# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 60053d28-b258-5ab4-af62-d166d5ea366e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.08.2020 D-4006/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4006-2019_2020-08-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4006/2019 

law/bah 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Walter (Vorsitz), 

Richter Lorenz Noli, Richterin Mia Fuchs; 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch lic. iur. Angelika Stich,  

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

Bundesasylzentrum Region Zürich,  

(…) 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 8. Juli 2019 / N (…). 

 

 

 

D-4006/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._______ 

(C._______ Distrikt, Nordprovinz), verliess sein Heimatland eigenen Anga-

ben gemäss am 19. Juni 2017 und gelangte am 21. Juni 2017 in die 

Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. 

A.b Das SEM teilte dem Beschwerdeführer am 21. Juni 2017 mit, er werde 

in Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die Durchführung von 

Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich vom 

4. September 2013 (TestV, SR 142.318.1) für den Aufenthalt und das Ver-

fahren dem Verfahrenszentrum Zürich zugewiesen.  

A.c Am 26. Juni 2017 nahm das SEM die Personalien des Beschwerde-

führers auf und befragte ihn zum Reiseweg.  

B. Das SEM führte mit dem Beschwerdeführer am 5. Juli 2017 ein persön-

liches Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu-

ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung 

der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 

Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei-

nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig 

ist (Neufassung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-

VO) durch. Er wies auf entsprechende Frage darauf hin, dass er manchmal 

ohnmächtig werde und zum Schlafen Medikamente einnehme.  

B.a Am 20. Juli 2017 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer in Anwe-

senheit der ihm zugewiesenen Rechtsvertretung die Erstbefragung nach 

Art. 16 Abs. 3 TestV durch. Er machte im Wesentlichen geltend, er habe 

nach seinem Schulbesuch begonnen, als (…) zu arbeiten. Bis im Jahr 2013 

habe er auch (…) und mit einem eigenen (…) (…) transportiert. Sein Wa-

gen sei 2013 entwendet worden. Nach 2013 habe er mit verschiedenen 

Firmen und Regierungsorganisationen zusammengearbeitet und Kriegs-

opfern geholfen. Hauptsächlich habe er für die TNA (Tamil National Alli-

ance) und die RDS (Rural Development Society) gearbeitet. Diese ehren-

amtlichen Tätigkeiten habe er bis 2015 ausgeführt. 

Sein Vater habe bis im Jahr 2006 als (…) für die LTTE (Liberation Tigers of 

Tamil Eelam) gearbeitet. Auch weitere Verwandte seien für diese Organi-

sation tätig gewesen. Im Juli 2012 sei ein Freund seines Bruders umge-

bracht worden, worauf sie eine Protestkundgebung durchgeführt hätten. 

D-4006/2019 

Seite 3 

Die Armee habe ihn festgenommen, in ein Camp nach D._______ ge-

bracht, befragt und schlecht behandelt. Er sei dort fünf Tage festgehalten 

worden. Während der Wahlen vom September 2013 habe er der TNA ge-

holfen. Sein Bruder, seine Kollegen und er seien vom CID (Criminal Inves-

tigation Department) in D._______ in einem kleinen Zimmer inhaftiert wor-

den. Man habe ihnen vorgeworfen, sie hätten Verbindungen zum Terroris-

mus, und es sei Anklage erhoben worden. Der CID habe ihm seinen (…) 

weggenommen und ihn 22 Tage inhaftiert. Da seine Mutter eine Kaution 

geleistet habe, sei er freigelassen worden. Er habe Flüchtlingen, vor allem 

Waisenkindern, geholfen und dabei Anweisungen von «(…)» E._______ 

erhalten. Im August 2014 sei er vom CID festgenommen und über 

E._______ befragt worden (er habe gehört, dieser habe früher die LTTE 

unterstützt), der im November 2014 liquidiert worden sei. Die Leute des 

CID hätten ihn damals gefoltert. Danach habe er weiterhin den Menschen 

geholfen und Propagandaarbeit geleistet. 2015 sei er vom CID erneut ver-

haftet worden, als er sich bei einem Freund aufgehalten habe. Er sei in ein 

Camp gebracht und über verteilte Flugblätter befragt worden. Man habe 

ihn gefoltert und verwundet. Nach 17-tägiger Haft sei er freigekommen, 

nachdem sein Onkel eine Kaution (Schmiergeld) bezahlt habe. Seine Mut-

ter habe ihn aus Sicherheitsgründen zu einem Onkel geschickt. Im Februar 

2016 seien Sicherheitsleute zu ihm nach Hause gekommen und hätten 

viele seiner Sachen beschlagnahmt. Er habe drei Monate lang im Dschun-

gel gelebt, danach habe er sich während sieben Monaten bei seiner Tante 

versteckt. Nachts sei er öfters zuhause gesucht worden. 2017 habe seine 

Mutter ihm geraten, er solle Sri Lanka verlassen. Zu seiner gesundheitli-

chen Verfassung gefragt, sagte der Beschwerdeführer, er habe Mühe mit 

dem Einschlafen und leide öfters unter Albträumen und Kopfschmerzen. 

Nachdem zirka drei Viertel des Protokolls zurückübersetzt worden waren, 

beklagte sich der Beschwerdeführer über Kopfschmerzen, die es ihm ver-

unmöglichten, der Rückübersetzung weiter zu folgen. Infolgedessen wurde 

der Rest des Protokolls am folgenden Tag zurückübersetzt. 

B.b Der Beschwerdeführer übermittelte dem SEM am 17. Juli 2017 seine 

Geburtsurkunde. 

B.c Dem SEM wurden vom (…) zwei Kurzaustrittsberichte der Notfallsta-

tion Medizin vom 6. und 12. Juli 2017 zugestellt. Einem Formular «medizi-

nische Informationen» vom 25. Juli 2017 ist zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführer an einem Vitamin-D-Mangel, einer unklaren Rhabdomyo-

D-4006/2019 

Seite 4 

lyse, an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einem abnor-

men Befund der Blutchemie sowie Synkope und Kollaps leide. Im Formular 

«medizinische Informationen» vom 28. Juli 2017 wird bezüglich des Be-

schwerdeführers eine schlafanstossende Medikation empfohlen. Aufgrund 

einer angedachten neurologischen Untersuchung sollte mit der Medikation 

vorerst zugewartet werden. Eine psychotherapeutische (traumaspezifi-

sche) Behandlung sei indiziert. 

B.d Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 30. August 2017 gemäss 

Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV zu seinen Asylgründen an (Anhörung). Er 

machte im Wesentlichen geltend, er habe erstmals im Juli 2012 Probleme 

mit den heimatlichen Behörden gehabt. Damals sei ein Freund seines Bru-

ders (ein Anhänger der LTTE) ermordet worden und er habe deshalb an 

einem Hungerstreik teilgenommen. Man habe ihn im September 2012 zu-

sammen mit vielen Personen festgenommen, in ein Camp gebracht und 

sechs Tage lang festgehalten; er sei geschlagen und getreten worden. Da 

mehrere Politiker der TNA, unter ihnen «Bruder» F._______, gekommen 

seien, habe man seinen Bruder, andere Festgenommene und ihn entlas-

sen. Weil sie im September 2013 bei den Lokalwahlen geholfen hätten, 

seien sein Bruder, einige Kollegen und er vom CID festgenommen worden. 

Sein Bruder habe Verbindungen zu den LTTE gehabt und die Behörden 

hätten dies gewusst. Er selbst sei gefragt worden, ob er politisch aktiv sei 

und welche Verbindungen er habe. Man habe ihn beschuldigt, Verbindun-

gen zu Terroristen zu haben. Es seien ihm Fragen zu einem ehemaligen 

LTTE-Mitglied gestellt worden, das ebenfalls im Wahlkampf geholfen habe. 

Ende 2013 habe er für die TNA bei der Betreuung von Flüchtlingen mitge-

holfen und im August 2014 habe er mit E._______ zusammengearbeitet. 

Deshalb sei er verhaftet, fünf Tage lang inhaftiert und zu E._______ befragt 

worden, wobei er geschlagen worden sei. Er sei mit einem heissen Löffel 

und mit Zigaretten verbrannt worden und trage heute noch Narben davon. 

Ab Oktober 2015 habe er Flugblätter verteilt und im November 2015 sei er 

vom CID festgenommen, etwa eine Woche festgehalten und verhört wor-

den, wobei er erneut intensiv geschlagen worden sei. Danach habe er sich 

drei Monate lang bei seinem Onkel in G._______ aufgehalten. Im Februar 

2016 habe er das Haus seiner Familie verlassen; im selben Monat hätten 

die Behörden dort Flugblätter, Computer und eine Fax-Maschine beschlag-

nahmt. Später habe er drei Monate im Dschungel und sieben (evtl. auch 

zehn) Monate bei einer «Tante» in H._______ gelebt. Zum Verschwinden 

seines Vaters gefragt, sagte der Beschwerdeführer, seine beiden Onkel 

D-4006/2019 

Seite 5 

hätten an mehreren Orten nach ihm gesucht und auch bei Hilfsorganisati-

onen nachgefragt. Er selbst habe später die TNA um Hilfe gebeten und 

glaube, sein Vater sei bei den Behörden inhaftiert.  

Nach der Fortsetzung der Anhörung im Anschluss an die Mittagspause gab 

der Beschwerdeführer an, es gehe ihm nicht gut. Er habe während der 

Pause einen Apfel erhalten, was ihn an die Zeit, die er im Wald verbracht 

und Obst gegessen habe, erinnert habe. Er könne sich nicht mehr konzent-

rieren, es komme alles wieder in ihm hoch. Nach einer weiteren Pause gab 

er an, es gehe ihm immer noch schlecht, aber er könne Antwort geben. In 

Absprache mit der zugewiesenen Rechtsvertretung wurde die Anhörung 

abgebrochen. Auf Nachfrage der Rechtsvertretung ergänzte der Be-

schwerdeführer, er werde in Sri Lanka gesucht. Nach seiner Ausreise habe 

seine Mutter einen Schein-Unfall gehabt, sie sei gezielt attackiert worden. 

Vor sechs Tagen hätten drei Männer seinen Bruder auf der Strasse ange-

halten und nach ihm gefragt. Deshalb lebe seine Familie derzeit bei einer 

Grosstante in I._______. 

B.e Mit Zuweisungsentscheid vom 4. September 2017 wies das SEM den 

Beschwerdeführer für das erweiterte Verfahren dem Kanton J._______ zu.  

B.f Am 9. März 2018 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine er-

gänzende Anhörung durch. Dabei erklärte er, er sei vor etwa sechs Mona-

ten bei einer Psychiaterin gewesen, die ihm geraten habe, er solle nicht zu 

viel über das Geschehene nachdenken und nur das erzählen, was ihm 

möglich sei. Im Weiteren führte er aus, er habe E._______ im August 2014 

kennengelernt. Als er in K._______ den Verletzten geholfen habe, habe 

E._______ ihn angesprochen und gesagt, es gebe auch in L._______ 

Menschen, denen man helfen solle. E._______ habe zuvor der Bewegung 

geholfen und sei im November 2014 getötet worden. Im Jahr 2015 habe er 

(der Beschwerdeführer) Flugblätter verteilt, in denen gestanden sei, dass 

Tamilen umgebracht worden und welche Politiker dafür verantwortlich 

seien. Deshalb habe der CID sie inhaftiert. Da seine Mutter und sein Onkel 

eine Kaution bezahlt hätten, habe man ihn freigelassen. Im September 

2013 sei er letztmals gefoltert worden, als er für die TNA Propaganda ge-

macht habe. Er sei 22 Tage in einem Gefängnis gewesen – zuerst sei er 

etwa zehn Tage in D._______ festgehalten worden, dann habe man ihn 

irgendwo hingefahren. Er habe sich auf einen Tisch legen müssen und sei 

mit Palmenrinde auf die Fersen geschlagen worden. Man habe ihn am Ge-

nitalbereich «gezogen» und mit einem kurzen, feinen Holzstab geschla-

gen. Man habe ihm den rechten Daumennagel rausgerissen. Während den 

D-4006/2019 

Seite 6 

22 Tagen sei er mit sechs anderen Leuten in einer kleinen, dunklen Zelle 

gewesen, in der sie geschlafen hätten. Zum Essen habe man sie heraus-

gelassen; es habe immer Reis und Rindfleisch gegeben, das sie nicht es-

sen würden. Wenn seine Mutter Essen gebracht habe, hätten sie nicht er-

laubt, dass es zu ihm gebracht worden sei. Man werde mit seinem Namen 

gerufen und wenn man etwas zu spät komme, werde man mit einem ge-

zwirnten Schlauch geschlagen. Man habe ihn gefragt, was er für eine Ver-

bindung zur TNA habe. Sie hätten die Wahlpropaganda mit einem ehema-

ligen Kämpfer gemacht und man habe wissen wollen, in welcher Bezie-

hung er mit dieser Person stehe. Dieser Mann habe ihnen lediglich gesagt, 

wo sie Propaganda machen sollten. Er habe die Panadol-Tabletten, die 

man ihm gegeben habe, gesammelt und habe daran gedacht, sich damit 

das Leben zu nehmen. Sie hätten es herausgefunden und ihm die Tablet-

ten weggenommen. Als er freigelassen worden sei, sei er nach D._______ 

gebracht worden. Dorthin seien seine Mutter, die sich wegen seines Ver-

schwindens an die lokale Menschenrechtskommission gewandt habe, und 

ein Onkel gekommen, welche die Kaution bezahlt hätten. Seine Mutter 

habe ihn mit nach Hause genommen und dort sei er während sechs Mo-

naten von Doktor M._______ medizinisch betreut worden. Als die Sicher-

heitskräfte bei ihm im Februar 2016 zu Hause Dinge (Telefon, Computer, 

Portemonnaie, Dokumente) beschlagnahmt hätten, sei er bei einem 

Freund gewesen, der einen (…) besitze. Seine Mutter habe ihn angerufen 

und er sei zu einem Onkel nach G._______ gegangen, wo er sechs Monate 

lang geblieben sei. Danach habe er nach H._______ gehen wollen, sei 

aber zuerst nach D._______ gegangen, wo seine Familie ein Stück Land 

habe. Dort habe er sich während sechs Monaten in einem Weizenfeld auf-

gehalten und in «Baumhütten» geschlafen. Dann sei er nach H._______ 

gegangen und habe zirka sechs Monate bei einer Freundin seiner Mutter 

gelebt. Nach seiner ersten Inhaftierung 2012 habe er Unterstützung durch 

die PLOTE (People’s Liberation Organisation of Tamil Eelam) gehabt und 

sich ruhig verhalten, weshalb er gedacht habe, man werde ihn nicht mehr 

aufsuchen. Sein älterer Bruder und der jüngere Bruder seines Schwagers 

seien bei der PLOTE gewesen. Letzterer habe ihm gesagt, es wäre hilf-

reich, wenn er in der Politik wäre, und er habe gehofft, damit seinen Vater 

ausfindig machen zu können. Der Anführer der PLOTE habe ihm verspro-

chen, er werde das Schicksal seines Vaters traktandieren, falls er ins Par-

lament gewählt werde. 

C.  

Mit am folgenden Tag eröffneter Verfügung vom 8. Juli 2019 stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

D-4006/2019 

Seite 7 

und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.  

D.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 8. August 2019 liess der Be-

schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erheben. In dieser wird beantragt, die Verfügung der Vo-

rinstanz sei aufzuheben und diese sei anzuweisen, den Beschwerdeführer 

als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei 

die Vorinstanz anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuer-

kennen und vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die angefochtene 

Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des 

Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer 

sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbesondere sei von 

der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen und ihm die Unter-

zeichnende als amtliche Beiständin zuzuordnen.  

Der Eingabe lagen ein Bericht des International Rehabilitation Council for 

Torture Victims (IRCT), sechs Fotografien betreffend Folterungen des Be-

schwerdeführers, Informationen der Schweizerischen Flüchtlingshilfe 

(SFH) vom 30. August 2017, eine Schnellrecherche der SFH-Länderana-

lyse vom 12. Januar 2018 und die Identitätskarte des Beschwerdeführers 

bei. 

E.  

Mit Instruktionsverfügung vom 22. August 2019 hiess der Instruktionsrich-

ter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und 

ordnete dem Beschwerdeführer lic. iur. Angelika Stich als amtliche Rechts-

beiständin bei. Die Akten übermittelte er zur Vernehmlassung an das SEM. 

F.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 2. September 2019 an sei-

nem Standpunkt fest.  

G.  

In der Stellungnahme vom 30. September 2019 liess der Beschwerdefüh-

rer an seinen Anträgen festhalten. Der Replik lagen eine Bestätigung sei-

ner Sozialberaterin, wonach er für eine psychotherapeutische Behandlung 

an die (…) [..], Psychiatriezentrum) überwiesen worden sei, sowie sieben 

Fotografien von Narben des Beschwerdeführers bei. 

D-4006/2019 

Seite 8 

H.  

Mit Schreiben vom 28. Oktober 2019 wurde eine Überweisung des Be-

schwerdeführers von Dr. med. N._______ vom 9. Oktober 2019 an das 

Psychiatriezentrum (…) eingereicht. Am 30. Dezember 2019 wurde ein 

Eintrittsbericht der (…) vom 8. November 2019 eingereicht. Der weiteren 

Eingabe vom 20. März 2020 lag ein Verlaufsbericht der (…) vom 9. März 

2020 bei. Diagnostiziert wurde beim Beschwerdeführer eine rezidivierende 

depressive Störung (gegenwärtig mittelschwere Episode). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

D-4006/2019 

Seite 9 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, der Beschwer-

deführer habe zum Kerngeschehen voneinander abweichende Angaben 

gemacht. Bei der Erstbefragung habe er gesagt, er sei 2013 vom CID we-

gen seiner Tätigkeiten für die TNA verhaftet worden. Nach einer Einver-

nahme sei er wegen Verbindung zum Terrorismus angeklagt und während 

22 Tagen in einem gegenüber (…) gelegenen Gefängnis des CID inhaftiert 

und mit sechs Personen in einem dunklen, engen Zimmer festgehalten 

worden. Auf Nachfrage habe er dies explizit so bestätigt. Während der er-

gänzenden Anhörung habe er zuerst ebenfalls gesagt, er sei während 

22 Tagen mit sechs Personen in einer kleinen, dunklen Zelle festgehalten 

worden. Plötzlich habe er gesagt, er sei nach zehn Tagen vom gegenüber 

(…) gelegenen Gefängnisgebäude anderswohin gebracht worden. Erst am 

neuen Ort sei er mit sechs weiteren Personen in einem kleinen, dunklen 

Zimmer festgehalten worden. Darauf angesprochen, habe er ausweichend 

geantwortet. Er habe auch nicht mehr sagen können, ob im Rahmen dieser 

Festnahme irgendwelche rechtlichen Schritte gegen ihn eingeleitet worden 

seien. Als er sich zu erklären versucht habe, habe er weitere Unklarheiten 

D-4006/2019 

Seite 10 

geschaffen, da er nicht habe angeben können, ob sein Bruder oder er und 

sein Bruder des Terrorismus beschuldigt worden sei(en).  

Bei der Erstbefragung habe er gesagt, die letzte Haft im Jahr 2015 habe 

17 beziehungsweise 14 Tage gedauert. Im Rahmen der Anhörung habe er 

gesagt, er sei 2015 fünf respektive sieben oder acht Tage festgehalten wor-

den. Darauf angesprochen habe er gesagt, er habe die Tage nicht gezählt; 

erstaunlicherweise habe er aber auf die vorhergehende Frage geantwortet, 

er sei 17 Tage in Haft gewesen. Seine Angabe zu den Geldern, die für 

seine Freilassungen bezahlt worden seien, seien auch unstimmig gewe-

sen. In der Erstbefragung habe er gesagt, 2013 sei er gegen eine Kaution 

von 40'000 Rupien freigelassen worden, in der ergänzenden Anhörung 

habe er angegeben, seine Angehörigen hätten damals 15 Millionen Rupien 

bezahlt. Darauf angesprochen, habe er geltend gemacht, die 40'000 Ru-

pien seien bei einer späteren Freilassung im Jahr 2014 bezahlt worden. In 

der Erstbefragung habe er aber gesagt, er sei bei der zweiten Freilassung 

gegen Bezahlung von 500'000 Rupien freigekommen. Auch zu seiner Ver-

bindung zu E._______ habe er widersprüchliche Angaben gemacht, indem 

er bei der Erstbefragung und der ergänzenden Anhörung gesagt habe, er 

habe nach der Inhaftierung vom September 2013 mit ihm zusammengear-

beitet. Im August 2014 sei er festgenommen und zu E._______ befragt 

worden, den er im August 2014 kennengelernt habe. Im Rahmen der An-

hörung habe er jedoch angegeben, er sei bereits während der Haft von 

2013 über E._______ befragt worden. 

Der Beschwerdeführer habe auch nicht übereinstimmend darlegen kön-

nen, wann er sein Zuhause verlassen und wo er sich danach wie lange 

aufgehalten habe. Bei der Erstbefragung habe er angegeben, er sei im 

Februar 2016 von zuhause weggegangen und habe danach bei einer 

Freundin seiner Mutter in H._______ gewohnt. Später habe er vorge-

bracht, er sei im November 2015 weggegangen, habe sich drei Monate 

lang im Dschungel bei den (…) versteckt, wo seine Grossmutter ihn mit 

Nahrungsmitteln versorgt habe. Des Weiteren habe er angegeben, er habe 

drei Monate bei seinem Onkel in G._______ gelebt, nachdem der CID im 

Februar 2016 das Haus durchsucht habe. Im Februar 2016 habe er das 

Haus in G._______ verlassen und anschliessend habe er sich drei Monate 

im Dschungel versteckt, wonach er nach H._______ gegangen sei. Im 

Rahmen der Anhörung habe er ausgesagt, er habe das Zuhause verlas-

sen, nachdem der CID das Haus durchsucht habe. Danach habe seine 

Mutter ihn nach G._______ geschickt, wo er drei Monate geblieben sei. 

Weitere drei Monate habe er danach im Dschungel gelebt – er habe sich 

D-4006/2019 

Seite 11 

dann korrigiert und gesagt, er habe weniger als drei Monate im Dschungel 

gelebt. Anschliessend habe er bis zur Ausreise zehn Monate in H._______ 

gelebt. Im Rahmen der ergänzenden Anhörung habe er wiederum gesagt, 

er habe das Elternhaus im Februar 2016 verlassen. Daraufhin habe er sich 

sechs Monate beim Onkel, sechs Monate im Wald beziehungsweise auf 

den Feldern seiner Grossmutter und schliesslich sechs Monate in 

H._______ aufgehalten. Seine Aussagen seien innerhalb der einzelnen 

Befragungen und über die drei Befragungen hinweg äusserst widersprüch-

lich. Im Rahmen der Anhörung habe er thematisiert, es gehe ihm nicht gut, 

weil er in der Pause einen Apfel erhalten habe, was ihn retraumatisiert 

habe, da er im Dschungel nur Früchte gegessen habe. Bei der Erstbefra-

gung habe er jedoch gesagt, seine Grossmutter habe ihn mit Nahrungsmit-

teln versorgt. 

Bezüglich seiner Identitätspapiere habe der Beschwerdeführer beim Dub-

lin-Gespräch gesagt, seine Identitätskarte (ID) sei bei seinem Onkel in Sri 

Lanka. Im Rahmen der Erstbefragung habe er gesagt, ID und Führerschein 

seien in seinem Zimmer gewesen, er könne sie nicht finden. Auf Nachfrage 

habe er gesagt, wegen der Probleme sei niemand bereit, dort nachschauen 

zu gehen. Danach habe er angedeutet, er habe die ID nicht mehr gesehen, 

nachdem der CID das Haus durchsucht habe. Kurz darauf habe er festge-

stellt, die ID sei beim CID. Auf die Diskrepanz hingewiesen, habe er gesagt, 

die Dolmetscherin beim Dublin-Gespräch habe mit einem anderen Akzent 

gesprochen, was die widersprüchlichen Angaben jedoch nicht erkläre. 

Bei der Erstbefragung habe er angegeben, sein Bruder und er hätten für 

die TNA gearbeitet. Die TNA habe die Flüchtlingshilfe organisiert, an der er 

sich beteiligt habe. TNA-Politiker hätten ihm versprochen, ihm bei der Su-

che nach seinem Vater behilflich zu sein, hätten dies aber nicht gekonnt, 

da sie bei der Wahl verloren hätten. Des Weiteren habe er angegeben, der 

CID habe gewusst, dass sein Bruder und er Kontakte zu den LTTE gehabt 

und der TNA geholfen hätten, um kurz danach diese Verbindung zu vernei-

nen. Auf Nachfrage bei der Anhörung habe er seinen Bruder nicht mehr als 

TNA-Sympathisanten, sondern als Mitglied der PLOTE bezeichnet, das 

LTTE-Leuten Identitätskarten ausgestellt habe. Auch habe er gesagt, be-

züglich der Suche nach seinem Vater habe er Kontakt mit Angehörigen der 

PLOTE gehabt. 

Die Vorbringen des Beschwerdeführers könnten angesichts der zahlrei-

chen Widersprüche nicht geglaubt werden. 

D-4006/2019 

Seite 12 

Der Beschwerdeführer habe bezüglich der von ihm geleisteten Freiwilligen-

arbeit nur oberflächlich erläutert, wie diese organisiert gewesen sei. Be-

züglich der RDS habe er gesagt, es handle sich um eine Regierungsorga-

nisation, die der Bevölkerung helfe; was die Abkürzung bedeute, habe er 

nicht sagen können. Über E._______ habe er kaum Auskunft geben kön-

nen, obwohl er mit ihm zusammengearbeitet habe. Auch auf mehrfache 

Nachfrage hin, habe nicht geklärt werden können, wie lange er ihn gekannt 

habe.  

Vergleiche man die Struktur seiner Schilderungen zu seinem politischen 

Profil und den geltend gemachten Verfolgungen, zeichne sich eine erstaun-

liche Diskrepanz ab. Seine Erlebnisse während den Festnahmen habe er 

bei der ergänzenden Anhörung detailliert geschildert, sein politisches En-

gagement und sein daraus folgendes Profil habe er hingegen nicht über-

zeugend darlegen können. Als Grund für die erste Verhaftung im Jahr 2012 

habe er lediglich angegeben, er habe eine Protestkundgebung mitorgani-

siert und an einem Hungerstreik teilgenommen. Die zweite Verhaftung 

2013 sei erfolgt, weil er der TNA geholfen habe. Zudem wüssten die Leute, 

dass er Verbindungen zu ehemaligen LTTE-Mitgliedern habe. Er habe 

keine der auf seine Verbindungen und Tätigkeiten abzielenden Fragen prä-

ziser und detaillierter beantworten können. Bezüglich der Haft von 2015 

habe er erzählt, er habe Flugblätter herausgebracht. Sein Bericht lasse 

kaum Detailwissen über das politische Geschehen und die Hintergründe 

der Flugblattaktion erkennen. Er habe auch nicht darlegen können, wes-

halb er in den Fokus des CID geraten sei.  

Er habe davon gesprochen, dass seine Mutter seinetwegen Schwierigkei-

ten habe. Im Rahmen der Erstbefragung habe er gesagt, seine Mutter habe 

tags zuvor einen Motorradunfall erlitten, sei verletzt worden, und der Un-

fallverursacher habe Fahrerflucht begangen. In der Anhörung habe er ge-

sagt, seine Mutter sei gezielt attackiert worden. Zudem sei sein Bruder 

sechs Tage vor der Anhörung von drei Männern angehalten worden, die 

nach ihm (dem Beschwerdeführer) gefragt hätten. Da seine Vorbringen 

nicht geglaubt werden könnten, sei nicht ersichtlich, weshalb Mutter oder 

Bruder hätten behelligt werden sollen. 

Der Beschwerdeführer sei bis im Juni 2017 in Sri Lanka wohnhaft gewesen 

und habe nicht glaubhaft gemacht, Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt 

gewesen zu sein. Da er nach Kriegsende acht Jahre in Sri Lanka gelebt 

habe, hätten im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren kein 

D-4006/2019 

Seite 13 

Verfolgungsinteresse der Behörden ausgelöst. Es sei nicht ersichtlich, 

weshalb er bei einer Rückkehr in den Fokus derselben gelangen sollte. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe 

bezüglich der Haft von 2013 bis zur ergänzenden Anhörung die Differen-

zierungen bezüglich des Haftortes nicht erwähnt. Seine Aussagen seien im 

Kontext der diagnostizierten PTBS zu sehen. Er schildere eindrücklich, wie 

er während der 22-tägigen Haft beim CID behandelt worden sei. Seine Er-

zählungen enthielten spontane und detaillierte Schilderungen, wie er bei 

der Befriedigung von essenziellen Bedürfnissen gedemütigt und misshan-

delt worden sei. Auffallend sei, dass er teilweise in der Vergangenheits-, 

teilweise in der Gegenwartsform spreche. Es entstehe der Eindruck, die in 

der Vergangenheit liegenden Ereignisse seien heute noch sehr präsent. 

Seine Schilderungen wiesen viele Realkennzeichen auf. Zudem habe er 

auch Nebensächlichkeiten erwähnt und aus seinen Schilderungen sei 

spürbar, welche psychischen und physischen Qualen er erlitten und wie er 

nach einem Ausweg gesucht habe. Ferner habe er erklärt, ein Bekannter 

habe seine Verletzungen behandelt, der über Kenntnisse in ayurvedischen 

Behandlungsmethoden verfüge.  

Bei der Erstbefragung habe er erklärt, sein Bruder, Kollegen und er seien 

inhaftiert und es sei Anklage erhoben worden. Später habe er präzisiert, 

das heisse, er sei vor «Gericht», nämlich zu den Büros des CID gebracht 

worden. Er habe nie von einem Gerichtsverfahren gesprochen. 

Obwohl der Beschwerdeführer immer wieder offen über seine traumati-

schen Erlebnisse und über seine Gesundheitszustände gesprochen habe, 

sei die diagnostizierte PTBS aufgrund erlittener Folter bei der Beurteilung 

der Glaubhaftigkeit nicht berücksichtigt worden. Es sei bekannt, dass eine 

PTBS zu einer Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten führe. Durch 

«Flashbacks» erlebe der Traumatisierte die Ereignisse immer wieder und 

befinde sich in einem Zustand vegetativer Übererregbarkeit. Unter diesem 

Gesichtspunkt könnten die teilweise unterschiedlichen Angaben zur Anzahl 

der Hafttage erklärt werden. 

Der Beschwerdeführer habe die während der Haft erlittene Folter anschau-

lich und emotional geschildert. Zur Untermauerung seiner Aussagen zur 

Folter reiche er Fotografien ein. Im Bericht des IRCT seien die von ihm 

geschilderten Foltermethoden ebenso erwähnt wie die psychischen und 

physischen Folgen derselben. Es sei nachvollziehbar, dass die von ihm 

D-4006/2019 

Seite 14 

erwähnten psychosomatischen Folgen (Verwirrtheit, Konzentrationsstö-

rungen, Erinnerungslücken, Blackouts und Flashbacks) ihren Ursprung in 

den Folterungen hätten. Der Beschwerdeführer sei während den Befragun-

gen verwirrt gewesen, habe das ihm Widerfahrene vergessen wollen und 

könne nicht alles im Kopf behalten. Er räume ein, bei der Beantwortung 

gewisser Fragen ein Durcheinander gemacht zu haben. 

Hinsichtlich der unterschiedlichen Angaben zur Höhe der Kaution und der 

ungenügenden Differenzierung zwischen Schmiergeld und Kaution sei auf 

die in Sri Lanka bestehenden rechtsstaatlichen Mängel zu verweisen. Der 

Beschwerdeführer habe erklärt, man habe ihn nur wegen Geld so lange 

festgehalten und mit dem Problem zusammen noch Geld machen wollen.  

Hinsichtlich der Zusammenarbeit mit E._______ und seinen Tätigkeiten für 

die RDS finde in der angefochtenen Verfügung keine inhaltliche Auseinan-

dersetzung statt. Er habe erklärt, dass viele Flüchtlinge keine Häuser ge-

habt hätten und er ihnen geholfen habe. In seinem Heimatdorf hätten sie 

diese Leute mit Nahrung versorgt und ihnen beim Bauen von Hütten oder 

kleinen Häusern geholfen. Er habe erklärt, die Bevölkerung melde ihre 

Schwierigkeiten an die RDS und diese leite sie an die Gemeinden und an 

Regierungsstellen weiter. Zu E._______ habe er gesagt, er sei durch sei-

nen Bruder mit ihm in Kontakt getreten und dessen Hilfsbereitschaft habe 

ihm gefallen. Die Informationen der SFH über die RDS deckten sich mit 

den Angaben des Beschwerdeführers. Er habe ausgeführt, weshalb er für 

E._______ tätig geworden sei, und es sei nachvollziehbar, dass er nur in 

beschränktem Umfang über diesen Bescheid gewusst habe. Dieser sei ein 

älterer Mann mit Führungsfunktion gewesen, dem der Beschwerdeführer 

Respekt und Gehorsam geschuldet habe, weshalb es plausibel sei, dass 

er ihm keine Fragen gestellt habe. Hinsichtlich seines Lieferwagens sei gut 

darstellbar und nachvollziehbar, wie er auf «kongruente Art und Weise» 

Informationen in verschiedenen Sachzusammenhängen wiedergebe. 

Der Beschwerdeführer habe sich ab November 2015 für etwa drei Monate 

in den (…) beziehungsweise im Dschungel aufgehalten. Da diese lediglich 

zwölf Kilometer vom Elternhaus entfernt seien, habe er bei der Erstbefra-

gung gesagt, er habe sein Elternhaus erst im Februar 2016 verlassen, um 

zu seinem Onkel zu gehen. Faktisch habe er aber seit November 2015 

nicht mehr im Elternhaus gelebt. Eine Person, die keine Folter erlebt habe, 

würde nicht auf den Gedanken kommen, einen Apfel in Zusammenhang 

mit der eigenen Traumatisierung zu bringen. Das SEM würdige die deutli-

D-4006/2019 

Seite 15 

chen Hinweise auf eine Traumatisierung nicht, obwohl der Beschwerdefüh-

rer erklären könne, weshalb er sich nicht wohl fühle und sich nicht mehr 

konzentrieren könne. Er umschreibe in seinen Worten verschiedene für 

eine PTBS typische Zustände und Verhaltensweisen.  

Seine ID habe sich bei seinem Onkel befunden und werde mit der Be-

schwerde eingereicht. 

Der Beschwerdeführer habe mehrmals betont, er sei für die TNA tätig, aber 

nicht deren Mitglied gewesen. Er habe gesagt, keine direkten Verbindun-

gen zu den LTTE gehabt zu haben, da alle Kontakte über seinen älteren 

Bruder gelaufen seien. Sein Bruder und er hätten zeitweise auch Kontakte 

zur PLOTE gehabt. Er habe zudem detailliert Auskunft über das Schicksal 

seines Vaters gegeben. Im Sinne einer Gesamtwürdigung und unter Be-

rücksichtigung der durch seine PTBS hervorgerufenen psychosomatischen 

Beschwerden sei die im Heimatland durch den CID erlittene Verfolgung als 

glaubhaft gemacht zu erachten.  

Gemäss der Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom Januar 2018 

seien in Sri Lanka in den Jahren 2016 und 2017 vermehrt Vorfälle mit Ver-

haftungen und Folterungen dokumentiert worden. Insbesondere gefährdet 

seien Rückkehrer aus dem Ausland, die eine schwache Verbindung zu den 

LTTE gehabt hätten, ohne es den Behörden angegeben oder ein Rehabili-

tationsprogramm durchlaufen zu haben. Der Beschwerdeführer habe 

glaubhaft geschildert, für die RDS und die TNA tätig gewesen zu sein und 

über seinen Bruder Kontakt zu den LTTE gehabt zu haben. Der erlittenen 

Verfolgung liege ein politisches Motiv zugrunde und das SEM habe die von 

ihm geschilderte Folter nie explizit als unglaubhaft angesehen. Demnach 

habe er aufgrund staatlicher Verfolgung ernsthafte Nachteile erlitten und 

es stehe ihm keine hinreichend sichere innerstaatliche Aufenthaltsalterna-

tive offen. 

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, Erinnerungen an trau-

matische Erlebnisse unterschieden sich grundsätzlich nicht von anderen 

Erinnerungsprozessen. Die Aussagepsychologen Ludewig, Baumer und 

Tavor verträten gar die Meinung, traumatische Erlebnisse würden in der 

Regel gut und langfristig erinnert (vgl. LUDEWIG, TAVOR, BAUMER: Einfüh-

rung in die Aussagepsychologie – Wie können aussagepsychologische Er-

kenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?“ in: Aussage-

psychologie für die Rechtspraxis, Zürich 2017, S. 98). Weil es aufgrund 

einer Traumatisierung zu einem Wiedererleben des Traumas kommen 

D-4006/2019 

Seite 16 

könne, könnten sich gerade Traumatisierte mit einer PTBS-Symptomatik 

besser an traumatische Situationen erinnern als Personen ohne PTBS-

Symptomatik. Das SEM halte es für ungeeignet, eine PTBS herbeizuzie-

hen, um Wissenslücken zu rechtfertigen. Zudem sei anzumerken, dass es 

sich beim vom Beschwerdeführer geltend gemachten Krankheitsbild nicht 

um eine nach eingehenden Gesprächen und durch einen Psychologen di-

agnostizierte PTBS handle. Der Beschwerdeführer hätte genügend Zeit 

gehabt, sich ein ärztliches oder psychologisches Gutachten ausstellen zu 

lassen. Den Akten sei nicht zu entnehmen, dass er nach 2017 ärztliche 

oder psychologische Hilfe in Anspruch genommen hätte. Seine Ausführun-

gen bezüglich der Substanziierung würden zur Kenntnis genommen. Es 

sei zu bemerken, dass sich die Verweise in der Beschwerde auf substan-

ziierte Erzählweise nahezu ausnahmslos auf Aussagen aus der ergänzen-

den Anhörung bezögen. Diese sei rund neun Monate nach seiner Einreise 

in die Schweiz erfolgt. Es sei erstaunlich, dass er während den ersten bei-

den Befragungen keine substanziierten Angaben habe machen können 

und erst nach mehrmaligem Nachfragen mit einem zeitlichen Abstand von 

mehreren Monaten seine Aussagen dahin gestaltet habe, dass sie als sub-

stanziiert gewertet werden könnten. Den eingereichten Fotografien des 

Fussrückens, des Schienbeins und der Beininnenseite seien keine Hin-

weise auf die Entstehung der Narben und Verfärbungen zu entnehmen. Es 

könne damit nicht belegt werden, dass er tatsächlich Opfer von Folter oder 

Misshandlungen geworden sei. Die Befürchtung, die vorhandenen Narben 

könnten bei einer Rückkehr nach Sri Lanka den Schluss nahelegen, er sei 

während des Krieges in Kampfhandlungen involviert gewesen, teile das 

SEM aufgrund seines Alters nicht. Bei Kriegsende sei er noch nicht (…)-

jährig gewesen – deshalb sei es auch unwahrscheinlich, dass eine allfällige 

Verbindung von Verwandten zu den LTTE, ein Risikoprofil darstellen 

könnte. Auch die geltend gemachten Kontakte zur PLOTE erhöhten das 

Risikoprofil nicht, denn diese gelte heute als regierungstreue Partei.  

4.4 In der Replik wird entgegnet, die medizinische Information vom 28. Juli 

2017, in der die PTBS diagnostiziert worden sei, sei vom (…) diagnostiziert 

worden. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass der behandelnde Arzt 

über die notwendigen Qualifikationen verfügt habe, da er sonst von den 

(…) nicht als stellvertretender Oberarzt angestellt worden wäre. Der Arzt 

hätte die Diagnose nicht gestellt, wenn er Bedenken an der Authentizität 

der durch den Beschwerdeführer geschilderten Symptome gehabt hätte. 

Die vom SEM zitierte Fachliteratur stehe auf den ersten Blick nicht im Wi-

derspruch zum Aussageverhalten des Beschwerdeführers. Er habe sich 

sehr gut an die Foltererlebnisse erinnern können. Zudem habe das SEM 

D-4006/2019 

Seite 17 

die Literatur so verkürzt wiedergegeben, dass sich schlüssige Aussagen 

ohne einhergehende Auseinandersetzung mit der Materie nicht ableiten 

liessen. Im Aufsatz über Traumata stehe, dass traumatische Ereignisse im 

Allgemeinen besonders dauerhaft erinnert würden und die Erinnerungen 

oft detailliert seien. Es komme auch bei Erinnerungen an extrem stressrei-

che Ereignisse zu Irrtümern und mit der Zeit zu Vergessensprozessen. 

Lege man bei der Interpretation der Unfähigkeit des Beschwerdeführers, 

konsistente Angaben zur Haftdauer zu machen, das obenstehende zu-

grunde, schmälere diese seine Glaubwürdigkeit nicht. Er habe die geschil-

derte Folter selbst erlebt, da seine Aussagen zu wesentlichen Sachverhalt-

selementen übereinstimmend ausgefallen seien. Die Schilderungen der 

Folter und der Haftbedingungen enthielten überraschende und vom alltäg-

lichen Erleben losgelöste Elemente. Es wäre wünschenswert gewesen, 

wenn der Beschwerdeführer nach seiner Zuweisung ins erweiterte Verfah-

ren medizinische Hilfe in Anspruch genommen hätte. Die Vorinstanz hätte 

indessen die Möglichkeit gehabt, einen ärztlichen Bericht einzuholen, zu-

mal sie die Diagnose einer PTBS anzweifle.  

Entgegen der Meinung des SEM fänden sich auch in den Aussagen des 

Beschwerdeführers vom 30. August 2017 viele Realkennzeichen. Er habe 

die Inhaftierung vom Jahr 2012 eindrücklich geschildert. Aus dem Protokoll 

gehe auch hervor, dass sein damaliger Gesundheitszustand schlecht ge-

wesen sei, weshalb die Befragung abgebrochen worden sei. Aufgrund der 

rigiden Normen und (Sexual-)Vorstellungen in der tamilischen Gesellschaft 

sei es unwahrscheinlich, dass er die Misshandlungen an seinen Ge-

schlechtsteilen erfinden würde. In allen drei Befragungsprotokollen fänden 

sich viele positive Glaubhaftigkeitselemente; das SEM lasse ausser Acht, 

dass es dem Beschwerdeführer bei allen Befragungen psychisch schlecht 

gegangen sei. 

Der Beschwerdeführer habe erklärt, die Haut auf seinem Schienbein sei 

verbrannt beziehungsweise aufgeplatzt. Die Wunde an der Oberseite sei-

nes Fusses sei ihm zugefügt worden, indem ein heisses Stahlrohr in seinen 

Fuss gerammt worden sei; die Wunde sei lange Zeit nicht verheilt. Die Nar-

ben an den Fusssohlen stammten von den mit Palmenrinde verabreichten 

Schlägen und an der rechten Hand sei er mit Zigaretten verbrannt worden. 

Er habe während seiner Schilderungen oft mit seinen Händen auf die ver-

letzten Körperstellen gezeigt und die angezeigten Verletzungen stimmten 

mit den auf den Fotos dokumentierten Folterspuren überein. Die einge-

reichten Fotografien stünden im Zusammenhang mit der erlebten Folter. 

D-4006/2019 

Seite 18 

Die Nichtwürdigung der Beweismittel könnte eine Verletzung des An-

spruchs auf Abnahme und Würdigung von Beweismitteln darstellen. 

5.  

5.1 Einleitend ist festzuhalten, dass in der Beschwerde geltend gemacht 

wird, der Beschwerdeführer leide unter einer PTBS, weshalb nachvollzieh-

bar sei, dass er sich nicht mehr an Vorgefallenes erinnern könne. 

5.2 Im Bericht des (…) vom 28. Juli 2017 wird diagnostiziert, der Beschwer-

deführer leide unter anderem an einer PTBS (zurückzuführen auf Folter 

und Kopfschläge); eine psychotherapeutische Behandlung sei indiziert. 

Weitere Angaben zu diesem Punkt sind dem Bericht keine zu entnehmen. 

Beim (…) werden gemäss dessen Webseite eine (…), eine (…) und eine 

(…), nicht hingegen eine psychiatrisch/psychologische Sprechstunde an-

geboten. Der den Bericht unterzeichnende pract. med. O._______ ist Spe-

zialist für Allgemeine Innere Medizin und verfügt gemäss öffentlich zugäng-

lichen Quellen über keine Fachausbildung in Psychiatrie. Das SEM weist 

in der angefochtenen Verfügung somit zutreffend darauf hin, dass die von 

einem Spezialisten für Innere Medizin gestellte Diagnose in der gestellten 

Form gewagt erscheint (allenfalls hätte die Diagnose «Verdacht auf eine 

PTBS» lauten sollen). Zu Beginn der ergänzenden Anhörung vom 9. März 

2018 wurde der Beschwerdeführer gefragt, ob er sich seit der letzten An-

hörung in medizinische Behandlung begeben habe. Er bejahte dies und 

gab an, er habe einen Termin bei einer Psychiaterin gehabt, die ihm einen 

weiteren Termin habe geben wollen – er habe aber keinen erhalten. Er sei 

derzeit in keiner Therapie und nehme auch keine Medikamente ein. Dem 

Eintrittsbericht des Psychiatriezentrums (…) vom 8. November 2019 ist zu 

entnehmen, dass der Beschwerdeführer an einer rezidivierenden depres-

siven Störung leide; eine Abklärung auf das Vorliegen einer PTBS sei vor-

gesehen. Da es im Verlauf der eingeleiteten Behandlung zu einer Besse-

rung der Stimmung des Beschwerdeführers und seiner Konzentrationsfä-

higkeit gekommen sei, habe von einer weiteren Abklärung des Vorliegens 

einer PTBS abgesehen werden können (vgl. Verlaufsbericht vom 9. März 

2020). Da die den Beschwerdeführer behandelnden Fachärzte für Psychi-

atrie keine PTBS diagnostizieren konnten, scheint die im (…) erfolgte Di-

agnose einer solchen nicht (mehr) haltbar. 

5.3 Hinsichtlich der in der Beschwerde erwähnten Möglichkeit der Einho-

lung eines ärztlichen Berichts durch das SEM ist festzustellen, dass der 

Beschwerdeführer vom SEM bei der Anhörung vom 30. August 2017 ge-

beten wurde, ärztliche Berichte seiner Konsultationen einzureichen. Im 

D-4006/2019 

Seite 19 

Rahmen der ergänzenden Anhörung wurde er gefragt, ob er den Bericht 

über das Gespräch mit der Psychiaterin dabeihabe, was er verneinte. Das 

SEM forderte ihn auf, dies nachzuholen, worauf die Rechtsvertreterin ant-

wortete, sie werde den Arztbericht von der Psychiaterin einfordern und ein-

reichen. Im Zuweisungsentscheid vom 4. September 2017 wies das SEM 

nochmals darauf hin, dass es den Beschwerdeführer aufgefordert habe, 

Arztberichte einzureichen. Da es in der Folge der Beschwerdeführer (bzw. 

seine Rechtsvertreterin) im Rahmen der ihm gesetzlich obliegenden Mit-

wirkungspflicht unterliess, den vom SEM eingeforderten psychiatrischen 

Bericht nachzureichen, und auch keine weiteren Erklärungen dazu abge-

geben wurden, musste das SEM sich nicht veranlasst sehen, von Amtes 

wegen zum dritten Mal einen entsprechenden Bericht anzufordern. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).  

6.2 Einleitend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer seit seiner An-

kunft in der Schweiz (und aller Wahrscheinlichkeit nach bereits zuvor) psy-

chisch belastet ist. Sowohl aufgrund der Befragungsprotokolle, als auch 

der ärztlichen Berichte der (…) ergibt sich, dass er mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit in Sri Lanka traumatisierende Ereignisse erlebte. Ohne 

dass er in der Schweiz in einer psychiatrischen Behandlung gewesen wäre, 

vermochte er in seinen eigenen Worten auf authentische Weise seine Stim-

mungs- und Gefühlslage wiederzugeben. Seine Reaktionen auf die Befra-

gungssituation (Aussage, er habe Mühe über die erlittene Gewalt zu be-

richten; das Essen eines Apfels habe ihn an seine Situation in Sri Lanka 

erinnert, da er sich dort eine Zeit lang [oft] von Obst ernährt habe; Weinen 

beim Erzählen von ihn besonders bewegenden Begebenheiten; Schilde-

rung seiner Schlafprobleme; Schilderung, was das Berichten über das, was 

er gerne vergessen möchte, in ihm auslöse; Annahme, nach der Anhörung 

beschäftige sich das Befragungsteam nicht mehr mit seinen Problemen, 

ihm aber werde es wieder schlechter gehen) zeigen auf, dass er mit seinen 

eigenen Ausdrucksmöglichkeiten nachvollziehbar und verständlich sein 

Befinden schilderte. Durch die Berichte der (…) wird der aufgrund der An-

hörungsprotokolle beim Bundesverwaltungsgericht entstandene Eindruck 

der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers bestätigt. Daraus 

ist der Schluss zu ziehen, dass die vom Beschwerdeführer geäusserten 

D-4006/2019 

Seite 20 

Schwierigkeiten, seine Erlebnisse zu schildern, bei denen er Gewalterfah-

rungen machen musste, nachvollziehbar sind. Dass er sich aufgrund des 

verstrichenen Zeitablaufs und des Bestrebens, sich nicht an das Erlittene 

erinnern zu müssen, teilweise widersprüchlich äusserte oder gewisse Be-

gebenheiten «durcheinanderbrachte», ist vor diesem Hintergrund zu sehen 

und bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vor-

bringen zu berücksichtigen. 

6.3  

6.3.1 Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen vier Vorfälle geltend, 

bei denen er inhaftiert und behördlicher Gewalt ausgesetzt worden sei. 

6.3.2 Bei der Erstbefragung führte der Beschwerdeführer aus, im Juli 2012 

sei ein enger Freund seines Bruders umgebracht worden, weshalb sie in 

D._______ eine Protestkundgebung organisiert und gefastet hätten. Die 

Armee habe ihn festgenommen, in ein Camp nach D._______ gebracht, 

befragt und schlecht behandelt. Er sei fünf Tage lang festgehalten worden 

(vgl. SEM-act. 17/21 F144 S. 13 f.). Im Rahmen der Anhörung bestätigte 

er, er habe wegen der Ermordung des Freundes seines Bruders – der 

LTTE-Anhänger gewesen sei – vom Juli 2012 an einem Hungerstreik teil-

genommen und sei im September 2012 festgenommen und sechs Tage 

festgehalten worden. Er sei geschlagen und mit Schuhen getreten, sein 

Bruder sei verhört und gefoltert worden. Schliesslich seien einige TNA-Po-

litiker («Bruder» (…) und «Bruder» F._______) zum Camp gekommen und 

hätten mit den Behörden gesprochen, wonach sie freigelassen worden 

seien (vgl. SEM-act. 22/15 S. 2 f. und S. 7 f.). Bei der ergänzenden Anhö-

rung bestätigte er diese Angaben im Wesentlichen und schilderte, wie 

seine Mutter reagiert habe, als sie die Verletzungen seines älteren Bruders 

gesehen habe (vgl. SEM-act. 30/24 F134 S. 15). In Anbetracht des Um-

standes, dass dieses Ereignis zum Zeitpunkt der Anhörungen rund fünf 

Jahre zurücklag, fallen gewisse Erinnerungslücken und voneinander ab-

weichende Angaben zur Anzahl Tage, die er festgehalten wurde, nicht ent-

scheidend ins Gewicht, zumal der Beschwerdeführer die damaligen Ereig-

nisse im Kern im Wesentlichen übereinstimmend schilderte. 

6.3.3 Der Beschwerdeführer erklärte bei der Erstbefragung, im September 

2013 hätten Lokalwahlen stattgefunden, bei denen er die TNA durch Pro-

paganda-Arbeit unterstützt habe – sein Bruder und er hätten viel für die 

TNA getan. Im selben Jahr seien sie mit weiteren Kollegen vom CID inhaf-

tiert und angeklagt worden. Er habe 22 Tage im Gefängnis des CID in 

D._______ verbracht und sei freigelassen worden, nachdem seine Mutter 

D-4006/2019 

Seite 21 

eine Kaution von 40'000 Rupien geleistet habe (vgl. SEM-act. 17/21 F144 

S. 13 f. und F154 und F159 S. 15). Während der Anhörung gab er an, er 

sei im September 2013 wegen der Hilfe beim Wahlkampf festgenommen 

worden. Er sei befragt worden, weil diese Leute gewusst hätten, dass er 

Verbindungen zu ehemaligen Mitgliedern der LTTE gehabt habe. Viele An-

hänger der TNA seien ehemalige LTTE-Mitglieder. Auf Nachfrage sagte er, 

sein Bruder habe solche Verbindungen gehabt. Damals seien sein Bruder 

und dessen Freunde festgenommen worden. Er sei später auch festge-

nommen worden. Er sei Anhänger der TNA, die «Brüder» (…) und 

F._______ seien Mitglieder. Man habe ihn in einen Raum gebracht, wo sich 

sechs Beamte befunden hätten. Diese hätten ihn gefragt, ob er Verbindun-

gen zu den LTTE habe und wie lange er E._______ kenne. Auf Nachfrage 

sagte er, er kenne E._______ seit 2013 (vgl. SEM-act. 22/15 S. 2, 7, und 

10 ff.). Bei der ergänzenden Anhörung führte der Beschwerdeführer aus, 

er sei 2013 zusammen mit sechs weiteren Personen in einer kleinen dunk-

len Zelle gewesen. Kurz darauf gab er an, er sei zuerst einige Tage in 

D._______ gewesen und erst später an einen anderen Ort gefahren wor-

den, wo er in dieses «Dunkelzimmer» gebracht worden sei. Vor seiner Frei-

lassung sei er nach D._______ zurückgebracht worden, wohin seine Mut-

ter und sein Onkel gekommen seien. Diese hätten 15 Lakhs (15 Millionen 

Rupien) bezahlt (vgl. SEM-act. 30/24 S. 6 f.).  

Der Beschwerdeführer machte während der Befragungen hinsichtlich der 

Fragen, ob er bei dieser Festnahme bereits über E._______ befragt wurde 

und wie hoch die Kautionssumme war, voneinander abweichende Anga-

ben. Die Tatsache, dass er erst bei der ergänzenden Anhörung darauf hin-

wies, er sei nach etwa zehn Tagen Haft im gegenüber (…) liegenden CID-

Gefängnis an einen anderen Ort gebracht worden, der seiner Meinung 

nach ebenfalls in D._______ gelegen habe und vom CID geführt worden 

sei, muss indessen nicht zwingend als Widerspruch gewertet werden, es 

kann sich dabei auch um eine Präzisierung handeln. Wesentlich erscheint 

jedoch, dass der Beschwerdeführer bei der ergänzenden Anhörung auf 

eindrückliche Weise wiedergab, wie er die 22-tägige Haft empfand und was 

ihm dabei widerfuhr. Er schilderte die erlittenen Misshandlungen und die 

davon getragenen Verletzungen in anschaulicher Weise und reichte auf 

Beschwerdeebene Fotografien ein, welche verschiedene Narben an den 

Stellen, von denen er bei der ergänzenden Anhörung gesprochen hatte, 

dokumentieren. Der Beschwerdeführer schilderte auch den Gefängnisall-

tag bezüglich des Essens, der Duschmöglichkeiten, der Toilettengänge 

und der in ihm aufkommenden Suizidgedanken sowie die Begebenheit, bei 

D-4006/2019 

Seite 22 

der das Wachpersonal die von ihm gesammelten Schmerztabletten ent-

deckte, und der diesbezüglichen Konsequenzen mit zahlreichen Realkenn-

zeichen versehen in einer alles anderen als substanzlosen und stereoty-

pen Weise. Seine Schilderungen wirken authentisch und vermitteln im Zu-

sammenhang mit seiner den Protokollen zu entnehmenden Gestik und sei-

ner erkennbaren inneren Gefühlswelt den Eindruck, als erzähle er von 

selbst Erlebtem. 

6.3.4 Bei der Erstbefragung gab der Beschwerdeführer an, er habe nach 

seiner Freilassung aus der 22-tägigen Haft Flüchtlingen geholfen. Er habe 

zusammen mit «Bruder» E._______, zu dem er über seinen älteren Bruder 

in Kontakt getreten sei, gearbeitet und sei im August 2014 vom CID fest-

genommen worden. Man habe ihn über E._______ befragt. Nachdem 

E._______ im November 2014 getötet worden sei, habe er zusammen mit 

anderen Menschen der Bevölkerung noch mehr geholfen. Sie hätten Flug-

blätter verteilt und Propaganda gemacht (vgl. SEM-act. 17/21 F114 S. 14). 

Im Rahmen der Anhörung sagte er, er habe Ende 2013 begonnen, den 

Flüchtlingen zu helfen. Es sei von der TNA organisiert worden und ab Au-

gust 2014 habe er mit E._______ zusammengearbeitet. Man habe ihn fünf 

beziehungsweise vier Tage lang inhaftiert, zu E._______ befragt und ge-

schlagen (vgl. SEM-act. 22/15 S. 3 und 7). Bei der ergänzenden Anhörung 

brachte er vor, er habe E._______ im August 2014 kennengelernt. Sie 

seien nach K._______ gegangen, um zu helfen, und E._______ habe ihm 

gesagt, er solle auch Menschen an anderen Orten helfen – so habe er 

dessen Bekanntschaft gemacht (vgl. SEM-act. 30/24 S. 3 f.).  

Der Beschwerdeführer äusserte sich nicht übereinstimmend zur Frage, 

wann er E._______ kennengelernt habe und war in der Tat nicht in der 

Lage, nähere Angaben über ihn zu machen. Unter dem in der Beschwerde 

erwähnten Aspekt, dass es sich bei E._______ aus Sicht des Beschwer-

deführers um eine Respektsperson mit einer Leitungsfunktion bei der Un-

terstützung der Flüchtlinge handelte, ist jedoch nachvollziehbar, dass er 

ihm keine Fragen zu seinem Privatleben und seiner «beruflichen» Vergan-

genheit stellte. Indessen schilderte er sein persönliches Engagement bei 

der Unterstützung der tamilischen Binnenflüchtlinge im Wesentlichen 

gleichbleibend und realitätskonform. Er war zwar nicht in der Lage, die 

wörtliche Bedeutung der RDC – es handelt sich um die Abkürzung eines 

englischen Namens – wiederzugeben, aber er umschrieb die Aufgaben 

und die Strukturierung derselben. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet 

das humanitäre Engagement des Beschwerdeführers, das er in keiner 

Weise zu überzeichnen versuchte, als glaubhaft. 

D-4006/2019 

Seite 23 

6.3.5 Gemäss den Angaben bei der Erstbefragung sei der Beschwerdefüh-

rer 2015 vom CID erneut verhaftet worden, als er sich bei einem Freund 

aufgehalten habe. Man habe ihn in ein Camp des CID gebracht und wissen 

wollen, wer die Flugblätter aufgesetzt und verteilt habe. Er sei 17 (bzw. 14) 

Tage im Gefängnis von D._______ festgehalten worden. Er sei befragt, ge-

foltert und verwundet worden. Seine Mutter und sein Onkel hätten eine 

Kaution von 500'000 Rupien geleistet (vgl. SEM-act. 17/21 F144 S. 14 und 

17). Bei der Anhörung führte er aus, er habe ab Oktober 2015 begonnen, 

Flugblätter zu verteilen, weshalb er im November 2015 vom CID mitge-

nommen und sieben bis acht Tage beziehungsweise fünf Tage in Haft ge-

wesen sei (vgl. SEM-act. 22/15 S. 3 und 7). Im Rahmen der ergänzenden 

Anhörung machte er geltend, er sei 2015 vom CID festgenommen worden, 

weil sie Flugblätter herausgegeben hätten, auf denen gestanden sei, dass 

Tamilen umgebracht worden und welche Politiker verantwortlich seien (vgl. 

SEM-act. 30/24 S. 4 f.).  

Bezüglich dieses Vorkommnisses weichen die Aussagen des Beschwerde-

führers zur Dauer der Inhaftierung deutlich voneinander ab, so dass ge-

wisse Zweifel daran entstehen. Zur Unterstützung des Wahlkampfes der 

TNA an verschiedenen Orten, bei welcher der Beschwerdeführer gemäss 

eigenen Aussagen eine untergeordnete Rolle spielte, machte er indessen 

im Wesentlichen übereinstimmende Aussagen, sodass das Bundesverwal-

tungsgericht davon auszugehen ist, dass er diesbezüglich von den sri-lan-

kischen Behörden festgenommen und befragt wurde. Obwohl die TNA eine 

legale und zu den Wahlen zugelassene Partei ist, werden deren Anhänger 

von den Sicherheitskräften bei der Ausübung ihrer politischen Rechte teil-

weise behindert und schikaniert. 

6.3.6 Der Beschwerdeführer gab bei der Erstbefragung an, seine Mutter 

habe ihn nach der letzten Freilassung zu ihrem Bruder nach G._______ 

geschickt. Im Februar 2016 hätten die Sicherheitskräfte bei ihm zuhause 

viele Sachen beschlagnahmt. An diesem Abend habe er in G._______ ein 

Fest besucht – in derselben Nacht habe er sich in einem Dschungelgebiet 

neben den (…) der Familie versteckt (vgl. SEM-act. 17/21 F144 S. 14 und 

F185 S. 18). Ebenfalls bei der Erstbefragung gab er an, er habe «sein 

Haus» im Februar 2016 verlassen und anschliessend bei einer «Tante» in 

H._______ gelebt (vgl. SEM-act. 17/21 F51 S. 6). Während der Anhörung 

sagte er aus, seine Mutter habe ihn zu ihrem Bruder nach G._______ ge-

schickt, nachdem bei ihm im Februar 2016 Unterlagen beschlagnahmt wor-

den seien. Dort habe er sich drei Monate lang beziehungsweise bis Ende 

D-4006/2019 

Seite 24 

Mai 2016 aufgehalten. Anschliessend habe er etwa drei Monate bezie-

hungsweise eher weniger lang in einem Wald gelebt. Bei der Tante in 

H._______ habe er sich möglicherweise zehn Monate lang aufgehalten 

(vgl. SEM-act. 22/15 S. 3 f) Im Rahmen der ergänzenden Anhörung 

brachte er vor, er sei bei einem Freund gewesen, als die Sicherheitskräfte 

bei ihm zuhause «Dinge» beschlagnahmt hätten. Erst danach sei er zu 

seinem Onkel nach G._______ gegangen, wo er sechs Monate geblieben 

sei. Anschliessend sei er zu einem (…) seiner Familie gegangen, wo er 

sich weitere sechs Monate versteckt habe, bis er Anfang 2017 nach 

H._______ gegangen sei, wo er sich auch sechs Monate aufgehalten habe 

(vgl. SEM-act. 30/24 S. 10 f.). 

Hinsichtlich der letzten Aufenthaltsorte des Beschwerdeführers konnte bis 

heute nicht geklärt werden, wie lange er sich in den Monaten vor dem Ver-

lassen des Heimatlandes an den drei genannten Orten genau aufhielt. Er 

benannte die drei Örtlichkeiten zwar übereinstimmend, machte aber klar 

voneinander abweichende Angaben zur jeweiligen Dauer des Verweilens 

an denselben. 

6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die 

Begebenheiten, bei denen er von den heimatlichen Behörden festgenom-

men, befragt und misshandelt beziehungsweise gefoltert wurde, im Kern 

wiederholt gleich darstellte. Er versuchte weder, seine eigene Rolle bei den 

den Verhaftungen vorausgehenden Aktivitäten gewichtiger erscheinen zu 

lassen, als sie es waren, noch sind seine Vorbringen im Verlauf der Anhö-

rungen gesteigert ausgefallen. Seine Schilderungen der erlittenen Inhaftie-

rungen, Befragungen und Misshandlungen sind in wesentlichen Teilen de-

tailreich und mit Realkennzeichen versehen sowie in einer Originalität aus-

gefallen, die es als überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen, dass 

er das Geschilderte tatsächlich selbst erlebte. Während den Anhörungen 

führte er in seinen eigenen Worten aus, wie er sich in der jeweiligen Befra-

gungssituation gerade fühlte und welche Emotionen oder gesundheitlichen 

Probleme dies in ihm auslöse. Den Protokollen ist zu entnehmen, dass er 

seine Angaben durch Gestikulieren verdeutlichte, und bei den Aussagen 

zu ihn besonders betroffen machenden Ereignissen wiederholt weinte. 

Seine Aussagen zur erlittenen Folter korrelieren mit den von ihm abgege-

benen Fotografien von an seinem Körper vorhandenen Narben und den 

eingereichten Berichten der (…), wonach er unter traumatisierenden Ereig-

nissen leide. Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit gewisser Aspekte seiner 

Vorbringen sind im Vergleich zu den als überwiegend glaubhaft gemachten 

Aspekten nicht derart gewichtig, als dass sie in einer Gesamtbetrachtung 

D-4006/2019 

Seite 25 

zur Annahme der Unglaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer geschilder-

ten Inhaftierungen, die mit teilweise massiven Misshandlungen verbunden 

waren, zu führen vermögen. 

7.  

7.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt 

der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit 

verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit 

ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine 

bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen 

konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus 

einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung 

als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 

2010/57 E. 2.5; 2010/44 E. 3.).  

7.2 Bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft interessiert zwar in erster 

Linie die im Zeitpunkt der Ausreise der asylsuchenden Person(en) beste-

hende Verfolgungssituation. Es ist jedoch dann auf die Gefährdungslage 

im Moment des Asylentscheides abzustellen, wenn sich die Lage im Hei-

matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid massgeblich zu Gunsten 

oder zu Lasten der asylsuchenden Person(en) verändert hat (vgl. BVGE 

2011/51 E. 6.1). 

7.3 Der Beschwerdeführer konnte – wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 6) 

– glaubhaft machen, dass er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka mehrmals 

ins Visier der heimatlichen Sicherheitskräfte (Armee, CID) geriet, festge-

nommen und inhaftiert sowie dabei misshandelt oder gefoltert wurde. 

Nachdem die Sicherheitskräfte im Rahmen einer Hausdurchsuchung im 

Februar 2016 unter anderem Propagandamaterial bei ihm beschlagnahm-

ten und sich bei seiner Mutter nach ihm erkundigten, ist die vom Beschwer-

deführer für den Zeitpunkt der Ausreise geäusserte subjektive Furcht vor 

Nachstellungen der heimatlichen Sicherheitsbehörde beziehungsweise vor 

einer menschenrechtswidrigen Behandlung bei einer erneuten Festnahme 

objektiv nachvollziehbar. Diesbezüglich ist ergänzend darauf hinzuweisen, 

dass die Schwelle zur Annahme begründeter Furcht bei Personen, die – 

wie der Beschwerdeführer – in der Vergangenheit bereits Opfer von Verfol-

gung geworden waren, ohnehin herabgesetzt ist (vgl. BVGE 2010/9 

E. 5.2).  

D-4006/2019 

Seite 26 

7.4  

7.4.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr 

nach Sri Lanka weiterhin vor als asylrechtlich relevant einzustufenden Be-

handlungen durch die heimatlichen Behörden zu fürchten hat. 

7.4.2 In seinem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hielt das 

Bundesverwaltungsgericht fest, dass angesichts der in den vergangenen 

Jahren aufgetretenen Verhaftungs- respektive Folterfällen von aus Europa 

zurückkehrenden sri-lankischen Staatangehörigen tamilischer Ethnie da-

von auszugehen ist, dass die sri-lankischen Behörden gegenüber Perso-

nen tamilischer Ethnie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri 

Lanka zurückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen. Da aber ins-

besondere aus statistischen Gründen nicht generell angenommen werden 

kann, dass jeder aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende ta-

milische Asylsuchende alleine aufgrund seines Auslandaufenthalts einer 

ernstzunehmenden Gefahr vor Verhaftung und Folter ausgesetzt ist, muss 

ermittelt werden, ob gewisse Personen aufgrund bestimmter Merkmale  

eher Gefahr laufen, von den sri-lankischen Behörden misshandelt zu wer-

den (vgl. a.a.O. E. 8.1 und 8.3 m.w.H.).  

7.4.3 In den vom Bundesverwaltungsgericht konsultierten Quellen sind die 

folgenden, nicht abschliessend zu verstehenden Risikofaktoren identifiziert 

worden: eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene 

Verbindung zu den LTTE, Beziehung zu einer regimekritischen politischen 

Gruppe, Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, das 

Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden (übli-

cherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Ver-

bindung zu den LTTE), Fehlen der erforderlichen Identitätspapiere bei der 

Einreise beziehungsweise Rückkehrende mit temporären Reisedokumen-

ten, zwangsweise Rückführung nach Sri Lanka oder durch die IOM (Inter-

nationale Organisation für Migration) begleitete Rückführung, (sichtbare) 

Narben, gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land sowie wohl 

auch Strafverfahren beziehungsweise Strafregistereintrag (vgl. a.a.O. 

E. 8.4 m.w.H.). Vor dem Hintergrund dieser Risikofaktoren kam das Bun-

desverwaltungsgericht im genannten Referenzurteil zum Schluss, dass im 

Kern jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nach-

teilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen 

Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den nach wie vor als 

Bedrohung wahrgenommenen tamilischen Separatismus wiederaufleben 

zu lassen, und so den sri-lankischen Einheitsstaat zu gefährden; auch nach 

dem Machtwechsel im Januar 2016 scheint es nämlich ein wichtiges Ziel 

D-4006/2019 

Seite 27 

des sri-lankischen Staates zu sein, jegliches Aufflammen des tamilischen 

Separatismus im Keim zu ersticken. Dabei fallen allerdings nicht nur be-

sonders engagierte respektive exponierte Personen unter einen entspre-

chenden Verdacht (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). Hingegen sind nicht alle Rückkeh-

renden, die eine irgendwie geartete tatsächliche oder vermeintliche, aktu-

elle oder vergangene Verbindung zu den LTTE aufwiesen, einer flüchtlings-

rechtlich relevanten Gefahr vor Verfolgung ausgesetzt, sondern nur jene, 

die aus Sicht der sri-lankischen Regierung bestrebt sind respektive einen 

wesentlichen Beitrag dazu leisten könnten, den ethnischen Konflikt im 

Land wieder aufflammen zu lassen. Ob dies zu bejahen und einer Person 

mithin die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist, ist im Einzelfall zu er-

örtern, wobei eine asylsuchende Person die für diese Beurteilung relevan-

ten Umstände glaubhaft machen muss (vgl. a.a.O. E. 8.5.3). Entsprechen-

des gilt für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekri-

tisch betätigt haben (vgl. a.a.O. E. 8.5.4). Es sind jegliche glaubhaft ge-

machten (stark und/oder schwach) risikobegründenden Faktoren in einer 

Gesamtschau und in ihrer allfälligen Wechselwirkung sowie unter Berück-

sichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berück-

sichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden muss (vgl. 

a.a.O. E. 8.5.5). 

7.4.4 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft gemacht, dass er bereits vor sei-

ner Ausreise aus Sri Lanka Opfer von Verfolgungshandlungen seitens sri-

lankischer Behördenvertreter war. Er geriet nicht zufälligerweise in den Fo-

kus der Behörden, sondern aufgrund seiner Beteiligung an dem Regime 

missliebigen Aktionen (Teilnahme an einer Protestkundgebung bezie-

hungsweise an einem Hungerstreik, mit Regimekritik verbundene Propa-

gandatätigkeiten für die TNA, Unterstützung von tamilischen Binnenflücht-

lingen, Zusammenarbeit mit dem politisch aktiveren älteren Bruder) wobei 

teilweise auch sein Bruder das eigentliche Ziel der Behörden war. Gemäss 

den glaubhaften Angaben des Beschwerdeführers war sein Vater als be-

zahlter Fahrer für die LTTE tätig – dieser dürfte in diesem Zusammenhang 

seit dem Jahr 2006 «verschwunden» sein – und weitere Verwandte bezie-

hungsweise Verschwägerte waren Mitglieder oder Anhänger regierungskri-

tischer Parteien oder Organisationen. Damit erfüllt der Beschwerdeführer 

den Risikofaktor – wenn auch untergeordneter – Verbindung zu den LTTE 

beziehungsweise zu regierungskritischen Parteien. Aufgrund der glaubhaft 

gemachten Vorgeschichte ist davon auszugehen, dass das Interesse der 

Behörden an ihm weiterhin besteht, was dadurch bestätigt wird, dass ge-

D-4006/2019 

Seite 28 

mäss seinen übereinstimmenden Angaben bei den Anhörungen und sei-

nen Gesprächen mit den Fachpersonen der (…) seine Mutter und sein jün-

gerer Bruder von den heimatlichen Behörden unter Druck gesetzt werden. 

Es ist davon auszugehen, dass die heimatlichen Behörden wegen des, 

wenn auch gemäss Angaben des Beschwerdeführers eher niederschwelli-

gen, politischen Engagements immer noch an seiner Person interessiert 

sind. Schliesslich weist er auch verschiedene Narben auf, die mit den von 

ihm geschilderten Folterungen durch Vertreter des sri-lankischen Staates 

korrelieren. Auch diese Narben können bei einer Kontrolle des Beschwer-

deführers am Flughafen dazu führen, dass die Behörden auf die vergan-

genen behördlichen Übergriffe aufmerksam und weitere Untersuchungen 

gegen ihn veranlassen würden. Damit erfüllt der Beschwerdeführer ver-

schiedene Risikofaktoren, die so zusammenspielen, dass mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit eine ihm erneut drohende flüchtlingsrechtlich relevante 

Verfolgung zu bejahen ist. Er hat somit heute noch eine begründete Furcht, 

bei einer Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevante, das heisst genügend in-

tensive und gezielt gegen ihn gerichtete Nachteile erleiden zu müssen. Die 

Wahrscheinlichkeit, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka erneut kör-

perlicher Gewalt ausgesetzt würde, ist als erheblich einzustufen. Seine 

subjektive Furcht ist aufgrund der bereits erlittenen Verfolgung objektiv 

nachvollziehbar. Die drohenden Nachteile würden ihm aus politischen 

Gründen zugefügt, weil er aufgrund seines bisherigen Engagements als 

regierungskritisch eingestuft wird. Angesichts des Umstandes, dass er von 

Mitgliedern staatlicher Behörden (Armee, CID) festgehalten und misshan-

delt wurde, ist in Anbetracht der tatsächlichen Gegebenheiten in seinem 

Heimatland nicht davon auszugehen, er könne den Schutz von anderen 

Behörden in Anspruch nehmen. Vom Vorhandensein einer innerstaatlichen 

Schutzalternative ist demnach nicht auszugehen. 

7.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die relevanten Vorbringen des Be-

schwerdeführers im Sinne von Art. 7 AsylG überwiegend glaubhaft sind 

und der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für die Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt. Aus den Akten ergeben 

sich keine Anhaltspunkte für eine Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 

AsylG. 

8.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 

vom 8. Juli 2019 ist aufzuheben, der Beschwerdeführer ist als Flüchtling 

anzuerkennen und die Vorinstanz ist anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren. 

D-4006/2019 

Seite 29 

Angesichts der Gutheissung des Hauptantrags werden der Eventual- und 

der Subeventualantrag gegenstandslos. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts des Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Vorliegend 

wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Kosten auf-

grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter 

Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 8 – 11 

VGKE) ist die Parteientschädigung auf insgesamt Fr. 2'300.– (inkl. Ausla-

gen) festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer 

diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4006/2019 

Seite 30 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 8. Juli 2019 wird aufgehoben, der Beschwerdeführer 

wird als Flüchtling anerkannt und das SEM wird angewiesen, ihm Asyl zu 

gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2'300.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

Versand: