# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ede18862-d575-5d13-b2eb-6b1c2866a0b1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-07-30
**Language:** de
**Title:** Haftung der Geschäftsführer einer GmbH.
**Docket/Reference:** AK.2012.00028
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2012.00028.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2012.00028
damit vereinigt
AK.2013.00036
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Stocker
Urteil
vom
30. Juli 2014
in Sachen
1.
X.___
2.
Y.___
Beschwerdeführer
Beschwerdeführer 2 vertreten durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring
Anwaltskanzlei
Kieser
Senn Partner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
1.
Z.___
Beigeladener
2.
A.___
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
B.___
GmbH mit Sitz in
C.___
war der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (Urk. 10/116). Mit Verfügung vom 4. Januar 2010 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
D.___
über die Gesellschaft den Konkurs. Am 15. März 2010 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt (Urk. 35).
Mit Verfügungen vom 17. Februar 2012 (Urk. 10/58-60) verpflichtete die
Aus
gleichskasse
die ehemaligen Geschäftsführer der
Konkursitin
,
Y.___
,
A.___
und
X.___
, in solidarischer Haftung zur Bezahlung von Schadenersatz in der Höhe von Fr. 56'024.1
5.
1.2
Dagegen erhoben
X.___
,
Y.___
und
A.___
mit Eingaben vom 23. Februar 2012 (Urk. 10/64), 24. Februar 2012 (Urk. 10/69) und 19. März 2012 (Urk. 10/79) Einsprachen.
1.3
Mit
Einspracheentscheid
vom 14. März 2012 (Urk. 2/1) hiess die
Ausgleichs
kasse
die Einsprache von
X.___
teilweise gut und reduzierte die Schadenersatzsumme auf Fr. 47'395.85.
1.4
Mit Verfügung vom 27. August 2013 (Urk. 16/1) verpflichtete die
Ausgleichs
kasse
Z.___
, der nach Ansicht der Ausgleichskasse faktisch die Geschäfte der
B.___
GmbH geführt habe, zur Bezahlung von Scha
denersatz in der Höhe von Fr. 32'608.10, und zwar in solidarischer Haftung mit den formell eingetragenen und bereits ins Recht gefassten Geschäftsführern.
Mit
Einspracheentscheid
vom 27. August 2013 (Urk. 16/2) hiess die
Ausgleichs
kasse
die Einsprache von
A.___
teilweise gut und reduzierte die
Scha
denersatzsumme
auf Fr. 32'608.1
0.
Mit separatem, ebenfalls am 27. August 2013
ergangenem
Einspracheentscheid
(Urk. 17/2/1) wies die Ausgleichskasse die Einsprache von
Y.___
ab.
2.
2.1
Gegen den ihn betreffenden
Einspracheentscheid
vom 14. März 2012 (Urk. 2/1) hatte
X.___
bereits mit Eingabe vom 10. April 2012 (Urk. 1) Beschwerde erhoben mit dem sinngemässen Antrag, es sei der ange
fochtene
Einspracheentscheid
ersatzlos aufzuheben, und die Ausgleichskasse in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2012 (Urk. 9) auf Abweisung der Be
schwerde geschlossen.
2.2
Mit Eingabe vom 26. September 2013 (Urk. 17/1) liess
Y.___
Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Der
Einspracheentscheid
vom 27. August 2013 [...] bezüglich
Y.___
(sowie die zugrunde liegende Verfügung), mit wel
chem der Beschwerdeführer zur Leistung von AHV-Schadenersatz in der Höhe von Fr. 56'024.15 verpflichtet wurde, sei ersatzlos aufzuheben.
2.
Es sei festzustellen, dass den Beschwerdeführer keine Schadener
satzpflicht bezüglich AHV-Beiträge trifft.
3.
Eventualiter sei der Schadenersatzbetrag auf Fr. 3'140.75 zu redu
zieren.
4.
Der
Einspracheentscheid
vom 27. August 2013 [...] bezüglich
A.___
sei insoweit aufzuheben, als
A.___
le
diglich zur Leistung von Fr. 32'608.10 [...] verpflichtet wurde.
A.___
sei zu Schadenersatz im Umfang von mindestens Fr. 56'024.15 zu verpflichten.
5.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin
(inkl. 8 %
MWSt
).
2.3
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2013 (Urk. 16) wurden die
Beschwerdeverfah
ren
in Sachen
X.___
gegen die Ausgleichskasse und
Y.___
gegen die Ausgleichskasse vereinigt. Die Ausgleichskasse schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2014 (Urk. 20) zur Be
schwerde von
Y.___
auf Abweisung. Mit Verfügung vom 29. Januar 2014 (Urk. 22) wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Während
X.___
keine Replik einreichte (vgl. Urk. 23), liess
Y.___
mit Eingabe vom 16. Mai 2014 (Urk. 27; vgl. auch Urk. 26) an sei
nen Anträgen festhalten.
Duplicando
hielt auch die Ausgleichskasse an ihren Abweisungsanträgen fest (Urk. 30). Mit Verfügung
vom 10. Juni 2014 (Urk. 31) wurden
Z.___
und
A.___
, welche die
Schadenersatzver
fügung
vom 27. August 2013 (Urk. 16/1) beziehungsweise den
Einspracheent
scheid
vom 27. August 2013 (Urk. 16/2) - soweit ersichtlich - nicht angefochten haben, zum Prozess beigeladen. Es wurde ihnen gleichzeitig Frist zur Stellung
nahme angesetzt (vgl. auch Urk. 34/1-2). Sie liessen sich jedoch nicht verneh
men.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer 2 liess beantragen, es sei der die Beigeladene 2 betref
fende
Einspracheentscheid
vom 27. August 2013 (Urk. 17/2/2) aufzuheben beziehungsweise dahingehend abzuändern, dass sie zur Leistung von Schaden
ersatz in der Höhe von Fr. 56‘024.15 (anstatt lediglich Fr. 32‘608.10) zu ver
pflichten sei.
1.2
Diesbezüglich ist dem Beschwerdeführer 2 entgegenzuhalten, dass die
Be
schwer
degegnerin
bei einer Mehrheit von solidarisch haftenden Schuldnern die Wahl hat, gegen wen und in welchem Umfang sie vorgehen will. Sie braucht sich dabei nicht um die internen Beziehungen zwischen mehreren Schuldnern zu kümmern (BGE 119 V 87 E. 5a; vgl. auch Thomas Nussbaumer, Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG, AJP 1996 S. 1082, mit weiteren Hin
weisen). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass es nicht in die sachliche Zustän
digkeit des Sozialversicherungsgerichts fällt, festzulegen, welche Anteile an der Gesamtschuld die einzelnen Solidarschuldner intern letztlich zu tragen haben. Das hiesige Gericht hat mit anderen Worten die Frage eines Regresses nicht zu prüfen (Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in: René Schaffhauser/Ueli
Kieser
[Hrsg.], Aktuell
e Fragen aus dem B
eitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 120).
Das heisst zwar nicht, dass im internen Verhältnis eine
betraglich
weiterge
hen
de
-
mithin
eine
über Fr.
32‘608.10 hinausgehe
nde -
Haftung der Beigelade
nen 2
von vornherein
auszuschliessen ist;
diese Frage ist jedoch nicht Ge
gen
sta
nd des vorliegenden Verfahrens, sondern müsste - falls sich die verantwortli
chen Per
sonen über die interne Schadensaufteilung nicht einigen könnten - im Rahmen eines Zivilprozesses geklärt werden.
In
casu
geht es allein um di
e Haf
tung der Beschwerdeführer
.
1.3
Aus dem Gesagten folgt, dass
auf
die Beschwerde des Beschwerdeführers 2, soweit sie sich gegen den die Beigeladene 2 betreffen
den
Einspracheentscheid
vom 27.
August 2013 richtet
(Beschwerdeantrag Ziff. 4 [Urk. 17/1])
, mangels sachlicher Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts nicht einzutreten ist
.
2.
2
.1
Nach
Art.
52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versi
cherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grobfahr
lässige
Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in An
spruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenz
entschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
2
.2
2
.2.1
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hin
weisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitge
bers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE
123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
2
.2.2
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige
Aus
gleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für fruchtlos erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichskasse resultiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadener
satzforderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt der Fruchtloserklärung beziehungsweise von deren Veröffentlichung im Schweize
rischen Handelsamtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c).
2
.3
Im Konkurs der
B.___
GmbH
wurde das Verfahren - wie erwähnt - am
15.
März 2010 mangels Aktiven eingestellt (Urk. 35). Damit wurde die zweijährige Verjährungsfrist von Art. 52 Abs. 3 AHVG ausgelöst. Mit dem Erlass der Schadenersatzverfügungen
vom 17. Februar 2012 (Urk. 10/58-60) wahrte die Ausgleichskasse diese Frist. Die streitgegenständlichen
Solidarfor
derungen
sind somit nicht verjährt.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers 2 rechtfertigt es sich ange
sichts der oben wiedergegebenen Praxis nicht, im vorliegenden Fall den Beginn des Fristenlaufs bereits auf August/September 2009 festzulegen, weil bereits damals ausstehende Rechnungen an die Beschwerdegegnerin nicht bezahlt wor
den seien (vgl. Urk. 27 S. 2). Die in E.
2
.2.2 wiedergegebene bundesgerichtliche Praxis ist klar; es ist auf das Datum der Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven abzustellen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb vorliegend davon abzuweichen sein sollte.
3
.
3
.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag,
dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebüh
ren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der
Aus
gleichskasse
zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3
.2
3
.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegenüber den Beschwerdefüh
rern im Wesentlichen auf
die Jahresabrechnung 2008 der
B.___
GmbH vom 10. Juni 2009 (Urk. 10/13; Korrektur des Revisors in Urk. 10/36/3), die vom Revisor erstellte Jahresabrechnung vom 14. Juni 2010 (Urk. 10/37-38) und den
Revisionsbericht vom 14. Juni 2010 (Urk. 10/36)
. Im Weiteren liegen die Beitragsübersicht vom 5. Juni 2012 (Urk. 10/117), der Kontoauszug dessel
ben Datums (Urk. 10/118; vgl. auch Urk. 21/75) sowie zahlreiche
Mahnungen (Urk. 10/6, 10/8-9, 10/11-12, 10/14, 10/17-18, 10/21
und
10/23-24
),
Verzugs
zinsabrechnungen
(Urk. 10/16, 10/34, 10/42 und 10/52)
,
Betreibungsbegehren (Urk. 10/22, 10/25
und
10/27
),
Zahlungsbefehle (Urk. 10/26
und
10/28
) sowie ein Verlustschein
(Urk. 10/40
) bei den Akten.
Aus den Jahresabrechnungen für die Jahre 2008 und 2009 (Urk. 10/36/3 und 10/37-38) ist ersichtlich, dass die
B.___
GmbH in den genannten Jahren (bis Juli 2009) Lohnzahlungen von insgesamt Fr. 721‘621.
(= Fr. 535‘465.
+ Fr. 186‘156.
) ausgerichtet hat. Der Ausstand resultiert aus der Gegenüberstellung der gemäss Kontoauszug und Beitragsübersicht geschul
deten Sozialversicherungsbeiträge zuzüglich Nebenkosten und der von der
B.___
GmbH geleisteten Zahlungen. Danach besteht ein Saldo von Fr. 56‘024.15 zu Gunsten der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/117-118).
3
.2.2
Während die Beschwerdegegnerin gegenüber dem Beschwerdeführer 2 den ge
samten Ausstand geltend machte (Urk. 17/2/1), reduzierte sie den vom Be
schwerdeführer 1 geforderten Schadenersatzbetrag im
Einspracheentscheid
vom 14. März 2012 (Urk. 2/1) auf Fr. 47‘395.8
5.
Die Beschwerdegegnerin begründete diese Forderungsreduktion mit dem am 16. Januar 2009 erfolgten Rücktritt des Beschwerdeführers 1 als Geschäftsführer der Gesellschaft; deshalb könne er lediglich für die Beiträge für die Monate Januar bis Dezember 2008 in der Höhe von Fr. 34‘992.30 und Fr. 12‘403.55, mithin insgesamt Fr. 47‘395.85 ins Recht gefasst werden (Urk. 2/1 S. 3).
3
.3
3
.3.1
Während d
er
Beschwerdeführer 1 die geltend gemachte Schadenersatzforderung in quantitativer Hinsicht nicht in Zweifel zog (vgl. Urk. 1), liess der Beschwer
deführer 2 in
masslicher
Hinsicht einwenden, dass er für einen Schaden, der bereits vor seinem Eintritt in die Organstellung
entstanden sei, nicht hafte. Zu
dem habe er ab 29. Juni 2009
nicht mehr für die Gesellschaft handeln kön
nen. Weiter könne er nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass die
Jah
res
abrechnung
2008 erst im Juni 2009 eingereicht worden sei (vgl. Urk.
17/1 S. 8 ff.).
Die Einwendungen de
s Beschwerdeführers 2 betreffen
jedoch nicht die eigent
liche mathematische Schadensberechnung der Ausgleichskasse; diese Berech
nung wurde auch von ihm nicht in Zweifel gezogen. Die Einwendungen betref
fen in erster Linie die Fragen des Verschuldens beziehungsweise der Dauer der Verantwortlichkeit, weshalb darauf nachfolgend bei der Beurteilung eines all
fälligen Verschuldens einzugehen sein wird.
3
.3.2
Die Schadenshöhe ist aufgrund der Akten ausgewiesen. Anhaltspunkte für
Berech
nungsfehler
sind nicht ersichtlich
. Demzufolge ist in Bestätigung der Be
rechnung der Beschwerdegegnerin von einem Gesamtschaden in der Höhe von Fr. 56‘024.15 auszugehen. Die gegenüber dem Beschwerdeführer 1 vorgenom
mene Forderungsreduktion auf Fr. 47‘395.85 ist ebenfalls korrekt.
4
.
4
.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4
.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass
die
B.___
GmbH den ihr als Arbeit
geberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen in den Jahren 2008 und 2009 nur unvollständig nachkam. Die Beschwerdegegnerin sah sich deshalb gezwun
gen, die Gesellschaft wiederholt zu mahnen und diverse
Schuldbetrei
bungsver
fahren
einzuleiten (vgl. E. 3.2.1). Schliesslich blieben geschuldete Sozi
alversi
cherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 56‘024.15 unbezahlt (Urk. 10/117-118; vgl. auch E. 3.2.1). Es bedarf keiner weiteren Aus
führungen, dass die
B.___
GmbH Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätz
lich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten
auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten der Beschwerdefüh
rer zurückzuführen ist.
5
.
5
.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5
.2
5
.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines
Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
5
.2.2
Nicht jedes einem Unternehmen als solchem anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hin
blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unternehmens zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach ent
scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5 S. 528). Gehören dem Verwaltungsrat mehrere Personen an, so ist für jede von ihnen einzeln zu prüfen, ob sie am Schaden der Ausgleichskasse ein Verschulden trifft. Obliegt die Ge
schäftsfüh
rung einem Mitglied des Verwaltungsrats, so han
deln weitere Mitglieder schuldhaft, wenn sie die nach den Umständen gebotene Aufsicht nicht ausüben. Setzt sich der Verwaltungsrat aus nur zwei Mitgliedern zusammen, so beurteilen sich
insbesondere, wenn sie lediglich kollektiv unterschriftsberechtigt sind,
die Anforderungen an die gegenseitige Kontrolle nach einem strengen Massstab (in BGE 119 V 86 nicht publizierte E. 2c des Urteils des Bundesgerichts H 94/91 vom
4.
März 1993, nicht veröffentliche Urteile H 171/87 vom
7.
Dezember 1987 und H 25/87 vom
4.
August 1987).
5
.2.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der
Ausgleichs
kasse
zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwa
chung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.)
6
.
6
.1
6.1.1
Der Beschwerdeführer 1 brachte keine eigentlichen Exkulpations- oder
Recht
fer
tigungsgründe
vor. Er führte im Wesentlichen aus, dass er nur während kur
zer Zeit für die
B.___
GmbH tätig gewesen sei und keinen Lohn erhalten habe. Er habe mit dem Beigeladenen 1 nur schlechte Erfahrungen gemacht. Man habe ihm zugesichert, dass er aus dem Handelsregister gelöscht werde. Zudem sei er aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, den geforder
ten Schadenersatz zu
bezahlen. Die Entscheidungen habe immer der Beigela
dene 1 getroffen; verantwortlich seien auch die Be
igeladene 2 und ein gewisser
E.___
(Urk. 1).
6.1.2
Der Beschwerdeführer 2 liess zu seiner Entlastung i
m Wesentlichen vorbringen, die
B.___
GmbH sei Anfang 2008 unter der Firma
F.___
GmbH gegründet worden. Die Beigeladene 2 habe bei der Gründung 98 % des Stammkapitals gezeichnet. Kurz nach der Gründung habe die Gesellschaft einen Factoring-Vertrag mit der
G.___
abgeschlossen, in dessen Rahmen die
G.___
die zukünftigen For
derungen und Debitoren fortlaufend übernommen habe. Im Sommer/Herbst 2008 habe die
B.___
GmbH erstmals Zahlungsprobleme gehabt. Die Löhne der Mitarbeiter hätten nicht mehr bezahlt werden können, und die
B.___
GmbH habe gegenüber der
G.___
eine grössere Schuld ausstehend gehabt. In der Folge habe die
G.___
eine Mehrheitsbeteiligung an der
B.___
GmbH übernommen und die Geschäftsführung neu bestellt. Als Geschäftsführer sei der Beschwerdeführer 2, der bei der
G.___
angestellt gewesen sei, bestellt worden. Der Inhaber der
G.___
,
H.___
, habe sämtliche finanziellen Entscheidungen getroffen, da die
B.___
GmbH selber über keine liquiden Mittel mehr verfügt habe. Nachdem der Beschwerdeführer 2 Mitte März 2009 eine erste Einsicht in die Geschäftsbücher der
B.___
GmbH habe nehmen können, habe sich herausgestellt, dass in der Gesell
schaft massiv betrogen worden sei. Der Beschwerdeführer 2 habe daher die ersten Wochen und Monate seiner Tätigkeit damit verbracht, zusammen mit Rechtsanwalt
Dr.
Bauer eine Strafanzeige wegen Betrugs, Veruntreuung und Urkundenfälschung zu verfassen. Diese habe Ende April/Anfang Mai 2009 bei der zuständigen Staatsanwaltschaft eingereicht werden können.
Zur Vertu
schung der Betrugsaktivitäten sei die Buchhaltung
von der Beigeladenen 2
entsprechend
modifiziert
worden
.
Es habe ein totales Chaos geherrscht. Die Buchhaltung sei zusammen mit der
I.___
bereinigt worden. Die Arbeiten seien sehr aufwändig gewesen, weshalb der Geschäftsabschluss erst Anfang Juni 2009 habe fertiggestellt werden können. Er sei der Beschwerdegegnerin unverzüglich zur Kenntnis gebracht worden. Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer 2 und der
G.___
sei dann per Ende Juli 2009 gekündigt worden. Er habe danach keine Einflussmöglichkeiten mehr gehabt; zudem sei er krankheitshalber arbeitsunfähig gewesen. Bereits zuvor habe er selber faktisch keine Kompetenzen gehabt, um strategische oder finanzielle Entscheide zu fällen. Aufgrund seiner Stellung als Arbeitnehmer bei der
G.___
sei er in der Ausübung seiner Tätigkeit bei der
B.___
GmbH vollumfänglich an die Weisungen
der Arbeitgeberin gebunden gewesen. Die
G.___
beziehungsweise
H.___
habe ihm auch immer versichert, dass die
B.___
GmbH mit ausreichend Liquidität versorgt werde.
Die
G.___
und
H.___
hätten d
e
r
B.___
GmbH auch regelmässig Zahlungen geleistet, um die laufenden
Verpflichtungen zu erfüllen. Daher habe der Beschwerdeführer 2 berechtigtes Vertrauen in die Zusicherungen haben dürfen. Zudem sei er nur sehr kurze Zeit für die
B.___
tätig gewe
sen: Bis Mitte März 2009 habe er keinen Zugriff auch die Buchhaltung gehabt und danach (zusammen mit Fachleuten) bis Anfang Juni gebraucht, um die die strafrechtlich relevanten Vorgänge aufzudecken und die Jahresabrechnung 2008 zu erstellen. Als dann die ganze Tragweite der Situation erkennbar gewe
sen sei, sei er gut zwei Wochen später entlassen worden und erkrankt. Auch vor diesem Hintergrund könne ihm kein grobes Verschulden vorgeworfen werden (Urk. 17/1; vgl. auch Urk. 26-27).
6.2
Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Prozess nicht zu untersuchen ist, ob der Konkurs der
B.___
GmbH allenfalls hätte vermieden oder ob am vorliegenden Verfahren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgendein Schuldvorwurf gemacht werden könnte, sondern einzig zu entschei
den ist, ob die
B.___
GmbH die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenenfalls ein qualifiziertes Verschulden der Beschwerdeführer zu bejahen ist. Bei der Prüfung der letztgenannten Frage ist in
Bezug auf den Beschwerdeführer 1 und den Beschwerdeführer
2 differenziert vorzugehen; das Vorliegen eines Verschuldens ist mithin für jeden Beschwer
deführer einzeln zu prüfen.
6.3
6.3.1
Der Beschwerdeführer 1
war vom 15. Januar 2008 bis 16. Januar 2009
einzel
zeichnungsberechtigter
Geschäftsführer der
B.___
GmbH, einem kleinem Unternehmen mit
einfacher Verwaltungsstruktur und nur
relativ weni
gen Angestellten
(vgl. Urk. 10/13 und 10/38). Bei derart leicht überschaubaren Verhältnisse muss von jedem Geschäftsführungsmitglied einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung verlangt werden, dass es den Überblick über alle wesent
lichen Belange des Unternehmens hat. Dabei richten sich die Anforderungen an die Geschäftsführung beziehungsweise an die einzelnen
Geschäftsführungsmit
glieder
nach einem objektiven Massstab.
Bei einfachen und überschaubaren Verhältnissen werden praxisgemäss erhöhte Anforderungen an Kenntnis und Erledigung von Abrechnungs- und Zahlungs
verkehr mit der Ausgleichskasse gestellt. Gemäss Art. 812 Abs. 1 des Obligatio
nenrechts (OR) sind die Geschäftsführer sowie Dritte, die mit der Geschäftsfüh
rung befasst sind, verpflichtet, ihre Aufgabe mit aller Sorgfalt zu erfüllen und die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen zu wahren. Art. 810 Abs. 2 OR enthält sodann einen - im Wesentlichem der aktienrechtlichen Bestimmung von Art. 716a Abs. 1 OR entsprechenden - Katalog unübertragbarer und
unentzieh
barer
Aufgaben. So obliegt den Geschäftsführern insbesondere die Oberleitung
der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1), die Aus
ge
staltung des Rechnungs
wesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung (Ziffer 3) und die Aufsicht über die Personen, denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statu
ten, Reglemente und Weisungen (Ziffer 4). Das Gesetz verbietet zwar nicht die Vornahme einer bestimmten Arbeits- und Kompetenzaufteilung, doch die
Über
wa
chungs
- und Kontrollpflichten verbleiben auch dann bei der (Ge
samt)
Geschäftsführung
beziehungsweise sämtlichen Geschäftsführern. Deshalb hat sich jedes Mitglied der Geschäftsführung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung periodisch über den Geschäftsgang und die wichtigsten Geschäfte, welche nicht zu seinem primären Aufgabenbereich gehören, zu orientieren, Rap
por
te zu verlangen, diese sorgfältig zu studieren und nötigenfalls ergän
zende Aus
künfte einzuholen, Irrtümer abzuklären und bei Unregelmässigkeiten ein
zugreifen. Die Rechtslage ist insoweit nicht anders als bei einer Aktiengesell
schaft (vgl. hierzu BGE 114 V 223 E. 4a; vgl. dazu auch E. 5.2.3).
Angesichts dessen kann sich der Beschwerdeführer 1 weder mit dem Hinweis, er habe von der
B.___
GmbH keinen Lohn erhalten und mit dieser Firma nur Probleme bekommen, noch mit dem Vorbringen, dass die Beigelade
nen und
E.___
verantwortlich seien, entlasten. Der Beschwerdefüh
rer 1 war während eines Jahres als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsfüh
rer der
B.___
GmbH im Handelsregister eingetragen. Wie aus seinem Vortrag zu schliessen ist (vgl. Urk. 1) hat er sich während dieser Zeit weder an der Geschäftsführung beteiligt noch sich in anderer Weise um die Gesellschaft gekümmert.
Entgegen der offenbaren Ansicht des Beschwerdeführers 1 gereicht ihm diese Passivität aber nicht zur Entlastung, sondern begründet vielmehr sein Verschulden. Wer das Amt eines Geschäftsführers einer Gesellschaft mit be
schränkter Haftung annimmt, ist damit gleichzeitig auch gehalten, die damit zusammenhängenden Pflichten und Aufgaben zu erfüllen.
6.3.2
Der Beschwerdeführer 1 muss sich demzufolge den Vorhalt gefallen lassen, dass die
B.___
GmbH der Beschwerdegegnerin für das Jahr 2008, in dem er Geschäftsführer der Gesellschaft war, Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten)
in der Höhe von Fr. 47‘395.85 schuldig blieb, im selben Jahr aber Lohnzahlungen von insgesamt Fr. 535‘465.
ausrichtete (vgl. E. 3.2.1 und 3.2.2). Mit anderen Worten wurde den Lohnzahlungen Priorität vor der
Bei
trags
entrichtung
eingeräumt, wodurch die Beschwerdegegnerin zu Schaden kam. Indem der Beschwerdeführer 1 gegen das pflichtwidrige Handeln der
B.___
GmbH beziehungsweise der - nach seinen Angaben - tatsächlich die Geschäfte der Gesellschaft führenden Personen, nämlich insbesondere der Beigeladenen,
nicht
einschritt, verletzte er seine Pflichten in grobfahrlässiger Weise.
Er hätte
nämlich dafür sorgen müssen, dass die
B.___
GmbH nur Löhne ausrichtet, für die die Gesellschaft auch die entsprechenden Sozial
versicherungsbeiträge zu leisten imstande ist (für viele etwa: Urteil des Eidge
nössischen Versicherungsgerichts H 26/06 vom 10. April 2006 mit Hinweis). Da sich der Beschwerdeführer 1 - nach eigenen Angaben - nicht im Geringsten um die Belange der Gesellschaft kümmerte, war ihm das aber bereits im Ansatz nicht möglich. Ein solches Verhalten ist (zumindest) als grobfahrlässig zu be
zeichnen.
6
.4
6.4.1
Der Beschwerdeführer 2
amtete gemäss Eintrag im Handelsregister vom 5. Februar bis 14. August 2009 als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der
B.___
GmbH (Urk. 35). Er wurde von seinem Arbeitgeber, der
G.___
, die zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit der Stammanteile an der
B.___
GmbH übernommen hatte (vgl. Urk. 35), mit der Geschäftsführung betraut. Diese arbeitsrechtliche Abhängigkeit zur
G.___
ändert für sich allein nichts an den Aufgaben und Pflichten, die ein Geschäftsführer einer Gesell
schaft mit beschränkter Haftung von Gesetzes wegen hat (vgl. dazu oben die entsprechenden Ausführungen in E. 6.3.1). Solange der Beschwerdeführer 2 als formelles Organ der
B.___
GmbH im Handelsregister eingetragen war, war er verpflichtet, diese Aufgaben zu erfüllen. Daran änderte weder die durch Kündigung der
G.___
erfolgte Auflösung des Arbeitsvertrages (vgl. Urk. 3/7) noch die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit des Beschwerd
efüh
rers 2 ab Anfang August 2009
.
6.4.2
Der Beschwerdeführer
2
liess einwenden
,
dass
s
eine Haftung bezüglich
der
Bei
träge für das Jahr 2008 von vornherein nicht in Betracht komme,
weil er damals noch nicht für die Geschicke der
B.___
GmbH verantwortlich gewesen sei
. Mit der Mandatsübernahme trat der Beschwerdeführer 2
praxisge
mäss
in die Verantwortung sowohl für die laufenden als auch die verfallenen Beiträge ein. Es war somit seine Pflicht, nicht nur für die Bezahlung der laufen
den Beiträge, sondern und gerade auch für die Begleichung verfallener Abgaben besorgt zu sein (ZAK 1992 S. 254 E. 7b).
Daran würde sich nur etwas ändern, wenn die Gesellschaft bereits bei seinem Amtsantritt zahlungsunfähig gewesen wäre
.
So erwog das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht in seinem Urteil H 3/02 vom 4. Juli 2002 (vgl. insbesondere E. 2b), die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG setze voraus, „dass zwischen der absichtlichen oder
grob
fahrlässigen
Verletzung von Vorschriften und dem Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung trifft das neu in den Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft eintretende Mitglied keine Ersatzpflicht, wenn in diesem Zeitpunkt der Schaden zufolge Überschuldung des
Unternehmens bereits entstanden ist (BGE 119 V 401
Erw
. 4 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung hat auch zu gelten, wenn in eine überschuldete Gesell
schaft mit beschränkter Haftung neue Gesellschafter aufgenommen werden.“
Ob die
B.___
GmbH Anfang 2009 bereits im technisch-juristischen Sinne überschuldet war, lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten nicht zweifelsfrei beurteilen. Zu beachten ist allerdings, dass die Gesellschaft noch bis Juli 2009 Lohnzahlungen ausrichtete, insgesamt Fr. 186‘156.
(Urk. 10/38). Soweit der Beschwerdeführer 2 geltend machen liess, dass diese Geldmittel für diese Zahlungen von der
G.___
zur Aufrechterhaltung des Betriebs der
B.___
GmbH stammten, ist ihm entgegenzuhalten, dass damit (auch) die Beitragsausstände hätten bezahlt werden können.
Der Frage der Überschuldung muss jedoch vorliegend - wie sogleich zu zeigen sein wird - nicht weiter nach
gegangen werden.
6.4.3
Die
B.___
GmbH befand sich bereits bei Amtsantritt des Beschwer
deführers 2 in einer wirtschaftlich angespannten Situation (wobei offen bleiben kann, ob bereits damals eine eigentliche Überschuldung vorlag). Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beigeladenen und
E.___
, die mit Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft
J.___
vom 10. Juni 2013 (Urk. 21/62-64) unter anderem wegen mehrfachen Betrugs ins Recht gefasst wurden, die
B.___
GmbH für kriminelle Aktivitäten missbraucht hatten. Die Vorbringen des Beschwerdeführers 2, dass er erst nach Wochen effektiv Einsicht in die Buchhaltung der Gesellschaft nehmen konnte und die entsprechenden Ab
schlüsse - unter Zuhilfenahme von externen Fachleuten - erst im Juni 2009 habe erstellen können, erscheinen glaubhaft und fügen sich ins Gesamtbild. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Erstattung der Strafanzeige gegen die genannten Personen
(vgl. dazu Urk. 17/3/6 und Urk. 21/68)
offenbar auf die Kontrolle
n und die Initiative
des Beschwerde
führers 2 zurückzuführen ist.
Dass solche Prüfungen und die Ausarbeitung einer Strafanzeige, zumal wenn die notwendigen Buchhaltungsunterlagen zuerst rekonstruiert werden müssen, einige Zeit in Anspruch nehmen, liegt auf der Hand. Dass sich die Beigeladenen bei diesen Unterfangen nicht
sonderlich kooperativ gezeigt haben dürften, wie der Beschwerdeführer 2 geltend machen liess, erscheint nachvollziehbar.
Angesichts dieser Umstände ist nicht ersichtlich, welchen Verschuldensvorwurf man gegen den Beschwerdeführer 2 bei der Aufarbeitung der Altlasten aus dem Jahr 2008 machen könnte. Soweit ersichtlich war er vielmehr bemüht, Klarheit in die Geschäftstätigkeit und die Buchhaltung der
B.___
GmbH zu bringen. Dies hat er - wie aus den Akten, namentlich aus den
Strafverfahrens
akten
hervorgeht - binnen den widrigen Umständen angemessener Frist getan.
Soweit dem Beschwerdeführer 2 überhaupt ein Verschuldensvorwurf gemacht werden könnte, läge dieser darin begründet, dass er die Lohnzahlungen der
B.___
GmbH im Jahr 2009 nicht sofort, nachdem ihm erste Zweifel gekommen waren, einstellen liess.
Dies wäre wohl Mitte/Ende April 2009 der Fall gewesen (vgl. dazu den vom 24. April 2009 datierten Entwurf der Strafan
zeige [Urk. 17/3/6]). Angesichts dessen, dass die
B.___
GmbH ab diesem Zeitpunkt (Mitte/Ende April 2009) nur noch wenige Lohnzahlungen ausrichtete (vgl. Urk. 10/38) und die laufenden Beitragsrechnungen weitgehend bezahlt wurden (vgl. Urk. 10/117 S. 4), ist das entsprechende Verschulden des Beschwerdeführers 2 aber nicht als grobfahrlässig zu qualifizieren. Angesichts der Umstände, insbesondere der unübersichtlichen Situation,
die nicht de
r Be
schwerdeführer 2 zu vertreten hatte,
ist vielmehr lediglich von einer leichten Fahrlässigkeit auszugehen.
6.4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass der Beschwerdeführer 2 für den bei der
Beschwer
degegnerin
entstandenen Schaden nicht haftbar zu machen ist. Soweit dar
au
f einzutreten ist, ist somit in teilweiser Gutheissung der Beschwerde des Be
schwerdeführers 2 der ihn
betreffende
Einspracheentscheid
vom 27. August 2013 (Urk. 17/2/1) aufzuheben.
7
.
Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten be
ziehungsweise die Passivi
tät des
Beschwerdeführer
s 1
ohne Weiteres auch als adäquat kausal (BGE 119 V 406 E. 4a mit Hinweisen) für den bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen
und auch in zeitlicher Hinsicht vom Beschwerdeführer 1 zu vertretenden
Schaden
in der Höhe von Fr.
47‘395.85
(vgl. E.
3.2.2 und 3.3.2) zu betrachten, weshalb er
zu Recht verpflichtet wurde
, dafür in solidarischer Haftung
mit den Beigelade
nen, die je bis zum Betrag von Fr. 32‘608.10 mithaften (vgl. dazu Sachverhalt Ziff. 1.4),
Ersatz zu leisten. Demzufolge
ist
die B
eschwerde des Beschwerdefüh
rers 1
abzuweisen.
8.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Der Beschwerdeführer 2 obsiegt vorliegend lediglich teilweise; im Umfang des Nichteintretens auf seine Beschwerde ist er als unterliegend zu betrachten. Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdefüh
rer 2 ein
e
reduzierte Prozessentschädigung in der Höhe von Fr.
2‘200.
(inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde des Beschwerdeführers 1 wird abgewiesen.
Die Beschwerde des Beschwerdeführers 2 wird, soweit darauf eingetreten wird, teil
weise gutgeheissen und der angefochtene, ihn betreffende
Einspracheentscheid
vom 27. August 2013 aufgehoben.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer 2 eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr.
2‘200.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Rechtsanwalt Kaspar Gehring
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Z.___
-
A.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5
.
Da der Streitwert
Fr.
30'000.-- übersteigt, kann gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff., insbesondere
Art.
85, in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubStocker