# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e33e0ed6-1aa2-5378-a007-88b3333795ef
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.08.2017 D-416/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-416-2015_2017-08-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-416/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A u g u s t  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Gérard Scherrer, Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiberin Anna Wildt. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

zuvor Bundesamt für Migration – BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisung);  

Verfügung des BFM vom 18. Dezember 2014 / N (…). 

 

 

D-416/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – Staatsangehörige Afghanistans tadschikischer 

Ethnie – verliess eigenen Angaben zufolge Afghanistan am 2. März 2013 

und sei über Dubai, Österreich und Frankreich am 26. März 2013 in die 

Schweiz gelangt, wo sie am gleichen Tag ein Asylgesuch einreichte. Am 

17. April 2013 fand die Befragung zur Person (BzP) statt, am 21. Mai 2013 

wurde sie vertieft und am 5. Juni 2013 ergänzend zu ihren Asylgründen 

angehört.  

B.  

Zu ihrem persönlichen Hintergrund brachte sie vor, sie sei aus B._______, 

wo sie – nach einem Studium in C._______ – von 2008 bis 2010 für [Ar-

beitgeberin] tätig gewesen sei. Danach habe sie von Januar 2011 bis März 

2012 als [Beruf] für eine internationale Organisation ([…] in D._______ ge-

arbeitet. Im März 2012 sei sie nach B._______ versetzt worden, wo sie bis 

zu ihrer Ausreise in der [Abteilung] gearbeitet habe. Ihre Eltern und ihre 

Geschwister lebten in B._______. 

Zur Begründung ihres Gesuchs machte sie geltend, sie sei aufgrund von 

zwei Problemen ausgereist. Ein Grund liege darin, dass sie wegen ihres 

beruflichen Engagements im Bereich Frauenrechte immer wieder bedroht 

worden sei. Im Oktober 2011 und im Februar 2012 habe sie zwei Droh-

briefe erhalten. Daraufhin habe sie ihre Versetzung beantragt. Während 

eines Seminaraufenthalts ausserhalb der Stadt sei ihr von einem Kollegen 

mitgeteilt worden, ihre Nachbarin sei tot aufgefunden worden. Diese sei mit 

ihr verwechselt worden. Zudem sei es zu drei Anschlägen gekommen, die 

unter anderem auch ihrer Organisation gegolten hätten. Nach ihrer Verset-

zung in eine andere Stadt habe sie von weiteren Nachforschungen der Ta-

liban über ihre Aktivitäten erfahren und sich nicht mehr sicher gefühlt. Das 

zweite Problem sei aufgrund ihrer Ablehnung eines Heiratsantrags eines 

Kommandanten (eines ehemaligen Warlords) entstanden. Mehrere Män-

ner hätten deshalb einen ihrer Angehörigen in B._______ in ein Auto ge-

drängt und damit gedroht, sie zu entführen und zur Heirat zu zwingen. 

Nach erneuter Brautwerbung habe ihre Familie den Kommandanten unter 

Vorwänden hinhalten können, bis sie ihre Ausreise habe organisieren kön-

nen. 

D-416/2015 

Seite 3 

Zur Stützung ihrer Angaben reichte sie ihre Identitätskarte (Tazkara), zwei 

Badges der Organisation inklusive Stellenbezeichnung, eine Versiche-

rungskarte, Kopien von einem Universitätsdiplom, von einer Kursbestäti-

gung und von zwei Drohbriefen zu den Akten.   

C.  

Nach ihrer Eheschliessung am (…) in der Schweiz legte die Vorinstanz das 

Asylverfahren der Beschwerdeführerin mit jenem ihres Ehemannes zu-

sammen. 

D.  

Mit Verfügung vom 18. Dezember 2014 stellte die Vorinstanz fest, die Be-

schwerdeführerin und ihr Mann würden die Flüchtlingseigenschaft nicht er-

füllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der 

Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Wegweisung we-

gen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben 

werde. Ihr in der Schweiz geborenes Kind wurde in die vorläufige Auf-

nahme mit einbezogen. Auf die Begründung der Vorinstanz wird – soweit 

entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. 

E.  

Mit Eingabe vom 19. Januar 2015 erhob die Beschwerdeführerin – han-

delnd durch ihren Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte, die Verfügung sei in den Ziffern 1 – 3 des Dis-

positivs aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr 

Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Ziffer 4 des Dispositivs aufzuheben 

und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. In formeller 

Hinsicht wurden die unentgeltliche Prozessführung und Verzicht auf die 

Kostenvorschusserhebung beantragt, sowie die Beiordnung ihres Rechts-

vertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2015 hiess die Instruktionsrichterin 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie der unentgeltlichen Verbeiständung gemäss 

Art. 110a AsylG gut, ordnete die amtliche Verbeiständung der Beschwer-

deführerin durch ihren bisherigen Rechtsvertreter an und verzichtete auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde das SEM zur 

Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. 

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Seite 4 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2015 äusserte sich das SEM zur Be-

schwerdeschrift und hielt an der angefochtenen Verfügung fest. 

H.  

Mit Replik vom 23. Februar 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren 

Rechtsbegehren fest. 

I.  

Am (…) wurde das zweite Kind der Beschwerdeführerin geboren und vom 

SEM am (…) in die vorläufige Aufnahme mit einbezogen. 

J.  

Mit Eingabe vom 13. November 2015 reichte die Beschwerdeführerin ak-

tuelle Hinweise auf die rechtliche und gesellschaftliche Situation von 

Frauen in Afghanistan zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

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Seite 5 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

1.4 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet aufgrund der Rechts-

begehren und deren Begründung die Frage der Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft und der Asylgewährung in Bezug auf die Beschwerdefüh-

rerin. Demgegenüber ist die Ablehnung des originären Asylgesuchs des 

Ehemannes der Beschwerdeführerin unangefochten in Rechtskraft er-

wachsen. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz stellte sich auf den Standpunkt, die Vorbringen der Be-

schwerdeführerin enthielten Unstimmigkeiten in Bezug auf die drohende 

Zwangsverheiratung und würden der allgemeinen Erfahrung und Logik des 

Handelns widersprechen. Da ihre Vorbringen den Anforderungen an das 

Glaubhaftmachen nicht genügten, sei deren Asylrelevanz nicht weiter zu 

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prüfen. Hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung durch die Taliban 

aufgrund ihrer Berufsausübung hielt die Vorinstanz fest, dass kein genü-

gend enger zeitlicher und sachlicher Kausalzusammenhang zwischen Ver-

folgung und Flucht vorliege. Es werde nicht grundsätzlich in Abrede ge-

stellt, dass sie aufgrund ihres Engagements in D._______ Anfeindungen 

und eventuell auch Drohungen ausgesetzt gewesen sei. Ihren Aussagen 

sei indes nicht zu entnehmen, dass sie aufgrund dieser Drohungen Afgha-

nistan verlassen habe. In der Erstbefragung habe sie angegeben, dass sie 

nach ihrer Versetzung nach E._______ für eine andere Abteilung gearbei-

tet habe und sehr zufrieden gewesen sei. Sie habe nie das Dienstfahrzeug 

benutzt und sich von ihrem Vater zur Arbeit bringen lassen. Alles sei wun-

derbar gewesen, sie habe sich aber nicht sicher gefühlt. Auf Dienstreisen 

habe sie fliegen müssen, da der Landweg unsicher gewesen sei. Ihre Schil-

derungen enthielten keine Hinweise auf weitere Probleme wegen ihres En-

gagements für Frauenangelegenheiten. Die sicherheitsbedingte Restrik-

tion treffe auf sie nicht mehr zu als auf andere Angestellte der internationa-

len Organisation. In der Anhörung habe sie ebenfalls die Vorkommnisse 

mit dem Kommandanten als eigentliche Ursache für ihre Ausreise genannt. 

Auf die wiederholten Nachfragen, ob es in E._______ in Bezug auf ihre 

Arbeit noch zu Vorfällen gekommen sei, habe sie geantwortet, dass sie 

Angst gehabt habe und man sie auch in E._______ gesucht habe. Sie sei 

jedoch nicht in der Lage gewesen, konkrete Angaben zur Suche nach ihr 

zu machen. Zudem habe sie verneint, dass die Taliban nach ihr gesucht 

hätten. Ferner habe sie drei Selbstmordanschläge genannt, die indessen 

nicht ihr gegolten hätten, sondern dem Provinzvorsteher von D._______ 

und der (…) generell. Daraus resultiere, dass kein zeitlicher und sachlicher 

Kausalzusammenhang zwischen den Drohungen aufgrund ihrer Tätigkeit 

und ihrer Ausreise bestanden habe. Da die Vorbringen den Anforderungen 

an die Asylrelevanz nicht standhielten, erübrige sich die Prüfung der Glaub-

haftigkeit. 

4.2 In der dagegen erhobenen Beschwerde entgegnete die Beschwerde-

führerin, sie sei aufgrund ihres Engagements für Frauenrechte immer wie-

der bedroht worden. Am (…) 2011 habe sie den [Anlass] veranstaltet, 

wodurch sie grosse Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe. Danach habe 

sie vermehrt Drohanrufe erhalten. Ein Anrufer habe sie etwa als amerika-

nische Spionin bezeichnet, als Hure beschimpft und aufgefordert, die Stadt 

zu verlassen, um andere Frauen nicht zu verderben. Da die Arbeit für sie 

zu gefährlich geworden sei, habe sie eine Versetzung nach B._______ be-

antragt. Aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit sei sie aber nach wie vor ge-

fährdet gewesen und immer wieder telefonisch bedroht worden. Entgegen 

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der Auffassung der Vorinstanz habe sie von Anfang an geltend gemacht, 

Afghanistan auch wegen der Verfolgung aufgrund ihrer beruflichen Tätig-

keit verlassen zu haben. Es sei zutreffend, dass viele Angestellte in ihrer 

Organisation auf ihre Sicherheit zu achten hätten, hingegen habe sie sich 

mit dem Kampf für die Frauenrechte in einem sensiblen Bereich mehr ex-

poniert als andere. Dies gelte umso mehr, als dass sie sich als muslimi-

sche, einheimische Frau – und nicht etwa als ungläubiger ausländischer 

Mann – gegen die höchst konservativen Moralvorstellungen der patriarcha-

lischen afghanischen Gesellschaft aufgelehnt und damit den Zorn der Tali-

ban weit mehr auf sich gezogen habe als andere. Deshalb sei sie als un-

verheiratete Frau auch von ihrem Vater täglich in ihr Büro begleitet worden. 

Entgegen der Behauptung der Vorinstanz seien ihre Sicherheitsvorkehrun-

gen damit viel höher gewesen als von durchschnittlichen (…)-Angestellten. 

Dass sie in der BzP nach den Schilderungen ihrer Tätigkeit nur von der 

Verfolgung durch den Kommandanten gesprochen habe, liege einzig da-

ran, dass sie ihre Ausführungen chronologisch aufgebaut habe. Wie zu Be-

ginn ausgeführt, habe sie die Flucht wegen ihrer beiden grossen Probleme 

ergriffen. Auch in der einlässlichen Anhörung habe sie zu Beginn angege-

ben, dass sie zwei Hauptprobleme gehabt habe. In der Antwort, die von 

der Vorinstanz als Beleg dafür, dass sie nur wegen der Vorkommnisse mit 

dem Kommandanten ausgereist sei, angeführt werde, erzähle sie über ihre 

Sicherheitsbedenken und dass sie täglich von ihrem Vater ins Büro beglei-

tet worden sei, da sie Angst vor den Taliban gehabt habe. Im weiteren Ver-

lauf der Anhörung habe sie berichtet, dass sie auch in B._______ telefoni-

sche Drohungen erhalten habe und gesucht worden sei. Auch ein Freund 

ihres Vaters, der in D._______ lebe, sei ausgehorcht worden, ob die Be-

schwerdeführerin in B._______ immer noch für die „Ausländer“ arbeite. Die 

angebliche Aussage, nicht von den Taliban gesucht worden zu sein, laute 

im Protokoll wie folgt: „Wurden Sie in B._______ konkret gesucht?“ – „Nein, 

nicht die Taliban.“ Es verbiete sich, aus dieser grammatikalisch und formal-

logisch nicht stringenten Antwort – die offensichtlich falsch übersetzt wor-

den sei – Schlüsse zu ziehen. Somit habe die Beschwerdeführerin glaub-

haft machen können, auch in B._______ aufgrund ihres Engagements für 

Frauenrechte konkret bedroht worden zu sein, insbesondere durch telefo-

nische Todesdrohungen. Bereits in D._______ sei sie massiv bedroht wor-

den und nur aufgrund eines Zufalls ihrer Ermordung, die stattdessen tragi-

scherweise die Tochter ihrer Nachbarin getroffen habe, entkommen. Dass 

ihre Bedrohung in B._______ noch nicht so weit gegangen sei, wie in 

D._______, sei lediglich darauf zurückzuführen, dass die Beschwerdefüh-

rerin erst seit kurzer Zeit in E._______ gearbeitet habe und während dieser 

Zeit zahlreiche Dienstreisen in entfernte Provinzen unternommen habe. 

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Seite 8 

Daher sei sie der konservativen Öffentlichkeit in B._______ offenbar noch 

nicht so stark aufgefallen wie zuvor in D._______. Es habe sich nur um 

eine Frage der Zeit gehandelt, bis die Beschwerdeführerin auch in 

B._______ attackiert worden wäre. Sie sei denn auch bereits telefonisch 

mit dem Tod bedroht worden. Wie schnell solche Todesdrohungen wahr 

gemacht werden könnten, sei durch die Ermordung von P.T.M., einer mit 

ihr befreundeten und benachbarten Journalistin, zu entnehmen, welche am 

helllichten Tag in B._______ erstochen worden sei, nachdem sie aufgrund 

ihrer Berichterstattung mit dem Tod bedroht worden sei. Im Weiteren halte 

sie an ihren Vorbringen betreffend die drohende Zwangsverheiratung fest. 

Die Vorinstanz habe diese zu Unrecht als unglaubhaft qualifiziert. Schliess-

lich wird geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin gleich in mehrere 

Risikokategorien falle und auf den UNHCR-Bericht „Eligibility Guidelines 

for Assessing the International Protection Needs of Asylum-Seekers from 

Afghanistan“ vom 6. August 2013 Bezug genommen. So seien afghanische 

(…) Angestellte höchst gefährdet, wie auch Personen, die sich für Frauen-

rechte engagierten und Frauen, die sich in der Öffentlichkeit exponierten, 

wobei Todesdrohungen, wie sie die Beschwerdeführerin erhalten habe, 

meistens in die Tat umgesetzt und die Täter selten bestraft würden. Auch 

Frauen, die wie die Beschwerdeführerin gegen die afghanischen Moralvor-

stellungen verstossen hätten, indem sie eine Hochzeit verweigerten oder 

von zu Hause fliehen würden, seien gefährdet. 

Zur Stützung der Vorbringen wurden der Beschwerdeschrift ein Auszug ei-

ner afghanischen Nachrichtenagentur vom 24. März 2013 und ein Aus-

druck eines Netzwerkes für die freie Meinungsäusserung vom 17. Septem-

ber 2014 beigelegt. 

4.3 In der Vernehmlassung hielt das SEM fest, angesichts der geltend ge-

machten Gefährdung werfe der von der Beschwerdeführerin gewählte Rei-

seweg Fragen auf. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie – nach einem 

kurzen Aufenthalt in Pakistan – nochmals nach C._______ gefahren sei, 

um von dort auszureisen. Im Weiteren erstaune auch, dass sie sich – trotz 

der ausgehandelten Bedenkzeit mit dem Kommandanten – derart viel Zeit 

für ihre Ausreise gelassen habe und nach der zweiten Brautschau vom Au-

gust 2012 noch bis zum Februar 2013 zugewartet habe. 

4.4 In ihrer Replik erwiderte die Beschwerdeführerin, sie habe aus familiä-

ren Gründen (Begleitung einer kranken Verwandten nach Pakistan und zu-

rück) Kabul als Ausreiseort gewählt. Sie habe dort lediglich einmal über-

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nachtet, weshalb das Risiko einer Ausforschung ihres Aufenthaltsortes ge-

ring gewesen sei. Die Organisation ihrer Ausreise habe längere Zeit in An-

spruch genommen, da es Schwierigkeiten gegeben habe, einen vertrau-

enswürdigen Schlepper ausfindig zu machen. Zudem sei ursprünglich ge-

plant gewesen, zu ihrem Schutz gemeinsam mit einem männlichen Ver-

wandten auszureisen, wofür aber das Geld nicht gereicht habe. Schliess-

lich sei die Situation im Februar 2013 – nachdem einer ihrer Angehörigen 

tätlich angegriffen worden sei – eskaliert, weshalb sie zu diesem Zeitpunkt 

ausgereist sei. 

5.  

5.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin von Beginn an 

die prekäre Sicherheitslage aufgrund ihrer Berufsausübung als einen ihrer 

Fluchtgründe nannte und im Verlauf der Anhörung wiederholte, dass ihre 

diesbezügliche Furcht in B._______ weiter bestanden habe. Die Vorin-

stanz geht davon aus, dieses Vorbringen sei nicht asylrelevant, da nach 

dem Wechsel des Arbeitsortes der Beschwerdeführerin vom März 2012 der 

Kausalzusammenhang in Bezug auf ihre Ausreise vom 2. März 2013 un-

terbrochen gewesen sei und sich ihre Situation in B._______ nicht von je-

ner anderer (…) Angestellter unterschieden habe. Damit kommt die Vo-

rinstanz zum Schluss, dass die vergangene Bedrohung durch die Taliban 

in D._______, die in der Verfügung nicht in Zweifel gezogen wurde, nicht 

auf eine begründete Furcht vor Verfolgung schliessen lasse. Auf diese 

Rechtsauffassung ist in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. 

5.2 Vergangene Verfolgung ist grundsätzlich nur insofern beachtlich, als 

diese noch andauert oder – falls sie bereits ihren Abschluss gefunden hat 

– die Furcht vor künftiger Verfolgung begründet erscheinen lässt. Die erlit-

tene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor künftiger Ver-

folgung müssen sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Hei-

mat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylent-

scheids noch aktuell sein (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5). Eine nur in einem 

Landesteil verfolgte Person, die sich in eine andere, sichere Region bege-

ben kann, verfügt über eine sogenannte innerstaatliche Flucht- bezie-

hungsweise Schutzalternative und wird deshalb im Fall ihrer Ausreise aus 

dem Heimatland nicht zum Flüchtling (vgl. Stöckli, Asyl, in: Uebersax / Ru-

din / Hugi Yar / Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.20). 

Eine innerstaatliche Schutzalternative kann der asylsuchenden Person 

entgegengehalten werden, wenn sie am Zufluchtsort voraussichtlich wirk-

samen Schutz vor Verfolgung findet. Die Anforderungen an die Effektivität 

des Schutzes sind indessen nach konstanter Praxis hoch anzusetzen (vgl. 

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BVGE 2008/4 E. 6.1. - 6.7, 2008/12 E. 7.2.6.2 f., EMARK 1996 Nr. 1 E. 5c, 

EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.3). 

5.3 Eine längere Zeitspanne zwischen erlebter Verfolgung und der erst 

später erfolgenden Ausreise aus dem Heimatland kann zum einen im Hin-

blick auf die Prüfung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Ausreise-

gründe relevant sein (vgl. EMARK 1996 Nr. 25, bestätigt in BVGE 2009/51 

E. 4.2.5). Der Umstand, dass zwischen der erlebten Verfolgung und der 

Ausreise aus dem Heimatland eine längere Zeitspanne vergangen ist, ist 

zum andern relevant bei der Prüfung der Frage, ob für den Zeitpunkt der 

Ausreise noch eine begründete Verfolgungsfurcht bejaht werden kann. Ge-

mäss Art. 3 AsylG erfüllt die Flüchtlingseigenschaft, wer aufgrund einer 

asylrelevanten Motivation gezielte, ernsthafte Nachteile erlitten hat oder 

begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; sofern 

die erlittene Vorverfolgung in zeitlichem und sachlichem Kausalzusammen-

hang zur Flucht steht, lässt sich dem Asylgesetz – ohne dass der Aspekt 

einer drohenden Wiederholung der erlittenen Verfolgung noch weiter zu 

prüfen wäre – die Regelvermutung entnehmen, aufgrund der erlittenen 

Vorverfolgung sei auch eine begründete Furcht vor weiterer, zukünftiger 

Verfolgung zu bejahen (vgl. Kälin, Grundriss des Asylverfahrens, Basel und 

Frankfurt am Main 1990, S. 126 ff.; Achermann/ Hausammann, Handbuch 

des Asylrechts, 2. Aufl. Bern/Stuttgart 1991, S. 107 f.; Werenfels, Der Be-

griff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987, S. 283, 

293 ff.). Ein fehlender zeitlicher Zusammenhang zwischen Vorverfolgung 

und Ausreise zerstört (nur) die Regelvermutung zugunsten des Vorliegens 

begründeter Furcht vor Verfolgung; dies schliesst nicht aus, dass im kon-

kreten Einzelfall die früher erlittene Verfolgung einen der guten Gründe für 

die heutige Verfolgungsfurcht darstellen kann. Die begründete Furcht vor 

Verfolgung ist dann freilich nicht aufgrund einer Regelvermutung aus der 

erlittenen Vorverfolgung abzuleiten, sondern ihr Bestehen im Zeitpunkt der 

Ausreise ist von der asylsuchenden Person darzutun und von der Behörde 

gesondert zu prüfen. Ausschlaggebend kann dabei nicht allein sein, wie die 

betreffende asylsuchende Person in subjektiver Hinsicht durch die ehemals 

erlittene Verfolgung weiterhin betroffen war; entscheidrelevant ist, ob im 

Zeitpunkt der Ausreise auch in objektiver Hinsicht eine Wiederholungsge-

fahr der früher erlittenen Verfolgung noch bestanden hat und ein Schutz-

bedürfnis demnach auch im Zeitpunkt der Ausreise weiterhin noch bestand 

(vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 und EMARK 2000 Nr. 2 E. 8.b und c S. 20 ff. 

mit zahlreichen weiteren Hinweisen; zu den objektiven wie subjektiven As-

pekten der Verfolgungsfurcht vgl. EMARK 1998 Nr. 4 E. 5.d S. 27). Eine 

starre zeitliche Grenze, wann der Kausalzusammenhang als unterbrochen 

D-416/2015 

Seite 11 

zu gelten hat, lässt sich nicht festlegen; zu würdigen sind jeweils bei der 

Beurteilung auch allfällige plausible objektive und subjektive Gründe, die 

eine frühere Ausreise verhindert haben (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5, E-

MARK 2000 Nr. 17 S. 157 f. mit weiteren Hinweisen). In der asylrechtlichen 

Literatur und Praxis wird eine Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten ge-

nannt, nach deren Ablauf der zeitliche Kausalzusammenhang in der Regel 

als zerrissen gelten müsste (vgl. Werenfels, a.a.O., S. 295; Kälin, a.a.O., 

S. 128; Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 107; Gattiker, Das Asyl- und 

Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 76;. EMARK 1998 Nr. 20 

E. 7 S. 179 f.; EMARK 2000 Nr. 17 E. 11.a S. 157 f.); bei einer Zeitspanne 

von mehr als zwei Jahren wird jedenfalls in der Praxis ein Kausalzusam-

menhang nicht mehr bejaht (vgl. EMARK 1999 Nr. 7 E. 4b S. 46). 

5.4 Im vorliegenden Fall vermochte die Beschwerdeführerin auf Beschwer-

deebene plausible Erklärungen dafür abzugeben, weshalb sie Afghanistan 

erst etwa ein Jahr nach den Vorfällen in D._______ verlassen habe. Nach-

vollziehbar ist, dass sie sich von ihrer Versetzung eine Beruhigung der Si-

tuation erhofft hat. Die Taliban haben sich ihren Angaben zufolge aber auch 

danach noch für ihre Aktivitäten interessiert. Auf Beschwerdeebene wurde 

vorgebracht, dass eine Zunahme der diesbezüglichen Intensität nur eine 

Frage der Zeit gewesen wäre und sie sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen 

getroffen habe. Weiter legte sie Beweismittel vor, die von der Ermordung 

ihrer Nachbarin und Freundin in B._______ handeln, die nach der Nieder-

legung ihrer Arbeit für die [Organisation] vom Jahr 2012 im Zuge ihrer 

Rückkehr im Jahr 2014 umgebracht worden sei. Diese Aspekte der geltend 

gemachten Furcht sind in den nachfolgenden Erwägungen im Länderkon-

text zu überprüfen, um zu einem Prognoseentscheid zu gelangen, der den 

Anforderungen des Art. 3 AsylG genügt. Das Zuwarten der Beschwerde-

führerin mit ihrer Ausreise bis zum 2. März 2013 erscheint auch unter Be-

rücksichtigung der geschilderten Lebensumstände nicht völlig unrealistisch 

(Hürden für sie als Frau, allein aus Afghanistan zu flüchten; familiäre be-

ziehungsweise humanitäre Verpflichtungen, denen sie nachzugehen ver-

suchte – […]). Demnach erscheinen nach Auffassung des Gerichts die von 

der Vorinstanz geäusserten Zweifel am hinreichenden Kausalzusammen-

hang einerseits nicht genügend begründet. Andererseits würde selbst eine 

Annahme, der Kausalzusammenhang sei unterbrochen, nicht ausreichen, 

von einer weiteren Prüfung ihrer Vorbringen betreffend die Wiederholungs-

gefahr abzusehen. 

 

D-416/2015 

Seite 12 

6.  

6.1 Im vorliegenden Fall kann es als erstellt erachtet werden, dass das Ver-

halten der Beschwerdeführerin in D._______ zwischen Januar 2011 und 

März 2012 dazu geeignet war, in den Fokus der Taliban zu geraten. In der 

angefochtenen Verfügung wurde auch nicht in Abrede gestellt, dass sie 

sich damals im Rahmen ihrer Rolle und ihres Engagements an Aktivitäten 

beteiligt hat, die zu Anfeindungen und Drohungen führen konnten. Sodann 

wird in der Verfügung angeführt, dass der Sachverhaltsvortrag zu den gel-

tend gemachten Telefonanrufen nach ihrem Umzug nach B._______ – trotz 

mehrmaliger Nachfrage – vage geblieben sei. Eine Prüfung der Frage, was 

die Beschwerdeführerin in der Anhörung mit dem Satz „nein, nicht die Tali-

ban“ (A 12 F 87) auf die Frage nach der konkreten Suche in B._______ 

gemeint habe, kann jedoch aufgrund der nachfolgenden Überlegung un-

terbleiben. So ist den Angaben der Beschwerdeführerin in Bezug auf die 

weiteren Behelligungen durch die Taliban zu entnehmen, dass sie nach 

März 2012 deshalb ihr Telefon abgestellt habe (A 12 F 82). In diesem Zu-

sammenhang erschliesst sich dann nicht, wie sie danach noch telefonische 

Drohungen der Taliban in B._______ erhalten haben soll. Daraus kann 

aber nicht auf eine fehlende Substanziiertheit ihrer Vorbringen, weiterhin 

im Visier der Taliban gestanden zu sein, geschlossen werden, sondern es 

müssen alle diesbezüglichen Sachverhaltselemente auf ihre Glaubhaf-

tigkeit hin überprüft werden, zumal die Beschwerdeführerin angesichts der 

vielfach zutreffenden Aussagen und glaubhaften Aspekte im Sinn von 

Art. 7 AsylG nicht als unglaubwürdig gelten kann. So erscheint eine Ausei-

nandersetzung mit den von der Beschwerdeführerin erwähnten Nachfor-

schungen der Taliban bei R., einem Bekannten ihres Vaters in D._______, 

angebracht (A 12 F 82 – 85). Da eine Vorverfolgung in D._______ nicht 

ausgeschlossen werden kann, sind die geltend gemachten Nachforschun-

gen der Taliban nach dem Umzug der Beschwerdeführerin aus der Sicht 

des Gerichts grundsätzlich nicht unplausibel. Auch stehen die Darstellun-

gen im Einklang mit den notorischen Informationen zum Repressionsver-

halten gegenüber den – nicht nur von den Taliban – als progressiv einge-

stuften Frauen im öffentlichen Raum und den als hoch einzustufenden Si-

cherheitsvorkehrungen der Beschwerdeführerin in B._______.   

6.2  Es kann vorliegend davon ausgegangen werden, dass die Beschwer-

deführerin von Januar 2011 bis März 2012 in D._______ bei einer interna-

tionalen Organisation im Bereich der Förderung der Frauenrechte ange-

stellt war und unter anderem [einen Anlass] durchgeführt hat. Aufgrund die-

ser Tätigkeiten ist sie den Taliban bekannt geworden, die sie zur Niederle-

gung ihrer Arbeit aufgefordert und sie und ihre Familie mit dem Tod bedroht 

D-416/2015 

Seite 13 

haben. Nachdem sie durch eine Versetzung nach B._______ versucht hat, 

sich dieser Aufforderung zu entziehen, erhielt sie Kenntnis von weiteren 

Nachforschungen der Taliban, ob sie nach wie vor für die „Ausländer“ tätig 

sei. 

6.3 Die Sicherheitslage in Afghanistan wurde in einem Grundsatzurteil ein-

gehend analysiert und grundsätzlich als äusserst prekär bezeichnet (vgl. 

BVGE 2011/7). Einzig für die Grossstädte Kabul sowie später auch für He-

rat (BVGE 2011/38) und Mazar-i-Sharif (BVGE 2011/49) wurde von einer 

vergleichsweise stabileren Situation ausgegangen. 

6.4 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind bei der 

Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan in bestimmten Fallkonstel-

lationen Gruppen von Personen erkennbar, die aufgrund ihrer Exponiert-

heit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sein können. Dazu ge-

hören unter anderem Personen, die der afghanischen Regierung oder der 

internationalen Gemeinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben 

wahrgenommen werden, sowie westlich orientierte oder der afghanischen 

Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entsprechende Perso-

nen (vgl. dazu die Urteile E-2802/2014 vom 15. Januar 2015, E. 5.3.3; D-

3394/2014 vom 26. Oktober 2015 E. 4.6; E-3520/2014 vom 3. November 

2015, E. 7.3). Insbesondere betrifft dies afghanische wie ausländische Mit-

arbeitende von internationale Organisationen, Unternehmen oder NGOs. 

Es liegen Berichte darüber vor, dass Personen mit derartigem Profil getö-

tet, entführt und eingeschüchtert worden sind, und es soll auch zu Über-

griffen auf Familienangehörige solcher Personen gekommen sein (vgl. US 

Department of State, Afghanistan 2014 Human Rights Report, S. 2 und S. 

18; EASO Report, EASO ‒ Informationsbericht über das Herkunftsland – 

Afghanistan – Strategien der Aufständischen: Einschüchterung und ge-

zielte Gewalt gegen Afghanen, Dezember 2012, S. 72 ff.; UNHCR, Richtli-

nien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asyl-

suchender, 6. August 2013, S. 31 ff.; Danish Immigration Service, Country 

of Origin Information [COI] for use in the asylum determination process, 

Fact Finding Mission to Kabul, Mai 2012, S. 19 f.). 

6.5 Im Folgenden ist zu überprüfen, ob die Beschwerdeführerin nach der 

festgestellten Vorverfolgung in D._______ angesichts ihrer fortgesetzten 

beruflichen Tätigkeiten in B._______ einem erhöhten Risiko ausgesetzt 

gewesen ist. 

D-416/2015 

Seite 14 

6.5.1 Auf der Grundlage der verfügbaren Quellen kann nicht von einem ge-

nerellen Risikoprofil für Mitarbeitende internationaler Organisationen aus-

gegangen werden, auch ist die Quellenlage zur Frage der Häufigkeit ge-

zielter Tötungen durch die Taliban nicht eindeutig. Niedrigrangige Ange-

stellte von ausländischen oder internationalen Organisationen in Städten, 

die von der Regierung kontrolliert werden, stellen keine primären Angriffs-

ziele der Taliban dar, da sich diese eher auf Personen mit hohem Profil 

konzentrierten. Verschiedene Quellen legen nahe, dass spezifische, indi-

viduelle Umstände das Tötungsrisiko für niedrigrangigere Mitarbeitende 

erhöhen können (vgl. UK Home Office, Country Information and Guidance 

– Afghanistan: persons supporting or perceived to support the government 

and/or international forces, 02.2015; European Asylum Support Office 

(EASO), COI Report Afghanistan: Insurgent strategies — Intimidation and 

targeted violence against Afghans, 06.12.2012; International Crisis Group 

(ICG), The Insurgency in Afghanistan's Heartland, 27.06.2011). Notorisch 

ist, dass die Taliban der westlichen Vorstellung von Frauenrechten feindlich 

gegenüberstehen, auch hat der Verdacht, bei Mitarbeiterinnen von Hilfsor-

ganisationen könne es sich um „Spioninnen“ handeln, bereits in der Ver-

gangenheit zu Angriffen geführt (UK Home Office, Country policy and infor-

mation note Afghanistan: Women fearing gender-based violence, Dezem-

ber 2016, https://www.gov.uk/government/publications/afghanistan-

country-policy-and-information-notes, abgerufen am 11. August 2017; AC-

CORD, Anfragebeantwortung zu Afghanistan: Lage von MitarbeiterInnen 

von NGOs [a-8857-2 (8858)], 1. Oktober 2014, http://www.ecoi.net/lo-

cal_link/287233/421155_de.html, abgerufen am 11. August 2017). Es ist 

nicht abwegig, dass die Taliban hierfür über ein lokales Netzwerk (beste-

hend aus Mullahs, Koranschulen und Moscheen) verfügen könnten, das 

für die Identifizierung von Zielen benützt wird (vgl. etwa in Bezug auf Kabul: 

International Crisis Group (ICG), The Insurgency in Afghanistan's Heart-

land, 27.06.2011). Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Beschwerde-

führerin, die Taliban hätten ihr Umfeld bereits mit der Information konfron-

tiert, wonach sie in B._______ immer noch für die „Ausländer“ arbeite, lässt 

es sich im konkreten Fall nicht völlig von der Hand weisen, dass die Taliban 

in der Lage sein könnten, Informationen über die Beschwerdeführerin zu 

beschaffen. Schliesslich ist auch der Tod ihrer Freundin und Nachbarin, die 

zwei Jahre nach Beendigung ihrer Arbeit für die [Organisation] ermordet 

wurde, ein Indiz, das den Schluss nicht zulassen würde, die Bedrohung für 

Frauen aus B._______, die aufgrund ihrer Berufsausübung bereits verfolgt 

wurden, könne durch Zeitablauf verschwinden. In dieser Hinsicht erschei-

nen in Bezug auf B._______ auch aktuelle Berichte über gezielte An-

schläge der Taliban, die dort im Verlauf des letzten Jahres verübt wurden, 

D-416/2015 

Seite 15 

und auf die in den Erwägungen zur Schutzfähigkeit weiter unten eingegan-

gen wird, relevant. 

6.5.2 Es ist daher im Fall der Beschwerdeführerin von einem nicht uner-

heblichen Risiko der Verfolgung durch die Taliban auszugehen, in Anbe-

tracht ihrer fortgesetzten Arbeit für die [internationale Organisation] und 

weil sie in der Vergangenheit an Projekten zur Förderung der Frauenrechte 

beteiligt war, wobei sie in dieser Funktion den Taliban bereits aufgefallen 

ist und Drohungen erhalten hat. Dieses Verfolgungsinteresse dürfte allen-

falls noch dadurch verstärkt werden, dass die Beschwerdeführerin gemäss 

Akten einen ausgesprochen westlichen Lebensstil pflegte. Ihre Eltern lies-

sen sie studieren, sie war mit (…) Jahren noch unverheiratet und ging einer 

beruflichen Tätigkeit nach, wofür sie auch Kontakt zu männlichen und aus-

ländischen Personen hatte. Aus dem vorgelegten Beweismaterial (Droh-

briefe) und den Angaben der Beschwerdeführerin ist ersichtlich, dass die 

Taliban bereits ausdrücklich Kritik an diesen Umständen geübt und sie 

massiv bedroht haben. In diesem Punkt haben sich ihre Aktivitäten auch 

nach ihrer Versetzung nicht geändert. 

6.6 In diesem Zusammenhang ist in allgemeiner Hinsicht festzuhalten, 

dass verfolgt im Sinne von Art. 3 AsylG ist, wer aus den in Abs. 1 der ge-

nannten Norm aufgezählten Gründen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist 

oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. 

6.7 Dabei umfasst die Furcht vor künftiger Verfolgung gemäss ständiger 

Rechtsprechung allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhen-

des objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfindung 

der betroffenen Person als subjektives Element andererseits. Begründete 

Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – 

d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine 

Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit 

und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 

2009/51 E. 4.2.5; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 9 E. 5a sowie 2004 Nr. 21 E. 

3b/aa). Dabei ist auch zu beachten, dass eine Person, die bereits einmal 

staatlichen Verfolgungen ausgesetzt war, objektive Gründe für eine ausge-

prägtere (subjektive) Furcht hat als jemand, der erstmals in Kontakt mit 

staatlichen Sicherheitskräften kommt (vgl. EMARK 1993 Nr. 11 E. 4c, 1994 

Nr. 24 E. 8b).  

D-416/2015 

Seite 16 

6.8 Angesichts der spezifischen, die Beschwerdeführerin selbst betreffen-

den Risikofaktoren und der allgemeinen Sicherheitslage in Afghanistan ge-

langt das Gericht zum Schluss, dass ihre begründete Furcht vor Verfolgung 

im Sinne von Art. 3 AsylG durch die Taliban im Zeitpunkt ihrer Ausreise bei 

objektiver Betrachtung zu bejahen ist. Aufgrund der Sicherheits- und Ver-

folgungslage in Afghanistan ist davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führerin begründeterweise auch künftige Verfolgung zu befürchten hat. Bei 

dieser Sachlage kann die Frage der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen zur 

drohenden Zwangsverheiratung offen bleiben. 

6.9  

6.9.1 Da die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verfolgung 

nicht von staatlichen Organen sondern von Dritten ausgeht, ist näher zu 

beleuchten, ob sie in ihrem Heimatland Schutz vor Verfolgung finden kann. 

Ein absoluter Schutz vor Verfolgung, welche von Privatpersonen ausgeht, 

ist in asylrechtlicher Hinsicht nicht erforderlich; entscheidend ist vielmehr, 

dass die Betroffenen effektiven Zugang zu einer vorhandenen Schutzinfra-

struktur haben und ihnen zugemutet werden darf, diese in Anspruch zu 

nehmen. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft hängt nicht davon 

ab, wer Urheber der Verfolgung ist, sondern davon, ob im Heimatstaat adä-

quater Schutz vor Verfolgung in Anspruch genommen werden kann. Damit 

ist nicht nur die unmittelbare oder mittelbare staatliche, sondern auch die 

private (bzw. nichtstaatliche) Verfolgung flüchtlingsrechtlich relevant, so-

fern im Heimatstaat kein adäquater Schutz vor Verfolgung besteht (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 7; EMARK 2006 Nr. 18 E. 7.5–7.9. S. 193 ff.). 

6.9.2 Wie bereits erwähnt, nahm das Gericht im Grundsatzurteil BVGE 

2011/7 eine umfassende Analyse der Sicherheitslage in Afghanistan vor, 

welche über sämtliche Landesteile hinweg als äusserst prekär bezeichnet 

wurde. In einem weiteren Entscheid aus dem Jahre 2011 gelangte das Ge-

richt zum Schluss, dass die Situation in Mazar-i-Sharif verhältnismässig ru-

hig und überwiegend als stabil anzusehen sei und dass nur wenige feind-

liche Attacken zu verzeichnen seien (vgl. BVGE 2011/49). Vorliegend ist es 

aber aufgrund des spezifischen Risikoprofils der Beschwerdeführerin zu 

bezweifeln, dass die Behörden in B._______ effektiven Schutz gegen die 

Taliban gewährleisten könnten, zumal in letzter Zeit dort vermehrt Über-

griffe von diesen zu verzeichnen waren und Hinweise auf eine mögliche 

Verschlechterung der Sicherheitslage vorliegen (vgl. z.B. British Broadcas-

ting Corporation (BBC), Afghanistan: Fatal attack on German consulate in 

Mazar-e-Sharif, 11.11.2016, http://www.bbc.com/news/world-asia-

37944115, abgerufen am 18.07.2017; Deutsche Welle (DW), Why is 

D-416/2015 

Seite 17 

northern Afghanistan increasingly unstable?, 01.03.2017, 

http://www.dw.com/en/why-is-northern-afghanistan-increasingly-un-

stable/a-37768779, abgerufen am 18.07.2017; Pajhwok, Warlords, strong-

men have political connections: Hadid, 19.06.2017, 

http://www.pajhwok.com/en/2017/06/19/warlords-strongmen-have-politi-

cal-connections-hadid, abgerufen am 17.07.2017).  

6.9.3 Vorliegend erscheinen auch die hohen Anforderungen an eine interne 

Schutzalternative nicht gegeben zu sein. Zum einen hat die Beschwerde-

führerin bereits vergeblich versucht, sich durch einen Umzug in eine an-

dere Stadt der Bedrohung durch die Taliban zu entziehen, zum anderen ist 

auch andernorts – wie etwa an ihrem früheren Studienort – nicht von aus-

reichenden Anknüpfungspunkten auszugehen. Selbst wenn die afghani-

schen Sicherheitskräfte etwa in Kabul im Vergleich zu anderen Gebieten 

Afghanistans besser in der Lage sind, für die Bevölkerung ein einigermas-

sen sicheres Umfeld zu schaffen, ist davon auszugehen, dass sie für An-

gehörige von Personengruppen mit einem hohen Risikoprofil – zu welchen 

die Beschwerdeführerin gehört – keine funktionierende und effiziente 

Schutz-Infrastruktur zur Verfügung stellen können (vgl. die Urteile des Bun-

desverwaltungsgerichts E-2802/2015 vom 15. Januar 2015 E. 5.4 und D-

3394/2014 vom 26. Oktober 2015 E. 4.7; UK Home Office, Country Infor-

mation and Guidance, Afghanistan: persons supporting or perceived to 

support the government and/or international forces, Februar 2015). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die 

Flüchtlingseigenschaft erfüllt und ihr Asyl zu gewähren ist. Den Akten sind 

keinerlei Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne 

von Art. 53 AsylG zu entnehmen. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG).  

9.  

Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die 

ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 

Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter hat mit Eingabe vom 26. Oktober 

D-416/2015 

Seite 18 

2015 eine Kostennote zu den Akten gereicht. Demnach ist die Parteient-

schädigung für die notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten auf 

Fr. 3455.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Vor-

instanz ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag als Partei-

entschädigung zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-416/2015 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 18. Dezember 2014 wird aufgehoben. Das SEM wird 

angewiesen, der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3455.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

  

Contessina Theis Anna Wildt 

 

 

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