# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0bfd285c-9ef1-5079-9a24-6afe3c7ea995
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-12-16
**Language:** de
**Title:** Rückweisung durch das BGer zur Prüfung der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung nachdem bei einem unter 55-jährigen Rentenbezüger mit unter 15-jährigem Rentenbezug die Leistungen eingestellt wurden. Aufgrund der Akten ist die Selbsteingliederung ohne aktive Eingliederungsförderung nicht zumutbar. Gutheissung
**Docket/Reference:** IV.2019.00657
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00657.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00657
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiber Nef
Urteil
vom
16. Dezember 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
Anwaltskanzlei Reto
Zanotelli
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene
X.___
meldete sich am 1
5.
Februar 2011 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum Leistungsbe
zug an (
Urk.
2/6/1). Diese sprach
ihm
mit Verfügung vom 1
9.
April 2013 bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 74
%
mit Wirkung ab
1.
Dezember 2012 eine ganze Rente zu (
Urk.
2/6/52 und
Urk.
2/6/63). Im November 2013 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein
(
Urk.
2/6/74) und veranlasste
unter
anderem
eine polydisziplinäre Abklärung im
Begutachtungszentrum
Y.___
(Gutachten vom 2
8.
Oktober 2016 [
Urk.
2/6/99]). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(
Urk.
2/6/102) stellte sie mit Verfügung vom
3.
April 2017 die Rentenleistungen
ein (
Urk.
2/6/115)
.
1.2
Die von
X.___
hiegegen
erhobene Beschwerde wies das Sozial
versicherungsgericht des Kan
tons Zürich mit Entscheid vom 1
2.
Dezember 2018 ab (
Urk.
2
/6
/8; Prozess IV.2017
.0
0489
). Dieses Urteil hob das
Bundesgericht mit Urteil vom 2
9.
August 2019
(
Urk.
1
) auf und wies die Sache ans hiesige Gericht
zur
Auseinandersetzung mit
der geltend gemachten Unzumutbarkeit einer Selbst
eingliederung zurück (8C_84/2019
E
. 7
.2;
Urk.
l)
.
2.
Das Verfahren wurde neu
unter der Prozessnummer IV.2019.00657
angelegt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den Leistungsanspruch und die Invaliditätsbemessung (
Art.
28 des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
sicherung, IVG) sind im vorangegangenen Gerichtsurteil bereits umfassend wiedergegeben worden (
Urk.
2/
6/
8 E. 1.1 bis E. 1.5
;
vgl. dazu auch E. 3 des Urteils 8C_84/2019
vom 2
9.
August 2019 [
Urk.
l
]
)
.
Darauf kann verwiesen werden.
1.2
1.2.1
Das Bundesgericht bestätigte in Erwägung 6 des
Urteil
s
8C_84/2019
vom 29
.
August 2019
(
Urk.
1)
,
dass bei gegebenen Revisionsvoraussetzungen der In
va
liditätsgrad auf der Grundlage des richtig und vollständig festgestellten Sach
verhalts neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln
gewesen sei.
Sodann erkannte das
G
ericht, dass
die vorinstanzlich
vorge
nom
me
ne
Indikatorenprüfung
für den Fall, dass von der Diagnose einer Persönlich
keits
störung auszugehen wäre
und der
Schluss, dass eine Einschränkung der Arbeits
fähigk
eit nicht ausgewiesen sei,
im Ergebnis
mit den
Y.___
-Gutachtern
über
ein
stimme
, die sich ihrerse
its bei der Beurteilung einer al
lfälligen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ebenfalls nach den Vorgaben
von
BGE 141 V 281
(Recht
sprechung zu den massgebenden Indikatoren)
gerichtet hä
tten.
Weiter führte
das Ge
richt
aus, das
kantonale Gericht
habe festgestellt
,
dass keine ins Gewicht fallen
den Komorbiditäten bestünden und
dass sich der Beschwerdeführer mit seinen persönlichkeitsbedingten
Defiziten arrangiert habe. Eine fachpsychia
tri
sche Be
hand
lung werde
nicht mehr durchgeführt, was angesichts der nur noch
gering
gradig
vorhandenen Befunde auch nicht
zu
erstaune
n vermöge
. Gemä
ss d
en eige
nen
Angaben
des
Beschwerdeführers
leide er unter Stimmu
ngs
schwan
kungen, Ein- und Durch
schlafstörungen sowie morgendlich ausgeprägter Freud
losigkeit. Die
Beurteilung anhand des Mini-ICF-Ratings für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen
bei psychischen Erkrankungen (Mini-ICF-APP) habe
lediglich leichte Beeinträchtigungen bei der Flexibilität und Umstellungsfähig
keit,
bei der Anwendung fachlicher Kompetenzen sowie bei
der Durchhalte
fähig
keit und Selbstbehauptungsfähigkeit ergeben. Die
Fähigkeit zur Pflege sozialer Beziehungen und aktiver Lebensgestaltung
sei angesichts der Selbstständigkeit des Beschwerdeführers
bezüglich Wohnen und Haushaltführung, seines lang
jährigen Freundes-
und intakten Familienkreises, seiner Ferien sowie seiner Hobbys
und Interessen und in Übereinstimmung mit dem Mini-ICF-Rating
unge
brochen. Einen Leidensdruck
habe
das kantonale Gericht -
auch wegen der zuletzt fehlenden konsequenten Therapiebemühungen nicht zu erkennen
vermocht
. In
wiefern diese Feststellungen offensichtlich
unrichtig
seien
oder der angefoch
tene Entscheid
sonstwie
gegen
Bundesrecht verstiesse,
sei nicht zu ersehen
.
Es
be
stün
den
namentlich keine Anhaltspunkte dafür und
es werde
beschwerdeweise
auch
nicht dargelegt, dass später - soweit im Rahmen der Revision
zu prüfen
gewesen sei
- noch
ein
Bedarf an konsequenten ambulanten Therapien
bestanden habe
.
Weiter
wurde im Urteil festgehalten, das
kantonale Gericht habe (damit) die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit für das Bundesgericht an sich verbindlich bejaht (E. 7.3).
1.2.2
Demgegenüber beanstandete das
Bundesgericht,
der
Beschwerdeführer
habe
auch geltend gemacht, dass
einer
Rentenaufhebung die Unzumutbarkeit der Selbstein
glie
derung entgegenstehe (E. 7.1). Zur Frage, o
b der Beschwerdeführer der Selbst
eingliederung habe überlassen werden dürfen, fehle es indessen an vorinstanz
lichen Feststellungen. Ohne weitere Begründung
werde
lediglich f
estgehalten
, dass mangels einer relevanten gesundhe
itsbedingten Arbeitsunfähigkeit
kein An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe
. Daraus liessen sich keine Rück
schlüsse auf die Zumutbarkeit der Selbsteingliederung ziehen. Der angefochtene
Entscheid sei in diesem Punkt unvollständig und insoweit bundesrech
tswidrig. Die Sache
sei
deshalb
an die Vorinstanz zurückzuweisen
.
1.3
Das Bundesgericht hat den Sachverhalt hinsichtlich des Vorliegen
s
eines Revi
sions
grundes und der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit verbindlich
fest
ge
legt
.
Darauf ist im vorliegend
en
Verfahren
dementsprechend
nicht mehr zurück
zukommen.
Die Rückweisung der Sache ans hiesige Gericht erfolgt
e
einzig
zur Beantwortung der Frage, ob von einer die Rentenaufhebung hindernden Unzumutbarkeit der Selbsteingliederung auszugehen ist
. Dabei führte das Bundesgericht aus, dass diese Voraussetzung insbesondere angesichts der Emp
fehlung der
Y.___
-Gut
achter
–
es seien berufliche Massnahmen mit psychiatrischer und psychopharma
kologischer Unterstützung durchzuführen
–
wenn möglich nach Lage der Akten
zu entscheiden
oder allenfalls mit den Gutachtern
Rücksprache
zu
nehmen
sei
(vgl. E. 7.3
Abs.
2).
2.
2.
1
I
m
Gutachten der
Y.___
vom 2
8.
Oktober 2016 (
Urk.
2/6/99 S. 1-3
8) basierend auf Untersuchungen von
Dr.
Z.___
, FMH für Allgemeine Innere Medi
zin, durch
Dr.
A.___
, FMH für Chirurgie
,
und
Dr.
B.___
, FMH P
sychiatrie und Psychotherapie,
führten
die Experten
aus
, der Beschwerde
führer berichte, dass
seine
Stimmung in der letzten Zeit schwankend, aber mehr
heitlich schlecht ausgebildet gewesen sei.
E
r
leide
regelmässig an Ein- und Durch
schlafstörungen und sei deswegen tagsüber erhöht ermüdbar. Ebenfalls habe er eine deutliche Freudlosigkeit, welche vor allem am Morgen ausgeprägt sei (S. 14).
2.2
Er lebe seit dem Jahr 2008 alleine in einer 3-Zimmer Mietwohnung. Regel
mässigen sozialen Kontakt habe er mit drei Kollegen aus dem Dorf, mit welchen er seit seinem Zuzug im Jahre 2008 befreundet sei. Mit ihnen gehe er spazieren, velofahren oder auch grillieren. Des Weiteren habe er einen Freund in Rapperswil seit ca. sieben Jahren und einen Freund in Bern bereits seit der Schulzeit, welche er ebenfalls regelmässig treffe. Auch die Eltern besuche er einmal pro Woche (meistens am Sonntag) und den Bruder ein- bis zweimal pro Woche. Auch habe er noch eine Tante, welche er ebenfalls manchmal besuche. Aktuell führe er keine partnerschaftliche Beziehung. Finanziell lebe er von den IV-Leistungen und den Leistungen der Pensionskasse. Die letzten Ferien habe er vor vier Wochen wäh
rend drei Wochen in Kanada gemeinsam mit den Eltern und dem Bruder ver
bracht. Sie hätten dort in der Region Vancouver Familienmitglieder besucht. Als Hobby
warte er gerne PCs,
koche auch gerne, gehe gerne laufen, schwimmen und
velofahren. Er interessiere sich für Reisen und sei so zum Beispiel auch schon in Neuseeland gewesen. Auch lese er gerne wissenschaftliche Bücher, welche er bis zu einer Stunde am Stück lesen könne (S. 16).
2.
3
Zum Tagesablauf berichtete er
(S. 17)
,
er stehe regelmässig zwischen 7.00 Uhr und 8.00 Uhr morgens auf. In der Folge befasse er sich mit dem PC und gehe danach duschen. Da er am Morgen meistens unter einer erhöhten Traurigkeit leide, gehe er in der Folge für längere Zeit spazieren und erledige dabei Einkäufe im Dorf. Dies helfe ihm auch, die schlechte Stimmung zu kompensieren. Teilweise gehe er auch bis nach Zürich und spaziere dort in der Stadt. Regelmässig bereite er sich ein Mittagessen selber zu und nehme es alleine ein. Danach lege er sich für 15 bis 30 Minuten hin, ohne jedoch einzuschlafen. Am Nachmittag gehe er noch
mals für zwei bis drei Stunden spazieren oder auch velofahren. Das Abend
essen nehme er in der Regel alleine zuhause ein. Einmal pro Woche ca. gehe er mit Freunden in ein Restaurant essen. Danach schaue er TV oder lese und gehe regelmässig zwischen 22.00 Uhr und 24.00 Uhr zu Bett. Einschlafstörungen be
stünden ab und zu (ca. jeden zweiten Abend), Durchschlafstörungen jedoch regel
mässig. Einkäufe, das Kochen, das Pu
tzen und das Waschen der Wäsche
sowie das Bezahlen der Rechnungen erledige er selbständig. Am Sonntagmorgen gehe er regelmässig schwimmen und am Nachmittag
besuche er seine Eltern
.
2.
4
Im
psychiatrischen Untersuchungsbefund hielt
der Sachverständige
fest
(S. 19 f.)
, der Beschwerdeführer erscheine pünktlich zum Untersuchungstermin und habe den Weg aus der Region Zürich alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt. Insgesamt wirke er freundlich und kooperativ. Während der gesamten Exploration sei er ruhig auf dem Untersuchungsstuhl sitzen geblieben und ein Schmerzerleben habe von aussen nicht erkannt werden können. Durchgängig sei er nicht depressiv, affektiv schwingungsfähig und gut spürbar gewesen.
Der im Untersuchungszeitpunkt 51-jährige
Explorand
präsentiere
sich
dabei
in unauffälligem All
gemein- und adipös
em Ernährungszustand
. Er sei gut organi
siert, habe Schreibzeug und einen Lebenslauf mitgebracht und weitere Unterlagen bei sich. Hinweise für Bewusstseins-, Orientierungs- oder Gedächtnisstörungen lägen nicht vor und die Konzentration sei unauffällig. Im formalen Denken gebe er an, ab und an unter Grübeln zu leiden, was während der Exploration jedoch nicht habe
beobachtet werden können
. Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen seien nicht vorhanden. Im Affekt sei er nicht deprimiert und Schuld
gefühle lägen nicht vor. Er schildere jed
och Insuffizienzgefühle. Der An
trieb und die Interessen seien normal ausgebildet. Es bestehe jedoch eine erhöhte Ermüdbarkeit. Suizidgedanken und auch Suizidv
ersuche seien seit der Teenager
zeit immer wieder aufgetreten.
In der Hamilton Depression
Scale
Testung habe er 9 Punkte erreicht, was gegen das aktuelle Vorliegen einer depressiven Episode spreche und im Mini-ICF-APP-Rating-Bogen ergebe
sich keine Beeinträchtigung
bei Anpassung an Regeln und
Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Entscheidungs- und Urtei
ls
fähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit, familiäre bzw. intime Beziehungen, Spontanaktivitäten, Selbstpflege und Verkehrsfähigkeit. Leichte Be
ein
trächtigungen bestünden bei Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, und in der Anwendung fachlicher Kompetenzen,
Durchhaltefähigkeit und Selbst
be
haup
tungsfähigkeit
.
2.5
2.5.1
Als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte der
Gutachter
eine rezidivierende depressive Störung, zurzeit remi
ttiert (ICD-10 F33
.4)
. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien akzentuierte selbstunsichere Per
sönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1; S. 20). In der bisherigen Tätigkeit als Service
techniker (Fernmelde- und Elektronika
pparatemonteur) könne zum jetzi
gen Zeit
punkt und anamnestisch seit 2014 keine relevante Arbei
tsunfähigkeit attestiert werden
(S. 28)
.
Der Beschwerdeführer habe erfolgreich eine vierjährige Berufslehre durc
hlaufen und danach bis ins Jahr
2011 an insgesamt sieben Arbeitsstellen auf seinem ursprünglichen Beruf gearbeitet
(vgl.
dazu
auch Lebenslauf
Urk.
2/6/22/1-2). Dabei habe
er vor allem die Tätigkeit als
Servicetechniker geschätzt, welcher er während vi
elen Jahren in verschiedenen Ans
tellungen nachgegangen sei. Dies, da er spe
ziell Kundenkontakte und den Austausch
mit anderen Menschen schätze. Im Jahre 2002 habe
er erstmalig
ein "Burnout" erlitten. Bereits vorgängig
sei er seit 1997 in ambulanter
psychiatrischer Behandlung
gestanden
, welche bis ca. 20
14 durchgängig fortgesetzt worden sei. Die
letzten beiden Anstellungen im Jahre 2010 und 2011
seien ihm
gekündigt
worden und seit zwei Jahren
stehe er
nicht mehr in
ambulanter psychiatrischer oder
psychotherapeutischer Behand
lung und
werde
auch nicht antidepressiv
mediziert
(S. 20)
.
2.
5
.2
Im Zusammenhang mit der
Frag
e
nach der «Konsistenz»
führte der Sach
ver
ständige aus (S. 27
f.
), der Beschwerdeführer selber sehe sich lediglich
als
zu 20
%
arbeitsfähig
. Demgegenüber sei er in der Lage alleine seinen Haushalt zu führen, täglich mehrere Stunden lang spazieren zu gehen, diverse soziale Kontakte zu pflegen, regelmässig am Sonntagmorgen schwimmen zu gehen und aktuell für drei Wochen Ferien in Kanada zu verbringen.
Da er seit 2014 nicht mehr in ambulanter psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung stehe und gemäss eigenen Angaben nie Antidepressiva einge
nom
men habe, müsse zumindest davon ausgegangen werden, dass zum jetzigen Zeit
punkt kein grosser psychischer Leidensdruck vorhanden sei.
Eine krankheits
be
dingte Unfähigkeit zur Therapieadhär
enz bestehe
sicherlich nicht
.
2.5.3
Unter
«
weitere Angaben
»
erläuterte
der Sachver
ständige (S. 29),
es könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bis 2011 aufgrund der akzen
tuierten Persönlichkeitszüge in Kombination mit einem 100
%
Arbeitspensum rege
lmässig depressiv
dekompensiert
habe
und dadurch die Arbeitsfähigkeit damals nicht voll vorhanden gewesen sei. Durch die volle Berentung (2012) habe diesbezüglich jedoch kein Druck mehr bestanden und die psychiatrische Symp
tomatik sei weitgehend remittiert und der Beschwerdeführer bedürfe seit ca. zwei Jahren auch keiner ambulanten Behandlung mehr.
Dazu
führte der Sachverständige aus:
«Es sollten a
us diesem Grund dringend berufliche Massnahm
en durchgeführt werden, um den Exploranden
wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern und dabei seine effektive Leistungsfähigkeit festzustellen. Diese Wiede
reingliederung sollte unbedingt
durch eine begleitende
psychiatrische/ps
ychopharmakologische Behandlung
unterstützt werden, da davon
ausgegangen wer
den muss
,
dass unter erhöhten beruflichen
Anforde
rungen der
Beschwerdeführer
vermehrt z
u ein
er depressiven Symptomatik neigt»
. Des Weite
ren
sei
zu empfehlen, dass vorgäng
ig eine bestmögliche Behandlung
des Schlaf
apnoesyndroms gewährleistet
sei
, um die Tagesmüdigk
eit des Exploranden
zu
sätz
lich zu reduzieren.
3.
3.1
Der 1965 geborene Besc
hwerdeführer (vgl.
Urk.
2/6/11)
war im Zeitpunkt der Ren
tenaufhebung im Mai 2017
52-Jährig und bezog
erst
seit 1.
Dezember 2012 (
Urk.
2/6/52) und damit seit knapp 4½ Jahren eine Invalidenrente
. Damit
fällt
er
offensichtlich nicht unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezü
ger
kreis
(
Urk.
1 E.
7.2.2)
.
Weiter kann gemäss Bundesgericht v
on einer die Rentenaufhebung hindernden Unzumutbarkeit der Selbsteingliederung bei unter 55-jährigen Versicherten und weniger als 15 Jahre dauerndem Rentenbezug nur dann ausgegangen werden, wenn eine Hilfestellung erforderlich ist, die über den allgemeinen, bei einer Ren
tenaufhebung regelmässig gegebenen Eingliederungsbedarf hinausgeht (
Urk.
1 E.
7.3 Absatz 2
).
Dies ist nachfolgend zu prüfen.
3.2
N
ach dem hiervor Gesagten
weisen die medizinischen Befunde
ke
ine Diagnose
n
mehr aus
,
die in der angestammten
und
in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit
des Beschwerdeführers
als Servicetechniker
eine Arbeits
un
fähigkeit
begründen
könnten
(vgl. E. 2.5.1 hie
r
vor)
. Nachdem im
April 2013
die
Rentenzusprache
verfügt wurde (
Urk.
2/6/52), steht der Beschwerdeführer
seit dem
Jahr 2014
auch
nicht mehr
in
ambulante
r
psychiatrische
r
/psychotherapeutische
r
Behandlung
und e
ine
r
medikamentösen Behandlung mittels Antidepressiva hat
er sich
offenbar gar nie unterzogen
. Im Weiteren verneinten die Ärzte eine
krankheitsbedingte Unfähigkeit zur Therapieadhärenz
(E. 2.5.2)
, was vor dem Hintergrund, dass die depressive Symptomatik ohne weitere
medizinische
Behandlung
von selbst
remit
tierte
,
nicht weiter
zu erstaunen vermag
.
Wie vom psychiatrischen Sachver
stän
digen ausgeführt, ist es auch
möglich, dass die
finanzielle Absicherung mittels
Berentung
und der
dadurch
weggefallene
Druck die psychiatrische Symptomatik
und die Remission der depressiven Symptomatik
begünstigt
hat
.
Im Sinne
unter
stützender
prophylaktischer medizinischer Massnahmen
sind damit auch
seine
Em
pfehlungen nachvollziehbar,
wonach möglicherweise
ohne eine
begleitende psychiatrische/psychopharmakologische Behandlung
bei
einer
Erwerbsaufnahme auf dem freien Arbeitsmarkt
die
Gefahr besteht
, dass der Beschwerdeführer
de
kom
pensier
en
könnte
(E. 2.5.3).
Dies mit Blick darauf, da
ss
–
wenn auch ohne
pharmakologische Unterstützung –
der Beschwerdeführer
bereits
seit
dem Jahr
1997 in ambulanter psychiatrischer Behandlung
stand und
er
i
m Jahre 2002
schon
einmal
ein "Burnout" erlitten
hat
te
(vgl. E.
2.5.1).
Im Hinblick
auf die gesamtmedizinische Situation hielten die Gutachter in diesem Zusammenhang aber auch fest, dass sich der Beschwerdeführer mit seinen Defiziten, welche durch die akzentuierten Persönlichkeitszügen bedingt seien
,
arran
giert
habe
und aus diesem Grund keine verstärkten depressiven Symptome auf
getreten seien,
jedoch
bei einer intensiveren Konfrontation mit den Beein
träch
tigungen
,
zum Beispiel bei einer 100%igen Berufsausübung
, die Defizite
gravie
render
werden
und deswegen die depressiven Symptome zunehmen kö
nnten (
Urk.
2/6/99/22). Vor diesem Hintergrund wiesen sie als verbleibende Therapie
optionen auf eine psychiatrische Behandlung und auch auf eine
Rezidiv
pro
phy
laxe
mittel
s
Antidepressivum hin
, wobei aber auch
fest
gehalten wurde
, dass Eingliederungsmassnahmen dem Beschwerdeführer explizit zumutbar seien
(
Urk.
2/6/99/26
f.
).
Ähnliche Überle
gungen
zur beruflichen Wiedereingliederung
stellte bereits
Dr.
C.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie,
im Gutachten vom 1
2.
Oktober 2012 (
Urk.
2/6/46)
an,
hielt er doch fest (S. 4), dass der Beschwerdeführer aufgrund seines
Zustandsbildes bei der beru
flichen Wiedereingliederung unterstützende berufliche Massnahmen benötige. Auch
der Regionale ärztliche Dienst (RAD)
der Beschwerdegegnerin,
D.___
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psycho
the
rapie
und
Facharzt für Neurologie
, dessen Untersuchung vom 9.
November 2012 (
Urk.
2/6/45)
die
medizinische
Grundlage
der
Rentenzusprache
bildete,
wies
im
Zusammenhang mit
einer
Eingliederung
des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen und
eine «
zwingend
»
weiterzuführende psychiatrisch/psycho
thera
peutische Behandlung hin
(
Urk.
2/6/45 S. 6).
Integrationsmassnahmen empfahl er sodann auch
,
nachdem ihm das Gutachten der
Y.___
zur Stellungnahme vor
gelegt w
o
rde
n war
(Stellungnahme vom
4.
November 2016 [
Urk.
2/6/101 S. 5 f.]).
3.3
Damit ergeben
sich
trotz eher geringer
Untersuchungsbefunde bei weitgehend
erhaltenem und
unauffälligem
Ressourcenprofil (E. 2.4)
Anhaltspunkte
, die
auf eine
erforderlich
e
Hilfestellung
bei der Wiedereingliederung
hinweisen
,
die über
einen
allgemeinen und
regelmässig gegebenen Eingliederungsbedarf
hinaus
geh
en
, was
die
Selbsteingliederung
als unzumutbar erscheinen lässt
.
Der Beschwer
deführer kann deshalb trotz attestierter 100%iger
Arbeitsfähigkeit in
ange
stammter
Tätigkeit nicht auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden. Damit ist die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt, als die Beschwer
degegnerin
–
die Motivation des Beschwerdeführers vorausgesetzt (
Art.
21
Abs.
4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
)
–
die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert und den Beschwerdeführer nicht hinreichend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet hat.
Anzumerken bleibt, dass im Rahmen der Schadenminderungspflicht dem Be
sch
wer
deführer in jedem Fall eine prophylaktische
psychiatrisch
e
/psycho
pharma
kologische Behandlung mit regelmässig kontrolliertem Medikamentenspiegel
zumutbar ist. Fehlenden
Behandlungsbemühungen oder
einer fehlenden
Einglie
de
rungs
motivation
wäre sodann
mit der Durchführung eines Mahn- und
Bedenk
ze
itverfahrens
zu begegnen
(Urteil 9C_68/2015 vom 2
4.
April 2015 E. 5.1 mit Hinweisen).
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente hat.
4
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
1‘000.
--
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Zudem ist dem Beschwerdeführer ein
e Prozessentschädigung von
Fr.
2
‘
2
0
0.
(inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
3.
April 2017
aufgehoben, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer
einstweilen
weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1’000
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer ein
e Prozessent
schädigung von
Fr.
2
‘
2
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubNef