# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7b1408c-ec25-51b2-b42c-868b8b38b2ee
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.04.2021 E-4808/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4808-2019_2021-04-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4808/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen, 

Richterin Esther Marti, 

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

amtlich verbeiständet durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 16. August 2019 / N (…). 

 

 

 

E-4808/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der aus Mogadishu stammende Beschwerdeführer verliess seinen Hei-

matstaat eigenen Angaben zufolge im August 2015 und gelangte zunächst 

nach Äthiopien, wo er vergeblich versucht habe, sich in einem Flüchtlings-

lager registrieren zu lassen. Aus diesem Grund sei er weiter nach Addis 

Abeba gereist und habe dort drei Monate verbracht, während er versucht 

habe als (…)lehrer seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er sei schliess-

lich via den Sudan nach Libyen gelangt und habe erst nach mehreren Mo-

naten nach Italien übersetzen können. Am 12. April 2016 reiste der Be-

schwerdeführer illegal mit dem Zug in die Schweiz ein und stellte am 

18. April 2016 ein Asylgesuch. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) 

vom 25. Mai 2016 gab der Beschwerdeführer als Grund für die Ausreise 

an, er habe in seinem Heimatstaat wegen mehrerer Umstände nicht mehr 

sicher leben können. Erstens sei er mit anderen willkürlich von einem  

Polizisten festgenommen worden und in ein Gefängnis gebracht worden, 

wo mittels Folter ein falsches Geständnis von ihm erpresst worden sei. Mit 

dem aufgenommenen Geständnis sei dann von seiner Mutter Lösegeld er-

presst worden; wäre er an die Regierung verraten worden, hätte man ihn 

exekutiert. Er sei während zwölf Tagen festgehalten worden, weil seine  

Eltern das Lösegeld nicht hätten aufbringen können. Ein ehemaliger  

Koranschüler seines kranken Vaters habe sich jedoch für seine Freilassung 

eingesetzt. Zweitens habe er wegen seiner Zugehörigkeit zu einem  

Minderheits-Clan trotz Abschluss einer Ausbildung keine anständig be-

zahlte Arbeit bekommen. Er sei zwar einmal von einer Hilfsorganisation 

angestellt worden, dann aber während der ersten drei Arbeitstage vollstän-

dig ignoriert worden, weil diese Stelle offenbar für Mitglieder des Hawadle-

Clans bestimmt gewesen wäre. Aus diesem Grund sei er gezwungen ge-

wesen, eine schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen. Drittens habe er Prob-

leme mit den Al-Shabaab gehabt. Als Geschäftsführer eines (…)-geschäfts 

habe er einen Auftrag eines Al-Shabaab-Mitglieds abgelehnt. Er hätte (…) 

für ein grosses Fest einer Schule (…) sollen, aber geahnt, dass dort ein 

Anschlag geplant gewesen sei. Als Folge habe er Drohanrufe erhalten und 

schliesslich diese Anstellung gekündigt. Viertens habe er kurz vor seiner 

Ausreise mit einem Freund an einem Fest der Regierung teilgenommen. 

Dieser Freund sei am Folgetag vor seinem Wohnhaus (des Beschwerde-

führers) tot aufgefunden worden. Seine Mutter habe ihm diese Nachricht 

überbracht und ihn aufgefordert, seinen Arbeitsort und das Quartier zu ver-

lassen. Ausserdem sei er bei Problemen nicht von anderen Clans ge-

schützt worden und von den Kriegsparteien unter Druck gesetzt worden. 

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Seite 3 

Er habe sich nie an die heimatlichen Behörden gewandt, da er persönlich 

regelmässig von diesen festgenommen worden sei, weil sie jeweils be-

hauptet hätten, er und andere Mitglieder der Minderheits-Clans seien für 

die Anschläge verantwortlich. 

Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer seinen Pass, eine Identitäts-

karte seines letzten Arbeitsgebers sowie seine Ausbildung betreffende Do-

kumente und eine Kopie seiner Identitätskarte ins Recht. 

B.  

Ein zuvor eröffnetes Dublin-Verfahren wurde vom SEM am 27. Juni 2016 

beendet. 

C.  

An der Anhörung zu den Asylgründen vom 19. Dezember 2017 gab der 

Beschwerdeführer zu Protokoll, seit seiner Ausreise hätten die Al-Shabaab 

seinen jüngeren Bruder an seiner Stelle behelligt, weshalb dieser inzwi-

schen nach Kenia geflohen sei. Seine Mutter sei mit den übrigen Ge-

schwistern ins Quartier B._______ umgezogen, weil die Al-Shabaab dort 

weniger präsent seien und es für sie deshalb sicherer sei. Sein Vater sei 

(…) verstorben. Zu seinem Leben in Mogadishu führte er aus, er habe auf-

grund seiner Zugehörigkeit zu einem Minderheits-Clan stets Schwierigkei-

ten gehabt; es habe Entführungen gegeben oder sie seien gewaltsam ver-

trieben worden. Zudem sei ihnen oft das Geld weggenommen worden, wo-

gegen sie sich nicht effektiv hätten zur Wehr setzen können. Angehörige 

von Minderheits-Clans würden ausserdem instrumentalisiert, Morde oder 

dergleichen für die Al-Shabaab auszuführen, weil ihnen niemand Schutz 

vor allfälligen Konsequenzen gewähren würde. Er sei einmal mit anderen 

von Polizisten – den ehemaligen Kämpfern der Warlords – festgenommen 

worden, weil sie sich zufällig in der Nähe einer Bombenexplosion aufge-

halten hätten. Die Angehörigen von Mehrheits-Clans seien entlassen wor-

den, während er gefoltert und mittels des aufgenommenen Geständnisses 

seine Familie erpresst worden sei. Somalia habe er erstens wegen seiner 

Zugehörigkeit zu einem Minderheits-Clan, zweitens wegen fehlendem 

Schutz vor der Bedrohung der Al-Shabaab, drittens wegen erlebten Nach-

teilens seitens der Regierung und viertens wegen der nicht vorhandenen 

Jobmöglichkeiten verlassen. Nachdem sein Freund nach einem gemein-

sam besuchten Fest ermordet aufgefunden worden sei, und ihre Namen 

auf im Quartier verteilten Zetteln der Al Shabaab gestanden hätten, habe 

er Todesangst gehabt und deshalb seinen Heimatstaat verlassen.  

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Seite 4 

D.  

Mit Verfügung vom 16. August 2019 – eröffnet spätestens am 21. August 

2019 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und 

ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der 

Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Auf-

nahme in der Schweiz aufschob. 

E.  

Mit Eingabe vom 18. September 2019 liess der Beschwerdeführer beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Asylentscheid erhe-

ben. Er beantragte die teilweise Aufhebung der angefochtenen Verfügung 

sowie die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewäh-

rung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der  

unentgeltlichen Rechtspflege und Verzicht auf Erhebung eines Kosten- 

vorschusses. Er reichte in diesem Zusammenhang eine Unterstützungs-

bestätigung vom 20. Juni 2019 zu den Akten. 

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am 

26. September 2019 den Eingang seiner Beschwerde. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2019 gewährte der Instruktions-

richter dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung sowie die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung und setze lic. iur. Tarig Hassan als 

seinen amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleichzeitig lud er das SEM zur Ver-

nehmlassung ein. 

H.  

In der Vernehmlassung vom 23. Oktober 2019 beantragte das SEM die 

Abweisung der Beschwerde. 

I.  

Die Vernehmlassung des SEM wurde dem Beschwerdeführer mit Instruk-

tionsverfügung vom 30. Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht und ihm Frist 

zur Einreichung einer Stellungnahme gesetzt. 

J.  

Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 14. November 2019 eine 

Replik sowie eine Honorarnote seines amtlichen Rechtsbeistands zu den 

Akten geben und an seinen Anträgen festhalten. 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).   

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

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Seite 6 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung der ablehnenden Verfügung führte das SEM aus, den 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ausreisegrund, er sei durch die 

Al-Shabaab mit dem Tod bedroht worden, habe er nicht glaubhaft machen 

können. So habe er die an der Anhörung erwähnten Flugblätter, mit wel-

chen seine Tötung angekündigt worden sei und die den Ausschlag für 

seine Ausreise gegeben hätten, anlässlich der BzP nicht beschrieben.  

Er habe auch die Umstände im Zusammenhang mit seiner Ausreise wider-

sprüchlich geschildert. Einerseits habe er angegeben, er habe sich direkt 

von seinem Arbeitsplatz aus auf die Flucht begeben; andererseits habe er 

geltend gemacht, keine Anstellung gefunden zu haben, was auch ein 

Grund für seine Flucht aus dem Heimatstaat dargestellt habe. Insgesamt 

sei nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer durch die Präsenz 

der Al-Shabaab in gewisser Weise beeinträchtigt worden sei; eine in ziel-

gerichtetem Ausmass erfolgte Bedrohung könne aber nicht geglaubt wer-

den. Vielmehr sei davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe seinen 

Heimatstaat aufgrund der allgemeinen Lebensumstände verlassen. Den 

geltend gemachten Massnahmen, die er von Seiten der Regierung habe 

erdulden müssen, fehle es aber an der notwendigen Intensität gemäss 

Art. 3 AsylG. Zum einen sei unklar, ob er lediglich nach Abschluss legitimer 

Untersuchungsmassnahmen oder tatsächlich nach der Leistung von Löse-

geld aus der Haft entlassen worden sei, zum andern hätten sich nach sei-

ner Freilassung und bis zu seiner Ausreise keine relevanten Vorfälle mehr 

ereignet. Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zu einem Minderheits-

Clan stelle im Übrigen kein asylrelevantes Vorbringen dar; solche Perso-

nen würden nämlich in Somalia nicht kollektivverfolgt, und er habe dies 

lediglich in Verbindung zu seinen übrigen Asylvorbringen geltend gemacht. 

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4.2 In der Beschwerdeschrift bemängelte der Beschwerdeführer die Verfü-

gung des SEM dahingehend, dass deren Argumente konstruiert erschei-

nen würden. Er habe an den Befragungen mehrmals und konsistent erklärt, 

er habe nach Abschluss seines Studiums verschiedene Anstellungen ge-

habt, aber damit nicht genügend Geld verdient. Die Anstellung beim Im-

portunternehmen ([…]) habe er im Gegensatz zu seinem Job  

im (…)shop bis August 2015 – also bis zum Zeitpunkt seiner Flucht aus 

Mogadischu – ausgeführt. Diese Antworten habe die Vorinstanz in der an-

gefochtenen Verfügung schlicht unterschlagen. Den Flyer, auf dem sein 

Name aufgeführt gewesen sei, habe er tatsächlich an der BzP nicht er-

wähnt, immerhin aber sämtliche anderen Umstände, die mit diesem Ereig-

nis zusammenhängen würden. Seine diesbezüglichen Schilderungen sei-

en konstant und lebensnah ausgefallen und damit als glaubhaft zu qualifi-

zieren. Entgegen den Ausführungen des SEM habe er ausserdem bereits 

an der BzP frühere Schwierigkeiten mit der Al-Shabaab-Miliz erwähnt; un-

ter anderem auch einen Vorfall im Jahr 2014, als er sich geweigert habe 

einen Auftrag eines Mitglieds der Al-Shabaab auszuführen. Er habe jeden-

falls zu diesem Zeitpunkt auf weiter in der Vergangenheit liegende Prob-

leme mit den Al-Shabaab hingewiesen. Angesichts dessen sei nicht halt-

bar, die Ausführungen anlässlich der Anhörung als nachgeschoben zu be-

zeichnen. Es könne der Ansicht des SEM sodann nicht gefolgt werden, wo-

nach es sich bei den Verfolgungshandlungen seitens der Regierungsbe-

amten um legitime Untersuchungsmassnahmen gehandelt habe. So sei er 

lediglich deshalb Ziel dieser Massnahmen geworden, weil er sich als An-

gehöriger des Minderheits-Clans C._______ im Zeitpunkt, als eine Bombe 

detoniert sei, zufällig in der Nähe aufgehalten. Damit sei er wegen seiner 

Clan-Zugehörigkeit gezielten Behelligungen ausgesetzt gewesen. Angehö-

rige von Minderheits-Clans seien nicht wie die gesamte Bevölkerung in 

Zentral- und Südsomalia von Gewalt betroffen, vielmehr seien sie wegen 

ihrer Clan-Zugehörigkeit sowohl Misshandlungen als auch Entführungen 

durch die Al-Shabaab und die korrupten Regierungsangehörigen ausge-

setzt. 

4.3 In seiner Vernehmlassung räumte das SEM ein, der Beschwerdeführer 

habe in seiner Beschwerdeschrift zwar durchaus plausibel zu erklären ver-

mocht, wie seine unterschiedlichen Aussagen zu seinen Anstellungen im 

Heimatstaat zu verstehen seien. Diese Angaben seien aber nicht aus-

schlaggebend gewesen für den negativen Asylentscheid. Es sei vielmehr 

von Bedeutung gewesen, dass er an der BzP die konkrete Morddrohung 

nicht erwähnt habe, obschon diese schliesslich zu seiner Ausreise geführt 

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habe. Auch die erstmals an der Anhörung zu Protokoll gegebenen Miss-

handlungen und Inhaftierung durch die Al-Shabaab seien zwar als nachge-

schoben zu qualifizieren, nicht aber, dass er gewisse Nachteile durch die 

Al-Shabaab erlebt habe. Es sei jedoch nicht von gezielt gegen den Be-

schwerdeführer gerichteten Verfolgungsmassnahmen auszugehen. Hin-

sichtlich die vorgebrachte Inhaftierung wäre sodann zu erwarten gewesen, 

dass er über Hintergründe seiner Haftentlassung hätte berichten können; 

diese Ausführungen seien aber generell vage ausgefallen. 

4.4 In der Replik wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass das SEM in 

der angefochtenen Verfügung immerhin aufgrund des angeblichen Wider-

spruchs betreffend seine Arbeitsstelle auf die Unglaubhaftigkeit seiner 

Fluchtumstände geschlossen habe. Diese Vorbringen seien aber eng ver-

bunden mit dem Auslöser seiner Flucht, nämlich die Bedrohung durch die 

Al-Shabaab infolge der Ermordung seines Freundes. An der BzP habe er 

zwar die Morddrohung nicht explizit erwähnt, aber immerhin die Umstände 

dargelegt, welche darauf hätten schliessen lassen, dass ihm – wie seinem 

getöteten Freund – Sanktionen drohen würden. Schliesslich würden ver-

schiedene Berichte vergleichbare Vorgehensweisen der Al-Shabaab darle-

gen, wie die von ihm beschriebenen, was einen Beleg für die Glaubhaf-

tigkeit seiner Aussagen darstelle. 

5.  

5.1 Glaubhaftmachung im Sinn des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit 

der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Bei der Be-

urteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller 

Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, 

Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-

keit usw.), die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft 

ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. 

Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt 

der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte 

wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-

verhaltsdarstellung sprechen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 

2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2, 2010/57 E. 2.3). 

  

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5.2 Vorab ist anzumerken, dass die Vorinstanz nicht an der durch den Be-

schwerdeführer geltend gemachten Zugehörigkeit zum Clan der Asharaf 

zweifelte und auch für das Bundesverwaltungsgericht hierzu keinen Anlass 

besteht. Nach Durchsicht der Akten ist überdies festzustellen, dass der Be-

schwerdeführer zum Beleg seiner Lebensumstände in Somalia eine Viel-

zahl von Urkunden und anderen Dokumenten beigebracht hat. Seine Iden-

tität wird durch den nachträglich eingereichten Reisepass belegt. 

5.3 Berichten zufolge werden die Asharaf formal nur teilweise als Minder-

heit eingestuft, weil ihnen zwar aufgrund ihrer Abstammung ein spezieller 

religiöser Status zukomme, sie aber dieselben Probleme zu gewärtigen ha-

ben, wie ihre "Schutzclans". Sie seien zum Ziel von Übergriffen durch die 

Al-Shabaab geworden, weil diese den religiösen Status der Digil-Mirifle-

Asharaf nicht anerkannt hätten. Mitglieder dieser Gruppe seien zwar nicht 

einer systematischen Verfolgungsgefahr ausgesetzt, doch würden sie mit-

unter deshalb zu einer der schwächsten Gruppen in Somalia zählen, weil 

sie weder politisch noch militärisch stabil verankert seien (vgl. GUNDEL  

JOAKIM, Nairobi. Clans in Somalia. Report on a Lecture by Joakim Gundel. 

Dezember 2009. S. 19, abrufbar unter < https://www.ecoi.net/en/file/lo-

cal/1193130/90_1261130976_accord-report-clans-in-somalia-revised-edi-

tion-20091215.pdf >; Anfragebeantwortung zu Somalia: Information zu 

Mischehen zwischen Tumaal und Ashraf; gesellschaftlicher Status der 

Tumaal und der Ashraf [a-11095], vom 20. September 2019 m.w.H., abruf-

bar unter < https://www.ecoi.net/de/dokument/2016781.html# >; diese  

sowie alle nachfolgenden Quellen abgerufen am 15. März 2021).  

Nach diesen Ausführungen ist festzuhalten, dass bei Angehörigen des 

Clans des Beschwerdeführers Schwierigkeiten und Behelligungen, wie die 

von ihm beschriebenen, objektiv zu erwarten sind. 

5.4 Für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführer spricht 

zudem, dass er bereits an der BzP die Gründe, welche zur Ausreise aus 

seinem Heimatstaat geführt haben, aussergewöhnlich detailliert und nach-

vollziehbar zu veranschaulichen vermochte. Sodann fielen auch seine 

freien Aussagen an der Anhörung zu den Asylgründen überaus ausführlich 

aus und lassen darüber hinaus erkennen, dass er sich nach jahrelangen 

Behelligungen von Seiten der Al-Shabaab sowie wegen Nachteilen auf-

grund seiner Clanzugehörigkeit zum Verlassen seines Heimatstaates ge-

zwungen sah. Einerseits gab er Detailinformationen wieder, die sich mit 

Berichten über seinen Heimatstaat decken (vgl. zu SEM-Akten, A18 ad 

F22 f. oder F76 etwa: EGAL ADAM YUSUF, Police Corruption, Radicalization 

https://www.ecoi.net/en/file/local/1193130/90_1261130976_accord-report-clans-in-somalia-revised-edition-20091215.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/1193130/90_1261130976_accord-report-clans-in-somalia-revised-edition-20091215.pdf
https://www.ecoi.net/en/file/local/1193130/90_1261130976_accord-report-clans-in-somalia-revised-edition-20091215.pdf

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and Terrorist Attacks in Mogadishu. Norwegian University of Life Sciences, 

August 2016, S. 33 ff. und S. 47 f., abrufbar unter < https://nmbu.brage.unit. 

no/nmbu-xmlui/bitstream/handle/11250/2420500-/Adam%27s%20final%2 

0thesis%2015.08.2016.pdf?sequence=1&isAllowed=y >; MENKHAUS KEN, 

Non-State Security Providers and Political Formation in Somalia, Centre 

for Security Governance, 2016, S. 23, abrufbar unter < https://secgovcen-

tre.org/wp-content/uploads/2016/11/NSSPs_in_Somalia_April2016.pdf >; 

HARPER MARY, Everything You Have Told Me Is True: The Many Faces of 

Al Shabaab, 2019; DANISH IMMIGRATION SERVICE / DANISH REFUGEE  

COUNCIL, South and Central Somalia: Security Situation, al-Shabaab Pres-

ence, and target Groups – Report based on interviews in Nairobi, Kenya,  

3 to 10 December 2016, vom März 2017, S. 20 f., abrufbar unter 

< https://flygtning.dk/media/3189161/south-and-central-somalia-report-ma 

rch-2017.pdf >).  

Andererseits enthalten seine Schilderungen zahlreiche weitere Realkenn-

zeichen, wie die Wiedergabe von Details, die für die Glaubhaftigkeit dieser 

Geschehnisse sprechen (vgl. A5 S. 9 beispielsweise: "Er war arbeitslos 

und die Nacht vor seinem Tod haben wir gemeinsam an einem Fest teilge-

nommen"; "Nachdem meine Mutter mir telefoniert hatte kam sie zu meiner 

Arbeitsstelle und sagte mir ob sie mich segnen oder verfluchen solle."; A18 

ad F44 ff., ad F54: "[…] dass mein Freund vor unserem Haus getötet 

wurde. Ich weiss nicht, warum er vor unserem Haus war. Wollte er uns 

besuchen?"; ad F58: "Einige junge Männer aus dem Quartier waren dabei. 

Da es hohe Arbeitslosigkeit bei jungen Leuten gibt, gehen die jungen Leute 

zu solchen Festen, um Kontakte zu knüpfen, damit sie eine Stelle bekom-

men."; ad F56, F60 sowie ad F68: "Sie sagte gehe weg und meinte, ich 

solle mich irgendwo in Mogadishu verstecken. Ich habe bereits entschie-

den wegzugehen, auszureisen."). Auffällig erscheint auch das wiederholte 

In-Relation-Setzen von Verfolgungsmassnahmen mit alltäglichen Proble-

men (vgl. A5 S. 9 "Ich persönlich wurde mehrere Male verhaftet. Ich habe 

deswegen sogar an der Uni drei Prüfungen verpasst. Aber das sind viele 

kleine Probleme, mit denen wir uns abfinden müssen und die wir ertragen."; 

A18 F47: "Wie oft hatten Sie mit Vertretern von Al Shabab zu tun […]." A: 

"Das waren unzählige Male. Das ist Routine gewesen, das heisst in jedem 

Monat mindestens einmal wurde ich inhaftiert, geschlagen. Die Schläge 

und Misshandlungen von Al Shabab waren so selbstverständlich zu akzep-

tieren, so lange man nicht zum Tode verurteilt wird […].").   

  

https://secgovcentre.org/wp-content/uploads/2016/11/NSSPs_in_Somalia_April2016.pdf
https://secgovcentre.org/wp-content/uploads/2016/11/NSSPs_in_Somalia_April2016.pdf
https://flygtning.dk/media/3189161/south-and-central-somalia-report-ma%20rch-2017.pdf
https://flygtning.dk/media/3189161/south-and-central-somalia-report-ma%20rch-2017.pdf

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Seite 11 

5.5 Demgegenüber erscheinen einzelne Aussagen des Beschwerdefüh-

rers zwar als geringfügige Übertreibungen (vgl. A5 S. 8; A18 ad F23, F39, 

F80) und aus den Befragungsprotokollen resultieren auch einige wenige 

Unstimmigkeiten. Diese Punkte betreffen jedoch vorwiegend unwesentli-

che Sachverhaltselemente und vermögen somit im Gegensatz zu den vie-

len überaus authentisch wirkenden Schilderungen nicht wesentlich ins Ge-

wicht zu fallen. 

5.6  

5.6.1 Die in der Beschwerde kritisierte Argumentation des SEM zur angeb-

lichen Widersprüchlichkeit der Aussagen zur Arbeitssituation vor der Aus-

reise wurde in der Vernehmlassung zurückgenommen. 

5.6.2 Soweit das SEM die Auffassung vertritt, der Beschwerdeführer habe 

den Hauptgrund für die Ausreise (Morddrohungen durch die Al-Shabaab) 

in der BzP nicht erwähnt, erweist sich dies bei näherer Betrachtung nicht 

als überzeugend. Gemäss langjähriger Praxis der Schweizer Asylbehörden 

kommt den Aussagen zu den Ausreisegründen in der BzP angesichts des 

summarischen Charakters dieser Befragung für die Beurteilung der Glaub-

würdigkeit der vorgebrachten Asylgründe nur eingeschränkter Beweiswert 

zu; Aussagewidersprüche dürfen demnach für die Beurteilung der Glaub-

würdigkeit nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen in der 

BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aus-

sagen in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereig-

nisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt 

werden, nicht bereits in der BzP zumindest ansatzweise erwähnt werden 

(vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3; KNEER / SONDEREGGER, Glaubhaf-

tigkeitsprüfung im Asylverfahren - Ein Überblick über die Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts, in: ASYL 2015/2, S. 4 f.). In der BzP hatte 

der Beschwerdeführer seine Probleme mit den Al-Shabaab beschrieben; 

er erwähnte Drohungen und gab an, sein Freund sei am Tag vor seiner 

Flucht erschossen worden, nachdem sie am Abend zuvor zusammen an 

einem Fest teilgenommen hätten; er ergänzte, die Täterschaft habe damals 

nicht festgestanden, aber die Nachbarschaft sei "davon aus[gegangen], 

dass es die AI-Shabaab waren, da [sie] an diesem Fest der Regierung teil-

genommen" hätten (vgl. A5 S. 9). Im Anschluss an die fast zweiseitige 

Schilderung der Ausreisegründe gab er auf Frage hin an, es habe noch 

"ganz viele weiter[e] Probleme" gegeben, und er habe nur die wichtigsten 

Ausreisegründe "jetzt einmal genannt" (vgl. a.a.O. S. 10). Unter diesen 

Umständen stellt die in der Anhörung protokollierte zusätzliche Aussage, 

E-4808/2019 

Seite 12 

im Quartier hätten Flugblätter mit den Namen der Teilnehmer dieses Fests 

zirkuliert (vgl. insbes. A18 ad F39 f.), aus Sicht des Gerichts nicht den 

Nachschub eines nicht ansatzweise erwähnten Asylgrunds dar, sondern 

eine detaillierende Ergänzung der im BzP-Protokoll enthaltenen Angaben. 

Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer den Flyer 

mit seinem Namen selber gerade nicht gesehen haben will, sondern seine 

Mutter ihm davon erzählt habe (vgl. A18 ad F56 f.). In Bezug auf die an der 

Anhörung genannten weiteren Behelligungen durch die Al-Shabaab erklärt 

seine Aussage – es habe unzählige Bedrohungssituationen gegeben, was 

aber Routine gewesen sei – weshalb er diese im Rahmen der BzP nicht 

unter den wichtigsten Problemen detailliert schilderte (vgl. A5, S. 10 und 

A18 ad F47). Insofern kann das Gericht die diesbezügliche durch das SEM 

vertretene Ansicht nicht teilen (Verfügung vom 16. August 2019 S. 4; Ver-

nehmlassung vom 23. Oktober 2019 S. 2). 

5.6.3 In der angefochtenen Verfügung spricht das SEM den Schwierigkei-

ten des Beschwerdeführers mit den heimatlichen Behörden wegen fehlen-

der Intensität die asylrechtliche Relevanz ab. Aufgrund den vorangegange-

nen Ausführungen erachtet es das Bundesverwaltungsgericht ebenfalls als 

glaubhaft, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Zugehörigkeit zu ei-

nem Minderheitsclan ernsthaftere Nachteile durch Regierungsmitarbei-

tende erlebte, als die Allgemeinbevölkerung in seiner Herkunftsregion. 

5.7 Eine Würdigung aller für sowie gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbrin-

gen sprechenden Elemente führt folglich klar zur Schlussfolgerung, dass 

sich insgesamt ein stimmiges Bild ergibt und die massgeblichen Aspekte 

überwiegen, welche für die Richtigkeit der geltend gemachten fluchtauslö-

senden Verfolgungsmassnahmen sprechen. 

6.  

6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auf-

grund des von ihm glaubhaft dargelegten Sachverhalts die Flüchtlings- 

eigenschaft erfüllt. 

6.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinn von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

E-4808/2019 

Seite 13 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand.  

Die Verfolgungsfurcht muss zum Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell 

sein. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen 

dem Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind des-

halb zugunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. 

dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je 

m.w.H.). 

6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – 

aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger 

Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-

lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage 

Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen 

würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten 

Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der be-

troffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-

gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-

jektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). 

6.4  

6.4.1 Nach den Ausführungen in den vorangegangenen Erwägungen ist 

folglich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer insbesondere we-

gen seiner Zugehörigkeit zu einem Minderheitsclan stetigen Behelligungen 

seitens der heimatlichen Behörden ausgesetzt war, indem er immer wieder 

willkürlich verhaftet wurde.  

6.4.2 Dass der Beschwerdeführer in der BzP und in der Anhörung überein-

stimmend zu Protokoll gegeben hat, er sei bei der letzten Verhaftung durch 

Regierungsvertreter, rund vier Monate vor der Ausreise, gefoltert worden 

(vgl. A5 S. 8, A18 ad F85: Schläge mit dem Gewehrkolben, Zubinden eines 

über den Kopf gestülpten Sacks mit Chilipulver um Erstickungsgefühle aus-

zulösen), ist der angefochtenen Verfügung nicht zu entnehmen. Dieses 

vom SEM offensichtlich übersehene Vorbringen macht die vorinstanzliche 

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Seite 14 

Argumentation, es habe sich möglicherweise um "legitime […] Untersu-

chungsmassnahmen" gehandelt, die auch mangels Intensität nicht als Ver-

folgung zu qualifizieren sei (vgl. Verfügung S. 5), von vorherein untauglich. 

6.5 Sodann wurde der Beschwerdeführer seit Jahren durch die Al-Shabaab 

belästigt und unter Druck gesetzt. Einige Zeit vor seiner Ausreise wurde er 

konkret bedroht, weil er sich zunächst weigerte einen Druckauftrag auszu-

führen, der seines Erachtens der Ausübung eines Anschlags hätte dienen 

sollen. Schliesslich sah er sich gezwungen, seinen Herkunftsort zu verlas-

sen, nachdem infolge der Teilnahme an einem Fest der Regierung sein 

Freund, mit dem er das Fest besucht hat, vor seinem Wohnhaus tot aufge-

funden wurde und er selber mit dem Tod bedroht wurde. Seither wurde sein 

jüngerer Bruder an seiner Stelle bedroht, weshalb dieser ebenfalls das 

Land verliess und sich die restliche Familie gezwungen sah, das Wohn-

quartier zu verlassen. 

6.6 Diese stetige Gefährdungssituation sowie die Furcht des Beschwerde-

führers vor Vergeltungsmassnahmen durch die Al-Shabaab sind als asyl-

relevant im Sinn von Art. 3 AsylG zu werten, zumal sein Verhalten offen-

sichtlich als oppositioneller Akt aufgefasst wurde. Nachdem er zudem re-

gelmässigen Behelligungen durch Regierungsmitarbeitende ausgesetzt 

war, ist nicht davon auszugehen, dass er durch die staatlichen Behörden 

Schutz vor dieser Verfolgung erlangen könnte. Bereits angesichts des vom 

SEM als unzumutbar qualifizierten Wegweisungsvollzugs ist eine inner-

staatliche Schutzalternative für den Beschwerdeführer nicht verfügbar (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 8 insbes. E. 8.5.2).  

6.7 Der Beschwerdeführer erfüllt demzufolge die Flüchtlingseigenschaft. 

Den Akten sind keine Hinweise auf Asylausschlussgründe (insbesondere 

im Sinn von Art. 53 AsylG) zu entnehmen, weshalb dem Beschwerdeführer 

in der Schweiz Asyl zu gewähren ist. 

7.  

7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefoch-

tene Verfügung des SEM vom 16. August 2019 ist aufzuheben. Der Be-

schwerdeführer ist als Flüchtling anzuerkennen und das SEM anzuweisen, 

ihm Asyl zu gewähren. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

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Seite 15 

9.  

9.1 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann der obsiegenden Partei von Amtes 

wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen not-

wendigen und verhältnismässig hohen Kosten zugesprochen werden (vgl. 

Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

9.2 Die bei den Akten liegende Kostennote erscheint den Verfahrensum-

ständen als angemessen. Die von der Vorinstanz auszurichtende Partei-

entschädigung ist demnach auf insgesamt Fr. 3925.– (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuerzuschlag im Sinn von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzuset-

zen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

  

E-4808/2019 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt. Das SEM wird ange-

wiesen, ihm Asyl zu erteilen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3925.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

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