# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f53e6857-5a01-5cf8-be84-78e0025499dd
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung O1S-23-3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_O1S-23-3_nodate.pdf

## Full Text

Berufungskläger 

Beschuldigter 

A. 

 

verteidigt durch: RA AA.  

 

 

 

Berufungsbeklagte 1 

Anklägerin  

Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden  

 

vertreten durch: Staatsanwalt B. 

 

 

Berufungsbeklagte 2 

Privatklägerin  

C. 

 

vertreten durch: RA CC. 

 

 

  

Obergericht Appenzell Ausserrhoden 
1. Abteilung 

 

Die vom Berufungskläger/Beschuldigten gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde an das 

Bundesgericht hat dieses mit Entscheid vom 18. Juli 2025 abgewiesen, soweit sie darauf 

eingetreten sind (6B_361/2024). 

Urteil vom 5. März 2024 
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident M. Hüsser 

Oberrichterin J. Lanker, M. Gasser Aebischer 

Oberrichter B. Oberholzer, H.p. Blaser 

Obergerichtsschreiberin M. Epprecht 

 

 

Verfahren Nr. O1S 23 3 

 

 

Sitzungsort Trogen 

 

Gegenstand sexuelle Handlungen mit Kindern  

Berufung gegen das Urteil der Einzelrichterin des 

Kantonsgerichts SE3 21 15 vom 12. Juli 2022 

 

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Anträge 
 
 
a) des Beschuldigten und Berufungsklägers: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. A. sei hinsichtlich des Vorwurfs der sexuellen Handlungen mit Kindern zum Nachteil 
von C. sowie der Nichtanmeldung bei der Gemeinde von Schuld und Strafe 
vollumfänglich freizusprechen. 

 
2. Allfällige Zivilbegehren der Privatklägerin seien vollumfänglich abzuweisen, soweit 

überhaupt darauf eingetreten werden könne. 

 

3. A. sei im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO eine Entschädigung für dessen 
Fahrkosten in der Höhe von CHF 700.00 sowie eine Genugtuung im Sinne von Art. 429 
Abs. 1 lit. c StPO in der Höhe von CHF 800.00 zuzüglich Zins zu 5 % ab dem 
5. November 2020 zuzusprechen. 

 

4. Die Kosten der Verteidigung und des Verfahrens seien vollumfänglich auf die 
Staatskasse zu nehmen. 

 

5. Die Verteidigerin sei gemäss Honorarnote zu entschädigen. 
 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST). 

 
 

anlässlich der Berufungshandlung:  
 

1. Der Entscheid des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden vom 12. Juli 2022 sei in 
den Ziffern 2, 3, 4 und 5 aufzuheben. 

 
2. A. sei hinsichtlich des Vorwurfs der sexuellen Handlungen mit Kindern zum Nachteil 

von C. vollumfänglich freizusprechen. 

 

3. Die Berufung betreffend Ziffer 6 des vorinstanzlichen Entscheids, d.h. die 
Entschädigung in Höhe von CHF 1'075.30, wird zurückgezogen. Dem Beschuldigten 
sei die Entschädigung in Höhe von CHF 1'075.30 zuzusprechen. 

 

4. A. sei im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO eine Entschädigung für dessen 
Fahrtkosten in der Höhe von CHF 700.00 sowie eine Genugtuung im Sinne von Art. 429 
Abs. 1 lit. c StPO in der Höhe von CHF 800.00 zzgl. Zins zu 5% ab dem 5. November 
2020 zuzusprechen.  

 

5. Die Kosten des vorinstanzlichen und des Berufungsverfahrens seien dem Staat 
aufzuerlegen. 

 
 
b) der Staatsanwaltschaft und Berufungsbeklagten 1: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren:  
 

1. A. sei schuldig zu sprechen der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 
1 StGB zum Nachteil von C., begangen zwischen Anfang April 2020 bis Ende Mai 2020, 

 

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sowie des Nichtanmeldens bei der Gemeinde gemäss Art. 18 i.V.m. Art. 4 und 5 
Registergesetz AR, begangen in der Zeit vom 15. Juli 2019 bis 15. Juni 2020. 

 
2. A. sei unter Anrechnung der erstandenen Haft von 5 Tagen zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 8 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, zu 
verurteilen. 

 
3. A. sei zu einer Verbindungsbusse von CHF 500.00 (die Ersatzfreiheitsstrafe bei 

schuldhaftem Nichtbezahlen beträgt 5 Tage) und einer Busse für die Übertretung von 
CHF 500.00 (die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen beträgt 5 Tage) 
zu verurteilen. 
 

4. A. sei im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB lebenslänglich jede berufliche und jede 
organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu 
Minderjährigen umfasst, zu verbieten. 

 

5. Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten zu überbinden. 
 
 
 im Berufungsverfahren: 
 

Abweisung der Berufung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des 
Berufungsklägers.  

 
 
c) der Privatklägerin und Berufungsbeklagten 2:  
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 
(keine Anträge) 
 
 
im Berufungsverfahren:  

 
1. Der Beschuldigte A. sei im Sinne des Urteils des Kantonsgerichts Appenzell 

Ausserrhoden vom 12. Juli 2022 wegen sexuellen Handlungen mit Kind gemäss Art. 
187 Ziff. 1 StGB zum Nachteil von C., begangen zwischen Ende Mai und Anfang Juni 
2020, schuldig zu sprechen und er sei angemessen zu bestrafen. 

 
2. Es sei dem Beschuldigten im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB lebenslänglich jede 

berufliche und jede organisierte Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu 
Minderjährigen umfasst, zu verbieten. 

 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 
 

 

 

Sachverhalt 

 

A. Übersicht 

A. lebte gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft von Mitte Juli 2019 bis Mitte Juni 

2020 als Untermieter im Einfamilienhaus der Familie D. in E. Im Verlauf der Zeit war er 

 

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gelegentlich als Babysitter der damals 8-jährigen C. (nachfolgend: Privatklägerin) tätig. A. 

wird vorgeworfen, in der Zeit zwischen Anfang April 2020 bis Ende Mai 2020 wissentlich 

und willentlich sexuelle Handlungen mit der Privatklägerin vorgenommen zu haben.  

 

B. Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 30. September 2021 beim Kantonsgericht Appenzell 

Ausserrhoden Anklage gegen A. (act. B 3/15). Mit Vorladung vom 12. Mai 2022 wurde den 

Parteien Gelegenheit gegeben, Beweisanträge zu stellen (act. B 3/16). Am 23. Mai 2022 

liess A. das Formular "Erklärung über die finanziellen Verhältnisse" einreichen (act. B 3/17). 

Die Hauptverhandlung fand am 24. Juni 2022 in Anwesenheit von Staatsanwältin F., von 

A. und dessen Verteidigerin, Rechtsanwältin AA., statt (act. B 3/26 und 27). Das Urteil 

wurde am 12. Juli 2022 gefällt und im Dispositiv gleichentags versandt (act. B 3/35). Mit 

Schreiben vom 14. Juli 2022 meldete die Verteidigung die Berufung an (act. B 3/39).   

 

C. Erstinstanzliches Urteil  

 Die Einzelrichterin des Kantonsgerichts fällte am 12. Juli 2022 folgendes Urteil (act. B 2):  

  

1. A. wird freigesprochen von der Anklage des Nichtanmeldens bei der Gemeinde gemäss Art. 18 i.V.m. 5 

Registergesetz von Appenzell Ausserrhoden, begangen vom 15. Juni 2019 bis zum 15. Juli 2020. 

2. A. wird schuldig gesprochen der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB zum 

Nachteil von C., begangen zwischen Ende Mai 2020 und Anfang Juni 2020. 

  3. a. A. wird zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten (Art. 47 StGB) verurteilt. 

   b. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren (Art. 42 Abs. 1 StGB) 

aufgeschoben. Die erstandene Untersuchungshaft von 5 Tagen wird angerechnet (Art. 51 StGB). 

  c. A. wird zu einer Verbindungsbusse von CHF 500.00 verurteilt, bei schuldhaftem Nichtbezahlen 

ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen (Art. 106 StGB). 

 4. A. wird lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen 

regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, verboten (Art. 67 Abs. 3 Bst. b StGB). 

5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus 

      CHF 11'400.00  Kosten der Voruntersuchung 

      CHF 500.00  Gebühr für die Vertretung der Anklage vor Gericht 

      CHF 900.00  Gerichtsgebühr 

 CHF 12'800.00  insgesamt, 

 werden dem Beschuldigten auferlegt. 

6. Der Beschuldigte erhält eine Entschädigung in Höhe von CHF 1'075.30. 

 

Auf die Begründung des Urteils kann verwiesen werden (act. B 2). Soweit erforderlich, wird 

darauf in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. 

  

 

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D. Verfahren vor Obergericht 

a) Gegen das Urteil vom 12. Juli 2022, dessen Zustellung in begründeter Ausfertigung am 

13. Januar 2023 erfolgte (act. B 3/43), liess A. (nachfolgend: Berufungskläger) mit Eingabe 

vom 6. Februar 2023 fristgerecht Berufung erklären (act.  

B 1; Art. 399 Abs. 3 StPO). 

 

b) Mit Verfügung vom 10. Februar 2023 wurden der Staatsanwaltschaft sowie der 

Privatklägerin Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und begründeten 

Nichteintretensantrag und/oder eine schriftliche Anschlussberufung einzureichen (act. B 4). 

Beide Parteien liessen sich nicht vernehmen.  

 

c) Am 17. April 2023 erfolgte die Vorladung der Parteien zur Hauptverhandlung vom 5. März 

2024 (act. B 6).  

 

d) Mit Eingabe vom 8. Mai 2023 stellte die Verteidigerin des Berufungsklägers diverse 

Beweisanträge (act. B 9). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Stellungahme (act.  

B 11) und die gesetzliche Vertreterin der Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.  

 

e) Mit Verfügung vom 21. Juni 2023 wurde den Beweisanträgen der Verteidigung insoweit 

stattgegeben, als eine erneute Befragung der Privatklägerin sowie der gesetzlichen 

Vertreterin der Privatklägerin angeordnet wurde (act. B 13 und 14). 

 

f) Die Befragung der Privatklägerin fand am 14. Juli 2023 statt (act. B 22 und 24).  

 

g) Mit Eingabe vom 3. November 2023 zeigte RA CC. an, dass sie die Interessenwahrung der 

Privatklägerin übernommen habe (act. B 32). 

 

h) Mit E-Mail vom 1. März 2024 dispensierte die Verfahrensleitung die Staatsanwaltschaft von 

der Teilnahme an der Hauptverhandlung (act. B 40). 

 

i) Die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Obergericht fand am 5. März 2024 in 

Anwesenheit des Berufungsklägers, dessen Verteidigerin Rechtsanwältin AA. sowie der 

Vertreterin der Privatklägerin, CC., statt. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde die 

gesetzliche Vertreterin der Privatklägerin als Zeugin befragt (act. B 48). Das Obergericht 

führte gleichentags seine Beratung durch. Auf eine mündliche Eröffnung des Urteils 

verzichteten die Verfahrensbeteiligten. Das Dispositiv wurde am 11. März 2024 versandt 

(act. B 47). 

 

 

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Auf die entsprechenden Ausführungen und Angaben in den in lit. a - i vorstehend ange-

führten Schriftstücken wird, soweit für die Beurteilung erforderlich, im Rahmen der nach-

folgenden Erwägungen einzugehen sein. 

 

 

 

Erwägungen 

 

I. Formelles 

1.1 Anwendbares Recht 

 Per 1. Januar 2024 sind geänderte Bestimmungen der Strafprozessordnung in Kraft 

getreten. Nach Art. 448 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes 

hängig sind, nach neuem Recht fortgeführt, soweit die nachfolgenden Bestimmungen nichts 

anderes vorsehen. Art. 453 StPO sieht für das Rechtsmittelverfahren etwas anderes vor, 

indem Rechtsmittel gegen einen vor Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällten Entscheid nach 

bisherigem Recht, von den bisher zuständigen Behörden, beurteilt werden. Infolgedessen 

sind für das vorliegende Rechtsmittelverfahren die bis am 31. Dezember 2023 geltenden 

Bestimmungen der Schweizerischen Strafprozessordnung massgebend.  

 

1.2 Zuständigkeit 

 Auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen zur örtlichen und sachlichen Zustän-

digkeit kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; act. B /Erwägung I). 

 

 Ergänzend ist bezüglich der sachlichen Zuständigkeit des Obergerichts auf Art. 26 

Justizgesetz (JG, bGS 145.31) hinzuweisen, wonach das Obergericht Berufungs- und 

Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege ist. 

 

1.3 Rechtsmittellegitimation 

Der Berufungskläger ist mit Urteil der Einzelrichterin des Kantonsgerichts Appenzell Aus-

serrhoden vom 12. Juli 2022 verurteilt worden. Folglich hat er ein rechtlich geschütztes 

Interesse an der Aufhebung dieses Entscheides und ist zur Einreichung der Berufung 

legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO).  

  

 

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1.4 Rechtskräftige Urteilspunkte 

 Festzuhalten ist, dass im Urteil der Einzelrichterin des Kantonsgerichts vom 12. Juli 2022 

(SE3 21 15) Dispositiv Ziffer 1 (Freispruch von der Anklage des Nichtanmeldens bei der 

Gemeinde) nicht angefochten und demzufolge gestützt auf Art. 437 Abs. 1 lit. a StPO 

rechtskräftig geworden ist. An Schranken zog die Verteidigung die Berufung betreffend 

Dispositiv Ziffer 6 (Entschädigung an den Beschuldigten) des vorinstanzlichen Entscheids 

zurück, welche somit in Rechtskraft erwuchs (act. B 43 und 47; Art. 437 Abs. 1 lit. b StPO).  

 

1.5 Beweisanträge 

Die Verteidigerin des Berufungsklägers verzichtete in der Berufungserklärung vorläufig auf 

das Stellen von Beweisanträgen (act. B 1). Mit Eingabe vom 8. Mai 2023 beantragte sie, 

dass die Privatklägerin C. sowie die gesetzliche Vertreterin der Privatklägerin, G., als 

Auskunftspersonen zu befragen seien. Zudem seien die beigezogenen KESB – Akten zu 

entfernen (act. B 8).  

 

Die Befragung der Privatklägerin fand am 14. Juli 2023 statt (act. B 22 und 24). Diejenige 

der gesetzlichen Vertreterin der Privatklägerin als Zeugin anlässlich der Berufungs-

verhandlung vom 5. März 2024 (act. B 13 und 48). Die Verteidigung rügte an Schranken 

erneut die fehlende Verfahrensherrschaft der Staatsanwaltschaft sowie eine Verletzung der 

Teilnahmerechte, welche durch die erneute Befragung der Privatklägerin und deren Mutter 

durch die Berufungsinstanz geheilt worden sei. Unverwertbar bleibe einzig die Einvernahme 

von H. (act. B 43, S. 2ff). Dem ist entgegenzuhalten, dass, soweit es sich im polizeilichen 

Ermittlungsverfahren um selbständige Ermittlungen im Sinne von Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO 

handelt, die Parteien keinen Anspruch haben, bei den Beweiserhebungen der Polizei 

anwesend zu sein (BGE 148 IV 22 bzw. Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 12. 

Januar 2022 E. 4.2.1 mit Hinweisen). Vorliegend eröffnete die Staatsanwaltschaft erst nach 

erfolgter Einvernahmen der Auskunftspersonen G. (Mutter der Privatklägerin) am 2. 

Oktober 2020 (act. B 3/1.2.1) und von H. am 12. Oktober 2020 (act. B 3/1.2.2) sowie nach 

der Befragung der Privatklägerin am 13. Oktober 2020 (act. B 3/1.2.3, 1.2.3.1 und 1.2.3.2) 

ihre Untersuchung im Sinne von Art. 309 StPO (act. B 3/1.6.2). Ein Anspruch des 

Berufungsklägers auf Teilnahme im polizeilichen Ermittlungsverfahren bestand nicht, 

weshalb keine Verletzung der Teilnahmerechte vorliegt und damit alle im polizeilichen 

Ermittlungsverfahren durchgeführten Befragungen – inklusive jener von H. – verwertbar 

sind. Anzumerken bleibt, dass in Bezug auf H. keine Konfrontations-einvernahme verlangt 

wurde. Bezüglich der Rüge der fehlenden Verfahrensherrschaft der Staatsanwaltschaft ist 

anzumerken, dass die Staatsanwaltschaft nach Eröffnung der Untersuchung mit Schreiben 

vom 13. Oktober 2020 die Polizei mit ergänzenden Ermittlungen im Sinne von Art. 312 StPO 

 

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beauftragte (act. B 3/1.6.2). Eine solche Delegation, inklusive die Einvernahme des 

Berufungsklägers zur Sache, ist zulässig. 

 

Soweit die Verteidigung eine Verpflichtung der Vorinstanz auf Beweiserhebung rügt (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_70/2023 vom 31. Juli 2023 E. 5.2.1), ist ihr zum einen 

entgegenzuhalten, dass das Gericht bei der Frage der Erforderlichkeit von erneuten 

Beweisabnahmen über einen Ermessensspielraum verfügt (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2). Zum 

anderen ist gestützt auf die vorerwähnte Rechtsprechung darauf hinzuweisen, dass bei 

"Aussage gegen Aussage"-Konstellationen allein der Inhalt der Aussage einer Person (was 

sie sagt) eine erneute Beweisabnahme nicht notwendig erscheinen lässt. Massgebend ist 

vielmehr, ob das Urteil in entscheidender Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es 

sagt) abhängt. Im konkreten Fall lag zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils eine auf 

Video aufgezeichnete Einvernahme der Privatklägerin vor, welche ein hinreichendes Bild 

von der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin respektive der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage 

zeichnete. Insofern kann im konkreten Fall nicht die Rede davon sein, dass die Vorinstanz 

zur unmittelbaren Abnahme eines Beweismittels verpflichtet gewesen wäre. Hinsichtlich 

des Konfrontationsanspruchs ist festzuhalten, dass erst im Berufungsverfahren ein solcher 

geltend gemacht wurde (act. B 9). Im erstinstanzlichen Verfahren machte die Verteidigung 

eine Verletzung der Teilnahmerechte nach Art. 147 StPO geltend (act. 3/29, S. 4f) und wies 

gleichzeitig darauf hin, dass davon der Konfrontationsanspruch nicht berührt werde (act. 

3/26, S. 8). Dem ist beizupflichten und insofern kann der Vorinstanz mangels 

entsprechendem Antrag nicht vorgeworfen werden, die Privatklägerin und deren Mutter 

zwecks Konfrontation nicht vorgeladen zu haben (Urteil des Bundesgerichts 6B_665/2022 

vom 14. September 2022 E. 3.3.1.3 und E. 3.3.1.4).  

  

Die Verteidigung erklärte an Schranken, dass sie ihren Antrag betreffend Entfernung der 

beigezogenen KESB-Akten aus den Strafakten nicht aufrechterhalte (act. B 9 und 48).  

 

 

II. Materielles – Sexuelle Handlungen mit Kindern zum Nachteil von C. (Art. 187 Ziff. 1 

StGB) 

2.1 Tatvorwurf 

A. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in der Zeit zwischen Anfang April 2020 bis 

Ende Mai 2020 wissentlich und willentlich sexuelle Handlungen mit der damals 8-jährigen 

C. (nachfolgend: Privatklägerin) vorgenommen zu haben. A. habe zu jener Zeit als 

Untermieter der Familie D. in deren Einfamilienhaus gelebt und sei gelegentlich auch als 

Babysitter der Privatklägerin tätig gewesen. Nach dem Spielen im Garten auf dem 

Trampolin habe A. die Privatklägerin entgegen deren Willen und entsprechender Abwehr 

 

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angewiesen, sich auszuziehen. Er habe dann die Privatklägerin unter dem Vorwand der 

Zeckensuche am ganzen nackten Körper abgesucht. Dabei habe A. die Privatklägerin unter 

anderem mit seinen Händen auch an deren Gesäss und im Genitalbereich angefasst, 

indem er die Gesässbacken und ihre Schamlippen auseinandergespreizt habe. Letztere 

Handlung habe der Privatklägerin Schmerzen bereitet und ihr auch am nächsten Tag noch 

wehgetan. 

 

2.2 Vorinstanzliches Urteil 

Die Vorinstanz erwog, sowohl die Privatklägerin als auch der Berufungskläger hätten 

übereinstimmend ausgesagt, dass er Ende Mai/Anfang Juni 2020 eine Zeckenkontrolle bei 

ihr vorgenommen habe, anlässlich welcher sie sich auf verbale Anweisung des 

Berufungsklägers hin habe nackt ausziehen müssen. Der Berufungskläger schildere den 

Ablauf der Zeckenkontrolle dahingehend, dass sich die Privatklägerin hingesetzt habe, 

damit sie die Beine besser habe spreizen können. Anschliessend habe sie sich gedreht und 

er habe ihre Gesässbacken auseinandergedrückt. In Abweichung davon habe die 

Privatklägerin ausgesagt, dass der Berufungskläger auch ihre Schamlippen 

auseinandergedrückt habe, sodass sie am nächsten Tag Schmerzen im Intimbereich 

verspürt habe. Das Gericht gehe von der Darstellung der Privatklägerin aus, da kein Grund 

für eine übermässige Belastung des Berufungsklägers ersichtlich sei. Die von der 

Privatklägerin geltend gemachte verbale Abwehr – "nei vergiss es, sicher nöd" – entspreche 

ohne Weiteres der nach der allgemeinen Lebenserfahrung zu erwartenden Art von 

Reaktion. Die Polizei habe bei der Einvernahme der Privatklägerin auch keine 

Suggestivfragen angewandt und es fänden sich keine Hinweise auf eine Beeinflussung der 

Privatklägerin durch ihre Mutter, geschweige denn für ein Erfinden der Vorwürfe. Die 

Privatklägerin habe während der Einvernahme ausserordentlich gehemmt gewirkt 

beziehungsweise für sie sei das Sprechen über den Vorfall offensichtlich sehr 

schambehaftet gewesen. Die Schilderung von Derartigem ohne realen Hintergrund sei 

daher kaum vorstellbar. Die Aussagen des Berufungsklägers seien hingegen 

widersprüchlich. Er legitimiere die von ihm vorgenommene Zeckenkontrolle mit dem 

Gesundheitsaspekt, will dann aber die Privatklägerin "nur" zwischen den Gesässbacken, 

nicht aber im Intimbereich angefasst haben, obwohl gemäss seiner Aussage auch der 

Intimbereich zu den zu untersuchenden Risikozonen gehöre. Dass sich die Privatklägerin 

in keiner Weise gegen die vom Berufungskläger – mithin einem nicht zur Familie 

gehörenden erwachsenen Mann – verlangte Art der Zeckenkontrolle gewehrt habe, 

erscheine unglaubhaft, zumal der Berufungskläger und die Privatklägerin während der 

Kontrolle miteinander gesprochen haben. Das vom Berufungskläger mit der Mutter der 

Privatklägerin nach der Kontrolle geführte allgemeine Gespräch über Zeckenkontrollen 

vermöge ihn nicht zu entlasten, da der konkrete Vorfall mit der Art der von ihm 

 

Seite 10 

vorgenommenen Kontrolle damals nicht besprochen worden sei. Das Gericht sei davon 

überzeugt, dass die von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift geschilderte 

Sachverhaltsdarstellung zutreffe und demnach der Berufungskläger die Privatklägerin im 

Rahmen der Ende Mai/Anfang Juni 2020 durchgeführten Zeckenkontrolle sowohl am 

Gesäss als auch im Intimbereich angefasst habe.  

 

2.3 Vorbringen der Parteien im Berufungsverfahren 

2.3.1 Verteidigung 

Der Berufungskläger lässt ergänzend ausführen, die Aussagen der Privatklägerin wiesen 

inhaltliche Unstimmigkeiten auf, weshalb der angeklagte Sachverhalt nicht zweifelsfrei 

erstellt sei. So variiere die Anzahl der Zeckenkontrollen, der Kernsachverhalt werde nicht 

gleichbleibend geschildert und die Aussagen gingen auch darüber, ob sie Schmerzen 

aufgrund dieser Zeckenkontrolle empfunden habe, wann sie ihre Mutter über die Kontrolle 

informiert habe und wie ihre Reaktion gegenüber dem Berufungskläger nach der Kontrolle 

ausgefallen sei, auseinander. Die Aussagen der Privatklägerin seien nicht konstant und 

gleichbleibend, vielmehr gebe sie – je nachdem mit wem sie im Gespräch sei – eine andere 

Version und andere Details wieder. Zudem sei die Privatklägerin in ihrer Befragung mit 

einigen Suggestivfragen konfrontiert worden. Es könne nicht davon ausgegangen werden, 

dass am Aussageverhalten und folglich an der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin keinerlei 

Hinweise für Zweifel beständen (act. B 43, S. 4ff). Das von der Mutter der Privatklägerin 

Wiedergegebene ergebe nicht den gleichen Sachverhalt, wie es die Privatklägerin erzähle, 

sondern gehe in wichtigen Punkten diametral auseinander. Daher seien als Konsequenz 

daraus die Aussagen der Privatklägerin kritisch zu hinterfragen, zumal ohnehin das 

Gespräch zwischen Mutter und Tochter und deren Dynamik nicht bekannt sei. Es sei 

unbekannt, wie die Mutter mit ihrer Fragestellung Einfluss in das Aussageverhalten der 

Privatklägerin genommen habe. Es könne mehrere Gründe dafür geben, dass die 

Privatklägerin unbegründet behaupte, der Berufungskläger habe ihre Schamlippen 

auseinandergedrückt (act. B 43, S. 6ff). Die Aussagen des Berufungsklägers hingegen 

seien widerspruchsfrei und von Anfang an gleichbleibend, schlüssig, detailliert und 

konstant, was klar für seine Glaubwürdigkeit spreche. Unbestritten bleibe, dass der 

Berufungskläger eine Zeckenkontrolle durchgeführt und hierbei den gesamten Körper der 

Privatklägerin kontrolliert habe. Er habe einen Augenschein genommen und den Körper auf 

Zecken untersucht, wobei er für die Kontrolle beispielsweise die Füsse hochgenommen und 

die Gesässbacken leicht auseinandergetan habe. Im Genitalbereich habe er die 

Privatklägerin nicht mit den Fingern angefasst. Die Privatklägerin sei zu diesem Zeitpunkt 

auf dem Bett gesessen und der Berufungskläger habe einen Augenschein genommen, 

ohne die Vagina zu berühren oder gar zu spreizen. Der Berufungskläger habe im Bereich 

der Zeckenkontrolle mehrere Kurse absolviert und diese fachmännisch, d.h. ohne 

 

Seite 11 

Berührung der Genitalien, und professionell durchgeführt mit keinerlei sexuellem 

Hintergedanken. Auch die Konstellation nach der durchgeführten Zeckenkontrolle sei zu 

beachten. Die Mutter habe nach der Information durch ihre Tochter und nach dem 

Gespräch mit dem Berufungskläger zunächst keinen Anlass zu Massnahmen gesehen. Erst 

aufgrund eines Telefongesprächs mit dem Vater der Privatklägerin habe der 

Berufungskläger ausziehen müssen. Auch die Anzeige der Mutter sei nur erfolgt, weil sie 

Druck von aussen erhalten habe (act. B 43, S. 8ff).  

 

2.3.2 Vertreterin der Privatklägerin 

Die Vertreterin der Privatklägerin wies darauf hin, der Umstand, dass die Privatklägerin 

anlässlich der ersten Befragung keine Bezeichnung für das "Vorne und Hinten" 

beziehungsweise ihre Geschlechtsteile kannte, weise stark darauf hin, dass sie nicht auf 

die Befragung und auf das, was sie sagen solle, vorbereitet worden sei. In der Befragung 

fast drei Jahre später habe die Privatklägerin im Wesentlichen das gleiche Kerngeschehen 

geschildert. Kleinere Diskrepanzen liessen sich ohne weiteres mit dem Zeitablauf erklären, 

zumal die Privatklägerin selber angebe, sich nur noch an das Gröbste zu erinnern. Das sei 

normal, insbesondere da Kinder unangenehme Erlebnisse sehr schnell verdrängen. Die 

Schilderungen und Antworten der Privatklägerin liessen sich in ein logisches Ganzes 

zusammenfügen, was als aussagekräftiges Glaubhaftigkeitsmerkmal zu werten sei. 

Glaubhaft wirke die Privatklägerin auch, weil sie in ihren Aussagen den Berufungskläger 

weder unnötig belaste noch Übertreibungen mache und ihre Gefühle und ihr Befinden bei 

der zweiten Zeckenkontrolle in ihrer kindlichen Art anschaulich und nachvollziehbar 

schildere. Ihre Angaben enthielten diverse Realkennzeichen, weshalb ihre Aussagen als 

glaubhaft einzustufen seien. In den überschneidenden Handlungselementen seien sie 

insofern übereinstimmend mit den Aussagen von H., als deutlich werde, dass der 

Berufungskläger seinen Forderungen mit Nachdruck und Autorität zum Durchbruch 

verhelfen konnte. Anzumerken bleibe, dass keinerlei Gründe ersichtlich seien, weshalb die 

Privatklägerin den Berufungskläger unnötig belasten sollte. Bei den Aussagen des 

Berufungsklägers sei nicht nachvollziehbar, weshalb er – obwohl sowohl der Po- als auch 

der Vaginalbereich Zeckenrisikozonen seien – bei der Kontrolle hinten und vorne 

unterschiedlich vorgegangen sein will. Sodann könne aus seinen Antworten geschlossen 

werden, dass die Privatklägerin ablehnend gegenüber dem Vorhaben Zeckenkontrolle 

reagiert habe und ihm bewusst gewesen sei, dass seine Handlungen für das Mädchen 

fremd und unangenehm waren. Dass er bei der zweiten Zeckenkontrolle anders als bei der 

ersten vorgegangen sei, lasse darauf schliessen, dass der Grund dafür ein anderer 

gewesen sein müsse als eine Kontrolle auf Zecken. Der Berufungskläger wirke mit seinen 

Aussagen insgesamt wenig glaubhaft. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er 

beschönige, dass er sich der Privatklägerin Schritt für Schritt annähern, Vertrauen schaffen 

 

Seite 12 

wollte und einen sukzessiven Aufbau betrieben habe, um die Privatklägerin für seine 

Vorhaben empfänglich zu machen (act. B 45, S. 2ff).  

 

2.4 Beweismittel  

Dem Gericht liegen als Beweismittel die Aussage der Privatklägerin in der Video-

einvernahme vom 13. Oktober 2020 (act. B 3/1.2.3, 1.2.3.1 und 1.2.3.2), die Aussage des 

Berufungsklägers vor Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden vom 2. November 2020 (act. 

B 3/1.2.4), vom 3. November 2020 vor der Staatsanwaltschaft (act. B 3/ 3.1) sowie vom  

11. März 2021 vor der Kantonspolizei (act. B 3/1.2.4.2) vor. Sodann befinden sich die 

Aussagen der Auskunftspersonen G. (act. B 3/1.2.1) und H. (act. B 3/1.2.2) in den Akten. 

Weiter liegen dem Gericht die Auswertungen der Kantonspolizei vor (act. B 3/1.5) sowie die 

von der Staatsanwaltschaft beigezogenen Akten der KESB I./J. (act. B 3/11). Die Vorinstanz 

hat die Aussagen der Parteien und Auskunftspersonen sowie die eingeholten Berichte und 

Auskünfte korrekt zusammengefasst, weshalb an dieser Stelle darauf verwiesen werden 

kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; act. B 2/Erwägungen 4.3). Im Sinne einer Rekapitulation wird 

jedoch im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung ergänzend darauf eingegangen. 

Im Rahmen des Berufungsverfahrens wurde die Privatklägerin nochmals befragt (act. B 22 

und 24). Die Befragung der Mutter der Privatklägerin fand anlässlich der 

Berufungsverhandlung statt (act. B 48).  

 

2.5 Beweiswürdigung 

2.5.1 Theoretische Ausführungen 

Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO besagt, dass die 

Strafverfolgungsbehörden und die Strafgerichte nicht nach festen Beweisregeln, sondern 

aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache als 

bewiesen ansehen oder nicht (BGE 133 I 33 E. 2.1). Im Rahmen der freien 

Beweiswürdigung kommt es weder auf die Zahl der für oder gegen ein bestimmtes 

Beweisergebnis sprechenden Beweismittel an, noch kommt bestimmten Arten von 

Beweismitteln ein Vorrang resp. ein Übergewicht gegenüber anderen Arten von Beweis-

mitteln zu. Weder hat der Personalbeweis Vorrang vor dem Sachbeweis, noch umgekehrt. 

Entscheidend ist allein der Beweiswert der konkret vorhandenen Beweismittel, beim 

Personalbeweis also die Glaubwürdigkeit der Person – und vor allem – die Glaubhaftigkeit 

der Angaben, welche diese Person gemacht hat (WOLFGANG WOHLERS, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 27 zu Art. 10 StPO).  

 

Bleiben bei der Auswertung der Beweise Unsicherheiten haften oder lässt das Beweis-

ergebnis verschiedene Deutungen beziehungsweise Sachverhaltsalternativen zu, so ergibt 

 

Seite 13 

sich aus dem Grundsatz "in dubio pro reo", nach welcher Entscheidungsregel zu verfahren 

ist. In diesem Fall muss das Sachgericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 

Sachlage ausgehen, wenn unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen 

Voraussetzungen der angeklagten Tat bestehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). Das bedeutet 

allerdings nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen dem für die 

beschuldigte Person günstigeren Beweis zu folgen ist. Vielmehr kommt der Grundsatz "in 

dubio pro reo" nur zur Anwendung, wenn nach abgeschlossener Beweiswürdigung 

schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel am angeklagten Tatsachenfundament 

verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1).  

 

Ergänzend zu den diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz ist anzufügen, dass bei 

der Würdigung von Aussagen grundsätzlich eine Analyse der Aussagetüchtigkeit, der 

Aussagequalität sowie der Aussagezuverlässigkeit zu erfolgen hat (ADRIAN BERLINGER, 

Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafprozess, Luzerner Beiträge zur Rechtswissenschaft, 

2014, S. 23). Bei der Analyse der Aussagequalität steht die konkrete Aussage im 

Mittelpunkt der Untersuchung. Dabei wird der Inhalt der Aussage anhand bestimmter 

Kriterien – der von der Vorinstanz im Einzelnen dargestellten Realkennzeichen – analysiert. 

Dahinter steht die Überlegung, dass jemand, der ein reales Erlebnis schildert, dies 

quantitativ und qualitativ anders tut, als jemand, der eine Phantasiegeschichte erzählt 

(ADRIAN BERLINGER, a.a.O., S. 28ff; ebenso LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, in: 

Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, 2017, S. 43ff. 

und BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Aufl. 2014, N. 288ff.). 

 

2.5.2 Würdigung der Beweismittel 

 2.5.2.1 

Der Berufungskläger gab in der Einvernahme vor der Kantonspolizei vom 2. November 

2020 an (act. B 3/1.2.4), er habe die sexuelle Integrität des Kindes gewahrt. Er habe im 

vorliegenden Fall das Mädchen auf Zecken untersucht und nichts anderes (Frage 5). Seine 

Aufgaben als Babysitter hätten das gemeinsame Nachtessen, das Abholen vom Turnen, 

das ins Bett bringen und die Kontrolle des Zähneputzens umfasst. Für ihn habe einfach 

auch eine Zeckenkontrolle im Sommer dazugehört, weil er dies so kenne und auch selbst 

so erlebt habe. Er habe daraufhin aber G. angesprochen, wie sie das handhabe und habe 

es dann auch nicht mehr gemacht (Frage 34). Bei der Zeckenuntersuchung habe die 

Privatklägerin vor ihm das Nachtkleid ausgezogen, sprich, sie sei nackt vor ihm gewesen. 

Er habe ihr dann gesagt, sie solle die Unterhosen auch kurz runterlassen, weil dies eine 

Risikozone sei. Dann habe er dort auch kurz geschaut, sie habe sich dann wieder 

angezogen und das sei es dann gewesen (Frage 37, vgl. auch Frage 40). Befragt bezüglich 

einer Reaktion der Privatklägerin auf die Aufforderung hin, sich nackt vor ihm auszuziehen, 

 

Seite 14 

erklärte der Berufungskläger, sie habe eigentlich nichts gesagt, sie habe das einfach 

gemacht. Er habe festgestellt, dass dies ungewohnt gewesen sei für sie. Aus diesem Grund 

habe er G. darauf angesprochen und anschliessend die Privatklägerin nicht mehr auf 

Zecken untersucht, weil G. dies nicht so handhabe (Frage 38). Auf die Frage, weshalb er 

nicht der Mutter mitgeteilt habe, sie müsse das Kind noch auf Zecken untersuchen, 

antwortete der Berufungskläger, weil diese nicht anwesend, d.h. am Arbeiten, gewesen sei. 

Er habe sich auch keine Gedanken diesbezüglich gemacht. Es sei auch nicht das erste Mal 

gewesen, dass er die Privatklägerin nackt gesehen habe. Sie sei auch schon nackt im Gang 

herumgerannt. Für ihn sei das ganz normal gewesen (Frage 41). Befragt, wer ihm gesagt 

habe, dass diese Zeckenkontrolle eine ganz normale Sache sei, welche ein Babysitter 

durchführen müsse, antwortete der Berufungskläger, dass sei bei ihnen als Kinder schon 

so gewesen. Mehr oder weniger jede Familie mache das, wenn man mit den Kindern im 

Wald gewesen sei. Das gehöre einfach dazu. Seinem Kenntnisstand nach gehöre das dazu 

um präventiv zu wirken wegen Zeckenbissen (Frage 42). Die Zeckenkontrolle sei im 

Schlafzimmer der Mutter erfolgt, er habe einen Augenschein genommen. Zu Berührungen 

sei es sicherlich gekommen, als er der Privatklägerin gesagt habe, sie solle sich umdrehen 

oder so. Er habe sie aber nicht im Intimbereich angefasst (Frage 43). Er könne nicht genau 

sage, wo er den nackten Körper der Privatklägerin überall angefasst habe. Sicherlich am 

Unterschenkel, wenn er die Fusssohle angeschaut habe, damit sie nicht umfalle (Frage 44). 

Auf die Aufforderung hin, nochmals genau zu beschreiben, wie er den Genitalbereich der 

Privatklägerin nach Zecken untersucht habe, antwortete der Berufungskläger, die 

Privatklägerin habe sich, nachdem sie die Unterhose abgezogen habe, hingesetzt, damit 

sie die Beine besser spreizen könne, damit er besser schauen könne. Anschliessend habe 

sie sich gedreht. Er habe dann die Gesässbacken auseinandergedrückt, damit er auch dort 

besser habe sehen könne, ob es Zecken habe. Er habe sie aber nicht im Genitalbereich 

angefasst (Frage 45). Auf Vorhalt, er solle auch die Schamlippen der Privatklägerin 

auseinandergedrückt haben, stritt der Berufungskläger dies klar ab (Fragen 46 und 47). Er 

erklärte, er habe die Zeckenkontrolle zwei Mal gemacht. Am dritten Tag habe er dann eben 

mit G. gesprochen. Das Ganze sei so 2 – 3 Wochen gewesen bevor er ausgezogen sei. 

Sie hätten dabei nicht den konkreten Fall besprochen; es sei mehr so allgemein gewesen. 

Den konkreten Vorfall hätten sie dann erst eine Woche später besprochen. Sie sei darüber 

schockiert gewesen. … Die Privatklägerin habe dem Ex-Mann von G. gesagt, dass sie 

Stopp gesagt habe. Dies sei dann die Konsequenz gewesen, weshalb er habe bei G. 

ausziehen müssen. Er habe so das erste Mal mitbekommen, dass die Privatklägerin 

angeblich Stopp gesagt habe. Er habe dies aber nicht wahrgenommen, dass die 

Privatklägerin in diesem Moment etwas zu ihm gesagt habe (Frage 48). Befragt, ob er dies 

bei weiteren Personen gemacht habe, erklärte der Berufungskläger, nein, das habe sich so 

nie ergeben (Frage 49). In den von ihm betreuten Lagern hätten dies die Kinder 

 

Seite 15 

grundsätzlich untereinander gemacht, ausser sie hätten dann eine Zecke gefunden. Dann 

hätten die Leiter diese ausgerissen (Frage 50). Auf eine entsprechende Frage sagte der 

Berufungskläger aus, die Privatklägerin habe nicht wirklich reagiert, als er ihren 

Genitalbereich angeschaut habe. Er denke, sie sei mehr erstaunt gewesen, weil sie dies so 

nicht gekannt habe. Sie habe sich ihm gegenüber gar nicht geäussert. Sie hätten einfach 

normal zusammen gesprochen (Fragen 51 und 52). Auf die Frage, wie das beim zweiten 

Mal gewesen sei, wie sich die Privatklägerin damals ihm gegenüber geäussert habe, 

antwortete der Berufungskläger, sie habe sich ihm gegenüber nicht geäussert. Er habe 

zwischen diesen beiden Kontrollen G. nicht gesehen, weshalb er sie erst danach darauf 

angesprochen habe (Frage 53). Eine Schmerzäusserung der Privatklägerin beim 

Untersuch des Genitalbereichs nach Zecken sei nicht erfolgt (Frage 54). Befragt, ob es 

zutreffend sei, dass er den Po der Privatklägerin mit seinen Händen auseinandergezogen 

habe, antwortete der Berufungskläger, ja, im Detail könne er dies nicht mehr sagen (Frage 

55). Er habe sich dabei nichts Spezielles gedacht (Frage 56). Die Frage, ob er eine sexuelle 

Erregung während des Untersuchs bei der Privatklägerin verspürt habe, verneinte der 

Berufungskläger, ebenso die Frage, ob er Kinder sexuell erregend finde (Fragen 61 und 

62).  

 

Anlässlich der Hafteinvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 3. November 2020 gab 

der Berufungskläger zu Protokoll (act. B 3/3.1), er habe die Privatklägerin auf Zecken 

untersucht und das so gemacht, wie er gedacht habe, man mache das. Er habe sie nicht 

im Intimbereich berührt und sie habe sich auch nicht gewehrt. Im Nachhinein habe er die 

Mutter darauf angesprochen, ob sie jeweils täglich auf Zecken untersuche und auf 

Mitteilung, dass letztere dies nur sporadisch tue, sein Verhalten angepasst und dies auch 

nicht mehr getan (Frage 3). Auf die Frage, was er in Rückschau heute über diese 

Zeckenkontrolle denke, antwortete der Berufungskläger, dass das Kind ihm nicht fremd 

gewesen sei. Er sei nach wie vor der Meinung, dass man im Sommer bei einem Kind 

regelmässig eine Zeckenuntersuchung machen müsse. Im Nachhinein bereue er diese 

Situation, weil es sowohl für ihn als auch für das Kind nicht gut sei. Aber wie gesagt, das 

Kind sei ihm nicht fremd gewesen. Es sei auch nicht das erste Mal gewesen, dass er das 

Kind nackt gesehen habe. Sie habe sich auch schon umgezogen, wenn er im Raum 

gewesen sei. Darum sei er davon ausgegangen, dass dies normal sei. Das Empfinden, 

dass es auch für die Privatklägerin OK gewesen sei, habe sich für ihn im Nachhinein durch 

die Zeit, die er mit ihr nach diesem Vorfall verbracht habe, bestätigt (Frage 5). Befragt, ob 

seiner Meinung nach ein Unterschied bestehe zwischen jemanden nackt sehen und dieser 

Person die Pobacken auseinanderziehen und den Vaginalbereich berühren, erklärte der 

Berufungskläger, natürlich bestehe da ein Unterschied. Das sei mehr auf den Umstand des 

"fremden" Kindes bezogen (Frage 6). Es sei sicher der Idealfall, dass ein solch intimer 

 

Seite 16 

Untersuch durch die Mutter durchgeführt werde, aber diese Person sei nicht anwesend 

gewesen (Frage 7). Die Mutter sei erst wiedergekommen, als das Kind am Schlafen 

gewesen sei (Frage 8). Es sei eine Verhaltensempfehlung, dass man Kinder auf Zecken 

untersuche (Frage 9). Auf Vorhalt, er habe die ganze Zeit davon gesprochen, es sei für ihn 

ein Automatismus, eine Zeckenkontrolle durchzuführen und ob das auch zutreffe, wenn 

diese Untersuchung durch eine Person durchgeführt werde, welche das Kind nicht einmal 

ein Jahr kenne, antwortete der Berufungskläger, Automatismus sei vielleicht das falsche 

Wort. Er sei der Meinung, dass der medizinische Aspekt diesen Untersuch rechtfertige 

(Frage 10). Befragt, ob er nachvollziehen könne, dass für eine Drittperson sein Verhalten 

auf Unverständnis stosse, antwortete der Berufungskläger, er könne nachvollziehen, dass 

man erschrecke, wenn man das nicht erwarte. Aber es sei abhängig davon, wie man selber 

aufgewachsen sei. Ob man zum Beispiel in einem Zeckenrisikogebiet aufgewachsen sei 

und so weiter (Frage 11). Grundsätzlich könne sich ein Kind im Alter der Privatklägerin 

selbst untersuchen, aber an schlecht einsehbaren Stellen wie beispielsweise am Po, gehe 

das nicht (Frage 12). Er glaube nicht, dass die Selbstuntersuchung mit einem Spiegel gut 

gegangen wäre. Vielleicht, wenn man einen kleinen Handspiegel gehabt hätte, was nicht 

der Fall gewesen sei (Frage 17). Auf Vorhalt, er erwecke nicht den Eindruck, als wäre er 

sehr einsichtig, dass diese "Zeckenkontrolle" nicht rechtens gewesen sei, antwortete der 

Berufungskläger, er würde das so sicher nicht wieder machen. Er würde sicher zuerst die 

Eltern fragen aufgrund dessen, was er gerade mitbekommen habe, dass dies nicht jeder 

gleich handhabe. Er habe sich in diesem Moment nicht die Gedanken gemacht, die er sich 

jetzt mache. Aber in einem der Kurse hätten sie auch diese Thematik behandelt, wenn eben 

ein Kind einen Zeckenbiss in einer intimen Region habe, dass dann nicht alle Leiter 

davonrennen (Frage 18). Er könne die Frage, wieso die Privatklägerin erfinden solle, dass 

er sie auch im Intimbereich beziehungsweise zwischen den Schamlippen "abgesucht" und 

gezogen habe, so dass sie Schmerzen gehabt habe, nicht beantworten (Frage 20).  

 

In der delegierten Einvernahme vom 11. März 2021 vor der Kantonspolizei führte der 

Berufungskläger aus (act. B 3/1.2.4.2), er sei sich keiner sexuellen Handlung mit Kindern 

im erwähnten Zeitraum bewusst. Die Zeckenkontrolle habe stattgefunden, so wie er es 

gelernt habe und wie es üblich und empfohlen sei bei Kindern zu machen. Dabei sei es zu 

keinen Berührungen im Genitalbereich gekommen und die Privatklägerin habe ihm 

gegenüber keine Schmerzäusserung getätigt, weder verbal noch nonverbal (Frage 6). Auf 

die Frage, wie diese Zeckenkontrolle stattgefunden habe, antwortete der Berufungskläger, 

er habe dies bereits im Detail geschildert. Es sei eine visuelle Kontrolle am gesamten 

Körper gewesen (Frage 7). Eine Gegenwehr des Kindes habe nicht stattgefunden. Die 

Zeckenkontrolle habe er gemacht, weil es empfohlen sei, dass man diese täglich mache, 

vor allem während der Zeckensaison nach Aktivitäten mit Risiko für einen Zeckenbefall 

 

Seite 17 

(Frage 8). Auf Vorhalt, eine solch intime Aufgabe gehöre in den Aufgabenbereich der Eltern, 

antwortete der Berufungskläger, er sehe die Relevanz mit der eigenen Meinung zu diesem 

Fall nicht (Frage 9). Auf die Nachfrage, ob die Zeckenkontrolle nicht Sache der Eltern sein 

sollte, erklärte er, er finde die Zeckenkontrolle wichtig. Daher sei egal, ob diese durch Eltern 

oder Drittpersonen, wie z.B. durch einen Arzt, durchgeführt werde. Im konkreten Fall seien 

die Eltern nicht anwesend gewesen (Frage 10). Bei der Kontrolle habe er sich gedacht, 

dass es ein Anliegen sei, dass dieses Kind nicht an zeckenübertragbaren Krankheiten 

erkrankt. Er könne sich nicht mehr genau erinnern, was er während der Kontrolle gedacht 

habe. Das sei ein Ablauf, welcher für ihn nicht viel Denken erfordere. Sie hätten während 

der Kontrolle miteinander geredet, weshalb seine Gedanken beim Gespräch gewesen 

seien, wobei er sich an den Inhalt nicht mehr erinnere (Frage 11). Die "Zeckensuche" sei 

von ihm nie als sexuelle Handlung empfunden worden und die Privatklägerin habe nie 

verbal oder nonverbal geäussert, dass sie dies so empfunden habe (Frage 12). Vor der 

Kontrolle habe die Privatklägerin ihre Tageskleidung getragen, unmittelbar während der 

Kontrolle gar keine Kleider und nachher ihr Pyjama (Frage 13). Er bleibe dabei, dass er die 

Privatklägerin nicht im Genitalbereich angefasst habe. Im Rahmen der Zeckenkontrolle 

könne sein, dass er sie am Po berührt habe (Frage 14). Er habe die Mutter nach der 

Kontrolle auf die Zeckenkontrolle angesprochen und gefragt, wie sie das handhabe. Sie sei 

während der Kontrolle nicht anwesend gewesen, weshalb diese nicht mit der Mutter 

abgesprochen gewesen sei (Frage 16). 

 

An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 24. Juni 2022 sowie der Berufungs-

verhandlung vom 5. März 2024 machte der Berufungskläger von seinem Aussage-

verweigerungsrecht Gebrauch und antwortete lediglich auf Fragen zu seiner Person (act.  

B 3/27 und act. B 48). 

 

 2.5.2.2 

Die Privatklägerin gab in der Videoeinvernahme vom 13. Oktober 2020 (act. B 3/1.2.3, 

1.2.3.1 und 1.2.3.2) zusammenfassend an, dass der Berufungskläger sie bei der ersten 

Zeckenkontrolle im Zimmer ihrer Mutter unter den Armen, an den Beinen und Füssen auf 

Zecken kontrolliert habe (mit Gesten zeigt sie unter Arme, auf Beine, Hals und Kopf). Sie 

sei dabei gestanden, sei bekleidet gewesen und angekleidet geblieben. Er habe sie dort 

berührt, wo es keine Kleider gehabt habe (mit Gesten zeigt sie ein Auseinanderziehen der 

Haut). Die zweite Zeckenkontrolle sei ebenfalls im Zimmer ihrer Mutter erfolgt. Sie seien 

auf dem Trampolin gewesen und durch das hohe Gras zurück zum Haus gegangen. Er 

habe sie mit Worten zum Ausziehen gezwungen, sei dabei streng gewesen und habe 

gesagt, sie müsse. Auf ihr Nein habe er keine Antwort gegeben; sie habe ihm vor dem 

Untersuch gesagt, dass sie das nicht wolle. Unmittelbar bei Beginn habe sie ihn 

 

Seite 18 

weggedrückt, er habe nicht reagiert und weitergemacht. Er habe ihr gesagt, er müsse 

wegen der Zecken untersuchen. Sie habe es komisch gefunden, habe das eigentlich nicht 

gewollt. Sie sei gestanden und wisse nicht mehr, wo er angefangen habe. Er habe sie 

überall angefasst. Er habe sie am Po und am "Schnäggli" angefasst. Er habe das 

"Schnäggli" auseinandergezogen und dort geguckt und am nächsten Tag habe es weh 

getan. Mit Gesten zeigte die Privatklägerin, dass der Berufungskläger auch ihre 

Gesässbacken auseinandergezogen habe. Hierzu erklärt sie, dass er ihr dort nicht weh 

getan habe. Nach der Kontrolle habe sie sich angezogen und mit dem Berufungskläger zu 

Nacht gegessen. Sie habe es ihrer Mutter erzählt, weil es ihr weh getan habe. Der 

Berufungskläger habe mit ihr gespielt, als er sie gehütet habe. Es sei komisch gewesen, 

zuerst sei er fast nie rausgekommen und habe nichts im Garten gemacht. Mit dem Spielen 

habe es während ca. der Mitte seines Aufenthaltes angefangen. 

 

In der Befragung vom 14. Juli 2023 erklärte die Privatklägerin im Wesentlichen (act. B 22 

und 24), sie könne sich noch an das Gröbste erinnern vom Jahr 2020. Sie wisse nur noch 

von einer Zeckenkontrolle. Sie seien im Garten gewesen und der Berufungskläger meinte, 

es müsse eine Zeckenkontrolle erfolgen am ganzen Körper. Sie habe das ein wenig 

komisch empfunden und gemeint, das könne ihre Mutter bei ihrer Heimkehr machen. Er 

habe auf der Kontrolle trotz ihrer verbalen Abwehr, die sie etwa zweimal vorbrachte, 

bestanden und sie von oben nach unten abgesucht inklusive Intimbereich. Die Pobacken 

habe er auseinandergespreizt und dies auch vorne gemacht. Im Zimmer ihrer Mutter sei sie 

zuerst gestanden und habe dann absitzen müssen auf den Bettrand. Vorher habe sie  

T-Shirt, kurze Hosen und Unterhose getragen, nach der Kontrolle auch wieder. Er habe ihr 

gesagt, sie müsse sich ausziehen für die Kontrolle. Nach der Kontrolle habe er 

weiterspielen wollen, aber sie habe sich unwohl gefühlt und sei daher in ihr Zimmer 

zurückgezogen um Abstand zu gewinnen. Während der Kontrolle vermöge sie sich nicht an 

ein Gespräch erinnern. Sie habe sich während der Kontrolle unwohl gefühlt, weil sie 

gemeint habe, ihre Mutter könne das machen. Sie habe keine Angst, eher Respekt vor ihm 

gehabt. Sie wisse nicht mehr, ob sie während oder nach der Zeckenkontrolle Schmerzen 

gehabt habe. Nach der Kontrolle sei sie auf Abstand gegangen, um den Kontakt 

einzuschränken. Er habe nie erwähnt, sie müsse diese Kontrolle geheimhalten oder so. 

Etwa drei oder vier Tage nach der Kontrolle habe sie ihrer Mutter davon erzählt. Er habe 

von oben nach unten abgesucht, indem er sie auch mit seinen Händen angefasst habe. Er 

habe die Anweisungen, z.B. auf das Bett stehen oder absitzen und so, gegeben. Sie wisse 

noch, dass sie auf das Bett gehockt sei und er vorne untersucht habe. Als sie gestanden 

sei, habe sie sich drehen müssen und wahrscheinlich habe er dann auch hinten geguckt. 

Während der Kontrolle habe sie zu ihm geschaut um zu sehen, was er mache. Sie habe 

etwa zwei- oder dreimal gesagt, sie wolle das nicht. Aber er habe es irgendwie 

 

Seite 19 

rübergebracht, dass sie das tun müsse. Sie habe sich unwohl gefühlt, aber keine andere 

Möglichkeit gehabt und habe es dann gemacht. Sie glaube, sie habe ihn beziehungsweise 

seine Hände zur Abwehr mal weggestossen. Das "Schnäggli" habe er mit seinen Fingern 

aufgemacht beziehungsweise aufgeklappt und geschaut. Sie glaube, sie habe ihm deutlich 

gesagt, dass sie die Kontrolle nicht wolle. 

 

 2.5.2.3 

G., Mutter der Privatklägerin, meldete sich am 21. September 2020 bei einem Bekannten, 

welcher bei der Kantonspolizei K. arbeitet, und schilderte ihm den vorliegenden Vorfall. 

Letzterer nahm Kontakt zur Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden auf, woraufhin der 

zuständige Sachbearbeiter sich bei der Mutter meldete und einen Einvernahmetermin 

vereinbarte (act. B 3/1.1.1.1). Anlässlich der Einvernahme vom 2. Oktober 2020 erklärte G. 

als Auskunftsperson im Wesentlichen (act. B 3/1.2.1), dass sie anfangs Juni 2020 ihrer 

Tochter ankündigte, sie nach dem Duschen auf Zecken kontrollieren zu wollen. Sie habe 

sie angewiesen, nackt vor sie zu stehen und die Arme hochzuhalten. Dabei habe ihre 

Tochter gelacht und gesagt, dass dies der Berufungskläger jeweils anders mache. Sie sei 

dann verunsichert gewesen und habe nachgefragt, was ihre Tochter damit meine. Ihre 

Tochter habe ihr dann erklärt, dass der Berufungskläger ihr zweimal gesagt habe, dass sie 

sich nackt ausziehen und auf das Bett (der Mutter) legen müsse, damit er sie nach Zecken 

untersuchen könne. Ihre Tochter habe ihr gesagt, sie habe dem Berufungskläger gesagt, 

dass sie dies nicht wolle Er habe aber erklärt, dass sie dies machen müssen. Während 

dieses Untersuchs habe er sie von Kopf bis Fuss untersucht, auch im Genitalbereich. Im 

Genitalbereich habe er ihre Schamlippen angefasst/auseinandergedrückt, so dass es ihr im 

Genitalbereich noch am nächsten Morgen weh getan habe. Ein paar Tage später habe sie 

den Berufungskläger auf diesen Vorfall angesprochen, woraufhin er sein Verständnis über 

ihre Irritation geäussert und erklärt habe, er hätte zuerst fragen sollen, ob er eine 

Zeckenkontrolle bei ihrer Tochter machen solle. In den von ihm geleiteten Lagern sei dies 

normal gewesen und er kenne das nur so. Als Reaktion auf den Vorfall habe sie dem 

Berufungskläger den Vertrag als Untermieter gekündigt. Vor ca. drei Wochen habe H. ihr 

gegenüber ihre Erleichterung über den Auszug des Berufungsklägers geäussert und ihre 

Gründe dafür geschildert. Aufgrund der Aussagen von H. habe nun der ganze Vorfall für 

sie eine andere Bedeutung erhalten (Frage 9). Ihre Tochter habe ihr von zwei Vorfällen 

erzählt, sie könne vom Datum her aber nicht genau sagen wann. Sie denke, es sei im Mai 

2020 gewesen (Frage 14). Der Berufungskläger habe ihr einfach bestätigt, dass die 

Aussagen ihrer Tochter korrekt seien und er sie im Genitalbereich, sprich an/in der Scheide 

angefasst/kontrolliert habe, ob dort Zecken vorhanden seien (Frage 17). Ihre Tochter habe 

ihr erzählt, dass, als der Berufungskläger sie aufgefordert habe, sich nackt auszuziehen, 

sie halt Stopp gesagt habe, das wolle sie nicht. Sie habe dies mit der Hand auch 

 

Seite 20 

untermauert mit einer Handbewegung nach unten. Nach der weiteren Aufforderung, dass 

sie dies nun machen müsse, habe sie seine Anweisungen befolgt. Beim zweiten Mal habe 

sie dem Berufungskläger nochmals gesagt, dass sie dies nicht wolle und dass es ihr beim 

letzten Mal wehgetan habe. Er sei aber nicht auf sie eingegangen und habe die Kontrolle 

durchgeführt (Frage 18). Gemäss Aussage ihrer Tochter habe der Berufungskläger sie im 

Genitalbereich sicher angefasst. Bei den restlichen Körperstellen könne sie es nicht genau 

sagen (Frage 20). Der letzte Vorfall habe, weil ihre Tochter ihr dies am 3. Juni 2020 erzählt 

habe, wohl Ende Mai stattgefunden (Frage 21).  

 

Anlässlich der Befragung vom 5. März 2024 erklärte die Mutter der Privatklägerin im 

Wesentlichen als Zeugin, sie sei auf die fraglichen Vorfälle aufmerksam geworden, weil ihre 

Tochter anlässlich einer der von ihr sporadisch durchgeführten Zeckenkontrollen erklärt 

habe, der Berufungskläger mache das anders. Ihre Tochter habe erzählt, es seien zwei Mal 

gewesen. Sie habe sich ausziehen, aufs Bett im Schlafzimmer der Mutter liegen müssen 

und der Berufungskläger habe dann alles abgesucht. Beim zweiten Mal habe es in der 

Scheide am nächsten Tag wehgetan, weil er diese auseinandergezogen habe, um 

reinzugucken, ob es Zecken habe. Ihre Tochter habe versucht, ihn abzuwehren, auch mit 

einer Stopp-Geste mit der Hand. Sie habe den Berufungskläger am Telefon mit diesen 

Vorwürfen konfrontiert, aber erst nach einem zweiten Kontakt mit ihm den Entschluss 

gefasst, dass er ausziehen müsse. Sie wisse nicht mehr, ob sie darüber geredet haben, 

was genau der Berufungskläger gemacht habe. Sie wisse auch nicht mehr, ob der 

Berufungskläger ihr gesagt habe, wie und wo er ihre Tochter angefasst habe. Sie habe nie 

an der Darstellung ihrer Tochter gezweifelt (act. B 48).  

 

2.5.2.4 

Die Auskunftsperson H., Babysitterin der Privatklägerin, erklärte im Wesentlichen in der 

Einvernahme vom 12. Oktober 2020 (act. B 3/1.2.2), dass der Berufungskläger, wenn sie 

als Babysitterin bei der Privatklägerin gewesen sei, ab und zu auch anwesend gewesen 

sei. Im Verlauf der Zeit, als sie am babysitten gewesen sei, habe er immer öfters gewollt, 

dass sie früher nach Hause gehe. Er meinte, dass er die Privatklägerin schon ins Bett 

bringen könne. Dies, obwohl die Mutter gesagt habe, sie solle bis zu ihrer Rückkehr bleiben. 

Er habe sie dann aber jeweils regelrecht aus dem Haus gewiesen (Frage 9). Das Verhalten 

des Berufungsklägers gegenüber der Privatklägerin wisse sie nicht genau. Er sei sicherlich 

auch offen gewesen, aber mehr könne sie dazu nicht sagen (Frage 14). Die Frage, ob der 

Berufungskläger in ihrer Anwesenheit die Privatklägerin unsittlich angefasst habe, verneinte 

sie und antwortete, das wisse sie auch nicht (Frage 21).  

  

 

Seite 21 

2.5.2.5 

Eine Auswertung der sichergestellten Speichermedien ergab, dass der Berufungskläger 

Dutzende Kinderfotos (von Kindern im ungefähren Alter von 4 bis 12 Jahren) auf seinen 

Datenträgern gespeichert hatte. Auf Vorhalt erklärte der Berufungskläger, er sehe keine 

Problematik dieser Fotos geschweige denn sei er sich einer Schuld bewusst. Einige Fotos 

seien bei seiner ehrenamtlichen, teilweise auch beruflichen Tätigkeit entstanden, andere 

Fotos seien auf sein Interesse an der Fotografie zurückzuführen (act. B 3/1.2.4.2, Frage 

18). Dem Berufungskläger wurde eine Beilage mit insgesamt 12 Bildern vorgelegt, zu 

welchen er sich zunächst nicht äussern wollte (act. B 3/1.2.4.2, Frage 19). Zu zwei Bildern 

– Bild 7 ist eine indirekte Aufnahme, dh. im an einer Tür angebrachten Spiegel ist ein in der 

Ecke lehnendes ca. 5-6 jähriges Kind zu sehen, welches mit einer Unterhose bekleidet ist, 

sich beide Hände vor den Mund hält und direkt in die Kamera blickt; Bild 8 ist eine 

schwarz/weisse Direktaufnahme eines ca. 5-6 jährigen Kindes, welches mit nacktem 

Oberkörper in einem Sessel sitzt und den Blick seitwärts in Richtung des Fensters richtet – 

erklärte der Berufungskläger, diese Aufnahmen habe er im Rahmen seines Interesses an 

der Fotografie gesehen und sie würden ihn aufgrund der Emotionen, welche das Kind zum 

Ausdruck bringe und der Geschichte, welche der Fotograf damit erzähle wolle, ansprechen 

(act. B 3/1.2.4.2, Frage 20). Zu zwei Fotos von einem bekleideten ca. 2-4 jährigem 

Mädchen, welches auf dem Bett schläft beziehungsweise auf einem Sofa (act. B 3/1.2.4.2, 

Fragen 22-24, Bilder 1 und 2), wollte sich der Berufungskläger nicht äussern. Ebensowenig 

zu drei Fotos eines ca. 10-12 jährigen Mädchens in T-Shirt und kurzen Hosen, welches 

einmal auf dem Bett sitzend zu sehen ist und zweimal an der Wand stehend (act.  

B 3/1.2.4.2, Frage 26, Bilder 3-5) und zu den abfotografierten Seiten eines sogenannten 

Freundebuchs für Kinder, welches Fotos und Angaben zu drei 7-9 jährigen Mädchen enthält 

(act. B 3/1.2.4.2, Frage 27, Bilder 9-11).  

 

2.5.2.6 

Aus den von der Staatsanwaltschaft beigezogenen Akten der KESB I./J. ergibt sich im 

Wesentlichen, dass der Berufungskläger im Januar 2016 vom Blauen Kreuz Schweiz 

schweizweit als Lagerleiter gesperrt wurde. Ihm wurde unangemessene körperliche Nähe 

zu Lagerteilnehmerinnen, Massagen (auch in der Nähe des Brustbereichs), langes inniges 

Umarmen sowie das Nicht-Einhalten der Lagerregeln bezüglich Aufsuchen der Mädchen-

Zimmer vorgeworfen. Weiter reichte das Blaue Kreuz Schweiz gemäss Eigenangaben eine 

Gefährdungsmeldung Erwachsenenschutz bei der KESB Stadt L. ein (act. B 3/11.2, Belege 

Nr. 3, 4 und 6). Der Berufungskläger nahm zu der Sperre schriftlich Stellung (act. B 3/11.2, 

Beleg Nr. 5). Im April 2017 beendete der Berufungskläger auf Geheiss der KESB I./J. ein 

von ihm geleitetes Kinderlager mit 6-12 Jährigen. Die KESB I./J. reichte sodann im Juli 2017 

 

Seite 22 

im Hinblick auf ein im August 2017 geplantes Lager der Evangelischen Kirchgemeinde M. 

eine Meldung bei der KESB N./O. ein (act. B 3/11.2, Beleg Nr. 9).  

 

2.5.3 Würdigung durch das Obergericht und erstellter Sachverhalt 

In tatsächlicher Hinsicht ist von zwei Zeckenkontrollen auszugehen, welche beide im 

Zimmer der Mutter der Privatklägerin stattgefunden haben. Unbestritten ist, dass sich die 

Privatklägerin zumindest bei einer dieser Kontrollen auf Geheiss des Berufungsklägers 

nackt ausziehen musste, dass sie nackt ihre Beine spreizte, dass der Berufungskläger den 

Genitalbereich der Privatklägerin anschaute und dass der Berufungskläger die 

Gesässbacken der Privatklägerin mit seinen Händen auseinandergezogen hat. Umstritten 

ist, ob der Berufungskläger anlässlich dieser Kontrolle auch die Schamlippen der 

Privatklägerin mit seinen Händen auseinandergezogen hat.  

 

 2.5.3.1 

Für die Beurteilung der Aussagetüchtigkeit von Kindern sind stets der individuelle 

Entwicklungsstand und die konkreten Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1109/2019 vom 23. September 2020 E. 2.5.3 mit Hinweis unter 

anderem auf ALEXANDRA SCHEIDEGGER, Minderjährige als Zeugen und Auskunftspersonen 

im Strafverfahren, Zürcher Studien zum Verfahrensrecht Band/Nr. 147, 2006, S. 9f. und 

S. 29). Im konkreten Fall sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche die 

Aussagetüchtigkeit der Privatklägerin in Frage stellen könnten. Wahrnehmungs-, 

Erinnerungs- und Ausdrucksfähigkeit scheinen grundsätzlich gegeben, wobei gewisse 

Abstriche hinsichtlich der exakten Benennung der Geschlechtsteile und hinsichtlich der 

Beschreibung zeitlicher Abfolgen gemacht werden müssen (vgl. Expertenbericht 

Videobefragung act. B 3/1.2.3.1).  

 

Die Privatklägerin schildert die beiden Vorfälle stimmig und nachvollziehbar. Das Erzählte 

wirkt selbst erlebt und ist individuell durchzeichnet. So hat die Privatklägerin bei der 

Befragung der Details zu den Vorfällen teilweise Mühe, das Vorgefallene exakt zu 

benennen und unterlegt daher ihre Aussagen zum Teil mit Gesten, indem sie auf 

Körperpartien hinweist. Sie beschreibt altersentsprechend, wie sie sich zunächst verbal und 

danach körperlich mit Wegstossen – in der Videoeinvernahme sind die entsprechenden 

Gesten ersichtlich – gegen die Anweisung, sich nackt auszuziehen, zu wehren versuchte. 

Sie beschreibt auch nachvollziehbar ihre Gefühlslage, wonach sie die Aussage des 

Berufungsklägers, sie müsse das machen, komisch und auch etwas frech gefunden habe 

und dies ein wenig Angst bei ihr ausgelöst habe. In den Aussagen der Privatklägerin sind 

keine Aggravierungstendenzen ersichtlich. Sie erklärt deutlich, dass der Berufungskläger 

sie "nur" an einer der zwei von ihm durchgeführten Zeckenkontrolle angefasst habe. 

 

Seite 23 

Anlässlich der ersten Zeckenkontrolle, dem Auskitzeln und Huckepack- beziehungsweise 

Über-der-Schulter-tragen während des Babysittens sei es zwar zu Körperkontakt zwischen 

ihr und dem Berufungskläger gekommen, aber es sei nichts weiter passiert. Auch stellt sie 

klar, dass das Auseinanderdrücken der Gesässbacken bei ihr keine Schmerzen ausgelöst 

habe und die Schmerzen durch das Auseinanderziehen der Schamlippen erst am darauf 

folgenden Tag aufgetreten seien. Die Privatklägerin belastet somit den Berufungskläger 

nicht unnötig und differenziert klar, was darauf hindeutet, dass sie die Wahrheit sagt. Auch 

ihr Verhalten, wonach sie ihrer Mutter davon erzählte, weil es ihr weh getan habe, erscheint 

plausibel. Dass die Privatklägerin anlässlich der zweiten Befragung im Sommer 2023, 

mithin ca. 3 Jahre nach dem Ereignis, sich nur noch an die eine Zeckenkontrolle und keine 

dadurch ausgelösten Schmerzen zu erinnern vermag, spricht nicht gegen die 

Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Durch den Zeitablauf sind gewisse Details nicht mehr 

abrufbar, die Kernelemente aber – das Nacktsein, das Beine spreizen müssen vor dem 

Berufungskläger, die vergeblichen verbalen und nonverbalen Abwehrversuche, ihr 

Unbehagen in dieser Situation und über das Verhalten des Berufungsklägers, das 

Auseinanderziehen der Schamlippen und der Gesässbacken – wurden von der 

Privatklägerin nochmals bestätigt. Entgegen der Ansicht der Verteidigung sind die 

Aussagen der Privatklägerin konstant und gleichbleibend, betreffen die Anzahl der 

Zeckenkontrollen, der Umstand, ob sie bei der Zeckenkontrolle gestanden oder gesessen 

sei, ob sie Schmerzen aufgrund dieser Zeckenkontrolle empfunden habe, wann sie ihre 

Mutter über die Kontrolle informiert habe und wie ihre Reaktion gegenüber dem 

Berufungskläger nach der Kontrolle ausgefallen sei, nicht das eigentliche oben erwähnte 

massgebende Kerngeschehen. Auch der Vorwurf, die Privatklägerin gebe je nachdem mit 

wem sie im Gespräch sei eine andere Version und andere Details wieder, ist nicht 

zutreffend beziehungsweise erklärt sich aufgrund der unterschiedlichen Fragen, die der 

Privatklägerin gestellt wurden. In den Befragungen der Polizei wurden zuerst allgemeine 

und dann konkrete Fragen an die Privatklägerin gerichtet, ein Hinlenken auf gewisse 

Aussagen fand nicht statt (act. B 3/1.2.3, 1.2.3.1 und 1.2.3.2 und act. B 22, S. 3 und act.  

B 24). Aus den anderslautenden Aussagen der Mutter der Privatklägerin betreffend Anzahl 

der Vorfälle, der Schmerzen im Genitalbereich sowie des Zeitpunkts der Mitteilung der 

Vorfälle, allesamt wie oben erwähnt keine das Kerngeschehen betreffenden Punkte und 

daher für den konkret zu beurteilenden Sachverhalt – ob der Berufungskläger auch die 

Schamlippen der Privatklägerin mit seinen Händen auseinandergezogen hat – nicht wichtig, 

kann nichts betreffend Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin abgeleitet werden. 

Die Mutter der Privatklägerin war bei den Vorfällen nicht dabei und kann daher nur über das 

von ihrer Tochter Gehörte berichten beziehungsweise was bei ihr vom Gehörten noch in 

Erinnerung geblieben ist. Dass es hierbei zu Abweichungen in den Aussagen von Mutter 

und Tochter kommt, ist nachvollziehbar und es wäre auffällig, wenn dem nicht so wäre. Zu 

 

Seite 24 

erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die Mutter bei der Zeugeneinvernahme auf 

die Frage des Vorsitzenden, ob sie je an der Darstellung ihrer Tochter gezweifelt habe, 

sofort mit einem klaren Nein antwortete (act. B 48, S. 7). Die Verteidigung wirft sodann die 

Frage auf beziehungsweise stellt die Theorie auf, wonach die Mutter mit ihrer Fragestellung 

auf das Aussageverhalten der Privatklägerin Einfluss genommen habe, indem sie durch ihr 

verbales oder nonverbales Verhalten das Aussageverhalten ihrer Tochter beeinflusst habe. 

Dem ist zum einen entgegenzuhalten, dass in den Aussagen der Privatklägerin jegliche 

Phantasiesignale fehlen. Zum anderen wies die Vertreterin der Privatklägerin zutreffend 

darauf hin, dass die Privatklägerin in der ersten Befragung keinerlei Mühe hatte, die Vorfälle 

zu beschreiben, aber keine eigenen Bezeichnungen für ihre Geschlechtsteile nennen 

konnte. Wäre auf die Aussagen der Privatklägerin Einfluss genommen worden, hätte die 

Privatklägerin für die Befragung eigene Worte für ihre Geschlechtsteile parat gehabt (act. 

B 45, S. 2).  

 

Zusammenfassend weisen die Ausführungen der Privatklägerin verschiedenste Realkenn-

zeichen auf, sind schlüssig und fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild. Das Gericht 

erachtet deshalb die Aussagen der Privatklägerin – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

– als glaubhaft. Zumal nicht ersichtlich ist, weshalb die Privatklägerin den Berufungskläger 

zu Unrecht belasten und sich einem für sie belastenden Strafverfahren aussetzen sollte. 

 

 2.5.3.2 

Die Aussagetüchtigkeit des Berufungsklägers ist ebenfalls unbestritten. Bei Betrachtung 

seiner Aussagen fällt jedoch auf, dass sich der Berufungskläger in Ungereimtheiten und 

Widersprüche verstrickt hat, die nicht einfach erklärbar sind.  

 

Auffallend ist zunächst, wie der Berufungskläger die hier massgebende Zeckenkontrolle in 

den Einvernahmen schilderte. In seiner Aussage anlässlich der delegierten Einvernahme 

vom 2. November 2020 (act. B 3/1.2.4) erklärte der Berufungskläger, die Privatklägerin 

habe für die Zeckenkontrolle vor ihm ihr Nachtkleid ausgezogen und auf seine Aussage hin 

auch die Unterhosen. Dann habe er dort auch kurz geschaut (Fragen 37 und 40). Weiter 

sagte er aus, er habe einen Augenschein von ihr genommen, wobei es sicherlich zu 

Berührungen gekommen sei, als er ihr sagte, sie solle sich umdrehen oder so. Er habe sie 

aber nicht im Intimbereich angefasst (Frage 43). Den nackten Körper habe er sicherlich am 

Unterschenkel angefasst, wenn er die Fusssohle angeschaut habe, damit sie nicht umfalle 

(Frage 44). Sodann beschrieb er, nachdem die Privatklägerin die Unterhose abgezogen 

habe, habe sie sich hingesetzt, damit sie die Beine besser spreizen könne, damit er besser 

schauen könne. Anschliessend habe sie sich gedreht und er habe dann ihre Gesässbacken 

auseinandergedrückt, damit er auch dort besser sehen könne, ob es Zecken habe. Er habe 

 

Seite 25 

sie aber nicht im Genitalbereich angefasst (Frage 45). Auf Nachfrage erklärte der 

Berufungskläger, die Schamlippen der Privatklägerin habe er sicher nicht auseinander-

gedrückt (Fragen 46 und 47). Auf die Frage, ob das richtig verstanden worden sei, dass er 

das Gesäss der Privatklägerin mit seinen Händen auseinander gezogen habe, antwortete 

der Berufungskläger, ja, im Detail könne er dies nicht mehr sagen (Frage 55). Im Rahmen 

der Hafteinvernahme sagte der Berufungskläger aus, er habe die Privatklägerin nicht im 

Intimbereich berührt und sie habe sich auch nicht gewehrt (act. B 3/3.1, Frage 3). Anlässlich 

der delegierten Einvernahme vom 11. März 2021 erklärte der Berufungskläger, die 

Zeckenkontrolle habe stattgefunden, so wie er das gelernt habe, dass dies so üblich sei 

und empfohlen sei bei Kindern zu machen. Dabei sei es zu keinen Berührungen im 

Genitalbereich gekommen und die Privatklägerin habe zu keinem Zeitpunkt Schmerzen 

geäussert, dies weder verbal noch nonverbal (act. B 3/1.2.4.2, Frage 6). Auf die Frage, ob 

er nochmals kurz sagen könne, wie diese Zeckenkontrolle stattgefunden habe, antwortete 

der Berufungskläger, er habe das bereits im Detail geschildert. Das sei so gewesen wie er 

bereits geschildert habe. Es sei eine visuelle Kontrolle am gesamten Körper gewesen 

(Frage 7). Zum Vorhalt, er habe die Privatklägerin im Genitalbereich und am Gesäss 

angefasst, sagte der Berufungskläger, er sage das Gleiche wie das letzte Mal. Er habe sie 

nicht im Genitalbereich angefasst. Es könne sein, dass er sie am Gesäss berührt habe im 

Rahmen dieser Zeckenkontrolle (Frage 15). Aus den Aussagen ergibt sich, dass der 

Berufungskläger versucht, die Zeckenkontrolle im Kern auf einen Augenschein 

beziehungsweise eine visuelle Kontrolle zu reduzieren und die vorgenommenen 

Berührungen in notwendige Unterstützungshandlungen – z.B. Nicht-Umfallen während der 

Fusssohlenkontrolle – umzudeuten. Dem war aber nicht so. Gestützt auf die Aussage des 

Berufungsklägers anlässlich der ersten Einvernahme musste sich die Privatklägerin auf 

dessen Geheiss nackt ausziehen, sie spreizte nackt die Beine, damit er sie im Intimbereich 

kontrollieren konnte, sie musste sich umdrehen, wobei es hierbei zu Berührungen kam (act. 

B 3/1.2.4, Frage 43) und sie musste dulden, dass der Berufungskläger mit seinen Händen 

ihre Gesässbacken auseinanderzog (act. B 3/1.2.4, Frage 45). Auffallend ist, dass sich der 

Berufungskläger in den nachfolgenden Einvernahmen nicht mehr zu dem äussern will, was 

er getan und bereits zugegeben hat, sondern auf das bereits Gesagte (act. B 3/1.2.4.2, 

Frage 7) verweist beziehungsweise die Aussage – "..es könne sein, dass er sie am Gesäss 

berührte im Rahmen der Zeckenkontrolle.." – abschwächt (act. B 3/1.2.4.2, Frage 15). 

Hingegen bleibt er repetitiv bei der Aussage, er habe die Privatklägerin nicht im Genital-

/Intimbereich angefasst (act. B 3/1.2.4, Fragen 43 und 45; act. B 3/3.1, Frage 3; 1.2.4.2, 

Fragen 6 und 15). Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, stellt sich die Frage, warum der 

Berufungskläger, wenn sowohl der Gesäss- als auch der Intimbereich Risikozonen für 

Zecken darstellen, die jeweilige Kontrolle im Gesäss- und Intimbereich unterschiedlich 

vorgenommen haben will (act. B 2, S. 30).  

 

Seite 26 

Auffallend ist weiter, dass gemäss dem Berufungskläger die Privatklägerin auf seine 

Anweisung hin, sich nackt vor ihm auszuziehen, nichts gesagt und es einfach gemacht 

haben soll (act. B 3/1.2.4, Fragen 38 und 39). Von einem angeblichen "Stopp" seitens der 

Privatklägerin habe er erstmals nach einem Gespräch zwischen der Mutter und dem Vater 

der Privatklägerin erfahren. Er habe dies aber nicht wahrgenommen, dass die Privatklägerin 

in diesem Moment [anlässlich der Zeckenkontrolle] etwas zu ihm gesagt habe (Frage 48). 

Während des Anschauens des Genitalbereichs habe die Privatklägerin nicht wirklich 

reagiert (Frage 51). Nein, die Privatklägerin habe sich [bei der zweiten Kontrolle] sich ihm 

gegenüber nicht geäussert (Frage 53). Die Privatklägerin habe ihm gegenüber zu keinem 

Zeitpunkt Schmerzen geäussert, weder verbal noch nonverbal (act. B 3/1.2.4.2, Frage 6). 

Eine Gegenwehr habe nicht stattgefunden (Frage 8). Während der Kontrolle hätten sie 

miteinander gesprochen, weshalb seine Gedanken beim Gespräch gewesen seien. Er 

wisse aber nicht mehr, über was sie gesprochen haben (Frage 11). Es ist widersprüchlich, 

wenn der Berufungskläger einerseits von keiner Äusserung der Privatklägerin vor oder 

während der Kontrolle Kenntnis genommen haben will, andererseits aber festgestellt oder 

gedacht haben will, dass die Anweisung betreffend Ausziehen ungewohnt für sie gewesen 

sei (act. B 3/1.2.4, Frage 38) und dass sie erstaunt gewesen sei bezüglich des Anschauens 

des Genitalbereichs (act. B 3/1.2.4, Frage 51).  

 

Unstimmigkeiten sind sodann auch in den allgemeinen Aussagen des Berufungsklägers zu 

Zeckenuntersuchungen erkennbar. Er erklärte, dass für ihn zu den Aufgaben als Babysitter 

auch eine Zeckenkontrolle im Sommer dazugehöre, weil er das so kenne und auch selbst 

so erlebt habe (act. B 3/1.2.4, Frage 34). Auf die Frage, weshalb er nicht einfach der Mutter 

der Privatklägerin mitgeteilt habe, sie müsse sie noch auf Zecken untersuchen, gab er zur 

Antwort, weil die Mutter nicht anwesend gewesen sei, sondern am Arbeiten. Er habe sich 

auch keine Gedanken diesbezüglich gemacht (Frage 41). Auf die Frage, wer ihm gesagt 

habe, dass Zeckenkontrollen eine ganz normale Sache sei, welche ein Babysitter 

durchführen müsse, sagte der Berufungskläger, das sei bei ihnen als Kinder schon so 

gewesen. Mehr oder weniger jede Familie mache das, wenn man mit den Kindern im Wald 

gewesen sei oder so. Das gehöre einfach dazu. Seinem Kenntnisstand nach gehöre das 

dazu, um präventiv zu wirken wegen Zeckenbissen (Frage 42). Es habe sich nie so 

ergeben, dass er eine Zeckenkontrolle bei weiteren Personen gemacht habe (Frage 49). In 

den Lagern hätten die Kinder dies grundsätzlich untereinander gemacht. Nur bei einem 

Zeckenbefall hätten die Leiter die Zecke ausgerissen (Frage 50). Seiner Sicht nach sei es 

normal bei Kindern eine Zeckenuntersuchung zu machen, nachdem man im Garten 

gewesen sei (act. B 3/3.1, Frage 4). Angesprochen darauf, was er heute über die 

Zeckenkontrolle denke, antwortete der Berufungskläger, das Kind sei ihm nicht fremd 

gewesen. Die Privatklägerin habe sich auch schon umgezogen, wenn er im Raum gewesen 

 

Seite 27 

sei. Darum sei er davon ausgegangen, dass dies normal sei. Das Empfinden, dass es auch 

für die Privatklägerin OK gewesen sei, habe sich für ihn im Nachhinein bestätigt (Frage 5). 

Es sei eine Verhaltensempfehlung, dass man Kinder auf Zecken untersuche (Frage 9) und 

seiner Meinung nach rechtfertige der medizinische Aspekt diesen Untersuch (Frage 10). 

Auf die Frage an den Berufungskläger, ob es für ihn nachvollziehbar sei, dass für eine 

Drittperson sein Verhalten auf Unverständnis stosse, antwortete er, er könne 

nachvollziehen, dass man erschrecke, wenn man das nicht erwarte. Aber es sei abhängig 

davon, wie man selber aufgewachsen sei, dh. ob man zum Beispiel in einem 

Zeckenrisikogebiet aufgewachsen sei und so weiter (Frage 11). Konfrontiert mit der 

Aussage, wonach er nicht den Eindruck mache, als wäre er sehr einsichtig, dass die 

Zeckenkontrolle nicht rechtens war, antwortete der Berufungskläger nach langem 

Schweigen, er würde das so sicher nicht wieder machen. Er würde sicher zuerst die Eltern 

fragen, dadurch, dass er gerade mitbekommen habe, dass dies nicht jeder gleich 

handhabe. Er habe sich in diesem Moment nicht die Gedanken gemacht, die er sich jetzt 

mache. Sie hätten in einem Kurs diese Thematik behandelt, wenn eben ein Kind einen 

Zeckenbiss in einer intimen Region habe, dass dann nicht alle Leiter davon rennen (Frage 

18). In der Einvernahme vom 11. März 2021 erklärte der Berufungskläger (act. B 3/1.2.4.2), 

die Zeckenkontrolle habe stattgefunden, so wie er es gelernt habe, dass dies so üblich und 

empfohlen sei bei Kindern zu machen (Frage 6). Es sei eine tägliche Zeckenkontrolle vor 

allem während der Zeckensaison empfohlen bei Aktivitäten mit Risiko für einen 

Zeckenbefall (Frage 8). Auf die Frage, ob eine Zeckenkontrolle nicht Sache der Eltern sei, 

antwortete der Berufungskläger, er finde die Zeckenkontrolle wichtig. Egal ob durch Eltern 

oder Drittpersonen, wie z.B. durch einen Arzt. Im konkreten Fall seien die Eltern nicht 

anwesend gewesen (Frage 10). Gefragt, was er sich bei der selbst durchgeführten Kontrolle 

gedacht habe, erklärte der Berufungskläger, er habe sich gedacht, dass es ein Anliegen 

sei, dass dieses Kind nicht an zeckenübertragbaren Krankheiten erkranke. Er könne sich 

nicht mehr genau erinnern, was er während der Kontrolle gedacht habe. Das sei ein Ablauf, 

welcher für ihn nicht viel Denken erfordere (Frage 11). Es erscheint schwer nachvollziehbar 

beziehungsweise undenkbar, dass der Berufungskläger, welcher über Erfahrung als 

Kinderlagerleiter verfügt, in sozialen Projekten – auch mit Kindern – engagiert ist (act. B 

3/1.2.4, Fragen 22-26) und (zumindest) in einem Kurs bereits mit der Zeckenthematik 

konfrontiert wurde (act. B 3/3.1, Frage 18), im Zusammenhang mit einer Zecken-

untersuchung nicht hinsichtlich deren zeitlicher Dringlichkeit und deren Notwendigkeit, 

insbesondere was die die Kontrolle vornehmende Person betrifft, differenzieren kann. 

Abwegig erscheint zudem, dass er sich diesbezüglich nicht einmal Gedanken gemacht 

haben will. Zumal er eigenen Angaben zufolge auch Kurse für Prävention sexueller 

Ausbeutung von Kindern absolvierte (act. B 3/1.2.4, Frage 65; vgl. act. B 3/31/2). Insofern 

erscheint die Aussage des Berufungsklägers auf die Nachfrage, was er dabei gefühlt habe, 

 

Seite 28 

nicht schlüssig, wenn er angibt, sich nichts Spezielles dabei gedacht zu haben (act. B 

3/1.2.4, Frage 56). Es ist schlicht nicht stimmig, wenn sich der Berufungskläger als 

professionell geschulte Person präsentiert, bei der Abwägung der Notwendigkeit 

beziehungsweise Dringlichkeit einer Zeckenkontrolle gegenüber den Schutz beziehungs-

weise der Wahrung der sexuellen Integrität eines zu betreuenden Kindes jedoch das 

professionelle Vorgehen vermissen lässt. Weiter fällt auf, dass der Berufungskläger sein 

Handeln vordergründig mit medizinischen Aspekten rechtfertigt, ohne aber diesen Aspekt 

in Zusammenhang zu bringen mit seiner – im konkreten Fall – Funktion als Babysitter. 

Ähnlich widersprüchlich ist es, wenn der Berufungskläger zum einen angibt, es habe sich 

nie so ergeben, dass er eine Zeckenkontrolle bei weiteren Personen gemacht habe (act. B 

3/1.2.4, Frage 49) und zum anderen geltend macht, er könne sich nicht mehr genau 

erinnern, was er während der Kontrolle gedacht habe, da es ein Ablauf sei, welcher für ihn 

nicht viel Denken erfordere (act. B 3/1.2.4.2, Frage 11). Mit letzterer Aussage erweckt er 

den Anschein von Erfahrung/Kompetenz und gibt vor, eine sozialadäquate Handlung 

durchgeführt zu haben. Vor dem Hintergrund, dass in den von ihm (mit-)geleiteten Lagern 

grundsätzlich die Kinder gegenseitig die Zeckenkontrolle durchgeführt haben (act. B 

3/1.2.4, Frage 50) wird die vom Berufungskläger vermittelte Ansicht einer sozialadäquaten 

Handlung in Frage gestellt. Auch die von ihm vorgebrachte Ansicht, wonach die 

Beziehungsnähe zur Familie beziehungsweise zur Privatklägerin die Kontrolle erkläre und 

die von ihm suggerierte zeitlich unmittelbare Dringlichkeit der Kontrolle zielt in die gleiche 

Richtung. Tatsache ist, dass der Berufungskläger zum Zeitpunkt der beiden Zecken-

kontrollen erst rund 9 Monate als Untermieter bei der Familie D. lebte und erst mit der Zeit 

– gemäss der Mutter der Privatklägerin ca. ab Dezember und damit seit ca. 6 Monaten – 

die Funktion eines Babysitters für die Privatklägerin übernahm. Eine zeitliche Dringlichkeit 

war zudem klar nicht gegeben, da die Mutter der Privatklägerin zu jener Zeit in der Regel 

um 23 Uhr heimkam und somit am darauffolgenden Morgen die Zeckenkontrolle hätte 

vornehmen können (act. B 48, S. 4).  

 

Beim Berufungskläger liegt sodann ein Motiv vor, den Sachverhalt nicht wahrheitsgemäss 

darzulegen, drohen ihm doch eine Bestrafung und ein lebenslängliches Verbot für eine 

Tätigkeit mit Minderjährigen.  

 

Zusammenfassend sind die Aussagen des Berufungsklägers widersprüchlich, nicht 

schlüssig und keineswegs konstant. Sie bilden kein stimmiges Ganzes und wirken 

insgesamt wenig glaubhaft.  

  

 

Seite 29 

2.5.3.3 

Das Obergericht gelangt aufgrund des Ausgeführten zur Überzeugung, dass der 

Berufungskläger im Zeitraum Anfang April 2020 bis Ende Mai 2020 anlässlich einer 

Zeckenkontrolle nebst den Gesässbacken der Privatklägerin auch deren Schamlippen mit 

seinen Händen auseinandergezogen hat.  

 

3. Rechtliche Würdigung 

Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer mit einem Kind unter 

16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder 

es in eine sexuelle Handlung einbezieht (Art. 187 Ziff. 1 StGB). Der objektive Tatbestand 

setzt die Vornahme von sexuellen Handlungen mit einem Kind unter 16 Jahren voraus. Mit 

diesem Tatbestand sollen Kinder unter 16 Jahren vor verfrühten sexuellen Handlungen 

geschützt werden (TRECHSEL/BERTOSSA, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2021, N. 1 zu Art. 187 StGB). Das Verhalten 

muss objektiv, aus Sicht eines aussenstehenden Betrachters, und unter Berücksichtigung 

der Gesamtumstände, einen Bezug zum Geschlechtlichen aufweisen, um als sexuelle 

Handlung zu gelten (dieselben, a.a.O., N. 5 zu Art. 187 StGB). Eindeutig sexualbezogene 

Handlungen erfüllen stets den objektiven Tatbestand. Auf die Motive des Täters kommt es 

nicht an (dieselben, a.a.O., N. 5 zu Art. 187 StGB). Die Handlung muss von einer gewissen 

Erheblichkeit sein. Bedeutsam für die Beurteilung sind qualitativ die Art und quantitativ die 

Intensität und Dauer der Handlung, wobei die gesamten Begleitumstände zu 

berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_702/2009 vom 8. Januar 2010 E. 5.4). 

Die Vornahme einer sexuellen Handlung mit einem Kind erfordert körperlichen Kontakt 

zwischen Kind und Täter. Darunter fallen beispielsweise Petting, Betasten der 

Geschlechtsorgane, intensives Streicheln erogener Zonen. Ob der Täter dabei eine aktive 

oder passive Rolle spielt, ist ohne Bedeutung (TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., N. 7 zu Art. 

187 StGB mit Hinweisen). Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz, wobei 

Eventualvorsatz genügt (PHILIPP MAIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, 

N. 21 zu Art. 187 StGB). 

 

3.1 Würdigung durch die Vorinstanz 

Die Vorinstanz führte aus, dass die Art und Weise, wie der Berufungskläger die zu 

beurteilende Zeckenkontrolle durchgeführt habe – Anweisung an die Privatklägerin, nackt 

die Beine zu spreizen, manuelle Kontrolle des Gesässes und des Intimbereichs der 

Privatklägerin – vom Standpunkt eines objektiven Betrachters aus eindeutig sexualbezogen 

erscheine. Dies sei auch dann der Fall, wenn der Berufungskläger ausschliesslich die 

Gesässbacken der Privatklägerin – und nicht auch noch deren Schamlippen – 

auseinandergezogen habe. Den Charakter als sexuelle Handlung verliere die durch den 

 

Seite 30 

Berufungskläger vorgenommene Zeckenkontrolle auch dann nicht, wenn es dabei nicht zu 

Schmerzen gekommen wäre. Der Berufungskläger habe vorsätzlich beziehungsweise 

zumindest eventualvorsätzlich gehandelt. Aufgrund seiner Aussagen sei erstellt, dass er 

sich des sexuellen Charakters seines Tuns bewusst gewesen sei und er sich die soziale 

Wertung seines Verhaltens zumindest in groben Zügen habe vorstellen können. Zumal er 

aufgrund seiner Beteiligung an Kinderlagern bereits mit anderweitigen Ansichten bezüglich 

der sozial anerkannten Grenzen hinsichtlich des (Körper-)Kontakts zwischen Aufsichts-

personen und Kindern beziehungsweise Jugendlichen konfrontiert worden sei. Es gebe 

keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Berufungskläger nicht im Stande gewesen wäre, 

die sexuelle Dimension seiner Handlung zu erfassen. Zusammenfassend sei sowohl der 

objektive als auch subjektive Tatbestand als erfüllt zu betrachten (act. B 2/Erwägung 4.5.2).   

 

3.2 Parteivorbringen vor Obergericht 

Der Berufungskläger lässt ausführen, in objektiver Hinsicht sei nicht von einer eindeutig 

sexualbezogenen Handlung auszugehen. Die gesamte Kontrolle sei ohne einen sexuellen 

Bezug gewesen und ohne Berührung der Genitalien, zudem sei sie schnell und kurz 

durchgeführt worden, was für eine Art Automatismus in der Durchführung spreche (act. B 

43, S. 10f). Ferner fehle der Vorsatz. Der Berufungskläger habe in keiner Weise seine 

sexuellen Bedürfnisse gestillt oder ein sexuelles Motiv gehabt. Er kenne es nur so, auch 

bereits durch seine Eltern, und sei durch seine Ausbildungen und Tätigkeiten in den Lagern 

darauf geschult und getrimmt. Der Berufungskläger habe lediglich die Gefahr beseitigen 

wollen und die Privatklägerin nicht unnötig lange nackt vor ihm haben. Es könne auch nicht 

angenommen werden, dass der Berufungskläger hätte wissen müssen, dass dies eine 

sexuelle Handlung darstellen könnte. Er sei eine nahe Bezugsperson gewesen. Aus diesem 

Grund habe der Berufungskläger in keiner Weise angenommen, dass die vorgenommene 

Zeckenkontrolle als sexuelle Handlung qualifiziert werden könne. Es fehle vor diesem 

Hintergrund entsprechend auch am Wissen um den objektiven Tatbestand. Der 

Berufungskläger sei daher freizusprechen und auf ein Tätigkeitsverbot sei zu verzichten 

(act. B 43, S. 11f). 

 

Die Vertreterin der Privatklägerin führte in Bezug auf den Tatbestand sexuelle Handlungen 

aus, eindeutige Sexualbezogenheit könne sich regelmässig entweder an der Häufigkeit des 

Vorkommens oder am Sittlichkeitsempfinden orientieren. Vorliegend habe ein Mädchen auf 

dem Trampolin im eigenen Garten gespielt, weshalb es äusserst fraglich sei, ob bei diesen 

Gegebenheiten eine Zeckenkontrolle überhaupt notwendig gewesen sei. Eine Notwendig-

keit, eine Kontrolle durchzuführen, bevor die Mutter zu Hause gewesen sei, habe nicht 

bestanden. Der Berufungskläger wäre jedenfalls mehr als nur verpflichtet gewesen, die 

Mutter – auch telefonisch – vorgängig zu fragen oder die Privatklägerin nach der in ihrem 

 

Seite 31 

Zuhause üblichen Handhabung fragen. Umso mehr, als er festgestellt habe, dass die 

Zeckenkontrolle ungewohnt gewesen sei für das Kind. Nach allgemeinen Empfinden habe 

keine Notwendigkeit einer Zeckenkontrolle bestanden und schon gar nicht für eine 

sofortige. Zudem müsse die Art und Weise der Durchführung als unsittlich bezeichnet 

werden. Der Berufungskläger hätte bei seiner Kontrolle den Intimbereich der Privatklägerin 

ausklammern müssen. Umso mehr, da dieser Körperteil während des Trampolinspringens 

zweifach – mit Unterhose und Hose – zugedeckt und damit vor Zecken gut geschützt 

gewesen sei. Die Handlungen des Berufungsklägers seien nach ihrem objektiven 

Erscheinungsbild eindeutig sexualbezogen gewesen. In subjektiver Hinsicht sei auf die 

Vergangenheit des Berufungsklägers, welcher mehrfach wegen grenzüberschreitenden 

Handlungen an Kindern gerügt und als Lagerleiter sogar gesperrt worden sei, zu verweisen. 

Der Berufungskläger müsse sich der sozialen Wertung seines Tuns durchaus bewusst 

gewesen sein. Es habe ein Schuldspruch wegen sexuellen Handlungen mit Kindern nach 

Art. 187 Ziff. 1 ZGB zu erfolgen und es sei ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot 

auszusprechen (act. B 45, S. 5f).  

 

3.3 Würdigung durch das Obergericht 

Indem der Berufungskläger die damals achtjährige Privatklägerin anwies, sich nackt 

auszuziehen, nackt die Beine zu spreizen und er danach eine manuelle Kontrolle des 

Gesässes und des Intimbereichs der Privatklägerin durch das Auseinanderziehen der 

Gesässbacken und der Schamlippen durchführte, nahm er bei der Privatklägerin eine 

sexuelle Handlung nach Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vor. Hierbei handelt es sich um objektiv 

eindeutig sexualbezogene Handlungen. Die vom Berufungskläger vorgenommenen 

Handlungen – Auseinanderziehen der Gesässbacken und der Schamlippen – weisen allein 

nach ihrem äusseren Erscheinungsbild einen unmittelbaren sexuellen Bezug auf. Dass der 

Berufungskläger die Kontrolle in einer Art Automatismus durchgeführt haben will, ändert 

nichts an der eindeutigen Sexualbezogenheit seiner Handlungen. Es handelt sich hierbei 

nicht um sozialadäquate Handlungen, auch wenn der körperliche Kontakt von kurzer Dauer 

gewesen sein mag. Der Vorfall spielte sich sodann im Schlafzimmer der Mutter der 

Privatklägerin während deren Abwesenheit ab, d.h. die damals 8-jährige Privatklägerin war 

mit dem 17 Jahre älteren Berufungskläger allein. Es handelt sich auch nicht um eine 

flüchtige, zufällige Berührung, sondern um ein absichtliches Anfassen, welches der 

Berufungskläger mit der Anweisung an der Privatklägerin, sich nackt auszuziehen und die 

Beine zu spreizen, in die Wege leitete. Insofern kommt es nicht auf das vom 

Berufungskläger geltend gemachte subjektive Empfinden, wonach er keinen sexuellen 

Bezug hergestellt habe, und das von ihm behauptete Motiv, er habe lediglich eine 

Zeckenkontrolle vornehmen wollen, an (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_727/2013 vom 

7. Oktober 2014 E. 3.3). Ein anderes als ein sexuelles Motiv für die Handlungen des 

 

Seite 32 

Berufungsklägers, welche in der Art und Weise der Durchführung als unsittlich bezeichnet 

werden können (PHILIPP MAIER, a.a.O., N. 32 vor Art. 187 StGB), ist nicht ersichtlich. Die 

vom ihm vorgenommenen Handlungen waren ferner geeignet, die ungestörte sexuelle 

Entwicklung der Privatklägerin und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu gefährden. Der 

objektive Tatbestand der sexuellen Handlung mit Kindern nach Art. 187 Ziff. 1 StGB ist 

damit erfüllt.  

 

In subjektiver Hinsicht ist vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz sowie der 

Vertreterin der Privatklägerin zu verweisen, wonach der Berufungskläger mit seinem 

persönlichen Erfahrungshintergrund – Rüge wegen grenzüberschreitender Handlungen an 

Kindern, Sperre als Lagerleiter – wusste, dass die ihm vorgeworfenen Handlungen einen 

sexuellen Bezug haben (act. B 2, S. 34 und act. B 45, S. 6). Der sozialen Wertung seines 

Tuns war er sich bewusst und ebenso, dass die Durchführung der Zeckenkontrolle 

beziehungsweise seine Handlungen nicht dadurch gerechtfertigt sind, dass er sich als nahe 

Bezugsperson sieht. Er wusste um das Alter der Privatklägerin und hätte, wäre es ihm um 

eine Gefahrenbeseitigung (eines allfälligen Zeckenbefalls) gegangen, die Mutter auf die 

Notwendigkeit einer Zeckenkontrolle hingewiesen. Der Berufungskläger handelte mit 

Wissen und Willen; der subjektive Tatbestand ist erfüllt.  

 

Somit ist der Berufungskläger – in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils – der sexuellen 

Handlungen mit Kindern nach Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

 

 

4. Strafe 

4.1 Erwägungen der Vorinstanz 

Die Vorinstanz erwog, dass im konkreten Fall der Unrechts- und Schuldgehalt der 

begangenen Straftat und das Mass der Vorwerfbarkeit des Rechtsbruchs derart hoch sei, 

dass von einer Freiheitsstrafe auszugehen sei. Im Verhältnis zum Strafrahmen, welcher der 

Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB vorsehe, sei vorliegend das objektive und subjektive 

Tatverschulden im unteren Bereich anzusiedeln. Die Täterkomponenten würden sich 

insgesamt neutral auswirken, so dass von einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten auszugehen 

sei. Die erstandene Untersuchungshaft von 5 Tagen sei anzurechnen (act. B 2/Erwägung 

4).  

 

4.2 Rechtliche Grundlagen 

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafe sind zutreffend, weshalb darauf 

verwiesen werden kann (act. B 2/Ziff. III; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 

 

Seite 33 

Der Strafrahmen für sexuelle Handlungen mit Kindern sieht in Art. 187 Ziff. 1 StGB 

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Der Tatbestand der sexuellen 

Handlungen mit Kindern will die Gefährdung der sexuellen Entwicklung der Unmündigen 

verhindern. Es geht darum, die ungestörte Entwicklung des Kindes zu gewährleisten, bis 

es die notwendige Reife erlangt hat, damit es zur verantwortlichen Einwilligung zu sexuellen 

Handlungen in der Lage ist (PHILIPP MAIER, a.a.O., N. 1 zu Art. 187 StGB). Die Schwere der 

Verletzung des geschützten Rechtsguts ist bei Sexualdelikten erfahrungsgemäss schwierig 

zu bestimmen. Die Folgen und Traumatisierungen hängen unter anderem ab von der Art 

und Intensität der sexuellen Ausbeutung, vom Alter der betroffenen Kinder, vom Geschlecht 

und Alter des Täters und von der Intensität der Beziehung zwischen Opfer und Täter. 

Welcher einzelne Faktor in welcher Intensität schädigend wirkt, bleibt aber im Einzelfall 

unvorhersehbar. Gesichert scheint einzig, dass sexuelle Übergriffe für jedes Kind ernsthafte 

Risiken bergen, in seiner persönlichen Entwicklung durch das Erlebte in irgendeiner Form 

beeinträchtigt zu werden (PHILIPP MAIER, a.a.O., N. 2 zu Art. 187 StGB). 

 

4.3 Strafzumessung 

4.3.1 Objektives Tatverschulden 

Die Privatklägerin war zum Zeitpunkt der Zeckenkontrolle 8-jährig und gab im Rahmen ihrer 

Befragung an, sich vergeblich verbal und körperlich gegen die Anweisung des viel älteren 

Berufungsklägers, sich auszuziehen, gewehrt zu haben. Die sexuelle Integrität der 

Privatklägerin wurde durch die Handlung des Berufungsklägers zweifelsohne verletzt. Unter 

Berücksichtigung der Bandbreite der Art und Intensität der sexuellen Ausbeutung liegt im 

konkreten Fall jedoch eine moderate Schwere der Verletzung des geschützten Rechtsguts 

vor. Betreffend die Art und Weise des Vorgehens beziehungsweise die Verwerflichkeit des 

Handelns ist in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Vorinstanz zu berücksichtigen, 

dass der Berufungskläger seine Stellung als Untermieter der Familie und als Babysitter der 

Privatklägerin ausgenützt hat. Er missbrauchte das Vertrauen der Privatklägerin und ihrer 

Mutter massiv. Es handelt sich hier um eine klare Grenzüberschreitung gegenüber der 

Privatklägerin.  

 

4.3.2 Subjektives Tatverschulden 

 Der Berufungskläger handelte vorsätzlich, indem er den kundgetanen Willen der Privat-

klägerin und deren offensichtlich abwehrende Haltung missachtete. Er handelte aus 

egoistischen und sexuell motivierten Gründen, indem er sich anmasste, die Zeckenkontrolle 

– deren unmittelbare Notwendigkeit nicht bestand – selbst durchzuführen. Er hätte die 

Rechtsgutverletzung leicht vermeiden können, wenn er ein ihm zumutbares anderes – die 

sexuelle Integrität der Privatklägerin nicht verletzendes – Vorgehen gewählt hätte.  

 

 

Seite 34 

4.3.3 Einsatzstrafe 

Mit Blick auf den Strafrahmen von Art. 187 StGB fällt sowohl eine Freiheitsstrafe als auch 

eine Geldstrafe in Betracht. Das Tatverschulden ist im konkreten Fall mit Blick auf den 

Strafrahmen von Art. 187 StGB insgesamt als im unteren Bereich liegend anzusiedeln. Für 

eine Geldstrafe besteht aber dennoch kein Raum, da im konkreten Fall nicht eine 

besonders leichte Sexualstraftat vorliegt. Als dem Tatverschulden angemessen erscheint – 

in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten.   

 

4.3.4 Täterbezogene Kriterien 

Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Berufungsklägers 

korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (act. B 2/Ziff. III, Erwägung 4.2). 

Aktualisierend führte der Berufungskläger an der Berufungsverhandlung aus, er sei 

momentan nicht erwerbstätig und lebe von seinem Ersparten. Seine berufliche Zukunft 

hänge wesentlich vom Ausgang des Berufungsverfahrens ab (act. B 48, S. 10). 

 

4.3.5 Vorläufiges Fazit 

Zusammenfassend erscheint eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten als angemessen. Die 

erstandene Untersuchungshaft von 5 Tagen ist anzurechnen (Art. 51 StGB).  

 

4.3.6 Vollzug 

Die Vorinstanz gewährte dem Berufungskläger den bedingten Strafvollzug und setzte die 

Probezeit auf zwei Jahre fest. Auf die diesbezüglichen vorinstanzlichen Erwägungen kann 

vollumfänglich verwiesen werden (act. B 2/Ziff. IV, Erwägung 3; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das 

Obergericht teilt die Ansicht, wonach vorliegend mangels strafrechtlicher Vorbelastung 

und mangels konkreter Anhaltspunkte für das Vorliegen einer ungünstigen Prognose der 

Vollzug der Strafe aufzuschieben ist (Art. 42 Abs. 1 StGB). Ebenso erscheint eine 

Probezeit von zwei Jahren angemessen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

4.3.7 Verbindungsbusse   

Mit einer Verbindungsstrafe im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB soll im Rahmen der 

Massendelinquenz die sogenannte "Schnittstellenproblematik" zwischen den – stets 

unbedingten – Bussen für Übertretungen und den bedingten Geldstrafen für Vergehen 

entschärft werden, indem Art. 42 Abs. 4 StGB eine rechtsgleiche Sanktionierung 

ermöglicht. Die Verbindungsbusse trägt ferner dazu bei, das unter spezial- und 

generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der bedingten Geldstrafe 

zu erhöhen. Sie kommt daher insbesondere in Betracht, wenn dem Täter zusätzlich zur 

bedingten Grundstrafe ein sofort spürbarer Denkzettel verpasst werden soll. Die bedingte 

Strafe und die Verbindungsbusse müssen in ihrer Summe schuldangemessen sein. Die 

 

Seite 35 

Strafenkombination (bedingte Geldstrafe und Verbindungsbusse) darf also zu keiner 

Straferhöhung führen (vgl. BGE 134 IV 1 E. 4.5; BGE 134 IV 60, E. 7.2f.; BGE 135 IV 188 

E. 3.3f.). Vorliegend handelt es sich nicht um ein eigentliches Massendelikt, bei welchem 

die Schnittstellenproblematik zu berücksichtigen wäre. Auch unter spezialpräventiven 

Gesichtspunkten drängt sich die Auferlegung einer zusätzlichen Busse nicht auf. Es ist 

anzunehmen, dass sich der Berufungskläger durch die bedingte Freiheitsstrafe und die 

weiteren Konsequenzen dieses Strafverfahrens genügend beeindrucken lassen wird, um 

sich künftig wohl zu verhalten. Auf die Ausfällung einer zusätzlichen Verbindungsbusse 

ist entgegen Staatsanwaltschaft und Vorinstanz zu verzichten. 

 

4.3.8 Fazit 

Der Berufungskläger ist nach dem Gesagten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 

Monaten zu verurteilen; die Probezeit beträgt zwei Jahre. Die erstandene Untersuchungs-

haft von 5 Tagen ist anzurechnen.  

 

4.4 Tätigkeitsverbot 

Wird jemand wegen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB zu 

einer Strafe verurteilt oder wird deswegen gegen ihn eine Massnahme nach den Artikeln 

59-61, 63 oder 64 StGB angeordnet, so verbietet ihm das Gericht lebenslänglich jede 

berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen 

Kontakt zu Minderjährigen umfasst (Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB).  

 

Die Anordnung eines Tätigkeitsverbots ist bei einer Verurteilung wegen sexuellen 

Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB zwingend. Im Übrigen ist der 

Vorinstanz zuzustimmen, wonach konkret kein besonders leichter Fall i.S.v. Art. 67 

Abs. 4bis StGB vorliegt (act. B 2/Ziff. V; BGE 149 IV 161 E. 2.5.1; Urteil des Bundesgerichts 

7B_143/2022 vom 18. Juli 2023 E. 2.5.1). Weder handelt es sich um einen offensichtlichen 

Bagatellfall, der keinerlei Bezug zu Pädophilie aufweist, noch ist im Rahmen der 

Gesamtwürdigung der Tat- und Täterkomponenten das Verschulden des Berufungs-

klägers am untersten Rand des Denkbaren einzuordnen.  

 

Damit ist dem Berufungskläger lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte 

ausserberufliche Tätigkeit zu verbieten, die einen regelmässigen Kontakt zu Minder-

jährigen umfasst. 

  

 

Seite 36 

5. Kosten und Entschädigungen 

5.1 Kosten 

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Das Obsiegen oder Unterliegen 

beurteilt sich grundsätzlich nach den Anträgen der rechtsmittelführenden Partei. Der 

Entscheid über das Ausmass der Kostenauflage präjudiziert denjenigen betreffend der 

Entschädigung (YVONA GRIESSER, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 

Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 1 zu Art. 428 

StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 

426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet 

sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 

StPO), wobei diese Fragen für jede Verfahrensstufe separat zu prüfen sind und 

demgemäss Kostenauflagen und Entschädigungspflichten für diese durchaus unter-

schiedlich ausfallen können (JOSITSCH/SCHMID, Praxiskommentar schweizerische 

Strafprozessordnung, 4. Aufl. 2023, N. 1 zu Art. 428 StPO). Die Verfahrenskosten setzen 

sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung des Aufwands und den Auslagen im 

konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO). Auslagen sind unter anderem Kosten für die 

Mitwirkung anderer Behörden (Art. 422 Abs. 2 lit. d StPO). 

 

 Hinsichtlich der erstinstanzlichen