# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e62560c5-13de-5692-b854-13ae1a53490a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-11-01
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 01.11.2004 SB 2004 27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2004-27_2004-11-01.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 01. November 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 04 27 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
Richter Schäfer und Vital 
Aktuar ad hoc Pinchera

——————

In der strafrechtlichen Berufung

der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, 
Berufungsklägerin,

und in der Anschlussberufung

der X . , Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin, vertreten durch 
Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Metzger, c/o Lüthi & Lazzarini, Via Retica 26, 7503 
Samedan, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Maloja vom 3. Juni 2004, mitgeteilt am 
8. Juli 2004, in Sachen gegen die Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklä-
gerin, 

betreffend fahrlässige Körperverletzung,

hat sich ergeben:

2

A. X., A.ische Staatsangehörige, wurde am 17. Oktober 1975 in B. gebo-
ren. Während zwölf Jahren absolvierte sie in B. die Pflichtschule und studierte her-
nach an der Universität B. C. Das Studium schloss sie mit Diplom ab. In der Folge 
machte sie eine Zusatzausbildung im Bereich D. Am 17. Dezember 2002 heiratete 
sie E. Seither wohnt X. in F. (G.) und arbeitet in H. Sie ist im Schweizerischen 
Strafregister nicht verzeichnet (act. 1.31, S. 2). 

B. Am 19. Februar 2002 stellte I. L. Strafantrag gegen X. wegen Körper-
verletzung. Am 27. März 2002 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen 
X. eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Körperverletzung (act. 1.1). Sodann 
überwies die Staatsanwaltschaft am 2. Mai 2002 dem Kreispräsidenten Y. gestützt 
auf Art. 49 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 172 Abs. 1 StPO einen Man-
datsantrag bei Verbrechen und Vergehen, welcher dahingehend lautet, dass X. der 
fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen 
und dafür mit einer Busse von Fr. 700.-- zu bestrafen sei. Mit Strafmandat vom 4. 
Juni 2002 erkannte der Kreispräsident Y. X. für schuldig der fahrlässigen Körper-
verletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB und bestrafte sie mit einer Busse von Fr. 
700.--. Die Busse sei nach einer Probezeit von einem Jahr vorzeitig zu löschen. Die 
Kosten des Verfahrens von Fr. 856.50 wurden X. überbunden (act. 1.10). Das von 
X. am 23. Februar 2002 geleistete Depositum von Fr. 500.-- wurde an die Busse 
und die Kosten angerechnet. Der Kreispräsident legte dem Strafmandat folgenden 
Sachverhalt zu Grunde:

„Am 16. Februar 2002, um ca. 15.30 Uhr, befand sich I. L. beim Ski laufen 
im Skigebiet M. Zusammen mit ihrer Tochter benutzte sie den N.-Skilift. Sie 
befanden sich unweit oberhalb der Talstation als die Skiläuferin X. unmittel-
bar vor ihnen vom N.-Hang kommend das Lifttrassee passierte, um in Rich-
tung O. zu gelangen. In der Folge kam es zwischen X. und I. L. zu einer 
Kollision. Dabei zog sich I. L. eine Schulterprellung mit Sehnenriss des Arm-
hebermuskels zu. Diese Verletzung war nicht lebensgefährlich und konnte 
ambulant versorgt werden. Als bleibender Nachteil wird bei I. L. eventuell 
eine leichte Schwäche des Schulterhebers zurück bleiben.“

C. Gegen das Strafmandat vom 4. Juni 2002 erhob der Rechtsvertreter 
von X. am 21. Juni 2002 Einsprache beim Kreisamt Y. Am 15. August 2002 stellte 
derselbe ein Gesuch um Bestellung eines amtlichen Verteidigers für X. (act. 1.13), 
welchem mit Schreiben des Untersuchungsrichteramtes vom 28. August 2002 statt-
gegeben wurde (act. 1.14).

D. Nach Abschluss der Untersuchung erliess die Staatsanwaltschaft am 
5. April 2004 eine Anklageverfügung, mit welcher sie X. wegen fahrlässiger Körper-
verletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB in den Anklagezustand versetzte (act. 

3

1.30). Diese zu Handen des Bezirksgerichtsausschusses Maloja erhobene Anklage 
stützte sich auf folgenden Sachverhalt (act. 1.31):

„Am Samstag, 16. Februar 2002, befand sich I. L. mit ihrer Tochter im Ski-
gebiet M. in P. beim Ski laufen. Um ca. 15.30 Uhr benutzte sie den N.-Skilift. 
Auf ihrer linken Seite befand sich während der Fahrt mit dem Bügellift ihre 
Tochter mit dem Snowboard. 15 bis 20 Meter oberhalb der Talstation-Skilift 
war X. im Begriffe das Lifttrassee zu passieren, um in Richtung O. zu gelan-
gen. Diese querte das Trassee so knapp vor den mit dem Ski-Lift hochfah-
renden Frauen, dass L. Tochter mit ihrem Snowboard über die Skienden von 
X. fuhr. Dadurch verloren sowohl sie als auch ihre Mutter das Gleichgewicht 
und kamen zu Fall. Dabei zog sich I. L. eine Schulterprellung mit Sehnenriss 
des Armhebermuskels zu. Gemäss Arztbericht vom 26. Februar 2002 muss 
sie mit einer leichten bleibenden Schwäche des Schulterhebers rechnen. Am 
19. Februar 2002 stellte I. L. Strafantrag gegen X. wegen Körperverletzung.“

E. Mit Urteil vom 3. Juni 2004, mitgeteilt am 8. Juli 2004, erkannte der 
Bezirksgerichtsausschuss Maloja:

„1. X. wird vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinn von Art. 
125 Abs. 1 StGB freigesprochen.

2. Die Gerichtskasse des Bezirksgerichts Maloja wird angewiesen, der An-
geklagten das am 23. Februar 2002 geleistete Depositum von CHF 
500.-- zurückzuzahlen.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus 
- Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 186.50 
- Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 470.00 
- Bauauslagen und Gebühr des Kreisamtes Y. CHF 200.00 
- Gerichtsgebühr CHF 800.00 
- private Verteidigung (für das Gerichtsverfahren) CHF     2'654.90  - 
Gerichtsdolmetscher CHF 400.00

werden auf die Staatskasse genommen, d.h. CHF 656.50 zulasten des 
Kantons Graubünden, CHF 200.00 zulasten des Kreises Y. und CHF 
3'854.90 zulasten des Bezirks Maloja.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

F. Nachdem Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Metzger den Bezirksgerichts-
ausschuss Maloja mit Schreiben vom 9. Juli 2004 auf ein Versehen hingewiesen 
hatte (Bezirksgericht act. 15) – der Bezirksgerichtsausschuss führte im Urteil vom 
3. Juni 2004 das Honorar des amtlichen Verteidigers im Untersuchungsverfahren 
nicht auf –, nahm das Bezirksgerichtspräsidium am 14. Juli 2004 eine Urteilsergän-
zung vor, in welcher die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Untersuchungs-
verfahren von Fr. 3'910.45 als Verfahrenskosten aufgeführt und infolge Freispruchs 
dem Kanton Graubünden überbunden wurden (Bezirksgericht act. 16 f.). 

4

G. Gegen das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Maloja vom 3. Juni 
2004 erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Eingabe vom 26. Juli 2004 Be-
rufung beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden mit folgendem Rechtsbe-
gehren:

„1. Das Urteil sei aufzuheben.

2. X. sei der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 
StGB schuldig zu sprechen.

3. Dafür sei sie mit einer Busse von Fr. 500.-- zu bestrafen.

4. Der Eintrag der Busse sei nach einer Probezeit von einem Jahr im 
Strafregister zu löschen.

5. Gesetzliche Kostenfolge.“

H. Mit Eingabe vom 12. August 2004 erhob die Berufungsbeklagte beim 
Kantonsgerichtsausschuss Anschlussberufung gegen das Urteil des Bezirksge-
richtsausschusses Maloja vom 3. Juni 2004 mit folgenden Anträgen: 

„1. Ziff. 3 des Dispositivs des Urteils vom 3. Juni 2004 des Bezirksgerichts-
ausschusses Maloja sei dahingehend zu ergänzen, dass die Kosten der 
amtlichen Verteidigung im Untersuchungsverfahren von CHF 3'910.45 
zulasten des Kantons Graubünden bzw. der Anklage / des Staates ge-
hen und auszubezahlen sind.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.“

I. Mit Schreiben vom 17. August 2004 verzichtete die Staatsanwaltschaft 
auf eine Vernehmlassung in der Anschlussberufungssache der X.

J. In der Berufungsantwort vom 30. August 2004 liess die Berufungsbe-
klagte beantragen:

„Materiell:

Die Berufung sei abzuweisen; unter voller Kosten- und Entschädigungs-
folge zulasten des Staates.

Formell:

Es sei eine mündliche Berufungsverhandlung anzuordnen und die An-
geklagte persönlich eingehend zur Person und zur Sache zu befragen, 
wobei ein Gerichtsdolmetscher (Englisch-Deutsch) beizuziehen sei.“

K. Der Bezirksgerichtsausschuss Maloja verzichtete mit Schreiben vom 
9. August 2004 auf eine Stellungnahme.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und im angefochtenen 
Urteil wird, soweit erforderlich, im Folgenden eingegangen.

5

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse können der 
Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erhe-
ben (Art. 141 Abs. 1 des Gesetzes über die Strafrechtspflege [StPO; BR 350.000]). 
Diese ist innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefochtenen 
Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und hat darzutun, welche Mängel 
des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und ob das ganze Urteil oder le-
diglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 StPO). Diesen Anforderun-
gen vermag die vorliegende Berufung der Staatsanwaltschaft Graubünden zu genü-
gen. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

2. Der Kantonsgerichtsausschuss überprüft das erstinstanzliche Urteil in 
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht im Rahmen der gestellten Anträge frei (Art. 
146 Abs. 1 StPO). Er besitzt eine umfassende, uneingeschränkte Kognitionsbefug-
nis. Wenn die Aktenlage die Beurteilung zulässt und keine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs vorliegt, oder der Mangel geheilt ist, entscheidet der Kantonsgerichts-
ausschuss in der Sache selber (Art. 146 Abs. 2 StPO e contrario). Die Rückweisung 
an die Vorinstanz bildet die Ausnahme (Padrutt, Kommentar zur Strafprozessord-
nung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, S. 376). 

3.a) Gemäss Art. 9 der Verordnung über die schriftliche Mitteilung von Stra-
fentscheiden (BR 350.250) erfolgt die Mitteilung eines Entscheides bei Personen, 
die im Verfahren einen Verteidiger beziehungsweise Rechtsvertreter beigezogen 
haben, an den Vertreter im Doppel, auch zuhanden des Vertretenen (vgl. PKG 1986 
Nr. 34). Daraus ergibt sich, dass auch die vorzeitige Mitteilung des Dispositivs an 
den Rechtsvertreter grundsätzlich die formellen Anforderungen an eine Urteilseröff-
nung zu erfüllen hat. 

b) Wie aus dem Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Maloja vom 3. 
Juni 2004 hervorgeht, verzichtete der Bezirksgerichtsausschuss Maloja im Einver-
nehmen der Parteien auf die mündliche Eröffnung des Urteils direkt im Anschluss 
an die Hauptverhandlung vom 3. Juni 2004. Das Urteilsdispositiv wurde jedoch am 
4. Juni 2004 telefonisch mitgeteilt. 

Art. 127 Abs. 1 StPO sieht vor, dass den Parteien das Urteil in öffentlicher 
Sitzung im Dispositiv und unter Mitteilung der wesentlichen Erwägungen mündlich 
eröffnet wird. Von dieser Regel darf jedoch in Ausnahmefällen aufgrund eines Ge-
richtsbeschlusses abgewichen werden. Das Urteil muss in solchen Fällen in einer 

6

anderen von der bündnerischen Strafrechtspflege vorgesehenen Form mitgeteilt 
werden. Vorliegend ist dies mittels vorzeitiger telefonischer Dispositivmitteilung er-
folgt. Aus Art. 128a Abs. 1 StPO und aus Art. 1 der Verordnung über die schriftliche 
Mitteilung von Strafentscheiden geht jedoch hervor, dass die vorzeitige Dispositiv-
mitteilung in schriftlicher Form zu erfolgen hat. Die Strafprozessordnung kennt ne-
ben der öffentlichen keine weitere Form der mündlichen Urteilseröffnung. 

Ein Grund für das Erfordernis der Schriftlichkeit ergibt sich aus der Bedeu-
tung einer vorzeitigen Dispositivmitteilung. Diese dient in erster Linie den Vollzugs-
behörden, welche umgehend darüber informiert werden müssen, ob der Verurteilte 
nach der Urteilsfällung in Sicherheitshaft genommen worden ist, Massnahmen im 
Sinne der Art. 42-44 und Art. 100bis des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; 
SR 311.0) oder der sofortige Strafantritt verfügt worden sind. In Bezug auf eine an-
gesetzte Probezeit lässt sich mittels der vorzeitigen Dispositivmitteilung der exakte 
Beginn derselben ermitteln und auch nachweisen, welcher dann von Bedeutung ist, 
wenn der Verurteilte während der Probezeit erneut delinquiert. Das Erfordernis der 
Schriftlichkeit erfüllt damit einerseits eine Beweisfunktion, andererseits wird damit 
das Risiko von Falschübermittlungen minimiert. Eine telefonische Dispositivmittei-
lung kann diese Funktionen nicht erfüllen, zumal der genaue Inhalt und die allfällige 
Weitergabe der telefonischen Information hinsichtlich Inhalt und Zeitpunkt oft nicht 
bewiesen werden können. Dieser Nachweis lässt sich aber mit einer mündlichen 
Urteilseröffnung in Anwesenheit des Angeklagten ebenso erbringen wie mit der 
schriftlichen autorisierten Dispositivmitteilung. Aus den genannten Gründen haben 
die Gerichte, hier der Bezirksgerichtsausschuss Maloja, künftig darauf zu verzich-
ten, das Urteil telefonisch zu eröffnen. Wird demnach ein Urteil nicht im Anschluss 
an eine Hauptverhandlung öffentlich mitgeteilt, hat eine vorzeitige – schriftliche – 
Dispositivmitteilung zu erfolgen (vgl. SB 04 2, Ziffer 4a und b). 

4.a) Die Vorinstanz befasste sich in ihrem Urteil vom 3. Juni 2004 einlei-
tend mit der polizeilichen Einvernahme von X. vom 16. Februar 2002 (act. 3.2). Sie 
legte dar, dass minimale Anforderungen eines Verhörs – dass die behördliche 
Pflicht, X. auf das Aussageverweigerungsrecht aufmerksam zu machen, verletzt 
wurde, dass sie vor der Einvernahme nicht zu den Beschuldigungen in ihrer Spra-
che aufgeklärt wurde oder ein Dolmetscher hinzugezogen wurde etc. – verletzt wor-
den seien. Infolge dessen wies die Vorinstanz die polizeiliche Einvernahme von X. 
und die sich darauf stützenden Teile des Polizeirapportes vom 25. Februar 2002 
(act. 3.1) aus dem Recht. Demgegenüber liess die Staatsanwaltschaft in ihrer Be-
rufungsschrift verlauten, dass X. am 16. Februar 2002 zu Recht als Auskunftsper-

7

son einvernommen worden sei, zumal zu diesem Zeitpunkt noch gar keine konkrete 
Beschuldigung habe formuliert werden können und nicht festgestanden sei, ob 
Strafantrag gestellt würde. Damit habe keine Pflicht bestanden, X. auf die Verteidi-
gungsrechte und das Recht zu schweigen aufmerksam zu machen. Weder sei ihr 
die Freiheit entzogen worden noch sei sie formell Angeschuldigte gewesen. Daher 
liege kein Verstoss gegen Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) und Art. 31 Abs. 2 der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) vor und die polizei-
liche Einvernahme von X. (act. 3.2) sowie Teile des sich darauf stützenden Polizei-
rapports (act. 3.1) seien nicht aus dem Recht zu weisen. Überdies hätten X. und ihr 
Verteidiger während des ganzen Untersuchungs- und Anklageverfahrens weder die 
Befangenheit des Übersetzungsgehilfen geltend gemacht noch die Einsetzung ihres 
Freundes als Übersetzungsgehilfen angefochten. Dadurch sei der Mangel geheilt 
worden. 

Wie die Staatsanwaltschaft richtig bemerkte, wurde X. in der polizeili-
chen Einvernahme vom 16. Februar 2002 als Auskunftsperson befragt. Der Straf-
antrag wurde erst am 19. Februar 2002 gestellt, weshalb X. zu diesem Zeitpunkt 
nicht als mit Verteidigungsrechten ausgestattete Angeschuldigte befragt werden 
konnte. Obwohl der einvernehmende Polizeibeamte nach der Unterredung mit K. L. 
davon ausgehen musste, dass X. nach Stellung des Strafantrages durch I. L. als 
vermeintliche Verursacherin des Unfalls und als Angeklagte dastehen musste, kam 
der Polizeibeamte nicht umhin, X. als Auskunftsperson einzuvernehmen. Die Befra-
gung einer Auskunftsperson bringt mit sich, dass diese zur Wahrheit zu ermahnen, 
nicht aber auf Art. 307 StGB hinzuweisen ist, da sie nicht Zeuge ist. Eine Auskunfts-
person besitzt zudem grundsätzlich keine Verteidigungsrechte (Padrutt, a.a.O., S. 
193 f.). War X. zu diesem Zeitpunkt Auskunftsperson, war der Polizeibeamte denn 
auch nicht verpflichtet, sie auf ihr Schweigerecht hinzuweisen. Darüber hinaus ist 
an dieser Stelle zu bemerken, dass bei einer polizeilichen Einvernahme – anders 
als in der Untersuchung – die Verfahrensrechte nicht voll ausgebaut sind. Wird doch 
in dieser ersten Verfahrensphase der Wahrheitsfindung mehr Gewicht beigemes-
sen als dem Schutzbedürfnis der allenfalls künftigen Angeschuldigten (SB 04 8). 
Des Weiteren ist BGE 130 I 126 im Hinblick auf den vorliegenden Fall – wie die 
Vorinstanz selber sinngemäss einräumte – nicht als einschlägig zu betrachten. Zwar 
kommt in diesem Entscheid zum Ausdruck, dass es sich bei der Aufklärungspflicht 
um eine eigenständige Verfahrensgarantie handelt und dass Aussagen, die in Un-
kenntnis des Schweigerechts gemacht wurden, grundsätzlich nicht verwertbar sind. 
Indes bezieht sich dieser erwähnte Bundesgerichtsentscheid, welcher besagt, dass 

8

ein Angeschuldigter auf sein Aussageverweigerungsrecht aufmerksam zu machen 
ist, auf eine inhaftierte Person. Handelte es sich bei X. nicht um eine inhaftierte 
Person, findet das Beweisverwertungsverbot, nur weil die damalige Auskunftsper-
son X. nicht auf das Aussageverweigerungsrecht aufmerksam gemacht wurde, 
keine Anwendung. Ob hingegen einerseits die Umstände, dass X. kein ordentlicher 
Übersetzer zur Verfügung gestellt oder sie nicht zu den Beschuldigungen in ihrer 
Sprache aufgeklärt wurde, zum Beweisverwertungsverbot führen oder ob anderer-
seits die fehlende Geltendmachung der Befangenheit und der Einsetzung des Über-
setzungsgehilfen E. während des Untersuchungs- und Anklageverfahrens zur Hei-
lung des Mangels führen, braucht an dieser Stelle nicht abschliessend beurteilt zu 
werden. Vielmehr kann auf die nachfolgende Beweiswürdigung verwiesen werden, 
in welcher den vermeintlich gemachten Aussagen von X. anlässlich der diskutierten 
polizeilichen Einvernahme und den Teilen des sich darauf stützenden Polizeirap-
ports kein hoher Beweiswert zukommen. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass die 
Akten (act. 3.2 und teilweise act. 3.1) entgegen den vorinstanzlichen Darlegungen 
nicht aus dem Recht gewiesen werden können, sondern dass sich diesbezüglich 
höchstens die Frage der Verwertbarkeit des Beweises oder des Beweisverwer-
tungsverbots stellte. Sind aber die erwähnten Akten grundsätzlich verwertbar, so 
stellt sich – wie nachfolgend dargelegt wird – die entscheidende Frage des Beweis-
wertes derselben; mithin ist eine entsprechende Beweiswürdigung vorzunehmen.

b) Die Vorinstanz legte in ihrem Urteil vom 3. Juni 2002 weiter dar, dass 
in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme des Polizisten Q. vom 26. Mai 2003 
als Auskunftsperson Parteirechte verletzt worden seien. X. und ihr Verteidiger seien 
von der Einvernahme nicht in Kenntnis gesetzt worden, was als Verletzung des 
rechtlichen Gehörs zu qualifizieren sei. Deshalb sei dieses Aktenstück unbeachtlich. 
Dahingegen brachte die Staatsanwaltschaft in der Berufungsschrift vor, dass die 
Einvernahme des Polizeibeamten Q. als Auskunftsperson nicht zu beanstanden sei. 
Ausserdem hätten X. und ihr Verteidiger in der Folge während der ganzen Untersu-
chung und auch nach Erlass der Schlussverfügung die Möglichkeit gehabt, eine Ein-
vernahme von Q. als Zeugen zu beantragen. Darauf sei jedoch verzichtet worden. 
Zudem sei gegen die Befragung des Polizeibeamten als Auskunftsperson während 
des Untersuchungs- und Anklageverfahrens keine Beschwerde geführt worden. 
Demnach sei die Aussage von Q. verwertbar. 

Gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK hat der Angeschuldigte im Strafverfahren 
Anspruch darauf, Fragen an die Belastungszeugen zu stellen und die Ladung und 
Vernehmung von Entlastungszeugen unter denselben Bedingungen wie die der Be-

9

lastungszeugen zu erwirken. Als Aussagen von Zeugen gelten dabei auch jene von 
Auskunftspersonen, die wie vorliegend formell zugelassen sind, dem Gericht zur 
Kenntnis kommen und von ihm verwendet werden können. Die Garantien von Art. 
6 Ziff. 3 EMRK stellen besondere Aspekte des Rechts auf ein faires Verfahren 
gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK dar. Ziel ist es dabei, dem Beschuldigten im Sinne eines 
fair trials eine angemessene und hinreichende Gelegenheit einzuräumen, eine be-
lastende Aussage zu bestreiten und den entsprechenden Zeugen zu befragen, sei 
es im Zeitpunkt des Zeugnisses selber oder später. Danach genügt es grundsätz-
lich, wenn der Beschuldigte im Laufe des ganzen Verfahrens einmal Gelegenheit 
zum Stellen von Ergänzungsfragen erhält, sei es vor den Schranken oder aber im 
Laufe der Untersuchung (BGE 124 I 274 E. 5b S. 284 ff.; 125 I 127 E. 6a und b S. 
133). Erforderlich zur Wahrung der Verteidigungsrechte ist, dass die Gelegenheit 
der Befragung angemessen und ausreichend ist und die Befragung tatsächlich wirk-
sam ausgeübt werden kann. Der Beschuldigte muss namentlich in der Lage sein, 
die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prüfen und den Beweiswert auf die Probe und 
in Frage stellen zu können (BGE 125 I 127 E. 6c/ee und ff.; Urteil des Bundesge-
richts vom 2. Februar 2000, 1P.591/1999).

Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass Q. vom Untersuchungsrichter als 
Auskunftsperson einvernommen wurde (act. 3.18). Da im Sinne von Art. 6 Ziff. 3 
EMRK auch Aussagen von Auskunftspersonen relevant sind, ist in diesem Zusam-
menhang irrelevant, dass Q. als Auskunftsperson und nicht als Zeuge befragt 
wurde. Der Polizist belastete in seinen Depositionen, wonach er entgegen den Aus-
sagen der Berufungsbeklagten die Rechtmässigkeit der polizeilichen Einvernahme 
und des erstellten Einvernahmeprotokolls bekundete – er legte unter anderem dar, 
dass die Einvernahme im üblichen Rahmen abgelaufen sei, dass er nicht gedroht 
habe, X. könne das Land nicht verlassen, falls sie sich nicht schuldig bekenne, und 
dass er die Angaben betreffend die Versicherung von X. in gutem Glauben proto-
kolliert habe –, die Berufungsbeklagte dahingehend, dass Letztere im Protokoll ihre 
Schuld an der Verletzung von I. L. eingestanden habe. Dadurch wird der auf der 
genannten polizeilichen Einvernahme basierende und der Anklage zugrunde lie-
gende Sachverhalt erhärtet. Wurde X. durch die untersuchungsrichterliche Befra-
gung des Polizisten belastet, hätten sie und ihr Verteidiger im Sinne eines fairen 
Verfahrens bei der untersuchungsrichterlichen Einvernahme auch die Gelegenheit 
erhalten müssen, den Polizisten zu befragen und seine Aussagen zu bestreiten. 
Wurde im vorliegenden Fall X. und ihrem Verteidiger diese Möglichkeit nicht eröffnet 
und hatten sie auch danach keine Möglichkeit, dem Polizisten Ergänzungsfragen zu 
stellen, wurde Art. 6 Ziff. 3 EMRK verletzt. Die Angeschuldigte verwirkt sodann 

10

gemäss Entscheid des Bundesgerichtes vom 2. Dezember 2004 (1P.524/2004) ihr 
Recht auf Stellung von Ergänzungsfragen nicht dadurch, dass sie es erst im Rah-
men eines vollkommenen Rechtsmittels (Berufung) in Anspruch nimmt.

In diesem Zusammenhang ist allerdings anzumerken, dass auch die Verwert-
barkeit der diskutierten untersuchungsrichterlichen Einvernahme von Q. oder eine 
Wiederholung derselben am Ergebnis der folgenden Beweiswürdigung nichts än-
dern würde. Sinn und Zweck der untersuchungsrichterlichen Einvernahme des Po-
lizisten war lediglich die Überprüfung des Umstandes, ob die polizeiliche Einver-
nahme von X. vom 16. Februar 2002 rechtmässig erfolgte oder nicht. Da indes, wie 
in der Beweiswürdigung darzustellen sein wird, bezüglich der polizeilichen Einver-
nahme von X. erhebliche Zweifel bestehen, ist auch der darauf Bezug nehmenden 
untersuchungsrichterlichen Einvernahme des Polizisten nur ein geringer Beweis-
wert beizumessen. 

5.a) Gemäss dem in Art. 98 Abs. 2 lit. b StPO verankerten Anklageprinzip 
hat die Anklageschrift des Staatsanwalts die Darstellung und die rechtliche Qualifi-
kation des Sachverhaltes zu enthalten. Dadurch wird das urteilende Gericht in 
tatsächlicher Hinsicht an den Gegenstand des Anklage bildenden Sachverhalts ge-
bunden. Der Richter hat sich folglich bei seiner Kognitionstätigkeit auf den unter 
Anklage gestellten historischen Vorgang zu beschränken, wie er sich ihm nach der 
Gesamtheit der in der Untersuchung und in der Hauptverhandlung ermittelten Tat-
sachen darstellt. Aus diesem Akkusationsprinzip wird der Immutabilitätsgrundsatz 
abgeleitet, der besagt, dass die Anklage das Prozess- und das Urteilsthema für alle 
Instanzen fixiert. Der Angeklagte soll aus der Anklageschrift ersehen, wessen er 
angeklagt ist und wie sein Verhalten strafrechtlich qualifiziert wird. Das bedingt eine 
zureichende Umschreibung der Tat, um dem Angeklagten die Vorbereitung seiner 
Verteidigung zu ermöglichen; er soll nicht der Gefahr von Überraschungen ausge-
setzt sein (PKG 1992 Nr. 58 und PKG 1996 Nr. 34). 

Die Umschreibung des Sachverhaltes beziehungsweise des vorgeworfenen 
historischen Ereignisses hat so präzise zu erfolgen, dass die Vorwürfe im objektiven 
und subjektiven Bereich in einem Masse konkretisiert sind, dass der Angeklagte 
genau erkennen kann, welches konkrete Verhalten ihm durch die Anklage vorge-
worfen wird. Das Akkusationsprinzip bezweckt somit zugleich den Schutz der Ver-
teidigungsrechte des Angeklagten wie auch den Anspruch auf rechtliches Gehör 
nach Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 EMRK (PKG 1996 Nr. 34 mit Hinweisen). Der 
Anklagegrundsatz wird zur Hauptsache durch die Anforderungen konkretisiert, wel-

11

che an die Anklageschrift gestellt werden. Diese hat somit eine doppelte Bedeutung, 
indem sie einerseits der Bestimmung des Prozessgegenstandes dient (Umgren-
zungsfunktion) und andererseits dem Angeschuldigten die für die Durchführung des 
Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen vermittelt (Informati-
onsfunktion), wobei die beiden Funktionen von gleichwertiger Bedeutung sind. Ent-
scheidend ist somit, dass das als strafwürdig erachtete Verhalten derart dargestellt 
wird, dass das Gericht weiss, worüber es zu urteilen hat, und der Angeklagte ersieht, 
wogegen er sich zu verteidigen hat. Die zur Last gelegten Handlungen müssen un-
ter Angabe aller Umstände, die zum gesetzlichen Tatbestand gehören und somit 
zur Beurteilung einer Tat nach ihren tatsächlichen und rechtlichen Merkmalen not-
wendig sind, in der Anklageschrift aufgeführt werden (PKG 1996 Nr. 34; 1992 Nr. 
58). 

b) Gemäss Anklageschrift vom 5. April 2004 querte X. „das Trassee so 
knapp vor den mit dem Ski-Lift hochfahrenden Frauen, dass L. Tochter mit ihrem 
Snowboard über die Skienden von X. fuhr. Dadurch verloren sowohl sie als auch 
ihre Mutter das Gleichgewicht und kamen zu Fall.“ Im Sinne des Anklagegrundsat-
zes ist im Folgenden nur dieser Vorwurf auf seine Richtigkeit hin zu überprüfen. 
Jedoch darf nicht übersehen werden, dass der augenscheinliche Sachverhalt von 
dem in der Anklageschrift formulierten Sachverhalt abweichen kann und der Erst-
genannte dennoch den zur Anklage gebrachten Tatbestand verwirklicht. Diesfalls 
wäre es der Untersuchungsbehörde möglich, die Anklageschrift zu ändern und den 
„neuen“ Sachverhalt zur Anklage zu bringen. 

Entsprechend den Rügen der Staatsanwaltschaft Graubünden gilt es im Fol-
genden zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht zur Überzeugung gelangte, dass X. 
das Trassee nicht dermassen knapp vor den mit dem Ski-Lift hochfahrenden Frauen 
überquert habe, dass J. L. mit ihrem Snowboard über die Skienden von X. gefahren 
sei und dadurch J. L. und ihre Mutter zu Fall gekommen seien. Anlässlich dieser 
Prüfung ist eine Würdigung der vorliegenden Beweismittel vorzunehmen und ge-
stützt darauf zu beurteilen, ob die Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft 
oder jene von X. überzeugend erscheint. Für den konkreten Fall bedeutet dies, dass 
die Aussagen sowohl der Berufungsbeklagten als auch jene der Zeugen sowie die 
weiteren Beweismittel und Umstände frei zu würdigen sind, um dann nach gesamt-
hafter Betrachtung entscheiden zu können, welche Sachverhaltsdarstellung zu 
überzeugen vermag.

12

6.a) Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last gelegten Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (Padrutt, a.a.O., S. 306). Bei der Würdigung der Beweis-
mittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 144 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 
125 Abs. 2 StPO nach freier, in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung 
(vgl. Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., H./Basel/Genf 2004, N 286). Dieser Grund-
satz der freien Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 des Bundesgeset-
zes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP; SR 312.0). Das Gericht hat von Bun-
desrechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner persönli-
chen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise 
darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 
115 IV 267, 268 f.). Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle 
Wahrheit wegleitend, so kann für diese Beurteilung nur die freie Meinung des Ge-
richts massgebend sein (vgl. Hauser/Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 
5. Aufl., Basel/Genf/München 2002, § 54 N 2). Allein auf diese Weise kann das 
Gericht ein für jeden Einzelfall zutreffendes Urteil fällen.

Neben der Würdigung der Beweise stellt sich dem Gericht die Frage, wann 
es eine bestimmte Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann nicht. Nach 
Lehre und Rechtsprechung darf blosse Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung 
nicht genügen, absolute Sicherheit ist für eine solche aber auch nicht erforderlich 
und eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein 
könnte, rechtfertigt keinen Freispruch (vgl. Hauser/Schweri, a.a.O., § 54 N 11). 
Trotzdem sind an den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen zu 
stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein abso-
luter Beweis der Täterschaft. Aufgabe des Gerichts ist es, ohne Bindung an Beweis-
regeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für 
einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung 
objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Angeklagten muss sich 
dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in aus-
schliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Schmid, 
a.a.O., N 289). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden 
Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter jedoch nicht von 
der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzun-
gen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 86 E. 2a). Bloss theo-
retische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich 
vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst 

13

um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 120 Ia 31 E. 
2c). Die genannte allgemeine Rechtsregel kommt nicht schon dann zur Anwendung, 
wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher sich aus 
den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der Anklage 
oder jene des Angeklagten das Gericht zu überzeugen vermag. Erst wenn eine sol-
che Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen 
ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den Angeklagten güns-
tigere Sachverhalt angenommen werden (Padrutt, a.a.O., S. 307 f.).

Bei der Würdigung von Zeugenaussagen im Rahmen des Gerichtsverfahrens 
interessiert nicht in erster Linie die persönliche Glaubwürdigkeit eines Zeugen, son-
dern vielmehr die sachliche Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage. Als Kenn-
zeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und 
Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete und an-
schauliche Wiedergabe des Erlebten zu werten. Die Schilderung des Vorfalles in so 
charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall 
selbst erlebt hat, ist ein weiteres Indiz für die Richtigkeit der Deposition. Für die 
Korrektheit einer Aussage sprechen im Weiteren die Kenntlichmachung der psychi-
schen Situation von Täter, Opfer und Zeuge, die Selbstbelastung oder unvorteilhafte 
Darstellung der eigenen Rolle, Entlastungsbemerkungen zu Gunsten des Beschul-
digten und die Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befragungen. Bei wahr-
heitswidrigen Bekundungen fehlen diese Kennzeichen regelmässig. Indizien für be-
wusst oder unbewusst falsche Aussagen sind Unstimmigkeiten oder grobe Wider-
sprüche in den eigenen Aussagen, Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen 
oder Übersteigerungen im Verlaufe mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwom-
mene oder ausweichende Antworten und gleichförmige, eingeübt wirkende Aussa-
gen. Die Richtigkeit einer Deposition muss alsdann auf ihre Übereinstimmung mit 
den Lebenserfahrungen und dem Ergebnis der übrigen Beweiserhebungen geprüft 
werden (vgl. Arntzen/Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, System 
der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993, S. 15 ff.; Hauser, Der Zeu-
genbeweis im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, H. 1974, S. 
311 ff.).

b)aa) Gemäss Protokoll soll X. in der polizeilichen Einvernahme vom 16. Fe-
bruar 2002 das Folgende angegeben haben. Sie sei am 16. Februar 2002 um ca. 
15.30 Uhr zusammen mit ihren Kollegen Ski gefahren. Nachdem sie den N.-Hang 
heruntergefahren sei, habe sie die Absicht gehabt, den N.-Lift zu überqueren. Sie 
habe gesehen, wie zwei Frauen (I. und J. L.) am Lift hochgefahren seien. Weil sie 

14

die Ansicht vertreten habe, dass ihr genügend Zeit zur Verfügung stehe, um vor den 
beiden Frauen das Lifttrassee zu überqueren, sei sie losgefahren. Als sie das Tras-
see nahezu traversiert gehabt habe, hätte sie bemerkt, wie die links stehende, am 
Lift hochfahrende Snowboardfahrerin über den hinteren Teil ihrer Skier gefahren 
sei. Sie (X.) sei hernach zirka zwei Meter weitergefahren und habe beim Zurückbli-
cken festgestellt, dass die zwei Frauen bereits wieder gestanden hätten. Sie glaube 
nicht, erachte es jedoch als möglich, dass die beiden gestürzt seien. Überdies sei 
es zu keinem Körperkontakt gekommen. Als sie dann weiter zu ihren Kollegen habe 
fahren wollen, habe sich die Snowboardfahrerin zu ihr hinbegeben und hätte sie 
angeschrien. Anschliessend sei ein Mann (K. L.) zu ihr gefahren und habe ihr er-
klärt, dass sie seine Frau verletzt habe. In der verbalen Auseinandersetzung sei sie 
von dem Mann und der Dame beschimpft worden. Der Mann habe sodann die Po-
lizei gerufen und sie seien vor Ort geblieben, bis die Rettung eingetroffen sei. Zu-
sammen mit ihren Kollegen habe sie sich schliesslich in die Klinik begeben, um sich 
um die Frau zu kümmern. Im Übrigen sähe sie ein, dass der Unfall durch ihr Ver-
schulden zustande gekommen sei. Sie habe sich bei der Frau entschuldigen wollen 
und sei bereit, die Kosten über ihre Versicherung zu übernehmen (act. 3.2). 

In der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 13. August 2002 
führte X. aus, sie sei am 16. Februar 2002, um 15.30 Uhr, mit ihrem Freund und R. 
im Gebiet M. Ski gefahren. Vor der Traverse am N.-Skilift seien zwei Signale mit der 
Aufschrift „slow“ in der Weise angeordnet gewesen, so dass man habe abbremsen 
müssen, um sie zu passieren. E. und R. hätten das Lifttrassee zuerst überquert. Sie 
selbst habe zuerst einen hochfahrenden Skifahrer passieren lassen müssen und 
habe sich sodann vergewissert, dass die Traverse frei sei. Zusammen mit anderen 
Leuten habe sie dann das Trassee überquert. Die Distanz zu den hochfahrenden 
Frauen, I. und J. L., hätte bei der Überquerung drei bis vier Meter betragen. Als sie 
zwei Meter nach dem Trassee einen Schrei gehört habe, hätte sie sofort ihre Fahrt 
gestoppt, um zu sehen, was geschehen sei. Alsdann habe sie festgestellt, dass 
viele Leute am Rand des Trassees gestanden seien, unter anderem eine Frau mit 
einer Rosa-Jacke. Hingegen habe sie niemanden am Boden liegen sehen. Daher 
sei sie davon ausgegangen, dass nichts passiert sei. Als sie hernach im Begriffe 
gewesen sei, weiterzufahren, habe sich ihr eine junge Frau genähert und sie ange-
schrien. In englischer Sprache habe sie geantwortet, nichts zu verstehen, worauf 
die junge Frau entgegnet habe: „You ski bad.“ Letztgenannte habe sich sogleich 
wieder entfernt. Danach sei sie von E. zu sich gewinkt worden. Auf dem Weg zu 
ihm habe sie einen Mann gehört, der „Halt!“ geschrien habe. Dieser habe sie sodann 
– in sehr geringem Abstand – aufgefordert, ihren Namen anzugeben. Nachdem sie 

15

ihn vergebens um eine Begründung gefragt habe, hätte dieser der Polizei telefoniert 
und dabei behauptet, sie habe seine Frau verletzt. In Gegenwart von E. und R. habe 
sie dem Mann erwidert, sie sähe keine verletzte Person. Weil sie nicht gewusst 
habe, was los gewesen sei, habe sie geweint. E. habe vom Mann wissen wollen, 
was passiert sei, worauf Letzterer indes nicht eingegangen sei. Vielmehr habe er 
nunmehr auch von E. verlangt, seinen Namen zu nennen. Schliesslich habe der 
Mann zu E. gesagt, dass sie seine Frau verletzt habe. Dabei habe er zugleich auf 
eine Frau mit pinkfarbenem Skianzug gezeigt, welche ihre Hand an die Schulter 
gehalten habe. Alsdann habe ihr (X.) der Mann den einen und die junge Frau den 
anderen Ski weggerissen. Sie habe sich daraufhin zur Frau begeben, um abzu-
klären, was los sei. Letztere habe jedoch geantwortet, dass es sie „einen Dreck 
angehe“ und sie gehen solle. Aufgrund dessen sei sie denn auch zu ihren Begleitern 
und dem Mann zurückgekehrt. Aus Sicht einer C. habe es nicht so ausgesehen, 
dass die Frau unter Schmerzen gelitten habe. Zudem habe sie von R. vernommen, 
dass die Frau einer anderen Frau erzählt habe, „es ist wieder meine Schulter“. 
Schliesslich sei die Frau von einem Schneemobil abgeholt und in die Klinik S. trans-
portiert worden. Nachdem sie die Skier zurückerhalten habe, seien sie ebenfalls in 
die Klinik S. gefahren. Im Weiteren führte X. aus, es sei weder möglich noch wahr-
scheinlich, dass I. L. infolge ihrer Fahrweise gestürzt sei. So könne sie schon gar 
nicht über den vorderen Teil der Skier von I. L. gefahren sein, ansonsten sie sich 
mit dem Drahtseil des Skilifts selbst geköpft hätte und mit Sicherheit gestürzt wäre. 
Erst recht sei nicht möglich, dass sie seitlich frontal mit I. L. zusammengeprallt sei 
und J. L. aufgrund dessen fünf Meter weggeschleudert worden wäre, ohne sich ver-
letzt zu haben. Vielmehr erkläre sie den entsprechenden Vorwurf damit, dass I. L. 
jemandem, der zufällig zugegen gewesen sei, die Schuld habe zuschieben wollen. 
Im Zusammenhang mit der fraglichen Einvernahme vom 16. Februar 2002 auf dem 
Polizeiposten sagte die Berufungsbeklagte aus, dass K. L., der zuvor zehn Minuten 
im Büro des Polizeibeamten gewesen sei, eine Einvernahme in seinem Beisein ver-
langt habe. Zudem hätte er sie der Lüge bezichtigt. Anlässlich der Einvernahme sei 
sie, nachdem sie ihre Schuld am Unfall verneint habe, vom befragenden Polizisten 
vor zwei Optionen gestellt worden, die wie folgt gelautet hätten. Entweder würde sie 
ihre Schuld nicht eingestehen und müsse daher in der Schweiz bleiben, bis die Sa-
che in etwa drei bis sechs Monaten vor Gericht komme, oder sie bestätige ihre 
Schuld und könne nach der Leistung des Depositums von Fr. 500.-- gehen, nach T. 
weiterfahren und wäre die Sache los. Des Weiteren habe sie den Polizeibeamten 
gefragt, was er eigentlich protokolliere. Dieser habe geantwortet, dass er Dinge auf-
schreibe, die im Protokoll zu sein hätten. Ausserdem sei E. im Prinzip als Übersetzer 
aufgetreten, obwohl der Polizist anfänglich gesagt habe, er könne Englisch. Darüber 

16

hinaus habe sie die ganze Einvernahme hindurch geweint. Nach der Einvernahme 
habe sie das Protokoll zu lesen bekommen, und es, da sie kein Deutsch verstanden 
habe, nur auf die Personalien hin überprüft. Alsdann habe sie die darin enthaltenen 
Fehler eigenhändig korrigiert, wonach der Beamte einen zweiten Ausdruck gemacht 
habe. Obwohl sie den Namen ihrer Eltern mit „X.“ angegeben habe und der Polizist 
dies vermutlich auch korrigiert habe, seien diese Korrekturen auf dem Einvernah-
meprotokoll nicht ersichtlich gewesen. Zudem habe sie die erste Seite nie unter-
zeichnet. Schliesslich habe sie E. gebeten, das Protokoll durchzulesen, der jedoch 
in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr dazu gekommen sei. Im Protokoll 
sei zudem eine Krankenversicherung angegeben. Und dies, obwohl sie den Polizis-
ten darauf hingewiesen habe, dass sie über keine Haftpflichtversicherung verfüge 
und er die Angaben aus dem Protokoll entfernen solle. Überdies habe der Polizist 
versichert, dass es sich um eine Bagatelle handle und dass er mit I. L. sprechen 
und sie überzeugen würde, keinen Strafantrag zu stellen. Anfänglich habe sie das 
Protokoll nicht unterschreiben wollen, habe dann aber aus Angst, ansonsten die 
Schweiz nicht verlassen zu können, die letzte Seite dennoch unterzeichnet. Auf ihre 
Fahrweise angesprochen, legte X. dar, sie fahre eher langsam Ski und könne über-
all fahren (act. 3.13).   

Bei der untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahme vom 11. April 2003 
mit I. L. hielt X. an ihren Aussagen fest. Sie fügte hinzu, dass es zu keinem Körper-
kontakt gekommen sei und dass sie sich an die Mitteilung von R. erinnere, wonach 
I. L. gesagt hätte, dass es wieder ihre Schulter sei (act. 3.16).

bb) Am 13. August 2002 wurde E., der damalige Freund und jetzige Ehe-
mann von X., vom Untersuchungsrichter als Zeuge einvernommen. Dieser gab zu 
Protokoll, er habe gesehen, dass es zu keiner Kollision zwischen X. und den hoch-
fahrenden Skifahrerinnen gekommen sei. Vor der Traverse habe sich ein Hindernis 
befunden, bei welcher Traversierende ihre Fahrt komplett hätten abbremsen müs-
sen. Nachdem er und die Begleiterin R. die Traverse passiert hätten, hätten sie auf 
der anderen Seite auf X. gewartet. Er habe aus ca. acht Metern Entfernung beob-
achtet, dass X. ca. 1.5 Meter nach der Liftspur angehalten habe. Dabei habe er 
niemanden am Boden liegen sehen. Hingegen habe er wahrgenommen, dass eine 
junge Snowboardfahrerin zu X. gegangen sei und mit ihr geschimpft habe. Darauf-
hin habe er X. zu sich hergewinkt. Diese sei jedoch von einem Mann (K. L.) gestoppt 
worden. Sogleich sei er zu X. und dem unbekannten Mann hoch gelaufen. Dieser 
hätte sie angeschrien und habe verlangt, dass sie sich ausweisen. Hingegen habe 
dieser nicht sagen können, was los sei. Zudem habe derselbe X. einen Ski wegge-

17

nommen. Während er noch mit dem Mann diskutiert habe, sei X. zu der Frau (I. L.) 
hingefahren, auf welche der unbekannte Mann zuvor gezeigt habe, und habe ver-
sucht, mit dieser zu reden. Sie sei jedoch von dieser, ebenso wie danach R., weg-
geschickt worden. Als der Mann die Polizei verständigt habe, hätte X. geweint und 
sei sehr nervös gewesen. Nach einem Dialog mit R. über deren Identität, sei der 
Mann zu der Frau gegangen und habe mit ihr geredet. Er selber (E.) habe mit der 
Frau kein Wort gewechselt. Ausserdem habe der Mann von ihm wissen wollen, wo 
er arbeite, und sogleich gedroht, mit seinem Vorgesetzten zu sprechen. Schliesslich 
sei der SOS-Patrouilleur gekommen, welcher die Frau in die Klinik S. transportiert 
habe. Bezüglich des Vorfalles sei er der Meinung, dass X. beim Traversieren die 
hochfahrende Frau nicht gestört habe. Als Skischulleiter in U. schätze er X. als Ski-
fahrerin der Klasse vier ein, das heisst sie fahre langsam, vorsichtig und im Parallel-
Stil. Im Zusammenhang mit der polizeilichen Befragung führte E. ins Feld, dass K. 
L., der auf dem Polizeiposten zehn Minuten mit dem Beamten alleine im Raum ge-
wesen sei, eine polizeiliche Befragung von X. in seinem Beisein verlangt habe. 
Seine Anwesenheit bei der Befragung sei jedoch nicht gestattet worden. In der po-
lizeilichen Einvernahme habe der Polizeibeamte anfänglich gesagt, dass er Eng-
lisch könne, was sich dann aber nicht bestätigt habe. Der Beamte habe sodann 
immer mit ihm und nicht mit X. gesprochen. Selten sei X. involviert worden. Der 
Polizeibeamte habe überdies zu verstehen gegeben, dass es sich um eine Baga-
telle handle, dass man sich keine Sorgen machen müsse und dass dieser Fall keine 
Folgen zeitigen würde. Letzterer habe angemerkt, am besten die Schuld am Vorfall 
zuzugeben. Diesfalls könne X. das Land problemlos verlassen. Drei oder vier Tage 
später habe der Polizist dann angerufen und eine Kaution in Höhe von Fr. 500.-- 
verlangt, zumal Strafantrag gestellt worden sei. Er habe gesagt, dass es ihm Leid 
tue und er erfolglos versucht habe, mit I. L. zu sprechen (act. 3.12). 

cc) Erst am 19. März 2004 wurde die Zeugin R. untersuchungsrichterlich 
einvernommen. Sie legte dar, dass sie aus einer Entfernung von fünf bis sechs Me-
tern gesehen habe, wie X. das Trassee überquert habe. Weder sei es dabei zu 
einer Kollision gekommen noch sei X. über den vorderen oder hinteren Teil der Skier 
von I. L. gefahren. Zudem habe sie gesehen, dass I. L. und ihre Tochter nicht ge-
stürzt seien und nicht auf dem Boden gelegen hätten. Des Weiteren habe sie ge-
merkt, dass die Snowboardfahrerin, die links in Fahrtrichtung hochgefahren sei, 
Gleichgewichtsprobleme gehabt habe. Aus eigener Erfahrung als Snowboardfahre-
rin wisse sie, dass es nicht einfach sei, mit diesem Lift zu fahren; am Anfang ziehe 
er rasch an und dann müsse man über eine Kuppe fahren. Sie selber halte sich 
jeweils am Nachbarn fest. Die Sturzgefahr für Snowboardfahrer an dieser Stelle er-

18

achte sie als hoch. Ausserdem habe sie nicht gesehen, dass die Tochter über die 
Skier von X. gefahren sei. Jedenfalls sei die Snowboardfahrerin schreiend auf X. 
zugegangen, welche 1.5 Meter nach der Überquerung angehalten habe. Darüber 
hinaus habe I. L. die Hand auf ihre Schulter gelegt, worauf sie eine andere Dame 
gefragt habe, ob es wieder ihre Schulter sei. Dies habe I. L. bejaht. Aufgrund dessen 
habe sie (R.) den Eindruck gehabt, die Sache sei nicht ganz „sauber“. Daher seien 
sie I. L. in die Klinik S. gefolgt, um einen Arztbericht zu verlangen. Sie hätten die 
Vermutung gehegt, X. würde etwas untergeschoben, wofür sie nicht verantwortlich 
sei (act. 3.25).

dd) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 19. Februar 2002 legte 
I. L. dar, dass sie am 16. Februar 2002 mit ihrer Tochter am N.-Lift in P. hochgefah-
ren sei. Bei der Traverse sei ihr eine junge Skifahrerin von rechts her mit unge-
bremster Geschwindigkeit über den vorderen Teil ihrer Skier sowie über das Snow-
board ihrer Tochter gefahren, weshalb sie und ihre Tochter zu Boden gerissen wor-
den seien. Dabei sei sie auf ihr Gesicht und wesentlich heftiger auf ihre rechte 
Schulter gestürzt. Die Unfallverursacherin sei alsdann kurz stehen geblieben und 
habe sie und ihre Tochter – beide am Boden liegend – kurz angesehen. Danach sei 
die Skifahrerin zu ihren beiden Begleitpersonen weitergefahren. Die drei Personen 
hätten sie und ihre Tochter, beide immer noch am Boden liegend, angeschaut und 
seien hernach weitergefahren. Im Gegensatz zu ihrer Tochter sei es ihr wegen hef-
tiger Schmerzen nicht gelungen, aufzustehen. Ihr Ehemann, der hinter ihnen am Lift 
hochgefahren sei, habe den drei davonfahrenden Personen nachgesetzt und sie 40 
Meter von der Unfallstelle entfernt gestellt. Die drei Personen hätten sich gemäss 
Angaben ihres Mannes zuerst geweigert, ihre Identität bekannt zu geben. Erst auf 
Intervention des mit dem Handy des Ehemanns angerufenen Polizeibeamten hätten 
sie sich ausgewiesen. Sie selber sei dann mit Hilfe des SOS-Dienstes in die Klinik 
S. transportiert worden (act. 3.3).

I. L. wurde am 29. Juli 2002 untersuchungsrichterlich einvernommen. Als 
Zeugin führte sie aus, dass eine Skifahrerin von rechts herkommend seitlich frontal 
in sie hineingefahren sei. Infolge des Zusammenstosses sei sie aus dem Lift gefal-
len und ihre Tochter sei aus dem Lift ca. vier bis fünf Meter weggeschleudert wor-
den. Die Skifahrerin habe nach dem Zusammenstoss nicht angehalten. Jedoch sei 
dieselbe von ihrem Mann und von ihrer Tochter gestellt worden. Die Skifahrerin 
habe sich alsdann bis zum Anruf der Polizei durch ihren Mann geweigert, ihre Per-
sonalien anzugeben. Durch den Unfall habe sie eine Schulterprellung mit Sehnen-
riss des Armhebermuskels sowie einen Riss der Rotatorenmanschette erlitten. Bis-

19

her habe sie noch nicht die volle Bewegungsfreiheit zurückerlangt und werde des-
wegen im Oktober operiert. Ausserdem habe sie vor dem Unfall im rechten Schul-
terbereich nie Probleme gehabt (act. 3.10). 

Anlässlich der untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahme mit X. vom 
11. April 2003 wurde I. L. der Widerspruch in ihren zwei vorangehenden Einvernah-
men vorgehalten – sie behauptete anlässlich der Einvernahme vom 19. Februar 
2002, X. sei ihr mit ungebremster Geschwindigkeit über den vorderen Teil ihrer 
Skier sowie über das Snowboard ihrer Tochter gefahren, wohingegen sie bei der 
Einvernahme vom 29. Juli 2002 darlegte, dass X. frontal in sie hineingefahren sei. 
I. L. meinte zu diesem Widerspruch, Tatsache sei, dass sie an jenem Tag und zu 
jenem Zeitpunkt auf dem fraglichen Skilift gewesen sei und sie durch die Kollision 
mit der anwesenden X. gestürzt sei. Des Weiteren bestritt I. L., den Satz „es ist 
wieder meine Schulter“ formuliert zu haben. Habe sie doch vor diesem Vorfall nie 
Probleme mit ihrer Schulter gehabt (act. 3.16).

ee) J. L., die Tochter von I. L., gab am 3. Juli 2003 vor dem Untersu-
chungsrichter als Zeugin zu Protokoll, X. habe nicht rechtzeitig stoppen bzw. das 
Trassee nicht rechtzeitig überqueren können. Aus diesem Grund sei sie über den 
vorderen Teil der Skier ihrer Mutter und ihres Snowboards gefahren. Dadurch habe 
es einen Aufprall gegeben und sie und ihre Mutter seien hingefallen. Zudem sei es 
zwischen X. und ihrer Mutter zu einer seitlichen Frontalkollision gekommen. J. L. 
gab des Weiteren an, dass sie mit Sicherheit nicht über den hinteren Teil der Skier 
von X. gefahren sei. Darüber hinaus sei zumindest ihre Mutter nicht mehr gestan-
den. Im Übrigen habe ihre Mutter nie Probleme mit der rechten Schulter gehabt (act. 
3.19). 

ff) Am 22. Februar 2002 wurde W., Angestellter der Bergbahnen in P., 
der im Zeitpunkt des Unfalles für das Anbügeln und die Überwachung am N.-Skilift 
verantwortlich gewesen war, durch die Kantonspolizei Graubünden einvernommen. 
Er liess verlauten, dass er gesehen habe, wie I. und J. L. ca. 15 Meter nach dem 
Anbügeln plötzlich gestürzt seien. Was genau passiert sei, könne er nicht sagen, 
zumal er dies nicht gesehen habe. Unverzüglich habe er den Lift abgestellt und 
habe alsdann beobachtet, dass K. L. X. nachgeeilt sei und sie gestellt habe (act. 
3.4). 

W. erklärte am 10. Dezember 2002 als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter, 
er wisse nicht mehr, ob I. L. alleine oder in Begleitung einer zweiten Person mit dem 

20

Bügellift hochgefahren sei. Er habe aber den Zusammenstoss zwischen X. und I. L. 
gesehen. Daraufhin habe er den Lift abgestellt. Auf Vorhalt des Widerspruchs zur 
polizeilichen Einvernahme, wonach er den Unfallhergang nicht gesehen habe, gab 
W. zu Protokoll, es sei möglich, dass er gerade den Zeitpunkt des Zusammenstos-
ses nicht gesehen habe. Jedenfalls habe er beobachtet, dass eine Person stürzte. 
Er habe die Skifahrerin beim Überqueren des Skilifttrassees nicht gesehen. Aller-
dings habe er sich zur Gestürzten, welche nicht sofort aufgestanden sei, hinbege-
ben. Im Übrigen erachte er es als unmöglich, dass X. ohne zu stürzen über Skier 
der am Lift hochfahrenden I. L. gefahren sei. Eine Kollision erscheine dahingegen 
möglich (act. 3.14). 

gg) Gemäss Arztbericht von Dr. med. V., Klinik S., vom 26. Februar 2002 
wurde bei I. L. ein Schulterprellung mit Sehnenriss des Armhebermuskels festge-
stellt. Als bleibender Nachteil sei eine leichte bleibende Schwäche des Schulterhe-
bers zu erwarten. Die Heilungszeit sei noch unbestimmt, wurde jedoch auf ca. drei 
Monate geschätzt. Die Arbeitsunfähigkeit wurde mit ca. einem Monat bemessen. 
Die Behandlung erfolgte ambulant (act. 3.6). 

Dr. med. V. gab bei der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 10. 
Dezember 2002 als Zeuge zu Protokoll, der vorliegende Sturz von I. L. könne auch 
durch einen normalen Sturz ohne Fremdeinwirkung entstanden sein. Derartige Ver-
letzungen kämen bei Stürzen auf harten Pisten oft vor. Eine Läsion der Rotatoren-
manschette sei keine typische Kollisionsverletzung (act. 3.15).

Am 27. August 2003 wurde Dr. med. V. durch das Untersuchungsrichteramt 
beauftragt, unter anderem zu den Fragen Stellung zu nehmen, ob bei I. L. bereits 
vor dem Unfall vom 16. Februar 2002 eine Pathologie an der rechten Schulter be-
standen habe und ob der fragliche Unfall eine bereits bestehende körperliche Be-
einträchtigung verschlimmert hätte (act. 3.20). Mit Schreiben vom 5. September 
2003 legte Dr. med. V. dar, dass sich I. L. bereits am 4. Januar 2001 wegen 
Schulterproblemen rechts gemeldet habe. Offenbar habe sich im Januar 2001 ein 
Unfall mit Schädigung ihrer rechten Schulter ereignet. Schon damals sei eine Injek-
tion in die rechte Schulter durchgeführt worden, worauf sich die Beschwerden ver-
bessert haben könnten. Zudem sei es durch den Unfall vom 16. Februar 2002 zu 
einer richtungsweisenden Verschlimmerung der Problematik gekommen (act. 3.21). 

7.a) Ausgangspunkt der Beweiswürdigung bilden die Aussagen der Beru-
fungsbeklagten. Diese wurde drei Mal einvernommen. Während die Aussagen in 

21

den beiden letzten Einvernahmen – der Einvernahme vom 13. August 2002 und der 
Konfronteinvernahme mit I. L. vom 11. April 2003 – geschlossen, konstant und über-
einstimmend sind und in so charakteristischer Weise geschildert wurden, wie es nur 
von derjenigen zu erwarten ist, die den Vorfall selbst erlebt hat, weichen die ver-
meintlichen, anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 16. Februar 2002 ge-
machten Aussagen wesentlich davon ab. Im Folgenden gilt es daher die Gründe für 
die Abweichung der polizeilichen Einvernahme gegenüber den beiden untersu-
chungsrichterlichen Einvernahmen zu prüfen.

b) Gemäss dem Protokoll der polizeilichen Einvernahme habe X. 
bestätigt, dass die am Lift mit ihrer Mutter hochfahrende J. L. über den hinteren Teil 
ihrer Skier gefahren sei. Sie glaube nicht, erachte es aber als möglich, dass J. und 
I. L. deswegen gestürzt seien. Diese Deposition, die offensichtlich zum Sachverhalt 
in der Anklageschrift erhoben wurde, müsste für sich alleine betrachtet als Schuld-
anerkennung gedeutet werden. Wie indes im Folgenden auszuführen sein wird, er-
geben sich bezüglich Richtigkeit der protokollierten Angaben – des Schuldeinge-
ständnisses – anlässlich der polizeilichen Einvernahme von X. in Anbetracht der 
Umstände, des Verlaufs der Einvernahme und der bei den Akten liegenden weiteren 
Depositionen erhebliche Zweifel. 

aa) Betreffend die polizeiliche Einvernahme von X. ist unbestritten und es 
wird von X. sowie von E. bestätigt, dass die Berufungsbeklagte völlig aufgelöst war 
und die ganze bzw. fast die ganze Einvernahme hindurch geweint habe. Zudem 
wurde die Befragung dadurch erschwert, dass X. englischer Muttersprache ist und 
kein Deutsch verstand, wohingegen der Polizist offensichtlich nicht genügend gut 
Englisch sprach, um eine Einvernahme in englischer Sprache durchzuführen. Zu-
dem war mit E., dem damaligen Freund von X., eine Person als Übersetzungsge-
hilfe anwesend, die auch am fraglichen Vorfall dabei war und wohl kaum unbefan-
gen antworten oder übersetzen konnte. 

Eine vernünftige Einvernahme erscheint unter diesen Umständen - die Ge-
fühlslage von X., die Sprachschwierigkeiten und das Fehlen eines unabhängigen 
Übersetzers – nur schwer möglich. In Anbetracht dessen ist nicht von vornherein 
unglaubhaft, dass der Polizeibeamte im Sinne der Aussagen von E. anlässlich der 
untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 13. August 2002 ausschliesslich mit 
ihm und nicht mit X. gesprochen habe und Letztere nur selten involviert worden sei. 
War doch E. beim in Frage stehenden Vorfall anwesend und war er doch für die 
Einvernahme als Übersetzungsgehilfe herangezogen worden. Damit hätte er über 

22

das Geschehen berichteten können, ohne dass sich X. dazu hätte äussern müssen 
oder können. Ob der Polizeibeamte in der Einvernahme vom 16. Februar 2002 
tatsächlich nahezu ausschliesslich mit E. gesprochen hat oder nicht, ist jedoch offen 
zu lassen. Vermag doch der Kantonsgerichtsausschuss diese Frage aufgrund der 
dürftigen Beweislage nicht abschliessend zu beurteilen. Tatsache ist hingegen, 
dass X. während (fast) der ganzen Einvernahme weinte. Deswegen und aufgrund 
der Sprachschwierigkeiten sowie aufgrund des Fehlens eines unabhängigen Über-
setzers vertritt der Kantonsgerichtsausschuss die Ansicht, dass erhebliche Zweifel 
darüber bestehen, ob X. in der Lage gewesen sein konnte, die Fragen des Polizisten 
im Sinne der protokollierten Angaben selbständig und in verständlicher Weise zu 
beantworten. 

Diese Zweifel werden durch die folgenden Depositionen von der Berufungs-
beklagten und von E. erhärtet. Gemäss Aussagen von X. habe der Beamte zu ver-
stehen gegeben, es handle sich um eine Bagatelle und man brauche sich keine 
Sorgen zu machen. Des Weiteren gaben X. und E. sinngemäss an, dass der Polizist 
die Berufungsbeklagte dazu angehalten habe, am besten die Schuld zuzugeben, 
damit sie das Land problemlos verlassen könne. X. führte diesbezüglich konkret 
aus, der Polizist habe sie vor zwei Optionen gestellt; sollte sie zum einen ihre Schuld 
nicht eingestehen, müsste sie in der Schweiz bleiben bis die Sache in etwa drei bis 
sechs Monaten vor Gericht komme. Würde sie zum anderen ihre Schuld bestätigen, 
könnte sie nach der Leistung des Depositums gehen. Gemäss den Aussagen von 
X. habe sie nach der Einvernahme das Protokoll zu lesen erhalten und es, da sie 
kein Deutsch verstehe, nur auf die Personalien hin überprüft und die diesbezüglich 
enthaltenen Fehler eigenhändig korrigiert. Obwohl der Beamte dann einen zweiten, 
vermutlich korrigierten Ausdruck gemacht habe, habe das Einvernahmeprotokoll 
diese Korrektur nicht aufgewiesen. Zudem habe sie, was das Einvernahmeprotokoll 
denn auch beweise, die erste Seite nie unterzeichnet. Überdies habe sie E. gebe-
ten, das Protokoll durchzulesen. Letzterer sei jedoch in Anbetracht der fortgeschrit-
tenen Zeit nicht mehr dazu gekommen. Im Protokoll sei zudem eine Krankenversi-
cherung anstelle einer Haftpflichtversicherung angegeben. Und dies, obwohl sie 
den Polizisten darauf hingewiesen habe, dass sie über keine Haftpflichtversiche-
rung verfüge und er die Angaben aus dem Protokoll entfernen solle. Darüber hinaus 
habe der Polizist abermals versichert, dass es sich um eine Bagatelle handle und 
dass er mit I. L. sprechen und sie überzeugen würde, keinen Strafantrag zu stellen. 
Sie habe dann das Protokoll anfänglich nicht unterschreiben wollen, habe es aber 
aus Angst, ansonsten die Schweiz nicht verlassen zu können, doch getan. 

23

Auf die Beantwortung der Frage, ob diese Vorhalte im vorgenannten Absatz 
der Wahrheit entsprechen oder nicht, kann indessen verzichtet werden. Jedenfalls 
erwecken diese Vorhalte zusammen mit den obigen Ausführungen zu der Gefühl-
slage von X., die Sprachschwierigkeiten und das Fehlen eines unabhängigen Über-
setzers erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit des Protokolls der polizeilichen 
Einvernahme vom 16. Februar 2002. Diese Zweifel werden in Anbetracht der in der 
Folge darzulegenden Einvernahmeprotokolle abermals verstärkt. 

bb) Die vermeintlich protokollierte, der Anklage zugrunde liegende Aus-
sage, wonach J. L. über den hinteren Teil der Skier der Berufungsbeklagten gefah-
ren sei, ist unter Einbezug aller Depositionen sämtlicher Einvernommenen einzigar-
tig. Schon die Berufungsbeklagte gab in der untersuchungsrichterlichen Einver-
nahme an, sie habe bei der Überquerung des Trassees einen Abstand von drei bis 
vier Metern zu den am Lift hochfahrenden L. gehabt. Zudem sei nicht möglich oder 
wahrscheinlich, dass I. L. in Folge ihrer Fahrweise gestürzt sei. Der Zeuge E. legte 
anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme diesbezüglich dar, dass es 
zwischen I. L. und X. zu keiner Kollision gekommen sei und dass er nicht glaube, 
dass die hochfahrende Frau durch das Traversieren von X. irgendwie gestört wor-
den sei. Des Weiteren schloss die untersuchungsrichterlich einvernommene R. ex-
plizit aus, dass J. L. über den hinteren Teil der Skier von X. gefahren sei. I. L. führte 
in ihren Einvernahmen unterschiedliche Versionen ins Feld. In der polizeilichen Ein-
vernahme machte sie geltend, dass X. über den vorderen Teil ihrer Skier und über 
den vorderen Teil des Snowboards ihrer Tochter gefahren sei. Dagegen brachte sie 
in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vor, dass X. seitlich frontal in sie 
hineingefahren sei, worauf ihre Tochter vier bis fünf Meter weggeschleudert worden 
sei. Indessen behauptete oder bestätigte I. L. in keiner Einvernahme die Version 
des polizeilichen Einvernahmeprotokolls vom 16. Februar 2002. J. L., die es am 
besten wissen müsste, ob der in der Anklageschrift aufgeführte Sachverhalt richtig 
ist, liess in ihrer untersuchungsrichterlichen Einvernahme verlauten, dass sie sicher 
sei, nicht über den hinteren Teil der Skier von X. gefahren zu sein. Des Weiteren 
gab der als Zeuge einvernommene W. vor der Polizei an, er habe nicht gesehen, 
was den Sturz von I. L. verursacht habe. Anlässlich seiner untersuchungsrichterli-
chen Einvernahme ging er indessen von einer Kollision und nicht von dem der An-
klage zugrunde liegenden Sachverhalt aus. 

In Anbetracht der Ausführungen bestätigten weder die weiteren Einvernah-
men von X. noch diejenigen der Entlastungszeugen E. und R. noch diejenigen der 
Belastungszeugen I. und J. L. sowie W. die Sachverhaltsversion des Protokolls der 

24

polizeilichen Einvernahme von X. X., die Entlastungszeugen und sogar J. L. schlos-
sen die Version des polizeilichen Einvernahmeprotokolls vom 16. Februar 2002 ex-
plizit aus, womit der der Anklageschrift zugrunde liegende Sachverhalt entkräftet 
wird.  

cc) Gestützt auf die Gefühlslage von X., die Sprachschwierigkeiten und 
das Fehlen eines unabhängigen Übersetzers sowie gestützt auf die übrigen im Ver-
fahren liegenden Depositionen hat der Kantonsgerichtsausschuss erhebliche Zwei-
fel am Wahrheitsgehalt und an der Glaubhaftigkeit des Einvernahmeprotokolls vom 
16. Februar 2002. Daran ändert entgegen dem Vorbringen der Staatsanwaltschaft 
nichts, dass E. bei der polizeilichen Einvernahme von X., in welcher er als Überset-
zungsgehilfe fungierte, nicht darauf pochte, dass es zu keiner Berührung zwischen 
den Skiern seiner Freundin und dem Snowboard von J. L. gekommen sei, sondern 
X. ein Schuldeingeständnis in Form des Protokolls unterschreiben liess. Es könnte 
nur spekuliert werden, weshalb E. seine Freundin nicht schützte oder nicht zu schüt-
zen vermochte. Bestehen zahlreiche mögliche Gründe für seine Zurückhaltung – 
beispielsweise, dass E., wie dargelegt, keine Zeit mehr hatte, um das Protokoll 
durchzulesen und für X. zu übersetzen –, ist daraus nicht die vermeintliche Schuld 
von X. an der Verletzung von I. L. abzuleiten.

Vermag das Einvernahmeprotokoll vom 16. Februar 2002 nicht zu überzeu-
gen, ist auch dem Polizeirapport vom 25. Februar 2002 (act. 3.1), soweit sich dieser 
auf das Protokoll der polizeilichen Einvernahme von X. stützt, kein massgebendes 
Gewicht zuzuerkennen. Basiert die Anklage auf der polizeilichen Einvernahme von 
X. und erweist sich diese Einvernahme in Anbetracht der obigen Ausführungen als 
wenig stichhaltig, wirkt der Sachverhalt, welcher der Anklage zugrunde liegt, nicht 
glaubhaft. Es bestehen mithin nicht überwindbare Zweifel und es liegt der Schluss 
nahe, dass sich der Sachverhalt auf eine andere Weise zugetragen hat. Wurde die 
Version, welche der Anklageschrift zugrunde liegt, nicht untermauert und teilweise 
sogar widerlegt, wäre die Berufungsbeklagte gemäss den Ausführungen zum An-
klageprinzip (vgl. Ziff. 5) freizusprechen. 

Dennoch erachtet es der Kantonsgerichtsausschuss als notwendig, die An-
gelegenheit im Hinblick auf eine allfällige Änderung der Anklageschrift hin zu prüfen. 
Mit anderen Worten ist zu prüfen, ob die Berufungsbeklagte den zur Anklage ge-
brachten Tatbestand auf eine andere Weise erfüllt hat und ob bejahendenfalls eine 
Änderung der Anklageschrift durch die Untersuchungsbehörde geboten erscheint. 
Um Letzteres entscheiden zu können, sind nachfolgend die Beweismittel zu würdi-

25

gen und auf eine andere, für eine Schuld von X. sprechende Sachverhaltsversion 
hin zu prüfen.

c)aa) Die Depositionen von X. in der untersuchungsrichterlichen Einver-
nahme und Konfronteinvernahme sind von hoher Glaubhaftigkeit. Konkret, an-
schaulich, geschlossen und widerspruchsfrei gab sie zu Protokoll, wie sie am 16. 
Februar 2002 das Trassee überquerte, ohne dass sie mit einer der am Lift hochfah-
renden Personen körperlich in Kontakt gekommen sei und ohne dass sie mit ihren 
Skiern die Skier oder das Snowboard der am Lift hochfahrenden Personen berührt 
habe. Mithin habe sie bei der Überquerung des Trassees eine Distanz von drei bis 
vier Metern zu J. und I. L. gehabt. Zudem gestand X. ein, dass sie nach der Über-
querung des Trassees einen Schrei gehört habe. Alsdann führte sie in charakteris-
tischer Weise aus, wie es nur von jemandem zu erwarten ist, der den Vorfall selbst 
erlebt hat, dass sie niemanden am Boden liegen gesehen habe, wie sie hernach 
von den L. behandelt worden sei, und dass sie nicht im Klaren darüber gewesen 
sei, was man ihr vorwarf. 

bb) Die von X. in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme und der 
Konfronteinvernahme geäusserten Angaben werden von den Depositionen der 
Zeugen E. und R. bestätigt. E. führte am 13. August 2002 anlässlich der untersu-
chungsrichterlichen Befragung aus, dass er weder eine Kollision noch jemanden am 
Boden liegen gesehen habe. Er glaube nicht, dass X. die hochfahrende Frau durch 
das Traversieren irgendwie gestört habe. R. gab am 19. März 2004 vor dem Unter-
suchungsrichter zu Protokoll, dass es weder zu einer Kollision noch dazu gekom-
men sei, dass X. über den vorderen oder hinteren Teil der Skier von I. L. gefahren 
sei. Zudem habe sie gesehen, dass I. L. und ihre Tochter nicht gestürzt seien und 
nicht auf dem Boden gelegen hätten. 

cc) Im Gegensatz zu den vor dem Untersuchungsrichter gemachten De-
positionen von X., E. und R. belasten die Aussagen von I. L., J. L. und W. – in 
einer von der Anklageschrift abweichenden Weise – die Berufungsbeklagte. Im Fol-
genden ist daher zu prüfen, ob die X. belastenden Angaben zu überzeugen vermö-
gen.

cc1) I. L. führte anlässlich ihrer Einvernahmen unterschiedliche Versionen 
ins Feld. Bei der polizeilichen Einvernahme vom 19. Februar 2002 gab sie an, X. 
sei über den vorderen Teil ihrer Skier und über den vorderen Teil des Snowboards 
ihrer Tochter J. L. gefahren. Dagegen führte I. L. bei der untersuchungsrichterlichen 

26

Einvernahme vom 29. Juli 2002 aus, dass X. seitlich frontal in sie hineingefahren 
sei, dass sie gestürzt sei und dass ihre Tochter wegen der Kollision vier bis fünf 
Meter weit weggeschleudert worden sei. Damit liegen grobe Widersprüche und Un-
stimmigkeiten vor, welche gegen eine Glaubhaftigkeit der Bekundungen von I. L. 
sprechen. Diese Widersprüche konnte Letztere in der untersuchungsrichterlichen 
Einvernahme vom 11. April 2003, als sie damit konfrontiert wurde, nicht ausräumen. 

Werden die beiden Versionen näher betrachtet, wird bald klar, dass sich der 
Vorfall so nicht abgespielt haben kann. Betreffend die erste Version, wonach X. über 
den vorderen Teil der Skier von I. L. und über den vorderen Teil des Snowboards 
der Tochter J. L. gefahren sein soll, ist aus der Fotodokumentation (act. 3.7) ein-
deutig ersichtlich, dass eine das Lifttrassee traversierende Skiläuferin nur in äus-
serst geduckter Haltung über Ski und Snowboard von am Lift hochfahrenden Per-
sonen fahren könnte. In aufrechter oder leicht geduckter Position würde die Traver-
sierende in einem solchen Fall indessen wohl den Liftbügel rammen oder in das 
Drahtseil des Skiliftbügels fahren. Gerade eine geduckte Haltung von X. wird weder 
von I. L. noch von anderen Zeugen behauptet. Eine solche ist auch nicht anzuneh-
men. Brachte doch die Berufungsbeklagte in der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung vor, aufrecht gefahren zu sein. Zudem hatte X. bereits in der untersuchungs-
richterlichen Einvernahme vom 13. August 2002 zu Protokoll gegeben, dass sie 
schon deshalb nicht über den vorderen Teil der Skier von I. L. gefahren sein könne, 
weil sie sich ansonsten mit dem Drahtseil des Skilifts selbst geköpft hätte und mit 
Sicherheit gestürzt wäre. Im Übrigen wurde weder behauptet, dass X. den Bügel 
oder dessen Drahtseil rammte oder touchierte, noch wurde geltend gemacht, dass 
sie beim zur Diskussion stehenden Vorfall stürzte. 

Die zweite Version, nach welcher X. seitlich frontal in I. L. hineingefahren sei, 
weshalb Letztere gestürzt sei und deren Tochter vier bis fünf Meter weit wegge-
schleudert worden sei, erscheint indes noch weit unglaubhafter. Widerspricht es 
doch der allgemeinen Lebenserfahrung, dass eine Skifahrerin der Fahrklasse vier 
bei einer Kollision wie der behaupteten nicht zu Fall kommt und einfach weiterfährt. 
Zudem erachtet es der Kantonsgerichtsausschuss als nicht realistisch, dass J. L. 
infolge einer allfälligen Kollision vier bis fünf Meter weggeschleudert werden konnte. 
Aus der Fotodokumentation sowie den untersuchungsrichterlichen Einvernahme-
protokollen von X. und von E. ist eindeutig ersichtlich – es ist unbestritten –, dass 
am Tage des Vorfalls vor der Traverse zwei Signale mit der Aufschrift „slow“ und 
„ralentir“ gestanden haben, welche die Pistenbenutzer zum Abbremsen zwangen. 
Eine Skifahrerin der Klasse vier hätte diesfalls – so auch X. – zweifellos abgebremst, 

27

womit die Geschwindigkeit und demzufolge die Wucht einer allfälligen Kollision sehr 
gering gewesen wäre, so dass eine Person dadurch nicht vier bis fünf Meter hätte 
weggeschleudert werden können. Bezeichnenderweise wurde von J. L. eine Kolli-
sion, bei der sie weggeschleudert worden ist, weder geltend gemacht noch 
bestätigt. Des Weiteren liess I. L. verlauten, vor dem Unfall vom 16. Februar 2002 
nie Probleme mit der rechten Schulter gehabt zu haben. Dagegen geht aus dem 
Bericht von Dr. med. V. vom 5. September 2003 hervor, dass sich I. L. bereits am 
4. Januar 2001 nach einem Unfall wegen Schulterproblemen rechts gemeldet habe 
(act. 3.21), was Letztere auf Vorhalt endlich auch bestätigte (act. 3.24). In Anbe-
tracht der oberwähnten widersprüchlichen und unstimmigen Depositionen, erschei-
nen die Depositionen von I. L. als nicht nachvollziehbar. Im Hinblick auf die durch I. 
L. vorgebrachten unwahrscheinlichen Sachverhaltsversionen ist denn auch eine 
Änderung der Anklageschrift durch die Untersuchungsbehörde nicht angezeigt.  

cc2) Die Ausführungen von J. L. vermögen dieses Ergebnis nicht zu än-
dern. Wie die Mutter behauptete J. L. bei der untersuchungsrichterlichen Einver-
nahme vom 3. Juli 2003 als Zeugin, X. sei über den vorderen Teil der Skier ihrer 
Mutter und ihres Snowboards gefahren. Dies ist, wie bereits dargelegt, unglaubhaft, 
zumal die Berufungsbeklagte in aufrechter oder leicht geduckter Fahrweise den Lift-
bügel oder das Drahtseil des Skiliftbügels gerammt hätte. Ausserdem behauptete 
J. L., dass ihre Mutter nie Probleme mit der rechten Schulter gehabt habe. Auch 
diese Deposition wird, wie ausgeführt, vom bei den Akten liegenden Arztbericht und 
vom nachträglichen Eingeständnis durch I. L. widerlegt. Darüber hinaus fallen die 
sich im Laufe der Einvernahme ergebenden Widersprüche auf. Während J. L. zu 
Beginn darlegte, die Berufungsbeklagte sei über den vorderen Teil der Skier ihrer 
Mutter und ihres Snowboards gefahren, machte sie alsdann geltend, dass es auch 
zu einer seitlichen Frontalkollision gekommen sei, welche für sich alleine betrachtet 
entsprechend den gemachten Ausführungen als unglaubhaft erscheint. Ausserdem 
sagte sie zuerst aus, dass sie und ihre Mutter beim Vorfall gestürzt seien, wohinge-
gen sie zu einem späteren Zeitpunkt derselben Einvernahme abschwächend an-
gab, dass zumindest ihre Mutter nicht mehr gestanden sei. Aufgrund der vielen Wi-
dersprüche erscheinen die Depositionen von J. L. nicht nachvollziehbar, weshalb 
darauf nicht abzustellen ist. 

cc3) W. legte in der polizeilichen Einvernahme vom 22. Februar 2002 dar, 
beobachtet zu haben, dass I. und J. L. ca. 15 Meter nach dem Anbügeln plötzlich 
gestürzt seien. Was genau passiert sei, könne er nicht sagen, zumal er dies nicht 
gesehen habe. Dagegen erklärte derselbe bei der untersuchungsrichterlichen Ein-

28

vernahme vom 10. Dezember 2002, den Zusammenstoss zwischen X. und I. L. ge-
sehen zu haben. Auf den Widerspruch seiner Aussage aufmerksam gemacht, 
räumte W. ein, es sei möglich, dass er gerade den Moment des Zusammenstosses 
nicht gesehen habe. 

Aufgrund dessen vermag W. nicht glaubhaft darzulegen, dass es zu einer 
Kollision zwischen X. und I. L. gekommen ist. Ein Zusammenstoss wird – wie bereits 
dargelegt – vom Kantonsgerichtsausschuss nicht als realistisch erachtet. Die Depo-
sition, wonach er die Kollision gesehen habe, wird vom Kantonsgerichtsausschuss 
aufgrund der vorgenannten Ausführungen vielmehr als Vermutung betrachtet. 
Diese Ansicht wird dadurch verstärkt, dass W. im Zeitpunkt des Vorfalles die Auf-
gabe hatte, beim Anbügeln zu helfen. Schon aus diesem Grund ist zweifelhaft, dass 
er den vermeintlichen Unfallhergang, und dies frei von Interpretationen, beobachtet 
hat. Wie bereits die Vorinstanz darlegte, entpuppen sich die Ausführungen von W. 
vor dem Untersuchungsrichter als Vermutungen, soweit sie über die Beobachtun-
gen hinausgehen, die er vor der Polizei geschildert hat. Daraus erhellt, dass der 
Zeuge entgegen den staatsanwaltlichen Vorbringen in der Berufungsschrift nicht 
glaubhaft darzulegen vermag, wie sich der vermeintliche Vorfall abgespielt hat. 
Demnach fällt auch hier die Notwendigkeit einer Änderung der Anklageschrift durch 
die Untersuchungsbehörde ausser Betracht.

dd) Angesichts der widersprüchlichen und teilweise unrealistischen Darle-
gungen von I. und J. L. sowie von W. vertritt der Kantonsgerichtsausschuss die An-
sicht, dass eine Änderung der Anklageschrift durch die Untersuchungsbehörde 
nicht am Platze ist. Weder die Version, wonach X. über den vorderen Teil der Skier 
von I. L. und über den vorderen Teil des Snowboards der Tochter J. L. gefahren 
sein soll, noch diejenige, nach welcher X. seitlich frontal in I. L. hineingefahren sei, 
kann rechtsgenüglich belegt werden. Vielmehr ist daher auf die glaubhaften Depo-
sitionen der Berufungsbeklagten in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme 
und Konfronteinvernahme sowie auf die Angaben der untersuchungsrichterlich ein-
vernommenen Zeugen E. und R. abzustellen, welche den der Anklage zugrunde 
liegende Sachverhalt sowie die weiteren vorgebrachten Sachverhaltsversionen 
nicht bestätigten oder verneinten. 

Mit Blick auf die Depositionen der Berufungsbeklagten und der Entlastungs-
zeugen vor dem Untersuchungsrichter fällt auf, dass der Sturz von I. L. entgegen 
den staatsanwaltschaftlichen Vorbringen in der Berufungsschrift nicht unbestritten 
ist. Gaben doch die Letztgenannten allesamt in ihren untersuchungsrichterlichen 

29

Einvernahmen zu Protokoll, dass sie bei der Überquerung des Trassees durch X. 
niemanden hätten stürzen oder kurz danach niemanden hätten am Boden liegen 
sehen. Immerhin ist gemäss Arztbericht erstellt, dass sich I. L. verletzte. Ob sie sich 
diese Verletzung bei der Fahrt am N.-Skilift oder auf andere Weise zuzog oder ob 
die Verletzung bereits vorher vorlag – hatte sie nachgewiesenermassen schon im 
Januar 2001 eine Verletzung an derselben Schulter – ist demnach ungewiss. Diese 
Fragen bedürfen indes keiner weiteren Erläuterung. Tatsache ist, dass sämtliche 
vorgebrachten, die Berufungsbeklagte belastenden Versionen nicht rechtsgenüg-
lich bewiesen sind. Mitnichten wurde rechtsgenüglich nachgewiesen, dass X. einen 
allfälligen Sturz von I. L. verursacht hat. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass 
K. L. der Berufungsbeklagten nachgefahren ist, dass er sie aufgefordert hat, sich 
auszuweisen, und dass er sie als die Verursacherin der Verletzung seiner Frau hält.  

d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Protokoll betreffend die 
polizeiliche Einvernahme von X. vom 16. Februar 2002, auf das sich offensichtlich 
die Anklage stützt, keinen rechtsgenüglichen Beweis erbringt. Grund dafür bilden 
einerseits die Umstände und der Verlauf der Einvernahme, insbesondere die Ge-
fühlslage von X., die Sprachschwierigkeiten und das Fehlen eines unabhängigen 
Übersetzers, sowie andererseits die Depositionen in den anderen bei den Akten 
liegenden Einvernahmen. Wie dargelegt, bestätigen weder die Aussagen in den un-
tersuchungsrichterlichen Einvernahmen von X. noch die Darlegungen der Entlas-
tungszeugen E. und R. noch diejenigen der Belastungszeugen I. und J. L., dass die 
Berufungsbeklagte im Sinne des genannten Polizeiprotokolls und der Anklageschrift 
das Lifttrassee dermassen knapp vor den am Lift hochfahrenden L. überquert habe, 
dass J. L. mit ihrem Snowboard über den hinteren Teil der Skier der Berufungsbe-
klagten gefahren sei. Teilweise wird diese Version gar widerlegt. Demgemäss wird 
der auf das polizeiliche Einvernahmeprotokoll basierenden und in der Anklageschrift 
vertretenen Sachverhaltsversion das Fundament entzogen. Des Weiteren ist das 
Verfahren auch nicht an die Untersuchungsbehörde zwecks Änderung der Ankla-
geschrift zurückzuweisen. Erscheint doch keine der weiteren durch die Belastungs-
zeugen, I. und J. L. und W., vorgebrachten Sachverhaltsversionen rechtsgenüglich 
bewiesen.  

In Anbetracht dessen zeigt sich der Kantonsgerichtsausschuss davon über-
zeugt, dass sich der Sachverhalt nicht gemäss der Anklageschrift oder gemäss den 
weiteren die Berufungsbeklagte belastenden Sachverhaltsversionen zugetragen 
hat. Es bestehen vielmehr unüberwindbare Zweifel an den vorgebrachten, X. belas-
tenden Sachverhaltsversionen. X. ist daher entsprechend dem Grundsatz „in dubio 

30

pro reo“ von Schuld und Strafe freizusprechen. Demnach ist das vorinstanzliche 
Urteil in diesem Punkt zu bestätigen.  

8. Die Berufungsbeklagte beantragte in der Berufungsantwort vom 30. 
August 2004 die Anordnung einer mündlichen Hauptverhandlung und die einge-
hende Befragung von X. zur Person und zur Sache. Dazu sei ein Gerichtsdolmet-
scher beizuziehen. 

In Anbetracht der obigen Ausführungen erachtete es der Kantonsgerichts-
ausschuss für nicht notwendig, eine mündliche Hauptverhandlung mit eingehender 
Befragung von X. anzuordnen, nachdem die Vorinstanz öffentlich verhandelt hat, 
bezüglich des strittigen Sachverhaltes keine zusätzlichen Aufschlüsse von einer 
mündlichen Verhandlung zu erwarten waren, im vorliegenden Fall Rechtsfragen so-
wie sich leicht aus den Akten beurteilbare Tatfragen zur Diskussion standen, die 
Sache von geringer Tragweite ist, dem nicht-öffentlichen Verfahren kein wichtiges 
öffentliches Interesse entgegensteht und sich zudem keine Fragen zur Person und 
zum Charakter der Berufungsbeklagten stellten, welche sich nicht mit genügender 
Hinlänglichkeit aus den Akten beantworten liessen (vgl. BGE 119 Ia 318f., E 2b). 
Überdies wurde den materiellen Anträgen seitens der Berufungsbeklagten vollum-
fänglich entsprochen; es erfolgte ein Freispruch. In Anbetracht dessen konnte ohne 
weiteres auf die Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung verzichtet 
werden.

9.a) X. liess mit Eingabe vom 12. August 2004 frist- und formgerecht An-
schlussberufung erheben, in welcher sie beantragte, Ziffer 3 des Dispositivs des 
Urteils des Bezirksgerichtsausschusses Maloja vom 3. Juni 2004 sei dahingehend 
zu ergänzen, dass die Kosten der amtlichen Verteidigung im Untersuchungsverfah-
ren von Fr. 3'910.45 zulasten des Kantons Graubünden bzw. der Anklage / des 
Staates gehen und auszubezahlen seien; unter Kosten- und Entschädigungsfolge 
zulasten des Staates. Begründend wurde sinngemäss vorgebracht, dass die Vorin-
stanz vergessen habe, die Zusprechung und Kostenauferlegung des Honorars der 
bewilligten amtlichen Verteidigung von X. im Untersuchungsverfahren ins Urteils-
dispositiv vom 3. Juni 2004 aufzunehmen. Nachdem das Präsidium des Bezirksge-
richts Maloja auf das Versehen aufmerksam gemacht worden sei, habe Letzteres 
eine Urteilsergänzung vorgenommen und die Kosten des Untersuchungsverfahrens 
von Fr. 3'910.45 als Verfahrenskosten aufgeführt. Diese seien infolge Freispruchs 
dem Kanton überbunden worden. Demnach erfolge die Anschlussberufung vorsorg-
licherweise im Hinblick darauf, dass die Staatsanwaltschaft gegen die Urteilsergän-

31

zung vom 14. Juli 2004 des vorinstanzlichen Präsidiums ein Rechtsmittel ergreifen 
oder sich auf den Standpunkt stellen würde, die Ergänzung vom 14. Juli 2004 wäre 
nicht möglich gewesen. 

b) Zur Anschlussberufung äusserten sich weder die Staatsanwaltschaft 
noch der Bezirksgerichtsausschuss Maloja. 

c) Gemäss Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Gebühren und Entschädi-
gung der im Strafverfahren mitwirkenden Personen sowie das Rechnungswesen 
(BR 350.230) gelten für die Entschädigung der amtlichen Verteidiger im allgemeinen 
die Honorarordnung des Bündnerischen Anwaltsverbandes und im besonderen die 
für die Verfahren mit unentgeltlicher Rechtspflege massgeblichen reduzierten An-
sätze als Richtlinie. Die Entschädigung wird durch die mit der Sache befasste In-
stanz festgelegt. 

d) Mit Verfügung vom 28. August 2002 hatte der Untersuchungsrichter 
dem Gesuch um Bestellung eines amtlichen Verteidigers in der Person von Rechts-
anwalt lic. iur. Stefan Metzger für das Untersuchungsverfahren entsprochen (act. 
1.14). Nachdem das Untersuchungsverfahren abgeschlossen war und das Ge-
richtsverfahren anhängig gemacht wurde, reichte der genannte Rechtsanwalt dem 
Untersuchungsrichter die im Übrigen nicht zu beanstandende Honorar- und Kosten-
note vom 8. April 2004 ein (Bezirksgericht act. 2), welche dem Bezirksgerichtsprä-
sidium Maloja weitergeleitet wurde. Der Bezirksgerichtsausschuss hätte sodann als 
mit der Sache befasste Instanz im Sinne von Art. 9 Abs. 1 der oberwähnten Verord-
nung im Urteil vom 3. Juni 2004, mitgeteilt am 8. Juli 2004, die Zusprechung und 
Kostenauferlegung des Honorars des amtlichen Verteidigers im Untersuchungsver-
fahren aufführen müssen. Da dies indes unterlassen wurde, ist die Anschlussberu-
fung – obwohl das Bezirksgerichtspräsidium Maloja am 14. Juli 2004 eine Urteilser-
gänzung (Bezirksgericht act. 16 f.) vornahm und die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung für das Untersuchungsverfahren richtigerweise als Verfahrenskosten aufführte 
und diese infolge Freispruchs dem Kanton Graubünden überbunden wurden – gut-
zuheissen. 

10. Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrer Berufungsschrift vom 26. 
Juli 2004 eine Korrektur des vorinstanzlichen Kostenspruchs im Sinne ihrer Kosten-
meldung vom 5. April 2004 (act. 1.33). In der Tat hat sich der Bezirksgerichtsaus-
schuss Maloja bei der Festlegung der staatsanwaltlichen Untersuchungsgebühr und 
Barauslagen geirrt. Ohne nähere Begründung hat er die Untersuchungsgebühr mit 

32

Fr. 470.-- und die Barauslagen mit Fr. 186.50 anstelle den von der Staatsanwalt-
schaft geltend gemachten Fr. 2'200.-- bzw. Fr. 1'317.-- beziffert. Offensichtlich 
stützte sich die Vorinstanz fälschlicherweise auf die Untersuchungsgebühr und die 
Barauslagen gemäss dem Mandatsantrag vom 2. Mai 2002 (act. 1.9), anstatt auf 
die im hängigen Gerichtsverfahren geltend gemachte Gebühr und Auslage. Dem-
nach ist der vorinstanzliche Kostenspruch zu korrigieren.  

11. Wird die Berufung der Staatsanwaltschaft abgewiesen und die An-
schlussberufung von X. gutgeheissen, rechtfertigt es sich gestützt auf Art. 160 Abs. 
1 und 3 StPO die Kosten des Berufungsverfahrens dem Kanton Graubünden auf-
zuerlegen. Dieser hat die Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin ge-
stützt auf Art. 160 Abs. 4 zudem für die Kosten ihrer Rechtsvertretung mit Fr. 1'800.-
- zu entschädigen. 

33

Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen und die Anschlussberufung wird gutgeheis-
sen.

2. Die Ziffer 3 des Dispositivs des Urteils vom 3. Juni 2004 sowie die Ziffer 2 
der Dispositivergänzung vom 14. Juli 2004 werden aufgehoben und wie folgt 
neu formuliert: 

a) Die Kosten des Kreisamtes Y. von Fr. 200.-- gehen zu Lasten des Kreises 
Y.

b) Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 
3'517.50 (Untersuchungsgebühr Fr. 2‘200.--, Barauslagen Fr. 1'317.50) 
gehen zu Lasten des Kantons Graubünden, welcher X. mit Fr. 3'910.45 
zu entschädigen hat.

c) Die Kosten des Bezirksgerichtsausschusses Maloja von Fr. 1'200.-- (Ge-
richtsgebühr Fr. 800.--, Gerichtsdolmetscher Fr. 400.--) gehen zu Lasten 
des Bezirkes Maloja, welcher X. mit Fr. 2'654.90 zu entschädigen hat. 

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden, welcher X. mit Fr. 1'800.-- zu entschädigen hat.

4. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

5. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident: Der Aktuar ad hoc: