# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d454361a-f198-5c9d-86d6-cf9f0de91ccb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-09-01
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 01.09.2006 R 2006 64
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_R-2006-64_2006-09-01.pdf

## Full Text

R 06 64
4. Kammer 

URTEIL
vom 1. September 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baueinsprache

1. Die … GmbH reichte am 23. Januar 2006 ein Baugesuch für die Erstellung 

der drei Mehrfamilienhäuser A, B und C samt Tiefgarage auf der Parzelle 4885 

an der …strasse in … ein. Gegen das Bauvorhaben erhob …, Eigentümer der 

westlichen Nachbarparzelle 812, Einsprache. Nachdem die Bauherrschaft die 

Planunterlagen verschiedentlich ergänzt hatte und dem Einsprecher 

Gelegenheit zur Einsicht und Stellungnahme geboten worden war, bewilligte 

die Baubehörde das Bauvorhaben mit drei separaten Entscheiden vom 20. 

Juni 2006 unter gleichzeitiger Abweisung der Einsprache. 

2. Dagegen erhob … am 11. Juli 2006 Rekurs an das Verwaltungsgericht mit 

dem Antrag, die angefochtenen Entscheide aufzuheben und dem 

Bauvorhaben die Baubewilligung zu verweigern. Der Rekurrent bringt vor, der 

Verlauf des gewachsenen und des neuen Terrains im Bereich der 

Zufahrtstrasse und des Mehrfamilienhauses A mit der Tiefgarage seien unklar 

und würden aus den Planunterlagen sowie Geländeaufnahmen des 

Grundbuchgeometers nicht vollständig hervorgehen. Die Rampe in die 

Tiefgarage weise eine Höhe von rund 52 cm gegenüber dem gewachsenen 

Terrain auf, was eine unzulässige Aufschüttung sei. Als Bemessungslinie für 

das Haus A könne nicht die …strasse gelten, sondern der tiefste sichtbare 

Punkt der Fassade im gewachsenen Boden. Bei einer Hausecke des Hauses 

A würde unerlaubt 80 cm über das gewachsene Terrain aufgeschüttet. Die 

Giebeldachkonstruktion aller drei Häuser entspreche nicht dem Baugesetz 

und sei eine ästhetische Verfehlung. 

3. Die Gemeinde … beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung des 

Rekurses. Die Pläne seien korrekt und vollständig und das Baugesetz richtig 

angewendet worden.

4. Die Bauherrschaft beantragt, den Rekurs abzuweisen, soweit darauf 

eingetreten werden könne. Auf die Ästhetikrüge könne auch nach neuer 

Praxis des Verwaltungsgerichtes nicht eingetreten werden. Die übrigen 

Einwände seien alle unbegründet. 

5. Am 31. August 2006 führte das Verwaltungsgericht einen Augenschein an Ort 

und Stelle durch, an welchem der Anwalt des Rekurrenten, Vertreter der 

Gemeinde und der Anwalt der Rekursgegnerin 2 teilnahmen. Allen 

Anwesenden wurde dabei Gelegenheit erteilt, sich anhand der Örtlichkeiten 

auch noch mündlich zu den aufgeworfenen Fragen zu äussern.

Auf das Ergebnis des Augenscheines sowie die weiteren Ausführungen in den 

Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Soweit die Rekursgegnerin 2 unter Berufung auf VGU R 03 70 geltend macht, 

das Verwaltungsgericht habe an seiner bisherigen Praxis zur 

Rekurslegitimation hinsichtlich der Bauästhetik festgehalten, übersieht sie, 

dass die generelle Ausweitung der Rekurslegitimation erst in dem zeitlich 

nachfolgenden Urteil VGU R 03 69, publiziert in PVG 2003 Nr. 34, vollzogen 

wurde. Seither gilt für alle Sachgebiete die Beschwerdebefugnis analog zu 

Art. 103 OG. Der Rekurrent war daher auch legitimiert, Ästhetikrügen zu 

erheben.

2. Der Rekurrent behauptet, die bewilligten Pläne seien bezüglich des 

gewachsenen und neuen Terrains unklar und unvollständig, was besonders 

im Bereich der Zufahrtsstrasse und des Hauses A mit der Tiefgarage zutreffe. 

Dieser Einwand ist nicht nachvollziehbar. Die Terrainangaben in den 

bewilligten Plänen basieren auf einem Geometerplan und stimmen mit diesem 

in jeder Beziehung überein. Aus den bewilligten Plänen ist auch exakt 

ersichtlich, wo Abgrabungen oder Aufböschungen vorgenommen werden. Die 

Behauptungen des Rekurrenten basieren offenbar auf einer Fehlinterpretation 

der Pläne. Für die Beurteilung der Zulässigkeit des Bauvorhabens ist daher 

von den bewilligten Bauplänen auszugehen.

3. Der Rekurrent ist der Ansicht, dass die Anböschung bei der Einfahrt zur 

Tiefgarage eine massive Rampe darstelle, welche als Hochbaute zu 

qualifizieren sei und somit gemäss Art. 75 und 76 jeweils Abs. 1 KRG einen 

Grenzabstand von 2.5 m einzuhalten habe. Den bewilligten Plänen ist zu 

entnehmen, dass es sich bei der vom Rekurrenten gerügten Rampe um eine 

ca. 52 cm hohe Aufschüttung bei der neu angelegten Zufahrtsstrasse, eine so 

genannte Anböschung, handelt. Aufschüttungen und Böschungen sind aber 

gemäss Art. 76 KRG und Art. 29 BauG nicht generell verboten, sondern 

erlaubt, sofern sie unumgänglich und geringfügig sind. Vorliegend muss die 

Vertiefung zwischen der …strasse und dem gewachsenen Terrain als Folge 

der Nivellierung der neuen Zufahrtsstrasse mittels geringfügigen 

Aufschüttungen aufgefangen werden. Diese minimalen 

Terrainveränderungen auf einer Länge von 10 - 20 m sind somit notwendig 

und aus architektonischen sowie ästhetischen Gesichtspunkten sogar 

erwünscht. Nach Art. 76 Abs. 2 KRG dürfen solche Böschungen direkt an die 

Grenze gebaut werden, sofern sie eine Höhe von 1.0 m nicht übersteigen. Da 

die Anböschung im vorliegenden Fall gemäss den Projektplänen lediglich ca. 

52 cm hoch wird, kann aus rechtlicher Sicht nichts dagegen eingewendet 

werden. Die eigentliche Rampe zur Tiefgarage befindet sich demgegenüber 

in einer Entfernung von über 9 m vom Nachbargrundstück und verletzt damit 

offensichtlich keine Abstandsvorschriften. Sodann sind die Aufschüttungen 

insbesondere beim Haus A derart geringfügig, dass schlicht nicht 

nachvollziehbar ist, was dagegen sprechen sollte. 

4. a) Der Rekurrent ist der Ansicht, dass als Bemessungslinie für alle geplanten 

Mehrfamilienhäuser A, B und C, die Waagrechte durch den tiefsten sichtbaren 

Punkt der Fassade im gewachsenen Boden herangezogen werden müsse, 

was aber von der Baubehörde nicht so umgesetzt worden sei.

b) Den eingereichten Plänen ist zu entnehmen, dass für die Häuser B und C der 

tiefste sichtbare Punkt der Fassade im gewachsenen Terrain als 

Bemessungslinie festgelegt wurde. Ausgehend von dieser Bemessungslinie 

und anhand der bewilligten Pläne ist denn auch ersichtlich, dass die bewilligte 

Geschosszahl dieser zwei Wohnhäuser, jeweils drei volle Geschosse sowie 

jeweils ein ausgebautes Dach, den baugesetzlichen Vorschriften der 

Ortsrandzone 1 entspricht und somit nicht zu beanstanden ist.

c) Nach Art. 100 Abs. 2 BG ist für Gebäude an gewissen, in diesem Artikel 

aufgeführten Strassenzügen, das Strassenniveau als Bemessungslinie 

heranzuziehen. Gemäss lit. h dieser Bestimmung gilt dies für an der …strasse 

gelegene Gebäude. Das Haus A befindet sich etwa 24 m von der …strasse 

entfernt, liegt aber nichtsdestoweniger an dieser. Es entspricht daher dem 

Wortlaut der anwendbaren Bestimmung, die Strasse als Bemessungslinie 

zugrundezulegen. Der Hinweis auf das alte Baugesetz, das noch vorsah, dass 

Gebäude nicht mehr als 10 m von der Strasse entfernt sein dürften, ist 

unbehelflich. Diese Beschränkung wurde mit dem neuen Baugesetz gerade 

aufgehoben. Damit ist auch der Rüge, das Haus A habe ein Geschoss zuviel, 

der Boden entzogen, weil das Untergeschoss nur zu zählen gewesen wäre, 

wenn die Bemessungslinie im Sinne des Rekurrenten festzulegen gewesen 

wäre. 

5. Der Rekurrent bringt weiter vor, nach Massgabe des generellen 

Gestaltungsplanes seien für die drei geplanten Mehrfamilienhäuser 

Giebeldächer vorgeschrieben. Diese seien so zu gestalten, dass sie sich in 

Bezug auf Grösse, Form und Stellung an die bestehende Bauweise, die 

Umgebung und das Landschaftsbild anpassen müssten (Einfügungsgebot 

gemäss Art. 73 KRG und Art. 24 BG). Die vorliegend zu beurteilenden 

Giebeldachkonstruktionen seien für die Gemeinde völlig neu und es gebe 

keine einzige vergleichbare Dachgestaltung in der ganzen Landschaft. Die 

Hauptgiebel verliefen nicht wie üblich parallel zu den seitlichen Fassaden in 

der Mitte der Gebäude, sondern diagonal durch die Gebäude. Die Dächer 

lägen nur auf “punktuellen“ Kniestöcken an zwei Enden auf, was zur Folge 

habe, dass viel grössere Fassaden entstünden, als bei einer konventionellen 

Ausrichtung der Giebel. Die drei Häuser wirkten deshalb auch sehr massig 

und die Häuser B und C träten von jeder Seite als viergeschossige Gebäude 

in Erscheinung. Dass die projektierten Dachkonstruktionen dem 

Einfügungsgebot diametral zuwiderliefen, zeige auch ein Vergleich mit den 

bereits in der Umgebung vorhandenen Liegenschaften. Soweit diese nicht in 

der Flachdachzone lägen, hätten alle bestehenden Gebäude konventionelle 

Giebeldächer, die Richtung Süden zeigten. Die Giebelkonstruktion der drei 

neuen Mehrfamilienhäuser müssten auch aus diesem Grund entsprechend 

geändert werden, umso mehr, als die Giebel jedes Neubaus noch 

verschieden ausgerichtet seien.

Demgegenüber führt die Gemeinde aus, bei den projektierten 

Dachkonstruktionen der drei Mehrfamilienhäuser handle es sich um eine 

Variation des schlichten Satteldaches. Die Variation bestehe dabei einzig 

darin, dass die Satteldächer diagonal über die Gebäude der Überbauung zu 

liegen kämen. So fügten sie sich zudem auch ohne weiteres harmonisch in 

die in zeitgemässer Form ausgestalteten Wohnhäuser ein (Art. 27 Abs. 2 

BauG). Ausserdem sei festzuhalten, dass Variationen von gängigen 

Dachformen in der … keineswegs unüblich und bereits historisch vertreten 

seien (z.B. Kreuzgiebel- und Krüppelwalmdächer). Es existiere im Übrigen 

auch keine gesetzliche Vorschrift, welche eine starre Ausrichtung sämtlicher 

Dächer in eine bestimmte Richtung vorsehe. Somit sei zusammenfassend 

festzuhalten, dass die geplante Dachkonstruktion architektonisch nicht zu 

beanstanden sei und sich gut in die Umgebung einfüge.

Diese von der Gemeinde vorgenommene ästhetische Beurteilung lässt sich 

nicht beanstanden. Bei der vom Rekurrenten daran erhobenen Kritik handelt 

es sich um eine subjektive Ansicht, die wohl ebenfalls vertreten werden kann, 

aber nichts daran ändert, dass die Beurteilung der Gemeinde der Sache 

angemessen ist. Derselben hält der Rekurrent nichts Substantielles entgegen. 

Er bringt nichts vor, was darauf schliessen lässt, dass die Vorinstanz ihr 

Ermessen missbraucht oder überschritten hat, sondern legt lediglich dar, 

weshalb aus ihrer Sicht die architektonischen Anforderungen an das Projekt 

nicht erfüllt würden. Insbesondere verlangt Art. 72 KRG eine architektonische 

Gestaltung, die im Zusammenspiel von Umgebung und Landschaft eine gute 

Gesamtwirkung erzielt. Das bedeutet nicht kritikloses Übernehmen 

vorhandener Gestaltungsstrukturen und Anbiederung an das Bestehende. 

Vielmehr kann eine gute Gesamtwirkung gerade durch das Setzen von 

Kontrapunkten entstehen und das besonders dann, wenn die in der 

Umgebung der Neubaute bereits vorhandene Bausubstanz ihrerseits nicht 

hohen architektonischen Ansprüchen genügt. Vorliegend entsteht durch die 

gewählte Dachgestaltung eine gute Gesamtwirkung im Sinne des Gesagten, 

wie gerade die Besichtigung der Umgebung am Augenschein gezeigt hat. 

Jedenfalls kann der Vorinstanz mit ihrer Beurteilung kein 

Ermessensmissbrauch vorgeworfen werden. Der Rekurs erweist sich 

demnach in allen Punkten als unbegründet.

6. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten des Rekurrenten, 

welcher überdies die anwaltlich vertretene private Gegenpartei angemessen 

aussergerichtlich zu entschädigen hat.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 5'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 162.--

zusammen Fr. 5'162.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. … entschädigt die … GmbH aussergerichtlich mit Fr. 2'500.-- (inkl. MWST).