# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cfd3307e-9f5f-5a83-b18d-ee3fa4772d51
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 27.10.2021 BO.2020.31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_BO-2020-31_2021-10-27.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BO.2020.31

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 08.02.2022

Entscheiddatum: 27.10.2021

Entscheid Kantonsgericht, 27.10.2021
Art. 612 Abs. 3 ZGB (SR 210): Die Versteigerung unter den Erben ist keine 
Form der Naturalteilung. Sie geniesst daher gegenüber der öffentlichen 
Versteigerung auch keinen grundsätzlichen Vorrang (Kantonsgericht, I. 
Zivilkammer, 27. Oktober 2021, BO.2020.31). Dieser Entscheid wurde beim 
Bundesgericht angefochten; das Verfahren ist noch hängig.

Sachverhalt (Kurzzusammenfassung)

 

Zwischen den Schwestern A. (Klägerin) und B. (Beklagte) ist beim Kreisgericht K. ein 

Erbteilungsprozess betreffend den Nachlass ihres Vaters hängig. Zu diesem Nachlass 

gehören u.a. zwei 2.5 Zimmer-Wohnungen, eine in U. GR und eine in V. TI. Am 

16. Mai 2019 entschied das Kreisgericht, dass die Wohnungen öffentlich zu versteigern 

seien, sollten die Erbinnen nicht innert einer bestimmten Frist die Gelegenheit 

wahrnehmen, einen Freihandverkauf zu vereinbaren. Nachdem die Klägerin gegen die 

Anordnung der öffentlichen statt der internen Versteigerung zunächst – wie auf der 

Rechtsmittelbelehrung angegeben – Beschwerde erhoben hatte, worauf die 

Einzelrichterin des Kantonsgerichts (Beschwerdeentscheid) nicht eingetreten war, und 

ihr Gesuch um Wiederherstellung der Berufungsfrist von der I. Zivilkammer des 

Kantonsgerichts bewilligt worden war, verlangte sie mit Berufung die Versteigerung der 

beiden Wohnungen unter den Erbinnen.

 

Erwägungen (Auszug)

 

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[…]

 

III.

 

1.       Der Streit dreht sich darum, ob die beiden zum Nachlass gehörenden 

Wohnungen – wie von der Vorinstanz angeordnet – öffentlich oder – wie von der 

Klägerin beantragt – unter den Erbinnen zu versteigern sind. Es geht mithin um die 

Anwendung von Art. 612 Abs. 3 ZGB. Im Hinblick auf die von den Parteien 

vorgebrachten Argumente sind gleichwohl vorweg die allgemeinen Grundsätze des 

Erbteilungsrechts in Erinnerung zu rufen.

 

a)       Die Erben können, wo es nicht anders angeordnet ist, die Teilung frei vereinbaren 

(Grundsatz der freien privaten Erbteilung; Art. 607 Abs. 2 ZGB). Solange zwischen 

ihnen Einstimmigkeit herrscht, sind sie bei der Verteilung der Nachlassgegenstände frei 

und können sich sogar über Teilungsvorschriften des Erblassers hinwegsetzen. Auch 

die anderen beiden allgemeinen Grundsätze des Teilungsrechts – der 

Gleichbehandlungsgrundsatz und der Grundsatz der Naturalteilung (s. dazu sogleich) – 

haben einer abweichenden Einigung der Erben zu weichen (BGE 143 III 425 E. 4.2; 

BGE 137 III 8 E. 3.4.1; PraxKomm Erbrecht-Weibel, Art. 607 ZGB N 3).

 

b)      Können sich die Erben über die Teilung nicht einigen und hat auch der Erblasser 

keine anderslautenden Vorschriften (Art. 608 ZGB) aufgestellt, finden die gesetzlichen 

Teilungsregeln Anwendung.

 

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Gemäss Art. 610 Abs. 1 ZGB haben die Erben bei der Teilung, wenn keine anderen 

Vorschriften Platz greifen, alle den gleichen Anspruch auf die Gegenstände der 

Erbschaft. Daraus folgt zum einen der sog. Gleichbehandlungsgrundsatz. Dieser 

bezweckt eine qualitative Gleichbehandlung sämtlicher Erben, unabhängig davon, ob 

es sich um gesetzliche oder eingesetzte Erben handelt, und unabhängig von den 

Erbquoten. Von Teilungsvorschriften des Erblassers und vorliegend nicht einschlägigen 

besonderen Vorschriften (vgl. dazu Art. 612a und Art. 613b ZGB sowie die 

Bestimmungen des BGBB) abgesehen, hat kein Erbe einen (besseren) Anspruch auf 

die Zuweisung bestimmter Nachlassgegenstände (BGE 143 III 425 E. 4.3; BGE 101 II 

41 E. 4.a und 4.b; PraxKomm Erbrecht-Weibel, Art. 607 ZGB N 2). Daneben wird aus 

Art. 610 Abs. 1 ZGB ("den gleichen Anspruch auf die Gegenstände der Erbschaft") aber 

auch der Grundsatz der Naturalteilung abgeleitet. Demnach sollen Erbschaftssachen, 

wenn immer möglich, in natura unter die Erben verteilt werden (BGE 143 III 425 E. 4.4; 

BGE 137 III 8 E. 2.1; BGE 97 II 11 E. 3; BSK ZGB II-Schaufelberger/ ‌Keller Lüscher, 

6. Aufl., Art. 610 N 4; BK-Wolf, Art. 610 ZGB N 11 f.).

 

c)       Die vorstehend beschriebenen Grundsätze prägen das konkrete Vorgehen bei 

einer Erbteilung, welches sich wie folgt gestaltet: Gemäss Art. 611 Abs. 1 ZGB bilden 

die Erben aus den Erbschaftssachen so viele Teile oder Lose, als Erben oder 

Erbstämme vorhanden sind. Können sie sich nicht einigen, so hat auf Verlangen eines 

Erben die zuständige Behörde die Lose zu bilden (Abs. 2) und sind diese nach 

Vereinbarung oder durch Losziehung unter den Erben zu verteilen (Abs. 3). Als Ausfluss 

des Grundsatzes der Naturalteilung soll dabei eine Erbschaftssache, die durch 

körperliche Teilung wesentlich an Wert verlieren würde, einem der Lose ungeteilt 

zugewiesen werden (Art. 612 Abs. 1 ZGB). Nur subsidiär, wenn die ungeteilte Zuteilung 

der Sache zu einem Los wertmässig nicht möglich ist und die Erben sich auch nicht 

über deren Zuweisung (Person des Übernehmers, Anrechnungswert) oder auf eine 

körperliche Teilung einigen können, ist die Sache nach Art. 612 Abs. 2 ZGB zu 

versilbern und der Erlös zu teilen (BGE 143 III 425 E. 4.5 f.; PraxKomm Erbrecht-

Weibel, Art. 612 ZGB insbes. N 1 f.).

 

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2.       Vorliegend steht ausser Frage, dass es sich bei den beiden Wohnungen um 

Sachen handelt, die durch körperliche Teilung wesentlich an Wert verlören bzw. sogar 

unteilbar sind. Die Vorinstanz orientierte sich daher zu Recht an Art. 612 ZGB und den 

vorstehend beschriebenen Grundsätzen. Sie erwog, die beiden Erbinnen hätten sich 

weder über die Zuteilung der beiden Wohnungen noch über deren jeweiligen 

Anrechnungswert einigen können. In Beachtung des Grundsatzes der Naturalteilung sei 

sie, die Vorinstanz, deshalb bestrebt gewesen, zu evaluieren, ob die beiden 

Wohnungen je als Ganzes einer der beiden Erbinnen bzw. der zu bildenden Lose 

zugewiesen werden könnten. Hierfür sei mit Beschluss vom 17. Januar 2018 die 

Einholung gerichtlicher Expertisen zum aktuellen Verkehrswert der Wohnungen 

angeordnet worden. Während in der Folge der Verkehrswert der 2.5 Zimmer-Wohnung 

in U. GR habe schätzungsweise ermittelt werden können, sei dies bei der Wohnung in 

V. TI nicht möglich gewesen, da dem Gutachter weder Zutritt zur eigentlichen noch 

Zutritt zu einer vergleichbaren Wohnung gewährt worden sei und auch keine 

Informationen zum Ausbau- und Unterhaltsstand verfügbar gewesen seien. Die 

Klägerin sei zwar nicht verpflichtet gewesen, an einem Expertenaugenschein 

teilzunehmen, doch hätte es ihr als Prozesspartei oblegen, bei der gerichtlich 

angeordneten Begutachtung mitzuwirken und dem Gutachter beispielsweise den 

Schlüssel auf dem Postweg zukommen zu lassen, ohne dass sie die Erfüllung dieser 

Pflichten von einer vorgängigen Vorschussleistung habe abhängig machen dürfen. Ihre 

Verweigerungshaltung habe letztlich dazu geführt, dass der Verkehrswert der Wohnung 

in V. TI nicht habe ermittelt werden können. Damit sei es unmöglich, zu entscheiden, 

ob die beiden Wohnungen in einem der zu bildenden Lose untergebracht werden 

könnten. Als Folge davon komme Art. 612 Abs. 2 ZGB zur Anwendung, seien die 

beiden Wohnungen zu verkaufen und der Erlös anschliessend unter den Erbinnen zu 

teilen.

 

Weiter führte die Vorinstanz aus, dass auch betreffend die Art der Versteigerung 

Uneinigkeit herrsche, die Klägerin eine solche nur unter den Erbinnen verlange, 

während die Beklagte dies als nicht zielführend erachte. Als die ebenfalls zum Nachlass 

gehörende Liegenschaft in Spanien unter den Erbinnen versteigert worden sei, habe 

sich gezeigt, dass sich das Verfahren dadurch erheblich verzögert habe; die 

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Übertragung der Liegenschaft sei überdies bis heute nicht vollzogen worden. 

Angesichts der von der Klägerin wiederholt geltend gemachten Mittellosigkeit bzw. 

finanziellen Notlage, in der sie sich befinde, könne zudem nicht davon ausgegangen 

werden, dass sie in der Lage wäre, an der Versteigerung mitzuwirken. Weiter sei bei 

Durchführung einer öffentlichen Versteigerung angesichts des erfahrungsgemäss 

grösseren Kreises von Bietern tendenziell mit einem höheren Versteigerungserlös zu 

rechnen, was letztlich dem streitgegenständlichen Nachlass und damit auch den 

Parteien zugutekomme. Pietätsgründe, aufgrund welcher die Wohnungen in der Familie 

belassen werden sollten, seien sodann weder ersichtlich noch geltend gemacht 

worden. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte erscheine es im Ergebnis 

angemessen, die beiden Wohnungen öffentlich zu versteigern.

 

3.a)    Die Klägerin ist der Ansicht, die "Versilberung" (worunter sie allerdings nur einen 

Drittverkauf und eine öffentliche Versteigerung, nicht aber eine Versteigerung unter den 

Erbinnen versteht) hätte gar nicht angeordnet werden dürfen. Die Vorinstanz halte 

selbst fest, der Grundsatz der Naturalteilung besage, dass die Erben grundsätzlich 

Anspruch auf einen ihrem Erbteil entsprechenden Teil der Erbschaftssachen in natura 

und nicht bloss am Veräusserungserlös hätten. Diesen gesetzlichen Anspruch auf eine 

Naturalzuweisung könne sie, die Klägerin, aber nur dann realisieren, wenn die 

Wohnungen unter den Erbinnen versteigert würden. Gemäss der Vorinstanz sei Art. 612 

Abs. 2 ZGB zudem als ultima ratio zu betrachten und komme analog nur dann zur 

Anwendung, wenn sich sämtliche Erben gegen die Übernahme einer Erbschaftssache 

sträubten, was bekanntlich vorliegend nicht der Fall sei. Im Beschwerdeentscheid sei 

zudem zu Recht darauf hingewiesen worden, dass die Parteien mit einer öffentlichen 

Versteigerung "definitiv ihres Rechts verlustig" gegangen seien, die Zuweisung einer 

oder beider Liegenschaften auf Anrechnung ihres Erbteils zu verlangen, was sich auch 

nicht durch eine Teilnahme an der öffentlichen Versteigerung kompensieren liesse. 

Wenn eine solche Mitwirkung an einer öffentlichen Versteigerung bereits gegen 

fundamentale Rechte verstosse, so bleibe als einzige Möglichkeit nur die Versteigerung 

unter den Erbinnen. In diesem Sinne habe die Vorinstanz rechtlich und den 

tatsächlichen Realitäten entsprechend gar kein Ermessen gehabt.

 

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b)      Mit dieser Argumentation bringt die Klägerin Verschiedenes durcheinander:

 

aa)     Die Klägerin irrt, wenn sie annimmt, Art. 612 Abs. 2 ZGB komme nur dann zur 

Anwendung, wenn alle Erben sich gegen die Übernahme der Erbschaftssache 

sträubten. Die Vorinstanz kam an der von der Klägerin aufgegriffenen Stelle auf die 

Möglichkeit einer analogen Anwendung zu sprechen, wenn sich die Erbschaftssache 

zwar ungeteilt in einem Los unterbringen lasse, indes kein Erbe ein Interesse an der 

Übernahme habe (BK-Wolf/Eggel, Art. 612 ZGB N 5; PraxKomm Erbrecht-Weibel, 

Art. 612 ZGB N 18). Auch in diesem Fall ist die Sache zu veräussern und der Erlös zu 

teilen, was sich schon daraus ergibt, dass der Grundsatz der Naturalteilung – wie 

eingangs beschrieben (E. 1.a hiervor) – demjenigen der freien privaten Erbteilung zu 

weichen hat.

 

bb)    Vorliegend steht jedoch die direkte Anwendung von Art. 612 Abs. 2 ZGB in Frage. 

Die Erbinnen konnten sich unbestrittenermassen weder über die Person der 

Übernehmerin noch über den Anrechnungswert der beiden Wohnungen einigen. In 

Achtung des Grundsatzes der Naturalteilung wollte die Vorinstanz deshalb mit Hilfe der 

Verkehrswertgutachten vorweg klären, ob sich die einzelnen Wohnungen ungeteilt in 

einem Los unterbringen liessen (Art. 612 Abs. 1 und Art. 617 f. ZGB). Das Gutachten 

betreffend die Wohnung in V. TI konnte indes nicht fertiggestellt werden, weil die 

Klägerin dem Gutachter keinen Zugang zur Wohnung gewährte. Es war daher ihre 

Weigerungshaltung, welche es der Vorinstanz letztlich verunmöglichte, abschliessend 

zu beurteilen, ob die Wohnungen in einem Los Platz fänden und einer der Erbinnen in 

natura zugewiesen werden könnten. Überdies hält die Klägerin in ihrer Berufung selbst 

dafür, dass eine Losbildung mit zu vielen Unsicherheiten verbunden und deshalb 

unrealistisch gewesen wäre. Wenn aber der Weg über die Losbildung aus irgendeinem 

Grund verschlossen ist und auch keine Einigung über die Zuweisung oder Teilung 

zustande kommt, geht nach dem Gesetz der Grundsatz der Gleichbehandlung vor und 

sind die fraglichen Erbschaftssachen zu veräussern (BSK ZGB II-Schaufelberger/ ‌Keller 

‌Lüscher, Art. 612 N 1; BK-Wolf/ ‌Eggel, Art. 612 ZGB N 4). Vor diesem Hintergrund kann 

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sich die Klägerin nicht über die Anwendung von Art. 612 Abs. 2 ZGB beklagen und sich 

auf den Vorrang der Naturalteilung berufen; sie selbst hat es mindestens 

mitzuverantworten, dass die Parteien ihres Rechts, die Zuweisung einer oder beider 

Liegenschaften auf Anrechnung ihres Erbteils zu verlangen, verlustig gingen. Insofern 

erscheint, worauf die Beklagte zu Recht hinweist, die Argumentation der Klägerin 

widersprüchlich.

 

cc)     Richtig besehen nimmt die Klägerin aber gar keinen Anstoss an der Anwendung 

von Art. 612 Abs. 2 ZGB, sondern scheint bloss irrtümlich anzunehmen, dass die 

Versteigerung unter den Erbinnen neben der Loszuteilung eine weitere Form der 

Naturalteilung sei und daher Vorrang geniesse. Dabei übersieht sie, dass auch die 

interne Versteigerung einen Verkauf i.S.v. Art. 612 Abs. 2 ZGB darstellt. Auf Verlangen 

eines Erben hat dieser Verkauf nämlich auf dem Wege der (öffentlichen oder internen) 

Versteigerung stattzufinden (Art. 612 Abs. 3 ZGB). Mit dieser Vorschrift will das Gesetz 

die Gleichberechtigung der Erben dadurch wahren, dass es jedem Erben die 

Möglichkeit gibt, durch Teilnahme an der Steigerung den in Frage stehenden 

Gegenstand zu erwerben oder dafür den nach seiner Auffassung angemessenen Preis 

zu erwirken (BGE 97 II 11 E. 3). Entsprechend ist der Vorwurf, die Mitwirkung an einer 

öffentlichen Versteigerung verstosse gegen fundamentale Rechte, unbegründet. Daran 

ändert auch das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat aus dem 

Beschwerdeentscheid nichts. Können sich die Erben über die Art der Versteigerung 

nicht einigen, so entscheidet die zuständige Behörde, ob die Versteigerung öffentlich 

oder nur unter den Erben stattfinden soll (Art. 612 Abs. 3 ZGB). Ist das Teilungsgericht 

auf Klage hin (Art. 604 Abs. 1 ZGB) mit der Sache befasst, befindet es aufgrund seiner 

umfassenden Teilungskompetenz auch über die Art der Versteigerung (BGE 143 III 425 

E. 4.1; Wolf/Genna, SPR IV/2, 2015, S. 249; BK-Wolf/ ‌Eggel, Art. 612 ZGB N 43; 

PraxKomm Erbrecht-Weibel, Art. 612 ZGB N 26). Dabei stellt das Gesetz entgegen der 

Auffassung der Klägerin keinen Vorrang zugunsten der einen oder anderen Art der 

Versteigerung auf; die öffentliche und die private Versteigerung sind grundsätzlich als 

gleichwertig zu betrachten (BGer 5C.301/2006 E. 3.1; BK-Wolf/Eggel, Art. 612 ZGB 

N 51; BK-Tuor/‌Picenoni, 1964, Art. 612 ZGB N 24; BSK ZGB II-Schaufelberger/ ‌Keller 

Lüscher, Art. 612 N 24). Es trifft daher nicht zu, dass die Vorinstanz in dieser Frage 

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über keinerlei Ermessen verfügte. Im Gegenteil, der Entscheid über die Art der 

Versteigerung ist ein klassischer Ermessensentscheid (Art. 4 ZGB), der unter 

Berücksichtigung aller Umstände und der Parteianträge zu treffen ist (BGer 5C.

301/2006 E. 3.1; Wolf/Genna, a.a.O., S. 249; PraxKomm Erbrecht-Weibel, Art. 612 ZGB 

N 25; CR CC II-Spahr, Art. 612 N 26; Seeberger, Die richterliche Erbteilung, 1992, 

S. 171 f.; Piotet, SPR IV/2, 1981, S. 887).

 

[…]

 

4.       Die Klägerin kritisiert weiter auch die Ermessensausübung. Sie setzt sich dabei 

jedoch in keiner Weise mit der entsprechenden Argumentation der Vorinstanz 

auseinander, womit sie ihrer Begründungspflicht nicht gerecht wird. Insbesondere 

erläutert sie nicht, weshalb die Vorinstanz entgegen der von ihr wiederholt geltend 

gemachten Mittellosigkeit (welche gemäss eigenen Aussagen soweit ging, dass sie für 

die Duldung bzw. Mitwirkung am Expertenaugenschein Vorschussleistungen benötigt 

hätte) hätte davon ausgehen müssen, dass sie, die Klägerin, in der Lage wäre, 

mitzusteigern. Die herrschende Lehre und Praxis äussert sich nun aber klar 

dahingehend, dass immer dann, wenn nur eine Erbin in der Lage ist, mitzubieten, nur 

eine öffentliche Versteigerung in Betracht komme (BGer 5C.301/ ‌2006 E. 3.1; ZWR 2005 

S. 152; BK-Wolf/Eggel, Art. 612 ZGB N 52; BK-Tuor/Picenoni, 2. Aufl., Art. 612 ZGB 

N 24; Seeberger, a.a.O., S. 171; Prax ‌Komm Erbrecht-Weibel, Art. 612 ZGB N 25; CR 

CC II-Spahr, Art. 612 N 26). Deshalb brauchte die Vorinstanz auch einen allfälligen 

"persönlichen Gebrauch" durch die Klägerin nicht zu berücksichtigen. Keine Rolle 

spielen bei der Steigerungsfähigkeit lediglich einer Erbin aber auch Pietätsgründe. 

Solche macht die Klägerin zudem erstmals im Berufungsverfahren geltend, obwohl 

dies bei Beachtung der zumutbaren Sorgfalt bereits vor erster Instanz möglich 

gewesen wäre. Damit ist sie folglich ohnehin nicht mehr zu hören (Art. 317 Abs. 1 ZPO). 

Ferner hat es sich die Klägerin selbst zuzuschreiben, dass eine Naturalteilung mittels 

Losbildung endgültig vom Tisch ist, nachdem sie durch ihre Weigerung, einen 

Expertenaugenschein ohne Vorschussleistungen zu dulden, eine Schätzung des 

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Verkehrswerts der Wohnung in V. TI unmöglich machte. Es hilft ihr daher auch nicht 

weiter, wenn sie sich auf ihren "rechtlich zugesicherten Naturalzuweisungsanspruch" 

sowie ihr bereits durch ein Übernahmeangebot aus dem Jahr 2014 dokumentiertes, 

ernsthaftes Interesse an der Übernahme der Wohnung in V. TI beruft. Zu guter Letzt ist 

anzumerken, dass auch die Erfahrungen aus der internen Versteigerung der 

Nachlassliegenschaft in Spanien, welche letztlich rund ein Jahr in Anspruch nahm, für 

eine öffentliche Versteigerung der streitgegenständlichen Wohnung und die 

Angemessenheit des angefochtenen Entscheids sprechen.

 

Damit ist die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. […]

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		2025-07-19T02:19:57+0200
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