# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9984bb9-87f7-5c35-b1b1-088ea6942e35
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-09-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.09.2017 BG.2017.27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2017-27_2017-09-19.pdf

## Full Text

Beschluss vom 19. September 2017 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, 

Tito Ponti und Roy Garré,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
Parteien  A., vertreten durch Rechtsanwalt Michael Gehring,  

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

1. BUNDESANWALTSCHAFT,  

 

2. KANTON THURGAU, Generalstaatsanwalt-

schaft, 

 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Sachliche Zuständigkeit (Art. 28 StPO) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummern: BG.2017.27,  

BP.2017.47, BP.2017.48  

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Die Beschwerdekammer hält fest, dass: 

 

- die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 14. September 2012 die Straf-

untersuchung SV.11.0140 gegen unbekannte Täterschaft wegen des Ver-

dachts der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht und der Sachbeschädigung eröffnete, in der Hand der Bun-

desbehörden vereinigte und sistierte (act. 1.8); 

 

- die Behörden der Kantone St. Gallen und Thurgau Ermittlungen in dieser 

Sache tätigten, welche zur Eruierung der mutmasslichen Täterschaft führten 

(vgl. act. 1.2, S. 1); 

 

- die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen diesbezüglich am 23. Januar 2015 beim 

Bezirksgericht Kreuzlingen u. a. gegen A. Anklage erhob (act. 1.7); 

 

- das Hauptverfahren bis dato hängig ist; 

 

- die Staatsanwaltschaft Bischofszell am 7. August 2017 die Bundesanwalt-

schaft ersuchte, das Verfahren SV.11.0140 möglichst rasch nachträglich den 

Behörden des Kantons Thurgau zur Untersuchung und Beurteilung zu dele-

gieren (act. 1.4, 4.2); 

 

- die Bundesanwaltschaft am selben Tag verfügte, das Verfahren SV.11.0140 

werde wieder anhand genommen und an die Staatsanwaltschaft Bischofszell 

delegiert (act. 1.2); 

 

- der vor Bezirksgericht Kreuzlingen beschuldigte A. hiergegen mit Be-

schwerde vom 21. August 2017 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts gelangte (act. 1); 

 

- er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung verlangt; 

 

- er im Beschwerdeverfahren weiter um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung und Rechtspflege bzw. um Bewilligung der amtlichen 

Verteidigung sowie um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ersucht; 

 

- die Bundesanwaltschaft beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit 

darauf einzutreten sei (act. 3); 

 

- die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau beantragt, die Be-

schwerde sei kostenfällig abzuweisen, soweit überhaupt darauf eingetreten 

werden könne (act. 4); 

- 3 - 

 

 

 

 

- A. mit Replik vom 14. September 2017 an den gestellten Anträgen unverän-

dert festhält (act. 7). 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 

 

- gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft die 

Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zulässig 

ist (Art. 393 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 37 Abs. 1 

StBOG); 

 

- es sich beim Anfechtungsobjekt um eine Wiederanhandnahme der Untersu-

chung im Sinne von Art. 315 Abs. 1 StPO und um eine Delegation einer 

Strafsache an den Kanton Thurgau im Sinne von Art. 25 Abs. 1 i.V.m. Art. 23 

Abs. 1 lit. d StPO handelt; 

 

- die Wiederanhandnahme von Gesetzes wegen nicht anfechtbar ist (Art. 315 

Abs. 2 StPO); 

 

- der Bundesanwaltschaft am 7. August 2017 die der Staatsanwaltschaft Bi-

schofszell vorliegenden Tatbestandsakten vorgelegt wurden (vgl. act. 1.4, 

4.2), weshalb nicht nachvollziehbar ist, inwiefern sie ohne Aktenkenntnis ge-

handelt haben soll; 

 

- angesichts der vorliegenden Sachlage (jahrelang sistierte Untersuchung bei 

der Bundesanwaltschaft und die sich im Hauptverfahren befindende Strafsa-

che im Kanton Thurgau) die Sichtung der wenigen wesentlichen Akten ge-

nügt und die vom Beschwerdeführer geforderte Auseinandersetzung mit wei-

terem Aktenmaterial (act. 7, Ziff. I.1, S. 2 f.) offensichtlich nicht erforderlich 

ist; 

 

- die Bundesanwaltschaft das bei ihr sistierte Verfahren bis dato gegen unbe-

kannte Täterschaft geführt hatte, weshalb sie vor einer Delegation dieses 

Verfahrens an die kantonale Behörde auch keine beschuldigten Personen 

anzuhören bzw. diesen ihre Verfügung zu eröffnen hatte; 

 

- demzufolge auch die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Gehörsver-

letzung (act. 1, Ziff. II.4b-4c, S. 9 f.; act. 7, Ziff. I.2, S. 3 f.) nicht vorliegt; 

 

- 4 - 

 

 

 

- eine Delegation im Sinne von Art. 25 Abs. 1 StPO grundsätzlich an die Be-

hörden eines Kantons zu erfolgen hat und die Abgrenzung der örtlichen und 

sachlichen Zuständigkeit gleichartiger Strafbehörden innerhalb des Kantons 

ausschliesslich Sache der Kantone ist (Art. 14 Abs. 4 StPO), weshalb die 

Rüge der Delegation an die angeblich falsche Staatsanwaltschaft innerhalb 

des Kantons Thurgau durch die Bundesanwaltschaft (act. 1, Ziff. II.4e, S. 11; 

act. 7, Ziff. I.4, S. 6) nicht von Relevanz ist; 

 

- der Beschwerdeführer kein einziges Argument vorbringt, weshalb die Zu-

ständigkeit zur Führung der Strafsache weiterhin bei der Bundesanwalt-

schaft verbleiben soll; 

 

- der Beschwerdeführer seine Kritik am Vorgehen der kantonalen Behörden 

(vgl. act. 1, Ziff. II.4d, S. 10 f.; act. 7, Ziff. I.3, S. 5 f.) gegebenenfalls dem 

kantonalen Sachrichter zu unterbreiten hat, diese an der grundsätzlichen 

Rechtmässigkeit des Vorgehens der Bundesanwaltschaft jedoch nichts än-

dert; 

 

- die Beschwerde nach dem Gesagten als unbegründet abzuweisen ist, soweit 

auf diese einzutreten ist; 

 

- das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und Rechtsverbeiständung bzw. der amtlichen Verteidigung 

im Beschwerdeverfahren wegen Aussichtslosigkeit abzuweisen ist (vgl. 

hierzu das Urteil des Bundesgerichts 1B_705/2011 vom 9. Mai 2012, 

E. 2.3.2); 

 

- das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung zufolge Gegen-

standslosigkeit als erledigt abzuschreiben ist; 

 

- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO); 

 

- die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 500.– festzusetzen ist (Art. 73 StBOG 

i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]); 

 

- 5 - 

 

 

 

und erkennt: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

2. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird als erledigt abge-

schrieben. 

 

3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bzw. um amtliche Verteidigung 

im Beschwerdeverfahren wird abgewiesen. 

 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.– wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 19. September 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Vorsitzende: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Michael Gehring 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 

- Bezirksgericht Kreuzlingen 

- Bundesanwaltschaft 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.