# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4224e87-5af0-5c48-80fa-b349d0b38a6b
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-14
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 14.07.2020 UV 2019/32
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2019-32_2020-07-14.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2019/32

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 18.03.2021

Entscheiddatum: 14.07.2020

Entscheid Versicherungsgericht, 14.07.2020
Art. 23 Abs. 3 UVV: Bejahung des Tatbestandes der starken 
Lohnschwankungen in Bezug auf einen Beschwerdeführer, dessen 
Entlöhnung als Verkäufer gemäss Arbeitsvertrag grundsätzlich auf der Basis 
eines monatlichen Fixlohnes, aber auch auf Provisionsbasis hätte erfolgen 
sollen. Dies obwohl dem Beschwerdeführer während der Dauer von vier 
Monaten bis zum Unfall keine Provisionen ausbezahlt worden waren. 
Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 349a OR in Bezug auf die Bemessung 
des versicherten Verdienstes (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St Gallen vom 14. Juli 2020, UV 2019/32).

Entscheid vom 14. Juli 2020

Besetzung

Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider (Vorsitz), Versicherungsrichter 

Joachim Huber und Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin 

Sabrina Bleile

Geschäftsnr.

UV 2019/32

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

gegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 

4358, 6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Taggeldleistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. April 2018 als Verkäufer bei der B.___ 

AG (nachfolgend: Arbeitgeberin) angestellt und dadurch bei der Schweizerischen 

Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und 

Nichtberufsunfällen versichert (Suva-act. 2, 52). Im Arbeitsvertrag vom __ 2018 waren 

ein Bruttolohn von monatlich Fr. 1'800.-- plus Spesen von Fr. 500.--, ein Anspruch auf 

einen 13. Monatslohn sowie eine umsatzberechtigte Provision vereinbart worden 

(Suva-act. 52; vgl. auch Lohnabrechnungen [Suva-act. 49]).

A.a. 

Am 11. August 2018 fiel der Versicherte beim Tragen eines D.___s eine Treppe 

hinunter und zog sich dabei eine partielle Ruptur der langen Bicepssehne links mit 

nachfolgender Arbeitsunfähigkeit zu (Suva-act. 2, 9, 11, 50). Am.__ August 2018 führte 

Prof. Dr. med. C.___, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), beim Versicherten eine Schulterarthroskopie mit 

Bicepstenotomie links sowie eine offene Refixation der proximalen Bicepssehne supra- 

und subpectoral links durch, worauf ihm weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

attestiert wurde (Suva-act. 9, 11, 14, 37).

A.b. 

Inzwischen hatte die Arbeitgeberin dem Versicherten mit Schreiben vom __ 2018 

per 31. Juli 2018 gekündigt (Suva-act. 34; vgl. dazu auch Suva-act. 33).

A.c. 

Mit Schreiben vom 11. September 2018 anerkannte die Suva ihre Leistungspflicht 

und sicherte dem Versicherten die Vergütung der Heilbehandlungskosten sowie ab 14. 

August 2018 die Entrichtung eines Taggeldes von Fr. 51.30 zu (Suva-act. 36).

A.d. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.

Die gegen diese Verfügung vom Versicherten am 10. Februar 2019 erhobene 

Einsprache (Suva-act. 66) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 27. März 2019 

ab (Suva-act. 70).

Per E-Mail vom 12. Oktober 2018 teilte der Versicherte der Suva mit, dass er den 

Taggeldansatz als zu tief bemessen erachte. Er habe in der kurzen Zeit seiner 

Anstellung keine Provisionen generieren können, welche einen grossen Teil seines 

Lohnes ausgemacht hätten. Bei seinem letzten Unfall sei er ebenfalls auf 

Provisionsbasis angestellt gewesen. Damals sei das Taggeld basierend auf einem 

branchenüblichen Durchschnittslohn berechnet worden. Mit einem Taggeld von Fr. 

51.30 könne er nicht einmal seine Miete bezahlen, geschweige denn sonstige 

Zahlungen tätigen (Suva-act. 37). Nach Telefonaten (Suva-act. 38 f.), einer persönlichen 

Besprechung (Suva-act. 50) sowie E-Mail-Korrespondenzen (Suva-act. 51, 63) mit dem 

Versicherten teilte die Suva diesem mit Schreiben vom 11. Januar 2019 mit, dass die 

Annahme eines branchenüblichen Lohnes in seinem Fall nicht möglich und der 

Taggeldansatz von Fr. 51.30 basierend auf dem vor dem Unfall erzielten Lohn richtig 

berechnet sei (Suva-act. 62).

A.e. 

Zuvor hatte die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 27. Dezember 2018 

mitgeteilt, dass laut Bericht des KSSG vom 18. Dezember 2018 (Suva-act. 58) der 

Heilverlauf gut sei und der Versicherte den linken Arm wieder voll einsetzen könne. Eine 

weitere ärztliche Behandlung sei im KSSG nicht mehr notwendig. Der Versicherte 

werde nun wieder zu 100% arbeitsfähig betrachtet. Entgegenkommenderweise würden 

die Taggeldleistungen noch bis 31. Dezember 2018 erbracht. Danach werde das 

Taggeld eingestellt (Suva-act. 58).

A.f. 

Mit E-Mail vom 12. Januar 2019 teilte der Versicherte der Suva mit, dass er mit der 

Taggeldberechnung weiterhin nicht einverstanden sei (Suva-act. 63), worauf die Suva 

mit Verfügung vom 25. Januar 2019 ein Taggeld auf der Basis eines Taggeldansatzes 

von Fr. 53.30 (richtig: Fr. 51.30) bestätigte (Suva-act. 65).

A.g. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

C.  

Erwägungen

1.  

Gegen den Einspracheentscheid vom 27. März 2019 erhob der Versicherte 

(nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 12. April 2019 (Postaufgabe: 15. 

April 2019) Beschwerde (act. G 1). Sinngemäss beantragte er die Aufhebung des 

angefochtenen Einspracheentscheids sowie die Berechnung des Taggeldes basierend 

auf den seiner Ansicht nach einschlägigen Rechtsgrundlagen und der einschlägigen 

Rechtsprechung.

C.a. 

Mit Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2019 beantragte die Suva (nachfolgend: 

Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des 

Einspracheentscheids (act. G 3).

C.b. 

In seiner Replik vom 3. Juli 2019 (Postaufgabe: 4. Juli 2019) hielt der 

Beschwerdeführer sinngemäss an seinen Beschwerdeanträgen fest (act. G 5).

C.c. 

Mit Schreiben vom 24. Juli 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die 

Einreichung einer umfassenden Duplik, verwies auf die Begründung im 

Einspracheentscheid und erneuerte ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. 

G 7).

C.d. 

Gemäss Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 

832.20) hat der Versicherte Anspruch auf ein Taggeld, wenn er infolge des Unfalles voll 

oder teilweise arbeitsunfähig ist. Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag 

nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit 

dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten (Art. 16 Abs. 2 UVG). 

Taggelder und Renten werden nach dem versicherten Verdienst bemessen (Art. 15 

Abs. 1 UVG).

1.1. 

Der Beschwerdeführer hatte im Zeitraum vom 14. August 2018 (dem dritten Tag 

nach dem Unfalltag [vgl. dazu Suva-act. 36]) bis zum 31. Dezember 2018 

unbestrittenermassen Anspruch auf ein Taggeld (Suva-act. 36, 61). Streitig ist die 

Berechnung des Taggeldes, namentlich die Höhe des versicherten Verdienstes.

1.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.  

3.

Die Beschwerdegegnerin hat das Taggeld basierend auf dem im Arbeitsvertrag vom __ 

 2018 vereinbarten Monatslohn von Fr. 1'800.-- (Suva-act. 52) und dem in den Monaten 

April bis Juli 2018 ausbezahlten monatlichen Bruttolohn von Fr. 1'800.-- (Suva-act. 49) 

Gemäss Art. 22 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) gilt 

als versicherter Verdienst, vorbehältlich hier nicht zur Diskussion stehender 

Ausnahmetatbestände (Abs. 2 lit. a-d), der nach der Bundesgesetzgebung über die 

AHV massgebende Lohn (Abs. 2). Als Grundlage für die Bemessung der Taggelder gilt 

der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, einschliesslich noch nicht ausbezahlter 

Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht (Art. 15 Abs. 2 Halbsatz 1 UVG 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 3 UVV); er wird auf ein volles Jahr umgerechnet und 

durch 365 geteilt (Art. 25 Abs. 1 UVV, Anhang 2). Art. 15 Abs. 3 UVG räumt dem 

Bundesrat die Befugnis ein, Bestimmungen über den versicherten Verdienst in 

Sonderfällen zu erlassen, wovon dieser für das Taggeld in Art. 23 UVV Gebrauch 

gemacht hat. Übt die versicherte Person keine regelmässige Erwerbstätigkeit aus oder 

unterliegt ihr Lohn starken Schwankungen, so wird, gemäss der in Art. 23 Abs. 3 UVV 

normierten Sonderregel, auf einen angemessenen Durchschnittslohn pro Tag 

abgestellt. Art. 23 Abs. 3 UVV zielt darauf, dort einen Ausgleich zu schaffen, wo eine 

versicherte Person einen Unfall zufälligerweise in einer Tief- oder eventuell gar einer 

Nichtlohnphase im Rahmen der bislang ausgeübten Erwerbstätigkeit erleidet (zum 

Ganzen BGE 128 V 300 ff. E. 2a und b).

2.1. 

Ereignet sich ein Unfall während eines seit längerer Zeit dauernden 

Arbeitsverhältnisses, birgt die Beurteilung, ob der Lohn starken Schwankungen 

gemäss Art. 23 Abs. 3 UVV unterliegt, keine grösseren Probleme. Anzuknüpfen ist an 

die in der Vergangenheit erzielten Entgelte. Diese rückblickende Möglichkeit entfällt, 

wenn - etwa bei erst seit kurzem bestehendem Arbeitsvertrag - im Zeitpunkt des 

Unfalls noch keine Löhne geleistet worden sind. Die kurze Dauer des Arbeitsvertrages 

und der Umstand, dass bis zum Unfallereignis keine Entgelte ausbezahlt wurden, 

schliessen die Anwendung von Art. 23 Abs. 3 UVV indes nicht grundsätzlich aus. Es ist 

Zufall und mit Blick auf den Normzweck (vgl. Erwägung 2.1) unbeachtlich, ob ein Unfall 

in ein mehrjähriges Arbeitsverhältnis fällt oder sich bereits kurz nach Antritt einer neuen 

Stelle ereignet. Es verstösst weiter nicht gegen das Prinzip, wonach die Verhältnisse im 

Zeitpunkt des Unfalls massgebend sind, wenn die Auswirkungen der aktuellen 

Lohnabrede geprüft werden (zum Ganzen BGE 128 V 301 E. 2.b/bb).

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

berechnet. Unbestritten ist, dass im Arbeitsvertrag zusätzlich zum Bruttolohn von Fr. 

1'800.-- eine umsatzabhängige Provision vereinbart worden ist (Suva-act. 52-1, 52-5), 

dem Beschwerdeführer allerdings gemäss Lohnabrechnungen von April bis Juli 2018 

keine Provisionen ausbezahlt worden sind (Suva-act. 49-2 ff.). Der Beschwerdeführer 

ist deshalb der Ansicht, der Taggeldansatz sei in Anlehnung an Art. 349a des 

Obligationenrechts (OR; SR 220) unter Annahme eines branchenüblichen Lohnes zu 

berechnen. Die Beschwerdegegnerin hat den versicherten Verdienst jedoch ausgehend 

von der Grundregel von Art. 15 Abs. 2 UVG und nicht davon abweichend gestützt auf 

die Sonderregelung von Art. 23 Abs. 3 UVV festgesetzt.

4.

Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass mit Blick auf die arbeitsvertragliche 

Verpflichtung der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers zur Bezahlung eines fixen 

Monatslohns und einer fixen monatlichen Spesenentschädigung sowie die 

Verpflichtung des Beschwerdeführers zu einem wöchentlichen Rapport über die 

Tätigkeit und Marktlage unbestrittenermassen keine unregelmässig ausgeübte Tätigkeit 

im Sinne der ersten Tatbestandsvariante von Art. 23 Abs. 3 UVV vorliegt. Daran ändert 

nichts, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitseinsätze selber geplant hat (Suva-act. 

52). Nichts deutet darauf hin, dass mit Bezug auf das fragliche Arbeitsverhältnis das 

Merkmal der Regelmässigkeit nicht erfüllt gewesen wäre. Aufgrund der Akten ergeben 

sich insbesondere keine Hinweise für eine Tätigkeit entsprechend dem Bedarf der 

Arbeitgeberin oder aufgrund der Disponibilität des Beschwerdeführers im Sinne einer in 

zeitlicher Hinsicht variablen, unregelmässigen Aushilfs- oder Gelegenheitsarbeit.

5.  

Streitig ist jedoch, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anwendungsfall von 

Art. 23 Abs. 3 UVV gemäss dem Tatbestand der starken Lohnschwankungen verneint 

hat.

5.1. 

Sowohl das Bundesgericht als auch die Lehre sehen als Beispiel für den 

Sonderfall stark schwankender Löhne gemäss Art. 23 Abs. 3 UVV Handelsvertreter, die 

auf Provisionsbasis bezahlt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Oktober 

2008, 8C_330/2008 E. 2 ff.; RKUV 1997 Nr. 274 S. 185 Erwägung 3b/aa, RKUV 1990 

Nr. U 114 S. 385; BGE 139 V 469 E. 2.5; Riedi Hunold Dorothea, in: Kommentar zum 

schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung 

[UVG], Bern 2018, N 16 zu Art. 15 UVG; BSK UVG-Doris Vollenweider/Andreas 

Brunner, Basel 2019, N 33 zu Art. 15 UVG). Da die Entlöhnung des Beschwerdeführers 

5.1.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

als Verkäufer gemäss Arbeitsvertrag vom __ 2018 (Suva-act. 52) nicht nur auf der Basis 

eines monatlichen Fixlohnes, sondern auch auf Provisionsbasis hätte erfolgen sollen, 

könnte der Tatbestand von Art. 23 Abs. 3 UVV erfüllt sein. Im Folgenden stellt sich 

mithin die Frage, ob im hier zu beurteilenden Fall in sachverhaltlicher Hinsicht 

Umstände vorliegen, welche die Anwendung der fraglichen Sonderregelung und die 

Annahme der Erfüllung des Kriteriums der starken Lohnschwankungen dennoch 

ausschliessen.

Wie bereits erwähnt, geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass bis zum 

Unfall vom 11. August 2018 immer nur der ordentliche Monatslohn von Fr. 1'800.-- 

ausgerichtet und mangels eines provisionsberechtigenden Umsatzes keine Provision 

ausbezahlt worden sei. Angesichts des während vier Monaten erzielten gleichen 

Lohnes liege kein Anwendungsfall von Art. 23. Abs. 3 UVV vor (act. G 3 S. 3 f. Ziff. 4.7 

f.). Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz.

5.1.2. 

Der Beschwerdeführer erklärt in der Replik (act. G 5) einleuchtend, dass die 

Provisionen erst dann ausbezahlt würden, wenn der Auftrag abgeschlossen sei. Die 

Unternehmer, die Gemeinden sowie grössere und kleinere Unternehmen würden 

jedoch nicht immer über ausreichend Liquidität verfügen, um eine Sanierung oder 

grössere Arbeiten im E.___ sofort oder sogar im selben Jahr durchführen zu lassen, 

weil das Jahresbudget meist schon aufgebraucht sei und meistens auch noch die 

Zustimmung der Gemeindeversammlung eingeholt werden müsse. Infolge der 

erforderlichen Budgetierung würden somit erst Monate später oder eben im nächsten 

Jahr Arbeiten ausgeführt. Der dargestellte Ablauf erzeuge grosse Schwankungen in 

Bezug auf die Ausbezahlung von Provisionen. Zu einer Einkommensschwankung bzw. 

zu einer anfänglichen Lohndifferenz gegenüber späteren Lohnaussichten dürfte sicher 

auch der vom Beschwerdeführer genannte Umstand führen, dass er sich während der 

ersten vier Monate bis zum Unfall noch in einer Aufbau- und Einarbeitungsphase 

befunden hat.

5.1.3. 

In die Beurteilung einzubeziehen ist jedoch vor allem auch die konkrete 

arbeitsvertraglich vereinbarte Entlöhnung. Die Beschwerdegegnerin weist zwar 

zutreffend darauf hin, dass Art. 349a OR im vorliegenden 

sozialversicherungsrechtlichen Verfahren keine direkte Anwendung findet, sondern sich 

das Taggeld nach den Bestimmungen des UVG und der UVV berechnet. Fest steht 

jedoch, dass einem Handelsreisenden mit der Gesetzesbestimmung von Art. 349a OR 

ein Verdienst garantiert wird, mit dem er seinen Lebensunterhalt gemäss seinem 

Arbeitseinsatz, seiner Ausbildung, seiner Dienstjahre, seinem Alter und seinen sozialen 

5.1.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.  

Aufgaben auf eine zufriedenstellende Weise finanzieren kann. Aus einem 

Arbeitsvertrag, der keine angemessene verdienstmässige Absicherung widerspiegelt, 

lässt sich damit ableiten, dass dieser entweder gesetzeswidrig ist oder sich die 

Gesetzmässigkeit sachverhaltlich - beispielsweise aufgrund von Lohnschwankungen - 

noch nicht verwirklicht hat. Die im Arbeitsvertrag vom __ 2018 enthaltene 

Lohnvereinbarung - ein festes Gehalt bzw. ein Fixum von Fr. 1'800.-- (Suva-act. 52-1) 

mit einer umsatzabhängigen Provision gemäss der Provisionstabelle (Suva-act. 52-5) - 

deutet nicht auf ein unangemessenes Entgelt hin. Allerdings übersteigt ein festes 

Gehalt von Fr. 1'800.-- - selbst unter Berücksichtigung eines vereinbarten zusätzlichen 

13. Monatslohns - das Existenzminimum des Beschwerdeführers nur knapp (Fr. 

1'773.05; vgl. Suva-act. 54). Deshalb ist davon auszugehen, dass er das 

Arbeitsverhältnis nicht eingegangen wäre, wenn er sich von den Provisionen keinen 

Zusatzverdienst versprochen hätte. Jedenfalls weist nichts darauf hin, dass sich der 

damals __-jährige Beschwerdeführer mit dem Fixum von 1'800.-- begnügt hätte und es 

für ihn nicht von Bedeutung gewesen wäre, wie viel an Provisionen er hätte generieren 

können. Der provisionsabhängige Einkommensanteil hat bei ihm einen 

Nebenbestandteil des Lohnes dargestellt, hinsichtlich dessen erhebliche 

Einkommensschwankungen voraussehbar sind. Diese stellen zwar ein Risiko dar, das 

bewusst in Kauf genommen wird. Doch trägt die Sonderregelung von Art. 23 Abs. 3 

UVV gerade den starken Lohnschwankungen im Rahmen der Taggeldbemessung 

Rechnung und zielt, wie bereits erwähnt, darauf ab, dort einen Ausgleich zu schaffen, 

wo eine versicherte Person einen Unfall zufälligerweise in einer Tief- oder eventuell gar 

einer Nichtlohnphase im Rahmen der bislang ausgeübten Erwerbstätigkeit erleidet. 

Damit wird nichts am Prinzip geändert, wonach die bis zum Unfall geltenden 

Verhältnisse massgebend sind. Das Kriterium der starken Lohnschwankungen ist 

erfüllt, wenn es im Arbeitsverhältnis auftritt, in welchem die versicherte Person im 

Unfallzeitpunkt gestanden hat (BGE 128 V 300 E. 2b/aa; RKUV 1997 Nr. U 274 S. 181 

ff. E. 3 mit Hinweisen).

Zusammenfassend ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer von starken 

Lohnschwankungen im Sinne von Art. 23 Abs. 3 UVV auszugehen ist, weshalb bei der 

Bemessung des versicherten Verdienstes für die Taggelder in Anwendung von Art. 23 

Abs. 3 UVV auf einen angemessenen Durchschnittslohn pro Tag abzustellen ist. Als 

Bezugsgrösse könnten sich allenfalls Löhne von im gleichen Betrieb und in gleicher 

Weise tätigen Arbeitskollegen sowie die in der Branche üblicherweise bezahlten 

Entgelte anbieten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2008, 8C_330/2008, 

E. 4.4).

5.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des 

angefochtenen Einspracheentscheids vom 27. März 2019 gutzuheissen und die 

Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie das Taggeld des 

Beschwerdeführers in Sinne der Erwägungen neu berechne und darüber verfüge. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Eine Parteientschädigung 

fällt ausser Betracht, nachdem der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist und 

keine besonderen Aufwendungen geltend gemacht hat.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 27. März 2019 

aufgehoben und die Streitsache zur Neuberechnung des Taggelds im Sinne der 

Erwägungen und anschliessend neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.

Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 14.07.2020
	Art. 23 Abs. 3 UVV: Bejahung des Tatbestandes der starken Lohnschwankungen in Bezug auf einen Beschwerdeführer, dessen Entlöhnung als Verkäufer gemäss Arbeitsvertrag grundsätzlich auf der Basis eines monatlichen Fixlohnes, aber auch auf Provisionsbasis hätte erfolgen sollen. Dies obwohl dem Beschwerdeführer während der Dauer von vier Monaten bis zum Unfall keine Provisionen ausbezahlt worden waren. Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 349a OR in Bezug auf die Bemessung des versicherten Verdienstes (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St Gallen vom 14. Juli 2020, UV 2019/32).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T03:41:12+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen