# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d0263346-1537-523e-bc48-233d35f276b6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-08-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.08.2013 IV 2011/209
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-209_2013-08-20.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/209

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.08.2013

Entscheiddatum: 20.08.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 20.08.2013
Art 28 IVG. Würdigung eines medizinischen Gutachtens. Rückweisung zur 
weiteren Abklärung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 20. August 2013, IV 2011/209).

Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer und

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Sibylle Betschart

 

Entscheid vom 20. August 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank, 

9313 Muolen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rente

 

 

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 28. Dezember 2009 unter Hinweis auf eine 

Bandscheibenproblematik sowie eine rezidivierende depressive Störung zum 

Leistungsbezug bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1-1 ff.).

A.b  Am 15. Januar 2010 erstattete Dr. med. B.___, Psychiatrie und Psychotherapie 

FMH, einen Bericht. Darin wurden als Diagnosen eine rezidivierende depressive 

Störung, aktuell mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10 F33.11/F33.2), eine 

generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), ein Status nach Kontusion der Sakralregion 

bei Treppensturz am 24. Februar 2009 und eine Spondylolisthesis L5/S1 mit 

Osteochondrose und Spondylarthrose/Zervikalgie genannt und eine ab Januar 2010 

aus psychiatrischer Sicht bestehende 50 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 21-1 

ff.).

A.c  Im Frühinterventions-Gesprächsprotokoll vom 28. Januar 2010 führte Dr. med. 

C.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom IV-internen regionalen 

ärztlichen Dienst (RAD) nach einem gleichentags geführten Telefonat mit Dr. B.___ aus, 

die Versicherte werde voraussichtlich zukünftig wieder die volle (ursprüngliche) 

Arbeitsfähigkeit erreichen; derzeit bestünden jedoch grosse Ängste vor einer 

beruflichen Integration (IV-act. 17-1 f.). Dr. B.___ unterzeichnete das Protokoll am 

2. Februar 2010 (IV-act. 17-2).

A.d  Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Hausarzt Dr. med. D.___, Facharzt FMH für 

Allgemeinmedizin, am 17. März 2010 einen Arztbericht. Er wiederholte die von 

Dr. B.___ am 15. Januar 2010 genannten Diagnosen, erwähnte zusätzlich eine 

Diskushernie L5/S1 bei Facettenarthrose und bilateraler Foramenstenose L5 nach 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Trauma und attestierte eine seit 15. April 2009 bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit 

(IV-act. 25-1 f.).

A.e  Am 17. Mai 2010 erstattete das Institut für medizinische und ergonomische 

Abklärungen (IME) im Auftrag der involvierten Krankentaggeldversicherung ein 

interdisziplinäres medizinisches Gutachten, basierend auf einer psychiatrischen 

Untersuchung vom 23. Februar 2010, einer rheumatologischen Untersuchung vom 

11. März 2010 sowie einer Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen 

Leistungsfähigkeit vom 18. März 2010. Die Gutachter nannten die Diagnosen eines 

chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms beidseits linksbetont (M54.4), 

eines rezidivierenden zervikozephalen Schmerzsyndroms (M53.0) und Polyarthralgien 

unklarer Ursache sowie einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte 

Episode (ICD-10 F33.0), und einer Agoraphobie (ICD-10 F40.0). Sie attestierten aus 

interdisziplinärer Sicht eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit. 

Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 4 Stunden am Tag, wobei die Erholungszeit 

sowohl auf den Morgen als auch den Nachmittag verteilt werden und die zweistündige 

Arbeitszeit mindestens durch eine Pause von 30 Minuten unterbrochen werden sollte 

(IV-act. 31-2 ff.).

A.f   Der RAD-Arzt Dr. C.___ hielt am 4. Juni 2010 in einer internen Stellungnahme fest, 

dass das Gutachten insgesamt zur Entscheidungsbildung vollumfänglich herangezogen 

werden könne (IV-act. 32).

A.g  Am 18. Juni 2010 forderte die IV-Stelle die Versicherte dazu auf, für weitere 

Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche einen Fragebogen auszufüllen. Ihr sei 

ein Arbeitspensum von 50% zumutbar (IV-act. 35-1 f.).

A.h  Mit Mitteilung vom 14. Dezember 2010 brachte die IV-Stelle der Versicherten zur 

Kenntnis, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien. 

Das ab 1. September 2010 stattgefundene Eingliederungsprogramm E.___ sei nach 

zwei Monaten abgebrochen worden (IV-act. 50-1 f.).

A.i   Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Ausrichtung einer Viertelsrente ab 1. Juli 2010 in Aussicht (IV-act. 66-1 ff.). Der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Invaliditätsgrad betrage 48 % (Valideneinkommen Fr. 43'979.--, Invalideneinkommen 

Fr. 23'089.--).

A.j   Die Versicherte liess am 22. Februar 2011 Einwand gegen den Vorbescheid 

erheben und die Ausrichtung einer halben Rente beantragen (IV-act. 67).

A.k  Am 24. Mai 2011 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 75-1 ff., 71-1 

ff.).

B.    

B.a  Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas am 

20. Juni 2011 für die Versicherte erhobene Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung 

vom 24. Mai 2011 sei teilweise aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine halbe IV-

Rente zu gewähren. Die Beschwerdeführerin habe sich auf die schriftliche, von 

kompetenter und zuständiger Stelle abgegebene Erklärung der Beschwerdegegnerin 

vom 18. Juni 2010 verlassen und sich im Umfang von 50 % bei RAV/ALK angemeldet. 

Wenn ihr nunmehr eine Viertelsrente gewährt werde, erleide sie aufgrund der schriftlich 

erteilten Auskunft und Aufklärung der Beschwerdegegnerin einen finanziellen Schaden 

(entgangene ALK-Taggelder). Sodann habe die Beschwerdegegnerin unverständlicher­

weise ohne jegliche Parallelisierung als Vergleichseinkommen bei der Berechnung des 

Invalideneinkommens einen Betrag von Fr. 51'368.-- eingesetzt, welcher eindeutig um 

ca. 15 % das von der Beschwerdeführerin effektiv verdiente Einkommen vor der 

Erkrankung übersteige. Das Invalideneinkommen sei zufolge Parallelisierung um 15 % 

herabzusetzen. Allein aus diesem Grund komme die Beschwerdeführerin in den 

Genuss einer halben Rente. Vorliegend würde sich zudem die Gewährung eines 

Leidensabzugs von mindestens 10 % rechtfertigen (act. G 1).

B.b  In der Beschwerdeantwort vom 9. September 2011 beantragt die 

Beschwerdegegnerin, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin keinen 

Rentenanspruch habe. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, das 

Bundesgericht habe in BGE 135 V 58 festgehalten, dass es keinen Grund gebe, ein aus 

wirtschaftlichen Gründen unterdurchschnittliches Valideneinkommen auf ein 

durchschnittliches hochzurechnen, wenn tatsächlich oder zumutbarerweise ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

durchschnittliches Invalideneinkommen erzielt werden könne. Im Jahr 2008 habe die 

Versicherte an der letzten Stelle Fr. 41'363.-- verdient. Im gleichen Jahr habe der 

Tabellenlohn für Hilfsarbeiterinnen bei einem üblichen Wochenpensum von 41.6 

Stunden Fr. 51'368.-- betragen. Bei einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % 

betrage das Invalideneinkommen Fr. 25'684.--. Bei einem Valideneinkommen von 

Fr. 41'363.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 25'684.-- ergebe sich die 

Erwerbseinbusse Fr. 15'679.--, was einem IV-Grad von 37 % entspreche. Die 

Beschwerdeführerin habe keinen Rentenanspruch. Selbst wenn eine 

Einkommensparallelisierung vorzunehmen wäre, hätte die Beschwerdeführerin lediglich 

Anspruch auf eine Viertelsrente. Der IV-Grad würde 47.5 % betragen (act. G 4).

B.c  Am 19. September 2011 lässt die Beschwerdeführerin Replik erstatten. Zusätzlich 

zu den beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren wird eine öffentliche Verhandlung 

samt Befragung von Zeugen beantragt (act. G 6).

B.d  Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 28. September 2011 auf 

eine Duplik (act. G 9).

B.e  Mit Schreiben vom 5. Oktober 2011 (act. G 10) lässt die Beschwerdeführerin ein 

Schreiben des Bundesamts für Statistik (BFS) vom 4. Oktober 2011 samt Beilagen ins 

Recht legen (G 10.1). Aus diesen Unterlagen gehe hervor, dass die Löhne der vom 

Ausland eingewanderten Arbeitskräfte eindeutig tiefer lägen als jene der hiesigen 

Bevölkerung.

B.f   Am 16. Juli 2013 (act. G 14) kündigte die zuständige Verfahrensleiterin dem 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine mögliche Schlechterstellung (reformatio in 

peius) an und bot ihm Gelegenheit zum Beschwerderückzug. Davon machte die 

Beschwerdeführerin keinen Gebrauch (Schreiben vom 29. Juli 2013, act. G 15).

 

Erwägungen:

1.     

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.1   Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder 

länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat 

die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, 

auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn 

sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % 

invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist 

gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Demnach wird für die 

Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und 

allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Der 

Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden 

hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und 

einander gegenübergestellt werden.

1.2   Eine der Grundlagen der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist 

die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu 

können, ist die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen 

angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu 

stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher 

Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht 

hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die 

vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 

Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der 

freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen 

medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen 

(BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte 

Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und 

Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 

Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der 

Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb; siehe auch BGE 137 

V 210).

2.     

Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine 

rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.

2.1   Die Beschwerdegegnerin stützt sich bezüglich Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die 

Begutachtung durch das IME vom März 2010 (IV-act. 31-2 ff.).

2.1.1         Die rheumatologische Begutachtung ist durch Dr. med. F.___, Facharzt für 

Rheumatologie und Innere Medizin FMH, erfolgt, der seine Diagnosen unter anderem 

auf die am 24. Februar, 4. März sowie 15. April 2009 angefertigten Röntgenbilder bzw. 

MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Beckens abgestützt hat (IV-act. 31-10 f.). 

Der Gutachter hat folgendes berichtet: In der klinischen Untersuchung sei eine 

schmerzhafte Funktionsstörung der LWS, weniger ausgeprägt der HWS, sowie ein sehr 

auffälliges verbales und nonverbales Schmerzverhalten im Vordergrund gestanden. 

Durch das Verhalten der Versicherten sei die Untersuchbarkeit beeinträchtigt gewesen. 

Soweit ersichtlich habe jedoch weder ein lumboradikuläres noch ein zervikoradikuläres 

Reiz- oder Ausfallssyndrom bestanden. In der Evaluation der arbeitsbezogenen 

funktionellen Leistungsfähigkeit habe das auffällige Verhalten der Versicherten 

objektiviert und quantifiziert werden können. Die Leistungsbereitschaft der Versicherten 

sei als schlecht beurteilt worden. Es hätten sich erhebliche Hinweise auf eine 

Symptomausweitung gefunden. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor allem in rückenbelastenden Tätigkeiten. In einer 

ideal angepassten Tätigkeit – die einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit 

entspreche mit der Möglichkeit, zwischen sitzender, gehender und stehender 

Arbeitstätigkeit bei Bedarf zu wechseln, mit maximalen Gewichtsbelastungen von ca. 

7.5 kg selten am Tag – bestehe eine Arbeitsfähigkeit. Tätigkeiten, die eine 

Zwangshaltung der Hals- oder Lendenwirbelsäule, repetitive Rotationsbewegungen der 

Wirbelsäule, längeres Arbeiten in vorgeneigter Körperhaltung sowohl im Sitzen als auch 

im Stehen bedingten, sowie Tätigkeiten, bei denen man stärkeren Vibrationen oder 

Erschütterungen ausgesetzt sei, sollten vermieden werden. Aufgrund der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

schmerzhaften Funktionsstörung der Wirbelsäule, insbesondere der LWS, den 

nachgewiesenen morphologischen Veränderungen sowie einer sich im Verlauf 

entwickelten Dekonditionierung bestehe ein Bedarf für vermehrte Pausen im Ausmass 

von 40 % über den Tag verteilt. Somit bestehe aus rheumatologischer Sicht in einer 

ideal angepassten Tätigkeit nach der Installation einer ausgebauten analgetischen 

Therapie eine 60 %ige Arbeitsfähigkeit (40 %ige Arbeitsunfähigkeit). Der Einstieg sollte 

schrittweise über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten erfolgen. Im Verlauf sollte 

nach Stabilisierung der psychischen Situation und Ausbau der analgetischen und 

psychopharmakologischen Therapie eine Rehabilitationsbehandlung für Patienten mit 

chronischen Schmerzzuständen möglich sein. Im Anschluss sollte eine Steigerung der 

körperlichen Aktivität mit dem Ziel einer Stabilisierung und Kräftigung der Rumpf- und 

Rückenmuskulatur und somit auch eine Verbesserung der Stabilisationsfähigkeit der 

LWS möglich sein. Alternativ müsste auch eine Spondylodese L5/S1 in Erwägung 

gezogen werden. Durch diese therapeutischen Massnahmen sollte eine Steigerung der 

Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit in vier bis acht Monaten möglich sein. 

Bezüglich Prognose bestünden jedoch Unsicherheiten aufgrund einer ausgeprägten 

Verhaltensproblematik bei gleichzeitig psychischen Beschwerden und chronifiziertem 

Schmerzsyndrom (IV-act. 31-13 f.).

2.1.2         Der Gutachter Dr. med. G.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 

ist in seinem Teilgutachten vom 21. März 2010 (IV-act. 31-28 ff.) von einer leichten 

depressiven Episode bei wahrscheinlich rezidivierender depressiver Störung 

ausgegangen. Es sei nicht ganz klar, ob es sich wirklich um eine rezidivierende 

depressive Störung handle. In den Akten und der Anamnese würden frühere Episoden 

beschrieben, in denen es der Explorandin viel schlechter gegangen sei, wobei nicht 

ganz klar sei, ob damals tatsächlich eine depressive Episode vorgelegen habe oder die 

Angststörung stärker ausgeprägt gewesen sei. Unbestritten bestünden 

Angstsymptome, man könne aber nicht sagen, dass es sich um eine generalisierte und 

anhaltende Angst handle. Die beschriebenen Symptome passten viel eher zur 

Diagnose einer Agoraphobie. Dr. G.___ hat das Vorliegen einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung explizit verneint. Er hat die Grundstimmung als zum 

depressiven Pol hin verschoben beschrieben. Die affektive Modulationsfähigkeit sei 

eingeschränkt gewesen. Die Beschwerdeführerin habe über eine innere Leere, eine 

Minderung der Vitalgefühle geklagt, sie sei deprimiert, ängstlich, innerlich unruhig, sie 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

habe Insuffizienzgefühle und habe über eine Ambivalenz und eine Minderung des 

Antriebs geklagt. Sie habe einen ausgeprägten sozialen Rückzug beschrieben. Aus 

psychiatrischer Sicht bestehe eine 40 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

(bezogen auf eine 100 %ige Anstellung). Diese Einschränkungen bestünden bei jeder in 

Frage kommenden Tätigkeit. Es sei davon auszugehen, dass durch das Weiterführen 

der bisherigen ambulanten, psychiatrischen und medikamentösen Behandlung die 

Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht noch weiter gesteigert werden könne. Der 

Gutachter wies darauf hin, nach Ablauf von drei Monaten eine weitere deutliche 

Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (IV-act. 31-45 ff.).

2.2   Interdisziplinär ist im Gutachten ausgeführt worden, dass eine 50 %ige 

Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit attestiert werde. Aufgrund der 

Kombination von psychischen und somatischen Beschwerden sowie 

Verhaltensproblemen komme es bei der Beschwerdeführerin zu einer leichten 

Summierung der jeweils 40 %igen Arbeitsunfähigkeit, so dass insgesamt eine 50 %ige 

Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit attestiert werde. Sowohl aus psychiatrischer 

als auch rheumatologischer Sicht bestehe kein Endzustand, durch weiterführende 

medizinische Massnahmen sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zumindest 

medizinisch-theoretisch möglich (IV-act. 31-18).

2.3   Ohne das gutachterlich attestierte und einlässlich begründete 

Steigerungspotential in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sowohl in rheumatologischer als 

auch in psychiatrischer Hinsicht zu überprüfen bzw. den weiteren Verlauf zu erheben, 

hat die Beschwerdegegnerin am 24. Mai 2011, also ein Jahr und zwei Monate nach der 

Begutachtung durch das IME, gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % die 

angefochtene Verfügung erlassen. Zu jenem Zeitpunkt hätte sich bereits zeigen 

müssen, ob die von den Gutachtern erwähnten Therapieoptionen umgesetzt wurden 

bzw. ob die prognostizierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit sich eingestellt hatte. Wäre 

dies nicht der Fall gewesen, so hätte die Beschwerdegegnerin die Gründe dafür 

abklären bzw. erheben müssen, ob die Beschwerdeführerin die von ihr im Rahmen der 

ihr obliegenden Schadenminderungspflicht zu erwartende Mitwirkung gezeigt hat oder 

ob sie allenfalls entsprechend abzumahnen gewesen wäre. Eine Überprüfung des 

Verlaufs vor Verfügungserlass gestützt auf die Angaben der Gutachter wäre schon 

allein deswegen sinnvoll gewesen, weil diese ihr Gutachten zuhanden der auf eher 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

kurzfristige Leistungen ausgerichteten Krankentaggeldversicherung erstattet haben. 

Hinweise auf eine Steigerbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf jedenfalls über 50 % lieferten 

neben den Gutachtern im Übrigen auch die behandelnden Psychiater. So hatten med. 

pract. H.___ und Dr. B.___ am 5. Januar 2010 gegenüber der 

Krankentaggeldversicherung festgehalten, die ab Januar 2010 attestierte 

Arbeitsfähigkeit von 40% sei psychotherapeutisch und psychopharmakologisch 

durchaus noch steigerbar (IV-act. 21-5). Gemäss FI-Gesprächsprotokoll vom 

28. Januar 2010, von Dr. B.___ unterzeichnet am 2. Februar 2010, war dieser 

grundsätzlich sogar von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen (IV-

act. 17). Dr. med. I.___, Neurochirurgie FMH, hatte zuhanden der Unfallversicherung in 

einem Schreiben vom 20. Oktober 2009 für die somatischen Pathologien ebenfalls von 

einer günstigen Prognose berichtet (IV-act. 21-17).

2.4   Bei dieser medizinischen Aktenlage war zum Verfügungszeitpunkt im Mai 2011 

nicht rechtsgenüglich bewiesen, dass die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit 

von 50 % noch immer bestanden hat. Die nach der Begutachtung und vor 

Verfügungserlass durchgeführte berufliche Abklärung (insbesondere ein Einsatz im 

Programm E.___; vgl. IV-act. 42) war nicht geeignet, weitere medizinische Abklärungen 

zu ersetzen. Die Invaliditätsbemessung, die sich auf eine nicht hinlänglich bewiesene 

Arbeitsfähigkeitsschätzung stützt, war folglich nicht gesetzmässig.

3.     

3.1   Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2011 insofern gutzuheissen, als die Sache zur 

ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinn der Erwägungen und zur 

anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.

3.2   Eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung stellt 

praxisgemäss aus prozessualer Sicht ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV 

Nr. 51 S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Bei dieser Sachlage erübrigt sich die 

Durchführung der im Zusammenhang mit dem Einkommensvergleich beantragten 

mündlichen Verhandlung.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.3   Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die 

Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1  IVG), 

gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Gerichtsgebühr von 

Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist 

der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.

3.4   Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung, die vom 

Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und 

nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch 

Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).

 

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

24. Mai 2011 aufgehoben. Die Sache wird im Sinn der Erwägungen zu ergänzenden 

medizinischen Abklärungen und zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurück­

erstattet.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 20.08.2013
	Art 28 IVG. Würdigung eines medizinischen Gutachtens. Rückweisung zur weiteren Abklärung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2013, IV 2011/209).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:31:42+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen