# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4f4a4214-3325-5e86-af12-23acbb03664e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-01-22
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 22.01.2003 SB 2003 2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2003-2_2003-01-22.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 22 Januar 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 03 2 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vizepräsident Schlenker, Kantonsrichter Schäfer und Vital, Aktuarin ad hoc Riesen-
Ryser.

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In der strafrechtlichen Berufung

des P. G., Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Wilfried Caviezel, 
Postfach 414, Masanserstrasse 35, 7001 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 29. November 
2002, mitgeteilt am 16. Dezember 2002, in Sachen gegen den Berufungskläger,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am 31. Januar 2002 um 10.30 Uhr fuhr R. mit dem Personenwagen 
Lancia Y, Kontrollschild Y., in D. in Richtung F.. Beim E., im Bereich des T./S., stan-
den zwei bis drei Fahrzeuge am rechten Fahrbahnrand. Da kein Gegenverkehrt 
nahte, entschloss sich R., diese Fahrzeuge zu überholen. Sie blickte in den Innen-
spiegel und betätigte den linken Richtungsanzeiger. Als sie ihr Fahrzeug auf die 
linke Fahrbahnhälfte lenkte, kam es zu einer Streifkollision mit dem Personenwagen 
von P. G., einem Lancia Thema, Kontrollschild X., welcher auf der linken Fahrspur 
an ihr vorbeifuhr. R. stoppte, bat einen Passanten um Papier und Stift und notierte 
sich das vermeintliche Kontrollschild des Kollisionsgegners. Sie meldete den Unfall 
um 10.55 Uhr der Verkehrspolizei Z..

P. G. war ebenfalls auf der Promenade in Richtung F. gefahren. Auf Höhe 
des Hotels E. setzte er zum Überholen von drei bis vier langsam fahrenden Fahr-
zeugen an. Während des Manövers verspürte er einen deutlichen Schlag gegen die 
rechte Seite seines Wagens. Er hielt sein Fahrzeug auf Höhe des Sportgeschäftes 
B. (ehemals C.) auf dem Trottoir oder der Strasse an, stieg aus und begutachtete 
den Schaden. Nach ungefähr drei bis fünf Minuten, in denen sich niemand bemerk-
bar gemacht hatte und er auch nicht angesprochen worden war, setzte er seine 
Fahrt fort, ohne den Vorfall der Polizei zu melden.

Sowohl der Lancia von R. als auch jener von P. G. wurden bei der Streifkol-
lision beschädigt. Verletzt wurde niemand.

B. Mit Strafmandat vom 3. Mai 2002, mitgeteilt am 7. Mai 2002, erkannte 
der Kreispräsident Davos:

„1. (Schuldspruch R.)

2. (Busse R.)

3. P. G. ist schuldig des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall 
im Sinne von Art. 51 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 92 Abs. 1 
SVG.

4. Dafür wird er bestraft mit einer Busse von Fr. 200.--.

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5. Die Verfahrenskosten, bestehend in:
  Polizeiliche Sachverhaltsaufnahme Fr. 276.90
  Kompetenzentscheid der Staatsanwaltschaft Fr. 50.00
  Untersuchungs- und Gerichtsgebühr Fr. 300.00
  Total Fr. 626.90
gehen zu zwei Dritteln zulasten von R. und zu einem Drittel zulas-
ten von P. G.. Busse und Kosten im Betrag von Fr. 667.95 für R. 
und von Fr. 408.95 für P. G. sind innert 30 Tagen an das Kreisamt 
Davos zu bezahlen.

6. (Rechtsmittelbelehrung)

7. (Mitteilung).“

Mit Eingabe vom 17. Mai 2002 erhob P. G. fristgerecht Einsprache beim 
Kreisamt Davos, welches die Verfahrensakten an das in der Sache zuständige Be-
zirksgericht Prättigau/Davos überwies. In der Folge ergänzte der Bezirksgerichts-
präsident Prättigau/Davos die Untersuchung, indem er einen einfachen Leumunds-
bericht betreffend P. G. einholte sowie P. G. einvernahm, und erliess am 28. Juni 
2002 die Schlussverfügung. Mit Schreiben vom 11. Juli 2002 beantragte P. G. die 
Einvernahme seiner Ehefrau G. G. als Zeugin, worauf der Bezirksgerichtspräsident 
Prättigau/Davos G. G. am 24. Juli 2002 auf den 3. September 2002 zur Zeugenein-
vernahme vorlud. Mit Schreiben vom 25. Juli 2002 teilte G. G. mit, dass sie vom 
Zeugnisverweigerungsrecht, welches ihr als Ehefrau zustehe, Gebrauch mache. 
Ihre Befragung als Zeugin entfiel daher. Mit Verfügung vom 9. August 2002, mitge-
teilt am 13. August 2002, wurde P. G. wegen pflichtwidrigem Verhalten nach einem 
Unfall im Sinne von Art. 51 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 92 Abs. 1 SVG in 
Anklagezustand versetzt. 

C. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Prätti-
gau/Davos fand am 29. November 2002 statt. 

Mit Urteil vom 29. November 2002, mitgeteilt am 16. Dezember 2002, ent-
schied der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos:

„1. P. G. ist schuldig des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall gemäss 
Art. 51 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 92 Abs. 1 SVG.

2. Dafür wird er mit einer Busse in Höhe von Fr. 200.00 bestraft.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus

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- den Kosten des Kreisamtes Davos 
  von (1/3 von Fr. 626.90) Fr. 208.95
- der Gerichtsgebühr von Fr. 800.00
total somit von Fr. 1'008.95
gehen zulasten des P. G. und sind von diesem, zusammen mit der 
Busse (total also Fr. 1'208.95), innert 30 Tagen nach Rechtskraft 
dieses Urteils mittels beigeschlossenem Einzahlungsschein der 
Bezirksgerichtskasse, PC 70-3922-1, zu überweisen. Fr. 208.95 
werden nach deren Eingang vom Bezirksgericht dem Kreisamt 
Davos erstattet.

4. (Rechtsmittelbelehrung)

5. (Mitteilung).“

In der Begründung hielt das Gericht fest, Schädiger im Sinne des Gesetzes 
sei jeder, der eine Ursache zum Unfall gesetzt habe, unbekümmert darum, ob er 
ihn auch verschuldet habe. Schädiger im erwähnten Sinne sei jeder, dessen Ver-
halten für den Unfall ursächlich sei, selbst wenn er nur und sogar schuldlos eine 
Teilursache gesetzt habe und sogar wenn er selber durch den Unfall geschädigt 
worden sei. P. G. habe daher die in Art. 51 Abs. 3 SVG festgelegte Meldepflicht 
getroffen; er habe dieser aber nicht nachgelebt. Mit seinem Verhalten habe er folg-
lich gegen Art. 51 Abs. 3 SVG verstossen.

D. Gegen dieses Urteil erhebt P. G. mit Eingabe vom 6. Januar 2003 Be-
rufung beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden. Er beantragt:

„1. Das angefochtene Urteil sei als Ganzes aufzuheben und P. G. sei 
des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall gemäss Art. 51 Abs. 3 
SVG in Verbindung mit Art. 92 Abs. 1 SVG von Schuld und Strafe 
freizusprechen.

2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge für das Verfahren 
vor dem Kreispräsidenten, für das Verfahren vor Bezirksgerichts-
ausschuss Prättigau/Davos und für das Verfahren vor Kantonsge-
richtsausschuss von Graubünden zu Lasten des Staates.“

In der Begründung führt er an, er habe völlig korrekt ein Überholmanöver am 
Fahrzeug von R. vorbei ausgeführt. Die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegan-
gen, dass er auch Schädiger gewesen sei. Das Bundesgericht habe in BGE 90 IV 
219 klar festgestellt, dass ein Fahrzeugführer nur Schädiger sei, wenn er eine Ur-
sache zum Unfall gesetzt habe, und nur in Fällen wie jenem sehr speziellen, der 
dem Bundesgericht zur Beurteilung vorgelegen habe. Es sei nun leicht ersichtlich, 
dass er gar keine Ursache zum Unfall gesetzt habe. Er habe das Fahrzeug von R. 
bereits soweit überholt gehabt, dass die Front seines Fahrzeuges vor jenem von R. 
gewesen sei. Er habe nicht mit seinem Fahrzeug das von R. gerammt, sein Fahr-

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zeug sei gerammt worden. Er habe daher keine Ursache gesetzt, welche im Zusam-
menhang mit der Kollision gestanden habe. Das Überholen des Fahrzeuges von R. 
sei in keiner Weise notwendig für die Kollision gewesen, sondern ausschliesslich 
das Ausscheren des PW von R.. Allein R. habe damit derartige Ursachen gesetzt, 
nicht aber er selbst. Damit sei er nicht anders zu behandeln als jener Fahrzeugfüh-
rer, der sein Fahrzeug korrekt auf einem Parkplatz abgestellt habe und dessen 
Fahrzeug durch ein anderes Fahrzeug gerammt werde. Zudem liege kein solch spe-
zieller Fall vor, wie ihn das Bundesgericht in BGE 90 IV 219 zu beurteilen gehabt 
habe. Er sei somit kein Schädiger gewesen, sondern Geschädigter. Aus diesem 
Grund habe ihn auch keine Meldepflicht getroffen. Er habe sich in keiner Weise 
verkehrsregelwidrig verhalten, weshalb er von Schuld und Strafe freizusprechen sei. 

Mit Schreiben vom 15. Januar 2003 hat die Staatsanwaltschaft Graubünden 
auf die Einreichung einer Vernehmlassung verzichtet. Bereits am 10. Januar 2003 
hat der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos auf eine eigentliche Vernehm-
lassung unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil verzichtet.

E. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil sowie in den 
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichtsausschüsse können der Verurteilte 
und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erheben (Art. 141 
Abs. 1 StPO). Dazu ist die Berufung innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen 
Eröffnung des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und 
hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und 
ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 
StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung zu genügen. Auf 
die frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

2. Der Berufungskläger hat nicht die Durchführung einer mündlichen Be-
rufungsverhandlung verlangt. Es besteht aber auch kein Grund, dass das urteilende 
Gericht von sich aus (vgl. hierzu Art. 144 Abs. 1 Satz 2 StPO) eine mündliche Be-
rufungsverhandlung anordnet, nachdem die Vorinstanz öffentlich verhandelt hat, 
bezüglich des strittigen Sachverhaltes keine zusätzlichen Aufschlüsse von einer 
mündlichen Verhandlung zu erwarten sind, im vorliegenden Fall vorwiegend 

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Rechtsfragen zur Diskussion stehen, eine reformatio in peius ausgeschlossen ist 
und sich zudem keine Fragen zur Person und zum Charakter des Berufungsklägers 
stellen, welche sich nicht mit genügender Hinlänglichkeit aus den Akten beantwor-
ten lassen (vgl. BGE 119 Ia 318f., E 2b).

3. Gemäss Art. 51 Abs. 3 SVG hat der Schädiger, wenn nur Sachscha-
den entstanden ist, sofort den Geschädigten zu benachrichtigen und den Namen 
und die Adresse anzugeben. Wenn dies nicht möglich ist, hat er unverzüglich die 
Polizei zu verständigen. Der Berufungskläger hat unbestrittenermassen nach der 
Streifkollision mit dem Fahrzeug von R. weder die Geschädigte benachrichtigt und 
Name und Adresse angegeben noch die Polizei verständigt. Er bestreitet, dazu 
überhaupt verpflichtet gewesen zu sein, da er im vorliegend zu beurteilenden Unfall 
gar nicht Schädiger im Sinne des Gesetzes gewesen sei. 

Schädiger im Sinne von Art. 51 Abs. 3 SVG ist gemäss bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung jeder, der eine Ursache zum Unfall gesetzt hat, unbekümmert 
darum, ob er ihn auch verschuldet hat. Die Antwort auf die Frage, wer Schädiger 
ist, hängt damit nicht vom Verschulden ab, sondern einzig davon, ob der Unfall mit 
dem Verhalten eines Beteiligten ursächlich zusammenhängt. Es ist daher ohne wei-
teres möglich, dass eine Person mit Bezug auf denselben Unfall sowohl Geschä-
digter als auch Schädiger ist (vgl. BGE 90 IV 223 E 2). Der Berufungskläger bestrei-
tet, eine Unfallursache gesetzt zu haben, da er sich völlig korrekt verhalten habe 
und das alleinige Unterwegssein noch nicht als Unfallursache betrachtet werden 
dürfe, ansonsten jeder Unfallbeteiligte auch als Schädiger zu gelten hätte. Diese 
Argumentation des Berufungsklägers geht fehl. Zum einen kann gemäss der zitier-
ten Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Begriff des Schädigers im Sinne von 
Art. 51 Abs. 3 SVG gerade auch derjenige Schädiger sein, den am Unfall kein Ver-
schulden trifft, dessen Verhalten vor und während des Unfallgeschehens somit völ-
lig verkehrsregelkonform war. Die Aussage des Berufungsklägers, er sei korrekt am 
Fahrzeug von R. vorbeigefahren, schliesst daher in keiner Weise aus, dass er trotz-
dem auch Schädiger sein konnte. Zum andern kann entgegen der Auffassung des 
Berufungsklägers auch das alleinige Unterwegssein genügen, um Schädiger im 
Sinne von Art. 51 Abs. 3 SVG zu sein, nämlich dann, wenn damit eine Unfallursache 
gesetzt wird. Dies wird gerade aus dem vom Berufungskläger zitierten BGE 90 IV 
219 deutlich. Gemäss Sachverhalt, der diesem Urteil des Bundesgerichts zu 
Grunde liegt, fuhr A. hinter einem anderen Wagen eine Strasse entlang. Der vordere 
Wagen hielt am linken Strassenrand an, die Beifahrertüre wurde geöffnet. A. wollte 
in diesem Augenblick das vordere Fahrzeug auf der rechten Seite passieren. Sie 
erfasste die Beifahrertüre des vorderen Fahrzeugs und riss diese nach vorn. A. hielt 

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kurz an, rief der Beifahrerin des anderen Wagens etwas zu und entfernte sich vom 
Unfallort. Etwas später kehrte sie zum Unfallort zurück, weigerte sich in der Folge 
aber, der Fahrerin des anderen Wagens ihren Namen und ihre Adresse anzugeben. 
Dem bundesgerichtlichen Urteil kann entnommen werden, dass A. kein Verschul-
den am Unfall traf, wurde sie doch einzig wegen ihrem Fehlverhalten nach dem 
Unfall angeklagt und verurteilt. Es findet sich im weiteren kein Hinweis darauf, dass 
A. das Unfallgeschehen in irgend einer Form hätte beeinflussen können. Um nun 
den Beitrag von A. zum geschilderten Unfall erkennen zu können, ist klar zwischen 
dem Unfall selbst, den Unfallursachen und den Unfallfolgen zu unterscheiden. Der 
Unfall selbst bestand darin, dass A. mit ihrem Fahrzeug die Beifahrertüre des vor-
deren Wagens erfasste und nach vorne riss. Ursachen dieses Unfalls waren augen-
scheinlich einerseits die Tatsache, dass die Beifahrertüre des vorderen Wagens 
geöffnet wurde, und andererseits der Umstand, dass A. in diesem Augenblick rechts 
am Wagen vorbei fuhr. Folgen des Unfalls waren Sachschäden an beiden Fahrzeu-
gen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Berufungskläger 
in der Begründung seiner Berufung zu Unrecht festhält, Ursache des Unfalles sei 
neben dem Öffnen auch das Rammen der Beifahrertüre gewesen. Der Berufungs-
kläger vermischt mit dieser Auffassung offensichtlich die Ursachen des Unfalles mit 
den Ursachen der durch den Unfall entstandenen Sachschäden, den Unfallfolgen. 
Das Rammen der Beifahrertüre ist ohne Zweifel eine Ursache der Sachschäden an 
den Fahrzeugen. Es ist jedoch keine Ursache des Unfalles an sich, sondern es ist 
der Unfall selbst. Aus dem Gesagten ist zu schliessen, dass A.’s Beitrag zu dem 
Unfall einzig darin bestand, dass sie zufälligerweise in dem Zeitpunkt rechts am 
vorderen Wagen vorbei fuhr, als dessen Beifahrertüre geöffnet wurde. Es genügte 
daher bereits das alleinige Unterwegssein zu ihrer Verurteilung wegen pflichtwidri-
gem Verhalten nach einem Unfall, da sie gerade durch das Vorbeifahren eine Ursa-
che des Unfalles gesetzt hatte und somit Schädigerin im Sinne von Art. 51 Abs. 3 
SVG geworden war. Auf den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt bezogen be-
deutet dies, dass der Berufungskläger allein durch sein Unterwegssein schon Schä-
diger werden konnte, sofern er mit dem Vorbeifahren eine Unfallursache gesetzt 
hat. Um diese Frage zu beantworten, ist erneut klar zwischen dem Unfall selbst, den 
Ursachen des Unfalles und den Unfallfolgen zu trennen. Der Unfall selbst bestand 
darin, dass R. mit ihrem Fahrzeug den Wagen des Berufungsklägers rammte und 
an dessen rechter Seite entlang schrammte. Ursache dieses Unfalls war zum einen 
augenscheinlich die Tatsache, dass R. ihren Wagen auf die linke Fahrbahn lenkte, 
was zum Zusammenstoss an sich mit dem Fahrzeug des Berufungsklägers führte. 
Damit jedoch war der Unfall noch nicht abgeschlossen. Der Wagen von R. 
schrammte vielmehr noch am Wagen des Berufungsklägers entlang. Ursache dafür 
aber war zweifellos der Umstand, dass der Wagen des Berufungsklägers nicht still 

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stand, sondern vorwärts fuhr. Unfallfolgen waren die Sachschäden an den beteilig-
ten Fahrzeugen. Aus diesen Überlegungen wird offensichtlich, dass der Berufungs-
kläger sehr wohl eine Teilursache zum Unfall gesetzt hat, denn der Unfall wäre nicht 
so geschehen, wie er sich tatsächlich ereignet hat, wenn der Berufungskläger nicht 
am Fahrzeug von R. vorbeigefahren wäre. Erst das Verhalten des Berufungsklägers 
bewirkte, dass der Wagen von R. an seinem Wagen entlang schrammte, es somit 
zu einer eigentlichen Streifkollision kam. Der Berufungskläger hat daher durch sein 
Unterwegssein eine Teilursache des Unfalles gesetzt, weshalb er als Schädiger im 
Sinne von Art. 51 Abs. 3 SVG anzusehen ist. Der Meldepflicht muss sofort genügt 
werden, das heisst, so rasch, als es die Umstände erlauben. Unerheblich ist, ob der 
angerichtete Schaden seiner Beschaffenheit nach eine sofortige Behebung nötig 
macht. Der Sinn und die Dringlichkeit der Meldung hängen nicht von der Schwere 
des eingetretenen Schadens ab, sondern sie sind allgemein durch den Zweckge-
danken der Meldepflicht bedingt. Es sollen eben gerade Erhebungen über den Un-
fallhergang, die Unfallfolgen und die beteiligten Personen ermöglicht werden; Vor-
aussetzung dazu ist aber gerade auch die Kenntnis der beteiligten Personen. Der 
Meldepflichtige kann daher nicht von sich aus entscheiden, ob er eine Meldung er-
stattet, und es ist auch nicht ihm überlassen, den Zeitpunkt der Meldung zu bestim-
men (vgl. dazu Hans Schultz, Die strafrechtliche Rechtsprechung zum Strassenver-
kehrsrecht, Bern 1968, S. 210 ff. und 1968 - 1972, Bern 1974, S. 146 f., sowie 
Rechtsprechung und Praxis zum Strassenverkehrsrecht, in den Jahren 1983 - 1987, 
Bern 1990, S. 219 ff.). Als Schädiger jedoch trafen den Berufungskläger die Pflich-
ten aus Art. 51 Abs. 3 SVG. Unbestrittenermassen hat er diese jedoch nicht erfüllt. 
Die Vorinstanz hat ihn unter diesen Umständen zu Recht des pflichtwidrigen Ver-
haltens nach einem Unfall für schuldig befunden. Die Berufung erweist sich in die-
sem Punkt folglich als unbegründet.

4. Der Berufungskläger beantragt in seiner Berufung, das angefochtene 
Urteil sei als Ganzes aufzuheben. Er rügt folglich auch die vorinstanzliche Strafzu-
messung, obwohl er in den Ausführungen in der Berufung nicht darauf eingeht. Bei 
der Überprüfung der vorinstanzlichen Strafzumessung setzt der Kantonsgerichts-
ausschuss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz und wendet die Re-
geln über die Strafzumessung selbständig an. Er misst die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters zu, wobei er die Beweggründe, das Vorleben und die persön-
lichen Verhältnisse des Schuldigen berücksichtigt (Art. 63 StGB). In BGE 117 IV 
112 ff. hat das Bundesgericht grundsätzliche Bemerkungen zur Frage der Strafzu-
messung angebracht. Demnach muss sich der Begriff des Verschuldens auf den 
gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Bei der Tat-
komponente sind insbesondere zu beachten das Ausmass des verschuldeten Erfol-

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ges, die Art und Weise seiner Herbeiführung, die Willensrichtung, mit der der Täter 
gehandelt hat, und die Beweggründe, die Art. 63 StGB ausdrücklich erwähnt. Die 
Täterkomponente erfasst demgegenüber das Vorleben, insbesondere auch allfäl-
lige Vorstrafen, die persönlichen Verhältnisse, das Verhalten nach der Tat und im 
Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Strafempfindlichkeit (vgl. auch 
BGE 118 IV 14; BGE 124 IV 44f.). Innerhalb des gesetzlichen Strafmasses ist ohne 
Bindung an feste Regeln die verschuldensgerechte Strafe zu finden. Gemäss Art. 
92 Abs. 1 SVG wird die Verletzung der vom Gesetz auferlegten Pflichten bei Unfall 
mit Haft oder Busse bestraft. Der Betrag einer allfälligen Busse wird vom Richter je 
nach den Verhältnissen des Täters so bestimmt, dass dieser durch die Einbusse 
die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist; wobei für die Verhält-
nisse des Täters namentlich sein Einkommen und sein Vermögen, sein Familien-
stand und seine Familienpflichten, sein Beruf und Erwerb, sein Alter und seine Ge-
sundheit von Bedeutung sind (vgl. Art. 48 Ziff. 2 StGB). - Das Verschulden des Be-
rufungsklägers wiegt nicht allzu schwer. Insbesondere hat er nicht bewusst gegen 
das Gesetz verstossen. Strafmindernd fällt zudem sein guter Leumund in Betracht. 
Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe liegen keine vor. Unter Berücksichti-
gung der konkreten Umstände sowie sämtlicher Strafzumessungsgründe erscheint 
dem Kantonsgerichtsausschuss die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse in 
Höhe von Fr. 200.-- als dem Verschulden und den finanziellen Verhältnissen des 
Berufungsklägers angemessen.

5. Aus dem Dargelegten erhellt, dass die Berufung des Berufungsklägers 
vollumfänglich abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kos-
ten des Berufungsverfahrens zu Lasten des Berufungsklägers (Art. 160 Abs. 1 
StPO).

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des 
Berufungsklägers.

3. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

4. Mitteilung an:

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Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin ad hoc