# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ba471a22-e654-53d6-862b-e56e9eafc2ba
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsrekurskommission 09.12.2021 I/1-2021/153
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VWEK_001_I-1-2021-153_2021-12-09.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/9

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: I/1-2021/153

Stelle: Verwaltungsrekurskommission

Rubrik: Abgaben und öffentliche Dienstpflichten

Publikationsdatum: 08.04.2022

Entscheiddatum: 09.12.2021

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 09. Dezember 

2021
Art. 13 Abs. 1 und 2, Art. 15 Abs. 1 StG (sGS 811.1). Obwohl die Rekurrentin 
seit 1. April 2020 zunächst am Kantonsspital und dann ab 1. Oktober 2020 im 
Kinderspital arbeitet, liegt das Hauptsteuerdomizil nicht am Arbeitsort, 
sondern am Familienort, wohin die in der fraglichen Steuerperiode 2020 22-
jährige Rekurrentin regelmässig zurückkehrt, wo sie aufgewachsen ist, die 
Schule besucht hat und ihre persönlichen und familiären Beziehungen pflegt 
(Verwaltungsrekurskommission, Abteilung I/1, 9. Dezember 2021, I/
1-2021/153).

Präsident Urs Gmünder, Richter Markus Frei und Richterin Barbara Steinbacher, a.o. 

Gerichtsschreiberin Eliane Brändle

X, Rekurrentin,

gegen

Kantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen, Vorinstanz,

betreffend

Steuerpflicht 2020

 

Sachverhalt:

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A.- X ist am 00.00.00 geboren und ledig. Vom 1. April bis am 30. September 2020 

arbeitete sie im Kantonsspital St. Gallen. Seit dem 1. Oktober 2020 ist sie als D beim 

Ostschweizer Kinderspital St. Gallen in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis angestellt. 

Sie wohnt seit dem 1. Juni 2020 in einem Untermietverhältnis in einer 

Wohngemeinschaft in St. Gallen. Nachdem sie sich in St. Gallen per 1. Juni 2020 

zunächst als Wochenaufenthalterin hatte registrieren lassen, lehnten die 

Bevölkerungsdienste St. Gallen die Verlängerung des Wochenaufenthalts in der Folge 

ab, weshalb sie per 2. Oktober 2020 mit Niederlassung in St. Gallen angemeldet 

wurde.

B.- Mit Verfügung vom 5. Februar 2021 stellte das Kantonale Steueramt fest, X sei für 

die Steuerperiode 2020 in der Stadt St. Gallen unbeschränkt steuerpflichtig. Dagegen 

erhob die Steuerpflichtige Einsprache, worin sie geltend machte, dass sie in St. Gallen 

arbeite und über ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft verfüge. Sie halte sich jedoch 

so oft wie möglich in A (Gemeinde B) auf, wo ihr Lebensmittelpunkt und ihre Absicht 

dauernden Verbleibens seien. Mit Entscheid vom 29. Juli 2021 wies das Kantonale 

Steueramt die Einsprache ab.

C.- Am 28. August 2021 erhob X Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des 

Kantons St. Gallen (VRK). Sie beantragte, es sei festzustellen, dass der steuerrechtliche 

Wohnsitz ab 1. Januar 2020 in der Gemeinde B gewesen sei. Mit Vernehmlassung vom 

17. September 2021 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. X nahm 

mit Eingabe vom 12. Oktober 2021 zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung. Die 

Vorinstanz verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.

Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum 

Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs 

vom 28. August 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und 

inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des 

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Steuergesetzes [sGS 811.1, abgekürzt: StG]; Art. 48 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, abgekürzt: VRP]). Auf den Rekurs ist einzutreten.

2.- Strittig ist, ob die Rekurrentin in der Steuerperiode 2020 in der politischen 

Gemeinde St. Gallen aufgrund persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig 

war.

a) Die Rekurrentin macht geltend, ihr Wohnsitz sei schon immer in A (politische 

Gemeinde B) gewesen. Aufgrund des Umstandes, dass es in der Nähe von A kein 

Kinderspital gebe, habe sie nach der Ausbildung die Stelle im Kinderspital St. Gallen 

angenommen. Die Schichtarbeit mache eine tägliche Rückkehr nach A unzumutbar. 

Die Frühschicht dauere von 7.00 bis 15.45 Uhr, die Spätschicht von 14.30 bis 22.50 

Uhr und die Nachtschicht von 22.15 bis 7.10 Uhr. Je nach Anzahl Notfällen und 

Belegung würden sich diese Schichten verlängern. Die Fahrt mit den öffentlichen 

Verkehrsmitteln dauere zwei Stunden oder sei zu diesen Zeiten nicht möglich, die Fahrt 

mit dem Auto dauere 50 Minuten und sei nach diesen Schichten nicht zu verantworten. 

Insbesondere bei Wechseln von der Spät- in die Frühschicht würde sich die kurze 

Erholungszeit durch die Rückkehr nach A noch weiter verkürzen. Damit sie nicht mitten 

in der Nacht den langen Weg auf sich nehmen müsse, habe sie ein Zimmer in 

St. Gallen untergemietet, wo sie nur übernachte, wenn die Rückkehr nach A aufgrund 

der Schichtarbeit unzumutbar sei. So oft wie möglich, jedoch mindestens zwei bis drei 

Mal pro Woche, kehre sie nach A zurück, wo ihre Familie wohne und sie im Turnverein 

C aktiv sei. Dies würden die Bankauszüge sowie die Anwesenheitsliste des Turnvereins 

beweisen. Im Turnverein C sei sie zudem stellvertretende Vizepräsidentin sowie 

Aktuarin und nehme regelmässig an Sitzungen teil. In St. Gallen habe sie keine neuen 

Freundschaften geknüpft, da sie ihre ganze Freizeit in A verbringe.

Die Vorinstanz führt im Wesentlichen aus, dass sich die Rekurrentin durch den Auszug 

aus dem Elternhaus und der Aufnahme einer vollen Erwerbstätigkeit in St. Gallen vom 

Elternhaus gelöst habe. Die Wohnverhältnisse am Arbeitsort in St. Gallen (ein Zimmer 

mit weiteren Räumlichkeiten zur Mitbenützung) wichen im Vergleich zu jenen am 

Familienort (bei den Eltern wohnhaft, ein Zimmer mit weiteren Räumlichkeiten zur 

Mitbenützung) nicht allzu stark ab. Mit zunehmendem Alter würden bei Alleinstehenden 

tendenziell eine grössere Emanzipation vom Familienort und eine zunehmend stärkere 

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Bindung an den Arbeitsort angenommen. Zudem genügten die vorgebrachten ideellen 

Beziehungen zum Familienort nicht, um die Bedeutung der materiellen Beziehung zum 

Arbeitsplatz zu überwiegen. Die Rekurrentin unterscheide sich nicht von anderen 

Personen, die ebenfalls die Freizeit anderswo als am Arbeitsort verbringen. Es sei nicht 

ungewöhnlich, dass jemand, der wegziehe, Kontakte am bisherigen Wohnort 

beibehalte. Der Freundeskreis bestimme jedoch nicht das Steuerdomizil. Weiter bringt 

die Vorinstanz vor, dass eine tägliche Rückkehr an den Familienort, welche 50 Minuten 

mit dem Privatfahrzeug dauere, ohne weiteres möglich sei. Die Rekurrentin habe daher 

nicht alleine aufgrund der Erwerbstätigkeit eine Wohnung am Arbeitsort gemietet.

b) Nach Art. 13 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 15 Abs. 1 StG sind natürliche Personen im 

Kanton St. Gallen aufgrund persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig, 

wenn sie ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton haben. Eine 

Person hat steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton St. Gallen, wenn sie sich hier mit der 

Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 13 Abs. 2 StG; vgl. Art. 23 ZGB) bzw. wenn 

sich hier der faktische Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen befindet (BGE 138 II 300 E. 

3.2; Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_469/2014 vom 9. Dezember 2014 E. 3.2 zu 

Art. 127 Abs. 3 BV; Art. 3 Abs. 2 des Steuerharmonisierungsgesetzes [SR 642.14, 

abgekürzt: StHG] und Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer 

[SR 642.11, abgekürzt: DBG]; jeweils mit Hinweisen). Die Bestimmung des 

steuerrechtlichen Wohnsitzes und damit des massgebenden Hauptsteuerdomizils 

richtet sich im Einzelfall nach den Grundsätzen des interkantonalen Steuerrechts, wie 

sie vom Bundesgericht aufgrund des Verbots der interkantonalen Doppelbesteuerung 

nach Art. 127 Abs. 3 BV entwickelt wurden (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische 

Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, II. Teil N 22). Vorliegend stellt sich jedoch nicht die Frage 

nach der interkantonalen, sondern nach der innerkantonalen bzw. interkommunalen 

Steuerpflicht. Die vom Bundesgericht gestützt auf das Verbot der interkantonalen 

Doppelbesteuerung entwickelten Grundsätze gelten grundsätzlich auch im 

interkommunalen Verhältnis (vgl. Art. 233 StG; Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., II. Teil 

N 22). Damit verweist das StG für die Abgrenzung der interkommunalen Steuerhoheit 

auf die Regelung der interkantonalen Abgrenzung (BGer 2C_341/2015 vom 

23. Dezember 2015 E. 2.1).

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Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren 

Umstände, aus denen sich die ideellen und materiellen Lebensinteressen erkennen 

lassen, nicht nach bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person. Auf die 

gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerrechtliche 

Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar (BGE 138 II 300 E. 3.2). Dabei lässt sich 

gemeinhin kein strikter Beweis erbringen, sodass eine Abwägung von Indizien 

erforderlich ist. Dies bedingt eine sorgfältige Berücksichtigung aller Berufs-, Familien- 

und Lebensumstände der steuerpflichtigen Person (BGE 132 I 29 E. 4.1; BGer 2P.

186/2004 vom 15. Februar 2005 E. 2.2; SGE 2013 Nr. 9 E. 3.2). Für die Begründung 

des Wohnsitzes müssen damit zwei Merkmale erfüllt sein: ein objektives äusseres – der 

Aufenthalt – sowie ein subjektives inneres – die Absicht des dauernden Verbleibens 

(Zweifel/Hunziker, in: Zweifel/Beusch/de Vries Reilingh [Hrsg.], Kommentar 

Interkantonales Steuerrecht, 2. Aufl. 2021, § 6 N 8). Folglich kommt dem polizeilichen 

Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind oder wo die politischen Rechte ausgeübt 

werden, keine entscheidende Bedeutung zu; das sind bloss äussere Merkmale, die ein 

Indiz für den steuerrechtlichen Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige 

Verhalten der Person dafür spricht (BGE 132 I 29 E. 4.1; BGer 2C_469/2014 vom 

9. Dezember 2014 E. 4.1; Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., II. Teil N 20 ff.).

Hält sich eine Person abwechslungsweise an zwei Orten auf, ist für die Ermittlung des 

Steuerdomizils darauf abzustellen, zu welchem der beiden sie stärkere Beziehungen 

unterhält (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., II. Teil N 21 mit Hinweis auf Steuerbuch [StB] 

13 Nr. 1; BGE 132 I 29 E. 4.2). Bei Unselbständigerwerbenden ist dies gewöhnlich der 

Ort, wo sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der 

täglichen Arbeit nachzugehen; namentlich ist der Zweck des Lebensunterhalts 

dauernder Natur (BGer 2C_469/2014 vom 9. Dezember 2014 E. 3.2, in: StE 2015 A 

42.12 Nr. 31). Bei verheirateten Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten werden 

die persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie aufhält, als 

stärker erachtet als diejenigen zum Arbeitsort, wenn sie in nicht leitender Stellung 

unselbständig erwerbstätig sind und täglich oder an den Wochenenden regelmässig an 

den Familienort zurückkehren. Demnach werden verheiratete Pendler oder 

Wochenaufenthalter grundsätzlich in der politischen Gemeinde besteuert, in der sich 

ihre Familie aufhält (BGE 132 I 29 E. 4.2 f. mit Hinweisen). Diese Praxis gilt auch auf für 

ledige Personen, zählt die Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur 

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Familie des Steuerpflichtigen. Allerdings werden die Kriterien, nach denen das 

Bundesgericht entscheidet, wann anstelle des Arbeitsorts der Aufenthaltsort der 

Familie als Hauptsteuerdomizil anerkannt werden kann, besonders streng gehandhabt; 

dies folgt aus der Erfahrung, dass die Bindung zur elterlichen Familie regelmässig 

lockerer ist als diejenige unter Ehegatten. Bei ledigen Steuerpflichtigen ist stärker als 

bei verheirateten Personen zu berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre 

Beziehungen zum einen oder anderen Ort ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält 

der Grundsatz, wonach das Hauptsteuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am 

Arbeitsort liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich 

zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum 

Arbeitsort überwiegen. Dies kann namentlich dann zutreffen, wenn sie sich am 

Arbeitsort eine Wohnung eingerichtet haben oder über einen besonderen Freundes- 

und Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht haben in diesem Zusammenhang 

auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter der Steuerpflichtigen (BGer 2P.

159/2006 vom 14. November 2006 E. 2.2). Die bundesgerichtliche Praxis geht davon 

aus, dass die Beziehungen der Steuerpflichtigen zur elterlichen Familie regelmässig 

nicht mehr so stark sind, wenn die Steuerpflichtige das 30. Altersjahr überschritten hat, 

oder aber sich seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen am selben Arbeitsort aufhält 

(BGer 2C_518/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.1, 2C_397/2010 vom 6. Dezember 2010 

E. 1.3, in: StE 2011 A 24.21 Nr. 22). Hingegen spricht für ein Steuerdomizil am 

Familienort, wenn jüngere Steuerpflichtige zum ersten Mal das elterliche Heim 

verlassen, sich während der Woche an ihrem Arbeitsort aufhalten, aber regelmässig an 

den Ort zurückkehren, wo ihre Familie lebt, wo sie aufgewachsen sind, die Schule 

besucht oder gearbeitet haben und ihre persönlichen und familiären Beziehungen 

pflegen (BGer 2P.214/2004 vom 27. Januar 2005 E. 2.2).

Sofern bei regelmässiger Rückkehr der Wochenaufenthalterin an den Familienort 

Letzterem die Bedeutung des steuerlichen Wohnsitzes beizumessen ist, liegt dieser 

Ordnung die Überlegung zugrunde, dass sich die Steuerpflichtige ausschliesslich aus 

beruflichen Gründen während der Dienstzeit am Arbeitsort aufhält. Das setzt voraus, 

dass ihr aus zeitlichen und/oder finanziellen Gründen nicht zugemutet werden kann, 

täglich an den Familienort zurückzukehren. Ist ihr das aber möglich und hält sie sich 

gleichwohl während der Dienstzeit am Arbeitsort auf, so dokumentiert sie damit, dass 

ihre Beziehungen zum Arbeitsort so eng geworden sind, dass sie es vorzieht, dort 

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während der Woche die Abende und die Freizeit zu verbringen, statt täglich an den 

Familienort zurückzukehren. Damit überwiegen die Beziehungen zum Arbeitsort 

gegenüber denjenigen zum Familienort, auch wenn die familiären Beziehungen 

durchaus intakt sind, womit der Arbeitsort zum Hauptsteuerdomizil wird. In der Regel 

ist die tägliche Rückkehr an den Familienort zumutbar, wenn bei Benützung öffentlicher 

Verkehrsmittel für den Hin- bzw. Rückweg nicht mehr als je 45 Minuten benötigt 

werden. Vorbehalten bleiben insbesondere die Fälle mit unüblichen Arbeitszeiten (z.B. 

Spitalpersonal, Servicepersonal; StB 13 Nr. 1 Ziff. 5).

Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerrecht trägt die Veranlagungsbehörde 

gemäss konstanter Rechtsprechung die Beweislast für steuerbegründende oder 

steuererhöhende Tatsachen, während die Steuerpflichtige die Beweislast für Tatsachen 

trifft, welche die Steuerschuld aufheben oder mindern (BGer 2C_211/2021 vom 8. Juni 

2021 E. 5.1.3). Die Voraussetzungen der Besteuerung, wie der steuerrechtliche 

Wohnsitz, der die persönliche steuerrechtliche Zugehörigkeit begründet, sind somit von 

der Veranlagungsbehörde nachzuweisen (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., VII. Teil N 

23). Aufgrund der Vermutung, dass das Hauptsteuerdomizil der 

Unselbständigerwerbenden an ihrem Arbeitsort liegt, kommt es zu einer Umkehr der 

Beweislast. Die Vermutung lässt sich durch die Unselbständigerwerbende nur 

entkräften, wenn sie regelmässig, mindestens einmal pro Woche, an den Ort 

zurückkehrt, wo ihre Familie lebt, mit welcher sie aus bestimmten Gründen besonders 

eng verbunden ist, und wo sie andere persönliche und gesellschaftliche Beziehungen 

pflegt. Nur wenn der steuerpflichtigen Person der Nachweis solcher familiärer und 

gesellschaftlicher Beziehungen am Ort, wo die Familie wohnt, gelingt, muss die 

Steuerbehörde nachweisen, dass die Person gewichtige wirtschaftliche und allenfalls 

persönliche Beziehungen zu diesem Ort unterhält (BGer 2P.159/2006 vom 14. 

November 2006 E. 2.3).

c) aa) In der fraglichen Zeit unterhielt die Rekurrentin Beziehungen zur politischen 

Gemeinde St. Gallen und zu A (politische Gemeinde B). In St. Gallen arbeitete sie seit 

1. April 2020 im Kantonsspital bzw. ab 1. Oktober 2020 im Kinderspital und wohnte ab 

1. Juni 2020 in einem Untermietverhältnis mit drei anderen Personen in einer 

Wohngemeinschaft. In A verfügte sie über ein Zimmer im Haus ihrer Eltern, pflegte 

gesellschaftliche Kontakte, insbesondere als aktives Mitglied des Turnvereins C, und 

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kehrte mehrmals pro Woche nach A zurück. Da die Rekurrentin unverheiratet ist und 

eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausübt, besteht die natürliche Vermutung, dass 

sie an dem für die Steuerpflicht massgebenden Stichtag des 31. Dezember 2020 am 

Arbeitsort in St. Gallen ihr Hauptsteuerdomizil hatte. Folglich muss die Rekurrentin 

beweisen, dass sich ihr Steuerdomizil nicht in der politischen Gemeinde St. Gallen, 

sondern in der politischen Gemeinde B befand.

bb) Aus den von der Rekurrentin eingereichten Kontoauszügen ergibt sich, dass sie 

sich regelmässig in der Umgebung von A aufhält. Auch die Anwesenheitsliste des 

Turnvereins C belegt, dass sie jeweils am Montag- und Freitagabend am Training 

teilnimmt, ausser wenn sie Spätdienst im Kinderspital hat. Sie kehrt demnach 

regelmässig an den Ort zurück, an dem sich ihre Eltern und Geschwister aufhalten, und 

pflegt nicht nur familiäre, sondern auch gesellschaftliche Beziehungen als Mitglied, 

stellvertretende Vizepräsidentin und Aktuarin des Turnvereins C. Zu berücksichtigen ist 

zudem, dass die Rekurrentin am Arbeitsort keine eigene Wohnung eingerichtet hat, 

sondern in einem Untermietverhältnis wohnt, wobei ihr ein Zimmer sowie die 

Gemeinschaftsräume zur Mitbenützung zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu den 

Wohnverhältnissen bei den Eltern besteht demnach kein erheblicher Unterschied, was 

darauf hindeutet, dass sie in St. Gallen keinen Mehraufwand betrieben hat, um sich ihr 

eigenes Zuhause einzurichten. Weiter besteht am Arbeitsort kein besonderer Freundes- 

oder Bekanntenkreis, da die Rekurrentin ihre Freizeit grösstenteils in A verbringt. 

Ausserdem ist die Rekurrentin weder 30 Jahre alt noch hält sie sich seit mehr als fünf 

Jahren ununterbrochen am selben Arbeitsort auf. Vielmehr handelt es sich bei der 

Rekurrentin um eine jüngere Steuerpflichtige, die zum ersten Mal das elterliche Heim 

verlassen hat, sich während der Woche an ihrem Arbeitsort aufhält, aber regelmässig 

an den Ort zurückkehrt, wo ihre Familie lebt, wo sie aufgewachsen ist, die Schule 

besucht hat und ihre persönlichen und familiären Beziehungen pflegt.

Die Rekurrentin hält sich nur während der Dienstzeit sowie, wenn es ihr aufgrund der 

Nachtschicht nicht möglich ist, nach A zurückzukehren, am Arbeitsort auf. Aus dem 

eingereichten Arbeitsplan geht hervor, dass bei einem Schichtwechsel von der Spät- in 

die Frühschicht, bis auf eine Ausnahme am 8. Dezember 2020, mindestens ein freier 

Tag dazwischenliegt. Die von der Rekurrentin vorgebrachte kurze Erholungszeit 

zwischen der Spät- und der Frühschicht, die durch eine Rückkehr an den Familienort 

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noch mehr verkürzt werde, ist demnach aufgrund der bisherigen Arbeitszeiten nicht 

erstellt. Jedoch übersteigt die Dauer von 2 Stunden mit den öffentlichen 

Verkehrsmitteln und die Dauer von 50 Minuten mit dem Auto die zumutbare Dauer für 

den Hin- und Rückweg von je 45 Minuten. Überdies müssen die unregelmässigen 

Arbeitszeiten als Spitalmitarbeiterin beachtet werden, aufgrund derer insbesondere 

nach einer unter Umständen länger dauernden Spätschicht nicht zugemutet werden 

kann, die Rückkehr mit dem Auto auf sich zu nehmen. Das Zimmer in St. Gallen hat 

demnach im Wesentlichen die Funktion einer eigentlichen Schlafgelegenheit.

d) Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass sich das Hauptsteuerdomizil der 

Rekurrentin im Jahre 2020 nicht in St. Gallen, sondern in B (A) befand. Der Rekurs ist 

daher gutzuheissen und der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 29. Juli 2021 ist 

aufzuheben.

4.- Dem Verfahrensgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu tragen 

(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– erscheint angemessen (vgl. 

Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von 

Fr. 600.– ist der Rekurrentin zurückzuerstatten.

Entscheid:

1.

Der Rekurs wird gutgeheissen und der Einspracheentscheid des Kantonalen 

Steueramts vom 29. Juli 2021 wird aufgehoben.

2. 

Der Staat trägt die amtlichen Kosten von Fr. 600.–.

3. 

Der Kostenvorschuss von Fr. 600.– wird der Rekurrentin zurückerstattet.

 

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