# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6cbf8b1a-326d-5bfd-a49c-12144c7aed3a
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR ac_2a_98_22.pdf
**Docket/Reference:** ac_2a_98_22.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf3/ac_2a_98_22.pdf

## Full Text

II.  Verwaltungsgerichtshof.  Entscheid  vom  24.  August  1999.  In  der 
Beschwerdesache  (2A  98  22)  Stadt  Murten,  handelnd  durch 
ihren 
Gemeinderat,  Rathausgasse 
3280  Murten, 
Beschwerdeführerin,  gegen  die  Baudirektion  des  Kantons  Freiburg, 
Chorherrengasse  17,  1701  Freiburg,  Beschwerdegegnerin,  betreffend 
Raumplanung,  Revision  der  Ortsplanung,  (Entscheid  der  Baudirektion 
vom 1. April 1998)  

17,  Postfach 

212, 

hat sich ergeben: 

A. 

Die  Stadt  Murten  legte  im  Jahre  1993  den  überarbeiteten  Zonennutzungs-
plan  sowie  das  geänderte  Planungs-  und  Baureglement  (=  PBR)  öffentlich 
auf.  Infolge  verschiedener  Einsprachen  erfolgten  in  den  Jahren  1994  und 
1995 je eine weitere Auflage. Am 1. April 1998 genehmigte die Baudirektion 
des  Kantons  Freiburg  den  "Zonennutzungsplan,  das  Planungs-  und  Bau-
reglement,  die  Richtpläne  Ordner  "C"  (spezielle  Planungsziele  und  Grund-
sätze,  Nutzungsrichtplan,  Landschaftsrichtplan,  Verkehrsrichtplan)...  unter 
Vorbehalt  der  Bemerkungen  in  den  Erwägungen".  Hinsichtlich  des  Zonen-
nutzungsplans  hat  die  Baudirektion  über  zwei  Quartiere  und  eine  Liegen-
schaft folgende Erwägungen angestellt: 

"Neuquartier: 
Der  Kulturgüterdienst  und  die  eidgenössische  Kommission  für 
Denkmalpflege  verlangen  die  Unterschutzstellung  der  Uhrma-
cherhäuser an der Bubenbergstrasse 3-7 sowie die Ausscheidung 
eines  Schutzperimeters  für  das  Neuquartier.  Im  Gutachten  der 
eidg.  Kommission  für  Denkmalpflege  vom  28. November  1994 
steht  unter  "Zusammenfassung  und  Schlussfolgerungen"  (S.  7, 
Ziffer 3): "Im Rahmen dieser Beurteilung qualifiziert die Eidgenös-
sische  Kommission  für  Denkmalpflege  sowohl  die  Uhrmacher-
häuser an der Bubenbergstrasse 3-7 (inklusive dem noch erhalte-
nen  Waschhäuschen  sowie  der  alleeartigen  Strassengestaltung 
und den rückseitigen Gärten), das heisst den noch verbleibenden, 
restaurierungsfähigen  Teil  der  ehemaligen  Gesamtanlage  Buben-
bergstrasse  1-7  sowie  das  Neuquartier  von  Murten,  in  seiner  ge-
samten  Erscheinung  als  Objekte  von  gesamtschweizerischer  Be-
deutung.  Da  im  Kanton  Freiburg  nur  wenige  solcher  Bauten  vor-
handen  sind,  müssen  sie  in  diesem  Rahmen  als  in  besonderem 
Masse schutzwürdig bezeichnet werden". 

Erst  im  Rahmen  der  Ortplanungsrevision  von  Murten  konnte  die 
Kulturgüterkommission,  im  Jahre  1994,  diese  Arbeiterhäuser  im 
Verzeichnis  der  schützenswerten  Bauten  im  Wert  A  (höchste 
Schutzkategorie) aufführen. 

- 2 -

Die geschichtliche und kulturelle Bedeutung der Arbeiterhäuser ist 
gemäss  den  Gutachten  erwiesen  und  durch  die  Aufnahme  ins 
Verzeichnis  untermauert  worden;  eine  Unterschutzstellung  drängt 
sich geradezu auf. Diese Unterschutzstellung erfolgt primär durch 
die  Zonennutzungspläne  und  die  dazugehörenden  Vorschriften 
(Art. 44 i.V.m. 19 und 20 des Gesetzes über den Schutz der Kul-
turgüter; SGF 482.1, Art. 62 i.V.m. mit Art. 63 Raumplanungs- und 
Baugesetz, nachfolgend: RPBG SGF 710.1). Die Baudirektion an-
erkennt den hohen kulturellen und architekturgeschichtlichen Wert 
der Uhrmacherhäuser an der Bubenbergstrasse 3-7, wie er in den 
verschiedenen Gutachten beschrieben wurde. Sie verlangt darum 
die  Unterschutzstellung  im  dazu  vorgesehenen  Verfahren,  d.h. 
durch  den  Eintrag  im  Zonennutzungsplan  und  anschliessende 
öffentliche Auflage. 

Das  Neuquartier  als  gesamte  städtebauliche  Anlage  erscheint 
dem  BRPA  (=  Bau-  und  Raumplanungsamt)  als  ein  wichtiger 
Zeuge der Stadtentwicklung Murtens. Die Baustruktur ist räumlich 
und  baulich  gut  erhalten.  Die  Forderung  des  Kulturgüterdienstes 
und  des  BRPA  nach  besonderen  städtebaulichen  Vorschriften  ist 
richtig.  Die  Gemeinde  muss  einen  Schutzperimeter  ausscheiden 
und  im  PBR  dazugehörende  Vorschriften  festlegen.  Der  Kultur-
güterdienst  steht  der  Gemeinde  für  die  Ausarbeitung  dieser  Vor-
schriften zur Verfügung. 

Längmatt(quartier): 
Der  Kulturgüterdienst  verlangt  die  Erhaltung  des  Quartiercharak-
ters. Das BRPA schliesst sich dieser Meinung an und schlägt fol-
genden Zusatz im PBR vor: Der Charakter des Quartiers soll bei-
behalten  werden,  indem  die  geschützten  Bauten,  die  Parzellen-
grössen,  die  Volumetrie  der  nicht  geschützten  Bauten  sowie  der 
Charakter  der  Nahumgebung  (Gartenanlagen  mit  Baumbestand 
und  Einfriedungen)  erhalten  bleiben  müssen.  Die  Baudirektion 
schliesst  sich  dem  an  und  verlangt  die  öffentliche  Auflage  dieses 
Nachtrags.  

(Gebäude) Bernstrasse 3: 

Die  Baudirektion  schliesst  sich  den  Aussagen  des  Kulturgüter-
dienstes an." 

Zum Objekt Bernstrasse 3 hat der Kulturgüterdienst ausgeführt, was folgt: 

"Bei  der  Vorprüfung  war  der  ganze Bereich im Einzugsgebiet der 
Stadteingänge durch erhöhte architektonische und städtebauliche 
Anforderungen  abgedeckt.  Bei  der  Schlussprüfung  wurde  diese 
planerische  Massnahme  auf  einzelne  Parzellen  reduziert.  Die 

 
 
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Kulturgüterkommission  beantragt 
Erhaltung des Ortsbilds: 

folgende  Ergänzungen  zur 

Unterschutzstellung folgender Bauten: 

... 
... 
Wohnhaus  mit  Werkstatt,  Bernstr.  3,  Bau  aus  dem  18.  Jh.  mit 
Umbauten,  dominante  Stellung  neben  Schulhausbau  von  Weibel, 
in der unmittelbaren Nähe des Berntors. 

... 
Für  das  Gebäude  an  der  Bernstr.  3  sieht  er  (=  der  Gemeinderat 
von  Murten)  keine  Unterschutzstellung  vor.  Das  Gebäude  ist  der 
Zone von allgemeinem Interesse zugewiesen. 

Um  das  Ortsbild  an  dieser  sehr  exponierten  Stelle  nicht  zu 
gefährden, beantragt die Kulturgüterkommission, das Gelände mit 
den  beiden  Gebäuden  (Schulhaus,  Längmatt  2  und  Wohnhaus 
Bernstr.  3)  ebenfalls  in  die  Schutzzone  1  zu  integrieren  als 
Ueberlagerung auf die Zone von allgemeinem Interesse. Die Kul-
turgüterkommission  verzichtet  deshalb  auf  eine  Unterschutzstel-
lung des Gebäuds Bernstr. 3." 

B. 

Gegen  diese  Plangenehmigung  reichte  die  Stadt  Murten  Verwaltungsge-
richtsbeschwerde ein. Sie stellt folgende Anträge: 

"1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

  2. Primär 

  Die  Verfügung  der  Baudirektion  wird  mit  Ausnahme  der 
Ausführungen zum Neuquartier, zum Längmattquartier und 
zur Bernstrasse 3 gutgeheissen. 

Der  Zonennutzungsplan  und  das  Planungs-  und  Bauregle-
ment  werden  in  Bezug  auf  das  Neuquartier,  das  Läng-
mattquartier  und  die  Bernstrasse  3  sowie  den  übrigen  von 
der Baudirektion nicht gerügten Vorgaben so genehmigt, wie 
sie von der Gemeinde vorgelegt worden sind. 

3. Subsidiär 

Die Angelegenheit wird zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 
zurückgewiesen. 

4. Der  Beschwerde  wird  die  aufschiebende  Wirkung  nicht  ent-
zogen; der Beschwerde wird aufschiebende Wirkung erteilt. 

 
 
 
 
 
 
 
 
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5. (Parteikosten). 

6. (Verfahrenskosten)." 

Die Stadt Murten macht im Wesentlichen die Verletzung der Gemeindeauto-
nomie,  der  Eigentumsgarantie  und  der  Prinzipien  der  Verwaltungstätigkeit 
(Verhältnismässigkeit,  öffentliches  Interesse,  Ermessensmissbrauch)  gel-
tend. 

Das  BRPA,  das  für  die  Baudirektion  die  Beschwerdeantwort  verfasste,  der 
Kulturgüterdienst  sowie  Martin  Fröhlich,  Mitglied  der  Eidgenössischen  Kom-
mission  für  Denkmalpflege  und  Bundesexperte  für  Murten,  beantragen,  die 
Beschwerde der Stadt Murten abzuweisen. 

C. 

Auf die Begründungen der einzelnen Anträge wird, soweit für die Rechtsfin-
dung notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingetreten. 

Der II. Verwaltungsgerichtshof 
zieht in Erwägung: 

1. 

2. 

Die Planung des Gemeindegebiets obliegt der Gemeinde (Art. 33 Abs. 1 und 
66 RPBG). Die Pläne und Reglemente werden von der Baudirektion geprüft 
und  genehmigt.  Ihr  Entscheid  kann  gestützt  auf  Art.  114  Abs.  1  lit.  a  des 
Gesetzes  vom  23.  Mai  1991  über  die  Verwaltungsrechtspflege  (VRG;  SGF 
150.1)  beim  Verwaltungsgericht  angefochten  werden.  Dessen  Zuständigkeit 
zur  Beurteilung  der  vorliegenden,  rechtzeitig  eingereichten  Beschwerde  ist 
somit gegeben. 

Nach Art. 76 VRG ist zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht berechtigt, 
wer  durch  den  angefochtenen  Entscheid  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges 
Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (lit. a) sowie jede andere 
Person, Organisation oder Behörde, die das Gesetz als beschwerdeberech-
tigt anerkennt (lit. b). Im Bereich der Raumplanung wird der Gemeinde nicht 
ausdrücklich  eine  Beschwerdelegitimation  gegen  Genehmigungs-  oder 
Nichtgenehmigungsentscheide der Baudirektion eingeräumt. Art. 176 Abs. 2 
RPBG,  wonach  gemäss  Rechtsprechung  die  Gemeinde  Bauentscheide  mit 
Beschwerde  anfechten  kann,  ist  hier  nicht  anwendbar,  mithin  ist  die 
Beschwerdebefugnis der Gemeinde gestützt auf Art. 76 lit. b VRG zu vernei-
nen. 

Das  Verwaltungsgericht  hat  jedoch  bereits  mehrmals  festgestellt  (vgl.  etwa 
Urteile  vom  26.  Januar  1995,  2A  94  80,  und  vom  3.  April  1998,  2A  96  59), 
dass den Gemeinden des Kantons Freiburg im Bereich der Ortsplanung eine 
relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit zustehe (BGE 119 Ia 115) und mithin 

 
 
 
 
 
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gestützt  auf  die  Art.  3  Abs.  3,  Art.  33  Abs.  1,  Art.  66  und  Art.  78  ff.  RPBG 
Autonomie.  Somit  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Stadt  Murten  durch  den 
Entscheid  des  Staatsrats  in  ihren  hoheitlichen  Befugnissen  betroffen  wird. 
Sie ist daher befugt, Beschwerde an das Verwaltungsgericht zu führen (vgl. 
auch Karl Spühler, Rechtsschutz von Privaten und Gemeinden im Raumpla-
nungsrecht, ZBl 90/1989 S. 108; EJPD/BRP, Erläuterungen RPG, 1981 N. 26 
zu Art. 33 S. 352). 

3.  a)  Nach  Art.  77  VRG  ist  im  Beschwerdeverfahren  die  Prüfungsbefugnis  des 
Verwaltungsgerichts  beschränkt  auf  Rechtsverletzung  einschliesslich  Über-
schreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  (Abs.  1)  sowie  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Abs.  2). 
Eine freie Ermessenskontrolle steht dem Gericht unter anderem nur dann zu, 
wenn  die  Angelegenheit  der  Beschwerde  an  eine  zur  Überprüfung  dieser 
Rüge  befugte  Bundesbehörde  unterliegt  oder  wenn  ein  Gesetz  diesen 
Beschwerdegrund ausdrücklich vorsieht (Art. 78 Abs. 2 lit. b und c VRG). Art. 
33  RPG  verpflichtet  die  Kantone,  wenigstens  ein  Rechtsmittel  gegen  Verfü-
gungen  und  Nutzungspläne  vorzusehen  und  die  volle  Überprüfung  durch 
wenigstens  eine  Beschwerdebehörde  zu  gewährleisten.  Ob  das  Verwal-
tungsgericht bei der Überprüfung der Nichtgenehmigung eines kommunalen 
Nutzungsplans gestützt auf Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG zu einer vollen, auch die 
Ermessenskontrolle  umfassenden  Kognition  verpflichtet  ist,  hat  das  Ver-
waltungsgericht bereits in seinem Entscheid vom 7. November 1995 (2A 95 
61) bejaht. 

b) 

Im vorliegenden Fall ist der beim Verwaltungsgericht angefochtene Entscheid 
durch die Baudirektion als Genehmigungsbehörde und damit durch eine vom 
kommunalen  Planungsträger  unabhängige  Instanz  getroffen  worden;  er 
beinhaltet  indes  nur  die  Genehmigung  beziehungsweise  die  Nichtge-
nehmigung des Plans und nicht einen eigentlichen Einspracheentscheid. Das 
RPBG  sieht  in  Fällen,  in  denen  die  Baudirektion  einem  Plan  die  Ge-
nehmigung  verweigern  will,  kein  damit  verbundenes  Einspracheverfahren 
vor. Das Verwaltungsgericht hat daher die vorliegende Beschwerde gestützt 
auf  Art.  33  Abs.  3  lit.  b  RPG  mit  einer  auch  die  Ermessenskontrolle  umfas-
senden Kognition zu überprüfen. 

c)  Der Erlass und die Änderung kommunaler Zonenpläne werden von der Bau-
direktion,  mit  der  vorgängigen  Zustimmung  des  Staatsrats,  bezüglich  ihrer 
Gesetz-  und  Zweckmässigkeit  sowie  ihrer  Übereinstimmung  mit  den  kanto-
nalen und regionalen Plänen geprüft und genehmigt (Art. 81 Abs. 3 RPBG). 
Bevor sie über die Beschwerden entscheidet und die Pläne und Reglemente 
genehmigt,  wägt  sie  die  Interessen  ab  (Art.  81a  Abs.  1  RPBG).  Die  Recht-
mässigkeitskontrolle  umfasst  die  Prüfung  der  Pläne  und  des  Planungsver-
fahrens  auf  ihre  Übereinstimmung  mit  den  sich  aus  dem  Verfassungsrecht 

 
 
 
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ergebenden Schranken (BGE 114 Ia 114 Erw. 3ca). Die Zweckmässigkeits-
kontrolle berechtigt die Genehmigungsbehörde nicht zu eigener Planung. Der 
Nachweis,  dass  die  Gemeinde  überhaupt  eine  (mögliche)  zweckmässige 
Lösung  getroffen  habe,  genügt,  die  Kontrollinstanz  setzt  nicht  ihr  eigenes 
Ermessen  an  die  Stelle  des  gemeindlichen  Ermessens,  auch  wenn  sich 
mehrere zweckmässige Lösungen denken lassen und sie selbst eine andere 
Wahl getroffen hätte; bei mehreren zweckmässigen Lösungen liegt das letzte 
Wort  bei  der  Gemeinde.  Das  heisst  nun  aber  nicht,  dass  die  Genehmi-
gungsbehörde  erst  einschreiten  kann,  wenn  die  Lösung  der  Gemeinde  un-
sachlich  und  unhaltbar  ist.  Eine  Korrektur  ist  vielmehr  schon  dann  möglich, 
wenn sie sich aufgrund überkommunaler Interessen als zweckmässig erweist 
oder wenn sie den wegleitenden Grundsätzen und Zielen der Raumplanung 
nicht  entspricht  oder  unzureichend  Rechnung 
(Entscheid  des 
in  ZBl  90/1989  S.  119;  Leo 
Bundesgerichts  vom  4.  Mai  1988 
Schürmann/Peter  Hänni,  Planungs-,  Bau-  und  besonderes  Umweltschutz-
recht, 3. Auflage, Bern, S. 180; Spühler, a.a.O., S. 110 ff.). 

trägt 

d)  Es ist darauf hinzuweisen, dass bei der Erfüllung raumplanerischer Aufgaben 
und  der  Festsetzung  von  Zonen  die  Planungsbehörden  die  im  positiven 
Recht  normierten  Ziele  und  Grundsätze  optimal  zu  berücksichtigen  haben. 
Dabei  sind  alle  Interessen,  seien  es  öffentliche  oder  private,  zu  beachten 
(BGE 115 Ia 153 mit Hinweisen). Die Gemeinde verfügt als Planungsbehörde 
(Art.  33  Abs.  1  RPBG)  den  zur  Erfüllung 
ihrer  Aufgaben  nötigen 
Ermessensspielraum  (Art.  2  Abs.  3  RPG).  Die  Genehmigungsbehörde  wie 
das Verwaltungsgericht haben demnach bei der Ermessenskontrolle Zurück-
haltung  zu  üben.  Der  Umfang  der  Gemeindeautonomie  im  Bereich  der  Nut-
zungsplanung  wird  durch  die  Kognitionsbefugnis  der  Genehmigungs-  bezie-
hungsweise  Rechtsmittelbehörde  bestimmt  (Peter  Hänni,  Gemeindeautono-
mie  und  Planungsrecht,  Baurecht,  BR,  4/91  S.  84).  Bei  umfassender  Prü-
fungsbefugnis der Genehmigungsbehörde kann die Gemeinde nur dann eine 
Verletzung  ihrer  Autonomie  geltend  machen,  wenn  die  teilweise  Nichtge-
nehmigung des Zonenplans sich nicht mit vernünftigen, sachlichen Gründen 
vertreten  lässt.  Die  Baudirektion  hat,  wenn  sie  einen  Plan  nicht  genehmigt, 
dies  ebenfalls  mit  vernünftigen,  sachlichen  Gründen  zu  tun.  Sie  darf,  wie 
erwähnt, nicht einfach das Ermessen der Gemeinde durch ihr eigenes erset-
zen. Sie hat es in Übereinstimmung mit der Regel von Art. 2 Abs. 3 RPG den 
Gemeinden zu überlassen, unter mehreren verfügbaren und zweckmässigen 
Lösungen zu wählen (vgl. BGE 116 Ia 227; 113 Ia 192). 

4.  a)  Die  Stadt  Murten  macht  vorerst  geltend,  der  angefochtene  Entscheid  sei 
nicht begründet. Die Baudirektion habe zwar zu den verschiedenen Gutach-
ten  Stellung  genommen,  es  aber  unterlassen,  sich  damit  auch  auseinander 
zu  setzen.  Sie  habe  die  tatsächlichen  Verhältnisse  nicht  gewürdigt  und  den 
Entscheid,  sich  der  Meinung  der  verschiedener  Gutachter  anzuschliessen, 
nicht begründet. Die Baudirektion führe nicht aus, aufgrund welcher gesetzli-

 
 
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chen  Grundlage  sie  sich  Empfehlungen  der  Gutachter  anschliesse  und 
worauf sie ihre Kompetenz stütze, von der Gemeinde Murten die öffentliche 
Auflage dieses Nachtrags zu verlangen. Hinsichtlich der Unterschutzstellung 
des  Objekts  Bernstrasse  3  werde  lediglich  festgehalten,  dass  die  Baudirek-
tion  sich  den  Aussagen  des  Kulturgüterdiensts  anschliesse.  Aber  es  werde 
weder ausgeführt, welches die Aussagen des Kulturgüterdiensts seien, noch 
erwähnt, wieso sich die Baudirektion diesen anschliesse. 

Die  Baudirektion  führt  hierzu  aus,  dass  das  Gutachten  der  Kulturgüterkom-
mission  fundiert  sei;  mit  dem  Hinweis  auf  die  Ausführungen  im  Gutachten 
übernehme sie implizit die ihm zugrunde liegende Argumentation. 

b)  Eine  Verfügung  enthält  eine  Begründung  (Art.  66  lit.  c  VRG).  Das  bedeutet 
aber  nicht,  dass  sich  die  Behörde  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen 
Behauptung,  mit  jedem  rechtlichen  Einwand  und  jedem  Beweismittel  aus-
einander  setzen  muss.  Es  genügt,  wenn  sich  sowohl  die  Betroffenen  als 
auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des  Entscheids  ein  Bild 
machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen 
genannt  werden,  von  denen  sich  die  Behörde  hat  leiten  lassen  und  auf  die 
sich  ihr  Entscheid  stützt.  An  die  Begründung  von  Verfügungen  sind  im 
Allgemeinen  keine  hohen  Anforderungen  zu  stellen,  namentlich  dann  nicht, 
wenn den Betroffenen die wesentlichen Umstände bereits bekannt sind. Die 
Begründung  kann  auch  in  einem  Verweis  (zum  Beispiel  auf  eine  frühere 
Verfügung,  ein  Sitzungsprotokoll  oder  einen  separaten  Briefwechsel)  beste-
hen  (Thomas  Merkli/Arthur  Aeschlimann/Ruth  Herzog,  Kommentar  zum 
Gesetz  über  die  Verwaltungsrechtspflege  im  Kanton  Bern,  1997,  N.  5-7  zu 
Art. 52). 

c)  Der angefochtene Entscheid nimmt im Wesentlichen Bezug auf die von den 
verschiedenen  Ämtern  eingereichten  Berichten  und  Gutachten.  Diese  stan-
den der Stadt Murten zur Verfügung und waren ihr mithin bekannt. In ihrem 
Entscheid  übernimmt  die  Baudirektion  zum  Teil  die  Erwägungen  der 
erwähnten  Berichte  und  Gutachten  oder  verweist  zum  Teil  lediglich  darauf. 
Damit nimmt sie zwar Bezug auf bereits im voraus bekannte Feststellungen 
und  Anträge.  Aber  in  den  Berichten  und  Gutachten  der  Ämter  werden  die 
Gründe für eine Abänderung der Ortsplanung und des Reglements ausführ-
lich  dargelegt.  Wenn  die  Baudirektion  darauf  verweist,  ist  sie  ihrer  Begrün-
dungspflicht  nachgekommen.  Denn  die  Stadt  Murten  kann  aus  dem  Ent-
scheid und den übrigen Akten klar entnehmen, warum die Baudirektion den 
Plan und das Reglement nicht so genehmigte, wie sie ihr vorgelegt wurden. 
Dem Gesagten zufolge ist der Antrag, der angefochtene Entscheid sei, da er 
schlicht  keine  Begründung  enthalte,  aus  Gründen  der  formellen  Rechtsver-
letzung aufzuheben, abzuweisen. 

 
 
 
- 8 -

5. 

Die Stadt Murten rügt dann die "Fehlende selbständige rechtliche Beurteilung 
des  Sachverhalts".  Zur  Begründung  bringt  sie  vor,  dass  die  Baudirektion  es 
unterlassen  habe,  insbesondere  die  vom  Kulturgüterdienst  und  vom  BRPA 
im  Rahmen  der  von  ihnen  verlangten  Gutachten  unterbreiteten  Tatsachen 
auf deren rechtliche Tragweite zu untersuchen; die verschiedenen Gutachten 
seien rechtlich nicht gewürdigt worden, weshalb der angefochtene Entscheid 
nichtig sei. 

Die  Nutzungspläne  werden  im  Genehmigungsverfahren  hinsichtlich  ihrer 
Recht-  und  Zweckmässigkeit  sowie  ihrer  Übereinstimmung  mit  den  kanto-
nalen und regionalen Plänen überprüft (Art. 81 Abs. 3 RPBG). Die Baudirek-
tion  ist,  wie  weiter  unter  auszuführen  sein  wird,  dieser  Pflicht  nachgekom-
men. In ihrem Verhalten kann von einer formellen Rechtsverweigerung nicht 
die Rede sein. 

6.  a)  Weiter  kritisiert  die  Stadt  Murten,  dass  die  Entscheidformel  der  angefochte-
nen  Verfügung  aus  Gründen  der  Rechtssicherheit  nicht  zu  genügen  ver-
möge.  Sie  stelle  zwar  fest,  dass  ihre  Ortsplanung  grundsätzlich  genehmigt 
worden  sei,  sehe  sich  aber  nicht  in  der  Lage,  die  Bedingungen,  unter  wel-
chen  die  Genehmigung  erteilt  wurde,  präzise  festzustellen.  Einerseits  frage 
es sich, ob die Baudirektion sämtliche Vorbehalte oder Bemerkungen, die in 
den Gutachten der Amtsstellen enthalten seien, gelten lassen wolle, oder ob 
nur  jene  zu  beachten  seien,  die  in  der  Verfügung  vom  1.  April  1998  auch 
erwähnt  seien.  Andererseits  gehe  aus  der  angefochtenen  Verfügung  nicht 
hervor,  ob  sämtliche  Bemerkungen,  die  in  den  Gutachten  enthalten  seien, 
verbindlich eingehalten werden müssten. Als Beispiele führt die Stadt Murten 
an,  dass  sie  gebeten,  den  archäologischen  Perimeter  im  definitiven  Zonen-
plan  einzutragen  (S.  5  des  angefochtenen  Entscheids),  oder  aufgefordert 
werde,  die  Unterschutzstellung  der  vom  Kulturgüterdienst  aufgeführten 
Gebäude  noch  einmal  zu  überprüfen  und  gegebenenfalls  bei  der  nächsten 
Auflage die Gebäude zu schützen (S. 7 des angefochtenen Entscheids). 

b)  Ein  Entscheid  enthält  nach  Art.  66  lit.  d  VRG  unter  anderem  auch  die  Ent-
scheidformel  (Dispositiv).  Grundsätzlich  erwächst  nur  das  Dispositiv  in 
Rechtskraft.  Verweist  dieses  aber  auf  die  Erwägungen,  haben  diese  an  der 
Rechtskraft teil, was bei negativen - verweigernden - Entscheiden notwendi-
gerweise  der  Fall  ist  (Alfred  Kölz/Isabelle  Häner,  Verwaltungsverfahren  und 
Verwaltungsrechtspflege  des  Bunds,  Zürich  1998,  2.  Auflage,  449  und  696 
mit Hinweisen). 

c)  Der  Stadt  Murten  ist  insofern  zuzustimmen,  dass  das  Dispositiv  des  ange-
fochtenen Entscheids ungenau formuliert ist. Das Dispositiv verweist jedoch 
ausdrücklich  auf  die  Erwägungen.  So  erfolgte die Genehmigung "unter Vor-
behalt  der  Bemerkungen  in  den  Erwägungen"  und  unter  Einschluss  der  "in 
den Gutachten der Amtsstellen und Organe enthaltenen Bedingungen" (Ziff. 

 
 
 
 
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1 und 2 des Dispositivs). Damit werden die Erwägungen zum Bestandteil des 
Dispositivs  und  haben  an  der  formellen  Rechtskraft  teil  (Verwaltungspraxis 
der Bundesbehörden, VPB, 60/1996 Nr. 45 Erw. 1.3.1.1.). 

Die  Erwägungen  im  angefochtenen  Entscheid  enthalten  klare  und  somit  für 
die  Stadt  Murten  verbindliche  Anweisungen.  Wenn  beispielsweise  im  Rah-
men  des  archäologischen  Perimeters  (S.  5  des  angefochtenen  Entscheids) 
das Wort "gebeten" gebraucht wird, ändert dies nichts daran. Aus den weite-
ren Erwägungen ergibt sich nämlich, dass die Stadt Murten aufgefordert wird, 
den  erwähnten  Perimeter 
im  definitiven  Zonenplan  einzutragen  und 
"graphisch stärker darzustellen", weil er kaum lesbar sei. Diese Weisung ist 
unmissverständlich.  Auch  die  übrigen  Anordnungen  der  Baudirektion  sind 
klar. Das ergibt sich auch aus dem Umstand, dass die Stadt Murten sie zum 
Gegenstand ihrer Beschwerde macht; sie weiss somit, welche Anordnungen 
sie  noch  zu  befolgen  hat.  Im  Übrigen  ist  auf  das  ausserordentliche  Rechts-
mittel  der  Erläuterung  (Art.  108  VRG)  hinzuweisen.  Dieses  dient  dazu, 
Unklarheiten oder Widersprüche in der Entscheidformel oder zwischen dieser 
und  der  Begründung  zu  beseitigen.  Wenn  für  die  Stadt  Murten  tatsächlich 
Unklarheiten  bestanden  hätten,  dann  hätte  sie  ein  Gesuch  um  Erläuterung 
einreichen können. 

Das  Vorbringen  der  Stadt  Murten,  das  Dispositiv  der  angefochtenen  Verfü-
gung  sei  unbestimmt  formuliert  und  vermöge  den  gesetzlichen  Erfordernis-
sen  nicht  zu  genügen,  ist  nach  dem  Gesagten  unbegründet.  Infolgedessen 
ist der Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben oder zu präzisie-
ren oder zur Präzisierung an die Baudirektion zurückzuweisen, abzuweisen. 

Immerhin  ist  der  Baudirektion  aus  Gründen  der  Klarheit  zu  raten,  beim 
Genehmigungsentscheid ihre Anordnungen und Weisungen in das Dispositiv 
aufzunehmen. 

7.  a)  Der  Zonennutzungsplan  teilt  das  gesamte  Gemeindegebiet  in  Zonen  auf;  in 
der  Regel  bezeichnet  er  Bau-  und  Landwirtschaftszonen,  Zonen  ohne  Nut-
zung,  Forstwirtschafts-  sowie  Schutzzonen  (Art.  45  Abs.  1  RPBG).  Die 
Schutzzonen  umfassen  unter  anderem  bedeutende  Ortsbilder,  historische 
Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler (Art. 17 Abs. 1 lit. c RPG; Art. 61 
Abs. 1 lit. c RPBG). Nach Art. 63 Abs. 1 und 3 erfolgt die Unterschutzstellung 
durch  die  Zonennutzungspläne  und  die  dazugehörenden  Vorschriften;  das 
Verfahren der Unterschutzstellung durch die Pläne wird durch die Art. 78 bis 
82  RPBG  (Bestimmungen  über  das  Genehmigungsverfahren  für  Nutzungs-
pläne und der auf diese Pläne anwendbaren Gemeindevorschriften) geregelt. 
Kulturgüter werden demnach mit den Mitteln und gemäss den Verfahren, die 
in der Raumplanungs- und Baugesetzgebung vorgesehen sind, unter Schutz 
gestellt (siehe auch Art. 20 des Gesetzes über den Schutz der Kulturgüter). 

 
- 10 -

Von  Bundesrechts  wegen  besteht  die  Pflicht,  dass  im  Rahmen  der  Raum-
planung  auf  den  Schutz  der  Landschaft,  der  Heimat,  von  Ortsbildern  und 
Denkmälern Rücksicht zu nehmen ist (Art. 1 Abs. 2 lit. a RPG; Art. 1 lit. a des 
Bundesgesetzes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz, NHG; 
SR  451).  Ortsbilder  sind  also  entsprechend  ihrer  Bedeutung  zu  bewahren 
und Siedlungen so zu gestalten, dass eine gute Gesamtwirkung entsteht. 

b)  Die  Gemeinden  sind  nach  dem  Gesagten  verpflichtet,  Massnahmen  zum 
Schutze der Ortsbilder entsprechend ihrer Bedeutung zu treffen. Sie erfüllen 
diese  Aufgaben,  indem  sie  insbesondere  Schutzzonen  ausscheiden,  Vor-
schriften oder Verfügungen über den Schutz, die Gestaltung und den Unter-
halt  von  Schutzobjekten  erlassen  sowie  die  Kosten  für  den  Schutz,  die  Ge-
staltung  und  den  Unterhalt  von  Schutzobjekten  regeln  (Aldo  Zaugg,  Kom-
mentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 9. Juni 1985, 2. Auflage, Art. 
86  N  1  ff.).  Planerischen  Schutz  geniessen  insbesondere  bedeutende  Orts-
bilder, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler. Die Schutz-
zonenfestlegung  bezweckt  einen  flächendeckenden  Schutz,  der  sich  im 
Wesentlichen auf das Äussere von Bauten bezieht. Das Schutzinteresse gilt 
aber nicht nur einem einzelnen Objekt, sondern darüber hinaus auch einem 
Ensemble  von  Bauten  und  dessen  näheren  Umgebung  (BGE  115  Ia  370 
Erw. 3a; Schürmann/Hänni, a.a.O., S. 156).  

8. 

Die  Stadt  Murten  gilt  wegen  ihres  herausragenden  Ortsbilds  und  aufgrund 
ihrer  Geschichte  als  Kulturgut  von  nationaler  Bedeutung  und  ist  infolgedes-
sen im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (= ISOS) einge-
stuft.  Von  besonderer  Bedeutung  für  die  ganze  Schweiz  sind  insbesondere 
die  noch  grösstenteils  erhaltenen  Stadtmauern  und  der  die  Altstadt  umfas-
sende  Stadtgraben,  der  noch  weitgehend  unverbaut  ist.  Die  Stadtmauern 
und  das  Schloss  sowie  die  unmittelbare  Umgebung  wurden  bereits  bei  der 
Sanierung in den Jahren 1909 bis 1916 unter Schutz gestellt (vgl. Bericht des 
Bundesamts für Kultur vom 29. Mai 1996 an die Baudirektion). 

Somit gebietet das öffentliche Interesse, dass die Stadt Murten vor baulichen 
und  anderen  Beeinträchtigungen  nicht  nachhaltig  betroffen  wird.  Sie  muss 
als  Zeuge  einer  historischen,  aber  auch  gesellschaftlichen,  wirtschaftlichen 
und  technischen  Situation  erhalten  bleiben  und  mithin  geschützt  werden. 
Gewisse  Beschränkungen  aus  Gründen  des  Ortsbildschutzes  drängen  sich 
deshalb  geradezu  auf.  Dies  gilt  es  bei  der  Beurteilung  der  vorliegenden 
Beschwerde grundsätzlich zu berücksichtigen. 

9. 

Die  Stadt  Murten  macht  eine  falsche  und  ungenügende  Feststellung  des 
Sachverhalts, die Verletzung der Gemeindeautonomie, der Eigentumsgaran-
tie, der Prinzipien der Verwaltungstätigkeit (Verhältnismässigkeit, öffentliches 
Interesse,  Ermessensmissbrauch)  sowie  die  Verletzung  der  Bestimmungen 
zum Raumplanungsrecht geltend. 

 
 
 
 
- 11 -

Diese  Rügen  sind  grundsätzlich  zulässig  (vgl.  Spühler,  a.a.O.,  S.  108  und 
109). Eine Gemeinde kann auch die Verletzung anderer Grundrechte anfüh-
ren, handle es sich nun um Individualrechte oder allgemeine Bestimmungen. 
In  diesem  Sinne  ist  im  Rahmen  der  Autonomiebeschwerde  insbesondere 
auch zu prüfen, ob die teilweise Nichtgenehmigung der Ortsplanung vor der 
Eigentumsgarantie standhält (vgl. BGE 104 Ia 120 Erw. 2b). 

10.   

Beschwerde zum Neuquartier: 

a)  Das Neuquartier, auch Katharinenfeld genannt, befindet sich ausserhalb der 
Stadtmauern,  am  südwestlichen  Rand  der  Altstadt  von  Murten.  Nach  dem 
Zonennutzungsplan  wird  dieses  Quartier  hauptsächlich  der  Wohnzone  mitt-
lerer Besiedlungsdichte (WM) und der Mischzone I (MZ I) zugewiesen. In der 
WM sind Gebiete eingezont, in denen das Wohnen überwiegend ist oder sein 
soll und die vor allem für Mehrfamilienhäuser bestimmt sind (Art. 19 PBR). In 
der  MZ  I  sind  Gebiete,  welche  als  Nebenzentren  zur  Altstadt  gelten  und  in 
denen, nebst dem Wohnen, Nutzungen gefördert werden sollen, welche die 
Zentrumsfunktion der Altstadt ergänzen und die angrenzenden Wohngebiete 
mit  den  notwendigen  Versorgungsfunktionen  versehen  (Art.  20  PBR;  vgl. 
Schlussbericht zur Revision der Ortsplanung S. 10 und 11). 

In  Anlehnung  an  die  Berichte  des  Kulturgüterdiensts  und  der  eidgenössi-
schen  Kommission  für  Denkmalpflege  verlangt  die  Baudirektion  die  Unter-
schutzstellung  der  Uhrmacherhäuser  an  der  Bubenbergstrasse  sowie  die 
Ausscheidung eines Schutzperimeters (siehe Begründung oben unter Sach-
verhalt Punkt A). 

b) 

In der Beschwerdeschrift (S. 25 und 26) erklärt sich die Stadt Murten bereit, 
die Uhrmacherhäuser an der Bubenbergstrasse 3-7 unter Schutz zu stellen. 
Hingegen  widersetzt  sie  sich  der  Zuweisung  des  Neuquartiers  in  eine 
Schutzzone.  Zur  Begründung  bringt  sie  vor,  dass  das  erwähnte  Quartier 
Bauten  von  sehr  unterschiedlicher  architektonischer  und  kultureller  Bedeu-
tung umfasse. Die Häuser seien in sehr unterschiedlichen Stilen erbaut wor-
den  und  zum  grössten  Teil  neu.  Die  Baudirektion  habe  es  unterlassen  fest-
zustellen, dass die Gebäude nicht von herausragender Bedeutung seien und 
keine  Schutzvorkehrungen  bedürften.  Das  Quartier  weise  keine  eigenen 
Charakter  auf  und  stelle  keine  Einheit  dar.  Zudem  schliesse  die  Parzellen-
struktur und die Gestaltung des Quartiers eine tiefgreifende Veränderung von 
Vornherein  aus.  Die  Häuser  stammten  aus  sehr  unterschiedlichen  Epochen 
und  seien  von  unterschiedlicher  Bedeutung.  Dem  Quartier 
fehle  ein 
verbindender  "Geist",  der  es  rechtfertigen  würde,  das  Gebiet  als  bedeutend 
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 lit. c RPG zu qualifizieren. Mit der Einzonierung 
in  die  WM  werde  die  Weiterführung  der  bestehenden  Wohnnutzung  ermög-
licht  und  eine  Nutzung,  die  den  Quartiercharakter  nachhaltig  beeinflussen 
könnte, verhindert. Früher sei das Quartier in einer Mischzone eingeteilt ge-

 
 
 
- 12 -

wesen.  Das  habe  aber  dem  Umstand,  dass  der  Charakter  des  Gebiets  als 
Wohnquartier  für  eine  Erweiterung  und  Neuschaffung  kommerzieller  Ein-
richtungen nicht geeignet sei, nicht Rechnung getragen. Das Neuquartier sei 
kein bedeutendes Ortsbild, weshalb eine Unterschutzstellung nicht zwingend 
zu erfolgen habe. Mit der Umzonierung in die WM werde einer weiteren Ver-
dichtung des Quartiers zuvorgekommen. Der von der Baudirektion verlangte 
Schutzperimeter  stelle  eine  Eigentumsbeschränkung  dar,  sei  unverhältnis-
mässig  und  die  Baudirektion  stelle  damit  ihr  Ermessen  an  die  Stelle  des 
Ermessens der Gemeinde. 

c)  Demgegenüber führt die Baudirektion in ihrer Vernehmlassung aus, dass die 
Stadt  Murten  den  Begriff  "städtebauliche  Struktur"  nicht  zu  verstehen 
scheine, respektive nicht wisse, was er beinhalte. Bei diesem Begriff gehe es 
unter  anderem  um  die  Strassenanlagen,  öffentliche  Aussenräume,  Volume-
trie,  Anordnung  und  Stellung  der  Bauten,  Anordnung  der  privaten  Aussen-
räume sowie die Abgrenzungen und nicht vor allem um die Qualität der ein-
zelnen  Elemente  wie  Architekturstil,  Materialien  der  Abgrenzungen  und 
Dachform. Zwar sei es richtig, dass die bestehende Parzellenstruktur und die 
Strassenführung keine wesentlichen Eingriffe in den Charakter des Quartiers 
erlauben würden. Die Parzellenstruktur könne aber ohne weiteres verändert 
und  dann  dürften  wesentliche  Eingriffe  vorgenommen  werden.  Auch  wider-
spreche sich die Stadt Murten: Einerseits sei sie der Meinung, dass kein ein-
heitlicher  Charakter  und  kein  verbindlicher  "Geist"  bestehe,  andererseits 
habe sie aber das Quartier in die WM eingezont, welche eine Weiterführung 
der bestehenden Wohnnutzung ermögliche und eine Nutzung, die den Quar-
tiercharakter nachhaltig beeinflusse, verhindere. Mit dieser Aussage gestehe 
die  Stadt  Murten  dem  Neuquartier  einen  Quartiercharakter  zu.  Mit  der  jetzi-
gen  Einzonierung  wäre  auch  ein  Gebäude  mit  einer  Länge  von  mehr  als 
19,50  Meter  und  mit  einer  Höhe  von  13  Meter  möglich.  Eine  solche  Baute 
würde  den  Quartiercharakter  erheblich verändern und beeinträchtigen, wes-
halb  sich  ein  Schutzperimeter  mit entsprechenden Bestimmungen geradezu 
aufdränge.  Aufgrund  der  Zielsetzung  der  ISOS  sei  die  durch  die  Gemeinde 
vorgenommene  städtebauliche  Beurteilung 
falsch  und  bauplanerische 
Massnahmen  zur  Siedlungsgestaltung  unzweckmässig.  Mit  den  Schutz-
massnahmen solle die räumliche Organisation, namentlich die Erhaltung und 
die Gestaltung der Freiräume erreicht werden. Der Abbruch und Wiederauf-
bau  von  Gebäuden  (ohne  die  geschützten  Bauten)  bleibe  jedoch  möglich. 
Der  Charakter  und  die  Grundzüge  der  Nahumgebung  sollten  erhalten  blei-
ben. Eine im Detail verschiedene Gestaltung, welche dem Quartiercharakter 
entspreche,  werde  nicht  verunmöglicht.  Auch  werde  durch  den  geforderten 
Schutzperimeter  nicht  die  Unterschutzstellung  von  weiteren  Gebäuden  ge-
fordert,  sondern  er  würde  eine  Erhaltung  des  Quartiercharakters  gewähr-
leisten. 

Aufgrund des überwiegenden öffentlichen Interesses, welches zur Erhaltung 
des  Ortsbilds  von  Murten  als  Kleinstadt  von  nationaler  Bedeutung  beiträgt, 

 
 
- 13 -

erscheine  die  geforderte  Massnahme  keineswegs  als  unverhältnismässig. 
Sie sei das einzig richtige Mittel, um das vorgegebene Ziel erreichen zu kön-
nen. Der von der Baudirektion geforderte Schutzperimeter sei nicht mit einer 
Schutzzone  im  Sinne  von  Art.  17  Abs.  1  RPG  zu  verwechseln,  in  welcher 
baulich  grundsätzlich  nichts  mehr  verändert  werden  dürfe.  Es  gehe  vorlie-
gend  gestützt  auf  Art.  62  Abs.  1  i.V.m.  Art.  45  Abs.  2  RPBG  um  einen 
Schutzperimeter,  der  einer  "normalen"  Zone  überlagert  werde.  Dieser 
Schutzperimeter diene dem gesamtheitlichen Schutz eines Gebiets. In einem 
solchen  Perimeter  seien  im  Gegensatz  zur  Schutzzone  bauliche  Ver-
änderungen, die dem Quartiercharakter entsprechen, noch erlaubt. 

d)  Der Kulturgüterdienst bringt vor, die Stadt Murten habe es unterlassen, eine 
Analyse der Baustruktur vorzunehmen, und sich beschränkt, einen deskripti-
ven  Kurzbeschrieb  des  Erscheinungsbilds  der  einzelnen  Bauten  vorge-
nommen  zu  haben,  ohne  jegliche  Beziehung  zwischen  Siedlung  und 
Gebäude herzustellen. Die Aussagen der Gemeinde würden weder auf einer 
historisch  fundierten  Siedlungsanalyse  noch  auf  einer  architekturgeschichtli-
chen Bewertung der Einzelbauten basieren. Die Bausubstanz im Neuquartier 
sei  von  unterschiedlicher  Qualität,  weshalb  auch  die  Unterschutzstellung 
einzelner  Gebäude  verlangt  worden  sei.  Das  Quartier  bilde  aber  eine  histo-
risch  gewachsene  Siedlung,  die  auf  einem  Quartierplan  aus  dem  Ende  des 
19. Jahrhunderts beruhe. Es seien zwar verschiedene Architekturstile anzu-
treffen,  die  aber  die  Siedlungsstruktur  nicht  zerstörten.  Allein  das  Zusam-
menlegen  der  einzelnen  Parzellen  könne  für  das  Ortsbild  verheerende  Fol-
gen haben. Als Beispiele führt der Kulturgüterdienst die COOP-Überbauung 
und Wohnblöcke an. Um weitere Fehlplanungen dieser Art auszuschliessen, 
beantrage  er  deshalb,  die  Bestandesgarantie  und  die  Erhaltung  der  Sied-
lungsstruktur.  In  der  definitiven  Fassung  des  ISOS  werde  das  Neuquartier 
der  Inventarkategorie  B  zugewiesen,  was  bedeute,  dass  die  ursprüngliche 
Struktur  der  Siedlung  erhalten  bleibe.  Das  Erhaltungsziel  B  beinhalte  das 
Erhalten der Anordnung, Gesamtform und Gesamtmerkmale von Bauten und 
Freiräumen,  integrales  Erhalten  der  für  die  Struktur  wesentliches  Einzelele-
ment.  Als  generelle  Erhaltungshinweise  würden  besondere  Vorschriften  zur 
Eingliederung  von  Um-  und  Neubauten,  Gestaltungsvorschriften  für  Verän-
derungen an den für die Struktur wesentliche Elemente sowie obligatorische 
Beaufsichtigung  durch  die  Denkmalpflege,  offizielle  und  andere  Fachinstan-
zen gelten. Die von der Stadt Murten getroffenen Schutzmassnahmen seien 
hierfür  nicht  ausreichend.  So  sehe  die  Ortsplanung  beispielsweise  keinerlei 
Massnahmen  vor,  die  gegenwärtige  Parzellenaufteilung  zu  erhalten.  Eine 
Umgruppierung  der  Parzellen  sowie  Bauten  -  beides  Massnahmen,  die  den 
gegenwärtigen Quartiercharakter insbesondere von der Massstäblichkeit her 
beeinträchtigen - könnten beim jetzigen Stand der Reglemente nicht verhin-
dert werden. 

Als  Schutzmassnahmen  würden  gefordert:  das  Erhalten  der  räumlichen 
Organisation, namentlich die Anordnung und Gestaltung der Freiräume. Sol-

 
 
- 14 -

che  Massnahmen  würden  nicht  den  Abbruch  und  den  Wiederaufbau  von 
Gebäuden  (ausgenommen  geschützte  Gebäude)  verbieten.  Die  Festlegung 
einer  Überbauungsziffer,  Ausnützungsziffer  und  einer  maximalen  Gebäude-
höhe würden die Rechte der Eigentümer in einer Art und Weise beeinträchti-
gen,  die  man  nicht  als  unzumutbar  bezeichnen  könne.  Die  geforderten 
Massnahmen stellten keine stärkere Einschränkung dieser Rechte dar, son-
dern seien so abgefasst, dass die Erhaltung der Struktur und des Charakters 
des Quartiers gewährleistet seien. 

e)  Für Martin Fröhlich, der in den Jahren 1987 bis 1998 im Auftrag der Eidge-
nössischen  Kommission  für  Denkmalpflege  und  dem  Bundesamt  für  Kultur 
als Denkmalpflegeexperte die denkmalpflegerischen Interessen des Bunds in 
Murten wahrgenommen hat, gehe es beim Neuquartier darum, die Stadt als 
wachsender  und  gewachsener  Siedlungskörper  im  Bewusstsein  zu  halten. 
Die  von  der  Baudirektion  verlangten  Schutzmassnahmen  zielten  auf  die 
Erhaltung der Quartierstruktur hin. 

f)  Die Unterschutzstellung der Uhrmacherhäuser an der Bubenbergstrasse 3-7, 
inklusive  des  noch  erhaltenen  Waschhäuschens  sowie  der  alleeartigen 
Strassengestaltung  und  den  rückseitigen  Gärten  wird  im  vorliegenden 
Beschwerdeverfahren von der Stadt Murten nicht mehr in Frage gestellt. Auf 
diese Angelegenheit ist nicht weiter einzutreten. 

g)  Die  Baudirektion  verlangt  nicht  die  Zuweisung  des  Neuquartiers  in  eine 
Schutzzone gemäss Art. 17 Abs. 1 li. c RPG oder Art. 61 Abs. 1 lit. c RPBG, 
wonach  der  Schutz  bis  zu  einem  Bauverbot  gehen  kann  (Art.  61  Abs.  2 
RPBG),  sondern  die  Anordnung  von  besonderen  Schutzmassnahmen  im 
Sinne  von  Art.  62  RPBG.  Nach  dieser  Bestimmung  können,  anstatt  in 
Schutzzonen  eingegliedert  zu  werden,  die  Landschaften,  Ortsbilder  und 
archäologischen  Stätten  von  wissenschaftlichem,  typographischem,  histori-
schem  oder  ästhetischem  Wert  Gegenstand  besonderer  Vorschriften  oder 
einer  besonderen  Schutzmassnahme  bilden  (Abs.  1).  Gleich  verhält  es  sich 
mit den alleinstehenden Objekten und Naturdenkmälern sowie mit Gebäuden 
und  Denkmälern,  deren  Ganzes  oder  Teile  davon  von  Interesse  sind  (Abs. 
2).  Diese  Massnahmen  können  ein  vollständiges  oder  teilweises  Bau-, 
Abbruch- oder Nutzungsverbot vorsehen. Sie bezwecken namentlich, dass in 
diesen Zonen bewilligte Bauten, Reparaturen und Umbauten in ihrem Stil, in 
ihren  Massen,  in  ihrem  Material  und  in  ihrer  Farbe  mit  der  Architektur  und 
dem Ortsbild übereinstimmen. Sie können die Erhaltung oder den Ersatz von 
alleinstehenden Bäumen und Hecken vorschreiben (Abs. 3). 

Die Gemeinden sind demnach von Gesetzes wegen zur Festlegung der nach 
den gegebenen Verhältnissen notwendigen Schutzgebiete verpflichtet. Diese 
Notwendigkeit besteht immer dann, wenn die allgemeinen Schutzvorschriften 
die  Erhaltung  der  räumlichen  Eigenart  eines  Gebiets  nicht  genügend 

 
 
 
 
- 15 -

gewährleisten,  indem  sie  den  Besonderheiten des konkreten Falls zu wenig 
Rechnung tragen. Art und Mass der Beschränkungen sind vom Schutzzweck 
(zum  Beispiel  Schutz  der  Altstadt,  eines  Aussichtspunkts,  einer  Uferland-
schaft)  abhängig.  Sie  sind  in  den  Zonenvorschriften  des  Baureglements 
generell  für  jede  in  der  Gemeinde  vorkommende  Art  von  Schutzgebiet  oder 
individuell  für  jedes  einzelne  Schutzgebiet  festzulegen  (Zaugg,  a.a.O.,  N.3 
und 4 zu Art. 86). 

h) 

Im Neuquartier befinden sich nebst Wohngebäuden (Ein- und Mehrfamilien-
häuser),  der  Bahnhof  mit  Restaurant,  ein  Einkaufszentrum  (COOP)  und  ein 
Industriegebäude (SAIA). Das Neuquartier grenzt an die Altstadt von Murten. 
In  diesem  Quartier  wurden,  laut  Bericht  von  Hermann  Schöpfer,  Mitarbeiter 
beim  Kulturgüterdienst,  im  letzten  Jahrhundert  der  Bahnhof  und  für  die 
Uhrenarbeiter vier Sechsfamilienhäuser errichtet. Ein Quartierplan wurde von 
der Kantonsregierung im März 1893 genehmigt und im Jahre 1908 revidiert. 
Es  waren  9  Meter  breite  Strassen,  Bauabstände  von  Haus  zu  Haus  von  17 
Meter  und  ab  der  Strasse  von  4  Meter  vorgesehen.  Die  Gärten  waren  gas-
senseits mit einer Mauer oder einem Gitter abzuschliessen. Das sei für seine 
Zeit ein typisches Projekt für ein Gartenstadtquartier mit Villen für die Mittel- 
und Oberschicht (durchschnittliche Parzellengrössen 1000 bis 1500 m2). Die 
seit dem 2. Weltkrieg errichteten Bauten hätten mit ihren Volumen oder ihrer 
Platzierung  die  Quartierplanung  aus  dem  Jahre  1893  teilweise  "zunichte" 
gemacht.  Das  Quartier  sei,  von  einzelnen  Strassenteilen  abgesehen,  keine 
bauliche  Einheit  geworden.  Ein  geschlossenes  Gartenstadtbild  biete  vor 
allem der westliche Teil der Bubenbergstrasse. 

i)  Das Neuquartier bildet kein in sich geschlossenes Wohnquartier. Es herrscht 
Durchgangsverkehr  und  es  bestehen  Gebäude  für  Gewerbe  und  Industrie. 
Nach  den  Darstellungen  von  Schöpfer  und  den  Ausführungen  in  der 
Beschwerdeschrift ist nicht erkennbar, inwiefern im Neuquartier eine beson-
ders  gute  Gliederung  der  Baukörper  oder  irgendwie  positiv  herausragende 
Nutzungsstruktur gegeben sein soll. Dass es im Quartier mehrere Gebäude 
gibt, die von architektonischer und historischer Bedeutung und mithin schüt-
zenswert sind, ändert daran nichts. Für die gelten die besonderen Schutzbe-
stimmungen (Unterschutzstellung). 

Die Voraussetzungen für eine Schutzzone im Sinne von Art. 17 Abs. 1 RPG 
und  Art.  61  Abs.  1  RPBG  sind  offensichtlich  nicht  gegeben  sind.  Das  wird 
denn auch weder von der Baudirektion noch vom Kulturgüterdienst behaup-
tet. Somit kann auch kein gewichtiges öffentliches Interesse an der möglichst 
orginalgetreuen, dauerhaften Erhaltung der Gebäude und somit des ganzen 
Quartiers bestehen. 

j)  Es  ist  indes  auf  die  besondere  Lage  des  Quartiers  hinzuweisen,  das  fast 
unmittelbar  an  die  Altstadt  grenzt.  Dieser  Umstand  gebietet  geradezu, 

 
 
 
 
- 16 -

besondere  Schutzmassnahmen  anzuordnen,  um  das  Ortsbild  und  die 
Umgebung  von  Murten  nicht  zu  beeinträchtigen.  Solche  Massnahmen  wer-
den für die Erhaltung dieses Teils der Stadt aber auch für das gesamte Orts-
bild  von  Murten  dienen.  Die  entsprechenden  Bestimmungen,  die  es  noch 
auszuarbeiten  gilt  und  die  weniger  restriktiv  formuliert  werden  dürften,  als 
solche, die für eine Schutzzone im Sinne von Art. 17 Abs. 1 RPG und Art. 61 
Abs.  1  RPBG  Geltung  haben,  können  für  die  Stadt  Murten,  für  die  Baube-
hörden und für die Bewohner des Quartiers wertvolle Hilfeleistung bieten. Es 
wird Aufgabe der zuständigen kommunalen Behörden sein, jene Regelungen 
auszuwählen, die für das Quartier am geeignetsten sind. So können Stellung, 
Höhen,  Abstände,  Masse  und  Erscheinung  der  Bauten  näher  geordnet 
werden.  Ein  Minimum  an  diesbezüglichen  Vorschriften  muss  jedenfalls 
erlassen  werden,  damit  das  Gesamtbild  nicht  beeinträchtigt  werden  kann. 
Solche  Bestimmungen  werden  auch  eine  Beurteilungsgrundlage  darstellen, 
die es erlauben, bauliche Vorkehren im Zusammenhang in ihrer Wirkung für 
die  Umgebung  und  das  Ortsbild  zu  erfassen.  Es  muss  auch  für  die  Stadt 
Murten  nachvollziehbar  sein,  dass  für  ihre  Ortsplanung  besondere  Verhält-
nisse vorliegen und erhöhte Anforderungen zu stellen sind, damit namentlich 
auch  das  Neuquartier  für  das  Ortsbild  erhalten  bleibt.  Mögliche  Bauten,  wie 
sie von der Baudirektion exemplarisch aufgeführt wird, sind zu verhindern. 

k)  Bei  dieser  konkreten  Sachlage  ist  die  Auffassung  der  Baudirektion,  für  das 
Neuquartier besondere Schutzmassnahmen im Sinne von Art. 62 RPBG an-
zuordnen,  durchaus  vernünftig.  Ein  solcher  Entscheid  ist  recht-  und  zweck-
mässig  und  verstösst  nicht  gegen  die  Eigentumsgarantie.  Dieser  Punkt  ist 
allenfalls  nach  Erlass  der  Ausführungsbestimmungen  zu  prüfen.  Die 
Gemeinde wird auch nicht unverhältnismässig getroffen, da keine eigentliche 
Schutzzone  geschaffen  werden  muss.  Der  Entscheid  der  Baudirektion  lässt 
sich mit vernünftigen, sachlichen Gründen vertreten, weshalb auch von einer 
Verletzung der Gemeindeautonomie nicht die Rede sein kann. Die Baudirek-
tion  hat  als  Genehmigungsbehörde  gerade  den  Auftrag,  korrigierend  einzu-
wirken, wenn sich der Entscheid einer Gemeinde aufgrund überkommunaler 
öffentlicher  Interessen  als  unzweckmässig  erweist  oder  wenn  er  den 
wegleitenden  Grundsätzen  und  Ziel  der  Raumplanung  nicht  entspricht  oder 
ungenügend Rechnung trägt. Dies ist hier der Fall. Die Vorbringen der Stadt 
Murten hinsichtlich des Neuquartiers sind somit unbegründet. Der Anordnung 
der  Baudirektion,  für  das  Neuquartier  besondere  Schutzbestimmungen 
vorzusehen, ist Folge zu leisten. 

11.   

Beschwerde zum Quartier der Längmatt: 

a)  Das  Längmattquartier  befindet  sich  an  der  östlichen  Seite  der  Altstadt  von 
Murten. Es ist der Wohnzone schwacher Besiedlungsdichte II (WS II) zuge-
wiesen. Nach Art. 18 PBR werden Gebiete mit älterer Wohnsubstanz sowie 

 
 
 
- 17 -

Gebiete,  in  denen  Verdichtungsmassnahmen  erwünscht  sind,  der  WS  II  zu-
gewiesen.  Die  Baudirektion  verlangt,  dass  der  Charakter  des  Quartiers  bei-
behalten  sowie  die  Bauten,  die  Gartenanlagen  mit  Baubestand  und  Einfrie-
dungen erhalten werden sollen. 

b)  Nach Ansicht der Stadt Murten habe die Baudirektion zu Unrecht die Tatsa-
che nicht beachtet, dass die Längmatt aufgrund der tatsächlichen Parzellen-
struktur  sowie  der  Verkehrsplanung  rein  faktisch  in  ihrem  Quartiercharakter 
nicht verletzt werden könne. Die Parzellen seien so ausgestaltet, dass darauf 
ein freistehendes Einzelwohnhaus realisiert werden könne, und die Quartier-
strasse  so  ausgestaltet,  dass  eine  tiefgreifende  Änderung  der  Parzellen-
struktur  nicht  denkbar  sei.  Wenn  das  Quartier  weiterhin  überwiegend  einer 
Wohnnutzung  vorbehalten  bleibe,  bestehe  keine  Gefährdung  des  Quar-
tiercharakters. Ähnlich wie im Neuquartier bestehe das Längmattquartier aus 
Gebäuden  von  unterschiedlicher  Bedeutung.  Einige  Häuser  seien  von 
besonderer  Bedeutung  und  von  wesentlich  besserer  Qualität  als  jene  der 
übrigen Objekte an der Längmatt, die als einzelne nicht schützenswert seien. 
Eine  innere  Geschlossenheit  des  Quartiers  fehle.  Die  Häuser  seien  zu  den 
unterschiedlichsten  Zeiten  erbaut  worden  und  würden  in  Grösse,  Art  und 
Gestaltung  erheblich  voneinander  abweichen.  Die  bestehende  Parzellierun-
gen sowie die Erschliessung durch die Quartierstrasse würden einen Eingriff 
in  die  Quartierstruktur  als  solche  verunmöglichen.  Es  handle  sich  nicht  um 
ein  bedeutendes  Ortsbild.  Sie,  die  Gemeinde  Murten,  erachte  es  aber  als 
erstrebenswert,  das  Quartier  als  Wohnquartier  zu  erhalten,  von  erhöhtem 
Durchgangsverkehr  frei  zu  halten  und  zu  gewährleisten,  dass  künftige 
Gebäude in der Grössenordnung der bestehenden realisiert würden. Deshalb 
sei  das  Quartier  auch  in  die  WS  II  zugewiesen  worden.  Eine  solche  Zone 
umfasse  vor  allem  Gebiete  mit  älterer  Bausubstanz,  die  überwiegend  für 
freistehende  Einzelwohnhäuser  oder  zusammengebaute  Einzelwohnhäuser 
in  offener  Bauweise  genutzt  werden  sollen.  Die  Grenzabstände,  die 
Höhenvorschriften  und  die  Ausnützungsziffern  seien  so  gewählt  worden, 
dass  sie  dem  Charakter  der  bestehen  Häuser  entsprechen.  Das  Läng-
mattquartier  sei  auch  das  Quartier  mit  den  meisten  verkehrsberuhigenden 
Massnahmen.  Die  Baudirektion  verlange,  dass  der  Charakter  der  Längmatt 
beibehalten  werden  soll,  indem  die  geschützten  Bauten,  die  Parzellen-
grössen,  die  Volumetrie  der  nicht  geschützten  Bauten  sowie  der  Charakter 
der  Nahbauten  (Gartenanlagen  mit  Baumbestand  und  Einfriedungen)  erhal-
ten  bleiben  sollen.  Für  die  Erhaltung  der  Nahumgebung  fehle  es  aber  an 
einer gesetzlichen Grundlage. Art. 61 Abs. 1 lit. c und Art. 62 Abs. 1 RPBG 
böten  keine  solche  Grundlage.  Zudem  bestehe für die von der Baudirektion 
vorgesehenen  Bestimmungen  kein  öffentliches  Interesse.  Im  Quartier  seien 
nur vier Häuser schutzwürdig und schutzbedürftig, weshalb kein öffentliches 
Interesse bestehe, den Schutz auf das gesamte Quartier der Längmatt aus-
zudehnen. Der Vorschlag der Baudirektion sei auch unverhältnismässig, die 
vorgesehenen Zonenbestimmungen seien für die Erhaltung der Struktur und 
den Charakter des Quartiers ausreichend.  

 
 
- 18 -

c)  Demgegenüber wendet die Baudirektion ein, dass es Parzellenzusammenle-
gungen immer gegeben habe und immer geben werde. Bauten, welche aus 
solchen  Zusammenlegungen  realisiert  werden  könnten,  würden  den  Quar-
tiercharakter völlig verändern. So seien Gebäude mit grösseren Volumen und 
Reihenhäuser  möglich.  Aufgrund  der  städtebaulichen  Anlage  und  der 
Position  der  Gebäude  sei  das  Quartier  als  Ganzes  schützenswert.  Auch  in 
diesem Quartier seien Bauten von 10 Meter Höhe und 15 Meter Länge mög-
lich. 

d)  Der Kulturgüterdienst glaubt, dass durch die Erhöhung der Ausnützungsziffer 
im Längmattquartier die baulich geschlossene Einheit auf der Seeseite eine 
mögliche  Beeinträchtigung  erfahren  könnte.  Einzelne  Gebäude  im  Quartier 
würden  einen  bedeutenden  historischen  Wert  aufweisen,  weil  sie  von 
bedeutenden  Architekten  geplant  wurden.  Mit  den  anderen,  nicht  zu  schüt-
zenden  Bauten  würden  sie  eine  durch  ihren  Standort  und  ihre  Ausrichtung, 
durch  ihr  Volumen,  durch  ihre  Fassadengestaltung  und  ihre  Nahumgebung 
ein Ensemble bilden, das eine geschlossene Einheit bilde. Die Erhaltung der 
Anordnung  der  Gebäude  (Form,  und  Grösse  der  Parzelle,  Standort  und 
Volumen  der  Bauten)  sei  eine  unerlässliche  Massnahme  zur  Erhaltung  der 
wichtigsten  Gebäude,  die  das  Quartier  bilden  würden.  Wie  das  Neuquartier 
liege die Bedeutung der Längmatt weniger in der vorhandenen Bausubstanz 
als in ihrem Situationswert, das heisst in ihrer empfindlichen Lage am Grün-
gürtel  rund  um  das  mittelalterliche  Städtchen  Murten.  Es  lasse  sich  als 
geplantes  Erweiterungsgebiet,  das  sich  an  die  mittelalterliche  Stadt  und  an 
den  Stadtgraben  anschliesst,  erkennen.  Durch  die  Regelmässigkeit  ihrer 
Anlage  und  die  Homogenität  der  Parzellenbebauung  hebe  es  sich  von  den 
jüngeren  Wohnquartieren  deutlich  ab.  Es  habe  besonders  wertvolle  Villen-
gruppen,  für  den  Mittelstand,  adaptierte  Ideen  der  Gartenstadtbewegung, 
umzäunte  Gärten  und  Pärke  sowie  reicher  Baumbestand.  Nach  dem  ISOS 
umfasse das Gebiet der Längmatt zwei Siedlungsperimeter: das Gebiet des 
Längmattquartiers, das den inneren Teil (Bebauungsplan von 1906) und den 
äusseren  Teil  (Bebauungsplan  von  1919)  mit  der  Aufnahmekategorie  und 
dem Erhaltungsziel B umfasse, sowie das Baugebiet auf der Hangkante mit 
Villen  des  Historismus  und  des  Heimatstils  (Aufnahmekategorie  und  Erhal-
tungsziel  A).  Das  Erhaltungsziel  B  beinhalte  das  Erhalten  der  Anordnung, 
Gesamtform  und  Gesamtmerkmale  von  Bauten  und  Freiräumen.  Als  gene-
relle  Erhaltungshinweise  gelten  besondere  Vorschriften  zur  Eingliederung 
von Um- und Neubauten. Gestaltungsvorschriften für Veränderungen an den 
für die Struktur wesentlichen Elementen sowie die obligatorische Beaufsich-
tigung  durch  die  Denkmalpflege,  offizielle  Fachinstanzen  oder  andere 
Fachinstanzen.  

e)  Die  Unterschutzstellung  einzelner  Gebäude  des  Längmattquartiers  ist  nicht 
Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens.  Die  Baudirektion 
verlangt - gleich wie hinsichtlich des Neuquartiers - auch nicht die Zuweisung 

 
 
 
 
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der Längmatt in eine Schutzzone nach Art. 17 Abs. 1 lit. c und 61 Abs. 1 lit. c 
RPBG,  sondern,  dass  im  PBR  folgender  Passus  festgehalten  wird:  "Der 
Charakter  des  Quartiers  soll  beibehalten  werden,  indem  die  geschützten 
Bauten,  die  Parzellengrössen,  die  Volumetrie  der  nicht  geschützten  Bauten 
sowie  der  Charakter  der  Nahumgebung  (Gartenanlagen  mit  Baumbestand 
und Einfriedungen) erhalten bleiben müssen". Es handelt sich hierbei um die 
Anordnung  von  besonderen  Bestimmungen  im  Sinne  von  Art.  62  RPBG, 
weshalb  in  diesem  Zusammenhang  auf  das  über  das  Neuquartier  Gesagte 
(vgl. Erw. 10 i - k) verwiesen werden kann. 

f)  Die Auffassung der Baudirektion lässt sich durchaus vertreten. Zwar hat die 
Gemeinde  in  ihrem  Reglement  verschiedene  Bestimmungen  etwa  hinsicht-
lich Ausnützung- und Überbauungsziffer vorgesehen, um den Charakter des 
Quartiers zu erhalten. Es ist denn auch ihr Ziel, dass künftige Bauten nur in 
der bereits bestehenden Grössenordnung erstellt werden dürfen. Die Baudi-
rektion hat aber mit ihren Ausführungen dargelegt, dass eine solche Absicht 
mit  dem  vorgesehenen  Reglement  allein  nicht  zu  verwirklichen  ist.  Mit 
Zusammenlegungen von Grundstücken lassen sich Bauten erstellen, welche 
nicht mehr dem typischen Charakter des Quartiers entsprechen würden. Es 
kann  also  nur  im  Interesse  der  Stadt  Murten  sein,  dass  besondere  Schutz-
bestimmungen erlassen werden, damit Beeinträchtigungen in der erwähnten 
Art  verunmöglicht  werden.  Aus  den  gleichen,  wie  über  das  Neuquartier 
angestellten Erwägungen erweist sich somit die Vorbringen der Stadt Murten 
als  unbegründet.  Für  das  Längmattquartier  sind  somit  ebenfalls  besondere 
Schutzbestimmungen im Sinne von Art. 62 RPBG zu erlassen. 

12.   

Beschwerde zum Objekt Bernstrasse 3: 

a)  Das Gebäude Bernstrasse 3 steht an der östliche Seite der Stadt Murten und 
ist  der  Mischzone  (MZ  I)  zugewiesen.  An  seiner  südlichen  Seite  grenzt  die 
Liegenschaft  an  die  Bernstrasse  und  ist  im  Übrigen  vom  Schulhausareal 
umgeben,  das  sich  in  der  Zone  von  allgemeinem  Interesse  (ZAI  I)  befindet. 
Es handelt sich um ein Haus mit Werkstatt aus dem 18. Jahrhundert und bil-
det nach den Ausführungen des Kulturgüterdiensts eine "dominante Stellung 
neben  Schulhausbau  von  Weibel,  in  der  unmittelbaren  Nähe  des  Berntors". 
Der  Kulturgüterdienst  beantragt  nicht  die  Unterschutzstellung,  sondern  die 
Zuweisung  in  die  Schutzzone  I  als  Überlagerung  auf  die  Zone  von  allge-
meinem  Interesse".  Nach  Art.  29  PBR  haben  die  Schutzzonen  den  Zweck, 
die  unmittelbare  Umgebung  der  Stadt  mit  ihren  Ringmauern,  dem  Schloss 
und  den  übrigen  Monumentalbauten  sowie  die  Gegend  des  Schlachtdenk-
mals  vor  störenden  Eingriffen  zu  schützen.  Zudem  soll  die  Sicht  auf  die 
Ringmauern  und  die  Stadt  als  Ganzes  erhalten  und  da,  wo  sie  bis  jetzt 
beeinträchtigt  ist,  nach  Möglichkeit  verbessert  werden.  In  diesen  Zonen  sei 
deshalb alles zu unterlassen, was diesem Zweck zuwiderlaufe. 

 
 
 
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b)  Die  Stadt  Murten  bringt  vor,  dass,  wenn  man  vom  Berntor  stadtauswärts 
fahre,  man  direkt  auf  das  Schulhaus  mit  seinem  grosszügigen  Vorplatz 
zukommen.  Das  Schulgebäude  dominiere  den  ganzen  Platz,  während  das 
Gebäude  an  der  Bernstrasse  3  demgegenüber  verschwindend  klein  sei. 
Dessen Baustil weiche zudem erheblich von jenem des Schulhauses ab. Ein 
Anbau  sei  architektonisch  schlecht  realisiert  worden.  Besonders  störend  sei 
die Gestaltung des Dachs, das in ganz verschiedenen Höhen erstellt worden 
sei und als solches kein Ganzes gebe. Die ganze Liegenschaft passe über-
haupt  nicht  ins  Bild.  Es  sei  ästhetisch  kein  wertvolles  Gebäude  und  durch 
zahlreiche Renovationen vollständig umgestaltet worden. Das Gebäude wei-
che klar vom Schulhaus ab und bilde mit ihm keine Einheit.  

c)  Die  Baudirektion  weist  darauf  hin,  dass es nicht um die Betrachtung einzel-
ner  Gebäude  gehe,  sondern  um  die  Analyse  einer  Anlage  mit  mehr  oder 
weniger  wertvollen  Häusern.  Man  analysiere  nicht  die  einzelnen  Objekte, 
sondern  es  finde  eine  Betrachtung  der  städtebaulichen  Anlage  statt.  Der 
Schutz  des  Häuserensembles  und  nicht  jener  der  einzelnen  Häuser  sei 
wesentlich.  So  wäre  beispielsweise  ein  Abbruch,  nicht  aber  ein  Neubau 
möglich. 

Nach  Auffassung  des  Kulturgüterdiensts  soll  mit  der  Massnahme  der  Bau-
direktion die unmittelbare Umgebung der Altstadt, d.h. das bis jetzt nicht mit 
besonderen  Vorschriften  betroffene  Gelände,  auf  dem  sich  das  städtische 
Schulhaus,  ein  bedeutender  Münchner  Neu-Renaissancebau  des  Murtner 
Architekten Johann Jakob Weibel (Bauzeit: 1836-1839) sowie das erwähnte 
Wohnhaus  mit  Werkstatt  (Bernstrasse  3)  befinden,  mit  planerischen  Vor-
schriften abgedeckt werden, um störende Eingriffe (Um- und Neubauten) zu 
verhindern.  Das  Gebäude  an  der  Bernstrasse  3  zähle  zum  unerlässlichen 
Teil  des  Ortsbilds  und  entspreche  der  ursprünglichen  Beschaffenheit  der 
Umgebung. 

d)  Es  ist  unbestritten,  dass  der  Gesamtwert  der  Liegenschaft  Bernstrasse  3 
"bescheiden" ist und infolgedessen keine Unterschutzstellung verdient. Eine 
solche Massnahme wird auch gar nicht gefordert, sondern die Zuweisung in 
die  Schutzzone.  Damit  soll  ein  Neubau  im  Interesse  des  Schutzes  des 
unmittelbar  benachbarten  historischen  Stadtkerns  und  der  Platzgestaltung 
verhindert werden. Ein solcher Neubau wäre in der MZ I durchaus denkbar. 
Nach  Art.  20  PBR  sind  in  dieser  Zone  Mehrfamilienhäuser  mit  Geschäfts-
räumen für bestehende Betriebe oder mässig störende Betriebe vor allem in 
den  Erdgeschossen,  sowie  Wohnungen,  Büroräumen,  Praxen  usw.  in  den 
Obergeschossen  möglich.  Wohnungen  in  den  Erdgeschossen  sind  in  der 
Regel  nicht  zugelassen,  ebenfalls  nicht  reine  Wohn-  oder  Geschäftsneu-
bauten.  Die  Überbauungsziffer  wird  auf  35%  und  die  Ausnützungsziffer  auf 
0,70% festgesetzt. Die maximale Gebäudehöhe darf 13,50 Meter erreichen. 
Solche  bauliche  Änderungen  können  ein  Ensemble  beeinträchtigen  und 

 
 
 
 
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dürfen, wie die Baudirektion und der Kulturgüterdienst zur Recht ausführen, 
nicht  zugelassen  werden.  Hingegen  sind  bauliche  Veränderungen  eines 
Gebäuds  in  einer  Schutzzone  nur  zulässig,  wenn  sie  den  Charakter  des 
Gebäuds  oder  Ortsbilds  nicht  beeinträchtigen  (Art.  64  Abs.  1  RPBG).  Sol-
chen Beeinträchtigungsverboten liegen denkmalschützerische und öffentliche 
Interessen zugrunde, die im vorliegenden Fall angesichts der überkantonalen 
Bedeutung der Stadt Murten offensichtlich sind. Nur mit der Zuweisung in die 
Schutzzone können Veränderungen am Haus, die nachteilige Auswirkungen 
auf  das  Ensemble  (Stadtmauer,  Schulkomplex)  haben,  verhindert  werden. 
Insofern  ist  die  Anordnung  der  Baudirektion  nachvollziehbar  und  mithin 
gerechtfertigt.  Das  Gebäude  Bernstrasse  3  ist  an  einem  empfindliche 
Standort und bedingt infolgedessen besonderen Schutz. Bei dieser Sachlage 
hat  die  Baudirektion  mit  der  Anordnung,  das  Gebäude  in  die  Schutzzone 
zuzuweisen,  weder  das  Gesetz  unrichtig  angewendet  noch  von  ihrem 
Ermessen  unzulässigen  Gebrauch  gemacht.  Bauliche  Veränderungen  blei-
ben durchaus möglich, zumal aus denkmalpflegerischen Sicht das Gebäude 
als solches nicht schützenswert ist. Somit kann auch nicht von einer Verlet-
zung der Eigentumsgarantie gesprochen werden. 

13.   

Nach  dem  Ausgeführten  besteht  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  an 
der  möglichst  orginalgetreuen,  dauerhaften  Erhaltung  der  Stadt  Murten  und 
seiner  unmittelbaren  Umgebung,  umso  mehr  Murten  eine  wichtige,  wenn 
nicht  gar  internationale  Bedeutung  zukommt.  Wesentlich  muss  sein,  dass 
bauliche Beeinträchtigungen unterbleiben. Entsprechende Massnahmen, die 
keineswegs  einschneidend  sein  müssen,  können  nur  auf  dem  Weg  der 
Ortsplanung  festgelegt  werden.  Das  wird  mit  den  von  der  Baudirektion  vor-
geschlagenen Massnahmen und Vorschlägen möglich sein. Die Beschwerde 
erweist  sich  somit  gesamthaft  gesehen  als  unbegründet,  weshalb  sie  abzu-
weisen ist. 

14.   

Die  Gemeinde  Murten  ist  unterliegende  Partei.  Es  können  ihr  indessen 
gestützt auf Art. 133 VRG keine Kosten auferlegt werden. 

Parteikosten werden keine zugesprochen (Art. 139 VRG). 

Demnach entscheidet 
der II. Verwaltungsgerichtshof: 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

Danach: 

 
 
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a) 

b) 

c) 

sind  die  Uhrmacherhäuser  an  der  Bubenbergstrasse  3-7,  das  noch 
erhaltene  Waschhäuschen  sowie  die  alleeartige  Strassengestaltung 
und die rückseitigen Gärten unter Schutz zu stellen; 

sind für das Neuquartier besondere Schutzbestimmungen im Sinne von 
Art. 62 RPBG zu erlassen; 

ist  der  Charakter  des  Längmattquartiers  beizubehalten,  indem  die 
geschützten Bauten, die Parzellengrössen, die Volumetrie der nicht ge-
sowie  der  Charakter  der  Nahumgebung 
schützten  Bauten 
(Gartenanlagen  mit  Baumbestand  und  Einfriedungen)  erhalten  bleiben 
müssen; 

d) 

ist das Gebäude Bernstrasse 3 in die Schutzzone zuzuweisen.