# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25afb303-9ac5-5d16-8416-0256d2e2e0ec
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-29
**Language:** de
**Title:** Aufschub der Altersrente nicht innert Frist beantragt. Auskunft der Beschwerdegegnerin war unvollständig und missverständlich. Disposition besteht in der nicht rechtzeitigen Erklärung des Aufschubs (Disposition im Sinne einer Unterlassung) und des dadurch verwirkten Rechts auf die Möglichkeit eines Aufschubs. Vertrauensschutz bejaht.
**Docket/Reference:** AB.2020.00030
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AB.2020.00030.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AB.2020.00030
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Stadler
Urteil
vom
29. Januar 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren im September 1952
,
stellte am
1.
September
2015 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichs
kasse,
einen Antrag auf eine Rentenvorausberechnung, im Rahmen dessen er angab, dass er die Rente für ein bis zwei Jahre aufschieben möchte
(vgl. Urk.
9/4
).
Mit Schreiben vom 9.
No
vem
ber 2015 teilte die Ausgleichskasse dem Versicherte
n
die provisorische Berechnung der Altersrente
-
auch im Falle eines Rentenaufschubs
von
ein
bis
zwei
Jahre
-
mit
(Urk.
9/19).
Nachdem der Versicherte die Ausgleichskasse darauf hingewiesen hatte, dass seine Exfrau und er die Erziehungsgutschriften für die gemeinsamen Kinder teilen
würden
(
Urk.
9/22), nahm die Ausgleichskasse a
m 2
5.
No
vember 2015
eine pro
visorische Neuberechnung vor und teilte dem Ver
sicherten das Resultat
unter
Berück
sich
ti
gung der geteilten Erziehungsgu
t
schrif
ten der Kinder mit (Urk.
9/25).
Darauf hingewie
sen, dass er sich
für eine Aus
zahlung der AHV-Rente drei bis vier Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn
anmelden müsse
, meldete sich der Versicherte am
1
3.
August 2019
(Ein
gangs
datum) bei der Aus
gleichs
kasse zum Bezug der Altersrente an, wobei er angab, dass er die Rente auf
schieben
wolle
(Urk.
9/27). Mit
Verfügung
vom 22. August
2019 (
Urk.
9/31
) teilte die Aus
gleichs
kasse dem Versicherten mit, dass er den Au
f
schub der Alters
rente nicht innert Frist geltend gemacht habe, weshalb der Antrag um Aus
richtung einer Altersrente mit
Auf
schubs
zuschlag
abgewiesen werde. Die hier
gegen er
hobene Einsprache vom
1
0.
September
2019 (Urk.
9/35
)
sowie ergän
zend vom
1
7.
Oktober 2019 (
Urk.
9/43)
wies die Aus
gleichskasse mit Entscheid vom 2
5.
Fe
bruar 2020 ab (Urk.
9/47
= Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 2
5.
Februar 2020 (Urk. 2) erhob der Ver
si
cherte mit Eingabe vom 2
5.
März 2020 Beschwerde und beantragte dessen Auf
hebung und die Gewährung des
Aufschubszuschlags
(vgl. Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
August 2020 beantragte die Ausgleichskasse die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8, unter Beilage der Kassenakten [Urk. 9/1
49]),
was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
6.
August 2020 zur Kennt
nis ge
bracht wurde (Urk. 10).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 2
5.
Februar 2020 (Urk. 2) erwog die Be
schwer
de
gegnerin, der Rentenaufschub sei gemäss Art. 55
quater
Abs. 1 der Ver
ordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVV
) innerhalb eines
Jahres seit Entstehung des Rentenanspruchs geltend zu machen. Diese Frist habe der Beschwerdeführer verpasst.
Die Verwaltung habe im Hinblick auf die Voraus
berechnung der Rente zwar eine fehlerhafte Auskunft erteilt, dem Beschwerde
führer wäre es jedoch möglich gewesen, die Unrichtigkeit der Auskunft zu er
kennen,
sei
doch auf das Merkblatt «3.04 Flexibles Rentenalter» verwiesen
wor
den
.
Bei der Konsultierung des Merkblattes hätte er feststellen können, dass er sich inner
halb eines Jahres seit Erreichen des ordentlichen Rentenalters hätte an
mel
den müssen.
Ferner habe der Beschwerdeführer keine Dispositionen getroffen ode
r unterlassen, die nicht ohne Nachteil wieder rückgängig gemacht werden könnten. Die Voraussetzungen, um sich auf den Grundsatz von Treu und Glauben zu be
rufen, seien entsprechend nicht erfüllt.
1.2
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er sein Gesuch um Rentenaufschub in Form einer schriftlichen Anmeldung zur Altersrente nicht innert der in Art. 55
quater
Abs. 1 AHVV vorgeschriebenen Frist von einem Jahr eingereicht hat. Vielmehr machte er in seiner Beschwerde vom 2
5.
März 2020 (Urk. 1) zusam
men
gefasst geltend, er sei von der Beschwerdegegnerin mehrmals
darauf hingewiesen worden, dass er sich drei bis vier Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn mit dem Anmeldeformular für die Altersrente anmelden müsse. Darauf habe er sich verlassen.
Ihm sei nicht bekannt, ein Merkblatt erhalten zu haben.
Ausserdem habe er mit der Weiterarbeit lediglich beabsichtigt, eine höhere Rente generieren zu können, wovon er aber nun aufgrund der falschen Auskunft der Beschwerde
gegnerin nicht profitieren könne. Insofern sei ihm ein Schaden entstanden und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, i
h
m die Altersrente mit
Aufschubs
zahlung
zu gewähren.
1.3
Die Beschwerdegegnerin präzisierte in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
9.
August 2020 (
Urk.
8),
die Merkblätter würden integralen Bestandteil der Auskunft bilden. Diese seien demnach mit der gleichen Sorgfalt zu lesen, wie die Voraus
be
rech
nung selbst.
Hätte das Merkblatt dem Schreiben nicht beigelegen, hätte es der Beschwerdeführer nachfordern müssen. Ferner hätte die Möglichkeit bestanden, das entsprechende Merkblatt über die Website elektronisch einzusehen. Im Übri
gen hätten Versicherte, die über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbs
tätig seien, weiterhin Beiträge an die AHV, IV und EO zu bezahlen, dabei handle es
sich um Solidaritätsbeiträge. Diese hätten keinen Einfluss auf die eigene Rente. Das Kriterium der nichtwiedergutzumachenden Disposition sei nicht erfüllt.
2.
2.1
Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben Männer, welche das 6
5.
Alters
jahr, und Frauen, welche das 6
4.
Altersjahr vollendet haben, sofern ihnen für mindestens ein volles Jahr Einkommen, Erziehungs- oder Betreuungsgutschrif
ten angerechnet werden können (
Art.
21
Abs.
1 i.V.m.
Art.
29
Abs.
1 des Bun
des
ge
setzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
[
AHVG
]).
Im Rahmen des flexiblen Rentenalters haben Personen, die das ordentliche Ren
tenalter erreicht haben, die Möglichkeit, den Bezug der Altersrente um mindestens ein Jahr und höchstens fünf Jahre aufzuschieben und innerhalb dieser Frist die Renten von einem bestimmten Monat an abzurufen (
Art.
39
Abs.
1 AHVG). Die aufgeschobene Altersrente und die sie allenfalls ablösende
Hinterlassenenrente
wird um den versicherungstechnischen Gegenwert der nicht bezogenen Leistung erhöht (
Art.
39
Abs.
2 AHVG). Der Aufschub ist innert
eines Jahres
vom Beginn der
Aufschubsdauer
an schriftlich zu erklären
.
Ist innert Frist keine
Aufschubs
er
klärung
erfolgt, so wird die Altersrente nach den allgemein geltenden Vorschrif
ten fest
gesetzt und ausbezahlt
(
Art.
55
quater
Abs.
1 AHVV).
2.2
Gemäss
Art.
27 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
siche
rungsrechts (ATSG) sind Versicherungsträger und Durchführungsorgane der ein
zel
nen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeits
be
reichs die interessierenden Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzu
klären
(
Abs.
1). Die kantonalen Ausgleichskassen haben mindestens einmal jährlich durch
Publikation auf Leistungen der Versicherung, die Anspruchsvoraus
set
zung
en und di
e Anmeldung hinzuweisen (
Art.
67
Abs.
2 AHVV).
2.3
Gemäss Rechtsprechung (BGE 143 V 95 E. 3.6.2) kann nach dem in Art. 9 der Bundesverfassung (BV) verankerten Grundsatz von Treu und Glauben eine un
richtige Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, unter gewissen Um
ständen Rechtswirkungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass:
a)
es sich um eine vorbehaltslose Auskunft der Behörden handelt;
b)
die Auskunft sich auf eine konkrete, den Bürger berührende Angelegenheit bezieht;
c)
die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder der Bürger sie
aus zureichenden
Gründen als zuständig betrachten durfte;
d)
der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können;
e)
der Bürger im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteile rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat;
f)
die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeit
punkt der Auskunftserteilung;
g)
das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrauensschutz nicht überwiegt.
Vertrauensschutz setzt nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt sich auch aus einer blossen behördlichen Zusicherung und sons
tigem, bestimmte Erwartungen begründendem Verhalten der Behörden herleiten. Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift (vgl. Art. 27 ATSG) oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt (BGE 131 V 472 E. 5).
3.
3.1
Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer das Gesuch um Aufschub der Rente nicht rechtzeitig gestellt hat. Streitig und zu prüfen ist, ob er gestützt auf den Vertrauensschutz so zu stellen ist, wie wenn er innert der gesetzlich vorgesehenen Frist das Gesuch eingereicht hätte.
3.2
Das Schreiben der Beschwerdegegnerin an den Beschwerdeführer vom
9.
No
vem
ber 2015
(
Urk.
9
/
19
) enthielt die Auskunft,
Stand 2015 betrage
der
provisorisch errechne
te monatliche
Rentenbetrag
des Beschwerdeführers ab Oktober 2017 Fr.
2'143.
--,
ab Oktober 2018 - bei einem Rentenaufschub von 1 Jahr
- Fr.
2'254.-
- und ab Oktober 2019 - bei einem Rentenaufschub von 2 Jahren -
Fr. 2'374.--. Änderungen
seiner persönlichen Verhältnisse
, seiner Erwerbs
ein
kom
men
und der
gesetzlichen Grundlagen sowie die jährlich neuen Aufwer
tungs
fak
toren könnten erst bei Beginn seines Rentenanspruchs verbindlich berück
sichtigt werden. Er solle beachten, dass er sich drei bis vier Monate vor dem ge
wünschten Rentenbeginn mit dem Anmeldeformular für eine Altersrente anmel
den müsse.
Dem Schreiben legte die Beschwerdegegnerin
gemäss
Beila
gen
ver
zeichnis
den Individuellen Kontoauszug des Beschwerdeführers sowie das er
läuternde Merk
blatt
1.04
«Er
läuterungen zum Auszug aus dem individuellen Konto» und
einen Überblick über die wichtigsten Bestimmungen im Merkblatt
3.01
«Altersrenten und
Hilf
losen
ent
schädigungen
der AHV» bei
.
Nachdem der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 1
6.
November 2015 einen An
trag auf Splitting der Erziehungsgutschriften
ge
stellt
hatt
e (vgl.
Urk.
9/22)
,
nahm die Beschwerdegegnerin eine Neuberechnung vor
und teilte ihm Stand 2015 einen provisorisch errechneten monatlichen Rentenbetrag ab Oktober 2017 in der Höhe von Fr. 2'256.-- sowie einen provisorisch errechneten monatlichen Ehepaarrenten
be
trag ab April 2023 von Fr. 1'993.-- mit
.
Abermals
erteilte
sie
ihm mit
dem
S
chreiben vom 25.
No
vember 2015 (
Urk.
9/25) die Auskunft, dass er sich drei bis vier Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn mit dem Anmelde
for
mular für eine Alters
rente an
mel
den müsse. Dem Schreiben legte sie
laut
Beila
gen
ver
zeich
nis
das Merk
blatt 3.04 «Flexibles Renten
alter» bei, ohne jedoch darauf Bezug zu nehmen.
3.3
Auskunft über die provisorische Rentenhöhe für den ordentlichen sowie für den um ein bzw. zwei Jahre aufgeschobenen B
ezug gab die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer auf seinen entsprechenden Antrag hin somit mit
Schreiben vom 9. November 2015
. Darin begnügte sie sich als
die für die Rentenberechnung und -auszahlung zuständige Amtsstelle damit, den Beschwerdeführer darauf hin
zuweisen, dass er sich drei bis vier Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn mit dem Anmeldeformular für eine Altersrente anmelden müsse. Hinsichtlich des Verfahrens bei Rentenaufschub machte sie keine Angaben
(Urk. 9/19). Zwar erteilte die Beschwerdegegnerin an sich keine falsche Auskunft.
In Frage steht und zu prüfen ist jedoch
, ob
angesichts dieses Schreibens und der weiteren Um
stände
von einer ungenügenden Wahrnehmung der Auskunf
tspflicht auszugehen ist, da die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
umfassender hätte infor
mieren müssen. Die Rechtsprechung hat das Unterbleiben einer Auskunft trotz gesetzlicher Vorschrift nach Art. 27 ATSG oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt (E. 2.3 hiervor).
Für die Beschwerdegegnerin war anhand des Antrags vom 3
1.
August 2015
(Urk. 9/4)
klar erkenn
bar, dass der Beschwerdeführer vorhatte, den Rentenbezug aufzuschieben. Ent
sprech
end war sie verpflichtet, ihn über die Jahresfrist zur schriftlichen Erklä
rung des Aufschubs zu informieren.
Grundsätzlich kam sie dieser Auskunfts
pflicht zwar insofern nach, als im Antrag für
eine Voraus
be
rechnung in Ziff.
7.2 auf das «Merkblatt 3.04 - Flexibles Rentenalter» hingewiesen wurde und sie selber dieses ihrem Antwortschreiben vom 2
5.
November
2015 (
Urk.
9/25) beilegte, wo
bei sie allerdings nicht darauf Bezug nahm.
Indessen er
wähnte sie dieses Merk
blatt im
S
chreiben vom
9.
November 2015 nicht, obwohl sie darin den pro
visorischen Rentenbetrag für die um ein oder zwei Jahre auf
geschobene Rente mitteilte. Hier wäre aber der Ort gewesen, den Beschwer
de
führer
bezüglich
Frist zur Erklärung des Aufschubs zu informieren. Die Beschwer
de
gegnerin unterliess diese Aufklärung nicht nur -
welche Unterlassung durch den Hinweis auf dem Antragsformular auf das Merkblatt 3.04 sowie durch kom
mentarlose Beilage desselben im nachfolgenden Brief
vom 25. November 2015
allenfalls als geheilt betrachtet werden könnte
-, sondern sie führte den Be
schwerdeführer, indem sie sich mit dem Hinweis, dass er «sich drei bis vier Monate
vor dem gewünschten Rentenbeginn mit dem An
melde
formular für eine Alters
en
te anmelden
»
müsse, begnügte, in die Irre.
Da also im Schreiben vom 9. November 2015
betreffend provisorische Rentenberechnung zwar - wie beantragt
–
Renten
beträge für aufgeschobene Ren
ten aufgeführt wurden, be
züg
lich Rentenbezug selber aber lediglich auf eine - rechtlich im Übrigen gar nicht existierende
–
Ob
liegenheit, sich drei bis vier Monate vor dem Rentenbezug anmelden zu müssen, hingewiesen wurde, durfte der Beschwerdeführer gestützt auf diese an ihn per
sönlich gerichtete schriftliche Auskunft nach Treu und Glau
ben davon ausgehen,
dass für einen aufgescho
be
nen Rentenbezug keine weiteren Voraus
setzungen oder
Bedingungen bestehen. Entsprechend war von ihm auch nicht mehr zu erwarten, dass er das einen Brief später kommentarlos beigelegte Merkblatt 3.04 konsultiert, da aus seiner Sicht gar kein Anlass dazu bestand, zu
mal in jenem Brief der Rentenvorbezug kein Thema mehr war.
D
er Beschwerdeführer
durfte
daher aufgrund des Antwort
briefes vom
9.
Novem
ber 2015 betreffend provisorische Rentenberechnung da
rauf vertrauen, dass er keine besonderen Vorkehrungen für
den
aufgeschobenen Ren
ten
bezug zu treffen hat
.
3.4
Zu prüfen ist weiter, ob der Beschwerdeführer im Vertrauen auf diese falsche Auskunft Dis
po
sitionen getroffen hat, die er ohne Nachteil nicht mehr rückgängig machen kann. Davon ist nicht nur dann auszugehen, wenn er
Dispositionen ge
troffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig ge
macht werden können, sondern auch dann, wenn er im Vertrauen auf die Richtigkeit der behördlichen Auskunft oder Anordnung unterlassen hat, Dis
positionen zu treffen, die nicht mit dem früher möglichen Erfolg nachgeholt wer
den können (BGE 106 V 65 E. 3b).
Die Verweigerung des Aufschubs der Altersrente bedeutet in vermögensrecht
licher Hinsicht keinen Nachteil, weil der gewährte
Zuschla
g zur ordentlichen
Altersrente infolge des Aufschubs nicht wirklich eine Leistungsverbesserung bringt, sondern dem versicherungsmässigen Gegenwert der während der
Auf
schub
sdauer
nicht bezogenen Leistungen entspricht (vgl. Urteile des Bundes
ge
richts 9C_296/2020 vom 4. September 2020 E. 4.2.3, 9C_970/2008 vom 2. November 2009 E. 4.1, Rz. 6304
der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung
über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung [RWL])
.
Im vorliegenden Fall besteht die nachteilige Disposition des Beschwerdeführers
jedoch
darin, dass er den Rentenaufschub nicht rechtzeitig
geltend gemacht hat
,
mithin in einer
Disposi
t
ion im Sinne einer Unterlassung,
und
da
durch
sein Recht auf Aufschub
verwirkt ist und von Gesetzes wegen nicht mehr besteht.
Die Ausgangslage lässt keinen Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer von der Möglichkeit des Ren
ten
auf
schubs Ge
brauch machen wollte, erwähnte er seine Absicht doch bereits im Au
gust 2015
,
als er bei der Beschwerdegegnerin einen Antrag für eine Renten
vor
aus
be
rech
nung stellte (vgl.
Urk.
9/4). Im Sinne
der sozialversicherungs
recht
lichen Beweis
an
forderung ist auch überwiegend wahr
scheinlich, dass der Be
schwerde
führer bei richtiger
und vollständiger
In
for
mation seitens der Be
schwer
de
geg
nerin den Aufschub recht
zeitig, nämlich innert einem Jahr nach Ent
stehung des ordentlichen Renten
anspruchs, geltend gemacht hätte.
Dieses Recht kann der Be
schwerdeführer jetzt laut Gesetz nicht mehr gel
tend machen
.
F
olglich
kann er – unter Vorbehalt des hier zu prüfenden Vertrauens
schutzes –
auch
nicht mehr
,
wie von ihm gewünscht
,
vom prozentualen Zuschlag zur aufgeschobenen Rente gemäss Art. 55
ter
Abs.
1 AHVV profitieren.
3.5
Aus dem Gesagten folgt, dass die Voraussetzungen der Rechtsprechung, unter denen eine rechtsuchende Person aufgrund einer unrichtigen Auskunft vom materiellen Recht abweichend zu behandeln ist, erfüllt sind (vgl. E. 2.3 vor
stehend). Mithin ist der Beschwerdeführer so zu stellen, wie wenn er den Renten
aufschub innert einem Jahr nach Ent
stehung des ordentlichen Renten
anspruchs geltend gemacht hätte. Dies hat zur Folge, dass der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Altersrente mit entsprechendem Zuschlag gemäss
Art.
39
Abs.
2
AHVG
i.V.m.
Art.
55
ter
Abs.
1 AHVV hat.
Wird eine aufgeschobene Altersrente abge
rufen, so wird sie vom folgenden Monat an ausbezahlt (
Art.
55
quater
Abs.
3 AHVV)
.
Der Beschwerdeführer hat sich im August 2019 zum Bezug einer Altersrente
angemeldet (
Urk.
9/27), mithin er ab
1.
September 2019 Anspruch auf eine Alters
rente
mit prozentualem Zuschlag zur aufgeschobenen Rente hat.
4.
Ausgangsgemäss steht dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Pro
zess
entschädigung zu, die gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 GSVGer ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Baraus
lagen zu bemessen ist
und vorliegend unter Berücksichtigung dieser Grundsätze auf Fr. 1'500.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 2
5.
Februar 2020 auf
gehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab
1.
September 2019 Anspruch auf eine aufgeschobene Rente hat
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1’500
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstStadler