# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8cc182a-d0a6-54f0-858a-7a8c3198cdd9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2023 E-4511/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4511-2023_2023-08-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4511/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch;   

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Raphael O. Rüegsegger, HEKS 

Rechtsschutz Bundesasylzentren (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 7. August 2023 / N (…). 

 

 

 

E-4511/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 15. März 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach. Zum Nachweis seiner Identität reichte er seine Identitätskarte und 

seinen Reisepass im Original ein. Gemäss den Stempelungen in seinem 

Reisepass gelangte er am (…) 2023 von der Türkei herkommend auf dem 

Luftweg nach Italien. 

B.  

B.a Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) 

ergab, dass ihm von den italienischen Behörden am 19. Januar 2023 ein 

Schengenvisum mit Gültigkeit vom 23. Januar 2023 bis zum 5. Februar 

2023 ausgestellt worden war (SEM Vorhabens-Nr. […] [A]10).  

B.b Am 21. März 2023 wurden anhand der vorliegenden Akten die Perso-

nalien des Beschwerdeführers direkt erfasst (A11). 

B.c  Gleichentags mandatierte der Beschwerdeführer die ihm zugewie-

sene Rechtsvertretung im Bundesasylzentrum (BAZ) Region B._______ (A 

12). 

C.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 28. März 2023 das rechtli-

che Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und einer Über-

stellung nach Italien (sog. Dublin-Gespräch [A14]).  

Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er habe keinen Schlepper finden 

können, weshalb ihm einzig die Möglichkeit geblieben sei, im Rahmen ei-

nes Visums zu reisen, dafür habe er über 40'000 Euro ausgegeben. Er sei 

aber von Italien direkt in die Schweiz weitergereist, er habe von Anfang an 

hierhin kommen wollen. Bei einer allfälligen Rückkehr nach Italien fürchte 

er, direkt in die Türkei zurückgeschickt zu werden, weil es dort sehr viele 

Flüchtlinge gebe. Ausserdem habe er gehört, dass sich in Italien viele 

Agenten des türkischen Nachrichtendienstes aufhielten.  

Zu seinem gesundheitlichen Zustand gab er an, er sei psychisch belastet, 

könne nachts nicht schlafen, sei ständig unter Stress und nachdenklich. 

Körperlich gehe es ihm aber gut. Gleichenorts wurde der Beschwerdefüh-

rer darauf hingewiesen, dass er sich jederzeit auch bei psychischen Be-

schwerden an Medic-Help wenden könne. 

E-4511/2023 

Seite 3 

D.  

Gestützt auf den «CS-VIS»-Abgleich ersuchte die Vorinstanz die italieni-

schen Behörden am 16. Mai 2023 um Übernahme des Beschwerdeführers 

gestützt auf Art. 12 Abs. 4 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europä-

ischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(nachfolgend: Dublin-III-VO). Dieses Gesuch blieb innert der vorgesehe-

nen Frist unbeantwortet. Am 17. Juli 2023 liess das SEM den zuständigen 

italienischen Behörden ein Verfristungsschreiben zukommen. 

E.  

E.a Gemäss verschiedenen Meldungen des BAZ Region B._______ hat 

der Beschwerdeführer am 2. Juli 2023 sowie am 16. Juli 2023 die Unter-

kunft ohne Angaben verlassen und ist am 4. Juli 2023 beziehungsweise 

am 18. Juli 2023 wieder aufgetaucht (A17 ff.). Auch ab dem 23. Juli 2023 

respektive 30. Juli 2023 galt er als verschwunden und am 2. August 2023 

tauchte er wieder auf (A22, A28 f.).  

E.b Laut Auskunft der Mitarbeitenden der Medic-Help BAZ C._______ ist 

der Beschwerdeführer letztmals am 18. April 2023 bei Medic Help vorstellig 

geworden und hat über Juckreiz geklagt. Dass er psychisch belastet sei, 

habe er gegenüber Medic Help nie geäussert. Er sei am 23. März 2023 zu 

einer ärztlichen Visite erschienen und habe eine erste Grundimmunisie-

rung erhalten. Den Folgetermin vom 25. Mai 2023 für eine weitere Immu-

nisierung habe er nicht wahrgenommen (A24). 

F.  

Mit Verfügung vom 7. August 2023 (eröffnet am 14. August 2023) trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegweisung 

in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Italien an und forderte ihn auf, die 

Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzei-

tig ordnete sie die Aushändigung der editionspflichten Akten an und stellte 

fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-

schiebende Wirkung zu. 

 

 

E-4511/2023 

Seite 4 

G.  

G.a Mit Eingabe seiner zugewiesen Rechtsvertretung vom 8. August 2023 

an das SEM ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung einer Privat-

unterkunft bei seiner Partnerin während des laufenden Verfahrens. Dieses 

Gesuch wurde seitens des SEM mit E-Mail vom 18. August 2023 abgelehnt 

(A37). 

G.b Am 16. August 2023 gelangte der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter mit einem Wiedererwägungsgesuch ans SEM. Nach Sich-

tung des Nichteintretensentscheides vom 7. August 2023 habe sich her-

ausgestellt, dass dieser sich weder mit der Eingabe vom 8. August 2023 

betreffend Bewilligung einer Privatunterkunft noch mit seiner bevorstehen-

den Heirat mit seiner Schweizer Partnerin auseinandersetze. Seine Part-

nerin habe eine genügend grosse Wohnung gemietet habe und sei bereit, 

finanziell für ihn aufzukommen. Zudem beabsichtige er, seine Partnerin zu 

heiraten. Entsprechende Schritte habe das Paar bereits eingeleitet. Da 

sich die Sachlage seit dem Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Ver-

fügung nachträglich zu Gunsten des Beschwerdeführers verändert habe, 

sei auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten und Art. 8 EMRK sei 

rechtsgenüglich Rechnung zu tragen (A36).  

H.  

Gegen den Nichteintretensentscheid des SEM vom 7. August 2023 ge-

langte der Beschwerdeführer durch den rubrizierten Rechtsvertreter mit 

Rechtsmitteleingabe vom 21. August 2023 (Datum Poststempel) an das 

Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die vorinstanzliche Verfügung sei 

aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten 

sowie ein materielles Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Even-

tualiter sei die angefochtene Verfügung an die Vorinstanz zur rechtsgenüg-

lichen Abklärung des Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzuwei-

sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei der Beschwerde die aufschie-

bende Wirkung zu erteilen und seien die Vollzugsbehörde unverzüglich an-

zuweisen, bis zum Entscheid über die beantragte Erteilung der aufschie-

benden Wirkung von einer Überstellung nach Italien abzusehen. Ausser-

dem sei ihm unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses die 

unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. 

I.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

22. August 2023 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG). Glei-

chentags setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung 

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Seite 5 

mittels einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme gemäss Art. 

56 VwVG einstweilen aus. 

J.  

Am 23. August 2023 überwies das SEM das Wiedererwägungsgesuch vom 

16. August 2023 (vgl. oben Bst. G.b) zuständigkeitshalber dem Bundesver-

waltungsgericht zur Prüfung, ob es sich dabei um eine Beschwerde gegen 

die Verfügung vom 7. August 2023 handle. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 105 i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht 

zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zuständig und 

entscheidet über diese in der Regel – so auch vorliegend − endgültig 

(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht 

eingereicht (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und der Be-

schwerdeführer ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden – wie die vorliegende 

– wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 

Bst. e AsylG). Der Beschwerdeentscheid ist nur summarisch zu begründen 

(Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

1.4 Auf einen Schriftenwechsel wurde in Anwendung von Art. 111a Abs. 1 

AsylG verzichtet.  

2.  

Die Anträge auf Einräumung der aufschiebenden Wirkung sowie auf Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses erweisen sich mit dem 

vorliegenden Entscheid in der Sache als gegenstandslos. Die angeordnete 

vorsorgliche Massnahme in Form eines Vollzugsstopps fällt dahin. 

3.  

Die Kognition und die zulässigen Rügen umfassen die Verletzung von 

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Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermes-

sens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer begründet sein Rückweisungsbegehren damit, 

dass das SEM sich mit seinem Verlobungsverhältnis respektive der bevor-

stehenden Eheschliessung mit einer schweizerischen Staatsangehörigen 

in keiner Weise auseinandergesetzt oder auch nur ansatzweise befasst 

habe. Dieses Verhältnis begründe unter dem Aspekt von Art. 8 EMRK ei-

nen zwingenden Selbsteintrittsgrund und stehe auch der Wegweisung ge-

stützt auf Art. 44 AsylG entgegen. Alleine deswegen müsse die angefoch-

tene Verfügung aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückgewiesen werden.  

4.2 Die formellen Einwände des Beschwerdeführers sind unberechtigt. 

Das SEM hat sämtliche wesentlichen Sachverhaltselemente, wie sie sich 

im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung aus den Akten 

ergaben, der Verfügung zu Grunde gelegt und hinreichend in die Würdi-

gung einbezogen. Der Beschwerdeführer machte insbesondere im Dublin-

Gespräch nicht ansatzweise geltend, in der Schweiz eine Beziehung zu 

führen, die einer Wegweisung nach Italien entgegenstehe. Zwar ergibt sich 

aus den SEM-Akten, dass das Gesuch um Unterbringung in einer Privat-

unterkunft vom 8. August 2023 (A33) beim SEM eingegangen ist noch be-

vor die angefochtene Verfügung eröffnet werden konnte. Aus dessen Inhalt 

musste das SEM aber nicht von sich aus auf Überstellungshindernisse 

schliessen beziehungsweise sich gar zu weiteren Abklärungen veranlasst 

sehen. So ist dem Antrag lediglich zu entnehmen, dass er eine Unterkunft 

bei seiner Partnerin in Aussicht habe. In welchem Verhältnis er zu seiner 

Partnerin stehe oder weitere ausführlichere Angaben gehen daraus nicht 

hervor. Auch anlässlich seiner häufigen Abwesenheiten vom BAZ – offen-

kundig ohne entsprechende Abmeldung – erwähnte er eine allfällige Part-

nerschaft in der Schweiz nie. Erstmals in seinem nach Eröffnung der an-

gefochtenen Verfügung eingereichten Wiedererwägungsgesuch vom 

16. August 2023 tut der Beschwerdeführer seine Heiratsabsichten mit ei-

ner Schweizerbürgerin kund. Auf Beschwerdestufe ergänzt er, er kenne 

seine Verlobte seit 2022 und seit 13. Mai 2023 seien sie offiziell ein Paar.   

4.3 Eine Rückweisung an das SEM aus formellen Gründen fällt somit nicht 

in Betracht. Sie ist auch nicht gerechtfertigt aufgrund der neu geltend ge-

machten angeblichen Überstellungshindernisse. Zum einen qualifiziert der 

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Beschwerdeführer sie offenkundig fälschlicherweise als nachträglich ver-

änderten Sachverhalt, zum andern sind sie von vornherein ungeeignet, zu 

einer anderen inhaltlichen Einschätzung hinsichtlich allfälliger Überstel-

lungshindernissen zu führen, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen 

ergibt. 

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Im Falle eines Nichteintretens verfügt das SEM in der 

Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an  

(Art. 44 AsylG). 

5.2 Das SEM stellt zur Begründung der angefochtenen Verfügung im We-

sentlichen fest, dem Beschwerdeführer sei von Italien ein vom 23. Januar 

2023 bis am 5. Februar gültiges Visum ausgestellt worden und die italieni-

schen Behörden hätten innerhalb der festgelegten Frist zum Übernahme-

ersuchen keine Stellung genommen, weshalb Italien zuständig sei, sein 

weiteres Asylverfahren durchzuführen. Sein Wunsch an einem weiteren 

Verbleib in der Schweiz sei nicht massgeblich. Nach der Rückkehr nach 

Italien könne er dort ein Asylgesuch einreichen und es obliege den dortigen 

Behörden, dieses zu prüfen, anschliessend seinen Aufenthaltsstatus zu re-

geln oder gegebenenfalls die Wegweisung in seinen Heimatstaat anzuord-

nen. Es lägen keine Hinweise vor, dass die italienischen Behörden das 

Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würden und 

ihm insbesondere keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung gewähren 

würden. Italien verfüge sodann als Rechtsstaat über eine funktionierende 

Polizeibehörde, die als schutzwillig und schutzfähig gelte. Sollte er sich vor 

Übergriffen durch Personen des türkischen Nachrichtendienstes fürchten 

oder sogar solche erleiden, könne er sich an die zuständigen Stellen wen-

den. Sodann lägen in Italien keine systemischen Mängel im Sinne von  

Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO vor.  

Unter dem Aspekt von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a  

Abs. 3 AsylV1 (SR 142.311) würdigt das SEM ausführlich die vom Be-

schwerdeführer geltend gemachten medizinischen Beeinträchtigungen 

und kommt einerseits zum Schluss, diese seien nicht von einer derartigen 

Schwere und mit Blick auf die benötigten Behandlungen nicht derart spe-

zifisch, dass eine Überstellung nach Italien einen Verstoss gegen interna-

tionale Verpflichtungen der Schweiz bedeuten würde. Andererseits sei 

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auch anzunehmen, dass der Beschwerdeführer nach der Einreichung ei-

nes Asylgesuches Zugang zu den notwendigen medizinischen Leistungen 

habe, auf welche er im Sinne der Aufnahmerichtlinie Anspruch habe.    

5.3 Der Beschwerdeführer bestreitet weder die grundsätzliche Zuständig-

keit Italiens für die Behandlung seines Asylgesuches noch die unter E. 5.2 

aufgezeigte weitere Würdigung seiner im Dublin-Gespräch gemachten Ein-

wände. Auf die entsprechenden ausführlichen und zutreffenden Erwägun-

gen in der angefochtenen Verfügung kann deshalb verwiesen werden. 

5.3.1. Präzisierend ist festzustellen, dass auch das Bundesverwaltungsge-

richt in ständiger Rechtsprechung davon ausgeht, dass das italienische 

Asylsystem – trotz punktueller Schwachstellen – keine systemischen Män-

gel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-III-VO aufweist (vgl. u.a. 

Urteile E-5608/2022 vom 31. Mai 2023 E. 12. 3 f.; D-994/2023 vom 

23. Februar 2023 E. 4.3). An dieser Einschätzung vermag auch der aktu-

elle Übernahmestopp seitens der italienischen Behörden nichts zu ändern, 

zumal es sich dabei erklärtermassen um ein temporäres Überstellungshin-

dernis handelt, das mithin einzig den Zeitpunkt der Überstellung und nicht 

die Rechtsstellung der Asylsuchenden betrifft und welchem im Rahmen der 

Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist (vgl. statt vieler: Urteile des 

BVGer E-3933/2020 vom 20. Juli 2023 E. 4.2  und E-3499/2023 vom 28. 

Juni 2023 E. 6.3, je m. H.). 

5.3.2. Der Beschwerdeführer moniert in materieller Hinsicht einzig, die Be-

ziehung zu seiner Partnerin, die Schweizerbürgerin sei, hier lebe, und die 

er in Kürze heiraten werde, stehe der Wegweisung nach Italien entgegen. 

Insofern sei das SEM gehalten, in Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-

III-VO auf sein Asylgesuch einzutreten, da es ansonsten gegen  

Art. 8 EMRK verstosse. Mit dieser Einschätzung geht er offenkundig fehl. 

Vorab ist festzuhalten, dass es nicht Zweck eines Asylverfahrens sein 

kann, in Umgehung der massgeblichen ausländerrechtlichen Bestimmun-

gen ein Aufenthaltsrecht zu erlangen. Unabhängig davon ist in der vorlie-

genden Konstellation der Schutzbereich von Art. 8 Abs. 1 EMRK klarer-

weise nicht eröffnet. Es bedarf dazu nämlich einer nahen, echten und tat-

sächlich gelebten Beziehung zwischen den betroffenen Personen. Diesbe-

züglich sind als wesentliche Faktoren das gemeinsame Wohnen respektive 

der gemeinsame Haushalt, die finanzielle Verflochtenheit, die Dauer und 

Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die Bindung der Partner 

aneinander zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2021 VI/1 E. 12.2 m.w.H.). Der 

Beschwerdeführer erwähnte seine Partnerin, wie bereits erwähnt, nicht 

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Seite 9 

ansatzweise, als er gefragt wurde, welche Umstände einer Wegweisung 

nach Italien entgegenstünden, sondern erstmals in seinem Antrag auf Un-

terbringung in einer Privatunterkunft vom 8. August 2023. Seine Heirats-

pläne erwähnte er erstmals in seinem Wiedererwägungsgesuch vom 

16. August 2023. Aus den Angaben in der Beschwerdeschrift, er kenne 

seine Partnerin bereits seit 2022 und sie seien seit 13. Mai 2023 offiziell 

ein Paar ergibt sich ebenso deutlich, dass keine Beziehung im oben um-

schriebenen Sinne vorliegt. Daran ändern auch die auf Beschwerdestufe 

eingereichten Unterlagen nichts, zumal es sich bei der Beilage 5 der Be-

schwerde einzig um ein Informationsblatt des Zivilstandskreises handelt 

hinsichtlich der Unterlagen, die benötigt würden (inklusive einiger Unterla-

gen in fremder Sprache). Der Beschwerdeführer wird den Ausgang des 

Ehevorbereitungsverfahrens gegebenenfalls in Italien abzuwarten haben. 

Nach dem Gesagten besteht auch unter dem Aspekt von Art. 8 EMRK of-

fenkundig kein zwingender Selbsteintrittsgrund.  

5.4 Die angefochtene Verfügung ist schliesslich auch mit Blick auf die An-

wendung von Art. 29a Ab. 3 AsylV 1 nicht zu beanstanden; insbesondere 

sind den Akten entgegen dem Einwand in der Beschwerde keine Hinweise 

auf einen Ermessensmissbrauch oder eine Über- respektive Unterschrei-

ten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in die-

sem Zusammenhang weiterer Äusserungen.  

6.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da 

der Beschwerdeführer insbesondere nicht im Besitz einer gültigen Aufent-

halts- oder Niederlassungsbewilligung und auch (noch) nicht  über einen 

entsprechenden Anspruch verfügt, wurde die Überstellung nach Italien in 

Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 

Bst. a AsylV1). 

7.  

Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den 

vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind, 

weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.  

Die Verfahrenskosten sind somit gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

E-4511/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem 

Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand 

des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Ulrike Raemy 

 

 

Versand: