# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6ac1c1f1-a294-53ba-9792-f7301726d383
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 17.11.2021 RH.2021.15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RH-2021-15_2021-11-17.pdf

## Full Text

Entscheid vom 17. November 2021 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Giorgio Bomio-Giovanascini und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Tobias Regli, 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung,  

Beschwerdegegner 

 

Gegenstand  Auslieferung an Deutschland 

 

Aufhebung der Haft (Art. 50 Abs. 3 IRSG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RH.2021.15 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Schreiben vom 27. April 2021 ersuchte das Justizministerium Nordrhein-

Westfalen die Schweiz um Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen 

A. (RR.2021.165, act. 6.1). 

 

 

B. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») erliess am 25. Mai 2021 einen 

Auslieferungshaftbefehl gegen A. und beauftragte die Thurgauer Behörden 

mit dessen Festnahme (RR.2021.165, act. 6.2 und 6.3).  

 

 

C. Am 1. Juni 2021 wurde A. von der Kantonspolizei Thurgau festgenommen. 

Anlässlich der Einvernahme vom 2. Juni 2021 widersetzte sich A. einer ver-

einfachten Auslieferung nach Deutschland (RR.2021.165, act. 6.4 und 6.5). 

Der Auslieferungshaftbefehl vom 25. Mai 2021 blieb unangefochten. 

 

 

D. Mit Schreiben vom 14. Juni 2021 beantragte A. seine Haftentlassung, was 

vom BJ am 17. Juni 2021 abgelehnt wurde (RR.2021.165, act. 6.6 und 6.7). 

 

 

E. A. nahm mit Schreiben vom 30. Juni 2021 zum Auslieferungsersuchen der 

deutschen Behörden schriftlich Stellung und ersuchte erneut um Haftentlas-

sung (RR.2021.165, act. 6.8). 

 

 

F. Mit Auslieferungsentscheid vom 8. Juli 2021 bewilligte das BJ die Ausliefe-

rung von A. für die dem Auslieferungsersuchen vom 27. April 2021 zugrun-

deliegenden Straftaten (Dispositiv-Ziffer 1) und wies das Haftentlassungsge-

such vom 30. Juni 2021 ab (Dispositiv-Ziffer 2, RR.2021.165, act. 6.9). 

 

 

G. Am 6. August 2021 reichte A. beim Staatssekretariat für Migration SEM ein 

Asylgesuch ein (RR.2021.165, act. 23).  

 

 

H. Mit Eingabe vom 9. August 2021 erhob A. gegen den Auslieferungsentscheid 

vom 8. Juli 2021 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstraf-

gerichts. Er beantragte die Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 des Ausliefe-

- 3 - 

 

 

rungsentscheids vom 8. Juli 2021 sowie die Abweisung des Auslieferungs-

gesuchs der deutschen Behörden vom 27. April 2021. Ausserdem stellte A. 

ein akzessorisches Haftentlassungsgesuch (RR.2021.165, act. 1). 

 

 

I. Im Rahmen des Schriftenwechsels im Beschwerdeverfahren RR.2021.165 

machte A. mit Eingabe vom 7. September 2021 geltend, er habe am 26. Au-

gust 2021 notfallmässig vom Gefängnis ins Spital verlegt werden müssen. 

Dort sei bei ihm Prostatakrebs festgestellt worden.  Er beantragte den Beizug 

seiner Krankenakte und die umgehende Haftentlassung (RR.2021.165, 

act. 10).  

 

 

J. Mit Schreiben vom 7. September 2021 überwies die Beschwerdekammer 

das Haftentlassungsgesuch zuständigkeitshalber an das BJ (RR.2021.165, 

act. 12). Dieses lehnte das Haftentlassungsgesuch mit Schreiben vom 

10. September 2021 ab (act. 3.2). Dieser Entscheid blieb unangefochten. 

 

 

K. Am 14. Oktober 2021 liess A. erneut ein Haftentlassungsgesuch beim BJ 

stellen, das mit Verfügung vom 18. Oktober 2021 abgewiesen wurde 

(act. 3.3 und 3.4).  

 

 

L. Mit Entscheid vom 27. Oktober 2021 wies das SEM das Asylgesuch von A. 

vom 6. August 2021 ab (RR.2021.165, act. 26). 

 

 

M. Gegen die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs des BJ vom 18. Okto-

ber 2021 gelangte A. mit Beschwerde vom 29. Oktober 2021 an die Be-

schwerdekammer. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung vom 18. Ok-

tober 2021 und die unverzügliche Entlassung aus der Auslieferungshaft. 

Eventualiter sei die Verfügung des BJ vom 18. Oktober 2021 aufzuheben 

und an den Beschwerdegegner zur korrekten Abklärung und Neubeurteilung 

zurückzuweisen (act. 1 S. 2).  

 

 

N. Das BJ beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 6. November 2021 die 

kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde (act. 3). In seiner Replik vom 

11. November 2021 lässt A. durch seinen Rechtsvertreter sinngemäss an 

den in der Beschwerde gestellten Anträgen festhalten (act. 4). A. nimmt zu-

- 4 - 

 

 

dem persönlich mit Eingabe vom 11. November 2021 zur Beschwerdeant-

wort des BJ Stellung. Er weist insbesondere auf seinen Gesundheitszustand 

hin und verneint das Vorliegen von Fluchtgefahr (act. 5). Die Replik und die 

Stellungnahme von A. werden dem BJ zusammen mit dem vorliegenden Ent-

scheid zur Kenntnisnahme zugestellt. 

 

 

O. Mit Eingabe vom 16. November 2021 lässt das BJ der Beschwerdekammer 

eine Kopie des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-488/2021 vom 

11. November 2021, mit welchem dieses die von A. gegen den ablehnenden 

Asylentscheid erhobene Beschwerde abgewiesen hat, zur Kenntnis zukom-

men (RR.2021.165, act. 28). 

 

 Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sind 

primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-

ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1), die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 

17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12) und vom 10. November 2010 

(ZPIII EAUe; SR 0.353.13) sowie der Vertrag vom 13. November 1969 zwi-

schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik 

Deutschland über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner An-

wendung (ZV EAUe; SR 0.353.913.61) massgebend. Überdies anwendbar 

sind das Schengener Durchführungsübereinkommen vom 14. Juni 1985 

(SDÜ; CELEX-Nr. 42000A0922(02); ABl. L 239 vom 22. September 2000, 

S. 19-62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abrufbar auf der Webseite 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechtssammlung zu den bi-

lateralen Abkommen», 8.1 Anhang A; https://www.admin.ch/opc/de/euro-

pean-union/international-agreements/008.html) i.V.m. dem Beschluss des 

Rates 2007/533/JI vom 12. Juni 2007 über die Einrichtung, den Betrieb und 

die Nutzung des SIS der zweiten Generation (SIS II), namentlich Art. 26-31 

(CELEX-Nr. 32007D0533; ABl. L 205 vom 7. August 2007, S. 63-84; abruf-

bar unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Abkommen», 8.4 Weiterent-

wicklungen des Schengen-Besitzstands), sowie diejenigen Bestimmungen 

des Übereinkommens vom 27. September 1996 über die Auslieferung zwi-

https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html

- 5 - 

 

 

schen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-Auslieferungs-

übereinkommen; CELEX-Nr. 41996A1023(02); Abl. C 313 vom 23. Okto-

ber 1996, S. 12–23), welche gemäss dem Beschluss des Rates 2003/169/JI 

vom 27. Februar 2003 (CELEX-Nr. 32003D0169; Abl. L 67 vom 

12. März 2003, S. 25 f.; abrufbar unter «Rechtssammlung zu den sektoriel-

len Abkommen mit der EU», 8.2 Anhang B) eine Weiterentwicklung des 

Schengen-Besitzstands darstellen (d.h. die Art. 2, 6, 8, 9 und 13 des EU-

Auslieferungsübereinkommens sowie dessen Art.1, soweit er für die anderen 

Artikel relevant ist). Die zwischen den Vertragsparteien geltenden weiterge-

henden Bestimmungen aufgrund bilateraler oder multilateraler Abkommen 

bleiben unberührt (Art. 59 Abs. 2 SDÜ; Art. 1 Abs. 2 EU-Auslieferungs-

übereinkommen). 

 

1.2 Soweit die Staatsverträge und Zusatzprotokolle bestimmte Fragen weder 

ausdrücklich noch stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landes-

recht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. 

Günstigkeitsprinzip; BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 

135 IV 212 E. 2.3; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en 

matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 229), sind das Bundesgesetz vom 

20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 

351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 

351.11) anwendbar. Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte 

(BGE 139 II 65 E. 5.4; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2008 24 

E. 1.1; TPF 2016 65 E. 1.2; TPF 2008 24 E. 1.1). 

 

1.3 Für das Beschwerdeverfahren gelten zudem die Art. 379-397 StPO sinnge-

mäss (Art. 48 Abs. 2 i.V.m. Art. 47 IRSG) und die Bestimmungen des Bun-

desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Ver-

waltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021; vgl. Art. 39 Abs. 2 lit. b 

i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 

über die Organisation des Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorgani-

sationsgesetz, StBOG; SR 173.71]). 

 

 

2. 

2.1  Gegen die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs durch das BJ kann der 

Verfolgte bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde 

führen (Art. 50 Abs. 3 i.V.m. Art. 48 Abs. 2 IRSG).  

 

2.2 Die gegen den negativen Haftentlassungsentscheid vom 18. Oktober 2021 

erhobene Beschwerde erweist sich als fristgerecht. Die weiteren Eintretens-

- 6 - 

 

 

voraussetzungen geben keinen Anlass zu Bemerkungen. Auf die Be-

schwerde ist einzutreten.  

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen grund-

sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch nur 

mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 

(BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; TPF 2011 97 E. 5). 

 

Ausserdem muss sich die Beschwerdeinstanz nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann 

sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es 

genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von 

denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 

IV 249 E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2). 

 

 

4. 

4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei nicht hafterstehungsfähig. Er 

habe vor einem Monat die Diagnose Prostatakrebs erhalten. Er müsse ope-

riert werden, wobei die Operation mit Chemotherapie (vorher und nachher) 

begleitet werde. Diese Situation sei für ihn sehr einschneidend, zumal er an-

schliessend gemäss den bisherigen Erkenntnissen impotent sein dürfte. Die 

Operation müsse gemäss den behandelnden Ärzten im Spital zeitnah erfol-

gen. Die aktuelle Stresssituation in Gefangenschaft, insbesondere aufgrund 

der lauten und unruhigen Umgebung im Gefängnis bzw. der geführten Ein-

zelhaft im Spital sei schlecht für die Vor- und Nachbereitung dieser Opera-

tion. Der Beschwerdeführer leide derzeit enorm unter der Haft, dies in phy-

sischer, vor allem aber auch in psychischer Form. Der Beschwerdegegner 

habe bezüglich der Hafterstehungsfähigkeit des Beschwerdeführers keine 

weiteren Abklärungen getroffen bzw. in jedem Fall dessen Gesundheitszu-

stand und die damit verbundenen Folgen für diesen nicht ausreichend über-

prüft (act. 1 S. 4 ff.). 

 

4.2 Die Haft des Verfolgten während des ganzen Auslieferungsverfahrens bildet 

die Regel (BGE 136 IV 20 E. 2.2; 130 II 306 E. 2.2). Eine Aufhebung des 

Auslieferungshaftbefehls sowie eine Haftentlassung rechtfertigen sich nur 

ausnahmsweise und unter strengen Voraussetzungen, wenn der Verfolgte 

sich voraussichtlich der Auslieferung nicht entzieht und die Strafuntersu-

chung nicht gefährdet (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den sogenannten 

- 7 - 

 

 

Alibibeweis erbringen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er zur Zeit 

der Tat nicht am Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht hafter-

stehungsfähig ist oder andere Gründe vorliegen, welche eine weniger ein-

schneidende Massnahme rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG), oder wenn 

sich die Auslieferung als offensichtlich unzulässig erweist (Art. 51 Abs. 1 

IRSG; vgl. auch FORSTER, Basler Kommentar, 2015, Art. 47 IRSG N. 5 und 

6). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend (BGE 130 II 306 E. 2.1; 117 IV 

359 E. 2a; vgl. auch Entscheide des Bundesstrafgerichts RH.2016.10 vom 

6. September 2016 E. 2; RH.2016.7 vom 2. August 2016 E. 4.2). 

 

Die ausnahmsweise zu gewährende Haftentlassung ist deshalb an strengere 

Voraussetzungen gebunden als der Verzicht auf die gewöhnliche Untersu-

chungshaft in einem Strafverfahren oder die Entlassung aus einer solchen. 

Diese Regelung soll es der Schweiz ermöglichen, ihren staatsvertraglichen 

Auslieferungspflichten nachzukommen (vgl. BGE 130 II 306 E. 2.2 und 2.3; 

111 IV 108 E. 2; Entscheid des Bundesstrafgerichts RH.2015.14 vom 

9. Juli 2015 E. 4.1). 

 

4.3 Eine Person gilt als nicht hafterstehungsfähig, wenn mit Sicherheit oder 

grösster Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen ist, dass die Haft sein Leben 

gefährden bzw. dessen Gesundheit schwerwiegend beeinträchtigen wird 

(vgl. im Allgemeinen dazu GRAF, Hafterstehungsfähigkeit, in: Brägger 

[Hrsg.], Das Schweizerische Vollzugslexikon, 2014, S. 231 ff.). Zu beachten 

ist jedoch, dass die Inhaftierung für den Betroffenen immer ein Übel darstellt, 

das vom einen besser, vom anderen weniger gut ertragen wird (BGE 116 Ia 

420 E. 3b). Die blosse Möglichkeit, dass Leben oder Gesundheit des Inhaf-

tierten gefährdet sein könnten, genügt nicht. Selbst wenn mit beträchtlicher 

Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist, dass die Haft das Leben oder die Gesund-

heit des Inhaftierten gefährdet, ist stets eine Interessensabwägung vorzu-

nehmen, wobei neben den medizinischen Gesichtspunkten Art und Schwere 

der vorgeworfenen Straftat und die Dauer der zu erwartenden Strafe mitzu-

berücksichtigen sind (vgl. BGE 116 Ia 420 E. 3a m.w.H.; Entscheid des Bun-

desstrafgerichts RR.2020.30/51 vom 19. August 2020 E. 5.4.1; HÄNNI, Bas-

ler Kommentar, 2014, Art. 251/252 StPO N. 47 zur Untersuchungshaft). Ob 

eine Krankheit der Haft entgegensteht und ob eine genügende medizinische 

Betreuung in Haft gewährleistet ist, muss die zuständige Behörde unter Bei-

ziehung von medizinischen Sachverständigen im Einzelfall abklären (HÄNNI, 

a.a.O., Art. 251/252 StPO N. 49).  

 

4.4 Gemäss dem ärztlichem Kurzbericht des Spitals vom 6. Oktober 2021 leidet 

der Beschwerdeführer gegenwärtig unter anderem an einem azinären  

Adenokarzinoms der Prostata. Die Ärzte halten fest, dass der urologische 

http://links.weblaw.ch/BGE-116-IA-420
http://links.weblaw.ch/BGE-116-IA-420
http://links.weblaw.ch/BGE-116-IA-420

- 8 - 

 

 

Eingriff (Prostataektomie) innerhalb der kommenden drei Monate durchge-

führt werden sollte. Sofern der Beschwerdeführer die Operation wünsche, 

werde um Anmeldung bei weiterhin bestehendem Haftstatus (beim Spital) 

oder um Prüfung des Haftunterbruchs und Durchführung der Operation hei-

matnah gebeten. Falls der Beschwerdeführer aus der Haft entlassen werde, 

sei die Operation durch ihn zu organisieren (act. 3.3.1). Der Beschwerde-

gegner hat bereits darauf hingewiesen, dass dem genannten ärztlichen 

Kurzbericht nicht zu entnehmen ist, der Beschwerdeführer sei nicht mehr 

hafterstehungsfähig, vielmehr sei er am 6. Oktober 2021 vom Spital ins Ge-

fängnis zurückverlegt worden. Auch geht aus dem betreffenden Bericht nicht 

hervor, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Haft nicht ausreichend 

medizinisch versorgt werden könnte bzw. wird. Im Gegenteil: Die medizini-

sche Versorgung des Beschwerdeführers, inklusive Operation und Vor- und 

Nachbetreuung, ist auch während dessen Inhaftierung ausdrücklich gewähr-

leistet. Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, der behandelnde Arzt 

habe ihm gesagt, die Operation sowie die Vor- und Nachbehandlung hätten 

möglichst ausserhalb der Haft zu erfolgen, um das geeignete Umfeld für die 

belastende Situation zu schaffen (act. 4 S. 2). Wie bereits ausgeführt, ergibt 

sich Derartiges nicht aus dem ärztlichen Bericht. Es steht sodann ausser 

Zweifel, dass eine Krebsdiagnose eine grosse psychische und physische 

Belastung darstellt. Eine solche Belastung führt jedoch nicht automatisch zur 

Annahme einer Hafterstehungsunfähigkeit. So stand denn auch aus Sicht 

des Spitals einer Rückverlegung des Beschwerdeführers in die Justizvoll-

zugsanstalt nichts im Wege. Zusammenfassend bestehen gegenwärtig 

keine Anhaltspunkte für die Annahme einer Hafterstehungsunfähigkeit des 

Beschwerdeführers. Vor diesem Hintergrund war denn auch der Beschwer-

degegner nicht verpflichtet, diesbezüglich weitere Abklärungen vorzuneh-

men.  

 

 

5. 

5.1 Der Beschwerdeführer bestreitet sodann das Vorliegen von Fluchtgefahr. Er 

sei bereit, sich entsprechenden Ersatzmassnahmen, wie Hausarrest, Melde-

pflicht oder Schriftenhinterlegung zu unterziehen, eine angemessene Kau-

tion zu leisten oder sich in einer geeigneten Klinik, wo die entsprechenden 

Behandlungen und Operationen vorgenommen werden könnten, einem Ar-

rest zu unterziehen (act. 1 S. 5).  

 

5.2 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Verneinung von Fluchtgefahr ist 

überaus restriktiv und misst der Erfüllung der staatsvertraglichen Ausliefe-

rungspflichten im Vergleich zu den Interessen des Verfolgten ausseror-

dentlich grosses Gewicht bei. Das Bundesgericht bejaht die Fluchtgefahr bei 

- 9 - 

 

 

drohenden, hohen Freiheitsstrafen in der Regel sogar dann, wenn der Be-

troffene über eine Niederlassungsbewilligung und familiäre Bindungen in der 

Schweiz verfügt (BGE 136 IV 20 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 

8G.45/2001 vom 15. August 2001 E. 3a). Um Fluchtgefahr ausreichend zu 

bannen, werden Ersatzmassnahmen für Auslieferungshaft wie Abgabe der 

Reisedokumente, Schriftensperre, Meldepflicht und Electronic Monitoring 

angesichts der einfachen Möglichkeit, sich ins Ausland abzusetzen, nach 

konstanter Rechtsprechung nur in Kombination mit einer sehr substantiellen 

Sicherheitsleistung als überhaupt geeignet erachtet (Entscheide des Bun-

desstrafgerichts RH.2020.10 vom 23. September 2020 E. 4.2; RH.2020.9 

vom 11. September 2020 E. 5.2; RH.2020.5 vom 12. August 2020 E. 6.4; 

jeweils m.w.H.). 

 

5.3 Dem Beschwerdeführer droht im Falle einer Auslieferung und einer Verurtei-

lung in Deutschland eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren 

(RR.2021.165, act. 6.1). Eine (enge) Beziehung zur Schweiz, wo er sich ei-

genen Angaben zufolge seit 2020 aufhält (RR.2021.165, act. 6.5), wird we-

der geltend gemacht noch ist eine solche ersichtlich. Damit ist ohne Weiteres 

von einer erheblichen Fluchtgefahr auszugehen, zumal die deutschen Be-

hörden ein formelles Auslieferungsersuchen gestellt haben, der Beschwer-

degegner die Auslieferung des Beschwerdeführers an Deutschland mit Aus-

lieferungsverfügung vom 8. Juli 2021 bewilligt hat und das Bundesverwal-

tungsgericht mit Urteil D-488/2021 vom 11. November 2021 nunmehr die 

vom Beschwerdeführer gegen den ablehnenden Asylentscheid erhobene 

Beschwerde abgewiesen hat (vgl. supra lit. A, F und O). Die erhöhte Flucht-

gefahr wird vorliegend auch nicht dadurch gebannt, dass der Beschwerde-

führer an Prostatakrebs leidet. Mildere Ersatzmassnahmen, die geeignet wä-

ren, der hohen Fluchtgefahr ausreichend zu begegnen, sind keine ersicht-

lich. Wie bereits ausgeführt, kommen Ersatzmassnahmen nur in Kombina-

tion mit einer sehr substantiellen Sicherheitsleistung in Betracht. Der Be-

schwerdeführer äussert sich nicht zur Höhe einer allfälligen Sicherheitsleis-

tung. Über die finanzielle Leistungsfähigkeit und die Vermögensverhältnisse 

des Beschwerdeführers sind zudem keine Angaben vorhanden. Damit fallen 

von vornherein sämtliche vom Beschwerdeführer vorgeschlagenen Ersatz-

massnahmen ausser Betracht.  

 

5.4 Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

6. Nach dem Gesagten erweist sich die vorliegend angeordnete Auslieferungs-

haft als zulässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 

 

- 10 - 

 

 

 

7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr 

ist auf Fr. 2‘000.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG und Art. 73 StBOG 

sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). 

 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 17. November 2021 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Tobias Regli 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über 
Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 92 Abs. 1 BGG). Diese Entscheide können 
später nicht mehr angefochten werden (Art. 92 Abs. 2 BGG). 

 
Auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind andere selbständig eröffnete Vor- 
und Zwischenentscheide nicht anfechtbar. Vorbehalten bleiben Beschwerden gegen Entscheide 
über die Auslieferungshaft sowie über die Beschlagnahme von Vermögenswerten und 
Wertgegenständen, sofern sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können, oder 
wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Entscheid herbeiführen und damit einen 
bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (vgl. 
Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG). Ist die Beschwerde gegen einen Vor- oder Zwischenentscheid gemäss 
Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG nicht zulässig oder wurde von ihr kein Gebrauch gemacht, so sind die 
betreffenden Vor- und Zwischenentscheide durch Beschwerde gegen den Endentscheid anfechtbar, 
soweit sie sich auf dessen Inhalt auswirken (Art. 93 Abs. 3 BGG).  

- 12 - 

 

 

 
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (vgl. Art. 84 
Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG). 
 
Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim 
Bundesgericht einzureichen (vgl. Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Eingaben müssen spätestens am 
letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 
Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden 
(Art. 48 Abs. 1 BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für die Wahrung einer Frist der 
Zeitpunkt massgebend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die bestätigt, dass alle Schritte 
abgeschlossen sind, die auf der Seite der Partei für die Übermittlung notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 
BGG).