# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d7b9604-f8e1-54de-b38d-00f6c6dda082
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 22.02.2022 IV 2020/19
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2020-19_2022-02-22.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/19

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 01.07.2022

Entscheiddatum: 22.02.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 22.02.2022
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Rente der Invalidenversicherung. 
Invaliditätsbemessung. Würdigung zweier Administrativgutachten. 
Tonaufnahmen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Galle 
vom 22. Februar 2022, IV 2020/19). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
8C_226/2022.

Entscheid vom 22. Februar 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2020/19

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21, 

Postfach 27, 9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Juni 2002 zum Bezug eines Hilfsmittels der 

Invalidenversicherung in der Form eines Stehpultes an (IV-act. 4). Sie gab an, sie habe 

eine Berufslehre zur Papeterieverkäuferin und später eine zweite Ausbildung zur 

Textildesignerin abgeschlossen. Im November 2002 meldete sich die Versicherte 

zusätzlich für berufliche Massnahmen an (IV-act. 9). In einem Begleitschreiben machte 

sie geltend (IV-act. 11), sie habe ihre Arbeitsstelle gekündigt, weil sie sich körperlich 

und psychisch nicht länger in der Lage gesehen habe, weiterhin an diesem Arbeitsplatz 

tätig zu sein. Sie wisse nicht, welche neue berufliche Richtung sie einschlagen solle, 

weshalb sie um eine Beratung und Unterstützung der Invalidenversicherung ersuche. 

Mit einer Verfügung vom 17. September 2003 erteilte die IV-Stelle eine 

Kostengutsprache für Abklärungskosten im Hinblick auf eine Umschulung der 

Versicherten zur Ergotherapeutin (IV-act. 42 f.). Mit einer Verfügung vom 7. Januar 2004 

erteilte sie eine Kostengutsprache für die Umschulung der Versicherten zur 

Ergotherapeutin (IV-act. 57). Im März 2007 konnte die Versicherte die Umschulung 

erfolgreich abschliessen (IV-act. 122). Bereits vor dem Ausbildungsabschluss hatte sie 

eine Arbeitsstelle als Ergotherapeutin gefunden (IV-act. 118). Mit einer Verfügung vom 

9. Juli 2007 schloss die IV-Stelle das Verfahren betreffend berufliche 

Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 132).

A.a. 

Im Juli 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act. 

136). Das Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen hatte in einem Bericht vom 

26. Mai 2015 auf ein multilokuläres, chronifiziertes Schmerzsyndrom mit somatischen 

und psychischen Anteilen sowie auf eine psychische Erschöpfung durch eine 

psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz hingewiesen (IV-act. 143). Die Klinik B.___ 

A.b. 

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berichtete am 5. Oktober 2015 (IV-act. 163), die Versicherte leide an einer 

mittelgradigen depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom nach einer 

„Burnout-Entwicklung“ bei einer bekannten posttraumatischen Belastungsstörung und 

einer chronischen Schmerzerkrankung mit somatischen und psychischen Faktoren. Sie 

habe angegeben, dass sie im Alter von etwa drei bis fünf Jahren durch einen 

Saisonarbeiter sexuell missbraucht worden sei. Im Alter von 15 Jahren habe sie ihre 

erste schwere Depression mit Suizidgedanken gehabt. Ein Gespräch über das 

Vorgefallene sei im Elternhaus nicht denkbar gewesen. Ausserdem sei sie damals stark 

übergewichtig gewesen. Sie habe später eine Magersucht entwickelt. Vor fünf bis 

sechs Jahren sei sie im Zusammenhang mit der chronischen Schmerzstörung bei einer 

Skoliose in eine Lebenskrise geraten. Sie habe dann aber eine Umschulung zur 

Ergotherapeutin absolvieren und eine neue Arbeitsstelle antreten können. In den 

vergangenen Monaten sei sie an ihrem Arbeitsplatz immer mehr unter Druck geraten; 

sie habe sich nicht richtig abgrenzen können. Die behandelnden Ärzte der Klinik B.___ 

hielten fest, beim Eintritt habe sich die Versicherte wach und bewusstseinsklar, allseits 

orientiert sowie äusserlich gepflegt präsentiert. Sie habe ausdrucksstark, offen und 

leicht weitschweifig über ihre Beschwerden und deren Entstehungsgeschichte 

berichtet. Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen seien nicht aufgefallen. Im 

formalen Denken sei sie geordnet gewesen. Die Stimmung sei depressiv getönt 

gewesen, aber die Versicherte sei noch schwingungsfähig gewesen. Sie habe 

leichtgradig logorrhoisch und theatralisch gewirkt. Zu Beginn der Behandlung habe ein 

agitiert-depressives Zustandsbild mit einer deutlichen Affektlabilität, einer grossen 

Suggestibilität und Dünnhäutigkeit, einer raschen Reizüberflutung, einer massiven 

inneren und teils auch motorischen Unruhe, einer erheblichen psycho-physischen 

Erschöpfung sowie dissoziativen Zuständen bestanden. Der Zustand habe stabilisiert 

werden können; die Versicherte habe sich sehr gut auf der Station integriert. Beim 

Austritt sei angesichts der somatischen und psychiatrischen Diagnosen prognostisch 

die Wiedererlangung einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent nach einer schrittweisen 

Reintegration am Arbeitsplatz ab Anfang 2016 zu erwarten gewesen. Mit einer 

Mitteilung vom 6. April 2016 gewährte die IV-Stelle der Versicherten eine 

Kostengutsprache für eine „wirtschaftsnahe Integration mit Support am 

Arbeitsplatz“ (IV-act. 207). Im September 2016 brach die Versicherte die Massnahme 

ab (vgl. IV-act. 252 und 254).

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Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Medizinische Zentrum Römerhof (MZR) am 

4. Juli 2017 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 345). Der orthopädische 

Sachverständige hielt fest, bei der Betrachtung von dorsal sei eine erhebliche 

Fehlstellung des gesamten Rückens aufgefallen. Die Wirbelsäule sei rechtskonvex 

thorakal seitlich verbogen gewesen. Beidseits sei eine Scapula alata festzustellen 

gewesen. Die Taillendreiecke seien unsymmetrisch gewesen. Die linke Schulter habe 

deutlich tiefer als die rechte gestanden, die Halswirbelsäule sei allerdings im 

Wesentlichen lotrecht und gerade ausgerichtet gewesen. Ein Beckenschiefstand sei 

nicht zu erkennen gewesen. Die Schulterblätter hätten nicht ausreichend am Brustkorb 

angelegen. Die Muskulatur sei vermindert entwickelt gewesen. Insbesondere beim 

Vornüberneigen und bei der Rumpfbeuge habe sich ein erheblicher Rippenbuckel auf 

der rechten Seite gezeigt. Die Beweglichkeit sei insgesamt sehr gut gewesen. Die 

einzelnen Wirbelsäulenelemente seien hyperlax gewesen. Im Übrigen sei der (im 

Teilgutachten detailliert beschriebene) objektive klinische Befund weitestgehend 

unauffällig gewesen. Aus chirurgisch-orthopädischer Sicht sei ein thorako-lumbales 

Schmerzsyndrom bei einer ausgeprägten Torsionsskoliose mit einem Rippenbuckel 

rechts und einer muskulären Dysbalance zu diagnostizieren. Die von der Versicherten 

geschilderten Schmerzen liessen sich dadurch nicht vollständig erklären. Die geltend 

gemachte Beckeninstabilität habe nicht objektiviert werden können. Für nicht 

rumpfbelastende und nicht körperlich schwere Tätigkeiten sei aus orthopädischer Sicht 

eine nahezu uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Die Tätigkeit als 

Ergotherapeutin sei als ideal leidensadaptiert zu qualifizieren. Der neurologische 

Sachverständige führte aus, der neurologische Befund sei unauffällig gewesen. Aus 

neurologischer Sicht könne keine Diagnose (mit oder ohne Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit) gestellt werden. Die neuropsychologische Sachverständige hielt fest, 

die Testergebnisse könnten nicht als valide angesehen werden. Die in den 

Symptomvalidierungstests erzielten Resultate hätten weit unter jenen gelegen, die bei 

einer motivierten Mitarbeit hätten erreicht werden können. Bei der 

Reaktionszeitmessung habe die Versicherte eine Reaktionszeit gezeigt, die weitaus 

schlechter als jene einer Person mit einem schweren Schädelhirntrauma gewesen sei. 

Die Variabilität der Reaktionszeiten sei neurophysiologisch nicht erklärbar. Die in den 

Tests gezeigten eklatanten mnestischen Funktionsverluste hätten nicht dem im 

Gespräch gewonnenen Eindruck entsprochen. Die subjektiv geschilderte Intensität der 

A.c. 

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Beschwerden habe nicht mit der Vagheit der Schilderungen korreliert. Die von den 

übrigen Sachverständigen diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigungen könnten 

die Auffälligkeiten nicht erklären. Zusammenfassend müsse von einer Aggravation 

ausgegangen werden. Die psychiatrische Sachverständige führte aus, die Versicherte 

habe zu Beginn der insgesamt 210 Minuten dauernden Untersuchung mehrfach mit 

Geräuschäusserungen gegähnt. Die Kontaktaufnahme sei unkompliziert gewesen. Die 

Versicherte habe sich rasch und flüssig geäussert und sie habe sich bemüht gezeigt, 

möglichst gut Auskunft zu geben. Sie habe die Fragen ernst genommen; man habe 

gespürt, dass sie jeweils kurz nachgedacht habe, um sich besser und genauer 

ausdrücken zu können. Sie habe ausführlich Auskunft erteilt und sie sei freundlich und 

kooperationsbereit gewesen. Während der Untersuchung habe sie nicht 

schmerzgequält gewirkt. Allerdings habe sie bereits zu Beginn der Untersuchung 

darauf hingewiesen, dass sie sich aktuell in einer besseren Phase bezüglich der 

Schmerzen befinde. Die Versicherte habe dem Gespräch durchgehend aufmerksam 

folgen können. Vereinzelt habe sie deutlich – adäquat und nachvollziehbar – Mühe 

gezeigt, bei der Sache zu bleiben und nicht abzuschweifen. Sie habe diese Situationen 

mit erlernten Techniken bewältigen können: Sie sei aufgestanden, einige Schritte 

gegangen, habe sich festgehalten und mit sich selbst gesprochen. Ihre Atmung habe 

sich dabei verändert und sie habe mehrfach mit Lautproduktion gegähnt. Von aussen 

betrachtet habe dieses Verhalten teils befremdlich, übertrieben oder exaltiert gewirkt. 

Abgesehen von diesen Unterbrüchen sei die Konzentrationsspanne fokussiert gewesen 

und sie habe aufrecht erhalten werden können. Die Stimmungslage sei leicht gedämpft 

gewesen, aber die Versicherte sei auf jeden Fall spontan und alert sowie rasch reagibel 

gewesen. Im psychopathologischen Befund hätten sich deutliche Hinweise auf eine 

posttraumatische Symptomatik (erhöhte vegetative Reagibilität, Neigung zu 

Dissoziationen, Schilderung einer ausgeprägten Angstsymptomatik im Zusammenhang 

mit Schmerzen) gezeigt; der Zusammenhang zwischen den sich gegenseitig 

beeinflussenden Ängsten und Schmerzen und den erlebten Traumata sei erkennbar, 

nachvollziehbar und eindrücklich gewesen. Über die Lebensgeschichte hinweg zeige 

sich eine deutliche Beziehungsstörung, die wahrscheinlich einer kombinierten 

Persönlichkeitsstörung entspreche. Das Verhalten der Versicherten lasse ein Gefühl 

von Gemachtem, von nicht authentischem Verhalten aufkommen, was aber aus der 

Sicht der psychiatrischen Sachverständigen daran liege, dass die Versicherte wenige 

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Korrektive in ihrem Lebensumfeld habe und die „skills“ so anwende, wie sie am besten 

für sie wirkten, wobei sie sich der Aussenwirkung wohl nicht bewusst sei. Der 

klinischen Erfahrung entsprechend seien die „skills“ wirksam und gebräuchlich. Das 

Gesamtbild sei komplex und auf vielfältige Weise ineinander verwoben; die einzelnen 

Teile würden sich gegenseitig „triggern“ und negativ verstärken. Klinisch stehe im 

Alltagserleben eine deutliche Angstsymptomatik im Vordergrund, die durch die 

Schmerzen „getriggert“ werde und „flash backs“ auslöse. Verschiedene Anhaltspunkte 

sprächen für ein ADHS in der Kindheit mit einer teilweisen Restsymptomatik im 

Erwachsenenalter. Die Versicherte habe ein maladaptives Krankheitsverhalten 

entwickelt und limitiere sich nun deutlich selbst, was als ein zusätzlicher 

krankheitserhaltender Faktor zu werten sei. Das schwere Krankheitsbild stelle eine 

grosse therapeutische Herausforderung dar; für die bisherigen Fortschritte sei den 

Beteiligten Respekt entgegen zu bringen. Eventuell finde sich im Spannungsfeld von 

Selbstlimitierung, histrionischen Zügen und Selbstfürsorge auch ein Erklärungsansatz 

für die beobachtete Verdeutlichungstendenz respektive Aggravation. Diagnostisch 

lägen eine posttraumatische Belastungsstörung, eine kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen und abhängigen Anteilen, ein 

Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – 

eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren vor. Aus 

psychiatrischer Sicht sei die Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig. 

In einem geschützten Rahmen sei ihr eine Tätigkeit während zwei bis drei Stunden pro 

Tag zumutbar. Prognostisch erscheine eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50 

Prozent in einem geschützten Rahmen als realistisch. In ihrer Konsensbeurteilung 

attestierten die Sachverständigen des MZR für die Zeit ab dem 12. Mai 2015 eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten bezogen auf Tätigkeiten im ersten 

Arbeitsmarkt. Die RAD-Ärztin Dr. med. C.___ qualifizierte das Gutachten als 

überzeugend (IV-act. 346).

Der RAD-Psychiater med. pract. D.___ hielt in einer Notiz vom 12. März 2018 fest 

(IV-act. 375–6 ff.), das psychiatrische Teilgutachten des MZR überzeuge nicht. Aus 

versicherungsmedizinischer Sicht dränge sich bei der Würdigung der medizinischen 

Akten der Verdacht auf eine bewusstseinsnahe Aggravation auf, denn 

Persönlichkeitsstörungen manifestierten sich nicht erst im Alter von über 45 Jahren, 

A.d. 

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sondern wesentlich früher. Wäre die Tendenz zur Selbstlimitierung ein Teil der 

Persönlichkeitsstruktur, hätte die Versicherte wohl kaum fast sechs Jahre lang als 

Ergotherapeutin auf einer psychiatrischen Station arbeiten können, ohne auffällig zu 

werden. Die „ausgewiesenen“ Diagnosen – die kombinierte Persönlichkeitsstörung mit 

ängstlichen und abhängigen Anteilen und die anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren – begründeten keine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Immerhin sei es der 

Versicherten möglich gewesen, fast sechs Jahre lang die anspruchsvolle Tätigkeit als 

Ergotherapeutin auf einer Kriseninterventionsstation in einem Pensum von 70 Prozent 

auszuüben. Seither seien aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine neuen 

psychiatrischen Diagnosen hinzugekommen. Das Auftreten einer posttraumatischen 

Belastungsstörung über 40 Jahre nach dem Trauma sei überwiegend 

unwahrscheinlich. Auch sei nur ein kleiner Teil der vom ICD-10 geforderten Symptome 

vorhanden. Die Arbeitsunfähigkeit sei im direkten Zusammenhang mit einem Konflikt 

mit dem direkten Vorgesetzten eingetreten. Die emotionale Belastung der Versicherten 

durch diesen Konflikt sei mit Blick auf die Persönlichkeitsstörung nachvollziehbar. Die 

Arbeitsunfähigkeit sei aber rein arbeitsplatzbezogen gewesen. Die Diagnose eines 

ADHS könne nie nur allein aufgrund der Angaben der betroffenen Person gestellt 

werden. Da ein ADHS definitionsgemäss in der Kindheit beginne, müssten 

fremdanamnestische Angaben bezüglich der Symptomatik in der Kindheit eingeholt 

werden. Zusätzlich müssten entsprechende valide neuropsychologische Ergebnisse 

vorliegen. Die Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit anhand des Mini-ICF sei 

durchgehend zu pessimistisch erfolgt. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht finde 

sich unter Berücksichtigung der Diagnosen, der Anamnese, der Befunde, der 

funktionellen Einschränkungen und der „Standardindikatoren“ kein Grund zur 

Annahme, dass es der Versicherten nicht möglich sein sollte, die angepasste Tätigkeit 

als Ergotherapeutin weiterhin auszuüben.

Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 19. April 2018 auf, konkrete Angaben zum 

geltend gemachten sexuellen Missbrauch in der Kindheit zu machen (IV-act. 377). Die 

Versicherte teilte am 27. April 2018 mit (IV-act. 378), die Übergriffe hätten begonnen, 

als sie zweieinhalb Jahre alt gewesen sei, und angedauert, bis sie sechs Jahre alt 

gewesen sei. Der Täter sei ein von der Grossmutter angestellter Saisonarbeiter 

A.e. 

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gewesen. Auch die Mutter der Versicherten sei von diesem zunächst körperlich 

bedrängt worden. Die Übergriffe hätten ungewünschte Berührungen am Körper und im 

Intimbereich sowie Penetrationen beinhaltet. Der Missbrauch sei der Polizei nicht 

gemeldet worden. Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. E.___ zeigte sich im Mai 

2018 empört über die Fragen der IV-Stelle (IV-act. 386). In einem ausführlichen Bericht 

vom 22. Mai 2018 wies sie darauf hin (IV-act. 388), dass für die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht nur die posttraumatische Belastungsstörung relevant 

sei. Die eigentliche Problematik ergebe sich aus dem Zusammenspiel der 

verschiedenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, was im Gutachten des 

MZR überzeugend aufgezeigt worden sei. Entgegen der von einer IV-Sachbearbeiterin 

in einem Telefonat mit Dr. E.___ vertretenen Ansicht sei die Diagnose einer 

posttraumatischen Belastungsstörung auch nicht neu; bereits im Jahr 2003 hätten die 

behandelnden Ärzte auf eine Traumafolgestörung hingewiesen. Sogenannt dissoziative 

Amnesien nach Sexualdelikten in der Kindheit seien ein bekanntes Phänomen. Je 

jünger das Opfer, je enger die emotionale Beziehung zum Täter und je schlechter die 

soziale Unterstützung zum Tatzeitpunkt seien, umso seltener erfolge eine polizeiliche 

Anzeigeerstattung. Die Wahrscheinlichkeit nehme mit zunehmender Dauer der 

sexualisierten Gewalt weiter ab. Aus den Akten gehe hervor, dass die Versicherte sehr 

jung gewesen sei, dass sie dem Täter emotional sehr nahe gestanden habe und dass 

die Eltern (alkoholabhängiger Vater, körperlich behinderte Mutter; beide stark in eine 

Erwerbstätigkeit eingespannt) der Versicherten keine Unterstützung oder Schutz hätten 

bieten können; sie hätten die Anzeichen verleugnet und bagatellisiert. Die komplexe 

Traumafolgestörung sei nicht nur aus der Sicht von Dr. E.___, sondern auch aus der 

Sicht von weiteren behandelnden Ärzten sowie aus der Sicht der psychiatrischen 

Sachverständigen des MZR in geradezu lehrbuchmässiger Weise schlüssig und klar 

belegbar. Im Gutachten des MZR sei ausführlich aufgezeigt worden, dass sich die 

Versicherte über Jahre hinweg verausgabt habe, um ihre Arbeitsfähigkeit aufrecht zu 

erhalten. Der Verlust der Arbeitsfähigkeit habe wesentlich zur depressiven 

Dekompensation beigetragen.

Im September 2018 beauftragte die IV-Stelle die Psychiaterin med. pract. F.___ mit 

einer fachärztlichen Begutachtung der Versicherten einschliesslich einer 

neuropsychologischen Testung (IV-act. 399). Offenbar teilte die Versicherte der 

A.f. 

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Sachverständigen F.___ in der Folge mit, dass sie das Explorationsgespräch auf Band 

aufnehmen wolle. Diese teilte der Versicherten (und in Kopie der IV-Stelle) nämlich mit 

einem Schreiben vom 4. Januar 2019 mit, dass sie damit nicht einverstanden sei (IV-

act. 407). An jenem Tag fand die neuropsychologische Untersuchung statt, die von lic. 

phil. G.___ durchgeführt wurde. In seinem Untersuchungsbericht hielt der 

neuropsychologische Sachverständige G.___ fest (IV-act. 419), im Verhalten habe die 

Versicherte vor allem zu Beginn und anschliessend phasenweise ängstlich, unsicher 

und angespannt gewirkt. In diesen Phasen habe sie häufig gegähnt und Mühe beim 

Artikulieren – Verlangsamung, Stocken – gezeigt. In entspannteren Phasen habe sie 

kaum gegähnt und sich recht fliessend sowie inhaltlich differenziert geäussert. In der 

Regel sei die Mimik adäquat und unauffällig gewesen. Die Versicherte habe eine 

durchwegs interessierte, motivierte und bemühte Mitarbeit gezeigt. Das Arbeitstempo 

sei etwas langsam gewesen. Im Verlauf hätten sich zunehmende 

Ermüdungserscheinungen gezeigt. Beim Umstellen auf neue Aufgaben habe die 

Versicherte jeweils viel Zeit benötigt. Die Instruktionen hätten meist mehrmals 

wiederholt werden müssen. Mehrmals habe die Versicherte die Instruktionen laut für 

sich selbst wiederholt. Der Anspruch an die eigenen Leistungen sei hoch gewesen. Auf 

bemerkte Fehler habe die Versicherte verunsichert und erheblich irritiert reagiert. In 

diesen Stresssituationen sei dann jeweils auch wieder ein vermehrtes Gähnen zu 

beobachten gewesen. Die Analyse der anhand der Testverfahren gewonnenen Befunde 

habe keine Hinweise auf ein suboptimales Leistungsverhalten oder auf eine 

Aggravation respektive eine Verdeutlichung von kognitiven Einschränkungen ergeben. 

Auch bei sämtlichen durchgeführten Symptomvalidierungsverfahren hätten sich 

durchwegs unauffällige bis optimale Resultate gezeigt. Die Intelligenz liege gesamthaft 

innerhalb der Normvariante (IQ 86), das Profil sei aber heterogen (Verbal-IQ 98, 

Nonverbal-IQ 77). Die Versicherte leide an einer leichten neuropsychologischen 

Hirnfunktionsstörung mit objektivierbaren Beeinträchtigungen von Teilbereichen der 

attentionalen und exekutiven Funktionen. Aus neuropsychologischer Sicht sei von einer 

Arbeitsunfähigkeit von 10–30 Prozent auszugehen, wobei die Einschränkung umso 

höher sei, je weniger angepasst die Tätigkeit an das Stärke- und Schwäche-Profil sei. 

Klar erschwerende Bedingungen seien ein hohes Arbeitstempo, ein rasches Umstellen 

auf neue Situationen oder Problemstellungen, häufig neue Inhalte oder Multitasking-

Aufgaben. Die psychiatrische Sachverständige F.___ untersuchte die Versicherte am 

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25. Februar 2019 und am 8. März 2019 während insgesamt fünfeinhalb Stunden. Sie 

hielt in ihrem Gutachten vom 30. April 2019 fest (IV-act. 418), die Versicherte habe im 

Vorfeld der Untersuchung – teilweise mit der Hilfe einer in ihrem Auftrag agierenden 

Bekannten – mit Nachdruck darauf bestanden, das Explorationsgespräch auf Band 

aufzunehmen. Sie, die Sachverständige, habe in der Folge einen Kompromiss 

(zeitweilige Aufnahmen) vorgeschlagen, aber die Versicherte sei zu einem Kompromiss 

nicht bereit gewesen. Insgesamt habe sich im Vorfeld der Untersuchung der Eindruck 

eines zielgerichteten, bestimmenden, wenig kooperativen Verhaltens bei der 

Verfolgung der eigenen Ziele und Vorhaben, der Eindruck eines grossen 

Durchsetzungsvermögens und der Eindruck der Fähigkeit, andere für eigene Zwecke 

einzusetzen, ergeben. An den beiden Untersuchungstagen habe sich die Versicherte in 

der Interaktion – sowohl verbal als auch nonverbal – sehr auffällig verhalten. Bereits bei 

der Begrüssung habe sie wiederholt und demonstrativ gegähnt. Sie habe hierzu gleich 

und mit Nachdruck ihre subjektive Interpretation des Gähnens als eine „Dissoziation“ 

geliefert. Im Untersuchungszimmer habe sie aufgehört zu gähnen. Bei der 

Besprechung der Modalitäten der Untersuchung habe sie normal und unauffällig 

gesprochen. Später – „auch im Zusammenhang“ mit dem Beginn der Tonaufzeichnung 

– habe sie über weite Strecken sehr langsam, gepresst, abgehackt und wiederholt 

stotternd gesprochen. Diese sprachlichen Auffälligkeiten hätten mitunter an eine 

skandierende Sprache erinnert, wie sie unter dem Einfluss von Neuroleptika teilweise 

zu beobachten sei. Trotz der gezeigten Auffälligkeiten sei die Versicherte in ihren 

Äusserungen stets zielgerichtet gewesen. Kurze Zeit später habe sie bei der 

Blutentnahme in einem anderen Raum der Praxis trotz einer körperlichen Nähe völlig 

unauffällig gesprochen. Die Mimik und die Gestik seien stets unauffällig, normal lebhaft 

und adäquat gewesen. Obwohl sie wiederholt über ein Kälteempfinden geklagt habe, 

habe sie in der Pause das Fenster bei einer Aussentemperatur von zwei Grad Celsius 

geöffnet und das Zimmer abkühlen lassen. In dieser Zeit habe sie die Schuhe 

ausgezogen und ihre Füsse massiert. Bei der zweiten Untersuchung habe sie 

wesentlich flüssiger gesprochen. Über weite Strecken sei ihre Sprache respektive der 

Sprachfluss völlig unauffällig und auch gut moduliert gewesen. Nur zu Beginn und 

gegen Ende der Untersuchung habe sie gegähnt. Sie habe ein grosses 

Mitteilungsbedürfnis mit einer Tendenz zur Weitschweifigkeit gezeigt, sodass das 

Gespräch wiederholt mittels konkreter Fragen habe strukturiert werden müssen. 

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Wiederholt habe sie psychiatrische, psychotherapeutische und auch 

psychotraumatologische Begriffe und Diagnosen („Manie, Psychose, Verwirrtheit, 

Dissoziationen, Trigger, Körpererinnerungen“) verwendet, aber konkrete Nachfragen 

hätten gezeigt, dass sie deren tatsächliche Bedeutung nicht richtig erfasst habe. 

Zudem habe sie wortreich ihre subjektiven Interpretationen der von ihr 

wahrgenommenen körperlichen Signale und Beschwerden sowie – mit Nachdruck – 

ihre subjektiven Glaubensüberzeugungen in Bezug auf ihre psychische Problematik 

präsentiert. Insgesamt habe sie mit einem sehr eigenwilligen subjektiven 

Krankheitskonzept und einem daraus resultierenden inadäquaten Krankheits- sowie 

Schon- und Vermeidungsverhalten imponiert. Im Interaktionsverhalten habe sie sich 

wechselhaft gezeigt: Zeitweise habe sie angepasst, fast unterwürfig gewirkt, über weite 

Strecken habe sie jedoch einen recht bestimmenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt 

habe das präsentierte szenische Bild befremdlich und wenig authentisch gewirkt. Es 

sei der Eindruck einer dramatischen Selbstdarstellung und eines übertriebenen 

Ausdrucks von Gefühlen entstanden. Die wiederholt und mit Nachdruck mitgeteilte 

Erschöpfung habe nicht beobachtet werden können. Als die Sachverständige nach 

zweieinhalb Stunden eine zweite Pause anberaumt habe, habe die Versicherte ihr 

Nichteinverständnis laut und bestimmend kundgetan. Trotz der Angabe von 

Schmerzen hätten sich objektiv keinerlei Hinweise auf ein Schmerzerlebnis gezeigt. Die 

subjektiv geschilderten Beschwerden hätten sich an beiden Untersuchungstagen nicht 

objektivieren lassen. Die Angaben zur Krankheitsgeschichte seien in Bezug auf die 

Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung zwar umfangreich, aber sehr 

vage und zum Teil auch stereotyp gewesen. Bei Nachfragen habe sich die Versicherte 

in Inkonsistenzen und teilweise auch in Widersprüche verwickelt. Insgesamt habe sich 

„aktuell weit über Verdeutlichungstendenzen der Beschwerden hinaus“ der Eindruck 

von Aggravationstendenzen bei einem sehr eigenwilligen subjektiven 

Krankheitskonzept und einem hohen sekundären Krankheitsgewinn ergeben. Zudem 

sei der Eindruck einer erhöhten Suggestibilität und auch von manipulativen Tendenzen 

entstanden. Ein Leidensdruck in Bezug auf die angegebenen zahlreichen psychischen 

Beschwerden sei nicht wirklich spürbar gewesen. In den medizinischen Akten sei der 

Missbrauch in der Kindheit zwar bereits ab dem Jahr 2003 erwähnt worden, aber die 

psychiatrischen Berichte aus den Jahren 2003 und 2004 sowie aus den Jahren 2014 

und 2015 (erstes Halbjahr) enthielten keinerlei Hinweise auf Symptome einer 

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posttraumatischen Belastungsstörung, weshalb retrospektiv auch nicht nachvollziehbar 

sei, dass im August 2015 dann plötzlich eine Traumatherapie in die Wege geleitet 

worden sei. Die Berichte der behandelnden Psychiaterin Dr. E.___ zeichneten sich 

durch eine Vermischung von subjektiven Angaben und objektiven Befunden aus. 

Teilweise enthielten sie Widersprüche. So sei etwa auf eine „grosse Erschöpfung“, 

gleichzeitig aber auch auf ein „grosses Engagement“ hingewiesen worden. Das 

psychiatrische Teilgutachten des MZR enthalte keine fachärztliche Stellungnahme zum 

dort beschriebenen nicht authentischen Verhalten und damit auch keine Begründung 

dafür, dass die Sachverständige massgeblich auf die subjektiven Angaben der 

Versicherten abgestellt habe. Angesichts der bereits im Austrittsbericht der Klinik B.___ 

vom Sommer 2015 beschriebenen „grossen Suggestibilität“ hätte die Sachverständige 

die Antworten der Versicherten auf ihre Fragen wesentlich kritischer würdigen müssen. 

Zusammenfassend sei unter Berücksichtigung der Aktenlage, der Angaben der 

Versicherten und den aus der aktuellen Untersuchung gewonnenen Erkenntnissen eine 

chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu 

diagnostizieren, die auf dem Boden einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit 

histrionischen und ängstlichen Zügen entstanden sei. Die früher beschriebene 

depressive Symptomatik habe aktuell nicht mehr vorgelegen. Ausgehend von den 

Angaben der Versicherten bestehe der Verdacht auf dissoziative Störungen. Die 

Diagnosekriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung seien nur teilweise erfüllt, 

weshalb keine solche Störung zu diagnostizieren sei. Für die angestammte Tätigkeit als 

Ergotherapeutin sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad von mindestens 70 Prozent zu 

attestieren. Die Einschränkung von maximal 30 Prozent resultiere aus einer 

verminderten Leistungsfähigkeit und einem etwas erhöhten Pausenbedarf. 

Leidensadaptierte Tätigkeiten seien der Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Die 

RAD-Ärztin Dr. med. H.___ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 422).

Die Versicherte teilte der psychiatrischen Sachverständigen F.___ am 30. Juni 

2019 mit, dass sie sich im Gutachten nicht wiedererkenne und dass sie mit den 

Schlussfolgerungen nicht einverstanden sei (IV-act. 423). Am 1. Juli 2019 liess sie 

gegenüber der IV-Stelle geltend machen (IV-act. 424), der neuropsychologische 

Sachverständige G.___ habe überzeugend aufgezeigt, dass sie realistisch betrachtet 

nur noch in einem geschützten Rahmen erwerbstätig sein könne. Sie würde gerne 

A.g. 

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einen Eingliederungsversuch unternehmen, befürchte aber, dass die IV-Stelle das 

Verwaltungsverfahren nun ohne weitere Leistungen abschliessen werde. Das würde sie 

in ihrem Heilungsprozess erheblich zurückwerfen.

Mit einem Vorbescheid vom 9. Juli 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, 

dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden 

Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 426). Dagegen liess die Versicherte am 30. 

September 2019 einwenden (IV-act. 436), sie sei schon aufgrund ihres Rückenleidens 

praktisch vollständig arbeitsunfähig. Sie werde zu einem späteren Zeitpunkt noch eine 

Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin Dr. E.___ nachreichen. Der Eingabe lag 

ein Bericht der Hausärztin med. pract. I.___ vom 12. September 2019 bei (IV-act. 437). 

Diese hatte darauf hingewiesen, dass die Versicherte schon aufgrund der im Jahr 2015 

gestellten Diagnose eines multilokulären chronifizierten Schmerzsyndroms mit 

somatischen und psychischen Anteilen, die sich seither nicht wesentlich verändert 

habe, praktisch vollständig arbeitsunfähig für sämtliche Erwerbstätigkeiten sei. Am 1. 

Oktober 2019 reichte die Versicherte eine Stellungnahme der behandelnden 

Psychiaterin Dr. med. E.___ vom 30. September 2019 nach (IV-act. 439). Diese hatte 

geltend gemacht, die von der Sachverständigen F.___ beschriebenen widersprüchlich 

imponierenden Phänomene im Kontakt mit der Versicherten prägten die 

Schwierigkeiten der Versicherten in so gut wie allen Lebensbereichen. Sie liessen sich 

auf die schwere, bindungsstörungs- und traumabedingte persönlichkeitsstrukturelle 

Erkrankung zurückführen und seien im Rahmen von „State-Wechseln“ ein für schwere 

Persönlichkeitsstörungen und vor allem für Traumafolgestörungen bekanntes 

Phänomen. Sie führten in der Interaktion beim Gegenüber unter anderem zu Irritation, 

Ohnmacht, Verärgerung und Kontaktabbruch, bei der Versicherten dagegen oft zum – 

oft wortreichen – Versuch, den Kontakt aufrecht zu erhalten oder sich diesem zu 

entziehen, zum Erstarren oder aber zu ohnmächtigen Versuchen, Kontrolle zu erhalten. 

Gerade bei Missbrauchserfahrungen in der frühen Kindheit, wie sie die Versicherte 

erlebt habe, komme es oft zu einer dissoziativen Amnesie; zudem müssten die durch 

das Trauma ausgelösten bedrohlichen und unerträglichen Affekte meist erneut 

dissoziativ abgewehrt werden, um ein „psychisches Überleben“ zu gewährleisten, was 

das Verständnis für Behandler und Gutachter erschwere. In der Darstellung der 

Erkrankung habe die Versicherte so auf die Sachverständige deshalb nicht nur 

A.h. 

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irritierend, sondern auch „dramatisierend“ gewirkt. Der Versuch, das Leiden im 

Rahmen des eigenen Krankheitsverständnisses verstehbar zu machen, sei von der 

Sachverständigen als Aggravation und Manipulation interpretiert worden, sei aber ein 

Teil der Symptomatik und des Interaktionsgeschehens gewesen. Die Sachverständige 

habe sich nicht ausreichend mit dieser Problematik auseinander gesetzt. Zudem habe 

sie ohne eine Begründung die emotional-instabilen Persönlichkeitszüge übergegangen, 

obwohl diese aus den Vorakten bekannt gewesen seien. Die Diagnosekriterien für den 

histrionischen Persönlichkeitsanteil seien abgesehen von einem theatralisch-

übertrieben anmutenden Ausdruck der Gefühle, der im Zusammenhang mit der 

Traumavorgeschichte erklärbar sei, nicht erfüllt gewesen. Die vielfältigen dissoziativen 

Phänomene, die von der Sachverständigen teilweise selbst beobachtet und 

beschrieben worden seien, seien bei der Würdigung aus nicht nachvollziehbaren 

Gründen unberücksichtigt geblieben. Die Diagnosekriterien für eine posttraumatische 

Belastungsstörung seien erfüllt; wäre dies nicht der Fall, hätte die Sachverständige 

F.___ wenigstens die Zusatzdiagnose eines sexuellen Missbrauchs in der Kindheit 

durch eine Person innerhalb des engeren Familienkreises stellen müssen. Die 

Versicherte erfülle nicht nur die Kriterien A und B (was von der Sachverständigen 

anerkannt worden sei), sondern auch die Kriterien C–E, was zum Teil aber erst im 

Rahmen einer länger dauernden Therapie erkennbar sei. Die Versicherte selbst wandte 

am 1. Oktober 2019 gegenüber der IV-Stelle ein (IV-act. 440), die Sachverständige 

F.___ habe ihre Aussagen nur unvollständig, teilweise aus dem Kontext gerissen und 

teilweise verdreht wiedergegeben. Sie habe der IV-Stelle die entsprechenden 

Ausschnitte aus den Tonaufzeichnungen zustellen wollen, sei aber nicht fähig gewesen, 

die Tonaufnahmen entsprechend zuzuschneiden, da sie das Anhören emotional zu sehr 

belastet habe. Sie verstehe auch nicht, weshalb die IV-Stelle nach der ersten 

Begutachtung durch das MZR plötzlich die Ansicht vertreten habe, sie sei eine 

Simulantin (was eine Sachbearbeiterin am Telefon ausdrücklich gesagt habe). Die IV-

Stelle wies die Versicherte am 25. November 2019 darauf hin, dass die Tonaufnahmen 

rechtswidrig erstellt worden seien (IV-act. 441). Die Versicherte antwortete am 27. 

November 2019, sie habe die Aufnahmen mit dem Einverständnis der 

Sachverständigen F.___ erstellt (IV-act. 442). Der RAD-Arzt D.___ nahm am 27. 

November 2019 Stellung zum Schreiben von Dr. E.___ vom 30. September 2019 (IV-

act. 443). Er hielt fest, die Kritik von Dr. E.___ sei nicht nachvollziehbar. Das Gutachten 

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B.  

sei in jeder Hinsicht überzeugend. Es bestehe kein Grund zur Annahme, dass es zu 

einer ungünstigen Gegenübertragung gekommen sei. Mit einer Verfügung vom 6. 

Dezember 2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 

444).

Am 24. Januar 2019 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Dezember 2019 erheben (act. G 1). Ihr 

Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab November 2015 und eventualiter die 

Einholung eines unabhängigen, gerichtlichen, polydisziplinären Gutachtens. Zur 

Begründung führte er aus, die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe 

sich in einer rechtswidrigen Sachverhaltswürdigung nur auf die psychische 

Gesundheitsproblematik beschränkt; die Beschwerdeführerin leide auch an massiven 

somatischen Beschwerden. Die Sachverständige F.___ sei befangen gewesen. Sie sei 

von der Beschwerdegegnerin mit einer suggestiven Darstellung des Sachverhaltes 

bedient worden, die die Beschwerdeführerin schon vor der Untersuchung als 

unsympathisch, manipulativ und fordernd habe erscheinen lassen. Diese tendenziöse 

Darstellung habe sie unkommentiert in ihr Gutachten aufgenommen, was bedeute, 

dass sie sich davon habe beeinflussen lassen. Die behandelnde Psychiaterin Dr. E.___ 

habe detailliert aufgezeigt, an welchen fachlichen Mängeln das Gutachten leide. Die 

Sachverständige F.___ habe unter anderem den „Standardfehler“ begangen, die 

Beschwerdeführerin nach deren Freizeitaktivitäten zu befragen. Die 

Beschwerdeführerin habe sich überlegt, was sie früher in ihrer Freizeit unternommen 

habe. Die Sachverständige hätte die Anschlussfrage stellen müssen, wann diese 

Aktivitäten (Englischkurs, Tanzen) zuletzt ausgeübt worden seien. Die 

Beschwerdeführerin sei schon lange nicht mehr tanzen gewesen; Ausdruckstanz habe 

sie zuletzt vor 20 oder 25 Jahren ausgeübt. Den Englischkurs habe sie vor vier Jahren 

begonnen. Hätte die Sachverständige diese Anschlussfrage gestellt und die Antworten 

in ihr Gutachten einfliessen lassen, hätte sich die Sachlage also völlig anders 

präsentiert. Die Schlussfolgerungen im Gutachten der Sachverständigen F.___ 

bezüglich der Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung würden erheblich 

von jenen in allen anderen medizinischen Berichten – einschliesslich des Gutachtens 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/27

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des MZR – abweichen, enthalte aber keine hinreichende Begründung dafür. Auf das 

Gutachten könne nicht abgestellt werden.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. März 2020 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, die „Präambel“ des 

Gutachtensauftrages sei nicht suggestiv gewesen. Zudem sei der Beschwerdeführerin 

vor der Auftragserteilung die Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt worden, 

wovon diese dann auch Gebrauch gemacht habe. In der Folge sei die „Präambel“ 

überarbeitet worden. Die Beschwerdeführerin habe – entgegen einer entsprechenden 

Ankündigung – von einer Beschwerde gegen die entsprechende Zwischenverfügung 

abgesehen und damit die „Präambel“ akzeptiert. Der Sachverständigen sei bekannt 

gewesen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Jugend getanzt habe; das habe sie 

ausdrücklich so im Gutachten wiedergegeben. Der RAD-Arzt D.___ habe sich 

eingehend mit dem Gutachten und mit der Kritik von Dr. E.___ auseinandergesetzt und 

überzeugend aufgezeigt, dass auf das Gutachten abzustellen sei.

B.b. 

Die Beschwerdeführerin liess am 6. Juli 2020 an ihren Anträgen festhalten (act. G 

10). Der Eingabe lag ein Datenträger mit Tonaufzeichnungen der 

Untersuchungsgespräche bei (act. G 10.1.4), aus denen der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin in der Replik ausgiebig zitierte. Die Aufzeichnungen enthielten 

unter anderem die folgenden Passagen: „[Mehrfaches lautes Gähnen und 

unverständliche, sinngemässe Frage der Sachverständigen {nachfolgend: Sv} an die 

Beschwerdeführerin {nachfolgend: Bf}, ob sie müde sei, da sie so oft gähne; Bf:] Das 

ist … hat nichts mit Ihnen zu tun … das ist immer, wenn ich … [Sv:] Aufgeregt sind? 

[Bf:] Ja“ – „[Lautes Gähnen; Sv:] Haben Sie Angst vor der Blutabnahme? [Bf:] Nein … 

Nein … Es ist mehr … Ich habe immer Mühe, dass ich im Körper bleibe … Dann … Das 

Gähnen ist immer so … ein Zeichen, dass ich wie ein wenig aus dem Körper gehe … 

Aber wenn ich es sagen kann … Dann wird es etwas besser [lautes Gähnen]“ – 

„[Lautes Gähnen; Bf:] Sie, ich möchte noch sagen, lassen Sie sich nicht irritieren wegen 

dem Gähnen. Das hat … nichts mit Ihnen zu tun, sondern das ist weil … ich … das … 

ich … disso- … Ich kann es noch … Einfach, dass Sie es wissen“ – „[Bf:] Ja, ich habe 

jetzt den Beobach- … -ter … ein … bin da … mi … b … beim Rechts- … -dienst … 

’Tschuldigen Sie … ähm … okay … ich lalle dann, wenn ich so staggle, weiss ich dann 

… falle ich wie … in … in ein … kleines Kind. Ich … weiss es jetzt, dass … früher habe 

B.c. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/27

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ich es nicht gewusst … jetzt weiss ich es von der Therapie … Ich falle wie in ein kleines 

… zurück, aber ich kann es noch nicht verhindern. Einfach, damit Sie wissen. 

Manchmal hilft, wenn ich es sagen kann, ein bisschen bewegen“. Stellenweise sprach 

die Beschwerdeführerin mit einer gepressten Stimme, stellenweise sprach sie 

abgehackt respektive stotternd und stellenweise sprach sie völlig normal. Phasenweise 

gähnte sie andauernd beziehungsweise unternahm sie „Gähnversuche“, phasenweise 

war davon nichts zu hören.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. September 2020 die Abweisung der 

Beschwerde, die Vernichtung der von der Beschwerdeführerin eingereichten 

Tonaufnahmen und die Entfernung der Replik aus den Akten (act. G 12). Zur 

Begründung der neuen verfahrensrechtlichen Anträge führte sie an, die Tonaufnahmen 

seien widerrechtlich erstellt worden. Sie und die Replik, in der ausgiebig daraus zitiert 

worden sei, müssten deshalb aus dem Recht gewiesen werden.

B.d. 

Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Triplik vom 4. November 2020 geltend 

machen (act. G 18), die Sachverständige F.___ habe ihr Einverständnis zur 

Aufzeichnung des Untersuchungsgesprächs auf Band gegeben, weshalb die 

Tonaufnahmen nicht widerrechtlich erstellt worden seien. Im Übrigen sei „ja 

interessant, dass Big Brother persönlich sich plötzlich dafür ausspricht, dass angeblich 

widerrechtlich erlangte Beweise aus den Akten zu entfernen seien. Es ist mir kein 

einziges IV-Verfahren erinnerlich, in dem (trotz heftigster Bemühungen meinerseits) 

widerrechtliche Überwachungsakten aus den Akten entfernt worden wären, auch nicht 

nach dem EMRK-Urteil Vukota gegen die Schweiz“.

B.e. 

Mit einem Beweisbeschluss vom 1. Juli 2021 wies das Versicherungsgericht des 

Kantons St. Gallen die von der Beschwerdegegnerin gestellten verfahrensrechtlichen 

Anträge ab (act. G 20). Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, über die 

verfahrensrechtlichen Anträge der Beschwerdegegnerin müsse vorab entschieden 

werden, denn sobald sich die zuständigen Mitarbeiter des Versicherungsgerichtes die 

Aufnahmen angehört oder die Replik durchgelesen hätten, sei ein nicht wieder 

gutzumachender Nachteil für die Beschwerdegegnerin eingetreten, da ab diesem 

Zeitpunkt eine Entfernung der Tonaufnahmen oder der Replik aus dem Recht nichts 

mehr an der Sachverhaltskenntnis des Versicherungsgerichtes ändern würde. Mit Blick 

B.f. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/27

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Erwägungen

1.  

auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Verwertbarkeit von rechtswidrig 

beschafftem Observationsmaterial könne die Frage, ob die Beschwerdeführerin die 

Tonaufnahmen rechtswidrig erstellt habe, für die Verwertbarkeit der Aufzeichnungen 

keine Rolle spielen. Zudem habe der Gesetzgeber mit der Einführung des neuen Art. 44 

Abs. 6 ATSG einen Generalverdacht gegen sämtliche Sachverständigen zum Ausdruck 

gebracht, die im Auftrag eines Sozialversicherungsträgers medizinische Gutachten 

erstellten, weshalb es sich nicht rechtfertigen lasse, die von der Beschwerdeführerin 

eingereichten Beweismittel aus dem Recht zu weisen.

Das Bundesgericht trat auf die von der Beschwerdegegnerin gegen diesen 

Zwischenentscheid erhobene Beschwerde (vgl. act. G 21) mit einem Urteil vom 20. 

Dezember 2021 nicht ein (8C_577/2021). Zur Begründung führte es an, der 

Zwischenentscheid des Versicherungsgerichtes bewirke für die Beschwerdegegnerin 

keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil, denn dieser stehe es frei, einen die 

Verfügung vom 6. Dezember 2019 zu ihren Ungunsten abändernden Entscheid 

anzufechten und in diesem Zusammenhang zu verlangen, dass die Tonaufnahmen und 

die Replik aus dem Recht zu weisen seien. Sollte das Versicherungsgericht die Sache 

zu weiteren Abklärungen zurückweisen, werde der Beschwerdegegnerin ebenfalls die 

Möglichkeit offen stehen, eine Beschwerde an das Bundesgericht zu erheben und 

(unter anderem) die Entfernung der Tonaufnahmen und der Replik aus den Akten zu 

verlangen. Nur wenn das Versicherungsgericht die Verfügung „bestätigen“ sollte, hätte 

die Beschwerdegegnerin keine Möglichkeit, den Entscheid des Versicherungsgerichtes 

beim Bundesgericht anzufechten. Für allfällige künftige weitere Verfahren dürfe aber 

von der Beschwerdegegnerin erwartet werden, dass sie in der Lage sei, die aus ihrer 

Sicht unzulässigen Beweise von den zulässigen zu unterscheiden und sich bei der 

Würdigung ausschliesslich auf Letztere zu stützen. Ein besonders gewichtiges 

Interesse an einer unverzüglichen Feststellung der Unverwertbarkeit sei nicht dargetan.

B.g. 

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen 

Verfügung vom 6. Dezember 2019 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein 

Gegenstand jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. 

1.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/27

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2.

Der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung setzt gemäss dem Art. 28 Abs. 

1 IVG voraus, dass sich die Erwerbsfähigkeit der versicherten Person nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

lässt, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne einen wesentlichen 

Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und 

Dieses hat die Prüfung des Rentenbegehrens der Beschwerdeführerin vom Juli 2015 

zum Gegenstand gehabt, auf das die Beschwerdegegnerin mit Blick auf den Art. 87 

Abs. 3 IVV zu Recht eingetreten ist, da die Beschwerdeführerin eine relevante 

Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht hatte 

(vgl. IV-act. 143 und 163). Folglich ist auch in diesem Beschwerdeverfahren 

(umfassend) zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin für die Zeit nach Juli 2015 

respektive – unter Berücksichtigung des Art. 29 Abs. 1 IVG – ab dem 1. Januar 2016 

einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat.

Mit dem Nichteintretensentscheid des Bundesgerichtes 8C_577/2021 vom 20. 

Dezember 2021 ist der Zwischenentscheid des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 

1. Juli 2021 in formelle Rechtskraft erwachsen, was bedeutet, dass weder die 

Tonaufnahmen noch die Replik aus dem Recht zu weisen sind. Die vom Bundesgericht 

angeführte Begründung ist nicht nachvollziehbar, weil das Bundesgericht wohl – trotz 

der entsprechenden Ausführungen im Zwischenentscheid vom 1. Juli 2021 – 

übersehen haben dürfte, dass ein nicht wieder gutzumachender Nachteil für die 

Beschwerdegegnerin eingetreten ist, sobald das Versicherungsgericht sich die 

Tonaufnahmen angehört und die Replik durchgelesen hat. Natürlich steht es der 

Beschwerdegegnerin (ausser im Falle einer Abweisung der Beschwerde) frei, den 

„definitiven“ Entscheid des Versicherungsgerichtes anzufechten, aber mit einer 

entsprechenden Beschwerde wird sie offenkundig nicht mehr verhindern können, dass 

das Versicherungsgericht die fraglichen Beweismittel zur Kenntnis genommen und 

gewürdigt hat. Offen ist auch, wie das Bundesgericht auf eine entsprechende 

Beschwerde hin – für den Fall einer Gutheissung – die Wiedergabe von Passagen aus 

den Tonaufnahmen oder aus der Replik und die Würdigung dieser Passagen im 

Entscheid des Versicherungsgerichtes rückgängig machen sollte. Es müsste dafür ja 

die Vernichtung sämtlicher Exemplare des Beschwerdeentscheides des St. Galler 

Versicherungsgerichtes anordnen. Diese Bedenken ändern allerdings nichts an der 

Verbindlichkeit des Zwischenentscheides vom 1. Juli 2021, weshalb die Tonaufnahmen 

und die Sachverhaltselemente respektive Sachverhaltsbehauptungen in der Replik frei 

zu würdigen sind.

1.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/27

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dass sie nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die 

Bemessung der Invalidität wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in 

Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie 

gesund geblieben wäre.

3.

Die Beschwerdeführerin hat ursprünglich eine Ausbildung zur Verkäuferin und 

anschliessend eine zweite Ausbildung zur Textildesignerin absolviert. Zwar hat sie seit 

der Kindheit an einer ausgeprägten Torsionsskoliose gelitten, die eine völlig freie 

Berufswahl verunmöglicht hat, aber in den Akten deutet nichts darauf hin, dass die 

Wahl der Ausbildung zur Textildesignerin von gesundheitlichen Beeinträchtigungen 

beeinflusst gewesen wäre, weshalb überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen 

ist, dass die Beschwerdeführerin auch ohne die Torsionsskoliose respektive ohne eine 

Gesundheitsbeeinträchtigung eine Ausbildung zur Textildesignerin absolviert hätte. Die 

ursprüngliche Validenkarriere ist also jene einer Textildesignerin gewesen. In den 

Jahren 2004–2007 ist die Beschwerdeführerin zur Ergotherapeutin umgeschult worden. 

Sie hat diese Tätigkeit – ihren Angaben zufolge aus gesundheitlichen Gründen – nie in 

einem Vollpensum ausgeübt. Dies kann allerdings nicht mit dem objektiven 

Gesundheitszustand zum damaligen Zeitpunkt erklärt werden, denn wenn die 

Beschwerdeführerin als Ergotherapeutin zum Vorneherein nicht uneingeschränkt 

arbeitsfähig gewesen wäre, hätte die Beschwerdegegnerin sie nicht zur 

Ergotherapeutin umgeschult, sondern eine Umschulung in eine andere, ideal 

leidensadaptierte Tätigkeit in die Wege geleitet. Der verbindliche Entscheid zur 

Umschulung der Beschwerdeführerin zur Ergotherapeutin und der verbindliche 

Abschluss des Verwaltungsverfahrens ohne weitere berufliche 

Eingliederungsmassnahmen und ohne eine Rentenzusprache am 9. Juli 2007 zwingen 

dazu, die Tätigkeit als Ergotherapeutin als – damals – ideal leidensadaptierte und 

uneingeschränkt zumutbare Tätigkeit zu qualifizieren. Da die Beschwerdeführerin als 

Ergotherapeutin einen mindestens ebenso hohen Lohn wie als Textildesignerin hätte 

erzielen können, ist der rentenspezifische „Schaden“ durch die Umschulung komplett 

beseitigt gewesen, was bedeutet, dass die Karriere als Ergotherapeutin als „neue“ 

Validenkarriere an die Stelle der Karriere als Textildesignerin getreten ist. Das 

Valideneinkommen entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der 

Ergotherapeutinnenlöhne im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (1. Januar 

2016).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/27

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4.  

Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

massgebend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht in 

welchem Umfang trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung zumutbar sind. Die 

Beschwerdegegnerin hat zur Beantwortung dieser Frage zunächst ein polydisziplinäres 

Gutachten beim MZR eingeholt. Der neurologische Sachverständige des MZR hat nach 

einer eingehenden Erhebung des objektiven klinischen Befundes überzeugend 

aufgezeigt, dass aus rein neurologischer Sicht keine relevante 

Gesundheitsbeeinträchtigung vorgelegen hat. Das sorgfältig erarbeitete neurologische 

Teilgutachten belegt, dass der Sachverständige den für seine Beurteilung 

massgebenden Sachverhalt vollständig erhoben und – sowohl aus der Sicht des RAD 

als auch aus der Sicht eines medizinischen Laien – nachvollziehbar und überzeugend 

gewürdigt hat. Widersprüchlichkeiten oder Diskrepanzen zu neurologischen Aussagen 

in anderen medizinischen Berichten sind nicht auszumachen. Folglich ist die 

Beschwerdeführerin aus rein neurologischer Sicht überwiegend wahrscheinlich 

uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen. Der orthopädische Sachverständige des MZR 

hat die massgebenden Vorakten eingehend gewürdigt und den für seine Beurteilung 

massgebenden objektiven klinischen und bildgebenden Befund umfassend erhoben. Er 

hat sowohl die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin als auch die objektiven 

Befunde ausführlich wiedergegeben und seine Schlussfolgerungen hinsichtlich der 

Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung anhand der objektiven klinischen 

und bildgebenden Befunde mit einer überzeugenden Begründung hergeleitet. Er hat 

zwar das Vorliegen einer relativ ausgeprägten Skoliose bestätigt, aber nachvollziehbar 

und überzeugend aufgezeigt, dass diese die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

(für körperlich nicht übermässig belastende Tätigkeiten) nicht beeinträchtigt hat. Die 

Beschwerdeführerin hatte in der Untersuchung eine gute Beweglichkeit präsentiert und 

der klinische Befund war abgesehen von der Skoliose weitestgehend unauffällig 

gewesen. Die geltend gemachten Beeinträchtigungen in der Beckenregion hatten 

weder klinisch noch bildgebend objektiviert werden können. Aus der Sicht eines 

medizinischen Laien und auch aus der Sicht des RAD überzeugt vor diesem 

Hintergrund das Attest einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte 

Tätigkeiten einschliesslich der Tätigkeit als Ergotherapeutin. Da der objektive klinische 

Befund auch aus internistischer, allgemeinmedizinischer Sicht unauffällig gewesen ist, 

steht gestützt auf das sorgfältig erarbeitete und überzeugend begründete Gutachten 

des MZR mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

fest, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht als Ergotherapeutin während 

des gesamten hier massgebenden Zeitraums durchgehend uneingeschränkt 

4.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/27

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arbeitsfähig gewesen ist. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat zwar später 

wiederholt geltend gemacht, dass es unzulässig sei, sich nur auf die psychische 

Komponente zu beschränken, aber er hat keine Gründe vorgebracht, die Zweifel an der 

Zuverlässigkeit des MZR-Gutachtens betreffend die somatische Komponente der 

Gesundheitsbeeinträchtigung geweckt hätten.

Bezüglich der im Vordergrund stehenden psychischen 

Gesundheitsbeeinträchtigungen liegen zwei Administrativgutachten vor, nämlich das 

psychiatrische Teilgutachten des MZR und das psychiatrische Gutachten der 

Sachverständigen F.___. Beide Sachverständigen haben die medizinischen Vorakten 

eingehend gewürdigt, die Beschwerdeführerin ausgiebig befragt und die objektiven 

klinischen Befunde sorgfältig erhoben. Die ausführlichen Wiedergaben der subjektiven 

Angaben und der objektiven klinischen Befunde sind weitestgehend identisch; die 

beiden Sachverständigen haben den für ihre medizinische Beurteilung massgebenden 

Sachverhalt gleichermassen sorgfältig und umfassend erhoben. Der wesentliche 

Unterschied besteht in der medizinischen Würdigung der Befunde: Während die 

psychiatrische Sachverständige des MZR die von den behandelnden Ärzten 

geschilderte Krankheitsentwicklung als plausibel und das hoch auffällige Verhalten der 

Beschwerdeführerin in der Untersuchung als krankheitsbedingt beziehungsweise als 

authentisch qualifiziert hat, hat die Sachverständige F.___ die geltend gemachte 

Krankheitsentwicklung angesichts des langjährigen „Funktionierens“ der 

Beschwerdeführerin in der beruflichen Ausbildung und im Erwerbsleben als nicht 

plausibel und das Verhalten der Beschwerdeführerin in der Untersuchung als nicht 

authentisch qualifiziert. Bereits der RAD-Arzt D.___ hatte in seiner Würdigung des 

MZR-Gutachtens darauf hingewiesen, dass die massgebenden Beschwerdebilder seit 

der Kindheit bestehen müssten, die Beschwerdeführerin aber trotzdem in der Lage 

gewesen sei, jahrelang erwerbstätig zu sein, eine anspruchsvolle Umschulung zur 

Ergotherapeutin zu absolvieren und anschliessend jahrelang in einem sehr 

herausfordernden Umfeld als Ergotherapeutin zu arbeiten, bevor sie diese Tätigkeit aus 

somatischen Gründen habe aufgeben müssen. Das sei angesichts der geltend 

gemachten massiven psychischen Problematik nicht erklärbar. Die psychiatrische 

Sachverständige des MZR habe diesen Widerspruch nicht aufgelöst respektive diesem 

wesentlichen Aspekt kaum Rechnung getragen. Die Kriterien für die Diagnosen einer 

posttraumatischen Belastungsstörung und eines ADHS seien nicht erfüllt gewesen, 

weshalb die Diagnosestellung nicht überzeuge. Die psychiatrische Sachverständige 

des MZR habe die Einschränkungen im Alltag (anhand des „Mini ICF“) fast durchwegs 

zu stark gewichtet, denn die Beschwerdeführerin selbst habe anlässlich der 

Untersuchung subjektiv ein in fast allen Bereichen deutlich höheres Funktionsniveau 

4.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/27

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beschrieben. Auch wenn es sich bei dieser RAD-Würdigung mit Blick auf die vom 

Bundesgericht eingeführte „Beweiskaskade“ (vgl. dazu etwa den Entscheid IV 

2019/277 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. August 2021, E. 4.1, mit 

Hinweisen) nur um ein Beweismittel „dritter Klasse“ gehandelt hat, ist die sorgfältige 

Argumentation des RAD-Arztes D.___ aus der Sicht eines medizinischen Laien 

geeignet, wesentliche Zweifel an der Überzeugungskraft des psychiatrischen 

Teilgutachtens des MZR zu wecken, obwohl es sich bei letzterem um ein Beweismittel 

„zweiter Klasse“ gehandelt hat. Allerdings hat auch die Sachverständige F.___ in ihrem 

Gutachten, bei dem es sich ebenfalls um ein Beweismittel „zweiter Klasse“ handelt, 

eingehend, nachvollziehbar und überzeugend dargelegt, dass das psychiatrische 

Teilgutachten des MZR an diversen Mängeln (fehlende Auseinandersetzung mit dem 

jahrelangen „Funktionieren“ der Beschwerdeführerin in einem psychisch 

herausfordernden beruflichen Umfeld, unzureichende Begründung der Diagnose einer 

posttraumatischen Belastungsstörung, fehlende Begründung der Diagnose eines 

ADHS, unzureichende Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der 

neuropsychologischen Testung, nicht überzeugende Beurteilung der Einschränkungen 

mittels Mini-ICF, unzureichende Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung) leidet und 

deshalb bezüglich der Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu 

überzeugen vermag. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Tonaufnahmen 

belegen, dass die Sachverständige F.___ dafür besorgt gewesen ist, eine angenehme 

und vertraute Gesprächsatmosphäre zu schaffen, die es der Beschwerdeführerin 

erlaubt hat, sich hinreichend zu öffnen und ausführlich zu ihren Beschwerden Stellung 

zu nehmen. Die vom Rechtsvertreter behauptete Voreingenommenheit der 

Sachverständigen ist mit den Tonaufnahmen widerlegt. Zwar hat die Sachverständige 

das Gespräch immer wieder mit Zwischenfragen strukturieren und die 

Beschwerdeführerin dabei in ihrem Redefluss unterbrechen müssen, aber sie hat der 

Beschwerdeführerin immer genug Zeit eingeräumt, um eingehend zu allen für sie 

wesentlichen Aspekten Stellung zu nehmen. Mit geeigneten Zwischenbemerkungen 

und kurzen, unverbindlichen Gesprächen über diverse Themen ausserhalb des 

eigentlichen Untersuchungskontextes hat sie es der Beschwerdeführerin ermöglicht, 

sich möglichst alltagsnah und offen zu präsentieren. Die im Gutachten enthaltene 

Anamnese ist über weite Strecken ein Wortprotokoll anhand der Tonaufnahmen, die die 

Beschwerdeführerin schliesslich mindestens teilweise im Einverständnis mit der 

Sachverständigen während der Untersuchung erstellt hat (vgl. Aufnahme C vom ersten 

Tag, ab 00:21:50). Auch die übrigen Teile der Anamnese geben den Inhalt der 

Aussagen der Beschwerdeführerin zutreffend und präzise wieder. Die 

Beschwerdeführerin machte in der Untersuchung auch keinen Gebrauch von der 

Möglichkeit, Ergänzungen anzubringen (vgl. Aufnahme 5 vom zweiten Tag, ab 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 24/27

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00:27:20). Entgegen der vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geäusserten 

Auffassung hat die Sachverständige F.___ ihre Schlussfolgerungen nicht primär auf 

allenfalls missverstandene Äusserungen der Beschwerdeführerin zu deren 

Tanzaktivitäten gestützt. Massgebend ist vielmehr die bereits vom RAD-Arzt D.___ 

aufgedeckte Diskrepanz zwischen den angeblich bereits seit Kindheit bestehenden 

schwersten Beeinträchtigungen und der uneingeschränkten Erwerbsfähigkeit in einem 

sehr herausfordernden, psychisch stark belastenden Umfeld über mehrere Jahre 

hinweg gewesen. Den zur Diskussion gestellten Englischkurs hatte die 

Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Aussagen gegenüber der psychiatrischen 

Sachverständigen des MZR im Juli 2017 gerade erst begonnen, also in einer Zeit, in 

der sie angeblich bereits seit Jahren vollständig unfähig gewesen sein soll, sich in einer 

Gruppe unauffällig zu verhalten oder eine relevante geistige Leistung zu erbringen. Das 

sowohl im Gutachten des MZR als auch im Gutachten der Sachverständigen F.___ 

beschriebene hoch auffällige Verhalten der Beschwerdeführerin ist von der 

Sachverständigen F.___ mit einer entsprechenden Diagnosestellung ausdrücklich als 

(zumindest teilweise) authentisch anerkannt worden, was der Rechtsvertreter 

übersehen zu haben scheint. Trotzdem war es der Beschwerdeführerin gelungen, eine 

anspruchsvolle Umschulung zur Ergotherapeutin zu absolvieren und dann während 

Jahren als Ergotherapeutin zu arbeiten, zuletzt gar (jahrelang) in einem 

Kriseninterventionszentrum, also in einem psychisch stark herausfordernden Umfeld. 

Die Sachverständige F.___ hat überzeugend aufgezeigt, dass aus medizinischer Sicht 

kein Grund bekannt sei, der es der Beschwerdeführerin verunmöglichen würde, die 

früher während Jahren konstant unter Beweis gestellte Leistung wieder zu erbringen. 

Auch die Beschwerdeführerin selbst hat keinen solchen Grund nennen können. Sie 

führt ihren Haushalt ohne wesentliche Einschränkungen selbständig und sie absolviert 

mit hoher Disziplin ein umfangreiches Trainingsprogramm. In ihrem – zugegeben 

reduzierten – Alltagsumfeld beweist sie also nach wie vor eine weitgehend 

uneingeschränkte Funktionalität respektive Leistungsfähigkeit. Weshalb sie nicht in der 

Lage sein sollte, wieder als Ergotherapeutin zu arbeiten, ist nicht einzusehen, wie die 

Sachverständige F.___ überzeugend aufgezeigt hat. Bezüglich der quantitativen 

Leistungsfähigkeit hat die Sachverständige F.___ auf die Ergebnisse der 

neuropsychologischen Testung durch lic. phil. G.___ abgestellt, was überzeugt, weil die 

Testergebnisse valide gewesen waren und weil der neuropsychologische 

Sachverständige seine Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgehend von den 

Testergebnissen mit einer nachvollziehbaren und überzeugenden Begründung 

versehen hatte. Zusammenfassend sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die Zweifel an 

der Überzeugungskraft des Gutachtens der Sachverständigen F.___ wecken würden. 

Folglich steht gestützt auf dieses Gutachten mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 25/27

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überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin als 

Ergotherapeutin zu 70 Prozent und in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 

Prozent arbeitsfähig gewesen ist.

Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit für eine länger 

dauernde Zeit in einem höheren Ausmass arbeitsunfähig gewesen ist, denn nach der 

Praxis des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen ist unbesehen davon, ob 

sich die Erwerbsfähigkeit einer versicherten Person noch durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen verbessern lässt, in jedem Fall eine Invalidenrente 

zuzusprechen, wenn die versicherte Person für mehr als ein Jahr zu mehr als 40 

Prozent arbeitsunfähig gewesen ist (vgl. den Leitentscheid IV 2016/328 vom 23. 

September 2019, E. 2.2). Die Sachverständige F.___ hat festgehalten, dass die 

Beschwerdeführerin „vermutlich“ schon seit Mitte oder Ende September 2015, „mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit“ spätestens seit Juli 2017 und „mit Sicherheit“ seit 

Dezember 2018 zu mindestens 70 Prozent arbeitsfähig gewesen sei. Folglich kann für 

den Zeitraum von Mitte, Ende September 2015 bis und mit Juni 2017 nicht unbesehen 

auf das Gutachten der Sachverständigen F.___ abgestellt werden. Das bedeutet aber 

nicht, dass für jenen Zeitraum die Arbeitsfähigkeitsschätzung der psychiatrischen 

Sachverständigen des MZR oder gar die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden 

Ärzte massgebend wäre, da diese Arbeitsfähigkeitsschätzungen wie aufgezeigt nicht 

überzeugend gewesen sind und damit auch nicht für einen befristeten Zeitraum in der 

Vergangenheit als überzeugend qualifiziert werden können. Weil keine weiteren 

medizinischen Beweismittel existieren und weil von einer „rückwirkenden“ 

medizinischen Abklärung naturgemäss kein wesentlicher Erkenntnisgewinn erwartet 

werden kann, liegt bezüglich des Zeitraums bis Juli 2017 eine objektive Beweislosigkeit 

vor, deren Folgen in einer lückenfüllenden analogen Anwendung des Art. 8 ZGB die 

Beschwerdeführerin zu tragen hat. Die Zusprache einer befristeten Rente für jenen 

Zeitraum kommt also nicht in Frage.

4.3. 

Besteht die Invalidenkarriere in der Wiederausübung der aus psychiatrischer 

Hinsicht nicht ideal leidensadaptierten Tätigkeit als Ergotherapeutin, ist der 

Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu ermitteln, da der 

Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem 

Valideneinkommen entspricht und der Betrag folglich bei der Berechnung des 

Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen kann. Der Invaliditätsgrad 

entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen dem sogenannten 

Tabellenlohnabzug analogen Abzug. Ein solcher Abzug wird berücksichtigt, wenn 

davon ausgegangen werden muss, dass die versicherte Person ihre Arbeitsfähigkeit 

4.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 26/27

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5.  

Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Verfahrensaufwand ist als überdurchschnittlich 

hoch zu qualifizieren, weil die Ausarbeitung des verfahrensleitenden Entscheides vom 

1. Juli 2021 und das Abhören der rund fünf Stunden umfassenden Tonaufnahmen 

einen aussergewöhnlich hohen Zusatzaufwand verursacht haben. Die Gerichtskosten 

sind deshalb auf 1’000 Franken festzusetzen. Sie sind der unterliegenden 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken 

nicht mit demselben ökonomischen Erfolg verwerten kann wie eine gesunde, im selben 

Pensum tätige Person. Das ist der Fall, wenn anzunehmen ist, dass ein strikt 

ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkender, also keinen Soziallohn ausrichtender 

Arbeitgeber der versicherten Person keinen durchschnittlichen, sondern nur einen 

unterdurchschnittlichen Lohn ausbezahlen wird, um seinen aus der Anstellung der 

versicherten Person resultierenden „Arbeitsmehrwert“ – die Differenz zwischen dem 

ökonomischen Wert der Arbeitsleistung und den direkten und indirekten Lohn- und 

Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu erhöhen. Kann eine 

versicherte Person nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen Mehrwert 

generieren oder sind die indirekten Lohnkosten oder die Lohnnebenkosten 

überdurchschnittlich hoch, resultiert für den Arbeitgeber nämlich nur ein 

unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“. Ein strikt betriebswirtschaftlich operierender 

Arbeitgeber wird das nicht hinnehmen, sondern diese „Einbusse“ auf den Arbeitnehmer 

überwälzen, indem er diesem nur einen unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt, sodass 

für den Arbeitgeber ein durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Die 

Beschwerdeführerin kann zwar ganztags arbeiten, aber sie kann keine volle 

Arbeitsleistung erbringen, weil sie vermehrte Pausen benötigt und weil ihre 

Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Um ihre Arbeitsfähigkeit voll auszuschöpfen, muss 

sie jedoch ihren Arbeitsplatz den ganzen Tag belegen. Ein strikt ökonomisch 

denkender Arbeitgeber sieht sich folglich mit einer unterdurchschnittlichen 

Amortisation der Arbeitsplatzkosten konfrontiert. Das hat eine „Einbusse“ zur Folge, die 

allerdings nicht hoch ausfallen kann, sodass sich insgesamt jedenfalls kein Abzug von 

mehr als fünf Prozent rechtfertigt. Der Invaliditätsgrad beträgt folglich maximal 33,5 

Prozent (= 100% – 95% × 70%). Bei diesem Ergebnis spielt es keine Rolle, wie hoch 

der Invaliditätsgrad wäre, wenn eine ideal leidensadaptierte Verweistätigkeit als 

Invalidenkarriere berücksichtigt würde, da es der Beschwerdeführerin in jedem Fall 

möglich ist, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen als Ergotherapeutin zu 

erzielen, was einen Rentenanspruch ausschliesst. Damit erweist sich die Abweisung 

des Rentenbegehrens mit der angefochtenen Verfügung im Ergebnis als rechtmässig.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 27/27

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wird an diesen Betrag angerechnet. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen 

Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführerin hat – unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses 

von 600 Franken – die Gerichtskosten von 1’000 Franken zu bezahlen.

3.

Das Begehren um eine Parteientschädigung wird abgewiesen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 22.02.2022
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Rente der Invalidenversicherung. Invaliditätsbemessung. Würdigung zweier Administrativgutachten. Tonaufnahmen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Galle vom 22. Februar 2022, IV 2020/19). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_226/2022.

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		2025-07-19T01:59:39+0200
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