# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f74617ff-abd4-5408-9bd3-d008367b2785
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-02
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 02.05.2022 SB210496
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210496_2022-05-02.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210496-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, die Ersatzoberrichterinnen 

lic. iur. C. Brenn und lic. iur. M. Sigrist-Tanner sowie die  

Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle 

 

Urteil vom 2. Mai 2022 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X1._____ 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. A. Knauss,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend mehrfache versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung,  
vom 8. Juli 2021 (DG210008) 
 
 
 
 
 
 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 19. Januar 

2021 (act. D1/21) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 60 S. 94 ff.) 

"Es wird beschlossen: 

1. Das Verfahren betreffend Betäubungsmittelkonsum vor dem 8. Juli 2018 wird ein-

gestellt. 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Erkenntnis. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Abs. 4 SVG, 

− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

− des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von 

Art. 292 StGB, 

− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, 

− des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 

Abs. 1 lit. b und c BetmG sowie 

− der mehrfachen Übertretung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 270 Tage durch 

Haft erstanden sind und einer Busse von Fr. 500.–.  

3. Die Busse ist zu bezahlen. 

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4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-

Sihl vom 2. August 2017 ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 20.– 

und der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. November 

2017 ausgefällten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen. 

6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 61 StGB in eine Einrichtung für junge 

Erwachsene eingewiesen. 

Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte im vorzeitigen Massnahmenvollzug 

im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) befindet. 

7. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes verwie-

sen. 

8. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird 

angeordnet.  

9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 

beschlagnahmten Betäubungsmittel und Betäubungsmittel-utensilien (Lagernum-

mer S02212-2018 und S01391-2019) werden eingezogen und der Lagerbehörde 

zur Vernichtung überlassen. 

10. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 5. Januar 2021 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und der 

Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen: 

− 1 leeres Zigarettenpäckchen Marlboro (A013’178'671), 
− 1 CH Taschenmesser rot (A013'210'510). 

11. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 5. Januar 2021 beschlagnahmten Gegenstände werden bei den Akten belas-

sen: 

− 1 Freecom HD mit Videodaten VBZ (A013’289'764), 
− 2 Daten-CD mit Videoaufnahmen PP Rathaus (A013'534'015).  

12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 

beschlagnahmten Gegenstände (Polis-Geschäftsnr. 73086370), Oberbekleidung 

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des Beschuldigten (A011'620'534 und A011'620'556) werden dem Beschuldigten 

innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben, 

beziehungsweise nach Ablauf dieser Frist der Lagerbehörde zur Vernichtung über-

lassen. 

13. Die nachfolgenden, einzig als Beweismittel sichergestellten Gegenstände Herren-

jacke (A013'179'185), Herrenhose (A013'179'196), werden dem Privatkläger 

B._____ innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben. 

14. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden sämtliche unter der 

Referenz-Nr. K191101-011 bzw. der Geschäftsnr. 76671313, unter der Referenz-

Nr. K200830-010 bzw. der Geschäftsnr. 78592446, unter der Referenz-Nr. 

K200707-021 bzw. der Geschäftsnr. 78198364 und unter der Referenz-Nr. 

K180629-004 bzw. der Geschäftsnr. 73086370 sichergestellten Asservate, Spuren 

und Spurenträger eingezogen und vernichtet. 

15. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 

beschlagnahmten Fr. 870.– zur Deckung der Busse und Verfahrenskosten verwen-

det. 

16. Der Privatkläger C._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

17. Die Privatklägerin D._____ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

18. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger E._____ 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der 

Privatkläger E._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.  

19. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._____ Fr. 2'500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 30. August 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

20. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger E._____ Fr. 1'500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 1. November 2019 als Genugtuung zu bezahlen.  

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21. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin F._____ Fr. 500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 14. September 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird 

das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

22. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._____ wird abgewiesen. 

23. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter des Privat-

klägers E._____ mit Fr. 5'080.05 (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

24. Rechtsanwalt lic. iur. Z._____ wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter der Privatklä-

gerin F._____ mit Fr. 2'078.35 (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

25. Rechtsanwältin MLaw X2._____ wird für die amtliche Verteidigung des Beschuldig-

ten mit Fr. 15'395.– (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

26. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 6'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'000.00   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 29'953.60   Auslagen (Gutachten/Expertisen) 

Fr. 610.00   Auslagen 

Fr. 3'490.00   Telefonkontrolle 

Fr. 2'520.00   Auslagen Polizei 

Fr.  100.00   Entschädigung Zeuge 

Fr.  15'570.85   Entschädigung amtliche Verteidigung (Vorverfahren) 

Fr. 6'166.70   Entschädigung amtliche Verteidigung (Verfügung 22.02.21) 

Fr. 15'395.00   amtliche Verteidigung  

Fr. 5'080.05   unentgeltlicher Rechtsvertreter Privatkläger E._____ 

Fr. 2'078.35   unentgeltlicher Rechtsvertreter Privatklägerin F._____ 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.  

27. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretungen der 

Privatklägerin F._____ und E._____, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

28. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertreter 

der Privatklägerin F._____ und E._____ werden auf die Gerichtskasse genommen; 

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vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO beim Be-

schuldigten. 

29. (Mitteilungen) 

30. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 4 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 81) 

1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten schweren Körperver-

letzung in Bezug auf den Sachverhalt des Dossiers 1 im Urteil des Bezirks-

gerichts Zürich vom 8. Juli 2021 freizusprechen. Das Urteil sei in Dispositiv 

Ziffer 1 entsprechend anzupassen. 

2. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf des Raubes in Bezug auf den Sach-

verhalt des Dossiers 1 im Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 8. Juli 2021 

freizusprechen. Das Urteil sei in Dispositiv Ziffer 1 entsprechend anzupas-

sen. 

3. Es sei unter Berücksichtigung der Anpassung der Dispositiv Ziffer 1 eine 

neue Einsatz- und Gesamtstrafe festzulegen. Das Urteil sei in Dispositiv Zif-

fer 2 entsprechend anzupassen.  

4. Es sei die gegen den Beschuldigten im Urteil des Bezirksgerichts Zürich 

vom 8. Juli 2021 angeordnete 5-jährige Landesverweisung aufzuheben. Das 

Urteil sei in Dispositiv Ziffer 7 entsprechend anzupassen. 

5. Es sei die im Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 8. Juli 2021 angeordnete 

Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem 

aufzuheben. Das Urteil sei in Dispositiv Ziffer 8 entsprechend anzupassen. 

6. Es seien die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens 

nach Massgabe der im erstinstanzlichen Verfahren zur Verurteilung oder 

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zum Freispruch geführten Anklagepunkte und der durch die Berufung er-

reichten Freisprüche und Abänderungen des Urteils anteilsmässig dem Be-

schuldigten und dem Staat aufzuerlegen. 

7. Alles unter vollumfänglichen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 

7.7% MWST) zu Lasten der Staatskasse. Dem amtlichen Verteidiger seien 

seine Kosten gemäss der am 22. April 2022 eingereichten und heute er-

gänzten Honorarkostennote in Höhe von insgesamt CHF 15'071.20 vollum-

fänglich zu vergüten. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich, Urk. 68) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Des Vertreters des Privatklägers E._____: 

(schriftlich, Urk. 79) 

 Es sei das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf sämtliche, den Privatkläger 

E._____ betreffenden Dispositivziffern, namentlich die Ziffern 1, 18 und 20, 

zu bestätigen. 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Berufungsumfang 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 8. Juli 2021 wurde den Partei-

en gleichentags mündlich eröffnet (Prot. I S. 45 ff.). Der Beschuldigte meldete mit 

Schreiben vom 16. Juli 2021 innert Frist Berufung an (Urk. 48). 

1.2. Mit Verfügung vom 10. September 2021 wurde das Mandat der bisherigen 

amtlichen Verteidigerin beendet und Rechtsanwalt MLaw X1._____ als neuer 

amtlicher Verteidiger bestellt (Urk. 58 = Urk. 65/3). Nach Zustellung des begrün-

deten Urteils (Urk. 60) reichte der Beschuldigte mit Schreiben vom 30. September 

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2021 fristgerecht die Berufungserklärung ein; gleichzeitig stellte er den Beweis-

antrag, die Mutter des Beschuldigten sei im Zusammenhang mit der Landesver-

weisung als Zeugin einzuvernehmen (Urk. 63). Mit Präsidialverfügung vom 

5. Oktober 2021 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 

und 3 StPO und Art. 401 StPO den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft zu-

gestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten 

auf die Berufung zu beantragen und um zum Beweisantrag des Beschuldigten 

Stellung zu nehmen (Urk. 66). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben 

vom 6. Oktober 2021 auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des 

vorinstanzlichen Urteils; weiter beantragte sie sinngemäss die Abweisung des 

gestellten Beweisantrages (Urk. 68). Die Privatkläger liessen sich nicht verlauten. 

Mit Präsidialverfügung vom 2. November 2021 wies die Verfahrensleitung den 

Beweisantrag des Beschuldigen ab (Urk. 70). 

1.3. Am 28. Januar 2022 wurden die Parteien zur heutigen Berufungsverhand-

lung vorgeladen (Urk. 72). Zur Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte 

in Begleitung seines amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 5). Der unentgeltliche 

Rechtsvertreter des Privatklägers E._____ reichte seine Plädoyernotizen inklusive 

der Honorarnote (Urk. 79) bereits im Vorfeld schriftlich ein.  

1.4. Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung und wurde 

dem Beschuldigten mündlich eröffnet, erläutert und im Dispositiv übergeben 

(Prot. II S. 8 ff.).  

2. Umfang der Berufung 

2.1. Der Beschuldigte ficht von den zahlreichen erstinstanzlichen Schuld-

sprüchen lediglich die Schuldsprüche betreffend versuchte schwere Körperver-

letzung sowie Raub gemäss Dossier 1 an (Dispositivziffer 1 Spiegelstrich 1 und 2) 

und verlangt diesbezüglich einen Freispruch. Entsprechend beantragt er die 

Neubeurteilung des Strafpunktes im Sinne einer Neufestsetzung der Einsatzstrafe 

und Gesamtstrafe unter Berücksichtigung dieser Freisprüche (Dispositivziffer 2). 

Weiter wendet sich der Beschuldigte gegen die angeordnete Landesverweisung 

(Dispositivziffer 7) sowie deren Ausschreibung im Schengener Informationssys-

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tem (Dispositivziffer 8). Weiter ficht der Beschuldigte die vollumfängliche Kosten-

auflage (Dispositivziffer 27) an (Urk. 81 S. 2 f.). 

2.2. Unangefochten blieben der vorinstanzliche Beschluss betreffend Einstel-

lung des Verfahrens mit Bezug auf Betäubungsmittelkonsum vor dem 8. Juli 2018 

sowie die Schuldsprüche betreffend versuchte schwere Körperverletzung gemäss 

Dossier 6 (Dispositivziffer 1 erster Spiegelstrich), einfacher Körperverletzung, 

Entwendung [eines Fahrzeuges] zum Gebrauch, Diebstahl, mehrfachen Ungehor-

sam gegen amtliche Verfügungen, Nötigung, Vergehen gegen das 

Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelge-

setzes (Dispositivziffer 1 Spiegelstriche 3-9). Nicht angefochten wurde die auf-

grund der Übertretungen festgesetzte Busse, deren Vollzug und die Festsetzung 

der Ersatzfreiheitsstrafe (Dispositivziffer 2 mit Bezug auf die Busse sowie Disposi-

tivziffern 3 und 4), weiter der Widerruf des bedingten Vollzugs der beiden Vorstra-

fen vom 2. August 2017 bzw. vom 27. November 2017 (Dispositivziffer 5), die 

Einweisung des Beschuldigten in eine Einrichtung für junge Erwachsene (Disposi-

tivziffer 6), die Entscheide betreffend die beschlagnahmten Betäubungsmittel, di-

versen Gegenstände sowie Barschaft (Dispositivziffern 9-15), die Entscheide be-

treffend die Zivilansprüche der Privatkläger (Dispositivziffern 16-22), die Festset-

zung der Entschädigungen für die unentgeltlichen Rechtsvertreter der Privatkläger 

5 und 6 (Dispositivziffern 23 und 24), die Entschädigung der vormaligen amtlichen 

Verteidigerin (Dispositivziffer 25 sowie die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 26) 

und die Übernahme der Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltli-

chen Rechtsvertreter der Privatkläger 5 und 6 auf die Gerichtskasse unter Vorbe-

halt des Nachforderungsrechts gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Dispositivziffer 28) 

(Prot. II S. 7). In diesem Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft 

erwachsen, was vorab festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit 

Art. 437 StPO). 

2.3. Im übrigen Umfang ist der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung 

des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zu überprüfen. 

Diesbezüglich ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

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des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen). 

Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken. 

II. Sachverhalt 

1. Ausgangslage 

1.1. Dem Beschuldigten wird in Dossier 1 zusammengefasst vorgeworfen, am 

1. November 2019 den Privatkläger E._____ im Tram … mit einem offenen 

Taschenmesser mit einer Klingenlänge von ca. 9 cm bedroht zu haben. Danach 

habe er sich neben den Privatkläger E._____ gesetzt und mit dem offenen 

Taschenmesser mit einer Ausholbewegung gegen den Unterleib des Privatklä-

gers gestochen, wobei Letzterer dem Stich seitwärts nach rechts ausgewichen 

sei. Daraufhin habe der ebenfalls aufstehende Beschuldigte erneut gegen den 

Unterleib des Privatklägers E._____ gestochen, wobei Letzterer den Stich mit 

seiner einen Hand abgefangen habe, indem er das Handgelenk der Hand des 

Beschuldigten gepackt und fixiert habe. Der Beschuldigte habe den Privatkläger 

E._____ zudem während der ganzen Zeit mehrmals mit der rechten Faust ins 

Gesicht geschlagen. Nach den Stichen und Faustschlägen habe der Beschuldig-

ten den Privatkläger E._____ und dem auf der anderen Tramseite auf Höhe des 

Beschuldigten sitzenden Privatkläger B._____ befohlen, ihm alle ihre Sachen 

auszuhändigen. Daraufhin habe der Privatkläger E._____ ihm sein Mobiltelefon 

Samsung Galaxy A20 (ca. CHF 400.–) und seine Bauchtasche der Marke "Kap-

pa" (ca. 50.–) sowie der Privatkläger B._____ ihm sein Portemonnaie (CHF 20.–, 

mit Bargeld von CHF 20.–) gegeben. Schliesslich habe der Beschuldigte von 

oben herab mit dem Taschenmesser gegen den ebenfalls stehenden Privatkläger 

E._____ gestochen, wobei Letzterer zur Abwehr dieses Stiches seine rechte 

Hand gehoben habe, sodass er eine Stich-/Schnittverletzung am rechten Handrü-

cken erlitten habe. Für die genauen Einzelheiten der Vorwürfe kann auf die ange-

fügte Anklageschrift vom 19. Januar 2021 verwiesen werden (Urk. D1/21).  

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1.2. Der Beschuldigte bestritt nicht, zur inkriminierten Zeit ins Tram Nr. … ge-

stiegen zu sein und sich zwischen der Haltestelle G._____ und H._____ rechts 

neben den Privatkläger E._____ gesetzt zu haben. Weiter anerkannte der Be-

schuldigte, ein rotes Schweizer Sackmesser in der Hand gehalten zu haben, dies 

zu seinem eigenen Schutz. Bestritten wurde jedoch vom Beschuldigten, dass er – 

wie im Anklagesachverhalt beschrieben – versucht habe, auf den Privatkläger 

E._____ einzustechen; er habe diesen nur bedrohen, nicht aber verletzen wollen, 

wobei er zur Verdeutlichung der Drohung mehrfach in die Rückenlehne der vorde-

ren Sitzbank gestochen habe. Mit Bezug auf das Taschenmesser bestritt der Be-

schuldigte die Klingenlänge von ca. 9 cm. Der Privatkläger E._____ habe sich am 

wieder geöffneten Taschenmesser an der Hand verletzt, als er sich habe befreien 

wollen. Weiter bestritt der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Faustschläge ins 

Gesicht des Privatklägers E._____. Mit Bezug auf den ihm vorgeworfenen Raub 

anerkannte der Beschuldigte, dass er das Mobiltelefon und das Portemonnaie des 

Privatklägers E._____ sowie das Portemonnaie des Privatklägers B._____ an 

sich genommen habe. Er verneinte jedoch, dass diese ihm die Gegenstände un-

ter Zwang bzw. unter Anwendung von Gewalt übergeben hätten. Eine unrecht-

mässige Bereicherungsabsicht habe zudem nie vorgelegen (vgl. Urk. D1/2/1 F/A 

5 ff., Urk. D1/2/3 F/A 41 ff. und F/A 67 ff., Urk. D1/2/4 F/A 3, Urk. Prot. I S. 28 f., 

Urk. 81 S. 5 f. und S. 15). In der Folge ist zu prüfen, ob der in der Anklageschrift 

umschriebene Sachverhalt mit den vorhandenen Beweismitteln rechtsgenügend 

erstellt werden kann. Was der Beschuldigte mit seinen Handlungen beabsichtigte 

oder in Kauf nahm, gehört zum subjektiven Tatbestand. Um Wiederholungen zu 

vermeiden, ist darauf bei der rechtlichen Würdigung näher einzugehen, nicht be-

reits bei der Sachverhaltserstellung. 

2. Allgemeines zur Sachverhaltserstellung und Würdigung von Beweismitteln 

2.1.1. Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es 

nach seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten 

geschöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Eine 

strafrechtliche Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten 

mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger 

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Zweifel darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift 

vorgeworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das 

Gericht eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vor-

liegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, 

das Gericht aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrakte 

theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und 

absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn 

vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden 

können. Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu 

begründen. Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen 

weder von der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tat-

sachen zu überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende 

Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche und 

nicht zu unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven Sach-

lage aufdrängen), so muss es den Beschuldigten freisprechen.  

2.1.2. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist anhand 

sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, welche 

Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt 

der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben 

erfolgen. Es darf aber nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die allgemeine 

Glaubwürdigkeit des Aussagenden abgestellt werden, sondern auf die Glaubhaf-

tigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer Analyse 

bzw. kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von 

sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (BENDER, Die 

häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81, S. 53 ff.). 

Für die Glaubhaftigkeit einer Darstellung spricht insbesondere die Fülle von 

lebendigen, sachlich richtigen und psychologisch stimmigen Details, die nicht 

bloss auf das Beweisthema zielgerichtet sind (sog. Detailkriterium). Ferner spricht 

auch der Umstand, dass die Details der Schilderung sich schlussendlich zu einem 

stimmigen Ganzen zusammenfügen, für die Glaubhaftigkeit einer Darstellung 

(sog. Homogenitätskriterium; vgl. BENDER, a.a.O., S. 56). 

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2.2. Bei der Würdigung von Aussagen in erster Linie nicht die allgemeine 

Glaubwürdigkeit der Person massgebend ist, sondern die Glaubhaftigkeit der im 

Prozess relevanten Aussagen mit Bezug auf den konkret zu beurteilenden Vorfall 

(BGE 133 I 33 E. 4.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_938/2014 vom 18. Februar 

2015 E. 2.3.; 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Dabei 

geht es um die Beurteilung, ob auf ein bestimmtes Geschehen bezogene Anga-

ben zutreffen, d.h. einem tatsächlichen Erleben der aussagenden Personen 

entsprechen. Entscheidend ist letztlich die Glaubhaftigkeit der Aussage zum Tat-

hergang bzw. die Überzeugung des Gerichts betreffend deren Wahrheitsgehalt 

(Urteil des Bundesgerichtes 6B_382/2019 vom 8. August 2019 E. 1.1 mit Hin-

weisen). 

3. Vorhandene Beweismittel 

Mit Bezug auf den Sachverhalt gemäss Dossier 1 liegen die Aussagen des 

Beschuldigten anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 12. November 2019 

(Urk. D1/2/1), seiner polizeilichen Einvernahme vom 11. Dezember 2019 

(Urk. D1/2/3), seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen vom 19. Februar 

2020 bzw. 20. Februar 2020 (Urk. D1/2/4+5) sowie seiner Schlusseinvernahme 

vom 30. November 2020 (Urk. D1/2/6) bei den Akten. Zudem machte der Be-

schuldigte Aussagen anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (Prot. I 

S. 28 ff.) sowie anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung (Urk. 80 S. 7 f.). 

Als weitere Beweismittel liegen die Aussagen des Privatklägers E._____ vom 1. 

November 2019 und vom 4. November 2019 gegenüber der Polizei (Urk. 

D1/5/1+2) vor sowie seine staatsanwaltschaftliche Einvernahme als Auskunfts-

person vom 19. Februar 2020 (Urk. D1/5/3). Ebenso liegen die Aussagen des Pri-

vatklägers B._____ vom 1. November 2019 und vom 4. November 2019 gegen-

über der Polizei (Urk. D1/5/4+5) sowie gegenüber der Staatsanwaltschaft vom 19. 

Februar 2020 (Urk. D1/5/6) bei den Akten. Als weitere Beweismittel liegen drei 

Fotodokumentationen (Urk. D1/1/8, Urk. D1/1/10-11) bei den Akten, weiter mit 

Bezug auf den Privatkläger E._____ der ärztliche Befund des Universitätsspitals 

Zürich vom 12. Dezember 2019 (Urk. D1/7/3), das Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 7. August 2020 (Urk. D1/7/4) sowie die 

- 14 - 

Dokumentation der Schnittverletzung an der Hand (Urk. 42/1). Mit Bezug auf den 

Privatkläger B._____ liegen der ärztliche Befund des Universitätsspitals Zürich 

vom 16. Dezember 2019 (Urk. D1/7/7) und das Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 11. August 2020 (Urk. D1/7/8) vor. 

Überdies wurde am 19. Februar 2020 vom Institut für Rechtsmedizin der Universi-

tät Zürich ein Gutachten über sichergestellte Spurenasservate erstattet (Urk. 

D1/9/8). 

4. Würdigung der Beweismittel 

4.1. Klingenlänge des Sackmessers 

4.1.1. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, ein offenes "Taschenmes-

ser mit einer ca. 9 cm langen Klinge" gegen den Privatkläger E._____ eingesetzt 

zu haben. Die Tatwaffe wurde unbestrittenermassen nicht gefunden und sicher-

gestellt; der Beschuldigte führte diesbezüglich aus, er habe das Messer in dersel-

ben Nacht am G._____ in den See geworfen (Urk. D1/2/1 F/A 6 ff., Urk. D1/2/3 

F/A 75 f.). Der Beschuldigte führte anlässlich seiner Hafteinvernahme zur Klingen-

länge Folgendes aus: "Die Klinge war nicht so lang, es war ein normales Schwei-

zer Taschenmesser." (Urk. D1/2/1 F/A 3 a.E.). Anlässlich seiner Einvernahme 

vom 11. Dezember 2019 sagte er dazu aus, es sei ein rotes Schweizer Sackmes-

ser gewesen mit einer Klingenlänge von ca. 6 cm (Urk. D1/2/3 F/A 74). 

4.1.2. Auch der Privatkläger E._____ führte zum Messer aus, es habe sich um ein 

rotes Schweizer Taschenmesser gehandelt mit einer Klingenlänge von geschätzt 

9 cm (Urk. D1/5/1 F/A 63, Urk. D1/5/2 F/A 11) bzw. um ein "normales Taschen-

messer" (Urk. D1/5/3 F/A 22). Der Privatkläger B._____, welcher den Angriff mit 

dem Messer auf den Privatkläger E._____ beobachten konnte, beschrieb das 

verwendete Messer unmittelbar nach dem Vorfall ebenfalls als "normales Mes-

ser", ein "rotes Schweizer Sackmesser", wobei die Klinge ca. 10 cm lang gewe-

sen sei (Urk. D1/5/4 F/A 49 f.). Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme sprach der Privatkläger B._____ ebenfalls von einem "Schweizer Ta-

schenmesser" (Urk. D1/5/6 F/A 10). 

- 15 - 

4.1.3. Alle Beteiligten haben somit ausgeführt, dass das vom Beschuldigten ver-

wendete Messer ein "normales" Schweizer Taschenmesser gewesen sei. Ge-

mäss der Homepage von Victorinox gibt es das Schweizer Taschenmesser in drei 

verschiedenen Grössen: Die kleinste Version ist lediglich 5.8 cm lang, das kleins-

te Sackmesser von Wenger hat eine Länge von 6.5 cm. Die mittlere Grösse des 

Victorinox-Taschenmessers ist zwischen 8.4 cm bis 9.1 cm lang. Die grössten 

Taschenmesser haben eine Länge von 11.1 cm (vgl. zum Ganzen: 

https://www.victorinox.com/de/de/Produkte/Schweizer-

Taschenmesser/c/SAK?ScrollPosition=0& maxResults=30). Wenn alle Beteiligten 

von einem "normalen" Taschenmesser ausgehen, erscheint offensichtlich, dass 

damit nicht ein kleines Messer von 5.8-6.5 cm gemeint sein kann. Diese Ta-

schenmesser sind augenfällig kleiner als ein Taschenmesser, welches man als 

"normal" bezeichnen würde, gerade auch in der Hand eines jungen Mannes. Al-

lerdings kann auch nicht nachgewiesen werden, dass es sich um ein grosses Ta-

schenmesser mit einer Grifflänge von 11.1 cm gehandelt hat. Es verbleibt somit 

die mittlere, eben "normale" Grösse mit einer Grifflänge von 8.4-9.1 cm und einer 

Klingenlänge von 6.8 cm (vgl. dazu Urk. 81 Beilage). Die Anklageschrift nennt die 

Klingenlänge des Messers nicht mit einer genauen Angabe, sondern spricht von 

"ca. 9 cm". Diese ungefähre Angabe stützt sich auf die Aussagen der Beteiligten, 

zumal auch der Beschuldigte von einem "normalen Taschenmesser" sprach und 

lediglich seine Schätzung der Klingenlänge nach unten abwich. Schätzungen di-

vergieren jedoch naturgemäss, weshalb vielmehr auf die Beschreibung eines 

"normalen" Taschenmessers abzustellen ist, womit von einer mittleren Grösse 

und einer Klingenlänge von ca. 7 cm auszugehen ist. Mit der Vorinstanz ist somit 

davon auszugehen, dass dieses Sachverhaltselement erstellt ist. 

4.2. Stichbewegungen gegen den Privatkläger E._____ 

4.2.1. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten drei Stichbewegungen mit dem 

offenen Taschenmesser gegen den Privatkläger E._____ vor: Der Beschuldigte 

habe sich im Tram rechts neben den Privatkläger E._____ gesetzt, habe sich 

stark zu ihm abgedreht und habe ein erstes Mal mit einer Ausholbewegung gegen 

den Unterleib des Privatklägers E._____ gestochen, wobei dieser dem Stich seit-

- 16 - 

wärts nach rechts oben habe ausweichen können und dem Beschuldigten zuge-

wandt stehen geblieben sei. Anschliessend habe der inzwischen ebenfalls aufste-

hende Beschuldigte ein zweites Mal gegen den Unterleib des Privatklägers 

E._____ gestochen, wobei dieser den Stich mit seiner Hand habe abfangen kön-

nen, indem der das Handgelenk des Beschuldigten gepackt und fixiert habe. Spä-

ter habe der stehende Beschuldigte von oben herab mit dem Taschenmesser er-

neut gegen den ebenfalls stehenden Privatkläger E._____ gestochen, wobei die-

ser zur Abwehr des Stiches seine rechte Hand erhoben habe, so dass der Be-

schuldigte ihm mit seinem Taschenmesser eine Stich-/Schnittverletzung am rech-

ten Handrücken zugeführt habe. 

4.2.2. Der Beschuldigte stellte sich während der Untersuchung grundsätzlich auf 

den Standpunkt, er habe keine Stichbewegungen gegen den Privatkläger 

E._____ ausgeführt. Vielmehr habe er auf die Tramsitze eingestochen. Dabei ha-

be er sich gar selber am Finger verletzt, weil dabei die Klinge des Taschenmes-

sers zugeklappt sei. Die Verletzung am Handrücken des Privatklägers E._____ 

sei entstanden, weil dieser ihm eine "Backpfeife" habe geben wollen bzw. mit sei-

nen Händen herumgefuchtelt habe (Urk. D1/2/1 F/A 11 und 16 ff.; Urk. D1/2/3 F/A 

48-66; Urk. D1/2/4 F/A 3). Vor Vorinstanz und anlässlich der heutigen Befragung 

machte er dazu keine weiteren Angaben (Urk. 80 S. 7 f.).  

4.2.3. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten sowie der Privatkläger 

E._____ und B._____ ausführlich zusammengefasst wiedergegeben und zutref-

fend gewürdigt. Darauf kann, um Wiederholungen zu vermeiden, verwiesen wer-

den (Urk. 60 S. 14-20). Unter Einbezug der Würdigung der objektiven Beweismit-

tel (Fotodokumentationen, Gutachten) kam die Vorinstanz zum Schluss, der ein-

geklagte Sachverhalt sei erstellt (Urk. 60 S. 20-21). Diese Einschätzung ist zu tei-

len. Die folgenden Erwägungen sind lediglich wiederholender oder ergänzender 

Natur. 

4.2.4. Die Verteidigung des Beschuldigten erachtete die Aussagen des Privatklä-

gers E._____ als wenig glaubhaft, da dieser behauptet habe, der Beschuldigte 

habe das Taschenmesser in seiner linken Hand gehalten (Urk. D1/5/1 F/A 10; 

Urk. D1/5/3 F/A 19 f.). Auf Frage der Staatsanwaltschaft, wie der Beschuldigte 

- 17 - 

denn zum Stich ausgeholt habe, habe er jedoch mit seinem rechten Arm die an-

gebliche Bewegung vorgezeigt. Der Beschuldigte sei zudem Rechtshänder (Urk. 

D1/2/3 F/A 50 und 110). Weiter weise der Beschuldigte am rechten Zeigefinger 

eine Narbe auf, welche entstanden sei, als das Taschenmesser ungewollt zuge-

klappt sei. Auch dies sei ein Beweis, dass der Beschuldigte das Taschenmesser 

entgegen den Aussagen des Privatklägers E._____ in der rechten Hand gehalten 

habe (Urk. 44 S. 5, Urk. 81 S. 7 ff.). 

Zunächst ist dazu festzuhalten, dass die Anklageschrift offenlässt, ob der Be-

schuldigte mit der linken oder rechten Hand zugestochen hat. Insoweit ist der 

Sachverhalt nicht zu erstellen. Soweit der Beschuldigte aus dieser Differenz je-

doch ableitet, dass die Aussagen des Privatklägers E._____ nicht glaubhaft seien, 

ist ihm nicht zu folgen. Insbesondere ist aus der Tatsache, dass der Privatkläger 

E._____ von der linken Hand sprach, die Ausholbewegung jedoch mit seinem 

rechten Arm vorzeigte, nicht auf einen Widerspruch zu schliessen. Die Frage des 

Staatsanwaltes zielte nämlich nicht darauf ab, dass der Privatkläger E._____ vor-

zeigen sollte, mit welcher Hand der Beschuldigte zugestochen habe, sondern auf 

die Art, wie er zur Stichbewegung ausgeholt hat. Dies kann jedoch sowohl mit 

dem rechten als auch mit dem linken Arm gezeigt werden, losgelöst vom Arm, 

welchen der Beschuldigte tatsächlich benützt hat. Es ist überdies entgegen der 

Auffassung der Verteidigung auch möglich, mit der linken Hand seitlich zu ste-

chen. Selbst wenn der Beschuldigte das Taschenmesser tatsächlich in seiner 

rechten Hand gehalten haben sollte, worauf die Narbe am rechten Zeigfinger hin-

deutet, müssten die Aussagen des Beschuldigten dennoch nicht als dermassen 

widersprüchlich eingestuft werden, dass sie insgesamt als unglaubhaft erscheinen 

würden. Im Kern sind die Aussagen des Privatklägers E._____ nicht widersprüch-

lich und zurückhaltend. Es sind keine Übertreibungen oder Aggravierungen er-

sichtlich. Er schilderte nachvollziehbar die unterschiedliche Heftigkeit der ersten 

beiden Stichbewegungen und gibt bei der letzten Einvernahme auch Erinnerungs-

lücken zu. Es sind keine Anzeichen ersichtlich, dass der Privatkläger E._____ den 

Beschuldigten absichtlich belasten wollte. Mit den Aussagen des Beschuldigten 

konfrontiert, bestätigte er auch, dass dieser sich in den Finger geschnitten habe. 

- 18 - 

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten konstant und im Kern ohne Wi-

dersprüche. 

4.2.5. Weiter machte die Verteidigung geltend, der Privatkläger B._____ habe von 

seinem Sitzplatz im Tram den behaupteten Angriff mit dem Taschenmesser gar 

nicht sehen können, da sich der Beschuldigte mit dem Rücken zu ihm befunden 

habe. Die den Beschuldigten belastende Aussage des Privatklägers B._____, der 

Beschuldigte habe mit dem Messer eine Stichbewegung in Richtung Bauch des 

Privatklägers E._____ gemacht und er glaube gesehen zu haben, dass dieser 

erste Stich in den Sitz hineingegangen sei, habe deshalb keinen Beweiswert 

(Urk. 44 S. 5 f.). Zwar ist richtig, dass sich der Privatkläger B._____ auf dem Ein-

zelsitzplatz auf gleicher Höhe wie der Beschuldigte und der Privatkläger E._____ 

befunden hat und dass sich der Beschuldigte zum Privatkläger E._____ hin abge-

dreht hatte, dem Privatkläger B._____ somit grundsätzlich den Rücken zukehrte. 

Trotz dieser Position ist es aber ohne weiteres möglich, aufgrund der Körperhal-

tung und der Bewegungen zu beobachten und zu erfassen, welche Bewegungen 

der Beschuldigte mit dem Arm bzw. der Hand wohin machte. Der Privatkläger 

B._____ hat detailreich und präzis geschildert, was er gesehen und wahrgenom-

men hat. Wenn er sich nicht sicher war, brachte er dies zum Ausdruck und sagte 

zurückhaltend aus (z.B. in welcher Hand der Beschuldigte das Messer gehalten 

hat). Der Einwand der Verteidigung überzeugt nicht. 

4.2.6. Weiter will die Verteidigung des Beschuldigte darin einen Widerspruch erb-

licken, dass der Privatkläger E._____ in seiner ersten Befragung im Universitäts-

spital Zürich durch die Polizei angegeben habe, der Beschuldigte habe die drei 

Stichbewegungen gegen den Oberkörper ausgeführt; erst später habe er von 

Stichbewegungen gegen den Bauch gesprochen (Urk. 44 S. 6). Dazu ist festzu-

halten, dass es sich bei der in Urk. D1/1/1 S. 9 festgehaltenen Aussage des Be-

schuldigten lediglich um die zusammenfassende Darstellung der rapportierenden 

Polizistin handelt. Zudem ist es keineswegs so, dass damals der Privatkläger 

E._____ lediglich von seinem Oberkörper gesprochen hat. Liest man nämlich wei-

ter, hat der Privatkläger E._____ offenbar ausgeführt, dass wenn er die erste, 

- 19 - 

massive Stichbewegung nicht abgewehrt hätte, der Täter ihm das Messer in den 

Bauch gerammt hätte (Urk. D1/1/1 S. 9). Ein Widerspruch liegt damit nicht vor. 

4.2.7. Zusammenfassend ist an dieser Stelle nochmals festzuhalten, dass die 

Einwendungen des Beschuldigten nicht zu überzeugen vermögen und der Sach-

verhalt mit Bezug auf die drei vom Beschuldigten ausgeführten Stichbewegungen 

erstellt ist.  

4.3. Faustschläge gegen den Privatkläger E._____ 

4.3.1. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, er habe den Privatkläger 

E._____ neben den drei Stichbewegungen gegen dessen Bauch auch mehrmals 

mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen. Der Beschuldigte führte dazu lapi-

dar aus, er könne sich nicht daran erinnern, den Privatkläger E._____ mit der 

Faust ins Gesicht geschlagen zu haben oder verweigerte dazu die Aussage 

(Urk. D1/2/1 F/A 11, Urk. D1/2/3 F/A 122 und 130; Urk. D1/2/5 S. 3-4). 

4.3.2. Der Privatkläger E._____ erklärte bereits anlässlich seiner ersten Einver-

nahme im Universitätsspital, dass der Beschuldigte ihn geschlagen habe, wird 

dies doch im entsprechenden Rapport erwähnt (vgl. Urk. D1/1/1 S. 7). Auch spä-

ter berichtete er von diesen Schlägen (Urk. D1/5/1 F/A 8, Urk. D1/5/2 F/A 43, 

Urk. D1/5/3 F/A 29 f.), wobei er ausführte, die Schläge seien nicht so stark gewe-

sen. 

4.3.3. Der Privatkläger B._____ machte keine Aussage zu diesen Faustschlägen, 

was allerdings auch nicht verwunderlich ist, da er offenbar von einem anderen 

Beteiligten selber einen Faustschlag ins Gesicht erhalten hat (vgl. D1/5/4 F/A 18). 

4.3.4. Die Verteidigung wandte mit Bezug auf die Faustschläge im Wesentlichen 

ein, es könne nicht sein, dass diese mit der rechten Hand ausgeführt worden sei-

en, da der Beschuldigte ja das Messer in der rechten Hand gehalten habe und 

Rechtshänder sei (Urk. 44 S. 7). Dieser Einwand vermag die konstanten, klaren 

und zurückhaltenden Aussagen des Privatklägers E._____ nicht zu erschüttern. 

Schliesslich handelte es sich beim in der Anklageschrift beschriebenen Vorfall um 

ein dynamisches Geschehen. Der Beschuldigte muss das Taschenmesser auch 

- 20 - 

nicht zwingend immer in derselben Hand gehalten haben. Die Verteidigung brach-

te zudem vor, der Privatklägerin E._____ habe die Faustschläge in der Einver-

nahme vom 4. November 2019 gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht erwähnt 

(Urk. 81 S. 10). Dem ist entgegenzuhalten, dass es in der Einvernahme vom 4. 

November 2019 nicht um die inkriminierten Faustschläge des Beschuldigten son-

dern um dessen (mutmasslichen) Messereinsatz gegangen ist (vgl. Urk. D1/5/2). 

Mit der Vorinstanz ist kein Grund zu erblicken, weshalb nicht auf die glaubhaften 

und überzeugenden Aussagen des Privatklägers E._____ abgestellt werden soll-

te. Auch diesbezüglich ist deshalb der Sachverhalt gemäss Anklageschrift als er-

stellt zu erachten. 

4.4. Anwendung von Gewalt zur Verübung des Raubes 

4.4.1. Weiter bestritt der Beschuldigte im Laufe der Untersuchung die Anwendung 

von Gewalt zur Verübung des Raubes. Anlässlich seiner Hafteinvernahme gab er 

noch zu, dass er den beiden Privatklägern das Mobiltelefon, die Bauchtasche und 

das Portemonnaie "abgenommen" habe, um auf Nachfrage zu präzisieren, er ha-

be nur das Mobiltelefon abgenommen (Urk. D1/2/1 F/A 11 f.). Anlässlich der Ein-

vernahme vom 10. Dezember 2019 anerkannte er ebenfalls, den beiden Privat-

klägern die Portemonnaies sowie ein Handy "abgenommen" zu haben 

(Urk. D1/2/3 F/A 62 und 67). Dabei stellte er sich auf den Standpunkt, die Privat-

kläger E._____ und B._____ hätten ihm das Mobiltelefon und die Portemonnaies 

freiwillig ausgehändigt; er habe sie gefragt und die beiden hätten auch nein sagen 

können (F/A 69-71 und 79-81). 

4.4.2. Der Privatkläger E._____ schilderte demgegenüber keineswegs eine frei-

willige Übergabe der Gegenstände. Vielmehr führte er aus, der Beschuldigte habe 

zu ihm gesagt, er müsse seine Bauchtasche abziehen, dann habe er auf seine 

Hosentasche gezeigt und ihm befohlen, diese zu leeren. Beim Leeren habe der 

Beschuldigte dann sein Handy und seine Bauchtasche an sich genommen 

(Urk. D1/5/1 F/A 9). Auch später schilderte der Privatkläger E._____ alles andere 

als eine freiwillige Übergabe der Gegenstände (Urk. D1/5/2 F/A 47 ff., D1/5/3 

F/A 60 ff.).  

- 21 - 

4.4.3. Der Privatkläger B._____ schilderte ebenfalls von Beginn weg eine nicht 

freiwillige Übergabe des Portemonnaies und sprach davon, dass ihm die Sachen 

"abgenommen" worden seien (Urk. D1/5/4 F/A 37). Anlässlich der Einvernahme 

vom 4. November 2019 schilderte er, der Beschuldigte habe zu ihm und dem 

Privatkläger E._____ gesagt, sie sollten ihm alles geben, was sie hätten; er habe 

sein Portemonnaie übergeben. Er habe dies aus Angst gemacht, schliesslich ha-

be der Beschuldigte ein Messer gehabt und bereits auf den Privatkläger E._____ 

eingestochen (Urk. D1/5/5 F/A 74 f.). Auch anlässlich seiner staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme schilderte der Privatkläger B._____, er habe diese Sachen 

gegeben, weil der Beschuldigte mit dem Messer vor ihm gestanden sei und den 

Privatkläger E._____ bereits an der Hand verletzt habe; zudem seien noch drei 

weitere Personen von Seiten des Beschuldigten dabei gewesen (Urk. D1/5/6 F/A 

22 ff.). 

4.4.4. Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, ist die Gewalt, welche der 

Beschuldigte gegen den Privatkläger E._____ angewendet hatte (Stichbewegun-

gen und Faustschläge) erstellt (Urk. 60 S. 22). Von einer freiwilligen Übergabe der 

Gegenstände kann unter diesen Umständen keine Rede sein. Die Darstellung des 

Beschuldigten ist völlig lebensfremd. Vielmehr ist der Sachverhalt, wie ihn die 

Anklageschrift schildert, erstellt. 

5. Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit Bezug auf Dossier 1 der Sachver-

halt, wie er in der Anklageschrift geschildert wird, aufgrund der vorhandenen 

Beweismittel, insbesondere den glaubhaften und überzeugenden Aussagen der 

beiden Privatkläger, mit der Ausnahme einer Klingenlänge von ca. 7 cm und nicht 

ca. 9 cm, rechtsgenügend erstellt ist. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Standpunkte der Parteien 

1.1. Die Staatsanwaltschaft würdigte den Sachverhalt gemäss Dossier 1 als 

eventualvorsätzlich versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

- 22 - 

Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, als Raub im Sinne von Art. 140 

Ziff. 1 StGB sowie als vorsätzliche einfache Körperverletzung mit einem gefährli-

chen Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB 

(Schnittverletzung am rechten Handrücken des Privatklägers E._____). Mit Bezug 

auf diese letztgenannte rechtliche Würdigung führte die Vorinstanz aus, es habe 

sich um ein zusammenhängendes Geschehen gehandelt, weshalb die Faust-

schläge und die Schnittverletzung als einfache Körperverletzung vom Raub kon-

sumiert würden (vgl. Urk. 60 S. 51). Heute steht mit Bezug auf Dossier 1 lediglich 

noch die versuchte schwere Körperverletzung und der Raub zur Diskussion. 

1.2. Die Verteidigung des Beschuldigten bestreitet diese rechtliche Würdigung 

durch die Staatsanwaltschaft. Vielmehr habe der Beschuldigte den Privatkläger 

E._____ nur bedrohen wollen. Zu keinem Zeitpunkt habe er diesen verletzen 

wollen, weshalb er eine Verletzung auch nicht in Kauf genommen habe. Überdies 

sei nicht belegt, dass ein Stich mit einem Taschenmesser in den Unterleib eine 

lebensgefährliche Verletzung verursachen könnte. Es fehle somit am Vorsatz so-

wie an der Möglichkeit der unmittelbaren Lebensgefahr. Mit Bezug auf das Weg-

nehmen der Gegenstände habe es dem Beschuldigten an der Aneignung und der 

Bereicherungsabsicht gefehlt, da er die Gegenstände nicht behalten, sondern in 

den See geworfen habe. Der Beschuldigte sei entsprechend freizusprechen 

(Urk. 44 S. 8 ff.; Urk. 81 S. 14 ff.). 

2. Versuchte schwere Körperverletzung 

2.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil die allgemeinen Grundlagen mit Bezug 

auf den Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB, 

den Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB sowie den subjektiven Tatbestand 

(Vorsatz und Eventualvorsatz) zutreffend ausgeführt, worauf verwiesen werden 

kann (Urk. 60 S. 42 f.). Ergänzend ist mit Bezug auf den Eventualvorsatz Folgen-

des festzuhalten: Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, 

wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirk-

lichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall sei-

nes Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht 

sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3. S. 4 mit Hinweis). Für den Nachweis des Vorsatzes 

- 23 - 

kann sich das Gericht – soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf 

äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rück-

schlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters er-

lauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden 

kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählt 

auch die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung 

und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser dieses Risiko ist und je 

schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, 

der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 

E. 2.3.2 S. 17; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 S. 28 f.). 

2.2. Zunächst ist festzuhalten, dass Messerstiche in den Bauch eines Men-

schen, auch wenn sie mit einem Taschenmesser ausgeführt werden, durchaus 

das Potential haben, einen Menschen lebensgefährlich zu verletzen. Wie in der 

Anklageschrift zutreffend festgehalten ist, besteht die hohe Gefahr einer Darmver-

letzung mit der lebensbedrohlichen Komplikation einer Sepsis sowie die Gefahr 

der Verletzung grosser Blutgefässe mit der lebensbedrohlichen Folge einer Ein-

blutung in den Bauchraum. Auch mit einem Taschenmesser von einer Klingen-

länge von ca. 7 cm (vgl. Urk. 81 Beilage) können solche lebensbedrohlichen Ver-

letzungen im Bauchraum ohne Weiteres zugefügt werden. Dies ist allgemein be-

kannt, und auch der Beschuldigte hat nicht ausgeführt, dass er nicht gewusst ha-

be, dass Messerstiche gegen den Bauch eines Menschen potentiell lebensbe-

drohlich sein können (vgl. Prot. I S. 27). 

2.3. Unbestritten ist, dass keine vollendete Tatbegehung vorliegt. Der Privat-

kläger E._____ wurde nicht lebensgefährlich verletzt. Es kann entsprechend nur 

eine versuchte Tatbegehung im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegen. 

2.4. Mit Bezug auf den Eventualvorsatz hat die Vorinstanz absolut zutreffend 

ausgeführt, dass die Sorgfaltspflichtverletzung des Beschuldigten schwer wiegt, 

indem er zweimal mit dem Messer Stichbewegungen gegen den Bauch des Pri-

vatklägers E._____ ausgeführt hat (Urk. 60 S. 48). Auch die weiteren Erwägun-

gen, dass der Beschuldigte damit hat rechnen müssen, dass er durch diese bei-

den Stiche den Privatkläger E._____ lebensbedrohlich verletzen könnte, sind oh-

- 24 - 

ne weiteres zu teilen. Es ist der schnellen Reaktion des Privatklägers E._____ zu 

verdanken, dass er tatsächlich nicht getroffen wurde. Die beiden Stiche wurden 

vom Beschuldigten offensichtlich absolut ernsthaft ausgeführt, hat doch der Pri-

vatkläger E._____ in seiner polizeilichen Einvernahme vom 1. November 2019, 

kurz nach der Tat, noch ausgeführt, nachdem der Beschuldigte das Tram verlas-

sen habe, habe er zuerst gemeint, er sei am Bauch getroffen worden (Urk. D1/5/1 

F/A 9). Auch der Privatkläger B._____ beschrieb die Stichbewegungen so, dass 

der Beschuldigte keinen Spass habe machen wollen, es habe so ausgesehen, 

dass er den Privatkläger E._____ habe treffen wollen (Urk. D1/5/5 F/A 66 f.). Auf-

grund dieser Beschreibungen kann nur darauf geschlossen werden, dass der Be-

schuldigte eine potentiell lebensbedrohliche Verletzung des Privatklägers E._____ 

in Kauf genommen hat. Die Ausführungen des Beschuldigten, er habe den Privat-

kläger E._____ lediglich bedrohen, sicher aber nicht verletzen wollen, sind in 

Anbetracht der Tatausführung nicht glaubhaft und als reine Schutzbehauptung zu 

werten.  

2.5. Mit der Vorinstanz ist der Sachverhalt gemäss Anklageschrift als eventual-

vorsätzlich versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu würdigen. Rechtfertigungs- und 

Schuldausschlussgründe liegen keine vor, weshalb der Beschuldigte entspre-

chend schuldig zu sprechen ist. 

3. Raub 

3.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Voraussetzungen des Tatbestandes 

des Raubs im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zutreffend dargelegt, worauf 

verwiesen werden kann (Urk. 60 S. 49). Auch die übrigen Ausführungen der Vor-

instanz zu den Vorbringen der Verteidigung des Beschuldigten, insbesondere 

zum Vorliegen einer Nötigungshandlung und zur Aneignungsabsicht (Urk. 60 

S. 50-51) sind zutreffend und vollumfänglich zu teilen. Entgegen der Auffassung 

der Vorinstanz ist dem Beschuldigten jedoch nicht nur eine (vorübergehende) Be-

reicherungsabsicht zu attestieren. Vielmehr verlangte er von den Privatklägern 

nicht nur das Mobiltelefon heraus, sondern auch deren Portemonnaies und die 

Bauchtasche des Privatklägers E._____. Dass er auch das in den Portemonnaies 

- 25 - 

befindliche Geld in den See geworfen haben will, ist eine Schutzbehauptung (vgl. 

Urk. 81 S. 14). Die dargelegten Umstände sprechen klar dafür, dass sich der Be-

schuldigte (zumindest) mit dem Inhalt der Portemonnaies hat bereichern wollen. 

3.2. Entsprechend ist der Beschuldigte auch des Raubs im Sinne von Art. 140 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen, da auch diesbezüglich keine Rechtferti-

gungs- oder Schuldausschlussgründe vorliegen. 

IV. Strafzumessung 

1. Ausgangslage 

Aufgrund der rechtskräftigen Schuldsprüche der Vorinstanz und der wie vorste-

hend ausgeführten zusätzlichen Schuldsprüche ist heute für die folgenden Delikte 

eine Strafe auszufällen: 

− mehrfach versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

− Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, 

− Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 

Abs. 1 lit. b und c BetmG. 

Für die rechtskräftigen Schuldsprüche betreffend Entwendung zum Gebrauch im 

Sinne von Art. 94 Abs. 4 SVG, mehrfachen Ungehorsam gegen amtliche Verfü-

gungen im Sinne von Art. 292 StGB sowie mehrfache Übertretung des 

Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG wurde von der Vo-

rinstanz eine Busse von Fr. 500.– ausgefällt, da es sich bei diesen Tatbeständen 

um Übertretungen handelt, welche mit Busse zu sanktionieren sind (vgl. Art. 103 

StGB). Die Bussenhöhe wurde mit der Berufung nicht angefochten, weshalb die 

- 26 - 

Busse von Fr. 500.– gemäss Dispositiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils 

rechtskräftig festgelegt wurde. Bei der Strafzumessung ist auf die genannten 

Übertretungen nicht mehr einzugehen. 

2. Anträge der Parteien 

Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten für die obengenannten Verbrechen 

und Vergehen mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren. Die Verteidigung beantragt, 

der Beschuldigte sei – unter Berücksichtigung der Freisprüche – eine neue Ein-

satz- und Gesamtstrafe festzulegen (Urk. 81). Die Staatsanwaltschaft beantragte 

die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 68). 

3. Allgemeine Grundsätze der Strafzumessung 

3.1. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu, wobei 

das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters sowie die Wirkung der 

Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das 

Verschulden wird dabei nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des 

betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-

gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit dieser nach den 

gesamten Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu ver-

meiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).  

3.2. Für die Zumessung der Strafe ist zwischen der Tat- und der Täterkompo-

nente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die ob-

jektive Schwere der Delikte festzulegen und zu bewerten. Dabei ist anhand des 

Ausmasses des Erfolgs sowie aufgrund der Art und Weise des Vorgehens zu 

beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt wurde. 

Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie, der Tatbeitrag bei Tataus-

führung durch mehrere Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des sub-

jektiven Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Wil-

lensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen. 

Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben, 

insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten nach der 

- 27 - 

Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein Geständnis 

(BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 90 ff.). 

3.3. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen 

für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe 

der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Asperation). Es darf jedoch 

das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen 

und ist an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 

StGB). Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur 

bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu ver-

hängen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt das Asperations-

prinzip nur zur Anwendung, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzel-

nen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dies setzt voraus, dass das Ge-

richt die (hypothetischen) Einzelstrafen sämtlicher Delikte (zumindest gedanklich) 

gebildet hat. Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige 

Strafen androhen, genügt nicht (BGE 144 IV 313, E. 1.1.1; BGE 144 IV 217, 

E. 3.5; BGE 142 IV 265, E. 2.3.2; BGE 138 IV 120, E. 5.2; je m.w.H.). Geldstrafe 

und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 

StGB (BGE 144 IV 217, E. 2.2; BGE 138 IV 120, E. 5.2; BGE 137 IV 57, E. 4.3.1). 

Grund für dieses methodische Vorgehen ist, dass ein Täter im Rahmen der Ge-

samtstrafenbildung nicht strenger bestraft werden soll, als wenn die Taten einzeln 

beurteilt worden wären (BGE 144 IV 217, E. 3.5.1). Erst nach Festlegung der Ge-

samtstrafe für sämtliche Delikte sind sodann die Täterkomponenten zu berück-

sichtigen (Urteil BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010, E. 1.6.1). 

3.4. Bei der Gesamtstrafenbildung hat sich das Gericht zur Wahl der jeweiligen 

Strafart für die konkreten Delikte zu äussern und mit Blick auf die Verhältnismäs-

sigkeit zu begründen, wenn es nach Festlegung der Einsatzstrafe für das 

schwerste Delikt auch für die weiteren Taten eine Freiheitsstrafe für erforderlich 

hält (Art. 41 Abs. 2 StGB; Art. 50 StGB; Urteil BGer 6B_210/2017 vom 

25. September 2017, E. 2.2.2.). Bei der Wahl der Sanktionsart sind gemäss 

Rechtsprechung als wichtigste Kriterien die Zweckmässigkeit einer Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effi-

- 28 - 

zienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97, E. 4.2). Nach dem Prinzip der Verhält-

nismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall 

diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Be-

troffenen eingreift beziehungsweise die ihn am wenigsten hart trifft (BGE 134 IV 

97, E. 4.2.2). Eine Freiheitsstrafe wiegt immer schwerer als eine Geldstrafe, un-

abhängig von der Dauer der Freiheitsstrafe beziehungsweise der Höhe des Geld-

strafenbetrages (BGE 144 IV 217, E. 3.3.3 und 3.4., je m.w.H.). Für Strafen von 

weniger als sechs Monaten ist grundsätzlich eine Geldstrafe auszusprechen (vgl. 

Art. 34 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 41 Abs. 1 StGB; vgl. BGE 137 IV 312, E. 2.4). Eine 

Freiheitsstrafe ist lediglich dann auszufällen, wenn eine solche geboten erscheint, 

um den Täter vor weiteren Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 

lit. a StGB) oder wenn eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden 

kann (Art. 41 Abs. 1 lit. b StGB). 

4. Wahl der Sanktionsart/Strafrahmen 

4.1. Das Gesetz sieht sowohl für Raub als auch für schwere Körperverletzung 

einen Strafrahmen von 6 Monaten bis 10 Jahre Freiheitsstrafe vor (Art. 140 Ziff. 1 

StGB und Art. 122 Abs. 1 StGB). Mit Bezug auf die schwere Körperverletzung ist 

vorliegend zu berücksichtigen, dass es in beiden Fällen lediglich beim Versuch 

blieb, weshalb ein Strafmilderungsgrund vorliegt (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dies hat 

zur Folge, dass das Gericht nicht an die angedrohte Mindeststrafe gebunden ist 

und auch auf eine andere als die angedrohte Strafart erkennen kann (Art. 48a 

Abs. 1 und 2 StGB). Im vorliegenden Fall erscheint allerdings trotz Vorliegen die-

ses Strafmilderungsgrundes mit Bezug auf die beiden versuchten Körperverlet-

zungen in Anbetracht der konkreten Tatausführung die Freiheitsstrafe als ange-

messene Sanktion. Der Versuch ist im Rahmen der Strafzumessung strafmin-

dernd zu berücksichtigen. 

4.2. Für Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB beträgt der Strafrahmen 

Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe. Bei den restlichen Delikten – einfache 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Nötigung im Sinne 

von Art. 181 StGB und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne 

von Art. 19 Abs. 1 lit. b und c BetmG – handelt es sich um Vergehen mit einer 

- 29 - 

Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe. Grundsätzlich 

könnte für diese Delikte eine Geldstrafe ausgefällt werden. Vorliegend ist aller-

dings zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte sowohl mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 2. August 2017 zu einer bedingten Geldstrafe 

von 30 Tagessätzen zu Fr. 20.– als auch mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Zürich-Limmat vom 27. November 2017 zu einer bedingten Geldstrafe von 90 

Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt wurde (Urk. 62). Von diesen Vorstrafen hat sich 

der Beschuldigte offensichtlich nicht beeindrucken lassen und hat während lau-

fender Probezeit delinquiert (heute zu beurteilender Sachverhalt gemäss Dossier 

7). Unter diesen Umständen erscheint es geboten, auch für die genannten Verge-

hen eine Freiheitsstrafe auszufällen. 

4.3. Für alle diese Delikte ist somit eine Gesamtstrafe zu bilden. Dies wird im 

Übrigen auch von der Verteidigung so beantragt (Urk. 81 S. 17 f.). Als schwerste 

Tat ist vorliegend vom Raub auszugehen, da diesbezüglich keine versuchte Tat-

begehung vorliegt. Die festzusetzende Einsatzstrafe ist mit den für die anderen 

Delikte auszufällenden Strafen zu asperieren. 

5. Anwendung 

5.1. Einsatzstrafe für den Raub (Dossier 1) 

Mit Bezug auf die objektive Tatschwere ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass 

der Beschuldigte durch die Art und Weise seines Vorgehens eine beträchtliche 

kriminelle Energie zeigte. Durch die vorangehenden Stichbewegungen mit dem 

offenen Taschenmesser sowie die Schläge gegen das Gesicht des Privatklägers 

E._____ hatte er beide Privatkläger eingeschüchtert, so dass sie sich gezwungen 

sahen, seinem Befehl, ihm alle ihre Sachen auszuhändigen, nachzukommen. Der 

Beschuldigte hat zwar objektiv betrachtet nicht Gegenstände von grossem Wert 

erbeutet, allerdings ist dies nicht zu Gunsten des Beschuldigten zu veranschla-

gen, da er den Privatklägern alle Wertgegenstände abgenommen hat, die sie da-

bei hatten. Dass sich im Portemonnaie des Privatklägers B._____ nicht mehr als 

Fr. 20.– befanden, konnte er nicht wissen. In subjektiver Hinsicht ist davon aus-

zugehen, dass die Tat nicht von langer Hand geplant war, der Beschuldigte je-

- 30 - 

doch, als sich die Gelegenheit ergab, ohne Not den Tatentschluss fasste. Im 

Rahmen seiner Aussagen machte er geltend, er habe sich gar nicht bereichern 

wollen, sondern er habe durch die Wegnahme des Mobiltelefons verhindern wol-

len, dass die Privatkläger die Polizei benachrichtigen konnten. Dieses Motiv lässt 

den Raub allerdings nicht wirklich in einem günstigeren Licht darstellen. Wie ge-

zeigt ist dem Beschuldigten zumindest bezüglich des Inhalts der gestohlenen 

Portemonnaies eine Bereicherungsabsicht zu attestieren. Auf jeden Fall handelte 

der Beschuldigte aus rein egoistischen Gründen. Zudem handelte er mit direktem 

Vorsatz, obschon diese Tat im Gesamtgeschehen nicht im Vordergrund stand. 

Das über den Beschuldigten eingeholte psychiatrische Gutachten vom 

21. Oktober 2020 hält zudem fest, dass beim Beschuldigten im Zeitpunkt der Ta-

ten keine verminderte Schuldfähigkeit vorlag und er jederzeit fähig war, das Un-

recht der Taten einzusehen und gemäss dieser Einsicht zu handeln (Urk. 

D1/14/16 S. 71). Es ist – in Anbetracht der möglichen Vorgehensweisen beim 

Raub – insgesamt von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen. Es 

erscheint angemessen, für den Raub die Einsatzstrafe auf 24 Monate festzuset-

zen. 

5.2. Straferhöhung für versuchte schwere Körperverletzung (Dossier 1) 

Die objektive Tatschwere ist zunächst für das vollendete Delikt der schweren 

Köperverletzung zu erheben. Nach der Würdigung der objektiven und subjektiven 

Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass eine versuchte Tatbegehung vorliegt. 

Zur objektiven Tatschwere des vollendeten Delikts ist festzuhalten, dass der 

Beschuldigte drei Mal auf den Beschuldigten eingestochen hat, wobei nicht alle 

drei Stichbewegungen mit derselben Intensität ausgeführt worden sind. Auch mit 

Bezug auf die schwere Körperverletzung handelte der Beschuldigte ohne Not: Er 

stieg ins Tram zu und setzte sich zum Privatkläger E._____ hin, ohne dass dieser 

ihn provoziert hätte. Beim vom Beschuldigten verwendeten Messer handelte es 

sich nicht um eines mit einer sehr langen Klinge, sondern diese mass knapp 7cm. 

Das Vorgehen des Beschuldigten ist verwerflich und die körperliche Integrität des 

Privatklägers E._____ wurde in erheblichem Mass gefährdet. In subjektiver 

Hinsicht ist ebenfalls von erheblicher krimineller Energie auszugehen. Dem 

- 31 - 

Beschuldigten ist allerdings zu Gute zu halten, dass er nicht mit direktem Vorsatz 

handelte, sondern eventualvorsätzlich. Seine Motive blieben im Dunkeln. Allen-

falls mag die vorgängige Konfrontation zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen 

rund um den Bahnhof I._____ eine Rolle gespielt haben (vgl. dazu zum Beispiel 

Urk. D1/2/1 F/A 32 ff.). Mit Bezug auf dieses Tatvorgehen ist nicht von Planung 

auszugehen, sondern von relativ spontaner Vorgehensweise, auch wenn dazu 

allerdings überhaupt kein Anlass bestand. Die Tat wäre ohne weiteres vermeidbar 

gewesen. Insgesamt wäre für das vollendete Delikt von einem nicht mehr leichten 

bis erheblichen Verschulden auszugehen. 

Der Privatkläger E._____ wurde jedoch nicht lebensgefährlich verletzt, sondern 

trug lediglich eine Schnittverletzung am Handrücken davon. Deshalb liegt wie 

bereits ausgeführt eine versuchte Tatbegehung vor und die Strafe ist innerhalb 

des ordentlichen Strafrahmens zu mindern. Der Nichteintritt des tatbestandsmäs-

sigen Erfolgs hing allerdings nicht primär vom Beschuldigten ab, sondern es ist 

wohl der schnellen und geistesgegenwärtigen Reaktion des Privatklägers 

E._____ zu verdanken, dass er nicht mehr verletzt wurde. Allerdings ist mit der 

Vorinstanz sicher mit zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Stichbewe-

gungen wohl nicht mit letzter Konsequenz durchgeführt hat. Insgesamt erweist es 

sich angemessen, die Einsatzstrafe um 12 Monate zu asperieren. 

5.3. Straferhöhung für versuchte schwere Körperverletzung (Dossier 6) 

Mit Bezug auf die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privat-

klägers C._____ hat die Vorinstanz das objektive und subjektive Tatverschulden 

des Beschuldigten zutreffend dargelegt, worauf vollumfänglich zu verweisen ist 

(Urk. 60 S. 62). Hervorzuheben ist, dass es lediglich glücklichen Umständen zu 

verdanken ist, dass durch den Faustschlag und die anschliessenden Fusstritte 

gegen den Kopf des Privatklägers C._____ nicht grössere und vor allem bleiben-

de Verletzungen entstanden sind. Mit der Vorinstanz erscheint eine Asperation 

der Einsatzstrafe um 12 Monate als dem Verschulden angemessen. 

5.4. Straferhöhung für einfache Körperverletzung (Dossier 2) 

- 32 - 

In Bezug auf die objektive Tatkomponente ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

der Privatklägerin F._____ einen wuchtigen Faustschlag gegen den Kopf versetz-

te, wodurch diese zu Boden ging. Anschliessend hörte der Beschuldigte nicht auf, 

sondern versetzte ihr mehrere Fusstritte in den Rücken, so dass diese verschie-

dene Prellungen erlitt. Der Beschuldigte ging rücksichtslos und verwerflich vor. In 

subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte von der Privat-

klägerin F._____ zuvor offenbar verbal provoziert worden ist (vgl. Urk. D2/3/4 

F/A 40). Es scheint sich beim Vorgehen des Beschuldigten somit um eine Kurz-

schlussreaktion gehandelt zu haben, auch wenn dies seine Tat nicht entschuldigt. 

Die Tat wäre trotzdem ohne weiteres vermeidbar gewesen. Der Beschuldigte 

handelte ohne Not und aus nichtigem Anlass. Auch wenn das Verhalten des 

Beschuldigten keineswegs zu bagatellisieren ist, ist das Verschulden noch als 

leicht einzustufen. Es erscheint gerechtfertigt, die Einsatzstrafe um 3 Monate zu 

asperieren.  

5.5. Straferhöhung für Nötigung (Dossier 7.1) 

Diesbezüglich ist auf die Erwägungen der Vorinstanz zu den objektiven und 

subjektiven Tatkomponenten zu verweisen, welche vollumfänglich zu teilen sind 

(Urk. 60 S. 63). Unter Berücksichtigung, dass der Beschuldigte offenbar gewisse 

Reue und Einsicht zeigte und sich beim Opfer entschuldigt hat (vgl. Urk. D7.1/5/3 

S. 10) erscheint es mit der Vorinstanz gerechtfertigt, die Einsatzstrafe um 2 Mona-

te zu asperieren. 

5.6. Straferhöhung für Diebstahl (Dossier 4) 

In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass es sich beim gestohlenen Gegenstand 

um eine Damentasche im Wert von Fr. 495.– handelte. Das Vorgehen ist als 

plump, aber dreist zu beschreiben: Der Beschuldigte behändigte im Verkaufsge-

schäft die Tasche und verliess darauf fluchtartig das Geschäft. In subjektiver Hin-

sicht erscheint das Vorgehen relativ spontan und nicht geplant. Der Beschuldigte 

hatte jedoch absolut nichtige Motive: Es ging ihm wohl vor allem um einen gewis-

sen "Kick" und darum, bei den Kollegen dazu zu gehören, führte er doch aus, er 

wisse nicht, warum er den Diebstahl begangen habe, sein Kollege habe etwas 

- 33 - 

genommen und dann habe er halt auch etwas genommen; für die Tasche hatte er 

keine eigentliche Verwendung (vgl. Urk. D4/5 F/A 14 ff.). Insgesamt ist das Ver-

schulden noch als sehr leicht zu bewerten und eine Asperation um 1 Monat er-

weist sich als angemessen. 

5.7. Straferhöhung für Vergehen gegen das BetmG (Dossier 7.2) 

Diesbezüglich ist wiederum vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der 

Vorinstanz zu verweisen (Urk. 60 S. 64 f.). Eine Asperation der Einsatzstrafe um 

1 Monat erscheint angemessen. 

5.8. Fazit Tatkomponente 

Aufgrund der Tatkomponente erscheint aufgrund des Gesagten eine Freiheitsstra-

fe von 55 Monaten als dem objektiven und subjektiven Tatverschulden angemes-

sen. 

5.9. Täterkomponente 

Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann auf 

die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden (Urk. 60 S. 65 f.). Zusam-

mengefasst ist im Wesentlichen festzuhalten, dass der Beschuldigte in Eritrea ge-

boren wurde und zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwister 2008 oder 

2009 zu seinem bereits in der Schweiz lebenden Vater kam. Hier in der Schweiz 

musste er zuerst einmal Deutsch lernen. Danach besuchte er die Sekundarschu-

le. Aufgrund von Problemen kam es zu verschiedenen Schulwechseln. Auch nach 

dem 10. Schuljahr vermochte der Beschuldigte keine Lehrstelle zu finden. Seit 

dem tt. Januar 2021 befindet sich der Beschuldigte in einer Massnahme für junge 

Erwachsene. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aktua-

lisierend aus, er habe dort eine Malerlehre begonnen, welche ihm recht gut gefal-

le. Mittlerweile gehe es gut dort und er halte sich an die Regeln (Urk. 80 S. 3 f.). 

Mit Bezug auf die Schwierigkeiten, die der Beschuldigte offensichtlich hat, sich in 

der Schweiz und der hiesigen Rechtsordnung zurecht zu finden, geht das psychi-

atrische Gutachten vom 21. Oktober 2020 zwar davon aus, dass beim Beschul-

digten ausgeprägte dissoziale Tendenzen vorliegen, die Diagnose einer dissozia-

- 34 - 

len Persönlichkeitsstörung könne aufgrund des noch jungen Alters und des Um-

standes, dass noch keine therapeutischen Interventionen stattgefunden hätten, 

(noch) nicht gestellt werden (Urk. D1/14/16 S. 69). 

Die Verteidigung hält es für angebracht, das Vorleben und die persönlichen Ver-

hältnisse des Beschuldigten strafmindernd zu würdigen (Urk. 44 S. 26 f.). Dem ist 

nicht zu folgen. Sicher kam der Beschuldigte als Flüchtling in die Schweiz und 

musste hier zuerst einmal die Sprache lernen. Diese Aufgabe müssen jedoch vie-

le Menschen bewältigen. Ein solcher Werdegang entschuldigt kriminelles Verhal-

ten keineswegs. Mit der Vorinstanz ist deshalb davon auszugehen, dass das Vor-

leben des Beschuldigten bei der Strafzumessung als neutral zu betrachten ist. 

Leicht straferhöhend fallen hingegen die beiden – wenn auch nicht einschlägigen 

– Vorstrafen ins Gewicht. Deutlich straferhöhend wirkt sich die Delinquenz wäh-

rend laufender Probezeit und während des laufenden Strafverfahrens aus. Trotz 

mehrmaligen Versetzens in Haft liess sich der Beschuldigte nicht beeindrucken. 

Strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte – wie die Vor-

instanz dies ausdrückte – zumindest nicht vollkommen ungeständig zeigte. Ein-

sicht und Reue ist allerdings nicht erkennbar. Vielmehr scheint der Beschuldigte 

die Tendenz zu haben, sein kriminelles Verhalten zu bagatellisieren und zu ent-

schuldigen. 

Insgesamt überwiegen bei der Täterkomponente die straferhöhenden Faktoren 

die strafmindernden deutlich. Die Strafe ist entsprechend um drei Monate zu er-

höhen. 

5.10. Fazit Strafzumessung 

Unter Berücksichtigung aller strafzumessungsrelevanter Faktoren erscheint es 

insgesamt angemessen, eine Freiheitsstrafe von 58 Monaten auszusprechen. Die 

bereits erstandene Haft von 272 Tagen ist auf die Strafe anzurechnen (Art. 51 

StGB). 

- 35 - 

V. Vollzug 

Für die heute auszusprechende Freiheitsstrafe ist weder ein bedingter noch ein 

teilbedingter Vollzug möglich. Die Strafe ist deshalb zu vollziehen. 

VI. Landesverweisung 

1. Voraussetzungen der Anordnung bzw. des Absehens von einer Landes-
verweisung 

 Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der 1.1.

eine Katalogtat im Sinne Art. 66a Abs. 1 lit. a-o StGB begangen hat, unabhängig 

von der Höhe der Strafe für die Dauer von 5 bis 15 Jahren des Landes. Ein Ver-

zicht auf eine Landesverweisung ist nur ausnahmsweise dann möglich, wenn die-

se für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und 

die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung gegenüber den privaten 

Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a 

Abs. 2 StGB). Gemäss Bundesgerichtsentscheid 6B_378/2018 vom 22. Mai 2019 

ist die Landesverweisung zunächst nach schweizerischem Recht zu prüfen und 

erst in zweiter Linie, ob ein Staatsvertrag bzw. Völkerrecht einer Ausweisung ent-

gegenstehe, wobei die Kriterien der EMRK regelmässig bereits bei der Härtefall-

beurteilung zu prüfen seien (E. 2.1).  

 Ein schwerer persönlicher Härtefall ist dann anzunehmen, wenn die Sum-1.2.

me aller mit der Landesverweisung verbundenen Schwierigkeiten den Betroffenen 

derart hart trifft, dass ein Verlassen der Schweiz bei objektiver Betrachtung zu ei-

nem nicht hinnehmbaren Eingriff in seine Daseinsbedingungen führt. Im Rahmen 

einer Gesamtbetrachtung sind alle potentiell härtefallbegründenden Aspekte zu 

bewerten. Relevant sind dabei die persönliche Situation des Beschuldigten in der 

Schweiz und die Bedingungen im Heimatstaat sowie die Tatschuld. Ein Härtefall 

ist jedoch nicht leichthin anzunehmen, da der Strafrichter bei Katalogtaten ge-

mäss Art. 66a Abs. 1 StGB nur ausnahmsweise von der Landesverweisung abse-

hen darf. Namentlich gehören zu den härtefallbegründenden Aspekten die Anwe-

senheitsdauer in der Schweiz, die familiären Verhältnisse, die Arbeits- und 

Ausbildungssituation, die Persönlichkeitsentwicklung, der Grad der Integration 

- 36 - 

sowie die Resozialisierungschancen des Beschuldigten. Relevant sind dabei die 

persönliche Situation des Beschuldigten in der Schweiz und die Bedingungen im 

Heimatstaat. Bei Dritten auftretende härtefallbegründende Aspekte sind nur zu 

berücksichtigen, wenn sie sich zumindest indirekt auch auf den Beschuldigten 

auswirken. Ob ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt, ist im Rahmen einer 

Gesamtbetrachtung zu eruieren (BUSSLINGER/ÜBERSAX, Härtefallklausel und mig-

rationsrechtliche Auswirkungen der Landesverweisung, in: plädoyer 5/16 S. 96ff., 

97 und 101; FIOLKA/VETTERLI, Die Landesverweisung nach Art. 66a StGB, plädo-

yer 5/16 S. 85 und 87). Zudem sind die verfassungsrechtlichen und völkerrechtli-

chen Bestimmungen einzuhalten. Ein Härtefall ist unter diesem Gesichtspunkt 

dann anzunehmen, wenn die Landesverweisung einen Eingriff in das in Art. 13 

der Bundesverfassung bzw. Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention 

gewährleistete Privat- und Familienleben bedeuten würde, der von einer gewissen 

Tragweite ist (Urteile des Bundesgerichtes 6B_627/2018 vom 22. März 2019, 

E. 1.3.5. und 6B_907/2018 vom 23. November 2018, E. 2.3.).  

 Der Umstand, dass ein ausländischer Verurteilter mit seiner Familie in der 1.3.

Schweiz lebt, bedeutet für sich allein noch keinen schweren persönlichen Härtefall 

im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB, vielmehr müssen, damit ein schwerer persön-

licher Härtefall angenommen werden kann, in der Regel weitere Kriterien hinzu-

treten, namentlich eine starke Verwurzelung in der Schweiz und/oder grosse 

Schwierigkeiten, sich im Heimatland privat und beruflich wieder zurechtzufinden. 

Insbesondere ist das in Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf 

Familienleben (nur dann) berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fern-

haltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung 

einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, 

ohne dass es dieser ohne weiteres möglich oder zumutbar wäre, ihr Familienle-

ben andernorts zu pflegen. Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie 

die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen 

Kindern (Urteile des Bundesgerichts 6B_841/2019 vom 15. Oktober 2019 

E.2.5.2.; 6B_627/2018 vom 22. März 2019, E.1.4.; 6B_907/2018 vom 23. Novem-

ber 2018 E. 2.3.1; 6B_659/2018 vom 20. September 2018, E. 3.4.; 6B_770/2018 

vom 24. September 2018, E.2.1. und BGE 144 II 1 E. 6.1. S. 12 f.). Unabhängig 

- 37 - 

vom Vorliegen einer familiären Beziehung kann eine ausländerrechtliche Fernhal-

temassnahme zwar das Recht auf Privatleben gemäss Art. 8 EMRK verletzen. 

Das Bundesgericht bejaht einen auf Art. 8 EMRK (Anspruch auf Privatleben) ge-

stützten Anspruch aber vor allem bei Ausländern der zweiten Generation, die in 

der Schweiz aufgewachsen sind (BGE 139 I 16 E. 2.2.2. S. 20 f.).  

 Steht fest, dass die Landesverweisung zu einer schweren persönlichen 1.4.

Härte führen würde, sind sodann die privaten Interessen des Beschuldigten an 

einem Verbleib in der Schweiz den öffentlichen Interessen an der Landesverwei-

sung gegenüber zu stellen. Für das öffentliche Interesse wesentlich sind die Art 

und Schwere der begangenen Delikte, das Verschulden, d.h. die ausgesprochene 

Strafe sowie die vom Täter ausgehende Gefahr, d.h. die Legalprognose. Für das 

persönliche Interesse ist neben dem Umstand, wie lange die Person in der 

Schweiz lebte, insbesondere auch ihre berufliche und familiäre Bindung relevant. 

Je gravierender das Delikt, desto höher hat das persönliche Interesse an einem 

Verbleib zu sein, damit die Härtefallklausel zu einem ausnahmsweisen Verzicht 

auf eine Landesverweisung führt. Überwiegen die öffentlichen Interessen, muss 

die Landesverweisung ausgesprochen werden (BUSSLINGER/ÜBERSAX, a.a.O 

S. 102 ff.).  

2. Beurteilung 

 Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a StGB für die 2.1.

Dauer von 5 Jahren aus dem Hoheitsgebiet der Schweiz verwiesen (Urk. 60 

S. 95). Mit seiner Berufung liess dieser das Absehen von einer Landesverweisung 

beantragen (Urk. 63 S. 2, Urk. 81 S. 19 ff.).  

 Vorliegend hat sich der Beschuldigte der mehrfachen versuchten schweren 2.2.

Körperverletzung sowie des Raubes schuldig gemacht. Damit hat er sogar zwei 

sogenannte Katalogtaten erfüllt (Art. 66a Abs. 1 lit. b und c StGB). Anzumerken 

bleibt, dass auch der blosse Versuch einer Katalogtat von Art. 66a Abs. 1 StGB 

erfasst wird (vgl. BGE 144 IV 168 E. 1.4.1, Urteile des Bundesgerichts 

6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.2.1. und 6B_841/2019 vom 15. Oktober 

2019 E. 1.1). Es liegt somit ein Fall von obligatorischer Landesverweisung vor, 

- 38 - 

womit grundsätzlich eine Landesverweisung anzuordnen ist. Zu prüfen bleibt, ob 

beim Beschuldigten ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt, weshalb aus-

nahmsweise von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen wäre 

(Art. 66a Abs. 2 StGB). 

 Die Schwierigkeiten, die der Beschuldigte im Falle seiner Rückführung in 2.3.

sein Zielland (Eritrea) möglicherweise zu gewärtigen hätte, sind bei der geforder-

ten Gesamtbetrachtung der massgeblichen Aspekte, welche einen persönlichen 

Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB zu begründen vermögen, mit zu 

berücksichtigen. Dies ergibt sich einerseits aus der gemischten Rechtsnatur der 

Landesverweisung, welche auch migrationsrechtliche Elemente enthält, und an-

derseits aus dem Umstand, dass eben eine umfassende Prüfung der persönli-

chen Verhältnisse zu erfolgen hat. Ist als erstellt zu betrachten, dass der Beschul-

digte im Falle der Rückführung in sein Zielland mit hoher Wahrscheinlichkeit Fol-

ter oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre, so müsste man wohl auch 

bei sonst schwachem Bezug zur Schweiz von einem persönlichen Härtefall aus-

gehen. Dieser würde aber noch nicht zum Verzicht auf die Anordnung einer Lan-

desverweisung führen, sondern nur, aber immerhin, zur Abwägung dieser priva-

ten Interessen mit den öffentlichen. Der Verweis auf eine allgemein problemati-

sche Situation im Zielland ist unter gewissen besonderen Umständen ebenfalls im 

Rahmen der Gesamtwürdigung der persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen, 

wird aber für sich allein in der Regel nicht zur Annahme eines Härtefalles führen 

können. Solche nicht direkt mit der Person des Beschuldigten zusammenhängen-

de Probleme sind hauptsächlich im Rahmen des Vollzugs zu berücksichtigen. 

Das Gericht wird allein mit dieser Begründung nicht von einer Landesverweisung 

absehen, sondern die Vollzugsbehörde hat in Anwendung von Art. 66d StGB die 

Möglichkeit und die Pflicht, die Landesverweisung gegebenenfalls einstweilen 

auszusetzen. Zu betonen ist, dass sich solche Zustände im Zielland ohnehin än-

dern können. 

 Der Beschuldigte kam im Alter von ca. 10 Jahren mit seiner Mutter und 2.4.

seinen Geschwistern zu seinem Vater in die Schweiz. In der Folge besuchte der 

Beschuldigte hier zwar die Schulen und lernte Deutsch, von einer gelungenen 

- 39 - 

Integration kann jedoch abgesehen davon keine Rede sein. In der Schule kam es 

zu Problemen, im Anschluss konnte er keine Lehrestelle finden. Der Beschuldigte 

musste deshalb vom Sozialamt unterstützt werden. Seine guten Deutschkennt-

nisse allein begründen keine besondere Integration. Eine etablierte bzw. eigen-

ständige wirtschaftliche Integration in der Schweiz besteht nicht. Dass ein Leben 

in der Schweiz wirtschaftlich komfortabler sein dürfte als in seinem Heimatland 

Eritrea, begründet keinen Härtefall. Die Familie des Beschuldigten lebt zwar hier, 

aber es ist auch festzuhalten, dass es sich beim Beschuldigten unterdessen um 

einen jungen Erwachsenen handelt, der nicht mehr auf die Pflege und Erziehung 

der Eltern angewiesen sein sollte. Weiter wurde ausgeführt, dass der Beschuldig-

te keine Familienangehörigen in Eritrea mehr habe, insbesondere seien die 

Grosseltern bereits verstorben (Urk. 44 S. 30, vgl. auch Prot. I S. 17). In Bezug 

auf die Kontakte zu seiner engen Herkunftsfamilie würde eine Landesverweisung 

somit eine gewisse Härte darstellen. Über die Beziehungen zur eigentlichen 

Herkunftsfamilie hinaus sind aber keine intensiven, privaten Beziehungen hier in 

der Schweiz ersichtlich. Der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienle-

bens gemäss Art. 8 EMRK gilt nicht absolut. Insbesondere steht beim Beschuldig-

ten keine Kernfamilie, d.h. eine Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjäh-

rigen Kindern, zur Diskussion. Insgesamt wiegt der Eingriff in den Anspruch des 

Beschuldigten auf Achtung seines Privat- und Familienlebens nicht allzu schwer. 

Es ist den Beteiligten zumutbar, die Beziehung zum Beschuldigten während der 

Dauer einer Fernhaltung auf telefonischem resp. elektronischem Weg aufrecht zu 

erhalten. Der Beschuldigte spricht Tigrinya und hat soweit positive Erinnerungen 

an seine Kindheit in Eritrea (vgl. Urk. D1/14/16 S. 28). Es ist deshalb nicht ausge-

schlossen, dass er sich in Eritrea reintegrieren kann.  

 Mit Bezug auf die Aussichten der Integration in der Schweiz führte die Ver-2.5.

teidigung aus, der Verlauf der Massnahme sei bis anhin positiv, weshalb die 

Chancen auf eine Wiedereingliederung des Beschuldigten sehr gut stehen wür-

den (Urk. 81 S. 22 ff.). Die gleichzeitige Anordnung einer stationären Massnahme 

sowie einer Landesverweisung birgt unbestrittenermassen Spannungsfelder. Der 

Gesetzgeber hat die Vereinbarkeit beider Anordnungen jedoch explizit vorgese-

hen: Art. 66c Abs. 2 StGB hält fest, dass vor dem Vollzug der Landesverweisung 

- 40 - 

die unbedingten Strafen und freiheitsentziehenden Massnahmen zu vollziehen 

seien. Die Prüfung der Voraussetzungen einer Landesverweisung und auch deren 

Verhältnismässigkeit hat im Urteilszeitpunkt zu erfolgen, nicht erst später, zum 

Beispiel nach Abschluss der Massnahme (vgl. BGE 145 IV 455 E. 9). Ein allfälli-

ger zukünftiger Erfolg der angeordneten Massnahme kann entsprechend im Ur-

teilszeitpunkt nicht berücksichtigt werden, zumal ein tatsächlicher Erfolg noch gar 

nicht feststeht. Die Massnahme für junge Erwachsene steht somit der Anordnung 

einer Landesverweisung nicht entgegen. Anzumerken bleibt, dass ein erfolgrei-

cher Abschluss einer Berufslehre nicht nur in der Schweiz von Vorteil ist, sondern 

auch im Ausland die Grundlage für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln sein 

kann. Der Beschuldigte ist jung, gesund, unverheiratet und kinderlos. Individuell 

konkret gefährdende Umstände in seinem Heimatland – nur solche sind massge-

bend, nicht die generelle Lage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1024/2019 vom 

29. Januar 2020 E. 1.3.6) – sind weder erkennbar noch wurden solche (substanti-

iert) vorgebracht. Auch unter dem Aspekt des Non-Refoulement Gebots ergibt 

sich entgegen den Ausführungen der Verteidigung (vgl. Urk. 81 S.19 f.) kein 

schwerer persönlicher Härtefall, der der Anordnung einer Landesverweisung ent-

gegenstehen würde. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht als erstellt er-

achtet werden, dass der Beschuldigte im Falle der Rückführung in sein Zielland 

mit hoher Wahrscheinlichkeit Folter oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt 

wäre. Die politische Situation im Zielland kann sich innerhalb des für die Landes-

verweisung relevanten Zeitraums von 5 - 15 Jahren massgeblich ändern, ebenso 

während der Dauer der vorab zu vollziehenden Freiheitsstrafe. Ein im Zeitpunkt 

des Vollzuges einer (allfällig auszusprechenden) Landesverweisung vorhandenes 

Vollzugshindernis wird gegebenenfalls von den Vollzugsbehörden im Rahmen 

von Art. 66d StGB zu berücksichtigen sei n (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichtes 

6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.2). Ein schwerer persönlicher Härtefall ist 

deshalb trotz seines Flüchtlingsstatus in der Schweiz zu verneinen.  

 Im Übrigen hat der Gesetzgeber mit Art. 121 Abs. 3-6 BV und Art. 66a ff. 2.6.

StGB eine Verschärfung der zuvor geltenden ausländerrechtlichen Recht-

sprechung angestrebt (BGE 145 IV 55 E. 4.3; 144 IV 332 E. 3.3.1 und 3.3.3; 

Urteile des Bundesgerichts 6B_1424/2019 vom 15. September 2020 E. 3.4.1 und 

- 41 - 

6B_1394/2019 vom 17. Juli 2020 E. 4.2.2), sodass der Verzicht auf eine Landes-

verweisung wegen eines persönlichen Härtefalls nur mehr ausnahmsweise in 

Frage kommt. Beim Beschuldigten besteht gemäss Gutachten ein hohe Rückfall-

gefahr für Gewaltdelikte (Urk. D1/14/16 S. 72), weshalb ein sehr hohes öffentli-

ches Interesse an einer Wegweisung besteht.  

 Insgesamt führt eine Landesverweisung beim Beschuldigten freilich zu einer 2.7.

gewissen Härte, welche jedoch nicht die erforderliche Schwere für einen persön-

lichen Härtefall erreicht. Es ist somit eine Landesverweisung anzuordnen. Ent-

sprechend kommt es nicht auf die Abwägung der öffentlichen Interessen an einer 

Landesverweisung mit den privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in 

der Schweiz an, wie gesagt, überwiegt aber das öffentliche Interesse ohnehin.  

 Die Vorinstanz hat trotz der empfindlich hohen ausgesprochenen Strafe 2.8.

von 58 Monaten die Landesverweisung auf das Minimum von 5 Jahren angesetzt 

(Urk. 60 S. 79). Aufgrund des Verbot der reformatio in peius (Art. 391 Abs. 2 

StPO) hat es damit sein Bewenden. 

VII. Ausschreibung im Schengener Informationssystem 

1. Landesverweisungen gegenüber Ausländern aus Staaten, die nicht zum 

Schengen-Raum gehören, werden im Schengen-Informationssystem ausge-

schrieben, wenn davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit der betreffenden 

Person im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates die öffentliche Sicherheit und Ord-

nung gefährdet. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Drittstaatsangehörige 

wegen einer Straftat verurteilt worden ist, die mit mindestens einem Jahr Frei-

heitsstrafe bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO, vgl. Art. 96 Abs. 2 lit. a SDÜ). 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Voraussetzung gemäss 

Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verordnung erfüllt, wenn der entsprechende Straftatbe-

stand eine Freiheitsstrafe im Höchstmass von einem Jahr oder mehr vorsieht. Im 

Sinne einer kumulativen Voraussetzung ist zudem zu prüfen, ob vom Beschuldig-

ten eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht. Damit wird 

dem in Art. 21 SIS-II-Verordnung verankerten Verhältnismässigkeitsprinzip Rech-

nung getragen. An die Annahme einer solchen Gefahr sind jedoch keine allzu ho-

- 42 - 

hen Anforderungen zu stellen. Nicht verlangt wird, dass das individuelle Verhalten 

der betroffenen Person eine tatsächliche, gegenwärtige und hinreichend schwere 

Gefährdung darstellt, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt. Dass bei 

der Legalprognose zum Beispiel eine konkrete Rückfallgefahr verneint und die 

Strafe bedingt ausgesprochen wurde, steht einer Ausschreibung der Landesver-

weisung im SIS daher nicht entgegen. Ebenso wenig setzt Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-

Verordnung die Verurteilung zu einer "schweren" Straftat voraus, sondern es ge-

nügen eine oder mehrere Straftaten, die einzeln betrachtet oder in ihrer Gesamt-

heit von einer "gewissen" Schwere sind, unter Ausschluss von blossen Bagatell-

delikten. Entscheidend ist zudem nicht das Strafmass, sondern in erster Linie die 

Art und Häufigkeit der Straftaten, die konkreten Tatumstände sowie das übrige 

Verhalten der beschuldigten Person (Urteil BGer 6B_1178/2019 vom 10. März 

2021 (publ. BGE 147 IV 340) mit Verweis auf Urteil BGer 6B_739/2020 vom 14. 

Oktober 2020). 

2. Der Beschuldigte ist eritreischer Staatsangehöriger. Damit ist er ein Dritt-

staatenangehöriger und die Landesverweisung ist grundsätzlich im Schengener 

Informationssystem auszuschreiben. Vorliegend erweist sich eine Ausschreibung 

auch als verhältnismässig, weil die vom Beschuldigten verübten Taten die von der 

Rechtsprechung vorausgesetzte Schwere ohne weiteres erfüllen. Die Ausschrei-

bung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem ist entsprechend 

anzuordnen. 

VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Kostenfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens 

Wie bereits ausgeführt ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (inklusive die 

Entschädigungen der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten sowie der 

Rechtsvertreter der Privatkläger 5 und 6) in Rechtskraft erwachsen. Bei diesem 

Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 

27) zu bestätigen. 

- 43 - 

2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren 

2.1. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO 

in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 GebV OG). Die Kosten des Rechtsmittel-

verfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterlie-

gens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im Rechtsmittelverfahren als obsie-

gend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Be-

schwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden 

(BSK StPO- DOMEISEN, Art. 428 N 6). 

2.2. Der Beschuldigte richtete sich mit seiner Berufung gegen einzelne 

Schuldsprüche, entsprechend gegen die vorinstanzliche Strafzumessung sowie 

gegen die angeordnete Landesverweisung. Das vorinstanzliche Urteil ist lediglich 

mit Bezug auf das Strafmass im Rahmen eines Ermessensentscheids etwas zu 

reduzieren. Ansonsten unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen vollum-

fänglich. Ausgangsgemäss sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens, mit 

Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu 

nehmen. Eine allfällige Rückerstattungspflicht bleibt vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 

StPO). 

2.3. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand 

von Fr. 15'071.18 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 82), was ausgewiesen ist und ange-

messen erscheint. Die Berufungsverhandlung dauert etwas länger, als von der 

Verteidigung geschätzt. Zudem ist der Aufwand für eine Nachbesprechung eben-

falls zu entschädigen. Es rechtfertigt sich daher, die Entschädigung für die Auf-

wendungen der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren mit pauschal 

Fr. 15'300.– zu entschädigen. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 8. Juli 

2021 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

- 44 - 

"Es wird beschlossen: 

1. Das Verfahren betreffend Betäubungsmittelkonsum vor dem 8. Juli 2018 wird einge-

stellt. 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Erkenntnis. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der (…) versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB [Dossier 6], 

− (…) 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Abs. 4 SVG, 

− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

− des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von 

Art. 292 StGB, 

− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, 

− des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 

lit. b und c BetmG sowie 

− der mehrfachen Übertretung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit (…) einer Busse von Fr. 500.–. 

3. Die Busse ist zu bezahlen. 

4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

vom 2. August 2017 ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 20.– und der 

mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. November 2017 aus-

gefällten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen. 

6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 61 StGB in eine Einrichtung für junge Er-

wachsene eingewiesen. 

- 45 - 

Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte im vorzeitigen Massnahmenvollzug 

im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) befindet. 

7. (…) 

8. (…) 

9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 

beschlagnahmten Betäubungsmittel und Betäubungsmittel-utensilien (Lagernummer 

S02212-2018 und S01391-2019) werden eingezogen und der Lagerbehörde zur 

Vernichtung überlassen. 

10. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

5. Januar 2021 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und der Lager-

behörde zur Vernichtung überlassen: 

− 1 leeres Zigarettenpäckchen Marlboro (A013’178'671), 

− 1 CH Taschenmesser rot (A013'210'510). 

11. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

5. Januar 2021 beschlagnahmten Gegenstände werden bei den Akten belassen: 

− 1 Freecom HD mit Videodaten VBZ (A013’289'764), 

− 2 Daten-CD mit Videoaufnahmen PP Rathaus (A013'534'015).  

12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 

beschlagnahmten Gegenstände (Polis-Geschäftsnr. 73086370), Oberbekleidung des 

Beschuldigten (A011'620'534 und A011'620'556) werden dem Beschuldigten innert 

30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben, bezie-

hungsweise nach Ablauf dieser Frist der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

13. Die nachfolgenden, einzig als Beweismittel sichergestellten Gegenstände Herrenja-

cke (A013'179'185), Herrenhose (A013'179'196), werden dem Privatkläger B._____ 

innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben. 

14. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden sämtliche unter der Refe-

renz-Nr. K191101-011 bzw. der Geschäftsnr. 76671313, unter der Referenz-Nr. 

K200830-010 bzw. der Geschäftsnr. 78592446, unter der Referenz-Nr. K200707-021 

bzw. der Geschäftsnr. 78198364 und unter der Referenz-Nr. K180629-004 bzw. der 

Geschäftsnr. 73086370 sichergestellten Asservate, Spuren und Spurenträger einge-

zogen und vernichtet. 

- 46 - 

15. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 

beschlagnahmten Fr. 870.– zur Deckung der Busse und Verfahrenskosten verwen-

det. 

16. Der Privatkläger C._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

17. Die Privatklägerin D._____ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

18. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger E._____ aus 

dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur ge-

nauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatklä-

ger E._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.  

19. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._____ Fr. 2'500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 30. August 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

20. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger E._____ Fr. 1'500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 1. November 2019 als Genugtuung zu bezahlen.  

21. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin F._____ Fr. 500.– zuzüglich 5 % 

Zins ab 14. September 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

22. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._____ wird abgewiesen. 

23. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter des Privatklä-

gers E._____ mit Fr. 5'080.05 (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

24. Rechtsanwalt lic. iur. Z._____ wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter der 

Privatklägerin F._____ mit Fr. 2'078.35 (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse 

entschädigt. 

25. Rechtsanwältin MLaw X2._____ wird für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 

mit Fr. 15'395.– (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

26. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 6'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'000.00   Gebühr für das Vorverfahren 

- 47 - 

Fr. 29'953.60   Auslagen (Gutachten/Expertisen) 

Fr. 610.00   Auslagen 

Fr. 3'490.00   Telefonkontrolle 

Fr. 2'520.00   Auslagen Polizei 

Fr.  100.00   Entschädigung Zeuge 

Fr.  15'570.85   Entschädigung amtliche Verteidigung (Vorverfahren) 

Fr. 6'166.70   Entschädigung amtliche Verteidigung (Verfügung 22.02.21) 

Fr. 15'395.00   amtliche Verteidigung  

Fr. 5'080.05   unentgeltlicher Rechtsvertreter Privatkläger E._____ 

Fr. 2'078.35   unentgeltlicher Rechtsvertreter Privatklägerin F._____ 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.  

27. (…) 

28. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertreter der 

Privatklägerin F._____ und E._____ werden auf die Gerichtskasse genommen; vor-

behalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO beim Beschuldig-

ten. 

29. (Mitteilungen) 

30. (Rechtsmittel)" 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist zudem schuldig 

− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1) 

− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 58 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

272 Tage durch Haft erstanden sind. 

- 48 - 

3. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a lit. b und c StGB für 5 Jahre 

des Landes verwiesen. 

4. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet. 

5. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 27) wird bestätigt. 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 15'300.–   amtliche Verteidigung 
 

Fr. 1'017.65   unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers 
  E._____. 

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklä-

gers E._____, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtli-

chen