# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fc6235d5-2c5a-5d16-9634-7440bb3eb6cc
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-27
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 27.06.2019 VSBES.2018.121
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2018-121_2019-06-27.html

## Full Text

[...]r.

 

 

 

 

 

Urteil vom 27. Juni 2019

Es wirken mit:

Präsident Flückiger 

Oberrichter Kiefer 

Oberrichter Marti   

Gerichtsschreiberin Küng

In Sachen

A.___ vertreten durch Rechtsanwältin Natalie Matiaska

Beschwerdeführer 

 

Gegen

AXA Versicherungen AG, General-Guisan-Strasse 40,
Postfach 357, 8401 Winterthur, 

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend     Unfallversicherung
/ Taggeld (Einspracheentscheid vom 27. März 2018)

 

 

zieht das
Versicherungsgericht in Erwägung:

I.     
 

 

1.       Der 1962 geborene A.___
(nachfolgend: Beschwerdeführer) war im Unfallzeitpunkt vom 15. November
2011 seit dem 15. September 2003 als CIM Fachmann IBB mit einem Pensum von
100 % in der Firma B.___, deren Geschäftsführer er war, tätig und damit
bei der Axa Versicherungen AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) obligatorisch
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Daneben war er
seit 1. Oktober 2011 mit einem Pensum von 10 % als Qualitätsmanager bei der Firma
C.___, [...], angestellt. Deren obligatorischer Unfallversicherer ist die D.___
(vgl. Schadenmeldung vom 23. Januar 2012 (Axa-Akten-Nummer [Axa-Nr.] A54;
vgl. auch die beigezogenen Akten der D.___ [nachfolgend zitiert mit «D.___-Nr.»]
Nr. 1 und 5).

 

2.

2.1     Mit Schadenmeldung UVG vom 13. Dezember
2011 (Axa-Nr. A1) wurde der Beschwerdegegnerin mitgeteilt, der
Beschwerdeführer habe am 15. November 2011 um 10.45 Uhr bei der Autofahrt
auf der Hauptstrasse von [...] nach [...] eine unverschuldete Frontalkollision
erlitten, als das entgegenkommende Fahrzeug in einer Rechtskurve auf seine
Fahrbahnhälfte geraten sei. Dabei habe er sich ein Polytrauma (Kopf,
Beckenpfanne, Arm rechts) zugezogen. Dem Austrittsbericht des Spitals E.___ vom
6. Dezember 2011 (Axa-Nr. M10) über die Hospitalisation des
Beschwerdeführers vom 15. November bis 5. Dezember 2011 sind folgende
Diagnosen zu entnehmen: «1. Polytrauma nach Hochgeschwindigkeitsunfall bei
PKW-Frontalkollision am 15. November 2011 (Schädel / Beckenverletzung / Extremitätenverletzung);
2. Medikamentenallergien». Es seien vier operative Eingriffe durchgeführt
worden. Der Beschwerdeführer sei für acht Wochen zu 100 % arbeitsunfähig.

 

2.2     Die Beschwerdegegnerin kam für
die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus. Am 11. Januar,
6. Februar, 1. März und 4. April 2012 fanden Gespräche zwischen
dem Beschwerdeführer und dem Case Manager F.___ statt (Axa-Nr. A4, A7, A8,
A11). Im Protokoll vom 2. Juli 2012 (Axa-Nr. A13) hielt der Case
Manager F.___ fest, beruflich sei die ganze Betriebsorganisation der Firma B.___
etwas umgestellt worden, damit die gesundheitlichen Umstände besser
berücksichtigt werden könnten. Der Beschwerdeführer habe eine Zusatzausbildung
in Angriff genommen (Kurs ISO) und der QM / Auditor-Bereich werde von
seiner Seite her mehr gefördert. Er möchte ab 1. Juli 2012 sicher zu
20 % wieder einsteigen. Danach sollte dann sicher eine sukzessive Steigerung
möglich sein.

 

2.3     Am 6. Februar 2013 erstattete
der Leiter Unfallanalyse der Beschwerdegegnerin, Dipl. Ing. (FH) G.___, ein
unfallanalytisches Gutachten (Axa-Nr. R1). Er führte aus, im konkreten
Fall gebe es einige Hinweise, die auf ein Nichttragen der Sicherheitsgurte
hinweisen würden. Am 8. April 2013 wurde daher beim H.___ ein Gutachten
betreffend die spurenkundliche Untersuchung einer Sicherheitsgurte
(Axa-Nr. R2) eingeholt. Darin wurde festgehalten, dass die Gurte aufgrund
von fehlenden «Tragspuren» im Moment des Anpralls gegen den Kollisionsgegner
vom Fahrzeuglenker nicht getragen worden sei. Zu diesen Gutachten nahm
Dr. med. I.___, FMH Orthopädische Chirurgie, beratender Arzt der
Beschwerdegegnerin, am 24. Juli 2013 Stellung (Axa-Nr. R3).

 

2.4     Aufgrund der durch das Unfallereignis
erlittenen Mittelgesichtsfraktur mit traumatisch verlorenen Zähnen 11, 12 und
41 (vgl. Axa-Nr. M16) und des ausgeprägten Knochendefizits regio 12 – 11
erfolgten am 10. Mai 2012 eine Knochenaugmentation mit einem autologen
Knochentransplantat aus dem Beckenkamm, am 20. Dezember 2012 ein
Débridement des Oberkiefers sowie ein Bindegewebstransplantat, entnommen aus
dem Gaumen rechts und am 3. Mai 2013 eine Implantationsinsertion des
Oberkiefers mit Metallentfernung (Axa-Nr. M36 S. 20 ff.). Im Weiteren
wurden am 14. August und 18. Dezember 2013 (Axa-Nrn. M24, M29
S. 3) augentechnische operative Eingriffe durchgeführt. Im Bericht des E.___,
Spezialkliniken, Augenklinik, Orthoptik, vom 2. April 2014 (Axa-Nr. M30)
wurde festgehalten, aus ophthalmologischer Sicht sei noch kein Endzustand
erreicht. Mit Mitteilung vom 4. November 2014 (Axa-Nr. A41) wurde der
Beschwerdeführer darüber informiert, dass eine interdisziplinäre Begutachtung
(Allgemeine Medizin, Psychiatrie, Orthopädie, Neurologie, Neuropsychologie, Ophthalmologie
und ORL) durch die Begutachtungsstelle J.___ durchgeführt werde. Der
Beschwerdeführer könne zum Fragenkatalog Zusatzfragen einreichen und begründete
Einwände gegen die Gutachter geltend machen. Die Beschwerdegegnerin holte am
28. Mai 2015 (Axa-Nr. A74) bei der Firma C.___ weitere Angaben zu
Beschäftigungsgrad, Arbeitsstunden und Entlöhnung ein und hielt fest, die
Arbeitsunfähigkeit sei durch die Ärzte nicht korrekt attestiert worden. Sie
richte bis auf Weiteres keine Unfalltaggelder mehr aus. Das letzte Taggeld sei
der Firma B.___ für die Zeit vom 1. bis 28. Februar 2015 in der Höhe von
CHF 1'115.80 basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 30 %
ausgerichtet worden. Das Antwortschreiben der Firma C.___ datiert vom
2. Juni 2015 (Axa-Nr. A75). Das Gutachten der Begutachtungsstelle J.___
wurde am 15. Mai 2015 (Axa-Nr. M35) von Dr. med. K.___, FMH
Allgemeine Innere Medizin, Fallführung, lic. iur. L.___, Neuropsychologie
/ Neurologie, Dr. med. M.___, FMH Orthopädische Chirurgie, Dr. med. N.___,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. O.___, FMH
Otorhinolaryngologie, Dr. med. P.___, FMH Ophthalmologie und Dr. med. Q.___,
FMH Neurologie, erstattet.

 

2.5     Mit «rechtlichem Gehör» vom
7. Juli 2015 (Axa-Nr. A77) stellte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer Folgendes in Aussicht: Kein Anspruch auf eine Rente der
Unfallversicherung; die Einstellung der Taggelder per 28. Februar 2015;
die Kürzung der während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall für den Zeitraum
vom 16. November 2011 bis 15. November 2013 (731 Tage, 2012 Schaltjahr)
ausgerichteten Unfalltaggelder um 10 %, entsprechend CHF 7'608.75, die
vom Beschwerdeführer zurückzuerstatten seien; der Verzicht auf eine
Rückforderung resp. weitere Kürzung der für die Zeit vom 1. Juli 2012 bis
28. Februar 2015 basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausgerichteten
Unfalltaggelder, die gemäss gutachterlicher Einschätzung um 10 % zu hoch
ausgefallen seien; die Einstellung der Heilungskosten per 31. August 2015;
einen unfallbedingten Integritätsschaden in der Höhe von insgesamt 25 %
(CHF 31'500.00). Daran hielt die Beschwerdegegnerin trotz der
Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 22. September 2015
(Axa-Nr. A86) mit Verfügung vom 7. Januar 2016 (Axa-Nr. A92)
fest. Die am 8. Februar 2016 dagegen erhobene Einsprache (Axa-Nr. A97)
wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 27. März 2018
(Akten-Seiten [A.S.] 1 ff.) ab.

 

3.       Dagegen lässt der
Beschwerdeführer am 19. April 2018 (Eingang: 9. Mai 2018, A.S. 30 ff.)
fristgerecht Beschwerde erheben und folgende Rechtsbegehren und
Verfahrensanträge stellen:

 

Rechtsbegehren:

1.    Es sei der Einspracheentscheid vom
27. März 2018 aufzuheben und dem Beschwerdeführer seit Erreichen des
medizinischen Endzustandes eine Invalidenrente auf Basis eines
Erwerbsunfähigkeitsgrades von mindestens 20 % auszurichten und es seien
die weiteren gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten etc.) auszurichten.

2.    Es sei das Taggeld rückwirkend ab dem
Unfalltag auf Basis eines versicherten Verdienstes von CHF 74'900.00 neu
zu berechnen und dem Beschwerdeführer die entsprechende Differenz mit
Verzugszinsen von 5 % auszubezahlen.

3.    Das Taggeld sei auch [in] den ersten
zwei Jahren nach dem Unfall für den Zeitraum vom 16. November 2011 –
15. November 2013 ungekürzt auszurichten.

4.    Der mit Entscheid vom 7. Januar
2016 verfügte Rückerstattungsbetrag ist aufzuheben und es ist die
Beschwerdegegnerin anzuweisen, den verrechnungsweise einbehaltenen Betrag von
CHF 7'608.75 inkl. Verzugszinsen von 5 % an den Beschwerdeführer
auszurichten. 

5.    Unter o/e Kostenfolge.

 

Verfahrensanträge:

6.    Es sei ein ophthalmologisches,
neurologisch-neuropsychologisches Obergutachten einzuholen.

7.    Es sei Herr R.___, C.___, [...], als
Zeuge / Auskunftsperson zu befragen.

8.    Es sei Herr S.___ als
Zeuge / Auskunftsperson zu befragen. 

9.    Es sei eine Parteiverhandlung
durchzuführen und der Beschwerdeführer zu befragen.

 

4.       Mit Beschwerdeantwort vom
4. Juli 2018 (A.S. 55 ff.) schliesst die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde.

 

5.       Mit Replik vom 11. Juli
2018 (A.S. 64) lässt der Beschwerdeführer auf eine Stellungnahme zur
Beschwerdeantwort verzichten und an den gestellten Rechtsbegehren,
Verfahrensanträgen und Ausführungen vollumfänglich festhalten.

 

6.       Die am 16. Juli 2018 durch
die Vertreterin des Beschwerdeführers eingereichte Kostennote (A.S. 66
ff.) geht mit Verfügung vom 17. Juli 2018 (A.S. 69) zur Kenntnisnahme
an die Beschwerdegegnerin. 

 

7.       Mit prozessleitender Verfügung
vom 11. März 2019 (A.S. 70) werden die Akten der Strafuntersuchung
der Staatsanwaltschaft [...] ([...]), die Akten der IV-Stelle ([...]) und die
Akten der Unfallversicherung D.___ ([...]) beigezogen.

 

8.       Auf die Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften wird nachfolgend, soweit erforderlich,
eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.

 

II.    
 

 

1.

1.1     Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 

1.2     Die
revidierte Fassung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG,
SR 832.20) ist am 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Gleichzeitig
wurden auch einige Bestimmungen der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV, SR 832.202) angepasst. Gemäss der Übergangsbestimmung zur Änderung
des UVG vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle,
die sich vor dem Inkrafttreten dieser Änderung ereignet haben und für
Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem
Recht gewährt. Da ein Ereignis vom 15. November 2011 zu beurteilen ist,
bleibt das bis 31. Dezember 2016 gültig gewesene Recht anwendbar.

 

2.       Der Beschwerdeführer war zum
Unfallzeitpunkt als Angestellter der [Firma] B.___ bei der Beschwerdegegnerin
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert.
Gleichzeitig bestand aufgrund des Arbeitsverhältnisses bei der [Firma] C.___
(Pensum 4,3 Stunden pro Woche; vgl. Akten der Unfallversicherung D.___
[D.___-Nr.] 7 S. 2 f.) eine obligatorische Versicherung bei der D.___, welches
sich auf die Folgen von Berufsunfällen beschränkte (Art. 8 Abs. 2 UVG in
Verbindung mit Art. 7 Abs. 2 UVG und Art. 13 Abs. 1 UVV). Als Berufsunfälle gelten
im Rahmen dieser Versicherung bei der D.___ auch Unfälle auf dem Arbeitsweg
(Art. 7 Abs. 2 UVG). Gestützt auf die beigezogenen Akten der D.___,
insbesondere die (korrigierte) Unfallmeldung vom 23. Januar 2012 (D.___-Nr. 5),
die ergänzenden Auskünfte des Betriebs vom 16. und 22. Februar 2012 (D.___-Nr.
6 f.) sowie die Befragung des Beschwerdeführers vom 3. April 2012 (D.___-Nr.
14), ist davon auszugehen, dass sich der Unfall ereignete, als der
Beschwerdeführer von seiner Arbeit bei der [Firma] C.___ nach Hause fuhr, sich
also auf dem Arbeitsweg befand. Der Unfall ist demnach aus Sicht der
Versicherung bei der D.___ als Berufsunfall zu betrachten (Art. 7 Abs. 2
UVG); gleichzeitig ist er aus Sicht der Versicherung bei der Beschwerdegegnerin
als Nichtberufsunfall gedeckt. Nach der Rechtsprechung geht in dieser
Konstellation die Nichtberufsunfall-Versicherung bei der Beschwerdegegnerin vor
(Urteil des Bundesgerichts 8C_1029/2010 vom 20. April 2011 E. 2.2.3; vgl.
auch BGE 139 V 148 E. 6.2.3 S. 155 f.). Die Beschwerdegegnerin ist
somit der zuständige Versicherer und der Unfall ist als Nichtberufsunfall zu
behandeln. Dies ist denn auch unbestritten. 

 

3.       

3.1     Soweit das UVG nichts anderes
bestimmt, werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Art. 6 Abs. 1
UVG). Die versicherte Person hat u.a. Anspruch auf die zweckmässige Behandlung
der Unfallfolgen (Art. 10 Abs. 1 UVG) sowie auf ein Taggeld, sofern
sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig ist (Art. 16
Abs. 1 UVG). Dabei handelt es sich um vorübergehende Leistungen, die – wie
aus Art. 19 Abs. 1 UVG erhellt – nur solange zu gewähren sind, als
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes (d.h. eine Wiederherstellung oder bedeutende Steigerung
der Arbeitsfähigkeit, s. BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115) erwartet werden
kann, wobei nur der unfallbedingt, und nicht aber der krankheitshalber
geschädigte Gesundheitszustand zu berücksichtigen ist (Alexandra
Rumo-Jungo / André Pierre Holzer: Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Auflage,
Zürich 2012, S. 101). Sobald dies nicht mehr der Fall ist (und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind), erfolgt
der Fallabschluss mit Einstellung der vorübergehenden Leistungen bei
gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente sowie auf eine
Integritätsentschädigung (BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 114). Anspruch auf
eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG) hat die versicherte Person,
wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid ist. Zudem
besteht gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung, wenn durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität bewirkt
worden ist.

 

3.2     Die
Leistungspflicht des Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod)
ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise
bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend
dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs
nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache
gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des
Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 142 V 435 E. 1 S. 438, 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V
335 E. 1 S. 337, 118 V 286 E. 1b S. 289 je mit Hinweisen).

 

3.3     Ob
zwischen einem schädigenden Ereignis oder einer gesundheitlichen Störung ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die
Verwaltung bzw. im Beschwerdefall der Richter im Rahmen der ihm obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht
(Urteile 8C_819/2016 vom 4. August 2017 E. 3.2.1, 8C_589/2017
21. Februar 2018 E. 3.2.1).

 

4.

4.1     Nach der
Rechtsprechung trifft die Beweislast in Bezug auf das Unfallereignis als
solches wie auch hinsichtlich der (natürlichen) Unfallkausalität des
Gesundheitsschadens in dem Sinne die versicherte Person, als der Entscheid bei
Beweislosigkeit zu ihren Ungunsten ausfallen muss (Urteil des Bundesgerichts 8C_856/2017
vom 2. Mai 2018 E. 5.4 mit Hinweisen). Demgegenüber bleibt der
Versicherer leistungspflichtig, wenn der Kausalzusammenhang einmal gegeben und
anerkannt ist, sofern sich nicht hinreichend nachweisen lässt, dass er zu einem
späteren Zeitpunkt dahingefallen ist (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b).
Die Anerkennung muss sich auf das Unfallereignis und die dabei erlittenen
Verletzungen wie auch auf den Umstand beziehen, dass ein bestimmter
Symptomkreis die Folge dieses Vorfalls darstellt. Stehen dagegen später
Beschwerden und Verletzungen zur Diskussion, welche ursprünglich gegenüber dem
Unfallversicherer nicht thematisiert worden waren, liegt die Beweislast für das
Bestehen der Unfallkausalität bei der versicherten Person (Urteil des Eidg.
Versicherungsgerichts U 6/05 vom 27. April 2005 E. 3.2, publ.
in: AJP 2006 S. 1290). 

 

4.2     Das Verwaltungsverfahren und das
Verwaltungsgerichtsverfahren in Sozialversicherungssachen sind vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat die Verwaltung bzw. der Richter
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht
uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der
Parteien (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221, 117 V 261 E. 3b S. 263
und 282 E. 4a, 116 V 23 E. 3c S. 26 f. mit Hinweisen).

 

4.3     Hinsichtlich des Beweiswertes
eines medizinischen Gutachtens ist entscheidend, ob dieses für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch
die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 135 V 465 E. 4.3 S. 468 ff., 125 V 351
E. 3a S. 352 ff.).

 

4.4     Der im Sozialversicherungsrecht
massgebende Beweisgrad ist derjenige der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE
126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen, 130 III 321 E. 3.2 und 3.3
S. 324 f.). Rechtsprechungsgemäss bildet der Zeitpunkt des Erlasses der
streitigen Verfügung in tatbeständlicher Hinsicht grundsätzlich die Grenze der
richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 105 V 156 E. 2d S. 161). Seit
Einführung des Einspracheverfahrens ist der Sachverhalt bis zum Erlass des
Einspracheentscheids – vorliegend bis 27. März 2018 –
mitzuberücksichtigen, da der (materielle) Einspracheentscheid an die Stelle der
angefochtenen Verfügung tritt und insoweit das Verwaltungsverfahren erst mit
ihm abgeschlossen wird (Ueli Kieser: ATSG-Kommentar, Zürich, Basel, Genf 2015,
3. Aufl., Art. 52 ATSG N 60 mit weiteren Hinweisen).

 

5.       Ist der Versicherte infolge des
Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat er Anspruch auf eine
Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
(Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Zur Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).

 

5.1     Unter dem Valideneinkommen ist
rechtsprechungsgemäss jenes Einkommen zu verstehen, welches die versicherte
Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich erzielen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Dabei wird in der
Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass
die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre.
Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V
297 E. 5.1 S. 300, 134 V 322 E. 4.1 S. 325, 129 V 222
E. 4.3.1 S. 224; vgl. auch BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 135
V 58 E. 3.1 S. 59).

 

5.2     Für die Festsetzung des
Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus,
bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind
und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in
zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der
Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der
tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich
erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die Zahlen der
Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) der Unfallversicherung D.___
herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593 f., 129 V 472
E. 4.2.1 S. 475 mit Hinweisen).

 

5.3     Der Einkommensvergleich und
damit die Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens haben sich auf den
Zeitpunkt des Rentenbeginns, hier also auf das Jahr 2015, zu beziehen (vgl.
BGE 128 V 174).

 

6.       Streitig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
zu Recht verneint hat, ob die durch die Beschwerdegegnerin errechnete Basis für
die Ausrichtung der Taggelder korrekt war sowie ob die für die ersten zwei
Jahre nach dem Unfall ausgerichteten Taggelder infolge Nichttragens der
Sicherheitsgurte um 10 % zu kürzen sind und von der Beschwerdegegnerin zu
Recht zurückgefordert werden.

 

7.       Es ist zunächst auf den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers einzugehen, wobei die folgenden medizinischen
Akten zur Beurteilung im Wesentlichen relevant sind:

 

7.1     Im Austrittsbericht des E.___,
Traumatologie, vom 6. Dezember 2011 (Axa-Nr. M10) wurden aufgrund der
Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 15. November bis
5. Dezember 2011 folgende Diagnosen festgehalten:

 

1.    Polytrauma nach
Hochgeschwindigkeitsunfall bei PKW-Frontalkollision am 15. November 2011

Schädel:

−   
Le Fort III Fx beidseits

−   
Abduzensparese rechts

−   
traumatische SAB
temporoparietal links, kleine Kontusionsblutungen Vertex rechts, akutes kleines
SDH Vertex rechts

Beckenverletzung:

−   
Acetabulumfraktur rechts
zentral

Extremitätenverletzung:

−   
Mehrfragmentäre,
intraartikuläre, distale Radiusfraktur rechts

2.    Medikamentenallergien

−   
Aspirinallergie

−   
Penicillinallergie

 

Der Beschwerdeführer sei notfallmässig
mit der Rega nach einem Hochgeschwindigkeitstrauma in [...] mit dem PKW
zugewiesen worden. Bei einem Frontalzusammenstoss sei der Airbag ausgelöst
worden. Der initiale GCS sei 9 gewesen, bei massiver Deformation des
Mittelgesichtes sei eine Intubation vor Ort nicht möglich gewesen. Der
Kreislauf sei stabil gewesen. 

Beurteilung und Verlauf: Der
Beschwerdeführer sei primär notfallmässig von den Kollegen der MKG-Chirurgie
versorgt worden. Es sei eine Hirndrucksonde durch die Neurochirurgen eingelegt
und er sei postoperativ auf der Intensivstation überwacht worden. Der
Beschwerdeführer sei nur inadäquat wach geworden, sei unruhig gewesen, habe
sediert und fixiert werden müssen. Unter neuroleptischer Therapie mit Haldol
und Seroquel sowie vorübergehender Gabe von Catapressan sei er im Verlauf
ruhiger und führbarer gewesen mit einem GCS von 11 am Tracheostoma. Fokale
neurologische Defizite seien nicht aufgetreten. Hinweise für epileptische
Anfälle hätten sich keine gefunden. Im Verlaufs-CCT vom 16. November 2011 habe
sich ein im Vergleich zu den Voraufnahmen vom Vortag weitgehend unveränderter
Befund gefunden. Die Hirndrücke seien immer unter 20 mmHg gewesen. Das
Deliranten-Bild habe sich im Verlauf deutlich gebessert, sodass der Beschwerdeführer
am 21. November 2011 auf den neurochirurgischen Wachsaal habe verlegt
werden können. Bei der Entfernung der Hirndrucksonde durch die Kollegen der
Neurochirurgie am 20. November 2011 sei das distale Ende der Sonde subcutan
verblieben und teilweise intracraniell liegen geblieben, sodass nach
Durchführung eines CCT eine operative Entfernung des Sondenfragmentes am 22. November
2011 durchgeführt worden sei. Gleichzeitig habe die operative Versorgung der
Acetabulum- und Radiusfraktur stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe eine
antibiotische Prophylaxe mit Dalacin für sieben Tage erhalten. Bzgl. der
Mittelgesichtsfrakturen hätten sich stets reizlose Wundverhältnisse gezeigt und
die Fäden hätten während der Hospitalisation gezogen werden können. Nach
primärem Nahrungsaufbau über die Magensonde habe nach dem Zug des Tracheostomas
und unter logopädischer Betreuung auf pürierte Kost umgestellt werden können,
welche gut toleriert worden sei. Die offene Wunde des ehemaligen Tracheostomas sei
mit Steristrips verschlossen worden. Im weiteren Verlauf sei der Patient
zunehmend aufgeklart und sei mehr und mehr führbar geworden, so dass er am
28. November 2011 auf die Normalstation habe verlegt und die neuroleptische
Therapie schrittweise habe ausgeschlichen werden können. Die ophthalmologische
Kontrolle habe den Verdacht auf eine Abduzensparese gezeigt, weshalb der Beschwerdeführer
erneut zu einer Orthoptik ambulant aufgeboten werde. Bzgl. der Acetabulum- und
Radiusfraktur sei der Beschwerdeführer primär sehr incompliant und habe zu viel
bzw. sogar teilweise vollbelastet. Nachdem die Handgelenkskelettschiene unter
zu starker Belastung nicht toleriert worden sei, sei eine Handgelenkscombicast
angelegt worden. Bei der Entlassung sei der Beschwerdeführer an
Axillagehstöcken selbständig gut mobil gewesen. Es hätten sich stets reizlose
Wundverhältnisse gezeigt. Der Beschwerdeführer habe am 5. Dezember 2011
nach Hause entlassen werden können.

Procedere: Bzgl. der Acetabulumfraktur
sei eine Mobilisation unter Teilbelastung von 15 kg rechts möglich und
bzgl. der Radiusfraktur die Durchführung einer funktionellen Nachbehandlung ohne
Belastung für sechs Wochen. Fortführen der Thromboseprophylaxe mit Fragmin bis
zur schmerzfreien Vollbelastung für mindestens sechs Wochen. Es werde um regelmässige
Wundkontrollen gebeten. Eine klinische und radiologische Kontrolle finde sechs
Wochen postoperativ in der traumatologischen Sprechstunde statt. Laut den
Kollegen der MKG-Chirurgie Wiedervorstellung des Beschwerdeführers am 12. Dezember
2011 in der Sprechstunde. Weiterhin pürierte Kost für mindestens vier Wochen. Laut
den Kollegen der Neurochirurgie sei eine Kontrolle nur bei Bedarf nötig. Der
Beschwerdeführer sei für acht Wochen arbeitsunfähig. 

 

7.2     Aufgrund der traumatologischen
Sprechstunde vom 4. Januar 2012 wurden im Bericht vom 12. Januar 2012
(Axa-Nr. M8) des E.___, Behandlungszentrum Bewegungsapparat,
Traumatologie, die bereits im Bericht vom 6. Dezember 2011 (vgl. E. II.
7.1 hiervor) ausgewiesenen Diagnosen bestätigt. Beim Röntgen hätten sich sowohl
radial rechts als auch am Acetabulum regelrechte Stellungsverhältnisse des
Osteosynthesematerials gezeigt, am Radius zeige sich etwas Kallusbildung.
Beurteilung und Procedere: Mit dem postoperativen Verlauf seien sie sehr
zufrieden, sie strebten ab sofort den langsamen Belastungsaufbau an. Dem
Beschwerdeführer sei ein erneutes Physiotherapierezept ausgestellt worden, er
werde sich ambulant zum Muskelaufbau und zum Gehtraining vorstellen. Der
Beschwerdeführer komme in zwei Monaten zur klinischen und radiologischen
Verlaufskontrolle wieder. Bis dahin betrage die Arbeitsunfähigkeit als
Sporttrainer 100 %.

 

7.3     Im Bericht vom 1. Februar
2012 (Axa-Nr. M5) des E.___, Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, wurde
ausgeführt, der Beschwerdeführer habe am 15. November 2011 bei einem
Autounfall ein Polytrauma erlitten, bei dem er sich u.a. eine
Mittelgesichtsfraktur zugezogen habe. Bei diesem Unfall seien auch die Zähne
12, 11 und 41 traumatisch verloren gegangen. Die aktuelle klinische
Untersuchung zeige ein deutliches Knochendefizit regio 12 bis 11. Im Rahmen der
oralen Rehabilitation sei zunächst eine Knochenaugmentation mit autologem
Knochentransplantat aus dem Beckenkamm in ITN geplant. Zur Wiederherstellung
der Kaufähigkeit würden anschliessend drei Einzelzahnimplantate in
Lokalanästhesie inseriert. Da es sich hierbei um eine direkte Folge des Unfalls
handle, werde die Beschwerdegegnerin gebeten, die Kosten für die Behandlung zu
übernehmen.

 

7.4     Prof. Dr. med. T.___, Chefarzt,
und Dr. med. U.___, Assistenzarzt, E.___, Traumatologie, wiesen im Bericht vom
13. März 2012 (Axa-Nr. M36 S. 7 f.) die bereits im Bericht vom
6. Dezember 2011 (vgl. E. II. 7.1 hiervor) festgestellten Diagnosen aus und
hielten folgende Beurteilung / Procedere fest: Mit dem postoperativen
Verlauf seien sie sehr zufrieden, sie strebten ab sofort den langsamen Aufbau
der Arbeitsfähigkeit an. Seit dem 1. März 2012 sei der Beschwerdeführer
wieder 20 % arbeitsfähig. Er werde in der handchirurgischen Sprechstunde
zur Beurteilung der fehlenden Extension im distalen Daumenendglied aufgeboten.
Weiterhin werde eine Metallentfernung (distaler Radius rechts) geplant. 

 

7.5     Dr. med. V.___, Oberärztin, und
die Assistenzärztin Dr. med. W.___, E.___, Augenklinik, hielten im Bericht vom
18. April 2012 (Axa-Nr. M12) die Diagnose «Abduzens- und
Trochlearisparese rechts bei Status nach Lefort-III-Fraktur November 2011»
fest. Bisheriger Verlauf und gegenwärtiger Zustand: Im Aufblick keine
Doppelbilder, Kopfzwangshaltung in Form von Kinnsenkung von circa 15 .
Unveränderte Befunde im Vergleich zu den Voruntersuchungen bei Trochlearis- und
Abduzensparese rechtsseitig. Der Beschwerdeführer schaue über die Brille, da
dort ein kleines Fusionsblickfeld vorhanden sei. Es spielten im Heilungsverlauf
keine unfallfremden Faktoren mit. Gegenwärtig werde mit regelmässigen Kontrollen
behandelt. Aktuell sei nicht absehbar, wie lange die Behandlung voraussichtlich
noch dauern werde. Die Wiederaufnahme der Arbeit sei nicht durch die
Augenklinik beurteilt worden.

 

7.6     Prof. Dr. med. Dr. med. dent. X.___,
Chefarzt, Dr. med. Dr. dent. Y.___, Oberarzt, und Dr. med. et med. dent. Z.___,
Assistenzarzt, E.___, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, führten im Bericht
vom 13. Mai 2012 (Axa-Nr. M13) betreffend die Hospitalisation des
Beschwerdeführers vom 9. Mai 2012 folgende Diagnosen auf:

 

Aktuell: Augmentation Oberkiefer
Front bei lokaler Oberkieferatrophie regio 12 – 21 bei Status nach
Avulsion 11 und 12; Metallentfernung distaler Radius rechts und Sehnennaht
Dig. I rechts bei / mit:

1.    Status nach Polytrauma nach
Hochgeschwindigkeitsunfall bei PKW-Frontalkollision am 15. November 2011

−   
Status nach Le Fort III Fraktur
beidseits

−   
Status nach traumatische SAB
temporoparietal links, kleine Kontusionsblutungen Vertex rechts, akutes kleines
SDH Vertex rechts

−   
Status nach
Acetabulumfraktur rechts zentral

−   
Status mehrfragmentäre,
intraartikuläre, distale Radiusfraktur rechts

2.    Medikamentenallergien

−   
Aspirinallergie

−   
Penicillinallergie

 

Der peri- und postoperative Verlauf
gestalte sich komplikationslos. Es sei die Initiierung einer abschirmenden antibiotischen
Therapie mit Dalacin erfolgt. In der postoperativen Röntgenkontrolle (OPG)
hätten sich regelrechte Stellungsverhältnisse gezeigt. Die Drainage habe am
zweiten postoperativen Tag gezogen werden können. Der Beschwerdeführer habe in
gutem Allgemeinzustand, afrebil und subjektiv beschwerdefrei nach Hause
entlassen werden können. 

 

7.7     Dr. med. dent. AA.___, Zahnarzt
SSO, hielt in seinem Schreiben vom 27. September 2012 (Axa-Nr. M18)
fest, der Beschwerdeführer sei ihm von der Abteilung für Kiefer- und
Gesichtschirurgie des E.___ zur prothetischen Sanierung nach einem
Verkehrsunfall vom 15. November 2011 überwiesen worden. Er stellte
folgende Diagnosen:

 

−    
Status nach chirurgischer
Wiederherstellung Mittelgesichtsfraktur

−    
Status nach sekundärer Knochenaugmentation
mittels Beckenkammknochen in Oberkiefer Front

−    
Zahnabsplitterungen und Teilfrakturen
bei den Zähnen 14okklusal, 13distal, 22palatinal und mesil, 27palatinale Wand,
36meio bukkal

−    
Gute Mundhygiene

 

Procedere: Versorgung der Schaltlücke
Regio 12, 11, 21 und 41 mit Einzelzahnimplantaten. Dabei gelte es zu beachten,
dass der Beschwerdeführer vor dem Unfall ein Diasthema gehabt habe. Die Lücke
12 – 21 sei zudem für die Versorgung mit einer Brücke zu gross. Ein
ästhetisch befriedigendes Bild könne wegen übergrossen Zähnen sicher nicht
erreicht werden. Anfertigung der Suprakonstruktion auf den Implantaten. Eine
provisorische Erstversorgung sei zur Ausformung der Gingiva unumgänglich. Ein
kontinuierliches Anpassen der Kunststoff Provisorien auf die gewünschte
Ausdehnung erfolge schrittweise. Versorgung der Frakturen bei den Zähnen 14,
13, 22 und 36 mit Kunststoff Füllungen. Versorgung der Fraktur beim Zahn 27 mit
einer Keramikfüllung. Zahnreinigung: Durch die IMF sei die Mundhygiene über
längere Zeit eingeschränkt gewesen. Verdacht auf Zahnsteinbildung in der
Unterkiefer Front sei das Resultat gewesen. Der Beschwerdeführer habe fast keinen
Plaquebefall. 

 

7.8     Dr. med. I.___, FMH Orthopädie
Chirurgie, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, hielt in seinem Bericht vom
24. Juli 2013 (Axa-Nr. R3) fest, der Beschwerdeführer habe durch den
Unfall folgende Verletzungen erlitten: «1. Offenes Schädelhirntrauma (Mittelgesichtsfraktur
Typ III nach Le Fort beidseits mit Verlust mehrerer Zähne, Parese des Nervus
abducens und des Nervus trochlearis rechts, Traumatische Subarachnoidalblutung
temporoparietal links, kleinere Kontusionsblutungen akutes kleines
Subduralhämatom am Vertex rechts), 2. Fraktur der hinteren Säule am
Azetabulum rechts; 3. Distale intraartikuläre Radiusfraktur rechts». Auf
die Frage, welche Verletzungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch aufgetreten
wären, wenn der Beschwerdeführer die Sicherheitsgurte getragen hätte, führte Dr. med.
I.___ aus, aus der Unfallanalyse gehe hervor, dass sich der Körper des
Geschädigten nach dem Zusammenstoss nach links vorne in Fahrtrichtung bewegt
habe. Dabei sei es überwiegend wahrscheinlich zu einem Aufprall des Kopfes an der
Frontscheibe bzw. deren Oberrand gekommen, da es sich beim Fahrzeug des
Geschädigten um ein Cabriolet gehandelt habe. Dies sei die hauptsächliche
Ursache der gesamten Schädel-Hirn-Verletzungen, die somit bei getragenem
Sicherheitsgurt überwiegend wahrscheinlich nicht oder nur in sehr geringem
Ausmass aufgetreten wären. Dies zeige sich auch in der Unfallanalyse von Dipl.
Ing. G.___ vom 6. Februar 2013, wo auf S. 15 in der Rubrik
«Insassenschutz für Erwachsene» beim Fahrzeugtyp des Beschädigten der Kopf
sowohl bei einem Front- als auch bei einem Seitenaufprall als gut geschützt
bezeichnet werde. Durch den heftigen Zusammenprall sei es an beiden Fahrzeugen
zu einer erheblichen Stauchung der Frontpartie gekommen. Dabei zeigten die nach
dem Unfall angefertigten Bilder am Fahrzeug des Geschädigten eine Schädigung
namentlich auf der Fahrerseite, die sich wahrscheinlich bis in den Innenraum
fortgesetzt habe. Diese habe vorwiegend den unteren Teil des Fahrzeugs
betroffen, der somit vor allem gegen die untere Körperhälfte des Geschädigten geprallt
sei. Obwohl auch hier die einwirkenden Kräfte durch die relative Vorwärtsbewegung
des Geschädigten verstärkt worden seien, sei davon auszugehen, dass er sich
eine Beckenverletzung auch bei getragenen Sicherheitsgurten zugezogen hätte. Gleiches
sei auch bezüglich der distalen Radiusfraktur zu sagen, die bei Positionierung der
Hand am Steuerrad durch die nach hinten gedrückte Frontpartie aufgetreten wäre.
Auch dies korreliere gut mit den Angaben in der oben erwähnten Unfallanalyse,
wo Oberschenkel / Becken als nur ausreichend durch die Gurten
geschützt bezeichnet würden. 

Bei getragenem Sicherheitsgurt komme es
nach einem Frontaufprall zu einem relativen Zur.kziehen des Körpers gegen den
Sitz, der nach einer kurzen Vorwärtsbewegung ruckartig erfolge. Dabei würden Kräfte
vorwiegend im unteren Abdominalbereich und am Thorax auftreten, die beim Lenker
eines Fahrzeugs vor allem die linke Thoraxhälfte betreffen würden. Dabei könne
es thorakal zu Frakturen kommen, die vor allem Klavikula (Schlüsselbein) und
Rippen betreffen könnten, begleitend allenfalls auch zu Herz
und / oder Lungenverletzungen. Im abdominalen Bereich seien
Prellungen möglich, welche vor allem die Leber und / oder den Darm
betreffen und dort schlimmstenfalls zu Blutungen führen könnten. Die geschilderten
Verletzungen träten allgemein beim Tragen des Sicherheitsgurts nur möglicherweise
auf und es seien keine Gründe sichtbar, weshalb sie im konkreten Fall des
Geschädigten überwiegend wahrscheinlich aufgetreten wären. Dies zeige sich unter
anderem auch in der Tatsache, dass sich der Lenker des anderen beteiligten Fahrzeugs,
der betreffend die Beschleunigung seines Körpers vergleichbaren Kräften ausgesetzt
gewesen sei wie der Geschädigte, keine namhaften Verletzungen zugezogen habe.

In Bezug auf die Frage, wie sich die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wahrscheinlich entwickelt hätte, wenn er
die Gurten getragen hätte, legte Dr. med. I.___ dar, dass Angaben zum Verlauf
der Verletzungen am Becken und am rechten Arm leider fehlten, die sich der
Geschädigte wahrscheinlich auch bei Tragen des Sicherheitsgurtes zugezogen
hätte. Vorliegend sei einzig ein undatiertes Zeugnis von Prof. T.___, Chefarzt
im Behandlungszentrum Bewegungsapparat des E.___, worin eine Arbeitsunfähigkeit
bis zum 28. Februar 2012 attestiert werde. Dies decke sich gut mit der
allgemeinen Erfahrung bei den erlittenen Verletzungen, wo bei
komplikationsfreiem Verlauf nach drei – vier Monaten eine ossäre
Ausheilung eingetreten sei. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit dürfe jedenfalls
postuliert werden, dass der Geschädigte rein von Seiten der wahrscheinlich auch
mit getragenem Sicherheitsgurt erlittenen Verletzungen spätestens nach sechs
Monaten, somit Ende Mai 2012, wieder in seiner angestammten Tätigkeit als
selbständiger IT-Unternehmer uneingeschränkt arbeits- und leistungsfähig
gewesen wäre.

 

7.9     Im Bericht vom 25. Februar
2014 (Axa-Nr. M29) betreffend die Verlaufskontrolle vom 31. Januar
2014 stellte die Assistenzärztin AB.___, E.___, Spezialkliniken, Augenklinik,
folgende Diagnosen: 

 

          Status nach Polytrauma
November 2011 mit Le Fort III-Fraktur mit

−   
Abduktionseinschränkung
rechts

−   
Senkungseinschränkung
rechts

−   
RA: Rücklagerung de M.
rectus medialis um 3 mm und M. rectus superior um 5 mm am
14. August 2013

−   
RA: Status nach
Rücklagerung M. rectus medialis 6 mm vom ursprünglichen Ansatz am
18. Dezember 2013

 

Beurteilung und Verlauf: Leichte
Zentralisierung des Funktionsblickfelds, Umschlag in diversen Winkeln im
Linksblick bei etwas verschlechterter Adduktion. Adduktion postoperativ nach
Rücklagerung des Musculus rectus medialis subjektiv viel besser, Toleranz beim
entspannten Schauen deutlich grösser. Der Beschwerdeführer sei zufrieden. Die
Abduktion des rechten Auges scheine zu schwanken, unmittelbar postoperativ
6 mm, jetzt 4 mm. Vorher sei dies auch schon unterschiedlich gewesen.
Es sei dem Beschwerdeführer ein Versuch mit Bewegungsübungen horizontal
empfohlen worden. Dem Beschwerdeführer sei für die postoperative Zeit vom 17.
bis 27. Dezember 2013 eine Arbeitsunfähigkeit gegeben worden.

 

7.10   Am 2. April 2014
(Axa-Nr. M30) nahmen die Assistenzärztin AB.___ und die Leitende Ärztin
Prof. AC.___, E.___, Spezialkliniken, Augenklinik, Orthoptik, zu den Fragen der
Beschwerdegegnerin Stellung. Dabei führten sie aus, es sei aktuell eine
abwartende Haltung vorgesehen. Der Beschwerdeführer werde sich demnächst zur
postoperativen Dreimonatskontrolle vorstellen. Eine weitere Operation sei
aktuell nicht geplant. Aktuell sei der Behandlungsabschluss noch nicht
vorhersehbar. Aus ophthalmologischer Sicht sei noch kein Endzustand erreicht.
Die Befunde würden weiterhin kontrolliert, um auf eventuelle Veränderungen so
schnell wie möglich reagieren zu können.

 

7.11   Im Bericht vom 3. Juli 2014
(Axa-Nr. M32) stellte Dr. med. AD.___, Oberärztin, E.___, Spezialkliniken,
Augenklinik, Orthoptik, folgende Diagnosen:

 

Status nach zweimaliger
Schieloperation

−   
August 2013: Rücklagerung
M. rectus medialis um 3 mm, Rücklagerung M. rectus superior um 5 mm
am rechten Auge

−   
Dezember 2013: Rücklagerung
M. rectus medialis um 6 mm am rechten Auge

 

Der Beschwerdeführer sei zur
Verlaufskontrolle nach der Schieloperation im Dezember 2013 gesehen worden.
Grundsätzlich habe sich ein schönes Operationsergebnis gezeigt mit noch
leichten Doppelbildern bei Abblick mit der Gleitsichtbrille. Dies sei v.a. beim
Lesen störend. In der monokularen Exkursion habe sich rechts eine Hebungs- und
Senkungseinschränkung gezeigt, es habe sich aber unter verstärkter Innovation
eine deutlich bessere Senkung gezeigt. Die Motilität des rechten Auges sei in
alle Richtungen vermindert gewesen. Da am rechten Auge eine
Motilitätseinschränkung bestehe und das rechte Auge zweimal voroperiert worden
sei, hätten sie aktuell besprochen, zuzuwarten und aufgrund der Doppelbilder
bei Abblick beim Lesen eine neue Gleitsichtbrille mit hochgezogenem Nahteil
anzufertigen. 

 

7.12   Dr. med. AE.___, Arzt für
allgemeine Medizin FMH, hielt in den ihm durch die Beschwerdegegnerin
zugestellten Fragebögen vom 20. Juni 2014 am 10. Oktober 2014 (vgl.
Axa-Nrn. M33 f.) zum bisherigen Verlauf und zum gegenwärtigen Zustand
Folgendes fest: Eigentlich gehe es sehr gut, allerdings bestünden weiterhin
eine 100%ige Anosmie, allgemeine Müdigkeit, Koordinationsprobleme rechtes Bein
und weiterhin Schmerzen und Feinmotorikdefizit Dig. 1 rechte Hand sowie
permanente Doppelbilder. Er könne folgende objektive Befunde erheben: 100%ige
Anosmie, Einbeinstand rechts nicht möglich, rechtes Auge liege tiefer als
linkes, anästhetische Areale im Bereich des rechten Gesichtsschädels aussen und
enoral (Zähne), in jeder Hinsicht orientiert, abgemagert. Das Beschwerdebild
werde durch keine unfallfremden medizinischen Faktoren beeinflusst. Die
Behandlung sei nicht abgeschlossen. Die rechte Orbita müsse s.w. unterfüttert
werden. Entscheidungen erst im April 2015, Kraft- und evtl. noch
Physiotherapie, evtl. werde die rechte Sehnenoperation am rechten Daumen noch
einmal versucht. Evtl. noch neurologisches Konsilium. Notwendig seien
regelmässige Kontrollen v.a. im Augenspital. Gemäss Dr. med. AE.___ seien
30 % Arbeitsunfähigkeit das absolute Minimum. Es sollten eher 50 %
sein, da sich nach vier Stunden eine extreme Müdigkeit einschleiche, aber der
Beschwerdeführer wolle bei 30 % bleiben, da er glaube, dass er durch das
Arbeitstraining schneller «gesund» werde (das Entgegenkommen gegenüber der
Taggeldversicherung sei hier sehr gross, da sei sich Dr. med. AE.___ sonst
anderes gewöhnt). Die 30%ige Arbeitsunfähigkeit sei schon allein durch die
Doppelbilder erklärt. Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (restitutio ad integrum)
sei nicht möglich, handle es sich doch um einen Zustand nach einem Polytrauma,
der wichtige rechte Daumen werde nie mehr 100 % beweglich sein; wie sich
die Augensymptomatik entwickle, lasse sich heute nicht sagen, ebenso sei eine
100%ige Wiedererlangung der alten körperlichen Stärke unwahrscheinlich. Es sei
mit einer bleibenden Einschränkung zu rechnen. Der medizinische Endzustand sei
nicht erreicht. Bemerkungen: Dr. med. AE.___ habe selbst eine einjährige
Rekonvaleszenz nach 38 % Verbrennung hinter sich und könne daher aus
eigener Erfahrung berichten, dass v.a. die körperliche Erholung viel länger
dauere als man gemeinhin annehme. Kurzfristig funktioniere nach einer gewissen
Zeit das meiste wieder, aber v.a. die z.T. plötzlich einfahrende Schwäche und
Müdigkeit liessen in der Regel nach solchen schweren Unfällen keine restitutio
ad integrum mehr zu.

 

7.13   Im Gutachten der Begutachtungsstelle
J.___ vom 15. Mai 2015 (Axa-Nr. M35) hielten Dr. med. K.___, FMH
Allgemeine Innere Medizin, lic. iur. L.___, Neuropsychologie / Neurologie,
Dr. med. M.___, FMH Orthopädische Chirurgie, Dr. med. N.___, FMH Psychiatrie
und Psychotherapie, Dr. med. O.___, FMH Otorhinolaryngologie, Dr. med. P.___,
FMH Ophthalmologie und Dr. med. Q.___, FMH Neurologie, folgende Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 30):

 

1. Leicht bis mässiggradig verminderte Sehfähigkeit

−   
Anlagebedingte
Fehlsichtigkeit (Hyperopie, Astigmatismus) (ICD-10 H52.0, H52.2)

−   
Presbyopie (ICD-10 H52.5)

−   
Chronische
Benetzungsstörung (ICD-10 H19.3)

−   
Cataracta incipiens (ICD-10
H25.0)

−   
Zustand nach Polytrauma mit
Abduzens- und Trochlearisparese (rechtes Auge) (ICD-10 H49.1, H49.2)

−   
Zustand nach zweimaliger
Schieloperation (rechtes Auge)

−   
Rückverlagerung des M. rectus
medialis beidseits und des M. rectus superior

2. Anosmie (ICD-10 R43.0) bei

−   
Zustand nach
Mittelgesichtsfraktur Le Fort III

−   
Zustand nach Polytrauma
(vgl. Diagnose 2.1)

 

Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien:

1. Status nach offenem Schädel-Hirntrauma am 15. November
2011 (ICD-10 S06)

−   
Mittelgesichtsfraktur Typ
III nach Le Fort beidseits mit Verlust mehrerer Zähne

−   
Parese des N. abducens und
des N. trochlearis rechts

−   
traumatische
Subarachnoidalblutung tempoparietal links

−   
kleine Kontusionsblutungen
und Subduralhämatom rechts

−   
Hyposmie

−   
persistierende Doppelbilder

2. Chronisch intermittierende Hüftschmerzen rechts (ICD-10
T91.2 / Z98.8)

−   
Status nach zentraler
Azetabulumfraktur am 15. November 2011

−   
Status nach offener
Reposition und Osteosynthese des Azetabulum am 22. November 2011 (E.___)

−   
radiologisch regelrechter
Befund (Röntgen 7. März 2012)

−   
klinisch weitgehend
unauffälliger Befund

3. Chronische Beschwerden am dominanten rechten Daumen (lCD-10
T92.2 / Z98.8)

−   
Status nach distaler
mehrfragmentärer intraartikulärer Radiusfraktur am 15. November 2011

−   
Status nach offener
Reposition und Plattenosteosynthese am 22. November 2011 (E.___)

−   
Status nach Entfernung des
Osteosynthesematerials sowie Sehnentransfer Extensor indicis auf Extensor
pollicis longus am 10. Mai 2012 (E.___)

−   
radiologisch regelrechter
Befund (Röntgen 7. März 2012)

−   
klinisch bis auf
Extensionsdefizit am Daumenendgelenk unauffälliger Befund

4. Anamnestisch chronische Epicondylopathia humeri radialis
beidseits (lCD-10 M77.1)

5. Fortgesetzter Nikotinkonsum (circa 20 – 30
packyears) (lCD-10 F17.1)

6. Anamnestisch Medikamentenallergien (Aspirin, Penicillin)

 

Zusammenfassend resultiere aus
interdisziplinärer Sicht, dass beim Exploranden in leichten bis mittelschweren,
adaptierten Tätigkeiten, wozu auch die angestammten zählten, eine 80%ige Arbeits-
und Leistungsfähigkeit bestehe. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden
mit erhöhtem Pausenbedarf.

Aufgrund der anamnestischen Angaben, der
Untersuchungsbefunde, der vorliegenden Dokumente sowie der früher attestierten
Arbeitsunfähigkeit sei die feststellbare Arbeitsfähigkeit arbiträr ab Juli 2012
anzunehmen, nach vorher aufgehobener Arbeitsfähigkeit nach dem Unfall vom 15. November
2011. Der Explorand halte sich im aktuellen Ausmass arbeitsfähig, er äussere
sich nicht genau, spreche davon, dass er 30 % arbeitsunfähig geschrieben
sei. Faktisch ergebe sich somit keine grosse Diskrepanz zur Selbsteinschätzung
des Exploranden. Die Einschränkungen seien beim Exploranden rein unfallkausal
zuordenbar. Insgesamt könnten keine spezifischen Massnahmen vorgeschlagen
werden, insbesondere nicht solche mit wesentlicher Beeinflussung der
Arbeitsfähigkeit. Der Explorand scheine beruflich optimal in den angestammten
Tätigkeiten integriert zu sein, so dass keine beruflichen Massnahmen
vorzuschlagen seien (S. 32).

 

7.14   Prof. Dr. med. AC.___ und die Assistenzärztin
AF.___, E.___, Spezialkliniken, Augenklinik, Orthoptik, hielten in ihrem
Bericht vom 1. Dezember 2015 (Axa-Nr. M37) folgende Beurteilung und
Verlauf fest: Bei den Verlaufskontrollen im Juli und September 2015 habe sich
beim Beschwerdeführer im alltäglichen Leben eine kaum störende Situation mit
leichten Doppelbildern gefunden, v.a. beim Lesen mit stabilen orthoptischen und
ophthalmologischen Befunden. Bei einem subjektiv deutlich besseren zentralen
Fusionsblick hätten sie vorerst von weiteren operativen Vorgehen abgesehen.

 

7.15   Prof. Dr. Dr. med. AG.___,
Leitender Arzt, und Dr. med. AH.___, Stellvertretende Oberärztin, E.___,
Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie, hielten im Bericht
vom 16. Juni 2016 (Axa-Nr. M38) folgende Diagnose fest: 

 

Subkutaner
Strecksehnenausriss Mittelfinger rechts seit circa drei Monaten

 

Der Beschwerdeführer berichte über eine
Unfähigkeit, sein rechtes Mittelfinger-endgelenk zu strecken, seit etwa drei
Monaten. Ein Trauma sei nicht erinnerlich. Klinisch zeige sich eine Schwellung
sowie ein Herabhängen des Mittelfingerendgliedes im Bereich der rechten Hand.
Es bestehe ein aktives Extensionsdefizit von circa 45 °. Passiv könne das
DIP Dig. III rechts komplett gestreckt werden. Ansonsten normale Trophik,
intakte periphere Sensibilität palmarseits. Beurteilung und Procedere: Der
Befund sei dem Beschwerdeführer erklärt worden, es werde das konsequente Tragen
einer Stack’schen Schiene für acht Wochen empfohlen, anschliessend könne diese
noch für weitere vier Wochen getragen werden. 

 

8.       Da die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 27. März 2018 (A.S. 1 ff.) im
Wesentlichen auf das Gutachten der Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai
2015 (vgl. E. II. 7.13 hiervor) abstützte, ist nachfolgend zu prüfen, ob dieses
beweiswertig ist:

 

8.1     Das polydisziplinäre Gutachten von
Dr. med. K.___, Fallführung, FMH Allgemeine Innere Medizin, lic. iur. L.___,
Neuropsychologie / Neurologie, Dr. med. M.___, FMH Orthopädische
Chirurgie, Dr. med. N.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. O.___,
FMH Otorhinolaryngologie, Dr. med. P.___, FMH Ophthalmologie und Dr. med.
Q.___, FMH Neurologie, wird den von der Rechtsprechung entwickelten
Anforderungen (Vollständigkeit, Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit; vgl.
E. II. 4.3 hiervor) vollumfänglich gerecht: Es beruht auf den
vollständigen Vorakten, indem die vorhandenen Akten in chronologischer
Reihenfolge aufgelistet werden (Axa-Nr. M35 S. 3 ff.). Anschliessend
erfolgt ein Auszug aus den wichtigsten medizinischen Vordokumenten. Es kann
daher bei den Experten von der Kenntnis der Anamnese ausgegangen werden. Da die
Gutachter in ihren jeweiligen Teilgutachten auch je eine umfassende Exploration
des Beschwerdeführers durchführten (S. 7 f., 9 ff., 13 f., 18, 22, 24 f.,
27 f.), sind auch die subjektiv beklagten Beschwerden des Beschwerdeführers in
die gutachterliche Beurteilung miteingeflossen. Das Gutachten basiert zudem auf
umfassenden und allseitigen Untersuchungen. So wurden am 3. Februar 2015
Laboruntersuchungen durchgeführt und der allgemeininternistische Status erhoben
(S. 9 oben). Im Weiteren wurden der psychopathologische Befund (S. 11
f.), der orthopädische Status (S. 14 f.), der neurologische Status inkl.
verschiedene Testverfahren (S. 18 f.), der neuropsychologische Status inkl.
neuropsychologische Testverfahren (S. 22 ff.), der otorhinolaryngologische
Befund mit diversen Testverfahren (S. 26) und der ophthalmologische Status
(S. 28 f.) erhoben bzw. durchgeführt. 

Ferner leuchten auch die Darstellung der
medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation
ein: So ist aufgrund der unauffälligen Laborwerte und des ebenfalls
unauffälligen allgemeininternistischen Status (S. 9) mit regelmässigem
Puls und unauffälligen Herz, Lungen, Abdomen, nachvollziehbar, dass der allgemeininternistische
Gutachter Dr. med. K.___ dem Beschwerdeführer einzig die Sistierung des
Nikotinkonsums empfahl. Aufgrund der festgestellten Befunde bei der
psychiatrischen Exploration durch Dr. med. N.___ leuchtet ein, dass er keine
psychiatrische Diagnose stellen konnte: So mache der Beschwerdeführer einen
aktiven, energischen Eindruck, sei bewusstseinsklar, zeitlich, örtlich,
situativ und zur eigenen Person gut orientiert, zeige nie Zeichen von
Konzentrationsschwäche, keine Einengung des Denkens, kein wahnhaftes Denken
oder Wahnvorstellungen, keine Anhaltspunkte für illusionäre Verkennungen,
akustische, optische, olfaktorische oder taktile Halluzinationen, kein
Gedankenausbreiten oder Fremdbeeinflussungserlebnisse, keine Zwangsgedanken. Im
Weiteren wurden auch im Rahmen der orthopädischen Untersuchung keine
auffälligen Befunde erhoben. Daher hielt Dr. med. M.___ fest, in
Anbetracht des klinisch weitgehend blanden Befundes werde auf die Anfertigung
von Bilddokumenten verzichtet (S. 16 unten). Die vom Beschwerdeführer
gemachten Angaben, wonach die Beweglichkeit des rechten Beines wieder ein sehr
gutes Niveau erreicht habe, wenngleich er nicht springen könne und beide
Ellbogen radialseitig an den «Schläuchen» schmerzten und er den rechten Daumen
nur unvollständig strecken könne (S. 13), lassen sich aufgrund der
durchgeführten gutachterlichen Untersuchungen verifizieren. So wurden dabei u.a.
ein flüssiges, zügiges Treppenabgehen im Wechselschritt, ein hinkfreier Fersen-
und Zehengang beidseits über mehrere Meter ohne Absinken sowie orthograde Bein-
sowie Rückfussachsen und keine Seitendifferenz bei der Prüfung der Beinlängen festgestellt
(S. 14). Am IP des rechten Daumens liege zudem ein deutliches aktives
Streckdefizit vor, passiv könne aber die Endstellung erreicht werden (S. 15).
Aufgrund dieser gutachterlichen Feststellungen erscheint schlüssig, dass Dr.
med. M.___ zusammenfassend festhielt, die vom Beschwerdeführer seitens des
Bewegungsapparates angegebene, weitgehende Beschwerdefreiheit lasse sich durch
die klinischen und radiologischen Befunde durchaus nachvollziehen (S. 17
oben). Die bei der neurologischen Begutachtung durch den Beschwerdeführer
beklagte Sensibilitätsverminderung in den Fingern der rechten Hand (S. 18)
wurde durch den neurologischen Experten Dr. med. Q.___ aufgrund der
durchgeführten neurographischen Untersuchung als leichte residuelle Läsion
(sensibel) des N. radialis beurteilt (S. 21). Ein neuropathischer Schmerz
sowie eine funktionelle Einschränkung könnten ausgeschlossen werden. Betreffend
die deutlich vermehrte Ermüdbarkeit habe der Beschwerdeführer auf der Schläfrigkeitsskala
einen normalen Wert von 9 erreicht (S. 20). Die in diesem Zusammenhang
durchgeführte Pulsoxymetrie vom 9. März 2015 (S. 19) ergab lediglich
ein leichtes Schlafapnoesyndrom. Es erscheint daher schlüssig, wenn Dr. med. Q.___
ausführte, eine weitere Abklärung mittels Polysomnographie dränge sich zum
jetzigen Zeitpunkt nicht auf, da unter Berücksichtigung der anamnestischen
Angaben (seltenes Schnarchen, keine Atempausen, keine Aufwachreaktion mit nach
Luftringen, kein vermehrtes Schwitzen) die Wahrscheinlichkeit eines relevanten
pathologischen Befundes als gering anzusehen sei (S. 21). Die vermehrte
Müdigkeit stehe wahrscheinlich im Zusammenhang mit der ophthalmologischen
Störung. Diese Beurteilung erscheint plausibel, zumal der neurologische Experte
anschliessend ausführte, dass dazu die Angaben des Beschwerdeführers passen
würden, wonach es bei der konzentrierten Tätigkeit am Bildschirm zu einer
raschen Ermüdung komme. Da sich die Resultate der durchgeführten
neuropsychologischen Testverfahren unauffällig präsentierten und der
Beschwerdeführer im Bereich der Intelligenz überdurchschnittlich leistungsfähig
sei, erscheint schlüssig, dass lic. phil. L.___ keine neuropsychologische
Diagnose auswies und auch keine Massnahmen empfahl (S. 24). In Bezug auf
die durch den Beschwerdeführer beklagte persistente Geruchsstörung bei
erhaltenem Geschmackssinn führte Dr. med. O.___ in seiner
otorhinolaryngologischen Beurteilung aus (S. 26), es könnten aufgrund der
Untersuchungsbefunde aktuell eine persistente Anosmie bei endoskopisch
endonasal, ausser von Schleimhaut bedecktem Osteosynthesematerial im Bereich
des linksseitigen Nasenbodens, unauffälligen strukturellen Befunden,
objektiviert werden (S. 26). Diese Einschätzung überzeugt, zumal der
Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtung die Geruchsprobe beidseits nicht
erkannt habe (S. 26). Gestützt auf die bei der ophthalmologischen
Begutachtung erhobenen Befunde mit u.a. eingeschränkter Augenbeweglichkeit am
rechten Auge in alle Blickrichtungen sowie einer Innenschielung (S. 29)
erscheint schlüssig, wenn der ophthalmologische Gutachter Dr. med. P.___
darlegte, es bestehe eine deutliche Motilitätseinschränkung am rechten Auge mit
Doppelbildwahrnehmung, welche insbesondere in der Nähe (Blick nach nasal und
unten) störend sei. In der Ferne bei Geradeausblick bestehe keine
Doppelbildwahrnehmung.

 

Damit kann dem Gutachten der
Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai 2015 grundsätzlich Beweiswert
zugesprochen werden.

 

8.2     Nachfolgend ist zu prüfen, ob
die vor dem Gutachten verfassten medizinischen Berichte den grundsätzlich
beweiswertigen Ausführungen und Diagnosestellungen im Gutachten der
Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai 2015 allenfalls entgegenstehen.

 

8.2.1  In Bezug auf das psychiatrische
Teilgutachten von Dr. med. N.___ vom 2. Februar 2015 (Axa-Nr. M35
S. 9 ff.) ist festzuhalten, dass sich in den medizinischen Vorakten weder
Berichte von Psychiatern befinden noch eine längerdauernde psychiatrische
Behandlung stattgefunden hat. Jedenfalls ist eine solche in den vorliegenden
Akten nicht dokumentiert und der Beschwerdeführer gab bei der psychiatrischen Exploration
an, nie in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung gewesen zu sein (S. 10).
In diesem Sinn hielt der psychiatrische Gutachter auch fest, es fänden sich keine
Hinweise auf psychiatrische Störungen, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen
würden. Folglich wird der Beweiswert des psychiatrischen Gutachtens durch die
medizinischen Vorakten nicht geschmälert.

 

8.2.2  Betreffend das
allgemeininternistische Teilgutachten von Dr. med. K.___ vom 3. Februar
2015 (Axa-Nr. M35 S. 9) ist auf die Angaben des Hausarztes des
Beschwerdeführers, Dr. med. AE.___, auf dem Fragebogen der Beschwerdegegnerin vom
10. Oktober 2014 (vgl. E. II. 7.12 hiervor) einzugehen. Es kann
festgehalten werden, dass Dr. med. AE.___ zwar sowohl Befunde erhob als
auch Diagnosen stellte, die indes nicht dem medizinischen Fachgebiet der
Allgemeinmedizin entsprechen, auf welches er sich spezialisiert hat. Zudem
wurde die durch ihn attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % einzig mit der
nach vier Stunden aufkommenden extremen Müdigkeit begründet. Diese Beurteilung wird
nicht in nachvollziehbarer Weise hergeleitet. Daher kann nicht ausgeschlossen
werden, dass die Annahme, nach vier Stunden trete eine extreme Müdigkeit auf, lediglich
auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers beruht. Es kommt hinzu, dass
Dr. med. AE.___ auch persönliche Erfahrungen aus einem eigenen Unfall einbezog
(vgl. E. II. 7.12 hiervor am Ende); dies kann unter therapeutischen
Aspekten sinnvoll und sogar vorteilhaft sein, es führt aber im vorliegenden
Zusammenhang dazu, dass seine Stellungnahme nicht mehr den Charakter einer
ausschliesslich fachmedizinischen Beurteilung hat. In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten ist zudem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/cc S. 353. In diesem Sinn führte auch der
allgemeininternistische Experte Dr. med. K.___ aus, die attestierten
Arbeitsunfähigkeiten des Beschwerdeführers seien in den Akten nicht ganz klar,
hausärztlich sei er 30 % arbeitsunfähig geschrieben, dies wegen
verschiedener Probleme nach dem Trauma. Allgemeininternistische Befunde und
Diagnosen habe der Hausarzt nicht angeführt. Der Beweiswert des
allgemeininternistischen Teilgutachtens wird somit durch den hausärztlichen
Bericht nicht verringert.

 

8.2.3  Betreffend das orthopädische
Teilgutachten von Dr. med. M.___ vom 2. Februar 2015 (Axa-Nr. M35
S. 13 ff.) ist auf das Schreiben von Dr. med. I.___ vom 24. Juli 2013
(vgl. E. II. 7.8 hiervor) einzugehen. Gemäss der Einschätzung des
Orthopäden Dr. med. I.___ sei der Beschwerdeführer von Seiten der Verletzungen
(wahrscheinlich auch mit dem getragenen Sicherheitsgurt) spätestens nach sechs
Monaten, somit Ende Mai 2012, in seiner angestammten Tätigkeit als
selbständiger IT-Unternehmer wieder uneingeschränkt arbeits- und
leistungsfähig. Diese Beurteilung teilte Dr. med. M.___. So führte er aus,
dieser Einschätzung sei aufgrund der heutigen Untersuchung klar zu folgen (S. 17).
Es könne für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten
einschliesslich jener im angestammten Bereich spätestens sechs Monate nach dem
am 15. November 2011 erlittenen Autounfall von einer zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Dabei
verwies Dr. med. M.___ explizit auf das Schreiben von Dr. med. I.___ vom
24. Juli 2013. Demnach ergeben sich zwischen den beiden orthopädischen
Fachärzten keine divergierenden Beurteilungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit.

 

Eingehend auf die Berichte des E.___ vom
12. Januar und 13. März 2012 (vgl. E. II. 7.2 und 7.4 hiervor), in
welchen sechs Wochen nach der operativ versorgten Azetabulum- und Radiusfraktur
ein subjektiv sehr guter Verlauf ausgewiesen und festgehalten wurde, dass der
Beschwerdeführer auf eine Physiotherapie verzichtet habe, da er es auch so
schaffe und die Bewegung der Hüfte schmerzfrei möglich und die klinische
Untersuchung weitgehend unauffällig waren, hielt Dr. med. M.___ fest, der
Einschätzung, wonach der Beschwerdeführer seit dem 1. März 2012 wieder zu
20 % arbeitsfähig gewesen sei, könne aufgrund der heutigen Untersuchung
klar zugestimmt werden (S. 17 unten). Es liegen somit auch insoweit keine
unterschiedlichen Beurteilungen vor.

 

Der Beweiswert des orthopädischen
Teilgutachtens wird durch die vorangehend verfassten medizinischen Berichte
nicht in Frage gestellt.

 

8.2.4  Da sich in den medizinischen
Akten keine neurologischen Berichte oder Untersuchungen finden und Dr. med. Q.___
in seinem neurologischen Teilgutachten vom 4. Februar 2015 (Axa-Nr. M35
S. 18 ff.) auch ausführte, es liege keine neurologische Vorbeurteilung vor
(S. 21 unten), wird der Beweiswert des neurologischen Teilgutachtens durch
die medizinischen Vorakten nicht beeinträchtigt.

 

8.2.5  Auch in Bezug auf das
neuropsychologische Teilgutachten sind in den vorliegenden Akten keine neuropsychologischen
Berichte ersichtlich. So führte lic. phil. L.___ im neurologischen
Teilgutachten vom 5. Februar 2015 (Axa-Nr. M35 S. 22 ff.) auch
aus, es seien keine vorbestehenden neuropsychologischen Untersuchungen bekannt.
Daher wird der Beweiswert des neuropsychologischen Teilgutachtens nicht durch
vorangehende medizinische Berichte verringert.

 

8.2.6  Im otorhinolaryngologischen
Teilgutachten vom 6. Februar 2015 (Axa-Nr. M35 S. 24ff.) hielt
Dr. med. O.___ fest, es fänden sich keine eigentlichen vorgängigen
otorhinolaryngologischen / otoneurologischen Untersuchungsbefunde, so
dass diesbezüglich keine Stellungnahme möglich sei (S. 27). Dieser
Einschätzung kann gefolgt werden. So sind keine früheren otorhinolaryngologischen
Berichte und Untersuchungen aktenkundig. Die Problematik betreffend die
unfallbedingten Zahnschäden und die entsprechenden Behandlungsmassnahmen (vgl.
E. II. 7.3, 7.6 f. hiervor) flossen in das Teilgutachten mit ein und waren dem
Gutachter somit bekannt (S. 25). Aufgrund der wegen der traumatisch
verlorenen Zähne und Zahnabsplitterungen durchgeführten zahnmedizinischen
Eingriffe vermag einzuleuchten, dass Dr. med. O.___ bei seiner Untersuchung im
Rahmen des HNO-Status u.a. zum Ergebnis gelangte, dass die Kiefergelenke
beidseits leicht subluxiert seien und deshalb eine leichtgradige
Kiefergelenksdysfunktion beidseits feststellte (S. 26 unten). In
Übereinstimmung mit der bereits durch den Hausarzt Dr. med. AE.___ im Fragebogen
vom 10. Oktober 2014 (vgl. E. II. 7.12 hiervor) ausgewiesenen Diagnose
einer «100%igen Anosmie» ging Dr. med. O.___ aufgrund seiner durchgeführten
Untersuchungen ebenfalls von einer Anosmie aus. Es kann diesbezüglich auf das
bereits unter E. II. 8.2.2 Ausgeführte verwiesen werden, wonach der
otorhinolaryngologischen Befund- und Diagnosestellung von Dr. med. AE.___ nicht
ohne Weiteres gefolgt werden kann, da er sich auf das medizinische Fachgebiet
der Allgemeinmedizin spezialisiert hat. Insgesamt vermögen die vorangehenden
medizinischen Akten den Beweiswert des otorhinolaryngologischen Teilgutachtens
jedenfalls nicht zu vermindern.

 

8.2.7  In Bezug auf das
ophthalmologische Teilgutachten von Dr. med. P.___ (Axa-Nr. M35 S. 27
ff.) kann festgehalten werden, dass sich der Gutachter mit den vorangehenden
medizinischen Vorakten nicht substantiiert auseinandersetzte. Dieses Vorgehen
ist indes vorliegend nicht zu beanstanden, da in den vorangehenden Berichten im
Wesentlichen der Verlauf betreffend die Augenproblematik wiedergegeben wird. So
wurde bereits im Austrittsbericht des E.___ vom 6. Dezember 2011 (vgl. E.
II. 7.1 hiervor) festgehalten, dass eine Abduzensparese vorliege und der
Beschwerdeführer ambulant erneut zu einer Orthoptik aufgeboten werde. Dementsprechend
diagnostizierte auch Dr. med. V.___ im Bericht vom 18. April 2012 (vgl. E.
II. 7.5 hiervor) eine «Abduzens- und Trochlearisparese rechts». Es sei kein
Behandlungsende in Sicht. Im Rahmen der Verlaufskontrolle im E.___ vom
25. Februar 2014 (vgl. E. II. 7.9 hiervor) wurde ein positiver
postoperativer Verlauf nach der Durchführung zweier operativer Eingriffe vom
14. August und 18. Dezember 2013 festgehalten. Dennoch wurde im
Bericht vom 2. April 2014 (vgl. E. II. 7.10 hiervor) ausgeführt, dass der
Behandlungsabschluss aktuell noch nicht vorhersehbar und aus ophthalmologischer
Sicht noch kein Endzustand gegeben sei. Im Bericht des E.___ vom 3. Juli
2014 (vgl. E. II. 7.11 hiervor) wurde zudem von einem schönen
Operationsergebnis berichtet, wobei bei Abblick mit der Gleitsichtbrille noch
immer leichte Doppelbilder vorhanden seien, was v.a. beim Lesen störend sei.
Man fertige eine neue Gleitsichtbrille mit hochgezogenem Nahteil an. Somit
ergeben sich aus den medizinischen Vorakten keine dem ophthalmologischen
Teilgutachten widersprechenden Beurteilungen. Da der Beschwerdeführer auch bei
der ophthalmologischen Begutachtung im Rahmen des Gutachtens der
Begutachtungsstelle J.___ von einer Doppelbildwahrnehmung berichtete, die sich
zwar nach der Schieloperation vom Dezember 2013 verbessert habe, er aber in der
Nähe und in PC-Distanz noch immer Doppelbilder wahrnehme (S. 28), was sich
aufgrund der durchgeführten gutachterlichen Untersuchungen bestätigen liess,
indem sich beim simultanen Abdecktest in der Nähe eine Innenschielung
(S. 29 oben) und eine eingeschränkte Augenbeweglichkeit am rechten Auge in
alle Blickrichtungen zeigten, ist keine unterschiedliche Beurteilung der
Augenproblematik gegenüber den medizinischen Vorakten ersichtlich. 

 

8.3     Zusammenfassend vermögen die vor
dem Gutachten der Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai 2015 verfassten
medizinischen Berichte dessen Beweiswert nicht zu schmälern.

 

8.4     Zu prüfen ist weiter, ob die
zeitlich nach dem Gutachten der Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai 2015
erstatteten Berichte dessen Beweiswert zu erschüttern vermögen:

 

8.4.1  Im Bericht der Augenklinik des E.___
vom 1. Dezember 2015 (vgl. E. II. 7.14 hiervor) werden dieselben
Diagnosestellungen ausgewiesen, wie bereits in den vor dem Gutachten vom
15. Mai 2015 verfassten Berichten vom 25. Februar 2014 und
3. Juli 2014 (vgl. E. II. 7.9 und 7.11 hiervor). Zudem wurde ein positiver
Verlauf aufgezeigt, indem die Verlaufskontrollen vom Juli und September 2015 beim
Beschwerdeführer im alltäglichen Leben eine kaum störende Situation mit
leichten Doppelbildern gezeigt hätten. So bestünden v.a. beim Lesen stabile
orthoptische und ophthalmologische Befunde. Entsprechende Angaben machte der
Beschwerdeführer bereits während der gutachterlichen Exploration bei Dr. med. P.___,
wo er angab, er nehme noch Doppelbilder in der Nähe und in der PC-Distanz wahr
(Axa-Nr. M35 S. 27). Weiter wurde im Bericht vom 1. Dezember
2015 ein subjektiv deutlich besserer zentraler Fusionsblick ausgewiesen.
Folglich lässt sich in Bezug auf das ophthalmologische Teilgutachten von Dr.
med. P.___ keine wesentliche gesundheitliche Veränderung feststellen. Damit
wird der Beweiswert des ophthalmologischen Teilgutachtens nicht geschmälert.

 

8.4.2  Im Bericht vom 16. Juli 2016
des E.___, Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie (vgl. E.
II. 7.15 hiervor), wird eine neue Diagnose im Sinne eines «subkutanen
Strecksehnenausriss Mittelfinger rechts seit circa drei Monaten» ausgewiesen. Es
ist somit davon auszugehen, dass sich der Strecksehnenausriss am rechten
Mittelfinger ungefähr im April 2016 und damit erst nach dem hier relevanten
Zeitpunkt vom 15. November 2011 ereignet hat. Da kein Zusammenhang mit
diesem Unfallereignis ersichtlich ist oder geltend gemacht wird, ist diese neue
Diagnosestellung für die Beurteilung der hier streitigen Fragen nicht zu
berücksichtigen.

 

8.4.3  Der Beweiswert des
polydisziplinären Gutachtens der Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai
2015 wird somit durch die zeitlich später verfassten medizinischen Berichte
nicht infrage gestellt.

 

8.5     Es ist nachfolgend auf die durch
den Beschwerdeführer gegen das Gutachten der Begutachtungsstelle J.___
erhobenen inhaltlichen Einwände einzugehen: Der Beschwerdeführer stellt sich
auf den Standpunkt (A.S. 32, 37 f.), dass seine in den gutachterlichen
Untersuchungen immer wieder vorgebrachten Schilderungen, wonach seine
Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nach zwei bis drei Stunden
konzentrierter Arbeit enorm abfalle, er auch viel schneller ermüde,
gelegentlich sogar einschlafe und so nicht mehr zu den gleichen Leistungen
fähig sei wie vor dem schweren Unfall mit Schädel-Hirntrauma, im Gutachten
nicht getestet und auch medizinisch nicht näher abgeklärt worden sei. Diesem
Vorbringen kann nicht gefolgt werden. So wurde im Rahmen des neurologischen
Teilgutachtens auf die durch den Beschwerdeführer geschilderte, deutlich
vermehrte Ermüdbarkeit eingegangen (Axa-Nr. M35 S. 21 Mitte). Dabei
wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer keine exzessive
Tagesschläfrigkeit im engeren Sinn beschreibe. Entsprechend erreiche der
Beschwerdeführer auf der Schläfrigkeitsskala einen normalen Wert von 9 Punkten.
Das Vorliegen eines relevanten Schlafapnoesyndroms konnte sodann aufgrund der
durchgeführten Pulsoxymetrie ausgeschlossen werden. Ein leichtes Schlafapnoesyndrom
könne dennoch vorliegen. In diesem Zusammenhang hielt Dr. med. Q.___ fest, dass
unter Berücksichtigung der anamnestischen Angaben zum jetzigen Zeitpunkt die
Wahrscheinlichkeit eines relevanten pathologischen Befundes via
Polysomnographie als gering anzusehen sei. Die vermehrte Müdigkeit stehe wohl
im Zusammenhang mit der ophthalmologischen Störung. Diese gutachterliche
Einschätzung ist nachvollziehbar, da der Beschwerdeführer bei der Exploration
gegenüber dem ophthalmologischen Experten Dr. med. P.___ u.a. angab
(Axa-Nr. M35 S. 27 unten), auch nach den Operationen im Jahr 2013
noch immer Doppelbilder wahrzunehmen, dies in der Nähe und in der PC-Distanz.
Besonders beim Wechsel von PC-Distanz zur Nahdistanz (circa 30 – 40
cm) sehe er immer wieder doppelt und müsse dann ein Auge schliessen. Daher
ermüde ihn die PC-Arbeit und Naharbeit sehr und er müsse immer wieder Pausen
einlegen. Es wurde daher im Rahmen der gutachterlichen Gesamtbeurteilung festgehalten,
dass Tätigkeiten mit der Notwendigkeit für ein Stereosehen sowie potenziell
gefährliche Arbeiten, bspw. auf Gerüsten und an schnell drehenden Maschinen,
aus ophthalmologischer Sicht nicht geeignet seien. Für Arbeiten mit einer
durchschnittlichen Anforderung an die Sehfähigkeit, so auch die vom
Beschwerdeführer ausgeführte, bestehe eine Einschränkung von 20 %. Dies
sei aufgrund der übermässigen Kompensation bezüglich der Doppelbilder einem
erhöhten Pausenbedarf geschuldet (Axa-Nr. M35 S. 31 unten). Aufgrund
dieser Darlegungen erweist sich das Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht stichhaltig.
Es kann somit nicht – wie es der Beschwerdeführer formuliert (A.S. 32 f.) –
von einem unvollständigen Gutachten der Begutachtungsstelle J.___ ausgegangen
werden.

 

8.6     Zusammenfassend vermögen weder
die übrigen medizinischen Akten noch das Vorbringen des Beschwerdeführers den
Beweiswert des Gutachtens der Begutachtungsstelle J.___ vom 15. Mai 2015
zu schmälern. Diesem ist der volle Beweiswert zuzusprechen. Die
Beschwerdegegnerin hat somit in ihrem Einspracheentscheid vom 27. März
2018 (A.S. 1 ff.) zu Recht auf dieses polydisziplinäre Gutachten
abgestellt. Es ist daher in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers von den Einschätzungen in diesem Gutachten auszugehen: Damit
besteht beim Beschwerdeführer ab Juli 2012 für körperlich leichte bis
mittelschwere adaptierte Tätigkeiten, was auch auf die angestammte Tätigkeit
zutreffe, eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit, die vollschichtig
realisierbar ist (Axa-Nr. M35 S. 32 unten). Zuvor, seit dem Unfall
vom 15. November 2011, war die Arbeitsfähigkeit aufgehoben. Es ist zudem
vom Endzustand – im Sinne des Erreichens des Fallabschlusses (vgl.
E. II. 3.1 hiervor) auszugehen (S. 36).

 

9.       Wie bereits in E. II. 2 hiervor
ausgeführt, hat die versicherte Person Anspruch auf ein Taggeld, sofern sie
infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig ist (Art. 16
Abs. 1 UVG). 

 

9.1     Taggeldabrechnungen ergehen
regelmässig nicht in Verfügungsform, sondern formlos (vgl. Art. 51 ATSG). Nach
einer bestimmten Frist erlangen sie jedoch Rechtsbeständigkeit, auch wenn keine
formelle Verfügung verlangt und erlassen wird. So kann der Versicherungsträger bereits
nach Ablauf einer Zeitspanne, die der Rechtsmittelfrist bei formellen
Verfügungen entspricht (also nach 30 Tagen, vgl. Art. 52 Abs. 1 ATSG), in einer
unbeanstandet gebliebenen faktischen Verfügung zugesprochene
Versicherungsleistungen nur unter den Voraussetzungen der Wiedererwägung oder
der prozessualen Revision zurückfordern (BGE 129 V 110; für die
Unfallversicherung z.B. Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018
E. 3.1). Gegenüber der versicherten Person werden Taggeldabrechnungen rechtsbeständig,
wenn nicht innert 90 Tagen ab ihrer Eröffnung eine anfechtbare Verfügung
verlangt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_340/2018 vom 16. Mai 2019
E. 4.2 mit Hinweisen). 

 

9.2     

9.2.1  Der Beschwerdeführer lässt
vorbringen (A.S. 43), er sei von der Beschwerdegegnerin nie «als
versicherte Person informiert worden», wie sich der für das Taggeld massgebende
versicherte Verdienst berechne, wie hoch dieser sei und wie sich gestützt
darauf der Taggeldsatz ableite. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdegegnerin
in ihrer Replik vom 4. Juli 2018 (A.S. 58) auf den Standpunkt, die
Taggeldabrechnungen seien immer der Firma B.___ zugestellt worden. Als
Geschäftsführer dieser Firma hätten diese Abrechnungen dem Beschwerdeführer
bekannt sein müssen. Aufgrund der durch die Beschwerdegegnerin eingereichten
Taggeld-Abrechnungen vom 19. Dezember 2011 bis 31. März 2015 kann
davon ausgegangen werden, dass diese stets an die korrekte Adresse der Firma B.___,
welche mit der Privatadresse des Beschwerdeführers identisch ist, zugestellt
wurden. Diese Zustellung an sein Domizil ist dem Beschwerdeführer als Gesellschafter
und Geschäftsführer der Firma (gemäss Handelsregister [www.zefix.ch, besucht am
17. Juni 2019], versah er diese Funktionen während des gesamten hier
interessierenden Zeitraums) zuzurechnen. Es ist davon auszugehen, dass er die
Abrechnungen zur Kenntnis nehmen konnte und die Möglichkeit gehabt hätte, sie
zu beanstanden. Die Argumentation, er sei über die Taggeldhöhe nicht noch
separat «als versicherte Person informiert» worden, verdient unter dem Aspekt
von Treu und Glauben keinen Rechtsschutz. Aus den Abrechnungen kann der
versicherte Verdienst ohne weiteres entnommen werden. Die Rechtsbeständigkeit
gegenüber dem Beschwerdeführer ist somit nach Ablauf von drei Monaten seit der
Zustellung der jeweiligen Abrechnung eingetreten. Der Beschwerdeführer liess
die Taggeldabrechnungen erstmals mittels E-Mail vom 6. Februar 2015
(Axa-Nr. A55) beanstanden. Damals waren die Abrechnungen vom
26. November, 17. Dezember 2014, 21. Januar und vom 31. März
2015 noch nicht rechtsbeständig geworden. Die vorangehenden Taggeldabrechnungen
können dagegen nicht mehr überprüft werden, zumal kein Anhaltspunkt dafür
besteht, dass die Voraussetzungen einer prozessualen Revision nach Art. 53 Abs.
1 ATSG erfüllt sein könnten, während eine Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG)
bereits deshalb ausscheidet, weil das Gericht den Versicherungsträger nicht
dazu verhalten kann (BGE 133 V 50). Soweit die Abrechnungen nicht
rechtsbeständig geworden sind und im vorliegenden Verfahren überprüft werden
können, ist eine allseitige Überprüfung vorzunehmen. Diese umfasst auch das
Argument der Beschwerdegegnerin, die Taggelder seien zu hoch angesetzt worden
(vgl. BGE 122 V 19; 138 V 298). 

 

9.2.2  Die Beschwerdegegnerin will
ihrerseits die Taggeldbemessung der ersten beiden Jahre nach dem Unfall durch
eine nachträgliche Kürzung wegen Selbstverschuldens (vgl. Art. 37 Abs. 2
UVG) modifizieren, weil der Beschwerdeführer den Sicherheitsgurt nicht getragen
habe. Ihr gegenüber ist die Rechtsbeständigkeit der entsprechenden
Taggeldabrechnungen ebenfalls längst eingetreten (vgl. E. II. 9.1 hiervor).
Eine nachträgliche Korrektur wäre nur unter den Voraussetzungen einer
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder einer prozessualen Revision (Art. 53
Abs. 1 ATSG) möglich. 

 

9.3     

9.3.1  Laut Art. 15 Abs. 1 UVG
werden Renten und Taggelder nach dem versicherten Verdienst bemessen. In
zeitlicher Hinsicht legt Art. 15 Abs. 2 UVG fest, dass sich der
versicherte Verdienst für die Bemessung der Taggelder anders bestimmt als jener
für die Renten. Grundlage der Berechnung des versicherten Verdienstes für die
Taggeldbemessung ist gemäss Art. 15 Abs. 2 Halbsatz 1 UVG der «letzte
vor dem Unfall bezogene Lohn» («dernier salaire reçu»; «ultimo salario
riscosso»). Dieser Wortlaut bringt zum Ausdruck, dass der tatsächliche
Lohnbezug als massgebendes Kriterium zu betrachten ist. Damit orientiert sich
die Taggeldbemessung unmittelbar an jenem Einkommen, welches der verunfallten
Person durch den Eintritt des versicherten Risikos entgeht (BGE 135 V 287
E. 4.3 S. 291; André Pierre Holzer: Der versicherte Verdienst in der
obligatorischen Unfallversicherung, SZS 2010 S. 201 ff., 212; André Ghélew / Olivier
Ramelet / Jean-Baptiste Ritter: Commentaire de la loi sur
l'assurance-accidents [LAA], 1992, S. 86). Das Taggeld wird somit
grundsätzlich während der ganzen Bezugsdauer nach dem gleichen Verdienst
bemessen. Prinzipiell nicht massgebend ist dagegen, was die versicherte Person
nach dem Unfall verdient hätte (Jean-Maurice Frésard / Margit
Moser-Szeless: L'assurance-accidents obligatoire, in: Ulrich Meyer [Hrsg.] Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht [SBVR] Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage
2016, S. 956, Rz. 179). 

 

9.3.2  Nach der Grundregel von
Art. 22 Abs. 3 UVV bildet Grundlage für die Bemessung der Taggelder
der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, einschliesslich noch nicht
ausbezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht (Art. 22
Abs. 3 Satz 1 UVV). Beim «letzten bezogenen Lohn» handelt es sich in der
Regel um den Monats-, Wochen- oder Stundenlohn. Dieser wird auf ein volles Jahr
umgerechnet und durch 365 geteilt (Art. 17 Abs. 3 UVG in Verbindung
mit Art. 25 Abs. 1 UVV und Anhang 2 UVV; BGE 128 V 298 E. 2a
S. 299 f.). Der Anspruch ist während der ganzen Dauer der
Arbeitsunfähigkeit (Art. 16 Abs. 2 UVG) für alle Tage geschuldet,
einschliesslich der Sonn- und Feiertage (Art. 25 Abs. 1 UVV),
unabhängig von einer während der Arbeitsunfähigkeit erfolgten Änderung oder
Auflösung des Arbeitsverhältnisses (Frésard / Moser-Szeless, a.a.O.,
S. 896 Rz. 159; vgl. auch BGE 134 V 392, 139 V 464 E. 2.2 S. 467).

 

9.4     Im vorliegenden Fall ist somit
der vor dem Unfallereignis vom 15. November 2011 durch den
Beschwerdeführer zuletzt bezogene Lohn zu eruieren. Dazu sind im Wesentlichen
die folgenden Unterlagen relevant:

 

9.4.1  Der Schadenmeldung UVG vom
13. Dezember 2011 (Axa-Nr. A1) ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer seit dem 15. September 2003 in der Firma B.___, [...], in
einem Arbeitspensum von 100 % (38 Stunden pro Woche) als CIM Fachmann
IBB erwerbstätig war. Der vertragliche Grundlohn wurde mit CHF 51'000.00 +
Kinderzulagen von CHF 9'600.00 angegeben. Zudem wurde festgehalten, dass
der Beschwerdeführer bei einem weiteren Arbeitgeber, der Firma C.___, [...],
angestellt war. Dort bestand, wie bereits erwähnt, eine auf Berufsunfälle
beschränkte obligatorische Versicherung bei der D.___. 

 

9.4.2  Aus der Schadenmeldung UVG vom
23. Januar 2012 (Axa-Nr. A54) geht hervor, dass der Beschwerdeführer
seit dem 1. Oktober 2011 bei der Firma C.___, [...], in einem
Arbeitspensum von 10 % (4,3 Stunden pro Woche) als Qualitätsmanager
angestellt war. Sein vertraglicher Grundlohn betrug monatlich CHF 1'100.00
inkl. 13. Monatslohn.

 

9.4.3  Dem Rapport der
Unfallversicherung D.___ vom 3. April 2012 (Beschwerdebeilage Nr. 4, D.___-Nr. 14)
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei der Firma C.___ für die
EDV-Einrichtung, Schulung und den Support zuständig sei. Der Lohn betrage CHF 1'100.00
pro Monat (x 13). Der Beschwerdeführer habe zudem eine eigene EDV-Firma,
die Firma B.___, [...]. Das Geschäftsdomizil sei an seinem Wohnort. Er sei
Alleininhaber und einziger Mitarbeiter. Er biete Informatiklösungen für
KMU-Betriebe an. Er habe andere Auftraggeber, wie die Firma C.___. Seit dem
Unfall habe er noch keine davon verloren. 

 

9.4.4  Die Abklärungsfachfrau der
IV-Stelle AI.___ führte im Abklärungsbericht vom 19. Dezember 2013
(Beschwerdebeilage Nr. 6, IV-Nr. 20) die Geschäftsabschlüsse der
Firma B.___ wie folgt auf: Im Jahr 2006 betrugen die Löhne total
CHF 91'419.13 und der Gewinn CHF 2'261.60 (inkl. Lohn Partner,
AHV-Lohnabrechnung fehle noch). Im Jahr 2007 betrugen die Löhne total
CHF 96'612.75 und der Verlust CHF 6.09 (inkl. Lohn Partner,
AHV-Lohnabrechnung fehle noch). Im Jahr 2008 beliefen sich die Löhne total auf
CHF 105'672.00 und der Verlust auf CHF 300.26 (inkl. Lohn Partner,
AHV-Lohnabrechnung fehle noch). Im Jahr 2009 betrugen die Löhne total
CHF 74'736.00 und der Gewinn CHF 1'986.43 (inkl. Lohn Partner,
AHV-Lohnabrechnung fehle noch). Im Jahr 2010 beliefen sich die Löhne total auf
CHF 75'794.62 und der Gewinn auf CHF 4'445.82 (inkl. Lohn Partner,
AHV-Lohnabrechnung fehle noch). Im Jahr 2011 betrugen die Löhne total
CHF 46'916.25 und der Verlust CHF 86'244.39 (inkl. Lohn Partner,
AHV-Lohnabrechnung fehle noch). Im Jahr 2012 betrugen die Löhne
CHF 23'621.79 und der Verlust CHF 19'863.89. Der Partner des
Beschwerdeführers sei im Jahr 2011 krankheitsbedingt aus der Firma
ausgestiegen. 

 

9.4.5  Den Auszügen aus dem
individuellen Konto der Ausgleichskasse des Kantons [...] vom 1. Juli 2013
und 14. April 2015 (IV-Nr. 13 und Axa-Nr. A72) ist Folgendes zu
entnehmen. Der Beschwerdeführer erzielte im Jahr 2009 in der Firma B.___ ein
Einkommen von CHF 46'800.00 und als Selbständigerwerbender ein solches von
CHF 8'991.00. Im Jahr 2010 erzielte er ein Einkommen von
CHF 38'400.00 in der Firma B.___ und CHF 8'991.00 als
Selbständigerwerbender. Im Jahr 2011 erzielte er ein Einkommen von
CHF 42'356.00 bei der Firma B.___ (vgl. dazu auch die
AHV-Lohnbescheinigung 2011, IV-Nr. 19 S. 10), CHF 9'094.00 als
Selbständigerwerbender sowie von Oktober bis Dezember 2011 ein Einkommen von
CHF 3'575.00 bei der Firma C.___. Im Jahr 2012 erzielte er bei der Firma B.___
ein Einkommen von CHF 27'610.00 und bei der Firma C.___ von
CHF 14'300.00. Im Jahr 2013 betrug sein Einkommen bei der Firma B.___
CHF 10'452.00 und bei der Firma C.___ CHF 28'100.00. Im Jahr 2014
erhielt der Beschwerdeführer im Oktober 2014 eine EO-Entschädigung von
CHF 243.00 und erzielte bei der Firma C.___ ein Einkommen von
CHF 75'200.00.

 

9.4.6  Am 2. Juni 2015 beantwortete
die Firma C.___ die Fragen der Beschwerdegegnerin (Axa-Nr. A75). Dabei gab
sie an, der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt des Unfalls vom 15. November
2011 als Qualitätsmanager zu 10 % (4,3 Stunden pro Woche) mit einem
Verdienst von CHF 14'300.00 pro Jahr angestellt gewesen. Diese Angaben
stimmen mit denjenigen im «Dienstvertrag» vom 13. September 2011
(IV-Nr. 30 S. 2 f.) überein. Das Arbeitsverhältnis sei nicht
aufgelöst worden. Die Lohnzahlungen seien ohne Kürzung weitergeleistet worden.
Es sei vom 15. November 2011 bis 7. März 2012 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % geltend gemacht worden. Der Lohn sei immer zu 100 %
ausbezahlt worden. Seit Oktober 2013 sei der Beschwerdeführer als
Qualitätsmanager und Projektleiter KVP in einem Arbeitspensum von 30 %
angestellt (13 Stunden pro Woche). Der Verdienst betrage
CHF 67'600.00 pro Jahr. Das Arbeitsverhältnis sei angepasst worden. Dem
«Dienstvertrag» vom 27. September 2013 (IV-Nr. 30 S. 4 f.) ist diesbezüglich
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seine Tätigkeit bei der Firma C.___ in
der Abteilung Qualitätssicherung als Qualitätsmanager am 1. Oktober 2013 aufnehme.
Das Gehalt betrage monatlich brutto CHF 16'000.00 (x 13 bei
100 %). Die Arbeitszeit betrage 14 Stunden pro Woche (32,5 %, da
43 Stunden 100 % entsprächen).

 

9.4.7  Mit Schreiben vom 25. Januar
2016 (Axa-Nr. A97 Beleg-Nr. 2) bestätigte die Firma C.___, dass der
Beschwerdeführer am 1. Oktober 2011 die Tätigkeit als Management System
Verantwortlicher im Teilzeitpensum angetreten habe. Beim Anstellungsgespräch
hätten sie dem Beschwerdeführer die Ausbauziele (Auditierung weiterer
Zertifikate, usw.) deklariert und ihm in Aussicht gestellt, dass er sein Pensum
entsprechend den erreichten Ausbauzielen aufstocken könnte. Beim Antritt seien
die für das Erreichen der Ziele erforderlichen Kompetenzen festgelegt und die
notwendigen Weiterbildungskurse besprochen worden. Diese habe der
Beschwerdeführer bereits im ersten Quartal 2012 besuchen können. Nach einem
ersten Weiterbildungsblock sei das Teilzeitpensum des Beschwerdeführers erhöht
worden. Zwischenzeitlich seien, gemäss den Zielen, zwei neue Zertifikate
auditiert worden und das Pensum des Beschwerdeführers habe erneut ausgebaut
werden können. Im Moment sei wegen der reduzierten Leistungsfähigkeit kein
weiterer Ausbau der Anstellung möglich bzw. vorgesehen. Weiterbildungskurse
würden vom Beschwerdeführer nach Bedarf weiter besucht.

 

9.4.8  Dem Auszug aus dem Individuellen
Konto (IK) des Beschwerdeführers bei der Ausgleichskasse [...] vom
7. Februar 2018 (Axa-Nr. A106) ist nebst den seit 1980 erzielten
Einkommen in Ergänzung zu den Angaben unter E. II. 9.3.5 hiervor zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2015 und 2016 bei der Firma C.___ ein
Einkommen von je CHF 87'360.00 erzielte. 

 

9.4.9  R.___ von der Firma C.___ hielt
im Schreiben vom 16. Februar 2018 (Axa-Nr. A108) fest, die Firma B.___
und damit der Beschwerdeführer habe in seiner Firma die EDV Geräte und Software
betreut. Die Dienstleistungen seien in allen Belangen von der Firma B.___, mit
dem Beschwerdeführer als Ansprechpartner, im Auftrag erledigt worden. 2011 habe
der Beschwerdeführer eine Festanstellung als Qualitätsmanager übernommen und
einen Büroraum neben dem Büro von R.___ bezogen. Seit seinem Unfall Ende 2011
sei seine tägliche Arbeitsfähigkeit verschieden. Es gebe Tage, an denen nach
zwei Stunden eine starke Ermüdung bemerkbar werde. Bei Gesprächen nach zwei bis
drei Stunden Arbeit falle die längere Wortsuche auf. Auch seine Kurzpausen
nähmen dann auffallend zu. Sitzungen würden aus diesem Grund am Morgen
abgehalten, Termine auf seinen Wunsch auf den Morgen gelegt. 

Aus der Sicht von R.___ seien die
18 Stunden pro Woche im Moment das Maximum. Der Beschwerdeführer könne
sich die Zeiten frei einteilen bis auf die fixierten Sitzungs- und
Audittermine. Wenn, durch Projekte oder Einführungen, diese Stundenzahl erhöht
werden müsse, werde danach eine ein- bis zweitägige Pause eingelegt. Diese 18
Sollstunden pro Woche könnten auf den Monat bezogen stets eingehalten werden.
Der Beschwerdeführer sei jedoch in der Einteilung bis auf die Enddaten bzw.
Sitzungstermine frei. Eine solche Flexibilität komme in der Firma nur bei den
Inhabern und den leitenden Angestellten in Frage. Dem Beschwerdeführer werde dieses
Zugeständnis wegen den Unfallfolgen, dem über Jahre entstandenen Vertrauen und der
Zufriedenheit, gewährt. Es würde R.___ freuen, wenn der Beschwerdeführer in
Zukunft zu 60 bis 70 % beschäftigt werden könnte.

 

9.4.10  Wie dargelegt, war der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Unfallereignisses vom 15. November 2011 zum
einen in seiner eigenen Firma B.___ zu 100 % (38 Stunden / Woche)
und zum anderen bei der Firma C.___ zu 10 % (4,3 Stunden / Woche)
erwerbstätig. Dabei erwirtschaftete er gemäss der Schadenmeldung vom
13. Dezember 2011 (vgl. E. II. 9.3.1 hiervor) in der Firma B.___ ein
Einkommen von CHF 51'000.00 + Kinderzulagen von CHF 9'600.00, total
also insgesamt CHF 60'600.00 im Jahr. Diese Angaben werden indes durch den
Auszug aus dem Individuellen Konto der Ausgleichskasse [...] vom 14. April
2015 nicht bestätigt (vgl. E. II. 9.3.5 hiervor). So wird in diesem bei der
Firma B.___ für das Jahr 2011 (Januar bis Dezember) ein Einkommen von
CHF 42'356.00 ausgewiesen. Dies entspricht auch der AHV-Lohnbescheinigung,
welche die B.___ der Ausgleichskasse einreichte (vgl. IV-Nr. 19 S. 10). Dieses
Erwerbseinkommen ist unter Beizug der in den letzten Jahren vor dem Unfall
erzielten Einkommen, welche sich in einer ähnlichen Grössenordnung bewegten, nachvollziehbar:
So erzielte der Beschwerdeführer in den beiden Jahren zuvor CHF 46'800.00
(2009) und CHF 38'400.00 (2010). Hinzu kommen die Kinderzulagen von
CHF 9'600.00. Damit beträgt das zuletzt vor dem Unfall bei der Firma B.___
erzielte, vorliegend relevante Einkommen CHF 51'956.00. Es stellt sich die
Frage, wie es sich mit dem bei der Firma C.___ ab 1. Oktober 2015 erzielten
Einkommen von monatlich CHF 1'100.00 (bei 13 Monatslöhnen, vgl. E. II.
9.3.2 f. hiervor) entsprechend CHF 14'300.00 pro Jahr, verhält. 

 

9.4.11  Laut Art. 23 Abs. 5 Satz 1 UVV
in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung ist bei Versicherten, die vor dem
Unfall bei mehr als einem Arbeitgeber tätig waren, für die Bemessung des
versicherten Verdienstes für das Taggeld der Gesamtlohn aus allen Arbeitsverhältnissen
massgebend, unabhängig davon, ob diese Arbeitsverhältnisse eine Deckung nur bei
Berufsunfällen oder auch bei Nichtberufsunfällen begründet haben. Hier ist
jedoch noch das bis 31. Dezember 2016 gültig gewesene Recht anwendbar (vgl. E.
II. 1.2 hiervor). Damals lautete Art. 23 Abs. 5 UVV weniger eindeutig wie folgt:
«War der Versicherte vor dem Unfall bei mehr als einem Arbeitgeber tätig, so
ist der Gesamtlohn massgebend.» Die Rechtsprechung interpretierte die Bestimmung
grundsätzlich so, dass nur der Gesamtlohn aus denjenigen Anstellungen
berücksichtigt wurde, welche zu einer Versicherung für das jeweilige Risiko
(Berufs- bzw. Nichtberufsunfall) führten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_1029/2010 vom 20. April 2011 E. 2.2). Für die hier gegebene Konstellation
wurde aber bereits zum bis Ende 2016 gültig gewesenen Recht entschieden, bei
Mehrfachbeschäftigten, die einen Unfall auf dem Arbeitsweg zu einem ihrer
Arbeitsorte erleiden, sei der Gesamtlohn aus allen Erwerbstätigkeiten
massgebend, unabhängig davon, ob das Ereignis als Berufs- oder als Nichtberufsunfall
zu qualifizieren ist (BGE 139 V 148 E. 8 S. 160 f.). Entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin ist diese Rechtsprechung ohne weiteres
anwendbar, auch wenn das zitierte Bundesgerichts-Urteil erst nach dem Unfall
vom 15. November 2011 ergangen ist. Da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Autounfalls
vom 15. November 2011 sowohl bei der Firma B.___ zu 100 % à 38 Stunden
pro Woche als auch bei der Firma C.___ zu 10 % à 4,3 Stunden pro
Woche arbeitete und sich der Unfall auf dem Arbeitsweg ereignete, ist somit vom
Gesamtlohn auszugehen. Beim versicherten Verdienst ist daher auch das jährliche
Einkommen bei der Firma C.___ von CHF 14'300.00 (CHF 1'100.00 x 13)
zu berücksichtigen. Damit beläuft sich der versicherte Verdienst des
Beschwerdeführers auf CHF 66'256.00. Die Beschwerdegegnerin hat den
versicherten Verdienst in den Taggeldabrechnungen 26. November,
17. Dezember 2014, 21. Januar und vom 31. März 2015 auf einer zu
geringen Basis von CHF 60'600.00 ausbezahlt. 

 

9.4.12  Die Beschwerdegegnerin weist
allerdings darauf hin, dass die der Taggeldberechnung zugrunde gelegte
Arbeitsunfähigkeit von 30 % dem Ergebnis des inzwischen eingeholten polydisziplinären
Gutachtens widerspricht. Das beweiskräftige Gutachten der Begutachtungsstelle J.___
vom 15. Mai 2015, das in zeitlicher Nähe zu den hier relevanten Taggeld-Perioden
erstattet wurde, geht für die Zeit ab Juli 2012 für leichte bis mittelschwere,
adaptierte Tätigkeiten, zu welchen auch die angestammten Tätigkeiten zu zählen
seien, von einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % aus (vgl. E. II. 8.6 hiervor).
Im Rahmen der Überprüfung des Taggeldanspruchs ist auch dieser Aspekt zu
berücksichtigen (vgl. E. II. 9.2.1 hiervor am Ende). Der Einwand der
Beschwerdegegnerin ist daher berechtigt. Die Reduktion des Taggeldanspruchs
wegen der reduzierten Arbeitsunfähigkeit übersteigt die Erhöhung wegen des
versicherten Verdienstes. Es bleibt daher bei der ausbezahlten Taggeldhöhe.
Eine Rückforderung ist dagegen ausgeschlossen, weil die Taggeldabrechnungen
gegenüber der Beschwerdegegnerin längst rechtsbeständig geworden sind und ein
Rückkommenstitel (prozessuale Revision, Wiedererwägung) offensichtlich nicht
vorliegt.

 

10.     Es stellt sich weiter die Frage,
ob die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen Einspracheentscheid zu Recht
die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall ausgerichteten Taggelder zu
Recht um 10 % gekürzt und den Differenzbetrag zurückgefordert hat
(offenbar wurde der Rückforderungsbetrag mit der Integritätsentschädigung
verrechnet und nicht ausbezahlt, vgl. Einspracheentscheid, Ziffer 1.23, A.S.
10). Dabei ist wiederum zu berücksichtigen, dass die Taggeldabrechnungen
rechtsbeständig geworden sind. Die nachträgliche Kürzung ist daher nur
zulässig, wenn ein Rückkommenstitel (Wiedererwägung oder prozessuale Revision)
erfüllt ist (vgl. E. II. 9.1 und 9.2.2 hiervor).

 

10.1   Gemäss Art. 37
Abs. 2 UVG werden in der Versicherung der Nichtberufsunfälle die
Taggelder, die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall ausgerichtet werden,
gekürzt, wenn der Versicherte den Unfall grobfahrlässig herbeigeführt hat.
Unfälle auf dem Arbeitsweg gelten in diesem Zusammenhang als
Nichtberufsunfälle. Dies gilt auch in Fällen von Art. 7 Abs. 2 UVG
(Deckung für Unfälle auf dem Arbeitsweg bei Teilzeitbeschäftigung von weniger
als acht Stunden pro Woche). Daher dürfen Leistungskürzungen wegen
Grobfahrlässigkeit auch für Unfälle auf dem Arbeitsweg vorgenommen werden
(Kaspar Gehring, in: Hürzeler / Kieser [Hrsg.]: Kommentar
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Bern 2018, Art. 37 UVG N 79 S. 550). Unabhängig
davon wäre hier ohnehin von einem Nichtberufsunfall auszugehen (vgl. E. II. 2
hiervor).

 

10.2   Grobfahrlässig nach Art. 37
Abs. 2 UVG handelt, wer jene elementaren Vorsichtsgebote unbeachtet lässt,
die jeder verständige Mensch in der gleichen Lage und unter den gleichen
Umständen befolgt hätte, um eine nach dem natürlichen Lauf der Dinge
vorhersehbare Schädigung zu vermeiden (BGE 121 V 40 E. 3b S. 45, 118
V 305 E. 2a S. 307 mit Hinweisen, 138 V 522 E. 5.2.1
S. 527).

 

10.3   Bei Fehlverhalten im
Strassenverkehr ist grobe Fahrlässigkeit im Sinne von Art. 37 Abs. 2
UVG in der Regel dann anzunehmen, wenn in ursächlichem Zusammenhang mit dem
Unfall eine elementare Verkehrsvorschrift oder mehrere wichtige Verkehrsregeln
schwerwiegend verletzt wurden. Der Begriff der groben Fahrlässigkeit nach
Art. 37 Abs. 2 UVG ist in diesen Fällen weiter zu fassen als
derjenige der groben Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 90 Abs. 2
Strassenverkehrsgesetz [SVG, SR 741.01], welcher ein rücksichtsloses oder
sonst schwerwiegend regelwidriges Verhalten voraussetzt (BGE 118 V 305
E. 2b S. 307; seit 1. Januar 2013: Art. 90 Abs. 2 SVG;
Urteil des Bundesgerichts 8C_263/2013 vom 19. August 2013 E. 4.2). Das
Nichttragen der Sicherheitsgurten stellt grundsätzlich eine grobe
Fahrlässigkeit dar, welche eine Kürzung der Versicherungsleistungen
rechtfertigt, wenn zwischen einem solchen Verschulden und dem Unfallereignis
oder seinen Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 109 V 150 E. 1
S. 152). Aufgrund der wissenschaftlich gesicherten Erfahrungen mit
Sicherheitsgurten kann im Regelfall auch ohne aufwendige unfalltechnische und
-medizinische Untersuchungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
ausgegangen werden, dass Sicherheitsgurten wirksam gewesen wären und dass
Verletzungen nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge nicht oder nicht im selben
Ausmass entstanden wären. In diesem Sinne ist der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Nichttragen der Gurten und den erlittenen Unfallfolgen als gegeben
zu betrachten, soweit aufgrund der besonderen Unfallverumständungen nicht das
Gegenteil angenommen werden muss (BGE 109 V 150 E. 3b S. 154).

 

10.4   Zur hier relevanten Frage, ob der
Beschwerdeführer beim Unfallereignis vom 15. November 2011 die
Sicherheitsgurte getragen hat, sind im Wesentlichen die folgenden Akten relevant:

 

10.4.1  Im unfallanalytischen Gutachten
vom 6. Februar 2013 (Axa-Nr. R1) hielt Dipl. Ing. (FH) G.___, Leiter
Unfallanalyse, folgendes Fazit fest (S. 18 f.): Die kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung des Pw [...] Cabriolet sei zwischen 43 und 51 km/h
gelegen. Es sei von einer durchschnittlichen Stosszeit ausgegangen worden (aus
zahlreichen gemessenen Versuchen bekannt). Eine Drehung des Pw [...] sei im
Gegen-Uhrzeigersinn um etwa 10 ° erfolgt, da die Seitenführungskräfte der
Reifen geringer gewesen wären, wenn der rechte Heckbereich nicht das
Strassenbord erreicht hätte. Das andere Fahrzeug [...] sei auf die Gegenfahrbahn
geraten, wo die