# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62b309f5-7282-56e1-8605-4bcb2f041321
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.08.2009 E-5126/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5126-2009_2009-08-28.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5126/2009/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  A u g u s t  2 0 0 9

Einzelrichter Kurt Gysi, 
mit Zustimmung von Richter François Badoud,
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

A._______,
Gambia,
vertreten durch Necmettin Isler, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 10. Juli 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5126/2009

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Gambia im 
Frühling 2009,  reiste am 29. April 2009 in die Schweiz ein und stellte 
gleichentags ein Asylgesuch. Am 5. Mai 2009 wurde er im Empfangs-
zentrum Vallorbe befragt. Dabei machte er geltend, er sei minderjährig. 

B.
Am 7. Mai 2009 wurde dem Beschwerdeführer als unbegleitetem Min-
derjährigen gestützt auf Art. 17 Abs. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31) eine Vertrauensperson beigeordnet.

C.
Das BFM hörte  den Beschwerdeführer am 19. Juni 2009 im Beisein 
seiner  Vertrauensperson gestützt  auf  Art. 29 Abs. 1 AsylG direkt  zu 
den Asylgründen an. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer 
geltend, er stamme aus dem Dorf B._______, habe immer dort gelebt 
und das Dorf nie verlassen. Er habe keine öffentliche Schule besucht 
und  nur  den  Koran  gelernt.  Seine  Familie  habe  eigene  Felder 
bewirtschaftet. Eines Tages habe er mit seinem Karren, der von einem 
Pferd gezogen worden sei, eine alte Frau angefahren und am Rücken 
verletzt.   Er  habe  die  Frau  auf  seinem  Karren  ins  nächstgelegene 
Krankenhaus  gebracht.  Dort  habe  ihm  der  Arzt  nach  einer  kurzen 
Untersuchung  mitgeteilt,  die  Frau  sei  tot.  Der  Arzt  habe  ihn 
aufgefordert,  dies der  Familie  der  Verstorbenen mitzuteilen. Er  habe 
jedoch Angst gehabt, weshalb er den Karren habe stehen lassen und 
umgehend nach Senegal gereist sei. Von dort  aus sei er weiter über 
Mali, Niger und dann zu Fuss durch die Wüste nach Libyen gegangen. 
Von Libyen aus sei er mit dem Boot nach Italien weitergereist.

D.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2009 – eröffnet am 15. Juli  2009 – stellte 
das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 
Schweiz sowie deren Vollzug an. 

E.
Mit Eingabe vom 13. August 2009 reichte der Beschwerdeführer beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte durch sei-
nen Rechtsvertreter, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und  zur 
Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Eventualiter sei die Un-

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zumutbarkeit und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und dem Beschwerdeführer als Folge davon die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren. Es sei ihm die unentgeltliche  Rechtspflege und 
im  Falle  des  Obsiegens  eine  angemessene  Parteientschädigung  zu 
gewähren. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit Bezug auf das hängige Asylverfahren ist von der Prozessfähig-
keit des Beschwerdeführers auszugehen, zumal sie in der Beschwerde 
nicht bestritten wird (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der  Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [ARK] in Entscheidungen und Mittei-
lungen der ARK [EMARK] 1996 Nr. 3 S. 19 ff).

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung und ist  daher  zur  Einreichung der  Beschwerde legitimiert. 
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzu-
treten (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 
AsylG  wurde  vorliegend  auch  auf  die  Durchführung  des  Schriften-
wechsels verzichtet.

4.
4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

5.
5.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch ab, da die Vorbringen des Be-
schwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss 
Art. 7 AsylG nicht standhielten. Anlässlich der Befragungen habe der 
Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben zu den von seiner Fami-
lie  angebauten  Lebensmitteln  gemacht.  Sodann  sei  er  weder  in  der 
Lage gewesen, die von ihm angefahrene Frau zu beschreiben, noch 
nähere Ausführungen zum Unfallhergang zu machen. Auch seien sei-
ne Vorbringen realitätsfremd, insbesondere in Bezug auf die überstürz-

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te  Ausreise.  Schliesslich  würden  die  Vorbringen  zur  Reise  in  die 
Schweiz völlig der allgemeinen Lebenserfahrung widersprechen. 

5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird beantragt, die Verfügung des BFM 
sei  aufzuheben. Im  Rahmen der  Beschwerdebegründung  nimmt  der 
mit  dem  Asylverfahren  bestens  vertraute  Rechtsvertreter  des  Be-
schwerdeführers  indes  zu  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  betref-
fend Flüchtlingseigenschaft  und Asyl  nicht  Stellung. Es  ist  daher  zu 
schliessen, dass der Beschwerdeführer die vorinstanzlichen Erwägun-
gen und damit den Schluss auf Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen 
als zutreffend anerkennt. Das BFM hat demnach das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.

6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen  werden,  in  dem ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 

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28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des 
Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei-
sen; EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Feb-
ruar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§  124  bis  127,  mit  weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Gambia 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt  nicht als unzu-
lässig erscheinen. 

7.4 Der  Beschwerdeführer  wurde  nach  eigenen  Aussagen  am 
14. September 1992 geboren. Nach diesen Angaben ist er heute somit 
knapp 17-jährig und gemäss dem schweizerischen Recht (vgl. EMARK 
1994 Nr. 11 E. 4d S. 92) noch minderjährig. Es sind daher grundsätz-

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lich den Normen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über 
die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) zu beachten. Dessen Art. 22 
Abs. 2 KRK zielt darauf ab, durch Mitwirkung der Vertragsstaaten bei 
der  Informationsbeschaffung  die  Familienzusammenführung  zu  för-
dern.  Demnach  besteht  eine  völkerrechtliche  Verpflichtung  der 
Schweiz,  innerstaatliches  Recht  zu  schaffen,  das  die  völkerrechtlich 
bestehenden  Rahmenbestimmungen  konkretisert.  Diese  konkreten 
Normen sind sowohl im Ausländer- wie im Asylrecht – soweit nötig – 
geschaffen worden. So muss das Kindeswohl im Rahmen der Zumut-
barkeitsprüfung  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  (ehemals:  Art.  14a  Abs. 4 
ANAG) als gewichtiger Aspekt mitberücksichtigt werden (vgl. EMARK 
1998 Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.).

7.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit sowohl im Sinne 
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.

7.6
7.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. 
März 2002, BBl 2002 3818).

7.6.2 Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung aus, es würden 
keine Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs spre-
chen. Der minderjährige Beschwerdeführer habe alleine eine sehr wei-
te und beschwerliche Reise unternommen, mithin sei davon auszuge-
hen, dass er über ein hohes Mass an Selbständigkeit verfüge. In Gam-
bia würden sein Vater, sein Bruder und seine Stiefmutter leben, womit 
der Beschwerdeführer über ein Beziehungsnetz verfüge.

7.6.3 In der Rechtsmitteleingabe wird ausgeführt,  unabhängig davon, 
ob der Beschwerdeführer als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchen-
der die Voraussetzung für die Anerkennung als Flüchtling erfülle oder 
nicht, hätte das BFM spezifische Gesichtspunkte der Minderjährigkeit 
vor der Fällung seines Entscheids im Rahmen der Zumutbarkeit treffen 
müssen. Insoweit habe es den Untersuchungsgrundsatz verletzt bezie-
hungsweise den Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt.

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7.6.4 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grund-
sätzen  des  Asylverfahrens  (vgl.  Art.  12  VwVG  i.V.m.  Art.  6  AsylG). 
Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und voll-
ständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen. 
Sie muss die für  das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen 
beschaffen und die rechtlich relevanten Umstände abklären sowie ord-
nungsgemäss darüber Beweis führen (beispielsweise durch die Einho-
lung  eines  Gutachtens).  Dieser  Grundsatz  gilt  indes  nicht  uneinge-
schränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsu-
chenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Trotz Untersuchungs-
grundsatz kann sich nämlich die entscheidende Behörde in der Regel 
darauf  beschränken,  die  Vorbringen des Gesuchstellers  zu würdigen 
und die von ihm angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Ab-
klärungen  vornehmen  zu  müssen.  Eine  ergänzende  Untersuchung 
kann sich jedoch aufdrängen, wenn auf Grund dieser Vorbringen und 
Beweismittel  berechtigte  Zweifel  oder  Unsicherheiten  bestehen,  die 
voraussichtlich nur mit  Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt  wer-
den können (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in  EMARK 
2003 Nr. 13 E. 4c S. 83 f., m.w.H.).

7.6.5 Der Wortlaut von Art. 83 Abs. 4 AuG bringt zum Ausdruck, dass 
aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten 
der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung zu verzichten ist, wenn 
die  Rückkehr  in  den  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  für  die  betroffene 
Person  eine  konkrete  Gefährdung  bedeutet  oder  wenn  andere  Um-
stände vorliegen, die den Vollzug der Wegweisung als nicht zumutbar 
erscheinen lassen. Die Bestimmung lässt Raum, bei der Beurteilung 
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auch Überlegungen ein-
fliessen zu lassen, die sich unter dem Aspekt des nach Art. 3 Abs. 1 
KRK zu beachtenden Kindeswohls ergeben können. Der Minderjährig-
keit kommt eine zentrale Bedeutung zu, da nach weiterhin gültiger Pra-
xis (vgl. dazu EMARK 1998 Nr. 13; Grundsatzurteil) im Falle von unbe-
gleiteten Minderjährigen das Kindeswohl im Rahmen der Prüfung der 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges mitzuberücksichtigen ist (vgl. 
a.a.O., E. 5e.aa), woraus sich gleichzeitig die Verpflichtung ergibt, von 
Amtes wegen die spezifisch mit der Minderjährigkeit verbundenen As-
pekte des Wegweisungsvollzuges abzuklären (vgl. a.a.O., E. 5e.bb).

7.6.6  Aufgrund der Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss,  dass  das  BFM vorliegend den Sachverhalt  vollständig 
erstellt  und zu Recht  keine weitergehenden Abklärungen vorgenom-

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men hat. Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung – wenn auch 
knapp so doch noch hinreichend – dargelegt,  dass der Beschwerde-
führer aufgrund seiner Reise in die Schweiz als sehr selbständig zu er-
achten ist und in Gambia über ein bestehendes Beziehungsnetz ver-
fügt. Weitere Überlegungen, welche sich ausschliesslich auf die Aus-
sagen des Beschwerdeführers hätten abstützen lassen, wären durch-
aus möglich gewesen (vgl. nachstehend). In Anbetracht der Unglaub-
haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers, seines Alters sowie 
seiner zu seinem persönlichen Umfeld wären weitere Abklärungen, wie 
sie im vorgenannten Grundsatzurteil  angeführt  werden, vorliegend in 
jedem Fall unverhältnismässig gewesen. Die Vorinstanz hat demnach 
den Sachverhalt  genügend abgeklärt.  Der Antrag auf  Aufhebung der 
angefochtenen  Verfügung  und  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vor-
instanz zu weiteren Abklärungen sowie zur Neubeurteilung ist  daher 
abzuweisen.

7.6.7 Im Zusammenhang mit der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs ist vorweg festzuhalten, dass in Gambia zum heutigen Zeitpunkt 
keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt in dem 
Sinne  herrscht,  dass  von  einer  generellen  Unzumutbarkeit  des  Voll-
zugs der Wegweisung für  alle  von dort  stammenden Asylsuchenden 
auszugehen wäre.

7.6.8 Der knapp 17-jährige Beschwerdeführer steht ein Jahr vor seiner 
Volljährigkeit, mithin befindet er sich nicht in einem Alter, in dem er ei-
ner ständigen Unterstützung durch Erwachsene bedarf. Gemäss sei-
nen eigenen Angaben hat er unmittelbar nachdem er vom Tod der al-
ten Frau Kenntnis erhalten hat, das Heimatland verlassen. Er hat an-
geblich  keine  Rücksprache  mit  seiner  Familie  gesucht,  sondern  die 
Reise umgehend alleine angetreten. In der Folge ist er alleine durch 
verschiedene Länder  gereist  und hat  nur  jeweils  zufälligerweise  von 
einer Drittperson Unterstützung erhalten. Diese Verhaltens- und Vorge-
hensweise  zeugt  von  einer  erheblichen  Eigenständigkeit  des  Be-
schwerdeführers.  Einer  besonderen  Betreuungsbedürftigkeit  infolge 
Minderjährigkeit bedarf der Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund 
jedenfalls nicht. Sodann kann der Beschwerdeführer an seinen ehema-
ligen Wohnort in B._______ zurückkehren. Dort leben gemäss seinen 
eigenen Angaben sein Vater, seine Stiefmutter und sein Bruder an sei-
ner ehemaligen Adresse. Zusammen mit  ihnen hat der Beschwerde-
führer  vor der  Ausreise das der  Familie  gehörende Land bestellt. In 
Anbetracht des jungen Alters des Beschwerdeführers ist davon auszu-

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gehen, dass seine Eltern nach wie vor in der Landwirtschaft tätig sind 
und mit Hilfe des Beschwerdeführers auch weiterhin für den gemeinsa-
men  Lebensunterhalt  aufkommen  können.  Schliesslich  hat  der  Be-
schwerdeführer sein ganzes bisheriges Leben in B._______ verbracht. 
Er  ist  mit  den dortigen Gepflogenheiten und Mentalitäten  – wohl  im 
Gegensatz zur Schweiz, wo er sich erst seit wenigen Monaten aufhält 
– bestens vertraut und verfügt über soziale Beziehungen, wogegen er 
hier in der Schweiz ganz auf sich alleine gestellt ist. Schliesslich sind 
den Akten auch keine weiteren Anhaltspunkte für individuellen Unzu-
mutbarkeitsgründe zu entnehmen. Vor diesem Hintergrund steht einer 
Rückführung des minderjährigen Beschwerdeführers in sein familiäres 
Umfeld in Gambia nichts entgegen. Die Reisemodalitäten, wie insbe-
sondere die Begleitung des minderjährigen Beschwerdeführers sowie 
Zeitpunkt und Ort der Übergabe werden im unmittelbaren Vorfeld der 
Rückkehr  geregelt.  Somit  sprechen  weder  die  allgemeine  Lage  in 
Gambia noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs 
der Wegweisung des minderjährigen Beschwerdeführers.

7.7 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.8 Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu 
bestätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach dem Gesagten fällt  eine  Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83  Abs.  1-4 
AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
9.1 Der Beschwerdeführer  beantragt  die unentgeltliche Rechtspflege 
nach Art. 65 Abs. 1 VwVG. Gemäss dieser Bestimmung wird von der 
Erhebung  von  Verfahrenskosten  abgesehen,  wenn  der  Beschwerde-
führer nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und seine Begehren 
nicht aussichtslos erscheinen. 

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9.2 Das  Beschwerdeverfahren  ist  aufgrund  der  vorstehenden  Erwä-
gungen  als  offensichtlich  aussichtslos  zu  bezeichnen,  weshalb  das 
Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist.

9.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe 
von Fr. 600.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 
VwVG, Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an:  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers, 
das BFM, das C._______. 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Kurt Gysi Barbara Balmelli

Versand: 

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Zustellung an:

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N  (...)  (in 
Kopie)

- das C._______ (in Kopie)

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