# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b13d16b-bb7d-58b9-9e30-a9660b4fb319
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-08
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 08.11.2022 S 2021 45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S-2021-45_2022-11-08.pdf

## Full Text

%FILENAMEK%

Strafabteilung S 2021 45 / 46

Oberrichter Dr.iur. A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter lic.iur. St. Dalcher
Ersatzrichterin lic.iur. A. Amsler Mercier
Gerichtsschreiber MLaw O. Fosco

Urteil vom 8. November 2022 [rechtskräftig]

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug,
vertreten durch Staatsanwältin MLaw B.________, 
Anklägerin, Berufungsklägerin und Berufungsbeklagte,

und

C.________,
vertreten durch Rechtsanwältin MLaw D.________,
Privatklägerin und Berufungsbeklagte,

gegen

E.________, geb. tt.mm.1975 in A.________, von F.________,  
wohnhaft in H.________,  
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic.iur. G.________,
Beschuldigter, Berufungskläger und Berufungsbeklagter,

betreffend

Schändung, sexuelle Belästigung

(Berufungen des Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil der Einzelrichterin
am Strafgericht des Kantons Zug vom 6. Dezember 2021; SE 2020 75)

Seite 2/46

Anklagesachverhalt und Überblick über das Verfahren

1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) warf E.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) mit Anklageschrift vom 23. Dezember 2020 vor, C.________ 
(nachfolgend: Privatklägerin) im Rahmen einer Shiatsu-Therapie unerwartet und 
überraschend an der nackten Brust und der Brustwarze sowie den Schamlippen berührt zu 
haben. 

2. Am 29. Oktober 2021 fand die erstinstanzliche Hauptverhandlung vor der Einzelrichterin am 
Strafgericht des Kantons Zug statt, an welcher der Beschuldigte in Begleitung seines 
amtlichen Verteidigers, die fallführende Staatsanwältin in Begleitung einer a.o. 
Assistenzstaatsanwältin sowie die Privatklägerin in Begleitung ihrer Rechtsvertreterin 
teilnahmen. Im Anschluss an die Befragung der Privatklägerin und des Beschuldigten, die 
Parteivorträge und das Schlusswort des Beschuldigten verzichteten die Parteien auf eine 
mündliche Urteilseröffnung (SE GD 49). 

3. Die Vorinstanz fällte am 6. Dezember 2021 ein Urteil, welches sie den Parteien schriftlich im 
Dispositiv eröffnete (SE GD 50/1). Mit Eingaben vom 8. und 13. Dezember 2021 meldeten 
sowohl die Verteidigung wie auch die Staatsanwaltschaft Berufung an (SE GD 51 und 52). 

4. Die Vorinstanz versandte das schriftlich begründete, 45-seitige Urteil am 27. Dezember 
2021. Der Urteilsspruch lautete wie folgt: 

"1. Der Beschuldigte E.________ wird der sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB 
schuldig gesprochen.

2. Er wird dafür bestraft mit einer Busse von CHF 4'000.00, bei schuldhaftem Nichtbezahlen 
ersatzweise mit einer Freiheitstrafe von 40 Tagen, unter Anrechnung der erstandenen 
strafprozessualen Haft von einem Tag (entsprechend einem Betrag von CHF 100.00). 

3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. G.________, wird für seine 
Bemühungen mit CHF 14'990.20 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

4.1 Die Verfahrenskosten betragen 

CHF 3'068.05Untersuchungskosten
CHF 3'000.00Entscheidgebühr 
CHF 14'990.20Kosten der amtlichen Verteidigung
CHF 515.00 gerichtliche Auslagen
CHF 21'573.25Total

und werden dem Beschuldigten mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung auferlegt.

4.2 Der Beschuldigte hat dem Staat die Kosten seiner amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, sobald 
es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C.________ eine Genugtuung in Höhe von 
CHF 1'000.00 zuzüglich Zins zu 5% ab dem 5. Juli 2019 zu zahlen. Im Mehrbetrag wird das 
Genugtuungsbegehren der Privatklägerin abgewiesen. 

Seite 3/46

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, die Privatklägerin C.________ für ihre Aufwendungen im 
vorliegenden Verfahren mit CHF 3'162.85 zu entschädigen. Im darüberhinausgehenden Betrag 
wird der Entschädigungsantrag von C.________ abgewiesen.

7. Die Beschlagnahme des Notebooks, Marke Acer (Lagernummer 2019 7 887 / Dienst 
Kriminaltechnik) wird nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 
Rechtsmittel aufgehoben und dem Beschuldigten alsdann zurückgegeben. Mit der 
entsprechenden Rückgabe wird die Zuger Polizei beauftragt.

8. Die Begehren des Beschuldigten um Ausrichtung einer Genugtuung und einer angemessenen 
Entschädigung für den angeordneten Hafttag werden abgewiesen. 

9. Das Mandat von Rechtsanwalt lic. iur. G.________ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten 
wird mit sofortiger Wirkung widerrufen.

10. [Rechtsmittel]"

5.1 Die Verteidigung wandte sich mit Schreiben vom 28. Dezember 2021 an die Strafabteilung 
des Obergerichts des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) und beantragte eine Verlängerung 
des von der Staatsanwaltschaft angeordneten und von der Vorinstanz bis zum Abschluss 
des vorinstanzlichen Verfahrens verlängerten Schweigegebots bis zum Abschluss des 
Berufungsverfahrens (OG GD 2/1). 

5.2 Mit Präsidialverfügung vom 29. Dezember 2021 stellte die Verfahrensleitung den übrigen 
Parteien je ein Exemplar der Eingabe der Verteidigung zu und setzte ihnen Frist an, um sich 
zum Antrag auf Verlängerung des Schweigegebots zu äussern. Gleichzeitig verlängerte die 
Verfahrensleitung das Schweigegebot provisorisch mit dem Hinweis, dass diese Massnahme 
ohne weitere Anordnungen bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens gilt, sofern sich 
weder die Staatsanwaltschaft noch die Privatklägerin innert Frist vernehmen lassen (OG GD 
5/1). 

6.1 Mit Eingabe vom 13. Januar 2022 erklärte die Staatsanwaltschaft Berufung (OG GD 3/1). 

6.2 Die amtliche Verteidigung erklärte mit Eingabe vom 17. Januar 2022 ebenfalls Berufung (OG 
GD 2/2). Mit Schreiben vom 24. Januar 2022 ersuchte die Verteidigung um Akteneinsicht und 
Zustellung der gesamten Verfahrensakten (OG GD 2/3). 

7. Mit Präsidialverfügung vom 14. Februar 2022 übermittelte die Verfahrensleitung den Parteien 
die Berufungserklärung der jeweils anderen Partei und setzte ihnen verschiedene Fristen. 
Zudem wurde festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 13. Januar 2022 
der Verlängerung des Schweigegebots zugestimmt hatte und sich die Privatklägerschaft zu 
dieser Thematik nicht vernehmen liess. Folglich wurde in der genannten Präsidialverfügung 
festgehalten, dass das Schweigegebot definitiv bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens 
gilt. Sodann wurde der Antrag der Verteidigung auf Akteneinsicht gutgeheissen (OG GD 5/2). 

8. Mit Schreiben vom 2. März 2022 ersuchte der Kantonsarzt des Kantons Zug (nachfolgend: 
Kantonsarzt) um Amtshilfe. Er führte aus, im Zentralplus vom 15. Januar 2022 sei ein Artikel 
erschienen mit dem Titel "Therapeut muss nach möglichem sexuellem Übergriff um seine 
berufliche Zukunft fürchten." Er bitte das Gericht um Mitteilung, ob es sich um einen 
Therapeuten handle, der im Kanton Zug tätig sei. Falls dies der Fall sei, müsse das Amt für 

Seite 4/46

Gesundheit prüfen, ob disziplinarische Massnahmen zu ergreifen seien. Er ersuche das 
Gericht deshalb gestützt auf § 10 Abs. 3 GesG ZG um Zustellung der für ein 
Disziplinarverfahren relevanten Akten (OG GD 6/1). 

9. Die Verteidigung, die Privatklägerschaft sowie die Staatsanwaltschaft gaben mit Eingaben 
vom 7. März bzw. Letztere mit solcher vom 25. März 2022 bekannt, dass sie weder Anträge 
auf Nichteintreten stellen noch Anschlussberufung erheben. Auch wurden keine 
Beweisanträge gestellt (OG GD 2/5,3/3 und 5/3). 

10. Mit Präsidialverfügung vom 21. März 2022 stellte die Verfahrensleitung den Parteien die 
genannten Eingaben der jeweils anderen Parteien zu. Zudem wurden die Parteien unter 
Vorlage der Aktennotiz der Staatsanwaltschaft vom 22. Oktober 2020 eingeladen, sich dazu 
zu äussern, ob die Privatklägerin mit ihrem Anruf vom 22. Oktober 2020 bei der 
Staatsanwaltschaft ggf. ihren Strafantrag zurückgezogen haben könnte. Sodann wurde den 
Parteien eine Kopie des kantonsärztlichen Amtshilfeersuchens zur freigestellten 
Stellungnahme übermittelt (OG GD 5/3). 

11. Die Staatsanwaltschaft brachte mit Schreiben vom 29. März 2022 vor, die Privatklägerin 
habe ihren Strafantrag mit dem erwähnten Telefonat nicht zurückgezogen, da die von der 
Rechtsprechung und Lehre hierfür aufgestellten Kriterien nicht erfüllt seien (OG GD 3/4). 
Sodann bekräftige die Rechtsvertreterin der Privatklägerin mit Schreiben vom 5. April 2022, 
dass ihre Mandantin ihren Strafantrag nicht zurückgezogen habe (OG GD 4/2). Die 
Verteidigung legte in ihrer Stellungnahme vom 5. April 2022 ausführlich dar, weshalb ihrer 
Ansicht nach das Amtshilfeersuchen des Kantonsarztes abzuweisen sei und kein gültiger 
Strafantrag mehr vorliege (OG GD 2/6). 

12. Mit Präsidialverfügung vom 10. Mai 2022 wies die Verfahrensleitung das Gesuch des 
Kantonsarztes um Amtshilfe ab. Zudem wurde festgehalten, dass über die Frage, ob die 
Privatklägerin mit ihrem Anruf bei der Staatsanwaltschaft vom 22. Oktober 2020 ihren 
Strafantrag zurückgezogen habe, ggf. nach durchgeführter Berufungsverhandlung 
entschieden werde (OG GD 5/4). 

13. Mit Schreiben vom 16. Mai 2022 wandte sich der Kantonsarzt erneut an das Gericht und bat 
darum, den ablehnenden Entscheid in Wiedererwägung zu ziehen und sein Gesuch um 
Amtshilfe erneut zu prüfen (OG GD 6/7). Die Verfahrensleitung stellte dieses Schreiben am 
30. Mai 2022 den Parteien zur freigestellten Stellungnahme zu (OG GD 5/5). 

14. Nach Rücksprache mit den Parteien setzte die Verfahrensleitung mit Präsidialverfügung vom 
8. Juni 2022 das Datum der Berufungsverhandlung fest und teilte den Parteien die Formalien 
der Berufungsverhandlung mit (OG GD 7/1). Der Beschuldigte wurde mittels separater 
Vorladung vorgeladen (OG GD 7/2). 

15.1 Am 5. September 2022 fand die Berufungsverhandlung statt, an welcher der Beschuldigte, 
sein amtlicher Verteidiger sowie die fallzuständige Staatsanwältin teilnahmen (OG GD 7/4). 

15.2 Der Beschuldigte liess durch seine Verteidigung die nachfolgenden Anträge stellen (OG GD 
7/5): 

Seite 5/46

"1. Das Urteil des Kantonsgerichts Zug (SE 2020 75) vom 06. Dezember 2021 sei in Ziffer 1 bis 2 
sowie Ziffer 4.1 bis 6 und in Ziffer 8 ff des Dispositivs aufzuheben. 

2. Der Beschuldigte / Berufungskläger sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

3. Die Verfahrens- und Entschädigungskosten (zuzüglich Mehrwertsteuer) seien auf die Staatskasse 
zu nehmen. 

4. Die Verfahrens- und Entschädigungskosten, welche durch die Stellung von Anträgen im Zivilpunkt 
durch die Privatklägerschaft verursacht worden sind, seien der Privatklägerschaft aufzuerlegen."

15.3 Die Staatsanwaltschaft stellte in ihrer Berufungserklärung die folgenden Anträge (OG GD 
3/1): 

"1. In Gutheissung der Berufung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug seien die Ziffern 1 und 2 
des Urteils des Strafgerichts des Kantons Zug vom 6. Dezember 2021 aufzuheben. 

2. E.________ sei schuldig zu sprechen der Schändung gemäss Art. 191 StGB. 

3. E.________ sei zu bestrafen mit 
3.1 einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu CHF 90.00, wobei 1 Tag bereits durch die vorläufige 

Festnahme entstanden ist und unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges, bei einer Probezeit 
von 2 Jahren, und 

3.2 einer Verbindungsbusse von CHF 3'300.00, bei Nichtbezahlen mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 
37 Tagen. 

4. Die Kosten des Berufungsverfahren seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

15.4 Auf entsprechende Nachfrage des Gerichts verzichteten die Parteien am Ende der 
Berufungsverhandlung auf eine mündliche Urteilseröffnung (OG GD 7/4 S. 21).

Erwägungen und Begründung des Urteils

I. Prozessuales und Formelles

1. Sowohl die Verteidigung wie auch die Staatsanwaltschaft haben fristgerecht zuerst bei der 
Vorinstanz Berufung angemeldet und anschliessend ebenfalls frist- und formgerecht beim 
Berufungsgericht Berufung erklärt. Da von den Parteien keine Nichteintretensgründe gemäss 
Art. 403 Abs. 1 StPO geltend gemacht wurden und solche auch nicht ersichtlich sind, ist 
sowohl auf die Berufung der Verteidigung wie auch auf jene der Staatsanwaltschaft 
einzutreten. 

2.1 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner 
Berufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 
399 Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung 
verbindlich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne 
Handlungen; Bemessung der Strafe; etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 
StPO). Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen 
Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht 

Seite 6/46

angefochtene Punkte überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu 
verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne 
Punkte eindeutig und der Grundsatz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, 
muss die Einschränkung durch das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht 
angefochtenen Urteilspunkte werden - unter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO - 
rechtskräftig. Eine spätere Ausdehnung der Berufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine 
weitere Beschränkung (vgl. dazu umfassend: Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2018 vom 
13. November 2018 m.H.).

2.2 Die Berufung der Verteidigung ist darauf ausgerichtet, einen vollständigen Freispruch für den 
Beschuldigten zu erwirken, und richtet sich entsprechend gegen die Dispositivziffern 1, 2, 
4.1, 5, 6, 8 und 9 des vorinstanzlichen Urteils (OG GD 2/2). Die Staatsanwaltschaft verlangt 
in ihrer Berufung die Aufhebung der Ziff. 1 und 2 des vorinstanzlichen Urteils; der 
Beschuldigte sei stattdessen wegen Schändung gemäss Art. 191 StGB zu verurteilen und 
entsprechend härter zu bestrafen. Die Dispositivziffern 3 (Entschädigung amtliche 
Verteidigung), 4.2 (Rückzahlungspflicht der Kosten für die amtliche Verteidigung) und 7 
(Rückgabe des beschlagnahmten Notebooks) blieben sowohl von der Verteidigung wie auch 
von der Staatsanwaltschaft unangefochten. Die Frage nach einer allfälligen 
Rückzahlungspflicht für die Kosten der amtlichen Verteidigung ist allerdings untrennbar mit 
der Schuldfrage verknüpft, da die Kosten der amtlichen Verteidigung im Falle eines 
Freispruches definitiv auf die Staatskasse zu nehmen wären. Folglich wird über die Ziff. 4.2 
des vorinstanzlichen Urteils aufgrund der inneren Einheit des Urteils neu entschieden 
werden, auch wenn diesbezüglich kein Antrag der Parteien vorliegt. Die Dispositivziffern 3 
und 7 des vorinstanzlichen Urteils sind in Rechtskraft erwachsen. Dies ist im Urteilsspruch 
vorab festzustellen. 

2.3 Die Vorinstanz hat in Ziff. 9 des Urteils vom 27. Dezember 2021 die amtliche Verteidigung 
des Beschuldigten widerrufen. Die entsprechende Ziffer wurde vom Beschuldigten mittels 
Berufung angefochten und ist nicht in Rechtskraft erwachsen. Da die Berufungsinstanz die 
amtliche Verteidigung nicht in einem Zwischenentscheid widerrufen hat, galt diese über das 
Berufungsverfahren hinweg und der amtliche Verteidiger ist entsprechend aus der 
Staatskasse zu entschädigen. Mit dem Endentscheid der Berufungsinstanz ist das Interesse 
des Beschuldigten an einer amtlichen Verteidigung weggefallen. Entsprechend muss über 
den Antrag der Verteidigung, Ziff. 9 des Dispositivs des Urteils vom 27. Dezember 2021 
aufzuheben, mangels Rechtsschutzinteresse nicht entschieden werden (Art. 382 Abs. 1 
StPO).

2.4 Da die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Verfahren selbständige Berufung erhoben hat, 
darf das Urteil der Vorinstanz auch zuungunsten des Beschuldigten abgeändert werden. Das 
Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO findet keine Anwendung.  

3. Das Gericht verfügt im Zusammenhang mit den zu überprüfenden Punkten des Urteils der 
Vorinstanz über umfassende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht und kann sich 
demnach grundsätzlich nicht nur auf eine Plausibilitätskontrolle der erstinstanzlichen 
Beweiswürdigung beschränken. Zudem sind zweitinstanzliche Urteile immer zu begründen. 
Dennoch ist es gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO zulässig, dass das Gericht für die tatsächliche 
und die rechtliche Würdigung "des angeklagten Sachverhalts" aus Gründen der 

Seite 7/46

Prozessökonomie auf die Begründung der Vorinstanz verweist. Ein solcher Verweis erscheint 
bei abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen bei nach wie vor strittigen 
Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten 
Falls nur dann in Frage, wenn den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) 
beigepflichtet wird (vgl. BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Der schlichte Verweis auf die Begründung 
der Vorinstanz gemäss dieser Bestimmung ist indes dann unzulässig, wenn eben gerade 
diese Begründung als unzutreffend gerügt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_183/2018 vom 
31. Oktober 2018 E. 1). Art. 82 Abs. 4 StPO entbindet das Gericht indessen nicht von der 
grundsätzlichen Begründungspflicht und findet seine Grenzen, wenn sich nicht mehr ohne 
Weiteres feststellen lässt, welches die massgebenden eigenen tatsächlichen und rechtlichen 
Erwägungen sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_1125/2020 vom 4. März 2021 E. 2.2 m.H.). 
Falls das Gericht nachfolgend in diesem Sinne von der Verweisungsmöglichkeit Gebrauch 
macht, wird Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils nicht mehr separat aufgeführt.

4.1 Das Berufungsverfahren setzt das Strafverfahren fort und richtet sich nach den 
Bestimmungen über die erstinstanzliche Hauptverhandlung (Art. 405 Abs. 1 StPO). Es knüpft 
an die bereits erfolgten Verfahrenshandlungen, namentlich die bereits durchgeführten 
Beweiserhebungen, an. Das Gesetz sieht denn auch vor, dass das Rechtsmittelverfahren 
grundsätzlich auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen 
Hauptverfahren erhoben worden sind, beruhen soll (Art. 389 Abs. 1 StPO). Beweisabnahmen 
des erstinstanzlichen Gerichts sind im Rechtsmittelverfahren nur zu wiederholen, wenn 
Beweisvorschriften verletzt worden sind, die Beweiserhebungen unvollständig waren oder die 
Akten über die Beweiserhebungen unzuverlässig erscheinen (Art. 389 Abs. 2 lit. a-c StPO). 

4.2 Die Strafbehörden klären von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der 
beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen ab (Art. 6 Abs. 1 StPO). Werden die 
erforderlichen Abklärungen nicht von Amtes wegen vorgenommen oder erachten die Parteien 
zusätzliche Beweiserhebungen als erforderlich, haben sie jederzeit das Recht, 
Beweisanträge zu stellen 
(Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO). Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde 
bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Beweis geführt (Art. 139 
Abs. 2 StPO; Art. 318 Abs. 2 StPO). 

II. Einleitendes zur Beweiswürdigung und allgemeine gesetzliche Vorgaben

1. Der Richter würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen 
Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Er hat weder Beweisregeln noch einen numerus clausus 
der Beweismittel zu beachten, sondern soll einzig nach seiner persönlichen Überzeugung 
aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen 
hält. Er ist dabei, wie erwähnt, an den in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt 
gebunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung (Art. 9 Abs. 1; Art. 350 StPO), und 
auch nicht an die Anträge der Parteien. Die Organe der Strafrechtspflege sollen frei von 
Beweisregeln und nur nach ihrer persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter 
Prüfung der vorliegenden Beweise darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache für bewiesen 
halten. Dabei sind sie freilich nicht nur der eigenen Intuition verpflichtet, sondern auch an 

Seite 8/46

(objektivierende) Denk-, Natur- und Erfahrungssätze sowie wissenschaftliche Erkenntnisse 
gebunden (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1).

2.1 Nach Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 
Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen Vor-
aussetzungen der "angeklagten Tat" erfüllt sind. Diese Bestimmung operationalisiert den 
verfassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung ("in dubio pro reo"). Sie verbietet 
es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt 
auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte Zweifel 
bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine für die 
beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden 
kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch 
keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je 
ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1).

2.2 Der vorerwähnte "In-dubio-Grundsatz" wird indessen erst anwendbar, nachdem alle aus 
Sicht des Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Insoweit 
stellt er gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, 
widersprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte 
gegeneinander abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis feststellen. 
Eine tatbestandsmässige, zum Schuldspruch beitragende Tatsache ist rechtserheblich 
festgestellt, sobald das Gericht erkennt, dass die Zuverlässigkeit des Beweisergebnisses 
nicht ernsthaft zu bezweifeln ist. Die freie Beweiswürdigung ermächtigt den Richter schon bei 
vernünftig scheinenden Zweifeln an der Schuld des Angeklagten, diesen freizusprechen. Mit 
Blick auf die Ausprägung des In-dubio-Grundsatzes als Beweislastregel muss ein 
Sachverhalt nach Überzeugung des Gerichts umgekehrt mit an Sicherheit grenzender 
Wahrscheinlichkeit erstellt sein, damit er dem Beschuldigten zur Last gelegt werden kann. 
Die "In-dubio-Regel" ist mithin eine Anforderung "zum Beweismass". Für die richterliche 
Überzeugung ist ein jeden vernünftigen Zweifel ausschliessendes Urteil eines besonnenen 
und lebenserfahrenen Beobachters erforderlich. Ein im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO 
relevanter Zweifel kann sich nicht nur aus dem Ergebnis der Beweiswürdigung bezüglich des 
Vorhandenseins oder Nichtvorhandenseins eines Lebenssachverhalts ergeben. Das 
Beweisergebnis kann auch darum zweifelhaft sein, weil es im Kontext der feststehenden 
Tatsachen verschiedene Deutungen zulässt und damit verschiedene 
Sachverhaltsalternativen in den Raum stellt (BGE 144 IV 345 E 2.2.3.2-4).

3. Eine beschuldigte Person ist direkt vom Strafverfahren betroffen und hat daher grundsätzlich 
ein - durchaus legitimes - Interesse daran, Geschehnisse, Abläufe, Sachverhalte, 
Begebenheiten, etc. in einem für sie günstigeren Licht zu schildern bzw. eine Situation 
beschönigend darzustellen, da sie im Falle einer Verurteilung mit Nachteilen im Sinne einer 
Sanktion zu rechnen hat. Dies allein bedeutet jedoch noch nicht, dass ihre Aussagen per se 
weniger glaubhaft wären als diejenigen von Drittpersonen. Sie sind aber unter diesem 
Gesichtspunkt und eingedenk der Interessenslage mit der notwendigen Vorsicht zu werten.

4.1 Das Gericht darf bei seiner Entscheidung auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte 
Beweisanzeichen oder Indizien, d.h. Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, 
unmittelbar entscheiderhebliche Tatsache zulassen, berücksichtigen. Indizien sind sogar 
unentbehrlich zur Aufdeckung innerer Tatsachen wie des Vorsatzes. Dabei können einzelne 

Seite 9/46

Indizien praktisch mit Sicherheit auf ein Beweisthema hinweisen, während andere dies nur 
mit einer gewissen (mehr oder weniger grossen) Wahrscheinlichkeit tun. Es ist zulässig, aus 
der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und 
insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter 
zu schliessen. Somit ist der Indizienbeweis dem direkten Beweis gleichwertig. Der 
Indizienprozess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr 
abgeleiteten Teilrechte. Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist dabei nur auf die ganze 
Beweisführung anwendbar, nicht jedoch auf einzelne Indizien (vgl. im Wesentlichen Urteil 
des Bundesgerichts 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8 mit Hinweisen, aber auch 
ZR 106/2007 Nr. 46 mit Hinweisen; Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStR 
108/1991 S. 299 ff.).

4.2 Bei der Abschätzung des Wertes, den die für einen Umstand vorhandenen Indizien in ihrer 
Gesamtheit haben, kommt es in erster Linie auf deren Qualität an. Die Zahl der Indizien kann 
insofern eine gewisse Bedeutung haben, als die darauf gegründeten Schlussfolgerungen an 
Wahrscheinlichkeit gewinnen, je zahlreicher jene sind. Umgekehrt kann ein einziges, 
unzweifelhaftes Indiz für eine Verurteilung des Täters ausreichen, wenn die übrigen Indizien 
keineswegs alle schlüssig sind, untereinander aber nicht in Widerspruch stehen und 
mindestens geeignet sind, eine Täterschaft des betroffenen Beschuldigten als plausibel 
erscheinen zu lassen. Bei der Beurteilung, Einordnung, Bewertung und letztlich der/den 
Schlussfolgerung(en), welche daraus zur Überzeugung des Gericht gezogen werden/wird, 
handelt es sich naturgemäss stets um einen weiten Ermessensentscheid des Gerichts.

5. Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 
ausführt oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 
1 und 2 StGB). 

III. Strafantrag

1. Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann gemäss Art. 30 Abs. 1 StGB jede Person, die 
durch sie verletzt worden ist, die Bestrafung des Täters beantragen. Gemäss Art. 33 Abs. 1 
StGB kann die antragsberechtigte Person ihren Strafantrag zurückziehen, solange das Urteil 
der zweiten kantonalen Instanz noch nicht eröffnet worden ist. Wer seinen Antrag 
zurückgezogen hat, kann ihn nicht nochmals stellen (Art. 33 Abs. 2 StGB). 

2. Die Rückzugserklärung muss unmissverständlich, wenn auch nicht unbedingt in expliziten 
Worten, geäussert werden. In der Literatur wird Ausdrücklichkeit oder ein Verhalten 
gefordert, das mit der Fortführung der Strafverfolgung nicht vereinbar ist (Trechsel/Geth, in: 
Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 4. A. 2021, Art. 
33 StGB N 3). Ein an eine suspensive Bedingung geknüpfter Rückzug ist ungültig. Gemäss 
der Sonderregel von Art. 316 Abs. 1 StPO gilt der Strafantrag aber auch dann als 
zurückgezogen, wenn der Antragsteller einer Vorladung der Staatsanwaltschaft zur 
Teilnahme an einer Vergleichsverhandlung fernbleibt. Insoweit ist auch ein konkludenter 
Antragsrückzug möglich (Riedo, Basler Kommentar, 4. A. 2019, Art. 33 StGB N 6, 7).

Seite 10/46

3. Mit dem Strafantrag erklärt der bzw. die Verletzte seinen oder ihren bedingungslosen Willen 
zur Strafverfolgung des Täters. Der Wille, einen Strafantrag zurückzuziehen, muss 
unmissverständlich zum Ausdruck kommen. Eine Desinteresseerklärung an der 
Strafverfolgung von Antragsdelikten gilt als Rückzug des Strafantrags (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_1039/2019 vom 16. Juni 2020 E.2.3.1). 

4. Das fragliche Telefonat der Privatklägerin mit der zuständigen Assistenzstaatsanwältin 
erfolgte als Reaktion auf die Vorladung vom 9. Oktober 2020 (act. 12/14), d.h. mehr als ein 
Jahr, nachdem die Privatklägerin zum letzten Mal mit dem Verfahren konfrontiert gewesen 
war. Es ergibt sich aus den Akten, dass eine erneute Konfrontation mit der Sache sie damals 
stark störte und sie nachfragte, ob es einen Ausweg gebe, um nicht zur Einvernahme vom 
29. Oktober 2020 erscheinen zu müssen (act. 8/4). Die Aktennotiz des Telefongesprächs mit 
der Assistenzstaatsanwältin ist so zu verstehen, dass sich die Privatklägerin zu diesem 
Zeitpunkt die Möglichkeit überlegte, dass sie allenfalls ihr Desinteresse an der 
Strafverfolgung erklären könnte, falls sie dadurch nicht mehr über das für sie offenbar 
schmerzhafte Erlebnis im Rahmen einer förmlichen Vernehmung berichten müsste. Sie 
wollte sich mithin nach der Möglichkeit einer Dispensation erkundigen. Dies ergibt sich auch 
daraus, dass die Privatklägerin ausschliesslich wegen der erhaltenen Vorladung die 
Staatsanwaltschaft kontaktierte, und zweitens, dass sie weder vorher noch nachher, insb. 
auch nicht an der Einvernahme vom 29. Oktober 2020, ihr Desinteresse an der 
Strafverfolgung erklärte. Entsprechend hatte die Privatklägerin im genannten 
Telefongespräch mit der Assistenzstaatsanwältin keinen bedingungslosen Rückzugswillen 
zum Ausdruck gebracht. Im Übrigen stellte sie nur eine Frage, was nicht mit der Abgabe 
einer unmissverständlichen Willensäusserung gleichgesetzt werden kann. So stellt 
beispielsweise auch die Verpflichtung zur Abgabe einer Desinteresseerklärung noch keine 
Desinteresseerklärung dar (Urteil des Bundesgerichts 6B_1039/2019 vom 16. Juni 2020 E. 
2.4.1), was ausreichend klar verdeutlicht, dass auch eine bestehende innere Bereitschaft, 
unter bestimmten Bedingungen eine Desinteresserklärung abzugeben, nicht bereits als 
solche interpretiert werden kann. Entsprechend kann auch die Frage nach der Wirkung einer 
Desinteresseerklärung auf die unliebsame Vorladung noch keine Desinteresseerklärung 
darstellen. 

5. Auch war die Auskunft der Assistenzstaatsanwältin nicht unrichtig. Die Vorladung vom 9. 
Oktober 2020 war der Anlass und das Thema des Anrufs der Privatklägerin, und an der 
Vorladung musste wegen des Offizialcharakters der Vorwürfe seitens der Staatsanwaltschaft 
zwingend festgehalten werden. Eine Auskunft, dass sie den Strafantrag jederzeit 
zurückziehen könnte, war nicht notwendig, da sich dies bereits aus dem Strafantragsformular 
ergibt und die Privatklägerin wegen der Vorladung anrief und ein Strafantragsrückzug wegen 
des im Raum stehenden Schändungsvorwurfs gar nicht geeignet war, dass deswegen die 
Vorladung abgenommen würde. Mithin hat die Privatklägerin ihren Strafantrag am 22. 
Oktober 2020 nicht zurückgezogen, so dass ein gültiger Strafantrag vorliegt. 

IV. Standpunkte der Parteien 

1.1 Der Verteidiger führte in seinem Plädoyer an der Berufungsverhandlung zusammengefasst 
aus, es sei bei der Shiatsu-Therapie nicht so, dass die Therapie am Körper gleich beginne, 

Seite 11/46

sobald man in die Therapieräume komme. Vielmehr werde ein Vorgespräch geführt und 
erklärt, was eine Shiatsu-Therapie sei und dass die Verantwortung stets beim Kunden liege. 
Bei einer Shiatsu Empty Touch Therapie würden nicht nur die Meridiane, sondern auch die 
meridianfreien Räume wie auch die Räume auf und über dem Körper energetisch behandelt. 
Die Behandlung finde so statt, dass der Therapeut ca. 5cm über der Haut seine Therapie 
vornehme, was natürlich auch der Kunde merken und spüren solle. Bei der Shiatsu-Therapie 
kämen Berührungen wie auch energetische Massnahmen vor. 

1.2 Die Privatklägerin habe nach ihren Ausführungen ihre Augen stets geschlossen gehalten und 
den Therapeuten nicht beobachtet. Ein solches Verhalten, die ständige Schliessung der 
Augen, sei aber nur anzunehmen, wenn die Behandlung so ablaufe, wie man es erwarte, 
sonst öffne man die Augen. Dass die Privatklägerin die Augen stets geschlossen gehabt 
habe, zeige eindeutig auf, dass sie nichts erlebt habe, das sie nicht erwartet habe und nicht 
zur eingegangenen Shiatsu-Therapie passe. Da die Privatklägerin die Augen immer 
geschlossen gehalten habe, habe sie gar nicht sehen können, ob der Beschuldigte ihr 
wirklich mit den Händen in die Hosen gegriffen habe, ob das ein Gefühl oder nur eine 
Einbildung gewesen sei. 

1.3 Auch gegen jedes Vorkommen eines unerwarteten Ereignisses spreche, dass am Ende der 
Therapie am 5. Juli 2019 ein weiterer Termin vereinbart worden sei. Auch habe die 
Privatklägerin den Beschuldigten umarmt und damit ihre Zustimmung und Dankbarkeit für die 
Therapie am 5. Juli 2019 erteilt. Aus den Aussagen der Privatklägerin würden sich diverse 
Unstimmigkeiten ergeben. So habe die Privatklägerin an ihrer Einvernahme vom 29. Oktober 
2020 bestritten, dass ein zweiter Termin mit dem Beschuldigten vereinbart worden sei. Erst 
auf Nachfrage der Staatsanwältin und auf Vorlage der E-Mail vom 24. Juli 2019 habe sie 
zugegeben, dass bereits bei der Verabschiedung ein zweiter Termin vereinbart worden sei. 
Ebenso widersprüchlich äussere sich die Privatklägerin zu ihrer Lage im Therapieraum. An 
der Einvernahme vom 13. September 2019 habe sie ausgeführt, sie sei auf dem Rücken und 
zeitweise auch auf dem Bauch gelegen. An der Einvernahme vom 29. Oktober 2020 habe sie 
wiederholt ausgeführt, sie sei immer auf dem Rücken gelegen. Anlässlich der Befragung am 
13. September 2019 habe die Privatklägerin ausgesagt, der Beschuldigte habe sich nicht um 
das Sprunggelenk gekümmert, während es an der Befragung vom 29. Oktober 2020 
geheissen habe, er habe es behandelt, nur nicht so lange, wie es die Privatklägerin erwartet 
habe (OG GD 7/5). 

2.1 Die zuständige Staatsanwältin führte in ihrem Plädoyer an der Berufungsverhandlung 
zusammengefasst aus, die Vorinstanz habe sich intensiv mit den Aussagen der 
Privatklägerin auseinandergesetzt und sei zum Schluss gekommen, dass diese glaubhaft 
seien. Die Vorinstanz habe sich nicht mit der Tatsache auseinandergesetzt, dass die 
Privatklägerin vor Schranken glaubhaft erklärt habe, wie es dazu gekommen sei, dass sie 
anfänglich bloss von einer Berührung der Brust (und nicht der Brustwarze) gesprochen habe. 
Sie habe angegeben, dass für sie die Brustwarze zur Brust gehöre, weshalb sie die 
Brustwarze nicht explizit erwähnt habe. Diese sprachliche Ungenauigkeit dürfe im 
Nachhinein nicht gegen die Privatklägerin verwendet werden, insb. auch weil es sich bei den 
Aussagen der Privatklägerin vom 13. September 2019 um Erstaussagen handle. 

Seite 12/46

2.2 Auch die rechtliche Würdigung des Sachverhaltes überzeuge nicht. Indem der Beschuldigte 
die Privatklägerin an der Brust- und Brustwarze sowie auch an den Schamlippen berührt 
habe, habe er sich der Schändung schuldig gemacht. Dies, weil die Privatklägerin 
widerstandsunfähig gewesen sei aufgrund ihrer Körperlage und der Überrumpelung. Laut 
Bundesgericht sei eine situationsbedingte Widerstandsunfähigkeit u.a. bei Frauen zu 
bejahen, die aufgrund ihrer Lage auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl nicht hätten 
sehen können, was mit ihnen geschehe. Diesbezüglich sei vom Bundesgericht ausgeführt 
worden, die Willensbetätigung der Frauen sei beeinträchtigt gewesen. Das Gesagte müsse 
auch auf die vorliegende Konstellation zutreffen. Es sei nicht nachvollziehbar, inwiefern die 
vorliegende Situation davon abweichen soll. Die Privatklägerin sei während der Shiatsu-
Behandlung auf dem Rücken gelegen und habe keinen Einblick in die Handlungen des 
Therapeuten gehabt. Die Privatklägerin sei aufgrund ihrer Körperlage nicht in der Lage 
gewesen, sich gegen den Übergriff zur Wehr zu setzen. Sie habe die Berührungen an den 
Schamlippen erst wahrgenommen, als sie bereits erfolgt seien. 

2.3 Dazu komme, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten ausgeliefert gewesen sei. Die 
Privatklägerin sei aufgrund der Fussschmerzen beim Beschuldigten in Behandlung gewesen. 
Sie habe erwarten dürfen, dass der Beschuldigte sie nur dort berühre, wo es 
komplementärmedizinisch begründet sei, und er ihre Verletzlichkeit nicht ausnütze. Der 
Beschuldigte habe jedoch genau das Gegenteil getan. Fakt sei: Diese Berührungen hätten 
nur stattfinden können, weil er die Privatklägerin völlig überrumpelt habe. Im Urteil der 
Vorinstanz werde die Widerstandsunfähigkeit aber verneint, weil es einen Moment gegeben 
haben soll, zwischen dem Zeitpunkt, in welchem der Beschuldigte seine Hand oder Hände in 
den Hosenbund der Privatklägerin gesteckt habe und dem Zeitpunkt der direkten Berührung 
der äusseren Schamlippen. Diese Unterteilung überzeuge nicht. Die Handlungen des 
Beschuldigten seien unmittelbar nacheinander erfolgt, ohne zeitlichen Unterbruch. Die 
Privatklägerin habe an der Hauptverhandlung gesagt, sie finde, man könne das nicht in 
Phasen unterteilen, es sei eine fliessende Bewegung gewesen. 

3. Der Verteidiger führte in seinem zweiten Parteivortrag zusammengefasst aus, man könne 
nicht sagen, dass die Brust und die Brustwarze das Gleiche sei. In allen Fällen habe die 
Privatklägerin auch von ihrem Recht Gebrauch gemacht, von einer Frau befragt zu werden. 
Es habe ihn auch erstaunt, dass die Privatklägerin ihre Ärztin als Vertrauensperson an die 
Einvernahme mitgenommen habe. Die Staatsanwaltschaft sage jetzt, es sei eine Ausrede 
des Beschuldigten, dass er die Privatklägerin energetisch behandelt habe. Aber das sei 
keine Ausrede, das sei seine Spezialität. Wenn die Privatklägerin das Gefühlt gehabt hätte, 
sie werde berührt, hätte sie ja mindestens die Augen öffnen können. Das sei eine natürliche 
Intuition und werde jetzt von der Staatsanwaltschaft heruntergespielt. Ein Gynäkologenstuhl 
bewirke eine Einschränkung. Das sei sicher nicht das Gleiche, wie wenn man sich frei in alle 
Richtungen bewegen und die Beine spreizen oder zusammentun könne. Die Privatklägerin 
habe eine normale Shiatsu-Therapie erwartet und die habe sie auch bekommen. Es sei ja 
nicht so, dass man die Therapie mache und danach sage, was man mache. Sondern man 
erkläre den Leuten, was man mache und dann werde das auch so ausgeführt. Der 
Beschuldigte habe auch detailliert gesagt, was er herausgefunden habe. Es sei nicht so, 
dass er nichts gesagt hätte. Es sei aktenwidrig, das so zu behaupten (OG GD 7/4 S. 19).    

Seite 13/46

4. Die zuständige Staatsanwältin entgegnete in ihrem zweiten Parteivortrag, sie habe nicht 
behauptet, dass die Privatklägerin aufgrund einer merkwürdigen Befragung oder da sie von 
einem Mann befragt worden sei, einzelne Körperteile nicht habe nennen können. Sondern 
die Staatsanwaltschaft habe ausgeführt, dass gemäss der Privatklägerin die Brust für sie 
auch die Brustwarze umfasse, rein sprachlich. Der Beschuldigte habe keine Einzelheiten, 
keine Besonderheiten, nichts über die tatsächliche Behandlung der Privatklägerin zu 
Protokoll gegeben. Es sei sehr detailarm geblieben. Es sei nichts erwähnt worden, was auf 
eine detailreiche Aussage hindeuten würde (OG GD 7/4 S. 21). 

V. Aussagewürdigung und relevanter Sachverhalt 

1. Aussagen der Privatklägerin 

1.1.1 Die Privatklägerin führte an ihrer polizeilichen Einvernahme vom 13. September 2019 aus, 
sie habe am 5. Juli 2019 eine Shiatsu-Sitzung mit Transformation work beim Beschuldigten 
in M.________ gebucht. Sie sei wie in einer Therapiestunde mit dem Beschuldigten 
abgesessen. Er habe ihr zuerst einen Grüntee angeboten und ihr Fragen gestellt. Sie seien 
so dagesessen und er habe immer "so komisch" seinen Kopf bewegt. Sie wisse ja nicht, ob 
er wirklich mit Energie arbeiten könne, doch sie sei irgendwie sehr müde geworden. Er habe 
ihr gesagt, dass er bei ihr einen Druck verspüre, welchen er aus ihr herausnehmen wolle. 
Plötzlich habe er sie gefragt, was bei ihr mit 7-jährig passiert sei. So sei es immer mit Fragen 
weitergegangen. Dann hätten sie in einen anderen Raum gewechselt mit einer Matte. Er 
habe gemerkt, dass sie müde werde und habe gemeint, dass sie nun in den Shiatsu-Raum 
gehen würden. Sie habe sich auf die Matte auf den Rücken mit Sportbekleidung gelegt. Sie 
sei da gelegen und er habe ihre Arme seitlich nach hinten gelegt und sie sei wie ein T 
dagelegen. Der Beschuldigte habe begonnen über ihre Hände bis zu ihrem Oberkörper zu 
arbeiten, indem er über ihre Haut gefahren sei. Sie habe ein Tank-Top getragen. Irgendwann 
habe er seine Hand oberhalb ihrer linken Brust gehabt und habe "wie leicht rein" gedrückt. In 
diesem Moment habe er gesagt, dass er da einen Druck spüre und dass er besser arbeiten 
könne, wenn er direkten Körperkontakt habe und dass es ihr freigestellt sei, ob sie überhaupt 
etwas ausziehen möchte oder nicht. Er habe noch ein Beispiel erwähnt wegen Patienten mit 
Brustkrebs und es sei besser, wenn er direkt auf dem Körper arbeiten könne. Er habe ihr 
gesagt, dass er nun rausgehe und sie so viel ausziehen könne, wie es ihr wohl sei. Sie habe 
dann ihr Tank-Top und ihren Sport-BH ausgezogen und habe sich dann wieder so hingelegt 
wie vorhin. Kurze Zeit später sei er wieder in den Raum gekommen. Er habe begonnen, 
wieder oberhalb der Brust zu arbeiten. Sie wisse nicht mehr, ob er zu diesem Zeitpunkt mit 
beiden Händen an ihren Brüsten oder Brust gearbeitet habe. Er habe oberhalb der Brust 
oder Brüste leicht gedrückt und Streichbewegungen gemacht. Sie habe keine Ahnung, wie 
lange er dies so gemacht habe (act. 2/1 S. 2 und 3). 

1.1.2 Auf die Nachfrage, wie ihr Zustand gewesen sei, führte die Privatklägerin aus, sie sei extrem 
müde gewesen, sie hätte ihre Augen immer geschlossen gehabt. Sie wisse eben nicht, 
weshalb sie derart müde gewesen sei. Sie wisse nicht, ob diese Art Therapie sie derart müde 
gemacht habe oder was mit ihr passiert sei. Der Beschuldigte habe vom gleichen Tee 
getrunken wie sie. Es habe zwei verschiedene Tassen gehabt. Sie wisse, dass er ihr Grüntee 
eingeschenkt habe, dieser schmecke extrem bitter. Sie habe sich einfach gefragt, weshalb 

Seite 14/46

sie derart müde geworden sei. Es sei nämlich auch so gewesen, dass sie am gleichen 
Nachmittag mit ihrem Freund in der Männerbadi in Zug gewesen sei und den ganzen 
Nachmittag geschlafen habe. Dies sei nicht normal und ihr Freund könne dies bestätigen. 
Der Beschuldigte habe ihre Brüste gedrückt und sei darüber gefahren und dann wieder über 
den ganzen Körper. Sie habe sich noch gefragt, weshalb der Beschuldigte nicht an ihren 
Fuss gehe, wo sie ja eigentlich den Schmerz gehabt habe und sie ihm dies gesagt hätte. 

1.1.3 Irgendwann habe der Beschuldigte begonnen, nur noch ihren Bauch zu behandeln, und er 
habe darauf herumgedrückt. Dann sei er oberhalb ihrer Kleidung bis auf Höhe ihres 
Venushügels gegangen. Dann sei er mit seinen Händen wieder auf Höhe des Bauches 
zurückgegangen. Und irgendwann sei seine Hand oder Hände unterhalb ihrer Kleidung 
verschwunden und direkt auf ihren Schamlippen gewesen. Er habe leicht auf die 
Schamlippen geklöpfelt – wie pulsierend. Dieses Klöpfeln habe er mehrere Male gemacht. 
Sie sei derart müde gewesen, dass sie das Zeitgefühl verloren gehabt habe. Sie habe 
absolut keine Ahnung, wie lange er was mit ihr gemacht habe. Irgendwann sei er mit seiner 
Hand oder Händen wieder aus ihren Sporthosen oder Slip herausgegangen. Sie habe sich 
dann auf seine Anweisung hin auf ihren Bauch drehen müssen. Sie sei unten immer noch 
voll bekleidet gewesen. Da könne sie sich nicht mehr erinnern, was er alles an ihr gemacht 
habe. Irgendwie sei er mit seiner Hand oder Händen unter ihre Kleidung auf Höhe Po-
Backen. Er habe Shiatsu-Handbewegungen gemacht oder so. Sie wisse nicht, was zu 
Shiatsu wirklich gehöre und was nicht. Denn sie sei ja erstmals in einer Shiatsu-Therapie 
gewesen. Dann habe er sie angewiesen, sich wieder auf den Rücken zu drehen. Er habe 
nochmals ihren Bauch und ihren Unterleib "behandelt" Da sei er oberhalb der Kleidung 
geblieben. Dann habe er gemeint, dass es für ihn sehr anstrengend gewesen sei, diesen 
Druck bei ihr zu lösen. Dann sei die Sitzung fertig gewesen. Sie müsse noch erwähnen, dass 
der Beschuldigte während der Behandlung zwei- bis dreimal – ohne den Grund anzugeben – 
aus dem Raum gegangen sei. Wie lange er jeweils draussen geblieben sei, da habe sie 
absolut keine Ahnung. Ihr sei aufgefallen, dass wenn er wieder in den Raum gekommen sei, 
er jedesmal an seinen Händen nach Desinfektionsmittel gerochen habe. Sie habe keine 
Ahnung gehabt, was er draussen gemacht habe, dass er sich habe desinfizieren müssen. 
Dies sei ihr sehr komisch reingekommen. Er habe ihr dann die Rechnung für die 
Krankenkasse rausgelassen und sie habe in bar mit CHF 380.00 bezahlt. Er habe ihr dann 
einen weiteren Termin für anfangs August 2019 vorgeschlagen, doch diesen habe sie per 
Mail am 24. Juli 2019 später abgesagt. Sie habe ihm per Mail mitgeteilt, dass ihr seine Art 
der Behandlung [recte: nicht] zusage (act. 2/1 S. 4 und 5). 

1.1.4 Die Privatklägerin reichte die von ihr erwähnte E-Mail vom 24. Juli 2019 zu den Akten. Diese 
lautet folgendermassen: 

"Lieber E.________ 

Ich habe am 9. August um 14:30 Uhr einen Termin bei dir und würde diesen gerne absagen. Nach 
längerem Überlegen habe ich für mich den Entschluss gefasst, dass deine Behandlung nichts für 
mich ist. Könntest du mir die Absage vielleicht kurz bestätigen? 

Besten Dank und viele Grüsse
C.________"

  

Seite 15/46

An der polizeilichen Einvernahme vom 13. September 2019 führte die Privatklägerin zu 
dieser E-Mail aus, sie spreche in E-Mails alle Personen mit lieber oder liebe an. Dies sei 
normal für sie. 

1.1.5 Auf Nachfrage nach Ihrer Bekleidung führte die Privatklägerin aus, sie habe einen schwarzen 
Stringtanga, eine kurze Sporthose schwarz, inwendig mit einer pinkfarbenen Leggins 
(Fitnesshosen) getragen. Diese Kleider habe er nicht runtergezogen. Oben sei sie ja schon 
ohne Kleider gelegen – dies auf seinen expliziten Hinweis, dass es besser wäre, wenn er 
direkt auf ihrem Körper arbeiten könne. (Auf Frage) Der Beschuldigte sei barfuss gewesen, 
habe lange weisse Leinenhosen getragen und ein weisses Oberteil. So sei er auch auf seiner 
Homepage abgebildet. Zur Frage nach dem Verhalten des Beschuldigten während diesen 
Handlungen sagte die Privatklägerin, sie habe ihre Augen immer geschlossen gehabt und 
sich in einem extrem müden Zustand befunden. Sie sei nie eingeschlafen. Sie wisse nicht, ob 
er auch Hand an sich angelegt habe oder nicht. Bei der Atmung hätte sie nichts festgestellt. 
Jedoch habe er ja mehrmals den Raum verlassen und sei dann mit Desinfektionsmittel an 
seinen Händen zurückgekehrt. Dies sei schon sehr komisch. Dies habe sie ja auch der Ethik-
Kommission des Shiatsu-Verbandes gesagt, denn die hätten ihr am 9. August 2019 
telefoniert, nachdem sie dem Shiatsu-Verband ihr Schreiben habe zukommen lassen. Dieses 
Telefongespräch habe 19 Minuten gedauert und Frau I.________ habe ihr gesagt, dass es 
nicht normal sei, einfach als Therapeut den Raum zu verlassen ohne einen Grund zu 
nennen. (Auf Nachfrage nach ihrem Verhalten) Sie sei völlig blockiert dagelegen und habe 
überhaupt nichts gemacht. In diesem Moment habe sie nicht wirklich gewusst, was sie 
machen solle. Sie sei vollständig mit all dem, was der Beschuldigte gemacht habe (Hände 
auf den Schamlippen), überfordert gewesen. Als Mensch sei sie grundanständig und eher 
scheu. Sie habe sich überhaupt nicht wehren können. Erst im E-Mail an den Beschuldigten 
habe sie erwähnt, dass ihr seine Art von Behandlung nicht zusage. 

1.1.6 Als Ergänzung führte sie sodann aus, für sie stehe fest, dass der Beschuldigte eine 
Grenzüberschreitung gemacht habe und er die Verantwortung für sein Handeln übernehmen 
müsse. Sie müsse betonen, dass ihr dieser Vorfall wie in einem Film vorgekommen sei und 
sie zuerst habe realisieren müssen, was da mit ihr beim Beschuldigten passiert sei, was er 
mit ihr gemacht habe. Sie habe dann auch mit ihrem Freund und ihrer Schwester gesprochen 
und habe dann immer mehr realisiert, dass dies nicht in Ordnung gewesen sei, was der 
Beschuldigte mir ihr gemacht habe. Deshalb habe sie zeitlich verzögert reagiert. Ihr Freund 
könne bestätigen, dass sie sich seit diesem Vorfall verändert habe. Sie lasse keine Nähe 
mehr zu. Sie hätten seither kaum noch Geschlechtsverkehr gehabt, denn sie habe absolut 
keine Lust mehr. Dies sei bei ihr eigentlich unüblich. Seit diesem Vorfall fühle sie sich nicht 
mehr wohl in ihrem Körper. Sie besuche eine Psychotherapie und habe diesen Vorfall 
thematisiert. Sie habe den Beschuldigten gefragt, ob er ihr per E-Mail die Absage für den 
nächsten Termin bestätigen könne. Er habe diese Absage per E-Mail bestätigt (diese habe 
sie gelöscht), doch er sei nicht darauf eingegangen, dass ihr seine Art der Behandlung nicht 
zusage. Während des Telefongesprächs mit der Ethik-Kommission des Shiatsu-Verbandes 
sei ihr aufgefallen, dass Frau I.________, als sie ihr den Namen des Beschuldigten gesagt 
habe, erwähnt habe, dass sie ihn kenne. Sie habe gefragt, ob sie ihn im negativen oder 
positiven Sinn kenne und sie habe geantwortet "dies dürfe sie mir nicht sagen". Weiter habe 
sie gesagt, dass durch sein Verhalten bei ihr schon Fragezeichen aufgetaucht seien (act. 2/1 
S. 6 und 7). 

Seite 16/46

1.2.1 An ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. Oktober 2020 führte die 
Privatklägerin sinngemäss, d.h. jeweils in Beantwortung auf die entsprechenden Fragen, im 
Wesentlichen aus, sie habe damals einen Termin beim Beschuldigten vereinbart, weil sie im 
Frühling nochmals eine Operation wegen der Arthrose im Sprunggelenk gehabt habe. 
Aufgrund der Schmerzen im Fuss und weil sie mit Physiotherapie nicht weitergekommen sei, 
habe ihr ihre Schwester eine Shiatsu-Therapie empfohlen. Sie habe auch die Internet-Seite 
des Beschuldigten gelesen und dort gute Rezensionen vorgefunden. Sie habe nichts über 
Shiatsu-Behandlung mit Transformation Work gewusst und sei noch nie in einer 
entsprechenden Behandlung gewesen. Sie habe es auf sich zukommen lassen wollen. Sie 
sei bei der Terminbestätigung informiert worden, welche Kleider sie tragen soll (act. 2/3 S. 3). 

1.2.2 In eigener Erzählung führte sie sodann aus, sie sei dorthin gekommen und zuerst habe der 
Beschuldigte ihr erklärt, was er mache. Die erste Hälfte sei Transformation Work gewesen, 
erst in der zweiten Hälfte habe dann die klassische Shiatsu-Behandlung stattgefunden. Sie 
seien zuerst in einem Raum gesessen, dort habe er Fragen zu ihrer Vergangenheit gestellt 
und ihr einen Tee angeboten. Nach ca. 30-45 min seien sie in den Shiatsu-Raum gegangen, 
dort habe sie sich auf den Boden auf einen Fouton gelegt. Angefangen habe er mit der 
Behandlung am Oberkörper. Er habe ihr gesagt, dass er bei der Brust einen extremen Druck 
verspüre. Er habe ihr gesagt, dass er direkt auf der Haut besser arbeiten könne und es ihr 
freigestellt sei, ob sie sich entblössen möchte. Er sei dann aus dem Raum gegangen. Sie 
habe sich gedacht, dass es sie nicht störe, sich zu entblössen und sie habe auch keinen 
Vergleich gehabt, wie eine Shiatsu-Therapie ablaufe. Sie habe gewusst, dass die Shiatsu-
Therapie am ganzen Körper stattfinde, aber habe es doch speziell gefunden, dass der 
Bereich vom Fuss nie behandelt worden sei. Auch habe er ihr gesagt, dass er in der 
Magengegend einen extremen Druck verspüre, was für sie auch Sinn gemacht habe, weil sie 
eine chronische Darmerkrankung gehabt habe. Bis er ihr dann zwischen die Beine gegriffen 
habe. Er sei auch mehrmals aus dem Raum gegangen, was sie sehr speziell gefunden habe. 
Als er ihr zwischen die Beine gegriffen habe, habe er ihr auch die Frage gestellt, ob sie 
jemals gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr gehabt habe. Sie könne nicht sagen, wie 
lange das gegangen sei, es sei das letzte gewesen, was sie von der Therapie in Erinnerung 
gehabt habe. Dann sei die Therapie fertig gewesen, sie habe sich umgezogen, direkt bezahlt 
und sei dann gegangen (act. 2/3 S. 4). 

1.2.3 Auf jeweilige Nachfragen hin bestätigte die Privatklägerin, dass der Beschuldigte ihr während 
der Shiatsu-Therapie immer wieder Fragen gestellt habe. Sie habe sich nicht geweigert, über 
etwas zu sprechen. Der Beschuldigte habe die linke Brust berührt und auch den Nippel. Die 
Frage, ob der Beschuldigte ihr vor oder nach der Behandlung erklärt habe, weshalb er ihre 
Brust anfassen müsse, verneinte die Privatklägerin. Auf die Frage nach ihrer Reaktion 
antwortete die Privatklägerin, sie sei einfach dort gelegen und habe sich nicht viel überlegt, 
sie habe einfach gedacht, dass dies dazu gehöre. Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei, 
dass ihr der Beschuldigte zwischen die Beine gegriffen habe, führte die Privatklägerin aus, er 
habe zuerst den Bauch berührt und sei dann unter die Unterhose gegangen und habe dann 
die äusseren Schamlippen berührt. (Auf Nachfrage) Es habe sich angefühlt, als ob er mit 
zwei Fingern auf die Schamlippen "pöpperlte". Wie lange dies gedauert habe, könne sie nicht 
sagen. Auf die Frage, wie sie reagiert habe, als der Beschuldigte ihr unter die Hose gegriffen 
habe, antwortete sie, gar nicht, sie sei einfach dort gelegen. Die Privatklägerin bejahte die 

Seite 17/46

Frage, ob der Beschuldigte sie an den Po-Backen angefasst habe. Sie könne sich nicht 
erinnern, wann dies zeitlich passiert sei. Auf die Frage, ob sie sich erinnern könne, wie dies 
vor sich gegangen sei, antwortete die Privatklägerin, sie sei nie auf dem Bauch gelegen, 
sondern immer auf dem Rücken. Wenn sie sich richtig erinnere, sei er wie von hinten mit den 
Händen unters "Füdli" gerutscht. Auf die Frage, weshalb sie sich nicht gegen die 
Berührungen an den Schamlippen und Po-Backen gewehrt habe, sagte die Privatklägerin, 
sie habe gedacht, dass dies dazu gehöre und habe in diesem Moment auch nicht reagieren 
können. (Auf Nachfrage) Sie sei wie blockiert gewesen. Bei der Verabschiedung habe sie 
ihm gesagt, dass sie sich allenfalls für einen weiteren Termin melden werde. Sie könne sich 
aber nicht erinnern, wie genau sie sich verabschiedet hätten. Nach der Behandlung habe sie 
ihre Schwester angerufen und ihr erzählt, was passiert sei. Sie habe dann auch gefunden, 
dass das Ganze etwas komisch sei. Auf die Frage, ob sie sich danach weitere Gedanken 
über die Behandlung gemacht habe, antwortete die Privatklägerin, nein, in diesem Moment 
nicht (act. 2/3 S. 5-7). 

1.2.4 Auf verschiedene Fragen zu ihrer Müdigkeit führte die Privatklägerin aus, sie sei während 
und auch nach der Behandlung sehr müde gewesen. Wieso dies so gewesen sei, könne sie 
nicht sagen. Nach der Behandlung habe sie sich überlegt, dass vielleicht im Grüntee, 
welchen er ihr angeboten habe, etwas drin gewesen sei. Es sei wie ein Erschöpfungszustand 
gewesen. Sie sei mit dem Velo nach Hause gefahren und sei schon zu Hause müde 
gewesen. Effektiv habe die Müdigkeit am Nachmittag in der Badi eingesetzt, wo sie den 
ganzen Nachmittag geschlafen habe. Auf die Frage nach ihrer Müdigkeit während der 
Therapie sagte die Privatklägerin, sie sei einfach sehr erschöpft gewesen, aber nicht kurz vor 
dem Einschlafen. Es sei sehr schwierig, eine Müdigkeit zu beschreiben. Sie verneinte 
sodann die Frage, ob sie während der Behandlung mal eingeschlafen sei. Auf die Frage, ob 
sie die Augen während der Behandlung offen oder geschlossen gehalten habe, antwortete 
sie: Mehrheitlich zu. Auf die Frage, wie es ihr nach der Behandlung gegangen sei, sagte die 
Privatklägerin, sie sei wie durch den Wind gewesen und habe nicht gewusst, was fühlen und 
wie damit umgehen. Nach dem Telefonat mit ihrer Schwester habe sie das Ganze mal in den 
Hintergrund geschoben. Sie wisse nicht mehr, wie es zur Vereinbarung eines zweiten 
Termins gekommen sei. Sie habe sich nicht getraut, den Beschuldigten mit den Vorwürfen zu 
konfrontieren. Auf den Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, nach welcher sie ihn zum 
Abschied umarmt hätte, antwortete die Privatklägerin, das wisse sie nicht mehr. (Auf 
Nachfrage) Sie habe sicher nicht gesagt, dass sie sich bei ihm nicht wohlgefühlt habe. Aber 
bedankt habe sie sich ihres Erachtens bei ihm nicht. Auf den Vorhalt der Aussage des 
Beschuldigten, nach welcher er nur bis zum Knochen gehe und den Rest energetisch mache, 
d.h. oberhalb der Haut mit einem Abstand von ca. 5 cm, antwortete die Privatklägerin, sie 
habe dies nicht so erlebt. Die Nachfrage, ob sie gesehen habe, dass der Beschuldigte mit 
seinen Händen unter ihre Kleidung gegangen sei, verneinte die Privatklägerin (act. 2/3 S. 8-
11). 

1.3.1 An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte die Privatklägerin auf Befragung 
sinngemäss zur Therapie beim Beschuldigten aus, es sei eine zweigeteilte Sitzung gewesen. 
Der erste Teil sei Transformation Work gewesen. Sie sei in einem Stuhl gesessen. Er habe 
rausfinden wollen, wer sie sei, wieso sie bei ihm sei, wie er ihr helfen könne. Der zweite Teil 
sei Shiatsu gewesen. Sie habe sich dann auf die Matte gelegt. Es sei eine weisse Matte 
gewesen, wie eine dünne weisse Matratze. Dort sei sie auf dem Rücken gelegen. Ob der 

Seite 18/46

Beschuldigte ihr erklärt habe, wie die Shiatsu-Therapie ablaufen werde oder welche 
Körperregionen er behandeln werde, an das könne sie sich nicht erinnern. Er habe Fragen 
gestellt. Er habe gesagt, dass er einen Druck auf der linken Brust spüre. Er habe sie gefragt, 
ob sie schon mal etwas gegen ihren Willen gemacht habe in sexueller Hinsicht. Das seien 
die zwei Sachen gewesen, an die sie sich sicher erinnern könne. Als er die zweite Frage 
gestellt habe, habe er sie mehr im Bauchbereich behandelt. Bei der ersten Frage habe er sie 
in der Brustregion behandelt. Auf Nachfrage, ob sie das mit dem Bauch konkretisieren 
könnte, sagte die Privatklägerin, das sei zwischen Bauch und Schambereich gewesen. 
Betreffend Oberkörper präzisierte die Privatklägerin auf Nachfrage, sie habe ihr Oberteil 
ausgezogen. Er habe die linke Brust angelangt. Und dann auch den Bauch und den unteren 
Bereich (SE GD 49/1 S. 2-4). 

1.3.2 Die Privatklägerin bejahte die Frage, ob sie bei ihrer polizeilichen Aussage bleibe, nach 
welcher der Beschuldigte auf ihrem Bauch rumgedrückt habe und dann oberhalb der 
Kleidung bis auf Höhe ihres Venushügels gegangen sei. (Auf Nachfrage) Sie glaube nicht, 
dass sie irgendetwas gedacht habe, sonst könnte sie sich daran erinnern. Sie glaube, sie 
habe wirklich nichts dabei gedacht. Vielleicht habe ich mich gefragt, ob das normal sei, aber 
er müsse es ja wissen, er habe ja die Kompetenz. Er sei da, um ihr zu helfen. (Auf 
Nachfrage) Sie habe ihre Augen geschlossen gehabt, als der Beschuldigte diese 
Körperregion behandelt habe. (Auf Nachfrage) Sie habe wirklich nichts überlegt. Sie können 
nicht sagen, was in ihr vorgegangen sei. Sie habe wahrscheinlich einfach gedacht, er wisse, 
was er mache und das gehöre dazu. Sie sei einfach dort gelegen und habe das über sich 
ergehen lassen. (Auf Nachfrage) Sie habe in dem Moment bemerkt, dass der Beschuldigte 
ihr unter die Kleidung greife, wo er sie da unten angelangt habe. (Auf Nachfrage) In dem 
Moment habe sie überhaupt nicht reagiert, sie sei stückweit wie blockiert und überfordert 
gewesen. Sie habe das nicht analysieren oder einteilen und entscheiden können, ob das 
richtig oder falsch sei (SE GD 49/1 S. 5-6). 

1.3.3 Die Verfahrensleitung der Vorinstanz hielt der Privatklägerin sodann ihre Aussage vor, nach 
welcher der Beschuldigte sie in dem Moment gefragt habe, ob schon mal gegen ihren Willen 
etwas Sexuelles passiert sei, als er an ihrem Bauch gewesen sei, und fragte sie, in welchem 
Abschnitt dies gewesen sei. Die Privatklägerin antwortete, dies sei irgendwo zwischen Phase 
zwei und drei gewesen, sie könne es nicht mehr genau sagen. Man könne dies nicht in 
Phasen einteilen, es sei eine fliessende Bewegung gewesen. Das Gefühl, dass die 
Behandlung nicht in Ordnung gewesen sei, sei in dem Moment entstanden, als sie 
rausgelaufen sei (SE GD 49/1 S. 7). 

2. Aussagen des Beschuldigten 

2.1.1 Der Beschuldigte beschrieb den Ablauf der Behandlung mit der Privatklägerin an seiner 
polizeilichen Einvernahme vom 26. November 2019 wie folgt: Er mache immer denselben 
Ablauf. Die Klienten würden eine Aufklärung unterschreiben; dies habe auch die 
Privatklägerin unterschrieben. Sie müsse bestätigen, dass er keine medizinische Diagnose 
mache, dass er sich auf die Komplementärmedizin stütze. Er starte nicht ohne die Erklärung. 
Sie habe ihm dann erzählt, was sie für ein Leiden habe. Er wisse nicht, ob er etwas sagen 
solle, weil er der Geheimhaltung unterstehe. Er könne nicht einfach etwas über die 
Privatklägerin sagen. Er mache eine Ist-Aufnahme der Situation. Dies habe er auch gemacht, 

Seite 19/46

sie habe ihm erzählt, was passiert sei, warum sie in der Behandlung sei. Was sie alles von 
der Medizin brauche und wie schwer sie es habe mit all ihren Leiden. Sie sei instabil von 
ihren Verhältnissen her, habe er zumindest den Eindruck gehabt. Sie habe nicht wahrhaben 
wollen, was der Körper darstelle. Sie habe sich schwer damit getan, ihren aktuellen Ist-
Zustand zu akzeptieren. Sie hätten dann Atemübungen gemacht, damit sie zu sich komme 
und sich wahrnehmen könne. Dass sie auch spüre, in welchem Teil des Körpers sie sich 
wohl fühle. Es gehe um Ressourcenstärkung. Es habe sich dann gelockert, dann sei die 
Entspannung gekommen. Er habe ihr die Freiheit gelassen, über alle Themen zu sprechen, 
die sie gewollt habe. Dann habe sie wählen können, ob sie auf der Liege liegen möchte oder 
auf den Boden auf der Shiatsu Matte. Sie habe auf den Shiatsu Fouton gewollt. Sie habe 
sich dann hingelegt, er sei raus aus dem Zimmer gegangen und sie sei dann alleine im 
Zimmer gewesen. Dann sei er wieder ins Zimmer gegangen und habe sich neben sie auf die 
Knie gesetzt. Dann habe er sich nochmals bei sich eingestimmt. Dann komme die Hara-
Berührung, dann lese er die Meridiane ab, die er behandeln müsse. Dann habe er gemerkt, 
wie weniger oder mehr das Ganze fliesse. Der Kopf sei wenig im Fluss gewesen, auch der 
Bauch und der Rücken und auch das rechte Bein. Er habe sehr vorsichtig behandeln müssen 
und habe sie auch immer nach ihrem Befinden gefragt. Er habe sie dann gefragt, ob sie 
möchte, dass er mehr auf der Haut arbeite oder lieber auf den Kleidern. Er sei dann wieder 
aus dem Zimmer gegangen, damit sie Kleider, Oberteil und BH habe ablegen können. Sie 
habe das freiwillig entscheiden können, ob oder was sie ausziehen möchte. Dann sei er 
zurück ins Zimmer gegangen und habe die Meridiane behandelt. Er habe sie immer wieder 
gefragt, ob sie sich wohl fühle. Sie habe immer Wohlbefinden angegeben. Er habe alle paar 
Minuten gefragt, ob sie sich wohl fühle. Sie habe sich dann umgedreht auf den Bauch und 
dann habe er sie am Rücken behandelt. Für ihn sei sie ziemlich instabil gewesen. Es sei 
nicht nur der Bauch gewesen, sondern auch der Rücken und das rechte Bein. Sie habe sich 
dann wieder auf den Bauch gedreht und dann schliesse er das Hara ab. Er gehe dann 
wieder aus dem Raum, damit sie sich wieder habe anziehen können. Das mache er immer 
so. Sie gehe dann zurück in den anderen Raum, in den linken Raum, dann frage er sie, wie 
sie die Behandlung gefunden habe und ob sie einen neuen Termin buchen möchte. Sie habe 
dann ja gesagt. Sie hätten dann einen neuen Termin vereinbart. Sie habe eine fröhliche 
Stimmung gehabt beim Abschied und ihn sogar umarmt. Sie habe ihm anfangs gesagt, dass 
sie sich in psychologischer Behandlung befinde. Sie habe sich wohl gefühlt bei ihm und habe 
sich dann auch bedankt. Die Türen seien immer offen bei ihm. Sie hätte jederzeit gehen 
können (act. 2/2 S. 2-4). 

2.1.2 Auf Nachfrage der einvernehmenden Polizistin führte der Beschuldigte aus, der Termin mit 
der Privatklägerin sei auf Empfehlung eines Familienmitglieds zustande gekommen und die 
Behandlung habe ca. zwei Stunden gedauert. Er wisse nicht mehr genau, was er vor dem 
Termin gemacht habe und ob er vorher einen anderen Termin gehabt habe. Ihm sei es gut 
gegangen, er begleite seine Kunden gerne. Auf die Frage, wie die Kunden bei der 
Behandlung bekleidet seien, führte der Beschuldigte aus, er arbeite am liebsten auf den 
Kleidern. Er sage ihnen immer, sie sollen frische Socken und Trainerhosen anziehen. Seine 
Kunden seien immer bekleidet. Während der Behandlung könne es sein, dass sie nicht 
vollständig bekleidet seien, dies sei der Fall, wenn er auf der Haut arbeiten müsse. Er frage 
aber immer vorher mehrmals nach. (Auf Nachfrage) Gewisse Körperstellen seien 
selbstverständlich tabu. Wenn der Meridian auf der Brust sei, frage er immer nach, ob das ok 
sei oder nicht. Tabu seien die Geschlechtsteile, die Brust selber sei auch tabu. Auf die Frage, 

Seite 20/46

ob er während der Behandlung auch den Raum verlasse, antwortete der Beschuldigte, ja, 
wenn er zB. den Bauch behandelt habe, gehe er raus und reinige seine Energie, damit er 
dann wieder mit frischer Energie weitermachen könne. Zudem könne er so seinen Kunden 
auch Raum geben. Er habe diese Vorgehensweise für einen besseren Fluss bei ihm und den 
Klienten entwickelt. Auf die Frage, wie sich eine Transformations-Work Behandlung von 
anderen Behandlungen unterscheide, antwortete der Beschuldigte, Shiatsu gehe auf die 
Meridiane, das andere sei eine energetische Behandlung. Alles was schwierig und komplex 
sei, behandle er energetisch. (Auf neue Frage) Er habe ihr den Ablauf erklärt. Er habe ihr 
gesagt, dass er zuerst eine Ist-Aufnahme mache inkl. medizinische Vorgeschichte und ob sie 
in ärztlicher oder psychologischer Behandlung sei. Er habe ihr gesagt, dass sie keine 
Antworten auf Fragen geben müsse. Er lasse allen ihre Privatsphäre. Er habe ihr gesagt, wie 
eine Shiatsu Therapie ablaufe (act. 2/2 S. 4-5)

2.1.3 Die Privatklägerin habe während der Behandlung wirr auf ihn gewirkt, nicht bei sich und nicht 
stabil. Sie habe die Wahrheit nicht wahrhaben wollen. Es habe nicht so sein dürfen. Sie habe 
lange Denkpausen gehabt. Sie sei im Kopf immer irgendwo anders gewesen. Das habe er 
auch später in der Behandlung gespürt. Die Frage, ob es stimmte, dass die Privatklägerin 
von ihm Grüntee bekommen habe, verneinte der Beschuldigte und führte aus, er habe der 
Privatklägerin Kräutertee gegeben. Sie habe den Tee gewählt, sie hätte auch Wasser wählen 
können. Es handle sich um einen normalen Kräutertee aus der J.________. Er habe 
denselben Tee getrunken wie die Privatklägerin. Auch die Frage, ob er der Privatklägerin 
gesagt habe, er könne mit direktem Körperkontakt besser arbeiten und es sei ihr freigestellt, 
ob sie etwas ausziehen wolle, verneinte der Beschuldigte. Dies treffe nicht zu. Er steuere 
nicht die Sitzung, sondern die Klienten. Er sage nicht, dass er besser arbeiten könne ohne 
Kleidung. Die Frage, ob sich die Privatklägerin selbständig ausgezogen habe, bejahte der 
Beschuldigte, er sei rausgegangen und sie habe sich dann ausgezogen. Er habe ihre Hand 
genommen und gefragt, was ihr wohl sei. Er mache zuerst einen Test, ob es den Kunden 
wohler sei auf der Haut oder auf den Kleidern. Die Kunden würden ihm dann sagen, was 
ihnen wohler sei. Je nach dem würden sie dann die Kleider ablegen oder nicht. Die Frage, ob 
es zutreffe, dass er danach mehrfach mit seinen Händen über die Brust der Privatklägerin 
und ihren ganzen Körper gefahren sei, konnte der Beschuldigte nicht bestätigen. Er habe 
einfach mit den Meridianen gearbeitet. Die Meridiane würden oberhalb der Brust 
durchgehen. Er frage aber immer, ob es den Klienten wohl sei (act. 2/2 S. 5-7). 

2.1.4 Es treffe nicht zu, dass er den Druck löse. Er berühre Rücken und Bauch und sie müsse 
dann den Druck lösen. Auf die Frage, ob er die Privatklägerin gefragt habe, ob sie 
irgendwann gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr gehabt habe, antwortete der 
Beschuldigte, nein, das treffe nicht zu. Er frage das nicht. Diese Behauptung stimme nicht. 
Während der Behandlung kämen die Themen rauf, die im Körper seien. Aber sie spreche 
dann selbst diese Themen an. Er wisse nicht mehr, ob sie sexuelle Handlungen 
angesprochen habe. Auf die Frage, ob es zutreffe, dass er die Privatklägerin mit den Händen 
vom Bauch weg zum Venushügel behandelt habe, danach unter die Kleider bis direkt auf ihre 
Schamlippen gegangen sei und auf diesen mehrmals "geklöpfelt" habe, antwortete der 
Beschuldigte, nein, das treffe nicht zu, er gehe nur bis zum Knochen. Er gehe nicht unter die 
Kleider (act. 2/2 S. 7-8). 

Seite 21/46

2.2.1 An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Dezember 2020 führte der 
Beschuldigte vorab in Ergänzung zu seiner polizeilichen Aussage aus, es stimme nicht, es 
habe null sexuellen Charakter gehabt. Er sei Energetiker und arbeite mit Energie. Sie sei 
jederzeit frei gewesen von Anfang bis Schluss. Es habe nie eine Einengung gegeben. Es sei 
brutal, was sie mit ihm mache. Er habe sie am Anfang gefragt, wie es ihr gehe und auch 
während der Behandlung, und er habe eine Abschlussfrage gemacht (act. 2/4 S. 2). 

2.2.2 Danach schilderte der Beschuldigte grösstenteils in allgemeiner Weise wie eine Therapie bei 
ihm abläuft. Spezifisch zur Behandlung der Privatklägerin führte er aus, diese habe Shiatsu-
Fouton anstelle der Liege gewählt. Sie habe sich auf den Rücken gelegt und er habe den 
Hara-Befund gemacht. Das sei eine Diagnose am Bauch, er schaue die Meridiane an und 
schaue, wo er Druck und wo er Leere verspüre. Er behandle die Patienten gesamtheitlich 
und mache keine Schulmedizin, d.h. heisse, wenn jemand den Ellbogen angeschlagen habe, 
schaue er nicht nur den Ellbogen, sondern den ganzen Körper an. Während der Behandlung 
knie er links von ihr. Er habe gespürt, dass bei der Privatklägerin der Fluss nicht so gut 
gewesen sei und sie tiefe Blockaden gehabt habe. Normalerweise arbeite er nicht so gerne 
auf der Haut, und es sei für ihn Mehraufwand, aber es lasse mehr Möglichkeiten offen. 
Manchmal gehe es tiefer und löse mehr. Er berühre sie auf den Kleidern und auf der Haut 
und frage, was ihr wohler sei. Die Privatklägerin habe sich für die Haut entschieden. Er habe 
aber ausdrücklich gesagt, dass sie nicht müsse, es solle ihr wohl sein. Beim ersten Mal sei er 
sehr vorsichtig. Nachdem er sie gefragt habe, was ihr wohler sei, habe er den Raum 
verlassen und habe ihr die Freiheit gelassen, sich auszuziehen. Dann beginne die 
Behandlung, er behandle die Meridiane gemäss Befunderhebung. Er gehe dann die 
Meridiane (Energiebahnen) durch. Später habe sich die Privatklägerin auf den Bauch 
gedreht, da er auch den Rücken habe behandeln müssen. Die Behandlung gehe von Kopf 
bis Fuss. (act. 2/4 S. 4). 

2.2.3 Auf die Frage, ob die ganze Behandlung auf der Haut stattgefunden habe, antwortete der 
Beschuldigte, nein, zum Teil auf der Haut, zum Teil auf den Kleidern und sehr viel habe auch 
energetisch stattgefunden, dort berühre er gar nicht. (Auf Nachfrage) Er behandle aus der 
Aura heraus und berühre nicht. Er gehe ebenfalls auf einzelne Punkte (wie Nadeln) aber 
berühre nicht. Die Energiearbeit sei seine Spezialität. (Auf Nachfrage) Direkt auf der Haut 
habe er den Bauch, den Rücken, den Kopf, die Schulter und die Arme behandelt und den 
Unterkörper habe er auf den Hosen oder energetisch behandelt. Auf Vorhalt der Aussage der 
Privatklägerin, nach welcher der Beschuldigte die linke Brust und auch den linken Nippel 
berührt habe, führte der Beschuldigte aus, nein, er habe energetisch gearbeitet. Das sei ihre 
Wahrnehmung gewesen. Zu Energiearbeit müsse er noch erwähnen, dass diese sogar 
schmerzhaft wahrgenommen werden könne. Es gebe Leute, die er energetisch behandle und 
plötzlich "aua" sagen würden, obwohl er sie nicht berührt habe. Wenn er dies höre, stoppe er 
sofort. (Auf Nachfrage zur Behandlung an der Brust) Die Privatklägerin habe nicht reagiert, 
sie sei sehr ruhig gewesen. […] Er mache mit den Patienten am Anfang immer ab, dass sie 
ihm mitteilen, wenn für sie etwas zu stark oder etwas nicht in Ordnung sei. Er frage während 
der Behandlung immer wieder, ob es angenehm sei, insbesondere bei der ersten 
Behandlung. (Auf Nachfrage) Die Privatklägerin habe nie geäussert, dass es ihr 
unangenehm gewesen wäre, bis sie die Praxis verlassen habe. Die Abschlussfrage laute 
"war alles angenehm? soll ich etwas ändern?". Die Patienten müssten sich also konkret 
äussern. Erst danach erfolge die neue Terminvereinbarung (act. 2/4 S. 5). 

Seite 22/46

2.2.4 Auf Vorhalt der Aussage der Privatklägerin, nach welcher er ihr mit seinen Händen unter den 
Kleidern gewesen sei und auf ihre Schamlippen geklöpfelt habe, antwortete der 
Beschuldigte, er behandle am Unterleib energetisch, ohne zu berühren. Er müsse nicht 
berühren, um den Fluss der Meridiane herzustellen. Das was hier beschrieben werde, sei die 
Wahrnehmung der Privatklägerin. Auf die Frage, welchen Zweck die Behandlung auf den 
Schamlippen gehabt habe, antwortete der Beschuldigte, er sehe es ja nicht körperlich 
physisch, er behandle dort, wo es nicht fliesse. Das andere sei ihre Wahrnehmung. Die 
energetische Arbeit sei eine schöne Arbeit, da ohne Berührung Raum gegeben werde und 
der Fluss wiederhergestellt werde. Auf die Frage, wie er sich die Aussage der Privatklägerin 
erkläre, führte der Beschuldigte aus, er wisse nicht wie ihre Person reagiere. Jeder Körper 
sei verschieden. Es sei z.B. wie Platzangst in einem Lift, da reagiere auch jeder anders. 
Kürzlich habe er einen Patienten gehabt, welcher zu weinen begonnen habe. Auf die Frage 
nach der von der Privatklägerin geltend gemachten Müdigkeit führte der Beschuldigte aus, er 
diagnostiziere in der Alternativmedizin nicht. Das sei ihm nicht erlaubt. Er wisse nicht, was 
die Privatklägerin vorher gemacht habe, vielleicht habe sie nicht geschlafen. Er wisse nicht, 
ob sie die Augen während der Behandlung offen gehalten habe. Sie sei nicht eingeschlafen. 
Man würde Schlafgeräusche hören. Es sei nicht die Idee, dass bei ihm geschlafen werde, die 
Patienten müssten arbeiten und nicht schlafen, sie würden nachspüren, was er arbeite. (Auf 
Nachfrage) Die Privatklägerin habe sich nach der Behandlung bedankt und fröhlich 
verabschiedet. Sie habe erwähnt, dass es sehr angenehm gewesen sei und habe ihn zum 
Abschied noch umarmt. Er habe ein fröhliches Gesicht gesehen. Und sie habe einen neuen 
Termin vereinbart (act. 2/4 S. 6 ff.).

2.3.1 An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 29. Oktober 2021 führte der Beschuldigte auf 
Befragung zusammengefasst aus, der Vorwurf, er habe die Privatklägerin an den 
Schamlippen berührt, stimme nicht. Er habe keine physischen Berührungen dort gemacht, er 
arbeite sehr energetisch. (Auf Nachfrage) Sie hätten im Shiatsu immer eine Mutter- und eine 
Kindhand. Sie würden sich in einem Bereich bewegen und im anderen würden sie 
energetisch arbeiten, das heisse, er müsse da nicht rein, er bleibe in der Energiezone (SE 
GD 49/2 S. 3). 

2.3.2 Im Übrigen machte der Beschuldigte präzisierende, allgemeine Ausführungen zum Ablauf 
einer Shiatsu Therapie und wiederholte seine bereits gemachten Angaben zur Bekleidung 
der Patienten während der Therapie (SE GD 49/2 S. 3-6). 

2.3.3 Zur Diagnose bei der Privatklägerin führte der Beschuldigte aus, sie habe erzählt, dass sie in 
psychiatrisch/psychologischer Behandlung sei. Dass sie Medikamente nehme. Depressionen 
und er wisse auch nicht mehr. Über den Fuss habe sie etwas gesagt, über die Verletzung, 
die sie habe. Dann komme die Körperwahrnehmung. Sie habe es gar nicht anschauen 
wollen. Sie spüre rein und dann hätte sie aufmerksam werden sollen. Deshalb heisse es 
Transformation Work. Sie reguliere sich selbst, er sei nur Begleiter. Auf die Frage, ob die 
Privatklägerin die Transformation Work nicht zugelassen habe, antwortete der Beschuldigte, 
sie habe gefragt, was das mit ihr zu tun habe, was das sei. Sie habe dann so gemacht 
(Kopfbewegung zur Seite). Sie habe damit wie so zum Ausdruck gebracht, dass sie das nicht 
interessiere. Das Ziel wäre, dass sie sich selber kennenlerne (SE GD 49/2 S. 6). 

Seite 23/46

2.3.4 Auf die Frage, ob er den Unterleib der Privatklägerin behandelt habe und falls ja wie, 
antwortete der Beschuldigte, energetisch, aber nicht physisch. (Auf Nachfrage) Die 
Mutterhand sei auf dem Bauch mit der anderen Hand arbeite er energetisch. (Auf Nachfrage) 
Mit der anderen Hand habe er den Energiefluss gemacht. Jede Berührung sei Freiheit. (Auf 
Nachfrage, wo seine Energiehand genau gewesen sei). Die Energiehand habe er 5 cm über 
dem Intimbereich gehabt. Manchmal gehe er hoch, mal zurück, je nachdem, wie viel es 
zulasse; (Auf Nachfrage, was der Intimbereich sei) die Vulva alles. Die ganze Vulva sei dort. 
Venushügel, Vulva, Schamlippen, alles, das ganze Thema. Zum Vorwurf, er sei mit seinen 
Händen unter die Kleidung der Privatklägerin gegangen und habe auf ihre Schamlippen 
geklöpfelt, sagte der Beschuldigte, vielleicht komme er beim Runtergehen an die Hose, aber 
nicht hinunter. Dann gehe es weiter mit der Kindhand, und da gehe er dann drauf. Ob das 
pulsiere, wisse er nicht, aber es habe irgendetwas getan. Was es tue, wisse er nicht. Er 
berühre energetisch. Es sei wichtig, dass es was tue. Das sei wichtig, deshalb kämen sie zu 
ihm, denn irgendetwas fliesse nicht dort drin. (Auf Nachfrage) Es sei falsch. Er müsse auch 
nicht berühren (SE GD 49/2 S. 8-11). 

2.4.1 An der Berufungsverhandlung vom 5. September 2022 bestätigte der Beschuldigte im 
Wesentlichen seine bisherigen Aussagen und schilderte sehr ausführlich in allgemeiner 
Weise den Ablauf einer Shiatsu-Therapie. Auf die Frage, wie die Therapie verlaufen sei, als 
die Privatklägerin auf der Liege gelegen sei, führte der Beschuldigte aus, die Privatklägerin 
habe den Fouton gewählt. Er habe die Privatklägerin gefragt, was ihr lieber sei, wenn er auf 
den Kleidern oder auf der Haut arbeite. "Sie" mache immer, was sie wolle. "Sie" sei immer 
frei. Da sei nie ein Funken Widerstand gewesen. Dann habe sie gesagt, sie möchte lieber, 
dass er auf der Haut arbeite. Er sei dann rausgegangen und habe die Hände gewaschen. Sie 
habe dann ihr Oberteil und ihren BH ausgezogen (OG GD 7/4 Frage 20). 

2.4.2 Auf die Frage der Verfahrensleitung, ob es ihn überrascht habe, dass die Privatklägerin ihr 
Oberteil und ihren BH ausgezogen habe, antwortete der Beschuldigte, nein, das würden sie 
[gemeint sind wohl die Patientinnen] so machen. Wenn sie Schmerzen hätten, dann würden 
sie wissen, dass da etwas sei (OG GD 7/4 Frage 21). Auf die Nachfrage, ob es also normal 
sei, dass Frauen sich in seiner Therapie entblössen, entgegnete der Beschuldigte, nicht bei 
allen, aber einige würden das wollen (OG GD 7/4 Frage 22). Und bei der Frage, ob er nicht 
auf die Idee gekommen sei, der Privatklägerin zu sagen, es sei gar nicht nötig, dass sie den 
BH ausziehe, meinte der Beschuldigte, wenn er "da" drauf sei, dann störe der BH. Wenn er 
hinten auf dem Rücken sei, dann störe das auch. Da gehe meistens auch der Wirbel durch. 
Also er rüttle, wenn er da den Rücken habe, dann gehe er da nach vorne und da sei der 
gesamte Fluss pro Wirbel (OG GD 7/4 Frage 24). Er habe die Privatklägerin behandelt. Die 
Privatklägerin sei dann zuerst auf dem Rücken gelegen. Am Kopf habe sie einen riesen 
Druck gehabt. Es sei sein Thema gewesen, was da los sei. Immer wenn er drauf gehe, jede 
Berührung im Shiatsu sei Freiheit. Shiatsu heisse Fingerdruck. Das heisse, jede Berührung 
dürfe auftun und fliessen. Der Herzkreislauf-Meridian sei eine Energiebahn, die vom 
Mittelfinger nach da drüben gehe. Also bis hierhin würde er arbeiten. Wenn man seine 
Website anschaue, dann sei er auf dem ersten Bild schon so drauf. Es sei klar, dass das 
ziemlich nah sei. Wenn er da auf der Schulter arbeite, dann sei er schon beim Herzkreislauf-
Meridian. Er habe auf der Schulter gearbeitet und sei schon auf der Brust gewesen. Er sei 
aber nicht auf der Brustmitte gewesen. Er habe schon mehre Male gesagt, dass die ganze 
Behandlung null sexuellen Charakter gehabt habe. Und er sage ihnen auch, wie das laufe. 

Seite 24/46

Die Meisten würden sagen, man solle seine Patientin so behandeln, wie man seine 
Schwester behandeln würde. Das Ganze habe Null sexuellen Charakter gehabt. Es sei 
falsch verstanden worden (OG GD 7/4 Frage 25). Er habe die Beine behandelt und die Hüfte. 
Und bei den Beinen sei es eben so, dass das rechte Bein bei ihr nicht gut gewesen sei. 
Dieses habe eine Verletzung gehabt. Das heisse, er gehe nicht auf das rechte Bein 
behandeln, er drücke da nicht rein oder so. Er gehe auf das linke, aber der Meridian fliesse 
darüber. Das heisse, er behandle die Gegenseite, damit der Meridian hinüber gehe (OG GD 
7/4 Frage 32). Er behandle immer das ganze Wesen. Alles, was er nicht berühre, behandle 
er in der Energiezone. Das sei ein Ovum, so sage man dem im Quantum-Shiatsu Empty 
Touch (OG GD 7/4 Frage 33). 

2.4.3 Auf Vorhalt der Aussage der Privatklägerin, wonach er der Privatklägerin unter die Hose 
gegriffen habe, führte der Beschuldigte aus, sie könne ja die Augen aufmachen. Wenn 
irgendetwas gewesen wäre, hätte sie sofort Stopp sagen können. Wenn er jemandem 
Schmerzen mache, gehe er sofort weg, er erschrecke ja. Er würde in Sekunden stoppen, 
wenn etwas nicht stimme. Da rufe er 144 an, da habe er keine Scheu (OG GD 7/4 Frage 45). 
Die Frage, ob er die Privatklägerin während der Shiatsu-Therapie direkt physisch an den 
Schamlippen berührt habe, verneinte der Beschuldigte und führte aus, er habe sie 
energetisch berührt, nicht physisch. Die Kindhand sei dabei 5cm darüber gewesen und sei 
dann weiter hochgegangen; die Mutterhand sei ohnehin auf dem Bauch gelegen (OG GD 7/4 
Frage 46 – 48). 

2.4.4 Auf die Frage, ob er das elastische Gummiband an der Hose der Privatklägerin berührt habe, 
antwortete der Beschuldige, das wisse er nicht mehr. Während dem Schaffen gehe er schon 
drauf. Es könne sein, dass er es verschoben habe. Er wisse es nicht mehr (OG GD 7/4 
Frage 58). Auf die Nachfrage, weshalb eine energetische Behandlung im Bereich der Vulva, 
Schamhügel und Schamlippen nötig gewesen sei, antwortete der Beschuldigte, er behandle 
sie gesamtheitlich. Er sei kein Arzt. Er schaue das ganze Wesen an. Das gehe vom Bein 
hoch zum Kopf. Das könnten diejenigen gleich vergessen, die glaubten, sie kämen jetzt 
genau wegen dem, das hier weh tue. Er spüre dann hinein und merke, das gehe bis zum 
Oberschenkel. Und manchmal würden die dann sagen, es sei überhaupt nicht das, was sie 
gedacht hätten. Das komme von einem Ort und gehe zu einem ganz anderen Ort. Die 
Meridiane würden durch gehen, das sei diese alte asiatische Methodik (OG GD 7/4 Frage 
61). Auf die Frage, ob er die die Meridiane und Punkte nennen könne, die durch Vulva, 
Schamhügel und Schamlippen hindurch gehen, führte der Beschuldigte aus, er wisse es 
nicht mehr, aber er spüre sie, er gehe rein. Aber er wisse es nicht mehr, vor allem nach drei 
Jahren. Auf Nachfrage nach einer allgemeinen Beschreibung ergänzte der Beschuldigte, das 
seien die Magen-Meridiane. Und den ganzen Magen-Meridian entlang habe es Tsubos (OG 
GD 7/4 Frage 63). Wenn die Vulva blockiert sei, dann gehe sie durch den Magen-Meridian. 
Das fange von aussen an und es könne sein, dass es aufgehe oder halt nicht aufgehe. Es 
sei wie eine seelische Führung, die sie ausstrahle und auf diese Punkte gehe er dann. Aber 
Quantum-Shiatsu Empty Touch heisse ja nicht physische Berührung. Da würde er durch das 
Ganze durchgehen. TCR sei der Punkt aus der chinesischen Medizin und Masunaga sei die 
Fläche und bei Quantum-Shiatsu habe man das Ganze. Also gehe das recht weit. Und 
deshalb könne man nicht sagen, ob er jetzt den Punkt getroffen habe oder nicht. Das sei die 
ganze Behandlung, wo die Energie nicht fliesse. Jede Berührung sei Freiheit, damit es 
aufgehe. Es sei eine sehr weit entwickelte Methode (OG GD 7/4 Frage 64). Auf Vorhalt der 

Seite 25/46

Stellungnahme der Shiatsu-Gesellschaft Schweiz, gemäss welcher Vulva, Scheidenvorhof, 
Schamlippen und dergleichen wie auch die Brustwarzen weder durch Berühren noch ohne 
Berührung behandelt würden, führte der Beschuldigte aus, er sei nicht Mitglied des 
Verbands, er habe sich weiterentwickelt. Er arbeite auf Masunaga und Empty Touch, das sei 
das gesamte Wesen. Es sei nicht das Gleiche wie Shiatsu, aber es habe sich 
weiterentwickelt. Und das heisse, wenn man da den Meridian habe, könne man nicht einfach 
einen Teil des Körpers aussen vor lassen, denn der Meridian gehe hindurch (OG GD 7/4 
Frage 66). 

2.4.5 Abschliessend führte der Beschuldigte auf die Frage, ob es eine mögliche Erklärung sei, 
dass die Privatklägerin sich die Berührung nur eingebildet habe, aus, nein, nicht eingebildet, 
sie spüre es ja. Es werde ja innen warm, im Ganzen. Es könne sein, dass es wärmer werde. 
Sie spüre ja, dass die Energie fliessen könne. Es sei ja nicht, dass sie nicht fliessen könne. 
Sie könne ja auch Stopp sagen, aber sie spüre, dass er da rein gehe. Durch die Haut. Nicht 
physisch. Das sei sein Ding, er wisse auch nicht, was er noch mehr sagen solle. Sie würden 
es auch unterschreiben und hätten eine Aufklärung. Er wisse nicht, was er noch mehr 
machen solle (OG GD 7/4 Frage 74).     

3. Weitere Beweismittel 

3.1 In den Akten finden sich ferner die Behandlungsnotizen von Dr.med. K.________, bei 
welcher die Privatklägerin seit dem 22. Mai 2019 in psychotherapeutischer Behandlung war 
(act. 3/5). Gemäss den handschriftlichen Notizen der verschiedenen Therapiesitzungen hat 
die Privatklägerin den Vorfall vom 5. Juli 2019 verschiedentlich erwähnt. So habe sie an der 
Sitzung vom 16. Juli 2019 u.a. ausgeführt, sie habe keine Vorerfahrung mit Shiatsu gehabt 
und sei deshalb verwirrt gewesen über den Verlauf der Behandlung. Der Beschuldigte 
(Therapeut) habe begonnen, sie am Oberkörper zu behandeln, und sei dann mit seiner Hand 
in den Schambereich gegangen. Sie habe dies zuerst gar nicht bemerkt, dann aber, als die 
Hand des Beschuldigten auf ihrer Scham gelegen habe, habe sie sich gewundert und sei 
verwirrt gewesen (act. 3/5/2 S. 2). An der Therapiesitzung vom 6. Dezember 2019 führte die 
Privatklägerin aus, sie habe in Bezug auf ihre Anzeige Furcht vor Ihr-werde-nicht-geglaubt 
und dies löse Ängste aus (act. 3/5/2 S. 3). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die per 
Computer erstellten Abschriften der Therapeutin nicht vollumfänglich ihren handschriftlichen 
Notizen entsprechen. Die Unstimmigkeiten beschlagen die Glaubhaftigkeit dieser Abschriften 
allerdings nicht (Verweis auf OG GD 1 S. 24). Insbesondere die voranstehend genannten 
relevanten Aussagen sind sowohl in den handschriftlichen Notizen wie auch in den davon 
erstellen Abschriften enthalten. 

3.2 Sodann hat die Staatsanwaltschaft einen schriftlichen Bericht i.S.v. Art. 145 StPO bei der 
Shiatsu Gesellschaft Schweiz hinsichtlich des Ablaufs einer Shiatsu-Behandlung eingeholt 
(act. 3/8). In diesem Bericht führte die Präsidentin der Shiatsu Gesellschaft Schweiz 
zusammengefasst aus, es gebe eigentlich keine Gründe für eine Behandlung auf der nackten 
Haut und sie kenne Transformation Work nicht. Es gebe verschiedene Meridiane und Punkte 
(Tsubos), die sich in der Nähe des Schambereichs befänden. Sie würden die Intimbereiche 
jedoch nie berühren. U.a. Brustwarzen, äussere Genitalien, Vulva, Scheidenvorhof, 
Schamlippen, Klitoris würden im Shiatsu nicht behandelt, weder mit noch ohne Berührung. 

Seite 26/46

Dem schriftlichen Bericht liegen zahlreiche Beilagen bei, welche die verschiedenen 
Meridiane und Behandlungszonen (auch im Intimbereich) aufzeigen (act. 3/12). 

3.3 Ferner wurden das Mobiltelefon und das Notebook des Beschuldigten sichergestellt und 
mittels forensischer Datensicherung ausgewertet (act. 3/13). Diese Massnahme zeitigte 
keine relevanten Ergebnisse. 

4. Würdigung der Aussagen 

4.1 Privatklägerin 

4.1.1 Zur Glaubwürdigkeit der Privatklägerin ist anzumerken, dass sie unter Hinweis auf die 
Strafbarkeit der falschen Anschuldigung (Art. 303 StGB), der Irreführung der Rechtspflege 
(Art. 304 StGB) und der Begünstigung (Art. 305 StGB) aussagte. Sodann ist kein Motiv 
ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten zu Unrecht beschuldigen sollte. Die 
Privatklägerin kam aufgrund der Referenz des Freundes ihrer Schwester zum Beschuldigten 
in die Therapie. Die Privatklägerin ist somit praktisch eine Zufallsbegegnung des 
Beschuldigten, kennt ihn folglich kaum und hat insgesamt überhaupt keinen Grund, ihm ein 
Übel in der Form der Strafverfolgung zu wünschen. Die Privatklägerin ist damit glaubwürdig. 

4.1.2 Im Übrigen können in den Aussagen der Privatklägerin mehrere Realkennzeichen 
ausgemacht werden. Wie bereits die Vorinstanz festhielt, schilderte sie an ihrer polizeilichen 
Einvernahme vom 13. September 2019 den Ablauf der Shiatsu-Behandlung detailliert und 
anschaulich. Die Behandlung im Brustbereich sowie die Berührung der Schamlippen 
beschrieb die Privatklägerin sehr bildhaft und mit charakteristischen Einzelheiten (OG GD 1 
S. 19 Rz. 3.2.2). Auch die Interaktion mit dem Beschuldigten und die geschilderten 
Überlegungen während der Behandlung sprechen für eine erlebnisbasierte Erzählung. 
Schliesslich unterlässt es die Privatklägerin auch, den Beschuldigten (noch) stärker zu 
belasten, obwohl ihr dies ein Leichtes gewesen wäre, was genau so wie das Einräumen von 
Wissenslücken ebenfalls ein Realkennzeichen darstellt. Die Aussagen der Privatklägerin sind 
somit grundsätzlich glaubhaft. 

4.1.3 Allerdings hat bereits die Vorinstanz hervorgehoben, dass die Aussage der Privatklägerin 
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. Oktober 2020 deutlich weniger 
detailliert und bildhaft ausfiel. Das Kerngeschehen schilderte sie relativ knapp. Mit der 
Verteidigung kann festgehalten werden, dass die Aussagen der Privatklägerin einige 
Ungenauigkeiten bzw. Widersprüche enthalten. Unstimmig ist hier die Aussage der 
Privatklägerin, der Beschuldigte sei über ihre Brust und ihren Nippel gefahren, was die 
Privatklägern weder an der polizeilichen Einvernahme noch gegenüber ihrer Therapeutin 
erwähnt hatte. Laut Aussage der Privatklägerin vom 13. September 2019 habe der 
Beschuldigte im Zusammenhang mit der Arbeit auf der Haut ein Beispiel wegen Patienten mit 
Brustkrebs erwähnt (act. 2/1, Frage 6). Demgegenüber erklärte sie am 29. Oktober 2020 auf 
konkrete Nachfrage der Staatsanwaltschaft, sie habe an eine gute Kollegin ihrer Schwester 
gedacht, welche Brustkrebs habe und ebenfalls beim Beschuldigten in Behandlung sei (act. 
2/3, Frage 26). Die Privatklägerin gab gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft an, 
vom Beschuldigten gefragt worden zu sein, ob sie schon einmal gegen ihren Willen 
Geschlechtsverkehr oder eine sexuelle Handlung erlebt habe (act. 2/1, Frage 6; act.  2/3, 

Seite 27/46

Frage 12). Unterschiede in den Aussagen finden sich jedoch hinsichtlich des Zeitpunkts: 
Während die Privatklägerin am 13. September 2019 aussagte, der Beschuldigte habe sie auf 
Bauchhöhe behandelt und dann nach dem Erleben von ungewolltem Geschlechtsverkehr 
gefragt, erklärte sie am 29. Oktober 2020, er habe die Frage gestellt, als er ihr zwischen die 
Beine gegriffen habe. In der Einvernahme vom 13. September 2019 berichtete die 
Privatklägerin, sie habe sich auf Anweisung des Beschuldigten auf den Bauch gedreht und er 
sei mit seiner Hand oder Händen unter ihre Kleidung auf Höhe der Pobacken gegangen (D 
2/1, Frage 6). Am 29. Oktober 2020 erklärte sie auf konkrete Nachfrage, sie habe nie auf 
dem Bauch gelegen, sondern nur auf dem Rücken (act. 2/3, Frage 42). Wenn sie sich richtig 
erinnere, sei er wie von Hinten mit den Händen unters "Füdli" gerutscht (act. 2/3, Frage 42). 
Zur Vereinbarung eines zweiten Behandlungstermins schilderte die Privatklägerin bei ihrer 
ersten Einvernahme, der Beschuldigte habe ihr einen zweiten Termin für Anfang August 
vorgeschlagen, sie habe diesen aber dann später per Mail abgesagt (act. 2/1, Frage 6). 
Demgegenüber erklärte sie bei ihrer zweiten Einvernahme - auf Nachfrage zur 
Verabschiedung -, sie habe dem Beschuldigten beim Abschied gesagt, dass sie sich 
allenfalls für einen zweiten Termin melden werde (act.  2/3, Frage 48). 

4.1.4 Grundsätzlich kann bei erlebnisbasierten Aussagen erwartet werden, dass sie in bestimmten 
Aspekten über längere Zeiträume konstant reproduziert werden können. Zu erwarten ist 
Konstanz insbesondere bei Aspekten des Kerngeschehens; bei Aspekten ausserhalb des 
Kerngeschehens, dem Wortlaut und Sinngehalt von Gesprächen sowie Schätzungen ist 
Inkonsistenz eher wahrscheinlich (Ludewig/Tavor/Baumer, Wie können 
aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, AJP 
11/2011 S. 1415 ff). Allerdings werden auch Erinnerungen an reale Ereignisse mit jeder 
Rekonstruktion weiterentwickelt und verblassen mit der Zeit (Kaufmann, Beweisführung und 
Beweiswürdigung, in: Know-how 2009, S. 215).  

4.1.5 Die voranstehend aufgeführten Widersprüche bzw. Ungenauigkeiten können mehrheitlich mit 
der verstrichenen Zeit zwischen dem Vorfall am 5. Juli 2019 bzw. der polizeilichen 
Einvernahme vom 13. September 2019 und der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme am 
29. Oktober 2020 erklärt werden. So ist es nachvollziehbar, dass die Erinnerung betreffend 
das Nebengeschehen verblasst und sich teilweise verändert. So vermag beispielsweise der 
Widerspruch hinsichtlich der Notwendigkeit der Behandlung auf der Brust wegen Brustkrebs 
die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin nicht zu erschüttern. 

4.1.6 Die Privatklägerin macht an ihrer auf Video aufgezeichneten Einvernahme vor der Vorinstanz 
eher einen introvertierten, selbstreflektierenden, nachdenklichen, rationalen und 
schüchternen Eindruck, was ihrer eigenen Beschreibung von sich selbst entspricht (SE GD 
49/2/2). Bei der Privatklägerin handelt es sich um eine Psychologin mit hohem 
Bildungsniveau. Sodann liegen keine Hinweise für Bewusstseins- oder 
Wahrnehmungsstörungen vor, auch wenn die Privatklägerin vermutlich wegen depressiven 
Episoden in psychologischer Behandlung war. Die Aussagen der Privatklägerin bei der 
Polizei und vor Gericht erscheinen sehr glaubhaft. Insbesondere die Erstaussage vom 13. 
September 2019 war sehr präzise und detailliert und enthält verschiedene Beschreibungen 
von Selbstreflektion. So fragte sie sich beispielsweise, was die Frage nach 
Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen mit ihrem Leiden zu habe, oder weshalb der 
Beschuldigte jeweils das Behandlungszimmer verlassen habe und danach nach 

Seite 28/46

Desinfektionsmittel gerochen habe (act. 2/1 S. 4). Auch sind keine Übertreibungen oder 
Dramatisierungen ersichtlich. Die zweite Einvernahme der Privatklägerin bei der 
Staatsanwaltschaft vom 29. Oktober 2020 erfolgte ca. eineinhalb Jahre nach dem fraglichen 
Vorfall bzw. mehr als ein Jahr nach der polizeilichen Einvernahme. Die zwischen diesen 
beiden Einvernahmen verstrichene Zeit vermag einige Abweichungen in den Aussagen der 
Privatklägerin zu erklären, so dass diese Abweichungen bzw. Widersprüche nicht als 
Zeichen einer Falschaussage gewertet werden können. Auch der Umstand, dass die 
Privatklägerin an ihrer polizeilichen Einvernahme angab, sie habe sich auf den Bauch 
gedreht, während sie an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme festhielt, sie sei nie auf 
dem Bauch gelegen, ist eher als Nebenpunkt zu bewerten und tritt vor der klaren Schilderung 
des Kerngeschehens ("Griff in die Hose", "pochen") in den Hintergrund. 

4.2 Beschuldigter 

4.2.1 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten in Bezug auf das 
Kerngeschehen keine wesentlichen Widersprüche enthalten, bestreitet er doch durchgehend, 
die Privatklägerin mit der Hand an der Brust oder an den Schamlippen berührt zu haben. 
Ebenfalls trifft es zu, dass der Beschuldigte im Rahmen seiner spontanen, freien Erzählung 
kaum auf das Kerngeschehen einging und die eigentliche Shiatsu-Behandlung nur relativ 
kurz umschrieb (OG GD 1 S. 14 Rz. 1.2.3.1). Allerdings ist diese Auffälligkeit entgegen der 
Vorinstanz nicht zwingend als Indiz gegen eine wahrheitsgetreue Aussage zu werten. Denn 
sofern es zu keinem Übergriff gekommen sein sollte, wäre nachvollziehbar, dass dem 
Beschuldigten die Shiatsu-Behandlung nicht in Erinnerung geblieben ist und er sich 
stattdessen besser an das Vorgespräch erinnern konnte. In diesem Fall unterschiede sich 
das "Kerngeschehen" aus Sicht des Beschuldigten stark von demjenigen, welches die 
Privatklägerin geltend machte. 

4.2.2 Auffällig ist hingegen, dass der Beschuldigte mehrere Male in allgemeiner, unpräziser Weise 
auf ihm gestellte Fragen antwortete, was sich insbesondere auch an der 
Berufungsverhandlung zeigte. Mit der Vorinstanz kann darin eine gewisse Ausweichtendenz 
festgestellt werden. So redet der Beschuldige ungewöhnlich oft am Thema vorbei und drückt 
sich vor klaren Aussagen zur konkret durchgeführten Behandlung, während er zu 
irrelevanten Aspekten überlange Ausführungen macht. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, 
dass er die Privatklägerin an der ersten Einvernahme zu diskreditieren versuchte (OG GD 1 
S. 17; act. 2/2 Ziff. 47). Allerdings ist diesen Elementen nicht allzu viel Gewicht beizumessen, 
zumal hinsichtlich des Geschehensablaufes insb. drei Phasen relevant sind: Der Griff unter 
die Hose, die Berührung der Brust sowie die Frage, ob die Idee zur Entblössung des 
Oberkörpers der Privatklägerin vom Beschuldigten gekommen ist (im Sinne einer unnötigen 
Sexualisierung des Kontaktes bzw. unüblich bei einer Shiatsu-Behandlung). Die 
wesentlichen Passagen machen in zeitlicher Hinsicht nur eine kurze Sequenz aus, so dass 
keine allzu detaillierten Ausführungen des Beschuldigten erwartet werden können, zumal aus 
seiner Sicht bzw. gemäss seinen Angaben in dieser Zeitspanne nichts Aussergewöhnliches 
passiert sein soll. 

4.2.3 Unglaubhaft ist die Behauptung des Beschuldigten, die Privatklägerin habe die Sitzung 
gesteuert und sich selbständig unter Entblössung der Brüste ausgezogen, nachdem er das 
Zimmer verlassen habe, ohne dass er gesagt hätte, er könne ohne Kleidung besser arbeiten 

Seite 29/46

(act. 2/2 Frage 25). An der Berufungsverhandlung bestätigte er diese Aussage (OG GD 7/4 
Frage 49). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Privatklägerin - die sich selber als 
schüchtern und zurückhaltend beschrieb (act. 2/3 S.13 "Ich bin von der Person eher scheu 
und zurückhaltend und traute mich in diesem Moment einfach nicht"), zum ersten Mal an 
einer Shiatsu-Behandlung teilnahm und insbesondere noch nie zuvor eine Behandlung beim 
Beschuldigten absolvierte - von sich aus auf die Idee kommen sollte, ihr Tanktop sowie ihren 
BH auszuziehen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, ist das Bild von der "führenden" 
Klientin und dem passiv begleitenden Therapeuten nicht stimmig. Denn der Beschuldigte 
sagte bei seiner polizeilichen Einvernahme ebenfalls aus, die Privatklägerin habe wirr auf ihn 
gewirkt und die Wahrheit nicht wahrhaben wollen (act. 2/2, Frage 15). Sie habe den Kopf 
weggeschwenkt und sich den Themen nicht stellen wollen (act. 2/4, Frage 7). Diese 
Aussagen sind kaum vereinbar mit den weiteren Angaben, die Privatklägerin habe von sich 
aus Themen angesprochen, die im Körper seien und die Sitzung aktiv gesteuert und dabei 
aktiv und ohne vorherige Anregung des Beschuldigten ihre Brüste entblösst. 

4.2.4 Ebenfalls inhaltlich eher wenig überzeugend sind die Aussagen des Beschuldigten im 
Zusammenhang mit dem konkreten Grund für die "energetische Berührung" der Gegend 
Schamlippen/Vulva, wo die Privatklägerin eine körperliche Berührung spürte. 

So ist betreffend diese Aussagen des Beschuldigten vorab einmal festzuhalten, dass er 
anlässlich seiner freien Schilderung des Sachverhalts in der ersten Einvernahme noch nicht 
davon spricht, dass er eine energetische Behandlung der Vulva, etc. der Privatklägerin 
vorgenommen hatte oder dass eine solche notwendig war (act. 2/2 Ziff. 4). Auch anlässlich 
der zweiten freien Schilderung des Sachverhalts an der zweiten Einvernahme bei der 
Staatsanwaltschaft nennt er eine entsprechende energetische Behandlung der Vulva etc. der 
Privatklägerin nicht (act. 2/4 Ziff. 7). 

So werden beim Shiatsu nach den Angaben des Shiatsu-Gesellschaft die Bereiche der 
primären weiblichen Geschlechtsteile nicht behandelt. Die Shiatsu-Gesellschaft belegt dies 
mit Dokumenten über den Verlauf der Meridiane, welche im Bereich der primären weiblichen 
Geschlechtsteile - soweit ersichtlich - die Gegend von Schamlippen, Vulva etc. nicht direkt 
berühren, sondern primär an der Oberschenkelinnenseite verlaufen (act. 3/12 Beilage 4, 
Chart von Shizuto Masunaga, auf dessen Shiatsu-Lehre sich der Beschuldigte gemäss OG 
GD 7/4 Ziff. 66 grundsätzlich beruft). Der Beschuldigte bestreitet dies nicht und argumentiert, 
dass er im Rahmen der von ihm praktizierten