# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5a46e42-bf33-534a-be71-9d563f2b59d5
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 09.09.2020 AK.2020.268
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_AK-2020-268_2020-09-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: AK.2020.268

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 01.12.2020

Entscheiddatum: 09.09.2020

Entscheid Anklagekammer, 09.09.2020
Art. 382 StPO (SR 312.0). Legitimation der Angehörigen einer verstorbenen 
Person, Beschwerde gegen die Obduktionsverfügung zu erheben. Art. 253 
StPO (SR 312.0). Notwendigkeit der Obduktion bei einem 
aussergewöhnlichen, also nicht natürlichen bzw. unklaren Todesfall: 
Verdacht auf Mischintoxikation, weitere polizeiliche Feststellungen 
(offenstehende Wohnungstüre, der Hinweis des Verstorbenen am Vorabend 
an einen Polizeibeamten in der Innenstadt auf einen angeblichen Raub, die 
Anwesenheit von mindestens einer weiteren Person in der Nacht in der 
Wohnung, deren Aussagen, die in Widerspruch zu weiteren Aussagen 
stehen, Alter des Verstorbenen) sowie rechtsmedizinische Empfehlung 
(Anklagekammer, 9. September 2020, AK.2020.268).

Aus den Erwägungen:

 

       II.1. Gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft ist die Beschwerde zulässig 

(Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO), die Anklagekammer ist zur Beurteilung zuständig (Art. 17 

EG-StPO). Die nahen Angehörigen einer verstorbenen Person haben die Möglichkeit, 

sich innert zehn Tagen mittels Beschwerde gegen die Anordnungen der 

Staatsanwaltschaft und damit auch gegen die Obduktionsverfügung zu wehren (BSK 

StPO – Zollinger/Kipfer, Art. 253 N 61b, mit Hinweis auf BGE 127 I 115 = Pra 90 [2001] 

Nr. 161, E. 6; ferner BGE 129 I 302 E. 1.2.2). Die Beschwerde wurde rechtzeitig 

erhoben (Art. 396 Abs. 1 StPO). Unklar ist aufgrund der Aktenlage, ob die Obduktion – 

wie der Beschwerdeführer vorbringt – tatsächlich bereits durchgeführt worden ist. 

Jedenfalls liegt gemäss Stellungnahme der Staatsanwaltschaft das Gutachten des 

Instituts für Rechtsmedizin noch nicht vor. Damit erscheint fraglich, ob es dem 

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Beschwerdeführer an einem – für das Beschwerdeverfahren vorausgesetzten – 

aktuellen Rechtsschutzinteresse fehlt (vgl. Guidon, Die Beschwerde gemäss 

Schweizerischer Strafprozessordnung, Rz. 244, ferner Rz. 233) bzw. ob für den Fall der 

bereits durchgeführten Obduktion ausnahmsweise von einem aktuellen 

Rechtsschutzinteresse abgesehen werden könnte, sofern sich die aufgeworfene Frage 

jederzeit unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnte, eine 

rechtzeitige gerichtliche Überprüfung im Einzelfall kaum je möglich wäre und an der 

Beantwortung der Frage wegen der grundsätzlichen Bedeutung ein hinreichend 

öffentliches Interesse bestehen würde (Guidon, a.a.O., Rz. 245; vgl. dazu auch BGE 

127 I 115 = Pra 90 [2001] Nr. 161, E. 7). Da die Beschwerde jedoch – wie nachfolgend 

aufgezeigt wird – abzuweisen ist, können diese Fragen offen gelassen werden.

 

     2.a)   Bestehen bei einem Todesfall Anzeichen für einen unnatürlichen Tod, 

insbesondere für eine Straftat, oder ist die Identität des Leichnams unbekannt, so 

ordnet die Staatsanwaltschaft zur Klärung der Todesart oder zur Identifizierung des 

Leichnams eine Legalinspektion durch eine sachverständige Ärztin oder einen 

sachverständigen Arzt an. Bestehen nach der Legalinspektion keine Hinweise auf eine 

Straftat und steht die Identität fest, so gibt die Staatsanwaltschaft die Leiche zur 

Bestattung frei. Andernfalls ordnet die Staatsanwaltschaft die Sicherstellung der Leiche 

und weitere Untersuchungen durch eine rechtsmedizinische Institution, nötigenfalls die 

Obduktion an. Sie kann die Leiche oder Teile davon zurückbehalten, solange der 

Zweck der Untersuchung es erfordert (Art. 253 Abs. 1-3 StPO).

 

Als aussergewöhnlicher Todesfall (agT) gilt jeder Tod, der nicht eindeutig normale Folge 

einer vorbestehenden Krankheit, also nicht natürlich ist. Dazu gehören der gewaltsame 

oder auf Gewalt verdächtige Tod, insbesondere auch durch Unfall, durch Suizid, aber 

auch der unbeobachtete Tod, sofern er nicht eindeutig auf eine vorbestandene 

Krankheit zurückzuführen ist, der Tod durch Einnahme von ungewöhnlichen 

Substanzen (z.B. Betäubungsmittel, Gift) oder durch Substanzen in einer 

ungewöhnlichen Dosierung (z.B. Überdosis von Schlafmitteln) sowie der 

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ungewöhnliche Tod im Rahmen einer medizinischen Behandlung. Als 

aussergewöhnlicher Tod gilt auch jeder unklare Tod, also jeder plötzliche und 

unerwartete Todesfall, bei dem eine nicht natürliche Todesursache möglich ist 

(Hansjakob, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., Art. 253 N 2 f.).

 

Die Notwendigkeit einer Obduktion ergibt sich aus der Gesamtheit der bis dahin 

erfolgten rechtsmedizinischen und polizeilichen Feststellungen. Aus 

rechtsmedizinischer Sicht besteht beispielsweise bei jedem Drogentoten, aber auch bei 

möglichen Hinweisen auf Veränderungen an oder im Umfeld der Leiche (unklare 

Schliessverhältnisse etc.) eine Obduktionsindikation (vgl. BSK StPO – Zollinger/Kipfer, 

Art. 253 N 61a).

 

       b)    Vorliegend ist aufgrund der Akten ohne Zweifel von einem 

aussergewöhnlichen, also nicht natürlichen bzw. unklaren Todesfall auszugehen. 

Gemäss dem Todesfallbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom […] 2020 besteht 

Verdacht auf Mischintoxikation mit Multiorganversagen und diffuser hypoxischer 

Hirnschädigung. Bereits mit dem Verdacht eines Todes aufgrund 

Betäubungsmittelkonsums drängt sich eine Obduktion auf. Hinzu kommen die 

weiteren, insbesondere polizeilichen Feststellungen, welche die Notwendigkeit einer 

Obduktion indizieren, so etwa die offenstehende Wohnungstüre, der Hinweis des 

Verstorbenen am Vorabend an einen Polizeibeamten in der Innenstadt auf einen 

angeblichen Raub, die Anwesenheit von mindestens einer weiteren Person in der Nacht 

in der Wohnung, deren Aussagen, die in Widerspruch zu weiteren Aussagen stehen, 

wie auch das Alter des Verstorbenen (Jg. […]). Schliesslich gehen sowohl die Polizei als 

auch das Kantonsspital vom Verdacht eines nicht-natürlichen Todes aus. Dabei wird 

vom Kantonsspital anlässlich der Meldung des aussergewöhnlichen Todesfalls aus 

rechtsmedizinischer Sicht ausdrücklich eine Obduktion empfohlen. Der 

Zusammenhang zwischen dem positiven Drogenschnelltest und dem Ableben von 

B.___ sel. ist sodann ebenfalls unklar bzw. nicht restlos geklärt. Damit ergibt sich 

vorliegend die Notwendigkeit einer Obduktion zur Feststellung der Todesart und -

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ursache. Sodann dient die Obduktion – wie die Staatsanwaltschaft richtig vorträgt – 

auch dem Ausschluss konkurrierender Todesursachen. Die dargelegten Gründe für 

eine Obduktion wurden – entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers – bereits in 

der angefochtenen Verfügung dargelegt und dem Beschwerdeführer auch telefonisch 

erläutert.

 

[…]

 

       c)    […].

 

       d)    Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die verfügte Obduktion von B.___ 

sel. zur Klärung von Todesart und -ursache notwendig ist und die Staatsanwaltschaft 

diese denn auch richtigerweise angeordnet hat. Die dagegen erhobene Beschwerde ist 

daher abzuweisen.

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