# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6c360f74-229f-54d8-bfde-4eb81bb018a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-12-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.12.2025 D-2200/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2200-2020_2025-12-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2200/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  D e z e m b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti,  

Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

China (Volksrepublik),   

vertreten durch Christian Bignasca, Rechtsanwalt,  

(...), 

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 20. März 2020. 

 

 

 

D-2200/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin, eine chinesi-

sche Staatsangehörige tibetischer Ethnie, aus der Präfektur Qamdo stam-

mend, gemeinsam mit ihrer Schwester (N [...]) am 20. August 2017 ihr Hei-

matland. Am 27. Juni 2018 reiste sie in die Schweiz ein und stellte glei-

chentags ein Asylgesuch. 

B.  

Am 5. Juli 2018 wurde die Beschwerdeführerin im damaligen Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._______ zu ihrer Person, ihrem Reise-

weg und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person 

[BzP]).  

C.  

C.a Am 13. August 2018, am 14. August 2018 sowie am 27. August 2018 

wurde die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen angehört.  

C.b Zu ihrem Lebenslauf führte die Beschwerdeführerin zusammenfas-

send aus, sie sei im Dorf C._______ (auch D._______) in der Gemeinde 

E._______ (auch F._______), dem Bezirk Gonjo (Gongjue) in der Region 

Kham, aufgewachsen. Sie habe weder die Schule besucht noch einen Be-

ruf gelernt, sondern habe bis 2016 ihren Eltern in deren Landwirtschafts-

betrieb geholfen und Tiere gefüttert. Ein Nachbar aus dem Dorf habe sie 

Tibetisch schreiben und lesen gelernt. Danach sei sie mit ihrer Schwester 

zum Vater, welcher in G._______ gelebt und auf dem Markt Waren verkauft 

habe, gezogen und habe dort während ungefähr neun Monaten bis zu ihrer 

Ausreise im August 2017 in einem Restaurant gearbeitet. Ihre Mutter, zwei 

Brüder und drei Schwestern würden weiterhin im Heimatdorf leben.  

C.c Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen aus, sie habe während ihrer Arbeit im Restaurant in 

G._______ eine Nonne aus dem abgebrannten Kloster Serta kennenge-

lernt und sich mit ihr angefreundet. Die Idee, eine Protestaktion durchzu-

führen, sei ungefähr eine Woche vor deren Durchführung entstanden. Ge-

meinsam mit ihrer Schwester und der Nonne habe sie in der Nacht vom 

15. August 2017 gegen 23 Uhr zwei Bilder des Klosters Serta, auch 

Lharonggar genannt, in der (...)-Strasse in G._______ geklebt. Zudem hät-

ten sie auf kleinen Zetteln vorgängig verschiedene Parolen wie «Tibet will 

Freiheit», «Wir wollen religiöse Freiheit», «Chinesen sollen raus aus Tibet» 

sowie «der Dalai Lama möge 10'000 Jahre leben» geschrieben und diese 

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nach dem Kleben der Plakate in die Luft geworfen. In der Nähe hätten sich 

einige junge Männer aufgehalten, welche sogenannte «Anfeuerungsrufe» 

von sich gegeben hätten. Durch diese bestärkt, hätten sie, ihre Schwester 

und die Nonne unvermittelt das Bedürfnis verspürt, laut Parolen auszuru-

fen. Kurz darauf seien sie von einer Person gesehen worden und hätten 

angenommen, es handle sich um einen Polizisten der öffentlichen Sicher-

heitsbehörde. Daraufhin seien sie alle drei in Richtung des Askesenraums 

des Klosters, in welchem die Nonne gelebt habe, gerannt. Dort angekom-

men, habe sie sich umgedreht und bemerkt, dass die Nonne verschwun-

den sei und sie habe beobachten können, wie die Nonne festgenommen 

worden sei. Umgehend seien sie und ihre Schwester nach Hause zu ihrem 

Vater gerannt und hätten ihm alles von der nächtlichen Aktion erzählt. Die-

ser habe ihnen geholfen, mittels eines befreundeten Händlers namens 

H._______ nach Nepal auszureisen.  

Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit 

wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.   

D.  

Am 6. Januar 2020 fand ein telefonisches LINGUA-Gespräch mit der Be-

schwerdeführerin statt, wobei ihr Fragen zum Alltagswissen gestellt sowie 

– anhand des Gesprächsinhalts –eine linguistische Analyse durchgeführt 

wurden.  

E.  

Am 6. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör 

zum Ergebnis der LINGUA-Analyse gewährt. Gleichzeitig wurde sie über 

den Werdegang und die Qualifikationen der sachverständigen Person in-

formiert.  

F.  

Am 24. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführerin auf Ersuchen hin Ein-

sicht in die Aufzeichnung des LINGUA-Gesprächs gewährt.  

G.  

Am 3. März 2020 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zu den Ergebnis-

sen der LINGUA-Analyse.  

H.  

Mit Verfügung vom 20. März 2020 – eröffnet am 25. März 2020 – stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

D-2200/2020 

Seite 4 

nicht und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegwei-

sung aus der Schweiz an und verfügte deren Vollzug.  

I.  

Die Beschwerdeführerin focht mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 

24. April 2020 (Datum Poststempel) die Verfügung des SEM beim Bundes-

verwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei 

aufzuheben, sie sei als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewäh-

ren oder eventualiter sei sie vorläufig aufzunehmen. Als Subeventualan-

trag stellte sie das Begehren, die Sache sei zu weiteren Sachverhaltsab-

klärungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses. Weiter beantragte sie die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertre-

ters als amtlichen Rechtsbeistand sowie die Vereinigung des Beschwerde-

verfahrens mit demjenigen ihrer Schwester.  

Der Beschwerde legte sie eine Kopie des Auszugs aus dem Familienbüch-

lein «Hukou» bei.  

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Rechtsanwalt Chris-

tian Bignasca wurde antragsgemäss als amtlicher Rechtsbeistand beige-

ordnet. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, eine Vernehmlassung ein-

zureichen.  

K.  

Die Vorinstanz nahm in ihrer Vernehmlassung vom 18. Mai 2020 Stellung 

zu den in der Beschwerde geltend gemachten formellen Rügen sowie zur 

durchgeführten LINGUA-Analyse. 

L.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 17. Juli 2020.   

M.  

Die Beschwerdeführerin beantragte mit Eingabe vom 14. Januar 2021 die 

Edition der vollständigen LINGUA-Analyse durch die Vorinstanz und legte 

einen Zeitungsausschnitt, einen wissenschaftlichen Bericht zu LINGUA-

Analysen sowie eine Kostennote bei. 

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Seite 5 

N.  

Mit Eingabe vom 28. Juli 2022 ersuchte die Beschwerdeführerin erneut um 

Einsicht in das Gutachten der LINGUA-Analyse. 

O.  

Mit Eingabe vom 5. September 2023 ersuchte der Rechtsvertreter um Edi-

tion der vollständigen LINGUA-Analyse und erkundigte sich nach dem 

Stand des Verfahrens.  

P.  

Am 19. September 2023 beantwortete das Gericht die Verfahrensstandan-

frage.  

Q.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. September 2023 wies das Gericht das Ge-

such um Einsicht in die LINGUA-Analyse ab. 

R.  

R.a Mit Verfügung vom 21. Februar 2025 wurde die Beschwerdeführerin 

aufgefordert, ihre aktuelle finanzielle Situation offenzulegen.  

R.b Am 14. März 2025 reichte die Beschwerdeführerin Kopien eines Ar-

beitsvertrags, ihrer Lohnabrechnungen vom Dezember 2024, Januar und 

Februar 2025, ihres Mietvertrags sowie ihrer Krankenkassenpolice ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

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Seite 6 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

1.5 Das Urteil in vorliegender Sache ergeht koordiniert mit demjenigen der 

Schwester der Beschwerdeführerin (D-2199/2020) mit dem gleichen Da-

tum und demselben Spruchkörper. Der Antrag auf Vereinigung der beiden 

Verfahren wird abgewiesen. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde wurde subeventualiter die Rückweisung der Sache 

an die Vorinstanz zwecks weiterer Sachverhaltsabklärung und zur Neube-

urteilung beantragt und die Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie des 

Untersuchungsgrundsatzes gerügt. Formelle Rügen sind vorab zu prüfen, 

da sie geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfü-

gung zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 

 

3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei erfassen die 

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Seite 7 

behördlichen Ermittlungen nicht nur jene Umstände, welche die Betroffe-

nen belasten, sondern auch die entlastenden. Die Behörde hat alle sach- 

und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten fest-

zuhalten. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfü-

gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, 

etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird 

und folglich nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachver-

halts geprüft werden, oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvoll-

ständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid 

rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig 

dann der Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien 

auf rechtliches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). 

3.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-

spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. 

VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der 

Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-

zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-

hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 

tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 

berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-

schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3). 

3.4  

3.4.1 Die Beschwerdeführerin beanstandete zunächst, dass die massge-

benden Akten des LINGUA-Gutachtens nicht editiert worden seien. Trotz 

der Offenlegung des Werdeganges der mit ihrer Herkunftsabklärung be-

auftragten Fachperson sei es faktisch unmöglich, Einwände gegen sie vor-

zubringen oder allfällige Ausstandsgründe zu prüfen. Auch könne nicht 

kontrolliert werden, wie viele Fragen sie richtig beantwortet habe und wie 

diese in der Entscheidfindung berücksichtigt worden seien. Dem Werde-

gang der Expertenperson sei ferner nicht zu entnehmen, welche Dialekte 

sie spreche. Aus den Akten gehe lediglich hervor, dass eine der Expertin-

nen seit Oktober 2012 bei LINGUA unter Vertrag stehe.  

 

3.4.2 Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs 

ergibt sich, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Be-

teiligten offenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Ver-

fügung darauf abgestellt wird (vgl. BGE 132 V 387 E. 3.1 f.; Art. 26 VwVG). 

Die Einsichtnahme kann jedoch eingeschränkt werden, wenn wesentliche 

öffentliche Interessen die Geheimhaltung erfordern (vgl. Art. 27 Abs. 1 

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Seite 8 

VwVG). Dem Anspruch auf Einsicht in LINGUA-Analysen stehen grund-

sätzlich überwiegende öffentliche und private Geheimhaltungsinteressen 

entgegen, die eine Verweigerung der vollumfänglichen Offenlegung recht-

fertigen. Dazu zählen insbesondere die Vermeidung eines Lerneffektes, ei-

ner missbräuchlichen Weiterverbreitung des Fragenkatalogs und der Si-

cherheitsanspruch der sachverständigen Person. Zur Wahrung des An-

spruchs auf rechtliches Gehör muss der asylsuchenden Person aber vom 

wesentlichen Inhalt der Analyse Kenntnis gegeben werden, mit der Mög-

lichkeit, sich dazu zu äussern und Gegenbeweise zu bezeichnen (vgl. 

Art. 28 VwVG). Die Rechtsprechung hat Mindeststandards definiert, denen 

die Gewährung des rechtlichen Gehörs und der Akteneinsicht betreffend 

LINGUA-Analysen zu genügen haben. Dazu ist der wesentliche Inhalt so-

wie zusammenfassend die von der Fachperson gestellten Fragen, der 

massgebende Inhalt der darauf erhaltenen Antworten offenzulegen und zur 

sachverständigen Person Auskunft geben (vgl. BVGE 2015/10 E. 5. sowie 

etwa die Urteile des BVGer D-2773/2020 vom 5. Oktober 2023 E. 5.2;  

A-1822/2021 vom 7. September 2022 E. 5.3 m.w.H. und Art. 27 VwVG f.).    

 

3.4.3 Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin – entgegen ihrer Ansicht, 

dass das rechtliche Gehör lediglich pro forma erfolgt sei – der wesentliche 

Inhalt der LINGUA-Analyse im Rahmen der Gewährung des rechtlichen 

Gehörs vom 6. Februar 2020 auf fast zwei Seiten (inklusive der Zusam-

menfassung ihrer Antworten) zusammengefasst zur Kenntnis gebracht und 

sie wurde über den Werdegang der sachverständigen Person informiert. 

Die Vorinstanz räumte ihr am 24. Februar 2020 zudem die Gelegenheit ein, 

ihr aufgezeichnetes LINGUA-Gespräch anzuhören und Stellung dazu zu 

nehmen (vgl. SEM-Akten A20/2, A22/4, A23/3, A25/2, A26/3). Mit diesem 

Vorgehen wurde der Anspruch auf das rechtliche Gehör hinreichend ge-

wahrt. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder eine Verletzung des 

Rechts auf ein faires Verfahren im Sinne von Art. 29 BV oder Art. 6 EMRK 

sind demzufolge nicht erkennbar. Im Übrigen ist auf die Verfügung vom 

20. September 2023 zu verweisen, worin das Gesuch um Akteneinsicht in 

das LINGUA-Gutachten bereits abgewiesen worden war.  

 

3.5  

3.5.1 Weiter bemängelte die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz sich 

ausschliesslich auf die Ergebnisse des LINGUA-Gutachtens abgestützt, je-

doch ihre Erklärungen in der Stellungnahme kaum berücksichtigt habe. Da-

mit sei das rechtliche Gehör ebenfalls verletzt. Grundsätzlich sei die Fach-

kompetenz der sachverständigen LINGUA-Experten nicht anzuzweifeln, 

jedoch sei ihr sowie ihrer Schwester aufgefallen, dass die durchführende 

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Seite 9 

Person mehrere Jahre nicht mehr im Tibet gelebt haben könne, da sie ver-

schiedene, in dieser Gegend gebräuchliche Ausdrücke nicht gekannt habe. 

Angeblich verfüge die Person, welche die Analyse verfasst habe, über ak-

tuelle Kenntnisse der Herkunftsregion der Beschwerdeführerin. Dies sei 

aber zu bezweifeln, da verschiedenen Quellen zufolge seit mindestens 

2008 der Zugang zur besagten Region für ausländische Personen einge-

schränkt oder gar gesperrt sei. Deshalb seien das uneingeschränkte Ver-

trauen der Vorinstanz in die Analysen sowie die notwendige Objektivität 

und Neutralität zu relativieren. An der sachverständigen Person mit dem 

Pseudonym «AS19» seien konkrete Zweifel an deren Fachwissen und de-

ren Unabhängigkeit angebracht. Um eine tatsächlich objektive Einschät-

zung einer Herkunftsanalyse zu erhalten, sei unter Umständen ein unab-

hängiges Gutachten in Auftrag zu geben, dies nicht zuletzt unter dem As-

pekt, dass die LINGUA-Fachstelle der Vorinstanz angegliedert und dieser 

untergeordnet sei, weshalb Zweifel an ihrer Unabhängigkeit bestünden.  

 

3.5.2 Hierzu ist festzustellen, dass eine LINGUA-Analyse zwar kein Sach-

verständigengutachten, sondern eine schriftliche Auskunft einer Drittper-

son darstellt. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifika-

tion, Objektivität und Neutralität der Expertin oder des Experten wie auch 

an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt 

sind, ist einer solchen Analyse jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen 

(vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1). Im Referenzurteil D-2337/2021 kam das 

Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Person unter dem Pseu-

donym «AS19» fachlich korrekte, neutrale und objektive LINGUA-Analysen 

zur Überprüfung der Sozialisation eines Asylsuchenden in der Autonomen 

Region Tibet vornehme. Die Fachstelle LINGUA arbeite laufend an der Op-

timierung der allgemeinen Methodik. Die von «AS19» erstellten LINGUA-

Analysen seien somit nicht grundsätzlich zu beanstanden, müssten jedoch 

einzelfallspezifisch auf ihre Aussagekraft hin geprüft werden (vgl. zum 

Ganzen das Referenzurteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 E. 7). 

 

3.5.3 Vorliegend erweist sich die Analyse als ausführlich sowie schlüssig. 

Anhand der biographischen Angaben der Beschwerdeführerin und unter 

Berücksichtigung ihrer fehlenden Schulbildung wurde Basiswissen aus 

dem Alltag, der Umgebungsgeographie und insbesondere zur Landwirt-

schaft abgefragt. In der Analyse wurde nachvollziehbar dargelegt, dass sie 

zwar über landeskundlich-kulturelle Kenntnisse zur angegebenen Heimat-

region verfüge, jedoch sei es zu einigen Wissenslücken gekommen, die 

vor ihrem angegebenen biografischen Hintergrund nicht erklärbar seien. 

Die linguistische Analyse habe sodann ergeben, dass ihre Sprache 

D-2200/2020 

Seite 10 

respektive ihr Dialekt keine überwiegenden Gemeinsamkeiten mit dem Di-

alekt von Chamdo aufweise, weshalb die Erwartungen an die Sprache ins-

gesamt nicht erfüllt seien und sie – nicht wie angegeben – im Kreis Gonjo, 

sondern eindeutig in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der 

Volksrepublik China hauptsozialisiert worden sein müsse.  

 

3.5.4 Die Rüge, dass der Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt und 

der Sachverhalt einseitig sowie falsch festgestellt worden sei, da die Schil-

derungen der Beschwerdeführerin in der Entscheidfindung kaum berück-

sichtigt respektive pauschal als unglaubhaft qualifiziert worden seien und 

der eingereichte Hukou unberücksichtigt geblieben sei, ist abzuweisen. Die 

Vorinstanz hat sich in ihrer Verfügung mit den Antworten auseinanderge-

setzt und hinreichend begründet, aus welchen wesentlichen Überlegungen 

sie zu ihrem Entscheid gelangt ist und auch, weshalb sie dem Hukou kei-

nen Beweiswert beimisst. Hierzu ist auf die Ausführungen der vorinstanzli-

chen Verfügung und der Vernehmlassung hinzuweisen (vgl. SEM-Akte 

A28/10 und Vernehmlassung vom 18. Mai 2020 S. 3). Mit dieser Rüge wird 

vielmehr die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

mit der Frage der rechtlichen Würdigung vermengt (vgl. E.6.3 hiernach). 

Der Umstand allein, dass die Vorinstanz aufgrund der vorliegenden Akten-

lage zu einer anderen Würdigung gekommen ist, als in der Beschwerde 

gefordert, spricht nicht für eine unrichtige oder unvollständige Sachver-

haltsfeststellung.  

 

3.6 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass das rechtli-

che Gehör nicht verletzt und auch der Sachverhalt richtig sowie vollständig 

festgestellt wurde. Der Antrag auf die Erstellung eines unabhängigen Gut-

achtens ist ebenso abzuweisen wie der Subeventualantrag um Rückwei-

sung der Sache an die Vorinstanz. 

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken, Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

D-2200/2020 

Seite 11 

4.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuch-

stellenden Person. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, 

wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber 

überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der 

Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdi-

gung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung 

sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise 

abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

4.3 Bei Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft einer asylsuchenden 

Person lässt das SEM in der Regel durch einen amtsexternen Sachver-

ständigen mit entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen eine Her-

kunftsanalyse respektive eine LINGUA-Analyse durchführen. Bei dieser 

werden sowohl die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse als auch die 

sprachlichen Fähigkeiten einer asylsuchenden Person geprüft. Bei solchen 

Analysen handelt es sich, wie erwähnt, zwar nicht um Sachverständigen-

gutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG, sondern um schriftliche Aus-

künfte einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Sofern be-

stimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und 

Neutralität des Analysten und an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nach-

vollziehbarkeit erfüllt sind, ist ihnen jedoch ein erhöhter Beweiswert beizu-

messen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.). Als weiteres Indiz zur Klä-

rung, ob die beschwerdeführende Person ihre Herkunft zu verschleiern ver-

sucht, sind ebenfalls ihre Aussagen in den Befragungen zu würdigen (vgl. 

Referenzurteil des BVGer D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 E. 7.12).  

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Seite 12 

5.  

5.1 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung in Würdigung des LINGUA-Gut-

achtens festgestellt, dass die Beschwerdeführerin zwar tibetischer Ethnie 

sei, jedoch in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe und nicht in der 

Volksrepublik China sozialisiert worden sein könne. Deshalb könne weder 

ihren Fluchtgründen noch ihrer angegebenen Sozialisierung in der Volks-

republik China geglaubt werden. Gemäss der sachverständigen Person 

habe sie zwar einige Fragen korrekt beantwortet, dieses Wissen könne je-

doch problemlos auch ausserhalb der Volksrepublik China erworben wer-

den. Sodann habe sie unter anderem für die erfragten administrativen Ein-

heiten obsolete Begriffe verwendet. Die Frage nach der Distanz von zwei 

Nachbardörfern habe sie nur ausweichend beantworten können. Weiter sei 

dem Gutachten zu entnehmen, dass sie lediglich spärliche Angaben zu den 

Masseinheiten, den üblichen Grössen von verkauftem Tee in Restaurants 

sowie zu allgemeinen Angaben bezüglich Lhasa habe angeben können. 

Es überrasche, dass sie den Begriff für den Kindertag weder in tibetischer 

noch in chinesischer Sprache habe nennen können und sich selber als 

Kind bezeichnet habe. Überdies weise der von ihr gesprochene Dialekt 

keine überwiegenden Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt von Lhasa oder 

Qamdo auf. In Kombination mit dem aktiven Formgebrauch, welcher im 

innertibetischen Dialekt grammatikalisch falsch sei, müsse vorliegend von 

einer exiltibetischen Sprachvariation ausgegangen und der von ihr ange-

gebene biographische Hintergrund in Frage gestellt werden. Sodann seien 

die Schilderungen ihrer Asylgründe repetitiv, widersprüchlich und inhalts-

arm ausgefallen. Auffallend sei auch ihr ungewöhnlicher Erzählstil; sie 

habe Gespräche in direkter Rede wiedergegeben, an welchen sie selber 

nicht beteiligt gewesen sei. Auch habe sie keine detaillierten Angaben rund 

um die Plakataktion sowie zum Umstand, wie sie die Nonne kennengelernt 

habe, liefern können. Überdies sei es zu einigen Widersprüchen im Ver-

hältnis zu den Aussagen ihrer Schwester gekommen. Obwohl sie unbe-

strittenermassen tibetischer Ethnie sei, sei vor dem Hintergrund der Resul-

tate der LINGUA-Analyse sowie der unglaubhaft vorgebrachten Asyl-

gründe davon auszugehen, dass sie in einer anderen, als der von ihr an-

gegebenen Region sozialisiert worden sei. Demnach könnten ihr die chi-

nesische Staatsangehörigkeit sowie die illegale Ausreise nicht geglaubt 

werden. Da sie somit ihre Mitwirkungspflicht in grober Weise verletzt habe, 

sei – gemäss ständiger Rechtsprechung – davon auszugehen, dass ein 

Vollzug der Wegweisung in ihre wahre Heimat – jedoch nicht in die Volks-

republik China – zulässig, zumutbar und möglich sei. 

 

D-2200/2020 

Seite 13 

5.2 Die Beschwerdeführerin rügte, dass sich die Vorinstanz in ihrer Ent-

scheidfindung ausschliesslich auf die LINGUA-Analyse gestützt habe und 

weder ihre Asylgründe noch ihre Stellungnahme zur LINGUA-Analyse in 

die Argumentation miteinbezogen habe. Es bleibe unklar, welchen Wis-

sensstand man von ihr im Zusammenhang mit den ihr gestellten Fragen zu 

ihrer Sozialisierung erwartet hätte. Indem die sachverständige Person 

keine diesbezüglichen Erklärungen angegeben habe, sei die Möglichkeit 

für eine Stellungnahme weggefallen. Auch gehe aus den Akten nicht her-

vor, welchen Dialekt die sachverständige Person spreche, obwohl dies hin-

sichtlich des Vorwurfs, sie (die Beschwerdeführerin) verfüge über einen 

exiltibetischen Dialekt, wesentlich wäre. Obwohl gemäss Gutachten das 

Gespräch 81 Minuten gedauert habe, sei lediglich auf sieben Abklärungs-

punkte eingegangen worden. Angesichts dieser langen Dauer sei zu 

schliessen, dass sie mehrheitlich korrekte Angaben gemacht habe, an-

sonsten das Gespräch nicht so lange gedauert hätte. Es sei nicht ersicht-

lich, inwiefern sie der Einschätzung der sachverständigen Person bezüg-

lich der erfragten administrativen Einheiten widersprochen habe. Im Zu-

sammenhang mit der ihr vorgeworfenen, ungenauen Angaben zur Entfer-

nung zweier Nachbardörfer habe sie bereits in der Stellungahme erklärt, 

dass sie nicht konkret nach der Distanz gefragt worden sei. Deshalb ver-

bleibe es unklar, warum die Vorinstanz der Meinung sei, sie habe auswei-

chend geantwortet. Ferner sei dem Vorhalt der angeblich mangelnden 

Kenntnisse zur Landwirtschaft zu widersprechen und zu beanstanden, 

dass ihre überzeugenden Erklärungen in der Stellungnahme im Asylent-

scheid nicht erwähnt respektive nicht zu ihren Gunsten ausgelegt worden 

seien. Zudem habe sie in der Stellungnahme bestritten, dass ihr die Frage 

nach dem Kindertag in dieser Form gestellt worden sei. Vielmehr seien ihr 

sehr viele andere Fragen im Zusammenhang mit ihren Geschwistern ge-

stellt worden, welche sie offensichtlich richtig beantwortet habe. Auch in 

diesem Punkt seien ihre diesbezüglichen schriftlichen Erklärungen nicht zu 

ihren Gunsten berücksichtigt worden. Weiter überzeuge die Erklärung ih-

res angeblich exiltibetischen Dialekts nicht und es falle auf, dass ihre feh-

lende Schulbildung offenbar nicht berücksichtigt worden sei, zumal gemäss 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein grosser Teil der tibe-

tischen Kinder die Schule trotz des Obligatoriums nicht besuche. Vor die-

sem Hintergrund seien ihre Antworten als glaubhaft zu würdigen. Insge-

samt seien die von ihr korrekt beantworteten Fragen nicht in der Entscheid-

findung berücksichtigt und es sei nur darauf hingewiesen worden, dass es 

sich bei den richtig beantworten Fragen um faktisches Wissen handle, wel-

ches auch ausserhalb von Tibet erlernt werden könne. Die Vorinstanz sei 

zwar zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin nicht in der 

D-2200/2020 

Seite 14 

Volksrepublik China sozialisiert worden sei, habe jedoch nicht näher aus-

geführt, woher sie stammen solle. Schliesslich sei die Tatsache, dass ihre 

Schwester eine chinesische Identitätskarte zu den Akten gelegt habe – wo-

mit deren Identität respektive Herkunft rechtsgenüglich belegt sei – unbe-

rücksichtigt geblieben. Sofern der Entscheid der Schwester positiv aus-

falle, habe dies auch für die Beschwerdeführerin zu gelten. Die ins Recht 

gelegte Kopie des Auszugs des Hukou belege ihre Identität, womit sie auch 

ihrer Mitwirkungspflicht nachgekommen sei.  

 

5.3 Die Vorinstanz wies den Vorwurf der ungenügenden Sachverhaltsfest-

stellung in ihrer Vernehmlassung zurück und ergänzte, dass nicht im übli-

chen Masse auf die geltend gemachten Fluchtvorbringen eingegangen 

werden müsse, wenn davon ausgegangen werden könne, dass die Be-

schwerdeführerin sich im fraglichen Zeitraum überhaupt nicht in demjeni-

gen Land aufgehalten habe, aus welchem sie behaupte, geflohen zu sein. 

Zudem würden ihre Erklärungen in ihrer Stellungnahme zu den Ergebnis-

sen der LINGUA-Befragung nicht zur Klärung beitragen. Angesichts der 

Tatsache, dass ihre Verwandtschaft zu ihrer (angeblichen) Schwester nicht 

rechtsgenüglich belegt worden sei, erübrige es sich, deren Identitätskarte 

zu berücksichtigen. Schliesslich würde die eingereichte Kopie des Auszugs 

des «Hukou» über eine geringe Beweiskraft verfügen, da solche Doku-

mente leicht fälsch- und manipulierbar seien.  

 

5.4 In der Replik wurde moniert, dass die Vorinstanz neu an der Verwandt-

schaft der Beschwerdeführerin zu ihrer Schwester zweifle, obwohl anläss-

lich der Anhörungen diese Tatsache nicht in Frage gestellt worden sei. Im 

Gegenteil sei sogar noch im angefochtenen Entscheid ihre Fluchtgefährtin 

als die Schwester betitelt worden und man habe sie beide im Verfahren mit 

ihren gegenseitigen Aussagen konfrontiert. Diese Vorgehensweise würde 

gegen Treu und Glauben verstossen. Spätestens mit der eingereichten Ko-

pie des «Hukou» sei die Verwandtschaft belegt worden.  

 

6.  

6.1 In BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss den Ent-

scheidungen und Mitteilungen der vormaligen Asyl- und Rekurskommis-

sion (EMARK) 2005 Nr. 1 und stellte fest, dass bei Personen tibetischer 

Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermu-

tungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-

enthaltsort bestünden. Die Abklärungspflicht des SEM finde ihre Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine 

D-2200/2020 

Seite 15 

tibetische asylsuchende Person durch die Verletzung ihrer Mitwirkungs-

pflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in 

Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne 

von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Ver-

heimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der 

Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives 

Heimatland verunmöglicht. Steht eine Täuschung über die Herkunft im 

Raum, kommt einer LINGUA-Analyse grosse Bedeutung zu (vgl. BVGE 

2014/12 E. 4.2.1.und E.  5.9 f. mit Hinweis auf EMARK 1998 2003 Nr. 14 

E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34; bestätigt im Referenzurteil D-2337/2021 vom 

5. Juli 2023 E. 7.1ff.). Vor diesem Hintergrund ist die Frage, wo die asylsu-

chende Person in den Jahren vor ihrer Einreise in die Schweiz gelebt hat, 

von entscheidender Bedeutung. 

6.2 Einleitend ist im vorliegenden Fall festzustellen, dass es der Beschwer-

deführerin nicht gelungen ist, ihre Identität rechtsgenüglich zu belegen. Sie 

reichte keine Dokumente ein, die dazu geeignet wären. Sie erklärte, nie 

einen Pass besessen, jedoch über eine chinesische Identitätskarte verfügt 

zu haben, die sie jedoch verloren respektive weggeworfen habe. Zwar exis-

tiere ein Familienbüchlein, sie wisse jedoch nicht, wie sie ihre Familie im 

Heimatland kontaktieren könne (vgl. SEM-Akte A7/15 F4.02-4.07). Vor die-

sem Hintergrund bleibt es ungeklärt, wie sie die mit der Beschwerde ein-

gereichte Kopie des Familienbüchleins Hukou hat beschaffen können. Ins-

besondere erklärte sie nicht, unter welchen Umständen es ihr trotz Beden-

ken gelungen ist, ihre Familie im Heimatland zu kontaktieren und in den 

Besitz des Dokuments zu gelangen. Im Übrigen kommt der Kopie des Hu-

kou ein verminderter Beweiswert zu, da Kopien grundsätzlich leicht fälsch-

bar und nicht auf Sicherheitsmerkmale überprüfbar sind. Entgegen ihrer 

Argumentation erweist sich ihre behauptete Sozialisierung in der Volksre-

publik China weder anhand der Kopie des Familienbüchleins noch der 

Identitätskarte der Schwester als belegt, zumal nach dem Gesagten auch 

das vorgebrachte Verwandtschaftsverhältnis nicht überprüft werden kann.       

6.3 Die Zweifel der Vorinstanz an der Sozialisierung der Beschwerdeführe-

rin in der Volksrepublik China respektive der Autonomen Region Tibet er-

scheinen auch aufgrund ihrer Aussagen während ihren Anhörungen be-

rechtigt. Zwar konnte sie anlässlich ihrer Anhörung einen Überblick über 

die Lebensumstände in ihrem angegebenen Heimatdorf vermitteln, jedoch 

blieben ihre Ausführungen zu den Tätigkeiten bezüglich der Tierhaltung, 

ihren weiteren Aufgaben innerhalb der Familie ebenso wie zu den Schul-

besuchen ihrer jüngeren Geschwister vage und oberflächlich. Angesichts 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31

D-2200/2020 

Seite 16 

ihrer behaupteten Hauptsozialisierung in der Volksrepublik China wäre 

ausserdem zu erwarten gewesen, dass sie über mehr Chinesischkennt-

nisse als über lediglich ein paar einzelne Worte verfügen würde (vgl. SEM-

Akten A7/15 F1.17.3; A11/24 F17-25, F33-41).  

 

6.4 Angesichts der berechtigten Zweifel an der Herkunft liess die Vor- 

instanz eine Herkunftsabklärung durch die Fachstelle LINGUA erstellen, in 

welcher die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse und die Sprache der Be-

schwerdeführerin untersucht wurden. Wie bereits dargelegt, kommt der 

LINGUA-Analyse ein erhöhter Beweiswert zu, wenn eine solche als inhalt-

lich schlüssig und ausgewogen zu erachten ist und die sachverständige 

Person die Anforderungen an die fachliche Qualifikation erfüllt (vgl. E. 3.5.2 

und E. 4.3 hiervor). Die in der Beschwerde angebrachte Kritik, das Inter-

view habe zu lange gedauert, um herauszufinden, dass sie nicht in der 

Autonomen Region Tibet sozialisiert worden sei, überzeugt nicht, zumal 

aus der langen Dauer eines Interviews eher hervorgeht, dass die betref-

fenden Abklärungen sorgfältig und seriös durchgeführt wurden. Inhaltlich 

wurde in der Analyse im Wesentlichen das Basiswissen des täglichen Le-

bens, welches durch eigene Beobachtung und Kontakt mit anderen Men-

schen erworben wird, der administrativen Einteilung, der Distanzen, der 

geografischen Gegebenheiten und Sehenswürdigkeiten im Umfeld ihres 

unmittelbaren Lebensraumes geprüft. Im Anschluss wurde – unter Berück-

sichtigung ihrer fehlenden Schulbildung – nachvollziehbar zusammenge-

fasst, dass sie zwar über einiges Fachwissen in geographischer und kultu-

reller Hinsicht verfüge, jedoch auch einige Lücken und Unstimmigkeiten 

betreffend die administrativen Einheiten, lokalen Sehenswürdigkeiten, 

Aussaatzeiten sowie Teegrössen aufweise, die angesichts ihrer angege-

benen Biographie nicht erklärbar seien. Auch wenn nicht allen erwähnten 

Unstimmigkeiten gleich grosses Gewicht beizumessen ist und sie mehr-

heitlich korrekte Angaben zum chinesischen Kernkeulenpilz machte, fällt 

vor allem ihr sehr knappes Wissen über die Landwirtschaft auf, dies, ob-

wohl sie angab, seit ihrer Kindheit ausschliesslich im landwirtschaftlichen 

Familienbetrieb gearbeitet zu haben. Diese mangelnde Kenntnis lässt sich 

tatsächlich nur damit zu erklären, dass sie nicht – wie von ihr behauptet – 

unter den von ihr angegebenen Umständen in der Volksrepublik China so-

zialisiert worden ist. Für diese Annahme sprechen auch die obsoleten Be-

griffe zu den administrativen Einheiten und die mangelnden Chinesisch-

kenntnisse. Zu Letzteren ist festzustellen, dass es ihr anlässlich der BzP 

auch auf Nachfrage hin nicht gelang, einen einfachen Satz zu bilden (vgl. 

SEM-Akte A7/15 F1.17.03), wohingegen sie während der LINGUA-Analyse 

sich in verschiedenen vollständigen Sätzen ausdrückte und zahlreiche 

D-2200/2020 

Seite 17 

Alltagsausdrücke nennen konnte, was zur Annahme führt, dass sie sich 

das Wissen der chinesischen Sprache im Hinblick auf das Interview nach-

träglich angeeignet haben muss. Die Zweifel an ihrem von ihr behaupteten 

Sozialisierungsort werden schliesslich durch die Ergebnisse der Prüfung 

der Sprachkenntnisse in der LINGUA-Analyse bekräftigt, wonach die dies-

bezüglichen Erwartungen insgesamt als nicht erfüllt betrachtet wurden und 

sie eindeutig in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksre-

publik China sozialisiert worden sein müsse.  

 

6.5 Schliesslich kann angesichts der nicht glaubhaft gemachten Sozialisie-

rung in der Volksrepublik China auch den Asylvorbringen der Beschwerde-

führerin nicht geglaubt werden. Neben den allgemein oberflächlich gehal-

tenen Ausführungen zur illegalen Plakataktion in Lhasa ergaben sich rund 

um das Kennenlernen der an der Aktion beteiligten Nonne, die Planung 

sowie die Flucht vor den Beamten verschiedene Widersprüche zu den 

diesbezüglichen Schilderungen der Schwester. Um Wiederholungen zu 

vermeiden, ist hierzu auf die treffenden Ausführungen der Vorinstanz zu 

verweisen (vgl. Asylentscheid vom 20. März 2020, S. 6; SEM-Akten 

A11/24 F75-79; A12/1 F4-19). Ferner erscheint es unwahrscheinlich, dass 

sie, ihre Schwester und die Nonne im Wissen um die Gefährlichkeit der 

Tat, durch das Ausrufen von Parolen auf sich aufmerksam gemacht haben 

und sich so wissentlich in Gefahr gebracht haben sollen. Auch die Schilde-

rungen zur Ausreise erweisen sich als unsubstanziiert und pauschal. Ins-

besondere ihre undifferenzierten Angaben über ihre Aufenthalte im Aus-

land und den Flug in ein ihr unbekanntes Land, wo sie sich rund zwei Mo-

nate aufgehalten haben soll, überzeugen kaum. Ferner gelang es ihr nicht, 

glaubhaft ihre effektive Ausreise und die Überquerung der Grenze zu schil-

dern. Ihre Erklärung, zusammen mit ihrer Schwester und zwei Fahrern mit 

einem Personenwagen von Lhasa nach Dram sowie weiter in eine Ort-

schaft in Nepal gereist zu sein, erweist sich als ebenso substanzarm, wie 

die vage Beschreibung der Überquerung der Grenze. Hätte sie die Über-

querung der Grenze über ein «Gewässer» tatsächlich erlebt, wäre zu er-

warten gewesen, dass sie sich präziser ausgedrückt und zumindest in der 

Lage gewesen wäre, das von ihr betitelte «Gewässer» konkret zu benen-

nen (vgl. SEM-Akten A7/15, F5.02; A12/12, F20-28, A21/1 F20-26).  

 

6.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass es zwar möglich erscheint, dass 

die Beschwerdeführerin in der Volksrepublik China geboren ist und allen-

falls kurz dort gelebt hat. Jedoch sprechen ihre Schilderungen zum dorti-

gen Leben sowie die LINGUA-Analyse gegen die Glaubhaftigkeit ihrer be-

haupteten Sozialisierung. Übereinstimmend mit der Einschätzung der 

D-2200/2020 

Seite 18 

Vorinstanz kommt das Gericht zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin 

versucht hat, ihre wahre Herkunft zu verschleiern.  

6.7 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist 

bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder 

verheimlichen, ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flücht-

lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ih-

ren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 mit 

Verweis auf EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3). Die Vorinstanz hat zu Recht ihre 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar und möglich zu 

erachten (vgl. E. 6.7 hiervor). Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme 

fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.3 Diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürger-

schaft besitzen, haben in Bezug auf China zumindest subjektive Nach-

fluchtgründe, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als sepa-

ratistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in 

D-2200/2020 

Seite 19 

Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29). 

Ein Vollzug der Wegweisung nach China für alle Exil-Tibeter und somit 

auch für die Beschwerdeführerin ist auszuschliessen, da ihnen dort eine 

unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht oder drohen 

könnte.  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit Verfügung vom 1. Mai 2020 wurde der Beschwerdeführerin – un-

ter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung ihrer finanziellen Verhält-

nisse – die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt 

Christian Bignasca wurde als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Mit Ver-

fügung vom 6. März 2025 wurde sie aufgefordert, ihre aktuelle finanzielle 

Situation offenzulegen. Mit Eingabe vom 14. März 2025 reichte sie Kopien 

ihres Arbeitsvertrags, ihrer Lohnausweise 2021-2024, ihrer Lohnabrech-

nungen vom November 2024, Dezember 2024, Januar 2025 und Februar 

2025, ihres Mietvertrags sowie ihrer Krankenkassenpolice ein. Dem einge-

reichten Arbeitsvertrag mit der Firma (...) zufolge steht sie seit 13. Juni 

2022 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis und erhält ein Monatsbrutto-

gehalt von Fr. 2'400.– (zuzüglich 13. Monatslohn) und eine variable Grati-

fikation. Gemäss der letzten vier Lohnabrechnungen (November 2024, De-

zember 2024, Januar 2025, Februar 2025) erhielt sie ein durchschnittliches 

Nettomonatsgehalt von Fr. 3'494.– (inklusive Anteil 13. Monatsgehalt und 

des Abzugs der Quellensteuer). Nach Abzug der monatlichen Ausgaben 

(Mietzins [Fr. (...)], Krankenkassenversicherung [Fr. (...)], Grundbedarf plus 

Zuschlag von 20% [Fr. 1’440.–]) ergibt sich ein monatlicher Überschuss 

von Fr. (...). Weitere Aufwendungen wurden nicht geltend gemacht. Die Be-

schwerdeführerin ist anwaltlich vertreten und es kann davon ausgegangen 

werden, dass keine zusätzlichen Ausgaben von ihrem Budget abzuziehen 

sind, weshalb auf das Einholen weiterer Informationen über ihre finanzielle 

Situation verzichtet werden kann. Vor diesem Hintergrund kann somit nicht 

mehr von einer prozessualen Bedürftigkeit ausgegangen werden, weshalb 

eine wesentliche Voraussetzung für die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG weggefallen ist. Nach-

dem deren Gewährung unter dem Vorbehalt der nachträglichen Verände-

rungen der finanziellen Verhältnisse erfolgte, ist auf diesen Entscheid 

D-2200/2020 

Seite 20 

zurückzukommen und die am 1. Mai 2020 gewährte unentgeltliche Pro-

zessführung wiedererwägungsweise zu entziehen.   

 

10.2 Beim Ausgang des vorliegenden Verfahrens sind die Kosten somit der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], 

SR 173.320.2).  

 

10.3 Abschliessend ist über das amtliche Honorar zu befinden. Die aufge-

laufenen Kosten der Rechtsvertretung sind vom Bundesverwaltungsgericht 

zu vergüten, zumal an dieser Stelle ein Widerruf der amtlichen Verbeistän-

dung (und damit ex tunc) nicht in Betracht fällt.  

10.4 Mit Eingabe vom 14. Januar 2021 reichte der amtliche Rechtsbei-

stand eine Kostennote in der Höhe von Fr. 3'220.10 ein. Dabei ging er von 

einem Aufwand von 12.54 Stunden und einem Stundenansatz von 

Fr. 230.– aus. Der zeitliche Aufwand und auch die Auslagen erscheinen 

angemessen. Die in der Kostennote noch nicht berücksichtigten Aufwen-

dungen für die Eingaben vom 3. März 2025 und 14.März 2025 können zu-

verlässig berechnet werden und sind auf Fr. 100.– festzulegen. Mit Zwi-

schenverfügung vom 1. Mai 2020 war darauf aufmerksam gemacht wor-

den, dass bei Anwältinnen und Anwälten bei einer amtlichen Rechtsvertre-

tung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– 

ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der Stunden-

ansatz ist auf Fr. 200.– herabzusetzen und dem amtlichen Rechtsbeistand 

ein Honorar von gerundet Fr. 2'910.– (inklusive Auslagen und Mehrwert-

steuer) auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2200/2020 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 

3.  

Die mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2020 gewährte unentgeltliche Pro-

zessführung wird wiedererwägungsweise entzogen. Die Verfahrenskosten 

in Höhe von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt.  

4.  

Dem für das vorliegende Verfahren als amtlicher Rechtsbeistand einge-

setzten Rechtsvertreter Rechtsanwalt Christian Bignasca wird zulasten der 

Gerichtskasse ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 2'910.– ausge-

richtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Martina von Wattenwyl 

 

 

Versand:  

D-2200/2020 

Seite 22 

Zustellung erfolgt an: 

– den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilagen: 

Formular Zahladresse und Rechnung) 

– das SEM, mit den Akten (…) (in Kopie) 

– das Migrationsamt des Kantons Luzern, Ref. Nr. (…)  

(in Kopie)