# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93694e31-9587-53c7-87c3-bf6faa9bd660
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.07.2009 D-4230/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4230-2009_2009-07-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4230/2009
law/bah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren (...),
China,
vertreten durch lic . iur. Alexandra von Weber, 
BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, 
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Kantonswechsel; 
Verfügung des BFM vom 25. Juni 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4230/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die Beschwerdeführerin am 29. Mai 2009 im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte,

dass das BFM mit  Verfügung vom 25. Juni  2009 in  Anwendung von 
Art. 27 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) und 
Art. 21 und 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfa-
hrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  die  Beschwerdeführerin  mit  der 
Begründung, aus den Abklärungen im EVZ und nach erfolgter Rechts-
belehrung  seien  keine  spezifischen  schützenswerten  Interessen  er-
sichtlich, die für eine Zuweisung in eine bestimmten Kanton sprächen, 
dem Kanton C._______ zuwies,

dass es gleichzeitig festhielt, der Zuweisungsentscheid könne nur mit 
der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der 
Einheit der Familie, und einer allfälligen Beschwerde die aufschieben-
de Wirkung entzog,

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 
30. Juni 2009 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde erheben und dabei beantragen liess, der Beschwerde sei 
die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  der  angefochtene  Entscheid 
betreffend Zuweisung in den Kanton  C._______ sei aufzuheben, und 
es sei der Kanton D._______ als Zuständigkeitskanton zu bezeichnen,

dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es sei die 
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf 
dem Gebiet des Asyls entscheidet (Art. 31 - 34 des Bundesgesetzes 
vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  [VGG, 
SR 173.32]; Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundes-
gesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht  [BGG, 
SR 173.110]), 

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dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden 
Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selb-
ständig  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechtbare  Zwischenverfü-
gung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), 

dass die Beschwerdeführerin  zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert ist, da sie durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung hat (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  daher  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist  (Art.  108  Abs. 1  AsylG; Art. 105  AsylG i.V.m. Art.  52 
Abs. 1 VwVG).

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass der Zuweisungsentscheid nur  mit  der  Begründung angefochten 
werden  kann,  er  verletze  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie 
(Art. 27 Abs. 3 Satz 3 AsylG),

dass das BFM gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG die Asylsuchenden den 
Kantonen zuteilt und dabei den schützenswerten Interessen der Asyl-
suchenden sowie der Kantone Rechnung trägt,

dass  das  BFM  dabei  gemäss  Art. 22  Abs. 1  AsylV 1  bereits  in  der 
Schweiz  lebende  Familienangehörige  und  die  Staatsangehörigkeit 
Asylsuchender sowie besonders betreuungsintensive Fälle berücksich-
tigt,

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dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1 er-
folgt,

dass nach Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 ein Kantonswechsel  vom BFM nur 
bei Zustimmung beider Kantone, bei Anspruch auf Einheit der Familie 
oder  bei  schwerwiegender  Gefährdung  der  asylsuchenden  Person 
oder anderer Personen verfügt wird,

dass der von Art. 27 Abs. 3 AsylG erfasste Begriff der Familieneinheit 
sich dabei am grundsätzlich im Asylrecht geltenden Familienbegriff ori-
entiert, wonach gemäss Art. 1 Bst. e AsylV 1 in erster Linie Ehegatten 
und deren minderjährige Kinder, mithin also die Kernfamilie, als Fami-
lie  zu  verstehen sind,  wobei  eingetragene Partnerinnen und Partner 
sowie die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft lebenden Personen 
den Ehegatten gleichgestellt sind, 

dass  über  die  Kernfamilie  hinausgehend der  Familienbegriff  gemäss 
Art. 51 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 38 AsylV 1 auch andere nahe Angehö-
rige umfasst, wenn sie eine Behinderung haben oder aus einem ande-
ren Grund auf die Hilfe einer Person, die in der Schweiz lebt, angewie-
sen sind (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 24), 

dass darunter eine Person zu verstehen ist, welche der Unterstützung 
bedarf, die durch ein in der Schweiz lebendes (asylberechtigtes) Fami-
lienmitglied und nicht durch die Schweizer Behörden oder durch Dritte 
zu erbringen ist, 

dass dazu ein besonderes Engagement des in der Schweiz lebenden 
Angehörigen verlangt wird, indem dieser seine verwandte Person nicht 
bloss finanziell oder moralisch unterstützt, sondern sich persönlich um 
sie  kümmert  (vgl. EMARK 2000 Nr. 21 E. 6c  S. 200 f.; EMARK 2001 
Nr. 24 E. 3 S. 191 f.), 

dass die Berufung auf den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne 
von Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG mithin entweder die Anwesenheit 
eines Angehörigen der Kernfamilie der asylsuchenden Person oder - 
so dies nicht der Fall ist - ein Abhängigkeitsverhältnis gemäss Recht-
sprechung  zu  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
beziehungsweise  Art. 51  Abs. 2  AsylG  voraussetzt  (vgl.  Entscheide 

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des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/47 
E. 4.1).

dass in der Beschwerde geltend gemacht wird, die Beschwerdeführe-
rin sei am 21. Dezember 2008 auf Einladung von Frau Dr. E._______ 
hin  mit  einem  Studentenvisum  für  sechs  Monate  in  die  Schweiz 
eingereist, um hier einen Englischkurs zu absolvieren,

dass sie in dieser Zeit bei Frau Dr. E._______, die sie im Tibet kennen-
gelernt habe, gewohnt habe,

dass die Beschwerdeführerin am 29. Mai 2009 ein Asylgesuch einge-
reicht  habe  und  die  Beratungsstelle  für  Asylsuchende  der  Region 
B._______  namens  der  Beschwerdeführerin  das  BFM  bereits  mit 
Schreiben  vom  28.  Mai  2009  darum  gebeten  habe,  dass  diese 
weiterhin  bei  ihrer  Bekannten,  Frau  Dr.  E._______,  in  F._______, 
Kanton D._______, wohnen bleiben könne,

dass  Frau  Dr.  E._______  die  einzige  Bezugsperson  der 
Beschwerdeführerin in der Schweiz sei, 

dass Frau Dr. E._______ sich für  die Beschwerdeführerin  eingesetzt 
und es ihr ermöglicht habe, in die Schweiz zu kommen, sie habe die 
Beschwerdeführerin eingeladen, sei für alle Kosten aufgekommen und 
habe sich ausserdem in der Garantieerklärung vom 25. Mai 2009 be-
reit erklärt, weiterhin für sämtliche Kosten der Beschwerdeführerin auf-
zukommen,

dass  sie  der  Beschwerdeführerin  ausserdem einen  vierwöchigen In-
tensiv-Deutschkurs  in  der  Migros-Klubschule  bezahlt  habe,  der  am 
29. Juni 2009 in B._______ begonnen habe,

dass  die  Beschwerdeführerin  nun  täglich  nach  B._______  reisen 
müsse, weil sie dem Kanton C._______ zugewiesen worden sei,

dass  aufgrund  dieser  Ausführungen  offensichtlich  kein  Sachverhalt 
dargetan ist, welcher ein Zusammenleben der Beschwerdeführerin mit 
Frau Dr. E._______ wegen einer eigentlichen einseitigen Abhängigkeit 
im Sinne der Rechtsprechung als dringend angezeigt erscheinen las-
sen würde,

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dass  der  Wunsch  der  Beschwerdeführerin,  weiterhin  bei  Frau  Dr. 
E._______ wohnen zu können, zwar verständlich ist, sich damit allein 
gestützt  auf  Art. 27  Abs. 3  AsylG  jedoch  kein  Rechtsanspruch  auf 
Zuteilung zu einem bestimmten Kanton ableiten lässt, 

dass  mithin  festzustellen  ist,  dass  die  Kantonszuweisung  der  Be-
schwerdeführerin den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von 
Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht  verletzt,  sich  die angefochtene Verfügung 
als rechtmässig erweist und die Beschwerde demnach abzuweisen ist. 

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die  Beschwerdebe-
gehren unter diesen Umständen als aussichtslos erscheinen, womit es 
an den materiellen  Voraussetzungen zur  Gewährung der  unentgeltli-
chen Rechtspflege fehlt,

dass mit dem Entscheid in der Hauptsache das Begehren, es sei der 
vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen,  ge-
genstandslos wird,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 
2008 über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuer-
legen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (Einschreiben, Beila-
ge: Einzahlungsschein)

- das  BFM,  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum B._______,  mit  den 
Akten Ref.-Nr. N (...) (in Kopie)

- die kantonale Behörde (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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