# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33ff38cc-b1ff-59df-ae2f-ab2f2d1540ab
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-01-26
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 26.01.2015 RR.2014.283
**Docket/Reference:** RR.2014.283
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2014-283_2015-01-26

## Full Text

Auslieferung an die Ukraine. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG). Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG). Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG).;;Auslieferung an die Ukraine. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG). Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG). Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG).;;Auslieferung an die Ukraine. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG). Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG). Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG).;;Auslieferung an die Ukraine. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG). Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG). Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG).

Entscheid vom 26. Januar 2015 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Roy Garré und Nathalie Zufferey Franciolli,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwältin Petra Camathias,  

 

Beschwerdeführerin / Antragsgegnerin 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung,  

 

Beschwerdegegner / Antragsteller 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an die Ukraine 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); 

Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG); 

Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummern: RR.2014.283,  

RR.2014.309 und RP.2014.79 

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden ermitteln u. a. gegen die ukrai-

nische Staatsangehörige A. wegen des Verdachts des qualifizierten Be-

trugs, der qualifizierten Geldwäscherei, des Amtsmissbrauchs und der Ur-

kundenfälschung im Amt gemäss den Artikeln 190 Abs. 4, 209 Abs. 3, 364 

Abs. 2, 28 Abs. 3 und 366 Abs. 2 des ukrainischen Strafgesetzbuches. Am 

12. Dezember 2011 schrieb das Stadt- und Bezirksgericht Stryi A. zur 

Fahndung aus (vgl. hierzu RR.2014.283, act. 1.1). 

 

 

B. Am 4. September 2013 übermittelte das Justizministerium der Ukraine dem 

BJ das Ersuchen des Stadt- und Bezirksgerichts Stryi vom 2. August 2013, 

mit welchem dieses die Auslieferung von A. zwecks Durchführung des 

Strafverfahrens verlangt (RR.2014.283, act. 1.1). Mit Schreiben vom 

25. September 2013 (RR.2014.283, act. 1.2) bzw. vom 3. Oktober 2013 

(RR.2014.283, act. 1.3) ersuchte das BJ diesbezüglich das Justizministeri-

um der Ukraine um ausdrückliche Abgabe einer Reihe von Garantien. Die 

Beantwortung der beiden Ersuchen erfolgte mit Schreiben vom 31. Okto-

ber 2013 (RR.2014.283, act. 1.4). Nachdem A. Vorladungen zu einer Ein-

vernahme keine Folge geleistet hatte, erliess das BJ ihr gegenüber am 

31. Januar 2014 einen Auslieferungshaftbefehl (RR.2014.283, act. 1.10). 

Nach ihrer Verhaftung wurde A. am 11. Februar 2014 zum Auslieferungs-

ersuchen befragt. Sie erklärte hierbei, mit einer vereinfachten Auslieferung 

nicht einverstanden zu sein (RR.2014.283, act. 1.14). Am 20. Februar 2014 

wurde A. unter einer Reihe von Ersatzmassnahmen provisorisch aus der 

Auslieferungshaft entlassen (RR.2014.283, act. 1.16 – 1.18). Mit Eingabe 

vom 31. März 2014 nahm A. zum Auslieferungsersuchen Stellung. Sie be-

antragte hierbei, sie sei nicht an die Ukraine auszuliefern. Zur Begründung 

machte sie u. a. geltend, die gegen sie gerichtete Strafverfolgung sei poli-

tisch motiviert (RR.2014.283, act. 1.20). Nachdem das Eidgenössische De-

partement für auswärtige Angelegenheiten (nachfolgend «EDA») gegen-

über dem BJ am 14. Juli 2014 eine Einschätzung betreffend Auslieferungen 

in die Ukraine abgegeben hatte (RR.2014.283, act. 1.22), erhielt A. die Ge-

legenheit zur diesbezüglichen Stellungnahme, welche sie mit Eingabe vom 

15. August 2014 wahrnahm (RR.2014.283, act. 1.24). Auf entsprechende 

Kritik von A. hin, wonach eine der von der Ukraine abgegebenen Garantien 

fälschlicherweise den Art. 16 anstelle des Art. 26 des Internationalen Pakts 

vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt 

II; SR 0.103.2) betraf, ersuchte das BJ das Justizministerium der Ukraine 

am 10. Oktober 2014, den Wortlaut der abgegebenen Garantie zu korrigie-

- 3 - 

 

 

ren (RR.2014.283, act. 1.25). Die entsprechende Korrektur erfolgte am 

15. Oktober 2014 (RR.2014.283, act. 1.26). Mit Entscheid vom 21. Okto-

ber 2014 bewilligte das BJ die Auslieferung von A. für die dem Ausliefe-

rungsersuchen des Justizministeriums der Ukraine vom 4. Septem-

ber 2013, ergänzt am 31. Oktober 2013 und am 15. Oktober 2014, zugrun-

de liegenden Straftaten. Diese Bewilligung erfolgte unter Vorbehalt des 

Entscheides des Bundesstrafgerichts über die Einrede des politischen De-

likts sowie eines rechtskräftigen, ablehnenden Asylentscheids 

(RR.2014.283, act. 1.0).  

 

 

C. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2014 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts beantragt das BJ die Ablehnung der Einsprache des politi-

schen Delikts (RR.2014.283, act. 1). A. nahm hierzu mit Eingabe vom 

24. November 2014 Stellung (RR.2014.283, act. 5). Das BJ verzichtet 

diesbezüglich mit Schreiben vom 3. Dezember 2014 auf eine Replik 

(RR.2014.283, act. 7), was A. am 10. Dezember 2014 zur Kenntnis ge-

bracht wurde (RR.2014.283, act. 9).  

 

 

D. Mit ihrer gegen den Auslieferungsentscheid des BJ gerichteten Beschwer-

de vom 24. November 2014 (RR.2014.309, act. 1) beantragt A.: 

 

1. Der Entscheid des BJ vom 21. Oktober 2014 sei aufzuheben. 

2. unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des BJ. 

3. Es sei A. die unentgeltliche Rechtsbeistandschaft sowie unentgeltliche Prozessführung zu 

gewähren. 

 

Das BJ verzichtet mit Schreiben vom 3. Dezember 2014 auf eine Be-

schwerdeantwort und hält vollumfänglich an seinem Auslieferungsent-

scheid fest (RR.2014.309, act. 5), was A. am 10. Dezember 2014 zur 

Kenntnis gebracht wurde (RR.2014.309, act. 7).  

 

 

E. Nachdem A. gegen den ablehnenden, erstinstanzlichen Asylentscheid vom 

13. Juni 2013 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben hatte, 

ersuchte die Beschwerdekammer dieses gestützt auf Art. 55a IRSG um 

Zustellung der Akten des entsprechenden Beschwerdeverfahrens 

(RR.2014.309, act. 4). A. und das BJ wurden diesbezüglich sowie über den 

Eingang der entsprechenden Akten in Kenntnis gesetzt (RR.2014.309, 

act. 4, 7 und 8). 

 

- 4 - 

 

 

 

F. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2014 ergänzte A. ihr Gesuch um unentgeltli-

che Rechtspflege mit dem entsprechenden Gesuchsformular (RP.2014.79, 

act. 3). 

 

 

G. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-

weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und der Ukraine sind 

primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-

ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1) sowie die beiden hierzu ergangenen Zusatz-

protokolle vom 15. Oktober 1975 (ZPI EAUe; SR 0.353.11) bzw. vom 

17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12), welchen beide Staaten beigetre-

ten sind, massgebend. 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des 

ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bun-

desgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und 

die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in 

Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11). Das innerstaatli-

che Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwen-

dung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt 

(BGE 140 IV 123 E. 2 S. 126; 137 IV 33 E. 2.2.2 S. 40 f.; 136 IV 82 E. 3.1; 

jeweils m.w.H.). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte 

(BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c S. 617; TPF 2008 24 E. 1.1 

S. 26). Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegen-

heiten sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. De-

zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensge-

setz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 

Abs. 2 lit. a StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe 

Art. 12 Abs. 1 IRSG). 

 

http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595

- 5 - 

 

 

 

2.  

2.1 Über ausländische Auslieferungsersuchen entscheidet das BJ (vgl. Art. 55 

Abs. 1 IRSG). Macht der Verfolgte geltend, er werde eines politischen De-

likts bezichtigt, oder ergeben sich bei der Instruktion ernsthafte Gründe für 

den politischen Charakter der Tat, so entscheidet die Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts darüber auf Antrag des BJ und nach Einholung ei-

ner Stellungnahme des Verfolgten (Art. 55 Abs. 2 IRSG; BGE 130 II 337 

E. 1.1.1 S. 339; 128 II 355 E. 1.1.1 S. 357 f.; TPF 2008 24 E. 1.2). Das Ver-

fahren der Beschwerde nach Art. 25 IRSG ist dabei sinngemäss anwend-

bar (Art. 55 Abs. 3 IRSG). Die Beschwerdekammer hat nur über die Einre-

de des politischen Delikts in erster Instanz zu befinden und dem BJ den 

Entscheid über die übrigen Auslieferungsvoraussetzungen zu überlassen 

(BGE 130 II 337 E. 1.1.2; 128 II 355 E. 1.1.3-1.1.4 S. 358 f.; TPF 2008 24 

E. 1.2 m.w.H.). Gegen diesen Entscheid kann innerhalb von 30 Tagen nach 

dessen Eröffnung bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; 

Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Frist beginnt an dem auf ihre Mitteilung folgen-

den Tage zu laufen (Art. 20 Abs. 1 VwVG). 

 

2.2 Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen des Auslieferungsverfahrens gel-

tend gemacht, sie werde aus politischen Gründen strafrechtlich verfolgt 

(vgl. RR.2014.283, act. 1.20, Rz. 26 ff.). Mit Entscheid vom 21. Okto-

ber 2014 bewilligte das BJ die Auslieferung der Beschwerdeführerin unter 

Vorbehalt des Entscheides der Beschwerdekammer über die Einsprache 

des politischen Delikts sowie eines rechtskräftigen, ablehnenden Asylent-

scheides (RR.2014.283, act. 1.0) und beantragte der Beschwerdekammer 

mit Eingabe vom selben Tag, die Einsprache des politischen Delikts abzu-

lehnen (RR.2014.283, act. 1). Die diesbezügliche Stellungnahme der Be-

schwerdeführerin im Sinne von Art. 55 Abs. 2 IRSG liegt vor (RR.2014.283, 

act. 5). 

 

Der Auslieferungsentscheid selbst wurde der Beschwerdeführerin am 

23. Oktober 2014 eröffnet (vgl. RR.2014.309, act. 1.2). Ihre am 24. No-

vember 2014 hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als fristgerecht. 

Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen An-

lass, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 

 

2.3 Da im Verfahren betreffend Einrede des politischen Delikts (RR.2014.283) 

und im Beschwerdeverfahren (RR.2014.309) inhaltlich konnexe ausliefe-

rungsrechtliche Fragen zu klären sind, rechtfertigt sich eine gemeinsame 

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Behandlung im Rahmen des vorliegenden Entscheides und eine Vereini-

gung der beiden Verfahren. 

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen grund-

sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch 

nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 

(BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; TPF 2011 97 E. 5; Entscheide des 

Bundesstrafgerichts RR.2014.252 vom 20. November 2014, E. 3; 

RR.2014.49 vom 29. April 2014, E. 3). 

 

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 1 EAUe sind die Vertragsparteien grundsätzlich verpflichtet, 

einander Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersu-

chenden Staates wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur Voll-

streckung einer Strafe oder einer sichernden Massnahme verfolgt werden. 

Auszuliefern ist wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des ersu-

chenden als auch nach demjenigen des ersuchten Staates mit einer Frei-

heitsstrafe (oder die Freiheit beschränkenden sichernden Massnahme) im 

Höchstmass von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe 

bedroht sind (Art. 2 Ziff. 1 EAUe; vgl. auch Art. 35 Abs. 1 IRSG). Die Aus-

lieferung wird nicht bewilligt, wenn nach den Rechtsvorschriften des ersu-

chenden oder des ersuchten Staates die Strafverfolgung oder Strafvollstre-

ckung verjährt ist (Art. 10 EAUe; Art. 5 Abs. 1 lit. c IRSG). 

 

4.2 Unter dem Gesichtspunkt des hier massgebenden Art. 12 EAUe reicht es in 

der Regel aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen sowie in dessen 

Ergänzungen und Beilagen es den schweizerischen Behörden ermöglichen 

zu prüfen, ob ausreichende Anhaltspunkte für eine auslieferungsfähige 

Straftat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. für welche 

mutmasslichen Delikte dem Begehren allenfalls zu entsprechen ist. Der 

Rechtshilferichter muss namentlich prüfen können, ob ein politisches Delikt 

vorliegt und ob die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt ist. 

Es kann hingegen nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die 

Tatvorwürfe bereits abschliessend mit Beweisen belegt. Der Rechtshilfe-

richter hat weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch 

keine Beweiswürdigung vorzunehmen. Er ist vielmehr an die Sachverhalts-

darstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche 

Fehler, Lücken oder Widersprüche entkräftet wird (BGE 133 IV 76 E. 2.2 

m.w.H.; TPF 2012 114 E. 7.3 m.w.H.) 

- 7 - 

 

 

 

4.3  

4.3.1 Gemäss der Schilderung der zu untersuchenden Taten im Auslieferungser-

suchen haben sich der Privatunternehmer B., der Leiter der Pfandabteilung 

der Filiale der Bank C. in Lviv, D., und die Beschwerdeführerin zu einer 

verbrecherischen Gruppe zusammengeschlossen. Durch gemeinsame 

Planung und arbeitsteilige Vorgehensweise habe diese Gruppe zur persön-

lichen Bereicherung die Bank C. um insgesamt UAH 1'132'450 betrogen 

und die betrügerisch erworbenen Vermögenswerte anschliessend durch 

verschiedene Transaktionen wieder legalisiert.  

 

Im Einzelnen soll B. im Zeitraum ab Ende März 2007 bis Februar 2008 

nach Immobilien gesucht haben, welche als Pfandobjekte für Kreditverträge 

dienen sollten. Weiter habe er Leute in finanzieller Notlage dazu bewogen, 

bei der Bank C. zum Erwerb dieser Immobilien Hypothekarkredite aufzu-

nehmen. Zu Handen der Bank habe B. weiter für die Kreditnehmer ge-

fälschte Einkommensbescheinigungen erstellt. D. als Vertreter der Bank C. 

seinerseits habe zur Bewertung der fraglichen Immobilien falsche Exper-

tengutachten erstellen lassen und gestützt auf diese gefälschten Unterla-

gen auf den Abschluss von Hypothekarkreditverträgen zwischen den jewei-

ligen Kreditnehmern und der Bank C. hingewirkt. Die Beschwerdeführerin 

als Privatnotarin habe diese Hypothekarverträge notariell beurkundet und 

gestützt darauf die entsprechenden Eintragungen im Grundbuch bzw. dem 

Grundpfandregister veranlasst. In einem Fall soll die Kreditnehmerin den so 

erhaltenen Betrag B. übergeben haben, welchen dieser auf die Mitglieder 

der Gruppe verteilt habe. In den anderen Fällen habe D. in der Folge fal-

sche Mitteilungen der Bank C. über die Erfüllung der Schuldverpflichtungen 

aus diesen Hypothekarverträgen durch die Kreditnehmer erstellt und diese 

der Beschwerdeführerin übergeben. Diese habe anschliessend in ihrer Rol-

le als Notarin gestützt auf die gefälschten Unterlagen die Löschung der 

Grundpfandschulden aus dem entsprechenden Register veranlasst. Die 

Kreditnehmer hätten in der Folge die Immobilien weiter veräussert und die 

erzielten Verkaufserlöse an die Gruppe um B. ausgehändigt.  

 

4.3.2 Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, es fehle dem Ersu-

chen an einer Schilderung hinreichender Verdachtsmomente 

(RR.2014.309, act. 1, Rz. 30 ff.). So sei beispielsweise nirgends genau be-

nannt worden, wie und wann und in welchem Umfang sie sich bereichert 

haben solle. Sie kritisiert zudem, dass die jeweiligen Kreditnehmer nicht als 

Mittäter oder Gehilfen bezeichnet würden, und macht sinngemäss geltend, 

sie sei von B. und D. lediglich benutzt worden. Die Beschwerdeführerin be-

schränkt sich dabei auf eine Wiederholung ihrer bereits im erstinstanzlichen 

- 8 - 

 

 

Verfahren geltend gemachten Standpunkte (siehe hierzu RR.2014.283, 

act. 1.20, Rz. 21 ff.) und setzt sich kaum mit den Erwägungen im angefoch-

tenen Entscheid auseinander.  

 

4.3.3 Die Darstellung des zu untersuchenden Sachverhalts im Auslieferungser-

suchen ist sehr ausführlich und wird nicht durch offensichtliche Fehler, Lü-

cken oder Widersprüche entkräftet. Nach schweizerischem Recht kann der 

geschilderte Sachverhalt ohne Weiteres unter die Tatbestände des Betrugs 

gemäss Art. 146 StGB und der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 StGB 

subsumiert werden. Hinsichtlich der genannten Vorbringen der  Beschwer-

deführerin erweist sich als entscheidend, dass im Ersuchen klar ausgeführt 

wird, die ukrainischen Behörden gingen davon aus, die Beschwerdeführerin 

sei in die betrügerischen Machenschaften eingeweiht gewesen und habe 

als Mittäterin finanziell an den verbrecherischen Erlösen partizipiert. Dass 

die genaue Höhe des mutmasslichen Anteils der Beschwerdeführerin nicht 

genannt wird, den Untersuchungsbehörden im Einzelnen allenfalls auch 

noch nicht bekannt ist, stellt keine die Darstellung des Sachverhalts ent-

kräftende Lücke dar. Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend 

macht, sie sei von B. und D. lediglich benutzt worden und habe ohne Vor-

satz mitgewirkt, beruft sie sich auf Tat- und Schuldfragen, welche im Aus-

lieferungsverfahren nicht zu prüfen sind. Die Beschwerde erweist sich in 

diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

5.  

5.1 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im 

Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem Er-

suchen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, 

dass das ausländische Verfahren den Grundsätzen der Konvention vom 

4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 

(EMRK; SR 0.101) oder des UNO-Paktes II nicht entspricht oder andere 

schwere Mängel aufweist (Art. 2 lit. a und d IRSG). Der im ausländischen 

Strafverfahren Beschuldigte muss hierbei glaubhaft machen, dass er objek-

tiv und ernsthaft eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte im 

ersuchenden Staat zu befürchten hat (BGE 130 II 217 E. 8.1 in fine m.w.H.; 

TPF 2010 56 E. 6.3.2 S. 62 f.; Entscheid des Bundesstrafgerichts 

RR.2014.102 vom 3. Juni 2014, E. 8.2).  

 

Gemäss der Rechtsprechung gibt es Fälle, in denen zwar ernsthafte Grün-

de für die Annahme bestehen, dass der Verfolgte im ersuchenden Staat ei-

ner menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt sein könnte, dieses 

Risiko aber mittels diplomatischer Garantien behoben oder jedenfalls auf 

- 9 - 

 

 

ein so geringes Mass herabgesetzt werden kann, dass es als nur noch the-

oretisch erscheint, so dass dem Auslieferungsersuchen, unter Auflagen, 

dennoch stattgegeben werden kann (vgl. zum Ganzen ausführlich den Ent-

scheid des Bundesstrafgerichts RR.2013.258 vom 6. Juni 2014, E. 10.3 

m.w.H.). Eine gänzliche Verweigerung der Auslieferung rechtfertigt sich nur 

ausnahmsweise, wenn das Risiko einer menschenrechtswidrigen Behand-

lung auch mit diplomatischen Zusicherungen nicht auf ein Mass herabge-

setzt werden kann, dass es als nur noch theoretisch erscheint (BGE 134 IV 

156 E. 6.7 S. 169 f.; TPF 2012 144 E. 5.1.3). 

 

5.2 Die Schweiz hat schon mehrfach Auslieferungen an die Ukraine unter Ein-

holung diplomatischer Garantien bewilligt (siehe die Urteile des Bundesge-

richts 1C_777/2013 vom 4. November 2013; 1C_471/2008 vom 28. No-

vember 2006 und die Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2013.112 

vom 12. September 2013; RR.2008.180 vom 2. Oktober 2008; 

RR.2008.146 vom 18. Juli 2008; RR.2008.47 vom 30. April 2008; 

RR.2007.99 vom 10. September 2007). Dementsprechend hat der Be-

schwerdegegner auch im vorliegenden Fall das Justizministerium der Ukra-

ine um Abgabe einer Reihe von Garantien ersucht. 

 

5.3 Die Beschwerdeführerin kritisiert diesbezüglich einerseits, die Ukraine habe 

nicht alle der vom Beschwerdegegner verlangten Garantieerklärungen ab-

gegeben (RR.2014.309, act. 1, Rz. 47 ff.). Weiter macht sie geltend, die 

abgegebenen Garantien würden die für sie bestehende Gefahr von schwe-

ren Menschenrechtsverletzungen nicht beseitigen (RR.2014.309, act. 1, 

Rz. 51 ff.). 

 

5.4 Soweit die Beschwerdeführerin generell die Wirksamkeit der abgegebenen 

diplomatischen Garantien in Frage stellt (RR.2014.309, act. 1, Rz. 51 ff.), 

ist ihr entgegen zu halten, dass sich dieses Vorgehen im Auslieferungsver-

kehr mit der Ukraine bisher grundsätzlich bewährt hat (vgl. auch die Dar-

stellung des Beschwerdegegners im angefochtenen Entscheid; 

RR.2014.283, act. 1.0, Ziff. II.7.2). 

 

5.5 Mit Schreiben vom 25. September 2013 (RR.2014.283, act. 1.2) ersuchte 

der Beschwerdegegner das Justizministerium der Ukraine u. a. um Abgabe 

der folgenden Garantie: «D. La personne extradée ne sera soumise à 

aucun traitement portant atteinte à son intégrité physique et psychique 

(CEDH et art. 7, 10 et 17 Pacte ONU II). La situation de la personne extra-

dée ne pourra pas être aggravée lors de sa détention en vue du jugement 

ou de l'exécution de la peine ou de l'exécution de la peine, en raison de 

considérations fondées sur des opinions ou ses activités politiques, son 

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appartenance à un groupe social déterminé, sa race, sa religion ou sa na-

tionalité.» In der deutschen Übersetzung der diesbezüglichen Antwort des 

Stadt- und Bezirksgerichts Stryi findet sich die folgende Erklärung 

(RR.2014.283, act. 1.4; siehe auch a.a.O., act. 1.26): «Frau A. wird keiner 

Strafordnung unterzogen sein, die ihre körperliche oder psychologische 

Unversehrtheit beeinträchtigen kann (CEDH Art. 7, 11 und 17 des Paktes 

der UNO 11). Die Lage von Frau A. wird nicht verschlimmert sein und wird 

sich während ihrer Inhaftierung bis zur Gerichtsverhandlung oder Strafvoll-

streckung, nach dem Grund ihrer politischen Tätigkeit, Angehörigkeit zur 

bestimmten sozialen Gruppe, Rasse, Religion und Nationalität nicht ver-

schlimmern.» 

 

Im Rahmen ihrer Beschwerde bringt die Beschwerdeführerin diesbezüglich 

erstmals vor, Art. 10 UNO-Pakt II sei nicht eingeräumt worden. Die Aufrei-

hung der Gesetzesartikel sei zudem verwirrend und es bleibe unklar, ob 

sich diese Aussage auf die EMRK oder auf den UNO-Pakt II beziehe 

(RR.2014.309, act. 1, Rz. 47). Tatsächlich wird in der deutschen Überset-

zung der Garantieerklärung Art. 11 und nicht der Art. 10 UNO-Pakt II er-

wähnt. Der Originalversion kann aber ebenso klar entnommen werden, 

dass dort die Art. 7, 10 und 17 UNO-Pakt II aufgelistet werden 

(RR.2014.283, act. 1.4). Es handelt sich hier also lediglich um einen offen-

sichtlichen Schreibfehler der Übersetzerin (vgl. hierzu einen ähnlichen Fall 

im Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2008.59 vom 19. Juni 2008, 

E. 4.2). Entscheidend ist diesbezüglich ohnehin, dass die verlangte Garan-

tie von den Behörden des ersuchenden Staates inhaltlich ausdrücklich wie-

dergegeben worden ist, so dass der erwähnte Fehler in der Übersetzung 

vorliegend nicht von Bedeutung ist. Aufgrund der zwischen den Behörden 

geführten Korrespondenz ergibt sich im Übrigen auch mit hinreichender 

Klarheit, dass sich die ausdrücklich genannten Artikel auf den UNO-Pakt II 

beziehen. Die diesbezügliche Kritik der Beschwerdeführerin erweist sich als 

unbegründet. 

 

5.6  

5.6.1 Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin, dass die am 3. Oktober 2013 

verlangte Garantie, wonach sie eine allfällige Untersuchungshaft bzw. ei-

nen allfälligen Strafvollzug innerhalb eines Radius von maximal 200 Kilo-

metern Entfernung von der Hauptstadt Kiew zu absolvieren habe, von den 

ukrainischen Behörden nicht gewährt worden sei bzw. dass die entspre-

chende Erklärung nur in englischer Sprache vorliege (RR.2014.309, act.1, 

Rz. 47). 

 

- 11 - 

 

 

Die entsprechende Rüge hat die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen 

ihrer Stellungnahme vom 31. März 2014 vorgebracht (RR.2014.283, 

act. 1.20, Rz. 34). Am 17. Juli 2014 wurde der Beschwerdeführerin vom BJ 

diesbezüglich mitgeteilt, das EDA komme in einer vertraulichen Stellung-

nahme vom 14. Juli 2014 zusammengefasst sinngemäss zum Schluss, 

dass Auslieferungen an die Ukraine, namentlich in die Region Lviv, in Ver-

bindung mit entsprechenden Garantien weiterhin möglich seien, sofern eine 

politisch motivierte Strafverfolgung ausgeschlossen werden könne. Zudem 

sei sicherzustellen, dass die verfolgten Personen im Westen des Landes in 

Haft gehalten würden (RR.2014.283, act. 1.23). Die Beschwerdeführerin 

nahm diesbezüglich am 15. August 2014 Stellung und beharrte auf der Ab-

gabe der Garantie, wonach sie innerhalb eines Radius von 200 Kilometern 

Entfernung von Kiew in Untersuchungshaft bzw. in den Strafvollzug zu set-

zen sei (RR.2014.283, act. 1.24). Das BJ verzichtete aber darauf, auf die 

Abgabe dieser Garantie zu beharren (RR.2014.283, act. 1.25) bzw. führte 

diesbezüglich im angefochtenen Entscheid sinngemäss aus, dass es die in 

englischer Sprache gehaltene Erklärung des Justizministeriums der Ukrai-

ne als genügend erachte. Weiter fügte es an, diese Zusicherung sei ver-

langt worden, um namentlich das Monitoring durch die schweizerischen 

Behördenvertreter effizienter ausüben zu können (RR.2014.283, act. 1.0, 

Ziff II.7.2). 

 

5.6.2 Gemäss Art. 23 EAUe sind die beizubringenden Unterlagen in der Sprache 

des ersuchenden Staates oder des ersuchten Staates abzufassen. Dieser 

kann eine Übersetzung in eine von ihm gewählte offizielle Sprache des Eu-

roparats verlangen. Gestützt auf den zu diesem Artikel angebrachten Vor-

behalt verlangt die Schweiz in regelmässiger Praxis eine Übersetzung in 

deutscher, französischer oder italienischer Sprache. Übersetzungen müs-

sen amtlich als richtig bescheinigt sein (Art. 28 Abs. 5 IRSG). Das Erfor-

dernis der Übersetzung in eine der drei genannten Amtssprachen betrifft 

auch Garantieerklärungen (vgl. den Entscheid des Bundesstrafgerichts 

RR.2008.54 vom 13. Mai 2008, E. 4.3 bis 4.5).  

 

5.6.3 Am 3. Oktober 2013 wurden die ukrainischen Behörden, über das bereits 

am 25. September 2013 verfasste Schreiben hinausgehend, ersucht, fol-

gende Garantie abzugeben (RR.2014.283, act. 1.3): «L'Ukraine garantit 

que la personne extradée sera détenue, tant lors de la détention provisoire 

que lors de l'exécution de la peine, dans un centre de détention proche de 

la capitale, c'est-à-dire à une distance maximale de 200 km de Kiev.» Die 

in die deutsche Sprache übersetzte Erklärung des Stadt- und Bezirksge-

richts Stryi geht darauf nicht ein. Im diesbezüglichen Begleitschreiben des 

Justizministeriums der Ukraine vom 31. Oktober 2013 wird demgegenüber 

- 12 - 

 

 

ausgeführt (RR.2014.283, act. 1.4): «Moreover, The Ministry of Justice of 

Ukraine will inform the State Penitentiary Service of Ukraine that during the 

determination of the penitentiary facility where Ms. A. will serve the sen-

tence it shall be taken into account the necessity of the location of the facili-

ty at distance not longer than 200 kilometers from Kyiv.» 

 

5.6.4 Diese Erklärung ist gegenüber der ursprünglich verlangten Garantie inhalt-

lich weniger weitgehend, weil sie sich auf den Strafvollzug beschränkt und 

die Untersuchungshaft nicht mitumfasst. Darüber hinaus beinhaltet sie 

auch keine ausdrückliche Garantie, sondern ist relativierend formuliert. Das 

BJ hat diesbezüglich aber trotz Kritik der Beschwerdeführerin nicht insis-

tiert. Aufgrund der zeitlichen Abfolge bleibt unklar, ob das BJ aufgrund der 

zwischenzeitlich eingetroffenen Stellungnahme des EDA und der konklu-

denten Annahme, die Beschwerdeführerin würde wahrscheinlich in der Re-

gion Lviv und damit ohnehin im Westen des Landes inhaftiert, auf die Ab-

gabe der entsprechenden Garantie verzichtet hat. Sofern das BJ im ange-

fochtenen Entscheid ausführt, diese Zusicherung sei primär zur Erleichte-

rung des Monitorings durch die schweizerischen Behörden eingeholt wor-

den, müssen aber auch die persönliche Sicherheit und die Interessen der 

Beschwerdeführerin mitberücksichtigt werden. Diesbezüglich mahnt das 

EDA in seiner Stellungnahme vom 14. Juli 2014 ausdrücklich, es sei si-

cherzustellen, dass die verfolgten Personen im Westen des Landes in Haft 

gehalten würden. Dieser Inhalt der Stellungnahme wurde auch der Be-

schwerdeführerin zur Kenntnis gebracht und ist angesichts der aktuellen 

kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine nachvollzieh-

bar. Die das Strafverfahren gegen die Beschwerdeführerin leitende Behör-

de hat ihren Sitz in der Region Lviv, mithin nahe der westlichen Grenze des 

Landes und befindet sich daher weit weg von den derzeit umkämpften Ge-

bieten, aber auch in einer Entfernung von über 500 Kilometern von Kiew. 

Praktikabilitätsüberlegungen drängen auf, dass zumindest eine allfällige 

Untersuchungshaft in der Nähe des Ortes der zuständigen Strafbehörde 

absolviert wird, andernfalls Einvernahmen der Beschwerdeführerin bzw. die 

Teilnahme der Beschwerdeführerin an anderweitigen Beweiserhebungen 

unverhältnismässige Transporte zur Folge haben könnten. Die generelle 

Sicherheitslage in der Ukraine schliesst eine Inhaftierung in der Region von 

Lviv nicht aus, verbietet aber eine Inhaftierung in den Ostprovinzen des 

Landes. Die von den ukrainischen Behörden betreffend den Ort der Inhaf-

tierung abgegebene Zusicherung ist daher nicht nur formell, sondern auch 

inhaltlich ungenügend. Andererseits schränkt die vom BJ verlangte Garan-

tie den Handlungsspielraum der ukrainischen Behörden in unverhältnis-

mässigem Masse ein und läuft auch den Interessen der Beschwerdeführe-

rin zuwider. Die Auslieferung ist daher im Sinne von Art. 80p Abs. 1 IRSG 

- 13 - 

 

 

an die folgende Auflage zu knüpfen: «L'Ukraine garantit que la personne 

extradée sera détenue, tant lors de la détention provisoire que lors de 

l'exécution de la peine, dans un centre de détention proche de la capitale, 

c'est-à-dire à une distance maximale de 200 km de Kiev, ou dans un centre 

de détention à l'ouest de cette zone.» Das BJ hat nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Entscheides den ukrainischen Behörden eine Frist von maxi-

mal 30 Tagen zur Abgabe einer entsprechenden Erklärung anzuberaumen 

(inkl. Übersetzung in einer der drei Amtssprachen deutsch, französisch  

oder italienisch). Der angefochtene Entscheid ist in diesem Sinne abzuän-

dern. 

 

 

6. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten teilweise gutzuheissen. Die Aus-

lieferung ist an die Auflage zu knüpfen, dass die ersuchende Behörde eine 

zusätzliche förmliche Garantie im Sinne der obigen Erwägungen (E. 5.6.4) 

abgibt. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen, nachdem den Akten 

keine Gründe zu entnehmen sind, welche einer Auslieferung der Be-

schwerdeführerin grundsätzlich entgegenstünden. 

 

 

7.  

7.1 Die Auslieferung wird nicht bewilligt, wenn die strafbare Handlung, derent-

wegen sie begehrt wird, vom ersuchten Staat als eine politische oder als 

eine mit einer solchen zusammenhängende strafbare Handlung angesehen 

wird (Art. 3 Ziff. 1 EAUe; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 und Art. 55 Abs. 2 IRSG). 

In der Praxis wird zwischen so genannt «absolut» politischen und «relativ» 

politischen Delikten unterschieden. «Absolut» politische Delikte stehen in 

unmittelbarem Zusammenhang mit politischen Vorgängen. Darunter fallen 

namentlich Straftaten, welche sich ausschliesslich gegen die soziale und 

politische Staatsorganisation richten, wie etwa Angriffe gegen die verfas-

sungsmässige Ordnung, Landes- oder Hochverrat. Ein «relativ» politisches 

Delikt liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn einer gemeinrechtlichen 

Straftat im konkreten Fall ein vorwiegend politischer Charakter zukommt. 

Der vorwiegend politische Charakter ergibt sich aus der politischen Natur 

der Umstände, Beweggründe und Ziele, die den Täter zum Handeln be-

stimmt haben und die in den Augen des Rechtshilferichters vorherrschend 

erscheinen. Das Delikt muss stets im Rahmen eines Kampfes um die 

Macht im Staat begangen worden sein und in einem engen Zusammen-

hang mit dem Gegenstand dieses Kampfes stehen. Darüber hinaus müs-

sen die fraglichen Rechtsgüterverletzungen in einem angemessenen Ver-

hältnis zu den angestrebten Zielen stehen, und die auf dem Spiel stehen-

den politischen Interessen müssen wichtig und legitim genug sein, um die 

- 14 - 

 

 

Tat zumindest einigermassen verständlich erscheinen zu lassen (BGE 131 

II 235 E. 3.2 S. 244 f.; 130 II 337 E. 3.2 S. 342 f.; 128 II 355 E. 4.2 S. 364 f.; 

Urteil des Bundesgerichts 1A.181/2006 vom 23. Januar 2007, E. 3.2; 

TPF 2008 24 E. 3.1 S. 27). 

 

7.2 Die Auslieferung wird ebenfalls nicht bewilligt, wenn der ersuchte Staat 

ernstliche Gründe hat zur Annahme, das gleiche Auslieferungsersuchen 

wegen einer nach gemeinem Recht strafbaren Handlung sei gestellt wor-

den, um eine Person aus rassischen, religiösen, nationalen oder auf politi-

schen Anschauungen beruhenden Erwägungen zu verfolgen oder zu be-

strafen, oder dass die verfolgte Person der Gefahr einer Erschwerung ihrer 

Lage aus einem dieser Gründe ausgesetzt wäre (Art. 3 Ziff. 2 EAUe; vgl. 

auch Art. 2 lit. b und c IRSG). Um den Schutz der Bestimmungen von Art. 3 

Ziff. 2 EAUe und Art. 2 lit. b und c IRSG beanspruchen zu können, genügt 

es nicht, dass die Person, deren Auslieferung verlangt wird, behauptet, 

aufgrund einer besonderen rechtspolitischen Lage bedroht zu sein. Sie 

muss vielmehr in glaubhafter Weise darlegen, inwiefern ernsthafte und ob-

jektive Risiken einer verbotenen Diskriminierung bestehen sowie konkret 

aufzeigen, dass die strafrechtliche Verfolgung nur vorgeschoben und in 

Wirklichkeit politisch motiviert ist (vgl. BGE 132 II 469 E. 2.4 S. 473; 129 II 

268 E. 6.3; TPF 2008 24 E. 3.1 S. 27 f.; siehe auch ZIMMERMANN, La 

coopération judiciaire internationale en matière pénale, 4. Aufl., Bern 2014, 

N. 629 m.w.H.; HEIMGARTNER, Auslieferungsrecht, Zürcher Diss., Zü-

rich/Basel/Genf 2002, S. 124). 

 

7.3 Bei der Straftat, für welche die Ukraine um Auslieferung der Beschwerde-

führerin ersucht, handelt es sich weder um ein absolut noch um ein relativ 

politisches Delikt im Sinne der oben angeführten Rechtsprechung. Derarti-

ges wird auch von der Beschwerdeführerin selbst nicht geltend gemacht. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe die Partei von Yulia Timo-

schenko finanziell unterstützt und ihre Tochter sei Parteimitglied gewesen. 

Ihre Familie sei daher zahlreichen Leuten ein Dorn im Auge gewesen. Ihre 

Tochter und sie seien einige Male Opfer von Gewalttaten gewesen. Ihr in 

der Ukraine liegendes Vermögen sei vollumfänglich beschlagnahmt. Der 

Sachverhalt habe eine gewisse politische Konnotation, die auf ihre persön-

liche Situation eine grosse Auswirkung habe. Die Auslieferung sei daher 

nicht zu bewilligen (RR.2014.283, act. 1.20, Rz. 26 ff.; RR.2014.283, act. 5, 

S. 3 ff.) 

 

7.4 Die im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nur allgemein gehaltenen und 

vagen Vorbringen der Beschwerdeführerin bilden keine ernstlichen Gründe 

zur Annahme, wonach das vorliegende Auslieferungsersuchen nur vorge-

- 15 - 

 

 

schoben worden sei, um die Beschwerdeführerin aus politischen Gründen 

zu verfolgen. Daran ändern auch die vorgelegten Medienberichte nichts, in 

welchen der Leiter der Staatsanwaltschaft der Region Lviv als korrupt be-

zeichnet werde (vgl. RR.2014.283, act. 5.1 – 5.3). Allein der (lediglich be-

hauptete) Umstand, dass dieser ein grosser Anhänger des ehemaligen 

Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch gewesen sei, führt alleine für sich 

genommen nicht zum Schluss, dass gerade die vorliegende, u. a. gegen 

die Beschwerdeführerin gerichtete Strafverfolgung lediglich vorgeschoben 

sei, um sie aus politischen Gründen zu verfolgen.  

 

7.5 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin erscheinen nach dem Gesagten 

als reine Schutzbehauptungen. Zum selben Schluss kam im Ergebnis auch 

das Bundesamt für Migration (nachfolgend «BFM») im Rahmen seines 

erstinstanzlichen Asylentscheides vom 13. Juni 2013 (RR.2014.309, 

act. 6.1). So hielt es in seinem Entscheid insbesondere fest, dass sich die 

meisten der von der Beschwerdeführerin als Beleg ihrer Verfolgung ange-

führten staatlichen Zwangsmassnahmen (Haft, Freilassung gegen Kaution, 

Beschlagnahmen) sowohl zeitlich als auch inhaltlich in das gegen die Be-

schwerdeführerin laufende Strafverfahren einbetten lassen, welches die 

Grundlage des vorliegenden Auslieferungsverfahrens bildet. Als solche 

vermögen sie keinen Beweis dafür anzubringen, dass die Strafverfolgung 

nur vorgeschoben sein soll, um die Beschwerdeführerin aus politischen 

Motiven zu verfolgen. Darüber hinausgehende, von der Beschwerdeführe-

rin angeführte Repressalien wie ein angeblicher Brandanschlag auf eines 

bzw. mehrere ihrer Grundstücke erweisen sich demgegenüber als wenig 

glaubhaft. Auch die von der Beschwerdeführerin gegen die Verfügung des 

BFM beim Bundesverwaltungsgericht eingereichte Beschwerde beinhaltet 

keinerlei zusätzliche Beweismittel, welche an der geschilderten Einschät-

zung der Beschwerdekammer Entscheidendes zu ändern vermöchten. 

 

7.6 Die Einrede des politischen Delikts ist nach dem Gesagten abzuweisen. 

 

 

8.  

8.1 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderli-

chen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, 

sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und 

bestellt dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwen-

dig ist (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 

Abs. 3 BV. Es obliegt grundsätzlich der gesuchstellenden Partei, ihre Ein-

kommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen und soweit 

als möglich zu belegen, wobei die Belege über sämtliche ihre finanziellen 

- 16 - 

 

 

Verpflichtungen sowie über ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse 

Aufschluss zu geben haben. Kommt sie dieser umfassenden Pflicht zur Of-

fenlegung ihrer finanziellen Situation nicht nach bzw. ergeben die vorgeleg-

ten Urkunden und die gemachten Angaben kein kohärentes und wider-

spruchsfreies Bild ihrer finanziellen Verhältnisse, so kann ihr Gesuch man-

gels ausreichender Substantiierung oder mangels Bedürftigkeitsnachwei-

ses abgewiesen werden (vgl. KAYSER, VwVG – Kommentar zum Bundes-

gesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 65 

VwVG N. 12 u. a. mit Hinweis auf BGE 125 IV 161 E. 4a S. 164 f.; siehe 

auch den Entscheid des Bundesstrafgerichts RP.2014.62 vom 26. Au-

gust 2014, E. 2.1). 

 

8.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie verfüge weder in der Schweiz 

noch in der Ukraine über Einkommen oder Bargeld. Sie besitze in der Ukra-

ine zwar Liegenschaften, könne hieraus aber der Beschlagnahmen wegen 

keine flüssigen Mittel lösen (RP.2014.79, act. 1, Rz. 61 f.). In einer auf ent-

sprechende Aufforderung durch die Beschwerdekammer hin erstellten 

Übersicht über ihr Eigentum finden sich drei Grundstücke mit aktuellem 

Marktwert von USD 1 bis 1.5 Mio. sowie zwei Fahrzeuge mit einem Zeit-

wert von rund Fr. 33'000.--. All diese Vermögenswerte seien jedoch be-

schlagnahmt und über andere Geldquellen verfüge sie nicht (RP.2014.79, 

act. 3.4). Gegenüber den Asylbehörden führte die Beschwerdeführerin 

demgegenüber aber auch aus, sie verfüge in der Ukraine über Konten bei 

verschiedenen Banken, welche «untersucht» worden seien (vgl. das Proto-

koll der Anhörung nach Art. 29 Abs. 1 AsylG vom 12. Januar 2012, S. 5 f.; 

RR.2014.309, act. 6.2). Dass diese Konten ebenfalls einer Beschlagnahme 

unterliegen, wurde von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. An-

dernorts führte sie zudem aus, sie habe ihrer Tochter Goldstücke überge-

ben wollen (vgl. erwähntes Protokoll, S. 19). Die Vorbringen der Beschwer-

deführerin zur Begründung ihres Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege 

vermögen angesichts ihrer Ausführungen im Asylverfahren nicht zu über-

zeugen. Insbesondere ergibt sich daraus kein widerspruchsfreies Bild ihrer 

finanziellen Lage, mithin auch kein hinreichender Nachweis einer allfälligen 

Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin. Das Gesuch ist nach dem Gesagten 

abzuweisen.  

- 17 - 

 

 

 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der zur 

Hauptsache unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Die reduzierte Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'000.-- festzuset-

zen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 

lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über 

die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren 

[BStKR; SR 173.713.162]). 

 

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdegegner die Be-

schwerdeführerin im Umfang ihres teilweisen Obsiegens für die ihr erwach-

senen notwendigen und verhältnismässig hohen Parteikosten zu entschä-

digen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG). Dabei erscheint eine Entschädigung in 

der Höhe von Fr. 500.-- als angemessen (Art. 10, 11 und 12 Abs. 2 

BStKR). 

 

 

- 18 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Verfahren RR.2014.283 und RR.2014.309 werden vereinigt.  

 

2. Die Einrede des politischen Delikts wird abgewiesen. 

 

3. Die Beschwerde wird teilweise gutzuheissen und das Dispositiv des ange-

fochtenen Entscheides wird folgendermassen ergänzt: 

 

Der vorliegende Auslieferungsentscheid erfolgt unter Vorbehalt der Abgabe 

der folgenden Garantieerklärung durch die ukrainischen Behörden: 

«L'Ukraine garantit que la personne extradée sera détenue, tant lors de la 

détention provisoire que lors de l'exécution de la peine, dans un centre de 

détention proche de la capitale, c'est-à-dire à une distance maximale de 200 

km de Kiev, ou dans un centre de détention à l'ouest de cette zone.» 

 

Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 

 

4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

5. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt. 

 

6. Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin für das Beschwerdever-

fahren mit Fr. 500.-- zu entschädigen. 

 

 

Bellinzona, 27. Januar 2015 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- 19 - 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwältin Petra Camathias  

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

- Bundesverwaltungsgericht 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).