# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a56a49a9-1ab9-59bb-98b8-5f1214c23f65
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-02-25
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 25.02.2016 VG.2015.00122 (VG.2016.356)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2015-00122_2016-02-25.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 25. Februar 2016

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2015.00122

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin  

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwältin B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin 

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV-Leistungen

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  A.______ meldete sich am
  18. Juni 2014 bei der IV-Stelle Glarus unter Hinweis auf Augenprobleme zum
  Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Mit Verfügung vom 20.
  August 2015 übernahm die IV-Stelle die Kosten für die Umschulung von A.______
  bei der Sehbehindertenhilfe Basel ab dem 10. August 2015 bis 30. Oktober
  2015. Am 28. August 2015 sprach sie A.______ ein Wartezeittaggeld für den
  Zeitraum vom 1. Juli 2015 bis 9. August 2015 sowie ein IV-Taggeld für die
  Dauer vom 10. August 2015 bis 30. Oktober 2015 zu. 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 A.______ erhob in der Folge am 23. September 2015
  Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. August 2015 betreffend
  Wartezeittaggeld und beantragte, dass ihr ein solches schon ab einem früheren
  Zeitraum als dem 1. Juli 2015 zuzusprechen sei; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle. Die IV-Stelle schloss am 20.
  Oktober 2015 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  2.2 Am 11. November 2015 reichte A.______ eine Replik
  ein und hielt an ihren in der Beschwerde gestellten Anträgen fest. Die
  IV-Stelle beantragte in ihrer Duplik vom 17. November 2015 weiterhin die
  Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  2.3 Am 30. November 2015 stellte A.______ dem
  Verwaltungsgericht Gesprächsnotizen zwischen dem Regionalen
  Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) und der IV-Stelle zu. Dazu nahm die
  IV-Stelle am 12. Januar 2016 Stellung.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69 Abs. 1
  lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
  19. Juni 1959 (IVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
  zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
  die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Versicherte haben gemäss Art. 22 Abs. 1 IVG während der
  Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG Anspruch auf
  ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen
  der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer
  gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 % arbeitsunfähig sind. Gemäss Art. 22
  Abs. 6 IVG bestimmt der Bundesrat, unter welchen Voraussetzungen Taggelder
  ausgerichtet werden für nicht aufeinanderfolgende Tage, für Abklärungs- und
  Wartezeiten, für Arbeitsversuche und für Unterbrüche von Eingliederungsmassnahmen
  wegen Krankheit, Unfall und Mutterschaft. Der Bundesrat hat den
  Taggeldanspruch während den Wartezeiten in Art. 18 der Verordnung über die
  Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV) geregelt. Gemäss Abs. 1
  dieser Bestimmung hat die versicherte Person, die zu mindestens 50 %
  arbeitsunfähig ist und auf den Beginn einer erstmaligen beruflichen
  Ausbildung oder einer Umschulung warten muss, während der Wartezeit Anspruch
  auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht im Zeitpunkt, in welchem die IV-Stelle
  feststellt, dass eine erstmalige berufliche Ausbildung oder eine Umschulung
  angezeigt ist (Abs. 2). 

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es
  treffe nicht zu, dass Wartezeittaggelder grundsätzlich ausgeschlossen seien,
  solange noch kein abschliessender Eingliederungsplan erstellt sei. Es müsse
  unterschieden werden zwischen der eigentlichen Berufsberatung in deren Rahmen
  definiert werde, welche Ausbildung bzw. Umschulung angezeigt sei, und den weiteren
  Vorkehren und Massnahmen, welche der Vorbereitung der Umsetzung dieses
  Ausbildungs-/Umschulungsziels dienten. Nur während der Berufsberatung im
  engeren Sinne sei ein Wartezeittaggeld ausgeschlossen. Entgegen den
  Ausführungen der Beschwerdegegnerin habe schon vor Juli 2015 festgestanden,
  dass sie, die Beschwerdeführerin, eine Umschulung absolvieren sollte. Bereits
  im September 2014 habe die Beschwerdegegnerin festgestellt, dass eine
  Umschulung angezeigt sei. Sodann sei ihr am 15. März 2015 versprochen worden,
  man werde die Möglichkeiten einer Umschulung abklären. Schliesslich finde
  sich im Berufsberatungsbericht der Beschwerdegegnerin unter dem 4. Juni 2015
  der Eintrag, mit der Sehbehindertenhilfe Basel sei vereinbart worden, dass
  sie die Empfehlung erhalte, ab dem 10. August 2015 die sehbehindertentechnische
  Grundschulung zu absolvieren. Die Beschwerdegegnerin habe die Angelegenheit
  nicht beförderlich behandelt. Obwohl bereits im September 2014 festgestanden
  habe, dass Umschulungsmassnahmen geprüft werden sollten, sei sie erst im
  April 2015 zu einem Gespräch vorgeladen worden. Vor diesem Hintergrund wirke
  es absolut stossend, wenn sie nebst dem verzögerten Umschulungsbeginn und der
  erheblichen psychischen Belastung durch das harzige Verfahren auch noch negative
  finanzielle Auswirkungen hinnehmen müsse. Zusammenfassend habe bereits im
  Herbst 2014 festgestanden, dass eine sehbehindertenspezifische Umschulung mit
  überwiegender Wahrscheinlichkeit notwendig sein würde, was im März 2015 mit
  der Kontaktaufnahme zur Sehbehindertenhilfe Basel weiter konkretisiert worden
  sei. Spätestens ab diesem Zeitpunkt rechtfertige sich daher die Ausrichtung
  eines Wartezeittaggelds.

  
	
   

  
	
  3.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass
  Wartezeittaggelder während der Berufsberatung sowie für medizinische
  Massnahmen und Integrationsmassnahmen ausgeschlossen seien. Die
  Berufsberatung werde jeweils mit dem Eingliederungsplan abgeschlossen. Zuvor
  sei unklar, ob und allenfalls welche berufliche Ausbildung bzw. Umschulung in
  Frage komme. Der Eingliederungsplan habe erst nach den versicherungsmedizinischen
  Abklärungen, nach Vorliegen eines stabilen Gesundheitszustands und damit erst
  anlässlich der ärztlichen Stellungnahme vom 12. Juni 2015, welche bei
  ihr am 25. Juni 2015 eingegangen sei, erstellt werden können. Mit Erstellung
  des Eingliederungsplans im Juli 2015 habe sie alles Zumutbare unternommen, um
  unverzüglich das weitere Vorgehen festzulegen. Im Juli 2015 sei klar
  geworden, welche genau festgelegte Umschulung stattfinden werde, weshalb die
  Beschwerdegegnerin ab diesem Zeitpunkt Anspruch auf ein Wartezeittaggeld
  habe. Massgebend sei, dass ein Anspruch auf Wartezeittaggelder nur vorliege,
  wenn die Ursachen der Wartezeit nicht vom Versicherten zu vertreten seien.
  Dies sei hauptsächlich dann der Fall, wenn der Versicherte auf die
  Durchführung einer Massnahme warten müsse, weil bei der Eingliederungsstelle
  kein früherer Antritt möglich sei.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der Anspruch auf Wartezeittaggelder der
  Invalidenversicherung gemäss Art. 22 Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 18 Abs. 1 und 2
  IVV setzt voraus, dass die versicherte Person in der gewohnten
  Erwerbstätigkeit eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit aufweist und die
  Eingliederungsfähigkeit in subjektiver und objektiver Hinsicht so weit rechtsgenüglich
  erstellt ist, dass Eingliederungsmassnahmen – und nicht bloss Abklärungsmassnahmen
  – ernsthaft in Frage kommen. Nicht erforderlich ist hingegen, dass die
  Durchführung der Eingliederungsmassnahme bereits beschlossen ist (BGE 129 V
  260 E. 4.1).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Unbestritten ist, dass die
  Beschwerdeführerin aufgrund der Glaskörpertrübungen bei Myopie magna nach
  Linsenoperationen durchgehend zu mindestens 50 % arbeitsunfähig war. Näher zu
  prüfen ist hingegen, ab wann die Eingliederungsmassnahmen ernsthaft in Frage
  kamen.

  
	
   

  
	
  4.2.2 Die Beschwerdeführerin meldete sich am 18.
  Juni 2014 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Am 18.
  August 2014 kam Dr. med. C.______, Facharzt FMH für Rheumatologie,
  Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom regionalen
  ärztlichen Dienst (RAD) zum Schluss, dass ein noch instabiler
  Gesundheitszustand vorliege, weshalb keine abschliessende fundierte Stellungnahme
  erfolgen könne. 

  
	
   

  
	
  4.2.3 Dr. C.______ führte am 15. September 2014
  aus, dass der Beschwerdeführerin sämtliche Tätigkeiten nicht mehr zumutbar
  seien, welche betreffend Anforderungen an den Gesichtssinn die entsprechenden
  Restfähigkeiten überschreiten würden. Diese Fähigkeiten und Massnahmen
  müssten im Rahmen einer spezifischen Abklärung erfolgen. Eine anschliessend
  erfolgte interne Besprechung der Beschwerdeführerin führte zum Schluss, dass
  Umschulungsmassnahmen geprüft werden sollten.

  
	
   

  
	
  4.2.4 Am 22. Dezember 2014 wandte sich die
  Beschwerdegegnerin erneut an den RAD-Arzt Dr. C.______ und wies darauf hin,
  dass sie Umschulungsmassnahmen im Rahmen von Art. 17 IVG prüfe, weshalb sie
  seine Stellungnahme zum medizinischen Sachverhalt erbete. Dr. C.______
  antwortete darauf am 6. Januar 2015, dass die Antworten zu Art. 17 IVG
  bereits in der Stellungnahme vom 15. September 2014 enthalten seien. Er
  empfehle, das weitere Prozedere mit dem Teamleiter zu besprechen, da es sich
  hier um einen eher speziellen Fall handle.

  
	
   

  
	
  4.2.5 Am 5. März 2015 nahm die Berufsberaterin der
  Beschwerdegegnerin Kontakt zur Beschwerdeführerin auf und vereinbarte einen
  Termin auf den 15. April 2015. In der Folge wandte sich die Berufsberaterin
  telefonisch an die Sehbehindertenhilfe Basel, welche ihr am 31. März 2015
  bestätigte, dass sie am 18. Mai 2015 mit der Beschwerdeführerin ein
  sehbehindertentechnisches Assessment durchführen werde. Am 11. Mai 2015
  teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin formell mit, dass sie
  die Kosten für die berufliche Abklärung bei der Sehbehindertenhilfe Basel vom
  18. Mai 2015 übernehmen werde.

  
	
   

  
	
  4.2.6 Am 26. Mai 2015 ging bei der
  Beschwerdegegnerin der Low Vision Bericht der Sehbehindertenhilfe Basel ein.
  Darin wurde die Absolvierung einer sehbehindertentechnischen Grundschulung in
  Teilzeit empfohlen. Mit E-Mail vom 4. Juni 2015 teilte die
  Sehbehindertenhilfe Basel der Beschwerdegegnerin mit, dass sie für das kommende
  Sommerquartal noch Plätze frei habe. Die Aufnahme müsse jedoch vor den
  Sommerferien stattfinden. Gleichentags nahm die Beschwerdegegnerin telefonisch
  Kontakt zur Sehbehindertenhilfe Basel auf. Dabei blieb lediglich unklar, ob
  die Umschulungsmassnahme in Voll- oder in Teilzeit erfolgen solle. 

  
	
   

  
	
  4.2.7 Im Bericht vom 12. Juni 2015 empfahl Dr.
  D.______, Allgemein/Innere Medizin FMH, der Beschwerdegegnerin, den
  Empfehlungen und Erfahrungen der Sehbehindertenhilfe Basel zu folgen und der
  Beschwerdeführerin die Absolvierung der Massnahme in Teilzeit zu ermöglichen.
  Am 24. Juni 2015 befürwortete er nochmals ausdrücklich die Aufnahme einer
  sehbehindertentechnischen Grundausbildung. Bis Ende Juni 2015 kam die
  Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin eine Schulung in
  Teilzeit zu absolvieren habe.

  
	
   

  
	
  4.3 Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss
  geltend macht, bereits im Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit der
  Sehbehindertenhilfe Basel im März 2015 habe mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit festgestanden, dass eine sehbehindertenspezifische
  Umschulung notwendig sein würde, ist ihr nicht zur folgen. Das im März 2015
  bei der Sehbehindertenhilfe Basel in Auftrag gegebene Assessment bezweckte
  vielmehr die Abklärung, ob eine solche Umschulung notwendig bzw. zielführend
  ist. Dabei handelte es sich um eine Abklärungsmassnahme, welche keinen Anspruch
  auf ein Wartezeittaggeld begründen kann.

  
	
   

  
	
  Nach Empfang des Assessmentberichts am 26. Mai 2015 war
  für die Beschwerdegegnerin klar, dass sie der Beschwerdeführerin empfehlen
  werde, die sehbehindertentechnische Grundschulung zu absolvieren, was sie der
  Sehbehindertenhilfe Basel mit E-Mail vom 4. Juni 2015 mitteilte. Am 11. Juni
  2015 stellte sie der Beschwerdeführerin ein volles Taggeld ab dem 18. Mai
  2015 in Aussicht, sollte sie die Umschulung in Vollzeit absolvieren.

  
	
   

  
	
  Damit ergibt sich, dass spätestens Anfang Juni 2015 die
  Umschulung konkret vorgesehen war, weshalb ab diesem Zeitpunkt grundsätzlich
  ein Wartezeittaggeld auszurichten war. Strittig und noch abzuklären war
  indessen, ob die Massnahme in Voll- oder Teilzeit zu absolvieren ist. Wie
  sich aus dem Nachfolgenden ergibt, kann indessen offen bleiben, ob dieser
  Umstand dazu führen konnte, dass das Wartezeittaggeld erst nach Vornahme
  dieser Abklärungen zuzusprechen war.

  
	
   

  
	
  4.4 

  
	
  4.4.1 Zu beachten ist, dass der Taggeldanspruch
  bereits früher entstehen kann, wenn die Behandlung des Leistungsbegehrens
  durch die IV-Organe eine übermässige Verzögerung erfahren hat (Ulrich
  Meyer/Marco Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
  Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2014, S. 273).

  
	
   

  
	
  4.4.2 Nach Eingang des Leistungsbegehrens legte die
  Beschwerdegegnerin den Fall dem RAD-Arzt Dr. C.______ vor. Dass dieser
  zunächst zum Schluss kam, er könne aufgrund des noch nicht stabilen
  Gesundheitszustands keine abschliessende Stellungnahme abgeben, ist nicht zu
  beanstanden. So ging Dr. D.______ am 10. Juli 2014 davon aus, dass mit
  einer optimalen Anpassung von Kontaktlinsen/Brille eine Verbesserung erreicht
  werden könne, weshalb er längerfristig von einer guten Prognose ausgehe.

  
	
   

  
	
  Ab dem 15. September 2014
  kam jedoch die Frage auf, ob Umschulungsmassnahmen angezeigt seien. Abgesehen
  von einer erneuten Rückfrage bei Dr. C.______ am 22. Dezember 2014 unternahm
  die Beschwerdegegnerin dann über einen längeren Zeitraum nichts. Erst im März
  2015 kam es zu einem ersten Kontakt zwischen der Berufsberaterin der
  Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführerin. Es ist in keiner Weise
  nachvollziehbar, weshalb zwischen der Erkenntnis, dass Umschulungsmassnahmen
  zu prüfen seien, und der ersten Kontaktaufnahme durch die Berufsberaterin
  fast ein halbes Jahr verging. Namentlich lag dies nicht im Gesundheitszustand
  der Beschwerdeführerin begründet, war dieser doch stabil.

  
	
   

  
	
  Hinzukommt, dass der
  Personalberater des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV)
  verschiedentlich Kontakt zur Beschwerdegegnerin suchte. Am 31. Oktober 2014
  wurde ihm mitgeteilt, dass vermutlich eine Abklärung beispielsweise bei der
  Sehbehindertenhilfe Basel erforderlich sei. Am 22. Dezember 2014, am 29. Januar
  2015 und am 27. Februar 2015 wandte er sich wiederum an die Beschwerdegegnerin.
  Das Verfahren wurde dadurch jedoch nicht beschleunigt.

  
	
   

  
	
  Schliesslich räumte die
  Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin sinngemäss selbst ein, dass das
  Verfahren eine übermässige Verzögerung erfahren hatte. So führte sie am 15.
  April 2015 aus, die Beschwerdeführerin könne nicht nachvollziehen, weshalb
  sie erst zehn Monate nach ihrer Anmeldung die Gelegenheit zum Gespräch
  erhalte. Den Grund dafür wüssten sie nicht. Als Ergebnis der Berufsabklärung
  hielt sie sodann fest, es sei schon im September 2014 ein sehbehindertentechnisches
  Assessment seitens des RAD empfohlen worden, leider finde die Abklärung erst
  im Mai 2015 statt.

  
	
   

  
	
  Damit ist es
  offensichtlich, dass das Verfahren verzögert wurde, weil die Beschwerdegegnerin
  zwischen Mitte September 2014 und Anfang März 2015 weitgehend untätig blieb.
  Dies hat die Beschwerdeführerin nicht zu verantworten, weshalb es angezeigt
  ist, den Anspruch für ein Wartezeittaggeld früher entstehen zu lassen.

  
	
   

  
	
  4.4.3 Dabei ist davon auszugehen, dass Mitte September
  2014 nach der Rückmeldung des RAD-Arztes und der internen Besprechung klar
  war, dass Umschulungsmassnahmen näher zu prüfen sind. Spätestens im Oktober
  2014 hätte ein erster Kontakt zwischen der Berufsberaterin und der
  Beschwerdeführerin stattfinden müssen. Anschliessend wäre das Assessment bei
  der Sehbehindertenhilfe Basel in die Wege zu leiten gewesen. Geht man davon
  aus, dass zwischen der Anfrage bei der Sehbehindertenhilfe Basel und der
  Durchführung des Assessments gut zwei Monate vergingen (10. März 2015 bzw.
  18. Mai 2015), und berücksichtigt man die Weihnachtsfeiertage, kann davon
  ausgegangen werden, dass das Assessment im Januar hätte stattfinden können.
  Billigt man sodann der Beschwerdegegnerin noch einige Zeit für weitere
  Abklärungen und die Entscheidfindung zu, führt dies ohne Weiteres zum
  Schluss, dass spätestens Ende Februar 2015 die Umschulungsmassnahme in einer
  für den Anspruch auf ein Wartezeittaggeld genügend konkreten Weise angezeigt
  gewesen wäre. Wie die Beschwerdeführerin sinngemäss beantragt, ist ihr
  deshalb ab dem 1. März 2015 ein Wartezeittaggeld zuzusprechen.

  
	
   

  
	
  Dass es sich vorliegend
  aufdrängt, den Beginn des Wartezeittaggeldes vorzuziehen, zeigt sich im
  Übrigen auch anhand der bis am 31. Dezember 2007 geltenden Fassung von Art.
  18 Abs. 2 IVV. Danach begann der Anspruch auf ein Wartezeittaggeld im
  Zeitpunkt, in welchem die IV-Stelle aufgrund ihrer Abklärungen feststellte,
  dass Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien, spätestens aber vier Monate
  nach Eingang der Anmeldung. Grund für diese Bestimmung war, dass man davon
  ausging, eine Frist von vier Monaten reiche bei normaler Abwicklung des Verwaltungsverfahrens
  aus, um die nötigen Abklärungsmassnahmen hinsichtlich der Eingliederungsmöglichkeiten
  des Versicherten durchzuführen (ZAK 1990 213 ff. E. 2b). Dass durch die
  Änderung von Art. 18 Abs. 2 IVV auf eine feste Frist verzichtet wurde, hat
  nun aber keinesfalls zur Folge, dass eine durch die IV-Organe zu
  verantwortende Verzögerung des Verfahrens aufgrund Untätigbleibens zu Lasten
  der Versicherten gehen darf. Vielmehr ist in einem solchen Fall wie
  vorliegend der Beginn des Wartezeittaggelds vorzuziehen.

  
	
   

  
	
  4.5 Demgemäss ist die Beschwerde gutzuheissen. Die
  Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 28. August 2015 ist dahingehend
  abzuändern, als der Beschwerdeführerin bereits ab dem 1. März 2015 ein
  Wartezeittaggeld zuzusprechen ist.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  Gemäss Art. 134 Abs. 1
  lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986
  (VRG) i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei, welche im
  Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die pauschale
  Gerichtsgebühr von Fr. 600.- ist ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin
  aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist der von ihr bereits geleistete
  Kostenvorschuss in gleicher Höhe zurückzuerstatten. Die Beschwerdegegnerin ist
  überdies zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der
  Höhe von Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen
  (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes
  über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober
  2000 [ATSG]).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Da der vorliegende
  Entscheid allenfalls Auswirkungen auf die der Beschwerdeführerin
  ausgerichteten Krankentaggelder hat (vgl. BGE 129 V 260 E. 4.4), ist er
  auch ihrem Krankentaggeldversicherer mitzuteilen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 28.
    August 2015 wird dahingehend abgeändert, als der Beschwerdeführerin bereits
    ab dem 1. März 2015 ein Wartezeittaggeld zugesprochen wird.

    
	
    2.

    	
    Der
    Beschwerdegegnerin wird eine pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 600.- auferlegt.
    Der Beschwerdeführerin wird der von ihr in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
    zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert 30 Tagen
    nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung in der Höhe von
    Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]