# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0008b3ec-d78c-5853-8bce-c4c9a55a63dd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2009 E-5729/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5729-2006_2009-09-07.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5729/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richter Martin Zoller,
Richterin Regula Schenker Senn, 
Gerichtsschreiber Thomas Hardegger.

A._______, 
Sudan,
vertreten durch B._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 23. August 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5729/2006

Sachverhalt:

A.

A.a Der Beschwerdeführer verliess den Heimatstaat eigenen Angaben 
zufolge im März 2005 und kam via Libyen, wo er sich rund acht Mona-
te lang aufgehalten hat, auf dem Seeweg nach Europa, wo er nach ei-
ner Reise in einem Lastwagen am 25. November 2005 in die Schweiz 
gelangte. Er stellte am 28. November 2005 ein Asylgesuch. Nach einer 
Verarztung  am  5.  Dezember  2005,  einer  summarischen  Befragung 
vom 6. Dezember 2005 zu den Personalien und Ausreisegründen und 
einer  einlässlichen Anhörung vom 15. Dezember  2005 zu den Asyl-
gründen wurde er für die Dauer des weiteren Verfahrens dem Kanton 
C._______ zugeteilt. 

A.b Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  aus  (...),  Region 
(...)Darfur, zu stammen. Er gehöre zum Volkstamm der (...) und habe 
seit seiner Geburt bis zum Februar 2005 in (...) Darfur gewohnt. Dort 
habe  er  als  (...)  gearbeitet.  Zirka  im  Jahr  1975  sei  sein  Vater  bei 
Landstreitigkeiten zwischen örtlichen Ethnien (...)  umgekommen. Am 
20. Februar 2005 seien seine (...Angehörigen...) zu Hause von Militärs 
und Polizisten respektive den Jenjaouid getötet worden. Er sei damals 
bei der Arbeit gewesen. Als er in sein Dorf zurückgekehrt sei, habe er 
sein Haus niedergebrannt  vorgefunden; seine Angehörigen seien tot 
gewesen,  er  habe sie  beerdigt.  Als  drei  respektive  vier  Tage später 
erneut  ein  Angriff  der  Jenjaouid  auf  sein  Dorf  erfolgt  sei,  sei  er 
festgenommen  worden.  Anschliessend  sei  er  im  Gefängnis  von  (...) 
zehn  Tage  lang  festgehalten,  von  Unbekannten  verhört  und  täglich 
vier-  bis  fünfmal  geschlagen  worden.  Mitinsassen  hätten  ihm  zur 
Flucht verholfen. Im März 2005 sei er mit dem Auto von (...) nach Kufra 
(Libyen) gereist, wo er acht Monate lang in (...) gelebt und gearbeitet 
habe. Er habe im Exil  als Mitglied der Befreiungsfront für den Darfur 
gearbeitet und diese Organisation mit Spenden unterstützt. 

A.c In Bezug auf Darfur gab der Beschwerdeführer an, die Region sei 
in  El  Fasher,  Niyala  und  Jenena  aufgeteilt;  dort  lebten  die  For, 
Massalid, Bani Halba und die Taishas. Die Jenjaouid kämpften gegen 
die Organisation “Gruppe Gerechtigkeit  und Legalität“  und die Orga-
nisation “Befreiung des Sudan Darfur“. Das Rote Kreuz, die UNICEF 
(United Nations Children's Fund) und andere internationale Organisa-
tionen seien (...) tätig. (...) befinde sich ein UN-Lager. 

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A.d Der Beschwerdeführer legte keine Beweismittel vor. 

B.

B.a Das Bundesamt unterzog den Beschwerdeführer am 15. Mai 2006 
einer  LINGUA-Analyse.  Grundlage  bildete  das  Telefongespräch  mit 
einem Experten. Dieser kam in seiner Herkunftsanalyse vom 16. Juni 
2006  zum  Schluss,  der  Beschwerdeführer  sei  aufgrund  der  landes-
kundlich-kulturellen Kenntnisse und der Sprechweise eindeutig im Su-
dan sozialisiert worden. Da dem Beschwerdeführer für die Region Dar-
fur wesentliche Besonderheiten nicht bekannt seien und sein sudane-
sisches Arabisch keine linguistischen Elemente aus dieser Region ent-
halte, könne ausgeschlossen werden, dass er dort sozialisiert worden 
sei. Der Experte räumte zwar ein, es sei nicht auszuschliessen, dass 
sich der Beschwerdeführer eine gewisse Zeit in Darfur aufgehalten ha-
ben könnte; sicher sei er sich aber im Ergebnis, dass der Beschwerde-
führer aus dem Sudan, indessen nicht aus der Region Darfur stamme. 

B.b Mit Schreiben vom 12. Juli  2006 konfrontierte das BFM den Be-
schwerdeführer  mit  den  Ergebnissen  des  Experten  und  setzte  ihm 
eine Frist zur Stellungnahme an. 

B.c Der Beschwerdeführer bekräftigte mit Schreiben vom 14. Juli 2006 
seine bisherigen Aussagen zu seiner Herkunft aus der Region Darfur. 
Er  habe mit  sehr  vielen  Auskünften bezeugen  können,  dass  er  aus 
diesem Gebiet stamme und könne daher dem Abklärungsergebnis des 
Experten nicht folgen. Dieser habe ihn nicht immer richtig verstanden, 
weshalb er dessen Kompetenz in Frage stelle.

C.
Mit  Verfügung  vom  23.  August  2006,  die  diejenige  des  BFM  vom 
11. August  2006 ersetzte,  wies das Bundesamt das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers vom 28. November 2005 ab, ordnete die Wegwei-
sung an und qualifizierte den Vollzug als zulässig, zumutbar und mög-
lich. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Er-
wägungen eingegangen.

D.
Das  Akteneinsichtsgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  21.  August 
2006  wurde  mit  Schreiben  des  Bundesamtes  vom 23. August  2005 
gutgeheissen.

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E.
Der  Beschwerdeführer  liess  am  25.  September  2006  (Postaufgabe) 
gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  23.  August  2006  durch  seinen 
Rechtsvertreter  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asyl-
rekurskommission (ARK) Beschwerde erheben. Er beantragte die Auf-
hebung der  Verfügung,  die  Gewährung des Asyls  und das Absehen 
von  der  Wegweisung.  Sodann  wurde  die  unentgeltliche  Prozessfüh-
rung, einschliesslich den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses, und die amtliche Verbeiständung in der Person des Rechts-
vertreters beantragt. Als Beweismittel wurden die angefochtene Verfü-
gung im Original, eine Mittellosigkeitsbestätigung vom 12. September 
2006 und eine Vollmacht vom 21. August 2006 eingereicht. 

F.
Mit  Zwischenverfügung vom 18. Dezember  2006 teilte  die ARK dem 
Beschwerdeführer  mit,  dass  er  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten  könne,  und  die  Kommission  verzichtete  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Behandlung des Gesuchs um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 und 2  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  wurde auf einen späteren 
Zeitpunkt verlegt. 

G.
Das Bundesamt hielt in der Vernehmlassung vom 29. Januar 2007 an 
seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

H.
Mit  Schreiben vom 15. Februar  2007 informierte  das  Bundesverwal-
tungsgericht  den Beschwerdeführer über die neue Zuständigkeit  und 
brachte ihm gleichzeitig die Vernehmlassung des BFM vom 29. Januar 
2007 zur Kenntnis.

I.
Mit Strafbefehl vom 15. März 2007 wurde der Beschwerdeführer von 
der  Staatsanwaltschaft  C._______(-...)  wegen  Nichtbefolgens  einer 
Ausgrenzungsmassnahme  nach  Art.  13e  des  Bundesgesetzes  vom 
26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
(aANAG, BS 1 121) mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen und einer 
Busse von Fr. 400.-  bestraft; der  Vollzug der Geldstrafe wurde unter 
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. 

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundes-
verwaltungsgericht ist  daher zuständig für die Beurteilung der vorlie-
genden  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel 
übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art.  53 
Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Vorab sind die formellen Vorhalte des Beschwerdeführers auf ihre Be-
gründetheit hin zu untersuchen. 

3.1 Der Beschwerdeführer behauptet, er habe sich mit dem LINGUA-
Experten  lediglich  in  der  arabischen  Hochsprache  unterhalten  (Be-
schwerde S. 3). Da es in Darfur – Darfur sei grösser als Frankreich und 
jede Gegend kenne eine eigene Sprache – über zwanzig Stämme mit 

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eigenen  Dialekten  gebe,  die  zum  Teil  schwer  auseinanderzuhalten 
seien,  stelle  sich  die  Frage,  wie  ein  Experte  in  einem  50-minütigen 
Gespräch fähig sein soll zu erkennen, dass jemand nicht in Darfur erst-
sozialisiert worden sei. Zudem sei die Unterhaltung mit dem Experten, 
der  vermutlich  von  der  anderen  Seite  des  Roten  Meers  stamme, 
schwierig gewesen. Mithin stelle er sich die Frage nach der Kompetenz 
und  Fähigkeit  des  eingesetzten  Sachverständigenden,  Erstsoziali-
sierungen in Darfur zu erkennen. Weiter sei seinem Anspruch auf recht-
liches Gehör nicht  Genüge getan. So sei  es ihm nicht  möglich,  ohne 
Kenntnis  der  exakten  Inhalte,  namentlich  der  Stellungnahme  des 
LINGUA-Experten, die Beurteilung und letztlich die angefochtene Verfü-
gung nachzuvollziehen; er könne nicht zu etwas fundiert Stellung neh-
men, das ihm vorenthalten werde (Beschwerde S. 4). 

Mit Vernehmlassung vom 29. Januar 2007 verneinte das BFM das Vor-
liegen eines formellen Mangels  und damit  einer ungenügenden Ent-
scheidgrundlage, hielt an seinen Erwägungen fest und forderte die Ab-
weisung der Beschwerde. 

3.2 Die  zwei  formellen  Rügen  des  Beschwerdeführers  sind  deshalb 
vorab zu prüfen,  weil  sie  im Falle der Berechtigung geeignet  wären, 
eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken. 

3.3 Zunächste  stellt  sich  die  Frage nach der  Kompetenz des einge-
setzten LINGUA-Experten, sodann ist zu prüfen, ob die Resultate der 
Analyse dem Beschwerdeführer  in  einer dem Verfahren angemesse-
nen  Weise  offengelegt  worden  sind  respektive  ob  der  Beschwer-
deführer  in  einem rechtsgenüglichen Umfang orientiert  und über  die 
bestehenden Entscheidgrundlagen und - Prüfergebnisse des Experten 
(Telefongespräch, Abschrift, Notizen und Expertenbeurteilung [“Proto-
koll des LINGU-Experten“, Beschwerde S. 4]) orientiert wurde.

Der  Beschwerdeführer  wurde  mit  Schreiben  des  BFM  vom  12.  Juli 
2006 über den Werdegang und die Qualifikation der sachverständigen 
Person orientiert. Gleichzeitig wurde ihm angeboten, die vom Experten 
beurteilte  Gesprächsaufzeichnung  beim  BFM  anzuhören,  wovon  er 
keinen Gebrauch machte. Mithin wurden ihm die Entscheidgrundlage 
für eine Beurteilung und das Expertenprofil in der gemäss Praxis ge-
forderten  Form  nicht  vorenthalten  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen der ARK [EMARK] 1999 Nr. 20 und EMARK 1998 Nr. 34). 
Der Analyse  -  sie  ist  sehr  ausführlich  ausgefallen  -  ist  nicht  zu 
entnehmen,  dass  mangelhafte  Leistungen  des  Sachverständigen  zu 

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einer  schlechten Befragungs-  oder  Verständigungsatmosphäre,  Fehl-
einträgen  oder  Unterlassungen  geführt  hätten.  Infolgedessen  ist  die 
Behauptung  des  Beschwerdeführers  nicht  nachvollziehbar,  der 
Sachverständigende stamme von der anderen Seite des Roten Meers, 
und  er  spreche  diesem  die  Fachkompetenz  ab,  seine  Herkunft  von 
derjenigen anderer Bürger (...)Darfurs unterscheiden zu können. Der 
aus dem (...-)sudan stammende Experte arbeitet seit Jahrzehnten mit 
der  zu  analysierenden  Sprache  und  kennt  sich  als  promovierter 
Spezialist  in  Linguistik  mit  den  heimatlichen  Verhältnissen  bestens 
aus.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  aufgrund  von  blossen 
Mutmassungen  des  Beschwerdeführers  keine  Veranlassung,  die 
Kompetenz der vom BFM eingesetzten Fachperson anzuzweifeln.

Der Einsichtnahme in die LINGUA-Analyse (Wortlaut)  durch den Be-
schwerdeführer stehen überwiegende öffentliche Interessen entgegen. 
So hat das BFM dem Beschwerdeführer das Prüfungsergebnis in zwar 
geraffter, aber rechtsgenüglicher Weise offengelegt und ihm damit eine 
Stellungnahme zu den Vorhalten ermöglicht (vgl. EMARK 1998 Nr. 34 
E. 9). Infolgedessen ist der in der Eingabe vom 23. September 2006 
gestellte Antrag auf Gewährung der erweiterten Einsicht in den Exper-
tenbericht (Akten BFM A16) abzuweisen.

Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als nicht nach-
vollziehbar. Eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörsanspruchs 
des Beschwerdeführers ist bei dieser Sachlage nicht erkennbar. 

4.  
Das Bundesamt führte zur Begründung seines ablehnenden Entschei-
des aus, die LINGUA-Expertise könne bestätigen, dass der Beschwer-
deführer mit Bestimmtheit aus dem Sudan stamme. Gleichzeitig habe 
sie ergeben, dass er nicht in Darfur erstsozialisiert worden sei. Der Be-
schwerdeführer habe während des Gesprächs mit dem Experten allzu 
viel Unstimmiges vorgebracht und bei zahlreichen, für den Darfur spe-
zifischen Fragen,  insbesondere auch dort,  wo er  tätig  gewesen sein 
wolle, mangelnde Kenntnisse gezeigt. Bei den Geographiekenntnissen 
und Fragen rund um den täglichen Bedarf sei er überfordert gewesen. 
Ausserdem spreche er ein Arabisch, das zwar dem Sudan, nicht aber 
der Region Darfur zuzuordnen sei. Sein Alltagswissen sei offensicht-
lich auf sudanesische, aber nicht für den Darfur spezifische Ereignisse 
oder  Begebenheiten  ausgerichtet.  Die  geltend  gemachten  Verständi-
gungsschwierigkeiten mit dem Experten könnten die Schlussfolgerung 

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der  LINGUA-Expertise  nicht  schwächen. Zudem würden die  Vorbrin-
gen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaft-
machung gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen, so dass ihre Asylrele-
vanz nicht geprüft werden müsse. Er könne seine Inhaftierung in (...) 
nicht  genügend substanziiert  schildern und er  wisse nicht,  von wem 
genau er  festgehalten,  worüber  er  befragt  und auf  welche Weise er 
geschlagen worden sei. Auch das Ausmass seiner Behelligungen (Zahl 
der  Misshandlungen)  sei  ihm nicht  bekannt. Zudem glaube ihm das 
BFM nicht,  sich  exilpolitisch  betätigt  zu  haben. Ein  Nachweis hierzu 
fehle. Zwar nenne er einige Namen, könne die Bezeichnung (...) aber 
nicht  entschlüsseln,  und  der  vom  Beschwerdeführer  angegebene 
Name der  Organisation  sei  nicht  korrekt. Eine  erlebte  Mitgliedschaft 
oder  ein  Mittun  in  der  "(...)",  geschweige  denn  seine  Inhaftierung, 
seien  deshalb  unglaubhaft.  Zudem  seien  Mitglieder  nichtarabischer 
Ethnien  aus  Darfur  oder  anderswo  aufgrund  ihrer  Ethnie  etwa  im 
Grossraum  Khartum  keiner  kollektiven  Verfolgung  ausgesetzt.  An 
dieser  Tatsache  ändere  der  Sachverhalt  nichts,  wonach  die 
sudanesische Regierung in den Jahren 2004 und 2005 Teile von drei 
Flüchtlingcamps  intern  Vertriebener  und  von  Flüchtlingen  aus  an-
deren afrikanischen Staaten im Grossraum von Khartum zerstört habe. 
Diese Aktion sei nicht auf die intern Vertriebenen aus Darfur spezifisch 
ausgerichtet gewesen. Der Beschwerdeführer erfülle demnach, so fol-
gerte die Vorinstanz, die Flüchtlingseigenschaft nicht. Bei dieser Sach-
lage sei auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente nicht einzugehen.

In  der  Beschwerde  wurde  dem  entgegengehalten,  die  geltend  ge-
machten Ereignisse (Krieg,  Tötung seiner  Familienangehörigen,  Zer-
störung von Hab und Gut, Flucht) seien vom BFM nicht widerlegt wor-
den. Auch sei es egal, ob der Beschwerdeführer in Darfur erst-, allen-
falls zweit- oder drittsozialisiert  worden sei, Asyl sei bei allen diesen 
Konstellationen zu gewähren. Tatsache sei, dass er aus Darfur stam-
me,  wo  er  durch  den  Bürgerkrieg  seine  Angehörigen  verloren  und 
schwere Behelligungen erlitten habe. Er könne nicht in den Sudan zu-
rückkehren,  zumal  der  Krieg  andauere,  Rückkehrer  verfolgt  würden 
und  er  weiterhin  ernsthafte  Nachteile  an  Leib  und  Leben  erleiden 
würde. Das BFM habe auf die Befragungsprotokolle abzustellen, worin 
er seine Erlebnisse glaubhaft dargelegt habe. Er nenne die Namen der 
Kriegsparteien korrekt und habe - ohne “zum harten Kern“ der Opposi-
tionsgruppen zu gehören (Beschwerde S. 6) - an deren Veranstaltun-
gen  und  Aktivitäten  teilgenommen,  weshalb  es  die  Regierung  für 
notwendig befunden habe, ihn als Oppositionellen,  der einer gefähr-

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lichen Organisation zugehörig sei,  zu verfolgen und zu misshandeln. 
Weiter seien die Ausführungen des Bundesamtes als zynisch zu be-
zeichnen, wonach ein täglich mehrfach Misshandelter, um glaubhaft zu 
sein, die totale Anzahl erlittener Schläge oder Behelligungen hätte an-
geben sollen. Der  Beschwerdeführer  habe durch den Krieg  schwere 
körperliche und seelische Schädigungen erlitten (...), das BFM nehme 
davon indessen keine Notiz. Schliesslich sei die Flucht nachvollziehbar 
geschildert.  Die  Interpretation  des  Amtes  in  Bezug  auf  den 
Beweggrund der Regierung, Flüchtlingslager in Khartum zu zerstören, 
sei  unhaltbar,  diese  Aktion  sei  klar  gegen  intern  Vertriebene  aus 
Darfur gerichtet gewesen.

5.

5.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 
die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälsch-
te oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

Im Gegensatz zum strikten Beweis genügt es daher, wenn der Richter 
das  Vorhandensein  der  zu beweisenden Tatsache für  wahrscheinlich 
hält,  selbst  wenn er noch mit  der Möglichkeit  rechnet,  dass sie sich 
nicht verwirklicht haben könnte. Die wahrheitsgemässe Schilderung ei-
ner  tatsächlichen Verfolgung ist  dabei  durch Korrektheit,  Originalität, 
hinreichende Präzision  und innere  Übereinstimmung gekennzeichnet 
(vgl.  EMARK  1996  Nr.  28).  Unglaubhaft  wird  eine  Schilderung  von 
Erlebnissen  insbesondere  bei  wechselnden,  widersprüchlichen, 

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gesteigerten oder  nachgeschobenen Vorbringen. Bei  der  Beurteilung 
der  Glaubhaftmachung  geht  es  um  eine  Gesamtbeurteilung  aller 
Elemente  (Übereinstimmung  bezüglich  des  wesentlichen  Sachver-
haltes,  Substanziiertheit  und  Plausibilität  der  Angaben,  persönliche 
Glaubwürdigkeit etc.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. 
Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung nur, wenn die positiven Ele-
mente  überwiegen.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es  nicht  aus, 
wenn der Inhalt  der Vorbringen zwar möglich ist,  aber  in  Würdigung 
der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände 
gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen.

5.2 Die ARK hat in einem publizierten Urteil  am 5. September 2006 
zum Sudan festgehalten, dass die von den Janjaweed (vom Beschwer-
deführer als [...]  bezeichnet) ausgehenden, gegen ethnisch definierte 
Gruppen  von  Opfern  gerichteten  Übergriffe  als  flüchtlingsrechtlich 
relevante Übergriffe im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren seien. In 
Anbetracht  der  Unterstützung  der  Janjaweed-Milizen  durch  die 
sudanesische Regierung bestehe deshalb für Personen aus Darfur im 
Sudan keine Fluchtalternative. Zudem stehe fest, dass in Darfur einer 
der schlimmsten Konfliktherde mit innen- wie aussenpolitischen, ethni-
schen und wirtschaftlichen Komponenten bestehe,  welcher  weiterhin 
unzählige Opfer von Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen 
die Menschlichkeit  und deren humanitäre Folgen fordern werde (vgl. 
EMARK 2006 Nr. 25 E. 5 und 8).

5.3 Im vorliegenden Fall hat das BFM über seine Fachstelle LINGUA 
den Beschwerdeführer einer Herkunftsanalyse auf  der  Basis  landes-
kundlich-kultureller Anhaltspunkte und charakteristischer Merkmale in 
der Sprechweise unterzogen.

Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt LINGUA-Analysen des BFM 
nicht  als  Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e  VwVG; Art. 57 ff. 
des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilpro-
zess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern als schriftliche Aus-
künfte  einer  Drittperson  (Art. 12  Bst. c  VwVG;  Art. 49  BZP  i.V.m. 
Art. 19 VwVG), misst ihnen indessen - sofern bestimmte Anforderun-
gen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Ex-
perten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbar-
keit  der  Analyse  erfüllt  sind  -  erhöhten  Beweiswert  zu  (vgl.  EMARK 
2003  Nr. 14  E. 7,  EMARK  1998  Nr. 34).  Demnach  sind  LINGUA-

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Analysen  grundsätzlich  geeignet,  den  Nachweis  einer 
Herkunftstäuschung zu erbringen (vgl. EMARK 1999 Nr. 19 E. 3d).

Die LINGUA-Analyse vom 15. Mai 2006 (Telefongespräch) respektive 
16. Juni 2006 (Analyse) ist fundiert, sehr differenziert und in allen Teil-
en der Begründung überzeugend ausgefallen. Sie gibt zu keinen Bean-
standungen Anlass. Der Beschwerdeführer vermochte dieser Einschät-
zung weder im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Ergebnis der Ana-
lyse noch in seiner  Beschwerdeeingabe stichhaltige Argumente entge-
genzuhalten. Sein Hinweis auf Verständnisschwierigkeiten ist offensicht-
lich eine Schutzbehauptung. Die Vorbringen können die eruierten, ekla-
tanten Wissenslücken und falschen Aussagen in Bezug auf sozio-kul-
turelle  und regionalspezifische Gegebenheiten  des  (...)Darfur  und die 
klaren sprachlichen Besonderheiten  offensichtlich nicht  erklären. Der 
Beschwerdeführer  kann somit  dort  nicht  von Geburt  an  lange Jahre 
gelebt  und  in  dem von ihm angegebenen  Umfeld  gearbeitet  haben. 
Weiter  wurde  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seines  Verfahrens 
wiederholt und eindringlich zur Beschaffung von Beweismitteln seiner 
Behauptungen aufgefordert, ohne dass er je konkrete diesbezügliche 
Bemühungen belegt hätte.

Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  aufgrund  der  Feststellungen 
des LINGUA-Experten und der zahlreichen Unzulänglichkeiten in den 
Aussagen des Beschwerdeführers somit zum Schluss, dieser habe die 
Asylbehörden über seine Herkunft  aus dem (...)Darfur  täuschen wol-
len.

Damit  können  die  geltend  gemachten  Fluchtgründe,  die  sich  aus-
schliesslich  auf  das  Gebiet  (...)Darfurs  beziehen,  offensichtlich  nicht 
der Realität entsprechen. Dem Beschwerdeführer ist demzufolge nicht 
zu glauben, dass er sich im Exil für die angegebenen Organisationen, 
über deren Bezeichnungen und Aktivitäten er nicht überzeugend Be-
scheid wusste,  eingesetzt  hat. Er ist  somit  keine im Sudan verfolgte 
Person.  Die  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  körperlichen 
und psychischen Schäden, die durch kein medizinisches Attest belegt 
sind,  dürften  andere  Entstehungsgründe  haben  als  die  von ihm be-
haupteten (Beschwerde S. 5). Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf 
die  in  seinen  Aussagen  weiteren  feststellbaren  Unglaubhaftigkeits-
elemente einzugehen. 

Das BFM hat demzufolge das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 
Recht abgewiesen.

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6.  

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig,  unzumutbar  oder  un-
möglich,  so  regelt  das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
[AuG, SR 142.20]).

7.1

7.1.1 Der Vollzug ist unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 
den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen 
(Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 
Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

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7.1.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf  hin,  dass  der  flüchtlingsrechtliche  Grundsatz  der  Nichtrück-
schiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfül-
len. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann 
das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. 
Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

7.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwer-
deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür,  dass er  für  den 
Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses  müsste  er  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschie-
bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (EMARK 
2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR [Grosse Kammer], 
Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde 
Nr. 37201/06, §§ 124 bis 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die all-
gemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  -  mit  Aus-
nahme  der  Region  Darfur  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  25  E.  8)  -  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
sowohl  im  Sinne  der  asyl-  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

7.2
7.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) kann 
der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn 
sie  im  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie 
Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage 
konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - 
unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu 
gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen 
und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

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7.2.2 Der Beschwerdeführer behauptet, aus dem (...) Darfurs zu stam-
men. Wie vom BFM zu Recht festgestellt, hat er hierzu keine Angaben 
gemacht,  die  seine  Herkunft  aus  dieser  Region  belegen  würden. 
Zudem weiss  er  über  diesen Landesteil  zu  wenig,  als  dass  ihm die 
Herkunft von dort geglaubt werden könnte. Nicht nur die geografischen 
Kenntnisse  sind  praktisch  inexistent,  auch  die  Schilderungen  der 
Erlebnisse  in  der  Landwirtschaft  und  der  erlebten  sozio-kulturellen 
Vorkommnisse lassen es als unglaubhaft erscheinen, dass er dort län-
gere Zeit gelebt hat. Da seine Herkunft aus (...)Darfur nicht glaubhaft 
ist, entfällt die Überprüfbarkeit der ihn dort erwartenden Situation. 

Glaubhaft ist allerdings die Nationalität des Beschwerdeführers, wes-
halb die Prüfung der Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzuges nach 
Sudan vorzunehmen ist. Sie hat grundsätzlich von Amtes wegen zu er-
folgen,  doch hat  die Untersuchungspflicht der Behörden ihre Grenze 
an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers (Art. 8 AsylG), wel-
cher auch für die Substanziierung besorgt sein muss (Art. 7 AsylG). Es 
kann  deshalb  nicht  Sache  der  Asylbehörden  sein,  nach  allfälligen 
Wegweisungshindernissen  in  hypothetischen  Herkunftsregionen  sei-
nes Heimatlandes zu forschen. Im zentralen Sudan herrscht insgesamt 
weder  eine Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von kriegerischen Er-
eignissen noch gibt es Anhaltspunkte dafür, dass für den Beschwer-
deführer eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG 
besteht.  Daran  ändert  die  teilweise  Zerstörung  von  drei  Flüchtlings-
lagern in den Jahren 2004/2005 durch die Regierung nichts.

7.2.3 Der Wegweisungsvollzug gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG kann 
sich aus medizinischen Gründen dann als unzumutbar erweisen, wenn 
für die betroffene Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat eine über-
lebensnotwendige medizinische Behandlung nicht erhältlich wäre. Der 
Umstand  allein,  dass  die  Spitalinfrastruktur  oder  das  medizinische 
Fachwissen im Heimatstaat  nicht  dasselbe Niveau aufweisen wie  in 
der Schweiz, führt  praxisgemäss nicht zur Unzumutbarkeit  des Weg-
weisungsvollzugs. Bei  der  Prüfung der  Voraussetzungen von Art.  83 
Abs. 4 AuG sind humanitäre Überlegungen im Einzelfall gegen andere 
öffentliche  Interessen  abzuwägen,  die  allenfalls  für  den  Vollzug  der 
Wegweisung sprechen würden, was den Asylbehörden einen gewissen 
Ermessensspielraum lässt. Entsprechend bilden gesundheitliche Prob-
leme, welche für sich allein betrachtet den Wegweisungsvollzug nicht 
bereits als unzumutbar erscheinen lassen, bloss ein Beurteilungsele-
ment (unter mehreren), welches in die vorzunehmende Interessenab-

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wägung einbezogen werden muss und zusammen mit weiteren huma-
nitären  Aspekten  zur  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des  Wegwei-
sungsvollzugs führen kann (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 E. 6b, EMARK 
2003 Nr. 24 E. 5a f.).

Bei einer Rückkehr in den Sudan wird der Beschwerdeführer auf die 
dort  bestehende medizinische Infrastruktur zurückgreifen können, so-
fern er sich darum bemüht. Das Krankheitsbild des Beschwerdeführers 
(Beschwerde S. 5) kann nicht auf die Ereignisse, wie sie zur Begrün-
dung des Asylgesuches geschildert  worden sind,  zurückgeführt  wer-
den, da diese unglaubhaft sind. Die Ursachen für den psychischen und 
geistigen  Zustand  des  Beschwerdeführers  und  für  die  Verletzungen 
sind dem Gericht nicht bekannt und mit medizinischen Attesten nicht 
belegt; festgestellt werden kann lediglich, dass sie nicht mit den Asyl-
vorbringen zusammenhängen dürften. Zudem ist aktenkundig nur be-
kannt, dass sich der Beschwerdeführer kurz nach der Einreise (5. De-
zember  2005)  in  ärztliche Behandlung begeben hat  und der  behan-
delnde Arzt - ohne nähere Angaben zu machen - seinen Fall als Baga-
telle zu Protokoll gab. Sollten sich die psychischen Tendenzen im Falle 
eines zwangsweisen Vollzugs der Wegweisung dennoch akzentuieren, 
wäre  dem mit  geeigneten  medikamentösen  und  allenfalls  auch psy-
chiatrisch-psychotherapeutischen Massnahmen entgegenzuwirken. Im 
Weiteren kann aufgrund der konstruierten Asylvorbringen davon aus-
gegangen werden, dass seine Rückkehr zu den Angehörigen und Be-
kannten im angestammten Sprach- und Kulturkreis in mancherlei Hin-
sicht positive Auswirkungen auf seine Lebenssituation und damit auch 
auf seine Gesundheit haben könnte. Als im Heimatland ausgebildeter 
(...)  hat  er  in  der  Schweiz  als  (...)  weitere  berufliche  Erfahrungen 
sammeln  können.  Unter  diesen  Umständen  bestehen  keine 
erheblichen Hinweise, dass er bei seiner Rückkehr in eine seine Exis-
tenz bedrohende Situation geraten könnte. 

Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, die gesundheitlichen 
Probleme  des  Beschwerdeführers  würden  im  Falle  der  freiwilligen 
Rückkehr  in  sein  Heimatland  beziehungsweise  eines  zwangsweisen 
Vollzugs  der  Wegweisung  dorthin  mangels  ausreichender  medizini-
scher  oder  psychiatrisch-psychologischer  Behandlungsmöglichkeiten 
eine lebensbedrohende Verschlechterung seines Gesundheitszustan-
des nach sich ziehen (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b). Der Wegwei-
sungsvollzug erweist sich demnach auch als zumutbar. 

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7.3 Der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  seinen 
Heimatstaat  ist  schliesslich  als  möglich  zu  erachten  (Art.  83  Abs. 2 
AuG), da es ihm zuzumuten ist, sich die für die Rückkehr benötigten 
Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimatlandes 
ausstellen zu lassen (Art. 8 Abs. Abs. 4 AsylG).

8.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.  

10.1
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). An dieser Stelle 
ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu behandeln (Beschwerde S. 1 und 
Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2006). 

Die Beschwerdeinstanz kann eine bedürftige Partei,  deren Begehren 
nicht zum Vornherein aussichtslos erscheinen, auf Gesuch davon be-
freien, Verfahrenskosten zu bezahlen. Vorliegend ist aufgrund der Un-
terlagen  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen. 
Zudem  konnten  die  Begehren  in  der  Beschwerde  im  Zeitpunkt  der 
Einreichung nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  demnach 
gutzuheissen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind deshalb keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen.

10.2  Der  Beschwerdeführer  beantragte  auch  die  amtliche  Verbei-
ständung  seiner  Person  durch  den  rubrizierten  Rechtsvertreter 
(Beschwerde S. 1 und Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2006).

Seite 16

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Einer mittellosen Partei  wird in einem nicht aussichtslosen Verfahren 
ein Anwalt bestellt,  wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 
(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Für die Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
verbeiständung ist das Kriterium ausschlaggebend, ob die Partei  zur 
Wahrung  ihrer  Rechte  notwendigerweise  der  professionellen  juristi-
schen  Hilfe  eines  Anwaltes  bedarf  (BGE 122  I  49,  E. 2c,  S. 51  ff., 
BGE 120 Ia 43 E. 2a, S. 44 ff.). In Verfahren, welche - wie das vor-
liegende - vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge 
Massstäbe an die  Gewährung der  unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 und BGE 122 I 8 E. 2c S. 
10), da es im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren normalerweise im 
Wesentlichen um die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 
geht.  Besondere  Rechtskenntnisse  sind  daher  zur  wirksamen  Be-
schwerdeführung  in  aller  Regel  nicht  erforderlich,  weshalb  praxis-
gemäss die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 
Abs. 2 VwVG nur in besonderen Fällen zu gewähren ist, in welchen in 
rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten beste-
hen. Dies ist indessen vorliegend nicht der Fall. Das Gesuch ist dem-
zufolge abzuweisen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach verfügt und erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Gesuche  auf  Gewährung  einer  erweiterten  Akteneinsicht,  na-
mentlich in den Expertenbericht (A16), und demzufolge auch auf eine 
Fristansetzung zur allfälligen Ergänzung der Beschwerdeschrift,  wer-
den abgewiesen.

2.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

3.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird gutgeheissen. Es 
werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Das Gesuch um amtliche Verbeiständung in der Person des Rechts-
vertreters wird abgewiesen.

5.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Thomas Hardegger

Versand: 

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