# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f4dd449-9e72-5c0f-be11-d6f33fac9449
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240042-O1
**Docket/Reference:** SB240042-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240042-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240042-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw T. Künzle

Urteil vom 27. Januar 2025

in Sachen

A._____,

Beschuldigter und Berufungskläger

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, 

vom 14. September 2023 (DG230099)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 6. Juni 2023 

(Urk. 19/1) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 46 S. 53 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte ist schuldig







der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 aStGB,

der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB sowie

der  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  im  Sinne  von  Art. 19a  Ziff. 1 

BetmG.

2.

Vom  Vorwurf  der  Unterlassung  der  Nothilfe  im  Sinne  von  Art. 128  StGB  wird  der 

Beschuldigte freigesprochen.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 42 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 3 Tage durch 

Haft erstanden sind, und mit einer Busse von Fr. 200.–.

4.

Bezahlt  der  Beschuldigte  die  Busse  schuldhaft  nicht,  so  tritt  an  deren  Stelle  eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.

5.

Die sichergestellten, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

6. Juni  2023  beschlagnahmten  Betäubungsmittel  und  Betäubungsmittelutensilien 

(9 Portionen Kokain in Minigrips (A016'196'659) und 1 Teller mit Kokainrückständen 

(A016'196'682)) werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen.

6.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich  vom 

6. Juni 2023 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage 

lagernden  Gegenstände  und  Spuren  werden  eingezogen  und  der  Lagerbehörde 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen: 









IRM Fotografie (A016'168'573);
Fotografien des Tatorts (A016'195'747);
DNA-Wattetupfer (A016'195'770);
DNA-Wattetupfer (A016'195'792);

- 3 -



DNA-Wattetupfer (A016'195'827).

7.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich  vom 

6. Juni 2023 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände:













1 Paar Herrenschuhe (A016'188'877);
1 Unterhose (A016'188'888);
1 Paar Herrenhosen (A016'188'899);
1 Herren T-Shirt (A016'188'913);
1 Pullover (A016'188'935);
1 Herren T-Shirt (A016'188'946).

werden dem Privatkläger B._____ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf ers-

tes Verlangen herausgegeben.

Dem Privatkläger B._____ wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch 

eine bevollmächtige Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Aus-

weises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der Kantonspolizei Zürich, Asserva-

tentriage, abzuholen.

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, werden sie 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. Die Lagerbehörde 

wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen und zu dokumen-

tieren.

8.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich  vom 

6. Juni 2023 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände:











1 Mobiltelefon (A016'194'744);
1 Tube Creme (A016'196'320);
1 Tube Gleitmittel (A016'196'342);
SIM-Karte (A016'196'615);
1 iPad mit Ladekabel (ohne Ass.Nr.).

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Ver-

langen herausgegeben.

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses 

Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch eine 

bevollmächtige Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Ausweises, 

nach telefonischer Voranmeldung, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservatentriage, 

abzuholen.

- 4 -

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, werden sie 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. Die Lagerbehörde 

wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen und zu dokumen-

tieren.

9.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz im Be-

trag von Fr. 9'123.40 zuzüglich 5 % Zins ab 12. August 2022 zu bezahlen. Es wird 

vorgemerkt, dass sich der Privatkläger die spätere Geltendmachung weiterer Scha-

denersatzforderungen vorbehalten hat.

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 70'000.– zuzüglich 

5 %  Zins  ab  12.  Mai  2022  als  Genugtuung  zu  bezahlen.  Im  Mehrbetrag  wird  das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen.

11. Die Privatklägerin C._____ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

CHF

CHF

CHF

CHF

5'000.00   die weiteren Auslagen betragen: 

3'500.00   Gebühr für das Vorverfahren;

6'782.35   Auslagen (Gutachten);

3'889.75   ehemalige amtliche Verteidigung RA X2._____.

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen die-

jenigen der vormaligen amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.

14. Die Kosten der vormaligen amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ für das gesamte Ver-

fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 14'896.30 zu bezahlen.

16.

(Mitteilungen)

17.

(Rechtsmittel)"

- 5 -

Berufungsanträge: 

(Prot. II S. 4 f.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 62)

1.

Bezüglich den Schuldpunkt (Urteil BezG - Erkenntnisziffer 1):

1.1 Der  Beschuldigte  sei  vom  Vorwurf  der  schweren  Körperverletzung  i.S.  von 

Art. 122 aStGB vollumfänglich frei zu sprechen;

1.2 Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Schändung i.S. von Art. 191 StGB voll-

umfänglich frei zu sprechen.

2.

Bezüglich der Strafzumessung (Urteil BezG - Erkenntnisziffer 3):

2.1 Der Beschuldigte sei mit keinerlei Freiheitsstrafe zu belegen;

2.2 Eventualiter  sei  der  Beschuldigte  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  maximal 
15 Monaten  zu  belegen,  welche  unter  Ansetzung  einer  Probezeit  von 
2 Jahren bedingt auszufällen sei.

3.

Bezüglich die Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche (Urteil BezG -EZ 
9,10 & 11):

3.1 Der  Beschuldigte  sei  weder  zur  Zahlung  eines  Schadenersatzes  noch  zur 

Zahlung einer Genugtuung an den Privatkläger zu verpflichten;

3.2 eventualiter  sei  der  Beschuldigte  dem  Grundsatz  nach  zur  Zahlung  eines 
Schadenersatzes  sowie  einer  Genugtuung  zu  verpflichten  und  der  Privat-
kläger zur konkreten Geltendmachung seiner Forderungen auf den Zivilweg 
zu verweisen.

4.

Bezüglich der Kostenauflage (Urteil BezG - Erkenntnisziffern 12,13, 14 & 15)

Dem Beschuldigten seien keinerlei Kosten zu auferlegen; sämtliche Verfah-
renskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und dem Privatkläger sei 
keine Prozessentschädigung zuzusprechen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 56)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

- 6 -

c)

Der Privatklägerschaft:

(Urk. 64)

1.

2.

3.

Es sei die Berufung des Berufungsklägers/Beschuldigten abzuweisen;

Es sei das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigen;

Es sei dem Privatkläger für die Kosten der erforderlichen anwaltlichen Vertre-

tung für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung gemäss beiliegen-

der Honorarnote zuzusprechen. 

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte / Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Bezüglich  des  Verfahrensgangs  bis  zum  Vorliegen  des  vorinstanzlichen 

Urteils kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 6).

1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 14. September 2023 wurde den 

Parteien  am  26.  September  2023  mündlich  eröffnet  (Urk.  46;  Prot. I  S. 54).  Der 

Beschuldigte meldete mit Eingabe vom 28. September 2023 dagegen innert Frist 

Berufung an (Urk. 40).

1.3. Nach  Zustellung  des  begründeten  Urteils  reichte  der  Beschuldigte  fristge-

recht die Berufungserklärung ein (Urk. 52). Mit Präsidialverfügung vom 31. Januar 

2024 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und 

Art. 401 StPO den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft zugestellt, um gege-

benenfalls  Anschlussberufung  zu  erheben  oder  begründet  ein  Nichteintreten  auf 

die Berufung zu beantragen. Zugleich wurde dem Privatkläger B._____ (nachfol-

gend Privatkläger) Frist angesetzt, um bezüglich der Geschlechterbesetzung des 

Gerichts Anträge zu stellen (Urk. 54). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Ein-

gabe  vom  5.  Februar  2024  ausdrücklich  auf  eine  Anschlussberufung  und  bean-

tragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 56). Der Privatkläger liess 

ebenfalls die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragen und verzichtete 

- 7 -

damit  konkludent  auf  eine  Anschlussberufung  und  Anträge  betreffend  die 

Geschlechterbesetzung  des  Gerichts  (Urk.  57).  Die  Privatklägerin  C._____  AG 

liess sich nicht vernehmen (vgl. Urk. 55). 

1.4. Am 9. Oktober 2024 wurde auf den 27. Januar 2025 zur Berufungsverhand-

lung vorgeladen (Urk. 58).

1.5. Am 27. Januar 2025 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen der 

Beschuldigte  in  Begleitung  seines  Verteidigers,  Rechtsanwalt  lic.  iur.  X1._____ 

sowie  Rechtsanwältin  lic.  iur.  Y._____  als  Rechtsvertreterin  des  Privatklägers 

(Prot. II S. 5). Vorfragen waren keine zu entscheiden (Prot. II S. 6). 

1.6. Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 9 

ff., Urk. 67). 

2.

Umfang der Berufung

Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil in der Berufungserklärung vollum-

fänglich an, wobei er ausführen liess, dass im Wesentlichen eine Abänderung im 

Sinne der Anträge im Plädoyer vor Vorinstanz beantragt werde (Urk. 52). Demge-

mäss ist davon auszugehen, dass sich die Berufung des Beschuldigten gegen die 

Schuldsprüche der schweren Körperverletzung (Ziff. 1 Lemma 1) und Schändung 

(Ziff. 1 Lemma 2), den Sanktionspunkt (Ziff. 3 und 4), die Zivilforderungen (Ziffern 

9-11), die Kostenauflage (Ziff. 13 und 14) und die Prozessentschädigung für den 

Privatkläger richtet (Ziff. 15). Das vorinstanzliche Urteil ist demnach betreffend den 

Schuldspruch  der  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  (Ziff.  1  Lemma  3), 

den  Freispruch  (Ziff.  2),  die  beschlagnahmten  Betäubungsmittel/Gegenstände/ 

Spuren (Ziff. 5 bis 8) und die Kostenfestsetzung (Ziff. 12) in Rechtskraft erwachsen 

(vgl. Prot. II S. 6), was es vorab mittels Beschluss festzustellen gilt. 

3.

Prozessuales

3.1. Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft 

(AS 2023 468; BBl 2019 6697). Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel 

gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen gefällt wurden, nach 

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bisherigem Recht beurteilt. Infolgedessen ist für das vorliegende Rechtsmittelver-

fahren das frühere Prozessrecht massgebend.

3.2. Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sach-

verhaltes  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen  wird,  so  erfolgt  dies  in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-

nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf 

rechtliches  Gehör  die  Pflicht  des  Gerichts  folgt,  seinen  Entscheid  zu  begründen. 

Die  Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen 

sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf 

sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Ent-

scheid  wesentlichen  Punkte  beschränken.  Ein  unverhältnismässiger  Motivations-

aufwand  kann  nicht  eingefordert  werden.  Ebenso  wenig  lässt  sich Art.  6  Ziff.  1 

EMRK in  der  Weise  auslegen,  dass  eine  detaillierte  Antwort  auf  jedes  Argument 

gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil  des  Bundesgerichts  6B_689/2019  vom  25.  Oktober  2019  E.  1.5.2.,  mit 

Hinweisen).

II. Schuldpunkt

1.

Anklagevorwürfe / Ausgangslage 

1.1. Bezüglich der Vorgeschichte und der Anklagevorwürfe kann auf die beige-

fügte Anklageschrift vom 6. Juni 2023 verwiesen werden (Urk. 19/1). Unbestritte-

nermassen befanden sich der Beschuldigte und der Privatkläger in der Nacht vom 

11. auf den 12. Mai 2022 in der Wohnung des Beschuldigten. Dabei standen beide 

unter  Alkohol-  und  mutmasslich  auch  Kokaineinfluss.  Der  Privatkläger  hat  keine 

Erinnerungen an die Tatnacht und macht einen Filmriss geltend. Der Beschuldigte 

gibt zu, den Privatkläger mit seiner rechten Hand bis mindestens 3 bis 4 cm über 

das Handgelenk anal penetriert zu haben, wodurch der Privatkläger im Analbereich 

stark zu bluten begonnen habe, weshalb er in der Folge umgehend damit aufgehört 

habe. Dass sich der Privatkläger durch die Analpenetration Verletzungen im Anal-

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bereich  zuzog,  ist  ebenfalls  unbestritten.  Der  Beschuldigte  stellt  sich  indessen 

– entgegen dem Anklagevorwurf – auf den Standpunkt, dass er den Privatkläger 

nicht habe schwer verletzen wollen sowie stets im Einverständnis des Privatklägers 

gehandelt zu haben. Der Privatkläger sei wach gewesen und habe die Analpene-

tration gewollt und genossen. 

1.2. Die Vorinstanz kam in ihren Erwägungen zusammengefasst zum Schluss, 

dass die Aussagen des Beschuldigten zum Kerngeschehen äussert knapp ausfal-

len, indem er angegeben habe, sich nicht mehr im Detail erinnern zu können, mit 

Ausnahme davon, dass der Privatkläger ihn zur manuellen Analpenetration aufge-

fordert  habe  und  die  sexuelle  Handlung  genossen  habe.  Das  Aussageverhalten 

des  Beschuldigten  deute  auf  Schutzbehauptungen  hin.  Ferner  seien  seine  Aus-

sagen  widersprüchlich,  indem  er  von  seiner  ursprünglichen  Darstellung  abge-

wichen sei und seine Aussagen an die Aussagen des Sachverständigen angepasst 

habe,  wonach  der  Privatkläger  möglicherweise  eine  Analspülung  vorgenommen 

habe. Insbesondere die Aussage des Privatklägers, "sein Arsch sei voller Pommes 

Frites, er werde sich nun für ihn waschen und er könne danach mit ihm machen, 

was  er  wolle"  habe  der  Beschuldigte  bei  den  ersten  beiden  Einvernahmen  nie 

erwähnt. Widersprüchlich seien auch seine Aussagen betreffend die Analmanipu-

lation, wonach er sie hin- und zurückbewegt habe und in der Schlusseinvernahme 

angegeben habe, die Hand stillgehalten zu haben. Entgegen der Auffassung des 

Beschuldigten müsse davon ausgegangen werden, dass der Privatkläger zum Zeit-

punkt der mit erheblichem Kraftaufwand durchgeführten manuellen Analpenetration 

nicht mehr ansprechbar gewesen sei, da er weder auf den Beschuldigten noch auf 

die starken Blutungen reagiert habe. Die sich teilweise widersprechenden Angaben 

des  Beschuldigten,  wonach  der  Privatkläger  namentlich  durch  sein  Lächeln  eine 

Einwilligung in die Analpenetration gegeben habe, seien lebensfremd und Schutz-

behauptungen. Die erlittenen Verletzungen würden gemäss Aussagen des Sach-

verständigen und den medizinischen Unterlagen auf eine mit brutaler Gewalt durch-

geführte Analpenetration mit der Hand hindeuten. Zudem müsse dem Beschuldig-

ten als Kellner klar gewesen sein, dass der Privatkläger nach einem ausschweifen-

den Alkoholkonsum, und nachdem ihm der Beschuldigte Kokain angeboten habe, 

sowie seines ersichtlichen Zustandes nicht mehr vollständig in der Lage gewesen 

- 10 -

sei, über die Einwilligung für sexuelle Handlungen zu entscheiden bzw. sich dage-

gen zu wehren. 

Die  Aussagen  des  Privatklägers,  wonach  er  einen  Filmriss  vom  Zeitpunkt  der 

Verabschiedung seiner Kollegen am Bahnhof D._____ bis zum nächsten Tag ge-

habt habe, als er gegen Mittag nackt und neben blutverschmierten Tüchern in einer 

fremden Wohnung aufgewacht sei, seien – so die Vorinstanz weiter – lebensnah, 

schlüssig und glaubhaft. Der Privatkläger habe verdeutlicht, dass er heterosexuell 

sei  und  keine  Erfahrungen  mit  analen  Sexualpraktiken  habe  und  solchen  sicher 

auch nicht zustimmen würde. Erst als die Schmerzen am Samstag, 14. Mai 2022, 

unerträglich geworden seien, sei er ins Stadtspital Triemli gegangen. Der Privatklä-

ger habe wiederholt und glaubhaft dargelegt, dass er im Grundsatz jegliche Arzt-

konsultation  meide.  Dass  er  seine  medizinische  Lage  falsch  eingeschätzt  habe, 

könne  aus  der  leider  nicht  vollständig  protokollierten  Antwort  58  aus  der  Einver-

nahme vom 25. Oktober 2022 entnommen werden, in welcher er geantwortet habe 

"Ich dachte, es seien Bauchschmerzen. Wenn ich das gewusst hätte, wie schlimm 

es um mich steht, wäre ich sofort ins Spital gegangen." (Urk. 4/3 F/A 58; Urk. 4/4 

ab 00:51, Unterstrichenes nicht protokolliert). Der Privatkläger habe den Beschul-

digten auch nicht in übertriebener Weise belastet, sondern sei von einer unbekann-

ten Täterschaft ausgegangen. Eine gewisse Ungereimtheit bestehe darin, weshalb 

der  Beschuldigte  wieder  zum  Beschuldigten  ins  Restaurant  "E._____"  zurückge-

kehrt  sei  und  sich  trotz  mehrmaliger  Aufforderung  durch  verschiedene  Personen 

sich gegen einen Spitaleintritt gewehrt habe (zum Ganzen Urk. 46 S. 14 ff.). 

Die Vorinstanz kam in der Folge gestützt auf die Aussagen des Sachverständigen 

PD Dr. med. F._____, wonach eine Analpenetration bei einer bewusstlosen, nicht 

mitwirkenden Person nur mit Gleitmittel, bei einer langen Zeitdauer und unter An-

wendung  massiver  Gewalteinwirkung  möglich  sei,  sowie  den  medizinischen 

Befunden, wonach sich der Beschuldigte bei Spitaleintritt in Lebensgefahr befun-

den und ohne Operation und medikamentöse Behandlung an den Folgen der erlit-

tenen  Darmverletzung  und  Verletzungen  des  Dickdarms  mit  Entzündung  der 

Bauchhöhle mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verstorben wäre, zum 

Schluss, dass der Eintritt einer Lebensgefahr in Kausalität mit der Analpenetration 

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mit der Hand durch den Beschuldigten bejaht werden könne (zum Ganzen Urk. 46 

S. 25 ff.). 

Die Vorinstanz bejahte schliesslich auch den inneren Sachverhalt. Aus den Verlet-

zungen könne geschlossen werden, dass die Penetration in einer äussert brutalen 

Art  und  Weise  und  mit  Gewaltaufwand  durchgeführt  worden  sein  müsse.  Der 

Beschuldigte  habe  die  Gefahr  erkennen  müssen,  den  widerstandslosen  Privat-

kläger  im  heiklen  Darmbereich  gefährliche  Verletzungen  zuzufügen.  Er  sei  sich 

bewusst  gewesen,  dass  sein  Handeln  lebensgefährliche  Verletzungen  hätte  mit 

sich  bringen  können.  Entsprechend  sprach  sie  den  Beschuldigten  der  schweren 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 aStGB und der Schändung nach Art. 191 

StGB schuldig (zum Ganzen Urk. 46 S. 29 ff.). 

1.3. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, dass der vom Privatkläger 

behauptete Filmriss nicht glaubhaft sei und der Privatkläger lüge. Es sei zwar rich-

tig,  dass  der  Privatkläger  stark  alkoholisiert  und  unter  Drogeneinfluss  gestanden 

sei, was jedoch nicht automatisch bedeute, dass derselbe nicht mehr in der Lage 

gewesen sei, das Geschehen um sich herum wahrzunehmen und selbstbestimmt 

zu handeln. Der Privatkläger gelte als äusserst trinkfest und beide Protagonisten 

dürften etwa gleich viel Alkohol und Drogen konsumiert haben. Es dürfe somit ohne 

Weiteres darauf geschlossen werden, dass auch der (deutlich) schwerere Privat-

kläger jederzeit noch handlungs- und wahrnehmungsfähig gewesen sei. Ferner sei 

davon auszugehen, dass die Verletzungen erst nachträglich sowie infolge des un-

erklärlich langen Zuwartens des Privatklägers, bei einem Arzt vorstellig zu werden, 

zu lebensbedrohlichen bzw. allenfalls irreversiblen (und somit eben zu schweren) 

Körperverletzungen  geworden  seien.  Mit  absoluter  Sicherheit  könne  konstatiert 

werden, dass der Privatkläger durch sein Verhalten massgeblich zur Verschlimme-

rung der heute bestehenden Symptomatik beigetragen habe. Eine neutrale Würdi-

gung  der  Aussagen  des  Beschuldigten  sowie  der  Aussagen  von  PD  Dr.  med. 

F._____ führe unmittelbar zum Schluss, dass der Privatkläger im Zeitpunkt der Vor-

nahme der Analmanipulationen noch urteils- und widerstandsfähig gewesen sein 

müsse. Es könne demnach keinesfalls mit hinreichender Sicherheit davon ausge-

gangen werden, dass der Privatkläger im Zeitpunkt der Vornahme der Analmani-

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pulation widerstandsunfähig gewesen sei. Der Beschuldigte habe den Privatkläger 

zudem nicht schwer verletzen wollen. Er habe mit dem "Fisting" sofort aufgehört, 

als der Privatkläger zu bluten begonnen habe. Das "Fisting" sei rein sexuell moti-

viert gewesen. Der Beschuldigte sei infolge der Vielzahl an einschlägigen porno-

grafischen Videos, welche er konsumiert habe, jederzeit fest der Ansicht gewesen, 

dass alles gut gehe und ohne Verletzungen enden würde. Weiter sei dem Beschul-

digten zu attestieren, dass er zumindest insofern Vorsicht habe walten lassen, als 

er auch Gleitcreme verwendet habe, und er davon ausgegangen sei bzw. wahrge-

nommen  habe,  dass  dem  Privatkläger  sein  Tun  gefalle  und  dieser  keinerlei 

Schmerzen verspüre. Dem Beschuldigten könne daher auch keine fahrlässige Kör-

perverletzung  vorgeworfen  werden.  Folglich  beantragte  die  Verteidigung  einen 

Freispruch von den Vorwürfen der Schändung und der schweren Körperverletzung 

(Urk. 33 S. 7 ff.). 

1.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt die Verteidigung an ihrem Stand-

punkt fest und führte stark zusammengefasst aus, dass die Aussagen des Privat-

klägers hinsichtlich seines "Blackout" unmöglich stimmen könnten. Der Taxifahrer 

G._____,  welcher  den  Beschuldigten  sowie  den  Privatkläger  in  der  Nacht  vom 

11./12. Mai 2022 vom Restaurant "E._____" an die H._____-gasse gefahren habe, 

habe ausgesagt, dass er sich nicht an die Fahrt erinnern bzw. generell an keine 

Fahrt erinnern könne, anlässlich welcher ein Mann einen anderen Mann gestützt 

habe, bevor er ins Taxi gestiegen sei. Dies belege indirekt, dass der Privatkläger 

anlässlich  der  Fahrt,  während  der  Fahrt  und  beim  Aussteigen  aus  dem  Taxi  ein 

unauffälliges Verhalten an den Tag gelegt habe. Er habe offenbar keine Unterstüt-

zung  gebraucht  und  sei  nicht  "quasi-ohnmächtig"  gewesen.  Diese  Feststellung 

laufe selbstverständlich den Aussagen des Privatklägers zuwider, wonach es ihm 

schwarz  vor  den  Augen  geworden  sei  und  er  ab  diesem  Zeitpunkt  nichts  mehr 

wisse.  Es  könne  unmöglich  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Privatkläger 

zum Widerstand unfähig gewesen sei und betreffend die sexuellen Handlungen kei-

nen Willen mehr habe bilden können. Die Ausführungen des Facharztes Dr. med. 

F._____, namentlich die vorgängige anale Spülung seitens des Privatklägers, wür-

den sich mit den im Kern konsistenten Aussagen des Beschuldigten decken. Ent-

gegen den Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil habe die Analpenetration des 

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Beschuldigten mit der Hand eben nicht umgehend zum Eintritt der Lebensgefahr 

beim Privatkläger geführt (Urk. 62 S. 7 ff.). Ferner sei der Beschuldigte aufgrund 

seiner Online-Erfahrungen von pornografischen Videos von keinerlei Risiko ausge-

gangen, den Privatkläger verletzen zu können. Schliesslich sei das in den 231 kon-

sumierten Pornos nie passiert (Urk. 62 S. 35). 

1.5. Die  Vorinstanz  hat  die  vorhandenen  Beweismittel  aufgeführt  und  deren 

Inhalt zutreffend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 46 S. 14 ff.). 

Für den streitgegenständlichen Anklagekomplex sind insbesondere die Aussagen 

des  Beschuldigten  (Urk. 3/1-3;  Prot. I  S. 7 ff.  und  Urk.  61),  des  Privatklägers 

(Urk. 4/1-4) und des sachverständigen Zeugen PD Dr. med. F._____ (Urk. 5/7) von 

sachdienlicher Relevanz. Zu berücksichtigen sind weiter die Auswertungen der Vi-

deoaufzeichnungen der SBB bzw. die Fotodokumentation vom Bahnhof D._____ 

(Urk. 2/1), die Auswertung des Mobiltelefons des Privatklägers (Urk. 1/2 S. 6 f.) und 

der  Web  Suchverlauf  des  Beschuldigten  (Urk.  6/10).  Ferner 

liegen  ein 

pharmakologisch-toxikologisches Gutachten über den Privatkläger (Urk. 6/8), ein 

Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers (Urk. 8/4), ein Gutach-

ten  zur  Haaranalyse  betreffend  den  Privatkläger  (Urk.  8/6),  ein  ärztlicher  Bericht 

des  Stadtspitals  Triemli  (Urk.  8/8)  sowie  die  Operationsberichte  des  Stadtspitals 

Triemli (Urk. 8/11) als relevante objektive Beweismittel vor. 

1.6. Nachfolgend ist insoweit auf die vorhandenen Beweismittel einzugehen, als 

dies für die Sachverhaltserstellung notwendig ist. 

2.

Beweiswürdigung

Die Vorinstanz hat eine im Ergebnis zutreffenden Beweiswürdigung vorgenommen, 

auf  welche  grundsätzlich  vorab  verwiesen  werden  kann  (Urk.  46  S.  10  ff.  und 

Ziff. 1.2 hiervor). Die nachfolgende Erwägungen sind als die vorinstanzliche Erwä-

gungen ergänzend zu verstehen. 

2.1. Aussagen Beschuldigter

2.1.1. Der Beschuldigte sagte zunächst gegenüber der Polizei aus, dass er und der 

Privatkläger im Restaurant "E._____" noch getrunken hätten. Der Privatkläger habe 

- 14 -

ihn gefragt, ob er auch etwas zu Hause zum Trinken habe. Sie hätten beide ziem-

lich viel getrunken und seien besoffen gewesen, als sie das Restaurant verlassen 

hätten (Urk. 3/1 F/A 7, 13, 20, 28). Bei ihm (dem Beschuldigen) zu Hause hätten 

sie dann noch Bier und Whisky getrunken und hätten dann Sex gehabt. Dies sei in 

diesem besoffenen Zustand nicht gegangen. Der Privatkläger habe dann die anale 

Befriedigung mit der Hand gewollt. Er wisse nicht mehr genau, wie alles abgelaufen 

sei. Er sei anal mit der Hand "rein". Er wisse noch, dass er (der Privatkläger) es 

gewollt habe. Auf Nachfrage, weshalb er das wisse, schaute der Beschuldigte ge-

mäss Protokollnotiz fragend und zuckte mit der Schulter. Er könne das jetzt nicht 

mehr sagen, weshalb er das gewusst habe (Urk. 3/1 F/A 28, 31, 32, 34, 40 f.). Der 

Privatkläger habe nichts gesagt und keine Schmerzen (gehabt), das heisse, dass 

er es gewollt habe (Urk. 3/1 F/A 45). Er (der Beschuldigte) sei homosexuell (Urk. 

3/1 F/A 83). Die sexuelle Ausrichtung des Privatklägers wisse er nicht (Urk. 3/1 F/A 

84). 

Den eigentlichen Tathergang schilderte er wie folgt: In der Wohnung seien sie auf 

dem Sofa gesessen und hätten Bier und Whisky getrunken. Sie hätten auch Kokain 

konsumiert bzw. geschnupft. Sie hätten sich dann geküsst. Er wisse nicht mehr, 

wer die Initiative ergriffen habe (Urk. 3/1 F/A 118 f., 135). Er wisse nicht mehr, wie 

es weitergegangen sei (Urk. 3/1 F/A 101, 108 f.). Er vermute, dass der Privatkläger 

seine Hose selbst ausgezogen habe (Urk. 3/1 F/A 115 f.). Er habe "keine Ahnung, 

wie es gekommen ist". Er könne sich nicht mehr erinnern, wer was gemacht habe 

(Urk. 3/1 F/A 139). Kurz darauf gab er an, dass der Privatkläger ihn oral befriedigt 

habe, wobei seine Erinnerung schlecht sei. Er glaube [es]. Es habe nicht funktio-

niert. Er [der Penis] sei nicht gestanden (Urk. 3/1 F/A 142, 160). Danach sei er (der 

Privatkläger)  mit  dem  Rücken  auf  dem  Sofa  gelegen  und  habe  seine  Füsse  auf 

dem Boden gehabt. Er sei wie angelehnt mit dem Gesäss vorne an der Sofakante 

gewesen, als er (der Beschuldigte) die Hand eingeführt habe (Urk. 3/1 F/A 150 f.). 

Er (der Privatkläger) habe es gewollt (Urk. 3/1 F/A 153). Er (der Beschuldigte) habe 

Gleitmittel benutzt (Urk. 3/1 F/A 154). Die Frage, ob der Privatkläger ansprechbar 

gewesen sei und sie sich unterhalten hätten, bejahte der Beschuldigte. Der Privat-

kläger habe zum Beispiel "Schmerzen hat er gesagt, nein" gesagt. Er habe nicht 

gejammert.  Er  habe  gesagt,  er  (der  Beschuldigte)  könne  machen,  was  er  wolle 

- 15 -

(Urk. 3/1 F/A 157 f.). Er (der Beschuldigte) habe noch nie jemanden die Hand anal 

eingeführt.  Er  habe  es  nur  im  Film  gesehen  und  es  einmal  ausprobieren  wollen 

(Urk. 3/1 F/A 162 ff.). Es sei in der fraglichen Nacht gutgegangen. Er habe keine 

Gewalt angewandt. Er wisse nicht mehr, wie weit er die Hand eingeführt habe. Der 

Privatkläger habe überhaupt nicht reagiert. Er sei nicht bewusstlos gewesen und 

habe es gemocht. Auf Nachfrage, weshalb er das wisse, führte er aus, der Privat-

kläger sei zwei Meter und 100 kg. Er (der Beschuldigte) könne ihn sicher nicht ver-

gewaltigen. Der Privatkläger könne sich wehren, wenn er das nicht wolle (Urk. 3/1 

F/A 167 ff.). Der Privatkläger sei ganz ruhig gewesen (Urk. 3/1 F/A 174). Er (der 

Beschuldigte)  sei  mit  den  Knien  am  Boden  gewesen  und  habe  die  Beine  des 

Privatklägers  auseinander  gehalten.  Die  Beine  seien  unten  gewesen  (Urk.  3/1 

F/A 179 f.). 

Weder  der  Beschuldigte  noch  der  Privatkläger  hätten  eine  Erektion  oder  einen 

Samenerguss gehabt (Urk. 3/1 F/A 175 ff.). Der Privatkläger habe es gewollt, damit 

er ihn "am Po" berühren könne, und ihn zu den Handlungen aufgefordert. Er habe 

keinen Schmerz gezeigt. Seine Hand sei problemlos rein gegangen (Urk. 3/1 F/A 

183, 185 und 187). Als er mit der Hand drin gewesen sei, habe er sie vor und zurück 

bewegt (Urk. 3/1 F/A 188), wobei er nicht wisse, wie weit. Als er das Blut an seiner 

Hand gesehen habe, habe er aufgehört und die Hände gewaschen (Urk. 3/1 F/A 

189, 192). Bis ca. 3 bis 4 cm hinter dem Handgelenk sei Blut gewesen (Urk. 3/1 

F/A 200). Der Privatkläger habe nichts gemacht. Er (der Beschuldigte) habe ihm 

ein Tuch gegeben. Er (der Privatkläger) habe nicht reagiert. Er (der Beschuldigte) 

habe ihm gesagt, dass da Blut sei. Er (der Beschuldigte) sei dann ins Bett gegan-

gen. Ca. eine Stunde später habe er (der Beschuldigte) gehört, dass der Privat-

kläger Schmerzen habe (Urk. 3/1 F/A 193). Der Privatkläger habe nicht reagiert, als 

er ihm gesagt habe, dass Blut komme. Er habe nicht geschrien, nichts. Er habe es 

genossen. Auf Nachfrage, warum er (der Beschuldigte) dies wisse, gab er an, der 

Privatkläger habe gelacht und nichts gesagt. Er habe nicht gesagt, dass er Schmer-

zen habe. Er habe so gezeigt, dass er es genossen habe (Urk. 3/1 F/A 217 ff.). Der 

Privatkläger habe ein zufriedenes, lachendes Gesicht gezeigt (Urk. 3/1 F/A 226). 

Er (der Beschuldigte) habe nur seine Hand anal eingeführt und keinen Gegenstand 

benutzt (Urk. 3/1 F/A 228). 

- 16 -

2.1.2. Anlässlich  der  Hafteinvernahme  hielt  der  Beschuldigte  an  seiner  Aussage 

fest, wonach es zunächst zu Küssen und zum versuchten Oralverkehr gekommen 

sei (Urk. 3/2 F/A 23, 25). Der Privatkläger habe zu ihm gesagt "mach was du willst" 

(Urk. 3/2 F/A 30). Der Privatkläger habe die Penetration mit der Hand genossen, 

das  wisse  er  aufgrund  des  Gesichts.  Er  habe  gelacht.  Es  sei  auch  für  ihn  (den 

Beschuldigten) ein Fragezeichen, dass der Privatkläger keine Schmerzen gehabt 

habe. Er hätte sich schon beklagt, wenn er es nicht gewollt hätte (Urk. 3/2 F/A 34 

f.). Er habe nichts gesagt, als es zu bluten begonnen habe (Urk. 3/2 F/A 36). Zuvor 

habe  er  die  Hand  mit  Gleitcreme  hinein  gestossen  und  drinnen  bewegt.  Er  sei 

erschrocken, als er geblutet habe (Urk. 3/2 F/A 37 und 40). Die Frage, ob er das 

Gefühl gehabt habe, dass der Privatkläger schwer verletzt sei, bejahte der Beschul-

digte  (Urk.  3/2  F/A  42).  Der  Privatkläger  sei  wach  gewesen,  habe  aber  "wie 

geschlafen"  und  nicht  reagiert  (Urk.  3/2  F/A  44).  Der  Privatkläger  sei  schwach 

gewesen. Er habe nicht geschlafen, aber nichts gesagt und nicht reagiert. Er wisse 

nicht,  ob  der  Privatkläger  in  einem  Zustand  eines  Filmrisses  gewesen  sei.  Das 

könne schon sein (Urk. 3/2 F/A 45 und 49). Er wisse nicht, weshalb er (der Beschul-

dige)  das  "Fistfucking"  gemacht  habe.  Er  habe  das  in  Filmen  gesehen  (Urk.  3/2 

F/A 60  und  61).  Er  habe  dem  Privatkläger  keine  Substanzen  verabreicht.  Der 

Privatkläger habe Kokain geschnupft (Urk. 3/2 F/A 69 f.). 

2.1.3. Im  Rahmen  der  Schlusseinvernahme  gab  der  Beschuldigte  zunächst  an, 

dass er und der Privatkläger in der fraglichen Nacht Kokain konsumiert hätten und 

betrunken gewesen seien (Urk. 3/3 F/A 23 und 41 f.). 

Den Ablauf der Tatnacht schilderte er neu wie folgt: Der Privatkläger sei zunächst 

bei ihm zu Hause auf die Toilette gegangen und habe gleich geduscht. Er habe das 

einfach gemacht. Er sei direkt in die Dusche gegangen, habe sich ausgezogen und 

geduscht. Dies sei für ihn (den Beschuldigten) ein Zeichen gewesen, dass er für 

Sex gekommen sei (Urk. 3/3 F/A 31 f.). Der Privatkläger sei aus seiner Sicht homo-

sexuell  gewesen  (Urk.  3/3  F/A  30).  Er  sei  nackt  aus  der  Dusche  gekommen 

(Urk. 3/3 F/A 44). Wie es dann weitergegangen sei, könne er sich nicht mehr genau 

erinnern (Urk. 3/3 F/A 45). Nach einem kurzen Unterbruch der Einvernahme führte 

der Beschuldigte dann aus, der Privatkläger habe ihm gesagt "Mein Arsch ist voller 

- 17 -

Pommes-Frites, ich gehe in die Dusche und mache mich sauber für Dich". Als er 

wieder  rausgekommen  sei,  habe  er  gesagt  "jetzt  kannst  Du  mit  meinem  Arsch 

machen, was Du willst". Er habe auf keinen Fall K.O. Tropfen verwendet, dies sei 

gelogen.  Er  habe  ihn  auch  nicht  gezwungen,  Kokain  zu  konsumieren  (Urk.  3/3 

F/A 47). Der Privatkläger habe ihm zunächst "eins geblasen", was nicht funktioniert 

habe. Dann habe er gewollt, dass der Beschuldigte ihn anal mit der Hand befriedige 

(Urk. 3/3 F/A 50). Er habe seine Hand anal in den Privatkläger eingeführt, wobei er 

ihn (den Beschuldigten) zuvor noch gefragt habe, ob er eine Creme habe. Er habe 

seine Hand mit Creme eingeschmiert und sei eingedrungen, wobei er nicht mehr 

wisse, wie weit. Als es zu bluten angefangen habe, habe er aufgehört. Die Hand 

habe er still gehalten (Urk. 3/3 F/A 52 ff.). Einen Gegenstand habe er nicht einge-

führt (Urk. 3/3 F/A 64). Der Zustand des Privatklägers sei gut gewesen. Er sei wach 

gewesen (Urk. 3/3 F/A 68 und 72). Auf Ergänzungsfragen des Verteidigers führte 

der Beschuldigte aus, er habe das Gefühl gehabt, das Analfisting habe dem Privat-

kläger gefallen, da er sich vorher sauber gemacht habe. Er (der Privatkläger) sei 

duschen gegangen, weil er Sex gewollt habe (Urk. 3/3 F/A 78 f.). 

2.1.4. Anlässlich der Hauptverhandlung hielt der Beschuldigte daran fest, dass der 

Privatkläger nach Feierabend zum ihm gekommen sei und gefragt habe, ob er Bier 

habe und ob sie nicht zu ihm (dem Beschuldigten) nach Hause gehen könnten. Als 

sie  zu  Hause  gewesen  seien,  habe  er  (der  Privatkläger)  gesagt,  er  habe  zu  viel 

Pommes-Frites gegessen, er müsse sich erleichtern. Er müsse sich waschen und 

vorbereiten.  Danach  habe  er  gesagt,  dass  er  (der  Beschuldigte)  mit  ihm  alles 

machen könne, was er wolle (Prot. I S. 13 und 16). Der Privatkläger sei ganz normal 

aus dem Taxi ausgestiegen und in die Wohnung gegangen. Er (der Privatkläger) 

habe keine Stütze oder Hilfe gebraucht und sei nicht betrunken gewesen. Er habe 

sich  dann  ausgezogen  und  sei  ins  Badezimmer  gegangen  (Prot.  I  S.  19  f.).  Der 

Beschuldigte habe Bier und Whisky gebracht, die Getränke auf den Tisch gelegt 

und gewartet, bis der Privatkläger gekommen sei. Sie hätten dann getrunken. Der 

Privatkläger sei auf dem Sofa gelegen. Seine Füsse seien unten gewesen. Er sei 

entspannt gewesen und habe gesagt, der Beschuldigte dürfe machen, was er wolle, 

er  sei  bereit  (Prot.  I  S.  20).  Der  Privatkläger  habe  gewollt,  dass  er  sich  anal 

vergnüge.  Er  habe  gesagt,  dass  er  sich  waschen  würde  und  Analsex  möchte 

- 18 -

(Prot. I  S.  21).  Er  (der  Beschuldigte)  sei  mit  seiner  rechten  Faust  eingedrungen, 

wobei es sein könne, dass er mehr als einmal eingedrungen sei (Prot. I S. 21). Der 

Privatkläger  habe  ihn  gefragt,  ob  er  über  eine  Creme  oder  Salbe  verfüge.  Auf 

Frage, ob es zu anderen sexuellen Handlungen ausser der Analpenetration gekom-

men  sei,  gab  der  Beschuldigte  an,  zu  Küssen  (Prot.  I  S.  22).  Der  Beschuldigte 

betonte,  dass  der  Privatkläger  gesagt  habe,  er  wolle  das  mit  der  Hand.  Er  (der 

Beschuldige) sei einverstanden gewesen (Prot. I S. 23). Er (der Beschuldigte) habe 

ihm gesagt, dass er es auf dem i-Pad gesehen habe, aber nie gemacht habe (Prot. I 

S.  23).  Er  (der  Beschuldigte)  sei  auf  den  Knien  gewesen,  als  er  die  Hand,  an 

welcher er Creme gehabt habe, eingeführt habe. Der Privatkläger sei auf dem Sofa 

gelegen. Seine Füsse seien auf dem Boden gewesen. Der Rücken sei angelehnt 

gewesen  (Prot.  I  S.  24).  Zwischen  den  Getränken  hätten  sie  Kokain  genommen 

(Prot. I S. 25). Er glaube nicht, dass der Privatkläger dies noch nie gemacht habe, 

da er sofort ins Badezimmer gegangen sei, um sich zu waschen (Prot. I S. 26). Es 

habe nach dem Einführen etwa eine Viertelstunde oder zehn Minuten gedauert, bis 

er das Blut an der Hand bemerkt und aufgehört habe (Prot. I S. 27). Der Privatkläger 

habe  nichts  gemacht.  Er  habe  gelacht  und  sei  nicht  in  Ohnmacht  gefallen.  Der 

Privatkläger habe gemerkt, dass er blute und habe das Blut selber mit dem Tuch 

gereinigt (Prot. I S. 27). Als er die Hand eingeführt habe, habe er sie mit Sicherheit 

bewegt.  Der  Privatkläger  habe  es  genossen,  weil  er  gelacht  habe.  Er  habe  ihm 

(dem  Privatkläger)  in  die  Augen  gesehen  und  er  habe  gelacht  und  sei  zufrieden 

gewesen (Prot. I S. 31). 

2.1.5. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zusammenge-

fasst  aus,  der  Privatkläger  habe  ihm  gesagt,  dass  er  ihn  mit  der  Hand  bzw.  der 

Faust anal penetrieren soll. Auf Vorhalt, dass er in der Untersuchung noch gesagt 

habe, der Privatkläger habe ihm gesagt, er könne mit ihm machen, was er wolle, 

gab der Beschuldigte an, er (der Privatkläger) habe es ihm anders gezeigt, was er 

wolle.  Er  sei  ins  Bad  gegangen,  um  sich  zu  waschen  und  dann  nackt  aus  der 

Dusche  gekommen.  Der  Privatkläger  habe  die  Analpenetration  genossen.  An 

weitere Details konnte sich der Beschuldigte nicht mehr erinnern (Urk. 61). 

- 19 -

2.1.6. Der Beschuldigte präsentierte nach dem Dargelegten unterschiedliche Ver-

sionen zum eigentlichen Tathergang, was insgesamt entgegen den Ausführungen 

der  Verteidigung  kein  konsistentes  Aussageverhalten  darstellt  und  gegen  seine 

Glaubhaftigkeit  in  diesen  Punkten  spricht.  Der  Beschuldigte  betonte  zwar  von 

Beginn  an,  dass  der  Privatkläger  die  Analpenetration  gewollt  habe.  Die  Gründe, 

weshalb er von einem einvernehmlichen Akt ausging, gehen jedoch diametral aus-

einander.  Zunächst  antwortete  er  mit  Schulterzucken  und  Nichtwissen.  Im  Laufe 

der  Untersuchung  bzw.  des  Verfahrens  schrieb  er  dem  Privatkläger  dann  eine 

immer aktiv werdende Rolle zu, um den Akt als einvernehmlich darstellen zu kön-

nen. Zu Beginn der Untersuchung war nie die Rede davon, dass der Privatkläger 

sogleich ins Badezimmer duschen gegangen sei, sich ausgezogen habe und ihn 

(den  Beschuldigten)  danach  geradezu  zur  Analpenetration  aufgefordert  habe. 

Insbesondere die Aussage, wonach der Privatkläger gesagt habe, "sein Arsch sei 

voller Pommes frites, weswegen er sich wasche und sauber mache", kam offen-

sichtlich erst später hinzu. Dabei handelt es sich um eine so spezielle und zugleich 

zentrale  Aussage,  die  man  nicht  einfach  so  vergisst.  Es  ist  vielmehr  mit  der 

Vorinstanz davon auszugehen, dass die Aussage den Angaben des Sachverstän-

digen PD Dr. med. F._____ bzw. dem Untersuchungsstand angepasst wurde, wo-

nach es beim Privatkläger möglicherweise vor dem Fisting eine Darmspülung ge-

geben habe, weshalb die Symptome sich erst spät manifestiert hätten (vgl. dazu 

hernach Ziff. 2.3 und Urk. 5/7 F/A 41). 

Dass der Privatkläger in einer fremden Wohnung – ohne zu fragen – einfach so 

duschen  geht,  um  "sich  sauber"  zu  machen,  ist  überdies  ungewöhnlich.  Dabei 

handelt es sich um eine nachgeschobene Behauptung des Beschuldigten, um sein 

Handeln zu rechtfertigen bzw. die Initiative dem Privatkläger zuzuschieben. Es ist 

aus den Aussagen des Beschuldigten erkennbar, dass zunehmend versucht wird, 

eine Version zu präsentieren, wonach es der Privatkläger sozusagen von Anfang 

an darauf abgesehen hat, eine Analpenetration vom Beschuldigten zu bekommen, 

obschon sich der Privatkläger selbst als heterosexuell bezeichnet (vgl. dazu her-

nach Ziff. 2.3 und Urk. 4/1 F/A 17 und Urk. 4/3 F/A 59). Auffallend ist in diesem 

Zusammenhang  auch,  dass  der  Beschuldigte  zu  Beginn der Untersuchung  noch 

angab, die sexuelle Orientierung des Privatklägers nicht zu kennen. Im Laufe des 

- 20 -

Strafverfahrens bezeichnete er den Privatkläger dann als homosexuell. Dem vom 

Beschuldigten  unbekannten  Privatkläger  wird  unterstellt,  bereits  Erfahrungen  mit 

Analpenetrationen  gehabt  zu  haben  und  sich  deswegen  extra  dafür  gereinigt  zu 

haben. So fällt auch auf, dass im Vorverfahren noch die Rede davon war, dass der 

Privatkläger ihn zuerst erfolglos oral zu befriedigen versucht habe. In der Hauptver-

handlung sprach der Beschuldigte nur noch von Küssen und der Analpenetration 

als erfolgte sexuelle Handlungen. Es ist davon auszugehen, dass man eine im Vor-

feld versuchte orale Befriedigung nicht einfach vergisst. Dies ist ein weiteres Indiz 

dafür, dem Privatkläger zu unterstellen, direkt die Analpenetration gewollt zu haben 

und spricht gegen den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen des Beschuldigten. Fest-

steht,  dass  sich  der  Beschuldigte  aktiv  im  Internet  über  "Fisting"  informierte  und 

entsprechende Pornos konsumierte. Dies ergibt sich auch aus dem Websuch-Ver-

lauf des Beschuldigten (Urk. 6/10). Entsprechend ist auch nicht davon auszugehen, 

dass dem Privatkläger eine aktive Rolle zukam und er den Beschuldigten auf die 

Idee  einer  Analpenetration  brachte.  Vielmehr  wollte  der  Beschuldige  dies  nach 

seinen eigenen Aussagen einmal ausprobieren. 

Im Weiteren passt die behauptete Position des Privatklägers – halb liegend auf dem 

Sofa mit den Füssen auf dem Boden – nicht zu einem leichten bzw. nicht gewalt-

samen Eindringen mit der Hand in den Anus. Die Rechtsvertreterin des Privatklä-

gers wies diesbezüglich vor Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass der Anus in dieser 

Position in Richtung Boden schaut und irgendwie zwischen Pobacke, Pofalte und 

Beinen eingeklemmt sein müsse (Prot. I S. 37), was ein einfaches Eindringen ohne 

Gewalt mit Sicherheit erschwert. Nicht konsistent ist der Beschuldigte darüber hin-

aus auch bei seinen Angaben, ob er die Hand im Anus des Privatklägers bewegt 

habe oder nicht. 

Seltsam  muten  sodann  seine  Aussagen  an,  wonach  er  aus  einem  Lächeln  des 

Privatklägers während der Analpenetration auf dessen Einverständnis bzw. Zufrie-

denheit geschlossen haben will, zumal er sich ja offenbar selbst darüber wunderte, 

dass der Privatkläger keine Schmerzen gezeigt habe. Der Beschuldigte konnte mit 

Ausnahme  dieses  Lächelns  während  des  gesamten  Aktes  keine  Reaktion  des 

Privatklägers  feststellen.  Selbst  nachdem  es  zu  einer  Blutung  kam,  welche  den 

- 21 -

Beschuldigten erstreckt habe, habe der Privatkläger nicht reagiert. Es finden sich 

sodann  auch  Aussagen  des  Beschuldigten,  wonach  der  Privatkläger  "schwach" 

gewesen sei und zwar wach, aber "wie geschlafen" habe. Dass ein wacher bzw. 

nicht bewusstloser Mensch bei einer Blutung aus dem Anus einfach weiter lächelt 

und  ansonsten  keinerlei  Reaktion  zeigt,  ist  absolut  lebensfremd  und  abwegig. 

Dementsprechend reagierte der Privatkläger auch mit Kopfschütteln und gab an, 

er könne sich das nicht vorstellen. Das tue sicher weh. Er sei sicher bewusstlos 

gewesen, als der Beschuldigte dies gemacht habe (vgl. Urk. 4/3 F/A 79). Die Wahr-

nehmungen  des  Beschuldigten  sprechen  vielmehr  dafür,  dass  der  alkoholisierte 

und  mutmasslich  unter  Kokaineinfluss  stehende  Privatkläger  nicht  (mehr)  in  der 

Lage war, das Geschehene um sich herum wahrzunehmen und adäquat zu reagie-

ren. Entsprechend konnte der Privatkläger auch nicht mehr kommunizieren und hat 

"wie geschlafen". In diesem Zusammenhäng fällt auch auf, dass der Beschuldigte 

zu Beginn noch behauptete, dem Privatkläger ein Tuch gegeben zu haben, worauf 

Letzterer nicht reagiert habe. Vor Vorinstanz gab er im Widerspruch dazu an, der 

Privatkläger  habe  das  Blut  selber  mit  dem  Tuch  gereinigt.  Dies  ist  ebenfalls  ein 

Indiz dafür, dass der Beschuldigte versucht, den Privatkläger als aktiv und wider-

standsfähig darzustellen. 

Den Aussagen des Beschuldigten, wonach die Analpenetration einvernehmlich ver-

laufen sei, ist demnach isoliert betrachtet wenig Glauben zu schenken. Wie noch 

zu  zeigen  sein  wird,  sprechen  ferner  entgegen  der  Auffassung  der  Verteidigung 

auch die erlittenen Verletzungen des Privatklägers bzw. die dazugehörigen medi-

zinischen Unterlagen sowie die Aussagen von PD Dr. med. F._____ für ein gewalt-

sames Eindringen mit der Hand (Ziff. 2.3 und 2.4 hernach). Dass der Privatkläger 

während des Vorfalls durchgehend wach und bei Bewusstsein gewesen sei bzw. 

den  Vorgang  genossen  habe,  steht  im  klaren  Widerspruch  zu  den  Angaben  des 

Beschuldigten, wonach er mit Ausnahme des Lächelns nie eine Reaktion gezeigt 

und  der  Privatkläger  "wie  geschlafen"  habe.  Die  Ausführungen  der  Verteidigung 

(Urk. 62 S. 18 f.), wonach der Privatkläger erst nach der Blutung "schwach" gewe-

sen  sei,  zielen  ins  Leere.  Es  ist  wenig  glaubhaft,  dass  der  Privatkläger  wenige 

Minuten zuvor noch voll da war und eine aktive Interaktion mit dem Beschuldigten 

stattgefunden hat. Es ist ferner auch ohne medizinische Kenntnisse davon auszu-

- 22 -

gehen, dass spätestens eine Blutung aus dem Anus mit gewissen Schmerzen bzw. 

zumindest  Beschwerden  verbunden  ist,  welche  der  Privatkläger,  wäre  er  bei 

Bewusstsein  gewesen,  auch  in  irgendeiner  Form  gezeigt  hätte  bzw.  zumindest 

aktiv auf die Blutung reagiert hätte. 

2.2. Aussagen Privatkläger

2.2.1. Zunächst  ist  betreffend  den  Privatkläger  darauf  hinzuweisen,  dass  er 

Anzeige gegen eine unbekannte Person erstattete (Urk. 1/1) und erst im Laufe der 

Untersuchung der Beschuldigte als Täter eruiert werden konnte (Urk. 1/1 S. 7), was 

für  den  Wahrheitsgehalt  seiner  Aussagen  spricht.  Der  Privatkläger  gab  sodann 

während allen drei Einvernahmen konstant zu Protokoll, dass er sich gemeinsam 

mit drei Kollegen bis ca. 23.00 Uhr bzw. Mitternacht im Restaurant "E._____" am 

D._____ aufgehalten habe und dort Pommes gegessen sowie Bier getrunken habe. 

Sie hätten sich verabschiedet und er sei in Richtung D._____ gegangen. Dann sei 

es ihm dunkel geworden. Von da an wisse er nichts mehr. Er habe einen "Blackout" 

bzw. Filmriss bis er am Tag darauf in der [fremden] Wohnung aufgewacht sei (Urk. 

4/1 F/A 7 und 11; Urk. 4/2 S. 4 und Urk. 4/3 F/A 26). Gegenüber der Polizei führte 

er aus, dass die Ärzte ihm gesagt hätten, dass er es melden müsse, weil es gra-

vierender sei, als er angenommen habe (Urk. 4/1 F/A 7). Als er in der Wohnung 

erwacht sei, habe er einen Brummschädel gehabt wie noch nie zuvor. Er sei sehr 

benommen gewesen und sei so schnell wie möglich aus der Wohnung (Urk. 4/1 

F/A 12). Seine Kleider habe er neben ein paar Handtüchern gefunden, welche blut-

verschmiert gewesen seien (Urk. 4/1 F/A 15). Er sei heterosexuell und nehme keine 

Drogen (Urk. 4/1 F/A 17 und 20). Er habe an jenem Abend fünf oder sechs Biere 

gehabt, davon würde es ihm nicht so übel werden. Er sei sicher unter Drogen ge-

standen (Urk. 4/1 F/A 7, 30). Die Frage, ob er analen Sexualpraktiken zustimmen 

würde oder solche schon praktiziert habe, verneinte der Privatkläger ausdrücklich 

und gab an, er sei hetero und "alte Schule" mit Freundin und fertig. Kein Partner-

tausch oder so (Urk. 4/2 S. 4). Zu  seinem damaligen Zustand ergänzte er, dass 

dies nicht nur Alkohol gewesen sei. Er habe auch schon sehr viel getrunken, aber 

so sei es nicht gewesen. Er sei durcheinander gewesen (Urk. 4/2 S. 5). 

- 23 -

2.2.2. Gegenüber  der  Staatsanwaltschaft  führte  der  Privatkläger  ebenfalls  aus, 

dass er an jenem Abend nur Bier getrunken habe, wobei es etwa 7, 8 oder 9 Biere 

gewesen seien. Er erinnere sich, dass er Richtung D._____ habe gehen wollen, 

um mit dem Zug nach I._____ zu fahren. Von da an wisse er nichts mehr, bis er in 

der fremden Wohnung um den Mittag herum aufgewacht sei. Er habe Panik und 

Angst gehabt und viele Schmerzen im Kopf und im Bauch. Seine Kleider seien am 

Boden gewesen und er habe sich schnell angezogen und die Wohnung verlassen 

(Urk.  4/3  F/A  26  ff.).  Er  habe  Schmerzen  und  Schwindel  gehabt  und  sich  in  der 

J._____ auf eine Bank gesetzt. Er habe mit einem Kollegen namens K._____ tele-

foniert und ihm gesagt, dass er nicht wisse, was passiert sei und überall Schmerzen 

habe. Plötzlich sei ein anderer Kollege namens L._____ gekommen und habe ihm 

gesagt,  er  solle  ins  Spital  gehen.  Er  (der  Privatkläger)  habe  gesagt,  nein,  das 

komme schon gut. L._____ habe ihm ein Taxi bestellt und er sei nach Hause ge-

fahren (Urk. 4/3 F/A 33). Er sei nicht jemand, der gerne zum Arzt gehe (Urk. 4/3 

F/A 36). Zu Hause in seiner Wohnung habe er immer wieder grosse Schmerzen 

gehabt  und  dann  sei  es  wieder  besser  und  schlechter  gegangen.  Er  habe  nicht 

mehr schlafen können aufgrund der Schmerzen. Plötzlich am Morgen des 14. Mai 

sei es wirklich schlimm gewesen wegen der Schmerzen. Er habe fast nicht mehr 

aufstehen  können.  Er  habe  ein  Taxi  gerufen  und  sei  ins  Spital  Triemli  gefahren 

(Urk. 4/3 F/A 37 f.). In der Zeit vom 11. bis 14. Mai habe er nicht stuhlen müssen. 

Er habe keinen Hunger gehabt und fast nichts gegessen. Einmal sei er urinieren 

gegangen. Sein Bauch sei am Samstagmorgen stark geschwollen gewesen (Urk. 

4/3 F/A 39). Er habe nicht gewusst, dass es so schlimm sei. Am Samstagmorgen 

habe er es realisiert. Wenn er es gewusst hätte, wie schlimm es um ihn stehe, wäre 

er sofort ins Spital gegangen (Urk. 4/3 F/A 44 und 58). Der Privatkläger erklärte 

erneut,  dass  er  wirklich  keine  Erinnerung  habe.  Vielleicht  habe  der  Beschuldigte 

ihm schon im "E._____" etwas ins Getränk gegeben. Er habe die Biere schon ge-

spürt, aber sei bis 24.00 Uhr nicht bewusstlos gewesen bzw. habe alles im Griff 

gehabt (Urk. 4/3 F/A 49 f.). Er sei weder homosexuell noch habe er sexuelle Erfah-

rungen mit Männern oder Analverkehr gehabt (Urk. 4/3 F/A 59 ff.). Er sei auch nicht 

bisexuell (Urk. 4/3 F/A 73). Auf Nachfrage, ob er sich erinnern könne, dass er zum 

Beschuldigten mitgegangen sei, gab der Privatkläger an, er könne sich das vorstel-

- 24 -

len. Früher sei er auch nach einer Party zu jemandem nach Hause oder die Leute 

seien zu ihm gekommen, wenn die Bars geschlossen hätten (Urk. 4/3 F/A 75). Er 

glaube,  der  Beschuldigte  habe  ihm  etwas  ins  Bier  getan  und  ihm  vielleicht  beim 

Gehen geholfen (Urk. 4/3 F/A 91 und 93). 

2.2.3. Die Aussagen des Privatklägers sind durchwegs konstant und sprechen für 

tatsächlich Erlebtes. Es gibt keinen Grund, weshalb der Privatkläger einen Filmriss 

behaupten bzw. erfinden sollte, wenn er keinen solchen erlitten hatte. Selbst der 

Beschuldigte tätigte einmal die Aussage, dass es sein könne, dass der Privatkläger 

in einem Filmriss gewesen sei. Er wisse es nicht (vgl. Urk. 3/2 F/A 49). Dafür spricht 

überdies  das  Verhalten  des  Privatklägers  nach  dem  Vorfall,  indem  er  seinen 

Zustand  bzw.  die  Verletzungen  offensichtlich  unterschätzte  und  darauf  vertraute 

bzw. hoffte, dass es (die Bauchschmerzen) schon wieder ohne ärztliche Behand-

lung  gut  kommt.  Entsprechend  lehnte  er  zunächst  auch  einen  Spitaleintritt  ab, 

wobei er offenbar auch Angst vor den Kosten hatte. Dass sich der Privatkläger bis 

am Mittag des 12. Mai in der Wohnung des Beschuldigten aufhielt, ergibt sich auch 

aus der Datenauswertung des Mobiltelefons des Privatklägers (Urk. 1/2 S. 7). Der 

Privatkläger hatte offensichtlich zu Beginn der Untersuchung auch keine Ahnung, 

wer ihm diese (schweren) Verletzungen zufügte. Ansonsten hätte er nicht gegen 

Unbekannt eine Anzeige erstattet. Einen Filmriss zu erfinden, um sein Einverständ-

nis  für  die  Analpenetration  zu  leugnen,  ist  vor  dem  Hintergrund  einer  zunächst 

unbekannten Täterschaft völlig abwegig. Der Privatkläger belastete den Beschul-

digten auch nicht übermässig, sondern gab lediglich an, dass er glaube, er habe 

ihm aufgrund seines Zustandes Drogen verabreicht. Die Aussagen, einen Filmriss 

gehabt zu haben und sich nicht mehr erinnern zu können, was passiert sei, schil-

derte der Privatkläger zudem kurz nach dem Verlassen der Wohnung des Beschul-

digten auch gegenüber seinen Arbeitskollegen K._____ und L._____. Beide hatten 

ferner den Eindruck, dass sich der Privatkläger in einem "vernebelten" / "gedämpf-

ten" Zustand bzw. einer Verfassung "Irgendwie von weit weg her" befunden habe 

und über Schmerzen insbesondere am Bauch geklagt habe (Urk. 5/1 F/A 18 und 

19; Urk. 5/2 F/A 8, 18 ff., 33; Urk. 5/4 F/A 32). Der Privatkläger habe gegenüber 

K._____ auch mehrfach gesagt, dass er das Gefühl habe, jemand habe ihn unter 

Drogen gesetzt (Urk. 5/1 F/A 9 f. und Urk. 5/2 F/A 14). 

- 25 -

Gewisse Ungereimtheiten weisen die Aussagen des Privatklägers in Bezug auf die 

Vorgeschichte  auf.  Den  Aussagen  des  Privatklägers  kann  nicht  entnommen 

werden,  weshalb  er,  nachdem  er  zusammen  mit  seinen  Arbeitskollegen  das 

Restaurant "E._____" verliess und in Richtung Bahnhof D._____ lief, wieder zum 

Beschuldigten zurückging. Der Privatkläger räumte jedoch ein, dass es sein könne, 

dass  er  in  die  Wohnung  des  Beschuldigten  mitgegangen  sei.  Dass  sein  Filmriss 

bzw. sein Erinnerungsverlust gerade ab diesem Zeitpunkt einsetzt, mag in dieser 

Konstellation überraschend sein, führt indessen entgegen der Auffassung der Ver-

teidigung nicht dazu, dass der Privatkläger lügt bzw. den Filmriss erfunden hat, um 

das tatsächlich Vorgefallene zu verheimlichen. Die Aufnahmen der SBB bestätigen 

zudem die Aussagen des Privatklägers, wonach er sich zunächst Richtung Bahnhof 

D._____  begab,  aber  dann  auf  dem  Videomaterial  nicht  mehr  erscheint  (Urk.1/2 

S. 5 f., Urk. 2/1 S. 8 f.). Entgegen den Ausführungen der Verteidigung bedeutet ein 

Filmriss auch nicht, dass man zu jenem Zeitpunkt gar nicht mehr handlungsfähig 

ist. Das Erinnerungsvermögen an das Vorgefallene ist einfach nicht mehr vorhan-

den bzw. dieser Zeitraum erscheint dunkel. Auch aus dem Umstand, dass sich der 

Taxichauffeur an die fragliche Fahrt mit dem Beschuldigten und dem Privatkläger 

nicht (mehr) erinnern konnte (vgl. Urk. 62 S. 31), kann ferner freilich nicht indirekt 

abgeleitet werden, dass alles in Ordnung gewesen sein muss und der Privatkläger 

bezüglich seines Filmrisses wahrheitswidrig aussagte. 

Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  der  Privatkläger  als  heterosexuell 

bezeichnete und angab, weder sexuelle Erfahrungen mit Männern noch Analver-

kehr  gehabt  zu  haben.  Seine  Arbeitskollege  K._____  und  L._____  gaben  dazu 

beide an, dass sie wissen, dass er verheiratet gewesen sei. K._____ ergänzte, der 

Privatkläger habe in Diskussionen immer verneint, schwul zu sein (Urk. 5/3 F/A 24, 

Urk. 5/4 F/A 30). Entsprechend ist die Version des Beschuldigten, wonach der Pri-

vatkläger die Analpenetration gewollt bzw. ihn durch seine Duschaktion dazu auf-

gefordert habe, auch vor dem Hintergrund der sexuellen Orientierung des Privat-

klägers äusserst unwahrscheinlich. Die Aussagen des Privatklägers fallen insge-

samt schlüssig, lebensnah und glaubhaft aus. Daran ändert im Übrigen entgegen 

der Auffassung der Verteidigung auch nichts, dass der Privatkläger nach den An-

gaben von K._____ und L._____ gerne Alkohol trinke und relativ viel Alkohol ver-

- 26 -

trage (Urk. 5/1 F/A 27 und 28; Urk. 5/2 F/A 35; Urk. 5/3 F/A 21; Urk. 5/4 F/A 23 f.). 

An jenem Abend war den Angaben des Beschuldigten folgend nicht nur Alkohol, 

sondern auch Kokain im Spiel. 

2.3. Aussagen des Sachverständigen

Der Sachverständige PD Dr. med. F._____ (Proktologe) führte sachdienlich aus, 

dass ein "Fisting "möglich sei, wenn der Patient Erfahrungen in Analmanipulationen 

habe oder wenn sich das Ereignis über einen längeren Zeitraum, vielleicht ca. 1 

Stunde  hinziehe.  Trotzdem  müsse  er  sagen,  dass  es  wenig  wahrscheinlich  sei, 

dass eine Person ein "Fisting" ertrage, die diesbezüglich keine Erfahrungen habe. 

"Fisting" könne schmerzfrei erfolgen bei Gewohnheit und auch wieder bei einer lan-

gen "Aufwärmzeit" (Urk. 5/7 F/A 12 f.). Ohne Vorkenntnisse, ohne entsprechende 

Vorbereitung sei es wenig wahrscheinlich, dass jemand bei einer Person, welche 

zwar bei Bewusstsein sei, aber nicht aktiv mitwirke, mit der Faust derart tief in den 

Analbereich eindringe. Es sei möglich, dass die erlittenen Verletzungen des Privat-

klägers durch ein unsachgemäss ausgeführtes "Fisting" verursacht worden seien 

(Urk. 5/7 21 f.). Wenn man es [den Arztbericht des Stadtspitals Triemli] lese, müsste 

man denken, dass die Verletzungen eher von einem stumpfen, harten Gegenstand 

stammten. Es gebe Verletzungen in unterschiedlichen Ebenen des Darms und das 

in verschiedene Richtungen. Es werde auch beschrieben, dass es Perforationen 

gebe, die vom Analkanal in die Bauchhöhle hineinreichten. Dies spreche eher für 

einen dünneren Gegenstand. Auf Frage, ob die Verletzungen auch durch "Fisting" 

erklärbar seien, gab er an, dass dies schwierig zu sagen sei. Es werde von Perfo-

rationskanälen  und  nicht  einfach  von  diffusen  Zerreissungen  im  Bericht  gespro-

chen, was eher für einen Gegenstand spreche. Wenn die Verletzungen von einem 

"Fisting"  stammten,  sei  dies  relativ  unsensibel  gewesen.  Verletzungen  seien  bei 

solchen Praktiken sehr selten. Ein solch diffuses Verletzungsmuster mit Perforati-

onskanälen  in  verschiedene  Richtungen  habe  er  noch  nie  gesehen  und  spreche 

auch nicht für "Fisting". Die Frage, ob es denkbar sei, dass die Verletzungen durch 

ein unkoordiniertes Einsetzen ausgestreckter Finger verursacht worden seien, be-

jahte der Sachverständige (Urk. 5/7 F/A 23 ff.). Die ersten zwei bis drei Zentimeter 

des Analbereichs seien sehr schmerzempfindlich. Die Verletzung des Schliessmus-

- 27 -

kels sei sehr schmerzhaft, wobei gemäss Bericht [des Stadtspitals Triemli] ein Drit-

tel des Muskels zerrissen sei. Dies sei sehr schmerzhaft. Alle anderen Verletzun-

gen würden erst nach Stunden schmerzhaft. Aufgrund der erlittenen Schliessmus-

kelverletzung sei es unwahrscheinlich, dass die betroffene Person keine Schmer-

zen empfunden habe (Urk. 5/7 F/A 28 ff.). Eine Perforation des Schliessmuskels 

sei auch für eine geübte Person schmerzhaft (Urk. 5/7 F/A 34). Für ein "Fisting" 

brauche es zwingend ein Gleitmittel, weil der Darm nicht über ein eigenes Gleitmit-

tel verfüge, wie beispielsweise die Scheide der Frau (Urk. 5/7 F/A 32). Aufgrund 

der Schmerzen bei der Dehnung des Schliessmuskels komme es zu einer reflex-

artigen  Verspannung  des  Schliessmuskels.  Bei  einer  bewusstlosen  Person 

bräuchte es massive Gewalt für ein "Fisting". Leute, die fisten, hätten eine lange 

"Fishing-Karriere",  der  Schliessmuskel  sei  bei  diesen  Leuten  in  der  Regel  sehr 

schlaff (Urk. 5/7 F/A 37). Aufgrund des Verletzungsmusters (Schliessmuskel in ei-

nem 120-Grad-Winkel gerissen) müsse davon ausgegangen werden, dass Gewalt 

angewandt worden sei (Urk. 5/7 F/A 39). 

Der  Sachverständige  hielt  aufgrund  der  mehreren  Perforationen  des  Analkanals 

eine Beibringung der Verletzungen durch das Einführen eines Fingers und dessen 

unkoordinierten Bewegens in verschiedene Richtungen für eher wenig wahrschein-

lich. Der Analkanal sei durch den Schliessmuskel geschützt und es bräuchte dafür 

enorme  Kraft  (Urk.  5/7  F/A  40).  Schliesslich  wies  der  Sachverständige  in  der 

falschen Annahme, dass der Privatkläger erst 3 Tage (17. anstatt 14. Mai 2022) 

nach der Notfallkonsultation operiert worden sei, darauf hin, dass Verletzungen des 

Darms  normalerweise  in  Stunden  symptomatisch  würden  und  eine  Schliess-

muskelverletzung sofort. Es gebe eine Erklärung, weshalb die Symptome so spät 

manifest  geworden  seien:  Wenn  der  Darm  10  bis  30  Minuten  vor  dem  Analsex 

vorgespült  worden  sei.  Dies  werde  so  praktiziert  in  der  Homosexuellen-Szene 

(Urk. 5/7 F/A 41 f.). 

2.4. Medizinische Unterlagen 

2.4.1. Dem  Gutachten  zur  körperlichen  Untersuchung  des  Privatklägers  vom 

26. Juli  2022  (Untersuchungszeitpunkt:  15.  Mai  2022)  kann  entnommen  werden, 

dass bei der äusseren Untersuchung des Afters und der daran angeschlossenen 

- 28 -

proktologischen Untersuchung sich mehrere tiefgreifende Verletzungen des Anal-

kanals  bis  in  den  Mastdarm  reichend  zeigten,  mit  Aufweitung  des  Mastdarms, 

welche gesamthaft als Folge stumpfer, penetrierender Gewalteinwirkung zu werten 

seien.  Gemäss  Spitalunterlagen  hätten  weitere,  teils  langstreckige  Verletzungen 

vorgelegen,  die  zusätzlich  zu  Analkanal  und  Mastdarm  auch  das  enddarmnahe 

Dickdarmende  betroffen  hätten.  Nach  ihrer  rechtsmedizinischen  Einschätzung 

scheine die Entstehung der Verletzungen im geltend gemachten Ereigniszeitraum 

(11./12. Mai 2022) plausibel. Als Entstehungsmechanismus sei eine anale Pene-

tration  durch  ein  einfaches  oder  mehrmaliges  Einführen  einer  Hand  –  wie  der 

Beschuldigte es im Rahmen der Einvernahme beschrieben habe – geeignet, der-

artige  Verletzungen  hervorzurufen.  Prinzipiell  könnten  solche  Verletzungen  auch 

durch  Einführung  eines  Gegenstandes  entstehen,  sodass  dies  im  gegenständ-

lichen Fall nicht sicher ausgeschlossen werden könne (Urk. 8/4 S. 7 f.). 

Die  in  den  Spitalunterlagen  beschriebenen  Hohlorganperforationen  würden  aus 

rechtsmedizinischer Sicht generell die Gefahr eines Fremdmaterialaustritts, in dem 

Fall  Darminhalt,  in  die  Bauchhöhe  bergen,  was  letztlich  zu  einem  lebensgefähr-

lichen Entzündungszustand und unbehandelt zum Tod führen könne. Der Privat-

kläger  habe  bereits  bei  Spitaleintritt  einen  massiv  erhöhten  Entzündungswert  im 

Blut,  eine  Bauchfellentzündung  und  eine  Darmlähmung  (als  Reaktion  auf  die 

Bauchfellentzündung) gehabt, weshalb er sich aus rechtsmedizinischer Sicht schon 

bei Spitaleintritt in Lebensgefahr befunden habe. Ohne die stattgefundene medizi-

nische Behandlung (u.a. Operation und Gabe von Antibiotika) wäre der Privatkläger 

an den Folgen der erlittenen Darmverletzung mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit verstorben (Urk. 8/4 S. 8). 

Aufgrund  der  Verletzungen  des  analen  Schliessmuskelapparates  und  des  im 

Rahmen  der  Operationen  entfernten  Mastdarmsegmentes  könne  nicht  ausge-

schlossen  werden,  dass  beim  Privatkläger  lebenslang  eine  Einschränkung  der 

Stuhlfunktion, wie beispielsweise eine Stuhlinkontinenz bestehen werde (Urk. 8/4 

S. 8). 

2.4.2. Dem  Gutachten  zur  Haaranalyse  des  Instituts  für  Rechtsmedizin  vom 

20. Oktober 2022 kann entnommen werden, dass der Privatkläger wenige Stunden 

- 29 -

bis Tage vor der Sicherstellung der Haarprobe (15. Mai 2022) Kokain eingenom-

men habe (Urk. 8/6 S. 6). GHB und seine Vorläuferverbindung (K.O.-Tropfen) konn-

ten nicht festgestellt werden (Urk. 8/6 S. 7). 

2.4.3. Dem ärztlichen Bericht des Stadtspitals Triemli vom 11. November 2022 lässt 

sich entnehmen, dass der Privatkläger mehrere Perforationen des Analkanals mit 

mehreren Perforationskanälen in verschiedene Richtungen erlitten habe, wobei der 

innere Schliessmuskel über zirka 1/3 der Zirkumferenz zerstört worden sei, sodass 

eine Rekonstruktion nicht möglich gewesen sei. Die Perforationen hätten teilweise 

vom Analkanal via dem perirektalen Gewebe in die Bauchhöhle gereicht. Zudem 

habe eine Verletzung des Rektums ebenfalls mit mehreren Perforationskanälen in 

verschiedene  Richtungen  vorgelegen,  wobei  die  Verletzungen  bis  in  die  Bauch-

höhle reichten. Ferner seien mehrere langstreckige Perforationen des Dickdarms, 

einer  Schlitzung  (die  grösste  über  zirka  10-15  cm)  gleichend,  vorgelegen.  Durch 

die Verletzung des Dickdarms sei es zu Stuhlaustritt in die Bauchhöhle gekommen, 

was zu einer Entzündung der Bauchhöhle geführt habe. Eine mögliche Ursache für 

die  Verletzung  wäre  eine  anale  Penetration  mit  einem  mässig  harten,  mässig 

spitzen  Gegenstand  (Urk.  8/8  S.  1).  Die  Entzündung  der  Bauchhöhle  sei  eine 

unmittelbar lebensgefährliche Situation. Eine Notoperation sei nötig gewesen. Bei 

einem derartigen Ausmass der Verletzung sei die Anlage eines künstlichen Darm-

ausganges unumgänglich gewesen (Urk. 8/8 S. 2). Die Verletzung des Dickdarms 

an sich sei eine lebensgefährliche Verletzung, da diese unbehandelt mit höchster 

Wahrscheinlichkeit zum Tode führe. Der Privatkläger habe sich insbesondere zum 

Zeitpunkt  der  notfallmässigen  Vorstellung  in  einer  lebensgefährlichen  Situation 

befunden. Es sei davon auszugehen, dass er ohne ärztliche Behandlung gestorben 

wäre.  Dies  aufgrund  einer  kotigen  Peritonitis  (Entzündung  der  gesamten  Bauch-

höhle aufgrund Kotaustritt), was zu einer Blutvergiftung mit einem Multiorganver-

sagen geführt hätte (Urk. 8/8 S. 3). Dem Bericht kann auch entnommen werden, 

dass  der  Privatkläger  zum  damaligen  Zeitpunkt  bereits  9-mal  operiert  wurde 

(vgl. dazugehörige OP-Berichte in Urk. 8/11). 

2.5. Fazit

- 30 -

2.5.1. Nach  dem  Dargelegten  ist  festzuhalten,  dass  die  medizinischen  Berichte 

bzw. Befunde und Aussagen des Sachverständigen PD Dr. med. F._____ insge-

samt eher für eine Penetration mit einem Gegenstand als mögliche Ursache für die 

Verletzungen sprechen. Da der Beschuldigte die Benutzung eines Gegenstandes 

indessen in Abrede stellt und ein  "Fisting"  ebenfalls – wenn auch weniger wahr-

scheinlich – als mögliche Ursache genannt wird, ist davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte den Privatkläger durch das Einführen seiner Hand in den Anus ver-

letzte. Hierbei ist jedoch hervorzuheben, dass es gemäss den Einschätzungen des 

Sachverständigen  PD  Dr.  med.  F._____  aufgrund  des  Verletzungsbildes  um  ein 

"Fisting"  mit  Gewalt  gehandelt  haben  muss,  wobei  es  bei  einer  bewusstlosen 

Person  massive  Gewalt  braucht,  um  den  Schliessmuskel  zu  überwinden.  Die 

obgenannten dokumentierten Verletzungen des Privatklägers sind seitens der Ver-

teidigung unbestritten. Es ist mit der Verteidigung wohl davon auszugehen, dass 

es aufgrund des Zuwartens des Privatklägers zu einer Verschlechterung seines Zu-

standes  kam,  zumal  die  Verletzung  des  Dickdarms  durch  den  Kotaustritt  eine 

(schwere) Entzündung der Bauchhöhle verursachte, die einer dringenden Behand-

lung  bedurfte.  Dies  ändert  jedoch  nicht  an  der  Tatsache,  dass  der  Beschuldigte 

dem  Privatkläger  durch  die  Penetration  den  inneren  Schliessmuskel  um  einen 

Drittel zerstörte und Verletzungen bis in die Bauchhöhle und den Dickdarm zufügte, 

weshalb  der  Privatkläger  in  der  Folge  einen  künstlichen  Darmausgang  hatte 

(vgl. Urk.  8/8  S.  2).  Seit  der  Rückverlegung  leidet  der  Privatkläger  zudem  nach 

Angaben  seiner  Rechtsvertreterin  an  einer  Stuhlinkontinenz  und  ist  in  der 

Nahrungsaufnahme eingeschränkt (Urk. 30 S. 12 Rz. 28; vgl. auch Urk. 8/8 S. 2 

und Urk. 8/9). Dieser Zustand ist bis heute präsent, obschon der Privatkläger als 

körperlich genesen gilt. Die Rechtsvertreterin führte dazu anlässlich der Berufungs-

verhandlung aus, der Privatkläger könne nicht mehr sämtliche Lebensmittel essen. 

Vor Konzerten könne er keine Mahlzeiten einnehmen, da er teilweise davon Durch-

fall bekomme (Urk. 64 S. 4, Prot. II S. 7). Überdies besteht aufgrund der Schwäche 

der  Bauchdecke  das  Risiko,  dass  Brüche  (Hernien)  entstehen,  weshalb  erneute 

Operationen notwendig würden (Urk. 8/8 S. 3). Ferner stellt – wie dargelegt – die 

Verletzung des Dickdarms an sich bereits eine lebensgefährliche Verletzung dar, 

welche unbehandelt mit höchster Wahrscheinlichkeit zum Tode führt. 

- 31 -

2.5.2. Die Aussagen des Privatklägers sind – wie gezeigt – konstant, schlüssig und 

glaubhaft. Es ist davon auszugehen, dass er sich an die fragliche Tatnacht ab dem 

Zeitpunkt, als er sich Richtung Bahnhof D._____ begab, nicht mehr erinnern kann. 

Der Privatkläger stand zum Tatzeitpunkt unter Alkohol- und Kokaineinfluss. Seine 

Angaben über den Filmriss sprechen für tatsächlich Erlebtes. Dafür spricht insbe-

sondere, dass er dies auch gegenüber K._____ und L._____ so schilderte, obschon 

er damals noch gar nicht wusste, was ihm passiert ist bzw. dass er vom Beschul-

digten  misshandelt  wurde.  Dass  der  Privatkläger  aufgrund  des  Alkohol-  und  Ko-

kaineinflusses während der Analpenetration wie in einem Rauschzustand bzw. gar 

bewusstlos war, einen Filmriss erlitt und sich deshalb nicht an das Geschehene in 

der Wohnung des Beschuldigten erinnern kann, ist plausibel. 

2.5.3. Für das erkennende Gericht ergibt sich demnach ein in sich stimmiges und 

überzeugendes Bild. Der Beschuldigte hat ausgiebig über "Fisting" recherchiert und 

dazugehörige Pornos konsumiert, hat es aber noch nie gemacht bzw. keine Erfah-

rungen damit und wollte es einmal ausprobieren. Dafür fand er beim Privatkläger 

ein passendes Opfer, da dieser aufgrund seines Zustandes nicht mehr in der Lage 

war, sich zu wehren. Da es sich offensichtlich um sehr schwere bzw. gar lebensge-

fährliche  Verletzungen  handelt,  ist  absolut  lebensfremd,  dass  ein  wacher  bzw. 

widerstandsfähiger  Privatkläger  das  "Fisting"  einfach  hätte  über  sich  ergehen 

lassen.  Nach  den  Angaben  des  Beschuldigten  dauerte  der  Vorgang  nach  dem 

Einführen der Hand rund 10 bis 15 min, bis Blut aus dem Anus des Privatklägers 

austrat. Der Sachverständige PD Dr. med. F._____ sprach davon, dass es für ein 

"Fisting" entweder Erfahrungen brauche oder eine "Aufwärmphase" von rund einer 

Stunde, was beides vorliegend nicht der Fall war. Es ist daher davon auszugehen, 

dass der Beschuldigte mit seiner Hand viel zu schnell und unter Kraft- bzw. Gewalt-

anwendung in den Anus des Beschuldigten eindrang und dabei den Schliessmus-

kel stark beschädigte. Aufgrund des Verletzungsmusters (Schliessmuskel in einem 

120-Grad-Winkel gerissen) ist nach Einschätzung des Sachverständigen ohnehin, 

d.h. unabhängig vom Zustand des Privatklägers, davon auszugehen, dass Gewalt 

bei der Penetration angewandt wurde. Dass der Beschuldigte während des gesam-

ten Vorgangs mit Ausnahme eines Lächelns keine Reaktion des Privatklägers fest-

stellen konnte, bestätigt nochmals, dass der Privatkläger nicht in der Lage war, sich 

- 32 -

adäquat  zu  verhalten  bzw.  zu  wehren.  So  wunderte  sich  der  Beschuldigte  auch 

selbst  darüber,  dass  der  Privatkläger  keine  Schmerzen  hatte  bzw.  zeigte.  Es  ist 

aufgrund der vorhandenen Beweislage demnach rechtsgenügend erstellt, dass der 

diesbezüglich unerfahrene Beschuldigte das "Fisting" unsachgemäss und unsen-

sibel bzw. mit Gewalt ausführte und dadurch die beschriebenen Verletzungen des 

Analkanals,  des  Dickdarms  und  der  Bauchhöhle  beim  Privatkläger  verursachte. 

Dem Beschuldigten wird nicht zur Last gelegt, dies mit Absicht bzw. mit direktem 

Vorsatz getan zu haben. Ob er durch sein erstelltes Handeln jedoch schwere Ver-

letzungen  der  eingetretenen  Art  in  Kauf  nahm,  betrifft  den  inneren  Sachverhalt, 

weshalb  der  Einfachheit  halber  im  Rahmen  der  rechtlichen  Würdigung  darauf 

zurückzukommen ist. 

3.

Rechtliche Würdigung

3.1. Anwendbares Recht

3.1.1. Per  1.  Juli  2023  trat  die  Harmonisierung  der  Strafrahmen  für  Gewalttaten 

(Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen, 

AS 2023 259) in Kraft. Das neue Recht sieht für eine schwere Körperverletzung 

nach Art. 122 lit. a bis c StGB eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr vor. Die 

Mindeststrafe  nach  altem  Recht  betrug  eine  Freiheitsstrafe  von  6  Monaten.  Die 

Gesetzesänderung  wirkt  sich  demnach  für  den  Beschuldigten  nicht  milder  aus, 

weshalb mit der Vorinstanz in Anwendung von Art. 2 Abs. 2 StGB das alte Recht 

anzuwenden ist.

3.1.2. Zudem ist seit Erlass des vorinstanzlichen Urteils per 1. Juli 2024 die disku-

tierte Revision des Sexualstrafrechts (Bundesgesetz vom 16. Juni 2023 über eine 

Revision des Sexualstrafrechts, AS 2024 27) in Kraft getreten. Diese hat die unter 

den Titel "Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität" gehörenden Straf-

tatbestände  neu  gefasst  und  die  Grenzen  strafbaren  Verhaltens  erweitert.  Der 

Gesetzgeber spricht neu in Art. 191 StGB nicht mehr von einer Schändung sondern 

von  einem  Missbrauch  einer  urteilsunfähigen  oder  zum  Widerstand  unfähigen 

Person und verlangt nicht mehr, dass der Täter Kenntnis vom Zustand der geschä-

digten Person hatte. Im Ergebnis ermöglicht die neue Gesetzeslage jedoch keine 

- 33 -

mildere  Beurteilung  des  Beschuldigten,  weshalb  das  alte  Recht  im  Sinne  einer 

Schändung nach Art. 191 aStGB anzuwenden ist. 

3.2. Schwere Körperverletzung

3.2.1. Nach Art.  122  aStGB macht  sich  der  schweren  Körperverletzung  schuldig, 

wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich 

den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeits-

unfähig,  gebrechlich  oder  geisteskrank  macht,  das  Gesicht  eines  Menschen  arg 

und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädi-

gung  des  Körpers  oder  der  körperlichen  oder  geistigen  Gesundheit  eines 

Menschen verursacht (Abs. 3). Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, 

wer  die  Tat  mit  Wissen  und  Willen  ausführt.  Vorsätzlich  handelt  bereits,  wer  die 

Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). 

Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, 

wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirk-

lichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines 

Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein 

(Urteil 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.1; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4 mit 

Hinweis).

3.2.2. Vorliegend  verursachte  der  Beschuldigte  beim  Privatkläger  durch  das  mit 

massiver Gewalt durchgeführte "Fisting" zahlreiche erhebliche Verletzungen. Die 

tiefgreifenden Verletzungen gingen vom Analkanal bis in den Mastdarm und in die 

Bauchhöhle  hinein,  wobei  der  innere  Schliessmuskel  bleibend  zerstört  wurde. 

Zudem  wurde  auch  der  Dickdarm  mehrfach  verletzt,  was  an  sich  schon  eine 

lebensgefährliche  Verletzung  darstellt,  welche  unbehandelt  mit  höchster  Wahr-

scheinlichkeit zum Tode des Privatklägers geführt hätte. Sehr nahe an den Verlet-

zungen verlaufen gemäss Bericht des Stadtspitals Triemli vom 11. November 2022 

grössere Blutgefässe. Eine Verletzung derselben hätte ebenfalls zu einer fulminan-

ten  innert  Minuten  lebensgefährlichen  Blutung  geführt  (Urk.  8/8  S.  3).  Zum  Zeit-

punkt des Spitaleintritts befand sich der Privatkläger ferner in einer lebensgefähr-

lichen  Situation,  da  durch  die  Verletzung  des  Darms  Kot  in  den  Bauchraum 

- 34 -

gelangte  und  zu  einer  Entzündung  führte.  Der  Privatkläger  wäre  ohne  ärztliche 

Behandlung an einer Blutvergiftung mit einem Multiorganversagen gestorben. Ihm 

musste ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Zudem ist davon auszugehen, 

dass er bleibend unter einer Stuhlinkontinenz leiden wird, sofern er nicht "mit Glück" 

durch mehrjähriges Training der Beckenbodenmuskulatur eine zufriedenstellende 

Kontinenz erreichen kann (Urk. 8/8 S. 2). Die Rechtsvertreterin des Privatklägers 

führte  an  der  Berufungsverhandlung  aus,  dass  die  Verdauungsprobleme  des 

Privatklägers weiterhin bestünden. Der Privatkläger sei in der Nahrungsaufnahme 

eingeschränkt  und  leide  zeitweise  unter  Durchfall  (Prot.  II  S.  7).  Aufgrund  der 

Schwäche der Bauchdecke besteht ferner nach medizinischer Einschätzung das 

Risiko,  dass  es  zu  einem  Bruch  kommen  und  weitere  Operationen  notwendig 

werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gilt der Privatkläger jedoch nach Angaben 

seiner Rechtsvertreterin als körperlich genesen (Urk. 64 S. 4). Die eingetretenen 

und  bleibenden  Verletzungen  sind  daher  objektiv  zweifelsohne  als  schwer  bzw. 

lebensgefährlich im Sinne einer schweren Körperverletzung zu qualifizieren. 

Betreffend  den  subjektiven  Tatbestand  ist  festzuhalten,  dass  dem  Beschuldigten 

ein  eventualvorsätzliches  Handeln  zur  Last  gelegt  wird.  Der  Beschuldigte  hatte 

keinerlei Erfahrung mit "Fisting". Er hat darüber recherchiert, dazugehörige Pornos 

geschaut und wollte es nach eigenen Angaben einfach einmal ausprobieren. Dabei 

führte  er  dem  alkoholisierten  und  unter  Kokaineinfluss  stehenden  Privatkläger 

seine rechte Hand drei bis vier Zentimeter über das Handgelenk unter Gewaltan-

wendung  anal  und  höchstwahrscheinlich  zu  schnell  ein.  Der  Sachverständige 

führte  aus,  dass  es  einer  erheblichen  Kraftanwendung  bedarf,  um  den  Schliess-

muskel bei einer bewusstlosen und nicht aktiv mitwirkenden Person zu überwinden. 

Indem der Beschuldigte seine Hand derart tief in den Analbereich einführte und im 

Inneren  mutmasslich  aufgrund  des  erlittenen  Verletzungsbildes  auch  noch  seine 

Finger unkoordiniert bewegte, musste er davon ausgehen, dass dies zu schweren 

und unter Umständen – gerade im Falle einer Blutung – lebensgefährlichen Verlet-

zungen im Darmbereich führen kann und nahm damit solche Verletzungen in Kauf. 

Ins Leere zielt der Einwand der Verteidigung, dass der Beschuldigte durch den Kon-

sum von 231 Pornos mit "Fisting" oder "Faust", wo nie etwas passiert sei, davon 

ausging, dass er den Privatkläger durch die Analpenetration nicht (schwer) verlet-

- 35 -

zen kann (Urk. 62 S. 35). Filme widerspiegeln bei Weitem nicht immer die Realität. 

Der Beschuldigte konnte deswegen nicht einfach darauf vertrauen, dass die Anal-

penetration  mit  einer  Zufallsbekanntschaft  schmerzfrei  bzw.  ohne  Verletzungen 

funktioniert. Dasselbe gilt im Übrigen für den Umstand, dass der Privatkläger Gleit-

creme verwendet hat. Nach Auskunft des Sachverständigen ist es ohne Gleitcreme 

gar nicht möglich, in den Anus einzudringen. Daraus kann der Beschuldigte mithin 

nichts  zu  seinen  Gunsten  bezüglich  seines  eventualvorsätzlichen  Handelns  ab-

leiten. Nachdem der Beschuldigte die Blutung feststellte, hatte er selbst den Ein-

druck, dass der Privatkläger schwer verletzt ist. Der Beschuldigte hatte bei diesem 

unkoordinierten Geschehen grosses Glück, dass es beim Privatkläger aufgrund der 

nahegelegenen  Gefässe  und  deren  Verletzung  nicht  zu  grösseren,  unmittelbar 

lebensbedrohlichen  Blutungen  kam  und  das  Leben  des  Privatklägers  durch  eine 

Notoperation gerettet werden konnte. Ein eventualvorsätzliches Handeln ist daher 

mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 46 S. 31 f.) ohne weiteres zu bejahen. 

3.3. Schändung 

3.3.1. Einer Schändung nach Art. 191 aStGB macht sich schuldig, wer eine urteils-

unfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes 

zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Hand-

lung  missbraucht.  Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  gilt  als  wider-

standsunfähig, wer nicht imstande ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu 

wehren, weil er seinen Abwehrwillen nicht (wirksam) fassen oder äussern oder in 

einen Abwehrakt umsetzen kann. Die Gründe einer Widerstandsunfähigkeit können 

dauernd, vorübergehend oder situationsbedingt sein. Die Kasuistik umfasst etwa 

Fälle von schwerer geistiger Einschränkung infolge einer starken Intoxikation mit 

Alkohol oder Drogen, solche von fehlendem körperlichem Reaktionsvermögen (bei-

spielsweise wegen eines Gebrechens oder einer Fesselung) und schliesslich auch 

besondere Konstellationen wie ein Zusammenwirken von Schläfrigkeit, Alkoholisie-

rung und einem Irrtum über die Identität des (für den Ehemann gehaltenen) Sexu-

alpartners.  Vorausgesetzt  wird,  dass  die  Fähigkeit  zu  Abwehrhandlungen  ganz 

aufgehoben und nicht nur eingeschränkt ist. Wird ein Rest von Widerstand über-

wunden, liegt eine Tat nach Art. 189 f. StGB vor (zum Ganzen: BGE 148 IV 329 

- 36 -

E. 3.2;  BGE 133 IV 49 E. 7.2; BGE 119 IV 230 E. 3a; Urteile 6B_1178/2019 vom 

10.  März  2021  E.  2.2  und  6B_232/2016  vom  21.  Dezember  2016  E.  2.2;  JOSÉ 

HURTADO POZO , Droit pénal, Partie spéciale, 2009, Rz. 2998). Die Tathandlung 

des Missbrauchs besteht darin, dass sich der Täter die Widerstandsunfähigkeit des 

Opfers bewusst zunutze macht, um eine sexuelle Handlung zu vollziehen (vgl. zit. 

Urteil  6B_1178/2019  E.  2.2.2;  Urteile  6S.217/2002  vom  3.  April  2003  E.  3  und 

6S.359/2002 vom 7. August 2003 E. 4.2).

3.3.2. Vorliegend führte der Beschuldigten dem Privatkläger die Hand bis zu drei 

bis vier cm über das Handgelenk in den Anus ein bzw. führte ein "Fisting" aus. Die 

Vornahme  einer  sexuellen  Handlung  steht  daher  ausser  Frage.  Der  Privatkläger 

befand  sich  dabei  unter  Alkohol-  und  Kokaineinfluss  und  war  in  seinem  Zustand 

nicht in der Lage, sich gegen die sexuellen Handlungen zu wehren. Der Privatkläger 

hatte zuvor eigenen Angabe zufolge noch nie Kokain konsumiert. Entsprechend hat 

er auch überhaupt kein Erinnerungsvermögen an die Tatnacht und erlitt einen Film-

riss. Der Beschuldigte machte sich den wehrlosen Zustand des Privatklägers zu-

nutze, indem er ein "Fisting" einmal ausprobieren wollte. Es ist demnach von einer 

Widerstandsunfähigkeit des Privatklägers auszugehen.

Für den Beschuldigten war der Zustand des Privatklägers ohne weiteres erkennbar. 

So führte er mehrfach aus, dass er mit Ausnahme eines Lächelns keine Reaktion 

des Privatklägers bemerkt habe und dieser zwar wach, aber ganz ruhig gewesen 

und "wie geschlafen" habe bzw. "schwach" gewesen sei. Auch war dem Beschul-

digten klar, dass der Privatkläger alkoholisiert (betrunken) war und unter Kokain-

einfluss stand. Wie im Rahmen der Sachverhaltsdarstellung gezeigt, ist der Schluss 

des  Beschuldigten,  wonach  der  Privatkläger  aufgrund  seines  Lächelns  die  unter 

Gewaltanwendung  durchgeführte  Penetration  genossen  habe,  lebensfremd  und 

eine Schutzbehauptung. Der Beschuldigte wunderte sich selbst darüber, dass der 

Privatkläger keine Schmerzen zeigte, weshalb er im Umkehrschluss davon ausge-

hen musste, dass Letzterer dazu nicht in der Lage war. Es ist daher davon auszu-

gehen, dass der Beschuldigte die Analpenetration in Kenntnis des Zustandes des 

Privatklägers  durchführte  und  mit  direktem  Vorsatz  handelte.  Dadurch  hat  der 

- 37 -

Beschuldigte  auch  den  objektiven  und  subjektiven  Tatbestand  einer  Schändung 

nach Art. 191 aStGB erfüllt. 

3.4.

Fazit 

Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten der schweren Körperverletzung im Sinne 

von  Art.  122  Abs.  1  aStGB  sowie  der  Schändung  im  Sinne  von  Art.  191  aStGB 

schuldig  zu  sprechen.  Anzumerken  ist  an  dieser  Stelle,  dass  der  Beschuldigte 

angab, zum Tatzeitpunkt ebenfalls unter Alkohol- und Kokaineinfluss gewesen zu 

sein, was Einfluss auf seine Schuldfähigkeit haben kann. Da der Beschuldigte im 

Stande war, eine Analpenetration beim Privatkläger durchzuführen und sachdien-

liche Aussagen über die Tatnacht machte, ist mit der Vorinstanz davon auszuge-

hen, dass zu seinen Gunsten zwar von einer Einschränkung, aber von keiner (voll-

ständigen) Aufhebung der Schuldfähigkeit auszugehen ist. Näheres dazu sogleich 

im Rahmen der Strafzumessung. 

III. Sanktion

1.

Allgemeines

1.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bildung der 

Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Aspe-

rationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1.; BGE 217 E. 2.2 und E. 3; BGE 141 IV 61 

E. 6.1.2; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zutreffenden vorinstanzlichen Er-

wägungen (Urk. 43 S. 36 f.) kann verwiesen werden.

Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleich-

artige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, 

wenn  mehrere  gleichartige  Strafen  ausgesprochen  werden.  Mehrere  gleichartige 

Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm-

verstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzuwendenden Strafbe-

stimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 142 IV 265 

E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit Hinweisen). 

- 38 -

1.2.

Für  die  schwere  Körperverletzung  kommt  von  Gesetzes  wegen  nur  die 

Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren in Betracht 

(Art. 122 Abs. 4 aStGB). Die Schändung nach Art. 191 aStGB sieht grundsätzlich 

auch eine Bestrafung mit einer Geldstrafe vor. Wie noch zu zeigen sein wird, resul-

tiert jedoch dafür isoliert betrachtet eine Strafe, für die von Gesetzes wegen keine 

Geldstrafe mehr möglich ist. Zudem steht die Schändung in einem sachlichen und 

zeitlichen Zusammenhang mit der schweren Körperverletzung. Die Vorinstanz hat 

demnach  zu  Recht  das  Asperationsprinzip  zur  Anwendung  gebracht.  Ausserge-

wöhnliche Umstände, welche ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens recht-

fertigen würden, liegen ferner nicht vor. 

1.3. Darüber hinaus ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass das Berufungs-

gericht  an  das  Verschlechterungsverbot  bzw.  das  Verbot  der  reformatio  in  peius 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) gebunden ist, weshalb insgesamt keine höhere Sanktion als 

eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten ausgesprochen werden kann. 

- 39 -

2.

Konkrete Strafzumessung

2.1. Schwere Körperverletzung 

2.1.1. Die Vorinstanz hielt zusammengefasst fest, dass die objektive Verschulden-

sbewertung im mittleren Bereich anzusiedeln sei. Der Beschuldigte, welcher kei-

nerlei Erfahrungen mit "Fisting" gehabt habe, sei an eine betrunkene und unter Dro-

gen stehende Person (gemeint: der Privatkläger) herangetreten und habe die An-

alpenetration mit der Hand gewaltsam durchgeführt. Der Privatkläger sei dadurch 

lebensgefährlich verletzt worden, habe teilweise irreversible Verletzungen davon-

getragen, sei über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben gewesen und habe 

mehrfach operiert und narkotisiert werden müssen, wobei er bis heute an den Ver-

letzungen,  insbesondere  die  fortdauernde  Stuhlinkontinenz,  leide.  Der  Beschul-

digte  habe  zwar  unmittelbar,  nachdem  er  die  Blutung  im  Analbereich  festgestellt 

habe, von dem Privatkläger abgelassen und ihm Tücher gereicht, um die Blutung 

zu stoppen. Dennoch handle es sich um ein extrem rücksichtsloses Vorgehen des 

Beschuldigten  und  einen  empfindlichen  Eingriff  in  die  körperliche  Integrität  des 

Privatklägers (Urk. 43 S. 38). Diese Ausführungen sind uneingeschränkt zu teilen 

und bedürfen keiner Ergänzung. Nach Angaben der Rechtsvertreterin des Privat-

klägers ist der Privatkläger mittlerweile körperlich genesen. Er leidet jedoch nach 

wie vor an Verdauungsproblemen und ist in der Nahrungsaufnahme eingeschränkt. 

Weitaus gravierender wiegen zum heutigen Zeitpunkt die psychischen Folgen des 

Vorfalls.  Der  Privatkläger  fühle  sich  innerlich  tot  und  verspüre  keine  Emotionen 

mehr (Urk. 64 S. 4 und Prot. II S. 7). Das von der Vorinstanz festgesetzte Verschul-

densprädikat von "erheblich" ist insgesamt nach wie vor angemessen und zu über-

nehmen.

2.1.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

über das "Fisting" ausgiebig recherchierte und es einmal ausprobieren wollte. Der 

Beschuldigte handelte daher äusserst egoistisch zur Befriedigung seiner sexuellen 

Fantasien.  Dabei  vollzog  er  das  "Fisting"  unsachgemäss  und  fügte  dem  Privat-

kläger schwere bzw. gar lebensgefährliche Verletzungen zu, welche er zumindest 

in  Kauf  nahm.  Dass  er  betreffend  die  Verletzungen  "nur"  eventualvorsätzlich 

handelte, fällt leicht strafmindernd ins Gewicht. Zudem hat sich die Vorinstanz aus-

- 40 -

führlich zur Thematik der verminderten Schuldfähigkeit aufgrund des Alkohol- und 

Kokainkonsums des Beschuldigten geäussert. Darauf kann – um unnötige Wieder-

holungen zu vermeiden – verwiesen werden (Urk. 46 S. 38 ff.). Es ist aufgrund der 

konkreten Umstände von einer leicht- bis mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit 

des Beschuldigten auszugehen, zumal er trotz Alkohol- und Kokainkonsums in der 

Lage war, eine Analpenetration beim Privatkläger durchzuführen, was ein zielge-

richtetes Handeln voraussetzt und ein  gewisses Vorhandensein der Steuerungs- 

und Einsichtsfähigkeit abverlangt. 

2.1.3. Die Vorinstanz ging insgesamt von einem keinesfalls leichten Verschulden 

aus  und  setzte  die  Einsatzstrafe  auf  eine  Freiheitsstrafe  von  34  Monaten  fest 

(Urk. 46 S. 40), was im Rahmen des zu berücksichtigen Ermessens angemessen 

und nicht zu beanstanden ist. 

2.2. Schändung 

2.2.1. Die Vorinstanz hielt betreffend die objektive Tatschwere zusammengefasst 

fest, dass sich der Beschuldigte den wehrlosen Zustand des Privatklägers zunutze 

machte, um seine "Fisting-Fantasien", welche er vom Pornokonsum gekannt habe, 

in  die  Tat  umzusetzen.  Dies  sei  als  hinterhältiges  Vorgehen  zu  werten.  Der 

Beschuldigte habe durch das Eindringen mit der Hand in den Anus des Privatklä-

gers eine der schwersten Tatbestandsvarianten der Schändung erfüllt. Der Privat-

kläger habe Erinnerungslücken und bis heute keine Gewissheit darüber, was ihm 

in der fraglichen Nacht konkret widerfahren sei. Es sei nicht nachvollziehbar und 

unverständlich,  weshalb  der  Beschuldigte  immer  wieder  erwähne,  dass  es  der 

Privatkläger gewesen sei, welcher die manuelle Penetration gewollt habe. Die Tat 

sei nicht von langer Hand geplant gewesen, sondern habe sich eher zufällig erge-

ben. Der Beschuldigte habe dabei die Wehrlosigkeit des Privatklägers ausgenutzt. 

Die objektive Tatschwere wiege erheblich (Urk. 46 S. 41). Diese Ausführungen der 

Vorinstanz  sind  uneingeschränkt  zu  teilen.  Das  gewaltsame  Vorgehen  des 

Beschuldigten  ein  unter  Alkohol-  und  Kokaineinfluss  stehendes,  widerstands-

unfähiges  Opfer  für  die  Befriedigung  seiner  sexuellen  Neugier  zu  benutzen,  ist 

besonders verwerflich.

- 41 -

2.2.2. Betreffend die subjektive Tatschwere ist mit der Vorinstanz davon auszuge-

hen, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte sowie nur die 

Befriedigung  seiner  sexuellen  Bedürfnisse  im  Fokus  hatte.  Dies  zeugt  von  einer 

erheblichen  Gleichgültigkeit  gegenüber  der  sexuellen  Integrität  des  Privatklägers 

bzw.  dessen  Recht  auf  Selbstbestimmung.  Zu  berücksichtigen  ist  auch  hier  die 

leicht- bis mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit. Die von der Vorinstanz 

festgesetzte Einzelstrafe für die Schändung in der Höhe einer Freiheitsstrafe von 

32 Monaten mit einem Verschuldensprädikat von "nicht mehr leicht" ist im Rahmen 

des  zu  berücksichtigen  Ermessens  nicht  zu  beanstanden  und  zu  übernehmen 

(vgl. Urk. 46 S. 42). 

2.3. Asperation für die Schändung 

Die Vorinstanz erhöhte in der Folge die Einsatzstrafe für die Schändung mit ledig-

lich 8 Monaten, was – so die Vorinstanz – aufgrund der Tateinheit gerechtfertigt sei 

(Urk. 46 S. 42). Dieser Auffassung der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. Es ist 

zwar  das  Doppelbestrafungsverbot  für  dieselbe  Tat  zu  berücksichtigen.  Die 

schwere  Körperverletzung  und  die  Schändung  schützen  jedoch  unterschiedliche 

Rechtsgüter. Der Beschuldigte hat durch sein Handeln sowohl die körperliche wie 

auch sexuelle Integrität des Privatklägers in erheblicher Weise verletzt. Dies muss 

sich auch in der Sanktion widerspiegeln. Für die Schändung resultiert – wie darge-

legt – isoliert eine verschuldensangemessene Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Eine 

Asperation der Einsatzstrafe für die Schändung um lediglich 8 Monate fällt daher 

eindeutig  zu  milde  aus.  Es  ist  vielmehr  angemessen,  die  Einsatzstrafe  um  die 

Hälfte, d.h. um 16 Monate, auf insgesamt 50 Monate zu erhöhen. 

2.4.

Täterkomponente 

2.4.1. Betreffend das Vorleben und die persönlichen Verhältnisses des Beschuldig-

ten  kann,  um  unnötige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  auf  die  Erwägungen  der 

Vorinstanz  verwiesen  werden  (Urk.  46  S.  42  f.).  Der  Beschuldigte  hat  keine 

Vorstrafen  (Urk.  60).  An  der  Berufungsverhandlung  führte  er  aktualisierend  aus, 

dass er ihm aufgrund von Depressionen psychisch schlecht gehe und er in einer 

Tagesklinik in der Psychiatrie sei. Er nehme deswegen Medikamente. Seine Rente 

- 42 -

betrage insgesamt Fr. 3'400.– pro Monat (Urk. 61 S. 1 ff.). Daraus ergeben sich 

keine strafzumessungsrelevanten Umstände.

2.4.2. Der Beschuldigte zeigte sich im äusseren Sachverhalt, dass es zu einer An-

alpenetration  mit  der  rechten  Hand  gekommen  ist  und  der  Privatkläger  aus  dem 

Anus zu bluten begann, geständig. Er stellte indessen durchwegs auf den Stand-

punkt, dass die Penetration einvernehmlich gewesen sei und keine Gewalt ange-

wandt  worden  sei.  Entsprechend  ist  er  Beschuldigte  zumindest  als  teilweise  ge-

ständig  zu  erachten,  was  entgegen  der  Vorinstanz  leicht  bzw.  moderat  strafmin-

dernd ins Gewicht fallen muss. Ferner ist zwar eine gewisse Reue in den Aussagen 

des Beschuldigten zu erkennen. So gab er wiederholt an, dass es ihm leidtue. Den-

noch versuchte er immer wieder, den Privatkläger für das Vorgefallene mitverant-

wortlich zu machen, indem er die Analpenetration gewollt habe bzw. ihn gar dazu 

aufgefordert habe. Entsprechend kann er unter dem Titel Reue/Einsicht insgesamt 

keine weitere Strafminderung für sich reklamieren. 

2.4.3. Eine besondere Strafempfindlichkeit ist nicht ersichtlich und wird auch nicht 

geltend gemacht.

2.4.4. Insgesamt fällt die Täterkomponente moderat strafmindernd ins Gewicht. Die 

Einsatzstrafe  ist  um  8  Monate  zu  reduzieren,  weshalb  im  Ergebnis  mit  der 

Vorinstanz  eine  Freiheitsstrafe  von  42  Monaten  resultiert.  Zudem  ist  an  dieser 

Stelle  darauf  hinzuweisen,  dass  es  dem  Berufungsgericht  aufgrund  des 

Verschlechterungsverbotes im Übrigen verwehrt ist, eine höhere Sanktion auszu-

sprechen. 

2.5. Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes 

Der  Kokainkonsum  des  Beschuldigten  ist  unbestritten  und  anerkannt.  Es  kann 

bezüglich  der  Festlegung  der  Busse  uneingeschränkt  auf  die  Erwägungen  der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 43 f.). Das Verschulden wiegt sehr leicht 

und  eine  Busse  in  der  Höhe  von  Fr.  200.–  ist  insgesamt  in  Bestätigung  der 

Vorinstanz angemessen. 

- 43 -

3.

Fazit

Der Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten und eine Busse von 

Fr. 200.– zu bestrafen. Gestützt auf Art. 51 StGB ist dem Beschuldigten zudem die 

erstandene Haft von 3 Tagen an die Strafe anzurechnen.

IV. Vollzug

1.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei 

Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, 

um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten 

(Art. 42 Abs. 1 StGB). Bei Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis höchs-

tens drei Jahren ist der teilbedingte Vollzug zu prüfen (Art. 43 Abs. 1 StGB).

1.2. Da vorliegend eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten auszusprechen ist, ist 

die Freiheitsstrafe bereits von Gesetzes wegen zu vollziehen. 

1.3. Die Busse ist von Gesetzes wegen, unter Anordnung einer Ersatzfreiheits-

strafe von 2 Tagen zu bezahlen (Art. 106 Abs. 2 StGB). 

V. Zivilforderungen

1.

Allgemeines

Bezüglich der allgemeinen Voraussetzungen von Schadenersatz und einer Genug-

tuung sowie der Möglichkeit, als geschädigte Person Zivilforderungen adhäsions-

weise im Strafverfahren geltend zu machen, kann auf die zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 46). 

2.

Privatkläger

2.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten antragsgemäss zur Bezah-

lung von Schadenersatz von Fr. 9'123.40 zzgl. Zins ab 12. August 2022 (mittlerer 

Verfall).  Es  steht  ausser  Frage,  dass  seitens  des  Beschuldigten  ein  widerrecht-

liches Verhalten nach Art. 41 ff. OR vorliegt, indem er die körperliche und sexuelle 

Integrität des Privatklägers verletzte und sich dadurch nach Art. 122 aAbs. 1 StGB 

- 44 -

und Art. 191 aStGB schuldig gemacht hat. Die vom Privatkläger geltend gemachten 

Schadenspositionen,  d.h.  Lohnausfälle  in  der  Höhe  von  Fr.  5'770.–  und 

Fr. 2'527.61,  Kosten  für  die  Spitex  Fr. 689.75  und  Medikamente  Fr.  136.05  sind 

ausgewiesen (Urk. 32/2-13). Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem 

widerrechtlichen Ereignis und den Schadenspositionen ist ebenfalls gegeben. Dass 

den  Privatkläger  ein  massgebliches  Mitverschulden  treffe,  ist  entgegen  der 

Behauptung der Verteidigung (Urk. 33 S. 12) unzutreffend. Der Privatkläger erlitt 

bereits durch den Vorfall schwerste Verletzungen, insbesondere die Verletzung des 

Dickdarms  war  lebensbedrohlich.  Der  Privatkläger  unterschätzte  seinen  gesund-

heitlichen Zustand, da er schlicht nicht wusste, was mit ihm passiert ist bzw. dass 

er im Analbereich missbrauchte wurde. Als die Schmerzen so stark wurden, dass 

er fast nicht mehr aufstehen konnte, ging er zwei Tage nach dem Vorfall am 14. Mai 

2022 zur Notfallstation. Dabei wurde er selbst von der Schwere der Verletzungen 

überrascht.  Ihm  kann  deshalb  kein  haftungsrechtlich  relevantes  Mitverschulden 

attestiert werden. 

2.2. Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger Schadenersatz 

in der Höhe von Fr. 9'123.40 zzgl. Zins ab 12. August 2022 (mittlerer Verfall) zu 

bezahlen. Zudem ist antragsgemäss vorzumerken, dass sich der Privatkläger die 

spätere Geltendmachung weiterer Schadenersatzforderungen vorbehält. 

2.3. Der  Privatkläger  beantragte  vor  Vorinstanz  zudem  eine  Genugtuung  von 

Fr. 90'000.– zzgl. Zins. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten zur Bezah-

lung einer Genugtuung an den Privatkläger in der Höhe von Fr. 70'000.– zzgl. Zins 

ab 12. Mai 2022 (mittlerer Verfall). Im Mehrbetrag wies die Vorinstanz das Genug-

tuungsbegehren ab. Zur Begründung führte die Vorinstanz zusammengefasst aus, 

der Privatkläger sei gemäss den Ausführungen seiner Rechtsvertreterin aufgrund 

der  körperlichen  und  seelischen  Leiden  bis  heute  in  seinem  privaten  und  beruf-

lichen Alltag eingeschränkt und werde dies wohl sein Leben lang sein. Zudem treffe 

den Beschuldigten ein erhebliches Verschulden. Die Verteidigung habe nicht nach-

vollziehbar  dargelegt,  dass  die  dreitätige  "Wartefrist"  des  Privatklägers  eine  Ver-

schlechterung  der  körperlichen  Langzeitfolgen  bewirkt  haben  soll.  Es  liege  auch 

kein anderes Mitverschulden des Privatklägers vor (Urk. 46 S. 50). 

- 45 -

2.4. Die  materiellen  Ausführungen  der  Vorinstanz  sind  grundsätzlich  zu  teilen 

bzw.  zu  übernehmen.  Dass  die  haftungsrechtlichen  Voraussetzungen  für  eine 

Genugtuung  durch  die  erfolgte  schwere  Körperverletzung  und  Schändung  nach 

Art. 49  OR  vorliegen  (immaterielle  Unbill,  Widerrechtlichkeit,  Kausalität  und  Ver-

schulden),  steht  zweifelsohne  fest.  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  beträgt  die 

haftpflichtrechtliche  Genugtuung  für  schwere  körperliche  Beeinträchtigung  mit 

lebenslangen Folgen und ein schweres psychisches Trauma nach aussergewöhn-

lich eindrücklichen Gewaltereignissen zwischen Fr. 20'000.– bis Fr. 50'000.–, für 

körperliche Beeinträchtigungen mit dauerhaften Folgen zwischen Fr. 10'000.– bis 

Fr. 20'000.–.  Die  Höhe  einer  Genugtuung  für  schwere  Beeinträchtigungen  der 

sexuellen Integrität wie beispielsweise eine schwere Schändung beträgt Fr. 8'000.– 

bis Fr. 20'000.– (vgl. dazu Leitfaden zur Bemessung der Genugtuung nach Opfer-

hilfegesetz vom 3. Oktober 2019, S. 12 und S. 14). Es ist in diesen Zusammenhang 

indessen darauf hinzuweisen, dass nach konstanter Praxis des Bundesgerichts die 

Opferhilfe-Genugtuung tiefer angesetzt werden darf als die zivilrechtliche (BGE 132 

II 117 E. 2.2.4), was entsprechend in der Höhe der angemessenen Genugtuung zu 

berücksichtigen ist. 

2.5. Der Privatkläger erlitt durch die Analpenetration des Beschuldigten schwere 

bzw. gar lebensgefährliche Verletzungen, welche zahlreiche Operationen nach sich 

zogen, wovon er selbstredend auch Narben davonträgt. Ohne Operationen wäre 

der Beschuldigte seinen Verletzungen erlegen. Er war über ein halbes Jahr arbeits-

unfähig und hatte einen künstlichen Darmausgang (Urk. 30 S. 7 und 12). Aufgrund 

der Schwere seiner Verletzungen leide er nach Angaben seiner Rechtsvertreterin 

vor  Vorinstanz  an  einer  anhaltenden  Inkontinenz,  weshalb  er  in  seiner  Lebens-

gestaltung  (Verpflegung  ausserhalb  und  gewisse  Lebensmittel)  bleibend  einge-

schränkt  ist  (Urk.  30  S. 12).  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  führte  die 

Rechtsvertreterin aus, der Privatkläger sei zwar körperlich genesen, leide jedoch 

immer  noch  an  Verdauungsproblemen,  habe  teilweise  Durchfall  und  sei  in  der 

Nahrungsaufnahme bzw. dadurch im Alltag eingeschränkt (Urk. 64 S. 4 und Prot. II 

S. 7). Zudem besteht nach der Einschätzung von medizinischen Fachpersonen das 

Risiko für Brüche der Bauchdecke, was weitere Operationen erforderlich machen 

würde  (vgl.  Urk.  8/8  S.  3).  Die  körperlichen  bzw.  physischen  Beeinträchtigungen 

- 46 -

bewegen sich daher betreffend die Höhe einer Genugtuung sicherlich in der oberen 

Bandbreite von Körperverletzungen mit gewissen dauerhaften Folgen. Der Privat-

kläger hat überdies bzw. insbesondere auch mit psychischen Folgen zu kämpfen, 

indem er Angstzustände habe und traumatisiert sei, indem er keine Leidenschaft 

mehr verspüre, die Freude am Musizieren verloren habe und sich innerlich tot fühle 

(vgl. Urk. 30 Rz. 25 ff. und Urk. 64 S. 4), was eine Erhöhung der Genugtuung recht-

fertigt. Das (objektive) Verschulden des Beschuldigten wurde ferner für die schwere 

Körperverletzung  als  erheblich  qualifiziert.  Hinzu  kommt,  dass  der  Beschuldigte 

nicht nur die körperliche sondern auch sexuelle Integrität des Privatklägers in einem 

erheblichen Ausmass verletzte. Er stellte die Befriedigung seiner sexuellen Bedürf-

nisse  über  das  Selbstbestimmungsrecht  des  Privatklägers,  indem  er  sich  den 

widerstandsunfähigen  Privatkläger  anal  missbrauchte.  Die  dafür  angemessene 

Genugtuung ist ebenfalls am oberen Bereich für sehr schwere Beeinträchtigungen 

der sexuellen Integrität anzusiedeln. Mit der Vorinstanz ist – wie bereits dargelegt – 

kein  haftungsrechtlich  relevantes  Mitverschulden  des  Privatklägers  zu  erkennen, 

zumal er sich bereits zum Zeitpunkt des Vorfalls in einem lebensgefährlich Zustand 

befand und ohne Operation höchstwahrscheinlich verstorben wäre. Insgesamt ist 

die von der Vorinstanz bemessene Genugtuung in der Höhe von Fr. 70'000.– zu-

züglich Zins von 5% ab dem 12. Mai 2022 keinesfalls zu hoch und zu übernehmen. 

2.6. Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger 

eine Genugtuung von Fr. 70'000.– zuzüglich Zins von 5% ab dem 12. Mai 2022 zu 

bezahlen.  Im  Mehrbetrag  ist  das  Genugtuungsbegehren  des  Privatklägers  abzu-

weisen. 

3.

Privatklägerin C._____ AG

Unter  Verweis  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  (Urk.  46  S.  48)  ist  die  Privat-

klägerin mit ihrer illiquiden Schadenersatzforderung in der Höhe von Fr. 95'349.10 

(Urk. 12/1) auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen. 

- 47 -

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Erstinstanzliches Verfahren und Untersuchung

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschuldigte die Kosten der Unter-

suchung und des gerichtlichen Verfahrens vollumfänglich zu tragen. Davon ausge-

nommen  sind  die  Kosten  der  ehemaligen  amtlichen  Verteidigung  (Rechtsanwalt 

X2._____).  Diese  sind  einstweilen  und  unter  Vorbehalt  der  Nachforderung  nach 

Art. 135 aAbs. 4 StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Ausgangsgemäss  ist  der  Beschuldigte  zudem  in  Bestätigung  der  Vorinstanz  zu 

verpflichten,  dem  Privatkläger  eine  Prozessentschädigung  von  Fr.  14'896.30  zu 

bezahlen.  Diesbezüglich  kann  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen 

werden (Urk. 46 S. 51). 

2.

Berufungsverfahren

2.1. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 3'600.– zu veranschlagen (Art. 424 Abs. 1 

StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des Ober-

gerichts). 

2.2. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens  (Art.  428  Abs.  1  StPO).  Ob  eine  Partei  im 

Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in 

welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten 

Anträge gutgeheissen werden (BSK StPO-DOMEISEN, a.a.O., Art. 428 N 6).

2.3. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, weshalb ihm 

die Kosten des Berufungsverfahrens vollständig aufzuerlegen sind.

2.4. Der Privatkläger macht für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädi-

gung von Fr. 2'571.85 geltend, welche ausgewiesen und angemessen ist (Urk. 65). 

Da  die  Berufungsverhandlung  rund  eine  Stunde  länger  dauerte  als  geschätzt 

(vgl. Prot. II) und zusätzlich der Weg mit einer Stunde zu entschädigen ist, ist die 

Prozessentschädigung auf insgesamt Fr. 3'000.– festzusetzen. Der Beschuldigte 

ist demnach ausgangsgemäss (vgl. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit 

- 48 -

Art. 436 Abs. 1 StPO) zu verpflichten, dem Privatkläger eine Prozessentschädigung 

von Fr. 3'000.– für das Berufungsverfahren zu bezahlen. 

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 14. Sep-

tember 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte ist schuldig







…

…

der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 

BetmG.

2.

Vom Vorwurf der Unterlassung der Nothilfe im Sinne von Art. 128 StGB wird der 

Beschuldigte freigesprochen.

3.-4. …

5.

Die sichergestellten, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 6. Juni 2023 beschlagnahmten Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensi-

lien (9 Portionen Kokain in Minigrips (A016'196'659) und 1 Teller mit Kokainrück-

ständen (A016'196'682)) werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt 

der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen.

6.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

6. Juni 2023 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage 

lagernden Gegenstände und Spuren werden eingezogen und der Lagerbehörde 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen: 











IRM Fotografie (A016'168'573);
Fotografien des Tatorts (A016'195'747);
DNA-Wattetupfer (A016'195'770);
DNA-Wattetupfer (A016'195'792);
DNA-Wattetupfer (A016'195'827).

- 49 -

7.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

6. Juni 2023 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände:













1 Paar Herrenschuhe (A016'188'877);
1 Unterhose (A016'188'888);
1 Paar Herrenhosen (A016'188'899);
1 Herren T-Shirt (A016'188'913);
1 Pullover (A016'188'935);
1 Herren T-Shirt (A016'188'946).

werden dem Privatkläger B._____ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf ers-

tes Verlangen herausgegeben.

Dem Privatkläger B._____ wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch 

eine bevollmächtige Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Aus-

weises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der Kantonspolizei Zürich, Asserva-

tentriage, abzuholen.

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, werden sie 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. Die Lagerbehörde 

wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen und zu dokumen-

tieren.

8.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

6. Juni 2023 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände:











1 Mobiltelefon (A016'194'744);
1 Tube Creme (A016'196'320);
1 Tube Gleitmittel (A016'196'342);
SIM-Karte (A016'196'615);
1 iPad mit Ladekabel (ohne Ass.Nr.).

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Ver-

langen herausgegeben.

Dem Beschuldigten wird eine Frist von 90 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses 

Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch eine 

bevollmächtige Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Ausweises, 

nach telefonischer Voranmeldung, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservatentriage, 

abzuholen.

- 50 -

Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, werden sie 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. Die Lagerbehörde 

wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen und zu dokumen-

tieren.

9. …

10. …

11. …

12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

CHF

CHF

CHF

CHF

5'000.00   die weiteren Auslagen betragen: 

3'500.00   Gebühr für das Vorverfahren;

6'782.35   Auslagen (Gutachten);

3'889.75   ehemalige amtliche Verteidigung RA X2._____.

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

13. …

14. …

15. …

16.

(Mitteilungen)

17.

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

- 51 -

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig





der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 aStGB

der Schändung im Sinne von Art. 191 aStGB. 

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 42 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 

3 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 200.–.

3.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.

4.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz 

im Betrag von Fr. 9'123.40 zuzüglich 5 % Zins ab 12. August 2022 zu bezah-

len. Es wird vorgemerkt, dass sich der Privatkläger die spätere Geltendma-

chung weiterer Schadenersatzforderungen vorbehalten hat.

5.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 70'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 12. Mai 2022 als Genugtuung zu bezahlen. 

6.

Die Privatklägerin C._____ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

7.

Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 13, 14 und 

15) wird bestätigt.

8.

9.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–. 

Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Rechtsvertretung des Privatklägers 

B._____ für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von 

Fr. 3'000.– zu bezahlen.

11. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

- 52 -









die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (übergeben)

die Privatklägerin C._____ AG (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft

die Privatklägerin C._____ AG

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an









die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten.

12. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

- 53 -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 27. Januar 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. B. Gut

MLaw T. Künzle