# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 35367458-266d-54b4-a2da-43687a32c22c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.09.2009 D-3196/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3196-2007_2009-09-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3196/2007/ime
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Richter Thomas Wespi, 
Gerichtsschreiber Martin Scheyli

A._______ B._______, geboren [...], Türkei,

vertreten durch Marcel Bosonnet, Rechtsanwalt, 
substituiert durch lic. iur. Brigitt Thambiah, 
Advokaturbüro Kernstrasse, Kernstrasse 8/10, 
Postfach 2122, 8026 Zürich,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz

Asyl (Wiedererwägung); Verfügung des BFM 
vom 5. April 2007 / N _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3196/2007

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  ist  türkischer  Staatsangehöriger  kurdischer 
Ethnie und stammt aus Istanbul. Nachdem er seinen Heimatstaat  ge-
mäss eigenen Angaben zu Beginn des Jahres 1996 verlassen hatte, 
reiste er am 19. Mai 1996 in die Schweiz ein, wo er am 21. Mai 1996 
ein Asylgesuch stellte.

B.
Mit Verfügung vom 6. Juni 1996 ordnete das damalige Bundesamt für 
Flüchtlinge  (BFF)  die  vorsorgliche  Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers nach Deutschland an. Die hiergegen gleichentags erhobene Be-
schwerde wurde durch die damalige  Schweizerische Asylrekurskom-
mission (ARK) mit Urteil vom 9. Juli 1996 gutgeheissen.

C.
Mit Verfügung vom 3. November 1999 lehnte das BFF das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der 
Schweiz an. Gleichzeitig  verfügte das Bundesamt die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers, da der Vollzug der Wegweisung in die 
Türkei als unzulässig erachtet wurde. In der Folge erwuchs diese Ver-
fügung unangefochten in Rechtskraft.

D.
Am  23.  April  2003  ersuchte  die  türkische  Botschaft  in  Bern  die 
Schweiz aufgrund eines Haftbefehls vom 27. Mai 1996 um Verhaftung 
und  Auslieferung  des  Beschwerdeführers.  Mit  Entscheid  vom 
16. August 2006 bewilligte das zuständige Bundesamt für Justiz (BJ) 
die Auslieferung des Beschwerdeführers an die Türkei. Gegen diesen 
Entscheid reichte der Beschwerdeführer am 18. September 2006 beim 
Bundesgericht eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein.

E.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 7. August 2006 richtete der 
Beschwerdeführer  an  das  Bundesamt  für  Migration  (BFM)  das  Ge-
such, die Verfügung vom 3. November 1999 sei in Wiedererwägung zu 
ziehen,  wobei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  in 
der Schweiz Asyl zu gewähren sei. Dabei machte der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen geltend, es lägen neue Tatsachen und Beweismit-
tel vor, von deren Existenz er erst im Zusammenhang mit dem Auslie-

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ferungsverfahren Kenntnis  erlangt  habe. Insbesondere  könne er  nun 
beweisen, dass Zeugenaussagen, auf welche die türkischen Behörden 
das gegen ihn eingeleitete Strafverfahren stützten, unter Folter zustan-
de  gekommen  seien.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom 
7. September  2006  übermittelte  der  Beschwerdeführer  dem 
Bundesamt in diesem Zusammenhang weitere Beweismittel. 

F.
Mit Verfügung vom 14. September 2006 trat das BFM auf das Wieder-
erwägungsgesuch des Beschwerdeführers nicht ein. 

G.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. Oktober 2006 beantragte 
der Beschwerdeführer bei der damaligen ARK die Aufhebung der Ver-
fügung des BFM vom 14. September 2006 und die Zurückweisung der 
Sache zur materiellen Behandlung. 

H.
Mit  Urteil  vom  7. Dezember  2006  hiess  die  damalige  ARK  die  Be-
schwerde gut, hob die Verfügung des BFM vom 14. September 2006 
auf  und  wies  das  Bundesamt  an,  das  Wiedererwägungsgesuch 
materiell zu beurteilen.

I.
Mit Urteil vom 23. Januar 2007 hiess das Bundesgericht die vom Be-
schwerdeführer  gegen  den  Auslieferungsentscheid  des  BJ  vom 
16. August  2006  erhobene  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  gut  und 
wies das Auslieferungsersuchen der Türkei ab.

J.
Mit Verfügung vom 5. April 2007 wies das BFM das Wiedererwägungs-
gesuch des Beschwerdeführers ab. Gleichzeitig wies das Bundesamt 
ein mit der Eingabe vom 7. August 2006 gestelltes Gesuch um unent-
geltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2  des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) ab und auferlegte dem Beschwerdeführer Verfah-
renskosten in der Höhe von Fr. 1'200.--. Auf die Begründung der Verfü-
gung wird,  soweit  für  den Entscheid wesentlich,  in  den Erwägungen 
eingegangen.

K.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. April 2007 ersuchte der 

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Beschwerdeführer das BFM um Einsicht in die Verfahrensakten. Das 
Bundesamt  entsprach  diesem  Begehren  mit  Schreiben  vom  1. Mai 
2007.

L.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters (beziehungsweise der Substitutin) 
vom 9. Mai 2007 focht der Beschwerdeführer die Verfügung des BFM 
vom 5. April 2007 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantrag-
te der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, 
die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des 
Asyls sowie die Gutheissung des Gesuchs um unentgeltliche Rechts-
verbeiständung im erstinstanzlichen Verfahren. Für  das Beschwerde-
verfahren wurden in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Prozess-
führung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von 
Art. 65  Abs. 1  und  2  VwVG beantragt.  Auf  die  Begründung  der  Be-
schwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

M.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2007 wurde der Beschwerdefüh-
rer unter Androhung des Nichteintretens aufgefordert, bis zum 6. Juni 
2007 seine prozessuale Bedürftigkeit  zu belegen oder einen Kosten-
vorschuss von Fr. 600.-- zu leisten. 

N.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 24. Mai 2007 reichte der Be-
schwerdeführer eine Fürsorgebestätigung ein.

O.
Mit  Zwischenverfügung  vom  30. Mai  2007  hiess der  zuständige  In- 
struktionsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie der unentgeltli-
chen Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG gut. 

P.
Mit  Vernehmlassung vom 18. Juni 2007 hielt  das Bundesamt vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde. 

Q.
Mit Eingabe vom 26. August 2009 reichte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers eine Kostennote ein.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  VwVG. Über Verfügungen, 
die gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
durch das BFM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht  endgültig  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Über-
schreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts  und die Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3 Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist-  und formge-
recht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art. 6  AsylG  i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG).

2.
2.1 Gemäss Art. 2  Abs. 1 AsylG gewährt  die Schweiz grundsätzlich 
Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie 
in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer 
Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten 
sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaf-
ten  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen 
Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten na-
mentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit  sowie Mass-
nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 
AsylG).

2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Glaubhaft  gemacht  ist  die 
Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begrün-
det oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen 
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abge-
stützt werden (Art. 7 AsylG).

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3.
3.1 Zunächst  ist  in  prozessualer  Hinsicht  festzuhalten,  dass  der  Be-
schwerdeführer mit seiner Eingabe an das BFM vom 7. August 2006 
die  Wiedererwägung der  unangefochten in  Rechtskraft  erwachsenen 
Verfügung des damaligen BFF vom 3. November 1999 begehrte. Dabei 
wurde im Wesentlichen geltend gemacht, es lägen neue Beweismittel 
vor, aufgrund derer sich der in der Verfügung des BFF vom 3. Novem-
ber 1999 gezogene Schluss als unzutreffend erweise, der Beschwer-
deführer  habe in  der  Türkei  ein  schweres gemeinrechtliches  Verbre-
chen im Sinne von Art. 1 F Bst. b  des Abkommens vom 28. Juli 1951 
über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (Flüchtlingskonvention  [FK], 
SR  0.142.30)  begangen  und  sei  deshalb  von  der  Flüchtlingsei-
genschaft auszuschliessen. Mithin hat der Beschwerdeführer in Bezug 
auf  eine rechtskräftige Verfügung den Revisionsgrund der  neuen er-
heblichen Tatsachen oder  Beweismittel  gemäss Art. 66 Abs. 2 Bst. a 
VwVG geltend gemacht, womit er ein qualifiziertes Wiedererwägungs-
gesuch gestellt hat. 

3.2 Ein solches – welchem die Qualität nicht lediglich eines Rechtsbe-
helfs, sondern eines ausserordentlichen Rechtsmittels zukommt – be-
gehrt  den Widerruf  einer unangefochten gebliebenen,  formell  rechts-
kräftig  gewordenen Verfügung,  wobei  deren ursprüngliche Fehlerhaf-
tigkeit behauptet wird (vgl. zum Folgenden Entscheidungen und Mittei-
lungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1995 
Nr. 14 E. 5b, 1995 Nr. 21 E. 1b S. 203, 1998 Nr. 1 E. 6a,  2003 Nr. 17 
E. 2a S. 103 f.; zum Ganzen URSINA BEERLI-BONORAND, Die ausserordent-
lichen  Rechtsmittel  in  der  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes  und 
der  Kantone,  Zürich  1985,  S. 41  f.,  79,  171 ff.;  ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/ 
Basel/Genf/St.  Gallen  2006,  S. 217 f.,  391 ff.;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE 
HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bun-
des,  2. Aufl.,  Zürich  1998,  S. 156 ff.;  ANDREA PFLEIDERER,  in:  Bernhard 
Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG, 
Zürich/Basel/Genf  2009,  Art. 58,  N  9;  KARIN SCHERRER,  ebd.,  Art. 66, 
N 16 f.; PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI, Allgemeines Verwaltungsrecht, 
2. Aufl.,  Bern  2005,  S. 267 ff.).  Dabei  besteht  gemäss  Lehre  und 
Rechtsprechung dann ein Anspruch auf Wiedererwägung einer rechts-
kräftigen Verfügung,  wenn analog zu der gesetzlichen Regelung von 
Art. 66 VwVG Revisionsgründe geltend gemacht werden. Dies gilt ins-
besondere  für  die  Verletzung  wesentlicher  Verfahrensvorschriften  im 
ursprünglichen  Verfügungsverfahren  oder  aber  das  Bekanntwerden 
neuer erheblicher Tatsachen und Beweismittel im revisionsrechtlichen 

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Sinn, die trotz aller zumutbaren Sorgfalt nicht früher, namentlich nicht 
in einem ordentlichen Rechtsmittelverfahren geltend gemacht werden 
konnten. Liegen Revisionsgründe im Sinne von Art. 66 VwVG vor, wird 
die fehlerhafte Verfügung aufgehoben und durch eine neue Verfügung 
ersetzt.

3.3 Ein  qualifiziertes  Wiedererwägungsgesuch  ist  analog  zum  in 
Art. 66 ff. VwVG geregelten Institut der Revision an die Einhaltung be-
stimmter Formen und Fristen gebunden (vgl.  BEERLI-BONORAND,  a.a.O., 
S. 171 f.). Im Revisionsverfahren sind neue erhebliche Tatsachen oder 
Beweismittel, die als Revisionsgrund angerufen werden, innert 90 Ta-
gen seit ihrer Entdeckung vorzubringen (Art. 67 Abs. 1 VwVG), wobei 
die  Einhaltung  dieser  Frist  eine  Sachentscheids-  und  mithin  Eintre-
tensvoraussetzung  darstellt  (BEERLI-BONORAND,  a.a.O.,  S. 161  f.).  Es 
wurde bereits mit dem Urteil der ARK vom 7. Dezember 2006 festge-
stellt, dass der Beschwerdeführer die für das Einreichen eines qualifi-
zierten Wiedererwägungsgesuchs analog zu beachtende Frist im Sin-
ne von Art. 67 Abs. 1 VwVG eingehalten hatte. Des Weiteren hielt die 
ARK fest, es lägen auch keine konkreten Hinweise dafür vor, dass der 
Beschwerdeführer  die mit  dem Wiedererwägungsgesuch geltend ge-
machten Beweise bei Beachtung der zumutbaren Sorgfalt bereits frü-
her, namentlich im Rahmen einer ordentlichen Beschwerde gegen die 
Verfügung  des  BFF  vom  3. November  1999,  hätte  geltend  machen 
können. 

4.
Im Hinblick auf  die Beurteilung der  vorliegenden Beschwerde gegen 
die Verfügung vom 5. April 2007, mit welcher das BFM das genannte 
Wiedererwägungsgesuch abwies, ist in einem ersten Schritt zu rekapi-
tulieren,  welche  Einschätzungen  das  Bundesamt  in  Bezug  auf  die 
Asylvorbringen des Beschwerdeführers im Verlauf der erfolgten Verfah-
rensschritte traf.

4.1 Das damalige  BFF kam mit  seiner  Verfügung  vom  3. November 
1999, mit welcher es die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers 
in der Schweiz aufgrund der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs 
in die Türkei anordnete, in Bezug auf dessen Asylgesuch im Wesentli-
chen zu folgendem Befund: Durch das Bundesamt veranlasste Abklä-
rungen der schweizerischen Botschaft in Ankara hätten ergeben, dass 
beim DGM („Devlet  Güvenlik  Mahkemeleri“;  Staatssicherheitsgericht) 
Istanbul  gegen  den  Beschwerdeführer  ein  Verfahren  wegen  Mordes 
hängig  sei.  Am 27. Mai  1997  sei  gegen  ihn  ein  Haftbefehl  erlassen 

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worden,  und es stehe somit  fest,  dass der  Beschwerdeführer  in  der 
Türkei gesucht werde. Die ihm angelastete Tat stehe ausserdem in Zu-
sammenhang mit der illegalen Partei DHKP-C („Devrimci Halk Kurtu-
lus Partisi/Cephesi“; „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/Front“). Auf-
grund seiner Mitgliedschaft bei der DHKP-C und insbesondere wegen 
des Verfahrens vor dem Staatssicherheitsgericht habe der Beschwer-
deführer in begründeter Weise ernsthafte Nachteile zu befürchten, wo-
mit  er  die  Anforderungen  hinsichtlich  der  Flüchtlingseigenschaft  im 
Sinne von Art. 3  AsylG erfülle. Indessen habe sich der Beschwerde-
führer  nach eigenen Angaben freiwillig  der  DHKP-C angeschlossen, 
die von zahlreichen Staaten als terroristische Organisation eingestuft 
werde.  Des  Weiteren  stehe  gemäss  einer  Auskunft  der  schweizeri-
schen  Bundespolizei  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  anfangs  des 
Jahres 1996 in eine Schiesserei mit der türkischen Polizei geraten sei; 
dabei solle er einen Ordnungshüter erschossen haben. Somit sei der 
Beschwerdeführer gestützt auf Art. 1 F Bst. b FK von der Flüchtlingsei-
genschaft auszuschliessen. Dabei hielt das Bundesamt im Zusammen-
hang mit den Anwendungskriterien von Art. 1 F Bst. b FK unter ande-
rem  fest,  es  lägen  in  Bezug  auf  den  Beschwerdeführer  auch  keine 
Rechtfertigungs-  oder  Schuldmilderungsgründe  –  so  namentlich  hin-
sichtlich  des  Alters  –  vor.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  in  der 
Schweiz  mehrfach  straffällig  geworden  sei,  seien  ausserdem  auch 
dessen Chancen zur Resozialisierung in Frage zu stellen.

4.2 Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 5. April 2007 ge-
langte das BFM im Wiedererwägungsverfahren im Wesentlichen zu fol-
genden  Einschätzungen:  Die  vom  Beschwerdeführer  wiedererwä-
gungsweise vorgebrachten Tatsachen und Beweismittel seien nicht ge-
eignet,  eine  veränderte  Beurteilung  bezüglich  des  Vorliegens  eines 
Ausschlussgrundes  von  der  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von 
Art. 1 F Bst. b FK herbeizuführen. Die Beweismittel würden einzig be-
legen, dass Drittpersonen, die in die Strafuntersuchung gegen den Be-
schwerdeführer  einbezogen  worden  seien,  geltend  machten,  im  An-
fangsstadium der Strafuntersuchung gefoltert worden zu sein. Die An-
wendung  von Folter  anlässlich  eines  Verhörs  werde ferner  in  einem 
ärztlichen  Zeugnis,  das  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom 
7. September 2006 eingereicht  habe,  bestätigt. Es stelle  sich jedoch 
die Frage, inwiefern die Foltervorwürfe der Angeklagten wirklich zutref-
fend seien und wie die türkischen Gerichte diese in den gefällten Ur-
teilen berücksichtigt  hätten. Aus den entsprechenden türkischen Ver-
hörprotokollen sei ersichtlich, dass die Beschuldigten ausführlich und 
übereinstimmend über die Rolle jedes Einzelnen bei den begangenen 

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Taten berichtet hätten. Ihre erst im späteren Verlauf des Verfahrens vor 
der Staatsanwaltschaft erhobenen Foltervorwürfe seien hingegen auf-
fallend stereotyp und enthielten keine der in ihren früheren Aussagen 
enthaltenen  Realkennzeichen. Es  sei  daher  zu  bezweifeln,  dass  die 
fraglichen Aussagen Dritter, welche den Beschwerdeführer belasteten, 
tatsächlich unter Folter gemacht worden seien. Somit handle es sich 
beim Beschwerdeführer  auch  nach  aktueller  Aktenlage  mit  beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit nicht um eine zu Unrecht in der Türkei ange-
klagte  Person. Zwar  habe das Bundesgericht  mit  seinem Urteil  vom 
23. Januar 2007 hinsichtlich der Auslieferung des Beschwerdeführers 
an die  Türkei  festgestellt,  es lägen keine ausreichend klaren,  wider-
spruchsfreien und verlässlichen Verdachtsgründe dafür vor, dass sich 
der  Beschwerdeführer  wegen eines  Tötungsdelikts  und der  Mitglied-
schaft bei einer kriminellen Organisation strafbar gemacht habe. Aller-
dings führe der Umstand, dass das Bundesgericht nicht die Frage der 
Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  beurteilen  gehabt  habe, 
sondern  die  Frage  der  Auslieferung  des  Beschwerdeführers  an  die 
Türkei,  verständlicherweise  zu  anderen Gewichtungen. So habe  das 
Bundesgericht  insbesondere  auch  das  jugendliche  Alter  des  Be-
schwerdeführers zur Tatzeit berücksichtigt, da auf dessen Person nach 
schweizerischem Recht das Jugendstrafrecht anwendbar sei, diesem 
nach türkischem Recht hingegen eine lebenslange Freiheitsstrafe dro-
he. Aufgrund der Akten des BFM gelte es indessen als erstellt,  dass 
der  Beschwerdeführer  Mitglied  einer  militanten Gruppe der  DHKP-C 
gewesen sei und illegale Aktivitäten ausgeübt habe. Unter Berücksich-
tigung  der  gesamten  Aktenlage  sei  nach  wie  vor  mit  einer  grossen 
Wahrscheinlichkeit  von einer  Beteiligung des Beschwerdeführers am 
Tötungsdelikt auszugehen, das diesem von den türkischen Behörden 
vorgeworfen werde.

5.
Mit der Frage, ob der Beschwerdeführer in der Türkei in der ihm vom 
BFM (beziehungsweise  vom ehemaligen  BFF)  vorgeworfenen  Weise 
straffällig  geworden sei,  hatten  sich  zudem bislang zwei  schweizeri-
sche gerichtliche Instanzen zu befassen. 

5.1 Die ARK hielt in ihrem Urteil vom 7. Dezember 2006, mit welchem 
sie  den Nichteintretensentscheid des BFM  vom 14. September 2006 
bezüglich des Wiedererwägungsgesuchs  aufhob, hinsichtlich der vom 
Beschwerdeführer wiedererwägungsweise geltend gemachten Beweis-
mittel  Folgendes  fest:  Es  bestünden  angesichts  dieser  Beweismittel 
konkrete Hinweise, dass sämtliche Zeugen, die den Beschwerdeführer 

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im von den türkischen Behörden gegen dessen Person angestrengten 
Strafverfahren belasten würden, ihre entsprechenden Aussagen – da 
durch Folter oder anderweitigen Zwang zustande gekommen – wider-
rufen haben könnten. Es  sei  offensichtlich,  dass  dieser  Umstand im 
Hinblick auf die Frage, ob der Beschwerdeführer in der Türkei tatsäch-
lich ein schweres gemeinrechtliches Verbrechen im Sinne von Art. 1 F 
Bst. b FK begangen habe und deshalb von der Flüchtlingseigenschaft 
auszuschliessen  sei,  wie  durch  das  BFF  in  der  Verfügung  vom 
3. November 1999 angenommen, von erheblicher potentieller Bedeu-
tung  sei.  Eine  eigentliche  Beweiswürdigung  nahm  die  ARK  bei  der 
Gutheissung  der  Beschwerde  indessen  nicht  vor,  da  die  Sache  zur 
materiellen Prüfung des Wiedererwägungsgesuchs an das Bundesamt 
überwiesen wurde. 

5.2
Das  Bundesgericht  äusserte  sich  mit  seinem  Entscheid  vom 
23. Januar  2007  (Urteil  1A.163/2006  und  1A.203/2006,  zugleich 
BGE 133 IV  58),  mit  dem  es  das  Auslieferungsersuchen  der  Türkei 
betreffend den Beschwerdeführer abwies, in Bezug auf die vorliegend 
wesentlichen Gesichtspunkte folgendermassen.

5.2.1 Es sei zu prüfen, ob sich aus der Sachdarstellung des Ausliefe-
rungsersuchens  und  dessen  Beilagen  ausreichend  verlässliche  An-
haltspunkte für eine internationalstrafrechtlich verfolgungswürdige Be-
teiligung  an  einem Tötungsdelikt  beziehungsweise  an  terroristischen 
Straftaten  ergäben.  Dabei  sei  den  Tatsachen  Rechnung  zu  tragen, 
dass die untersuchten Delikte mehr als elf Jahre zurücklägen, der Ver-
folgte im damaligen Zeitpunkt erst fünfzehn bis sechzehn Jahre alt ge-
wesen sei und die fraglichen Straftaten in einem engen Kontext zu bür-
gerkriegsähnlichen  Auseinandersetzungen  gestanden  seien  (BGE 
133 IV 58 E. 5 S. 63). Die zur Stützung des türkischen Auslieferungs-
ersuchens übermittelten Unterlagen enthielten  Widersprüche und Un-
klarheiten,  die  zentrale  Fragen,  so  den Zeitpunkt  des  fraglichen Tö-
tungsdelikts, beträfen. Weiter sei zu berücksichtigen, dass die verfolg-
ten  Delikte  an  einem  sogenannten  Dorfwächter  (Entwendung  einer 
Pistole) und an einem Polizisten (Tötungsdelikt) in einem Zeitpunkt er-
folgt seien, als es in der Türkei zu schwersten Menschenrechtsverlet-
zungen gekommen sei (BGE 133 IV 58 E. 5.2.1 S. 67). Zur Frage, ob 
der Beschwerdeführer unter  dem Vorwurf  eines Tötungsdeliktes aus-
geliefert werden könne, resultiere, dass das türkische Ersuchen man-
gelhaft  erscheine und für  den zeitlich sehr weit  zurückliegenden Tat-
vorwurf  keine  ausreichend  klaren,  widerspruchsfreien  und  verlässli-

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chen Anhaltspunkte enthalte. Zudem seien in diesem Zusammenhang 
besondere persönliche Umstände zu beachten, so namentlich das ju-
gendliche Alter des Beschwerdeführers von sechzehn Jahren zur frag-
lichen Tatzeit. 

5.2.2 Zu prüfen sei  ausserdem, ob der Beschwerdeführer unter  dem 
Vorwurf des Terrorismus an die Türkei ausgeliefert werden könne. Es 
werde ihm vorgeworfen, er sei von 1994 bis im Herbst 1995 Mitglied 
einer  terroristischen  Organisation  gewesen  (BGE  133 IV 58  E. 5.3). 
Dabei sei zunächst danach zu fragen, ob die betreffende Organisation, 
nämlich die DHKP-C, im Zeitpunkt der untersuchten Beteiligung bezie-
hungsweise  Unterstützung  als  terroristisch  einzustufen  gewesen  sei 
(BGE 133 IV 58 E. 5.3.2). Dem Beschwerdeführer werde vorgeworfen, 
er sei im September und Oktober 1995 aktives Mitglied dieser separa-
tistischen Gruppierung gewesen. Gemäss einem Bericht des Diensts 
für  Analyse  und  Prävention  des  Bundesamtes  für  Polizei  stehe  die 
DHKP-C  seit  Oktober  1997  auf  der  Liste  der  terroristischen 
Organisationen und sei mit Beschluss vom 2. Mai 2002 in die vom EU-
Rat  geführte  Liste  der  terroristischen  Organisationen  aufgenommen 
worden.  Dem  Verfolgten  werde  jedoch  nicht  vorgeworfen,  er  sei  im 
Oktober 1997 beziehungsweise im Mai 2002 noch aktives Mitglied der 
Organisation gewesen. Gemäss dem Auslieferungsersuchen habe er 
kurz nach den untersuchten Vorfällen vom Herbst 1995 die Gruppe der 
DHKP-C, an der er sich beteiligt habe, definitiv verlassen, und seit Mai 
1996 befinde er sich in der Schweiz. Im Übrigen sei die bürgerkriegs-
ähnliche Situation in der fraglichen Region zum Zeitpunkt  der unter-
suchten Vorgänge zu berücksichtigen. Bei der Beurteilung von Gewalt-
aktionen  militanter  Widerstandsorganisationen  sei  auch  der  Art  und 
Weise Rechnung zu tragen, wie die türkische Armee und Polizei in den 
1990er-Jahren gegen die kurdische Zivilbevölkerung und gegen Ver-
treter  radikaler  Widerstandsbewegungen  vorgegangen  sei.  Wie  der 
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für  Menschenrechte 
zu  entnehmen  sei,  seien  gewaltsame  Auseinandersetzungen  bezie-
hungsweise Anschläge separatistischer  Organisationen auf  türkische 
Sicherheitskräfte  zumindest  teilweise  auch  auf  ethnische  Verfolgung 
beziehungsweise auf schwere Menschenrechtsverletzungen durch die 
türkische Armee und Polizei zurückzuführen. Dies gelte besonders für 
den hier fraglichen Zeitraum von 1994 bis 1995. Ferner werde weder 
durch  das  BJ  noch  im  Auslieferungsersuchen  behauptet,  dass  die 
DHKP-C gegen zivile Ziele Sprengstoff-  oder Brandanschläge verübt 
hätte. Eine klare Fokussierung der Widerstands- und Gewaltaktivitäten 
auf gegnerische Sicherheitskräfte und staatliche Funktionäre in einer 

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akuten Bürgerkriegssituation spreche indessen eher gegen eine terro-
ristische Natur  der  Gewaltaktionen.  Insbesondere  sei  es  unzulässig, 
Konfliktparteien  eines  Bürgerkrieges  ohne  jede  Differenzierung  als 
terroristisch einzustufen und internationalstrafrechtlich zu verfolgen. In 
Bezug auf den Beschwerdeführer würden ausserdem konkrete Hinwei-
se  fehlen,  die  auf  eine  funktionale  Eingliederung  in  die  DHKP-C 
schliessen liessen. Besonders bei einem damals sechzehnjährigen Ju-
gendlichen sei die Mitgliedschaft in einer angeblich terroristischen Or-
ganisation näher zu begründen, wobei darzulegen sei, weshalb der Ju-
gendliche nicht bloss als Mitläufer, als lose assoziierter Gehilfe bei ein-
zelnen  Delikten  oder  als  aktiver  Sympathisant  einzustufen  sei.  Die 
Sachdarstellung  der  türkischen  Behörden  im  Auslieferungsersuchen 
lasse demgegenüber weder auf eine funktionale Eingliederung in eine 
straff organisierte terroristische Gruppierung im Sinne von Art. 260ter 
des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937 
(StGB, SR 311.0)  schliessen, noch auf eine systematische Unterstüt-
zung von verbrecherischen Aktivitäten einer terroristischen Organisati-
on. Im Zeitraum von 1994 bis Spätsommer 1995 sei der Beschwerde-
führer gemäss den Unterlagen als eher zögerlicher jugendlicher Mit-
läufer beziehungsweise aktiver Sympathisant aufgetreten. 

5.2.3 Zusammenfassend sei festzuhalten, es bestünden keine ausrei-
chend klaren,  widerspruchsfreien und verlässlichen Verdachtsgründe 
dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  eines  Tötungsdeliktes  bezie-
hungsweise der Unterstützung oder Mitgliedschaft bei einer kriminellen 
Organisation strafbar gemacht habe. 

6.
6.1 Die  flüchtlingsrechtliche Relevanz des  Vorgehens  der  türkischen 
Behörden  gegen  den  Beschwerdeführer  wird  durch  das  Bundesamt 
nicht bestritten. Vielmehr hielt das damalige BFF bereits mit der Verfü-
gung vom 3. November 1999 fest, angesichts seiner (ehemaligen) Mit-
gliedschaft bei der DHKP-C und des Verfahrens vor dem Staatssicher-
heitsgericht  habe der Beschwerdeführer in begründeter Weise ernst-
hafte Nachteile zu befürchten, und er erfülle daher die Anforderungen 
von Art. 3 AsylG bezüglich der Flüchtlingseigenschaft. Diese Einschät-
zung erfolgte offensichtlich zu Recht, wie auch das nachfolgende Aus-
lieferungsersuchen der türkischen Behörden aufgrund der angeblichen 
Straffälligkeit  des  Beschwerdeführers  im  Zusammenhang  mit  seinen 
Aktivitäten zugunsten der DHKP-C belegt. Im vorliegenden Verfahren 
ist  vor  diesem Hintergrund einzig  zu  prüfen,  ob  der  Ausschluss des 

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Beschwerdeführers  von  der  Flüchtlingseigenschaft  gestützt  auf 
Art. 1 F Bst. b FK zu Recht erfolgte. 

6.2 Für  die  Anwendung  des  vom  Bundesamt  angerufenen  Art. 1 F 
Bst. b FK gelten die folgenden allgemeinen Grundsätze (vgl. insbeson-
dere UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung 
der  Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 149  ff.):  Gemäss  Art. 1 F  Bst. b  FK 
sind die Bestimmungen der Flüchtlingskonvention nicht anwendbar auf 
Personen, für die ernsthafte Gründe für den Verdacht bestehen, dass 
sie ein schweres nichtpolitisches Verbrechen (d.h. ein Verbrechen des 
gemeinen Rechts) ausserhalb des Gastlandes begangen haben, bevor 
sie  dort  als  Flüchtling  aufgenommen worden sind. Somit  erlaubt  die 
Bestimmung,  unter  den  genannten  Voraussetzungen  eine  schutzsu-
chende Person unter anderem von der Flüchtlingseigenschaft  auszu-
schliessen. In Anbetracht der schwerwiegenden Folgen, die ein Aus-
schluss von der  Flüchtlingseigenschaft  –  und mithin der  Verlust  des 
besonderen  flüchtlingsrechtlichen  Schutzstatus  –  für  die  betreffende 
Person hat, sind die Ausschlussklauseln gemäss Art. 1 F FK allerdings 
generell  restriktiv  auszulegen  und  anzuwenden  (a.a.O.,  Rz. 149).  In 
Bezug  auf  den  spezifischen  Ausschlussgrund  im  Sinne  von  Art. 1 F 
Bst. b FK gilt  ausserdem, dass unter  dem Begriff  „schweres Verbre-
chen des gemeinen Rechts“ immer ein Kapitalverbrechen beziehungs-
weise  eine  besonders  schwerwiegende  Straftat  zu  verstehen  ist 
(a.a.O.,  Rz. 155).  Ferner  ist  bei  der  Anwendung  dieser  Ausschluss-
klausel  die  Schwere  der  befürchteten  Verfolgung  gegen  die  Art  der 
Straftat, derer die asylsuchende Person verdächtigt wird, abzuwägen. 
Vermag diese Person eine begründete Furcht vor sehr schwerer Ver-
folgung,  so insbesondere vor einer Verfolgung, die Gefahr für Leben 
und Freiheit bedeutet, geltend zu machen, so muss das von ihr began-
gene Verbrechen sehr schwer sein, wenn es die Anwendung der Aus-
schlussklausel nach sich ziehen soll (a.a.O., Rz. 156). Bei der Beurtei-
lung eines solchen Verbrechens müssen ferner alle relevanten Fakto-
ren – auch alle mildernden Umstände – in Betracht gezogen werden 
(a.a.O., Rz. 157). Schliesslich setzt das Bestehen ernsthafter Gründe 
für  den Verdacht,  dass die betreffende Person ein schweres Verbre-
chen des gemeinen Rechts begangen hat, zwar nicht einen formellen 
Beweis voraus. Indessen ist  gleichwohl zu verlangen, dass konkrete, 
stichhaltige Belege vorliegen, welche diesen Verdacht objektiv zu be-
gründen vermögen (vgl.  GEOFF GILBERT,  Current issues in the applica-
tion  of  the  exclusion  clauses,  in:  Erika  Feller/Volker  Türk/Frances 
Nicholson  (eds.),  Refugee  Protection  in  International  Law. UNHCR's 

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Global  Consultations  on  International  Protection,  Cambridge  2003, 
S. 425 [470 f.]). 

6.3 Wie zuvor (E. 5.2) ausgeführt wurde, gelangte das Bundesgericht 
in Bezug auf das Auslieferungsverfahren zur deutlichen Einschätzung, 
es lägen keine ausreichend klaren, widerspruchsfreien und verlässli-
chen Verdachtsgründe dafür  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  sich in 
der  Türkei  eines  Tötungsdelikts  beziehungsweise  der  Unterstützung 
oder Mitgliedschaft bei einer kriminellen Organisation strafbar gemacht 
habe. Das BFM stellt sich demgegenüber in der angefochtenen Verfü-
gung auf den Standpunkt, bei der Prüfung der Frage des Ausschlusses 
von der Flüchtlingseigenschaft sei eine andere Gewichtung der Fakten 
angezeigt. Auch wenn zwischen dem Urteil des Bundesgerichts in Be-
zug auf das Auslieferungsverfahren und dem Wiedererwägungsverfah-
ren beim BFM keine verfahrensmässige Verbindung besteht,  so wirft 
dies trotzdem grundsätzlich die Frage auf, ob es zulässig sein kann, 
höchstrichterliche Feststellungen zu einem Sachverhalt, der in beiden 
genannten Verfahren eine zentrale Rolle spielt, als unzureichend infor-
miert zu verwerfen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Bezug auf die 
entscheidende  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  ein 
schweres  nichtpolitisches  Verbrechen  begangen  hat,  von  vornherein 
keine klare Trennung zwischen den Rechtsfragen unter dem Gesichts-
punkt  der  Auslieferung  einerseits  und  unter  dem  Aspekt  des  Aus-
schlusses von der  Flüchtlingseigenschaft  andererseits  gezogen wer-
den kann, bestehen doch zwischen den beiden Sachbereichen enge 
Verbindungen (vgl.  GUY S. GOODWIN-GILL/JANE MCADAM,  The Refugee in 
International Law, 3. Aufl.,  Oxford 2007, S. 173 ff.). Indessen erübrigt 
es sich,  auf  diese dogmatische Frage näher einzugehen, da es sich 
aufgrund der folgenden Erwägungen ohnehin erweist,  dass den ent-
sprechenden Argumenten des BFM nicht gefolgt werden kann.

6.4 In diesem Zusammenhang ist zunächst in Betracht zu ziehen, was 
sich  aus  dem Wiedererwägungsgesuch  vom 7. August  2006  im We-
sentlichen hinsichtlich der dabei  geltend gemachten Beweismittel  er-
gibt. Dabei wurde zunächst (S. 7) in Bezug auf die von den türkischen 
Justizbehörden  als  Belastungszeugen  gegen  den  Beschwerdeführer 
aufgebotenen  Personen  zu  einer  Person  namens  C._______ 
D._______ unter anderem ausgeführt,  der Genannte habe anlässlich 
zweier  Verhandlungen vor der 4. Kammer des DGM Istanbul geltend 
gemacht,  seine Aussagen bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft 
sowie vor dem Untersuchungsrichter seien unter Folter zustande ge-
kommen. Dies ergebe sich aus den Protokollen der Gerichtsverhand-

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lungen vom 13. März 1996 und vom 16. September 1997, deren Kopi-
en mit dem Wiedererwägungsgesuch als Beweismittel (bezeichnet als 
Beilagen 2 und 3) eingereicht wurden. In Bezug auf den Belastungs-
zeugen E._______ F._______ wurde weiter ausgeführt, dieser habe im 
Rahmen  zweier  Befragungen  durch  die  Staatsanwaltschaft  sowie 
durch die 5. Kammer des DGM Istanbul geltend gemacht, er sei auf ei-
nem Polizeipräsidium unter vorgehaltener Waffe und mit Morddrohun-
gen  dazu  gezwungen  worden,  seine  Unterschrift  unter  bestimmte, 
nicht  von ihm selbst  stammende Aussagen –  durch welche der  Be-
schwerdeführer belastet wird – zu setzen. Dies ergebe sich aus zwei 
jeweils  vom  10. Mai  1997  datierenden  Protokollen  der  Befragung 
durch  die  Staatsanwaltschaft  sowie  der  Einvernahme  durch  die 
5. Kammer  des  DGM  Istanbul,  deren  Kopien  mit  dem  Wiedererwä-
gungsgesuch als Beweismittel (Beilagen 8 und 9) eingereicht wurden. 
In Bezug auf den Belastungszeugen G._______ H._______ schliess-
lich  wurde im Wiedererwägungsgesuch dargelegt,  auch dieser  habe 
anlässlich von Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft und durch 
die 4. Kammer des DGM Istanbul sowie im Rahmen einer Verhandlung 
vor der 5. Kammer des genannten Gerichts ausgeführt, er sei zu Aus-
sagen gezwungen worden,  die  den Beschwerdeführer  belasten wür-
den. Dies ergebe sich aus den mit dem Wiedererwägungsgesuch ein-
gereichten Kopien der erwähnten Einvernahmen durch die Staatsan-
waltschaft  und durch die 4. Kammer des DGM Istanbul  vom 10. Mai 
1997  sowie  des  Protokolls  der  Verhandlung  vor  der  5. Kammer  des 
DGM Istanbul vom 24. Juli 1997 (Beilagen 11, 12 und 13). 

6.5 Mit  Blick  auf  die  erwähnten  Beweismittel  ist  festzustellen,  dass 
nach erfolgtem Rückzug der Zeugenaussagen den Vorwürfen der türki-
schen  Justizbehörden  gegenüber  dem Beschwerdeführer,  er  sei  als 
Mitglied der DHKP-C bei einem Tötungsdelikt an einem Polizisten be-
teiligt gewesen, die beweismässige Grundlage – jedenfalls soweit auf-
grund der Akten ersichtlich – entzogen ist. Angesichts dessen besteht 
keinerlei  Anlass,  der  vom  Bundesgericht  mit  Urteil  vom  23. Januar 
2007 in  Bezug auf  das Auslieferungsverfahren getroffenen Einschät-
zung, es bestünden keine ausreichend klaren, widerspruchsfreien und 
verlässlichen Verdachtsgründe für die Strafbarkeit des Beschwerdefüh-
rers  aufgrund  eines  Tötungsdeliktes  beziehungsweise  der  Unterstüt-
zung oder Mitgliedschaft bei einer kriminellen Organisation, eine ande-
re, abweichende Beurteilung gegenüber zu stellen. Dabei ist  ausser-
dem noch einmal daran zu erinnern, dass die Ausschlussklausel ge-
mäss Art. 1 F Bst. b FK aufgrund des damit verbundenen erheblichen 
Eingriffs  in  die  Rechtsposition  des  Betroffenen  restriktiv  auszulegen 

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und  anzuwenden  ist,  wobei  konkrete,  stichhaltige  Belege  vorliegen 
müssen, die den betreffenden Verdacht objektiv zu begründen vermö-
gen (vgl. E. 6.2). Vom Vorhandensein solcher Belege kann im vorlie-
genden  Fall  nicht  ausgegangen  werden,  nachdem die  zugrunde  lie-
genden Aussagen Dritter als unter Folter erpresst zurückgezogen wur-
den. Im Übrigen kann es auch – nicht zuletzt mangels jeglicher objekti-
ver  Beurteilungsmöglichkeiten  –  offensichtlich  nicht  Aufgabe  der 
schweizerischen Behörden sein, die Frage zu erwägen, ob die in den 
betreffenden  türkischen  Strafverfahren  erhobene  Einrede  der  Folter 
berechtigt sei oder nicht. 

6.6 Die Argumentation des Bundesamts, mit welcher die Anwendung 
von Art. 1 F Bst. b FK begründet werden soll, weist ausserdem weitere 
erhebliche Mängel auf. Zu nennen ist namentlich die in der Verfügung 
vom 3. November 1999 explizit  vertretene Einschätzung, es lägen im 
Zusammenhang mit  den dem Beschwerdeführer in der Türkei vorge-
worfenen  Straftaten  keine  Rechtfertigungs-  oder  Schuldmilderungs-
gründe  vor,  was  insbesondere  auch  hinsichtlich  des  Alters  des  Be-
schwerdeführers  gelte.  In  der  vorliegend  angefochtenen  Verfügung 
vom 5. April  2007 führt  das Bundesamt ausserdem sinngemäss aus, 
das Bundesgericht sei  zu anderen Gewichtungen gelangt,  was unter 
anderem darauf zurückzuführen sei, dass das Bundesgericht das zur 
Tatzeit  jugendliche  Alter  des  Beschwerdeführers  zu  berücksichtigen 
gehabt habe. Der damit zum Ausdruck gebrachte Standpunkt des Bun-
desamts, das Alter des Beschwerdeführers zur Tatzeit sei unter dem 
Aspekt der Prüfung des Ausschlusses von der Flüchtlingseigenschaft 
im  Sinne  von  Art. 1 F  Bst. b  FK  nicht  von  Belang,  ist  offensichtlich 
falsch. Wie ebenfalls bereits erwähnt wurde (E. 6.2), sind bei der Beur-
teilung des Vorliegens der Ausschlusskriterien von Art. 1 F Bst. b FK 
auch alle mildernden Umstände in Betracht zu ziehen. Es würde jegli-
chem Rechtssinn widersprechen, in diesem Zusammenhang die Min-
derjährigkeit des Beschwerdeführers zur angeblichen Tatzeit unberück-
sichtigt zu lassen. Angesichts des Umstands, dass ohnehin keine hin-
reichenden Verdachtsgründe dafür vorliegen, dass sich der Beschwer-
deführer  in  der  Türkei  eines  schweren  nichtpolitischen  Verbrechens 
schuldig gemacht hat, erübrigt es sich indessen, diesen Gesichtspunkt 
weiter auszuführen. 

6.7 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzustellen, dass kei-
ne  Gründe  vorliegen,  um den  Beschwerdeführer  in  Anwendung  von 
Art. 1 F Bst. b FK von der Flüchtlingseigenschaft auszuschliessen. Der 

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Beschwerdeführer  erfüllt  folglich  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne 
von Art. 3 AsylG. 

7.
In einem weiteren Schritt wäre in Erwägung zu ziehen, ob angesichts 
verschiedener durch den Beschwerdeführer in der Schweiz begange-
ner Delikte ein Asylausschlussgrund im Sinne von Art. 53 AsylG gege-
ben ist. Nach Art. 53 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn 
sie wegen verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind oder wenn 
sie die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder 
gefährden. 

7.1 Diesbezüglich geht aus der angefochtenen Verfügung zwar hervor, 
dass der Beschwerdeführer zwischen dem 19. Februar 1999 und dem 
26. Juli  2006 aufgrund verschiedener  Delikte  zu  Bussen und kurzen 
(überwiegend bedingten) Haftstrafen verurteilt wurde. Indessen ist zum 
einen festzustellen, dass diese Angaben in der angefochtenen Verfü-
gung in keinerlei Bezug zu Art. 53 AsylG stehen, womit die Frage des 
Asylauschlusses  durch  die  Vorinstanz  bislang  nicht  geprüft  wurde. 
Zum anderen ist festzustellen, dass zum heutigen Zeitpunkt auch die 
nötigen Grundlagen für die Beurteilung der Frage fehlen, ob die Delin-
quenz  des  Beschwerdeführers  den  Ausschluss  vom  Asyl  zur  Folge 
hat,  ist  doch nicht  geklärt,  ob und inwiefern der Genannte seit  dem 
26. Juli 2006 erneut straffällig wurde. 

7.2 In Bezug auf die Frage, ob ein Asylausschlussgrund im Sinne von 
Art. 53 AsylG vorliegt, ist die Sache daher zu vollständiger Abklärung 
des Sachverhalts und zu entsprechender Beurteilung an das Bundes-
amt zurückzuweisen. Diesbezüglich wird insbesondere auf einen aktu-
ellen Strafregisterauszug zur Person des Beschwerdeführers abzustel-
len sein.

8.
8.1 Mit  der  Beschwerde wird schliesslich beantragt,  es sei  das vom 
Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren gegenüber dem BFM 
gestellte  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im  Sinne 
von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  gutzuheissen.  Der  entsprechende  Antrag 
wurde durch das Bundesamt in der angefochtenen Verfügung mit der 
Begründung  abgewiesen,  die  hauptsächlichen  wiedererwägungswei-
sen Rechtsbegehren seien von vornherein aussichtslos gewesen. 

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8.2 Das VwVG gewährt  für das Verwaltungsbeschwerdeverfahren bei 
gegebenen  Voraussetzungen  die  Kostenbefreiung  (Art.  65  Abs.  1 
VwVG)  sowie  die  unentgeltliche  anwaltliche  Verbeiständung  (Art. 65 
Abs. 2 VwVG). Die vom Bundesgericht  entwickelten Regeln über die 
Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung im nichtstreitigen Ver-
waltungsverfahren gelten auch für erstinstanzliche Verfahren vor Bun-
desbehörden,  die  sich  nach dem VwVG richten,  also  auch  vor  dem 
BFM  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 9  E. 3a,  2001  Nr.  11  E. 4c).  Gemäss 
Rechtsprechung der ehemaligen ARK ist dabei zwar nur „äusserst sel-
ten“ davon auszugehen, dass im erstinstanzlichen Asylverfahren eine 
besondere Komplexität von Tatsachen- oder Rechtsfragen den Beizug 
einer  professionellen  Rechtsvertretung  erforderlich  macht  (EMARK 
2004 Nr. 9 E. 3b, unter Hinweis auf EMARK 2001 Nr. 11 E. 6b/bb). In-
dessen  kann  im  konkreten  Einzelfall  Anlass  bestehen,  von  diesem 
Grundsatz abzuweichen. 

8.3 Im  vorliegenden  Fall  –  der  im  Übrigen  kein  ordentliches  erst-
instanzliches  Asylverfahren,  sondern  ein  qualifiziertes  Wiedererwä-
gungsverfahren betrifft – ist zunächst festzustellen, dass das zugrunde 
liegende Wiedererwägungsgesuch,  wie die vorhin angestellten Erwä-
gungen  zeigen,  keineswegs  als  aussichtslos  einzustufen  gewesen 
wäre. Hierzu ist  ausserdem festzuhalten,  dass die Einschätzung der 
Aussichtslosigkeit des Wiedererwägungsgesuchs bereits im Urteil der 
damaligen ARK vom 7. Dezember 2006 als unhaltbar bezeichnet wur-
de. Der  Umstand,  dass  sich  das  BFM mit  der  angefochtenen Verfü-
gung  gleichwohl  zum  erneuten  Mal  auf  den  Standpunkt  stellt,  das 
Gesuch  sei  als  aussichtslos  zu  qualifizieren,  muss  als  stossend 
bezeichnet werden. Darüber hinaus waren im vorinstanzlichen Verfah-
ren seitens des Gesuchstellers vergleichsweise komplexe beweisrecht-
liche Vorbringen geltend zu machen. Die Aufhebung der ersten vorin-
stanzlichen  Verfügung  im  Wiedererwägungsverfahren  vom  14. Sep-
tember 2006 – mit welcher das Bundesamt auf das Wiedererwägungs-
gesuch zunächst  nicht  eingetreten war – durch Urteil  der damaligen 
ARK vom 7. Dezember 2006 zeigt dies deutlich auf. Zum anderen ver-
lief das Wiedererwägungsverfahren parallel zum durch das Bundesge-
richt  mit  Urteil  vom 23. Januar  2007 beurteilten Auslieferungsverfah-
ren,  was  die  Komplexität  weiter  erhöhte.  Hinzu  kommt  schliesslich, 
dass auch die bei der materiellen  Beurteilung des Wiedererwägungs-
gesuchs zu beantwortende Frage, ob die Kriterien für den Ausschluss 
von der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK erfüllt 
sind,  offensichtlich  – wie  das vorliegende Urteil  zeigt  –  auch an die 
Vorinstanz  erhebliche  Anforderungen  stellte.  Unter  Berücksichtigung 

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aller  wesentlichen Faktoren erscheint  es somit  als  gerechtfertigt,  die 
Voraussetzungen für die  unentgeltliche Rechtsverbeiständung im vor-
instanzlichen Verfahren als gegeben zu erachten.

8.4 Somit ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Vorausset-
zungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 2 VwVG im vorinstanzlichen Verfahren erfüllte, zumal sei-
ne Bedürftigkeit angesichts der mit Eingabe vom 24. Mai 2007 einge-
reichten Fürsorgebestätigung erwiesen ist. 

8.5 Aus den dargelegten Gründen entfällt  ferner auch die Grundlage 
für die Erhebung einer Gebühr im vorinstanzlichen Verfahren, weshalb 
die angefochtene Verfügung auch diesbezüglich aufzuheben ist.

9.
Zusammenfassend ergibt  sich aus den angestellten Erwägungen fol-
gende Beurteilung. 

9.1 Die Beschwerde ist  insofern gutzuheissen,  als  die angefochtene 
Verfügung aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers festzustellen ist. 

9.2 In Bezug auf die Frage, ob ein Asylausschlussgrund nach Art. 53 
AsylG vorliegt, ist die Sache zu vollständiger Abklärung des Sachver-
halts und zu entsprechender Beurteilung an das BFM zurückzuweisen.

9.3 Es ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  vorinstanzli-
chen Verfahren die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG erfüllte und das BFM 
für das Verfahren zu Unrecht eine Gebühr auferlegt hat. 

9.4 Das BFM ist  anzuweisen,  infolge der  unentgeltlichen Rechtsver-
beiständung  das  amtliche  Honorar  des  Rechtsvertreters  für  dessen 
Aufwand im vorinstanzlichen Wiedererwägungsverfahren festzusetzen 
und zu entrichten. 

10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erhe-
ben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

10.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsie-
genden Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-

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gung für  die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-
hen Kosten zugesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemes-
sung  der  Parteientschädigung  ausserdem  Art. 7  ff.  des  Reglements 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Gestützt auf die in 
Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) und die 
angesichts des Aufwandes als angemessen erscheinende Kostennote 
des  Rechtsvertreters  (beziehungsweise  der  Substitutin)  vom 26. Au-
gust 2009 sind dem Beschwerdeführer Fr. 3'984.-- (inkl. Auslagen und 
Mehrwertsteuer) als Parteientschädigung zuzusprechen. Dieser Betrag 
ist dem Beschwerdeführer durch das BFM zu entrichten. Der Anspruch 
auf das amtliche Honorar des als unentgeltlicher Rechtsbeistand ein-
gesetzten Rechtsvertreters wird damit gegenstandslos. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des BFM vom 
5. April 2007 wird aufgehoben.

2.
Es wird festgestellt,  dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllt.

3.
Die Akten werden dem BFM zur Beurteilung der  Frage, ob ein Asyl-
ausschlussgrund nach Art. 53 AsylG vorliegt, überwiesen.

4.
Das BFM wird angewiesen,  das amtliche Honorar des Rechtsvertre-
ters für dessen Aufwand im vorinstanzlichen Wiedererwägungsverfah-
ren festzusetzen und zu entrichten. 

5.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

6.
Dem Beschwerdeführer wird für das Beschwerdeverfahren eine Partei-
entschädigung von Fr. 3'984.-- zugesprochen, die ihm durch das BFM 
zu entrichten ist.

7.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Substitutin  des  Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  (Ein-
schreiben)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 
(in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Martin Scheyli

Seite 21