# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b7d04244-1da3-51a2-b542-fb160acc6eb4
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-08-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.08.2008 IV 2008/190
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-190_2008-08-11.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/190

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 23.06.2020

Entscheiddatum: 11.08.2008

Entscheid Versicherungsgericht, 11.08.2008
Art. 28 IV. Eine bei der Einreise in die Schweiz ursächlich in Gang gesetzte 
posttraumatische Belastungsstörung vermag nicht eine die IV-Leistungen 
ausschliessende Wirkung zu erzielen, wenn nicht die Arbeitsfähigkeit 
wesentlich vermindernde Symptome überwiegend wahrscheinlich bereits 
bei der Einreise vorhanden waren (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 11. August 2008, IV 2008/190).

Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Lisbeth

Mattle Frei; a.o. Gerichtsschreiber Mathias Schneider

Entscheid vom 11. August 2008

in Sachen

U.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121, 

9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

Sachverhalt:

A.   

A.a  Die aus der Türkei stammende U.___ meldete sich am 4. Dezember 2006 zum 

Bezug einer Invalidenrente an. Sie gab an, am 4. März 1995 in die Schweiz eingereist 

zu sein. Aufgrund einer chronischen Schmerzstörung, chronischer Rückenschmerzen, 

Schmerzexazerbation und einer reaktiven Depression sei sie nicht mehr arbeitsfähig. 

Die Behinderung bestehe schon seit 1994 (IV-act. 1). Auf Anfrage der IV-Stelle 

bezeichnete Dr. med. A.___ die Versicherte am 6. Februar 2007 ab 2003 für 100% 

arbeitsunfähig. Gestützt auf die Resultate der Klinik Gais vom 3. Juli 2006 (IV-act. 

12/16) schrieb sie, die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen 

Schmerzstörung, posttraumatischen Belastungsstörung und rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig sei es eine mittelgradige Episode. Diese diagnostizierten 

Krankheiten bestünden seit 1995 (IV-act. 12/1). Am 31. Oktober 2005 und am 20. 

September 2006 wurden im Kantonsspital St. Gallen entsprechende Befunde erhoben 

(chronische Schmerzstörung und eine reaktive Depression, posttraumatische 

Belastungsstörung als Differentialdiagnose; IV-act. 12/8, 12/6). Bereits am 9. April 2005 

wurde die Versicherte notfallmässig in der Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen 

hospitalisiert wegen exazerbiertem Lumbovertebralsyndrom mit pseudoradikulärer 

Ausstrahlung. Die Diagnose lautete auf lumboradikuläres Schmerzsyndrom beidseits 

mit/bei chronischer Rückenschmerzanamnese seit 2½ Jahren (IV-act. 28/1f.).

A.b Am 12. Dezember 2007 unterzog sich die Versicherte einer Untersuchung des IV-

internen Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). In rheumatologischer Hinsicht wirke 

sich ein generalisiertes Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates auf die 

Arbeitsfähigkeit aus, so Dr. med. B.___, Facharzt für Rheumatologie. Psychiatrisch sei 

gemäss Dr. med. C.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine 

andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sowie eine somatoforme 

Schmerzstörung zu berücksichtigen (IV-act. 30/4, 30/11). Der Gesundheitszustand der 

Versicherten sei bei der Einreise in die Schweiz mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

psychisch beeinträchtigt gewesen, so dass aufgrund der geschilderten Symptome 

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einer bereits damals ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung eine 

Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% bestanden habe. Eine genaue Einschätzung 

sei aber retrospektiv nicht möglich (IV-act. 30/11f.). In angestammter und adaptierter 

Tätigkeit sei die Versicherte seit 2003 zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 30/13).

A.c  Mit Schreiben vom 4. Februar 2008 machte Rechtsanwalt Daniel Küng der IV-

Stelle bekannt, er vertrete nun die Interessen der Versicherten (IV-act. 35). Er 

widersprach mit Schreiben vom 19. Februar 2008 der Auffassung der IV-Stelle, zum 

Zeitpunkt der Einreise habe eine 40%-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Er könne sich 

beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Schlafstörungen der Versicherten nach 

dem Tod ihres Sohnes eine genügliche Begründung für die 40%ige Arbeitsunfähigkeit 

darstellten. Es sei überhaupt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass 

im Jahre 1995 eine posttraumatische Belastungsstörung vorgelegen habe, wodurch die 

Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit zu mindestens 40% eingeschränkt gewesen sei. 

Dass sie sogar in der Lage gewesen sei, Krankheitsvertretungen zu übernehmen und 

kurzfristig Einsätze anzutreten, zeige, dass die Versicherte nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit 

eingeschränkt gewesen sei. Sie sei im Arbeitszeugnis als fröhliche Mitarbeiterin 

beschrieben worden, sei demnach in der Lage gewesen, selbst bei Bestehen einer 

posttraumatischen Belas-tungsstörung, diese zu kompensieren (IV-act. 38).

B.  

Am 20. März 2008 resp. 17. April 2008 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Leis-

tungsbegehrens. Die Schweiz habe mit Angehörigen der Türkei kein 

Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen. Bei der Einreise in die Schweiz sei die 

Versicherte zu mindestens 40% erwerbsunfähig gewesen (IV-act. 44, 48).

C.  

C.a Mit Schreiben vom 22. April 2008 erhebt der Rechtsvertreter der Versicherten 

Beschwerde mit dem Begehren, die Verfügung vom 20. März 2008 sei aufzuheben, der 

Beschwerdeführerin sei spätestens ab Dezember 2005 eine ganze Invalidenrente 

zuzusprechen, und es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Da die 

Invalidität der Beschwerdeführerin zum heutigen Zeitpunkt unbestritten sei, obliege es 

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der Beschwerdegegnerin, den Ausschlussgrund einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit zum 

Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz im Jahre 1995 mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit zu belegen. Im Bericht der RAD-Untersuchung werde zwar die 

40%-ige Arbeitsunfähigkeit behauptet, jedoch ohne die erforderlichen Angaben über 

verbliebene Leistungsmöglichkeiten und Einschränkungen zu machen. Im Weiteren 

seien die Ausführungen in der Stellungnahme zum Vorbescheid vom 22. Januar 2008 

zu beachten (act. G 1).

C.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. Juni 2008 beantragt die SVA St. Gallen die 

Abweisung der Beschwerde. Es sei diejenige Partei beweisbelastet, die aus einem 

bestimmten Sachverhalt Ansprüche ableite. Das gelte auch für die hier vorliegende 

negative Tatsache. Dass bei der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Einreise eine 

posttraumatische Belastungsstörung bestanden habe, werde durch die Arztberichte 

bestätigt. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie 

bereits zum Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz an der Krankheit gelitten habe. Die 

der Beschwerdeführerin attestierte andauernde Persönlichkeitsstörung habe sich 

allmählich aus der posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt, weshalb die im 

Jahr 2003 festgestellte Vollinvalidität keinen neuen Versicherungsfall darstelle, sondern 

Folge einer Verschlimmerung der ursprünglichen Gesundheitsbeeinträchtigung sei (act. 

G 5).

C.c Mit Schreiben vom 2. Juni 2008 bewilligt das Versicherungsgericht die 

unentgeltliche Prozessführung der Beschwerdeführerin (act. G 7).

D.  

D.a Mit Replik vom 3. Juni 2008 widerspricht der Rechtsvertreter den Ausführungen 

der Beschwerdegegnerin. Sie trage die Beweislast der behaupteten, bei der Einreise 

bestehenden Invalidität von 40%, denn der Regelfall bestehe darin, dass jemand 

gesund sei (act. G 8).

D.b Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 9. Juni 2008 auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:

1.   

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Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil 

in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei 

der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 

215 E. 3.1.1, Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, E. 3) sind die bis zum 

31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.

2.   

Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze 

oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit 

ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit 

verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze 

oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Gemäss Fürsprecher Daniel Küng ergebe 

sich aus den Akten des Ausländeramts des Kantons St. Gallen, dass der 

Beschwerdeführerin bei ihrer Einreise vom Bundesamt für Flüchtlinge Asyl gewährt 

worden sei (act. G1, S.5). Auf die Beschwerdeführerin ist somit der Bundesbeschluss 

über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der Alters-, 

Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (FlüB; SR 831.131.11) anwendbar, wodurch 

sie unter gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger Anspruch auf ordentliche 

Renten der Invalidenversicherung hat (Art. 1 Abs. 1 FlüB). Somit müssen sie bei Eintritt 

der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet haben (Art. 36 

Abs. 1 IVG; vgl. hiezu IV-act. 6). Sofern jedoch eine Person bei ihrer erstmaligen 

Einreise in die Schweiz bereits 40% invalid ist, ist der rentenspezifische 

Versicherungsfall eingetreten, bevor die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sein 

konnten (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Mai 2006, i.S. S., I 76/05).

3.   

Unbestritten und vielfach ärztlich bestätigt, auch bei adaptierten Tätigkeiten, ist die 

volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Verfügung. Zu 

prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin 

aufgrund einer bei der Einreise im Jahre 1995 in die Schweiz vorbestehenden, 

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rentenausschliessenden Invalidität zu Recht abgelehnt hat. Die Beschwerdeführerin 

stellt diesen von der Beschwerdegegnerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

angenommenen Sachverhalt in Abrede.

3.1  Dr. A.___ berichtete am 6. Februar 2007, die Beschwerdeführerin habe im Rahmen 

der Anamnese (zwischen 1. Januar 2005 und 18. Dezember 2006) geschildert, sie habe 

als Kurdin in der Türkei grosse Probleme gehabt und traumatische Ereignisse erlebt. 

Seither leide sie an posttraumatischen Belastungsstörungen. Seit ihr damals ältester 

Sohn im politischen Krieg umgekommen sei, befände sie sich in einer psychisch 

desolaten Verfassung (todunglücklich; IV-act. 12/2). Während der Hospitalisation im 

Kantonsspital St. Gallen vom 19. bis 26. Oktober 2005 habe die Beschwerdeführerin 

über traumatische Erfahrungen gesprochen, die sie 11 Jahre zuvor als Kurdin in der 

Türkei erlebt habe (IV-act. 12/8). Beim Klinikaufenthalt in Gais vom 20. April 2006 bis 

12. Mai 2006 wurde festgehalten, die Familie der Beschwerdeführerin habe grosse 

Probleme wegen ihrer kurdischen Abstammung gehabt und habe einige traumatische 

Ereignisse (Überfälle durch die Armee, Gefangenschaft der Beschwerdeführerin und 

deren Ehemanns, Tötung des ältesten Sohnes) erlebt, weswegen die 

Beschwerdeführerin seit 11 Jahren unter posttraumatischer Belastungsstörung leide 

(IV-act. 12/16). Die Beschwerdegegnerin erhob in ihrer Haushaltsabklärungsbericht 

gemäss Bericht vom 7. August 2007, die Beschwerdeführerin erzähle von den 

traumatischen Erlebnissen in ihrem Heimatland, von psychischen Verletzungen, die sie 

nicht überwinden könne (IV-act. 18/8). Bei der RAD-Untersuchung vom 12. Dezember 

2007 erwähnte die Beschwerdeführerin, seit dem Tod ihres Sohnes vor 13 Jahren 

könne sie nicht mehr regelrecht schlafen. Sie erwachte beim kleinsten Geräusch, habe 

Albträume vom Tod ihres Sohnes, zucke bei jedem lauteren Geräusch angstvoll 

zusammen und schlafe nur noch stundenweise (IV-act. 30/7). Sie sei vor 13 Jahren 

zusammen mit ihrer Familie als kurdisch stämmige Türkin gefangen genommen und 

gefoltert worden. Der damals 14-jährige, älteste Sohn sei vor ihren Augen erschossen 

worden. Retrospektiv, anhand der Angaben der Versicherten, diagnostizierte Dr. C.___ 

bei der Beschwerdeführerin eine akute Belastungsreaktion, welche dann in eine 

posttraumatische Belastungsstörung übergegangen sei. Sechs Monate nach dem 

traumatischen Ereignis sei sie mit ihrem Ehemann und den überlebenden beiden 

Kindern in die Schweiz eingereist (IV-act. 30/11).

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3.2  In mehreren ärztlichen Berichten werden einheitlich ein belastendes Szenarium in 

der Türkei und eine sich daraus entwickelte posttraumatische Belastungsstörung 

geschildert. Dass eine solche heute vorliegt, ist den Akten entsprechend schlüssig 

nachvollziehbar und erscheint als überwiegend wahrscheinlich. Das Ausmass dieser 

Störung zum Zeitpunkt der Einreise ist jedoch rückblickend nur schwer feststellbar. 

Dies in erster Linie deshalb, da aus dieser Zeit keine ärztlichen Berichte vorliegen. Dr. 

C.___ bestätigte in ihrem Bericht die Schwierigkeit einer retrospektiven Einschätzung, 

da die Beschwerdeführerin damals als Hausfrau und Mutter die ersten Jahre im 

eigenen Haushalt tätig gewesen sei und eine psychiatrische Diagnostik und 

Behandlung erst viel später stattgefunden habe. Dr. C.___ bezifferte die damalige 

Arbeitsunfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf mindestens 40% (IV-act. 

30/11ff.). Für den Beschwerdeführer ist diese Einschätzung unbegründet und eine 

blosse Behauptung (act. G 1, S.7). Tatsächlich schliesst der RAD allein aus dem 

(mutmasslichen) Bestehen einer posttraumatischen Belastungsstörung, die 

Arbeitsfähigkeit sei bei der Einreise zu mindestens 40% eingeschränkt gewesen (IV-

act. 30/13). Die Beschwerdegegnerin führt diesbezüglich aus, die Beschwerdeführerin 

sage zu Recht, dass aus dieser Diagnose nicht direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit 

geschlossen werden dürfe. Vielmehr seien die damaligen Umstände zu 

berücksichtigen, die für oder gegen eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin 

sprächen. Von ausschlaggebender Bedeutung sei, ob und in welchem Umfang die 

Beschwerdeführerin damals einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Aus den 

bescheidenen jährlichen Lohnbeiträgen könne nicht abgeleitet werden, die 

Beschwerdeführerin sei nicht zu mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen (act. G 5, S.

4).

3.3  Die Beschwerdegegnerin liefert allerdings keine Begründung, weshalb die 

Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreicht 

worden sei. In Berücksichtigung, dass die beiden Söhne bei der Einreise im Jahr 1995 

neun- und knapp fünfjährig gewesen sind und auf entsprechende Pflege und 

Betreuung angewiesen waren, dass die Beschwerdeführerin verheiratet und für die 

Führung des Haushaltes zuständig war und in Berücksichtigung der damals 

bestehenden sprachlichen Defizite erscheint es plausibel, dass die Beschwerdeführerin 

in den ersten Jahren nicht berufstätig war. Für die erste Zeit nach der Einreise ist die 

Beschwerdeführerin ausschliesslich im Aufgabenbereich Haushalt tätig gewesen. 

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Entsprechend ist sie als Hausfrau zu qualifizieren. Erst 1997, als vermutungsweise ihr 

jüngster Sohn eingeschult wurde, ging sie nebst der Kinderbetreuung und 

Haushaltsführung einem Nebenverdienst nach. Dass sie nebenbei im Alters- und 

Pflegeheim D.___ zwischen 1997 und 1998 infolge Krankheits- und Ferienvertretung 

einen kleinen Verdienst erwirtschaftete (IV-act. 6, 38), deutet auf eine Flexibilität in 

ihrem Zeitmanagement hin, was zumindest als Indiz für eine erhaltene oder nur minim 

eingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu werten ist. Weitere Hinweise, dass sie zur 

Hauptsache im Aufgabenbereich tätig und entsprechend vor 2003 nicht (wesentlich) in 

der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, ergeben sich aus dem am 9. Juli 2007 von der 

Beschwerdeführerin ausgefüllten Fragebogen der IV-Stelle. Die Einschränkungen im 

Haushalt bestünden seit zwei Jahren, vor der Krankheit habe sie, mit Hilfe des 

Ehemannes, alles selber gemacht (IV-act. 15/9). Betreffend einer ausserhäuslichen 

Tätigkeit führte sie im Abklärungsbericht Haushalt vom 20. Juli 2007 weiter aus, sie 

habe vorgehabt, im Jahre 2003 intensiv eine Arbeitsstelle zu suchen. Der jüngere Sohn 

sei damals in die Realschule eingetreten, weshalb die Verpflichtungen zu Hause kleiner 

geworden seien. Die Krankheit habe die Aufnahme einer ausserhäuslichen 

Beschäftigung jedoch verunmöglicht (IV-act. 18/3). Der Vater der Beschwerdeführerin 

äusserte sich bei der Abklärung am 12. Dezember 2007 durch den RAD dahingehend, 

dass seine Tochter seit drei bis vier Jahren schwer krank sei. Seit dem Tod ihrer Mutter 

vor zehn Monaten gehe gar nichts mehr (IV-act. 30/10). Soweit bestehen 

Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin nicht schon vor 2003 in ihrer 

Arbeitsfähigkeit bzw. in der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich Haushalt zu betätigen, 

wesentlich eingeschränkt war. Die Beschwerdeführerin selbst erwähnte bei gleicher 

Abklärung, seit dem Tod ihres damals ältesten Sohnes werde sie ständig von den 

Erinnerungen eingeholt, die Schreckhaftigkeit und die Schlafstörungen hätten sich 

seither nicht gebessert (IV-act. 30/8). Keine signifikanten Hinweise, wie sich die bei der 

Einreise mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon bestehende posttraumatische 

Belastungsstörung quantitativ ausgewirkt haben soll, liefert der Bericht des 

Kantonsspital St. Gallen, wenn angeführt wird, seit den traumatischen Erfahrungen vor 

elf Jahren leide die Beschwerdeführerin an einem kontinuierlichen Gedankenkreisen mit 

allgemeiner Schwäche (IV-act. 12/8), so kann aufgrund solcher Symptome und 

Feststellungen eine (bedeutsame) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in 

Aufgabenbereich oder Berufsfähigkeit keineswegs angenommen werden. Zwar ist eine 

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leistungsrelevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit insgesamt nicht mit absoluter 

Gewissheit auszuschliessen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist jedoch vom 

Eintritt der Versicherungsfalles Jahre nach der Einreise1995 auszugehen.

4.   

4.1  Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 20. März 2008 resp. 17. April 2008 gutzuheissen und 

die Sache ist zur neuen Verfügung über Beginn und Höhe des Rentenanspruchs der 

Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2  Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat auch für die 

Gerichtskosten aufzukommen. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Sie 

bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1  IVG). Dieser rechtfertigt 

eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-.

4.3  Bei diesem Verfahrensausgang ist in Bezug auf die Kosten von einem 

vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Die 

Beschwerdegegnerin hat deshalb für die Vertretungskosten der Beschwerdeführerin 

aufzukommen. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser 

Kriterien erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 2500.- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) als angemessen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.  In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 20. März 

2008 resp. 17. April 2008 aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen 

zur neuen Verfügung über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.  Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-.

bis

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3.  Die Beschwerdegegnerin bezahlt der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 2500.-.

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