# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69ee2cec-fe50-520a-b442-d9d43b106745
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.01.2024 BG.2023.41
**Docket/Reference:** BG.2023.41
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2023-41_2024-01-25

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 25. Januar 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Miriam Forni und Patrick Robert-Nicoud, 

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter 

   
Parteien   

KANTON ZUG, Staatsanwaltschaft, 

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft, 

 

Gesuchsgegner 

 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2023.41 

 

 

 

 

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Sachverhalt: 

 

A. Die Kantonspolizei Zürich rapportierte am 21. Januar 2023, ergänzt am 

30. Januar 2023, gestützt auf Aussagen von A. unter anderem gegen B. und 

C. wegen Verdachts der Vergewaltigung, begangen im Dezember 2021 und 

im Februar 2022 in Z./ZG (Verfahrensakten der Staatsanwaltschaft des Kan-

tons Zug [nachfolgend «Verfahrensakten StA ZG»], 1A 2023 327, pag. 1/1/1, 

1/1/2). 

 

 

B. Am 14. Februar 2023 ersuchte die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend «StA ZG») um  

Übernahme des gegen B., C. und Unbekannt geführten Verfahrens  

D-8/2022/10047077 (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 327, pag. 7/1). 

 

 

C. Die StA ZG verfügte am 28. Februar 2023, dass das Verfahren gegen C. 

betreffend Vergewaltigung etc. durch sie übernommen werde. Vorbehalten 

blieben neue Erkenntnisse, welche die Überprüfung der Zuständigkeit erfor-

derlich machten (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 327, pag. 7/2). Glei-

chentags lehnte sie die Übernahme des Verfahrens gegen B. betreffend Ver-

gewaltigung etc. zunächst ab (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 328, 

pag. 7/2). Nach weiterem Meinungsaustausch zwischen der Staatsanwalt-

schaft Winterthur/Unterland und der StA ZG (Verfahrensakten StA ZG, 

1A 2023 328, pag. 7/3, 7/4) verfügte die StA ZG am 20. März 2023, dass 

auch das Verfahren gegen B. betreffend Vergewaltigung etc. durch sie über-

nommen werde. Vorbehalten blieben neue Erkenntnisse, welche die Über-

prüfung der Zuständigkeit erforderlich machten (Verfahrensakten StA ZG, 

1A 2023 328, pag. 7/5). 

 

 

D. Am 20. März 2023 verfügte die StA ZG, dass das von der Staatsanwaltschaft 

des Kantons Bern, Region Berner Jura-Seeland, geführte Verfahren BJS 23 

1770 gegen C. betreffend einfache Körperverletzung und Tätlichkeiten durch 

sie übernommen werde. Vorbehalten blieben neue Erkenntnisse, welche die 

Überprüfung der Zuständigkeit erforderlich machten (Verfahrensakten 

StA ZG, 1A 2023 327, pag. 7/6). 

 

 

E. Am 13. April 2023 verfügte die StA ZG, dass das von der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland geführte Verfahren D-8/2023/10008479 gegen B. be-

treffend mehrfachen Betrug übernommen werde. Vorbehalten blieben neue 

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Erkenntnisse, welche die Überprüfung der Zuständigkeit erforderlich mach-

ten (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 328, pag. 7/11). 

 

 

F. Am 11. Mai 2023 verfügte die StA ZG, dass das vom Kanton Bern geführte 

Verfahren EO 23 5197 gegen B. betreffend Betrug durch sie übernommen 

werde. Vorbehalten blieben neue Erkenntnisse, welche die Überprüfung der 

Zuständigkeit erforderlich machten (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 328, 

pag. 7/14). 

 

 

G. Mit Gerichtsstandsanfrage vom 6. Juli 2023 ersuchte die StA ZG die Ober-

staatsanwaltschaft Zürich (nachfolgend «OStA ZH») um Übernahme der (un-

ter den Verfahrensnummern 1A 2023 327, 1A 2023 328 und 1A 2023 329) 

geführten Strafuntersuchung gegen C., B. und Unbekannt. Zwischenzeitlich 

sei A. am 20. Juni 2023 befragt worden. Anlässlich der Befragung habe die 

Privatklägerin über eine weitere Vergewaltigung durch B. berichtet, die sich 

in Y./ZH ereignet habe. Diese Aussagen der Privatklägerin seien neue Er-

kenntnisse in der Strafuntersuchung gegen B., C. und Unbekannt, welche 

die Ausgangslage massgeblich veränderten und ein Zurückkommen auf den 

Anerkennungsentscheid vom 28. Februar 2023 resp. 13. April 2023 rechtfer-

tigten (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 328, pag. 7/15). Die OStA ZH 

lehnte die Übernahme der Strafuntersuchung am 13. Juli 2023 ab (Verfah-

rensakten StA ZG, 1A 2023 328, pag. 7/16). 

 

 

H. Am 26. Juli 2023 ersuchte die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl die StA ZG um 

Übernahme des gegen B., D. und E. geführten Verfahrens  

F-5/2023/10024323 wegen Verdachts des Betrugs etc. (Verfahrensakten 

StA ZG, 1A 2023 328, pag. 7/17). 

 

 

I. Unter Bezugnahme auf die Gerichtsstandsablehnung der OStA ZH vom 

13. Juli 2023 ersuchte am 11. August 2023 die Oberstaatsanwältin der 

StA ZG die OStA ZH, für die Strafuntersuchung gegen C., B. und Unbekannt 

betreffend Vergewaltigung etc. den Gerichtsstand anzuerkennen (Verfah-

rensakten StA ZG, 1A 2023 327, pag. 7/7; 1A 2023 328, pag. 7/18). Am 

13. September 2023 lehnte die OStA ZH die Anerkennung des Gerichts-

stands und Übernahme der Untersuchung ab, mit dem Hinweis, dass, sofern 

die Oberstaatsanwältin der StA ZG mit der Ablehnung nicht einverstanden 

sei, sie sich zwecks Durchführung des Meinungsaustauschs erneut an die 

OStA ZH wenden könne (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 327, pag. 7/8; 

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1A 2023 328, pag. 7/19). Auf nochmalige Nachfrage der Oberstaatsanwältin 

der StA ZG vom 19. September 2023 (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 

327, pag. 7/9; 1A 2023 328, pag. 7/20) teilte die OStA ZH am 22. September 

2023 mit, die Übernahme nach wie vor abzulehnen (Verfahrensakten 

StA  ZG, 1A 2023 327, pag. 7/10; 1A 2023 328, pag. 7/21). 

 

 

J. Mit Gesuch um Bestimmung des Gerichtsstands vom 5. Oktober 2023 an die 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts beantragt der Leitende Ober-

staatsanwalt der StA ZG, den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich 

sei das Recht und die Pflicht zu übertragen, das Strafverfahren gegen C., B. 

und Unbekannt betreffend Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Nötigung, 

mehrfache einfache Körperverletzung etc. zu führen (act. 1). 

 

 

K. Die OStA ZH beantragt mit Gesuchsantwort vom 16. Oktober 2023, der An-

trag des Kantons Zug vom 5. Oktober 2023 sei abzuweisen und es seien die 

Strafbehörden des Kantons Zug für berechtigt und verpflichtet zu erklären, 

die beschuldigten Personen (weiter) zu verfolgen und (weiter) zu beurteilen 

(act. 3). Die Gesuchsantwort wurde der StA ZG mit Schreiben vom 19. Ok-

tober 2023 zur Kenntnis gebracht (act. 4). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-

nen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Er-

scheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 

die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-

mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 

(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-

dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 

Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die 

Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO 

i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die 

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ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 

von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden 

(vgl.  hierzu TPF 2019 62 E. 1; TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche 

berechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor 

der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen 

kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO). 

 

1.2 Der Leitende Oberstaatsanwalt des Kantons Zug ist berechtigt, den Gesuch-

steller bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerde-

kammer zu vertreten (§ 46 Abs. 4 des Gesetzes über die Organisation der 

Zivil- und Strafrechtspflege des Kantons Zug vom 26. August 2010 [Gerichts-

organisationsgesetz, GOG/ZG; BGS 161.1]). Auf Seiten des Gesuchsgeg-

ners steht diese Befugnis der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich zu 

(§ 107 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Gerichts- und Behördenorganisa-

tion im Zivil- und Strafprozess des Kantons Zürich vom 10. Mai 2010 

[GOG/ZH; LS 211.1]). Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu kei-

nen weiteren Bemerkungen Anlass. Auf das Gesuch ist einzutreten. 

 

 

2.  

2.1 Der Gesuchsteller bringt vor, B. stehe im Verdacht, mehrere Straftaten an 

verschiedenen Orten verübt zu haben, darunter auch zwei mit weiteren Per-

sonen im Dezember 2021 und Juli 2022 im Kanton Zug bzw. im Kanton Zü-

rich begangene Vergewaltigungen i.S.v. Art. 190 Abs. 1 i.V.m. Art. 200 StGB. 

Diese seien mit gleicher Strafe bedroht, womit gemäss Art. 34 Abs. 1 StPO 

die Behörde des Ortes zuständig sei, an dem zuerst Verfolgungshandlungen 

vorgenommen worden seien. Die ersten Verfolgungshandlungen seien im 

Kanton Zürich vorgenommen worden, weshalb ohne Übernahme durch die 

Zuger Behörden der Gesuchsgegner für alle Strafuntersuchungen zuständig 

wäre (act. 1 S. 3). 

 

2.2 Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten 

verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-

hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte 

Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des 

Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen wor-

den sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). 

 

2.3 Es ist unbestritten, dass vorliegend die mit der schwersten Strafe bedrohten 

Taten die im Raum stehenden gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigun-

gen (Art. 190 Abs. 1 i.V.m. Art. 200 StGB) sind. Unbestritten ist auch, dass 

sich diese Straftaten einerseits in X./ZG und andererseits in Y./ZH ereignet 

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haben sollen. Folglich sind die ersten Verfolgungshandlungen gerichts-

standsbestimmend (vgl. Art. 34 Abs. 1 StPO). Diese setzen einen örtlichen 

Anknüpfungspunkt voraus, denn die Handlungen einer Strafverfolgungsbe-

hörde eines örtlich nicht zuständigen Kantons entfalten bei der Bestimmung 

des forum praeventionis keine Wirkungen (vgl. BAUMGARTNER, Die Zustän-

digkeit im Strafverfahren, 2014, S. 179; SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale 

Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl. 2004, N. 155). In diesem 

Sinne kann der Gerichtsstand der ersten Verfolgungshandlungen nur in ei-

nem Kanton begründet werden, dem an sich in der betreffenden Sache die 

Gerichtsbarkeit zusteht, nicht aber in einem Kanton, dessen Behörden sich 

vorläufig mit einer Sache befassen, die, für sich allein betrachtet, in einem 

anderen Kanton verfolgt werden müsste (BGE 92 IV 57 E. 3; 73 IV 58; 72 IV 

92 E. 1). Ebenso ist die Einreichung einer Strafanzeige für das forum 

praeventionis nur von Bedeutung, wenn die Anzeige bei derjenigen Behörde 

eingereicht wird, welche zumindest einen örtlichen Anknüpfungspunkt zum 

beanzeigten Sachverhalt aufweist (BAUMGARTNER, a.a.O. S. 179), bzw. ist 

eine auf Ersuchen eines andern Kantons durchgeführte Rechtshilfehandlung 

keine Verfolgungshandlung, wenn sachverhaltsmässig kein örtlicher An-

knüpfungspunkt zum ersuchten Kanton besteht (vgl. BAUMGARTNER, a.a.O., 

S. 177). Die Einvernahme von A. als beschuldigte Person durch die Kan-

tonspolizei Zürich betraf eine Betrugsanzeige gegen sie als Täterin, und 

hatte ursprünglich keinen Bezug zu allfälligen Straftaten gegen sie als Opfer. 

Dies ist im Polizeirapport vom 21. Januar 2023 sehr klar ersichtlich: «Anläss-

lich einer Betrugsanzeige wurde A. durch mich, als beschuldigte Person, auf 

die Polizeistation W./ZH vorgeladen und schriftlich zum Tathergang befragt. 

Während der Einvernahme zur Person machte A. Aussagen, welchen den 

Verdacht auslöste, dass sie im Dezember 2021 [in X./ZG] Opfer eines Sexu-

aldelikts wurde. Bei der im Anschluss durchgeführten Einvernahme zur Sa-

che wurden weitere Erkenntnisse gewonnen und der Verdacht auf Verge-

waltigung sowie auf weitere, durch die gleiche Täterschaft begangene De-

likte, erhärtete sich» (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 327, pag. 1/1/1). 

Wie aus den Aussagen der Privatklägerin vom 24. Januar 2023 bei der Kan-

tonspolizei Zürich hervorgeht, schilderte sie mehrere im Kanton Zug erfolgte 

sexuelle Übergriffe (Verfahrensakten StA ZG, 1A 2023 327, pag. 2/1/2). Zu 

diesen Sexualdelikten wies der Kanton Zürich keinen örtlichen Anknüpfungs-

punkt auf. Insofern bezogen sich die von ihm diesbezüglich getätigten Un-

tersuchungshandlungen ausschliesslich auf Sexualstraftaten, welche im 

Kanton Zug erfolgt sein sollen, darunter auch die mit der schwersten Strafe 

bedrohte Tat, welche im Dezember 2021 in Z./ZG erfolgt sei. Die Zürcher 

Behörden befassten sich somit vorläufig mit einer Sache, die im Kanton Zug 

verfolgt werden musste. Die entsprechenden im Kanton Zürich getätigten 

Handlungen sind daher für die Prävention unbeachtlich. 

- 7 - 

 

 

 

2.4 Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch bereits in diesem Punkt als 

unbegründet. 

 

 

3.  

3.1 Im Übrigen erweist sich das Gesuch auch als unbegründet, als sich der Ge-

suchsteller auf den Standpunkt stellt, die Aussagen der Privatklägerin vom 

20. Juni 2023 rechtfertigten ein Zurückkommen auf die Gerichtsstandsaner-

kennung. 

 

3.2 Ein nach den Art. 38–41 StPO festgelegter Gerichtsstand kann nur aus 

neuen wichtigen Gründen und nur vor der Anklageerhebung geändert wer-

den (Art. 42 Abs. 3 StPO). In Frage kommen insbesondere eine Ermessens-

überschreitung durch die Kantone beim Abweichen vom gesetzlichen Ge-

richtsstand, das Fehlen eines Anknüpfungspunktes beim verfolgenden Kan-

ton oder das Auftauchen neuer Tatsachen, wonach sich aus verfahrensöko-

nomischen Gründen ein Wechsel des Gerichtsstands gebieterisch aufdrängt 

(Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2006.13 vom 21. August 2006 

E. 4.1). Dagegen liegen keine wichtigen Gründe für eine Neubeurteilung des 

Gerichtsstands vor, wenn ein Teil der in die Untersuchung einbezogenen 

Handlungen aus der Strafverfolgung ausscheidet, wenn die verfolgten Hand-

lungen nachträglich rechtlich anders gewürdigt werden, wenn weitere gleich-

artige Delikte hinzukommen oder wenn die Untersuchung kurz vor dem Ab-

schluss steht (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2012.9 vom 10. Mai 

2012 E. 3.1; vgl. zum Ganzen BAUMGARTNER, a.a.O., S. 428 f.; BOUVERAT, 

Commentaire romand, 2. Aufl. 2019, Art. 42 StPO N. 7; KUHN, Basler Kom-

mentar, 3. Aufl. 2023, Art. 42 StPO N. 8 f.; SCHLEGEL, Zürcher Kommentar, 

3. Aufl. 2020, Art. 42 StPO N. 6). 

 

3.3 Mit Verfügungen vom 28. Februar 2023 und 20. März 2023 hat der Gesuch-

steller den Gerichtstand für das vom Gesuchsgegner geführte Verfahren ge-

gen B., C. und Unbekannt wegen Verdachts der Vergewaltigung etc. aus-

drücklich anerkannt (vgl. supra lit. A–C). In der Folge hat der Gesuchsteller 

den Gerichtsstand auch noch für weitere von anderen Kantonen geführte 

Verfahren ausdrücklich anerkannt (vgl. supra lit. D–F). 

 

3.4 Der Gesuchsteller bringt vor, die Übernahme des Gerichtsstands sei in un-

vollständiger Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse erfolgt. Wie der Über-

nahmeverfügung zu entnehmen sei, habe sich die Staatsanwaltschaft des 

Gesuchstellers bereit erklärt, die Untersuchung zu führen, vorbehältlich 

neuer Erkenntnisse, welche die Überprüfung der Zuständigkeit erforderlich 

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machten. Neue Erkenntnisse lägen nun vor. Im Übrigen beruhe die Gerichts-

standsanerkennung auf einem Irrtum, der einem Revisionsgrund gleichzu-

stellen wäre. Die Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 3 StPO seien somit er-

füllt. 

 

Dem Gesuchsteller kann nicht gefolgt werden. Ob ein neuer wichtiger Grund 

vorliegt, beurteilt sich nach objektiven Gesichtspunkten, nicht nach den 

Überlegungen und Vorstellungen der Behörde, die den Gerichtsstand aner-

kannte. Auch wenn bei der Anerkennung ein Vorbehalt gemacht wurde, kön-

nen diese Überlegungen und Vorstellungen nicht schlechthin massgebend 

sein (BGE 97 IV 146 E. 2; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 175a und 530). 

Inwiefern der Gesuchsteller bei der Anerkennung des Gerichtsstands verse-

hentlich erhebliche Tatsachen nicht berücksichtigt hätte, die sich – bereits 

damals – aus den Akten ergaben (vgl. BGE 98 IV 205 E. 2; SCHWERI/BÄNZI-

GER, a.a.O., N. 544), legt er nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. 

 

3.5 Der Gesuchsteller bringt weiter vor, die Strafuntersuchung im Kanton Zug 

stehe am Anfang, wohingegen aus den Akten eindeutig hervorgehe, dass 

sich die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich schon mehrfach und 

seit längerem mit B. befassten. Dieser stehe unter dem Verdacht, sich des 

Betrugs resp. der Geldwäscherei strafbar gemacht zu haben. Im Kanton Zü-

rich seien zunächst einmal drei Strafanzeigen gegen B. erstattet worden. 

Zwischenzeitlich sei der Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 19. April 2023 

der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug zur Prüfung des Gerichtsstands zu-

gestellt worden. Aus dem Rapport gehe hervor, dass noch weitere 17 Ge-

schädigte im Rahmen der Zürcher Ermittlungen festgestellt worden seien. 

Darüber hinaus habe der Kanton Zürich auch die Ermittlungen gegen C. be-

treffend einfache Körperverletzung zum Nachteil von F. und G. vorgenom-

men, habe der Tatort doch im Kanton Zürich gelegen. Die Strafverfolgungs-

behörden des Kantons Zug müssten sich in all diesen Fällen in die Ermitt-

lungen der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich einarbeiten, die 

Strafuntersuchung in enger Zusammenarbeit mit der Jugendanwaltschaft 

des Kantons Zürich führen, welche die Verfahren betreffend Betrug führe, da 

die «money mules» jeweils minderjährig gewesen seien und die Zuständig-

keit diesbezüglich bei der Jugendanwaltschaft des Kantons Zürich liege. Aus 

praktischen und prozessökonomischen Gründen könne das nicht angehen. 

 

Auch in diesem Punkt kann dem Gesuchsteller nicht gefolgt werden. Weder 

wiegen die neu hinzugekommenen Deliktvorwürfe schwerer (als der Vorwurf 

der Vergewaltigung i.S.v. Art. 190 Abs. 1 i.V.m. Art. 200 StGB) noch ergibt 

sich ein deutlich anderes Schwergewicht der mutmasslichen Delinquenz. 

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Der Grundsatz der Verfahrenseinheit bringt regelmässig mit sich, dass ein 

Kanton auch kantonsfremde Dossiers behandeln muss. 

 

 

4. Nach dem Gesagten ist das Gesuch abzuweisen, und es sind die Strafbe-

hörden des Kantons Zug für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die den 

Beschuldigten zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

 

5. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten in der Regel 

(vgl. SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 649 ff.) keine Gerichtsgebühr zu erheben 

(vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG per analogiam; vgl. 

schon BGE 87 IV 144). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons Zug sind berechtigt und verpflichtet, die B., C. 

und Unbekannt zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 

 

Bellinzona, 25. Januar 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft des Kantons Zug 

- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.