# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 083ef1cd-0e09-51f6-a0d3-ac51ad183715
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 00.00.0000 PVG 2013 5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2013-5_0000-00-00.pdf

## Full Text

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

59

Ausstandspflicht für Mitglieder von Verwaltungsbehörden. 
Verwirkung der Ausstandseinrede.
– Politische Behörden (z. B. Gemeindeexekutiven) sind auf- 

grund ihres Amtes nicht allein zur neutralen Rechtsanwen- 
dung oder Streitentscheidung berufen; die für Gerichtsper- 
sonen geltenden Ausstandsregeln finden somit 
grundsätzlich keine direkte Anwendung auf Mitglieder einer 
Verwaltungsbehörde; wann diese in den Ausstand zu treten 
haben, bestimmt sich nach dem anwendbaren Verfahrens- 
recht und nach den aus Art. 8 Abs. 1 und 29 Abs. 1 BV her- 
zuleitenden Grundsätzen (E. 2a, b).

– Die Behandlung von Baueinsprachen ist dem Bereich der 
Rechtspflege i. S. v. Art. 23 Abs. 3 GG zuzuordnen, weshalb 
sich der Ausstand nach den Bestimmungen des VRG richtet (E. 
2c).

– Bei der Anwendung der Ausstandsregelungen ist kein Un- 
terschied zwischen grossen und kleinen Gemeinden zu ma- 
chen; unterschieden wird einzig zwischen der Verwaltung, der 
Verwaltungsjustiz und der Gerichtsbarkeit (E. 3a, b).

– Aus dem blossen Erwerb und dem Halten einer Beteiligung von 
rund 0,5 % an einer Eigentümergesellschaft, deren Be- 
triebsgesellschaft in ein kommunales Verfahren involviert ist, 
kann nicht auf ein unmit elbares Interesse des Präsi- denten 
und des Vizepräsidenten der Gemeinde am Ausgang des 
Verfahrens geschlossen werden, insbesondere wenn die 
Gesellschaft noch nie eine Dividende ausgerichtet hat (E. 3c).

– Die durch den Vizepräsidenten der Gemeinde ausgeübte 
Funktion als Verwaltungsrat einer Gesellschaft, welche zu einer 
in ein kommunales Verfahren involvierten Gesellschaft in einem 
zumindest indirekten Konkurrenzverhältnis steht, ist geeignet, 
den Anschein einer potenziellen Befangenheit zu begründen 
(E. 3d).

– Der Anspruch auf Bekanntgabe der personellen Zusam- 
mensetzung einer Behörde ist gewahrt, wenn die Namen 
einer allgemein zugänglichen Publikation entnommen wer- den 
können (E. 4a).

– Bei verspäteter Geltendmachung von Ausstandsgründen kann 
den Parteien der Grundsatz von Treu und Glauben ent- 
gegengehalten werden (E. 4b).

Dovere di ricusa per membri di autorità amministrative. Peren- zione 
dell’eccezione di ricusa.

5

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

60

– In virtù del loro mandato, le autorità politiche (ad esempio 
municipi) non sono solo chiamate ad applicare la legge o 
evadere le controversie in modo neutrale; le regole sulla ri- 
cusa che valgono per i membri dei tribunali non possono ge- 
neralmente essere diret amente applicate ad un membro 
dell’autorità amministrativa; quando tali membri debbano ri- 
cusarsi va stabilito giusta le disposizioni procedurali applica- bili e 
secondo i principi deducibili dagli art. 8 cpv. 1 e 29 cpv. 1 
Cost (cons. 2a, b).

– Il trat amento di opposizioni edilizie fa parte dell’ambito giu- 
diziario di cui all’art. 23 cpv. 3 LC, per cui la ricusa è ret a 
dalle norme della LGA (cons. 2c).

– Nell’applicazione delle regole sulla ricusa non è dato fare di- 
stinzioni tra grandi  e piccoli comuni;  si  differen- ziano 
unicamente l’amministrazione, la giustizia ammini- strativa e   
la   giurisdizione   amministrativa   (cons. 3a, b).

– Dal semplice acquisto e dalla detenzione di una partecipa- 
zione di circa lo 0,5 % di una società di proprietà per piani, la 
cui società di gestione è coinvolta in una procedura a li- vello 
comunale, non è dato concludere ad un interesse di- ret o del 
sindaco e del vicesindaco comunali all’esito della vertenza, 
soprat ut o se la società non ha mai distribuito un dividendo 
(cons. 3c).

– La funzione, assunta dal vicesindaco, quale membro del 
consiglio di amministrazione di una società coinvolta in un 
procedimento comunale che è almeno indiret amente in 
concorrenza con un’altra società, è propria a suscitare un’- 
apparenza di potenziale prevenzione (cons. 3d).

– Il dirit o di conoscere i nominativi delle persone che com- 
pongono l’autorità è salvaguardato se i nomi sono deducibili da 
una pubblicazione accessibile a tut i (cons. 4a).

– Qualora dei motivi di ricusa vengano fat i valere tardiva- 
mente, alle parti può essere opposto il principio della buona fede 
(cons. 4b).

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

61

Erwägungen:
2. a) Die Beschwerdeführerin macht zunächst in formeller 

Hinsicht geltend, der Präsident sowie der Vizepräsident der Ge- 
meinde seien Aktionäre bzw. der Vizepräsident gar Mitglied des 
Verwaltungsrates der K. AG, in deren Eigentum das Gasthaus F. 
stehe. Als solche hätten sie ein Interesse daran, dass das mit dem 
Gasthaus F. in Konkurrenz stehende Gasthaus E. nicht attraktiver 
werde, was mit dem geplanten Balkon und der Vergrösserung der 
Terrasse aber der Fall wäre. Demnach hätten sie im Baubewilli- 
gungsverfahren betreffend An- und Umbau des Gasthauses E. we- 
gen ihres unmittelbaren persönlichen Interessens in Ausstand tre- 
ten sollen. Wie es sich damit verhält, ist nachfolgend zu prüfen.

b) Der Zweck der Ausstandspflicht besteht darin, jede Be- 
fangenheit oder Interessenskollision sowie jeden entsprechen- 
den Anschein zu vermeiden. Sie soll die objektive Prüfung durch 
eine unbefangene Behörde gewährleisten. Dieselbe Zielsetzung 
gilt für die in Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltene 
Garantie des verfassungsmässigen Richters, wonach der Ein- 
zelne Anspruch darauf hat, dass seine Sache von einem unpar- 
teiischen, unvoreingenommenen und  unbefangenen  Richter 
ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Lie- 
gen bei objektiver Betrachtungsweise Gegebenheiten vor,  die 
den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreinge- 
nommenheit zu begründen vermögen, so ist die Garantie ver- 
letzt (BGE 126 I 68 E. 3a, 125 I 1 9 E. 3a, 120 Ia 184 E. 2b). Ob der 
Betreffende dabei tatsächlich befangen ist, ist nach der Recht- 
sprechung unmassgeblich. Es genügt, dass er es sein könnte. 
Diese potenzielle Befangenheit muss sich aus den objektiven 
Umständen ergeben; auf die subjektiven Empfindungen einer 
Partei kommt es nicht an (Urteile des Bundesgerichtes  
2C_583/201    vom  25.  Oktober  201    E. 4.2,  2C_732/2008  vom
24. März 2009 E. 2.2.1). Der Anspruch auf Ausstand Befangener
steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zum Anspruch auf 
gesetzmässige Zusammensetzung der Behörde; der Ausstand 
sollte im Verhältnis zur regelhaften Verfahrensordnung die Aus- 
nahme bleiben (Urteil des Bundesgerichtes 1B_243/2009  vom
14. Dezember 2009 E. 2; BGE 122 II 471 E. 3b; ALFRED KÖLZ/ISABELLE 
HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- 
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 423).

Der Gemeindevorstand ist keine richterliche Behörde, son- 
dern Organ der Verwaltung. Nach der Praxis des Bundesgerichtes 
sind politische Behörden (Kantonsregierungen, Gemeindeexekuti-

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

62

ven usw.) aufgrund ihres Amtes, anders als ein Gericht, nicht al- 
lein zur (neutralen) Rechtsanwendung oder Streitentscheidung be- 
rufen. Sie tragen zugleich eine besondere Verantwortung für die 
Erfüllung bestimmter öffentlicher Aufgaben (Urteil des Bundesge- 
richtes 2A.364/1995 vom 14. Februar 1997 in ZBl 99/1998 S. 289
E. 3b). Deshalb kann der Gehalt von Art. 30 Abs. 1 BV bzw. Art. 6 
Ziff. 1 EMRK – insbesondere in Bezug auf den Ausstandsgrund der 
Vorbefassung – nicht unbesehen auf nichtrichterliche Verwal- 
tungsorgane übertragen werden. Das Bundesgericht hat denn 
auch wiederholt entschieden, dass Behördenmitglieder nur dann  
in den Ausstand zu treten haben, wenn sie an der zu behandeln- 
den  Sache  ein  persönliches  Interesse  haben  (BGE  125  I  1 9
E. 3b – e); nimmt ein Behördenmitglied jedoch öffentliche Interes-
sen wahr, so besteht grundsätzlich keine Ausstandspflicht (Urteile 
des Bundesgerichtes 1P_48/2007 vom 1 . Juni 2007 E. 4.1, 
1P.426/1999 vom 20. Juni 2000 in ZBl 103/2002 S. 36 E. 2a). Die für 
Gerichtspersonen geltenden Ausstandsregeln finden somit 
grundsätzlich keine direkte Anwendung auf Mitglieder einer Ver- 
waltungsbehörde. Wann diese in den Ausstand zu treten haben, 
bestimmt sich ausschliesslich nach dem anwendbaren Verfahrens- 
recht und nach den aus Art. 8 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 BV herzu- 
leitenden Grundsätzen (BGE 125 I 1 9 E. 2b). Allerdings ergibt sich 
daraus für eine verwaltungsbehördliche Rechtspflegeinstanz ein 
gleichartiger (nicht ein gleicher) Anspruch (vgl. BGE 120 Ia  184
E. 2a). Der Bürger hat einen aus Art. 29 BV abgeleiteten Mindest- 
anspruch auf Unabhängigkeit und Unbefangenheit einer Verwal- 
tungsinstanz (JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in 
der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 931). Dieser reicht freilich nicht 
so weit wie die Garantie des Art. 30 Abs. 1 BV. Die verwaltungsin- 
terne Rechtspflege bietet der Natur der Sache nach nicht die glei- 
chen Verfahrensgarantien wie die Rechtsprechung durch unab- 
hängige Gerichtsbehörden. Immerhin gebieten die aus Art. 29 BV 
abgeleiteten Prinzipien, dass keine befangenen Behördenmitglie- 
der am Entscheid mitwirken. Indessen beurteilt sich wie erwähnt 
die Frage, wann Mitglieder einer Verwaltungsbehörde in den Aus- 
stand zu treten haben, nach dem anwendbaren Verfahrensrecht.

c) Der Kanton Graubünden regelt die Ausstandspflicht für 
Mitglieder von Gemeindebehörden zunächst in Art. 23 Abs. 1 GG. 
Darin ist bestimmt, ein Mitglied einer Gemeindebehörde habe bei 
der Verhandlung und Abstimmung über eine Angelegenheit in 
Ausstand zu treten, wenn es selbst oder eine mit ihm im Aus- 
schlussverhältnis im Sinne von Artikel 22 [GG] stehende Person

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

63

daran ein unmittelbares persönliches Interesse habe. Im Bereich 
der Rechtspflege richtet sich der Ausstand laut Abs. 3 derselben 
Norm nach den Bestimmungen des VRG. Vorliegend geht es um 
Rechtspflege durch den Gemeindevorstand, da Einsprachen zu be- 
handeln waren. Baueinsprachen sind nämlich mehr als blosse 
Rechtsbehelfe. Während der öffentlichen Auflage eines Baugesu- 
ches kann gemäss Art. 92 Abs. 2 KRG bei der Gemeinde schriftlich 
und begründet Einsprache erhoben werden. Für die Einsprachele- 
gitimation gelten sinngemäss die Voraussetzungen für die Pla- 
nungsbeschwerde an die Regierung. Das Einspracheverfahren ist 
damit ein förmliches Verfahren, in welchem in ihren Interessen Be- 
einträchtigte geltend machen können, das Bauvorhaben wider- 
spreche den Vorschriften des öffentlichen Rechts. Die formellen 
Vorschriften über Antrag und Begründung sind Gültigkeitsvoraus- 
setzung für die Einsprache. Die Pflicht zur Erhebung der Einspra- 
che ist formelle Voraussetzung für die spätere Teilnahme am Be- 
schwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht. Insofern kommt sie 
einem Rechtsmittel gleich und ist Bestandteil der Verwaltungs- 
rechtspflege. Das hat zur Folge, dass sich der Ausstand im vorlie- 
gend zu beurteilenden Verfahren nach den Art. 6a – 6c VRG richtet 
(vgl. Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons Graubünden R
1 41 vom 1 . Oktober 201 E. 2). Laut Art. 6a Abs. 1 VRG haben Per- 
sonen unter anderem dann in den Ausstand zu treten, wenn sie 
selbst ein unmittelbares Interesse am Ausgang des Verfahrens ha- 
ben (lit. a), sie in anderer amtlicher Stellung an einem Entscheid 
einer Vorinstanz in gleicher Sache mitgewirkt haben (lit. d) oder 
aufgrund anderer Umstände als befangen erscheinen (lit. f).

3. a) Vorliegend wird dem Präsidenten und dem Vizepräsi- 
denten der Gemeinde von der Beschwerdeführerin vorgeworfen, 
sie hätten sich aus persönlichen Interessen an der K. AG beteiligt 
bzw. der Vizepräsident führe die Geschicke dieser Gesellschaft aus 
persönlichen Interessen. Demgegenüber ist die Gemeinde der 
Auffassung, der Erwerb von je zwei Aktien à Fr. 1000.– pro Aktie an 
der K. AG sei eine ideelle Angelegenheit. Die teilweise verweigerte 
Baubewilligung habe keinen Zusammenhang mit der Tatsache, 
dass der Gemeindepräsident und der Vizepräsident bei der K. AG 
Kleinstaktionäre seien. Sie zögen keinerlei Vorteile daraus, dass 
der Beschwerdeführerin die geplante Terrasse respektive der Bal- 
kon nicht bewilligt worden sei. Aufgrund des Besitzes von jeweils 
zwei Aktien der K. AG seien auch die übrigen Tatbestände von Art. 
6a Abs. 1 VRG nicht erfüllt, zumal Art. 6a Abs. 1 lit. f VRG auf Ge- 
meinden ohnehin keine Anwendung finde. In einem derart kleinen

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

64

Dorf dürften die Ausstandsvorschriften zudem nicht zu eng ausge- 
legt werden.

b) Vorweg ist an dieser Stelle festzuhalten, dass Recht- 
sprechung und Lehre bei der Anwendung der Ausstandsregelun- 
gen keinen Unterschied zwischen grossen und kleinen Gemeinden 
machen. Unterschieden wird – wie vorstehend dargestellt – 
einzig zwischen der Verwaltung, der Verwaltungsjustiz und der Ge- 
richtsbarkeit. Während für die verwaltungsinterne Rechtspflege 
annähernd dieselben Kriterien wie für die gerichtlichen Behörden 
gelten (vgl. Art. 30 Abs. 1 BV), ist der Massstab bei der Verwal- 
tungsbehörde milder (vgl. Art. 29 Abs. 1 BV), besteht bei diesen 
doch nur dann eine Ausstandspflicht, wenn das betreffende 
Behördenmitglied oder der Beamte ein unmittelbares persönli- 
ches Interesse an dem zu behandelnden Geschäft hat (vgl. Art. 23 
Abs. 1 GG). So hat das Bundesgericht im Urteil 8C_425/2009 vom
9. Oktober 2009 entschieden, dass amtsinterne Äusserungen im 
Vorfeld eines Entscheids zulasten der Verfahrenspartei nicht aus- 
reichen, um den Anschein der Befangenheit zu erwecken. Eben- 
falls nicht ausreichend zur Annahme der Befangenheit ist gemäss 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung, wenn die Exekutive eines 
Gemeinwesens über ein Baugesuch zu 
entscheiden hat, welches ein Grundstück dieses Gemeinwesens 
betrifft (Urteil des Bundesgerichtes 1C_198/2010 vom 1 . Novem- 
ber 2010 E. 2.2.3). Demgegenüber kann ein Ausstandsgrund vor- 
liegen, wenn das betreffende Exekutivorgan zu einem früheren 
Zeitpunkt gegenüber der Partei seine persönliche Geringschät- 
zung oder Abneigung zum Ausdruck gebracht hat (Urteile des Bun- 
desgerichtes 2C_36/2010 vom 14. Juni 2010 E. 3.3, 2D_29/2009 vom
12. April 201 E. 3.3). Vor diesem Hintergrund muss die Frage nach 
der Befangenheit von Behördenmitgliedern, welche zur Wahrneh- 
mung ganz bestimmter öffentlicher Interessen verpflichtet sind, 
richtigerweise durchwegs differenziert nach den jeweiligen kon- 
kreten Verhältnissen beurteilt werden. Sowohl die behördliche Or- 
ganisation als auch die Funktionen, welche die Betreffenden ins- 
gesamt vorzunehmen haben, sowie ihre Stellung im konkreten 
Verfahren müssen massgebend sein (Urteile des Bundesgerichtes 
2D_29/2009 vom 12. April 201 E. 3.3, 2C_266/2010 vom 6. Juli 2010
E. 3.2). Nur weil ein Dorf somit klein ist, heisst das nicht, dass die 
Ausstandsregeln nicht konsequent angewendet werden müssten.

c) Dass die Beschwerdeführerin aus dem Erwerb und dem 
Halten je zweier Aktien der K. AG à Fr. 1000.– pro Aktie bei einem 
gesamten Aktienkapital von Fr. 370 000.– auf ein unmittelbares In-

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

65

teresse des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Gemeinde 
am Ausgang des vorinstanzlichen Verfahrens schliesst, erscheint 
als weit hergeholt. Einerseits sind sie lediglich Kleinstaktionäre 
mit je einer Beteiligung von 0,54 % an der Gesellschaft und somit 
mit einem verschwindend kleinen persönlichen Einfluss. Ander- 
seits sind sie lediglich Aktionäre der Eigentümergesellschaft K. 
AG, welche nicht identisch ist mit der Betriebsgesellschaft L. 
GmbH. Bereits aus diesem Grund kann das Interesse an einem für 
die Beschwerdeführerin negativen Baubescheid aber nur ein dop- 
pelt indirektes sein, was den Voraussetzungen von Art. 6a Abs. 1 
lit. a VRG, der ein unmittelbares Interesse am Ausgang des Ver- 
fahrens verlangt, nicht genügt. Aber auch Art. 6a Abs. 1 lit. f VRG, 
welcher entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin durchaus 
auf Gemeinden anwendbar ist (nicht anwendbar ist dagegen ge- 
mäss Art. 6a Abs. 3 VRG der Art. 6a Abs. 1 lit. d VRG), ist vorliegend 
aus denselben Gründen nicht verletzt. Im Übrigen spricht auch die 
Tatsache, dass die K. AG noch nie eine Dividende an seine Ak- 
tionäre ausgerichtet hat und dies aller Voraussicht nach auch in Zu- 
kunft nicht tun wird, gegen die Annahme, dass der Präsident und 
der Vizepräsident der Gemeinde das Baugesuch der Beschwerde- 
führerin nicht neutral behandelt haben, zumal diese Absicht von- 
seiten der K. AG anlässlich des Erwerbs der Aktien auch explizit so 
kommuniziert wurde. Dementsprechend hätten aber weder der 
Präsident noch der Vizepräsident finanzielle oder persönliche Vor- 
teile aus einem negativen Bauentscheid ziehen können. Viel eher 
ist denn auch davon auszugehen, dass sie die Aktien der K. AG in 
der Tat zugunsten der Existenz eines Gasthauses in B. erworben 
haben.

d) Auch die Funktion als Verwaltungsrat der K. AG, welche 
durch den Vizepräsidenten der Gemeinde unbestrittenermassen 
seit März 2006 ausgeübt wird, könnte lediglich ein mittelbares In- 
teresse am Ausgang des vorinstanzlichen Verfahrens mit sich ge- 
bracht haben, ist doch – wie vorstehend dargestellt – die K. AG 
bloss die Eigentümergesellschaft des Gasthauses F., und nicht de- 
ren Betriebsgesellschaft. Die durch den Vizepräsidenten der Ge- 
meinde ausgeübte Funktion als Verwaltungsrat bei der K. AG, wel- 
che zur Beschwerdeführerin in einem zumindest indirekten 
Konkurrenzverhältnis steht, ist jedoch – im Gegensatz zum blos- 
sen Erwerb bzw. Halten zweier Aktien an der erwähnten Gesell- 
schaft – durchaus geeignet, den Anschein einer potenziellen Be- 
fangenheit zu begründen. Eine tatsächliche Befangenheit ist, wie 
gesehen, nicht erforderlich. Nach bundesgerichtlicher Recht-

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

66

sprechung ist ein Exekutivmitglied zwar noch nicht befangen, 
wenn es gleichzeitig das Gemeinwesen in einem öffentlichen oder 
gemischtwirtschaftlichen Unternehmen vertritt und auch an den 
Entscheiden der Exekutive mitwirkt, welche die Interessen dieses 
Unternehmens berühren (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 
1P_48/2007 vom 1 . Juni 2007 E. 4.1). Im vorliegenden Fall aber, 
wo der Vizepräsident der Gemeinde aufgrund seiner Position als 
Verwaltungsrat der privaten K. AG ein aufgrund seiner Organfunk- 
tion relevantes, zumindest theoretisches, Interesse an einer Ver- 
schlechterung der Ausgangslage für den Konkurrenzbetrieb Gast- 
haus E. im betreffenden Baubewilligungsverfahren gehabt haben 
könnte, ist zumindest der Anschein der Befangenheit erweckt, 
was, wie gesehen, bereits genügt, um einen Ausstandsgrund zu 
begründen.

4. a) Der Anspruch auf eine unparteiische und  unbefan-
gene Behörde setzt die Kenntnis resp. die Bekanntgabe der perso- 
nellen Zusammensetzung der Behörde voraus, damit die Betroffe- 
nen überhaupt beurteilen können, ob sie Ausstandsgründe 
vorzubringen haben. Das Bundesgericht leitet einen entsprechen- 
den Anspruch aus Art. 30 Abs. 1 bzw. aus Art. 29 Abs. 1 BV ab. Die- 
ser ist indes bereits dann gewahrt, wenn die Namen einer allge- 
mein zugänglichen Publikation entnommen werden können 
(Urteile des Bundesgerichtes 2C_8/2010 vom 4. Oktober 2010
E. 2.2, 1C_388/2009 vom 17. Februar 2010 E. 4.1). Vorliegend ist der 
Gemeindevorstand gemäss Art. 3 Abs. 1 des kommunalen Bauge- 
setzes Baubehörde. Die Namen der Mitglieder des Gemeindevor- 
standes und damit auch der Baubehörde können zumindest der 
Homepage der Gemeinde B. entnommen werden, sodass im 
Sinne der vorstehenden Ausführungen davon ausgegangen wer- 
den muss, dass die Beschwerdeführerin schon vor Ergehen des 
Einsprache- und Baubewilligungsentscheides die Zusammenset- 
zung der Baubehörde kannte resp. kennen musste.

b) Gemäss Art. 6b Abs. 3 VRG obliegt es den Parteien, in- 
nert zehn Tagen, seit sie von einem Ausstandsgrund Kenntnis er- 
halten haben, den Ausstand bei der oder dem Vorgesetzten be- 
ziehungsweise der oder dem Vorsitzenden geltend zu machen. Bei 
verspäteter Geltendmachung von Ausstandsgründen kann den 
Parteien der aus Art. 5 Abs. 3 BV fliessende Grundsatz vonTreu und 
Glauben entgegengehalten werden. Ausstands- und Befangen- 
heitsgründe sind umgehend geltend zu machen, d. h. grundsätz- 
lich sobald der Betroffene Kenntnis von den entsprechenden Tat- 
sachen erhält. Es verstösst gegen Treu und Glauben, Einwände

2/5 Staatsorganisation PVG 2013

67

erst im Rechtsmittelverfahren vorzubringen, wenn der Mangel 
schon vorher hätte festgestellt und gerügt werden können. Wer 
den Mangel nicht unverzüglich vorbringt, wenn er davon Kenntnis 
erhält, sondern sich stillschweigend auf ein Verfahren einlässt, 
verwirkt den Anspruch auf späteres Anrufen einer (angeblich) ver- 
letzten Ausstandsbestimmung (Urteil des Bundesgerichtes 
9C_87/201 vom 1. September 201 E. 4.2; BGE 132 II 485 E. 4.3; AL- 
FRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, a. a. O., Rz. 441). Die Be-
schwerdeführerin legt dar, die von ihr geltend gemachten Be- 
schwerdegründe seien ihr erst nach Ergehen der Baubewilligung, 
nämlich erst am 8. Februar 2013, bekannt geworden. Während 
diese Behauptung für den Erwerb bzw. das Halten der je zwei Ak- 
tien an der K. AG, was jedoch wie unter Erwägung 3c erläutert 
nicht ausreicht, um einen Ausstandsgrund zu begründen, als gesi- 
chert gelten kann, ist bezüglich der Verwaltungsratsfunktion des 
Vizepräsidenten der Gemeinde in der K. AG vor dem Hintergrund 
der positiven Publizitätswirkung des Handelsregisters davon aus- 
zugehen, dass diese seit deren Eintragung im Handelsregister im 
Jahr 2006 auch der Beschwerdeführerin bekannt gewesen sein 
musste. Denn die positive Publizitätswirkung i. S. v. Art. 933 Abs. 1 
ZGB besagt, dass ein Dritter nicht einwenden könne, er habe im 
SHAB publizierte Daten nicht gekannt. Vielmehr besteht nach Art. 
933 Abs. 1 ZGB die Fiktion allgemeiner Kenntnis des Handelsregi- 
sterinhalts (BSK OR II-MARTIN K. ECKERT, 4. Aufl., Zürich 2012, Art. 
933 N. 6). Der Ausstandsgrund der Verwaltungsratsfunktion bei 
der K. AG hätte folglich schon im Baubewilligungsverfahren gel- 
tend gemacht werden müssen. Die verspätete Geltendmachung 
erst im Rechtsmittelverfahren verstösst somit gegen Treu und 
Glauben und wird auch von Art. 6b Abs. 4 VRG nicht erfasst, weil 
der Ausstandsgrund aufgrund der positiven Publizitätswirkung 
des Handelsregisters als vor dem Entscheid bekannt geworden zu 
gelten hat. Dementsprechend erweist sich der Einwand, der Präsi- 
dent sowie der Vizepräsident der Gemeinde hätten im Baubewilli- 
gungsverfahren betreffend An- und Umbau des Gasthauses E. we- 
gen ihres unmittelbaren persönlichen In- 
teressens in Ausstand treten sollen, als unbegründet bzw. in Be- 
zug auf die Verwaltungsratsfunktion des Vizepräsidenten der Ge- 
meinde als verspätet.
R 13 133 Urteil vom 1. Oktober 2013