# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 47905861-a092-55d1-9b88-33742646620b
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR ac_2a_02_06_07_08.pdf
**Docket/Reference:** ac_2a_02_06_07_08.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf22/ac_2a_02_06_07_08.pdf

## Full Text

VERWALTUN GSGERICH T DES KAN TON S FREIBURG 

II. VERWALTUN GSGERICH TSH OF 

Entscheid vom 11. Dezember 2007 

In den Beschwerdesachen 
(2A 02 06 / 2A 02 07 / 2A 02 08) 

1.  die  Erbinnen  des  Ferdinand  Beghin  selig,  nämlich:  Marie  France  Pascaline 
Moreuil-Beghin,  Roselyne  du  Breuil-Beghin  und  Françoise  d'Ormesson-Beghin, 
alle  wohnhaft  in  Frankreich,  per  Adresse:  Anwaltskanzlei  Tavernier,  Gilloz, 
Dorsaz und Tschanz, rue Rodolphe-Toepffer 11bis, 1206 Genf, 

2.  der Deutschfreiburger Heimatkundeverein, Postfach 420, 1701 Freiburg, 
3.  der  Freiburger  Heimatschutz,  Postfach  58,  1701  Feiburg,  und  der  Schweizer 

Heimatschutz, Zürich, 
alle  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Markus  Meuwly,  bd  de  Pérolles  12,  Postfach 
391, 1700 Freiburg,  

Beschwerdeführer, 

gegen 

1.  die  Raumplanungs-,  Umwelt-  und  Baudirektion,  Chorherrengasse  17,  1700 

Freiburg,  

2.  den Oberamtmann des Sensebezirks, 1712 Tafers, 
3.  Georges  Schneuwly,  Vogelshus,  3178  Bösingen,  vertreten  durch  Rechtsanwalt 

Elmar Perler, Cité Bellevue 6, Postfach 41, 1707 Freiburg 7, 

Beschwerdegegner, 

betreffend 
Bausache, 
Bau einer Schweinemasthalle, 
(Sonderbewilligung vom 22. Dezember 2000 und 
Baubewilligung vom 17. Dezember 2001) 

 
 
- 2 -

hat sich ergeben: 

A. 

B. 

Georges Schneuwly bewirtschaftet in Vogelshus, Gemeinde Bösingen, einen 
landwirtschaftlichen  Betrieb.  Dieser  umfasst  nebst  einem  Wohn-  und 
Ökonomiegebäude,  einem  Einstellraum,  einem  anderen  Ökonomiegebäude 
und  einem  Einfamilienhaus  29,7  ha  eigenes  und  zugepachtetes  Land.  Im 
September  1999  erwarb  Georges  Schneuwly  ein  weiteres,  28  ha  grosses 
landwirtschaftliches  Gewerbe  in  der  Gemeinde  Barberêche.  Schliesslich  ist 
er  seit  Oktober  2006  Miteigentümer  zu  72,5  %  eines  dritten  landwirtschaft-
lichen  Heimwesens  in  Tützenberg,  Gemeinde  Schmitten,  das  eine  Gesamt-
fläche  von  34,15  ha  aufweist.  Demnach  verfügte  er  per  Februar  2007  über 
eine  landwirtschaftliche  Nutzfläche  von  insgesamt  73,1  ha  (35,22  ha 
Eigenland,  37,88  ha  Pachtland).  Er  betreibt  in  erster  Linie  Ackerbau 
(Getreide auf 23,6 ha, Markhackfrüchte auf 32,8 ha, Naturwiesen 16,7 h) und 
hält daneben 375 Schweine. 

Am  27.  November  1998  reichte  Georges  Schneuwly  ein  Baugesuch  ein  für 
den Neubau einer 124,3 m langen, 17,3 m breiten (bei Berücksichtigung des 
Vordachs und Auslaufs sind es 23,4 m) und 5,5 m hohen Schweinemasthalle 
sowie einer 566 m3 grossen Güllengrube. Die Anlage mit einem Volumen von 
18'443 m3 bietet Platz für 1'000 Mastschweine und soll in Vogelshus, auf der 
Parzelle  Nr.  337,  Eigenacher,  des  Grundbuchs  der  Gemeinde  Bösingen 
erstellt werden. Der Standort befindet sich in der Landwirtschaftzone und ist 
teilweise  im  kommunalen  Richtplan  als  Landschaftsschutzgebiet  einge-
tragen. 

C. 

Bösingen  gehört  zu  den  Ortsbildern  von  nationaler  Bedeutung.  Nach  dem 
aus  dem  Jahre  2003  stammenden  Planungs-  und  Baureglement  (PBR)  der 
Gemeinde  gehört  der  Weiler  Vogelshus,  der  sich  etwa  2  km  vom  Dorf 
Bösingen entfernt befindet, zum Ortsbildschutzperimeter.  

Zum Weiler Vogelshus gehört nebst den schon erwähnten Gebäuden ein im 
18.  Jahrhundert  erstelltes  Schloss,  genannt  Herrenhaus  von  Lenzburg  oder 
Schloss Vogelshus, das als einer der "prächtigsten Louis-XV-Herrensitze des 
Kantons"  beschrieben  wird.  Es  ist  ein  Kulturgut  von  regionaler  Bedeutung. 
Die  Gemeinde  Bösingen  hat  es  in  das  Verzeichnis  der  Kulturgüter  aufge-
nommen  (Anhang  4  PBR)  und  ihm  den  Wert  A  gegeben  (A-Wert = hohe 
Qualität:  besonders  repräsentatives,  seltenes  und/oder  hervorragend  ge-
staltetes  Objekt,  dessen  ursprüngliche  Substanz  erhalten  ist;  vgl.  Art.  48 
Abs. 1  des  Ausführungsreglements  vom  17.  August  1993  zum  Gesetz  über 
den  Schutz  der  Kulturgüter  [ARKGSG,  SGF  482.11]).  Zudem  sind  noch  ein 
Wohnhaus  und  eine  Scheune  des  Weilers  im  Verzeichnis  der  Kulturgüter 
erwähnt und mit dem Wert B (= gute Qualität: repräsentatives und/oder sorg-
fältig gestaltetes Objekt, dessen ursprüngliche Substanz oder Hauptelemente 
erhalten sind; vgl. Art. 48 Abs. 1 Abs. 1 ARKGSG) bezeichnet worden.  

 
D. 

E. 

F. 

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Zum  Baugesuch  vom  27.  November  1998  erstatteten  das  Amt  für  Umwelt 
(AfU),  das  Landwirtschaftsdepartement  (neue  Bezeichnung:  Amt  für  Land-
wirtschaft  [LwA])  sowie  der  Kulturgüterdienst  beziehungsweise  die  Kultur-
güterkommission  ungünstige  Gutachten.  Die  Gemeinde  Bösingen  äusserte 
sich  positiv  zum  Projekt,  warf  indes  verschiedene  Fragen  auf.  In  der  Folge 
erhoben unter anderen der Freiburger Heimatschutz, die Erbengemeinschaft 
Ferdinand  Beghin,  der  Deutschfreiburger  Heimatkundeverein  sowie  die 
Vogelshaus  Aktiengesellschaft,  damalige  Eigentümerin  des  Schlosses 
Vogelshus, Einsprache. 

Mit Verfügung vom 30. August 1999 lehnte die Raumplanungs-, Umwelt- und 
Baudirektion  (RUBD)  die Erteilung  einer  Sonderbewilligung  für  den  Bau  der 
Schweinemasthalle  ausserhalb  der  Bauzone  ab  mit  der  Begründung,  dass 
Ende  Oktober  2000  13  ha  Pachtland  wegfallen  werden  und  infolgedessen 
das Bauvorhaben überdimensioniert sei. Eine Bewilligung könnte höchstens 
für 560 Schweine erteilt werden. Hierfür sei aber ein neues Baubewilligungs-
verfahren  notwendig.  Gestützt  auf  diesen  Entscheid  verweigerte  der  Ober-
amtmann  des  Sensebezirks  am  22.  September  1999  die  baupolizeiliche 
Bewilligung. Beide Verfügungen wurden am 25. September 1999 eröffnet. 

Am  4.  Oktober  1999,  also  vor  Ablauf  der  Rechtsmittelfrist,  stellte  Georges 
Schneuwly  bei  der  RUBD  und  beim  Oberamtmann  ein  Gesuch  um Wieder-
erwägung  der  Entscheide  vom  30.  August  1999  und  vom  22.  September 
1999.  Er  brachte  vor,  dass  er  am  14.  September  1999  ein  Heimwesen  mit 
28 ha Wies-  und  Ackerland  gekauft  und  somit  den  Verlust  des  Pachtlandes 
von 13 ha mehr als ausgeglichen habe. 

Mit  Verfügung  vom  21.  Oktober  1999  erklärte  die  RUBD,  sie  trete  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  ein  und  werde  hinsichtlich  der  Sonderbewilligung 
einen neuen Sachentscheid fällen. 

Am 22. Dezember 2000 bejahte die RUBD gestützt auf Art. 16a Abs. 2 des 
Bundesgesetzes  über die  Raumplanung  vom  22.  Juni  1979  (RPG, SR  700) 
die  Zonenkonformität  der  geplanten  Anlage  in  der  Landwirtschaftszone  und 
erteilte  die  erforderliche  Sonderbewilligung  unter  verschiedenen  Bedingun-
gen und Auflagen. Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf den positiven 
Bericht  des  LwA  vom  4.  Dezember  2000.  Daraus  ergibt  sich,  dass  die 
Futterproduktion  den  Bedarf  der  1'000  Schweine  zu  107  %  decke.  Daher 
könne der Stall für die innere Aufstockung als zonenkonform betrachtet und 
genehmigt  werden.  Auch  betrage  das  Einkommen  von  Georges  Schneuwly 
weniger  als  80'000  Franken.  Überdies  erweise  sich  der  Bau  der  Masthalle 
aufgrund  der  Agrarpolitik  "Horizont  2010"  als  notwendig  und  werde  zum 
langfristigen Fortbestand des Betriebs beitragen. 

 
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Am  17.  Dezember  2001  erteilte  der  Oberamtmann  seinerseits  die 
erforderliche  Baubewilligung  unter  Auflagen  und  Bedingungen.  Gleichzeitig 
wies er sämtliche Einsprachen ab. 

Der  Oberamtmann  stellte  seinen  Entscheid  sowie  jenen  der  RUBD  den 
Verfahrensbeteiligten am 18. Dezember 2001 zu. 

G. 

Gegen  beide  Verfügungen  liessen  die  Erbinnen  von  Ferdinand  Beghin, 
nunmehr Eigentümerinnen des Schlosses Vogelshus, der Deutschfreiburger 
Heimatkundeverein  sowie  der  Freiburger  und  Schweizer  Heimatschutz  am 
29.  Januar  2002  mit  drei  separaten  Eingaben  Beschwerde  an  das  Ver-
waltungsgericht  führen  und  beantragen,  in  Gutheissung  ihrer  Beschwerden 
die  Entscheide  der  RUBD  und  des  Oberamtmannes  aufzuheben  und  die 
Baubewilligung zu verweigern. Gleichzeitig ersuchen sie um Gewährung der 
aufschiebenden Wirkung. 

Am  1.  Februar  2002  ordnete  der  Instruktionsrichter  an,  dass  bis  zum 
Entscheid über das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung alle 
Vollstreckungsmassnahmen zu unterbleiben haben. 

Der  Oberamtmann,  die  RUBD  und  Georges  Schneuwly  schliessen,  sofern 
auf die Beschwerden eingetreten werde, auf deren Abweisung.  

Der  Instruktionsrichter  holte  zum  Streitfall  Berichte  beim  kantonalen  Kultur-
güterdienst und beim Amt für Umweltschutz ein.  

Am  4.  September  2002  reichten  die  Beschwerdeführer  unaufgefordert  eine 
Ergänzungsschrift ein.  

In  der  Folge  blieb  das  Verwaltungsgerichtsverfahren  (stillschweigend) 
ausgesetzt,  um  unter  den  Parteien  eine  einvernehmliche  Lösung  zu  finden. 
Eine  solche  kam  nicht  zustande,  weshalb  der  Instruktionsrichter  am 
6. November  2006  die  Wiederaufnahme  des  Verfahrens  und  die  Durch-
führung  eines  weiteren  Schriftenwechsels  anordnete.  Auf  seine  Frage  hin 
bestätigte die Gemeinde Bösingen mit Eingabe vom 5. November 2007, dass 
sich  die  geplante  Baute  gemäss  Schutzzonen-  und  Landschaftsrichtplan 
grösstenteils im Landschaftsschutzgebiet befindet. 

H. 

Das  Gericht  führte  am  11.  Dezember  2007  einen  Augenschein  durch.  Die 
Verfahrensbeteiligten  wurden  darüber  informiert.  Ein  Protokoll  wurde  nicht 
erstellt. Anwesend waren der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer, Markus 
Meuwly, Georges Schneuwly sowie dessen Rechtsvertreter Thomas Zbinden 
vom Anwaltsbüro Zbinden + Perler. 

 
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Der II. Verwaltungsgerichtshof 
zieht in Erwägung: 

1.  a)  Anfechtungsgegenstand  sind  die  Sonderbewilligung  der  RUBD  vom  22. De-
zember  2000  und  die  Baubewilligung  beziehungsweise  der  Einspracheent-
scheid  des  Oberamtmannes  vom  17.  Dezember  2001.  Beide  Verfügungen 
können  mit  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  angefochten  werden  (Art.  59 
Abs. 2 und Art. 176 Abs. 1 des Raumplanungs- und Baugesetzes vom 9. Mai 
1983  [RPBG,  SGF  710.1]);  Art.  114  Abs.  1  lit.  a  und  c  des  Gesetzes  vom 
23. Mai  1991  über  die  Verwaltungsrechtspflege  [VRG,  SGF  150.1]).  Die 
Zuständigkeit  des  Verwaltungsgerichts  zur  Beurteilung  der  vorliegenden 
Beschwerden ist somit gegeben. 

b)  Gemäss Art. 79 Abs. 1 VRG beträgt die Rechtsmittelfrist 30 Tage. Die Frist 
beginnt  am  Tage  nach  der  Mitteilung  der  Verfügung  zu  laufen.  Die  Aus-
nahmebewilligung  der  RUBD  und  die  Baubewilligung  des  Oberamtmannes 
sind  gleichzeitig  zu  eröffnen  (Art.  175a  Abs.  2  RPBG;  Art.  95  Abs.  4  des 
Ausführungsreglements  vom  18.  Dezember  1984  zum  Raumplanungs-  und 
Baugesetz vom 9. Mai 1983 [ARRPBG, SGF 710.11]).  

Die  angefochtenen  Entscheide  wurden  dem  Freiburger  Heimatschutz,  dem 
Deutschfreiburger  Heimatkundeverein  sowie  den  Eigentümern  des  Schlos-
ses Vogelshus am 19. Dezember 2001 eröffnet. Gleichzeitig teilte der Ober-
amtmann den Verfahrensbeteiligten mit, dass im "kommenden Amtsblatt vom 
21.  Dezember  2001  die  Auflage  zur  Einsichtnahme 
in  das  Dossier 
veröffentlicht  wird  und  dasselbe  während  30  Tagen,  d.h.  bis  04.  Februar 
2002  eingesehen  werden  kann".  Er  stützte  sich  dabei  auf  Art.  20  der 
Verordnung  über  die  Umweltverträglichkeitsprüfung  vom  19.  Oktober  1988 
(UVPV, SR 814.011). Die Frage, ob die Rechtsmittelfrist am 20. oder 22. De-
zember 2001 zu laufen begann (vgl. Art. 27 Abs. 1 VRG), kann offenbleiben. 
In Berücksichtigung des vom 24. Dezember 2001 bis und mit dem 5. Januar 
2002 dauernden Stillstands der Fristen (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. b VRG) wurden 
die  am  29.  Januar  2002  den  Postbetrieben  übergebenen  Beschwerden 
ohnehin rechtzeitig eingereicht. 

2.  a)  Der private Beschwerdegegner stellt die Beschwerdelegitimation der Erben-
gemeinschaft  Ferdinand  Beghin  sowie  jene  des  Schweizer  Heimatschutzes 
in Frage.  

Die  Beschwerdelegitimation  zählt  zu  den  Prozessvoraussetzungen,  das 
heisst zu den Vorbedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die angerufene 
Behörde  über  den  Anspruch  entscheiden  kann.  Ob  sie  gegeben  ist,  hat  die 
Rechtsmittelbehörde von Amtes wegen zu prüfen (THOMAS MERKLI / ARTHUR 

 
 
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AESCHLIMANN / RUTH HERZOG, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungs-
rechtspflege im Kanton Bern, 1997, Art. 65 N 1). 

b)  Gemäss  Art.  176  Abs.  2  RPBG  können  der  (Bau-)Gesuchsteller,  die  Ein-
sprecher  sowie  die  nach  dem  Gesetz  beschwerdeberechtigten  Behörden 
gegen  die  Entscheide  des  Oberamtmannes  über  Baugesuche  und  Ein-
sprachen  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  erheben.  Eine  weitere  Legitima-
tionsvorschrift  findet  sich  in  Art.  76  VRG.  Danach  ist  zur  Beschwerde 
berechtigt,  wer  durch  den  angefochtenen  Entscheid  berührt  ist  und  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Aufhebung  oder  Änderung  hat  (lit.  a) 
sowie  jede  andere  Person,  Organisation  oder  Behörde,  die  das  Gesetz  als 
beschwerdeberechtigt anerkennt (lit. b). 

c)  aa.  Die  Erbinnen  des  verstorbenen  Ferdinand  Beghin  begründen  ihre  Be-
schwerdebefugnis  mit  ihrer  Eigenschaft  als  Eigentümerinnen  der  Grund-
stücke  Nr.  336,  338,  340,  345  und  445  des  Grundbuchs  der  Gemeinde 
Bösingen. Das Schloss Vogelshus befinde sich auf der Parzelle Nr. 339 und 
hätte  ehemals  der  Vogelshaus  Aktiengesellschaft  gehört,  die  gegen  das 
Bauvorhaben  ebenfalls  Einsprache  erhoben  habe.  Am  24.  September  1999 
sei  die  Liegenschaft  Nr.  339  auf  die  Erbengemeinschaft  von  Ferdinand 
Beghin übertragen worden. Deren Grundstücke würden sich in unmittelbarer 
Nähe der geplanten Schweinemasthalle befinden. 

bb.  Der  private  Beschwerdegegner  bringt  vor,  dass  sich  die  Erbengemein-
schaft  im  Rahmen  des  Einspracheverfahrens  als  "Eigentümer  zu  gesamter 
Hand" ausgegeben hätte. Zudem sei gemäss einer Publikation im Amtsblatt 
vom  24.  Oktober  1997  der  Nachlass  von  Ferdinand  Beghin  ausgeschlagen 
worden.  Die  Beschwerdelegitimation  sei  somit  im  jetzigen  Zeitpunkt  nicht 
genügend nachgewiesen. 

cc. Aus dem in den Akten liegenden Situationsplan ergibt sich, dass die drei 
erwähnten  Erbinnen  auch  Eigentümerinnen  der  Parzelle  Nr.  334  sind,  die 
unmittelbar  nördlich  des  Grundstücks  Nr.  337,  auf  welcher  die  Masthalle 
gebaut  werden  soll,  angrenzt.  Das  Gericht  hat  keine  Veranlassung,  zu 
bezweifeln,  dass  sie  ebenfalls  Eigentümerinnen  der  Schlossliegenschaft 
sind.  Diese  befindet  sich  östlich  des  Art.  337;  beide  Parzellen  sind  durch 
einen Weg  getrennt. Die  Erbinnen  des  Ferdinand  Beghin  sind  somit  direkte 
Nachbarinnen des streitbetroffenen Grundstücks. 

dd.  Die  Rechtsmittelbefugnis  des  Nachbarn  ist  gegeben,  wenn  für  ihn 
einerseits  eine  hinreichend  enge  nachbarliche  Raumbeziehung  zum  Bau-
grundstück  besteht,  er  anderseits  durch  die  Erteilung  der  Baubewilligung 
mehr  als  irgendein  Dritter  oder  die  Allgemeinheit  in  eigenen  qualifizierten 
(tatsächlichen  oder  rechtlichen)  Interessen  betroffen  ist  und  er  Mängel  rügt, 
deren  Behebung  diese  Betroffenheit  zu  beseitigen  vermag  (ALFRED  KÖLZ  / 
JÜRG  BOSSHART  /  MARTIN  RÖHL,  Kommentar  zum  Verwaltungsrechtspflege-

 
 
 
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gesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 21 N 21 und 34 ff.). Diese 
Voraussetzungen  sind  im  vorliegenden  Fall  klar  gegeben.  Die  Erbinnen 
haben  ein  evidentes  Interesse,  die  vorgesehene  Baute  zu  verhindern. 
Insofern  können  sie  insbesondere  Einwände  erheben,  die  sich  auf  Art  und 
Grad  der  baulichen  Nutzung  ihres  Grundstücks  beziehen,  und  das  Bauvor-
haben  mit  der  Behauptung  anfechten,  es  verstosse  gegen  Art.  24  RPG 
(ALDO  ZAUGG,  Kommentar  zum  Baugesetz  des  Kantons  Bern  vom  9.  Juni 
1985,  2.  A.,  Bern  1995,  Art. 35/35a  N  17).  Infolgedessen  ist  ihre  Be-
schwerdebefugnis zu bejahen. 

d)  aa.  Der  Deutschfreiburger  Heimatkundeverein  ist  ein  regional  tätiger  Verein 
und bezweckt die Pflege der Heimat und Volkskunde sowie die Erhaltung der 
Kultur- und Naturgüter der Umwelt und Landschaft in Deutschfreiburg. Er ist 
der Auffassung, dass er gemäss gefestigter kantonaler Rechtsprechung dazu 
legitimiert  sei,  im  Rahmen  von  Planungs-  und  Baubewilligungsverfahren 
Einsprache  zu  erheben  und  gegen  Baubewilligungsentscheide  gestützt  auf 
Art. 176  RPBG  Beschwerde  zu  führen.  Dabei  stützt  er  sich  auf  einen 
Entscheid des Staatsrats vom 3. November 1987 (Extraits 1987 S. 108) und 
auf die Beratungen des Grossen Rats zur Frage der Beschwerdelegitimation 
von  Verbänden  (Amtliches  Tagblatt  der  Sitzungen  des  Grossen  Rats  des 
Kantons  Freiburg,  TGR,  1983  S.  214).  Weiter  leitet  er  seine  Beschwerde-
befugnis aus Art. 62 des Gesetzes vom 7. November 1991 über den Schutz 
der Kulturgüter (KGSG, SGF 482.1) ab. Danach ist jeder Verein im Sinne der 
Art. 60 ff.  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  vom  10.  Dezember  1907 
(ZGB,  SR  210),  der  nach  seinen  Statuten  den  Schutz  von  Kulturgütern 
bezweckt, berechtigt, gegen Entscheide im Bereich des Kulturgüterschutzes, 
die Objekte aus seinem üblichen Tätigkeitsgebiet betreffen, Einsprache oder 
Beschwerde  zu  erheben,  sofern  er  zur  Zeit  der  Geltendmachung  seiner 
Rechte seit mindestens fünf Jahren besteht. 

Der private Beschwerdegegner liess sich zu Frage der Beschwerdebefugnis 
des Deutschfreiburger Heimatkundevereins nicht vernehmen. 

bb.  Es  gilt  vorab  festzuhalten,  dass  es,  entgegen  der  Ansicht  des  Heimat-
kundevereins, hinsichtlich der Beschwerdebefugnis von Vereinigungen keine 
gefestigte  Praxis  gibt.  Im  Gegensatz  zum  Staatsrat  verneint  das  Ver-
waltungsgericht  die  Einsprache-  und  mithin  die  Beschwerdebefugnis  von 
Vereinigungen,  die  nicht  kantonal  tätig  sind  und  keiner  bedeutenden 
nationalen  Vereinigung  angehören  (FZR  1993  S.  353;  vgl.  dazu  auch 
Entscheid  des  Bundesgerichts  vom  11.  August  2006,  1P.347/2006,  in  ZBl 
2006 S. 544 E. 1.2). 

Der  Heimatkundeverein  behauptet  nicht,  dass  er  (auch)  in  Wahrung 
persönlicher  Interessen  seiner  Mitglieder  Verwaltungsgerichtsbeschwerde 
führt. Infolgedessen  kann es  offenbleiben, ob  gewisse  Mitglieder  direkt  vom 
hier strittigen Bauvorhaben betroffen sind. Das lässt nicht etwa den Schluss 

 
 
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zu,  der  Heimatkundeverein  sei  ohne  Weiteres  ermächtigt,  allenfalls  im 
Namen angeblich betroffener Mitglieder Beschwerde zu führen. 

Da das RPBG dem Heimatkundeverein kein Recht einräumt, Beschwerde an 
das  Verwaltungsgericht  zu  führen,  wäre  die  Beschwerdelegitimation  nach 
Massgabe  des  Art.  76  lit.  a  VRG  zu  beurteilen  (vgl.  BGE  127  V  80  E.  3 
S. 82). Diese Prüfung kann aber unterbleiben, weil die Beschwerdebefugnis 
aus anderen Gründen zu bejahen ist. 

cc.  Der  Heimatkundeverein  rügt  unter  anderem  die  Verletzung  des  KGSG 
und  des  Bundesgesetzes  über  den  Umweltschutz  vom  7.  Oktober  1983 
(USG, SR 814.01) und der UVPV. 

Das  Schloss  Vogelshus  ist  ein  Kulturgut  und  der  Heimatkundeverein 
bezweckt gerade die Erhaltung der Kulturgüter. Mit dem Bau einer Schweine-
masthalle  wird  die  Umgebung  und  mithin  auch  das  Schloss  betroffen.  In 
diesem  Rahmen  kann  der  Heimatkundeverein  seine  Beschwerdebefugnis 
aus  Art.  62  KGSG  ableiten  (vgl.  dazu  nicht  veröffentlichter  Entscheid  des 
Verwaltungsgerichts  vom  6.  Juli  2006,  2A  05  60;  in  diesem  Fall  hat  das 
Gericht  die  Beschwerdebefugnis  der  Vereinigung  Pro  Freiburg  hinsichtlich 
der Erstellung von Parkplätzen im Burgquartier der Stadt Freiburg anerkannt 
mit der Begründung, das erwähnte Quartier stelle ein Kulturgut dar). 

Keine  Beschwerdebefugnis  ergibt  sich  für  den  Heimatkundeverein  jedoch 
aus dem USG, der UVPV oder dem Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den 
Natur-  und  Heimatschutz  (NHG,  SR  451).  Diese  Gesetze  ermächtigen 
lediglich  gesamtschweizerische  Organisationen  zur  Ergreifung  kantonaler 
Rechtsmittel  (Art.  55  Abs.  3  USG  und  Art.  12  Abs.  3  lit.  a  NHG).  Das 
kantonale  Recht  hat  diese  Ermächtigung  nicht  auf  regionale  Vereinigungen 
ausgeweitet. 

dd.  Zusammenfassend  lässt  sich  somit  feststellen,  dass  der  Heimatkunde-
verein nur im Rahmen des Kulturgüterschutzes berechtigt ist, Beschwerde zu 
führen. 

e)  aa.  Der  Freiburger  Heimatschutz,  eine  Sektion  des  Schweizer  Heimat-
schutzes,  begründet  seine  Beschwerdebefugnis  gleich  wie  der  Deutsch-
freiburgische  Heimatkundeverein.  Der  Schweizer  Heimatschutz  leitet  seine 
aus Art. 12 NHG ab. Es gehe im vorliegenden Fall um eine Baute ausserhalb 
der  Bauzone,  für  welche  die  RUBD  eine  Sonderbewilligung  erteilt  habe.  In 
diesem  Rahmen  würden  auch  Fragen  des  Umweltschutzes  geregelt, 
weshalb seine Beschwerdelegitimation gegeben sei. 

Der  private  Beschwerdegegner  äussert  sich  nicht  zur  Beschwerdelegitima-
tion  des  Freiburger  Heimatschutzes,  bestreitet  aber  jene  des  Schweizeri-
schen  mit  der  Begründung,  dieser  hätte  sich  im  Einspracheverfahren  nicht 
beteiligt. 

 
 
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bb. Der Schweizer Heimatschutz ist eine gesamtschweizerische Organisation 
und  gestützt  auf  Art.  12  Abs.  1  NHG  ohne  Weiteres  beschwerdeberechtigt 
(PETER  M.  KELLER,  in  Kommentar  NHG,  Zürich  1997,  Art.  12  N  11).  Indes 
hatte  ursprünglich  nur  der  Freiburger  Heimatschutz  und  nicht  auch  der 
Schweizer  Heimatschutz  Einsprache  erhoben.  Jener  handelte  nicht  als 
Vertreter oder  im  Namen  des  Schweizer  Heimatschutzes,  weshalb  dieser 
formell  nicht  beschwert  ist  (KÖLZ  /  BOSSHART  /  RÖHL,  §  21  N  27).  Auch  das 
Bundesrecht  eröffnet  den  gesamtschweizerisch  tätigen  Verbänden  keine 
Möglichkeit  zu  einem späteren  Eintritt  ins  Verfahren  (KELLER,  Art. 12  N  15). 
Sie sind nicht nur befugt, sondern auch verpflichtet, sich an einem allfälligen 
Einspracheverfahren  zu  beteiligen,  wollen  sie  ihr  Beschwerderecht  nicht 
verwirken (Art. 55 Abs. 3 und 5 USG). Infolgedessen ist davon auszugehen, 
dass der Schweizer Heimatschutz nicht beschwerdeberechtigt ist (siehe auch 
ISABELLE  HÄNER,  Die  Beteiligten  im  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungs-
prozess, Zürich 2000, N 331 ff.; ALFRED KÖLZ / ISABELLE HÄNER, Verwaltungs-
verfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2.  A.,  Zürich  1998, 
N 542).  Über  diese  Frage  braucht  indes  nicht  endgültig  entschieden  zu 
werden, weil auf die Beschwerden ohnehin einzutreten ist. 

cc.  Im  bundesgerichtlichen  Verfahren  sind  kantonale  Sektionen  gesamt-
schweizerischer  Organisationen  nicht  befugt,  in  ihrem  Namen  gestützt  auf 
Art. 12 NHG Beschwerde zu führen (BGE 123 II 289 E. 1e S. 293). Hingegen 
räumt  Art.  76  lit.  b  VRG  in  Verbindung  mit  Art.  80  Abs.  2  RPBG  den  kann-
tonalen  Vereinigungen  das  Recht  zur  Einsprache  ein,  wenn  sie  einer 
bedeutenden  nationalen  Organisation  angehören  und  sich  statutengemäss 
aus  rein  ideellen  Beweggründen  hauptsächlich  mit  Aufgaben  der  Raum-
planung und des Natur- und Landschaftsschutzes befassen. Die Art. 80 und 
80a  RPBG  beziehen  sich  auf  Einsprachen  und  Beschwerden  gegen Pläne. 
Wenn  gestützt  auf  die  Bestimmungen  den  erwähnten  Organisationen  das 
Recht zur Einsprache und Beschwerde eingeräumt wird, muss dieses Recht 
ebenfalls  im  Rahmen  eines  Baubewilligungsverfahrens  gelten,  selbst  wenn 
dies im Gesetz so nicht ausdrücklich erwähnt ist (vgl. TGR, 1983 S. 370 und 
1982  S. 751).  Somit  ist  die  Beschwerdelegitimation  des  Freiburger  Heimat-
schutzes anzuerkennen. 

3. 

4. 

  Mit dem heutigen Entscheid in der Sache wird das Gesuch der Beschwerde-
führer  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  gegenstandslos.  Auf  die 
diesbezüglichen Ausführungen der Parteien braucht somit nicht eingegangen 
zu werden. 

Die  drei  Beschwerden  betreffen  den  gleichen  Sachverhalt  und  werfen 
übereinstimmende  Rechtsfragen  auf.  Es  rechtfertigt  sich  daher,  soweit 
überhaupt  auf  die  Beschwerden  eingetreten  wird,  die  Verfahren  zu  ver-
einigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (Art. 42 Abs. 1 lit. b VRG). 

 
 
5. 

6. 

7. 

- 10 -

Der  massgebliche  Sachverhalt  ist  mit  hinreichender  Klarheit  durch  die 
Baueingabepläne, den Fotoaufnahmen über die betroffene Liegenschaft und 
der  Dokumentation  über  das  Herrenhaus  Vogelshus  ersichtlich.  Zudem 
führte  das  Gericht  einen  Augenschein  durch.  Weitere  Instruktionsmass-
nahmen erwiesen sich als nicht notwendig. 

  Mit einer Beschwerde kann die Verletzung des Rechts einschliesslich Über-
schreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  sowie  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  gerügt 
werden (Art. 77 Abs. 1 lit. a und b VRG). Nach Art. 78 Abs. 2 VRG kann die 
Unangemessenheit  nur  gerügt  werden,  wenn  die  Angelegenheit  das  Gebiet 
der öffentlichen Abgaben oder der Sozialversicherung betrifft (lit. a) oder die 
Angelegenheit der Beschwerde einer zur Überprüfung dieser Rüge befugten 
Bundesbehörde  unterliegt  (lit.  b)  oder  ein  Gesetz  diesen  Beschwerdegrund 
ausdrücklich vorsieht (lit. c).  

Im  Bereich  des  Ermessens,  das  den  Verwaltungsbehörden  in  der  vor-
liegender  Sache  zusteht,  kommt  dem  Verwaltungsgericht  somit  keine  freie 
Nachprüfung  zu  (KÖLZ  /  BOSSHART  /  RÖHL,  §  50  N  81,  84  und  87)  und  hat 
daher  den  angefochtenen  Entscheid  gestützt  auf  Art. 77  VRG  nur  auf 
Rechtsverletzungen hin zu überprüfen.  

Nach  Art.  7  Abs.  3  PBR  ist  für  den  Umbau  oder  den  Abbruch  bestehender 
Gebäude  sowie  die  Erstellung  neuer  Bauten  und  Anlagen  innerhalb  des 
Ortsbildschutzperimeters  ein  Vorprüfungsgesuch  im  Sinne  des  Art.  184 
RPBG und ein Gutachten der Kulturgüterkommission erforderlich. Der private 
Beschwerdegegner  reichte  kein  solches  Vorprüfungsgesuch  ein.  Zur 
Begründung  bringt  er  vor,  sein  Vorhaben  werde  nicht  von  Kulturgüter-
schutzbestimmungen erfasst.  

Wie  es  sich  mit  diesem  Einwand  verhält,  wird  weiter  unten  zu  behandeln 
sein.  Die  Beschwerdeführer  können  aus  der  Unterlassung  des  privaten 
Beschwerdegegners  aber  ohnehin  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten.  Das 
Vorverfahren  dient  dazu,  dass  sich  der  Baugesuchsteller  über  die  Zulässig-
keit  seines  Projektes  informieren  kann.  Das  Gesuch  wird  ohne  öffentliche 
Auflage  dem  Gemeinderat,  dem  Oberamtmann  und  den  interessierten 
kantonalen Amtsstellen zur Begutachtung unterbreitet und der Gesuchsteller 
wird vom BRPA darüber in Kenntnis gesetzt (Art. 184 Abs. 1 und 2 RPBG). 
Ein  allfälliger  "Vorentscheid"  hat  rein  informativen  Charakter  (CHRISTIAN 
MÄDER,  Das  Baubewilligungsverfahren,  Zürich  1991,  N  274),  es  werden 
grundsätzlich  keine  verbindliche  Antworten  abgegeben  und  er  ist  somit 
weder endgültig noch weiterziehbar. Ist der Gesuchsteller mit dem Entscheid 
der  Behörden  nicht  einverstanden,  kann  er  ein  ordentliches  Baugesuch 
einreichen  (Art.  184  Abs. 3  RPBG),  was  vorliegend  auch  gemacht  wurde. 

 
 
 
- 11 -

Folglich  konnten  die  Beschwerdeführer  ihre  Rechte  vollumfänglich  wahr-
nehmen. 

8.  a) 

In  formeller  Hinsicht  machen  die  Beschwerdeführer  geltend,  dass  mit  dem 
Wiedererwägungsgesuch  vom  4.  Oktober  1999  ein  neues  Baugesuch 
eingereicht worden ist, das öffentlich hätte aufgelegt werden sollen. Mit dem 
Entscheid des Oberamtmannes vom 22. September 1999 sei, weil niemand 
dagegen  Beschwerde  erhoben  hätte,  das  im  Dezember  1998  eingeleitete 
und  veröffentlichte  Baubewilligungsverfahren  definitiv  abgeschlossen 
worden.  Jedes  erneute  Gesuch  stelle  rechtlich  ein  neues  Baugesuch  dar. 
Auch  dürfe  das  Institut  der  Wiedererwägung  nicht  dazu  dienen,  Rechts-
mittelfristen  zu  umgehen.  Da  keine  öffentliche  Auflage  stattgefunden  habe, 
liege  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  vor,  was  schon  für  sich  allein 
genüge, den Entscheid des Oberamtmannes aufzuheben. 

b)  Die  RUBD  vertritt  demgegenüber  die  Auffassung,  dass  jeder  Bauherr,  dem 
die Baubewilligung  verweigert  wird, ein Wiedererwägungsgesuch einreichen 
kann.  Solche  Verfahren  seien  aber  die  Ausnahme.  Im  vorliegenden  Fall 
seien  die  Rechte  der  Beschwerdeführer  nicht  betroffen,  weil  über  ihre  Ein-
sprachen  ein  Entscheid  gefällt  wurde,  gegen  den  sie  nunmehr  Beschwerde 
erhoben haben.  

Auch  nach  der  Meinung  des  Oberamtmannes  liegt  keine  Verletzung  des 
rechtlichen Gehörs vor. Alle beteiligten Parteien seien angehört worden und 
während  des  ganzen  Baubewilligungsverfahrens,  des  darauffolgenden 
Wiedererwägungsverfahrens  und der  30-tägigen  Auflage  zur  Einsichtnahme 
seien  von  keiner  anderen  Seite  Anfragen,  Einwände  oder  Bemerkungen 
vorgebracht worden. 

c)  Vorab  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  RUBD  und  der  Oberamtmann  die 
Eingaben des privaten Beschwerdegegners vom 4. Oktober 1999 überhaupt 
als Wiedererwägungsgesuche hätten entgegennehmen sollen. 

Nach  Art.  104  Abs.  1  VRG  kann  eine  Partei  jederzeit  die  Verwaltungsbe-
hörde ersuchen, ihren Entscheid in Wiedererwägung zu ziehen. Das Gesuch 
ist an keine Frist gebunden. Indes geht das Gericht grundsätzlich davon aus, 
dass Verwaltungsbehörden nur eine formell rechtskräftige Verfügung, welche 
nicht  Gegenstand  materieller  richterlicher  Beurteilung  gewesen  ist,  in 
Wiedererwägung  ziehen  können.  Im  Zeitpunkt  des  Einreichens  des Wieder-
erwägungsgesuchs  waren  die  ursprünglichen  Entscheide  der  RUBD  vom 
30. August  1999  und  des  Oberamtmannes  vom  22.  September  1999  noch 
gar  nicht  rechtskräftig.  Infolgedessen  hätten  die  Vorinstanzen  die  Wiederer-
wägungsgesuche  an  das  Verwaltungsgericht  weiterleiten  sollen,  das  sie 
allenfalls  als  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  entgegengenommen  hätte. 
Den  Vorinstanzen  wäre  es  dann  unbenommen  gewesen,  im  Rahmen  des 

 
 
 
- 12 -

Schriftenwechsels  auf  ihre  Entscheide  zurückzukommen  (Art.  85  Abs.  2 
VRG). Das Vorgehen der Vorinstanz lässt sich indes nicht mehr rückgängig 
machen.  

d)  Es  ist  hervorzuheben,  dass  der  Oberamtmann  die  Beschwerdeführer  am 
11. Mai  2001,  also  vor  Eröffnung  der  hier  angefochtenen  Entscheide,  über 
das  Wiedererwägungsgesuch  informierte  und  sie  unter  anderem  einlud, 
Bemerkungen  einzureichen.  Zudem  führte  er  am  26.  Juni  2001  eine 
Ortsbesichtigung  durch.  Insofern  liegt  keine  Verletzung  des  rechtlichen 
Gehörs vor. 

e)  Art.  33  Abs.  3  lit.  a  RPG  verlangt,  dass  das  Beschwerderecht  Dritter 
(Nachbarn, Mieter, Pächter, Umweltschutzorganisationen) gegenüber den in 
Anwendung  des  RPG  erteilten  Baubewilligung  tatsächlich  gewährleistet  ist. 
Voraussetzung  dafür 
ist,  dass  die  Beschwerdeberechtigten  über  ein 
Bauvorhaben,  für  welches  um  Bewilligung  nachgesucht  wird,  in  Kenntnis 
gesetzt  werden.  Das  geschieht  in  der  Regel,  so  auch  im  Kanton  Freiburg, 
durch  Ausschreibung  des  Bauvorhabens  in  einem  amtlichen  Publikations-
organ  und  durch  öffentliche  Auflage  der  Pläne  (Art.  172  RPBG,  Art.  84 
ARRPBG;  BGE  120  Ib  48  E.  2b  S.  52).  Im  Nichtveröffentlichen  von 
Bauvorhaben, welche im ordentlichen Verfahren zu beurteilen sind, liegt eine 
Gehörsverletzung (BGE 120 Ib 379 E. 3d S. 384). 

Die  RUBD  verweigerte  am  30.  August  1999  die  Erteilung  einer  Sonderbe-
willigung  mit  der  Begründung,  das  Bauvorhaben  sei  überdimensioniert. 
Zwischen dem Erlass und der Eröffnung dieser Verfügung erwarb der private 
Beschwerdegegner  ein  weiteres  landwirtschaftliches  Heimwesen  und  ver-
fügte  demnach  über  die  notwendige  Fläche.  Mit  seinem  Wiedererwägungs-
gesuch  wies  er  einzig  und  allein  auf  diesen  Umstand  hin;  er  verband 
damit überhaupt  keine  Änderung  des  Baugesuchs.  Vor  diesem  Hintergrund 
kann nicht gesagt werden, beim Wiedererwägungsgesuch handle es sich um 
ein neues Baugesuch, das publiziert hätte werden sollen. 

In der vorher erfolgten Publikation war das Bauprojekt vollständig und mithin 
korrekt  öffentlich  aufgelegt  worden.  Die  Beschwerdeführer  wie  auch  poten-
zielle  andere  Einsprecher  konnten  ihre  Rechte  wahrnehmen.  In  den  hier 
angefochtenen  Entscheiden  sind  die  Vorinstanzen  vollumfänglich  auf  die 
Einwände  der  Beschwerdeführer  eingetreten;  diese  behaupten  auch  nichts 
Gegenteiliges,  weshalb  nicht  die  Rede  davon  sein  kann,  ihre  Rechte  seien 
beschnitten  worden.  Aus  diesen  Gründen  kann  von  einer  Verletzung  des 
rechtlichen Gehörs nicht die Rede sein. 

9. 

Am  1.  September  2000  sind  die  revidierte  Fassung  des  RPG  und  die 
totalrevidierte  Verordnung  über  die  Raumplanung  vom  28.  Juni  2000  (RPV, 
SR 700.1) in Kraft getreten. Weitere Änderungen, soweit hier wesentlich, des 

 
 
 
 
- 13 -

RPG und des RPV traten am 1. September 2007 in Kraft (AS 2006 2197 und 
AS  2007  3641).  Die  vorliegend  angefochtenen  Entscheide  datieren  vom 
22. Dezember 2000 und vom 17. Dezember 2001. 

Nach Art. 52 RPV werden Verfahren, die bei Inkrafttreten der RPV- und der 
RPG-Änderung  hängig  sind,  nach  neuem  Recht  beurteilt  (Abs.  1).  Hängige 
Beschwerdeverfahren  werden  nach  bisherigem  Recht  zu  Ende  geführt, 
sofern das neue Recht für den Gesuchsteller nicht günstiger ist (Abs. 2). Die 
Verfahrensbeteiligten haben  sich  zur  Frage,  welches  Recht  zur  Anwendung 
gelangt, nicht geäussert. 

Es  ist  davon  auszugehen,  dass  das  neue  Recht  für  den  privaten  Be-
schwerdegegner  günstiger  ist.  Mit  den  erwähnten  Änderungen  wird  die 
Zonenkonformität  von  Bauten  in  der  Landwirtschaftszone  nicht  strenger  als 
die  unter  bisherigem  Recht  entwickelte  Praxis  definiert  und  soll  die 
Bautätigkeit  grundsätzlich  nicht  schärferen  Vorschriften  unterworfen  werden 
(BGE  127  II  209  E. 2c  S.  211  f.;  BALTHASAR  HEER,  St.  Gallisches  Bau-  und 
ist  das 
Planungsrecht,  Stämpfli  Verlag  Bern  2003,  N  507).  Somit 
Bauvorhaben nach dem neuen Recht zu beurteilen. 

10.  a)  Nach  Art.  22  RPG  dürfen  Bauten  und  Anlagen  nur  mit  behördlicher  Be-
willigung  errichtet  oder  geändert  werden  (Abs.  1).  Voraussetzung  einer 
Bewilligung ist, dass die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone 
entsprechen  (Abs.  2  lit.  a)  und  das  Land  erschlossen  ist  (Abs.  2  lit.  b).  Die 
Erteilung  einer  ordentlichen  Baubewilligung  setzt  somit  voraus,  dass  der 
geplante Bau zonenkonform sein muss. Abweichend von Art. 22 Abs. 2 lit. a 
RPG  können  Bewilligungen  für  Bauten  und  Anlagen  ausserhalb  der 
Bauzonen gemäss Art. 24 ff. RPG ausnahmsweise erteilt werden, wenn der 
Zweck  der  Bauten  und  Anlagen  einen  Standort  ausserhalb  der  Bauzonen 
erfordert (lit. a) und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b). 
Der  Raumplanung  liegt  der  Gedanke  der  geordneten  Besiedelung  des 
Landes,  der  zweckmässigen,  haushälterischen  Nutzung  des  Bodens  sowie 
das Gebot der Trennung von Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebiet zu Grunde 
(zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts vom 7. September 
2007, 1A.237/2006 

b)  Die  hier  strittige  Schweinemasthalle  soll  in  der  Landwirtschaftszone  erstellt 
werden.  Nach  Art.  16  Abs.  1  RPG  dienen  Landwirtschaftszonen  der 
langfristigen Sicherung  der  Ernährungsbasis  des  Landes,  der  Erhaltung  der 
Landschaft  und  des  Erholungsraums  oder dem ökologischen  Ausgleich  und 
sollen  entsprechend  ihren  verschiedenen  Funktionen  von  Überbauungen 
weitgehend  freigehalten  werden.  Sie  umfassen  Land,  das  a)  sich  für  die 
landwirtschaftliche  Bewirtschaftung  oder  den  produzierenden  Gartenbau 
eignet  und  zur  Erfüllung  der  verschiedenen  Aufgaben  der  Landwirtschaft 

 
 
- 14 -

benötigt  wird,  oder  b)  im  Gesamtinteresse  landwirtschaftlich  bewirtschaftet 
werden soll.  

c)  Gemäss  Art.  16a  RPG  gelten  in  der  Landwirtschaftszone  Bauten  und 
Anlagen,  die  zur  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftung  oder  für  den  produ-
zierenden  Gartenbau  nötig  sind,  als  zonenkonform  (Abs.  1).  Bauten  und 
Anlagen,  die  der  inneren  Aufstockung  eines  landwirtschaftlichen  oder  eines 
dem  produzierenden  Gartenbau  zugehörigen  Betriebs  dienen,  sind  zonen-
konform.  Der  Bundesrat  regelt  die  Einzelheiten  (Abs.  2).  Bauten  und  An-
lagen,  die  über  eine  innere  Aufstockung  hinausgehen,  können  als  zonen-
konform bewilligt werden, wenn sie in einem Gebiet der Landwirtschaftszone 
erstellt  werden  sollen,  das  vom  Kanton  in  einem  Planungsverfahren  dafür 
freigegeben wird (Abs. 3).  

d)  Die Zonenkonformität einzelner Bauvorhaben unter dem neuen Art. 16a RPG 
kann  nur  bejaht  werden,  wenn  dies  zur  landwirtschaftlichen  oder  garten-
baulichen  Bewirtschaftung  unerlässlich 
ist.  Die  Voraussetzungen  der 
Zonenkonformität  sind  streng  auszulegen  und  auf  Verordnungsstufe  näher 
zu  umschreiben.  Allfällige  Neubauten  in  der  Landwirtschaftszone  sind  auf 
das  für  die  landwirtschaftliche  Tätigkeit  Nötigste  zu  beschränken  (Botschaft 
des  Bundesrats  zu  einer  Teilrevision  des  RPG,  BBl  1996  III,  S.  513  ff., 
S. 531 f.). So bestimmt Art. 34 RPV, dass in der Landwirtschaftszone Bauten 
und  Anlagen  dann  zonenkonform  sind,  wenn  sie  der  bodenabhängigen 
Bewirtschaftung  oder  der  inneren  Aufstockung  dienen  oder  -  in  den  dafür 
vorgesehenen  Gebieten  gemäss  Art.  16a  Abs.  3  RPG  -  für  eine  Bewirt-
schaftung  benötigt  werden,  die  über  eine  innere  Aufstockung  hinausgeht, 
und  wenn  sie  verwendet  werden  für  a)  die  Produktion  verwertbarer  Er-
zeugnisse aus Pflanzenbau und Nutztierhaltung oder b) die Bewirtschaftung 
naturnaher Flächen (Abs. 1). Die Bewilligung darf indes gemäss Abs. 4 des 
Art.  34  RPV  nur  erteilt  werden,  wenn  a)  die  Baute  oder  Anlage  für  die  in 
Frage  stehende  Bewirtschaftung  nötig  ist,  b)  der  Baute  oder  Anlage  am 
vorgesehenen  Standort  keine  überwiegenden  Interessen  entgegenstehen, 
und c) der Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann (Abs. 4). 

11.  a)  Der private Beschwerdegegner bezeichnet sein Bauvorhaben als innere Auf-
stockung  im  Bereich  der  Tierhaltung.  Diese  Auffassung  wurde  ursprünglich 
von  allen  Verfahrensbeteiligten  geteilt.  Allerdings  machten  die  Beschwerde-
führer  geltend,  dass  die  Vorinstanzen  übersehen  hätten,  dass  Bauten,  die 
der inneren Aufstockung eines landwirtschaftlichen Betriebs dienen, generell 
nur erstellt werden dürfen, wenn sie am vorgesehenen Standort keinen über-
wiegenden  Interessen  entgegenstehen.  Eine  solche  Interessenabwägung 
hätten  die  RUBD  überhaupt  nicht  und  der  Oberamtmann  nur  unter  Ver-
letzung  der  massgeblichen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  der  hierzu 
ergangenen Lehre und Rechtsprechung vorgenommen. In ihrer Ergänzungs-

 
 
 
- 15 -

schrift  vom  4.  September  2002  stellen  die  Beschwerdeführer  die  innere 
Aufstockung  generell  in  Frage.  Der  private  Beschwerdegegner  habe  keine 
Unterlagen  und  Berechnungen  vorgelegt,  die  beweisen  würden,  dass  die 
geplante  Schweinemasthalle  für  das  langfristige  Bestehen  des  landwirt-
schaftlichen  Gewerbes  tatsächlich  notwendig  und  geeignet  ist.  Mit  dem 
Zukauf des Heimwesen in Barberêche hätte sich die Situation wesentlich und 
dauerhaft  geändert.  Der  private  Beschwerdegegner  sei  nicht  mehr  auf  die 
Schweinemasthalle angewiesen, um seinen Betrieb langfristig zu sichern. Bei 
optimaler  Ausnutzung  der  vorhandenen  Anlagen  und  Strukturen  könne  er 
nunmehr  ein  genügend  hohes  Einkommen  erzielen,  um  die  Existenz  der 
Familie  und  des  Betriebs  zu  sichern.  Er  hätte  weder  Belege  über  das  Ein-
kommen,  das  er  aus  dem  bestehenden  Betrieb  erzielt,  noch  Berechnungen 
über  das  Zusatzeinkommen,  das  er  mit  der  geplanten  Masthalle  erreichen 
werde,  eingereicht.  Auch  seien  keine  Informationen  über  den  Verkehrswert 
des  Betriebs  und  dessen  Belastung  mit  Grundpfandschulden  vorhanden. 
Schliesslich  vertreten  die  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  23.  Oktober 
2006 die Meinung, dass es mit dem Erwerb eines dritten Heimwesens ohne 
Weiteres möglich sei, die geplante Schweinemasthalle an einem anderen Ort 
zu erstellen. 

b) 

In  seiner  Stellungnahme  vom  15.  Februar  2007  macht  der  private  Be-
schwerdegegner  geltend,  dass  ihn  niemand  ersucht  habe,  ein  Betriebs-
konzept einzureichen. Er werde aber unaufgefordert ein solches vorlegen. Im 
Übrigen sei er neben dem Ackerbau auf die Tierhaltung angewiesen. Diese 
sei sein zweites wirtschaftliches Standbein und helfe, das unternehmerische 
Risiko  aufzuteilen.  Die  heutigen  Schweineställe,  die  sich  in  einem  über 
100-jährigen  Gebäude  befinden,  würden  sich  zum  grossen  Teil  in  um-
gebauten  alten  Kuhställen  befinden  und  den  Anforderungen  nicht  mehr 
entsprechen.  Über  kurz  oder  lang  müsse  diese  Haltung  aus  Gründen  der 
Tierschutzgesetzgebung  und  aus  wirtschaftlichen  Gründen  aufgegeben 
werden. Die Tiere hätten keinen freien Auslauf und ein Um- oder Anbau sei 
nicht  realisierbar.  Heute  erziele  er  mit  seinen  Tieren  niedrige  Preise  und 
riskiere  beim  Trend  zu  "Label-Produktion"  eine  weitere  Verschlechterung. 
Auch sei es für ihn von massgebender Bedeutung, über eigenen Hofdünger 
zu  verfügen.  Dadurch  könne  er  seine  Produktionskosten  für  den  Ackerbau 
reduzieren und brauche weniger Kunstdünger. Trotz der grossen Nutzfläche 
sei  er  langfristig  auf  das  Zusatzeinkommen  aus  der  Schweinehaltung  mit 
"Label-Produktion" angewiesen. Auch sei es nicht möglich, die Masthalle im 
neu erworbenen Heimwesen in Tützenberg zu erstellen. Diese Liegenschaft 
befinde  sich  etwa  10  km  von  Vogelshus  entfernt.  Die  Stallungen  müssten 
aber  in  nächster  Umgebung  zum  Wohnhaus  liegen.  Es  brauche  täglich, 
neben  dem  morgendlichen  und  abendlichen  Füttern,  1  bis  2  kurze  Kontroll-
gänge.  Insbesondere  wenn  zugekaufte  Ferkel  eingestallt  würden,  sei  eine 
regelmässige  Beobachtung  notwendig,  um  bei  allfälligen  Störfällen  (Alarm, 
Stromausfall)  intervenieren  zu  können.  Zudem  wäre  es  aus  Gründen  eines 
geordneten  und  rationellen  Arbeitsablaufs  unsinnig,  einen  Betriebszweig 

 
 
- 16 -

auszulagern, der täglich mehrmals betreut werden müsse. Im Übrigen würde 
sich  der  andere  Miteigentümer  der  Liegenschaft Tützenberg  dem Bau  einer 
Masthalle  widersetzen.  Auch  Barberêche  komme  nicht  in  Frage.  Nebst  der 
Distanz  komme  hinzu,  dass  sich  das  Dorf  in  einem  Ortsschutzperimeter 
ISOS  von  nationaler  Bedeutung  befindet.  So  hätte  er  im  Jahre  2003  eine 
Voranfrage  für  die  Erstellung  von  drei  Tunnels  für  den  Gemüsebau 
eingereicht. Dieses Gesuch sei von den Behörden aus Gründen der Ästhetik 
negativ beantwortet worden.  

12.   

Nach  Auffassung  des  Gerichts  brauchen  die  Fragen  der  Zonenkonformität 
und  der  inneren  Aufstockung  nicht  geprüft  zu  werden.  Auch  erübrigen  sich 
Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des Betriebs und kann auf das Einholen 
eines  Betriebskonzepts,  das  Auskunft  über  die  konkreten  Bewirtschaftungs-
ziele  und  die  Finanzierung  ihrer  Umsetzung  gibt,  verzichtet  werden  (vgl.  zu 
diesen  Anforderungen  die  Entscheide  des  Bundesgerichts  vom  26.  Januar 
2007, 1A.85/2006, 1P.249/200, und vom 7. September 2007, 1A.237/2006). 
Auch  kommt  es  nicht allein  darauf  an,  ob  die  vorgesehene  Baute sämtliche 
baupolizeilichen  Vorschriften  einhält.  Bei  Bauten  in  der  Landwirtschaftzone 
kommt  der  Baubewilligungsbehörde  nämlich  insofern  ein  Ermessensspiel-
raum  zu,  als  der  Baute  keine  überwiegenden  Interessen  entgegenstehen 
dürfen  (Art.  34.  Abs.  4  lit.  b  RPV).  Diesem  Gesichtspunkt  haben  die 
Vorinstanzen, wenn überhaupt, zu wenig Beachtung geschenkt. 

13.  a)  Die  geplante  Schweinemasthalle  soll  ausserhalb  der  Bauzone  erstellt 
werden.  Ob  sie  im  Rahmen  einer  raumplanungsrechtlichen  Ausnahmebe-
willigung gemäss Art. 24 RPG oder nach Art. 16a RPG und Art. 34 RPV als 
in  der  Landwirtschaftszone  zonenkonforme  Baute  zu  beurteilen  ist,  kann 
insofern  offenbleiben,  als  allemal  eine  umfassende  Interessenabwägung 
vorzunehmen ist. Lenkender Massstab bilden dabei namentlich die Ziele und 
Grundsätze  der  Raumplanung  gemäss  Art.  1  und  3  RPG.  So  ist  spezielle 
Sorgfalt darauf zu verwenden, dass sich Bauten und Anlagen gut in empfind-
liche  Landschaften  einfügen.  Den  Aspekten  des  Ortsbild-  und  Landschafts-
schutzes kommt in diesem Zusammenhang somit besondere Bedeutung zu; 
das  Erstellen  von  Bauten  in  sensiblen  Landschaften  soll  verhindert  werden 
(Erläuterungen zur Raumplanungsverordnung S. 30 ff.; BERNHARD WALDMANN 
/  PETER  HÄNNI,  Handkommentar,  RPG  2006,  N  Art.  16a  N  25  ff.,  Art.  24 
N 21 ff.).  Mithin  ist  zu  prüfen,  ob  dem  Projekt  Interessen  des  Natur-  und 
Heimatschutzes  entgegenstehen,  sollen  doch  mit  Massnahmen  der 
Raumplanung  die  natürlichen  Lebensgrundlagen  wie  Boden,  Luft,  Wasser, 
Wald und die Landschaft geschützt (Art. 1 Abs. 2 lit. a RPG) sowie naturnahe 
Landschaften  geschont  werden  und  erhalten  bleiben  (Art.  3  Abs.  2  lit.  d 
RPG).  Diese  Anliegen  sind  im  Rahmen  der  umfassenden  Interessenab-
wägung  zu  berücksichtigen  (vgl.  BGE  129  II  63  E.  3.1  S.  68).  Nach  Art.  3 
Abs.  1  RPV  haben  die  Behörden,  denen  bei  Erfüllung  und  Abstimmung 
raumwirksamer  Aufgaben  Handlungsspielräume  zustehen,  alle  berührten 

 
- 17 -

Interessen zu ermitteln, diese einzeln zu beurteilen und dabei besonders die 
Vereinbarkeit  mit  der  anzustrebenden  räumlichen  Entwicklung  und  die 
möglichen Auswirkungen zu berücksichtigen sowie den Interessen aufgrund 
der  Beurteilung  im  Entscheid  möglichst  umfassend  Rechnung  zu  tragen; 
diese  Interessenabwägung  ist  in  der  Begründung  darzulegen  (Art.  3  Abs.  2 
RPV). Soweit das positive Verfassungs- und Gesetzesrecht einzelne Aspekte 
der  Interessenabwägung  konkret  regelt,  ist  vorweg  zu  klären,  ob  das 
Vorhaben mit diesen Vorschriften zu vereinbaren ist. Erst wenn dies zutrifft, 
ist  die  Abwägung  aller  zu  berücksichtigenden 
Interessen  koordiniert 
durchzuführen  (vgl.  Entscheid  des  Bundesgerichts  vom  30.  Mai  2005, 
1A.122/2004 E. 2.1). 

b)  Aufgrund  der  verfassungsrechtlichen  Eigentumsgarantie  muss  nicht  nur  ein 
hinreichendes  öffentliches  Interesse  an  der  Bauverweigerung  bestehen, 
sondern  diese  darf  auch  nicht  gegen  das  Verhältnismässigkeitsprinzip 
verstossen.  Insofern  erlaubt  Art.  53  Abs.  6  RPBG  (vgl.  dazu  unten  E.  14), 
baurechtskonforme  Bauten  allein  aufgrund  ihrer  ungenügenden  Einordnung 
in die bauliche Umgebung zu untersagen; die verfassungsrechtlich gebotene 
Verhältnismässigkeit  des  Eigentumseingriffs  verbietet  es  jedoch,  durch  die 
Anwendung der Gestaltungsbestimmungen die zonengemässen Baumöglich-
keiten für  ein  ganzes  Gebiet ausser  Kraft  zu  setzen  (BGE 114 Ia  343  E. 4b 
S. 345 f.; ZBl 81/1980, S. 75 f.). 

14.  a)  Nach Art. 53 Abs. 6 RPBG ist im ländlichen Siedlungsgebiet bei jedem Bau 
dem  Charakter  des  Ortsbildes  Rechnung  zu  tragen.  Art.  155  RPBG  be-
stimmt,  dass  jede  Baute  nach  den  Regeln  der  Kunst  entworfen  sein  und  in 
architektonischer  Hinsicht  eine  zufriedenstellende  Erscheinung  bilden  muss 
(Abs.  1).  Sie  muss  den  besonderen  Charaktermerkmalen  einer  Landschaft 
oder Siedlung, einer Ortschaft, eines Quartiers oder einer Strasse sowie dem 
charakteristischen  Eigenwert  eines  Gebäudes  oder  einer  Gebäudegruppe 
Rechnung tragen (Abs. 2). Die Bauten, welche hinsichtlich ihrer Natur, ihrer 
Lage  und  ihrer  Ausmasse  einen  bedeutenden  Einfluss  auf  ihre  Umgebung 
haben,  müssen  erhöhten  architektonischen  Qualitätserfordernissen  ent-
sprechen  (Abs.  3).  Diese  Vorschriften  stellen  gewissermassen  eine 
"ästhetische  Generalklausel"  im  Sinn  eines  allgemeinen  Beeinträchtigungs-
verbots  dar.  Eine  Beeinträchtigung  ist  gegeben,  wenn  ein  Bauvorhaben 
einen  Gegensatz  zur  bestehenden  Überbauung  schafft,  der  erheblich  stört. 
Es  geht  also  darum,  Natur-  und  Heimatschutzobjekte  vor  negativen  ge-
stalterischen  Einflüssen  zu  bewahren  (ZAUGG,  Art.  9/10  N  10  ff.;  WALTER 
HALLER / PETER KARLEN, Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, Bd. 1, 3. A., 
Zürich 1999, N 652; CHRISTOPH FRITZSCHE / PETER BÖSCH, Zürcher Planungs- 
und Baurecht, 3. A., Zürich 2003, S. 10-3). 

 
 
- 18 -

b)  Die Gemeinden sind nicht nur befugt, sondern auch verpflichtet, im Rahmen 
der Ortsplanung baupolizeilichen Vorschriften zu erlassen. Damit steht ihnen 
das Recht zu, eigene Ästhetikvorschriften vorzusehen (ISABELLE CHASSOT, La 
clause d'esthétique en droit des constructions, in FZR/RFJ 1993 S. 95, 107). 
Die Gemeinde Bösingen hat von diesem Recht Gebrauch gemacht und den 
Weiler  Vogelshus  sowohl  als  besonders  schützenswert  in  den  Ortsbild-
schutzperimeter  aufgenommen  als  auch  gemäss  Schutzzonen-  und  Land-
schaftsrichtplan als Landschaftsschutzgebiet bezeichnet. 

15.   

Nach  Art.  7  PBR  umfasst  der  Ortsbildschutzperimeter  von  Bösingen  unter 
anderem den besonders schützenswerten Weiler Vogelshus (Abs. 1). Inner-
halb  des  Ortsbildschutzperimeters  liegende Gebäudegruppen,  Einzelobjekte 
und  Aussenräume  sind  unter  Wahrung  der  charakteristischen  räumlichen 
Verhältnisse  und  der  Massstäblichkeit  der  Bauweise  in  ihrer  Gesamter-
scheinung  und  ihrer  Detailgestaltung  zu  erhalten  und  zu  pflegen  und  alle 
baulichen  Massnahmen  haben  unter  Wahrung  dieser  Zielsetzung  zu  er-
folgen.  Nach  Art.  23  PBR  sind  innerhalb  der  Weilerzonen  keine  Nutzungen 
und  Gebäude  zugelassen,  die  den  Charakter  des  Weilers  beeinträchtigen 
würden. 

Weiter  sieht  Art.  9  BPR  vor,  dass  im  Schutzzonenplan  Landschaftsschutz-
zonen  als  besondere  Landschaften  bezeichnet  sind,  deren  verschiedene 
Bestandteile  einen  Wert  in  sich  selbst  und  für  die  Einheit  der  Landschaft 
darstellen.  Die  besondere  Schönheit  und  die  Eigenart  und  der  ökologische 
Wert  der  Landschaft  sollen  erhalten  und  gepflegt  werden  (Abs.  1). 
Neubauten  sollen  nur  in  topografisch  nicht  exponierten  Situationen  erstellt 
in 
werden,  das  heisst,  es  sind  Standorte 
Hangterrassen, in Übergängen Ebene - Hang (konkave Geländesituationen) 
sowie in Randsituationen, angelehnt an Landschaftselemente wie Talhänge, 
Vegetation  oder  im  Bereich  von  Strassen  zu  wählen.  Für  die  Linienführung 
von  Strassen  und  Wegen  sind  Trassen  vorzusehen,  die  möglichst  wenig 
Eingriffe (Abgrabungen, Stützmauern etc.) bedingen (Abs. 3). 

in  Geländeeinbuchtungen, 

16.  a)  aa.  Mit  Hinweis  auf  die  erwähnten  Bestimmungen  bringen  die  Beschwerde-
führer  vor,  dass  ein  Ortsschutzperimeter  einen  flächendeckenden  Schutz 
bezwecke, der sich auf das Äussere der Bauten und auf die charakteristische 
Gesamtheit  der  Gebäudegruppe  beziehe.  Der  Schutz  betreffe  nicht  nur 
einzelne Gebäude innerhalb des Perimeters, sondern auch die unmittelbare 
Umgebung.  Der  Sinn  und  Zweck  des  Ortsbildschutzes  bestehe  darin,  dass 
die  typische  Ortssilhouette  unter  Berücksichtigung  der  charakteristischen 
räumlichen  Verhältnisse  gewahrt  bleibe.  Das  Gesamterscheinungsbild  des 
geschützten Weilers und der darin enthaltenen Einzelobjekte dürfe durch das 
geplante  Bauvorhaben  nicht  gestört  werden.  Jedes  Bauvorhaben  habe  sich 
der bestehenden, charakteristischen Baustruktur des Weilers unterzuordnen. 
Ausnahmen hiervon seien ausdrücklich nicht vorgesehen. 

 
 
- 19 -

bb.  Das  Bauvorhaben  mit  einer  Länge  von  124,3  m  und  einer  Breite  von 
23,4 m  stehe  den  charakteristischen  räumlichen  Verhältnissen  und  der 
Bauweise  der  bestehenden  Gebäude  diametral  entgegen.  Allein  schon  die 
räumliche Ausdehnung der Schweinemasthalle übertreffe das Ausmass aller 
bestehenden  Bauten,  inklusive  des  Herrenhauses,  um  ein  Mehrfaches.  Die 
Schweinemasthalle  nehme  die  Fläche  eines  Fussballfeldes  ein.  Auch  ihr 
äusseres  Erscheinungsbild 
lasse  sich  mit  keiner  bestehenden  Baute 
vergleichen,  namentlich  nicht  mit  den  vorhandenen  landwirtschaftlichen 
Gebäuden und dem im Weiler integrierten Schweinestall. 

cc. Der Umstand, dass sich ein Teil der Schweinemasthalle möglicherweise 
ausserhalb  des  Ortsbildschutzperimeters  befinde,  ändere  daran  nichts.  Es 
könne  nicht  sein, dass  eine  kleinere  Masthalle,  die  vollständig  im Perimeter 
liegt,  verweigert,  das  grössere,  vorliegende  Projekt,  das  über  die  Zonen-
grenze  hinausgehe,  aber  bewilligt  würde.  Ein  Bauprojekt,  das  sich  teilweise 
innerhalb  und  teilweise  ausserhalb  des  Ortsbildschutzperimeters  befinde, 
unterliege  den  Bestimmungen  über  den  Ortsbildschutz;  es  gehe  um  einen 
flächendeckenden Schutz und die Wahrung der Silhouette eines schützens-
werten Ortes. 

dd. Der Ortsbildschutz sei in Art. 17 RPG und Art. 61 RPGB vorgeschrieben 
und  mithin  die  Gemeinde  zur  Ausscheidung  von  entsprechenden 
Schutzzonen  verpflichtet  und  in  diesem Bereich  nicht  völlig  autonom. Wenn 
sie  trotzdem  zum  Ergebnis  komme,  die  projektierte  Schweinemasthalle  sei 
mit  dem  Ortsbildschutz  zu  vereinbaren,  handle  sie  offensichtlich  willkürlich, 
missachte  den  Wortlaut  des  Gesetzes  sowie  den  Sinn  und  Zweck  des 
Ortsbildschutzes.  Würde  man  eine  Auslegung  zulassen,  die  dahin  gehe, 
dass  ein  Bauwerk  von  der  Grösse  eines  Fussballfeldes,  das  die  Dimension 
jedes  bestehenden  Bauwerkes  um  ein  Mehrfaches  übertreffe,  mit  der 
Struktur und der charakteristischen Bauweise des Weilers übereinstimme, so 
könnte man den Ortsbildschutzperimeter und die darin geltenden Sondervor-
schriften geradewegs zur Makulatur erklären.  

ee.  Weiter  rügen  die  Beschwerdeführer  die  Verletzung  des  KGSG.  Der 
Kulturgüterschutz  umfasse  als  raumplanerische  Massnahme  nicht  nur  das 
Kulturdenkmal  als  solches,  sondern  in  gleichem  Masse  auch  dessen 
Umgebung.  Der  Umgebungsschutz  ziele  einerseits  darauf  ab,  das  be-
treffende  Kulturdenkmal  in  seiner  ursprünglichen,  historisch  gewachsenen 
Umgebung zu belassen; andererseits bezwecke er, dass die Proportionalität 
zwischen dem Denkmal und seiner unmittelbaren Umgebung gewahrt bleibe. 
Der Schutz des Kulturdenkmals und dessen Umgebung hänge massgeblich 
von der Bedeutung des Kulturdenkmals ab. Je bedeutender das Kulturdenk-
mal, desto intensiver seien das Objekt und die Umgebung zu schützen. 

Das Herrenhaus von Lenzburg befinde sich im schweizerischen Inventar der 
Kulturgüter  von  nationaler  und  regionaler  Bedeutung;  es  handle  sich  somit 
um eines der bedeutendsten und wichtigsten Kulturdenkmäler des Kantons. 

 
- 20 -

Besonders  hervorzuheben  sei  der  Umstand,  dass  gemäss  dem  Schweizer 
Inventar  der  Kulturgüter  nicht  nur  das  Herrenhaus  als  solches,  sondern 
explizit  auch  dessen  Umgebung  als  besonders  schützenswert  qualifiziert 
würden.  Weiter  sei  zu  berücksichtigen,  dass  sich  das  Herrenhaus,  die 
Nebengebäude und die Parkanlage in hervorragendem Zustand befinden, da 
sie  von  den  Eigentümerinnen  unter  Wahrung  aller  denkmalpflegerischen 
Grundsätze tadellos unterhalten würden.  

ff.  Der  Oberamtmann  sei  der  Meinung,  dass  kein  Eingriff  in  die  Nahum-
gebung  des  Herrenhauses  und  seiner  Nebengebäude  vorliege,  weil  die 
Entfernung  zwischen  der  Schweinemasthalle  und  dem  Herrenhaus  165  m 
betrage.  Zudem  liege  das  geplante  Bauobjekt  ausserhalb  der  primären 
Blickrichtung zum/vom Schloss. Unter diesen Umständen liege aus Sicht des 
Kulturgüterschutzes  keine  erhebliche  Abwertung  vor.  Diese  Argumentation 
sei,  so  die  Beschwerdeführer  weiter,  in  mehrfacher  Hinsicht  fehlgeleitet. 
Einerseits  sei  die  Distanz  zwischen  den  Gebäuden  nicht  massgebend,  weil 
neben  dem  Herrenhaus  auch  dessen  Umschwung  als  schützenswertes 
Kulturgut  inventarisiert  sei.  Zweitens  verkenne  der  Oberamtmann,  dass  bei 
einem Bauprojekt, das eine Länge von 124 m aufweise, selbst eine Distanz 
von über hundert Metern nicht entscheidend ins Gewicht falle. Die geplante 
Schweinemasthalle  greife  wegen  ihrer  Dimensionen  derart  massiv  in  die 
Umgebung ein und sei in so grossem Masse überproportional, dass auch bei 
einer solchen Distanz ein ungesetzlicher Eingriff in die geschützte Umgebung 
des Kulturdenkmals erfolge. Der Umstand, dass die Schweinemasthalle vom 
Herrenhaus  aus  nur  teilweise  sichtbar  sei,  ändere  an  dieser  Beurteilung 
nichts.  Der  Umgebungsschutz  eines  Kulturdenkmals  hänge  nicht  davon  ab, 
ob  zwischen  der  geplanten  Baute  und  dem  fraglichen  Kulturgut  ein  direkter 
Sichtkontakt  bestehe.  Vielmehr  sei  objektiv  zu  prüfen,  ob  durch  das 
Bauprojekt  die  historisch  gewachsene  Umgebung  nachhaltig  und  nachteilig 
verändert  oder  ob  die  Proportionalität  zwischen  dem  Denkmal  und  seiner 
Umgebung tangiert werde. 

gg. Hinsichtlich des Landschaftsschutzes bringen die Beschwerdeführer vor, 
dass  die  Baute  an  einem  leicht  geneigten  Hang  erstellt  werden  soll.  In 
nördlicher,  südlicher  und  westlicher  Richtung  befänden  sich  keine  Bauten. 
Die  Landschaft  sei  in  ihrem  ursprünglichen  und  völlig  intakten  Zustand 
erhalten.  Sie  sei  geprägt  von  Wiesen,  Hecken  und  Wäldern.  Weder  in  der 
näheren  noch  in  der  weiteren  Umgebung  sei  eine  Baute  sichtbar,  die  auch 
nur  annährend  die  Grösse  der  geplanten  Schweinemasthalle  habe.  Diese 
wäre  in  dieser  harmonischen  und  deshalb  geschützten  Umgebung  ein 
völliger Fremdkörper und würde das Landschaftsbild verschandeln. 

hh. Der Vorwurf des Oberamtmannes an die Beschwerdeführer, sie würden 
"eher  auf  ein  subjektives  architektonisches,  kulturelles  Empfinden  abstellen 
und nicht auf objektive Kriterien” sei in Anbetracht der Fakten absurd. Wenn 
von  ihrer  Seite  und  der  der  Kulturgüterkommission  angeführt  werde,  dass 
eine  Masthalle  von  124  m  Länge  und  23  m  Breite,  die  das  Volumen  von 

 
- 21 -

20 Einfamilienhäusern  aufweise,  in  einem  Ortsbildschutzperimeter,  in  einer 
Landschaftsschutzzone und in der Nähe eines geschützten Kulturgutes nicht 
erstellt werden könne, so habe dies nichts mit subjektiven Empfindungen zu 
tun,  sondern  nur  mit  der  objektiv  feststellbaren  Dimension  des  Bauprojekts. 
Der  Oberamtmann  verkenne,  dass  das  Bauvorhaben  an  einer  äusserst 
sensiblen  Stelle  der  Landschaft,  die  raumplanerisch  in  mehrfacher  Hinsicht 
geschützt  ist,  realisiert  werden  soll.  Ein  solches  Grossprojekt  sei  per  se  mit 
dem  Landschafts-,  dem  Ortsbild-  und  dem  Kulturgüterschutz  unvereinbar. 
Der  Umstand,  dass  die  Gebäudehöhe  nur  5,5  m  betrage  und  der 
Baugesuchsteller  angebe,  er  werde  vor  den  Seitenwänden  des  Gebäudes 
Sträucher  pflanzen,  ändere  daran  nichts.  Die  Baute  werde  wegen  ihrer 
riesigen  Ausmasse  das  Landschafts-  und  Ortsbild  völlig  verändern  und  ver-
schandeln.  Sie  trage  weder  den  Charaktermerkmalen  der  Landschaft  noch 
des Weilers Rechnung. Es handle sich um eine Industriebaute, die in dieser 
sensiblen Landschaft nichts zu tun habe. 

b)  aa.  Der  private  Beschwerdegegner  führt  demgegenüber  aus,  dass  der 
Schweinemaststall  nicht  in  den  Ortsschutzperimeter  hineinrage.  Aber  selbst 
wenn  dem  so  wäre,  könne  der  Argumentation  der  Beschwerdeführer  nicht 
gefolgt  werden.  Art.  7  Abs.  2  PBR  spreche  von  "erhalten  und  pflegen", 
worauf auch der zweite Satz der Bestimmung Bezug nehme ("unter Wahrung 
dieser Zielsetzung"). Die Erstellung neuer Bauten und Anlagen werde daher 
nicht im zweiten, sondern im dritten Absatz der Bestimmung geregelt. Dieser 
stelle  aber  Iediglich  die  verfahrensrechtliche  Vorschrift  auf,  dass  "für  die 
Erstellung  neuer  Bauten  und  Anlagen"  ein Vorprüfungsgesuch  und  ein  Gut-
achten  der  Kulturgüterkommission  erforderlich  sei.  Das  Reglement  beziehe 
sich  also  bei  neu  zu  erstellenden  Bauten  richtigerweise  auf  das  Baube-
willigungsverfahren. 
In  diesem  nehme  die  Bewilligungsbehörde  eine 
Interessenabwägung vor, wobei sie auch die Gutachten einbeziehe. Die von 
den Beschwerdeführern behauptete Auslegung von Art. 7 PBR würde diese 
Abwägung  der  verschiedenen  Interessen  verunmöglichen,  weil  letztlich 
einzig  das  Interesse  am  Ortsbildschutz  beziehungsweise  Kulturgüterschutz 
massgebend  wäre.  Schon  aufgrund  des  allgemeinen  Grundsatzes  der 
Normenhierarchie  sei  es  aber  nicht  möglich,  dass  eine  Norm  auf  Verord-
nungsstufe das der Bewilligungsbehörde in einem kantonalen Gesetz einge-
räumte  Ermessen  auszuschalten  vermöchte.  Vielmehr  habe  diese  die  Inte-
ressen  des  Ortsbildschutzes  mitzuberücksichtigen  und  gegenüber  anderen, 
auch entgegenstehenden Interessen abzuwägen. 

bb.  Weiter  bestreite  er,  dass  die  Baute  das  Ortsbild  zu  beinträchtigen 
vermag.  Dieses  werde  durch  ein  weiträumiges  Schloss,  dem  dazuge-
hörenden  Gutsbetrieb  mit  Nebenbauten,  dem  bereits  bestehenden  Bauern-
haus  des  Beschwerdegegners  sowie  einem  Stöckli  aus  den  80er  Jahren 
geprägt.  Auch  liege  die  Schlossscheune  an  einer  deutlich  exponierteren 
Lage  als  die  vorgesehene  Baute  und  sei  auch  erheblich  höher.  Der  Weiler 
Vogelshus  werde  ganz  allgemein  durch  grosse  Bauten  geprägt.  Das 

 
 
- 22 -

Bauvorhaben  wahre  die  charakteristischen  räumlichen  Verhältnisse  sowie 
die  Massstäblichkeit  der  Bauweise  ohne  Weiteres.  Im  Gegensatz  zur 
Schlossscheune würde die Masthalle an einem Hang zu stehen kommen und 
wäre daher unabhängig von der geplanten grosszügigen Bepflanzung schon 
deshalb  von  den  meisten  Blickrichtungen  nicht  bemerkbar.  Das  Gutachten 
des  BRPA  stelle  denn  auch  fest,  dass  zwar  eine  gewisse  Gebäudelänge 
bestehe, doch dafür sei die Gebäudehöhe eher bescheiden. Die geschützten 
Gebäude  wären  vom  Neubau  nicht  betroffen,  weil  sie  nicht  in  deren 
Nahumgebung  sind.  Das  Schloss  befinde  sich  in  einem  Abstand  von  über 
220  m  zum  geplanten  Stall;  die  direkte  Sicht  wäre  durch  die  bereits 
bestehenden  Bauten  stark  eingeschränkt.  Der  gewählte  Standort  würde 
zudem bestmöglichst Rücksicht auf die Topographie nehmen, indem der Bau 
parallel zu den Höhenkurven zu stehen käme. Zusätzlich würde der geplante, 
tiefe  Stall  mit  einheimischen  hochstämmigen  Bäumen  und  Sträuchern 
grosszügig umzäunt. Äusserlich werde der Eindruck einer Hecke entstehen. 
Sobald diese gewachsen sei, werde die Baute überhaupt nicht mehr sichtbar 
sein.  

cc.  Es  gelte  klar  zu  trennen  zwischen  Ortsbild-  und  Kulturgüterschutz.  Der 
Ortsbildschutz  strebe  als  Planungsmassnahme  einen 
flächenmässigen 
Schutz an, in dessen Rahmen auch Kulturdenkmäler fallen. Der Kulturgüter-
schutz  ziele  unmittelbar  auf  das  Objekt.  Ein  flächenmässiger  Schutz  werde 
nicht  angestrebt  und  wäre  überdies  auch  höchst  problematisch,  weil  auf 
diese  Weise  das  planungsrechtliche  Instrument  der  Ortsbildschutzzone 
obsolet  würde.  Umgebungsschutz  sei  in  erster  Linie  nicht  eine  kulturgüter-
schutzrechtliche,  sondern  eine  planungsrechtliche  Massnahme.  Die  Um-
gebung  werde  -  wenn  überhaupt  -  objektbezogen,  das  heisst  im  Interesse 
des Denkmals, geschützt. Es würden denn auch von den Kulturgüterschutz-
bestimmungen  der  Gemeinde  richtigerweise  nur  Eingriffe  in  die  Nahum-
gebung  des  Kulturgutes  erfasst.  Die  unbeweglichen  Kulturgüter  würden  mit 
den  Mitteln  und  Verfahren  der  Raumplanungs-  und  Baugesetzgebung  unter 
Schutz  gestellt.  Aus  diesem  Grund  habe  die  Gemeinde  den  Schutzbereich 
auf  die  Nahumgebung  beschränkt,  bleiben  doch  auch  im  Bereich  des 
Kulturgüterschutzes  die  raumplanerischen  Massnahmen  vorbehalten.  Der 
Schutzbereich  eines  Kulturgutes  vermöge  also  nicht  die  Ortsbildschutzzone 
zu  sprengen,  welche  von  der  Gemeinde  in  ihrem  planerischen  Ermessen 
eben  gerade  zum  Schutze  dieses  Kulturgutes  gelegt  worden  sei.  Relevant 
sei nur, ob die geplante Baute in die Nahumgebung des Schlosses eingreife, 
wobei  durch  den  Kulturgüterschutz  die  raumplanerische  Grenze  der 
Ortsbildschutzzone nicht missachtet werden dürfe. Die Baute käme aber gar 
nicht in der Ortsbildschutzzone zu liegen, die für den Schutz des Schlosses 
gezogen worden sei. 

dd.  Doch  selbst  wenn  sich  die  geplante  Baute  vollständig 
in  der 
Ortsbildschutzzone befinden würde, könnte nicht behauptet werden, sie liege 
im  Nahbereich  des  Schlosses.  Zwischen  diesem  und  der  Baute  würde  ein 
Abstand  von  über  220  m  bestehen,  wobei  eine  direkte  Sicht  durch  die 

 
- 23 -

bestehenden Bauten und die Hanglage ausgeschlossen wäre, insbesondere 
auch  aufgrund  ihrer  niederen  Höhe,  der  Lage  und  der  Bepflanzung.  Somit 
könne unmöglich eine Abwertung des Kulturgutes abgeleitet werden. 

ee. Das Schweizerische Inventar der Kulturgüter stütze sich auf das Haager 
Abkommen vom 14. Mai 1954 für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten 
Konflikten  (SR  0.520.3).  Wie  bereits  der  Titel  andeute,  sei  das  Abkommen 
nur  anwendbar  im  Falle  eines  erklärten  Kriegs  oder  eines  anderen  be-
waffneten Konflikts, bei teilweiser oder vollständiger Besetzung des Gebiets 
einer  der  Vertragsparteien  sowie  -  eingeschränkt  -  bei  innerstaatlichen 
Konflikten, die keinen internationalen Charakter haben. Die Anwendung des 
Abkommens  mitsamt  seines  Inventars  sei  somit  auf  Fälle  kriegerischer 
Auseinandersetzungen  ausgerichtet,  was  auch  auf  die  bereits  in  Friedens-
zeiten  zu  treffenden  Sicherungsmassnahmen  zutreffe.  Das  Inventar  sei  für 
den  vorliegenden  Fall  bedeutungslos,  weil  das  zugrunde  liegende  Haager 
Abkommen keine Anwendung finde. 

ff.  Die  geplante  Baute  sei  insbesondere  aufgrund  der  Hanglage  und  einer 
Hecke  als  Umzäunung  überhaupt  nicht  sichtbar  und  würde  die  Mass-
stäblichkeit  angesichts  der  übrigen  Bauten  ohne  Weiteres  wahren.  Die 
Beschwerdeführer  hätten  bei  der  Betrachtung  der  Landschaft  übersehen, 
dass zum Schlossgut mehrere landwirtschaftliche Zweckbauten gehörten, die 
in unmittelbarer Nähe zum Herrenhaus errichtet worden seien. Darunter falle 
auch eine grosse, völlig aus Eternit eingekleidete Scheune. Wenn überhaupt 
von einer Beeinträchtigung der Landschaft die Rede sei, würde dies für diese 
Scheune bestimmt noch viel eher zutreffen als für die geplante Baute. Diese 
werde  überwiegend  aus  Holz  gebaut  und  erfülle  die  architektonischen 
Anforderungen  einer  landwirtschaftlichen  Einrichtung  ohne  Weiteres.  Aus 
einer  ästhetischen  Perspektive  betrachtet,  werde  sie  jedenfalls  gegenüber 
der  zum  Schloss  gehörenden,  ganz  in  Eternit  gekleideten  Scheune  völlig 
mühelos bestehen können. 

c)  aa.  Nach  den  Ausführungen  des  Kulturgüterdienstes  und  der  Kulturgüter-
kommission genügt das Projekt den Anforderungen von Art. 7 PBR nicht. Die 
Baute  werde  den  Ortsbildcharakter  um  das  Schloss  wesentlich  beeinträch-
tigen.  Nach  Art.  6  der  Charta  von  Venedig  gehöre  zum  Erhalt  eines 
Denkmals  die  Bewahrung  eines  seinem  Massstab  entsprechenden 
Rahmens.  Wenn  die  überlieferte  Umgebung  vorhanden  sei,  müsse  sie 
erhalten  bleiben  und  jede  neue  Baumassnahme,  jede  Zerstörung,  jede 
Umgestaltung,  die  das  Zusammenwirken  von  Bauvolumen  und  Farbigkeit 
verändern könnte, müsse verboten werden. Das Bauprojekt wirke angesichts 
seiner Dimension und seiner Nähe zum Schloss wie ein Fremdkörper in der 
traditionellen und ländlichen Umgebung.  

bb.  Der  Herrensitz  von  Vogelshus  gehöre  seit  1622  der  Familie  von 
Lenzburg.  Er  sei  einer  der  ältesten Landsitze  des  Kantons.  Die  Familie  von 

 
 
- 24 -

Lenzburg habe ihn von einem teutonischen Ritter (Deutschorden) erworben. 
Das  Herrenhaus  sei  1758  nach  den  Plänen  des  berühmten  Architekten 
Johann  Paulus  Nader  für  Johann  Simon-Nicolas  von  Lenzburg  erbaut 
worden.  Dieser  begabte  Freiburger  Architekt  plante  damit  einer  der  re-
präsentativsten Residenzen des 18. Jahrhunderts des Kantons. Er stammte 
aus  Eiderstatt,  Ungarn,  und  habe  eine  erfolgreiche  Karriere  in  Bern  absol-
viert.  Als  Architekt  habe  er  für  das  Schloss  von  Middes  und  das  Kloster 
Hauterive  gearbeitet  und  sei  vom  Staat  beauftragt  worden,  mittelalterliche 
Schloss-Burgen umzubauen und sie dem neuen Lebensstil anzupassen. Mit 
dem Schloss Seedorf (1769) und jenem von Prez-vers-Noreaz (1770) seien 
die  Herrensitze  von  Vogelshus  und  Middes  die  bemerkenswertesten 
"Ensembles"  von  Landsitzen  des  18.  Jahrhunderts  in  der  Schweiz.  Sie 
stützten  sich  auf  die  verschiedenen  Architekturbeiträge,  welche  die  franzö-
sische  Kultur  und  der  französische  Lebensstil  in  ganz  Europa  verbreiteten. 
Im Weiteren  würden  sie  sich  mit  ihren Parks  und  Nebenbauten  in  eine  weit 
verbreitete  und  idealisierte  Kultur  einschreiben,  welche  von  den  Franzosen 
sehr  weit  entwickelt  wurde.  In  diesem  Mythos  habe  der  Landherr  in  guter 
Nachbarschaft  mit  seinen  Untertanen  gelebt.  Die  hierarchische  Gestaltung 
der Anlage und des Herrenhauses mit seinem Park - in der Landschaft durch 
seine  Nebenbauten,  Bauernhöfen,  Gartenanlagen  und  Alleen  begrenzt  - 
müsse  als  eine  theatralische  Inszenierung  der  Macht  betrachtet  werden. 
Diese  beschränke  sich  nicht  nur  auf  die  Epoche  des  18.  Jahrhunderts  und 
mache an der Tür zum grossen Saal halt, sondern lebe als Model weiter bis 
in unsere Zeit hinein.  

cc.  Es  gelte  darauf  hinzuweisen,  dass  gemäss  Art.  3  Abs.  2  KGSG  der 
Ausdruck unbewegliches Kulturgut eine Baute, eine bebaute Stätte oder eine 
historische  oder  archäologische  Stätte  bezeichne.  Der  Ortsbildschutzperi-
meter, der auf dem Zonennutzungsplan eingetragen ist, gebe der Stätte die 
Bezeichnung  von  geschütztem  Kulturgut.  Er  begrenze  sich  nicht  nur  strikte 
auf  die  Summe  der  sich  dort  befindenden  Bauten,  sondern  auch  auf  ihre 
Nahumgebung.  In  diesem  Sinne  sei  die  Stätte  von  Vogelshus  ein  ge-
schütztes Kulturgut und müsse als Ensemble erhalten und bewahrt bleiben. 
In  Anwendung  des  Art.  22  Abs.  1  KSG  erstrecke  sich  der  Schutz  eines 
Kulturgutes  auf  das  Objekt  in  seiner  Gesamtheit,  das  heisst  bei  unbeweg-
lichen Objekten gegebenenfalls auch auf die Umgebung und die Gesamtan-
lage. Der Schutz des Charakters der Anlage von Vogelshus fordere auch den 
Schutz seiner Nahumgebung. Die geplante Schweinemasthalle werde, ob sie 
sich  nun  vollkommen  oder  nur  teilweise  ausserhalb  des  Ortsbildschutzperi-
meters  befinde,  den  Charakter  der  geschützten  Stätte  mitprägen  und  somit 
verunstalten. 

dd.  Im  Sinne  des  Art.  1  der  Charta  von  Venedig  sei  anzufügen,  dass  der 
Denkmalbegriff das einzelne Denkmal, das gebaute Objekt sowie das städti-
sche oder ländliche Ensemble (Denkmalbereich) umfasse, das von einer ihm 
eigentümlichen Kultur, einer bezeichnenden Entwicklung oder einem histori-
schen  Ereignis  Zeugnis  ablege.  Die  Charta  von  Venedig  sollte  deshalb  zur 

 
- 25 -

ergänzenden  Erläuterung  der  vorgesehenen  Richtlinien,  welche  der  Art.  7 
Abs.  2  PBR  festgehalten  hat,  dienen  und  angeführt  werden.  Es  sei  unbe-
streitbar,  dass  die  Schweinemasthalle  ein  störendes  Element  in  der  länd-
lichen  Stätte  von  Vogelshus  darstelle,  den  traditionellen  Charakter  dieser 
Anlage verändere und auf irreversible Weise zerstöre. Es werde ein stören-
des  Element  in  einer  Anlage  geplant,  das  bis  heute  den  traditionellen 
Charakter bewahrt habe. 

ee.  Das  Schloss  verdanke  seine  Wichtigkeit  nicht  nur  dem  Bestand  der 
dazugehörenden  Nachbarbauten,  sondern  auch  der  hohen  Qualität  des 
Zusammenwirkens  der  Bauvolumen  und  der  Zwischenräume  mit  seiner 
Parkanlage. Damit könne die Schutzwürdigkeit des Gebäudes nicht von jener 
der Anlage getrennt werden und rechtfertige sich beim Weiler Vogelshus ein 
umfangreicher  Schutz  der  Umgebung.  In  diesem  Sinne  sei  es  eindeutig 
falsch,  die  Dimension  der  Eingriffe  nur  auf  das  Schloss  zu  projektieren  und 
den negativen Einfluss auf den Weiler als Ganzes ausser Acht zu lassen. In 
Anbetracht,  dass  die  Anlage  von  Vogelshus  als  Einheit  betrachtet  werden 
müsse, seien die Distanz zwischen der Schweinemasthalle und dem Schloss 
sowie  die  Frage,  wie  der  überdimensionierte  Bau  das  Ganze  mitpräge, 
massgebend.  Dieser  störe  nicht  nur  durch  seine  Grösse  und  Stellung, 
sondern zersiedle auch die Aussenräume des Ensembles. 

17.  a)  Das  Schloss  Vogelshus  und  zwei  andere  Gebäude  sind  als  Anlagen  von 
regionaler  Bedeutung  unter  Denkmalschutz  gestellt  beziehungsweise  sind 
als  Kulturgüter  geschützt.  Nach  Art.  3  KGSG  bezeichnet  der  Ausdruck 
Kulturgut  ein  unbewegliches  oder  bewegliches,  geschichtliches  oder 
zeitgenössisches  Objekt,  das  für  die  Allgemeinheit  als  Zeuge  der  geistigen 
Tätigkeit,  des  Kunstschaffens  oder  des  gesellschaftlichen  Lebens  von 
Bedeutung  ist  (Abs. 1).  Mit  dem  Begriff  unbewegliches  Objekt  sind  eine 
Baute, eine bebaute Stätte oder eine historische oder archäologische Stätte 
gemeint  (Abs.  2).  Unter  Vorbehalt  anderslautender  Bestimmungen  erstreckt 
sich der Schutz eines Kulturgutes auf das Objekt in seiner Gesamtheit, das 
heisst bei unbeweglichen Objekten auf die äusseren und inneren Strukturen 
und Elemente und gegebenenfalls auf die Umgebung, auf die Gesamtanlage 
und  auf  die  noch  verborgenen  archäologischen  Objekte  (Art.  22  Abs.  1 
KGSG). 

b)  Hinzu kommt aber, dass sich der Weiler im Ortsbildschutzperimeter befindet. 
Die  Parteien  sind  sich  indes  nicht  einig  über  die  Frage,  ob  die  geplante 
Schweinemasthalle  in  den  Bereich  dieses  Perimeters  gelangt.  Nach  einem 
Bericht  der  Gemeinde  Bösingen  vom  28.  Januar  1999  "streift"  das  Projekt 
den  Ortsbildschutzperimeter.  Der  Oberamtmann  hielt  in  seinem  Entscheid 
fest, dass sich der Bau "grösstenteils ausserhalb desselben befindet und nur 
etwa  10 - 13 m  innerhalb  dieses  Perimeters  zu  stehen  kommt".  Daher 
könnten  die  Bestimmungen  von  Art.  7  Abs.  2  PBR  nicht  vollumfänglich 

 
 
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übernommen  werden,  würden  sich  diese  doch  auf  Objekte  innerhalb  des 
Ortsbildschutzperimeters beziehen. 

c)  Der  Auffassung  des  Oberamtmannes  kann  nicht  gefolgt  werden.  Aus  dem 
von  der  Gemeinde  erstellten  Plan  ist  ersichtlich,  dass  der  Ortsbildschutz-
perimeter  nicht  mit  einer  Linie,  sondern  mit  Zeichen,  die  Sternchen  (*) 
gleichen  und nicht miteinander  verbunden  sind,  gezogen  wird.  Eine  genaue 
Grenzziehung  ergibt  sich  weder  aus  dem  Plan  noch  aus  anderen  Akten. 
Immerhin  sind  mit  den  erwähnten  Zeichen  nicht  nur  das  Schloss,  sondern 
sämtliche  Gebäude  des  Weilers  mit  entsprechendem  Landumschwung 
betroffen.  Eine  genaue  Grenzziehung  beziehungsweise  eine  parzellen-
genaue  Festlegung  des  Ortsbildschutzperimeters  ist  im  Übrigen  nicht 
notwendig. Aufgrund der tatsächlichen Umstände liegt die Interpretation viel 
näher,  dass  es  der  Gemeinde  Bösingen  bei  der  Festlegung  des  Perimeters 
um  den  Ort,  das  "Ensemble",  Vogelshus  gegangen  ist.  Aus  diesem  Grund 
wurde  wohl  auf  eine  genaue  Grenzziehung  verzichtet.  Wie  auch  immer:  ob 
die  Masthalle  in  den  erwähnten  Perimeter  beziehungsweise  angrenzend  an 
diesen  gebaut  wird,  ist  einerlei.  In  jedem  Fall  würde,  wie  noch  auszuführen 
sein  wird,  die  Baute  den  geschützten  Perimeter  nachhaltig  beeinflussen. 
Diesen Umstand gilt es zu berücksichtigen. Der gegenteiligen Argumentation 
des  privaten  Beschwerdegegners  kann  somit  nicht  gefolgt  werden. 
Infolgedessen  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Baute  im  Ortsbildschutz-
perimeter erstellt werden soll.  

18.  a)  Die  Beschwerdeführer  und  der  Oberamtmann  vertreten  die  Meinung,  dass 
sich  der  Weiler  Vogelshus  in  einer  Landschaftsschutzzone  befindet.  Im 
Gegensatz  zu  den  Beschwerdeführern  bestreitet  dies  der  private  Be-
schwerdegegner  sowie  die  RUBD.  Nach  deren  Angaben  sei  der  Weiler  im 
Landschaftsrichtplan  der  Gemeinde  Bösingen  als  Landschaftsschutzgebiet 
eingetragen. Diese Behauptung wird von der betroffene Gemeinde bestätigt. 
In ihrer Eingabe vom 5. November 2007 erklärte sie, dass sich der geplante 
Neubau "gemäss Schutzzonen- und Landschaftsrichtplan … grösstenteils im 
(behördenverbindlicher  Planinhalt)"  befinden 
Landschaftsschutzgebiet 
werde.  Der  Einladung  des 
Instruktionsrichters,  den  entsprechenden 
Erläuterungsbericht  einzureichen,  gab  die  Gemeinde  keine  Folge,  weshalb 
anzunehmen ist, dass kein solcher Bericht existiert. 

b)  Eine Landschaftsschutzzone ist eine Schutzzone im Sinne des Art. 45 Abs. 1 
lit.  E  und  des  Art.  61  RPBG  und  mithin  Inhalt  des  Nutzungsplanes  (vgl. 
Art. 14 RPG). Die entsprechende Massnahme ist, wie jede Festsetzung und 
Änderung  der  Nutzungspläne,  öffentlich  aufzulegen  und  sie  unterliegt  der 
Einsprache.  Danach  wird  allenfalls  entschieden,  ob  ein  Gebiet  einer  Land-
schaftsschutzzone  zugewiesen  wird.  Ein  solches  Verfahren 
fand 
nachweislich  nicht  statt,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  der  Weiler 

 
 
 
- 27 -

Vogelshus  lediglich,  aber  immerhin,  im  Landschaftsrichtplan  der  Gemeinde 
als  Landschaftsschutzgebiet  eingetragen  ist  und  keinen  Eingang  in  den 
Nutzungsplan gefunden hat. 

c)  Der  Schweinemaststall  soll  auf  der  Parzelle  Eigenacher  erstellt  werden. 
Dieses  Grundstück  befindet  sich  gemäss  Plan  vollumfänglich  im  Land-
schaftsschutzgebiet  mit  dem  Vorbehalt,  dass  für  eine  Ausscheidung  als 
Naturschutzzone  noch  detaillierte  Untersuchungen  notwendig  sind.  Diese 
Angaben  sind  insofern  zu  korrigieren,  dass  nicht  von  einer  eigentlichen 
Schutzzone auszugehen ist, sondern dass der Weiler Vogelshus und mithin 
das  Baugrundstück  im  Landschaftsrichtplan  als  Landschaftsschutzgebiet 
eingetragen sind. 

d)  Die Gemeinde ist verpflichtet, Richtpläne zu erstellen (Art. 42 Abs. 2 RPBG). 
Nach  Art  43  RPBG  umschreiben  die  Gemeinderichtpläne  die  allgemeinen 
Grundzüge  der  Entwicklung  der  Gemeinde  (Abs.  1).  Unter  anderem  um-
fassen sie den Landschaftsrichtplan, der die vorgesehenen Massnahmen zur 
Erhaltung  von  schützenswerten  Landschaften  und  Objekten  bezeichnet 
(Abs. 2 
für  die 
lit.  d).  Die  kommunalen  Richtpläne  sind  unmittelbar 
Gemeindebehörden  verbindlich  (Art.  9  Abs.  1  RPG;  Art.  3  Abs.  2  BPR), 
treffen  also  für  die  Grundeigentümer  keine  verbindlichen  Feststellungen. 
Demnach  kann  ein  nutzungskonformes  Bauvorhaben  nicht  allein  mit  der 
Begründung  verweigert  werden,  es  widerspreche  einem  behördenverbind-
lichen  Richtplan.  Dies  käme  einer  unzulässigen  Vorwirkung  des  Richtplans 
gleich  und  hätte  im  Ergebnis  eine  Änderung  des  geltenden  Nutzungsplans 
zur Folge. Ebenso wenig lässt sich daher einem Bauvorhaben allein gestützt 
auf  einen  kommunalen  oder  kantonalen  Richtplan  ein  überwiegendes 
Interesse entgegenhalten. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass 
Richtplanfestsetzungen  im  Rahmen  eines  Baubewilligungsverfahrens  über-
haupt kein Gewicht zukommt. Behördenverbindliche Richtpläne entfalten ihre 
Bindungskraft  dort,  wo  das  anwendbare  Recht  Ermessen  einräumt  oder 
mithilfe  unbestimmter  Gesetzesbegriffe  Handlungsspielräume  gewährt.  Ver-
langt  das  anwendbare  Recht  eine  umfassende  Interessenabwägung,  ist  der 
Richtplaninhalt  als  verbindliches  Ergebnis  des  räumlichen  Abstimmungs-
prozesses in die Interessenabwägung einzubeziehen. Dabei gilt es allerdings 
zu  beachten,  dass  sich  der  Richtplan  nur  über  räumliche  Belange  aus  der 
Sicht  des  Gemeinwesens  äussert.  Die  im  Einzelfall  notwendige  Abwägung 
dieser Interessen mit den entgegenstehenden privaten und nicht-räumlichen 
öffentlichen  Interessen  bleibt  vorbehalten.  Hinzu  kommt,  dass  sich  der 
Richtplan  allein  an  Behörden  wendet,  die  mit  raumwirksamen  Aufgaben 
betraut  sind,  nicht  aber  an  richterliche  Behörden  beziehungsweise  an  die 
Baubewilligungsbehörden  (hier  der  Oberamtmann),  die  staatliche  Akte  auf 
ihre Rechtskonformität hin zu prüfen haben. Diese müssen auf Beschwerde 
eines  Privaten,  der  am  Richtplanverfahren  nicht  beteiligt  war  und  dagegen 
keine  Rechtsmittel  einlegen  konnte,  frei  prüfen,  ob  der  angefochtene 

 
 
 
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Entscheid auf einer umfassenden und ermessensfehlerfreien Abwägung aller 
massgeblichen  öffentlichen  und  privaten  Interessen  beruht  (zum  Ganzen: 
Entscheid  des  Bundesgerichts  vom  22. Januar  2003,  1A.154/2002,  in  ZBl 
105/2005  S.  107  E.  4.1  f.  mit  Hinweisen;  BVR  2006  S.  385  E.  4.5  S.  391). 
Dem  Bauvorhaben  lässt  sich  daher  allein  gestützt  auf  den  Richtplan  kein 
überwiegendes  Interesse  entgegenhalten  (WALDMANN  /  HÄNNI,  Art.  9  N  20). 
Die  Absicht  der  Gemeinde,  den  Weiler  Vogelshus  allenfalls  einmal  als 
Landschaftsschutzgebiet  zu  bezeichnen,  gilt  es  aber  im  Rahmen  der 
umfassenden Interessenabwägung zu berücksichtigen. 

e) 

In diesem Zusammenhang gilt es, auf den Sinn und Zweck der Schutzzonen 
hinzuweisen.  Gemäss  Art.  61  RPBG  umfassen  die  Schutzzonen  unter 
anderem  besonders  schöne  sowie  naturkundlich  oder  kulturgeschichtlich 
wertvolle Landschaften (Abs. 1 lit. b) und bedeutende Ortsbilder, historische 
Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler (Abs. 1 lit. c). Der Schutz kann bis 
zum  Bauverbot  gehen  (Abs.  2).  Anstatt  in  Schutzzonen  eingegliedert  zu 
werden,  können  die  Landschaften,  Ortsbilder  und  archäologischen  Stätten 
von  wissenschaftlichem,  typologischem,  historischem  oder  ästhetischem 
Wert  Gegenstand  besonderer  Vorschriften  oder  einer  besonderen  Schutz-
massnahme  bilden  (Art.  62  Abs.  1  RPBG).  Besonders  schöne  oder  kultur-
geschichtlich  wertvolle  Landschaften,  Ortsbilder,  Bauten  und  Anlagen  sind 
solche, die sich durch ihre ästhetischen Werte auszeichnen, sowie Objekte, 
die  wichtige  Zeugen  der  menschlichen  Entwicklung,  Zivilisation  oder  Kultur 
sind (ZAUGG, Art. 9/10 N 15). 

19.  a)  Der  Weiler  Vogelshus  ist  als  Ortsbild  geschützt.  Bei  einem  Ortsbild  handelt 
es  sich  um  Baugruppen,  deren  Einzelbauten  sich  einerseits  zu  einem  Bild 
augenfälliger  Geschlossenheit  vereinen  und  anderseits  in  die  Umgebung 
einordnen (vgl. JOSEF ROHRER, in Peter Keller / Jean-Baptiste Zufferey / Karl 
Ludwig  Fahrländer,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  den  Natur-  und 
Heimatschutz, Zürich 1997, S. 22). Es erweist sich als bedeutend,  wenn es 
sich  um  eine  bauliche  Gestaltung  handelt,  die  der  betreffenden Gegend  ein 
besonderes  Gepräge  verleiht.  Dabei  muss  es  sich  um  Bauten  handeln,  die 
das Ortsbild als besonders schön hervortreten lassen und im Ortsbild einen 
wahrnehmbaren  Schwerpunkt  setzen  (HEER,  N  1050).  Demnach  geht  der 
Ortsbildschutz  über  den  Schutz  eines,  das  Ortsbild  prägende  Einzelobjekt 
hinaus, er schützt das Gesamtbild und nicht ein einzelnes Objekt.  

b) 

Im  vorliegenden  Fall  geht  es  nicht  allein  um  den  Schutz  des  Schlosses, 
sondern um die Wahrung des Weilers in seinem jetzigen Zustand. Immerhin 
befindet  sich  der  Weiler  ausserhalb  der  Bauzone  mithin  im  Nichtbaugebiet. 
Damit hat die Gemeinde Bösingen klar zum Ausdruck gebracht, dass sie ihn 
in  der  heutigen  Gestaltung  bewahren,  ihn  von  neuen  Bauten  und  Anlagen 
freihalten  und  so  einer  Zersiedelung  des  Landes,  wie  sie  auch  durch 

 
 
 
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landwirtschaftliche  Zweckbauten  gefördert  würde,  entgegenwirken  will  (vgl. 
BVR  2006  S.  385  E. 5.4.3  S.  593 f.).  Schon  aus  diesen  Gründen  steht  das 
Bauvorhaben den öffentlichen Interessen, den Weiler Vogelshus zu erhalten 
und damit grundsätzlich Neubauten zu verhindern, entgegen. Damit soll nicht 
gesagt werden, dass überhaupt keine Neubauten zugelassen sind. 

c)  Der Richtplan ist, wie gesagt, ein, aber nicht das ausschlaggebende Element 
für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit. Das gilt umso mehr, als 
die  Gemeinde  über  keinen  Erläuterungsbericht  verfügt  und  infolgedessen 
nicht  nachvollziehbar  ist,  was  sie  inskünftig  mit  dem  vom  Richtplan  betrof-
fenen  Gebiet  beabsichtigt  zu  tun.  Insofern  darf  dem  Bauvorhaben  gestützt 
auf  den  Richtplan  kein  überwiegendes  landschaftsschützerisches  Interesse 
entgegengehalten  werden.  Entscheidend  ist  aber  der  Umstand,  dass  die 
Baute in einem Ortsbildschutzperimeter erstellt werden soll. Dass sich mög-
licherweise nur ein Teil davon in diesem Bereich befindet und der andere in 
dessen  Peripherie,  ist,  wie  schon  ausgeführt,  unerheblich.  Dem  Ortsbild-
schutzperimeter kommt ein besonderer Schutz zu, was sich ausdrücklich aus 
den Art. 7 und 23 PBR ergibt. Dass die hier strittige Schweinemasthalle mit 
ihren enormen Ausmassen in einem Ortsbildschutzperimeter oder an dessen 
Peripherie  die  charakteristischen  räumlichen  Verhältnisse  und  die  Gesamt-
erscheinung des Weilers mit der Schlossumgebung erheblich beeinträchtigen 
wird,  ist  für  das  Gericht  offensichtlich.  Das  öffentliche  Interesse  an  einer 
weitgehenden  (nicht  absoluten)  Erhaltung  des  Weilers  ist  hier  evident.  Aus 
dem Umstand, dass sich im Weiler auch ein mit Eternit bekleidetes Gebäude 
befindet,  kann  der  private  Beschwerdegegner  nichts  zu  seinen  Gunsten 
ableiten.  Diese  Baute  wurde  offensichtlich  bewilligt  und  es  wird  nicht  be-
hauptet,  dass  die  Kulturgüterkommission  oder  der  Kulturgüterdienst  hierzu 
Vorbehalte  angebracht  hätten.  Im  Übrigen  ist  sie  im  Landwirtschaftsbetrieb 
integriert  und  fällt  nicht  besonders  auf  beziehungsweise  wirkt  nicht  störend. 
Aber  selbst  wenn  sie  als  Störfaktor  zu  bezeichnen  wäre,  soll  dies  nicht  zur 
Folge haben, dass ein weiterer hinzukommen muss. Schliesslich kann auch 
die  Zusage  des  privaten  Beschwerdegegners,  er  werde  die  Masthalle  mit 
Pflanzen umgeben, an der Sache nichts ändern; eine Bepflanzung auf einem 
ansonsten  nicht  bestockten  Grundstück  kann  ihrerseits  als  Fremdkörper 
wirken (vgl. BVR 2006 S. 385 E. 5.6.3 S. 395). 

d)  Der  II.  Verwaltungsgerichtshof  führte  einen  Augenschein  durch.  Dabei  stellt 
er  fest,  dass  die  vorgesehene  Baute  vom  Schloss  her  nicht  sichtbar  sein 
würde  (was  selbstverständlich  umgekehrt  auch  gilt).  Auf  Grund  seines 
Eindrucks hält das Gericht aber die von den Beschwerdeführern gemachten 
Einwände  für  überzeugend.  Der  Schweinemaststall  würde  zu  einer  grossen 
Beeinträchtigung  der  Umgebung  führen.  In  seinen  Dimensionen  -  124,3  m 
Länge  -  wird  er  wie  ein  Fremdkörper  in  einer  unversehrten  und  schönen 
Landschaft  wirken.  Daran  vermag  nichts  zu  ändern,  dass  er  nicht  von  allen 
Seiten  einsehbar  ist  und  ebenfalls  angrenzend  an  bestehende  Gebäude 

 
 
 
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erstellt  werden  soll.  Aufgrund  seiner  Grösse  ist  er  keinesfalls  mit  den 
bestehenden  Bauten  vergleichbar.  Beim  Weiler  Vogelshus  handelt  es  sich 
um  ein  landschaftlich  wertvolles  Gebiet,  das  als  Ganzes  grundsätzlich  zu 
erhalten  ist.  Eine  Schweinemasthalle  im  vorgesehen  Rahmen  würde  ohne 
Zweifel  das  Landschaftsbild  derart  verunstalten,  dass  der  Weiler  seines 
jetzigen Charakters beraubt wird. Das Schloss mag bei diesen Überlegungen 
zwar eine zentrale Rolle spielen, wesentlich ist aber, dass es zusammen mit 
den landwirtschaftlichen Wohn- und Nebenbauten ein harmonisches Ortsbild 
bildet.  

e)  Nach  dem  Gesagten  bleibt  festzustellen,  dass  mit  einer  Schweinemasthalle 
im  Weiler  Vogelshus  etwas  vollständig  Neues  geschaffen,  das  erheblich 
stören würde. Damit stehen dem Bauvorhaben klar überwiegende Interessen 
entgegen,  weshalb  die  Baubewilligung  nicht  erteilt  werden  darf.  Es  gilt,  das 
Besondere, den Istzustand des Weilers zu schützen und zu wahren. Würde 
dem  Baugesuch  stattgegeben,  wären  die  Massnahmen  hinsichtlich  des 
Ortsbildschutzes  illusorisch.  In  diesem  Sinne  sind  die  Beschwerden  der 
Erbinnen  des  verstorbenen  Ferdinand  Beghin  und  des  Freiburger  Heimat-
schutzes  gutzuheissen.  Jene  des  Deutschfreiburger  Heimatkundeverein  ist, 
soweit darauf eingetreten wurde, ebenfalls gutzuheissen.  

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