# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a8e3b66-ef06-509f-9478-345a8cca1625
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2021 F-2976/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2976-2021_2021-07-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2976/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gregor Chatton,    

Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, geb. […], 

2. B._______, geb. […], 

3. C._______, geb. […],  

alle vertreten durch  

Shahryar Hemmaty, BBFM Beratung und Betreuung  

für Migranten,  

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 17. Juni 2021 / […]. 

 

 

 

F-2976/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden flogen gemäss eigenen Angaben am 13. Au-

gust 2018 von Teheran nach Italien und reisten am 14. August 2018 nach 

Basel weiter. Am 17. August 2018 suchten sie hier um Asyl nach (Akten 

der Vorinstanz [SEM act.] A1). 

B.  

Abklärungen der Vorinstanz ergaben, dass Italien den Beschwerdeführen-

den für den Zeitraum vom 13. August 2018 bis zum 6. September 2018 

gültige Schengen-Visa ausgestellt hatte (SEM act. A3; A4). 

C.  

Gestützt auf diese Angaben und Abklärungen gewährte die Vorinstanz den 

Beschwerdeführenden 1 und 2 anlässlich ihrer Befragungen zur Person 

(BzP) vom 28. August 2018 das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Über-

stellung nach Italien, das gemäss der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des 

Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-

gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) für die Behandlung ihrer Asylgesu-

che zuständig sei (SEM act. A6).  

D.  

Am 4. September 2018 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden 

um Übernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-

III-VO (SEM-act. A13; A15). Die italienischen Behörden nahmen innerhalb 

der festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen der Vorinstanz keine Stel-

lung. Am 15. November 2018 stimmten sie jedoch nachträglich zu (SEM 

act. A17; A18).  

E.  

Mit Verfügung vom 16. November 2018 trat die Vorinstanz auf die Asylge-

suche der Beschwerdeführenden nicht ein und verfügte deren Wegwei-

sung nach Italien, das gemäss den Bestimmungen der Dublin-III-VO für die 

Durchführung der Asyl- und Wegweisungsverfahren zuständig sei (SEM 

act. A20).  

F-2976/2021 

Seite 3 

F.  

Mit Urteil F-6904/2018 vom 22. November 2019 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht eine dagegen gerichtete Beschwerde gut, hob die vorinstanz-

liche Verfügung vom 16. November 2018 auf und wies die Sache zur Neu-

beurteilung an das SEM zurück. Das Gericht hielt insbesondere fest, dass 

die Vorinstanz den Sachverhalt im Hinblick auf die Anwendung der Souve-

ränitätsklausel nicht rechtsgenüglich abgeklärt habe (SEM act. A36).   

G.  

Mit Schreiben vom 8. Oktober 2020 informierte das SEM die Beschwerde-

führenden über ihre weiterhin bestehende Absicht, auf ihre Asylgesuche 

nicht einzutreten; gleichzeitig wurden sie aufgefordert, sich dazu bis zum 

19.  Oktober 2020 schriftlich zu äussern (SEM act. A37). Letztere ersuch-

ten die Vorinstanz am 19. Oktober 2020 um Fristverlängerung sowie um 

Einsicht in die vollständigen Akten (SEM act. A38). Das SEM stellte ihnen 

am 22. Oktober 2020 Kopien der gewünschten Akten zu (SEM act. 39). In 

der Folge nahmen die Beschwerdeführenden mit schriftlicher Eingabe vom 

5. November 2020 Stellung (SEM act. A41).  

H.  

Am 25. November 2020 erklärten die italienischen Behörden mit Übersen-

dung des Formulars "Nucleo familiare" ihre Bereitschaft zur Aufnahme der 

Familie gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO. Sie teilten weiter mit, dass die 

Beschwerdeführenden nach der Überstellung in einem noch zu bestim-

menden Aufnahmezentrum für Familien gemäss Auflistung vom 24. April 

2020 und im Sinne des Rundschreibens vom 8. Januar 2019 untergebracht 

würden. Gleichzeitig ersuchten sie um vorgängige Information über allfäl-

lige gesundheitliche Probleme der Beschwerdeführenden (SEM act. A42). 

I.  

Mit Schreiben vom 8. Dezember 2020 gewährte die Vorinstanz den Be-

schwerdeführenden die Möglichkeit, sich zu den Interessen des Kindes bis 

zum 21. Dezember 2020 schriftlich zu äussern (SEM act. A44).  

J.  

Die Beschwerdeführenden beantragten am 15. Dezember 2020 sowie am 

12. Januar 2021 eine Verlängerung der Frist zur Einreichung einer Stel-

lungnahme (SEM act. A45 und A47). 

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Seite 4 

K.  

Am 26. April 2021 ersuchten die Beschwerdeführenden das SEM um Ein-

sicht in sämtliche Akten und nochmalige Fristverlängerung, um zwei Be-

richte einreichen zu können (SEM act. A49). Kopien der Akten stellte ihnen 

die Vorinstanz am 27. April 2021 zu (SEM act. A50). Mit Schreiben vom 

1. Juni 2021 machte das SEM die Familie darauf aufmerksam, dass noch 

immer keine Stellungnahme eingegangen und die Frist zur Stellungnahme 

ungenutzt verstrichen sei (SEM act. A51). Mit Eingabe vom 2.  Juni 2021 

nahmen die Beschwerdeführenden Stellung (SEM act. A52).  

L.  

Am 17. Juni 2021 (eröffnet am 22. Juni 2021) trat das SEM auf die Asylge-

suche der Beschwerdeführenden wiederum nicht ein, verfügte ihre Weg-

weisung nach Italien und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf 

der Beschwerdefrist zu verlassen (Beilage zu Akten des Bundesverwal-

tungsgerichts [BVGer act.] 1).  

M.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 28. Juni 2021 (Datum des Poststempels) 

stellten die Beschwerdeführenden die Begehren, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben und die Schweiz sei für die Asylverfahren als zustän-

dig zu erachten. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung 

aus humanitären Gründen unzumutbar sei. Als Folge davon sei die Verfü-

gung des SEM vom 17. Juni 2021 aufzuheben und wegen Unzumutbarkeit 

des Überstellungsvollzugs sei die Schweiz zum Selbsteintritt zu verpflich-

ten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und Erteilung der aufschiebenden Wir-

kung (BVGer act. 1).  

N.  

Am 1. Juli 2021 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG 

den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2).  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

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Seite 5 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil-

genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-

weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung des Rechtsmittels legiti-

miert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 

1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist ein-

zutreten.  

2.   

 

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

2.3 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der 

Regel in der Besetzung mit drei Richterinnen oder Richtern (Art. 21 Abs. 1 

VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

3.   

 

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die 

Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur 

Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Beurteilung des Asyl-

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Seite 6 

gesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitglied-

staat einer Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder implizit zuge-

stimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).  

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung dieses 

Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-

trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

3.3 Die italienischen Behörden haben dem Übernahmeersuchen des SEM 

am 25. November 2020, unter Auflistung aller Beschwerdeführenden, ex-

plizit zugestimmt. Die Zustimmung stützte sich auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-

VO (SEM act. A42). Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit ge-

geben.  

4.   

 

4.1 Die Vorinstanz machte in ihrer Verfügung vom 17. Juni 2021 zusam-

menfassend geltend, die Zuständigkeit für die Durchführung der Asyl- und 

Wegweisungsverfahren der Beschwerdeführenden liege bei Italien. So-

dann stellte sie sich nach Aufzählung verschiedener Entwicklungen, inzwi-

schen erfolgter Reformen sowie Abklärungen im Hinblick auf die Unterbrin-

gungssituation für Familien in Italien auf den Standpunkt, dass die ver-

schiedenen Elemente kumulativ ausreichten, um die Anforderungen des 

EGMR und des Bundesverwaltungsgerichts zu erfüllen. Somit bedeute die 

Überstellung der Beschwerdeführenden nach Italien keine Verletzung von 

Art. 3 EMRK und erweise sich folglich als zulässig. Des Weiteren erwog 

das SEM, dass keine Gründe vorlägen, die Souveränitätsklausel gemäss 

Art. 29 Abs. 3 AsylV1 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzuwenden. 

 

4.2  Die Beschwerdeführenden führten in der Rechtsmitteleingabe vom 

29. April 2021 im Wesentlichen aus, vorliegend sei das Eintreten auf die 

Asylgesuche im Sinne von Art. 17 Dublin-III-VO unerlässlich. Dies einer-

seits aufgrund der psychischen Instabilität der Eltern und andererseits auf-

grund des Gesundheitszustandes der Tochter C._______. Ausserdem wür-

den sie sich in eine sehr bedrohliche Lage für Leib und Leben begeben, 

wenn sie nach Italien zurückkehren müssten, da die Familie der Beschwer-

deführerin dort lebe. Bekanntermassen seien die Bedingungen für Asylsu-

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Seite 7 

chende in Italien prekär. Es könne nicht sein, dass eine traumatisierte Fa-

milie mit einem behinderten Kind nach Italien überstellt werden solle (Be-

schwerde III Ziff. 14).  

 

5.  

5.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Staat bestimmt 

werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Staat zum zuständigen Mit-

gliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

5.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der FK sowie 

des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und 

kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es 

darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die 

Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen 

Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa-

men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) ergeben. 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-

von aus, dass das italienische Asylsystem trotz punktueller Schwachstellen 

keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-

III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 

E. 6.3). Ein neues Dekret (Nr. 130 vom 21. Oktober 2020) zur Modifikation 

zentraler Bestimmungen des Salvini-Dekrets wurde am 18. Dezember 

2020 durch das italienische Parlament in ein Gesetz umgewandelt und ist 

am 20. Dezember 2020 in Kraft getreten. Bis sich die Umsetzung dieser 

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Seite 8 

Gesetzesänderungen durch die italienischen Behörden in der Praxis mani-

festiert, wendet das Bundesverwaltungsgericht die im Urteil  

E-962/2019 entwickelte Rechtsprechung an (vgl. etwa Urteil des BVGer  

F-6225/2020 vom 21. Januar 2021 E. 4.4 m.H.). Unter diesen Umständen 

ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfer-

tigt. 

6.   

 

6.1 Die Beschwerdeführenden fordern mit ihren Vorbringen ausdrücklich 

die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, 

respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden 

– Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1.  

6.2 Gemäss der Souveränitätsklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO 

kann jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-

schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-

losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er 

nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung 

zuständig ist. Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht 

durch Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert, gemäss dem das SEM ein Asyl-

gesuch aus humanitären Gründen auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gestützt auf die Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Der Ent-

scheid über den Selbsteintritt liegt im pflichtgemässen Ermessen der Be-

hörde. Ein einklagbarer Anspruch auf die Ausübung des Selbsteintritts-

rechts besteht jedoch dann, wenn sich die Überstellung der asylsuchenden 

Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne 

der EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen 

Bestimmung erweist. Diesfalls muss die Vorinstanz die Souveränitätsklau-

sel anwenden und das Asylgesuch in der Schweiz behandeln (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

6.3 Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich um vulnerable Perso-

nen. Beide Elternteile leiden an psychischen Problemen, die Tochter […] 

(vgl. Verfügung des SEM vom 17. Juni 2021 S. 10 5. Abschnitt). Bei dieser 

Sachlage würde sich grundsätzlich die Frage aufdrängen, ob die durch die 

Vorinstanz getroffenen Vorkehren ausreichen, um den gesetzlichen Vorga-

ben und den individuellen Umständen im Hinblick auf die Überstellung ei-

ner Familie gerecht zu werden. Aufgrund der nachfolgenden Ausführungen 

kann dies indes offengelassen werden. 

F-2976/2021 

Seite 9 

6.4 Das Dublin-System basiert nicht nur auf der Idee, das sogenannte 

"asylum shopping" (Einleitung paralleler oder einander nachfolgender Asyl-

verfahren in verschiedenen Staaten des Vertragsgebiets) zu verhindern, 

sondern es soll der antragstellenden Person gleichzeitig innert vernünftiger 

Frist einen effektiven Zugang zum Asylverfahren in einem dieser Staaten 

gewährleisten (vgl. zum historischen Hintergrund des Dublin-Systems 

BVGE 2010/27 E. 6.4.6.1 und 6.4.6.3). Dem Problem der langen Verfah-

rensdauer bei Wiederaufnahmeverfahren wurde in der Dublin-III-VO dahin-

gehend Rechnung getragen, dass von einer maximalen erstinstanzlichen 

Verfahrensdauer von zweiundzwanzig Monaten ausgegangen wird (drei 

Monate für den Wiederaufnahmeantrag [Art. 23 Dublin-III-VO]; ein Monat 

für ein Wiederaufnahmegesuch [Art. 25 Dublin-III-VO]; maximale materi-

elle Frist von achtzehn Monaten für den Vollzug des Überstellungsent-

scheides [Art. 29 Dublin-III-VO]). Die Dauer des Verfahrens (beziehungs-

weise der Anwesenheit in der Schweiz) – soweit sie nicht von den betroffe-

nen Personen selbst verursacht oder verschuldet worden ist – ist einer der 

Faktoren, die bei der Prüfung des humanitären Selbsteintritts in Betracht 

zu ziehen sind (vgl. JEAN-PIERRE MONNET, La jurisprudence du Tribunal 

administratif fédéral en matière de transferts Dublin, in: Breitenmo-

ser/Gless/Lagodny, [Hrsg.], Schengen und Dublin in der Praxis, Aktuelle 

Fragen, 2015; S. 427 f.).  

6.5 Das Verfahren zur Bestimmung des für die Asylgesuche der Beschwer-

deführenden zuständigen Mitgliedstaats dauert inzwischen bald 3 Jahre, 

wobei sie nur einen kleineren Teil aufgrund von Fristerstreckungsersuchen 

selbst verschuldet haben. Die Tatsache, dass sie am 17.  August 2018 in 

der Schweiz Asylgesuche eingereicht haben und sich seither in einem rei-

nen Zuständigkeitsverfahren befinden, ohne dass sie effektiven Zugang 

zum materiellen Asylverfahren erhalten hätten, steht vorliegend dem im 

Rahmen des Dublin-Systems gewichtigen Beschleunigungsgebot entge-

gen. Diese lange Verfahrensdauer ist zum grössten Teil nicht den Be-

schwerdeführenden anzulasten. Die Dauer des ersten Beschwerdeverfah-

rens war auf sich stellende Grundsatzfragen im Zusammenhang mit Über-

stellungen nach Italien zurückzuführen (vgl. dazu Referenzurteil  

E-962/2019 vom 17. Dezember 2019). Nach dem Urteil des Bundesver-

waltungsgerichts vom 22. November 2019 wandte sich das SEM erst mit 

Schreiben vom 8. Oktober 2020 wieder an die Beschwerdeführenden 

(SEM act. A37), wobei nunmehr seit der Einreichung der Asylgesuche be-

reits mehr als 25 Monate vergangen waren. Der jetzige vorinstanzliche Ent-

scheid erging am 17. Juni 2021. Zwar haben – wie erwähnt – auch die 

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Seite 10 

Beschwerdeführenden mit mehreren Gesuchen um Erstreckung von Fris-

ten zur Einreichung einer Stellungnahme für eine gewisse Verzögerung 

des Verfahrens gesorgt (vgl. Sachverhalt Bst. G, J, K), die dafür zusätzlich 

entstandene Zeitdauer fällt hingegen in Anbetracht der gesamten Zeit-

spanne nicht merklich ins Gewicht. Schliesslich sind auch keine ausseror-

dentlichen oder sonst aufwändigen Abklärungen der Vorinstanz aktenkun-

dig, womit die lange Verfahrensdauer das SEM zu vertreten hat. Kommt 

hinzu, dass es sich bei den Beschwerdeführenden um ein Paar mit einem 

bald […] Kind handelt, welches bereits in die hiesigen Unterrichtsstrukturen 

(Besuch des Kindergartens) integriert ist. Unter diesen konkreten beson-

deren Umständen würde es dem Beschleunigungsgebot zuwiderlaufen, im 

jetzigen Zeitpunkt – mehr als 34 Monate nach der Asylgesuchstellung in 

der Schweiz – eine Wiederanhebung des Asylverfahrens in einem Dritt-

staat zu veranlassen (vgl. ähnlich gelagerte Urteile des BVGer F-

2001/2021 vom 11. Mai 2021 E. 6.5, D-1851/2021 vom 5. Mai 2021 E. 7.4, 

F-5634/2018 vom 23.  April 2021 E. 7.7 und 7.8, E-6654/2017 vom 23. 

März 2020 E. 6.1, D-3394/2017 vom 30. August 2019 E. 7.3, E-26/2016 

vom 16.Januar 2019 E. 5.2.3 und E-1532/2017 vom 8.  November 2017 E. 

6.3.2).  

6.6 Im Lichte der gesamten Umstände und unter Berücksichtigung von 

Sinn und Zweck der Dublin-III-VO erscheint es im vorliegenden Einzelfall 

angebracht, dass die Schweiz aus humanitären Gründen von ihrem Recht 

auf Selbsteintritt Gebrauch macht und sich für die Behandlung der Asylge-

suche der Beschwerdeführenden zuständig erklärt. Vor diesem Hinter-

grund erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführen-

den einzugehen.  

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung vom 

17. Juni 2021 ist aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen, 

dies mit der Anweisung, das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren 

durchzuführen und materiell über die Asylgesuche der Beschwerdeführen-

den vom 17. August 2018 zu befinden. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. 

Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Den vertretenen Beschwerdeführenden ist an-

gesichts ihres Obsiegens gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 

Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) 

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Seite 11 

zu Lasten der Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung zuzu-

sprechen. Unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfakto-

ren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fäl-

len ist die Parteientschädigung auf Fr. 1'500.– (inkl. Auslagen) festzuset-

zen. Die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege erübrigt sich damit.   

 

(Dispositiv nächste Seite)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F-2976/2021 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 17. Juni 2021 wird aufgehoben. Die Sache wird an das 

SEM zurückgewiesen mit der Anweisung, das nationale Asyl- und Wegwei-

sungsverfahren durchzuführen und materiell über die Asylgesuche der Be-

schwerdeführenden vom 17. August 2018 zu entscheiden. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 1'500.– zu entschädigen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Susanne Stockmeyer 

 

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