# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b6b918b1-a0c4-5084-b1db-656c12150cdf
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 17.02.2025 WBE.2023.357
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2023-357_2025-02-17.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

3. Kammer 

 

WBE.2023.357 / SW / we  
(AVV.2023.31)  

Art. 19 

 

 

Urteil vom 17. Februar 2025 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Michel, Vorsitz 

Verwaltungsrichter Brandner 

Verwaltungsrichterin Tschudin 

Gerichtsschreiberin Wittich 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

        

gegen 

 
   

  Anwaltskommission des Kantons Aargau, Obere Vorstadt 40, 

5000 Aarau    

     

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Aufsichtsanzeige 

 

Entscheid der Anwaltskommission vom 15. September 2023 

 

 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

1. 

Rechtsanwältin A._____ ist eine von drei Töchtern der verstorbenen 

B._____. Sie war in Verfahren der Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks 

R._____ zunächst als Familienangehörige von B._____ involviert und 

später als deren Anwältin tätig. 

 

2. 

Mit Eingabe vom 21. April 2023 erstattete das Bezirksgericht R._____, Fa-

miliengericht, bzw. dessen Präsident Meldung bei der Anwaltskommission 

des Kantons Aargau betreffend Rechtsanwältin A._____ wegen eines 

mutmasslichen Verstosses gegen die Berufsregeln, insbesondere gegen 

das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen. 

 

B. 

1. 

In der Folge leitete die Anwaltskommission ein Aufsichtsverfahren gegen 

Rechtsanwältin A._____ ein. Diese stellte in der Folge diverse (Verfahrens-

)Anträge. 

 

2. 

Die Anwaltskommission entschied am 15. September 2023: 

 

1. Auf das Ausstandsbegehren wird nicht eingetreten. 
 
2. Das Sistierungsgesuch wird abgewiesen. 
 
3. Es wird festgestellt, dass Rechtsanwältin lic. iur. A._____ eine 

Berufsverletzung i.S.v. Art. 12 lit. c BGFA begangen hat. 
 
4.  Rechtsanwältin lic. iur. A._____ wird mit einem Verweis belegt. 
 
5. Die Kosten dieses Verfahrens, bestehend aus einer Staatsgebühr von 

CHF 1'500.00, der Kanzleigebühr und Auslagen von CHF 163.00, wer-
den Rechtsanwältin lic. iur. A._____ auferlegt. 

 
4. Es werden keine Parteikosten zugesprochen. 

 

C. 

1. 

Gegen den Entscheid der Anwaltskommission erhob Rechtsanwältin 

A._____ mit Postaufgabe vom 23. Oktober 2023 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht mit folgenden Anträgen: 

 

1. Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, unter Zusprache einer 
angemessenen Entschädigung. 

 - 3 - 

 

 

 
2. Eventuell sei die Sache zur Abklärung des Sachverhalts und zur Neu-

beurteilung an die Anwaltskommission zurückzuweisen. 
 
3. Unter Kostenfolgen zu Lasten des Staats. 

 

2. 

Mit Eingabe vom 5. November 2023 reichte die Beschwerdeführerin wei-

tere Unterlagen ein. 

 

3. 

Am 20. November 2023 verzichtete die Anwaltskommission auf die Einrei-

chung einer Beschwerdeantwort und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

 

4. 

Mit Eingabe vom 3. Januar 2024 replizierte die Beschwerdeführerin. 

 

5. 

Am 10. Januar 2024 verzichtete die Anwaltskommission auf die Erstattung 

einer Duplik und beantragte erneut die Abweisung der Beschwerde. 

 

6. 

Mit Eingabe vom 28. Januar 2024 stellte die Beschwerdeführerin folgende 

Anträge: 

 

1.  Es seien die Richterinnen und Richter des Entscheidgremiums der An-
waltskommission aufzufordern, innert 10 Tagen Stellung zu nehmen, 
ob sie an den nachfolgenden Behauptungen und Werturteilen über die 
Beschwerdeführerin und deren Mutter festhalten: 

 
- Die Beschwerdeführerin sei keine nahestehende Person ihrer Mut-

ter (gewesen) und das Obergericht hätte ihr diese Eigenschaft in 
einem Urteilsdispositiv abgesprochen; 

- Die Beschwerdeführerin hätte in früheren Verfahren ihrer Mutter als 
Partei mit gegensätzlichen Interessen am Verfahren teilgenom-
men; 

- Die Beschwerdeführerin hätte andere Interessen als ihre Mutter ge-
habt; 

- Die Beschwerdeführerin hätte als Anwältin die Interessen ihrer Mut-
ter nicht in deren Sinn vertreten; 

- Die KESB hätte die Interessen der Mutter der Beschwerdeführerin 
ermittelt; 

- Die Beschwerdeführerin hätte in einem Verfahren betreffend ihre 
Mutter etwas anderes gewollt als diese; 

- Die Mutter der Beschwerdeführerin habe diese gar nicht bevoll-
mächtigen wollen; 

- Die Mutter der Beschwerdeführerin habe gar nicht gewusst, worum 
es gehe; 

- Zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer Mutter habe es eine 
offene Forderung gegeben; 

 - 4 - 

 

 

- Die Beschwerdeführerin hätte kein enges und vertrautes Verhältnis 
zu ihrer Mutter gehabt; 

- Die Anträge der Beschwerdeführerin seien für ihre Mutter nicht 
sinnvoll gewesen; 

- Die Mutter der Beschwerdeführerin habe nicht recht gewusst, was 
sie tue, als sie die Beschwerdeführerin bevollmächtigt habe. 

 
2. Es sei zu einer Verhandlung mit Beweisverfahren vorzuladen und der 

Beschwerdeführerin die Gelegenheit einzuräumen, den Richterinnen 
und Richtern des Entscheidgremiums zu den Vorhaltungen im ange-
fochtenen Entscheid Fragen zu stellen. 

 
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

7. 

Mit Verfügung vom 15. Februar 2024 forderte der instruierende Verwal-

tungsrichter die Beschwerdeführerin auf, die Entscheide des Obergerichts 

des Kantons Aargau, Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz, vom 

18. Oktober 2022 (XBE.2022.19/29) und vom 14. August 2023 

(XBE.2023.44) sowie den Entscheid des Bezirksgericht R._____, Fami-

liengericht, vom 3. April 2023 (DI.2023.59) einzureichen. 

 

8. 

Mit Eingabe vom 21. Februar 2024 stellte die Beschwerdeführerin folgende 

Anträge: 

 

1. Das vorliegende Verfahren sei zu sistieren bis zu näheren Erkenntnis-
sen der Strafverfolgungsbehörden in den hängigen Strafuntersuchun-
gen der Oberstaatsanwaltschaft bzw. Staatsanwaltschaft Rheinfelden-
Laufenburg gegen C._____, D._____, E._____ sowie Unbekannt 
betreffend der KESB-Angelegenheit B._____. 

 
2. Für den Fall, dass auf eine Sistierung verzichtet werden sollte, sei die 

Verfügung vom 15. Februar 2024 zu begründen und der Beschwerde-
führerin für das Einreichen der betreffenden Entscheide eine neue Frist 
anzusetzen. 

 
3. Für den Fall, dass auf eine Sistierung verzichtet werden sollte, sei des 

Weiteren die Anwaltskommission anzuweisen, zu beweisen, dass die 
Beschwerdeführerin zu den Verfahren betreffend Anordnung einer Bei-
standschaft und Inventaraufnahme beigeladen wurde und welche Inte-
ressen der Beschwerdeführerin durch die KESB-Verfahren betroffen 
gewesen sein sollen. 

 

9. 

Mit Verfügung vom 28. Februar 2024 wurde die Eingabe der Beschwerde-

führerin vom 21. Februar 2024 der Anwaltskommission für eine allfällige 

Stellungnahme zum Sistierungsantrag zugestellt. Mit derselben Verfügung 

wies der instruierende Verwaltungsrichter betreffend Antrag 2 die Be-

schwerdeführerin auf den Untersuchungsgrundsatz hin und teilte mit, die 

eingeforderten Entscheide könnten für das Beschwerdeverfahren relevant 

sein; weiter bilde der Antrag 3 einen Beweisantrag, über den zu einem spä-

 - 5 - 

 

 

teren Zeitpunkt zu befinden sei. Die Beschwerdeführerin wurde erneut auf-

gefordert, dem Verwaltungsgericht die mit Verfügung vom 15. Februar 

2024 eingeforderten Entscheide bis am 11. März 2024 einzureichen; an-

dernfalls würden die Entscheide direkt von den betroffenen Instanzen ein-

gefordert. 

 

10. 

Mit Eingabe vom 9. März 2024 stellte die Beschwerdeführerin folgende An-

träge, ohne dem Verwaltungsgericht die mit Verfügungen vom 15. und 

28. Februar 2024 eingeforderten Entscheide einzureichen: 

 

1. Es sei jegliches Behaupten und Verbreiten von ehrenrührigen Behaup-
tungen, Verdächtigungen und Werturteilen im Sinn von Art. 173 StGB 
betreffend die Beschwerdeführerin in ihrer Eigenschaft als Tochter und 
ihrem Verhältnis zu ihrer Mutter zu unterlassen. 

 
2. Es sei auf Untersuchungshandlungen und Beweisausforschungen 

(sog. «fishing expeditions») zu den ehrenrührigen Behauptungen zu 
verzichten. 

 
3. Es sei im Rahmen des vorliegenden Verfahrens die Unschuldsvermu-

tung und das Recht der Beschwerdeführerin auf ein faires Verfahren 
nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu gewährleisten. 

 

11. 

Mit Stellungnahme vom 14. März 2024 liess sich die Anwaltskommission 

zum Sistierungsantrag vernehmen und beantragte dessen Abweisung. 

 

12. 

Mit Verfügung vom 15. März 2024 ersuchte das Verwaltungsgericht das 

Obergericht des Kantons Aargau, Kammer für Kindes- und Erwachsenen-

schutz, die Entscheide XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022 und 

XBE.2023.44 vom 14. August 2023 einzureichen und das Bezirksgericht 

R._____, Familiengericht, um Zustellung des Entscheids DI.2023.59 vom 

3. April 2023. Die Entscheide wurden in der Folge dem Verwaltungsgericht 

übermittelt.  

 

13. 

Am 2. April 2024 reichte die Beschwerdeführerin eine weitere Eingabe (inkl. 

Beilagen) ein. 

 

14. 

Mit Eingabe vom 6. Mai 2024 beantragte die Beschwerdeführerin den Aus-

stand von F._____, Präsidentin der Anwaltskommission, sowie die 

Auferlegung der Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens zulasten 

von D._____. 

 

 - 6 - 

 

 

15. 

Mit Eingabe vom 30. Januar 2025 reichte die Beschwerdeführerin einen am 

20. November 2024 von ihr und ihren Schwestern unterzeichneten Erbtei-

lungsvertrag ein. 

 

16. 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg (vgl. § 7 Abs. 1 

und 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]) entschieden. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Gegen Entscheide der Anwaltskommission kann Beschwerde beim Ver-

waltungsgericht geführt werden (§ 9 des Einführungsgesetzes zum Bun-

desgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte vom 2. No-

vember 2004 [EG BGFA; SAR 290.100]). Dieses ist somit zur Beurteilung 

der vorliegenden Beschwerde zuständig. 

 

2. 

Nach § 42 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. De-

zember 2007 (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200) ist 

zur Beschwerde befugt, wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse an der 

Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat. Die An-

waltskommission stellte eine Verletzung von Berufsregeln fest und belegte 

die Beschwerdeführerin mit einem Verweis. Dadurch ist die Beschwerde-

führerin beschwert und somit zur Beschwerde legitimiert. 

 

3. 

3.1.  

Die Beschwerdeführerin beantragt mit Eingabe vom 21. Februar 2024 die 

Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum Abschluss der hängigen 

Strafuntersuchungen unter anderem gegen C._____ und D._____. 

Begründet wird dies damit, dass die Durchführung des hängigen 

Strafverfahrens gegen C._____, in welchem die Beschwerdeführerin 

Opferstellung habe, beeinträchtigt werde, wenn die Beschwerdeführerin 

alle ihre Gedanken und Argumentationen im vorliegenden Verfahren offen-

legen müsse, zumal nicht komplett auszuschliessen sei, dass die Präsiden-

tin der Anwaltskommission auch zum möglichen Kreis der Verdächtigen 

gehöre. Das vorliegende Verfahren würde ferner hinfällig, wenn sich im 

Strafverfahren gegen D._____ ergäbe, dass dieser die Aufsichtsanzeige 

amtsmissbräuchlich eingereicht habe. Im Gegensatz zum Verwal-

tungsgericht habe die Strafverfolgungsbehörde umfassende Instrumente, 

 - 7 - 

 

 

den wahren Sachverhalt zu ermitteln und Konfrontationseinvernahmen 

durchzuführen (Eingabe vom 21. Februar 2024, S. 5). 

 

3.2. 

Die Vorinstanz beantragt die Abweisung des Sistierungsantrags mit der Be-

gründung, dass für die Beurteilung des Vorwurfs der unzulässigen Interes-

senkollision, begangen durch die Beschwerdeführerin, der Ausgang hängi-

ger Strafverfahren gegen Richterinnen und Richter des Bezirksgerichts 

R._____ nicht massgebend sei. 

 

3.3. 

Die Sistierung ist im VRPG nicht ausdrücklich geregelt, was indessen nicht 

bedeutet, dass sie von vornherein unzulässig wäre. Sistierung bedeutet die 

vorläufige Einstellung (Ruhenlassen) eines hängigen Verwaltungs- oder 

Rechtsmittelverfahrens. Solche prozessleitenden Anordnungen kommen in 

der Praxis häufig vor und bedürfen keiner besonderen Rechtsgrundlage 

(Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 1999, S. 144, 

Erw. 2a). Das Verfahren darf indessen nur aus zweckmässigen Gründen 

ausgesetzt werden. Das Interesse an einer vorübergehenden Verfahrens-

einstellung muss im konkreten Fall höher wiegen als das Gebot der Verfah-

rensbeschleunigung, d.h. die Verfahrenssistierung muss unter den gege-

benen Umständen als insgesamt verfahrensökonomischer erscheinen als 

eine unmittelbare Fortführung des Verfahrens (MARTIN BERTSCHI/KASPAR 

PLÜSS, in: ALAIN GRIFFEL [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspfle-

gegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl. 2014, N. 39 zu Vorbemer-

kungen zu §§ 4-31; AGVE 1999, S. 144, Erw. 2a). Eine Sistierung kann sich 

namentlich dann rechtfertigen, wenn die Anordnung vom Ausgang eines 

anderen Verfahrens abhängig ist oder von diesem wesentlich beeinflusst 

wird (BERTSCHI/PLÜSS, a.a.O., N. 40 zu Vorbemerkungen zu §§ 4-31; 

AGVE 1999, S. 144, Erw. 2a). Gegen eine Sistierung lässt sich regelmässig 

die damit verbundene Verlängerung der Verfahrensdauer anführen, die pri-

vaten oder öffentlichen Interessen zuwiderlaufen kann (AGVE 1999, 

S. 144, Erw. 2a; statt vieler: Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2021.165 vom 4. Januar 2022, Erw. I/4.2). 

 

3.4. 

Es ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin nicht dargetan, 

inwiefern der Ausgang der Strafverfahren das vorliegende Verfahren zu be-

einträchtigen vermöchte. Selbst wenn die Strafuntersuchungen ein strafba-

res Verhalten der beanzeigten Personen ergeben würden, stünde dies ei-

ner Disziplinierung der Beschwerdeführerin infolge einer Interessenkolli-

sion gemäss Art. 12 lit. c des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der 

Anwältinnen und Anwälte vom 23. Juni 2000 (Anwaltsgesetz, BGFA; 

SR 935.61) nicht entgegen. Insbesondere ist diesbezüglich unerheblich, 

aus welchen Gründen die seinerzeitige Aufsichtsanzeige gegenüber der 

Beschwerdeführerin erfolgte (vgl. hinten Erw. II/2). Die Erkenntnisse der 

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Strafverfahren gegen C._____ und D._____ haben mit anderen Worten 

keinerlei Einfluss auf das vorliegende Beschwerdeverfahren, womit weder 

eine Gefahr widersprüchlicher Urteile besteht noch die Ver-

fahrensökonomie für eine Sistierung spricht. Schliesslich ist kein Einfluss 

des vorliegenden Beschwerdeverfahrens auf die Durchführung des Straf-

verfahrens erkennbar. Der Sistierungsantrag ist folglich abzuweisen. 

 

4. 

Die Beschwerdeführerin verlangt mit der Aufhebung des angefochtenen 

Entscheids die "Zusprache einer angemessenen Entschädigung". Soweit 

sie damit über einen Parteikostenersatz (der mangels Vertretung grund-

sätzlich ausser Betracht fällt, vgl. § 29 VRPG) hinaus Schadenersatz und/ 

oder Genugtuung verlangen will, darf vorliegend nicht darauf eingetreten 

werden. Tatsächlich hätte sie entsprechende Forderungen mittels Klage 

gestützt auf das Haftungsgesetz vom 24. März 2009 (HG; SAR 150.200) 

geltend zu machen.  

 

5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin beantragt den Ausstand von F._____ (Präsidentin 

der Anwaltskommission) wegen Voreingenommenheit (Eingabe vom 

6. Mai 2024, S. 2). 

 

5.2. 

Nach § 6 Abs. 1 EG BGFA übt in erster Instanz die Anwaltskommission die 

Aufsicht über die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte aus; Beschwer-

deinstanz ist das Verwaltungsgericht. Das Ausstandsbegehren richtet sich 

gegen die Präsidentin der Anwaltskommission, F._____, und somit gegen 

ein Mitglied der ersten Instanz. Als Präsidentin der Anwaltskommission 

kann F._____ auf das vorliegende Urteil des Verwaltungsgerichts keinen 

Einfluss nehmen; sie ist nicht Mitglied des Verwaltungsgerichts (vgl. 

https://www.ag.ch/de/gerichte/obergericht/verwaltungsgericht/zusammen-

setzung) und sie hat im vorliegenden Beschwerdeverfahren weder eine 

beratende noch eine instruierende Funktion. Das Ausstandsbegehren ist 

demzufolge abzuweisen, soweit überhaupt darauf eingetreten werden darf. 

Dass F._____ bereits im vorinstanzlichen Verfahren hätte in den Ausstand 

treten müssen und der angefochtene Entscheid aus diesem Grund 

aufzuheben wäre, wird weder beantragt noch begründet. Entsprechend ist 

vorliegend nicht weiter darauf einzugehen. Im Falle der Gutheissung des 

Eventualbegehrens Ziffer 2 und der entsprechenden Rückweisung an die 

Vorinstanz wäre es Sache der Anwaltskommission als Kollegialbehörde, 

unter Ausschluss von F._____ über deren Ausstand im Hinblick auf den 

erneuten Entscheid zu befinden (§ 16 Abs. 4 VRPG).  

  

 - 9 - 

 

 

6. 

Die weiteren Beschwerdevoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen 

Anlass. Auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde ist somit unter Vorbehalt 

von Erw. 4 und 5 hiervor einzutreten.  

 

7. 

Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die unrichtige oder unvollstän-

dige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen gerügt wer-

den (§ 55 Abs. 1 VRPG). Die Rüge der Unangemessenheit ist demgegen-

über unzulässig (Umkehrschluss aus § 55 Abs. 3 VRPG). 

 

II. 

1.  

1.1. 

Die Beschwerdeführerin wirft der Anwaltskommission eine schwerwie-

gende Gehörsverletzung vor. Sie habe der Beschwerdeführerin keine Ge-

legenheit gegeben, sich zum Untersuchungsergebnis zu äussern. Diese 

Rechtsverletzung könne im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht nicht 

geheilt werden, weil die Ermessensausübung hauptsächlich bei der An-

waltskommission liege (Eingabe vom 6. Mai 2024, S. 1). 

 

1.2. 

Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der schweizerischen Eidge-

nossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) haben die Parteien An-

spruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der 

Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-

kungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung 

des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffe-

nen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids 

zur Sache zu äussern und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-

der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, 

wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 124 I 241, 

Erw. 2 mit Hinweisen). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller 

Natur, womit seine Verletzung ungeachtet der materiellen Begründetheit 

des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung 

des angefochtenen Entscheids führt, wenn eine Heilung in oberer Instanz 

ausser Betracht fällt (BGE 143 IV 380, Erw. 1.4.1; 142 II 218, Erw. 2.8.1 mit 

Hinweisen). 

 

1.3. 

Die Anwaltskommission stellte die Aufsichtsanzeige vom 21. April 2023 

inkl. Beilagen mit Verfügung vom 3. Mai 2023 der Beschwerdeführerin zu 

und räumte ihr eine Frist ein, um sich zu den Vorwürfen gemäss der Auf-

sichtsanzeige schriftlich zu äussern. Gleichentags ersuchte die Vorinstanz 

die Anwaltskommission des Kantons Zürich zum einen um Mitteilung allfäl-

liger gegen die Beschwerdeführerin bereits angeordneter Disziplinarmass-

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nahmen sowie zum anderen um Rückmeldung, ob sie im Sinne von Art. 16 

Abs. 2 BGFA zum Untersuchungsergebnis Stellung nehmen wolle. Mit Ver-

fügung vom 11. Mai 2023 teilte die Anwaltskommission des Kantons Zürich 

der Vorinstanz mit, dass gegen die Beschwerdeführerin bislang keine Dis-

ziplinarmassnahmen angeordnet worden seien und sie auf eine Stellung-

nahme zum Untersuchungsergebnis verzichte. Das Schreiben wurde der 

Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 15. Mai 2023 zur Kenntnisnahme 

zugestellt. Mit Eingabe vom 24. Mai 2023 nahm die Beschwerdeführerin zu 

den Vorwürfen gemäss Aufsichtsanzeige Stellung.  

 

Mit Verfügung vom 25. Juli 2023 ersuchte die Vorinstanz das Bezirksge-

richt R._____, Familiengericht, um die Zustellung der Vollmacht vom 

7. Februar 2023, worin die Mutter der Beschwerdeführerin diese betreffend 

"Erwachsenenschutz, Geschäftsübergabe an G._____" zu "allen 

Rechtshandlungen einer Generalbevollmächtigten" bevollmächtigte. Mit 

Verfügung vom 28. Juli 2023 reichte das Bezirksgericht R._____ der Vor-

instanz die erwähnte Vollmacht ein. Auch diese Verfügung (inkl. Beilage) 

wurde von der Vorinstanz der Beschwerdeführerin zur Kenntnisnahme zu-

gestellt. Am 24. August 2023 nahm die Beschwerdeführerin erneut zu den 

Vorwürfen Stellung und liess dabei der Vorinstanz ein weiteres Dokument 

zu den Verfahrensakten zukommen.  

 

Somit konnte sich die Beschwerdeführerin vor der Entscheidfällung durch 

die Vorinstanz in Kenntnis aller Verfahrensakten, insbesondere in Kenntnis 

des Entscheids des Bezirksgerichts R._____, Familiengericht, DI.2023.59 

vom 3. April 2023 sowie jenes des Obergerichts XBE.2022.19/29 vom 

18. Oktober 2022, welche für den angefochtenen Entscheid eine wesent-

liche Grundlage bildeten, zur Sache hinreichend äussern und ihren Stand-

punkt darlegen. Bei dieser Ausgangslage kann der Vorinstanz keine Ge-

hörsverletzung vorgeworfen werden. Die entsprechende Rüge der Be-

schwerdeführerin ist gänzlich unbegründet. 

 

2. 

2.1. 

Die Beschwerdeführerin wirft der Anwaltskommission vor, diese hätte die 

Aufsichtsanzeige gar nicht an die Hand nehmen dürfen, weil der eigentliche 

Hintergrund der Aufsichtsanzeige die Strafanzeige der Beschwerdeführerin 

gegen C._____ (Gerichtspräsidentin des Bezirksgerichts R._____) 

gewesen sei, was der zeitliche Ablauf zeige. Die Aufsichtsanzeige sei da-

her missbräuchlich, es gehe letztlich um eine Behinderung der anwaltlichen 

Tätigkeit (Eingabe vom 28. Januar 2024, S. 3 f. und Eingabe vom 9. März 

2024, Ziff. 17). Schliesslich sei die Anzeige von Gerichtspräsident D._____ 

persönlich eingereicht worden und dieser habe keine Vollmacht des 

zuständigen KESB-Gremiums vorgelegt. 

 

 - 11 - 

 

 

2.2. 

Die Beschwerdeführerin verkennt, dass es sich bei der Anzeige von mögli-

chen Berufsregelverletzungen durch Anwältinnen und Anwälte um einen 

formlosen Rechtsbehelf handelt, dessen Anhandnahme im Vergleich zu 

den ordentlichen Rechtsmitteln nicht von formellen Eintretensvorausset-

zungen abhängt (RENÉ WIEDERKEHR/KASPAR PLÜSS, Praxis des öffentli-

chen Verfahrensrechts, 2020, N. 3782 ff. zu § 12). Die Vorinstanz war ent-

gegen der unzutreffenden Auffassung der Beschwerdeführerin aufgrund 

des Legalitätsprinzips verpflichtet, der Aufsichtsanzeige vom 21. April 

2023, die Hinweise auf eine mögliche Berufsregelverletzung durch die Be-

schwerdeführerin enthielt, nachzugehen. Hierzu bestand umso mehr An-

lass, als im Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und Erwach-

senenschutz, XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022, unmissverständlich 

festgehalten wurde, dass die Beschwerdeführerin und ihre Mutter unter-

schiedliche Interessen verfolgten, und sich die Beschwerdeführerin später 

trotzdem von ihrer Mutter umfassend mandatieren liess und als deren ge-

willkürte Rechtsvertreterin auftrat (siehe hinten Erw. 3 ff.). An der Pflicht der 

Vorinstanz zur Einleitung eines Verfahrens ändert auch die Behauptung 

nichts, dass die Aufsichtsanzeige nur als Folge der gegen Gerichtspräsi-

dentin C._____ eingereichten Strafanzeige erhoben worden sei. Für die 

Vorinstanz als Aufsichtsbehörde über die Anwältinnen und Anwälte war 

einzig zu entscheiden, ob die angezeigte Handlung der Beschwerdeführe-

rin aufsichtsrechtlich von Relevanz war oder nicht. Nach Prüfung der ange-

zeigten Handlungen kam die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zum 

Schluss, dass die Beschwerdeführerin Berufsregeln verletzt hatte (ange-

fochtener Entscheid, Erw. 4-6). Bei dieser Rechtslage musste die Vorin-

stanz selbst unter dem Aspekt Kostentragung (vgl. § 14 EG BGFA) nicht 

auf das Motiv der Aufsichtsanzeige eingehen. Schliesslich erging die An-

zeige vom 21. April 2023 offenkundig als eine Behördenmeldung im Sinne 

von Art. 15 BGFA und nicht als eine private Anzeige von D._____. Ohnehin 

wäre die Unterscheidung für die Beurteilung der Aufsichtsanzeige vom 

21. April 2023 unerheblich, da sie keine Auswirkung auf die Frage der 

Anhandnahme eines Disziplinarverfahrens hat. Zusammengefasst entbehrt 

die Argumentation der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz hätte die Auf-

sichtsanzeige nicht an die Hand nehmen dürfen, jeder Grundlage. 

 

3. 

3.1. 

Gemäss Art. 12 lit. c BGFA müssen Anwälte Interessenkollisionen meiden. 

Die entsprechende Treuepflicht gegenüber dem Klienten ist umfassender 

Natur und erstreckt sich auf alle Aspekte des Mandatsverhältnisses. Es 

handelt sich um eine Grundregel des Anwaltsberufs (BGE 145 IV 218, 

Erw. 2.1; 138 II 162, Erw. 2.4). Sie steht im Zusammenhang mit der Gene-

ralklausel von Art. 12 lit. a BGFA, gemäss welcher die Rechtsanwälte ihren 

Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben haben, wie auch mit Art. 12 

lit. b BGFA, der sie zur Unabhängigkeit verpflichtet, und Art. 13 BGFA be-

 - 12 - 

 

 

treffend das Berufsgeheimnis (vgl. BGE 145 IV 218, Erw. 2.1; 141 IV 257, 

Erw. 2.1; 134 II 108, Erw. 3). Die genannten Berufsregeln dienen vor allem 

dazu, die Interessen des Klienten zu schützen (BGE 145 IV 218, Erw. 2.1; 

141 IV 257, Erw. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_742/2021 vom 28. De-

zember 2021, Erw. 4.2). Der Anwalt hat jede Situation zu vermeiden, die 

Interessenkonflikte nach sich ziehen könnte (BGE 145 IV 218, Erw. 2.1; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_742/2021 vom 28. Dezember 2021, 

Erw. 4.2). Ein verbotener Interessenkonflikt liegt vor, wenn der Anwalt die 

Wahrung der Interessen des Klienten übernommen hat und dabei Entschei-

dungen zu treffen hat, mit denen er sich potenziell in Konflikt zu eigenen 

oder andern ihm zur Wahrung übertragenen Interessen begibt (WALTER 

FELLMANN in: WALTER FELLMANN/GAUDENZ G. ZINDEL [Hrsg.], Kommentar 

zum Anwaltsgesetz, Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen 

und Anwälte [Kommentar Anwaltsgesetz], 2. Aufl. 2011, N. 84 zu Art. 12 

BGFA). Allerdings reicht gemäss Rechtsprechung die bloss abstrakte Mög-

lichkeit des Auftretens gegensätzlicher Interessenlagen nicht aus, um auf 

eine unzulässige Vertretung zu schliessen; verlangt wird vielmehr ein sich 

aus den gesamten Umständen ergebendes konkretes Risiko eines Interes-

senkonflikts (vgl. BGE 145 IV 218, Erw. 2.1; 135 II 145, Erw. 9.1; Urteile 

des Bundesgerichts 2C_867/2021 vom 2. November 2022, Erw. 4.2; 

2C_742/2021 vom 28. Dezember 2021, Erw. 4.2). Umgekehrt ist aber nicht 

erforderlich, dass sich das konkrete Risiko realisiert bzw. der Anwalt sein 

Mandat schlecht oder zum Nachteil seines Klienten ausgeführt hat (vgl. 

BGE 135 II 145, Erw. 9.1; Urteile des Bundesgerichts 2C_867/2021 vom 

2. November 2022, Erw. 4.2; 2C_742/2021 vom 28. Dezember 2021, 

Erw. 4.2).   

 

3.2. 

Die Beschwerdeführerin bestreitet das Vorliegen eines Interessenkonflikts 

und bringt vor, sie habe die Interessen ihrer Mutter B._____ vertreten, die 

mental nie darüber hinweggekommen sei, dass sie ohne vorgängiges 

Verfahren während des Corona-Lockdowns am 11. Mai 2020 unter Bei-

standschaft gestellt worden sei. Die Behauptung von E._____, wonach die 

Beschwerdeführerin B._____ CHF 10'000.00 schulde und diese Schuld in 

eine Schenkung umgewandelt worden sei, sei ehrverletzend und unwahr. 

Die Vorinstanz habe eine Interessenkollision gestützt auf eine künstlich 

geschaffene, üble Nachrede angenommen (Beschwerde, S. 3 f.), ohne den 

Sachverhalt abzuklären. Es sei auch nicht ersichtlich, weshalb es im 

Interesse von B._____ als Mutter gewesen sein soll, eine falsche 

Forderung gegenüber einer ihrer Töchter im Inventar eingetragen zu haben 

(Beschwerde, S. 12). Schliesslich sei der Beschwerdeführerin nie ein 

behördliches Vertretungsverbot auferlegt worden, gegen welches sie 

verstossen hätte. Die Vorinstanz habe somit Art. 12 lit. c BGFA wie auch 

Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 

(ZGB; SR 210) und Art. 9 BV verletzt. 

 

 - 13 - 

 

 

3.3. 

3.3.1. 

Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid massgeblich auf den Entscheid des 

Obergerichts des Kantons Aargau, Kammer für Kindes- und Erwachsenen-

schutz, XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022, sowie den Entscheid des 

Bezirksgerichts R._____, Familiengericht, DI.2023.59 vom 3. April 2023. 

Es rechtfertigt sich, die beiden Entscheide nachfolgend detailliert wieder-

zugeben.  

 

3.3.2. 

3.3.2.1. 

Dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und Erwachsenen-

schutz, XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022, ist Folgendes zu entneh-

men:  

 

3.3.2.2. 

Am 16. Dezember 2019 erstattete E._____ (die älteste Tochter von 

B._____) eine Gefährdungsmeldung für ihre Mutter, woraufhin das 

Bezirksgericht R._____, Familiengericht, als Kindes- und Erwachse-

nenschutzbehörde ein Verfahren (KEMN.2019.903) zur Prüfung erwachse-

nenschutzrechtlicher Massnahmen eröffnete. Aufgrund der Corona-Pande-

mie konnte das Gericht mit der Betroffenen und deren Familienangehörigen 

keine persönlichen Gespräche führen. Nach schriftlicher Ankündigung, 

dass zur Verhinderung einer finanziellen Notlage die Einsetzung eines 

neutralen Beistands erwogen werde, wurde B._____ am 25. März 2020 

telefonisch angehört. Anlässlich dieses Gesprächs zeigte sich die Be-

troffene mit der Errichtung einer Beistandschaft einverstanden. In der Folge 

errichtete das Familiengericht mit Entscheid vom 11. Mai 2020 eine Vertre-

tungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung nach 

Art. 394 Abs. 1 und Art. 395 Abs. 1 ZGB, ohne dabei die Handlungsfähig-

keit der Betroffenen einzuschränken. Dieser Entscheid erwuchs unange-

fochten in Rechtskraft.  

 

Mit Eingabe vom 27. Juli 2021 machte A._____ geltend, die angeordnete 

Beistandschaft sei mangels Anhörung nichtig und ihre Mutter wünsche die 

Aufhebung der Beistandschaft. Am 5. August 2021 ging beim Fa-

miliengericht eine von B._____ selbst unterzeichnete Eingabe ein, worin 

sie geltend machte, sie sei urteilsfähig und benötige keine Beistandschaft. 

Das Familiengericht eröffnete daraufhin ein Verfahren zur Überprüfung der 

bestehenden Massnahme (KEMN.2021.580). Nachdem am 7. Oktober 

2021 A._____ und ihre Mutter beim Familiengericht zusammen Einsicht in 

die Verfahrensakten genommen hatten, hielt letztere schriftlich fest, sie 

wolle nicht, dass ihre Tochter E._____ ins Verfahren einbezogen werde. 

Am 20. Oktober 2021 hörte das Familiengericht B._____, deren drei 

Töchter und die Beiständin an. A._____ legte anlässlich dieser Anhörung 

einen von B._____ unterzeichneten und notariell beglaubigten 

 - 14 - 

 

 

Vorsorgeauftrag vom 29. September 2021 vor, gemäss welchem die 

G._____ mit der Vermögensvorsorge und der damit zusammenhängenden 

Vertretung beauftragt wurde. Am gleichen Tag beschloss das 

Familiengericht die Einholung eines Gutachtens zur Abklärung der 

Urteilsfähigkeit der Betroffenen und gewährte den Beteiligten diesbezüglich 

das rechtliche Gehör und die Möglichkeit zur Stellung von 

Ergänzungsfragen.  

 

H._____ erklärte sich mit Schreiben vom 4. November 2021 mit der 

Begutachtung ihrer Mutter einverstanden. Die Betroffene selbst lehnte die 

Begutachtung mit Schreiben vom 8. November 2021 ab. A._____ stellte 

sich mit Schreiben vom 11. November 2021 auf den Standpunkt, dass die 

Urteilsfähigkeit ihrer Mutter durch den Hausarzt am 29. März 2021 und 

durch die Einschätzung der Notarin, die den Vorsorgeauftrag vom 

29. September 2021 beglaubigt hatte, bestätigt worden sei. 

 

Am 22. November 2021 beauftragte das Familiengericht Dr. med. I._____ 

mit der Begutachtung der Urteilsfähigkeit von B._____. Am 18. Dezember 

2021 reichte E._____ dem Familiengericht eine von der Betroffenen 

unterzeichnete Erklärung vom 17. November 2021 ein, wonach sie mit der 

Begutachtung einverstanden sei. Am 22. Dezember 2021 teilte der 

Gutachter dem Familiengericht mit, dass er am 21. Dezember 2021 die 

Begutachtung nicht wie geplant habe vornehmen können. Als er B._____ 

habe besuchen wollen, habe sich A._____ in deren Zimmer aufgehalten, 

ihn des Hausfriedensbruchs beschuldigt und die Regionalpolizei wie auch 

die Heimleitung gerufen mit der Begründung, sie müsse die Begutachtung 

verhindern. In der Folge hielt das Familiengericht ausdrücklich am 

angeordneten Gutachten fest und machte A._____ darauf aufmerksam, 

dass keinerlei Behinderung der Exploration toleriert werde. Am 25. März 

2022 erstattete schliesslich Dr. med. I._____ das Gutachten, welches den 

Beteiligten am 31. März 2022 zur Stellungnahme zugestellt wurde.  

 

A._____ reichte in der Folge beim Obergericht, Kammer für Kindes- und 

Erwachsenenschutz, eine Aufsichtsanzeige sowie ein Ausstandsbegehren 

gegen Gerichtspräsidentin C._____ ein. Daraufhin verfügte das 

Familiengericht am 3. Mai 2022, dass den verfahrensbeteiligten Personen 

die Frist zur Stellungnahme zum Gutachten einstweilen abgenommen und 

diese erst nach Abschluss der Verfahren betreffend Ausstandsbegehren 

und Aufsichtsanzeige neu angesetzt werde.  

 

3.3.2.3. 

Bereits zuvor, nämlich am 2. April 2022, reichten A._____ und ihre Mutter 

beim Obergericht eine als "Rechtsverweigerungs- und Aufsichtsbe-

schwerde" betitelte Eingabe ein. Diesbezüglich wurde (nebst einem sepa-

raten Aufsichtsverfahren) ein Beschwerdeverfahren (XBE.2022.19) eröff-

net. Am 15. Mai 2022 erhob A._____ beim Obergericht zudem Beschwerde 

 - 15 - 

 

 

gegen die Verfügung des Familiengerichts vom 3. Mai 2022. Darin wurde 

im Wesentlichen die Aufhebung der angefochtenen Verfügung verlangt und 

beantragt, der Gerichtspräsidentin C._____ sei einstweilen jegliche 

Teilnahme am Verfahren zu untersagen. Diesbezüglich wurde ein neues 

Beschwerdeverfahren (XBE.2022.29) eröffnet. Im Verfahren XBE.2022.19 

verfügte der Instruktionsrichter am 23. Mai 2022 die Einsetzung von 

Rechtsanwältin J._____, Q._____, als Verfahrensbeiständin von B._____. 

Mit Verfügung vom 22. Juni 2022 wurden die Verfahren XBE.2022.19 und 

XBE.2022.29 vereinigt (zum Ganzen: Entscheid des Obergerichts 

XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022, Ziff. 1 ff. [Verfahrensgeschichte]). 

 

3.3.2.4. 

Das Obergericht setzte sich eingehend mit der Frage der Beschwerdelegi-

timation von A._____ auseinander. Vorab prüfte es, ob diese als eine 

nahestehende Person von B._____ im Sinne von Art. 450 Abs. 2 Ziff. 2 

ZGB zu qualifizieren sei. Das Obergericht erwog, dass für eine ent-

sprechende Qualifikation jemand die betroffene Person u.a. zufolge Ver-

wandtschaft gut kennen und kraft ihrer Eigenschaften und Beziehungen zur 

betroffenen Person als geeignet erscheinen müsse, deren Interessen wahr-

zunehmen (Erw. 3.3.1). A._____ sei als Tochter von B._____ 

vermutungsweise als nahestehende Person im Sinne von Art. 450 Abs. 2 

Ziff. 2 ZGB zu qualifizieren. Fraglich erscheine aber, ob sie mit ihren Be-

schwerden die Interessen ihrer Mutter wahrnehme (Erw. 3.3.2). So habe 

deren Verfahrensbeiständin mit Stellungnahme vom 27. Juni 2022 mitge-

teilt, ihres Erachtens sei B._____ nicht bewusst, dass ein Verfahren 

betreffend Rechtsverweigerung hängig sei. Es dürfte ihr wohl auch nicht 

bewusst sein, dass die Verfahren teilweise in ihrem Namen eingeleitet wor-

den seien. Zudem sei zu bezweifeln, dass sie die diversen Schreiben und 

Vollmachten bewusst im Hinblick auf die Beschwerden unterzeichnet habe. 

B._____ benötige Unterstützung zur Regelung ihrer Finanzen und re-

alisiere selbst, dass sie nicht mehr in der Lage sei, ihre administrativen An-

gelegenheiten selbst zu erledigen. Auch im Gutachten von Dr. med. 

I._____ sei festgehalten worden, dass sie aufgrund deutlicher kognitiver 

Einschränkungen nicht mehr in der Lage sei, komplexere rechtliche, 

finanzielle oder administrative Belange selbständig zu regeln. Der 

Stellungnahme der Verfahrensbeiständin sei ferner zu entnehmen, dass 

die Betroffene mit der Beistandschaft einverstanden sei und gegen die 

eingesetzte Beiständin keine Vorbehalte habe. Aus Sicht der Betroffenen 

bestehe daher kein Handlungsbedarf. Damit bringe sie klar zum Ausdruck, 

dass sie an der Weiterführung des Beschwerdeverfahrens sowie an einer 

Prüfung und Aufhebung der bestehenden Beistandschaft kein Interesse 

habe. Gemäss Einschätzung der Verfahrensbeiständin sowie des 

Gutachters wahre die Beibehaltung der Beistandschaft die Interessen der 

Betroffenen (Erw. 3.3.2). 

 

 - 16 - 

 

 

A._____ habe im vorinstanzlichen Verfahren mehrmals beantragt, dass die 

Beistandschaft ihrer Mutter nichtig sei und aufgehoben werden müsse. Im 

Beschwerdeverfahren bemängle sie u.a., dass der Beschluss der 

Vorinstanz, mit welchem die Einholung eines Gutachtens zur Abklärung der 

Urteilsfähigkeit in Auftrag gegeben wurde, zu begründen und die Gesuche 

der Betroffenen vom 7. Oktober 2021 um Ausschluss der Gefähr-

dungsmelderin vom Verfahren und um Ablehnung der Begutachtung der 

Urteilsfähigkeit zu behandeln seien. Mit den sich gegen die Begutachtung 

der Urteilsfähigkeit der Betroffenen gerichteten Anträgen versuche 

A._____, die Beibehaltung der bestehenden Beistandschaft zu verhindern, 

was sie wiederholt und klar zum Ausdruck bringe, obschon ihre Mutter mit 

der Weiterführung der Beistandschaft einverstanden gewesen sei. Auch 

der Ausschluss der Gefährdungsmelderin liege nicht im Interesse der Mut-

ter, zumal diese anlässlich der Anhörung zu Protokoll gegeben habe, dass 

sie mit der Anwesenheit all ihrer Töchter einverstanden sei und sie sich 

wünsche, dass alle "gleich viel zu sagen hätten". Mangels Verfolgung der 

Interessen ihrer Mutter gelte A._____ somit nicht als nahestehende Person 

im Sinne von Art. 450 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB.  

 

Würden nahestehende Personen eigene Interessen wahrnehmen, seien 

sie wie gewöhnliche Drittpersonen zu behandeln. Als solche seien sie nur 

dann zur Beschwerde legitimiert, wenn sie ein rechtlich geschütztes Inte-

resse hätten, das direkt mit der fraglichen Massnahme zusammenhänge 

(Erw. 3.4.1). A._____ mache nebst der geltend gemachten Sorge um ihre 

Mutter einzig Ausführungen zu ihrem Wunsch, dass das nach Art. 450 

Abs. 2 ZGB aufgenommene und genehmigte Inventar über die zu 

verwaltenden Vermögenswerte angepasst bzw. eine darin aufgenommene 

Schuld von ihr gegenüber ihrer Mutter gelöscht werde. Weiter begehre sie 

den Ausschluss ihrer beiden Schwestern aus dem vorinstanzlichen Verfah-

ren u.a. wegen angeblicher Persönlichkeits- und Ehrverletzungen. Diese 

von A._____ verfolgten eigenen Interessen seien jedoch keine 

schützenswerten Interessen im Sinne des Erwachsenenschutzes, zumal 

es in Erwachsenenschutzverfahren einzig und allein um die Wahrung der 

Anliegen der Betroffenen und gerade nicht darum gehe, Angehörigen 

Recht zu geben (Erw. 3.4.2).  

 

Gestützt auf diese Erwägungen trat das Obergericht auf die Beschwerden 

von A._____ – soweit sie nicht infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben 

waren – nicht ein (Erw. 3.4.2 und 3.5).    

  

3.3.3. 

3.3.3.1. 

Dem Entscheid des Bezirksgerichts R._____, Familiengericht, DI.2023.59 

vom 3. April 2023, lässt sich Folgendes entnehmen:  

 

 - 17 - 

 

 

3.3.3.2. 

Am 7. Februar 2023 liess sich A._____ von B._____ als deren 

Rechtsanwältin mandatieren und reichte am 12. Februar 2023 beim Be-

zirksgericht R._____, Familiengericht, in deren Namen ein "Ablehnungsge-

such" gegen Gerichtspräsidentin C._____ und am 9. März 2023 ein 

"Gesuch um Rückabwicklung der Geschäftsbesorgung" gestützt auf 

Art. 420 Abs. 3 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schwei-

zerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 

1911 ein, wonach die angeblich nichtige Beistandschaft nach Art. 420 

Abs. 2 OR rückabzuwickeln sei (Ziff. 1 ff. [Verfahrensgeschichte]). Es folg-

ten weitere Eingaben, die ebenfalls im Namen von B._____ eingereicht 

wurden. Bereits mit Eingabe vom 7. März 2023 hatte die Beiständin von 

B._____ den Antrag gestellt, die Anwaltsvollmacht von A._____ vom 

7. Februar 2023 sei für ungültig zu erklären. 

 

3.3.3.3. 

Das Familiengericht prüfte die Gültigkeit der Anwaltsvollmacht vom 7. Fe-

bruar 2023, wobei sich die Frage stellte, ob B._____ zum Zeitpunkt der 

Unterzeichnung der Anwaltsvollmacht hinsichtlich den mit der Vollmacht 

abgedeckten erwachsenenschutzrechtlichen Fragen prozessfähig und 

damit in der Lage gewesen war, A._____ mit ihrer Interessenvertretung zu 

beauftragen (Erw. 4.2). Das Familiengericht ging dabei auf das Gutachten 

von Dr. med. I._____ ein, welcher B._____ am 16. Februar und 22. März 

2023 psychiatrisch untersucht hatte. Es erwog, gemäss dem Gutachten sei 

die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Demenz sehr hoch, wobei 

das Ausmass in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe. 

B._____ habe an der Begutachtung kooperativ teilgenommen, wobei der 

Gutachter sie mehrfach daran habe erinnern müssen, dass sie sich in einer 

Gutachtenssituation befinde, weil sie dies vergessen habe. Auf konkrete 

Fragen zu ihrer Lebensgeschichte habe sie wiederholt angegeben, es nicht 

mehr so genau zu wissen. Bei der Frage nach dem Datum habe sie das 

Jahr 2000 angegeben. Bei einer leichten Demenz hänge die Urteilsfähigkeit 

von der Komplexität eines Sachverhalts ab. Je mehr Elemente bei einem 

Entscheid zu berücksichtigen seien, desto stärker sei die Urteilsfähigkeit 

eingeschränkt. Demenzerkrankungen würden bereits in einem früheren 

Stadium zu einer Entscheidungsunsicherheit und einer Schwächung der 

psychischen Widerstandsfähigkeit führen. Bei B._____ sei der Prozess der 

kognitiven Beeinträchtigung derart weit fortgeschritten, dass sie auch 

länger zurückliegende Ereignisse und Sachverhalte nicht mehr sicher 

abrufen könne. Insbesondere sei bei ihr eine starke 

Entscheidungsunsicherheit spürbar, was ihre Suggestibilität erhöhe. 

Zusammenfassend würden bei B._____ deutliche kognitive Beein-

trächtigungen im Sinne einer leichten Demenz vorliegen. Insbesondere 

seien das Kurzzeitgedächtnis betroffen und die Fähigkeit zur Urteilsbildung 

bei komplexeren Sachverhalten eingeschränkt. Sie sei nicht mehr in der 

Lage, komplexere rechtliche, finanzielle oder administrative Belange selb-

 - 18 - 

 

 

ständig zu regeln. B._____ sei unter Berücksichtigung der linearen 

Abnahme der kognitiven Fähigkeiten bereits Ende 2021 (im Zusammen-

hang mit der Mandatierung des Treuhandbüros als Vorsorgebeauftragte) 

nicht mehr fähig gewesen zu überblicken, welche Aufgaben sie diesem 

Büro übertrage (Erw. 4.3.1).  

 

Gestützt auf das Gutachten, das als vollständig, nachvollziehbar und 

schlüssig beurteilt wurde, hielt das Familiengericht fest, dass bereits die 

Durchsicht der Akten des Verfahrens KE.2019.779 und der einhergehen-

den Subgeschäfte zeige, wie verworren und komplex die erwachsenen-

schutzrechtliche Angelegenheit unterdessen sei. Die Anwaltsvollmacht 

vom 7. Februar 2023 sei sehr offen formuliert. Als Betreff sei "Erwachse-

nenschutz, Geschäftsübergabe an G._____" aufgeführt. Zur rechts-

kräftigen Unterzeichnung müsste B._____ in der Lage gewesen sein, 

abschätzen zu können, welche Bereiche unter "Erwachsenenschutz" fallen 

und welche Verfahrensschritte mit der Mandatierung bezweckt würden. In 

den zahlreichen Eingaben, welche  A._____ im Namen von B._____ beim 

Familiengericht eingereicht habe, seien unterschiedlichste Behauptungen 

enthalten wie etwa die Nichtigkeit der Beistandschaft, die Fehlerhaftigkeit 

der Inventaraufnahme und die Nichtigkeit des Inventars wegen 

schwerwiegender Verfahrensfehler, die mögliche Verjährung der 

Erbschaftsklagen betreffend die unverteilte Erbschaft von K._____, dem 

verstorbenen Ehemann von B._____, die Befangenheit der Ge-

richtspräsidentin C._____, die ausserhalb eines Validierungsverfahrens 

und ohne Antrag eines Verfahrensbeteiligten den notariell beglaubigten 

Vorsorgeauftrag an G._____ angefochten habe, eine fehlerhafte 

Buchführung durch die Beiständin von B._____ und der Verdacht der 

ungetreuen Geschäftsbesorgung (Erw. 4.4.1). Angesichts der medizinisch 

festgestellten Demenz und der damit einhergehenden eingeschränkten 

Fähigkeit zur Urteilsbildung sei nicht davon auszugehen, dass B._____ den 

Sinn und Nutzen und insbesondere die Konsequenzen der 

Anwaltsmandatierung sowie ihre rechtlichen und finanziellen Folgen zu 

verstehen vermochte. Sie sei insbesondere nicht in der Lage gewesen zu 

verstehen, dass vor allem die Beistandschaft in Frage gestellt wurde. Die 

Schlussfolgerung, dass B._____ die Tragweite der Anwaltsmandatierung 

nicht verstehe, ergebe sich aus einem Vergleich der Ausführungen in den 

Gesuchen vom 12. Februar und 9. März 2023 mit den Ausführungen der 

Verfahrensbeiständin, Rechtsanwältin J._____, Q._____, im Rahmen des 

Beschwerdeverfahrens XBE.2022.19/29. Aufgrund des medizinisch 

festgestellten Schwächezustands und der eingeschränkten Fähigkeit zur 

Urteilsbildung bei – wie vorliegend – komplexen Sachverhalten sei davon 

auszugehen, dass B._____ zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der 

Vollmacht vom 7. Februar 2023 hinsichtlich der erwachsenenschutz-

rechtlichen Fragen nicht urteilsfähig gewesen sei, weshalb die betreffende 

Vollmacht ungültig sei (Erw. 4.4.2, 4.4.3 und 4.5). Mit diesen Erwägungen 

 - 19 - 

 

 

trat das Bezirksgericht R._____, Familiengericht, auf die gestützt auf die 

ungültige Vollmacht eingereichten Anträge nicht ein. 

 

3.3.4. 

Die gegen diesen Entscheid des Familiengerichts erhobene Beschwerde 

wurde (zusammen mit weiteren Beschwerden) aufgrund des Hinschieds 

von B._____ von der Kontrolle abgeschrieben, wobei das Obergericht im 

Entscheid XBE.2023.44 vom 14. August 2023 die Frage der Gültigkeit der 

Vollmacht vom 7. Februar 2023 im Rahmen der Kostenverteilung sum-

marisch prüfte. Es hielt fest, die Vollmacht sei entsprechend der nachvoll-

ziehbaren und schlüssigen Ausführungen des Familiengerichts ungültig ge-

wesen und A._____ habe B._____ mangels gültiger Bevollmächtigung und 

zusätzlich wegen der vorhandenen Interessenkollision (festgestellt im 

Entscheid XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022) nicht vertreten können. 

Dementsprechend wäre auf die Beschwerden nicht einzutreten gewesen. 

Soweit die angefochtenen Entscheide ihrerseits bereits die fehlende 

Vertretungsbefugnis von A._____ zum Gegenstand gehabt hätten und die 

Überprüfung dieser Frage ein Eintreten auf die Beschwerden erforderlich 

gemacht hätte, wären sie entsprechend abzuweisen gewesen. Soweit 

A._____ einmal mehr die Nichtigkeit der über ihre Mutter errichteten 

Beistandschaft behaupte, habe das Obergericht bereits im Entscheid 

XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022, Erw. 5, ausgeführt, dass das 

Verfahren nach den damals während der Covid-Pandemie geltenden 

angepassten Verfahrensvorschriften nicht zu beanstanden sei (Entscheid 

XBE.2023.44 vom 14. August 2023, Erw. 6.4). 

 

4. 

4.1. 

Zur Begründung ihres Entscheids führte die Vorinstanz im Wesentlichen 

aus, das Obergericht habe im Entscheid XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 

2022 ausdrücklich festgehalten, dass die Beschwerdeführerin nicht die In-

teressen von B._____ (Antrag auf Nichtigerklärung / Anfechtung der 

Beistandschaft), sondern sogar eigene Interessen (Löschung der eigenen 

Darlehensschuld aus dem Inventar, Ausschluss der beiden Schwestern 

aus dem Verfahren) verfolge. In Kenntnis dieses rechtskräftigen Entscheids 

und damit auch in Kenntnis des aufgezeigten konkreten Interessenkonflikts 

habe die Beschwerdeführerin im Hinblick auf das Erwachsenenschutzver-

fahren vor dem Familiengericht von B._____ am 7. Februar 2023 eine 

Anwaltsvollmacht unterschreiben lassen. Als gewillkürte Rechtsvertreterin 

ihrer Mutter habe sie im Erwachsenenschutzverfahren vor dem Bezirksge-

richt erneut beantragt, die "nichtige" Beistandschaft sei "rückabzuwickeln". 

Die Beschwerdeführerin habe mit ihren Anträgen in der Hauptsache somit 

erneut auf den Verzicht bzw. die Wiederaufhebung der Verbeiständung von 

B._____ abgezielt und somit im gesamten Erwachsenenschutzverfahren 

nicht deren Interessen verfolgt. Effektiv habe sich B._____, wie im 

Entscheid des Obergerichts festgehalten, ausdrücklich mit der Beibehal-

 - 20 - 

 

 

tung der Beistandschaft einverstanden erklärt. Indem sich die Beschwer-

deführerin von ihrer Mutter am 7. Februar 2023 mandatieren liess und in 

der Folge als deren Rechtsvertreterin auftrat, obwohl ihr im rechtskräftig 

gewordenen Entscheid des Obergerichts vom 18. Oktober 2022 die Inte-

ressenkollision konkret aufgezeigt worden war, habe sie gegen die Berufs-

regel von Art. 12 lit. c BGFA verstossen.    

 

4.2. 

4.2.1. 

Die vorinstanzlichen Erwägungen sind in sich schlüssig und ohne weiteres 

nachvollziehbar; zudem sind sie durch die dem Entscheid zugrundeliegen-

den zivilrechtlichen Urteile umfassend belegt. Was die Beschwerdeführerin 

in der Beschwerde, der Replik und ihren weiteren Eingaben dagegen vor-

bringt, überzeugt nicht. 

 

4.2.2. 

Vorab ist wesentlich, dass das Obergericht die divergierenden Interessen 

im Entscheid XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022 konkret aufgezeigt 

hat (S. 13 ff.). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin trifft es 

nicht zu, dass sie nicht legitimiert gewesen wäre, diesen Entscheid beim 

Bundesgericht anzufechten, weil sich die angeblich "falsche" Definition der 

nahestehenden Person nicht im Dispositiv niedergeschlagen habe (Replik, 

Ziff. 2). Die Beschwerdeführerin war ohne Weiteres berechtigt, den besag-

ten Nichteintretensentscheid in eigenem Namen anzufechten und geltend 

zu machen, in Verletzung von Art. 450 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB sei zu Unrecht 

nicht auf ihre Beschwerde eingetreten worden. Offensichtlich sah sie von 

einer Beschwerdeerhebung ab und akzeptierte damit, dass sie mangels 

Verfolgung der Interessen von B._____ im Erwachsenenschutzverfahren 

nicht als nahestehende Person von B._____ qualifiziert wurde. Dieser 

Eindruck wird dadurch bestätigt, dass sich die Beschwerdeführerin in der 

Folge von ihrer Mutter als deren Rechtsanwältin mandatieren liess, um die 

Nichtigkeit der Beistandschaft und des Inventars erneut (nunmehr im 

Namen ihrer Mutter) geltend zu machen. Im Übrigen hätte die Beschwer-

deführerin auch den Entscheid des Obergerichts vom 14. August 2023, 

XBE.2023.44, anfechten können, wurde ihr doch darin aufgrund ungültiger 

Bevollmächtigung ein erheblicher Teil der Verfahrenskosten auferlegt.  

 

4.2.3. 

Es besteht sodann kein Grund, wieso die Vorinstanz nicht auf die massge-

benden Erwägungen im rechtskräftig gewordenen Entscheid des Oberge-

richts hätte abstellen dürfen. Gänzlich unerheblich für die vom Obergericht 

festgehaltenen divergierenden Interessen ist die regelmässig wiederkeh-

rende Behauptung der Beschwerdeführerin, die seinerzeitige Errichtung ei-

ner Beistandschaft sei namentlich aufgrund des Motivs der Gefährdungs-

meldung, aufgrund der mangelnden Anhörung von B._____ und ihrer 

Töchter sowie aufgrund einer ungültigen Zustellung nichtig gewesen. 

 - 21 - 

 

 

Selbst wenn dies tatsächlich der Fall wäre (was aber das Obergericht mit 

guten Gründen ausdrücklich verneint hat), vermöchte dies nichts daran zu 

ändern, dass die Beschwerdeführerin und ihre Mutter im erwachsenen-

schutzrechtlichen Verfahren sich widersprechende Interessen verfolgten 

bzw. zumindest das entsprechende Konfliktpotenzial sehr gross war. Auf 

die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin ist daher vor-

liegend nicht näher einzugehen.  

 

Eine aufsichtsrechtlich relevante Interessenkollision bestand aktenkundig 

darin, dass B._____ als Betroffene mit der Beibehaltung der Beistandschaft 

einverstanden war und gegen die Beiständin keine Vorbehalte hatte, 

während die Beschwerdeführerin trotz dieser unmissverständlichen Mei-

nungsäusserung von B._____ (mehrfach) die Nichtigkeit der Bei-

standschaft und die Nichtigkeit des durch die Beiständin aufgenommenen 

Inventars sowie die Rückabwicklung der Geschäftsbesorgungen der Bei-

ständin forderte. Im Zusammenhang mit dem Inventar verlangte die Be-

schwerdeführerin aktenkundig dessen Anpassung bzw. die Löschung einer 

Geldschuld der Beschwerdeführerin in der Höhe von CHF 10'000.00 ge-

genüber B._____. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren behauptet die 

Beschwerdeführerin, dass sich E._____ (Gefährdungsmelderin) der 

Beschwerdeführerin gegenüber in einer Whats App-Nachricht bzw. E-Mail 

dahingehend geäussert habe, dass sie die Fakten nicht gekannt habe und 

die Beschwerdeführerin B._____ entgegen der Gefährdungsmeldung vom 

16. Dezember 2019 nicht CHF 10'000.00 schulde (Beschwerde, S. 3, 13). 

Trotz zahlreicher Eingaben, welche die Beschwerdeführerin dem 

Verwaltungsgericht zukommen liess, gab sie das behauptete E-Mail oder 

die behauptete Whats App-Nachricht von E._____ nicht zu den Akten. Die 

eingereichten Bankbelastungsanzeigen aus den Jahren 2000 bis 2005 

enthalten keinerlei Betreff und weisen lediglich darauf hin, dass die 

Beschwerdeführerin B._____ in den Jahren 2000 bis 2005 Geld 

überwiesen hatte; sie belegen jedoch nicht, dass keine Schuld von 

CHF 10'000.00 gegenüber B._____ mehr bestehen würde. Im Übrigen ist 

offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin damit, dass sie die Löschung 

der Geldschuld anstrebte, primär eigene, den Anliegen der Mutter 

grundsätzlich widersprechende Interessen verfolgte.  

 

Des Weiteren lag ein Ausschluss der anderen zwei Töchter von B._____ 

bzw. der beiden Schwestern der Beschwerdeführerin aus dem Er-

wachsenenschutzverfahren aktenkundig nicht im Interesse von B._____. 

Diese gab vielmehr am 20. Oktober 2021 anlässlich der Anhörung durch 

das Familiengericht mündlich ausdrücklich zu Protokoll, dass alle ihre 

Töchter an der Anhörung anwesend sein dürften und alle gleich viel zu 

sagen hätten. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin geht aus 

dem Schreiben von B._____ vom 15. November 2021 nicht hervor, dass 

diese ihre beiden Töchter E._____ und H._____ aus dem Verfahren 

ausschliessen wollte (Replikbeilage 15). Trotz der klaren Aussage von 

 - 22 - 

 

 

B._____ anlässlich der Anhörung durch das Familiengericht beantragte die 

Beschwerdeführerin den Ausschluss ihrer beiden Schwestern aus dem 

Verfahren wegen angeblicher Persönlichkeits- und Ehrverletzungen (üble 

Nachrede gegen die Beschwerdeführerin). Damit stellte sie ihre eigenen 

Interessen in den Vordergrund und missachtete diejenigen von B._____ 

bzw. verkannte wiederum das entsprechende Konfliktpotenzial.  

 

4.2.4. 

Nicht nachvollziehbar ist die Behauptung der Beschwerdeführerin, der Vor-

wurf der Interessenkollision sei unklar und unzutreffend (Beschwerde, 

S. 1 f.); es kann vollumfänglich auf die vorstehenden Erwägungen verwie-

sen werden. Die Gefahr eines Interessenskonflikts war umso grösser, als 

B._____ entsprechend dem Gutachten I._____ nur beschränkt urteilsfähig 

war; an dieser Einschätzung ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin 

dem Gutachten keinen Glauben schenken will. Entgegen der Auffassung 

der Beschwerdeführerin ist im Weiteren irrelevant, dass keine Ge-

richtsbehörde in den jeweiligen Verfahren ein Vertretungsverbot ausge-

sprochen hatte (Beschwerde, S. 2); eine Verletzung der Berufsregel, Inte-

ressenkollisionen zu meiden (Art. 12 BGFA), setzt nicht voraus, dass vor-

gängig ein behördliches bzw. gerichtliches Verbot ergangen ist.  

 

Nicht näher einzugehen ist darauf, ob das Familiengericht R._____ in sei-

nem Entscheid vom 3. April 2023 (DI.2023.59), Dispositiv-Ziffer 1, zu Recht 

feststellte, dass die von B._____ am 7. Februar 2023 ausgestellte 

Vollmacht ungültig war. Selbst wenn ein entsprechendes Feststellungs-

urteil unzulässig sein sollte, weil der entsprechenden Aussage nur der Cha-

rakter einer Begründung für Dispositiv-Ziffer 2 zukommt, ändert dies an der 

Berufsregelverletzung durch die Beschwerdeführerin nichts.  

 

Insgesamt vermögen die Argumentationen der Beschwerdeführerin, die 

Vorinstanz habe durch die angefochtene Anordnung insbesondere Art. 12 

lit. c BGFA nicht korrekt angewandt, nicht zu überzeugen.  

 

4.3. 

Gänzlich unbegründet ist der Vorwurf einer willkürlichen Sachverhaltsfest-

stellung und einer Verletzung der Beweislastregel von Art. 8 ZGB durch die 

Vorinstanz. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass der massgebliche 

Sachverhalt, welchen die Vorinstanz nach § 13 Abs. 1 EG BGFA von Am-

tes wegen festzustellen hatte, insbesondere aus den rechtskräftigen Ent-

scheiden des Obergerichts XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022 sowie 

des Bezirksgerichts R._____, Familiengericht, DI.2023.59 vom 3. April 

2023 hervorgeht. Zu Recht stellte die Vorinstanz bei der Ermittlung des 

Sachverhalts auf diese Entscheide ab. Bei dieser Ausgangslage kann von 

einer willkürlichen Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz und einer 

Verletzung von Art. 8 ZGB keine Rede sein. Schliesslich wirft die Be-

schwerdeführerin der Vorinstanz pauschal eine Verletzung des Grundsat-

 - 23 - 

 

 

zes von Treu und Glauben (Art. 9 BV) vor. Mangels Begründung erübrigt 

es sich, auf die betreffende Rüge einzugehen; im Übrigen ergeben sich aus 

den Verfahrensakten keine Anhaltspunkte für eine Verletzung dieser Be-

stimmung. 

 

4.4. 

Zusammenfassend verfangen die weitschweifigen und oft an der Sache 

vorbei zielenden Einwände der Beschwerdeführerin nicht. Sie verkennt na-

mentlich, dass es vorliegend nicht um eine Überprüfung von rechtskräftigen 

erwachsenenschutzrechtlichen Entscheiden geht und dass ihre subjektive 

Überzeugung, stets im Interesse ihrer Mutter gehandelt zu haben, nichts 

an der nach objektiven Massstäben festgestellten Interessenkollision zu 

ändern vermag. Die Anwaltskommission hat zu Recht auf eine Verletzung 

von Berufsregeln (Art. 12 lit. c BGFA) erkannt, ohne dabei insbesondere 

den Untersuchungsgrundsatz, Art. 8 ZGB sowie den Grundsatz von Treu 

und Glauben (Art. 9 BV) zu verletzen.  

 

5. 

5.1. 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 BGFA kann die Aufsichtsbehörde bei Verletzung 

des Gesetzes, insbesondere der Berufspflichten (Art. 12 BGFA), eine Ver-

warnung (lit. a), einen Verweis (lit. b), eine Busse bis zu CHF 20'000.00 

(lit. c), ein befristetes Berufsausübungsverbot für längstens zwei Jahre 

(lit. d) oder ein dauerndes Berufsausübungsverbot (lit. e) anordnen. 

 

Bei der Wahl der geeigneten Sanktionen aus dem Katalog von Art. 17 

Abs. 1 BGFA ist der Einzelfall zu betrachten, wobei general- und spezial-

präventive Aspekte für die Wahl und Bemessung der Sanktion massge-

bend sind. Die Sanktion hat administrativen und keinen pönalen Charakter 

und dient dem Schutz des rechtsuchenden Publikums und der Wahrung 

des Ansehens der Anwaltschaft (TOMAS POLEDNA, in: Kommentar Anwalts-

gesetz, N. 14 f. zu Art. 17 BGFA). Bei der Wahl und Bemessung der Sank-

tion steht der Anwaltskommission ein gewisser Ermessensspielraum zu, 

welcher durch das Verhältnismässigkeitsgebot eingeschränkt ist 

(AGVE 2008, S. 287, Erw. 4.1; POLEDNA, a.a.O., N. 23 zu Art. 17 BGFA). 

 

5.2. 

Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verlangt, dass Verwaltungsmass-

nahmen zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels 

geeignet und notwendig sind. Die Wahrung des Ansehens der Anwaltschaft 

und der Schutz des rechtsuchenden Publikums stellen ein öffentliches In-

teresse dar, welches eine Disziplinierung des Beschwerdeführers verlangt. 

 

Bei Sanktionen muss in erster Linie die Relation zwischen der Massnahme 

und dem Zweck der Disziplinierung beachtet werden. Die Disziplinierung 

hat sich zwingend an den Umständen des Einzelfalls auszurichten. Es sind 

 - 24 - 

 

 

insbesondere bereits ausgesprochene Disziplinarmassnahmen, die 

Schwere des Verstosses gegen die Regeln des BGFA, die Anzahl der 

Verstösse sowie das Mass des Verschuldens zu berücksichtigen (vgl. 

POLEDNA, a.a.O., N. 25 ff. zu Art. 17 BGFA). Die Verwarnung als mildestes 

Mittel ist dann zu wählen, wenn wegen der Geringfügigkeit der Verfehlung 

auf einen Verweis zu verzichten ist. Eine Verwarnung fällt nur bei erstmali-

gen und leichtesten Pflichtverletzungen in Betracht und hat vor allem spe-

zialpräventiven Charakter (WALTER FELLMANN, Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017, 

N. 725 ff.; POLEDNA, a.a.O., N. 30 zu Art. 17 BGFA). Mit dem Verweis wird 

das pflichtwidrige Verhalten ausdrücklich gerügt, was die Missbilligung stär-

ker ausdrückt als die Verwarnung. Der Verweis kommt unter anderem bei 

leichteren Pflichtverletzungen und Fällen infrage, die sich an der Grenze zu 

mittelschweren Fällen befinden (FELLMANN, a.a.O., N. 728; POLEDNA, 

a.a.O., N. 32 zu Art. 17 BGFA). 

 

5.3. 

Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Berufsregelverletzung 

und das Verschulden der Beschwerdeführerin als schwer qualifizierte. Sie 

begründete sachlich und nachvollziehbar, weshalb vorliegend eine Diszipli-

nierung der Beschwerdeführerin mit einem Verweis gerechtfertigt ist (an-

gefochtener Entscheid, Erw. 7.3). Diesen Ausführungen kann gefolgt wer-

den. Ergänzend ist festzuhalten, dass aus Sicht des Verwaltungsgerichts 

die Tatsache schwer wiegt, dass die Beschwerdeführerin trotz Kenntnis 

des Entscheids des Obergerichts XBE.2022.19/29 vom 18. Oktober 2022 

sich von ihrer Mutter, die eine medizinisch festgestellte Demenz aufwies 

und aktenkundig nicht in der Lage war, komplexere rechtliche, finanzielle 

und administrative Sachverhalte selbständig zu beurteilen und zu regeln, 

eine Vollmacht unterzeichnen liess, welche nicht – wie von der Beschwer-

deführerin vor der Vorinstanz behauptet – genügend eingegrenzt, sondern 

im Gegenteil sehr offen formuliert war. Gestützt auf diese Vollmacht und 

entgegen der vom Obergericht ausdrücklich festgehaltenen Interessen ih-

rer Mutter beantragte die Beschwerdeführerin die Feststellung der Nichtig-

keit der Beistandschaft und des Inventars. Mit diesem Verhalten hat die 

Beschwerdeführerin die ihr kraft öffentlichen Rechts auferlegte, besondere 

Treuepflicht in schwerwiegender Weise verletzt. Zu ihren Gunsten berück-

sichtigte die Vorinstanz zu Recht, dass die Beschwerdeführerin bisher kei-

nen Eintrag in der Disziplinarkontrolle hat. Insgesamt lässt sich darauf 

schliessen, dass die Vorinstanz bei der Aussprache eines Verweises ge-

genüber der Beschwerdeführerin den ihr zustehenden Ermessensspiel-

raum pflichtgemäss ausgeübt und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit 

eingehalten hat. Eine blosse Verwarnung würde demgegenüber der 

Schwere der begangenen Verletzung der Berufsregeln nicht gerecht.     

 

5.4. 

Auf die von der Beschwerdeführerin pauschal behauptete Verletzung der 

Wirtschaftsfreiheit durch "ein unverhältnismässiges Vorgehen" der Vorin-

 - 25 - 

 

 

stanz (vgl. Eingabe vom 9. März 2024, S. 6) kann mangels Begründung 

nicht eingegangen werden, wobei festzuhalten ist, dass der Beschwerde-

führerin die freie Wahl und Ausübung ihres Berufs, der freie Marktzugang 

wie auch die Vertragsfreiheit nach wie vor zustehen, weshalb nicht nach-

vollziehbar ist, inwiefern ihre Wirtschaftsfreiheit durch das zulässige Vorge-

hen der Vorinstanz überhaupt tangiert sein könnte.  

 

6. 

Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist 

abzuweisen. 

 

Der Antrag auf Durchführung einer Verhandlung mit Beweisverfahren (vgl. 

Eingabe der Beschwerdeführerin vom 28. Januar 2024, Antrag 2) sowie 

der Beweisantrag in der Eingabe vom 21. Februar 2024 (Antrag 3) werden 

abgewiesen. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist hinreichend erstellt, so 

dass keine zusätzlichen Beweise zu erheben sind.  

 

III. 

1. 

Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin die 

verwaltungsgerichtlichen Kosten zu tragen (vgl. § 31 Abs. 2 VRPG). 

 

Unter Berücksichtigung des Zeitaufwands und der Bedeutung der Sache 

wird die Staatsgebühr auf CHF 2'500.00 festgelegt (vgl. § 3 Abs. 1 i.V.m. 

§ 22 Abs. 1 lit. c des Dekrets über die Verfahrenskosten vom 24. November 

1987 [Verfahrenskostendekret, VKD; SAR 221.150]). Für die Kanzleige-

bühr und die Auslagen wird auf §§ 25 ff. VKD verwiesen. 

 

2. 

Parteikosten sind nicht zu ersetzen (vgl. § 29 i.V.m. § 32 Abs. 2 VRPG). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden darf. 

 

2. 

Das Sistierungsgesuch wird abgewiesen. 

 

3. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Staatsgebühr von Fr. 2'500.00 sowie der Kanzleigebühr und den Auslagen 

von Fr. 362.00, gesamthaft Fr. 2'862.00, sind von der Beschwerdeführerin 

zu bezahlen. 

 

 - 26 - 

 

 

4. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

5. 

Zustellung der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 30. Januar 2025 an 

die Anwaltskommission zur Kenntnisnahme. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin 

die Anwaltskommission 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-rechtli-

chen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die Frist steht still vom 7. Tag vor 

bis und mit 7. Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August und 

vom 18. Dezember bis und mit 2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bun-

desgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
 

   

Aarau, 17. Februar 2025 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Michel Wittich