# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c17d66e-23d1-5dbb-bea0-1dc1c53aaf54
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-05-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.05.2008 E-5245/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5245-2007_2008-05-05.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5245/2007/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  M a i  2 0 0 8

Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, 
Richterin Christa Luterbacher, 
Gerichtsschreiberin Contessina Theis.

A._______, geboren (...), Guinea,
vertreten durch lic. iur. David Ventura, 
Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, 
Freiburgerstrasse 66, 4057 Basel,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom (...) / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5245/2007

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein Angehöriger der Peul-Ethnie aus Guinea, 
verliess eigenen Angaben zufolge seine Heimat im (...), gelangte über 
Senegal  nach Italien und von dort  in die Schweiz,  wo er am (...)  im 
Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe  ein  Asylgesuch 
stellte. Zur Begründung seines Gesuches machte er im Wesentlichen 
geltend, er habe anlässlich der Unruhen in B._______ anfangs 2007, 
zusammen mit  anderen Jugendlichen,  das  Haus  eines  Colonels  mit 
Steinen beworfen,  Militärangehörige angegriffen und die Waffe eines 
Militärangehörigen entwendet, weshalb er von den Behörden gesucht 
werde.

B.
Anlässlich der Befragung im EVZ in Vallorbe am (...)  gab er an, 14-
jährig  zu  sein.  Er  sei  im  Dorf  C.______  aufgewachsen  und  als 
Zehnjähriger von seiner Familie nach B._______ geschickt worden, wo 
er bis zur Ausreise aus seiner Heimat bei seiner Schwester gelebt und 
bei seinem Onkel gearbeitet habe.

C.
Mittels  der  am  (...)  im  Auftrag  des  BFM  durchgeführten  Kno-
chenanalyse  stellte  der  untersuchende  Arzt  fest,  dass  aufgrund  der 
Handgelenksaufnahme  und  der  Anamnese  des  Beschwerdeführers 
von einem Alter von 18 Jahren auszugehen sei. Am (...)  wurde dem 
Beschwerdeführer  zum Ergebnis  der  Knochenanalyse das  rechtliche 
Gehör gewährt.

D.
Mit Verfügung vom (...) trat das BFM, gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b 
AsylG,  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  gleichzeitig  die 
Wegweisung und deren Vollzug an. Auf die Begründung wird,  soweit 
entscheidwesentlich, im Folgenden eingegangen werden.

E.
Mit Eingabe vom (...) (Poststempel) focht der Beschwerdeführer durch 
seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht die Verfügung 
des  BFM  an  und  beantragte,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei 
aufzuheben,  das  BFM  sei  anzuweisen  auf  sein  Asylgesuch 
einzutreten, seine Flüchtlingseigenschaft pflichtgemäss zu prüfen und 

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eine  neue  Verfügung  zu  erlassen.  Die  Vollzugsbehörden  seien  im 
Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  anzuweisen,  die 
Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat sowie jegliche Weitergabe von 
Daten  an  denselben  bis  zum  Entscheid  über  die  Beschwerde  zu 
sistieren.  Vor  einer  allfälligen  Ablehnung  der  Beschwerde  sei  eine 
eventuell bereits erfolgte Datenweitergabe offenzulegen und ihm dazu 
das rechtliche Gehör im Hinblick auf  subjektive Nachfluchtgründe zu 
gewähren. Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren 
und von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.

F.
Mit  Zwischenverfügung  vom  (...)  wies  der  zuständige  Inst-
ruktionsrichter  die  Vollzugsbehörden  im  Sinne  einer  vorsorglichen 
Massnahme an, von der Weitergabe von Daten des Beschwerdefüh-
rers  an  dessen  Heimatstaat  bis  zum  Abschluss  des  Verfahrens 
abzusehen,  sowie  eine  Kontaktaufnahme  mit  den  heimatlichen 
Behörden des Beschwerdeführers zu unterlassen. Weiter hiess er das 
Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gut,  verzichtete  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses und überwies die Beschwerde zur 
Vernehmlassung an die Vorinstanz.

G.
Am (...)  ersuchte die Vorinstanz das Bundesverwaltungsgericht  unter 
einfachem  Hinweis  auf  weitere  Untersuchungsmassnahmen  um 
Verlängerung  der  Vernehmlassungsfrist,  welche  mit  Verfügung  vom 
(...) gewährt wurde.

H.
Mit  telefonischer  Anfrage  bei  der  zuständigen  Gerichtsschreiberin, 
erkundigte sich die Vorinstanz, ob sie gemäss Art. 58 VwVG eine neue 
Verfügung  erlassen  könne,  wenn  sie  weitere  Abklärungen  gemacht 
und das rechtliche Gehör gewährt habe. Nach Rücksprache mit dem 
Instruktionsrichter,  teilte  die  Gerichtsschreiberin  der  Vorinstanz  mit, 
dass  Art.  58  VwVG nicht  dazu  da  sei,  mangelhafte  erstinstanzliche 
Verfügungen mittels Nachinstruktion zu heilen (act. 8).

I.
In Anwesenheit seines Rechtsvertreters gewährte das BFM dem Be-
schwerdeführer während laufender Vernehmlassungsfrist  am (...)  das 
rechtliche Gehör im Hinblick auf einen Entscheid nach Art. 32 Abs. 2 
Bst. b AsylG, beziehungsweise führte eine Befragung durch (A27).

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J.
Mit  Verfügung vom 3. September  2007 wurde der  Beschwerdeführer 
dem Kanton D._______ zugewiesen.

K.
Am (...) beantragte die Vorinstanz im Rahmen der Vernehmlassung die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Auf  die  Begründung  wird  soweit 
entscheidwesentlich, im Folgenden eingegangen werden.

L.
Der  Beschwerdeführer  liess  die  mit  Zwischenverfügung  vom  (...) 
angesetzte Frist zur Replik unbenutzt verstreichen.

M.
Mit Eingabe vom (...) reichte der Rechtsvertreter seine Kostennote zu 
den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht, ist 
nicht gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent-
scheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Beurtei-
lung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

2.

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2.1 Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom (...)  wurde dem 
Beschwerdeführer  gleichentags  eröffnet.  Der  Beschwerdeführer 
reichte  seine  Beschwerde  am  (...)  (Poststempel)  beim 
Bundesverwaltungsgericht ein. Die Beschwerde ist  form- und fristge-
recht eingereicht; der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 108 Abs. 2 
AsylG;  Art  6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs.  1  und  52  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist mithin einzutreten.

2.2 Die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentschei-
de ist praxisgemäss auf die Überprüfung der Frage beschränkt, ob die 
Vorinstanz zu Recht nicht auf das Asylgesuch eingetreten ist. Die Be-
urteilungszuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts als Beschwer-
deinstanz  ist  demnach  darauf  beschränkt,  bei  Begründetheit  des 
Rechtsmittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache 
zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  (vgl.  die 
nach wie vor zutreffende Praxis  in  Entscheidungen und Mitteilungen 
der  Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK)  [EMARK] 2004 Nr. 
34 E 2.1. S. 240 f.). Nicht beschränkt ist die Beurteilungszuständigkeit 
des  Bundesverwaltungsgerichts  im  Wegweisungspunkt,  da  sich  die 
Vorinstanz diesbezüglich gemäss Art. 44 AsylG in Verbindung mit Art. 
83  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) auch materiell  zur 
Sache zu äussern hatte.

3.
3.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG müssen die Behörden auf ein 
Asylgesuch  nicht  eintreten,  wenn  Asylsuchende  die  Behörden  über 
ihre Identität täuschen und diese Täuschung aufgrund der Ergebnisse 
der  erkennungsdienstlichen  Behandlung  oder  anderer  Beweismittel 
feststeht. Nach ständiger und nach wie vor geltender Praxis der ARK 
ist eine den Formerfordernissen genügende Knochenaltersanalyse als 
"anderes Beweismittel" im Sinne dieser Bestimmung anzusehen, und 
eine Abweichung von mindestens drei  Jahren zwischen dem geltend 
gemachten  Alter  der  asylsuchenden  Person  und  dem  Ergebnis  der 
Knochenaltersanalyse berechtigt  das  BFM,  einen Nichteintretensent-
scheid nach Art 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zu fällen (EMARK 2001 Nr. 23 
E. 4 S. 186).

3.2 Die Vorinstanz führt in ihrer angefochtenen Verfügung aus, der Be-
schwerdeführer habe die Behörden über seine Identität getäuscht, da 
die Abweichung zwischen dem vom Beschwerdeführer selbst  angege-

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benen  und  demjenigen  vom  Experten  mittels  Handknochenanalyse 
bestimmten Alter deutlich über dreieinhalb Jahre betrage. Somit könne 
von  einer  Täuschungsabsicht  des  Beschwerdeführers  ausgegangen 
werden.

3.3 Der  Beschwerdeführer  führte  verschiedene  Altersangaben  ins 
Feld: Einerseits gab er auf dem Personalienblatt (A3) an, er sei am (...) 
geboren, andrerseits führte er bei der Empfangsstellenbefragung (A1, 
S. 1 bis 3 und S. 11) aus, er sei (...) geboren, wisse jedoch den Monat 
nicht. Er sei Analphabet und wisse sein Geburtsdatum nicht genau. Er 
sei 14 Jahre alt, denn seine Mutter habe ihm gesagt, er sei zehn Jahre 
alt, als sie ihn nach B._______ geschickt habe. In B._______ habe er 
vier Jahre lang gelebt. Auf die Frage, ob er auch 16, 18 oder 19 sein 
könne, gab der  Beschwerdeführer an, dies sei möglich, aber er wolle 
sich nicht älter oder jünger darstellen. Ihm sei gesagt worden, dass er 
mit  zehn Jahren nach B._______ geschickt worden sei. Dies sei (...) 
gewesen.

3.4 Die von der Vorinstanz in Auftrag gegebene Knochenaltersanalyse 
ergibt  demgegenüber,  dass  die  Epiphysenfugen  des  Handskeletts 
beidseits  noch nicht  verschlossen sind  und das Skelettalter  gemäss 
den vergleichenden Tabellen von Gräulich & Pyle bei einem Alter von 
18 Jahren liege. Die Anamnese zeige eine normale Hodengrösse und 
eine adulte Behaarung (A10). Es stellt sich demnach die Frage, ob die 
in  der  Rechtsprechung  festgelegte  Minimalabweichung  von 
zweieinhalb bis drei Jahren (vgl. die nach wie vor zutreffende Praxis in 
EMARK 2001 Nr. 23 E. 4 S. 186) gegeben ist  und die Vorinstanz zu 
Recht  nicht  auf  das  Asylgesuch  des Beschwerdeführers  eingetreten 
ist.

Diese Frage kann vorliegend jedoch offengelassen werden, da wie im 
Folgenden aufgezeigt wird, die angefochtene Verfügung des BFM aus 
anderen Gründen nicht gestützt werden kann.

4.
4.1 Einer  unbegleiteten  minderjährigen  Person  ist  -  wenn  ihr  kein 
Vormund  oder  Beistand  nach  den  zivilgesetzlichen  Regelungen 
ernannt  worden  ist  und  entsprechende  vormundschaftliche 
Massnahmen  seitens  der  kantonalen  Behörden  auch  nicht  innert 
vernünftiger Frist zu erwarten sind - für die Dauer des Asylverfahrens 
eine Vertrauensperson beizuordnen, welche sie im Verfahren begleitet 

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und unterstützt (Art. 17 Abs. 2 und 3 AsylG i.V.m. Art. 7 Abs. 2 und 3 
AsylV 1).

4.1.1 Nach der summarischen Befragung des Beschwerdeführers im 
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe zu seiner Identität, 
seinem Reiseweg und seinen Ausreisegründen am (...) (A1), stellte die 
Vorinstanz  noch  gleichentags  in  einer  internen  Notiz  fest,  dass  das 
Alter  des  Beschwerdeführers  unbestimmt  sei,  und  dass  für  die 
Fortführung des Verfahrens im Empfangs- und Verfahrenszentrum eine 
Vertrauensperson bestimmt werden müsse,  oder  ein  Transfer  in  den 
Kanton zu erfolgen habe (A6).

Nach  dem  Transfer  ins  EVZ  Basel  und  der  dort  veranlassten 
Knochenanalyse  (A10)  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  (...)  ohne 
Beiordnung einer Vertrauensperson das rechtliche Gehör im Hinblick 
auf einen Entscheid nach Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG gewährt (A13). 
Gleichentags wurde der vorliegend angefochtene Entscheid verfasst, 
in  welchem zum Alter  des Beschwerdeführers ausgeführt  wird,  dass 
der  Beschwerdeführer  die  Behörden  erwiesenermassen  über  sein 
Alter getäuscht habe, und dass, wenn sich das tatsächliche Alter eines 
angeblich Minderjährigen nicht ermitteln lasse, dieser im Rahmen des 
Wegweisungsvollzugs die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen habe, 
und sich nicht auf die für die Minderjährigkeit geltenden Regelungen 
berufen könne.

4.1.2 Hierzu ist  anzumerken,  dass die Annahme einer im Sinne von 
Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  relevanten  Täuschung  durch  den 
Beschwerdeführer  noch  keine  abschliessenden  Aussagen  bezüglich 
seines Alters und einer allfälligen Minder- oder Volljährigkeit  zulässt. 
Die Vorinstanz hat dennoch und einzig mit einem Satz erwähnt, dass 
sich das Alter des Beschwerdeführers nicht ermitteln lasse, weshalb er 
die  Beweislast  für  die  behauptete  Minderjährigkeit  zu  tragen  habe. 
Eine  weitere  Abklärung  beziehungsweise  Glaubhaftigkeitsprüfung 
hinsichtlich des Alters des Beschwerdeführers und seiner behaupteten 
Minderjährigkeit fand nicht statt. 

Die Beweislast für die Minderjährigkeit und die daraus resultierenden 
Folgen sind erst ab dem Punkt belastend für den Beschwerdeführer, 
wenn  die  Behauptung  der  Minderjährigkeit  unbewiesen  bleibt,  mit 
anderen  Worten,  wenn  weder  dem Beschwerdeführer  der  Nachweis 
gelingt, dass er minderjährig ist, noch den Behörden derjenige, dass 
er mehr als 18-jährig ist (EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.2, S. 209). Wie in 

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EMARK  2004  Nr.  30  ausgeführt,  ist  auch  in  Bezug  auf  das 
Beweismass bei  den Altersangaben  von der  allgemeinen Regel  des 
Art. 7 AsylG auszugehen. 

Vorliegend  hat  sich  die  Vorinstanz  bezüglich  der  Bestimmung  des 
Alters  des  Beschwerdeführers  einzig  auf  die  Angaben  des 
behandelnden  Arztes  gestützt.  Dieser  geht  aufgrund  der 
Knochenaltersbestimmung, welche beim Beschwerdeführer noch nicht 
vollständig  verschlossene  Epiphysenfugen  dokumentiert  und  im 
Übrigen eher auf eine Minder- als auf eine Volljährigkeit hinweist, und 
der  Anamnese  des  Beschwerdeführers,  davon  aus,  dass  der 
Beschwerdeführer  18-jährig  ist  (A10).  Wie  in  der  nach  wie  vor 
zutreffenden  ARK-Rechtsprechung  ausführlich  ausgeführt  wird,  lässt 
sich aber mittels  einer Knochenanalyse das Alter  einer Person nicht 
genau,  sondern  nur  innerhalb  einer  bestimmten  Bandbreite 
bestimmen,  denn  eine  Abweichung  von  zweieinhalb  bis  drei  Jahren 
zwischen dem Knochenalter und dem tatsächlichen Alter einer Person 
liegt noch im Normalbereich (EMARK 2000 Nr. 19).

Das  Alter  des  Beschwerdeführers  liegt  demnach  in  der  Bandbreite 
zwischen  maximal  15  und  21  Jahren.  Das  Ergebnis  der 
Knochenanalyse ist folglich allerhöchstens ein - schwaches - Indiz für 
die Volljährigkeit des Beschwerdeführers (siehe auch EMARK 2004 Nr. 
30 E. 6.2,  S. 211). Im Gegenteil  geht  aus der Knochenaltersanalyse 
hervor, dass sich der Beschwerdeführer noch im Wachstum befindet.

4.1.3 Der  Beschwerdeführer  könnte  also,  wie  oben  ausgeführt, 
durchaus minderjährig  sein,  unabhängig  davon,  ob er  die  Behörden 
über  sein  Alter  täuschte  oder  nicht.  Diesem  Umstand  hat  die 
Vorinstanz aber in einer weiteren Form nicht Rechnung getragen: Dem 
Beschwerdeführer  wurde  im  erstinstanzlichen  Verfahren  keine 
Vertrauensperson  beigeordnet,  obwohl  die  ursprüngliche  Triage  des 
BFM ein solches Vorgehen vorsah (vgl. E. 4.1.1) und sich eine solche 
Vorgehensweise  auch  trotz  Zweifel  an  der  angegebenen 
Minderjährigkeit aufdrängen kann (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.4.5). 
Dadurch wurde der  Beschwerdeführer  in  seinen Verfahrensgarantien 
verletzt. Er hatte zu keiner Zeit jemanden an seiner Seite, der ihn im 
Verfahren hätte unterstützen können.

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4.1.4 Mit  ihrem  Vorgehen  verletzte  die  Vorinstanz  einerseits  ihre 
Pflicht  zur  Feststellung  des  Sachverhaltes  bezüglich  des  Alters  des 
Beschwerdeführers, sowie eine wesentliche Verfahrensgarantie. 

4.2
4.2.1 Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde zu Recht bean-
standet,  hat  die  Vorinstanz  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  ge-
machten Fluchtgründe in keiner Form gewürdigt:  Die Vorinstanz führt 
in  ihrer  abweisenden  Verfügung  aus,  dass  feststehe,  dass  der  Be-
schwerdeführer  die  Behörden  über  seine  Identität  getäuscht  habe, 
weshalb  nicht  auf  das  Asylgesuch  einzutreten  sei.  Die  Folge  eines 
Nichteintretensentscheides sei die Wegweisung aus der Schweiz. Vor-
liegend würden sich keine Hinweise auf Verfolgung ergeben, weshalb 
der Grundsatz der Nichtrückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht 
angewandt  werden  könne. Ferner  würden  sich  aus  den  Akten  auch 
keine Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  dass  dem Beschwerdeführer  im 
Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine durch Art. 3  der Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  würden  unter  den  vorliegenden  Umständen 
offenkundig  einer  haltbaren  Grundlage  entbehren.  Der 
Beschwerdeführer  habe  die  Behörden  erwiesenermassen  über  sein 
Alter  getäuscht.  Lasse  sich  das  tatsächliche  Alter  einer  angeblich 
minderjährigen Person nicht ermitteln, so habe diese im Rahmen des 
Wegweisungsvollzugs  die  Folgen  der  Beweislosigkeit  zu  tragen  und 
könne sich nicht auf die für die Minderjährigkeit geltenden Regelungen 
berufen. Weder die politische Lage im mutmasslichen Heimatstaat des 
Beschwerdeführers  noch  andere  Gründe  würden  gegen  die 
Zumutbarkeit  einer Rückkehr in den Heimatstaat  sprechen. Auch sei 
der  Vollzug  der  Wegweisung  möglich.  Auch  das 
Bundesverwaltungsgericht  erachte  den  Vollzug  der  Wegweisung 
grundsätzlich als möglich, selbst wenn ein Gesuchsteller seine wahre 
Identität oder Nationalität verheimliche. Somit sei der Vollzug der Weg-
weisung technisch möglich und praktisch durchführbar.

4.2.2 Selbst  bei  einem  im  Asylpunkt  allfällig  zu  Recht  gefällten 
Nichteintretensentscheid nach Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG müssen die 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  im  Hinblick  auf  das  Non-
Refoulement-Gebot  und  damit  im  Hinblick  auf  die  Zulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzugs geprüft werden (EMARK 2006 Nr. 4 E. 5.1). Dies 

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wurde vorliegend nicht gemacht: Einzig aufgrund der angenommenen 
Identitätstäuschung,  die  auf  einer  Abweichung  in  der  Angabe  des 
Alters gründet, auf die offenkundige Unhaltbarkeit jeglicher Vorbringen 
des  Beschwerdeführers  zu  schliessen,  geht  nicht  an,  und  auch  der 
rudimentäre  Verweis  auf  die  Aktenlage  vermag  der  geforderten 
Begründungsdichte  nicht  zu  genügen.  Daran  ändert  auch  die 
Anlehnung der Vorinstanz an die Rechtsprechung der ARK (EMARK 
2005  Nr. 1  E.  3.2.2  S. 5)  im  vorliegenden  Fall  nichts;  bei  dem  der 
erwähnten Rechtsprechung zugrunde liegenden Fall ging es um eine 
Identitätstäuschung im Hinblick auf  die Staatsangehörigkeit  -  welche 
aufgrund  unsubstantiierter  und  haltloser  Aussagen  zum  geltend 
gemachten  Heimatstaat  angenommen  wurde  -  und  nicht  um  eine 
Identitätstäuschung  im  Hinblick  auf  das  Alter.  Letztere  Form  der 
Identitätstäuschung  entbindet  die  Vorinstanz  indes  nicht  von  ihrer 
Pflicht  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes  und  einer 
dementsprechenden  Würdigung  im  Hinblick  auf  die  Zulässigkeit, 
Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  einer  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat, in casu nach Guinea.

Die  Vorinstanz  hat  diesbezüglich  ihre  Pflicht  zur  Sachverhaltsabklä-
rung sowie ihre Pflicht zur Begründung nicht rechtsgenüglich wahrge-
nommen.

4.3
4.3.1 Anlässlich des Vernehmlassungsverfahrens hörte das BFM den 
Beschwerdeführer  am  (...)  erneut  an.  Das  Protokoll  mit  dem  Titel 
"Rechtliches Gehör im Hinblick auf einen Entscheid nach Art. 32 Abs. 
2  lit.  b"  (A27)  umfasst  knapp  sechs  Seiten  und  zeigt  auf,  dass  die 
Vorinstanz  zwar  mit  ihrer  ersten  Frage  dem  Beschwerdeführer  das 
rechtliche Gehör gewährte - notabene wäre ihm damit das rechtliche 
Gehör im Hinblick auf einen allfälligen Nichteintretensentscheid nach 
Art. 32 Abs. Bst. b AsylG gewährt worden, obwohl bereits ein solcher 
Entscheid  ergangen  war  -  ihn  jedoch  im  Übrigen  zu  seinen 
Fluchtgründen sowie  zur  Situation  in  seinem Heimatland ausführlich 
befragte. Am (...) beantragte die Vorinstanz sodann die Abweisung der 
Beschwerde  mit  der  Begründung,  der  Beschwerdeführer  habe  im 
rechtlichen  Gehör  zur  Wegweisung  nach  Guinea  bestätigt  und 
konkretisiert,  was  er  anlässlich  der  Befragung  am  (...)  vorgebracht 
habe. Die Befürchtungen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft 
und  nicht  nachvollziehbar.  So  habe  der  Beschwerdeführer  nicht 
erklären können, wie es vereinbar sei, dass er zum einen in seinem 

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Wohnquartier einen hohen Bekanntheitsgrad habe geniessen und seit 
längerem einem Clan, welcher bekannt  dafür gewesen sei schlechte 
Sachen  durchzuführen,  habe  angehören  können,  und  zum  anderen 
am Leben der anderen Hälfte der Gesellschaft habe teilhaben können, 
indem er engste Beziehungen zu Kindern einer hohen und bekannten 
Militärpersönlichkeit unterhalten und damit freien Zutritt zu einem nach 
guineischen  Verhältnissen  pompösen  Wohnsitz  bekommen  habe. Im 
Übrigen  handle  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  jungen, 
aufgeweckten  Burschen,  welcher  in  einem  engen  Familien-  und 
Sozialnetz  eingebettet  sei.  Dies  lasse auch seine Aussage,  er  habe 
keine andere Wahl gehabt, als die Befehle des Clanchefs auszuführen, 
unglaubwürdig erscheinen.

4.3.2 Die  Vorgehensweise  sowie  die  Argumentation  der  Vorinstanz 
sind aus mehreren Gründen nicht haltbar:

Gemäss Art. 54 VwVG geht mit Einreichung einer Beschwerde die Be-
handlung der Sache, welche Gegenstand der Beschwerde bildet, auf 
die  Beschwerdeinstanz  über.  Es  ist  der  vorinstanzlichen  Behörde 
grundsätzlich  verwehrt,  nach  Einreichung  des  Rechtsmittels  weitere 
oder zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, soweit  sie den Streitge-
genstand betreffen und auf eine allfällige Änderung der angefochtenen 
Verfügung durch Erlass einer neuen abzielen (vgl. beispielsweise BGE 
127 V 228 ff.). Indem die Vorinstanz vorliegend versuchte, ungenügend 
durchgeführte  Abklärungen  (vgl.  auch  Beschwerdeakten,  act.  8)  im 
Vernehmlassungsverfahren nachzuholen,  und die Beschwerdeinstanz 
hierzu auch nicht um ihre Zustimmung ersuchte, verletzte sie Art. 54 
VwVG.

Die  Vorinstanz  zeigt  mit  der  Durchführung  einer  einlässlichen 
Anhörung zu möglichen Vollzugshindernissen selber an, dass sie die 
Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs 
ungenügend abgeklärt  und damit dem Untersuchungsgrundsatz nicht 
Genüge getan hat. 

5.
5.1
Die Vorinstanz hat demnach Bundesrecht in mehrerer Hinsicht verletzt, 
weshalb  zu  prüfen  ist,  ob  die  festgestellten  Verfahrensfehler  geheilt 
werden können oder ob die angefochtene Verfügung zu kassieren ist: 
Das Bundesverwaltungsgericht geht - wie dies schon ständige Praxis 

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seiner Vorgängerin in Asylfragen, der ARK, war - davon aus, dass Ver-
fahrensfehler dank der umfassenden Kognition der Beschwerdeinstanz 
in  bestimmten Schranken geheilt  werden können; dies insbesondere 
unter den Voraussetzungen, dass die unterbliebene Handlung nachge-
holt  wird  und  der  Beschwerdeführer  sich  dazu hat  äussern  können. 
Eine sachgerechte Lösung im Sinne einer Heilung oder Kassation wird 
sich entscheidend an der Schwere der Verletzung einer Verfahrensvor-
schrift, aber auch daran zu orientieren haben, ob die Verletzung auf ei-
nem Versehen beruht  oder das Resultat  einer gehäuften unsorgfälti-
gen Verfahrensführung ist (EMARK 2004 Nr. 38 E. 7.1. S. 265; 1998 Nr. 
34 E. 10d S. 292 ff., je mit weiteren Hinweisen). Vorliegend ist zweifels-
ohne  von  einer  gehäuft  aufgetretenen  unsorgfältigen 
Verfahrensführung  auszugehen,  welche  das  BFM  mit  der 
Durchführung einer Anhörung im Vernehmlassungsverfahren zu heilen 
versuchte. Es kann jedoch nicht angehen, dass durch eine Heilung auf 
Beschwerdeebene  die  Vorinstanz  von  ihrer  Pflicht  zur  sorgfältigen 
Verfahrensführung entbunden wird,  bliebe doch so eine ursprünglich 
unsorgfältige  Verfahrensführung  ohne  Konsequenzen,  was  die 
Rechtsposition des Beschwerdeführers schwächen und die Vorinstanz 
von der  Pflicht  zur sorgfältigen Verfahrensführung faktisch entbinden 
würde.

5.2 Die  vorliegende  Verfügung  ist  deshalb  aufzuheben  und  das 
Verfahren  zur  erneuten  Prüfung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die 
Vorinstanz  zurückzuweisen.  Dabei  wird  das  BFM  vorfrageweise  die 
Minderjährigkeit im Sinne von EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4. S. 210) zu 
prüfen und  gegebenenfalls  dem Beschwerdeführer  für  die  Anhörung 
zu  seinen  Asylgründen  eine  Vertrauensperson  beizuordnen  haben. 
Selbstredend können in einem solchen Falle die früheren Aussagen in 
der  Anhörung  vom (...),  die  in  Abwesenheit  einer  Vertrauensperson 
erfolgte, nicht für das weitere Asylverfahren beigezogen werden.

6.
6.1 Bei  diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu spre-
chen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), weshalb sich das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege, das mit Zwischenverfügung vom (...) 
gutgeheissen wurde, als gegenstandslos erweist.

6.2 Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Be-
schwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Par-
teientschädigung  für  ihm  erwachsene  notwendige  Vertretungskosten 

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zuzusprechen  (vgl.  Art.  7  des  Reglements  vom 11. Dezember  2006 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter weist in seiner Kos-
tennote einen Aufwand von Fr. 200.-- aus (Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 
VGKE).  Die  Parteientschädigung  wird  deshalb  auf  Fr. 200.--  festge-
setzt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom (...) wird aufgehoben und das Verfahren 
wird zur erneuten Prüfung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz 
zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Dem  Beschwerdeführer  wird  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe 
von Fr. 200.-- zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  durch  Vermittlung  seines  Rechtsvertreters 
(Einschreiben)

- die Vorinstanz (Ref-Nr. N_______; per Kurier)
- das Migrationsamt des Kantons D._______ (ad_______)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Beat Weber Contessina Theis

Versand: 

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