# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a327cb05-72e8-560d-95b6-84f00a268279
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-06-01
**Language:** de
**Title:** Baubewilligung für Strichplatz in Zürich-Altstetten.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0080/2012
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0080-2012.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2011.05152 
0080/2012 

Entscheid vom 1. Juni 2012 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Hess, Baurichter Walter Baumann, Baurichter Ul-
rich Weiss, Gerichtsschreiber Robert Durisch     

in Sachen 

Rekurrierende 

1. – 9. [….]    

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich  
2.  Stadt Zürich, SEB Soz. Einrichtungen und Betriebe, Werdstrasse 75, 

8036 Zürich  

betreffend 

Bausektionsbeschluss  Nr.  BE  1613/11  vom  25.  Oktober 2011;  Baubewilli-
gung für Strichplatz, Kat.-Nrn. AL7814 und AL8240, Depotweg 3 und 5, Zü-
rich 9 - Altstetten 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Bauentscheid Nr. 1613/11 vom 25. Oktober 2011 erteilte die Bausekti-

on der Stadt Zürich, SEB Soziale Einrichtungen und Betriebe, die baurecht-

liche Bewilligung für die Einrichtung eines Strichplatzes auf den Grundstü-

cken Kat.-Nrn. AL8240 und AL7814 am Depotweg 3 und 5 in Zürich 9, Alt-

stetten, der insbesondere aus einem Betreuungspavillon mit Sonnenkollek-

tor, 10 Autoboxen, zwei Kabinen mit je zwei Toiletten, Sichtschutzwänden, 

acht Fahrzeugabstellplätzen  und  einem  Stellplatz  für  vier Wohnmobile  be-

steht. 

B. 
Gegen die Baubewilligung rekurrierten  [….] mit Eingabe vom 2. Dezember 
2011  beim  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich.  Die  Rekurrierenden  be-

antragten insbesondere die Aufhebung der angefochtenen Bewilligung un-

ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerinnen. 

C. 

Mit Verfügung vom 8. Dezember 2011 eröffnete das Baurekursgericht das 

Vernehmlassungsverfahren.  Die  Rekursgegnerinnen  beantragten  mit  Ver-

nehmlassungen  vom  17.  und  24. Januar  2012,  es  sei  der  Rekurs  unter 

Kostenfolge zulasten der Rekurrierenden abzuweisen. Hierauf liessen sich 

die Rekurrierenden mit Replik vom 23. Februar 2012 und die Rekursgegne-

rinnen mit separaten Dupliken vom 19. März 2012 vernehmen. 

D. 
Am 22. März 2012 führte die 1. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein 

der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

E. 

Mit Präsidialverfügung vom 3. April 2012 wurde ein weiterer Schriftenwech-

sel  betreffend  verkehrssicherer  Zufahrt  und  Fahrzeugabstellplätze  anbe-
raumt. Die Rekursgegnerinnen nahmen dazu mit separaten Eingaben vom 

23. April 2012 und die Rekurrierenden mit Eingabe vom 15. Mai 2012 Stel-

lung. 

R1S.2011.05152 

Seite 2 

 
 
F. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten  Feststellungen wird, soweit für den Rekursentscheid erforderlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekurrierenden sind Stockwerkeigentümer oder Mieter von Geschäfts-

räumen  im  Gebäude  XX  auf  den  Grundstücken  Kat.-Nrn. XY  und  XZ,  die 

sich  im  Westen  der Bauparzellen  befinden  und allein durch die  R-Strasse 

und  das  Grundstück  Kat.-Nr.  XS  von  diesen  getrennt  sind.  Aufgrund  der 

nachbarlichen  Raumbeziehung  und  den  vom  Bauvorhaben  verursachten 

räumlichen Auswirkungen (Verkehr, ideelle Immissionen) sind die Rekurrie-

renden legitimiert, gegen die Bewilligung des Bauvorhabens Rekurs zu er-

heben  (vgl.  § 338a  Abs. 1  des  Planungs-  und  Baugesetzes  [PBG]).  Da 

sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutre-

ten. 

2. 

Das Bauvorhaben beinhaltet die Einrichtung und den Betrieb eines betreu-

ten  Areals  für  die  Strassenprostitution  (sogenannter  Strichplatz)  am  De-

potweg 3  und  5  in  Altstetten.  Die  Bauparzellen  Kat.-Nrn. AL8240  und 

AL7814  befinden  sich  in  der  Zone  für  Industrie-,  Handels-  und  Dienstleis-
tungsgebäude (IHD). Im Westen und Norden der Parzelle Kat.-Nr. AL8240 

ist die Zu- und Wegfahrtsstrasse des Strichplatzes, der Depotweg, geplant. 

Entlang  dem  Depotweg  sind  10 Autoboxen  (sogenannte  Sexboxen),  ein 

Betreuungspavillon (Pavillon Flora Dora), vier Fahrzeugabstellplätze für be-

treuendes Personal, zwei WC-Kabinen mit je zwei Toiletten, vier Stellplätze 

für Wohnmobile von Prostituierten (sogenannte Sexworkerinnen) und west-

lich  davon  vier weitere  Fahrzeugabstellplätze  projektiert.  Die  letztgenann-
ten  Abstellplätze  sind  für  die  Fahrzeuge  derjenigen  Freier  reserviert,  wel-

che  die  gewerbsmässige  Ausübung  sexueller  Handlungen  in  den  Wohn-

mobilen konsumieren. Sodann erfolgt die Strassenprostitution in den Auto-

R1S.2011.05152 

Seite 3 

 
 
boxen  im  Westen  der  Parzelle  Kat.-Nr. AL8240.  Zwischen  dem  Pavillon 

Flora Dora im Norden der Autoboxen und den Wohnmobilen bildet der De-

potweg eine Art Rundkurs, auf dem sich die Prostituierten entlang von klei-

nen Unterständen den Freiern anbieten und die Akteure handelseinig wer-

den  können,  bevor  sie  zusammen  die  Autoboxen  oder  die  Wohnmobile 

aufsuchen. Auf der Parzelle Kat.-Nr. AL7814, die im Wesentlichen von der 

Bernerstrasse Süd quer durchzogen wird, ist lediglich ein Maschenzaun im 

Süden der Parzelle vorgesehen. 

Die  Zufahrt  auf  den  Strichplatz  erfolgt 

im  Süden  der  Parzelle 

Kat.-Nr. AL8240  über  die  Aargauerstrasse.  Auf  dem  zunächst  Richtung 

Nordosten verlaufenden Depotweg können sich die auf den Strichplatz ge-

langten  Fahrzeuge  bis  Erreichen  des  Rundkurses  kreuzen.  Der  Rundkurs 

bildet demgegenüber eine Einbahnstrasse, auf der angehaltene oder lang-

sam  fahrende  Fahrzeuge  überholt  werden  können.  Er  führt,  wie  erwähnt, 
vom  Betreuungspavillon  zu  den  Wohnmobilen  und  von  dort  über  eine 

Haarnadelkurve zurück zum Pavillon, in dem die Frauenberatung des Sozi-

aldepartements  Flora  Dora  eine  Beratungsstelle  unterhält.  Im  Südosten 

des Betreuungspavillons zweigt der Depotweg Richtung Südwesten zu den 

Autoboxen ab. Von diesen kann via Depotweg erneut der Rundkurs aufge-

sucht oder das Areal Richtung Aargauerstrasse verlassen werden. Im Os-

ten  des  Pavillons  und  im  Westen  der  Wohnmobile  ist  je  eine  Kabine  mit 

zwei Toiletten vorgesehen. Die Bauherrschaft plant, das gesamte Gelände 

zu  umzäunen  und  die  Autoboxen  zu  überdachen.  Boxendach  und  Sicht-

schutzwände verhindern den Einblick auf den Strichplatz, der während sie-

ben Tagen pro Woche zwischen 19 Uhr und 5 Uhr geöffnet ist.  

Unmittelbar  im  Osten  des  umstrittenen  Vorhabens  ist  auf  der  Bauparzelle 

Kat.-Nr. AL8240 ein Areal für ein Basislager mit Atelier- und Werkstattcon-

tainer (vgl. www.basis-lager.ch) geplant. An das Basislager schliessen wei-
ter  östlich  auf  derselben  Parzelle  bestehende  Unterkünfte  aus  Containern 

für  Asylsuchende  an.  Im  Süden  des  Bauvorhabens  verläuft  die  Aargau-

erstrasse,  auf  welche  die  Gleisanlage  der  SBB  folgt.  Das  Bauvorhaben 

grenzt  im  Westen  an  die  ebenfalls  in  der  IHD  gelegene  Parzelle 

Kat.-Nr. AL8239  an,  die  mit  dem  Gewerbegebäude  Würzgrabenstrasse 

überstellt  ist.  Auf  der  andern  Seite  der  Würzgrabenstrasse  befindet  sich 

das  Gebäude  XX.  Schliesslich  stösst  das  Bauvorhaben  im  Norden  an  die 
Bernerstrasse Süd bzw. an die mehrspurige Autobahn A1 an. 

R1S.2011.05152 

Seite 4 

 
 
3. 

Die Rekurrierenden machen insbesondere geltend, der Strichplatz sei nicht 

genügend  erschlossen  und  das  Bauvorhaben  gefährde  die  Sicherheit  des 

Strassenverkehrs.  So  beachte  das  Vorhaben  die  Zugangsnormalien  (ZN) 

nicht.  Diesen  Normalien  zufolge  erfordere  der  Strichplatz  eine  Zufahrts-

strasse, die Kurvenradien von 10 m aufweise. Die auf dem Strichplatz ge-

plante  Depotstrasse  weise  bei der Abbiegung  auf  den  Rundkurs Richtung 

Stellplätze lediglich einen Radius von 8 m und bei der Haarnadelkurve vor 

den Stellplätzen noch weit kleinere Radien auf. Weiter befinde sich die Zu-

fahrt zum Bauvorhaben im Bereich einer Bushaltestelle und Tramlinie, was 

eine  Gefährdung  der Verkehrssicherheit  darstelle  und  unzulässig  sei.  Das 

Vorhaben verstosse sodann gegen die in der Verordnung der Stadt Zürich 

über  Fahrzeugabstellplätze  (Parkplatzverordnung  [PPV])  vorgeschriebene 

Zahl  der  maximal  zulässigen  Abstellplätze.  Die  Höchstzahl  an  Abstellplät-

zen richte sich gemäss Parkplatzverordnung nach der anrechenbaren Ge-

schossfläche.  Anrechenbar  sei  vorliegend  allein  die  Fläche  des  Pavillons 
Flora  Dora  von  188 m2.  Daraus  ergebe  sich  ein  Normalbedarf  von  aufge-
rundet zwei Abstellplätzen. Das Vorhaben sehe demgegenüber insgesamt 

18 Fahrzeugabstellplätze  vor, vorab  deren  vier für Mitarbeitende beim Pa-

villon  und  vier  weitere  für  Freier  vor  den  Wohnmobilen.  Ausserdem  seien 

die  Autoboxen  als  Abstellplätze  anrechenbar,  da  die  in  den  Boxen  erfol-

gende  sexgewerbliche  Dienstleistung  in  der  Regel  mehr  Zeit  in  Anspruch 

nehme als das Abstellen eines Fahrzeugs für das Ein- und Aussteigenlas-

sen  von  Personen  oder  für  einfachen  Güterumschlag.  Im  Übrigen  sei  der 

Strichplatz  während  der  gesamten  Öffnungszeit  mit  öffentlichen  Verkehrs-

mitteln  erreichbar,  weshalb  kein  Grund  bestehe,  von  der  ordentlichen  Be-

rechnung der Höchstzahl von Fahrzeugabstellplätzen abzuweichen. Weiter 

seien die auf dem Strichplatz geplanten Toiletten nicht nach Geschlechtern 

getrennt,  obgleich  § 12  der Verordnung  über die ordentlichen technischen 
und  übrigen  Anforderungen  an  Bauten,  Anlagen,  Ausstattungen  und  Aus-

rüstungen (Besondere Bauverordnung I [BBV I]) eine entsprechende Tren-

nung für Bauten und Anlagen mit Publikumsverkehr vorschreibe. Ferner sei 

im  baurechtlichen  Bewilligungsverfahren  sicherzustellen,  dass  auf  dem 

Strichplatz  niemand  unzulässig  hohem  Lärm  ausgesetzt  sei.  Die  Baube-

hörde  habe  es  indes  versäumt,  die  Einhaltung  der  Mindestanforderungen 
an  den  Lärmschutz  bei  neuen  Gebäuden  zu  prüfen.  Hinzu  komme,  dass 

vor  Erteilung  der  Baubewilligung  weder  die  Luftbelastung  auf  der  Baupar-

zelle abgeklärt noch geprüft worden sei, ob das Bauvorhaben mit dem gel-

R1S.2011.05152 

Seite 5 

 
 
tenden  Massnahmenplan  Luftreinhaltung 2008  vereinbar  sei.  Einschlägige 

Untersuchungen seien schon deshalb erforderlich, weil auf der Bauparzelle 
der  Grenzwert  für  Stickstoffdioxid  (NO2)  zufolge  Karte  der  NO2-Immissi-
onen  2000  des  Browsers  des  Geografischen  Informationssystems  des 

Kantons  Zürich  (Gis-Browser)  überschritten  sein  könnte  und  deshalb  das 

Vorliegen übermässiger Immissionen wahrscheinlich sei.  

Dem  halten  die  Rekursgegnerinnen  entgegen,  der  Depotweg  diene  nicht 

der  Abwicklung  des  motorisierten  Verkehrs  zwecks  Erschliessung  von 

Wohn- oder ähnlichen Nutzungen auf den Bauparzellen, sondern bilde ei-

nen arealinternen Teil der geplanten Anlage. Auf den Depotweg seien  da-

her  die  Zugangsnormalien  nicht  anwendbar.  Das  vorgesehene  Schritttem-

po, die engen Kurvenradien und der teilweise Einbahnverkehr entlang dem 

Rundkurs gewährleisteten die Verkehrssicherheit auf dem Gelände. Mit der 

Inbetriebnahme des Trams Zürich-West sei inzwischen die ehemalige Bus-
linie 54 aufgehoben worden. Die Tramhaltestelle Würzgraben befinde sich 

auf  der  den  Bauparzellen  abgewandten  Seite  der  Aargauerstrasse.  Die 

Verkehrssicherheit sei nicht beeinträchtigt. Sodann sei bei der Berechnung 

der  zulässigen  Fahrzeugabstellplätze  nicht  wie  sonst  üblich  auf  die  Ge-

schossfläche abzustellen. Das in der Schweiz einmalige Bauvorhaben stel-

le  eine  spezielle  Nutzung  dar.  Anstelle  der  Geschossfläche  seien  beim 

Strichplatz die konkrete Nutzung und das dadurch ausgelöste Verkehrsauf-

kommen  für  die  Bestimmung  der  Anzahl  Abstellplätze  massgebend.  Für 

diejenigen  Freier,  welche  mit  Prostituierten  die  Wohnmobile  aufsuchten, 

müssten  genügend  Abstellplätze  zur  Verfügung  stehen.  Vier  Abstellplätze 

brauche es sodann für das städtische Personal, das auf dem Areal für Si-

cherheit und Gesundheitsfürsorge zuständig sei. Die Autoboxen wiederum 

seien  funktional  am  ehesten  mit  einer  Autowaschanlage  vergleichbar,  bei 

der das Fahrzeug während des Waschvorgangs nicht verlassen werde. Die 

Autoboxen  seien  darum  nicht  als  Parkplätze  anrechenbar.  Weiter  sei  die 

angefochtene  Baubewilligung  mit einer Auflage versehen worden, wonach 

den Freiern bei der WC-Kabine eingangs des Rundkurses eine rollstuhlge-

rechte Toilette zur Verfügung zu stellen sei. Die geplante Anzahl Toiletten 

sei ausreichend, zumal die Freier beim Strassenstrich gewöhnlich nicht aus 

ihren  Fahrzeugen  stiegen.  Ferner  seien  auf  dem  Strichplatz  die  Immissi-

onsgrenzwerte  für  Lärm  eingehalten.  Schliesslich  sei  auf  dem  Strichplatz 
mit 200 bis 300 Fahrzeugen pro Nacht zu rechnen, weshalb der projektin-

duzierte  Strassenverkehr  keine  messbare  zusätzliche  Belastung  der  Luft-

R1S.2011.05152 

Seite 6 

 
 
qualität  zur Folge  haben  werde.  Die  Anordnung von vorsorglichen Emissi-

onsbegrenzungen falle daher ausser Betracht. 

4.1.1. 

Voraussetzung für die Erteilung einer Baubewilligung ist unter anderem die 

genügende  Erschliessung  des  Baugrundstücks  (Art. 22  Abs. 2  lit. b  des 

Raumplanungsgesetzes  [RPG];  §§ 233 f.  PBG).  Ein  Grundstück  ist  insbe-

sondere  dann  erschlossen,  wenn  es  für  die  darauf  vorgesehenen  Bauten 

und Anlagen genügend zugänglich ist (vgl. § 236 Abs. 1 PBG). Genügende 

Zugänglichkeit  bedingt  in  tatsächlicher  Hinsicht  eine  der  Art,  Lage  und 

Zweckbestimmung der Bauten oder Anlagen entsprechende Zufahrt für die 

Fahrzeuge der öffentlichen Dienste und der Benützer (§ 237 Abs. 1 Satz 1 

PBG).  Zufahrten  müssen  für jedermann  verkehrssicher sein (§ 237 Abs. 2 

Satz 1 PBG). Die Verkehrssicherheit ist gewährleistet, wenn durch Bauten, 

Anlagen,  Bepflanzungen  und  sonstige  Grundstücknutzungen  weder  der 

Verkehr behindert oder gefährdet noch der Bestand und die Sicherheit des 

Strassenkörpers  beeinträchtigt  werden  (§ 240  Abs. 1  PBG).  Über  die  An-

forderungen  an  verkehrssichere  Zufahrten  erliess  der  Regierungsrat,  ge-

stützt  auf  § 237  Abs. 2  Satz 2  PBG,  Normalien  im  Sinne  von  § 360  PBG; 

diese Zugangsnormalien regeln die technischen Anforderungen an die ver-

schiedenen Zugangsarten. Weiter ist die Verordnung über die Anforderun-

gen  an  die  Verkehrssicherheit  und  die  Sicherheit  von  Strassenkörpern 

(Verkehrssicherheitsverordnung  [VSiV])  erheblich.  Gemäss  § 5  VSiV  sind 

Ausfahrten  im  Bereich  von  Strassenverzweigungen  und  von  Haltestellen 

der öffentlichen Verkehrsmittel in der Regel nicht zulässig.  

4.1.2.  

Zugänge  sind  Verbindungen  von  Grundstücken  und  darauf  bestehenden 

oder vorgesehenen Bauten und Anlagen mit dem hinreichend ausgebauten 

Strassennetz  der  Groberschliessung;  nicht  unter  diesen  Begriff  fallen  die 

vom  Zugang  zur  Haustüre  führenden  Eingänge  (§ 1  ZN).  Der  Zugang  zu 

den  Bauparzellen  erfolgt  im  Süden  über  die  Aargauerstrasse.  Die  ange-

fochtene  Baubewilligung  erwägt  dazu,  die  Aargauerstrasse  bilde  mit  Blick 

auf die im Anhang der Zugangsnormalien aufgeführten Arten von verschie-
denen  Zugängen  eine  verkehrsorientierte  Sammelstrasse.  Entsprechend 

müsse die Ausfahrt auf die Aargauerstrasse den Mindestanforderungen an 

den Ausfahrtstyp B genügen und dabei unter anderem Einlenkerradien von 

R1S.2011.05152 

Seite 7 

 
 
5 m aufweisen. Nachdem das Bauvorhaben gemäss den Bauplänen keine 

solchen Radien aufweist, wurde die Baubewilligung mit einer entsprechen-

den  Auflage  versehen  (act. 3  Dispositivziffer II.10,  vgl. Erwägungen lit. E/g 

und h). Mit Anordnung dieser Nebenbestimmung entspricht die Zufahrt auf 

den Strichplatz den Akten zufolge den technischen Anforderungen gemäss 

Zugangsnormalien und Verkehrssicherheitsverordnung.  

Die  Rekurrierenden  bemängeln  konkret  die  Radien  von  8 m  bzw.  3,75 m, 

die der Depotweg eingangs des Rundkurses und alsdann bei der Haarna-

delkurve vor den Stellplätzen aufweist (act. 2 S. 6 f. und act. 17 S. 6). Wie 

sich  aus  dem  Kataster-  und  dem  Umgebungsplan  (act. 13.2  und  13.3.2) 

ergibt,  bildet  jedoch  zumindest  derjenige  Teil  des  Depotwegs,  der  im  An-

schluss  an  den  beanstandeten  Radius  von  8 m  den  Rundkurs beschreibt, 

keine Verbindung der Bauparzellen mit der Aargauerstrasse. Der Rundkurs 

ist mithin kein Zugang gemäss § 1 ZN. Er stellt in Übereinstimmung mit der 
Auffassung  der  Vorinstanz  vielmehr  einen  arealinternen  Weg  dar,  der  für 

sich allein einen wesentlichen Teil der auf dem Strichplatz geplanten Anla-

ge ausmacht (vgl. act. 12 S. 2). Denn der Depotweg dient vor und nach der 

Schleife  bei  den  Stellplätzen  als  Begegnungsstätte  für  die  Prostituierten 

und  Freier,  wo  sich  diese  kontaktieren  und  handelseinig  werden  können, 

bevor sie zusammen die Autoboxen oder die Wohnmobile aufsuchen. Auf-

grund  dessen sind die technischen Anforderungen an Zugänge und damit 

die  von  den  Rekurrierenden  verlangten  Radien  nicht  unmittelbar  auf  den 

Rundkurs anwendbar.  

Immerhin  gilt  es  zu  beachten,  dass  hinsichtlich  der  strassenmässigen  Er-

schliessung innerhalb des Baugrundstücks die Zugangsnormalien hilfswei-

se  heranzuziehen  sind,  wobei  den  konkreten  Sachumständen  gebührend 

Beachtung zu schenken ist (RB 1986 Nr. 91). Zu diesen Umständen zählen 

neben dem geschilderten besonderen Zweck des Rundkurses der ebendort 
vorgesehene  Einbahnverkehr  (act. 3  Erwägung  lit. E/i,  act. 13.3.2,  act. 12 

S. 2,  vgl.  § 8  ZN),  die  daselbst  geplante  Anordnung  von  Schrittgeschwin-

digkeit  (act. 12  S. 2)  sowie  die  durchgehende  Fahrbahnbreite  von  5 m 

(act. 13.3.2),  die  auf  der  gesamten  Länge  des  Rundkurses  ein  Überholen 

von  angehaltenen  Fahrzeugen  ermöglicht  (act. 26  S. 3).  Beim  Verlassen 

des  Rundkurses  beträgt  die  Fahrbahnbreite  mindestens  7 m,  was  ange-

sichts  des  vorgeschriebenen  Schritttempos  ein  Kreuzen  von  Fahrzeugen 
problemlos ermöglicht. Sodann ist entlang der Unterstände ein 1,5 m brei-

tes  Trottoir  geplant,  auf  dem  sich  die  Prostituierten  ausserhalb  des  Stras-

senverlaufs  anpreisen  können  (act. 13.3.2).  Aufgrund  des  geplanten  Aus-

R1S.2011.05152 

Seite 8 

 
 
baus und Betriebs des Rundkurses, dem ein prognostiziertes Verkehrsauf-

kommen  zugrunde  liegt  (vgl.  act. 21  S. 5),  ist  somit  davon  auszugehen, 

dass die Sicherheit des Strassenverkehrs auch innerhalb der Bauparzellen 

gewährleistet  ist.  Einen  Bestandteil  der  Planung  bilden  dabei  nicht  zuletzt 

die von den Rekurrierenden beanstandeten engen Kurvenradien, die eben-

falls  einen  Beitrag  zur  Gewährleistung  von  Ordnung  und  Sicherheit  auf 

dem Strichplatz leisten dürften (vgl. act. 22 S. 2).  

4.1.3.  

Mit  der  Inbetriebnahme  des  Trams  Zürich-West  am  11. Dezember  2011, 

das  eine  neue  Linienführung  der  Tramlinie 4  ab  Escher-Wyss-Platz  via 

Hardstrasse, Pfingstweidstrasse und Aargauerstrasse zum Bahnhof Altstet-

ten  Nord  aufweist,  wurde  die  frühere  Buslinie 54  aufgehoben  (act. 13.6). 

Die  Haltestelle  Zürich-Würzgraben  dient  damit  neu  allein  der  Tramlinie 4. 
Sie befindet sich rund 40 m im Südwesten der Zufahrt zu den Bauparzellen 

auf  der  gegenüberliegenden  Seite  der  Aargauerstrasse  (act. 13.3.2,  vgl. 

act. 12  S. 2).  Ebenfalls  im  Süden  der  Aargauerstrasse  erstreckt  sich  die 

Gleisanlage  des  Trams,  dessen  Schienen  in  Richtung  Osten  parallel  zur 

Strasse  verlaufen.  Wie  sich  anlässlich  des  Abteilungsaugenscheins  vom 

22. März 2012 ergab, präsentieren sich die Verkehrsführung und die kürz-

lich erstellten Infrastrukturanlagen grosszügig und übersichtlich. Breite Trot-

toirs  säumen  im  Norden  die  nahezu  gerade  verlaufende  Aargauerstrasse 

und im Süden die Tramlinie. Die Aargauerstrasse ist sodann beidseitig mit 

einem  Velostreifen  versehen.  Ein  mit  einer  Verkehrsinsel  ausgestatteter 

und  beschilderter  Fussgängerstreifen  führt  über  die  Aargauerstrasse  zur 

Tramhaltestelle (vgl. die anlässlich des Augenscheins erstellten Fotografien 

Nrn. 7-9,  Protokoll  [act. 1]  S. 11 f.).  Die  bestehende  örtliche  Abfolge  von 

Haltestelle und Ausfahrt mutet keineswegs dicht gedrängt an und behindert 

die  Verkehrssicherheit  im  Bereich  der  Ausfahrt  des  Strichplatzes  nicht. 

Hierbei fällt in Betracht, dass der Strichplatz von 19 Uhr bis 5 Uhr geöffnet 

hat  und  seine  Öffnungszeit  nicht  mit  der  Zeit  des  starken  Berufsverkehrs 

kollidiert.  Es  ist  deshalb  keine  Verletzung  des  in  § 5  VSiV  postulierten 

Grundsatzes  auszumachen,  wonach  Ausfahrten  im  Bereich  von  Haltestel-

len der öffentlichen Verkehrsmittel nicht zulässig sind. 

4.1.4. 

Das  Bauvorhaben  verfügt  daher  über  eine  ausreichende  Zugänglichkeit 

und gefährdet die Verkehrssicherheit nicht.  

R1S.2011.05152 

Seite 9 

 
 
4.2.1. 

Gemäss § 242 PBG legt die Bau- und Zonenordnung die Zahl der Abstell-

plätze  für  Verkehrsmittel,  insbesondere  für Motorfahrzeuge,  fest,  die  nach 

den  örtlichen  Verhältnissen,  nach  dem  Angebot  des  öffentlichen  Verkehrs 

sowie  nach  Ausnützung  und  Nutzweise  des  Grundstücks  für  Bewohner, 

Beschäftigte und Besucher erforderlich sind (Abs. 1). Im Normalfall soll die 

Zahl  der  Abstellplätze  so  festgelegt  werden,  dass  die  Fahrzeuge  der  Be-

nützer  einer  Baute  oder  Anlage  ausserhalb  des  öffentlichen  Grundes  auf-

gestellt  werden  können  (Abs. 2).  Bei  Neuerstellung  von  Bauten  und  Anla-

gen  sind  im  gebotenen  Ausmass  Abstellplätze  zu  schaffen  (vgl.  § 243 

Abs. 1 lit. a PBG).  

4.2.2. 

Die Stadt Zürich hat in der Parkplatzverordnung die Zahl der minimal erfor-
derlichen  und  der  maximal  zulässigen  Abstellplätze  geregelt  (vgl.  Art. 1 

lit. a  PPV).  Die  Zahl  der  Abstellplätze  hängt  dabei  insbesondere  von  der 

Ausnützung  und  der  Nutzweise  des  Grundstücks,  d. h.  vom  sogenannten 

Normalbedarf, ab (Art. 3 Abs. 1 lit. a PPV) und berechnet sich in der Regel 

nach  der  massgeblichen  Geschossfläche  (vgl.  Art. 3  Abs. 2  PPV).  Die 

Grösse der Geschossfläche, für die ein Abstellplatz für Personenwagen er-

forderlich  ist,  differiert  nach  Nutzweisen;  die  Parkplatzverordnung  unter-

scheidet  die  folgenden  Nutzweisen:  Wohnen;  Büros,  Labors  und  Praxen; 

Läden; Restaurants, Cafés und Bars; Fabrikations- und Lagerräume (Art. 4 

Abs. 1 PPV). Abweichend davon berechnet sich der Normalbedarf für spe-
zielle  Nutzungen  (Spitäler,  Alterswohnungen  und  –heime,  Schulhäuser, 
Hotels,  Sportanlagen  usw.)  von  Fall  zu  Fall  nach  den  Grundsätzen  der 

Parkplatzverordnung  unter  Berücksichtigung  der  VSS-Norm  SN 641400 

(Art. 4 Abs. 2 PPV). Ausgehend vom jeweiligen Normalbedarf wird die Zahl 

der  minimal  erforderlichen  und  der  maximal  zulässigen  Abstellplätze  für 

Personenwagen  schliesslich  in  Berücksichtigung  des  Grads  der Erschlies-

sung  des  Grundstücks  durch  den  öffentlichen  Verkehr,  der  Zentralität  der 

Lage  und  der  Strassenkapazität  (Erschliessungsqualität)  festgelegt  (Art. 5 

PPV, vgl. Art. 3 Abs. 1 lit. b PPV).  

Keine  der  in  Art. 4  Abs. 1  PPV  aufgezählten  Nutzweisen  trifft  auf  die  Nut-

zung  des  geplanten  Strichplatzes  zu.  Während  den  Ausführungen  der 
Bauherrschaft  zufolge  in  den  Niederlanden  und  in  Deutschland  vergleich-

bare  Anlagen  in  Betrieb  sind  (vgl. act. 10 S. 10), bestehen in der Schweiz 

bislang  keine  derartigen  Anlagen  (act. 12  S. 4).  Es  handelt  sich  beim  um-

R1S.2011.05152 

Seite 10 

 
 
strittenen  Bauvorhaben  um  ein  Pilotprojekt  und  mithin  um  eine  ausserge-

wöhnliche  Nutzung  (act. 26  S. 2).  Die  Vorinstanz  macht  daher  zu  Recht 

geltend, die geplante Nutzung des Bauareals als Strichplatz entspreche ei-

ner speziellen Nutzung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 PPV und der Normalbe-

darf an Fahrzeugabstellplätzen ergebe sich deshalb nicht aufgrund der Ge-

schossfläche (act. 12 S. 4 f.). Die Rüge der Rekurrierenden, die Höchstzahl 

an  Abstellplätzen  sei  nach  der  allgemeinen  Regel  gemäss  Art. 4  Abs. 1 

PPV  gestützt  auf  die  geplante  Geschossfläche  zu  berechnen  (vgl.  act. 2 

S. 7 ff.), stellt sich daher als unzutreffend heraus.  

4.2.3. 

Im  Rekursverfahren  können  regelmässig  alle  Mängel  des  Verfahrens  und 

der  angefochtenen  Anordnung  überprüft  werden  (vgl.  § 20  des  Verwal-

tungsrechtspflegegesetzes  [VRG]).  Aufgrund  der  Gemeindeautonomie  be-
stehen  für  die  Rekursinstanzen  allerdings  Beschränkungen  der  Prüfungs-

befugnis,  und  zwar unter anderem  dort,  wo  das  kantonale  Recht  den  Ge-

meinden  bei  der  Anwendung  kantonaler  Bestimmungen  eine  erhebliche 

Entscheidungsfreiheit einräumt und wo Gemeindebehörden für ihre Anord-

nungen unbestimmte Rechtsbegriffe, die dem kommunalen Recht angehö-

ren, auslegen (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Ver-

waltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999, § 20 

Rz. 19).  Eine  Beschränkung  der  Prüfungsbefugnis  anerkennt  die  Recht-

sprechung  bei  Streitigkeiten  über  die  Zahl  der  Abstellplätze  (Kölz/Boss-

hart/Röhl,  § 21  Rz. 62  und  66 f.).  Sodann  ist  zu  beachten,  dass  sich  der 

Normalbedarf für spezielle Nutzungen wie den umstrittenen Strichplatz laut 

Parkplatzverordnung „von Fall zu Fall“ berechnet. Durch diese offene For-
mulierung,  die  mittels  eines  unbestimmten  Rechtsbegriffs  eine  fallweise 

Würdigung  des  Bedarfs  an  Fahrzeugabstellplätzen  gebietet,  öffnet  das 

Gemeinderecht  der  Baubehörde  bei  der  Bestimmung  der  erforderlichen 

Anzahl  von  Abstellplätzen  auf  dem  Strichplatz  einen  qualifizierten  Ent-

scheidungsspielraum.  

Das  Bauvorhaben  bezweckt  unter  anderem  eine  Trennung  von  Auto-  und 

Fussgängerstrich in der Stadt Zürich (act. 10 S. 3 und 8 sowie act. 21 S. 6). 

Es  entspricht  der  Konzeption  der  geplanten  Anlage,  der  von  der Bauherr-

schaft  in  Aussicht  gestellten  Benutzungsordnung  (vgl.  act. 10  S. 3  und  6) 
und  der  Lokalität  des  Bauareals,  dass  die  Freier  den  Strichplatz  mit  dem 

Auto  aufsuchen  (act. 10  S. 5 f.).  Um  auf  diesem,  namentlich  auf  dem 

Rundkurs, oder ausserhalb des Areals ein wildes Parkieren zu verhindern, 

R1S.2011.05152 

Seite 11 

 
 
ist denjenigen Freiern, welche die auf dem Strichplatz angebotenen sexuel-

len  Dienstleistungen  in  einem  der  vier  Wohnmobile  in  Anspruch  nehmen, 

bei  den  Stellplätzen  je  ein  Fahrzeugabstellplatz  zur  Verfügung  zu  stellen 

(act. 22  S. 3).  Erforderlich  sind  ausserdem  genügend  Fahrzeugabstellplät-

ze  für  die  Beschäftigten  des  Sozialdepartements  der  Stadt  Zürich,  insbe-

sondere  für  die  Mitarbeitenden  von  Sicherheit  Intervention  Prävention  sip 

züri und der Frauenberatung Flora Dora, die in Zusammenarbeit mit weite-

ren  Einsatzkräften  wie  der  Polizei  oder  ärztlicher Dienste  für einen  geord-

neten Betrieb des Strichplatzes sorgen und anlagespezifische Sozialarbeit 

verrichten. In Anbetracht der geschätzten Anzahl von 30 bis 40 Prostituier-

ten, in Spitzenzeiten von bis 70 Prostituierten und von 200 bis 300 Freiern, 

die  den  Strichplatz  pro  Nacht  aufsuchen  werden  (act. 10  S. 8  und  act. 21 

S. 8), sowie der täglichen Öffnungszeiten der Anlage sind vier Fahrzeugab-

stellplätze  für  die  Betreiberin  der  Anlage  beim  Pavillon  Flora  Dora  mit  der 

Nutzweise der Bauparzellen durchaus vereinbar.  

Darüber hinaus sind keine Fahrzeugabstellplätze geplant. Im Gegensatz zu 

diesen  erfüllen  die  vorgesehenen  Autoboxen  nicht  den  Zweck,  Abstellflä-

chen  für  Fahrzeuge  zur  Verfügung  zu  stellen  mit  dem  Ziel,  den  ruhenden 

Verkehr  geordnet  unterzubringen  und  von  den  öffentlichen  Strassen  fern-

zuhalten.  Die  geplanten  Autoboxen  dienen  vielmehr  unmittelbar  dem 

Strichplatz als visuell abgeschirmte Örtlichkeiten, wo die sexuellen Dienst-

leistungen  der  Strassenprostitution  in  den  Autos  der  Freier  erfolgen.  Aus 

Sicherheitsgründen ist hierbei geplant, die Autoboxen baulich derart zu er-

stellen, dass den Freiern das Verlassen des Fahrzeugs auf der Fahrerseite 

erschwert,  wenn  nicht  sogar  verunmöglicht  wird  (act. 12  S. 3  und  act. 21 

S. 4). Diese besondere Ausgestaltung der Boxen ist mit den baulichen An-

forderungen  an  Fahrzeugabstellplätze,  die  verkehrssicher  anzulegen  sind 

(vgl. § 240 Abs. 1 und § 244 Abs. 2 PBG) und jederzeit ein müheloses Ver-

lassen des Fahrzeugs ermöglichen müssen, nicht vereinbar. Die Rekurrie-

renden machen deshalb zu Unrecht geltend, die Autoboxen seien ebenfalls 

als Abstellplätze anrechenbar.  

Aufgrund  des  erheblichen  Ermessens,  das  der  Vorinstanz  bei  der  Bewilli-

gung  von  Fahrzeugabstellplätzen  auf  dem  Strichplatz  zusteht,  bemängeln 

die Rekurrierenden im Übrigen zu Recht nicht, dem Bauvorhaben gebreche 

es  an  Abstellplätzen  für  Prostituierte  (act. 28  S. 3  und  6).  Entsprechende 
Abstellplätze wären zudem der Ordnung und Sicherheit der Anlage abträg-

lich (act. 25 S. 4 und act. 26 S. 2).  

R1S.2011.05152 

Seite 12 

 
 
Die  Vorinstanz  hat  demzufolge  die  zulässige  Zahl an  Fahrzeugabstellplät-

zen  innerhalb  ihres  Entscheidungsspielraums  auf  nachvollziehbare  Weise 

festgelegt. 

4.2.4. 

Der  angefochtene  Entscheid  ist  somit  hinsichtlich  der  bewilligten  Fahr-

zeugabstellplätze nicht zu beanstanden. 

4.3.1. 

Wohn-,  Schlaf-  und  Arbeitsräume  müssen  zweckentsprechend  und  insbe-

sondere  mit  sanitären  Einrichtungen  ausgerüstet  sein  (vgl.  § 300  Abs. 2 

PBG). Sodann sind gemäss § 12 BBV I für Bauten und Anlagen mit Publi-

kumsverkehr,  wie  Verwaltungsgebäude,  Hotels,  Restaurants,  Theater,  Ki-

nos,  Spitäler,  Grossläden  und  Sportanlagen,  für  das  Publikum  nach  Ge-

schlechtern getrennte Abortanlagen in hinreichender Zahl, Grösse und Art 

bereitzustellen. 

4.3.2. 

Das Bauvorhaben weist an drei Standorten insgesamt sieben Toiletten aus. 

Drei WCs befinden sich im Pavillon Flora Dora. Davon ist eines dem Per-

sonal  vorbehalten.  Je  zwei  Toiletten  umfassen  die  beiden  WC-Kabinen 1 

und 2, die einerseits bei der Einfahrt auf den Rundkurs und anderseits im 

Südosten  der  Haarnadelkurve  bzw.  der  Stellplätze  geplant  sind 

(act. 13.3.2,  vgl.  act. 12  S. 6). Die  Vorinstanz  hat  sodann  gestützt  auf  das 

Behindertengleichstellungsgesetz angeordnet, bei der WC-Kabine 1 müsse 

ein  Sanitärraum  für  die  Kundschaft  den  Erfordernissen  von  Rollstühlen 

entsprechen (act. 3, Dispositivziffer II.14).  

Neben  dem  Personal  und  den  Prostituierten  werden  während  der  Öff-

nungszeiten  zahlreiche  Freier  das  Areal  aufsuchen.  Keine  der  Parteien 

stellt  daher  in  Abrede,  dass  es  sich  beim  Strichplatz  um  eine  Anlage  mit 

Publikumsverkehr  handelt.  Die  hygienischen  Vorschriften  des  Baurechts 

erfordern deshalb, auf dem Areal separate Toilettenanlagen für die Prosti-

tuierten  und  die  Freier  auszuscheiden.  Davon  ausgenommen  ist  das  dem 

Personal vorbehaltene WC. Die Bauherrschaft versichert in ihren Stellung-
nahmen  zwar,  die  Aborte  geeignet  zu  beschriften  und  angemessen  zu 

trennen (act. 10 S. 6 und act. 21 S. 4). Aus den Akten ergibt sich eine sol-

che Trennung für das Publikum indes nicht, weshalb dieser untergeordnete 

R1S.2011.05152 

Seite 13 

 
 
baurechtliche  Mangel gemäss  § 321  Abs. 1  PBG  mit  einer Auflage  zu  be-

heben ist.  Obwohl der Mangel damit nicht zu der von den Rekurrierenden 

in erster Linie beantragten Aufhebung der Baubewilligung führt, haben die 

Rekurrierenden  dennoch  ein  schutzwürdiges  tatsächliches  Interesse  an 

seiner  Behebung,  die  für  die  Nachbarschaft  unerwünschte  Folgen  einer 

unklaren Toilettensituation verhindern hilft.  

4.3.3. 

Der  Rekurs  ist  insofern  gutzuheissen  und  die  Trennung  der  WC-Anlagen 

für das Publikum nach Geschlechtern (reformatorisch) im Rekursentscheid 

anzuordnen (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, § 28 Rz. 28).  

4.4.1. 

Weiter  machen  die  Rekurrierenden  wie  erwähnt  eine  Verletzung  von 

Art. 21 des Umweltschutzgesetzes (USG) geltend. Die Vorinstanz habe es 

versäumt,  die  Einhaltung  der  Mindestanforderungen  an  den  Schallschutz 

bei neuen Gebäuden zu prüfen (act. 2 S. 12 f.).  

4.4.2. 

Vorab  ist  hierzu  anzumerken,  dass  gemäss  dem für das Bauvorhaben er-

stellten Lärmgutachten vom 8. August 2011 die für Lärm geltenden Immis-

sionsgrenzwerte  (vgl.  Art. 13  und  15  USG)  eingehalten  sind  und  die  Gut-

achter  die  Anordnung  von  lärmschutzrechtlichen  Massnahmen  auf  dem 

Strichplatz für nicht erforderlich erachten (act. 13.4 S. 7).  

4.4.3. 

Wer ein Gebäude erstellen will, das dem längeren Aufenthalt von Personen 
dienen  soll,  muss  zufolge  Art. 21  USG  einen  angemessenen  baulichen 

Schutz  gegen  Aussen-  und  Innenlärm  vorsehen.  Gemäss  Art. 32  Abs. 1 

der Lärmschutz-Verordnung  (LSV) sorgt der Bauherr eines neuen Gebäu-

des  dafür,  dass  der  Schallschutz  bei  Aussen-  und  Trennbauteilen  lärm-

empfindlicher  Räume  sowie  bei  Treppen  und  haustechnischen  Anlagen 

den anerkannten Regeln der Baukunde entspricht. Als solche gelten vorlie-

gend  die  Mindestanforderungen  nach  der  SIA-Norm 181  des  Schweizeri-
schen  Ingenieur-  und  Architektenvereins  (vgl.  Art. 32  Abs. 1  LSV).  Der 

Bauherr muss sodann im Baugesuch die Nutzung der Räume und die Aus-

sen-  und  Trennbauteile  lärmempfindlicher  Räume  angeben  (vgl.  Art. 34 

R1S.2011.05152 

Seite 14 

 
 
Abs. 1  LSV).  Nach  Abschluss  der  Bauarbeiten  prüft  die  Vollzugsbehörde 

durch  Stichproben,  ob  die  Schallschutzmassnahmen  die  gesetzlichen  An-

forderungen erfüllen (vgl. Art. 35 LSV).  

Art. 21  Abs. 1  USG  richtet  sich  damit  in  erster  Linie an den Bauherrn und 

überträgt  diesem  die  Verantwortung  für  die  Realisierung  eines  angemes-

senen baulichen Schutzes gegen Aussen- und Innenlärm. Der Bauherr lie-

fert der Baubehörde im baurechtlichen Bewilligungsverfahren die in Art. 34 

Abs. 1 LSV genannten Angaben. Ob die vorgesehene Bauweise einen aus-

reichenden Schutz gewährleistet, lässt sich jedoch allein anhand der Pläne 

nicht  beurteilen,  sondern  hängt  wesentlich  von  den  verwendeten  Materia-

lien  und  der  Ausführung  der  Bauarbeiten  ab.  Die  Baubehörde  trifft  daher 

mit  der  Baubewilligung  keinen  abschliessenden  Entscheid  über  die  Ange-

messenheit  der  Schallschutzmassnahmen  an  neuen  Gebäuden  (Robert 

Wolf, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Hrsg. Vereinigung für 
Umweltrecht/Helen Keller, Zürich 1998 ff., Art. 21 Rz. 30 f.).  

Entgegen der Auffassung der Rekurrierenden bestand deshalb für die Vo-

rinstanz  kein  Anlass,  im  Rahmen  des  Baubewilligungsverfahrens  Schall-

schutzmassnahmen  für den  Pavillon  Flora  Dora  zu  prüfen,  anzuordnen  o-

der insofern sogar die baurechtliche Bewilligung zu verweigern.  

4.4.4. 

Das Bauvorhaben verstösst damit nicht gegen Lärmschutzvorschriften.  

4.5.1. 

Schliesslich beanstanden die Rekurrierenden eine ungenügende Abklärung 

des  Sachverhalts  betreffend  die  auf  den  Bauparzellen  herrschenden  Luft-
verunreinigungen. Aufgrund der Belastung durch NO2 (Stickstoffdioxid) wi-
derspreche  das  Bauvorhaben  dem  geltenden  Massnahmenplan  Luftrein-

haltung 2008 (act. 2 S. 13 f.).  

4.5.2. 

Für die Beurteilung der schädlichen oder lästigen Einwirkungen namentlich 

durch Luftverunreinigungen legt der Bundesrat gemäss Art. 13 Abs. 1 USG 
durch Verordnung Immissionsgrenzwerte fest. Er berücksichtigt dabei auch 

die  Wirkungen  der  Immissionen  auf  Personengruppen  mit  erhöhter  Emp-

findlichkeit  wie  Kinder,  Kranke,  Betagte  und  Schwangere  (Art. 13  Abs. 2 

R1S.2011.05152 

Seite 15 

 
 
USG).  Die  Immissionsgrenzwerte  für  Luftverunreinigungen  sind  gemäss 

Art. 14 USG so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder 

der  Erfahrung  Immissionen  unterhalb  dieser  Werte  Menschen,  Tiere  und 

Pflanzen,  ihre  Lebensgemeinschaften  und  Lebensräume  nicht  gefährden 

(lit. a), die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören (lit. b), 

Bauwerke nicht beschädigen (lit. c), und die Fruchtbarkeit des Bodens, die 

Vegetation und die Gewässer nicht beeinträchtigen (lit. d).  

Steht fest oder ist zu erwarten, dass schädliche oder lästige Einwirkungen 

von  Luftverunreinigungen  durch  mehrere  Quellen  verursacht  werden,  so 

erstellt  die  zuständige  Behörde  gemäss  Art. 44a  Abs. 1  USG  einen  Plan 

der  Massnahmen,  die  zur  Verminderung  oder  Beseitigung  dieser  Einwir-

kungen  innert  angesetzter  Frist  beitragen  (vgl.  Art. 31 f.  der  Luftreinhalte-

Verordnung  [LRV]).  Massnahmenpläne  sind  für  die  Behörden  verbindlich, 

die  von  den  Kantonen  mit  Vollzugsaufgaben  betraut  sind  (Art. 44a  Abs. 2 
USG). 

4.5.3. 
Die Rekurrierenden stellen mit Verweis auf die Karte der NO2-Immissionen 
2000  des  Gis-Browsers  zutreffend  fest,  dass  auf  dem  Bauareal  der  Jah-
resmittelwert  an  NO2  den  geltenden  Immissionsgrenzwert  übersteigt  (vgl. 
Anhang 7 der Luftreinhalte-Verordnung). Allein deswegen ist die angefoch-

tene  Bewilligung  indes  nicht  unvereinbar  mit  den  bundesrechtlichen  Best-

immungen über die Begrenzung von Luftverunreinigungen. Davon wäre al-

lenfalls  auszugehen,  wenn  das  umstrittene  Vorhaben  die  Emissionsbe-

grenzungen  bei  neuen  stationären  Anlagen  (vgl.  Art. 3 ff.  LRV)  nicht  ein-

hielte,  wofür  sich  in  den  Akten  keine  Hinweise  finden  (vgl.  act. 12  S. 7). 

Anderseits  ist  auch  nicht  ersichtlich,  inwiefern  der  Strichplatz  die  spezifi-

schen  Massnahmen,  die  der  Massnahmenplan  Luftreinhaltung  2008  der 
Baudirektion  Kanton  Zürich  (vgl.  http://www.awel.zh.ch/content/dam/baudi-

rektion/awel/luft_asbest_elektrosmog/mapla/dokumente/Massnahmenplan 

_ZH_2008.pdf) beispielsweise in den Bereichen Verkehr oder Feuerungen 

enthält  (vgl.  Massnahmenplan  S. 17 ff.),  unterlaufen  könnte.  Im  Übrigen 

sind  die  Rekurrierenden  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  berechtigt,  die 

Verletzung des Massnahmenplans zu rügen, zumal diese Verwaltungsver-

ordnung ausschliesslich behördenverbindlich ist (Art. 44a Abs. 2 USG, vgl. 
BGE 131  II  470,  E. 4.1).  Anzufügen  bleibt,  dass  die  Benutzungsordnung 

des  Strichplatzes  unter  anderem  Vorschriften  über  die  Benutzung  der 

Fahrzeuge,  namentlich  Geschwindigkeitsvorschriften  auf  dem  Depotweg, 

R1S.2011.05152 

Seite 16 

 
 
beinhalten  wird  (vgl.  act. 12  S. 2).  Diese  Betriebsvorschriften  dürften  sich 

im Resultat wie formelle Emissionsbegrenzungen gemäss Art. 12 USG zu-

gunsten  der  Luftqualität  auswirken.  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen, 

dass  es  sich  beim  Umweltschutzgesetz  vorab  um  ein Massnahmengesetz 

und nicht um ein Verhinderungsgesetz handelt (BGE 125 II 129 E. 4). 

4.5.4. 

Die  Rügen  der  Rekurrierenden  betreffend  die  umweltschutzrechtlichen 

Bestimmungen über die Luftreinhaltung sind damit unbegründet.  

4.6. 

Der Rekurs ist somit teilweise gutzuheissen und die angefochtene Baube-

willigung  insofern  mit  der  Auflage  zu  versehen,  die  für  das  Publikum  ge-

planten Abortanlagen auf dem Strichplatz nach Geschlechtern zu trennen.  

Im Übrigen ist der Rekurs abzuweisen. 

[….] 

R1S.2011.05152 

Seite 17