# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c192995b-bf26-5a96-841e-26410037217c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-09-06
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 06.09.2005 VB 2005 5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_VB-2005-5_2005-09-06.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 06. September 2005 Schriftlich mitgeteilt am:
VB 05 5 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer und Rehli 
Aktuarin Thöny

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In der verwaltungs(straf)rechtlichen Berufung

des X., Gesuchsteller und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. 
Dieter Marty, Postfach 528, Alexanderstrasse 8, 7002 Chur,

gegen

die Verfügung des Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartements vom 26. Juli 2005, 
mitgeteilt am 5. August 2005, in Sachen gegen den Gesuchsteller und Berufungs-
kläger,

betreffend Versetzung in eine offene Anstalt,

hat sich ergeben:

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A. Mit Urteil der Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 
13. Dezember 2004, mitgeteilt am 5. April 2005, wurde X. des gewerbsmässigen 
Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB, der mehrfachen Sachbeschädigung 
gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB und des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 
186 StGB für schuldig erklärt und mit 18 Monaten Gefängnis abzüglich der erstan-
denen Untersuchungshaft von 209 Tagen bestraft. Der mit Urteil des Kantonsge-
richts von Graubünden vom 11. September 2001 für die Strafe von 18 Monaten 
Gefängnis gewährte bedingte Vollzug wurde widerrufen und die Strafe zum Vollzug 
angeordnet. Diese Freiheitsstrafen verbüsst X. seit dem 14. Dezember 2004 in der 
Strafanstalt Sennhof in Chur. 

B. Mit Verfügung vom 25. Mai 2004 wies das Ausländeramt St. Gallen 
das Gesuch von X. um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab und ordnete 
dessen Wegweisung aus dem Kanton St. Gallen an. Das Bundesamt für Zuwande-
rung, Integration und Auswanderung (IMES) dehnte die kantonale Wegweisung mit 
Entscheid vom 19. Juli 2004 auf die ganze Schweiz sowie das Fürstentum Liech-
tenstein aus. Ausserdem erliess es eine Einreisesperre auf unbestimmte Dauer. 

C. Mit Schreiben vom 23. Juni 2005 liess X. bei der Abteilung Straf- und 
Massnahmenvollzug des Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartements Graubünden 
ein Gesuch um Versetzung in eine offene Strafanstalt (Anstalt Realta) stellen. Die-
ses Gesuch lehnte die Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug mit Schreiben vom 
27. Juni 2005 ab. Auf Verlangen des Rechtsvertreters von X. hin erliess das Justiz-, 
Polizei- und Sanitätsdepartement Graubünden am 26. Juli 2005, mitgeteilt am 5. 
August 2005, eine formelle Verfügung, in welcher es das Gesuch von X. ohne Er-
hebung von Verfahrenskosten abwies.

D. Gegen diese Verfügung liess X. am 29. August 2005 beim Kantons-
gerichtsausschuss von Graubünden Berufung erheben mit folgendem Rechtsbe-
gehren:

„1. Die Departementsverfügung vom 26. Juli 2005 / 05. August 2005 sei 
aufzuheben.

2. X. sei sobald wie möglich in die Strafanstalt Realta zu überweisen.“

Das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement Graubünden beantragte in sei-
ner Vernehmlassung vom 5. September 2005 die Abweisung der Berufung unter 
Kostenfolge zu Lasten des Berufungsklägers. 

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Auf die Begründung der Anträge und die Ausführungen in der angefochtenen 
Verfügung sowie in der Vernehmlassung wird, soweit erforderlich, in den nachste-
henden Erwägungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Vollzugsverfügungen des Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepar-
tements Graubünden gemäss Art. 190 Abs. 1 StPO können der Betroffene und der 
Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung gemäss Art. 141 ff. StPO 
einlegen (Art. 190 Abs. 3 StPO). Die Berufung ist innert 20 Tagen seit der schriftli-
chen Eröffnung der Verfügung, unter Beilage des angefochtenen Entscheides, beim 
Kantonsgerichtsausschuss einzureichen. Sie ist zu begründen und hat darzutun, 
welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder Verfahrens gerügt werden 
und ob die ganze Verfügung oder lediglich Teile davon angefochten werden. Diesen 
Anforderungen vermag die vorliegende Berufung zu genügen, weshalb darauf ein-
zutreten ist.

2. Gemäss Art. 37 Ziff. 3 Abs. 2 StGB können Gefangene, die mindes-
tens die Hälfte der Strafzeit verbüsst und sich bewährt haben, in freier geführte An-
stalten und Anstaltsabteilungen eingewiesen werden oder auch ausserhalb der 
Strafanstalten beschäftigt werden. Beide genannten Voraussetzungen müssen ku-
mulativ erfüllt sein (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. 
Auflage, N 7 zu Art. 37). Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, ist die zeitliche 
Voraussetzung bei X. im jetzigen Zeitpunkt noch nicht erfüllt. Da er die Hälfte seiner 
Strafzeit erst Mitte Oktober 2005 verbüsst haben wird, könnte eine allfällige Verset-
zung in eine offene Anstalt somit frühestens auf diesen Termin hin erfolgen. 

3. Das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement Graubünden führt im 
angefochtenen Entscheid aus, X. verfüge über kein gültiges Aufenthaltsrecht in der 
Schweiz und habe hier auch keinen Wohnsitz. Obwohl er familiäre Bindungen in der 
Schweiz unterhalte, habe er selbst eine Rückkehr in sein Heimatland nicht ausge-
schlossen. Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass X. während eines Transportes 
von der Strafanstalt Sennhof zu einer Zahnarztpraxis am 29. Juni 2004 bereits ein-
mal aus der Untersuchungshaft geflohen sei. Trotz gegenteiligen Beteuerungen 
würden diese Umstände mit aller Deutlichkeit zeigen, dass bei X. eine Fluchtgefahr 
nicht mit genügender Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Der Berufungsklä-
ger wendet dagegen ein, seine Familie befinde sich hier in der Schweiz, ebenso wie 
seine Freundin. Er habe damit ohne Zweifel seinen Lebensmittelpunkt in der 

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Schweiz, weshalb nicht mehr von einer Fluchtgefahr gesprochen werden könne. Im 
Folgenden gilt es also zu prüfen, ob die vom Bundesamt für Zuwanderung, Integra-
tion und Auswanderung (IMES) angeordnete Wegweisung ein gewichtiges Argu-
ment für eine Fluchtmotivation darstellt und das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepar-
tement Graubünden somit das Gesuch des Berufungsklägers um Versetzung in 
eine offene Anstalt zu Recht abgewiesen hat. 

a) Nach dem Grundgedanken des auch in der Schweiz vorherrschenden 
sog. Progressivsystems oder Stufenstrafvollzugs wird dem Verurteilten ein Anreiz 
zum Wohlverhalten gegeben, indem er sich schrittweise grössere Freiheiten und 
schliesslich die vorzeitige Entlassung verdienen kann. Damit soll zugleich der 
Übergang von der Isolation in der Anstalt zu einem normalen Leben erleichtert wer-
den. Die Voraussetzungen für die Versetzung von einer Stufe zur nächsten sind nur 
sehr unbestimmt umschrieben. Die Versetzung in freier geführte Institutionen kann 
erfolgen, wenn sich der Gefangene „bewährt“ hat (Art. 37 Ziff. 3 Abs. 2 StGB). Mit 
dieser Umschreibung wird der jeweils zuständigen Behörde ein erheblicher Ermes-
sensspielraum eingeräumt (vgl. zum Ganzen Stratenwerth, Schweizerisches Straf-
recht, Allgemeiner Teil II, Bern 1989, § 3 N 33 ff.). Die Einweisung in eine offene 
oder eine geschlossene Strafanstalt richtet sich insbesondere nach spezialpräven-
tiven Kriterien. Besteht bei einem Straftäter Fluchtgefahr oder muss befürchtet wer-
den, dass er weitere Straftaten begehen wird, so drängt sich eine Einweisung in 
eine geschlossene Anstalt auf. Geschlossene Anstalten haben mit baulichen, tech-
nischen, organisatorischen und personellen Mitteln sicherzustellen, dass Inhaftierte 
sich nicht durch eine Flucht dem Vollzug entziehen oder weitere Straftaten begehen 
können. Für offene Strafanstalten genügen dagegen Massnahmen, welche geeig-
net sind, einer spontanen Versuchung zur Flucht Hindernisse entgegenzustellen 
und eine Kontrolle der Anwesenheit der Inhaftierten zu gewährleisten (vgl. 
Baechtold, Strafvollzug, Bern 2005, S. 109). Die gleichen Kriterien müssen auch bei 
der Frage der Versetzung in die nächste Vollzugsstufe, im vorliegenden Fall in die 
offene Anstalt, herangezogen werden. Kann beim Inhaftierten eine Fluchtgefahr 
nicht mit genügender Sicherheit ausgeschlossen werden, so kann gemäss der 
nachstehend zitierten Praxis des Bundesgerichts das Gesuch um Versetzung in 
eine offene Anstalt abgewiesen werden. 

b) Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid 1P.623/2003 vom 23. Fe-
bruar 2003 bestätigt, dass eine äusserst geringe Aussicht auf einen späteren Ver-
bleib in der Schweiz und eine hohe Reststrafe als gewichtige Argumente für eine 
Fluchtmotivation zu betrachten seien, welche einer Vollzugslockerung entge-

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genstünden. Im Unterschied zu diesem Sachverhalt liegt bei X. sogar eine rechts-
kräftige Wegweisungsverfügung mit einer Einreisesperre auf unbestimmte Dauer 
vor. Mit anderen Worten besteht die Gewissheit, dass er nach der (bedingten oder 
definitiven) Entlassung aus dem Strafvollzug nicht in der Schweiz verbleiben kann. 
Damit kommt auch dem Umstand, dass sich der Mittelpunkt seiner Lebensbezie-
hungen in der Schweiz befindet, nurmehr eine geringe Bedeutung zu. Aufgrund der 
Tatsache, dass X. nach Verbüssung der Strafe ohnehin aus der Schweiz ausreisen 
muss und mit Blick auf die Dauer der Reststrafe ist das Interesse des Berufungs-
klägers, sich dem Strafvollzug zu entziehen, doch als erheblich einzustufen. Dies 
umso mehr, als er selbst anlässlich der Hauptverhandlung vom 13. Dezember 2004 
eine Rückkehr in sein Heimatland nicht gänzlich ausschloss. Ebenfalls für das Be-
stehen einer Fluchgefahr spricht - wie die Vorinstanz ebenfalls zu Recht ausführte 
-, dass X. bereits einmal aus der Untersuchungshaft geflohen ist. Wie sich den Akten 
entnehmen lässt, entwich er am 29. Juni 2004 anlässlich eines Zahnarztbesuches 
und konnte erst am 15. Juli 2004 wieder festgenommen werden. Somit kann X. be-
reits aus diesen Gründen im Hinblick auf Vollzugslockerungen keine günstige Pro-
gnose gestellt werden. 

c) Neben der Fluchtgefahr sind jedoch bei der Frage nach Vollzugslo-
ckerungen auch noch weitere Kriterien wie das Vorleben, die Täterpersönlichkeit, 
das deliktische und sonstige Verhalten des Täters während des Strafvollzuges her-
anzuziehen. In Bezug auf das Vorlebens des Berufungsklägers ist - wie auch aus 
dem Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden vom 13. Dezember 2004 (act. 4) 
hervorgeht - darauf hinzuweisen, dass X. bereits am 11. September 2001 wegen 
verschiedener, vorwiegend Vermögensdelikte, zu einer bedingten Gefängnisstrafe 
von 18 Monaten verurteilt wurde. Er liess sich dadurch jedoch in keinster Weise 
beeindrucken und delinquierte noch während der Probezeit in erheblicher Art und 
Weise, weshalb der gewährte bedingte Vollzug der Strafe widerrufen werden 
musste. Bezüglich seiner Persönlichkeit macht der Berufungskläger keinerlei posi-
tive Veränderungen oder Entwicklungen geltend, welche für eine Lockerung des 
Strafvollzuges sprechen würden. Auch das bisherige Verhalten im Strafvollzug 
spricht gegen eine Versetzung in eine offene Anstalt. Wie aus den Akten hervorgeht, 
musste X. bereits am 18. März 2005 für das Nichteinhalten von Hausregeln ein 
schriftlicher Verweis erteilt und ihm für den Wiederholungsfall eine interne Mass-
nahme angedroht werden (act. 6). 

d) Im Sinne einer Gesamtwürdigung kann somit festgehalten werden, 
dass im Falle von X. keine Gründe vorliegend, welche eine Versetzung in eine of-

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fene Anstalt rechtfertigen würden. Insbesondere ist aufgrund der - wie vorstehend 
ausgeführt - zu bejahenden Fluchtgefahr ein höherer Grad an Sicherung erforder-
lich, als er in der offen geführten Anstalt Realta gewährleistet werden kann. Dem-
zufolge erweist sich die Berufung als unbegründet und ist daher abzuweisen. 

4. Ist die Berufung vollumfänglich abzuweisen, gehen die Kosten des Be-
rufungsverfahrens von Fr. 300.-- zu Lasten des Berufungsklägers (Art. 160 Abs. 1 
StPO).

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 300.-- gehen zu Lasten des Be-
rufungsklägers.

3. Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit erhaltener schriftlicher Mittei-
lung beim Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde gemäss Art. 97 ff. 
OG eingereicht werden.

4. Mitteilung an:

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Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin: