# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30ed84f0-bcad-5e02-ad54-994b432910a6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.11.2010 D-6353/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6353-2010_2010-11-22.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6353/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Fulvio Haefeli, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

A.______, geboren _______, Äthiopien, alias 
B._______, geboren _______, Eritrea,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
6. August 2010 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6353/2010

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess die  Beschwerdeführerin  Äthiopien 
im  August  2005  und  gelangte  am  8.  Oktober  2007  illegal  in  die 
Schweiz.  Hier  stellte  sie  am  selben  Tag  ein  Asylgesuch.  Am 
19. Oktober  2007  fand  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
C._______ die Befragung zur Person (BzP) statt. Am 22. Dezember 
2008  wurde  die  Beschwerdeführerin  direkt  zu  ihren  Asylgründen 
angehört.  Zu  ihrer  Person gab die  Beschwerdeführerin zu  Protokoll, 
sie  sei  alleinstehend, gehöre der Ethnie der  "Tasanie" an und sei in 
Addis Abeba, Äthiopien, geboren und aufgewachsen. 

B.
Zur  Begründung ihres Asylgesuches machte die  Beschwerdeführerin 
im Wesentlichen geltend, ihre Eltern seien im Jahre 1997/1998 nach 
Eritrea  deportiert  worden. Eine  Woche zuvor  habe  ihr  Vater  sie  zu-
sammen  mit  ihrem Bruder  bei  einem Freund  untergebracht.  Seither 
habe die Beschwerdeführerin nie mehr etwas von ihren Eltern gehört. 
Ihr Bruder, mit dem sie im gleichen Haus gewohnt habe, sei im Jahr 
2005 festgenommen worden. Drei Tage später habe die  Beschwerde-
führerin eine Mitteilung erhalten, wonach er verdächtigt werde, Spion 
der Shabia (People's Front for Democracy and Justice [PFDJ]) zu sein. 
Da  er  gefoltert  werde,  solle  sie  aus  Äthiopien  fliehen.  Bereits  am 
folgenden Tag habe sie Äthiopien verlassen.

C.

C.a Mit Verfügung vom 6. August 2010 – eröffnet am 9. August 2010 – 
lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung der 
Beschwerdeführerin aus der Schweiz an. Zur Begründung wurde unter 
anderem ausgeführt, die Vorbringen der  Beschwerdeführerin erfüllten 
die  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht.

C.b Weiter  führte  das  BFM aus,  die  Beschwerdeführerin habe  ihre 
Vorbringen nicht substanziiert und widerspruchsfrei darlegen können. 
Ihre Ausführungen seien karg, stereotyp sowie oberflächlich, und ihre 
Antworten  seien  durchwegs  unsubstanziiert  sowie  ausweichend. 
Ausserdem  seien  die  Kenntnisse  der  Beschwerdeführerin über  das 
Land,  aus  dem  ihre  Eltern  und  sie  stammen  sollten,  völlig  un-
zureichend und teilweise falsch. So habe die  Beschwerdeführerin bei 

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der BzP angegeben, der Ethnie  "Tasanie" anzugehören. Eine solche 
Ethnie  sei  jedoch  unbekannt.  In  der  direkten  Anhörung  habe  sie 
entsprechend  angegeben  der  Ethnie  der  "Tigré"  anzugehören.  Zu 
diesem  Widerspruch  habe  sie  auf  Nachfrage  hin  keine  Erklärung 
abgegeben  (vgl.  Akten  BFM  A18/18  S.  14).  Ebensowenig  habe  sie 
erklären können, weshalb sie bei der BzP nicht gewusst habe, woher 
ihre  Eltern  stammten,  bei  der  direkten Anhörung hingegen angeben 
habe, diese stammten aus Teseney. Wo aber Teseney in Eritrea liege, 
habe  sie  nicht  angeben  können.  Auch  sonst  habe  die 
Beschwerdeführerin erklärt,  sie  wisse  überhaupt  nichts  über  Eritrea 
(vgl.  A18/18  S.  14).  Zudem  bestärkten  ihre  nicht  vorhandenen 
Sprachkenntnisse des Tigrinya die erheblichen Zweifel an der Angabe, 
sie  stamme  aus  Eritrea  und  die  Muttersprache  beider  Eltern  sei 
Tigrinya  gewesen.  Die  Beschwerdeführerin habe  nämlich  bei  der 
direkten  Anhörung  gerade  einmal  zwei  Wörter  gekannt  (vgl.  A18/18 
S. 14), und die BzP sowie die direkte Anhörung seien in amharischer 
Sprache  durchgeführt  worden.  Auch  seien  die  Schilderungen  der 
Beschwerdeführerin bezüglich der Deportation ihrer  Eltern stereotyp, 
äusserst vage und pauschal ausgefallen. Sie liessen jegliche subjektiv 
geprägte  Wahrnehmung  vermissen.  In  Anbetracht  dessen,  dass  es 
sich  dabei  um  ein  besonders  einschneidendes  Vorkommnis  handle, 
welches die  Beschwerdeführerin im Alter  von ungefähr  zehn Jahren 
plötzlich und endgültig von ihren Eltern getrennt haben soll,  müssten 
von  ihr  diesbezüglich  aber  detailliertere  Aussagen  mit  persönlichem 
Bezug  erwartet  werden  können.  Ebenso  erscheine  ein  völliger 
Kontaktabbruch der Eltern zu ihren Kindern, trotz angespannter Lage 
zwischen Eritrea und Äthiopien, nicht glaubhaft. Gleiches gelte für die 
Schilderungen  bezüglich  der  Festnahmen ihres  Bruders. Auch diese 
seien  karg,  stereotyp,  unsubstanziiert  und  ohne  jegliche  subjektiv 
geprägte  Wahrnehmung.  Sollte  dieser  Vorfall  tatsächlich  der  Anlass 
zur Ausreise aus Äthiopien gewesen sein, könnten auch diesbezüglich 
detaillierte  Aussagen  mit  persönlichem Bezug erwartet  werden. Den 
Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  seien  darüber  hinaus  auch 
keinerlei Realkennzeichen zu entnehmen. All dies lasse nicht auf ein 
tatsächliches Erleben  der  geltend  gemachten  Ereignisse  schliessen. 
Nach alledem bleibe festzustellen, dass die gesamten Vorbringen der 
Beschwerdeführerin konstruiert  wirkten  und  in  keinster  Weise 
überzeugen  könnten.  Damit  könne  ihr  auch  die  eritreische 
Staatsangehörigkeit  nicht  geglaubt  werden.  Die  Beschwerdeführerin 
habe auch keinerlei Belege für die eritreische Staatsangehörigkeit zu 
den Akten gereicht. Vielmehr sei aufgrund der gesamten Aktenlage mit 

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hoher  Wahrscheinlichkeit  von  der  äthiopischen  Staatsangehörigkeit 
der Beschwerdeführerin auszugehen.

D.
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom 
7. September 2010 beantragte die Beschwerdeführerin unter anderem 
die Aufhebung der  vorinstanzlichen Verfügung,  die  Anerkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl.  Es  sei  festzu-
stellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und 
unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. Es sei der 
Beschwerdeführerin die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  gewähren 
und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. 

E.

E.a Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  September  2010  teilte  der 
Instruktionsrichter  der  Beschwerdeführerin  unter  anderem mit,  sie 
könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. 
Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses ab und forderte  die  Beschwerdeführerin unter  Hinweis auf 
die Säumnisfolge zur Leistung eines Kostenvorschusses bis zum 29. 
September 2010 auf. 

E.b Am 27. September 2010 leistete die Beschwerdeführerin den ein-
verlangten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.- fristgerecht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asyls end-

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gültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Die Beschwerde-
führerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise  Änderung;  sie  ist daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde 
legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Be-
schwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  ent-
schieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt 
es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.

4.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 

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Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

5.

5.1 Die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  7.  September 
2010  sind  nicht  geeignet,  eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Ver-
fügung zu bewirken. Der Argumentation des BFM werden keine stich-
haltigen  und  substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Eine  dies-
bezügliche  Auseinandersetzung  unterbleibt  zwar  nicht  grundsätzlich. 
Die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin vermögen  jedoch  die 
substanziiert  vorgebrachten  und  nachvollziehbaren  Erwägungen des 
BFM nicht  umzustossen.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht 
nach Überprüfung der Akten kein Grund, die Erwägungen des BFM zu 
beanstanden. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann daher auf die 
zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie in 
der Zwischenverfügung vom 14. September 2010 verwiesen werden. 
Bei  dieser  Sachlage  und  mangels  eingereichter  Belege  für  die  be-
hauptete eritreische Staatsangehörigkeit  ist davon auszugehen, dass 
die  Beschwerdeführerin  die  äthiopische  Staatsangehörigkeit  besitzt.  
Diese  Beurteilung  wird  zudem durch  die amharischen  Sprachkennt-
nisse  der  Beschwerdeführerin gestützt.  Folglich  kann  die  Be-
schwerdeführerin  keine  begründete  Furcht  vor  aktueller  Verfolgung 
glaubhaft  darlegen.  Nach  dem  Gesagten  erfüllt  die  Beschwerde-
führerin die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht.

5.2 Nach  dem  Gesagten  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Aus-
führungen in der Eingabe der Beschwerdeführerin einzugehen, da sie 
am Ergebnis  der  vorgenommenen Würdigung  nichts  zu  ändern  ver-
mögen.  Das  Bundesamt  hat  demnach  das  Asylgesuch  der  Be-
schwerdeführerin zu Recht abgelehnt.

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6.

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 

7.

7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormaligen  Schweizer  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft,  das heisst,  sie sind 
zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls 
wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: 
Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht,  2. Auflage,  Basel 
2009, Rz. 11.148).

7.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent -
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist  oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

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Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art. 3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

7.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  der  Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art.  5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements 
im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr 
der Beschwerdeführerin nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerde-
führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall  
einer Ausschaffung  nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe 
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen 
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall  
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthiopien 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise 
nicht  als  unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist  der Vollzug 
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrecht-
lichen Bestimmungen zulässig.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 

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konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

7.5

7.5.1 Äthiopien hat am 12. Dezember 2000 mit Eritrea ein Friedens-
abkommen  unterzeichnet.  Seit  dem  Waffenstillstand  vom  Juni  2000 
haben beide Länder trotz sporadischer Wiederaufflackern des Grenz-
konfliktes  darauf  verzichtet,  ihre  unterschiedlichen  Standpunkte  mit 
militärischer Gewalt durchzusetzen. In Äthiopien herrscht heute weder 
Krieg  noch  Bürgerkrieg  noch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  ge-
mäss Art. 83 Abs. 4 AuG.

7.5.2 Wie  sich  aus  den  Vorbringen  der  jungen  und  gemäss  Akten 
gesunden Beschwerdeführerin ergibt, weist diese einige Jahre Schul-
bildung und Berufserfahrung auf (vgl. A18/18 S. 5 F.45). Ausserdem ist  
aufgrund  der  Aktenlage  davon  auszugehen,  dass  sie  über  aus-
reichende finanzielle Mittel und Beziehungen verfügt. Ausgehend von 
der äthiopischen Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin ist fest-
zustellen, dass ihr Bruder in Addis Abeba lebt und darüber hinaus mit 
weiteren Beziehungspersonen in Äthiopien zu rechnen ist. Demnach 
sollte  es der  Beschwerdeführerin bei  einer  Rückkehr nach Äthiopien 
gelingen, gestützt auf ihre bisherige Schul- und Berufserfahrung sowie 
auf das Beziehungsnetz, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

7.5.3 Nach dem Gesagten erweist sich Vollzug der Wegweisung auch 
als zumutbar.

7.6 Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung zu be-
stätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  An-
ordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht (Art. 83 Abs. 1-
4 AuG).

Seite 9

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9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), auf insgesamt Fr. 
600.-  festzusetzen  (Art. 1-3  des  Reglements  vom 21. Februar  2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor  dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 27. September 2010 
geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.- werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt und mit dem am 27. September 2010 in derselben Höhe ge-
leisteten Kostenvorschuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N  _______ 

(in Kopie)
- (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

Versand:

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