# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 150f05e8-f3ed-5326-832f-4a75f900c037
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-18
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015
**Docket/Reference:** DB.2018.15
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/2-db.2018.15--2-st.2018.17.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

Entscheid 

 18. Juni 2019 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichter Alexander Widl, Ersatzrichter  
Jürg Steiner und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

A ,    

vertreten durch B GmbH,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. Aus der Steuererklärung 2015 von A (nachfolgend der Pflichtige) ergab sich 

bei einem Reineinkommen von rund Fr. 97'000.- eine Vermögenszunahme gegenüber 

dem  Vorjahr  von  rund  Fr. 108'000.-.  Der  Pflichtige  erklärte  dies  damit,  dass  er  2015 

"Game-Nuggets"  der  Lopoca  Gaming  Limited,  Malta,  im  Gegenwert  von  rund 

Fr. 266'000.-  verkauft  habe.  Ab  dem  Jahr  2011  habe  er  einen  Bestand  an  "Nuggets" 

aufgebaut,  der  gemäss  Steuererklärung  2014  per  31. Dezember  2014  einen  Gegen-

wert von Fr. 177'955.- gehabt habe. Per 31. Dezember 2015 deklarierte der Pflichtige 

noch einen Bestand von umgerechnet Fr. 1'383.-. Der beim Verkauf dieser "Nuggets" 

erzielte Gewinn sei als privater Kapitalgewinn steuerfrei. 

Im Rahmen des Auflageverfahrens betreffend die Steuerperiode 2015 reichte 

der Pflichtige Listen sämtlicher getätigten Käufe und Verkäufe von "Nuggets" ein. Dar-

aus  errechnete  die  Steuerkommissärin  Verkaufserlöse  von  total  EUR  251'770.-  und 

bezahlte Kaufpreise von total EUR 7'425.-. Die  Differenz von EUR 244'345.- rechnete 

sie  zum  Jahresmittelkurs  von  1.06811464  in  Fr. 260'989.-  um.  Dieser  Betrag  wurde 

beim steuerpflichtigen Einkommen aufgerechnet. Ferner korrigierte sie den angegebe-

nen Vermögensteuerwert für die im Jahr 2015 erworbenen Motorfahrzeuge (deklarier-

ter Kaufpreis: Fr. 66'000.-) von Fr. 12'000.- auf Fr. 30'000.-. Dies ergab für die Veranla-

gung/Einschätzung vom 14. November 2017 folgende Steuerfaktoren:  

Direkte Bundesteuer  

Steuerbares Einkommen 

Staats- und Gemeindesteuern 

Steuerbares Einkommen 

Steuerbares Vermögen 

    Fr.  

358'000.- 

357'900.- 

365'000.-.  

B.  Dagegen  erhob  der  Pflichtige  am  7. Dezember  2017  Einsprache.  Sinnge-

mäss  beantragte  er  eine  Festsetzung  des  steuerbaren  Einkommens  gemäss  der  

Steuererklärung, d.h. ohne die vorgenannte Aufrechnung. Eventualiter machte er gel-

tend, der Wertzuwachs im Bemessungsjahr habe nicht Fr. 260'989.-, sondern lediglich 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

Fr. 88'091.-  betragen,  da  Fr. 177'955.-  bereits  per  31. Dezember  2014  als  Vermögen 

deklariert gewesen seien.  

Mit  Einspracheentscheiden  vom  12. Dezember  2017  wies  die  Vorinstanz  die 

Einsprachen  ab.  Sie  hielt  daran  fest,  dass  aufgrund  der  Generalklausel  von  Art. 16 

Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14. Dezember 1990 

(DBG)  bzw.  § 16  Abs. 1  des  Steuergesetzes  vom  8.  Juni  1997  (StG)  alle  wiederkeh-

renden  und  einmaligen  Einkünfte  der  Einkommenssteuer  unterliegen.  Dazu  gehörten 

auch  Gewinne  aus  Glücksspielen  (mit  Ausnahme  von  Gewinnen  bei  schweizerischen 

Spielbanken). Dem Pflichtigen sei der Nachweis, dass der erzielte Vermögenszuwachs 

nicht der Einkommenssteuer unterliege, misslungen. 

C. Dagegen liess der Pflichtige am 15. Januar 2018 Beschwerde bzw. Rekurs 

erheben und – unter Kosten- und Entschädigungsfolge – beantragen, die Steuerfakto-

ren wie folgt festzusetzen:  

Direkte Bundesteuer  

Steuerbares Einkommen 

Staats- und Gemeindesteuern 

Steuerbares Einkommen 

Steuerbares Vermögen 

    Fr.  

100'800.- 

100'000.- 

347'000.-.  

Darin wurde gegenüber der Steuererklärung eine Aufrechnung beim Einkom-

men  im  Betrag  von  Fr. 3'029.-  vorgenommen,  da  der  Pflichtige  Provisionszahlungen 

der  Lopoca  Gaming  Ltd.  für  die  Anwerbung  neuer  Interessenten  im  Betrag  von 

EUR 2'798.47  erzielt  habe.  Die  Gewinne  aus  dem  Verkauf  der  "Nuggets"  stellten  je-

doch  Kapitalgewinn  dar,  der  im  privaten  Bereich  steuerfrei  sei.  Die  "Nuggets"  seien 

diesbezüglich  mit  Kryptowährungen  vergleichbar.  Beim  steuerbaren  Vermögen  wurde 

die vorgenommene Aufrechnung bezüglich der Bewertung der Motorfahrzeuge implizit 

bestritten  und  am  Wert  gemäss  Steuererklärung  festgehalten.  Eine  Begründung  für 

dieses Festhalten wurde jedoch nicht gegeben. 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

Das  kantonale  Steueramt  beantragte  am  7.  Februar  2018  Abweisung  der 

Rechtsmittel.  Dem  schloss  sich  die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV)  in  der 

Vernehmlassung  vom  9. Mai  2018  an.  Sie  verwies  auf  den  Katalog  der  steuerfreien 

Einkünfte in Art. 24 DBG sowie auf die Steuerfreiheit für Kapitalgewinne aus der Ver-

äusserung  von  beweglichem  Privatvermögen.  Den  "Nuggets"  komme  kein  Vermö-

genswert zu, weshalb aus deren  Veräusserung kein steuerfreier Kapitalgewinn  erzielt 

werden könne. 

Nach  Zustellung  dieser  Stellungnahmen  ersuchte  der  Pflichtige  um  Frister-

streckung für die Einreichung einer Replik. Er stellte die Einreichung eines Gutachtens 

zur rechtlichen Beurteilung des "Lopoca Nugget Game" in Österreich sowie eines wei-

teren  Privat-Gutachtens  zur  Rechtslage  in  der  Schweiz  in  Aussicht.  Diese  gingen  am 

6. Juli  2018  bzw.  zusammen  mit  der  Replik  am  29. August  2018  ein.  Das  kantonale 

Steueramt verzichtete auf eine Duplik. Von Seiten des Pflichtigen wurden am 25. Sep-

tember 2018 weitere Dokumente nachgereicht.  

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit rechtserheblich, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Gemäss Art. 16 Abs. 1 und 3 DBG bzw. § 16 Abs. 1 und 3 StG unterlie-

gen  der  Einkommenssteuer  alle  wiederkehrenden  und  einmaligen  Einkünfte  mit  Aus-

nahme der Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privatvermögen. Der Gesetzge-

ber  hat  damit  an  dem  bereits  in  Art.  21  Abs.  1  des  Bundesratsbeschlusses  vom 

9. Dezember  1940  über  die  Erhebung  einer  direkten  Bundessteuer  (BdBSt)  enthalte-

nen  Grundsatz  der  Gesamtreineinkommensbesteuerung  festgehalten.  Steuerfrei  sind 

nach Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16 Abs. 3 StG die Kapitalgewinne aus der Veräusse-

rung  von  Privatvermögen.  Damit  bestätigt  das  Gesetz  ausdrücklich,  was  schon  unter 

dem  Bundesratsbeschluss  über  die  Erhebung  einer  direkten  Bundessteuer  Gültigkeit 

hatte.  Art.  18  Abs.  1  DBG  bzw.  §  18  Abs.  1  StG  bestimmt,  dass  alle  Einkünfte  aus  

einem  Handels-,  Industrie-,  Gewerbe-,  Land-  und  Forstwirtschaftsbetrieb,  aus  einem 

freien  Beruf  sowie  jeder  anderen  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  steuerbar  sind.  Zu 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

den Einkünften aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gehören nach Art. 18 Abs. 2 DBG 

bzw.  § 18  Abs.  2  StG  auch  alle  Kapitalgewinne  aus  Veräusserung,  Verwertung  oder 

buchmässiger Aufwertung von Geschäftsvermögen. 

Steuerfrei sind im Weiteren die bei Glücksspielen in inländischen Spielbanken 

erzielten  Gewinne  sowie  Lotteriegewinne  bis  zu  einem  Betrag  von  Fr. 1'000.-  

(Art. 24  lit. i  und  j  DBG  [in  der  bis  zum  31. Dezember  2018  geltenden  Fassung]  bzw. 

§ 24 lit. j und k StG). 

b)  Die  Lopoca  Gaming  Ltd.  in  Malta  bietet  gegen  Geld  Internet-Spiele  (u.a. 

Poker) und -Wetten an. Zudem hat sie eine eigene "Währung" geschaffen, mit der die 

Spiel-  und  Wetteinsätze  bezahlt  und  die  Gewinne  ausbezahlt  werden.  Die  Einheiten 

dieser  "Währung"  werden  "Nuggets"  genannt.  Der  Erwerb  von  "Game-Nuggets"  ist 

Voraussetzung, um an Internet-Glücksspielen bei der Lopoca Gaming Ltd. teilnehmen 

zu können. 

c) Der Pflichtige hat mit "Game-Nuggets" der Lopoca Gaming Ltd. gehandelt. 

Er  hat  diese  –  nach  eigenen  Angaben  –  nicht  für  die  Teilnahme  an  Internet-Spielen 

eingesetzt, sondern lediglich versucht, aus den "Kurs-"Schwankungen durch geschick-

te Wahl des Kaufs- bzw. Verkaufszeitpunkts einen Gewinn zu erzielen. 

d) Die "Game-Nuggets" bestehen nur "virtuell", also nicht – wie etwa "Chips", 

mit  denen  in  Spielbanken  Einsätze  und  Auszahlungen  erfolgen  –  als  physisch  nach-

weisbare  Sachwerte.  Eine  gegenständliche  Existenz  ist  jedoch  nicht  Voraussetzung 

dafür,  dass  ihnen  ein  steuerlich  relevanter  Vermögenswert  zukommt.  Auch  gewöhnli-

che  Kontoguthaben  sind  physisch  nicht  nachweisbar.  Dass  der  Wert  der  "Game-

Nuggets" Schwankungen unterworfen ist, bedeutet ebenfalls nicht, dass ihnen deshalb 

kein Wert zukommt. Die "Nuggets" können – abgesehen von gewissen zeitlichen Ein-

schränkungen,  die  hier nicht  relevant  sind  –  jederzeit  gegen  eine  "offizielle"  Währung 

(Euro)  getauscht  werden.  Sie  unterscheiden  sich  daher  bezüglich  der  Werthaltigkeit 

nicht  von  fremden,  "offiziellen"  Währungen,  Krypto-Währungen  oder  anderen  privaten 

Zahlungsmitteln wie z.B. Guthaben bei der WIR Bank Genossenschaft. Wohl mag der 

Markt  für  einen  Tausch  in  "offizielle"  Währungen  klein  sein,  jedoch  hängt  auch  die 

Werthaltigkeit  von  Fremdwährungen  davon  ab,  ob  ein  Verkaufswilliger  einen  Gegen-

part findet, der die entsprechende Währung kaufen will (und umgekehrt). Den "Game-

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

Nuggets"  der  Lopoca  Gaming  Ltd.  kommt  daher  –  entgegen  den  Ausführungen  der 

ESTV – durchaus ein Vermögenswert zu. 

e)  Der  Pflichtige  hat  deshalb  in  seinen  Steuererklärungen 2014  und  2015  zu 

Recht  einen  solchen  Vermögenssteuerwert  deklariert.  Die  dabei  vorgenommene  Be-

wertung  und  Umrechnung  in  Schweizer  Franken  wird  nicht  beanstandet.  Sie  ist  auf-

grund der vorliegenden Akten auch plausibel, weshalb sie zu bestätigen ist. 

2. a) Gemäss Art. 24 lit. i DBG (in der bis zum 31. Dezember 2018 geltenden 

Fassung) sind Gewinne steuerfrei, die "bei Glücksspielen in Spielbanken im Sinne des 

Spielbankengesetzes  vom  18.  Dezember  1998"  erzielt  wurden.  Die  gleiche  Bestim-

mung enthält § 24 lit. j StG. 

b)  Es  ist  zu  Recht  unstreitig,  dass  es  sich  bei  der  Lopoca  Gaming  Ltd.  nicht 

um  eine  Spielbank  im  Sinne  des  schweizerischen  Spielbankengesetzes  handelt.  Fer-

ner macht der Pflichtige geltend, dass er mit den "Nuggets" lediglich Handel getrieben, 

jedoch keine Spielgewinne erzielt habe. Diese Ausführungen sind nicht bestritten, und 

aus  den  Akten  ergeben  sich  keine  gegenteiligen  Anhaltspunkte.  Die  genannten  

Bestimmungen sind daher vorliegend nicht relevant. 

c)  Mit  den  vorstehenden  Ausführungen  noch  nicht  beantwortet  ist  die  Frage, 

wie mit den Wertschwankungen der "Game-Nuggets" steuerlich umzugehen ist. Nach 

dem  Gesagten  handelt  es  sich  bei  den  erzielten  Gewinnen  nicht  um  solche  aus 

Glücksspiel, sondern der Handel mit "Game-Nuggets" ist nicht anders zu beurteilen als 

der Kauf und Verkauf von Fremd- oder Kryptowährungen. Gewinne aus diesem Handel 

sind  daher  steuerfrei,  sofern  sie  im  Rahmen  privater  Vermögensverwaltung  und  nicht 

im Rahmen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit erzielt werden (Art. 16 Abs. 3 DBG; 

§ 16 Abs. 3 StG). Zu prüfen ist, ob dies vorliegend der Fall ist. 

3. a) Unter den Begriff der selbstständigen Erwerbstätigkeit fällt allgemein jede 

Tätigkeit,  bei  der  ein  Unternehmer  auf  eigenes  Risiko,  unter  Einsatz  von  Arbeit  und 

Kapital, in einer frei gewählten Organisation und mit der Absicht der Gewinnerzielung 

am  Wirtschaftsverkehr  teilnimmt.  Eine  solche  Tätigkeit  kann  haupt-  oder  nebenberuf-

lich sowie dauernd oder temporär ausgeübt werden. Ob eine selbstständige Erwerbstä-

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

tigkeit  vorliegt,  ist  stets  nach  den  gesamten  Umständen  des  Einzelfalls  zu  beurteilen. 

Als  Indizien  hierfür  gelten  im  Zusammenhang  mit  dem  Wertschriftenhandel  die syste-

matische oder planmässige Art und Weise des Vorgehens, die Häufigkeit der Transak-

tionen,  die  kurze  Besitzdauer,  der  enge  Zusammenhang  mit  der  beruflichen  Tätigkeit 

der  steuerpflichtigen  Person,  der  Einsatz  spezieller  Fachkenntnisse  oder  erheblicher 

fremder  Mittel  zur  Finanzierung  der  Geschäfte  sowie  die  Verwendung  der  erzielten 

Gewinne bzw. deren Wiederanlage in gleichartige Vermögensgegenstände. Jedes die-

ser Indizien kann zusammen mit andern, unter Umständen jedoch auch für sich allein 

zur  Annahme  einer  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  ausreichen.  Dass  einzelne  typi-

sche  Elemente  einer  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  im  Einzelfall  nicht  erfüllt  sind, 

kann  durch  andere  Elemente  kompensiert  werden,  die  besonders  ausgeprägt  vorlie-

gen. Entscheidend ist, dass  die Tätigkeit in ihrem gesamten  Erscheinungsbild auf Er-

werb ausgerichtet ist (BGE 125 II 113 E. 5e; BGr, 1. Dezember 2015, 2C_375/2015 mit 

Hinweisen auf die jüngere Rechtsprechung). 

Im  Hinblick  auf  diese  Indizien  hat  das  Bundesgericht  für  die  Frage,  ob  ge-

werbsmässiger  Wertschriftenhandel  vorliege,  erwogen,  es  seien  insbesondere  die  

Höhe  des  Transaktionsvolumens  (d.h.  der  Summe  aller  Kaufpreise  und  Verkaufserlö-

se)  sowie  der  Einsatz  erheblicher  fremder  Mittel  zur  Finanzierung  der  Geschäfte  als 

massgebliche Kriterien zu berücksichtigen. Demgegenüber hätten die Indizien des sys-

tematischen und planmässigen Vorgehens sowie des Einsatzes spezieller Fachkennt-

nis nur noch untergeordnete Bedeutung, etwa im Sinne von "Ausschlusskriterien" (BGr, 

23. Oktober 2009, 2C_868/2008, E. 2.7). 

b) Für den Bereich der direkten Bundessteuer hat die ESTV am 27. Juli 2012 

das Kreisschreiben Nr. 36 zum gewerbsmässigen Wertschriftenhandel erlassen (nach-

folgend KS Nr. 36). Darin konkretisiert die ESTV die obenstehend genannten Abgren-

zungselemente zwischen privater Vermögensverwaltung einerseits und dem gewerbs-

mässigen  Wertschriftenhandel  andererseits.  Demgemäss  gehen  die  Steuerbehörden 

im Sinn einer "safe haven rule" in jedem Fall von einer privaten Vermögensverwaltung 

aus, wenn die nachfolgenden fünf Kriterien kumulativ erfüllt sind: 

  Die  Haltedauer  der  veräusserten  Wertschriften  beträgt  mindestens  sechs  

Monate.  

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

  Das  Transaktionsvolumen  (entspricht  der  Summe  aller  Kaufpreise  und  Ver-

kaufserlöse) pro Kalenderjahr beträgt gesamthaft nicht mehr als das Fünffache 

des Wertschriften- und Guthabenbestands zu Beginn der Steuerperiode. 

  Das  Erzielen  von  Kapitalgewinnen  aus  Wertschriftengeschäften  bildet  keine 

Notwendigkeit,  um  fehlende  oder  wegfallende  Einkünfte  zur  Lebenshaltung  zu 

ersetzen.  Das  ist  regelmässig  dann  der  Fall,  wenn  die  realisierten  Kapitalge-

winne weniger als 50% des Reineinkommens in der Steuerperiode betragen. 

  Die Anlagen sind nicht fremdfinanziert oder die steuerbaren Vermögenserträge 

aus den Wertschriften (wie z.B. Zinsen, Dividenden, usw.) sind grösser als die 

anteiligen Schuldzinsen. 

  Der Kauf und Verkauf von Derivaten (insbesondere Optionen) beschränkt sich 

auf die Absicherung von eigenen Wertschriftenpositionen.  

Sind diese Kriterien nicht kumulativ erfüllt, kann gewerbsmässiger Wertschrif-

tenhandel  nicht  ausgeschlossen  werden.  Die  entsprechende  Beurteilung  erfolgt  dann 

auf Grund sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls. 

c) Beim Kreisschreiben der ESTV handelt es sich um eine generell-abstrakte 

Dienstanweisung und mithin um eine Verwaltungsverordnung. Solche richten sich for-

mell nur an die Verwaltungsbehörden. Behörden und ihr  Personal sind insoweit durch 

die Verwaltungsverordnungen gebunden, als die verwaltungsinternen Vorschriften kei-

nen  offensichtlich  verfassungs-  oder  gesetzwidrigen  Inhalt  aufweisen.  Aufgrund  der 

blossen Behördenverbindlichkeit stehen Rechtsunterworfene und Gerichte regelmässig 

ausserhalb  des  Adressatenkreises.  Ihnen  gegenüber  stellen  sich  reine  Verwaltungs-

verordnungen als zwar standardisierte (generell-abstrakte) jedoch rechtsunverbindliche 

Ansichtsäusserungen  der  Verwaltungsbehörde  über  die  Auslegung  und  Anwendung 

der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen dar. Dennoch weicht das Steuerrekurs-

gericht von einer rechtmässigen Verwaltungsverordnung nicht ohne triftigen Grund ab, 

sofern  die  generell-abstrakte  Ansichtsäusserung  eine  dem  individuell-konkreten  Fall 

angepasste und gerecht werdende Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen zulässt 

und  überdies  eine  überzeugende  Konkretisierung  der  gesetzlichen  Vorgaben  enthält. 

Obschon das Kreisschreiben nur für die direkte Bundessteuer Vorschriften aufstellt, ist 

es mit Blick auf die vertikale Steuerharmonisierung auch für die Staats- und Gemein-

desteuern mit zu berücksichtigen. 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

d) Überprüft man den vorliegenden Sachverhalt im Hinblick auf die vorstehend 

genannten Ausschlusskriterien, so ist Folgendes festzustellen: 

aa) Haltedauer:  

Das  Erfordernis  der  Haltedauer  bezieht  sich  (wie  das  Kreisschreiben  über-

haupt) ausdrücklich auf Wertschriften. Ein Kontokorrent mit einer Fremd- oder (Quasi-) 

Währung  kommt  einem  "Handel"  mit  nur  einem  "Produkt"  gleich.  Das  Erfordernis  der 

Haltedauer macht in diesem Fall für sich allein wenig Sinn; die Abgrenzung erfolgt bes-

ser über das Kriterium der Transaktions-Häufigkeit (siehe nachfolgend). Zwar mag ein 

eigentlicher Devisenhandel  als "gewerbsmässig" gelten (vgl. BGr, 9. November 1990, 

StR 1991, 313 ff.), vorliegend hat der Pflichtige jedoch weder mit grossen, seine finan-

ziellen  Möglichkeiten  weit  übersteigenden  Beträgen  spekuliert  noch  die  für  den  Devi-

senhandel typischen (und zur Risikoabsicherung notwendigen) Termingeschäfte abge-

schlossen. Vielmehr hat er lediglich eigenes Vermögen angelegt.  

Da  sich  die  jeweils  neu  gekauften  "Game-Nuggets"  laufend  mit  den  bereits 

vorhandenen  vermischt  haben,  kann  das  Schicksal  der  einzelnen  Kauftranchen  nicht 

mehr  nachvollzogen  werden.  Schaut  man  die  Haltedauer  dennoch  genauer  an,  so  ist 

festzustellen,  dass  der  Pflichtige  bereits  2011  mit  dem  Erwerb  von  "Game-Nuggets" 

begonnen hat und sein Bestand aufgrund seiner Steuererklärung 2014 per Jahresan-

fang  2015  umgerechnet  rund  Fr. 177'955.-  ausmachte  Gemäss  seinen  Angaben  soll 

diese  Summe  einem  Bestand  von  108'769  Stück  entsprochen  haben.  Da  der  Endbe-

stand  per  31.  Dezember 2015  nachweislich  noch  591  Stück  betrug,  ist  praktisch  der 

gesamte Bestand im Jahr 2015 verkauft worden. Nachdem nur geringfügig noch Käufe 

getätigt  wurden,  müssen  die  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  2015  verkauften  "Nug-

gets" mehr als sechs Monate auf dem "Konto" des Pflichtigen "gelegen" haben. Für  – 

grob geschätzt – etwas mehr als die Hälfte der 2015 erfolgten Verkäufe ist die Halte-

dauer von mindestens sechs Monaten also erfüllt. 

In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 hat der Pflichtige – unter Berücksichti-

gung des Splits von rund 1:20 am … 2014 – lediglich 1'874 "Nuggets" gekauft. Somit 

muss der weit überwiegende Teil der im ersten Halbjahr 2015 verkauften "Nuggets" vor 

dem … Juli 2014 erworben worden sein. Auch diesbezüglich ist die halbjährige Halte-

dauer also erwiesen.  

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 10 - 

Nicht erfüllt ist die Haltedauer lediglich für einen geringen Teil der in der zwei-

ten  Hälfte  2015  gekauften  "Nuggets":  In  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  2015  hat  der 

Pflichtige  rund  1'000  "Nuggets"  erworben.  Da  der  Endbestand  nur  591  Stück  betrug, 

müssen  rund  410  "Nuggets"  nach  einer  Haltedauer  von  weniger  als  sechs  Monaten 

verkauft  worden  sein.  Dies  entspricht  bei  einem  gewichteten  durchschnittlichen  Ver-

kaufserlös  von  EUR  2.28  einem  Transaktionsvolumen  von  knapp  EUR 1'000.-.  Ange-

sichts  des  gesamten  Volumens  der  Verkäufe  von  über  EUR 240'000.-  kommt  diesen 

jedoch kaum Gewicht zu. 

bb) Transaktionsvolumen: 

Der  Pflichtige  hat  2015  für  rund  Fr.  8'000.-  "Game  Nuggets"  gekauft  und  

für  rund  Fr. 266'000.-  solche  verkauft.  Sein  Anfangsbestand  belief  sich  auf  rund 

Fr. 178'000.-. Das Transaktionsvolumen übersteigt damit das Fünffache des Anfangs-

bestandes nicht. 

cc) Lebenshaltungskosten:  

Der Pflichtige deklariert im Steuerjahr 2015 ein Erwerbseinkommen von brutto 

rund  Fr. 117'000.-.  Nach  Abzug  der  Berufsauslagen  verbleibt  ein  Netto-Einkommen 

von rund Fr. 105'000.-. Hinzu kommen rund Fr. 3'000.-, die er als "Partnerprovisionen" 

von  Seiten  der  Lopoca  Gaming  Ltd.  erhalten  hat.  Die  Gewinne  aus  dem  "Game-

Nugget"-Handel  übersteigen  damit  zwar  50%  des  Netto-Erwerbseinkommens,  jedoch 

war  der  alleinstehende  und  als  C  arbeitende  Pflichtige  für  seine  Lebenshaltung  nicht 

auf diese Gewinne angewiesen.  

dd) Fremdfinanzierung:  

Der  Pflichtige  deklariert  keine  Schulden.  Der  Erwerb  der  "Game-Nuggets"  

erfolgte daher vollumfänglich mit eigenen Mitteln. 

ee) Derivate:  

Bei den "Game-Nuggets" handelt es sich nicht um Derivate, die der Absiche-

rung eines Wertschriftenbestandes dienen könnten. 

ff)  Damit  sind  die  Kriterien,  nach  denen  eine  selbstständige  Erwerbstätigkeit 

ausgeschlossen werden kann, im grossen Ganzen erfüllt. 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 11 - 

e)  Was schliesslich das Kriterium der Häufigkeit der Transaktionen anbetrifft, 

so ist Folgendes festzustellen: Der Pflichtige hat im Jahr 2015 an 49 Daten insgesamt 

2'817 "Nuggets" gekauft. Die Verkäufe der über 100'000 "Nuggets" erfolgten an insge-

samt  12  Daten.  Dabei  ist  anzunehmen,  dass  für  die  am  gleichen  Tag  ausgeführten 

Transaktionen die Aufträge nur  einmal erteilt und entsprechend limitiert wurden. Mög-

lich wäre sogar, dass für Kaufs- oder Verkaufsaufträge, die innert 72 Stunden abgewi-

ckelt wurden, nur  ein Auftrag erteilt worden war, da Aufträge für maximal 72 Stunden 

gültig blieben. Die  Anzahl Kauf- bzw. Verkaufsaufträge würde sich dadurch nochmals 

geringfügig reduzieren. 

Im Durchschnitt ergibt sich also etwas mehr als  ein Auftrag pro Woche. Dies 

erscheint  zwar  –  auch  im  Vergleich  mit  der  Verwaltung  eines  konventionellen  Wert-

schriftendepots – für das in Frage stehende Investitionsvolumen an der oberen Grenze 

einer  Intensität,  die  eine  private  Vermögensverwaltung  erfordert,  überschreitet  diese 

jedoch nicht. 

Ob der Pflichtige zwischen den Handelsaufträgen den "Kurs" weiter beobach-

tete,  ist  nicht  bekannt.  Jedoch  würde  diese  laufenden  Überwachung  auch  bei  einem 

Wertschriftendepot  nicht  in  Erscheinung  treten  und  daher  dort  ebenfalls  nicht  berück-

sichtigt. 

4.  Zusammengefasst  ergibt  sich,  dass  dem  Pflichtigen  der  Nachweis  einer 

privaten  Vermögensverwaltung  und  damit  der  Steuerfreiheit  der  daraus  entstehenden 

Kapitalgewinne gelingt. Unter diesen Umständen ist auf die Gewinnberechnung in den 

angefochtenen  Entscheiden  nicht  weiter  einzugehen.  Selbstverständlich  wäre  als  Ge-

winn nur derjenige Betrag anzusehen, um den der Erlös das eingesetzte Kapital sowie 

allfällige mit den Transaktionen zusammenhängende Kosten übersteigt.  

Die  Beschwerde und der Rekurs sind demnach  in Bezug  auf das steuerbare 

Einkommen gutzuheissen. Dieses ist gemäss den Anträgen des Pflichtigen, d.h. unter 

Einbezug der von ihm nachdeklarierten "Partner-Provisionen", auf Fr. 100'800.- (direkte 

Bundessteuer) bzw. Fr. 100'000.- (Staats- und Gemeindesteuern) festzusetzen. Für die 

beantragte  Korrektur  beim  steuerbaren  Vermögen  findet  sich  in  den  Eingaben  des 

Pflichtigen  keine  Begründung.  Diese  kann  daher  nicht  gewährt  werden.  Überdies  er-

scheint der für 2015 angenommene Wert von Fr. 30'000.- bei einem deklarierten Kauf-

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 12 - 

preis der Motorfahrzeuge von Fr. 66'000.- sicherlich nicht als übersetzt. Das steuerbare 

Vermögen ist deshalb weiterhin gemäss Einspracheentscheid auf Fr. 365'000.- festzu-

setzen und der Rekurs diesbezüglich abzuweisen.  

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der vollständig unter-

liegenden  Beschwerdegegnerin  bzw.  dem  nahezu  vollständig  unterliegenden  Rekurs-

gegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG bzw. § 151 Abs. 1 StG). Die Beschwerde-

gegnerin/der  Rekursgegner  hat  dem  Pflichtigen  sodann  eine  Parteientschädigung  in 

angemessener Höhe zu entrichten (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bun-

desgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  bzw.  § 152 

i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959).  

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Beschwerdeführer  wird  für  die  direkte 

Bundessteuer,  Steuerperiode  2015,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 100'800.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 36 Abs. 1 DBG; Grundtarif).  

2.  Der  Rekurs  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der  Rekurrent  wird  für  die  Staats-  und 

Gemeindesteuern,  Steuerperiode  2015,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 100'000.-  und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr. 365'000.-  eingeschätzt  

(Tarif gemäss § 35 Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif):  

[…] 

2 DB.2018.15 
2 ST.2018.17