# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e323958d-756d-526a-abd4-93af2147a0df
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-21
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 21.12.2023 100 2023 181
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2023-181_2023-12-21.pdf

## Full Text

100.2023.181U
DAM/CHS

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 21. Dezember 2023

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichter Daum, Verwaltungsrichter Stohner
Gerichtsschreiberin Minder

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt ...
Beschwerdeführer

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

sowie

Einwohnergemeinde Bern
Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei, Predigergasse 5,
3011 Bern

betreffend Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung 
(Entscheid der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern vom 31. Mai 2023; 
2023.POMGS.235)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21.12.2023, Nr. 100.2023.181U, 
Seite 2

Prozessgeschichte:

A.

A.________ (Jg. 1978), Staatsangehöriger von Algerien, hält sich seit vielen 
Jahren ohne Bewilligung in der Schweiz auf. Am 27. Mai 2022 stellte er bei 
der Einwohnergemeinde (EG) Bern, Einwohnerdienste, Migration und 
Fremdenpolizei (EMF), das Gesuch, ihm sei der Aufenthalt zu bewilligen 
(Härtefallbewilligung). Mit Verfügung vom 16. Februar 2023 verweigerte die 
EG Bern die Bewilligung und wies A.________ aus der Schweiz weg. Zudem 
setzte sie eine Ausreisefrist an.

B.

Gegen diese Verfügung erhob A.________ am 24. Februar 2023 Be-
schwerde bei der EG Bern (EMF), welche die Beschwerde an die Sicher-
heitsdirektion des Kantons Bern (SID) weiterleitete. Die SID wies die Be-
schwerde mit Entscheid vom 31. Mai 2023 ab und setzte A.________ eine 
neue Ausreisefrist auf den 12. Juli 2023.

C.

Dagegen hat A.________, nunmehr anwaltlich vertreten, am 3. Juli 2023 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Er beantragt, der angefochtene 
Entscheid sei aufzuheben und ihm sei eine Aufenthaltsbewilligung zu 
erteilen; eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Zudem stellt er ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnah-
men: Der prozedurale Aufenthalt in der Schweiz sei ihm bis zum rechtskräf-
tigen Abschluss des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu gestatten und 
es sei ein Vollzugsstopp anzuordnen.

Die SID beantragt mit Vernehmlassung vom 28. Juli 2023, die Beschwerde 
und das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen seien abzuweisen. 
Die EG Bern schliesst mit Eingabe vom 24. Juli 2023 ebenfalls auf Abwei-

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sung der Beschwerde, hat aber auf zusätzliche Bemerkungen verzichtet. 
A.________ hat am 10. August 2023 zur Vernehmlassung der SID Stellung 
genommen und an seinen Anträgen festgehalten. Die SID und die EG Bern 
haben auf weitere Ausführungen verzichtet.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte 
kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge-
nommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat 
ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 
Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten 
(Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Wird in der Schweiz ein Aufenthalt mit Erwerbstätigkeit oder ein mehr als 
dreimonatiger Aufenthalt ohne Erwerbstätigkeit beabsichtigt, so ist dafür eine 
Bewilligung erforderlich (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes vom 16. De-
zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integra-
tion [Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20]). Die Aufenthalts-
bewilligung wird für Aufenthalte mit einer Dauer von mehr als einem Jahr 
erteilt (Art. 33 Abs. 1 AIG). Sie ist befristet und kann verlängert werden, wenn 
keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen (Art. 33 Abs. 3 
AIG). Demnach besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Erteilung bzw. Ver-

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längerung einer Aufenthaltsbewilligung, es sei denn, die um eine Bewilligung 
ersuchende Person oder ihre in der Schweiz lebenden Angehörigen könnten 
sich auf eine besondere Norm des Bundesrechts (einschliesslich Bundes-
verfassungsrecht) oder eines Staatsvertrags berufen (BGE 135 II 1 E. 1.1, 
133 I 185 E. 2.3). Andernfalls entscheidet die zuständige Behörde nach 
pflichtgemässem Ermessen über die Bewilligungserteilung oder -verlänge-
rung (vgl. Art. 3, Art. 33 Abs. 3 sowie Art. 96 AIG). Das AIG unterscheidet 
demnach zwischen Bewilligungen, auf deren Erteilung ein Rechtsanspruch 
besteht (sog. Anspruchsbewilligung), und Bewilligungen, über welche die 
Behörde ermessensgeprägt entscheidet (sog. Ermessensbewilligung; 
BVR 2013 S. 73 E. 2.2, 2010 S. 481 E. 2.1).

3.

3.1 Der Beschwerdeführer beruft sich zunächst auf das Recht auf Ach-
tung des Privatlebens nach Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskon-
vention (EMRK; SR 0.101). Er halte sich seit 19 Jahren in der Schweiz auf 
und habe in dieser Zeit stabile soziale Beziehungen aufgebaut. Er fühle sich 
hier heimisch. Die hiesige Kultur sei zu einem Teil seiner Identität geworden. 
Eine Rückkehr nach Algerien würde ihn entwurzeln. Die Verweigerung der 
Aufenthaltsbewilligung verletze daher sein Recht auf Schutz des Privatle-
bens. Der angefochtene Entscheid verstosse namentlich auch gegen den 
prozeduralen Gehalt der Konventionsgarantie, da die SID die Verhältnismäs-
sigkeit der Entfernungsmassnahme nicht geprüft habe (Beschwerde 
S. 12 ff.). Von vornherein nicht betroffen ist das ebenfalls in Art. 8 EMRK ge-
währleistete Recht auf Achtung des Familienlebens. Der ledige Beschwer-
deführer erwähnt zwar seine in der Schweiz lebende «Kernfamilie», spricht 
damit aber ausschliesslich die Beziehung zu volljährigen Verwandten an 
(Beschwerde S. 10). Diese Personen gehören grundsätzlich nicht zum kon-
ventionsrechtlich geschützten Familienkreis, zumal kein besonderes Abhän-
gigkeitsverhältnis behauptet wird (vgl. dazu BGE 144 I 266 E. 3.3, 144 II 1 
E. 6.1).

3.2 Nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Privat-
lebensschutz kann eine ausländische Person nach zehnjähriger rechtmässi-

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ger Anwesenheit in der Schweiz grundsätzlich einen (potenziellen) Aufent-
haltsanspruch nach Art. 8 EMRK geltend machen. Nach dieser Zeitspanne 
kann im Sinn einer Vermutung regelmässig davon ausgegangen werden, die 
sozialen Beziehungen seien hier so eng geworden, dass es für die Aufent-
haltsbeendigung besonderer Gründe bedarf (grundlegend BGE 144 I 266 
E. 3.9; aus der kantonalen Rechtsprechung BVR 2022 S. 19 E. 7.2, 2019 
S. 314 E. 5.2.2). Diese Praxis bezieht sich auf Fallkonstellationen, in denen 
es um die Beendigung bzw. Nichtverlängerung eines Aufenthaltsrechts geht, 
nicht aber um dessen erstmalige Begründung nach einem (illegalen) Aufent-
halt oder um eine weitere Anwesenheit, nachdem diese durch die Behörden 
rechtskräftig beendet worden ist (BGE 149 I 72 E. 2.1.3; vgl. auch bereits 
BGE 149 I 66 E. 4.6). Das bedeutet umgekehrt indes nicht, dass illegal an-
wesende Ausländerinnen und Ausländer in jedem Fall vom Anwendungsbe-
reich der Konventionsgarantie ausgeschlossen sind. Vielmehr kann sich 
auch in einem solchen Fall ein Anwesenheitsrecht aus Art. 8 EMRK ergeben, 
wenn die betreffende ausländische Person in der Schweiz besonders ver-
wurzelt ist, weil sie Beziehungen unterhält, die über eine normale Integration 
hinausgehen (vgl. BGE 149 I 207 E. 5.3). Insoweit bleibt die Rechtsprechung 
massgebend, welche vor BGE 144 I 266 ergangen ist (BGE 149 I 207 
E. 5.3.4). Erforderlich sind danach besonders intensive private Beziehungen 
beruflicher oder gesellschaftlicher Art (BGE 144 II 1 E. 6.1 am Ende; 
BVR 2019 S. 314 E. 5.2.1) bzw. vertiefte soziale Beziehungen zum ausser-
familiären bzw. ausserhäuslichen Bereich (BGE 130 II 281 E. 3.2.1; 
BVR 2015 S. 309 E. 5.1).

3.3 Es ist unbestritten, dass sich der Beschwerdeführer im Zeitraum von 
2001 bis 2006 jeweils besuchsweise bei seinem ältesten Bruder aufgehalten 
hat, der die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt und mit seiner Toch-
ter in ... lebt. Seit dem Jahr 2006 hält sich der Beschwerdeführer dauerhaft 
hier auf, um sich «ein besseres Leben aufbauen zu können». Nach eigenen 
Angaben lebte er stets im Kanton Bern, seit dem Jahr 2016 in der Stadt Bern 
(Beschwerde S. 3 f.). Sein Aufenthalt war jedoch nie rechtmässig. Im Streit 
liegt mithin die erstmalige Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Zu Recht 
hat die Vorinstanz erwogen, dass sich in dieser Situation trotz langjähriger 
faktischer Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz kein poten-
zieller Bewilligungsanspruch nach Massgabe von BGE 144 I 266 ergibt (an-

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gefochtener Entscheid E. 2.2). Das Recht auf Privatleben nach Art. 8 EMRK 
könnte nur dann Grundlage für eine Aufenthaltsbewilligung sein, wenn der 
Beschwerdeführer hier besonders verwurzelt ist (E. 3.2 hiervor).

3.4 Wie es sich damit verhält, ist aufgrund einer (umfassenden) Interes-
senabwägung zu entscheiden, wobei die Anwesenheitsdauer ein Element 
neben anderen bildet (BGE 149 I 207 E. 5.3.1, 144 I 266 E. 3.4, 130 II 281 
E. 3.2.1; VGE 23177 vom 9.5.2008 E. 5.1). Das gilt nach dem Erwogenen 
auch bei illegal in der Schweiz lebenden Ausländerinnen und Ausländern. 
Dem Beschwerdeführer ist zuzustimmen, dass der angefochtene Entscheid 
in diesem Punkt nicht der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
entspricht. Im Rahmen der geforderten Interessenabwägung sind namentlich 
die sachverhaltlichen Feststellungen der Vorinstanz zu überprüfen, auch 
wenn diese das Anwesenheitsrecht des Beschwerdeführers nicht gestützt 
auf Art. 8 EMRK, sondern nach Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG geprüft hat (schwer-
wiegender persönlicher Härtefall). Anders als der Beschwerdeführer geltend 
macht (Beschwerde S. 14 f.), kann der SID hingegen nicht vorgeworfen wer-
den, sie habe den entscheidwesentlichen Sachverhalt mangelhaft abgeklärt 
(Untersuchungsgrundsatz; Art. 18 VRPG). Soweit möglich und zumutbar, 
haben die Parteien bei der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (vgl. 
allgemein Art. 20 VRPG und für das Ausländerrecht Art. 90 AIG). Weshalb 
die Vorinstanz im vorliegenden Fall einer «erhöhten Aufklärungspflicht» 
hätte nachkommen müssen (vgl. dazu allgemein Michel Daum, in Herzog/
Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 18 
N. 5), ist nicht erkennbar. Auch Laien haben sich die Mitwirkungspflicht ent-
gegenhalten zu lassen und von sich aus die nötigen Angaben zu machen 
und erforderlichen Beweismittel einzureichen. Das gilt insbesondere für Tat-
sachen, welche eine Partei besser kennt als die Behörde und welche diese 
ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben 
kann (statt vieler BGE 143 II 425 E. 5.1; BVR 2018 S. 139 E. 4.4.3). Um sol-
che Sachumstände geht es hier, betreffen sie doch die Integration des Be-
schwerdeführers, namentlich seine persönlichen und beruflich-wirtschaftli-
chen Verhältnisse (vgl. dazu Michel Daum, a.a.O., Art. 20 N. 5 und 13 mit 
weiteren Hinweisen). Bereits im vorinstanzlichen Verfahren war dem Be-
schwerdeführer klar, dass die Integration ein wesentliches Kriterium ist für 
die Beurteilung des Aufenthaltsrechts; er hat sich im Härtefallgesuch denn 

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auch dazu geäussert («Ich erfülle sämtliche Auflagen und bin gut integriert»; 
Akten EMF pag. 2). Für weitere Abklärungen des Sachverhalts besteht kein 
Anlass, zumal der Beschwerdeführer vor Verwaltungsgericht anders als im 
vorinstanzlichen Verfahren anwaltlich vertreten ist und zahlreiche neue Un-
terlagen ins Recht gelegt hat.

3.5 Der Beschwerdeführer ist jedenfalls aktuell nicht im Strafregister ver-
zeichnet (Auszug vom 6.7.2023; Beschwerdebeilage [BB] 18, act. 3A). Nach 
eigenen Angaben ist er schuldenfrei und hat nie Sozialhilfe bezogen (Be-
schwerde S. 7). Er beherrscht die französische Sprache und hat im Jahr 
2022 einen Deutschkurs mit einer Dauer von 80 Stunden besucht (Niveau 
A2.2-B1, Präsenzzeit allerdings nur 34 Stunden; Beschwerde S. 6 mit 
BB 17, act. 1C). Diese Integrationsleistungen sind anzuerkennen, gehen 
aber nicht über das hinaus, was nach einem (faktischen) Aufenthalt von über 
15 Jahren in der Schweiz erwartet werden darf.

3.6 In beruflich-wirtschaftlicher Hinsicht führt der Beschwerdeführer aus, 
er habe verschiedene Praktika und Schnuppereinsätze in der Gastronomie 
absolviert. Eine längerfristige Anstellung sei mangels Aufenthaltserlaubnis 
nicht in Betracht gekommen, weshalb er sich mit Gelegenheitsjobs über 
Wasser gehalten habe (Arbeit in Pizzerien und kleinen Restaurants, Um-
zugs- und Hilfsarbeiten; Beschwerde S. 3 f.). In seiner Stellungnahme vom 
22. August 2022 an die EMF hat er präzisiert, dass er die meisten Tätigkeiten 
unentgeltlich ausübt; ein begonnenes Studium in der Fachrichtung Wirt-
schaft und Management in Algerien hat er nicht abgeschlossen. Seinen Le-
bensunterhalt habe er vorab dank der Unterstützung seines in der Schweiz 
lebenden Bruders und weiterer Personen aus seinem Umfeld bestritten; er 
habe «leider […] keinen Verdienst» (Akten EMF pag. 37 und 39). Von einer 
erfolgreichen oder gar überdurchschnittlichen beruflich-wirtschaftlichen In-
tegration kann demnach keine Rede sein. Daran ändert im Übrigen das «Ar-
beitsversprechen» betreffend eine unbefristete Vollzeitanstellung nach Ertei-
lung der Aufenthaltserlaubnis nichts, das der (damalige) Inhaber eines Piz-
zahauslieferdiensts abgegeben hat (vgl. Bestätigung vom 29.6.2023; BB 4, 
act. 1C).

3.7 Der Beschwerdeführer führt eine Beziehung zu einer Frau, die in 
Frankreich lebt. Mit ihr hat er gemäss eigener Darstellung einen Sohn 

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(Jg. 2018; Akten EMF pag. 39). Gemeinsame Zukunftspläne bestehen nicht, 
und die gegenseitigen Kontakte beschränken sich auf einige Wochen Ferien 
pro Jahr bzw. den Austausch über die elektronischen Kommunikationsmittel 
(Beschwerde S. 8). Familiär gehört sein in ... lebender Bruder sowie dessen 
volljährige Tochter (Nichte) zu den wichtigsten Bezugspersonen; hinzu 
kommt ein Halbbruder der Nichte, der im Babyalter nach dem Tod der Mutter 
der beiden Kinder zur Adoption freigegeben wurde (Beschwerde S. 6). Auch 
wenn der Bruder des Beschwerdeführers inzwischen Schweizer Staatsan-
gehöriger ist, bestehen somit wesentliche familiäre Kontakte zu Personen, 
die entweder im Ausland leben oder im algerischen Kulturkreis sozialisiert 
worden sind. Letzteres gilt namentlich auch für die Nichte, die bei ihrer 
Grossmutter in Algerien aufgewachsen ist und noch nicht lange in der 
Schweiz lebt («seit etwas mehr als einem Jahr»; Beschwerde S. 6). Aus ver-
schiedenen «Referenzschreiben» geht hervor, dass der Beschwerdeführer 
in der Schweiz über einen Freundes- und Bekanntenkreis verfügt (Erwach-
sene und Kinder). In diesem persönlichen Umfeld bewegt er sich regelmäs-
sig und unternimmt verschiedene Freizeitaktivitäten (insb. Sport; vgl. Be-
schwerde S. 5 und 7 mit den BB 5 ff., act. 1C). Allerdings scheinen mehrere 
dieser Personen aus dem Ausland zu stammen (Algerien und Italien; Be-
schwerde S. 5). Vereinsmitgliedschaften sind nicht nachgewiesen und wer-
den auch nicht behauptet. Insgesamt pflegt der Beschwerdeführer somit fa-
miliäre und freundschaftliche Kontakte in der Schweiz. Vertiefte Beziehun-
gen zu Schweizerinnen und Schweizern bzw. zur hiesigen Gesellschaft sind 
jedoch nicht erstellt.

3.8 Der Beschwerdeführer lebt zwar schon lange in der Schweiz. Seine 
für die Sozialisation prägenden Kindes- und Jugendjahre hat er jedoch in 
seinem Heimatland Algerien verbracht. Erst im Alter von über 20 Jahren kam 
er erstmals – und während mehrerer Jahre nur besuchsweise – in die 
Schweiz. In Algerien sei er zwar seit dem Jahr 2006 nicht mehr gewesen. Es 
leben aber seine Mutter sowie zwei Brüder mit ihren Familien dort (Be-
schwerde S. 7; Akten EMF pag. 38). Der Beschwerdeführer hat mithin ein 
soziales Umfeld in seinem Heimatland, an das er anknüpfen kann, auch 
wenn der Kontakt seinen Angaben zufolge heute nur noch sporadisch ist. 
Eine Rückkehr nach Algerien mag für den Beschwerdeführer angesichts der 
dort herrschenden wirtschaftlichen Lage nicht einfach sein. Mit seinen 

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45 Jahren befindet er sich jedoch noch nicht in einem «fortgeschrittenen Al-
ter» ohne Chance, eine Arbeitsstelle zu finden (Beschwerde S. 7). Mit der 
Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der arbeitsfähige Beschwerdeführer 
mit seiner Bildung und seinen beruflichen Erfahrungen eine vergleichsweise 
günstige Ausgangslage für die Reintegration in seinem Heimatland hat (an-
gefochtener Entscheid E. 3.2).

3.9 Insgesamt ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der 
Schweiz gewisse Integrationsleistungen erbracht hat. Eine besondere, über 
die normale Integration hinausgehende persönliche oder gesellschaftliche 
Verbundenheit mit der Schweiz bzw. der schweizerischen Gesellschaft ist 
jedoch zu verneinen. Der Beschwerdeführer kann daher aus dem Recht auf 
Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK keinen Aufenthaltsanspruch 
ableiten, auch wenn er schon lange hier lebt. So hat auch das Bundesgericht 
in zahlreichen Fällen trotz Aufenthaltsdauern in der Schweiz von zehn bis 
zwanzig Jahren einen derartigen Anspruch verneint, wenn die Integration 
normal bzw. durchschnittlich, aber nicht aussergewöhnlich war (vgl. BGE 
144 I 266 E. 3.5 mit Praxishinweisen). Die Beschwerde erweist sich insoweit 
als unbegründet.

4.

4.1 Gemäss Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG kann von den Zulassungsvoraus-
setzungen (Art. 18-29) abgewichen werden, um schwerwiegenden persönli-
chen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen. 
Bei der Beurteilung sind insbesondere die Integration anhand der Kriterien 
nach Art. 58a Abs. 1 AIG, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verhält-
nisse, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand 
und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat zu be-
rücksichtigen (Art. 31 Abs. 1 Bst. a-g der Verordnung vom 24. Oktober 2007 
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]). Ein 
Härtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG liegt nach der Rechtsprechung 
vor, wenn sich die betreffende ausländische Person in einer persönlichen 
Notlage befindet bzw. ihre Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen 
am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Personen in einer ver-

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gleichbaren Situation, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sind und die 
Verweigerung einer Ausnahme für sie schwere Nachteile zur Folge hätte. 
Die Ausländerbehörden dürfen diese Voraussetzungen zur Anerkennung ei-
nes Härtefalls grundsätzlich streng handhaben (vgl. BVR 2020 S. 443 E. 4.5, 
2016 S. 369 E. 3.3, 2013 S. 73 E. 3.4, u.a. mit Hinweis auf BGE 137 II 1 
E. 4.1, 130 II 39 E. 3 [Pra 93/2004 Nr. 140]). Der Bewilligungsbehörde 
kommt in der Frage, ob ein Härtefall vorliegt, grundsätzlich ein grosser Er-
messensspielraum zu. Sie hat diesen Spielraum pflichtgemäss auszufüllen, 
d.h. im Rahmen von Verfassung und Gesetz nach sachlichen Grundsätzen. 
Namentlich sind die gesetzlichen Vorgaben und die dort angelegten öffentli-
chen Interessen, das Gebot der rechtsgleichen Behandlung, die Verhältnis-
mässigkeit und das Willkürverbot zu beachten (vgl. BVR 2020 S. 443 E. 4.4, 
u.a. mit Hinweis auf BVR 2015 S. 105 E. 2.2, 2013 S. 73 E. 3.1).

4.2 Unter den gegebenen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die 
Vorinstanz eine persönliche Notlage verneint hat. Wohl ist anzuerkennen, 
dass sich der Beschwerdeführer in Zukunft rechtmässig in der Schweiz auf-
halten möchte. Allerdings hat er sich selber dazu entschieden, während Jah-
ren illegal in der Schweiz zu leben. Er hat sich damit in eine Situation bege-
ben, die vorab seine beruflich-wirtschaftliche Integration wesentlich er-
schwert hat und letztlich seine lange Aufenthaltsdauer deutlich relativiert. 
Der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben in der Schweiz allein begründet 
praxisgemäss keinen persönlichen Härtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 Bst. b 
AIG (BVR 2019 S. 314 E. 6.5, 2015 S. 391 E. 8.1 mit Hinweisen). Was die 
familiäre bzw. persönliche und soziale Situation des Beschwerdeführers an-
geht, kann auf die Ausführungen zur Anspruchsbewilligung verwiesen wer-
den (vorne E. 3). Sie ist unter dem Gesichtspunkt des Härtefalls nicht anders 
zu würdigen. Andere, bei der Prüfung des Privatlebensschutzes noch nicht 
berücksichtigte Gesichtspunkte, welche die Vorinstanz ermessensweise in 
ihre Beurteilung hätte einbeziehen müssen, sind nicht erkennbar und werden 
auch nicht geltend gemacht. Überzeugend ist sie zum Schluss gekommen, 
die Lebens- und Existenzbedingungen des Beschwerdeführers seien ge-
messen am durchschnittlichen Schicksal seiner Landsleute in einer ver-
gleichbaren Situation trotz der langen Landesabwesenheit nicht in gesteiger-
tem Mass in Frage gestellt (angefochtener Entscheid E. 3.2). Die SID hat 

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eine Aufenthaltsbewilligung nach Art. 30 Abs. 1 AIG somit zu Recht verwei-
gert.

5.

5.1 Die Beschwerde erweist sich somit in allen Teilen als unbegründet 
und ist abzuweisen. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Wegweisungs-
vollzug allenfalls unmöglich, unzulässig oder unzumutbar im Sinn von Art. 83 
AIG sein könnte, liegen nicht vor. Da die von der Vorinstanz angesetzte Aus-
reisefrist abgelaufen ist, ist praxisgemäss eine neue festzulegen (Art. 64d 
Abs. 1 AIG; vgl. BVR 2019 S. 314 E. 7).

5.2 Angesichts der neuen Ausreisefrist hat der Beschwerdeführer kein 
schutzwürdiges Interesse (mehr) an seinem Antrag, es sei ein «Vollzugs-
stopp» anzuordnen (vorne Bst. C). Ein schutzwürdiges Interesse könnte er 
nur an der Bewilligung des prozeduralen Aufenthalts bis zu einer allfälligen 
Beschwerde an das Bundesgericht bzw. bis zum unbenutzten Ablauf der Be-
schwerdefrist haben (vgl. Art. 27 ff. VRPG und Art. 17 AIG; Daum/Rechstei-
ner, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 
2020, Art. 27 N. 24 sowie Art. 27 N. 21 und Art. 28 N. 9). Soweit sein Antrag 
in zeitlicher Hinsicht so zu verstehen wäre («bis zum rechtskräftigen Ab-
schluss des vorliegenden Verfahrens»), könnte ihm nicht entsprochen wer-
den. Art. 17 Abs. 2 AIG setzt für die Bewilligung des prozeduralen Aufent-
halts voraus, dass die Zulassungsvoraussetzungen offensichtlich erfüllt sind. 
Das ist nach dem vorstehend Gesagten nicht der Fall (vgl. zum Ganzen 
VGE 2023/96 vom 26.6.2023 E. 5.2).

6.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Ersatzfähige Parteikosten sind keine ange-
fallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 VRPG).

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Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Dem Beschwerdeführer wird eine 
neue Ausreisefrist gesetzt auf den 16. Februar 2024.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 3'000.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss entnommen.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

4. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführer
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
- Einwohnergemeinde Bern
- Staatssekretariat für Migration

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) oder, soweit es die Ermessensbewilligung betrifft, 
subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss Art. 39 ff. und 113 ff. BGG geführt wer-
den.