# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 77a1f4cb-0eba-5595-b183-e50a0a5dfd18
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-18
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 18.09.2017 SK 2017 55
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-55_2017-09-18.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 17 55

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. September 2017

Besetzung Oberrichter Zihlmann (Präsident i.V.), 
Oberrichter Vicari, Oberrichterin Hubschmid
Gerichtsschreiberin Hiltbrunner

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern  

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand fahrlässige schwere Körperverletzung, Widerhandlung gegen das 
Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Einzelgericht) vom 10. November 2016 (PEN 15 561)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Einzelgericht) erklärte A.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 10. November 2016 der fahrlässigen 
schweren Körperverletzung, begangen am 6. Juni 2014 in Tüscherz zum Nachteil 
von C.________ (nachfolgend: Privatklägerin) schuldig. Es verurteilte ihn zu einer 
bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 120.00, ausmachend total 
CHF 6‘000.00, mit einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Verbindungs-
busse von CHF 1‘200.00 mit Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. Weiter verurteilte 
das Regionalgericht den Beschuldigten zur Bezahlung der Verfahrenskosten von 
insgesamt CHF 11‘314.95 und zur Bezahlung einer Entschädigung an die Privat-
klägerin für ihre Aufwendungen im Verfahren von CHF 5‘198.90. Die Zivilklage der 
Privatklägerin verwies es wegen unzureichender Begründung/Bezifferung auf den 
Zivilweg (pag. 334 ff.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, verteidigt durch Fürsprecher 
B.________, am 18. November 2016 fristgerecht die Berufung an (pag. 340). Nach 
Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung vom 6. Februar 2017 
gelangte form- und fristgerecht die Berufungserklärung des Beschuldigten ein. Er 
focht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an (pag. 386 ff.). Die Privatklägerin, 
vertreten durch Rechtsanwalt D.________, erklärte weder Anschlussberufung noch 
erhob sie formelle Einwände gegen die Berufung des Beschuldigten (pag. 395). Die 
Generalstaatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 3. März 2017 ihren Verzicht 
auf Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 397 f.). Nach dem sich sowohl 
die Privatklägerin (pag. 403) als auch der Beschuldigte (pag. 413) mit der Durch-
führung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden erklärt hatten, ordnete die 
Verfahrensleitung dies mit Verfügung vom 12. April 2017 gestützt auf Art. 406 Abs. 
2 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) an (pag. 415 f.). Die 
schriftliche Berufungsbegründung des Beschuldigten datiert vom 15. Mai 2017 
(pag. 431 ff.). Die Privatklägerin nahm mit Eingabe vom 19. Juni 2017 dazu Stel-
lung (pag. 450 ff.). Mit Eingabe vom 3. Juli 2017 folgte eine Replik des Beschuldig-
ten (pag. 458 ff.) und am 7. Juli 2017 eine kurze Duplik der Privatklägerin (pag. 
465).

3. Anträge der Parteien

Fürsprecher B.________ stellte und begründete mit Berufungsbegründung vom 
15. Mai 2017 namens und im Auftrag des Beschuldigten folgende Anträge 
(pag. 432):
1. Es seien

- Ziffer I. (Schuldspruch, Verurteilung, Ziffer 1, 2, 3 und 4) und
- Ziffer II. (Zivilpunkt Ziffer 1 und 2)

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des Dispositives des Urteils PEN 15 561 vom 10. November 2016
vollumfänglich aufzuheben.

2. A.________, sei vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung, angeblich begangen 
am 6. Juni 2014 in Tüscherz z.N. von C.________, vollumfänglich freizusprechen.

3. Die Zivilklage von C.________ sei vollumfänglich abzuweisen.
4. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Kanton Bern zur Bezahlung 

aufzuerlegen.
5. Das Begehren von A.________ auf Zusprechung einer Parteientschädigung sei gutzuheissen.

– unter Kosten- und Entschädigungsfolge –

Rechtsanwalt D.________ verwies mit Stellungnahme vom 19. Juni 2017 namens 
und im Auftrag der Privatklägerin auf die vor erster Instanz gestellten Anträge (pag. 
450). Diese lauten wie folgt:
A. Au pénal
Reconnaître le prévenu A.________ coupable de lésions corporelles graves par négligence, 
commises à Tüscherz le 06.06.2014 au préjudice de la plaignante C.________ selon les 
circonstances décrites dans l’ordonnance pénale du 29.06.2015.
Partant, le condamner à une sanction à dire de justice, aux frais de la cause pour les deux instances 
et aux frais d’intervention de la plaignante pour les deux instances.
B. Au civil
Prendre et donner acte du fait que la plaignante C.________ réserve tous ses droits au civil. Partant 
et en confirmation du jugement de 1ière instance, renvoyer la partie plaignante à agir par la voie civile.

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Rechtsmittelinstanz verfügt im Berufungsverfahren über volle Kognition (Art. 
398 Abs. 3 StPO). Sie hat das erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochte-
nen Punkte umfassend zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Da nur der Beschul-
digte Berufung eingereicht hat, ist die Kammer an das Verschlechterungsverbot 
nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden und darf das erstinstanzliche Urteil nicht zum 
Nachteil des Beschuldigten abändern.

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden als Beweisergänzungen ein aktueller Strafregisteraus-
zug, ein aktueller ADMAS-Auszug und ein aktueller Bericht über die wirtschaftli-
chen Verhältnisse des Beschuldigten eingeholt (pag. 416, 419 ff.).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf

Mit Strafbefehl vom 29. Juni 2015 wurde dem Beschuldigten vorgeworfen, er sei 
am 6. Juni 2014 in Tüscherz auf der Neuenburgerstrasse im Bereich einer Baustel-
le, in welchem die ursprüngliche Sicherheitslinie durch eine orange, gezogene Si-
cherheitslinie ersetzt war, von der korrekten Spur abgekommen respektive nicht 
rechts von der Sicherheitslinie geblieben. Er habe aus Unachtsamkeit mindestens 
mit zwei Rädern die orange Sicherheitslinie (Trennungslinie) überfahren. Die ihm 
entgegenkommende Fahrerin (die Privatklägerin) habe versucht, einen Unfall mit 

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dem teilweise auf ihrer Seite entgegenkommenden Fahrzeug zu verhindern resp. 
auszuweichen. Sie habe ihr Auto dazu etwas nach rechts gelenkt, sei dabei aber 
auf eine seitliche Fahrbahnabschrankung (Leitplanke) aufgefahren. Dadurch habe 
sich ihr Auto von der Fahrbahn abgehoben, sich überschlagen und sei mit dem 
Fahrzeug des Beschuldigten zusammengestossen. Aufgrund des Unfalles habe 
sich die Privatklägerin schwere Verletzungen insbesondere am Arm und am Kopf 
zugezogen, sodass sie heute nicht mehr auf dem ursprünglichen Beruf und nur 
noch Teilzeit arbeiten könne. Insbesondere habe sie die Sensibilität der einen Hälf-
te der Hand nicht wieder erlangt (pag. 155).

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Es ist unbestritten, dass die Privatklägerin auf die provisorische Leitplanke auffuhr, 
ihr Fahrzeug sich überschlug und mit dem entgegenkommenden Fahrzeug des Be-
schuldigten kollidierte. Ebenfalls unbestritten ist, dass sich die Privatklägerin bei 
diesem Unfall schwere Verletzungen mit den im Strafbefehl beschriebenen Folgen 
zuzog. Der Beschuldigte bestreitet hingegen, seine Fahrspur, die mit einer proviso-
rischen orangen Sicherheitslinie von der Gegenfahrbahn abgetrennt war, verlassen 
zu haben. Er habe deshalb die Privatklägerin nicht dazu veranlasst, ihm auszuwei-
chen, was deren Auffahren auf die Leitplanke und die anschliessende Kollision zur 
Folge hatte.

8. Beweismittel

Für die Prüfung des bestrittenen Sachverhalts liegen sowohl objektive als auch 
subjektive Beweismittel vor. Auf der objektiven Seite sind insbesondere Fotodossi-
er, Unfallskizzen inkl. erläuternder Bericht und Spurenplan des Unfalltechnischen 
Dienstes (UTD) (pag. 30 ff.) sowie das verkehrstechnische Gutachten der Dynamic 
Test Center AG (DTC) vom 3. Juni 2016 (pag. 228 ff.) von Bedeutung. Die subjek-
tiven Beweismittel bestehen aus den Aussagen des Beschuldigten (pag. 106 ff., 
pag. 110 ff. und pag. 322 f.), der Privatklägerin (pag. 98 ff., pag. 102 ff. und pag. 
320 f.) sowie denjenigen von mehreren Auskunftspersonen (insbesondere pag. 14, 
20 und 93 ff.). Für die Zusammenfassung sämtlicher objektiver und subjektiver Be-
weismittel kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 352-
361, S. 4-13 der Urteilsbegründung).

9. Beweisergebnis der Vorinstanz
Die Vorinstanz hielt den Sachverhalt gemäss Strafbefehl beweiswürdigend für er-
stellt. Sie erwog insbesondere, sowohl das DTC-Gutachten als auch der Bericht 
des UTD kämen zum selben Schluss. Beide stützten sich auf objektive Beweismit-
tel. Für das Gericht sei erwiesen, dass sich der Beschuldigte mit seinem Toyota 
zum Zeitpunkt der Kollision auf der Fahrspur der Privatklägerin befunden habe und 
aufgrund der Kollision einen Schwenker nach rechts auf seine Spur gemacht habe, 
wie ihm das Gutachten des DTC und der Bericht des UTD übereinstimmend attes-
tieren würden. Die Aussagen der Privatklägerin, welche nahe legen, dass sich der 
Beschuldigte auf der falschen Fahrbahn befunden habe, erschienen glaubhaft. Da-
gegen seien einige Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich zueinander und 
zu den objektiven Beweismitteln. Seine Aussagen bezüglich des konstanten Hal-

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tens seiner Fahrspur seien unglaubhaft. Vor dem Beschuldigten sei E.________ 
mit seinem Motorrad gefahren, so komme kein anderes Fahrzeug als Unfallverur-
sacher in Frage. Insgesamt sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte den Un-
fall verursacht habe (pag. 362-365, S. 14-17 der Urteilsbegründung). 

10. Vorbringen der Parteien

10.1 Vorbringen des Beschuldigten

Fürsprecher B.________ bringt zur Verteidigung des Beschuldigten zusammenge-
fasst vor, die Vorinstanz sei sich bei ihrer Entscheidfindung offenbar der Relevanz 
der Aussage von F.________ nicht bewusst gewesen. Dieser sei mit seinem Last-
wagen vor der Privatklägerin unterwegs gewesen und habe seine Distanz zur Un-
fallstelle, als er anhielt, auf 50 bis 100 Meter geschätzt. Die Privatklägerin müsse 
direkt hinter dem Lastwagen gefahren sein. Der aus der Gegenrichtung kommende 
Beschuldigte habe den breiten Lastwagen problemlos passieren können. Nach 
Aussage der Privatklägerin müsste der Beschuldigte unmittelbar nach dem Kreu-
zen des Lastwagens die orange Spur verlassen haben. Der Beschuldigte hätte 
demnach eine schnelle und massive Lenkbewegung nach links machen müssen, 
was innerhalb der kurzen Zeit gar nicht möglich sei. Nach Aussage der Privatkläge-
rin hätte sich der Beschuldigte aber bereits auf der falschen Spur befinden müssen, 
als sie ihn wahrnahm. Die Aussage der Privatklägerin sei eine Schutzbehauptung, 
die durch die glaubhaften Aussagen von F.________ und des Beschuldigten wider-
legt werde. Das Auffahren der Privatklägerin auf die Leitplanke sei klarerweise 
nicht aufgrund eines Fehlverhaltens des Beschuldigten erfolgt. Ein angebliches 
Ausweichmanöver mit einem Auffahren auf eine Leitplanke stelle einen klaren 
Selbstunfall dar, welcher auf ein Nichtbeherrschen des Fahrzeuges zurückzuführen 
sei. Selbst wenn der Beschuldigte sich bereits vor dem Unfall mit zwei Rädern auf 
der Gegenfahrbahn befunden hätte, so hätte die Privatklägerin noch eine freie 
Fahrbahnbreite von gut drei Metern gehabt. Ein Kreuzen wäre auch bei dieser Hy-
pothese möglich geblieben. Das DTC-Gutachten habe keine Unklarheiten beseiti-
gen können. Allfällige Mutmassungen des Gutachters seien keine Beweise, die 
zum Nachteil des Beschuldigten verwendet werden dürfen. Es bleibe nur die auf 
der Mitte der weiss linierten Fahrbahn beginnenden Flüssigkeitsspur. Diese sei 
aber erklärbar durch die Verschiebung des Fahrzeugs des Beschuldigten durch 
den Aufprall auf die Gegenfahrbahn. Der Beschuldigte habe sich in jeder Hinsicht 
korrekt verhalten und keine Sorgfaltspflichtverletzung begangen (pag. 431 ff.). 

10.2 Vorbringen der Privatklägerin

Rechtsanwalt D.________ als Vertreter der Privatklägerin verweist in seiner Stel-
lungnahme auf das seiner Ansicht nach solide begründete erstinstanzliche Urteil. 
Die Vorbringen des Beschuldigten seien nicht geeignet, die logischen Folgerungen 
der Vorinstanz in Frage zu stellen. Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten 
lasse sich aus den Aussagen von F.________ nicht schliessen, wie gross die Di-
stanz zwischen dessen Fahrzeug und demjenigen der Privatklägerin im Zeitpunkt 
des Unfalls gewesen sei. Der Zeuge habe den Unfall nicht gesehen. Seine sicher-
lich gutgläubig vorgenommene Schätzung der Distanz auf 50 bis 100 Meter sei 
sehr relativ. Es sei sodann unwichtig zu wissen, warum und wie schnell der Be-

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schuldigte nach links abgedriftet sei und teilweise seine Fahrspur verlassen habe. 
Tatsache sei, dass er diese Position innegehabt habe, was den Unfall ausgelöst 
habe. Das DTC-Gutachten lasse sicherlich gewisse Fragen offen. Doch kämen 
beide technischen Analysen zum Schluss, aufgrund der Flüssigkeitsspuren des 
Fahrzeuges des Beschuldigten müsse die Kollision zwingend links von der orangen 
Sicherheitslinie in Richtung Biel stattgefunden haben. Daraus ergebe sich die logi-
sche Folge, dass sich das Fahrzeug des Beschuldigten ausserhalb seiner Fahrspur 
befunden habe. Die Vorinstanz sei aufgrund objektiver Tatsachen zu ihrer Über-
zeugung gelangt und habe jegliche vernünftigen Zweifel am Sachverhalt ausräu-
men können (pag. 450 ff.)

11. Beweiswürdigung der Kammer

11.1 Bericht des UTD und DTC-Gutachten

Im Fotodossier des UTD wurde unter dem Buchstaben g der Legende (pag. 30.1) 
vermerkt, die Flüssigkeit (Kühlwasser und Öl) der erkennbaren Spur stamme vom 
Fahrzeug des Beschuldigten. Die Spur ist auf mehreren Fotos erkennbar (insbe-
sondere auf pag. 40). Bei dieser ausgetretenen Flüssigkeit handle es sich um eine 
indirekte Spur, anhand derer die Kollisionszone hergeleitet werden könne. Diese 
befinde sich hier in etwa bzw. mindestens auf der orangen Sicherheitslinie (pag. 
30.2 und pag. 72 und 73). Gemäss UTD habe sich ein Teil des Fahrzeuges des 
Beschuldigten auf der Fahrspur der Privatklägerin befunden (pag. 73).

Das DTC-Gutachten rekonstruierte den Kollisionspunkt relativ zur Fahrbahn auf-
grund der festgestellten Flüssigkeitsspuren und des gesamten Kollisionsverlaufs. 
Daraus lasse sich schliessen, dass sich der Kollisionspunkt relativ zur Fahrbahn 
mittig auf der Fahrbahn (dauerhafte weiss-linierte, nicht temporäre orange-linierte 
Fahrspur) in Richtung Biel befinde (pag. 236). Dem beiliegenden Unfallplan ist zu 
entnehmen, dass dieser Punkt in Fahrtrichtung Biel (des Beschuldigten) wenig links 
von der temporären orangen Mittellinie liegt (pag. 246). Nach der Kollision habe der 
Toyota Landcruiser des Beschuldigten einen leichten Schlenker nach rechts gefah-
ren, bevor er rund 30 Meter nach der Kollisionsposition in seiner Endlage stehen 
geblieben sei (pag. 236). Es sei mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, 
dass sich der Toyota Landcruiser nicht ordnungsgemäss auf der temporären oran-
ge-linierten Fahrspur befunden habe, sondern wohl eher auf der permanenten 
weiss-linierten Fahrspur gefahren sei (pag. 237). Anhand der gefunden Reifenpro-
filspuren des VW Golfs der Privatklägerin könne eine Linie gezogen werden, wel-
che aufzeige, dass der VW Golf kontinuierlich von der Strasse weggelenkt habe. 
Sie gingen davon aus, dass der auf der falschen Spur entgegenkommende Toyota 
Landcruiser der Auslöser sein könnte (pag. 237). In der Folge wird jedoch präzi-
siert, dass der Grund, wieso die Privatklägerin – ob gewollt oder nicht – mit ihrem 
Fahrzeug nach rechts auf die Leitplanke gelangt sei, nicht mehr nachvollzogen 
werden könne (pag. 238). 

Anhand der objektiven Spuren konnten die technischen Experten somit den Kollisi-
onspunkt der beiden Fahrzeuge recht genau bestimmen. UTD und DTC kamen mit 
unterschiedlichen Umschreibungen in etwa zum gleichen Ergebnis. Gemäss UTD 
befand sich der Kollisionspunkt etwa bzw. mindestens auf der orangen Sicherheits-

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linie (d.h. allenfalls auch noch mehr links davon). Gemäss DTC befand sich der 
Kollisionspunkt in der Mitte der weiss markierten Fahrbahn. Dies ist leicht links von 
der orangen Sicherheitslinie in Richtung Biel. Die Kammer erachtet sowohl den Be-
richt des UTD als auch das Gutachten des DTC, die sich gegenseitig bestätigen, 
für schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen ist. Fakt ist somit, 
dass das Fahrzeug des Beschuldigten im Moment der Kollision mit dem Fahrzeug 
der Privatklägerin leicht links auf die Fahrspur der Privatklägerin geraten war. 

Nach der Kollision zog das Fahrzeug des Beschuldigten nach rechts. Die These 
der Verteidigung, wonach sich das Fahrzeug des Beschuldigten erst durch den 
Aufprall nach links auf die Fahrspur der Privatklägerin gedreht haben soll, wird von 
den technischen Berichten in keiner Weise gestützt. 

11.2 Aussagen der Privatklägerin

Den Ausführungen der Vorinstanz, wonach die Aussagen der Privatklägerin glaub-
haft wirken, kann beigepflichtet werden (pag. 363, S. 15 der Urteilsbegründung). 
Der technische Befund des UTD und des DTC wird durch die konstanten Aussagen 
der Privatklägerin gestützt, wonach ihr ein Fahrzeug auf ihrer Spur entgegenge-
kommen sei. Das Fahrzeug sei der weissen anstatt der orangen Linie gefolgt (pag. 
99 Z. 27 ff., pag. 103 Z. 30, pag. 320 Z. 24 ff.). 

Sie sagte, sie sei in einer Kolonne gefahren, könne aber nicht sagen, wieviel Ab-
stand sie zum vorausfahrenden Fahrzeug gehabt habe. Sie sei nicht nahe aufge-
fahren (pag. 99 Z. 47 ff.). Das Fahrzeug, das ihr entgegenkam, müsse etwas weiter 
entfernt gewesen sein, sie habe nämlich noch überlegt, dass der Lenker einen Un-
fall provozieren könnte, wenn er so fährt (pag. 99 Z. 52 ff., pag. 320 Z. 31 f.). An-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte sie, es habe nicht viel Ver-
kehr gehabt (pag. 320 Z. 24).

11.3 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte hat konstant ausgesagt, er sei immer auf seiner Fahrspur gefah-
ren und die Kollision habe auf seiner Fahrspur stattgefunden (pag. 107 Z. 28., pag. 
112 Z. 77 ff., pag. 322 Z. 20 f.). Das widerspricht jedoch den sich auf objektive Be-
weise stützenden technischen Berichten der Experten des UTD und des DTC und 
den Aussagen der Privatklägerin. Er versuchte sodann die technischen Befunde 
mit verschiedenen Varianten zu erklären. Bei der Staatsanwaltschaft sagte er aus, 
bei der Kollision sei der Airbag losgegangen und er habe nichts mehr gesehen. Da 
sei er wohl auf die andere Fahrbahn gelangt (pag. 112 Z. 54 ff.). Vor der Vorinstanz 
meinte er dann, durch den Zusammenstoss der beiden Fahrzeuge habe es ihn auf 
die linke Seite gestossen (pag. 322 Z. 38 f.). Keine dieser Erklärungen wird von 
den technischen Berichten gestützt. Das Fahrzeug des Beschuldigten machte nach 
der Kollision vielmehr, wie die Spuren belegen, einen Schwenker nach rechts. 

Er sagte sodann, der schwarze Personenwagen sei aus dem Nichts plötzlich auf 
ihn zugeflogen und er habe diesen zuvor nicht wahrgenommen (pag. 107 Z. 8 ff. 
und 23, pag. 322 Z. 29). Er wisse nicht, was die Privatklägerin vorher gemacht ha-
be und so genau wisse er auch nicht, was er vorher gemacht habe (pag. 113 Z. 96 
f.). In seiner ersten Einvernahme erwähnte der Beschuldigte, es seien ihm noch ei-
nige Lastwagen auf der Gegenfahrbahn aufgefallen (pag. 107 Z. 39 f.). In der rund 

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zweieinhalb Jahre später stattfindenden Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte, 
er habe einen Lastwagen gekreuzt und unmittelbar darauf sei es zur Kollision ge-
kommen (pag. 322 Z. 21 f.). Es fragt sich, weshalb der Beschuldigte nicht schon 
früher eine solche Unmittelbarkeit erwähnte, wenn sie sich ihm so eingeprägt ha-
ben sollte. Der Beschuldigte sagte weiter aus, es habe morgendlicher Arbeitsver-
kehr in einer fliessenden Kolonne geherrscht, der Verkehr sei aber ruhig zirkuliert 
(pag. 107 Z. 5 f.). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab er zu Pro-
tokoll, es habe nicht so viel Verkehr gehabt. Vor ihm seien Autos gefahren. Es ha-
be vor ihm eine Kolonne gehabt und ihm sei auch eine entgegen gekommen (pag. 
322 Z. 24 ff.).

Es fällt auf, dass der Beschuldigte zwar einige Unsicherheiten in seiner Erinnerung 
einräumt, was bei einem Strassenverkehrsunfall auch nicht ungewöhnlich ist, je-
doch eigene Fehler wie eine kurze Unaufmerksamkeit oder ein Verlassen seiner 
Fahrspur von vornherein und auch in Anbetracht anders lautender Spuren katego-
risch ausschliesst. So sagte er beispielsweise, er sei immer aufmerksam beim Fah-
ren (pag. 322 Z. 34). Das ist grundsätzlich lobenswert. Allerdings dürfte wohl kein 
Mensch auch wirklich zu jedem Zeitpunkt vollständig aufmerksam sein.

11.4 Aussagen der Auskunftspersonen

Keine der befragten Auskunftspersonen konnte Angaben zum Verhalten der Privat-
klägerin oder des Beschuldigten vor der Kollision bzw. beim Abheben des Fahr-
zeugs der Privatklägerin machen. F.________, der mit seinem Lastwagen vor der 
Privatklägerin in Richtung Neuenburg fuhr, wurde auf der Unfallstelle und später 
auf dem Polizeiposten befragt. Als er einen Lärm gehört habe, habe er in den 
Rückspiegel geschaut. Er habe Teile herumfliegen und eine Staubwolke gesehen 
(pag. 20 und pag. 96). Im auf der Unfallstelle auf Deutsch aufgenommen hand-
schriftlichen Protokoll wurde vermerkt, F.________ sei ca. 50 bis 100 Meter von 
der Unfallstelle gewesen, als er angehalten habe (pag. 20). Im auf Französisch 
(Muttersprache von F.________) verfassten Einvernahmeprotokoll sind hierzu je-
doch präzisiere Angaben enthalten. Er habe einen Lärm gehört und in den Rück-
spiegel geschaut. Er müsse 50 bis 100 Meter vom Unfall entfernt gewesen sein. Er 
sei dann noch etwas weiter bis zu einer Ausweichstelle gefahren (pag. 96 f., Z. 20 
f.). Daraus ergibt sich, dass sich die Schätzung der 50 bis 100 Meter von der Un-
fallstelle  auf den Zeitpunkt, als er die Kollision hörte und in den Rückspiegel sah, 
beziehen muss. Er fuhr danach noch etwas weiter, bevor er anhielt. Es wird auf die 
zweite detailliertere und schlüssigere Aussage abgestellt. Die Folgerung des Ver-
teidigers, wonach sich F.________ im Kollisionszeitpunkt wesentlich näher als 50 
bis 100 Meter zur Unfallstelle befunden haben müsse, kann daher nicht stimmen. 
Vielmehr muss zwischen der Privatklägerin und dem vor ihr fahrenden Lastwagen 
von F.________ ein grösserer Abstand gewesen sein. Die 50 bis 100 Meter sind 
eine grobe, allerdings durchaus plausible Schätzung. Die genauen Abstände und 
Zeitverhältnisse lassen sich nicht bestimmen. Die Schätzung von 50 bis 100 Meter 
passt allerdings zur Aussage der Privatklägerin, wonach sie nicht nahe aufgefahren 
sei. Die Behauptung des Beschuldigten, die Kollision habe unmittelbar nachdem er 
den Lastwagen kreuzte stattgefunden, widerspricht somit der Aussage von 
F.________ und der Privatklägerin. F.________ hatte im Kollisionszeitpunkt einen 

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grösseren Abstand von der Privatklägerin und die Privatklägerin hatte noch Zeit, 
das Fahrzeug des Beschuldigten wahrzunehmen und die Gefahr einer Kollision zu 
realisieren. Die Angaben des Beschuldigten und der Privatklägerin sprechen dafür, 
dass im Unfallzeitpunkt zwar Kolonnenverkehr herrschte, allerdings nicht beson-
ders dichter. Auch vor diesem Hintergrund ist ein grösserer Abstand zwischen der 
Privatklägerin und dem vor ihr fahrenden Lastwagen plausibel.

11.5 Gesamtwürdigung und Fazit

Dass sich das Fahrzeug des Beschuldigten im Kollisionszeitpunkt zumindest zu ei-
nem Teil auf der Fahrbahn der Privatklägerin befand, ist anhand objektiver Spuren 
und gestützt auf Expertenmeinungen erwiesen. Dass er erst nach der Kollision bei 
Auslösen des Airbags dorthin gelenkt habe oder durch die Kollision nach links ab-
gedrängt wurde, lässt sich anhand der Spuren in keiner Weise erhärten. Da der 
Beschuldigte offenbar nicht bemerkte, dass er auf die Gegenfahrbahn gelangt war, 
kann nicht von einem ruckartigen Lenken des Beschuldigten ausgegangen werden. 
Er muss sich vielmehr bereits vor der Kollision teilweise in diesem Bereich befun-
den haben. Die Aussage der Privatklägerin, ihr sei auf ihrer Spur ein Fahrzeug ent-
gegengekommen, ist damit glaubhaft. So ist dadurch auch nachvollziehbar, wes-
halb sie ihren VW Golf – wie die Spuren nahe legen – kontinuierlich nach rechts 
lenkte. Sie tat dies um auszuweichen. Da ein grösserer Abstand von ihr zum vor ihr 
fahrenden Lastwagen bestand, sah sie den Beschuldigten herannahen. Es ergibt 
sich ein stimmiges Gesamtbild. Für die Kammer verbleiben keine unüberwindlichen 
Zweifel am angeklagten Sachverhalt  im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO. 

Der Beschuldigte hat aus Unaufmerksamkeit die orange Sicherheitslinie überfah-
ren. Dies veranlasste die Privatklägerin, nach rechts zu lenken, wobei sie mit der 
Bauabschrankung kollidierte und ihr Fahrzeug abhob. Offen gelassen werden muss 
hingegen, ob für die Privatklägerin auf ihrer Spur noch ausreichend Platz gewesen 
wäre, um den Toyota des Beschuldigten zu passieren bzw. ob sie weiter als not-
wendig nach rechts ausgewichen ist. Diese Unsicherheit ändert allerdings nichts 
daran, dass das Überfahren der Sicherheitslinie durch den Beschuldigten das 
Manöver der Privatklägerin ausgelöst hat. Es ist diesbezüglich erst im Rahmen der 
rechtlichen Würdigung zu prüfen, ob der adäquate Kausalzusammenhang trotz 
dieser Unbekannten gegeben ist. Die Kammer erachtet wie die Vorinstanz den an-
geklagten Sachverhalt für erstellt.

III. Rechtliche Würdigung

12. Verkehrsregelverletzung durch Nichtbeachten der Sicherheitslinie

Fahrzeuge müssen rechts, auf breiten Strassen innerhalb der rechten Fahrbahn-
hälfte fahren. Sie haben sich möglichst an den rechten Strassenrand zu halten, 
namentlich bei langsamer Fahrt und auf unübersichtlichen Strassen (Art. 34 Abs. 1 
des Strassenverkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01]). Auf Strassen mit Sicherheitsli-
nien ist immer rechts dieser Linien zu fahren (Art. 34 Abs. 2 SVG). Indem der Be-
schuldigte die Sicherheitslinie gemäss Beweisergebnis überfuhr, hat er diese Ver-

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kehrsregel verletzt. Es liegt eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von 
Art. 90 Abs. 1 SVG vor.

13. Fahrlässige schwere Körperverletzung

13.1 Rechtliche Grundlagen

Wer fahrlässig einen Menschen an der Gesundheit schädigt, wird, auf Antrag, mit 
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 125 Abs. 1 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311.0]). Ist die Schädigung schwer, 
so wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Art. 125 Abs. 2 StGB). Der Begriff der 
schweren Körperverletzung richtet sich nach Art. 122 StGB. Fahrlässig begeht ein 
Verbrechen oder Vergehen, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger 
Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist 
die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den 
Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 
Abs. 3 StGB). Gehört zur Verwirklichung des Tatbestandes der Eintritt eines Ver-
letzungs- oder Gefährdungserfolgs, so setzt der Vorwurf des fahrlässigen Verhal-
tens voraus, dass der Täter ihn verursacht oder mitverursacht hat (natürliche und 
adäquate Kausalität), sein Handeln pflichtwidrig unvorsichtig war (Sorgfaltspflicht-
verletzung bzw. pflichtwidrige Unvorsichtigkeit) und der Erfolg sich als Auswirkung 
gerade der durch den Sorgfaltsmangel geschaffenen Gefahr darstellt (NIGG-
LI/MAEDER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 88 zu Art. 12 
StGB). Für die umfangreichen theoretischen Grundlagen der fahrlässigen schwe-
ren Körperverletzung wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen (pag. 365 ff., S. 17 ff. der Urteilsbegründung).

13.2 Subsumtion

Auch betreffend die Subsumtion kann auf die korrekten Erwägungen der Vorin-
stanz verwiesen werden (pag. 369 f., S. 21 f. der Urteilsbegründung). Die Verlet-
zungen der Privatklägerin sind insgesamt als schwer zu qualifizieren. Die Verlet-
zungen hatten insbesondere eine lange Behandlungsdauer und eine bleibende Be-
einträchtigung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Ohne das Überfahren der Sicher-
heitslinie durch den Beschuldigten wäre die Privatklägerin nicht nach rechts aus-
gewichen, wäre nicht mit der Bauabschrankung kollidiert und der Unfall wäre aus-
geblieben. Die natürliche Kausalität zwischen dem Handeln des Beschuldigten und 
der Verletzung der Privatklägerin liegt somit vor. Das Überfahren einer Sicherheits-
linie im morgendlichen Berufsverkehr und in aufgrund einer Baustelle engen Ver-
hältnissen ist denn auch nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemei-
nen Lebenserfahrung geeignet, einen Unfall mit schweren Verletzungsfolgen her-
beizuführen oder mindestens zu begünstigen. Das Überfahren der Sicherheitslinie 
war folglich auch adäquat kausal zu den Verletzungsfolgen der Privatklägerin. Dass 
die Privatklägerin allenfalls, wenn sie weniger nach rechts gelenkt hätte, den Be-
schuldigten trotzdem knapp hätte kreuzen können, unterbricht den adäquaten Kau-
salzusammenhang nicht. In jedem Fall hat der Beschuldigte die Privatklägerin 
durch das Überfahren der Sicherheitslinie gefährdet. Mit einem unter Umständen 
zu starken Ausweichen ist bei diesem Verhalten zu rechnen. Im Übrigen kennt das 
Strafrecht keine Schuldkompensation, sodass selbst ein fehlerhaftes Verhalten an-

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derer Verkehrsteilnehmer nicht geeignet wäre, den Beschuldigten zu entlasten (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 6B_237/2013 vom 19. Juli 2013, E. 2.3.1). Das Verletzen 
der Verkehrsregeln durch den Beschuldigten stellt eine Sorgfaltspflichtverletzung 
dar. Der Risikozusammenhang zwischen dem Überfahren der Sicherheitslinie und 
dem eingetretenen Erfolg ist gegeben. Der Beschuldigte handelte unbewusst fahr-
lässig. Sämtliche Tatbestandselemente der fahrlässigen schweren Körperverlet-
zung sind erfüllt. 

14. Konkurrenz und Fazit

Die einfache Verkehrsregelverletzung durch Überfahren der Sicherheitslinie wird 
vorliegend durch die schwere fahrlässige Körperverletzung konsumiert (vgl. Vorin-
stanz pag. 371, S. 23 der Urteilsbegründung). Der Beschuldigte ist in Bestätigung 
des erstinstanzlichen Urteils der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig 
zu erklären. 

IV. Strafzumessung

15. Allgemeines

Für die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung wird auf die korrekten Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 371 f., S. 23 f. der Urteilsbegründung).

Die Strafkammern des Obergerichtes verfügen als Berufungsgericht über umfas-
sende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 
StPO). Das gilt auch für die Strafzumessung, doch sind die Kammern bei gleich-
bleibenden Schuldsprüchen und vergleichbarer Gewichtung der übrigen Strafzu-
messungsfaktoren bezüglich einer allfälligen Abweichung von der durch die Vorin-
stanz festgelegten Sanktion zurückhaltend, da die erstinstanzlichen Gerichte von 
allen Aspekten des beurteilten Falles einen unmittelbaren Eindruck gewinnen und 
in bestimmten Deliktskategorien über eine reiche Praxis mit vielen Vergleichsmög-
lichkeiten verfügen. Für gleiche Schuldsprüche ist daher in solchen Fällen eine Kor-
rektur im Strafmass durch die Kammer nur angezeigt, wenn wesentliche Tat- oder 
Täterkomponenten oder Abstufungen unter Teilnehmern unberücksichtigt geblie-
ben oder falsch gewürdigt worden sind oder wenn seit dem erstinstanzlichen Urteil 
wesentliche, die Strafzumessung beeinflussende Änderungen eingetreten sind.

Vorliegend bestätigt die Kammer den vorinstanzlichen Schuldspruch. Die Strafzu-
messungsfaktoren haben sich, soweit bekannt, seit dem erstinstanzlichen Urteil 
nicht verändert. Die Überprüfung der Strafzumessung erfolgt daher mit Zurückhal-
tung. Der Strafrahmen von Art. 125 StGB beträgt bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe 
oder Geldstrafe.

16. Tatkomponenten

Die Privatklägerin wurde schwer verletzt. Sie musste eine lange Behandlung und 
Arbeitsunfähigkeit erdauern und hat bleibende Einschränkungen aus dem Unfall 
davon getragen. Ihre frühere berufliche Tätigkeit kann sie nicht mehr ausüben. Die 
Schwere der Verletzung wirkt sich eher leicht zu Lasten des Beschuldigten aus. 

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Der Beschuldigte handelte nicht besonders verwerflich, sondern überfuhr die Si-
cherheitslinie aus Unachtsamkeit. Sein Verhalten war jedoch äusserst gefährlich.

Der Beschuldigte handelte unbewusst fahrlässig. Er war kurz unaufmerksam. Bei 
Aufbringen der notwendigen Aufmerksamkeit hätte die Tat vermieden werden kön-
nen. Die subjektive Tatschwere wiegt jedoch insgesamt noch leicht. Schliesslich ist 
niemand vor einer kurzen Unaufmerksamkeit gefeit und jedermann kann sich wie 
vorliegend durch eine provisorische Verkehrsführung kurzzeitig irritieren lassen.

Insgesamt liegt trotz der schweren Verletzung der Privatklägerin im Verhältnis zum 
Strafrahmen von Art. 125 StGB noch ein leichtes Tatverschulden vor.

17. Täterkomponenten

Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind unauffällig 
und geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Er ist im Strafregister nicht verzeichnet 
(pag. 422). Dies wirkt sich neutral auf das Verschulden aus.

Der Beschuldigte war im Strafverfahren nicht geständig. Er war berechtigt, sich 
selbst nicht zu belasten. Das fehlende Geständnis kann somit nicht zu Ungunsten 
des Beschuldigten gewertet werden. Ohne Geständnis fehlt es natürlich aber auch 
an Einsicht und Reue, die strafmindernd hätte berücksichtigt werden können. Im-
merhin hat der Beschuldigte aber Bedauern für die Situation der Privatklägerin 
ausgedrückt (pag. 323 Z. 19 f. und pag. 324).

Gründe für eine allenfalls erhöhte Strafempfindlichkeit sind beim Beschuldigten 
keine auszumachen. Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt neutral auf das 
Verschulden aus.

18. Konkretes Strafmass

In Anbetracht des leichten Verschuldens des Beschuldigten erscheint der Kammer 
die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe von 60 Strafeinheiten angemessen. 
In Anwendung des Verhältnismässigkeitsprinzips ist eine Geldstrafe auszuspre-
chen.

Die Tagessatzhöhe ist in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 StGB nach den persönli-
chen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten im Zeitpunkt des Urteils 
festzulegen. Gemäss dem am 20. April 2017 vom Beschuldigten ausgefüllten For-
mular über seine wirtschaftlichen Verhältnisse verdient er monatlich netto 
CHF 5‘000.00. Zu berücksichtigen ist neben dem Pauschalabzug von 25 % ein Un-
terstützungsbeitrag für seine Ehefrau von 15 %. Dies ergibt einen Tagessatz von 
CHF 100.00.

19. Bedingter Strafvollzug

Wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Be-
gehung weiterer Verbrechen abzuhalten, so schiebt das Gericht in der Regel den 
Vollzug einer Geldstrafe auf (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der Beschuldigte ist bisher nicht 
straffällig geworden und es bestehen keine Anzeichen, dass er sich in Zukunft nicht 
an das Gesetz halten wird. Die Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 StGB sind so-
mit erfüllt. Der Vollzug der ausgesprochenen Geldstrafe ist aufzuschieben. Die 

13

Probezeit ist in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 StGB auf das Minimum von zwei 
Jahren festzulegen.

20. Verbindungsstrafe

Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Geldstrafe mit einer unbedingten 
Geldstrafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Für die 
theoretischen Grundlagen zur Verbindungsbusse wird auf die Vorinstanz verwiesen 
(pag. 375, S. 27 der Urteilsbegründung). Wäre der Beschuldigte nur für die began-
gene einfache Verkehrsregelverletzung bestraft worden, so hätte er eine (unbe-
dingte) Busse bezahlen müssen. Es rechtfertigt sich daher vorliegend, die bedingte 
Geldstrafe mit einer Busse zu verbinden. Der Umfang dieser Busse von 10 Tages-
sätzen der Geldstrafe erscheint angemessen. Bei einem Tagessatz von 
CHF 100.00 beträgt die Verbindungsbusse somit CHF 1‘000.00. Die verbleibende 
bedingte Geldstrafe beträgt noch 50 Tagesätze zu CHF 100.00, total ausmachend 
CHF 5‘000.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe ist in Anwendung von Art. 106 Abs. 2 StGB 
auf 10 Tage festzulegen.

V. Zivilpunkt

Die Privatklägerin beantragte erst- und oberinstanzlich, es sei Kenntnis zu nehmen 
und zu geben, dass sie sich im Zivilpunkt alle Rechte vorbehalte. Der Verteidiger 
des Beschuldigten brachte vor, die Privatklägerin verfüge über keine Rechtsbegeh-
ren, keine Bezifferung und kein Motiv. Eine Verweisung auf den Zivilweg sei nicht 
beantragt worden. Die Zivilklage müsse deshalb abgewiesen werden (pag. 445).

Es ist zutreffend, dass die Zivilklage der Privatklägerin nicht präzisiert wurde. Den-
noch hat sie ihre Zivilklage aufrechterhalten und nicht zurückgezogen. Ist eine Zi-
vilklage nicht hinreichend begründet oder beziffert worden, so sieht Art. 126 Abs. 2 
Bst. b StPO die Verweisung auf den Zivilweg vor. Die Anwendung dieser Bestim-
mung erscheint im vorliegenden Fall korrekt. Die Verweisung auf den Zivilweg 
muss entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht beantragt werden.

VI. Kosten und Entschädigung

21. Verfahrenskosten

Gestützt auf Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittel-
verfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Die Kosten des Be-
rufungsverfahrens sind folglich dem unterliegenden Beschuldigten aufzuerlegen. 
Diese werden bestimmt auf CHF 800.00 (Art. 5 i.V.m. Art. 24 Bst. a des Verfah-
renskostendekrets [VKD; BSG 161.12]).

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren und 
Auslagen, insgesamt ausmachend CHF 11‘314.95.00, sind infolge des Schuld-
spruchs in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO ebenfalls vom Beschuldigten zu 
tragen.

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22. Entschädigung der Privatklägerin

Gemäss Art. 433 Abs. 1 Bst. a StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber der be-
schuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige 
Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt. Diese Bestimmung gelangt auch im 
Rechtsmittelverfahren zur Anwendung (Art. 436 Abs. 1 StPO).

Die Privatklägerin dringt im Gegensatz zum Beschuldigten mit ihren Rechtsbegeh-
ren durch und gilt als obsiegend. Der Beschuldigte hat ihr daher eine Parteien-
tschädigung in der Höhe der Anwaltskosten auszurichten. Diese bestimmen sich 
anhand der von Rechtsanwalt D.________ eingereichten angemessenen Kosten-
noten vom 10. November 2016 (pag. 329) und vom 21. September 2017 (pag. 470) 
auf CHF 5‘198.90 (inkl. Auslagen und MWSt.) für das erstinstanzliche Verfahren 
resp. CHF 2‘192.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) für das oberinstanzliche Verfahren.

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VII. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

der fahrlässigen schweren Körperverletzung, begangen am 06.06.2014 in Tüscherz 
z.N. von C.________;

und in Anwendung der Artikel
34, 42 Abs. 1 und 4, 44 Abs. 1, 47, 106, 125 Abs. 1 u. 2 StGB
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3, 433 Abs. 1 Bst. a, 436 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 100.00, ausmachend total 
CHF 5‘000.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre fest-
gesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 1‘000.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung wird auf 10 Tage festgesetzt.

3. Zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 11‘314.95.

4. Zu den oberinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 800.00.

5. Zur Ausrichtung einer Entschädigung für die notwendigen Aufwendungen im erstin-
stanzlichen Verfahren von CHF 5‘198.90 (inkl. Auslagen und MWSt.) an die Straf- 
und Zivilklägerin C.________.

6. Zur Ausrichtung einer Entschädigung für die notwendigen Aufwendungen im oberin-
stanzlichen Verfahren von CHF 2‘192.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) an die Straf- 
und Zivilklägerin C.________.

II.

Im Zivilpunkt wird verfügt:

1. Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin C.________ wird in Anwendung von Art. 126 
Abs. 2 Bst. b StPO auf den Zivilweg verwiesen.

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

16

III.

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, v.d. Fürsprecher B.________
- der Straf- und Zivilklägerin, v.d. Rechtsanwalt D.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv)

Bern, 18. September 2017 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Zihlmann

Die Gerichtsschreiberin:

Hiltbrunner

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 
173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.