# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 271d3907-100c-5020-afa9-7a9af9ef0f16
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.07.2023 D-2337/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2337-2021_2023-07-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 
    
 

 

 

b 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2337/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J u l i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann,  

Richter Walter Lang,  

Richterin Deborah D’Aveni, 

Richter Gérald Bovier,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik),   

vertreten durch (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 7. Mai 2021 / N (…). 

 

 

 

D-2337/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 19. Juni 2018 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

B.  

Er wurde am 27. Juni 2018 zu seiner Person, dem Reiseweg sowie sum-

marisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). 

Eine eingehende Anhörung zu den Fluchtgründen fand am 15. November 

2018 statt. 

Der Beschwerdeführer machte dabei im Wesentlichen geltend, dass er aus 

Tibet stamme, wo er bis zu seiner Ausreise im Jahre 2018 gelebt habe. 

Nachdem er aufgrund chinakritischer Äusserungen auf «WeChat» behörd-

lich gesucht worden sei, sei er aus Tibet geflohen. 

C.  

Das SEM zweifelte an der angeblichen Herkunft des Beschwerdeführers, 

weshalb es die amtsinterne Fachstelle LINGUA mit der Einholung einer 

Herkunftsabklärung beauftragte.  

Am 5. Februar 2020 führte eine Alltagsspezialistin des SEM ein telefoni-

sches Gespräch mit dem Beschwerdeführer, welches aufgezeichnet 

wurde. Gestützt auf diese Aufzeichnung erstellte eine sprach- und länder-

kundige Person (AS19) die Herkunftsanalyse vom 31. März 2020. Die 

sachverständige Person kam zum Schluss, dass die Sozialisation des Be-

schwerdeführers sehr wahrscheinlich nicht am von ihm geltend gemachten 

Herkunftsort, sondern sehr wahrscheinlich in der exiltibetischen Gemein-

schaft ausserhalb der Volksrepublik China stattgefunden habe. 

D.  

Am 30. April 2020 wurde dem Beschwerdeführer zusammenfassend das 

rechtliche Gehör zu den Schlussfolgerungen der sachkundigen Person ge-

währt. Diese Verfügung konnte jedoch nicht zugestellt werden. 

E.  

Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerde-

führer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.  

D-2337/2021 

Seite 3 

Mit diesem Entscheid wurde dem Beschwerdeführer Akteneinsicht ge-

währt. Anstelle des Anhörungsprotokolls wurde ihm jedoch versehentlich 

eine Kopie des amtsinternen LINGUA-Berichts zugestellt. 

F.  

Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer am 25. Juni 2020 beim Bun-

desverwaltungsgericht an. Mit Urteil D-3262/2020 vom 14. Juli 2020 hiess 

das Gericht die Beschwerde gut und wies die Sache zur ordnungsgemäs-

sen Behandlung und anschliessenden Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurück. 

G.  

Mit Schreiben vom 27. und 30. Juli 2020 bat der Beschwerdeführer das 

SEM um Auskünfte zum Verfasser der LINGUA-Analyse namens 

B._______. 

Mit Schreiben vom 27. August 2020 teilte das SEM dem Beschwerdeführer 

unter anderem mit, dass es sich bei B._______ nicht um den tatsächlichen 

Namen der sachverständigen Person handle. Das Pseudonym diene dem 

Schutz der betroffenen Person. 

H.  

Am 6. August 2020 stellte der Beschwerdeführer dem SEM Kopien eines 

Hukou sowie von Briefen seiner Mutter, des Dorfvorstehers und des Ge-

meindevorstehers zu.  

Am 12. Oktober 2020 wurden die Originale dieser Dokumente samt Über-

setzung nachgereicht. 

I.  

Ferner stellte der Beschwerdeführer dem SEM am 20. Oktober 2020 eine 

Gegenanalyse vom 20. September 2020 (nachfolgend: Gegenanalyse) so-

wie eine Stellungnahme zur Herkunftsanalyse von vier Tibetologen vom 

29. September 2020 zu.  

J.  

Mit Schreiben vom 17. Februar 2021 informierte das SEM den Beschwer-

deführer, dass die Instruktion des Dossiers abgeschlossen sei und ge-

währte ihm die Möglichkeit zur Stellungnahme. Dazu stellte das SEM dem 

Beschwerdeführer die folgenden Dokumente zu: die Zusammenfassung ei-

nes Consultings Länderanalyse des SEM vom 25. November 2020 (Annex 

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Seite 4 

1), eine Zusammenfassung einer Stellungnahme von AS19 vom 27. No-

vember 2020 zu den Vorbringen der Beschwerde vom 25. Juni 2020 (An-

nex 2), eine Zusammenfassung einer Stellungnahme der Fachstelle LIN-

GUA und AS19 vom 1. Dezember 2020 zum Schreiben der vier Tibetologen 

(Annex 3), eine Aktennotiz der Fachstelle LINGUA vom 1. Dezember 2020 

(Annex 4), eine Stellungnahme der Fachstelle LINGUA unter Beizug zweier 

externer Wissenschaftler vom 14. Dezember 2020 zur Gegenanalyse (An-

nex 5) und eine Zusammenfassung einer Stellungnahme von AS19 vom 

18. Dezember 2020 zur Gegenanalyse (Annex 6).   

K.  

Am 4. März 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung und reichte einen 

Brief der Tibetologen C._______, D._______, E._______ und F._______ 

vom 24. Februar 2021, einen Brief von G._______ vom 25. Februar 2021, 

einen Brief von H._______ vom 24. Februar 2021, eine Antwort von 

F._______ auf die Stellungnahme der Fachstelle LINGUA unter Beizug 

zweier externer Wissenschaftler vom 14. Dezember 2020 (Annex 5), eine 

Antwort von F._______ auf Annex 6 und einen E-Mail-Verkehr zwischen 

F._______, I._______ und J._______ zwischen November und Dezember 

2020 ein. 

L.  

Mit Verfügung vom 7. Mai 2021 (Eröffnung am 10. Mai 2021) wies das SEM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut ab und ordnete die Weg-

weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. 

M.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines 

Rechtsvertreters vom 17. Mai 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-

gericht. 

Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, 

verbunden mit der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewäh-

rung von Asyl. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 

Eventualiter sei eine vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit, Unzu-

mutbarkeit oder Unmöglichkeit des Vollzugs anzuordnen.  

Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Einsicht in das Protokoll der Anhörung 

vom 5. November 2018. 

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Seite 5 

N.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. Juni 2021 hiess das Gericht die Gesuche 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Einsicht in das 

Protokoll der Anhörung gut und stellte dem Beschwerdeführer eine Kopie 

des Dokuments zu, verbunden mit der Möglichkeit zur Beschwerdeergän-

zung, welche vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. Juni 2021 ein-

gereicht wurde. 

O.  

Mit Vernehmlassung vom 19. August 2021 äusserte sich das SEM zur Be-

schwerde, worauf der Beschwerdeführer am 30. August 2021 replizierte. 

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2022 eröffnete das Gericht dem 

SEM unter Zusicherung der Vertraulichkeit die Möglichkeit, dem Gericht die 

Identität von AS19 oder zumindest den vollständigen wissenschaftlichen 

Werdegang beziehungsweise die aktuelle professionelle Tätigkeit sowie 

die wissenschaftlichen Reisetätigkeiten offen zu legen. Das SEM wurde 

angehalten, dem Gericht dieselben Informationen auch hinsichtlich des 

zweiten externen Wissenschaftlers, der die Stellungnahme vom 14. De-

zember 2020 (Annex 5) mitverfasst hat, zukommen zu lassen.  

Q.  

Mit Schreiben vom 15. März 2022 liess das SEM dem Gericht die entspre-

chenden Auskünfte zukommen. 

R.  

Im vorliegenden Verfahren wurde in den Abteilungen IV und V des Bundes-

verwaltungsgerichts bezüglich der Erwägungen 7.4. bis 7.11 ein Koordina-

tionsverfahren durchgeführt.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 6 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Seite 7 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er chi-

nesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie sei. Er stamme aus dem 

Dorf K._______, im Kreis L._______, (…), wo er bis zu seiner Flucht im 

(…) 2018 gelebt habe.  

Sein Vater sei im Jahre 2008 verhaftet und zu einer zehnjährigen Freiheits-

strafe verurteilt worden, welche im Jahre 2018 verlängert worden sei. Da 

sich die chinesischen Behörden geweigert hätten, seinen Vater aus der 

Haft zu entlassen, habe sich der Beschwerdeführer zum politischen Protest 

entschlossen. Er habe auf «WeChat» Fotos des Dalai-Lama mit der tibeti-

schen Flagge und von Protestveranstaltungen von Exiltibetern ausge-

tauscht.  

Am (…) 2018 hätten die chinesischen Behörden in seiner Abwesenheit an 

seinem Wohnort nach ihm gesucht. Seine Mutter habe ihn darüber per Te-

lefon informiert und er habe sich in der Folge versteckt gehalten. Am (…) 

2018 sei er aus Tibet geflohen. Am (…) 2018 habe er die Grenze nach 

Nepal überschritten, von wo aus er am (…) 2018 per Flugzeug in die 

Schweiz weitergereist sei. 

4.2  

4.2.1 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass bereits das Feh-

len rechtsgenüglicher Identitätspapiere sowie seine lückenhaften Angaben 

zu seiner Herkunftsregion Zweifel an seiner angeblichen Herkunft geweckt 

hätten. So habe er in der BzP keine detaillierten Angaben über sein Dorf 

und dessen Umgebung machen können. Auch in der Anhörung habe er 

sich sehr pauschal zu Herkunftsfragen geäussert. In der Anhörung habe 

sich ferner gezeigt, dass seine Kenntnisse der chinesischen Sprache sehr 

lückenhaft seien. In Anbetracht seiner Angaben, wonach in seinem Wohn-

haus Chinesen gelebt hätten und er in einem chinesischen Geschäft Pilze 

verkauft habe, wären bessere Sprachkenntnisse zu erwarten. Seine Erklä-

rung, seine Nachbarn hätten den Sichuan-Dialekt gesprochen, welcher 

schwer verständlich sei, überzeuge nicht.  

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Seite 8 

Hinsichtlich der Identitätsdokumente habe er keine logische Erklärung ab-

zugeben vermocht, wieso er den Namen seiner Mutter trage. Das abgege-

bene Hukou datiere aus dem Jahre 2011 und er könne nicht angeben, wes-

halb er kein früheres Dokument besitze. Zur Identitätskarte habe er ange-

geben, dass es zwar möglich sei, eine solche vor Erlangung des 18. Alters-

jahrs ausgestellt zu erhalten. Er selbst habe aber nie solche Anstrengun-

gen unternommen. Auf die Frage, ob er Identitätsdokumente seiner Eltern 

einreichen könne, habe er erwidert, dies sei sehr schwierig. Dies erstaune, 

zumal es ihm gleichzeitig möglich gewesen sei, ein Hukou einzureichen.  

4.2.2 Die Dokumentenanalyse des Hukou habe die Echtheit nicht bestäti-

gen können. Das Hukou sei zwar ein Indiz für die chinesische Staatsbür-

gerschaft, erbringe jedoch ohnehin nicht den Beweis für eine Sozialisation 

in China. Das Dokument sei zudem sehr fälschungsanfällig, was den Be-

weiswert schmälere. Die Provinz, in welcher das Dokument erstellt worden 

sei, sei besonders bekannt für die Fälschung von Dokumenten, insbeson-

dere Hukou. Der Beschwerdeführer habe in der Anhörung auch nicht er-

klären können, wie dieses Dokument ausgestellt worden sei. Ferner habe 

er das Dokument erst sehr spät ins Verfahren eingebracht, obwohl er be-

reits in der Anhörung dazu angehalten worden sei. Schliesslich sei das Do-

kument unvollständig, da die Kunststoffoberfläche fehle, welche die Seiten 

verbinde. Die beiden eingereichten Bestätigungen seien keine offiziellen 

Dokumente, sondern lediglich Schreiben auf weissem Papier, welche of-

fenbar einzig für das vorliegende Verfahren erstellt worden seien. 

4.2.3 Die Unglaubhaftigkeit werde durch seine Angaben zu den Flucht-

gründen bestätigt. So habe er etwa angegeben, nie zur Schule gegangen 

zu sein, da er sich um seine Grosseltern hätte kümmern müssen. Gleich-

zeitig habe er angegeben, er habe in einem Kloster Lesen und Schreiben 

gelernt und seine Schwester, die sich um das Vieh gekümmert habe, hätte 

zur Schule gehen müssen. Hinsichtlich seiner Aussagen zu «WeChat» sei 

nicht nachvollziehbar, wieso er seine eigene Telefonnummer nicht kenne, 

während er sich an diejenige seiner Mutter erinnere.  

Seine Aussagen seien zudem widersprüchlich. So hätten die Behörden ge-

mäss seinen Angaben in der BzP ihn am Telefon darüber informiert, dass 

sein Vater nicht freikomme, während er in der Anhörung angegeben habe, 

keine Neuigkeiten über die Freilassung des Vaters erfahren zu haben. Da-

rauf angesprochen habe er wenig überzeugend erklärt, sich in der BzP 

nicht so geäussert zu haben. Er habe weiter ausgesagt, nur seine Mutter 

sei beim Besuch der Behörden zuhause gewesen, während er andernorts 

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angegeben habe, es seien seine Mutter und sein Onkel anwesend gewe-

sen. Es erstaune auch, dass plötzlich seine Mutter mitten am Tag bei ihm 

zuhause aufgetaucht sein solle, während er angegeben habe, bei seinen 

Grosseltern gelebt zu haben, da die Mutter wegen ihrer Arbeit täglich ab-

wesend gewesen sei. Ferner habe er einerseits erwähnt, sein Telefon zu-

hause gelassen zu haben, andererseits aber, dieses bei den Weiden zu-

rückgelassen zu haben. Trotz seiner angeblichen Herkunft aus China habe 

er ausgesagt, nicht gewusst zu haben, welche Konsequenzen seine politi-

schen Handlungen haben könnten, was angesichts des repressiven Cha-

rakters der chinesischen Besatzung und der Familiengeschichte nicht plau-

sibel sei. 

Es sei auch nicht logisch, dass er plötzlich wegen der Nutzung von 

«WeChat» hätte Probleme bekommen sollen, obwohl er diesen Dienst be-

reits mehrere Jahre problemlos genutzt habe. Es sei auch nicht logisch, 

weshalb er gerade während des Besuchs der Behörden bei ihm zuhause 

abwesend gewesen sei, zumal er angegeben habe, seine Zeit damit ver-

bracht zu haben, sich dort um seine Grosseltern zu kümmern. Dass die 

Mutter zu seinem Aufenthaltsort gekommen sei, um ihn zum Verlassen des 

Landes anzuhalten, sei im gegebenen Kontext nicht nachvollziehbar. Er 

habe ein Mobiltelefon besessen und die Polizei habe aufgrund der Aussa-

gen der Mutter sicherlich vermutet, dass er sich in einem abgelegenen Dorf 

aufhalte, weshalb das Verhalten der Mutter ihn in grosse Gefahr gebracht 

hätte. Er habe ferner erklärt, nicht zu wissen, ob er nach seiner Ausreise 

noch gesucht worden sei. Hätte er tatsächlich im Fokus der Behörden ge-

standen, wäre zu erwarten, dass er sich darüber bei seinen Familienange-

hörigen informiert hätte. Zudem wisse er auch nicht, ob die anderen Per-

sonen, mit welchen er die Fotoaufnahmen auf «WeChat» geteilt habe, 

Probleme gehabt hätten, obwohl er mit ihnen Kontakt gehabt habe. 

Zu seiner Reise nach M._______ habe er keine Eindrücke preisgeben kön-

nen, sondern einzig erwähnt, dass er versteckt gewesen sei und nichts ge-

sehen habe. Es sei auch schwer nachvollziehbar, wie man den erheblichen 

Höhenunterschied, welchen man mit der Bergkette passiere, die zwischen 

dem tibetischen Plateau und der nepalesischen Ebene liege, nicht habe 

bemerken können.  

4.2.4 Die Annahme einer Verschleierung der Herkunft werde durch die LIN-

GUA-Analyse bestätigt. So habe er zwar einige zutreffende Angaben zu 

seiner angeblichen Herkunftsregion gemacht und diverse Örtlichkeiten, ei-

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Seite 10 

nen Fluss sowie drei Klöster richtig bezeichnet. Ebenfalls korrekt ausgefal-

len seien seine Angaben zu den Pilzen und den amtlichen Dokumenten. 

Es hätten sich aber auch markante Wissenslücken gezeigt. So habe er 

Dörfer mit Gemeinden und Marktflecken verwechselt. Ferner sei ihm eine 

auf dem Weg zur Kreishauptstadt gelegene Gemeinde unbekannt gewe-

sen, die er aufgrund seiner regelmässigen Besuche in der Kreishauptstadt 

eigentlich hätte kennen müssen. Er habe einen Fluss wie auch einen Berg 

mit dem Namen eines Dorfes bezeichnet. Er habe das allgemein bekannte 

Amt des Kreisvorstandes nicht benennen können und habe fälschlicher-

weise behauptet, in Tibet gebe es keine unterschiedlichen telefonischen 

Vorwahlen. Seine Sprechweise stelle ein Dialektgemisch dar, das nicht auf 

eine Sozialisation im angeblichen Raum, sondern vielmehr im exiltibeti-

schen Milieu schliessen lasse. Die Chinesischkenntnisse würden darauf 

hindeuten, dass er diese durch sekundäre Quellen und nicht im Alltag er-

worben habe. 

4.2.5 Der Beschwerdeführer habe in seiner Beschwerde im Verfahren 

D-3262/2020 diverse Einwände gegen die LINGUA-Analyse vorgebracht 

und seit der Wiederaufnahme des Verfahrens durch das SEM ein Schrei-

ben von vier Tibetologen sowie eine Gegenanalyse eingereicht. Das SEM 

habe dazu wiederum Stellungnahmen erarbeitet, die dem Beschwerdefüh-

rer – teilweise in zusammengefasster Form (Annex 1 bis 3 und 6) – mit 

Schreiben vom 17. Februar 2021 offengelegt worden seien. Darin würden 

die Einwände des Beschwerdeführers entkräftet. So sei etwa das Argu-

ment in der damaligen Beschwerde, es bestünde keine einheitliche No-

menklatur für Örtlichkeiten, nicht zutreffend, da Ortsbezeichnungen sowohl 

in Tibetisch als auch Chinesisch existieren würden. Auch die Einwände der 

Tibetologen seien unzutreffend. Obwohl nicht ausgeschlossen werden 

könne, dass alte administrative Bezeichnungen für eine gewisse Zeit noch 

verwendet würden, sei zu erwarten, dass dem Beschwerdeführer auch die 

Aktuellen bekannt seien. Er habe die Existenz unterschiedlicher telefoni-

scher Vorwahlen verneint, obwohl diese etwa auf Werbetafeln sichtbar 

seien. 

Am 17. Februar 2021 sei dem Beschwerdeführer nochmals Gelegenheit 

zur Stellungnahme geboten worden. Seine Erklärung im Rahmen des 

rechtlichen Gehörs vom 4. März 2021, das Consulting (Annex 1) habe kei-

nen Beweiswert, da es mutmasslich von einer Person stamme, welche un-

ter dem wachsamen Auge des chinesischen Sicherheitsapparats stehe, sei 

eine diffamierende Unterstellung. Das Argument, wonach es in seiner Re-

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Seite 11 

gion keine Werbetafeln gegeben habe, überzeuge im Lichte seiner Biogra-

phie nicht. Die vier Tibetologen hätten ferner ausgeführt, sein Wissen über 

Tsampa sei ein Hinweis auf eine Sozialisation in Tibet, da Gerste in Indien 

und Nepal nicht bekannt sei. In Tat und Wahrheit werde aber auch in Indien 

und Nepal Gerste produziert. Tsampa werde ohnehin weltweit konsumiert. 

Im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 4. März 2021 habe er dann auch 

geltend gemacht, Tsampa könne man sogar in Bern kaufen, was dem Ar-

gument der vier Tibetologen widerspreche. 

4.2.6 Die ebenfalls ins Recht gelegte Gegenanalyse überzeuge bereits 

deshalb nicht, da sie ohne Zugriff auf die Datenbasis (LINGUA-Gespräch) 

erstellt worden sei. 

Hinsichtlich der diversen Eingaben und der Gegenanalyse sowie dem 

Schreiben der Tibetologen würden ferner diverse Widersprüchlichkeiten 

auffallen. So werde der Beschwerdeführer an einer Stelle als gebildet, an 

anderer Stelle als ungebildet bezeichnet, habe einerseits zuhause Kontakt 

mit Chinesen gehabt, andererseits aber auch nicht, sei am politischen Le-

ben beteiligt gewesen oder habe keine Vorstellung von Politik. Die Gegen-

expertise fokussiere zudem auf Amdo-Tibetisch, obwohl er in der Be-

schwerde vom 25. Juni 2020 angegeben habe, den Kham-Dialekt zu spre-

chen. Nicht überzeugend sei auch der Vergleich, wonach ein Deutsch-

schweizer mit einem Interviewer aus Hamburg wohl ebenfalls Hochdeutsch 

und nicht Schweizerdeutsch sprechen würde, zumal vielmehr anzunehmen 

sei, ein Deutschschweizer würde in einer Situation, in welcher er sein Ge-

genüber von seiner Sozialisation überzeugen wolle, Schweizerdeutsch 

sprechen. 

Aus dem eingereichten Schreiben von G._______ ergebe sich, dass der 

Verfasser offensichtlich falsche Annahmen mache und weder die LINGUA-

Analyse noch die Stellungnahmen in dieser Sache kenne. Das Schreiben 

von H._______ sei zu generell gehalten. Im Schreiben von I._______ und 

J._______ werde schliesslich ausgeführt, dass die LINGUA-Analyse mit 

hinreichender Sorgfalt und Präzision durchgeführt worden sei.  

Ferner hätten weder die Rechtsvertretung noch die vier Tibetologen Erfah-

rung in der forensischen Methode der "language analysis for the determi-

nation of origin" (LADO) und es erstaune, dass F._______ in der Gegen-

analyse Schlüsse ziehen könne, ohne das Interview gehört zu haben. 

 

D-2337/2021 

Seite 12 

4.2.7  

4.2.7.1 Es sei damit nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 

in der von ihm angegebenen Region sozialisiert worden sei und seine 

Fluchtgründe seien für unglaubhaft zu befinden. 

4.2.7.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung könne bei Personen tibetischer 

Ethnie, welche über ihre Sozialisation unglaubhafte Angaben machen wür-

den, davon ausgegangen werden, sie würden in einem Drittland über eine 

Aufenthaltsbewilligung oder eine Duldung verfügen, wodurch keine Gründe 

gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort vorlägen. Das Asyl-

gesuch sei daher abzulehnen. 

4.3 In der Beschwerdeschrift wurde diesen Erwägungen in formeller Hin-

sicht entgegnet, das SEM habe den Anspruch des Beschwerdeführers auf 

rechtliches Gehör verletzt. So habe die Vorinstanz bisher keine Möglichkeit 

zur Stellungnahme zum LINGUA-Bericht geboten. In diesem Zusammen-

hang hätte das SEM es auch ermöglichen müssen, dass die LINGUA-

Tonaufzeichnung durch eine Fachperson angehört werden könne. Unter 

Corona-Bedingungen sei es jedoch ausgeschlossen gewesen, dass die 

Fachperson (F._______), welche die Gegenanalyse verfasst habe, sich die 

Aufnahme zusammen mit dem Beschwerdeführer hätte anhören können. 

Eine Konsultierung durch diese Fachperson sei bereits deshalb geboten, 

da das SEM ihr Unkenntnis des Tondokuments vorwerfe. 

Zudem sei dem Beschwerdeführer nie Einsicht in die Bundesanhörung ge-

währt worden. 

Schliesslich sei dem Beschwerdeführer im Schreiben vom 17. Februar 

2021 eröffnet worden, dass sich die Authentizität des eingereichten Hukou 

nicht bestätigen lasse. Dies sei aber nicht hinreichend begründet worden, 

wodurch die Möglichkeit zum Gegenbeweis vereitelt worden sei.  

Für die Beurteilung vorliegender Streitfrage seien weitere Beschwerdedos-

siers beizuziehen, in welchen derselbe LINGUA-Analyst tätig gewesen sei. 

4.4  

4.4.1 In materieller Hinsicht wurde in der Beschwerdeschrift eingewendet, 

dass der Vorinstanz eine Stellungnahme vier ausgewiesener Tibetologen 

vom 29. September 2020 unterbreitet worden sei. Die von der Vorinstanz 

gegen diesen Bericht erarbeiteten sechs Entgegnungen (Annex 1 bis 6) 

seien allesamt redigiert vorgelegt worden. Dabei handle es sich ohnehin 

um Äusserungen einer Partei und nicht um neutrale Gutachten. Keines 

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Seite 13 

stamme von einer wissenschaftlich qualifizierten Fachperson und keines 

sei unterzeichnet.  

Das SEM erwähne in seiner Verfügung nicht, dass am 4. März 2021 eine 

umfangreiche Stellungnahme zu den sechs Annexen unter Hinweis auf 

Stellungnahmen renommierter Tibetologen eingereicht worden sei respek-

tive berücksichtige diese kaum. 

Bei Annex 4 handle es sich um eine Aktennotiz der Leiterin der Fachstelle 

LINGUA. Sie berufe sich auf die Qualitätssicherung durch I._______ und 

J._______ der Universität N._______. Dieser Hinweis sei falsch, da die 

beiden keine Tibetologen seien und auch keine Qualitätskontrolle erstattet 

hätten.  

Der Annex 5 sei eine Stellungnahme der Leitung der Fachstelle LINGUA 

unter Beizug zweier externer Wissenschaftler. Bei einem handle es sich 

um den Afrikanisten O._______, von welchem nach seiner Dissertation we-

der wissenschaftliche Arbeiten noch eine Ausbildung in forensischer Lingu-

istik bekannt seien. Er habe sich am 28. Oktober 2020 als erzürnter Partei-

gänger von AS19 zu erkennen gegeben und stehe mutmasslich bei LIN-

GUA unter Vertrag. Es stelle sich die Frage, weshalb in einer Kontroverse 

unter Tibetologen eine offensichtlich nicht kompetente Person eine Stel-

lungnahme vorlege. Der andere Experte sei namentlich nicht genannt. Er 

sei zwar Tibetologe, aber seine Qualifikationen seien unklar. Er sei nicht 

auf Amdo-Tibetisch spezialisiert, was vorliegend wichtig wäre. Es finde sich 

offensichtlich kein qualifizierter Tibetologe, welcher mit eigenem Namen für 

die Qualität der Analyse einstehe. Da es sich um ein amtliches Gutachten 

handle, seien betreffend den zweiten Mitverfasser die Identität, die Qualifi-

kation und die Interessenbindungen offenzulegen. 

Das Consulting des SEM zum Alltagswissen (Annex 1) sei mutmasslich 

von TAS09 erstellt worden. Die Beschreibung des SEM zu TAS09 aus den 

Jahren 2013 und 2016 seien widersprüchlich ausgefallen, ausser in einer 

Hinsicht: So habe er weiterhin enge Verbindungen zu seiner in Tibet leben-

den Familie. Kontakte von Exiltibetern zu ihren Familien würden vom chi-

nesischen Sicherheitsapparat engmaschig überwacht. Diese Feststellung 

sei keine Diffamierung.  

D-2337/2021 

Seite 14 

4.4.2 Bei den Ausführungen des SEM zum Nahrungsmittel Tsampa werde 

die Aussage im LINGUA-Bericht verdreht. Dort stehe nämlich, dass die Fa-

milie des Beschwerdeführers Tsampa aus Gerste herstelle und er den Her-

stellungsprozess korrekt beschrieben habe.  

4.4.3 Zur Konzentration von F._______ auf Amdo-Tibetisch sei zu bemer-

ken, dass diese Sprache hier der Schlüssel sei. Wichtig sei dabei, dass der 

Beschwerdeführer zwischen Amdo- und Kham-Tibetisch wechseln könne. 

Zudem gehe aus seiner Biografie hervor, dass er Lhasa-Tibetisch verstehe, 

was die sprachliche Akkommodation an die Lhasa-Tibetisch sprechende 

Interviewerin begründe. Anders als vom SEM behauptet sei der Beschwer-

deführer nicht angehalten worden, seine Herkunft und Sozialisation durch 

seinen Dialekt zu beweisen. Vielmehr sei ihm gesagt worden, er solle 

"comme chez soi" sprechen.  

Weiter unterstelle das SEM – ohne jegliche Sachkenntnis – G._______, 

einem Tibetologen von Weltruf, unprofessionelles Verhalten, ohne sich mit 

dem Inhalt seines Schreibens zu befassen, wonach AS19 kein ausgebilde-

ter Linguist sei und das linguistische Instrumentarium nicht beherrsche. 

Dasselbe gelte für den Brief von H._______, welchem das SEM nichts ent-

gegenzusetzen habe. Gemäss G._______ und H._______ seien im LIN-

GUA-Bericht Grundelemente der Transkription falsch. 

Das SEM behaupte weiter, dass die vier Tibetologen keine LADO-Kennt-

nisse hätten. Allerdings habe die LINGUA-Fachstelle S._______ im Jahre 

2015 zur Mitarbeit angefragt. Sie habe dies aber aus wissenschaftlichen 

und ethischen Gründen ausgeschlagen. Ferner sei LADO das Kerngebiet 

jedes Linguisten. Ohnehin sei LADO wissenschaftlich und forensisch um-

stritten.  

4.4.4 Der LINGUA-Prozess sei sehr fehleranfällig: So werde eine Person 

aus dem Herkunftsland mit einem Telefoninterview des Probanden beauf-

tragt, ohne dessen Vita zu kennen. Dem Probanden werde dabei nicht er-

öffnet, dass mit ihm eine linguistische Herkunftsanalyse vorgenommen 

werde, in welcher aufgrund seiner Sprechweise faktisch über das Asylge-

such entschieden werde. Er bemühe sich durch höfliche Akkommodation 

an die Interviewerin um maximale Verständlichkeit, was zu seinen Lasten 

ausgelegt werde. Das gewonnene Material werde von einem Westeuro-

päer analysiert, welcher die Vita nur kursorisch kenne. Gestützt auf diese 

Analyse erarbeite die Direktion Asyl eine Zusammenfassung, welche zum 

D-2337/2021 

Seite 15 

rechtlichen Gehör unterbreitet werde. Hier bestehe viel Raum für unüber-

prüfbare Inkompetenz und Willkür; falsche Behauptungen könnten ohne 

Kenntnis des Berichts nicht widerlegt werden.  

Vorliegend habe eine Zentraltibetisch sprechende, seit längerem in der 

Schweiz wohnhafte Tibeterin aus (…) (Zentraltibet) mit einen aus einer ab-

gelegenen, 1500 km entfernten ländlichen Gebirgsgegend stammenden 

Probanden ein Telefoninterview geführt mit teilweise technischen Störun-

gen. Es habe Verständigungsschwierigkeiten gegeben, welche der Pro-

band durch Verwendung verschiedener ihm bekannter Sprachvarietäten 

überbrückt habe. Gemäss LINGUA-Bericht seien die Verständigungs-

schwierigkeiten durch Nachfragen gelöst worden. Angesichts der im Be-

richt erwähnten sprachlichen Unterschiede, wonach sich Tibeter unterei-

nander nur schwer oder gar nicht verstehen könnten, das heisst Amdo-, 

Kham- und Zentraltibetisch gegenseitig nicht verständlich seien, sei dies 

wohl eine ausgesprochene Untertreibung. Das Gespräch habe sich ferner 

nur am Rande mit der Lebenswirklichkeit vor Ort befasst. Diese sei der 

Interviewerin fremd und sie kenne offenbar die Entwicklungen der letzten 

beiden Jahrzehnte in Tibet nicht. Die Interviewerin sei auch deshalb nicht 

geeignet, da sie Zentraltibetisch spreche und Kham-Tibetisch schlecht und 

Amdo-Tibetisch überhaupt nicht verstehe. Der Beschwerdeführer habe 

sich nur durch Akkommodation an ihre Sprachvarietät verständlich machen 

können. Er sei nicht darauf hingewiesen worden, dass seine Sprechweise 

als Nachweis seiner Herkunft und faktisch als Hauptkriterium für den Asyl-

entscheid verwendet werde. 

Aus dem so gewonnenen Material habe ein westeuropäischer Analyst ei-

nen Bericht verfasst. Der Analyst sei nicht linguistisch ausgebildet, meis-

tere das linguistische Instrumentarium nicht. Es würden keine Belege zur 

Ausbildung, zu den Funktionen oder zu den Qualifikationen angefügt. Die 

vom SEM gemachten Angaben seien widersprüchlich. So habe er gemäss 

Qualifikation von 2012 eine Universität ohne Abschluss besucht. Drei Jahre 

später werde bezüglich Werdegang und Qualifikation plötzlich ein Doktorat 

aufgeführt. Wenn er, wie im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

D-2555/2018 vom 21. Januar 2019 E. 5.4 ausgeführt, jahrzehntelang in 

Tibet, Qinghai und Sichuan engen beruflichen Kontakt gepflegt habe, sei 

er verpflichtet, sein Verhältnis zur chinesischen Regierung und der brutalen 

Repression der Tibeter offenzulegen. Kein wissenschaftlich in dieser Re-

gion Tätiger komme in einem so langen Zeitraum um diese Fragen herum. 

Die Herkunftsregion des Beschwerdeführers sei dem Analysten unbekannt 

und er kenne die Lebensverhältnisse im ländlichen tibetischen Hochland 

D-2337/2021 

Seite 16 

offensichtlich nicht aus erster Hand. Sein Bericht sei voller Konditionalsätze 

und Mutmassungen. Wie sich im Verfahren E-842/2020 gezeigt habe, be-

nutze er teilweise veraltete Unterlagen und seine Kenntnisse der Verkehrs-

wege seien veraltet. Er kenne keine Forschung zum Dialekt von L._______ 

und finde aus naheliegenden Gründen Ortschaften nicht, da es keine nor-

mierte Nomenklatur gebe. Der Analyst arbeite auf der Grundlage nicht aus-

gewiesener Quellen. Diese würden vermutlich vorwiegend von der chine-

sischen Regierung stammen und seien daher als Staatspropaganda zu 

werten. Seine im Bericht formulierten Erwartungen seien selektiv und ent-

sprächen dem abstrakten, angelesenen Basiswissen des westeuropäi-

schen Experten aus meist chinesischen Quellen. Die untersuchten Berei-

che des Alltagslebens seien Randbereiche. Das Erlernen der tibetischen 

Schrift, die allfälligen Beziehungen zu den wenigen lokalen Chinesen, die 

Thanka-Malerei, die nomadische Existenz der jüngeren Schwester und der 

Tante, die Beschaffenheit der Verkehrswege, die Beschaffenheit der Häu-

ser, die häusliche Infrastruktur, die Beziehungen zwischen der vorwiegend 

nomadischen Bevölkerung und den sesshaften Bewohnern, die finanziel-

len Verhältnisse, die sprachlichen Unterschiede zwischen Kham-Tibetern, 

Amdo-Tibetern und Zugewanderten, zur topografischen Beschaffenheit 

des Wohnorts sowie Details zum Kloster (…) wären realen Lebensbereiche 

des Beschwerdeführers, die aber nicht erfragt worden seien. Diese hätten 

jedoch lebensnahe und erfahrungsbasierte Erkenntnisse geliefert. Die 

Analyse sei diffus und es beständen zahlreiche Ungewissheiten und Mut-

massungen. Der Analyst sei in seinem Bericht über weite Bereiche unsi-

cher, komme aber trotzdem zur sehr wahrscheinlichen Schlussfolgerung. 

LINGUA gebe keine anderen Optionen als "Wahrscheinlichkeit unsicher" 

oder "gesicherte Resultate nicht gewährleistet", was eine unzulässige Ein-

schränkung der Expertentätigkeit darstelle. Der Analyst unterschreibe mit 

falschem Namen.  

4.4.5 Inhaltlich erstaune es nicht, dass der Experte die meisten vom Be-

schwerdeführer genannten Ortschaften aufgrund der lokalen tibetischen 

Namen nicht habe finden können. Überdies habe es in der gesamten Re-

gion in den letzten zwei Jahrzehnten derart viele Wechsel der Gebietsein-

teilungen und der administrativen Struktur gegeben, dass Begriffe wie Ort-

schaft, Gemeinde und Marktflecken leicht durcheinandergeraten könnten. 

Die Mutmassung des Analysten, P._______ sei ein bekannter Beiname für 

die Kreishauptstadt, sei eine unbelegte Behauptung. Der Vorwurf, der Be-

schwerdeführer habe Ausdrücke wie Dörfer, Gemeinden und Marktflecken 

angeblich nicht unterschieden, sei unzulässige Haarspalterei, umso mehr, 

D-2337/2021 

Seite 17 

als unbekannt sei, welche Wörter dazu im Dialekt verwendet würden. Fer-

ner sei zu erklären, was unerwartet sein solle, wenn Gemeinden und Dörfer 

verwechselt würden. Der Vorwurf, er habe für einen Berg, ein Dorf und ei-

nen Fluss denselben Ausdruck verwendet, verfange nicht. Dies komme in 

der Schweiz regelmässig vor. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu 

den Sehenswürdigkeiten seien jedoch aufschlussreich und würden auf 

eine Sozialisation vor Ort schliessen lassen. Ferner habe er zu den Kern-

keulenpilzen, die nur im tibetischen Hochland vorkommen würden, detail-

lierte Angaben gemacht. Der Themenbereich zur Kulinarik sei vom SEM 

aufgeblasen worden. So habe der Bericht einzig festgestellt, dass der Be-

schwerdeführer die Herstellung von Tsampa kenne und nach Momo nicht 

gefragt worden sei. Dies werde vom SEM als Indiz für eine Sozialisation im 

Exil aufgeführt. Wie das Amt des Kreisvorstandes formell heissen solle, sei 

wiederum reine Haarspalterei. Weshalb ein Benutzer eines Mobiltelefons 

die lokalen Vorwahlen des Festnetzes kennen sollte, sei erklärungsbedürf-

tig. Es gebe im Kreis L._______ kein Festnetz und es gebe keinen Abon-

nenten und die Behauptung, die Vorwahl sei überall auf Strassenreklamen 

ersichtlich, zeuge von mangelnder Sachkenntnis; wer solle auf Schot-

terstrassen in der Kältesteppe Werbetafeln aufstellen? 

Die im linguistischen Teil der Analyse aufgestellte Behauptung, dass im 

Kreis L._______, wie überall in Tibet, eine tibetisch-chinesische Bilinguali-

tät herrsche, sei falsch. In L._______ gebe es ausserhalb einiger Ortschaf-

ten keine Chinesen. Es handle sich bei diesen zudem um Han-Chinesen 

und nicht Sichuanesen, wie im Bericht behauptet. Warum er auf Sichuane-

sisch behaftet werden solle, sei daher wenig plausibel. Weshalb das Chi-

nesische unter der ländlichen Bevölkerung in den Bereichen Medien, Tech-

nologie und Ausbildung eine wichtige Rolle spielen solle, sei erklärungsbe-

dürftig und töne nach angelesener Staatspropaganda. Auch die Chine-

sischkenntnisse würden der Biografie des Beschwerdeführers entspre-

chen. So habe er aufgrund der Verfolgung seiner Familie keinerlei Motiva-

tion, sich mit den in der Region präsenten Chinesen einzulassen. Im Be-

richt werde fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die lokale Bevöl-

kerung nur den örtlichen Dialekt spreche. Dies treffe nicht zu, da sich sonst 

die Interviewerin und der Beschwerdeführer nicht verstanden hätten. Viel-

mehr sei Zentraltibetisch die Verkehrssprache. Es liege folgende Konstel-

lation vor: Die Mutter des Beschwerdeführers sei weit gereist und sein On-

kel habe lange in Indien gelebt. Im Kloster sei der Beschwerdeführer sie-

ben Jahre von Mönchen aus verschiedenen Regionen unterrichtet worden. 

Seine Schwester und Tante seien nomadische Hirten, welche er beim Sam-

meln des Raupenpilzes begleitet habe. In der Schweiz habe er eineinhalb 

D-2337/2021 

Seite 18 

Jahre in der hiesigen tibetischen Gemeinschaft verkehrt. Es könne somit 

davon ausgegangen werden, dass er verschiedene Sprachregister beherr-

sche und sie nach Bedarf kommunikativ einsetzen könne. Die vom Be-

schwerdeführer gesprochene Sprache entspreche daher seiner Vita. Es sei 

irrig zu behaupten, diese Konstellation finde sich nur im Exil. Es entspreche 

der vielfältigen Realität in einem von Dialekten geprägten Land, wie wir es 

auch in der Schweiz kennen würden. Wir alle würden uns jeweils an das 

sprachliche Umfeld anpassen. Anders als von AS19 behauptet, sei die Ka-

susreduktion nicht typisch für die Sprache des Exils, sondern für das Zent-

raltibetische, aus welchem auch die Sprache des Exils abgeleitet sei. Der 

Experte kenne gemäss Angaben in der Analyse das Innertibetische nur aus 

der Literatur und von Forschungsreisen, nicht aber von einem längeren 

dortigen Aufenthalt. Er habe sie daher nicht fundiert erworben. Die Sprache 

des Exils kenne er nur von Interviews mit Exiltibetern durch seine Tätigkeit 

bei LINGUA, nicht aber von Aufenthalten in Indien oder Nepal. Die Ausfüh-

rungen zu den aktiven und passiven Sprachkenntnissen seien linguistisch 

unhaltbar. Kein Mensch spreche eine Sprache besser, als er sie verstehe.  

4.4.6 In der Folge verfasse eine nicht qualifizierte Person der Direktion Asyl 

eine Zusammenfassung zum rechtlichen Gehör. Der Bericht sei auf 

Deutsch und die zusammenfassende Person sei frankophon. Es bestehe 

keinerlei Gewähr für die Zuverlässigkeit der Zusammenfassung und sie 

werde von LINGUA nicht auf ihre Richtigkeit überprüft. Da der LINGUA-

Bericht nicht ausgehändigt werde, sei kein Vergleich möglich, weshalb das 

rechtliche Gehör faktisch nicht gewährt werde. LINGUA sei somit eine Dun-

kelkammer, mit Raum für akkumulierte Willkür. Das SEM lege seine 

Tonaufzeichnung unter missbräuchlicher Anrufung von Art. 27 Abs. 1  

Bst. a VwVG nicht zur wissenschaftlichen Analyse offen. Es stelle sich fer-

ner die Frage, welches öffentliche Interesse gegen die vollständige Einsicht 

in LINGUA-Berichte spreche. 

Im LINGUA-Bericht werde ausgeführt, dass die Arbeit von AS19 einer stän-

digen Qualitätskontrolle unterliege. Der Verweis des SEM auf eine Validie-

rung der Arbeitsweise durch I._______ und J._______ von der Universität 

N._______ sei falsch. Andere Qualitätskontrollen seien keine geltend ge-

macht worden. Nur in wenigen Fällen gebe es Zweitanalysen zu AS19 

durch AS20, einer sachverständigen Person ohne Universitätsabschluss. 

Ein unter vorliegenden Umständen geführtes Interview mit elementarsten 

Kommunikationsproblemen, welches sodann einem Westeuropäer für die 

D-2337/2021 

Seite 19 

LINGUA-Analyse diene, die anschliessend im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs entweder nicht verstanden oder willentlich verzerrt wiedergegeben 

werde, erfülle die Anforderungen an die Zuverlässigkeit, Objektivität und 

Neutralität nicht. 

4.4.7 Im Brief der Tibetologen und der Gegenanalyse seien schwerwie-

gende wissenschaftliche Mängel am LINGUA-Bericht festgestellt und die 

Schlussfolgerung sei für falsch befunden worden. Diese Analysen würden 

von aussenstehenden, neutralen und fachlich kompetenten Personen 

stammen und auf wissenschaftlicher Evidenz, Öffentlichkeit, Peer Reviews 

und Qualitätskontrolle gründen. Sie stünden einer wissenschaftlich unhalt-

baren Analyse eines wissenschaftlich nicht kompetenten Gutachters ge-

genüber, der mit falschem Namen unterzeichne, dessen Arbeit keiner 

nachgewiesenen Qualitätskontrolle unterliege und der überdies das Licht 

der Öffentlichkeit scheue. 

Die Grundlage für die geäusserte Kritik sei die LINGUA-Analyse. Wenn 

sich die Fachstelle LINGUA auf die Tonaufzeichnungen beziehen wolle, 

habe sie diese vorzulegen. In der Kritik stehe denn auch nicht die Sprech-

weise des Probanden, sondern der LINGUA-Bericht. Der Bericht stütze 

seine Schlüsse darauf, dass der Beschwerdeführer nicht sämtliche Erwar-

tungen erfüllt habe. Offenbar genüge die überwiegende Wahrscheinlichkeit 

gemäss Art. 7 Abs. 2 AsylG nicht.  

4.4.8 Der Vorwurf in der angefochtenen Verfügung, der Beschwerdeführer 

habe in der BzP keine fundierten Angaben über sein Dorf und die Umge-

bung machen können, sei frei erfunden. Das Gegenteil treffe zu. 

Zum Hukou sei anzumerken, dass dieses ein jährlich erneuertes Verzeich-

nis der in einem Haushalt wohnhaften Personen sei. Das SEM bestreite 

die Echtheit des Hukou nicht, sondern zweifle diese lediglich an. Das Do-

kument erfülle den Zweck des schweizerischen Familienausweises. Es 

gelte Art. 9 ZGB und das Hukou erbringe den vollen Beweis, solange nicht 

die Unrichtigkeit seines Inhalts nachgewiesen sei. Ferner habe der Be-

schwerdeführer dem SEM im Verlauf des ersten Asylverfahrens ein Hukou 

zugestellt. Die gegenteilige Behauptung des SEM sei falsch. Der Be-

schwerdeführer habe sich nach dem ersten Entscheid des SEM vom 

10. Juni 2020 und dem Urteil D-3262/2020 vom 14. Juli 2020 umgehend 

an die Beschaffung weiterer Hukou gemacht. Das entsprechende Doku-

ment sei eingenäht in das Futter einer Kapuze und eng in eine kleine 

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Seite 20 

Schachtel verpackt in die Schweiz gesandt worden und eine Verletzung 

der Plastikoberfläche beim Einnähen und Transport sei möglich.  

Ferner würden vier in der Schweiz wohnhafte Personen bezeugen, dass 

der Beschwerdeführer tatsächlich aus der von ihm genannten Region 

stamme und dort bis zu seiner Flucht im Jahre 2018 gelebt habe. 

4.4.9 Der Beschwerde lagen als Beweismittel nebst Dokumenten, die be-

reits bei der Vorinstanz eingereicht wurden, die Dokumentationen des SEM 

zum Werdegang der sachverständigen Person AS19 von 2012 und 2015, 

ein Verzeichnis zur Analysetätigkeit von AS19, AS20 und TAS09 und vier 

Bestätigungsschreiben vom 12. Mai 2021 bei.  

4.5 In der Beschwerdeergänzung wurde ausgeführt, in der Anhörung sei 

es zu Verständigungsproblemen und Unklarheiten bei der Protokollierung 

gekommen. Zudem herrsche bei der befragenden Person weitgehende 

Unkenntnis über Tibet. Bei bildhaften und präzisen Angaben des Be-

schwerdeführers sei nicht nachgehakt worden, weil es an Kenntnissen 

fehle. Stattdessen sei krampfhaft versucht worden, Widersprüche zu kon-

struieren. Sie habe auch ein naives Bild des chinesischen Repressionsap-

parates und gehe davon aus, dass China ein "normaler" Staat sei, in wel-

chem man ohne Überwachung telefonieren sowie amtliche Dokumente 

und Kopien ohne weiteres postalisch verschicken könne, wo "normale" 

Strafverfahren stattfinden, Leute nicht einfach verschwinden und Strafur-

teile offiziell zugestellt und kopiert ins Ausland verschickt werden könnten. 

Die Äusserung der befragenden Person zur Fahrt nach Q._______ zeuge 

von Unkenntnis. Der Beschwerdeführer habe die Fahrt durch die Serpen-

tinen richtig beschrieben. Er habe zudem eine detaillierte und konsistente 

Schilderung seiner Lebensumstände abgegeben. Die Schilderung des 

Dorfes in Frage 76 sei detailliert. Der Brückenbau in R._______ werde de-

tailliert geschildert. Gleiches gelte für die Präsenz/Absenz der chinesi-

schen Sprache und die Verständigungsprobleme mit den Sichuanesen. Die 

Befragerin gehe in vielen Bereichen von ihren Beobachtungen anlässlich 

einer Chinareise aus und kenne sich in den abgelegenen Gegenden Tibets 

mitnichten aus. Der Vorwurf des SEM betreffend seine Aussagen zum Hu-

kou seien unsinnig. So sei verständlich, dass er angesichts seines Alters 

vor 2011 kein solches Dokument besitze. Es sei auch plausibel, dass er die 

Telefonnummer seiner Mutter kenne, während seine WeChat-Nummer auf 

seinem Telefon gespeichert gewesen sei, welches er zurückgelassen 

habe. Er habe aus der Schweiz seine Mutter über Bekannte indirekt kon-

taktiert, da ein direkter Kontakt gefährlich gewesen wäre. Der angebliche 

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Seite 21 

Widerspruch, wo er sein Telefon zurückgelassen habe, existiere nicht. So 

habe sich der Beschwerdeführer klar geäussert und die Befragerin sei vom 

Dolmetscher zurechtgewiesen worden. Seine unterschiedlichen Angaben 

zu den Anwesenden als er gesucht worden sei, könnten nicht ernsthaft als 

Widerspruch bezeichnet werden, da er nicht wissen könne, wer während 

seiner Abwesenheit zu Hause gewesen sei. Es sei auch nicht unlogisch, 

dass er abwesend gewesen sei und er von seiner Mutter, die dort ihren 

Ehemann erwartet habe, telefonisch gewarnt worden sei. Die Behauptung 

des SEM zu den Aussagen betreffend die Auskunft über die Freilassung 

des Vaters sei konstruiert. Seit seiner Flucht wisse er nichts mehr über die 

Folgen seiner WeChat-Äusserungen. Der Verweis des SEM auf Frage 35 

der Anhörung in diesem Zusammenhang sei falsch, da sich seine dortige 

Antwort auf die erfolglose Suche nach ihm am (…) 2018 bezogen habe. 

Auch der Hinweis auf Frage 150 im Zusammenhang mit seinen Aussagen 

zur Fahrt nach M._______ sei falsch, da es dort um die Fahrt von 

M._______ nach Q._______ gegangen sei, bei der der Beschwerdeführer 

versteckt in einem Lastwagen gewesen sei. 

4.6 In seiner Vernehmlassung entgegnete das SEM, dass keine Hinweise 

auf Verständigungsschwierigkeiten während der Befragung und der Anhö-

rung ersichtlich seien. Der Einwand, die Aussagen des Beschwerdeführers 

seien detailliert und kohärent ausgefallen, stelle lediglich eine andere In-

terpretation dar. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Bestätigungs-

schreiben hätten keinen Beweiswert und die im Wesentlichen gleichlauten-

den Texte würden darauf hindeuten, dass sie einzig zu diesem Zweck for-

muliert worden seien. Die Einwände gegen die LINGUA-Analyse seien 

grösstenteils Wiederholungen von bereits im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs vorgebrachten Argumenten. Teilweise seien sie auch faktenwidrig, wie 

etwa betreffend das Fehlen einer universitären Ausbildung von AS19 im 

Jahre 2012. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift zu den Chine-

sischkenntnissen und der Bilingualität würden den Aussagen des Be-

schwerdeführers widersprechen, zumal er angegeben habe, seine Nach-

barn hätten Sichuan gesprochen und die statistischen Daten, welche an-

gerufen worden seien, um die geringe Präsenz von Chinesen in der Her-

kunftsregion zu beweisen, seien 20 Jahre alt. Im LINGUA-Bericht werde 

ferner schlüssig dargelegt, weshalb die aktiven Sprachkenntnisse des Be-

schwerdeführers seine passiven übersteigen würden: So sei zu vermuten, 

dass er sich die Kenntnisse nicht im Alltag, sondern durch Sekundärquel-

len, etwa durch Auswendig-Lernen angeeignet habe. Zur angeblich man-

gelnden Qualitätskontrolle sei angemerkt, dass jeder Bericht durch einen 

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Seite 22 

Linguisten der Fachstelle visiert werde, welcher für die Einhaltung der Qua-

litätskriterien verantwortlich sei. Das SEM habe nie behauptet, dass 

I._______ und J._______ Qualitätskontrollen einzelner Analysen erstellt 

hätten. Vielmehr sei ihre Evaluation aus öffentlichen Artikeln ersichtlich. 

I._______ bekunde in seinen E-Mails denn auch seine Wertschätzung der 

Arbeit von LINGUA und füge an, dass die vorliegende Analyse mit der ge-

botenen Sorgfalt und Detailgenauigkeit durchgeführt worden sei. 

Die Beschwerde berufe sich auf Analysen durch aussenstehende, neutrale 

und fachlich kompetente Fachleute, die auf wissenschaftlicher Evidenz, Öf-

fentlichkeit, Peer Reviews und Qualitätskontrolle gründen würden. Dazu 

sei zu bemerken, dass nur eine Gegenanalyse ins Recht gelegt worden 

sei, welche die Sprechweise nicht analysiert habe. Ein Peer Review und 

eine Qualitätskontrolle sei nicht ersichtlich. Im Gegenteil habe das SEM in 

seinen Stellungnahmen vom 14. und 18. Dezember 2020 dargelegt, dass 

die Gegenanalyse nicht überzeugend sei. Die Expertise in Linguistik und 

Tibetologie der Autorin würden nicht angezweifelt. Es seien aber keine Er-

fahrung oder Qualifikation in LADO ersichtlich. Eine solche Qualifikation 

ergebe sich – wie dies in einer Resolution der International Association for 

Forensic Phonetics and Acoustics (IAFPA) festgehalten werde – nicht ohne 

weiteres aus einer linguistischen Ausbildung. Aus dem Hinweis, dass die 

Fachstelle LINGUA S._______ in der Vergangenheit kontaktiert habe, sei 

kein Beweis für deren Kompetenzen im Bereich LADO. Die Neutralität sei 

ferner zu bezweifeln, da die Gegenanalyse angeblich zum Ziel gehabt 

habe, Mängel und Unzulänglichkeiten offen zu legen. Ferner habe 

S._______ gemäss Angaben in der Beschwerdeschrift seit Längerem eine 

kritische Haltung gegenüber LINGUA und T._______ sei Mitglied in der Stif-

tung (…), die mit diversen exiltibetischen Organisationen der Schweiz ver-

bunden sei. Ferner verfüge sie über keine linguistische Ausbildung. 

G._______ mache eine Falschbehauptung, indem er ausgeführt habe, 

AS19 verfüge über keine universitäre Ausbildung in Linguistik, ohne dies 

zu erläutern. Auch seine Einschätzung, die LINGUA-Analyse habe nicht 

berücksichtigt, dass in der angeblichen Herkunftsregion des Beschwerde-

führers Kham- und Amdotibetisch gesprochen werden, widerspreche der 

Analyse. 

4.7 In der Replik entgegnete der Beschwerdeführer, das Schweigen zu den 

zahlreichen in der Beschwerde dargelegten Falschbehauptungen sei be-

merkenswert, so etwa zum Inhalt der Protokolle der BzP und der Anhörung, 

der in der Verfügung falsch dargestellt worden sei, zur fehlenden Qualitäts-

kontrolle bei LINGUA und zum Hukou.  

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Seite 23 

Der Experte verfüge offensichtlich nicht über das linguistische Instrumen-

tarium, etwa die Beherrschung des International Phonetic Alphabet, die ge-

mäss LADO-Guidelines zwingende Voraussetzung für die Arbeit sei. Zent-

raltibetisch kenne er lediglich aus nicht weiter spezifizierten Auslandreisen 

und aus der Literatur, wozu er entgegen wissenschaftlicher Gepflogenhei-

ten keine Quellenangaben anführe. Auch das Exiltibetische kenne er nur 

aus Interviews und nicht aus Aufenthalten vor Ort. Im Werdegang 2012 sei 

kein Universitätsabschluss nachgewiesen und es würde keine For-

schungstätigkeit mit Fachartikeln aufgeführt. Eine Gutachtertätigkeit setze 

eine Offenlegung der Identität voraus, was vorliegend unter missbräuchli-

cher Berufung auf gegenläufige Sicherheitsinteressen umgangen werde. 

Der Einwand auf Beschwerdeebene, wonach die Vorbringen in der Anhö-

rung detailliert und kohärent gewesen seien, sei nicht einfach eine andere 

Interpretation. Vielmehr handle es sich um falsche Behauptungen (SEM) 

gegen die bekannte Aktenlage (Beschwerdeführer). Es fänden sich in den 

Ausführungen des Beschwerdeführers weder mangelnde Logik noch Wi-

dersprüchlichkeiten. Die entsprechenden Vorwürfe seien erfunden. 

Das SEM begründe nicht, weshalb den angebotenen Zeugenaussagen die 

Relevanz abzusprechen sei. Die Ausführungen zu den Bestätigungsschrei-

ben seien bizarr und das SEM verkenne offenbar, dass Zeugenbestätigun-

gen zu einem identischen Sachverhalt mit gleichen Formulierungen abge-

geben würden. 

Weshalb der Beschwerdeführer den sichuanesischen Dialekt der Mieter 

hätte lernen sollen, sei erklärungsbedürftig. Dieser Dialekt sei für Tibeter, 

wie in der Anhörung ausgeführt, schwer verständlich und im Verkehr mit 

Mandarin sprechenden Chinesen kaum nützlich. Die entsprechenden Aus-

führungen des SEM würden den Feststellungen in den Antworten F114 bis 

F118 der Bundesanhörung widersprechen. So seien die Mieter nur spora-

disch anwesend und überdies Alo-Chinesen (chinesische Moslems) gewe-

sen, die ein wenig Tibetisch gesprochen und ihre Sprache mit dem Dialekt 

aus Amdo gemischt hätten. Ferner hätte das SEM, wenn sich die Präsenz 

der Han-Chinesen seit 2000 im unwirtlichen Hochland auf wundersame 

Weise vermehrt haben sollte, entsprechende Belege vorzulegen. Das SEM 

wiederhole die absurde Behauptung, die aktiven Kenntnisse würden die 

passiven übersteigen. So erfolge der passive Spracherwerb immer vor der 

Aktivierung. Zuerst komme das Hören und Verstehen, dann das Sprechen. 

Die anderslautende Behauptung beruhe auf dem LINGUA-Bericht und sei 

ein weiterer Beleg für die ungenügende Qualifikation von AS19. 

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Seite 24 

Die vom SEM angesprochene Qualitätskontrolle sei ungenügend, da diese 

durch einen qualifizierten Tibetologen geschehen müsste, der mit seinem 

Namen für die Qualität der Analyse bürge. Eine Visierung durch Angehö-

rige der LINGUA-Fachstelle ohne Fachkompetenz genüge nicht. Vorlie-

gend sei dies durch U._______ erfolgt, die weder als Linguistin noch als 

Tibetologin bekannt sei.  

Die Begutachtung der Qualität von LINGUA durch I._______ und 

J._______ sei unklar. Die Ausführung des SEM, I._______ habe die vorlie-

gende Analyse als hinreichend sorgfältig und detailliert bezeichnet, ver-

kenne, dass er lediglich davon spreche, diese Erfordernisse scheinen – in 

kollegialem Wohlwollen gegenüber einem früheren Auftraggeber – erfüllt 

zu sein. Zudem sei er ohnehin nicht wissenschaftlich qualifiziert, da es an 

seiner Universität keine tibetologische Abteilung gebe.  

Die Qualitätskontrolle und das Peer-Review der Gegenanalyse bestehe in 

der Bewertung des LINGUA-Berichts durch mehrere ausgewiesene Spezi-

alisten. 

Die Guidelines von LADO würden nach Fachpersonen des Sprachgebiets 

mit linguistischer Ausbildung verlangen. F._______ verfüge über diesen 

Ausweis und das SEM werde eingeladen, zu konkretisieren, woran es ihr 

mangeln solle. Worin ihre fehlende Neutralität bestehen solle, sei zu bele-

gen. Selbstverständlich habe eine wissenschaftliche Wertung einer Ana-

lyse zum Ziel, deren sachliche Richtigkeit zu überprüfen und Mängel, Un-

zulänglichkeiten und falsche Schlussfolgerungen aufzudecken. Worin ge-

nau die fachliche Ausbildung in LADO bei LINGUA bestehen solle, sei an-

gesichts der systemischen Mängel mehr als zweifelhaft.  

Der Vorwurf der mangelnden Neutralität gegenüber C._______ treffe eben-

falls nicht zu. Sie habe überdies ihre Expertise als tibetische Religionswis-

senschafterin eingebracht, in Verbindung mit der linguistischen Kompetenz 

der weiteren Experten.  

Gemäss der von der Vorinstanz zitierten Resolution der IAFPA sei in einer 

Analyse stets der Schwäche des analysierten Materials und der damit be-

fassten Personen Rechnung zu tragen, was vorliegend unterblieben sei. 

Ferner sei eine Analyse lediglich als Beitrag zum Asylentscheid aufzufas-

sen. Das SEM messe ihr aber entscheidende Bedeutung zu. 

Der Vorwurf falscher Feststellungen von G._______ sei haltlos. Relevant 

sei nicht, ob AS19 eine universitäre Ausbildung habe. G._______ stelle 

D-2337/2021 

Seite 25 

vielmehr auf seine Handhabung des linguistischen Instrumentariums ab. 

Die Ausführungen des LINGUA-Analysten zur Sprache in L._______ seien 

dürftig, während diejenigen von G._______ sachlich und fachlich begrün-

det seien. 

5.   

5.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe zunächst 

verschiedene Verletzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz, 

welche die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückwei-

sung der Sache an das SEM rechtfertigen würden. So habe das SEM den 

Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, da ihm (Beschwerdeführer) keine 

Einsicht in die Bundesanhörung gewährt und ihm nie die Möglichkeit zur 

Stellungnahme zum LINGUA-Bericht eröffnet worden sei. Ferner habe er 

sich nicht hinreichend zur Dokumentenanalyse des Hukou äussern kön-

nen. Schliesslich handle es sich bei den sechs Annexes, die er vom SEM 

am 17. Februar 2021 erhalten habe, um redigierte Dokumente, die nicht 

unterzeichnet seien. Darüber hinaus seien die Verfasser der angefochte-

nen Verfügung befangen, da ihr früherer Entscheid vom Gericht aufgrund 

schwerer Verfahrensfehler aufgehoben worden sei, weshalb sie nun unter 

Erfolgsdruck stünden.  

Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls 

geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewir-

ken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). 

5.3 Als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs statuiert Art. 26 VwVG einen 

grundsätzlichen Anspruch auf Akteneinsicht.  

5.4 Gemäss Art. 27 VwVG darf die Behörde die Einsichtnahme in Akten 

nur dann verweigern, wenn wesentliche öffentliche Interessen des Bundes 

oder der Kantone, namentlich die innere oder äussere Sicherheit der Eid-

genossenschaft (Art. 27 Abs. 1 Bst. a VwVG) oder wesentliche private In-

teressen (Art. 27 Abs. 1 Bst. b VwVG), die Geheimhaltung erfordern, oder 

aber wenn dies im Interesse einer noch nicht abgeschlossenen amtlichen 

D-2337/2021 

Seite 26 

Untersuchung steht (Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG). Gemäss Art. 27 Abs. 2 

VwVG darf das Einsichtsrecht allerdings lediglich soweit beschränkt wer-

den, als effektiv Geheimhaltungsgründe bestehen, wobei in jedem Fall eine 

konkrete, sorgfältige und umfassende Abwägung der entgegenstehenden 

Interessen nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen und der Grund-

satz der Verhältnismässigkeit zu beachten ist. Die Verweigerung hat sich 

demnach auf das Erforderliche zu beschränken, und der übrige und somit 

nicht geheim zu haltende Inhalt des betreffenden Aktenstückes ist in geeig-

neter Form (wie etwa durch Abdecken oder Aussondern von geheim zu 

haltenden Passagen, von Verfassern und Kontaktpersonen, von persönlich 

Gefärbtem oder Unerheblichem etc.) zugänglich zu machen. Die Ein-

schränkung oder Verweigerung der Akteneinsicht ist zudem konkret zu be-

gründen (vgl. BVGE 2013/23 E. 6.4.1; Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 1 E. 4b).  

5.5 Auf ein Aktenstück, bei welchem die Einsichtnahme verweigert respek-

tive eingeschränkt wurde, darf gemäss Art. 28 VwVG zum Nachteil der Par-

tei nur abgestellt werden, wenn ihr die Behörde von seinem für die Sache 

wesentlichen Inhalt mündlich oder schriftlich Kenntnis gegeben und ihr 

ausserdem Gelegenheit eingeräumt hat, sich zu äussern und allfällige Ge-

genbeweismittel zu bezeichnen. Die Bestimmung schliesst somit die Be-

rücksichtigung von geheim gehaltenen Akten oder Aktenteilen bei der Ent-

scheidfindung nicht aus, verknüpft damit indessen die Voraussetzung, 

dass die Parteien in geeigneter Form über den wesentlichen Inhalt des Ak-

tenstücks informiert werden und dazu Stellung nehmen können. 

5.6 Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung des SEM vom 10. Juni 

2020 versehentlich eine Kopie des vertraulichen LINGUA-Berichts zuge-

stellt. Der Beschwerdeführer hatte in der Folge hinreichend Gelegenheit, 

sich zur LINGUA-Analyse zu äussern. Eine Verletzung des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör liegt somit nicht vor. 

5.7 Das ebenfalls im Lichte des Anspruchs auf rechtliches Gehör zu würdi-

gende Argument, die durch das SEM erstellte Zusammenfassung der LIN-

GUA-Analyse vom 30. April 2020 sei mangelhaft, ist von vornherein uner-

heblich, da der Beschwerdeführer bereits Kenntnis der Analyse selbst hat. 

Aufgrund dieser Kenntnis ist es dem Beschwerdeführer selbst für den Fall 

einer mangelhaften Zusammenfassung möglich gewesen, wirksam zur 

Analyse Stellung zu nehmen. 

D-2337/2021 

Seite 27 

5.8 Anders als beim LINGUA-Bericht ist es betreffend das Anhörungspro-

tokoll (act. A14/25) nicht erforderlich, dass der Beschwerdeführer dazu vor 

Erlass der Verfügung Stellung nehmen kann. Eine Verletzung des An-

spruchs auf rechtliches Gehör ist daher zu verneinen. Allerdings ist in die-

ses Aktenstück auf entsprechenden Antrag Einsicht zu gewähren (Art. 26 

VwVG). Dem mit Beschwerde gestellten Antrag wurde denn auch mit Zwi-

schenverfügung vom 22. Juni 2021 entsprochen. In der Folge bestand zu-

dem die Möglichkeit, sich dazu im Beschwerdeverfahren wirksam äussern 

zu können. 

5.9  

5.9.1 Die Dokumentenanalyse zum Hukou (act. A47) wurde dem Be-

schwerdeführer nicht offengelegt. Vielmehr setzte das SEM ihn mit Schrei-

ben vom 17. Februar 2021 über den Inhalt der Analyse in Kenntnis, ohne 

die Einschränkung der Akteneinsicht jedoch zu begründen. 

5.9.2 Die nur teilweise erfolgte Offenlegung lässt sich durch das gegenläu-

fige Interesse der Geheimhaltung des Verfassers sowie die Verhinderung 

eines Lerneffektes rechtfertigen. Ferner ist dem Beschwerdeführer mit 

Schreiben vom 17. Februar 2021 (vgl. act. A58) der wesentliche Inhalt der 

Dokumentenanalyse offengelegt worden, verbunden mit der Möglichkeit 

zur Stellungnahme. Es liegt daher keine Verletzung des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör vor. 

5.10 Die Anhänge 4 und 5 (act. A51 und A52) wurden dem Beschwerde-

führer vollständig offengelegt, weshalb seine Rüge der mangelhaften Ak-

teneinsicht in diesem Punkt nicht verfängt. 

5.11 Demgegenüber wurden dem Beschwerdeführer die Aktenstücke A48, 

A49, A50 und A53 nur in zusammengefasster Form offengelegt. Dies be-

gründete das SEM mit überwiegenden öffentlichen oder privaten Interes-

sen im Sinne von Art. 27 Abs. 1 Bst. b VwVG, ohne diese Interessen jedoch 

weiter zu konkretisieren.  

Beim Aktenstück A48 (Consulting der Länderanalyse SEM vom 25. No-

vember 2020) können die Geheimhaltung des Verfassers sowie die Ver-

hinderung eines Lerneffektes als gegenläufige Interessen identifiziert wer-

den. Das SEM unterdrückt in seiner Zusammenfassung (act. A54) denn 

auch nur sehr wenige Informationen (gewisse Details, Quellen des Consul-

tings sowie Verfasser) und trägt den soeben beschriebenen Interessen 

D-2337/2021 

Seite 28 

adäquat Rechnung. In der Zusammenfassung wurde ferner der wesentli-

che Inhalt des Consultings offengelegt, weshalb hinreichend Möglichkeit 

zur Stellungnahme geboten worden ist. 

Beim Aktenstück A49 handelt es sich um die Stellungnahme von AS19 zu 

diversen Punkten in der Beschwerde vom 25. Juni 2020 im Beschwerde-

verfahren D-3262/2020, das dem vorliegenden Verfahren vorangegangen 

ist. Das einzige, vom SEM nicht explizit angerufene Interesse, das einer 

vollständigen Offenlegung entgegenstehen könnte, ist die Verhinderung ei-

nes Lerneffekts. In der Zusammenfassung (act. A55) kam es jedoch zu 

nicht unerheblichen Auslassungen und Kürzungen. Diese lassen sich ge-

rade noch mit dem gegenläufigen öffentlichen Interesse rechtfertigen. Die 

Zusammenfassung, die dem Beschwerdeführer zu Stellungnahme unter-

breitet worden ist, kann ferner – trotz der Auslassungen – als knapp genü-

gend bezeichnet werden. 

Das Aktenstück A50 ist eine von LINGUA sowie AS19 erarbeitete Stellung-

nahme zu den von den vier Tibetologen im Brief vom 29. September 2020 

geäusserten Kritikpunkten hinsichtlich des landeskundlich-kulturellen Teils 

der LINGUA-Analyse. Mit dem Interesse der Verhinderung eines Lernef-

fekts lässt sich die nur teilweise Offenlegung auch hier gerade noch recht-

fertigen. Die zur Stellungnahme unterbreitete Zusammenfassung 

(act. A56) ist zudem sehr ausführlich und daher als hinreichend zu bezeich-

nen. 

Im Aktenstück A53 nimmt AS19 zur Kritik von F._______ am linguistischen 

Teil der LINGUA-Analyse Stellung. Die teilweise Geheimhaltung lässt sich 

wiederum mit der Verhinderung eines Lerneffekts rechtfertigen. Die Zu-

sammenfassung (act. A57), die dem Beschwerdeführer zur Stellungnahme 

unterbreitet worden ist, gibt ferner die wesentlichen Punkte des Akten-

stücks A53 wieder. 

Zusammenfassend liegt durch die nur teilweise Offenlegung der Aktenstü-

cke A48, A49, A50 und A53 keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches 

Gehör respektive Akteneinsicht vor. 

5.12 Weiter moniert der Beschwerdeführer, dass es in der Anhörung zu 

Verständigungsproblemen zwischen der befragenden Person und der Dol-

metscherin sowie dem Beschwerdeführer und der Dolmetscherin gekom-

men sei, ohne dies jedoch weiter zu substanziieren. Hinweise auf massge-

bliche Verständigungsprobleme ergeben sich aus dem Anhörungsprotokoll 

D-2337/2021 

Seite 29 

jedoch keine und auch die Hilfswerksvertretung machte keinerlei diesbe-

züglichen Anmerkungen (vgl. act. A14 S. 25). Hinsichtlich der angeblichen 

Verständigungsprobleme zwischen Dolmetscherin und Beschwerdeführer 

ist ferner zu bemerken, dass der Beschwerdeführer in der Anhörung an-

gab, diese gut zu verstehen (vgl. ebd. F1). 

5.13 Aufgrund des Umstands, dass die diesem Verfahren vorangehende 

Verfügung des SEM an die Vorinstanz zurückgewiesen worden ist, lässt 

sich nicht auf eine Befangenheit der Mitarbeitenden des SEM schliessen. 

5.14 Mit seinen formellen Rügen vermag der Beschwerdeführer folglich 

nicht durchzudringen. 

6.  

Der Beschwerdeführer beantragt an diversen Stellen in seiner Beschwer-

deschrift eine Parteibefragung. Vorliegend besteht für das Gericht keine 

Veranlassung, den Beschwerdeführer persönlich zu befragen. Nach der 

Rechtsprechung ist ein Anspruch auf mündliche Anhörung nur ausnahms-

weise gegeben, wenn eine solche zur Abklärung des Sachverhaltes unum-

gänglich ist. Die Notwendigkeit einer Befragung kann insbesondere dann 

verneint werden, wenn eine Partei im Beschwerdeverfahren Gelegenheit 

hatte, ihre Sachverhaltsdarstellung und Beweisanerbieten umfassend 

schriftlich einzubringen (vgl. etwa Urteil des BVGer D-3987/2017 vom 

14. August 2018 E. 5.4). Diese Voraussetzungen sind vorliegend als erfüllt 

zu erachten. 

7.    

7.1 Im BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss EMARK 

2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre 

wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon 

auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen 

Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestän-

den. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der 

Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein tibeti-

scher Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Ab-

klärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien inne-

habe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung 

und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlings-

eigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland 

verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 

D-2337/2021 

Seite 30 

7.2 Steht eine Täuschung über die Herkunft im Raum, kommt einer LIN-

GUA-Analyse grosse Bedeutung zu. Die materiellen Einwände in der Be-

schwerde richten sich denn auch schwergewichtig gegen die im Recht lie-

gende LINGUA-Analyse respektive deren Beweiswert. 

7.3 Eine LINGUA-Analyse stellt kein Sachverständigengutachten (Art. 12 

Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über 

den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine 

schriftliche Auskunft einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP 

i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche 

Qualifikation, Objektivität und Neutralität der sachkundigen Person wie 

auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse 

erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 

2014/12 E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und  

EMARK 1998 Nr. 34).  

7.4  

7.4.1 Die Prüfung der fachlichen Zuverlässigkeit, Objektivität und Neutrali-

tät der sachverständigen Person setzt voraus, dass deren Identität dem 

Gericht bekannt ist (vgl. EMARK 1998 Nr. 34 E. 8e und E.9). Denn das 

Gericht muss eine Beurteilung der gegenüber der sachverständigen Per-

son erhobenen Vorwürfe aus eigener Wahrnehmung vornehmen können. 

Demgegenüber wird die Identität der sachverständigen Person aufgrund 

überwiegender privater Interessen eben dieser Person der asylsuchenden 

Person nicht offengelegt. Eine gänzliche Offenlegung der Identität würde 

eine erhebliche Gefährdung bedeuten, zumal Druck- und Retorsionsversu-

che gegen sachverständige Personen notorisch sind. Immerhin sind der 

asylsuchenden Person aber Herkunft, Dauer und Zeitraum des Aufenthal-

tes der sachverständigen Person im umstrittenen Herkunftsland sowie ihr 

Werdegang, auf welchen sich ihre Sachkompetenz abstützt, offenzulegen, 

damit sie sich eine klare Vorstellung über die gutachterliche Qualifikation 

machen kann (vgl. EMARK 1998 Nr. 34 E. 9b). Diese Vertraulichkeit wird 

ferner auch in den LADO-Guidelines postuliert (vgl. Guidelines for the use 

of language analysis in relation to questions of national origin in refugee 

cases, Speech, Language and the Law 11(2) 2004, 1350-1771, Ziff. 6, < 

https://cdn.ymaws.com/ www.iltaonline.com/resource/resmgr/media/news 

_ items/lado_guidelines.pdf >, abgerufen am 5.6.2023). 

7.4.2 Die Praxis von LINGUA, die Analyse von der sachverständigen Per-

son unter Verwendung eines falschen Namens unterschreiben zu lassen, 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31
http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31

D-2337/2021 

Seite 31 

ist zwar tatsächlich als problematisch zu bezeichnen, zumal für die Wah-

rung der Anonymität andere Möglichkeiten bestehen. Inzwischen hat das 

SEM dem Gericht am 15. März 2022 die Identität der sachverständigen 

Person AS19, ihren Werdegang, ihre aktuelle professionelle Tätigkeit so-

wie die wissenschaftlichen Reisetätigkeiten umfassend offengelegt. Aus 

diesen Informationen ergibt sich, dass die Kompetenz von AS19 zur fach-

lich korrekten, neutralen und objektiven Vornahme einer LINGUA-Analyse 

betreffend die Überprüfung einer Sozialisation von Asylsuchenden in Ti-

bet/VR China als gewährleistet zu bezeichnen ist. Die Eckdaten des Le-

benslaufs spiegeln sich zudem hinreichend im Informationsblatt zum Wer-

degang und den Qualifikationen (act. A19), welches dem Beschwerdefüh-

rer ausgehändigt wurde. Nur am Rande sei erwähnt, dass zwischen den 

Angaben «Universität» und «Doktorat» kein Widerspruch besteht, obschon 

das Schlagwort «Universität» als eher ungenau zu bezeichnen ist. Dies ist 

aber ohnehin nicht von Belang, da dem Beschwerdeführer im vorliegenden 

Verfahren vom SEM einzig das Informationsblatt vorgelegt worden ist, wel-

ches das Doktorat aufführt und sich dieser Abschluss aus den dem Gericht 

vorgelegten detaillierten Unterlagen ergibt. Den offengelegten Daten ist fer-

ner weder eine ungebührliche Nähe zu den chinesischen Behörden noch 

eine wirtschaftliche Abhängigkeit zum SEM zu entnehmen, die die Objek-

tivität und Neutralität der sachverständigen Person in Frage stellen könn-

ten (vgl. dazu auch die Ausführungen in Ziff. 5 und 9 im Schreiben des SEM 

vom 27. August 2020 [act. A39]). Das SEM hat dem Gericht zudem die von 

der sachverständigen Person verwendeten Quellen offengelegt, die eben-

falls nicht zu beanstanden sind und keine Zweifel an der Expertise zu be-

gründen vermögen. Die im Rahmen der Beschwerde, insbesondere auch 

aufgrund der Gegenanalyse erhobenen Vorwürfe gegen AS19 bezüglich 

mangelhafter beruflicher Qualifikationen, fehlender Unabhängigkeit vom 

SEM und vermuteter Nähe zum chinesischen Regime (vgl. insbesondere 

E. 4.4.4, 4.4.7 sowie 4.7) finden damit aufgrund der bestehenden Akten-

lage keine Stütze.  

7.4.3 Dass das Interview, das als Grundlage für die Analyse gedient hat, 

nicht von der sachverständigen Person selbst, sondern von einer Drittper-

son durchgeführt worden war, stellt die Qualität der Analyse nicht in Frage. 

Dazu erklärte LINGUA in seiner Stellungnahme vom 1. Dezember 2020 

zutreffend, dass in Fällen, in denen eine Drittperson das Interview führt, für 

eine aussagekräftige Analyse in erster Linie erforderlich ist, dass genügend 

Daten erhoben worden sind, was bei einem über einstündigen Interview – 

wie vorliegend – als erfüllt zu erachten ist (vgl. act. A51 S. 3). Auch gemäss 

Ziffer 5 der LADO-Guidelines müssen die Person, die das Interview führt 

D-2337/2021 

Seite 32 

und diejenige, die die Auswertung vornimmt, nicht identisch sein. Nicht zu 

beanstanden ist schliesslich, dass weder die Person, die das Interview 

führt, noch die sachverständige Person, die die Analyse erstellt, Zugang 

zum Asyldossier der beschwerdeführenden Person haben, sondern die Bi-

ografie jeweils im Interview erfragt wird. Entgegen den entsprechenden Be-

schwerdevorbringen (E. 4.4.4 sowie 4.5) ist damit insgesamt von einer ge-

nügenden Datengrundlage für eine LINGUA-Analyse auszugehen, zumal 

sich dem Bericht auch keine wesentlichen Verständigungsschwierigkeiten 

entnehmen lassen. 

7.4.4 Die Analyse ist auch als nachvollziehbar und schlüssig zu bezeich-

nen. Die sachverständige Person formulierte für die zwei untersuchten Be-

reiche (landeskundlich-kultureller sowie linguistischer Bereich) anhand der 

Biografie des Beschwerdeführers jeweils die Erwartungen. In der Folge 

mass sie die Aussagen des Beschwerdeführers an diesen Erwartungen 

und zog daraus ein entsprechendes Fazit. Dabei zeigte sie kohärent auf, 

dass der Beschwerdeführer zwar über gewisse landeskundlich-kulturelle 

Kenntnisse verfüge, sein Wissen aber eben auch markante Lücken auf-

weise, weshalb die Erwartungen nicht vollumfänglich erfüllt seien. Die Ana-

lyse ist dabei als ausgewogen zu bezeichnen, indem auch das beim Be-

schwerdeführer vorhandene Wissen entsprechend gewürdigt und Unsi-

cherheiten offengelegt wurden. Entgegen der Argumentation in der Be-

schwerdeschrift (vgl. E. 4.4.4) stellt die Benennung von Unsicherheiten kei-

nen Mangel der Analyse dar. Nach Ansicht des Gerichts bestätigt das ent-

sprechende Vorgehen eher die Unvoreingenommenheit der analysieren-

den Person. Ebenfalls nachvollziehbar ist die Feststellung im linguistischen 

Teil der Analyse, wonach der Beschwerdeführer ein Dialektgemisch spre-

che, das sich mit der angegeben Biografie nur bedingt erklären lasse, wes-

halb anzunehmen sei, er sei in einem gemischtsprachlichen Umfeld, in wel-

chem auch zentraltibetische Dialekte vorzufinden seien, sozialisiert wor-

den. Dieses Umfeld finde man im Exil, nicht aber in Tibet, insbesondere 

nicht in kleinen, nicht mobilen Gemeinschaften. In der Sprechweise des 

Beschwerdeführers fänden sich Lhasa-tibetische Formen, die die Grund-

lage der exiltibetischen Koine bilden würden. Ebenfalls zu finden seien Ver-

einfachungen, die typisch für eine Koinisierung seien. Das aus diesen Fest-

stellungen gezogene Fazit, wonach der Beschwerdeführer sehr wahr-

scheinlich nicht in der von ihm angegebenen Region in Tibet sozialisiert 

worden sei, sondern sehr wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemein-

schaft ausserhalb Chinas erscheint dabei nachvollziehbar. Zwar werden 

die linguistischen Fähigkeiten von AS19 im Rahmen der Kritik an der Ana-

D-2337/2021 

Seite 33 

lyse grundlegend in Frage gestellt (vgl. E. 4.4.4 und 4.7), was jedoch inso-

fern nicht von Relevanz ist, als die Erkenntnis, dass der Beschwerdeführer 

verschiedene Sprachregister (Amdo-, Kham- und Lhasa-Tibetisch) beherr-

sche, auch vom Beschwerdeführer unbestritten blieb (vgl. E. 4.4.5 und 

4.4.3). Der Gebrauch verschiedener Sprachregister wird im Rahmen der 

Kritik damit erklärt, dass sich der Beschwerdeführer der Interview-Situation 

habe anpassen müssen. Auf diese Argumentation wird weiter unten zu-

rückgekommen (E. 7.7). Schliesslich ist zu bemerken, dass I._______ und 

J._______ in der vom Beschwerdeführer eingereichten E-Mail vom 8. De-

zember 2020 (Beschwerdebeilage 14) ausführen, dass sie von der Sorgfalt 

und Gründlichkeit der Argumentation im LINGUA-Bericht beeindruckt 

seien. Die Analyse scheine mit hinreichender Sorgfalt und Präzision erstellt 

worden zu sein und unterschiedliche Schlussfolgerungen würden wohl 

eher eine blosse Meinungsverschiedenheit von Fachpersonen, nicht aber 

Verfahrensmängel darstellen. Dass der Beschwerdeführer dieser Aussage 

in der Replik die Validität abspricht, ist als widersprüchlich zu bezeichnen 

und vermag nicht zu überzeugen.  

7.5 Die im eingereichten Schreiben der Tibetologen vom 29. September 

2020 (Beschwerdebeilage 7) vertretene Ansicht, wonach der Beschwerde-

führer vielmehr in Tibet sozialisiert worden sei, ist bereits deshalb zweifel-

haft, da die Gegenanalyse ohne Konsultation der Gesprächsaufzeichnung 

verfasst worden ist. Der in diesem Zusammenhang erhobene Einwand in 

der Stellungnahme zur Kritik von F._______ vom 14. Dezember 2020, wo-

nach es fragwürdig sei, wie die Gegenanalyse ohne Kenntnis des Ge-

sprächs und ohne selbst einen Befund erhoben zu haben, aufgrund eines 

gemäss ihrer Darstellung stark fehlerhaften LINGUA-Berichts zu einem 

fundierten gegenteiligen Ergebnis gelangt sein wolle (vgl. act. A52 S. 18; 

siehe auch act. A57 S. 2), ist daher berechtigt. Auch im vom Beschwerde-

führer eingereichten E-Mail-Verkehr weisen I._______ und J._______ an 

zwei Stellen darauf hin, dass die Gegenanalyse ohne Konsultation der Ge-

sprächsaufzeichnung erstellt worden sei (vgl. Beschwerdebeilage 14). 

7.6 Hinsichtlich der Bemerkung des Beschwerdeführers, er habe sich (Zu-

sammen mit F._______) bis jetzt die Aufzeichnung des LINGUA-Ge-

sprächs nicht anhören können, ergeht der Hinweis, dass das SEM den Be-

schwerdeführer bereits mit Schreiben vom 30. April 2020 darauf hingewie-

sen hat, er könne die Aufzeichnung in den Räumlichkeiten des SEM anhö-

ren. Selbst wenn dies – wie vom Beschwerdeführer behauptet – wegen der 

D-2337/2021 

Seite 34 

Corona-Pandemie damals nicht möglich gewesen wäre, bestand spätes-

tens nach Abschwächung der pandemischen Lage hinreichend Möglichkeit 

dazu. 

7.7 Das gegen die in der Analyse getroffene Feststellung sowohl in der Be-

schwerdeschrift, der Gegenanalyse wie auch im Schreiben der vier Tibeto-

logen vom 29. September 2020 vorgebrachte Argument, wonach sich die 

Sprechweise des Beschwerdeführers durch eine Akkommodation an dieje-

nige der Interviewerin erklären lasse, greift zu kurz, zumal sich das vom 

Beschwerdeführer gesprochene Dialektgemisch nicht vollständig mittels 

einer angeblichen Akkommodation an die Interviewerin begründen lässt. 

Ferner wurde die Anpassung an die Sprechweise der Interviewerin in der 

Analyse durchaus berücksichtigt und zugunsten des Beschwerdeführers 

gewürdigt (vgl. act. A18 S. 9 und 14). Insgesamt ist die LINGUA-Analyse 

in diesem zentralen Punkt überzeugender als die Hypothese in der Gegen-

analyse. So erscheint es im Lichte des biografischen Hintergrunds des Be-

schwerdeführers kaum möglich, dass er die Kompetenz zu einer derart 

vollständigen Akkommodation hätte. Nicht überzeugend ist auch der im Zu-

sammenhang mit der Anpassung an die Sprechweise in der Beschwerde-

schrift sowie dem Schreiben der Tibetologen vom 24. Februar 2021 formu-

lierte Einwand, ein Deutschschweizer würde mit einem Interviewer aus 

Hamburg wohl ebenfalls Hochdeutsch und nicht Schweizerdeutsch spre-

chen. Dabei wird verkannt, dass der Beschwerdeführer anlässlich des In-

terviews explizit aufgefordert wurde, seinen Heimatdialekt zu sprechen 

(vgl. act. A18 Ziff. 3.4).  

7.8 Ferner weist LINGUA in der Aktennotiz vom 1. Dezember 2020 (act. 

A51) zutreffend darauf hin, dass die Arbeitsweise von LINGUA in zwei For-

schungsprojekten untersucht worden sei und die daraus resultierenden 

Empfehlungen umgesetzt worden seien. Die Existenz einer dieser Studien, 

in welcher etwa 150 LINGUA-Analysen detailliert begutachteten worden 

sind, wird von den Autoren denn auch explizit bestätigt (vgl. Beschwerde-

beilage 14; zur Studie vgl. TIM MCNAMARA/DORIS SCHÜPBACH, Quality As-

surance in LADO: Issues of Validity, in: PATRICK/SCHMID/ZWAAN, Language 

Analysis for the Determination of Origin, Current Perspectives and New 

Directions, 2019, S. 253 ff.). Was an dieser Darstellung unzutreffend sein 

soll – wie in der Beschwerde behauptet – erschliesst sich dem Gericht 

nicht. Nebst dieser Optimierungsarbeit hinsichtlich der allgemeinen Metho-

dik von LINGUA wird in der soeben erwähnten Aktennotiz auf die Anforde-

rungsprofile für die sachverständigen Personen und die Qualitätskriterien 

D-2337/2021 

Seite 35 

verwiesen, die sich nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts und wissenschaftlichen Kriterien richten und ständig weiterentwickelt 

würden. In der soeben erwähnten Publikation wird LINGUA zudem als best 

practice im Bereich von LADO bezeichnet (vgl. MCNAMARA/SCHÜPBACH, 

a.a.O., S. 254). Die in der Beschwerde generell an der Arbeitsweise von 

LINGUA geäusserte Kritik, verfängt vor diesem Hintergrund nicht.  

7.9 Hinsichtlich der Qualität und Aussagekraft der von AS19 erstellten LIN-

GUA-Analysen lässt sich somit sagen, dass diese nicht grundsätzlich zu 

beanstanden sind. So entspricht die Methode der Fachstelle LINGUA den 

– im internationalen Vergleich – besten Standards derartiger Sprach- und 

Herkunftsanalysen und die Mitarbeitenden der Fachstelle unternehmen 

bestmögliche Anstrengungen, um ihre Analysen unparteiisch und regel-

konform sowie nach wissenschaftlichen Kenntnissen zu erstellen. Ferner 

ist das Gericht betreffend AS19 der Ansicht, dass diese sachverständige 

Person fachlich geeignet erscheint, ihre Sorgfaltspflicht ernst nimmt sowie 

neutral und unabhängig ist. Die soeben gemachten Feststellungen ändern 

jedoch nichts daran, dass LINGUA-Analysen in jedem Einzelfall auf ihre 

Aussagekraft hin geprüft werden müssen (vgl. EMARK 1998/34). 

7.10 Die gegen die Aussagekraft der LINGUA-Analyse vorgebrachten Ein-

wände sind somit als nicht erheblich zu qualifizieren, weshalb der Analyse 

erhöhter Beweiswert zuzumessen ist.  

7.11 Der Beschwerdeführer beantragt, LINGUA-Analysen beizuziehen, 

welche von derselben sachverständigen Person in anderen Verfahren ver-

fasst worden sind. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist einzig der Be-

weiswert der in diesem Verfahren erstellten LINGUA-Analyse zu beurteilen 

und zwar aufgrund einer Kombination genereller Aspekte und der Aussa-

gekraft der Analyse im konkreten Einzelfall. Nachdem die vorliegende Ana-

lyse insgesamt für beweiskräftig befunden worden ist, besteht kein Anlass, 

weitere Analysen aus anderen Verfahren beizuziehen. Denn selbst wenn 

die dortigen Analysen mangelhaft sein sollten, könnte der Beschwerdefüh-

rer daraus nichts für die in seinem Verfahren zu würdigende Analyse ablei-

ten. 

7.12 Als weiteres Indiz für die Klärung der Frage, ob der Beschwerdeführer 

seine Herkunft zu verschleiern versuche, sind seine Aussagen in den Be-

fragungen zu würdigen. Der Feststellung des SEM, dass sich der Be-

schwerdeführer in der Anhörung nur sehr pauschal zu seiner Herkunftsre-

D-2337/2021 

Seite 36 

gion habe äussern können, kann sich das Gericht nur beschränkt an-

schliessen. So finden sich in den Ausführungen durchaus substanzvolle 

Angaben, etwa zu seinem Heimatdorf, wo er Angaben zu Gebetshallen, 

den Einwohnern, den Ladenlokalen, dem Kloster, den Brücken und zu Ver-

anstaltungen (vgl. act. A14 F76) sowie zu umliegenden Bergen (vgl. ebd. 

F127) gemacht hat. Allerdings ist zu bemerken, dass die Aussagen zu den 

Veränderungen im Dorf doch eher oberflächlich ausgefallen sind (vgl. ebd. 

F77 bis F78) und er sich auch zum Bau einer markanten Brücke sehr vage 

äusserte (vgl. ebd. F79 bis F86). Seinen Schilderungen zu seinem Alltag 

können ebenfalls gewisse Details entnommen werden (vgl. ebd. F104 f.). 

Gleiches gilt für seine Tätigkeit als Raupenpilzsammler (vgl. act. A7  

Ziff. 1.17.05 und A14 F111). Diese Aussagen stellen somit ein Indiz für die 

Glaubhaftigkeit der Herkunft dar, das aufgrund der teilweisen Oberfläch-

lichkeit jedoch etwas zu relativieren ist. 

7.13 Allerdings weist das SEM hinsichtlich der Schilderung der Flucht-

gründe zu Recht auf Unstimmigkeiten hin. So hat der Beschwerdeführer in 

der BzP ausgeführt, die Behörden hätten seine Familie telefonisch darüber 

informiert, dass sein Vater nicht freigelassen werde (vgl. act. A7 Ziff. 7.01), 

während gemäss Aussage in der Anhörung keine behördliche Information 

stattgefunden habe (act. A14 F136 bis F139). Weiter sei gemäss BzP nur 

seine Mutter anwesend gewesen, als die Behörden nach ihm gesucht hät-

ten (vgl. act. A7 Ziff. 7.01), während gemäss Anhörung sein Onkel ebenfalls 

dort gewesen sei (vgl. act. A14 F129). Dies stellt ein Indiz gegen die Glaub-

haftigkeit der angeblichen Herkunft dar. Da die Angaben zu den Flucht-

gründen jedoch nur indirekte Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der Her-

kunft zulassen, kann diesem Indiz nur beschränktes Gewicht beigemessen 

werden. Zwar ist es sodann durchaus möglich, dass der Beschwerdeführer 

sein Mobiltelefon im Heimatland zurückgelassen habe. Nur sehr schwer 

nachvollziehbar ist jedoch, dass es ihm unmöglich sein soll, Zugriff auf sei-

nen WeChat-Account zu erhalten und die seine Herkunft und Fluchtgründe 

betreffenden Auszüge daraus vorzulegen (vgl. act. A14 F15 bis F19). Auch 

dieser Umstand spricht gegen die Glaubhaftigkeit. 

7.14 Zum eingereichten Hukou ist zu bemerken, dass amtliche Dokumente 

ausländischer Staaten, deren Zweck es ist, die Identität ihres Inhabers 

nachzuweisen, nicht als öffentliche Urkunden im Sinne von Art. 9 ZGB gel-

ten, weshalb ihnen nicht ohne Weiteres ein erhöhter Beweiswert zukommt 

und sie wie andere Urkunden einer freien Beweiswürdigung zu unterziehen 

sind (Urteile des BGer 6B_394/2009 vom 27. Juli 2009 E. 1.1 und 

D-2337/2021 

Seite 37 

5A_3/2007 vom 27. Februar 2007 E. 2). Aufgrund der Fälschungsanfällig-

keit kann dem Hukou nur ein geringer Beweiswert beigemessen werden. 

Gleiches gilt – aufgrund eines möglichen Gefälligkeitscharakters – für die 

Briefe der Mutter, des Dorfvorstehers und des Gemeindevorstehers sowie 

die Schreiben der in der Schweiz wohnhaften Personen vom 13. Mai 2021, 

in welchen die Herkunft des Beschwerdeführers bestätigt wird. 

7.15 Für die Glaubhaftigkeit der angeblichen Herkunft aus Tibet sprechen 

somit die diesbezüglichen Aussagen anlässlich der Anhörung, das Hukou 

und die Bestätigungsschreiben, während die Angaben zu den Fluchtgrün-

den sowie die LINGUA-Analyse gegen die Glaubhaftigkeit sprechen. Der 

LINGUA-Analyse ist, wie bereits erwähnt, erhöhter Beweiswert beizumes-

sen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Annahme der Unglaubhaftigkeit 

durch die unstimmigen Aussagen zu den Fluchtgründen zusätzliches Ge-

wicht erhält, während den Elementen, die für die Glaubhaftigkeit sprechen 

nur beschränkter Beweiswert zukommt, ist die vom Beschwerdeführer be-

hauptete Herkunft aus Tibet nicht glaubhaft. 

8.  

In Übereinstimmung mit dem SEM ist somit festzustellen, dass der Be-

schwerdeführer über seine Herkunft getäuscht hat. In Anwendung der in 

BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung hat das SEM daher 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und 

sein Asylgesuch abgelehnt. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

D-2337/2021 

Seite 38 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

10.2 Unter Hinweis auf die in Erwägung 5.2 skizzierte Rechtsprechung ist 

der Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar und möglich zu erach-

ten. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.3 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische 

Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive 

Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und da-

mit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wie-

derum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 

2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Überein-

stimmung mit den Erwägungen, nicht aber dem Dispositiv der angefochte-

nen Verfügung, darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeter und somit 

auch für den Beschwerdeführer ein Vollzug der Wegweisung nach China 

auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Be-

handlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen-

verfügung vom 22. Juni 2021 die unentgeltliche Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden ist, sind keine Verfahrenskosten zu 

erheben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2337/2021 

Seite 39 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Linus Sonderegger 

 

 

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