# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 79619f84-5fe0-512a-bc73-f5b9b91b2bdc
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2013-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.11.2013 BV.2013.10
**Docket/Reference:** BV.2013.10
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BV-2013-10_2013-11-07

## Full Text

Beschlagnahme (Art. 46 f. VStrR).;;Beschlagnahme (Art. 46 f. VStrR).;;Beschlagnahme (Art. 46 f. VStrR).;;Beschlagnahme (Art. 46 f. VStrR).

Beschluss vom 7. November 2013 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Roy Garré und Patrick Robert-Nicoud,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Angelo Fedi, 

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

EIDGENÖSSISCHE STEUERVERWALTUNG,  

Beschwerdegegnerin 

 

Gegenstand  Beschlagnahme (Art. 46 f. VStrR) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BV.2013.10 

 

 

 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend „ESTV“) führt gestützt 

auf die Ermächtigung der Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepar-

tements vom 7. Mai 2013 (act. 2.1) gegen die B. Sàrl sowie A. eine beson-

dere Steueruntersuchung im Sinne der Art. 190 ff. des Bundesgesetzes 

vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) 

wegen des Verdachts auf schwere Steuerwiderhandlungen und Steuerbe-

trug bzw. der Gehilfenschaft zu diesen Delikten. Im Zuge dieser Untersu-

chung verfügte die ESTV am 23. Mai 2013 die Beschlagnahme u.a. der 

Vermögenswerte bei der Bank C., die A. gehören, an denen sie wirtschaft-

lich berechtigt oder über welche sie bevollmächtigt oder zeichnungsberech-

tigt  ist (act. 1.2).  

 

 

B. Mit Schreiben vom 31. Mai 2013 erhebt A. Beschwerde gegen die Be-

schlagnahmeverfügung der ESTV vom 23. Mai 2013 und beantragt die 

Aufhebung der Beschlagnahme über das Konto Nr. 1, den Genossen-

schaftsanteil Nr. 2 sowie über das Tresorfach Nr. 3, alle bei der Bank C. 

(act. 1). Mit Schreiben vom 6. Juni 2013 leitete die ESTV die Beschwerde 

an das Bundesstrafgericht weiter. In ihrer Stellungnahme beantragt sie die 

Abweisung der Beschwerde (act. 2).  

 

 

C. Sowohl A. wie auch die ESTV halten im Rahmen des zweiten Schriften-

wechsels an ihren in der Beschwerde bzw. Beschwerdeantwort gestellten 

Anträgen fest (act. 10 und 12). Die Beschwerdeduplik wurde A. am 

22. Juli 2013 zur Kenntnis gebracht (act. 13).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und auf die eingereichten Akten wird, 

soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gemäss Art. 191 Abs. 1 DBG richtet sich das Verfahren wegen des Ver-

dachts schwerer Steuerwiderhandlungen gegenüber dem Täter, dem Gehil-

fen und dem Anstifter nach den Artikeln 19 – 50 VStrR.  

 

 

1.2 Gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zu-

sammenhängenden Amtshandlungen kann bei der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 26 Abs. 1 VStrR 

i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. b StBOG und Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreg-

lements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Organisations-

reglement BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]).  

 

Die Beschwerde ist innert drei Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von 

der Amtshandlung Kenntnis hat, bei der zuständigen Behörde schriftlich mit 

Antrag und kurzer Begründung einzureichen (Art. 28 Abs. 3 VStrR). Ist die 

Beschwerde nicht gegen den Direktor oder Chef der beteiligten Verwaltung 

gerichtet, ist sie bei diesem einzureichen (Art. 26 Abs. 2 lit. b VStrR). Be-

richtigt derselbe die angefochtene Amtshandlung nicht im Sinne der gestell-

ten Anträge, hat er die Beschwerde mit seiner Äusserung spätestens am 

dritten Werktag nach ihrem Eingang an die Beschwerdekammer weiterzu-

leiten (Art. 26 Abs. 3 VStrR).  

 

Die Beschlagnahme wurde am 23. Mai 2013 verfügt und die Beschwerde-

führerin mit Schreiben vom 27. Mai 2013 darüber in Kenntnis gesetzt 

(act. 1.2 und act. 1.3). Die Beschwerde vom 31. Mai 2013 wurde damit 

fristgerecht dem Direktor der ESTV eingereicht (act. 2).  

 

1.3 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Amtshandlung 

berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Än-

derung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Dies bedeutet im Sinne der Rechtspre-

chung, dass nur die durch eine Massnahme persönlich und direkt betroffe-

ne Person, welche ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 

Änderung hat, beschwerdelegitimiert ist. Ein schutzwürdiges Interesse liegt 

aber nicht schon dann vor, wenn jemand irgendeine Beziehung zum Streit-

objekt zu haben behauptet. Vielmehr ist zur Bejahung der Legitimation er-

forderlich, dass eine vom einschlägigen Bundesrecht erfasste „spezifische 

Beziehungsnähe“ gegeben ist (Entscheid des Bundesstrafgerichts 

BB.2004.70 vom 11. November 2004 E. 2.1). Als persönlich und direkt be-

troffen gilt im Falle der Sperrung von Konten der jeweilige Kontoinhaber 

(Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2004.70 vom 11. November 2004 

E. 2.1; Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2005.32 vom 29. Septem-

ber 2005 E. 1.3; Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2005.11 vom 

14. Juni 2005 E. 1.2). Eine Kontensperre richtet sich nicht direkt gegen die 

Bank, sondern gegen den am Konto berechtigten Kunden (Entscheid des 

Bundesstrafgerichts BB.2004.47 vom 24. Januar 2005 E. 3.4 [BGE 131 I 

425 ff.]; Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2004.8 vom 27. Mai 2004 

E. 3.1 mit Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Bloss wirt-

schaftlich an einem Konto Berechtigte sind nur in Ausnahmefällen selb-

 

 

ständig beschwerdelegitimiert (Entscheid des Bundesstrafgerichts 

BB.2004.70 vom 11. November 2004 E. 2.1).  

 

 Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin der beschlagnahmten Vermögens-

werte, nämlich des Kontos Nr. 1, des Genossenschaftsanteils Nr. 2 und 

des Tresorfachs Nr. 3, und entgegen ihren Ausführungen nicht bloss wirt-

schaftlich Berechtigte daran (act. 1 S. 2). Sie ist somit im Sinne der ge-

nannten Rechtsprechung von der Beschlagnahme persönlich und direkt be-

troffen. Ihre Beschwerdelegitimation ist daher zu bejahen, und auf die Be-

schwerde ist einzutreten.    

 

  

2. Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts oder die Unangemes-

senheit gerügt werden (Art. 28 Abs. 2 VStrR). Nach der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung muss sich sodann die urteilende Instanz nicht mit al-

len Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Ent-

scheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn die Behörde 

wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess 

und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 [zu 

Art. 29 Abs. 2 BV]; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 

2004, E. 5.2 m.w.H.).  

 

 

3. Art. 191 Abs. 1 DBG i.V.m. Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR ermächtigt die Be-

schwerdegegnerin als zuständige Untersuchungsbehörde im Rahmen der 

besonderen Fiskaluntersuchung bei schweren Steuerwiderhandlungen zur 

prozessualen Beschlagnahme von Gegenständen und anderen Vermö-

genswerten, die voraussichtlich der Einziehung unterliegen (vgl. in diesem 

Sinne BGE 137 IV 145 E. 6.4 S. 151 f.). Der Einziehung gemäss Art. 70 

Abs. 1 StGB unterliegen u. a. alle wirtschaftlichen Vorteile, die sich rechne-

risch ermitteln lassen und die direkt oder indirekt durch die strafbare Hand-

lung erlangt worden sind. Bei der Steuerhinterziehung besteht der sich aus 

dem Delikt ergebende Vermögensvorteil im Gegenwert der hinterzogenen 

Steuern (Urteile des Bundesgerichts 1S.8/2006 vom 12. Dezember 2006, 

E. 5.3; 1S.9/2005 vom 6. Oktober 2005, E. 7.1; 1S.5/2005 vom 26. Sep-

tember 2005, E. 7.4; jeweils mit Hinweis auf BGE 120 IV 365 E. 1 

S. 366 f.). 

 

3.1 Die Beschlagnahme ist eine provisorische (konservatorische) prozessuale 

Massnahme zur vorläufigen Sicherung von Beweismitteln bzw. zur vorläufi-

gen Sicherstellung von allenfalls der Einziehung unterliegenden Vermö-

 

 

genswerten oder Gegenständen (vgl. BGE 135 I 257 E. 1.5 S. 260; HAURI, 

Verwaltungsstrafrecht [VStrR], Bern 1998, S. 111; PIQUEREZ/MACALUSO, 

Procédure pénale suisse, 3. Aufl., Genf/Zürich/Basel 2011, N. 1354; PIETH, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, 2. Aufl., Basel 2012, S. 137). 

 

 Voraussetzung einer Beschlagnahme ist zunächst, dass ein hinreichender 

Verdacht auf eine strafbare Handlung vorliegt. Der hinreichende Verdacht 

setzt – in Abgrenzung zum dringenden – nicht voraus, dass Beweise und 

Indizien bereits für eine erhebliche oder hohe Wahrscheinlichkeit einer 

Verurteilung sprechen; allerdings muss er sich im Verlaufe der Ermittlungen 

weiter verdichten. Die Verdachtslage unterliegt mit anderen Worten einer 

umso strengeren Prüfung, je weiter das Verfahren fortgeschritten ist 

(TPF 2010 22 E. 2.1 S. 24 f.; Entscheid des Bundesstrafgerichts 

BB.2011.25 vom 30. Mai 2011, E. 3.2; vgl. hierzu anschaulich BAUMANN, 

Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 72 StGB N. 21). Bei der Beur-

teilung der Rechtmässigkeit und Angemessenheit einer Beschlagnahme 

hat die Beschwerdekammer diesbezüglich jedoch keine erschöpfende Ab-

wägung sämtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzu-

nehmen. Diese bleibt dem für die Fällung des materiellrechtlichen Einzie-

hungsentscheides zuständigen Sachgericht vorbehalten (TPF 2010 22 

E. 2.2.2 S. 26; Entscheide des Bundesstrafgerichts BV.2012.29 vom 

22. November 2012, E. 3.2; BV.2012.1 vom 15. März 2012, E. 5.2.1; 

BV.2011.30 vom 7. Februar 2012, E. 3,1; vgl. hierzu auch 

EICKER/FRANK/ACHERMANN, Verwaltungsstrafrecht und Verwaltungsstraf-

verfahrensrecht, Bern 2012, S. 194; KELLER, Strafverfahren des Bundes, 

AJP 2007, S. 197 ff., 211 m.w.H.). 

 

3.2 Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass die B. Sàrl in den Steuer-

perioden 2009 bis 2011 im grossen Umfang Steuern hinterzogen habe. Die 

B. Sàrl, die im Kanton X. acht Nachtclubs bzw. Massagesalons betreibe, 

habe seit Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit im Jahre 2009 die Verbuchung 

von Umsätzen unterlassen bzw. die Einnahmen nicht korrekt verbucht. Da-

durch habe sie ihren steuerbaren Gewinn geschmälert und so Gewinnsteu-

ern im Umfang von mindestens CHF 1.64 Mio. bzw. CHF 2.71 Mio. (siehe 

act. 2 S. 2 f.) hinterzogen (act. 1.2 S. 2). Anlässlich der Durchsuchung der 

von der B. Sàrl betriebenen Lokale und der Aussagen der Empfangsdamen 

habe festgestellt werden können, dass täglich durchschnittlich 69 Frauen in 

den Salons arbeiten würden. Gehe man davon aus, dass eine Hostess pro 

Nacht wenigstens zwei Kunden habe und diese jeweils CHF 200 bezahlen 

würden, ergebe dies jährliche Einnahmen von CHF 10.07 Mio., wovon die 

B. Sàrl branchenüblich 40% erhalten würde. Daraus würden für die B. Sàrl 

jährliche Einnahmen von CHF 4.03 Mio. resultieren. Dies liege um einiges 

 

 

höher als der deklarierte Jahresumsatz von rund CHF 0.45 Mio. (2009) 

bzw. CHF 0.52 Mio. (2010) bzw. CHF 0.89 Mio. (2011) (act. 2 S. 2 f.). 

Die Untersuchungen der Beschwerdegegnerin hätten ferner ergeben, dass 

B. Sàrl eine Tochterfirma der D. AG sei, welche alle Stammanteile der  

B. Sàrl beherrsche. Die Beschwerdeführerin sei einzelzeichnungsberechtig-

te Geschäftsführerin der B. Sàrl. Ausserdem sei sie einziges Verwaltungs-

ratsmitglied der D. AG und einzige Gesellschafterin der E. GmbH, auf de-

ren Konto bei der Bank C. jeweils die Einnahmen aus den Kreditkartenzah-

lungen der Kunden fliessen würden. Es bestehe deshalb der Verdacht, 

dass die Beschwerdeführerin in dieser Funktion zur Steuerhinterziehung 

der B. Sàrl Gehilfenschaft geleistet habe (Art. 177 Abs. 1 und Art. 181 Abs. 

3 DBG). Ausserdem sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 

in ihrer Eigenschaft als Geschäftsführerin der B. Sàrl dafür gesorgt habe, 

dass deren Erträge nicht vollständig verbucht würden. Die falschen Jahres-

rechnungen seien zum Zweck der Steuerhinterziehung verwendet worden, 

weshalb die Beschwerdeführerin mutmasslich auch Steuerbetrug im Sinne 

von Art. 186 DBG begangen habe (2 S. 2 ff.).  

3.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet das Vorliegen oder die Teilnahme an  

einer Straftat und macht diesbezüglich geltend, die Beschwerdegegnerin 

gründe ihren Verdacht auf nicht belegten Mutmassungen. Insbesondere sei 

die Schätzung mit Bezug auf die Dauer des Geschäftsbetriebs, der Anzahl 

Beschäftigten, Kunden und aktiver Salons sowie der Preise unzutreffend 

und unrealistisch. Es treffe ferner zwar zu, dass die B. Sàrl ihre Tätigkeit im 

April 2009 aufgenommen habe. Zu diesem Zeitpunkt sei jedoch erst ein Sa-

lon in Betrieb gewesen. Die anderen Salons seien erst im Laufe der Jahre 

schrittweise eröffnet und aufgebaut worden (act. 10 S. 3 ff.).   

3.4 Die Beschwerdegegnerin stützt ihren Verdacht, die B. Sàrl hätte zu tiefe Er-

träge deklariert, auf die angetroffene Situation anlässlich der Durchsuchung 

der Salons, auf die Aussagen der Salon-Angestellten sowie auf ihre ent-

sprechenden Hochrechnungen (siehe supra Ziff. 4.2). Insbesondere der 

Preis von CHF 200 pro Kunde und der Verteilschlüssel (40% der Einnah-

men an die B. Sàrl und 60% an die Hostessen) sei von den Empfangsda-

men der Salons wie auch von den Hostessen bestätigt worden (act. 1 S. 7; 

act. 2.4-2.10). Es bestehen keine Gründe, an den Feststellungen der Be-

schwerdegegnerin anlässlich der Hausdurchsuchung der Salons sowie an 

den Aussagen der Empfangsdamen ernsthaft zu zweifeln. Inwiefern die 

Hochrechnungen der Beschwerdegegnerin unrealistisch sein sollen, führt 

die Beschwerdeführerin nicht weiter aus, sie beschränkt sich vielmehr auf 

blosses Bestreiten. Insbesondere schweigt sich die Beschwerdeführerin 

darüber aus, wie viele Frauen im massgeblichen Zeitraum denn tatsächlich 

 

 

in den Salons gearbeitet haben sollen. Für sie, die eigenen Angaben ge-

mäss für die Anstellung der Beschäftigten zuständig ist (act. 10 S. 6), wäre 

es allerdings ein Leichtes gewesen, die von der Beschwerdegegnerin ins 

Feld geführte Anzahl der bei ihr beschäftigen Frauen mittels Arbeitsverträ-

gen oder Aufenthaltsbewilligungen zu widerlegen. Entgegen den Ausfüh-

rungen der Beschwerdeführerin waren gemäss Zeitungsinseraten der "B." 

im Januar 2009 bereits drei Betriebe, mit jeweils fünf bis acht Hostessen an 

sieben Tagen pro Woche tätig. Nur einen Monat später liess ein erneutes 

Zeitungsinserat verlauten, dass ein weiterer Betrieb hinzu gekommen sei 

(act. 12.2). Zum Zeitpunkt als die B. Sàrl am 28. April 2009 im Handelsre-

gister eingetragen wurde, müssen somit mindestens vier Salons in Betrieb 

gewesen sein. Ausgehend von vier Betrieben mit mindestens fünf Hostes-

sen, die jeweils mindestens zwei Kunden pro Tag zu CHF 200 bedienten, 

kann für das verkürzte Jahr 2009 ein mutmasslicher Umsatz 

von mindestens CHF 0.8 Mio. für die B. Sàrl hochgerechnet werden. Die  

B. Sàrl hatte demgegenüber Einnahmen von CHF 0.45 deklariert. Dieser 

hochgerechnete Umsatz für das verkürzte Jahr 2009 übersteigt sogar die 

für das (ganze) Jahr 2010 deklarierten Einnahmen von CHF 0.52 Mio. Un-

bestrittenermassen waren sodann im Jahre 2011 sieben Salons in Betrieb. 

Analog zur Hochrechnung für das Jahr 2009 ergibt dies mutmassliche Ein-

nahmen von mindestens CHF 2.04 Mio. Es besteht daher der Verdacht, die 

B. Sàrl habe in den Steuerperioden 2009 bis 2011 zu tiefe Gewinne aus-

gewiesen und damit unrechtmässig Steuern hinterzogen.  

 Aufgrund ihrer Stellung als verantwortliche Geschäftsführerin der B. Sàrl 

mit Einzelunterschriftsberechtigung besteht sodann der hinreichende Ver-

dacht, die Beschwerdeführerin habe sich der Gehilfenschaft zur Steuerhin-

terziehung sowie aufgrund der nicht korrekt verbuchten Erträge in den Jah-

resrechnungen der B. Sàrl zwecks Steuerhinterziehung des Steuerbetrugs 

schuldig gemacht. Dass sich die Beschwerdeführerin überhaupt nicht um 

die Finanzen der B. Sàrl gekümmert und diese Angelegenheit gänzlich an 

die Treuhandfirma F. AG ausgelagert haben soll, indem sie jeweils die Ta-

gesabrechnungen der Salonangestellten unbesehen der Treuhandfirma 

übergeben habe, ist unter der gegebenen Verdachtslage wenig glaubhaft. 

Es ist kein vernünftiger Grund ersichtlich, weshalb die F. AG die Erträge 

der B. Sàrl von sich aus derart unkorrekt hätte verbuchen sollen. Es ist 

vielmehr anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin dem Treuhandunter-

nehmen gegenüber nur einen Teil der Einnahmen deklarierte und diese die 

Buchhaltung für die B. Sàrl gestützt auf die unkorrekten Angaben der Be-

schwerdeführerin erstellte.   

 Zusammenfassend besteht beim jetzigen Verfahrensstand ein hinreichen-

der Tatverdacht im Sinne der oben zitierten Lehre und Rechtsprechung 

 

 

(E. 3.1), dass sich die Beschwerdeführerin der Gehilfenschaft zur Steuer-

hinterziehung und des Steuerbetrugs strafbar gemacht hat.  

 

 

4. 

4.1 Zu prüfen ist weiter, ob beim jetzigen Stand des Verfahrens die mit Be-

schlag belegten Vermögenswerte mit der verdachtsweise vorliegenden 

strafbaren Handlung in ausreichendem Zusammenhang stehen und ob die 

Zwangsmassnahme verhältnismässig ist.  

 

Vom untersuchenden Beamten mit Beschlag zu belegen sind Gegenstände 

und andere Vermögenswerte, die voraussichtlich der Einziehung unterlie-

gen (Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR; Art. 70 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 2 VStR). 

Dies beispielsweise weil sie durch eine Straftat erlangt worden sind oder 

dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen oder zu belohnen. Die 

Beschlagnahme greift dem Entscheid über die Einziehung nicht vor (Urteil 

des Bundesgerichts 1B_198/2012 vom 14. August 2012, E. 2; Entscheid 

des Bundesstrafgerichts BV.2012.29 vom 22. November 2012, E. 3.1;    

EICKER/FRANK/ACHERMANN, a.a.O., S. 195 f.). 

 

Die Beschlagnahme muss wie jedes Zwangsmittel verhältnismässig sein 

(Art. 36 Abs. 3 BV; vgl. auch Art. 45 Abs. 1 VStrR). Allgemein wird unter 

diesem Gesichtspunkt verlangt, dass die gewählte Massnahme zur Ver-

wirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und er-

forderlich ist (EICKER/FRANK/ACHERMANN, a.a.O., S. 194; TPF 2005 84 E. 

3.2.2). Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen 

Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln stehen. Die Beschlagnahme ist so-

lange gerechtfertigt, als eine spätere Einziehung wahrscheinlich erscheint 

(Urteil des Bundesgerichts 1B_694/2011 vom 12. Januar 2012, E. 2.1 in fi-

ne; TPF 2010 22 E. 2.1 S. 25; Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2011.25 vom 30. Mai 2011, E. 3.2 m.w.H.). Aus dem Prinzip der Ver-

hältnismässigkeit ergibt sich u. a. auch das verwaltungsrechtliche Störer-

prinzip, wonach sich Massnahmen grundsätzlich gegen den unmittelbaren 

Verursacher eines rechtswidrigen Zustandes zu richten haben (HEIMGART-

NER, Strafprozessuale Beschlagnahme, Zürich/Basel/Genf 2011, S. 27 

m.w.H.). Eine Vermögenseinziehungsbeschlagnahme ist grundsätzlich im-

mer geeignet, eine eventuelle Vermögenseinziehung zu sichern. Allerdings 

erscheint sie nicht erforderlich, wenn die allfälligen Einziehungsansprüche 

des Staates auf andere Weise gesichert werden können. Im Rahmen der 

Verhältnismässigkeit im engeren Sinn ist der Umfang der Beschlagnahme 

zu begrenzen (vgl. HEIMGARTNER, a.a.O., S. 171). 

 

 

 

4.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, beim beschlagnahmten Konto Nr. 1 

handle es sich um ihr Lohnkonto. Der Arbeitslohn sei ihr für die rechtmäs-

sige Tätigkeit als Geschäftsführerin und nicht etwa als Entgelt für die un-

rechtmässige Gehilfenschaft zur Steuerhinterziehung ausbezahlt worden. 

Daher stellten die Vermögenswerte weder einen unrechtmässigen Vorteil 

dar noch bestehe ein adäquater Kausalzusammenhang zu einer allfälligen 

Straftat. Schliesslich handle es sich beim besagten Konto um das einzige 

der Beschwerdeführerin. Durch dessen Beschlagnahme seien ihr sämtliche 

liquiden Mittel entzogen worden, sodass der gravierende Eingriff in keinem 

Verhältnis zur Schwere des vorgeworfenen Delikts stehe, das mit Gehilfen-

schaft zur Steuerhinterziehung bloss eine Übertretung darstelle (act. 1  

S. 6 f.).  

 

4.3 Es trifft zu, dass durch die Steuerhinterziehung und durch den Steuerbetrug 

in erster Linie die B. Sàrl als Steuerpflichtige einen unrechtmässigen Vorteil 

erlangt hat. Art. 177 Abs. 1 DBG sieht jedoch ausdrücklich eine solidari-

sche Haftung des Anstifters, Gehilfen und Mitwirkenden für die hinterzoge-

ne Steuer vor. Die Beschlagnahme beim Solidarschuldner wird von der 

Rechtsprechung grundsätzlich als zulässig erachtet, insbesondere bei 

Konstellationen, wo natürliche Personen beim Besorgen der Angelegenhei-

ten einer juristischen Person Abgaben nicht entrichten oder Leistungen er-

schleichen. In diesen Fällen wird davon ausgegangen, dass die für die ju-

ristische Person handelnden natürlichen Personen in der Regel selber und 

persönlich erhebliche Vermögenswerte erlangen. Unter diesem Umständen 

wird es als gerechtfertigt erachtet, auch beim für den hinterzogenen Steu-

erbetrag solidarisch haftenden Täter vorhandene Vermögenswerte zur De-

ckung des Schadens einzuziehen (BGE 120 IV 365 E. 4, 101, BGE 101 Ia 

325 E. 2; Entscheid des Bundesstrafgerichts BV.2005.16 vom 24. Oktober 

2005, E. 7.3).  

 

Die beschlagnahmten Vermögenswerten bestehen aus einem Bankgutha-

ben von rund CHF 35'000, einen Genossenschaftsanteil von CHF 200 und 

dem Inhalt eines Tresorfachs, bei dem es sich um Bargeld im Umfang von 

CHF 970'000 handeln soll (act. 12 S. 4). Eine spätere Einziehung dieser 

Vermögenswerte der solidarisch haftenden Beschwerdeführerin erscheint 

aufgrund des gegenwärtigen Tatverdachts gestützt auf die obenzitierte 

Rechtsprechung als wahrscheinlich. Ausserdem ist die Beschlagnahme der 

Vermögenswerte im Gesamtumfang von gut CHF 1 Mio. in Anbetracht der 

mutmasslich hinterzogenen Steuern von mindestens CHF 1.64 Mio. ver-

hältnismässig. Schliesslich ist sie für den angestrebten Zweck – Sicherstel-

lung der allenfalls der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte – ge-

eignet, erforderlich und auch zumutbar. Ein anderes ebenso geeignetes, 

 

 

aber milderes Mittel ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführe-

rin auch nicht vorgebracht. Die Beschlagnahme ist daher zu Recht erfolgt.  

Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet, wes-

halb sie vollumfänglich abzuweisen ist. 

 

 

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens handelt es sich bei der Beschwerde-

führerin um die unterliegende Partei, weshalb sie die Gerichtskosten von 

Fr. 1'500.--  (Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des 

Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und 

Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]) wird 

tragen müssen (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG analog, 

TPF 2011 25 E. 3), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses 

in gleicher Höhe.  

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt, 

unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe.  

 

 

Bellinzona, 7. November 2013 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Angelo Fedi 

- Eidgenössische Steuerverwaltung 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide der Beschwerdekammer über Zwangsmassnahmen kann innert 30 Tagen nach 
der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden (Art. 
79 und 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005; BGG). Das 
Verfahren richtet sich nach den Artikeln 90 ff. BGG. 

Eine Beschwerde hemmt den Vollzug des angefochtenen Entscheides nur, wenn der 
Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin es anordnet (Art. 103 BGG).