# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0cf98b83-ac86-5b62-af92-c69c7f0f3215
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2023 D-206/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-206-2021_2023-11-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-206/2021 

law/aer 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger, Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

eigenen Angaben zufolge China (Volksrepublik), 

vertreten durch Lara Märki, Rechtsanwältin, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2020 / N (…). 

 

 

 

D-206/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 2. August 2016 in der Schweiz um Asyl 

nach. Das SEM führte am 12. August 2016 eine Befragung zur Person 

(BzP) durch und hörte ihn am 5. April 2018 einlässlich zu seinen Asylgrün-

den an.  

B.  

B.a Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei im Dorf 

B._______ (Gemeinde C._______ im gleichnamigen Kreis) geboren und 

aufgewachsen. Er habe drei Jahre die Schule besucht und danach in der 

Landwirtschaft gearbeitet. Im Jahr 2010 habe er D._______ nach Brauch 

geheiratet und sei in deren Elternhaus, welches im gleichen Dorf liege, ein-

gezogen. Seine Ehefrau habe einmal von einer Freundin einige Bilder des 

Dalai Lama sowie gesegnete Kügelchen erhalten. Sie habe die Bilder an 

ältere Leute im Dorf weitergegeben, um diesen eine Freude zu machen. 

Wahrscheinlich habe dies jemand den chinesischen Behörden mitgeteilt. 

Kurze Zeit später – er und seine Ehefrau seien gerade nicht zu Hause ge-

wesen – seien Polizisten bei ihnen vorbeigekommen. Sie hätten nach sei-

ner Ehefrau gefragt, alles durchsucht und seine Schwiegereltern geschla-

gen. Als sie nach Hause gekommen seien, hätten die Schwiegereltern sie 

über die Situation informiert. Daraufhin hätten sie sich mit verschiedenen 

Verwandten beraten und beschlossen, dass es besser sei, wenn seine 

Ehefrau das Land verlasse. Da auch ihm eine Festnahme gedroht hätte, 

wenn die chinesischen Behörden seine Ehefrau nicht gefunden hätten, 

habe er ebenfalls fliehen müssen. In der Folge seien sie mithilfe eines On-

kels seiner Ehefrau, der als Händler tätig gewesen sei, nach Nepal gereist. 

Dort hätten sie bei einem Freund des Onkels gelebt und in einem Restau-

rant gearbeitet. Im Jahr 2013 sei seine damals schwangere Ehefrau alleine 

nach Europa weitergereist. Aus finanziellen Gründen habe er nicht mitrei-

sen können und sei noch bis 2016 in Nepal geblieben. 

B.b Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Ehefrau des Beschwerde-

führers am 23. Mai 2013 in der Schweiz um Asyl ersuchte. Am (…) 2013 

brachte sie die Tochter E._______ zur Welt. In seiner Verfügung vom 

20. November 2014 hielt das damalige Bundesamt für Migration (BFM, 

heute: SEM) fest, die von ihr geltend gemachten Fluchtgründe seien nicht 

glaubhaft, weshalb ihr Asylgesuch abgelehnt werde. Für illegal ausgereiste 

Tibeter bestehe indessen die Gefahr, als Unterstützer des Dalai Lama und 

entsprechend als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet zu 

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werden, womit sie bei einer Rückkehr mit Haft und Misshandlung zu rech-

nen hätten. Daher erfülle D._______ die Flüchtlingseigenschaft und der 

Wegweisungsvollzug erweise sich als unzulässig. Die Tochter wurde in die 

Flüchtlingseigenschaft einbezogen und es wurde für beide eine vorläufige 

Aufnahme angeordnet. 

C.  

C.a Aufgrund von Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft des Be-

schwerdeführers beauftragte das SEM die Fachstelle Lingua mit der 

Durchführung einer entsprechenden Abklärung. Basierend auf einem Tele-

fongespräch vom 18. Juni 2018 untersuchte eine sachverständige Person 

mit dem Kürzel «TAS09» die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des 

Beschwerdeführers. In einer «Evaluation des Alltagswissens» vom 25. Juli 

2018 kam sie zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass er im behaupteten 

geographischen Raum gelebt habe, sei klein. 

C.b Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 30. Juli 

2018 das rechtliche Gehör zur Evaluation des Alltagswissens. Es fasste 

den wesentlichen Inhalt des Gutachtens zusammen und räumte ihm die 

Gelegenheit ein, dazu Stellung zu nehmen. 

C.c Mit Schreiben vom 28. August 2018 reichte der Beschwerdeführer eine 

ausführliche Stellungnahme ein. 

D.  

D.a Mit Verfügung vom 24. Januar 2019 stellte das SEM fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es lehnte sein 

Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der 

Wegweisung – unter Ausschluss des Wegweisungsvollzugs in die Volksre-

publik China – an. 

D.b Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines damaligen Rechts-

vertreters vom 25. Februar 2019 gegen diesen Entscheid beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde. 

D.c Mit Urteil D-987/2019 vom 7. Juli 2019 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht die Beschwerde gut, soweit die Aufhebung der vorinstanzlichen 

Verfügung und die Rückweisung der Sache beantragt wurde, hob die Ver-

fügung des SEM vom 24. Januar 2019 auf und wies die Sache zur vollstän-

digen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rück. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass in der Evalua-

tion des Alltagswissens zwar berechtigterweise auf gewisse Lücken bei 

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den landeskundlich-kulturellen Kenntnissen hingewiesen worden sei. Im 

Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs habe der Beschwerde-

führer indessen ausführlich dazu Stellung genommen, wobei das SEM auf 

diese Einwände in der angefochtenen Verfügung inhaltlich nicht ansatz-

weise eingegangen sei. Überdies habe er nach Einschätzung des Sach-

verständigen auch zahlreiche korrekte Angaben gemacht und einzelne 

Wissenslücken seien im Gesamtkontext zu relativieren, zumal anlässlich 

der Anhörung teilweise ausführliche Aussagen zum Leben in der Heimat 

gemacht worden seien. Der Schlussfolgerung des Experten, dass der Be-

schwerdeführer nur vage Ausführungen gemacht habe und seine Kennt-

nisse in keinem der abgefragten Bereiche zu überzeugen vermöchten, 

könne daher nicht vorbehaltslos zugestimmt werden. Umso mehr wäre das 

SEM gehalten gewesen, sich mit den Einwänden des Beschwerdeführers 

in seiner Stellungnahme auseinanderzusetzen. Indem es dies vollständig 

unterlassen habe, sei es seiner Begründungspflicht nicht nachgekommen. 

Es lasse sich aufgrund der vorliegenden Akten nicht mit rechtsgenüglicher 

Sicherheit schliessen, dass er – anders als seine Ehefrau – nicht chinesi-

scher Staatsangehöriger sei und vor der Flucht nicht in der Autonomen Re-

gion Tibet in der Volksrepublik China gelebt habe. 

E.  

Am (…) 2020 brachte die Ehefrau des Beschwerdeführers das zweite ge-

meinsame Kind, F._______, zur Welt. 

F.  

F.a Nach der Rückweisung durch das Gericht beauftragte das SEM die 

Fachstelle Lingua mit der Durchführung von weiteren Abklärungen. In der 

Folge wurde durch die sachverständige Person mit dem Kürzel «AS19» ein 

Lingua-Bericht vom 2. September 2020 erstellt, in welchem diese – basie-

rend auf dem Telefongespräch vom 18. Juni 2018 – sowohl die landes-

kundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwerdeführers untersuchte als 

auch eine linguistische Analyse vornahm. Gleichzeitig verfasste ein Ex-

perte der niederländischen Partnerbehörde (Immigration and Naturalisa-

tion Service [INS]) ein Zweitgutachten, datierend vom 2. September 2020. 

Ferner liess die Fachstelle Lingua von der sachverständigen Person 

«TAS09» eine Stellungnahme ausarbeiten, in welcher sie sich zu den Ein-

wänden des Beschwerdeführers zur Evaluation des Alltagswissens äus-

serte. 

F.b Mit Schreiben vom 21. September 2020 gewährte das SEM dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör zu den weiteren Abklärungen. Es 

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hielt dabei fest, gemäss dem Gutachten von «AS19» habe er zwar einige 

landeskundlich-kulturellen Kenntnisse zu seiner geltend gemachten Her-

kunftsregion nachweisen können. Es hätten sich aber auch viele Lücken 

und Unstimmigkeiten gefunden, die vor dem angegebenen biografischen 

Hintergrund nicht erklärbar seien. Häufig habe es an Detailwissen gefehlt, 

welches bei einem Einheimischen zu erwarten gewesen wäre. Weiter habe 

seine Sprache in allen analysierten Bereichen kaum Merkmale der Varietät 

von C._______ aufgewiesen, sondern überwiegend bis fast ausschliess-

lich Gemeinsamkeiten mit dem Lhasa-Dialekt, auf welchem die exiltibeti-

sche Koine beruhe. Die sachverständige Person sei daher zum Schluss 

gekommen, dass er eindeutig nicht im Kreis C._______ sozialisiert worden 

sei. Sehr wahrscheinlich sei er auch nicht an einem anderen Ort in der 

Volksrepublik China, sondern in der exilpolitischen Gemeinschaft hauptso-

zialisiert worden. Das Gutachten aus den Niederlanden habe diese Ein-

schätzungen bestätigt. Darin werde ausgeführt, der Beschwerdeführer 

spreche ein Standardtibetisch, welches von der exiltibetischen Gemein-

schaft in Indien oder Nepal gesprochen werde und nicht mit dem Tibeti-

schen des angegebenen Herkunftsorts übereinstimme. Zudem seien seine 

Chinesisch-Kenntnisse gering. Er verfüge auch nur über wenige geogra-

phische und kulturelle Kenntnisse bezüglich der angegebenen Heimat und 

seine diesbezüglichen Angaben seien teilweise unkorrekt. Die Hauptsozi-

alisation sei deshalb definitiv nicht der von ihm angegebene Ort und er sei 

definitiv nicht in der Volksrepublik China sozialisiert worden. 

Dem Beschwerdeführer wurde die Gelegenheit eingeräumt, zu diesen Ab-

klärungsergebnissen Stellung zu nehmen. 

F.c Mit Eingabe vom 6. Oktober 2020 ersuchte die Rechtsvertreterin des 

Beschwerdeführers einerseits um Fristerstreckung, andererseits um Ein-

sicht in sämtliche der erstellten Gutachten. Das SEM stelle zu seinem 

Nachteil auf diese ab und ohne vollumfängliche Einsicht sei es ihm nicht 

möglich, sich umfassend dazu zu äussern. Insbesondere könne nicht fest-

gestellt werden, ob auch diejenigen Elemente berücksichtigt worden seien, 

welche für seine Herkunft aus Tibet sprechen würden. 

F.d Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 8. Ok-

tober 2020 die beantragte Fristerstreckung und räumte ihm die Gelegen-

heit ein, die Aufzeichnung des Lingua-Telefongesprächs anzuhören. Das 

Gesuch um Einsicht in die erstellten Gutachten wies es indessen unter Hin-

weis auf die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts ab. 

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F.e Die Rechtsvertreterin reichte mit Eingabe vom 30. Oktober 2020 eine 

Stellungnahme zu den Abklärungen des SEM ein. Darin wurde betont, 

ohne vollumfängliche Einsicht in die Gutachten könne nur zu den im 

Schreiben vom 21. September 2020 erwähnten Punkten Stellung genom-

men werden, nicht aber zum vollständigen Inhalt. Es bestünden vorliegend 

gewichtige Interessen an einer vollumfänglichen Einsicht in die Herkunfts-

gutachten. Dem öffentlichen Interesse an der Geheimhaltung sensibler Da-

ten könne durch Schwärzung der entsprechenden Stellen Rechnung ge-

tragen werden. Inhaltlich sei teilweise auf die Stellungnahme vom 27. Au-

gust 2018 betreffend das rechtliche Gehör zur Evaluation des Alltagswis-

sens zu verweisen, da dem Beschwerdeführer verschiedene Punkte zu 

den landeskundlich-kulturellen Kenntnissen bereits damals vorgehalten 

worden seien. Das SEM habe sich mit diesen Einwänden bislang nicht aus-

einandergesetzt. Neben weiteren inhaltlichen Anmerkungen wurden so-

dann Zweifel an der Qualifikation der sachverständigen Person «AS19» 

angemeldet. Diese sei von einem internationalen Gremium hinsichtlich der 

verwendeten Arbeitsmethodik stark kritisiert worden, insbesondere weil 

sich deren linguistische Analyse lediglich auf einzelne Wörter beziehe und 

wichtige Elemente des Gesamtkontextes ausser Acht lasse. Es sei davon 

auszugehen, dass sich die kritisierten Punkte auch im vorliegenden Gut-

achten fänden. Sollte sich das SEM dennoch auf dieses Gutachten stützen, 

werde beantragt, dass dieses extern überprüft werde. Insgesamt sei fest-

zustellen, dass das SEM unzulässigerweise wiederum allein jene Ele-

mente berücksichtige, welche gegen die Herkunft aus Tibet sprächen. 

Wenn weiterhin Zweifel an der geltend gemachten Herkunft bestünden, 

werde darum ersucht, ein neues Gutachten durch eine andere sachver-

ständige Person als «AS19» zu erstellen.  

G.  

Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 – eröffnet am 17. Dezember 2020 

– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht. Es lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnete den Vollzug – unter Ausschluss des Wegwei-

sungsvollzugs in die Volksrepublik China – an. Ferner wies es die Gesuche 

um anonymisierte Einsicht in die Lingua-Berichte sowie um Durchführung 

einer erneuten Lingua-Analyse durch eine andere sachverständige Person 

ab. 

H.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

15. Januar 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen 

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diesen Entscheid. Darin wurde beantragt, es sei die Verfügung des SEM 

vom 15. Dezember 2020 aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu 

gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und wegen 

Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die 

Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht wurde sodann beantragt, die Vorinstanz sei anzuweisen. 

dem Beschwerdeführer Akteneinsicht in die zu seiner Herkunft erstellten 

Gutachten zu gewähren, es sei eine erneute LINGUA-Analyse durch eine 

externe unabhängige Person durchzuführen bzw. dem Beschwerdeführer 

sei Gelegenheit zu geben, ein Gegengutachten einzureichen. Schliesslich 

sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren 

und ihm die unentgeltliche Verbeiständung mit der Unterzeichnenden zu 

bewilligen sowie auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

I.  

Mit Eingabe vom 26. Januar 2021 liess der Beschwerdeführer durch seine 

Rechtsvertreterin eine Vollmacht sowie Unterlagen zum Nachweis seiner 

prozessualen Bedürftigkeit einreichen. Daneben wurden verschiedene Fa-

milienfotos sowie Bestätigungsschreiben von Lehrpersonen der Tochter 

des Beschwerdeführers zu den Akten gegeben. 

J.  

Der Instruktionsrichter stellte mit Verfügung vom 28. Januar 2021 fest, der 

Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und setzte MLaw Sophia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin 

ein. Zudem wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. 

K.  

Das SEM teilte dem Gericht mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2021 mit, 

die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-

mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. 

Diese wurde dem Beschwerdeführer am 9. Februar 2021 zur Kenntnis-

nahme zugestellt.  

L.  

Das Migrationsamt des Kantons G._______ übermittelte dem Gericht ei-

nen Entscheid vom 13. April 2021 zur Kenntnisnahme. Darin wurde auf ein 

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Familiennachzugsgesuch der Ehefrau des Beschwerdeführers – welche 

zwischenzeitlich aufgrund einer Härtefallregelung im Besitz einer Aufent-

haltsbewilligung B ist – nicht eingetreten. Es wurde erwogen, dass weder 

ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach schweizeri-

schem Recht vorliege noch von einem offensichtlichen Anspruch gestützt 

auf Art. 8 EMRK ausgegangen werden könne. Aufgrund der Ausschliess-

lichkeit des Asylverfahrens gemäss Art. 14 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) sei 

es daher nicht möglich, ein Familiennachzugsgesuch zu stellen, nachdem 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers noch hängig sei. 

M.  

M.a Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ersuchte mit Eingabe 

vom 17. Juni 2021 um Auskunft über den Stand des Verfahrens, da der 

Beschwerdeführer sich bereits seit fünf Jahren in der Schweiz aufhalte und 

die lange Verfahrensdauer sehr belastend sei. Zudem machte er ergän-

zende Ausführungen zur Beschwerdeeingabe und wies auf die anhaltende 

Kritik an der Arbeit von «AS19» sowie die diesbezüglichen Entwicklungen 

im Verfahren betreffend einen anderen Asylsuchenden (N […]) hin. Dies-

bezüglich ersuchte er um Akteneinsicht in die gesamte Korrespondenz, 

welche die Vorinstanz in Bezug auf «AS19» mit verschiedenen Fachleuten 

geführt habe. Des Weiteren setzte er das Gericht über das Verfahren be-

treffend Familiennachzug vor dem kantonalen Migrationsamt in Kenntnis 

und reichte dessen Entscheid vom 13. April 2021 ein. Der Eingabe legte er 

zwei Stellungnahmen von Tibetologen an die Vorinstanz im Verfahren be-

treffend N (…) und die Kopie einer Stellungnahme des Beschwerdeführers 

an das kantonale Migrationsamt bei. 

M.b Mit Schreiben vom 22. Juni 2021 teilte das Gericht dem Beschwerde-

führer mit, dass sich die aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit der 

Lingua-Analyse des vom SEM beigezogenen Experten auch in anderen 

Verfahren stellten und deshalb zu koordinieren seien. Aus diesem Grund 

könnten keine näheren Angaben über den Zeitpunkt des Entscheids ge-

macht werden. 

N.  

Mit Schreiben vom 14. März 2022 erbat die Rechtsvertreterin erneut um 

Auskunft über den aktuellen Stand des Verfahrens. Der Beschwerdeführer 

befinde sich bereits seit mehreren Jahren in der Schweiz und die lange 

Verfahrensdauer sei für ihn und seine Familie sehr belastend. Daraufhin 

wies der Instruktionsrichter mit Schreiben vom 22. März 2022 erneut auf 

die Notwendigkeit der Koordinierung der Rechtsprechung sowie den 

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Umstand hin, dass dies erfahrungsgemäss eine erhebliche Zeit in An-

spruch nehme. 

O.  

O.a Mit Schreiben vom 24. Mai 2022 ersuchte MLaw Sophia Delgado um 

ihre Entlassung aus dem amtlichen Mandat. Gleichzeitig wurde darum ge-

beten, Rechtsanwältin Lara Märki als neue amtliche Rechtsbeiständin ein-

zusetzen und einen allfälligen Honoraranspruch der (…) zu überweisen. 

O.b Mit Zwischenverfügung vom 22. Juni 2022 entliess der Instruktions-

richter MLaw Sophia Delgado aus dem amtlichen Mandatsverhältnis und 

ordnete dem Beschwerdeführer antragsgemäss Rechtsanwältin Lara 

Märki als neue amtliche Rechtsbeiständin bei. 

P.  

Mit Eingabe vom 14. Mai 2023 liess die Rechtsvertreterin des Beschwer-

deführers dem Gericht ein Urteil des Verwaltungsgerichts H._______ vom 

9. Mai 2023 betreffend Familiennachzug zukommen. Zudem wurde erneut 

um Auskunft über den Stand des Verfahrens gebeten und eine Kostennote 

eingereicht. 

Q.  

Mit Schreiben vom 30. Mai 2023 übermittelte das Migrationsamt des Kan-

tons G._______ dem Gericht ebenfalls das Urteil des Verwaltungsgerichts 

vom 9. Mai 2023. Gleichzeitig erkundigte es sich über den Verfahrens-

stand. Diese Anfrage wurde vom Gericht mit Schreiben vom 8. Juni 2023 

beantwortet. 

R.  

Aus einer E-Mail-Anfrage des SEM an das Bundesverwaltungsgericht vom 

13. Juli 2023 geht hervor, dass der Beschwerdeführer beim Richteramt 

I._______ mit Eingabe vom 10. Mai 2023 einen Antrag um Feststellung 

seiner Identität eingereicht hat mit dem Ziel, seine – lediglich nach Brauch 

angetraute – Ehefrau offiziell heiraten zu können. 

  

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Seite 10 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das frühere Recht (vgl. 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 i.V.m. Art. 37 

VGG und Art. 48 Abs. 1). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

D-206/2021 

Seite 11 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führt das SEM aus, aufgrund von 

Zweifeln an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Herkunft habe 

es die Fachstelle Lingua damit beauftragt, entsprechende Abklärungen 

vorzunehmen. Zur Sicherstellung von Qualitätsstandards bei Lingua-Ana-

lysen sei die Aufnahme des Telefoninterviews zusätzlich von einer unab-

hängigen Partnerstelle aus den Niederlanden (INS) analysiert worden. So-

wohl die von Lingua beauftragte sachverständige Person «AS19» als auch 

der Experte des INS seien unabhängig voneinander zum selben Ergebnis 

gekommen. Gemäss dem von «AS19» erstellten Gutachten habe der Be-

schwerdeführer zwar eine Reihe von landeskundlich-kulturellen Kenntnis-

sen nachweisen können. Es hätten sich aber auch viele Lücken und Un-

stimmigkeiten gefunden, welche vor dem angegebenen biografischen Hin-

tergrund nicht erklärbar gewesen seien. Seine Sprache habe in allen ana-

lysierten Bereichen kaum Merkmale der Varietät von C._______, sondern 

überwiegend bis fast ausschliesslich Gemeinsamkeiten mit dem Lhasa-Di-

alekt aufgewiesen. Auch im Bericht des INS werde festgehalten, der Be-

schwerdeführer spreche ein Standardtibetisch, welches in der tibetischen 

Gemeinschaft in Indien oder Nepal gesprochen werde. Zudem seien die 

geographischen sowie kulturellen Kenntnisse hinsichtlich des angegebe-

nen Heimatorts gering und teilweise inkorrekt ausgefallen. Die beiden un-

abhängig voneinander erstellten Gutachten würden folglich das Resultat 

der vorangehenden Evaluation des Alltagswissens – welche zum Schluss 

gekommen sei, die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer im be-

haupteten geographischen Raum gelebt habe, sei klein – untermauern. Im 

Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs sei zunächst um vollum-

fängliche Einsicht in die Gutachten ersucht worden. Diesbezüglich sei er-

neut auf die nach wie vor aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts zu verweisen, weshalb dieses Gesuch abzulehnen sei. So-

dann werde auf die Kritik an der sachverständigen Person «AS19» in ei-

nem anderen Verfahren hingewiesen und Zweifel an deren Qualifikation 

geäussert. Die diesbezüglich eingereichten Beweismittel stünden aber in 

keinem Zusammenhang zum vorliegenden Asylverfahren. Die 

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Seite 12 

Anforderungen an die Offenlegung der Qualifikation und des Werdegangs 

von «AS19» seien erfüllt und dessen Kompetenz sei vom Bundesverwal-

tungsgericht in ständiger Rechtsprechung überprüft und bestätigt worden. 

Die nun vorgebrachten Beanstandungen gegenüber der sachverständigen 

Person seien nicht geeignet, dies in Frage zu stellen. Die Forderung nach 

einem weiteren Herkunftsgutachten durch eine andere sachverständige 

Person sei zudem bereits erfüllt worden, indem durch die Partnerstelle INS 

eine Zweitanalyse durchgeführt worden sei. Das Gesuch um eine erneute 

Lingua-Analyse sei daher abzulehnen. 

Hinsichtlich der im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs seitens 

des Beschwerdeführers vorgebrachten Korrekturen seiner Aussagen sei 

festzuhalten, dass nachträglich angebrachte zutreffende Angaben nicht 

gleich gewertet werden könnten wie korrekte Ausführungen anlässlich des 

Telefoninterviews. Ferner habe er erklärt, er habe den Interviewer am Te-

lefon wiederholt akustisch nicht gut verstanden und aus Nervosität sowie 

Respekt vor der Befragung nicht um Wiederholung gebeten. Gemäss der 

sachverständigen Person «TAS09» sei er jedoch mehrmals gebeten wor-

den, bei Unklarheiten nachzufragen; zudem habe er insgesamt einen ruhi-

gen Eindruck hinterlassen und weder nervös noch befangen gewirkt. Auch 

«AS19» habe im Lingua-Bericht festgehalten, die Interviewerin und der Be-

schwerdeführer hätten sich gut verstanden. Zu den Chinesisch-Kenntnis-

sen sei anzumerken, dass alle drei sachverständigen Personen unabhän-

gig voneinander zum Schluss gekommen seien, dass eine Person mit der 

Biografie des Beschwerdeführers gewisse Kenntnisse der chinesischen 

Sprache aufweisen müsste. Er habe aber mehrere geläufige Wörter aus 

dem Alltagswortschatz nicht gekannt und seine Chinesisch-Kenntnisse 

hätten nicht den Erwartungen entsprochen. Diese übereinstimmende Ein-

schätzung der Experten werde in der Stellungnahme nicht ansatzweise 

entkräftet. Insgesamt hielten die Ausführungen des Beschwerdeführers im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs den Ergebnissen der Abklärungen der 

Fachstelle Lingua sowie des INS nichts entgegen, was zu einer anderen 

Einschätzung hinsichtlich des Orts der hauptsächlichen Sozialisation füh-

ren könnte. Es sei ihm daher nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass 

er am angegebenen Ort hauptsozialisiert worden sei sowie zum angege-

benen Zeitpunkt aus den von ihm genannten Gründen aus der Volksrepub-

lik China ausgereist sei. 

Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass die vorgetragen 

Verfolgungsgründe den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht standhielten. 

Die betreffenden Aussagen wiesen nicht die Qualität auf, welche zu 

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Seite 13 

erwarten wäre, wenn der Beschwerdeführer die Ereignisse selbst erlebt 

hätte. Zudem könne den Akten seiner Ehefrau entnommen werden, dass 

deren Aussagen zu ihren Ausreisegründen als unglaubhaft eingestuft wor-

den seien. Die Schilderungen des Beschwerdeführers seien oberflächlich 

und stereotyp ausgefallen; sie enthielten auch kaum individuelle und sub-

jektiv geprägte Darstellungen. Insgesamt erwiesen sich weder die Verfol-

gungsvorbringen noch die Hauptsozialisierung in der Volksrepublik China 

als glaubhaft. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu-

gehen, dass er vor der Ankunft in der Schweiz in der exiltibetischen 

Diaspora gelebt habe. Mangels konkreter und glaubhafter Hinweise auf ei-

nen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat komme das SEM zu Schluss, 

dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe vorlägen, 

die gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort sprächen. Ei-

nem Einbezug des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft seiner 

Ehefrau stünden besondere Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG 

entgegen. Von solchen sei insbesondere dann auszugehen, wenn die fa-

miliären Beziehungen im Heimat- oder Herkunftsstaat der nicht verfolgten 

Person gelebt werden könnten. Die Mitwirkungspflichtverletzung des Be-

schwerdeführers hinsichtlich der Offenlegung seines tatsächlichen Her-

kunftsortes verunmögliche es, diese Voraussetzung zu prüfen. Folglich 

könne ihm kein Familienasyl gewährt werden. 

4.2 In der Beschwerde wird einleitend ausgeführt, die Vorinstanz stütze 

sich bei ihren Einschätzungen in erster Linie auf die Sprach- und Herkunfts-

gutachten, welche von der Fachstelle Lingua sowie der Partnerbehörde 

INS erstellt worden seien. Eine Beurteilung der Qualität der Gutachten sei 

– wie die versehentliche Offenlegung eines Lingua-Berichts von «AS19» in 

einem anderen Verfahren gezeigt habe – nur möglich, wenn diese selbst 

und nicht nur stark zusammenfassende Auszüge davon offengelegt wür-

den. Die Gefahr eines Lerneffekts bestehe nicht, da eine Person kaum ihre 

Sprache, wie etwa deren Morphosyntax, anpassen könne. Andere Ge-

heimhaltungsinteressen seien nicht ersichtlich und würden von der Vor-

instanz auch nicht vorgebracht. Vorliegend habe das Bundesverwaltungs-

gericht im vorangehenden Urteil bereits festgestellt, dass das SEM allein 

jene Elemente berücksichtigt habe, welche gegen die Herkunft aus Tibet 

sprächen, ohne diese gegen die korrekten Angaben des Beschwerdefüh-

rers abzuwägen. Nun werde erneut zu seinem Nachteil auf die Gutachten 

abgestellt, ohne diese vollständig offenzulegen. Es sei daher nicht möglich, 

zu diesen umfassend Stellung zu nehmen und insbesondere zu überprü-

fen, ob das SEM auch jene Elemente berücksichtigt und korrekt gewichtet 

habe, welche für seine Herkunft aus Tibet sprächen. Insbesondere das 

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Seite 14 

Zweitgutachten der Partnerbehörde INS sei nur äusserst knapp zusam-

mengefasst. Es bestünden gewichtige Interessen an einer vollumfängli-

chen Einsicht in die Gutachten, weshalb am entsprechenden Aktenein-

sichtsgesuch festgehalten werde. Sodann vermöge der generelle Hinweis 

des SEM auf den Werdegang und die Qualifikation von «AS19» angesichts 

der wissenschaftlich fundierten Kritik an der Qualität von dessen Arbeit 

nicht zu genügen. Die beanstandeten Punkte seien auch für das vorlie-

gende Asylverfahren relevant und es müsse davon ausgegangen werden, 

dass die fehlerhafte Methodik und insbesondere die mangelhafte Berück-

sichtigung des Gesamtkontextes in die linguistische Analyse der Sprache 

des Beschwerdeführers eingeflossen seien. Es lasse sich zudem nicht aus-

schliessen, dass auch das Lingua-Telefoninterview mangelhaft sei. Da sich 

die Vorinstanz somit auf ein unzureichendes Gutachten stütze, könne der 

Sachverhalt, soweit die Herkunft des Beschwerdeführers aus Tibet ver-

neint werde, nicht als vollständig abgeklärt gelten. Weiterhin würden über-

wiegend jene Elemente berücksichtigt, welche gegen die Herkunft aus Ti-

bet sprächen. Wenn das Gericht Zweifel an der vorgebrachten Herkunft 

habe, werde darum ersucht, ein neues Gutachten durch eine externe, un-

abhängige sachverständige Person einzuholen respektive eine externe 

Überprüfung des Gutachtens von «AS19» anzuordnen, wobei auch der In-

halt des Telefoninterviews und dessen Methodik zu überprüfen sei. In Be-

zug auf die Verständigung sei erneut festzuhalten, dass der Beschwerde-

führer den Interviewer wiederholt akustisch nicht gut verstanden habe, 

aber aus Nervosität und Respekt vor der Befragungssituation zu befangen 

gewesen sei, um Wiederholung zu bitten. Asylsuchende Personen wüss-

ten, dass Lingua-Gespräche oft mit einem negativen Entscheid einhergin-

gen, was ihn zusätzlich gestresst habe. Weiter sei in der Gesamtbeurtei-

lung ungenügend berücksichtigt worden, dass er eine Reihe von richtigen 

Angaben gemacht habe. Im Einzelnen werde auf die Ausführungen in der 

Stellungnahme vom 27. August 2018 verwiesen. Zwar gehe die Vorinstanz 

nun inhaltlich auf die Einwände ein, aber sie gewichte die korrekten Anga-

ben nicht ausreichend. Zudem erwähne sie verschiedene Punkte aus der 

Lingua-Abklärung, zu denen sich das Bundesverwaltungsgericht im Urteil 

D-987/2019 bereits geäussert habe, erneut als Elemente, welche gegen 

die angegebene Herkunft sprächen. Dieses Vorgehen sei unzulässig. Zahl-

reiche seiner Angaben seien zutreffend gewesen, etwa zur administrativen 

Einteilung, verschiedene Orts- und Distanzangaben, der Flussname, Aus-

sagen zum Bauen, der Landwirtschaft und zum Personalausweis sowie die 

Bezeichnung eines bekannten Kleidungsstücks. Dies spreche ebenso wie 

die Chinesisch-Kenntnisse des Beschwerdeführers für seine Sozialisation 

in Tibet. Demgegenüber habe er aufgrund von Konzentrationsschwierig-

D-206/2021 

Seite 15 

keiten, Blackouts oder schlichtweg seiner Biografie Fragen zu Bäumen im 

Wald, einem Wort für Brot, die zweite mögliche Farbe eines Kleidungs-

stücks sowie die genauen Daten eines (nach seiner Ausreise eingeführten) 

Abholzungsverbots, weiteren Ortsnamen und Distanzangaben sowie zum 

Datum des Schulfests nicht beantworten können. Bei der Gesamtbeurtei-

lung sei die Nervosität anlässlich des Telefoninterviews, der mehrjährige 

Aufenthalt in Nepal und die Angaben während der Asylanhörung zu berück-

sichtigen. Schliesslich sei die Qualität der linguistischen Abklärungsergeb-

nisse sowie die hierfür verwendete Methodologie höchst fraglich. 

Weiter erachte die Vorinstanz die Asylvorbringen des Beschwerdeführers 

als unglaubhaft. Diesbezüglich sei darauf hinzuweisen, dass der Hilfs-

werksvertretung (HWV) anlässlich der Anhörung verschiedene Mängel bei 

der Übersetzung aufgefallen seien. Dies sei bei der Beurteilung der Glaub-

haftigkeit nicht berücksichtigt worden. Es werde auch nicht weiter begrün-

det, weshalb die Ausführungen oberflächlich und stereotyp sein sollen. 

Vielmehr enthielten diese zahlreiche Details, direkte Rede und Umschrei-

bungen von Gefühlszuständen. Die vorhandenen Realkennzeichen seien 

zu wenig gewichtet worden und es sei nicht ersichtlich, weshalb die Aus-

sagen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Qualität nicht ge-

nügen sollten. Es sei ihm trotz den widrigen Umständen gelungen, seine 

Fluchtgründe in sich schlüssig, ausführlich und nachvollziehbar zu präsen-

tieren. Insgesamt habe er glaubhaft machen können, dass er aus Tibet ge-

flohen sei, weil seine Ehefrau Bilder des Dalai Lama und gesegnete Ge-

genstände verteilt habe und deswegen von den Behörden verfolgt worden 

sei. Er sei folglich als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewäh-

ren. Sollte davon ausgegangen werden, dass er im Zeitpunkt seiner Flucht 

keinen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt gewesen sei, so würde er auf-

grund seiner illegalen Ausreise die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. 

Wenn der Beschwerdeführer wider Erwarten nicht originär als Flüchtling 

anerkannt werden sollte, so sei ihm eventualiter gestützt auf Art. 51 Abs. 1 

AsylG die derivative Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen. Nach der 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sage die Lingua-Analyse 

respektive der Ort der Sozialisierung nichts über die Staatsangehörigkeit 

der betroffenen Person aus. Vorliegend besässen die Ehefrau und die Kin-

der des Beschwerdeführers die chinesische Staatsbürgerschaft und auch 

er selbst sei – wie sich aus den vorangehenden Ausführungen ergebe – 

chinesischer Staatsbürger. Selbst wenn von einer Sozialisierung in Indien 

oder Nepal ausgegangen würde, sei damit noch nicht erwiesen, dass er 

die Staatsangehörigkeit eines dieser Länder besitze. Die grosse Mehrheit 

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Seite 16 

der im Exil lebendenden Tibeter habe keine neue Staatsbürgerschaft er-

worben und eine andere als die chinesische Staatsangehörigkeit könne 

ohne triftige Anhaltspunkte weder als erwiesen noch als wahrscheinlich er-

achtet werden. Es gebe keine konkreten Hinweise dafür, dass er eine an-

dere Staatsangehörigkeit als seine Ehefrau und die gemeinsamen Kinder 

habe. Den mehrjährigen Aufenthalt in Nepal habe er von Anfang an offen-

gelegt. Das Vorliegen von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 

Abs. 1 AsylG, welche einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner 

Ehefrau entgegenstünden, sei zu verneinen. Überdies sei von einer durch 

Art. 8 EMRK geschützten Familiengemeinschaft zwischen dem Beschwer-

deführer, seiner Ehefrau und den beiden gemeinsamen Kindern auszuge-

hen. Letztere seien als Flüchtlinge anerkannt, weshalb ihnen ein gemein-

sames Familienleben im Ausland nicht ohne Weiteres zuzumuten respek-

tive im gemeinsamen Herkunftsland des Paares nicht möglich sei. Ferner 

wäre bei einer Wegweisung des Beschwerdeführers das Kindeswohl sei-

ner beiden Kinder stark gefährdet, was die Vorinstanz gänzlich unberück-

sichtigt gelassen habe. 

4.3 In der Beschwerdeergänzung vom 17. Juni 2021 wird auf das Interna-

tionale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Rassendiskrimi-

nierung (ICERD, SR 0.104) verwiesen. Gemäss den allgemeinen Empfeh-

lungen zu diesem müssten die Vertragsstaaten sicherstellen, dass die 

Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen freiwillig erfolge, und dass der 

Grundsatz des Non-Refoulement beachtet werde. Zudem dürften Nicht-

staatsangehörige nicht in ein Land oder Gebiet ausgewiesen oder abge-

schoben werden, in dem sie Gefahr liefen, schweren Menschenrechtsver-

letzungen ausgesetzt zu werden. Tibetern drohe in China eine systemati-

sche und schwerwiegende Diskriminierung, da die Behörden in den tibeti-

schen Gebieten die Religions-, Rede-, Bewegungs- und Versammlungs-

freiheit stark einschränkten. Zudem lägen in seinem Fall individuelle Flucht-

gründe vor und weder Nepal noch Indien stellten sichere Drittstaaten dar, 

da diese die Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert hätten und Tibeter nicht 

offiziell als Flüchtlinge anerkennen würden. Ohnehin würde er dort nicht 

aufgenommen werden, da er lediglich für kurze Zeit und ohne Aufenthalts-

bewilligung in Nepal gelebt habe. Das SEM ordne in zahlreichen Fällen von 

tibetischen Asylsuchenden eine Lingua-Analyse an und fälle gestützt da-

rauf negative Asylentscheide. Da der Inhalt dieser Gutachten grösstenteils 

geheim gehalten werde, könnten diese nicht verifiziert werden. In keinem 

anderen Rechtsgebiet würden aufgrund von solch undurchsichtigen und 

fragwürdigen Analysen derart weitreichende Entscheide gefällt. Die ver-

hältnismässig häufige Anordnung von Lingua-Analysen bei tibetischen 

D-206/2021 

Seite 17 

Asylsuchenden führe zu einer Benachteiligung gegenüber Asylsuchenden 

anderer Nationalitäten, weshalb von einer systematischen Diskriminierung 

gesprochen werden könne. Dies verstosse gegen die Art. 5 und 6 ICERD, 

weshalb – zur Behebung dieses Missstandes – erneut um vollständige Ein-

sicht in die Lingua-Analysen ersucht werde sowie um Gewährung der Ge-

legenheit, ein Gegengutachten einzureichen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so 

abgefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls 

sachgerecht anfechten kann. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen 

Überlegungen zu nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die 

sie ihren Entscheid stützt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

Die Asylbehörden stellen den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersu-

chungsgrundsatz, vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Sie müssen die 

für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die 

rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Be-

weis führen (vgl. dazu auch Art. 30-33 VwVG). Unrichtig ist die Sachver-

haltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger 

oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvoll-

ständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sach-

verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die 

Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. 

dazu BENJAMIN SCHINDLER, in Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar 

zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. Zü-

rich/St. Gallen 2019, Rz. 29 zu Art. 49).  

5.2 Bei einer Lingua-Analyse handelt es sich um eine Herkunftsabklärung, 

welche von einem amtsexternen, von der Fachstelle Lingua beauftragten 

und mit den erforderlichen Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten 

Sachverständigen durchgeführt wird. Eine Lingua-Analyse stellt zwar kein 

Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundes-

gesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, 

SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schriftliche Auskunft einer 

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Seite 18 

Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. So-

fern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität 

und Neutralität des Experten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und 

Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweis-

wert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1). Die Rechtsprechung de-

finierte ferner Mindeststandards, denen die Gewährung des rechtlichen 

Gehörs und der Akteneinsicht betreffend Lingua-Analysen zu genügen hat. 

Zwar stehen dem grundsätzlichen Anspruch auf Einsicht (Art. 26 VwVG) in 

Lingua-Analysen überwiegende öffentliche und private Geheimhaltungsin-

teressen entgegen, die eine Verweigerung der vollumfänglichen Offenle-

gung gegenüber den Asylsuchenden rechtfertigen (Art. 27 Abs. 1 VwVG). 

Dazu zählen namentlich die Verhinderung eines Lerneffektes und einer 

missbräuchlichen Weiterverbreitung des Fragenkatalogs, wodurch ähnli-

che Abklärungen in zukünftigen Verfahren erschwert oder verunmöglicht 

würden, sowie der Sicherheitsanspruch des Sachverständigen. Zur Wah-

rung des Anspruchs auf rechtliches Gehör muss der asylsuchenden Per-

son aber vom wesentlichen Inhalt des Gutachtens Kenntnis gegeben wer-

den, mit der Möglichkeit, sich dazu zu äussern (Art. 30 VwVG) und Gegen-

beweise zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Dazu muss die Behörde der asyl-

suchenden Person in zusammenfassender Weise die von der Fachperson 

gestellten Fragen und den wesentlichen Inhalt der darauf erhaltenen Ant-

worten sowie die weiteren in den Akten enthaltenen Beweiselemente, auf 

welche die Fachperson ihre Einschätzung stützt, offenlegen, etwa in einer 

aktenkundigen schriftlichen Notiz oder anlässlich der Gewährung des 

rechtlichen Gehörs im Rahmen einer zu protokollierenden mündlichen An-

hörung. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör ist gemäss Rechtsprechung 

nur dann Genüge getan, wenn den Betroffenen überdies Herkunft, Dauer 

und Zeitraum des Aufenthalts der sachverständigen Person im umstritte-

nen Herkunftsland oder -gebiet sowie deren Werdegang, auf den sich ihre 

Sachkompetenz abstützt, zur Kenntnis gebracht wird. Nur so können sich 

die Betroffenen und im Übrigen auch das Gericht klare Vorstellungen über 

die gutachterliche Qualifikation machen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1).  

5.3 Vorliegend verweigerte das SEM die vollumfängliche Einsicht in die drei 

erstellten Gutachten zur Herkunft des Beschwerdeführers (vgl. SEM-Akten 

B18, B57, B58). Zur Begründung führte es in seinen Schreiben vom 

22. September 2020 und 8. Oktober 2020 wesentliche öffentliche Geheim-

haltungsinteressen im Sinne von Art. 27 Abs. 1 VwVG an und verwies auf 

die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. SEM-Akten B59 und B62). 

An dieser oben skizzierten Rechtsprechung ist auch unter Berücksichti-

gung der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vorgebrachten Einwände 

D-206/2021 

Seite 19 

und Argumente festzuhalten. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen 

Gehörs setze das SEM den Beschwerdeführer über die zentralen Ele-

mente der Gutachten in Kenntnis und liess ihm Informationen zum Werde-

gang und zur Qualifikation der sachverständigen Personen zukommen 

(vgl. SEM-Akten B22 und B59). Zudem erhielt er die Möglichkeit, die Auf-

nahme des Lingua-Telefoninterviews anzuhören (vgl. SEM-Akte B62). Der 

Beschwerdeführer reichte daraufhin auch ausführliche, von ihm persönlich 

respektive seiner Rechtvertreterin verfasste Stellungnahmen ein (vgl. 

SEM-Akten B25 und B63). Zwar trifft es zu, dass das Gutachten der nie-

derländischen Partnerbehörde nur relativ kurz zusammengefasst wird. Das 

SEM wies diesbezüglich aber darauf hin, dass die von der sachverständi-

gen Person aufgeführten Lücken und Unstimmigkeiten hinsichtlich der lan-

deskundlich-kulturellen Kenntnisse weitgehend mit denjenigen überein-

stimmen, welche sich auch im Gutachten von «AS19» finden. Es erwies 

sich daher nicht als erforderlich, die betreffenden Punkte ein weiteres Mal 

zu wiederholen, da diese gegenüber dem Beschwerdeführer bereits offen-

gelegt wurden und er die Gelegenheit erhielt, dazu Stellung zu nehmen. 

Weiter lässt sich der angefochtenen Verfügung (vgl. dort Ziff. II) entneh-

men, dass das SEM verschiedene korrekte Angaben des Beschwerdefüh-

rers erwähnt und diese gegenüber den nach Einschätzung der sachver-

ständigen Personen unzutreffenden Aussagen abwägt. Ebenso werden die 

wesentlichen in den Stellungnahmen geäusserten Einwände aufgegriffen 

und in die Würdigung miteinbezogen. Anders als noch im ersten Asylent-

scheid vom 24. Januar 2019 konzentriert sich das SEM in der nunmehr 

angefochtenen Verfügung nicht mehr auf jene Elemente, welche gegen die 

Herkunft des Beschwerdeführers aus Tibet sprechen. Vielmehr erfolgte 

eine umfassende Beurteilung aller massgeblichen Umstände, unter Einbe-

zug derjenigen, die für die geltend gemachte Herkunft aus dem Kreis 

C._______ sprechen, wie etwa Kenntnisse von einigen Orten aus der Um-

gebung oder betreffend die Landwirtschaft. Eine weitergehende Offenle-

gung der Gutachten zur Sicherstellung, dass auch die für die angegebene 

Herkunft des Beschwerdeführers sprechenden Sachverhaltselemente aus-

reichend berücksichtigt respektive gewichtet werden, erweist sich daher 

als nicht erforderlich. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör ist mit der er-

folgten zusammenfassenden Bekanntgabe des wesentlichen Inhalts der 

Gutachten Genüge getan. 

5.4 Weiter wird beantragt, es sei Einsicht in die Korrespondenz des SEM, 

welche im Rahmen der Kritik an der Qualifikation von «AS19» und der von 

ihm verwendeten Methodik im Verfahren von N (…) geführt worden sei, zu 

gewähren. Diese Unterlagen betreffen indessen ein anderes Verfahren, in 

D-206/2021 

Seite 20 

welchem ein konkretes Lingua-Gutachten von «AS19» durch externe Tibe-

tologen überprüft und stark kritisiert worden war. Allfällige Korresponden-

zen des SEM in diesem Zusammenhang sind spezifisch für das erwähnte 

Verfahren und beziehen sich nicht auf den Beschwerdeführer und die in 

seinem Fall durchgeführten Herkunftsabklärungen. Zudem ist die Situation 

des Betroffenen in jenem Verfahren nicht direkt mit der vorliegenden Kons-

tellation vergleichbar. Entsprechend besteht keine Veranlassung, ihm die 

beantragte Einsicht in die Korrespondenz des SEM zu gewähren. 

Ferner ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht im Ver-

fahren betreffend N (…) zwischenzeitlich einen materiellen Entscheid ge-

fällt hat. Dabei setzte es sich im Urteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 (zur 

Publikation als Referenzurteil vorgesehen) eingehend mit der Qualifikation 

und Arbeitsweise der sachverständigen Person «AS19» auseinander. 

Nach einer umfassenden Prüfung des Werdegangs, der aktuellen berufli-

chen Tätigkeit sowie der wissenschaftlichen Reisetätigkeiten stellte es fest, 

dass «AS19» kompetent sei, eine fachlich korrekte, neutrale und objektive 

Lingua-Analyse zur Überprüfung der Sozialisation eines Asylsuchenden in 

der Autonomen Region Tibet vorzunehmen (vgl. a.a.O. E. 7.4.2). Weiter 

wurde festgehalten, dass die Arbeitsweise der Fachstelle Lingua in zwei 

Forschungsprojekten untersucht worden sei und diese die daraus resultie-

renden Empfehlungen umgesetzt habe. Lingua arbeite laufend an der Op-

timierung der allgemeinen Methodik und werde in einer dieser Studien als 

«best practice» im Bereich von LADO (language analysis for the determi-

nation of origin) bezeichnet (vgl. a.a.O. E. 7.8). Die Qualität der von 

«AS19» erstellten Lingua-Analysen sei somit nicht grundsätzlich zu bean-

standen, was jedoch nichts daran ändere, dass diese in jedem Einzelfall 

auf ihre Aussagekraft hin geprüft werden müssten (vgl. a.a.O. E. 7.9).  

5.5 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass die von «AS19» er-

stellte Analyse nachvollziehbar und schlüssig erscheint. Anhand der bio-

grafischen Angaben des Beschwerdeführers wurden Erwartungen an seine 

Sprache sowie an seine landeskundlich-kulturellen Kenntnisse formuliert. 

In der Folge mass die sachverständige Person seine Aussagen während 

des Lingua-Telefoninterviews an diesen Erwartungen. Dabei hielt sie etwa 

fest, aufgrund der Angabe, dass er vor der Ausreise nur in seinem Heimat-

kreis gelebt habe, sei nicht anzunehmen, dass seine Sprache von anderen 

Varietäten nennenswert geprägt worden sei. Allerdings wäre es nicht als 

überraschend anzusehen, wenn er während des Aufenthalts in Nepal und 

der Schweiz im Kontakt mit Exiltibetern gewisse exiltibetische Merkmale in 

seine Sprechweise aufgenommen hätte. Solche seien am ehesten auf der 

D-206/2021 

Seite 21 

Ebene des Lexikons, jedoch weniger im Bereich der Phonetik/Phonologie 

und der Morphologie/Morphosyntax zu erwarten, da der Aufenthalt im Exil 

verhältnismässig kurz gewesen sei und er Tibet gemäss eigenen Angaben 

in einem Alter verlassen habe, in dem seine Sprache nicht mehr so emp-

fänglich für Veränderungen gewesen sein dürfte. Bei der Beurteilung wurde 

auch ein eventueller Akkomodationseffekt an die Sprache der Interviewerin 

berücksichtigt. Schliesslich wurden im Lingua-Gutachten nicht nur die As-

pekte abgehandelt, welche gegen eine Sozialisation in der angeblichen 

Heimatregion sprechen, sondern auch diejenigen, welche dafür sprechen. 

Die Analyse erscheint damit inhaltlich ausgewogen. Die Anforderungen an 

die Erstellung eines Lingua-Berichts sind hinsichtlich des von «AS19» er-

stellten Gutachtens als erfüllt zu erachten und es besteht keine Veranlas-

sung, dieses von einem unabhängigen, externen Experten überprüfen zu 

lassen. Die gegen die Aussagekraft der Lingua-Analyse vorgebrachten 

Einwände – im Wesentlichen grundsätzliche Zweifel an der Arbeit von 

«AS19» aufgrund der Kritik von Tibetologen an einem von diesem erstell-

ten Gutachten im Rahmen eines anderen Verfahrens – vermögen insge-

samt nicht zu überzeugen. Es ist davon auszugehen, dass die sachver-

ständige Person über die erforderlichen Qualifikationen und Kompetenzen 

verfügt, um die von Beschwerdeführer geltend gemachte Herkunft zu be-

urteilen. Der Analyse ist folglich erhöhter Beweiswert beizumessen. 

5.6 Ferner wird beantragt, es sei ein Gutachten von einer externen, unab-

hängigen Person einzuholen oder dem Beschwerdeführer die Möglichkeit 

einzuräumen, ein Gegengutachten einzureichen. Das SEM wies jedoch zu 

Recht darauf hin, dass es diesem Begehren mit der Einholung eines Zweit-

gutachtens durch die niederländische Partnerbehörde INS bereits nachge-

kommen sei. Deren Gutachten bestätigt die Ergebnisse der von der Fach-

stelle Lingua erstellten Analyse vollumfänglich, wobei es sich inhaltlich als 

etwas weniger ausführlich und detailliert erweist. Dies ändert indessen 

nichts daran, dass die Vorinstanz zur Qualitätssicherung ein weiteres Gut-

achten durch eine unabhängige Stelle eingeholt hat und damit ihrer Unter-

suchungspflicht nachgekommen ist. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern ein 

zusätzliches Gutachten oder ein vom Beschwerdeführer in Auftrag gege-

benes Gegengutachten zur Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

erforderlich sein sollte. 

5.7 Schliesslich wird eine (drohende) Verletzung des ICERD geltend. Dies-

bezüglich ist festzuhalten, dass die von ihm vorgebrachte systematische 

Diskriminierung von Personen tibetischer Ethnie in der Volksrepublik China 

für den vorliegenden Fall nicht von Relevanz ist, da der Vollzug der Weg-

D-206/2021 

Seite 22 

weisung dorthin vom SEM ausgeschlossen wurde. Entgegen der in der Be-

schwerdeergänzung vertretenen Auffassung stellt der Umstand, dass bei 

tibetischen Asylsuchenden vergleichsweise oft Lingua-Gutachten angeord-

net würden, keine Diskriminierung dar. Weitere Abklärungen zur Herkunft 

werden von der Vorinstanz angeordnet, wenn Zweifel an der geltend ge-

machten Herkunft bestehen und Untersuchungsmassnahmen wie ein Lin-

gua-Gutachten geeignet erscheinen, den Sachverhalt umfassend abzuklä-

ren. Die Anordnung eines entsprechenden Gutachtens stützt sich somit auf 

sachliche Gründe und erfolgt nicht bereits allein aufgrund der tibetischen 

Ethnie eines Gesuchstellers. Von einer nicht gerechtfertigten Ungleichbe-

handlung respektive einer Diskriminierung gegenüber Asylsuchenden an-

derer Ethnien kann daher nicht die Rede sein. Entsprechend kann der Be-

schwerdeführer aus dem ICERD nichts zu seinen Gunsten ableiten. 

5.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Anspruch des Beschwer-

deführers auf rechtliches Gehör nicht verletzt ist und sich der Sachverhalt 

als richtig und vollständig festgestellt erweist. Die Anträge auf vollumfäng-

liche Offenlegung der Herkunftsakten sowie Einsicht in die betreffend die 

Qualifikation von «AS19» geführte Korrespondenz des SEM sind abzuwei-

sen, ebenso der Antrag auf Durchführung einer weiteren Lingua-Analyse 

respektive Einräumung der Möglichkeit zur Einreichung eines Gegengut-

achtens. Es besteht auch keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

6.  

6.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts wird bei Personen ti-

betischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, 

vermutungsweise davon ausgegangen, dass keine flüchtlings- oder weg-

weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen 

Aufenthaltsort bestehen, zumal die Abklärungspflicht der Asylbehörden 

ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person findet. 

Verunmöglicht ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner 

Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in seinem 

Herkunftsstaat innehat, kann namentlich keine Drittstaatenabklärung im 

Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheimli-

chung und Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der 

Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives 

Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 

D-206/2021 

Seite 23 

Vor diesem Hintergrund kommt der Frage, ob eine asylsuchende Person 

tatsächlich aus der Autonomen Region Tibet in der Volksrepublik China 

stammt, eine entscheidende Bedeutung zu. 

6.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Identität des Beschwerdeführers nicht 

feststeht. Er reichte weder Ausweisdokumente noch andere Beweismittel 

ein, die geeignet wären, etwas zur Klärung seiner Identität und Herkunft 

beizutragen. Eigenen Angaben zufolge verfügte er nie über einen Pass, 

aber er war im Besitz einer chinesischen Identitätskarte. Diese habe jedoch 

der Onkel seiner Ehefrau, welcher sie nach Nepal gebracht habe, an sich 

genommen, da es gefährlich gewesen wäre, eine solche mit sich zu führen 

(vgl. SEM-Akte B6, Ziff. 4.03). Während der BzP erwähnte der Beschwer-

deführer zudem ein Familienbüchlein (vgl. SEM-Akte B6, Ziff. 4.07), wobei 

sich den Akten – abgesehen von der vagen Angabe, er habe einen Händler 

um Hilfe gebeten – keine konkreten Bemühungen entnehmen lassen, die-

ses respektive eine Kopie davon zu beschaffen (vgl. SEM-Akte B14, 

F85 ff.).  

6.3  

6.3.1 Hinsichtlich der Fluchtgründe wies das SEM zutreffend darauf hin, 

dass die betreffenden Ausführungen des Beschwerdeführers nicht zu über-

zeugen vermögen. So machte er eine drohende Reflexverfolgung durch 

die chinesischen Behörden geltend, weil seine Ehefrau Bilder des Dalai 

Lama und gesegnete Kügelchen verteilt habe. Aus den Asylakten der Ehe-

frau geht indessen hervor, dass es ihr nicht gelungen ist, ihre Vorbringen 

glaubhaft zu machen. Ihre Schilderungen wurden vom damaligen BFM als 

oberflächlich, stereotyp und teilweise widersprüchlich eingestuft (vgl. SEM-

Akte A26), wobei die betreffende Verfügung unangefochten in Rechtskraft 

erwuchs. Auch den Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen Asylgrün-

den fehlt es weitgehend an Substanz. Trotz gewissen Realkennzeichen, 

etwa der Wiedergabe direkter Rede, finden sich in seinen Ausführungen 

kaum persönliche Eindrücke oder Überlegungen dazu, wie der umgehende 

Entscheid zur Ausreise getroffen worden sein soll. Er führte lediglich aus, 

verschiedene anwesende Verwandte hätten sich beraten und bereits etwa 

eine Stunde, nachdem er und seine Ehefrau nach Hause gekommen seien, 

seien sie aufgebrochen (vgl. SEM-Akte B14, F88, F92). Diesbezüglich ist 

zu erwähnen, dass die Ehefrau ihrerseits zwar an der Anhörung erklärte, 

sie seien noch gleichentags abgereist, während sie bei der BzP angab, 

dass sie ihr zu Hause erst am folgenden Tag verlassen hätten (vgl. SEM-

Akten A24, F88, F95 f. und A6, Ziff. 7.01). Zudem erwähnte sie nicht, dass 

an jenem Tag, als der Entscheid zur Ausreise gefallen sei, neben ihren 

D-206/2021 

Seite 24 

Eltern noch weitere Verwandte anwesend gewesen seien (vgl. SEM-Akte 

A24, F85, F92). Demgegenüber erklärte der Beschwerdeführer, zwei Onkel 

der Ehefrau und seine Eltern seien ebenfalls dort gewesen (vgl. SEM-Akte 

B14, F102). Da innerhalb von dieser kurzen Zeit über die Frage entschie-

den worden sein soll, ob sie ihren Heimatstaat verlassen, wäre zu erwarten 

gewesen, dass sie sich (übereinstimmend) an die konkreten Gegebenhei-

ten dieses Tages erinnern können. Sodann führte das SEM zutreffend aus, 

es fehle der Schilderung der Situation, wie der Beschwerdeführer und 

seine Ehefrau deren Eltern nach dem Erscheinen der chinesischen Polizis-

ten angetroffen hätten, an persönlichen Bezügen und Empfindungen (vgl. 

SEM-Akte B14, F88 ff.). Insbesondere eine Beschreibung der Reaktion der 

Ehefrau – deren betagte Eltern durch Sicherheitskräfte geschlagen worden 

sein sollen – findet sich weder in den Darstellungen des Beschwerdefüh-

rers noch in ihrem eigenen Anhörungsprotokoll (vgl. SEM-Akten B24, 

F81 ff., F85 und A24, F55, F69; F85). Insgesamt ist die Einschätzung der 

Vorinstanz zu bestätigen, wonach die Aussagen des Beschwerdeführers 

nicht die Qualität aufweisen, welche bei der Darstellung eines selbst erleb-

ten, einschneidenden Ereignisses zu erwarten gewesen wäre. Somit ge-

nügen die vorgebrachten Asylgründe den Anforderungen an das Glaub-

haftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht. 

6.3.2 An dieser Einschätzung vermögen auch die in der Beschwerde gel-

tend gemachten Übersetzungsprobleme nichts zu ändern. Zwar trifft es zu, 

dass die HWV auf dem Unterschriftenblatt anmerkte, der Dolmetscher 

habe wiederholt gesagt, er habe etwas nicht richtig verstanden und über-

setze, wie er es gehört habe. Weiter wurde ausgeführt, der Dolmetscher 

habe den Beschwerdeführer längere Ausführungen machen lassen, was 

dazu geführt habe, dass er bei der Übersetzung ab und zu den Faden ver-

loren habe (vgl. SEM-Akte B14, S. 20). Demgegenüber hielt die Fachspe-

zialistin des SEM in einer Aktennotiz fest, sie könnte die auf dem Unter-

schriftenblatt der HWV festgehaltenen Einschätzungen nicht teilen und der 

Dolmetscher habe auf sie einen sehr kompetenten Eindruck gemacht. Bei 

Nachfragen des Dolmetschers sei es jeweils um Detailangaben zu einzel-

nen Wörtern gegangen und die Erzählsequenzen des Beschwerdeführers 

seien ihr nicht übermässig lang erschienen (vgl. SEM-Akte B15). Dem Un-

terschriftenblatt der HWV lassen sich keine Angaben zu konkreten Passa-

gen entnehmen, bei welchen die Übersetzung problematisch gewesen sein 

soll. Weiter gehen aus dem Anhörungsprotokoll keine Hinweise auf mass-

gebliche Übersetzungs- oder Verständigungsprobleme hervor. In der Be-

schwerde wird diesbezüglich eine Stelle erwähnt, an welcher der Dolmet-

scher die Angabe «siebter» respektive «neunter» Monat als «Juli» 

D-206/2021 

Seite 25 

respektive «September» übersetzt habe (vgl. SEM-Akte B14, F113), was 

den Inhalt des Gesagten grundsätzlich verändert habe. Letzteres trifft im 

Kontext der Aussage zwar zu, allerdings dürfte es sich dabei um ein blos-

ses Missverständnis gehandelt haben. Es lässt sich daraus nicht ableiten, 

dass es bei der Übersetzung zu grundsätzlichen Problemen gekommen 

sein soll, welche Zweifel an der Korrektheit des Protokolls aufkommen las-

sen würden. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass eine allfällige ungenaue 

Übersetzung nicht zu erklären vermöchte, weshalb der Beschwerdeführer 

und seine Ehefrau nicht vollumfänglich übereinstimmende Angaben zu den 

Ereignissen vor der Ausreise gemacht haben. 

6.4  

6.4.1 Zur Abklärung der Herkunft des Beschwerdeführers liess das SEM 

verschiedene Gutachten erstellen. Bereits die erste von der Fachstelle Lin-

gua beauftragte Person «TAS09» kam im Rahmen einer Evaluation des 

Alltagswissens zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwer-

deführer in der von ihm angegebenen Region sozialisiert worden sei, sei 

klein. Den Schlussfolgerungen dieses ersten Gutachtens konnte das Ge-

richt indessen aufgrund der damaligen Aktenlage nicht vorbehaltslos zu-

stimmen (vgl. dazu Urteil D-987/2019 vom 7. Juli 2019 E. 6.8). In der Folge 

beauftragte das SEM die Fachstelle Lingua mit der Erstellung eines weite-

ren Gutachtens, in welchem sowohl die landeskundlich-kulturellen Kennt-

nisse als auch die Sprache des Beschwerdeführers untersucht wurden. 

Wie oben dargelegt (vgl. E. 5.5), ist die betreffende, von «AS19» erstellte 

Analyse als inhaltlich schlüssig und ausgewogen zu erachten und die sach-

verständige Person erfüllt die Anforderungen an die fachliche Qualifikation, 

Objektivität und Neutralität. Der Analyse kommt somit ein erhöhter Beweis-

wert zu. Darin wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer zwar gewisse 

landeskundlich-kulturellen Kenntnisse zur angegebenen Heimatregion vor-

gewiesen habe. Dies betrifft namentlich eine Reihe von Orten, eine Dis-

tanzangabe aus der weiteren Umgebung und Angaben zur Landwirtschaft. 

Solches faktisches Wissen könne in Tibet selbst oder ausserhalb erworben 

worden sein. Seine Kenntnisse hätten aber auch verschiedene Lücken und 

Unstimmigkeiten aufgewiesen. So seien ihm verschiedene Eigenheiten 

aus der näheren Umgebung unbekannt gewesen, etwa tibetische Orts- und 

Flussnamen. Zudem habe er falsche Angaben dazu gemacht, wie ein nahe 

gelegenes Dorf zu erreichen sei. Einerseits habe er die Entfernung zu die-

sem falsch angegeben, anderseits habe er unzutreffenderweise verneint, 

dass hierfür der grosse Fluss überquert werden müsse. Ausserdem konnte 

er nur einen einzigen Baum nennen, der im Wald wächst. Seine diesbe-

zügliche Erklärung, dass er auf Nachfrage auch noch Obstbäume hätte 

D-206/2021 

Seite 26 

nennen können, überzeugt dabei nicht. Er will für rund 30 Jahre in einem 

kleinen Dorf, das von Wald umgeben sei, gelebt haben (vgl. SEM-Akte 

B14, F66). Es wäre daher durchaus zu erwarten gewesen, dass er mehr 

als eine Baumart nennen kann. Ebenfalls als nicht nachvollziehbar erweist 

sich das fehlende Wissen zum Schulsystem, etwa zum Datum des Schul-

festes oder der Frage, ob sich in der Gemeindehauptstadt eine Mittelschule 

befinde. Selbst wenn der Beschwerdeführer selbst nur kurze Zeit die 

Schule besucht hätte, ist schwer vorstellbar, dass er danach keinen Kon-

takt mehr zu Familien gehabt hätte, deren Kinder die Schule besuchen. 

Dabei ist zu beachten, dass sein angebliches Herkunftsdorf in unmittelba-

rer Nähe des Gemeindehauptortes – und nicht etwa in einer abgelegenen 

ländlichen Gegend – liegt, weshalb angenommen werden kann, dass er 

mitbekommen hätte, wann das Schulfest stattfindet und welche Schulen 

dort besucht werden können. Insgesamt erscheint die Feststellung im Gut-

achten, dass die Lücken und Unstimmigkeiten vor dem biografischen Hin-

tergrund des Beschwerdeführers nicht erklärbar seien und es häufig an 

Detailwissen gefehlt habe, das bei einem Einheimischen zu erwarten wäre, 

auch unter Berücksichtigungen von dessen Einwänden als nachvollzieh-

bar. Es kann auch nicht von einer ungenügenden Gewichtung der korrek-

ten Angaben ausgegangen werden. 

6.4.2 Weiter wies die Sprache des Beschwerdeführers gemäss dem Gut-

achten von «AS19» auf der Ebene der Phonetik/Phonologie kaum Gemein-

samkeiten mit dem Dialekt von C._______ auf, sondern stimmte überwie-

gend mit dem Dialekt von Lhasa, auf welchem die exiltibetische Koine be-

ruhe, überein. Im Bereich der Morphologie/Morphosyntax sowie des Lexi-

kons hätten sich fast ausschliesslich Formen des Lhasa-Dialektes gefun-

den. Dieser Befund entspreche nicht den Erwartungen und könne mit der 

angegebenen Biografie nicht erklärt werden. Diesbezüglich werden – ins-

besondere unter Hinweis auf ein anderes Verfahren – grundsätzliche Zwei-

fel an der Qualifikation und Arbeitsweise der sachverständigen Person 

«AS19» vorgebracht. Wie oben dargelegt wurde, erweisen sich diese je-

doch als unbegründet (vgl. E. 5.5 f.). Inhaltlich wird der Einschätzung des 

Experten nichts Massgebliches entgegengehalten. Zudem liess das SEM 

durch eine Partnerbehörde ein Zweitgutachten erstellen, welches ebenfalls 

eine linguistische Analyse vornahm und dabei zum gleichen Ergebnis kam 

wie das von «AS19» verfasste Gutachten. Es wird darin insbesondere fest-

gehalten, die Sprache des Beschwerdeführers entspreche nicht der erwar-

teten Varietät, wie sie am behaupteten Herkunftsort gesprochen werde. 

Vielmehr verwende er ein Standardtibetisch, das mit jenem übereinstimme, 

welches ausserhalb von Tibet (Indien/Nepal) gesprochen werde. Diese 

D-206/2021 

Seite 27 

klaren Schlussfolgerungen der linguistischen Analysen sprechen deutlich 

gegen die geltend gemachte Herkunft aus dem Kreis C._______. 

6.5 Zusammenfassend sind hinsichtlich der Lingua-Analyse von «AS19» 

keine Mängel auszumachen, welche Zweifel an der inhaltlichen Richtigkeit 

und Vollständigkeit aufkommen lassen und deren Ergebnis in Frage stel-

len. Die Schlussfolgerungen dieses Gutachtens stehen in Einklang mit der 

Evaluation des Alltagswissens von «TAS09» und werden zusätzlich durch 

das von der niederländischen Partnerbehörde INS erstellte Zweitgutachten 

bestätigt. Zudem erweisen sich die Angaben des Beschwerdeführers zu 

seinen Fluchtgründen als unglaubhaft. Vor diesem Hintergrund ist nicht da-

von auszugehen, dass er tatsächlich aus der von ihm angegebenen Region 

stammt und im Dorf B._______ im Kreis C._______ sozialisiert worden ist. 

Das Bundesverwaltungsgericht erachtet weder die geltend gemachten 

Asylgründe noch die illegale Ausreise aus der Volksrepublik China – wel-

chen nach dem Gesagten die Grundlage entzogen ist – als glaubhaft ge-

macht. 

6.6  

6.6.1 Aufgrund der Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-

von auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der 

Schweiz längere Zeit in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte 

exiltibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordame-

rika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher zu vermuten, dass er in 

Indien oder Nepal aufgewachsen ist beziehungsweise dort während vieler 

Jahre gelebt hat. Angesichts dieser Ausgangslage wäre von Bedeutung, 

ob er über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prüfung 

der Drittstaatsregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG zur Folge hätte, 

oder ob er die Staatsangehörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, in 

welchem Fall das Vorliegen einer asylrechtlich relevanten Gefährdung im 

betreffenden Staat zu prüfen wäre. 

6.6.2 Der Beschwerdeführer hat – wie bereits vorstehend erwogen – keine 

Identitätspapiere oder anderen Dokumente eingereicht, die Rückschlüsse 

auf seine Staatsangehörigkeit (und damit einen Teilaspekt seiner Identität) 

zuliessen. Da er bis zum Urteilszeitpunkt auch keine konkreten Bemühun-

gen aufzeigte, entsprechende Beweismittel beizubringen, hat er die ihm 

gemäss Art. 8 AsylG obliegende Mitwirkungspflicht verletzt und dadurch 

den Behörden nähere Abklärungen und eine Rückschaffung in seinen tat-

sächlichen Herkunftsstaat verunmöglicht. Durch die Verletzung dieser 

Pflicht verhindert er auch die Abklärung, welchen effektiven Status er in 

D-206/2021 

Seite 28 

Indien oder Nepal innehat. Er hat die Folgen dieses Verhaltens zu verant-

worten und es ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flücht-

lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den 

bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 

6.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaub-

haft zu machen vermag. Die Vorinstanz hat daher zu Recht seine originäre 

Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen 

ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt, wenn keine besonderen Umstände da-

gegensprechen. Diese Bestimmung ist auch dann anwendbar, wenn die in 

der Schweiz als Flüchtling anerkannte Person lediglich vorläufig aufge-

nommen wurde und sich das einzubeziehende Familienmitglied in der 

Schweiz aufhält (vgl. BVGE 2019 VI/8 E. 4.1). 

7.2 Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 51 Abs. 1 AsylG 

entgegenstehende besondere Umstände sind gemäss Rechtsprechung 

unter anderem anzunehmen, wenn die in die Flüchtlingseigenschaft einzu-

beziehende Person eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als die als 

Flüchtling anerkannte Person, und die Familie in diesem Staat nicht ge-

fährdet ist. Wenn es den Asylbehörden aufgrund täuschender oder unsub-

stantiierter Angaben nicht möglich ist, die tatsächliche Herkunft festzustel-

len, kann auch nicht überprüft werden, ob sich die Familie der um Einbezug 

ersuchenden Person in einem Staat niederlassen könnte, dessen Staats-

angehörigkeit diese allenfalls besitzt. Diese Art der Mitwirkungspflichtver-

letzung, welche es den schweizerischen Asylbehörden verunmöglicht, eine 

entsprechende Prüfung vorzunehmen, stellt einen besonderen Umstand 

im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG dar, welcher der Familienzusammenfüh-

rung entgegensteht (vgl. Urteil des BVGer E-1472/2019 vom 15. März 

2022 E. 9.3 m.H.a. BVGE 2020 VI/6 E. 9.10). 

7.3 Der Beschwerdeführer ist eigenen Angaben zufolge seit dem 

Jahr 2010 nach Brauch mit D._______, deren Flüchtlingseigenschaft von 

der Schweiz anerkannt wurde, verheiratet. Sie leben zusammen mit ihren 

Kindern E._______ und F._______ – die Vaterschaft wurde vom Beschwer-

deführer anerkannt respektive gerichtlich festgestellt – in einem gemeinsa-

men Haushalt. Zwischenzeitlich verfügen sowohl die Ehefrau als auch die 

beiden Kinder über eine Aufenthaltsbewilligung B. Wie oben dargelegt 

D-206/2021 

Seite 29 

wurde, ist indessen davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine 

tatsächliche Herkunft und seinen Aufenthaltsort vor der Einreise in der 

Schweiz zu verschleiern versucht. Auch wenn das SEM die Möglichkeit ei-

ner chinesischen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers nicht aus-

geschlossen und von der Anordnung eines Wegweisungsvollzugs in die 

Volksrepublik China ausdrücklich abgesehen hat, lässt dies nicht den 

Schluss zu, dass er über keine andere Staatsbürgerschaft als seine Ehe-

frau verfügt. Vielmehr steht aufgrund der vorliegenden Aktenlage weder die 

Herkunft noch die Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers fest. Das 

Gericht gelangt daher in Einklang mit der Vorinstanz zum Schluss, dass er 

seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nicht ausreichend nachge-

kommen ist. Dadurch verunmöglicht er die Prüfung, ob sich seine Familie 

in einem Staat niederlassen könnte, dessen Staatsangehörigkeit er allen-

falls besitzt. Es liegen somit besondere Umstände im Sinne von Art. 51 

Abs. 1 AsylG vor, welche dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft sei-

ner Ehefrau entgegenstehen. Der Beschwerdeführer hat die Folgen dieser 

Verletzung der Mitwirkungspflicht zu tragen und es ist nicht weiter auf die 

Frage, ob eine Niederlassung der Familie in einem anderen Staat möglich 

wäre, einzugehen (vgl. Urteile des BVGer E-1472/2019 vom 15. März 2022 

E. 9.4.3 und E-5398/2018 vom 2. November 2020 E. 6.5 f). 

7.4 Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Voraussetzungen für einen Ein-

bezug des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft von 

D._______ als nicht gegeben erachtet und einen derivativen Anspruch ge-

mäss Art. 51 Abs. 1 AsylG verneint. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG).  

8.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Wegweisung aus der 

Schweiz verletze sein Recht auf Familienleben, da seine Ehefrau sowie die 

beiden gemeinsamen Kinder in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilli-

gung verfügen. 

8.3 In Art. 14 Abs. 1 AsylG wird der sogenannte Grundsatz des Vorrangs 

des Asylverfahrens (gegenüber ausländerrechtlichen Verfahren) festge-

setzt. Demnach kann eine asylsuchende Person ab Einreichung des Asyl-

gesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig angeordneten 

D-206/2021 

Seite 30 

Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anord-

nung einer Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kein Ver-

fahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung ein-

leiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf deren Erteilung. Ist dies der 

Fall, geht die Zuständigkeit, die Wegweisung aus der Schweiz zu verfügen, 

von den Asylbehörden auf die kantonale Ausländerbehörde über, welche 

über die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu befinden hat (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2013/37 E. 4.4). 

Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist keine Wegweisung zu verfügen, 

wenn die asylsuchende Person im Besitz einer Aufenthalts- oder Nieder-

lassungsbewilligung ist (Art. 32 Abs. 1 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]), oder wenn Anspruch auf Erteilung 

einer solchen besteht (vgl. BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dabei fällt es in 

die Zuständigkeit der kantonalen Ausländerbehörde, über einen entspre-

chenden Anspruch konkret zu befinden. Das Bundesverwaltungsgericht 

hebt die Anordnung einer Wegweisung auf, wenn die folgenden Vorausset-

zungen erfüllt sind: Eine vorfrageweise Prüfung ergibt, dass sich der Be-

schwerdeführer auf einen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung ge-

stützt auf Art. 8 EMRK berufen kann, es wurde bei der kantonalen Behörde 

ein entsprechender Antrag auf eine Aufenthaltsbewilligung gestellt und das 

Verfahren ist noch pendent (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). 

8.4 D._______ reichte beim Migrationsamt G._______ am 2. Februar 2021 

ein (zweites) Familiennachzugsgesuch zugunsten des Beschwerdeführers 

ein. Nachdem das Migrationsamt mit Verfügung vom 8. März 2022 auf das 

Gesuch nicht eintrat, erhob sie beim Verwaltungsgericht H._______ Be-

schwerde gegen diesen Entscheid. In seinem Urteil vom 9. Mai 2023 stellte 

dieses fest, dass der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK vorliegend er-

öffnet sei und sich gestützt auf diese Bestimmung grundsätzlich ein An-

spruch auf Familiennachzug ergebe. Folglich sei die Vorinstanz zu Unrecht 

auf das Familiennachzugsgesuch nicht eingetreten. Es hob den angefoch-

tenen Entscheid daher auf und wies die Sache an die Vorinstanz zurück. 

Diese werde umfassend zu prüfen haben, ob der Familiennachzug zu ge-

währen sei oder ob sich die Verweigerung allenfalls gestützt auf Art. 8 

Abs. 2 EMARK rechtfertige (vgl. zum Ganzen Urteil des Verwaltungsge-

richts H._______ vom 9. Mai 2023 E. 3.4.2 und 3.5, BVGer-act. 16). 

8.5 Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass das zuständige kanto-

nale Verwaltungsgericht einen grundsätzlichen Anspruch auf Familien-

nachzug gestützt auf Art. 8 EMRK bejaht hat. Die Prüfung des Anspruchs 

D-206/2021 

Seite 31 

fällt mithin in die Zuständigkeit des Migrationsamts G._______, wo die Sa-

che nach dem erwähnten Rückweisungsentscheid vom 9. Mai 2023 derzeit 

noch hängig ist. In Anwendung der vorstehend dargelegten Rechtspre-

chung (vgl. E. 8.3) ist die angefochtene Verfügung hinsichtlich der Wegwei-

sung und des Vollzugs (Dispositivziffern 3 bis 6) daher aufzuheben. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen 

ist, soweit die Aufhebung der Dispositivziffern 3–6 der angefochtenen Ver-

fügung beantragt wurde. Im Übrigen ist sie abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die reduzierten Kosten 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm je-

doch mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2021 die unentgeltliche Pro-

zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Ver-

fahrenskosten zu erheben. 

10.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG kann die 

Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes 

wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen not-

wendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die 

Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Regle-

ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der Kosten-

note vom 15. Mai 2023 ausgewiesene Aufwand von Fr. 4'265.– erweist sich 

als angemessen. Die um die Hälfte reduzierte Parteienschädigung beläuft 

sich somit auf Fr. 2'133.– (inkl. Auslagen) und geht zulasten des SEM. 

10.3 Zu Beginn des Verfahrens wurde der Beschwerdeführer von MLaw 

Sophia Delgado von der (…) vertreten. Diese wurde ihm mit Zwischenver-

fügung vom 28. Januar 2021 auch als amtliche Rechtsbeiständin beigeord-

net. Mit Schreiben vom 24. Mai 2022 ersuchte sie um Entlassung aus dem 

amtlichen Mandat und bat darum, Rechtsanwältin Lara Märki als neue 

Rechtsbeiständin einzusetzen und einen allfälligen Honoraranspruch der 

(…) zu überweisen. Der Instruktionsrichter bewilligte mit Zwischenverfü-

gung vom 22. Juni 2022 den beantragten Wechsel der amtlichen Rechts-

vertreterin und setzte Rechtsanwältin Lara Märki als neue amtliche Rechts-

beiständin ein. Für den unterlegenen Teil der Beschwerde ist der amtlichen 

Rechtsvertretung ein um die Hälfte reduziertes amtliches Honorar zu ent-

richten. Der Stundenansatz bei amtlichen Rechtsbeiständen beträgt 

D-206/2021 

Seite 32 

praxisgemäss höchstens Fr. 150.– bei nicht-anwaltlicher Vertretung und 

Fr. 220.– bei anwaltlicher Vertretung. Somit sind die Leistungen bis zum 

22. Juni 2022, erbracht von MLaw Sophia Delgado, mit einem Ansatz von 

Fr. 150.– zu entschädigen (rund 6.5 Stunden), jene von Rechtsanwältin 

Lara Märki mit Fr. 220.– pro Stunde (rund 0.5 Stunden). Das Honorar der 

amtlichen Rechtsvertretung ist somit auf insgesamt Fr. 1’105.– (inklusive 

Auslagen) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-206/2021 

Seite 33 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der Dispositiv-

ziffern 3 bis 6 der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Im Übrigen 

wird sie abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2'133.– auszurichten. 

4.  

Die amtliche Rechtsvertretung wird zulasten der Gerichtskasse mit insge-

samt Fr. 1'105.– entschädigt. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Regula Aeschimann 

 

 

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