# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5536bd2b-50bc-5da5-af6a-48fbf5b4b9c9
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-05-29
**Language:** de
**Title:** Kantonsgericht 1. Abteilung 29.05.2019 A1 2016 38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/XX_Upload/ZG_UPL_001_A1-2016-38_2019-05-29.pdf

## Full Text

A1 2016 38.docx 

1. Abteilung A1 2016 38 

 

Kantonsrichter lic.iur. St. Szabó, Abteilungspräsident 

Kantonsrichter lic.iur. L. Krähenbühl 

Kantonsrichter Dr.iur. A. Staub 

Gerichtsschreiber MLaw R. Ackermann 

 

 

 

Entscheid vom 29. Mai 2019 

 

 

in Sachen 

 

 

A.________, 

vertreten durch RA lic.iur. B.________, 

Kläger, 

 

gegen 

 

C.________, 

vertreten durch RA lic.iur. D.________, 

Beklagte, 

 

 

betreffend 

 

 

Scheidung der von den Parteien am tt.mm.2008 vor dem Zivilstandsamt E.________ geschlosse-

nen Ehe 

 

 

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Rechtsbegehren  

 

Kläger 

1. Die am tt.mm.2008 vor dem Zivilstandesamt E.________ geschlossene Ehe der Parteien sei 

 gestützt auf Art. 114 ZGB zu scheiden. 

2.  Die elterliche Sorge über den gemeinsamen Sohn F.________, geb. tt.mm.2009, 

 sei den Parteien gemeinsam zu belassen. 

3.  Der gemeinsame Sohn F.________ sei in die Obhut des Klägers zu geben. Der Beklagten 

sei ein angemessenes Besuchs- und Ferienrecht einzuräumen. 

 Eventualiter: 

 Der gemeinsame Sohn F.________ sei den Parteien in alternierende Obhut zu geben. Der 

Betreuungsantell des Klägers habe 60 % zu betragen, jener der Beklagten 40 %. Der Kläger 

habe F.________ jeweils in den geraden Wochen sowie am Mittwoch ab Schulschluss bis 

19.00 Uhr zu betreuen, die Beklagte habe F.________ jeweils in den ungeraden Wochen zu 

betreuen. Der Wohnsitz des Kindes sei beim Kläger festzulegen.  

 Der Kläger habe die Betreuung von F.________ an den katholischen Feiertagen 

Fronleichnam, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen und Maria Empfängnis zu übernehmen. An 

den übrigen Feiertagen habe jede Partei die Betreuung von F.________ abwechselnd zur 

Hälfte zu übernehmen. An Weihnachten habe die Beklagte die Betreuung von F.________ 

jeweils am 24. Dezember zu übernehmen, der Kläger am 25. Dezember. An Ostern habe die 

Beklagte in den geraden Jahren und der Kläger in den ungeraden Jahren die Betreuung von 

F.________ von Karfreitag bis Ostermontag zu übernehmen.  

 Jede Partei habe während der Schulferien die Betreuung von F.________ zur Hälfte zu 

übernehmen. Dabei gelte, dass der Kläger während der ersten Hälfte und die Beklagte 

während der zweiten Hälfte der jeweiligen Schulferien die Betreuung wahrnimmt. 

4.  Die Beklagte habe dem Kläger an den Unterhalt des gemeinsamen Sohnes F.________ 

einen monatlichen, vorauszahlbaren und ab Verfall zu 5 % verzinslichen Unterhaltsbeitrag 

zuzüglich allfälliger Kinder- und Ausbildungszulagen wie folgt zu bezahlen: 

− Bis am 31. Oktober 2019: CHF 800.00; 

− Ab 1. November 2019 bis 31. Oktober 2021: CHF 1'000.00; 

− Ab 1. November 2021 bis zum ordentlichen Abschluss der Erstausbildung: CHF 1'200.00. 

 Die Unterhaltsbeiträge seien gerichtsüblich zu indexieren. 

 Eventualiter (für den Fall der alternierenden Obhut):  

 Jede Partei habe die während des Zusammenlebens mit dem Kind anfallenden Kosten für  

Wohnen, Einrichtung (samt Unterhalt der Einrichtung und der Wohnung), Essen, Ferien,  

Körperhygieneprodukte, Pyjama und Hausschuhe (ausgenommen Finken für die Schule), 

Büromaterial, Fremdbetreuungskosten usw. zu übernehmen.  

 Von den Parteien sei ein gemeinsames Konto zu eröffnen. Der Kläger habe das gemeinsame 

Konto zu verwalten, wobei er die Beklagte mit monatlichen Auszügen über den Geldfluss zu 

informieren habe. Der Kläger habe monatlich CHF 100.00 auf dieses Konto zu bezahlen, die 

Beklagte monatlich CHF 400.00. Zudem sind die Kinder- und Ausbildungszulagen auf dieses 

Konto einzuzahlen. Mit dem gemeinsamen Konto seien die anfallenden Fixkosten des Kindes 

für die Krankenkassen, die Abonnemente des öffentlichen Verkehrs, den Musikschulunter-

richt, die Miete oder der Kauf von Musikinstrumenten, der Sportunterricht, die Miete oder der 

Kauf von Sportartikeln und Sportbekleidung, Velo und andere Fortbewegungsmittel, 

Vereinsbeiträge, Jahresabonnemente für Freizeitinstitutionen (z.B. Tierpark, Verkehrshaus 

etc.), die Schulgebühren (exkl. Kosten für Modulare Tagesschule) sowie die Kleider 

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(ausgenommen Pyjama und Hausschuhe) zu bezahlen. Reichen die von den Parteien 

einbezahlten Beträge zur Deckung der anfallenden Fixkosten nicht aus, so seien die Parteien 

zu verpflichten, Nachzahlungen im Verhältnis 1:4 zu leisten (Kläger 1, Beklagte 4).  

5.  Ausserordentliche Kinderkosten (wie Sehhilfen, Zahnkorrekturen, schulische Förderungs-

massnahmen, Schüleraustauschprogramme usw.) seien nach vorgängiger Absprache und 

nach Vorlage der entsprechenden Rechnungen von den Parteien je hälftig zu tragen, soweit 

nicht Dritte für die Kosten aufkommen. 

6.  Auf die Zusprechung eines nachehelichen Unterhaltsbeitrages sei zu verzichten. 

7.  Die Parteien seien wie folgt güterrechtlich auseinanderzusetzen:  

7.1  Nachfolgende Gegenstände seien dem Kläger zu Alleineigentum zuzuweisen:  

− Sein Ehering in Weissgold von Bulgari 

− Clubtisch (Glas), dreiteilig 

− Lampe Esstisch LED (drei Spots) 

− Esstisch (Granit, schwarz) 

− Grill, gross (inkl. Zubehör) 

− Power Plate (inkl. Zubehör) 

− Sofahöcker deSede (weiss, viereckig) 

− Grosse Pflanze mit Topf 

− Samsung TV schwarz 

− Xbox 360 (inkl. Zubehör und Harddisk) 

− Sonnenschirm gross (mit Steinplatten) 

− IKEA PAX Schränke (sechs Eckschränke, elf Doppelschränke) 

− Kellergestell Metall 

− Weihnachtsdekoration (über hundert Kugeln, plus Figuren) 

− Externe Weihnachtsdekoration (für draussen) 

− Externer Handtuchheizkörper (externe Heizung Umziehraum UG) 

− Stehlampen (3 Stück) 

− Gartengeräte (Rasenmäher, Laubbläser, Schaufeln, etc.) 

− Küchenartikel (Unterdruck Gerät, Weingläser) 

− Kinderzimmerausrüstung (Bett mit Rutsche, Gestell, Kisten) 

− Ganglampen (ca. sechs bis acht Stück) 

− Treppenlampen (drei Stück) 

− Grosse hängende Treppenlampe 

 Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger die soeben genannten Gegenstände nach 

Rechtskraft des Scheidungsurteils auf erstes Verlangen auszuhändigen.  

7.2  Die in Bezug auf die Grundstücke Nr. BA.________, Nr. BB.________, Nr. BC.________, 

Nr. BD.________, Nr. BE.________, alle GB G.________, bestehende einfache Gesellschaft 

der Parteien sei aufzulösen und die sich im Gesamteigentum der Parteien befindlichen 

Grundstücke Nr. BA.________, Nr. BB.________, Nr. BC.________, Nr. BD.________, 

Nr. BE.________, alle GB G.________, seien dem Kläger zu alleinigem Eigentum 

zuzuweisen, dies unter Leistung einer Entschädigung von CHF 117'500.00 an die Beklagte. 

Der Kläger habe sämtliche auf den Grundstücken lastende Hypothekarschulden zu 

übernehmen. Der Kläger habe die finanzierende Bank anzuweisen, die Hypotheken auf  ihn 

alleine zu übertragen und die Beklagte aus der Solidarhaftung zu entlassen.  

 Dem Kläger sei nach Durchführung des Beweisverfahrens Gelegenheit zu geben, die an die 

Beklagte zu leistende Entschädigung zu bereinigen. 

7.3  Die Beklagte habe dem Kläger CHF 11'549.00 zu bezahlen. 

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7.4  Die Beklagte habe dem Kläger aus Güterrecht CHF 188'627.85 zu bezahlen. 

7.5  Dem Kläger sei nach Durchführung des Beweisverfahrens die Gelegenheit zur Bereinigung 

seiner Forderung aus Güterrecht sowie seiner güterrechtlichen Anträge zu geben.   

8.  Die während der Ehe bis zum Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens geäufneten 

Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge der Parteien seien nach Art. 122 ZGB je hälftig 

aufzuteilen und auszugleichen. 

9.  Die Anträge der Beklagten seien abzuweisen, sofern sie nicht mit jenen des Klägers  

übereinstimmen. 

10.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zulasten der Beklagten. 

 

 

Beklagte 

1.  Die am tt.mm.2008 vor dem Zivilstandsamt E.________ geschlossene Ehe der Parteien sei 

gestützt auf Art. 114 ZGB zu scheiden. 

2.  Der gemeinsame Sohn F.________, geb. tt.mm.2009, sei unter der gemeinsamen elterlichen 

Sorge zu belassen. 

3. a)  Der gemeinsame Sohn F.________ sei unter der gemeinsamen/geteilten Obhut der Eltern zu 

belassen.  

3. b)  Eventualiter: Der gemeinsame Sohn F.________ sei unter die Obhut der Mutter zu stellen. 

4.  Es sei festzustellen, dass F.________ seinen Wohnsitz bei der Mutter hat. 

5.  Der Vater sei zu berechtigen und zu verpflichten, den gemeinsamen Sohn F.________ wie 

folgt zu betreuen: 

− Jeweils jedes zweite Wochenende von Freitag nach Krippe/Schule bzw. ab 17.00 Uhr bis 

Sonntagabend 18.00 Uhr. 

− Jeweils am Montag ab 07.00 Uhr bis abends 19.00 Uhr und am Mittwoch von 07.00 Uhr 

bis abends 19.00 Uhr. 

 Das Betreuungswochenende des Vaters verlängere sich, sofern ein schulfreier Tag an ein 

Betreuungswochenende des Vaters angrenze vom Vorabend nach Krippenende/Schulende 

bzw. ab 17.00 Uhr bis zum Ende des Feiertages 19.00 Uhr. 

6.  Der Vater sei zu berechtigen und zu verpflichten, den Sohn F.________ jeweils in der ersten 

Hälfte der Schulferien und am 25. Dezember zu betreuen. 

7.  Die AHV-Erziehungsgutschriften seien den Parteien je zur Hälfte anzurechnen. 

8.  Es sei festzustellen, dass jeder Elternteil diejenigen Kosten für das Kind F.________, die 

während der Zeit, die es beim betreuenden Elternteil verbringe, je selber zu tragen habe. 

9.  Der Vater sei zu verpflichten, mit Wirkung ab Rechtskraft des Scheidungsurteils an den Un-

terhalt des Kindes F.________ mindestens bis zum erfüllten 18. Altersjahr und längstens bis 

zum ordentlichen Abschluss einer angemessen Ausbildung einen monatlichen Unterhaltsbei-

trag von CHF 1'000.00 zuzüglich Kinder- und Familienzulagen zu bezahlen, zahlbar jeweils 

im Voraus auf den Ersten des Monats. Der Unterhaltsbeitrag sei wie folgt aufzuschlüsseln:   

 Für F.________: 

 a) Barunterhalt: CHF 1'000.00 zuzüglich Kinderzulage von derzeit CHF 200.00 

 b) Betreuungsunterhalt: CHF 0.00 

10.  Die Mutter sei zu verpflichten, die regelmässig anfallenden Kinderkosten, wie Alltagsbeklei-

dung, Krankenkasse, Gesundheitskosten, Sport- und Musikkosten, Freizeitkurse, Sportbe-

kleidung und Ausrüstung, ausserschulische Betreuung, wie Hort- und/oder Krippenkosten, 

Schulkosten oder schulergänzende Betreuung, Kosten für den öffentlichen Verkehr, Handy, 

Taschengeld zu bezahlen. 

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11.  Ausserordentliche Kosten, wie Zahnkorrekturen, Sehhilfen und schulische Fördermassnah-

men seien, soweit diese nicht durch Versicherungsleistungen oder anderweitig gedeckt sind, 

von den Ehegatten nach vorgängiger Absprache je zur Hälfte zu übernehmen. 

12.  Jeder Elternteil sei zu verpflichten, die Kosten für das Kind F.________, die während den Fe-

rien bei ihm anfallen, seien es die Kosten für den Ferienhort oder Ferienaufenthalt bzw. Aus-

flüge, etc. selber zu tragen. 

13.  Es sei festzustellen, dass gegenseitige Unterhaltszahlungen gestützt auf Art. 125 ZGB nicht 

geschuldet seien. 

14.  Der Kinderunterhalt sei praxisgemäss zu indexieren. 

15.  Die ehelichen Liegenschaften GS BA.________, GS BB.________, GS BD.________, 

GS BE.________, alle Grundbuch G.________, seien unter Auflösung der einfachen Gesell-

schaft ins Alleineigentum der Beklagten zu übertragen gegen Übernahme sämtlicher auf den 

Grundstücken lastenden Hypothekarschulden. 

16.  Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger einen Betrag von CHF 104'118.00 zu bezahlen 

gegen Übernahme der Liegenschaft, zahlbar innerhalb von 30 Tagen nach Rechtskraft des 

Scheidungsurteils. 

17.  Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten folgende Möbel zu übergeben: 

− Weisser PC-Monitor 

− 2 Gartenstühle und ein kleiner Gartentisch 

− Tragbares Cheminée 

− Kärcher Staubsauer 

− Weisser zweitüriger Schrank 

18. a) Auf das Splitting der Pensionskasse bzw. Freizügigkeitsguthaben sei zu verzichten. 

18. b) Eventualiter: Die Pensionskasse der Beklagten sei gerichtlich anzuweisen, gestützt auf 

Art. 122 ZGB i.V.m. Art. 280 ZPO den Betrag von CHF 30'900.50 auf die Pensionskasse des 

Klägers bei der H.________ zu übertragen. 

19.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers. 

 

 

Sachverhalt 

 

1. Die Parteien heirateten am tt.mm.2008 vor dem Zivilstandsamt E.________. Aus der Ehe ist 

der Sohn F.________, geb. tt.mm.2009, hervorgegangen. 

 

2. Mit Eingabe vom 23. Juni 2016 reichte der Kläger beim Kantonsgericht Zug gegen die Be-

klagte eine unbegründete Scheidungsklage ein (act. 1). 

 

3. Am 26. Juli 2016 wurde F.________ vom Referenten angehört (act. 11). 

 

4. An der Einigungsverhandlung vom 25. Oktober 2016 wurde festgestellt, dass der Schei-

dungsgrund gegeben ist. Eine Einigung über die Nebenfolgen konnte nicht erzielt werden 

(act. 14). Mangels Einigung wurde dem Kläger mit Schreiben vom 26. Oktober 2016 Frist zur 

Einreichung einer begründeten Klage angesetzt (act. 15). 

 

5. Mit Entscheid vom 26. Oktober 2016 ordnete der Referent ein Verkehrswertgutachten der 

ehelichen Liegenschaft I.________ an (GS BA.________, GS BB.________, 

Nr. BC.________, GS BD.________, GS BE.________; alle Grundbuch G.________; act. 

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16). Nachdem keine Ausstandsgründe geltend gemacht wurden, ersuchte der Referent mit 

Schreiben vom 28. November 2016 J.________ um die Feststellung des Verkehrswertes.  

 

6. Die begründete Scheidungsklage erfolgte mit Eingabe vom 21. Dezember 2016 (act. 24).  

 

7. Am 7. März 2017 reichte die Beklagte die Klageantwort ein (act. 28). 

 

8. Ebenfalls am 7. März 2017 ging die Verkehrswertschätzung von J.________ am Kantonsge-

richt Zug ein (act. 30). Mit Eingabe vom 10. April 2017 verlangte der Kläger, es sei eine an-

dere sachverständige Person mit der Erstellung des Verkehrswertgutachtens zu beauftragen. 

Eventualiter habe der Sachverständige das Gutachten in zweier lei Hinsicht zu erläutern 

(act. 34). Mit Schreiben vom 28. April 2017 beantwortete J.________ die vom Kläger gestell-

ten Ergänzungsfragen (act. 36).  

 

9. Mit Schreiben vom 5. Juli 2017 wurden die Parteien zur Parteibefragung und Instruktionsver-

handlung vorgeladen. Betreffend die Instruktionsverhandlung wurde den Parteien mitgeteilt, 

dass nach dem Versuch einer Einigung der Sachverhalt ergänzt werden könne. Diesbezüg-

lich erfolgte der Hinweis auf das Novenrecht (Art. 229 Abs. 1 ZPO; act. 44). Die Parteibefra-

gung und Instruktionsverhandlung fand am 3. Oktober 2017 statt. Nachdem der Versuch ei-

ner Einigung gescheitert war, erstattete der Kläger im Rahmen der Ergänzung des Sachver-

halts die Replik (act. 46) und reichte die neuen Beilagen act. 46/98–141 ein. Anschliessend 

beantragte die Beklagte die Ansetzung einer Frist zur schriftlichen Stellungnahme. Der Refe-

rent hiess diesen Antrag gut und setzte der Beklagten mit Schreiben vom 12. Oktober 2017 

eine Frist zur schriftlichen Duplik (act. 47). 

 

10. Am 10. November 2017 reichte die Beklagte die Duplik ein (act. 53). 

 

11. Im Rahmen des allgemeinen Replikrechts nahm der Kläger mit Eingabe vom 20. Novem-

ber 2017 zur Duplik Stellung (act. 56). Die Beklagte antwortete mit schriftlicher Stellung-

nahme vom 11. Dezember 2017 (act. 57), worauf der Kläger am 11. Januar 2018 innert er-

streckter Frist eine weitere Eingabe einreichte (act. 59). 

 

12. Am 18. September 2018 fand zwecks Vergleichsgesprächen eine weitere Instruktionsver-

handlung statt, an welcher sich die Parteien erneut nicht einigen konnten (act. 64). 

 

13.  Nach der Instruktionsverhandlung wurden von den Parteien mit Entscheid vom 19. Septem-

ber 2018 diverse Urkunden ediert (act. 65). 

 

14.  Am 23. Januar 2019 fand die Hauptverhandlung statt. Die Parteien präzisierten ihr Rechtsbe-

gehren und stellten die eingangs erwähnten Anträge (act. 71; act. 73). 

 

 

Erwägungen 

 

1. Das Gericht tritt auf eine Klage ein, sofern die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 59 

ZPO). Diese prüft das Gericht von Amtes wegen (vgl. Art. 60 ZPO).  

 

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1.1 Zu den Prozessvoraussetzungen gehören unter anderem die örtliche und sachliche Zustän-

digkeit des Gerichts (Art. 59 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b ZPO). Für eherechtliche Klagen ist das 

Gericht am Wohnsitz einer Partei zwingend zuständig (vgl. Art. 23 Abs. 1 ZPO; Siehr, Basler 

Kommentar, 3. A. 2017, Art. 23 ZPO N 19a). Bei Einleitung des Scheidungsverfahrens wohn-

ten beide Parteien in K.________. Somit ist das Kantonsgerichts Zug in örtlicher und gestützt 

auf Art. 4 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 27 Abs. 1 GOG sowie Art. 198 lit. c ZPO auch in sachlicher 

und funktioneller Hinsicht zur Beurteilung der vorliegenden Klage zuständig.  

 

1.2 Andere Prozesshindernisse sind nicht ersichtlich, weshalb auf die Klage einzutreten ist.  

 

2. Vor der materiellen Prüfung der Scheidungsklage ist in prozessualer Hinsicht zu beurteilen, 

in welchem Zeitpunkt vorliegend der Aktenschluss betreffend die güterrechtliche Auseinan-

dersetzung eingetreten ist.  

 

2.1 Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, der Aktenschluss sei bereits an der Instruktions-

verhandlung vom 3. Oktober 2017 eingetreten. Folglich seien insbesondere die Ausführun-

gen der Beklagten in der Duplik vom 10. November 2017 verspätet erfolgt und nicht mehr zu 

berücksichtigen. Nach dem ersten Schriftenwechsel habe der Referent zur Instruktionsver-

handlung vom 3. Oktober 2017 vorgeladen. Im Rahmen der Vorladung habe der Referent da-

rauf hingewiesen, die Parteien hätten im Rahmen der Instruktionsverhandlung die Möglich-

keit zur Ergänzung des Sachverhaltes. Zudem habe er auf die Novenschranke gemäss 

Art. 229 ZPO hingewiesen. An der Instruktionsverhandlung habe der Kläger im Rahmen ei-

nes als Replik bezeichneten Vortrages seine bisherigen Tatsachenvorbringen ergänzt und 

neue Urkunden eingereicht. Die Beklagte habe an der Instruktionsverhandlung jedoch keine 

neuen Tatsachen vorgetragen und auch keine neuen Beweismittel eingereicht (act. 70 S. 5). 

 

2.2 Die Beklagte weist die Rechtsauffassung des Klägers zurück und macht geltend, der Akten-

schluss sei erst nach Abschluss des zweiten Schriftenwechsels eingetreten und nicht bereits 

an der Instruktionsverhandlung vom 3. Oktober 2017. An der Instruktionsverhandlung habe 

der Kläger im Rahmen der Sachverhaltsergänzung eine Replik mit zahlreichen Beilagen ein-

gereicht und ein Plädoyer über 65 Seiten gehalten. Die Rechtsvertreterin der Beklagten habe 

dann ersucht, dass ihr die Frist zur mündlichen Stellungnahme abgenommen und Frist zur 

Einreichung einer umfassenden Duplik angesetzt werde. Erst mit dieser Duplik sei der zweite 

Schriftenwechsel abgeschlossen worden, weshalb die Ausführungen des Klägers zum No-

venrecht nicht zu hören seien (act. 70 S. 10). 

 

2.3 Im Scheidungsverfahren erfolgt der Eintritt der Zeitschranken grundsätzlich wie beim or-

dentlichen Verfahren (Eventualmaxime; Art. 229 Abs. 1 oder 2 ZPO analog; Willisegger, Bas-

ler Kommentar, 3. A. 2017, Art. 229 ZPO N 59). Hinsichtlich der güterrechtlichen Auseinan-

dersetzung gelten die Verhandlungs- und die Dispositionsmaxime (vgl. Art. 277 Abs. 1 ZPO; 

Urteil des Bundesgerichts 5A_621/2012 vom 20. März 2013 E. 4.3.1). Nach der Rechtspre-

chung kann sich jede Partei im Rahmen der Verhandlungsmaxime nur zweimal unbeschränkt 

äussern: Ein erstes Mal im Rahmen des ersten Schriftenwechsels; ein zweites Mal entweder 

im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels oder – wenn kein solcher durchgeführt wird – 

an einer Instruktionsverhandlung (Art. 226 Abs. 2 ZPO) oder zu Beginn der Hauptverhand-

lung vor den ersten Parteivorträgen (Art. 229 Abs. 2 ZPO; statt vieler: BGE 144 III 67 E. 2.1). 

Grundsätzlich tritt der Aktenschluss im ordentlichen Verfahren nach zweimaliger Äusserung 

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ein (vgl. BGE 140 III 312 E. 6.3.2.3; vgl. zur Ausnahme: Art. 229 Abs. 3 ZPO). Hat das Ge-

richt den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, so berücksichtigt es neue Tatsachen 

und Beweismittel bis zur Urteilsberatung (Art. 229 Abs. 3 ZPO).  

 

 Die Verfahrensleitung liegt beim Gericht (Art. 124 Abs. 1 ZPO). Eine Instruktionsverhandlung 

kann das Gericht jederzeit durchführen (Art. 226 Abs. 2 ZPO). Die Instruktionsverhandlung 

ist ein prozessuales Gefäss, das für eine Vielzahl von Prozesshandlungen des Gerichts und 

der Parteien zugänglich ist (Willisegger, a.a.O., Art. 226 ZPO N 9). Die Sachverhaltsergän-

zung stellt mit Blick auf den Verhandlungsgrundsatz eine eigene Funktion der  Instruktions-

verhandlung dar (vgl. Art. 226 Abs. 2 ZPO). Der Instruktionstermin bietet den Parteien dies-

falls (in der Regel) letztmals die Gelegenheit, ihre Tatsachenbehauptungen und Beweismittel 

unbeschränkt beizubringen (Willisegger, a.a.O, Art. 226 ZPO N 15). Erweisen sich die Vor-

bringen an der Instruktionsverhandlung jedoch als zu umfangreich, so kann das Gericht die 

Parteien auf den zweiten Schriftenwechsel verweisen, vorausgesetzt, dass ein solcher noch 

nicht stattgefunden hat (Art. 225 ZPO; vgl. Willisegger, a.a.O., Art. 226 ZPO N 15; Pahud, 

DIKE-Kommentar, 3. A. 2016, Art. 226 ZPO N 9). Formelle Rügen sind im Übrigen umge-

hend geltend zu machen (vgl. statt vieler: BGE 141 III 210 E. 5.2).  

 

 Wie der Kläger zu Recht ausführt, wurde den Parteien in der Vorladung zur Instruktionsver-

handlung vom 3. Oktober 2017 mit Verweis auf das Novenrecht mitgeteilt, dass der Sachver-

halt anlässlich der Verhandlung ergänzt werden könne. Nach dem erfolglosen Versuch einer 

Einigung erstattete die Rechtsvertreterin des Klägers die Replik (act. 46). Diese umfasste 

rund 66 Seiten. Mit der Replik wurden überdies 44 neue Beilagen eingereicht. Vor dem Hin-

tergrund der 43-seitigen Klagebegründung und der 39-seitigen Klageantwort ist die Replik als 

umfangreich zu beurteilen. Aufgrund des Umfangs der Replik und der Anzahl der neu einge-

reichten Beilagen war es geboten – und lag es im Ermessen des Referenten als Verfahrens-

leiter –, gestützt auf den Antrag der Beklagten, die Duplik mittels prozessleitender Verfügung 

auf dem schriftlichen Weg einzufordern. Dieses Vorgehen wurde vom Kläger an der Instrukti-

onsverhandlung im Übrigen nicht gerügt. Selbst wenn der Kläger dies jedoch getan hätte, 

würde dies an den vorherigen Ausführungen nichts ändern. Da die Duplik gestützt auf diese 

Erwägungen auf dem schriftlichen Weg erfolgt ist, ist der Aktenschluss vorliegend erst mit 

Eingang der Duplik und dem damit einhergehenden Abschluss des zweiten Schriftenwech-

sels eingetreten. Entgegen der klägerischen Rechtsauffassung, sind die (neuen) Vorbringen 

und Beweismittel der Beklagten in der Duplik somit zu berücksichtigen. 

 

3.  Die Parteien beantragen übereinstimmend die Scheidung ihrer am tt.mm.2008 vor dem  

Zivilstandsamt E.________ geschlossenen Ehe. Die Ehe ist demnach antragsgemäss zu 

scheiden. 

 

4.  Nachfolgend ist über die Nebenfolgen der Scheidung, vorab über die Kinderbelange, zu ent-

scheiden.  

 

 Das Gericht regelt die Elternrechte und -pflichten nach den Bestimmungen über die Wirkun-

gen des Kindesverhältnisses. Insbesondere regelt es die elterliche Sorge, die Obhut und den 

persönlichen Verkehr oder die Betreuungsanteile sowie den Unterhaltsbeitrag (Art. 133 

Abs. 1 ZGB). Es beachtet alle für das Kindeswohl wichtigen Umstände. Es berücksichtigt ei-

nen gemeinsamen Antrag der Eltern und, soweit tunlich, die Meinung des Kindes (Art. 133 

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Abs. 2 ZGB). Es kann den Unterhaltsbeitrag über den Eintritt der Volljährigkeit hinaus festle-

gen (Art. 133 Abs. 3 ZGB). 

 

4.1  Die gemeinsame elterliche Sorge von Vater und Mutter ist nach dem Gesetz die Regel 

(Art. 296 Abs. 2 ZGB), welche auch im Scheidungsfall aufrechterhalten und von der nur aus-

nahmsweise zur Wahrung des Kindeswohls abgewichen wird (Art. 298 Abs. 1 ZGB). Eine Al-

leinzuteilung des Sorgerechts rechtfertigt sich insbesondere, wenn ein schwerwiegender el-

terlicher Dauerkonflikt oder eine anhaltende Kommunikationsunfähigkeit vorliegt und sich der 

Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt (BGE 142 III 1 E. 3.3, BGE 142 III 197 

E. 3.5; 141 III 472 E. 4.6). Die elterliche Sorge schliesst das Recht ein, den Aufenthaltsort 

des Kindes zu bestimmen (Art. 301a Abs. 1 ZGB). 

 

 Beide Parteien beantragen, der Sohn F.________ sei unter der gemeinsamen Sorge der El-

tern zu belassen. Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte, welche für die Zuteilung der el-

terlichen Sorge an einen Elternteil alleine sprechen. Im Sinne von Art. 298 Abs. 1 ZGB ist 

F.________ somit unter der gemeinsamen elterlichen Sorge der Parteien zu belassen. Ent-

sprechend sind die Parteien verpflichtet, sämtliche wesentlichen Fragen der Pflege, Erzie-

hung und Ausbildung miteinander abzusprechen. Ein Aufenthaltswechsel von F.________ 

bedarf der Zustimmung beider Eltern, wenn der neue Aufenthaltsort im Ausland liegt oder der 

Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die Ausübung der elterlichen 

Sorge und die persönlichen Kontakte zwischen einem Elternteil und dem Kind hat 

(vgl. Art. 301a Abs. 2 ZGB).  

 

4.2 Der Kläger beantragt, F.________ sei unter seine alleinige Obhut zu stellen, eventualiter sei 

die alternierende Obhut mit einem Betreuungsverhältnis von 60% (Kläger) und 40% (Be-

klagte) festzusetzen. Die Beklagte verlangt demgegenüber, es sei die gemeinsame bzw. al-

ternierende Obhut beizubehalten, eventualiter sei F.________ unter ihre Obhut zu stellen. 

 

 4.2.1 Zur Begründung führt der Kläger zusammengefasst und im Wesentlichen aus, bereits wäh-

rend des ehelichen Zusammenlebens sei er die Hauptbezugsperson von F.________ gewe-

sen. Seit der Trennung der Parteien im Jahr 2014 hätten sich die Parteien von Montag bis 

Donnerstag in der Betreuung von F.________ abgewechselt. Ab Freitagnachmittag bis 

Samstagmittag befinde sich F.________ bei den Eltern des Klägers und das restliche Wo-

chenende verbringe F.________ abwechselnd bei den Parteien. Seit der Einschulung be-

treue der Kläger F.________ zusätzlich jeden (schulfreien) Mittwochnachmittag. Seit der Ein-

schulung besuche F.________ zudem nicht mehr die Krippe, sondern die modulare schuler-

gänzende Betreuung. Dies jedoch nur, wenn er sich in der Betreuungsverantwortung der Be-

klagten befinde. Dank seinem familienfreundlichen Arbeitgeber und der Möglichkeit, jederzeit 

von überall zu arbeiten, könne der Kläger nämlich während seiner Betreuungsverantwortung 

die persönliche Betreuung von F.________ sicherstellen. Auf die schulergänzende Betreu-

ung müsse der Kläger in seiner Betreuungszeit nicht zurückgreifen (act. 71 S. 6). Die Be-

klagte müsse während ihrer Betreuungsverantwortung demgegenüber sehr umfassend auf 

die Dienste der schulergänzenden Betreuung zurückgreifen, was für F.________ unange-

nehm sei (act. 71 S. 7). Der aktuell stattfindende, nahezu tägliche Wechsel der Betreuung sei 

für F.________ mit Stress und Belastung verbunden. Mit einer Zuteilung der alleinigen Obhut 

an den Kläger würde genau dieser Stress und diese Belastung für F.________ wegfallen 

(act. 71 S. 7). Es sei ein Bedürfnis von F.________, nicht ständig zwischen den Eltern hin 

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und her pendeln zu müssen und mehr persönliche und familiäre Betreuung zu erfahren 

(act. 46 Rz 5). Der Kläger könne im Unterschied zur Beklagten auf seine Eltern sowie seine 

neue Partnerin zurückgreifen, welche selber zwei kleinere Kinder betreue. F.________ würde 

so immer in einem familiären Umfeld betreut. Seine Partnerin, ihre Kinder, der Kläger und 

F.________ würden als Patchwork-Familie Ferien und Freizeit oft gemeinsam verbringen. 

Dies ermögliche es dem Einzelkind F.________ wertvolles Familienleben zu erleben (act. 71 

S. 7).  

 

 Eine alternierende Obhut, in welcher die Betreuung grundsätzlich wochenweise aufgeteilt 

und der Kläger darüber hinaus weiterhin zusätzlich die Betreuung am Mittwochnachmittag bis 

abends um 19.00 Uhr übernehmen würde, wäre die zweitbeste Lösung. Durch die wochen-

weise Betreuung werde verhindert, dass F.________ täglich zwischen den Eltern pendeln 

müsse, was zu mehr Ruhe und Stabilität in seinem Alltag führe (act. 46 Rz 5). 

 

4.2.2  Demgegenüber hält die Beklagte fest, beide Elternteile seien zu 100 % erwerbstätig und hät-

ten die heute gelebte Verbindung zwischen Kinderbetreuung und 100%-iger Erwerbstätigkeit 

seit Geburt von F.________ so ausgeübt. F.________ fühle sich in einem grossen Loyalitäts-

konflikt, weil der Kläger bis heute nie bereit gewesen sei, einem gemeinsamen oder geteilten 

Obhutsrecht zuzustimmen, sondern das alleinige Obhutsrecht verlange und die Hauptbetreu-

ung selber übernehmen wolle. Für F.________ sei offensichtlich klar, zumindest habe er dies 

immer wieder gegenüber der Beklagten erklärt, dass er die Lösung, so wie sie heute gelebt 

werde, als gut empfinde und er weder ganz bei der Mutter noch ganz beim Vater sein wolle 

und für ihn auch ganz wichtig sei, dass er beide Elternteile innerhalb einer Woche sehe. Er 

wolle also keine wochenweise Betreuung (act. 73 Rz 7). Die gelebte Lösung der Betreuung 

habe sich trotz diesem langwährenden Ehescheidungskonflik t bis heute bewährt (act. 73 

Rz 8).  

 

4.2.3  Beim Entscheid über die Obhut ist das Recht des Kindes zu berücksichtigen, regelmässige 

persönliche Beziehungen zu beiden Elternteilen zu pflegen (vgl. Art. 298 Abs. 2bis ZGB). Die 

Bedeutung der Obhut reduziert sich nach dem per 1. Juli 2014 in Kraft getretenen Sorgerecht 

auf die "faktische Obhut", das heisst auf die Befugnis zur täglichen Betreuung des Kindes 

und auf die Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und 

laufenden Erziehung (BGE 142 III 612 E. 4.1).  

 

 Bei gemeinsamer elterlicher Sorge prüft das Scheidungsgericht im Sinne des Kindeswohls 

die Möglichkeit einer alternierenden Obhut, wenn ein Elternteil oder das Kind dies verlangt 

(Art. 298 Abs. 2ter ZGB), wobei zu beachten ist, dass diese neue Bestimmung keinen Rechts-

anspruch auf eine alternierende Obhut einräumt. Das Bundesgericht hat sich bereits einge-

hend mit der Frage befasst, nach welchen Kriterien die alternierende Obhut – allenfalls auch 

gegen den Willen eines Elternteils – angeordnet werden kann (BGE 142 III 617 E. 3.2.3; 142 

III 612 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 5A_46/2015 vom 26. Mai 2015 E. 4.4.3). Unter den 

Kriterien, auf die es bei dieser Beurteilung ankommt, ist zunächst die Erziehungsfähigkeit der 

Eltern hervorzuheben, und zwar in dem Sinne, dass die alternierende Obhut grundsätzlich 

nur dann in Frage kommt, wenn beide Eltern erziehungsfähig sind. Weiter erfordert die alter-

nierende Obhut organisatorische Massnahmen und gegenseitige Informationen. Insofern 

setzt die praktische Umsetzung einer alternierenden Betreuung voraus, dass die Eltern fähig 

und bereit sind, in den Kinderbelangen miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. 

Seite 11/44 

 

 

Allein aus dem Umstand, dass ein Elternteil sich einer alternierenden Betreuungsregelung 

widersetzt, kann indessen nicht ohne Weiteres auf eine fehlende Kooperationsfähigkeit der 

Eltern geschlossen werden, die einer alternierenden Obhut im Wege steht. Ein derartiger 

Schluss könnte nur dort in Betracht fallen, wo die Eltern aufgrund der zwischen ihnen beste-

henden Feindseligkeiten auch hinsichtlich anderer Kinderbelange nicht zusammenarbeiten 

können, mit der Folge, dass sie ihr Kind im Szenario einer alternierenden Obhut dem gravie-

renden Elternkonflikt in einer Weise aussetzen würden, die seinen Interessen offensichtlich 

zuwider läuft. Zu berücksichtigen ist ferner die geographische Situation, namentlich die Dis-

tanz zwischen den Wohnungen der beiden Eltern, und die Stabilität, welche die Weiterfüh-

rung der bisherigen Regelung für das Kind gegebenenfalls mit sich bringt. In diesem Sinne 

fällt die alternierende Obhut eher in Betracht, wenn die Eltern das Kind schon vor ihrer Tren-

nung abwechselnd betreuten. Weitere Gesichtspunkte sind die Möglichkeit der Eltern, das 

Kind persönlich zu betreuen, das Alter des Kindes, seine Beziehungen zu (Halb- oder Stief-) 

Geschwistern und seine Einbettung in ein weiteres soziales Umfeld (vgl. Urteile des Bundes-

gerichts 5A_46/2015 vom 26. Mai 2015 E. 4.4.2 und 4.4.5 und 5A_345/2014 vom 4. August 

2014 E. 4.2). Auch dem Wunsch des Kindes ist Beachtung zu schenken, selbst wenn es be-

züglich der Frage der Betreuungsregelung (noch) nicht urteilsfähig ist.  Während die alternie-

rende Obhut in jedem Fall die Erziehungsfähigkeit beider Eltern voraussetzt, sind die weite-

ren Beurteilungskriterien oft voneinander abhängig und je nach den konkreten Umständen 

des Einzelfalls von unterschiedlicher Bedeutung. So spielen das Kriterium der Stabilität und 

dasjenige der Möglichkeit zur persönlichen Betreuung des Kindes bei Säuglingen und Klein-

kindern eine wichtige Rolle. Geht es hingegen um Jugendliche, kommt der Zugehörigkeit zu 

einem sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu. Die Kooperationsfähigkeit der Eltern wiederum 

verdient besondere Beachtung, wenn das Kind schulpflichtig ist oder die geografische Entfer-

nung zwischen den Wohnorten der Eltern ein Mehr an Organisation erfordert. Oberste Ma-

xime ist das Kindeswohl (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 5A_627/2016 vom 28. Au-

gust 2017 E. 5.1).  

 

4.2.4  Der Wohnsitz von F.________ befindet sich seit der Trennung der Eltern im Jahr 2014 bei 

der Mutter in K.________. Seit der Trennung wird F.________ von den Eltern abwechselnd 

betreut. Nach weitgehend übereinstimmenden Ausführungen der Parteien und gestützt auf 

die Parteibefragung betreut der Kläger F.________ grundsätzlich am Montag und Mittwoch, 

wobei der Montagmorgen alternierend ist, je nachdem, wer F.________ am Wochenende be-

treut hat. Die Beklagte betreut F.________ grundsätzlich am Dienstag und Donnerstag. Von 

Freitag bis Samstag ist F.________ grundsätzlich bei den Grosseltern des Klägers – also 

fremdbetreut –, wobei die elterliche Betreuungsverantwortung aufgrund der familiären Bezie-

hung beim Kläger liegt. Das Wochenende verbringt F.________ dann alternierend bei beiden 

Elternteilen. Sofern und soweit F.________ von den Eltern nicht persönlich betreut wird, be-

sucht er die modulare Tagesschule, d.h. eine schulergänzende Betreuung jeweils vor der 

Schule und am Nachmittag. Diese Möglichkeit wird nicht von beiden Elternteilen im gleichen 

Umfang in Anspruch genommen. Vor allem die Beklagte war bis anhin auf diese Betreuungs-

form angewiesen. Beide Elternteile haben die Möglichkeit, in einem gewissen Umfang von 

zuhause aus zu arbeiten bzw. ihre Arbeitszeit entsprechend flexibel zu gestalten (vgl. dazu: 

act. 45 Fragen 2.11–2.20; act. 73 Rz 10; act. 71 S. 6). Nach dem Gesagten betreuen die El-

tern F.________ etwa zu gleichen Teilen, prozentual gesehen wird F.________ rund 40 % 

durch die Beklagte und rund 60 % durch den Kläger bzw. seine Eltern betreut.  

 

Seite 12/44 

 

 

 An der Kinderanhörung erklärte F.________, dass der Betreuungsplan für ihn immer klar sei. 

Ab und zu würde er den Plan aber vergessen. Einmal in der Woche sei er bei seiner Gross-

mutter und übernachte dort, ansonsten sei er etwa gleich oft bei beiden Elternteilen. Diese 

Aufteilung sei gut. Die zweiwöchigen Ferien mit seinem Vater seien dieses Mal etwas lang 

gewesen. Er habe seine Mutter vermisst und leider nur einziges Mal mit ihr telefonieren kön-

nen (act. 11). 

 

 Vorliegend sind beide Parteien unstreitig erziehungsfähig. Weiter sind die Parteien seit Jah-

ren in der Lage, die abwechselnde Betreuung von F.________ zu organisieren und sich ge-

genseitig zu informieren. Die Eltern haben bewiesen, dass sie fähig und bereit sind, in Belan-

gen, welche F.________ betreffen, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Dies 

geht schliesslich auch aus den Aussagen von F.________ hervor, welcher bestätigte, dass 

die bisher gelebte alternierende Betreuung gut funktioniere. Da die Eltern in der gleichen Ge-

meinde wohnen, ist aufgrund der geographischen Situation gewährleistet, dass die bisherige 

alternierende Betreuung weitergeführt werden kann. Es besteht vorliegend keine Veranlas-

sung, in das bestehende und funktionierende Betreuungsmodell der Parteien gestaltend ein-

zugreifen. 

 

4.2.5 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die Anordnung einer alternierenden Obhut 

erfüllt, weshalb F.________ unter der gemeinsamen Obhut der Eltern zu belassen ist. Der 

Vater betreut F.________ grundsätzlich am Montag, am Mittwoch und von Freitag bis Sams-

tagmorgen, die Mutter am Dienstag und am Donnerstag. An den Wochenenden, d.h. Sams-

tag und Sonntag, betreuen die Eltern F.________ jeweils alternierend. Am Montagmorgen 

betreuen die Eltern F.________ alternierend, je nachdem, wer F.________ am Wochenende 

betreut hat. Die übrigen Modalitäten der Betreuung – insbesondere die Übergabezeiten – 

sprechen die Parteien jeweils frühzeitig ab. 

 

 Antragsgemäss übernimmt der Kläger die Betreuung von F.________ an den katholischen 

Feiertagen Fronleichnam, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen und Maria Empfängnis. An den 

übrigen Feiertagen übernimmt jede Partei die Betreuung von F.________ abwechselnd zur 

Hälfte. An Weihnachten übernimmt die Beklagte die Betreuung von F.________ jeweils am 

24. Dezember, der Kläger am 25. Dezember. An Ostern übernimmt die Beklagte in den 

geraden Jahren und der Kläger in den ungeraden Jahren die Betreuung von F.________ von 

Karfreitag bis Ostermontag. Die Beklagte stellt betreffend die Feiertagsregelung keinen 

anderslautenden Antrag, weshalb davon auszugehen ist, dass sie mit dem klägerischen 

Vorschlag einverstanden ist. Gemäss übereinstimmenden Anträgen übernimmt jede Partei 

während der Schulferien die Betreuung von F.________ zur Hälfte. Dabei gilt, dass der 

Kläger während der ersten Hälfte und die Beklagte während der zweiten Hälfte derjeweiligen 

Schulferien die Betreuung wahrnimmt. 

 

 Die Betreuung erfolgt jeweils auf eigene Kosten. Andere Vereinbarungen der Eltern in Bezug 

auf die Betreuung von F.________ bleiben vorbehalten.  

 

4.4  Schliesslich ist über die Erziehungsgutschriften für die Berechnung künftiger AHV- und IV-

Renten gemäss Art. 52fbis AHVV zu befinden. Indem die Parteien die Betreuung von 

F.________ in etwa zu gleichen Teilen übernehmen, sind die Erziehungsgutschriften den 

Parteien je zur Hälfte anzurechnen.  

Seite 13/44 

 

 

 

4.5 Als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorge gilt der Wohnsitz der Eltern oder, wenn die 

Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Ob-

hut das Kind steht (Art. 25 Abs. 1 ZGB). Bei symmetrischen Betreuungsverhältnissen können 

die Eltern gemeinsam den Wohnsitz des Kindes bestimmen. Können sie sich nicht einigen, 

so ist er von derjenigen Instanz, welche das Betreuungsmodel anordnet, festzulegen. Bei 

asymmetrischen Betreuungsverhältnissen richtet sich der Wohnsitz des Kindes grundsätzlich 

nach dem Wohnsitz des hauptsächlich betreuenden Elternteils (vgl. Hotz/Schlatter, in: Büch-

ler/Jakob [Hrsg.], Kurzkommentar ZGB, 2. A. 2018, Art. 25 ZGB N 1a; Staehelin, Basler 

Kommentar, 6. A. 2018, Art. 25 ZGB N 5 m.w.H.).  

 

 Vorliegend wird eine alternierende Obhut angeordnet, bei welcher der Kläger eine leicht 

überwiegende Betreuungsverantwortung übernimmt, weshalb es sich rechtfertigt, den Wohn-

sitz von F.________ beim Kläger festzulegen. Dieser ist – wie nachfolgend ersichtlich – 

gleichsam verantwortlich zur Bezahlung der laufenden Kosten (z.B. Krankenkasse etc.).  

 

5. Weiter ist über den Unterhalt von F.________ zu entscheiden.  

 

5.1 Beide Parteien beantragen die Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen für F.________ an sich. 

Die Beklagte beantragt für F.________ einen Barunterhalt von monatlich CHF 1'000.00 ab 

Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zum erfüllten 18. Altersjahr und längstens bis zum or-

dentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung. Der Kläger verlangt für den Fall der 

gemeinsamen Obhut die Einrichtung eines Kinderkontos, worauf der Kläger monatlich  

 CHF 100.00 und die Beklagte monatlich CHF 400.00 einzuzahlen habe. Davon seien die Fix-

kosten zu tragen. 

 

5.2 Der Kinderunterhalt wird gemäss Art. 276 ZGB durch Pflege, Erziehung und Geldzahlung ge-

leistet (Abs. 1). Die Eltern sorgen gemeinsam, ein jeder Elternteil nach seinen Kräften, für 

den gebührenden Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von Betreuung, 

Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Abs. 2). Die Eltern sind von der Un-

terhaltspflicht in dem Mass befreit, als dem Kinde zugemutet werden kann, den Unterhalt aus 

seinem Arbeitserwerb oder andern Mitteln zu bestreiten (Abs. 3). Die Unterhaltspflicht der  

Eltern dauert bis zur Mündigkeit des Kindes (Art. 277 Abs. 1 ZGB). Hat das Kind nach Eintritt 

der Mündigkeit noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen 

nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, 

bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann (Art.  277 

Abs. 2 ZGB). Gemäss Art. 285 ZGB soll der Unterhaltsbeitrag den Bedürfnissen des Kindes 

sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechen; dabei sind das Ver-

mögen und die Einkünfte des Kindes zu berücksichtigen (Abs. 1). Der Unterhaltsbeitrag dient 

auch der Gewährleistung der Betreuung des Kindes durch die Eltern oder Dritte (Abs.  2). Bei 

hälftiger Betreuung ist zu prüfen, wer welche Drittkosten für das Kind trägt; diese Kosten sind 

hernach entsprechend der objektiv möglichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auf beide 

Eltern zu verteilen, wobei ein entsprechender Ausgleich zu erfolgen hat, soweit die Kosten 

nicht genau gleich hoch und die wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten nicht gleich gross sind. 

Barunterhaltsbeiträge eines Elternteils für das Kind sind daher auch bei annähernd gleicher 

Betreuung denkbar und möglich (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_580/2011 vom 9. März 

2012 E. 2 und Urteil des Bundesgerichts 5A_1017/2014 vom 12. Mai 2015 E. 4.4). Kosten, 

Seite 14/44 

 

 

die bei beiden Elternteilen in etwa gleich anfallen (Wohnkosten, Essen, Ferien und derglei-

chen) können von der Auflistung grundsätzlich ausgenommen werden (vgl. Schweighauser, 

in: FamKomm, 3. A. 2017, Art. 285 ZGB N 47). 

 

 Sind die finanziellen Verhältnisse gut, sollten der Kindesunterhalt und der Bedarf des Kindes 

auf Grund der massgeblichen Lebenshaltung des Unterhaltspflichtigen konkret ermittelt wer-

den (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_142/2013 vom 8. August 2013 E. 3.1). Die Berech-

nung der "tatsächlich gelebten Lebensstellung" (BGE 116 II 110 E. 3b) bzw. die konkrete Be-

darfsermittlung kommt freilich nicht ohne gewisse Pauschalierungen aus, so dass das Abstel-

len auf vorgegebene Bedarfszahlen unumgänglich und auch ohne weiteres zulässig ist, so-

weit die erforderlichen Anpassungen vorgenommen werden. Die Festsetzung des Unterhalts-

beitrags bleibt ein Ermessensentscheid, bei dem alle bedeutsamen Umstände berücksichtigt 

werden müssen (Urteil des Bundesgerichts 5A_461/2008 vom 27. November 2008 E. 2.2). 

Auszugehen ist nicht von der maximal möglichen, sondern grundsätzlich nur von der tatsäch-

lich gelebten Lebensstellung (BGE 116 II 110 E. 3b; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 

5A_610/2012 vom 20. März 2013 E. 9.4). In Kinderbelangen in familienrechtlichen Angele-

genheiten erforscht das Gericht den Sachverhalt von Amtes (Untersuchungsgrundsatz) und 

entscheidet ohne Bindung an die Parteianträge entscheidet (Offizialgrundsatz, vgl. Art. 296 

Abs. 1 und 3 ZPO), was die Parteien aber nicht von ihrer Mitwirkungsobliegenheiten entbin-

det, die zum Schutz ihrer Interessen massgebenden Sachverhalte vorzutragen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 5A_99/2009 vom 15. April 2009, E. 2.3). 

 

5.3 Es ist unbestritten, dass die Parteien gemeinsam fähig sind, für den Unterhalt von 

F.________ aufzukommen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Parteien ist vorliegend 

hauptsächlich relevant zur Ermittlung, in welchem Verhältnis der Barunterhalt von 

F.________ zu tragen ist.  

 

 Hierbei ist vom effektiven Nettoeinkommen auszugehen. Dazu gehören nicht nur der feste 

Lohnbestandteil, sondern auch effektiv bezahlte Provisionen, Gratifikationen bzw. Boni, Ver-

waltungsrats- oder Delegiertenhonorare, Trinkgelder, aber auch Spesenentschädigungen, 

soweit ihnen keine tatsächlichen Auslagen gegenüberstehen (Urteil des Bundesgerichts 

5A_686/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 2.3).  

 

 Der Kläger arbeitet bei der der L.________AG (act. 1/10). Gemäss Lohnausweis 2017 er-

zielte der Kläger ein Nettoeinkommen von CHF 146'599.00, was einem Monatseinkommen 

von CHF 10'457.60 entspricht (act. 67/1).  

 

 Die Beklagte arbeitet seit dem 1. Dezember 2018 bei der M.________AG und hat ihren Ar-

beitsort in N.________. Gemäss Arbeitsvertrag beträgt der Grundlohn der Beklagten brutto 

CHF 160'000.00. Hinzu kommt ein Bonus in der Höhe von bis zu 20 % des Jahreseinkom-

mens, abhängig vom finanziellen Erfolg der Gesellschaft und der individuellen Leistung 

(act. 73/162). Ob bereits im Jahr 2019 ein Bonus ausbezahlt wird, lässt sich derzeit nicht ab-

schätzen. Gemäss Lohnabrechnung vom Dezember 2018 wird ihr monatlich ein Betrag von 

CHF 12'613.45 ausbezahlt (exkl. Kinderzulagen).  

 

5.4 Der konkrete Bedarf von F.________ berechnet sich wie folgt (in CHF): 

 

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-II-110%3Ade&number_of_ranks=0#page110

Seite 15/44 

 

 

Grundbetrag (zur Verteilung s. E. 5.5) 600.00 

Anteil Wohnkosten (trägt jeder Ehegatte 

aus seinem Einkommen selber)  

0.00 

Krankenkasse 157.55 

Tagesschule 363.00 

Freizeitaktivitäten 230.00 

Taschengeld 36.00 

Total 1'386.55 

 

 Die einzelnen Positionen begründen sich wie folgt: 

 

• Grundbetrag: Nach den Richtlinien der Justizkommission des Obergerichtes Zug für die 

Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 10. Dezember 2009 be-

trägt der Grundbetrag für ein Kind im Alter von F.________ CHF 600.00 pro Monat. In die-

sem Betrag sind die Auslagen für Nahrung, Kleidung und Wäsche (einschliesslich deren 

Instandhaltung), Körper- und Gesundheitspflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Pri-

vatversicherungen, Kulturelles sowie Auslagen für Beleuchtung, Kochstrom und/oder Gas 

etc. enthalten. Die von der Beklagten verlangte und vom Kläger bestrittene Erhöhung um 

den Faktor 1.5 (vgl. act. 46 Rz 67) erscheint vorliegend nicht gerechtfertigt. Ein entspre-

chend den Einkommen hoher Lebensstandard ist nicht nachgewiesen. Der Kläger geht 

selber davon aus, dass ein Betrag von insgesamt CHF 500.00 pro Monat zuzüglich Kin-

derzulagen reichen sollte, um die genannten anfallenden Fixkosten von F.________ zu 

decken (act. 24 S. 20 Rz 26). Im Übrigen ist davon auszugehen, dass die nachfolgend an-

gerechneten Fremdbetreuungskosten eher abnehmen werden. Damit können auch die 

sich künftig erhöhenden Krankenkassenprämien, wie auch allfällig höhere Kosten für Hob-

bys, Freizeitgestaltung und allfällige Handykosten gedeckt werden.  

 

• Wohnkosten: Unstreitig sind im Bedarf von F.________ keine Wohnkosten zu berücksich-

tigen, da er in etwa zu gleichen Teilen bei der Mutter und dem Vater wohnt und diese 

Kosten vom jeweiligen Elternteil getragen werden (vgl. act. 28 Rz 24.1; act. 26 Rz 67). 

 

• Krankenversicherung: Die Krankenversicherungsprämien (KVG/VVG) von F.________ 

sind ausgewiesen (act. 73/164).  

 

• Kosten Tagesschule: Die Beklagte macht monatliche Kosten von CHF 363.00 geltend. 

Entgegen der Auffassung des Klägers gehören Fremdbetreuungskosten zu dem von den 

Eltern zu bezahlenden Barbedarf. Auch nach der Geburt arbeiteten die Parteien grund-

sätzlich in einem 100%-Pensum, weshalb sie bereits während der Ehe auf eine Drittbe-

treuung angewiesen waren. Aus der Parteibefragung geht hervor, dass F.________ regel-

mässig von den Grosseltern des Klägers betreut wurde. Da die Beklagte keine entspre-

chende Familienunterstützung erhielt, war sie nach der Trennung vermehrt auf kosten-

pflichtige Drittbetreuung angewiesen. Dies bedeutet aber nicht, dass sie verpflichtet wäre, 

diese Kosten selber zu tragen. Vielmehr sind Drittbetreuungskosten Kosten des Kindes, 

welche die Eltern – wie andere Kosten auch – nach ihren Kräften zu tragen haben (vgl. 

Cantieni/Vetterli, in: Büchler/Jakob [Hrsg.], Kurzkommentar ZGB, 2. A. 2018, Art. 133 

ZGB N 8). Im Schulhalbjahr 2018/2019 (August 2018 bis Ende Januar 2019) betrugen die 

Seite 16/44 

 

 

monatlichen Kosten gemäss Rechnung vom 4. Dezember 2018 monatlich CHF 363.00 

(act. 73/165).  

 

• Freizeitaktivitäten: Es ist unbestritten, dass die Freizeit von F.________ sehr aktiv gestal-

tet ist und er insbesondere Golf spielt und in einer Fussballmannschaft ist. Der Kläger 

quantifiziert die monatlichen Ausgaben nicht. In der Klageantwort bezifferte die Beklagte 

diese Kosten auf monatlich insgesamt CHF 236.70 (act. 28 Rz 24.1). Die Beklagte 

machte zuletzt an der Hauptverhandlung einen Betrag von pauschal CHF 150.00 pro Mo-

nat geltend und berechnete zusätzlich CHF 80.00 für die Sommercamp-Betreuung. Der 

Kläger bestritt weder den zunächst geltend gemachten Betrag von CHF 236.70 noch die 

zuletzt aufgeführten CHF 230.00 (vgl. act. 46 Rz 67). Der zuletzt von der Beklagten bezif-

ferte Betrag von insgesamt CHF 230.00 erscheint somit nach übereinstimmenden Ausfüh-

rungen der Parteien ausreichend, um die Freizeitkosten (samt Kosten für einen Skikurs; 

vgl. act. 46 Rz 67) für F.________ zu decken.  

 

• Taschengeld: Je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern sowie den Interessen 

und Bedürfnissen des Kindes gehören auch Beiträge für musische, sportliche oder kultu-

relle Aktivitäten dazu, für Sprach- oder Repetitionskurse oder für ein altersgerechtes Ta-

schengeld (Michel/Ludwig, in: Büchler/Jakob, Kurzkommentar ZGB, 2. A. 2018, Art. 276 

ZGB N 4). Das von der Beklagten mit CHF 36.00 bezifferte Taschengeld blieb unbestritten 

und erscheint aufgrund der guten wirtschaftlichen Verhältnisse als angemessen. 

 

• Steuern: Für die Zwecke der direkten Bundessteuer und der zugerischen Kantons- und 

Gemeindesteuern können Kinderunterhaltsbeiträge vom Zahlenden als Abzug vom Ein-

kommen deklariert werden. Der Empfänger solcher Leistungen hat diese Zahlungen 

grundsätzlich als Einkommen zu versteuern (vgl. Steuerbuch des Kantons Zug Kapitel 

15.9.2). Befindet sich das Kind in alternierender Obhut, kann jedoch grundsätzlich jeder 

Elternteil maximal die Hälfte des gesetzlichen Höchstbetrages der nachgewiesenen Kos-

ten für die Kinderdrittbetreuung in Abzug bringen. Es besteht die Möglichkeit, dass die El-

tern eine andere Aufteilung beantragen, begründen und nachweisen (vgl. Steuerbuch des 

Kantons Zug Kapitel 20.10.4.4). Leistet der Steuerpflichtige – vorliegend die Beklagte – 

Unterhaltsbeiträge für minderjährige Kinder (§ 30 Bst. c StG und Art. 33 Abs. 1 Bst. c 

DBG), kann diese grundsätzlich keinen zusätzlichen Kinderabzug geltend machen 

(vgl. Steuerbuch des Kantons Zug Kapitel 22.4.5). Demgegenüber dürfte der Kläger als 

überwiegend betreuender Elternteil zu seiner Entlastung berechtigt sein, einen Kinderab-

zug (max. CHF 6'500.00 [Art. 35 Abs. 1 Bst. a DGB] bzw. mind. 12'000.00 [§ 33 Abs. 1 

Ziff. 2 StG] pro Kind und Jahr) zu tätigen, weshalb es sich vorliegend aufgrund der Höhe 

der Unterhaltsbeiträge mangels relevanten Einflusses auf die Steuerlast nicht rechtfertigt, 

einen separaten Anteil Steuern als Bedarfsposition von F.________ zu berücksichtigen.  

 

5.5 Vom Bedarf von F.________ ist dessen Kinder- oder Ausbildungszulage abzuziehen, denn 

diese Leistungen, die ausschliesslich für den Unterhalt des Kindes bestimmt sind, werden 

nach der Rechtsprechung nicht zum Einkommen des bezugsberechtigten Elternteils hinzuge-

zählt, sondern sind bei der Ermittlung des durch den Unterhaltsbeitrag zu deckenden Bedarfs 

des Kindes vorweg in Abzug zu bringen (BGE 137 III 57 E. 4.2.3). Nach Abzug von CHF 

200.00 beträgt der zu deckende Bedarf damit CHF 1'186.55 pro Monat. 

 

Seite 17/44 

 

 

 Da die Beklagte wirtschaftlich leistungsfähiger ist und der Kläger die überwiegende Betreu-

ungsverantwortung für F.________ übernimmt, rechtfertigt sich gemäss dem Antrag des Klä-

gers die Beklagten zur Übernahme von 60 % des Bedarfs zu verpflichten, d.h. gerundet mo-

natlich CHF 712.00. 

  

 Würde die Beklagte dem Kläger diesen Betrag überweisen, würde sie ihm damit CHF 360.00 

an den Grundbetrag bezahlen (60 % von CHF 600.00). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass 

bei der Beklagten aufgrund der rund 40%-igen Betreuung von F.________ substantielle ei-

gene Kosten anfallen und sie den Grundbetrag im Umfang von rund CHF 240.00 (40 % von 

CHF 600.00) mitträgt (z.B. für Nahrung, Alltagskleidung und Wäsche (einschliesslich deren 

Instandhaltung), Kulturelles, Wäsche, Körper- und Gesundheitspflege, Unterhalt der Woh-

nungseinrichtung, Kulturelles etc.). Bei einer Überweisung von CHF 360.00 würde sie  

mitsamt ihrer Kosten von CHF 240.00 finanziell den gesamten Grundbetrag tragen. Damit die 

Beklagte rechnerisch nur 60 % des Grundbetrags trägt, hat sie dem Kläger lediglich 

CHF 120.00 – anstatt CHF 360.00 – zu überweisen (= CHF 360.00 ./. CHF 240.00). Abzüg-

lich der bei der Beklagten anfallenden Kosten von CHF 240.00 hat sie dem Kläger somit ei-

nen Unterhaltsbetrag von monatlich CHF 472.00 zu leisten (CHF 712.00 ./. CHF 240.00).  

 

 Nach dem Gesagten hat die Beklagte dem Kläger somit monatliche Barunterhaltsbeiträge 

von gerundet CHF 472.00 (zzgl. allfälliger Familienzulage) zu bezahlen. 

 

5.6 Der Vater ist damit verpflichtet, die regelmässig anfallenden Kinderkosten (wie Kranken-

kasse, Gesundheitskosten, Sport- und Musikkosten, Freizeitkurse, Sportbekleidung und -

ausrüstung, namentlich für Golf, Ski und Fussball, ausserschulische Betreuung wie Tages-

schule, Schulkosten, Kosten für den öffentlichen Verkehr, Handy, Taschengeld etc.) zu be-

zahlen. 

 

5.7 Allfällige ausserordentliche Kosten betreffend das Kind F.________ (wie z.B. Zahnkorrektu-

ren, Sehhilfen, schulische Förderungsmassnahmen etc.) sind, soweit diese nicht durch Versi-

cherungsleistungen oder anderswie gedeckt sind, von den Parteien nach vorgängiger Ab-

sprache je zur Hälfte zu übernehmen. 

 

6. Im nächsten Schritt ist die güterrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Ehegatten vor-

zunehmen.  

 

 Bei Scheidung der Ehe wird der zwischen den Eheleuten geltende Güterstand aufgelöst. 

Die güterrechtliche Auseinandersetzung bildet Teil des Scheidungsverfahrens und regelt bei 

Beendigung der Ehe die Aufteilung des Vermögens der Eheleute untereinander (vgl. 

Steck, Basler Kommentar, 5. A. 2014, Art. 120 ZGB N 6). Die güterrechtliche Auseinander-

setzung wird bei der Errungenschaftsbeteiligung in vier Schritten durchgeführt, indem (ers-

tens) das Vermögen von Mann und Frau getrennt, (zweitens) der Vorschlag unter Berück-

sichtigung allfälliger Mehrwertanteile berechnet, (drittens) die Beteiligung am Vorschlag be-

stimmt und (viertens) die Erfüllung der Ansprüche geregelt wird (Hausheer/Geiser/Aebi-Mül-

ler, Das Familienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 6. A. 2018, N 12.156 ff.).  

 

 In einem ersten Schritt ist das Vermögen von Mann und Frau zu trennen. Art.  205 Abs. 1 und 

Abs. 3 ZGB geben für den Ablauf der güterrechtlichen Auseinandersetzung vor, dass die 

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Ehegatten vor der Vorschlagsberechnung ihre Vermögenswerte wieder selbst in Besitz neh-

men und ihre wechselseitigen Verbindlichkeiten ausgleichen. Art. 205 Abs. 2 ZGB sieht mit 

der Zuweisung an nur einen Ehegatten eine besondere Form der Auflösung von Miteigen-

tum vor (vgl. BGE 119 II 197 E. 2; Jakob, in: Büchler/Jakob, Kurzkommentar ZGB, 

2. A. 2018, Art. 205 ZGB N 1). 

 

6.1 Die Rücknahme der Vermögenswerte in den Alleinbesitz des Eigentümers erfolgt in natura, 

also zu dem (Mehr- oder Minder-)Wert, den die Sache im Zeitpunkt der Rückgabe hat. Wei-

gert sich der Besitzer, einen Vermögenswert dem besser berechtigten Ehegatten zurückzu-

geben, so ist insbesondere mit der Vindikationsklage (Art. 641 Abs. 2 ZGB) vorzugehen. 

Diese Klagen können von Bundesrechts wegen im Rahmen der güterrechtlichen Auseinan-

dersetzung zusammen mit güterrechtlichen Rechtsbegehren verbunden werden (vgl. Haus-

heer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, Bern 1992, Art. 205 ZGB N 10; Jungo, in: Hand-

kommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. A. 2016, Art. 205 ZGB N 1 m.H.). Der klagende 

Eigentümer muss sein Eigentum behaupten und beweisen (vgl. Art. 8 ZGB; Wiegand, Basler 

Kommentar, 5. A. 2015, Art. 641 ZGB N 44). Dem Kläger obliegt sodann die Beweislast für 

den Besitz der Beklagten (Meier-Hayoz, Berner Kommentar, 1981, Art. 641 ZGB N 69).  

 

6.1.1 Der Kläger behauptet Alleineigentum an den folgenden im Rechtsbegehren genannten Ge-

genständen (act. 24 Rz 30): 

 

− Sein Ehering in Weissgold von Bulgari 

− Clubtisch (Glas), dreiteilig 

− Lampe Esstisch LED (drei Spots) 

− Esstisch (Granit, schwarz) 

− Grill, gross (inkl. Zubehör) 

− Power Plate (inkl. Zubehör) 

− Sofahöcker deSede (weiss, viereckig)  

− Grosse Pflanze mit Topf 

− Samsung TV schwarz 

− Xbox 360 (inkl. Zubehör und Harddisk) 

 

6.1.2 Die Beklagte bestreitet, dass sich der Ehering des Klägers in ihrem Besitz befindet. Mit der 

Herausgabe der restlichen Gegenstände ist die Beklagte einverstanden, weshalb diese auf 

erstes Verlangen herauszugeben sind (act. 28 Rz 28; act. 53 Rz 73). Der Kläger offeriert 

keine tauglichen Beweismittel zum Beleg, dass die Beklagte im Besitz seines Eheringes ist. 

Dieser Nachweis wurde nicht erbracht, weshalb als Folge der Beweislosigkeit davon auszu-

gehen ist, dass sich der Ehering nicht im Besitz der Beklagten befindet und der damit verbun-

dene Herausgabeantrag somit abzuweisen ist.  

 

6.1.3 Die Beklagte verlangt ebenfalls die Herausgabe diverser Gegenstände (Weisser PC-Monitor, 

2 Gartenstühle und ein kleiner Gartentisch, tragbares Cheminée, Kärcher Staubsauger und 

weisser zweitüriger Schrank), ohne jedoch das alleinige Eigentum oder ein überwiegendes 

Interesse daran zu begründen. Es lassen sich hierzu keine Ausführungen finden. Der Kläger 

beantragt sinngemäss die Abweisung dieses Begehrens. Es wäre an der Beklagten gewe-

sen, ein behauptetes Alleineigentum oder – bei Miteigentum – ein überwiegendes Interesse 

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an diesen Gegenständen zu behaupten und zu beweisen. Mangels Behauptung und Beweis 

ist das Herausgabebegehren der Beklagten deshalb abzuweisen. 

  

6.2 Weiter streiten sich die Parteien um die Zuweisung diverser im gemeinschaftlichen Eigentum 

der Parteien stehenden Sachen. Steht ein Vermögenswert im Miteigentum und weist ein 

Ehegatte ein überwiegendes Interesse nach, so kann er gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB neben 

den übrigen gesetzlichen Massnahmen verlangen, dass ihm dieser Vermögenswert gegen 

Entschädigung des andern Ehegatten ungeteilt zugewiesen wird. Ein überwiegendes Inte-

resse gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB ist im Allgemeinen dann anzunehmen, wenn ein Ehe-

gatte, aus welchen Gründen auch immer, eine besonders enge Beziehung zur streitigen Sa-

che nachweist. Das Gericht hat aufgrund der konkreten Sachlage eine Interessenabwägung 

vorzunehmen und seine Entscheidung nach Billigkeit zu treffen (Art. 4 ZGB; BGE 119 II 197 

E. 2; vgl. auch Urteil des Bundesgericht 5A_283/2011 vom 29. August 2011 E. 2.3).  

 

 Insbesondere für die Zuweisung von Liegenschaften sind Umstände wie berufliche, gewerbli-

che, gesundheitliche oder auch reine Affektionsinteressen zu berücksichtigen. Von Bedeu-

tung kann sein, dass ein Ehegatte die Kinder betreut (vgl. BGE 119 II 197 E. 2).  

 

 Die ungeteilte Zuweisung gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB setzt nicht nur voraus, dass der über-

nahmewillige Ehegatte ein überwiegendes Interesse am Vermögenswert in gemeinschaftli-

chem Eigentum nachweist, sondern auch, dass er den andern Ehegatten für seinen Anteil 

entschädigt. Insbesondere bei Liegenschaften ist auf die Entschädigung auch die Über-

nahme einer solidarisch eingegangenen Schuldverpflichtung durch den Ehegatten anzurech-

nen, der die Zuteilung verlangt, so dass der andere Ehegatte aus seiner Schuldpflicht entlas-

sen wird. Eine solche Schuldübernahme setzt die Zustimmung des Gläubigers voraus (Art. 

176 OR; vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_600/2010 vom 5. Januar 2011 E. 4.1). Das Bun-

desgericht hat zudem festgelegt, dass ein Zuweisungsanspruch nur unter der Voraussetzung 

gutgeheissen werden kann, wenn bei zusätzlichem Vorliegen eines überwiegenden Interes-

ses die volle Entschädigung an den anderen Ehegatten geleistet wird. Dies gilt selbst dann, 

wenn die Liegenschaft dem die Zuweisung verlangenden Ehegatten und den Kindern als Fa-

milienwohnung dient (BGE 119 II 197, E.2; Entscheid des Bundesgerichts vom 4. März 2002, 

5C.325/2001 = Pra 11/2002, Nr. 188; Rey, Die privatrechtliche Rechtsprechung des Bundes-

gerichts von 2002, ZBJV, Band 140, 2004, S. 405 f.). Insbesondere kann relevant sein, dass 

der die Zuweisung verlangende Ehegatte eine Bestätigung der Bank beibringt, dass er als 

alleiniger Schuldner akzeptiert und der andere Ehegatte aus der Haft für die Hypothekar-

schuld entlassen werde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.298/2006 vom 21. Februar 2007).  

 

6.2.1 Zunächst verlangt der Kläger die Zuweisung von diversen im Miteigentum stehenden beweg-

lichen Sachen zu Alleineigentum. Eventualiter sei eine interne Versteigerung durchzuführen. 

Die Beklagte stellt betreffend die vom Kläger verlangten Gegenstände keine eigenen Anträge 

auf Zuweisung. 

  

6.2.2 Eine Zuweisung an einen Ehegatten gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB ohne Parteibegehren und 

gleichsam von Amtes wegen darf das Gericht nicht anordnen (BGE 119 II 197 E. 2 S. 198). 

Können sich die Miteigentümer – wie hier – nicht darüber einigen, wie die Aufhebung des 

Miteigentums erfolgen soll, sieht Art. 651 Abs. 2 ZGB vor, dass nach Anordnung des Ge-

richts die Sache körperlich geteilt oder, wenn dies ohne wesentliche Verminderung ihres 

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Wertes nicht möglich ist, öffentlich oder unter den Miteigentümern versteigert wird. Das Ge-

richt entscheidet über die Teilungsart aufgrund sämtlicher Sachumstände des konkreten Ein-

zelfalls nach Billigkeit. Es ist frei, das Miteigentum an der Sache durch deren körperliche Tei-

lung oder durch Versteigerung aufzuheben (BGE 100 II 187 E. 2e S. 192 f.; Urteil 

5C.212/1992 vom 12. März 1993 E. 5b; Urteil des Bundesgerichts 5A_618/2012 vom 27. Mai 

2013 E. 7.3–7.4). Auch der Entscheid, ob die Aufhebung des Miteigentums an einer Sache 

auf dem Wege der öffentlichen Versteigerung oder der privaten Versteigerung zwischen den 

Miteigentümern zu erfolgen hat, betrifft eine Ermessensfrage. Handelt es sich bei den Mitei-

gentümern um Familienmitglieder, die sich über die Zuweisung der Sache nicht einigen kön-

nen, deren Übergang an Aussenstehende aber eigentlich nicht wünschen, so kommt zu-

nächst nur die Versteigerung unter ihnen in Frage. Geht es ausschliesslich um den grösst-

möglichen Gewinn kann auch sofort die öffentliche Versteigerung angeordnet werden 

(BGE 80 II 369 E. 4 S. 376; Urteil 5A_600/2010 vom 5. Januar 2011 E. 4.1). Haben die Mitei-

gentümer keine Vereinbarung getroffen und keine übereinstimmenden Anträge hinsichtlich 

der Teilungsart gestellt, so ist das Gericht im Rahmen von Art. 651 Abs. 2 ZGB in seinem Er-

messen frei und an Parteianträge nicht gebunden (zit. Urteil 5C.212/1992 E. 2; vgl. zum Gan-

zen auch: Urteil des Bundesgerichts 5A_618/2012 vom 27. Mai 2013 E. 7.3–7.4). 

 

6.2.3 Der Kläger verlangt die Zuweisung folgender Gegenstände zu Alleineigentum: 

  

− IKEA PAX Schränke (sechs Eckschränke, elf Doppelschränke) 

− Kellergestell Metall 

− Weihnachtsdekoration (über hundert Kugeln, plus Figuren) 

− Externe Weihnachtsdekoration (für draussen) 

− Externer Handtuchheizkörper (externe Heizung Umziehraum UG) 

− Stehlampen (3 Stück) 

− Gartengeräte (Rasenmäher, Laubbläser, Schaufeln, etc.) 

− Küchenartikel (Unterdruck Gerät, Weingläser) 

− Kinderzimmerausrüstung (Bett mit Rutsche, Gestell, Kisten) 

− Ganglampen (ca. sechs bis acht Stück) 

− Treppenlampen (drei Stück) 

− Grosse hängende Treppenlampe 

− Sonnenschirm gross (mit Steinplatten) 

 

6.2.4 Die Beklagte ist mit der Zuweisung folgender Gegenstände an den Kläger ausdrücklich ein-

verstanden (act. 53 Rz 75):  

 

− Hälfte der Kugeln der Weihnachtsdekoration  

− Externe Weihnachtsdekoration (leuchtende Rentiere mit Schlitten) 

− Externe Handtuchheizkörper 

− Schwarze Stehlampe 

− Rasenmäher 

− Unterdruckgerät 

− Sonnenschirm gross (mit Steinplatten) 

 

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6.2.5 Eine Entschädigung macht die Beklagte hierfür nicht geltend bzw. bezifferte diese nicht, wes-

halb diese Gegenstände gemäss vorstehender E. 6.2.4 aufgrund der Dispositionsmaxime 

dem Kläger entschädigungslos zuzuteilen sind.  

 

6.2.6 Unbestritten blieb, dass der Kläger bereits drei Ikea Doppelschränke mitgenommen hat 

(act. 53 Rz 75). Ebenfalls blieb unbestritten, dass der Kläger auch eine weisse Stehlampe 

bereits mitgenommen hat (act. 53 Rz 75). Die Beklagte bestätigte an der Parteibefragung, 

dass – wie der Kläger vorbringt – sich noch eine dritte Stehlampe in der Liegenschaft befin-

det (act. 45 Frage 26). Unbestritten blieb schliesslich, dass alle anderen Küchenutensilien – 

mit Ausnahme des Unterdruckgeräts – bereits geteilt wurden. Nach dem Gesagten verblei-

ben folgende streitigen Gegenstände, bei welchen sich die Parteien nicht einigen konnten 

(vgl. act. 53 Rz 75): 

 

− sechs Eckschränke, acht Doppelschränke 

− Kellergestell Metall 

− Rest der Weihnachtsdekoration (Kugeln und Figuren) 

− Eine Stehlampe 

− Laubbläser 

− Schaufeln 

− Kinderzimmerausrüstung (Bett mit Rutsche, Gestell, Kisten) 

− Ganglampen (ca. sechs bis acht Stück) 

− Treppenlampen (drei Stück) 

− Grosse hängende Treppenlampe 

 

 Der Kläger macht in den Rechtsschriften pauschal geltend, er habe ein überwiegendes Inte-

resse an den strittigen Gegenständen, ohne jedoch zu erläutern, worin dieses Interesse be-

steht (act. 24 Rz 32; act. 46 Rz 75). Zum Beweis offerierte der Kläger die Parteibefragung 

(act. 24 Rz 32). Auch an der Parteibefragung führte der Kläger lediglich pauschal aus, er 

wolle diese im Miteigentum stehenden Gegenstände zurück erhalten (act. 45 Frage 25). Da-

mit fehlt es bereits mangels ausreichender Substanzierung am Nachweis eines überwiegen-

den Interesses. Die Beklagte stellt keinen Antrag auf Zuweisung dieser Gegenstände zu Al-

leineigentum. Mangels eines nachgewiesenen, überwiegenden Interesses des Klägers sind 

diese Gegenstände nicht dem Kläger zuzuweisen, sondern – wie der Kläger eventualiter be-

antragt – unter den Miteigentümern zu versteigern. 

    

6.3 Weiter verlangen die Parteien die Zuweisung der im Gesamteigentum stehenden Liegen-

schaft I.________. 

 

6.3.1 Die Frage, ob Art. 205 Abs. 2 ZGB auf Gesamteigentum (bei einer einfachen Gesellschaft 

unter den Ehegatten) ebenfalls Anwendung findet, ist in der Lehre umstritten (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 5A_283/2011 vom 29. August 2011 E. 2.2 m.H. zum Streit in der Lehre). Das 

Bundesgericht liess diese Frage bisher offen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_283/2011 

vom 29. August 2011 E. 2.2). Vorliegend verlangen beide Ehegatten im Rahmen der Disposi-

tionsmaxime übereinstimmend und damit einvernehmlich die Anwendung von Art. 205 Abs. 2 

ZGB auf die im Gesamteigentum stehende Liegenschaft. Somit kann die Beantwortung der 

erwähnten Streitfrage zur Anwendbarkeit von Art. 205 Abs. 2 ZGB vorliegend offen gelassen 

werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_283/2011 vom 29. August 2011 E. 2.2 in fine).  

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6.3.2 Der Kläger führt zusammenfassend und im Wesentlichen ins Feld, dass vom Auszug des 

Klägers in der ehelichen Konfliktsituation im Jahr 2014 nicht darauf geschlossen werden 

könne, dass er damit sein Desinteresse am Haus kund getan hätte. Er habe sich einzig und 

alleine vernünftig gezeigt und auf ein langwieriges Eheschutzverfahren auf Zuteilung der 

ehelichen Liegenschaft zu Nutzen und Gebrauch verzichtet, welches auch F.________ ge-

schadet hätte (vgl. act. 46 Rz 81). Mit der Zuteilung der Liegenschaft an den Kläger werde 

sichergestellt, dass F.________ so viel Zeit wie möglich in diesem Haus verbringen könne. 

Denn während der Betreuungszeit des Klägers halte sich F.________ beim Kläger zu Hause 

und nicht in der modularen Tagesschule auf. Mehr als die Beklagte betreue der Kläger 

F.________ persönlich. Damit F.________ möglichst viel Zeit in der ehelichen Liegenschaft 

verbringen könne, sei diese demzufolge dem Kläger ungeteilt in das Alleineigentum zuzuwei-

sen (act. 46 Rz 77). Auch die Eltern des Klägers seien bereit, F.________ in der ehelichen 

Liegenschaft zu betreuen (act. 46 Rz 77). Hinzu komme, dass das Haus dem Kläger besser 

diene, weil es ihm aus Platzgründen erlaube, mit seiner Partnerin und deren Kinder zusam-

men zu leben, womit auch F.________ noch verstärkt in einem Familienverbund aufwachsen 

könne (act. 46 Rz 79; act. 71 S. 8). Die erwachsene Tochter der Partnerin werde nicht mehr 

lange zu Hause wohnen. Sie beende im Sommer 2018 ihre Berufslehre und gehe auf Reisen. 

Für drei Kinder habe es in der ehelichen Liegenschaft genug Platz. Im Quartier würden meh-

rere Familien mit drei Kindern in Häusern leben, welche gleich gebaut seien. Eines der 

Schlafzimmer im Obergeschoss sei 23m2 gross und könne problemlos in zwei Zimmer unter-

teilt werden (act. 56 S. 4). 

 

 Der Kläger sei bereit, die Beklagte für die Übertragung ihres Anteils an der ehelichen Liegen-

schaft voll zum Verkehrswert zu entschädigen (act. 46 Rz 83).  

 

6.3.3 Die Beklagte bringt vor, F.________ und sie würden seit acht Jahren in der ehelichen Lie-

genschaft wohnen. Die eheliche Liegenschaft sei das Zuhause von F.________. Die Be-

klagte habe sich zum Kauf dieser Liegenschaft entschlossen, weil sie sich damals ein Fami-

lienleben gewünscht habe mit Haus, Kind und Familie. Zu diesem Zweck habe sie Vollzeit 

gearbeitet und immer selber verdient. Sie habe Steuern und Sozialabgaben bezahlt, auch für 

F.________. Mit F.________ lebe sie in diesem Haus seit tt.mm.2014 alleine. Der Kläger sei 

ausgezogen, um ein neues Leben anzufangen. Er habe sich nicht mehr für die gemeinsame 

Liegenschaft interessiert. Der Kläger habe nach der Trennung im Jahr 2014 in den Folgejah-

ren auch nie an einer Hauseigentümerversammlung teilgenommen (act. 53 Rz 82). Alle Kos-

ten seien vorher gemeinsam getragen worden (act. 53 Rz 77); heute trage sie alle Kosten für 

das Haus alleine (act. 53 Rz 82). F.________ besuche die öffentliche Schule in K.________ 

und er wolle mit seiner Mutter zusammen in dieser Liegenschaft wohnen bleiben. 

F.________ führe heute ein Leben bei der Mutter in der ehelichen Liegenschaft und beim Va-

ter, wobei er dort zwischen der Grossmutter, der Lebenspartnerin des Vaters und seinem Va-

ter selber wechsle. Die Grosseltern würden F.________ bei sich zu Hause und nicht in der 

ehelichen Liegenschaft betreuen. Dies werde sich auch nicht ändern, auch vor dem Hinter-

grund ihres fortgeschrittenen Alters. F.________ brauche eine Basis für ein bleibendes Zu-

hause. F.________ sei auch nicht bereit umzuziehen und insbesondere Gefahr zu laufen, 

dass er mit seinem Vater zusammen dieses Haus wieder verlassen müsse. F.________ finde 

dort sein angestammtes Zimmer und seinen Platz. Ein Umbau der Liegenschaft nach den 

Bedürfnissen des Klägers und der Familie seiner Partnerin sei zudem nicht ohne Weiteres 

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möglich. Die Partnerin des Klägers sei im Übrigen gesundheitlich nicht in der Lage, einen 

Haushalt mit vier Kindern, drei eigenen und F.________, in der ehelichen Liegenschaft zu 

führen. Das Haus sei für eine so grosse Familie auch zu klein. Die eheliche Liegenschaft 

weise nach einem Innen-Umbau nicht wirklich 5 ½-Zimmer auf. Es habe im Erdgeschoss ein 

Wohnzimmer, im ersten Obergeschoss zwei Schlafzimmer und ein Gästezimmer, wobei das 

Gästezimmer gerade mal 2.56m x 2.84m aufweise und damit nicht einmal 9m2, sodass es 

nicht als eigentliches Kinderzimmer geeignet sei. Im Dachgeschoss gebe es einen Vorraum, 

der nur mit einer dünnen, nicht abschliessenden und nicht schallisolierten Schiebetüre ge-

trennt sei vom Schlafzimmer, und im Schlafzimmer hätten ein Doppelbett und zwei Nachtti-

sche Platz, womit klar sei, dass nicht genügend Kinderzimmer für eine Familie mit drei oder 

vier Kindern vorhanden seien. Der Keller sei nicht beheizt und könne nicht als Wohnfläche 

genutzt werden. Damit sei festzuhalten, dass eine Patchwork-Familie mit drei jüngeren Kin-

dern und einer jungen Erwachsenen in dieser Liegenschaft gar keinen Platz finden werde. 

Die Partnerin des Klägers habe denn auch vor dem letzten Umzug im Februar 2019 eine 6-

Zimmer-Dachmaisonettewohnung an der O.________ bewohnt, die für eine fünf- bis sechs-

köpfige Familie gedacht sei. Schliesslich sei die Beklagte auch finanziell in der Lage, die Lie-

genschaft zu übernehmen (act. 53 Rz 83). Sie habe mithin ein geschütztes Interesse, diese 

Liegenschaft zu Alleineigentum zu übernehmen (act. 73). 

 

6.3.4 Die Interessen der Parteien an der ehelichen Liegenschaft sind nachfolgend gegeneinander 

abzuwägen.  

 

 Gestützt auf die eingereichten Belege kann festgestellt werden, dass beide Parteien per Ur-

teilszeitpunkt finanziell in der Lage sind, die im Gesamteigentum stehende eheliche Liegen-

schaft zum Schätzwert von CHF 1'335'000.00 zu übernehmen. Der Kläger reichte hierzu eine 

unbefristet gültige Finanzierungszusage der P.________ ein, welche bestätigt, eine Hypo-

thek von bis zu CHF 1'100'000.00 zur Verfügung stellen zu können (act. 46/121). Auch die 

Beklagte reichte eine Bestätigung der Q.________ vom 19. Oktober 2018 ein, in welcher die 

Bank ausführt, dass sie nach Abschluss der Scheidung und Übertragung der Liegenschaft 

ins Alleineigentum der Beklagten die Finanzierung der R.________AG ablösen und damit 

den Kläger aus der Schuldpflicht entlassen würden (act. 68/160).  

 

 Beide Parteien machen als Interesse an der Zuweisung in erster Linie geltend, in der eheli-

chen Liegenschaft wohnen zu wollen. Unstreitig wohnt die Beklagte mit F.________ seit dem 

Auszug des Klägers im Jahr 2014 in der ehelichen Liegenschaft. Während dieser Zeit küm-

merte sich die Beklagte grundsätzlich um die Liegenschaft und ging beispielsweise an die 

Stockwerkeigentümerversammlungen. Heute trägt sie auch die Kosten der Liegenschaft al-

leine.  

 

 Der Kläger zog nach der Trennung für zwei Jahre nach E.________ und kehrte anschlies-

send nach K.________ zurück. Bis vor Kurzem wohnte er gemeinsam mit seiner heutigen 

Partnerin und deren Familie in einer 6-Zimmer-Maisonettewohnung am O.________. Aktuell, 

nämlich im Februar 2019, zog der Kläger mit seiner Partnerin und deren Familie in eine neue 

Wohnung in K.________, wobei die Adresse und die Grösse der Wohnung unbekannt sind. 

Wie die Beklagte bringt auch der Kläger vor, in der ehelichen Liegenschaft wohnen zu wol-

len, und zwar mit seiner Partnerin, deren Familie und F.________.  

 

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 Die Beklagte bestreitet das (tatsächliche) Interesse des Klägers an einem Einzug, indem sie 

geltend macht, ein solcher Einzug sei nicht möglich, da die eheliche Liegenschaft dafür zu 

klein sei. Der Kläger entgegnete im November 2017, dass die Familie seiner Partnerin nach 

dem Auszug der erwachsenen Tochter im Sommer 2018 genügend Platz in der ehelichen 

Liegenschaft hätte (vgl. act. 56 S. 4). Für drei Kinder – also F.________ und die zwei minder-

jährigen Töchter seiner Lebenspartnerin – habe es in der ehelichen Liegenschaft genug Platz 

(act. 56 S. 4).  

 

 Eine Bestätigung des Klägers, dass die erwachsene Tochter im Sommer 2018 tatsächlich 

ausgezogen ist, blieb aus. Mithin ist davon auszugehen, dass die erwachsene Tochter der 

weiterhin im gemeinsamen Haushalt des Klägers und seiner Partnerin lebt und somit offen 

ist, ob es für den Kläger, seine Partnerin, deren drei Kinder und F.________ Platz hätte.  

 

 Selbst wenn der Kläger, seine Partnerin und deren Kinder tatsächlich in die eheliche Liegen-

schaft einziehen wollten, überwiegt das Interesse der Beklagten an der strittigen Liegen-

schaft. Zwar ist aus dem Auszug des Klägers im Jahr 2014 nicht zu schliessen, dass er sein 

Interesse an der Liegenschaft aufgegeben hat. Seit dem Auszug war es jedoch die Beklagte, 

welche nicht nur in der Liegenschaft wohnte, sondern sich unstreitig vor Einleitung des 

Scheidungsverfahrens um die administrativen Belange kümmerte (z.B. Teilnahme an Stock-

werkeigentümerversammlungen) und inzwischen die Kosten der ehelichen Liegenschaft al-

leine trägt. Trotz Anstellungen im Kanton Zürich blieb die Beklagte in K.________ wohnhaft 

und kümmerte sich um die eheliche Liegenschaft, was ein im Vergleich zum Kläger stärkeres 

– und unabhängig der Scheidung bestehendes – Interesse belegt. Der Kläger macht zwar 

geltend, dass die Beklagte umziehen möchte, konkrete Anhaltspunkte hierfür bestehen je-

doch keine. Die Beklagte arbeitet seit Jahren in N.________ und wohnt in K.________, wes-

halb vorliegend nicht davon auszugehen ist, dass die Beklagte infolge der neuen Anstellung 

bei der M.________AG umziehen wird. Zudem hat auch F.________ bestätigt, dass er die 

jetzige Wohnsituation als ideal empfindet. Er wurde an der Kinderanhörung zu dieser Thema-

tik befragt und sagte dabei aus, er wolle gemeinsam mit seiner Mutter in der Liegenschaft 

wohnen bleiben. Ausserdem fügte er an, seine Mutter wäre ansonsten sehr traurig (act. 11). 

Aus der Befragung ging klar hervor, dass sich F.________ bei seiner Mutter in der ehelichen 

Liegenschaft zuhause fühlt und an der derzeitigen Situation nichts ändern möchte.  

 

 Die Argumente des Klägers zum Wohl von F.________ überzeugen demgegenüber nicht. Ob 

F.________ in einem Familienverbund aufwachsen kann oder nicht, hängt nicht davon ab, ob 

dies in der ehelichen Liegenschaft oder in einer anderen Wohnung geschieht. So oder an-

ders würde dies der Kläger ermöglichen. Auch ist nicht nachvollziehbar, welchen positiven 

Einfluss die rein rechnerisch überwiegende physische Präsenz von F.________ in der eheli-

chen Liegenschaft auf sein Wohl haben könnte. Betreffend das Kindeswohl ist vorliegend 

vielmehr auf die Äusserungen von F.________ selbst abzustellen. Zwar geht aus der Befra-

gung nicht hervor, dass ihn ein Auszug der Beklagten in irgendeiner Form belasten würde; er 

scheint die derzeitige Wohnsituation mit seiner Mutter in der ehelichen Liegenschaft jedoch 

als ideal zu empfinden. 

 

6.3.5 Nach dem Gesagten hat die Beklagte unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände ein über-

wiegendes Interesse an der Zuteilung der ehelichen Liegenschaft in ihr Gesamteigentum. 

 

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6.3.6 Weist der Richter die Liegenschaft einem der Ehegatten zu, stellt er für die Festsetzung der 

dem anderen Ehegatten zustehenden Entschädigung auf den Verkehrswert der Liegenschaft 

ab (Urteil des Bundesgerichts 5A_600/2010 vom 5. Januar 2011 E. 4.1; für das Gesamtei-

gentum: Urteil des Bundesgerichts 5A_283/2011 vom 29. August 2011 E. 2). 

 

 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gutachten der freien r ichterlichen Beweiswürdigung 

(vgl. Art. 157 ZPO). Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollständigkeit, die Nachvoll-

ziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutach-

ten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverhalt stützt und den Befund 

ausreichend begründet. In Sachfragen weicht der Richter jedoch nur aus triftigen Gründen 

von einer gerichtlichen Expertise ab. Die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich 

stellenden Rechtsfragen ist Aufgabe des Richters. Dieser hat zu prüfen, ob sich aufgrund der 

übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die 

Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die Schlüssigkeit 

eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nötigenfalls ergänzende Be-

weise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. Art. 188 ZPO; BGE 138 III 193 E. 4.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 4A_505/2012 vom 6. Dezember 2012 E. 3.5; Urteil des Bundesge-

richts 5P.39/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 4.2 und 6.1; je m.H.; Guyan, Basler Kommentar, 

3. A. 2017, Art. 157 ZPO N 6b). 

 

6.3.7 Wie im Sachverhalt erwähnt, reichte J.________ seine Verkehrswertschätzung am 

7. März 2017 dem Gericht ein und ermittelte einen Gesamtwert der ehelichen Liegenschaft 

I.________ von CHF 1'335'000.00 (act. 30).  

 

 Der Kläger vertritt die Auffassung, die Liegenschaft sei zu tief geschätzt worden, insbeson-

dere im Vergleich zu einem Privatgutachten von S.________ vom 5. Januar 2016, welches 

den Verkehrswert auf CHF 1'520'000.00 beziffere. Dieser sei von einem höheren Landwert 

von CHF 2'000.00/m2 ausgegangen (act. 34). 

 

 Der Kläger beklagt zwar, dass J.________ einen tieferen Landwert eingesetzt hat, macht 

aber keine konkreten Einwände gegen den eingesetzten Schätzwert von CHF 1'703.00/m2 

geltend, sondern hält diesen Wert im Vergleich zum Privatgutachten zu tief, ohne sich mit 

dem Gutachten von J.________ konkret auseinanderzusetzen. J.________ wendet die Lage-

klassenmethode transparent und nachvollziehbar an. Zudem ist gerichtsnotorisch, dass 

J.________ vom Kantonsgericht Zug regelmässig für Schätzungen im Kanton Zug beauftragt 

wird und er damit auch über zahlreiche Vergleichswerte verfügt. 

 

 Weiter macht der Kläger geltend, der von J.________ ermittelte Verkehrswert entspreche 

faktisch dem im Jahr 2009 bezahlten Kaufpreis, was aufgrund der zweifellos erfolgten Preis-

steigerung und des guten Zustands des Objekts nicht nachvollziehbar sei. Ein – mit Aus-

nahme des kleinen Swimmingpools – vergleichsbares Objekt mit Baujahr 2009 sei derzeit für 

CHF 1'975'000.00 zum Verkauf ausgeschrieben.  

 

 Diesbezüglich führt J.________ in seinem Antwortschreiben vom 28. April 2017 (act. 36) zu-

nächst richtigerweise aus, dass ein ausgeschriebener Verkaufspreis nichts mit einem reellen 

Verkehrswert zu tun habe. Dabei ist auch zu beachten, dass überhöhte Liebhaberpreise un-

beachtlich bleiben (BGE 75 II 280 E. 3). Weiter stellt J.________ ebenfalls zu Recht fest, 

https://ezproxy.unilu.ch:2679/legalis/document-view.seam?documentId=gvqv6nrqgaxtembrga
https://ezproxy.unilu.ch:2679/legalis/document-view.seam?documentId=gvqv6mrygmxtembrge

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dass die vom Kläger im Schreiben vom 10. April 2017 zitierte Liegenschaft nicht an ver-

gleichbarer Lage steht, sondern in G.________ (Überbauung T.________ / Aussicht in die 

Berge / Nähe zum Zugersee / gehobene Umgebung). Somit geht auch dieser Einwand des 

Klägers ins Leere. Aufgrund dieser Erwägungen ändert auch die vom Kläger mit Schreiben 

vom 2. November 2017 eingereichte Verkaufsdokumentation für ein Objekt an der 

U.________ nichts an der Gültigkeit des Gutachtens (act. 51/1). Aus dem ausgeschriebenen 

Preis von CHF 1,78 Mio. für ein Objekt im gleichen Quartier lässt sich nämlich nicht ableiten, 

dass der vom Gutachter bestimmte Verkehrswert für die eheliche Liegenschaft falsch wäre. 

Wie schon erwähnt, wird J.________ vom Kantonsgericht Zug regelmässig für Schätzungen 

im Kanton Zug beauftragt, und er verfügt somit auch über zahlreiche Vergleichswerte, was 

Liegenschaftsverkehrswerte im Kanton Zug und angrenzenden Kantonen betrifft.  

 

 Betreffend die Bausubstanz macht der Kläger schliesslich geltend, das Verkehrswertgutach-

ten vom 5. Januar 2016 habe den Zustand der Liegenschaft als gut bezeichnet, mit Aus-

nahme der Feuchtigkeit im Untergeschoss. Das Gutachten vom 6. März 2017 bemängle 

demgegenüber, dass die vorhandenen Wärme-, Tritt- und Luftschalldämmwerte nicht mehr 

den heutigen Anforderungen entsprechen würden (act. 34 S 2 f.). Dazu führte J.________ 

aus, es sei offensichtlich, dass sich die Bauvorschriften, bzw. das Regelwerk dazu, für Neu-

bauten, Renovationsobjekte, usw. permanent verändern und anpassen würden (act. 36 S. 2). 

Mit anderen Worten stellte J.________ im Gutachten keine (zusätzlichen) Mängel an der 

Bausubstanz fest, sondern lediglich, dass sich die entsprechenden Anforderungen verschärft 

hätten. Es handelt sich somit vielmehr um eine Feststellung der veränderten rechtlichen Rah-

menbedingungen und nicht um eine Feststellung von Mängeln an der Bausubstanz, weshalb 

der Kläger auch aus diesem Umstand nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. 

 

 Zwar hält der Kläger den ermittelten Verkehrswert für zu tief, vermag aber nicht konkret auf-

zuzeigen, weshalb triftige Gründe vorliegen würden, aufgrund welcher von der Verkehrswert-

schätzung abgewichen werden müsste. Vielmehr erscheint die von J.________ vorgenom-

mene Schätzung transparent und nachvollziehbar, insbesondere auch in methodischer Hin-

sicht.  

 

6.3.8 Der Kläger brachte an der Hauptverhandlung schliesslich vor, dass die Schätzung bereits 

lange zurückliege, weshalb es sich rechtfertige, ein Obergutachten über den Verkehrswert 

der Liegenschaft einzuholen (vgl. act. 73 S. 8). Aus dem an der Hauptverhandlung einge-

reichten Bericht der P.________ gehe hervor, dass Einfamilienhäuser im Kanton Zug seit 

März 2017 erneut erheblich im Preis und damit im Verkehrswert gestiegen seien. Seit dem 

Jahr 2008 seien die Preise um ca. 25 % bis 30 % angestiegen. Durchschnittliche Einfamilien-

häuser im Kanton Zug würden zu einem Preis von zwei Millionen oder mehr verkauft. Dass 

die (neuwertige) Liegenschaft der Parteien lediglich einen Verkehrswert von 

CHF 1'335'000.00 habe, sei in Anbetracht dieser Preise schlicht nicht möglich (act. 73 S. 5).  

 

 Wie erwähnt, bestehen keine triftigen Gründe von der Schätzung des Gutachters abzuwei-

chen. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Schätzung der güterrechtlichen Auseinan-

dersetzung vorausgeht. Zwar trifft es zu, dass die Preise für Einfamilienhäuser gemäss der 

Infografik "Regionale Preisentwicklung: Einfamilienhäuser" der Broschüre "Immobilienmarkt 

2018" der P.________ einen erheblichen Preisanstieg seit dem Jahr 2008 erfahren habe 

(vgl. act. 71/151). Aus der Infografik geht jedoch auch hervor, dass der Preisindex zwischen 

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dem ersten Quartal 2016 und dem zweiten Quartal 2018 für die Region V.________ – in wel-

cher sich die strittige Liegenschaft befindet – eher leicht abgenommen hat. Die für den Kan-

ton Zug erwähnte Preiserhöhung von 3,5 % im Vergleich zwischen Sommer 2017 und 2018 

ist für die Region V.________ nicht aussagekräftig. Kommt hinzu, dass von Marktpreisen, 

welche über den Kanton Zug oder die Region V.________ verteilt bezahlt werden, nicht ge-

schlossen werden kann, dass sich die Preise an der betreffenden Lage in K.________ erheb-

lich erhöht hätten. Dass sich der nach der angewendeten Methode ermittelte Wert seit März 

2017 wesentlich verändert hätte, ist damit auch nicht dargetan, und es besteht vorliegend 

kein Grund zur Annahme, dass die Schätzung in erheblichem Masse unrichtig geworden ist 

(vgl. Hausheer/Reusser/Geiser, a.a.O., Art. 214 ZGB N 10). 

 

6.3.9 Somit ist der Beklagten die eheliche Liegenschaft zu einem Verkehrswert von 

CHF 1'335'000.00 zu Alleineigentum zuzuweisen und das zuständige Grundbuchamt anzu-

weisen, die Übertragung vorzunehmen. 

 

6.4 Gemäss Art. 205 Abs. 3 ZGB regeln die Ehegatten ihre gegenseitigen Schulden. Art. 205 

Abs. 3 ZGB betrifft die Schulden, also spiegelbildlich auch die Forderungen unter den Ehe-

gatten. Dazu gehören nicht nur die Forderungen und Schulden gegenüber Dritten, sondern 

auch jene gegenüber dem anderen Ehegatten. Sie gehören zu den Aktiven bzw. zu den Pas-

siven des jeweiligen Ehegatten und fallen in eine der beiden Gütermassen (Jungo, Hand-

kommentar Privatrecht, 3. A. 2016 Art. 205 ZGB N 11).   

 

6.4.1 Der Kläger verlangt von der Beklagten die Bezahlung von CHF 11'549.00 als Rückerstattung 

für die Zahlungen an die Steuerbehörden, die der Kläger für die gemeinsamen Steuerschul-

den während den Jahren 2009 bis 2013 proportional zu den Einnahmen der Parteien zu viel 

geleistet habe (act. 24 Rz 37; vgl. auch act. 46 Rz 93). Zum Beleg reicht der Kläger eine Ver-

einbarung betreffend die Steuerschuld im Jahr 2008 ein (act. 1/41). Die Beklagte bestreitet, 

dass im Innenverhältnis eine proportionale Bezahlung der Steuerschulden vereinbart war 

(act. 53 Rz 93). 

 

6.4.2 Im Aussenverhältnis war diese Steuerschuld solidarisch geschuldet. Zu prüfen und vom Klä-

ger zu beweisen ist, dass im Innenverhältnis keine hälftige Teilung, sondern die proportionale 

Tragung der Kosten im behaupteten Sinne vereinbart war (vgl. Art. 8 ZGB).  

 

 Aus dem vom Kläger eingereichten Dokument geht hervor, dass die Parteien die Steuern des 

Jahres 2008 proportional zum Gesamteinkommen bezahlten (act. 24/62). In den Jahren 2009 

bis 2013 bezahlten die Parteien die Steuern unstreitig je zur Hälfte (vgl. act. 45 Frage 28.7). 

Eine Vereinbarung, wie jene betreffend die Steuern des Jahres 2008, befindet sich für die 

Jahre 2009 bis 2013 nicht in den Akten. Auch liegt kein Beleg im Recht, wonach der Kläger 

sich gegen eine hälftige Beteiligung ausgesprochen hätte. Der Umstand, welcher auch aus 

der vom Kläger eingereichten Tabelle hervorgeht (act. 1/41), dass die Parteien die Kosten 

jeweils hälftig übernommen haben, spricht zudem gegen eine solche Vereinbarung im Innen-

verhältnis. Sonstige Belege einer Vereinbarung für die Jahre 2009 bis 2013 liegen nicht im 

Recht. Vom eingereichten Beleg des Jahres 2008 kann somit nicht automatisch geschlossen 

werden, dass diese Aufteilung auch für die Jahre 2009 bis 2013 vereinbart worden war. 

 

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6.4.3 Mangels Beleg einer für die Jahre 2009 bis 2013 bestehenden Vereinbarung der Parteien, 

die Steuerschulden proportional aufzuteilen, ist die Forderung des Klägers damit abzuwei-

sen.  

 

7. In einem zweiten Schritt ist im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung der Vor-

schlag unter Berücksichtigung allfälliger Mehrwertanteile zu berechnen. Innerhalb des Ver-

mögens des gleichen Rechtsträgers, d.h. innerhalb des Frauen- und des Mannesguts, beste-

hen je zwei Gütermassen, nämlich die Errungenschaft und das Eigengut. Die Errungenschaft 

besteht gemäss Art. 197 Abs. 1 ZGB aus den Vermögenswerten, die ein Ehegatte während 

der Dauer des Güterstandes entgeltlich erwirbt. Sie umfasst namentlich seinen Arbeitserwerb 

(Art. 197 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB) und Ersatzanschaffungen für Errungenschaft (Art. 197 Abs. 2 

Ziff. 5 ZGB). Eigengut sind von Gesetzes wegen u.a. die Vermögenswerte, die einem Ehe-

gatten zu Beginn des Güterstandes gehören oder die ihm später durch Erbgang oder sonst 

wie unentgeltlich zufallen (Art. 198 ZGB).  

 

Errungenschaft und Eigengut jedes Ehegatten werden nach ihrem Bestand im Zeitpunkt der 

Auflösung des Güterstandes ausgeschieden (Art. 207 Abs. 1 ZGB). Alles Vermögen eines 

Ehegatten gilt bis zum Beweis des Gegenteils als Errungenschaft (Art. 200 Abs. 3 ZGB). 

Obschon gerade in einer langjährigen Ehe im Einzelfall der Nachweis der Herkunft der Mittel 

schwierig sein kann, ist vom Regelbeweismass auszugehen, das Gericht ist somit vom Vor-

liegen von Eigengut zu überzeugen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_14/2014 vom 15. Ap-

ril 2014 E. 2.2). Bei Scheidung der Ehe wird die Auflösung des Güterstandes auf den Tag zu-

rückbezogen, an dem das Begehren eingereicht worden ist, vorliegend auf den 23. Juni 

2016. Für die güterrechtliche Auseinandersetzung relevant sind mithin grundsätzlich nur jene 

Vermögenswerte und Schulden, die per Datum der Auflösung des Güterstands, d.h. 23. Juni 

2016, zu den Gütermassen des Klägers oder der Beklagten gehört haben. Nach der Auflö-

sung des Güterstandes entsteht – und zwar auf der Aktiv- und der Passivseite – keine Errun-

genschaft mehr, die unter den Ehegatten zu teilen wäre (vgl. BGE 135 III 241 E. 4.1).  

 

 Massgebend für den Wert der bei der Auflösung des Güterstandes vorhandenen Errungen-

schaft ist der Zeitpunkt der Auseinandersetzung (Art. 214 Abs. 1 ZGB). Für Vermögenswerte, 

die zur Errungenschaft hinzugerechnet werden, ist der Zeitpunkt massgebend, in dem sie 

veräussert worden sind (Art. 214 Abs. 2 ZGB).  

 

 Was vom Gesamtwert der Errungenschaft, einschliesslich der hinzugerechneten Vermögens-

werte und der Ersatzforderungen, nach Abzug der auf ihr lastenden Schulden verbleibt, bildet 

den Vorschlag (Art. 210 Abs. 1 ZGB). Ein Rückschlag wird nicht berücksichtigt (Art. 210 Abs. 

1 ZGB). Jeder Ehegatte hat Anspruch auf sein Eigengut sowie die Hälfte des Vorschlags der 

Errungenschaft des anderen (Art. 215 Abs. 1 ZGB). 

 

7.1 Nachfolgend sind gestützt auf die Vorbringen der Parteien und die Akten die jeweiligen Vor-

schläge zu berechnen. Nach der sog. indirekten Berechnungsweise wird der Vorschlag der 

jeweiligen Errungenschaft ermittelt, indem bei den Parteien jeweils das Eigengut – soweit per 

Auflösung des Güterstands belegt – vom Gesamtvermögen subtrahiert wird (vgl. Haus-

heer/Geiser/Aebi-Müller, Das Familienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 6. A. 

2018, Anhang IV, S. 637). In einem ersten Schritt sind die am 23. Juni 2016 bestehenden tat-

sächlichen und rein rechnerischen Aktiven und Passiven beider Ehegatten aufzuführen, 

https://ezproxy.unilu.ch:2679/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgm2v62ljnfptenbr

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anschliessend ist das Eigengut der Parteien auszuscheiden. Unter Berücksichtigung der 

nachfolgenden Erwägungen verfügten die Parteien per 23. Juni 2016 und zum Wert im Zeit-

punkt der güterrechtlichen Auseinandersetzung bzw. per Urteilszeitpunkt in Schweizer Fran-

ken rechnerisch über folgende Aktiven und Passiven: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. Vermögenswert Vermögen Mann (in CHF) 

 

Vermögen Frau (in CHF) 

 

1 Liegenschaft I.________  

(Nettowert) 
117'500.00 117'500.00 

2 R.________AG Säule 3a-Konto, 

.________ 
34'288.65  

3 P.________ Säule 3a-Konto, 

.________ 
57'510.20  

4 PK W.________AG, Konto (EUR) 

Nr. .________ 
228.00  

5 E-Sparkonto W.________AG, 

Konto (EUR), Nr. .________ 
8'186.95   

6 E-Sparkonto W.________AG, 

Konto Nr. .________ 
271.30  

7 P.________, Privatkonto 

Nr. .________ 
1'230.00  

8 X.________, Frankreich, Konto Nr. 

.________ 
11'510.10   

    

9 P.________, Privatkonto 

Nr. .________ 
 20'456.51 

10 PK W.________AG,  

Nr. .________ 
 0.40 

11 E-Sparkonto W.________AG, 

Konto Nr. .________ 
 72'954.60 

12 Privatkonto Q.________  27'476.16 

13 R.________AG Sparkonto, 

Nr. .________ 
 7'200.67 

14 R.________AG Sparkonto, 

Nr. .________ 
 2'001.10 

15 P.________, Säule 3a 

Nr. .________ 
 21'362.80 

16 R.________AG, Säule 3a 

Nr. .________ 
 34'135.60 

17 Anteil Erneuerungsfonds 

I.________ 
 2'394.81  

    

 Total 230'725.20 305'482.65 

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7.1.1 Die eheliche Liegenschaft I.________ steht im Gesamteigentum der Parteien. Mit anderen 

Worten bilden die Ehegatten bezüglich dieser Liegenschaft eine sog. Ehegattengesellschaft.  

 

 Im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung ist bei Gesamteigentum die einfache 

Gesellschaft rechnerisch zu liquidieren und dann das Liquidationsergebnis güterrechtlich zu-

zuordnen (Urteil des Bundesgerichts 5A_646/2012 vom 15. April 2013 E. 3.4 m.H.). Das vor-

handene Gesellschaftsvermögen dient in erster Linie der Tilgung gemeinschaftlicher Schul-

den und dem Ersatz von Auslagen und Aufwendungen (Art. 549 OR; sog. äussere Liquida-

tion). Sodann sind die Einlagen der Gesellschafter – in Kapital, Sachwerten oder Dienstleis-

tungen – dem Werte nach, berechnet auf den Zeitpunkt des Einbringens, zurückzuerstatten 

(Art. 548 OR; sog. innere Liquidation). Ein verbleibender Überschuss ist als Gewinn, ein all-

fälliger Fehlbetrag, der auch die Einlagen übersteigen kann, als Verlust im Sinne 

von Art. 533 OR jedem Gesellschafter als Liquidationsanteil zuzuteilen, d.h. mangels anderer 

Vereinbarung hälftig zu teilen. Mit der Verteilung des Gewinns bzw. Verlusts ist die Liquida-

tion der einfachen Gesellschaft abgeschlossen. Anschliessend sind die Liquidationserlöse 

bei jedem Ehegatten güterrechtlich zuzuweisen (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 

5A_656/2013 vom 22. Januar 2014 E. 2.1). Für die Zuteilung des Liquidationserlöses sind 

nur die Einlagen der Parteien massgebend. Der Erlös ist derjenigen Masse des Ehegatten 

zuzuordnen, welche den Beitrag geleistet hat.  

 

 Wie erwähnt beträgt der für die güterrechtliche Auseinandersetzung massgebliche Verkehrs-

wert der Liegenschaft CHF 1'335'000.00 (act. 30). Abzüglich der Hypothek im Betrag von 

CHF 1'100'000.00 beträgt der Nettowert somit CHF 235'000.00, d.h. je CHF 117'500.00 (Po-

sition 1). 

 

 Sodann sind – wie erwähnt – die Einlagen der Gesellschafter dem Werte nach, berechnet auf 

den Zeitpunkt des Einbringens, zurückzuerstatten (Art. 548 OR; sog. innere Liquidation). Ge-

mäss Grundstückkaufvertrag vom 23. Juli 2009 wurde die Liegenschaft für einen Preis von 

CHF 1'247'000.00 erworben (act. 24/33). Ursprünglich leisteten die Parteien eine Einlage aus 

Eigenkapital von je CHF 125'000.00, d.h. insgesamt CHF 250'000.00 (vgl. act. 24/33). Die 

späteren Investitionen (Innenausbau, zusätzlicher Parkplatz, Küche und Schreinerarbeiten) 

von über rund CHF 130'000.00 (vgl. act. 24 Rz 65–67) wurden unstreitig durch zusätzlich 

aufgenommene Kredite bezahlt. Zuletzt betrug die von der R.________AG den Parteien ge-

währte Hypothek CHF 1'100'000.00 (act. 1/20; act. 1/21). Damit kann bereits an dieser Stelle 

festhalten werden, dass bei einem heutigen Verkehrswert von CHF 1'335'000.00 nach Abzug 

der ursprünglichen Einlagen kein Gewinn mehr zu verteilen ist. 

  

 Die rechnerisch zurückzuerstattenden ursprünglichen Einlagen von je CHF 117'500.00 sind 

nachfolgend güterrechtlich der Errungenschaft oder dem Eigengut zuzuweisen (s. unten 

E. 7.3).  

 

7