# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72238e69-130a-5363-a53a-e79380748708
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-06
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 06.07.2009 BG.2009.16
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2009-16_2009-07-06.pdf

## Full Text

Entscheid vom 6. Juli 2009  
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Tito Ponti und Alex Staub,  
Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 
Parteien 

  
KANTON BERN, Polizei- und Militärdirektion des 
Kantons Bern, Abteilung Straf- und Massnahmenvoll-
zug,  
 

Gesuchsteller 
 

 gegen 
   

KANTON APPENZELL AUSSERRHODEN, Depar-
tement Sicherheit und Justiz des Kantons Appenzell 
Ausserrhoden, Straf- und Massnahmenvollzug, 

 
Gesuchsgegner 

 
Gegenstand  Örtlicher Gerichtsstand 

(Art. 279 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 345 StGB) 
 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2009.16 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 
 

- A. in Spanien zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und einem Tag so-
wie zu einer Busse verurteilt worden ist; 

 
- die zuständigen spanischen Behörden das Bundesamt für Justiz (nachfol-

gend „BJ“) mit Schreiben vom 21. Mai 2008 um Übernahme der Vollstrek-
kung dieses Strafurteils ersuchten (act. 1.2, Beilage 2); 

 
- das Departement Sicherheit und Justiz des Kantons Appenzell Ausserrho-

den (nachfolgend „DSJ AR“) in seinem Schreiben vom 7. Juli 2008 an das 
BJ seine Zuständigkeit bestritt (act. 1.5); 

 
- das BJ hierauf am 14. Juli 2008 die Abteilung Straf- und Massnahmenvoll-

zug des Kantons Bern (nachfolgend „ASMV BE“) anschrieb und diese als 
zum Vollzug der fraglichen Strafe zuständig erklärte (act. 1.2); 

 
- daraufhin das DSJ AR am 28. Juli 2008 seine Zuständigkeit auf eine erneu-

te Anfrage des BJ vom 25. Juli 2008 hin erneut ablehnte (act. 1.7 und 1.8); 
 

- das BJ dieses Schreiben am 8. August 2008 der ASMV BE übermittelte, 
und diese ersuchte, das Verfahren betreffend A. fortzusetzen (act. 1.9); 

 
- die ASMV BE in ihrem Schreiben an das BJ vom 21. August 2008 die Zu-

ständigkeit des Kantons Appenzell Ausserrhoden als gegeben erachtete, 
sich diesbezüglich vorbehielt, die Angelegenheit bei der I. Beschwerde-
kammer anhängig zu machen und – zur Vermeidung weiterer Verzögerun-
gen – anbot, einer vorläufigen Überstellung in den Kanton Bern – mit ent-
sprechender Kostenfolge – zuzustimmen, wenn sich der Kanton Appenzell 
Ausserrhoden vorgängig bereit erkläre, den weiteren Vollzug zu überneh-
men und dem Kanton Bern die entstandenen Kosten zurückzuerstatten, 
wenn die Zuständigkeit gemäss Bundesstrafgericht beim Kanton Appenzell 
Ausserrhoden liegen sollte (act. 1.10); 

 
- das DSJ AR sich mit diesem Vorschlag einverstanden erklärte (act. 1.11), 

worauf das BJ die ASMV BE ersuchte, das Überstellungsverfahren fortzu-
setzen (act. 1.12); 

 
- das DSJ AR der ASMV BE am 10. Oktober 2008 mitteilte, dass es den 

Vollzug betreffend A. nicht übernehme (act. 1.15); 
 

 

- 3 - 

 

 

- das spanische Urteil durch Entscheid des Kreisgerichts IV Aarwangen-
Wangen vom 28. Oktober 2008 für vollstreckbar erklärt wurde (act. 1.4); 

 
- die ASMV BE am 22. Juni 2009 an die I. Beschwerdekammer des Bundes-

strafgerichts gelangte und diese um die Bestimmung der Zuständigkeit für 
die Übernahme des Vollzugs im Zusammenhang mit der Überstellung des 
in Spanien verurteilten A. ersuchte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge 
(act. 1); 

 
- im Falle von Anständen zwischen Bund und Kantonen oder zwischen Kan-

tonen betreffend die Zuständigkeit die Strafverfolgungsbehörde, die zuerst 
mit dem Fall befasst war, die Angelegenheit der I. Beschwerdekammer un-
terbreitet (Art. 279 Abs. 1 BStP und Art. 345 StGB i.V.m. Art. 28  Abs. 1 
lit. g SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das 
Bundesstrafgericht; SR 173.710); 

 
- es sich vorliegend nicht um ein Gesuch um Bestimmung eines Gerichts-

standes handelt, gestützt auf welches die I. Beschwerdekammer einen zur 
Verfolgung und Beurteilung berechtigten und verpflichteten Kanton zu be-
zeichnen hat (vgl. Art. 345 StGB), sich somit aus dem Gesetz keine Zu-
ständigkeit der I. Beschwerdekammer im vorliegenden Fall ergibt; 

 
- sich auch aufgrund Art. 279 Abs. 1 BStP nichts anderes schliessen lässt, 

spricht dieser doch von Strafverfolgungsbehörden, wobei im vorliegenden 
Fall der Betroffene eben gerade nicht mehr verfolgt ist (vgl. zum Begriff 
SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsa-
chen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 276); 

 
- sich auch der Gesuchsteller zur Begründung der Zuständigkeit der I. Be-

schwerdekammer lediglich analog auf die Art. 345 StGB und Art. 279 
Abs. 1 BStP beruft; 

 
- dabei unberücksichtigt blieb, dass gemäss Art. 104 Abs. 1 IRSG das BJ 

nach Rücksprache mit der (kantonalen) Vollzugsbehörde über die Annah-
me von ausländischen Ersuchen auf Vollstreckung von Strafentscheiden 
entscheidet und im Falle einer Annahme des Ersuchens, die Akten und 
seinen Antrag der Vollzugsbehörde übermittelt, worauf der nach Art. 342 
StGB zuständige Richter über die Vollstreckung entscheidet (Art. 105 
IRSG); 

 
- sich bei Übernahme des Strafvollzugs die innerstaatliche Zuständigkeit 

nach Art. 342 StGB richtet, wobei diese gesetzliche Zuständigkeit noch 

- 4 - 

 

 

nicht genügt, damit eine kantonale Behörde tätig werden kann, sondern es 
der Zuweisung durch das BJ bedarf (vgl. POPP, Grundzüge der internatio-
nalen Rechtshilfe in Strafsachen, Basel 2001, N. 501); 

 
- bei Übernahme des Strafvollzugs der Richter über die Vollstreckbarkeit des 

ausländischen Urteils zu entscheiden hat, wobei das Verfahren von der 
Vollzugsbehörde eingeleitet wird, an welche das BJ das Ersuchen bei posi-
tivem Entscheid überweist, und der Richter in der Folge nur prüft, ob dem 
Vollzug Hindernisse im Sinne von Art. 95 oder 96 IRSG entgegenstehen 
(vgl. POPP, a.a.O., N. 507), nicht jedoch ob er innerstaatlich zur Vollstreck-
barerklärung zuständig ist; 

 
- das BJ über die Vollzugshilfe nach Rücksprache mit der Vollzugsbehörde 

entscheidet (Art. 104 Abs. 1 IRSG), wobei die Rücksprache erforderlich ist, 
weil der Vollzugsbehörde gegen den Entscheid des BJ kein Rechtsmittel 
zur Verfügung steht (vgl. POPP, a.a.O., N. 514; siehe auch Art. 14 IRSV); 

 
- der gesetzlichen Regelung im IRSG somit entnommen werden muss, dass 

das BJ mit seinem Entscheid über die Annahme des ausländischen Ersu-
chens auch die innerstaatliche Zuständigkeit festlegt (wie beispielsweise 
geschehen im Schreiben des BJ vom 14. Juli 2008, act. 1.2 in fine), wobei 
ein solcher Entscheid offenbar auch nicht bei der I. Beschwerdekammer 
angefochten werden kann (vgl. die möglichen, in Art. 279 Abs. 2 BStP ge-
nannten Vorinstanzen sowie POPP, a.a.O., N. 514) 

 
- im Gesetz keine davon abweichende Zuständigkeit der I. Beschwerde-

kammer vorgesehen ist; 
 
- das Gesuch sich daher als sofort unzulässig erweist, weshalb in analoger 

Anwendung von Art. 219 Abs. 1 BStP auf die Einholung weiterer Stellung-
nahmen verzichtet wird; 

 
- keine Gerichtskosten zu erheben sind (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 

Abs. 4 BGG); 
 
 

- 5 - 

 

 

und erkennt: 
 
1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 
 
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 
 

Bellinzona, 6. Juli 2009 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern, Abteilung Straf- und Mass-

nahmenvollzug 
- Departement Sicherheit und Justiz des Kantons Appenzell Ausserrhoden, 

Straf- und Massnahmenvollzug 
- Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD, Bundesamt für Ju-

stiz BJ, Fachbereich Auslieferung 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.