# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac0c33b9-3368-5ec3-8f0a-412ccbf2e376
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 12.06.2024 VBE.2023.450
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-450_2024-06-12.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2023.450 / lf / bs 
Art. 84 

 

Urteil vom 12. Juni 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Fischer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde 

führer  

 A._____ 

vertreten durch Dr. iur. Kurt Pfau, Rechtsanwalt, Stadthausstrasse 12, 

Postfach, 8401 Winterthur 

 

 
   

Beschwerde 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 18. September 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1962 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 26. November 

2002 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (Wiederein-

schulung in die bisherige Tätigkeit/Rente) der Eidgenössischen Invaliden-

versicherung (IV) an. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2003 wurde ihm 

rückwirkend ab dem 1. Dezember 2002 eine ganze Invalidenrente zuge-

sprochen. Im Rahmen eines im Jahr 2012 eingeleiteten Revisionsverfah-

rens aktualisierte die Beschwerdegegnerin die medizinischen Akten und 

liess den Beschwerdeführer auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen 

Dienstes (RAD) begutachten (Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 

21. März 2013). Mit Verfügung vom 4. Dezember 2013 hob die Beschwer-

degegnerin die Rente des Beschwerdeführers in Anwendung der Schluss-

bestimmungen zur 6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket, per 31. Ja-

nuar 2014 auf. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

 

1.2. 

Am 10. September 2015 meldete sich der Beschwerdeführer erneut bei der 

Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug (Rente) der IV an. Nach Ein-

gang neuer medizinischer Berichte und Rücksprache mit dem RAD liess 

die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer begutachten (Gutachten 

der ZVMB GmbH, Bern [ZVMB], vom 4. Februar 2019) und holte eine er-

gänzende gutachterliche Stellungnahme ein (Stellungnahme vom 13. Ja-

nuar 2021). Der Beschwerdeführer reichte anschliessend ein Privatgutach-

ten (Privatgutachten von Dr. med. B._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, vom 7. April 2021) ein, woraufhin die Beschwerdegegne-

rin ein Verlaufsgutachten einholte (Gutachten der SMAB AG, St. Gallen 

[SMAB], vom 19. Oktober 2022). Nach durchgeführtem Vorbescheidver-

fahren, dem erneuten Eingang einer Stellungnahme von Dr. med. B._____ 

(Stellungnahme vom 30. Januar 2023) und Rücksprache mit dem RAD 

sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Verfügung 

vom 18. September 2023 ab dem 1. März 2020 eine Viertelsrente und ab 

dem 1. Juni 2020 eine halbe Invalidenrente zu; dies unter gleichzeitiger 

masslicher Festsetzung der Rentenbetreffnisse ab dem 1. Oktober 2023 

und Ankündigung des Erlasses einer weiteren Verfügung betreffend die 

rückwirkend zugesprochenen Rentenleistungen. Die entsprechende Verfü-

gung erging in der Folge am 9. Oktober 2023. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 18. September 2023 erhob der Beschwerdefüh-

rer mit Eingabe vom 24. Oktober 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren: 

 

 - 3 - 

 

 

"1. Die Verfügung vom 18.09.2023 sei aufzuheben. 
 
2. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer 

eine ganze IV-Rente zuzusprechen. 
 
3. Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ein medizinisches Gut-

achten zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in Auf-
trag zu geben. 

 
4. Es sei eine mit den Normen der EMRK übereinstimmende öffentliche, 

mündliche und kontradiktorische Verhandlung durchzuführen, in der 
dem Beschwerdeführer Gelegenheit zu geben ist, seine Sache zu be-
gründen, akustisch angehört zu werden und auf allfällige Fragen des 
Gerichts antworten zu können, wie dies der Grundsatz des fair trial ver-
langt. 

 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. gesetzl. MWST) zu 
Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 27. November 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

3.1. 

In der angefochtenen Verfügung vom 18. September 2023 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 222) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizini-

scher Hinsicht im Wesentlichen auf das ZVMB-Gutachten vom 4. Februar 

 - 4 - 

 

 

2019 (VB 164.1), welches durch die gutachterliche Stellungnahme vom 

13. Januar 2021 ergänzt wurde (VB 181), sowie das SMAB-Gutachten vom 

19. Oktober 2022 (VB 205.1). 

 

3.1.1. 

Im orthopädisch-psychiatrisch-neurologisch-internistisch-kardiologischen 

ZVMB-Gutachten vom 4. Februar 2019 wurden interdisziplinär keine Diag-

nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (VB 164.1 S. 4). In 

der Konsensbeurteilung wurde festgehalten, aus psychiatrischer Sicht wür-

den keine funktionellen Auswirkungen der Befunde und auch keine rele-

vanten Diagnosen bestehen. Die geklagten Beschwerden und Funktions-

einbussen in der psychiatrischen Untersuchung seien nicht konsistent und 

auch nicht plausibel. Das demonstrierte Verhalten sei als nicht valide zu 

werten und es sei auch nicht nachvollziehbar gewesen. Aus internistischer 

Sicht seien aufgrund des Diabetes mellitus keine Nacht- und Schichtarbeit 

sowie kein berufsmässiges Lenken von Fahrzeugen möglich. Aus kardio-

logischer Sicht würden keine Einschränkungen bestehen. Aus orthopädi-

scher Sicht bestehe kein negatives Zumutbarkeitsprofil, welches über die 

altersentsprechende Einschränkung hinausgehen würde. Die Fähigkeiten 

und Ressourcen seien aus orthopädischer und neurologischer Sicht beim 

Beschwerdeführer nicht eingeschränkt. Er sei voll belastungsfähig 

(VB 164.1 S. 4). Es bestehe daher sowohl in der bisherigen Tätigkeit als 

Hilfsmaler (vgl. VB 164.11 S. 3) wie auch in einer angepassten Tätigkeit 

eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Diese Bewertung gelte auch retrospektiv 

(VB 164.1 S. 5). 

 

3.1.2. 

Nach dem Eingang weiterer Berichte der behandelnden Ärzte des Be-

schwerdeführers führte der psychiatrische ZVMB-Gutachter 

Dr. med. C._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner 

ergänzenden Stellungnahme vom 13. Januar 2021 aus, selbst wenn eine 

schwere depressive Episode trotz nicht eindeutigem psychopathologi-

schem Befund bei der Aufnahme in der Klinik D._____ und im Verlauf di-

agnostiziert worden sei, sei am ehesten eine psychoreaktive Störung an-

zunehmen, basierend auf dem vorausgegangenen IV-Entscheid. In der Kli-

nik seien auch psychosoziale Aspekte angesprochen worden, welche mit 

im Vordergrund der klinischen Behandlung gestanden hätten, zusammen 

mit der fehlenden Tagesstrukturierung und dem Schonverhalten des Be-

schwerdeführers (VB 181 S. 3). Auch unter Berücksichtigung der neueren 

Befunde des behandelnden Psychiaters (VB 172 S. 3 ff.) und der Klinik 

D._____ (VB 172 S. 6 ff.) nach einem bisher ersten stationären psychiatri-

schen Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 23. Mai bis am 3. Juli 2019 

würden sich keine Anhaltspunkte für eine versicherungsmedizinisch rele-

vante, anhaltende und therapieresistente psychische Störung beim Be-

schwerdeführer ergeben, welche eine berufliche Tätigkeit aus psychiatri-

scher Sicht verunmöglichen würde. Somit ergebe sich auch keine 

 - 5 - 

 

 

Veranlassung, ihre Beurteilung auf der Basis der Begutachtung des Be-

schwerdeführers im Jahr 2019 zu revidieren und anderslautende Empfeh-

lungen auszusprechen (VB 181 S. 4 f.). 

 

3.1.3. 

Im psychiatrisch-neurologisch-orthopädisch-kardiologisch-internistischen 

SMAB-Gutachten vom 19. Oktober 2022 wurden interdisziplinär die nach-

folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt 

(VB 205.1 S. 6): 

 

"1. Chronische mittelgradige Depression (ICD-10: F32.8) 
2. Protrusio C5/6 mit Spinalkanalstenose, Bandscheibenverschmälerun-

gen C5/6, C6/7 
3. Hernie L4/5 mit Nervenwurzelkompression L4 rechts 
4. Koronare Herzerkrankung" 

 

Interdisziplinär hielten die SMAB-Gutachter fest, in der angestammten Tä-

tigkeit habe ab Juli 2018 kardiologisch begründet eine 80%ige Arbeitsfä-

higkeit, ab Juli 2019 psychiatrisch begründet eine 50%ige Arbeitsfähigkeit 

und ab August 2021 orthopädisch begründet eine 100%ige Arbeitsunfähig-

keit bestanden (VB 205.1 S. 8). In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 

50%ige Arbeitsfähigkeit. Eine punktuelle Terminierung für die Entwicklung 

der Arbeitsfähigkeit in dem genannten Ausmass sei nicht möglich. Zumin-

dest könne davon ausgegangen werden, dass diese seit der Zeit nach dem 

Austritt aus der ersten stationär-psychiatrischen Behandlung in der Klinik 

D._____ (4. Juli 2019) Gültigkeit haben dürfte (VB 205.1 S. 9). Aus forma-

len Gründen sei die Arbeitsfähigkeit für die Zeiten der psychiatrischen Hos-

pitalisationen vom 23. Mai bis 3. Juli 2019 und vom 11. Juni bis 16. Juli 

2020 sowohl in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit 

aufgehoben gewesen (VB 205.1 S. 8 f.). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.2.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

 - 6 - 

 

 

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

 

3.3. 

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen mit Verweis auf die Beurtei-

lungen von Dr. med. B._____ vom 7. April 2021 (VB 185), 30. Januar 

(VB 216) und 6. Oktober 2023 (BB 1) vor, es bestünden am psychiatri-

schen ZVMB-Teilgutachten (VB 164.4), am psychiatrischen SMAB-Teilgut-

achten (VB 205.3) und an der Aktenbeurteilung der RAD-Ärztin 

Dr. med. E._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

14. August 2023 (VB 220) Zweifel, weshalb weitere Abklärungen angezeigt 

seien (vgl. Beschwerde S. 5 f., 8 f.). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Im Parteigutachten vom 7. April 2021 führte Dr. med. B._____ aus, das 

psychiatrische ZVMB-Teilgutachten von Dr. med. C._____ (VB 164.4) 

würde schwere fachliche und methodische Mängel aufweisen. Bei unvor-

eingenommener Betrachtung sei eine krankheitswertige psychiatrische 

Störung sehr wahrscheinlich und diese, wenn man die langjährige minimale 

Alltagsperformance als Referenz zur Abschätzung der Capacity nehme, 

schränke die Arbeitsfähigkeit stark ein. Bei minimalen Ressourcen zur 

Überwindung der krankheitsbedingten Einschränkungen und bei vorgängig 

mehr als zehnjähriger chronifizierter Berentung lasse sich ein krankheits-

bedingtes Festhalten an der Krankenrolle mit entsprechendem verdeutli-

chenden Krankheitsverhalten feststellen, jedoch würden sich trotz der im 

Teilgutachten von Dr. med. C._____ genannten Inkonsistenzen keine be-

lastbaren Hinweise auf Aggravation oder Simulation ergeben 

(VB 185 S. 6, 17). 

 

3.4.2. 

In seiner Stellungnahme vom 30. Januar 2023 führte Dr. med. B._____ 

zum psychiatrischen SMAB-Teilgutachten von Dr. med. F._____, Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, aus, insgesamt 

habe das psychiatrische Teilgutachten schwere Mängel sowohl in der Sorg-

falt wie auch methodisch und fachlich. Zentrale Anforderungen der psychi-

atrischen Begutachtungsleitlinien würden nicht erfüllt, die Anamnese und 

Psychopathologie seien nur lückenhaft abgeklärt, die Diagnosen seien 

nicht lege artis gestellt und würden im Widerspruch zu den vom Gutachter 

selbst erhobenen anamnestischen Angaben stehen. Bei der Schweregrad-

einschätzung seien unzulässige Abschläge gemacht worden. Die Arbeits-

fähigkeit sei nicht lege artis anhand eines Quervergleichs mit dem Leis-

tungsvermögen im Alltag ermittelt worden. Würde man Diagnosen und Ar-

beitsfähigkeit konsequent auf der Basis der vom Gutachter erhobenen In-

formationen erstellen, käme man zum Ergebnis einer chronischen schwer-

gradigen Depression F33.3 mit einer, gemessen am Leistungsvermögen 

 - 7 - 

 

 

im Alltag, stark reduzierten Arbeitsfähigkeit. Um die Diagnose der chroni-

schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nach 

F45.41 valide stellen zu können, würden Informationen fehlen, die der Gut-

achter hätte erheben müssen (VB 216 S. 15). 

 

3.4.3. 

Die RAD-Ärztin Dr. med. E._____ hielt in ihrer Aktenbeurteilung vom 

14. August 2023 fest, das ZVMB-Gutachten vom 4. Februar 2019 und das 

SMAB-Gutachten vom 19. Oktober 2022 würden die versicherungsmedizi-

nischen Vorgaben erfüllen (VB 220 S. 5 f.). Inzwischen sei harsche Kritik 

von Dr. med. B._____ eingetroffen, der bereits das ZVMB-Gutachten 

scharf kritisiert habe. Einzelne angekreidete Punkte würden durchaus zu-

treffen mögen, sie würden den RAD jedoch nicht daran hindern, ein kohä-

rentes Gesamtbild des immer komplexer werdenden Dossiers zu verschaf-

fen. Generell sei heute kaum ein psychiatrisches Gutachten vollständig ein-

wandfrei. Man habe es mit sehr unterschiedlich erfahrenen Gutachtern zu 

tun, was sich vor allem bei hoch komplexen Dossiers auswirke. Deshalb 

seien Leitlinien erstellt und der Ablauf immer mehr reguliert worden. Trotz-

dem werde sich eine gänzliche Vereinheitlichung des Gutachtenwesens 

nicht erreichen lassen. Wichtig sei aber, dass der RAD den Fall aufgrund 

des erhaltenen Gutachtens aus versicherungsmedizinischer Sicht so weit 

beurteilen könne, dass die Fragen der Verwaltung möglichst zutreffend be-

antwortet werden könnten. Selbst die Argumentation von Dr. med. B._____ 

verkörpere nicht die Perfektion. Es erscheine unklar, auf welche psychiat-

rischen Begutachtungsleitlinien sich Dr. med. B._____ stütze, ob auf das 

IV-Rundschreiben Nr. 313 oder das Kreisschreiben über das Verfahren in 

der Invalidenversicherung. Zu Recht mache Dr. med. B._____ auf die 

Problematik der Trennung von Subjektivem und Objektivem im psychiatri-

schen Befund aufmerksam. Dies sei ein weit verbreitetes Problem und dem 

Fachgebiet der Psychiatrie schon fast inhärent. Wenn Dr. med. B._____ je-

doch schreibe, der soziale Rückzug lasse sich nicht direkt beobachten und 

gehöre nicht in den Befund, so stimme dies gemäss AMDP-System nicht. 

Dr. med. B._____ beanstande auch die Beurteilung der funktionellen Fä-

higkeiten respektive der Beeinträchtigungen. Sicher sei die Beurteilung et-

was unübersichtlich, sie ergebe aus versicherungsmedizinischer Sicht aber 

dennoch ein nachvollziehbares Abbild der Möglichkeiten des Beschwerde-

führers. Aufgrund der vorhandenen Unterlagen müsse davon ausgegangen 

werden, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und 

damit auch seine Arbeitsfähigkeit nach dem negativen Vorbescheid von 

März 2019 reaktiv verschlechtert und nach den Hospitalisationen in der Kli-

nik D._____ den aktuellen Zustand erreicht habe, aus welchem sich der 

Beschwerdeführer bisher nicht erholt habe (VB 220 S. 6 f.). 

 

3.4.4. 

In der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Stellung-

nahme vom 6. Oktober 2023 hielt Dr. med. B._____ fest, er sehe es auch 

 - 8 - 

 

 

so, dass in begründeten Fällen von Leitlinien abgewichen werden könne. 

Entscheidend sei aber das Wort "begründet". Im strittigen Gutachten der 

SMAB fehle jeweils die notwendige Begründung, warum die Leitlinien nicht 

eingehalten worden seien bzw. würden hier so viele Verstösse gegen die 

Leitlinienvorgaben vorliegen, dass man nicht mehr von einzelnen sachlich 

implizit begründeten Ausnahmen ausgehen könne (BB 1 S. 4). In der Be-

gutachtung bestehe tatsächlich der Anspruch, dass die subjektive Wahr-

nehmung des Versicherten von objektiv Beobachtbarem zu trennen sei. 

Wenn man hier aufweichen würde, weil das "schon fast inhärent" sei, öffne 

man subjektiver Willkür Tor und Tür. Objektive Informationen über sozialen 

Rückzug könne man in der Gesprächssituation in der Regel nicht bekom-

men. Man könne die Angaben indirekt objektivieren, indem man den Ta-

gesablauf nachfrage, aber auch das seien letztlich subjektive Angaben, so-

fern sie nur vom Beschwerdeführer stammen würden. Ein allgemeiner so-

zialer Rückzug lasse sich rein methodisch im gutachterlichen Zweier-Ge-

spräch nicht beobachten und gehöre deshalb nicht in den gutachterlichen 

Befund (BB 1 S. 4 f.). Der Gutachter (der SMAB) habe zudem die Grund-

idee der Standardindikatoren nicht verstanden. Die Formulierung "Das Ak-

tivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend 

gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen" bedeute, dass der Gutachter 

seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht über den Daumen machen 

könne, sondern das Aktivitätsniveau als Referenz benutzen müsse. Das 

fehle im SMAB-Gutachten. Das sei kein Problem der "Übersichtlichkeit", 

sondern hier liege ein unauflösbarer Widerspruch vor. Der Gutachter 

schätze eine Arbeitsfähigkeit ein, die nicht zu seinen eigenen Angaben zum 

Aktivitätsniveau passe (BB 1 S. 6). 

 

3.5. 

3.5.1. 

Der Beschwerdeführer hat sich am 10. September 2015 bei der Beschwer-

degegnerin zum Leistungsbezug der IV angemeldet (VB 114), womit ein 

allfälliger Rentenanspruch frühestens am 1. März 2016 entstehen konnte 

(Art. 29 Abs. 1 IVG). Damit ist – unter Berücksichtigung des Wartejahres 

(vgl. dazu Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) – der Gesundheitszustand ab (mindes-

tens) März 2015 bis zum Verfügungszeitpunkt massgebend. 

 

Dem ZVMB-Gutachten vom 4. Februar 2019 ist diesbezüglich zu entneh-

men, dass keine relevanten Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits-

fähigkeit bestehen würden und daher auch retrospektiv sowohl in der bis-

herigen Tätigkeit wie auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Ar-

beitsfähigkeit bestehe (vgl. E. 3.1.1. hiervor). Daran hielt der psychiatrische 

ZVMB-Gutachter Dr. med. C._____ auch in seiner ergänzenden Stellung-

nahme vom 13. Januar 2021 fest (vgl. E. 3.1.2. hiervor). In der interdiszip-

linären Konsensbeurteilung vom 19. Oktober 2022 hielten die SMAB-Gut-

achter jedoch fest, die Einwände gegen das letzte psychiatrische Gutach-

ten (VB 164.1) könnten teilweise bestätigt werden. Es liege trotz einiger 

 - 9 - 

 

 

Inkonsistenzen eine Diagnose vor, die zudem für die Arbeitsfähigkeit von 

Relevanz sei (VB 205.1 S. 6). Im psychiatrischen Teilgutachten führte der 

psychiatrische SMAB-Gutachter Dr. med. F._____ diesbezüglich aus, im 

letzten interdisziplinären Gutachten vom 4. Februar 2019 (VB 164.1) seien 

keine psychiatrischen Diagnosen festgestellt worden. Es sei dabei von In-

konsistenzen und nicht plausiblen Angaben und einem demonstrativen 

Verhalten berichtet worden, was auch bei der aktuellen Begutachtung der 

Fall sei. Allerdings lasse diese Feststellung nicht den Schluss zu, dass 

keine psychiatrische Diagnose vorliege. So sei es auch gekommen, dass 

der behandelnde Psychiater in seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2019 

(VB 168 S. 5 ff.) die Angaben im psychiatrischen Gutachten als unrealis-

tisch und nicht nachvollziehbar eingeschätzt habe (VB 205.3 S. 9). 

Dr. med. F._____ kam sodann zum Schluss, dass die genannten Inkonsis-

tenzen und Auffälligkeiten im Verhalten nicht dazu führen dürften, das Vor-

liegen krankheitswertiger Symptome und Beeinträchtigungen in Frage zu 

stellen. Denn es sei durchaus von krankheitswertigen Beschwerden aus-

zugehen (VB 205.3 S. 10). Insgesamt erscheine es angemessen, beim Be-

schwerdeführer von einer chronifizierten Depression auszugehen, die al-

lenfalls mittelgradig ausgeprägt sei. Die fehlende Wirksamkeit der verschie-

denen medikamentösen Behandlungsansätze sei als Therapieresistenz 

einzustufen (VB 205.3 S. 11).  

 

Obwohl der psychiatrische SMAB-Gutachter Dr. med. F._____ damit die 

diagnostische Einschätzung sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im 

ZVMB-Gutachten vom 4. Februar 2019 (VB 164.1) in Frage stellte, führte 

er hinsichtlich der retrospektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Be-

schwerdeführers in angestammter und angepasster Tätigkeit ohne weitere 

Auseinandersetzung mit dem ZVMB-Gutachten oder den weiteren retro-

spektiv echtzeitlichen Akten aus, eine punktuelle Terminierung für die Ent-

wicklung der Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit 

im jetzigen Ausmass sei nicht möglich. Zumindest könne davon ausgegan-

gen werden, dass diese seit der Zeit nach dem Austritt aus der ersten sta-

tionär-psychiatrischen Behandlung in der Klinik D._____ am 4. Juli 2019 

Gültigkeit haben dürfte (VB 205.3 S. 13 f.). Dabei ging Dr. med. F._____ 

auch in keiner Weise auf die von seiner Einschätzung abweichende Stel-

lungnahme des psychiatrischen ZVMB-Gutachters Dr. med. C._____ 

vom  13. Januar 2021 ein, in welcher dieser festgehalten hatte, dass sich 

auch unter Berücksichtigung der neueren Befunde des behandelnden Psy-

chiaters und der Klinik D._____ keine Anhaltspunkte für eine versiche-

rungsmedizinisch relevante, anhaltende und therapieresistente psychische 

Störung beim Beschwerdeführer ergeben würden, die eine berufliche Tä-

tigkeit aus psychiatrischer Sicht verunmöglichen würden (VB 181 S. 4 f.). 

Zudem ergibt sich aus den Ausführungen des psychiatrischen SMAB-Gut-

achters nicht, ob es sich bei seiner Beurteilung, dass seit Juli 2019 von 

einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (VB 205.3 S. 13 f.), le-

diglich um eine von den ZVMB-Gutachtern abweichende Beurteilung des 

 - 10 - 

 

 

gleichen medizinischen Sachverhaltes handelt (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_618/2014 vom 19. Dezember 2014 E. 2.1 mit Hinweisen) oder ob 

ab Juli 2019 von einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ver-

schlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers auszu-

gehen ist. 

 

Insgesamt fehlt es damit an einer für die Prüfung des Rentenanspruchs 

hinreichenden retrospektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und 

der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Daran vermag auch die Ein-

schätzung von RAD-Ärztin Dr. med. E._____ vom 14. August 2023 nichts 

zu ändern. Sie führte zwar aus, dass aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

davon auszugehen sei, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwer-

deführers und damit auch seine Arbeitsfähigkeit nach dem negativen Vor-

bescheid im März 2019 reaktiv verschlechtert habe und nach den Hospita-

lisationen in der Klinik D._____ den aktuellen Zustand erreicht habe, aus 

welchem sich der Beschwerdeführer bisher nicht erholt habe (VB 220 S. 7). 

Sie setzte sich jedoch ebenfalls nicht mit der Kritik des psychiatrischen 

SMAB-Gutachters Dr. med. F._____ am ZVMB-Gutachten auseinander 

und damit, was diese für die retrospektive Einschätzung des Gesundheits-

zustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu bedeuten 

habe. Nachdem damit die Frage der retrospektiven Beurteilung des Ge-

sundheitszustandes sowie der Arbeitsfähigkeit nicht vollständig und nach-

vollziehbar geklärt wurde, erweisen sich die medizinischen Akten als lü-

ckenhaft und bereits in zeitlicher Hinsicht als unzureichend. Denn die (ret-

rospektive) Einschätzung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähig-

keit ist, wie vorangehend ausgeführt, sowohl massgebend für den Renten-

anspruch an sich wie auch für den Beginn des Wartejahres. 

 

3.5.2. 

Im Rahmen psychiatrischer Beurteilungen besteht sodann immer ein ge-

wisser Ermessensspielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinische 

Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern die Ex-

pertin oder der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesge-

richts 8C_548/2021 vom 25. Februar 2022 E. 7.2.1 mit Hinweisen). Vorlie-

gend hat Dr. med. B._____ insbesondere in seinem Parteigutachten vom 

7. April 2021 (VB 185 S. 4 ff.) wie auch seiner Aktenbeurteilung vom 

30. Januar 2023 (VB 216 S. 3 ff.) diverse Anhaltspunkte schlüssig darge-

tan, wonach die Einschätzung des psychiatrischen ZVMB-Gutachters 

Dr. med. C._____ (VB 164.4) sowie des psychiatrischen SMAB-Gutachters 

Dr. med. F._____ (VB 205.3) nicht lege artis erfolgt seien. 

 

Mit den fachärztlichen Ausführungen im Parteigutachten von 

Dr. med. B._____ vom 7. April 2021 setzte sich weder die RAD-Ärztin 

Dr. med. E._____ in ihren Stellungnahmen vom 24. August 2021 (VB 189) 

und vom 14. August 2023 (VB 220) noch der psychiatrische SMAB-Gut-

achter Dr. med. F._____ eingehend auseinander. Dr. med. F._____ führte 

 - 11 - 

 

 

diesbezüglich lediglich aus, in einer versicherungspsychiatrischen Stel-

lungnahme vom 7. April 2021 (VB 185 S. 4 ff.) seien dem psychiatrischen 

ZVMB-Gutachten (VB 164.1) schwere fachliche und methodische Mängel 

zugesprochen worden. Die Feststellung, dass trotz der dort genannten In-

konsistenzen keine belastbaren Hinweise auf Aggravation oder Simulation 

vorliegen würden, könne aktuell nicht bestätigt werden. Im Rahmen der Ex-

ploration und der Anamneseerhebung hätten sich durchaus Hinweise auf 

Aggravation gezeigt, was aber das Vorliegen einer psychiatrischen Diag-

nose nicht per se ausschliesse (VB 205.3 S. 10). 

 

Zur Aktenbeurteilung von Dr. med. B._____ vom 30. Januar 2023 

(VB 216 S. 3 ff.) führte die RAD-Ärztin Dr. med. E._____ in ihrer Stellung-

nahme vom 14. August 2023 aus, inzwischen sei harsche Kritik von 

Dr. med. B._____ eingetroffen, der bereits das ZVMB-Gutachten scharf kri-

tisiert habe. Einzelne angekreidete Punkte möchten durchaus zutreffen, sie 

würden den RAD jedoch nicht daran hindern, sich ein kohärentes Gesamt-

bild des immer komplexer werdenden Dossiers zu verschaffen (VB 220 

S. 6). Dies erweist sich als nicht vollumfänglich nachvollziehbar, da sie 

selbst festhielt, angesichts der Vorgeschichte werde bedauert, dass im psy-

chiatrischen Gutachten von Dr. med. F._____ kein Symptomvalidierungs-

verfahren eingesetzt worden sei. Zudem sei die Beurteilung der funktionel-

len Fähigkeiten etwas unübersichtlich, würde aber ein einigermassen ge-

nügendes Abbild der Möglichkeiten des Beschwerdeführers ergeben 

(VB 220 S. 6). Diesbezüglich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass recht-

sprechungsgemäss einzig schwere psychische Störungen mit schweren 

Auswirkungen in wichtigen Funktionsbereichen invalidenversicherungs-

rechtlich relevant sein können (vgl. statt vieler Urteile des Bundesgerichts 

8C_53/2022 vom 5. Juli 2022 E. 4.1.2 und 9C_344/2019 vom 8. August 

2019 E. 4.2). Leichten und mittelgradigen depressiven Störungen fehlt es 

gemäss höchstrichterliche Rechtsprechung in der Regel sowohl an der 

Schwere als auch an der Dauerhaftigkeit. Wird trotzdem eine Arbeitsunfä-

higkeit attestiert, bedarf es einer einlässlichen und schlüssigen Begründung 

(vgl. BGE 148 V 49 E. 6.2.2 S. 54 f.; siehe ferner Urteil des Bundesgerichts 

8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.1.4.2). Nachdem 

Dr. med. F._____ im SMAB-Gutachten eine "Chronische mittelgradige De-

pression (ICD-10: F32.8)" diagnostiziert hatte (vgl. E. 3.1.3. hiervor), wäre 

eine differenzierte und nachvollziehbare Auseinandersetzung durch die 

RAD-Ärztin mit allen wesentlichen, von Dr. med. B._____ fachärztlich vor-

gebrachten Anhaltspunkten gegen das psychiatrische SMAB-Gutachten 

umso wichtiger gewesen. 

 

Insgesamt erweist sich der medizinische Sachverhalt damit auch diesbe-

züglich als lückenhaft. 

 

 - 12 - 

 

 

3.6. 

Zusammenfassend ist der zur Beurteilung des Rentenanspruchs des Be-

schwerdeführers relevante Sachverhalt im Lichte der Untersuchungsma-

xime nicht rechtsgenüglich erstellt (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; 

BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 

S. 195; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu 

Art. 43 ATSG). Es rechtfertigt sich damit, in Anbetracht des unvollständigen 

medizinischen Sachverhalts, die Sache antragsgemäss an die Beschwer-

degegnerin zur weiteren, insbesondere psychiatrischen, Abklärung zurück-

zuweisen (BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). 

Dabei sind der Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit im retro-

spektiven zeitlichen Verlauf bis zum (neuen) Verfügungszeitpunkt zu be-

stimmen. Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin neu über den Ren-

tenanspruch des Beschwerdeführers zu verfügen. Bei diesem Verfahrens-

ausgang kann von der beantragten Durchführung einer öffentlichen Ver-

handlung (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 4; Beschwerde S. 9 f.) abgesehen wer-

den (vgl. BGE 136 I 279 E. 1 S. 281; SVR 2017 IV Nr. 84, 

8C_64/2017  E. 3.2). 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 18. September 2023 aufzuheben 

und die Sache antragsgemäss zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä-

gungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei-

sen ist. 

 

4.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

4.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz seiner 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen 

(BGE 132 V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

  

 - 13 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 

18. September 2023 aufgehoben, und die Sache wird zur weiteren Abklä-

rung im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerde-

gegnerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'500.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 12. Juni 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker