# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3267ec36-54fd-53b4-b16c-e3964c78ad8b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.04.2010 D-2091/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2091-2010_2010-04-09.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2091/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

A._______, geboren [...],
Afghanistan,
vertreten durch 
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 24. März 2010 / N [...]

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2091/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer sein Heimatland eigenen Angaben zufolge 
zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester N. Ende März 2009 
verliess, sich mit der Familie in den Iran begab, wo sie sich zunächst 
rund dreieinhalb Monate aufhielten, ehe sie im Juli 2009 von dort via 
die Türkei anfangs August 2009 auf die Insel Mytilini in Griechen land 
gelangten,

dass sie dort  von der Polizei aufgegriffen und in einem Camp unter-
gebracht worden seien, 

dass  die  einzelnen  Familienmitglieder  fotografiert  und  ihnen  die 
Fingerabdrücke abgenommen worden seien, 

dass er (der Beschwerdeführer) bei der Registrierung einen falschen 
Namen angegeben habe,

dass er in Griechenland kein Asylgesuch gestellt habe,

dass  am  1.  September  2009  jedes  Familienmitglied  einen  Weg-
weisungsentscheid mit jeweils eigenem Foto darauf erhalten habe, und 
sie in der Folge nach Athen transferiert worden seien,

dass  sie  von  Athen  mit  gefälschten  Reisepässen  und  mit  Hilfe  von 
Schleppern  auf  dem  Luftweg  nach  Paris  gelangt  und  von  dort  mit 
einem Personenwagen am 21. September  2009  in  die  Schweiz  ein-
gereist seien, wo sie gleichentags um Asyl ersuchten,

dass  der  Beschwerdeführer  am  30.  September  2009  im  Empfangs- 
und Verfahrenszentrum (EVZ) Z._______ summarisch zum Reiseweg 
und zu den Asylgründen befragt wurde, 

dass er zur Begründung im Wesentlichen ausführte, die Familie habe 
Afghanistan wegen seines Bruders M. verlassen, 

dass  sich  dieser  in  eine  Nachbarstochter  verliebt  habe  und  ihnen 
deswegen "grosse Probleme" entstanden seien, 

dass  er  (der  Beschwerdeführer)  in  diesem  Zusammenhang  am 
23. März 2009 entführt worden sei,

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dass ihm die Flucht gelungen sei und er der Familie in der Folge die 
Flucht ausser Landes empfohlen habe,

dass  eine  Anzeige  seines  Vaters  bei  den  Behörden  nichts  gebracht 
habe,

dass der  Beschwerdeführer  irgendwelche  Probleme mit  den  heimat-
lichen Behörden oder Organisationen verneinte,

dass dem Beschwerdeführer im EVZ gleichentags das rechtliche Ge-
hör  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  nach  Griechenland  oder  Frank-
reich gewährt wurde, 

dass er dabei geltend machte, in Griechenland würden Flüchtlinge ein 
elendes Leben führen, und ausserdem hätten sie (die Familie) einen 
Wegweisungsbefehl erhalten,

dass das BFM am 18. November 2009 gestützt auf die einschlägigen 
staatsvertraglichen Bestimmungen an die zuständigen Behörden Grie-
chenlands ein Gesuch um Übernahme des Beschwerdeführers richte-
te,

dass im standartisierten Formular des Übernahmeersuchens unter der 
Rubrik "other useful information" die oben dargelegten Reiseumstände 
des Beschwerdeführers aufgeführt waren, insbesondere die Umstände 
zu dessen Griechenland-Aufenthalt,

dass am 1. Februar 2010 die Mandatsanzeige durch die im Rubrum 
genannte Rechtsanwältin sowohl für den Beschwerdeführer als auch 
für dessen Eltern und Schwester (N [...]) erfolgte,

dass  in  dieser  Eingabe  unter  anderem  darauf  hingewiesen  wurde, 
dass die vier obgenannten Familienmitglieder ihre Flucht aus Afghani-
stan in die Schweiz zusammen unternommen hätten und während der 
ganzen Zeit nie voneinander getrennt worden seien,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  24.  März  2010  –  eröffnet  am 
25. März 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge-
setzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch 
nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Griechenland so-
wie den Vollzug bis spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerde-

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frist anordnete und des Weiteren festhielt,  eine allfällige Beschwerde 
habe keine aufschiebende Wirkung,

dass das BFM zur Begründung der Nichteintretensverfügung anführte, 
der Beschwerdeführer sei gemäss seinen Angaben anlässlich der Be-
fragung  im  EVZ  auf  dem  Seeweg  von  der  Türkei  her  kommend  in 
Griechenland eingereist, auf der Insel Mytilini von den Behörden auf-
gegriffen und in ein "Camp" gebracht worden, wo man ihn fotografiert  
und seine Fingerabdrücke genommen habe,

dass er am 1. September 2009 nach Athen überstellt worden und zirka 
drei Wochen später auf dem Luftweg nach Paris gelangt sei, von wo 
aus er in einem Personenwagen in die Schweiz weitergereist sei,

dass Griechenland gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäi-
schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 
des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat 
oder in der Schweiz gestellten Asylantrags  ([Dublin-Assoziierungsab-
kommen, SR 0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 
vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung eines von einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrag 
zuständig  ist  [Dublin-II-VO]; Verordnung [EG]  Nr. 1560/2003 der  Kom-
mission vom 2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur 
Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates    [DVO Dublin]) sowie gestützt 
auf  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Kö-
nigreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung 
des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags 
(SR 0.362.32)  für  die Durchführung des Asylverfahrens zuständig  sei 
und angesichts dessen, dass dieses Land innert Frist nicht geantwortet 
habe, von seiner Zustimmung auszugehen sei,

dass die  Rückführung  – vorbehältlich  einer  allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung (Art. 19 Abs. 3 und Art. 19 Abs. 4 Dublin-II-VO) – bis 
spätestens am 19. Juli 2010 zu erfolgen habe, 

dass  die  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  des  rechtlichen  Gehörs 
vom  30.  September  2009  geltend  gemachten  Gründe  (Flüchtlinge 

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würden  in  Griechenland  ein  elendes  Leben  führen)  praxisgemäss 
einen Vollzug der Wegweisung nach Griechenland nicht zu verhindern 
vermöchten, 

dass der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland zulässig, zumut-
bar und möglich sei, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 
31. März 2010 die Verfügung des BFM beim Bundesverwaltungsgericht 
anfechten liess, 

dass  auf  die  Beschwerdeanträge  und  die  Beschwerdebegründung  – 
soweit  erforderlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen einzugehen 
ist, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Instruktionsverfügung  vom 
1. April  2010  den  Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne  einer  vorsorg-
lichen Massnahme provisorisch per sofort aussetzte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am 8. April  2010 beim  Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teil -
genommen hat und durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist-  und  formgerecht  ein-
gereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  sowie 
Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und  Art.  48  Abs. 1  sowie  Art.  52 
VwVG),

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dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden 
können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  über  offensichtlich  begründete 
Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung ei-
nes zweiten Richters entscheidet (Art. 111 Bst. e AsylG), und die vor-
liegende Beschwerde,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  offensichtlich  be-
gründet ist, weshalb auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde und 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 
AsylG), 

dass im vorliegenden Fall Anlass zur Frage besteht, ob die Vorinstanz 
im Rahmen der angefochtenen Verfügung ihren Pflichten, die sich aus 
dem Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ergeben, 
hinreichend nachgekommen ist,

dass der Anspruch auf rechtliches Gehör durch Art. 29-33 VwVG kon-
kretisiert  wird  und  verschiedene  Teilaspekte  umfasst,  nämlich  einen 
Anspruch der  Parteien auf  vorgängige  Anhörung durch die  Behörde 
(Art. 30 und 30a VwVG), auf Anhörung in Bezug auf erhebliche Vor-
bringen einer Gegenpartei (Art. 31 VwVG), auf Prüfung eigener erheb-
licher Vorbringen durch die Behörde (Art. 32 VwVG) und auf Abnahme 
der angebotenen und tauglichen Beweise durch die Behörde (Art.  33 
VwVG), 

dass Antworten auf die Frage, welche spezifischen Teilgehalte der An-
spruch  des  rechtlichen  Gehörs  im  Einzelnen  umfasse,  sich  darüber 
hinaus auch unmittelbar aus dem übergeordneten Verfassungsrecht in 
Gestalt von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ergeben können,

dass der mit  Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des recht-
lichen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV unbestrittenermassen 
eine Anzahl verschiedener verfassungsrechtlicher Verfahrensgarantien 
umfasst  (vgl.  aus  der  Literatur  MICHELE ALBERTINI,  Der  verfassungs-
mässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des 
modernen  Staates,  Bern  2000,  S. 202 ff.;  ANDREAS AUER/GIORGIO 
MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER,  Droit  constitutionnel  suisse.  Vol. II.  Les 
droits fondamentaux, 2. Aufl., Bern 2006, S. 606 ff.;  BENOIT BOVAY, Pro-

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cédure  administrative,  Bern  2000,  S. 207 ff.;  ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/ 
Basel/Genf/St.  Gallen  2006,  S. 360 ff.;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, 
Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes, 
2. Aufl., Zürich 1998, S. 46, 107 ff.; MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der 
Schweiz, Bern 2005, S. 285 ff.), 

dass dazu zunächst – und für die Prozessparteien regelmässig im Vor-
dergrund  stehend  –  das  Recht  auf  vorgängige  Äusserung  und  An-
hörung  gehört,  welches  den  Betroffenen  einen  Einfluss  auf  die  Er-
mittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert, 

dass  unerlässliches  Gegenstück  der  Mitwirkungsrechte  der  Parteien 
ausserdem als  weiterer  Teilgehalt  des rechtlichen Gehörs die Pflicht 
der  Behörden  bildet,  die  Vorbringen  der  Betroffenen  sorgfältig  und 
ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, 

dass daraus schliesslich aber auch die grundsätzliche Pflicht der Be-
hörden folgt, ihren Entscheid zu begründen (BGE 123 I 31 E. 2c; vgl. 
etwa  AUER/MALINVERNI/  HOTTELIER,  a.a.O.,  S. 611 ff.;  REINHOLD HOTZ, 
St. Galler  Kommentar  zu  Art. 29  BV,  Rz. 34  ff.;  KÖLZ/HÄNER,  a.a.O., 
S. 119; SCHEFER, a.a.O., S. 300 ff.), 

dass der angefochtene Entscheid des BFM diesen Kriterien offensicht-
lich nicht gerecht wird, 

dass das BFM darin lediglich festhält, die vom Beschwerdeführer an-
lässlich des rechtlichen Gehörs vom 30. September 2009 im Zusam-
menhang mit einer allfälligen Wegweisung nach Griechenland angege-
benen Gründe könnten einen Vollzug dorthin praxisgemäss nicht ver-
hindern,

dass  es  aber  darauf  verzichtet  hat,  sich  mit  zahlreichen  und  weit -
gehend übereinstimmenden Berichten zur prekären Situation vor Ort 
auseinanderzusetzen,

dass die Feststellungen, es bestünden in Griechenland keine Hinweise 
auf eine Verletzung von Art. 3  der Konvention vom 4. November 1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK, 
SR 0.101), und weder die in Griechenland herrschende Situation noch 
andere  Gründe  würden  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  spre-
chen, demnach offensichtliche Gehörsverletzungen darstellen,

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dass der Vollständigkeit halber zur Veranschaulichung zudem auf das 
Verfahren  der  Eltern  und  der  Schwester  des  Beschwerdeführers 
(N [...])  zu verweisen ist,  wo das BFM in  seinem Entscheid vom 18. 
März 2010 den Vollzug der Wegweisung "in den Herkunfts- bzw. den 
Heimatstaat oder in einen Drittstaat" im gegenwärtigen Zeitpunkt als 
nicht zumutbar bezeichnete und sie in der Schweiz vorläufig auf-nahm,

dass das BFM im angefochtenen Entscheid sodann die familiäre Situa-
tion des Beschwerdeführers mit keinem Wort thematisierte,

dass  die  Dublin-II-VO  unter  anderem  auch  im  Bestreben  erlassen 
wurde, die Einheit der Familie zu wahren, soweit dies mit den sonsti-
gen Zielen vereinbar ist (vgl. Ziff. 6 der Erwägungsgründe zur Dublin-II-
VO), 

dass in Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO definiert wird, welche Personen unter 
den  Begriff  "Familienangehörige"  fallen  (namentlich  Ehegatten  und 
minderjährige Kinder),

dass  nach  der  Rechtsprechung  der  Strassburger  Organe  zu  Art.  8 
EMRK zudem über die Kernfamilie hinausgehende verwandtschaftliche 
Bande – namentlich auch diejenigen zwischen Grosseltern und ihren 
Enkeln und Enkelinnen, zwischen Onkeln beziehungsweise Tanten und 
ihren Nichten und Neffen sowie zwischen Geschwistern – unter den 
Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern eine nahe, echte und tat-
sächlich gelebte Beziehung zwischen den Angehörigen besteht  (vgl. 
Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts, 
BVGE 2008/47  E. 4.1.1;  CARONI MARTINA,  Schriften  zum Europäischen 
Recht,  Band 58,  Privat-  und Familienleben zwischen Menschenrecht 
und Migration, S. 25 und S. 35 mit Hinweisen auf Urteile des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte, Strassburg), 

dass  mithin  eine  argumentative  Auseinandersetzung  des  BFM  zur 
familiären Situation des Beschwerdeführers geboten gewesen wäre, 

dass  die  Vorinstanz  indes  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom 
24. März  2010  die  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommenen  Eltern 
und die Schwester im Erwägungsteil  mit  keinem Wort  erwähnte,  ob-
wohl  ihr  die  Existenz  dieser  familiären  Sachverhaltskonstellation  vor 
Erlass der Verfügung zweifellos bekannt sein musste, 

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dass in  diesem Zusammenhang schliesslich auf  Art. 29a Abs. 3  der 
Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
(AsylV 1,  SR 142.311)  und Art. 3  Abs. 2  Dublin-II-VO  (Selbsteintritt) 
hinzuweisen  ist,  welche  es  ermöglichen  würden,  aus  humanitären 
Gründen  die  Familieneinheit  herzustellen  respektive  zu  bewahren, 
wenn kein Anspruch auf Familienzusammenführung besteht,

dass das BFM seine Pflicht zur Berücksichtigung der Vorbringen des 
Beschwerdeführers  offenkundig  nicht  wahrgenommen,  den  Sachver-
halt unvollständig erstellt und so offensichtlich die Begründungspflicht 
beziehungsweise  den  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  recht-
liches Gehör verletzt hat,

dass sich nunmehr die Frage stellt, ob die festgestellte Verletzung des 
Anspruchs auf rechtliches Gehör geheilt werden kann oder zur Kassa-
tion der angefochtenen Verfügung führen muss, 

dass  der  Gesetzgeber  aus  prozessökonomischen  Gründen  der 
Gesetzgeber die Verwaltungsbeschwerde grundsätzlich reformatorisch 
ausgestaltet hat und gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG eine Kassation und 
Rückweisung an die Vorinstanz nur ausnahmsweise erfolgen darf, so 
etwa,  wenn  weitere  Tatsachen  festgestellt  werden  müssen  und  ein 
umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist, 

dass die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife zwar grundsätz-
lich  durch  die  Beschwerdeinstanz  selbst  hergestellt  werden  kann, 
wenn  dies  im  Einzelfall  aus  prozessökonomischen  Gründen  ange-
bracht erscheint, wobei allerdings eine Grenze gezogen werden muss, 
deren Überschreitung nicht mehr ohne Weiteres durch die Beschwer-
deinstanz rückgängig gemacht werden kann, 

dass eine sachgerechte Lösung im Sinne einer Heilung oder Kassation 
sich entscheidend an der Schwere der Verletzung einer Verfahrensvor-
schrift,  aber auch daran zu orientieren hat,  ob die Verletzung auf ei-
nem Versehen beruht  oder das Resultat  einer gehäuften unsorgfälti-
gen Verfahrensführung ist, 

dass indessen bei einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör angesichts seiner formellen Natur von vornherein keine Rolle spie-
len  kann,  ob  die  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  die 
Vorinstanz Einfluss auf das Ergebnis hatte (Entscheidungen und Mit -

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teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 
Nr. 38 E. 7.1), 

dass im vorliegenden Fall die Gehörsverletzungen als schwerwiegen-
der Mangel zu erachten sind, weil das BFM über das Asylgesuch ent-
schieden hat, ohne sich in seinen Erwägungen auch nur ansatzweise 
mit  den Einwänden des Beschwerdeführers respektive der Frage der 
Familieneinheit auseinanderzusetzen, 

dass dieses Unterlassen nicht auf einem Versehen beruht, sondern of -
fensichtlich das Ergebnis einer unsorgfältigen Verfahrensführung ist, 

dass nach dem Gesagten die Beschwerde insofern gutzuheissen ist, 
als damit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 24. März 
2010 beantragt wird, 

dass die Sache zur erneuten Beurteilung im Sinne der Erwägungen an 
die Vorinstanz zurückzuweisen ist, 

dass es sich bei dieser Sachlage erübrigt, auf die übrigen Anträge und 
Ausführungen in der Beschwerdeschrift einzugehen,

dass mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache das Gesuch 
um Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde 
(Art. 107a AsylG) gegenstandslos wird,

dass es sich gleichermassen mit dem Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses verhält,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens sodann keine Kosten zu er-
heben sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), womit das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 
gegenstandslos geworden ist,

dass gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG der obsiegenden Partei von Amtes 
wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen 
notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zugesprochen 
werden kann (vgl. für  die Grundsätze der  Bemessung der  Parteient-
schädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und 
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 
2008  [VGKE,  SR 173.320.2])  und  dieser  Betrag  in  der  angemessen 

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erscheinenden  Kostennote  vom  6.  April  2010  antragsgemäss  auf 
Fr. 2530.– festzusetzen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Verfügung  des  BFM  vom 
24. März 2010 wird aufgehoben.

2.
Die Akten werden dem BFM zur erneuten Beurteilung der Sache im 
Sinne der Erwägungen überwiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 2530.– zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Alfred Weber

Versand: 

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