# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e36f0ae-9c5e-55f3-b30d-45aeaf3626eb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-31
**Language:** de
**Title:** Polydisziplinäres Gutachten beweiskräftig; keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen; keine Prüfung der Standardindikatoren; Statusfrage kann offen gelassen werden; kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen; Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2021.00740
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00740.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00740
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger
Urteil
vom
31. Oktober 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1968, Mutter von vier Kindern (Jahrgang 1989, 1992, 1994 und 1996), meldete sich am 23. Februar 2018 unter Hinweis auf körperliche Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6;
vgl.
Urk.
7/25
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 (Urk. 7/27) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
, da die einjährige Wartezeit nicht erfüllt worden sei.
1.2
Am 30. November 2018 melde
te
sich die Ve
rsicherte unter Hinweis auf
körperli
che Beschwerden
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/28;
vgl.
Urk.
7/57
)
. Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/29). Am 23. April 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass derzeit keine Ein
gliederungsmassnahmen durchführbar seien, da sie kein Deutsch spreche (Urk. 7/48). Zudem
veranlasste sie eine Haushaltabklärung, worüber am 31. Januar 2020 berichtet wurde (Urk. 7/53). Mit Vorbescheid vom 18. Juli 2020 (Urk. 7/58) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Verneinung eines Rentenan
spruchs in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte am 10. September 2020 Ein
wand (Urk. 7/59 = Urk. 7/60)
und
reichte am 10. Dezember 2020 die diesbezüg
liche Begründung ein (Urk. 7/72 = Urk. 7/74). In der Folge holt
e
die IV-Stelle bei der
Y.___
AG,
Polydisziplinäre Begutachtungsstelle
,
MEDAS
,
ein
polydisziplinäres Gutachten ein, das am
3. Juni 2021
erstattet wurde (Urk.
7/85
/1-69
).
Mit Verfügung vom 5. November 2021 (Urk. 2)
verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
.
2.
Die Versicherte erhob am
6. Dezember 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5. November 2021
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Streitsache zu weiteren Abklärungen, insbesondere einer neuropsycholo
gi
schen Abklärung, an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk.
1 S.
2
Ziff. I.1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
12. Januar 2022 (Urk. 6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
der B
eschwerdeführerin am 14. Januar
2022
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da die angefochtene Verfügung vor dem 1. Januar 2022 erging, sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden (BGE 148 V 174 E. 4.1).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich)
entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig
einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbli
chen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein
Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird
und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.
7
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) im Wesentlichen auf den Standpunkt,
dass das eingeholte MEDAS-Gutachten beweiskräftig und die
Beschwerdeführerin
gestützt darauf in einer angepassten, überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit mit leichter Wechselbelastung vollum
fänglich arbeitsfähig sei. Aus psychiatrischer Sicht habe keine dauerhafte Ein
schränkung festgestellt werden können
.
Die
Beschwerdeführerin
sei zudem als 50 % Erwerbstätige und als zu 50 % im Haushalt Tätige zu qualifizieren, wobei im Haushalts
bereich eine Einschränkung von 9
% vorliege.
Im Erwerbsbereich ergebe sich keine Erwerbseinbusse und somit keine Einschränkung.
Bei einem Invaliditätsgrad von insgesamt 4 % resultiere kein Rentenanspruch
(S. 2 f.).
2.2
Die
Beschwerdeführerin
machte demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) geltend,
dass das
psychiatrische
Teilg
utac
hten
weder umfassend noch schlüssig sei.
Zudem sei eine neuropsychologische Abklärung notwendig.
Indem die
Beschwerdegeg
nerin
dennoch
auf das MEDAS-Gutachten
abgestellt habe, habe sie den Unter
su
chungsgrundsatz verletzt. Die
Beschwerdegegnerin
sei daher ihren Abklärungs
pflichten nicht nachgekommen beziehungsweise habe
sie
die angefochtene Ver
fügung verfrüht und ohne schlüssige medizinische Beurteilung erlassen
. Ausser
dem
sei die Qualifikation zu beanst
anden, so sei sie als zu 100 % E
rwerbstätig
e
zu qualifizieren
(S.
5 ff. Ziff. III
.6-11
).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) hielt die
Beschwerdegegnerin
am Beweiswert des eingeholten polydisziplinären Gutachtens fest. Da keine psychiatrische Diag
nose habe gestellt werden können, die eine neuropsychologische Einschränkung erklärten könnte, erübrige sich eine neuropsychologische Abklärung. Zudem stelle der Abklärungsbericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage dar, wonach die
Beschwerdeführerin
als zu 50 % Erwerbstätige und als 50 % im Haus
halt Tätige zu qualifizieren sei (S. 2).
3.
3.1
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Innere Medizin, führte in ihrem Bericht vom 4. Januar 2019 (Urk. 7/46/3-9) aus, dass sie die
Beschwerde
führerin
seit Juni 2018 behandle (Ziff. 1.1)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
unvollständig kon
solidierte
Sternotomie
des
Manubrium
sterni
nach
aor
tokoronarem
Bypass am 3. Juli 2018
-
persistierende, ausgeprägte Nackenschmerzen nach
aortokoronarem
Bypass am 3. Juli 2018
-
koronare 2-Gefässerkrankung bei Status nach 3-fachem
aortokoronarem
Bypass und einer arteriellen Hypertonie
Die Beschwerdeführerin fühle sich subjektiv absolut nicht in der Lage, ihrer Arbeit als Reinigungsfachfrau wieder nachzugehen. Aufgrund dieser Selbsteinschätzung sei es unklar, ob die Beschwerdeführerin wieder arbeitsfähig werde (Ziff. 2.7). Die Beschwerdeführerin sei aktuell ohne Arbeit und sei nicht arbeitsfähig (Ziff. 3.1). Aktuell sei die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit noch nicht zumutbar (Ziff. 4.1).
In einer körperlich weniger belastenden Arbeit sei es wahrscheinlich möglich, die Beschwerdeführerin später wieder in den Arbeitsprozess einzuglie
dern (Ziff. 4.3).
3.2
Die Ärzte
des Kantonsspitals A.___
, Rheumatologie,
führten in ihrem Bericht vom 6. Juni 2019 (Urk. 7/50/1-3) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit Dezember 2018 behan
deln würden (Ziff. 1.1) und nannte
n
eine unvollständig konsolidierte
Sternotomie
des
Manubrium
sterni
S22, Erstdiagnose Dezember 2018, als Diagnose (Ziff. 2.5). Die bisherige Tätigkeit als Reinigungsfachfrau sei aufgrund der aktuell weiterhin bestehenden belastungsabhängigen Beschwerden momentan nicht realistisch. Bei Besserung der Beschwerden sei ein langsamer Wiedereinstieg möglich. Geeigneter wäre eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben der Arme über 90° und ohne Heben von Lasten (Ziff. 2.7).
3.
3
Dr. med.
B.___
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 25. März 2020 (Urk. 7/55) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit dem 13. November 2019 behandle, wobei gegenwärtig zwei bis drei Sitzun
gen pro Woche stattfänden (Ziff. 1.1-1.2). Die Beschwerdeführerin habe sich im Juli 2018 einer Herzoperation unterziehen müssen, wobei sie
einen dreifachen Aorta
koronaren Bypass erhalten habe. Die Diagnose der Herzerkrankung sei völ
lig unerwartet gekommen, seither sei die Beschwerdeführerin sehr ängstlich und fürchte sich vor einem erneuten koronaren Ereignis (Ziff. 2.1). Die Beschwerde
führerin
habe
über eine depressive
Stimmung und massive Ängste berichtet
, es könnte ihr demnächst wieder etwas Schlimmes passieren (Ziff. 2.2). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
B.___
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11; Ziff. 2.5). Seit dem 13. November 2019 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (Ziff. 1.3
; vgl. Ziff. 4.1-4.2
).
3.4
In ihrem Bericht vom 14. Oktober 2020 (Urk. 7/73/1-3) nannte Dr.
B.___
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11), einen Verdacht auf eine gene
ralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) und chronische Schmerzen mit psychi
schen und körperlichen Faktoren (ICD-10 F45.4) als Diagnosen (Ziff. 1). Die Beschwerdeführerin
sei auf gutem
Weg zur Besserung gewesen, als die Corona Pandemie gekommen sei. In dieser Zeit sei sie sehr ängstlich geworden und ihre Ängste hätten sich verschlechtert (Ziff. 2). Aktuell sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig. Sie verlasse ihr Haus nur bei gemeinsamen Spaziergängen mit ihrem Mann und sei sogar im Haushalt eingeschränkt, weshalb ihr Mann und ihr Sohn viel helfen müssten (Ziff. 4).
3.
5
Dr. med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kardiologie, führte in seinem Bericht vom 27. Oktober 2020 (Urk. 7/73/4-5) aus, dass die Beschwerdeführerin an einer koronaren 2-Gefässerkrankung leide
(S. 1 Mitte)
und seit der Operation im Juli 2018 grosse psychosoziale beziehungs
weise psychosomatische Beschwerden habe. So bestehe ein
chronifiziertes
Beschwerdebild, wobei die thorakalen Symptome nicht primär
ischämiesuspekt
erscheinen würden. Echokardiographisch hätten sich sehr erfreuliche Befunde mit allseits normal grossen Herzhöhlen, normaler
linkesventrikulärer
systolischer Funktion und unauffälligen Klappenverhältnisse
n
gezeigt
(S. 2 Mitte).
3.
6
Die Gutachter der MEDAS erstatteten am 3. Juni 2021 das von der
Beschwerde
gegnerin
in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten
(Urk. 7/85/1-9)
gestützt auf die ihnen überlassenen Akten
sowie auf ein internistisches (
Urk. 7/85/10-24)
,
psychiatrisches (Urk. 7/85/25-44) und ein
rheumatologische
s
(
Urk. 7/85/45-69
) Teilgutachten.
Die Gutachter nannten eine beginnende
Varusgonarthrose
beidseits bei radiolo
gisch leichten degenerativen Veränderungen
und einer
Periarth
r
opathia
genus
als Diagnose
n
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/85/1-9 S. 5 Ziff. 4.2.1). Zudem nannte
n
sie eine koronare 2-Gefässerkrankung,
eine arterielle Hypertension, eine mässige Adipositas, Hammerzehen des
Dig
. III und IV beidseits sowie einen Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) als Diagnosen ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5
Ziff. 4.2.2).
Internistisch
erseits
sei die Beschwerdeführerin ab Juni 2018 wegen akuter ischä
mischer Herzkrankheit zuerst
transluminal
, dann unmittelbar danach offen (
Ster
notomie
) mittels dreifachem Bypass versorgt
worden
. Die kardiale Funktion sei gemäss Bericht vom Oktober 2020
(vgl. vorstehend E. 3.5)
gut. Seit der Herzope
ration klage die Beschwerdeführerin im Rahmen eines ausgeweiteten Schmerz
syndroms auch über Beschwerden nach der
Sternotomie
. Diese hätten sich im Verlauf allmählich gebessert.
Vom rheumatologischen Gutachter seien mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lediglich beginnende
Varusgonarthrosen
beschrieben worden.
Psychiatrischerseits
habe keine relevante Diagnose gestellt werden können. Das ausgeweitete Schmerzerleben, dessen Beginn die Beschwerdeführerin nicht habe richtig orten können, lasse sich aus gutachterlicher Sicht nicht auf relevante kör
perliche Befunde abstützen. Bei der Einschätzung hätten
zudem diverse Hinweise, vor allem
die anlässlich der körperlichen
Untersuchung beobachteten Inkonsis
tenzen, eine entscheidende Rolle
gespielt (S. 4 f. Ziff. 4.1).
Die am Bewegungsapparat erhobenen Befunde erklärten das generalisierte Beschwerdebild nicht. Die Beschwerdeführerin habe nicht erklären können, wie sich die generalisierten Schmerzen konkret auswirken würden und habe eine Bes
serung im bisherigen Verlauf seit Juni 2018 angegeben.
S
ie habe sich im Rahmen der aktuellen gutachterlich-rheumatologischen Untersuchung ausgeprägt symp
tomverdeutlichend und selbstlimitierend verhalten. Es hätten Diskrepanzen bezüglich Bewegungsausmass und Mobilität festgestellt werden können, wenn sich die
Beschwerdeführerin
in der bewussten Untersuchungssituation gewusst habe oder sich nicht beobachtet gefühlt habe (S. 6 Ziff. 4.6).
Von Juni 2018 bis Juli 2019 habe weder in der bisherigen noch in einer ange
passten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit bestanden bedingt durch die Erholung nach der Herzoperation im Juni 2018 und der verzögerten Heilung der
Sternoto
mie
. Von August
2019
bis Februar 2021 habe für die bisherige Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen; seit März 2021 liege aufgrund der festge
stellten Kniearthrose eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit vor. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit August 2019 eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit (S. 6 Ziff. 4.7-4.9).
3.
7
Dr.
B.___
nahm am 15. August 2021 zum MEDAS-Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.
6
) Stellung (Urk. 3/3 = Urk. 7/89/1-4 = Urk. 7/90) und nannte dabei eine ge
neralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), sonstige anhaltende affektive Störun
gen (ICD-10 F34.8) und chronische Schmerzen mit psychischen und körperlichen Faktoren (ICD-10 F45.4) als Diagnosen (Ziff. 1). Die Beschwerdeführerin sei nach wie vor nicht fähig, einer Arbeit nachzugehen, da sie aufgrund der Ängste ihr Haus nur bei gemeinsamen Spaziergängen mit ihrem Mann verlasse. Eine ange
passte Tätigkeit könnte sie in einem Umfang von zirka 20-30 % vorerst im geschützten Rahmen ausüben. Auf dem ersten Arbeitsmarkt sei sie zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff. 3).
Entgegen der Ansicht der Gutachter
, die einen Status nach An
passungsstörung diagnostiziert hätten
(vgl. vorstehend
E. 3.6
)
, liege eine anhaltende Störung vor, da sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin seit zwei Jahren nicht wirklich gebessert habe (Ziff. 5). Die Vergesslichkeit der Beschwerdeführerin interpretiere sie als ein Sympto
m der Depression und permanenten
Sorgen. Eine neurokognitive Abklärung wäre angebracht, um eine eventuell frühere kognitive Störung zu diagnostizieren (Ziff.
6).
Zudem seien die Kriterien für eine generali
sierte Angststörung und für chronische Schmerzen mit psychischen und körper
lichen F
aktoren erfüllt
(Ziff. 7).
3.8
Die Ärzte der Rheumatologie
des Kantonsspitals A.___
führten
in ihrem Verlaufsbericht vom 23. September 2021 (Urk. 7/89/5-7
= Urk. 7/91
)
aus, dass d
ie Beschwerdeführerin an Polyarthralgien
leide
, insbesondere der Knie-, OSG und Handgelenke sowie
der
Schultern bei beginnender Polyarthrose sowie
myofaszialen
Reaktionen. In den radiologischen Bildgebungen des rechten Knies vom März 2021 hätten sich beginnende degenerative Veränderungen gezeigt.
Bei fehlender humoraler Ent
zündungsaktivität, nicht entzündlicher Gelenkspunktion sowie fehlenden Kristal
len in der Punktion sei nicht von einer entzündlichen Ätiologie
,
sondern von einer mechanisch degenerativen Ursache auszugehen. Es werde die Weiterfüh
rung der begonnenen Physiotherapie empfohlen (S. 2).
3.
9
D.___
, Dipl. Physiotherapeutin,
führte in ihrem Bericht vom 1. November 2021 (Urk. 3/4) aus, dass in den 18 Physiotherapiesitzungen keine Verbesserung der Schmerzsituation sowie der objektiven Parameter habe erzielt werden können. Die dauerhaften Schmerzen im ganzen Körper würden dazu füh
ren, dass eine aktive Therapie auf sehr niedrigen Niveau bereits sehr schwierig sei. Die Physiotherapie werde abgeschlossen.
4.
4.1
Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom Juni 2021 (vorstehend
E. 3.6
) um
fasst die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und Rheumato
logie. Die Gutachter verfügen über den entsprechenden Facharzttitel und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin befähigt (vgl. Urk. 7/85/1-9 S. 8). Das MEDAS-Gutachten erscheint denn auch für die streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin. Zudem wurde es in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) erstellt und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet. Damit erfüllt das MEDAS-Gutachten die praxisgemässen Kriterien an ein beweis
kräftiges Gutachten (vorstehend
E. 1.7
) vollumfänglich.
4.2
In psychiatrischer Hinsicht stellten die Gutachter keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
, sie diagnostizierten lediglich einen Status nach Anpas
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vorstehend
E. 3.6
).
Der psychiatrische Gutachter
legte
i
n seinem Teilgutachten dar, dass die Beschwerdeführerin gemäss B
ericht von Dr.
B.___
vom 25. März
2020 (
vgl.
vor
stehend
E. 3.3
) seit
dem 13.
November 2019
von ihr behandelt werde und seitdem 100 % arbeitsunfähig sei. Die Beschwerdeführerin sei
aufgrund des Verdachtes auf eine Angststörung und eine depressive Verstimmung von einem psychiatri
schen Oberarzt der Integrierten Psychiatrie
E.___
vom 19. September bis
zum
22. Oktober 2019 krankgeschrieben worden. Bis zum Beginn der psychi
atri
sc
hen Behandlung sei sie laut dem
Bericht der Hausärztin aufgrund depressi
ver Symptomatik krankgeschrieben worden.
Betreffend den
psychopathologi
schen
Befund
habe Dr.
B.___
dargelegt, dass keine Gedächtnisstörungen vorhan
den gewesen seien
und
die
Beschwerdeführerin
in der Grundstimmung
«ziemlich gedrückt»
gewesen
sei
. Als Diagnose
sei im besagten Bericht
von Dr.
B.___
eine
mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom aufgeführt und dar
gelegt
worden
,
dass i
m damals bisherigen Therapieverl
auf keine Besserung ein
getreten sei.
Der psychiatrische Gutachter kam
diesbezüglich
zum Schluss, dass eine
mittel
gradige
depressive Symptomatik
aus dem Bericht anhand der geschilderten objektiven
Beeinträchtigungen nicht nachzuvollziehen
sei. Plausibel sei
eine Reaktionsbildung im Sinne einer
Anpassungsstörung mit einer ängstlich-depres
siven Symptomatik. Einem weiteren ärztlichen
Bericht
von Dr.
B.___
vom 14. Oktober 2020 (vgl. vorstehend
E. 3.4
) sei
die gleiche Diagnose zu entnehmen. Zusätzlich
werde
der Verdacht auf eine generalisierte Angststörung geäu
ssert und
als Diagnose
chronische Schmerzen mit psychischen und körperli
chen Faktoren angegeben. Es werde
dargelegt, dass die
Beschwerdeführerin
auf einem guten Weg zur Besserung gewesen sei, bis die
Corona-Pandemie gekommen sei. Dadurch sei
sie
ängstlich und verunsichert
gewesen, habe sich sozial isoliert gefühlt, weil sie ihre Kinder und Enkelkinder nicht
habe
sehen
können. Die Dosis der Antidepressiva sei erhöht worden.
Der psychiatrische
Medas
-Gutachter kam diesbezüglich zum Schluss, dass i
m psychopathologischen Befund verglichen mit dem vorangegangenen Bericht eine gleichbleibende psychische Beeinträchtigung geschildert
werde
. Insgesamt sei anamnestisch wie aktenkundig eine geringe psy
chische Beeinträchtigung im Sinne einer Anpassungsstörung nachvollziehbar (Urk. 7/85/25-44 S. 15 f. Ziff. 6).
Zusammenfassend kam d
er psychiatrische Gutachter
nach
der
Würdigung der anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin
und
der aktenkundigen Berichte sowie
gestützt auf die eigenen
Untersuchungsergebnisse
in seinem Teil
gutachten
zum Schluss
,
dass es bei der Beschwerdeführerin überwiegend wahr
scheinlich nach
der
Herzoperation vor dem Hintergrund der
er
Familienanamnese mit gehäuften kardialen Erkrankungen und auch dadurch bedingten Todesfällen zur Entwicklung einer Anpassungsstörung mit einer ängstlich-depressiven Symp
tomatik zirka ab September 2019 gekommen sei. Aktenkundig werde eine vorübergehende Besserung mit einer erneuten Zunahme der Symptomatik beschrieben, wobei im Bericht vom Oktober 2020 (vgl. vorstehend
E. 3.4
) eine gleichbleibende psychische Beeinträchtigung verglichen mit dem Vorbericht vom Anfang des Jahres 2019 (richtig: 2020; vgl. vorstehend
E. 3.3
) beschrieben werde. Für die Symptomatik aufrechterhaltend seien überwiegend wahrscheinlich der Tod des Bruders der
Beschwerdeführerin
vor einem Jahr
gewesen,
welch
er eben
falls kardial bedingt gewesen sei
und
die soziale Isolation, welcher sich die
Beschwerdeführerin
auf
grund
pandemiebedingter Ängste
unterzog
en habe. Aktuell sei
die
Beschwerdeführerin
nicht
mehr sozial isoliert, beschreibe
für sie wohltuende
Kontakte mi
t ihren Kindern, den Grosskindern
, aber auch anderen Kindern auf dem Spielplatz,
wirke
auch nicht mehr namhaft psychisch beein
trächtigt. Das von der
Beschwerdeführerin
beschriebene
Beeinträchtigungsaus
mass sei
nur teilweise nachvollziehbar
.
I
nsbesondere
sei
die von ihr
postulierte
Vergesslichkeit nicht
objektivierbar
. Auch werde
diese aktenkundig
nicht erwähnt.
Weiter
sei die Versicherte affektiv, abgesehen von einer themenabhän
gigen kurzzeitigen Affektinkontinenz, adäquat.
Entsprechend sei
in der Gegen
übertragung keine namhafte psychische Beeinträchtigung aufspürbar.
Das von der Versicherten berichtete alltägliche Funktionsniveau lasse
ferner
keine Rück
schlüsse auf eine namhafte psychische Beeinträchtigung zu.
Zusammenfassend habe
bei der
Beschwerdeführerin
überwiegend wahrscheinlich eine
Anpassungs
störung mit l
ängerer depressiver Reaktion von September 2019 bis maximal
Ende des Jahres 2020
bestanden
. B
ei einer Anpassungsstörung handle
es sich um eine
geringgradige
psychische Beeint
rächtigung, welche die Arbeitsfä
higkeit und die alltägliche
Funktionsfähigke
it nicht namhaft beeinträchtige.
Anhaltspunkte für eine generalisierte Angststörung würden sich hingegen nicht ergeben. Das von der Beschwerdeführerin
g
eklagte Angstniveau sei nicht patho
logisch und vor dem Hintergrund der Familienanamnese nachzuvollziehen. Auch würden sich keine Anhaltspunkte für eine Schmerzverarbeitungsstörung bei nicht vorhandener Evidenz für einen fehlverarbeiteten/unverarbeiteten innerseelischen Konflikt und einer klinisch nicht evidenten namhaften Schmerzbeeinträchtigung ergeben (Urk. 7/85/25-44
S. 10 Mitte,
S. 16 f. Ziff. 6
, S. 18
Ziff. 7.3
).
Die Herleitung und Begründung der
psychiatrischen
Diagnose ist schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt werden kann
, zumal der psychiatri
sche Gutachter auch begründet darlegte, weshalb seine Einschätzung von derje
nigen von Dr.
B.___
abweicht.
M
ithin ist von einem Status nach Anpassungsstö
rung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) auszugehen. Die
von den Gutachtern
in psychiatrischer Hinsicht attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk.
7/85/1-9 S. 4 ff., Urk.
7/85/25-44 S. 18 ff. Ziff. 8; vgl. vorstehend
E. 3.6
) erscheint nachvollziehbar, weshalb ebenfalls darauf abgestellt werden kann. Da keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt, kann vorliegend auf die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens ver
zichtet werden (vgl. vorstehend
E. 1.6
).
4.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standpunkt,
dass gestützt
auf die Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin Dr.
B.___
vom August 2021 (vor
stehend
E. 3.7
)
von einer generalisierten Angststörung, sonstigen anhaltenden affektiven Störungen und chronischen Schmerzen mit psychischen und körperli
chen Faktoren auszugehen sei
(Urk. 1 S. 6 Ziff. III
)
.
In Bezug
auf die geltend gemachten Ängste kann dem psychiatrischen Teilgutachten entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin über Ängste berichtet habe, an einem Herztod zu sterben und Angst habe, dass sie ins Spital müsse und sie wegen der Pandemie
restriktionen niemanden besuchen dürfe und dort allein sterben müsse (Urk. 7/85/25-44 S. 7 Ziff. 3.1, S. 8 Ziff. 3.2). Der psychiatrische
G
utachter kam
diesbezüglich
in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise zum Schluss, dass das
g
eklagte Angstniveau nicht pathologisch und vor dem Hintergrund der Famili
enanamnese nachzuvollziehen sei (vorstehend E. 4.2)
.
Dr.
B.___
führte in ihrer
Stellungnahme vom A
ugust 2021 lediglich aus, dass bei der Beschwerdeführerin die Kriterien für eine generalisierte Angstst
örung erfüllt seien (Urk. 3/3 =
Urk. 7/89/1-4 = Urk. 7/90 S. 2 unten f.), ohne
diese
jedoch
bezogen auf die Beschwerdeführerin
näher darzulegen
. Ausserdem ist in Bezug
auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dem psychiatrischen
G
utachter fol
gend (vorstehend E. 4.2) ist deshalb davon auszugehen, dass die Kriterien für eine generalisierte Angststörung nicht
erfüllt sind
. Die diesbezüglichen Einwendungen erweisen sich daher als unbegründet.
In Bezug auf eine affektive S
törung
legte der psychiatrische Gutachter in schlüs
siger und nachvollziehbarer Weise dar, weshalb von einem Status nach Anpas
sungsstörung mit längerer dep
ressiver Reaktion auszugehen
ist
(vorstehend
E. 3.6
). Daran vermag die Ansicht von
Dr.
B.___
, die
von einer anhaltenden Stö
rung aus
geht
, da sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin seit zwei Jahren nicht wirklich gebessert habe
(vorstehend
E. 3.7
)
, nichts
zu
ändern.
Dies hat umso mehr zu gelten, als dass Dr.
B.___
in diesem Zusammenhang
sonstige anhaltende affektive Störungen (ICD-10 F34.8)
diag
nostizierte (vgl. vorstehend E.
3.7). Gemäss der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien, 10., überarbeitete Auflage, 2015, handelt es sich dabei um eine Restkategorie für anhaltende affektive Störungen, die nicht ausreichend schwer genug sind oder lange genug dauern, um die Krite
rien unter anderem für
Dysthymia
zu erfüllen, wobei die
Dysthymia
die Kriterien für eine leichte depressive Störung nicht erfüllt (S. 183 und S. 184). Es ist daher selbst unter Berücksichtigung der Ausführungen der behandelnden Ärztin nicht verfehlt, dass der psychiatrische Gutachter zum Schluss kam,
dass lediglich
ein Status nach Anpassungsstörung als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorlag.
Bezüglich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Vergesslichkeit
kann dem psychiatrischen Teilgutachten entnommen werden, dass die Beschwer
deführerin mehrfach erwähnt
hab
e, vergesslich zu sein. So vergesse sie beispiels
weise, die Wohnungstür zu schliessen (Urk. 7/85/25-44 S. 7 Ziff. 3.1, S. 8 Ziff. 3.2, S. 12 Ziff. 4.1).
Der psychiatrische Gutachter führte diesbezüglich in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise aus, dass die geltend gemachte Vergess
lichkeit nur teilweise nachvollziehbar sei. Auch sei eine solche aktenkundig nicht erwähnt (vorstehend E. 3.
6
). Die behandelnde Psychiaterin Dr.
B.___
interpre
tierte die Vergesslich
keit
sodann als ein Symptom der Depression und permanen
ter Sorgen
und erachtete eine
neurokognitive Abklärung
als
angebracht, um eine eventuell frühere kognitive Störung zu diagnostizieren (vorstehend
E. 3.7
).
Hin
weise auf eine kognitive Störung in der Vergangenheit ergeben sich aus den echt
zeitlichen Berichten nicht, womit sich eine neuropsychologische Abklärung zur Eruierung einer
allfällige
n
frühere
n
kognitive
n
Störung
nicht aufdrängt
.
Indem Dr.
B.___
die geklagte Vergesslichkeit in Verbindung brachte mit der von ihr diagnostizierten Depression und der permanenten Sorgen der Beschwerdeführe
rin, ergibt sich
ebenfalls
keine Veranlassung,
die aktuell geltend gemachte Ver
gesslichkeit neuropsychologisch
weiter
abzuklären
. Dies gilt umso mehr, als dass
der psychiatrische Gutachter darlegte, dass
eine Vergesslichkeit
im Rahmen der Begutachtung nicht habe objektiviert werden können
(Urk. 7/85/42 Ziff. 7.3)
. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung nicht auch noch neur
opsychologisch untersucht wurde, dies ins
besondere aufgrund des Umstandes, dass keine psychiatrische Diagnose gestellt wurde
, die eine neuropsychologische Einschränkung hätte erklären können
.
Der diesbezügliche Einwand der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2; Urk. 1 S. 5 Ziff. III.6
) erweist sich nach dem Gesagten ebenfalls als unbegründet.
Weitere diesbezügliche Abklärungen sind nicht erforderlich (antizipierte Beweiswürdi
gung,
vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5; 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen; BGE 124 V 90 E. 4b
).
Schliesslich
legte der psychiatrische Gutachter in schlüssiger
und nachvollzieh
barer Weise dar
, dass sich keine Anhaltspunkte für eine Schmerzverarbeitungs
störung bei nicht vorhandener Evidenz für einen fehlverarbeiteten/unver
arbeiteten innerseelischen Konflikt und einer klinisch nicht evidenten namhaften Schmerzbeeinträchtigung ergeben würden (vorstehend
E. 3.6
). Indem die behandelnde Psychiaterin Dr.
B.___
lediglich ausführt
e
, dass die Kriterien für chronische Schmerzen mit psychischen und körperlichen Faktoren vorhande
n seien, ohne diese jedoch bezogen auf die Beschwerdeführerin näher
zu bezeich
nen (Urk. 3/3 = Urk. 7/89/1-4 = Urk. 7/90 S. 3 unten f.; vorstehend
E. 3.7
), ver
mag sie am Beweiswert des Gutachtens nichts zu ändern. Ausserdem ist auch hier auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass Hausärztinnen und Hausärzte wie überhaupt behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Nach dem Gesagten vermögen die Einwendungen der
Beschwerdeführerin
und der behandelnden Psychiaterin Dr.
B.___
nichts am Beweiswert des psychiatri
schen Teilgutachtens zu ändern.
4.4
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten in psychiatrischer Hinsicht als dahingehend erstellt zu erachten, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist und folglich eine 100%ige Arbeitsfähig
keit vorliegt.
4.5
Im somatischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter eine beginnende
Varus
gonarthrose
beidseits bei radiologisch leichten degenerativen Veränderungen und einer
Periarthropathia
genus
als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit sowie eine koronare 2-Gefässerkrankung, eine arterielle Hypertension, eine mässige Adipositas und Hammerzehen des
Dig
. III und IV beidseits ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
vorstehend E. 3.8).
Der internistische Gutachter führte in seinem Teilgutachten aus, dass a
us inter
nistischer Sicht der
Verlauf der koronaren Herzkrankheit nicht aussergewöhnlich sei. Das angetroffene Beschwerdebild nach erfolgreicher offener Herzoperation sei für eine gewisse Episode von vielleicht einem Jahr plausibel. Die Befunde anlässlich der aktuellen körperlichen Untersuchung würden das ausgeweitete kör
perliche Beschwerdebild jedoch nicht erklären (Urk. 7/85/10-24 S. 14 Ziff. 7.3). Ab Beginn der kardiologischen Behandlung im Juni 2018 bis zum Abschluss der Reha im August 2018 habe keine Arbeitsfähigkeit vorgelegen, seit September 2018 liege
aus internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vor (Urk. 7/85/10-24 S. 14 f. Ziff. 8).
Der rheumatologische Gutachter legte in seinem Teilgutachten dar, dass die im Rahmen der aktuellen gutachterlich-rheumatologischen Begutachtung geschil
derten Ganzkörperschmerzen sowie die geklagten funktionellen
Einschränkungen angesichts der Anamnese, der Aktenlage sowie de
r
Befunde in der klinischen Untersuchung aus rheumatologischer Sicht ursächlich nicht mit objektivierbaren somatischen gesundheitlichen Störungen erklärt und damit einer Ursache zuge
ordnet
werden könnten (Urk. 7/85/45-69
S. 21 f. Ziff. 7.3). Angesichts der Aktenlage, der Anamnese, der Klinik und der Bildgebung lasse sich rheumatolo
gisch eine bewegungs- und belastungsakzentuierte Beschwerdesymptomatik in beiden Kniegelenken plausibilisieren. In diesem Kontext lasse sich aus rheuma
tologischer Sicht eine Zunahme von Kniebeschwerden unter kumulativer Belas
tung und daher eine leichte quantitative und qualitative Einschränkung der Geh-
und Stehfähigkeit plausibilisieren (
Urk. 7/85/45-69
S. 22 Ziff. 7.4). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe
seit der rheumatologischen Beurteilung im
Kantonsspital A.___
, bei welcher die Gonarthrose obj
ektiviert worden sei (vgl. Urk. 7/85/45-69 S. 8 Ziff. 2
), eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. In einer
angepassten, leichten und
wech
selbelastenden Tätigkeit mit einem Anteil von sitzender Tätigkeit von etwa 30 % ohne gehende Tätigkeiten auf unebenem Untergrund bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/85/45-69
S. 22 ff. Ziff. 8).
Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht für die angestammte und angepasste Tätigkeit erscheint aufgrund der erhobenen Befunde als schlüssig und nachvollziehbar
,
zumal die Gutachter begründet dar
legten, dass die
am Bewegungsapparat erhobenen Befunde das generalisierte Beschwerdebild nicht
erklären und selbst d
ie Beschwerdeführerin
nicht habe dar
legen
können, wie sich die generalisierten Schmerzen konkret auswirken würden
,
und
sie
eine Besserung im bisherigen Verlauf se
it
Juni 2018 angegeben habe (vgl.
vorstehend E. 3.6).
Dabei
brachte die Beschwerdeführerin
in somatischer Hinsicht
keine substantiierte Kritik
an den jeweiligen
Teilgutachten vor (vgl. Urk.
1).
4.6
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass aufgrund der aktuellen Physiothe
rapie noch kein stabiler Gesundheitszustand bestehe. Indem die Beschwerdegeg
nerin die angefochtene Verfügung (Urk. 2) dennoch erlassen habe, habe sie diese verfrüht erlassen (Urk. 1 S. 6 f. Ziff. III.9). Dem Bericht der Physiotherapeutin
D.___
vom November 2021 (vorstehend
E. 3.9
) kann entnommen werden, dass die Physiotherapie nach 18 Sitzung
en abgeschlossen wurde, da mit dieser
keine Verbesserung der Schmerzsituation habe erzielt werden können. Dass die Beschwerdegegnerin nach Abschluss der Physiotherapie die angefochtene Verfü
gung erlassen hat, ist folglich nicht zu beanstanden.
Es hat demnach keine ver
frühte Beurteilung stattgefunden.
4.7
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten in
somatischer
Hinsicht als dahingehend erstellt zu erachten, dass der
Beschwerdeführerin
die angestammte Tätigkeit als Reinigungsfachfrau
von August 2019 bis Februar 2021 zu 100 % zumutbar war; seit März 2021 liegt eine 70%ige Arbeitsfähigkeit vor. In einer angepassten Tätigkeit liegt seit August 2019 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vor.
4.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem MEDAS-Gutachten volle
r
Beweis
wert zukommt, weshalb darauf abgestellt werden kann. Gestützt auf das einge
holte MEDAS-Gutachten
ist
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Reinigungsfachfrau von August 2019 bis Februar 2021 und von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit seit März 2021 auszugehen. In einer angepassten, leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit einem Anteil von sitzen
der Tätigkeit von etwa 30 % ohne gehende Tätigkeiten auf unebenem Untergrund besteht seit August 2019 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend
E. 3.6
,
E. 4.4
, E. 4.7).
Die Beschwerdeführerin ist demnach in einer
ange
passten
Tätigkeit als voll arbeitsfähig zu erachten
(vgl. hierzu auch nachfolgend E. 6.4)
.
5.
5.1
Am 30. Januar 2020 fand eine Haushaltabklärung vor Ort statt, worüber am 31. Januar 2020 berichtet wurde (Urk. 7/53). Die Abklärungsperson führte aus, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann und dem jüngsten Sohn (gebo
ren 1996), der bereits erwachsen sei, in einer Wohnung lebe. Die drei älteren Kinder würden selbständig wohnen (S. 2 Ziff. 2.3.1). Die Beschwerdeführerin würde nach eigenen Angaben bei guter Gesundheit 100 % arbeiten. Sie habe frü
her schon bei einer Gemüsefarm in einem Vollzeitpensum gearbeitet, jedoch nur sehr wenig verdient. Diese Stelle sei ihr im Jahr 2010 gekündigt worden. Nach der Kündigung habe sie infolge der schlechten Deutschkenntnisse keine andere Arbeit im hohen Pensum mehr gefunden. Sie habe genommen, was sich geboten habe und dies sei die Reinigungsstelle bei
F.___
gewesen. Nachdem sie die Stelle dort angetreten habe, habe sie zunächst keine weiteren Stellenbemühungen unternommen. Im Jahr 2013 habe sie bei
G.___
eine zusätzliche Reinigungstätigkeit aufgenommen, jedoch habe sie do
rt auf Abruf gearbeitet (S. 3
Ziff. 2.5).
Die Abklärungsperson qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 50 % Erwerbs
tätige und zu 50 % im Haushalt Tätige und begründete dies damit, dass die Beschwerdeführerin in den letzten acht Jahren vor der Erkrankung zirka in einem 50%-Pensum gearbeitet habe. Das Argument, dass die Beschwerdeführerin wegen den schlechten Deutschkenntnissen keine Vollzeitstelle mehr gefunden habe, könne nicht berücksichtigt werden, da die mangelnden Sprachkenntnisse invali
ditätsfremd seien (S. 3 Ziff. 2.6, Ziff. 2.6.1).
Die Abklärungsperson ermittelte für den Bereich Ernährung eine Einschränkung von 10 % und gewichtet von 35 % und für den Bereich Wohnungs- und Haus
pflege und Haustierhaltung eine Einschränkung von 15 % und gewichtet von 35 % (S. 4 ff. Ziff. 6.1 und 6.2). Total resultiere eine Einschränkung von 8.75 % im Haushalt (S. 4 ff. Ziff. 6)
5.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf den Haushaltsabklärungsbericht vom
Januar 2020 (vorstehend E. 5.1) von einer Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 50 % Erwerbstätige und als zu 50 % im Haushalt Tätige aus (vorstehend E. 2.1).
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, dass sie bei guter Gesundheit in einem 100%-Pensum tätig wäre (Urk. 1 S. 7 III.11; vgl. vorstehend E. 2.2).
Strittig und zu prüfen ist
nachfolgend
die sozialversicherungsrechtliche Qualifikation der Beschwerdeführerin.
5.3
Die
Beschwerdeführerin
hat keinen Beruf erlernt. Im Jahr 1995 reiste sie in die Schweiz ein
.
I
n den Jahren 2004 bis 2010
hat sie
als Hilfsarbeiterin auf einer Gemüsefarm gearbeitet (vgl. Urk. 7/6 S. 1;
Urk. 7/35; Urk. 7/53/ S. 2 Ziff. 2.1). Von April 2011 bis Mai 2018
war
sie bei der
F.___
als Unterhaltsreinigerin
für jeweils 14.50 Stunden pro Woche angestellt (Urk. 7/18/1-5; Urk. 7/35). Ab Mai 2018
war sie
dann
bei der
H.___
AG für jeweils 15 Stunden pro Woche als Unterhaltsreinigungsmitarbeiterin angestellt (Urk. 7/21). Zudem arbei
tete die
Beschwerdeführerin
ab
September 2013
bei der
G.___
für jeweils zirka 5 Stunden pro Woche als Reinigungsmitarbeiterin
(Urk. 7/16
/1-6
, Urk. 7/35/1
).
Die
Beschwerdeführerin
hat vor
ihrer Erkrankung zuletzt zirka 20 Stunden pro Woche als Reini
gungsmitarbeiter
in
gearbeitet
(vorstehend E. 5.1),
womit
nicht ausgeschlossen werden kann
, dass sie bei guter Gesundheit
weiterhin
einer
teil
zeitlichen
Erwerbstätigkeit nachgehen würde.
Indes
bemühte sich die Beschwer
deführerin stets um eine Ausdehnung ihrer Erwerbstätigkeit, weshalb sie bei ver
schiedenen Arbeitgebern gleichzeitig tätig war. Ausserdem
weist ihre Erwerbsbi
ographie eine seit dem Jahr 2000 durchgehende Erwerbstätigkeit und insbeson
dere in den Jahren 2004 bis 2010 eine
100%ige
Tätigkeit
im Gemüsebau
aus
(Urk.
7/35/1)
, mithin zu einem Zeitpunkt, in welchem anfänglich sämtliche der vier Kinder minderjährig waren (vgl. Urk. 7/6).
Im Weiteren war der Ehemann nach ebenfalls langjähriger Erwerbstätigkeit seit Sommer 2019 arbeitslos geworden (Urk. 7/53/1), womit
die Aussage der Beschwerdeführerin, wonach sie
bei guter Gesundheit
(
zumindest ab Sommer 2019
)
in einem 100%-Pensum gearbeitet hätte (vgl. Urk. 7/53/3 oben)
, nachvollziehbar erscheint
.
Diese Frage kann jedoch letzt
lich
offen gelassen
werden, da selbst bei einer sozialversi
cherungsrechtlichen Qualifikation als zu 100 % Erwerbstätige bei der attestierten 100%igen Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit (vgl. vorstehend E. 4.8)
kein rentenbegründen
der Invaliditätsgrad
resultiert (vgl. nachfolgend E.
6).
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.2
Die Beschwerdegegnerin zog zur Ermittlung des
Valideneinkommens
den bei der
F.___
AG gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 13. April 2018
(vgl. Urk. 7/18/1-5)
zuletzt erzielten Stundenlohn von Fr. 20.99 (Fr. 19.20 + Fr. 1.79 Anteil 13.
Mo
natslohn) heran und berechnete dabei ein Jahreseinkommen von Fr. 22'921.
--
(Fr. 20.99 x 42 x
52 :
2) für ein 50 %-Pensum beziehungsweise von Fr. 45'842.
-
für ein 100 %-Pensum (Urk. 7/56 S. 1).
Der Beschwerdeführerin ist eine angepasste, leichte und wechselbelastende Tätig
keit mit einem Anteil von sitzender Tätigkeit von etwa 30 % ohne gehende Tätigkeiten auf unebenem Untergrund
zu
100
%
zumutbar (vorstehend E. 4.8). Die Beschwerdegegnerin zog z
ur Ermittlung des Invalideneinkommens
den stan
dardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder hand
werklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors gemäss LSE
heran und berechnete dabei unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit und der Nominallohnentwicklung ein Einkommen von Fr. 54'95
5.--
(Fr. 4'371.
-- :
40 x 41.7 x 12 x 1.005).
6.3
Ob angesichts der
ermittelten Vergleichswerte eine Parallelisierung vorzunehmen wäre (vgl. BGE 141 V 1 E. 5.4), kann ebenfalls
offen gelassen
werden. Denn selbst wenn sowohl das
Validen-
als auch das
Invalideneinkommen
als rechnerische Vereinfachung
ausgehend vom gleichen Tabellenlohn
(vgl. vorstehend E. 6.2)
berechnet und sich damit deren genaue Ermittlung
erübrig
en würde
n (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1)
, resultierte kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
.
Denn
dies
falls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabel
lenlohn
, für welchen vorliegend rechtsprechungsgemäss
die Voraussetzungen
nicht erfüllt sind (
vgl. Urteile des Bundesgeric
hts 9C_507/2020 vom 29. Oktober
2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen
;
8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E. 6.3.4 mit Hin
weis
;
8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7
)
.
Angesichts der attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (vgl. vorstehend E. 4.8) resultiert
e
somit
bei einer sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation als zu 100 % Erwerbstätige
ein rentenausschliessender Invaliditäts
grad von 0 %.
Würde mit der Beschwerdegegnerin von einer sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation als Teilzeiterwerbstätige (50 %) ausgegangen (vgl. vorstehend E. 5, E. 6.2), würde b
ei einem
Valideneinkommen
von Fr. 45'842.-- sowie einem Inva
lideneinkommen von Fr. 54'955.-- keine Erwerbseinbusse
resultieren
, was zu kei
ner Einschränkung im Erwerbsbereich führt.
Im Haushaltsabklärungsbericht vom 31. Januar 2020 wurde für den Haushalt eine Einschränkung von 8.75 % ausge
wiesen (vorstehend E. 5.1), was gewichtet einen Teilinvaliditätsgrad von
4.36
% ergibt. Damit
würde
ebenfalls ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von total rund 4 %
resultieren
.
6.4
Das Wartejahr lief im Juni 2019 (vgl. Urk. 7/85/6) ab (Art. 28 IVG,
vorstehend E.
1.3) und die
Medas
-Gutachter attestierten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ab August 2019 (vgl. vorstehend E. 4.8). Es ist dabei jedoch zu beachten, dass die
Medas
-Gutachter eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bis Juli 2019 einzig gestützt auf das AUF-Attest der Rheumatologie
des Kantonsspitals A.___
attestierten (vgl. Urk. 7/85/6), nach ihrer Einschätzung jedoch aus kardiologischer und psychiatrischer Sicht ab September 2018 (Urk. 7/85/24) beziehungsweise durchgehend (Urk. 7/85/43 oben) eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestand und aus rheumatologischer Sicht von einer zeitlich definierten vollständigen bis partiellen Arbeitsunfähigkeit lediglich 2017 und 2018 nach der Herzoperation auszugehen war (Urk. 7/85/67). Mangels dezidierter fachärztlicher Angaben in den Akten lasse sich der zeitliche Verlauf retrospektiv nicht fundiert nachvollziehen (Urk. 7/85/68 oben).
Dem Bericht
des Kantonsspitals A.___
vom 6. Juni 2019 und dessen Aufstellung der AUF-Zeugnisse vom 4. Juni 2019 (Urk. 7/50 S. 1 und 2, Z
iff. 1.3 und Ziff. 2.7 sowie S.
10) ist zu entnehmen, dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Reinigungs
fach
frau bis zum 5. Juli 2019 attestiert wurde. Geeigneter als die angestammte Tätig
keit
sei
eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit, welche zwischen 2-6 Stunden täglich ausgeführt werden könne, wobei die Prognose gut sei (S. 3 Ziff. 4.2 und 4.3).
Angesichts der Ausführungen im
Medas
-Gutachten, wonach sich im Jahr 2019 in den einzelnen Fachgebieten keine Arbeitsunfähigkeit eruieren liess, und der Angaben im besagten Bericht
des Kantonsspitals A.___
, wonach eine angepasste Tätigkeit
bis zu 6 Stunden täglich bei guter Prognose zumutbar sei, ist eine für Juni 2019 anzunehmende Invalidität nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit anzunehmen.
6.
5
Zusammenfassend besteht bei einem Invaliditätsgrad von
0 % beziehungsweise
4 % kein Rentenanspruch. Die angefochtene Verfügung (Urk. 2) erweist sich nach dem Gesagten als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG). Vor
l
iegend sind die Kosten auf Fr. 8
00.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensPeter-Schwarzenberger