# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 65cc801d-423a-5950-86bf-e046640895a1
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-12
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 12.10.2020 200 2020 600
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-600_2020-10-12.pdf

## Full Text

200 20 600 ALV
FUE/REL/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 12. Oktober 2020

Verwaltungsrichter Furrer
Gerichtsschreiberin Bischof

A.________
vertreten durch Fürsprecher B.________
Beschwerdeführer

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern 
Arbeitslosenkasse, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 24. Juni 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Okt. 2020, ALV/20/600, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1972 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) war 
ab dem 1. Juli 2019 beim am 5. Juni 2019 neu eröffneten 
Einzelunternehmen C.________., Inhaber D.________ (Arbeitgeber), in 
einem Pensum von 50 % als … angestellt (Antwortbeilage des Amtes für 
Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Arbeitslosenkasse [AVA bzw. 
Beschwerdegegner; AB] 185 - 186 und Auszug aus dem Schweizerischen 
Handelsamtsblatt [SHAB], Publikation vom …. Juni 2019). Mit Arbeitsver-
trag vom 29. August 2019 wurde das Arbeitspensum auf 100 % erhöht 
(AB 195 - 196). Nachdem der Arbeitgeber Anfang September 2019 ins 
Ausland abgereist und dort offenbar erkrankt war, wurde der Betrieb in der 
Folge geschlossen. Am 17. September 2019 war der letzte Arbeitstag des 
Beschwerdeführers (AB 192). Am 20. September 2019 wurde die Einzelun-
ternehmung infolge Fehlens der gesetzlichen Voraussetzungen der Eintra-
gungspflicht auf Begehren des Inhabers aus dem Handelsregister gelöscht 
(SHAB-Auszug, Publikation vom ... September 2019).

Am 14. Dezember 2019 stellte der Versicherte – vertreten durch Rechts-
anwalt B.________ – Antrag auf Insolvenzentschädigung für offene Lohn-
forderungen der Monate Juli bis Oktober 2019 (AB 201 - 202). Mit Schrei-
ben vom 17. Dezember 2019 forderte das AVA den Versicherten auf, über 
seine effektiven Aufgaben, seine Kompetenz- und Entscheidungsbefugnis-
se, seine finanzielle Beteiligung, Handlungsvollmachten und Zeichnungsbe-
fugnisse in der Einzelunternehmung zu informieren (AB 167 - 168) und bat 
am 9. Januar 2020 den Versicherten, Unterlagen zuzustellen, aus denen 
hervorgehe, dass er seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen sei 
(AB 160 - 161). Mit Eingaben vom 7. Januar 2020 (AB 163 - 164) und 
10. Januar 2020 (AB 156 -157) nahm der Versicherte Stellung. Nach einer 
weiteren Aufforderung des AVA um Stellungnahme (AB 154) hielt der Ver-
sicherte mit Schreiben vom 14. Februar 2020 (AB 152 - 153) fest, dass sein 
ehemaliger Arbeitgeber und Schuldner der Lohnforderung im September 
2019 die Schweiz definitiv verlassen habe, weshalb er mangels internatio-
naler Zuständigkeit der Schweizer Gerichte das Konkursverfahren nicht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Okt. 2020, ALV/20/600, Seite 3

habe einleiten können. Mit Verfügung vom 10. März 2020 (AB 148 - 149) 
lehnte das AVA den Anspruch auf Insolvenzentschädigung wegen Nichter-
füllung der Schadenminderungspflicht ab. Zur Begründung führte es aus, 
im Zeitraum vom 19. September 2019 bis zum 24. Februar 2020 seien die 
offenen Lohnguthaben nicht rechtsgenüglich gefordert worden. Die dage-
gen erhobene Einsprache (AB 140 - 143) wies es mit Entscheid vom 
24. Juni 2020 (AB 130 -137) ab. 

B.

Hiergegen erhob der Versicherte – nach wie vor vertreten durch Rechtsan-
walt B.________ – mit Eingabe vom 19. August 2020 Beschwerde und 
beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 24. Juni 2020 
sowie die Zusprache einer Insolvenzentschädigung für seine Lohnausstän-
de vom 1. Juli 2019 bis zum 31. Oktober 2019 im Umfang von 
Fr. 14'276.80. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und 
ihm eine Insolvenzentschädigung für die Lohnausstände vom 1. Juli 2019 
bis zum 31. Oktober 2019 nach richterlichem Ermessen zuzusprechen. 
Subeventualiter sei der Entscheid aufzuheben und die Sache zur neuen 
Beurteilung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen.

Mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2020 schliesst der Beschwer-
degegner auf Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

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(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die 
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 
[AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 lit. d Satz 2 der 
Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenver-
sicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch 
die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 
1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten 
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 24. Juni 
2020 (AB 130 - 137). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Be-
schwerdeführers auf Insolvenzentschädigung.

1.3 Bei offenen Lohnforderungen gemäss Angaben des Beschwerde-
führers von Fr. 14'276.80 (restliche Lohnforderung, Anteil 13. Monatslohn, 
Anteil Ferien [AB 202]) liegt der Streitwert unter Fr. 20‘000.–, womit die 
Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt 
(Art. 57 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend (Beschwerde S. 10), sein An-
spruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, da der Beschwerdegeg-
ner die angefochtene Verfügung vom 24. Juni 2020 (AB 130 - 137) "unge-

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nügend und lediglich oberflächlich begründet" und sich mit seinen Vorbrin-
gen nicht auseinandergesetzt habe. 

2.2 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 
der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 42 Satz 1 ATSG). Die Verfü-
gungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll 
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Die Begründungspflicht ist wesentli-
cher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 
Abs. 2 BV. Sie soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen 
Motiven leiten lässt, und den Betroffenen ermöglichen, die Verfügung ge-
gebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl 
die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Trag-
weite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen 
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die 
Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies 
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen 
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken (BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236, 124 V 180 E. 1a 
S. 181; in BGE 145 V 326 nicht publizierte E. 4 des Entscheids vom 
16. September 2019, 9C_494/2019; SVR 2017 KV Nr. 6 S. 30 E. 5).

2.3 Vorliegend ist der Beschwerdegegner im Einspracheentscheid vom 
24. Juni 2020 (AB 130 - 137) in der Tat nicht auf sämtliche Vorbringen des 
Beschwerdeführers eingegangen. Er hat jedoch dargelegt, dass der Be-
schwerdeführer nicht alle ihm möglichen Massnahmen im Konkurs- und 
Pfändungsverfahren ergriffen hat, um seine Lohnansprüche geltend zu 
machen (vgl. E. 4 hiernach). Abgesehen davon, dass eine ausdrückliche 
und einlässliche Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Einwand nicht 
erforderlich ist, sofern die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte 
behandelt wurden (E. 2.2 hiervor) – was hier der Fall ist –, vermochte der 
Beschwerdeführer den Einspracheentscheid ohne Weiteres sachgerecht 
anzufechten. Dem Beschwerdeführer waren damit die Entscheidgründe 
hinreichend bekannt, womit keine Verletzung der Begründungspflicht vor-
liegt.

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3.

3.1 Beitragspflichtige Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der 
Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeit-
nehmer beschäftigen, haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzent-
schädigung, wenn gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und 
ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a 
AVIG). Anspruch auf Insolvenzentschädigung besteht auch, wenn der Kon-
kurs nur deswegen nicht eröffnet wurde, weil sich infolge offensichtlicher 
Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger dazu bereit erklärt hat, die 
Kosten vorzuschiessen (Art. 51 Abs. 1 lit. b AVIG).

3.2 Die Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis 
Lohnforderungen für höchstens die letzten vier Monate des Arbeitsverhält-
nisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 
AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (Art. 52 Abs. 1 
AVIG). 

3.3 Der Arbeitnehmer muss im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles 
unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, 
bis die Kasse ihm mitteilt, dass sie an seiner Stelle in das Verfahren einge-
treten ist. Danach muss er die Kasse bei der Verfolgung ihres Anspruchs in 
jeder zweckdienlichen Weise unterstützen (Art. 55 Abs. 1 AVIG). 

4.

Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer die ausstehenden 
Lohnforderungen gegenüber seinem früheren Arbeitgeber rechtsgenüglich 
geltend gemacht hat und damit ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung 
entstanden ist. 

4.1 Der Beschwerdeführer arbeitete ab dem 1. Juli 2019 bis zur 
Schliessung des Betriebes per 17. September 2019 in der Einzelunterneh-
mung C.________. in einem Pensum von zunächst 50% und ab dem 
1. September 2019 zu 100 % (vgl. Arbeitsverträge vom 1. Juli 2019 
[AB 185 - 186] und vom 28. August 2019 [AB 195 - 196]). Nach Angaben 

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des Beschwerdeführers wurde ihm für die geleistete Arbeit (vgl. vom Ar-
beitgeber teilweise mitunterzeichneten Zusammenstellungen der Arbeits-
zeiten für die Monate Juli bis September 2019 [AB 192 - 194]) nie Lohn 
ausbezahlt. Am 12. November 2019 hat er den Arbeitgeber schriftlich ge-
mahnt und die Auszahlung der ausstehenden Lohnforderungen verlangt 
(AB 181 - 183). Ein Konkurs- oder Pfändungsverfahren hat er in der Folge 
jedoch nicht eingeleitet.

4.2 Machen Arbeitnehmende gegenüber dem Arbeitgeber oder der Ar-
beitgeberin während längerer Zeit keine Anstalten, ihrer Lohnforderung mit 
hinreichender Deutlichkeit Ausdruck zu verleihen, signalisieren sie man-
gelndes Interesse. Dadurch verlieren sie auch gegenüber der Arbeitslosen-
versicherung ihre Schutzbedürftigkeit und Schutzwürdigkeit. Die Bestim-
mung von Art. 55 Abs. 1 AVIG, wonach der Arbeitnehmer im Konkurs- oder 
Pfändungsverfahren alles unternehmen muss, um seine Ansprüche ge-
genüber dem Arbeitgeber zu wahren, bezieht sich dem Wortlaut nach auf 
das Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der all-
gemeinen Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn 
das Arbeitsverhältnis vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird. Eine ur-
sprüngliche Leistungsverweigerung infolge Verletzung der Schadenminde-
rungspflicht im Sinne der zu Art. 55 Abs. 1 AVIG ergangenen Rechtspre-
chung setzt voraus, dass der versicherten Person ein schweres Verschul-
den, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen, 
vorgeworfen werden kann. Dem Erfordernis der Verhältnismässigkeit ist mit 
dem Ausmass der von den Arbeitnehmenden zu erwartenden Vorkehrun-
gen Rechnung zu tragen. Nach ständiger Rechtsprechung wird eine kon-
sequente und kontinuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schritte 
gefordert, welche in einem der vom Gesetz geforderten zwangsvollstre-
ckungsrechtlichen Stadien münden müssen, damit Anspruch auf Insolven-
zentschädigung besteht. Arbeitnehmende sollen sich gegenüber dem Ar-
beitgeber nämlich so verhalten, als ob es das Institut der Insolvenzent-
schädigung gar nicht gäbe. Dieses Erfordernis lässt ein längeres Untätig-
sein nicht zu (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 27. Januar 2015, 
8C_641/2014, E. 4.1).

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4.3 Der Anspruch des Beschwerdeführers auf Insolvenzentschädigung 
wurde im angefochtenen Einspracheentscheid vom 24. Juni 2020 mit der 
Begründung verneint, dass dieser es unterlassen habe, ein Betreibungs- 
oder Konkursverfahren gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber einzuleiten 
und damit seiner Schadenminderungspflicht nicht in genügend Weise 
nachgekommen sei (AB 130 - 137). 

4.3.1 Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich zunächst geltend, dass 
der Schuldner keinen Wohnsitz in der Schweiz mehr habe, was gemäss 
Art. 46 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; 
SR 281.1) zur Einleitung eines Betreibungsverfahrens notwendig sei (Be-
schwerde vom 19. August 2020 S. 7 Ziff. 11). Er verkennt dabei, dass die 
schuldbetreibungsrechtliche Ordnung für diesen Fall eine Regelung bereit-
hält: Der Gläubiger kann auch ohne vorgängige Betreibung die Konkur-
seröffnung gegen den Schuldner verlangen, wenn dessen Aufenthaltsort 
unbekannt ist oder dieser die Flucht ergriffen hat um sich seinen Verbind-
lichkeiten zu entziehen (Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG). Art. 54 SchKG sieht 
hierfür vor, dass der Konkurs gegen einen flüchtigen Schuldner an dessen 
letztem Wohnsitz eröffnet werden kann. Wenn der Beschwerdeführer aus-
führt, ein Verfahren nach Art. 190 Abs. 1 SchKG wäre im vorliegenden Fall 
nicht möglich gewesen, kann dem nicht gefolgt werden, denn das notwen-
dige Element der Flucht des Schuldners war vorliegend offensichtlich er-
füllt. Hierzu nötig ist, dass der Schuldner seinen bisherigen Wohnsitz in der 
Schweiz verlassen hat, ohne in der Schweiz zumindest einen festen Auf-
enthalt zu begründen, und dass er sich auf diese Weise den Verbindlichkei-
ten seiner Gläubiger entziehen wollte (vgl. PHILIP TALBOT, in: KREN KOSTKI-
EWICZ/VOCK [HRSG.], Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetrei-
bung und Konkurs SchKG, 4. Auflage 2017, Art. 190 N. 4). Keine Rolle 
dabei spielen kann, unter welchen Umständen der Schuldner ursprünglich 
die Schweiz verlassen hatte (vgl. Ausführungen des Beschwerdeführers in 
der Beschwerde vom 19. August 2020 S. 14 Ziff. 18). Auch wenn er 
zunächst offenbar aufgrund eines Todesfalles in der Familie ins Ausland 
reiste, hat der ehemalige Arbeitgeber in der Folge seinen ehemaligen 
Wohnsitz in … per 5. September 2019 aufgehoben (Auskunft der Einwoh-
nergemeinde … vom 12. Dezember 2019 [AB 177]) und keinen neuen Auf-
enthalt in der Schweiz begründet. Eine Entschuldigung und Zusicherung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Okt. 2020, ALV/20/600, Seite 9

der Rückzahlung seiner offenen Schuld gegenüber einem anderen Gläubi-
ger allein lässt nicht darauf schliessen, dass sich der Schuldner seinen 
Verbindlichkeiten stellen und diesen nachkommen wollte. Im Gegenteil 
deutet dieses Verhalten vielmehr darauf hin, dass er seinen Gläubiger hin-
halten und vertrösten wollte. In diesem Sinne hat der Konkursrichter des 
Regionalgerichts … denn auch im Entscheid vom 24. Februar 2020 – in 
einem von einem anderen Gläubiger angeregten Verfahren (Beschwerde 
S. 14 Ziff. 18) – den Konkurs über den ehemaligen Arbeitgeber des Be-
schwerdeführers mit der Begründung eröffnet, dass sich letzterer auf der 
Flucht befinde. Hätte der Beschwerdeführer selber ein solches Konkur-
seröffnungsverfahren angestrengt oder sich daran beteiligt, hätten mit einer 
entsprechenden Konkurseröffnung die Anspruchsvoraussetzungen für den 
Bezug von Insolvenzentschädigung gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG vor-
gelegen. Der Beschwerdeführer hätte gemäss lit. b dieser Bestimmung 
selbst dann Anrecht auf Insolvenzentschädigung gehabt, wenn der Konkurs 
in der Folge nur deswegen nicht eröffnet worden wäre, weil sich auf Grund 
offensichtlicher Überschuldung seines ehemaligen Arbeitgebers keiner der 
Gläubiger bereit erklärt hätte, die Kosten hierfür vorzuschiessen (Entschei-
de des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] vom 
23. August 2000, C 380/99, E. 3b und vom 4. September 2005, C 109/04, 
E. 5; ARV 2003 Nr. 5 E. 3b S. 65). Es wäre demnach für den Beschwerde-
führer auch nicht notwendig gewesen, die Kosten für die Konkurseröffnung 
zu zahlen und damit das Risiko der "unnötigen und vermeidbaren Ge-
bühren" zu tragen (Beschwerde vom 19. August 2020 S. 13 Ziff. 16).

4.3.2 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Anhebung eines 
Konkursverfahrens nach Art. 190 SchKG sei im vorliegenden Fall zu kei-
nem Zeitpunkt geeignet gewesen, seine Lohnansprüche gegenüber dem 
ehemaligen Arbeitgeber im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG zu wahren, da 
der Schuldner insolvent gewesen sei (Beschwerde S. 12 Ziff. 16 ff.). Wie im 
Bereich der unentgeltlichen Rechtspflege sei auch bei der Auslegung von 
Art. 55 AVIG zu berücksichtigen, ob ein angestrebtes Konkursverfahren 
aussichtslos sei oder nicht. Die ratio legis dieser Bestimmung könne nicht 
darin bestehen, vom Beschwerdeführer pro forma die Einleitung eines völ-
lig aussichtslosen Konkursverfahrens zu verlangen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Okt. 2020, ALV/20/600, Seite 10

Dem kann nicht gefolgt werden. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung 
kann es unter arbeitslosenversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht 
Sache des Versicherten sein, darüber zu entscheiden, ob weitere Vorkeh-
ren zur Realisierung der Lohnansprüche erfolgversprechend sind oder 
nicht. Vielmehr hat er im Rahmen der ihm obliegenden Schadenminde-
rungspflicht grundsätzlich alles ihm Zumutbare zur Wahrung der Lohnan-
sprüche vorzunehmen (Entscheid des BGer vom 7. April 2008, 
8C_444/2007, E. 4.2, mit Hinweis auf die Entscheide des EVG vom 
29. Dezember 2006, C 167/2004, und vom 3. Dezember 2003, C 148/03). 
Zwar hat der Beschwerdeführer den säumigen Schuldner korrekterweise 
gemahnt und die Auszahlung der ausstehenden Lohnforderungen verlangt 
(AB 181 - 183). Doch gefordert gewesen wäre eine konsequente und konti-
nuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schritte, welche in eines der 
vom Gesetz geforderten zwangsvollstreckungsrechtlichen Stadien hätte 
münden müssen, damit sein Anspruch auf Insolvenzentschädigung hätte 
entstehen können (Entscheid des BGer vom 3. August 2009, 8C_462/2009, 
E. 3.3). Indem der Beschwerdeführer diese betreibungs- bzw. konkurs-
rechtlichen Schritte nicht eingeleitet hat, ist er – unabhängig derer Erfolgs-
aussichten – seiner ihm obliegenden Schadenminderungspflicht nicht 
genügend nachgekommen.

5.

Nach dem Dargelegten besteht kein Anspruch auf Insolvenzentschädigung. 
Die gegen den Einspracheentscheid vom 24. Juni 2020 (AB 130 -137) er-
hobene Beschwerde ist abzuweisen. 

6.

6.1 Verfahrenskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. 
Art. 61 lit. a ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Okt. 2020, ALV/20/600, Seite 11

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 
lit. g ATSG).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä-
digung zugesprochen. 

3. Zu eröffnen (R):
- Fürsprecher B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Arbeitslosen-

kasse 
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst
- Staatssekretariat für Wirtschaft – seco

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.