgl.  etwa  UK  HOME  OFFICE  / 
BORDER AGENCY, Operational Guidance Note  Iraq, November 2011, Ziff. 
2.3.10 ff., mit weiteren Hinweisen). 

7.3.4.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  jungen  und 
gemäss Akten gesunden Mann ohne familiäre Verpflichtungen. Nachdem 
erstellt  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  unwahre  Angaben  zu  seinem 
Herkunftsort  gemacht  hat,  und  seine  Identität  angesichts  des  nicht 
beweiskräftigen  eingereichten  Identitätsdokuments  nicht  erstellt  ist,  sind 

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die  vor­instanzlichen  Zweifel  an  seinen  Aussagen  zum  Familiennetz 
berechtigt.  Im  Übrigen  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  wirtschaftliche 
Schwierigkeiten, von welchen die vor Ort ansässige Bevölkerung generell 
betroffen  ist,  für sich allein praxisgemäss keine konkrete Gefährdung  im 
Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG darstellen (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e S. 
159 mit weiteren Hinweisen).

7.3.5. Unter Berücksichtigung der konkreten Verfahrensumstände erweist 
sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.

7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1­4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist abzuweisen.

9. 
Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  dem Beschwerdeführer  die 
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind jedoch 
vorliegend  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  zu 
erlassen, nachdem die prozessuale Bedürftigkeit des Beschwerdeführers 
belegt  ist und seine Rechtsbegehren sich nicht als aussichtslos  im Sinn 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG herausgestellt haben.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 
Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

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