# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 23f1bcf2-d5c8-5a7b-b012-b750c721e11c
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-15
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 15.12.2017 OG.2017.00024 (OGS.2018.38)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2017-00024_2017-12-15.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 15. Dezember 2017

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2017.00024 und OG.2017.00025

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. A.______

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
  [OG.2017.00024]

  
	
   

  
	
  2. B.______ 

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
  [OG.2017.00025]

  
	
   

  
	
  3. C.______

  
	
  Beschwerdeführerin

  
	
  [OG.2017.00025]

  
	
   

  
	
  alle
  vertreten durch D.______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Hausdurchsuchungen,

  Durchsuchungen von Aufzeichnungen und Beschlagnahmen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge des Beschwerdeführers
  1 (gemäss Eingaben vom 1. und 15. Mai 2017 sowie 3. Juli 2017 [act. 1 S. 2; act. 6 S. 2,
  4 f.; act. 16 S. 2 {je OG.2017.00024}], sinn-gemäss):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei der gegen den
    Beschwerdeführer 1 erlassene Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl der
    Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus vom 19. bzw. 20. April 2017 vollumfänglich
    aufzuheben.

    
	
    2.

    	
    Es seien die beschlagnahmten
    Gegenstände dem Beschwerdeführer 1 herauszugeben.

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge der Beschwerdeführer 2
  und 3 (gemäss Eingaben vom 1. und 15. Mai 2017
  sowie 3. Juli 2017 [act. 1 S. 2; act. 5 S. 2, 4;
  act. 14 S. 2 {je OG.2017.00025}], sinngemäss):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei der Durchsuchungs- und
    Beschlagnahmebefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus vom 19. bzw.
    20. April 2017 in Sachen A.______ vollumfänglich aufzuheben.

    
	
    2.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge der Beschwerdegegnerin
  (gemäss Eingaben vom 26. Mai 2017 und 15. November 2017
  [act. 9 S. 3 {OG.2017.00024} = act. 8 S. 3
  {OG.2017.00025}; act. 19 {OG.2017.00024} = act. 17
  {OG.2017.00025}], sinngemäss):

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde des
    Beschwerdeführers 1 sei abzuweisen.

    
	
    2.

    	
    Auf die Beschwerde der
    Beschwerdeführer 2 und 3 sei nicht einzutreten; eventualiter sei diese
    abzuweisen.

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kostenfolgen zu
    Lasten der Beschwerdeführer.

    

  

  
	
  ¾¾¾¾¾¾¾¾¾¾¾

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  (Prozessverlauf)

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______ (Beschwerdeführer 1)
    wohnt zusammen mit seinen Eltern B.______ und C.______ (Beschwerdeführer 2
    bzw. 3) an der […]-strasse in […]. An diesem Ort führte die Kantonspolizei
    Glarus am 19. April 2017 zwischen 14:30 Uhr und 15:15 Uhr eine
    Hausdurchsuchung durch. Gleichentags von 10:00 Uhr bis 11:00 Uhr
    vollzog die Kantonspolizei bereits im […] in […] in einem von A.______
    gemieteten Hobbyraum eine Hausdurchsuchung (act. 4/4 [OG.2017.00024]).

    
	
    2.

    	
    Mit Beschwerde vom 1. Mai
    2017 macht der Beschwerdeführer 1 beim Obergericht die
    Unrechtmässigkeit beider dieser Hausdurchsuchungen geltend (act. 1
    [OG.2017.00024]). Gleichentags erhoben auch die Beschwerdeführer 2 und 3
    beim Obergericht Beschwerde und beanstanden die Rechtmässigkeit der an der
    […]-strasse in […] durchgeführten Hausdurchsuchung (act. 1
    [OG.2017.00025]). 

    
	
    3.

    	
    Nach Eingang der Beschwerden
    übermittelte die Staatsanwaltschaft dem Obergericht auf entsprechende
    Aufforderung hin (je act. 3/1) die in dieser Sache ergangenen Akten
    (act. 4/1-5 [OG.2017.00024]). Daraufhin sandte das Obergericht den
    Beschwerdeführern am 3. Mai 2017 sämtliche dieser Akten in Kopie zu
    und bot ihnen Gelegenheit, ihre Beschwerden gegebenenfalls zu ergänzen (je
    act. 3/2). Solche Ergänzungsschriften zu den Beschwerdeschriften
    reichten die Beschwerdeführer fristgerecht am 15. Mai 2017 ein. Darin
    hielten sie an den in den Beschwerdeschriften vom 1. Mai 2017
    gestellten Anträgen fest und begründeten ihre Rügen der Verletzung der
    Begründungspflicht gemäss Art. 80 Abs. 2 StPO sowie des fehlenden
    hinreichenden Tatverdachts im Sinne von Art. 197 Abs. 1
    lit. b StPO näher (act. 6 [OG.2017.00024]; act. 5
    [OG.2017.00025]). Mit Eingabe vom 26. Mai 2017 beantwortete die
    Beschwerdegegnerin die Rechtsschriften der Beschwerdeführer und reichte
    gleichzeitig die in dieser Sache inzwischen ergangenen Akten ein
    (act. 9 [OG.2017.00024]; act. 8 [OG.2017.00025]; act. 10/1-8
    [OG.2017.00024]). Die Beschwerdeführer ihrerseits nahmen mit Schriftsatz
    vom 3. Juli 2017 zur Beschwerdeantwort Stellung (act. 16
    [OG.2017.00024] = act. 14 [OG.2017.00025]). Am 15. November 2017
    äusserte sich die Beschwerdegegnerin zu letztgenannter Eingabe der
    Beschwerdeführer und reichte aufforderungsgemäss (act. 17
    [OG.2017.00024]; act. 15 [OG.2017.00025]) weitere Akten ein
    (act. 19 [OG.2017.00024]; act. 17 [OG.2017.00025];
    act. 20/1-9 [OG.2017.00024]).

    

  

  
	
  II.

  (Eintretensvoraussetzungen; Verfahrensvereinigung)

  
	
   

  
	
  A.
  Vorbemerkung

  
	
  Wo nachfolgend nicht anders
  vermerkt, beziehen sich die Aktenverweise auf das Verfahren OG.2017.00024.

  
	
   

  
	
  B. Beschwerdefrist

  
	
  	
    1.

    	
    Beschwerden gegen schriftlich
    oder mündlich eröffnete Entscheide sind innert zehn Tagen bei der
    Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die
    Rechtsmittelfrist beginnt im Falle eines Urteils mit der Aushändigung oder
    Zustellung des schriftlichen Dispositivs, bei anderen Entscheiden mit der
    Zustellung des Entscheids und bei nicht schriftlich eröffneten
    Verfahrenshandlungen mit deren Kenntnisnahme (Art. 384 StPO).

    
	
    2.

    	
    Für den Fall, dass eine
    Hausdurchsuchung vorerst nur mündlich angeordnet und nachträglich
    schriftlich bestätigt wird (Art. 241 Abs. 1 Satz 2 StPO), vertreten
    Teile der Lehre die Auffassung, die Beschwerdefrist laufe ab Kenntnisnahme
    der Hausdurchsuchung als protokollierte Verfahrenshandlung (Realakt) durch
    die betroffene Person oder ihre Rechtsvertretung. Andere Lehrmeinungen
    halten dafür, dass erst die Nachreichung des Hausdurchsuchungsbefehls, d.h.
    die Kenntnisnahme der schriftlichen Bestätigung durch die betroffene Person
    oder ihre Rechtsvertretung fristauslösend wirkt (vgl. den Überblick bei
    Thormann/Brechbühl, BSK StPO, Art. 245 N 7 m.w.H.). Wird kein
    Hausdurchsuchungsbefehl nachgereicht, so liegt ein im Gesetz nicht
    geregelter Fall mangelhafter Eröffnung vor. Daraus darf der betroffenen
    Person kein Nachteil erwachsen. In der Lehre wird indes zum Teil die Meinung
    vertreten, dass die betroffene Person die Obliegenheit trifft, sich innert
    vernünftiger Frist an die zuständige Behörde zu wenden, um die
    ordnungsgemässe Eröffnung des Hausdurchsuchungsbefehls zu verlangen und
    allenfalls Rechtsmittel zu ergreifen (Thormann/Brechbühl, BSK StPO,
    Art. 245 N 8).

    
	
    3.

    	
    Die hier interessierenden
    Hausdurchsuchungen und Durchsuchungen von Aufzeichnungen fanden am
    19. April 2017 statt (act. 4/4). Beide Beschwerden, jene des
    Beschwerdeführers 1 wie auch jene der Beschwerdeführer 2 und 3,
    wurden am 1. Mai 2017 bei der Post aufgegeben (je act. 1). Sie
    sind also innert 10 Tagen nach Durchführung der Durchsuchungen und
    somit ungeachtet des soeben beschriebenen Lehrmeinungsstreits
    (E. II.B.2.) auf jeden Fall rechtzeitig erfolgt (Art. 90 sowie
    Art. 91 Abs. 1 und 2 StPO). Die Fragen, ab welchem Zeitpunkt die
    Beschwerdefrist bei vorerst nur mündlich angeordneten und nachträglich
    schriftlich bestätigten Hausdurchsuchungen beginnt, ob im hier zu
    beurteilenden Fall eine mangelhafte Eröffnung des Durchsuchungsbefehls
    vorliegt (nach Angaben des Beschwerdeführers 1 Übergabe des
    schriftlichen Befehls an ihn erst am 4. Mai 2017 [act. 6
    Rz. 2] und keine Anhaltspunkte in den Akten für frühere
    Entscheideröffnungen, vgl. insbesondere das leere Feld
    „Empfangsbestätigung“ in act. 4/5 S. 2 am Ende) sowie ob für die
    betroffenen Personen eine Obliegenheit besteht, innert einer gewissen Frist
    bei der Staatsanwaltschaft die Eröffnung des Durchsuchungsbefehls zu
    verlangen, brauchen somit hier nicht entschieden zu werden.

    

  

  
	
  C. Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers 1

  
	
  	
    1.a)

    	
    Jede Partei, die ein rechtlich
    geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat,
    kann ein Rechtsmittel nach der StPO ergreifen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Die
    Beschwerdebefugnis nach Art. 382 Abs. 1 StPO verlangt demnach eine
    unmittelbare persönliche Betroffenheit der rechtsuchenden Person in den
    eigenen rechtlich geschützten Interessen (BGer 1B_339/2016 vom
    17. November 2016, E. 2.1., 2.4.). Das Rechtsschutzinteresse muss
    ein praktisches sein und im Zeitpunkt des Entscheids über die Beschwerde
    noch aktuell sein. An einem solchen aktuellen Rechtsschutzinteresse fehlt
    es u.a., wenn die angefochtene hoheitliche Verfahrenshandlung im konkreten
    Prozessstadium nicht mehr korrigiert werden kann. Dies ist beispielsweise
    der Fall, wenn sich die Beschwerde gegen die Anordnung und Durchführung
    einer bereits abgeschlossenen Hausdurchsuchung richtet (Guidon, Die
    Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung,
    Zürich/St. Gallen 2011, N 244; OG BE, BK 2012 42 vom
    13. Juni 2012, E. 2.2; BStrGer, BV.2017.21 vom 3. Juli 2017,
    E. 2.2, je m.w.H.).

    
	
    b)

    	
    Nach der Rechtsprechung ist
    jedoch ausnahmsweise auf das Erfordernis des aktuellen und praktischen Rechtsschutzinteresses
    zu verzichten, wenn sich die aufgeworfenen Fragen bzw. gerügten
    Rechtsverletzungen jederzeit unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder
    stellen könnten, eine rechtzeitige gerichtliche Überprüfung derselben im
    Einzelfall kaum je möglich wäre und an deren Beantwortung wegen deren
    grundsätzlichen Bedeutung ein hinreichendes öffentliches Interesse besteht
    (BGer 1B_351/2012 vom 20. September 2012,
    E. 2.3.3; BGE 118 IV 67, E. 1d; BGE 125 I 394, E. 4b; OG BE,
    BK 2012 42 vom 13. Juni 2012, E. 2.3; Guidon, a.a.O.,
    N 245 und Fn. 711-713, je m.w.H.). Führt die soeben skizzierte Prüfung
    nicht zu einem Eintreten auf die Beschwerde, so ist in einem weiteren
    Schritt zu untersuchen, ob die Rechtmässigkeit der Zwangsmassnahme in einem
    anderen Verfahren überprüft werden kann. Falls eine Verletzung der EMRK
    gerügt wird, muss die Beschwerdeinstanz sodann auf die Beschwerde eintreten
    auch wenn bei keinem der vorherigen Prüfungsschritte ein Eintreten zu
    bejahen ist (Keller, ZK StPO, Art. 393 N 36 f.; OG BE, BK
    2012 42 vom 13. Juni 2012, E. 2.3; OG ZH, UH130324 vom
    12. November 2013, E. 3.2, je m.w.H.).

    
	
    2.

    	
    In den Durchsuchungsprotokollen
    vom 19. April 2017 zu den Polizeiaktionen im […] in […] und an der […]
    in […] (act. 4/4 = act. 10/2) wie auch im Hausdurchsuchungs- und
    Sicherstellungsbefehl der Beschwerdegegnerin vom 19. bzw. 20. April
    2017 (act. 4/2 = act. 10/1 und act. 4/5 = act. 10/4)
    wird der Beschwerdeführer 1 als Beschuldigter aufgeführt. Auch sonst
    ist aus diesen Dokumenten ersichtlich, dass sich die beanstandeten Durchsuchungen
    und Beschlagnahmen gegen den Beschwerdeführer 1 richteten (vgl. insbesondere
    das Verzeichnis der anlässlich der Durchsuchung an der […] in […]
    sichergestellten Gegenstände in act. 4/4). Der Beschwerdeführer 1
    ist somit durch die angefochtenen Verfahrenshandlungen vom 19. April
    2017 im […] in […] und an der […] in […] zweifellos unmittelbar persönlich
    in seinen rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit beschwert.

    
	
    3.

    	
    Zu prüfen ist, ob diese
    Beschwer bzw. dieses Rechtsschutzinteresse noch aktuell ist:

    
	
    a)

    	
    Der Beschwerdeführer 1
    beantragt, der Hausdurchsuchungs- und Sicherstellungsbefehl der
    Beschwerdegegnerin vom 19. bzw. 20. April 2017 sei aufzuheben (vgl.
    vorne, S. 2). Die Hausdurchsuchungen im […] in […] und an der […] in
    […] sowie die Sicherstellung von Gegenständen sind bereits erfolgt und
    können naturgemäss nicht mehr aufgehoben oder abgeändert werden. Eine
    Aufhebung des diesbezüglichen Durchsuchungs- und Sicherstellungsbefehls
    würde somit keine direkte Wirkung zeitigen. Folglich hat der Beschwerdeführer 1
    an einer Aufhebung des Befehls per se kein aktuelles rechtlich geschütztes
    Interesse. Aus dem Inhalt der Beschwerdeschriften vom 1. und
    15. Mai 2017 (act. 1; act. 6) geht aber trotz blossem
    Beschwerdeantrag auf Aufhebung des Befehls zumindest sinngemäss hervor
    (vgl. z.B. act. 1 Rz. 9 und act. 6 Rz. 8, 12, 17), dass
    der Beschwerdeführer 1 a maiore ad minus (auch) die Überprüfung der
    Rechtmässigkeit des angefochtenen Befehls bzw. die Feststellung von dessen
    Rechtswidrigkeit verlangt (ebenso OG BE, BK 2012 42 vom 13. Juni 2012,
    E. 2.2; KG BL, Beschluss 470 11 57 vom 16. August 2011,
    E. 1.5).

    
	
    b)

    	
    Die mit der vorliegenden
    Beschwerde insbesondere thematisierte Frage, wann bei Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen der strafprozessualen Dokumentationspflicht in Bezug auf die
    Voraussetzung des hinreichenden Tatverdachts Genüge getan ist, ist
    grundsätzlicher Natur und von grundlegender Bedeutung für eine Vielzahl
    (potenziell) Betroffener. An ihrer Klärung besteht mithin ein öffentliches
    Interesse. Befehle für Durchsuchungen und Beschlagnahmen erfolgen meist
    relativ kurzfristig bzw. werden den Betroffenen gewöhnlich erst unmittelbar
    vor Beginn der Massnahme ausgehändigt (vgl. u.a. Art. 245 Abs. 1
    StPO und Art. 263 Abs. 2 StPO). Diese Massnahmen sind somit
    regelmässig bereits vollzogen, bevor über eine gegen sie erhobene
    Beschwerde entschieden ist. Eine rechtzeitige, d.h. vorgängige gerichtliche
    Überprüfung der Frage der Dokumentationspflicht in Bezug auf die Voraussetzung
    des hinreichenden Tatverdachts im Einzelfall wäre folglich kaum je möglich.
    Sodann ist offenkundig, dass sich diese Frage angesichts der Häufigkeit von
    Durchsuchungen und Beschlagnahmen in Strafverfahren jederzeit unter gleichen
    oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnte.

    
	
    c)

    	
    Auf die Beschwerde des
    Beschwerdeführers 1 ist deshalb im Lichte der vorstehend
    (E. II.C.1.) zitierten Bundesgerichtspraxis und weil auch die weiteren
    Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, einzutreten. Dass die genannte
    grundsätzliche Frage der Dokumentationspflicht in Bezug auf die
    Voraussetzung des hinreichenden Tatverdachts bei Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen allenfalls in einem Entsiegelungs- oder
    Entschädigungsverfahren geklärt werden könnte, ist unmassgeblich, würde
    doch dieser Prüfungspunkt – wie vorne (E. II.C.1b) dargelegt – erst in
    einem weiteren Schritt zum Zuge kommen, wenn ein Eintreten gestützt auf die
    Bundesgerichtspraxis betreffend Fragen von grundsätzlicher Bedeutung
    verneint wird (wie hier OG BE, BK 2012 42 vom 13. Juni 2012,
    E. 1.3; OG ZH, UH 130324 vom 12. November 2013, E. 3.2; KG
    BL, Beschluss 470 11 57 vom 16. August 2011, E. 1.4 f.; a.M.
    wohl OG ZG, II. Beschwerdeabteilung, Entscheid vom 28. März 2013
    in GVP 2013, E. 2.1 ff.).

    

  

  
	
  D. Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführer 2 und 3

  
	
  	
    1.

    	
    Durch Verfahrenshandlungen
    beschwerten Dritten, die in ihren Rechten unmittelbar betroffen sind,
    stehen die zur Wahrung ihrer Interessen erforderlichen Verfahrensrechte
    einer Partei zu (Art. 105 Abs. 1 lit. f und Abs. 2 StPO). Dazu gehört
    das Beschwerderecht nach Art. 393 ff. i.V.m. Art. 379 und Art. 382
    Abs. 1 StPO. Auch bei solchen beschwerten Dritten verlangt die
    Beschwerdebefugnis nach Art. 382 Abs. 1 StPO eine unmittelbare
    persönliche Betroffenheit der rechtsuchenden Person in den eigenen
    rechtlich geschützten Interessen (BGer 1B_242/2015 vom 22. Oktober 2015,
    E. 3.2.; BGer 1B_339/2016 vom 17. November 2016, E. 2.1.,
    2.4.). Die Voraussetzung der unmittelbaren Betroffenheit in eigenen Rechten
    grenzt von Fällen ab, in denen Personen bloss faktisch und nicht in einer
    eigenen Rechtsposition oder bloss mittelbar bzw. indirekt in ihren Rechten
    betroffen sind. Lediglich mittelbar ist die Beeinträchtigung dann, wenn
    diese erst durch das Hinzukommen weiterer Elemente eintritt. Die
    angefochtene hoheitliche Verfahrenshandlung muss also einen direkten,
    sofort ersichtlichen Einfluss auf die eigene Rechtsstellung der
    beschwerdeführenden Person haben. Eine blosse Reflexwirkung genügt nicht
    (Guidon, a.a.O., N 233 ff., 279 m.w.H. und Beispielen).

    
	
    2.

    	
    Die Beschwerdeführer 2 und 3
    führen in ihrer Beschwerdeschrift vom 1. Mai 2017 aus, die
    Polizeibeamten seien in ihr Haus an der […] in […] eingetreten, um das
    Zimmer ihres Sohnes (Beschwerdeführer 1) zu durchsuchen. Was ihrem
    Sohn vorgeworfen werde, wüssten sie (Beschwerdeführer 2 und 3) bislang
    mangels Eröffnung eines schriftlichen Hausdurchsuchungsbefehls nicht genau,
    weshalb sie an der Verhältnismässigkeit der Hausdurchsuchung zweifelten.
    Ein hinreichender Tatverdacht im Sinne von Art. 197 Abs. 2
    lit. b StPO liege nicht vor und die Beschwerdegegnerin habe die
    strafprozessuale Begründungspflicht (Art. 80 Abs. 2 StPO)
    verletzt. Sodann hätten die Polizeibeamten, um in das Zimmer ihres Sohnes
    zu gelangen, ihr Haus betreten müssen, womit sie ihre Privat- und Intimsphäre
    verletzt hätten. Weiter machen die Beschwerdeführer 2 und 3 geltend, sie
    würden in einem Einfamilienhausquartier in […] wohnen, wo sich die Nachbarn
    persönlich kennten. Dieser Nachbarschaft sei die Polizeiaktion nicht
    unbemerkt geblieben. Ausserdem seien sie Inhaber eines KMU in der stark
    umkämpften […]-branche und eine Hausdurchsuchung könne dazu führen, dass
    ihr Ruf nachhaltig geschädigt werde, was wiederum Auswirkungen auf das
    Unternehmen haben könne (act. 1 [OG.2017.00025]).

    
	
    3.

    	
    Wie vorne erwogen
    (E. II.C.2.), richtete sich die Hausdurchsuchung an der […] in […]
    gegen den Beschwerdeführer 1 als beschuldigte Person. Die
    Polizeibeamten durchsuchten dessen Zimmer und fanden im Wohnzimmer des
    Hauses einen auf ihn lautenden Mietvertrag (act. 4/4 Protokoll der
    Durchsuchung in […], S. 2). Um ins Zimmer des Beschwerdeführers 1
    zu gelangen und im Wohnzimmer den erwähnten Mietvertrag sicherzustellen,
    mussten die Polizeibeamten das im Eigentum der Beschwerdeführer 2 und
    3 stehende und von ihnen bewohnte Haus betreten. Damit wurden die
    Grundrechte der Beschwerdeführer 2 und 3 auf Schutz der Privatsphäre
    und Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 8 EMRK; Art. 13 BV)
    direkt durch das polizeiliche Handeln tangiert. Eine unmittelbare Betroffenheit
    derselben aufgrund der beanstandeten Verfahrenshandlungen in ihren eigenen
    rechtlich geschützten Interessen bzw. ein Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführer 2
    und 3 im Sinne von Art. 382 Abs. 1 i.V.m. Art. 105
    Abs. 1 lit. f und Abs. 2 StPO (vgl. vorne, E. II.D.1.
    und E. II.C.1a) ist somit entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
    (vgl. u.a. act. 8 S. 3 [OG.2017.00025]) zu bejahen. Zur weiteren
    Legitimationsvoraussetzung der Aktualität dieses Rechtsschutzinteresses
    bzw. zum ausnahmsweisen Absehen von diesem Erfordernis infolge Vorliegens
    von Fragen grundsätzlicher Bedeutung kann auf die vorne (E. II.C.3.)
    angestellten Erwägungen verwiesen werden. Da die weiteren
    Eintretensvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auch auf die
    Beschwerde der Beschwerdeführer 2 und 3 einzutreten.

    

  

  
	
  E. Verfahrensvereinigung

  
	
  Der Gegenstand der beiden
  Beschwerdeverfahren OG.2017.00024 und OG.2017.00025 ist weitgehend identisch.
  Daher sind diese Verfahren im vorliegenden Entscheid gemeinsam zu behandeln
  (Art. 30 StPO).

  
	
   

  
	
   

  
	
  III.

  (Materielle Beurteilung)

  
	
   

  
	
  A. Parteivorbringen

  
	
  	
    1.  a)

    	
    Der Beschwerdeführer 1
    macht in seiner Beschwerdeschrift vom 1. Mai 2017 „vorläufig und in
    Unkenntnis der Verfahrensakten“ im Wesentlichen geltend, in Bezug auf die
    Durchsuchungen und Beschlagnahmungen vom 19. April 2017 in […] und […]
    – zu denen er bislang keinen schriftlichen Befehl erhalten habe – liege
    kein hinreichender Tatverdacht im Sinne von Art. 197 Abs. 2
    lit. b StPO vor und habe die Beschwerdegegnerin die strafprozessuale
    Begründungspflicht (Art. 80 Abs. 2 StPO) verletzt. Als er von
    Dritten über die Durchsuchung im von ihm zusammen mit Mitmietern gemieteten
    Hobbyraum in […] benachrichtigt worden sei, habe er bei der Polizei
    telefonisch nachgefragt, weshalb es zu dieser Durchsuchung gekommen sei.
    Eine Antwort habe er nicht erhalten. Wenig später sei er von seiner Mutter
    informiert worden, dass Polizeibeamte an seinem Wohnort bei seinen Eltern
    an der […] in […] unter Berufung auf einen mündlichen Durchsuchungsbefehl
    eine Durchsuchung seines Zimmers durchführten. Als Grund hätten ihm die
    Polizeibeamten das Stichwort „Betäubungsmittel“ angegeben. Worin der genaue
    Tatverdacht liege, hätten sie ihm aber nicht mitgeteilt. Er verstehe das
    Vorgehen der Strafbehörden nicht, habe er sich doch nichts zu Schulden kommen
    lassen. Er hege den Verdacht, dass ihm seine Vorstrafe als
    Cannabiskonsument zum Verhängnis geworden sei und dass die Behörden sich bezüglich
    des Hobbyraums in […] geirrt haben, da es dort mehrere solche Räumlichkeiten
    und verschiedene Mieter gebe (act. 1).

    
	
    b)

    	
    In der Ergänzungsschrift vom
    15. Mai 2017 zur Beschwerde bringt der Beschwerdeführer 1 zudem
    vor, weder die spärlichen Aussagen der Polizeibeamten anlässlich der
    Durchsuchung in [...] noch der nachträgliche schriftliche Hausdurchsuchungsbefehl
    der Beschwerdegegnerin vermöchten die durchgeführten Durchsuchungen zu
    begründen. Auch sonst seien die Akten dürftig. Der ganze Tatverdacht
    basiere sodann lediglich auf einer von der Beschwerdegegnerin erstellten
    Aktennotiz vom 19. April 2017, wonach der Chef der Kriminalpolizei von
    X.______, einem in einem anderen Verfahren Beschuldigten, mündlich erfahren
    habe, dass dieser in zwei Hobbyräumen in […] ein- und ausgegangen sei und
    dort mit Betäubungsmitteln gehandelt habe. Die angeblichen Aussagen von
    X.______ seien nicht einmal protokolliert worden und daher in Frage zu stellen.
    Aus den eingereichten Unterlagen bzw. der Aktennotiz sei auch nicht ersichtlich,
    wer mit was für Arten von Betäubungsmitteln in welcher Menge mit wem gehandelt
    haben soll. X.______ habe – gemäss Aktennotiz – einzig angegeben, wo er
    sich aufgehalten habe. Mit keinem Wort habe dieser ihn als Dealer benannt.
    Er (Beschwerdeführer 1) sei zwar Mieter eines Hobbyraumes in […],
    allein deswegen sei er aber kein Dealer. Weiter sei er der Auffassung, dass
    die Polizei etwas falsch verstanden haben müsse, als sie die Hobbyräume in
    […] durchsuchte. Ferner sei aus den Akten nicht ersichtlich, weshalb der
    Hausdurchsuchungsbefehl mündlich erteilt worden sei, da offenbar keine
    zeitliche Dringlichkeit vorgelegen habe und keine Gefahr im Verzug gewesen
    sei. Für die Durchsuchungen und Beschlagnahmungen habe somit kein
    hinreichender Tatverdacht vorgelegen und die Beschwerdegegnerin habe die
    Begründungspflicht verletzt (act. 6).

    
	
    2.

    	
    Die Beschwerdeführer 2 und
    3 rügen mit weitgehend identischen Argumenten ebenfalls eine Verletzung der
    Begründungspflicht und einen fehlenden hinreichenden Tatverdacht. Weiter
    machen sie geltend, ihre Privat- und Intimsphäre sei ebenso verletzt worden
    wie Art. 197 Abs. 2 StPO, wonach in die Grundrechte nicht
    beschuldigter Personen eingreifende Zwangsmassnahmen besonders zurückhaltend
    einzusetzen seien (act. 1 und act. 5 [je OG.2017.00025], vgl.
    auch bereits vorne, E. II.D.2.).

    
	
    3.  a)

    	
    Die Beschwerdegegnerin
    entgegnet in ihrer Beschwerdeantwort vom 26. Mai 2017, der
    Hausdurchsuchungsbefehl vom 19. bzw. 20. April 2017 sei nicht zu
    beanstanden, da sämtliche Voraussetzungen für die Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen gegeben seien. X.______ habe im Rahmen seiner Festnahme bzw.
    Hausdurchsuchung gegenüber Polizeibeamten konkret zwei der im […] in […]
    vorhandenen Hobbyräume angegeben, in denen er ein- und ausgegangen sei und
    in denen mit Betäubungsmitteln gehandelt werde. Mieter eines dieser beiden
    Hobbyräume sei gemäss Auskunft der Eigentümerin der Beschwerdeführer 1.
    Gestützt auf diesen Sachverhalt habe gegen den Beschwerdeführer 1 ein
    hinreichender Tatverdacht bestanden und habe sie (Beschwerdegegnerin) der
    Kantonspolizei mündlich den Befehl erteilt, diesen Raum und – sollten tatsächlich
    Betäubungsmittel bzw. Betäubungsmittelutensilien gefunden werden – auch die
    Wohnräume des Beschwerdeführers 1 zu durchsuchen. Die Anordnung einer
    Hausdurchsuchung müsse nur in kurzer Form begründet werden, was sie korrekt
    getan habe. Sie habe ferner dem Vater des Beschwerdeführers 1 (d.h.
    dem Beschwerdeführer 2) telefonisch bekanntgegeben, dass gegen den
    Beschwerdeführer 1 aufgrund einer Aussage eines Dritten der Verdacht
    des Betäubungsmittelhandels bestehe. Die Durchsuchungen und Beschlagnahmen
    seien unter den gegebenen Umständen verhältnismässig gewesen. Auch habe
    eine zeitliche Dringlichkeit bestanden, die Massnahmen vorzunehmen, da die
    Verhaftung von X.______ und einer weiteren Person bald bemerkt und hierauf
    möglicherweise Beweismittel vernichtet oder verschleiert worden wären
    (act. 9).

    
	
    b)

    	
    In ihrer Beschwerdeduplik vom
    15. November 2017 macht die Beschwerdegegnerin ergänzende Ausführungen
    zum Gang der gegen X.______ geführten Strafuntersuchung. Sodann bekräftigt
    sie darin, es habe in Bezug auf die Durchsuchungen und Beschlagnahmen in
    […] und […] zeitliche Dringlichkeit bestanden. Im Übrigen hält sie an den
    in der Beschwerdeantwort gemachten Ausführungen fest (act. 19
    [OG.2017.00024] = act. 17 [OG.2017.00025]).

    

  

  
	
  B. Beurteilung

  
	
  	
    1. a)

    	
    Häuser, Wohnungen und andere
    nicht allgemein zugängliche Räume dürfen grundsätzlich nur mit Einwilligung
    der berechtigten Person durchsucht werden (Art. 244 Abs. 1 StPO).
    Eine solche Einwilligung ist jedoch nicht nötig, wenn zu vermuten ist, dass
    in diesen Räumen gesuchte Personen anwesend sind, Tatspuren oder zu
    beschlagnahmende Gegenstände oder Vermögenswerte vorhanden sind oder
    Straftaten begangen werden (Art. 244 Abs. 2 StPO).

    
	
    b)

    	
    Schriftstücke, Ton-, Bild- und
    andere Aufzeichnungen, Datenträger sowie Anlagen zur Verarbeitung und
    Speicherung von Informationen dürfen durchsucht werden, wenn zu vermuten
    ist, dass sich darin Informationen befinden, die der Beschlagnahme
    unterliegen (Art. 246 StPO). Die Durchsuchung dient dazu, Aufzeichnungen,
    die prima vista als Beweisgegenstände in Betracht kommen, auf die mögliche
    Beweiseignung hin zu prüfen und sie bejahendenfalls beschlagnahmeweise zu
    den Akten des Strafverfahrens zu nehmen (BGE 143 IV 270,
    E. 4.3. f.; OG BE, BK 15 350 vom 22. Dezember 2015,
    E. 5.1 m.w.H.).

    
	
    c)

    	
    Gegenstände und Vermögenswerte
    einer beschuldigten Person oder einer Drittperson können u.a. beschlagnahmt
    werden, wenn sie voraussichtlich als Beweismittel gebraucht werden oder
    wenn sie einzuziehen sind (Art. 263 Abs. 1 lit. a und
    lit. d StPO).

    
	
    2. a)

    	
    Hausdurchsuchungen gemäss
    Art. 244 f. StPO, Durchsuchungen gemäss Art. 246 ff. StPO
    sowie Beschlagnahmen gemäss Art. 263 ff. StPO sind nach Art. 198
    i.V.m. Art. 241 Abs. 1 StPO bzw. Art. 263 Abs. 2 StPO von der
    Staatsanwaltschaft (allenfalls vom Sachgericht) anzuordnen bzw. vorzunehmen
    (BGE 139 IV 128 E. 1.4, auch zum Folgenden). Die Anordnung hat in Form
    eines schriftlichen, kurz begründeten Befehls zu ergehen, es sei denn, es
    liege ein dringender Fall vor. Diesfalls genügt eine mündliche Anordnung
    und eine nachträgliche schriftliche Bestätigung (Art. 241 Abs. 1 StPO
    i.V.m. Art. 80 Abs. 2 StPO; Art. 263 Abs. 2 StPO).

    
	
    b)

    	
    Im Durchsuchungsbefehl
    ist anzugeben, an wen sich der Durchsuchungsauftrag richtet (durchführende
    Behörde, ggf. beizuziehende Stellen), auf welchen Tatverdacht sich die
    angeordnete Massnahme bezieht, wer oder was durchsucht werden soll und
    wonach zu suchen ist (Beweismittel oder der Einziehung unterstehende
    Gegenstände). Eine knappe Begründung, die nachträglich durch die Behörde
    noch ergänzt werden kann, reicht aus. Immerhin aber muss der Durchsuchungsbefehl
    so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des
    Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache
    anfechten kann bzw. dass eine nachträgliche Überprüfung der Massnahme möglich
    ist. So bedarf es zur Begründung des hinreichenden Tatverdachts zweier
    Elemente: Erstens muss ein Sachverhalt zumindest minimal umschrieben
    werden, damit eine Subsumtion unter einen oder allenfalls mehrere
    Tatbestände des Strafrechts überhaupt nachvollziehbar vorgenommen werden
    kann. Zweitens müssen ausreichende Beweismittel und Indizien angegeben
    sowie vorgelegt werden, die diesen Sachverhalt stützen, d.h. es bedarf
    Angaben zu der den hinreichenden Tatverdacht begründenden Beweislage (zum
    Ganzen: Keller, ZK StPO, Art. 241 N 25; Gfeller, BSK StPO,
    Art. 241 N 7 ff., v.a. N 16 und Fn. 19;
    Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., Bern 2012,
    N 653; BGer 1B_726/2012, E. 5.2 f.; OG ZH, UH110174 vom
    19. August 2011, E. II.2.3 ff., je m.w.H.).

    
	
    c)

    	
    Auch Beschlagnahmebefehle
    sind zumindest summarisch zu begründen. Sie müssen ebenfalls Ausführungen
    zum inkriminierten Sachverhalt sowie zur Beweislage, die den Tatverdacht
    begründet, enthalten. Weiter muss mit Ausnahme von Ersatzforderungs- und
    Deckungsbeschlagnahmen der mutmassliche Konnex zwischen Delikt und
    Beschlagnahmeobjekt aufgezeigt werden. Sodann hat aus dem
    Beschlagnahmebefehl hervorzugehen, zu welchem Zweck (Beschlagnahmeart) das
    Beschlagnahmeobjekt beschlagnahmt wird, unter Angabe der entsprechenden Gesetzesbestimmungen
    (Heimgartner, ZK StPO, Art. 263 N 23; Bommer/Goldschmid, BSK
    StPO, Art. 263 N 62; Oberholzer, a.a.O., N 653).

    
	
    d)

    	
    Auch im Falle einer zunächst
    mündlichen Anordnung der Hausdurchsuchung (Art. 241 Abs. 1 StPO)
    müssen der betroffenen Person die Informationen mitgeteilt werden, die
    sonst im Befehl enthalten sind. Dazu gehört z.B. der Hinweis auf die
    Beschwerde- und Siegelungsmöglichkeit. Weiter muss die zunächst nur
    mündlich erfolgte Anordnung und deren Begründung im auszuhändigenden
    (Art. 199 StPO) Vollzugsprotokoll vermerkt werden (Oberholzer, a.a.O.,
    N 654; Thormann/Brechbühl, BSK StPO, Art. 245 N 4 m.w.H.).

    
	
    3. a)

    	
    In den beiden
    Vollzugsprotokollen zu den Polizeiaktionen vom 19. April 2017 im […]
    in […] und an der […] in […] (act. 4/4) ist weder vermerkt, dass die
    Durchsuchungen von der Staatsanwaltschaft mündlich angeordnet wurden, noch
    dass dem Beschwerdeführer 1 mitgeteilt wurde, auf welchen Tatverdacht
    sich die Massnahmen beziehen (das blosse Stichwort „Widerhandlung gegen das
    Betäubungsmittelgesetz“ ist ungenügend) und gestützt auf welche
    Beweismittel sich dieser Tatverdacht ergibt. Auch ist aus den Vollzugsprotokollen
    nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer 1 auf das Recht, die
    Siegelung von zu durchsuchenden Aufzeichnungen und Gegenständen zu
    verlangen (Art. 248 StPO), aufmerksam gemacht worden wäre. Im Lichte
    der soeben (E. III.B.2.) dargelegten Anforderungen an die Begründung
    bzw. Protokollierung von zunächst mündlich angeordneten Durchsuchungen ist
    somit festzuhalten, dass bezüglich der Vollzugsprotokolle (act. 4/4)
    ein Verstoss gegen die strafprozessualen Begründungs- und Protokollierungspflichten
    vorliegt.

    
	
    b)

    	
    Auch der nachträgliche
    schriftliche Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl der Beschwerdegegnerin
    vom 20. April 2017 (act. 4/5) ist unzureichend begründet. In
    Bezug auf die Voraussetzung des hinreichenden Tatverdachts findet sich darin
    nämlich einzig folgender Satz: „Es besteht der dringende Verdacht, dass der
    Beschuldigte, als Mieter des Hobbyraumes im […], […], mit Drogen handelt.“
    Abgesehen davon, dass fraglich ist, ob damit eine hinreichend genaue
    Festlegung auf einen relevanten Sachverhalt bzw. auf genau bestimmte
    Delikte erfolgt ist (hierzu Gfeller, BSK StPO, Art. 241 N 18-23
    m.w.H.), fehlt insbesondere die – wie dargelegt (E. III.B.2b) –
    unverzichtbare Angabe, welche Beweismittel bzw. Indizien den hinreichenden
    Tatverdacht stützen respektive begründen.

    
	
    c)

    	
    Die aufgezeigten Begründungs-
    bzw. Protokollierungsmängel stellen Verletzungen des Anspruchs des Beschwerdeführers 1
    auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 Abs. 2
    lit. c StPO) dar. Ob diese Mängel im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
    heilbar sind (vgl. z.B. BGer 1B_212/2014 vom 14. Oktober 2014,
    E. 2.4.; OG ZH, UH110174 vom 19. August 2011, E. II.2.4e, je
    m.w.H.), kann offenbleiben. Denn aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt
    sich, dass es bezüglich der am 19. April 2017 durchgeführten
    Durchsuchungen und Beschlagnahmen an einem hinreichenden Tatverdacht
    mangelt, also eine Grundvoraussetzung zu deren Anordnung nicht erfüllt ist
    (vgl. Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO). Eine solche elementare
    Rechtsverletzung ist im Beschwerdeverfahren nicht heilbar (Gfeller, BSK
    StPO, Vor Art. 241-254 N 46 f. sowie Art. 241 N 22
    m.w.H.).

    
	
    4. a)

    	
    Zwangsmassnahmen – wie Durchsuchungen
    und Beschlagnahmen – können gemäss Art. 197 Abs. 1 StPO nur
    ergriffen werden, wenn sie gesetzlich vorgesehen sind (lit. a), ein
    hinreichender Tatverdacht vorliegt (lit. b), die damit angestrebten
    Ziele nicht durch mildere Massnahmen erreicht werden können (lit. c)
    und die Bedeutung der Straftat die Zwangsmassnahme rechtfertigt
    (lit. d).

    
	
    b)

    	
    Als Tatverdacht
    wird die Annahme bezeichnet, es sei eine Tat begangen worden, die eine
    vorläufige Subsumtion unter einen Straftatbestand erlaubt, und eine allenfalls
    verdächtigte Person sei der Täter oder die Täterin. Zu Beginn sowie im
    Verlauf der Untersuchung ist von den Untersuchungsbehörden und
    gegebenenfalls von der Rechtsmittelinstanz zu prüfen, ob genügend konkrete
    Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Beteiligung der beschuldigten
    Person an dieser Tat vorliegen, ob somit das Bestehen eines hinreichenden
    Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejaht werden darf. Der Tatverdacht
    hat sich also auf konkrete, objektivierbare Tatsachen zu stützen, die das
    Vorliegen einer bestimmten Straftat als plausibel erscheinen lassen. Reine
    Mutmassungen, Gerüchte oder generelle Vermutungen können keinen
    hinreichenden Tatverdacht begründen (zum Ganzen: KG BL, Beschluss
    470 11 57 vom 16. August 2011, E. 3; Weber, BSK StPO, Art. 197
    N 6 ff.; Hug/Scheidegger, ZK StPO, Art. 197
    N 5 ff., je m.w.H. ). Hinweise auf eine strafbare Handlung müssen
    somit erheblich und konkreter Natur sein, um einen hinreichenden
    Tatverdacht begründen zu können (BGE 141 IV 87, E. 1.3.1 m.w.H.).
    Nichtfreiheitsentziehende strafprozessuale Zwangsmassnahmen setzen jedoch
    nach der bundesgerichtlichen Praxis grundsätzlich nicht die gleich hohe
    Intensität eines Tatverdachts voraus wie Untersuchungs- oder
    Sicherheitshaft. So genügt für Beschlagnahmungen und Entsiegelungen ein
    hinreichender, objektiv begründeter konkreter Tatverdacht gegenüber der
    beschuldigten Person (BGer 1B_636/2011 vom 9. Januar 2012, E. 2.2.3).

    
	
    c)

    	
    Zu den elementaren Grundsätzen
    des Strafprozessrechts gehört, dass sämtliche im Rahmen des Verfahrens
    vorgenommenen Erhebungen aktenkundig gemacht werden. Aus dem Anspruch auf
    rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 Abs. 2
    lit. c StPO) ergibt sich der Anspruch auf Akteneinsicht
    (Art. 101 StPO). Soll dieser effizient wahrgenommen werden können, ist
    erforderlich, dass alles in den Akten festgehalten wird, was zur Sache
    gehört und entscheidwesentlich sein kann. Damit besteht spiegelbildlich zum
    Recht auf Akteneinsicht eine Aktenführungs- und Dokumentationspflicht der
    Behörden. Diese sind verpflichtet, alle verfahrensrelevanten Vorgänge
    schriftlich oder in geeigneter anderer Form festzuhalten, die
    entsprechenden Aufzeichnungen in die Strafakten zu integrieren sowie auch
    sonst die Akten vollständig und korrekt anzulegen und zu führen. Aus den
    Akten muss ersichtlich sein, wer sie erstellt hat und wie sie zustande
    gekommen sind. In einem Strafverfahren bedeutet dies Folgendes: Die
    Beweismittel, jedenfalls soweit sie nicht unmittelbar an der gerichtlichen
    Hauptverhandlung erhoben werden, müssen in den Untersuchungsakten vorhanden
    und es muss aktenmässig belegt sein, wie sie produziert wurden. Dies, damit
    der Beschuldigte in der Lage ist zu prüfen, ob sie inhaltliche oder
    formelle Mängel aufweisen und gegebenenfalls Einwände gegen deren
    Verwertbarkeit erheben kann. Dies wiederum ist Voraussetzung dafür, dass
    der Beschuldigte seine Verteidigungsrechte wahrnehmen kann. Diese
    Grundsätze zur Aktenführungs- und Dokumentationspflicht werden in der StPO
    konkretisiert (vgl. u.a. Art. 76 ff., Art. 100 und
    Art. 192 StPO). Sie gelten (grundsätzlich) auch für das polizeiliche
    Ermittlungsverfahren. Insbesondere sind z.B. gemäss Art. 78
    Abs. 1 StPO Aussagen der Parteien, von Zeugen, Auskunftspersonen und
    Sachverständigen laufend zu protokollieren. Was nicht geschrieben steht,
    existiert grundsätzlich nicht (BGer 6B_307/2012 vom 14. Februar 2013,
    E. 3.1. m.w.H.; BGer 6B_719/2011 vom 12. November 2012, E. 4.5,
    je m.w.H.; vgl. auch BGer 1B_29/2017 vom 24. Mai 2017, E. 4.1.;
    Häring, BSK StPO, Vor Art. 142-146 N 2).

    
	
    d)

    	
    Sofern nicht bereits zuvor
    geschehen, hat die Staatsanwaltschaft mit dem Vollzug von Zwangsmassnahmen
    die Eröffnung der Untersuchung zu verfügen (Art. 309 Abs. 1
    lit. b StPO; Omlin, BSK StPO, Art. 309 N 10;
    Landshut/Bosshard, ZK StPO, Art. 309 N 10b). Spätestens ab dem
    Zeitpunkt der formellen Eröffnung der Strafuntersuchung sind die
    allgemeinen Bestimmungen der StPO betreffend Einvernahmen, so insbesondere
    jene über deren Durchführung (Art. 143 StPO) und Protokollierung
    (Art. 78 StPO), zu beachten (Häring, BSK StPO, Vor Art. 142-146
    N 9a f.). Diese allgemeinen Einvernahmeregeln gelten bei allen
    Arten von Befragungen, d.h. grundsätzlich haben alle Befragungen von
    Personen im Strafverfahren stets in der Form der formalisierten Einvernahme
    nach Art. 142 ff. i.V.m. Art. 78 StPO zu erfolgen. In der
    Regel ist es somit nicht zulässig, Personen ausserhalb einer formalisierten
    Einvernahme in „unverbindliche“ informelle Gespräche zu verwickeln, um verfahrensrelevante
    Informationen zu gewinnen. Derartige informelle, nicht protokollierte
    Gespräche sind höchstens zu organisatorisch-verfahrensleitenden Fragen
    (z.B. Ansetzung von Verfahrenshandlungen, Besprechung des weiteren
    Vorgehens o.ä.) zulässig (Häring, BSK StPO, Vor Art. 142-146
    N 9b; Schmid/Jositsch, Handbuch des schweizerischen
    Strafprozessrechts, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2017,
    N 803). Die erwähnten Grundsätze und allgemeinen
    Einvernahmebestimmungen gelten grundsätzlich auch bereits im polizeilichen
    Ermittlungsverfahren, d.h. vor der förmlichen Eröffnung einer Strafuntersuchung
    durch die Staatsanwaltschaft. Insbesondere muss auch in diesem
    Verfahrensstadium dann eine formalisierte und vorschriftsgemäss zu
    protokollierende Befragung erfolgen, wenn die Äusserungen einer Person als
    Beweismittel in das Verfahren einfliessen sollen („moderater protokollorientierter
    Ansatz“, vgl. Godenzi, ZK StPO, Art. 143 N 4; Häring, BSK StPO,
    Vor Art. 142-146 N 9c f., Art. 142 N 6,
    Art. 143 N 2, je m.w.H.) bzw. wenn es sich nicht mehr um sog.
    informatorische Befragungen, d.h. Abklärungen bei unklarer Sach- und
    Beweislage lediglich zur Feststellung, ob überhaupt ein Verdacht auf eine
    Straftat vorliegt, handelt („materieller Ansatz“, vgl. Godenzi, ZK StPO,
    Art. 143 N 5 ff. m.w.H.). Sobald sich aber im Verlauf
    solcher informatorischer Befragungen wie auch bei Spontanäusserungen
    konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer bestimmten Straftat ergeben
    und zugleich objektiv erkennbar wird, dass der aussagenden Person
    diesbezüglich die Stellung einer beschuldigten Person, einer Auskunftsperson
    oder eines Zeugen zukommt, ist das Gespräch als Einvernahme zu
    qualifizieren und sind die entsprechenden Bestimmungen einzuhalten
    (Godenzi, ZK StPO, Art. 143 N 6; Ruckstuhl, BSK StPO,
    Art. 158 N 8 und Fn. 26). Zu beachten ist schliesslich
    insbesondere, dass die Polizei bei Festnahmen (Art. 217 ff. StPO)
    die festgenommene Person unverzüglich über die Gründe der Festnahme
    informieren und über ihre Rechte aufklären muss (Art. 219 Abs. 1
    StPO i.V.m. Art. 158 StPO). Diese Rechtsbelehrungen sind aktenkundig
    zu Protokoll festzuhalten (Art. 77 lit. d StPO; Weder, ZK StPO,
    Art. 219 N 16; Albertini/Armbruster, BSK StPO, Art. 219
    N 5). Sämtliche Äusserungen, die vor dieser Rechtsbelehrung erfolgen
    (z.B. im Zuge der Festnahme am Tatort oder während des Transports zur
    Polizeistation), sind absolut unverwertbar (Art. 219 Abs. 1
    i.V.m. Art. 158 StPO; Godenzi, ZK StPO, Art. 158 N 12;
    Ruckstuhl, BSK StPO, Art. 158 N 8; Weder, BSK StPO, Art. 219
    N 16, je m.w.H.).

    
	
    5.

    	
    Bevor auf die Voraussetzung des
    hinreichenden Tatverdachts eingegangen wird, sind einige Auffälligkeiten in
    der Untersuchungs- und Aktenführung durch die Beschwerdegegnerin zu
    beleuchten:

    
	
    a)

    	
    Zunächst ist festzuhalten, dass
    die Aktenführung in der gegen den Beschwerdeführer 1 angehobenen
    Strafuntersuchung lückenhaft ist: So findet sich bei den Untersuchungsakten
    keine Eröffnungsverfügung im Sinne von Art. 309 Abs. 3 StPO,
    obwohl die Beschwerdegegnerin dadurch, dass sie gegen den Beschwerdeführer 1
    Zwangsmassnahmen anordnete bzw. vollziehen liess, spätestens am
    19. April 2017 eine Untersuchung eröffnete (vgl. Art. 309
    Abs. 1 lit. b StPO und vorne, E. III.B.4d). Weiter fehlt in
    den Akten ein Auftrag der Beschwerdegegnerin an die Kantonspolizei zur
    Durchführung von Einvernahmen des Beschwerdeführers 1 (Art. 312
    StPO), obwohl die Kantonspolizei am 4. Mai 2017 eine solche Einvernahme
    durchführte (act. 10/5; zur Thematik: BGer 6B_800/2016 vom 25.10.2017,
    E. 3.3.2.).

    
	
    b)

    	
    Gemäss dem
    Durchsuchungsprotokoll der beiden Polizeibeamten Y______ vom 14. April
    2017 fanden die verfahrensgegenständlichen Durchsuchungen im [...] in [...]
    im vom Beschwerdeführer 1 gemieteten Raum am 19. April 2017 von
    10:00 Uhr bis 11:00 Uhr statt (act. 4/4 = act. 10/2
    S. 1). In der Aktennotiz vom 19. April 2017 (act. 4/2 =
    act. 10/1), die gemäss Beschwerdegegnerin die mündliche Anordnung im
    Sinne von Art. 241 Abs. 1 Satz 2 bzw. Art. 263
    Abs. 2 Satz 2 StPO der strittigen Zwangsmassnahmen dokumentieren
    soll (act. 9 S. 2), gibt die zuständige Staatanwältin an, sie sei
    an jenem Tag um zirka 11:00 Uhr vom Chef der Kriminalpolizei
    telefonisch kontaktiert worden und habe im Rahmen dieses Telefongesprächs
    mündlich die fraglichen Durchsuchungen und Beschlagnahmungen angeordnet.
    Daraus ist in zeitlicher Hinsicht zu schliessen, dass die Staatsanwältin
    den mündlichen Befehl erst gegen Ende oder nach Durchführung der im [...]
    in [...] vollzogenen Zwangsmassnahmen erteilte. Derartige ohne Zutun der
    Beschwerdegegnerin erfolgte Zwangsmassnahmen wären rechtswidrig
    (Art. 198 StPO; vgl. z.B. BGer 6B_942/2016 vom 7. September 2017,
    E. 5.2.), zumal nicht erkennbar ist, inwiefern „Gefahr im Verzug“ im
    Sinne von Art. 241 Abs. 3 bzw. Art. 263 Abs. 3 StPO
    vorgelegen haben könnte (zu diesem Begriff BGE 139 IV 128, E. 1.5).
    Denn die Kriminalpolizei bereitete in der Strafuntersuchung gegen X.______
    spätestens anfangs April 2017 die Durchsuchung von (dessen [?]) Hobbyräumen
    im [...] in [...] vor und erhielt am 5. April 2017 den entsprechenden
    schriftlichen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl durch die
    Staatsanwaltschaft (vgl. act. 20/4-5). Eine eingehende Prüfung des
    hier angesprochenen Sachverhalts erübrigt sich vorliegend aber, da – wie
    nachfolgend aufgezeigt wird – die angeordneten Zwangsmassnahmen aus einem
    anderen Grund rechtswidrig sind.

    
	
    6. a)

    	
    Die Beschwerdegegnerin schreibt
    in ihrer im Hinblick auf die mündliche Anordnung der streitgegenständlichen
    Durchsuchungen und Beschlagnahmen erstellten Aktennotiz vom 19. April
    2017, X.______ habe gegenüber Polizeibeamten im Rahmen seiner Festnahme
    bzw. Hausdurchsuchung auf entsprechende Frage hin zwei Hobbyräume im […] in
    [...] angegeben, in denen er ein- und ausgegangen sei und in denen mit
    Betäubungsmitteln gehandelt werde. Mieter eines dieser beiden Hobbyräume
    sei der Beschwerdeführer 1 (act. 4/2 = act. 10/1,
    nachfolgend: „mündlicher Befehl“). Im Wesentlichen derselbe Sachverhalt ist
    auch im Antrag der Kantonspolizei vom 20. bzw. 23. April 2017 an die Beschwerdegegnerin
    um Anordnung der Durchsuchungen und Beschlagnahmen (act. 10/3
    S. 2, nachfolgend: „Antrag“) enthalten, wobei in diesem Antrag
    zusätzlich angegeben wird, dass die Hausdurchsuchung und Festnahme von
    X.______ – und damit auch dessen angebliche Aussagen betreffend Hobbyräume
    im […] in [...] – am 19. April 2017 stattfanden.

    
	
    b)

    	
    In den Strafakten in Sachen des
    Beschwerdeführers 1 finden sich keinerlei Beweismittel dafür, dass
    X.______ vor Durchführung der hier zu beurteilenden Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen die soeben genannten Aussagen gegenüber den Strafbehörden
    tatsächlich gemacht hat. Insbesondere fehlt es an einer Protokollierung
    dieser Aussagen sowie der X.______ seitens der Polizeibeamten gestellten
    Fragen nach zuvor getätigter gehöriger Belehrung über die ihm als
    Beschuldigtem zustehenden Rechte. Aus den Akten in Sachen des Beschwerdeführers 1
    ist beispielsweise nicht einmal ersichtlich, wann genau am 19. April
    2017 X.______ festgenommen wurde. Dass diese Festnahme an jenem Tag um
    08:15 Uhr geschah, erschloss sich dem Obergericht erst, als es auf
    seine Aufforderung hin (act. 17) aus den Strafakten X.______ den
    diesbezüglichen Festnahmerapport (act. 20/7) erhielt. Im Übrigen geht
    aus diesem Festnahmerapport zwar hervor, dass X.______ im Rahmen seiner
    Festnahme in Nachachtung von Art. 219 Abs. 1 StPO i.V.m.
    Art. 158 StPO mittels eines Informationsblattes über seine Rechte
    aufgeklärt wurde (act. 20/7 letzte Seite). Auch nach Beizug der
    Strafakten X.______ bleibt jedoch insbesondere unklar, wann genau diese
    Rechtsbelehrung erfolgte (z.B. unmittelbar bei Beginn der Festnahme oder
    z.B. erst auf dem Polizeiposten) und zu welchem Zeitpunkt X.______ die im
    mündlichen Befehl angetönten Aussagen gemacht haben soll. Es ist also nicht
    dokumentiert, ob X.______ über seine Rechte belehrt wurde, bevor er
    angeblich die im Antrag und im mündlichen Befehl angetönten Aussagen
    machte. Nach dem Gesagten und im Lichte der vorne zitierten Lehre und
    Rechtsprechung (E. III.B.4c-d) wurde somit die strafprozessuale
    Dokumentationspflicht verletzt.

    
	
    c)

    	
    Selbst wenn die erforderlichen
    Belehrungen (Art. 219 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 158 StPO)
    gegenüber X.______ erfolgt sein sollten, bevor er sich gegenüber den
    Polizeibeamten zu den Hobbyräumen im […] in [...] äusserte, liegt eine
    Rechtsverletzung vor: Gemäss dem Antrag der Kantonspolizei hätten sich
    bereits aus einer Auswertung von Mobiltelefonen – auch diesbezüglich befindet
    sich keinerlei Dokumentation bei den Akten in Sachen des Beschwerdeführers 1
    (anders bei den Akten X.______, vgl. act. 20/2-3) – Hinweise auf mindestens
    einen Hobbyraum im […] in [...] ergeben, in dem mit Betäubungsmitteln
    gehandelt werde (act. 10/3 S. 2 oben). Somit lagen gewisse Anhaltspunkte
    für Straftaten bereits vor, bevor offenbar die Polizei X.______ bei seiner
    Festnahme bzw. anlässlich der Hausdurchsuchung bei ihm auf diese Hobbyräume
    ansprach (act. 4/2). Allerdings bestanden selbst nach Darstellung von
    Polizei (act. 10/3 S. 2) und Beschwerdegegnerin (act. 4/2;
    act. 9 S. 2 oben) allein aufgrund der offenbar durchgeführten
    Auswertung der Mobiltelefone keine Hinweise auf die Identität der
    Täterschaft und auf den genauen Tatort, nicht zuletzt da im [...] in [...]
    zahlreiche Hobby- und Gewerberäume existieren (act. 4/3; vgl. auch
    act. 20/2-3). Die von der Beschwerdegegnerin behaupteten Aussagen von
    X.______ waren also – wie klar aus dem mündlichen Auftrag hervorgeht
    (act. 4/2, siehe auch act. 10/3 S. 2: „Aufgrund dieser Liste
    und der Beschreibungen von X.______ zu den Hobbyräumen konnte A.______ als
    Hauptmieter des einen Raumes ermittelt werden.“) – entscheidend für die
    Ermittlung, in Bezug auf welche im [...] in [...] bestehenden Hobbyräume
    und damit auch in Bezug auf welche Personen (z.B. Beschwerdeführer 1)
    der Verdacht auf Betäubungsmittelhandel besteht. Folglich war objektiv
    erkennbar, dass es sich bei den diesbezüglichen Abklärungen in keiner Weise
    um blosse einfache organisatorisch-informatorische Erhebungen handelt sowie
    dass X.______ bezüglich seiner Aussagen zu diesen Hobbyräumen die Stellung
    einer beschuldigten Person, einer Auskunftsperson oder eines Zeugen
    zukommt. Demzufolge ist das anlässlich der Festnahme bzw. Hausdurchsuchung
    von den Polizeibeamten mit X.______ offenbar geführte Gespräch als
    Einvernahme zu qualifizieren und wären die strafprozessualen Bestimmungen
    über die Einvernahmen (insbesondere Art. 143 StPO und Art. 78
    StPO: Belehrungen, Protokollierung, etc.) einzuhalten gewesen (vgl. vorne,
    E. III.B.4d). Dies, zumal die Beschwerdegegnerin schon längere Zeit
    zuvor eine Untersuchung gegen X.______ zu eröffnen hatte (Art. 309
    Abs. 1 lit. b StPO), weil sie bereits eine rückwirkende Erhebung
    von Verbindungs-Randdaten im Sinne von Art. 273 StPO durchgeführt
    hatte (vgl. act. 20/1). Wie aufgezeigt (E. III.B.4d), sind
    spätestens ab dem Zeitpunkt der formellen Eröffnung der Strafuntersuchung
    bei allen Arten von Befragungen die allgemeinen Bestimmungen der StPO betreffend
    formalisierte Einvernahmen (v.a. Art. 143 StPO und Art. 78 StPO)
    zu beachten. Im vorliegenden Fall findet sich für den Zeitraum vor
    Anordnung der Durchsuchungen und Beschlagnahmungen vom 19. April 2017
    in den Räumlichkeiten des Beschwerdeführers 1 in [...] und [...] wie
    erwähnt keine in Einhaltung dieser Einvernahmevorschriften dokumentierte
    bzw. protokollierte Aufzeichnung von Aussagen von X.______ zu den
    Hobbyräumen im [...] in [...]. Nach dessen Festnahme am 19. April 2017
    fand zwar gleichentags eine polizeiliche Befragung von X.______ statt,
    diese begann aber erst um 16:38 Uhr (vgl. act. 20/8 S. 1), also
    zu einem Zeitpunkt, als die hier interessierenden Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen bereits vollzogen waren (vgl. act. 4/4). Ohnehin finden
    sich im diesbezüglichen Protokoll ebenfalls keine Aussagen von X.______ zu
    den Hobbyräumen im [...] in [...] (vgl. act. 20/8). X.______ hat seine
    angeblich anlässlich der Festnahme bzw. Hausdurchsuchung gemachten Angaben
    also auch nicht etwa wenigstens zeitnah in einer förmlichen Befragung bestätigt.

    
	
    d)

    	
    Zusammenfassend ist Folgendes
    zu festzuhalten: Die Beschwerdegegnerin begründet das Vorliegen der
    Voraussetzung des hinreichenden Tatverdachts für die Anordnung der hier zu
    beurteilenden Durchsuchungen und Beschlagnahmen im Wesentlichen mit den
    Beschwerdeführer 1 belastenden Aussagen von X.______ zu im [...] in
    [...] bestehenden Hobbyräumen und dort vollzogenem Betäubungsmittelkonsum
    und -handel. Dass X.______ vor Anordnung der Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen im [...] in [...] und an der […] in [...] vom 19. April
    2017 tatsächlich derartige Aussagen machte, ist jedoch in den Akten in
    keiner Weise dokumentiert. Demnach fehlte es im Zeitpunkt der Anordnung der
    hier interessierenden Zwangsmassnahmen an konkreten, objektiven Anhaltspunkten
    für eine Beteiligung des Beschwerdeführers 1 an einer Straftat, d.h.
    an einem hinreichenden Tatverdacht. Die angefochtenen Durchsuchungen und
    Beschlagnahmen vom 19. April 2017 im [...] in [...] und an der […] in
    [...] sind somit gesetzeswidrig (Art. 197 Abs. 1 lit. b
    StPO).

    

  

  
	
  C. Fazit

  
	
  Nach dem Gesagten sind die
  Beschwerden im Grundsatz gutzuheissen und es ist festzustellen, dass die von
  der Beschwerdegegnerin mit Befehl vom 19. bzw. 20. April 2017
  gegenüber dem Beschwerdeführer 1 angeordneten Durchsuchungen und
  Beschlagnahmen rechtswidrig sind. Wie vorne erwogen (E. II.C.3a), fällt
  demgegenüber eine eigentliche Aufhebung dieses Befehls – über die
  Feststellung der Widerrechtlichkeit der Zwangsmassnahmen hinaus – ausser
  Betracht (vgl. auch BGer 1B_118/2016 vom 21. März 2017, E. 4; KG
  BL, Beschluss 470 11 57 vom 16. August 2011, E. 5.1 f.). Dies,
  zumal in Bezug auf die beschlagnahmten Gegenstände trotz entsprechender
  Ankündigung im Befehl vom 20. April 2017 (act. 4/5 S. 2 oben)
  soweit ersichtlich keine eigentliche Beschlagnahmeverfügung erging. Der
  Entscheid darüber, welche Rechtsfolgen die festgestellte Rechtswidrigkeit
  zeitigt (z.B. allenfalls Beweisverwertungsverbot samt Fernwirkung [vgl.
  Art. 141 StPO und hierzu bspw. BGE 137 I 218, E. 2.3.2,
  2.3.4 ff., BGE 139 IV 128, E. 1.6 ff., OG BE, BK 15 350 vom
  22. Dezember 2015, E. 6 ff., OG ZH, SB120498 vom 26. März
  2013, E. III.5.1. ff., Gfeller, BSK StPO, Vor Art. 241-254
  N 43 ff, Art. 241 N 22; Gless, BSK StPO,
  Art. 141 N 45 ff.; Wohlers, ZK StPO, Art. 141 N 10 ff.],
  allenfalls Entschädigungs- und/oder Genugtuungsansprüche [vgl. Art. 431
  Abs. 1 StPO sowie Art. 434 StPO; hierzu z.B. Schmid/Jositsch,
  a.a.O., N 1825, 1832, je m.w.H.), obliegt der zuständigen
  Verfahrensleitung bzw. der Strafbehörde, die den Endentscheid fällt (vgl.
  z.B. BGer 1B_29/2017 vom 24. Mai 2017, E. 4.9. m.w.H.).

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV.

  (Kosten- und Entschädigungsfolgen)

  
	
   

  
	
  Ausgangsgemäss sind die Kosten
  der Beschwerdeverfahren auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 428
  Abs. 1 StPO). Den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführern ist für das
  Beschwerdeverfahren aus der Staatskasse eine angemessene Entschädigung
  zuzusprechen (Art. 436 Abs. 2 StPO). Bei deren Bemessung ist insbesondere
  zu berücksichtigen, dass die in den Verfahren OG.2017.00024 und OG.2017.00025
  ergangenen Rechtsschriften des Beschwerdeführers 1 einerseits und der
  Beschwerdeführer 2 und 3 andererseits durch denselben Rechtsanwalt verfasst
  wurden und inhaltlich weitgehend identisch sind (vgl. je act. 1 und
  act. 5 sowie act. 16 [OG.2017.00024] = act. 14
  [OG.2017.00025]).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    In grundsätzlicher Gutheissung
    der Beschwerden wird festgestellt, dass die von der Beschwerdegegnerin mit
    Befehl vom 19. bzw. 20. April 2017 gegenüber dem
    Beschwerdeführer 1 angeordneten und am 19. April 2017 vollzogenen
    Durchsuchungen und Beschlagnahmen im [...] in [...] und an der […] in [...]
    rechtswidrig sind.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Kosten der
    Beschwerdeverfahren OG.2017.00024 und OG.2017.00025 werden auf die Staatskasse
    genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Den Beschwerdeführern wird für
    die Beschwerdeverfahren OG.2017.00024 und OG.2017.00025 aus der Staatskasse
    eine Entschädigung von insgesamt CHF 1‘500.– (inkl. Auslagen und
    MwSt.) zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an die Parteien