# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df77cbcb-c39a-562b-b1c0-477c49833e5e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-24
**Language:** de
**Title:** Invalidenrente, RAD-Aktenbeurteilung
**Docket/Reference:** IV.2022.00626
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00626.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00626
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Bachmann
Urteil
vom
24. März 2023
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1962, hat in Deutschland Ausbildungen zum
Feinblechner
, Dachdecker und Vulkaniseur
absolviert
sowie den Abschluss zum
Spengler
meis
ter
erlangt
. Seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2014 hatte er diverse temporäre Anstellungen vor allem als Dachdecker und Spengler inne (vgl. Urk.
6/26
)
;
zeitweise bezog er auch Taggelder der Arbeit
s
losenversicherung (
Urk.
6/85)
.
Vom
21.
Oktober
bis zum 7.
November 2019
war
X.___
in
folge einer gastrointestinalen Blutung bei Leberzirrhose im S
pital Y.___
(
z.T.
intensivmedizinisch
; vgl. Urk.
6/2/11
ff.)
hospitalisiert
; a
nschliessend wurde er ins
Spital
Z.___
verlegt
(
bis zum 18. Dezember 2019;
Urk.
6/14)
.
Infolge Arbeitsunfähigkeit
bezog
er
seit dem 21. Oktober 2019
Taggelder der Krankenversicherung
(Urk.
6/4)
.
Im Januar 2020 meldete er sich bei der Arbeits
losenversicherung
zum Leistungsbezug
an (
Urk.
6/3/2).
Mit Gesuch vom 1
6.
März 2020 meldete sich
X.___
unter Hinweis auf einen körperlichen Abbau durch intensivmedizinische Komplexbehandlung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (
Urk.
6
/
3
). Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in erwerblicher
(Urk. 6/12, Urk. 6/
36-37
)
und medizinischer Hins
i
cht, holte namentlich bei den behandeln
den Ärzten und Institutionen Berichte ein
(Urk. 6/13, Urk. 6/14, Urk. 6/21, Urk. 6/30)
.
Mit Mitteilung vom 11.
Mai 2021 gewährte s
ie
X.___
als Mass
nahme der Frühintervention
Kostengutsprache für einen
O
nline
-
Grundkurs SPA Sicherheit
vom
1.
b
is zum 1
4.
Juni 2021 (Urk.
6/53) sowie mit Mitteilung vom 22.
Juni 2021 Kosten
gutsprache
für die Wiederholung des Kurses (Urk.
6/59)
.
Vom 2
0
.
September bis
zum
19.
Dezember 2021
absolvierte
X.___
eine
arbeitsmarktliche Massnahme
der Arbeitslosenversicherung
(Pensum
100
%
;
vgl.
U
r
k.
6/69).
M
it Mitteilung vom 26.
Oktober
2021
schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab (
Urk.
6/70
f.
).
Per
1.
Februar 2022
trat
X.___
eine vollzeitliche Arbeitsstelle
im Bereich Fassadenbau/Flachdach/Spenglerei
an
;
dieses Arbeitsverhältnis wurde
durch die Arbeitgeberin
per 8.
April 2022 wieder aufgelöst
(
Urk.
6/
82
-83
)
.
Nach Einholung von weiteren ärztlichen Berichten (
Urk.
6/75,
Urk.
6/
89)
verneinte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
6.
September 2022 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 6/99). Dagegen liess
X.___
, vertreten durch die Sozialen Dienste der Stadt Zürich
,
am
4.
Oktober 2022 Einwand erheben (
Urk.
6/103
; vgl. auch Einwand
des Versi
cherten persönlich
vom 3
0.
September 2022
;
Urk.
6/105
)
. Mit Verfügung vom
5.
November 2022 hielt die IV-Stelle daran fest, dass kein Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversicherung bestehe (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
hierorts mit Eingabe vom
1.
Dezember 2022 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag um Ausrichtung
einer Invalidenrente
(Urk. 1/1)
;
in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung
(Urk.
1
/2
).
Die IV-Stelle stellte mit Vernehmlassung vom 27.
Januar 2023 Antrag auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
5), was
X.___
am
6.
Februar 2023 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008
des Kreisschreibens
zu den Übergangs
bestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems
, K
S ÜB WE IV
, gültig ab 1. Januar 2022
).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften an
wendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1
).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsan
spruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel
lungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befas
sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesge
richts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung
im Wesentlichen
aus
, sie habe bei den behandelnden Ärzten die gesamten medi
zinischen Unterlagen eingeholt. Diese seien vom RAD geprüft
und beurteilt
wor
den. Die Abklärungen hätten ergeben, dass dem Beschwerdeführer die bisherigen Tätigkeiten als Dachdecker und Spengler aufgrund seiner gesundheitlichen Situ
ation nicht mehr zumutbar seien. In einer der Gesundheit angepassten Tätigkeit
sei jedoch weiterhin eine Restarbeitsfähigkeit von 85 % ausgewiesen. In einer solchen Tätigkeit könnte der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Ein
kommen erwirtschaften. Ein Rentenanspruch
bestehe
somit nicht. Seitens der Beschwerdegegnerin seien auch berufliche Massnahmen nicht angezeigt (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht dagegen zur Hauptsache geltend, dass
er mit der
angefochtenen
Verfügung und der - ihm unklaren - Einschätzung einer 85%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht einverstanden sei. Seine behandelnde Ärztin
Dr.
med.
A.___
habe
ihm
in einer leidensangepassten Tätig
keit eine Arbeitsfähigkeit von nur 30
% attestiert
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
M
ed.
pract
.
B.___
,
Ärztin an
der medizinischen Klinik des
Spitals Y.___
,
wo der Beschwerdeführer vom
21. Oktober bis zum 7. November 2019
hospitali
siert war,
führte im Bericht vom
3
.
April 2020
an die IV-Stelle
aus, der Patient sei bei diffuser oberer
g
astrointestinaler
(GI
)
Blutung bei Leberzirrhose (
am ehes
ten
aethyltoxisch
) eingetreten. Zudem habe er ein hy
p
eraktives Delir
(D
ifferen
tialdiagnose
: hepatische Enzephalopathie)
entwickelt
.
E
s sei eine
Sedation
auf der
Intensivpflegestation
notwendig geworden
und
anschliessend eine
Verlegung in eine
s
pezialisierte Institution
(Gerontopsychiatrie Spital
Z.___
)
. Seit dem 21.
Oktober bis zum 7.
November 2019 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für
alle
Tätigkeit
en
bestanden,
d
er
Patient
sei auch vorerst weiter
hin
zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk.
6/13/1
f
)
.
Dem beigelegten Verlegungsbericht/Austrittsbericht
der Intensiv
pflege
station des
Spitals Y.___
vom 2
7.
Oktober 2019
sind
– ohne Angaben zur Arbeitsfähig
keit -
folgende (Haupt-)Diagn
o
sen zu entnehmen
(
Urk.
6/13/7
f.)
:
1.
Hyperaktives Delir
,
Erstdiagnose
22.10.2019,
2.
Diffuse obere GI-Blutung
,
E
rstdiagnose
21.10.2019
,
am ehesten
bei
portaler
hypertensiver Gastropathie mit rezidivierender
Hämatemesis
3.
Leberzirr
h
ose MELD Score 16 Punkte, CHILD B,
Erstdiagnose
unklar
4.
Wernicke Enzephalopathie
,
Erstdiagnose
23.10.2019
s
owie asymptomatische Chol
e
zystolithiasis und Gicht.
3.2
Im Arztbericht des Spitals
Z.___
vom 18. Mai 2020
,
wo
hin
der Beschwerde
führer
anschliessend bis zum 1
8.
Dezember 2019
zur
weite
ren
Behandlung ver
legt
worden war
,
stellte der verantwortlich zeichnende
Obera
rzt
des
P
s
ychiatrie
stützpunkt
es
die folgenden Diagnosen (Urk
. 6/14
)
:
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Delir (F05.9)
(11/19)
-
Psychische und Verhalten
s
störungen durch Alkohol (F10.2) (11/19)
-
Wernicke Enzeph
a
lopath
i
e
(E51.2)
(11/19).
o
hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Oesophagusvarizen
mit Blutung (I85.0)
-
Alkoholische Leberzirrhose (K70.3)
-
Gallenblasenstein mit sonstiger Cholezystitis ohne Angabe einer Gallen
wegobstruktion (K.80.10)
-
Gicht, nicht näher bezeichnet (M10.99)
-
Sonstige Anämien (D64.8)
Der Patient habe im Rahmen eines Alkoholen
t
zugs ein Delir entwickelt. Nach dessen teilweisen Abklingen sei er von der
Somatik
auf die psychiatrische Abtei
lung verlegt worden. Am 1
8.
Dezember 2019 (Austritt) sei
er
in seinen
a
lltags
praktischen Tätigkeiten
praktisch
nicht mehr eingeschränkt gewesen.
Zum Zeit
punkt des Austritts seien sie von einer Teilarbeitsfähigkeit von 50
% ab
1.
Januar 2020 und ab 1.
Februar 2020 von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegan
gen
(
Urk.
6/14/3)
.
3.3
Die Hausärztin des Beschwerdeführers
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin für All
gemeine Innere Medizin FMH
,
von der Arztpraxis
D.___
,
E.___
,
stellte in ihrem Bericht vom 19.
August 2020
an die IV-Stelle
die folgenden (Haupt-)Dia
gnosen (
Urk.
6/21/9 f
.
):
m
it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Leberzirrhose MELD Score 10 Punkte (Stand 17.4.2020) CHILD B,
-
Thrombozytopenie
o
hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Status
nach diffuser oberer GI
-
Blutung 10/2019
-
Asymptomatische Cholezy
s
tolithiasis
-
Gicht
Sie führte im Wesentlichen
aus
, der Beschwerdeführer stehe seit Januar 2020 in ihrer hausärztlichen
Betreuung
. Vorausgegangen sei ein Spitalaufenthalt auf
grund einer vermuteten
Oesophagusvari
z
enblutung
; ein langjäh
r
iger
schädlicher
Alkoholkonsum werde berichtet. Seit diesem
als
akut lebensbedrohlich erlebten Ereignis verfolge der Patient eine konsequente und anhaltende Abstinenz, wobei sich die subjektiven Angaben
durch sporadische Kontrollen des CDT-Wertes
verifizieren liessen. Der Hb
-
Wert imponiere darüber
hinaus stabil, Hinweise auf ein erneutes Blutungsereignis hätten sich nicht ergeben. Anhaltend zeigten sich vermin
d
erte Throm
b
ozyten
-W
erte, welche
überwiegend wahrscheinlich
im Rah
men des langjährigen, mittlerweile sistierten Alkoh
o
lk
o
nsum
s
gesehen
worden seien
. Aufgrund der Leberzi
r
rhose fänden regelmässige gastroenterologische Kontrollen
im
Spital Y.___
statt. Aktuell sei das niedrige
s
ym
p
tom
atische Blutdruckverhalten dominierend. Aufgrund des
(unter
neu begonnener
Beta
blocker-Therapie aggravierten
)
Schwindels bestehe für die Arbeit als Dachdecker bzw. auf der Baustelle anhaltend eine
vollständige
Arbeits
un
fähigkeit
; eine ursprünglich ab Juli 2020 angedachte Arbeitsfähigkeit von 50
% sei nicht um
setzbar gewesen
.
Eine leidensangepasste Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer zu 9 Stunden pro Woche zumutbar. Der Patient sei motiviert, zu arbeiten.
Im Verlaufsbericht vom
4.
Januar 2021
(
Urk.
6/30)
berichtete
Dr.
C.___
über einen
stationären Gesundheitszustand. Neben den
im Bericht vom 1
9.
August 2020
bereits
gestellten
Diagnosen diagnostizierte sie mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit neu eine mediale
Meniskopathie
links mit intermittierendem
Reizknie
, Chondropathie sowie einen Verdacht auf eine Kreuzbandinsuffizienz rechts, ED 9/2
0.
U
nter konservativen Massnahmen
zeige sich der Beschwerdefüh
rer
weit
est
gehend beschwerdefrei
, eine Genese im Zusammenhang mit der ange
stammten Tätigkeit sei nicht auszuschliessen
.
In der bisherigen Tätigkeit als Dachdecker bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit; in einer nicht knienden Tätig
keit ausserhalb eines Gefahrenbereichs (Arbeiten in der Höhe) bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit.
3.4
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin FMH für
A
llgemeine Innere Medizin,
ebenfalls
von der Arztpraxis
D.___
,
E.___
,
bei welche
r
der Beschwerdeführer seit April 2021 in hausärztlicher Behandlung steht
,
stell
t
e in ihrem Bericht an die IV-Stelle vom 2
2.
Dezember 2021
(
Urk.
6/75)
die nämlichen Diagnosen wie
Dr.
C.___
;
neu
diagnostizierte sie eine Polyarth
r
ose
am
Handgelenk und PIP V rechts sowie eine Gonarth
r
ose
beidseits, ebenfalls einen Meniskusriss
medial links
und Ver
dacht auf
v
ordere Kreuzband-Insuffizienz rechts mit Gelenkinstabilität rechts.
Sie gab im Wesentlichen an, insgesamt zeichne sich eine Verschlechterung des körperlichen Zustandes ab. Die Leberzirrhose habe sich unter anhaltender Absti
nenz und unter regelmässiger Medikation zunächst vom Stadium CHILD B auf A verbessert, im
Oktober
20
2
1 jedoch wieder zu B verschlechtert. Aufgrund der progredienten
Gona
rthrose
beidseits
sei der Patient ebenfalls zunehmend einge
schränkt.
Es bestehe ein sehr tiefer Blutdruck mit orthostatischen Beschwerden
,
eine
Gang
-
und
z.T.
auch Standunsicherheit
sowie
eine diffuse
Druckdolenz
beider Knie, rechts mit Instabilität
und
mit
ein
ge
schränkter Belastbarkeit. Weiter
bestehe
eine
Druckdolenz
am
Handgelenk und PIP V rechts mit eingeschränkter Beweglichkeit. Der Patient könne nicht länger als 20-30 Minuten am Stück gehen oder stehen, er müsse dazwischen unbedingt eine sitzende Position einnehmen. Arbeiten in der Höhe
,
mit der Notwendigkeit von Gang – und Standsicherheit sowie Überkopfarbeiten oder solche mit schnellen Positionswechseln seien nicht zumutbar. Gleichzeitig bestehe auf intellektueller Ebene ein sehr grosses Poten
tial,
dies
allein im Hinblick auf den Ausbildungsstand des Patienten. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar, eine leidensangepasste Tätigkeit sei im Um
fang von
maximal
2 bis 3 Stunden
(
bzw.
30
%)
zumutbar (
Urk.
6/75).
3.5
Im Bericht der ambulanten rheumatologischen Sprechstunde
des
Spitals Y.___
vom 18.
Januar 2022
an die Hausärz
t
in
Dr.
A.___
(Urk. 6/91/2-4)
stellten die verantwortlich zeichnenden
Ärzte die folgenden
(Haupt-)
Diagnosen (
S. 1
):
1.
Symptomatische Fingerpolyarthrose
2.
Bilaterale Gonarthrosen
3.
Zeichen der Leberzirrhose mit
portaler
Hypertension CHILD A (Stand 1
7.
4.2020, E
rstdiagnose
10
/2019).
4.
Narben im distalen Oesophagus nach
Oesophagusvarizenligatur
5.
Hyperurikämie
6.
Wernicke Enzephalopat
h
ie (10/2019)
In der Beurteilung führten sie aus, klinisch seien die
(rheumatologischen)
Beschwerden in einem aushaltbaren Rahmen. Bezüglich
der
Hände gingen sie von
Heberden
-Arthrosen an beiden Händen aus, die Diagnostik werde noch vervoll
ständigt. Bezüglich Therapie werde ein Versuch mit Rapssamenbä
d
ern empfoh
len. Hinweis
e
auf eine entzündlich-rheumatologische Beschwerdeursache bestün
den
anamnestisch
nicht.
Hinsichtlich der Kniegelenksbeschwerden wäre ein
Vorgehen mittels
Hyaluronsäureninfiltration
(durch den Patienten selbst zu zah
len)
oder auch probatorisch mit Steroidinfiltrati
o
nen möglich, aktuell bei relativ geringem Leidensdruck
sei
jedoch zuerst eine konservative Therapie mittels Phy
siother
a
pie versucht
worden
. Der Beschwerdeführer befinde sich im Moment in einem Arbeitsevaluationsprogramm und arbeite ca
.
50
%
.
D
ie Arbeitsbelastung im jetzigen Rahmen sei offenbar zumutbar, wobei insbesondere eine Wechsel
belastung von Stehen/Sitzen möglich sei und dem Patienten guttue.
Nebenbefundlich
beklage der Patient in den letzten Wochen zunehmend
pectan
ginöse
Beschwerden beim Treppensteigen, weswegen zeitnah weitere kardiologi
sche Untersuchung
en
nach Ermessen
der Hausärztin
empfohlen sei
en
(
Urk.
6/91)
.
3.6
Im Verlaufsbericht der
Spitals Y.___
vom 7.
Juni 2022
, Klinik für Innere Medizin,
diagnost
i
zierte die verantwortlich zeichnende Oberärztin Gastroentero
logie und
Hepathol
o
gie
unter Beilage von zwei Untersuchungsberichten
(vom 1
2.
April 2022 und 1
4.
Oktober 2021)
eine metabolisch toxische
Leberzyrrhose
CHILD A sowie einen St. nach
Oesophagusvarizenblutung
10/1
9.
Es bestünden Schwindelanfälle bei körperlicher Belastung aufgrund Betablocker
-
Therapie.
Eine Belastbarkeit für die Eingliederung sei gegeben, sofern keine körperliche Belas
tung erforderlich sei.
Weitere
Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte sie nicht (
Urk.
6/89).
3.7
Im Verlaufsbericht
der Arztpraxis
D.___
,
E.___
,
vom
11.
Juli
2022
führte
der unterzeichnende Arzt
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
a
us
, e
r
verweise
auf den Bericht von Dr.
A.___
von 22.
Dezember 202
1.
In der Zwischenzeit sei ein Arbeitsversuch leider gescheitert. Bezüglich Diagnose
verlauf etc. habe sich insgesamt nichts
ver
ändert
;
der von
Dr.
A.___
detailliert ausgefüllte Fragebogen habe weiterhin seine Gültigkeit (
Urk.
6/91).
3.8
RAD-Ärztin
Dr.
med.
G.___
, Fachärztin für Neurologie,
führte
am 31. Okto
ber 2022 (
Urk.
6/110/3)
in
Erläuterung
einer
früheren Stellungnahme vom
1
9.
Juli
20
22
(
Urk.
6/98
/5 f.
)
aus, gemäss übereinstimmenden Berichten leide der Kunde an einer Leberzirrhose
.
E
r verspüre dabei insbesondere die Auswirkungen der notwendigen medikamentösen Therapie (
B
eta
b
locker) im Sinne eines orthostatischen Schwindels. Aufgrund dieses Schwindels sei
eine
Tätigkeit im angestammten Beruf als Dachdecker gefährdend, es sei entsprechend eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
für diese Tätigkeit attestiert
worden
. Die Leber
zirrhose zeige einen stabilen Verlauf.
Dr.
A.___
beschreibe im Bericht 12/21
, dass es
im Oktober 2021
zu einer Verschlechterung der Leberzirrhose gekommen sei, mit Zunahme von CHILD A auf CHILD B. Diese Einschätzung werde
jedoch
durch die gastroenterologischen Befunde nicht gestützt
;
gemäss gastroenterologischer Untersuchung vom 1
4.
Oktober
2021 ha
b
e sich im Vergleich zum Vorbefund die
Leberfunktion sogar leicht gebessert und zei
g
e nun ein CHILD A Stadium. Auch in den nachfolgenden Untersuchungen (06/22) habe sich eine stabile CHILD A Situation gefunden. Bei unklarem Befund im MRI (mögliches
Hepatocelluläres
Car
c
i
n
om) sei jedoch weiterhin eine engmaschige Überwachung angezeigt. Gemäss Bericht von
Dr.
A.___
bestünden keine kognitiven Einschränkungen, es werde sogar ausdrücklich auf das hohe cerebrale Leistungsvermögen und den Ausbildungsstand hingewiesen
sowie darauf, dass auf
intellektueller Ebene ein grosses Potential
bestehe
.
Zusammengefasst
best
ünden
bezüglich Leberzirrhose
Einschränkungen im Zusammenhang mit der orthostatischen Hypotonie
;
weitere Einschränkungen, insbesondere kognitiver Art, seien nicht beschrieben worden. Die vorhandenen Einschränkungen könnten durch
eine
entsprechende Anpas
sung des Belastungsprofils (vorwiegend sitzende Tätigkeiten) aufgefangen wer
den.
Im erwähnten Bericht von
Dr.
A.___
würden multiple Gelenkbeschwerden erwähnt, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkten. Diesbezüglich sei eine rheu
matologische Untersuchung (01/22) durchgeführt worden. Dabei seien einerseits Fingerpolyarthrosen und andererseits beginnende Gonarthrosen beidseits diagnostiziert worden. Die Beschwerden seien vom
Kunden
als
im aushaltbaren Rah
men beschrieben worden
.
B
ei insgesamt eher tiefem Leidensdruck seien konser
vative Massnahmen empfohlen worden
;
b
ezüglich beruflicher Tätigkeit sei Wech
selbelastung empfohlen worden.
Zusammengefasst
bestünden damit bezüg
lich Gelenksbeschwerden Einschränkungen bezüglich körperlicher Tätigkeit, diese bedingten eine entsprechende Anpassung des Belastungsprofils
;
eine höhergra
dige
Arbeitsunfähigkeit
lasse sich daraus nicht ableiten.
Die frühere Hausärztin
(
Dr.
C.___
)
habe
im August 2020
eine 100
%ige
Arbeits
unfähigkeit für die angestammte Tätigkeit und eine volle Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit ermittelt. Entsprechend seien keine durch die IV vermittelten beruflichen Massnahmen erfolgt. Über das RAV habe vorerst keine Arbeit gefun
den werden können. Der Kunde habe dann jedoch per
1.
Februar 2022 eine
Voll
zeitstelle
in einem Fachbetrieb für Fassadenbau, Flachdach, Spenglerei gefunden. Insbesondere aufgrund «körperlicher Einschränkungen auf den Baustellen» sei der Arbeitsvertrag auf
den 8.
April
20
22 wieder gekündigt worden. Es sei eher un
wahrscheinlich, dass bei dieser Anstellung das Belastungsprofil der angestrebten angepassten Tätigkeit dem Arbeitgeber bekannt gewesen sei.
Insgesamt bestünden Einschränkungen, welche anerkanntermassen eine 100%ige Arbeit
s
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bewirkten. In einer angepass
ten Tätigkeit
sei
eine vorwiegend sitzende, vorwiegend leichte Tätigkeit mit Mög
lichkeit der Wechselbelastung anzustreben (siehe Belastungsprofil
vom
Juli 20
22:
l
eichte bis höchstens kurzzeitig mittelschwere körperliche Tätigkeit mit Wechsel
belastung, vorwi
e
gend in sitzender Tätigkeit,
k
eine Tätigkeit auf Gerüsten, Leitern oder Dächern oder an anderen exponierten Lagen, kein repetitives Treppensteigen oder Arbeiten in knieender oder kauernder Kö
r
perhaltung
;
Urk.
6/98/6
). Es gin
gen aus den Unterlagen keine nennenswerten zusätzlichen Einschränkungen her
vor,
welche eine Reduktion des Pensums bedingen würden. Es bestünden auch keine Hinweise für eine nennenswerte Verschlechterung seit
August
20
2
0.
Damit könne die hausärztliche Einschätzung einer vollen Arbeitsfähigkeit
(
Dr.
C.___
, 8/20)
in einer angepassten Tätigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht eher nachvollzogen werden als die hausärztliche Einschätzung einer hochgradig redu
zierten Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (
Dr.
A.___
, 21/21). Das Schreiben von
Dr.
A.___
sei zudem nur eingeschränkt verwertbar,
denn
die Ver
schlechterung der Leberzirrhose und der Schweregrad der Arthrosen werde von den jeweiligen Fachspezialisten relativiert. Zudem habe der
Beschwerdeführer
wenige Monate nach dieser Einschätzung selber eine
V
ollzeitstelle angenommen. Es sei
(
weiterhin
)
von einer 70-100%igen Arbeitsfähigkeit in einer optimal ange
passten Tätigkeit auszugehen
(vgl.
so schon
RAD
-
Stellungnahme vom
1
9.
Juli 2022
;
Urk.
6/98/5 f.
)
.
4.
4.1
Die IV-Stelle
legte
der
angefochtene
n
Verfügung die Stellungnahmen der RAD
-
Ärztin
Dr.
G.___
zugrunde,
wonach der Beschwerdeführer in der ange
stammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist,
hingegen
in einer leidensange
passten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70-100
% besteht.
Dies ist nicht zu beanstanden.
So konnte sich
Dr.
G.___
aufgrund der Akten
ein vollständiges Bild über die Anamnese,
die Diagnosen
sowie
den Krankheitsverlauf verschaffen
,
was umso mehr gilt, als
die
vorliegenden Berichte
in Bezug auf den Gesundhei
ts
zustand (
bezüglich
der gestellten Diagnosen
)
einhellig sind
.
Alsdann setzte sich
Dr.
G.___
mit
den
Berichten der behande
l
nden Ärzt
innen und Ärzte
aus
einander
und zeigte
unter Einbezug auch der
erwerblichen
Akten
nachvollziehbar
auf
,
ob und
inwiefern
den Arbeitsfähigkeitsan
gaben
der behandelnden Arztper
sonen
gefolgt
(oder nicht gefolgt)
werden kann.
Auch
leuchte
t
ihre
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
sowie
die
Beurteilung der medizinischen Situa
tion ein
und sind
d
ie Schlussfolgerungen
plausibel
begründet
.
So
kann
insbeson
dere nachvollz
ogen werden
, dass
(allein schon)
aufgrund der
Schwindelbeschwer
den
die angestammte Täti
g
keit als Dachdecker nicht mehr zumutbar ist
, aber auch,
dass infolge diese
r Beschwerden
wie auch
d
er
rheumatologischen
Befunde
an den Händen und Knien
und
der
damit
einhergehenden
belastungsabhängigen
(vgl. Urk. 6/75/8) Beschwerden
bei Beachtung des noch zumutbaren Anforde
rungsprofils
eine
Arbeitsfähigkeit in
angepasste
r
leichter
Tätigkeit
nach wie vor gegeben ist
. Wenn
die RAD
-
Ärztin
daher
die Arbeitsfähigkeit
in einer leidensan
gepassten Tätigkeit
bei an sich fehlenden Hinweisen auf eine verminderte zeitli
che Belastbarkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit
zugunsten des Beschwer
deführers
grosszügig
im Rahmen von 70-100
%
(gemittelt 85
%)
festsetzte
,
best
ehen keine auch nur geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit der versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen
von
Dr.
G.___
.
Dies gilt umso mehr
,
als
auch
die Vorbringen
des
Beschwerdefüh
r
er
s nicht geeig
net sind, diese Einschätzung in Zweifel zu ziehen.
Denn
der Einwand
,
seine Haus
är
z
t
in
(
Dr.
A.___
)
habe
ihm
in einer leidensangepassten Tätigkeit
eine Arbeit
sf
ä
higkeit von
lediglich
30
% attestiert (
Urk.
1
/1
)
,
verfängt nicht
.
So
begründete
Dr.
A.___
die
von ihr
selbst in einer angepassten Tätigke
i
t
attestierte
hochgradige Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
nicht
näher
,
was
wenig
überzeugt, zumal
sich
a
ufgrund der A
k
ten
keine Hinweise auf eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
bzw. der Leistungsfähigkeit
seit dem Bericht von
Dr.
C.___
vom
4.
Januar 2021
ergeben
, worin
dieser
– wie nun auch
Dr.
G.___
-
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
ausgegangen war
(E. 3.3 hiervor)
.
Wie
Dr.
G.___
in
ihrer Stellungnahme
zu Recht
festhielt
,
ist
insbesondere
die
von
Dr.
A.___
am 2
2.
Dezember 2021
ange
führte Verschlechterung der Leberzirrhose
nicht
ersichtlich
, weisen doch die
U
ntersuchungsbefunde
des
Spitals Y.___
vom 1
4.
Oktober 2021 und 1
2.
April 2022
eine stabile Situation aus
(
vgl.
dem
Be
richt
des
Spitals Y.___
vom
7.
Juni 2022
beigelegte Berichte
betr
effend
stabile
CH
IL
D A
Situation
;
Urk.
6/89
/4 und 7
und 9
)
.
A
uch
führ
t
die von
Dr.
A.___
zur Begründung einer Verschlechterung
angeführte Progredienz der Arthrose
in den Knien
bzw.
Einsch
r
änkung der Bewegl
ichkeit nicht zwangsläufig zu einer Reduktion der zeitli
chen Belastbarkeit
,
sondern
in erster Linie
dazu, das
s
das
zumutbare
Anforde
rungsprofil
einer angepassten
T
ätigke
i
t e
nger zu fassen
ist.
Nicht zuletzt wies
RAD
-
Är
z
t
in
Dr.
G.___
zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer
- welcher soweit ersichtlich
bereits
vo
m
20.
September bis 19.
Dezember 2021 an einer vollzeitlichen arbeitsmarktlichen Massnahme
teilgenommen hatte
(vgl. Urk.
6/69) -
per
1.
Februar 2022
eine vollzeitliche
Arbeitsstelle
bei der AFT-Gebäudehüllen
Fass
ad
enbau/Flachdach/Spenglerei
antrat
. Auch wenn die
–
kaum
leidensangepasste -
Arbeitsstelle
aufgrund der körp
e
rlichen Einschränkungen
des Beschwerdeführers
per 8.
April
2022 seitens der Arbeitgeberin wieder gekündigt wurde
(
vgl.
Urk.
6/82
),
ist im
Antritt einer Vollzeitstelle
knapp zwei Monate
nach dem Bericht
s
zeitpunkt
ein
zusätzlicher
Umstand zu erblicken, der
die von
Dr.
A.___
attes
t
ierte
hochgradige
Einschränkung der
Arbeit
sfähigkeit
selbst in einer leidensangepassten Tätigkeit
in Frage
stellt
.
Zu berücksichtigen ist
schliess
lich
auch
,
dass nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften de
r
Erfahrungstatsache
Rechnung getragen werden darf
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.2
Der Hinweis
des Beschwerdefüh
r
ers
auf die Einschätzung
von
Dr.
A.___
weckt
nach dem Gesagten keine
ernsthaften
Z
w
eifel an der
Beurteilung
von RAD Ärz
t
in
Dr.
G.___
.
Zudem
kann
weder dem
jüngsten
hausärzt
l
ichen Bericht
von
Dr.
F.___
(
vom
11.
Juli 2022
;
Urk.
6/91
)
noch den Ausführungen in der Beschwerde (Urk.
1/1) entnommen werden
, dass
im vorliegend
massgeblichen
Beurteilungszeitraum (bis zum Erlass der angefochtenen Verwaltungsverfügung; vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_843/2016 vom 1
1.
April 2017 E. 4.3)
weitere
Gesundheitsschä
d
en
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorlagen
oder hinzutraten
, die unberücksichtigt blieben und
deren
ergänzende
Berücksich
tigung
sich aufdrängt
e
.
I
nsbesondere
findet sich für
die einzig im Bericht aus der Rheumasprechstunde im
Spital Y.___
am 1
8.
Januar 2022 erwähnten
pectan
ginösen
Beschwerden (E. 3.5)
keine weitere
Bestätigung
in den Akten.
Es ist somit
von einem lückenlosen Befund
und einem
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehenden medizinischen Sachverhalt
auszugehen
,
so dass
übe
r d
e
n Leistungsanspruch
entschieden werden kann
. Gestützt darauf
sowie die
übrigen
Akten
ist mithin davon ausz
u
gehen
,
dass
in der
angestammt
en Tätigkeit
als Dachdecker
und Spengler
seit
dem
21.
Oktober 2019
keine Arbeitsfähigkeit mehr
bestand
,
der Beschwerdeführer jedoch
spätes
t
e
ns
seit
dem 19.
August 2020
(
Arztbericht von
Dr.
C.___
; Urk.
6/21/9 ff.
)
in einer leidensang
e
passten Tätigkeit
(
l
eichte bis höchstens kurzzeitig mittelschwere körperliche Tätigkeit mit Wechselbelastung, vorwiegend in sitzender Tätigkeit, keine Tätigkeit auf Gerüsten, Leitern oder Dächern oder an anderen exponierten Lagen, kein repetitives Treppensteigen oder Arbeiten in knieender oder kauernder Körperhaltung
; vgl.
Urk.
6/98/
6
)
im Umfang von 70-100
%, d
.
h
.
gemittelt zu
85
%
,
arbeitsfähig
war
.
4.3
Zu prüfen ble
i
ben die erwerblichen A
u
swir
k
ungen der so festg
e
stellten Arbeits
fähigkeit
.
5
.
5.1
Der Beschwerdeführer lebt seit August 2014 in der Schweiz (
Urk.
6/3/1
), wo er seither und bis im Jahr 2019
diverse
temporäre Anstellungen versah und
wiederholt
Taggelder der Arbeitslosenversicherung
bezog
.
Aufgrund dieser er
werblichen Begebenheiten erzielte er
unregelmässige
E
rwerbse
inkommen
(vgl.
IK-Auszug
Urk.
6/85
:
Jahr
201
5
:
Fr.
37‘601.--, Jahr 2016: Fr. 63‘961.--, Jahr 2017: 67‘541.-- Jahr 2018:
Fr.
49‘025.--)
,
die
mit Ausnahme des Jahres 2017
überdies
unter dem
statistischen
Medianlohn
des
niedrigsten
Kompetenzniveaus 1
der Tabellen
löhne
(Tabelle TA 1_tirage_skill_level, Total, Männer)
lagen, wie sie
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohn
strukturerhebun
gen (LSE)
für die jeweiligen Jahre
ausgewiesen sind
.
Bei dieser Ausgangslage
erübrigt sich
jedoch
d
ie
exakte
Ermittlung
des
Valideneinkom
mens
.
Denn
selbst wenn man zu
gunsten des B
e
schwer
d
efü
h
rers
sowohl
für
das Validen- als auch
für
das Invalideneinkommen
auf
diese
statistische
n
Durch
schnittswerte
abstellen
und dabei
rechnerisch ein
en
Prozentvergleich
vornehmen
würde, in welchem Fall d
er Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines (allfälligen) Abzugs vom Tabellenlohn
entspricht
(vgl. etwa Bundesgerichts
urteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E. 3.1 mit Hinweis; Meyer/Reich
muth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014 N 35 f. zu Art. 28a)
,
resultiert
e
kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad
.
5.2
G
estützt auf
die Einschätzung von RAD
-
Ä
rztin
Dr.
G.___
ist
– wie erwähnt -
von einer Arbeitsfähigkeit von 85
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit
aus
zugehen.
Ein
leidensbedingter Abzug
ist alsdann nicht
angezeigt
.
Denn
der Umstand, dass nur noch leichte
bis selten mittelschwere
Tätigkeiten zumutbar sind, ist kein Grund für einen leidensbedingten Abzug,
da
der Tabellenlohn im Kom
petenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätig
keiten umfasst.
Ferner
liegen beim Beschwerdeführer
zwar weitere
(qualitative) Ein
schränkungen auch bezüglich einer Verweistätigkeit vor. Jedoch sind diese kör
perlichen Limitierungen nicht als
ausserordentlich
zu bezeichnen, weshalb bezo
gen auf den
als ausgeglichen unterstellten
Arbeitsmarkt gleichwohl noch von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten ausgegan
gen werden kann
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2)
. Weitere persönliche Merkmale, die
sich lohnmindernd auswirken und daher
einen Abzug rechtfertigen
würden
, sind nicht ersichtlich
. Damit resul
tiert ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 15
%.
Anzumerken bleibt, dass se
lbst wenn man
in einer leidensangepassten Tätigkeit
von
einer Arbeitsfähigkeit
von 70
%
ausgehen würde (entsprechend
dem
tiefsten
Wert de
s
von
Dr.
G.___
angegeb
enen
Bereichs
)
,
ein Invalidität
sgrad
von 30
% und somit ebenfalls kein Rentenanspruch resultiert
e
.
5.
3
Zusammengefasst hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerde
führers auf eine Invalidenrente zu Recht verneint
. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens
, was
zur
Abweisung der
dagegen erhobenen Beschwerde führt
.
6.
6
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung notwendig oder doch geboten ist (Art. 29 Abs. 3 BV; BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 1
1.
Januar 2021 E. 1).
6
.2
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt, weshalb dem Beschwerdeführer
antragsgemäss
(Urk. 1/2) die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen ist.
6
.3
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die
Bewilligung
oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen
Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.
--
festgelegt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr. 800.-- als angemessen. Diese ist
ausgangsgemäss
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge
der
Bewilligung
der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden kann, sobald er dazu in der Lage ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubBachmann