# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30064e98-53bc-53f6-88be-21df8b799cce
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-30
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 30.01.2018 110 2017 114
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2017-114_2018-01-30.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION 

RA Nr. 110/2017/114 Bern, 30. Januar 2018

in der Beschwerdesache zwischen

Herrn A.________
Beschwerdeführer

und

Herrn B.________
Beschwerdegegner 1

Frau C.________
Beschwerdegegnerin 2

sowie

Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun, Bauinspektorat, Industriestrasse 2, 
Postfach 145, 3602 Thun

betreffend die Verfügung der Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun vom 17. August 
2017 (Gemeinde Nr. 942/2017-0001; Umnutzung Garage in nicht gewerbliche Werkstatt, 
3 zusätzliche Parkplätze)

I. Sachverhalt

1. Die Stadt Thun forderte die Beschwerdegegnerschaft am 4. November 2016 auf, für 

die auf ihrem Grundstück ohne Baubewilligung errichteten Parkplätze ein nachträgliches 

Baugesuch einzureichen, resp. dazu Stellung zu nehmen. Mit Schreiben vom 29. 

Dezember 2016 reichte die Beschwerdegegnerschaft bei der Stadt Thun ein nachträgliches 

Baugesuch ein für die Umnutzung der als Garage bewilligten Nebenbaute in eine nicht 

RA Nr. 110/2017/114 2

gewerbliche Werkstatt sowie für das Errichten von drei zusätzlichen Parkplätzen auf 

Parzelle Thun-Strättligen Grundbuchblatt Nr. D.________. Die Parzelle liegt in der 

Wohnzone W2. Dagegen erhob der Beschwerdeführer Einsprache und meldete 

Rechtsverwahrung an. Mit Entscheid vom 17. August 2017 nahm die Stadt Thun von der 

Rechtsverwahrung Kenntnis, wies die Einsprache ab und erteilte dem Bauvorhaben die 

nachträgliche Baubewilligung.

2. Gegen diesen Entscheid reichte der Beschwerdeführer am 17. September 2017 

Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er 

stellt folgende Rechtsbegehren:

1. Der Gesamtentscheid sei auf seine Rechtmässigkeit zu überprüfen, 

insbesondere in Bezug auf die Würdigung der eingereichten 

Einsprachepunkte (Gesundheit, Einschränkung der Lebensqualität, 

Lärmbelastung).

2. Die nachträgliche Baubewilligung für den Parkplatz Nr. 4 sei aufzuheben.

3. Der Parkplatz Nr. 4 sei durch Entfernen der Pflästerung wieder als 

Grünfläche herzustellen.

3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab der 

Beschwerdegegnerschaft sowie der Stadt Thun Gelegenheit, zur Beschwerde Stellung zu 

nehmen und forderte die Stadt Thun auf, die Vorakten einzureichen. Zudem bat es die 

Kantonspolizei Bern, Fachstelle Lärmakustik / Lasertechnik einen Bericht zur Lärmsituation 

zu erstellen.

4. Auf die Rechtsschriften sowie den Fachbericht wird, soweit für den Entscheid 

wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).

RA Nr. 110/2017/114 3

II. Erwägungen

1. Sachurteilsvoraussetzungen

Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –

unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel 

angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im 

vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide 

können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei 

der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen 

den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, 

die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige 

Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, 

dessen Einsprache abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid 

beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht 

eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

2. Rechtliches Gehör / Untersuchungsgrundsatz

a) Der Beschwerdeführer wirft der Gemeinde vor, sie habe sich mit der Lärmbelastung, 

die mit der Umnutzung der Garage verbunden sei, in ihrem Entscheid nicht 

auseinandergesetzt. Zudem sei fraglich, ob die Baubewilligungsbehörde überhaupt einen 

Augenschein vor Ort vorgenommen habe. Damit rügt er sinngemäss die Verletzung des 

rechtlichen Gehörs resp. des Untersuchungsgrundsatzes.

Die Gemeinde hat in ihrem Entscheid ausgeführt, das Bauvorhaben sei in der Wohnzone 

W2 zonenkonform. Zu der mit der Umnutzung der ehemaligen Garage verbundenen 

Lärmbelastung hat sie sich nicht geäussert. Im vorliegenden Verfahren brachte sie vor, 

diesbezüglich verweise sie auf Art. 17 und 18 des Ortspolizeireglements. Gegen 

entsprechende Verstösse sei privatrechtlich vorzugehen.

2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1).
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).

RA Nr. 110/2017/114 4

b) Art. 29 Abs. 2 BV4 gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus 

folgt die Verpflichtung der Behörden, die Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung betroffenen 

Personen zu hören, zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung zu berücksichtigen (Art. 21 

Abs.1 VRPG5). Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG muss eine Verfügung dementsprechend 

eine Begründung enthalten. Diese muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen den 

Entscheid sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde mindestens kurz die 

Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid 

stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung zum Sachverhalt und 

jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; es genügt, wenn sie die wesentlichen 

Gesichtspunkte darlegt.6 Zudem verpflichtete der Untersuchungsgrundsatz die Behörden 

den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 18 VRPG). 

c) Der Beschwerdeführer machte in seiner Eingabe vom 18. April 2017 im 

vorinstanzlichen Verfahren geltend, die Umnutzung der bestehenden Garage in eine 

Werkstatt generiere viel Lärm. Er erhebe Rechtsverwahrung. Diese Eingabe kann zwar so 

gelesen werden, als meldete er gegen die Umnutzung der Garage "nur" Rechtsverwahrung 

an. Im einleitenden Satz der Eingabe hielt er aber fest, dass er gegen das gesamte 

Bauvorhaben Einsprache erhebe. Zudem brachte er auch in seiner Begründung zum 

Ausdruck, gemäss seiner Auffassung verursache die nicht gewerblich betriebene Werkstatt 

(zu) viel Lärm. Da an Parteieingaben von nicht anwaltlich vertretenen Personen keine 

hohen Anforderungen gestellt werden dürfen,7 hat der Beschwerdeführer damit 

sinngemäss gerügt, die Umnutzung sei wegen dem dadurch verursachten Lärm nicht 

bewilligungsfähig. Zudem prüft die Bewilligungsinstanz von Amtes wegen, ob ein 

Bauvorhaben mit den massgeblichen öffentlich-rechtlichen Bestimmungen vereinbar ist. 

Dazu gehört insbesondere auch die Umweltschutzgesetzgebung. In dem sich die Stadt 

Thun zu der mit der Umnutzung der ehemaligen Garage in eine nicht gewerbliche 

Werkstatt verbundenen Lärmbelastung nicht geäussert und in diesem Zusammenhang 

auch keine Abklärungen vorgenommen hat, hat sie das rechtliche Gehör des 

Beschwerdeführers respektive den Untersuchungsgrundsatz verletzt.

4 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
6 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 
N. 5.
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N 11f.

RA Nr. 110/2017/114 5

d) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; dessen Verletzung 

führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Eine 

Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe 

Kognition hat wie die Vorinstanz und der beschwerdeführenden Person aus der Heilung 

kein Nachteil erwächst. Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der 

Kostenverlegung zu berücksichtigen.8 Der BVE kommt als Beschwerdeinstanz volle 

Überprüfungsbefugnis zu (Art. 66 Abs. 1 VRPG). Daher konnte die Gehörsverletzung im 

Verfahren der BVE geheilt werden. Dem Beschwerdeführer resultiert aus dieser Heilung 

kein Rechtsnachteil. Die BVE durfte auch Sachverhaltsabklärungen selber vornehmen. 

Auch dies schmälert die Stellung des Beschwerdeführers nicht. Die Gehörsverletzung ist 

allerdings bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen. 

3. Situationsplan 

a) Der Beschwerdeführer rügt, im Situationsplan sei nicht zwischen bestehenden und 

neuen Parkplätzen differenziert. Zudem sei der an die ehemalige Garage angebaute 

Autounterstand nicht eingetragen. Es sei zu bezweifeln, dass dieser je vom Bauinspektorat 

abgenommen worden sei. 

b) Die Baugesuchsunterlagen insgesamt sollen Aufschluss über das Bauvorhaben 

geben; bei einem vorgängigen Baugesuch sollen sich die Betroffenen ein Bild vom 

zukünftigen Bauvorhaben machen können. Bei einem nachträglichen Baugesuch 

veranschaulichen sie insbesondere den zu bewilligenden Zustand. Gemäss Art. 12 BewD9 

ist der Situationsplan im vermessenen Kantonsgebiet auf einer vom 

Nachführungsgeometer unterzeichneten Kopie für das Grundbuch zu erstellen. Die 

Projektverfasser haben im Situationsplan die nach Art. 13 BewD verlangten 

baupolizeilichen Angaben einzutragen. Der Situationsplan soll einen Überblick geben über 

Lage und Grundfläche des Bauvorhabens, muss aber nicht alle Details des Projekts 

enthalten; für Letztere sind die Detailpläne massgebend.10 

8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9.
9 Dekret über das Baubewilligungsverfahren vom 22. März 1994 (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
10 BDE vom 2. November 2009, E. 3b, RA Nr. 110/2009/42.

RA Nr. 110/2017/114 6

c) Dem Situationsplan sind die Grundstücknummern zu entnehmen. Auch die 

Bauherrschaft ist aufgeführt. Zudem sind die vier sich auf dem Grundstück befindenden 

Parkplätze sowie die Fläche, welche mit Verbundsteinen belegt ist, eingezeichnet. 

Allerdings ist der an die ehemalige Garage angebaute Unterstand nicht ersichtlich. Bei den 

Parkplätzen ist zudem nicht zwischen bereits bewilligten und noch zu bewilligenden 

Parkplätzen differenziert. 

Parkplatz Nr. 2 ist bereits im bewilligten Plan vom 18. Juni 2001 eingezeichnet. 

Dementsprechend ist klar, dass dieser Parkplatz bereits rechtskräftig bewilligt und nicht 

Gegenstand des vorliegenden Baugesuches ist. Auch aus dem Baugesuch geht hervor, 

dass die Baugesuchsteller nur für drei zusätzliche Parkplätze die Bewilligung beantragen. 

Der bestehende Unterstand neben der Garage ist nicht Gegenstand des zu beurteilenden 

Baugesuches. Ob dieser vom Bauinspektorat abgenommen worden ist oder nicht und wie 

er im Detail ausgestaltet ist, hat keinen Einfluss auf die Frage der Rechtmässigkeit der zu 

bewilligenden Parkplätze und die Umnutzung der ehemaligen Garage. Ob diese 

bewilligungsfähig sind oder nicht, lässt sich auf Grund der vorhandenen Pläne ohne 

weiteres beurteilen, obwohl der Unterstand im Situationsplan nicht eingezeichnet ist. Die 

Baugesuchsunterlagen insgesamt, aber insbesondere auch die vorhandenen Pläne, 

veranschaulichen das Bauvorhaben genügend. Die eingereichten Pläne sind nicht zu 

beanstanden. Zudem handelt es sich um ein nachträgliches Bauvorhaben und es liegen 

Fotos bei den Akten, die die tatsächliche Situation dokumentieren. Die Rüge des 

Beschwerdeführers ist unbegründet.

4. Lärmbelastung

a) Die Beschwerdegegnerschaft will die bestehende Garage als nichtgewerbliche 

Werkstatt nutzen. Der Beschwerdegegner, will darin während seiner Freizeit, insbesondere 

an Samstagen und am Abend Schweisser- und Reparaturarbeiten in kleinerem Umfang 

sowie Reparaturarbeiten an seinen Motorrädern ausführen. Dafür ist die Werkstatt mit 

Werkbänken und Schränken sowie mit einer versenkbaren Hebebühne für Motorräder 

ausgestattet. Zudem befinden sich in der ehemaligen Garage Werkzeuge wie Hämmer, 

RA Nr. 110/2017/114 7

Feilen oder Sägen aber auch Akkuschraubgeräte, Winkelschleifer und ein 

Pressluftkompressor sowie elektrische und autogene Schweissgeräte.11

Der Beschwerdeführer macht geltend, durch diese Umnutzung werde er mit erheblichem 

Lärm eingedeckt. Er bezweifelt, dass in einem reinen Wohnquartier eine halbgewerbliche 

Schlosserei zulässig sei. Es seien klare Vorgaben bezüglich zeitlicher Lärmbelastung 

erforderlich.

b) Das bundesrechtliche Lärmschutzrecht soll die Bevölkerung vor schädlichem und 

lästigem Lärm schützen, der beim Betrieb neuer und bestehender Bauten und Anlagen 

erzeugt wird (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 7 USG12, Art. 1 LSV13). Dazu gehört einerseits der 

Lärm, der von der Anlage bzw. dem Betrieb selbst erzeugt wird, aber auch der Lärm, der 

von den Benützern innerhalb und ausserhalb der Anlage erzeugt wird, d.h. auch der von 

Menschen verursachte Verhaltenslärm.14 Für einige häufige, oft als besonders störend 

empfundene Schall- bzw. Lärmquellen wie u.a. Strassenverkehr, Flugplätze, Industrie- und 

Gewerbebetriebe hat der Bundesrat im den Anhängen 3 bis 7 der LSV 

Belastungsgrenzwerte erlassen. Diese Belastungsgrenzwerte können bei menschlichem 

Verhaltenslärm aber nicht herangezogen werden, da sich die Art des Lärms und der 

Störungscharakter von technischem Lärm unterscheiden.15 Für den Alltagslärm, wie er u.a. 

durch Freizeitaktivitäten entsteht, fehlen somit konkrete Belastungsgrenzwerte. Auch für 

Werkstätte, die zwar mit technischem Lärm verbunden, aber nicht gewerblich betrieben 

sind, eignen sich die Belastungsgrenzwerte nur bedingt. Trotzdem ist bei der Beurteilung 

daran anzuknüpfen. Die Lärmimmissionen der nicht gewerblichen Werkstatt müssen 

jedoch von der Behörde im Einzelfall nach Art. 15 USG (Immissionsgrenzwerte) unter 

Berücksichtigung der Art. 19 USG (Alarmwerte) und Art. 23 USG (Planungswerte) beurteilt 

werden (Art. 40 Abs. 3 LSV).16

Nach Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV sind die von einer neuen Anlage 

erzeugten Emissionen zunächst im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies 

11 Vgl. Fachbericht der Kantonspolizei Bern vom 13. Dezember 2017.
12 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz; SR 814.01).
13 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41).
14 BGE 133 II 292 E. 3.1.
15 BGE 133 II 292 E. 3.3; BGE 123 II 325 E. 4.d.bb; Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von Alltags- und 
Freizeitlärm, in URP 2009, S. 64, 80 f.
16 BGE 133 II 292 E. 3.3; Urs Walker, a.a.O., S. 65, 81.

RA Nr. 110/2017/114 8

technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Aus dem Vorsorgeprinzip 

lässt sich indessen nicht ableiten, von Emissionen Betroffene hätten überhaupt keine 

Belastungen hinzunehmen. Das Vorsorgeprinzip hat hinsichtlich der Immissionen „nicht 

zwingend eliminierenden Charakter, doch es leistet jedenfalls einen Beitrag zu deren 

Begrenzung“.17

Zudem dürfen neue ortsfeste Anlagen nur errichtet werden, wenn die durch diese Anlagen 

allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten 

(Art. 25 Abs. 1 USG, Art. 7 Abs. 1 Bst. b LSV). Nach der Rechtsprechung muss bei neuen 

ortsfesten Anlagen im Hinblick auf die Einhaltung der Planungswerte ein Immissionsniveau 

eingehalten werden, bei dem höchstens geringfügige Störungen auftreten. Dabei ist eine 

objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personengruppen mit erhöhter 

Empfindlichkeit vorzunehmen (vgl. Art. 13 Abs. 2 USG).18 Für die Beurteilung der Störung 

sind verschiedene Faktoren bei der Quelle und beim Empfänger zu berücksichtigen. So 

kommt es auf den Charakter des Lärms, den Zeitpunkt und die Häufigkeit der 

Lärmereignisse an sowie auf die Lärmempfindlichkeit des betroffenen Gebietes (ES) und 

die Lärmvorbelastung der betroffenen Nutzungszone (d.h. den normalen 

Hintergrundpegel).19 Gemäss Art. 17 des kommunalen Ortspolizeigesetzes20 ist bei Haus-, 

Garten- und Bastelarbeiten inner- und ausserhalb von Gebäuden auf Mitbewohner und 

Nachbarn Rücksicht zu nehmen. Mit starker Lärm-, Geruchs-, Staub- oder 

Rauchentwicklung verbundene Arbeiten sind nur werktags von 08.00 bis 12.00 Uhr und 

von 13.30 bis 20.00 Uhr, an Samstagen nur bis 19.00 Uhr gestattet.

Wenn Grund zur Annahme besteht, dass die Belastungsgrenzwerte überschritten sein 

könnten,21 so ist die Behörde zur Durchführung eines Beweis- und Ermittlungsverfahrens 

nach den Art. 36 ff. LSV und den Anhängen 2-7 LSV verpflichtet, ohne dass ihr insoweit 

noch ein Ermessensspielraum zustünde. Für neue Anlagen ist dabei einzig massgebend, 

ob die zu erwartenden Lärmimmissionen des Vorhabens die Planungswerte überschreiten 

können. Das Rechtsamt holte daher einen Fachbericht der Fachstelle 

Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern (nachfolgend: Fachstelle) ein.

17 BGE 124 II 517 E. 4.a.
18 BGE 123 II 325 E. 4.d.bb; Urs Walker, a.a.O., S. 65, 78 ff.
19 Beurteilung Alltagslärm, Vollzugshilfe im Umgang mit Alltagslärm, Herausgegeben vom Bundesamt für 
Umwelt BAFU, Bern 2014, S. 17.
20 Ortspolizeireglement der Stadt Thun vom 27. Juni 2002 (OPR).
21 BGE 137 II 30 E. 3.4.

RA Nr. 110/2017/114 9

c) Das Bauvorhaben liegt in der Wohnzone W2. Diese ist der 

Lärmempfindlichkeitsstufe II zugeordnet (Art. 20 Abs. 1 GBR22). Gemäss der 

Lärmbeurteilung der Fachstelle hängen die Lärmemissionen der nicht gewerblich 

genutzten Werkstatt direkt von den ausgeübten Tätigkeiten ab. Punktuell können daher 

laute und impulshaltige Geräusche entstehen, die in der Anwohnerschaft deutlich 

erkennbar sind. Die Fachstelle hat ausgeführt, beispielsweise sei die Benutzung des 

Winkelschleifers oder des Pressluftkompressors lärmintensiv. Die Lärmimmissionen 

könnten jedoch etwas reduziert werden, wenn die Werktätigkeiten im Innern der Garage 

resp. der Werkstätte durchgeführt würden. Gemäss ihrer Beurteilung seien keine 

Anhaltspunkte vorhanden, dass die Nutzung der Werkstatt den Rahmen einer 

Freizeitbeschäftigung übersteige. Dies wirke sich positiv auf das Gesamtimmissionsniveau 

aus, so dass die Planungswerte bei Anwendung der Beurteilungsmethodik Industrie- und 

Gewerbelärm deutlich eingehalten seien. Die Fachstelle kommt zum Schluss, die 

freizeitmässig betriebene Werkstatt führe höchstens zu geringfügigen Störungen und es 

seien keine Massnahmen oder Auflagen zur Lärmminderung notwendig.

d) Die Fachstelle hat nachvollziehbar dargelegt, dass die Nutzung der Garage als nicht 

gewerbliche Werkstatt auf Grund der vorhandenen Gerätschaften in der Nachbarschaft 

unter Umständen punktuell zu deutlich wahrnehmbaren Immissionen führen kann. Der 

Beschwerdegegner arbeitet jedoch nur an den Abenden und Samstagen in der Werkstatt. 

Zudem begrenzt das Ortspolizeireglement die Zulässigkeit lärmiger Arbeiten an den 

Werktagen auf die Zeit von 08.00 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 20.00 Uhr sowie an den 

Samstagen bis um 19.00 Uhr. Daher beschränken sich die mit starken Immissionen 

verbundenen Arbeiten höchstens auf einige Stunden pro Woche. Die Tätigkeiten sollen 

zudem innerhalb der Werkstatt durchgeführt werden, so dass die Immissionen bereits 

dadurch etwas reduziert sind. Die Liegenschaft des Beschwerdeführers liegt schliesslich 

ca. 9 m von der Emissionsquelle entfernt. Auch diese Distanz reduziert die Immissionen. 

All diese Faktoren führen dazu, dass der Fachstelle, die die mit den Immissionen 

verbundene Störung unter Berücksichtigung dieser Umstände insgesamt als höchstens 

geringfügig betrachtet, beizupflichten ist. Die Planungswerte für Industrie- und 

Gewerbelärm sind zudem laut Fachstelle eingehalten. Auf Grund der Geringfügigkeit der 

Immissionen rechtfertigt es sich daher nicht, weitere Massnahmen für deren Reduktion zu 

22 Baureglement der Stadt Thun 2002, amtlich genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 
24. Juli 2003 und 27. August 2003 (GBR).

RA Nr. 110/2017/114 10

verlangen. Die mit der Umnutzung der Garage in eine nicht gewerbliche Werkstatt 

verbundenen Immissionen sind auch in der Wohnzone hinzunehmen. Die Umnutzung ist 

daher nicht zu beanstanden.

RA Nr. 110/2017/114 11

5. Parkplätze

a) Der Beschwerdeführer bringt vor, auch wenn bei einem Einfamilienhaus vier 

Parkplätze zulässig seien, so bedeute dies nicht, dass zu Lasten der Nachbarschaft auch 

vier Parkplätze realisiert werden müssten. Zudem kritisiert er die Lage der Parkplätze 

entlang der Parzellengrenze. Er beantragt daher, Parkplatz Nr. 4 sei nicht zu bewilligen 

und die Pflästerung sei wieder als Grünfläche auszugestalten.

b) Die Anzahl der Abstellplätze für Motorfahrzeuge wird durch eine Bandbreite begrenzt; 

innerhalb dieser Bandbreite legt die gesuchstellende Partei die Anzahl fest (Art. 50 Abs. 1 

BauV23). Bei einer Wohnung beträgt die Bandbreite ein bis vier Abstellplätze (Art. 51 Abs. 1 

Bst. a BauV). Das Baureglement der Stadt Thun sieht keine spezielle Regelung für 

Abstände von Parkplätzen vor. Dementsprechend dürften Parkplätze direkt an der 

Parzellengrenze errichtet werden. Zudem müssen nicht alle Parkierungsmöglichkeiten 

gleich geeignet sein.24

c) Auf dem Grundstück der Beschwerdegegnerschaft befindet sich ein Einfamilienhaus. 

Gemäss den bewilligten Plänen aus dem Jahr 2001 befanden sich auf der Parzelle 

ursprünglich zudem eine Garage für ein Auto sowie ein Aussenparkplatz. Wie bereits 

dargelegt, sieht das vorliegend zu beurteilende Bauvorhaben vor, die ehemalige Garage 

als nicht gewerbliche Werkstatt zu nutzen. Zudem beantragt die Bauherrschaft die 

Bewilligung für drei neue Parkplätze. Auf Grund der Umnutzung befindet sich auf dem 

Grundstück der Beschwerdegegnerschaft nur noch ein bereits bewilligter Parkplatz 

(Parkplatz Nr. 2). Zusammen mit den neu zu bewilligenden Parkplätzen sollen sich daher 

auf dem Grundstück inskünftig vier Parkierungsmöglichkeiten befinden. Die Anzahl 

Abstellplätze liegt damit innerhalb der vorgesehenen Bandbreite. Sie ist nicht zu 

beanstanden.

Parkplatz Nr. 1 befindet sich im südwestlichen Bereich der Parzelle. Der Beschwerdeführer 

bringt nichts vor und es sind auch keine Gründe ersichtlich, die gegen die 

Bewilligungsfähigkeit dieses Parkplatzes sprächen. Die Parkplätze Nr. 3 und 4 liegen 

entlang der nördlichen Parzellengrenze. Sie halten zum Nachbargrundstück einen 

seitlichen Grenzabstand von ca. 1.5 m ein. Parkplatz Nr. 4 liegt zudem hinter dem 

23 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1).
24 VGE 2017/36 vom 18. September 2017, E. 3.4.

RA Nr. 110/2017/114 12

Parkplatz Nr. 3 und ist daher nur zugänglich, wenn dieser nicht belegt ist. Obwohl diese 

Parkplätze sehr nah am Grundstück des Beschwerdeführers liegen und Parkplatz Nr. 4 nur 

benutzt werden kann, wenn auf dem Parkplatz Nr. 3 kein Auto steht, sind die 

vorgesehenen Standorte für die Parkplätze aus öffentlich-rechtlicher Sicht nicht zu 

beanstanden. Die Parkplätze, insbesondere auch Parkplatz Nr. 4, sind bewilligungsfähig. 

Die Beschwerde des Beschwerdeführers erweist sich daher insgesamt als unbegründet. 

Der Entscheid der Stadt Thun ist zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen.

6. Verfahrenskosten

a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat daher 

grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden 

bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 

Abs. 1 GebV25). Allerdings ist zu berücksichtigen, dass vorliegend auch ein 

Verfahrensmangel (Verletzung des rechtlichen Gehörs) geheilt werden musste. Dies stellt 

einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar, der es rechtfertigt, 

dafür einen Fünftel der Verfahrenskosten bzw. Fr. 200.– auszuscheiden.26 Da der Stadt 

Thun keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG), trägt der Kanton 

diesen Verfahrenskostenanteil. Dem Beschwerdeführer werden dementsprechend 

Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 800.– auferlegt.

b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Der Gesamtentscheid der Stadt Thun vom 

17. August 2017 wird bestätigt.

25 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG 154.21).
26 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 7 und 9; BVR 2004 S. 133 E. 3.1.

RA Nr. 110/2017/114 13

2. Dem Beschwerdeführer werden Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 800.– zur 

Bezahlung auferlegt. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid 

in Rechtskraft erwachsen ist.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

IV. Eröffnung

- Herrn A.________, eingeschrieben

- Frau C.________ und Herrn B.________, eingeschrieben

- Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun, Bauinspektorat, eingeschrieben

- Kantonspolizei Bern, Fachstelle Lärmakustik / Lasertechnik, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

Barbara Egger-Jenzer

Regierungsrätin