# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 184a2e35-87e1-578b-9992-872120127028
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.05.2007 D-4220/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4220-2006_2007-05-25.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4220/2006
law/mam
{T 0/2}

Urteil vom 25. Mai 2007

Mitwirkung: Richter Walter Lang, Richterin Christa Luterbacher, Richter Daniel Schmid
Gerichtsschreiber Martin Maeder

A._______, geboren (...), dessen Ehefrau B._______, geboren (...), deren Kinder 
C._______, geboren (...), und D._______, geboren (...), Türkei,
wohnhaft (...),
vertreten durch Edith Hofmann, Rechtshilfe Asyl und Migration, (...),

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 25. Januar 2005 i.S. Asyl und Wegweisung / N (...),

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Sachverhalt:

A. Die  Beschwerdeführer  verliessen  ihr  Heimatland  nach  eigenen  Angaben  am 
25. Dezember  2002,  fuhren  im  Personenwagen  eines  Schleppers  durch  ihnen 
nicht bekannte Länder und gelangten am 29. Dezember 2002 von Italien her zu 
Fuss über die grüne Grenze in die Schweiz. Am 30. Dezember 2002 erschienen 
sie  gemeinsam in der  Empfangsstelle  (...)  (seit  1. Januar  2005:  Empfangs-  und 
Verfahrenszentrum [EVZ] [...]) und suchten unter Abgabe ihres Familienbüchleins 
um Asyl  nach.  Bei  der  Erhebung  ihrer  Personalien  machten sie  die  rubrizierten 
Angaben  und fügten diesen hinzu,  sie  gehörten  der  kurdischen Volksgruppe  an 
und hätten seit dem Jahre 1990 in (...) (gleichnamige Provinz) gelebt, ehe sie im 
Juli 2002 nach (...) (Provinz [...]) umgezogen seien. Das damalige Bundesamt für 
Flüchtlinge (BFF, seit 1. Januar 2005: BFM) befragte sie am 7. Januar 2003 sum-
marisch zum Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. 
Nachdem sie für die Dauer des Verfahrens dem Kanton (...) zugewiesen worden 
waren, wurden sie dort am 18. Februar 2003 durch das zuständige Amt zu ihren 
Asylgründen angehört.  Das BFF führte am 26. November 2004 eine ergänzende 
Befragung mit ihnen durch.

a) Der Beschwerdeführer machte im Rahmen der drei Befragungen zur Begründung 
seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er sei von Polizisten in Zivilkleidung 
in (...) auf offener Strasse überwältigt und auf einen Posten gebracht worden, wo 
man ihn den ganzen Tag unter  Folter über die Verbindungen seiner Familie zur 
PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) befragt und schliesslich nach der Unterzeichnung 
zweier  Schriftstücke  mit  der  klaren  Aufforderung  entlassen  habe,  künftig  als 
Informant tätig zu sein. Er habe seine Kindheit und Schulzeit in einem Dorf in der 
Provinz (...) verbracht, bevor er im Jahre 1981 nach (...) umgezogen sei. Dort habe 
er  zunächst  als Verkäufer  gearbeitet  und ab dem Jahre 1991 seinen Lebensun-
terhalt  selbständig  mit  dem Handel  von  Teppichen  und  Decken  verdient.  Seine 
Ehefrau sei ihm nach der Heirat im Jahre 1990 von (...) nach (...) gefolgt. Wie er 
selbst heisse sie (...)  und entstamme einer Familie,  die der PKK nahestehe und 
sich traditionell  für die Freiheit  und das Selbstbestimmungsrecht  des kurdischen 
Volkes  einsetze.  Sein  Schwiegervater  sei  im  Jahre  1980  aus  rein  politischen 
Gründen festgenommen und zwei oder drei Jahre lang gefangen gehalten worden. 
Seither  befinde  sich  die  Familie  (...)  im  Visier  der  Polizei  und  Gendarmerie. 
Unablässig  und  mit  verschiedensten  Methoden  gingen  Polizisten  und  Soldaten 
gegen Angehörige der Familie vor, mit dem einzigen Ziel, sie wegen ihrer Ethnie 
und politischen Einstellung zu schikanieren und zu demütigen. Nur weil die Familie 
kurdisch,  alevitisch und linksgerichtet  sei,  hegten die Behörden gegen sämtliche 
Angehörige den Generalverdacht, terroristische Aktivitäten der kurdischen Guerilla 
zu  unterstützen  oder  gar  selbst  daran  teilzunehmen.  Das Haus des  Schwieger-
vaters in (...) werde bis heute systematisch und willkürlich von der Polizei gestürmt 
und durchsucht.  Im Jahre 1991 seien sein Bruder E._______, seine Schwägerin 
F._______ sowie G._______ der PKK beigetreten. Bei der Letztgenannten handle 
es sich um die Tochter seines Onkels, für den er in den Jahren 1981 bis 1990 als 
Verkäufer in (...) gearbeitet habe; sie sei damit sowohl seine wie auch die Cousine 
seiner Ehefrau. Er selbst habe die PKK lediglich mit Utensilien unterstützt, indem 

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er ihr jeweils im Sommer Handschuhe, Socken, Ferngläser und Gasmasken, die 
aus  Russland  importiert  worden  seien,  habe  zukommen lassen.  Im  Jahre  1993 
habe er  dies das letzte Mal  getan,  weil  die  betreffenden PKK-Kämpfer  von den 
Sicherheitskräften  getötet  oder vertrieben worden seien.  In der Folge sei  er  nur 
noch als Sympathisant der PKK aufgetreten oder habe im Gebäude der HADEP 
(Demokratiepartei  des  Volkes)  in  (...)  Zeitschriften  oder  Bücher  besorgt,  die  er 
dann  an  Mädchen  im  Dorf  abgegeben  habe.  Weil  sein  Schwiegervater  dies 
altersbedingt  nicht  mehr  habe  tun  können,  habe  er  an  dessen  Stelle  seine 
Schwägerin F._______ und deren Cousine G._______ in Abständen von ungefähr 
zwei Monaten im Gefängnis von (...) besucht, wo die beiden ab dem Jahre 1996 
langjährige Haftstrafen verbüsst hätten. Insgesamt etwa zehnmal,  verstärkt noch 
ab dem Jahre 2001, seien wegen jener Gefangenenbesuche Polizisten vor seinem 
Domizil  in  (...)  erschienen,  hätten  sich  Zugang  zum  Innern  verschafft  und  die 
Zimmer durchsucht. Im Verlauf jener Razzien seien er und seine Ehefrau jeweils 
provoziert, auf das Übelste beschimpft und gedemütigt worden. Insbesondere ha-
be man ihnen vorgeworfen, bei ihren Visiten problematische Informationen ins Ge-
fängnis hinein- beziehungsweise aus diesem herauszutragen. Tatsache sei, dass 
er zuweilen Briefe der beiden Insassinnen hinausgeschmuggelt und der Redaktion 
einer  kurdischen Zeitschrift  übersendet  habe.  Seine Frau habe von den wieder-
holten Demütigungen und obszönen verbalen Beleidigungen, die sie bei den Poli-
zeirazzien  erfahren  habe,  gesundheitliche  Schäden  davon  getragen.  Auch  er 
selbst sei bereits in dieser Zeit immer verängstigt und innerlich unruhig gewesen. 
Weil sie die häufigen Polizeivisiten nicht mehr ausgehalten und von den Nachbarn 
als  Terroristenfamilie  geächtet  worden  seien,  seien  sie  im  Juli  2002  nach  (...) 
umgezogen. Im September und Oktober 2002 seien sie auch dort zweimal von der 
Polizei  aufgesucht  worden.  Am  15.  Oktober  2002  habe  er  zum  letzten  Mal 
F._______ und G._______ im Gefängnis in (...) einen Besuch abgestattet. Danach 
sei er direkt nach (...) weitergereist, um seine dort lebende Mutter zu treffen. Nach-
dem er am frühen Morgen des 16. Oktober 2002 mit dem Überlandbus in (...) an-
gekommen sei, habe er den Weg zu seiner Mutter unter die Füsse genommen, als 
zwei Autos herangefahren und fünf oder sechs Männer in Zivil ausgestiegen seien 
und ihn zum Einsteigen aufgefordert hätten. Weil er dazu keine Anstalten gemacht 
und  stattdessen  durch  lautes  Ausrufen  seines  Namens  die  Aufmerksamkeit  der 
wenigen Passanten zu gewinnen versucht habe, hätten die Männer ihn gefesselt, 
ihm die Hoden zusammengedrückt,  mit  einem harten Gegenstand auf  den Kopf 
geschlagen und schliesslich  in  eines der  Autos  gezwängt.  Im nächsten Moment 
habe man ihm die Augen verbunden. Nach einer rund einstündigen Fahrt sei er in 
ein Gebäude gebracht worden, wo man ihn sogleich zu verhören begonnen habe. 
Mehrere aggressive Männerstimmen hätten von ihm in beleidigendem Ton wissen 
wollen, wo sich alle seine eigenen und die Geschwister seiner Ehefrau aufhielten, 
und  mit  welcher  Motivation  er  immer  wieder  nach  (...)  reise  und  das  dortige 
Gefängnis aufsuche. Nach zwei Stunden sei ihm für die Dauer eine halben Stunde, 
in  welcher  er  sich  splitternackt  alleine  in  einem  Raum  wiedergefunden  und 
Todesangst  gefühlt  habe,  die Augenbinde abgenommen worden.  Danach hätten 
wiederum mehrere Männer permanent auf ihn eingeredet, immer wieder die glei-
chen  Fragen  gestellt  und  ihn  mit  obszönen  Ausdrücken  beleidigt.  In  gewissen 
Abständen sei er auf verschiedene Weise gefoltert worden. Die Hoden seien ihm 
zusammengepresst  worden, und jemand habe ihm den Schlagstock an sein Ge-

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säss herangeführt und gedroht, ihn zu vergewaltigen. Zu einem anderen Zeitpunkt 
sei einer auf seine Beine gesessen, während ein anderer mit einem Gegenstand 
auf seine Fusssohlen geschlagen habe. Danach hätten sie von ihm verlangt, dass 
er  einige  Schritte  gehe.  Wiederum später  sei  er  mit  Hochdruckwasser  bespritzt 
worden. Er habe dermassen Angst gehabt, dass er das Gefühl gehabt habe, sein 
Gehirn  würde sich nicht  am gleichen Ort  stillhalten.  Bevor sie ihn hätten gehen 
lassen,  habe er zwei  Blätter,  wovon eines einen Text  enthalten und das andere 
blank gewesen sei, unterschreiben müssen. Er habe nur noch gehen wollen und 
widerstandslos  unterschrieben.  Am  Schluss  hätten  sie  ihm  gesagt,  dass  er  ab 
sofort für sie zu arbeiten und sie mit Informationen zu versorgen habe. Aus Angst, 
getötet zu werden, habe er zugesagt. Nach dem Verlassen des Gebäudes habe er 
realisiert,  dass es bereits finster geworden sei und man ihn in den vergangenen 
Stunden  auf  dem  Posten  von  (...)  festgehalten  habe.  Geschwächt  von  den 
Misshandlungen,  habe  er  mit  dem  Mobiltelefon  seinen  bei  der  Mutter  in  (...) 
lebenden Bruder angerufen, damit dieser ihn holen komme. In den folgenden 15 
Tagen  habe  er  das  Erlebte  bei  seiner  Mutter  zu  verarbeiten  versucht.  Er  sei 
dermassen verängstigt gewesen, dass er sich nicht getraut habe, an ein Fenster 
heranzutreten,  geschweige  denn  nach  Aussen  zu  gehen.  Einen  Arzt  habe  er 
ebenfalls  nicht aufzusuchen getraut,  obschon er wegen seines blutunterlaufenen 
rechten  Auges  sehr  in  Sorge  gewesen  sei.  Selbst  seinen  Bruder  habe  er 
verdächtigt, ihn zu verraten und an die Behörden auszuliefern, damit man ihn liqu-
diere. In jenen 15 Tagen bei der Mutter seien zweimal Polizisten in Zivil vorbeige-
kommen und hätten ihn schärfstens bedroht, weil er nicht auf dem Posten erschie-
nen sei.  Seiner Mutter hätten sie vorgehalten, nichts anderes im Sinn zu haben, 
als Terroristen zu gebären und aufzuziehen. Erneut habe er vor Angst, mitgenom-
men und vernichtet zu werden, in seinem Kopf das Gefühl gehabt, das Geschehe-
ne  nicht  richtig  wahrzunehmen.  Zudem  habe  er  den  Eindruck  gehabt,  von  den 
Schlägen auf den Kopf auch Schäden physischer Natur davongetragen zu haben. 
Er habe sich in eine Ecke verkrochen und auch an Selbstmord gedacht. Nachdem 
sein merkwürdiges  Verhalten  seiner  Mutter  aufgefallen  sei,  habe sie veranlasst, 
dass er sich zur Tante seiner Ehefrau in ein anderes Quartier von (...) begebe. In 
den ungefähr eineinhalb Monaten, in denen er sich dort aufgehalten habe, habe er 
weiterhin in ständiger Angst gelebt.  Er sei mittlerweile so weit gewesen, dass er 
selbst kleine Kinder für fähig gehalten habe, ihn zu verpfeifen und Männer zu ho-
len, die ihn umbringen würden. In dieser Zeit hätten Freunde und Angehörige von 
ihm seine Frau kontaktiert,  um ihr das Vorgefallene zu erzählen und ihr  die ge-
meinsame Ausreise nahezulegen. Am 20. Dezember 2002 sei dann seine Ehefrau 
mit den Kindern in Istanbul angekommen. In den ersten acht Stunden der Reise in 
die Schweiz, in denen er von Frau und Kindern getrennt in einem separaten Auto 
unterwegs gewesen sei, habe er in der Überzeugung gelebt, an einen Ort gebracht 
zu werden, an dem man ihn töten würde. Erst nachdem er seine Frau wieder gese-
hen habe,  sei  er  ruhiger  geworden.  Hier  in  der  Schweiz  sei  er  immer  noch  die 
ganze Zeit unruhig. Er befinde sich deswegen in psychotherapeutischer Behand-
lung  und  nehme  Psychopharamaka,  um  die  ihn  belastenden  Symptome  wie 
Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität und depressive Stimmung in den Griff 
zu bekommen.

b) Die Beschwerdeführerin bestätigte die Ausführungen ihres Ehemannes in den we-

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sentlichen Punkten. Aus ihrer persönlichen Sicht führte sie an, sie seien ab dem 
Jahre 2001 von den heimatlichen Behörden zunehmend unter Druck gesetzt wor-
den. Oftmals nach ihren Besuchen im Gefängnis von (...) sei die Polizei zu ihnen 
nach Hause gekommen und habe dabei auch sie eingeschüchtert und mit obszö-
nen  Ausdrücken  wie  „gefickte  Tochter  der  Terroristin“  beschimpft.  Obschon  sie 
niemals im körperlichen Sinn sexuell misshandelt worden sei, hätten ihr diese Er-
lebnisse schwer zugesetzt. So erinnere sie sich immer wieder an jenen Moment, 
als sie in den Achtzigerjahren im Alter von 12 Jahren habe zusehen müssen, wie 
ihr  Vater  von  Polizisten  nach  Hause  gebracht  und  brutal  zusammengeschlagen 
worden sei.  Schon damals  hätten ihre psychischen Probleme begonnen.  Einmal 
habe  sie  sich  an  ihren Vater  geklammert  und  sei  dafür  mit  dem Gewehrkolben 
geschlagen worden, so dass sie weggeschleudert worden sei. Ihre Heimat zu ver-
lassen, sei ihr schwer gefallen, doch habe sie es zuletzt einfach nicht mehr ausge-
halten. Wenn sie dort geblieben wäre, hätte man ihr noch mehr angetan und wo-
möglich wegen terroristischer Aktivitäten den Prozess gemacht. Die Unterdrückung 
sei permanent gewesen, doch die beiden schlimmsten Momente habe sie durch-
gemacht,  als einerseits  ihr Vater  vor ihren Augen zusammengeschlagen worden 
sei und sie andererseits nach ihrer Ankunft in (...) habe feststellen müssen, wie sie 
ihren Mann zugerichtet hätten. Dieser habe Beulen am Kopf und blutunterlaufene 
Augen gehabt und nur noch davon gesprochen, dass man ihn töten werde. In der 
Türkei  würden  heute  noch  Menschen  gefoltert,  und  es  sei  ihr  schleierhaft,  mit 
welchem Gesicht das Land sich der Europäischen Union anzuschliessen gedenke.

c) Um  die  geltend  gemachten  psychischen  Leiden  und  deren  Behandlung  in  der 
Schweiz  zu  dokumentieren,  reichte  der  Beschwerdeführer  zwei  Berichte  von 
Dr. med.  H._______,  Facharzt  FMH  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie,  vom 
4. August  2004  und  4.  Dezember  2004  beim  BFF  ein.  Die  Beschwerdeführerin 
legte ihrerseits einen Bericht desselben Arztes vom 4. Dezember 2004 zur Prüfung 
vor.

B. Mit Verfügung vom 25. Januar 2005 stellte das BFM mit Bezug auf sämtliche Be-
schwerdeführer das Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft fest, lehnte die Asyl-
gesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug 
an. Als Begründung für die Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft führte es 
zusammenfassend aus, die Vorbringen der Beschwerdeführer könnten sowohl hin-
sichtlich der Reiseschilderungen als auch in bezug auf die vom Beschwerdeführer 
angeblich  erlebten  Verfolgungsmassnahmen  seitens  der  türkischen  Behörden 
nicht geglaubt werden. Was die zusätzlich geltend gemachten, zeitlich weiter zu-
rückliegenden Behelligungen durch die türkischen Behörden wie insbesondere die 
Repressalien  als  Folge  der  Beziehungen  ihrer  Verwandten  zur  PKK  betreffe 
(Hausdurchsuchungen  und  Polizeivisiten  in  [...]  und  [...]),  so  stellten  diese  von 
ihrer Art und Intensität her gemäss ständiger Praxis keine ernsthaften Nachteile im 
Sinne des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) dar.

C. Mit  Beschwerde vom 25.  Februar 2005 liessen die Beschwerdeführer die Verfü-
gung des BFM vom 25. Januar 2005 bei der damals zuständigen Schweizerischen 
Asylrekurskommission (ARK)  anfechten.  Als  hauptsächliches  Begehren brachten 

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sie ein, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, eine nochmalige Prüfung 
der Asylgründe vorzunehmen und ihnen Asyl zu gewähren. Im Eventualpunkt be-
antragten sie, es sei im Falle eines zweiten negativen Entscheids die Zumutbarkeit 
und Zulässigkeit der Wegweisung gründlich zu prüfen, dabei deren Fehlen festzu-
stellen und ihnen in der Folge die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozes-
sualer Hinsicht sei ihnen zudem die kostenlose Prozessführung zu gewähren und 
auf jeden Fall auf den Kostenvorschuss zu verzichten.

Zur  Unterstützung  ihrer  Vorbringen  gaben  die  Beschwerdeführer  zusammen mit 
der  Rechtsmittelschrift  unter  anderem  einen  Auszug  aus  der  Monatszeitschrift 
„(...)“  (Ausgabe  von  Januar  1993),  ein  Überweisungsschreiben  der  vom  Be-
schwerdeführer  konsultierten  Allgemeinärztin  Dr.  med.  I._______  an  Dr.  med. 
H._______ vom 31.  März 2003 einschliesslich eines seinerzeit  diesem Überwei-
sungsschreiben  beiliegenden,  den  Beschwerdeführer  betreffenden  Berichts  von 
Dr.  med.  J._______,  Spezialarzt  FMH  für  Neurologie,  vom  27. März  2003 
zuhanden  der  besagten  Dr. med.  I._______,  eine  Liste  mit  Geschwistern  der 
Beschwerdeführerin und anderen aus deren Heimatdorf (...) (kurd. [...], Kreis [...], 
Provinz [...]) stammenden Personen, einen Zeitschriftenartikel über den Bruder der 
Beschwerdeführerin,  K._______,  sowie  einen  Situationsplan  von  (...)  zu  den 
Akten.  Auf  dieses  Beismaterial  und  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren 
wird, soweit für das Urteil  von Belang, in den nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

D. Mit Zwischenverfügung vom 10. März 2005 bestätigte der zuständige Instruktions-
richter  der  ARK die Berechtigung der Beschwerdeführer  zur Anwesenheit  in  der 
Schweiz während der Hängigkeit des Verfahrens und ordnete die Überweisung der 
Akten an das BFM zur Vernehmlassung an. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) gut, währenddem er dasjenige um Beigabe eines amtlichen Anwalts 
(Art. 65 Abs. 2 VwVG) mangels sachlicher Notwendigkeit einer Rechtsverbeistän-
dung abwies.

E. In seiner Vernehmlassung vom 8. April 2005 beantragte das BFM die Abweisung 
der Beschwerde, im Wesentlichen mit der Begründung, die eingereichten Arztbe-
richte  und  die  daraus  gezogenen  Schlussfolgerungen  in  der  Beschwerde  seien 
nicht geeignet, die zentralen Asylvorbringen als glaubhaft erscheinen zu lassen.

F. Die Beschwerdeführer reichten am 28. April 2005 innert gewährter Frist ihre Replik 
auf  die vorinstanzliche Vernehmlassung  ein.  Darin  hielten  sie  mit  Nachdruck  an 
den  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  fest  und  wiederholten  ihren  haupt-
sächlichen Antrag auf Gewährung des Asyls.

G. Mit  Folgeeingabe  vom  23.  Mai  2006  orientierten  die  Beschwerdeführer  im  We-

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sentlichen darüber, dass ihre Schwester beziehungsweise Schwägerin F._______ 
und ihre gemeinsame Cousine G._______ ihrerseits  in der Schweiz weilten und 
hier am 9. Februar 2006 beziehungsweise am 7. Mai 2006 um Asyl ersucht hätten. 
Als  weitere  Beweismittel  legten  die  Beschwerdeführer  sodann  zwei  Internetaus-
drucke („Der Standard“ vom [...], „Yeni Özgür Politika“ vom [...] mit Übersetzug ins 
Deutsche)  mit  einer  Berichterstattung  über  eine  Grossoffensive  der  türkischen 
Sicherheitskräfte im Kurdengebiet im Zeitraum März/April 2006 ins Recht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwal-
tungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art.  5 des Bundesge-
setzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen 
gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügun-
gen des BFM, welche gestützt auf das AsylG erlassen wurden; das Bundesverwal-
tungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art.  105  AsylG;  Art.  83 
Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
[Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]). Im Rahmen dieser Zuständigkeit  hat 
das Bundesverwaltungsgericht die Beurteilung der am 31. Dezember 2006 bei der 
ARK beziehungsweise beim Beschwerdedienst  des Eidgenössischen Justiz-  und 
Polizeidepartements (EJPD) hängigen Rechtsmittel  übernommen (Art.  53 Abs.  2 
VGG).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch 
und Überschreitung des Ermessens,  die unrichtige  oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit  gerügt wer-
den (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.

2.1 Die  Beschwerdeführer  haben  am Verfahren  vor  dem Bundesamt  teilgenommen, 
sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung.  Damit  sind 
sie zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 
VwVG).

2.2 Die Beschwerde wurde von ihnen innert  der gesetzlichen Frist  von 30 Tagen in 
gültiger Form eingereicht (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 50 und 52 VwVG). Demzufolge 
ist auf diese einzutreten.

3.

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3.1 Die  Schweiz  gewährt  Flüchtlingen  unter  Vorbehalt  von  Ausschlussgründen  auf 
Gesuch hin Asyl (vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, 
muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen 
(Art. 7 Abs. 1 AsylG). Die Flüchtlingseigenschaft erfüllen Personen, welche in ih-
rem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Reli-
gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen 
ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder 
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthaf-
te Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauen-
spezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Die im Gesetz so definierte Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  eine asylsuchende Per-
son nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter In-
tensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und auf-
grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch 
nichtstaatliche Akteure  zugefügt  worden sind beziehungsweise zugefügt  zu wer-
den  drohen  (vgl.  Entscheidungen  und Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  18  E.  7  und  8  S.  190 ff.,  2005 Nr.  21  E. 7 
S. 193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die 
Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die  betroffene 
Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz  finden  kann  (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193).

3.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie 
genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht 
in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich 
sein oder  der  inneren  Logik  entbehren und auch nicht  den Tatsachen oder  der 
allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende 
Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, 
aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar-
stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung 
verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Be-
weis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwän-
de und  Zweifel  an den Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob im 
Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachver-
haltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist 
auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art.  7  Abs.  2  und  3  AsylG; 
EMARK 2005 Nr. 7 E. 6 S. 64 ff.,  Nr.  21 E. 6.1. S. 190 f.,  1996 Nr. 27 E. 3c.aa 
S. 263 f., Nr. 28 E. 3a S. 270).

4.

4.1 Vorliegend erachtete das Bundesamt die Voraussetzungen der Glaubhaftmachung 
nach Art.  7 AsylG als nicht  gegeben, insoweit  zur  Begründung der Asylgesuche 
geltend  gemacht  wurde,  der  Beschwerdeführer  sei  vor  der  Ausreise  in  (...)  auf 

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einem Polizeiposten gefoltert und unter Drohungen zur künftigen Zusammenarbeit 
mit  den Behörden gezwungen worden.  Die vom Beschwerdeführer  gelieferte Er-
klärung für die Polizeiaktion, wonach den Behörden die Besuche im Gefängnis von 
(...) missfallen hätten und möglicherweise das Hinausschleusen von Dokumenten 
der  beiden  Insassinnen  bemerkt  worden  sei,  sei  –  so  die  Einschätzung  des 
Bundesamts in der Entscheidbegründung – nicht stichhaltig. Generell seien in der 
Türkei Gefangenenbesuche gemäss den bestehenden Vorschriften legitim und für 
die Besucher mit keinen weiteren Nachteilen verbunden. Falls etwas Besonderes 
vorgelegen hätte, wäre es für die Polizei naheliegender gewesen, in (...) oder (...) 
und nicht im Rahmen einer aufwändigen Aktion in (...) gegen den Beschwerdefüh-
rer  vorzugehen.  Dieser  sei  im  Übrigen  nicht  politisch  aktiv  gewesen  und  habe 
demnach  auch  nicht  in  einschlägigen  Kreisen  verkehrt,  weshalb  die  angebliche 
Nötigung zur Zusammenarbeit realitätsfremd anmute. Sodann habe der Beschwer-
deführer in der Empfangsstellenbefragung nichts davon erzählt,  dass er auf dem 
Polizeiposten in (...) massiv malträtiert und bedroht worden sei. Dies sei insofern 
erstaunlich, als er in der kantonalen Anhörung gerade die Vorfälle auf dem Posten 
als zentral  für  seinen Ausreiseentscheid  dargestellt  habe.  Weiter  habe er  in der 
Empfangsstelle  im  Gegensatz  zu  den  beiden  späteren  Befragungen  auch  nicht 
erwähnt,  dass während seines 15-tägigen Aufenthalts  bei  seiner Mutter  zweimal 
Polizisten  aufgekreuzt  seien  und  nach  ihm  gesucht  hätten.  Dieses  Versäumnis 
wirke befremdlich, zumal es Vorkommnisse betreffe, bei denen es sich um zentrale 
Elemente  der  angeblichen  Verfolgungssituation  handle.  Hinzu  komme,  dass  der 
Beschwerdeführer  in  den  verschiedenen  Befragungen  dieselben  Ereignisse  mit-
unter widersprüchlich geschildert habe. Widersprüche fänden sich insbesondere in 
seinen Angaben zu den Umständen der Benachrichtigung seiner Ehefrau über die 
Vorfälle in (...), zur Benutzung eines Stadtbusses auf dem Weg zu seiner Mutter 
und zu seinen angeblichen Schwierigkeiten mit den Behörden in früheren Zeiten. 
Zahlreiche Widersprüche und andere Ungereimtheiten seien schliesslich auch in 
den Erklärungen der beiden Beschwerdeführer zum Verbleib ihrer  Ausweisdoku-
mente und zu den Reiseumständen enthalten. Insgesamt sei demnach festzuhal-
ten, dass die Vorbringen der Beschwerdeführer sowohl hinsichtlich der Reiseum-
stände als auch in Bezug auf die vom Beschwerdeführer angeblich erlebten Ver-
folgungsmassnahmen  seitens  der  türkischen  Behörden  nicht  geglaubt  werden 
könnten. Was die eingereichten Arztberichte betreffe, so seien diese nicht geeig-
net,  eine  Wegweisung der  Beschwerdeführer  in  ihre  Heimat  als  unzumutbar  er-
scheinen zu lassen. Daran ändere nichts, dass den Beschwerdeführern in den Be-
richten je eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit den damit verbun-
denen Beschwerden attestiert werde. Bei dieser Diagnose und seiner weiteren Be-
urteilung  gehe  der  untersuchende  Arzt  davon  aus,  dass  sich  die  von  den  Be-
schwerdeführern behaupteten Vorkommnisse tatsächlich zugetragen haben. Indes 
falle die Prüfung des Sachverhalts im Asylverfahren zu Ungunsten der Beschwer-
deführer (mangelnde Glaubwürdigkeit)  aus. Dem Arztbericht  liege demnach eine 
irrtümliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu Grunde. Dass die 
bei beiden Beschwerdeführern diagnostizierte PTBS auf asylrelevante Behelligun-
gen zurückzuführen sei, sei deshalb auszuschliessen.

4.2 In der Beschwerde wird diesen Argumenten im Kern entgegengehalten, das BFM 
habe trotz  deutlicher  Hinweise auf  massive Folter  gegen den Beschwerdeführer 

10

die betreffenden Vorbringen als unglaubhaft erachtet, was einer unrichtigen oder 
unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  gleichkomme. 
Das  BFM  habe  aufgrund  der  Arztzeugnisse  die  psychischen  Probleme  der  Be-
schwerdeführer  zwar  als  solche  geglaubt,  nicht  jedoch  wahrhaben  wollen,  dass 
diese durch politische Verfolgung verursacht worden seien. Selbstverständlich sei 
es aber absolut wichtig, die Ursache der schweren psychischen Traumatisierung 
der Beschwerdeführer festzustellen, weil  diese nämlich für die Asylrelevanz aus-
schlaggebend sei. Im Zentrum der Beurteilung der Glaubhaftigkeit stehe die Frage, 
warum der tüchtige und lange Jahre als Teppichhändler selbständig erwerbstätige 
Beschwerdeführer plötzlich dermassen "kaputt" sein sollte, wenn nicht wegen die-
ser Foltererfahrungen. Nun sei es leider so, dass Folter in den meisten Fällen nicht 
wirklich nachgewiesen werden könne und man sich mit einer Wahrscheinlichkeits-
rechnung begnügen müsse.  Vorliegend sei die Aktenlage derart,  dass mit  hoher 
Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen  sei,  der  Beschwerdeführer  habe  die  von 
ihm behaupteten Torturen tatsächlich über sich ergehen lassen müssen. Zunächst 
hätten bei sämtlichen Ärzten, von denen Zeugnisse zu den Akten gegeben worden 
seien, absolut keine Zweifel an den Ursachen der Schmerzen und der Verhaltens-
weisen des Beschwerdeführers bestanden. Aufgrund der psychischen Folgen der 
im Oktober  2002 erlittenen Folter  müsse sodann geschlossen werden,  dass der 
Beschwerdeführer in der ersten Befragung vom 7. Januar 2003 in der Empfangs-
stelle nicht wirklich über seine Erlebnisse habe berichten können. Am 24. Januar 
2003  habe  er  die  erste  von  drei  oder  vier  Sitzungen  bei  Dr.  med.  I._______ 
absolviert,  bevor  er  dann  am  26.  März  2003  durch  den  Neurologen  Dr.  med. 
J._______ konsiliarisch untersucht worden sei. Aufgrund der Beobachtungen von 
Dr. med. J._______ habe am 31. März 2003 seine Behandlung beim Psychiatrie-
arzt Dr. med. H._______ begonnen. Dass er in der kantonalen Anhörung das in 
(...)  Erlebte  ausführlich,  differenziert  und  widerspruchsfrei  geschildert  habe,  sei 
vom  BFM  nicht  gebührend  gewürdigt  worden.  Die  Widersprüche  in  seinen 
Aussagen seien weniger gravierend als vom BFM dargestellt, soweit sie überhaupt 
bestünden und es sich nicht vielmehr um Unterschiede handle, die mit dem durch 
die Übersetzung und Protokollierung zwangsläufig entstehenden Präzisionsverlust 
erklärt werden könnten. Zuwenig Beachtung habe das BFM sodann der Tatsache 
geschenkt,  dass  beide  Beschwerdeführer  politisch  stark  engagierten  Familien 
angehörten, welche traditionell im Fokus der türkischen Sicherheitskräfte stünden. 
Wegen seiner regelmässigen Besuche im Gefängnis von (...) sei der Beschwerde-
führer  in  den Augen  der  Behörden  als  Zielperson  prädestiniert  gewesen,  um in 
Erfahrung zu bringen, welche Aussenkontakte die beiden zur Familie gehörenden 
Insassinnen gepflegt hätten.

5. Nach  Prüfung  sämtlicher  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum 
Schluss, dass die Vorinstanz die Angaben der Beschwerdeführer zur Entführung 
des Beschwerdeführers am 16. Oktober 2002 durch die Zivilpolizei in (...) und zu 
der während des rund 10-stündigen Aufenthaltes auf dem Posten erlittenen Folter 
zu  Unrecht  als  unglaubhaft  beurteilt  hat,  indem  sie  einerseits  eine  unrichtige 
Sachverhaltsfeststellung durch Missdeutung einzelner  Stellen  in  den Protokollen 
begangen und andererseits durch einseitige Gewichtung der (vermeintlichen) Un-
glaubhaftigkeitsindizien die allgemeine Regel  von Art.  7 AsylG,  so wie sie unter 

11

Erwägung 3.3. hiervor erläutert worden ist, zu restriktiv angewandt hat. Dies aus 
den folgenden Gründen:

5.1 An der Argumentation des BFM ist in erster Linie zu beanstanden, dass darin die 
in den Arztberichten (vgl. Bst. A.c hiervor) bei beiden Beschwerdeführern gestellte 
Diagnose einer PTBS bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylgründe kei-
nerlei Berücksichtigung findet. So erwähnt das BFM die in den Arztberichten be-
stätigten psychischen Probleme der Beschwerdeführer in seinen Ausführungen zur 
Flüchtlingseigenschaft beziehungsweise deren Glaubhaftmachung (vgl. Verfügung 
vom 25. Januar 2005, E. I S. 2 ff.) mit keinem Wort. Erst in den Erwägungen zur 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (a.a.O., E. II.2. S. 6) thematisiert es die-
se, indem es festhält, die Prüfung des Sachverhalts falle "im Asylverfahren" zu Un-
gunsten  der  Beschwerdeführer  aus  (mangelnde  Glaubwürdigkeit),  weshalb  dem 
Arztbericht  eine  irrtümliche  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  zu 
Grunde liege und auszuschliessen sei, dass die diagnostizierten PTBS auf asylre-
levante  Behelligungen zurückzuführen seien.  Eine Gesamtbeurteilung aller  dafür 
und dagegen sprechenden Elemente, wie sie bei der Anwendung des Beweismas-
ses der Glaubhaftigkeit  vorzunehmen ist (vgl.  E. 3.2 hiervor),  hätte jedoch zwin-
gend erfordert, dass die in die Protokolle aufgenommenen Aussagen - vorneweg 
diejenigen des Beschwerdeführers anlässlich der wenige Tage nach der Einreise 
durchgeführten Empfangsstellenbefragung - unter Mitberücksichtigung der psychi-
schen  Verfassung  der  Beschwerdeführer  gewürdigt  worden  wären.  Aus wissen-
schaftlicher Sicht ist es nämlich unbestritten, dass die PTBS Symptome beinhaltet, 
die mit Beeinträchtigungen von Gedächtnisleistungen, Erinnerungsfunktionen und 
Konzentrationsvermögen verbunden sind und das Aussageverhalten der betroffe-
nen  Person  entsprechend  beeinflussen.  Schwer  traumatisierte  Menschen  sind 
deshalb mehrheitlich nicht in der Lage, präzise, vollständige und widerspruchsfreie 
Angaben zu den erlittenen Misshandlungen zu machen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 
E. 6.2.3. S. 191 f., 2003 Nr. 17 E. 4b S. 105 ff. mit Hinweisen). Aus der Entscheid-
begründung des BFM geht jedoch in keiner Weise hervor, dass die Feststellungen 
in den Arztberichten bereits im Stadium der "Prüfung des Sachverhalts im Asylver-
fahren" (vgl. oben) gegen die aufgezählten Unglaubhaftigkeitsmerkmale abgewo-
gen  beziehungsweise  überhaupt  berücksichtigt  worden  sind.  Dass  die  PTBS-
Diagnosen erst  im Anschluss an die Begründung der Unglaubhaftigkeit der Asyl-
vorbringen Erwähnung finden und aus den vorausgegangenen Entscheidgründen 
eine  irrtümliche  Sachverhaltsfeststellung  durch  die  Ärzte  abgeleitet  wird,  geht 
selbstredend nicht  an.  Insbesondere im Falle des Beschwerdeführers  wäre eine 
Mitberücksichtigung  der  PTBS-Diagnose  bei  der  Einschätzung  der  Plausibilität 
seiner Asylbegründung gerade auch deshalb angezeigt gewesen, weil sich gleich-
zeitig in den Akten - wie noch darzulegen sein wird - verschiedene Anhaltspunkte 
für  eine  effektive,  von  den  behaupteten  Erlebnissen  am 16.  Oktober  2002  her-
rührende Beeinträchtigung seiner Psyche feststellen lassen.

5.2 Als Hinweis auf einen realen Hintergrund zu deuten ist zunächst die wiederholte 
Beschreibung  eigener  psychischer  Vorgänge,  wie  sie  der  Beschwerdeführer  na-
mentlich in der kantonalen Anhörung gab. So liess er sich etwa - ohne speziell da-
zu aufgefordert worden zu sein - mit den Worten vernehmen, er habe derart Angst 
gehabt, dass er das Gefühl gehabt habe, sein Gehirn würde sich nicht am gleichen 
Ort stillhalten (vgl. A14/33, S. 16). Eine solchermassen spezifische, eigentümliche 

12

Beschreibung einer Befindlichkeit  im Moment des Erlebnisses ist als gewichtiges 
Indiz  für  einen  realen  Hintergrund  zu  werten.  Gleiches  gilt  für  diverse  andere 
Gefühlsbeschreibungen des Beschwerdeführers, etwa für seine - von Weinen be-
gleitete  -  Schilderung,  gemäss welcher  er  bei  der  zweiten Polizeivisite  im Haus 
seiner Mutter erneut in seinem Kopf gespürt habe, dass er aus massiver Angst das 
Geschehene nicht wahrnehmen könne, sich in eine Ecke verkrochen und den Tod 
vor Augen gesehen habe (vgl. A14/33, S. 20). Wenig später gab er zu Protokoll, er 
habe vor Angst nicht an ein Fenster herantreten können (vgl. A14/33, S. 21) und 
sich während seines Aufenthalts bei der Tante seiner Frau mittlerweile sogar vor 
kleinen Kindern gefürchtet, weil er geglaubt habe, diese könnten ihn verraten (vgl. 
A14/33,  S. 23).  Die persönliche Färbung in diesen Angaben, verbunden mit  den 
erwähnten  spontanen  Gefühlsregungen,  ist  als  Hinweis  auf  ein  Erzählen  realer 
Vorgänge  zu  werten.  Die  Wahrscheinlichkeit,  derartigen  Beschreibungen  lägen 
tatsächliche Erlebnisse zu Grunde,  ist  nach Einschätzung des Gerichts  ungleich 
höher einzustufen als diejenige einer blossen Inszenierung, wozu nicht im Gegen-
satz  steht,  dass  die  Möglichkeit  einer  Simulation  kaum  jemals  restlos  auszu-
schliessen ist.

Ganz allgemein ist bei einer Gesamtbetrachtung der Befragungsprotokolle aufsei-
ten des Beschwerdeführers eine Tendenz zum - ebenso natürlichen wie beiläufi-
gen - Erwähnen von Einzelheiten festzustellen. Ein solches Muster ist bei einstu-
dierten  oder  spontan  erfundenen  Geschichten,  wo  derartige  Details  ausgeklam-
mert oder erst unter dem Druck des Nachfragens thematisiert zu werden pflegen, 
nicht zu beobachten. Der Beschwerdeführer brachte dagegen wiederholt kardinale 
Punkte in seinen Vorbringen aus dem Kontext heraus zur Sprache, ohne speziell 
dazu aufgefordert werden zu müssen. Auf diese Weise vermochte er insgesamt ei-
ne klare Vorstellung vom Erlebten zu vermitteln. Im Einzelnen zeigte sich dies et-
wa in der kantonalen Anhörung, als er in seiner Antwort auf die Frage, ob man ihm 
die Augenbinden inner- oder ausserhalb des Gebäudes wieder abgenommen ha-
be, auch gleich klarstellte, dass die Polizisten ihm in diesem Moment befohlen hät-
ten, er solle sich wieder anziehen (vgl. A14/33, S. 19). Gleich im Anschluss daran 
zeigte er dieses Verhalten erneut, indem er - passend zur Befragungssituation und 
zu seinen Wahrnehmungsmöglichkeiten im Zeitpunkt  des geschilderten Ereignis-
ses - aus eigener Initiative den Namen des Polizeipostens erwähnte, noch bevor 
er  danach  gefragt  werden  musste  (vgl. A14/33,  S.  19).  In  dieser  Hinsicht  auf-
schlussreich war sodann seine sofortige Richtigstellung, wonach nicht eines, son-
dern  zwei  Autos  herangefahren  gekommen  seien  (vgl.  A14/33,  S.  13).  Das 
Reflexartige und die Selbstverständlichkeit dieser Korrektur sowie deren Überein-
stimmung  mit  der  ursprünglichen  Aussage  (vgl. A14/33,  S.  9)  lassen  beim  Be-
schwerdeführer eine jederzeit  klare Referenzvorstellung erkennen, wie sie in der 
Regel nur aus tatsächlichen Sinneswahrnehmungen gebildet werden kann.

Nicht das nötige Gewicht misst das BFM der plausiblen Art und Weise bei, in der 
die psychischen Probleme von den Beschwerdeführern ins Verfahren eingebracht 
wurden. Bereits in der Empfangsstellenbefragung erklärte der Beschwerdeführer, 
seine Ehefrau habe aus den wiederholten Repressalien gesundheitliche Schäden 
davon getragen (vgl. A2/9, S. 5). Gleichzeitig hielt  er in Bezug auf seine Person 
fest beziehungsweise deutete zumindest an, dass bei seiner Festnahme Gewalt-

13

anwendung im Genitalbereich im Spiel war (vgl. A2/9, S. 5). Vor allem aber kam er 
in der kantonalen Anhörung immer wieder auf seine extremen Angstzustände und 
den  damit  verbundenen  Realitätsverlust  zu  sprechen  (vgl.  oben).  In  der  Ergän-
zungsbefragung durch das Bundesamt erwähnte  er  sodann wiederkehrende De-
pressionen und nächtliche Albträume (vgl.  A19/11,  S.  7)  und gab zu verstehen, 
dass er in den acht Stunden, in denen er auf der Reise in die Schweiz ohne Kon-
takt zu seiner Ehefrau und zu seinen Kindern gewesen sei, in der Vorstellung ge-
lebt habe, er befände sich unterwegs an einen Ort, wo man ihn umbringen werde 
(vgl. A19/11, S. 3 i.V.m. A14/33, S. 23). Nach der Einreise in die Schweiz wandte 
sich  der  Beschwerdeführer  unverzüglich  an  eine  Allgemeinärztin  (vgl.  A14/33, 
S. 20), welche ihn zunächst zur Abklärung der gezeigten psychischen und psycho-
vegetativen Symptome an einen Neurologen verwies. Auf Veranlassung der Allge-
meinärztin  wurde schliesslich  mit  Beginn  am 31.  März  2003 die  ambulante  Be-
handlung  durch  den  Facharzt  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie,  Dr.  med. 
H._______, in die Wege geleitet. Angesichts dieser Abfolge erscheint es durchaus 
glaubhaft,  dass der  Beschwerdeführer  weniger  in der Absicht,  baldmöglichst  ein 
Arztzeugnis  zum Beleg seiner  Vorbringen  zu erhalten,  als  vielmehr  aus echtem 
Leidensdruck  medizinische  Hilfe  in  Anspruch  nahm  (vgl.  Replik  vom  28.  April 
2005, S. 2). Die Beschwerdeführerin ihrerseits begab sich am 5. Mai 2004 auf Zu-
weisung  eines  Allgemeinarztes  bei  demselben  Facharzt  in  eine  ambulante  psy-
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, in deren Verlauf eine sehr schwieri-
ge psychosoziale Lage als Folge der "sehr schweren Erkrankung des Ehemannes" 
konstatiert  wurde (Bericht  von Dr. med. H._______ vom 4. Dezember 2004). Mit 
Eingabe vom 11. August 2004 wurde sodann ein Bericht von Dr. med. H._______ 
vom  4. August  2004  betreffend  den  Beschwerdeführer  zu  den  Akten  gereicht. 
Nach der diesbezüglichen Aufforderung anlässlich der Ergänzungsbefragung vom 
26. November 2004 (vgl. A19/11, S. 9; A18/11, S. 2) liessen die Beschwerdeführer 
am 8. Dezember  2004 je  einen vom 4. Dezember  2004 datierenden Bericht  von 
Dr. med. H._______ nachreichen, bevor das BFM dann am 25. Januar 2005 seine 
Verfügung erliess. Es liegt demnach insoweit eine Entwicklung der Dinge vor, die 
zumindest nicht dagegen spricht, dass die bei den Beschwerdeführern diagnosti-
zierte und vom BFM als solche nicht in Zweifel gezogene PTBS tatsächlich auf die 
behaupteten  Ursachen  zurückzuführen  ist.  Entgegen  der  Auffassung  des  BFM 
(vgl.  Vernehmlassung vom 8.  April  2005,  S. 2)  kann es den Beschwerdeführern 
nicht als Hinweis auf die fehlende Ernsthaftigkeit ihrer Erkrankung ausgelegt wer-
den, wenn sie diese erst eine gewisse Zeit nach Behandlungsbeginn mit Arztbe-
richten dokumentiert haben.

5.3 Im Vergleich dazu weisen die vom BFM aufgeführten Unglaubhaftigkeitsmerkmale 
eine geringere  Tragweite  auf.  Soweit  das BFM dem Beschwerdeführer  das Ver-
schweigen von zentralen Punkten seiner angeblichen Verfolgungssituation in der 
Empfangsstelle  vorhält,  ist  vorab auf  das erwähnte,  wissenschaftlich  anerkannte 
Phänomen  hinzuweisen,  wonach  Traumatisierungen  das  Aussageverhalten  der 
betroffenen Personen beeinflussen können und diese aufgrund ihrer psychischen 
Erkrankungen die Anforderungen, die das Asylverfahren an sie stellt,  nur einge-
schränkt  erfüllen können (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 4b S. 106). Nachdem der 
Beschwerdeführer kurze Zeit nach der Einreise in die Schweiz psychotherapeuti-
sche Hilfe in Anspruch nahm und der behandelnde Facharzt  bei  ihm eine PTBS 

14

diagnostizierte, sprechen stichhaltige Anhaltspunkte dafür, dass er im Asylverfah-
ren nicht oder zumindest nicht von Beginn weg über die volle Kapazität verfügte, 
über seine belastenden Erfahrungen zu sprechen. Zu vergegenwärtigen ist dabei 
auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen - plausibel wirken-
den - Angaben noch auf der Reise in die Schweiz konkrete Todesängste ausge-
standen  hatte  (vgl.  A19/11,  S.  3  i.V.m.  A14/33,  S.  23).  Anlässlich  der  Untersu-
chung durch Dr. med. J._______ am 26. März 2003 löste die Aufforderung, sich 
auszuziehen, bei ihm eine "panische Angst vor Folterung" aus (vgl. Schreiben von 
Dr. med. J._______ vom 27. März 2003 an Dr. med. I._______). Gerade in dieser 
spontanen,  durch  die  Aufforderung  zur  körperlichen  Entblössung  ausgelösten 
Reaktion ist ein starker Hinweis darauf zu erblicken, dass der Beschwerdeführer 
die von ihm behaupteten Misshandlungen während eines Postenaufenthaltes am 
16.  Oktober 2002 tatsächlich erlitten hat.  So reagieren Traumatisierte,  die sonst 
scheinbar normal zurecht kommen, gerade dann besonders vulnerabel, wenn sie 
erneuten  Belastungssituationen  oder  Reizen  ausgesetzt  werden,  die  mit  dem 
ursprünglichen Thema assoziativ verknüpft sind (vgl.  ANGELIKA BIRCK, Zur Erfüllbar-
keit  der  Anforderungen  der  Asylanhörung  für  traumatisierte  Flüchtlinge  aus 
psychologischer  Sicht,  ZAR 1/2002,  S.  29;  JÜRG HAEFLIGER,  Die Posttraumatische 
Belastungsstörung,  Eine  Herausforderung  für  die  interdisziplinäre  Zusammen-
arbeit,  in  Ars  Medici  13/95,  S. 927).  Unter  diesen  Umständen  konnte  vom  Be-
schwerdeführer entgegen der Sichtweise des BFM nicht wie von einer unversehr-
ten Person verlangt werden, dass er nach dem Eintreffen in der Schweiz geordnet 
und  frei  von  Angst  und  Hemmungen  über  seine  schwerwiegenden  Erlebnisse 
berichten  können  würde.  Dementsprechend  kann  nicht  leichtfertig  gegen  die 
Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  eingewendet  werden,  dass  er  in  der 
summarischen Befragung in der Empfangsstelle nicht im Einzelnen erzählte, was 
ihm während des Postenaufenthalts  angetan wurde.  Bezeichnenderweise fiel  es 
ihm  auch  in  der  kantonalen  Anhörung  offensichtlich  schwer,  die  betreffenden 
Erlebnisse zu verbalisieren (vgl. 14/33, S. 10: "Ich schäme mich derart, solches zu 
erzählen...").  Ebenso ist es nicht als unauflöslicher Widerspruch zu werten, dass 
der  Beschwerdeführer  in  der  Empfangsstelle  nicht  auf  die  beiden  Polizeivisiten 
während seines 15-tägigen Aufenthalts bei  der Mutter  zu sprechen kam. Hierbei 
gilt es zu beachten, dass der Beschwerdeführer in der kantonalen Anhörung just in 
dem  Moment  zu  weinen  begann,  als  er  aufgefordert  war  zu  erzählen,  was  die 
Polizei beim ersten Besuch wollte (vgl. A14/33, S. 20). Sowohl im Zusammenhang 
mit der ersten als auch mit der zweiten Polizeivisite gab er zu verstehen, dass er 
damals  den  "Tod  vor  Augen  gesehen"  (vgl.  A14/33,  S.  20)  beziehungsweise 
"hautnah gespürt" habe (vgl. A14/33, S. 21). Demnach ist auch mit Bezug auf die 
beiden  Polizeivisiten  von  einschneidenden  Erlebnissen  auszugehen,  die  mit 
massiven Ängsten besetzt sind. Deren Schilderung dürfte dem Beschwerdeführer 
ein erhebliches Mass an Überwindung gekostet  haben, so dass ihm nicht in der 
absoluten  Weise,  wie  es  das  BFM  praktiziert,  entgegengehalten  werden  kann, 
darüber nicht bereits bei erster Gelegenheit berichtet zu haben. Vielmehr sind dem 
Beschwerdeführer  plausible  Gründe  (vgl.  EMARK  1993  Nr.  3  E.  3  S.  14)  zu 
attestieren, derentwegen von ihm nicht erwartet werden durfte, dass er schon in 
der  Empfangsstelle  auf  die betreffenden Erlebnisse eingehen würde (vgl.  MARTIN 
LEONHARDT, Psychiatrische Begutachtung bei asyl- und ausländerrechtlichen Verfah-
ren,  in  Psychiatrische Begutachtung,  Ein Handbuch für  Ärzte  und Juristen,  hgg. 

15

von Klaus Koerster, München 4. A. 2004, S. 750).

Zu Recht wird sodann in der Beschwerde das Augenmerk auf den bloss summari-
schen Charakter der Befragung zum Reiseweg und zu den Ausreisegründen in der 
Empfangsstelle und den beschränkten Beweiswert der dort protokollierten Aussa-
gen für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit  gerichtet (Art. 26 Abs. 2 zweiter Satz 
AsylG, EMARK 2004 Nr. 34 E. 4.4 S. 243, Nr. 30 E. 6.4.3. S. 213). Im vorliegen-
den Fall  kommt der summarische Charakter der Empfangsstellenbefragung etwa 
dort zum Tragen, wo das BFM argumentiert, auch die Beschwerdeführerin habe ihr 
Asylgesuch  "nur"  mir  der  angeblich  schwierigen  Situation  in  (...)  und  (...) 
begründet, nicht aber mit den angeblichen Vorkommnissen, welchen ihr Ehemann 
kurz vor dem Verlassen des Heimatlandes ausgesetzt gewesen sei (vgl. Vernehm-
lassung vom 8. April 2005, S. 2 oben). Bei einer Konsultation des Empfangsstel-
lenprotokolls  der  Beschwerdeführerin  findet  diese Sichtweise  keine Bestätigung. 
Zu Recht wird diesbezüglich in der Replik vom 28. April 2005 moniert, der entspre-
chende Vorwurf des BFM stimme nicht. In der Tat beendete die Beschwerdefüh-
rerin die ungesteuerte Schilderung der Ausreisegründe nicht etwa mit einem Hin-
weis  auf  eigene Probleme,  sondern  mit  dem Satz,  wonach ihr  "Mann keine Le-
benssicherheit  mehr in der Türkei"  gehabt  habe und sie "deshalb das Land ver-
lassen" hätten (vgl.  A1/9, S. 5).  Dieser Schlusssatz,  auf den in den Vertiefungs-
fragen nicht mehr weiter eingegangen wurde, kann bei objektiver Betrachtung sehr 
wohl als ansatzweises Erwähnen (vgl.  EMARK 1993 Nr. 3 E. 3 S. 13 unten) der 
Verfolgungsituation interpretiert werden, in der sich der Beschwerdeführer unmit-
telbar  vor  der  Ausreise  in  Istanbul  befand.  Das BFM hat  demnach  insoweit  ein 
anfängliches  Verschweigen zentraler  Asylgründe angenommen,  ohne dafür  über 
eine Grundlage in den Akten zu verfügen, was als Fehldeutung der Protokolle und 
damit als unkorrekte Feststellung des Sachverhalts zu werten ist.

Zur Hauptsache hat sich das BFM aber eine unkorrekte Anwendung der Beweisre-
gel von Art. 7 AsylG vorwerfen zu lassen. So geht es mit dem Begriff des Glaub-
haftmachens zu restriktiv  um, wo es argumentiert,  Gefangenenbesuche seien in 
der Türkei gemäss den bestehenden Vorschriften legitim und mit keinen weiteren 
Nachteilen verbunden, angesichts  der gemeinsam abgehaltenen Besuche hätten 
sich  die  Verfolgungsmassnahmen  genauso  gut  gegen  die  Beschwerdeführerin 
richten können, und auch eine Freilassung unter der Bedingung der künftigen Zu-
sammenarbeit mit den Behörden sei realitätsfremd und unglaubhaft,  weil der Be-
schwerdeführer nicht politisch aktiv gewesen sei und demnach auch nicht in ein-
schlägigen  Kreisen  verkehrt  habe  (Verfügung  des  BFM  vom  25.  Januar  2005, 
E. I1.a S. 3). Im letztgenannten Punkt verfängt die Argumentation des BFM schon 
deshalb nicht, weil der Beschwerdeführer aus der Optik der türkischen Sicherheits-
behörden nicht wegen seines eigenen politischen Profils, sondern vielmehr wegen 
seiner Nähe und regelmässigen Kontakte zu den beiden inhaftierten und vor ihrer 
baldigen Entlassung  stehenden Frauen als  potenzieller  Informant  von Wert  sein 
konnte (vgl. Beschwerde, S. 7). Der Beschwerdeführer liess denn auch unmissver-
ständlich  verlauten,  dass  die  Polizisten  ihm am Ende  der  Festhaltung  auf  dem 
Posten gesagt hätten, er werde ab sofort für sie Informationen liefern und einholen 
und ihnen genau Bescheid darüber geben, was die Frauen aus dem Gefängnis he-
raus erzählen würden (vgl.  A14/33,  S.  17).  Was sodann die grundsätzliche Fol-

16

genlosigkeit von Gefangenenbesuchen in der Türkei betrifft, so fehlt es dem Argu-
ment des BFM insofern an Stichhaltigkeit, als im vorliegenden Fall die Besuche in 
kurzen zeitlichen Abständen erfolgten und Personen galten, die wegen Unterstüt-
zung beziehungsweise Mitgliedschaft bei der PKK zu langjährigen Haftstrafen ver-
urteilt worden waren. Auch im heutigen Zeitpunkt und nicht zuletzt vor dem Hinter-
grund der Lageentwicklung im Nordirak ist jedoch ungeachtet der Rechtsreformen 
im Hinblick auf eine Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union eine Ein-
dämmung der Gefahr allfälliger Repressalien gegen Familienangehörige von Akti-
visten der PKK oder anderer als separatistisch eingestufter kurdischer Gruppierun-
gen vorerst nicht abzusehen (vgl. die letzte Lageeinschätzung im Urteil  der ARK 
vom 8. September 2005 i. S. M. K. S., EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199 ff.). 
Wo das BFM schliesslich erwägt, die Verfolgung habe wegen der gemeinsam ab-
gestatteten Gefangenenbesuche genauso gut der Beschwerdeführerin gelten kön-
nen, bewegt es sich offensichtlich auf der Ebene von Mutmassungen. Um die Vor-
bringen der Beschwerdeführer in diesem Punkt als unglaubhaft erscheinen lassen 
zu können, hätte es jedoch seitens des BFM objektiv besser abgestützter  Argu-
mente bedurft als blosser "Gegenbehauptungen". Abgesehen davon ist den Akten 
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Frühling 2002 zum letzten Mal ins 
Gefängnis nach (...) mitgegangen ist und danach nur noch der Beschwerdeführer 
die beiden Frauen besucht hat (vgl. A18/11, S. 5).

Gewisse Unklarheiten bleiben dagegen bezüglich der Umstände der Kontaktierung 
der Beschwerdeführerin nach den Vorfällen vom 16. Oktober 2002, der Benutzung 
eines Stadtbusses in (...) durch den Beschwerdeführer und der auf der Reise in die 
Schweiz verwendeten Papiere beziehungsweise der im Heimatland ausgestellten 
Reisepässen bestehen. Diese Unklarheiten nehmen sich jedoch im Vergleich mit 
den aufgezeigten zahlreichen Glaubhaftigkeitsindizien marginal aus, wobei es zu 
bedenken gilt, dass bei der Glaubhaftmachung - anders als beim Beweis - lediglich 
eine überwiegende Wahrscheinlichkeit  vorausgesetzt  wird  und nicht  alle  Zweifel 
ausgeräumt sein müssen. Abgesehen davon ist, soweit das BFM in den erwähnten 
drei Punkten Ungereimtheiten unter Hinweis auf Aussagen des Beschwerdeführers 
in den Empfangsstelle aufzuzeigen versucht, grundsätzlich dem beschränkten Be-
weiswert dieser Aussagen sowie in besonderem Mass der desolaten psychischen 
Verfassung des Beschwerdeführers im damaligen Zeitpunkt Rechnung zu tragen. 
So erscheint es bei differenzierter Betrachtung durchaus vollstellbar, dass der Be-
schwerdeführer  unter  dem  Eindruck  des  traumatischen  Erlebnisses  vom 
16. Oktober 2002 gar nicht in der Lage war, seine Ehefrau selbständig zu benach-
richtigen beziehungsweise eine aktive Rolle beim Fassen des Ausreiseentschlus-
ses zu übernehmen (vgl.  A14/33,  S. 23;  A19/11,  S. 2 f.).  Gleichzeitig  ist  es zu-
mindest nicht abwegig, in Betracht zu ziehen, dass der Beschwerdeführer sich in 
der  Empfangsstellenbefragung  missverständlich  ausgedrückt  oder  eine  übertrie-
ben vereinfachende Übersetzung oder Protokollierung zum Passus im Empfangs-
stellenprotokoll geführt hat, wonach er mit seiner Ehefrau "gesprochen" habe (vgl. 
A2/9,  S.  6;  Beschwerde,  S.  9).  Der  Vorwurf  schliesslich,  die  Beschwerdeführer 
hätten den Reiseweg verheimlicht und den schweizerischen Behörden die Reise-
pässe vorenthalten, wirkt angesichts der gesamten Aktenlage gesucht. Zudem un-
terlässt es das BFM auch hier, in Betracht zu ziehen, dass die psychische Verfas-
sung es dem Beschwerdeführer schlechterdings nicht erlaubt haben könnte, sich 

17

den Reiseweg zu merken oder überhaupt  zu realisieren,  dass er in die Schweiz 
gebracht wird (vgl. A14/33, S. 24).

5.4 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass das Bundes-
verwaltungsgericht es nach Abwägung der dafür und dagegen sprechenden Grün-
de im Rahmen einer Gesamtwürdigung als glaubhaft erachtet, dass der Beschwer-
deführer am 16. Oktober 2002 in (...) während mehrerer Stunden auf einem Poli-
zeiposten festgehalten, mit gravierenden Folgen für seine Gesundheit gefoltert und 
nur gegen Zusicherung künftiger Zusammenarbeit mit der Polizei freigelassen wor-
den ist. Mit seinen diesbezüglichen Angaben vermag der Beschwerdeführer somit 
die reduzierten Beweisanforderungen von Art. 7 AsylG zu erfüllen. Die angefoch-
tene Verfügung erweist sich insoweit als bundesrechtswidrig (vgl. Art. 106 Abs. 1 
Bst. a AsylG).

6. Es stellt sich alsdann die Frage, ob die angefochtene Verfügung aufzuheben und 
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist oder aber das 
Bundesverwaltungsgericht selber über die Fragen der Flüchtlingseigenschaft  und 
der Asylgewährung befinden soll.

6.1 Aus  prozessökonomischen  Gründen  hat  der  Gesetzgeber  die  Verwaltungsbe-
schwerde und damit auch die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht auf 
dem Gebiet  des  Asyls  (vgl.  Art.  37  VGG,  Art.  105 Abs.  1  AsylG,  Art.  83 Bst. d 
Ziff. 1  BGG)  grundsätzlich  reformatorisch  ausgestaltet:  So  darf  gemäss  Art. 61 
Abs. 1 VwVG eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz nur ausnahms-
weise erfolgen,  etwa dann,  wenn weitere  Tatsachen festgestellt  werden müssen 
und  ein  umfassendes  Beweisverfahren  durchzuführen  ist  (vgl.  EMARK  2004 
Nr. 38, E. 7.1. S. 265, m.w.H.). Vorliegend ist von einer Rückweisung an die Vorin-
stanz abzusehen, weil der entscheidwesentliche Sachverhalt als bis zur Entscheid-
reife erhoben gelten kann. Dies erhellt aus den nachfolgenden Ausführungen zur 
Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft.

6.2 Die unter diesen Vorzeichen durchzuführende Prüfung führt sodann zum Ergebnis, 
dass der Beschwerdeführer sämtliche kumulativ erforderlichen Kriterien der Flücht-
lingseigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG zu erfüllen vermag.

6.2.1 Die vom Beschwerdeführer subjektiv empfundene Furcht,  wegen der Zugehörig-
keit  mit  ihm verwandter  Personen wie namentlich  seiner  Schwägerin  F._______ 
und seiner  Cousine G._______ zur PKK selber  das Opfer von ernsthaften,  sein 
Leben,  seine  körperliche  Integrität  oder  seine  Freiheit  gefährdenden  Benach-
teiligungen zu werden, kann sowohl für den Moment der Ausreise als auch für den 
heutigen Zeitpunkt als begründet bezeichnet werden. Es ist in seinem Fall mit an-
deren Worten eine erhebliche Wahrscheinlichkeit gegeben, dass er das Opfer ei-
ner Reflexverfolgung werden könnte (vgl.  EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1. S. 195). 
Dabei gilt es zu bedenken, dass das Untertauchen des Beschwerdeführers und die 
damit einher gehende Weigerung, die ihm abverlangte Informantentätigkeit auszu-
üben, mit hoher Wahrscheinlichkeit von den türkischen Behörden als Ausdruck ei-
ner  separatistischen  Grundhaltung  interpretiert  werden  wird  (vgl.  EMARK  2005 
Nr. 21 E. 10.3.2. S. 201). Ohne dass dies entscheidend wäre, ist hervorzuheben, 
dass  der  Beschwerdeführer  bereits  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausge-

18

setzt war und diese Massnahmen die höchstwahrscheinliche Ursache für seine an-
geschlagene Gesundheit darstellen. Deswegen darf aus heutiger Optik von ihm ei-
ne unbelastete Einstellung gegenüber den türkischen Sicherheitsbehörden fairer-
weise nicht erwartet werden. Damit kann sich der Beschwerdeführer auf objektive 
Gründe für  eine -  im Vergleich  zu  einer  bislang unbehelligten  Durchschnittsper-
son - ausgeprägtere (subjektive) Furcht berufen, weshalb bei ihm die Schwelle für 
die Begründetheit der von ihm empfundenen Ängste entsprechend tiefer anzuset-
zen ist (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.1. S. 93, m.w.H.).

6.2.2 Was  die  weiteren  konstitutiven  Elemente  des  Flüchtlingsbegriffs  (vgl.  Erw. 3.1. 
hiervor) anbelangt, so präsentiert sich die Aktenlage ebenfalls eindeutig zu Guns-
ten des Beschwerdeführers. Aufgrund seiner Sachverhaltsdarstellung können ins-
besondere keine vernünftigen Zweifel  daran bestehen,  dass die erlittenen bezie-
hungsweise zu Recht befürchteten Behelligungen gezielt gegen seine Person ge-
richtet  waren oder sein würden,  um ihn wegen seiner eigenen beziehungsweise 
wegen der politischen Anschauung und ethnischen Zugehörigkeit seiner Familien-
angehörigen zu benachteiligen.

6.2.3 Von einer Fluchtalternative innerhalb der Landesgrenzen der Türkei kann derzeit 
ebenfalls nicht ausgegangen werden. Nach Praxis sind die Anforderungen an die 
Effektivität des am Zufluchtsort gewährten Schutzes hoch anzusetzen. Eine wirk-
same  Schutzgewährung  erscheint  vorliegend  ausgeschlossen,  zumal  der  Be-
schwedeführer in (...) unmittelbar von Organen der Zentralgewalt belangt worden 
ist.  Unter  diesen  Umständen  ist  davon  auszugehen,  dass  für  ihn  in  keinem 
anderen Landesteil - am wenigsten in (...) oder (...), wo er zuvor schon mehrmals 
mit  Hausdurchsuchungen  der  Polizei  konfrontiert  war  -  effektive  Sicherheit  vor 
weiteren  derartigen  Behelligungen  besteht  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21  E. 11.1. 
S. 201  f.,  m.w.H.).  Dem  Beschwerdeführer  kann  somit  klarerweise  keine  inner-
staatliche Fluchtalternative entgegengehalten werden.

6.2.4 Der Beschwerdeführer war gemäss eigenen Angaben niemals unmittelbar an ge-
waltsamen Aktionen beteiligt. Es fehlt somit an konkreten Hinweisen auf ein Fehl-
verhalten,  welches unter  einen oder  mehrere  der von Art.  1  F des Abkommens 
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, 
FK,  SR 0.142.30)  umfassten  Fälle  zu  subsumieren  wäre.  Eine  tatbeständliche 
Grundlage, welche den Ausschluss des Beschwerdeführers vom Flüchtlingsbegriff 
zur  Folge hätte (vgl. EMARK 1996 Nr. 18 E. 5-7 S. 173 ff.),  liegt  demnach nicht 
vor.

6.3 Damit sind sämtliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen Definition als erfüllt 
zu betrachten. Somit kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer ent-
gegen der Beurteilung durch das Bundesamt die Voraussetzungen für  die Zuer-
kennung der Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Dementsprechend ist ihm mangels An-
zeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG) in der Schweiz 
Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG).

6.4 Zu erörtern bleibt, ob gleichzeitig auch die Beschwerdeführerin mit ihren eigenen 
Asylvorbringen  die  Bedingungen  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  erfüllen  vermag 
(vgl.  Art.  5  der  Asylverordnung  1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
(AsylV 1,  SR  142.311).  Nach  ihren  Angaben  in  den  Befragungen  war  die  Be-
schwerdeführerin niemals das Ziel physischer Gewalt oder einer Gefangennahme 

19

durch  die  heimatlichen  Behörden  (vgl.  A1/9,  S.  5;  A18/11,  S.  4  f.).  Die  Einwir-
kungen vonseiten der Polizei, denen sie sich anlässlich der diversen Hausdurch-
suchungen in (...)  und (...)  zu erwehren hatte,  bestanden nach ihrer  Darstellung 
schwergewichtig  aus  sexuell  gefärbten  Beschimpfungen  und  anderweitigen 
Demütigungen  (vgl.  A13/18,  S.  10).  Ohne  die  psychologische  Tragweite  dieser 
Beschimpfungen und Demütigungen zu verharmlosen, sind darin gleichwohl keine 
Massnahmen zu erblicken,  die  bei  der  Beschwerdeführerin  einen unerträglichen 
psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG erzeugt haben (vgl. EMARK 
2005 Nr. 21 E. 10.3.1. S. 200 f.). Ihre eigenen Aussagen erwecken nicht den Ein-
druck, dass sie selbst deswegen einen weiteren Verbleib im Heimatstaat als unzu-
mutbar empfunden hätte. So führte sie an, dass sie nach der Übersiedlung nach 
(...) im Juli 2002 ihre Eltern nicht habe verlassen wollen und erst zu diesem Schritt 
bereit gewesen sei, nachdem sie gehört habe, dass ihr Mann während seiner Haft 
gefoltert  worden  sei  (vgl.  A18/11,  S.  6).  Auf  die  Frage,  warum sie  sich  erst  im 
Dezember 2002 nach Istanbul begeben habe, erwiderte sie, ihr Mann habe mehr 
Schwierigkeiten  gehabt  als  sie,  weil  er  die  Frauen  besucht  habe  (vgl.  A13/18, 
S. 9).  Demzufolge ist  hinlänglich  auszuschliessen,  dass sie selbst  aufgrund von 
Massnahmen gegen ihre Person im Moment der Ausreise unter einem unerträg-
lichen psychischen Druck  gestanden hat.  Andererseits  liegen auch keine hinrei-
chenden Anhaltspunkte dafür vor, dass sie im heutigen Zeitpunkt bei einer Rück-
kehr in die Türkei mit derartigen, einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne 
von Art. 3 Abs. 2 AsylG bewirkenden Massnahmen oder gar mit einer Gefährdung 
des Lebens, der körperlichen Integrität oder der Freiheit rechnen müsste. Für das 
Fehlen eines aktuellen  Verfolgungsrisikos spricht  namentlich der Umstand,  dass 
die türkischen Behörden nicht auf die Beschwerdeführerin gegriffen haben, nach-
dem der Beschwerdeführer das Haus der Mutter in (...) verlassen und sich für dei 
Dauer von eineinhalb Monaten bei der Tante seiner Ehefrau in Sicherheit gebracht 
hatte (vgl. A14/33, S. 22 f.).

Die  Beschwerdeführerin  vermag  demnach  mit  ihren  eigenen  Asylvorbringen  die 
Kriterien der Flüchtlingseigenschaft nach der Definition von Art. 3 AsylG nicht zu 
erfüllen. Mangels dagegen sprechender Umstände ist ihr - als Ehegattin des Be-
schwerdeführers  -  sowie  den  beiden  minderjährigen  Kindern  auf  der  Grundlage 
von Art. 51 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zuerkennen und das Asyl zu 
gewähren.

7. In Gutheissung der Beschwerde ist  die angefochtene Verfügung betreffend Asyl 
und Wegweisung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, die Beschwerdefüh-
rer als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren.

8.

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 
und 2 VwVG). Ohnehin wären die Beschwerdeführer von der Pflicht zur Bezahlung 
von  Verfahrenskosten  befreit  gewesen,  nachdem  ihnen  mit  Zwischenverfügung 
vom 10. März 2005 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG 
gewährt worden ist (vgl. Bst. D hiervor) und keine Hinweise auf eine Veränderung 

20

ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse vorliegen.

8.2 Den Beschwerdeführern ist - als vollständig obsiegender Partei - für die ihnen im 
Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten  eine  Parteientschädi-
gung zuzusprechen (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Regle-
ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
vom 11. Dezember  2006  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Die  Rechtsvertreterin  der  Be-
schwerdeführer hat eine vom 17. Mai 2007 datierende Kostennote eingereicht. Sie 
beziffert darin den Zeitaufwand mit 21 Stunden und 50 Minuten, was dem Bundes-
verwaltungsgericht angesichts des Umfangs und der Komplexität der Sache ange-
messen erscheint.  Auch die von ihr ausgewiesenen Auslagen (Telefon,  Büroma-
terial und Porti) in der Höhe von insgesamt Fr. 35.-- können als verhältnismässig 
bezeichnet  werden.  Neben den Kosten der Vertretung machen die Beschwerde-
führer keine weiteren notwendigen Auslagen geltend (Art. 8 VGKE). Die ihnen ge-
schuldete Parteientschädigung ist  alsdann in Berücksichtigung der eingereichten 
Kostennote  (Art.  9  Abs.  1 Bst.  a  und b VGKE),  des für  nichtanwaltliche berufs-
mässige Vertreter und Vertreterinnen geltenden Stundenansatzes (Art. 10 Abs. 2 
VGKE) und des Mehrwertssteuersatzes von 7.6 % (Art. 9 Abs 1 Bst. c und Art. 10 
Abs. 2 zweiter Satz VGKE) auf Fr. 2'384.-- festzusetzen.

(Dispositiv nächste Seite)

21

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. Die angefochtene Verfügung vom 25. Januar 2005 wird aufgehoben und das BFM 
wird angewiesen, den Beschwerdeführern Asyl zu gewähren.

3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von 
Fr. 2'384.-- auszurichten.

5. Dieses Urteil geht an:

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer,  2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: 
Angefochtene Verfügung im Original)

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den  Akten 
(Ref.-Nr. N [...])

- das (...) des Kantons (...) ad (...)

Der Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Martin Maeder

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