# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4625c8cf-9971-5e60-a20a-f806f2038171
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-21
**Language:** de
**Title:** Nach selbstgewählter Auszeit nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der BF zurückgekehrt wäre in die bisherige Direktorenposition; VE daher gestützt auf LSE. Die abweichende Ermittlung der AF im Rahmen der Taggeldbemessung gestützt auf Art. 6 Satz 2 ATSG scheitert am instabilen Gesundheitszustand (BGE 8C_489/2021)
**Docket/Reference:** UV.2020.00077
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2020.00077.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2020.00077
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
21. Mai 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Fürsprecher Urs
Kröpfli
S-E-K Advokaten
Zürcherstrasse
310, 8500 Frauenfeld
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Frey
Kellerhals
Carrard
Zürich KIG
Rämistrasse
5, Postfach, 8024 Zürich
Sachverhalt:
1.
Der 19
69
geborene
X.___
war
vom 1. Juli 1999 bis
am
3
0.
Juni 2014
als Kader
-Mitarbeiter
bei
der
Y.___
angestellt
(
Urk.
14/A36)
und dadurch bei der
AXA
Versicherungen AG
(nach
folgend: AXA
) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Zufolge
Abredeversicherung
mit einer Geltungsda
uer von 180 Tagen (vgl.  Urk. 14
/A36; Art. 3 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG]) war der Versicherte weiterhin bei der AXA versichert, als er am 27. August 2014
einen
Motorradunfall erlitt (
vgl.
Unfallmeldung vom 3. September 2014, Urk. 14/A5). Die seitens der notfallmässig erstbehandelnden Ärzte des Universitätsspitals
Z.___
diagnostizierte Weichteilverletzung des oberen Sprunggelenks (vgl. Urk. 12/M1) wurde am 2
7.
und 2
9.
August
2014
operativ versorgt (vgl.
Urk.
14
/A36 S. 2,
Urk.
12/M6) und in der Rehaklinik
A.___
(vgl.
Urk.
12/M8) stationär nachbehandelt. Die AXA anerkannte den Schadenfall und
erbrachte Versicherungsleistungen (Heilbehandlung sowie Taggelder, Urk. 14
/A15). Ein ischämischer Infarkt (Schlaganfall) am 1
8.
Oktober 2014 (vgl.
Urk.
12/M15) hatte eine reine Alexie, eine schwere verbale Gedächtnisstörung, Störungen in der visuellen Wahrnehmung und
Visuokonstruktion
sowie den Rehabilitationsaufenthalt von November/Dezember 2014 in der Klinik
B.___
zur Folge (vgl.
Urk.
12/M26). Zudem wurde dem Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit attestiert (vgl.
Urk.
14
/A36 S. 3). Nach initialer Ablehnung
(vgl.
Urk.
14/A237,
Urk.
14/A241) anerkannte die AXA eine Leistungspflicht auch
im Zusammenhang mit dem Hirninfarkt (vgl.
Urk.
14/A274). Von April 2015 bis
Ende Juli 2017 erfolgten IV-unterstützte Eingliederungsmassnahmen (vgl.
Urk.
14
/A325; darunter ein Arbeitstraining im Zentrum
C.___
, vgl. Bericht vom 1
4.
Juli 2016,
Urk.
14/A138).
Im
August 2017 wurde der Versicherte zwecks Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit der Arbeitslosenversicherung
zugewiesen (
Urk.
14/A202 ff.);
diese
erbrachte
Vorleistungen
(vgl.
Urk.
14/A225 S. 2;
Art.
70
Abs.
2
lit
. b des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsgesetzes [ATSG]).
Vom
1.
April 2018
bis 30.
September 2018 war der Versicherte teilzeitlich (50%) als «
Wealth
Planning
Life Insurance
Specialist
» bei der
D.___
angestellt (
Urk.
14/A259 B1); ab dem 1. November 2018 folgte eine Festanstellung als «
Assistant
Vice
Presi
dent
» (70
%
) bei der
Y.___
(
Urk.
14/A299 B1)
. Zur medizinischen Abklärung veran
lasste die AXA das Gutachten der
E.___
vom 29. Januar 2019 (Urk. 12/M83) und stellte gestützt darauf die bisher erbrachten Leistungen mit Verfügung vom 4. März 2019
rückwirkend
per 31. Januar 2019 ein; zeitgleich verfügte sie für den Zeitraum vom
1.
August 2017 bis 31. Januar 2019 eine Nachzahlung von Taggeldern gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von
50
%
. Zu
dem sprach sie dem Versicherten ab dem 1. Februar 2019 eine Rente nach Mass
gabe einer 43%igen Invalidität sowie eine Integritätsentschädigung gestützt auf einen Integri
tätsschaden von 30
%
zu (
Urk.
14
/A316). Die gegen die Bemessung des Renten- sowie Taggeldanspruchs
vom
1.
April 2018
bis 3
1.
Januar 2019 erhobene Einsprache (
Urk.
14
/A323) wies die AXA mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
März 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 1
6.
April 2020 Beschwerde und beantragte, es seien
ihm
in Aufhebung des angefochtenen Entscheids vom 1
1.
März 2020
ab dem 1.
April 2018
Taggeld
er auf Grundlage eines
Valideneinkommens
von zumindest Fr. 300'000.-- pro Jahr
und ab dem
1.
Februar 2019 eine UV-Rente
auf Grundlage eines
Valideneinkommens
von
jährlich
zumindest Fr. 300'000.
-- auszurichten
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2. September 2020 schloss die Beschwer
degegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer am 2
8.
September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
3.
In invalidenversicherungsrechtlicher Hinsicht sprach die Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten mit Verfügung vom
5.
Mai
2020
vom
1.
August 2017 bis 3
1.
März 2018 befristet eine ganze und
ab
dem
1.
April 2018
eine unbefristete
Viertelsrente
zu (
Urk
14/A351)
. Die dagegen erhobene Beschwerde wird mit Urteil IV.2020.00346 heutigen Datums insoweit teilweise gutgeheissen, als der Anspruch auf die ganze Rente bis Ende Oktober 2018 gewährt wird.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 11. März 2020 (Urk. 2), welche den Taggeldanspruch vom
1.
April 2018 bis 3
1.
Januar 2019 sowie Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab dem
1.
Februar 2019 zum Inhalt hat, bildet den An
fechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens und stellt eine Sachurteilsvor
aussetzung dar (BGE 125 V 413 E. 1a); d
i
e
Verfügung vom 4. März 2019
erwuchs im unangefochtenen Teil der
zugesprochene
n
Integritätsentschädigung sowie
der
Einstellung der
Heilung
behandlung
per 3
1.
Januar
2019
und
die Nachzahlung des
Taggeldanspruchs ab
1.
August
2017
i
n Rechtskraft (vgl.
Urk.
14/A316,
Urk.
14/A323,
Urk.
1 S. 4
).
Strittig und zu prüfen sind der Taggeldanspruch
im Zeitraum
vom
1.
April 2018 bis 3
1.
Januar 2019 und der Renten
anspruch
a
b dem
1.
Februar 201
9.
1.2
1.2.1
Die massgebenden rechtlichen Grundlagen sind im angefochtenen
Einsprache
entscheid
vom
1
1.
März 2020
korrekt
wiedergegeben (Urk. 2
S. 5 ff.
). Es k
ann
mit de
r
nachfolgenden Ergänzung darauf
ver
wiesen werden.
1.2.2
Ist der Versicherte infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat er gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Arbeitsunfähigkeit ist nach
Art.
6
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsgesetzes (
ATSG
)
die
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit
bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufga
benbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumut
bare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. Will sich der Versicherungsträger auf
Art.
6 Satz 2
ATSG
berufen, so hat er die ver
si
cherte Person rechtsprechungsgemäss zuvor zu einem Berufswechsel aufzufor
der
n und ihm eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen (vgl. Urteil
des Bun
des
gerichts
8C_173/2008 vom 2
0.
August 2008 E. 2.3, Urteil
des Bundesgerichts
8C_443/2016 vom 1
1.
August 2016 E. 3.1
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid
erwog die Beschwerdegegnerin, betreffend das um
strittene
Valideneinkommen
könne weder auf den zuletzt erzielten Lohn bei der
Y.___
noch auf
ein
v
ergleichbares Einkommen
im
Rahmen einer
anderweitigen
Kaderfunktion
in der Finanzbranche
abgestellt werden
;
der Beschwerdeführer
habe
seine letzte Stelle vor dem Unfall zwecks Auszeit und nachfolgender beruf
licher Neuausrichtung gekündigt. Dass er nach der Auszeit wieder in
seine bisherige oder sehr ähnliche Tätigkeit
zurückgekehrt
wäre, sei zwar möglich
,
aber nicht überwiegend wahrscheinlich. Mithin sei das
Valideneinkommen
anhand der statistischen Tabellenlöhne
zu ermitteln
.
Der
umstrittene
Taggeldanspruch
vom
1.
April 2018
bis 3
1.
Januar 2019 sei – entgegen dem
einspracheweise
gestellten
Antrag – nicht auf Basis eines Einkommensvergleichs zu ermitteln. Einerseits liege
erst mit
Ausstellung des
E.___
-Gutachten
s vo
m 2
9.
Januar 2019 eine ärztlich
ausgewiesene Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit vor. Zudem handle es sich bei der vom
1.
April bis 3
0.
September 2018 befristeten Anstellung
bei
der
D.___
lediglich um einen Arbeitsversuch. Selbst wenn der Tag
geldanspruch
mittels Einkommensvergleich ermittelt würde, resultierte aus der
Gegenüberstellung des
LSE-Tabellenlohn
s
einerseits
und der
Einkommen bei der
D.___
resp.
Y.___
andererseits keine höhere Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
2)
.
2.2
Der
Beschwerdeführer
monierte
unter Hinweis auf die
als integral zu würdigende
Einsprachebegründung
zunächst das von der Beschwerdegegnerin eruierte
Vali
deneinkommen
. Vielmehr sei hierfür von einem
Jahreseinkommen
in Höhe
von
Fr.
300'000.-- bis
Fr.
350'000.--
(entsprechend
Fr.
200'000.--
Fixlohn
, z
uzüglich
mindestens Fr. 100'000.-- Bonus)
auszugehen
.
Der
Beschwerdeführer
habe
seit 2007 zumindest
Fr.
30
0'000.-- pro Jahr verdient. A
ufgrund
persönlicher Bezie
hun
gen und
bereits vor der Auszeit
mit potentiellen Arbeitgebern und Head
Hunter
n
geführten Gesprächen
mit
realen A
nstellungsa
ussichten
sei
überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, das
s der Beschwerdeführer nach der Auszeit
auf einem vergleichbaren Lohnniveau bei einer Bank oder Versicherung einge
st
iegen wäre;
aufgrund
seines
langjährigen Leistungsausweises
und
sehr grossen
persönlichen Netzwerk
s
sowie profunder Sachkenntnis und
weitreichender Beruf
s
erfahrung
sei er hierfür
geradezu prädestiniert gewesen
. Zudem sei der Beschwer
deführer auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt gewesen. Der im Rahmen
der Auszeit
geplante intensive Spanischkurs hätte ein
en wesentlichen
Vorteil für die künftige Karriere gebracht. Ausserdem sei der Beschwerdeführer für eine LLM-Weiterbil
dung angemeldet gewesen. Damit hätte er sich im Markt noch besser positio
nieren können
. Der Beschwerdeführer habe seine Stelle bei der
Y.___
zwar aufgrund eines Wunsches
,
eine längere Reise
anzutreten,
gekündigt
, aber auch, weil er im Rahmen der bisherigen Stelle ein anspruchsvolles Projekt ohne Potenzial für seine persönliche Entwicklung hätte leiten sollen; er
hätte mit diesem Projekt seine Position innerhalb der
Y.___
geschwächt.
Dass der Beschwerdeführer just in dieser Phase seine hochbezahlte Tätigkeit gekündigt habe, bringe zum Ausdruck, dass er n
ach der Auszeit den nächsten Karriereschritt
habe
angehen und wieder durchstarten wollen
. Zudem habe der Beschwerdeführer für die D
auer der Auszeit
eine Zusatzversicherung für Krankheit und Unfall bei der
Sanitas
abgeschlossen und dabei – entsprechend seinem vormaligen
Fixlohn
- ein Jahressalär von Fr.
200'000.
--
versichert.
Auch dies zeige klar auf, welche Ansprüche der Be
schwerdeführer auch künftig habe abdecken wollen
. Ferner
stellte sich
der Be
schwerdeführer
auf den Standpunkt, mit Aufnahme einer zumutbaren Verweis
täti
gkeit am
1.
April 2018 resp. 1.
November 2018 sei der Taggeldanspruch rechtsprechungsgemäss mittels Ei
nkommensvergleich zu ermitteln
(
Urk.
1,
Urk.
14/A323
).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort
hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Standpunkt
und ergänzend fest
, es könne nicht Sinn und Zweck von
Art.
3
Abs.
2 und 3 UVG sein, im Lichte einer Erwerbsausfallentschädigung Taggelder zu gewähren, wenn
sich die versicherte Person vor dem Unfallereignis bewusst und freiwillig für eine lange, unbestimmte Zeit aus dem Erwerbsleben zurückziehe.
Gleichwohl seien Tag
gelder ausgerichtet worden; ein Taggeldanspruch könne dem Beschwerde
führer heute nach Treu und Glauben indes nicht abgesprochen werden (
Urk.
10).
3.
Strittig und zu prüfen ist zunächst
das
Valideneinkommen
.
3
.1
Der
Beschwerdeführer
hat
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bei der
Y.___
unbe
strittenermassen zugunsten eines sog.
Sabbaticals
(Auszeit) per 30. Juni 2014 und damit bereits vor dem Unfall vom 2
7.
August 2014 selbst gekündigt (vgl.
Urk.
1; vgl. auch Telefonnotiz vom 15. September 2014,
Urk.
14/A13; vgl. auch Aussen
dienstbericht über die Besprechung vom 10. November 2014,
Urk.
14/A36 S. 3 f.)
. Mit anderen Worten hat er die zuletzt innegehabte Stelle aus unfallfremden Gründen aufgegeben und
es
kann
deshalb
nicht auf den
bei der
Y.___
erzielten Direktorenlohn
abgestellt werden. Als
dann hat der Beschwerdeführer initial angegeben, er habe seine langjährige Stelle bei der
Y.___
gekündigt, um im Sinne einer Auszeit von Ende September bis Weihnachten 2014 nach Buenos Aires zu reisen, wo er auch einen Spanischkurs habe belegen wollen. Er habe jahrelang viel gearbeitet und viel verdient. Nun wolle er einen «Break» und mal etwas Neues machen. Danach habe er keine Führungsaufgabe mehr ausüben wollen. Ob er zurück zur
Y.___
oder zu einer Konkurrenz gegangen wäre oder etwas Anderes ge
macht hätte, sei vor dem Unfall noch völlig offen gewesen. Bei der Kündigung sei ihm bewusst gewesen, dass eine Rückkehr in diese Spezialbranche vielleicht nicht mehr möglich sei, weil die Banken in dieser Nische nicht viel Personal benötigten. Er sei bereit gewesen, auch etwas Anderes zu arbeiten. Dies sei denn auch der Grund für die Kündigung gewesen. Nach der Auszeit wäre er entweder in die Branche zurückgekehrt oder hätte
er
einen Branchenwechsel gewagt (vgl. Telefonnotiz vom 15. September 2014,
Urk.
14/A13; vgl. auch Aussendienst
be
richt über die Besprechung vom 10. November 2014,
Urk.
1
4
/A36 S. 3 f.; vgl.
ausserdem die Telefonnotiz vom 14. November 2014, wonach der Beschwer
de
füh
rer auf Rückfrage hin die zuvor gemachten Angaben wiederholte und bestä
tigte,
Urk.
1
4
/A37).
Seine initialen Ausführungen stehen diametral im Wider
spruch zu den beschwerdeweisen Vorbringen des Beschwerdeführers. Damit
erscheint die
erst
einsprache
- und
beschwerdeweise postulierte
sichere
Rückkehr in eine hoch
qualifizierte und hochbezahlte Tätigkeit
innerhalb der Finanz- oder Versiche
rungsbranche
als bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen ver
sicherungsrechtlich
er oder anderer Art beeinflusst
und kann dem Beschwer
de
führer damit nicht gefolgt werden. Vielmehr
stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts praxisgemäss in der Regel auf die «Aussagen der ersten
Stunde» ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
. Dass der beabsichtigte Spanisch
kurs in Argentinien im Dienste eines danach angestrebten Karrieresprungs ge
standen haben soll, kann mit Blick auf die innerhalb der Finanzbranche vor
herr
schende
Englischsprachigkeit
nicht ernsthaft angenommen werden; die – erst
mals
einspracheweise
- erwähnte Anmeldung für eine nicht weiter spezifizierte «LLM-Weiterbildung» im Zeitpunkt
der Auszeit
(vgl.
Urk.
14/A323) ist nicht belegt und steht darüber hinaus im Widerspruch zur gleichzeitig geltend gemachten Wieder
aufnahme einer Erwerbstätigkeit ab Januar 2015 (vgl. E-Mail vom 17. April 2015,
Urk.
14/A323
Beilage
).
Ferner
ist den Akten nicht zu entnehmen und hat der Be
schwerdeführer auch nicht behauptet, anstelle der Kündigung einen unbezahl
ten Urlaub angedacht oder beantragt zu haben.
Dass der Beschwerdeführer, der seine Spezialisierung und sein weitreichendes Expertenwissen besonders hervorgeho
ben hat (
Urk.
1 S. 8), seine zuletzt innegehabte, lukrative Stelle, bei welcher es sich um einen Nischenarbeitsplatz handelte (vgl. Urk. 14/A13), definitiv ge
kün
digt hat, spricht jedenfalls nicht ohne Weiteres für die behaupteten Rückkehr
pläne in eine Direktoren- und ähnlich
entlöhnte
Position.
Daran vermögen
weder allgemein und unverbindlich geführte Gespräche
über eine mögliche Rückkehr des Beschwerdeführers
zur
Y.___
(
vgl. Email vom
1
3.
März 2019
,
Urk.
14/A323) noch
die
vom Beschwerdeführer verfasste
Abhandlung zum Thema «
Too
Big
to
Fail»
(
Urk.
3/3)
oder
die im Rahmen der Eingliederungs
mass
nahmen bei der
C.___
erstellte Liste «Job
Opportunities
& Ansprechpartner» (
Urk.
3/5, vgl. auch
Urk.
12/M41 S. 6) etwas zu ändern. Dasselbe gilt für die guten Leistungsausweise, behaupteten persönlichen Kontakte und das im Mai 2014 vereinbarte Skype-Interview mit einem Headhunter der
F.___
für eine Stelle als «Head
of
Sales
» in Luxemburg (vgl. die
einspracheweise
aufgelegte E-Mail-Korrespondenz 2
3.
bis 2
8.
Mai 2014,
Urk.
14/A323). Insbesondere räumte der Beschwerdeführer selbst ein, es habe sich dabei lediglich um ein informelles Bewerbungsgespräch gehandelt (
Urk.
1 S. 7
f.,
wonach auch bei der potenziellen
Arbeitgeberin G.___
keine konkreten Absichten schriftlich festgehalten wor
den seien; vgl. dazu auch die E-Mail vom 1
7.
April 2015,
Urk.
14/A323). Dazu passend gab der Beschwerdeführer bereits in seiner E-Mail vom 1
7.
April 2015 an, der Arbeitsplatz in Luxemburg habe ihn «nicht wirklich gereizt» (
Urk.
14/A323).
Aus dem
im Rahmen der
Zusatzversicherung für Krankheit und Unfall bei der
Sanitas
versicherten Lohn lässt
sich
ebenso wenig
zum Vorteil des Beschwerdeführers ableiten
(
vgl.
Urk. 1,
Urk.
3/4).
Insbesondere sagt der versi
cherte Lohn nichts über zukünftige
Lohn
erwartungen
und Berufsabsichten
aus
.
Mithin
liegen keine stichhaltigen Hinweise und Anhaltspunkte für die behauptete Rückkehr
in
eine Direktoren-
oder vergleichbar
entlöhnte
Stelle
vor
. Dies
umso weniger mit Blick
auf das
aus dem parallel geführten Beschwerdeverfahren IV.2020.00346 aktenkundigen
Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung
bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wonach
der Be
schwerdeführer
am 9. Februar 2015
angab
, er
habe der Bankenbranche den Rücken zu
kehren
wollen
. Die Firmenpläne
der
Y.___
seien «nicht mehr die seinen gewesen». Es se
i etwa ein zweijähriges Engagem
e
n
t in Singapur vorgesehen gewesen, was ihm nicht behagt habe. Zudem habe er im Zuge eines Projektes
zuletzt
denjenigen Kunden künden müssen, die er und seine Abteilung in den Jahren zuvor akquiriert und über die Ländergrenzen hinweg im Bereich Steuer
optimierung/Lebensversicherungen beraten
habe. Ohnehin habe er je länger,
je mehr einen gewissen Überdruss verspürt ob der immer gleichen Tätigkeit.
Ferner
gehe er
«
gegen die 50 zu
»
und müss
t
e
ein Wechsel wegen der ansonsten kritischen Chancen
wohl vorher erfolgen. So habe er sich die Freiheit genommen
,
«
Knall auf Fall
»
zu kündigen, zumal er ja auch wenig eigentliche Verpflichtungen habe und finanziell gut dastehe. Er sei im Guten gegangen
. M
anche hätten ihn
wohl ob seines Entschlusse
s und wegen seiner Unabhängigkei
t insgeheim
beneidet
.
Stel
lenangebote resp. Geschäftsideen von Bekannten habe er quasi kategorisch abge
lehnt und diese wissen lassen, dass er die Auszeit ohne jegliche – auch nur implizite – Verpflichtung oder berufliche Pläne angehen werde
(
vgl.
Urk.
6/122/2 und
Urk.
6/122/6
f.
im
Beschwerdev
erfahren IV.2020.000346
)
.
3
.2
In Würdigung dieser Umstände kann jedenfalls nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer nach
der Auszeit
in eine Führungsposition auf demselben Lohnniveau wie zuvor zurück
gekehrt wäre
,
und hat die Beschwerdegegnerin das – unter den Besonderheiten des vorliegenden Falles so konkret wie nur möglich zu bestimmende –
Validen
einkommen
zu Recht auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausge
gebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet. Dabei hat die Beschwerdegegnerin mit Blick auf die Ausbildung und Berufsbiographie des Be
schwerdeführers (vgl.
Urk.
14/A88 B1;
Urk.
12/M83 S. 6; psychiatrisches Teilgut
achten S. 4) in gut
begründ
- und nachvollziehbarer Weise auf den Tabellenlohn für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in der Höhe von Fr. 11’6
92
.
--
ab
gestellt (LSE 201
6
, Tabelle TA1,
Ziff.
64-66, Finanz- und Versicherungs
dienst
leistungen, Männer, Kompetenzniveau 4; zur Anwendbarkeit von LSE-Lohn
tabellen in einem ähnlich gelagerten Fall, vgl. etwa den Bundesgerichtsentscheid 9C_271/2018 vom 19. März 2019).
Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen A
rbeitszeit im Jahr 201
8
von 41.
5
Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche,
T
03.02.03.01.04.01
, Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
) sowie
der
branchenspezifischen
Nominallohnentwicklung für Männer bis ins mass
geb
liche Jahr 2019
(Indexstand
101,4
[201
6
]
104,7
[2019
]; vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex,
T1.1.10
, Nominallohnindex, Männer, 2016
-201
9
)
resultiert
ein
Validen
einkommen
2019
von rund Fr.
150'302.75
(Fr.
11’6
92
.-- : 40 x 41.
5
x 12 :
101,4
x
104,7
).
3
.3
Sodann besteht u
nter den Parteien
zu Recht
Einigkeit darüber
(vgl.
Urk.
1 S. 4)
, dass bei
m
Invaliden
ein
kommen
auf
d
as ab dem 1.
November 2018 tatsächlich als «
Assistant
Vice
President
» bei der
Y.___
(
in einem Pensum von
70
%
)
erwirtschaftete Einkommen
in der Höhe von
Fr.
84'000.--
abzustellen ist (Urk.
14/A316,
Urk.
1
,
Urk.
2 S. 6
; vgl. auch
das
E.___
-Gutachten vom 29. Januar 2019,
wonac
h jedenfalls seit Oktober 2018 [
Datum der Explorat
ion]
eine
Arbeitsfähigkeit in einem
70%ige
n
Pensum
bestand,
Urk.
12/
M
83
S. 23
).
Unter Berücksichtigung der
branchenspezifischen
Nomi
nallohn
entwicklung bis ins massgebliche Jahr 2019
ergibt sich
ein
Inva
li
deneinkommen
von
rund
Fr.
85'303.60
(Fr.
84'000.
--
: [2018]
103,1
x [2019]
104,7
).
3
.
4
Aus der Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr.
64'999.60
, was einen Invaliditätsgrad von
43,25
%, ge
rundet 43 %
,
ergibt.
Im Sinne eines Zwischenfazits ist
damit
nicht zu beanstanden, wenn die Be
schwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab dem
1.
Februar 2019 eine UV-Rente auf Basis einer 43%igen
Erwerbs
unfähigkeit zugesprochen hat.
4
.
Strittig und zu prüfen
ist
sodann der
Taggeldanspruch
im Zeitraum vom
1.
April 2018 bis 31.
Januar 2019.
4
.1
Soweit die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort erstmals den Tag
geldanspruch des Beschwerdeführers grundsätzlich in Frage stellt (
Urk.
10
Ziff.
29),
ist vorab darauf hinzuweisen, dass die Nachdeckung
gemäss
Art. 3 Abs. 2 UVG und
Abredeversicherung
nach Art. 3 Abs. 3 UVG das Vermeiden von Lücken im Versicherungsschutz bezweckt, die ohne diese Bestimmungen entstehen könnten, wenn die versicherte Person für einen kürzeren Zeitraum (maximal ein halbes Jahr) nicht in einem Arbeitsverhältnis steht (vgl. Gabriele Riemer-Kafka, Ein Kommentar: Urteil U 51/03 vom 29. Oktober 2003, in: SZS 2004, S. 80). Dabei stehen für die versicherte Person
naturgemäss
die Geldleistungen im Vorder
grund, wäre doch jedenfalls die in der Schweiz wohnhafte Person auch ohne diese Möglichkeit für die Heilbehandlung versichert (vgl. Art. 1a Abs. 2
lit
. b des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung, KVG). Insbesondere die
Abrede
versicherung
würde somit weitgehend ihres Zwecks beraubt, wenn während ihrer Dauer kein Anspruch auf Taggeldleistungen entstehen könnte. Mit Entscheid
8C_243/2017 vom 31. August 2017 beurteilte das Bundesgericht den Fall eines Ver
sicherten, der vor Ende des Arbeitsverhältnisses eine
Abredeversicherung
mit der Allianz abschloss und innert
des versicherten Zeitraums
einen Unfall erlitt. Die Allianz anerkannte grundsätzlich ihre Leistungspflicht und erbrachte Heil
behandlungskosten. Demgegenüber verneinte sie einen Taggeldanspruch und be
gründete dies damit, der Versicherte wäre auch ohne den Unfall nicht erwerbs
tätig gewesen. Das Bundesgericht hielt dazu fest, bei Bestehen einer
Abrede
ver
sicherung
könne der Anspruch auf ein Taggeld grundsätzlich nicht einzig mit dem Argument verneint werden, die versicherte Person wäre auch ohne den Unfall während der Heilungsphase nicht erwerbstätig gewesen. Etwas Abwei
chendes gelte nur dann, wenn feststeht, dass sich die versicherte Person bereits vor dem Unfall endgültig aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen wollte, mithin im Falle einer Pensionierung (E. 3.6).
In BGE 130 V 35 ging es um einen Versicherten, der kurz nach seiner vorzeitigen Pensionierung und damit noch in der Nachdeckungsfrist
gemäss
Art. 3 Abs. 2 UVG verunfallte. Das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht (heute: Bun
desgericht, I. sozialrechtliche Abteilung) erwog, eine solche Person könne gar nicht mehr arbeitsunfähig im Sinne von Art. 16 Abs. l UVG (heute: im Sinne von Art. 6 ATSG) sein, so dass auch kein Anspruch auf ein Taggeld mehr bestehen könne. Dieser Entscheid ist in der Folge von der Lehre kritisiert worden (Gabriela Riemer-Kafka, a. a. O, in: SZS 2004, S. 78 ff.; Ueli
Kieser
,
Lohneinbusse
als Voraussetzung von Taggeldern der Unfallversicherung? Art. 16 Abs. l UVG, in: AJP 2004, S.
190 ff.). Insbesondere wurde bemängelt, er stelle eine Abkehr von der abstrakten Bemessungsmethode der Taggelder dar. Daraufhin präzisierte das Bundesgericht in BGE 134 V 392, BGE 130 V 35 habe nichts an der grundsätzlich abstrakten Berechnungsmethode der Taggelder geändert (vgl. auch
Botschaft des Bundesrates zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Un
fallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der SUVA] vom 3
0.
Mai 2008 [
BBl
2008 S. 5395 ff.])
. Entsprechend bejahte es den Taggeldanspruch einer Versicherten, welche in einem Zeitpunkt verunfallte, als sie noch erwerbstätig war, gegebenenfalls auch über das Erreichen des ordent
lichen AHV-Rentenalters hinaus (vgl. Bundesgerichtsentscheid 8C_243/2017 vom 31. August 2017 E. 3.4 f.). Mithin kann – jedenfalls für die derzeitige rechtliche Situation - im Rahmen der Taggeldberechnung nicht entscheidend sein, aus
welchem Grund das bisherige Arbeitsverhältnis aufgelöst wurde.
Fest steht des
halb, dass - vorbehältlich des in BGE 130 V 35 beurteilten Falles (
welcher
mit der vorliegend zu beurteilenden Situation
nicht vergleichbar ist
) - der Nachweis eines konkreten Erwerbsausfalles zur Begründung bzw. Aufrechterhaltung eines UVG-Taggeldanspruchs
(vgl. hierzu
Art.
16
Abs.
2 zweiter Satz UVG)
nicht erforderlich ist.
D
avon
abgesehen
geht die Argumentation der Beschwerdegegnerin in der Be
schwerdeantwort bereits mit Blick auf den vorliegend
strittigen
Zeitraum
(
1.
April 2018 bis 3
1.
Januar 2019
)
ins Leere. Handelte es sich
beim
Sabbat
ical
doch um
eine vorübergehende A
uszeit, die jedenfalls 2018 längst beendet gewesen wäre
.
4
.2
08.2018
Gemäss Art. 15 UVG werden Taggelder und Renten nach dem versicherten Ver
dienst bemessen (Abs. 1). Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn (Abs. 2).
D
ie freiwillige
Abredeversicherung
nach Art. 3 Abs. 3 UVG
besitzt
nach der Rechtsprechung keinen eigenständigen Versicherungscharakter. Vielmehr verlängert die Abrede
– wie bereits ausgeführt -
eine bestehende obligatorische Versicherungsdeckung und bezweckt die Verhinderung von Versicherungslücken für Personen, die nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses länger als 30 Tage keine neue Stelle an
treten, da sie ohne getroffene Abrede über keinen Versicherungsschutz ver
fügten.
Seitens der Lehre wird daher postuliert, bei der Bemessung der Taggelder die ver
sicherte Person so zu stellen, wie wenn sie am letzten Tag ihrer Erwerbs
tätigkeit verunfallt wäre (André Pierre Holzer,
Der versicherte Verdienst in der obliga
to
rischen Unfallversicherung, in: SZS 2010, S. 201 ff
, S. 214).
Mithin
ist der Be
schwerdeführer
im Rahmen der Taggeldbemessung so zu stellen, wie wenn
er
am letzten Tag
seiner
Erwerbstätigkeit bei der
Y.___
verunfallt wäre.
Unter Berück
sichtigung des im Unfallzeitpunkt
geltenden Höchstbetrages (
Art.
15
Abs.
3
UVG
i. V. m.
Art.
22
Abs.
1
der Verordnung über die Unfallversicherung,
UVV) ergibt sich
damit
ein versicherter Jahresverdienst von
Fr.
126‘000.--.
4
.3
Gestützt
auf das
E.___
-Gutachten vom 29. Januar 2019, welches den in der Rechtsprechung des Bundesgerichts entwickelten Anforderungen (vgl.
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
) in allen Teilen genügend als beweis
kräftig anzusehen und auf welches daher abzustellen ist,
war
der Beschwerde
führer seit dem Unfall vom 2
7.
August 2014 in seiner angestammten Tätigkeit
anhaltend
zu 100
%
arbeitsunfähig
(vgl.
Urk.
12/
M
83, S.
22
).
Damit hat er
im vorliegend strittigen Zeitraum vom
1.
April 2018 bis 3
1.
Januar 2019
Anspruch
auf
ein
Taggeld
auf Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit.
Soweit die Be
schwerdegegneri
n im angefochtenen Entscheid
– vom Gutachten abweichend -
von einer 50%i
gen Arbeitsunfähigkeit ausging,
liess
sie hierfür
eine stichhaltige Begründung vermissen
und kann ihr damit nicht gefolgt werden
.
4
.4
Der
Beschwerdeführer
verlangte
unter Hinweis auf das Bundesgerichtsurteil 8C_320/2007 vom
7.
Dezember 2007
zur
Ermittlung der Arbeitsunfähigkeit
einen
Einkommensvergleich (
Urk. 1.
S.
4)
. Zwar wurde der Beschwerdeführer m
it Schrei
b
en vom
7.
August 2017 von der Beschwerdegegnerin aufgefordert, sich bei der Arbeitslosenkasse anzumelden und
damit
seine Arbeitsfähigkeit in einem
anderen Beruf zu verwerten (
Urk.
14/A202
). Allerdings lag zu jenem Zeitpunkt kein stabiler Gesundheitszustand vor
; eine medizinisch ausgewiesene Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit bestand
zudem
erstmals
im Oktober 2018
(vgl.
E.___
-Gutachten vom 2
9.
Januar 2019
,
Urk.
14/M83
S. 24
;
vgl. auch den Schlussbericht des Case Managements vom 3
1.
Juli 2017, wonach die am
1.
Juni 2017 angetretene Stelle als Senior Manager Corporate Fundraising bei der
H.___
u.a. aus gesundheitlichen Gründen bereits anfangs August 2017 wieder beendigt werden musste,
Urk.
14/A200
)
.
Die
Voraussetzungen
für eine abweichende Bemessung des Taggeldanspruchs gestützt auf
Art.
6 Satz 2 ATSG (vgl. E. 1.3)
sind damit
nicht erfüllt und
es
kann dem beschwerdeweisen Antrag nicht gefolgt werden.
Davon abgesehen
wäre
der beantragte Einkommens
ver
gleich
im Rahmen der Taggeldbemessung
mit Blick
auf
das vorliegend LSE-basierte
Valideneinkommen
(vgl. E. 3.
2
)
für den Beschwerdeführer
nachteilig
.
4.5
Die Überentschädigungsberechnung nach
Art.
69 ATSG zufolge Zusammen
treffen der Taggelder mit Rentenleistungen der Invalidenversicherung (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts 8C_361/2013 vom 2
1.
Januar 2014 E. 2, 8C_415/2011 vom 1
9.
Oktober 2011 E. 4.1) liegt ausserhalb des vorliegend zu beurteilenden Anfechtungsgegenstandes und wird Sache der Beschwerdegegnerin sein.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
1
1.
März 2020
dahingehend abzuändern, dass der Beschwerdeführer
vom
1.
April 2018 bis 3
1.
Januar 2019 Anspruch auf ein Taggeld auf Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
hat.
Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
6
.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts rechtfertigt
eine teilweise Gut
heissung
noch keine Reduktion der Parteientschädigung, jedenfalls soweit der Aufwand nicht vom beantragten Umfang der
Leistung
beeinflusst wird (Urteil des Bundesgerichts 9C_466/2007 vom 25. Januar 2008 E. 5). Entsprechend ist die Be
schwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine volle Prozessent
schädigung zu bezahlen. Diese ist nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen und auf insgesamt Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene
Einspracheentscheid
der
AXA
vom
1
1.
März 2020
dahingehend abgeändert, dass festgestellt wird, dass der
Beschwerdeführer
vom
1.
April 2018 bis 3
1.
Januar 2019 ein Taggeldanspruch auf Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Fürsprecher Urs
Kröpfli
-
Rechtsanwalt Christoph Frey
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger