# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c669e131-ab52-5550-9ca0-323907ac4df6
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-28
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 28.04.2021 110 2020 46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2020-46_2021-04-28.pdf

## Full Text

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Bau- und Verkehrsdirektion

Reiterstrasse 11
3013 Bern
Telefon +41 31 633 30 11
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www.bvd.be.ch/ra

BVD 110/2020/46

Entscheid der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern (BVD)
vom 28. April 2021

in der Beschwerdesache zwischen

Frau C.________
Beschwerdeführerin 1

Frau D.________
Beschwerdeführerin 2

Frau E.________
Beschwerdeführerin 3

Frau F.________
Beschwerdeführerin 4

Frau G.________
Beschwerdeführerin 5

Frau H.________
Beschwerdeführerin 6

Herrn I.________
Beschwerdeführer 7

alle vertreten durch Herrn Rechtsanwalt A.________

und

L.________
Beschwerdegegnerin

vertreten durch Herrn Fürsprecher M.________

sowie

Regierungsstatthalteramt Thun, Scheibenstrasse 3, 3600 Thun

Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Sigriswil, Gemeindeverwaltung, Kreuzstrasse 1, 
3655 Sigriswil

betreffend die Verfügung des Regierungsstatthalteramtes Thun vom 25. Februar 2020 
(bbew 118/2019; Mehrfamilienhaus (10 Erstwohnungen) mit Autoeinstellhalle)

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I. Sachverhalt

1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 1. Juli 2019 bei der Gemeinde Sigriswil ein Baugesuch 
(datiert vom 28. Juni 2019) ein für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit zehn 
Erstwohnungen und einer Autoeinstellhalle auf Parzelle Sigriswil Grundbuchblatt Nr. P.________. 
Die Ein- bzw. Ausfahrt der Autoeinstellhalle liegt teilweise auch auf der Nachbarparzelle 
Nr. B.________. Die Parzellen liegen in der Kernzone K2 sowie im Ortsbilderhaltungsgebiet. Die 
Parzelle Nr. P.________ befindet sich zudem teilweise im Perimeter der im Bauinventar 
verzeichneten Baugruppe A (Sigriswil, Dorfkern). Gegen das Bauvorhaben erhoben die 
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtbauentscheid vom 25. Februar 2020 erteilte das 
Regierungsstatthalteramt Thun die Baubewilligung und unter anderem eine Ausnahmebewilligung 
für das Abweichen von der Gebäudeproportionalität.

2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 26. März 2020 Beschwerde bei der Bau- 
und Verkehrsdirektion des Kantons Bern (BVD) ein. Sie beantragen die Aufhebung des 
Gesamtbauentscheids vom 25. Februar 2020 und die Erteilung des Bauabschlags. Eventualiter 
sei die Baubewilligung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung 
zurückzuweisen. Sie machen insbesondere geltend, das Bauvorhaben erfülle nicht die 
Anforderungen an eine gute Gesamtwirkung und würde das qualitätsvolle Dorfbild äusserst 
negativ prägen. Das geplante Gebäude weise mindestens drei anstatt der zulässigen zwei 
Vollgeschosse auf. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für das 
Abweichen von der vorgeschriebenen Gebäudeproportionalität seien nicht erfüllt.

3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVD leitet,1 holte die Vorakten ein 
und gab dem Regierungsstatthalteramt, der Gemeinde und der Beschwerdegegnerin Gelegenheit, 
sich zur Beschwerde zu äussern. Mit Vernehmlassung vom 6. April 2020 beantragte das 
Regierungsstatthalteramt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Den 
gleichen Antrag stellte die Gemeinde mit Stellungnahme vom 30. April 2020. Die 
Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2020, die Beschwerde sei 
abzuweisen.

4. Mit Verfügung vom 22. Juni 2020 teilte das Rechtsamt den Verfahrensbeteiligten mit, nach 
einer ersten vorläufigen Prüfung sei es der Ansicht, dass sowohl Art. 413 Abs. 2 GBR2 als auch 
Art. 413 Abs. 3 GBR verletzt seien und die von der Vorinstanz erteilte Ausnahmebewilligung für 
das Abweichen von der Gebäudeproportionalität lediglich Art. 413 Abs. 1 GBR umfasse. Das 
Bauvorhaben sei nach einer ersten summarischen Einschätzung daher nicht bewilligungsfähig.3 
Das Rechtsamt bat die Verfahrensbeteiligten zur summarischen Einschätzung Stellung zu 
nehmen; die Beschwerdegegnerin wurde zudem gebeten, im Rahmen ihrer Stellungnahme 
mitzuteilen, ob sie an ihrem Bauvorhaben festhalte oder eine Überarbeitung beabsichtige. Mit 
Stellungnahme vom 13. Juli 2020 teilte die Beschwerdegegnerin dem Rechtsamt unter anderem 
mit, dass sie an ihrem Bauvorhaben festhalte.

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau- und Verkehrsdirektion 
(Organisationsverordnung BVD, OrV BVD; BSG 152.221.191).
2 Baureglement der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 5. Dezember 2016 (GBR), genehmigt durch das Amt für 
Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) am 12. Februar 2019.
3 Gemäss Auskunft der Gemeinde sind die Art. 413 Abs. 2 und 3 GBR inzwischen gestrichen worden. Die betreffende 
Änderung habe bereits öffentlich aufgelegen und müsse nur noch von der Gemeindeversammlung verabschiedet und 
anschliessend vom AGR genehmigt werden (vgl. Stellungnahme der Gemeinde vom 10. März 2021).

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5. Mit Verfügung vom 29. Juli 2020 teilte das Rechtsamt den Verfahrensbeteiligten mit, dass 
es beabsichtige, sowohl einen Bericht des AGR hinsichtlich des Untergeschossnachweises und 
weiteren Fragen als auch einen Bericht der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und 
Landschaftsbilder (OLK) einzuholen. Die Beschwerdegegnerin wurde daher gebeten, einen 
weiteren Plansatz sowie einen überarbeiteten Untergeschossnachweisplan einzureichen. Mit 
Schreiben vom 7. September 2020 reichte die Beschwerdegegnerin daraufhin eine 
Projektänderung (tiefere Setzung des Gebäudes und Verschiebung der Wand des Abwartsraums 
im Eingangsbereich) sowie die vom Rechtsamt verlangten Planunterlagen ein.

6. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2020 holte das Rechtsamt einen Fachbericht der OLK sowie 
einen Fachbericht des AGR, Abteilung Bauen, ein. Danach führte es im Beisein der Parteien und 
je einer Vertretung der Gemeinde sowie der OLK einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung 
durch. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Ergebnis des Beweisverfahrens 
sowie zur Projektänderung zu äussern bzw. Schlussbemerkungen einzureichen. Die Vorinstanz 
hat mit Schreiben vom 18. Februar 2021 auf eine inhaltliche Stellungnahme zur Projektänderung 
verzichtet, da die Möglichkeit bestehe, dass ihr die Angelegenheit zur Neubeurteilung 
zurückgewiesen werde. Die Gemeinde hat in ihrer Stellungnahme vom 10. März 2021 an ihrem 
mit Stellungnahme vom 30. April 2020 gestellten Rechtsbegehren festgehalten. Gleiches hat 
sinngemäss auch die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 11. März 2021 gemacht. Die 
Beschwerdeführenden haben in ihren Schlussbemerkungen vom 11. März 2021 nochmals die 
Erteilung des Bauabschlags beantragt. Gleichzeitig teilte ihr Rechtsvertreter mit, dass die 
Beschwerdeführenden 5 bis 7, aufgrund der Veräusserung ihrer Wohnung, als Parteien aus dem 
Verfahren ausscheiden würden.

7. Auf die Rechtsschriften, Vorakten und Fachberichte sowie auf das Ergebnis des 
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

II. Erwägungen

1. Eintretensvoraussetzungen

a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er   –
 unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel angefochten 
werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im vorliegenden Fall das 
Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVD angefochten werden. Die BVD ist 
somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.

b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die 
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. 
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, die sich zulässigerweise als Einsprechende am 
vorinstanzlichen Verfahren beteiligt haben, sind bzw. waren durch den vorinstanzlichen 
Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und 
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1).
5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).

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c) Die Beschwerdebefugnis muss grundsätzlich aber auch im Entscheidzeitpunkt noch 
gegeben sein, das heisst das Rechtsschutzinteresse muss in diesem Zeitpunkt aktuell sein, 
sodass ein Erfolg der Beschwerde den Beschwerdeführenden einen praktischen Nutzen brächte.6 
Fällt das Rechtsschutzinteresse im Verlauf des Verfahrens dahin, so wird das Verfahren 
gegenstandlos und abgeschrieben (vgl. Art. 39 Abs. 1 VRPG7).8 Gemäss Mitteilung des 
Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden vom 11. März 2021 haben die 
Beschwerdeführenden 5 bis 7 ihre Wohnung auf der Nachbarparzelle des Baugrundstücks 
mittlerweile veräussert. Die Beschwerdeführenden 5 bis 7 haben sich, soweit ersichtlich, 
gegenüber ihren Rechtsnachfolgern zudem nicht zur Weiterführung des Verfahrens verpflichtet. 
Eine Gutheissung der Beschwerde brächte den Beschwerdeführenden 5 bis 7 also keinen 
praktischen Nutzen mehr. In Bezug auf die Beschwerdeführenden 5 bis 7 ist mit anderen Worten 
das rechtserhebliche Interesse an einem Entscheid in der Sache weggefallen. Die 
Rechtsnachfolger der Beschwerdeführenden 5 bis 7 sind schliesslich nicht in das 
Beschwerdeverfahren eingetreten; es hat also auch kein Parteiwechsel stattgefunden. Das 
Verfahren ist insoweit als erledigt vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. Den 
Beschwerdeführenden 5 bis 7 werden weder Verfahrens- noch Parteikosten auferlegt (vgl. E. 4c).

2. Projektänderung / Streitgegenstand

a) Die Beschwerdegegnerin hat das vom Regierungsstatthalteramt Thun bewilligte Projekt im 
Verlaufe des Beschwerdeverfahrens vor der BVD angepasst.

b) Laut Art. 43 BewD9 kann die Baugesuchstellerin oder der Baugesuchsteller während eines 
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVD eine 
Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet 
werden muss. Eine Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in seinen Grundzügen 
gleich bleibt. Erfolgt die Projektänderung im Beschwerdeverfahren, sind die Gemeinde, die 
Gegenpartei und die von der Projektänderung zusätzlich berührten Dritten anzuhören. Die 
Beschwerdeinstanz ist befugt, die Sache zur Weiterbehandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen 
(Art. 43 Abs. 3 BewD), kann aber auch selbst über die Projektänderung entscheiden. Das 
geänderte Projekt tritt an die Stelle des ursprünglichen Bauvorhabens.10

c) Es ist unbestritten, dass das Bauvorhaben trotz den Anpassungen gemäss Projektänderung 
vom 7. September 2020 (um 32 cm tiefere Setzung des Gebäudes und Verschiebung der Wand 
des Abwartsraums im Eingangsbereich um 40 cm) in seinen Grundzügen gleich geblieben ist. Das 
Rechtsamt der BVD nahm diese denn auch als Projektänderung im Sinne von Art. 43 BewD an 
die Hand. Den Verfahrensbeteiligten wurde die Projektänderung zugestellt und sie erhielten 
Gelegenheit, sich zu dieser zu äussern. Ob daneben zusätzlich betroffene Dritte anzuhören wären 
oder ob eine erneute Publikation des Vorhabens notwendig wäre, kann vorliegend offen bleiben, 
da dem Bauvorhaben – wie sich nachfolgend zeigen wird – ohnehin der Bauabschlag zu erteilen 
ist. Die Projektänderung vom 7. September 2020 hat das mit Gesamtentscheid vom 25. Februar 
2020 bewilligte Bauvorhaben ersetzt. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist nach dem 
Gesagten nur noch das Bauvorhaben gemäss der Projektänderung vom 7. September 2020.

6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 5. Aufl., Bern 2020, Art. 40–41 
N. 4a.
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
8 Vgl. zum Ganzen: Michel Daum, in Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 39 N. 1.
9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
10 BVR 2012 S. 463 E. 2.2 mit Hinweisen.

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3. Ausnahmebewilligung für das Abweichen von der Gebäudeproportionalität

a) Gemäss Art. 413 Abs. 1 GBR darf in Sigriswil das Verhältnis zwischen sichtbarer 
Giebelhöhe und Länge der talseitigen Fassade maximal 4:5 betragen; in den Kernzonen und für 
landwirtschaftliche Ökonomiegebäude beträgt das maximal zulässige Verhältnis 1:1. Das 
Baugrundstück befindet sich an der Q.________strasse und liegt in der Kernzone K2. Die 
sichtbare Giebelhöhe darf vorliegend also die Länge der talseitigen Fassade nicht überschreiten. 
Das von der Beschwerdegegnerin geplante Mehrfamilienhaus ist zweiteilig gegliedert bzw. im 
Grundriss gestaffelt und zwar im Sinne von Art. 212 Abs. 4 Bst. f zweites Lemma GBR 
(«Staffelung in der Situation mindestens: 5.0 m»). Die Proportion gemäss Art. 413 Abs. 1 GBR ist 
daher für den westlichen und östlichen Gebäudeteil separat zu messen. Es ist unbestritten, dass 
bei beiden Gebäudeteilen, welche je über ein Satteldach verfügen, die sichtbare Giebelhöhe die 
Länge der talseitigen Fassade überschreitet und daher eine entsprechende Ausnahmebewilligung 
nötig ist. So beträgt die sichtbare Giebelhöhe jeweils über 12 m und die Länge der talseitigen 
Fassade 10.80 m beim westlichen bzw. 11.20 m beim östlichen Gebäudeteil.

b) Die Beschwerdeführenden machen in ihrer Beschwerde geltend, das Ausnahmegesuch der 
Beschwerdegegnerin sei nicht hinreichend begründet und bereits aus diesem Grund abzulehnen. 
Das aktuelle GBR sei zudem erst seit 2019 in Kraft und demnach noch äusserst jung. Folglich 
seien die darin enthaltenen Regelungen generell als ausnahmefeindlich zu qualifizieren. Bei 
Art. 413 Abs. 1 GBR handle es sich ferner um eine Bestimmung des Ortsbild- und 
Landschaftsschutzes. Gemäss Rechtsprechung sei bei solchen Bestimmungen besondere 
Zurückhaltung bei der Erteilung von Ausnahmen geboten. Weiter würden öffentliche Interessen 
gegen die Erteilung einer Ausnahmebewilligung sprechen. So habe selbst der Berner 
Heimatschutz die geplante Gliederung als nicht ortstypisch qualifiziert. Nach Ansicht der 
Beschwerdeführenden handle es sich bei der beantragten Ausnahme sodann um eine gewichtige 
Abweichung von den geltenden Vorschriften und das Interesse, im Dorfkern die noch jungen 
Vorschriften zu den Gebäudeproportionen einzuhalten bzw. das Ortsbild nicht zu stören, 
überwiege. Daran ändere auch die Aussage des Berner Heimatschutzes, wonach die Gliederung 
eine bessere Einfügung in den Bestand ermögliche, als dies mit einem geschlossenen Baukörper 
und einem First möglich wäre, nichts. So beziehe sich diese Aussage auf die Realisierung eines 
riesigen Projekts mit zehn Wohnungen. Das Projekt könnte aber auch in anderer, 
ortsbildverträglicherer Weise umgesetzt werden. Im Ortsbilderhaltungsgebiet bzw. Dorfkern von 
Sigriswil würden schliesslich erhöhte Anforderungen an die Ästhetik und die Eingliederung gestellt 
werden, weshalb vorliegend wirtschaftliche Interessen und die maximale Ausreizung der 
Bauvorschriften in den Hintergrund zu treten hätten. Zusammengefasst könne also keine 
Ausnahmebewilligung für das Abweichen von der Gebäudeproportionalität erteilt werden. Das 
Bauvorhaben verletze folglich Art. 413 GBR, weshalb der Bauabschlag zu erteilen sei.

In ihren Schlussbemerkungen weisen die Beschwerdeführenden im Übrigen darauf hin, dass die 
projektierten Gebäudeproportionen gemäss OLK ortsuntypisch seien und keinen Mehrwert 
darstellen würden bzw. eine Ausnahme von den Proportionsvorschriften des GBR aus 
ästhetischen Gründen nach Ansicht der OLK ohnehin nicht nötig sei.

c) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt werden, 
wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen Interessen 
beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen nachbarlichen Interessen 
verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch Entschädigung vollwertig ausgeglichen 
werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.

Ausnahmebewilligungen sind nur restriktiv zu erteilen. Die Ausnahme muss Ausnahme bleiben 
und darf nicht zur Regel werden, da dies sonst auf eine unzulässige Normkorrektur hinauslaufen 

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würde. Dies gilt auch für allgemein unbefriedigende Bestimmungen. Eine entsprechende 
Normkorrektur muss vielmehr im gesetzlichen Verfahren für die Änderung von Vorschriften 
erfolgen (vgl. Art. 58 ff. BauG). Ob die baurechtliche Ordnung, von der abgewichen werden soll, 
jüngeren oder älteren Datums ist, ist für die Ausnahmeerteilung jedoch nicht entscheidend. Die 
Ausnahmemöglichkeit besteht schon vom ersten Geltungstag einer Vorschrift an.11

Eine Ausnahmebewilligung soll die gesetzliche Regelung, die im Interesse der Rechtssicherheit 
sowie der Rechtsgleichheit die tatsächlichen Verhältnisse generalisierend erfasst, 
einzelfallgerecht verfeinern. Ausnahmegründe beziehen sich deshalb auf den Zweck, den Umfang 
oder die Gestaltung eines Bauvorhabens, wenn diese in den geltenden Vorschriften nicht 
genügend berücksichtigt sind. Sie müssen mit den Besonderheiten des Baugrundstücks oder des 
Bauvorhabens zusammenhängen. Unter Umständen können aber auch Besonderheiten, die sich 
aus den subjektiven Verhältnissen der bauwilligen Personen ergeben, eine Ausnahme begründen. 
Rein finanzielle Interessen, der Wunsch nach einer Ideallösung oder intensives 
Ausnützungsstreben rechtfertigen aber keine Ausnahmebewilligung. Dass die zonengemäss 
zulässige Ausnützung nur durch Unterschreiten des Grenzabstands voll ausgeschöpft werden 
kann, stellt ebenfalls keinen Ausnahmegrund dar. Ebenso der Umstand, dass die übrigen 
baupolizeilichen Vorschriften eine weitergehende Nutzung der Parzelle zulassen würden. Es geht 
vielmehr darum, ausgesprochene Unbilligkeiten und Unzweckmässigkeiten zu vermeiden, die die 
strikte Anwendung der Vorschrift für die Bauwilligen zur Folge hätte. Eine Ausnahmebewilligung 
rechtfertigt sich deshalb insbesondere nicht, wenn zumutbare Alternativen zur Verfügung stehen; 
allenfalls muss ein Bauvorhaben also auch verkleinert werden. Besondere Zurückhaltung ist ferner 
geboten hinsichtlich Ausnahmen von Schutzbestimmungen (Natur-, Heimat-, Ortsbild- und 
Landschaftsschutz) sowie von Vorschriften, die den Charakter einer Ortschaft prägen.

Eine ästhetisch bessere Lösung kann dann ein Ausnahmegrund sein, wenn ohne die Ausnahme 
keine befriedigende Gestaltung erreicht werden kann. Dies ist bei Neubauten aber kaum je der 
Fall, da hier die Gestaltungsmöglichkeiten im Allgemeinen wesentlich grösser sind als bei An- und 
Umbauten.

Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Ausnahmegrund keine absolute Grösse ist. Ob ein 
Sachverhalt als Ausnahmegrund genügen kann, hängt von drei Komponenten ab: vom Interesse 
der Bauherrschaft an der Ausnahme, von der Bedeutung der Vorschrift, von der abgewichen 
werden soll, und von Art und Mass der verlangten Abweichung.12

d) In ihrem Ausnahmegesuch vom 28. Juni 201913 führt die Beschwerdegegnerin sinngemäss 
aus, insgesamt bzw. über die gesamte Breite der talseitigen Fassade betrachtet, werde die 
maximal zulässige Gebäudeproportion gemäss Art. 413 Abs. 1 GBR eingehalten; durch «die 
grundrissliche Staffelung der Nordfassade» müssten die beiden Gebäudeteile jedoch separat 
gemessen werden. Mit diesen Ausführungen legt die Beschwerdegegnerin zwar nicht ausführlich, 
jedoch genügend dar, inwiefern ihrer Ansicht nach besondere Verhältnisse im Sinne von Art. 26 
BauG vorliegen. Ihr Ausnahmegesuch ist mit anderen Worten ausreichend begründet.14 Ob der 
von der Beschwerdegegnerin genannte Grund – «die grundrissliche Staffelung der Nordfassade» 
– tatsächlich einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 26 BauG darstellt, ist für die Frage der 
genügenden Begründung nicht relevant.

11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Vorbemerkungen zu den Art. 26–31 N. 1a und 3.
12 Vgl. zum Ganzen: Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26–27 N. 4 f. mit Hinweisen.
13 Vgl. Vorakten des Regierungsstatthalteramtes Thun betreffend bbew 118/2019, pag. 31.
14 Vgl. dazu auch Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Vorbemerkungen zu den Art. 26–31 N. 6 mit Hinweis.

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Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid zusammengefasst zum Schluss, dass aufgrund 
der gestalterischen Vorteile sowie der optimalen Einbindung in den Bestand und in das Gelände 
die beantragte Ausnahmebewilligung erteilt werden könne. Die Bebauung entlang der 
Q.________strasse erfolge in der Regel parallel zur Strasse. Neben der Parallelität zur Strasse 
spiele das Gefälle des Hangs für die Stellung des Baus eine Rolle. Dieses verlaufe nicht vertikal 
zur Strasse, sondern von Nordwesten nach Südosten. Um das Gebäude besser in das Gelände 
einzubetten, habe die Beschwerdegegnerin eine Staffelung in Grundriss und Höhe gewählt. Eine 
Abweichung vom Erlaubten liege zudem nur vor, wenn die beiden Gebäudeteile einzeln gemessen 
würden; insgesamt würde die maximal zulässige Gebäudeproportion eingehalten. Schliesslich 
würden weder wesentliche öffentliche noch nachbarliche Interessen durch die beantragte 
Ausnahme beeinträchtigt.

e) Bei Art. 413 Abs. 1 GBR handelt es sich zwar um eine Ästhetik- bzw. Gestaltungsvorschrift, 
nicht aber um eine Ortsbild- oder Landschaftsschutzbestimmung. Daran ändert auch die Lage des 
Baugrundstücks in der Kernzone und im Ortsbilderhaltungsgebiet sowie der Umstand, dass 
Art. 413 Abs. 1 GBR eine besondere Regelung für die Gebäudeproportion in den Kernzonen 
vorsieht, nichts. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine Ausnahme von Art. 413 Abs. 1 GBR ohne 
Weiteres erteilt werden kann. Vielmehr müssen auch dafür besondere Verhältnisse vorliegen und 
es dürfen keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt werden. Dies ist, wie sich aus den 
nachfolgenden Ausführungen ergibt, aber gerade nicht der Fall.

f) Die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz berufen sich in Bezug auf das Vorliegen 
besonderer Verhältnisse in erster Linie auf das abfallende Gelände der Parzelle Nr. P.________ 
sowie die optimale Einpassung in die bestehende Bebauung entlang der Q.________strasse. 
Dazu sei unter anderem eine Staffelung des geplanten Mehrfamilienhauses und damit eine 
Ausnahme von Art. 413 Abs. 1 GBR nötig.

Es trifft zwar zu, dass die Parzelle Nr. P.________ insbesondere aufgrund des zweiseitig 
ansteigenden Geländes schwierig zu bebauen ist.15 Es ist jedoch nicht ersichtlich und wird von 
der Beschwerdegegnerin auch nicht geltend gemacht, dass die fragliche Parzelle aufgrund des 
Geländeverlaufs nicht oder kaum vernünftig reglementskonform überbaubar ist. Dies mag 
allenfalls für ein Bauvorhaben in der von der Beschwerdegegnerin beabsichtigten 
Grössenordnung, mithin für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Ebenen bzw. zehn Wohnungen und 
einer Einstellhalle mit 16 Autoabstellplätzen gelten. Wie bereits erwähnt (E. 3c), stellt der Wunsch 
nach einer optimalen Nutzung bzw. Ideallösung aber ebenso wenig einen Ausnahmegrund dar 
wie der Umstand, dass die übrigen baupolizeilichen Vorschriften eine weitergehende Nutzung der 
Parzelle zulassen würden. Vielmehr ist die Bauherrschaft in einem solchen Fall verpflichtet, ihr 
Bauvorhaben zu verkleinern. Dass das geplante Mehrfamilienhaus mehr zur 
Siedlungsverdichtung nach Innen beitragen würde als ein kleineres Projekt, ändert nichts daran. 
Denn das Gebot der haushälterischen Bodennutzung ist ein allgemeiner Grundsatz, der immer 
angeführt werden kann und deshalb keinen Ausnahmegrund darstellt.16

Soweit die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz ästhetische Gründe für die Staffelung des 
geplanten Mehrfamilienhauses geltend machen, ist sodann Folgendes zu beachten: Vorliegend 
geht es um einen Neubau auf einer bislang unbebauten Parzelle. Diese ist aufgrund des 
Geländeverlaufs zwar schwierig zu bebauen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind aber immer noch 
deutlich grösser als bei einem An- oder Umbau. Gemäss Einschätzung der OLK entstehe durch 
die Abweichung von den kommunalen Proportionsvorschriften zudem eine ortsuntypische 

15 Vgl. Fachbericht der OLK vom 28. Oktober 2020, S. 3 und Protokoll des Augenscheins vom 4. Februar 2021, S. 5 
(oben), Votum OLK-Vertreter.
16 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26–27 N. 5 sechstes Lemma mit Hinweisen.

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Gestaltung, die keinen ästhetischen Mehrwert darstelle. Bedingt durch die Grundrissgestaltung 
ergebe sich gemäss OLK ferner keine Notwendigkeit zur Erlangung einer Ausnahme von Art. 413 
GBR.17 Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und überzeugend. So sind die Häuser in 
Sigriswil traditionell eher breit als hoch oder zumindest nicht höher als breit.18 Dementsprechend 
bezweckt Art. 413 Abs. 1 GBR denn auch solche Proportionen hinsichtlich zukünftiger 
Bauvorhaben sicherzustellen. Das geplante Mehrfamilienhaus wirkt demgegenüber wie zwei 
zusammengebaute schmale bzw. hohe Gebäude.19 Es ist nicht ersichtlich, inwiefern durch eine 
solche ortsunübliche Gestaltung eine bessere bzw. optimale Einfügung ins Ortsbild erreicht 
werden könnte. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass 
es in der Umgebung des umstrittenen Projekts bereits Gebäude gibt, die ähnliche Proportionen 
aufweisen und in Sigriswil bereits um die Jahrhundertwende Häuser erstellt wurden, die eher hoch 
als breit waren. Einerseits bilden bereits bestehende Beeinträchtigungen keinen Grund, weitere 
Beeinträchtigungen zu erlauben.20 Wo die Gemeindevorschriften – wie vorliegend (vgl. Art. 411 
Abs. 1 GBR) – verlangen, dass Bauten und Anlagen zu einer guten Gesamtwirkung beitragen 
müssen, hat sich ein Neubau vielmehr an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen zu 
orientieren.21 Dies gilt vorliegend umso mehr, als sich das Baugrundstück im 
Ortsbilderhaltungsgebiet sowie in unmittelbarer Nähe zur Baugruppe A befindet. Andererseits sind 
die von der Beschwerdegegnerin genannten Beispiele, trotz ihren von Art. 413 Abs. 1 GBR 
abweichenden Proportionen, nicht mit dem geplanten Mehrfamilienhaus vergleichbar. So 
unterscheiden sich diese insbesondere in Bezug auf die Grösse und/oder Typologie vom 
vorliegend umstrittenen Bauvorhaben.22 Ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten, kann die 
Beschwerdegegnerin aus der Einschätzung des von der Vorinstanz beigezogenen Berner 
Heimatschutzes. Dieser kommt zwar zum Schluss, dass die Gliederung des Mehrfamilienhauses 
in zwei Baukörper eine bessere Einfügung in den Bestand ermögliche als dies mit einem 
geschlossenen Baukörper (und einem First) möglich wäre.23 Diese Einschätzung bezieht sich aber 
einzig auf das von der Beschwerdegegnerin geplante Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und 
lässt ausser Acht, dass das Grundstück grundsätzlich auch mit einem anderen, insbesondere 
kleineren Gebäude bebaut werden könnte, das sich ohne Staffelung bzw. ohne Abweichung von 
den Proportionsvorschriften optimal in den Bestand bzw. ins Ortsbild einfügen würde. Im Übrigen 
beurteilt der Berner Heimatschutz die Proportionen der schlanken Einzelbaukörper ebenfalls als 
nicht ortstypisch.24 Dass die OLK und der Berner Heimatschutz die Proportionen des geplanten 
Mehrfamilienhauses nicht grundsätzlich kritisieren würden, wie dies die Beschwerdegegnerin in 
ihren Schlussbemerkungen geltend macht, trifft also nicht zu. Ein Fehlen von grundsätzlicher Kritik 
an den geplanten Gebäudeproportionen würde aber ohnehin noch keine besonderen Verhältnisse 
im Sinne von Art. 26 BauG darstellen. Der Grund für die vorliegende Abweichung von Art. 413 
Abs. 1 GBR ist schliesslich nicht die Grundrissstaffelung an sich, sondern der Wunsch der 
Beschwerdegegnerin nach maximaler Ausnützung der Parzelle. So würde die nach Art. 413 Abs. 1 
GBR in den Kernzonen maximal zulässige Gebäudeproportion ohne Weiteres eingehalten, wenn 
die beiden Gebäudeteile jeweils ein Geschoss weniger umfassen würden.

17 Vgl. Fachbericht der OLK vom 28. Oktober 2020, S. 3 und Protokoll des Augenscheins vom 4. Februar 2021, S. 5 
(oben) sowie S. 8 (Mitte), Voten OLK-Vertreter.
18 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 4. Februar 2021, Fotos Nrn. 1, 2, 5, und 12 sowie Fachbericht der 
OLK vom 28. Oktober 2020, S. 2 und Protokoll des Augenscheins vom 4. Februar 2021, S. 5 (oben), Votum OLK-
Vertreter.
19 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 4. Februar 2021, Fotos Nrn. 17 und 18 sowie Protokoll des 
Augenscheins vom 4. Februar 2021, S. 5 (oben), Voten OLK-Vertreter.
20 VGE 2018/202 vom 20.3.2019, E. 4.5; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9–10 N. 22 mit weiteren Hinweisen.
21 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9–10 N. 4a zweites Lemma mit Hinweisen.
22 Vgl. Beschwerdeantwortbeilagen 5a bis 5f.
23 Vgl. Stellungnahme des Berner Heimatschutzes vom 26. August 2019 (Vorakten des Regierungsstatthalteramtes 
Thun betreffend bbew 118/2019, pag. 149).
24 Vgl. Stellungnahme des Berner Heimatschutzes vom 26. August 2019 (Vorakten des Regierungsstatthalteramtes 
Thun betreffend bbew 118/2019, pag. 149).

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g) Nach dem Gesagten ist die Parzelle Nr. P.________ zwar schwieriger zu bebauen als 
andere, eine reglementskonforme, insbesondere kleinere Bebauung ist aber durchaus möglich. 
Dies wird von der Beschwerdegegnerin denn auch nicht bestritten. Es bestehen mit anderen 
Worten also zumutbare Alternativen zum vorliegend umstrittenen Bauvorhaben. Folglich sind 
keine besonderen Verhältnisse gegeben, die eine Ausnahme von Art. 413 Abs. 1 GBR 
rechtfertigen würden. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass über die gesamte 
Gebäudebreite gemessen Art. 413 Abs. 1 GBR eingehalten ist. Vielmehr ist vorliegend besondere 
Zurückhaltung geboten, da die von der Beschwerdegegnerin beabsichtigte Abweichung von der 
in den Kernzonen maximal zulässigen Gebäudeproportion eine Vorschrift betrifft, die den 
Charakter von Sigriswil prägt. Entgegen der Beschwerdegegnerin besteht vorliegend auch kein 
öffentliches Interesse an der Gewährung einer Ausnahme von Art. 413 Abs. 1 GBR. Vielmehr 
würde durch eine solche Ausnahme das öffentliche Interesse an einem harmonischen Ortsbild 
gestört werden, mithin jenes öffentliche Interesse beeinträchtigt, das Art. 413 Abs. 1 GBR gerade 
schützen will. Denn wie ausgeführt, entspricht das geplante Mehrfamilienhaus mit seinen zwei 
schmalen bzw. hohen Gebäudekörpern nicht den ortstypischen Gebäudeproportionen in Sigriswil.

h) Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, es sei fraglich, ob die Bestimmung von 
Art. 413 Abs. 1 GBR angesichts der in Sigriswil bestehenden, von den Proportionsvorschriften 
abweichenden Gebäude überhaupt noch sinnvoll und zeitgemäss sei, ist nochmals darauf 
hinzuweisen, dass die Korrektur einer allgemein unbefriedigenden bau- und planungsrechtlichen 
Ordnung nicht Gegenstand einer Ausnahmebewilligung und damit auch nicht Gegenstand des 
vorliegenden Verfahrens sein kann (vgl. E. 3c). Ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten, kann 
die Beschwerdegegnerin soweit sie sich auf die Gemeindeautonomie und das Gleichheitsgebot 
beruft. Es trifft zwar zu, dass den Gemeinden bei der Auslegung und Anwendung eigener, 
selbständiger (Ästhetik-)Normen – wozu auch Art. 413 Abs. 1 GBR zu zählen ist – aufgrund der 
Gemeindeautonomie ein gewisser Beurteilungsspielraum zukommt.25 Vorliegend geht es aber 
nicht um die Auslegung oder Anwendung von Art. 413 Abs. 1 GBR, sondern um eine Ausnahme 
davon und zwar gestützt auf die kantonalrechtliche Bestimmung von Art. 26 BauG. Die 
Gemeindeautonomie kommt daher nicht zum Tragen. Dass die Liegenschaften 
R.________strasse 10 und S.________strasse 4 gewisse Ähnlichkeiten (insbesondere was die 
Doppelfirste betrifft) mit dem Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin aufweisen, trifft zwar 
ebenfalls zu. Es ist jedoch nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht 
geltend gemacht, dass für die genannten Liegenschaften jeweils eine Ausnahmebewilligung für 
das Abweichen von der Gebäudeproportionalität gemäss Art. 413 Abs. 1 GBR erteilt worden ist. 
Damit übereinstimmend ist auf den am Augenschein gemachten Fotoaufnahmen auch ersichtlich, 
dass die sichtbaren Giebelhöhen der Liegenschaften R.________strasse 10 und 
S.________strasse 4 die Länge der jeweiligen talseitigen Fassaden nicht überschreiten, vielmehr 
das Gegenteil ist der Fall.26 Die Berufung auf das Gleichheitsgebot seitens der 
Beschwerdegegnerin geht folglich von Anfang an fehl.

i) Zusammengefasst ergibt sich, dass die Vorinstanz der Beschwerdegegnerin keine 
Ausnahmebewilligung für das Abweichen von der Gebäudeproportionalität gemäss Art. 413 
Abs. 1 GBR und deshalb auch keine Baubewilligung hätte erteilen dürfen. Folglich ist der 
angefochtene Gesamtentscheid aufzuheben, dem Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin der 
Bauabschlag zu erteilen und die Beschwerde der Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 gutzuheissen. 
Es erübrigt sich daher, die weiteren Rügen zu prüfen. Auf die zusätzlich beantragten 
Beweismassnahmen kann ebenfalls verzichtet werden. Die massgeblichen Sachverhaltselemente 
konnten anhand der zur Verfügung stehenden Akten und durchgeführten Beweismassnahmen 

25 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9–10 N. 5.
26 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 4. Februar 2021, Fotos Nrn. 4, 7 und 17.

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genügend überprüft bzw. festgestellt werden. Von den zusätzlich beantragten 
Beweismassnahmen sind daher keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten.

4. Kosten

a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat die 
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im 
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere Untersuchungen, 
Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 
VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf CHF 2500.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. 
Art. 19 Abs. 1 GebV27). Für den Augenschein vom 4. Februar 2021 wird in Anwendung von Art. 20 
Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von CHF 500.– erhoben. Die Kosten der OLK (CHF 900.– 
für den Bericht vom 28. Oktober 2020 gemäss Schreiben vom 6. November 2020 und CHF 300.– 
für die Teilnahme am Augenschein gemäss Schreiben vom 9. März 2021) werden gestützt auf 
Art. 11 GebV zusätzlich erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit 
insgesamt CHF 4200.–.

Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren in der Höhe von 
CHF 9045.75 hat in jedem Fall die Beschwerdegegnerin als Baugesuchstellerin zu tragen (Art. 52 
Abs. 1 BewD).

b) Die Beschwerdegegnerin hat zudem den Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 die Parteikosten 
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Rechtsvertreters der 
Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 vom 11. März 2021 gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die 
Beschwerdegegnerin hat somit den Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 die Parteikosten von 
CHF 7511.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu ersetzen.

c) Zwar gelten auch die Beschwerdeführenden 5 bis 7 als unterliegend, da sie durch die 
Veräusserung ihrer Wohnung dafür gesorgt haben, dass das Beschwerdeverfahren in Bezug auf 
sie selbst gegenstandslos geworden ist (vgl. Art. 110 Abs. 1 VRPG). Da sie aber gemeinsam mit 
den Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 Beschwerde erhoben haben, ist durch die 
Beschwerdeführenden 5 bis 7 sowohl bei der BVD als auch bei der Beschwerdegegnerin kein 
(nennenswerter) Mehraufwand entstanden. Es erscheint daher gerechtfertigt, den 
Beschwerdeführenden 5 bis 7 weder Verfahrens- noch Parteikosten aufzuerlegen.

III. Entscheid

1. Das Beschwerdeverfahren betreffend die Beschwerdeführenden 5 bis 7 wird als erledigt 
vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

2. Die Beschwerde der Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 wird gutgeheissen. Der 
Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Thun vom 25. Februar 2020 wird 
aufgehoben. Dem Baugesuch vom 28. Juni 2019 mit Projektänderung vom 7. September 
2020 wird der Bauabschlag erteilt.

27 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 
154.21).

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3. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 4200.– werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid in 
Rechtskraft erwachsen ist.

Die Kosten des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens von CHF 9045.75 werden der 
Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. Für das Inkasso dieser Kosten ist das 
Regierungsstatthalteramt Thun zuständig.

4. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführerinnen 1 bis 4 die Parteikosten im Betrag 
von CHF 7511.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu ersetzen.

IV. Eröffnung

- Herrn Rechtsanwalt A.________, eingeschrieben
- Herrn Fürsprecher M.________, eingeschrieben
- Regierungsstatthalteramt Thun, per E-Mail
- Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Sigriswil, Gemeindeverwaltung, eingeschrieben
- Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR), z.H. OLK-Gruppe Oberland, per E-Mail
- Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR), Abteilung Bauen, per E-Mail

Bau- und Verkehrsdirektion

Der Direktor

Christoph Neuhaus
Regierungsrat

Rechtsmittelbelehrung

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung mit Beschwerde beim 
Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, angefochten werden. Eine 
allfällige Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die mindestens in fünf Exemplaren einzureichen ist, 
muss einen Antrag, die Angabe von Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine 
Unterschrift enthalten; der angefochtene Entscheid und andere greifbare Beweismittel sind 
beizulegen.