# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b40e50c8-c021-550c-9715-4eae53f5b0b5
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-12-16
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Schallschutzmassnahmen gegen Innenlärm. Anforderungen an Trennbauteile. Lärmpotential von Kinderkrippe (Kasustik).
**Docket/Reference:** BRKE I Nrn. 0370-0371/2005
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_0370-0371_2005_787.pdf

## Full Text

BRKE I Nrn. 0370 - 0371/2005 vom 16. Dezember 2005 in BEZ 2006 Nr. 41

Vorliegend ging es die Umnutzung von vormals durch eine Arztpraxis genutzten 
Räumen in eine Kinderkrippe mit Betreuungsplätzen für ca. 15 Kinder. Strittig war der 
von  der  Baubehörde  verlangte  Nachweis  von  Schallschutzmassnahmen.  Die  Bau-
herrschaft  wandte  sich  insbesondere  dagegen,  dass  das  Störpotential  der  Kinder-
krippe als «stark» im Sinne der SIA-Norm 181 «Schallschutz im Hochbau» (Ausgabe 
1988) eingestuft wurde. 

Aus den Erwägungen:

4. Bis anhin ist die Nutzung der im 1. Untergeschoss befindlichen Fläche offen-
sichtlich ohne Beanstandungen in lärmmässiger Hinsicht verlaufen; die Mitbewohner 
haben  sich  erst  seit  der  Umnutzung  der  bis  anhin  als  Arzt-Praxis  genutzten  Räum-
lichkeiten  in  eine  Kinderkrippe  gegen  die  Immissionen  zur  Wehr  gesetzt.  Demge-
mäss beurteilt sich der der umstrittenen Nutzung zuzurechnende Lärm zum vornher-
ein  anhand  der  für  die  Neuerrichtung  einer  Anlage  geltenden  Anforderungen,  also 
nach Art. 25 USG, unabhängig davon, ob es sich dabei um eine Änderung einer Al-
tanlage oder einer Anlage, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes erstellt worden 
ist,  handelt.  Wie  bei  den  letzteren  gelten  auch  bei  nachträglichen  Änderungen  von 
Altanlagen, die bisher keinen oder nur geringfügigen Lärm verursachten und insofern 
nicht  sanierungspflichtig  sind,  dieselben  Regeln  wie  bei  der  erstmaligen  Erstellung 
(vgl.  R.  Wolf,  Kommentar  zum  Umweltschutzgesetz,  2.  A.,  Hrsg.  Vereinigung  für 
Umweltrecht/Helen Keller, 1998 ff., Art. 25 Rz. 46 mit Verweisungen), da kein Grund 
ersichtlich ist, solchen Altanlagen bei einem späteren Ausbau grössere Lärmemissi-
onen zuzugestehen. 

Die Kinderkrippe hat demgemäss als neue Anlage die Planungswerte einzuhal-
ten;  ausserdem  sind  gemäss  dem  Vorsorgegrundsatz  unabhängig  von  der  beste-
henden  Umweltbelastung  die  Emissionen  so  weit  zu  begrenzen,  als  dies  technisch 
und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). 

Für  die  Beurteilung  des  Lärms  knüpft  das  Lärmschutzrecht  an  Belastungs-
grenzwerte an, die nur in Verbindung mit den auf sie zugeschnittenen Mess- und Be-
urteilungsverfahren aussagefähig sind, indem beide zusammen eine funktionale Ein-
heit  bilden.  Andernfalls  besteht  die  Gefahr,  dass  Unvergleichbares  miteinander  ver-
glichen wird (BGE 123 II 325, E. 4 aa mit Verweisungen). Fehlen Belastungsgrenz-
werte,  haben  die  Vollzugsbehörden  unter  Orientierung  an  den  Kriterien  der  Art.  15, 
19 und 23 USG (Art. 40 Abs. 3 LSV) im Einzelfall zu beurteilen, ob eine unzumutbare 
Störung vorliegt. Dabei sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit sei-

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nes  Auftretens  sowie  die  Lärmempfindlichkeit  bzw.  Lärmvorbelastung  der  Zone,  in 
der die Immissionen auftreten, zu berücksichtigen (Art. 2 Abs. 5 LSV). 

Einer Anlage wird der Lärm zugerechnet, der mit ihrem Betrieb unmittelbar ver-
bunden  ist.  Dazu  gehören  in  erster  Linie  die  Immissionen,  welche  bei  der  bestim-
mungsgemässen Benützung der Anlage unvermeidbar entstehen. Lärm, der von den 
Benützern ausserhalb der Anlage verursacht wird, zählt zu den sogenannten Sekun-
därimmissionen, welche der Anlage ebenfalls zuzurechnen sind. Das betrifft u.a. Fäl-
le, in denen die Lärmverursachung in unmittelbarer Nähe der Anlage und in direktem 
Zusammenhang mit deren Benutzung erfolgt, wie beim Zu- und Wegfahren der Fahr-
zeuge (vgl. R. Wolf, Kommentar USG, Art. 25 Rz. 36). 

Lärm  einer  Anlage,  der  sich  über  die  Gebäudestrukturen  fortpflanzt  und  derart 
auf lärmempfindliche Räume im gleichen Gebäude oder in einem zusammengebau-
ten  Nachbargebäude  einwirkt,  wird  sinngemäss  wie  Aussenlärm  behandelt  und  un-
tersteht demgemäss ebenfalls Art. 25 USG. Gestützt darauf kann eine Reduktion des 
Lärms  an  der  Quelle  verlangt  werden.  Die  Anwendung  der  Regeln  betreffend  Aus-
senlärm  hat  überdies  zur  Folge,  dass  auch  die  Grundsätze  über  die  vorsorgliche 
Emissionsbegrenzung nach Art. 11 Abs. 2 USG sinngemäss gelten. Für die Beurtei-
lung solchermassen einwirkenden Lärms sind indessen die Kriterien heranzuziehen, 
die  beim  Schallschutz  gegen  Innenlärm  massgeblich  sind  (Art.  21  USG;  Art.  32  ff. 
LSV), da die Belastungsgrenzwerte gemäss den Anhängen der LSV auf Aussenlärm 
zugeschnitten  und  für  die  Erfassung  von  Lärm,  der  sich  innerhalb  von  Gebäuden 
ausbreitet, nicht geeignet sind (Urteil des Bundesgerichtes vom 20. November 1998 
= URP 1999 S. 264; R. Wolf, Kommentar USG, Art. 25 Rz. 60). 

5. Art. 21 USG verlangt eine ausreichende Schalldämmung am Gebäude gegen 
Aussen- und Innenlärm sowie gegen Erschütterungen. Aussenlärm ist Lärm, der von 
einer  Anlage  ins  Freie  abgestrahlt  wird  und  von  aussen  auf  ein  Gebäude  einwirkt; 
Innenlärm pflanzt sich innerhalb eines Gebäudes fort und wirkt auf Personen ein, die 
sich  im gleichen  Gebäude  aufhalten.  Aussenlärm  ist  stets  Luftschall,  das  heisst 
Schall, der sich in der Luft ausbreitet. Innenlärm kann sowohl als Luftschall (Gesprä-
che, Musik etc.) wie als Körperschall auftreten. Körperschall breitet sich in fester Ma-
terie aus und wird erst anschliessend in die Luft abgestrahlt (z.B. Trittschall, Fahrge-
räusch eines Lifts etc.). Zum Schutz vor Aussenlärm bedarf es einer ausreichenden 
Schalldämmung  der  Aussenbauteile,  während  zum  Schutz  gegen  Innenlärm  die 
Trennbauteile  innerhalb  des  Gebäudes  (z.B.  Innenwände,  Decken,  Türen)  so  be-
schaffen  sein  müssen,  dass  sie  die  Übertragung  von  Luftschall  und  Trittschall  zwi-
schen  benachbarten  bzw.  übereinander  liegenden  Räumen  ausreichend  unterbin-
den.  Als  Massstab  für  einen  angemessenen  baulichen  Schutz  gilt  in  sinngemässer 
Anwendung  von  Art.  15  USG,  dass  die  verbleibende  Lärmbelastung  die  Bewohner 
bzw. Benützer des Gebäudes in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören darf. Art. 
21  Abs.  2  USG  überträgt  dem  Bundesrat  die  Bestimmung  des  erforderlichen  Min-
destschutzes  durch  Verordnung.  Gestützt  darauf  schreibt  Art.  32  LSV  vor,  dass  der 
Schallschutz bei Aussenbauteilen und Trennbauteilen lärmempfindlicher Räume so-
wie  bei  Treppen  und  haustechnischen  Anlagen  den  anerkannten  Regeln  der  Bau-
kunde  zu  entsprechen  hat.  Als  solche  bezeichnet  die  Verordnung  insbesondere  die 
Mindestanforderungen nach der SIA-Norm 181. 

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Die Anforderungen an den Schutz gegen Innenlärm in der Form von Luftschall 
werden  in  der  SIA-Norm  181  einerseits  nach  dem  Grad der  Störung,  andererseits 
nach der Lärmempfindlichkeit der betroffenen Räume abgestuft. Gemäss Ziffer 3 21 
1 SIA-Norm 181 wird zwischen geringer, mittlerer und hoher Lärmempfindlichkeit un-
terschieden. Der Grad der Störung bemisst sich nach der Nutzung und wird in klein, 
mässig, stark oder sehr stark eingeteilt. Der erforderliche Schutz gegen Innenlärm in 
Form von Luftschall aus benachbarten Räumen wird durch die im Minimum verlangte 
Differenz der Schallpegel definiert (bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w in 
dB). Die Norm statuiert somit nicht die einzuhaltenden Dämmwerte einzelner Bautei-
le, sondern die zu erreichende Lärmreduktion zwischen benachbarten Nutzungsein-
heiten. Eine gute Schallisolation drückt sich also in der möglichst grossen Differenz
zwischen  Quellen- und  Empfangspegel  aus.  Der  Schutz  gegen  Trittschall  wird  an-
hand  des  von  einem  normierten  Hammerwerk  erzeugten,  im  darunter  liegenden 
Raum gemessenen Schallpegels definiert (bewerteter Standard-Trittschallpegel L’nT,w
in dB). 

Die  über  der  Kinderkrippe  befindlichen  Räumlichkeiten  weisen  Wohnnutzung 
und  damit  eine  mittlere  Lärmempfindlichkeit  auf  (vgl.  Ziffern  3  21  3  und  3  22  3  der 
SIA-Norm  181).  Der  Grad  der  Störung  von  mit  dem  Betrieb  einer  Kinderkrippe  zu-
sammenhängenden Innenlärmimmissionen wird in den einschlägigen Bestimmungen 
nicht ausdrücklich erwähnt; indessen ist mit der Vorinstanz aufgrund der dort getrof-
fenen  Aufzählungen  von  einem  gegenüber  der  blossen  Wohnnutzung  grösseren 
Störpotential  auszugehen.  Im  Gegensatz  zu  der  mässiges  Ausmass  aufweisenden 
Wohnnutzung umfasst die nächst höhere, als lärmige Nutzung und mit einem starken 
Störungsgrad bewertete Einstufung Nutzungen wie Bastelräume, Musikzimmer, Ver-
sammlungsräume, Kantinen etc. Die hier zu beurteilenden Störungen lassen sich in 
Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  die  Kinderkrippe,  wie  erwähnt,  nebst  den 
drei  für  das  Schlafenlegen  der  Kinder  dienenden  Zimmern  sowie  einem  zu  deren 
Verpflegung vorgesehenen Raum über zwei Spielzimmer verfügt und als Hort für bis 
zu 15 Kindern vom Säuglings- bis ins Vorschulalter dienen soll, zwanglos unter diese 
Kategorie  einreihen.  Es  ist  notorisch,  dass  die  mit  einer  solchen  Nutzung  einherge-
henden Störungen auf jeden Fall über den mit einer Wohnnutzung verbundenen Im-
missionen  liegen,  auch  wenn  selbstverständlich  bei  Familienwohnungen  ebenfalls 
von Kindern verursachter Lärm entsteht. Allerdings  geht  es  dabei  in  aller  Regel  um 
eine  viel  geringere  Anzahl  von  Kindern,  und  erfahrungsgemäss  potenziert  sich  der 
Lärm, je mehr Kinder beisammen sind. Demgemäss ist die Vorinstanz zu Recht mit 
Bezug auf den fraglichen Innenlärm von einem starken Störungsgrad ausgegangen; 
den  massgeblichen  Normen  entsprechend  hat  sie  daher  in  zutreffender  Weise  den 
Nachweis eines Luftschallschutzes von mindestens 57 dB und einen Trittschallschutz 
von mindestens 50 dB verlangt. Der Rekurs der Bauherrschaft erweist sich daher als 
unbegründet und ist abzuweisen.

(Hinweis:  Die  SIA-Norm  «Schallschutz  im  Hochbau»,  Ausgabe  1988,  ist  zwischen-
zeitlich durch eine neue Ausgabe, gültig ab 1. Juni 2006, ersetzt worden. Kinderkrip-
pen sind dort neu dem Störungsgrad «stark» zugeteilt.)