# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c328c65c-6a89-5109-821a-a2a233c4d6a8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2008 D-5243/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5243-2008_2008-11-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5243/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Walter Lang; 
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...),
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Ad-
vokatur Kanonengasse, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
11. Juli 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5243/2008

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 28. März 
2007 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag im Empfangs- und Verfah-
renszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 
2.  April  2007  vom BFM  im  EVZ  B._______  befragt  und  am  8.  No-
vember  2007 vom BFM in  C._______ zu seinen Asylgründen ange-
hört.

B.
Im Wesentlichen machte der  Beschwerdeführer zur Begründung sei-
nes Asylgesuches geltend, er stamme aus D._______, Provinz Balkh, 
wo  er  bis  zu  seinem  achten  oder  neunten  Lebensjahr  auch  gelebt 
habe. Im Jahre 1995 sei ein Cousin seines Vaters mit seinen Freunden 
in der Nacht in das Haus seiner Familie eingedrungen und habe seine 
Eltern  und  seinen  Bruder  umgebracht,  da  der  Cousin  enttäuscht 
darüber  gewesen  sei,  dass  seine  Mutter  nicht  ihn,  sondern  seinen 
Vater geheiratet habe. In der Folge sei er zusammen mit seinem Onkel 
in  den  Iran  nach  Teheran  gegangen,  wo  er  sich  illegal  aufgehalten 
habe  und  ab  dem  11.  Lebensjahr  bei  einem  Schuhmacher  bezie-
hungsweise  in  einer  Schuhfabrik  tätig  gewesen  sei.  Am  25.  Januar 
2007 seien bei  seiner  Arbeitsstelle  Inspektoren des Arbeitsministeri-
ums erschienen. Da er über keine Arbeitsbewilligung verfügt habe, sei 
er von den Inspektoren festgenommen und nach Afghanistan ausge-
schafft  worden. Als  er  in  Herat  ein  Busbillett  nach  D._______  habe 
kaufen wollen, sei er von der Polizei kontrolliert worden. Weil er keine 
Papiere  auf  sich  gehabt  habe,  sei  er  verhaftet  worden.  Nach  fünf 
Tagen Haft habe ein Gericht festgestellt, dass er kein Afghane sei und 
in den Iran zurückkehren müsse, weshalb er am folgenden Tag den ira-
nischen Behörden übergeben worden sei. Indem er einen Oberst-Leut-
nant bestochen habe, sei er nach zwei Tagen Haft freigekommen und 
zurück nach Teheran gegangen. Da inzwischen sein Onkel  ebenfalls 
nach  Afghanistan  ausgeschafft  worden  sei  und  er  zudem  habe  be-
fürchten  müssen,  erneut  verhaftet  zu  werden und nach  Afghanistan 
zurückgeschafft zu werden, da er keine gültigen Dokumente besessen 
habe,  habe er  sich  zur  Ausreise  entschlossen. Via  die  Türkei,  Grie-
chenland und ihm ansonsten unbekannte Länder sei er schliesslich il-
legal in die Schweiz eingereist.

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C.
Eine vom BFM (Fachstelle "Lingua") beauftragte Expertenperson führ-
te  am  27.  April  2007  in  Form  eines  Telefongesprächs  mit  dem  Be-
schwerdeführer eine landeskundlich-kulturelle und linguistische Analy-
se zur Verifizierung seines Sozialisierungsortes ("area of sociali-sati-
on") durch. Im Bericht vom 7. Mai 2007 bestätigte der Experte im Er-
gebnis, dass der Beschwerdeführer im Iran sozialisiert worden sei.

D.
Mit Verfügung vom 11. Juli  2008 - eröffnet am 16. Juli  2008 - stellte 
das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg-
weisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Als Begründung führte es 
im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien un-
glaubhaft, da sie einige Ungereimtheiten aufwiesen beziehungsweise 
ungenügend substanziiert  seien. Beispielsweise sei  der Beschwerde-
führer auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht  in der Lage gewe-
sen,  die Umstände des Todes seiner  Familie detailliert  zu schildern, 
obwohl dies zu erwarten gewesen wäre, handle es sich doch bei die-
sem Ereignis  um ein sehr  einschneidendes Erlebnis. Ausserdem sei 
der  Wegweisungsvollzug  nach  Afghanistan  zulässig,  zumutbar  und 
möglich. Was die Zumutbarkeit einer Rückführung in den Heimatstaat 
anbelange, sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer unglaubhafte 
Angaben zu seiner familiären Situation und zu seinem angeblich feh-
lenden verwandtschaftlichen Beziehungsnetz in Afghanistan gemacht 
habe. Die  Aussagen  des Beschwerdeführers  seien  somit  nicht  gesi-
chert. Es sei dem BFM deshalb nicht möglich, sich in voller Kenntnis 
der  tatsächlichen,  persönlichen  und  familiären  Situation  des  Be-
schwerdeführers  zur  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  zu 
äussern. Es sei  nicht  Aufgabe der Asylbehörden,  bei  fehlenden Hin-
weisen seitens des Beschwerdeführers nach allfälligen Wegweisungs-
hindernissen zu forschen, falls dieser - wie vorliegend - seiner Mitwir-
kungs-  und  Wahrheitspflicht  im  Rahmen  der  Sachverhaltsermittlung 
nicht nachkomme und die Asylbehörden zu täuschen versuche.

E.
Mit Beschwerde vom 14. August 2008 (Poststempel) an das Bundes-
verwaltungsgericht  beantragte  der  Beschwerdeführer,  die  Dispositiv-
Ziffern 4 und 5 der Verfügung der Vorinstanz seien aufzuheben und es 
sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Voll-
zugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzu-

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ordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwer-
deführer  um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege sowie  um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit  der Rechts-
mittelschrift  wurde eine afghanische Identitätskarte (Taskira) des Be-
schwerdeführers im Original eingereicht.

Als  Begründung  führte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  aus, 
dass  sämtliche  seiner  Aussagen  nüchtern  betrachtet  nicht  den  Ein-
druck erwecken würden,  er  habe über sein verwandtschaftliches Be-
ziehungsnetz und über seine Herkunft in Afghanistan falsche Angaben 
gemacht. Der  Umstand,  dass  er  den Ablauf  der  Geschehnisse nicht 
detailliert  habe beschreiben können, sei darauf zurückzuführen, dass 
er  zum  Zeitpunkt  der  Tat  lediglich  acht  Jahre  alt  gewesen  sei  und 
sämtliche Hintergründe über die Ermordung seiner Familie von seinem 
Onkel erfahren habe. Es sei daher von einem fehlenden Beziehungs-
netz in der Provinz Balkh und auch in den übrigen afghanischen Ge-
bieten auszugehen, weshalb aus diesem Grund derzeit eine Rückkehr 
nicht  zuzumuten  sei.  Angesichts  der  allgemeinen Entwicklung  in  Af-
ghanistan sei aber bereits an der Einschätzung der Zumutbarkeit des 
Vollzugs  durch  das  BFM  grundsätzlich  zu  zweifeln.  Die  Menschen-
rechtssituation habe sich durchgehend und in nahezu allen Teilen des 
Landes drastisch verschlechtert. Aufgrund der gesteigerten Aktivitäten 
der Taliban drohe das Land ins Chaos zu stürzen. Zusammenfassend 
könne  festgehalten  werden,  dass  die  Situation  in  Afghanistan  eine 
Rückkehr  des  Beschwerdeführers,  der  dort  weder  über  eine  Familie 
noch  über  andere  Sicherheiten  verfüge,  als  unzumutbar  erscheinen 
lasse.

F.
Mit  Zwischenverfügung  vom 22.  August  2008  stellte  der  zuständige 
Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Beschwer-
deführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. 
Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege und um Erlass des Kostenvorschusses ab. Der dem Be-
schwerdeführer  sodann auferlegte Kostenvorschuss ging am 4. Sep-
tember 2008 ein.

G.
Mit  Eingabe vom 26. September 2008 reichte der  Beschwerdeführer 
eine deutsche Übersetzung der mit der Rechtsmittelschrift eingereich-
ten Taskira zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und Art. 
52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

1.3 Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in 
der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsge-
richt kann auch in solchen Fällen auf die  Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Die Ziffern 1-3 der vorinstanzlichen Verfügung sind in Rechtskraft er-
wachsen, da sich die Beschwerde einzig gegen den Vollzug der Weg-
weisung richtet. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist somit nur 
die Prüfung, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht 
als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat.

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4.
4.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

4.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen 
ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder 
glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des 
flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach 
Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmä-
ssig.

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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer 
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission [EMARK] 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; 
EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil  vom 6. Februar 2001, 
Recueil  des arrêts  et  décisions 2001-I,  S. 327 ff.). Dies ist  dem Be-
schwerdeführer aufgrund seiner unglaubhaften Vorbringen nicht gelun-
gen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Afghanistan 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzu-
lässig  erscheinen. Nach  dem Gesagten ist  der  Vollzug  der  Wegwei-
sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.

4.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

4.5 In ihrer Rechtsprechung hatte sich die Schweizerische Asylrekurs-
kommission (ARK) in EMARK 2003 Nr. 10 eingehend zur Lage in Ka-
bul geäussert und die Unterschiede zwischen der Stadt Kabul und an-
deren Regionen Afghanistans dargestellt. Infolge der vergleichsweise 
günstigeren Situation hatte  sie  den Wegweisungsvollzug nach Kabul 
unter bestimmten strengen Voraussetzungen, inbesondere einem trag-
fähigen Beziehungsnetz, der Möglichkeit der Sicherung des Existenz-
minimums und einer gesicherten Wohnsituation,  als zumutbar erach-
tet. In EMARK 2006 Nr. 9 bestätigte die ARK ihre Rechtsprechung aus 
dem Jahr 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete sie den Wegweisungs-
vollzug  in  weitere,  abschliessend  aufgeführte  Provinzen  (Parwan, 
Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kanduz, Balkh, Sari Pul, Herat und die 

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Gegend von Samangan, die nicht zum Hazarajat zu zählen ist) unter 
den  in  EMARK  2003  Nr.  10  erwogenen  strengen  Bedingungen  als 
zumutbar. In den übrigen Provinzen bestehe hingegen weiterhin eine 
allgemeine Gewaltsituation, weshalb der Wegweisungsvollzug dorthin 
nach wie vor als unzumutbar zu betrachten sei (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 
E. 7.5.3 und 7.8). Diese Lageanalyse und Praxis der ARK in EMARK 
2003 Nr. 10 und EMARK 2006 Nr. 9, die vom Bundesverwaltungsge-
richt übernommen wird, kann auch im heutigen Zeitpunkt nach wie vor 
als gültig angesehen werden (vgl. auch das Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 2. September 2008 D-5798/2006 E. 4.2.2), so dass 
insbesondere  der  Wegweisungsvollzug in  die  Provinz  Balkh  -  woher 
der Beschwerdeführer unbestrittenermassen stammt - bei gegebenen 
Voraussetzungen zumutbar ist.

4.6 Gemäss eigenen Aussagen verfügt der Beschwerdeführer in sei-
ner  Heimat  Afghanistan  über  kein  verwandtschaftliches  Beziehungs-
netz mehr. In der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz wurde je-
doch rechtskräftig festgestellt, dass die Aussagen des Beschwerdefüh-
rers hinsichtlich seiner familiären Situation in Afghanistan Ungereimt-
heiten aufweisen beziehungsweise substanzlos sind und deshalb nicht 
geglaubt werden können. In der Tat erscheinen die Vorbringen des Be-
schwerdeführers hinsichtlich der Ermordung seiner Familienmitglieder 
nicht glaubhaft. So war er beispielsweise nicht in der Lage, die angeb-
liche Ermordung seiner Familie substanziiert zu schildern, was bei ei-
nem derart einschneidenden Erlebnis zu erwarten gewesen wäre. Dies 
auch unbesehen der Tatsache, dass der Beschwerdeführer zum Zeit-
punkt der behaupteten Ermordung erst acht Jahre alt gewesen ist. Zu-
dem erscheint es unplausibel, dass der Cousin seines Vaters erst viele 
Jahre nach der Hochzeit der Eltern des Beschwerdeführers zu dieser 
Tat geschritten  sein  soll.  Der  Beschwerdeführer  hat  es  überdies  bis 
heute unterlassen, zu seinen familiären Verhältnissen in seinem Hei-
matland  präzise,  detaillierte  und  plausible  Angaben  zu  machen. Bei 
der Bekanntgabe seiner im Heimatland lebenden Familienangehörigen 
geht es um Tatsachen, von denen er naturgemäss bessere Kenntnisse 
als die schweizerischen Asylbehörden hat,  die wiederum ohne seine 
Mitwirkung diese Tatschen kaum oder nur mit einem unverhältnismä-
ssig  grossen  Aufwand  erheben  können  (vgl.  EMARK  2004  Nr.  30 
E. 6.4.2. S. 212). Zwar sind die für die Beurteilung des Wegweisungs-
vollzugs massgeblichen Kriterien grundsätzlich von Amtes wegen zu 
prüfen,  jedoch findet  die  entsprechende behördliche Untersuchungs-
pflicht nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht 

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der beschwerdeführenden Person (Art. 8  AsylG),  welche im Übrigen 
auch  die  Substanziierungslast  trägt  (Art.  7  AsylG).  Es  kann  nicht 
Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Wegweisungshindernis-
sen  in  Herkunftsländern  beziehungsweise  -orten  zu  forschen  (vgl. 
dazu auch EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 5 f.).

Da es der Beschwerdeführer aufgrund seiner unplausiblen und subs-
tanzlosen Aussagen zu vertreten hat, dass seine familiäre Situation in 
Afghanistan unklar ist, hat er die Folgen seiner mangelhaften Mitwir-
kung zu tragen, weshalb vermutungsweise davon auszugehen ist, es 
würden einem Vollzug der Wegweisung keine individuellen Unzumut-
barkeitsgründe in Form eines unzureichenden Beziehungsnetzes ent-
gegenstehen.  Da  demzufolge  davon  auszugehen  ist,  dass  der  Be-
schwerdeführer in seiner Heimatprovinz Balkh über ein tragfähiges Be-
ziehungsnetz verfügt, darf seine Wohnsituation als gesichert bezeich-
net werden, ist doch anzunehmen, dass er in der ersten Zeit nach sei-
ner  Rückkehr  bei  einem  Familienmitglied  Unterschlupf  finden  kann. 
Der Beschwerdeführer verfügt zudem über eine mehrjährige Arbeitser-
fahrung, ist jung und - soweit aus den Akten ersichtlich - gesund und 
hat  im  Iran  während  eineinhalb  Jahren  einen  Alphabetisierungskurs 
besucht, weshalb davon auszugehen ist, er verfüge bei einer Rückkehr 
in seine Heimat über die Möglichkeit der Sicherung seines Existenzmi-
nimums. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung durch 
Rückschaffung  des  Beschwerdeführers  daher  nicht  als  unzumutbar 
bezeichnet  werden.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  der 
Rechtsmitteleingabe  bezüglich  der  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der 
Wegweisung vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern.

4.7 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 
83 Abs. 2 AuG).

4.8 Die Vorinstanz  hat  den Vollzug der  Wegweisung somit  zu  Recht 
als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt 
eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83 
Abs. 1-4 AuG).

5.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 

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und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt 
Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt  [VGKE, SR 173.320.2])  und mit  dem am 4. September 2008 in 
gleicher Höhe geleisteten Vorschuss zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Diese werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kosten-
vorschuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Verfügung des BFM vom 11. Juli 2008 im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)

- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand: 

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