# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fc9d6e97-52ee-5f48-8158-111bd6fd9378
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-08-07
**Language:** de
**Title:** Baulinien. Verhältnis von § 101 PBG zu § 100 Abs. 3 PBG.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0200/2009
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_0200_2009_939.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 0200/2009 vom 7. August 2009 in BEZ 2009 Nr. 60

Geplant war die Schliessung einer Baulücke mittels Erstellung einer Zwischen-
baute zwischen dem auf dem Baugrundstück stehenden Gebäude A-Strasse 9 und 
dem auf dem Grundstück des rekurrierenden Nachbarn stehenden, kommunal inven-
tarisierten Gebäude A-Strasse 3. 

Auf dem noch unüberbauten Teil des Baugrundstückes wies die Verkehrsbauli-
nie  einen  planungsgeschichtlich  bedingt  unüblichen  Verlauf  auf,  indem  sie  südlich 
des  Gebäudes  A-Strasse 9 um rund 7 m zurück sprang, um hernach auf der Höhe 
der Fassadenflucht des leicht zurückversetzt gestellten Gebäudes A-Strasse 3 wei-
ter zu verlaufen. Dergestalt bildete die Baulinie einen triangelförmigen Rücksprung. 
Mit  der  geplanten  Zwischenbaute  sollte  dieser  Verkehrsbaulinienrücksprung  über 
eine Tiefe von maximal 1,5 m überstellt werden. 

Zudem verlief entlang der A-Strasse in einem Abstand von 4 m hinter der Ver-
kehrsbaulinie eine durch das Gebäude A-Strasse 9 nicht eingehaltene Arkadenbau-
linie. 

Aus den Erwägungen:

5.1 Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob das streitbetroffene Bauvorhaben 

nach § 100 Abs. 3 PBG oder nach § 101 PBG zu beurteilen ist. 

Gemäss § 101 PBG dürfen baulinienwidrige Bauten und Anlagen im Baulinien-
bereich entsprechend dem bisherigen Verwendungszweck unterhalten und moderni-
siert  werden  (Abs.  1).  Weitergehende  Vorkehren  sind  nur  zu  bewilligen,  wenn  die 
Baulinie in absehbarer Zeit nicht durchgeführt werden soll und wenn mit sichernden 
Nebenbestimmungen zur baurechtlichen Bewilligung ausgeschlossen wird, dass das 
Gemeinwesen  bei  der  Durchführung  der  Baulinie  den  entstandenen  Mehrwert  zu 
entschädigen hat (Abs. 2).

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Demgegenüber lautet § 100 Abs. 3 PBG: Weitergehende und andersartige Be-
anspruchungen  des  Baulinienbereiches  können  mit  der  baurechtlichen  Bewilligung 
nötigenfalls  unter  sichernden  Nebenstimmungen  gestattet  werden.  Gemeint  sind 
damit  «Beanspruchungen»,  die  gegenüber  den  Vorsprüngen  im  Sinne  von  §  100 
Abs. 2 und 3 PBG «weitergehend oder andersartig» sind. 

5.2  Vorliegend  ist  mit  Bezug  auf  die  Verkehrsbaulinie festzustellen,  dass  das 
zum  Umbau  und  zur  Erweiterung  um  den  Zwischenbau  vorgesehene  Gebäude  A-
Strasse 9 nicht im Baulinienbereich steht. Insoweit kann das Vorhaben nicht als Än-
derung  einer  baulinienwidrigen  Baute  im  Sinne  von  §  101  PBG  eingestuft  werden, 
womit ohne weiteres zu prüfen ist, ob die Überstellung der Verkehrsbaulinie und der 
Arkadenbaulinie mit § 100 Abs. 3 PBG zu vereinbaren sei.

Demgegenüber  ist  mit  Bezug  auf  die  Arkadenbaulinie festzustellen,  dass  das 
Gebäude A-Strasse 9 diese überstellt. Insoweit fällt das Vorhaben unter die Bestim-
mung von § 101 PBG. 

Bei  der  Vorschrift  von  §  101  PBG  handelt  es  sich  nach  gefestigter  Rechtspre-
chung  um  eine  Sondernorm  zur  Bestimmung  von  §  357  Abs.  1  PBG 
(VB.2006.00512, E. 2.2.1 = BEZ 2007 Nr. 18). Letztgenannte Bestimmung verlangt, 
dass  mit  baulichen  Änderungen  an  zufolge  Rechtsänderungen  baurechtswidrig  ge-
wordenen Gebäude keine neuen oder weitergehenden Abweichungen von Vorschrif-
ten entstehen dürfen. Diese Einschränkung muss klarerweise auch für Änderungen 
von Gebäuden gelten, die unter § 101 PBG fallen. Neue oder weitergehende Über-
stellungen eines bereits baulinienwidrigen Gebäudes beurteilen sich demnach nach 
§ 100 Abs. 3 PBG. Sind sie nach dieser Norm unzulässig, stellen sie eine neue oder 
weiter  gehende  Abweichung  von  Vorschriften  dar  und  sind  damit  auch  §  101  PBG 
unzulässig. 

Die Rekurrentin beanstandet einzig die Überstellung der Verkehrsbaulinie, wäh-
rend  sie  die  Überstellung  der  Arkadenbaulinie  durch  den  vorspringenden  Teil  der 
Zwischenbaute nicht moniert. 

Nachfolgend ist daher die Vereinbarkeit der Überstellung der Verkehrsbaulinie 

mit § 100 Abs. 3 PBG zu beurteilen.

6.1 Gemäss der Bestimmung von § 99 Abs. 1 PBG dürfen innerhalb der Bauli-
nien  nur  Bauten  und  Anlagen  erstellt  werden,  die  dem  Zweck  der  Baulinien  nicht 
widersprechen. Auf welche Bauten und Anlagen dies zutrifft, ergibt sich aus der ab-
schliessenden  formulierten  Bestimmung  von  §  96  Abs.  2  lit.  a  PBG.  Es  sind  dies 
Strassen,  Wege,  Plätze  und  Eisenbahnen,  gegebenenfalls  samt  begleitenden  Vor-
gärten, Lärmschutzanlagen, Grünzügen, und (öffentlichen) Fahrzeugabstellplätzen. 

Alle  andern  Bauten  und  Anlagen,  mit  denen  ein  Baulinienbereich  erstmals  be-
ansprucht wird, fallen somit unter die Vorschrift von § 100 PBG bzw. von § 100 Abs. 
3 PBG, sofern es sich nicht um Vorsprünge im Sinne von § 100 Abs. 1 und 2 PBG 
handelt. 

Mit ihrem Entscheid BRKE II Nr. 0136/2006 (= BEZ 2006 Nr. 50, www.brk.zh.ch) 
hat die Baurekurskommission II die Rechtsprechung zu § 100 Abs. 3 PBG geändert. 
Die Rekurskommission erwog, in § 96 Abs. 2 lit. a PBG seien nur die strassenseiti-

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gen  Bauten  und  Anlagen  einschliesslich  der  Fahrzeugabstellplätze  im öffentlichen 
Strassenraum und zudem die Vorgärten aufgezählt; mit letzteren seien die freizuhal-
tenden  Landstreifen  und  nicht  etwa  diese  überstellende  Bauten  und  Anlagen  ge-
meint. Bauten, Anlagen und Ausstattungen wie Unterstände, Gartenhäuser, Einfrie-
dungen,  Stützmauern,  Garagenvorplätze,  Garageneinfahrten,  Abfahrtsrampen  oder 
Kunden- und  Besucherabstellplätze  im  Verkehrbaulinienbereich  fielen  demnach 
zwingend unter die «weitergehenden und andersartigen Beanspruchungen des Bau-
linienbereiches»  im Sinne von § 100 Abs. 3 PBG. In dieser Bestimmung sei entge-
gen  der  bisherigen  Rechtsprechung  keine  an  einen  Ausnahmetatbestand  wie  «be-
sondere Verhältnisse» oder auch nur «erhebliche Abweichungen von durchschnittli-
chen  Gegebenheiten»  anknüpfende  Dispensvorschrift  zu  erblicken.  Daran  ändere 
auch  das  Marginale  «Ausnahmen»  nichts.  Dieses  nehme  darauf  Bezug,  dass  ge-
stützt auf § 100 Abs. 3 PBG im Baulinienbereich grundsätzlich unzulässige Bauten 
und Anlagen bewilligt werden könnten.

Statuiere die Kann-Vorschrift von § 100 Abs. 3 PBG keine eigenen Vorausset-
zungen  für  die  Bewilligung  von  weitergehenden  oder  andersartigen  Beanspruchun-
gen des Baulinienbereiches, sei die Erteilung solcher Bewilligungen einzig von einer 
Interessenabwägung  abhängig  zu  machen.  Hierbei  sei  das  öffentliche  Interesse  an 
der Wahrung der Baulinienzwecke einschliesslich der Freihaltung des mit Verkehrs-
baulinien  ausgeschiedenen  Vorgartengebietes  gegen  das  private  Interesse  des 
Bauwilligen  an  der  Realisierung  der geplanten  baulichen  Massnahme  abzuwägen. 
Letzteres überwiege vor allem dann, wenn die Realisierung der betreffenden Baute 
oder Anlage auf Grund ihrer Funktion notwendigerweise im Baulinien- bzw. Vorgar-
tenbereich  erfolgen  müsse  oder  eine  anderweitige  Situierung  jedenfalls  klar  un-
zweckmässig  sei.  Keinen  ins  Gewicht  fallenden  Grund  könne  demgegenüber  der 
Umstand  bilden,  dass  für  eine  Baute  auf  dem  Baugrundstück  anderweitig  keine 
Landreserve mehr bestehe.

Das  Verwaltungsgericht  hat  sich  dieser  Auslegung  von  §  100  Abs.  3  PBG  mit 
VB.2006.00348 (= BEZ 2007 Nr. 17) angeschlossen, mit der Ergänzung, von vorn-
herein nicht bewilligungsfähig seien Bauten und Anlagen, welche bei der Verwirkli-
chung  des  durch  die  Baulinie  gesicherten  Zweckes  nicht  ohne  weiteres  beseitigt 
werden  könnten,  sei  es  aus  technischen  oder  rechtlichen  Gründen,  oder  weil  die 
Beseitigung angesichts der investierten Mittel unverhältnismässig wäre. 

6.2 Entgegenzutreten ist der Auffassung, nach der geänderten Rechtsprechung 
zu § 100 Abs. 3 PBG sei ein Mehreres an Bauten und Anlagen innerhalb des Bauli-
nienbereiches zulässig. Dies fällt schon deswegen ausser Betracht, weil unter dem 
Regime  der  früheren  Auslegung  von  §  100  Abs.  3  PBG  in  der  Praxis  Bauten  und 
Anlagen in weit grösserem Umfang bewilligt wurden, als dies unter der Vorgabe ei-
ner  Ausnahmesituation effektiv zulässig gewesen wäre (vgl. VB.2006.00348, E. 2.3 
am  Anfang).  Es  ist  unverändert  davon  auszugehen,  dass  zwischen  Verkehrsbauli-
nien  grundsätzlich  ein  Bauverbot  besteht  (vgl.  das  Marginale  zu  §  99 PBG), es sei 
denn, es gehe um die Erstellung von Verkehrsbauten im Sinne von § 96 Abs. 2 lit. a 
PBG. Die mit § 100 Abs. 3 PBG gegebene Erlaubnis der «weitergehenden und an-
dersartigen  Beanspruchungen»  dient,  wie  sich  dem  Baurekursentscheid  ergibt,  vor 
allem der Realisierung von Bauten oder Anlagen, die auf Grund ihrer Funktion not-
wendigerweise auf einen Standort im Baulinien- bzw. Vorgartenbereich angewiesen 
sind, zumindest aber anderswo nur klar unzweckmässig lokalisiert werden könnten, 

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womit  deren  Bewilligung  mehr  oder  weniger  zwingend  erscheint.  Eine  solche 
«Standortgebundenheit» im Baulinienbereich ist in aller Regel bei Bauten und Anla-
gen  wie  Einfriedungen,  Stützmauern,  Garagenvorplätzen,  Garageneinfahrten,  Ab-
fahrtsrampen oder Kunden- und Besucherabstellplätzen zu bejahen. Darüber hinaus 
kann  die  gebotene  Interessenabwägung  auch  in  andern  Fällen  zur  Bewilligungser-
teilung führen.

7. Auf Grund der offenen Formulierung von § 100 Abs. 3 PBG und der ortsbau-
lich-ästhetischen  Funktionen  von  Verkehrsbaulinien  kommt der örtlichen Baubehör-
de  bei  der  Auslegung  und  Anwendung  dieser  Norm  ein  qualifizierter  Ermessens-
spielraum zu. Damit auferlegen sich die Baurekurskommissionen bei der Entscheid-
überprüfung trotz ihrer umfassenden Kognition (§ 20 VRG) eine gewisse Zurückhal-
tung. Dies hat namentlich zur Folge, dass die Baurekurskommissionen eine vertret-
bare  Ermessensausübung  nicht  durch  eigenes  Ermessen  ersetzen,  sondern  nur  in 
Fällen  offensichtlich  unvertretbarer  oder  gar  rechtsverletzender  Ermessensaus-
übung einschreiten.

8.1 Mit der privaten Rekursgegnerin ist festzustellen, dass dem Verkehrsbauli-
nienverlauf auf dem unüberbauten Teil des Baugrundstückes, namentlich dem win-
kelförmigen Rücksprung der Baulinie, jegliche planerische Zweckmässigkeit abgeht. 
Insoweit  ist  ein  öffentliches Interesse an der Beachtung des heutigen Baulinienver-
laufes nicht mehr festzustellen. (…)

8.2 Die Frage, ob und in welchem Umfange öffentliche oder private Interessen 
an  der  Beachtung  oder  Überstellung  der  Baulinie  im  fraglichen  Abschnitt  gegeben 
sind  und  welche  Interessen  prävalieren,  kann  indes  offen  bleiben.  Wie  vorstehend 
dargetan,  hat  das  Verwaltungsgericht  mit  VB.2006.00348  festgestellt,  von  vornher-
ein nicht bewilligungsfähig seien Bauten und Anlagen, welche bei der Verwirklichung 
des  durch die  Baulinie  gesicherten  Zweckes  nicht  ohne  weiteres  wieder  beseitigt 
werden  könnten,  sei  es  aus  technischen  oder  rechtlichen  Gründen,  oder  weil  die 
Beseitigung angesichts der investierten Mittel unverhältnismässig wäre. Genau dies 
wäre  hier  indes  der  Fall;  an  der  Eigenschaft,  ohne  weiteres  beseitigungsfähig  zu 
sein,  fehlt  es  der  Zwischenbaute  offensichtlich.  Damit  erweist  sich  die  Bewilligung 
der Baulinienüberstellung als rechtsverletzend. 

Mit Bezug auf das öffentliche Interesse an der Baulückenschliessung bzw. das 
private Interesse an der damit verbundenen Mehrausnützung des Baugrundstückes 
bleibt  zu  bemerken,  dass  die  Baulücke  auch  mit  einer  durchgehend  um  1,5  m  zu-
rückversetzten Fassade geschlossen werden könnte. Von der Verpflichtung gemäss 
Art. 24g Abs. 4 BZO, auf die Baulinie und damit winkelförmig (mithin also nur an ei-
nem Punkt um 1,5 m zurückversetzt) zu bauen, könnte gestützt auf § 220 PBG be-
freit  werden.  Soweit  das  Bauen  auf  die  Baulinie  zugleich  auch  eine  Berechtigung 
bildet, könnte unter dem Aspekt der besonderen Rücksichtnahme auf das Schutzob-
jekt A-Strasse 3 gestützt auf § 238 Abs. 2 PBG von der privaten Rekursgegnerin ein 
Verzicht  auf  eine  winkelförmig  verlaufende  Fassade  zu  Gunsten  einer  begradigten 
Rückversetzung  wohl  verlangt  werden;  der  damit  verbundene  Ausnützungsverlust 
würde sich in eher engen Grenzen halten (VB 89/0192 = RB 1990 Nr. 78). 

8.3 Stellt sich die private Rekursgegnerin sinngemäss auf den Standpunkt, von 
der  Baulinie  werde  im  fraglichen  Abschnitt  mit  Bestimmtheit  kein  Gebrauch  mehr 

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gemacht,  kann  dies  auch  als  Begehren  um  akzessorische  Überprüfung  verstanden 
werden. 

Gemäss  §  110a  PBG  haben  Eigentümer  von  Grundstücken,  die  von  Bau- und 
Niveaulinien  betroffen  sind,  Anspruch  auf  deren  Überprüfung,  wenn  die  Richtpla-
nung den durch die Bau- und Niveaulinien gesicherten Ausbau nicht mehr vorsieht. 
Mit  VB.97.00131  (=  RB  1997  Nr.  66)  hat  das  Verwaltungsgericht  festgehalten,  die 
Überprüfung von Bau- und Niveaulinien müsse nicht ausschliesslich in einem sepa-
raten  Revisionsverfahren,  sondern  könne  (ausnahmsweise)  akzessorisch  auch  im 
Baubewilligungsverfahren erfolgen. 

Wäre gestützt auf diese Rechtsprechung die Rechtsverbindlichkeit der Baulinie 
zu  verneinen,  wäre  nicht  mehr  zu  verlangen,  dass  die  Baulinie  nur  durch  Bauteile 
überstellt  werden  darf,  die  sich  ohne  weiteres  wieder  beseitigen  lassen.  Vielmehr 
wäre die Baulinie zur Gänze unbeachtlich.

Die  A-Strasse  ist  im  hier  relevanten  Abschnitt  zwischen  B-Strasse  und  Z-
Strasse  sowohl  im  kommunalen  Verkehrsplan  der  Stadt  Zürich  vom  Februar  1990 
als auch im kommunalen Verkehrsplan vom 1. Oktober 2003 einzig als bestehender 
kommunaler Fussweg verzeichnet. Die Richtplanung weist damit keinen Ausbaube-
darf  aus.  Allerdings  liegt  auch  nicht  der  Fall  vor,  wo  mit  einer  Revision  eine  zuvor 
noch vorgesehene Strasse aus dem Richtplan gestrichen worden ist, weil diese nicht 
mehr erstellt werden soll, so dass die betreffenden Baulinien nur noch ein nicht mehr 
gerechtfertigtes  Bauhindernis  darstellten.  Vor  auf  allem  solche  Fälle  zielt  die  Be-
stimmung  von  §  110a PBG  ab,  nicht  aber  darauf,  eine  unzweckmässige  Baulinien-
ziehung zu korrigieren. 

Damit muss es vorliegend entfallen, den streitbetroffenen Baulinienabschnitt als 
unbeachtlich  zu  erklären. Im Übrigen wäre das diesfalls Platz greifende Erfordernis 
von  Art.  24g Abs. 4 BZO, auf die vorherrschende Bauflucht zu bauen, kaum erfüllt, 
indem im Bereich der Baulücke wohl die Fassadenflucht des Gebäudes A-Strasse 9 
als  vorherrschende  Bauflucht  zu  betrachten  wäre,  diese  Linie  aber  vom  Vorsprung 
der geplanten Zwischenbaute überstellt würde.

8.4  Macht  die  Vorinstanz  geltend,  die  Zwischenbaute  übernehme  «wie  selbst-
verständlich»  eine  «logische»  Baulinienziehung,  ist  hierin  zunächst  kein  rechtser-
hebliches Kriterium zu erkennen. Antizipierten Baulinienrevisionen kommt keine po-
sitive Vorwirkung zu. Im Übrigen überzeugt diese Feststellung auch der Sache nach 
nicht.  Zwar  wäre  mit  einer  verbesserten  Baulinienziehung  der  winkelförmige  Rück-
sprung zu begradigen; offen ist jedoch, in welcher Tiefe. Namentlich wäre die begra-
digte Baulinie bis zum Gebäude A-Strasse 9 durchzuziehen, wäre also auf den Vor-
sprung der Baulinie, der planerisch nicht minder unmotiviert erscheint, zu verzichten. 
Damit  kann  nicht  einmal  gesagt  werden,  das  Projekt  würde  einen  künftig  zu  erwar-
tenden Baulinienverlauf einhalten.

8.5 Mithin ist die Baubewilligung aufzuheben.

9.  Im  Hinblick  auf  ein  baulinienkonformes  Nachfolgeprojekt  bleibt  zur  Vermei-
dung  unnötiger  Rechtsgänge  aus  der  Sicht  der  Baurekurskommission  I  bemer-
kungsweise Folgendes festzuhalten:

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9.1  Gefährdet  die  Bewilligung  eines  Bauvorhabens  ein  inventarisiertes  Objekt, 
so  hat  die  nach  §  211  Abs.  1  und  2  PBG  hierfür  zuständige  Behörde  vorab  einen 
Entscheid  über  Schutzmassnahmen  zu  treffen,  d.h.  Schutzmassnahmen  entweder 
anzuordnen  oder  aber  (ganz  oder  teilweise)  auf  solche  zu  verzichten.  Nur  dann, 
wenn  jegliche  Gefährdung  eines  inventarisierten  Objektes  ausgeschlossen  werden 
kann,  besteht  keine  Veranlassung,  einen  solchen  Entscheid  zu  treffen  (vgl. 
VB.1999.00128 = BEZ 2000 Nr. 22). Der Verzicht auf Schutzmassnahmen ist durch 
eine förmliche Entlassung des Objektes aus dem Inventar anzuordnen. Entscheide, 
mit  denen  Schutzmassnahmen  angeordnet  werden  oder  aber  auf  solche  verzichtet 
wird, sind nach den Regeln von § 6 Abs. 1 lit. a PBG zu publizieren (BRKE IV Nrn. 
167 und 168/2007 = BEZ 2008 Nr. 10, www.brk.zh.ch). 

Eine Baubewilligung kann demnach nur dann ohne vorgängigen Entscheid über 
Schutzmassnahmen  erteilt  werden,  wenn  die  für  den  Schutzentscheid  zuständige 
Behörde  zum  Schluss  kommt,  die  geplanten  baulichen  Massnahmen  bzw.  deren 
Bewilligung  stellten  keinerlei  Gefährdung  des  Schutzobjektes  dar.  Alsdann  hat  die 
(bestehen bleibende) Inventarisierung nur, aber immerhin zur Folge, dass bauliche 
Massnahmen,  wenn  sie  das  Gebäudeäussere  tangieren,  der  verschärften  Bestim-
mung § 238 Abs. 2 PBG genügen müssen, nach welcher Vorschrift in gestalterischer 
Hinsicht auf Schutzobjekte besondere Rücksicht zu nehmen ist. Solche Fälle dürften 
indes,  wenngleich  nicht  gänzlich  auszuschliessen,  selten  sein,  da  nach  aussen  in 
Erscheinung  tretende  bauliche  Massnahmen  an  einem  inventarisierten  Objekt 
schnell  einmal  dessen  Gefährdung  befürchten  lassen  und  daher  zu  einem  Schutz-
entscheid führen müssen. 

Allgemein  gesprochen  ist  die  Gefährdung  eines  Objektes  dann  anzunehmen, 
wenn die geplanten baulichen Massnahmen Teile des Objektes betreffen, die erhal-
tenswert  oder  deren  Änderung  oder  Ersetzung  Gegenstand von Regelungen in der 
Schutzverfügung  sein  könnten.  Im  Zweifelsfall  ist  stets  ein  förmlicher  Schutzent-
scheid zu fällen; nur klare Fälle rechtfertigen einen Verzicht hierauf. 

9.2  Das  Gebäude  A-Strasse  3  ist  wie  erwähnt  im  Inventar  der  Schutzobjekte 
von kommunaler Bedeutung verzeichnet. Eine seiner charakteristischen Eigenschaf-
ten  besteht  in  seiner  Stellung  als  Solitärbaute  mit  eigenwilliger  Stellung gegenüber 
dem  angestammten  Überbauungsmuster.  Der  Solitärcharakter bliebe wohl auch mit 
einer  Zwischenbaute  hinreichend  ablesbar,  indem  sich  Alt  und  Neu  im  Erschei-
nungsbild klar unterscheiden lassen. Dem Gesagten zufolge wäre die Zwischenbau-
te  um  1,5  m  zurückzuversetzen,  damit  dergestalt  die  Verkehrsbaulinie  respektiert 
würde. 

Auch mit dieser Zurückversetzung würde indes die Nordostfassade des Gebäu-
des  A-Strasse  3  durch  die  Zwischenbaute  grossflächig  zugedeckt,  womit  das 
Schutzobjekt  eine  erhebliche  Veränderung  erfahren  würde.  Dies  erst  recht  dann, 
wenn  für  den  Zwischenbau  die  dortige  vertikale  Fensterzeile  über  dessen  ganze 
Höhe  geschlossen  würde,  was  erforderlich  sein  dürfte  (vgl.  §§  289  f.  PBG).  Damit 
würde in die bauliche Substanz des Gebäudes eingegriffen. Es kann ohne weiteres 
antizipiert  werden,  dass  die  Vorinstanz,  wollte  die  private  Rekursgegnerin  diese 
Fensterzeile  von  sich  aus  schliessen,  dies  unter  Hinweis  auf  die  Inventarisierung 
des  Gebäudes verweigern würde. Die Nordostfassade bildet offenkundig einen we-

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sentlichen Teil des Gebäudes A-Strasse 3; bauliche Änderungen an dieser Fassade 
müssten in einer Schutzverfügung geregelt werden.

Damit ist in der Zwischenbaute eine Gefährdung des Schutzobjektes A-Strasse 
3  zu  erblicken,  womit  die  Baubewilligung  einen  Schutzentscheid  über  dieses  Ge-
bäude  erfordern  würde.  Ein  solcher  Schutzentscheid  des  hierfür  zuständigen 
Stadtrates  von  Zürich  (§  211  Abs.  2  PBG)  kann  selbstverständlich  nicht  durch  ein 
im  Baubewilligungsverfahren 
informelles  Mitwirken  der  Denkmalpflegebehörde 
ersetzt werden. Dass das Zusammenbauen hier zustimmungsfrei erlaubt ist (Art. 24g 
Abs.  3  BZO),  steht  der  vorliegenden  Betrachtung  ebenfalls  nicht  entgegen,  da  von 
vornherein  nur  bauordnungsgemässe  und  damit  prinzipiell  bewilligungsfähige 
Vorhaben  Schutzobjekte  gefährden  können.  Dasselbe  gilt  mit  Blick  auf  die  1965 
begründete Grunddienstbarkeit zu Gunsten des Baugrundstückes und zu Lasten des 
rekurrentischen  Grundstückes,  die  zum  Anbau  «direkt  auf  die  Brandmauer»  des 
Gebäudes  A-Strasse  3 berechtigt.  Nichts  zur  Sache  tut  alsdann  auch,  dass  die 
Gefährdung  des  Schutzobjektes  durch  ein  Nachbarprojekt  ausgelöst  wird.  Dies  hat 
einzig 
immerhin)  die  verfahrensrechtliche  Konsequenz,  dass  ein 
Schutzentscheid,  welcher  die  private  Rekursgegnerin  an  der  Ausschöpfung 
regulärer Baumöglichkeiten – also am Anbau an die Fassade des Schutzobjektes –
hindern würde, auch dieser zu eröffnen wäre. 

(aber 

10.1 Demnach ist die angefochtene Baubewilligung in Gutheissung des Rekur-

ses aufzuheben.