# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b04b181f-6f13-5942-87e9-c352df80196c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-03
**Language:** de
**Title:** Rückfall; natürlicher Kausalzusammenhang zwischen Beschwerden und FSME nicht überwiegend wahrscheinlich
**Docket/Reference:** UV.2012.00099
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00099.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00099
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
3. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Gabathuler
Schifflände 22, Postfach 126, 8024 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Beat Frischkopf
Bahnhofstrasse 24, Postfach, 6210 Sursee
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1951, arbeitete von 1. Juli 1978 bis 30. Juni 2008 als SAP Applikationsbetreuerin für die
Y.___
(Urk. 10/1, Urk. 10/16) und war in dieser Eigen
schaft bei der Schweize
rischen Unfallver
siche
rungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Un
fällen ver
sichert (Urk. 10/1). Am 11. August 2006 meldete die Arbeitgeberin der SUVA, die Versicherte sei ver
mutlich bei einem Waldlauf nach Mitte Mai 2006 von einer Zecke gebissen worden (Urk. 10/1). Die SUVA holte beim Hausarzt von
X.___
,
Dr
. med.
Z.___
,
Allgemeine Medizin FMH, das Arzt
zeugnis vom 25. August 2006 (Urk. 10/3) ein. Dieser liess der SUVA ferner die Berichte des Neuro
radio
logischen und Radiologischen Instituts
A.___
zur MRI
Untersuchung des Schädels vom 23. Juni 2006 (Urk. 10/4/6) und zur CT
Untersuchung des Ab
domens vom 26. Juni 2006 (Urk. 10/4/5), zwei Kurz
aus
trittsberichte
des
Spitals B.___
(Urk
. 10/4/1-3) sowie den End
befund der
C.___
vom 4. Juli 2006 (Urk. 10/4/9-10) zukommen und gab der SUVA am 19. September 2006 zudem telefonisch Auskunft (Urk. 10/5). Nachdem ihm die von Dr.
Z.___
veranlasste Verlaufsserologie vom 19. Septem
ber 2006 (Urk. 10/8) vorgelegt worden war, schloss der für die Abteilung Arbeitsmedizin der SUVA tätige Dr.
med.
D.___
, Facharzt
FMH für Innere Medizin und Arbeitsmedizin, am 26. Oktober 2006 (Urk. 10/9) auf eine durch einen Zeckenstich übertragene Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME). Die SUVA erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen; diese wurden formlos eingestellt,
nachdem Dr.
Z.___
am 12. April 2007 berichtet hatte, die Patientin habe die Arbeit am 1. März 2007 wieder zu 100 % aufgenommen und die Behandlung sei am 2. April 2007 abgeschlossen worden (Urk. 10/15).
1.2
Am 12. April 2010 meldete sich die Versicherte telefonisch bei der SUVA und teilte mit, sie leide aufgrund des Zeckenstichs nach wie vor respektive nun wieder verstärkt an Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schwindel (Urk. 10/17). Daraufhin liess sie durch die ehemalige Arbeitgeberin einen Rückfall zum Un
fallereignis von 2006 melden (Urk. 10/16: Rückfallmeldung vom 14. April 2010). Die SUVA nahm den Arztbericht von Dr.
med.
E.___
, Fach
arzt für Innere Medizin FMH, vom 20. August 2010 (Urk. 10/25, mit den diesem zuge
gangenen
Arztberichten, Urk. 10/26/1-7) zu den Akten und zog den Bericht von Dr
.
Z.___
vo
m 13. Oktober 2010 (Urk. 10/35)
sowie die Berichte der
G.___
vom 17. September 2010 (Urk. 10/40), vom 29. September 2010 (Urk. 10/48) und
vom 8. Oktober 2010 (Urk. 10/38) bei. Ferner wurden auch die von Dr.
E.___
veranlassten Laborbefunde beigezogen (Urk. 10/47). Gestützt auf die Beurteilung des für die Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA tätigen
Dr. med.
K.___
, Facharzt
für Neurologie FMH, Facharzt für Psychi
a
trie und Psychotherapie,
z
ertifizierter medizinischer Gutachter SIM, vom 28. Januar 2011 (Urk. 10/54) hielt die SUVA dafür, dass kein sicherer oder wahrscheinlicher Zusammenhang zwischen dem versicherten Ereignis und den gemeldeten Beschwerden bestehe; sie verneinte daher mit Verfügung vom 1. März 2011 eine über die Übernahme der Kosten der ersten Konsultation bei Dr
.
E.___
vom 26. April 2010 hinausgehende Leistungspflicht (Urk. 10/58).
Dagegen erhob die Versicherte am 8. März 2011 Einsprache (Urk. 10/60/1). Zur Begründung verwies sie auf eine Stellungnahme des Dr.
E.___
vom 3. März 2011 (Urk. 10/60/2-4). Die SUVA holte einen weiteren Bericht des Dr.
Z.___
(Urk. 10/67: Bericht vom 2. September 2011 samt beigelegten Berichten von
Spitälern, Kliniken und Spezialärzten) ein und zog Leistungszusammen
stellun
gen der Krankenversicherer seit 2003 (Urk. 10/68,
Urk.
10/69,
Urk.
10/71) bei. Am 5. März 2012 gab
Dr.
K.___
eine ergänzende
neurologische Beurteilung ab (Urk. 10/73). Mit Entscheid vom 23. März 2012 wurde die Einsprache abge
wiesen (Urk. 2 [=
Urk.
10/74]).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 9. Mai 2012 Beschwerde und beantragte, die SUVA sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen für den am 12. April 2010 aufgrund des Ereignisses vom 16. Mai 2006 gemeldeten Rückfall zu erbringen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-74), was der Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom 4. Juli 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Mit Verfügung vom 1. März 2011 übernahm die Beschwerdegegnerin bloss die Kosten für die Labordiagnostik von Dr.
E.___
vom
26. April 2010 und die erste internis
tische Konsultation bei diesem Arzt als Abklärungskosten (Urk. 10/58). Im Übrigen lehnte sie ihre Leistungspflicht ab, woran sie mit dem ange
fochte
nen Einspracheentscheid vom 23. März 2012 festhielt (Urk. 2). Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der Beschwerde
führerin auf weitere Ver
sicherungs
leistungen für den am 12./14. April 2010 geltend ge
machten Rückfall zu Recht verneint hat.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Entscheid die zur Beurtei
lung der Streitsache massgeblichen rechtlichen Grundlagen
zum
Anspruch auf Leis
tungen der Unfall
versicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Unfall
versicherung [UVG] in Verbin
dung mit Art. 4
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) und
zum
nebst anderem vorausgesetzten natürlichen Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen) zutreffend wieder
gegeben. Darauf kann verwiesen werden. Zu ergänzen ist das Folgende:
2.2
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art. 11
der Verordnung über die Unfallversicherung, UVV
). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krank
heit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt
; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
er
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallver
siche
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesund
heitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E.
2c in fine).
2.3
2.3.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.3.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversiche
rungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S.
572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
3.
3.1
3.1.1
In seinem Bericht vom 20. August 2010 diagnostizierte
Dr.
E.___
einen Status nach FSME 2006, unter anderem mit ausgeprägten Kopfschmerzen, und Nacken
schmerzen bei degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule. Er hielt sodann fest, bei der 59-jährigen Beschwerdeführerin sei im Mai 2006 eine typische zweizeitige Meningoenzephalitis aufgetreten, deren Abklärung eine FSME als Ursache ergeben habe. Seither – so Dr.
E.___
weiter – bestünden aus
geprägte Kopf- und Nackenschmerzen sowie eine deutlich verminderte
körperli
che und geistige Leistungsfähigkeit. Zur Zeit sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, einer regelmässigen Arbeit nachzugehen. Bei der aktuellen Untersu
chung habe physikalisch ausser einem Hartspann der zervikalen Para
ver
tebralmuskulatur kein wesentlicher pathologischer Befund erhoben werden können. Radiologisch hätten sich in der Halswirbelsäule degenerative Verän
de
rungen nachweisen lassen. Die speziellen Untersuchungen bezüglich Borrelia burgdorferi hätten keinen Hinweis auf das Vorliegen einer Lyme-Borreliose ergeben. Serologisch habe sich ein erhöhter FSME-IgG-Titer als Hinweis auf die durchgemachte FSME bestätigt.
Dr.
E.___
führte weiter aus, die Kopfschmerzen seien Folge der durchgemachten FSME. Die Nackenschmerzen
, welche bezüglich Schmerzintensität von sekundärer Bedeutung seien, seien wahrscheinlich mit
verursacht durch vorbestehende, bis 2006 indes asymptomatisch gebliebene degenerative Veränderungen (Urk. 10/25).
3.1.2
Im Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
F.___
, welcher trotz Bezugnahme auf Ergebnisse späterer Untersuchungen und Abklärungen vom 26. Mai 2010 datiert, wurde festgehalten, ein in Frage stehendes depressives Syndrom könne nicht bestätigt werden. Die Beschwerde
führerin klage zwar über Müdigkeit und Leistungsminderung, was an ein soma
tisches Syndrom im Rahmen einer depressiven Episode denken lasse. Die Pati
entin fühle sich jedoch subjektiv nicht depressiv, eine relevante depressive Symptomatik fehle. Das Hirnleistungsniveau sei differenziert testpsychologisch getestet worden. Dabei hätten die Leistungen im Normbereich gelegen, lediglich in wenigen Bereichen hätten sich Einschränkungen der Sorgfalt beziehungs
weise des Arbeitstempos gezeigt. Das Kopfschmerzsyndrom sei daher eher weniger wahrscheinlich Ausdruck einer depressiven Episode. Differential
diagnostisch sei im Rahmen der kernspintomographischen Untersuchung rein morphologisch ein Zusammenhang des Kopfschmerzsyndroms mit einer venö
sen Malformation bereits als möglich erachtet worden. Die Patientin bringe es ausschliesslich mit dem Zeckenstich in ursächlichen Zusammenhang, gestehe jedoch auch ein gewisses Stressniveau am letzten Arbeitsplatz ein. Eine Psy
chotherapie zur Verbesserung des Schmerzerlebens und des Umgangs mit der Leistungsminderung erscheine sinnvoll. In der auf Hochdeutsch geführten kli
nischen psychiatrischen Untersuchung hätten sich Verdachtsmomente auf bestehende Einschränkungen der Auffassung, auf Wortfindungsstörungen, ein
malig auf Neologismus sowie auf widersprüchliche, konkretistische Aus
führungen ergeben. Da die Testpsychologie keine Defizite gezeigt habe, sei dies eventuell auf die sprachliche Barriere zurückzuführen. Anderseits seien im Kernspin von 2006 bereits mögliche arteriosklerotische mikrovaskuläre Läsio
nen beschrieben worden. Diesbezüglich werde eine Evaluation des Gefäss-Risiko-Profils im Sinne einer Primär- beziehungsweise Sekundärprophylaxe von Hirnischämien empfohlen (Urk. 10/26/1-2).
3.1.3
Die an
der
G.___
tätigen
Neurologen Dres. med.
H.___
und
I.___
berichteten am 17. September 2010, die geklagten Kopf
schmer
zen würden semiologisch mehrheitlich einem Kopfschmerz vom Span
nungstyp mit einzelnen migränösen Komponenten entsprechen. Bei klarem zeitlichem Zusammenhang mit viraler Meningitis sei von einem postinfek
tionellen Kopf
schmerz auszugehen. Des Weiteren klage die Patientin über eine Fatigue-Symptomatik, gegebenenfalls auch postinfektionellen Ursprungs. Hinweise für eine erhöhte Tagesschläfrigkeit hätten sich anamnestisch indes nicht ergeben (Urk. 10/40).
3.1.4
Die MR-Untersuchung des Schädels vom 28. September 2010 zeigte multiple vorwiegend subcorticale kleinste Läsionen im Marklager. Der befundende Neu
roradiologe, Prof. Dr. med.
J.___
, hielt in seinem Bericht vom 29. September 2010 dafür, dass es sich dabei am ehesten um postischämische Defekte im Rahmen einer Migräne handle, differentialdiagnostisch könnten Residuen nach FSME nicht ausgeschlossen werden (Urk. 10/48).
3.1.5
Nach dem Befund vom 29. Juli 2010 ist das Resultat der Infektserologie vom 27. Juli 2010 mit einem zurückliegenden FSME-Kontakt, nämlich einer Impfung oder früher durchgemachten Infektion, vereinbar (Urk. 10/47).
3.
2
In seiner neurologischen Beurteilung vom
5
.
M
ärz
2012
führte
Dr.
K.___
aus
,
bezüglich der Antikörper gegen FSME-Virusantigene im Serum der Versicherten vom 22. und 27. Juni 2006 müsse davon ausgegangen werden, dass die bei der Beschwerdeführerin
zu diesen Zeitpunkten nachgewiesen Antikörper durch die Impfung vom 8. Juni 2006
verursacht worden seien. Die (von Dr
.
E.___
veran
lassten) Befunde des
Labors L.___
aus dem Jahr 2010 bezüglich positiver IgG-Anti
körper
gegen FSME seien in der Befundung durch den Labor
arzt als vereinbar „mit einem zurückliegenden FSME-Kontakt (Impfung oder früher du
r
chgemachte I
n
fektion)“
beurteilt
worden (Urk. 10/73 S. 5). Die zusätz
lich angeforderten Dokumente bezüglich ärztlicher Behandlungen ab dem Jahr 2003
und für den Zeitraum nach dem Jahr 2006 würden bestätigen, dass als Folge einer möglichen FSME bei der Beschwerde
führerin keine organischen oder strukturellen neurologischen Dauerfolgen entstanden seien
(Urk. 10/73 S.
6)
Aus den zur Klärung des Beschwerdeverlaufs nach den akuten Symptomen Mitte des Jahres 2006 angeforderten Unterlagen gehe hervor, dass
sich
die Be
schwerdeführerin bis anfangs des Jahres 2007 wiederholt wegen Kopfweh bei Dr.
Z.___
in Behandlung b
egeben habe
. Ab Mitte des Jahres 2007 sei in den vor
liegenden Dokumenten über ambulante und stationäre Behandlungen der Beschwerdeführerin keine Klage über ein Kopfwehleiden dokumentiert. Auch der Hinweis von Dr.
Z.___
am 13. Oktober 2010, dass die Beschwerdeführerin vor der Diagnose einer FSME im Jahr 2006 nie über wesentliche Kopfschmerzen geklagt habe, könne im Umkehrschlus
s nicht
eine FSME-Bedingtheit von Kopf
weh begründen. Es sei durchaus vorstellbar, dass die bei der Beschwerde
führerin vorliegende venöse Gefässanomalie (DVA) des Gehirns für rezi
divieren
de Kopf
schmerzen verantwortlich sei. Während der Hospitali
sation
im Spital
B.___
vom 18. bis 21. Januar 2008 (zur „Platten-Osteosynthese im Bereich des distalen Radius rechts“ am 18. Januar 2008) und in den ambulanten Nachun
tersuchungen bis zum April 2008 sei
en
kein Kopfweh und keine andere
n
Folge
beschwerden bezüglich einer früheren FSME doku
mentiert. Es sei nicht erkenn
bar, dass die Beschwerdeführerin ab Mitte 2006 bis zur Rückfallmeldung im Jahr 2010 kontinuierlich an einem behandlungsbe
dürftigen Kopfschmerzsyn
drom gelitten
hätte
(Urk. 10/
73 S. 6).
Wie bereits in der neurologischen Beurteilung vom 17. Januar 2011 ausgeführt, sei eine Rückfallkausalität bezüglich der im Jahr 2010 und nach
folgend beste
henden Beschwerden zu den Mitte des Jahres 2007 dokumen
tierten Beschwer
den nicht mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Unverändert zu dieser früheren neurologischen Beurteilung sei bei der Beschwerdeführerin keine organische oder strukturelle Schädigung als Folge einer FSME nachweisbar (Urk. 10/73 S.
7).
3.
3
Dr
.
E.___
führte
in
seiner Stellungnahme vom 3. März 2011
aus
, dass die FSME nicht folgenlos abgeheilt sei. Die Beschwerdeführerin habe ihre Arbeit zwar wieder aufnehmen können, aber unter grosse
r
Mühe und Anstrengung.
Sie
habe bei der Arbeit ihre ursprüngliche Leist
ungsfähigkeit nie mehr erreicht,
habe regelmässig Schmerzmittel benötigt
sowie
unrezeptierte Kopfwehmittel einge
nommen und sei
auch ohne regelmässigen Arztbesuch
chro
nisch krank ge
blieben
(Urk. 10/60/3).
Am 6. Mai 2012 beantwortete
Dr.
E.___
Fragen des Rechtsvertreters der Be
schwerdeführerin
(
Urk.
3/3).
Dr.
E.___
legte dar
, dass bei
der Beschwerdeführerin
wohl keine struk
turelle, morphologische
Schädigung (normale anato
mische Verhältnisse), aber eine neurofunktionelle Schädigung vorliege,
d. h. die Schädigung bestehe in den Hirnzellen, was zu einer einge
schränkten Hirn
leistung (Konzentrations
störungen etc.
) führe. Diese könn
e nicht mit einem MRI, CT, EEG etc. objektiviert werden. Die aufgeführten Beschwerden seien unspezifisch und könnten einzig durch den zeitlichen Zusam
menhang mit der FSME in Verbindung gebracht werden. Es würden zwar nicht spezifische, aber typische Beschwerden vorliegen, wie sie nach einer durchge
machten akuten Meningoenzephalitis persistieren könnten (
Urk.
3/3 S. 2).
4.
4.1
Ausschlaggebend dafür, dass die Beschwerdegegnerin auf
grund des behaupteten Ereignisses vom Mai 2006 Leistungen erbrachte, war der entsprechende Antrag von
Dr
.
D.___
von der Abteilung Arbeitsmedizin
der Beschwerdegegnerin
vom 2
6.
Oktober 2006, welcher damals zur Begründung anführte, dass
es sich bei den Beschwerden der Beschwerdeführerin aufgrund der
Befunde der Blu
t
unter
suchungen und
der
vorangegangene
n
klinische
n
Symptomatik
„
am ehesten
“ um eine FSME gehandelt haben dürfte (
Urk.
10/9).
S
owohl
Dr.
K.___
(
Urk.
10/73
S.
5
) als auch
Dr.
E.___
(
Urk.
3/3 S. 1)
halten es aber für mö
glich, dass die serologischen Befunde vom 2
2.
Juni 2006 (Urk. 10/4/9)
auf die
am 8. Juni 2006
in der Praxis von Dr.
Z.___
vorgenom
me
ne FSME-Impfung (vgl. Urk. 10/5) zurückgeführt werden könnten
.
Es ist somit nicht ausgeschlossen, dass
im Jahre 2006 nur eine Impfreaktion vor
gele
gen
hatte. Wie Dr
.
E.___
indes zu Recht festhielt
(Urk. 3/3 S. 1), ist eine solche sehr selten.
Was die klinischen Symptome betrifft, so verweist
Dr.
E.___
auf den klas
sischen – für eine FSME-Meningo
en
zephalitis typischen – zwei
phasigen Krankheitsverlauf (Urk. 10/25/1, Urk. 10/60/3). Dr.
E.___
untersuchte
die Beschwerdeführerin
allerdings
erstmals bei der ambulanten Ab
klärung vom 26. April 2010 (Urk. 10/25/1).
Letztlich muss die
von Dr.
K.___
in s
einer
neu
rologischen Beurteilung vom 5. März 2012
(Urk. 10/73) aufgeworfene
Frage
, ob bei der Be
schwerdeführerin im Jahr 2006 überhaupt eine FSME-Erkrankung bestand,
vor
liegend
nicht weiter geprüft
werden
. Zum einen anerkannte die Beschwerdegegnerin damals ihre Leistungspflicht, zum anderen ist – wie nach
folgend dargelegt wird (E. 4.2-4.3)
–
der Kausal
zusammenhang zwischen dem geltend gemachten
Ereignis
vom Mai 2006
und den am 12./1
4.
April 2010 als Rückfall gemeldeten Beschwerden nicht gegeben.
4.2
Der Zusammenstellung von
Dr
.
Z.___
zur Krankengeschichte der Beschwerde
führerin
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit der Diagnose FSME vom 4. August 2006
bis April 2007 über teils chronische Kopf
schmerzen ge
klagt hatte (Urk. 10/67/1). Laut Unfallschein UVG
wurde der
Beschwerde
führe
rin
ab
1.
März 2007
kein
e
Arbeitsunfähigkeit mehr
attestiert
(Urk. 10/14)
. Am 1
2.
April 2007 erklärte
Dr.
Z.___
,
die FSME-Behandlung
sei per
2.
April 2007 abgeschlossen worden (
Urk.
10/1
5
).
Danach
finden sich in der Krankenge
schichte der Beschwerdeführerin keine Einträge zu Kopfschmerzen mehr (
Urk.
10/67/1-2).
Sie
war
noch
bis zum Juli 2008
wegen verschiedener anderer Leiden
bei
Dr.
Z.___
in Behandlung
(
Urk.
10/35
, Urk. 10/67/1
).
Die Kranken
versicherung EGK, bei welcher die Beschwerde
füh
rerin
seit 2005 versichert ist, teilte der Beschwerdegegnerin am 1
0.
November 2011 mit, die Beschwerde
füh
rerin habe zwischen 2005 und 2009 keine Leistungen aus der Grundver
siche
rung bzw. keine grösseren Leistungen aus der Zusatzversicherung bezogen (
Urk.
10/69).
Dass seit der geltend gemachten FSME-Erkrankung an
haltend Kopfschmerzen und somit Brückensymptome (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U
119/04 vom 11. No
vember 2004
, E. 2.1
) bestanden
hätten
,
ist
somit
aufgrund der Akten nicht
ausgewiesen
.
4.3
Die
Ärzte
der
G.___
gingen von einem postinfektionellen Kopf
schmerz aus, weil ein klarer zeitlicher Zusammenhang mit der viralen Men
ingi
tis bestehe. Dabei stütz
t
en
sie
sich auf die anamnestischen Angaben der Beschwerde
führerin
(Urk.
10/40/
1, Urk.
10/40/4).
D
ie bei der
MR-Untersuchung des Schädels in der
G.___
vom 29. September 2010 erhobene
n
Befund
e
sprach
en
indes
am ehesten für postischä
mische Defekte
im Rahmen einer Mig
räne.
Residueen nach FSME wurden nur
differential
diag
nostisch
in Betracht gezogen
(E. 3.
1.4
).
D
er
von
Dr.
E.___
be
schrie
bene
n
neuro
fun
k
tionelle
n
Schädigung mit eingeschränkter Hirnleistung (Konzen
trations
störungen) (E. 3.
3
)
stehen die
Ergebnisse der testpsychologischen Unter
suchung im
F.___
vom 1
7.
Juni 2010
gegenüber
, welche namentlich ergab, dass bei der Beschwerde
führerin Konzentration und Auf
merksamkeit normge
recht seien (
Urk.
10/26/6).
Schliess
lich kann die Beschwerdeführerin auch
aus
dem aufgeleg
t
en
Aufsatz
bezüglich „Spätfolgen nach Frühsommer-Meningoen
zepha
litis“
aus dem Jahr 2000 (Urk. 3/4)
nichts zu ihren Gunsten ab
leiten.
4.4
Da der Nachweis eines Kausal
zusammenhanges
zwischen den als Rückfall gemel
deten Beschwerden und dem geltend gemachten Ereignis vom Mai 2006
nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit gelingt, trägt die Beschwerdeführerin die Folgen der Beweis
lo
sig
keit (BGE 115 V 133 E. 8a).
5.
Nach dem Gesagten erweist sich d
er angefochtene Einspracheentscheid vom 2
3.
März 2012 (
Urk.
2) als rechtens, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Thomas Gabathuler
-
Rechtsanwalt
Dr.
Beat Frischkopf
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher
VC/HR/MPversandt