# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7c95489b-ce40-59f9-bd45-47fe1a3068a6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 19.06.2018 FO.2016.28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_FO-2016-28_2018-06-19.pdf

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FO.2016.28

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 19.06.2018

Entscheiddatum: 19.06.2018

Entscheid Kantonsgericht, 19.06.2018
Art. 125 ZGB: Lebensprägende Ehen liegen regelmässig vor, wenn eine Ehe 
länger als zehn Jahre gedauert hat, wenn aus ihr Kinder hervorgegangen 
sind oder wenn sie – wie im vorliegenden Fall – zu einer Entwurzelung eines 
Ehegatten aus dem bisherigen Kulturkreis geführt haben (Kantonsgericht, 
II. Zivilkammer, 19. Juni 2018, FO.2016.28).

Aus den Erwägungen:

II.

[…]

4.    Nachehelicher Unterhalt ist geschuldet, wenn es einem Ehegatten nach der 

Scheidung nicht zumutbar ist, selbst für seinen gebührenden Unterhalt unter 

Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge aufzukommen. In diesem Fall hat der 

andere ihm einen angemessenen Beitrag zu leisten (Art. 125 Abs. 1 ZGB). Vorrang hat 

demnach der Grundsatz der Eigenversorgung. Denn mit der Scheidung enden die 

ökonomischen Beziehungen der Ehegatten und jeder soll, soweit möglich, 

wirtschaftlich für sich selbst sorgen (BGer 5A_800/2016, E. 6.1; BSK ZGB I-Gloor/

Spycher, Art. 125 ZGB, N 2). Soweit das jedoch einem Ehegatten nach einer lang 

anhaltenden Arbeitsteilung, wegen seines Gesundheitszustands oder infolge seines 

Alters nicht möglich ist, hat ihn der andere zu unterstützen (Art. 125 Abs. 2 ZGB).

Die nacheheliche Unterhaltspflicht setzt grundsätzlich voraus, dass eine Ehe die 

finanzielle Situation des Unterhaltsberechtigten direkt geprägt hat bzw. lebensprägend 

geworden ist. Lebensprägende Ehen liegen regelmässig vor, wenn eine Ehe länger als 

zehn Jahre gedauert hat, wenn aus ihr Kinder hervorgegangen sind oder wenn sie zu 

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einer Entwurzelung eines Ehegatten aus dem bisherigen Kulturkreis geführt haben 

(BGer 5A_384/2008, E. 3.2; 5C.149/2004, E. 4.5; 5A_127/2009, E. 7.1). Unter 

Umständen kann sich eine Unterhaltsrente aber auch aus einer nachwirkenden 

Beistandspflicht ergeben (FamKomm Scheidung/Schwenzer/Büchler, Art. 125 ZGB, N 

73; Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, N 05.05). Vorgerücktes Alter 

und schlechte gesundheitliche Verfassung gelten dabei allgemein als Anwendungsfälle 

für eine solche Rente aus nachehelicher Solidarität (BSK ZGB I-Gloor/Spycher, Art. 125 

N 14; Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, N 05.16).

Der angemessene Lebensbedarf ist unterschiedlich festzusetzen, je nachdem, ob es 

um den Ausgleich nach einer lebensprägenden Ehe oder um einen Solidaritätsbeitrag 

geht. Nach einer lebensprägenden Ehe orientiert sich der Unterhalt am zuletzt 

gemeinsam erreichten Lebensstandard als obere Grenze, einschliesslich einer 

angemessenen Altersvorsorge und eines Anteils am Überschuss (BGE 141 III 465, E. 

3.1; BGer 5A_111/2016, E. 4.3; Bähler, Scheidungsunterhalt - Methoden der 

Berechnung, Höhe, Dauer und Schranken, in: FamPra.ch 2007, 461, 489; FamKomm 

Scheidung/Schwenzer/Büchler, Art. 125 ZGB, N 5 ff.; KGer SG vom 2. April 2012, BF.

2010.3, www.gerichte.sg.ch). Demgegenüber ist der Unterhalt aus nachehelicher 

Solidarität zeitlich zu beschränken und/oder von vornherein auf das leicht erhöhte 

Existenzminimum auszurichten, weil die ökonomischen Folgen eines allgemeinen 

Lebensrisikos nicht einfach auf den früheren Partner abgewälzt werden können 

(Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, N 05.115). Auch ist in einem 

solchen Fall ein Vorsorgeunterhalt nicht geschuldet (KGer SG, FamPra.ch 2007, 159, 

160 f.; KGer SG vom 2. April 2012, BF.2010.3, www.gerichte.sg.ch).

5.    Die Vorinstanz verneinte eine Lebensprägung der Ehe und begründete das damit, 

diese habe nur knapp vier Jahre gedauert. Die Eheleute hätten sich über eine 

Partnervermittlungsagentur kennengelernt, wobei die Ehefrau bewusst die Ausreise ins 

Ausland und eine sichere Zukunft in der Schweiz gesucht habe. Sie habe zwar ihre 

Karriere als Finanzanalystin in China aufgegeben, aber dadurch, dass sie ihre 

Anstellung ordentlich beendet habe, immerhin dafür gesorgt, dass sie eines Tages 

wieder daran anknüpfen könnte (…). Ihr stehe die Wiederaufnahme ihres vorehelichen 

Lebens in China weiterhin offen (…). Während die Berufungsklägerin geltend machte, 

sie sei ihrem Kulturkreis entrissen worden, wobei auch das Wohl ihrer Tochter einen 

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Verbleib in der Schweiz gebiete (…), brachte der Berufungsbeklagte vor, es liege keine 

kulturelle Entwurzelung vor (…). Die Berufungsklägerin habe ihr gesamtes soziales 

Umfeld in China und sich eine Rückkehr immer offen gehalten. Sie sei dort lediglich 

eine Angestellte im mittleren Einkommensbereich gewesen.

Es trifft zu, dass die gelebte Ehe hier zu kurz dauerte, um eine Lebensprägung 

anzunehmen. Auch gingen aus ihr keine gemeinsamen Kinder hervor. Zu prüfen ist 

demnach, ob die Berufungsklägerin wegen der Ehe ihrem Kulturkreis entrissen wurde. 

Eine sogenannte kulturelle Entwurzelung hielt das Bundesgericht für nicht gegeben, 

wenn ein Ehegatte nach achtjähriger, kinderloser Ehe nach der Trennung in sein 

Heimatland zurückkehrt und dort sofort eine Arbeitsstelle findet (BGer 5A_844/2014, 

E. 5 = FamPra.ch 2015, 723 ff.). Von einer kulturellen Entwurzelung könne ausserdem 

dann nicht gesprochen werden, wenn sich die Ehefrau bewusst an eine 

Partnervermittlungsagentur gewendet habe, die Personen im Ausland vermittle, und 

somit von Anfang an beabsichtige habe, ihr Land zu verlassen und ihre dortige Karriere 

aufzugeben (BGer 5A_178/2012 = FamPra.ch 2013, 169). Hingegen wurde eine 

kulturelle Entwurzelung in einem Fall anerkannt, bei dem eine Ehefrau aus Thailand zu 

ihrem Ehemann in die Schweiz übersiedelte, ihre bisherige Erwerbstätigkeit hier 

(vorübergehend) aufgab und ihr vorehelich geborenes Kind im Einverständnis mit dem 

Ehemann mitbrachte (BGer 5A_384/2008, E. 3.2).

Die Berufungsklägerin verfügt über einen Universitätsabschluss (…), war in China 

alleinerziehende Mutter und verdiente als Finanzanalystin für chinesische Verhältnisse 

gut (…). Wenige Monate nach der Heirat zog sie mit ihrer Tochter in die Schweiz, 

musste dafür ihre Berufskarriere aufgeben und stattdessen, auch aufgrund von 

Sprachschwierigkeiten, nach der Trennung in kleinen Pensen als (schlecht bezahlte) 

Chinesischlehrerin und Übersetzerin arbeiten. Seit einiger Zeit absolviert sie eine 

Ausbildung zur Dolmetscherin und Sprachkursleiterin, musste diese aufgrund von 

psychischen Problemen aber unterbrechen. [Die Tochter] ist in der Schweiz mittlerweile 

sozial und sprachlich vollständig integriert. […]

Die Berufungsklägerin hat wegen der Ehe ihre offensichtlich positiv verlaufende 

Berufskarriere in China aufgegeben. Ob ihr nach achtjährigem Unterbruch eine 

Wiederanstellung im angestammten, schnelllebigen Finanzbereich gelänge, erscheint 

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mehr als fraglich. Eine Rückkehr in ihr Heimatland bleibt der Berufungsklägerin aber vor 

allem mit Blick auf das Wohl des Kindes verbaut, welches hier praktisch seine gesamte 

Schulzeit verbracht hat, zumal der Berufungsbeklagte bei der Heirat wusste, dass die 

Berufungsklägerin ihr (damals 7-jähriges) Kind in die Schweiz mitbringen werde. Dieser 

steht daher eine Wiederaufnahme ihres früheren Lebens weder offen noch erschiene 

ihr eine solche zurzeit als zumutbar. Die Heirat prägte ihren Lebensplan unwiderruflich; 

eine Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Ehe kann ihr nicht (mehr) zugemutet 

werden. Im Übrigen fehlen jegliche Belege, dass die Eheleute sich über eine 

Partnervermittlung kennengelernt hätten. Insgesamt erweist sich der Sachverhalt als 

weitgehend vergleichbar mit jenem in BGer 5A_384/2008, E. 3.2, wobei die Ehefrau 

hier – anders als jene im fraglichen Entscheid – bis heute in der Schweiz nicht im 

angestammten Beruf arbeiten kann. Mithin ist eine kulturelle Entwurzelung gegeben. 

Damit liegt eine lebensprägende Ehe vor, und der Unterhaltsbeitrag bemisst sich nach 

der ehelichen Lebenshaltung. Dieses Ergebnis bzw. die Lebensprägung der Ehe führt 

auch dazu, dass der eingeschränkte Gesundheitszustand der Berufungsklägerin 

ungeachtet der Ehebedingtheit der Beeinträchtigung bei der Unterhaltsbemessung zu 

berücksichtigen ist (BGer 5A_384/2008, E. 5.2.1 f.; 5A_1008/2017). Eheleute tragen 

nämlich aufgrund des Solidaritätsgedankens nicht nur gegenseitig die Verantwortung 

für die Auswirkungen, welche die Aufgabenteilung während der Ehe auf die 

Erwerbsfähigkeit eines Ehegatten haben kann, sondern auch für die anderen Gründe, 

die einen Ehegatten daran hindern, seinen Unterhalt aus eigenen Kräften zu bestreiten 

(BGer 5A_800/2016, E. 6.3).

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