# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f86e0d3c-30e7-592d-bb4c-464ce4553942
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.06.2009 B-77/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-77-2009_2009-06-29.pdf

## Full Text

Abtei lung II
B-77/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  J u n i  2 0 0 9

Richter Francesco Brentani (Vorsitz), 
Richterin Eva Schneeberger, Richter Frank Seethaler, 
Gerichtsschreiber Corrado Bergomi.

1. X._______,

2. Y._______, 
vertreten durch X._______,
Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Landwirtschaft BLW,
Mattenhofstrasse 5, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrmengen Milch für Produzenten-Organisationen (PO) 
/ Produzenten-Milchverwerter-Organisationen (PMO).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

B-77/2009

Sachverhalt:

A.
Das  Bundesamt  für  Landwirtschaft  (nachfolgend  Bundesamt,  Vor-
instanz)  hat  für  das  Milchjahr  2008/09 114 Gesuche um Bewilligung 
einer Mehrmenge Milch zugunsten von verschiedenen Branchen-, Pro-
duzenten-  sowie  Produzenten-Milchverwerter-Organisationen  gutge-
heissen  (vgl.  Übersicht  Mehrmengengesuche  2006  bis  2008  des 
Bundesamtes für Landwirtschaft vom 5. Dezember 2008). 

B.
Mit Beschwerde vom 3. Januar 2009 gelangte X.______ (nachfolgend: 
Beschwerdeführer 1) an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, 
die zwischen 1. Mai 2008 und 31. Dezember 2008 bewilligten Mehr-
mengengesuche der  Produzenten-  bzw. Produzenten-Milchverwerter-
Organisationen  seien  aufzuheben.  Bei  den  Gesuchen,  in  welchen 
Mehrmengen  für  den  Export  bestimmt  sind,  verlangt  er  mindestens 
eine Kürzung um 50%, bei den übrigen Gesuchen die vollumfängliche 
Aufhebung  der  bewilligten  Mehrmengen.  Weiter  beantragt  er,  das 
Bundesamt sei  anzuweisen,  bis 30. April  2009 keine weiteren Mehr-
mengen zu bewilligen bzw. ihm alle  Angaben bezüglich  der  gesuch-
stellenden Produzentenorganisationen und der  bewilligten Mehrmen-
gen bekanntzugeben. Schliesslich stellt  er den Antrag, die durch die 
Mehrmengenbewilligungen zustande gekommenen Projekte seien mit 
superprovisorischer Verfügung vorläufig einzustellen.

Zur Begründung führt der Beschwerdeführer 1 sinngemäss an, die be-
willigten Mehrmengen hätten zu einer Senkung des Milchpreises bis 
zu 20% beigetragen. Er könne den Preis von Brutto Fr. 1.10 / Liter ge-
mäss Vollkostenrechnung der Agrarplattform nicht erreichen. Mit seiner 
Beschwerde  habe  er  vor,  einen  weiteren  Preissturz  zu  verhindern. 
Ferner habe das Bundesamt die Gesuchsverfahren in Verletzung von 
Art. 10a Abs. 2c bzw. Abs. 3c der  Milchkontingentierungsverordnung 
vom 7. Dezember 1998 (MKV; aufgehoben auf den 1. Mai  2009,  AS 
2008 3837) durchgeführt. Da keine Versammlungen mit den Produzen-
ten stattgefunden hätten, seien die Beschlüsse ohne die erforderliche 
2/3-Mehrheit gefasst worden. 

C.
Mit  Schreiben  vom  12.  Januar  2009  teilte  das  Bundesverwaltungs-
gericht dem Beschwerdeführer 1 mit, seine Eingabe erfülle möglicher-

Seite 2

B-77/2009

weise verschiedene Mindestanforderungen  an eine  rechtsgenügliche 
Beschwerde nicht. Es gab ihm unter anderem Gelegenheit, seine Be-
schwerde zu verbessern.

D.
Am  29.  bzw.  31.  Januar  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  1  die 
Beschwerdeverbesserung ein. Er erklärt, er führe Beschwerde im eige-
nen  sowie  im  Namen  der  Mitglieder  des  Verbands  Y._______ 
(nachfolgend: Beschwerdeführer 2), wo er als Vorstandsmitglied aktiv 
sei.  Ergänzend  führt  er  aus,  das  Bundesamt  trage  die  alleinige 
Verantwortung  für  die  Milchmengenpolitik  und  die  massive  Senkung 
des Milchpreises. Der Steuerzahler habe ein öffentliches Interesse an 
der  genauen  und  korrekten  Anwendung  von  Gesetzen  und 
Verordnungen.  Das  Bundesamt  habe  es  nämlich  unterlassen,  im 
Gesuchsverfahren  betreffend  Bewilligung  der  Mehrmengen  die 
Stellungnahme der interessierten Kreise gemäss Art. 10a Abs. 2 bis 4 
MKV einzuholen.  Eine  weitere  Bewilligung  von  Mehrmengen  sei  zu 
verhindern, damit weniger Grosslochkäse aus den Mehrmengen her-
gestellt  werde,  denn der  billige Grosslochkäse konkurriere direkt  mit 
dem Emmentaler  Käse (AOC). Seiner  Beschwerdeverbesserung legt 
der  Beschwerdeführer  1  das  Schreiben  des  Eidgenössischen  Volks-
wirtschaftsdepartements vom 23. Januar 2009 bei, mit welchem dieses 
festhält, der vom Beschwerdeführer 1 am 2. Oktober 2008 eingereich-
ten Aufsichtsbeschwerde keine Folge zu geben.

E.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2009 forderte das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss von Fr. 800.- 
zu leisten und teilte mit, dass das Beschwerdeverfahren in einer ersten 
Phase  möglicherweise  auf  die  Frage  der  Prozessvoraussetzungen 
beschränkt wird. 

F.
Mit Vernehmlassung vom 20. April 2009 beantragt das Bundesamt, es 
sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter sei ihm eine er-
neute Frist anzusetzen, um sich zu den materiellen Fragen äussern zu 
können, unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführer. Nach An-
sicht des Bundesamtes ist der Beschwerdeführer 1 weder im Namen 
des Vereins Y._______ noch im eigenen Namen zur Beschwerde be-
rechtigt. Weiter beantragt das Bundesamt, den Beschwerdeführern die 
der  Vernehmlassung  beigelegten  Milchmengenverfügungen  für  das 

Seite 3

B-77/2009

Milchjahr 2008/09 und das dazugehörende Aktenverzeichnis nicht bzw. 
nur in anonymisierter Form zuzustellen.  

G.
Mit  Verfügung  vom  23.  April  2009  wurde  der  Schriftenwechsel  be-
züglich der Frage der Prozessvoraussetzungen abgeschlossen. 

Am 22. April 2009 sowie 5. Mai 2009 reichte  der Beschwerdeführer 1 
unaufgefordert weitere Eingaben ein. 

H.
Auf die bisher genannten Vorbringen und die weiteren Ausführungen 
der  Beschwerdeführer  wird,  soweit  sie  rechtserheblich  sind,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Mit  Verfügung  vom  12.  Februar  2009  beschränkte  der  Instruktions-
richter  die  erste  Phase  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  auf 
die Frage, ob die Prozessvoraussetzungen gegeben sind. 

Ob die Prozessvoraussetzungen vorliegen und auf  eine Beschwerde 
einzutreten  ist,  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich  von 
Amtes wegen und mit freier Kognition zu prüfen (BVGE 2007/6 E. 1 mit 
Hinweisen).  So  ist  auch  das  Beschwerderecht  als  Sachurteils-
voraussetzung grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen.

Zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Verfügung 
besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. b und c des Bundes-
gesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968, 
VwVG, SR 172.021). In  Fällen,  wo die  Abgrenzung  der  besonderen 
von  der  allgemeinen  Betroffenheit  nicht  klar  gezogen  werden  kann, 
trifft den Beschwerdeführer allerdings eine erhöhte Mitwirkungspflicht, 
die  auch sein  Beschwerderecht  erfasst. Ihm obliegt  demnach,  seine 
besondere  Betroffenheit  nachzuweisen  (vgl.  BGer 03.03.2009, 
1C_437/2007 E. 2.5, BGer 20.06.2007, 1C_76/2007, E. 2.2, BGE 133 
II 249 E. 1.1 S. 251, BGE 120 Ib 431 E. 1; vgl. auch BERNHARD WALDMANN 
in Marcel Alexander Niggli/Peter Uebersax/Hans Wiprächtiger (Hrsg.), 
Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, Art. 89 BGG N 3, ISABELLE HÄNER in 

Seite 4

B-77/2009

Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler (Hrsg.), Kommentar 
VwVG, Zürich-St. Gallen 2008, Art. 48 N 2). Das Bundesverwaltungs-
gericht  prüft  deshalb  nicht  von  Amtes  wegen,  ob  allenfalls  weitere, 
über die Vorbringen des Beschwerdeführers hinausgehenden Gründe 
vorhanden sein könnten, die auf eine besondere Betroffenheit bzw. ein 
entsprechendes Rechtschutzinteresse hinweisen. 

Die  Beschwerdeführer  begründen  ihre  Betroffenheit  bzw. ihr  Recht-
schutzinteresse vor allem damit, dass durch die angefochtenen Verfü-
gungen der Milchpreis stark gesunken sei und dass sie mit ihrer Be-
schwerde bezwecken, einen weiteren Preissturz zu verhindern. Ange-
sichts der vorstehenden Ausführungen wird das  Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerdebefugnis des Beschwerdeführers 1 und 2 an-
hand dieser Argumente prüfen (vgl. E. 4.4 f.).

2.
Die vorliegende Beschwerde richtet  sich gegen alle vom Bundesamt 
zwischen dem 1. Mai  2008 und 31. Dezember  2008 zugunsten ver-
schiedener Produzenten- bzw. Produzenten-Verwerter-Organisationen 
bewilligten  Mehrmengen. Diese  Bewilligungen  des  Bundesamtes  er-
gingen unter anderem in Anwendung von Art. 12 der Verordnung vom 
10. November 2004 über den Ausstieg aus der Milchkontingentierung 
(VAMK, aufgehoben auf den 1. Mai 2009) i. V. m. Art. 36a Abs. 2 des 
Landwirtschaftsgesetzes  vom  29.  April  1998  (LwG;  RS  910.1)  und 
stellen  je  eine  Verfügung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  des  Bundes-
gesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968 
(VwVG, SR 172.021) dar. 

Gegen Verfügungen  des  Bundesamtes in  Anwendung des LwG und 
seiner  Ausführungsbestimmungen  kann  beim  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde erhoben werden (vgl. Art. 166 Abs. 2 Satz 1 LwG). 
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorlie-
genden Streitsache zuständig (Art. 31, Art. 33 Bst. d des Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, VGG, RS 173.32). Ausnahmen im 
Sinne von Art. 32 VGG liegen keine vor.

3.
Die Beschwerdelegitimation in Verfahren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht bestimmt sich nach Art. 48 VwVG (vgl. Art. 37 VGG). Hiernach 
ist  zur  Beschwerde berechtigt,  wer  vor  der  Vorinstanz  am Verfahren 
teilgenommen hat  oder keine Möglichkeit  zur Teilnahme erhalten hat 

Seite 5

B-77/2009

(Abs. 1 Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist (Abs. 1 Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung  oder  Änderungen  hat  (Abs.  1  Bst.  c).  Diese  Voraussetzungen 
müssen  kumulativ erfüllt  sein  (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ 
KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel 
2008, Rz. 2.60). 

Zur Beschwerde berechtigt sind ferner Personen, Organisationen und 
Behörden,  denen  ein  anderes  Bundesgesetz  dieses  Recht  einräumt 
(Abs. 2). Das Landwirtschaftsrecht kennt allerdings keine derartige Re-
gelung, so dass sich die Beschwerdebefugnis im vorliegenden Verfah-
ren allein nach Art. 48 Abs. 1 VwVG richtet. 

4.
Der  Beschwerdeführer  1  führt  Beschwerde  sowohl  im  eigenen  als 
auch im Namen des Vereins Y._______. Sowohl er als auch der Verein 
Y._______ sind nicht materielle (bzw. primäre) Adressaten der ange-
fochtenen Mehrmengenbewilligungen, da ihnen gegenüber im Rahmen 
der  angefochtenen  Verfügungen  nicht  rechtsverbindlich  Rechte  und 
Pflichten  festgelegt  werden  und  der  geregelte  Sachverhalt  nicht  un-
trennbar mit ihnen verknüpft ist. Als Drittbeschwerdeführer bzw. sekun-
därer Verfügungsadressat kann er im eigenen Namen sowie, bei gege-
benen  Voraussetzungen,  als  Vertreter  eines  Verbandes im Interesse 
seiner Mitglieder Beschwerde führen (vgl. zur Terminologie betreffend 
primäre und sekundäre Adressaten MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a. a. O., 
Rz. 2.74, ISABELLE HÄNER, Die Beteiligten im Verwaltungsverfahren und 
Verwaltungsprozess, Zürich 2000, Rz. 538). 

Gemäss  Lehre  und  Rechtsprechung  steht  die  Beschwerde-
berechtigung auch einem Verband zu. Die sog. egoistische Verbands-
beschwerde  setzt  voraus,  dass  (1)  -  die  Organisation  als  juristische 
Person konstituiert  und somit  partei-  und prozessfähig ist,  (2)  -  auf-
grund der  Statuten zur  Wahrung der  Interessen ihrer  Mitglieder  ver-
pflichtet ist und (3) - darüber hinaus die Mehrheit bzw. eine Grosszahl 
der  Mitglieder  der  Organisation  derart  in  ihren  Interessen  betroffen 
sind,  dass sie ihrerseits zur Beschwerde legitimiert  wären (vgl. BGE 
130 I 26; BGE 123 I 221 E. 1.2.) 

Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob der Beschwerdeführer 1 als 
Privatperson  allein  zur  Beschwerde  befugt  ist.  Dann  ist  zu  unter-
suchen, inwiefern das Ergebnis dieser Prüfung Auswirkungen auf die 

Seite 6

B-77/2009

Frage  hat,  ob  die  Voraussetzungen  der  egoistischen  Verbands-
beschwerde gegeben sind. 

4.1 Art. 48 Abs. 1 Bst. a  VwVG sieht  als  erste der kumulativ  zu er-
füllenden  Voraussetzungen  die  sogenannte  formelle  Beschwer  vor, 
d. h.  die  beschwerdeführende  Person  muss  grundsätzlich  am  vor-
instanzlichen Verfahren teilgenommen haben und mit  ihren Anträgen 
ganz oder teilweise unterlegen sein. Diese Voraussetzung ist bei mate-
riellen Adressaten von belastenden Verfügungen ohne weiteres erfüllt, 
da jene notwendigerweise am Verfahren teilnehmen (VERA MARANTELLI-
SONANINI/SAID HUBER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger, 
Praxiskommentar VwVG, Zürich-Basel-Genf 2009, Art. 48 N 22). 

Der  Beschwerdeführer  1  hat  weder am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen  noch  ist  er  materieller  Verfügungsadressat.  Bei  Dritt-
beschwerden wie  in  casu  kann vom Erfordernis  der  Pflicht  zur  Teil-
nahme am vorinstanzlichen Verfahren insoweit abgesehen werden, als 
für  den  Beschwerdeführer  offenbar  keine  Möglichkeit  der  Teilnahme 
bestanden  hat.  Eine  Unmöglichkeit  der  Teilnahme  könnte  darin  ge-
legen haben, dass der Beschwerdeführer von der Eröffnung der ver-
schiedenen  Verfahren  keine  Kenntnis  hatte  oder  haben  konnte  (vgl. 
ISABELLE HÄNER in  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler 
(Hrsg.), Kommentar VwVG, Zürich-St. Gallen 2008, Art. 48 N 8; MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, a. a. O., Rz. 2.62). 

In  erster  Linie  ist  im  vorliegenden  Fall  festzuhalten,  dass  der  Be-
schwerdeführer 1  keine Möglichkeit hatte, an den verschiedenen Ge-
suchsverfahren vor der Vorinstanz teilzunehmen. Im Rahmen der ge-
nannten Gesuchsverfahren kam dem Beschwerdeführer 1 auch keine 
Parteistellung zu. Im Weiteren kann die Unmöglichkeit der Teilnahme 
an den vorinstanzlichen Verfahren aus dem Umstand herrühren, dass 
die genauen Angaben zu den damals laufenden Verfahren nicht mitge-
teilt  wurden. Die Gründe, die gegen eine solche Mitteilung sprechen, 
wurden unter anderem vom Bundesrat im Rahmen einer Fragestunde 
kurz erörtert. Auf eine von Nationalrat Josef Kunz gestellte Frage, war-
um das Bundesamt die Daten der Milchmengenprojekte für das Milch-
jahr  2008/09  nicht  veröffentliche,  antwortete  der  Bundesrat  am  16. 
März 2009,  eine solche Veröffentlichung würde den Wettbewerb zwi-
schen den Akteuren im Milchmarkt stark verzerren. Insider des Milch-
marktes  könnten  leicht  Rückschlüsse  auf  die  Marktstrategien,  Ge-
schäftsgänge oder die hergestellten Produkte ziehen (vgl. Antwort des 

Seite 7

B-77/2009

Bundesrates vom 16. März 2009 in den Beschwerdebeilagen bzw. ab-
rufbar  unter  www. parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx? 
gesch_id=20095138). Aus den Argumenten des Bundesrates ist leicht 
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer 1 wegen der fehlenden Daten-
veröffentlichung nicht  imstande  war  zu  erfahren,  welchen  Produzen-
ten-  bzw. Produzenten-Verwerter-Organisationen im laufenden Milch-
jahr wie viel Mehrmenge Milch bewilligt wurden. Es ist daher nachvoll-
ziehbar, dass der Beschwerdeführer 1  an den verschiedenen Bewilli-
gungsverfahren nicht teilnehmen konnte. Daraus folgt, dass vorliegend 
am Erfordernis der Teilnahme am vorinstanzlichen Verfahren im Sinne 
der formellen Beschwer ohne weiteres verzichtet werden kann.

4.2 Gemäss Art. 48 Abs. 1 Bst. b und c VwVG ist zur Beschwerde be-
rechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist 
und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung 
hat (materielle Beschwer). Die Teilgehalte gemäss Bst. b und c lassen 
sich  nur  schwer  auseinanderhalten. Das Bundesgericht  versteht  das 
Kriterium des „Berührtseins“ nicht als eine selbständige, zum schutz-
würdigen Interesse zu erfüllende Legitimationsvoraussetzung, sondern 
als  eine  Präzisierung  desselben  (BGE 133  V  133  E. 4.3.1  zitiert  in 
MARANTELLI-SONANINI/HUBER, a. a. O., Art. 48 N 11 m. w. H.). Diese Legiti-
mationsvoraussetzungen  bezwecken,  die  Popularbeschwerde  aus-
zuschliessen (vgl. auch mit  Bezug auf die nachfolgenden Ausführun-
gen HÄNER, a. a. O., Art. 48 N 11, 18-21; MARANTELLI-SONANINI/HUBER, a. a. 
O.,  Art.  48  N  10,  15,  24;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.  a.  O.,  Rz. 
2.64-2.67, 2.70). 

Das im Gesetz  angeführte  schutzwürdige Interesse kann rechtlicher 
oder auch bloss tatsächlicher Natur sein und braucht mit dem Interes-
se,  das  durch  die  vom  Beschwerdeführer  als  verletzt  bezeichneten 
Normen geschützt  wird,  nicht übereinzustimmen. Auch muss es sich 
um ein unmittelbares, eigenes und persönliches Interesse handeln. Ein 
solches liegt vor, wenn die beschwerdeführende Person durch den Be-
schwerdegegenstand  einen  unmittelbaren  Nachteil  erleidet.  Ein 
schutzwürdiges Interesse besteht im praktischen Nutzen, den die er-
folgreiche  Beschwerde  der  beschwerdeführenden  Person  eintragen 
würde, das heisst  in der Abwendung eines materiellen oder ideellen 
Nachteils, den der angefochtene Entscheid für sie zur Folge hätte. Im-
merhin  muss  ein  Beschwerdeführer  durch  den  angefochtenen  Ent-
scheid stärker als jedermann betroffen sein und in einer besonderen, 
beachtenswerten,  nahen Beziehung zur  Streitsache stehen. Darüber 

Seite 8

http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20095138
http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20095138

B-77/2009

hinaus muss die beschwerdeführende Partei ein aktuelles und prakti-
sches Interesse an der Überprüfung des Entscheids nachweisen. Ein 
solches liegt vor, wenn der mit der angefochtenen Verfügung verbun-
dene strittige Nachteil noch besteht und insofern im Rahmen eines Ur-
teils auch behoben werden könnte. 

4.3 Der materielle oder primäre Adressat einer Verfügung ist in erster 
Linie beschwerdebefugt. Er ist im Vergleich zur Allgemeinheit stets be-
sonders betroffen,  da im Rahmen der Verfügung nur ihm gegenüber 
rechtsverbindlich  Rechte  und  Pflichten  festgelegt  werden  (vgl. 
MARANTELLI-SONANINI/HUBER, a. a. O. Art. 48 N 24; HÄNER, a. a. O. Art. 48 
N 11, MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a. a. O. Rz. 2.74-2.77). 

Sekundären Verfügungsadressaten, die nur indirekt von der Verfügung 
betroffen sind, werden durch den angefochtenen Entscheid weder di-
rekt Rechte eingeräumt noch Pflichten auferlegt. Solche beschwerde-
führenden  Personen  sind  nur  dann  als  „besonders  berührt“  zu  be-
zeichnen, wenn sie eine besondere beachtenswerte, nahe Beziehung 
zur Streitsache aufweisen. Ob die Beziehungsnähe gegeben ist, muss 
jeweils unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls und nach 
objektiven Kriterien entschieden werden. In der Rechtsprechung wur-
den zur Frage der genügenden Beziehungsnähe im Zusammenhang 
mit  Drittbeschwerden  unterschiedliche  Anforderungen  entwickelt,  die 
vom  Sachbereich  und  Personenkreis  abhängig  sind.  Zahlreich  sind 
Fälle zur Legitimation der Anwohner bzw. Nachbarn, der Konkurrenten, 
Konsumenten, Mieter und Anzeiger (MARANTELLI-SONANINI/HUBER, a. a. O. 
Art.  48  N  26  ff.,  HÄNER,  a.  a.  O.  Art.  48  N  12  ff., 
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a. a. O., Rz. 2.78 ff.). 

4.4 Der Beschwerdeführer 1 begründet seine besondere Beziehungs-
nähe  zur  Streitsache  vorwiegend  damit,  dass  durch  die  vom 
Bundesamt bewilligten Mehrmengen der Milchpreis massiv gesunken 
sei.  Als nicht vorzeitig aus der Milchkontingentierung ausgestiegener 
Milchproduzent sei er von den bewilligten Mehrmengen stark betroffen. 
Mit  der  Einreichung  seiner  Beschwerde  verfolge  er  das  Ziel,  einen 
weiteren  Preissturz  zu  verhindern.  Ferner  macht  der  Beschwerde-
führer 1 sinngemäss  geltend,  die  Gesuchsverfahren  seien  in  Ver-
letzung von Art. 10a MKV ergangen.  

4.4.1 Der  Beschwerdeführer  1 ist  unter  anderem Milchproduzent. Er 
wehrt sich gegen die vom Bundesamt zugunsten verschiedener Produ-

Seite 9

B-77/2009

zenten- bzw. Produzenten-Verwerter-Organisationen bewilligten Mehr-
mengen.  Gegenüber  den  begünstigten  Produzenten-  bzw.  Produ-
zenten-Verwerter-Organisationen könnte er durch eine allfällige Zuge-
hörigkeit  zu  einer  Produzenten-  bzw. Produzenten-Verwerter-Organi-
sation  als  Konkurrent  angesehen  werden,  weshalb  die  Recht-
sprechung  des  Bundesgerichts  und  Bundesverwaltungsgerichts  zur 
Beschwerdelegitimation von Konkurrenten analog herangezogen wer-
den kann. 

Die spezifische Beziehungsnähe zwischen den einzelnen Konkurren-
ten  ergibt  sich  oft  aus  einer  wirtschaftsverwaltungsrechtlichen 
Ordnung. Die Beschwerdelegitimation der Konkurrenten wird je  nach 
Beschaffenheit  dieser  Vorschriften  unterschiedlich  zu  beurteilen  sein 
(vgl. auch mit  Bezug auf die nachfolgenden Ausführungen  WALDMANN, 
a. a. O.,  Art.  89  BGG  N  23-25;  MARANTELLI-SONANINI/HUBER,  a.  a.  O., 
Art. 48  N 28;  HÄNER,  a. a. O.,  Art.  48  N 15).  Im  Zusammenhang  mit 
gesetzlichen Bestimmungen,  die keine wirtschaftspolitischen Zwecke 
verfolgen, genügt es nicht, dass Konkurrenten der gleichen wirtschaft-
lichen  Ordnung  unterstellt  sind.  In  diesen  Fällen  sind  Konkurrenten 
eines Bewilligungsinhabers gemäss konstanter Praxis nicht schon auf-
grund  der  blossen  Befürchtung  beschwerdelegitimiert,  durch 
verstärkten  Wettbewerb  in  ihrer  Marktstellung  beeinträchtigt  zu 
werden. Vielmehr  ist  die  Beschwerdebefugnis  des  Konkurrenten  nur 
dann  zu  bejahen,  wenn  er  geltend  macht,  andere  Konkurrenten 
würden  in  Anwendung  dieser  Regelung  privilegiert  bzw.  die  Vor-
schriften würden zu seinem Nachteil  ungleich angewendet. Gesetzli-
che  Regelungen,  die  wirtschaftspolitische  Ziele  verfolgen  und  aus-
drücklich den Schutz vor Konkurrenz bezwecken, stellen indessen eine 
besondere Beziehungsnähe zwischen den Konkurrenten her. 

4.4.2 Die angefochtenen Bewilligungen stehen im Zusammenhang mit 
den  Entwicklungen  in  der  Schweizer  Milchwirtschaft. Es  rechtfertigt 
sich  deshalb,  einen kurzen Überblick über  die einschlägigen,  zurzeit 
des Erlasses dieser Verfügungen geltenden Bestimmungen zu geben 
und deren Sinn und Zweck mit Bezug auf die Marktteilnehmer zu er-
mitteln.

Mit der Revision des Landwirtschaftsgesetzes im Rahmen der Agrar-
politik 2007 (Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik, Agrarpo-
litik 2007, vom 29. Mai 2002, BBl 2002 S. 4721 ff.) wurde beschlossen, 
die  seit  1977  eingeführte  öffentlich-rechtliche  Milchkontingentierung 

Seite 10

B-77/2009

auf den 1. Mai 2009 aufzuheben. Gründe für den Ausstieg stellten ins-
besondere die  Verteuerung der  Produktion und die Beeinträchtigung 
der preislichen Wettbewerbsfähigkeit  des Sektors dar (AP 2007,  BBl 
2002 S. 4795). Es wurde ferner beschlossen, dass der Ausstieg aus 
der Milchkontingentierung schrittweise abgewickelt werden soll, um die 
Mengenanpassung sowie die Umstrukturierung von Betrieben leichter 
zu gestalten. Dieses Übergangsregime soll Anreize schaffen, entweder 
Kontingente  zu  kaufen  oder  Kontingente  zu  verkaufen,  um dadurch 
den Strukturwandel zu fördern. Der Verkauf von Kontingenten soll je-
nen Betrieben, die künftig nicht mehr auf die Milchproduktion setzen, 
durch Beschaffung von neuen finanziellen Mitteln helfen, sich neu zu 
orientieren bzw. in einen neuen Sektor zu investieren. Milchprodukti-
onsbetriebe können durch Zukauf von Kontingenten ihre Position auf 
dem Markt stärken (vgl. AP 2007, BBl 2002 S. 4802). Ziel und Zweck 
des  gestaffelten  Ausstiegs  aus  der  Milchkontingentierung  ist  einer-
seits, für einen sanften Übergang in eine Zeit ohne staatliche Produkti-
onslenkung zu sorgen und andererseits,  gewissen Produzentengrup-
pen einen zeitlichen Vorsprung zu verschaffen, damit sie sich vor den 
andern auf die neue Situation einstellen können (AP 2007, BBl 2002 
S. 4804).  

Die Aufhebung der Milchkontingentierung und der entsprechenden ge-
setzlichen Vorschriften (Art. 30 bis 36 LwG) auf den 1. Mai 2009 wird 
in Art. 36a Abs. 1 LwG ausdrücklich geregelt. Art. 36a Abs. 2 LwG be-
fasst sich indessen mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Milchkon-
tingentierung. Der Bundesrat kann Produzenten und Produzentinnen, 
die Mitglied einer Organisation nach Artikel 8 sind oder zusammen mit 
einem  bedeutenden  regionalen  Milchverwerter  in  einer  Organisation 
zusammengeschlossen sind, frühestens auf den 1. Mai 2006 von der 
Milchkontingentierung  ausnehmen,  wenn  die  Organisation:  (a.)  eine 
Mengenregelung auf  Stufe der Milchproduktion beschlossen hat; (b.) 
Sanktionen für den Fall festgelegt hat, dass die individuell vereinbar-
ten Mengen überschritten werden; und (c.) Gewähr dafür besteht, dass 
das Wachstum der produzierten Milchmenge nicht grösser ist als jenes 
des Mengenbedarfs der hergestellten Produkte. 

Der Bundesrat hat die Ausführungsbestimmungen zum Art. 36a LwG 
in  der  Verordnung über  den  Ausstieg  aus  der  Milchkontingentierung 
vom 10. November 2004 (VAMK) konkretisiert. Die Gesuche für  den 
Ausstieg aus der Milchkontingentierung sind beim Bundesamt einzu-
reichen (Art. 17 Abs. 1 VAMK). Aussteigen können Produzenten,  die 

Seite 11

B-77/2009

Mitglied in einer Branchenorganisation, einer Produzentenorganisation 
oder Produzenten-Verwerter-Organisation sind (Art. 2 VAMK). Die ge-
nannten Organisationstypen müssen die in der Verordnung festgeleg-
ten Anforderungen erfüllen (Art. 3-5 VAMK). Die Organisation erhält als 
Basismenge  grundsätzlich  die  Summe der  Kontingente,  welche  den 
Produzenten  im  letzten  Milchjahr  vor  dem  Ausstieg  zugeteilt  waren 
(Art. 6 Abs. 1 VAMK). Die Organisation kann mit Zustimmung des Bun-
desamtes eine zusätzliche Milchmenge (Mehrmenge) vermarkten; das 
Bundesamt erteilt die Zustimmung, wenn die Organisation den Bedarf 
für die Mehrmenge ausweisen kann (Art. 12 VAMK). Im Verfahren zur 
Bewilligung einer Mehrmenge haben die Gesuchsteller dem Bundes-
amt verschiedene Unterlagen und Nachweise einzureichen. Diese sind 
explizit  in Art. 20 VAMK genannt. Die Organisation regelt sodann die 
Kriterien für die Aufteilung der Basis- und Mehrmenge auf die Mitglie-
der der Organisation (Art. 13 VAMK) und teilt die Mengen auf ihre Mit-
glieder auf (Art. 14 VAMK). Die Organisation kann in einem Reglement 
die Sanktionen bei Nichteinhalten ihrer Regelungen festlegen (Art. 15 
VAMK). Die Organisationen unterliegen der Kontrolle des BLW (Art. 21 
VAMK),  welches  bei  Verstössen  gegen  die  Verordnung  Verwaltungs-
massnahmen ergreifen kann.

Der vorzeitige Ausstieg ist in der Branche auf grosses Interesse gesto-
ssen. Alle entsprechenden Gesuche von 18-Produzenten-Milchverwer-
ter-Organisationen und 9 Produzentenorganisationen, die fast 80% der 
Milchmenge abdecken, hat das BLW bewilligen können (vgl. Botschaft 
zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik vom 17. Mai 2006, AP 2011, BBl 
2006 S. 6418).

4.4.3 Der Beschwerdeführer 1 weist in seinen Eingaben darauf hin, er 
sei  nicht  vorzeitig  aus  der  Milchkontingentierung  ausgestiegen.  Er 
macht hauptsächlich geltend, die bewilligten Mehrmengen führten zu 
beträchtlichen  Preissenkungen.  Mit  seiner  Beschwerde  beabsichtige 
er, der für ihn ungünstigen preislichen Entwicklung entgegenzuwirken.

Die  bis  30.  April  2009  geltende  staatliche  Milchkontingentierung  im 
Sinne  einer  mengenmässigen  Begrenzung  der  Milchablieferungen 
diente der Vermeidung von Überproduktion und verhinderte damit all-
fällige Preiseinbrüche und Einkommensverluste für die Bauern. In der 
Botschaft  zur  Weiterentwicklung  der  Agrarpolitik  vom  29.  Mai  2002 
wird  die  Milchkontingentierung  als  Preisstützungsinstrument  für  die 
Produzenten angesehen, das aber mit  hohen Produktionskosten und 

Seite 12

B-77/2009

strukturellen Überkapazitäten verbunden sei und ein strukturelles und 
produktionskostenbedingtes Manko an Wettbewerbsfähigkeit aufweise 
(AP 2007 BBl 2002 S. 4797). Gemäss Botschaft zur Agrarpolitik 2007 
soll  die  Aufhebung  der  Milchkontingentierung  eine  Ausdehnung  der 
Produktion  und  eine  rasche  Preissenkung  herbeiführen.  Eine  Preis-
senkung, verbunden mit Mengenwachstum, würde deshalb bei den un-
terschiedlichen  betrieblichen  und  regionalen  Bedingungen  voraus-
sichtlich zu einer Spezialisierung der Betriebe führen. Spezialisierung 
heisse aber  auch Effizienzsteigerung durch vermehrte  Arbeitsteilung 
zwischen Betriebstypen und Regionen (Botschaft AP 2007, BBl 2002, 
S. 4797). Die staatliche Festlegung eines Produzentenpreises in Form 
eines Zielpreises wurde mit der Agrarpolitik 2007 aufgehoben und die 
entsprechende Rechtsgrundlage gestrichen (Art. 29 aLwG; BBl 2002 
4782 ff.,  4792 ff.). Nach dem Wegfall  der Milchkontingentierung sind 
nur  noch  folgende  Marktstützungsmassnahmen  vorgesehen:  Zulage 
für  verkäste  Milch  (Art.  38  LwG);  Zulage  für  Fütterung  ohne  Silage 
(Art.  39  LwG);  Beihilfen  zur  Förderung  des  Inlandabsatzes  (Art.  40 
LwG); Ausfuhrbeihilfen (Art. 41 LwG); Buttereinfuhr (Art. 42 LwG) (vgl. 
auch Milchbericht vom EVD vom 14. September 2005, S. 5). 

Mit der Aufhebung der Milchkontingentierung hat der Übergang von ei-
ner  staatlichen  zur  privaten  Steuerung  der  Milchmengen  stattge-
funden.  Mit  anderen  Worten  tragen  neu  die  Akteure  in  der  Milch-
branche vorwiegend die Verantwortung für Produktion, Verwertung und 
Vermarktung von Milch. Die bereits in der Agrarpolitik 2007 angedeu-
tete und in  der  Agrarpolitik  2011 weitergeführte  Stossrichtung lautet 
„Mehr Markt und mehr Ökologie“. Im Zentrum steht somit die Förde-
rung  der  Wettbewerbsfähigkeit  in  der  Milchwirtschaft  (AP  2007  S. 
4723). Die lange Zeit intensive Regulierung der Milchwirtschaft macht 
neu der Liberalisierung des Milchmarktes Platz. Ab 1. Mai 2009 soll 
der freie Markt Angebot und Nachfrage bestimmen, was ohne weiteres 
Auswirkungen auf Produktionsmenge und Preis haben wird. Durch die 
Reformen im Bereich  der  Milchwirtschaft  erhofft  sich  der  Bund eine 
Verbesserung der Betriebsstrukturen (vgl. AP 2007 S. 4795). 

Die bereits zitierten Bestimmungen zur Aufhebung der Milchkontingen-
tierung (insbesondere Art. 36a LwG und die VAMK) bezwecken nicht, 
die  verschiedenen  Akteure  auf  dem  Milchmarkt  vor  Konkurrenz  zu 
schützen. Ebensowenig schaffen diese eine wirtschaftspolitische Ord-
nung, welche Produzenten oder Verwerter von Milch in einer besonde-
ren Beziehung zueinander  erscheinen lässt. Aus diesen Vorschriften 

Seite 13

B-77/2009

kann der Beschwerdeführer 1 daher kein schutzwürdiges Interesse an 
der  Anfechtung  der  drittbegünstigenden  Mehrmengenbewilligungen 
ableiten. Gehen der Schutz der Konkurrenten und die besondere Be-
ziehungsnähe nicht aus den besonderen Bestimmungen hervor, könn-
te  die  Beschwerdebefugnis  eines  Dritten  nur  dann  bejaht  werden, 
wenn dieser eine zu seinem Nachteil rechtsungleiche Anwendung der 
massgebenden Bestimmungen geltend macht. Der  Beschwerdeführer 
1 bringt aber nicht vor, das von seiner Organisation gestellte Gesuch 
um Bewilligung einer Mehrmenge sei  in  Verletzung der VAMK abge-
lehnt worden. 

Mit dem Argument, die erteilten Mehrmengenbewilligungen würden ei-
nen massiven Preissturz auslösen, bringt der Beschwerdeführer 1 viel-
mehr  klar  zum  Ausdruck,  dass  er  eine  Verschlechterung  in  seiner 
Marktstellung erfuhr bzw. befürchtet. Diese Art  des Berühtseins liegt 
allerdings im Prinzip des freien Wettbewerbs, das nach den agrarpoliti-
schen Reformen nun auch den Milchmarkt  mehrheitlich beherrschen 
soll  und bereits  mit  der  Einführung  der  VAMK anvisiert  wurde (vgl. 
MARANTELLI-SONANINI/HUBER,  a.  a.  O.,  Art.  48  N  28  mit  Hinweisen).  Im 
Milchjahr 2008/09 war der Milchmarkt noch nicht vollständig aber zu-
mindest teilweise liberalisiert, wenn man davon ausgeht, dass 80% der 
Milchmenge  schon  zurzeit  der  Botschaft  zur  AP  2011  (2006)  nicht 
mehr der Milchkontingentierung unterlag (vgl. hinten E. 4.4.2 i. f.). Im 
Zusammenhang mit dem vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingen-
tierung hat der Gesetzgeber bewusst damit gerechnet, dass die Aufhe-
bung der Milchkontingentierung mit einer Strukturbereinigung und ei-
nem grösseren Preisdruck einhergehen würde. Ab 1. Mai 2006 bis zur 
definitiven Aufhebung der Milchkontingentierung wurde den Milchpro-
duzenten Gelegenheit gegeben, sich auf die bevorstehende vollständi-
ge Liberalisierung des Milchmarkts vorzubereiten. Die Anpassung an 
die neuen Marktverhältnisse bedingt(e)  für  die  Milchproduzenten die 
Schaffung effizienterer Produktionsstrukturen, um die Produktionskos-
ten zu senken sowie eine Ausdehnung der Produktion als Kompensati-
on für die Senkung des Milchpreises (vgl. AP 2007 S. 4795 ff. und hin-
ten E. 4.4.2). Eine solche Entwicklung war für alle Akteuren auf dem 
Milchmarkt voraussehbar.

Der Rüge des Beschwerdeführers 1 hält die Vorinstanz entgegen, die 
bewilligten Mehrmengen seien im Vergleich zur gesamten Milchmenge 
gering und überwiegend für konkrete Exportprojekte vorgesehen. Mit 
dieser Argumentation lässt sich nachvollziehen, dass die Bewilligung 

Seite 14

B-77/2009

der Mehrmengen zu wenig ins Gewicht fällt,  um als einzige Ursache 
für die Senkung des Milchpreises in Frage zu kommen. Aus den Aus-
wirkungen der bewilligten Mehrmengen auf den Milchpreis lässt sich 
demnach keine besondere Beziehungsnähe des Beschwedeführers 1 
ableiten.

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer 1 mit 
seinen Vorbringen nicht gelingt, eine schutzwürdige besondere Bezie-
hungsnähe darzulegen. Der  Beschwerdeführer 1 ist  in diesem Sinne 
keinem wesentlich höheren wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt als die-
jenigen Milchproduzenten, welche wie er nicht vorzeitig aus der Milch-
kontingentierung ausgestiegen sind. Es hätte vor dem Hintergrund der 
gesetzlichen Legitimationsbestimmungen eine kaum zu rechtfertigen-
de Öffnung des Beschwerderechts zur Folge, wenn jeder Milchprodu-
zent als sekundärer Verfügungsadressat gegen jede Mehrmengenbe-
willigung zugunsten der verschiedenen Produzenten- bzw. Produzen-
ten-Verwerter-Organisationen Beschwerde erheben könnte, nur weil er 
von  allfälligen  Auswirkungen  auf  dem  Milchmarkt  mitbetroffen  sein 
könnte.  Eine  solche  Ausdehnung  des  Beschwerderechts  liesse  sich 
nicht mit dem vom Gesetzgeber angestrebten Ausschluss der Popular-
beschwerde vereinbaren (vgl. hinten E. 4.2). 

Soweit  der  Beschwerdeführer  1 noch  eine  Beschwerdebefugnis  aus 
der Behauptung herleitet,  dass der Steuerzahler einen Anspruch auf 
eine korrekte Anwendung der Gesetze und Verordnungen habe, zielt 
er sinngemäss darauf ab, die Interesse der Allgemeinheit und nicht die 
eigenen  Interessen  zu  wahren.  Von  einem  besonderen  Berührtsein 
kann somit auch in diesem Fall keine Rede sein.

Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass dem Beschwer-
deführer 1 allein dadurch, dass die angefochtenen Verfügungen zu ei-
ner Senkung des Milchpreises beitragen könnten, eine besondere be-
achtenswerte  nahe Beziehung zur  Streitsache  bzw. ein schutzwürdi-
ges Interesse nicht zuerkannt werden kann. 

4.4.4 Der Beschwerdeführer 1 bringt vor, die angefochtenen Verfügun-
gen  seien  in  Verletzung  der  Bestimmungen  der  Milch-
kontingentierungsverordnung (namentlich Art. 10a MKV) ergangen und 
leitet daraus sinngemäss ebenfalls seine Beschwerdeberechtigung ab. 
Insbesondere seien keine Versammlungen mit den interessierten Pro-
duzenten durchgeführt worden, und die Bewilligungen seien ohne Ein-

Seite 15

B-77/2009

holung  der  erforderlichen  Zweidrittel-Mehrheit  der  Produzenten-
stimmen erteilt worden bzw. stützten sich auf verordnungswidrige Aus-
stiegsreglemente.

Nachdem auf die Beschwerde mangels eines schutzwürdigen Interes-
ses nicht eingetreten werden kann, erübrigt sich, auf diese Rüge nä-
her einzugehen. Immerhin darf erwähnt sein, dass die angefochtenen 
Verfügungen in Anwendung von Art. 12 und 20 VAMK und nicht in An-
wendung  von  Art.  10a  MKV  betreffend  Kontingentsanpassung  für 
Branchenorganisationen ergingen. 

4.4.5 Schliesslich  erscheint  zweifelhaft,  ob  der  Beschwerdeführer  1 
noch ein aktuelles und praktisches Interesse an der Überprüfung der 
angefochtenen Verfügungen hätte. 

Vom aktuellen Interesse wird  gesprochen,  wenn der  durch den Ent-
scheid  erlittene  Nachteil  im Zeitpunkt  des  Entscheids  noch  besteht. 
Praktisch ist das Interesse, wenn dieser Nachteil bei Gutheissung der 
Beschwerde beseitigt würde (HÄNER, a. a. O., Art. 48 N 21; MARANTELLI-
SONANINI/HUBER, a. a. O. Art. 48 N 15, jeweils mit weiteren Hinweisen auf 
die Rechtsprechung). 

Vorliegend ist festzuhalten, dass sämtliche angefochtenen Bewilligun-
gen bereits in Rechtskraft erwachsen sind. Selbst wenn man in der Be-
willigung der Mehrmengen einen Nachteil für den Beschwerdeführer 1 
erblicken könnte, wäre dessen schutzwürdige Interesse nicht mehr ak-
tueller Natur, da die Wirkungen der angefochtenen Verfügungen inso-
fern nicht mehr rückgängig gemacht werden können, als die bewillig-
ten Mehrmengen bereits in verschiedenen, oft kleineren Exportprojek-
ten eingesetzt worden sind (vgl. BGer, Urteil 1A.253/2005 vom 17 Feb-
ruar 2006 E. 2.1 ff. m. w. H. ). Soweit der Beschwerdeführer 1 anführt, 
er beabsichtige mit seiner Beschwerde, einen weiteren Preissturz zu 
verhindern,  kann er  diesen Zweck nicht  mehr  erreichen,  da die Ver-
wendung der bewilligten Mehrmengen bereits erfolgt ist. 

Gemäss  konstanter  Praxis  des  Bundesgerichts  kann  in  Ausnahme-
fällen vom Erfordernis des aktuellen und praktischen Interesses abge-
sehen werden, wenn sich die aufgeworfenen Fragen jeweils unter glei-
chen oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnten bzw. wenn an 
der  Beantwortung dieser  Fragen  wegen  der  grundsätzlichen  Bedeu-
tung ein  hinreichendes öffentliches  Interesse besteht,  ohne dass  im 

Seite 16

B-77/2009

Einzelfall  rechtzeitig  eine  höchstrichterliche Prüfung stattfinden kann 
(vgl. BGE 131 II 670 E. 1.2; 128 II 34 E. 1b; 126 I 250 E. 1b). 

Mit  Bezug  auf  den  vorliegenden  Fall  ist  festzuhalten,  dass  auf  den 
1. Mai  2009  die  Milchkontingentierung  aufgehoben  wurde.  Art. 36a 
Abs. 1  LwG hält  ausdrücklich  fest,  dass  die  Art.  30-36  bis  30. April 
2009 anwendbar bleiben. In Art. 23 VAMK war vorgesehen, dass die 
VAMK nur bis 30. April  2009 gilt. Mit Aufhebungsbeschluss des Bun-
desrates vom 25. Juni 2008 wurde die MKV auf den 1. Mai 2009 auf-
gehoben (AS 2008 3837). Wegen der Aufhebung der massgeblichen 
Erlasse  bzw. der  Milchkontingentierung  schlechthin  per  1. Mai  2009 
dürften sich die Rechtsfragen im Zusammenhang mit  den bewilligten 
Mehrmengen  nicht  mehr  bzw. nicht  mehr  unter  gleichen oder  ähnli-
chen Umständen stellen. Insofern dürfte auch kein hinreichendes öf-
fentliches Interesse mehr an der Beantwortung dieser Frage bestehen. 
Aus diesen Gründen liesse sich ein Verzicht auf das Erfordernis des 
aktuellen  und  praktischen  Interesses  im  Sinne  der  oben  erwähnten 
Rechtsprechung nicht rechtfertigen. 

4.5 Nach dem Gesagten ergibt  sich,  dass  dem  Beschwerdeführer  1 
die  Beschwerdebefugnis  abzusprechen  und  auf  seine  im  eigenen 
Namen erhobene Beschwerde nicht einzutreten ist.

5.
Die im Namen des Vereins Y._______ erhobene Beschwerde (im Sinne 
der  egoistischen  Verbandsbeschwerde,  vgl.  hiezu  E. 4)  erweist  sich 
aus den gleichen Gründen ebenfalls als unzulässig. Die Beschwerde-
legitimation des Beschwerdeführers 2 scheitert in diesem Fall am Er-
fordernis, dass die Mehrheit bzw. eine Grosszahl der Verbandsmitglie-
der selbst zur Beschwerde legitimiert  wäre. Die Beschwerdebefugnis 
des Verbands ist aus den gleichen Gründen zu verneinen, wie sie für 
den Beschwerdeführer 1 gelten (vgl. hinten E. 4.4).

Da auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, muss nicht mehr über die 
Frage der Akteneinsicht bzw. die Zustellung der für den Entscheid in 
der  Hauptsache  möglicherweise  relevanten  Unterlagen  entschieden 
bzw. einen  zweiten  Schriftenwechsel  mit  Bezug  auf  die  Hauptsache 
durchgeführt werden (vgl. Verfügung vom 26. Mai 2009).

Mit dem vorliegenden Entscheid wird der Antrag, die durch die Mehr-
mengenbewilligungen  zustande  gekommenen Projekte  seien  mit  su-

Seite 17

B-77/2009

perprovisorischer  Verfügung  vorläufig  einzustellen,  gegenstandslos. 
Abgesehen von der fehlenden Durchsetzungsmöglichkeit hätte dieser 
Antrag bereits wegen der fehlenden Beschwerdelegitimation ohnehin 
nicht gutgeheissen werden können. 

6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind  den Beschwerdeführern die 
Kosten des Verfahrens aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. 
des Reglementes vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht,  VGKE, SR 173.320.2). 
Die  Verfahrenskosten  belaufen  sich  auf  Fr. 800.-  und  sind  mit  dem 
geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  zu  verrechnen.  Die 
Beschwerdeführer  haben keinen  Anspruch  auf  Parteientschädigung 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VKGE). Dem Bundesamt steht kein 
Anspruch auf Parteientschädigung zu (Art. 7 Abs. 3 VGKE). 

7.
Dieser Entscheid kann nicht mit  Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden. Er ist 
endgültig  (Art. 83  Bst. s  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110];  Art.  83  lit.  s  Ziff.  1  BGG erfasst 
sämtliche Entscheide, welche die Milchkontingentierung betreffen und 
schliesst  Entscheide  im  Zusammenhang  mit  dem  Ausstieg  aus  der 
Milchkontingentierung mit ein; hiezu WALDMANN, a. a. O., Art. 83 BGG N 
290).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

Seite 18

B-77/2009

1.
Auf die Beschwerde vom 3. Januar bzw. 31. Januar 2009 wird nicht 
eingetreten.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 800.-  werden  den  Beschwerdeführern 
auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher 
Höhe verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführer (Einschreiben; Akten zurück);
- die Vorinstanz (Einschreiben; Akten zurück);
- das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement, Bundeshaus Ost, 

3003 Bern (Einschreiben).

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Francesco Brentani Corrado Bergomi

Versand: 1. Juli 2009

Seite 19