# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5fe2273b-ded1-5257-826f-46de4c98f760
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-04-22
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 22.04.2020 RR.2019.303
**Docket/Reference:** RR.2019.303
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2019-303_2020-04-22

## Full Text

Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).

Entscheid vom 22. April 2020 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Cornelia Cova, 

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter 

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Kulle,  

 

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS 

ST. GALLEN, Kantonales Untersuchungsamt, 

Cybercrime,  

 

Beschwerdegegnerin 

 

 

 

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an 

Deutschland 

 

Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2019.303 

 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Staatsanwaltschaft München I führt ein Ermittlungsverfahren gegen B., 

C., D., E., F. und G. wegen bandenmässiger Umsatzsteuerhinterziehung 

(Verfahrensakten StA SG, act. 14, 17). 

 

 

B. In diesem Zusammenhang gelangte die Staatsanwaltschaft München I mit 

Rechtshilfeersuchen vom 4. Februar 2019 an die Staatsanwaltschaft des 

Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Altstätten, und ersuchte u.a. um 

Einvernahme von A. durch die zuständige Polizeibehörde als Zeugin (Ver-

fahrensakten StA SG, act. 14). 

 

 

C. Hierzu erliess die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersu-

chungsamt St. Gallen, am 21. März 2019 eine Eintretens- und Zwischen-

verfügung (Verfahrensakten StA SG, act. 22). 

 

 

D. Mit Schlussverfügung vom 18. Oktober 2019 entsprach die Staatsanwalt-

schaft des Kantons St. Gallen, Kantonales Untersuchungsamt, dem er-

wähnten Rechtshilfeersuchen und ordnete die Herausgabe des Einvernah-

meprotokolls von A. vom 14. Juni 2019 inkl. vorgelegte Unterlagen (im Ori-

ginal) an (act. 1.2). 

 

 

E. Dagegen gelangt A., vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Kulle, mit Be-

schwerde datiert vom 16. November 2019 (Poststempel: 18. November 

2019) an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragt 

hauptsächlich, die Schlussverfügung sei aufzuheben und dem Rechtshil-

feersuchen sei hinsichtlich der Vernehmung von A. nicht zu entsprechen. 

Ausserdem sei die Unverwertbarkeit sämtlicher Beweismittel festzustellen, 

die in Anwesenheit der deutschen Beamten anlässlich der Vernehmung am 

14. Juni 2019 erhoben worden seien (act. 1). 

 

 

F. Mit Beschwerdeantwort vom 29. November 2019 beantragt das Bundesamt 

für Justiz (nachfolgend «BJ») die kostenpflichtige Abweisung der Be-

schwerde, soweit auf diese einzutreten ist (act. 8). Die Staatsanwaltschaft 

St. Gallen, Kantonales Untersuchungsamt, beantragt mit Beschwerdeant-

- 3 - 

 

 

wort vom 16. Dezember 2019 (Poststempel: 17. Dezember 2019), die Be-

schwerde sei abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulas-

ten der Beschwerdeführerin (act. 9). 

 

 

G. Mit Beschwerdereplik vom 4. Januar 2020 lässt A. an ihren Anträgen fest-

halten. Gleichzeitig liess sie beantragen, ihr sei Einsicht in die vollständigen 

Verfahrensakten und insbesondere den Bericht der Eidgenössischen Steu-

erverwaltung ESTV vom 26. Februar 2019 zu gewähren (act. 11). 

 

 

H. Am 8. Januar 2020 wurden A. Kopien der mit Beschwerdeantwort der 

Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 16. Dezember 2019 einge-

reichten Verfahrensakten RH.2019.70 übermittelt (act. 12). 

 

 

I. Mit Eingabe datiert vom 12. Januar 2020 (Poststempel: 13. Januar 2020) 

liess sich A. unaufgefordert vernehmen (act. 14). Mit Eingabe vom 23. Ja-

nuar 2020 (Poststempel) liess A. die Ladung des Landgerichts München I 

vom 15. Januar 2020 (Einvernahme als Zeugin) einreichen (act. 16). Die 

Eingaben vom 12. und 23. Januar 2020 wurden dem BJ und der Staatsan-

waltschaft des Kantons St. Gallen zur Kenntnis gebracht (act. 15, 17). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Deutschland sind in erster 

Linie massgebend die Bestimmungen des Europäischen Übereinkommens 

vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1), 

das Zweite Zusatzprotokoll vom 8. November 2001 zum Europäischen 

Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen (ZPII EUeR; SR 

0.351.12) und der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der Schwei-

zerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über 

die Ergänzung des EUeR und die Erleichterung seiner Anwendung (ZV-

D/EUeR; SR 0.351.913.61). Ausserdem gelangen die Bestimmungen der 

Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des 

- 4 - 

 

 

Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durch-

führungsübereinkommen, SDÜ; Abl. L 239 vom 22. September 2000, 

S. 19–62) zur Anwendung (TPF 2009 111 E. 1.2). Im Verhältnis zu 

Deutschland sind ebenfalls in Kraft getreten die Bestimmungen des Ab-

kommens vom 26. Oktober 2004 über die Zusammenarbeit zwischen der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge-

meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits zur Bekämpfung von Be-

trug und sonstigen rechtswidrigen Handlungen, die ihre finanziellen Inte-

ressen beeinträchtigen (BBA; SR 0.351.926.81). 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

gelangen das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; 

SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale 

Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) zur 

Anwendung (Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt 

nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses ge-

ringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 

IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Men-

schenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2). 

 

1.3 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 

sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 

lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12 

Abs. 1 IRSG). 

 

 

2.  

2.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführen-

den Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, 

unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der 

Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (Art. 80e 

Abs. 1 IRSG). Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und 

direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdi-

ges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). 

 

Bei dem hier angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schluss-

verfügung der ausführenden kantonalen Behörde in internationalen 

Rechtshilfeangelegenheiten. Die Beschwerde erweist sich als fristgerecht. 

 

- 5 - 

 

 

2.2 Zeugen können eine rechtshilfeweise Herausgabe der Befragungsproto-

kolle anfechten, soweit ihre eigenen Aussagen auch sie selbst betreffen 

oder soweit sie sich auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen können 

(BGE 126 II 258 E. 2d/bb S. 261; 122 II 130 E. 2b S. 133; 121 II 459 E. 2c 

S. 461 f.; vgl. BOMIO/GLASSEY, La qualité pour recourir dans le domaine de 

l’entraide judiciaire internationale en matière pénale, Jusletter 13. Dezem-

ber 2010, Rz. 61; LUDWICZAK GLASSEY, Entraide judiciaire internationale en 

matière pénale, 2018, N. 665; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire inter-

nationale en matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 526). 

 

Anlässlich der Einvernahme vom 14. Juni 2019 wurde die Beschwerdefüh-

rerin von der Kantonspolizei des Kantons St. Gallen als Zeugin befragt. Die 

Beschwerdeführerin wurde namentlich in ihrer Funktion als Direktorin der 

H. AG und als Präsidentin des Verwaltungsrats der I. AG einvernommen 

und äusserte sich dabei u.a. zu ihren Funktionen bei den erwähnten Ge-

sellschaften (Verfahrensakten StA SG, act. 49). Demnach ist sie befugt, die 

Herausgabe des sie betreffenden Einvernahmeprotokolls anzufechten. 

 

2.3 Die Beschwerdeführerin beantragt, es sei die Unverwertbarkeit sämtlicher 

Beweismittel festzustellen, die in Anwesenheit der deutschen Beamten an-

lässlich der Vernehmung am 14. Juni 2019 erhoben worden seien. Die Ver-

wertbarkeit der rechtshilfeweise erhobenen Beweise ist nicht Gegenstand 

der angefochtenen Verfügung. Darüber zu entscheiden fällt auch nicht in 

die Zuständigkeit des Rechtshilferichters. Hinzu kommt, dass die Be-

schwerdeführerin es ohnehin unterlassen hat, ein aktuelles Feststellungs-

interesse darzulegen, sodass auch aus diesem Grund auf das Feststel-

lungsbegehren nicht einzutreten ist. 

 

2.4 Auf die Beschwerde ist demnach teilweise einzutreten. 

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der Ge-

währung der Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu for-

schen, die aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 132 II 81 E. 1.4; 

130 II 337 E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009 

E. 1.6; TPF 2011 97 E. 5). 

 

 

  

- 6 - 

 

 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Abteilung «Cybercrime» der 

Beschwerdegegnerin sei für den Erlass der angefochtenen Verfügung un-

zuständig (act. 1 S. 2; act. 11 S. 2). 

 

4.2 Die unterzeichnende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft des Kantons 

St. Gallen erklärt, dass sie infolge eines internen Stellenwechsels nun beim 

Kantonalen Untersuchungsamt tätig sei. Die Zuständigkeit der Staatsan-

waltschaft des Kantons St. Gallen für das vorliegende Rechtshilfeverfahren 

sei weiterhin gegeben und die Verfahrensleitung sei unverändert geblieben 

(act. 9 S. 1). 

 

4.3 Gemäss Art. 16 Abs. 1 Satz 2 IRSG obliegt den Kantonen die Ausführung 

von Ersuchen um andere Rechtshilfe, die stellvertretende Strafverfolgung 

und die Vollstreckung von Strafentscheiden, wenn das Bundesrecht nichts 

anderes bestimmt. Ist ein Kanton mit einem Fall von internationaler Rechts-

hilfe befasst, so ist die Staatsanwaltschaft zuständig (Art. 55 Abs. 1 StPO; 

vgl. BÜHLMANN, Basler Kommentar, 2015, Art. 16 IRSG N. 8). Das kanto-

nale Recht hat zu bestimmen, welche Staatsanwaltschaft zuständig ist 

(funktionale Zuständigkeit; vgl. Art. 55 Abs. 6 StPO; BÜHLMANN, Basler 

Kommentar, 2015, Art. 16 IRSG N. 17; SCHMITT, Basler Kommentar, 

2. Aufl. 2014, Art. 55 StPO N. 2). 

 

4.4 Der Kanton St. Gallen hat nur eine Staatsanwaltschaft (vgl. Art. 6 Abs. 1 

des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafpro-

zessordnung des Kantons St. Gallen vom 3. August 2010 [EG-StPO/SG; 

sGS 962.1]). Dabei wird die Ausführung von Ersuchen um andere Rechts-

hilfe weder im EG-StPO/SG noch in der Strafprozessverordnung des Kan-

tons St. Gallen vom 23. November 2010 (sGS 962.11) einem bestimmten 

Untersuchungsamt bzw. einer bestimmten Abteilung zugewiesen. Die Zu-

ständigkeit der Beschwerdegegnerin ist demnach ohne weiteres gegeben. 

 

4.5 Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

5.  

5.1 Die Beschwerdeführerin rügt, der ihr zustehende Anspruch auf rechtliches 

Gehör sei verletzt worden. Sie macht geltend, ihr seien weder die Vorprü-

fung gemäss Art. 80 IRSG noch der Bericht der ESTV vom 26. Februar 

2019 zugänglich gemacht worden (act. 1 S. 10; act. 11 S. 2 f.). 

 

- 7 - 

 

 

5.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Dieser ist formeller Natur, d.h. seine Verletzung führt ungeachtet 

der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Be-

schwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 144 I 

11 E. 5.3 S. 17 mit Hinweis auf 137 I 195 E. 2.2 S. 197; vgl. aber auch TPF 

2008 172 E. 2.3 S. 178). Der in Art. 29 Abs. 2 BV grundrechtlich verankerte 

Anspruch auf rechtliches Gehör wird im schweizerischen Rechtshilfever-

fahren durch Art. 80b IRSG und Art. 26 ff. VwVG (i.V.m. Art. 12 Abs. 1 

IRSG) konkretisiert (BGE 145 IV 99 E. 3.1 S. 108), welche sowohl in Ver-

fahren vor den Bundesbehörden als auch vor kantonalen Behörden zur An-

wendung gelangen. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklä-

rung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht 

beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung des Ein-

zelnen eingreift (BGE 127 I 54 E. 2b S. 56). 

 

5.3 Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hat die Behörde die Parteien anzuhören, 

bevor sie verfügt. Konkret muss die ausführende Behörde dem Verfolgten 

zur Wahrung des rechtlichen Gehörs vorgängig an den Erlass ihres Ent-

scheids auf konkrete und wirkungsvolle Weise die Gelegenheit geben, sich 

zum Rechtshilfeersuchen zu äussern. Eine Behörde, welche neue Unterla-

gen beizieht, auf die sie sich in ihrer Verfügung zu stützen gedenkt, ist 

grundsätzlich verpflichtet, die Beteiligten über den Beizug zu informieren 

(BGE 132 V 387 E. 6.2 S. 391; 124 II 132 E. 2b m.H.; 114 Ia 97 E. 2c; 112 

Ia 198 E. 2; 111 Ib 294 E. 2b). Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf 

sämtliche verfahrensbezogenen Akten, die geeignet sind, Grundlage des 

Entscheids zu bilden und ist auch zu gewähren, wenn die Ausübung des 

Akteneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beeinflussen ver-

mag. Es muss dem Betroffenen selber überlassen sein, die Relevanz der 

Akten zu beurteilen (BGE 132 V 387 E. 3.2 S. 389 mit Hinweis; vgl. zum 

Ganzen Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2019.344 vom 17. Januar 

2020 E. 4.4.2). 

 

Nach der Praxis des Bundesgerichts besteht grundsätzlich kein Anspruch 

darauf, zur rechtlichen Würdigung oder zur juristischen Begründung des 

Entscheids angehört zu werden (BGE 116 V 182 E. 1a S. 185; Urteile 

9C_417/2017 vom 19. April 2018 E. 4.4.1; 8C_529/2016 vom 26. Oktober 

2016 E. 4.2.2). Indessen ist das rechtliche Gehör zumindest der dadurch 

beschwerten Partei dann zu gewähren, wenn eine Behörde ihren Entscheid 

mit einer Rechtsnorm oder einem Rechtsgrund zu begründen beabsichtigt, 

die im bisherigen Verfahren nicht herangezogen wurden, auf die sich die 

beteiligten Parteien nicht berufen haben und mit deren Erhebung im kon-

kreten Fall sie nicht rechnen konnten (BGE 128 V 272 E. 5b/bb S. 278 mit 

- 8 - 

 

 

weiteren Hinweisen; vgl. auch MEYER/DORMANN, Basler Kommentar, 

3. Aufl. 2018, Art. 106 BGG N. 13, wonach das rechtliche Gehör zu gewäh-

ren ist, wenn mit der Motivsubstitution Tatsachen neu rechtliche Bedeutung 

erlangen, zu denen sich die Parteien nicht äussern konnten oder nicht zu 

äussern brauchten, weil mit ihrer Rechtserheblichkeit nicht zu rechnen war; 

vgl. zum Ganzen Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2019.344 vom 

17. Januar 2020 E. 4.4.2). 

 

5.4 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Schlussverfü-

gung vom 18. Oktober 2019 explizit auf die eingeholte Stellungnahme der 

Eidgenössischen Steuerverwaltung (act. 1.2 S. 3). Diese Stellungnahme 

war für den Ausgang des Rechtshilfeverfahrens relevant (vgl. aber auch 

hinten E. 9.3.1 in fine). Dennoch war die Beschwerdegegnerin nicht ver-

pflichtet, die Stellungnahme der Beschwerdeführerin vor Erlass der 

Schlussverfügung zuzustellen. Bei der Abklärung über die Merkmale der 

im Ersuchen erwähnten Abgaben handelt es sich um reine Rechtsfragen, 

zu welchen die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nicht zwin-

gend anhören musste. Demgemäss ist eine Verletzung von Verfahrens-

rechten in diesem Zusammenhang nicht zu erkennen. 

 

5.5 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, ihr sei die Vorprüfung ge-

mäss Art. 80 IRSG nicht zugänglich gemacht worden, ist auch dieses Vor-

bringen unbegründet. Die mit der Ausführung des Ersuchens betraute Be-

hörde prüft, ob die gesetzlich festgelegten Erfordernisse für die Gewährung 

der Rechtshilfe gegeben sind. Fällt die Vorprüfung positiv aus, so erlässt 

die ausführende Behörde eine summarisch begründete Eintretensverfü-

gung und ordnet die zulässigen Rechtshilfehandlungen an (Art. 80a Abs. 1 

IRSG). Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, dass sie keine Ein-

sicht in die Eintretens- und Zwischenverfügung vom 9. April 2019 hatte. Aus 

deren Begründung geht hervor, dass keine Ausschlussgründe ersichtlich 

seien, die den Beschuldigten vorgeworfenen Taten prima facie in der 

Schweiz strafbar seien und die beantragte Massnahme verhältnismässig 

erscheint (a.a.O., Ziff. 1–3). Das Ergebnis der Vorprüfung wurde abschlies-

send festgehalten (a.a.O., Ziff. 4; Verfahrensakten StA SG, act. 30 S. 2 ff.). 

 

5.6 Zusammenfassend ist eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdefüh-

rerin auf rechtliches Gehör nicht auszumachen. Die Beschwerde erweist 

sich auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

- 9 - 

 

 

6. Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss geltend, die Rechtshilfe sei un-

zulässig, weil Gegenstand des Verfahrens eine Tat sei, die auf eine Ver-

kürzung fiskalischer Abgaben gerichtet sei. Die Ausnahmen von Art. 3 

Abs. 3 Satz 2 lit. a und b IRSG seien nicht gegeben. Eine Anwendung des 

SDÜ und des BBA verbiete sich (act. 1 S. 3 ff.; act. 11 S. 3 ff.; act. 14 

S. 3 ff.). 

 

 

7. Die Vertragsparteien des EUeR können sich das Recht vorbehalten, die 

Erledigung von Ersuchen um Durchsuchung oder Beschlagnahme der Be-

dingung zu unterwerfen, dass die dem Ersuchen zugrunde liegende straf-

bare Handlung sowohl nach dem Recht des ersuchenden als auch nach 

dem des ersuchten Staates strafbar ist (Art. 5 Abs. 1 lit. a EUeR). Die 

Schweiz hat für die Durchführung prozessualer Zwangsmassnahmen eine 

entsprechende Erklärung angebracht (vgl. Art. 3 des Bundesbeschlusses 

vom 27. September 1966 über die Genehmigung von sechs Übereinkom-

men des Europarates, AS 1967 805 ff., 809). Art. 64 Abs. 1 IRSG bestimmt 

(für die akzessorische Rechtshilfe), dass prozessuale Zwangsmassnah-

men nur angewendet werden dürfen, wenn aus der Darstellung des Sach-

verhalts im Ersuchen hervorgeht, dass die im Ausland verfolgte Handlung 

die objektiven Merkmale eines nach schweizerischem Recht strafbaren 

Tatbestandes aufweist (vgl. zum Ganzen TPF 2015 110 E. 5.2.2). 

 

Gemäss Art. 14 EUeR müssen die Rechtshilfeersuchen insbesondere An-

gaben über den Gegenstand und den Grund des Ersuchens enthalten 

(Ziff. 1 lit. b). Ausserdem müssen sie in Fällen wie vorliegend die strafbare 

Handlung bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts enthal-

ten (Ziff. 2). Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG und Art. 10 Abs. 2 IRSV stellen 

entsprechende Voraussetzungen an das Rechtshilfeersuchen. Diese An-

gaben müssen der ersuchten Behörde die Prüfung erlauben, ob die dop-

pelte Strafbarkeit gegeben ist (Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob die Handlungen 

wegen denen um Rechtshilfe ersucht wird, nicht ein politisches oder fiska-

lisches Delikt darstellen (Art. 2 lit. a EUeR) und ob der Grundsatz der Ver-

hältnismässigkeit gewahrt wird (BGE 129 II 97 E. 3.1; TPF 2015 110 

E. 5.2.1; TPF 2011 194 E. 2.1). Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit 

nach schweizerischem Recht ist der im Rechtshilfeersuchen dargelegte 

Sachverhalt so zu subsumieren, wie wenn die Schweiz wegen des analo-

gen Sachverhalts ein Strafverfahren eingeleitet hätte (BGE 142 IV 250 

E. 5.2; 142 IV 175 E. 5.5; 132 II 81 E. 2.7.2). Zu prüfen ist mithin, ob der im 

Ausland verübte inkriminierte Sachverhalt, sofern er – analog – in der 

Schweiz begangen worden wäre, die Tatbestandsmerkmale einer schwei-

zerischen Strafnorm erfüllen würde. Die Strafnormen brauchen nach den 

- 10 - 

 

 

Rechtssystemen der Schweiz und des ersuchenden Staates nicht identisch 

zu sein (BGE 142 IV 175 E. 5.5; 132 II 81 E. 2.1; 129 II 462 E. 4.6; TPF 

2011 194 E. 2.1). Dabei genügt es, wenn der im Rechtshilfeersuchen ge-

schilderte Sachverhalt unter einen einzigen Straftatbestand des schweize-

rischen Rechts subsumiert werden kann. Es braucht dann nicht weiter ge-

prüft zu werden, ob darüber hinaus auch noch weitere Tatbestände erfüllt 

sein könnten (BGE 129 II 462 E. 4.6; vgl. zum Ganzen TPF 2015 110 

E. 5.2.2). 

 

 

8. Rechtshilfe für Umsatzsteuerhinterziehung (indirekte Steuern) 

8.1 Betrifft ein Ersuchen aus Deutschland – wie vorliegend – Straftaten aus 

dem Bereich der indirekten Fiskalität, leistet die Schweiz gestützt auf 

Art. 51 SDÜ auch bei einfachen Hinterziehungen von indirekten Steuern 

(Verbrauchssteuer, Mehrwertsteuer und Zoll; vgl. Art. 50 Abs. 1 SDÜ) 

Rechtshilfe. In diesem Bereich gilt der Ausschlussgrund gemäss Art. 3 

Abs. 3 IRSG auf Grund des Vorranges des Staatsvertragsrechts nicht. Glei-

ches ergibt sich aus Art. 31 Abs. 1 lit. a BBA. Die beim Abgabebetrug von 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geforderten erhöhten Anforde-

rungen an die Darlegung der Verdachtsmomente gelten nicht (vgl. zum 

Ganzen TPF 2015 110 E. 5.2.5 mit Hinweisen). 

 

8.2  

8.2.1 Im Rechtshilfeverkehr gemäss SDÜ im Bereich der indirekten Fiskalität 

kann Rechtshilfe verweigert werden, wenn bestimmte Deliktssummen nicht 

überschritten werden, es sei denn die Tat wird wegen ihrer Art oder wegen 

der Person des Täters von der ersuchenden Vertragspartei als sehr 

schwerwiegend betrachtet (Art. 50 Abs. 4 SDÜ; siehe auch den gleichlau-

tenden Art. 3 Ziff. 1 BBA). Beinhalten die beantragten Rechtshilfemassnah-

men eine Durchsuchung oder Beschlagnahme, so dürfen diese keinen wei-

tergehenden Bedingungen unterworfen werden als denen, dass die dem 

Rechtshilfeersuchen zugrunde liegende Tat unter anderem nach dem 

Recht einer der beiden Vertragsparteien mit einer Freiheitsstrafe oder die 

Freiheit beschränkenden Massregel der Sicherung und Besserung im 

Höchstmass von mindestens sechs Monaten bedroht ist und nach dem 

Recht der anderen Vertragspartei als Zuwiderhandlung gegen Ordnungs-

vorschriften durch Behörden geahndet wird, gegen deren Entscheidung ein 

auch in Strafsachen zuständiges Gericht angerufen werden kann, und die 

Erledigung des Rechtshilfeersuchens im Übrigen mit dem Recht der er-

suchten Vertragspartei vereinbar ist (Art. 51 lit. a und b SDÜ, welcher im 

Wesentlichen Art. 31 Ziff. 1 BBA entspricht; vgl. zum Ganzen TPF 2015 

110 E. 5.5.2). 

- 11 - 

 

 

 

8.2.2 Der Hinterziehung der Mehrwertsteuer macht sich gemäss Art. 96 Abs. 1 

des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (Mehr-

wertsteuergesetz, MWSTG; SR 641.20) strafbar, wer vorsätzlich oder fahr-

lässig die Steuerforderung zulasten des Staates verkürzt, indem er in einer 

Steuerperiode nicht sämtliche Einnahmen, zu hohe Einnahmen aus von der 

Steuer befreiten Leistungen, nicht sämtliche der Bezugssteuer unterliegen-

den Ausgaben oder zu hohe zum Vorsteuerabzug berechtigende Ausga-

ben deklariert (lit. a), eine unrechtmässige Rückerstattung (lit. b) oder einen 

ungerechtfertigten Steuererlass erwirkt (lit. c). Die einfache Mehrwertsteu-

erhinterziehung nach Art. 96 Abs. 1–5 MWSTG wird mit Busse (im unter-

schiedlichen Höchstbetrag) bestraft. Gegen entsprechende auf Einsprache 

(Art. 67 VStrR) hin erfolgte Strafverfügung (Art. 70 VStrR) kann gemäss 

Art. 72 VStrR die Beurteilung durch ein Strafgericht verlangt werden. Die 

Voraussetzung auf Seiten der Schweizer Rechtsordnung für die Gewäh-

rung von Rechtshilfe sind damit erfüllt. 

 

Das Gleiche gilt auch für die Voraussetzungen nach deutscher Rechtsord-

nung: Gemäss Rechtshilfeersuchen wird ein Ermittlungsverfahren wegen 

bandenmässiger Umsatzsteuerhinterziehung gemäss §§ 370 Abs. 1 und 3 

des deutschen Umsatzsteuergesetzes [recte: der deutschen Abgabeord-

nung] geführt. Demnach droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis 

zu zehn Jahren, d.h. die dem Rechtshilfeersuchen zugrunde liegende Tat 

wird nach dem Recht einer der beiden Vertragsparteien mit einer Freiheits-

strafe oder die Freiheit beschränkenden Massregel der Sicherung und Bes-

serung im Höchstmass von mindestens sechs Monaten bedroht. Zu zwi-

schenzeitlich im ersuchenden Staat ergangenen Entscheiden – wie von der 

Beschwerdeführerin geltend gemachte Beschlüsse des Landgerichts Mün-

chen I und des Oberlandesgerichts München – hat sich die ersuchte Be-

hörde grundsätzlich nicht zu äussern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

1C_559/2009 vom 11. Februar 2010 E. 1 mit Hinweisen). Unter Berück-

sichtigung der bestehenden Sachverhaltsdarstellung und den Beilagen 

zum Rechtshilfeersuchen bestand deshalb auch kein Anlass, Anfragen im 

Sinne der Beschwerdeführerin (vgl. act. 1 S. 7 f.) an die ersuchende Be-

hörde zu stellen. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, das Strafverfah-

ren werde demnach nur mehr wegen einfacher Steuerhinterziehung ge-

führt, ist unbehelflich, wird doch gemäss Rechtshilfeersuchen bereits die 

einfache Steuerhinterziehung gemäss § 370 Abs. 1 der deutschen Abga-

beordnung mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe be-

straft, mithin genauso mit einer Freiheitsstrafe oder die Freiheit beschrän-

- 12 - 

 

 

kenden Massregel der Sicherung und Besserung im Höchstmass von min-

destens sechs Monaten bedroht, wie die bandenmässige Steuerhinterzie-

hung. 

 

Als unbehelflich erweist sich sodann die Rüge der Beschwerdeführerin, es 

liege kein «grenzüberschreitender» Abgabebetrug vor (act. 1 S. 5). Ein 

grenzüberschreitender Sachverhalt ist kein relevantes Kriterium für die 

Rechtshilfegewährung. 

 

Rechtshilfe unter Anwendung von Zwangsmassnahmen ist im vorliegen-

den Fall somit bereits bei einfacher Hinterziehung von Mehrwertsteuer zu-

lässig, vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen Bagatellfall. Letzteres 

fällt in Anbetracht der hohen hinterzogenen Beträge (vgl. nachfolgend 

E. 8.3.2) ausser Betracht (siehe E. 8.3.4). 

 

8.3  

8.3.1 Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-

hilfeersuchen im Regelfall keine hohen Anforderungen. Es kann auch nicht 

verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvorwürfe bereits ab-

schliessend mit Beweisen belegt. Der Rechtshilferichter hat weder Tat- 

noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdi-

gung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachdarstellung im Ersu-

chen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder 

Widersprüche sofort entkräftet wird (BGE 142 IV 250 E. 6.3; 136 IV 4 E. 4.1; 

133 IV 76 E. 2.2; TPF 2011 194 E. 2.1). 

 

8.3.2 Dem Rechtshilfeersuchen bzw. dem Beschluss des Amtsgerichts München 

vom 30. Januar 2019 als dessen Beilage (vgl. Art. 10 Abs. 1 IRSV) kann – 

soweit es die Umsatzsteuerhinterziehung betrifft – im Wesentlichen folgen-

der Sachverhalt entnommen werden (Verfahrensakten StA SG, act. 14, 

17): 

 

Die Beschuldigten B., D., E., F., G. und C. sollen sich zu einem nicht ge-

nauer bekannten Zeitpunkt vor dem 1. Januar 2013 zusammengeschlos-

sen haben, um für die Zeit ab 1. Januar 2013 bis jedenfalls Mai 2018 fort-

gesetzt die Prostitutionsumsätze des Bordellbetriebs «J.» sowie auch Teile 

des sonstigen Umsatzes (Zimmermiete, Getränke, Eintritte u.ä.) des ge-

nannten Betriebs nicht der Umsatzsteuer zu unterwerfen und damit fortge-

setzt Umsatzsteuer zu hinterziehen. Die hinterzogene Umsatzsteuer be-

laufe sich auf EUR 3'780'220.–. 

 

- 13 - 

 

 

Während der genannten Zeit sei der Bordellbetrieb «J.» nacheinander in 

Form von drei Einzelunternehmen und der K. GmbH von D., E. und F. be-

trieben worden. Tatsächlicher Hintermann des Betriebs mit aller Entschei-

dungsgewalt sei jedoch durchgehend B. gewesen. Es sei hierin vor Ort von 

G. unterstützt worden. Sämtliche Prostituiertenumsätze seien vom Bordell-

betreiber der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Dies sei bisher pflichtwidrig 

nicht erfolgt. Die Nichterklärung der Prostituiertenumsätze stelle insoweit 

eine Steuerhinterziehung dar. 

 

8.3.3 Dem Ersuchen ist zu entnehmen, dass im Zusammenhang mit dem Bor-

dellbetrieb Leistungen erbracht wurden, die der Umsatzsteuer unterliegen, 

die aber nicht (vollständig) deklariert wurden. So sei von 2013 bis August 

2018 insgesamt Umsatzsteuer in Höhe von EUR 3'780'220.– verkürzt wor-

den. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen die Ausführungen 

der ersuchenden Behörde nicht als offensichtlich falsch, lückenhaft oder 

widersprüchlich zu entkräften. Der Rechtshilferichter ist mithin an die Sach-

darstellung gebunden. 

 

8.3.4 Die dargestellte Vorgehensweise würde unter schweizerischem Recht 

ohne Weiteres unter den Tatbestand der Steuerhinterziehung im Sinne von 

Art. 96 Abs. 1 lit. a MWSTG fallen. Angesichts des Umstands, dass das 

deliktische Verhalten über mehrere Jahre angehalten und hieraus auf Sei-

ten der Steuerbehörde ein bis dato bekannter Verlust von EUR 3'780'220.– 

resultiert habe, könnte die Vorgehensweise sogar als gewerbsmässig im 

Sinne von Art. 97 Abs. 2 lit. b MWSTG bezeichnet werden. Der bisher fest-

gestellte Betrag übertriff die in Art. 50 Abs. 4 SDÜ bzw. Art. 3 Abs. 1 BBA 

enthaltenen Schwellenwerte (ECU/EUR 25'000.–) des minder schweren 

Falles. Es liegt kein Bagatellfall vor. Die Voraussetzungen für die Rechts-

hilfe wegen Umsatzsteuerhinterziehung sind damit erfüllt. 

 

8.4 Nach dem Gesagten erweist sich das Ersuchen der Staatsanwaltschaft 

München I als rechtshilfefähig, soweit damit Ermittlungen bezüglich Hinter-

ziehung von Umsatzsteuern (indirekte Steuern) betroffen sind. Die Be-

schwerde ist insoweit unbegründet. 

 

 

9. Rechtshilfe für Hinterziehung von Einkommens- und Gewerbesteuern (di-

rekte Steuern) 

9.1 Das Rechtshilfeersuchen selbst führt als Gegenstand des Ermittlungsver-

fahrens bandenmässige Umsatzsteuerhinterziehung an. Dem Rechtshil-

feersuchen sind indes nicht nur die einschlägigen Vorschriften des deut-

schen Umsatzsteuergesetzes beigefügt, sondern auch jene des deutschen 

- 14 - 

 

 

Einkommensteuergesetzes und des deutschen Gewerbesteuergesetzes. 

Gemäss dem dem Rechtshilfeersuchen beigefügten Beschluss des Amts-

gerichts München vom 30. Januar 2019 sollen die Beschuldigten auch zu-

sammengewirkt haben, um Einkommen- und Gewerbesteuer zu verkürzen. 

Als Rechtsgrundlagen werden neben dem deutschen Umsatzsteuergesetz 

(«UStG») auch das deutsche Einkommensteuergesetz («EStG») und das 

deutsche Gewerbesteuergesetz («GewStG») genannt. Es muss folglich 

davon ausgegangen werden, dass Gegenstand des Rechtshilfeersuchens 

nicht nur die Hinterziehung indirekter Steuern, sondern auch die Hinterzie-

hung direkter Steuern ist. Es ist deshalb nachfolgend weiter zu prüfen, ob 

sich das Ersuchen der Staatsanwaltschaft München I soweit als rechtshil-

fefähig erweist, als es sich auf die Hinterziehung von Einkommen- und Ge-

werbesteuern (direkte Steuern) bezieht. 

 

9.2 Art. 3 Abs. 3 IRSG sieht in Übereinstimmung mit Art. 2 lit. a EUeR vor, dass 

Rechtshilfebegehren abzulehnen sind, wenn der Gegenstand des Verfah-

rens eine Tat bildet, die auf eine Verkürzung fiskalischer Abgaben gerichtet 

ist. Jedoch kann einem Ersuchen um Rechtshilfe nach dem dritten Teil des 

Gesetzes (andere Rechtshilfe) entsprochen werden, wenn das Verfahren 

einen Abgabebetrug betrifft (Art. 3 Abs. 3 lit. a IRSG). In diesem Fall besteht 

trotz des Wortlauts des Gesetzes (Kann-Vorschrift) eine Pflicht zur Rechts-

hilfeleistung, wenn die übrigen Voraussetzungen dafür erfüllt sind (BGE 

125 II 250 E. 2; TPF 2008 128 E. 5.4). Der Begriff des Abgabebetruges 

bestimmt sich hierbei nach Art. 14 Abs. 2 VStrR (Art. 24 Abs. 1 IRSV). Den 

Tatbestand gemäss Art. 14 Abs. 2 VStrR erfüllt, wer durch sein arglistiges 

Verhalten bewirkt, dass dem Gemeinwesen unrechtmässig und in einem 

erheblichen Betrag eine Abgabe, ein Beitrag oder eine andere Leistung 

vorenthalten oder dass es sonst am Vermögen geschädigt wird. Als erheb-

lich im Sinne dieser Bestimmung gelten vorenthaltene Beträge ab 

Fr. 15'000.– (BGE 139 II 404 E. 9.4 mit Hinweis). Ein Abgabebetrug muss 

nicht notwendig durch Verwendung falscher oder verfälschter Urkunden 

begangen werden, sondern es sind auch andere Fälle arglistiger Täu-

schung denkbar (BGE 139 II 404 E. 9.4; 137 IV 25 E. 4.4.3.2 m.w.H.; vgl. 

zum Ganzen TPF 2015 110 E. 5.2.3). 

 

9.3  

9.3.1 Liegt dem Rechtshilfeersuchen der Verdacht zugrunde, der Beschuldigte 

habe sich eines Abgabebetrugs schuldig gemacht, so verlangt die Recht-

sprechung, dass hinreichende Verdachtsmomente für den im Rechtshil-

feersuchen enthaltenen Sachverhalt bestehen. Damit soll verhindert wer-

den, dass sich die ersuchende Behörde unter dem Deckmantel eines von 

ihr ohne Vorhandensein von Verdachtsmomenten lediglich behaupteten 

- 15 - 

 

 

Abgabebetrugs Beweise verschafft, die zur Ahndung anderer Fiskaldelikte 

dienen sollen, für welche die Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 3 IRSG keine 

Rechtshilfe gewährt. Demnach ist es Sache der um Rechtshilfe ersuchen-

den ausländischen Behörde, in ihrem Ersuchen die Umstände darzulegen, 

aus welchen sich ergeben soll, dass der Beschuldigte arglistig gehandelt 

hat (BGE 139 II 404 E. 9.5; 125 II 250 E. 5b). Der ersuchende Staat hat 

seinem Gesuch nicht notwendigerweise die Beweismittel beizulegen; es 

genügt, wenn er diese bezeichnet und deren Existenz glaubhaft macht 

(BGE 116 Ib 96 E. 4c). Bestehen Zweifel über die Merkmale der im Ersu-

chen erwähnten Abgaben, so holt gemäss Art. 24 Abs. 3 IRSV das BJ oder 

die kantonale Vollzugsbehörde die Stellungnahme der Eidgenössischen 

Steuerverwaltung ein. Deren Bericht bindet allerdings weder die ausfüh-

rende Behörde noch die Beschwerdeinstanz (vgl. zum Ganzen TPF 2015 

110 E. 5.2.4 m.w.H.). 

 

9.3.2 Im Wesentlichen macht die ersuchende Behörde drei Umständen geltend, 

die für eine arglistige Täuschung sprächen: Der Beschuldigte B. sei als tat-

sächlicher Hintermann und Betreiber des Bordells nie nach aussen in Er-

scheinung getreten, sondern habe nach aussen nur über die Mitbeschul-

digten über das Konstrukt der Einzelunternehmen D., E. und F. sowie zu-

letzt die K. GmbH gehandelt. Weiter seien die verkürzten Umsätze nicht in 

die offizielle Buchhaltung eingeflossen. Die Finanzbehörden wären daher 

bei einer Prüfung der Buchhaltung über die tatsächlich erzielten Umsätze 

getäuscht worden. Schliesslich sei über die beiden Schweizer Gesellschaf-

ten H. AG und I. AG ein künstliches Konstrukt geschaffen worden, um die 

nichtversteuerten Gewinne aus dem Bordellbetrieb auf Konten im Ausland 

(hier in der Schweiz) zu schaffen. Hierzu hätten die genannten Gesellschaf-

ten, auf die die Beschuldigten C. dank ihrer Position als einziges Mitglied 

des Verwaltungsrats Einfluss gehabt habe, Scheinrechnungen an den Bor-

dellbetrieb gestellt. Die Gelder seien auf Konten der beiden Schweizer Ge-

sellschaften bei der Bank L. überwiesen worden, auf die die Beschuldigte 

C. im Auftrag des Beschuldigten B. Zugriff genommen habe. Auch durch 

dieses Konstrukt der Scheinrechnungen und Zwischenschaltung der ge-

nannten Schweizer Gesellschaften seien die Finanzbehörden über die tat-

sächlichen und zu versteuernden Geldzuflüsse beim Beschuldigten B. ge-

täuscht worden. Aufgrund der Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass die 

Beschuldigten B. und C. faktisch über die Konten der H. AG und der I. AG 

bei der Bank L. hätten verfügen können. 

 

9.3.3 Arglistig handelt unter anderem, wer die Steuerbehörden täuscht, indem er 

seiner Steuererklärung unrichtige oder unvollständige Unterlagen beilegt, 

welche nach Art. 110 Abs. 4 StGB als Urkunden gelten (BGE 125 II 250 

- 16 - 

 

 

E. 3c S. 253). Die Bestandteile der Buchhaltung, namentlich Bilanzen und 

Erfolgsrechnungen, sind Urkunden im Sinne von Art. 110 Abs. 4 StGB 

(BGE 129 IV 130 E. 2.2 S. 135), mit denen eine arglistige Täuschung im 

Sinne von Art. 14 Abs. 2 VStrR begangen werden kann, wenn ihr Inhalt 

unwahr ist (sogenannte verfälschte Buchhaltung) und sie der Steuererklä-

rung beigelegt werden. Die Buchhaltung wird verfälscht, wenn Einnahmen 

nicht verbucht werden (vgl. BGE 125 IV 17 E. 2c). 

 

9.3.4 Der im Rechtshilfeersuchen bzw. im Beschluss des Amtsgerichts München 

vom 30. Januar 2019 als dessen Beilage (vgl. Art. 10 Abs. 1 IRSV) darge-

legte Sachverhalt vermag den erhöhten Anforderungen an die Sachver-

haltsdarstellung zu genügen. Das Amtsgericht München hält in seinem Be-

schluss vom 30. Januar 2019 fest, dass die verkürzten Umsätze (Prostitu-

iertenumsätze sowie in Teilen anderweitige Erlöse [Zimmermieten, Ge-

tränke, Eintritte]) nicht in die offizielle Buchhaltung eingeflossen seien. Dies 

habe anhand von detaillierten Aufzeichnungen der tatsächlichen Umsätze 

für den Zeitraum Mai 2013 bis Mai 2017 nachvollzogen werden können. 

Die Unterlagen seien am 23. Juni 2017 durch Beamte des Polizeipräsidi-

ums München in einem anderweitigen Strafverfahren beschlagnahmt wor-

den. Die Erkenntnisse sind im Beschluss in einer Aufstellung betragsmäs-

sig dargestellt. Auch bei einem vermuteten Abgabebetrug kann von der er-

suchenden Behörde nicht ein strikter Beweis des Tatbestands verlang wer-

den. Es genügt, wenn sie diesen bezeichnet und deren Existenz glaubhaft 

macht. Das ist vorliegend erfüllt. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin 

vermögen die Ausführungen der ersuchenden Behörde nicht als offensicht-

lich falsch, lückenhaft oder widersprüchlich zu entkräften. Die Sachver-

haltsdarstellung genügt den Anforderungen, entgegen den Vorbringen der 

Beschwerdeführerin (act. 1 S. 9). Der Rechtshilferichter ist mithin an die 

Sachdarstellung gebunden. 

 

9.3.5 Der im Rechtshilfeersuchen geschilderte Sachverhalt zeigt auf, inwiefern 

das – von der Beschwerdeführerin bestrittene – Merkmal der Arglist vorlie-

gend erfüllt ist. Die Voraussetzungen für die Rechtshilfe sind damit auch 

erfüllt, soweit mit dem Ersuchen Ermittlungen bezüglich Einkommensteuer 

und Gewerbesteuer (direkte Steuern) betroffen sind. 

 

Die Rüge der Beschwerdeführerin, es liege kein «grenzüberschreitender» 

Abgabebetrug vor (act. 1 S. 5), erweist sich auch hier als unbehelflich. Ein 

grenzüberschreitender Sachverhalt ist kein relevantes Kriterium für die 

Rechtshilfegewährung. 

 

- 17 - 

 

 

9.4 Nach dem Gesagten erweist sich das Ersuchen der Staatsanwaltschaft 

München I auch als rechtshilfefähig, soweit damit Ermittlungen bezüglich 

Hinterziehung von Einkommensteuer und Gewerbesteuer (direkte Steuern) 

betroffen sind. Die Beschwerde ist insoweit unbegründet. 

 

 

10.  

10.1 Die Beschwerdeführerin rügt Rechtsverletzungen im Zusammenhang mit 

dem Vollzug der Einvernahme der Beschwerdeführerin. Sie macht geltend, 

den übrigen Verfahrensbeteiligten (insbesondere den Verteidigern der Be-

schuldigten in Deutschland) sei keine Gelegenheit gegeben worden, an 

den Beweiserhebungen in der Schweiz teilzunehmen. Sie macht weiter gel-

tend, sie hätte nicht als Zeugin einvernommen werden dürfen. Schliesslich 

habe die Eintretens- und Zwischenverfügung vom 9. April 2019 die Anwe-

senheit von Beamten der Steuerfahndung, und zwar von Herrn M., Herrn 

N. oder Frau O. erlaubt. Tatsächlich sei aber nicht nur ein, sondern seien 

zwei Beamte, nämlich Herr M. und Herr N. anwesend gewesen (act. 1 

S. 10 ff.). 

 

10.2 Soweit die Beschwerdeführerin (stellvertretend) die Verletzung der Teilnah-

merechte der Beschuldigten geltend macht, macht sie keine Verletzung ei-

gener Rechte geltend. Auf das Vorbringen ist deshalb nicht einzutreten. 

 

10.3  

10.3.1 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Satz 2 IRSG gilt für Prozesshandlungen das in Straf-

sachen massgebende Verfahrensrecht, mithin die StPO. 

 

10.3.2 Die StPO sieht für die Einvernahme von Personen drei unterschiedliche 

Varianten vor: Einvernahme der beschuldigten Person (Art. 157 ff. StPO), 

Einvernahme von Zeuginnen und Zeugen (Art. 162 ff. StPO) sowie Einver-

nahme von Auskunftspersonen (Art. 178 ff. StPO; vgl. auch Art. 187 Abs. 2 

StPO, wonach für die Einvernahme von Sachverständigen die Vorschriften 

über die Zeugeneinvernahme anwendbar sind). Jede Befragung hat zwin-

gend in Form einer dieser Varianten zu erfolgen, wobei das Gesetz auch 

vorgibt, in Bezug auf welche Personen welche Variante einzuhalten ist. Als 

beschuldigte Person gilt nach Art. 111 Abs. 1 StPO, «die Person, die in 

einer Strafanzeige, einem Strafantrag oder von einer Strafbehörde in einer 

Verfahrenshandlung einer Straftat verdächtigt, beschuldigt oder angeklagt 

wird». Zeuge oder Zeugin hingegen ist nach Art. 162 StPO «eine an der 

Begehung einer Straftat nicht beteiligte Person, die der Aufklärung die-

nende Aussagen machen kann und nicht Auskunftsperson ist». Die Aus-

kunftsperson schliesslich nimmt eine Mittelstellung zwischen beschuldigter 

- 18 - 

 

 

Person und Zeuge ein (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheit-

lichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085, 1208). Als Auskunftsper-

son wird unter anderem nach Art. 178 StPO befragt, wer «ohne selber be-

schuldigt zu sein, als Täterin, Täter, Teilnehmerin oder Teilnehmer der ab-

zuklärenden Straftat oder einer anderen damit zusammenhängenden Straf-

tat nicht ausgeschlossen werden kann» (lit. d). In welcher Eigenschaft eine 

Person in einem Strafverfahren einvernommen wird, bestimmt sich primär 

nach dem gegen sie bestehenden Tatverdacht: Besteht ein Verdacht, ist 

die Person als beschuldigte Person zu behandeln und einzuvernehmen; 

steht sie ausserhalb jeden Verdachts, so ist sie als Zeugin zu befragen; 

besteht gegen eine einzuvernehmende Person zwar kein hinreichender 

Tatverdacht, um sie als beschuldigte Person erscheinen zu lassen, kann 

aber gleichzeitig eine Tatbeteiligung nicht gänzlich ausgeschlossen wer-

den, ist sie als Auskunftsperson zu befragen (BGE 144 IV 97 E. 2.1.1). Ob 

eine Person als Zeugin, Auskunftsperson oder beschuldigte Person zu be-

fragen ist, entscheidet der Einvernehmende, das heisst, die zuständige 

Strafbehörde. Dieser Entscheid über die Eigenschaft, in welcher die Person 

befragt wird, wird aufgrund der im Zeitpunkt der Befragung bestehenden 

Sach- und Rechtslage getroffen. Daraus folgt, dass ein einmal getroffener 

Entscheid betreffend die prozessuale Rolle des Einzuvernehmenden nicht 

mehr Bestand haben kann, wenn sich die für diesen Entscheid massge-

benden, bekannten Verhältnisse geändert haben (DONATSCH, in: Do-

natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-

prozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 178 StPO N. 10). Dabei steht es weder 

im Ermessen der zuständigen Strafbehörde, in welcher Rolle eine Person 

einzuvernehmen ist, noch hat die Einzuvernehmende diesbezüglich ein 

Wahlrecht oder einen Anspruch. Ist von einer Konstellation gemäss 

Art. 111, 162 oder 178 StPO (beziehungsweise Art. 187 Abs. 2 StPO) aus-

zugehen, ist die einzuvernehmende Person zwingend als Beschuldigte, 

Zeugin beziehungsweise Auskunftsperson zu befragen (BGE 144 IV 97 

E. 2.1.3; vgl. zum Ganzen TPF 2014 16 E. 2.2.3; TPF 2010 150; Entscheid 

des Bundesstrafgerichts RR.2016.159 vom 16. November 2016 E. 3.1; 

LUDWICZAK GLASSEY, Entraide judiciaire internationale en matière pénale, 

2018, N. 528 f.). 

 

10.3.3 Die Beschwerdegegnerin weist mit Recht darauf hin, dass im Rechtshilfeer-

suchen festgehalten wird, dass nach den bisherigen Ermittlungen keine An-

haltspunkte dafür bestünden, dass die Beschwerdeführerin an den den Be-

schuldigten zur Last gelegten Taten in strafbarer Weise beteiligt sei. Solche 

Anhaltspunkte ergeben sich auch nicht aus der Sachverhaltsdarstellung 

oder aus den Beilagen des Rechtshilfeersuchens. So spricht beispiels-

weise der Fragenkatalog der deutschen Behörden für die Einvernahme der 

- 19 - 

 

 

Beschwerdeführerin (Verfahrensakten StA SG, act. 18 f.) gerade nicht für 

eine potentielle Beschuldigtenstellung der Beschwerdeführerin. Es ist des-

halb nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin die Beschwer-

deführerin als Zeugin gemäss den Art. 162 ff. StPO einvernommen hat. Die 

Rüge erweist sich insoweit als unbegründet. 

 

10.4 Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich geltend macht, die Eintretens- 

und Zwischenverfügung vom 9. April 2019 habe die Anwesenheit von Be-

amten der Steuerfahndung, und zwar von Herrn M., Herrn N. oder Frau O. 

erlaubt, tatsächlich sei aber nicht nur ein, sondern seien zwei Beamte, näm-

lich Herr M. und Herr N. anwesend gewesen, vermag die Beschwerdefüh-

rerin in keiner Weise darzulegen, inwiefern sie durch den geltend gemach-

ten Umstand einen Nachteil erlitten haben könnte. Ein solcher Nachteil ist 

auch nicht ersichtlich. Auf das Vorbringen ist deshalb nicht einzutreten. 

 

 

11. Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde in allen Punkten als un-

begründet. Sie ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsge-

bühr ist auf Fr. 3'500.– festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 

StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafge-

richts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigun-

gen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter Anrechnung 

des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 

 

12.2 Der Vollständigkeit halber ist in Bezug auf die von der Beschwerdegegnerin 

beantragte Entschädigung festzuhalten, dass sie als Korrelat zur fehlenden 

Kostenpflicht (vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG) trotz Obsiegens keinen Anspruch 

auf Parteientschädigung hat (vgl. BEUSCH, in: Auer/Müller/Schindler 

[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 

2. Aufl. 2019, Art. 64 VwVG N. 10; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozes-

sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, N. 4.66). 

 

- 20 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'500.– wird der Beschwerdeführerin auferlegt, 

unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 

 

 

Bellinzona, 22. April 2020 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Andreas Kulle 

- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Kantonales Untersuchungsamt, 

Cybercrime 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).