# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b5a5053-a5e7-5d89-952f-9cf23b7dde9b
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1995-10-02
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Zollrekurskommission 02.10.1995 JAAC 60.80
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_016_JAAC-60-80--_1995-10-02.pdf

## Full Text

JAAC 60.80

Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission
vom 2. Oktober 1995

Remboursement de droits de douane. Devoir d’informer.

Caractère obligatoire d’une demande de dédouanement.

La personne assujettie au contrôle douanier doit demander le
dédouanement et remettre une déclaration conforme à la destination
des marchandises. La déclaration acceptée lie celui qui l’a établie et
sert de base - sous réserve des résultats de la vérification - pour la
détermination des droits de douane et des autres droits. Elle ne peut
être remplacée, complétée, rectifiée ou détruite que si la demande
en a été faite avant que la vérification de la marchandise n’ait été
ordonnée et avant que l’acquit de douane n’ait été établi. Si ce dernier
est déjà établi, le bureau de douane peut faire droit à des demandes
d’allégement douanier, d’exemption douanière ou de modification du
genre de dédouanement si l’envoi se trouve encore sous contrôle officiel
de la douane, de la poste ou du chemin de fer (consid. 2.a).

Devoir légal d’informer de la part de l’Administration des douanes?

On ne peut déduire de la législation douanière que l’administration ait
une obligation générale d’informer l’assujetti ou de le rendre attentif
à la possibilité éventuelle d’allégement douanier ou d’exemption
douanière (consid. 3.a).

Obligation d’informer imposée à l’Administration des douanes par le
principe de la bonne foi?

De ce point de vue, un devoir général d’informer ou même de conseiller
n’incombe pas non plus à l’Administration des douanes. Toutefois,
elle doit se comporter dans chaque cas particulier selon le principe
de la bonne foi, ce qui concrètement peut conduire à l’obligation
de renseigner la personne assujettie aux droits de douane sur les
dispositions juridiques déterminantes (consid. 3.b.bb).

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Conséquences de l’absence de preuve.

Selon la règle sur le fardeau objectif de la preuve, l’impossibilité de
prouver un fait doit être jugée au détriment de la partie sur laquelle
le fardeau pèse. Il revient à l’autorité douanière de démontrer les
faits qui motivent l’assujettissement douanier ou une perception plus
élevée des droits. En revanche, c’est à l’assujetti de prouver les faits qui
entraînent l’exemption douanière ou l’allégement des droits de douane
(consid. 3.b.cc).

Zollrückerstattung. Aufklärungspflicht.

Verbindlichkeit des Abfertigungsantrages.

Der Zollmeldepflichtige hat den Abfertigungsantrag zu stellen und je
nach der Bestimmung der Waren die Zolldeklaration einzureichen.
Die angenommene Zolldeklaration ist für den Aussteller verbindlich
und bildet - vorbehältlich der Revisionsergebnisse - die Grundlage
für die Festsetzung des Zolls und der weiteren Abgaben. Sie darf
nur ersetzt, ergänzt, berichtigt oder vernichtet werden, wenn vor
Anordnung der Revision und vor Ausstellung der Zollausweise darum
nachgesucht wird. Ist der Zollausweis ausgestellt, so kann das Zollamt
Gesuchen um Zollbegünstigung, Zollbefreiung oder Änderung der
Abfertigungsart entsprechen, wenn die Sendung noch unter zoll-, post-
oder bahnamtlicher Kontrolle steht (E. 2.a).

Gesetzliche Aufklärungspflicht der Zollverwaltung?

Eine allgemeine Aufklärungspflicht der Zollverwaltung oder deren
Pflicht, den Zollpflichtigen auf eine allenfalls mögliche Zollbegünstigung
oder -befreiung aufmerksam zu machen, kann aus der Zollgesetzgebung
nicht abgeleitet werden (E. 3.a).

Aufklärungspflicht der Zollverwaltung aufgrund des Prinzips von Treu
und Glauben?

Der Zollverwaltung obliegt auch unter dem Gesichtspunkt von Treu und
Glauben nicht eine allgemeine Aufklärungs- oder gar Beratungspflicht.
Demgegenüber ist auch sie verpflichtet, sich im Einzelfall nach Treu und
Glauben zu verhalten, was in concreto zu einer Verpflichtung führen
kann, wonach der Zollpflichtige über die massgeblichen rechtlichen
Verhältnisse ins Bild zu setzen ist (E. 3.b.bb).

Folgen der Beweislosigkeit.

Nach der objektiven Beweislastregel ist zu Ungunsten desjenigen zu
urteilen, der die Beweislast trägt. Die Zollbehörde trägt die Beweislast
für Tatsachen, welche die Zollpflicht als solche begründen oder die
Zollforderung erhöhen, das heisst für die zollbegründenden und
-mehrenden Tatsachen. Demgegenüber ist der Zollpflichtige für die
zollaufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst
für solche Tatsachen, welche Zollbefreiung oder Zollbegünstigung
bewirken (E. 3.b.cc).

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Restituzione dei diritti doganali. Obbligo di informare.

Obbligo di richiesta di sdoganamento.

La persona soggetta all’obbligo della denunzia doganale deve
presentare la richiesta di sdoganamento e inoltrare la dichiarazione
delle merci a seconda della loro destinazione. La dichiarazione
accettata vincola il dichiarante e costituisce - salvo il risultato della
visita - la base per determinare il dazio e le altre tasse. Essa può essere
sostituita, integrata, rettificata o annullata soltanto se viene fatta
domanda in tal senso prima dell’ordine della visita e dell’emissione
delle bollette doganali. Una volta che la bolletta è emessa, l’ufficio
doganale può dare seguito alle richieste di agevolezze del traffico, di
franchigia doganale o di cambiamento del modo di sdoganamento, se
la spedizione è ancora sotto controllo ufficiale della dogana, delle poste
o delle ferrovie (consid. 2.a).

Obbligo legale di informare da parte della dogana?

Dalla legislazione doganale non si evince che la dogana abbia un
obbligo generale di informare o di rendere attento un contribuente
circa la possibilità delle agevolezze del traffico o della franchigia
doganale (consid. 3.a).

Obbligo di informare da parte della dogana secondo il principio della
buona fede?

Anche sotto l’aspetto della buona fede, la dogana non soggiace
all’obbligo di informare né all’obbligo di consulenza. D’altra parte
anche la dogana è tenuta ad agire nel singolo caso secondo la
buona fede; ciò può significare che la dogana ha l’obbligo di mettere
al corrente il contribuente doganale circa i rapporti giuridici
determinanti (consid. 3.b.bb).

Conseguenze dell’assenza di prove.

In base alla regola oggettiva dell’onere probatorio è necessario
pronunciarsi in modo pregiudizievole verso chi si assume l’onere
probatorio. L’autorità doganale si assume l’onere probatorio per fatti
che motivano gli obblighi doganali in quanto tali o che aumen-tano
il credito del dazio, vale a dire per fatti che motivano e aumentano i
dazi. D’altra parte il contribuente si deve assumere l’onere probatorio
per fatti che annullano o diminuiscono i dazi, vale a dire per fatti
che comportano la franchigia doganale o le agevolezze del traffico
(consid. 3.b.cc).

Sachverhalt:

A. Das Zollinspektorat Kreuzlingen-Emmishofen fertigte in der Zeit
vom 16. März bis 15. April 1994 auf Antrag der Firma X insgesamt vier
Sendungen Baumwollgarne aus Deutschland zur Einfuhr ab. Das Zollamt

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Kreuzlingen-Emmishofen erhob daraufhin Abgaben (Zoll und statistische
Gebühr) im Gesamtbetrag von Fr. 3831.30. Da die Empfängerfirma
Y die Grossistenerklärung abgegeben hatte, wurden die Sendungen
warenumsatzsteuerfrei abgefertigt.

B. Am 15. April 1994 beantragte die Firma Y eine Freipassbewilligung zum
Dämpfen, Knäueln und Verpacken von Garnen im Lohnveredelungsverkehr.
Die Eidgenössische Oberzolldirektion (OZD) erteilte ihr am 19. April 1994 die
entsprechende Bewilligung.

C.Mit Schreiben vom 28. April beziehungsweise 9. Mai 1994 erhob die Firma X
im Auftrag der Firma Y Beschwerde gegen die Abfertigung der vier Sendungen
und ersuchte um die nachträgliche Umwandlung der Zollabfertigung in
einen Freipass oder, falls dies nicht möglich sei, um Rückerstattung der
Einfuhrabgaben bei Wiederausfuhr der Ware. Zur Begründung brachte die
Firma X im wesentlichen vor, die Firma Y habe sich beim Zollamt Au und bei
der Direktion des III. Zollkreises über die Verzollungsmodalitäten erkundigt
und sei offensichtlich nicht über die Möglichkeit der Freipassabfertigung
informiert worden. Als Beweis legte sie der Beschwerde die mittlerweile
erteilte Freipassbewilligung sowie eine interne Aktennotiz der Firma Y
bei. Daraus geht hervor, dass sich die Firma Y im Januar 1994 und im März
1994 offenbar telefonisch beim Zollamt Au und bei der Zollkreisdirektion III
über Ursprungsfragen erkundigt hatte. Die Firma Y hält darin fest, dass sie
von diesen Zollstellen nicht auf die Möglichkeit der Freipassabfertigung
hingewiesen worden sei. Erst am 14. April 1994 habe sie von der Firma X
davon erfahren, woraufhin sie bei der OZD das entsprechende Gesuch gestellt
habe.

D.Mit Entscheid vom 25. Mai 1994 wies die Zollkreisdirektion
Schaffhausen die Beschwerde ab. Zur Begründung führte sie aus, die vom
Zollmeldepflichtigen eingereichte Deklaration sei für den Antragsteller in allen
Teilen verbindlich. Nachträglich könne ein ausgestellter Verzollungsausweis
nur dann geändert werden, wenn die Ware die amtliche Kontrolle noch
nicht verlassen habe. Da die vier Sendungen die amtliche Kontrolle
bereits verlassen hätten, sei die nachgesuchte Umwandlung in eine
Freipassabfertigung aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Die
von der Beschwerdeführerin erwähnten telefonischen Anfragen bei der
Zollkreisdirektion Chur und beim Zollamt Au hätten nur Ursprungsfragen
zum Gegenstand gehabt. In den Gesprächen sei offensichtlich nicht erwähnt
worden, dass die einzuführenden Waren für die Wiederausfuhr bestimmt
gewesen seien, weshalb die Beschwerdeführerin daraus nichts ableiten könne.

Gegen diesen Entscheid liess die Firma Y bei der OZD Beschwerde führen.
Sie beantragte erneut eine Rückerstattung der Einfuhrabgaben für die vier
Sendungen Baumwollgarn. Zur Begründung machte sie geltend, anlässlich
der fraglichen Telefonate sei nicht nur über Fragen des Ursprungs der
Baumwolle gesprochen worden, sondern es sei der ganze Produktionsverlauf
der Baumwolle (Einfuhr aus Jordanien, Veredelung in Deutschland, Einfuhr in
die Schweiz zwecks Fertigstellung für den Detailverkauf, Ausfuhr) geschildert
worden.

E.Mit Beschwerdeentscheid vom 15. November 1994 hiess die OZD die
Beschwerde im Umfang von Fr. 318.70 gut, indem sie für die vierte der
fraglichen Sendungen die definitive Abfertigung in eine Freipassabfertigung

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umwandelte. Im übrigen, das heisst bezüglich der ersten drei Sendungen,
wies sie die Beschwerde ab. Zur Begründung führte sie im wesentlichen
aus, Anträge auf definitive Einfuhrabgaben seien für den Aussteller
verbindlich. Sie dürften nur ersetzt, berichtigt oder vernichtet werden,
wenn vor Ausstellung der Zollausweise darum nachgesucht werde. Sei
der Zollausweis ausgestellt, so könne Gesuchen um Zollbegünstigung
beziehungsweise Änderung der Abfertigungsart nur entsprochen werden,
wenn die Sendung noch unter zoll-, post- oder bahnamtlicher Kontrolle stehe.
Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine nachträgliche Umwandlung der
Verzollungsausweise in Freipässe seien in bezug auf die ersten drei Sendungen
nicht erfüllt. Im Falle der vierten Sendung sei der Zollausweis (Fr. 318.70)
erst am 19. April 1994 ausgestellt worden. Das Gesuch der Firma Y um
Freipassbewilligung im Lohnveredelungsverkehr vom 15. April 1994 sei bei
der OZD bereits am 18. April 1994 eingegangen. Anlässlich dieses Schreibens
habe sich die Firma Y auch um Einbezug der bereits verzollten Lieferungen in
die Freipassabfertigung bemüht. Dem Schreiben könne daher die Eigenschaft
eines fristgerechten Gesuchs um Zollbegünstigung beziehungsweise Änderung
der Abfertigungsart im Sinne des Art. 49 Abs. 2 der V vom 10. Juli 1926
zum Zollgesetz (ZV, SR 631.01) zuerkannt werden, weshalb die Beschwerde
bezüglich der vierten Sendung gutzuheissen sei. Hinsichtlich der von der
Beschwerdeführerin angeführten Telefongespräche stellt sich die OZD auf
den Standpunkt, dem Zollpflichtigen obliege die volle Verantwortung für die
Ausstellung des Abfertigungsantrages, die Aufgaben der OZD beschränkten
sich auf eine einfache Auskunftspflicht, eine eigentliche Beraterfunktion
komme der Zollverwaltung in ihrer Eigenschaft als Veranlagungsbehörde
nicht zu.

F. Gegen diesen Beschwerdeentscheid lässt die Firma Y Beschwerde bei der
Eidgenössischen Zollrekurskommission (ZRK) erheben. Sie beantragt die
Rückerstattung der Einfuhrabgaben der Sendungen (eins bis drei sinngemäss)
mit der Begründung, der Zollverwaltung obliege nicht nur eine einfache
Auskunftspflicht, weshalb im vorliegenden Fall die Beschwerdeführerin auf
die Möglichkeit der Freipassabfertigung hätte aufmerksam gemacht werden
müssen.

Die OZD schliesst in ihrer Vernehmlassung auf Abweisung der Beschwerde.
Sie hält dafür, die Auskunftspflicht der Zollverwaltung erstrecke sich
nur auf die im Rahmen des Zollverfahrens zu erfüllenden Pflichten des
Zollpflichtigen wie beispielsweise das Deklarieren und das Mitwirken bei
Revisionen. Die Verwaltung sei jedoch nicht verpflichtet, den Einzelnen auf
eine Zollbegünstigung ausdrücklich aufmerksam zu machen.

Aus den Erwägungen:

2.a. Gemäss Art. 1 des Zolltarifgesetzes vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10)
sind alle Waren, die über die schweizerische Zollgrenze eingeführt
werden, nach Tarif zu verzollen, soweit nicht Staatsverträge, besondere
Gesetzesbestimmungen oder Verordnungen Ausnahmen festsetzen (Grundsatz
der allgemeinen Zollpflicht). Eine Ausnahme vom Grundsatz der allgemeinen
Zollpflicht sieht Art. 17 des Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 (ZG, SR 631.0)
beziehungsweise Art. 39 Abs. 1 ZV vor. Danach wird für Waren, die zur

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Veredelung vorübergehend eingeführt werden, nach den Vorschriften
über den Freipassverkehr Zollermässigung oder gänzliche Zollbefreiung
gewährt (vgl. Art. 47 Abs. 1 ZG). Der Antrag auf Freipassabfertigung ist durch
Einreichung einer Zolldeklaration auf dem hierfür bestimmten amtlichen
Formular zu stellen (Art. 105 Abs. 1 ZV).

Nach Art. 31 Abs. 1 ZG hat der Zollmeldepflichtige den Abfertigungsantrag
zu stellen und je nach der Bestimmung der Waren die Zolldeklaration
einzureichen. Die angenommene Zolldeklaration ist für den Aussteller
verbindlich und bildet - vorbehältlich der Revisionsergebnisse - die Grundlage
für die Festsetzung des Zolls und der weiteren Abgaben (Art. 35 Abs. 2
ZG). Sie darf nur ersetzt, ergänzt, berichtigt oder vernichtet werden,
wenn vor Anordnung der Revision und vor Ausstellung der Zollausweise
darum nachgesucht wird. Ist der Zollausweis ausgestellt, so kann das
Zollamt Gesuchen um Zollbegünstigung, Zollbefreiung oder Änderung der
Abfertigungsart entsprechen, wenn die Sendung noch unter zoll-, post- oder
bahnamtlicher Kontrolle steht (Art. 49 Abs. 2 ZV; unveröffentlichter Entscheid
der ZRK vom 28. September 1995 i.S. F. SA gegen OZD, ZRK 867/94, mit diversen
Hinweisen).

b. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, im Zeitpunkt der
Zollabfertigungen keine Freipässe mit den dafür vorgesehenen Formularen,
sondern definitive Einfuhrverzollungen beantragt zu haben. Das Zollamt
hat die Anträge auf definitive Einfuhrabfertigung auch bezüglich der drei
noch in Frage stehenden Sendungen angenommen und die entsprechenden
Zollausweise (18., 29. März und 6. April 1994) ausgestellt. Zwar kann
das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 15. April 1994 betreffend
Freipassbewilligung im Lohnveredelungsverkehr - wie die OZD einräumt -
als Gesuch um Zollbefreiung oder Änderung der Abfertigungsart im Sinne
von Art. 49 Abs. 2 ZV gewertet werden. Jedoch erfolgte es zu einem Zeitpunkt,
an dem sich die Sendungen unbestrittenermassen nicht mehr unter zoll-,
post- oder bahnamtlicher Kontrolle, sondern im freien schweizerischen
Verkehr befanden. Das Gesuch wurde angesichts des unmissverständlichen
Gesetzestextes und der klaren Rechtsprechung verspätet eingereicht.

Die erhobenen Einfuhrabgaben sind demzufolge grundsätzlich geschuldet,
was von der Beschwerdeführerin auch nicht in Abrede gestellt wird. Sie
hält vielmehr dafür, die Zollverwaltung habe sie auf die Möglichkeit der
Freipassabfertigung hinweisen müssen. Sinngemäss macht sie geltend, der
Verwaltung obliege eine Aufklärungspflicht.

3. Es bleibt somit zu prüfen, ob eine derartige Aufklärungspflicht der
Zollverwaltung gesetzlich verankert ist (a) oder ob sie vorliegend allenfalls auf
dem Grundsatz von Treu und Glauben basiert (b).

a. Laut Art. 1 Abs. 1 ZG hat derjenige, welcher Waren über die Zollgrenze
befördert, die Vorschriften der Zollgesetzgebung zu beachten. Gemäss den in
Art. 31 ZG festgehaltenen Grundsätzen obliegt ihm unter anderem die Pflicht,
den Abfertigungsantrag zu stellen und je nach der Bestimmung der Waren die
Zolldeklaration unter Vorlegung der für die Abfertigungsart erforderlichen
Belege, Bewilligungen, und anderen Ausweise in der vorgeschriebenen
Anzahl, Form und Frist einzureichen. Damit überbindet das Zollgesetz dem
Zollmeldepflichtigen (Art. 9 ZG) die volle Verantwortung für den eingereichten

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Abfertigungsantrag und stellt hohe Anforderungen an seine Sorgfaltspflicht
(vgl. Blumenstein Ernst / Locher Peter, System des Steuerrechts, Zürich 1992,
S. 361).

Der Zollmeldepflichtige ist zwar befugt, sich vor Abgabe der Zolldeklaration
von der Zollabfertigungsstelle die erforderlichen Aufschlüsse über
die zu erfüllenden Pflichten erteilen zu lassen und von den Tarifen,
demWarenverzeichnis und der Zollgesetzgebung Kenntnis zu nehmen
(Art. 32 ZG, Art. 47 Abs. 7 ZV). Allerdings beschränken sich die von der
Zollverwaltung unter diesen Vorgaben zu erteilenden Auskünfte nach
dem klaren Wortlaut des Gesetzes auf die vom Zollmeldepflichtigen im
Rahmen des Zollverfahrens zu erfüllenden Pflichten (Art. 32 ZG). Daraus
eine allgemeine Aufklärungspflicht der Zollverwaltung oder deren Pflicht, den
Zollpflichtigen auf eine allenfalls mögliche Zollbegünstigung oder -befreiung
aufmerksam zu machen, ableiten zu wollen, geht deshalb fehl. Auch die
übrigen Bestimmungen der Zollgesetzgebung sehen eine Aufklärungspflicht,
wie sie die Beschwerdeführerin geltend macht, nicht vor.

b.aa. Allgemeine Regeln, wonach eine Aufklärungspflicht der Verwaltung
auf dem Grundsatz von Treu und Glauben basiert, lassen sich aus Lehre und
Rechtsprechung nicht ableiten.

In BGE 112 V 115 hat das Bundesgericht den Anspruch des Betroffenen
auf eine vommateriellen Recht abweichende Behandlung aufgrund des
Vertrauensschutzes bejaht. Allerdings bestand im damals zu beurteilenden
Fall - anders als hier - eine gesetzlich gebotene Aufklärungspflicht. Gemäss
einem Teil der Lehre können sich für die Verwaltung vom Gesetz nicht
ausdrücklich vorgesehene, auf dem Prinzip von Treu und Glauben
beruhende Nebenpflichten, so beispielsweise eine Aufklärungspflicht,
ergeben (Weber-Dürler Beatrice, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht,
Basel / Frankfurt am Main 1983, S. 41; Imboden Max / Rhinow René A. /
Krähenmann Beat, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Basel /
Frankfurt am Main 1990, Nr. 74 B V b). Andere Autoren halten gar dafür,
aus dem Grundsatz von Treu und Glauben ergäbe sich für die Verwaltung im
Verkehr mit dem Bürger eine allgemeine Beratungs- und Belehrungspflicht
(Egli Anton, Treu und Glauben im Sozialversicherungsrecht, Zeitschrift
des bernischen Juristenvereins [ZBJV], Bd. 113, S. 393; Bosshardt Oskar,
Treu und Glauben im Steuerrecht, Archiv für Schweizerisches Abgaberecht
[ASA] 13 58, 99). Immerhin räumen diese ein, der Richter habe im Einzelfall
aufgrund der besonderen Verhältnisse zu ermessen, wie weit eine solche
Aufklärungspflicht überhaupt gehen soll. So besteht gemäss Bundesgericht
die Pflicht der Vormundschaftsbehörde, Kontakt zum leiblichen Vater zu
suchen, dessen Existenz und Bemühen um sein Kind ihr nicht unbekannt
bleiben konnten, und ihn darüber aufzuklären, dass seine Zustimmung
zur Adoption erst nach der Herstellung des Kindesverhältnisses zwischen
ihm und dem Kind einzuholen ist (BGE 113 Ia 271). In BGE 111 V 28 hat das
Bundesgericht eine besondere Aufklärungspflicht der Krankenkasse über
die rechtliche Wirkung einer erteilten Kostengutsprache verneint. Eine
Informationspflicht schweizerischer Konsulate gegenüber Schweizerbürgern
über die schweizerische Gesetzgebung hat es grundsätzlich bejaht, aber
offengelassen, wie weit diese Pflicht zu fassen ist (BGE 105 Ib 154). Eine Pflicht
der Steuerverwaltung, den Steuerpflichtigen auf den Widerstand aufmerksam
zu machen, dem ihre neue Praxis begegnet, besteht nicht (BGE 102 Ib 45). In

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_V_115&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_113_Ia_271&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_111_V_28&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_105_Ib_154&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_102_Ib_45&resolve=1

BGE 99 Ia 339 hat das Bundesgericht auch die Pflicht verneint, den Betroffenen
auf die mögliche Änderung von rechtlichen Bestimmungen aufmerksam zu
machen. Aus dem Grundsatz von Treu und Glauben lässt sich keine Pflicht
der Steuerbehörden zur spontanen Warnung vor allenfalls vermeidbaren
Steuertatbeständen ableiten (ASA 43 260).

bb. Die ZRK erachtet es angesichts der zitierten Rechtsprechung des
Bundesgerichts als höchst fraglich, ob der Zollverwaltung, die es täglich mit
Tausenden von Zollpflichtigen zu tun hat, eine allgemeine Aufklärungs-,
ja sogar eine Beratungspflicht obliegt. Eine derart weitreichende Pflicht
würde den Aufgabenkreis sowie die Kapazitäten der Zollverwaltung
sprengen, deren Arbeitsabläufe schlechthin zum Stillstand bringen und
dem in Art. 31 ZG verankerten Selbstdeklarationsprinzip zuwiderlaufen.
Es kann nicht allgemeine Aufgabe und Pflicht der Zollverwaltung
sein, die Zollpflichtigen auf eine für sie günstigere Abfertigungsart,
auf eine Zollbegünstigung oder -befreiung, vorliegendenfalls auf die
Freipassabfertigung, aufmerksam zu machen. Selbstverständlich ist
demgegenüber auch die Zollverwaltung verpflichtet, sich nach Treu und
Glauben zu verhalten, was im konkreten Einzelfall zu einer Verpflichtung
führen kann, wonach der Zollpflichtige über die massgeblichen rechtlichen
Verhältnisse ins Bild zu setzen ist. Beispielsweise ist ein Zollbeamter, der
aufgrund der klaren Sachverhaltsdarstellung des auskunftsersuchenden
Zollpflichtigen zum Schluss gelangt, dass dieser die Ware lediglich zur
Veredelung vorübergehend in die Schweiz einführen will und sich aus
Unwissenheit nur über die Ursprungsregeln (nicht auch über jene für
den Veredelungsverkehr) erkundigt, gegebenenfalls gehalten, auf die
entsprechende Zollbefreiung im Freipassverkehr aufmerksam zu machen.
Er darf sich aufgrund von Treu und Glauben nicht die Unwissenheit oder
den Irrtum des Zollpflichtigen zu Nutzen machen. Allerdings setzt diese
Verpflichtung des Zollbeamten voraus, dass er in guten Treuen annehmen
musste, der Auskunftsersuchende erkundige sich nicht nur über eine
Zollbegünstigung im Zusammenhang mit den Ursprungsregeln, sondern
er beabsichtige darüber hinaus die Ware nicht definitiv, vielmehr nur
vorübergehend zwecks Veredelung, in die Schweiz einzuführen.

cc. Im vorliegenden Fall hält die Beschwerdeführerin dafür, dass entgegen
der Auffassung der OZD nicht nur Fragen betreffend die Ursprungsregeln
(Präferenzbehandlung) Gegenstand der fraglichen Telefongespräche bildeten.
Vielmehr sei auch davon die Rede gewesen, dass die Ware nach erfolgter
Veredelung in der Schweiz wieder ins Ausland exportiert würde.

In Würdigung der von ihr der Verwaltung als Beweis vorgelegten Aktenstücke
(Notiz vom 25. April 1994, Schreiben vom 6. Juni 1994 an die Firma X) gilt
der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung der Beschwerdeführerin als nicht
erwiesen. Zunächst ist nämlich fraglich, ob die von ihr eigens erstellten
Schriften überhaupt zum Beweis geeignet sind. Im übrigen enthält die
fragliche Notiz ohnehin absolut keinen Hinweis dafür, dass anlässlich der
Telefonate mit der Zollverwaltung (5. Januar beziehungsweise 25. März
1994) auch über etwas anderes als Ursprungsregeln gesprochen wurde. Im
erwähnten Schreiben an die Firma X behauptet die Beschwerdeführerin
in überdies unbegründeter und unbelegter Weise, sie habe dem Beamten
anlässlich des Telefongespräches vom 25. März 1994 den gesamten
Produktionsablauf der Ware (Einfuhr, Veredelung, Ausfuhr) detailliert

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geschildert. Ebensowenig vermag die Beschwerdeführerin rechtsgenügend
darzutun, dass die Beamten aufgrund der Sachverhaltsschilderung und des
daraus resultierenden Informationsstandes in guten Treuen hätten annehmen
müssen, sie führe die Ware lediglich zwecks Veredelung in die Schweiz ein,
mit der Absicht, diese sodann wieder auszuführen. Jedenfalls lässt sich aus
den genannten Unterlagen oder aus den übrigen Akten nicht schliessen,
die Beschwerdeführerin habe den Sachverhalt dergestalt geschildert,
dass die Beamten daraus hätten schliessen müssen, sie beabsichtige die
Ware in der Schweiz nur zu veredeln. Für eine derart unvollständige
Sachverhaltsschilderung spricht auch der Umstand, wonach selbst die Firma
Z, als internationales Transportunternehmen zweifelsohne Spezialistin
in Zollfragen, anlässlich der Telefonate mit der Beschwerdeführerin vom
24. Dezember 1993 beziehungsweise 24. März 1994, gemäss der hiervor
zitierten Notiz ebensowenig auf die Möglichkeit der Freipassabfertigung
im Veredelungsverkehr hinwies und nur über Fragen betreffend die
Ursprungsregeln Auskunft erteilte.

Es stellt sich nun die Frage, welche Rechtsfolge aus dem Umstand
abzuleiten ist, dass der Wahrheitsgehalt der erwähnten Behauptung
der Beschwerdeführerin als nicht bewiesen gilt. Gelangt die urteilende
Behörde aufgrund der Beweiswürdigung nicht zur Überzeugung, die
feststellungsbedürftige Tatsache habe sich verwirklicht - das heisst
sie ist unbewiesen - so fragt es sich, ob zum Nachteil der Zollbehörde
oder des Zollpflichtigen zu entscheiden ist, wer also die Folgen der
Beweislosigkeit zu tragen hat. Nach der objektiven Beweislastregel ist
zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der die Beweislast trägt (Gygi Fritz,
Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 280; Zweifel Martin, Die
Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungsverfahren, Zürich 1989,
S. 109 f.). Die Zollbehörde trägt die Beweislast für Tatsachen, welche die
Zollpflicht als solche begründen oder die Zollforderung erhöhen, das heisst
für die zollbegründenden und -mehrenden Tatsachen. Demgegenüber ist
der Zollpflichtige für die zollaufhebenden und -mindernden Tatsachen
beweisbelastet, das heisst für solche Tatsachen, welche Zollbefreiung oder
Zollbegünstigung bewirken (vgl. ASA 60 416, 59 634, 55 627; BGE 92 I 255 ff.;
Blumenstein/Locher, a. a. O., S. 351; Gygi, a. a. O., S. 282; Zweifel, a. a. O., S. 48).
Die Beschwerdeführerin macht eine Zollbefreiung, also eine zollaufhebende
Tatsache geltend, wofür demzufolge sie beweisbelastet ist. Ihr misslingt
wie hiervor gezeigt der Beweis, dass die Zollbeamten annehmen konnten
und mussten, sie erkundige sich nicht nur über eine Präferenzbehandlung
im Zusammenhang mit den Ursprungsregeln, sondern sie beabsichtige
darüberhinaus die Ware nicht definitiv, vielmehr vorübergehend zwecks
Veredelung, in die Schweiz einzuführen, was - wie sie angeblich nicht wusste
- zu einer Zollbefreiung geführt hätte. Aus dem Grundsatz von Treu und
Glauben kann die Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall demnach nichts
für sich, insbesondere nicht die geltend gemachte Aufklärungspflicht der
Zollverwaltung, ableiten.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 60.80 - Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 2. Oktober 1995

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1996
Année

Anno

Band 60
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 2. Oktober 1995
	Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: