# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71cbed3f-00f2-59fb-b68f-2787a4447049
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 17.05.2022 IV 2021/59
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2021-59_2022-05-17.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/59

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.12.2022

Entscheiddatum: 17.05.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 17.05.2022
Neuanmeldung nach Abweisung. Würdigung namentlich eines 
polydisziplinären Gutachtens. Standardindikatoren (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Mai 2022, IV 2021/59).

Entscheid vom 17. Mai 2022

Besetzung

Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus (Vorsitz), Versicherungsrichterinnen 

Monika Gehrer-Hug und Corinne Schambeck; Gerichtsschreiberin Fides Hautle

Geschäftsnr.

IV 2021/59

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21, 

Postfach 27, 9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich am 29. Oktober/6. November 2008 bei der 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen 

der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er habe nach der ___schule etwa eineinhalb 

Jahre lang (von ___ 1999 bis ___ 2001) die Berufsschule zur Lehre als ____ besucht 

und die Lehre abgebrochen. Wegen Panikattacken, Angststörungen und Depressionen 

könne er "nicht raus". Die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe etwa seit dem 

16. Lebensjahr, sei aber mit der Zeit immer schlimmer geworden, bis er 2004 

arbeitsunfähig geworden sei. Von 2000 bis 2004 sei er drogenabhängig gewesen. 

Seither sei er "sauber", komme aber ungefähr seit damals nicht mehr unter Leute und 

aus der Wohnung. Seit 200_ sei er verheiratet. Von ___ 2007 bis ___ 2008 sei er 

sozialhilfeabhängig gewesen.

A.a. 

Die zuständige Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der 

Invalidenversicherung gab in einem Gesprächsprotokoll vom 11. Dezember 2008 (IV-

act. 13, 15) an, Dr. med. B.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 

Psychiatrie-Zentrum C.___, habe erklärt, der Versicherte habe Probleme bei den 

alltäglichen Verrichtungen (Einkauf, öffentlicher Verkehr usw.). Er sei für alle Tätigkeiten 

voll arbeitsunfähig; eine Neubeurteilung sei frühestens im April 2009 sinnvoll. Der 

Lehrabbruch im ___ 2001 sei im Zusammenhang mit der bereits bestehenden Phobie 

zu sehen.

A.b. 

Am 17. Dezember 2008 (IV-act. 17) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle 

dem Versicherten mit, berufliche Eingliederungsmassnahmen seien zurzeit wegen des 

Gesundheitszustands nicht möglich.

A.c. 

In einem IV-Arztbericht vom 20. April 2009 (IV-act. 19) gab das Psychiatrie-

Zentrum C.___ (Dr. B.___) an, beim Versicherten lägen eine Agoraphobie, eine 

A.d. 

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rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, eine Störung 

durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, und ein 

Zustand nach Drogenabhängigkeit (2000 - 2004, aktuell jedoch weiterhin kein 

Drogenkonsum erkennbar) vor. Ab dem 15. Altersjahr habe er Cannabis konsumiert. Er 

leide seit etwa neun Jahren (erstmals mit 17 Jahren unter Cannabis aufgetreten) an 

Angst- und Panikstörungen, die sich seit drei Jahren verstärken würden, und werde 

seit 25. Juli 2007 behandelt. Seit ___ Jahren sei er verheiratet. Vor etwa ___ habe seine 

Frau in die Schweiz einreisen können, womit er keine Sozialhilfe mehr beziehen könne. 

Er wäre für den Haushalt zuständig, könne aber kaum den täglichen Arbeiten und 

Aufgaben nachkommen. Im Vordergrund stehe die Angst- und Panikstörung mit 

massivem Vermeidungsverhalten. Ausserdem leide der Versicherte an Ein- und 

Durchschlafstörungen, ferner an Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen und 

Affektarmut, Lust-, Interesse- und Hoffnungslosigkeit. Er gehe kaum mehr aus dem 

Haus, sei im Kontakt oder allein schon beim Gedanken, mit mehr als zwei bis drei 

Personen in Kontakt zu sein, massiv überfordert und habe ein Engegefühl und 

Atemnot. Er sei auf dem ersten Arbeitsmarkt voll arbeitsunfähig; mit einer 

Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden. Die 

monatlichen Termine nehme er verlässlich wahr. Der Versuch einer Ergotherapie 

dreimal wöchentlich sei gescheitert. Eine angezeigte stationäre oder eine 

tagesklinische Behandlung lehne der Versicherte ab, weil ihn das Gruppenangebot 

überfordern würde. Zurzeit werde versucht, eine Motivation hierzu aufzubauen. Es 

handle sich um ein chronisches, schon seit vielen Jahren auch unter Abstinenz von 

Drogen bestehendes Zustandsbild.

Am 14. Oktober 2009 (IV-act. 24) fand eine psychiatrische Untersuchung durch 

einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie des RAD statt. Im entsprechenden 

Bericht vom 21. Oktober 2009 wurde festgehalten, der Versicherte habe berichtet, er 

habe sich wegen Panikattacken und Angstzuständen bei der IV gemeldet. Sein Arzt 

habe gemeint, es sei alles versucht worden, es gehe jetzt nichts mehr. Das Ganze gehe 

nun seit zehn Jahren. Den Antrag habe er auf Drängen des Arztes gestellt, weil er nicht 

arbeiten könne. Vor der Überweisung an das Psychiatrie-Zentrum (ca. 2007) habe er 

etwa eineinhalb Jahre lang eine Psychotherapie bei Dr. med. D.___, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie, gemacht. Zurzeit habe er täglich zuhause drei 

A.e. 

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Panikattacken - immer dann, wenn er ans Hinausgehen oder an den Grund der Störung 

denke. Wenn er nach draussen gehe, habe er mindestens eine solche Attacke. Die 

Angstzustände kämen sicher, sobald er sich ausser Haus begebe; draussen sei es 

dann noch schlimmer. Zwischendurch gehe er schon einmal nach draussen, aber nicht 

mehr wie früher. Einkaufen gehe überhaupt nicht. Die den Versicherten begleitende 

O.___ [Verwandte] habe erklärt, dieser könne überhaupt nicht mehr unter Leute und 

ausser Haus gehen. Zurzeit halte er sich meist bei heruntergelassenem Rollladen in 

seinem Zimmer auf und komme selbst nicht heraus, wenn sie (die O.___) in der 

Wohnung sei. Auch mit der Ehefrau rede er kaum. Wenn er - sehr selten - die Eltern 

besuche, müsse es spät (abends) und dunkel sein, damit ihn niemand sehe. Der RAD-

Arzt hielt fest, es bestünden ausgeprägte eingeschliffene negative Kognitionen mit der 

Festlegung, an den bestehenden psychischen Einschränkungen nichts ändern zu 

können. Er diagnostizierte (erstens) eine generalisierte Angststörung mit (zweitens) 

gemischt agoraphoben und sozial-phobischen Anteilen. Hierfür spreche die vom 

Versicherten geschilderte Symptomatik. Die O.___ habe den Rückzug bestätigt. Nicht 

zuletzt wegen des ausgeprägten Vermeidungsverhaltens sei der Versicherte nicht in 

der Lage, einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachzugehen. Ohne Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit sei ein polytoxikomanes Abhängigkeitssyndrom (Cannabinoide, 

Opioide, Kokain, Sedativa), derzeit Abstinenz. Es fänden zurzeit monatliche 

Sprechstundentermine mit einstündigem Gespräch statt. Eine Steigerung der Cipralex-

Dosis (gemäss Arzneimittel-Kompendium Wirkstoff Escitalopram, Antidepressivum, 

Selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, zur Behandlung von Depressionen, 

sozialer Phobie, generalisierten Angststörungen, Panikerkrankungen, 

Zwangsstörungen) über 5 mg hinaus sei wegen angeblicher massiver Nebenwirkungen 

nicht möglich, ebenso wenig eine Ergotherapie. Bemühungen um eine tagesklinische 

oder stationäre Behandlung seien bislang am Widerstand des Versicherten gescheitert. 

Die Behandlung sei absolut unzureichend und die noch nicht ausgeschöpften Optionen 

müssten in Form einer Kaskade implementiert werden. Zunächst habe eine mindestens 

vier- bis sechsmonatige stationäre Psychotherapie in einer für Angsterkrankungen 

besonders geeigneten Klinik stattzufinden, anschliessend eine teilstationäre 

Behandlung zur Arbeitserprobung im geschützten Rahmen mit Weiterführung 

berufsberaterischer Massnahmen, schliesslich nach Abschluss der teilstationären 

Behandlung eine begleitende ambulante Psychotherapie. Davon könne wahrscheinlich 

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eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und eine Rückführung in den ersten 

Arbeitsmarkt erwartet werden. Es gebe keine medizinischen Gründe, derentwegen der 

Versicherte nicht mitwirken könnte. Nachdem der Versicherte erklärt habe, er vertrage 

kein Medikament, bekomme Schwindel und sei auch schon einige Male umgefallen, 

habe sich eine Diskussion über Nebenwirkungen der Medikamente ergeben. 

Schliesslich sei der Versicherte wütend geworden und habe mit zunehmend lauter 

werdender Stimme geäussert, er habe den Eindruck, er (der Referent) glaube ihm nicht, 

was er sage oder schätze seine Krankheit gar nicht als so schwerwiegend ein. Der 

RAD-Arzt bemerkte abschliessend, die O.___ des Versicherten habe sich am 

Nachmittag bei der Sozialversicherungsanstalt erkundigt, ob es nicht möglich wäre, 

diesen durch einen anderen RAD-Arzt untersuchen zu lassen; es seien dem 

Versicherten nämlich beispielsweise mehr Fragen zur Politik gestellt worden als zur 

eigentlichen Krankheit. Das beziehe sich wohl auf die von ihm (dem RAD-Arzt) dem 

Versicherten im Hinblick auf sein Allgemeinwissen und seine Interessiertheit gestellten 

Fragen zu seiner Heimat (vgl. IV-act. 24-10).  

Mit Schreiben vom 12. November 2009 (IV-act. 26) und vom 7. Dezember 2009 (IV-

act. 28) forderte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den 

Versicherten im Rahmen der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht dazu auf, 

sich während mindestens vier bis sechs Monaten einer stationären Psychotherapie zu 

unterziehen und innert Frist bekanntzugeben, wann er eintrete. - Der Versicherte teilte 

schliesslich am 12. Mai 2010 (IV-act. 32) mit, er habe sich am 2. März 2010 in die 

Psychiatrische Klinik E.___ begeben, sich aber am 11. März 2010 dazu entschlossen, 

diese wieder zu verlassen. Der Druck sei ihm zu gross gewesen, obwohl er eine hohe 

Dosis von Beruhigungstabletten bekommen habe. Er könne nicht unter die Leute 

gehen und habe tagelang nicht einmal zum Essen mit den anderen Patienten gehen 

können. Zurzeit gehe er wöchentlich in eine Ergotherapie.

A.f. 

In einem Austrittsbericht vom 29. März 2010 (IV-act. 37-3 ff., IV-act. 36) gab die 

Klinik E.___ an, der Versicherte habe motorisch unruhig gewirkt und Misstrauen und 

Ängste geäussert, er fühle sich von anderen beobachtet und habe das Gefühl, man 

rede schlecht über ihn. Besonders belastend sei es für ihn gewesen, die Situation in 

der Gruppe auszuhalten. Er habe es nur zweimal geschafft, am gemeinsamen 

Mittagessen teilzunehmen. In solchen Situationen habe er häufig auf die 

A.g. 

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Reservemedikation mit Temesta zurückgreifen müssen. Er sei selbständig zu den 

Therapien erschienen. Im weiteren Verlauf habe er unentschuldigt gefehlt. - Das 

Psychiatrie-Zentrum C.___ (Dr. med. F.___, Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie) gab in einem Verlaufsbericht vom 9. Juli 2010 (IV-act. 37-1 f.) an, der 

Versicherte habe berichtet, er könne kaum das Haus verlassen, ziehe sich zurück und 

lebe mit seiner Frau fernab von allen Sozialkontakten. Mit Ausnahme regelmässiger 

Therapietermine und gelegentlicher Spaziergänge mit dem Hund in den Abendstunden 

verlasse er das Haus kaum. Die wöchentliche Teilnahme an der Ergotherapie koste ihn 

jeweils grosse Überwindung. Er müsse in einem abgeschirmten Bereich arbeiten. Es 

sei nicht zu erwarten, dass er die Arbeitsfähigkeit auch nur in Teilbereichen 

wiedererlange werde, solange die Symptomatik stationär bleibe.

Eine RAD-Ärztin hielt am 6. September 2010 (IV-act. 38) fest, nach 

interdisziplinärer Besprechung sei gemäss den vorliegenden Berichten weiterhin von 

einer vollen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in allen Tätigkeiten auszugehen. Bei 

einer Rentenzusprache werde ein verkürzter Revisionszeitraum empfohlen. Der 

Versicherte sollte aufgefordert werden, bis zum Revisionstermin nochmals eine 

stationäre psychiatrische Behandlung anzutreten.

A.h. 

Bei einem Standortgespräch vom 12. Januar 2011 (IV-act. 46) gab der Versicherte 

gemäss Protokoll an, er sei vom (sc. untersuchenden RAD-) Arzt schikaniert worden 

und habe nachher psychische Probleme gehabt. Derzeit gehe es ihm im Allgemeinen 

etwas schlechter als früher. Er habe in der Klinik pro Tag 9 mg Temesta bekommen. 

Schon vor dem Klinikaufenthalt sei er von Beruhigungsmitteln abhängig gewesen, in 

der Klinik sei das noch verstärkt worden. Seit sicherlich sechs oder sieben Jahren sei 

er zu Hause wie in einem Gefängnis, immer in den vier Wänden. Manchmal - vielleicht 

zwei- oder dreimal pro Monat und unter Einsatz von Beruhigungsmitteln wie Valium - 

gehe er nachts in Begleitung seiner Frau mit dem Hund raus, dann habe es keine Leute 

auf der Strasse und er fühle sich weniger beobachtet. Tagsüber könne er selbst in 

Begleitung kaum ausser Haus gehen. Ohne Einnahme von 20 mg Valium hätte er es 

auch am Gesprächstag nicht geschafft. Während des Tages schaue er Fernsehen und 

mache etwas mit dem Computer (Nachrichtenseiten anschauen). Er lese die gleiche 

Seite immer und immer wieder, bis er sie verstehe. Wenn er am Lesen sei, komme ihm 

etwas anderes in den Sinn und er könne sich nicht mehr konzentrieren. Damit er sich 

A.i. 

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überhaupt konzentrieren könne, müsse es etwas sein, das ihn sehr, sehr interessiere. 

Es gelinge höchstens für fünf bis zehn Minuten. Er verdunkle den Raum. Pro Tag 

nehme er 2.5 Tabletten Cipralex und ca. dreimal, manchmal viermal Valium. Er sei 

schon seit zehn Jahren krank und habe keine Hoffnung mehr, dass es besser werde. 

Ein wenig hätten die Medikamente geholfen - er sei früher mit anderen Medikamenten 

depressiver gewesen -, gegen die Angst würden sie allerdings nicht helfen. Mit seiner 

Angabe konfrontiert, dass er ohne Valium das Haus nachts nicht verlassen könne, habe 

der Versicherte erklärt, nachts helfe ihm das Mittel, am Nachmittag nicht. Es gebe 

keine Tage, an denen er sich gut fühle. Den Eintritt in die Klinik habe er immer wieder 

verschoben, weil er gewusst habe, dass es so werde, wie es geworden sei. Sein 

Psychiater habe gesagt, seine Krankheit werde nie bessern. Er habe Kokain und am 

Anfang auch Heroin durch die Nase konsumiert, später habe er Letzteres gespritzt, 

vielleicht drei- oder viermal. Einmal habe er sich eine Überdosis gespritzt. Und einmal 

habe er eine Überdosis Methadon - er sei in einem Programm gewesen - gehabt und 

sei im Spital erwacht; er habe mit Elektroschock reanimiert werden müssen. Er sei nie 

schwerstabhängig gewesen. Vor etwa sieben Jahren sei er bei einer Polizeikontrolle mit 

Cannabis erwischt worden. Letztmals habe er davon vor etwa sieben Monaten 

konsumiert und es sei ihm sehr schlecht geworden. Den Haushalt erledige seine Frau. 

Er könne das nicht so gut wie sie; sie wolle es selber tun. Kleine Verrichtungen erledige 

er schon. Einen Laden aufsuchen könne er nicht. Er sei umgezogen, weil die Wohnung 

zu klein gewesen sei und seine Frau es gewollt habe. Beim Zügeln habe er auch ein 

wenig geholfen. Seit Jahren habe er null soziale Kontakte, nur zu den Eltern ___. Wenn 

er von seiner O.___, dem Vater oder der Ehefrau mit dem Auto irgendwo hin gefahren 

werde und sie an einer Ampel anhalten müssten, fühle er sich beobachtet. Auf die 

Frage, ob er glaube, etwas arbeiten zu können, habe der Versicherte geantwortet, dass 

es darauf ankäme, wie er zur Arbeitsstelle käme usw. Wenn die Ärzte sagten, dass er 

nicht arbeiten könne, werde es wohl stimmen. Der Mitarbeiter vom Sozialamt sage das 

auch.

Die Klinik für Innere Medizin am Spital G.___ reichte am 19. Januar 2011 (IV-

act. 50) frühere Berichte ein. - In einem Austrittsbericht vom 22. Juni 2004 (IV-

act. 51-3 ff.) war angegeben worden, es bestehe eine bekannte Polytoxikomanie 

(Heroin, Kokain, Benzodiazepine, Cannabis, Ecstasy) mit mehreren Hospitalisationen 

A.j. 

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und ambulanten Konsultationen im Spital, letztmals im März 2003. Früher sei der 

Versicherte in einem Methadonprogramm gewesen. Anamnestisch sei er vor zwei 

Monaten aus einem Entzugsprogramm in seiner Heimat (mit 15 Monaten Abstinenz) 

zurückgekehrt und sei wegen einer Intoxikation mit Heroin und Benzodiazepinen auf 

die Notfallstation gebracht worden. Er sei bei der ersten Konsultation wegen Einnahme 

von angeblich 15 mg Dormicum zusätzlich zur normalen Xanax-Medikation 

(Alprazolam, Anxiolytikum, Benzodiazepin) von zwei Tabletten à 2 mg völlig adäquat 

gewesen und wieder nach Hause geschickt worden. Fast vier Stunden später (am 

11. Juni 2004) sei er wieder gebracht worden und während der Untersuchung sei es zu 

einem Atemstillstand gekommen. Er habe nachher angegeben, zusätzlich zweimal 

Heroin geschnupft zu haben. Die Eltern würden nochmals eine Entzugsbehandlung in 

der Heimat organisieren; die P.___ [Verwandte] fliege am Tag nach der Spitalentlassung 

vom __. ___ 2004 mit. - In einem Bericht vom 12. August 2008 (IV-act. 51-2) über eine 

ambulante Konsultation war festgehalten worden, es bestünden ein muskuloskelettaler 

Thoraxschmerz und Panikattacken. Schmerzmedikamente habe der Versicherte nicht 

einsetzen wollen. Aufgrund einer Unverträglichkeit mehrerer Psychopharmaka werde 

die Panikstörung (seit Jahren mehrmals täglich vorkommend, autogenes Training 

einmal pro Monat) nicht medikamentös behandelt. - In einem Bericht vom 16. April 

2009 (IV-act. 51-1) waren ein übermässiger Alkoholkonsum mit Nausea, Erbrechen und 

Schwindel (ca. zwei Liter Bier und ca. 8 dl Whiskey-Cola), eine Angst- und 

Panikstörung und ein sistierter Drogenkonsum (vor vier Jahren) diagnostiziert worden. 

Bereits nach etwa 20 Minuten sei eine deutliche Besserung eingetreten.

Die Klinik E.___ (Psychiatrie-Dienste Süd) teilte am 1. Februar 2011 (IV-act. 52) auf 

Anfrage (IV-act. 49) mit, Tagesdosen von 9 mg Temesta würden in Krisensituationen im 

stationären Rahmen manchmal verabreicht, im ambulanten Bereich seien sie 

fragwürdig, weil es rasch zu einer Gewöhnung mit Wirkungsverlust komme und auch 

keine wirkungsvolle Psychotherapie mehr möglich sei. Die Dosis von 20 mg Valium 

entspreche etwa 4 mg Temesta. Es sei bekannt, dass der Versicherte zurzeit des 

Aufenthalts im Jahr 2002 an einem Methadonprogramm teilgenommen habe.

A.k. 

In einem Zeitraum zwischen 12. Januar 2011 und 26. März 2011 wurde der 

Versicherte überwacht. Im Bericht vom 30. März 2011 (IV-act. 53) wurde festgehalten, 

an fünf von sieben Überwachungstagen sei der Versicherte bei einem Spaziergang von 

A.l. 

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ca. 15 Minuten mit dem Hund im Umfeld des Wohnortes beobachtet worden. An fünf 

Tagen sei er als Mitfahrer in einem Personenwagen unterwegs gewesen. Er habe sich 

normal - ohne sichtbare körperliche und psychische Einschränkungen und 

Beschwerden und ohne Schonhaltungen - bewegt. Er habe fit und aufmerksam 

gewirkt, sei meist zügigen Schrittes unterwegs gewesen und sei in der Öffentlichkeit (in 

Gesellschaft) auch offensichtlich guter Laune gewesen und habe mit anderen Personen 

diskutiert, gelacht und gescherzt. - In der medizinischen Stellungnahme eines Arztes 

der IV-Stelle vom 27. Mai 2011 (IV-act. 55) wurde dargelegt, das Bewegungsverhalten 

des Versicherten am hellen Tag sei dynamisch und gezielt - unauffällig, wie auch die 

Kommunikation mit Angehörigen und Drittpersonen - gewesen. Man habe am 

betreffenden Tag nicht den Eindruck gewonnen, er stehe unter Einfluss von 20 mg 

Valium, und auch nicht, er führe ein eingeschlossenes Leben und sei in der von ihm 

geschilderten Weise soziophob. Jemand, der unter sozialen Ängsten leide und sich 

dauernd beobachtet fühle, würde sich anders verhalten (eher andauernd angespannt 

und unsicher wirkend). Erst recht würde man ihm ansehen, wenn er täglich zuhause 

mehrere und beim Verlassen des Hauses sicherlich mindestens eine Panikattacke 

hätte. Zum aktuellen Konsum von Valium könnten keine sicheren Angaben gemacht 

werden. Falls ein Missbrauch stattfinde, wäre ein Benzodiazepin-Entzug angezeigt. Klar 

widerlegt werde im Videomaterial das Ausmass der gegenüber dem RAD-Psychiater 

deutlich gemachten Einschränkungen, doch zeigten die Ermittlungen nicht einen 

vollständig sozial funktionsfähigen Versicherten. Er scheine im Kreis seiner 

Angehörigen zu leben, umsorgt in einem sekundären Krankheitsgewinn. Es sei nur ein 

relativ enges Aktivitätsspektrum beobachtet worden. In Begleitung habe sich der 

Versicherte aber nicht gescheut, in ein Einkaufszentrum zu gehen. Wahrscheinlich sei, 

dass sich der Gesundheitszustand verbessert habe (seit langem keine illegalen Drogen 

mehr, hin und wieder ein Rückfall wie 2009, wahrscheinlich selten bis gar nicht mehr 

Einnahme ärztlich verordneter Medikamente).

Bei einem Standortgespräch vom 3. August 2011 (IV-act. 57) gab der Versicherte 

gemäss Protokoll an, er könnte sich vielleicht, wenn er die Leute kennte und sie seine 

Krankheit kennten, in einem Team eine Arbeit vorstellen. Er wolle eine Ergotherapie 

beginnen. Zuhause sei es einfach sehr langweilig und es sei schon sehr schwierig, 

wenn man immer zuhause sei. Es gehe ihm gesundheitlich etwa gleich wie vor sechs 

A.m. 

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Monaten. Der Arzt sage, er solle (als Belastungstraining) versuchen, nach draussen zu 

gehen. Sobald es dunkel sei, sei das für ihn einfacher. Wenn er nachmittags nach 

draussen gehe, versuche er einfach, die Angst und die Verspannung zu unterdrücken. 

Er könne tagsüber die Wohnung verlassen. Man könnte eventuell von einer 

Verbesserung sprechen. Ab und zu sei er beim Einkaufen von Lebensmitteln dabei. Er 

fühle sich dann immer beobachtet, im Gegensatz zu früher sei ihm das jedoch 

zunehmend egal; manchmal komme das Gefühl aber wieder auf. Beim Spielen am 

Computer könne er sich besser konzentrieren als draussen. Der Versicherte habe sich 

erkundigt, ob die IV auch bei der Stellensuche behilflich sein könne. Er könnte sich eine 

Tätigkeit in einem Lager oder in einer Spedition vorstellen und habe auch grosses 

Interesse an Autos. Aber es bestünde dann ein Problem mit den Kunden. Ansonsten 

könnte er, wenn es für ihn gut eingerichtet sei, ganztags arbeiten. Er müsste einfach 

schrittweise eingeführt werden. Wenn er die Autoprüfung hätte, wäre vieles einfacher. 

Zurzeit nehme er 1 mg Cipralex und habe fast jeden Tag 10 mg Valium genommen. 

Von Dr. med. H.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erhalte er kein 

Valium mehr. Gute Tage gebe es nicht; die Ängste seien immer da. Er habe sich mit 

einem Nachbarn und mit einem alten Freund zwei- oder dreimal bei ihnen zuhause 

getroffen, zuletzt vor vier Monaten. - Nach Präsentation der Videoaufnahmen habe der 

Versicherte erklärt, er verstehe, dass die Aussagen vom 12. Januar 2011 mit den 

Aufnahmen nicht zusammenpassten. Er müsse aber sagen, dass er damals seine 

schlechtesten Zeiten beschrieben habe. Es habe sich nicht gebessert, aber es sei ihm 

inzwischen egal, was die Leute dächten. Vermutlich habe er gelernt, mit der Situation 

besser umzugehen. Das Vorgehen mit dem IV-Antrag sei durch das Sozialamt und die 

Ärzte entschieden oder eingeleitet oder vorgeschlagen worden; er habe das ja gar nicht 

gewollt. Er habe den Ärzten seine Situation immer korrekt geschildert. Er habe die 

Einschränkungen nicht zu stark beschrieben. Im Psychiatrie-Zentrum sei vor etwa vier 

oder fünf Monaten ein psychiatrischer Test durchgeführt worden. Auf Vorhalt, dass er 

die Einschränkungen überwinden könne, habe der Versicherte geantwortet, ja, also, 

vielleicht schon, sicher. Er habe es satt, so zu leben wie bis anhin, und wolle etwas 

ändern. Auf die Ankündigung weiterer medizinischer Abklärungen habe sich der 

Versicherte erkundigt, ob es nicht besser wäre, wenn man ihm eine Stelle suchte. Er 

wolle nicht mehr, dass eine Rente geprüft werde, sondern wolle etwas arbeiten. Er sei 

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nicht sicher, ob ein teures Gutachten einzuholen der richtige Weg sei. Er befürworte 

eher einen Versuch, ihn in eine Arbeit hineinzubringen.

In einem psychiatrischen Gutachten vom 14. Januar 2012 (IV-act. 64) hielt 

Dr. med. I.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, eine psychiatrische 

Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe nicht. Ohne Auswirkung sei 

ein Status nach psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, 

Polytoxikomanie, derzeit abstinent. Es sei nachvollziehbar, dass der Versicherte 

während der Zeit seines Drogenkonsums an reaktiver Depression, an Ängsten und 

Panikattacken gelitten habe. Die psychischen und Verhaltensstörungen seien 

überwiegend wahrscheinlich auf die Wirkung, die Nebenwirkungen und auf 

Entzugserscheinungen von psychotropen Substanzen zurückzuführen (vgl. IV-

act. 64-15). Die Phasen der genannten Leiden während der Konsumzeit seien als 

reaktiv zu bezeichnen (vgl. IV-act. 64-18). Es liege eine primäre Sucht vor, die also nach 

der Gesetzgebung nicht invalidisierend sei (IV-act. 64-18). Der weitere Gebrauch von 

1 mg Alprazolam (Xanax) pro Tag (wenn zutreffend, vgl. IV-act. 64-15), dessen 

Indikation fraglich sei, beeinträchtige den Versicherten bei einer Arbeitstätigkeit in 

keiner Weise (vgl. IV-act. 64-18). Er habe die Angst-Symptome verinnerlicht und auch 

nach dem betreffenden Zeitraum offenbar vorgespielt, um weiterhin vom sekundären 

Gewinn (nicht arbeiten gehen zu müssen, von der Fürsorge und später der Arbeit der 

Frau zu leben, von der Familie als Kranker umsorgt zu werden) zu profitieren und um 

eine Legitimation zu haben, weiter in die psychiatrische Behandlung zu gehen, wo er 

nebst Antidepressiva auch Tranquilizer verschrieben bekomme (vgl. IV-act. 64-17). 

Zurzeit bestünden keine nachweisbaren Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, da der 

Versicherte abstinent sei und keine psychische Erkrankung von erheblicher Schwere, 

Ausprägung und Dauer bestehe. Es sei dem Versicherten zumutbar, selber nach einer 

Arbeitstätigkeit zu suchen (vgl. IV-act. 64-19). Der Versicherte habe berichtet, mit dem 

Cannabiskonsum habe es im Alter von ca. vierzehn bis fünfzehn Jahren begonnen, 

zusammen mit Schulkollegen. Früher habe er bei Begegnungen mit anderen Leuten 

Nervosität verspürt, unter Cannabis sei die Angst zuerst weg gewesen, habe sich dann 

aber bei erhöhtem Konsum verstärkt, und er habe auch Stimmen gehört. Er sei im 

Zusammenhang mit den Drogen dreimal im Spital gewesen (einmal ins Koma gefallen). 

Vom Spital G.___ sei er durch FFE in die Klinik E.___ eingewiesen worden, was ihm 

A.n. 

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nicht gepasst habe. Nach dem Entzug in seiner Heimat habe er es sieben Jahre lang 

geschafft, abstinent zu leben. Beim Interview mit der Sozialversicherungsanstalt vor 

acht Monaten habe man ihm aber so viel Angst eingejagt, dass er einen Rückfall 

gehabt und Heroin geraucht habe. Daraufhin habe er schnell wieder "Herzsymptome" 

gehabt. Der Hausarzt habe ihm dann (10 bis 15 mg) Methadon verschrieben, doch 

habe er es wegen der Nebenwirkungen (u.a. Lärmempfindlichkeit und Aggressivität) nur 

unregelmässig eingenommen und vor zwei Monaten von sich aus abgesetzt. Seither 

sei es mit den Angstsymptomen (Herzklopfen) besser geworden. Seit sieben bis acht 

Monaten sei er auch wieder drogenfrei. Er habe Angst, die Wohnung zu verlassen. Ab 

und zu gehe er mit dem Hund spazieren, lieber abends, wenn man nicht sehe, dass er 

krank sei. Dann habe er weniger Angst. Er fühle sich sonst beobachtet. Wenn die Leute 

lachten, denke er, sie lachten ihn aus. Wenn er nach draussen gehe, versuche er, den 

Druck durchzustehen. Bei der Untersuchung durch einen Arzt der 

Sozialversicherungsanstalt 2009 sei er beleidigt worden; man habe etwa gefragt, ob 

seine Frau arbeiten gehe, ob seine Eltern eine IV-Rente bezögen, und ob er noch die 

ganze Zeit zuhause liege. Bei den Gesprächen vom Januar und August 2011 sei ihm 

unterstellt worden, er habe gelernt, mit den Ängsten umzugehen. Seither habe er das 

Gefühl, verfolgt zu werden. Man habe ihn mit Videoaufnahmen konfrontiert, in denen er 

sich frei bewegt habe, was ihn immer noch ärgere. Denn es gehe meist um die fünf 

Minuten Spaziergangs mit dem Hund. Er gehe aber nur nach draussen, weil seine Frau 

und seine P.__ ihn dazu ermunterten. Er habe von vornherein gewusst, dass die 

Behandlung in der Klinik E.___ vor zwei bis drei Jahren (u.a. auf Drängen der IV) nichts 

bringen werde. Er habe 8 mg Temesta bekommen. Zurzeit sei er immer noch im 

Psychiatrie-Zentrum C.___ in Behandlung. Früher habe er Temesta, Remeron und 

Valium und auch Seroquel und Efexor eingenommen, in der Heimat Risperdal, zurzeit 

nehme er fünfmal 10 mg Cipralex und 1.5 mg (früher bis viermal) Xanax. Verschrieben 

seien zusätzlich abends 50 mg Valdoxan, doch zusammen mit Xanax werde ihm das zu 

viel und er fühle sich am nächsten Tag stark sediert. Er sei seit vielen Jahren in 

Behandlung, man habe bisher nicht genau sagen können, was er habe. Jeder neue 

Therapeut stelle eine andere Diagnose. Bei einem psychologischen Test habe man 

festgestellt, dass seine Symptome Folgen des Drogenkonsums seien. Hauptstressor 

sei die Situation mit der Sozialversicherungsanstalt, das Belastendste seien 

"Nervosität, innere Unruhe und Isolation, Konzentration". Die Interpretation eines Tests 

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(mittels Selbstbeurteilung MMPI-2) beim Versicherten weise - so der Gutachter - auf ein 

sehr ungewöhnliches Profil hin, das bei schwer depressiven und bei psychotischen 

Erkrankungen bzw. einem psychotischen Zustand vorliege. Das Ergebnis passe weder 

zu den anamnestischen Angaben noch zum klinischen Befund und sei daher nicht 

brauchbar. - Dr. D.___ hatte dem Gutachter am 13. November 2011 (IV-act. 65, vgl. IV-

act. 64-8 f.) geschrieben, der Versicherte habe vom 5. Mai 2007 bis 8. Februar 2008 in 

antidepressiv-angstlösend und verhaltenstherapeutisch ausgerichteter Behandlung 

gestanden. Er habe ihn im Juni 2008 zuerst zur Arbeitsvermittlung, später in die 

tagesklinische Behandlung ans Psychiatrie-Zentrum vermittelt. Nachdem der 

Versicherte dort Fuss gefasst habe, habe er (der Arzt) sich aus der Behandlung 

zurückgezogen. Am 30. September 2011 habe der Versicherte ihn erneut aufgesucht, 

weil er nach Begegnungen mit dem RAD-Arzt bzw. dem IV-Berater massive Einbrüche 

mit kurzen Rückfällen in den Drogenkonsum erlebt habe und seit August unter massiv 

verstärkter Angst leide. Am 4. November 2011 sei zu erfahren gewesen, dass die Angst 

wieder etwas nachgelassen habe und es dem Versicherten gelungen sei, die 

Selbstmedikation mit wenig Methadon (um die 7 mg) wieder aufzugeben. Es sei trotz 

längerer tagesklinischer Behandlung einschliesslich Beratung bezüglich Aufnahme 

einer Arbeitstätigkeit und Behandlung in der Klinik nicht gelungen, dem gut 

mitarbeitenden Versicherten entscheidend zu helfen und ihn wieder einzugliedern. Der 

Versicherte habe den Eindruck, Dr. H.___ habe Zweifel an seinem Leiden. Seit der 

letzten Begegnung mit dem IV-Sachbearbeiter habe der Versicherte ausserdem Angst 

vor einer Strafanzeige. Er habe doch in einem ersten Gespräch gesagt, er gehe nie aus 

der Wohnung, dabei habe er verschwiegen, dass er den Hund kurz nach draussen 

begleite. Er habe aktuell angegeben, nach diversen, an Nebenwirkungen gescheiterten 

Behandlungsversuchen schon längere Zeit morgens 20 mg Cipralex einzunehmen, 

ergänzend genommenes Seroquel habe er absetzen müssen, weil er darunter bis zu 

15 Stunden geschlafen habe.  

Der zuständige Arzt der IV-Stelle hielt am 14. Februar 2012 (IV-act. 66) fest, die 

Diagnose einer Angststörung sei rein phänomenologisch gewesen. Die Frage nach 

einem primären oder sekundären Drogenkonsum sei unbeantwortet geblieben. Die 

Therapie habe der Versicherte verweigert.

A.o. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/36

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B.  

Mit Vorbescheid vom 7. Juni 2012 (IV-act. 69 f.) stellte die Sozialversicherungs­

anstalt/IV-Stelle dem Versicherten eine Abweisung seines Leistungsgesuchs in 

Aussicht. Es sei eine volle Arbeitsfähigkeit nachgewiesen. Die Angaben des Spitals 

G.___ und der Klinik E.___ über die Medikamentenverabreichung und das 

Methadonprogramm widersprächen den Aussagen des Versicherten vom 12. Januar 

2011 klar (vgl. IV-act. 70-5). - Der Versicherte erklärte am 10. Juli 2012 (IV-act. 73), er 

sei mit den meisten Feststellungen im Vorbescheid nicht einverstanden. Während den 

Observationszeiten habe er ständig unter Methadoneinfluss gestanden, das gegen die 

Angst sehr gut wirke und euphorisch mache. Das erkläre auch seine schnellen Schritte 

in den Videosequenzen. Er wolle aber trotzdem keine Einwände gegen den 

Vorbescheid machen, sondern ersuche darum, ihm eine geeignete Stelle zu finden, an 

welcher er mit sehr wenigen bis keinen Menschen zu tun habe, z.B. in einem Lager 

oder mit einer Arbeit am PC. - Am 12. Juli 2012 (IV-act. 75) verfügte die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle wie angekündigt.

A.p. 

Am 26. November 2012 (IV-act. 80, vgl. IV-act. 78 f.) wies die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen ab, da 

keine gesundheitlichen Einschränkungen bestünden.

A.q. 

Am 14. Oktober/12. November 2019 (IV-act. 81) meldete sich der Versicherte 

erneut zum Bezug von IV-Leistungen an. Vom 1. Februar 2013 bis 1. April 2013 habe er 

ein Arbeitsverhältnis zu 70 % als Lagermitarbeiter gehabt und sei vom 1. Juli 2013 bis 

2014 zu 20 % als Zeitungsverträger tätig gewesen. Er leide an einer generalisierten 

Angststörung, einer Suchterkrankung, an beidseitiger Netzhautablösung und an 

Beobachtungs- und Verfolgungsängsten. - Auf Aufforderung an den Versicherten zur 

Einreichung von Unterlagen zum Nachweis einer relevanten Änderung (IV-act. 84) hin 

gingen ärztliche Berichte ein. Dr. med. J.___, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 

teile am 25. November 2019 (IV-act. 86) mit, sie betreue den Versicherten seit Januar 

2019 und könne zu Veränderungen im Vergleich zu 2012 keine Stellung nehmen. Der 

Versicherte habe sich auf ihr und das Anraten von Dr. D.___ hin angemeldet. Es 

bestünden eine ausgeprägte generalisierte Angststörung mit paranoiden Zügen und 

eine Depression. Er gehe kaum noch aus dem Haus, nur wenn er es unbedingt tun 

B.a. 

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müsse, wie z.B. um aus der Apotheke Methadon zu holen, zu Arztbesuchen oder zum 

Einkaufen. Zum Teil habe er aus Angst, die Nachbarn könnten hereinschauen, in der 

Wohnung die Rollläden geschlossen. Die Opiatabhängigkeit bestehe weiterhin, sei aber 

sekundär, weil er das Methadon zur Linderung seiner Ängste benötige. Eine Reduktion 

sei aufgrund der Grunderkrankung nicht möglich. Ein Beikonsum bestehe nicht. Eine 

Rente sei wegen der Angststörung dringend angezeigt. Als Nebendiagnosen 

bestünden u.a. Augenleiden, ein Hypogonadismus, eine normochrome, normozytäre 

Anämie und eine Palpitatio. - Dr. D.___ berichtete am 6. Dezember 2019 (IV-act. 87), er 

behandle den Versicherten mit Unterbrüchen ambulant seit Mai 2007. Es bestünden 

eine paranoide Schizophrenie mit akustischen Halluzinationen, Wahnwahrnehmungen 

und Verfolgungswahn sowie Problemen im Verhalten seit mindestens 2017, eine 

generalisierte Angststörung mit sozialer Phobie und sozialer Isolierung, eine 

Opiatabhängigkeit (gegenwärtig abstinent unter Methadonsubstitution), eine 

Xanaxabhängigkeit, eine Netzhautablösung mit Laserbehandlung bds. (Diagnosen und 

Erstbehandlung im Oktober 2018, Reoperation rechts im April 2019), und ein seit 2017 

bekannter Testosteronmangel (Substitution wegen Nebenwirkungen abgelehnt). Der 

Versicherte sei über all die Jahre nicht in der Lage gewesen, einer nennenswerten 

Erwerbstätigkeit nachzugehen. Seit mindestens 2007 betrage die Arbeitsunfähigkeit 

mindestens 80 %. Ein dominantes Syndrom sei stets die Überzeugung gewesen, man 

rede schlecht über ihn. Gegen seinen ärztlichen Rat habe er deshalb mehrfach den 

Hausarzt gewechselt und beziehe die Medikamente von verschiedenen Apotheken. 

Auch bei ihm frage der Versicherte immer wieder nach, ob er sicher nichts gegen ihn 

vorzubringen habe und weiterhin zu ihm kommen dürfe. Seit Dezember 2017 deute er 

nun verschiedene Wahrnehmungen wahnhaft als gegen sich gerichtet und berichte von 

ihn erheblich beeinträchtigenden Geräuschen, die als Halluzinationen zu deuten seien. 

Weil er sich durch Nachbarn geplagt fühle, habe er bereits zweimal Wohnungen 

gewechselt. Doch auch in der neuen Wohnung höre er solche Geräusche und sei 

überzeugt, eine Nachbarin wolle ihn aus seiner Wohnung heraushaben. Die 

Halluzinationen und Wahnideen sprächen nur wenig auf Neuroleptika an. Schon im 

August 2018 habe der Versicherte von der Angst berichtet, den Verstand zu verlieren. 

Er neige dazu, Xanax und Methadon (er sei seit Jahren methadonsubstituiert) 

überzudosieren, um seine Not zu lindern. Er verbringe die Tage grösstenteils in der 

Wohnung hinter verschlossenen Fensterläden, weil er Angst habe, aus 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/36

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Nachbarswohnblöcken beobachtet zu werden. Er fürchte seit Jahren, von seiner Frau 

verlassen zu werden. Das Unternehmen zweckgebundener Spaziergänge koste ihn 

grosse Überwindung. Zu Arztbesuchen lasse er sich durch ein Familienmitglied 

chauffieren, zum Abholen von Medikamenten benutze er oft ein Taxi. Im Juli 2019 sei 

es ihm in Begleitung Angehöriger möglich gewesen, sich für eine Zahnsanierung in die 

Heimat zu begeben. - In einem Austrittsbericht vom 5. Oktober 2018 (IV-act. 89) gab 

die Augenklinik am Kantonsspital St. Gallen bekannt, es lägen am Auge links eine 

Netzhautamotio mit Rundforamina, Makula on, an beiden Augen eine hohe Myopie und 

als internistische Diagnose eine Opiatabhängigkeit vor. Am 3. und 4. Oktober 2018 

seien ein operativer Eingriff und eine Laserbehandlung erfolgt. Am 28. März 2019 (IV-

act. 90) wurden beidseits eine Myopia magna, rechts ein St. n. Laserretinopexie und 

links ein St. n. Kryokoagulation und Plombe bei Netzhautamotio superior am 3.10.2018 

diagnostiziert. Der Fernvisus betrage beidseits 1,0. 

Der zuständige RAD-Arzt (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) hielt am 

17. Januar 2020 (IV-act. 91) fest, seit Dezember 2017 sei eine Änderung eingetreten. 

Bei diagnostizierter paranoider Schizophrenie erfolge eine leitliniengerechte 

medikamentöse antipsychotische Behandlung mit Olanzapin. Es bestünden zudem 

eine Opiatabhängigkeit mit hochdosierter Methadoneinnahme (110 mg täglich) und 

eine Benzodiazepinabhängigkeit. Diese Diagnosen seien im Vergleich zur 

Referenzsituation neu. Zurzeit sei kein Eingliederungspotenzial vorhanden, bei 

chronifiziertem, anhaltendem Zustandsbild auch nicht auf absehbare Zeit. Es werde 

eine vertiefte medizinische Abklärung empfohlen. - Am 4. Februar 2020 (IV-act. 94) 

teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten mit, berufliche 

Massnahmen seien zurzeit wegen seines Gesundheitszustands nicht möglich.

B.b. 

In einem polydisziplinären Gutachten vom 11. Dezember 2020 (IV-act. 107; 

Untersuchungen vom 22. und 29. September 2020) benannte die medaffairs AG als 

beim Versicherten vorliegende Diagnosen (erstens) eine Störung durch multiplen 

Substanzkonsum, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich verordneten 

Ersatzdrogenprogramm mit Methadon, und (zweitens) eine substanzinduzierte 

psychotische Störung, vorwiegend wahnhaft. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

seien u.a. ein chronischer Nikotinabusus von kumulativ 25 packyears und eine leichte 

depressive Episode. Seit Ende 2017 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % 

B.c. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/36

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C.

Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana 

für den Betroffenen am 22. März 2021 erhobene Beschwerde (act. G 1). Der 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei ab April 2020 eine ganze Rente 

zuzusprechen, eventualiter sei ein psychiatrisches Gerichtsgutachten bei Dr. med. 

K.___, Dr. med. L.___ oder Dr. med. M.___ in Auftrag zu geben, unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge und Fristansetzung für die Einreichung eines Gesuchs um 

unentgeltliche Rechtspflege. Der Beschwerdeführer sei wegen seines psychiatrischen 

Leidens, einer schwer zu behandelnden Angststörung, für jegliche Tätigkeit auf dem 

ersten und vermutlich auch auf dem zweiten Arbeitsmarkt arbeitsunfähig. - Das 

Bundesamt für Sozialversicherungen und die Suva hätten schon lange erkannt, dass 

psychiatrische Gutachten Glückssache seien, und hätten daher gemeinsam mit der 

Universität Basel eine Studie namens "Rely" mit dem Ziel in die Wege geleitet, die 

Interrater-Reliability zu erhöhen. Die (sc. weitere) Studie "Are Forensic Experts biased?" 

sei zum Schluss gekommen, dass Gutachter der Psychiatrie je nach Auftraggeber zu 

auszugehen, bei zeitlich uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit (8 Stunden pro Tag). Die 

Leistungseinschränkung gründe in der Störung durch Substanzkonsum mit 

gelegentlichem Konsum von Kokain und Heroin und durch regelmässigen 

Benzodiazepinkonsum. Es könne bei der Arbeit zu vermehrten wahnhaften Symptomen 

kommen und es bestünden eine erhöhte Ermüdbarkeit und ein erhöhter Pausenbedarf 

(zum Weiteren vgl. unten E. 3 bis 5). - Der RAD-Psychiater erklärte am 5. Januar 2021 

(IV-act. 108), auf das Gutachten könne abgestellt werden.  

Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2021 (IV-act. 111) kündigte die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten an, sein Leistungsgesuch bei 

einem Invaliditätsgrad von 30 % abzuweisen. - Der Versicherte wandte am 8. Februar 

2021 (IV-act. 114) ein, sein Hauptproblem sei eine schwer behandelbare Angststörung. 

Diese werde nicht erwähnt. Sie lasse ihn aber fast verzweifeln, liege seinem 

Substanzkonsum zugrunde und sei der Grund, weshalb er es trotz jahrelang erfolgter 

stationärer, teilstationärer und ambulanter Behandlungsmassnahmen einschliesslich 

Jobcoachings bis anhin nicht schaffe, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. - Mit 

Verfügung vom 19. Februar 2021 (IV-act. 115) erfolgte die Abweisung (wie in Aussicht 

gestellt).  

B.d. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/36

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einer unterschiedlichen Einschätzung kämen, und dass selbst Auftragnehmer, die für 

den gleichen Auftraggeber arbeiteten, eine "considerable variabilitiy of scores" 

aufwiesen, deren Einschätzung also erheblich abweichen würden. Die 

Zwischenergebnisse der RELY 1-Studie hätten gezeigt, dass die getestete funktions­

orientierte Begutachtung eine plausible Methode darstelle, um die Arbeitsfähigkeit einer 

versicherten Person zu erfassen, allerdings bis anhin nicht, dass diese zu akzeptablen 

Übereinstimmungen in der Bewertung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit führe. Die 

Studienleitung folgere, dass Psychiater nur eine niedrige Übereinstimmung erzielten, 

wenn sie die Arbeitsfähigkeit von Patienten mit psychischen Störungen beurteilten. Die 

Resultate der Rely-Studie bedeuteten, dass psychiatrische Gutachten besonders 

kritisch betrachtet und hohen Anforderungen bezüglich ihrer Nachvollziehbarkeit 

gerecht werden müssten. Im Gegensatz zu den Somatikern, die körperliche Schäden 

heilen sollten und bei denen die besondere Nähe zum Patienten ein Misstrauen der 

Gerichte gegenüber der Verlässlichkeit der Angaben zur Arbeitsfähigkeit hervorrufe, 

werde eine psychiatrische Behandlung daran gemessen, ob und wie weit der 

Psychiater den Patienten leistungsfähig erhalten könne. Der Psychiater habe also gar 

kein Interesse daran, diesen arbeitsunfähig zu schreiben, weil das auch ein gewisses 

Eingeständnis seiner Machtlosigkeit sei. Ausserdem sei es nicht gut für die Psyche, 

denn Arbeit stifte Sinn, während Arbeitslosigkeit krank mache. Wenn also ein 

Versicherter in langjähriger Therapie sei, die nicht dazu geführt habe, dass er sich 

wieder in den Arbeitsprozess habe eingliedern können, wenn er ausserdem tatsächlich 

Arbeitsversuche gemacht habe, die offensichtlich nicht nachhaltig gewesen seien, und 

wenn er keinen Krankheitsgewinn habe, dann müsse der Gutachter ernsthaft prüfen, 

ob eine Leistungsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt gegeben sei. - Der Gutachter der 

medaffairs AG habe den Sachverhalt schludrig aufgenommen, was auf eine gewisse 

Voreingenommenheit schliessen lasse. So sei der Beschwerdeführer nämlich 

beispielsweise nicht vom Sozialamt abhängig, sondern seine Frau sei erwerbstätig und 

die Eheleute lebten vom kargen Einkommen. Und es sei festgehalten worden, der 

Beschwerdeführer gehe schon allein kleine Sachen holen, vor allem im 

Tankstellenshop, weniger in einem Grossverteiler. Ihm (dem Rechtsvertreter) 

gegenüber habe er ebenfalls angegeben, "manchmal" einkaufen zu gehen. Auf die 

Frage seiner O.___, wann er das letzte Mal für sich selber etwas einkaufen gegangen 

sei, habe er aber keine Antwort gewusst. Der Beschwerdeführer habe offenbar die 

Einführungsklasse besucht, also das erste Schuljahr in zwei Jahren absolviert. Die 

Störung habe möglicherweise bereits in der Kindheit begonnen. Das Kiffen habe ihm 

überhaupt erst ermöglicht, den Alltag zu bewältigen, als er zur Schule und Berufsschule 

gegangen sei. Es sei für ihn sehr schwierig gewesen, mit dem Zug hinzufahren, weil er 

das Gefühl gehabt habe, es würden ihn alle anstarren. Nach Angaben der O.___ habe 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/36

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er sich schon als Kind bei jedem Besuch ins Zimmer verkrochen. Um freizulegen, dass 

die Angststörung, wie zu vermuten sei, schon als Kind angelegt gewesen sei, müsste 

eine seriöse psychiatrische Exploration stattfinden. Zudem sei der Gutachter kulturell 

voreingenommen. Der Gutachter der medaffairs AG habe auch das ICF-APP nicht 

sorgfältig ausgefüllt. Der behandelnde Psychiater Dr. D.___ habe ihm (dem 

Rechtsvertreter) auf Anfrage seine Einschätzung der Einschränkungen des 

Beschwerdeführers in einem beigelegten Mail vom 3. März 2021 (act. G 1.1.3) 

mitgeteilt. Er habe bei diversen der einzeln aufgelisteten Aspekte eine höhere Taxierung 

abgegeben (u.a. eine volle Einschränkung bei der Gruppenfähigkeit, eine erhebliche bis 

volle Einschränkung bei der Verkehrsfähigkeit und mehrfach weitere erhebliche 

Einschränkungen). Dr. D.___ habe die Einschränkungen mit den (beigelegten, 

act. G 1.1.4) Ergebnissen des Symptomerfassungstools von ___ unterstrichen, welche 

die Angst als zentrales Problem in der Behandlung dargestellt hätten. Er (der 

Rechtsvertreter) halte nach einer persönlichen Begegnung mit dem Beschwerdeführer 

dafür, dass der behandelnde Psychiater zu Recht vermute, dass der Gutachter die 

Arbeitsfähigkeit aufgrund der völlig unrealistischen Selbsteinschätzung des 

Beschwerdeführers festgelegt habe. Die genannte Selbsteinschätzung sei für einen 

Psychiater, der lediglich einmal etwas mehr als eine Stunde lang mit dem 

Beschwerdeführer gesprochen und sich mit den Vorakten nur ungenügend 

auseinandergesetzt habe, nicht so einfach zu erfassen. Der Beschwerdeführer habe 

erklärt, neben der Angst bestünden vor allem quälende Gedanken, die immer wieder 

kämen. Nach Angaben von Dr. D.___ (Mail vom 17. März 2021, act. G 1.1.5) habe der 

Beschwerdeführer beispielsweise das Gefühl, er werde von ihm, dem eigenen 

behandelnden Psychiater, manipuliert. Auch bei einer Arbeitstätigkeit des 

Beschwerdeführers zuhause wären Kontaktnahmen (Arbeit bringen, korrigieren, 

abnehmen usw.) erforderlich, der Beschwerdeführer aber würde in jede Kontaktnahme 

etwas hineininterpretieren, würde eine Verfolgung oder eine gegen ihn gerichtete 

Boshaftigkeit darin sehen. Der Gutachter hätte sich zudem mit der Befragung des 

Beschwerdeführers durch die Beschwerdegegnerin auseinandersetzen können. Der 

Beschwerdeführer habe dort sehr offen über seine Probleme gesprochen. Wie oft er 

spazieren gehe, habe er allerdings nicht wahrheitsgemäss berichtet. Ihn liebende 

Menschen (und Tiere) seien also offensichtlich in der Lage, den Beschwerdeführer aus 

seiner Selbstisolation zu locken. Er gehe auch zum Psychiater und mit den Eltern zum 

Einkauf. Der Gutachter meine, die Diagnose der paranoiden Schizophrenie als 

substanzinduziert abtun zu können. Im Gutachten gebe es aber keine Ausführungen 

darüber, wie es in der Zeit gewesen sei, als der Beschwerdeführer nach dem kalten 

Entzug in der Heimat "funktioniert" habe. Die Antwort könnte die These des Gutachters 

stützen oder sie zu Fall bringen. Denn der Beschwerdeführer schaffe es immer wieder, 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/36

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von einer Substanz loszukommen - um in die nächste zu verfallen. Legale und illegale 

Drogen und Psychopharmaka: immer sei es die Not, die ihn dazu führe. Eine 

neuropsychologische Untersuchung fehle ganz, würde aber allenfalls Hinweise vor 

allem hinsichtlich der Konzentrationsfähigkeit geben können. Ferner hätten bei der 

Begutachtung fremdanamnestische Angaben eingeholt werden können, etwa zur 

Frage, warum der Beschwerdeführer die Arbeitsstelle verloren und auch eine optimal 

angepasste Stelle in Teilzeit nicht habe halten können. Das Mindeste wäre gewesen, 

den behandelnden Psychiater anzurufen und Befunde oder Beobachtungen zu 

besprechen. Das Resultat der Begutachtung bedeute, dass der Gutachter es nach 

eineinhalb Stunden Exploration besser wisse als der seit 14 Jahren behandelnde 

Psychiater, der offenbar aus Sicht des Gutachters nicht gemerkt habe, dass der 

Beschwerdeführer zur Hauptsache simuliere. Falls nicht eingewilligt werde, ein 

vernünftiges psychiatrisches Gutachten einzuholen, würden in der Replik alle 

handwerklichen Fehler des Gutachters anhand der Leitlinie Versicherungspsychiatrie 

aufgelistet. - Im Mail vom 3. März 2021 hatte Dr. D.___ dem Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers u.a. mitgeteilt, dass dieser mit dem Velo zur Apotheke fahre, 

komme weniger als einmal pro Jahr vor. Die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung scheine auf 

dessen völlig unrealistischer Selbsteinschätzung zu basieren. Das Instrument Mini-IDF-

APP kenne er (Dr. D.___) nicht im Detail, doch scheine ihm, dass der Gutachter die 

Fähigkeiten des Versicherten deutlich überschätzt habe. - In einem (weiteren) Mail vom 

4. März 2021 (act. G 1.1.6) hatte Dr. D.___ festgehalten, der Beschwerdeführer könne 

sich kaum selber behaupten und komme in Gruppen nicht zurecht. Nach den 

Geschehnissen bzw. Befragungen vom Januar und August 2011 sei es über Jahre 

hinweg nicht mehr möglich gewesen, den Beschwerdeführer zu einer 

Wiederanmeldung bei der IV zu bewegen. Mit dem Auftreten der 

Wahnwahrnehmungen, Halluzinationen und wahnhaften Verfolgungsideen habe er 

schliesslich dazu gebracht werden können. Sein Drogenkonsum sei als sekundär im 

Sinn einer Selbstmedikation zu werten, die er wegen seiner Ängste nicht bleiben lassen 

könne.

D.

Mit Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2021 (act. G 5) beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, sofern diese nicht zufolge 

Rückzugs - gemäss beigelegtem Mail des Beschwerdeführers (act. G 5.1) - als 

gegenstandslos abzuschreiben sei. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im 

polydisziplinären Konsens des Gutachtens sei plausibel und nachvollziehbar. Die 

Abklärungspflicht sei erfüllt. Eine psychiatrische Exploration könne naturgemäss nicht 

ermessensfrei erfolgen. Der Gutachter habe eine umfassende Befragung 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/36

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vorgenommen. Es könne keine Rede davon sein, dass der Beschwerdeführer die 

Wohnung nie verlasse. Der Gutachter habe sich auch mit der Einschätzung des 

behandelnden Psychiaters genügend auseinandergesetzt und habe die Parameter des 

Mini-ICF-APP sorgfältig herausgearbeitet. Inwiefern eine Besprechung mit dem 

behandelnden Psychiater sachdienlich gewesen wäre, sei nicht ersichtlich. Da der 

Gutachter auf eine Fremdanamnese verzichtet habe, könne davon ausgegangen 

werden, dass sie nicht zu einem Mehrwert geführt hätte. Die Beurteilung der 

Leistungsfähigkeit beruhe nicht auf der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers. - 

Im erwähnten Mail hatte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin gegenüber 

(unter Hinweis auf ein entsprechendes Mail auch an den Rechtsvertreter) erklärt, er 

ziehe die Beschwerde zurück und die Vollmacht an den Rechtsvertreter sei nicht mehr 

gültig.

E.

Auf Aufforderung an den Beschwerdeführer zum Nachholen einer Unterschrift hin (vgl. 

act. G 6) hat Rechtsanwalt Dr. Pedergnana am 21. Mai 2021 (act. G 8) für den 

Beschwerdeführer mitgeteilt, der Rückzug werde nicht bestätigt werden. Die O.___ des 

Beschwerdeführers habe diesen dazu bringen können, dass er die Beschwerde laufen 

lasse. Auf die Frage, was er nach einem Rückzug zu tun gedenke, habe der 

Beschwerdeführer geantwortet, er werde eine Stelle im Homeoffice suchen; das habe 

der Gutachter empfohlen und sei eine gute Idee. Dieses Verkennen der Realität sei Teil 

seiner Krankheit. Es frage sich, ob er in der Lage sei, solche Entscheide zu fällen. Der 

Kostenvorschuss werde aus dem Hilfsfond bezahlt werden, denn es habe zu einem 

Tohuwabohu geführt, als der Beschwerdeführer das Formular für die unentgeltliche 

Rechtspflege hätte ausfüllen sollen. Er habe sich ausspioniert gefühlt. Er suche 

übrigens erneut eine andere Wohnung, weil er sich beobachtet fühle. 

F.

Mit Replik vom 19. September 2021 (act. G 17) bringt der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers vor, es sei inzwischen zusätzlich aufgefallen, dass schon seit der 

Jugend (und anhaltend) Anhaltspunkte für ein ADHS-Syndrom (eine 

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) des Beschwerdeführers vorlägen. Das 

könnte auch eine Erklärung für dessen (Eigen-) Therapie mit aktivitätsdämpfenden 

Substanzen wie Cannabis, Heroin und Benzodiazepinen sein. So sei nicht weiter 

differentialdiagnostisch abgeklärt worden, dass das Anschreien und die ständigen 

Konflikte mit den Mitschülern und Lehrern, später auch mit den Arbeitskollegen in der 

Lehre, eventuell auf das ADHS zurückzuführen gewesen sei. Statt objektivierte 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 22/36

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Berichte, Arbeits- und Zwischenzeugnisse bzw. eine Befragung der Arbeitgeber (mit 

Gründen für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses) beizuziehen, sei auf die oft 

unzuverlässigen Eigenangaben des Beschwerdeführers abgestützt worden, was die 

Diagnose erschwere. Dazu passe auch das Leitsymptom der Hyperaktivität, die sich im 

Erwachsenenalter mehr als innerliche Unrast äussere. Damit übereinstimmend seien im 

RAD-Bericht Befunde beschrieben worden (u.a. auch eine eingeschränkte 

Konzentration und "hintergründig angespannt subtil-aggressive Züge"). Dass er sich 

bei der Begutachtung vom September 2020 nicht mehr entsprechend verhalten habe, 

könne zwei Ursachen haben. Entweder sei es die Folge seines Xanax-Konsums 

gewesen oder es habe an einer ungenauen Beobachtung des Psychiaters gelegen. 

Dass der Beschwerdeführer zuverlässig an einem Methadonprogramm teilnehme, habe 

der Gutachter nicht untersuchen lassen, sondern einfach geglaubt. In einem Zustand 

mit eingenommenem Xanax und Rohypnol (Methadon) - beide offenbar von ähnlicher 

Wirkung - könne der Beschwerdeführer nicht arbeiten, ohne Medikamente aber verliere 

er die Kontrolle über sich. Bei sorgfältiger Exploration hätte der Beschwerdeführer wohl 

von sich aus erzählt, dass der Substanzmissbrauch Folge der wahnhaften Ideen 

gewesen sei, die schon in der Adoleszenz präsent gewesen seien. Es sei nicht 

untypisch, dass sich ADHS-Patienten - insbesondere solche, die nicht entsprechend 

diagnostisch erfasst und behandelt würden - selber mit Sedativa behandelten. Das 

habe der Beschwerdeführer mit Sicherheit getan. Psychisch kranke Menschen 

erbrächten teilweise gute Leistungen, aber nicht in der notwendigen Konstanz. In 

Krisen belasteten sie das Arbeitsklima so schwer, dass sie auf Dauer nicht tragbar 

seien. Diese Probleme - darunter auch die fehlende Planbarkeit der Arbeitsleistung - 

seien vom Gutachter nicht erwähnt worden. Er (der Rechtsvertreter) sei überzeugt, 

dass der Beschwerdeführer im ersten Arbeitsmarkt absolut nicht tragbar sei, auch 

wenn er wisse, dass er nach Wiederangewöhnung an die Arbeitswelt an guten Tagen 

vermutlich eine normale Arbeitsleistung erbringen könne. Einer der Gründe, weshalb 

die Psychiater die Arbeitsfähigkeit in der Rely-Studie bei einzelnen Personen diametral 

unterschiedlich einschätzten, liege in deren unterschiedlichen Vorstellungen davon, 

was der erste Arbeitsmarkt von den Arbeitnehmenden überhaupt erfordere. Da helfe 

nur ein gerichtliches psychiatrisches Gutachten. - Beigelegt worden sind drei 

Unterlagen zum Thema ADHS (Prof. Dr. rer. nat. N.___, asim Fortbildungen, 10. April 

2019, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung [ADHS] im Erwachsenenalter - 

Folgen und Konsequenzen, act. G 17.1; Neurologen und Psychiater im Netz, 

9. Dezember 2013, ADHS im Erwachsenenalter ist unterdiagnostiziert, act. G 17.8; 

Astrid Neuy-Barmann, ADHS und Sucht, act. G 17.3).

G.

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Die Beschwerdegegnerin hat am 29. September 2021 (act. G 19) auf die Erstattung 

einer Duplik verzichtet.    

Erwägungen

1.

Im Streit liegt die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 19. Februar 2021, mit 

welcher diese einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente (Neuanmeldung 

vom November 2019 nach vorgängiger formell rechtskräftiger Abweisung im Jahr 2012) 

ablehnte. Er lässt im Hauptstandpunkt die Zusprache einer ganzen Rente ab April 2020 

beantragen.

2.  

Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 

831.20; in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2021 in Kraft gewesenen 

Fassung, vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1) besteht der Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine 

Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 

von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. - Invalidität ist 

die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 

Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 

Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, 

wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. schon 

BGE 102 V 165). - Sämtliche psychischen Erkrankungen - darunter auch 

Abhängigkeitssyndrome, vgl. BGE 145 V 215 E. 6.2 - sind nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei 

Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren 

nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Die funktionellen Folgen der 

Gesundheitsschädigung sind danach qualitativ zu erfassen und quantitativ 

einzuschätzen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind in der 

Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert 

werden, nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und 

anderseits in jener der Konsistenz. Zum funktionellen Schweregrad sind die Komplexe 

"Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der Ausprägung der diagnoserelevanten 

2.1. 

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3.  

Befunde, des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden 

Resistenz und der Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und 

persönlichen Ressourcen) und "Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie 

der Konsistenz geht es um Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine 

gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren 

Lebensbereichen und um behandlungs- und eingliederungsanamnestisch 

ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1.3). Soweit die festgestellte 

Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht oder 

unter dem Einfluss der Folgen der Erzielung eines sekundären Krankheitsgewinns steht 

(der rechtlich grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben hat, vgl. BGE 130 V 352), liegt nach 

der Rechtsprechung regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. 

Hinweise darauf ergeben sich (im Zusammenhang mit einer anhaltenden somatoformen 

Schmerzstörung entwickelt) namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen 

den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese 

besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage 

bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; 

demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; 

schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld 

jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141 V 281 E. 2.2.1). 

Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind im 

Verfahren der Neuanmeldung vom November 2019 im September 2020 durch die med­

affairs AG polydisziplinär begutachtet worden.

3.1. 

Im Einzelnen ergab sich dabei gemäss dem allgemeininternistischen Teil (vgl. IV-

act. 107-23 ff.) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-

act. 107-31; ohne Auswirkungen seien ein chronischer Nikotinabusus und eine 

Dyslipidämie). Der Beschwerdeführer habe keine diesbezüglichen Erkrankungen 

geltend gemacht und auch aktenanamnestisch fänden sich keine rein 

allgemeininternistischen Diagnosen, die aktuell oder im Vorfeld zu einer höhergradigen 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt hätten (vgl. IV-act. 107-32). 

3.2. 

Im ophthalmologischen Teil (vgl. IV-act. 107-58 ff.) wurden eine Myopia magna und 

eine Keratokonjunktivitis sicca beidseits sowie der Status nach Netzhautoperation links 

und nach Laser-Retinopexie rechts erhoben. Bei entsprechender Korrektur sei der 

Visus beidseits 1.0. Das Gesichtsfeld sei bds. praktisch normal. Es bestehe ein Bedarf 

nach einer Brille bzw. Kontaktlinsen. Bei Trockenheitsbeschwerden benötige der 

3.3. 

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Beschwerdeführer benetzende Augentropfen (vgl. IV-act. 107-62 f.). Eine 

Arbeitsunfähigkeit wurde nicht bescheinigt.   

Im psychiatrischen Teil-Gutachten wurde festgehalten, der Beschwerdeführer habe 

berichtet, es gehe ihm schlecht, er könne kaum das Haus verlassen. Er leide schon seit 

dem 15. Altersjahr, als er viel gekifft habe, unter Angst vor bzw. in Menschenmengen. 

Mit der Zeit sei es schlimmer geworden. Ausserdem fühle er sich - seit eineinhalb bzw. 

zwei Jahren - beim Verlassen des Hauses von anderen Menschen verfolgt, zum Teil 

auch in der Apotheke, wenn jemand gleichzeitig den Laden verlasse. Die Nachbarn und 

die meisten Menschen würden ihn nicht mögen; sie grüssten ihn nicht, die Nachbarin 

klopfe in der Wohnung, wenn er zuhause sei, und man lasse den Hund bellen (vgl. IV-

act. 107-40 und -42). Cannabis rauche er seit langem nicht mehr, dadurch sei es 

nämlich bei ihm zur Angst und zum Gefühl gekommen, dass man ihn seltsam 

anschaue. Am längsten drogenfrei sei er nach dem Entzug in der Heimat gewesen, er 

habe damals aber Benzodiazepine konsumiert (vgl. IV-act. 107-41). Er erledige Arbeiten 

im Haushalt, gehe kleine Sachen holen in der Nähe, vor allem im Tankstellenshop, 

weniger (oft) in einem Grossverteiler, und er sei manchmal auch mit dem Velo 

unterwegs, so vor vier bis fünf Monaten zur Apotheke (vgl. IV-act. 107-44). Auf die 

Frage, ob er einen Teilentzug machen wolle, habe der Beschwerdeführer erklärt, er 

habe ja keinen grossen Beikonsum, lediglich jeweils Ausrutscher alle drei bis vier 

Monate mit Kokain, seltener mit Heroin. Ausserdem fühle er sich ja verfolgt. Die 

Medikamente gegen seine seltsamen Gedanken habe er alle nicht vertragen (vgl. IV-

act. 107-45; "Risperidal" [Wirkstoff Risperidon], Latuda, Olanzapin, vgl. IV-act. 107-40, 

alles atypische Neuroleptika). - Der Gutachter hielt fest, der Beschwerdeführer habe 

keine groben psychomotorischen Auffälligkeiten und keine Zeichen einer 

Beschwerdewahrnehmung gezeigt, sei gut zugänglich, freundlich und kooperativ 

gewesen und habe nicht misstrauisch gewirkt, aber besorgt. Negative 

Zukunftsperspektiven hätten nicht bestanden. Aufmerksamkeit, Auffassung und 

Gedächtnis seien intakt gewesen (vgl. IV-act. 107-46). Die Laborresultate hätten mit 

den Angaben des Beschwerdeführers zum Konsum übereingestimmt. Irreversible 

Sekundärschäden (sc. des Suchtmittelkonsums) mit einem hirnorganischen Abbau 

oder einer Wesensänderung mit vergröberten Affekten und Aggressivität seien nicht 

erwiesen. Es bestehe eine leichte depressive Symptomatik, die auch in der Hamilton 

Depression Scale-Testung habe bestätigt werden können, und die vor allem durch die 

besorgte Gestimmtheit und verminderten Selbstwert mit Insuffizienzgedanken 

gekennzeichnet, aber auch im Rahmen der Substanzabhängigkeitsstörung zu sehen 

sei. Der Beschwerdeführer sei nicht deutlich verwahrlost, lebe zusammen mit seiner 

Ehefrau und habe gute Kontakte in der Familie, wenn auch ein sozialer Rückzug 

3.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 26/36

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bestehe. Er könne durchaus Aufgaben im Haushalt nachgehen (vgl. IV-act. 107-50 f.). 

Die Behandlung könne intensiviert werden, entweder durch Erhöhung der 

Methadondosis, so dass kein Suchtdruck mehr bestehe, oder, falls es dadurch zu einer 

grossen Tagesmüdigkeit komme, durch Ersetzen des Methadons durch ein anderes 

Mittel. Eine Option wäre zudem eine qualifizierte stationäre Teilentzugsbehandlung, die 

der Beschwerdeführer aber ablehne. Bei einer wahnhaften Störung sei zuerst der 

Substanzkonsum zu kontrollieren und auszuschliessen (Abstinenz vom Beikonsum). 

Bei persistierenden Symptomen sei der Versuch mit einem niedrig dosierten 

Antipsychotikum (wie Risperidon) anzuraten. Länger bestehende Störungen seien aber 

häufig therapierefraktär. Daher sei beim Beschwerdeführer von einer anhaltenden 

Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführer zeige sich zu 

einer Arbeit motiviert, fühle sich aber auch beeinträchtigt durch die wahnhaften Ideen 

mit Grübelneigung und erhöhter Ermüdbarkeit. Der Verlauf sei chronisch und die 

Prognose für die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit sei ungewiss (vgl. IV-

act. 107-52). Der Beschwerdeführer komme auch allein zurecht, so sei es etwa zu der 

Zeit gewesen, als die Ehefrau in die Heimat gereist sei, auch wenn die O.___ jeweils 

vorbeigeschaut und ihm zuweilen etwas zu essen mitgebracht habe. Es werde ihm 

aber doch viel abgenommen, wenn er überall hingefahren werde; es gehe allerdings 

auch selber (vgl. IV-act. 107-52). Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sei jedenfalls mit 

den täglichen Aktivitäten, die ihm möglich seien und sich auch im Mini-ICF-APP hätten 

abbilden lassen, nicht vereinbar (vgl. IV-act. 107-53). Schizophrene Symptome - wie 

etwa Kontrollwahn oder Affektverflachung - seien für die Diagnose einer paranoiden 

Schizophrenie zu wenig ausgeprägt. Die akustischen Halluzinationen begründeten 

diese Störung noch nicht (typische Halluzinationen wären andere, etwa Stimmenhören). 

Sie passten zur wahnhaften Störung. Die Symptomatik sei substanzinduziert. Bereits 

früh sei es unter dem Substanzkonsum zu Ängsten und paranoiden Ideen gekommen, 

die Symptomatik habe sich nun verschlechtert. Der Beschwerdeführer habe aber mit 

dem Kokainkonsum (nebst dem Heroinkonsum) nicht aufgehört und nehme auch 

regelmässig ein Benzodiazepin ein, das bei regelmässiger Einnahme ebenfalls Ängste 

und depressive Verstimmungen auslösen könne (vgl. IV-act. 107-53). Bei der 

Auseinandersetzung mit Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen gab der Gutachter 

an, sicherlich belastend - wenn auch medizinisch nicht begründet - sei der Umstand, 

dass seit Jahren eine sinngebende Erwerbstätigkeit fehle. Bis er mit dem Konsum 

illegaler Drogen begonnen habe, habe der Beschwerdeführer aber eine weitgehend 

normale frühkindliche Entwicklung gezeigt (vgl. IV-act. 107-53). Es bestünden auch 

Ressourcen für angelernte Arbeiten. Zwar gehe der Beschwerdeführer keiner 

regelmässigen Tagestruktur nach und schlafe auch am Tag, doch helfe er im Haushalt 

und komme auch allein zurecht. Es könne ihm zugemutet werden, die öffentlichen 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 27/36

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4.  

Verkehrsmittel zu benützen, zumindest an ihm bekannten Orten. Weder die wahnhafte 

Störung noch die Depressionen oder die Ängste beeinträchtigten den 

Beschwerdeführer schwer (vgl. IV-act. 107-53 f.). Die Leistungseinschränkung betrage 

30 % (vgl. IV-act. 107-54). Die medizinischen Massnahmen könnten die 

Arbeitsfähigkeit nicht verbessern, aber zur Erhaltung der medizinisch-theoretischen 

Arbeitsfähigkeit beitragen (vgl. IV-act. 107-55).  

In der polydisziplinären Beurteilung des Gutachtens wurde festgehalten, es 

bestünden beim Beschwerdeführer ein Suchtdruck und negative Folgen. So leide er 

unter seinem Verfolgungswahn, sei erhöht ermüdbar und brauche Pausen. Die Achse-

II-Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne bei dem frühen Beginn des 

Substanzkonsums mit substanzinduzierten Sekundärsymptomen wie Ängsten und nun 

auch depressiven Verstimmungen und vor allem im Vordergrund stehendem 

Verfolgungswahn nicht gestellt werden. Die besorgten, etwas selbstunsicheren 

Persönlichkeitszüge passten zur vorliegenden Störung mit Substanzkonsum und 

sekundär wahnhafter Störung (vgl. IV-act. 107-15). - Die Leistungseinschränkung von 

30 % sei auf die Störung durch Substanzkonsum zurückzuführen. Es bestünden eine 

erhöhte Ermüdbarkeit und ein erhöhter Pausenbedarf und es könne bei der Arbeit zu 

vermehrten wahnhaften Symptomen kommen (vgl. IV-act. 107-16). - Es hätten sich in 

der Konsistenzprüfung insgesamt keine Hinweise auf nicht im geklagten Umfang 

vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen ergeben. Die Befunde gäben bei kritischer 

Würdigung (von Aktenlage, Eigenanamnese, Beobachtung und 

Untersuchungsbefunden) ein in sich schlüssiges, konsistentes Bild (vgl. IV-

act. 107-15). 

3.5. 

Das - für das polydisziplinäre Ergebnis vorliegend hauptsächlich massgebende - 

psychiatrische (Teil-) Gutachten der medaffairs AG basiert auf einer Kenntnis der 

vollständigen Vorakten. Der Gutachter erfragte die geklagten Beschwerden und erhob 

auch die weitere Anamnese und die Befunde (einschliesslich eines Laborbefundes). Er 

begründete die von ihm gestellten Diagnosen. Im Weiteren beurteilte er den bisherigen 

Verlauf von Behandlungen und befasste sich, wie sich aus E. 3.4 ergibt, auch mit den 

Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen des Beschwerdeführers. Er prüfte ferner 

Konsistenz und Plausibilität und berücksichtigte die erhobenen Alltagsaktivitäten des 

Beschwerdeführers.  

4.1. 

Der Beschwerdeführer lässt indessen diverse Beanstandungen am Gutachten 

anbringen: 

4.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 28/36

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So hält er etwa dafür, der Sachverhalt sei unsorgfältig aufgenommen worden. Er 

sei nämlich nicht vom Sozialamt abhängig. - Eine entsprechende Feststellung findet 

sich im Gutachten - allein - unter dem vorangestellten Titel des Kontexts des Auftrags 

(IV-act. 107-35, unten); sie wurde dort wohl lediglich aus der diesbezüglichen Angabe 

im Auftrag der Beschwerdegegnerin (IV-act. 101-2) übernommen. Der Aspekt erscheint 

indessen nicht relevant, da keine Hinweise auf eine Unsorgfalt bei der Befragung, 

Untersuchung und Wiedergabe ersichtlich sind. 

4.3. 

Des Weiteren wird eingewendet, der Substanzkonsum des Beschwerdeführers sei 

die Folge eines schon früher vorhanden gewesenen Gesundheitsschadens. Der 

Gutachter sei ausserdem zu Unrecht der Auffassung, die vom behandelnden 

Psychiater gestellte Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (mit akustischen 

Halluzinationen, Wahnwahrnehmungen und Verfolgungswahn sowie Problemen im 

Verhalten seit mindestens 2017) als substanzinduziert abtun zu können. Zudem hätten 

keine Abklärungen im Hinblick auf das Vorliegen eines allfälligen ADHS stattgefunden. 

Zu diesem Leiden würde auch das Leitsymptom der Hyperaktivität passen, die sich im 

Erwachsenenalter mehr als innerliche Unrast äussere. Im RAD-Bericht seien 

entsprechende Befunde beschrieben worden.

4.4. 

Schon 2009 und 2010 hatte der Beschwerdeführer bestimmte Symptome 

beklagt. Am 14. Oktober 2009 hatte er dem RAD-Arzt gegenüber gemäss dessen 

Untersuchungsbericht berichtet, während der Lehrzeit viel von Mitarbeitern 

angeschrien worden zu sein, die sich über ihn lustig gemacht und ihn gehänselt hätten 

(vgl. IV-act. 24-3). Ebenfalls schon im Juli 2010 war in einem ärztlichen Bericht 

angegeben worden, der Beschwerdeführer fühle sich bedrängt und beobachtet, sobald 

er Kontakt mit Menschen habe (vgl. IV-act. 37-1). Auch Konzentrationsstörungen hatte 

er schon gemäss dem IV-Arztbericht vom 20. April 2009 beklagt (vgl. IV-act. 19-4). Bei 

der Begutachtung durch Dr. I.___ hatte der Beschwerdeführer angegeben, früher bei 

Begegnungen mit anderen Leuten Nervosität verspürt zu haben; unter Cannabis, mit 

dem er im Alter von etwa 14 bis 15 Jahren begonnen habe, sei die Angst zuerst weg 

gewesen, habe sich dann aber bei erhöhtem Konsum verstärkt, und er habe dabei 

Stimmen gehört (vgl. IV-act. 64-9). - Im betreffenden ärztlichen Bericht vom 20. April 

2009 war aber auch festgehalten worden, dass die erste Angstattacke nach Angaben 

des Beschwerdeführers erstmals mit 17 Jahren unter Cannabis aufgetreten sei, das er 

ab dem 15. Altersjahr konsumiert habe (vgl. IV-act. 19-4). Dr. I.___ hatte in der Folge 

damals angenommen, es habe im Zusammenhang mit dem schon in der Primar- und 

Realschule ziemlich weitreichenden Cannabiskonsum gestanden, dass es während der 

Schulzeit zu den Verhaltensauffälligkeiten wie Schulschwänzen und Drohung des 

4.4.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 29/36

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Schulausschlusses durch einen Lehrer gekommen sei (vgl. IV-act. 64-15). Die 

Störungen seien reaktiv gewesen; dass der Beschwerdeführer vor oder während der 

Abhängigkeit eine psychische Störung entwickelt hätte, sei nicht zu eruieren (vgl. IV-

act. 64-18). Dr. I.___ hatte in seinem Gutachten begründet, weshalb nachvollziehbar 

sei, dass der Beschwerdeführer während der jahrelangen Polytoxikomanie u.a. unter 

depressiven Verstimmungen, einer Angststörung und Panikattacken gelitten habe (vgl. 

IV-act. 64-16 f.). Als primäre Sucht schloss er sie nach damaliger, inzwischen 

überholter Rechtsprechung aber von den invalidisierenden Gesundheitsschäden aus 

(vgl. IV-act. 64-18); eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erkannte Dr. I.___ zum 

Zeitpunkt der Begutachtung nicht, da der Beschwerdeführer damals abstinent war und 

eine psychische Erkrankung von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer nicht 

festzustellen war (vgl. IV-act. 64-19). An die Stelle der bisherigen Abklärung der 

primären oder sekundären Natur der Sucht ist in der Rechtsprechung nunmehr wie 

erwähnt die indikatorengestützte Abklärung getreten (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.3.2 f. 

i.V.m. E. 4.3). - Wenn der medaffairs-Gutachter darlegte, die Achse-II-Diagnose einer 

Persönlichkeitsstörung könne bei dem frühen Beginn des Substanzkonsums mit 

substanzinduzierten Sekundärsymptomen nicht gestellt werden, so lässt sich das auch 

angesichts der Übereinstimmung seiner diesbezüglichen medizinischen Beurteilung mit 

derjenigen von Dr. I.___ nicht beanstanden.

Der medaffairs-Gutachter begründete ausdrücklich, aus welchem Grund er die 

vom behandelnden Psychiater gestellte Diagnose einer paranoiden Schizophrenie als 

nicht ausgewiesen betrachtete (vgl. IV-act. 107-53).

4.4.2. 

Stattdessen diagnostizierte der Gutachter beim Beschwerdeführer eine 

psychotische Störung und erachtete diese - wenn er sie auch als substanzinduziert 

bezeichnete - als Hauptdiagnose. Er mass ihr Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu. 

4.4.3. 

Ferner wird dem Gutachter vorgehalten, er habe dem Beschwerdeführer - ohne 

genügende Objektivierung - zu sehr geglaubt (etwa, dass er zuverlässig an einem 

Methadonprogramm teilnehme) und er habe bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu 

Unrecht auf dessen unrealistische Selbsteinschätzung abgestellt, die Teil der Krankheit 

sei. So komme es weniger als einmal pro Jahr vor, dass der Beschwerdeführer - wie 

angegeben - mit dem Velo zur Apotheke fahre. Der Gutachter habe auch keine 

fremdanamnestischen Auskünfte erhoben und keine neuropsychologische 

Untersuchung durchführen lassen.

4.5. 

Was die Angaben des Beschwerdeführers angeht, wird von seinem 

Rechtsvertreter eingeräumt, dass sie oft unzuverlässig seien; der Beschwerdeführer 

4.5.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 30/36

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selber hatte im früheren Verfahren eingesehen, dass seine Angaben vom Januar 2011 - 

zumindest abgesehen von den schlechtesten Phasen - nicht mit dem tatsächlichen 

Aktivitätsniveau übereinstimmten (vgl. IV-act. 57-6). Die ehemaligen Angaben des 

Beschwerdeführers zum Methadonprogramm und zur Verschreibung von 9 mg 

Temesta in der Klinik dagegen erscheinen im Unterschied zur Vorhaltung im 

Vorbescheid vom 7. Juni 2012 nicht unzutreffend gewesen zu sein 

(Methadonprogramm 2002, 9 mg Temesta im stationären Rahmen möglich). Von 

"gelegentlichen" Spaziergängen mit dem Hund "in den Abendstunden" hatte er zudem 

schon vor den Vorermittlungen der Beschwerdegegnerin berichtet (vgl. IV-act. 37-2). 

Des Weiteren stützt sich der Beschwerdeführer in seinen Darlegungen auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzteschaft, die ihrerseits allerdings 

wiederum auf seinen eigenen Angaben basieren. Schon bei der RAD-Untersuchung 

2009 hatte er dafürgehalten, sein Arzt habe gesagt, es gehe nun - nach zehn Jahren - 

nichts mehr. Auch hinsichtlich der (teil-) stationären Behandlung zeigte er Widerstand 

und brach sie dann ab; er habe schon zu Beginn gewusst, dass es nicht gehen werde. 

- Eine Fremdanamnese durch Angaben der O.___ des Beschwerdeführers im früheren 

Verfahren (vgl. IV-act. 24-4) war zudem nicht hilfreich gewesen. 

Die medaffairs-Gutachter veranlassten zur Objektivierung Laboruntersuchungen 

und erklärten, deren Resultate hätten mit den Angaben des Beschwerdeführers 

übereingestimmt (vgl. IV-act. 107-14; Kokain, Heroin und Cannabis im Serum nicht 

nachweisbar, ärztlich verordnetes Benzodiazepin deutlich nachweisbar, CDT nicht 

pathologisch erhöht). Des Weiteren setzte der medaffairs-Gutachter der Psychiatrie die 

Hamilton Depressionsskala und einen Mini-ICF-APP-Rating-Bogen ein (vgl. IV-

act. 107-48 ff. und 107-53). In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass ein von 

Dr. I.___ ehemals durchgeführter MMPI-2 (Minnesota Multiphasic Personality 

Inventory-2) Test ein sehr ungewöhnliches Profil ergeben hatte, das sowohl bei schwer 

depressiven als auch bei psychotischen Erkrankungen bzw. einem psychotischen 

Zustand vorliege. Das Ergebnis hatte nach Angaben von Dr. I.___ weder zu den 

anamnestischen Angaben noch zum klinischen Befund gepasst und war daher als nicht 

brauchbar qualifiziert worden. - Die Abklärungen erscheinen ausreichend; von einer 

Ergänzung, insbesondere auch von einer neuropsychologischen Abklärung (vgl. hierzu 

im Übrigen das Bundesgerichtsurteil vom 11. November 2021, 9C_478/2021 E. 4.2, 

wonach eine solche lediglich eine Zusatzuntersuchung darstellt, welche bei 

begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist), sind vorliegend keine relevanten 

zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten.

4.5.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 31/36

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Der Beschwerdeführer lässt weiter vorbringen, er sei in langjähriger Therapie, ohne 

in den Arbeitsprozess eingegliedert worden zu sein, habe ohne nachhaltigen Erfolg 

Arbeitsversuche gemacht und habe keinen Krankheitsgewinn.

4.6. 

Was die diesbezügliche weitere Objektivierung der Beschwerden anhand der 

Standardindikatoren betrifft, findet sich im medaffairs-Gutachten eine entsprechende 

Begründung der Arbeitsunfähigkeitsschätzung (von 30 %). Zunächst lässt sich nach 

der Aktenlage bestätigen, dass sich die Behandlung des Beschwerdeführers über eine 

lange Zeit erstreckt. Der Gutachter hat dies gewürdigt und hielt fest, der 

Beschwerdeführer stehe in einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen 

Behandlung, auch mit einem Drogenersatzprogramm mit Methadon, betreibe aber 

nach eigenen Angaben einen Beikonsum von gelegentlich Heroin und seltener Kokain. 

Es liege ein chronischer Verlauf vor. Längere Zeit bestehende chronische 

Wahnstörungen seien häufig therapierefraktär (vgl. IV-act. 107-52). - Im Weiteren legte 

der Gutachter (im Hinblick auf allfällige Inkonsistenzen) dar, der Beschwerdeführer 

habe kein aufmerksamkeitssuchendes oder aggravatorisches Verhalten gezeigt (vgl. IV-

act. 107-45) und die Konsistenzprüfung habe insgesamt keine Hinweise auf nicht im 

geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen ergeben (vgl. IV-

act. 107-52).

4.6.1. 

Überdies sind die Beeinträchtigung durch die wahnhaften Ideen mit 

Grübelneigung und erhöhter Ermüdbarkeit (vgl. IV-act. 107-52) sowie der soziale 

Rückzug vom medaffairs-Gutachter berücksichtigt worden. Schon der Arzt der IV-

Stelle hatte darauf hingewiesen, dass das Ausmass der dem RAD-Psychiater 

gegenüber angegebenen Einschränkungen widerlegt worden sei, dass aber kein 

vollständig sozial funktionsfähiger Beschwerdeführer gesehen worden sei. Dieser 

scheine im Kreis seiner Angehörigen zu leben, umsorgt in einem sekundären 

Krankheitsgewinn. Es sei nur ein relativ enges Aktivitätsspektrum beobachtet worden 

(vgl. IV-act. 55-3).

4.6.2. 

Der medaffairs-Gutachter hat namentlich auch die Belastung durch das sehr 

lange Fehlen einer sinngebenden Erwerbstätigkeit berücksichtigt (vgl. IV-act. 107-53). 

Abgesehen von den in der Anmeldung vom November 2019 genannten (2013/2014) 

bzw. im IK-Auszug vermerkten, vom Beschwerdeführer aufgenommenen 

Beschäftigungen mit geringfügigen Jahreseinkommen (2012 bis 2014) sind allerdings in 

der langen Zeit keine Anstrengungen von seiner Seite ersichtlich geworden, eine 

Erwerbsarbeit aufzunehmen.

4.6.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 32/36

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Was den Befund betrifft, kann namentlich darauf hingewiesen werden, dass der 

Beschwerdeführer bei der Begutachtung einerseits nicht misstrauisch wirkte und 

kooperativ war (vgl. IV-act. 107-46). Aufmerksamkeit, Auffassung und Gedächtnis seien 

intakt gewesen (vgl. IV-act. 107-46; auch bei der Begutachtung durch Dr. I.___ wurde 

berichtet, die mnestischen und kognitiven Funktionen hätten keine groben 

Auffälligkeiten aufgewiesen, insbesondere keine Störungen der Konzentrationsfähigkeit 

oder der Aufmerksamkeit, auch die Umstellungsfähigkeit des Denkens sei unversehrt 

gewesen, inhaltliche Denkstörungen seien nicht aktuell gewesen, vgl. zu 

Drogenkonsumzeit Stimmenhören, IV-act. 64-12 f.; anders beim RAD: Konzentration 

eingeschränkt, IV-act. 24-7).

4.6.4. 

Es wurde zudem ein gewisses Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers 

beschrieben (vgl. Haushaltstätigkeiten, Einkaufen, Beschäftigung mit Internet und 

Nachrichten, regelmässiges Wahrnehmen der Arzt- und Apothekentermine, 

Reisefähigkeit in die Heimat, IV-act. 107-52 f.; vgl. IV-act. 107-28 und 107-44). Der 

Gutachter wies zudem darauf hin, dass sich dieses Niveau auch im Mini-ICF-APP habe 

abbilden lassen. Angemerkt werden kann, dass auch psychiatrische Hospitalisationen 

des Beschwerdeführers nach der Aktenlage seit 2004 (vom 11. bis 12. Juni) nicht mehr 

erforderlich geworden waren. Der Aufenthalt vom 2. bis 11. März 2010 war vielmehr auf 

Anweisung der Beschwerdegegnerin erfolgt und vom Beschwerdeführer in Kürze 

wieder abgebrochen worden. - Im medaffairs-Gutachten wurde festgehalten, dem 

Beschwerdeführer werde auch viel abgenommen (vgl. IV-act. 107-52; vgl. auch schon 

ehemals IV-act. 64-17).

4.6.5. 

Der medaffairs-Gutachter legte betreffend das weitere Vorgehen dar, die 

psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung des Beschwerdeführers sollte - 

optimiert - weitergeführt werden (vgl. IV-act. 107-55). Zuerst sei der Substanzkonsum 

zu kontrollieren und auszuschliessen. Ausserdem gebe es eine medikamentöse 

Therapieoption (vgl. IV-act. 107-52). - Was den Konsum der Suchtmittel durch den 

Beschwerdeführer betrifft, erscheint die vorliegende Sachlage unübersichtlich. Einer 

längeren stationären Therapie unter entsprechenden Kontrollen hat er sich 

(hierzulande) bisher nicht gestellt. Selbst dem gutachterlichen Vorschlag eines 

Teilentzugs (vgl. IV-act. 107-45) stand er ablehnend gegenüber. Dass ein solches 

Vorgehen allerdings krankheitsbedingt nicht zumutbar wäre, lässt sich aufgrund der 

Aktenlage (ohne entsprechenden motivierten Versuch) nicht ausweisen.  

4.6.6. 

Damit zeigt sich insgesamt, dass die gutachterliche Abklärung unter dem 

Gesichtspunkt der Standardindikatoren vollständig vorgenommen worden ist.  

4.6.7. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 33/36

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Des Weiteren stellt der Beschwerdeführer den Beweiswert des Gutachtens als 

Sachverhaltsbeurteilung aufgrund einer kurzen Exploration dem Wert einer Beurteilung 

durch den behandelnden Psychiater nach einer Beobachtungszeit von 14 Jahren 

gegenüber. Da bei der Begutachtung wie erwähnt alle Aspekte umfassend 

berücksichtigt wurden, ergibt sich - auch wenn die längere Beobachtungszeit 

behandelnder Ärzte ihre Vorteile hat (nicht veröffentlichter Entscheid des 

Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 255/96, zit. in Bundesgerichtsurteil vom 

21. Dezember 2005, 4P.254/2005 E. 4.2) - kein Grund, dem Gutachten den Beweiswert 

abzusprechen (vgl. auch Bundesgerichtsurteil vom 9. September 2019, 8C_168/2019 

E. 3.4). Die gutachterliche Beurteilung kann sich auf eine allseitige Aktenkenntnis 

stützen. Eine Besprechung mit dem behandelnden Psychiater konnte ohne Weiteres 

unterbleiben. Die abweichende Beurteilung des behandelnden Psychiaters vermag bei 

den vorliegenden Gegebenheiten gegen die gutachterliche polydisziplinäre 

Begutachtung nicht anzukommen. Es gibt keine konkreten Indizien gegen die 

Zuverlässigkeit des Begutachtungsergebnisses (vgl. hierzu die Rechtsprechung 

gemäss Bundesgerichtsurteil vom 15. Juli 2020, 8C_335/2020 E. 4.1; eine 

abweichende Beurteilung würde sich lediglich aufdrängen, wenn wichtige Aspekte 

bestünden, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären, 

vgl. Bundesgerichtsurteil vom 17. Februar 2021, 8C_783/2020 E. 5.2). Die Beurteilung 

des behandelnden Psychiaters bietet vorliegend keinen Beleg dafür, dass die 

Störungen des Beschwerdeführers objektiv schwerer sind als im Gutachten beurteilt, 

und auch nicht dafür, dass die Therapie im Lauf der Zeit optimiert worden wäre.

4.7. 

Ferner lässt der Beschwerdeführer geltend machen, der medaffairs-Gutachter sei 

kulturell voreingenommen gewesen, weil er den Beschwerdeführer nach allfälligem 

Schlagen der Ehefrau gefragt habe. Dieser hat damit allerdings allgemein die 

Aggressivität (bei ehelichem Streit) erfragt. Ein Anhaltspunkt für eine 

Voreingenommenheit des medaffairs-Gutachters ist nicht ersichtlich.

4.8. 

Auch aus dem Hinweis auf Studien zur Reliabilität von Gutachten ergibt sich 

schliesslich nichts für die vorliegende Beurteilung Ausschlaggebendes. Namentlich 

kann diesbezüglich darauf hingewiesen werden, dass der medaffairs-Gutachter der 

Psychiatrie und Dr. I.___ (vgl. IV-act. 64-14; im Unterschied zu den vom behandelnden 

Psychiater gestellten Diagnosen, IV-act. 87-2) übereinstimmend keine Angststörung 

diagnostiziert haben und dass beide Gutachter eine Substanzinduziertheit der 

Symptome angenommen haben. Die ebenfalls versicherungsmedizinisch basierte 

Beurteilung durch den RAD-Arzt (mit Facharztausbildung; auf der Grundlage ebenfalls 

eigener Untersuchung) war zwar von einer generalisierten Angststörung ausgegangen 

4.9. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 34/36

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5.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich eine Arbeitsunfähigkeit des 

Beschwerdeführers von mehr als 30 %, wie sie im medaffairs-Gutachten angenommen 

wurde, aufgrund der Aktenlage mit den mehreren Begutachtungen und den 

verschiedenen medizinischen Berichten von Ärzten und Kliniken nicht objektivieren 

lässt. Eine medizinisch bedingte Unzumutbarkeit der Verwertung dieser Arbeitsfähigkeit 

(für den Beschwerdeführer bzw. einen allfälligen Arbeitgeber) ist nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. - Auf das Ergebnis der 

polydisziplinären medaffairs-Begutachtung kann daher abgestellt werden. 

6.  

(vgl. IV-act. 24-7), doch hatte sich diese nicht unwesentlich auf die vom 

Beschwerdeführer übertrieben geschilderte Symptomatik und die noch mehr überhöhte 

Bestätigung durch die Fremdanamnese gestützt und vermag daher ebenfalls keine 

ausreichenden Zweifel am Ergebnis der medaffairs-Begutachtung zu massgeblicher 

Zeit zu begründen. Der betreffende RAD-Arzt hatte im Übrigen damals (bei Annahme 

einer vollen Arbeitsunfähigkeit) eine Mitwirkung in einer stationären Behandlung als 

dem Beschwerdeführer zumutbar bezeichnet und eine Behandelbarkeit in 

spezialisierter Klinik angenommen. - Als generelle Beanstandung vermag der Hinweis 

auf die erwähnten Studien das Gutachten ohnehin nicht in Frage zu stellen (vgl. auch 

Bundesgerichtsurteil vom 2. Juni 2021, 9C_202/2021 E. 5.6). Es ist zu bedenken, dass 

eine psychiatrische Exploration dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen 

gewissen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-

psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu respektieren sind, 

sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Die medizinische Folgenabschätzung 

weist zudem notgedrungen eine hohe Variabilität auf und trägt unausweichlich 

Ermessenszüge (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.1.2). 

In erwerblicher Hinsicht ist festzuhalten, dass bei der Invaliditätsbemessung - wie 

in Art. 16 ATSG angeordnet - eine ausgeglichene Arbeitsmarktlage angenommen wird. 

Es kommt demnach nicht darauf an, ob eine invalide Person unter den konkreten 

Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine Stelle vermittelt werden kann, sondern 

einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch 

wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an 

Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 

E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b). Der massgebliche theoretische und abstrakte 

ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat rein 

6.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 35/36

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hypothetischen Charakter und dient ausserdem dazu, die Risiken von Arbeitslosigkeit 

und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. BGE 141 V 351 E. 5.2, 

Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276 

E. 4b). Was die verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch 

den körperlichen Einsatz angeht, weist er einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf 

(vgl. Bundesgerichtsurteile vom 5. November 2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom 

10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts 

umfasst er selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, 

bei welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von 

Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember 

2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014). 

Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht 

berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann 

insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form 

möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie 

nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers 

möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als 

ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015, 

8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318 

E. 3b).  

Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers räumt ein, dass dieser zu einer 

Erwerbstätigkeit grundsätzlich in der Lage ist. Allerdings sei seine Leistung nicht 

konstant, also nicht planbar und demnach auch nicht verwertbar. Dass es am Element 

der Konstanz in der zumutbaren Leistungserbringung des Beschwerdeführers aus 

medizinischen Gründen fehlen würde, ist dem Gutachten indessen nicht zu entnehmen. 

Allerdings wurde dort festgehalten, es sei mit vermehrten wahnhaften Symptomen am 

Arbeitsplatz zu rechnen. Angesichts des - wie oben dargelegt - weitgefassten Begriffs 

des ausgeglichenen Arbeitsmarkts mit selbst der Berücksichtigung einer gewissen 

sozialen Rücksichtnahme ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers von 70 % - angesichts einerseits der beschriebenen medizinischen 

Befunde und anderseits des erhobenen Aktivitätsniveaus des Beschwerdeführers - auf 

dem fingierten ausgeglichenen Arbeitsmarkt (für Hilfstätigkeiten) als verwertbar zu 

betrachten ist.

6.2. 

Für das Valideneinkommen und als Ausgangswert für die Bestimmung des 

Invalideneinkommens sind vorliegend die Tabellenlöhne zu verwenden. Der 

Invaliditätsgrad entspricht unter solchen Verhältnissen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit 

6.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 36/36

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7.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen, unter 

Anrechnung des bezahlten Kostenvorschusses in gleicher Höhe.

unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs (zur Ermittlung des 

Invalideneinkommens) gemäss BGE 126 V 75 (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 26. 

September 2019, 8C_536/2019 E. 5.2.1, vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015 E. 2.1, und 

vom 20. April 2010, 9C_215/2010 E. 5.2). Der Beschwerdeführer kann die 

Arbeitsfähigkeit während acht Stunden pro Tag verwerten, weshalb ein Abzug aus 

diesem Grund entfällt (vgl. zu einer vollzeitlichen Präsenz die Bundesgerichtsurteile 

vom 4. April 2012, 8C_20/2012, vom 12. November 2019, 9C_542/2019 E. 3.1, und 

vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.3). Die erwähnte leidensbedingte 

Beeinträchtigung rechtfertigt jedenfalls keinen Abzug von mehr als zehn Prozent und 

weitere Gründe sind nicht vorhanden. 

Die einen Rentenanspruch ablehnende angefochtene Verfügung erweist sich 

demnach als rechtmässig. 

6.4. 

Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.7.1. 

Nach Art. 69 Abs. 1  IVG (vgl. Art. 61 lit. f  ATSG) ist das Beschwerdeverfahren 

bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom 

Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Als unterliegende Partei hat 

der Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 des st. 

gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, VRP/SG, sGS 951.1). Diese 

sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Mit dem geleisteten 

Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr getilgt. 

7.2. bis bis

Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf 

eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). 

7.3. 

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	Entscheid Versicherungsgericht, 17.05.2022
	Neuanmeldung nach Abweisung. Würdigung namentlich eines polydisziplinären Gutachtens. Standardindikatoren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Mai 2022, IV 2021/59).

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