# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d57812a-13dc-50c2-aac7-8b04c7d6f153
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 07.09.2023 VG.2023.00050 (VG.2023.1280)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00050_2023-09-07.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 7. September 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichter Ernst Luchsinger,
  Verwaltungsrichterin Katia Weibel und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00050

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Werner Marti, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    BA.______

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    BB.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    beide vertreten durch Dr.
    iur. Stefan Müller, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
  	
    3.

    	
    Gemeinde Glarus Süd

    

  

  
	
   

  
	
  	
    4.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______ reichte am 9. November 2021 bei der
  Gemeinde Glarus Süd ein Gesuch für den Bau eines Terrassengeländers auf dem
  bestehenden, einstöckigen Anbau auf der Parz.-Nr. 01 (Grundbuch […])
  ein, wogegen BA.______ und BB.______ am 7. Januar 2022 Einsprache
  erhoben. Am 24. Februar 2022 wies die Gemeinde Glarus Süd die Einsprache
  ab und erteilte die Baubewilligung.

  
	
   

  
	
  1.2 Die von BA.______ und BB.______ am 7. April
  2022 dagegen erhobene Beschwerde hiess das Departement Bau und Umwelt des
  Kantons Glarus (DBU) am 25. April 2023 gut und hob den
  Baubewilligungsentscheid der Gemeinde Glarus Süd vom 24. Februar 2022 auf.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  A.______ gelangte mit
  Beschwerde vom 22. Mai 2023 ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Aufhebung des Entscheids des DBU vom 25. April 2023. Sowohl der
  Baubewilligungsentscheid als auch der Einspracheentscheid der Gemeinde Glarus
  Süd vom 24. Februar 2022 seien zu bestätigen; alles unter Kosten- und
  Entschädigungsfolge zu Lasten von BA.______ und BB.______. Letztere
  beantragten am 9. Juni 2023 die Abweisung der Beschwerde; unter Kosten-
  und Entschädigungsfolgen zu Lasten von A.______. Das DBU schloss am
  13. Juni 2023 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge
  zu Lasten von A.______. Die Gemeinde Glarus Süd liess sich am 24. Juli
  2023 vernehmen und beantragte die Gutheissung der Beschwerde; unter Kosten
  und Entschädigungsfolgen zu Lasten von BA.______ und BB.______ sowie des DBU.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 79
  Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010
  (RBG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der
  vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen
  erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Gemäss Art. 107 Abs. 1 VRG können mit der
  Verwaltungsgerichtsbeschwerde die unrichtige oder unvollständige Feststellung
  des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) sowie die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b)
  gerügt werden. Die Unangemessenheit des Entscheids kann gemäss der
  abschliessenden Aufzählung in Art. 107 Abs. 2 VRG nur ausnahmsweise geltend
  gemacht werden, wobei kein solcher Ausnahmefall vorliegt.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe im
  Jahr 2009 vom damaligen Gemeinderat […] eine Baubewilligung erhalten,
  welche rechtskräftig sei und unter anderem den Annexbau beinhalte. Dieser
  halte den Grenzabstand für Anbauten von 1.5 Metern ein. Im Grenzbereich
  von vier Metern Abstand bestehe die Bewilligung als Anbaute. Ausserhalb
  derselben stelle diese eine Ergänzung des Hauptbaus dar. Zum Zeitpunkt der
  Bewilligungserteilung sei der Grenzabstand lediglich privatrechtlich und
  nicht öffentlich-rechtlich relevant gewesen. Nach einer Einsprache der
  Beschwerdegegner 1 und 2 gegen das Bauvorhaben hätten sich diese mit dem
  gesamten Bauvorhaben "An- und Umbau" einverstanden erklärt.
  Dementsprechend hätten sie die bestehende Baute als rechtmässig anerkannt und
  könnten hierzu keine Einwendungen mehr erheben. Der rechtskräftig bewilligte
  Bau umfasse eine Terrasse, worauf er, der Beschwerdeführer, nun mit einem
  Grenzabstand von vier Metern ein Geländer erstellen und den dadurch
  eingefriedeten Teil nutzen wolle. Weil der erforderliche ordentliche
  Grenzabstand damit eingehalten werde, sei die Baubewilligung zu erteilen.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegner 1 und 2 stellen sich auf den
  Standpunkt, mit der Terrasse würde die Anbaute ein zweites Geschoss erhalten,
  womit die Voraussetzung der Eingeschossigkeit gemäss Art. 51 Abs. 4 RBG nicht
  mehr erfüllt sei. Sodann würde sich der Gebäudeteil auf 3.47 Meter
  erhöhen, womit der Grenzwert von 3.3 Metern überschritten würde. Auch
  wenn das Geländer nur einen Teil der Gesamtfläche umfasse, würde die maximale
  Grundfläche von 50 Quadratmetern ferner wohl überschritten, zumal auch
  der übrige Teil stufenlos zugänglich sei. Dabei sei davon auszugehen, dass
  die rund 29 Quadratmeter grosse Fläche, welche stufenlos zugänglich sei,
  nicht nur als Nebennutzfläche genutzt werde. Durch den geplanten Bau entstehe
  im Übrigen keine zweigeteilte Anbaute, sondern lediglich eine einzige
  Anbaute, welche insgesamt sämtliche Voraussetzungen erfüllen müsse. Es sei
  darüber hinaus keine konstruktive oder architektonische Selbständigkeit des
  eingeschossigen Anbaus gegenüber dem zweigeschossigen Anbau ersichtlich. Die
  diesbezügliche Unterscheidung durch den Beschwerdeführer erscheine
  willkürlich und diene einzig dem Zweck, sich Vorteile hinsichtlich der
  Abstandsvorschritten zu verschaffen.

  
	
   

  
	
  2.3 Die Beschwerdegegnerin 3 führt aus, die bestehende
  Baute sei rechtmässig erstellt worden. Mit dem Bau des geplanten Geländers
  auf dem eingeschossigen Anbau werde der betreffende Gebäudeteil
  zweigeschossig und könne dementsprechend nicht vom reduzierten Grenzabstand
  profitieren. Der Beschwerdegegner 4 habe die Frage des Grenzabstands bei
  einer Anbaute mit einer begehbaren Dachterrasse bereits einmal behandelt und
  entschieden, dass eine Terrassennutzung eine Anbaute zweigeschossig mache und
  diese dementsprechend den ordentlichen Grenzabstand von vier Metern
  einzuhalten habe. Das streitbetroffene Bauprojekt erfülle diese Vorgaben,
  wobei das vom Beschwerdegegner 4 angeführte Urteil nicht einschlägig
  sei. Sofern man dem angefochtenen Entscheid folgen würde, wären auf
  rechtmässig bewilligten und ebenso erstellten Anbauten keine weiteren Bauten
  mehr möglich. Dies würde selbst unter Wahrung des ordentlichen Grenzabstands
  gelten, was einem faktischen Ausbauverbot für Anbauten gleichkommen würde.
  Hierfür bestehe indessen keine gesetzliche Grundlage und in Zeiten des
  knappen Baulands sei dies nicht im öffentlichen Interesse. Die
  Terrassennutzung sei schliesslich nach aussen erkennbar, womit eine gewisse
  architektonische Eigenständigkeit bestehe.

  
	
   

  
	
  2.4 Der Beschwerdegegner 4 vertritt die Auffassung,
  Anbauten müssten besondere Voraussetzungen erfüllen, um vom Abstandsprivileg
  profitieren zu können. Dies diene unter anderem dem Schutz der nachbarlichen
  Interessen. Würden diese Voraussetzungen nachträglich nicht mehr erfüllt,
  entfalle auch das Privileg. Werde eine rechtskräftig bewilligte Baute
  (bewilligungspflichtig) verändert, könne sie baurechtlich zu etwas werden,
  das von der ursprünglichen Bewilligung nicht mehr abgedeckt sei. Dem
  eingeschossigen Anbau, welcher nur durch das projektierte Geländer vom
  zweigeschossigen Anbau abgetrennt werde, fehle es an einer konstruktiven und
  architektonischen Selbstständigkeit. Würde der Beschwerdeführer erst heute
  die Hauptbaute unter Einhaltung des Abstands von vier Metern vergrössern,
  wäre dies zwar zulässig. Dasselbe gelte für eine eingeschossige Anbaute im
  selben Bereich einschliesslich einer Terrasse. Würde er aber danach die
  Anbaute bis auf 1.5 Meter an den Grenzabstand vergrössern und ein
  Terrassengeländer im Abstand von vier Metern erstellen, bestünde keine
  konstruktive und architektonische Selbstständigkeit der eingeschossigen
  Anbaute mehr, womit ebenfalls nicht vom Abstandsprivileg profitiert werden
  könne. Auf dem eingereichten Plan sei sodann ein bereits bestehender Ausgang
  ersichtlich, bei dem neu eine nicht näher spezifizierte Sicherung eingebaut
  werden solle. Soweit ein diesbezügliches Sicherungsgeländer geplant sei,
  müsse dies jedoch Teil der Baugesuchsunterlagen bilden, was vorliegend nicht
  der Fall sei. Daraus folge, dass sich das streitbetroffene Geländer einerseits
  erübrigen, andererseits die Argumentation, wonach die Hälfte des Anbaus
  eingeschossig sei und die andere zweigeschossig, vollends ins Leere zielen
  würde. Die Balkontür verschaffe Zutritt auf den als eingeschossig
  deklarierten Teil des Flachdachs und ermögliche eine Nutzung, welche auf
  einem abstandsprivilegierten Anbau nicht erlaubt und mangels
  Sicherungsgeländer baurechtlich nicht zulässig sei. Eine allfällige
  privatrechtliche Abmachung im Rahmen der vorherigen Bewilligung sei
  schliesslich insofern nicht mehr relevant, als dass der Beschwerdeführer
  bezüglich des Terrassenaufbaus von dieser keinen Gebrauch gemacht habe.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Der Beschwerdeführer ersuchte am 9. November
  2021 um eine Bewilligung für das Erstellen eines Terrassengeländers auf dem
  bestehenden Anbau auf der Parz.-Nr. 01 (Grundbuch […]). Dabei soll das
  Geländer einen Grenzabstand von vier Metern zum Nachbargrundstück der
  Beschwerdegegner 1 und 2 aufweisen. Der Ausgang zu demjenigen Teil der
  Terrasse, bei welchem keine Umfriedung geplant ist, soll entsprechend den
  SIA-Normen gesichert werden und nur Unterhaltszwecken dienen.

  
	
   

  
	
  3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die bestehende Baute
  in ihrer aktuellen Form bewilligt wurde. Darüber hinaus ist davon auszugehen,
  dass sie rechtmässig erstellt wurde, was von den Parteien denn auch nicht in
  Abrede gestellt wird. Ob die damalige Bewilligung das vorliegend strittige
  Bauvorhaben bzw. die Erstellung des Terrassengeländers bereits mitumfasste,
  ist sodann nicht entscheidrelevant, da diese Bewilligung in der Zwischenzeit
  mangels gegenteiliger Hinweise erloschen ist (vgl. Art. 78 RBG). Ob
  zwischen den Beschwerdegegnern 1 und 2 sowie dem Beschwerdeführer eine
  privatrechtliche Abmachung betreffend Grenzabstand besteht, ist im
  vorliegenden Baubewilligungsverfahren mangels Eintragung im Grundbuch darüber
  hinaus ebenfalls nicht von Belang (Art. 51
  Abs. 7 RBG; vgl. VGer-Urteil
  VG.2019.00147 vom 24. Juli 2020 E. II/ 6.4.4.3, VG.2016.00136
  vom 13. April 2017 E. II/4.2) und kann aufgrund des Nachfolgenden
  ohnehin offenbleiben. Fraglich und zu prüfen bleibt indessen, ob das vom
  Beschwerdeführer geplante Bauprojekt bzw. die damit einhergehende (teilweise)
  Umnutzung des Flachdachs in eine Terrasse bewilligungsfähig ist.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Ein Bauvorhaben muss den Grenzabstand nach
  Art. 51 Abs. 1 RBG einhalten. Dieser beträgt vorbehältlich anderer
  nachbarrechtlicher Abmachungen vier Meter. Bei eingeschossigen Anbauten mit
  einer Grundfläche von maximal 50 Quadratmetern muss dieser mindestens
  1.5 Meter betragen, wenn die Fassadenhöhe im Bereich dieser Grenze nicht
  mehr als 3.3 Meter beträgt (Art. 51 Abs. 4 RBG; vgl. auch
  […]).
  Gemäss Art. 34 der Bauverordnung vom 23. Februar 2011 (BauV) sind
  Anbauten mit einem anderen Gebäude zusammengebaut, wobei sie die im
  kommunalen Baureglement festgelegten Masse nicht überschreiten und nur
  Nebennutzflächen enthalten dürfen. Der Grenzabstand dient einerseits den
  öffentlichen Interessen der Feuerpolizei, der Wohnhygiene, der
  Siedlungsgestaltung und der Ästhetik. Andererseits werden durch den Grenzabstand
  auch private Interessen gewahrt, indem die zahlreichen Einflüsse von Bauten
  auf die Nachbargrundstücke gemindert und damit eine gewisse Intimität im
  nachbarlichen Verhältnis gewahrt werden soll. Zweck der Abstandsvorschriften
  ist allgemein die Beschränkung der durch eine Baute verursachten Immissionen
  auf die umliegenden Grundstücke. Zwar ist verdichtetes Bauen gestalterisch
  und raumplanerisch erwünscht. Zur Wahrung der Intimität im
  nachbarschaftlichen Verhältnis sollen jedoch vor allem gefährliche, belastende
  oder störende Einflüsse verhindert oder begrenzt werden. Daraus folgt, dass
  Ausnahmen von den ordentlichen Grenzabstandsvorschriften restriktiv
  auszulegen sind, sobald sie Nachteile für die Nachbargrundstücke zur Folge
  haben können (vgl. zum Ganzen VGer-Urteil VG.2018.00051 vom 23. August
  2018 E. II/4.2.1).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Nach den üblichen Regeln der Gesetzesauslegung ist
  eine Bestimmung primär nach ihrem Wortlaut auszulegen. Sind verschiedene
  Auslegungen möglich, so muss nach der wahren Tragweite gesucht werden unter
  Berücksichtigung aller Auslegungselemente, namentlich Sinn und Zweck sowie
  der dem Text zugrundeliegenden Wertung. Vom klaren, d.h. eindeutigen und
  unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, unter
  anderem dann, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht
  den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der
  Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Grund und Zweck oder aus dem
  Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben (vgl. BGE 141 V 674
  E. 2.2, 139 V 148 E. 5.1, je mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Vorliegend ergibt sich aus dem Wortlaut der
  anwendbaren Bestimmungen nicht eindeutig, ob eine Terrasse mit einem
  ordentlichen Grenzabstand von 4 Metern auf einem Anbau mit
  privilegiertem Grenzabstand zulässig ist oder nicht. Nur, aber immerhin,
  weist Art. 51 Abs. 4 RBG darauf hin, dass die Fassadenhöhe nur im
  Grenzbereich bzw. im Bereich zwischen dem privilegierten und ordentlichen
  Grenzabstand von 4 Metern eine gewisse Höhe nicht überschreiten darf.
  Mit Blick darauf besteht der Sinn und Zweck dieser Regelung offensichtlich
  darin, dass keine zu grossen Flächen und zu hohe Bauten innerhalb eines
  Grenzabstands von 1.5 und 4 Metern zugelassen werden sollen, was
  hauptsächlich wohnhygienisch und feuerpolizeilich motiviert sein dürfte.
  Sodann erhellen weder die Systematik noch die Entstehungsgeschichte den
  Willen des Gesetzgebers (vgl. hierzu etwa das Memorial für die
  Landsgemeinde des Kantons Glarus 2010, S. 152). Der kantonalen Rechtsprechung
  lässt sich ferner lediglich entnehmen, dass Baubewilligungen bei der
  Unterschreitung des ordentlichen Grenzabstands aufgrund möglicher Immissionen
  und aus wohnhygienischen bzw. feuerpolizeilichen Gründen restriktiv zu
  handhaben sind. Die Unzulässigkeit einer Terrassenaufbaute auf einem
  eingeschössigen Anbau ausserhalb dieses privilegierten Grenzabstands lässt
  sich daraus jedoch nicht unbesehen ableiten. Hält man sich nun aber vor
  Augen, dass eine mehrgeschossige Hauptbaute bis zum ordentlichen Grenzabstand
  und ein daran anschliessender, eingeschossiger Anbau bis zum privilegierten
  Abstand von 1.5 Metern ohne Weiteres zulässig wäre, kann es nach der
  hier vertretenen Auffassung nicht dem wahren Willen des Gesetzgebers
  entsprechen, auf einem eingeschossigen Anbau unter Einhaltung des
  ordentlichen Grenzabstands keinen Terrassenaufbau zuzulassen. Diesfalls würde
  nämlich ein unerwünschter Anreiz geschaffen, bestehende Bausubstanz zu
  vernichten und durch eine neue Bewilligung in ähnlicher oder gleicher Form zu
  erstellen. Dies würde im Ergebnis einem kostenintensiven und unerwünschten
  Leerlauf oder, sofern ein solcher Aufbau für unzulässig erklärt würde, einem
  faktischen Bauverbot auf Anbauten, welche zumindest teilweise im
  privilegierten Grenzabstand liegen, gleichkommen. Überdies würde eine
  Unzulässigkeit eines solchen Vorhabens gegen das hoch zu gewichtende
  öffentliche Interesse eines verdichteten Bauens sprechen, gegenüber welchem
  die privaten und hauptsächlich rein ideellen Interessen der angrenzenden
  Nachbarn zurückzutreten haben. Aus dem Gesagten folgt, dass ein
  Terrassenaufbau mit einem ordentlichen Grenzabstand von 4 Metern auf
  einem eingeschossigen Anbau, welcher vom privilegierten Abstand von bis zu
  1.5 Metern profitiert, mit den vorliegend zur Diskussion stehenden
  baurechtlichen Bestimmungen grundsätzlich vereinbar ist, zumal dadurch die
  zentralen Anliegen der fraglichen Bestimmungen, namentlich das
  wohnhygienische und feuerpolizeiliche Gefährdungspotenzial, nicht tangiert
  werden.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Mit Blick auf den vorliegend zu beurteilenden Fall
  ist festzuhalten, dass das geplante Terrassengeländer den ordentlichen
  Grenzabstand von 4 Metern zum Nachbargrundstück unbestrittenermassen
  einhält. Durch dessen Erstellung würde zumindest der umfriedete Teil
  zweistöckig, da Anbauten, deren Dach als Terrasse genutzt wird, nicht mehr
  als eingeschossig im Sinne von Art. 51 Abs. 4 RBG gelten und
  folglich nicht vom privilegierten Grenzabstand profitieren können
  (vgl. VGer-Urteil VG.2018.00051 vom 23. August 2018 E. II/4.5).
  Weil Anbauten die festgelegten Masse nicht überschreiten dürfen und das
  geplante Bauvorhaben die erlaubte Höhe überschreitet, kann zumindest der
  Bereich der geplanten Terrasse nicht mehr als Anbaute gelten
  (vgl. Art. 34 BauV; […]). Fraglich ist indessen, was dies für den
  restlichen Teil des bisherigen Anbaus bedeutet, der damals als eingeschossig
  und als eine einzige Anbaute bewilligt wurde. Dies insbesondere vor dem
  Hintergrund, dass eine Baute lediglich als Hauptbaute oder Klein-, Neben-
  oder Anbaute qualifiziert werden kann (VGer-Urteil VG.2019.00147 vom
  24. Juni 2020 E. II/6.4.3). Der Beschwerdeführer macht hierzu
  geltend, dass mit der geplanten Terrasse der übrige Teil, welcher keine
  Terrassenfläche darstelle, zu einem Anbau am erweiterten Hauptgebäude würde.

  
	
   

  
	
  5.2 Der einstöckige und terrassenfreie Gebäudeteil hält
  die für Anbauten vorgeschriebenen Masse, namentlich die Gebäudehöhe sowie die
  Flächengrösse, ohne Weiteres ein. Sodann enthält er wohl ausschliesslich
  Nebennutzflächen. Ob der Terrassenbereich selbst eine Neben- oder
  Hauptnutzfläche darstellt, ist demgegenüber nicht entscheidend, da dieser den
  regulären Grenzabstand einhält. Es wird weiter nicht geltend gemacht und
  erscheint auch nicht wahrscheinlich, dass die Nutzung des Gebäudeteils
  innerhalb des reduzierten Grenzabstands durch die bauliche Anpassung erhöht
  bzw. die Immissionen hierdurch verstärkt würden. Mit Blick auf Sinn und
  Zweck der vorliegend anwendbaren Bestimmungen sowie unter Beachtung des
  mutmasslichen gesetzgeberischen Willens muss der durch die Terrasse
  zweistöckig gewordene Gebäudeteil damit zum Hauptbau geschlagen und der
  einstöckige Gebäudeteil als Anbau hieran qualifiziert werden. Die vom
  Beschwerdegegner 4 vorgebrachte zürcherische Rechtsprechung sowie die dazugehörige
  Literatur ist entgegen seiner Ansicht dabei nicht einschlägig, da weder das
  kommunale noch das kantonale Baurecht die Voraussetzung einer
  architektonischen Eigenständigkeit enthalten. Ferner besteht aufgrund des
  Planungsziels des verdichteten Bauens denn auch kein öffentliches Interesse
  an der Verweigerung der streitbetroffenen Baubewilligung (Art. 5
  Abs. 1 lit. c RBG; vgl. auch vorstehende E. II/4.2.2.).
  Schliesslich wies der Beschwerdegegner 4 in einem eigenen Entscheid
  darauf hin, dass bei einem Anbau, der teilweise in den Hauptbau hineinrage,
  von einer architektonischen Eigenständigkeit desselben ausgegangen werden
  könne. Dies würde bedeuten, dass der Beschwerdeführer den Hauptbau entlang
  der geplanten Terrassenlinie hochziehen könnte, wodurch eine architektonische
  Selbständigkeit des darunterliegenden und entsprechend in den Hauptbau
  hineinragenden Anbaus gegeben sein könnte. Sowohl unter Einbezug des Merkmals
  der architektonischen Eigenständigkeit als auch unter Ausschluss desselben
  erscheint es indessen widersprüchlich, eine Erweiterung des Hauptbaus durch
  einen Gebäudeteil bzw. durch ein Zimmer zu erlauben, eine Erweiterung
  durch eine Terrasse jedoch nicht (vgl. auch vorstehende
  E. II/4.2.2). Dies nicht zuletzt, weil eine Erweiterung des Hauptbaus
  durch Gebäudeanteile in Bezug auf Immissionen sowie Schattenwurf stärker auf
  das Grundstück der Beschwerdegegner 1 und 2 einwirken würde. Daraus
  folgt, dass das Erstellen des streitbetroffenen Terrassengeländers unter
  Einhaltung des ordentlichen Grenzabstands grundsätzlich bewilligungsfähig
  ist, insbesondere weil sich durch den geplanten Bau weder die
  wohnhygienischen Bedingungen, das feuerpolizeiliche Gefährdungspotenzial,
  noch die Wohnimmissionen verschlechtern. Daran ändert auch die restriktive
  Haltung bei Bewilligungen im Bereich des privilegierten Abstands nichts.

  
	
   

  
	
  5.3 Die Beschwerdegegner 1, 2 und 4 stellen sich
  zusätzlich auf den Standpunkt, der Bereich der Terrasse innerhalb des
  ordentlichen Grenzabstands sei ungenügend abgegrenzt. Damit gehe eine Nutzung
  des ganzen Dachs des Anbaus unter Verletzung des Grenzabstands einher,
  wodurch übermässige Immissionen zu befürchten seien. Hierzu ist festzuhalten,
  dass der Terrassenbau und dessen Nutzung gemäss obigen Ausführungen nur mit
  einem ordentlichen Grenzabstand von vier Metern zulässig ist. Im Rahmen der
  Baubewilligung wird dies jedoch berücksichtigt, indem bereits im Baugesuch
  die Sicherung der entsprechenden Zugangstür vorgesehen war. Hierauf hat die
  Beschwerdegegnerin 3 denn auch abgestellt (vgl. vorstehende
  E. II/3.1), was zur Bewilligungsfähigkeit genügt.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Zusammenfassend besteht
  weder eine gesetzliche Grundlage noch ein vernünftiger sowie mit
  immissionsrechtlichen oder feuerpolizeilichen Überlegungen zu erklärender
  Grund, weshalb das vom Beschwerdeführer anbegehrte Geländer auf der
  streitbetroffenen Baute ausserhalb des privilegierten Gebäudeabstands nicht
  bewilligungsfähig sein sollte. Dies nicht zuletzt, weil bis zum ordentlichen
  Grenzabstand mehrstöckige Bauten ohne Weiteres zulässig wären. Es kann daher
  mit Blick auf das öffentliche Interesse am verdichteten Bauen sowie auf den
  erheblichen Ermessensspielraum der Beschwerdegegnerin 3 bei der
  Beurteilung von Baugesuchen nicht angehen und entspricht nicht dem
  mutmasslichen Willen des Gesetzgebers, einerseits mehrstöckige Bauten im
  streitbetroffenen Teil der Parzelle zuzulassen, andererseits eine darin
  geplante Terrassennutzung einzig mit der Begründung zu verbieten, dass der
  neu entstehende Teil der Anbaute keine architektonische Eigenständigkeit
  aufweist.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Gutheissung
  der Beschwerde und zur Aufhebung des Entscheids des Beschwerdegegners 4
  vom 25. April 2023.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Nach Art. 134
  Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei, welche im Beschwerde-, Klage-
  oder Revisionsverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die
  Gerichtskosten von pauschal Fr. 2'000.- sind ausgangsgemäss zur Hälfte
  den unterliegenden Beschwerdegegnern 1 und 2 aufzuerlegen und zur Hälfte
  auf die Staatskasse zu nehmen (vgl. Art. 137 i.V.m. Art. 135
  Abs. 1 VRG). Der vom Beschwerdeführer bereits geleistete Kostenvorschuss
  in der Höhe von Fr. 2'000.- ist ihm zurückzuerstatten. Ausgangsgemäss
  steht den Beschwerdegegnern 1 und 2 keine Parteientschädigung zu
  (Art. 138 Abs. 2 und 3 lit. a VRG). Hingegen sind sie und der
  Beschwerdegegner 4 zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine
  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'800.-
  (inkl. Mehrwertsteuer) je hälftig zu bezahlen. Der Beschwerdegegnerin 3 steht mangels
  besonderer Umstände keine Parteientschädigung zu (Art. 138 Abs. 4 VRG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Beschwerdegegners 4
    vom 25. April 2023 wird aufgehoben.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 2'000.- werden zur Hälfte den
    Beschwerdegegnern 1 und 2 auferlegt und zur Hälfte auf die Staatskasse
    genommen. Dem Beschwerdeführer wird der bereits geleistete Kostenvorschuss
    in der Höhe von Fr. 2'000.- zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegner 1 und 2 werden verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 900.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 

    
	
    4.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin 4 wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 900.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen

    
	
    5.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]