# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 94c0b3e4-30ba-5fa6-9b66-c1347c324894
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-08-09
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung. RAD hätte den Sachverständigen präzisere Rückfragen zum Gutachten stellen müssen, um die festgestellten Widersprüche zu klären.
**Docket/Reference:** IV.2023.00435
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00435.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00435
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
9. August 2024
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
schadenanwaelte
AG
Industriestrasse 13c, 6300 Zug
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 197
8
(
Urk.
7/3/2)
, absolvierte
von 2000 bis 2007 ein Psychologiestudium an der Universität
Y.___
(
Urk.
6/3/6,
Urk.
6/27/17
-18
)
. Von 201
2
bis 2014 bildete sie sich an der
Z.___
zur Sozial
ver
sicherungsfachfrau mit eidgenös
sischem Fachausweis weiter (
Urk.
6/3/6
, Urk.
6/27/14
).
Sie arbeitete seit dem
1.
August 2013 in einem 80%-Pensum als Eingliederungsberaterin
(
Urk.
6/13/1-2)
.
In der Folge meldete sie sich unter Hinweis auf eine
seit dem 18.
September 2017
b
estehende Arbeitsunfähigkeit auf
grund einer psychischen Er
kran
kung (Urk.
6/3/7)
bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/3)
. Die IV-Anmeldung ging
beim Sozialver
siche
rungszentrum Thurgau, IV-Stelle,
a
m 22.
Dezember 2017
ein (Urk.
6/5/1).
Die IV-Stelle Thurgau
wies das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
20.
Mai 2019
ab.
Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass
die
Versicherte
der ihr
am 11.
Dezember 2018
(vgl.
Urk.
6/9
5
)
auferlegten
Mitwirkungs- und Schaden
minderungspflicht in der Form einer
mindestens dreimonatigen Abstinenz von Alkohol und Cannabis trotz Hinweises auf die Folgen der Nichtmitwirkung nicht habe zustim
men wollen
. Alsdann habe
die Versicherte
mitgeteilt, dass sie ab Februar 2019 wieder einer Erwerbstätigkeit nachgehen werde und ihr Gesuch um Leistungen daher zurückziehen möchte. Dem seien jedoch schutzwürdige Interes
sen Dritter entgegen
ge
standen
(
Urk.
6/172
). Die Verfügung
vom 20.
Mai 2019
blieb unangefochten.
1.2
X.___
meldete sich am
1
2
.
Oktober 2020 (Eingangsdatum) erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/176
). Im Anmeldefor
mular gab sie an, dass sie seit Juni 2020 an einer gesundheitlichen Beeinträchti
gung (u.
a. schwere, akut verlaufende endokrine
Orbitopathie
, Morbus Basedow) leide (
Urk.
6/176/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte Abklärungen in medizinischer und beruflich-erwerblicher Hinsicht.
Si
e
erhielt
namentlich den
B
ericht
zur
neuroangiologi
schen
Sprechstunde vom 2
6.
Oktober 2020 in
der
Klinik für
Neurologie des Uni
versitätsspitals
A.___
(
Urk.
6/198).
Die IV-Stelle
zog ferner die Akten der AXA Ver
sicherungen AG
(nachfolgend: AXA)
, welche als Krankentaggeldver
sicherung Leistungen erbrachte
(
Urk.
6/203/31)
, bei (
Urk.
6/202). Alsdann
erweiterte
sie
ihr Dossier um de
n
Arztbericht
der Augenklinik des
A.___
vom
5.
Januar 2021
(
Urk.
6/204
)
und
de
n
am
7.
Januar 2021
ausgefül
l
ten
Arbeit
geberfragebogen (
Urk.
6/
206
).
In der Folge gewährte die IV-Stelle am 1
1.
März 2021 Frühinterven
tions
massnahmen in Form einer beglei
tenden Beratung im Hinblick auf die Erhaltung des Arbeits
platzes der Ver
sicherten (
Urk.
6/210). Im weiteren Verlauf schloss die Versicherte
mit ihrer bishe
rigen Arbeitgeberin
den ab
1.
Juni 2021 gültigen Arbeitsvertrag bezüglich einer Tätigkeit als Eingliede
rungsberaterin m
it einem
50%-Pensum ab (
Urk.
6/217). Daraufhin übernahm die IV-Stelle die Kosten für einen persönlichen Support am Arbeits
platz in der Zeitperiode vom
1.
Juni bis 3
0.
November 2021 (Mitteilung vom 1
5.
Juni 2021,
Urk.
6/222
) und sie rich
tete der Versicherten in dieser Zeit ein Taggeld aus (Verfügung vom 2
9.
Juni 2021,
Urk.
6/23
3
).
Der IV-Stelle ging sodann die Akten
beurteilung des beraten
den Arztes der AXA vom 2
3.
Januar 2021 (samt diversen Berichten der behan
delnden Ärztinnen und Ärzten) zu (
Urk.
6/239).
Am
9.
No
vember 2021 teilte die IV-Stelle der Versicher
ten mit, dass der Arbeits
platzerhalt erfolgreich gewesen sei, weshalb sie die Eingliederungsmassnahme und das Taggeld per 3
0.
November 2021 einstellen werde (
Urk.
6/240). Hernach holte die IV-Stelle den Arztbericht des behandelnden Psychiaters,
Dr.
med.
B.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
6.
November 2021 (
Urk.
6/242) ein. Sie nah
m überdies den Bericht zur orthoptischen Sprechstunde vom 2
6.
Oktober 2021 im Inter
disziplinären Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen des
A.___
(
Urk.
6/244) zu den Akten. Am 2
9.
Juni 2022 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass sie zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfas
sende medizinische Unter
suchung (Allgemeine Innere Medizin, Endo
krinologie, Ophthalmologie und Psychiatrie) als notwendig erachte (
Urk.
6/246).
Die Unter
suchungen fanden zwischen dem
3.
und
9.
Januar 2023 im
C.___
statt (
Urk.
6/263/5). Das
C.___
erstattete sein Gutachten am 2
3.
März 2023 (
Urk.
6/263).
Mit Schreiben vom 2
0.
April 2023 unterbreitete die IV-Stelle den
C.___
-
Sachverständigen
die Frage
des für
ihren
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) tätigen
dipl.
med.
D.___
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie
, bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer Verweisungstätigkeit
(
Urk.
6/269,
Urk.
6/265).
Nach Eingang der Rück
meldung des
C.___
vom
2
7.
April 2023 (
Urk.
6/266)
hielt
RAD-
Arzt
D.___
am
5.
Mai 2023 fest, dass das
C.___
-Gutachten zwar die formalen Qualitätskriterien erfülle sowie nachvollziehbar und in seinen medizi
nischen Schlussfolgerungen plausibel sei. Jedoch sei die Rückfrage zur Ver
w
ei
sungs
tätigkeit nicht adäquat beantwortet worden. Er stelle für seine versiche
rungs
medizinische Beurteilung daher auf die Einzelgutachten ab (
Urk.
6/269/3
). Dabei gelangte
er
zum Schluss, dass die Ver
sicherte seit August 2020 in der bisherigen Tätigkeit als Eingliede
rungs
beraterin zu 40
%
arbeitsun
fähig und in eine Verweisungstätigkeit zu 20
%
arbeitsun
fähig sei (
Urk.
6/269/4).
D
ie IV-Stelle
qualifizierte die Versicherte
sodann
als zu 80
%
im Erwerbs
bereich und zu 20
%
im Haushaltsbereich tätig. Mittels der soge
nannten gemischten Methode
ermittelte sie einen Gesamt
invaliditätsgrad von
gerundet
30
%
(
Urk.
6/269/5).
Mit Vorbescheid vom 2
3.
Mai 2023 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten
sodann
die Abweisung ihres Leistungsbegehrens an (
Urk.
6/270).
Dagegen erhob die Ver
sicherte am 2
2.
Juni 2023 Einwand (
Urk.
6/277). Nach der Prüfung des Einwandes (vgl.
Urk.
6/280
)
hielt
die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2023
fest, dass die Versicherte als zu 100%-Erwerbstätige zu qualifi
zieren sei.
Allerdings resultiere b
eim Einkom
mens
ver
gleich ein rentenaus
schlies
sender Invaliditätsgrad von 38
%
. Mit dieser Begrün
dung wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
der Versicherten
ab
(Urk. 2
S. 3
).
2.
2.1
Dagegen erhob
X.___
am
4
.
September
2023 Beschwerde
.
Sie
beantragte (Urk. 1 S. 2)
:
«
1.
Es sei die Verfügung vom 30.6.2023 aufzuheben.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente nach Gesetz zu gewähren.
3.
Eventualiter sei die Beschwerdeführerin durch das Gericht medizinisch begutachten zu lassen.
4.
Sub eventualiter sei die Sache zwecks Neubegutachtung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Lasten der Beschwerdegegnerin.»
2.2
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0
.
Okto
-
ber
2024
Abweisung
der Beschwerde (Urk.
5
, unter Beilage der IV-Akten, Urk.
6
/1-
283
)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2023 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
2.3
Die Beschwerdeführerin reichte am 2
2.
Dezember 2023 eine Stellungnahme ein (
Urk.
9). Die Beschwerdegegnerin erhielt eine Kopie dieser Eingabe (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtenen Verfügungen vom
3
0.
Juni
2023 im Wesentlichen damit, dass
der RAD bei der versicherungsmedi
zinischen Beurteilung auf die Einzelgutachten zum
C.___
-Gutachten vom 23. März 2023 abgestellt habe. Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführerin für die bisherige Tätigkeit als Eingliederungsberaterin eine Arbeitsfähigkeit von 70
% und in einer Verweisungstätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
% attestiert worden.
Gemäss der Beurteilung der
ophthalmologischen Gutachterin sei
die Beschwerdeführerin
in der bisherigen Tätigkeit mit sehr viel Bildschirmarbeit zu 60
%
arbeitsfähig.
Bezüglich einer angepassten Tätigkeit ohne oder mit nur geringen Anforderungen an die Sehfähigkeit sei sie von einer vollen Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin aus
gegangen (
Urk.
2 S.
2). Aus den medizinischen Akten gehe demnach hervor, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 60
%
arbeits
fähig sei. Eine Verweisungstätigkeit sei ihr zu 80
%
zumutbar (Urk.
2 S.
1).
Beim
Einkom
mensvergleich
habe sich ein rentenausschliessender Invalidi
tätsgrad von 38
%
ergeben (Urk.
2 S.
2).
1.
2
Dem hält
die
Beschwerdeführer
in
insbesondere
entgegen, dass
ihre Arbeits
fähig
keit im Wesentlichen durch eine erhebliche Sehstörung bei endokriner
Orbi
to
pathie
beeinträchtigt sei. Als
Komorbitäten
seien daneben eine (gemäss gutach
terlicher Beurteilung remittierte) depressive Störung und eine Abhängigkeit von Cannabinoiden vorhanden (
Urk.
1 S. 5). Der RAD sei in unzulässiger Weise vom
C.___
-Gutachten vom 2
3.
März 2023 abgewichen (Urk.
1 S.
8).
Dies könne nicht mit
einer
angeblich inadäquaten Beantwortung der Rückfrage zur Verweisungs
tätigkeit begründet werden.
Er hätte sich
mit
einer
präziseren Frage an die
C.___
-
Sachverständigen
wenden müssen (Urk.
1 S.
8).
Dass
die
se
die knapp formulierte Frage des RAD
nicht hätten
beantworten
können,
gebe dem RAD nicht das Recht, seine eigene Beurteilung an die Stelle derjenigen der Gutachter zu stellen (Urk.
1 S.
7-
9
).
Die
C.___
-Gutachter hätten in ihrer inter
dis
ziplinären Beurteilung, wo
auch
allfällige Wechselwirkungen zwischen den
in den
Ein
zelgutachten
festgestellten Erkrankungen mitberücksichtig
worden seien
, festgehalten, dass
die Beschwerde
führerin
nur noch zu maximal 60
% arbeitsfähig sei und auch in einer Verwei
sungstätigkeit
keine höhere Arbeits
-
fähigkeit zu erwarten sei (Urk.
1 S.
8).
Hin
sichtlich der erwerblichen Auswirkungen sei zu beachten, dass s
ie
ihre Tätigkeit als Eingliederungsberaterin
«mit erheblichen Anpassungen»
weiterhin
aus
üben
un
d
so ein Einkommen in der Höhe von Fr.
50'700.--
erzielen
könne
.
Wenn das
Invalideneinkommen in dieser
Höhe
in den ansonsten unveränderten Einkom
mensvergleich der Beschwerde
-
gegnerin eingesetzt werde, resultierte
ein
Invali
di
tätsgrad von 50
%
. Sie habe somit mindestens Anspruch auf eine halbe Invali
denrente
(Urk.
1 S.
10).
Wenn
aber
bei der Ermittlung des Invalidenein
kom
mens auf loh
nstatische Werte abgestellt werde, so sei
z
u berücksichtigen, dass der Bundesrat mit der Änderung von
Art.
26
bis
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
per
1.
Januar 2024 einen Pauschalabzug von 10
% beim nach statistischen Werten bestimmten Invalideneinkommen einführen
werde
(Urk.
9)
.
2.
2.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der IVV in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Rentenanspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der am 2
1.
Oktober 2020
Urk.
6/192/1) anhängig gemachten Anmeldung bei der Invalidenversicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
1.
April 2021
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG).
In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massgebend, die im Folgenden
—
soweit nichts anderes vermerkt ist
—
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und ange
wendet wird.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
—
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
—
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.3.3
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine
Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
2.
3.4
Mit BGE 145 V 215 hat das Bundesgericht vor dem Hintergrund der Recht
sprechung zur Ausdehnung des strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 auf sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 409 und 418) und nach vertiefter Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Medizin die bisherige Rechtsprechung, wonach primäre Abhän
gigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsumstörungen zum vornherein keine invali
denversicherungs
recht
lich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen (BGE 124 V 264 E.
3c; BGE 99 V 28 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 8C_608/2018 vom 1
1.
Februar 2019 E. 3.2.1 und 9C_620/2017
vom 1
0.
April 2018 E. 2.2), fallen gelassen. Es hat entschieden, dass fortan — gleich wie bei allen anderen psychischen Erkran
kungen — nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln sei, ob und gegebe
nenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhän
gigkeits
syndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirke. Dabei könne und müsse im Rahmen des strukturierten Beweis
verfahrens ins
besondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem komme nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen
—
wie auch bei anderen psychischen Störungen
—
oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliege. Letztere seien auch bei Abhängigkeits
erkran
kungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen würden. Weiter wurde im Urteil festgehalten, dass auch bei Vorliegen eines Abhängigkeitssyndroms die Schadenminderungspflicht (
Art.
7 IVG) zur Anwendung komme, so dass von der versicherten Person etwa die aktive Teil
nahme an zumutbaren medizinischen Behandlungen verlangt werden könne (
Art.
7
Abs.
2
lit
. d IVG). Komme sie den ihr auferlegten Schaden
minderungs
pflichten nicht nach, sondern erhalte sie willentlich den krankhaften Zustand aufrecht, sei nach
Art.
7b
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
4 ATSG eine
Verweigerung oder Kürzung der Leistungen möglich. Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_259/2019 vom 1
4.
Oktober 2019 E. 5.1 mit Hinweis; BGE 147 V 234 E. 2.2).
2.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IV
G
).
2.
5
2.
5
.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1
).
Bei einer Neuanmeldung der versicherten Person bei der IV-Stelle sind die Revisionsregeln demnach analog anwendbar (BGE 141 V 585 E. 5.3 in
fine
, 133 V 108 E. 5.2, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_317/2022 vom 7. September 2022 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.5.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
2.
6
2
.
6
.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
2.
6
.2
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sog. Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3
m.w.H
.).
2.
6
.3
Gemäss Art. 54a IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) den
IV-Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Art. 54a Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für angepasste Tätig
keiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psychischen und geistigen
Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und zu begründen (Abs. 1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
2.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
-
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
—
anschliessend reformato
risch entscheidenden
—
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4
m.w.H
.; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
3.
3.1
Unbestritten ist, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht seit der leistungsverweigernden Verfügung der IV-Stelle Thurgau vom 20. Mai 2019
erheblich verschlechtert hat und ein Revisionsgrund vorliegt.
3.2
Der beratende Arzt der AXA,
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH Innere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation, hielt in seiner Akten
beur
tei
lung vom 2
3.
Januar 2021 unter anderem fest, dass bei der Beschwerde
führerin zusammenfassend ein Morbus Basedow mit ausgeprägter endokriner
Orbito
pathie
, vor allem am rechten Auge vorliege. Während die Überfunktion der
Schilddrüse mittlerweile unter medikamentöser Behandlung mit
Neo
Mercazole
habe korrigiert werden können, bestehe die endokrine
Orbitopa
th
ie
weiter. Dabei sei vorwiegend das rechte Auge befallen, geringer auch das linke. Die subjektiv
geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin seien aufgrund der Diagnose und der Untersuchungsbefunde plausibel und die attestierte Arbeitsunfähigkeit (aktuell 75
%
) nachvollziehbar (
Urk.
6/239/17). Bei der endokrinen
Orbitophathie
handle es sich um eine Autoimmunerkrankung der Augenhöhle, welche oft im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenerkrankung auf
trete
, und zu einem Anschwellen der Gewebe in der Augenhöhle führe. Dadurch werde unter anderem das Auge nach vorne gedrückt. Die Erkrankung klinge an sich nach einer zu Beginn akut-entzündlichen Phase innerhalb von 1.5 bis 3 Jahren ab
. Es könnten aber je nach anfänglicher Ausprägung und Ansprechen im Verlauf der Behand
lung chronische Langzeitfolgen an den betroffenen Augen auftreten. Das Rauchen stelle einen wesentliche
n
Risikofaktor dar. Dies gelte sowohl für das Auslösen der Erkrankung als auch für den chronifizierten Verlauf mit schlech
te
rem Ausgang. Bei der Beschwerdeführerin liege eine schwere Verlaufsform der endokrinen
Orbitopathie
vor. Sie könne leider nicht auf das Rauchen verzichten. Es sei deshalb von einem längeren Verlauf und auch einem schlechteren Ausgang mit chronischen Beschwerden auszugehen. Die vorbestehenden bekannten psychischen
Probleme
und Abhängigkeitsproblematiken könnten zum
vermin
-
derten
Einhalten der ärztlichen Ratschläge beitragen. Die Prognose der Arbeits
-
fähigkeit sei eher reserviert zu stellen. Es sei noch länger nicht (eventuell sogar gar nicht mehr) mit dem Wiedererreichen des bisherigen 80%-Pensums zu rechnen (Urk. 6/239/18).
3.3
3.3.1
A
m
C.___
-Gutachten vom 23. März 2023 (Urk. 6/263)
waren
Dr.
med.
F.___
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
G.___
, FMH Opht
h
almologie,
Dr.
med.
H.___
, FMH Endokrinologie, sowie
I.___
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, beteiligt (
Urk.
6/263/5). Sie stellten die folgenden Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/263/9)
:
-
Sehbeeinträchtigung bei endokriner
Orbitopathie
(ICD-10: H54.9; E05.0)
-
Exophtalmus
[rechtes Auge] (ICD-10: H05.2)
-
ausgeprägte Benetzungsstörung (ICD-10: H16.2)
-
Diplopie als Folge einer Motilitätseinschränkung [rechtes Auge]
(ICD-10: H53.2; H50.6)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
-
Abhängigkeit von Cannabinoiden (ICD-10: F12.2)
Zudem führten die
C.___
-Gutachterinnen und
-
Gutachter die folgenden (Haupt-)
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an (
Urk.
6/263/9-10):
-
Morbus Basedow (ICD-10
: E05.0)
, Erstdiagnose (ED): Juli
2020
-
Fehlsichtigkeit [Hyperopie, Astigmatismus] (ICD-10: H52.1; H52.2)
-
Presbyopie (ICD-10: H52.4)
-
Anamnestisch Asthma bronchiale (ICD-10: J45.9)
-
Anamnestisch
Pollinosis
(ICD-10:
J30.1)
-
Status nach Verdacht auf subakute lakunäre Ischämie im Centrum semio
vale rechts (ICD-10: I67.8), August 2020
Gemäss der interdisziplinären Konsensbeurteilung schränkt aus ophthalmolo
gischer Sicht die Sehbeeinträchtigung bei endokriner
Orbitopathie
die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin ein. In der angestammten Tätigkeit könne deshalb eine um 40 % verminderte Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Dies gelte allgemein für Tätigkeiten mit durchschnittlichen Anforderungen an die Sehfähi
gkeit bzw. für solche, bei denen ein gerader Blick möglich sei, womit Doppelbilder vermindert werden könnten. Tätigkeiten ohne oder mit nur geringen Anforde
rungen
(sogenannte «Blindentätigkeiten») seien «interdisziplinär nicht zumutbar».
Aus psychiatrischer Sicht würden die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, und die Abhängigkeit von
Cannabidoiden
die Arbeits
fähigkeit beeinflussen.
In der angestammten Tätigkeit könne aus psychiatrischer Sicht eine um 30 % verminderte Leistungsfähigkeit festgestellt werden. In einer besser angepassten Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine um 20 % verminderte Leistungsfähigkeit (Urk. 6/263/9). Die Einschränkungen aus psychi
atrischer und ophthalmologischer Sicht würden sich nicht addieren
, sondern ergänzen. Es könnten die gleichen Zeitabschnitte zum Einlegen der
vermehrten Pausen verwendet werden (Urk. 6/263/10).
In der bisherigen Tätigkeit (als Eingliede
rungs
beraterin) bestehe eine erheblich reduzierte Leistungsfähigkeit bei erhöhtem Pausenbedarf und reduziertem Rendement, was vor allem durch Stundenreduk
tion abgebildet sei (
Urk.
6/263/11). Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit seit August 2020 zu 60
%
arbeitsfähig (
Urk.
6/263/11). In einer Ver
weisungstätigkeit
sei keine höhere Arbeitsfähigkeit als in der angestammten Tätigkeit zu erwarten
aufgrund der
ophthalmologische
n Vorgaben, die die
Beschwerdeführerin
dabei erfüllen könne
,
dass sie
die Arbeit mit gerader Blickrichtung
zur Vermeidung von Doppelbildern
ausführen
und
genügend Pausen machen könne (
Urk.
6/263/11).
3.3.2
Im psychiatrischen Teilgutachten wird zur
Herleitung der Diagnos
en festgehalten,
in der aktuellen Untersuchung
hätten sich
keine Hinweise auf eine depressive Symptomatik
gefunden;
die Stimmungslage
sei
ausgeglichen
gewesen
bei einem allenfalls leicht reduzierten Antrieb. Aktenanamnestisch
lasse
sich entnehmen, dass in der Vergangenheit mehrfach depressive Episoden vor allem im Gefolge von Überforderungserleben diagnostiziert
worden seien
, welche das Ausmass einer Anpassungsstörung auch mit einer längeren depressiven Reaktion über
schritten. Es
sei
somit zunächst von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
,
auszugehen. Bezüglich der aktenanamnes
tisch mehrfach erwähnten Persönlichkeitsstörung
hätten
sich hierfür keine Anhaltspunkte
gefunden
. Es f
ä
nden sich keine seit der Kindheit oder Jugend bestehende dysfunktionale Verhaltens- und
Wahrnehmensmuster
, nicht episodenhaft, sondern durchgehend vorhanden und sich in verschiedenen Lebens
bereichen manifestierend. Insbesondere
werde
eine selbstunsichere Persönlich
keitsstruktur erwähnt. Die Explorandin
habe
jedoch langjährig in anspruchs
vollen Tätigkeiten mit anderen Menschen in Pensa bis zu 100
%
gearbeitet
, sodass für diese Zeiten nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen
sei
. W
enn eine die Arbeitsfähigkeit
beeinträch
-
tigende
Persönlichkeitsstörung in einer schwergradigen Ausprägung vorhanden wäre,
wären
entsprechende berufliche Tätigkeiten nicht möglich gewesen. Bezüglich des fortgeführten Cannabiskonsums besteh
e
eine Unfähigkeit zur Abstinenz mit einer erheblichen Toleranzentwicklung
;
es sei auf den Umstand hinzuweisen, dass die Explorandin bereits am Tag der Untersuchung einen Joint konsumiert ha
b
e. In Anbetracht der langjährigen Konsumproblematik
sei
von einer Abhängigkeit von Cannabinoiden (ICD-10 F12.2) auszugehen. Weitere Störungsbi
l
der aus dem Spektrum der psychischen Erkrankungen
seien
nicht zu diagnostizieren
(Urk. 6/263/37).
Durch die bisher durchgeführten Behandlungsmassnahmen insbesondere bezüg
lich der Cannabisabhängigkeit habe keine länger dauernde Abstinenz erreicht werden können. Derzeit finde keine fachpsychiatrische Behandlung statt, es sei aus diesem Grund auch nicht davon auszugehen, dass sich die von der Beschwerdeführerin beschriebenen psychischen Einschränkungen in absehbarer Zeit verbessern würden, wobei auch keine Motivation für eine länger dauernde Cannabisabstinenz
bei erheblichen Bagatellisierungstendenzen bestehe
(Urk. 6/263/38).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in der Lage, in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit bis zu acht Stunden am Tag an fünf Tagen in der Woche anwesend zu sein. Während dieser Anwesenheit bestehe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 30 %, welche im Umstand einer verminderten psychischen Gesamtbelastung (aufgrund der Gefahr des Abgleitens in eine manifeste depressive Symptomatik bei Überforderungserleben sowie aufgrund der schweren, seit 25 Jahren bestehenden Cannabisabhängigkeit) begründet sei (
Urk. 6/263/38 f.). In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Bei einer solchen Tätigkeit sollte die Beschwerdeführerin keine Aufgaben von allzu hoher Komplexität erledigen müssen; zu denken sei hier an
einfache Bürotätigkeiten. Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gelte seit mindestens Juni 2021 (Urk. 6/263/39).
Durch eine suchtspezifische Behandlung im stationären Rahmen könnte eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden, wobei zu bedenken sei, dass die Beschwerdeführerin zu einer derartigen Behandlungsmassnahme nicht ausreichend motiviert zu sein scheine (Urk. 6/263/40).
3.3.3
Dem ophthalmologischen Teilgutachten lässt sich entnehmen, dass es bei der Beschwerdeführerin im Rahmen der endokrinen
Orbitopathie
zu einer Sehbeein
trächtigung bei ausgeprägter Benetzungsstörung mit Defekten im Bereich der Epithelschicht und einer passageren Doppelbildwahrnehmung als Folge einer eingeschränkten
Bulbusmotilität
gekommen sei.
Mit adäquater Nahkorrektur und
Prismeneinsatz
bestehe binokulares Einfachsehen im Geradeausblick und die Beschwerdeführerin sei in der Lage, Schrift in Zeitungsdruckgrösse zu lesen. Wegen der passageren
Doppelbildwahrnehmung
—
vor allem auch bei Blick
-
wendung
—
sei sie nicht mehr geeignet, Auto zu fahren
oder Tätigkeiten mit erhöhtem Gefahrenpotential (z.B. Arbeiten auf Gerüsten) auszuüben.
Sonst bestehe ein intakter ophthalmologischer Befund mit guter Fern- und Nah
-
sehschärfe
und intaktem Gesichtsfeld. Falls Doppelbilder auch im Fernblick als zunehmen
d
störend empfunden würden,
sollte
die Beschwerdeführerin
auch eine Fernbrille mit
Prismenkorrektur
verwenden (Urk. 6/263/45-47).
Die Arbeitsfähigkeit werde durch den erhöhten Pausen- bzw. vermehrten Kompensationsbedarf aufgrund der vorliegenden Sehdefizite um 40 % einge
schränkt. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin fünf bis sechs Stunden pro Tag anwesend sein. Die
etwas eingeschränkte Leistungs
fähigkeit könne durch die Stundenreduktion kompensiert werden. Es bestehe eine 60%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit seit November 2020 (Urk. 6/263/47). In einer angepassten Tätigkeit, ohne oder mit nur geringen Anforderungen an die Sehfähigkeit, bestehe eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit seit Novem
ber 2020 (
Urk. 6/263/48).
3.
4
RAD-Arzt
dipl.
med.
D.___
führte
in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom
5.
Mai 2023
unter anderem aus, dass er
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
auf die Teilgutachten zum
C.___
-Gutachten
abgestellt habe
, da die Rückfrage an die Gutachtensstelle nicht adäquat beantwortet worden sei
(
Urk.
6/269/3). Es liege
ein Gesundheitsschaden vor, welcher sich länger
fristig auf die Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke. Im Vo
rdergrund stünden die augenärztlich beurteilten Leitungs
einschränkungen. Zusätzlich spiele die struk
turelle Störung auf Persönlichkeits
ebene eine Rolle. Die Beschwerdeführerin nutze ihre vorhandenen Ressourcen im
Rahmen der gegen
wärtigen Erwerbs
tätigkeit (
Urk.
6/269/5). In Bezug auf die bisherige Tätig
keit als Eingliederungs
beraterin würden die folgenden Einschrän
kungen gelten: Eingeschränkte
Augenbulbusbeweglichkeit
mit Doppelbildern bei Blickwendung, nur binokulares Einfachsehen
sowie
e
rhöhter Pausenbedarf.
Im Allgemeinen könne die Beschwerde
führerin aufgrund der ophthalmologischen Einschränkungen nicht mehr gefahrlos ein
Kraftfahrzeug
lenken. Ebenfalls nicht mehr geeignet seien Tätig
keiten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial (z. B. die Arbeit auf Gerüsten). RAD-Arzt
dipl.
med.
D.___
formulierte das folgende Belastungsprofil: Tätig
keiten ohne hohe Komplexität und ohne oder
mit
nur geringe
n
Anforderungen an die Sehfähigkeit
.
Er äusserte sich weiter dahin
gehend, dass die Beschwerdeführerin i
n der bisherigen Tätigkeit als Eingliede
rungsberaterin seit August 2020 zu 40
%
arbeitsunfähig
sei
.
In
e
iner
ange
passte
n
Tätigkeit gemäss Belastungsprofil sei
sie
zu 80
%
arbeitsfähig
(
Urk.
6/269/4).
4.
4.1
Nach Eingang des Gutachtens
ersuchte RAD-Arzt
dipl.
med.
D.___
die Beschwerdegegnerin,
beim
C.___
folgende Rückfrage zu stellen: «Bitte begründen Sie ihre Aussage, warum eine Verweistätigkeit interdisziplinär nicht zumutbar wäre. Die Angaben aus den Einzelgutachten dazu sind widersprüchlich und die interdisziplinäre Einschätzung dadurch nicht nachvollziehbar» (Urk. 6/269/3
; vgl. auch Urk. 6/265
).
Darauf antwortete das
C.___
am 27. April 2023, dass die Frage vermutlich nicht zum Gutachten betreffend die Beschwerdeführerin gehöre. Da die Frage allerdings nur knapp gefasst bis rudimentär formuliert sei, könne aus dem Kontext der Frage nicht eruiert werden, ob es sich tatsächlich um eine fehlerhafte Anfrage handle oder nicht. Effektiv hätten sie bei der Explorandin eine Arbeitsfähigkeit von 60 % als möglich angesehen
—
die gestellte Frage insinuiere eine von ihnen aufgehoben eingestufte Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/266). Spätestens nach Eingang dieser Rückmeldung hätte dem RAD-Arzt klar werden müssen, dass er präzisere Rückfragen hätte stellen und die
—
zweifellos bestehen
den Widersprüche
—
benennen müssen.
Präzise Rückfragen
wäre
n indes
nicht nur
bezogen auf
die
Aussage
im Gutachten, Tätigkeiten ohne oder mit nur geringen Anforderungen seien interdisziplinär «nicht zumutbar»
(Urk. 6/263/9), erforder
lich gewesen
, wobei die Sachverständigen
zur Frage nach der Arbeitsfähigkeit
in einer Verweistätigkeit
angegeben hatten, hier sei
keine höhere Arbeitsfähigkeit als in der angestammten Tätigkeit zu erwarten
(Urk. 6/263/11)
.
Anlass zu
Rück
fragen hätte
n
auch die Angaben im
ophthalmologischen Teilgutachten gegeben
,
wonach eine angepasste Tätigkeit keine
oder nur geringe Anforderungen an die Sehfähigkeit
stellen dürfte (Urk. 6/263/48). Soweit daraus
—
entsprechend der
interdisziplinären Beurteilung
—
zu schliessen wäre, dass lediglich «Blindentätig
keiten» uneingeschränkt möglich wären, lässt sich dies aufgrund der im Teilgut
achten dargelegten Befunde und der Beurteilung nicht nachvollziehen.
Mithin
ist das
Belastungs
profil
im
Gutachten nicht hinreichend bestimmt, weshalb der RAD hierzu eine Klärung hätte herbeiführen müssen.
Was
schliesslich
das psychiatrische Teilgutachten betrifft, ist
festzuhalten, dass der Gutachter seine Arbeitsunfähigkeitsschätzung
respektive die funktionellen Auswirkungen der diagnostizierten psychischen Störungen (rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, Abhängigkeit von
Cannabidoiden
)
nicht unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (
vgl.
E. 2.3
) hinreichend und nachvollziehbar begründet hat.
Daher wären zumindest auch Rückfragen an den psychiatrischen Gutachter erforderlich gewesen.
4.
2
Zusammenfassend erlauben die vorliegenden Akten keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
, weshalb die Beschwer
degegnerin
in Zusammenarbeit
mit dem RAD weitere medizinische Abklärungen
zu veranlassen
hat. Sollten diese Abklärungen zum Ergebnis führen, dass
das
Belastungsprofil
qualifizierte Tätigkeiten, wie sie
die Beschwerdeführerin
bisher ausübte, ausschliesst, kann beim Einkommensvergleich nicht
ohne
w
eiteres
auf das Kompetenzniveau 3
in der Tabelle TA1
der
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
abgestellt werden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_329/2021 vom 2
7.
Oktober
2021 E.
7.2
; zur Anwendung des Kompetenzniveaus 2
:
Urteile des Bundesgerichts 8C_630/2022 vom 3. Mai 2023 E. 6.1 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung, 8C_5/2020 vom 22. April 2020 E. 5.3.2).
Schliesslich
könnte
bei einem Invaliditätsgrad von 38 %
ein allfälliger Anspruch
auf Umschulung
nicht mit
Verweis auf den ausgegliche
nen Arbeitsmarkt und die gute Ausbildung
verneint werden
(vgl. Urk. 2 S. 3), sofern
die Beschwerdeführerin
ihre erworbenen Qualifikationen invaliditäts
bedingt nicht mehr oder nur noch
sehr b
eschränkt einsetzen kann (vgl.
Art. 17
Abs. 1 IVG; BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b).
Je nach Ergebnis der medizinischen Abklärungen wird die Beschwerdegegnerin daher auch berufliche Massnahmen zu prüfen haben.
4.3
D
ie Rechtsprechung
gemäss
BGE 137 V 210 steht
vorliegend
einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen
.
Wie sich bereits aus
der RAD-Beurteilung ergab,
weist
das
C.___
-Gutachten
Unklarheiten und Widersprüche auf, weshalb ohne Beantwortung der Rückfragen durch die Sachverständige
n
nicht darauf
abgestellt werden kann
.
Es obliegt
in erster Linie
der IV-Stelle
, von Amtes wegen die notwendigen Abklärungen vorzunehmen, um den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig festzustellen (
Art. 43 Abs. 1 ATSG;
Urteil
e
des Bundes
gerichts
8C_314/2023
vom 23. November 2023 E. 7.2,
9C_8/2022 vom 6.
März
2023 E. 5.3,
vgl.
auch
BGE 137 V 210
E. 2.2.2 und 4.2
).
Die
angefochtene Verfügung ist
daher
aufzuheben und die
Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
nach Vornahme
der erforderlichen
Abklärungen erneut über den Leistungsanspruch
der Beschwerdeführerin
entscheide
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
h
eissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
b
is
IVG) und ermessensweise auf Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Da die
Rückweisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2),
sind sie de
r
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Die vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (
§
34
Abs.
1
GSVGer
). Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Die der Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin auszurichtende Prozessentschädigung ist unter Berück
sich
tigung der genannten Kriterien ermessensweise auf Fr.
3'500.--
(inkl. Barauslagen und MWS
T
) festzusetzen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 30. Juni 2023 aufgehoben und die Sache
an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
neu entscheide
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der
Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, de
r
Beschwerdeführer
in
eine Parteient
schädigung von
Fr.
3'500.--
(inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher