# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 058591ad-d92b-59ed-bbe2-2a3f65fc8386
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.02.2024 SK 2023 106
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-106_2024-02-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 106

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. Februar 2024

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin), 
Oberrichter Wuillemin, Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiberin Weissleder

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher Dr. B.________

Beschuldigter/Anschlussberufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

und

C.________
amtlich vertreten durch Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, evtl. Schändung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 20. Dezember 2022 (PEN 21 225)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 20. Dezember 2022 (pag. 556 ff.) sprach das Regionalgericht Bern-
Mittelland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; nachfolgend: Vorinstanz) 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) ohne Ausrichtung einer Entschädigung 
oder Genugtuung vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung, evtl. 
Schändung, angeblich begangen am 5. Juni 2020 in Bern zum Nachteil von 
C.________ (nachfolgend: Privatklägerin), frei, auferlegte ihm die Verfahrenskos-
ten von CHF 14'983.55 zur Bezahlung, setzte die amtlichen Honorare des Verteidi-
gers sowie der Rechtsvertretung der Privatklägerin (für letztere auch das volle Ho-
norar) fest und auferlegte dem Beschuldigten die jeweilige Rück- und Nachzah-
lungspflicht. Im Weiteren wurde der Beschuldigte verurteilt, der Privatklägerin eine 
Genugtuung von CHF 7'500.00 zzgl. Zins zu 5 % seit dem 5. Juni 2020 zu bezah-
len. Im Zivilpunkt äussert sich das Urteil nicht zu den Kostenfolgen. 

2. Berufung und Anschlussberufung

Gegen das Urteil der Vorinstanz meldeten die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland 
am 22. Dezember 2022 (pag. 565) und die Privatklägerin am 30. Dezember 2022 
(pag. 566) fristgerecht Berufung an. Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 
23. Februar 2023 und wurde den Parteien mit Verfügung vom 24. Februar 2023 
zugestellt (pag. 628 f.). Am 9. März 2023 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft 
form- und fristgerecht die vollumfängliche Berufung (pag. 632). Die Privatklägerin 
liess sich innert Frist nicht vernehmen, teilte aber mit Eingabe vom 15. Mai 2023 
mit, dass kein Nichteintreten auf die Berufung der Generalstaatsanwaltschaft bean-
tragt werde und bewusst keine eigenständige Berufungserklärung eingereicht wor-
den sei. Sie schloss sich indessen der Berufung der Generalstaatsanwaltschaft im 
Schuldpunkt an (pag. 639 f.). Mit Eingabe vom 16. Mai 2023 erklärte der Beschul-
digte Anschlussberufung, beschränkt auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu 
seinen Lasten (pag. 642 f.). 

Am 24. Mai 2023 beschloss die Kammer das Nichteintreten auf die Berufung der 
Privatklägerin (pag. 645 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 2. Juni 2023 mit, dass kein 
Nichteintreten auf die Anschlussberufungen beantragt werde (pag. 651). Die Ver-
teidigung verzichtete mit Schreiben vom 16. Juni 2023 auf einen Antrag betreffend 
Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Privatklägerin (pag. 652). Mit Schrei-
ben vom 19. Juni 2023 teilte auch die Rechtsvertretung der Privatklägerin mit, dass 
kein Nichteintreten auf die Anschlussberufung des Beschuldigten beantragt werde 
(pag. 654). 

Mit Verfügung vom 24. Januar 2024 hiess die Verfahrensleitung einen entspre-
chenden Antrag der Privatklägerin auf Vermeidung der Konfrontation mit dem Be-
schuldigten und auf Dispensation von der Verhandlung gut, mit Ausnahme der ei-

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genen Einvernahme. Den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit hiess sie im 
Sinne eines Ausschlusses der Publikumsöffentlichkeit und zeitlich beschränkt auf 
die Einvernahme der Privatklägerin gut. Sie gewährte der Privatklägerin ausserdem 
antragsgemäss die unentgeltliche Rechtspflege (pag. 717 f.).

Die oberinstanzliche Hauptverhandlung fand am 15./16. Februar 2024 in Anwesen-
heit des Beschuldigten und dessen Verteidiger, der Staatsanwältin und der Rechts-
vertreterin der Privatklägerin statt (pag. 742 ff.). Die Privatklägerin wurde unter 
Vermeidung der Konfrontation mit dem Beschuldigten zu Protokoll einvernommen 
und danach für den Rest der Verhandlung entschuldigt. 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen 

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Hauptverhandlung wurden von Amtes wegen 
ein aktueller Strafregisterauszug vom 1. Februar 2024 (pag. 731 f.) sowie ein aktu-
eller ärztlicher, vollzugsbezogener Bericht der Klinik L.________ über den Be-
schuldigten vom 22. Januar 2024 (pag. 724 ff.) eingeholt. Weiter wurden die Straf-
akten des Regionalgerichts Bern-Mittelland i.S. PEN 22 39 sowie die Vollzugsakten 
der Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern über den Beschuldigten 
ediert (BVD Nr.________). 

Am 15. Februar 2024 reichte die Mutter des Beschuldigten einen selbstverfassten 
Brief inkl. diverser Beilagen (Generalvollmacht, Identitätsausweis, Erklärung PAN-
DAS/PANS, Verfügung vom 15. Oktober 2020 der Regionalen Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland, Krankengeschichte des Beschuldigten und diverse Briefe von 
Freunden des Beschuldigten) ein (pag. 767 ff.). Diese Eingabe wurde anlässlich 
der gleichentags stattfindenden Berufungsverhandlung nach Gewährung des recht-
lichen Gehörs zu den Akten erkannt (pag. 744).

Schliesslich wurden der Beschuldigte (pag. 751 ff.) und die Privatklägerin 
(pag. 745 ff.) anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung erneut be-
fragt. 

4. Anträge der Parteien

4.1 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin E.________ stellte und begründete für die Generalstaatsanwalt-
schaft anlässlich der Berufungsverhandlung die folgenden Anträge (pag. 788; Her-
vorhebungen im Original): 

I.

A.________ sei schuldig zu erklären der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung, begangen 
am 5. Juni 2020 in Bern z.N. von C.________. 

II.

A.________ sei in Anwendung von 40, 43, 44, 47, 49, 189 Abs. 1, 190 Abs. 1 StGB und Art. 426 ff. 
StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, als Zusatzstrafe zum Urteil des Regionalgerichts Bern-
Mittelland vom 11. Mai 2022 unter Aufschub des Vollzugs nach Art. 57 Abs. 2 StGB zugunsten der 
angeordneten stationären Massnahme nach Art. 59 StGB; 

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2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

III. 

1. Es sei über die Aufbewahrung bzw. Löschung des erhobenen DNA-Profils sowie der erhobenen 
erkennungsdienstlichen Daten zu verfügen. 

2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers und der amtlichen Verteidigerin der Privatklägerin sei ge-
richtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

4.2 Anträge der Privatklägerin

Fürsprecherin D.________ stellte und begründete namens und im Auftrag der Pri-
vatklägerin folgende Anträge (pag. 789): 
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 23. Februar 2023 

[recte: 20. Dezember 2022] insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als dass A.________ verurteilt 
wurde, der Privatklägerin C.________ eine Genugtuung von CHF 7'500.00 zuzüglich 5 % Zins seit 
05. Juni 2020 zu bezahlen.

2. A.________ sei schuldig zu erklären der sexuellen Nötigung, eventualiter der Schändung, und der 
Vergewaltigung, eventualiter der Schändung, begangen am 05. Juni 2020 in Bern z.N. der Privat-
klägerin C.________. 

3. A.________ sei angemessen zu bestrafen. 

4. A.________ sei zu verurteilen

4.1. zu den erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten;

4.2. zu den erst- und oberinstanzlichen Parteikosten der Privatklägerin C.________ gemäss den 
eingereichten Honorarnoten. 

5. Das amtliche Honorar der amtlichen Anwältin der Privatklägerin C.________ sei gestützt auf die 
eingereichten Honorarnoten gerichtlich zu bestimmen. 

6. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen. 

4.3 Anträge des Beschuldigten 

Fürsprecher Dr. B.________ stellte und begründete anlässlich der oberinstanzli-
chen Hauptverhandlung namens und im Auftrag des Beschuldigten die folgenden 
Anträge (pag. 792; Hervorhebungen im Original): 
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 20.12.2022 

(PEN 21 255 [recte: PEN 21 225]) insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als die amtliche Entschä-
digung der Verteidigung (RA F.________ und RA B.________) sowie der Privatklägerschaft (RA 
D.________) bestimmt wurden, A.________ zur Bezahlung von CHF 7'500.00 Genugtuung zu-
züglich 5 % Zins seit dem 05.06.2022 an die Privatklägerin C.________ verurteilt wurde und die 
weiteren Verfügungen getroffen wurden. 

2. A.________ sei freizusprechen von den Anschuldigungen der sexuellen Nötigung und Vergewalti-
gung, evtl. Schändung, angeblich begangen am 05.06.2020 an der .________ in .________ z.N. 
C.________, unter Auferlegung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton 
Bern sowie unter Ausrichtung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten im oberinstanzli-
chen Verfahren gemäss eingereichter Honorarnoten. 

3. Es sei keine Rückzahlungspflicht des Beschuldigten für die erst- und oberinstanzlich festgesetzten 
amtlichen Entschädigungen der Verteidigungskosten sowie der amtlichen Entschädigung für die 
unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ und auch keine Rückzahlungspflicht der Diffe-
renz zwischen den amtlichen Entschädigungen und dem sog. vollen Honorar, sobald es die wirt-
schaftlichen Verhältnisse von A.________ erlauben, vorzusehen. 

4. Das Honorar des amtlichen Verteidigers im oberinstanzlichen Verfahren sei gestützt auf die beilie-
gende Honorarnote gerichtlich zu bestimmen. 

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5. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den 
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; 312.0]). Mit Blick auf den Umfang der Berufung und Anschlussberufungen 
ist vorab festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil insoweit in Rechtskraft er-
wachsen ist, als der Beschuldigte (ohne Kostenfolgen) zur Bezahlung von 
CHF 7'500.00 Genugtuung zzgl. 5 % Zins seit dem 5. Juni 2020 an die Privatkläge-
rin verurteilt wurde (Ziff. IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Nicht rechtskräftig und von der Kammer zu überprüfen sind hingegen die Frei-
sprüche vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung, evtl. der 
Schändung (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Ebenfalls nicht rechts-
kräftig und zu überprüfen sind die mit den angefochtenen Punkten zusammenhän-
genden Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. II. und Ziff. III. des erstinstanzli-
chen Urteilsdispositivs).

Auf die Höhe der amtlichen Entschädigungen der Verteidigung und der privatkläge-
rischen Rechtsvertretung für das erstinstanzliche Verfahren ist nur zurückzukom-
men, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermes-
sen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bundesgerichts [nach-
folgend zit. BGer] 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 
6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). Darüber hinausgehend unterliegt dieser 
Punkt auf Grund der fehlenden Berufung durch die Generalstaatsanwaltschaft dem 
Verschlechterungsverbot (BGer 6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.2.5).

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen Punkte über volle Ko-
gnition (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Aufgrund der eigenständigen Berufung der 
Generalstaatsanwaltschaft und der Anschlussberufung der Privatklägerin ist die 
Kammer nicht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) 
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden und darf das Urteil hinsichtlich der ange-
fochtenen Punkte auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Anklageschrift 

Dem Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift vom 18. März 2021 
(AKS, pag. 166 ff.) folgender Sachverhalt vorgeworfen:
Sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) und Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB) evtl. 
Schändung (Art. 191 StGB)

begangen, indem A.________ am 05.06.2020, zwischen 21.00 Uhr und 23.45 Uhr, in der Wohnung 
von C.________ an der .________ in .________ Bern mehrfach gegen deren Willen sexuelle Hand-
lungen an ihr vornahm.

Konkret traf A.________ C.________ am Freitagnachmittag des 05.06.2020 für einen Spaziergang, 
nachdem man sich auf der App Tinder kennenlernte. Als beide Parteien wieder bei sich zuhause wa-
ren, lud C.________ A.________ für einen One-Night-Stand zu sich nach Hause ein. A.________ 
nahm diese Einladung an und begab sich gegen 21.00 Uhr desselben Tages in die Wohnung von 

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C.________ an der .________ in .________ Bern. Nachdem seitens C.________ klar kommuniziert 
worden ist, dass ausschliesslich Geschlechtsverkehr mit Kondom durchgeführt werden dürfe, begann 
man sich zu küssen und auszuziehen. Nach gegenseitigem einvernehmlichem Oralverkehr hatte man 
auf dem Bett von C.________ einvernehmlichen Geschlechtsverkehr in der Missionarsstellung. Dabei 
fasste A.________ an den Anus von C.________ und liess sofort davon ab, als diese ihm zu verste-
hen gab, dass sie dies nicht möchte. 

Nach einer kurzen gemeinsamen Pause auf dem Balkon vereinbarte man, dass man erneut Ge-
schlechtsverkehr haben möchte. A.________ drang daraufhin in der Hündchenstellung in 
C.________ ein. Während dem Geschlechtsverkehr erkundigte er sich bei ihr, ob er in ihren Anus 
eindringen dürfe, was sie klar verneinte. Sie verneinte dies umso vehementer, als er mehrfach nach-
fragte. Trotz des klar kommunizierten und erkennbaren Willens von C.________, setzte er sich über 
diesen hinweg, zog seinen Penis aus der Scheide und drang mit voller Kraft, mutmasslich ohne Kon-
dom, ruckartig von hinten in den Anus von ihr ein. C.________ schrie vor Schmerzen auf, setzte sich 
zur Wehr, stiess ihn weg und begab sich unmittelbar in das Badezimmer. Dabei stellte sie fest, dass 
es aus ihrem Anus blutete, dieser schmerzte und eine spermaähnliche Flüssigkeit aus diesem kam.

Als sie aus dem Badezimmer zurückkam, war sie noch ganz ausser sich. Sie legte sich bäuchlings 
nackt auf das Bett, worauf A.________ erneut begann sie zu streicheln. Er versuchte dabei erneut mit 
den Fingern in die Scheide einzudringen, worauf sie sich fluchtartig ganz zur Wand hinlegte und ihm 
den Rücken zudrehte. Sie gab ihm dabei nonverbal und verbal zu verstehen, dass sie das nicht mehr 
wolle. Ausserstande sich vehementer zur Wehr zu setzen, äusserte sie noch ein ablehnendes «mhm» 
worauf er dennoch in der Löffelchenstellung ohne Kondom vaginal in sie eindrang. Als sie dies reali-
sierte, fand sie erneut die Kraft sich zur Wehr zu setzen und schickte ihn aus der Wohnung.

A.________ erkannte dabei an der klaren verbalen Kommunikation, dass C.________ keinen Anal-
verkehr und keine sexuellen Handlungen ohne Kondom wollte. Dennoch setzte er sich über deren 
Willen hinweg und rammte seinen Penis in den Anus von ihr, um seine sexuellen Bedürfnisse zu be-
friedigen. Ebenfalls war ihm bewusst, dass sie nach diesem Übergriff und den erlittenen Schmerzen 
keine weiteren sexuellen Handlungen mehr wollte. Er musste erkannt haben, dass sie faktisch aus-
serstande war, sich adäquat zur Wehr zu setzen und drang dennoch erneut ohne Kondom in sie ein, 
obwohl er die ablehnenden verbalen und nonverbalen Zeichen von C.________ erkannte. Dies erneut 
zur Befriedigung seines Lustempfindens. 

7. Anklagegrundsatz und Würdigungsvorbehalt

Die Vorinstanz hat in ihrer rechtlichen Subsumtion gestützt auf die Anklageschrift 
folgende Sachverhalte auf eine mögliche Tatbestandsmässigkeit untersucht:  

- anale Penetration: 
Sexuelle Nötigung (pag. 610 f.) 
ev. Vergewaltigung (pag. 612, zweitletzter Absatz)
ev. Schändung (pag. 615 f.)

- vaginaler Geschlechtsverkehr ohne Kondom: 
Sexuelle Nötigung (pag. 611) 
ev. Vergewaltigung (pag. 612)
ev. Schändung (pag. 617)

- versuchtes vaginales Eindringen mit den Fingern: 
Sexuelle Nötigung (pag. 611) 
ev. Vergewaltigung (pag. 612, zweitletzter Absatz)
ev. Schändung (pag. 617)

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- Anfassen am Anus: 
Sexuelle Nötigung (pag. 611) 
ev. Vergewaltigung (pag. 612, zweitletzter Absatz)
ev. Schändung (pag. 617)

Die Vorinstanz ist damit irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass alle in der An-
klageschrift beschriebenen, unliebsamen sexuellen Handlungen (Anfassen am 
Anus, anale Penetration, versuchtes vaginales Eindringen mit den Fingern und va-
ginaler Geschlechtsverkehr ohne Kondom) angeklagt und unter allen im Titel zum 
Sachverhalt erwähnten rechtlichen Tatbestandsvorwürfen zu prüfen seien. Sie ist 
somit von einer angeklagten Mehrfachbegehung sowohl der sexuellen Nötigung als 
auch der Vergewaltigung und der eventualiter aufgeführten Schändung ausgegan-
gen. Dennoch hat sie nach der Prüfung einen Freispruch «nur» für die jeweilige 
Einfachbegehung der angeklagten Tatbestände ausgefällt. 

Bereits aus dem Titel des Tatvorwurfs ergibt sich, dass die Anklagebehörde dem 
Beschuldigten lediglich eine einmalige sexuelle Nötigung und zusätzlich (für einen 
anderen Tatkomplex) lediglich eine einmalige Vergewaltigung, ev. Schändung zum 
Vorwurf macht. Hätte sie mit diesen beiden Tatbeständen mehrere Vorgänge an 
besagtem Abend belegen wollen, hätte sie alle drei Tatbestände in der Anklage als 
Eventualszenarien und zudem als «mehrfach begangen» bezeichnen müssen. 

Aus der Lektüre des nach dem Titel und den Eckpunkten folgenden, chronologisch 
beschriebenen Lebenssachverhalts geht hervor, dass der erste Absatz einver-
nehmliche sexuelle Handlungen umfasst, welche offensichtlich keine deliktische 
Färbung aufweisen und so auch nicht tatbestandsmässig sind. Sie dienen in der 
Anklageschrift der Aufklärung über die Vorgeschichte, welche letztendlich zu den 
Tatvorwürfen führte. Soweit im letzten Satz dieses Absatzes eine unerwünschte 
Berührung des Anus erwähnt wird, kann auch diese nicht als mitangeklagt erachtet 
werden, da keine weiteren Tatbestandsmerkmale dazu erwähnt werden (wie z.B. er 
setzte sich damit über ihren Willen hinweg). Zudem ist diese Handlung auch nicht 
in der Zusammenfassung der sachverhaltlich relevanten Tatvorwürfe im letzten Ab-
satz enthalten. 

Im zweiten Absatz folgt der sachverhaltlich klar als Vorwurf auszumachende Vorfall 
der Analpenetration. In diesem Vorwurf – und nur in diesem – findet sich die tatsa-
chenbasierte Grundlage zum ersten rechtlichen Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft, 
nämlich der sexuellen Nötigung gemäss Titel.

Im dritten Absatz folgt sodann die Beschreibung, wie es letztendlich zur erneuten 
vaginalen Penetration, diesmal ohne Kondom und von hinten kam. Dabei wird vor-
ab der Versuch des Beschuldigten erwähnt, zuerst mit den Fingern in die Scheide 
des Opfers einzudringen, worauf dieses sich fluchtartig ganz zur Wand hingelegt 
und ihm den Rücken zugedreht habe. Auch diese Handlung ist von der Anklage of-
fensichtlich nicht als eigenständiger Tatvorwurf mitumfasst, fehlt doch auch dort die 
Erwähnung weiterer Tatbestandsmerkmale sowie die Erwähnung dieses Vorfalls in 
der Zusammenfassung der sachverhaltlich relevanten Tatvorwürfe im letzten Ab-
satz. Der eigentliche Tatvorwurf des dritten Absatzes, nämlich der vaginale Ge-
schlechtsverkehr ohne Kondom gegen den Willen des Opfers, ergibt sich indessen 

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klar aus der staatsanwaltlichen Formulierung und bildet die einzige tatsachenba-
sierte Grundlage für den zweiten rechtlichen Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft, 
nämlich der Vergewaltigung, ev. Schändung. 

Letzte Unklarheiten werden schliesslich durch den vierten Absatz, das Fazit, besei-
tigt. Dort wird als tatbestandsmässig einzig der Analverkehr und der ungeschützte 
Vaginalverkehr erwähnt, unter Aufführung der jeweils dazugehörigen relevanten 
Indizien und Tatbestandselemente. Passend dazu wird im Titel «sexuelle Nöti-
gung» (bezogen auf den Analverkehr) und «Vergewaltigung, ev. Schändung» (be-
zogen auf den Vaginalverkehr) angeklagt. Aus dem Umstand, dass dabei nicht von 
Mehrfachbegehung die Rede ist und die beiden Tatbestände mit einem «und» ver-
bunden sind (statt mit einem «ev.»), geht klar hervor, dass die Staatsanwaltschaft 
den Vorwurf der sexuellen Nötigung nur auf den Analverkehr und jenen der Verge-
waltigung, ev. Schändung nur auf den Vaginalverkehr bezogen hat. Eine andere In-
terpretation (Prüfung aller erwähnter Handlungen auf alle Tatbestandsvorwürfe) 
verletzt das Anklageprinzip. 

Der gleichen Auffassung waren offensichtlich auch die Parteien, wie aus den Plä-
doyers hervorgeht. Die vorinstanzliche Staatsanwältin forderte letztendlich einen 
Schuldspruch der sexuellen Nötigung für den Analverkehr und einen solchen der 
Vergewaltigung für den Vaginalverkehr (pag. 536 f.). Die Vertretung der Privatklä-
gerin forderte ihrerseits einen Schuldspruch der sexuellen Nötigung für den Anal-
verkehr und einen solchen der Schändung für den Vaginalverkehr (pag. 538 f.). 
Oberinstanzlich beantragten indessen beide Parteien zunächst einen Schuldspruch 
der Schändung, mehrfach begangen, für den Anal- und den zweiten (ungeschütz-
ten) Vaginalverkehr (pag. 632 f. und 639 f.). 

Damit vorliegend auch der Analverkehr unter dem Tatbestand der Schändung ge-
prüft werden kann, ist das Anbringen eines entsprechenden Würdigungsvorbehalts 
nach Art. 344 StPO erforderlich. Ein solcher wurde im vorinstanzlichen Verfahren 
nicht angebracht und ist oberinstanzlich nachzuholen. Er wurde anlässlich der Be-
rufungsverhandlung vorfrageweise thematisiert und ohne Parteiopposition verfügt 
(pag. 743). 

8. Bestrittener / unbestrittener Sachverhalt 

Der Rahmensachverhalt inkl. Vorgeschichte zwischen den Parteien blieb unbestrit-
ten. Ebenfalls ist unbestritten, dass der Beschuldigte auf Einladung der Privatkläge-
rin bei dieser zu Hause war und es zuerst zu einvernehmlichem Geschlechtsver-
kehr kam. Auch ist unbestritten, dass es nach einer Pause auf dem Balkon zum 
zweiten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr kam. Ebenfalls herrscht Einigkeit 
darüber, dass die Privatklägerin den Beschuldigten aus ihrer Wohnung verwies, als 
sie feststellte, dass dieser sein Kondom nicht mehr trug, weil er dieses zuvor abge-
streift hatte.

Der Beschuldigte bestritt, der Privatklägerin während des ersten Geschlechtsver-
kehrs an den Anus gefasst zu haben, dass er die Privatklägerin gefragt habe, ob er 
anal in sie eindringen dürfe, dass der behauptete Analverkehr stattgefunden habe, 
dass er je ohne Kondom in sie eingedrungen sei und dass er sexuelle Handlungen 

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gegen ihren Willen vorgenommen habe. Insofern bestreitet er auch den dritten, hier 
relevanten vaginalen Geschlechtsverkehr. 

9. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung / Beweismittel

In Bezug auf die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung sowie bezüglich 
die vorhandenen Beweismittel kann auf die zutreffenden Erwägungen und Zusam-
menfassungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 581-582 sowie 584-596). 

Ergänzend ist daran zu erinnern, dass die Realkennzeichenanalyse nicht im Sinne 
einer Checkliste abgearbeitet werden kann, bei welcher einfach aufgezählt wird, 
wie viele Realkennzeichen in einer Aussage festgestellt wurden. Die inhaltlichen 
Merkmale erhalten ihre diagnostische Bedeutung vielmehr erst durch ein 
In-Beziehung-Setzen zu anderen diagnostischen Befunden. Die Relevanz eines 
Beweisstückes ist nicht von der Quantität des Materials abhängig, sondern von ei-
nem möglichst einmaligen und eindeutigen Informationsgehalt (HAAS, Kriminalistik 
10/2022, S. 569).

Was die oberinstanzlich neu erhobenen Beweismittel betrifft, wird auf eine vollstän-
dige Wiedergabe an dieser Stelle verzichtet. Ausführungen dazu folgen – soweit 
nötig – direkt im Rahmen der Beweiswürdigung.

10. Beweiswürdigung der Vorinstanz und der Kammer 

10.1 Würdigung der objektiven Beweismittel

Die Vorinstanz führte zu den objektiven Beweismitteln folgendes aus (pag. 596 f.): 
Vorliegend stehen die Aussagen der Beteiligten im Vordergrund. Sachbeweise gibt es fast keine. Dem 
Sprechstundenbericht lässt sich entnehmen, dass sich die Privatklägerin zwei Monate nach dem 
später angezeigten Vorfall einer gynäkologischen Kontrolle unterzogen hat, wobei sie der Ärztin er-
zählte, vergewaltigt worden zu sein. Aus den Testergebnissen auf Geschlechtskrankheiten, welche 
negativ ausfielen, lassen sich keine direkten Schlüsse auf das geschilderte Vorgehen ziehen. So lässt 
sich dadurch insbesondere der Vorwurf des ungeschützten vaginalen (und analen) Eindringens weder 
untermauern noch widerlegen.

Der durch die Privatklägerin eingereichte Kurzbericht von M.Sc. G.________ bestätigt, dass sie sich 
in psychotherapeutische Behandlung begeben hat. Zwar stützen sich die Einschätzungen der Psy-
chologin auf die Angaben der Privatklägerin, dennoch ist festzuhalten, dass aus fachlicher Sicht eine 
Therapie auch in Zukunft als notwendig erachtet wird. In Bezug auf die eigentlichen Beweisfragen re-
sp. den bestrittenen Sachverhalt vermag der Bericht jedoch keine direkten und belegten Anhaltspunk-
te zu liefern.

Dieser Würdigung kann sich die Kammer vorbehaltslos anschliessen. 

10.2 Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin

Die Vorinstanz würdigte die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin wie 
folgt (pag. 597-600): 
Die Privatklägerin hat in den jeweiligen Einvernahmen die wesentlichen Punkte konstant und struktur-
gleich widergegeben. Sie hat das Kerngeschehen jeweils gleichbleibend geschildert und es lassen 
sich keine unerklärlichen Widersprüche feststellen. Die Aussagen sind mit vielen Details versehen, 
wobei sie mehrere ausgefallene nebensächliche Angaben lieferte. In der zweiten polizeilichen Einver-
nahme ist jedoch eine leichte Aggravierungstendenz erkennbar. So gab die Privatklägerin bei der 
Schilderung der Vorfälle erst in der zweiten Einvernahme an, dass er mit Gewalt anal in sie einge-
drungen sei oder dass sie wegen den Schmerzen und dem Schock geweint habe, als sie aus dem 
Badezimmer gekommen sei (pag. 42 Z. 75 und Z. 76 f.). Auch führte sie erst dann aus, dass sie sein 

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Streicheln und Anfassen nach dem ungewollten analen Eindringen mit wenig wehren über sich erge-
hen lassen habe (pag. 43 Z. 144).

Als Realkennzeichen zu werten ist, dass die Privatklägerin wiederholt ihre emotionale Verfassung, ih-
re Wahrnehmungen und Gedanken in den verschiedenen Situationen und betreffend die jeweiligen 
geschilderten Vorfälle (anales Eindringen, versuchtes vaginales Eindringen mit Fingern, ungeschütz-
ter vaginaler Geschlechtsverkehr) beschrieb. So gab sie beispielsweise zu Protokoll, dass sie beim 
Gespräch auf dem Balkon, als er ihr gesagt habe, er habe ein Problem mit Pornografie – was akten-
kundig ist – in diesem Moment noch keine Angst vor ihm gehabt habe, sondern eher Mitleid (pag. 35 
Z. 204 ff.). Ihre Aussagen sind in weiten Teilen sehr authentisch und anschaulich. Sie versetzte sich 
mehrmals in die Lage des Beschuldigten hinein und suchte Erklärungen für sein Verhalten oder schil-
derte, wie er reagiert hat. So sagte sie aus, dass sie denke, dass er um den Höhepunkt zu erreichen, 
anal habe in sie eindringen müssen und es sei ihm egal gewesen, was das mit ihr mache (pag. 37 
Z. 269 ff.). Auch ihre Schilderungen in Bezug auf ihre Verfassung, als sie ins Zimmer zurückgekehrt 
sei und er angefangen habe, sie zu berühren (pag. 36 Z. 223 ff.) sind äusserst authentisch. Aus Sicht 
des Gerichts ist es kaum möglich, eine solche Schilderung zu erfinden.

Auffallend ist im Weiteren, dass die Privatklägerin insbesondere über die gesamte erste Einvernahme 
hinweg immer wieder Gespräche wiedergegeben hat. So beispielsweise als sie und der Beschuldigte 
über die Verhütung gesprochen haben. Sie beschrieb hierbei nicht nur seine nonverbalen Reaktionen 
(Augen verdrehen, Kopf verwerfen), sondern auch, was sie ihm sagte und was er antwortete 
(«Er müsse ja nicht in ihr kommen», pag. 35 Z. 178 ff.). Auch betreffend seinen geäusserten Wunsch 
nach Analverkehr schilderte die Privatklägerin, was der jeweilige Beteiligte sagte (pag. 35 Z. 212 ff.). 
Diese Widergabe von Gesprächen, welche sich zu allen geschilderten Vorfällen finden, sprechen 
dafür, dass die Privatklägerin tatsächlich Erlebtes schildert.

Aus den Aussagen der Privatklägerin geht zudem anschaulich hervor, dass sie auf ein Kondom be-
standen hat und dass ihr dies sehr wichtig war. Sie erklärte auch, dass die Kondome von ihr waren. 
Dies spricht für sie. So gingen beide unbestrittenermassen davon aus, dass sie Sex haben würden, 
dennoch ging er ohne Kondom zu ihr. Es ist insgesamt logisch und wirklichkeitsnah, dass sie so ve-
hement auf ein Kondom bestanden hat.

Die Privatklägerin belastete den Beschuldigten – zumindest in der ersten Einvernahme – nicht über-
mässig. So gibt sie an, dass sie das anale Eindringen in diesem Moment wohl noch als ehrlichen Feh-
ler von ihm gesehen habe (pag. 36 Z. 219 f.). Zudem sagte sie aus, dass er mit den Berührungen am 
Anus sofort aufgehört habe, als sie ihn dazu aufgefordert habe (pag. 35 Z. 194 ff.). Auch beschrieb sie 
den ungewollten Analverkehr nicht als besonders lange. Im Gegenteil, sie führte aus, dass dieser nur 
ca. 1-2 Sekunden gedauert habe (pag. 37 Z. 266 f.). An anderer Stelle gibt sie an, dass sie nach der 
Rückkehr aus dem Badezimmer zwar schon nein gesagt habe, aber irgendwie nicht so, dass es bei 
ihm angekommen sei. Oder er habe es einfach nicht ernst genommen, weil sie immer noch feucht 
gewesen sei (pag. 36 Z. 226 ff.). Hätte die Privatklägerin tatsächlich die Unwahrheit erzählt oder dem 
Beschuldigten etwas anzuhängen versucht, hätte sie solche Aussagen nicht gemacht.

Ferner ist festzuhalten, dass ihre Aussagen nicht zielgerichtet erfolgt sind. Sie hat von Beginn an und 
anschliessend auch durchwegs angegeben, dass die Initiative zum Treffen von ihr ausgegangen ist, 
dass sie den ersten und grundsätzlich auch den zweiten Geschlechtsverkehr (abgesehen vom analen 
Eindringen) wollte und auch, dass sie sich von ihm trösten lassen wollte. Sie hat stets ihre eigenen 
Handlungen widergegeben und sich teilweise auch selbst belastet resp. den Beschuldigten entlastet. 
So korrigierte sie sich auch dahingehend, dass sie Gras und nicht Zigaretten geraucht haben (pag. 37 
Z. 310 ff.).

In den Aussagen der Privatklägerin finden sich zwar in Bezug auf die Angabe, von wem die Initiative 
zum zweiten Geschlechtsverkehr kam, geringe Abweichungen. So gab sie einmal an, dass sie ihn 
diesbezüglich angesprochen habe, danach, dass er dies gewollt habe und schlussendlich, dass sie 
beschlossen hätten, nochmals Geschlechtsverkehr zu haben. Es ist jedoch nicht weiter verwunder-
lich, dass die Privatklägerin dieses Detail nicht mehr genau wusste resp. nicht immer gleich widerge-
geben hat. Aus ihren Aussagen lässt sich schliessen, dass beide Personen damit einverstanden wa-
ren, nochmals Geschlechtsverkehr zu haben. Von wem die Initiative hierzu nun tatsächlich ausging, 
ist irrelevant. Es ist denn auch nachvollziehbar, dass der Privatklägerin dies nicht mehr vollständig 
präsent ist. Da auch sie den zweiten Geschlechtsverkehr wollte, dürften ihr die Modalitäten des Be-

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ginns nicht nachteilig in Erinnerung geblieben sein. Abschliessend kann das Gericht in dieser minima-
len Abweichung keinen echten Widerspruch erkennen.

Auch die Erklärung der Privatklägerin, weshalb sie erst zwei Monate nach dem Vorfall zum Arzt ge-
gangen ist, erscheint plausibel. Es ist nachvollziehbar und realitätsnah, dass sie zunächst verstehen 
musste, was vor sich ging. Schliesslich hatte sie den Beschuldigten eingeladen und einvernehmlich 
mit ihm Sex gehabt. Der Umstand, dass er sich über ihr nein hinwegsetzte, musste sie wohl zuerst 
verarbeiten und einordnen. Zudem ist die Dunkelziffer von sexueller Gewalt in der Schweiz sehr hoch 
(vgl. z.B. Studie von Amnesty International vom Mai 2019 «Sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt 
an Frauen sind in der Schweiz verbreitet», gemäss der sich nur 11% der Betroffenen an eine Bera-
tungsstelle wenden und nur 10% eine Meldung bei der Polizei machten; der Grossteil der Betroffenen 
sprach mit Freundinnen und Personen aus dem Umfeld und etwa die Hälfte behielt den Vorfall für 
sich). Dementsprechend ist das Verhalten der Privatklägerin, dass sie den Vorfall zuerst mit ihren 
Freunden besprach und danach – aus Angst vor einer Krankheit – zur Frauenärztin und erst auf gutes 
Zureden der Ärztin hin dann zur Opferberatungsstelle und im Anschluss zur Polizei ging, nachvoll-
ziehbar, plausibel und deckt sich mit dem Verhalten von anderen Betroffenen.

Schliesslich ist das geschilderte Verhalten der Privatklägerin nach dem ersten analen Eindringen als 
durchaus speziell einzustufen und ist damit so glaubhaft, weil sie eine erlebte Situation widergibt. Je-
mand, der etwas erfindet, würde das Ganze anders schildern. Es ist auch nachvollziehbar, dass sie 
sich nicht sofort gegen seine Berührungen und Annäherungen zur Wehr setzte. In einer solchen Si-
tuation ist natürlicherweise die Grenze zwischen dem, was für beide Beteiligte in Ordnung ist und was 
nur für einen der Beiden, nicht klar. Sie kannten sich zuvor nicht und dennoch hatte sie Vertrauen zu 
ihm, sonst hätte sie ihn nicht zu sich nach Hause eingeladen. Sie konnte dann aber, als sie merkte, 
dass er ihren Willen nicht respektierte und sie überging, zuerst nicht reagieren, weil sie nicht wusste 
wie resp. ihre Grenze nicht genau klar waren oder ihr in der Situation nicht bewusst war, ob er ihre 
Grenze tatsächlich so missachten würde. Erst, als sie feststellte, dass er kein Kondom trug – etwas, 
dass sie ihm zuvor mitgeteilt hatte, dass es ihr sehr wichtig ist – konnte sie sich wehren. Ihr Verhalten 
lässt sich auch durch die Gesamtsituation erklären. Es war nicht einfach ein Unbekannter oder ein ihr 
sehr naher Mensch, sondern jemand, den sie erst gleichentags kennengelernt hatte, aber sich schon 
vertieft mit ihm ausgetauscht hatte (langer Spaziergang, Gespräche). Somit ist es menschlich und 
nachvollziehbar, dass sie zuerst dachte, er habe einen ehrlichen Fehler gemacht und auch, wie sie 
zunächst reagierte mit den «mhms» statt deutlich, klar und laut nein zu sagen. Sie ging nicht davon 
aus, dass er eine solche Grenze überschreiten würde.

Nach dem Gesagten erachtet das Gericht die Aussagen der Privatklägerin in Bezug auf den Ablauf 
der geschilderten Vorgänge und damit insbesondere im Kern als glaubhaft. Aufgrund der leichten 
Aggravierungen und der Tatsache, dass die Aussagen der ersten Einvernahme am tatnächsten sind, 
ist auf ihre ersten Aussagen abzustellen.

Dieser Würdigung kann sich die Kammer teilweise anschliessen. Es fällt insgesamt 
auf, dass die Privatklägerin sehr differenziert und präzise erklären kann, dass sie 
insbesondere auch ihren Gefühlen und ihrem inneren Erleben mit bildhafter Be-
schreibung nachvollziehbaren Inhalt verleihen kann. Die Aussagen der Privatkläge-
rin waren sowohl bei der Polizei als auch bei der Vorinstanz in ihrer Chronologie 
deckungsgleich, in sich stimmig, den Beschuldigten nicht unnötig belastend, lo-
gisch, konsistent ausserordentlich differenziert, emotional adäquat, erlebnisper-
spektivisch und insgesamt stringent. Die Einvernahmeprotokolle dokumentieren 
eindrücklich eine aussergewöhnlich hohe Aussagequalität. 

Wie bereits vor erster Instanz (pag. 540) brachte die Verteidigung oberinstanzlich 
vor, den Aussagen der Privatklägerin fehle es an emotionaler Färbung (pag. 761). 
Diesem Einwand ist entgegenzuhalten, dass die Privatklägerin sowohl in früheren 
Einvernahmen als auch in der Berufungsverhandlung die von ihr während und nach 
dem Vorfall erlebten Gefühle und inneren Vorgänge in beeindruckender Weise 
dargelegt hat. Aus den nachfolgenden, beispielhaften Aussagen der Privatklägerin 
geht dies besonders hervor: In der Berufungsverhandlung führte sie auf Frage, was 

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in den Sekunden nach der Analpenetration in ihr vorgegangen sei, aus, es sei ein 
Gefühl gewesen, dass etwas passiert sei, was in ihrer Realität, so wie sie sich die 
Welt vorstelle, nicht hätte passieren können und sollen. Dann sei es halt trotzdem 
passiert und sie habe sich selbst gefragt, ob sie spinne bzw. ob das wirklich pas-
siert sei. In dieser Zeit habe die Welt keinen Sinn gemacht und sie habe sich in der 
Realität nicht mehr zurechtfinden können. Sie habe nicht glauben können, dass 
dies in dem Moment passiert sei. Es habe einfach nicht wahr sein können 
(pag. 747 Z. 30 ff.). Bis zu dem Vorfall sei es für sie unvorstellbar gewesen, dass 
jemand ihr mutwillig weh tun würde, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. 
Es sei sehr lange gegangen, bis sie habe akzeptieren können, dass solche Sachen 
existieren würden und dass man mit sowas rechnen müsse (pag. 749 Z. 24 ff.). Bei 
der Vorinstanz gab sie auf Frage, weshalb sie das anale Eindringen zunächst als 
«ehrlichen Fehler» des Beschuldigten und damit als Versehen angesehen habe, 
begründend zu Protokoll, also das habe sie damit nicht gemeint. Es sei auf jeden 
Fall kein Versehen gewesen. Er habe sie mindestens drei Mal gefragt, ob er anal 
eindringen dürfe und sie habe jedes Mal sehr klar nein gesagt und er habe es doch 
gemacht. Ein Teil ihres Verarbeitungsprozesses sei dann einfach gewesen, und sie 
glaube, dies sei oft so in solchen Fällen, dass sie es in diesem Moment einfach 
nicht habe wahrhaben wollen, dass jemand so etwas böswillig machen würde. Sie 
habe ihn damit fast etwas in Schutz genommen, obwohl sie wisse, dass das ein 
Schutzmechanismus von ihr sei. Sie würde heute nicht mehr hinter dieser Aussage 
stehen. Es sei bewusst gewesen (pag. 527 Z. 17 ff.). Zu ihrer momentanen, allge-
meinen Verfassung führte sie an der Berufungsverhandlung aus, das Hirn sei ja 
auch recht gut darauf ausgerichtet, dass man solche Geschichten irgendwann mal 
verdrängen könne. Aber es habe in ihr den Stress ausgelöst, dass sie diese Schub-
lade jetzt wieder öffnen müsse. Und die Angst davor, wie lange es gehen werde, 
bis sie diese dann wieder zumachen könne. Das sei es, was in ihr im Moment sehr 
viel Stress auslöse (pag. 746 Z. 21 ff.). Nebst der Fähigkeit der Privatklägerin, ihre 
Gefühle differenziert und selbstreflektiert zu verbalisieren und damit dem Zuhörer 
genauestens vermitteln zu können, was in ihr vorgeht resp. vorging, zeigen diese 
Beispiele auch eine besondere emotionale Reife und vermitteln einen hohen Grad 
an Authentizität des Erlebten. Überdies kann in diesem Punkt auch auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 597). 

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Privatklägerin den Beschuldigten nicht 
übermässig belastete und es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass sie den Beschul-
digten zu Unrecht belasten würde; selbst der Verteidiger des Beschuldigten räumte 
in seinem oberinstanzlichen Plädoyer ein, er gehe nicht davon aus, dass die Pri-
vatklägerin etwas vortäusche oder vorlüge (pag. 761). Gegen eine mögliche 
Falschbelastung spricht sodann auch der Umstand, dass die Privatklägerin sowohl 
in früheren Einvernahmen (pag. 526 Z. 19 und 527 Z. 39) als auch anlässlich der 
oberinstanzlichen Verhandlung – entgegen dem Vorbringen der Verteidigung 
(pag. 761) – Erinnerungslücken eingestand (pag. 747 Z. 11, 21, 27 f. und 39). Bei-
spielhaft dafür ist die Aussage der Privatklägerin an der Berufungsverhandlung, 
wonach sie nicht [mehr] beantworten könne, ob der Beschuldigte anal zum Orgas-
mus gekommen sei (pag. 747 Z. 11). Für die Privatklägerin wäre es ein Leichtes 
gewesen, den Beschuldigten in diesem Punkt unnötig zu belasten. Sie führte so-

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dann auf Frage, ob sie zwischen der Analpenetration und ihrer Flucht ins Bade-
zimmer etwas zum Beschuldigten gesagt habe, aus: «Ich muss ehrlich sein, das 
weiss ich nicht mehr. Ich wollte meine früheren Aussagen nicht noch einmal durch-
lesen und in meinem Hirn habe ich sie nicht mehr» (pag. 747 Z. 39 f.). Daraus geht 
hervor, dass der Privatklägerin auch ein zielgerichtetes und taktisches Aussage-
verhalten nicht ferner sein könnte. 

Anders als die Vorinstanz würdigt die Kammer die Aussagen der Privatklägerin je-
doch betreffend Art und Weise des analen Eindringens. Bei der ersten Einvernah-
me sagte sie dazu in einer einleitenden freien, chronologischen, relativ kurzen 
Schilderung der Ereignisse, sie hätten nach dem Reinkommen vom Balkon dann 
wieder angefangen und er habe sie gefragt, ob er in sie reinkommen dürfe, also ob 
er seinen Penis in ihren Anus tun dürfe. Sie habe nein gesagt. Er habe sie noch 
einmal gefragt und sie habe noch einmal lauter nein gesagt. Dann habe er es ein-
fach ganz fest gemacht. Und sie habe vor lauter Schmerz aufgeschrien. Sie habe 
ihn von sich weggestossen und sei auf die Toilette gegangen. Es habe geblutet 
und sie habe Schmerzen gehabt. Und im Nachhinein wisse sie auch, dass es 
Sperma gewesen sei, was aus ihr herausgekommen sei. Und dann… Das Protokoll 
zeigt an dieser Stelle, dass die Privatklägerin weint (pag. 32 Z. 47 ff.). Weiter sagte 
sie bei nochmaliger Schilderung dieses Vorfalls aus, sie habe nicht gewusst, was 
er in diesem Moment gedacht habe, auf jeden Fall habe er es [Anm. Eindringen in 
den Anus] dann trotzdem gemacht. Es habe ihr so weh getan. Sie habe einfach in 
diesem Moment geschrien (pag. 36 Z. 215 ff.). Später sagte sie hinsichtlich der 
Dauer des Analverkehrs aus, dieser sei nur ca. 1-2 Sekunden gegangen, weil er 
ziemlich gerammt habe. In der Sekunde, in welcher er eingedrungen sei, habe es 
auch sofort brutal weh getan (pag. 37 Z. 265 ff.). 

In ihrer zweiten Aussage führte sie dazu aus, er habe sie in der Doggyposition ge-
fragt, ob er Analsex mit ihr haben könne. Sie habe nein gesagt. Dann habe er sie 
erneut gefragt und sie habe noch klarer nein gesagt. Dann habe er es einfach ge-
macht. Und zwar mit Gewalt. Dann sei sie ins Bad gegangen und habe Blut und 
Sperma gefunden. Sie sei dann zurückgegangen und habe geweint wegen den 
Schmerzen und dem Schock (pag. 42 Z. 73 ff.). 

Die Vorinstanz hat die Privatklägerin zu diesem Thema nicht befragt. In der Beru-
fungsverhandlung bestätigte die Privatklägerin, der Beschuldigte sei beim Vollzug 
des Analverkehrs mit voller Kraft, also gewaltsam und zudem ruckartig in sie ein-
gedrungen (pag. 746 Z. 44). Sie bestätigte ausserdem auf Vorhalt ihre frühere 
Aussage, wonach er den Penis anal richtiggehend in sie reingerammt habe 
(pag. 747 Z. 3). Ergänzend führte sie aus, ein solches Eindringen tue extrem weh, 
sie habe geschrien (pag. 747 Z. 7). 

Insgesamt ist für die Kammer in diesen Aussagen der Privatklägerin keine Aggra-
vierungstendenz ersichtlich. Bereits in der ersten Aussage hat sie klar und präzise 
ausgesagt, dass der Beschuldigte die Analpenetration trotz ihrem Nein dann ein-
fach ganz fest gemacht habe und sie vor lauter Schmerzen geschrien habe. Es sei 
nur 1-2 Sekunden gegangen, weil er ziemlich gerammt habe. Es habe beim Ein-
dringen auch sofort brutal geschmerzt. Es habe so weh getan und sie habe einfach 
in diesem Moment geschrien. Diese Aussagen, insbesondere in Kombination mit 

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dem schmerzhaften Aufschreien, stehen den zweiten Aussagen in nichts nach. Be-
reits aus den Erstaussagen muss angesichts der unmittelbaren Schmerzen, dem 
beschriebenen Rammen und ihrem Aufschreien gelesen werden, dass der Be-
schuldigte bei der Analpenetration gewaltsam vorgegangen ist. Anders wäre denn 
ein vollständiges anales Eindringen innerhalb von 1-2 Sekunden mit grossen 
Schmerzen und anschliessendem Blut- und Flüssigkeitsausfluss aus dem After 
denn auch gar nicht zu erklären. Hinzu kommt, dass dieses bereits anfängliche 
Empfinden von Gewalt durch die Zeugenaussage von I.________ (nachfolgend: 
Zeugin I.________) untermauert wird, welche der Vorinstanz gegenüber in freier 
Erzählung angab, die Privatklägerin habe ihr noch am Abend des Vorfalls erzählt, 
der Beschuldigte sei gewaltsam in ihren Anus eingedrungen (pag. 521 Z. 27). Die 
spätere Angabe der Privatklägerin in ihrer Zweitaussage, dass er es dann einfach 
gemacht habe und zwar mit Gewalt, ist somit weder eine Aggravierung ihrer 
Erstaussagen noch sonst ein Widerspruch zu früheren Aussagen. Sodann weisen 
auch die neusten Aussagen der Privatklägerin zu dieser Thematik keine Aggravie-
rungstendenzen gegenüber ihrer Erst- und Zweitaussage auf, zumal sie im We-
sentlichen ihre vorherigen Aussagen bestätigte. Hervorzuheben ist, dass sie erneut 
zu Protokoll gab, es habe ihr extrem wehgetan und sie habe geschrien. Diese Ele-
mente, welche bezeichnend für das gewaltsame Eindringen sind, gab die Privat-
klägerin somit in jeder Einvernahme an. 

Gleiches gilt auch für die Ergänzung in der zweiten Einvernahme, dass sie, als sie 
aus dem Badezimmer gekommen sei, vor Schmerzen und Schock geweint habe. 
Bereits bei der ersten Einvernahme sprach sie von Schmerzen. Bezeichnend ist 
auch, dass sie genau am Punkt, als es um den Übergang von der Toilette zurück 
zum Bett ging, in der Befragung zu weinen begann. Dass sie das Weinen vor Ort 
danach nicht (mehr) erwähnte, ist nachvollziehbar. Ebenfalls nachvollziehbar und 
fast auf der Hand liegend ist, dass sie, nachdem sie vor Schmerzen aufgeschrien 
hatte, im Badezimmer Blut und Flüssigkeit aus dem After feststellte, zurückkam, 
sich mit dem Kopf in den Händen bäuchlings aufs Bett legte und zu begreifen ver-
suchte, was gerade geschehen war (pag. 32 Z. 54 ff.) im Schockzustand war und 
weinte. Dass sie anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlungen nicht mehr genau 
sagen konnte, wann und ob sie angefangen habe zu weinen, trüben die vorherigen 
Aussagen der Privatklägerin nicht. Aufgrund der mittlerweile vergangenen Zeitdau-
er von rund vier Jahren erscheint es nachvollziehbar, dass sie sich nicht mehr an 
alle Details zu erinnern vermag. Hingegen sagte sie übereinstimmend aus, dass sie 
mit dem Kopf in den Händen vergraben auf ihrem Bett gelegen habe (pag. 748 
Z. 25 ff.). Es geht auch aus diesen Aussagen klarerweise keine Aggravierungsten-
denz hervor. Somit kann auch in diesem Punkt gesamthaft und vorbehaltslos auf 
alle ihre Aussagen – nicht nur auf die Erstaussagen – abgestellt werden. 

Auch die Erklärung bei der zweiten Befragung, dass sie sein Streicheln und Anfas-
sen nach dem ungewollten analen Eindringen mit wenig Wehren über sich habe 
ergehen lassen, ist in keiner Weise eine Aggravierung gegenüber der Erstaussage. 
Bereits anlässlich der Erstaussage legte sie auf sehr differenzierte Weise dar, dass 
seine Berührungen ihr vorgekommen seien, wie eine Entschuldigung, sie habe ge-
tröstet werden wollen, weshalb das Anfassen ihrem Körper auch gefallen habe, 
dass es sich in dem Moment, nämlich als es wieder sexuell wurde, aber nicht gut 

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angefühlt habe (pag. 36 Z. 222 ff.). Damit stehen auch in diesem Punkt die 
Erstaussagen den Zweitaussagen in nichts nach, zumal sie in der Zweitaussage 
angesichts der detaillierten Erstaussagen erlaubterweise pauschalisieren durfte. 

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass es sich bei der Aussagewürdigung nicht 
um einen naturwissenschaftlichen Vorgang handelt, bei dem einzelne Worte und 
Sätze aus dem Zusammenhang genommen und als mathematische Quantifizie-
rungen gegen andere Worte und Sätze abgewogen werden können. Vielmehr gilt 
es, den Sinn einer Aussage im Rahmen des Gesamtkontextes zu eruieren und die-
sen vor dem Hintergrund der Motivlage und der Aussagechronologie auf den 
Wahrheitsgehalt und seine Zweckausrichtung zu prüfen. Hinzu kommt vorliegend, 
dass es sich bei den Aussagen der Privatklägerin ohnehin nicht – wie bspw. bei ei-
ner Erstbefragung wenige Stunden nach einem Erlebnis – um die frischesten und 
ungetrübtesten Erinnerungen unmittelbar nach einer Tat handelte. Ihre Aussagen 
erfolgten erst fast vier Monate nach dem Vorfall, die Zweitaussage hingegen nur 
etwas mehr als einen Monat nach der Erstaussage. Ihren Aussagen vom 30. Sep-
tember 2020 kommt somit bereits aus diesem Grund kein klassischer Erstaussage-
charakter dergestalt zu, dass im Zweifelsfalle – und wenn denn tatsächlich Wider-
sprüche vorliegen würden – tendenziell eher auf diese abzustellen wäre. 

Sodann warf auch die Verteidigung anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
auf, dass sich in den Aussagen der Privatklägerin gewisse Aggravierungstenden-
zen erkennen lassen würden (pag. 761). Die Privatklägerin habe in der ersten poli-
zeilichen Einvernahme ausgesagt, dass sie nach der Pause auf dem Balkon den 
Beschuldigten direkt gefragt habe, ob sie nochmals «vögeln» wollen (pag. 35 
Z. 206 ff.), während sie in der zweiten Einvernahme ausgesagt habe, er habe noch 
einmal Sex gewollt (pag. 42 Z. 72 f.). Vor- und oberinstanzlich wurde die Privatklä-
gerin zu dieser Thematik nicht befragt. Es ist festzuhalten, dass in diesem Punkt 
die Erst- und Zweitaussagen der Privatklägerin tatsächlich voneinander abweichen. 
Diese Aussagen beziehen sich jedoch nicht auf den bestrittenen Kernsachverhalt, 
sondern betreffen vielmehr einen isolierten Zeitpunkt des unbestrittenen Rahmen-
geschehens und tragen somit nicht zur Erstellung des Kernsachverhalts bei. Über-
dies vermag dieser minime Widerspruch die restlichen (sehr) glaubhaften Aussa-
gen von vornherein nicht in Zweifel zu ziehen. Es kann zu diesem Vorbringen der 
Verteidigung zudem auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (pag. 598 f.). 

Weiter monierte die Verteidigung, es sei speziell, dass die Privatklägerin erst nach 
rund zweieinhalb Monaten zur gynäkologischen Untersuchung in Zürich gegangen 
sei und erst rund drei Monate nach dem Vorfall Anzeige erstattet habe. Schliesslich 
habe die Privatklägerin kurz nach dem Vorfall zwei Zeugen vom Geschehenen er-
zählen können und sei daher offenbar bereits damals in der Lage gewesen über 
das Geschehene zu sprechen. Folglich hätte sie doch in diesem Zeitpunkt zur Poli-
zei oder zumindest zur Opferberatung gehen müssen, wenn das Geschehene doch 
so schlimm gewesen sei (pag. 760 und 763). Nach Ansicht der Kammer lässt sich 
aus diesem Verhalten der Privatklägerin nichts ableiten, was ihre Aussagenqualität 
in Frage stellen oder auf eine mögliche Falschbelastung hinweisen würde. Mit der 
Vorinstanz ist festzuhalten (pag. 599), dass es sich beim Zuwarten eher gerade um 

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ein typisches Opferverhalten handelt. Es ist ausserdem nicht zu vergleichen, ob 
sich die Privatklägerin dazu bereit fühlt, sich über das Vorgefallene gegenüber en-
gen Bezugspersonen zu öffnen oder ob sie den Mut aufbringt, einerseits den Be-
schuldigten gegenüber der Polizei einer (schweren) Straftat zu bezichtigen und an-
dererseits auch sich selbst dem Strafverfahren auszusetzen. Die Privatklägerin hat 
im Weiteren nachvollziehbare Gründe für ihr Zuwarten angegeben. So habe sie 
sich aus Selbstschutz und aufgrund der Annahme, dass es sowieso nichts bringe 
und das Geschehene nicht ungeschehen mache, zunächst gegen eine Anzeige 
entschieden. Nachdem sie jedoch mit einem Freund über Geschlechtskrankheiten 
gesprochen habe, sei sie aus Angst vor einer Ansteckung zur Frauenärztin gegan-
gen. Erst die Reaktion der Frauenärztin auf das Geschehene habe sie schlussend-
lich davon überzeugt, gegen den Beschuldigten Anzeige zu erstatten (pag. 34 
Z. 148 ff., 46 Z. 292 ff. und 530 Z. 13 ff.). Diese Ausführungen erscheinen plausibel 
und zeigen insbesondere auf, dass sich die Privatklägerin zwar aus nachvollzieh-
baren Gründen zunächst nicht zur Anzeigeerstattung durchringen konnte, aber sich 
bereits mit der Thematik auseinandergesetzt hatte. Mögliche Rückschlüsse auf den 
Schweregrad der Tat des Beschuldigten lässt dieses Verhalten nicht zu. 

Insgesamt kann somit in allen Punkten auf die Aussagen der Privatklägerin abge-
stellt werden. 

10.3 Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten 

Die Vorinstanz würdigte die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten wie 
folgt (pag. 600-603): 
Der Beschuldigte bestritt zu Beginn seiner ersten Einvernahme pauschal die Vorwürfe und gab an, 
dass er die Privatklägerin nicht kenne und noch nie an der besagten Adresse gewesen sei. Erst nach 
der Besprechung mit seinem damaligen Verteidiger schilderte er die Geschehnisse aus seiner Sicht, 
wobei er jedoch sehr vage blieb.

Anlässlich der zweiten Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft gab der Beschuldigte einleitend an, 
dass er aufgrund der Einnahme von Medikamenten einen Gedächtnisverlust erlitten habe (pag. 23 
Z. 89 ff.). Diese Angabe steht jedoch in einem gewissen Widerspruch zu seinem bisherigen und auch 
nachfolgenden Aussageverhalten. Zwar hat er in der ersten Einvernahme oft geantwortet, er erinnere 
sich nicht. Dennoch stritt er sofort ab, am Anus der Privatklägerin gefingert zu haben (pag. 12 Z. 107 
ff.) und konnte sofort angeben, in welchen Positionen sie Sex hatten (pag. 13 Z. 152 f.). Auch weiss er 
in der zweiten Einvernahme viel und detailreich zu berichten, was aus seiner Sicht geschehen ist. 
Dies erstaunt, sollte er tatsächlich einen Gedächtnisverlust erlitten haben. In diesem Falle wäre viel-
mehr zu erwarten, dass er kaum Angaben zu den Geschehnissen machen könnte. Schliesslich ist 
nicht nachvollziehbar, weshalb er den geltend gemachten Gedächtnisverlust nicht bereits in der ers-
ten Einvernahme erwähnte.

Im Weiteren lässt der Umstand aufhorchen, dass der Beschuldigte an die zweite Einvernahme Noti-
zen mitnahm, mit welchen er sich vorbereitet haben will. Seine Aussagen sind nun auch deutlich um-
fangreicher und detaillierter als bei der ersten Einvernahme. Die Detailgenauigkeit und die Nennung 
ausgefallener Nebensächlichkeiten könnten damit grundsätzlich als Realkennzeichen gewertet wer-
den. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass das gezeigte Verhalten des Beschuldigten – er erinnert 
sich auf einmal an viele Details, konnte dies jedoch an der tatnäheren ersten Einvernahme nicht – er-
innerungspsychologischen Gesetzmässigkeiten widerspricht. Ebenfalls ist nicht nachvollziehbar, wes-
halb er diese umfangreichen Schilderungen und Beschreibungen nicht bereits in der ersten Einver-
nahme machte, wenn er sich ja offenbar daran erinnert und aus seiner Sicht nichts Unrechtes – mit 
Ausnahme des Abziehens des Kondoms, was er auch bereits in der ersten Einvernahme eingestand 
– und nie etwas gegen den Willen der Privatklägerin getan hat. Hätte er tatsächlich einen Gedächtnis-
verlust erlitten, würde er sich an der zweiten Einvernahme nicht an die vielen Details und Nebensäch-
lichkeiten erinnern können. Der Umstand, dass der Beschuldigte erst an der zweiten Einvernahme 

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solch ausführlichen Aussagen machte, lässt deshalb insgesamt den Verdacht aufkommen, dass seine 
diesbezüglichen Angaben konstruiert sein könnten, zumal er zu diesem Zeitpunkt die Aussagen der 
Privatklägerin gekannt haben dürfte und sogar Notizen zur Einvernahme mitnahm. Vor diesem Hin-
tergrund lassen die umfangreichen und detailreichen Aussagen des Beschuldigten (noch) keinen 
Rückschluss auf deren Glaubhaftigkeit zu.

Auffallend ist, dass der Beschuldigte im Laufe der Einvernahmen immer mehr erzählte und zusätzli-
che Angaben machte. Selbst innerhalb der zweiten Einvernahme lieferte er beispielsweise bei der 
Beschreibung des zweiten Geschlechtsverkehrs laufend neue Details. So gab er bei der zweiten 
Schilderung auf einmal neu an, dass er in der Löffelposition in die Privatklägerin eingedrungen sei 
(pag. 27 Z. 242 f.) und dass, nachdem er das Kondom ausgezogen habe, weiter mit ihr gespielt habe 
(pag. 27 Z. 243 f.). Hierbei stellt sich vorab die Frage, wie er mit ihr gespielt hat. Ist er beispielsweise 
mit dem Finger in sie eingedrungen, so wie es die Privatklägerin schilderte? Die Aussagen des Be-
schuldigten liefern hierzu jedoch keine weiteren Hinweise. Es bleibt insgesamt fraglich, weshalb der 
Beschuldigte nicht bereits bei seinen ersten detaillierten Schilderungen alle Angaben lieferte, sondern 
erst nach und nach weitere und zusätzliche Beschreibungen machte. Dies auch unter dem Aspekt, 
dass er sich zumindest auf die zweite Einvernahme offenbar vorbereitet hat und damit die Gescheh-
nisse wohl noch einmal durchgegangen ist, weshalb ihm der Ablauf eigentlich von Beginn an präsent 
hätte sein dürfen.

In den Aussagen des Beschuldigten sind im Weiteren mehrere Widersprüche, Ungereimtheiten und 
auch wahrheitswidrige Angaben festzustellen. So sagte er in der ersten Einvernahme beispielsweise 
aus, dass sie in der Missionarsstellung, von hinten und von der Seite Geschlechtsverkehr gehabt hät-
ten (pag. 13 Z. 152 f.), in der zweiten Einvernahme erwähnte er die Hündchenstellung nicht mehr. An-
lässlich der Hauptverhandlung sagte er zudem – entgegen seinen bisherigen Aussagen – aus, dass 
sie den Geschlechtsverkehr erst gehabt hätten, nachdem sie auf dem Balkon den Joint geraucht hät-
ten (pag. 533 Z. 30 f.) und dass sie in der Missionarsstellung gewesen seien, als er das Kondom ab-
gezogen habe (pag. 533 Z. 27 f.). Es erschliesst sich dabei nicht, wie er in dieser Position das Kon-
dom hätte abziehen sollen, ohne dass es die Privatklägerin sofort bemerkt hätte. Diese Schilderung 
des Beschuldigten erscheint somit nicht schlüssig. Die Abweichungen lassen sich auch nicht (alleine) 
damit erklären, dass der Vorfall lange her ist und dies für den Beschuldigten keine wahnsinnig aufre-
gende Sache gewesen sein soll, woran er sich noch gut erinnern könne, wie dies Fürsprecher Dr. 
B.________ in seinem Plädoyer ausführt. So konnte sich der Beschuldigte an der staatsanwaltlichen 
Einvernahme und damit rund acht Monate nach den Geschehnissen noch sehr gut an den Vorfall er-
innern, zumindest lieferte er umfang- und detailreiche Angaben.

Auch andere Aussagen des Beschuldigten werfen Fragen auf und erscheinen unlogisch. So gibt er 
beispielsweise an, etwas Blödes gemacht zu haben, da er das Kondom abgenommen habe (pag. 13 
Z. 135 f.). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb dies etwas Dummes darstellt, wenn er gemäss eige-
nen Angaben anschliessend gar nicht in die Privatklägerin eingedrungen ist und dies auch nicht woll-
te. Es erschliesst sich weiter nicht, weshalb er das Kondom abgezogen hat, obwohl sie noch nicht fer-
tig waren, er weiter mit ihr spielte, aber nicht mehr in sie eindringen wollte. Zudem gab er an, das 
Kondom abgezogen zu haben, da er das Gefühl gehabt habe, dass der Sex ohne Kondom besser 
wäre (pag. 14 Z. 210). Die Geschichte des Beschuldigten, wonach er zwar das Kondom abgezogen 
hat, jedoch nicht mehr in die Privatklägerin eindrang und dies auch nicht wollte, ist deshalb insgesamt 
als Schutzbehauptung zu werten. Hätte er das Kondom erst am Ende abgenommen bzw. wäre es al-
leine beim «Spielen» ohne Eindringen geblieben, ist kein Grund dafür ersichtlich, warum die Privat-
klägerin hätte wütend werden sollen.

Schliesslich versuchte der Beschuldigte insbesondere in der ersten Einvernahme die Aussagen der 
Privatklägerin in Zweifel zu ziehen resp. Widersprüche darin aufzudecken, was oftmals ein Lügensi-
gnal darstellt. So gab er beispielsweise an, dass sie lüge, wenn sie sage, dass er das erste Mal etwas 
gemacht habe, was sie nicht gerne gehabt habe und dann ein weiteres Mal Sex gehabt habe (pag. 12 
Z. 117 ff.). Entgegen der Ansicht des Beschuldigten vermag das Gericht darin jedoch keinen Wider-
spruch zu erkennen. Wenn sie sagte, sie wolle nicht, dass er an ihrem Anus rumfummle und er dann 
davon ablässt, wäre das kein Grund, aufzuhören. Der Beschuldigte sagte im Weiteren mehrmals aus, 
dass sie lüge und fragte sogar, ob sie einen Frust auf ihn habe (pag. 12 Z. 109 ff.). Auch gibt er an, 
dass sie sich nach der Entdeckung des fehlenden Kondoms in etwas hineingesteigert habe, er sei ja 
nicht in sie eingedrungen und sie habe sich gar nicht mehr beruhigt (pag. 27 Z. 245 ff.). Die Aussagen 
des Beschuldigten deuten auf den Versuch hin, das Ganze herunterzuspielen.

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Schliesslich lässt sich aus dem Umstand, dass er zugab, das Kondom abgezogen zu haben, nichts zu 
seinen Gunsten resp. in Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ableiten. So gibt er zwar an, 
damit etwas Blödes getan zu haben, jedoch sei er ja nicht in sie eingedrungen. Für ihn ist die Reakti-
on der Privatklägerin zudem grundlos. Sie habe sich in etwas hineingesteigert und sich gar nicht mehr 
beruhigt (pag. 27 Z. 247 ff.). Anhand seiner Aussagen ist erkennbar, dass er alleine im Abziehen des 
Kondoms kein grosses Problem sieht, zumal er ansonsten nichts getan haben will. Damit ist zugleich 
verständlich, dass er dies zugibt, da er darin selbst kein strafbares Verhalten sieht. Zudem versucht er 
damit die Reaktion der Privatklägerin und schliesslich ebenfalls das «Hinauswerfen» aus der Woh-
nung zu erklären. Abschliessend erachtet das Gericht deshalb im Umstand, dass der Beschuldigte 
das Abziehen des Kondoms eingestanden und diesbezüglich nicht einfach gelogen resp. dies wegge-
lassen hat, kein Realitätskriterium, welches für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht. 

Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die «unheiklen» Aussagen der Privatklä-
gerin in seiner zweiten Einvernahme weitestgehend bestätigt hat, wobei er jedoch eigene Notizen als 
Gedächtnisstützen verwendete. Hierbei ist nicht auszuschliessen, dass er sich dabei an den vorheri-
gen Aussagen der Privatklägerin orientierte. Die heiklen Situationen liess der Beschuldigte entweder 
ganz aus oder bestritt pauschal die Schilderungen der Privatklägerin. Wie hiervor aufgezeigt, lassen 
sich in den Aussagen des Beschuldigten mehrere Lügensignale feststellen. Dementsprechend kommt 
das Gericht zum Schluss, dass seine Aussagen in Bezug auf den bestrittenen Sachverhalt unglaub-
haft sind und deshalb diesbezüglich nicht auf diese abzustellen ist.

Die Kammer kann sich der Aussagewürdigung der Vorinstanz betreffend den Be-
schuldigten in allen Punkten anschliessen und macht sich die entsprechenden Aus-
führungen zu eigen.  

In der Berufungsverhandlung monierte die Verteidigung, auf die Aussagen des Be-
schuldigten, der an einer schweren psychischen Störung leide, könnten nicht die 
gleichen Kriterien zur Aussagewürdigung angewendet werden, wie bei einer ge-
sunden Person. Deshalb könnten seine Aussagen nicht einfach als unglaubhaft 
oder als Lüge eingestuft werden (pag. 761). Die Kammer stimmt diesem Einwand 
insofern zu, als der Gesundheitszustand des Beschuldigten auch im Rahmen der 
Aussagewürdigung angemessen zu berücksichtigen ist. Aber selbst unter Berück-
sichtigung dieses Umstandes erscheint das Aussageverhalten des Beschuldigten 
immer noch als höchst widersprüchlich und voller Lügensignale. Dies zeigt sich 
insbesondere an seinen tatnächsten Aussagen vom 20. Oktober 2020 (pag. 9 ff.): 
Der Beschuldigte behauptete zunächst, er kenne weder eine Frau, die C.________ 
heisse, noch sei er jemals in einem Haus an der .________ oder in der Umgebung 
gewesen (pag. 11 Z. 65 f. und Z. 68 ff.). Selbst auf Vorhalt von Chatauszügen zwi-
schen ihm und der Privatklägerin gab er lediglich zu, dass es so aussehe, als ob es 
seine Nummer sei. An das Schreiben dieser Nachrichten konnte er sich jedoch 
nicht mehr erinnern (pag. 11 Z. 75 ff. und 12 Z. 82 ff.). Er nahm bereits zu diesem 
Zeitpunkt eine defensive Haltung ein und führte ergänzend aus, dass diese Nach-
richten nichts beweisen würden (pag. 12 Z. 84). Plötzlich vermochte sich der Be-
schuldigte dann doch wieder an (unkritische) Einzelheiten erinnern. Er gab zu, es 
könnte sein, dass die Privatklägerin ihn zu sich nach Hause eingeladen habe. Sie 
habe ihn offensichtlich gerngehabt (pag. 12 Z. 90 ff.). Auf direkte Frage, was in der 
Wohnung der Privatklägerin geschehen sei, führte er abwehrend aus: «Keine se-
xuelle Nötigung, kein sexueller Angriff. Ich habe noch nie einer Frau etwas Sexuel-
les angetan. Vielleicht waren wir intim» (pag. 12 Z. 95 ff.). Im Anschluss konnte 
sich der Beschuldigte dann nicht daran erinnern, wie oft es zwischen ihm und der 
Privatklägerin zum Sex gekommen ist (pag. 12 Z. 99 ff.). Es fällt auf, dass obwohl 
der Beschuldigte behauptet, sich an vieles nicht mehr erinnern zu können, er im 

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Gegenzug noch ganz genau weiss, dass das ihm Vorgeworfene nicht passiert ist 
und er die Privatklägerin direkt der Lüge bezichtigt (pag. 12 Z. 107 ff. und 117 ff.). 
Es kommt zwecks Besprechung mit dem Beschuldigten zu einer von der Verteidi-
gung erbetenen Pause (pag. 12 Z. 121 f.). Nach dieser Pause schildert der Be-
schuldigte detailliert den gesamten Ablauf von der Verabredung über den Spazier-
gang bis zum Sex in der Wohnung (pag. 12 Z. 127 ff.). Im Anschluss erfolgt erneut 
ein Mix aus Erinnerungslücken und vehementen Abstreitungen (beispielhaft: 
pag. 13 Z. 163, 167, 172, 177, 180 ff.). 

Dem schriftlichen Vorbringen der Mutter des Beschuldigten, wonach der Beschul-
digte bei seiner ersten Einvernahme nicht gelogen habe, als er aussagt habe, dass 
er die Privatklägerin nicht kenne, weil er erst vor Ort durch seinen damaligen Ver-
teidiger aufgeklärt worden sei, um was es gehe (pag. 769), ist entgegenzuhalten, 
dass es unter diesem Aspekt gar noch widersprüchlicher erscheint, dass er angab 
die Privatklägerin nicht zu kennen. Dieses sprunghafte und höchst widersprüchli-
che Aussageverhalten kann sodann auch nicht damit begründet werden, dass er 
sich im Zeitpunkt der ersten Einvernahme gemäss Ergänzungsgutachten des 
Rechtsmedizinischen Instituts der Universität Bern (nachfolgend: IRM) vom 3. Fe-
bruar 2022 bereits in der Prodromalphase (= Vorphase einer Krankheit) der später 
sich manifestierten schizophrenen Grunderkrankung befand (pag. 427). Aus den 
dargelegten Aussagen geht klar hervor, dass der Beschuldigte genau wusste, dass 
beim Treffen mit der Privatklägerin etwas nicht gut gelaufen war und er sich des-
halb – wenn auch unbeholfen – hinter Schutzbehauptungen versteckte. Erst auf 
Vorhalt von nicht zu widerlegenden Beweisen, namentlich von den Chatverläufen 
zwischen ihm und der Privatklägerin, gab er überhaupt zu, die Privatklägerin zu 
kennen und mit ihr intim gewesen zu sein. Weiter fällt auf, dass der Beschuldigte 
im Gegensatz zum späteren strafrechtlich relevanten Vorfall vom 5. Juni 2021 zum 
Nachteil von H.________, bei welchem er den Tatablauf und seine eigene Beteili-
gung (Würgen und Strangulieren) darlegte und auch die Stimme offenlegte, welche 
ihm gesagt habe, das tun zu müssen (vgl. u.a.: pag. 354 und amtliche Akten 
PEN 22 39, pag. 371 Z. 55 ff.), im vorliegenden Fall keinerlei imperative Stimmen, 
Wahnvorstellungen oder sonstige psychotische Anzeichen erwähnt. Aus diesem 
Grund kann davon ausgegangen werden, dass das widersprüchliche Aussagever-
halten des Beschuldigten nicht auf sein psychisches Störungsbild zurückzuführen 
ist, sondern es sich jeweils um bewusste Schutzbehauptungen handelte.  

Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte sich sodann der bereits gestützt 
auf die früheren Aussagen des Beschuldigten gewonnene Eindruck, wonach er bei 
Vorhalt von heiklen Details oder allgemeinem Fehlverhalten seinerseits entweder in 
Pauschalbestreitungen verfällt, Erinnerungslücken geltend macht oder Ausführun-
gen zu heiklen Situationen ganz auslässt. Trotz vieler Erinnerungslücken bestritt er 
stets vehement, etwas gegen den Willen der Privatklägerin getan zu haben. Der 
Beschuldigte zeigte sich anlässlich der Berufungsverhandlung zwar durchaus zur 
Aussage bereit, bestritt die Aussagen der Privatklägerin aber wieder überwiegend 
in pauschaler Weise, ohne selbst etwas zur Erstellung des Sachverhalts beizutra-
gen (pag. 753 Z. 2 f., 9, 13, 16 ff., 23 f., 29 f. und 35 f.). Er hält weiterhin daran fest, 
dass sein einziger Fehler darin bestand, das Kondom ohne Einwilligung der Privat-
klägerin abgestreift zu haben. Er entschuldigte sich anlässlich der Berufungsver-

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handlung auch ausschliesslich für dieses Verhalten (pag. 751 Z. 31 ff. und 37 f.). In 
den wenigen Aussagen, die der Beschuldigte zum Kerngeschehen machte, ver-
strickte er sich sogleich in Widersprüche. Auf Vorhalt seiner eigenen Aussage, wo-
nach sie in der Missionarsstellung, von hinten im «Doggy-Style» und von der Seite 
[Löffelchenstellung] Sex gehabt hätten (pag. 13 Z. 152), antwortete der Beschuldig-
te, es könne sein, dass sie in diesen drei Positionen Sex gehabt hätten. Es sei so 
lange her. Sie hätten schon Sex gehabt, aber normal in der Missionarsstellung und 
ab und zu im «Doggy-Style». Aber sie habe das alles gewollt. Sie habe ihn ja auch 
in die WG eingeladen (pag. 753 Z. 39 ff.). Die Löffelchenstellung erwähnte der Be-
schuldigte somit im Gegensatz zur Ersteinvernahme, der staatsanwaltlichen Ein-
vernahme (pag. 27 Z. 242) und anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
(pag. 533 Z. 41 f.) nicht mehr. Dies erstaunt jedoch insofern nicht, als der Beschul-
digte direkt vorgängig dazu befragt wurde, ob er die Privatklägerin nach der Anal-
penetration noch einmal vaginal in der Löffelchenstellung penetriert habe und er 
diesen Vorwurf pauschal abstritt (pag. 753 Z. 35 f.). 

Das widersprüchliche Aussageverhalten sowie das Verstecken hinter Schutzbe-
hauptungen ziehen sich somit wie ein roter Faden durch die Einvernahmen des 
Beschuldigten und führen dazu, dass auf seine Aussagen insbesondere betreffend 
das Kerngeschehen nicht abgestellt werden kann. Seine Aussagen sind ungeeig-
net, die sehr glaubhaften Aussagen der Privatklägerin in Zweifel zu ziehen. 

Zu seinem Aussageverhalten passt auch der rechtskräftig eingestellte Neben-
schauplatz der unerlaubten Sex-Videoaufnahmen zwecks Veröffentlichung im In-
ternet (pag. 1 und 150 f.). Der Beschuldigte hat in der mit dem dortigen Opfer ab-
geschlossenen Vereinbarung die Tatvorwürfe letztendlich doch noch eingestanden 
(pag. 98). Wie der vorinstanzliche Staatsanwalt treffend ausführte, sei es auch in 
diesem Fall ein Tinderdate gewesen, an welchem es zum einvernehmlichen Ge-
schlechtsverkehr gekommen sei, dieser sei dann aber nicht einvernehmlich aufge-
nommen und im Internet veröffentlicht worden. Dies zeige, dass der Beschuldigte 
sich einfach nicht an die von den Frauen gezogenen Grenzen halten wolle. Seine 
Aussagen seien offensichtlich angepasst worden und konstruiert (pag. 536). Dieser 
Einschätzung kann sich die Kammer vollumfänglich anschliessen. 

10.4 Würdigung der Zeugenaussagen

Die Vorinstanz würdigte die Zeugenaussagen wie folgt (pag. 306 f.): 
Vorliegend gibt es keine direkten Zeugen, welche Angaben zu den angezeigten Vorfällen machen und 
damit Anhaltspunkte betreffend den bestrittenen Sachverhalt liefern könnten. Die einvernommenen 
Zeugen, I.________ und J.________, können jedoch aussagen, was sie mit der Privatklägerin direkt 
nach dem Vorfall gesprochen haben resp. was sie ihnen erzählt hat. 

In Bezug auf die Aussagen der Zeugen lässt sich festhalten, dass sich diese in den wesentlichen 
Punkten decken. Die Privatklägerin habe ihnen erzählt, dass der Beschuldigte gegen ihren Willen anal 
eingedrungen sei, sie geblutet habe und er anschliessend noch ohne Kondom in sie eingedrungen 
sei. Beide Zeugen gaben in Bezug auf die emotionale Verfassung der Privatklägerin an, dass diese 
aufgelöst und geschockt gewesen sei. Aus Sicht des Gerichts sind die Aussagen der beiden Zeugen 
glaubhaft. Obwohl sie mit der Privatklägerin befreundet sind, sind keine Anhaltspunkte erkennbar, 
dass die Angaben abgesprochen oder konstruiert sind. So konnte I.________ beispielsweise nicht 
bestätigen, dass die Privatklägerin ihr etwas von Sperma oder Ejakulation erzählt hätte. Wäre die Ge-
schichte abgesprochen, wäre zu erwarten, dass alle drei Personen diesen Umstand schildern würden. 
Beide Zeugen gaben an, wenn sie etwas nicht mehr wussten. Der Umstand, dass J.________ das 

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Gespräch zeitlich nicht mehr einordnen konnte resp. seine Angaben denjenigen der Privatklägerin wi-
dersprechen, lässt seine Aussagen nicht unglaubhaft erscheinen. So ist nachvollziehbar, dass er sich 
in dieser Situation hauptsächlich auf seine Kollegin konzentrierte, welcher es offenbar nicht gut ging – 
was auch I.________ bestätigte – und sich nicht die Zeit merkte, wann er zu Hause ankam. Es ist 
denn auch darauf hinzuweisen, dass zwischen dem Gespräch und seinen Aussagen mehr als zwei 
Jahre liegen. Damit ist nicht weiter erstaunlich, dass er sich nicht mehr an die genaue Zeit erinnern 
konnte. Auch beträgt die Differenz einzig 1.5 bis 2 Stunden und ist damit als gering einzustufen. Ab-
schliessend ist auf die Aussagen der Zeugen abzustellen.

Die Aussagen der beiden Zeugen stützen die Angaben der Privatklägerin, wonach es zu ungewolltem 
Analverkehr kam, wobei der Beschuldigte zuerst mehrmals fragte, ob er anal eindringen dürfe und die 
Privatklägerin dies verneinte, sie anschliessend blutete und der Beschuldigte im weiteren Verlauf 
nochmals ohne Kondom in sie eindrang.

Auch dieser Würdigung kann sich die Kammer voll und ganz anschliessen. 

Die Verteidigung monierte, die Aussagen des Zeugen J.________ (nachfolgend: 
Zeuge J.________) würden exakt mit den Aussagen der Privatklägerin überein-
stimmen. Es falle auf, dass der Zeuge sehr detailliert wisse, was die Privatklägerin 
ihm erzählt habe, aber zur Situation, als sie ihm dies erzählt habe, könne er nur 
wenige Angaben machen. So habe er bspw. nicht gewusst, ob er vor der Zeugin 
I.________ nach Hause gekommen sei oder erst nach ihr. Auch zeitlich habe er 
sein Heimkommen nicht einordnen können. Zur Zeugin I.________ äusserte sich 
die Verteidigung hingegen nicht (pag. 760 f.). 

Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass die zeitlichen Unstimmigkeiten 
in den Aussagen des Zeugen J.________ vor allem auf die vergangene Zeitdauer 
zwischen dem Vorfall und der Einvernahme (rund eineinhalb Jahre) zurückgeführt 
werden kann; dieser Umstand spricht nicht gegen die allgemeine Glaubhaftigkeit 
seiner Aussagen. Dass sich der Zeuge noch detailliert dazu äussern konnte, was 
ihm die Privatklägerin kurz nach dem Vorfall erzählt hat, erstaunt ebenfalls nicht. 
Es ist nachvollziehbar, dass die für die Zeugen aufwühlende Erzählung der Privat-
klägerin (Zeugin I.________ führte beispielhaft anlässlich ihrer Einvernahme aus, 
es sei sehr schwierig darüber zu reden, pag. 521 Z. 23 f.) besser in Erinnerung 
bleibt als Nebensächlichkeiten, wie die zeitliche Einordnung des Nachhausekom-
mens. Beide Zeugen gaben sodann zu Protokoll, dass sie vor der Hauptverhand-
lung in Kontakt mit der Privatklägerin gestanden seien (pag. 519 Z. 23 ff. und 524 
Z. 13). An dieser Stelle ist jedoch festzuhalten, dass sowohl der Zeuge J.________ 
als auch die Zeugin I.________ – trotz der bestehenden Möglichkeit des Aus-
tauschs mit der Privatklägerin über ihre Zeugenaussagen – nicht verstärkt zu ihren 
Gunsten aussagten. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass die Zeugin 
I.________ zwar zur Analpenetration genaue Angaben machen konnte, betreffend 
Vaginalpenetration aber zu Protokoll gab, dass sie nicht mehr genau wisse, was 
diesbezüglich abgelaufen sei (pag. 521 Z. 28 ff. und 522 Z. 3 ff.). Weiter konnte sie 
auch die Aussage der Privatklägerin, dass nach der Analpenetration Sperma aus 
ihrem Anus rausgeflossen sei, nicht bestätigen (pag. 522 Z. 15 ff.). Auch der Zeuge 
J.________ äusserte sich ausschliesslich zur Analpenetration (pag. 517 Z. 15 ff.). 
Er führte ausserdem authentisch aus, dass die Privatklägerin ihm gegenüber «häs-
sig» geworden sei, als er nachgefragt habe, was genau passiert sei. Sie habe dann 
gesagt, dass sie geblutet habe (pag. 518 Z. 16 ff.). 

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Die Zeugen haben sich nach Ansicht der Kammer bemüht das auszusagen, was 
sie noch wussten und damals wahrgenommen hatten. Sie gaben an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung sodann Erinnerungslücken zu. Wären die Zeugen-
aussagen tatsächlich instrumentalisiert gewesen und hätten sich die Zeugen im 
Vorfeld zu ihren Einvernahmen mit der Privatklägerin abgesprochen, so wäre zu 
erwarten, dass ihr Aussagen mehr mit denjenigen der Privatklägerin übereinge-
stimmt hätten. Insgesamt wirken die Zeugenaussagen authentisch und damit 
glaubhaft, es kann auf sie abgestellt werden. 

Abschliessend ist festzuhalten, dass den Zeugenaussagen vorliegend nicht über-
mässiges Gewicht zukommt, zumal es sich (nur) um Zeugen vom Hörensagen 
handelt. Sie runden das bereits stimmige Bild dennoch zusätzlich ab. 

10.5 Erstellter Sachverhalt hinsichtlich der ersten Phase

Die Vorinstanz erachtete hinsichtlich der ersten Phase (Kennenlernen, Modalitäten 
Sexualkontakt, erster Geschlechtsverkehr) den folgenden Sachverhalt als erstellt 
(pag. 604): 
Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin erachtet das 
Gericht den angeklagten Sachverhalt der ersten Phase als erstellt. Die Parteien trafen sich am Nach-
mittag des 05.06.2020 für einen Spaziergang, nachdem sie sich auf der App Tinder kennenlernten. 
Als sie wieder bei sich zu Hause waren, lud die Privatklägerin den Beschuldigten für einen One-Night-
Stand zu sich nach Hause ein. Der Beschuldigte nahm die Einladung an und begab sich am Abend 
des gleichen Tages in die Wohnung der Privatklägerin. Die Privatklägerin sagte dem Beschuldigten 
klar, dass sie beim Geschlechtsverkehr auf ein Kondom bestehe. Daraufhin begannen sie sich zu 
küssen und auszuziehen. Nach gegenseitigem einvernehmlichen Oralverkehr kam es zu einvernehm-
lichen Geschlechtsverkehr in der Missionarsstellung.

Das Gericht erachtet gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin zudem als erstellt, 
dass der Beschuldigte beim Geschlechtsverkehr an den Anus der Privatklägerin fasste, jedoch davon 
abliess, als diese ihm zu verstehen gab, dass sie das nicht möchte.

Die Kammer kann sich dieser Einschätzung vollumfänglich anschliessen und 
kommt selber zum gleichen Schluss. 

10.6 Erstellter Sachverhalt hinsichtlich der zweiten Phase

Hinsichtlich der zweiten Phase (Balkon, zweiter Geschlechtsverkehr mit analem 
Eindringen) erachtete die Vorinstanz sodann den folgenden Sachverhalt als erstellt 
(pag. 604 f.): 
Betreffend die zweite Phase erachtet das Gericht gestützt auf die diesbezüglich glaubhaften Aussa-
gen der Privatklägerin und der Zeugen als erstellt, dass die Parteien nach einer kurzen gemeinsamen 
Pause auf dem Balkon vereinbart haben, nochmals Geschlechtsverkehr zu haben. Der Beschuldigte 
drang daraufhin in der Hündchenstellung in die Privatklägerin ein. Während dem Geschlechtsverkehr 
erkundigte er sich bei ihr, ob er in ihren Anus eindringen dürfe, was sie klar verneinte. Sie verneinte 
dies umso vehementer, als er mehrfach nachfragte. Trotz des klar kommunizierten Willens der Privat-
klägerin setzte er sich über diesen hinweg und drang von hinten in ihren Anus ein bzw. setzte dazu 
an. Die Privatklägerin schrie vor Schmerzen auf, löste sich vom Beklagten und begab sich unmittelbar 
ins Badezimmer. Dort stellte sie fest, dass sie aus ihrem Anus blutete.

Nach Ansicht des Gerichts ist jedoch nicht erwiesen, dass der Beschuldigte mit voller Kraft und ruck-
artig in den Anus der Privatklägerin eindrang. So sagte die Privatklägerin in ihrer tatnächsten Einver-
nahme noch nichts davon, dass er mit Gewalt oder gewaltsam in sie eingedrungen sei. Bezeichnen-
derweise gab sie ja auch an, er habe tausendmal «Sorry» gesagt, weshalb sie zunächst von einem 
ehrlichen Fehler seinerseits ausgegangen sei (pag. 36 Z. 217). Wäre er tatsächlich ruckartig und mit 
voller Kraft eingedrungen, hätte kaum Raum für eine Interpretation des Geschehenen als «ehrlichen 

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Fehler» bestanden. Gestützt auf die verfügbaren Beweismittel kann das Gericht nicht mit hinreichen-
der Sicherheit bestimmen, mit welchem Druck der Beschuldigte tatsächlich eindrang bzw. dies ver-
sucht hat, denn bekanntlich entstehen Analblessuren bereits bei normalem (einvernehmlichem) Anal-
verkehr (ohne Gleitmittel) oder hartem Stuhlgang. Es ist deswegen lediglich bewiesen, dass der Be-
schuldigte, beim Versuch anal in die Privatklägerin einzudringen, so viel Druck angewendet hat, wie 
es brauchte, um eine blutende Verletzung im Analbereich der Privatklägerin zu verursachen. 

Weiter ist nicht erwiesen, dass die Privatklägerin den Beschuldigten nach dem analen Eindringen 
weggestossen hat. So ist es schwer vorstellbar, wie sie den Beschuldigten in der geschilderten 
(Hündchen-)Position hätte wegstossen können, zumal der (versuchte) Analverkehr «nur» gerade eine 
bis zwei Sekunden dauerte. Diese Frage konnte auch anlässlich der Hauptverhandlung nicht schlüs-
sig geklärt werden. Schliesslich gab die Privatklägerin in der ersten Einvernahme nicht an, dass sie 
sich in besonderer Weise zur Wehr gesetzt hätte (pag. 36 Z. 216 – 218). Abschliessend ist nach An-
sicht des Gerichts davon auszugehen, dass sich die Privatklägerin vom Beschuldigten lösen konnte, 
ohne sich aktiv gegen ihn zu wehren oder ihn wegzustossen, zumal er sie nicht fixierte und sie sich 
anschliessend ins Badezimmer begab.

Schliesslich ist aus Sicht des Gerichts nicht zweifelsfrei bewiesen, dass eine spermaähnliche Flüssig-
keit aus dem Anus der Privatklägerin kam. So gab die Privatklägerin selbst an, dass sie erst im Nach-
hinein dachte, dass Sperma aus ihr rauskam (pag. 32 Z. 53). Auch erzählte sie davon nichts den 
Zeugen, dies im Gegensatz zur Blutung. Schliesslich hatten die Parteien bereits vorher Sex, weshalb 
die Flüssigkeit auch davon oder vom Kondom von vorher stammen konnte. Das Gericht kommt des-
halb zum Schluss, dass die Erinnerung der Privatklägerin an eine weisse Substanz auf dem Nastuch 
als Beweis für Sperma nicht genügt.

Die Kammer kann sich dieser Einschätzung nur teilweise, nämlich nur gemäss ers-
tem Absatz, anschliessen. 

Gewalt

Die Privatklägerin hat konstant, differenziert, ohne Aggravierungen über mehrere 
Befragungen hinweg stringent aufgezeigt, dass der Beschuldigte in der Hündchen-
stellung hinter und über ihr seinen Penis aus ihrer Vagina herauszog und diesen 
sodann unmittelbar, ohne Vorwarnung sehr fest, mithin gewaltsam in ihren After 
hineinrammte, was ihr unmittelbar und heftig sehr grosse Schmerzen verursachte. 
Die diesbezüglich wichtigsten Aussagen der Privatklägerin sind an dieser Stelle in 
Erinnerung zu rufen. Die Privatklägerin führte aus, er habe sie gefragt, ob er seinen 
Penis in ihren Anus tun dürfe. Sie habe nein gesagt. Er habe noch einmal gefragt 
und sie habe noch lauter nein gesagt. Dann habe er es einfach ganz fest gemacht. 
Sie habe vor Schmerz aufgeschrien (pag. 32 Z. 48 ff.). Es habe ihr so wehgetan. 
Sie habe in diesem Moment einfach geschrien (pag. 36 Z. 216 f.). Der gesamte 
Analvorgang habe nur gerade Mal 1-2 Sekunden gedauert, weil er ziemlich ge-
rammt habe (pag. 37 Z. 266). Dann machte er es einfach. Und zwar mit Gewalt 
(pag. 42 Z. 75). Er sei so auf eine Art in sie eingedrungen, dass ihre Haut gerissen 
sei. Wegen dem Reissen und dem Brennen habe es weh getan (pag. 43 Z. 125 ff.). 
Nebst der tatsächlichen Verwendung des Wortes Gewalt, beschrieb die Privatklä-
gerin die Handlung des Beschuldigten ansonsten mit äquivalenten Begriffen, die 
bereits für sich alleine, aber insbesondere in Kombination nur als Beschreibung von 
Gewalt verstanden werden können. Zeugin I.________ berichtete ebenfalls davon, 
dass die Privatklägerin ihr gegenüber noch in der Tatnacht von gewaltsamem Ein-
dringen in den Anus gesprochen hatte (pag. 521 Z. 27). Sie habe gesagt, dass er 
stark anal in sie eingedrungen sei und es sofort zu bluten begonnen habe 
(pag. 522 Z. 13). Es ist nicht einzusehen, wie der Beschuldigte, wenn nicht gewalt-
sam und ruckartig, der Privatklägerin in diesem kurzen Augenblick durch das 

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Rammen seines Penis, bereits in der ersten Sekunde derartigen Schmerz und der-
artige Verletzungen hätte zufügen sollen. Insbesondere kann nicht nachvollzogen 
werden, wie die Vorinstanz mit der als glaubhaft taxierten Erstaussage der Privat-
klägerin, er habe sie «gerammt», noch ernsthafte Zweifel an den Druckverhältnis-
sen der Penetration haben kann. Dass die Privatklägerin seine unmittelbaren Ent-
schuldigungen zuerst als Einräumung eines ehrlichen Fehlers seinerseits interpre-
tierte, steht einem gewaltsamen, ruckartigen Eindringen nicht im Wege. Ein Täter 
kann dem Opfer gegenüber auch nach besonders brutalem Vorgehen echte Reue 
suggerieren – besonders, wenn dieses im Schockzustand noch gar nicht einordnen 
kann, was soeben geschehen ist. Sie führte dazu aus, sie habe recht lange ge-
braucht, um zu realisieren, wie schlimm das gewesen sei und es beschäftige sie 
immer noch (pag. 527 Z. 10 f.). Aus diesem Nachtatumstand lässt sich somit offen-
sichtlich nichts hinsichtlich der effektiven Tat ableiten. 

Entgegen der Vorinstanz geht die Kammer nach dem Gesagten davon aus, dass 
das Eindringen des Beschuldigten so erfolgte, wie von der Privatklägerin konstant 
und differenziert beschrieben, nämlich gewaltsam und ruckartig, mithin mit voller 
Kraft. 

Wegstossen

Ebenfalls erachtet die Kammer es als erstellt, dass sich die Privatklägerin nach 
dem analen Eindringen und dem Orgasmus des Beschuldigten (hierzu sogleich un-
ter dem Titel «Spermaähnliche Flüssigkeit») zur Wehr setzte und den Beschuldig-
ten wegstiess. Zum einen hat sie dies von Anfang an klar so ausgesagt und zuletzt 
auch anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt (pag. 32 Z. 52 und 747 Z. 8). 
Zum anderen war die Privatklägerin gerade in der misslichen Hündchenstellung, in 
welcher sie sich rechtwinklig kniend, vorgebückt auf allen Vieren befand, schon nur 
durch die überhängende Körperposition des Beschuldigten physisch fixiert 
(pag. 526 Z. 23 ff. und 748 Z. 1 ff.). Die Privatklägerin veranschaulichte ihre Positi-
on sowie jene des Beschuldigten vor dem Wegstossen mehrfach: «Also ich glaube, 
er war sehr fest auf mich draufgelehnt, in dem Moment. Und so hatte ich mit dem 
ganzen Rücken Kontakt zu ihm. Er lehnte so über mich drüber. Sie müssen sich 
das eher so vorstellen. Verbal: Die Privatklägerin legt ihre beiden Hände überein-
ander im Sinne einer waagrechten Haltung» (pag. 526 Z. 42 ff.) und «Verbal: Die 
Privatklägerin zeigt mit den übereinandergelegten Händen, wie der Beschuldigte 
während des Analverkehrs auf ihr lag, nämlich mit seinem ganzen Oberkörper auf 
ihrem Rücken, während sie auf allen Vieren war» (pag. 748 Z. 1 ff.). Ein Wegkom-
men aus dieser fixierten Position ist eben gerade nur durch Wegstossen (z.B. mit-
tels Aufbäumens, nach hinten Schnellens oder Wegdrehens) möglich. Weshalb die 
Vorinstanz dies als «schwer vorstellbar» erachtete und diese Frage nicht schlüssig 
erklärt sah, kann nicht nachvollzogen werden. Wegstossen bedingt kein Schieben 
oder Stossen des anderen mit den Händen oder Armen. Ebenfalls nicht nachvoll-
zogen werden kann, weshalb die Vorinstanz betreffend Analverkehr von einem 
«Versuch» spricht, nachdem die Privatklägerin glaubhaft von einem in sie hineinge-
rammten Penis berichtete und zudem klar aussagte «Ich glaube, das gehörte für 
ihn zum Höhepunkt. Dass er wie noch so in mich eindringen musste, um wirklich zu 
kommen. Ich glaube das war für ihn in diesem Moment die Krönung. Darum war es 

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für ihn auch egal, was das mit mir macht. Weil er kam ja auch gleich zum Orgas-
mus, nachdem er nur kurz anal in mir drin war» (pag. 37 Z. 269 ff.). Die Kammer 
erachtet es nach dem Gesagten als erstellt, dass der Beschuldigte die Privatkläge-
rin schon nur auf Grund der eingenommenen Hündchenstellung körperlich fixiert 
hatte, während er anal in sie eindrang. Als Reaktion wehrte sie sich nachdem be-
reits nach 1-2 Sekunden erfolgten Orgasmus, indem sie ihn mit ihrem Körper wegs-
tiess (was nach dem Orgasmus auch nicht mehr allzu schwer gewesen sein müss-
te) und sich dadurch von ihm befreite. Gemäss ihren Aussagen folgten danach 
eventuell noch 5-6 Sekunden von «what the fuck» (pag. 43 Z. 122 f.; wohl im Sinne 
von ungläubiger Schockstarre über das Geschehene) und anschliessendem Auf-
stehen zwecks Toilettengang. Die Kammer geht somit auch davon aus, dass die 
Privatklägerin den Beschuldigten nach vollendetem Akt weggestossen hat. 

Spermaähnliche Flüssigkeit 

Auch als erstellt erachtet die Kammer, dass die Privatklägerin nach dem Vorfall aus 
ihrem Anus blutete, und dass eine spermaähnliche Flüssigkeit aus diesem heraus-
kam, was impliziert, dass der Beschuldigte die Analpenetration ungeschützt vor-
nahm. Die Privatklägerin machte diesbezüglich in allen Befragungen konstante und 
klare Aussagen, nämlich dass Blut und eine spermaähnliche Flüssigkeit (vermischt) 
aus ihrem Anus herausgeflossen seien («Und im Nachhinein weiss ich auch, dass 
es Sperma war, was aus mir rauskam», pag. 32 Z. 53 f.; «Ich kann mich nur noch 
daran erinnern, wie es auf dem Nastuch Blut und Sperma hatte», pag. 36 Z. 218 f.; 
Das Sperma sei «zusammen mit dem Blut aus meinem Anus» gekommen und 
«brannte mega», pag. 36 Z. 258 f.; «Dann ging ich ins Bad und fand Blut und 
Sperma», pag. 42 Z. 75 f.; auf dem WC-Papier seien einfach diese Flüssigkeit und 
Blut gewesen, pag. 527 Z. 41 ff.; «Das kann ich mit absoluter Sicherheit bestätigen. 
Das ist eines der Bilder, das sich in meinen Kopf eingebrannt hat», pag. 748 
Z. 17 f.). An dieser Stelle sei vorab klargestellt, dass Frauen grundsätzlich sehr 
präzise unterscheiden können, welche Flüssigkeiten aus dem After und welche aus 
der Vagina fliessen. Angesichts des sehr differenzierten Aussageverhaltens der 
Privatklägerin ist jedenfalls nicht davon auszugehen, dass es sich bei ihren diesbe-
züglichen Feststellungen um eine Verwechslung handeln könnte, wie dies die Vor-
instanz ansatzweise vermutet. Die Privatklägerin hat der Vorinstanz zudem schlüs-
sig erklärt, was sie damit meinte, als sie sagte, sie habe im Nachhinein gewusst, 
dass es Sperma gewesen sei, und diese Begründung erscheint logisch und nach-
vollziehbar: Sie habe nämlich auf der Toilette noch geglaubt, dass der Beschuldigte 
ein Kondom getragen habe (pag. 527 Z. 25 ff.). Sie habe auf dem Papier Sperma 
gesehen, habe aber damals noch nicht verstanden, dass es Sperma gewesen sei, 
weil es damals nicht in ihre Vorstellung gepasst habe. Weil das ja unter normalen 
Umständen nicht hätte möglich sein können. Sie habe im Moment gerade andere 
Probleme gehabt, als sich zu fragen, was das sei. Sie habe Schmerzen gehabt und 
sei nicht im Detektivmodus gewesen (pag. 528 Z. 20 ff.). Sie konnte sich die sper-
maähnliche Flüssigkeit auf dem WC-Papier zunächst somit nicht erklären. Erst als 
sie beim letzten Geschlechtsverkehr merkte, dass er das Kondom ausgezogen hat-
te, konnte sie die entsprechenden Schlussfolgerungen in Bezug auf den Ausfluss 
aus ihrem After ziehen, was angesichts ihrer Verfassung durchaus auch erst Tage 
nach dem Vorfall und somit auch nach dem ersten Gespräch in der Tatnacht mit ih-

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ren Freunden gewesen sein kann, so dass sie ihnen gegenüber diesen Umstand 
auch noch nicht nannte. Dabei sei auch erwähnt, dass Zeuge J.________ hierzu 
aussagte, es sei ihr (in der Tatnacht) nicht wohl gewesen, das Geschehene zu er-
zählen, sie habe ihn so ein bisschen hässig angeschnappt, dass sie geblutet habe. 
Er habe dann nicht weiter nachgefragt (pag. 518 Z. 16 ff.). Dass sie auch der Zeu-
gin I.________ in jener Nacht «nur» und vordringlich vom Bluten erzählt hat, ist 
entsprechend nicht weiter erstaunlich, da für sie im Moment die blutige Hautverlet-
zung angesichts der erlebten Rücksichtslosigkeit und Gewalt im Vordergrund ge-
standen haben mag. Zwar berichtete sie, nachdem sie gemerkt hatte, dass er un-
geschützt vaginal in sie eingedrungen war, von einer unmittelbar auftretenden 
Angst vor Schwangerschaft (pag. 36 Z. 229 f.). Dass sie durch den Vorfall auch ei-
ne Geschlechtskrankheit eingefangen haben könnte, so dass sie eine Frauenärztin 
aufsuchte, dämmerte ihr wohl aber erst viel später, als ein Freund ihr davon erzähl-
te, dass er gerade einen Test betreffend sexuell übertragbare Krankheiten gemacht 
habe und sie realisierte, dass das bei ihr auch so sein könnte (pag. 530 Z. 16 ff.; 
pag. 34 Z. 148 ff.; pag. 46 Z. 295 ff.). Nicht zuletzt war zudem die Privatklägerin 
selber auch klar der Meinung, dass der Beschuldigte nach dem vaginalen Ge-
schlechtsverkehr erst anal einen Orgasmus gehabt habe: «Ich glaube, das gehörte 
für ihn zum Höhepunkt. Dass er wie noch so in mich eindringen musste, um wirk-
lich zu kommen. Ich glaube, das war für ihn in diesem Moment die Krönung. Darum 
war es für ihn auch egal, was das mit mir macht. Weil er kam ja auch gleich zum 
Orgasmus, nachdem er nur kurz anal in mir drin war» (pag. 37 Z. 269 ff.). Zu guter 
Letzt ist bei der Privatklägerin kein Motiv für eine übermässige Belastung in diesem 
Punkt erkennbar. Bereits eine kurzzeitige anale Penetration mit blutigen Hautver-
letzungen beinhaltet ein hochgradiges Infektionsrisiko für allerart Krankheiten, dafür 
ist keine Ejakulation nötig. Auch besteht bei einem analen Orgasmus kein Schwan-
gerschaftsrisiko. Aus einer zu Unrecht behaupteten analen Ejakulation ergibt sich 
angesichts der vorliegenden Umstände für die Privatklägerin kein oder nur ein mi-
nimer prozessualer Vorteil. Insgesamt erachtet die Kammer somit auch diesen 
Umstand der Anklageschrift als erstellt und geht zudem davon aus, dass der Be-
schuldigte beim kurzen und heftigen Analverkehr auch zum Orgasmus kam. 

10.7 Erstellter Sachverhalt hinsichtlich der dritten Phase

Die Vorinstanz erachtete hinsichtlich der dritten Phase (versuchtes vaginales Ein-
dringen mit den Fingern, vaginaler Geschlechtsverkehr ohne Kondom) den folgen-
den Sachverhalt als erstellt (pag. 606): 
Das Gericht erachtet es im Weiteren gestützt auf die diesbezüglich glaubhaften Erstaussagen der Pri-
vatklägerin als erstellt, dass sie ganz ausser sich aus dem Badezimmer zurückkam und sich bäuch-
lings nackt auf das Bett legte, woraufhin der Beschuldigte erneut begann, sie zu streicheln. Er ver-
suchte dabei mit den Fingern in ihre Scheide einzudringen, woraufhin sie sich fluchtartig ganz zur 
Wand hinlegte und ihm den Rücken zudrehte. Sie gab ihm dabei nonverbal und verbal zu verstehen, 
dass sie das nicht mehr wolle. Sie äusserte noch ein ablehnendes «mhm», worauf er dennoch in der 
Löffelchenstellung ohne Kondom vaginal in sie eindrang. Als sie dies realisierte, fand sie die Kraft sich 
zur Wehr zu setzen und schickte ihn aus seiner Wohnung.

Nach Ansicht des Gerichts ist das vaginale Eindringen ohne Kondom insbesondere aufgrund der Re-
aktion der Privatklägerin erwiesen. Sie explodierte und wurde wütend, was auch der Beschuldigte 
selbst beschrieb. Zudem ging sie zur Frauenärztin. Wenn der Beschuldigte nicht ungeschützt in sie 
eingedrungen wäre, hätte sie keine solche Angst vor Geschlechtskrankheiten gehabt. Die Geschichte 

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des Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Abziehen des Kondoms ist nicht nachvollziehbar, wie 
bereits anlässlich der Beweiswürdigung […] ausgeführt.

Nicht erwiesen ist hingegen, dass die Privatklägerin ausserstande gewesen wäre, sich (vehement) zur 
Wehr zu setzen. Das Gericht anerkennt, dass sie sich zwar in einem emotionalen und aufgewühlten 
Zustand befand, was ohne Weiteres nachvollziehbar ist. Dennoch konnte sie sich schlussendlich weh-
ren und ihn wegschicken, womit sie nachweislich im Stande war, sich zur Wehr zu setzen.

Auch hinsichtlich dieser Phase teilt die Kammer die Beweiswürdigung und Schluss-
folgerungen der Vorinstanz nur teilweise. Hinsichtlich der Möglichkeit, sich zur 
Wehr zu setzen, ist Folgendes zu berücksichtigen: Die Privatklägerin befand sich in 
einem Schockzustand. Sie sagte selber aus, im Moment, als er versucht habe, mit 
seinen Fingern in sie einzudringen, sei sie bereits wie ein Gemüse gewesen oder 
so. Sie habe ihre eigene Handlungsmacht nicht wahrnehmen können und auch 
nicht differenzieren, wie er sie angefasst habe (pag. 36 Z. 249 ff.). Für sie sei im 
Moment des Analverkehrs eine Welt zusammengebrochen, in ihrem Kopf habe sie 
noch kein Muster gehabt, wie sie mit dieser Situation habe umgehen sollen. Sie 
habe in diesem Moment nicht glauben können und wollen, dass eine andere Per-
son im übertragenen Sinn so «über sie hinweglaufe». Und sie habe danach keine 
dritte Runde gewollt. Sie habe sich einfach in ihr eigenes Bett gelegt. Sie habe 
nicht gewusst, was sie machen solle. Sie habe sich einfach in ihr Bett legen wollen 
(pag. 45 Z. 226 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte sie übereinstim-
mend aus, sie sei nach der Analpenetration in eine Schockstarre verfallen. Diese 
Schockstarre habe ziemlich lange angedauert (pag. 747 Z. 27 f.). Sie habe sich so 
gefühlt, dass etwas passiert sei, was in ihrer Realität, so wie sie sich die Welt vor-
stelle, nicht hätte passieren können und sollen. Dann sei es halt trotzdem passiert 
und sie habe sich selbst gefragt, ob sie spinne bzw. ob das wirklich passiert sei. In 
dieser Zeit habe die Welt keinen Sinn gemacht und sie habe sich in der Realität 
nicht mehr zurechtfinden können (pag. 747 Z. 31 ff.). Auf Frage, gab sie sodann zu 
Protokoll, sie sei nackt aus dem Badezimmer gekommen, weil sie ihren Körper in 
diesem Moment überhaupt nicht als sexuelles Objekt angeschaut habe und ihre 
Nacktheit nicht als Einladung für ihn, um sie anzufassen, verstanden habe. Sie ha-
be sich auf dem Bett ja schon so weit wie möglich von ihm weg positioniert. Dann 
sei die Wand gekommen. Sie habe sich einfach weggedreht (Anm. als er mit den 
Fingern in sie eindrang), aber er sei ja dann wieder von hinten gekommen. Und 
verbal habe sie sich dann halt gewehrt, sie habe «Mhmm», analog nein gesagt. In-
dem sie nein gesagt habe und er es trotzdem gemacht habe, sei ihre Wahrheit in 
ihr zusammengebrochen, welche ihr gesagt habe, dass sie auch eine Stimme ha-
be. Trotzdem sei es einfach weiter gegangen. Es sei mega schwierig, diesen Zu-
stand zu erklären. In dem Moment, als sie gemerkt habe, dass er kein Kondom ge-
tragen habe, habe sie endlich mit Überzeugung sagen können, «nein, das ist richtig 
falsch, was da in der letzten Stunde ablief». Es sei ja eigentlich auch logisch, dass 
sie es sich vorher nicht eingestanden habe, dass etwas nicht stimme. Sie habe 
glauben wollen, dass sie nicht übertreibe. Sie habe in diesem Moment auch das 
Selbstbewusstsein gefasst, um für sich selber einzustehen (pag. 45 Z. 224 ff.). Sie 
habe das Streicheln in einem Zustand der Überforderung mit der Situation einfach 
über sich ergehen lassen. Sie sei einfach dort gelegen. Sie habe zwar verbal und 
mit dem Körper kommuniziert, um ihm zu sagen, dass sie eigentlich nicht wolle. Wo 
hätte sie auch hingehen sollen? Es sei ja ihr Bett. Sie habe nicht gewusst, wo sie in 

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diesem Moment einen für sich sicheren Ort hätte suchen sollen. In ihren Augen 
müsse es reichen, wenn sie sage «mhm» (analog nein) und sich wegdrehe. Er ha-
be begonnen sie anzufassen. Dann sei es in ein Sexuelles hineingegangen. Sie 
habe nicht genau gewusst… «Also soll ich mit einem Edding Stift einen Strich auf 
meinen Körper malen. Ab da ist es sexuell und ab da versucht er mich zu trösten 
für das, was er mir gerade angetan hat?» (pag. 46 Z. 265 ff.). Der Vorinstanz er-
klärte sie sodann Folgendes: «Also er hat ja, als er wieder angefangen hat, mich zu 
berühren, dies mit einer Entschuldigung überdeckt. Er versuchte, mich zu trösten 
und ich wollte in dem Moment mega getröstet werden, weil mir etwas Schlimmes 
passiert war. Ich konnte in dem Moment noch nicht eine Wut auf ihn aufbringen, ich 
war einfach schockiert und fand es halt schön, getröstet zu werden, leider halt in 
dem Moment auch von ihm. Ich realisierte nicht, dass er die Situation ausnutzte, 
um noch einmal sexuelle Handlungen zu machen. Es war im ersten Moment noch 
keine sexuelle Handlung, es ging darin über. Obwohl ich versuchte, es zu stoppen 
und obwohl ich sagte, dass ich das nicht mehr will, aber der Übergang war einfach 
so fliessend zwischen, er hat mich getr