# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abab7427-b46b-5a19-a583-24af1ace80f0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-05-30
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 30.05.2003 SB020448
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB020448_2003-05-30.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich

Geschäfts-Nr. SB020448/U/hp

II. Strafkammer

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Scheidegger, Vorsitzender, und Dr. Hug-

Beeli, Ersatzrichter lic. iur. Muheim sowie Obergerichtssekretär Dr.

Bruggmann

Urteil vom 30. Mai 2003

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, 8001 Zürich, vertreten durch Staats-
anwalt ...,

Anklägerin und Appellantin

gegen

X., ...
Angeklagter und Appellat

verteidigt durch Rechtsanwalt ...

betreffend Fahren in angetrunkenem Zustand etc. (Rückweisung des
Schweizerischen Bundesgerichts)

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Einzelrichter in
Strafsachen, vom 11. Mai 2001 (GG010134); Urteil der II. Strafkammer des
Obergerichts des Kantons Zürich vom 2. November 2001 (SB010399), Urteil
des Schweizerisches Bundesgerichts vom 25. Juni 2002 (6S.24/2002)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 6. März 2001 ist diesem

Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Angeklagte ist schuldig

- des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1

SVG

- der groben Verletzung einer Verkehrsregel im Sinne von Art. 90 Ziff. 2

SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 68 Abs. 1 SSV.

Eines weiteren Delikts ist er nicht schuldig und wird er freigesprochen.

2. Der Angeklagte wird bestraft mit 5 Monaten Gefängnis.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird bedingt aufgeschoben und die Probezeit

auf 4 Jahre angesetzt.

4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'000.--.

5. Die Kosten, einschliesslich derjenigen der Untersuchung, werden dem An-

geklagten auferlegt.

Berufungsanträge:

a) des Vertreters der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 21, 52)

- Der Angeklagte sei des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von

Art. 91 Abs. 1 SVG, der groben Verletzung einer Verkehrsregel im Sinne von

Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 68 Abs. 1

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SSV, der versuchten Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von Art. 91 Abs. 3

SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und des pflichtwidrigen Verhal-

tens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.

- Der Angeklagte sei unter Verweigerung des bedingten Strafvollzuges mit ei-

ner 6-monatigen Gefängnisstrafe zu bestrafen.

b) des Verteidigers des Angeklagten:

(Urk. 54)

1. Hinsichtlich des Vorwurfes, sich bei einem Unfall pflichtwidrig im Sinne von

Art. 92 Abs. 1 SVG verhalten zu haben, sei auf die Anklage nicht einzutre-

ten.

2. Im Übrigen sei das Urteil der II. Strafkammer des Obergerichtes des Kan-

tons Zürich vom 2. November 2001 nochmals auszufällen.

3. Die Kosten seien ausgangsgemäss aufzuerlegen.

Das Gericht zieht in Betracht:

I.

1. Mit Urteil des Einzelrichters in Strafsachen des Bezirksgerichtes Zürich vom 11.

Mai 2001 wurde der Angeklagte, X., wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand

im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG und grober Verletzung einer Verkehrsregel im

Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG sowie Art. 68

Abs. 1 SSV mit fünf Monaten Gefängnis bestraft, wobei der Vollzug der Freiheits-

strafe unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren aufgeschoben wurde. Vom

Vorwurf der versuchten Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von Art. 91 Abs. 3

SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und des pflichtwidrigen Verhaltens bei

einem Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG wurde er freigesprochen. Von Sei-

ten des Angeklagten blieb das Urteil unangefochten, wogegen die Staatsanwalt-

schaft des Kantons Zürich die Berufung erklärte.

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2. Das Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer, sprach den Angeklagten

mit Urteil vom 2. November 2001 schuldig des Fahrens in angetrunkenem Zu-

stand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG, der groben Verletzung einer Verkehrsre-

gel im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art.

68 Abs. 1 SSV, der versuchten Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von Art. 91

Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des pflichtwidrigen Ver-

haltens bei einem Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art.

51 Abs. 3 SVG und Art. 56 Abs. 4 VRV. Der Angeklagte wurde bestraft mit sechs

Monaten Gefängnis und Fr. 5'000.-- Busse. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde

aufgeschoben und die Probezeit auf fünf Jahre angesetzt. Zudem wurde dem An-

geklagten die Weisung erteilt, sich während der Probezeit, unter Betreuung einer

Fachstelle für Alkoholprobleme oder eines Arztes seiner Wahl, des Alkoholkon-

sums gänzlich zu enthalten, wobei das Amt für Justizvollzug eingeladen wurde,

die Einhaltung der Weisung zu überwachen.

3. Das Urteil der erkennenden Kammer wurde in Gutheissung der eidgenössi-

schen Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich mit

Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts, Kassationshof, vom 25. Juni 2002

aufgehoben und die Sache zur Neuentscheidung an das Obergericht zurückge-

wiesen.

4. Nach Einholung diverser Amtsberichte wurde mit Präsidialverfügung vom 23.

Januar 2003 davon Vormerk genommen, dass die Parteien mit der schriftlichen

Durchführung des Berufungsverfahrens einverstanden sind. Gleichzeitig wurde

ihnen eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um die Berufung zu begründen bzw. an-

schliessend zu beantworten. In der Folge liess sich der Vertreter der Staatsan-

waltschaft mit Zuschrift vom 11. Februar 2003 vernehmen. Der Verteidiger äu-

sserte sich innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 25. März 2003. Die beiden

Parteivertreter stellten die eingangs wiedergegebenen Anträge.

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II.

1. In der Anklageschrift der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 6. März 2001 wird

dem Angeklagten zusammengefasst vorgeworfen, er habe am 17. November

2000 um 16.45 Uhr seinen Personenwagen Daimler in Zürich von der Talstrasse

bis zum Bürkliplatz mit einer Blutalkoholkonzentration von 2,32 bis 3,13 Ge-

wichtspromillen gelenkt. An der Verzweigung Talstrasse/Bürkliplatz habe er das

Rotlicht missachtet und dabei eine Kollision mit einem von rechts kommenden

Lieferwagen verursacht, was einen Sachschaden zur Folge gehabt habe. Trotz-

dem sei er über die Quaibrücke weitergefahren. Obschon er beim Rotlicht am

Bellevue vom Lieferwagenlenker aufgefordert worden sei, an der nahen Bushalte-

stelle anzuhalten, habe er dort lediglich kurz gestoppt und in der Folge erst im

Hinterhof an der Dufourstrasse 73 angehalten. Dadurch habe er sich des Fahrens

in angetrunkenem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG, der groben Ver-

kehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27

Abs. 1 SVG, der versuchten Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von Art. 91 Abs.

3 SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 SVG sowie des pflichtwidrigen Verhaltens

bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG schuldig gemacht (Urk. 8).

2. Der Angeklagte hat den Anklagesachverhalt sowie dessen rechtliche Würdi-

gung mit einer nachfolgend zu behandelnden Ausnahme durch seinen Verteidiger

(nunmehr) anerkennen lassen (Urk. 54 S. 1).

Die Verteidigung bringt vor, hinsichtlich des Vorwurfes des pflichtwidrigen Ver-

haltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG sei auf die Anklage nicht ein-

zutreten, da es sich bei diesem Delikt um eine Übertretung handle, welche zwi-

schenzeitlich absolut verjährt sei (Urk. 54 S. 1 f.). Dieser Tatbestand ist zwar eine

Übertretung, die nach der für den Angeklagten günstigeren altrechtlichen Rege-

lung von Art. 109 aStGB und Art. 72 Ziff. 2 Abs. 2 aStGB bereits nach zwei Jah-

ren absolut verjährt. In casu ruhte die Verfolgungsverjährung indessen während

der Zeit zwischen dem obergerichtlichen Urteil vom 2. November 2001 und dem

bundesgerichtlichen Entscheid vom 25. Juni 2002 (vgl. dazu Müller, in: Basler

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Kommentar - Strafgesetzbuch I - Art. 1-110 StGB, Basel 2003, N 20 zu Art. 72

StGB). Demnach ist diese Straftat heute noch nicht verjährt.

Im Übrigen deckt sich das Geständnis mit dem Untersuchungsergebnis, weshalb

der Angeklagte anklagegemäss schuldig zu sprechen ist (vgl. dazu auch die aus-

führliche Begründung im Urteil der erkennenden Kammer vom 3. November 2001,

Urk. 28 S. 5 ff.).

III.

1. Bei der Strafzumessung ist zu berücksichtigen, dass der Angeklagte mehrere

Straftatbestände erfüllte und somit auch mehrere Freiheitsstrafen verwirkte.

Strafmilderungsgründe liegen bezüglich Fahrens in angetrunkenem Zustand und

grober Verletzung einer Verkehrsregel - wie die Vorinstanz zutreffend darlegt

(Urk. 20 S. 7 f.) - keine vor, hingegen mit Bezug auf den Tatbestand der Vereite-

lung einer Blutprobe (Art. 22 Abs. 1 StGB).

Kann der angedrohte Strafrahmen nach oben nicht mehr weiter geöffnet werden,

dann kann die Verletzung mehrerer Straftatbestände nicht strafschärfend, son-

dern nur gerade straferhöhend zum Tragen kommen, wie dies vorliegend der Fall

ist.

Sowohl Art. 90 Ziff. 2 SVG (grobe Verletzung einer Verkehrsregel), Art. 91 Abs. 1

SVG (Fahren in angetrunkenem Zustand) wie auch Art. 91 Abs. 3 SVG (Vereite-

lung einer Blutprobe) sehen eine Bestrafung mit Gefängnis oder mit Busse vor.

Demgegenüber wird pflichtwidriges Verhalten bei Unfall gemäss Art. 92 Abs. 1

SVG nur mit Haft oder mit Busse bestraft.

Ist im Gesetz neben der Gefängnisstrafe wahlweise Busse angedroht, so kann

der Richter gemäss Art. 39 Ziff. 1 Abs. 2 StGB statt auf Gefängnis auf Haft erken-

nen. Und ist im Gesetz wahlweise Freiheitsstrafe oder Busse angedroht, so kann

der Richter nach Art. 50 Abs. 2 StGB in jedem Fall die beiden Strafen verbinden.

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Der Strafrahmen beträgt somit (geringfügige) Busse bis zu drei Jahren Gefängnis

(Art. 36 StGB), wobei die Freiheitsstrafe mit einer Busse bis zu Fr. 40'000.--  (Art.

48 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) verbunden werden kann.

2. Innerhalb dieses Strafrahmens ist die Strafe in Anwendung von Art. 63 StGB

nach dem Verschulden zu bemessen, wobei der Richter die Beweggründe, das

Vorleben sowie die persönlichen Verhältnisse des Täters zu berücksichtigen hat.

3. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten ist Folgendes be-

kannt: Er wurde am ... 1946 in Zürich geboren, wo er als Einzelkind aufwuchs.

Hier besuchte er die Primar- und Sekundarschule und absolvierte dann auch eine

KV-Lehre. Nach der Rekrutenschule folge ein Aufenthalt in England, der einein-

halb Jahre dauerte. 1967 stieg er bei einer Bank in den Devisenhandel ein. 1970

wurde er in der Firma ... AG, die im Devisenhandel tätig ist, Devisenmakler. Seit

1979 war er in dieser Firma auch Delegierter des Verwaltungsrates mit einem

Jahresfixum von knapp Fr. 420'000.--. Sein Reinvermögen betrug vorerst ca. Fr.

1,2 Mio. und erhöhte sich dann durch den Bezug der Pensionskassengelder auf

ca. Fr. 2,4 Mio., denn seit 1998 ist er selbständig und mit dem Aufbau einer eige-

nen Firma im Finanzbereich zusammen mit seiner Frau beschäftigt. Deshalb hat

er einstweilen noch kein Einkommen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, die

das Gymnasium besuchen. Am 9. Juni 1995 wurde er wegen Fahrens in ange-

trunkenem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG sowie wegen Verletzung der

Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1

SVG mit zwei Monaten Gefängnis und mit einer Busse von Fr. 10'000.-- bestraft,

wobei ihm der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung einer Probezeit von zwei

Jahren gewährt wurde. Dieser Eintrag wurde in der Zwischenzeit im Strafregister

gelöscht.

4. a) Die Vorinstanz würdigte zutreffend ganz allgemein das Verschulden des An-

geklagten als erheblich (Urk. 20 S. 8 f.). In Anwendung von § 161 GVG kann, um

unnötige Wiederholungen zu vermeiden, gesamthaft darauf verwiesen werden.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich weist zudem zu Recht darauf hin (Urk.

21 S. 2), dass in Anbetracht dessen, dass noch zwei weitere Straftatbestände bei

der Strafzumessung berücksichtigt werden müssen, die Strafe im Verhältnis zu

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derjenigen der Vorinstanz grundsätzlich zu erhöhen ist. Dabei ist jedoch zu be-

rücksichtigen, dass das Verschulden bezüglich des pflichtwidrigen Verhaltens bei

Unfall nicht so gravierend ist, weil der Angeklagte durch die erhebliche Alkoholi-

sierung doch in einem gewissen Grade in seiner Entscheidungsfreiheit beein-

trächtigt war. Mit Bezug auf die Vereitelung einer Blutprobe ist zu beachten, dass

die Tathandlung im Versuch stecken blieb, weshalb sein Verschulden in diesem

Punkte etwas milder zu bewerten ist.

Nicht gehört werden kann der Angeklagte mit Bezug auf seine Ausführungen über

eine kriminologische Untersuchung zu den kurzen Freiheitsstrafen (Urk. 14 S. 3).

Dies kann im Rahmen einer rechtspolitischen Diskussion angeführt werden.

Einstweilen ist immer noch davon auszugehen, dass das Gesetz selbst sehr kur-

ze Freiheitsstrafen von z.B. nur einem Tag Haft zulässt.

b) Wie bereits erwähnt kommt die Verletzung mehrerer Straftatbestände hier nicht

strafschärfend zum Tragen, sondern nur straferhöhend. Im gleichen Sinne zu be-

werten ist die einschlägige Vorstrafe.

Eine leichte Strafmilderung ist beim Tatbestand der Vereitelung einer Blutprobe

zu veranschlagen.

5. Unter Berücksichtigung aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint eine

Strafe von sechs Monaten Gefängnis und Fr. 5'000.-- Busse dem Verschulden

und den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten als angemessen.

IV.

1. Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt (Urk. 20 S. 10), dass die objektiven

Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges gegeben sind.

2. Bezüglich der günstigen Prognose führte sie aus, dass diesbezüglich beim An-

geklagten, insbesondere mit Rücksicht auf seine einschlägige Vorstrafe, einige

Bedenken bestehen würden. Obwohl er bereits im Jahre 1995 in alkoholisiertem

Zustand einen Selbstunfall verursacht habe und deswegen mit einer Freiheits-

strafe und einem fünfmonatigen Führerausweisentzug belegt worden sei, habe er

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sich erneut betrunken ans Steuer gesetzt. Ein besonderer Anlass bzw. eine Not-

wendigkeit habe weder hinsichtlich des übermässigen Alkoholkonsums noch der

anschliessenden Fahrt in angetrunkenem Zustand bestanden. Der Vorfall könne

daher nicht mehr als einmalige persönlichkeitsfremde Entgleisung bewertet wer-

den. Dennoch könne nicht übersehen werden, dass der Vorfall dem Angeklagten

sichtlich zugesetzt habe, er sich sowohl im Hinblick auf seine Zukunft als auch

seine Ehe bewusst sei, sich eine weitere Entgleisung nicht erlauben zu können.

Zudem habe er glaubhaft beteuert, seinen Alkoholkonsum weiter reduziert zu ha-

ben und künftig - nach Wiedererlangung des Führerausweises - seinen Wagen

konsequent zu Hause zu lassen bzw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Mee-

tings zu fahren. Sodann attestiere auch der den Angeklagten seit nunmehr 24

Jahren betreuende Hausarzt, es würden bei diesem keinerlei Hinweise auf ein

chronisches Alkoholproblem vorliegen und er sehe angesichts von dessen Cha-

rakter- und Willensstärke auch für die Zukunft kein diesbezügliches Problem. Un-

ter diesen Umständen könne von einem einmaligen Rückfall in die Delinquenz

ausgegangen und erwartet werden, der Angeklagte werde durch die auszuspre-

chende Strafe auch bei deren Ausfällung als Warnstrafe hinlänglich beeindruckt,

um inskünftig nicht mehr straffällig zu werden. Dazu dürfte auch der neuerliche

Führerausweisentzug mit den damit einhergehenden Einschränkungen beitragen.

Die Strafe sei daher im Sinne einer allerletzten Chance bedingt aufzuschieben,

wobei den verbleibenden Bedenken mit einer Probezeit von vier Jahren Rech-

nung zu tragen sei (Urk. 20 S. 10 f.).

3. Demgegenüber beantragt die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, dem An-

geklagten sei der bedingte Strafvollzug zu verweigern. Dieser habe bereits am 9.

Juni 1995 durch das Bezirksgericht Meilen wegen Fahrens in angetrunkenem Zu-

stand und Verletzung der Verkehrsregeln mit 2 Monaten Gefängnis und einer

Busse von Fr. 10'000.-- bestraft werden müssen, wobei ihm damals der bedingte

Strafvollzug unter Ansetzung einer 2-jährigen Probezeit gewährt worden sei. Be-

reits damals habe der Angeklagte einen ganz massiven Alkoholisierungsgrad auf-

gewiesen, nämlich einen Blutalkoholgehalt von mindestens 2,71 Gewichtspromil-

len (Urk. 21 S. 2). Der Angeklagte sei deswegen nicht nur mit einer bedingten

Freiheitsstrafe und einer Busse bestraft worden, sondern ihm sei auch der Füh-

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rerausweis während des Zeitraumes vom 3. Februar 1995 bis 2. Juli 1995 entzo-

gen worden. Beides hätte den Angeklagten nicht davon abzuhalten vermocht,

sich am Freitag, den 17. November 2000 wiederum mit einem ganz erheblichen

Blutalkoholgehalt von minimal 2,32 Gewichtspromillen an das Steuer seines

Fahrzeuges zu setzen, um in seinem Zustand, welcher ein sicheres Lenken eines

Fahrzeuges nicht mehr ansatzweise gewährleistet habe - welcher Umstand sich

auch in einer Kollision ausgewirkt habe, die leicht schwerwiegendere Folgen hätte

haben können -, die erhebliche Strecke bis nach Herrliberg/ZH zu fahren. Für die-

se Fahrt könne der Angeklagte aber auch keine einfühlbare oder gar nachvoll-

ziehbare Ausnahmesituation geltend machen. Ganz im Gegenteil: Der Angeklagte

habe damals einfach einer Einladung Folge geleistet, um dann derart massiv dem

Alkohol zuzusprechen - wohlwissend, dass sich in der Tiefgarage desselben Ge-

bäudes, wo er sich in einem Restaurant aufgehalten habe, sein Fahrzeug befun-

den habe, mit welchem er anschliessend noch nach Hause habe fahren wollen.

Unter diesen Umständen könne dem Angeklagten die für die Gewährung des be-

dingten Strafvollzuges erforderliche günstige Zukunftsprognose offensichtlich

nicht gestellt werden, weshalb ihm auch der bedingte Strafvollzug nicht gewährt

werden könne (Urk. 21 S. 3).

4. Den Ausführungen der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich kann ohne wei-

teres gefolgt werden. Die Verteidigung weist zwar zutreffend darauf hin (Urk. 14

S. 4), dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung es unzulässig ist, unter

den nach Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu berücksichtigenden Umständen einzelnen

eine vorrangige Bedeutung beizumessen und andere zu vernachlässigen oder

überhaupt ausser Acht zu lassen, also etwa einseitig nur auf die Umstände der

Tat abzustellen. Allerdings sind auch beim Tatbestand des Fahrens in angetrun-

kenem Zustand neben den Tatumständen das Vorleben und der Leumund sowie

alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und

die Aussichten seiner Bewährung zulassen, in die Beurteilung miteinzubeziehen,

um aufgrund einer Gesamtwürdigung darüber zu entscheiden, ob der Verurteilte

für dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet oder nicht. Beim Tatbestand des Fah-

rens in angetrunkenem Zustand sind für den Entscheid über den bedingten Straf-

vollzug die gleichen Kriterien zugrunde zu legen wie bei anderen Delikten. Die

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Besonderheit des Straftatbestandes und gegebenenfalls Rückfall sind nur Um-

stände, die neben allen anderen bei der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen

sind (BGE 118 IV 97 E. 2).

Die Verteidigung führt auch zutreffend an (Urk. 14 S. 6 f.; Urk. 23 S. 6), dass der

Angeklagte einen tadellosen persönlichen wie auch automobilistischen Leumund

hat und er den Behörden - mit Ausnahme der Vorstrafe von 1995 - noch nie ne-

gativ aufgefallen ist. Er lebt in geordneten, soliden familiären Verhältnissen zu-

sammen mit seiner ebenfalls erwerbstätigen Ehefrau und seinen beiden Kindern.

Er hat sich auch während des laufenden Verfahrens korrekt und kooperativ ver-

halten. Auch sein Hausarzt, der ihn schon über 25 Jahre betreut, ist überzeugt

davon, dass der Angeklagte eine lockere und (bzw.) freie Beziehung zum Alkohol-

Konsum hat und dass sich dieser ausser den zwei erwähnten Ereignissen durch-

aus im gesellschaftlich akzeptierten Rahmen bewegt. Bei der bei verschiedenen

Gelegenheiten demonstrierten Charakter- und Willensstärke des Angeklagten se-

he er auch in Zukunft bezüglich Alkohol keine Probleme (Urk. 13 S. 2).

All diese Ausführungen würden zwar eindeutig für eine gute Prognose sprechen.

Nun ist aber zu beachten, dass der Angeklagte trotz all dieser sehr guten allge-

meinen familiären und beruflichen Rahmenbedingungen erneut straffällig wurde

und eine grosse Gefahr für die übrigen Strassenbenützer schuf. Diese Tatsache

beweist mit hinreichender Deutlichkeit, dass diese allgemeinen und besonderen

Rahmenbedingungen keine genügende Gewähr dafür bieten, dass der Ange-

klagte nicht wieder erneut in gleicher Art und Weise straffällig wird.

Beim ersten Vorfall im Jahre 1995 überfuhr der Angeklagte der Länge nach eine

Schutzinsel und beschädigte dabei zwei Inselschutzpfosten sowie einen Signal-

ständer. Hätten sich damals Fussgänger auf dieser Schutzinsel befunden, wäre

deren Leib und Leben in Gefahr gewesen. Auch diesmal kam es zu einer - wenn

auch nur geringfügigen - Kollision, die aber schlimmer hätte enden können, wenn

nämlich der neben dem Lieferwagen fahrende Motorradfahrer nicht noch recht-

zeitig hätte stark abbremsen können. Auch der äussere Anlass der Alkoholkon-

sumation war in beiden Fällen fast identisch, nämlich das Treffen eines Kunden

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zum Lunch, bei dem mit dem Alkoholgenuss angefangen wurde und der Ange-

klagte im Laufe der Zeit die Kontrolle über sein Trinkverhalten verlor.

Schon damals führte er im Laufe der Untersuchung aus, sie hätten relativ viele

Lunches etc. im Büro. Seinen Leuten im Büro predige er immer, sie sollten zu den

Lunches ihr Auto nicht mitnehmen. Wenn er zu einem Lunch gehe, dann trinke er

dort ein Glas oder zwei und dann sei es fertig. Gebe er Einladungen zu Hause,

was öfters vorkomme, empfehle er den Gästen, ihr Auto zu Hause zu lassen, und

er  zahle ihnen das Taxi. Es gehe ihm also darum, immer auf der sicheren Seite

zu sein (Urk. 9 S. 6 der beigezogenen Vorakten). Der Vorfall sei ihm schon Lehre

genug, habe er doch tiefe persönliche Reflexionen ausgelöst (Urk. 21 S. 3 der

beigezogenen Vorakten).

Auch in diesem Verfahren erklärte der Angeklagte, es sei ein Meeting vorgesehen

gewesen. Da kein Lunch vereinbart gewesen sei, sei er mit dem Auto zu diesem

Meeting gegangen, was er nie mache, wenn ein Essen eingeplant sei. Dann sei

er jedoch zu einem Lunch im gleichen Gebäude eingeladen worden. Er habe die

Einladung zunächst nicht annehmen wollen, habe sich dann aber doch zu einem

kurzen Lunch überreden lassen. In der Folge hätten sich dann die Dinge so erge-

ben (Prot. I S. 4). Zum Lunch gehe er grundsätzlich nie mit dem Auto, zumindest

nicht mehr seit dem letzten Vorfall. Anfänglich habe er lediglich ein Glas Wein ge-

trunken. Dann habe er gehen wollen. Es seien aber Mitarbeiter von anderen Ban-

ken gekommen, die ihn und die andern auch kennen würden. Sie hätten sich zu

ihnen gesetzt und er sei bei ihnen geblieben und habe offenbar weitergetrunken

(Prot. I S. 5). Seit damals trinke er kaum noch Alkohol. Es werde mit Sicherheit

nicht wieder vorkommen. Es gehe um seine Zukunft, seine Ehe und seine Kinder.

Einen derartigen Vorfall könne er sich nicht mehr leisten (Prot. I S. 6).

Die Verteidigung äussert sich im gleichen Sinne, der damalige Besprechungs-

partner habe den Angeklagten überraschend zum Mittagessen eingeladen bzw.

dazu überredet. Er habe nämlich an jenem Tag nicht auswärts zum Mittagessen

gehen wollen. Wäre ein Mittagessen vorgesehen und abgemacht gewesen, wäre

er wie immer in den vergangenen 5 bis 6 Jahren mit dem Zug von Herrliberg nach

Zürich gefahren. Der Angeklagte habe diesbezüglich die Lehren aus dem Vorfall

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vor 6 Jahren gezogen. Zu geschäftlichen und/oder freundschaftlichen Essen fahre

er seit 1995 immer mit dem Zuge. So hätte er es auch am 17. November 2000

gemacht, wäre ein Essen vorgesehen gewesen. Diese Besonderheit des Tatum-

standes spreche für den Angeklagten (Urk. 14 S. 6). Ausser der Vorstrafe würde

kein Anlass, kein Anhaltspunkt bestehen, welcher eine schlechte Prognose be-

gründen könnte (Urk. 14 S. 8). Der Angeklagte habe die notwendigen Lehren ge-

zogen. Er werde künftig noch häufiger öffentliche Verkehrsmittel benützen, wenn

er Geschäftsessen habe oder gänzlich auf den Konsum alkoholischer Getränke

verzichten, wenn er mit dem Auto unterwegs sei. Dem Angeklagten könne und

müsse ein günstiger Prognoseentscheid gemacht werden. Man dürfe ihm das

notwendige Vertrauen schenken. Er biete Gewähr für dauerndes Wohlverhalten

(Urk. 14 S. 9).

Diesen Ausführungen muss entgegengehalten werden, dass sie zu wenig be-

achten, dass - wie bereits erwähnt - sich beide Vorfälle fast identisch abgespielt

haben. Die erste Trunkenheitsfahrt ereignete sich am Freitag, den 3. Februar

1995 und die zweite am Freitag, den 17. November 2000. Zwischen den beiden

Taten liegen nur gerade 5 1/2 Jahre, was keine allzu lange Zeit ist. Es handelte

sich auch in beiden Fällen um eine sogenannte typische Vorwochenend-Trinkerei

am Freitag. Aus den Ausführungen des Angeklagten und seiner Verteidigung er-

gibt sich, dass sich der Angeklagte der Problematik von Alkohol am Steuer sehr

bewusst ist, ist er doch bei seinen Gästen diesbezüglich sehr vorsichtig und er

lässt sein Fahrzeug zu Hause, wenn er mit einem Lunch rechnet.

All dies gibt beim Angeklagten aber noch keine Gewähr für eine günstige Progno-

se. Es ist nämlich zu beachten, dass er auf Grund seiner beruflichen Betätigung,

die notwendigerweise Kundenkontakte mit sich bringt, immer wieder mit der nicht

voraussehbaren Situation konfrontiert sein wird, dass er mit Kunden einen Lunch

einnehmen muss. Für diese Fälle besteht aber überhaupt keine Gewähr, dass er

nicht wieder zu viel Alkohol konsumieren und dann ein Fahrzeug lenken wird.

Auch im vorliegenden Fall wäre es für den Angeklagten sehr leicht gewesen, ein-

fach auf alkoholische Getränke zu verzichten, als er für ihn vollkommen unverhofft

zu einem Lunch eingeladen wurde. Es bestehen überhaupt keine Anhaltspunkte

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dafür, dass für ihn ein Trinkzwang bestanden hätte, vielmehr bestätigte er selber,

dass er einfach weitergetrunken habe, als noch weitere bekannte Personen sich

zu ihm gesetzt hätten.

Die beiden Vorfälle haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass der Angeklagte zwar

nicht an einer chronischen Alkoholsucht leidet, sondern einfach in bestimmten

Situationen die Kontrolle über sein Trinkverhalten verliert. Dies kann aber - wie

bereits gesagt - beim Angeklagten trotz seiner verbalen Beteuerungen immer

wieder geschehen. Auch nach dem ersten äusserst gefährlichen Vorfall beteuerte

er, dass er nun daraus seine Konsequenzen gezogen habe, was durch sein er-

neutes Delinquieren aber klar wiederlegt wurde. Dabei handelt es sich nicht um

eine besondere Situation, wie sie beim ersten Vorfall zu seinen Gunsten wegen

den Entlassungen von Mitarbeitern in Betracht gezogen werden konnte, sondern

um eine alltägliche Begebenheit, wie sie immer wieder eintreten kann.

Entgegen den Beteuerungen des Angeklagten hat er aus seinem ersten Vorfall

nicht die erforderlichen Lehren und Konsequenzen gezogen, sondern in einer

vergleichbaren Situation alkoholische Getränke genossen, und zwar im vollen

Bewusstsein, dass er mit seinem Fahrzeug zur Arbeit gefahren ist und demzufol-

ge dieses auch wieder für die Heimfahrt benutzen würde.

Die Verteidigung weist zwar zutreffend darauf hin, dass die spezialpräventive Wir-

kung des Ausweisentzuges bei der Frage der Gewährung des bedingten Straf-

vollzuges nicht ausser Acht gelassen werden dürfe (Urk. 14 S. 7 f.). Hier ist in-

dessen zu beachten, dass dem Angeklagten mit Verfügung vom 29. Juni 2001 der

Führerausweis mit Wirkung ab 17. November 2000 bis und mit 16. Dezember

2001 für die Dauer von 13 Monaten entzogen wurde. Mit Verfügung vom 4. Sep-

tember 2001 wurde diese Massnahme indessen aufgrund der Zusage zum Be-

such des BfU-Kurses vorzeitig aufgehoben, so dass er heute wieder im Besitze

des Führerausweises ist. Der Entzug dauerte demzufolge nicht einmal ein ganzes

Jahr. Bei dieser Sachlage kann somit nicht von einer erheblichen Einschränkung

des Angeklagten durch den Ausweisentzug gesprochen werden, der einen be-

sonders nachhaltigen Eindruck auf ihn machen würde. Somit besteht zumindest

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die abstrakte Möglichkeit, dass der Angeklagte in kürzester Zeit wieder in alkoho-

lisiertem Zustand ein Fahrzeug lenken könnte.

Wenn der Angeklagte geltend macht, eine unbedingte Strafe hätte auf ihn in be-

ruflicher Hinsicht eine sehr einschränkende Wirkung, selbst wenn er die Freiheits-

strafe in Halbgefangenschaft verbüssen könnte (Urk. 14 S. 8; Urk. 23 S. 6), so ist

er darauf hinzuweisen, dass wohl jeder Freiheitsentzug in einem gewissen Rah-

men eine Beeinträchtigung in der beruflichen Betätigung bedeutet. Darauf ist im

Rahmen des Vollzuges so weit wie möglich Rücksicht zu nehmen. Bei der Prü-

fung der Frage der Gewährung des bedingten Strafvollzuges darf dies aber nicht

zu einer Zweiklassenstrafjustiz führen in dem Sinne, dass gewissen Berufskate-

gorien der bedingte Strafvollzug nur schon wegen der besonderen beruflichen

Betätigung gewährt werden müsste, z.B. bei Fernfahrern oder bei Nachtwächtern,

weil sie ihre Freiheitsstrafe nicht in Halbgefangenschaft verbüssen könnten.

Aus diesem Grunde kann auch das Argument des Angeklagten, er sei sehr stra-

fempfindlich, weil eine unbedingte Freiheitsstrafe ihn härter treffen würde, als dies

bei einer Person mit permanenter Tätigkeit in der Schweiz der Fall wäre (Urk. 14

S. 9), hier nicht gehört werden. Eine mögliche Strafempfindlichkeit kann höch-

stens bei der Festlegung der Strafhöhe berücksichtigt werden. Beim Angeklagten

muss eine solche jedoch verneint werden, weil er auch bei einer allfälligen unbe-

dingten Freiheitsstrafe in Halbgefangenschaft immer noch genügend seinen Ge-

schäften nachgehen könnte, zumal auch seine Ehefrau am Aufbau seiner neuen

und eigenen Firma beteiligt ist und sie ihm diesbezüglich bis zu einem gewissen

Grade behilflich sein kann.

5. Im ersten Berufungsverfahren brachte der Angeklagte vor, dass er seit dem

Vorfall vom November 2000 eine Totalabstinenz einhalte. In diesem Zusammen-

hang bestätigte sein Hausarzt Dr. med. ... zuhanden des Institutes für Rechtsme-

dizin der Universität Zürich, dass er seit dem Ereignis vom 17. November 2000

den Angeklagten in regelmässigen Abständen zu Allgemeinuntersuchungen, zur

Überprüfung der Labortests und zu Gesprächen sehe. Er könne die Einhaltung

einer Alkoholabstinenz seit dem 18. November 2000 bestätigen (Urk. 24/1). In

diesem Zusammenhang muss indessen darauf hingewiesen werden, dass diese

- 16 -

Alkoholabstinenz des Angeklagten im Zusammenhang stand mit der Wiederaus-

händigung des Führerausweises. In der Verfügung betreffend Führerausweisent-

zug wird nämlich auf den Untersuchungsbericht vom 17. Mai 2001 verwiesen,

worin der Amtsarzt am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich feststellte,

dass die Fahreignung des Angeklagten nur bei Einhaltung einer Alkoholtotalabsti-

nenz bejaht werden könne (Urk. 22/1 S. 2). Gestützt darauf ordnete das Stra-

ssenverkehrsamt am 4. September 2001 eine Alkoholtotalabstinenz an und ver-

fügte, dass der Angeklagte sich, unter Betreuung der zuständigen Fachstelle für

Alkoholprobleme oder eines Arztes seiner Wahl, des Alkoholkonsums gänzlich zu

enthalten habe (Urk. 22/3).

Da der Angeklagte seit 18. November 2000 totalabstinent gewesen war, er den

BfU-Kurs besuchte und ihm der Führerausweis unter Auflage einer Totalabstinenz

wieder erteilt worden war, ging die erkennende Kammer in ihrem Urteil vom 2.

November 2001 davon aus, dass er die notwendigen Konsequenzen aus dem zu

beurteilenden Fall gezogen hatte und dass man ihm aufgrund dieser neuen Tat-

sachen nochmals den bedingten Strafvollzug gewähren könne.

Den trotzdem bestehenden Bedenken wurde dadurch Rechnung getragen, dass

die Probezeit auf die längste mögliche Dauer von fünf Jahren angesetzt wurde.

Zudem wurde dem Angeklagten gestützt auf Art. 41 Ziff. 2 StGB die Weisung er-

teilt, sich unter Betreuung einer Fachstelle für Alkoholprobleme oder eines Arztes

seiner Wahl während der Probezeit des Alkoholkonsums gänzlich zu enthalten.

Mit der Überwachung dieser Weisung wurde das Amt für Justizvollzug beauftragt.

6. Das Bundesgericht hielt demgegenüber verbindlich fest, gestützt auf das vom

Angeklagten ins Recht gelegte Arztzeugnis könne zwar davon ausgegangen wer-

den, dass dieser zumindest bis zum Zeitpunkt der Ausfällung des ersten Oberge-

richtsurteils totalabstinent gewesen sei. Jedoch vermöge der Nachweis einer be-

reits verhältnismässig lang andauernden Einhaltung einer Alkoholtotalabstinenz

für sich alleine eine günstige Prognose in einem wie vorliegend doch recht schwe-

ren Rückfall von Fahren in angetrunkenem Zustand noch nicht zu rechtfertigen

(Urk. 40 S. 11). Des Weitern erwog das Bundesgericht, die vom Obergericht an-

geordnete Weisung, wonach der Angeklagte weiterhin totalabstinent zu sein habe

- 17 -

und sich dabei auch von einem Arzt seiner Wahl betreuen lassen könne, leiste

keine hinreichende Gewähr für die weitere konsequente Einhaltung der Absti-

nenz. Daran vermöge auch die ebenfalls unsicher anmutende Anordnung einer

noch nicht hinreichend definierten Überwachung nichts zu ändern. Dementspre-

chend wäre gemäss Bundesgericht eine günstige Prognose nur gerechtfertigt,

wenn zum Beispiel die Alkoholtotalabstinenz nach der Weisung regelmässig

durch einen unabhängigen Facharzt überprüft würde und überdies sichergestellt

wäre, dass der Angeklagte jederzeit zu einer unangemeldeten Kontrolle aufge-

boten werden könnte (Urk. 40 S. 12).

7. Wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft zutreffend darlegt, ergeben die beige-

zogenen Amtsberichte mit aller Deutlichkeit, dass die vom Bundesgericht ver-

langten Rahmenbedingungen betreffend Überwachung einer zukünftigen Totalab-

stinenz aus praktischen Gründen nicht geschaffen werden können (Urk. 52 S. 1

f.). So gibt es gemäss den Ausführungen des Amtsleiters des Justizvollzuges bis

heute für die Bewährungs- und Vollzugsdienste keine verbindlichen Standards zur

Überwachung einer Totalabstinenz. Insbesondere hielt der Amtsleiter des Justiz-

vollzuges auch fest, dass im Rahmen einer ambulanten Behandlung eine lücken-

lose Kontrolle und damit eine absolute Gewähr für die Einhaltung der angeord-

neten Totalabstinenz letztlich unmöglich ist (Urk. 49 S. 2). Demgegenüber bleiben

die Vorbringen der Verteidigung, wonach sich der Angeklagte an die bisherigen

Auflagen des Justizvollzuges gehalten habe, er seit 28 Monaten abstinent lebe

und auch bereit sei, genauere Vollzugsanordnungen zu akzeptieren sowie die

notwendigen Untersuchungen bei einem anderen Arzt vornehmen zu lassen (Urk.

54 S. 2 f.), unbehelflich. Aus den obigen Erwägungen folgt vielmehr, dass die An-

ordnung einer Totalabstinenz nicht rechtsgenügend überwacht werden kann.

8. Wie gezeigt darf im vorliegenden Fall gemäss Bundesgericht eine günstige

Prognose nicht allein bzw. überwiegend gestützt auf eine bis anhin eingehaltene

Totalabstinenz angenommen werden. Da zudem die Anordnung einer inskünftig

einzuhaltenden Totalabstinenz nicht rechtsgenügend überwacht werden könnte,

kann dem Angeklagten insgesamt keine günstige Prognose gestellt werden, wes-

halb die heute auszufällende Freiheitsstrafe zu vollziehen ist.

- 18 -

V.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Angeklagte für die Untersuchung,

das erstinstanzliche sowie das erste Berufungsverfahren (SB010399) kosten-

pflichtig (§§ 188 Abs. 1 und 396a StPO). Die Kosten des zweiten Berufungsver-

fahrens sind andererseits auf die Gerichtskasse zu nehmen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Angeklagte ist schuldig

- des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1

SVG,

- der groben Verletzung einer Verkehrsregel im Sinne von Art. 90 Ziff. 2

SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 68 Abs. 1 SSV,

- der versuchten Vereitelung einer Blutprobe im Sinne von Art. 91 Abs. 3

SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und

- des pflichtwidrigen Verhaltens bei einem Unfall im Sinne von Art. 92

Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 SVG und Art. 56 Abs. 4

VRV.

2. Der Angeklagte wird bestraft mit sechs Monaten Gefängnis und Fr. 5'000.--

Busse.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.

4. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) wird bestätigt.

5. Das Kostendispositiv des ersten Berufungsverfahrens (SB010399 Ziff. 5 und

6) wird ebenfalls bestätigt.

6. Die Gerichtsgebühr für dieses Verfahren fällt ausser Ansatz. Die weiteren

Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.

- 19 -

7. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

- die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich,
- den Angeklagten bzw. seinen Verteidiger

sowie in vollständiger Ausfertigung an

- die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich,
- den Angeklagten bzw. seinen Verteidiger,
- die Vorinstanz (GG010134),
- das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs-

und Vollzugsdienste,
- die Koordinationsstelle Zürich mit Formular A.

8. Rechtsmittel:

a) Kantonale Nichtigkeitsbeschwerde gemäss § 428 ff. der zürcherischen

Strafprozessordnung (StPO): Gegen diesen Entscheid kann innert 10
Tagen, von seiner Eröffnung oder von der Entdeckung eines Mangels
an gerechnet, beim Vorsitzenden des entscheidenden Gerichts münd-

lich oder schriftlich Nichtigkeitsbeschwerde zuhanden des Kassations-

gerichts des Kantons Zürich angemeldet werden.

Die Frist zur Begründung der Beschwerde wird nach ihrer Anmeldung

angesetzt (vgl. die beiliegende Verfügung des Vorsitzenden vom

10. Juni 2003).

b) Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde: Gegen diesen Entscheid

kann innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, begründeten
Ausfertigung an gerechnet, beim Kassationshof des Bundesgerichts

Nichtigkeitsbeschwerde erhoben werden.

Die Beschwerde ist schriftlich im Doppel und in der in Art. 273 der

Bundesstrafprozessordnung (BStP) vorgeschriebenen Weise einzurei-

chen. Die Beschwerde kann nur damit begründet werden, dass der an-

gefochtene Entscheid eidgenössisches Recht verletze.

- 20 -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevorausset-

zungen richten sich nach den Vorschriften in Art. 268 ff. BStP.

__________________________________

OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH

II. Strafkammer

Der Vorsitzende: Der juristische Sekretär:

lic.iur. Scheidegger Dr. Bruggmann