# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b22f42fc-2629-56ba-8656-bd498a6e55c0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-05-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 23.05.2018 190 2017 2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_190-2017-2_2018-05-23.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION 

RA Nr. 190/2017/2 Bern, 23. Mai 2018

in der Beschwerdesache zwischen

A.________
Beschwerdeführerin

und

Einwohnergemeinde Thun, Tiefbauamt, Industriestrasse 2, Postfach 145, 3602 Thun

Tiefbauamt des Kantons Bern (TBA), Fachstelle Lärmschutz, Reiterstrasse 11,
3011 Bern

betreffend die Verfügung der Stadt Thun vom 27. Oktober 2017 (21468; Lärmsanierung)

I. Sachverhalt

1. Das Tiefbauamt der Stadt Thun liess für den Abschnitt B.________strasse ein 

Lärmsanierungsprojekt1 gemäss Art. 13 LSV2 erstellen. Die Liegenschaft der 

Beschwerdeführerin an der B.________strasse G.________ (Parzelle Thun 

Grundbuchblatt-Strättligen Nr. C.________) liegt im Geltungsbereich dieses 

Sanierungsprojektes. 

2. Mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin 

mit, bei der Liegenschaft B.________strasse G.________ sei ein Beurteilungspegel von 

1 Einsehbar unter <http://www.thun.ch//laermsanierung>
2 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)

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66 db(A) am Tag und 57 db(A) in der Nacht ermittelt worden. Die Fachstelle Lärmschutz 

des Tiefbauamtes des Kantons Bern habe der Stadt Thun mit Schreiben vom 

2. Februar 2017 Erleichterungen für die Sanierung gewährt. Die Stadt Thun sei daher nicht 

verpflichtet, im Bereich der Parzelle Thun Grundbuchblatt-Strättligen Nr. C.________ 

zusätzliche Massnahmen gegen die Lärmerzeugung oder die Lärmausbreitung zu 

ergreifen. Die Verfügungsadressatin sei weiter nicht verpflichtet, die Fenster 

lärmempfindlicher Räume ihres Gebäudes auf Kosten der Strasseneigentümerin gegen 

Schall zu dämmen. 

3. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Beschwerde vom 13. 

November 2017 (Postaufgabe 28. November 2017) Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- 

und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung 

der Verfügung und das Ergreifen von Lärmschutzmassnahmen durch die Vorinstanz. Zur 

Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, die Vorinstanz habe die Lärmimmissionen 

falsch ermittelt und Massnahmen zur Lärmminderung an der Quelle nicht ausreichend 

untersucht. 

4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den 

Schriftenwechsel durch und holte die Akten ein. Die Vorinstanz beantragt in ihrer 

Stellungnahme vom 20. Dezember 2017 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf 

eingetreten werden kann. Daraufhin lud das Rechtsamt die Fachstelle Lärmschutz des 

Tiefbauamts des Kantons Bern ein, zur Beschwerde und zur Vernehmlassung der 

Vorinstanz Stellung zu nehmen. Anschliessend erhielten die Beteiligten Gelegenheit, 

Schlussbemerkungen einzureichen. Von dieser Möglichkeit machte die 

Beschwerdeführerin Gebrauch. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid 

wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)

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II. Erwägungen

1. Sachurteilsvoraussetzungen

a) Angefochten ist eine Verfügung betreffend Erleichterungen von der Sanierungspflicht 

im Sinn von Art. 17 Abs. 1 USG4 und Art. 14 Abs. 1 LSV5. Für die Behandlung von 

Beschwerden gegen Verfügungen der Gemeindebehörden im Bereich Strassenlärm ist 

gemäss Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 Bst. a KLSV6 die BVE zuständig.

b) Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung. Als 

Eigentümerin der betroffenen Liegenschaft ist sie durch die Verfügung beschwert, da die 

Sanierungspflicht verneint und eine Übernahme der Kosten für allfällige 

Schallschutzmassnahmen durch die Gemeinde abgelehnt worden ist. Sie hat deshalb ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 65 Abs. 1 VRPG7). Auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

2. Ermittlung der Lärmimmissionen

a) Die Beschwerdeführerin rügt, anstatt Messungen an der 

B.________strasse G.________ vorzunehmen, habe die Vorinstanz die Lärmeinwirkungen 

lediglich rechnerisch ermittelt. Ausserdem habe es die Vorinstanz bei den 

Lärmeinwirkungen unterlassen, die Umgebungsbauten miteinzubeziehen und eine 

Toleranz von 0.5 db(A) zu berücksichtigen. Zudem sei davon auszugehen, dass der 

Strassenverkehr zu- und nicht abnehme. Die Lärmimmissionen seien daher nicht richtig 

ermittelt worden.

4 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
5 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
6 Kantonale Lärmschutz-Verordnung vom 14. Oktober 2009 (KLSV; BSG 824.761)
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)

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b) Der Schall, der von einer Anlage ausgeht oder auf einen Ort einwirkt, kann durch 

Messungen oder Berechnungen ermittelt werden (Art. 38 Abs. 1 LSV). Die beiden 

Methoden gelten grundsätzlich als gleichwertig. Zur Beurteilung bestehender 

Lärmbelastungen wird sehr oft eine Kombination von Mess- und Berechnungsverfahren 

angewandt. Sind künftige Auswirkungen einer Anlage zu beurteilen, sind Berechnungen 

unverzichtbar. Es ist möglich, die voraussichtliche Belastung durch typische Lärmquellen 

relativ genau zu berechnen. Dabei werden insbesondere das durchschnittliche 

Verkehrsaufkommen, der Anteil an Schwerverkehr, eine allfällige Steigung der Fahrbahn 

und die signalisierte Geschwindigkeit berücksichtigt. Zudem werden Umstände beachtet, 

welche die Schallausbreitung beeinflussen, wie der Abstand des Empfangspunktes von der 

Lärmquelle und die vorhandene Überbauung (Abschirmungen, Reflexionen).8 Mit den 

heutigen Lärmberechnungsmodellen können sowohl Einzellärmsituationen als auch ganze 

Lärmbelastungskataster berechnet werden.9 Bei der Ausarbeitung eines 

Sanierungsprojekts ist die absehbare Entwicklung der Emissionen zu berücksichtigen. 

Dabei wird eine Prognose für einen längeren Zeithorizont erstellt und insbesondere das 

jährlich zu erwartende Verkehrswachstum berücksichtigt.10 Berechnungen werden in der 

Regel mit Stichprobenmessungen überprüft. Gestützt darauf werden nötigenfalls 

Modellkorrekturen vorgenommen.11

c) Im August 2015 wurden bei der B.________strasse Nr. H.________ im Erdgeschoss 

und bei der B.________strasse Nr. I.________ im Obergeschoss Lärmmessungen 

vorgenommen.12 Die Messungen ergaben für die B.________strasse H.________ einen 

Beurteilungspegel von 63.2 db(A) und für die B.________strasse Nr. I.________ einen 

Beurteilungspegel von 60.0 b(A).13 Die für dieselben Liegenschaften errechneten 

Immssionswerte betragen 63.3 db(A) (B.________strasse H.________) und 61.9 db(A) 

(B.________strasse I.________). Die Messwerte und die Berechnungswerte der 

Liegenschaften B.________strasse H.________ und I.________ stimmen damit gut 

8 Wolf, in Kommentar USG, 2000, Vorbemerkungen zu Art. 19-25 N. 11 f.
9 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Lärmbekämpfung in der Schweiz – Stand und 
Perspektiven, Schriftenreihe Umwelt Nr. 329, S. 91
10 Bundesamt für Umwelt BAFU und Bundesamt für Strassen ASTRA (Hrsg.), Leitfaden Strassenlärm. 
Vollzugshilfe für die Sanierung, Umwelt-Vollzug Nr. 0637, Stand: Dezember 2006, Bern, S. 16 f. (nachfolgend: 
Leitfaden Strassenlärm)
11 Leitfaden Strassenlärm, a.a.O., S. 27
12 Anhang 3.1 Lärmsanierungsprojekt 
13 Anhang 3.1 Lärmsanierungsprojekt 

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überein. Wie die Fachstelle in ihrer Stellungnahme vom 25. Januar 2018 zu Recht festhält, 

liegen die Berechnungswerte sogar leicht über den Messwerten, womit sich die 

Berechnungswerte zu Gunsten der Anwohner der B.________strasse auswirken. Gemäss 

Ziff. 2.4 Lärmsanierungsprojekt wurden die Berechnungen für die B.________strasse mit 

der Lärmberechnungssoftware Cadna(A), Modell StL86+, durchgeführt. Die Fachstelle zog 

die Modellwahl nicht in Zweifel. Das Modell StL86+ wird denn auch vom BAFU im 

Allgemeinen für die Berechnung des Strassenlärms empfohlen.14 Im Modell werden u.a. 

auch allfällige Reflexionen von Umgebungsbauten berücksichtigt.15 Die Verkehrszunahme 

wurde mit jährlich 1 % ebenfalls korrekt von der Vorinstanz berücksichtigt, wie die 

Fachstelle festhält. Eine allfällige Modellkorrektur ist bis anhin daher nicht angezeigt.16 Das 

Vorgehen der Vorinstanz zur Ermittlung der Lärmimmissionen war korrekt.

3. Sanierungspflicht

a) Gemäss Art. 16 Abs. 1 USG17 müssen Anlagen, die den Vorschriften des USG oder 

den Umweltvorschriften anderer Bundesgesetze nicht genügen, saniert werden. Gestützt 

auf Art. 16 Abs. 2 USG hat der Bundesrat mit der LSV Vorschriften über die Sanierung 

bestehender ortsfester Anlagen erlassen (Art. 13 – 20 LSV). Zweck der Sanierung ist der 

Schutz vor schädlichem und lästigem Lärm (Art. 1 USG, Art. 1 Abs. 1 LSV). Bestehende 

ortsfeste Anlagen, die wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenzwerte beitragen, 

sind zu sanieren (Art. 13 LSV). Sie müssen grundsätzlich so weit saniert werden, als dies 

technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist und dass die 

Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden (Art. 13 Abs. 2 LSV). Ist eine Sanierung 

nach Art. 16 Abs. 2 USG im Einzelfall unverhältnismässig, gewähren die Behörden 

Erleichterungen (Art. 17 Abs. 1 USG). Bei dieser Regelung handelt es sich um eine 

Ausnahmebestimmung. Die Gewährung von Erleichterungen ist Sonderfällen 

vorbehalten.18 Gemäss Art. 13 Abs. 3 LSV sind in einem ersten Schritt Massnahmen an der 

Quelle vorzusehen. Stehen diesen Massnahmen überwiegende Interessen entgegen, sind 

14 BAFU/ASTRA (Hrsg.), Leitfaden Strassenlärm, Vollzugshilfe für die Sanierung, Stand: 2006 (Leitfaden 
Strassenlärm), Ziff. 4.1
15 Vgl. auch Ziff. 4.4 Lärmsanierungsprojekt
16 Vgl. Ziff. 4.8 Lärmsanierungsprojekt, Leitfaden Strassenlärm, a.a.O., S. 27
17 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
18 Griffel/Rausch, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich, Basel, Genf 2011, Art. 17 N 2

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Massnahmen im Ausbreitungsbereich des Lärms anzuordnen. Erst wenn 

Sanierungsmassnahmen finanziell nicht zumutbar sind oder ihnen überwiegende 

öffentliche Interessen des Ortsbild-, Natur- und Landschaftsschutzes, der Verkehrs- und 

Betriebssicherheit sowie der Gesamtverteidigung einer Sanierung entgegenstehen, 

gewährt die Behörde gemäss Art. 14 Abs. 1 LSV Erleichterungen.

b) Die Liegenschaft B.________strasse G.________ liegt in einer Zone mit 

Empfindlichkeitsstufe (ES) III. In dieser Zone gelten gemäss Anhang der LSV folgende 

Belastungswerte für den Strassenverkehrslärm: Ein Immissionsgrenzwert von 65 dB(A) 

tags und 55 dB(A) nachts und ein Alarmwert von 70 dB(A) tags und 65 dB(A) nachts. Der 

Fenstergrenzwert beträgt 68 dB(A) tags und 58 dB(A) nachts. Für das Jahr 2035 wird im 1. 

OG der B.________strasse G.________ eine Lärmbelastung von 66 dB(A) am Tag und 

57 dB(A) in der Nacht prognostiziert. Im 2. OG wird die Lärmbelastung gemäss Prognose 

65 dB(A) am Tag und 56 dB(A) in der Nacht betragen. Die massgeblichen 

Immissionsgrenzwerte von 65 dB(A) am Tag und 55 dB(A) in der Nacht werden daher 

voraussichtlich überschritten. Es besteht somit grundsätzlich eine Sanierungspflicht der 

Strasseneigentümerin.

4. Massnahmen an der Quelle

a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, Massnahmen an der Quelle seien zu wenig 

geprüft worden. Die Beschwerdeführerin verlangt eine Belagserneuerung auf der Strasse 

sowie die Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 30 km/h. Sowohl lärmmindernde Beläge 

als auch Tempo-30-Zonen würden eine gute Wirkung entfalten. Tempo-30-Zonen würden 

zudem für mehr Sicherheit sorgen. 

Zur Tempo-30-Zone hält die Vorinstanz fest, zurzeit laufe eine Ortsplanungsrevision, von 

welcher auch der Verkehr betroffen sei. Der Teilaspekt Verkehr sei im Rahmen des 

Gesamtverkehrskonzepts erarbeitet worden. Im aktuellen Entwurf des 

Gesamtverkehrskonzepts sei die B.________strasse als Quartierstrasse mit 

Verbindungsfunktion definiert. Für die Umsetzung des Gesamtverkehrskonzepts sei ein 

Gemeindebeschluss notwendig. Dieser werde zeitlich abgestimmt auf die Terminplanung 

der Ortsplanungsrevision. Zu den lärmarmen Belägen äussert sich die Vorinstanz in ihrer 

Stellungnahme nicht.

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b) Die Fachstelle Lärm des Tiefbauamts des Kantons Bern führt mit Stellungnahme vom 

25. Januar 2018 aus, der Kanton Bern habe in den letzten Jahren mehrere Teststrecken 

eingebaut zur Untersuchung der Wirkung lärmarmer Beläge. Zudem würden neue 

Erkenntnisse aus dem nationalen Forschungspaket "Lärmarme Beläge innerorts" vorliegen. 

Beide Untersuchungen würden zeigen, dass mit lärmarmen Belägen die Lärmbelastung 

über mehrere Jahre stark vermindert werden könne. Die Problematik bestehe zwar 

weiterhin darin, dass die Wirkung mit der Zeit nachlasse und der Belag möglicherweise 

frühzeitig ersetzt werden müsse, um wieder eine lärmreduzierende Wirkung erzeugen zu 

können. Dies sei allerdings kein Grund, den Einbau eines lärmarmen Belags als 

Lärmschutzmassnahmen zum Vornherein auszuschliessen.

Weiter könnten gemäss Fachstelle mehrere Argumente für eine Geschwindigkeitsreduktion 

sprechen. Es seien dies der siedlungsorientierte Charakter, die angrenzende Tempo-30-

Zone, der flächige Querungsbedarf, die fehlende Veloverkehrsanlage, das 

Erscheinungsbild sowie der Ausbaugrad. Zwar sei nachvollziehbar, dass die Stadt Thun 

nicht parallel zur Ausarbeitung des Gesamtverkehrskonzepts innerhalb der 

Ortsplanungsrevision auf einer einzelnen Strecke eine Geschwindigkeitsreduktion 

einführen wolle. Jedoch sollte gerade innerhalb dieses Prozesses eine mögliche 

Geschwindigkeitsreduktion aus Lärmschutzgründen auf der B.________strasse und 

möglicherweise auf weiteren lärmbelasteten Strassenabschnitten der Stadt Thun näher 

geprüft werden. Bauliche Massnahmen seien nicht unbedingt nötig, um eine 

lärmreduzierende Wirkung zu erzielen.

Die Fachstelle kommt zum Schluss, für eine Erleichterung müssten auch quellenseitige 

Massnahmen fundiert und situationsbezogen geprüft und negativ beurteilt worden sein. Die 

Stadt Thun klammere in ihrer Begründung für die Erleichterung zur 

B.________strasse G.________ quellenseitige Massnahmen aus, was nicht korrekt sei.

c) Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat in einem neueren Urteil u.a. gestützt 

auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung festgehalten, dass in Betracht kommende 

Sanierungsmassnahmen und ihre Auswirkungen hinreichend geprüft werden müssen und 

nur solche Varianten bereits aufgrund einer summarischen Prüfung aus dem 

Auswahlverfahren ausgeschieden werden dürfen, die erhebliche Nachteile aufweisen oder 

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offensichtlich unverhältnismässig erscheinen.19 Weder dem vorliegenden 

Lärmsanierungsprojekt noch der angefochtenen Verfügung lässt sich eine vertiefte Prüfung 

möglicher lärmmindernder Massnahmen an der Quelle entnehmen. Aus dem 

Lärmsanierungsprojekt geht lediglich hervor, dass eine Reduktion der Geschwindigkeit 

sowie verkehrslenkende Massnahmen seien geprüft worden, aufgrund der Funktionalität 

des betroffenen Abschnitts im übergeordneten Strassennetz seien solche Massnahmen 

aber nicht zweckmässig und auch nicht möglich. Weiter würden Beläge zudem als 

akustisch neutral gelten. Daher seien keine Massnahmen geplant.20 Die Erläuterungen zu 

den quellenseitigen Massnahmen sind somit knapp ausgefallen und lassen keine 

abschliessende Beurteilung der Frage zu, ob zu Recht auf solche Massnahmen verzichtet 

wurde. Derart erhebliche Nachteile oder offensichtlich unverhältnismässige Umstände, 

aufgrund welcher quellenseitige Massnahmen bereits aufgrund einer summarischen 

Prüfung ausgeschieden werden könnten, sind nicht ersichtlich und werden auch nicht 

geltend gemacht. Lärmarme Beläge dürfen als emissionsbegrenzende Massnahme damit 

nicht ohne nähere Prüfung der konkreten Situation verworfen werden.21 Beläge gelten als 

lärmarm, wenn sie eine Anfangslärmminderung von mindestens -3 dB(A) gegenüber dem 

Modell aufweisen. Ihre akustische Lebensdauer ist erreicht, sobald ihre Lärmminderung 

weniger als -1 dB(A) beträgt.22 Das BAFU und das ASTRA initiierten ein Forschungspaket 

zum Thema «Lärmarme Strassenbeläge innerorts» und führten ein Langzeitmonitoring 

durch. Auch der Kanton führte Untersuchungen auf Teststrecken durch. Die Fachstelle 

führt aus, gemäss diesen Untersuchungen könne die Lärmbelastung mit lärmarmen 

Belägen über mehrere Jahre stark reduziert werden. Inwiefern die Vorinstanz diese 

Erkenntnisse berücksichtigt hat, geht aus den Akten nicht hervor. Ebensowenig ist 

ersichtlich, ob die Vorinstanz den konkreten Nutzen eines lärmarmen Belags auf der 

B.________strasse und die entsprechenden Kosten abgeklärt hat. 

Auch betreffend die verkehrslenkenden Massnahmen oder die Geschwindigkeitsreduktion 

lassen sich den Unterlagen keine Hinweise entnehmen, in welcher Art und in welchem 

Umfang die Vorinstanz die Auswirkungen solcher Massnahmen prüfte. Im 

Beschwerdeverfahren verwies die Vorinstanz lediglich auf das Gesamtverkehrskonzept, in 

19 VGE 2014/208 vom 23. Mai 2016, vgl. insbes. E. 2.3, m.w.H.
20 Ziff. 6.2 und 6.4 Lärmsanierungsprojekt 
21 Vgl. VGE 2014/208 vom 23. Mai 2016 E. 5
22 BAFU/ASTRA (Hrsg.), Lärmarme Strassenbeläge innerorts Statusbericht 2003, Ziff. 2.2.1.2, einsehbar unter: 
<http://www.astra2.admin.ch/media/pdfpub/2004-05-13_2325_d.pdf>

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welchem die B.________strasse als Quartierstrasse mit Verbindungsfunktion qualifiziert 

worden sei. Gemäss Beilage 6 zur Stellungnahme der Vorinstanz vom 20. Dezember 2017 

(«Netzkonzept motorisierter Individualverkehr») wird davon ausgegangen, dass auf 

solchen Strassen innerorts 25-30 km/h und ausserorts sowie in Ausnahmefällen 50 km/h 

gefahren wird. Der massgebliche Abschnitt der B.________strasse zwischen der 

D.________strasse und der E.________strasse verläuft ausschliesslich innerorts. Gemäss 

Beilage 5 zur Stellungnahme der Vorinstanz vom 20. Dezember 2017 wurden zwischen 

dem 19. August 2015 und dem 25. August 2015 Geschwindigkeitsmessungen auf der 

B.________strasse durchgeführt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug in dieser 

Zeit 35 km/h (Richtung F.________) bzw. 36 km/h (Richtung E.________strasse). Weshalb 

eine Geschwindigkeitsreduktion auf 30 km/h nicht möglich sein soll, kann und aufgrund der 

fehlenden Angaben im LSP weder nachvollzogen noch überprüft werden. Die Fachstelle 

hält jedenfalls zu Recht fest, dass eine Qualifikation der B.________strasse als 

Quartierstrasse mit Verbindungsfunktion einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h nicht 

entgegensteht.23 Zwar wäre es mit planerischem Mehraufwand verbunden, für den 

betroffenen Strassenabschnitt eine allfällige Sonderregelung auszuarbeiten, noch bevor die 

Ortsplanungsrevision mit dem Gesamtverkehrskonzept umgesetzt werden kann. Dies hat 

aber keinen Einfluss auf die Frage, ob eine Geschwindigkeitsreduktion als 

Lärmschutzmassnahme vorliegend in Frage kommt. 

d) Zur Beurteilung, ob Massnahmen an der Quelle möglich sind, braucht es weitere 

Abklärungen.

Betreffend die lärmarmen Beläge hat die Vorinstanz zu ermitteln, ob die notwendige 

Wirkung erreicht werden kann (vgl. E. 4.c). Sie hat dabei die neusten Entwicklungen in 

diesem Bereich zu berücksichtigen und u.a. die Erkenntnisse aus dem Schlussbericht zum 

nationalen Projekt «Lärmarme Strassenbeläge innerorts» zu beachten.24 Kann eine 

lärmreduzierende Wirkung erreicht werden, ist in einem zweiten Schritt die 

Verhältnismässigkeit der Massnahme zu prüfen. Hier ist u.a. von Bedeutung, wie viele 

Personen von einem lärmarmen Belag profitieren. Die Vorinstanz hat auch abzuklären, 

wann der aktuelle Belag ordentlich ersetzt werden würde. Kann aufgrund eines lärmarmen 

Belags auf andere Massnahmen wie z.B. Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster 

23 Vgl. auch VGE 2014/208 vom 23. Mai 2016 E. 4.4
24 Einsehbar unter: <https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/laerm/fachinformationen/massnahmen-
gegen-laerm/massnahmen-gegen-strassenlaerm/laermarme-strassenbelaege.html>

RA Nr. 190/2017/2 10

verzichtet werden, sind damit allfällig verbundene Einsparungen in der 

Verhältnismässigkeitsprüfung mit zu berücksichtigen.

Betreffend die Geschwindigkeitsreduktion hat sich die Vorinstanz für das weitere Vorgehen 

an der Arbeitshilfe «Abweichende Höchstgeschwindigkeiten» des Tiefbauamts des 

Kantons Bern vom 15. September 201725 inklusive den darin enthaltenen Verweisen auf 

weitere Informationsschreiben zu orientieren. Allgemein hat die Vorinstanz sowohl bei 

Geschwindigkeitsreduktionen als auch anderen verkehrslenkenden Massnahmen zunächst 

die Wirkungen der Massnahmen zu ermitteln. Für die Temporeduktion auf 30 km/h kann 

sie den vom ASTRA in Auftrag gegebenen Forschungsbericht «Grundlagen zur Beurteilung 

der Lärmwirkung von Tempo 30» vom Februar 201726 heranziehen. In der anschliessenden 

Verhältnismässigkeitsprüfung ist u.a. von Bedeutung, wie viele Personen von der geprüften 

Lärmschutzmassnahme profitieren würden und ob zusätzliche bauliche Massnahmen 

notwendig sind. Sollten sich mit den quellenseitigen Massnahmen weitere 

Lärmschutzmassnahmen erübrigen, sind damit allfällig eingesparte Kosten ebenfalls zu 

berücksichtigen.

e) Die Streitsache erweist sich wegen der unvollständigen Sachverhaltsabklärung im 

vorinstanzlichen Verfahren als nicht entscheidreif. Es ist nicht Aufgabe der BVE als 

Beschwerdeinstanz, als erste Instanz abzuklären, ob eine Massnahme an der Quelle 

realisiert werden kann.27 Die angefochtene Verfügung wird daher aufgehoben. Die Sache 

wird zur vollständigen Abklärung und Prüfung an die Stadt Thun zurückgewiesen (Art. 72 

Abs. 1 VRPG28). Der Beschwerdeführerin wird vor Erlass der neuen Verfügung das 

rechtliche Gehör einzuräumen sein.

5. Kosten

25 Einsehbar unter:

<http://www.bve.be.ch/bve/de/index/strassen/strassen/signalisation_markierung/signalisation/vorschriftssignale.
assetref/dam/documents/BVE/TBA/de/TBA_ST_SR_AH_Abweichende_Hoechstgeschwindigkeiten.pdf>
26 Einsehbar unter:

<http://www.cerclebruit.ch/studies/vreduktion/0708_1_1_VSS_2012_214_Beurt_Laermwirkung_T30.pdf>
27 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 3
28 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)

RA Nr. 190/2017/2 11

a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben 

(Art. 108 Abs. 1 und 2 VRPG).

b) Die Beschwerdeführerin ist nicht durch einen berufsmässigen Parteivertreter 

vertreten (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Das Verfahren war nicht aufwändig (Art. 104 Abs. 2 

VRPG). Es sind ihr daher weder Parteikosten noch eine Parteientschädigung oder 

Auslagenersatz zuzuerkennen.

RA Nr. 190/2017/2 12

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung der Stadt Thun vom 27. Oktober 

2017 betreffend Lärmsanierung der Liegenschaft B.________strasse G.________ 

wird aufgehoben und die Sache wird zur Behandlung im Sinne der Erwägungen an 

die Vorinstanz zurückgewiesen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

IV. Eröffnung

- A.________, eingeschrieben

- Einwohnergemeinde Thun, Tiefbauamt, eingeschrieben

- Tiefbauamt des Kantons Bern (TBA), Fachstelle Lärmschutz, im Haus

- Oberingenieurkreis I (TBA OIK I), Schlossberg 20, Postfach, 3601 Thun, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

Barbara Egger-Jenzer

Regierungsrätin