# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7a06040e-d940-57d9-9d7e-3ab1a6b1f6b6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.12.2011 E-8106/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8106-2008_2011-12-02.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­8106/2008

U r t e i l   v om   2 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richterin Emilia Antonioni, Richter Markus König,   
Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel.

Parteien A._______,
Irak,  
vertreten durch Dr. iur. René Bussien, Rechtsanwalt, 

Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
17. November 2008 / N (…),

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Sachverhalt:

A. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  die  Beschwerdeführerin  ihren 
Heimatstaat am 20. Januar 2007 und reiste am 17. Februar 2007  in die 
Schweiz  ein,  wo  sie  am  20.  Februar  2007  in  B._______  um  Asyl 
ersuchte. Anlässlich der Kurzbefragung vom 5. März 2007 im Empfangs­ 
und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ und der Anhörung vom 28. Juni 
2007  zu  den  Asylgründen  machte  sie  im  Wesentlichen  Folgendes 
geltend:

Sie gehöre einer  in Bagdad sehr bekannten und einflussreichen Familie 
an.  Verschiedene  Familienmitglieder  seien  während  der  Saddam­
Regierung  in  Führungspositionen  tätig  gewesen.  Sie  habe  bis  zu  ihrer 
Ausreise  in Bagdad gewohnt und sei dort  seit 1992 als Bankangestellte 
bei  der  Bank  C._______,  welche  zur  Nationalbank  gehört  habe,  tätig 
gewesen.  Diese  Bank  sei  (…)  auf  Anordnung  von  Saddam  Hussein 
eröffnet  worden.  Die  Stelle  habe  sie  bekommen,  da  ihr  Cousin 
väterlicherseits,  namens  D._______,  damals  Generaldirektor  gewesen 
sei.  Sie  sei  auch Mitglied  der  Baath­Partei  gewesen.  Ihr  Cousin  sei  ab 
1999  Minister  genannt  worden  und  habe  später  bei  der  Nationalbank 
gearbeitet. Nach 2005, als die Amerikaner die Bank der neuen irakischen 
Regierung  übergeben  hätten,  habe  sich  die  Situation  in  der  Bank 
geändert.  Sie  sei  degradiert  worden  von  der  Abteilungsleiterin  zur 
Sektionschefin. Ihre Arbeitskollegen hätten sie gewarnt, sie sei in Gefahr, 
da  sie  ihrem  Cousin  nahe  stehe.  Ihr  Leben  sei  zu  dieser  Zeit  sehr 
schwierig gewesen, da die Milizen immer wieder die Gegend bombardiert 
hätten. Ein Arbeitskollege habe ihr schliesslich geraten, wegzugehen, da 
sie  sonst  Gefahr  laufe,  getötet  zu  werden.  Auch  eine  entfernte 
Verwandte,  deren Mann  beim  Finanzministerium  gearbeitet  habe,  habe 
sie  gewarnt  und  ihr  erzählt,  dass  Nachforschungen  über  sie  angestellt 
worden  seien.  Es   seien  zu  dieser  Zeit  erstmals  Angestellte  des 
Finanzministeriums  getötet  worden,  sie  wisse  von  dreien,  die  vor  ihrer 
Haustüre getötet worden seien, darunter eine Frau. An einem Donnerstag 
im November  2006  sei  sie  ins  Finanzministerium  zitiert  worden,  wo  sie 
vom  Generaldirektor  befragt  worden  sei.  Dieser  hätte  sie  auf  einen 
Verwandten,  der  (…)minister  gewesen  sei,  sowie  auf  ihren  Cousin 
angesprochen und gefragt, weshalb jemand wie sie überhaupt noch hier 
arbeiten  dürfe.  Sie  sei  nach  diesem  Gespräch  sehr  eingeschüchtert 
gewesen und habe befürchtet, dass sie nun bestimmt ihre Stelle verlieren 
und  man  sie  töten  werde.  Sie  habe  sich  danach  nicht  mehr  getraut, 

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arbeiten zu gehen, und deshalb Urlaub genommen. Ende 2006 habe sie 
dann  einen Drohbrief  erhalten,  weshalb  sie  ihre Wohnung  unverzüglich 
verlassen habe und zu einer Freundin gezogen sei. Anfangs 2007 sei sie 
mit  Hilfe  eines  Schleppers  aus  dem  Irak  aus­  und  über  die  Türkei, 
Griechenland und Italien in die Schweiz eingereist.

Eine Schwester der Beschwerdeführerin hält  sich seit Ende 1999  in der 
Schweiz auf und erhielt zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Kindern 
im Juni 2001 einen positiven Asylentscheid  (N  […]). Die Aufenthaltsorte 
der weiteren Geschwister,  die alle den  Irak  verlassen hätten,  kenne die 
Beschwerdeführerin nicht. 

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin folgende Dokumente zu 
den  Akten:  ihre  Identitätskarte  im  Original,  zwei  Farbkopien  von 
Bankausweisen,  eine  Kopie  ihres  Nationalitätenausweises,  eine  Kopie 
des Drohbriefes sowie Kopien von Dokumenten die bestätigen, dass sie 
als Sekretärin bei der Bank gearbeitet habe und ihr der Cousin die Stelle 
besorgt habe und Briefe, die belegten, dass sie Mitglied der Baath­Partei 
gewesen  sei.  Ausserdem  reicht  sie  einen  von  Saddam  Hussein 
unterschriebenen  Lobesbrief  für  gute  Dienste  und  zwei  Fotografien  in 
Kopie ein, von welchen sie eine mit  ihrem Cousin zeige und die andere 
wie sie vom Finanzminister ein Abzeichen erhalte.

B. 
Mit Verfügung vom 17. November 2008 (eröffnet tags darauf) lehnte das 
BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  ab,  verfügte  deren 
Wegweisung  und  ordnete  wegen  Unzumutbarkeit  die  vorläufige 
Aufnahme  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihren  ablehnenden 
Asylentscheid  damit,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des 
Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht  standhielten. 
Für  die  detaillierte  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  auf  die 
Erwägungen verwiesen. 

C. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  15.  Dezember  2008  beantragt  die 
Beschwerdeführerin  die  Aufhebung  der  Verfügung  vom  17.  November 
2008,  die  Gutheissung  des  Asylgesuchs,  das  Absehen  von  einer 
Wegweisung  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  für  die  Verfahrenskosten  und  die 
unentgeltliche Rechtsvertretung. 

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D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Dezember  2008  stellte  das 
Bundesverwaltungsgericht  den  legalen  Aufenthalt  während  des 
Beschwerdeverfahrens  fest,  gewährte  die  unentgeltliche  Rechtspflege 
und wies das Gesuch um unentgeltlichen Rechtsbeistand ab.

E. 
Mit  Vernehmlassung  vom  14.  Januar  2009,  welche  der 
Beschwerdeführerin  am  28.  Januar  2009  zur  Kenntnis  gebracht  wurde, 
beantragt das BFM unter Verweis auf seine bisherigen Standpunkte und 
Erwägungen die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

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(Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1. Die Vorinstanz begründete  ihren ablehnenden Asylentscheid damit, 
die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  stand,  so  dass  ihr  Asylgesuch  abzulehnen 
sei. So habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht, als Sunnitin und 
ehemaliges Mitglied der Baath­Partei  sei  sie an  ihrem Arbeitsplatz nicht 
mehr  genehm  gewesen.  Sie  sei  aufgefordert  worden,  muslimische 
Kleidung zu tragen. Diese Benachteiligungen würden gemäss Bundesamt 
nicht  nur  die  Beschwerdeführerin,  sondern  auch  zahlreiche  andere 
irakische  Staatsangehörige  betreffen  und  seien  deshalb  nicht 
asylrelevant.  Das  Gleiche  gelte  für  die  Vorbringen,  sie  habe  sich 

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gefürchtet, aus dem Haus zu gehen, weil  im Irak die Häuser  täglich von 
Milizen  beschossen  worden  seien  und  Leute  durch  Bombenanschläge 
ums Leben gekommen seien. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin 
geltend  gemacht,  sie  habe  am  24.  November  2006  einen  Drohbrief  in 
ihrem  Garten  vorgefunden,  der  alle  Sunniten  dazu  auffordere,  das 
Quartier  binnen  24  Stunden  zu  verlassen.  Aufgrund  der  allgemeinen 
Sicherheitssituation  in Bagdad würden mittlerweile die meisten Quartiere 
nur  noch  von  Angehörigen  derselben  religiösen  Konfession  bewohnt. 
Bewohner, die nicht der vorherrschenden Konfession angehörten, hätten 
diese  Quartiere  weitgehend  freiwillig  oder  gezwungenermassen 
verlassen. Diese Benachteiligung gehe nicht über dasjenige Mass hinaus, 
von dem die meisten in Bagdad lebenden Bewohner betroffen seien und 
hätte somit ebenfalls keine Asylrelevanz. 

4.2. In ihrer Rechtsmitteleingabe wendet die Beschwerdeführerin ein, sie 
sei  in  ihrem  Herkunftsland  verfolgt.  Sie  sei  Mitglied  einer  bekannten 
Familie,  deren  Angehörige  in  wichtigen  Funktionen  der  ehemaligen 
Regierung  gestanden  hätten  und  als  Anhängerin  des  ehemaligen 
Diktators  Saddam  Hussein  beziehungsweise  Mitglied  der  Baath­Partei 
verfolgt.  Sie  sei  als  Bankangestellte  unter  Druck  gesetzt  worden  und 
habe einen Drohbrief erhalten. Verwandte der Beschwerdeführerin seien 
verschwunden. Sie müsse eine ernsthafte Gefährdung an Leib und Leben 
und unerträglichen Druck befürchten. Der irakische Staat sei nicht willens 
und auch nicht im Stande, sie zu schützen.

4.3.  Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Dezember  2008  stellte  das 
Bundesverwaltungsgericht  fest,  die  Beschwerdeeingabe  sei  nach 
summarischer  Prüfung  der  Verfahrensakten  nicht  als  zum  Vornherein 
aussichtslos  zu  bezeichnen,  hiess  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege  gut  und  gewährte  der  Vorinstanz  Frist  zur 
Vernehmlassung.

4.4.  In  seiner  die  Abweisung  der  Beschwerde  beantragenden 
Vernehmlassung  vom  14.  Januar  2009  verwies  das  Bundesamt 
vollumfänglich auf seine bisherigen Standpunkte und Erwägungen, ohne 
inhaltlich zur Beschwerde Stellung zu beziehen. 

5. 

5.1.  Strittig  ist  vorab  die  Frage  der  rechtskonformen  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts.  Im  Asylverfahren  –  wie  im  übrigen 

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Verwaltungsverfahren – gilt der Untersuchungsgrundsatz, das heisst, die 
Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt vor  ihrem Entscheid 
von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. 
Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das 
Verfahren  erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die 
relevanten  Umstände  abklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis 
führen.  Gemäss  Art.  8  AsylG  hat  die  asylsuchende  Person 
demgegenüber  die  Pflicht  und  unter  dem  Blickwinkel  des  rechtlichen 
Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht, an 
der  Feststellung  des  Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  BVGE  2008/24  E. 
7.2, BVGE 2007/21 E. 11.1.3 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 13). Die 
Artikel 7  (Glaubhaftmachung) und 8 AsylG  (Mitwirkungspflicht) befassen 
sich mit Fragen des Beweismasses beziehungsweise der Beweislast. Art. 
7  AsylG  lässt  für  die  Sachverhaltsermittlung  im  Grundsatz  das 
Beweismass der Glaubhaftigkeit genügen (vgl. oben E. 4.2), wobei Art. 8 
AsylG – als Korrelat zum in Art. 12 VwVG verankerten und der Behörde 
obliegenden  Untersuchungsgrundsatz  –  die  asylsuchende  Person  einer 
weitreichenden  Mitwirkungspflicht  unterstellt;  Kernpunkt  dieser 
Mitwirkungspflicht  ist  die  Angabe  der  Asylgründe  (Art.  8  Abs.  1  Bst.  c 
AsylG).  Die  beiden  Bestimmungen  beschlagen  somit  einerseits  die 
Erfassung des gemäss Mitwirkungspflicht von den Asylgesuchstellenden 
vorzutragenden und gegebenenfalls durch Beweismittel zu unterlegenden 
Sachverhalts  sowie  behördlicherseits  die  (gegebenenfalls  durch weitere 
Untersuchungs­  und  Beweismassnahmen  vorzunehmende)  Feststellung 
des  rechtserheblichen  Sachverhalts.  In  einem  nachfolgenden  Schritt  ist 
im Asylverfahren zu prüfen, ob und wie der so ermittelte rechtserhebliche 
Sachverhalt  unter  Art.  3  AsylG  subsumierbar  ist  und  im  Falle  der 
flüchtlingsrechtlichen  Beachtlichkeit  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen 
kann;  im  Verneinungsfalle  ist  der  Sachverhalt  zusätzlich  unter  dem 
Aspekt der Wegweisungs­ und Vollzugsvoraussetzungen zu prüfen.

5.2.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  mutet  es  eigentümlich  an,  dass  die 
Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung  mit  keinem  Wort  auf  die  Familie  der 
Beschwerdeführerin  einging.  Diese  machte  stets  –  im  Rahmen  der 
summarischen  Befragung  (vgl.  vorinstanzliche  Akte  A1  S.  4),  der 
Anhörung  zu  den  Asylgründen  (vgl.  A9  S.  8­9)  sowie  mit  der 
Beschwerdeeingabe – geltend, dass sie einer bekannten, der Regierung 
Saddam Husseins nahestehenden Familie angehöre.  Ihre Stelle bei der 
Bank, welche von Saddam Hussein gegründet worden sei, habe sie über 
ihren Cousin D._______ erhalten, da dieser damals Generaldirektor der 
Bank  gewesen  sei.  Die  diesbezüglichen  Ausführungen  der 

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Beschwerdeführerin erscheinen substantiiert, sie kann Namen und Daten 
nennen  und  reicht  ausserdem  auch  Beweismittel  (Farbkopien  von 
Bankausweisen  und  weiteren  Bankdokumenten  sowie  eine  Fotografie, 
die sie mit ihrem Cousin zeigt) ein, um ihre Aussagen zu belegen. Diese 
von  der  Beschwerdeführerin  eingereichten  Beweismittel  werden  vom 
BFM  nicht  gewürdigt.  Die  Vorinstanz  macht  aber  auch  keine 
Ausführungen,  welche  darauf  schliessen  liessen,  dass  es  sich  bei  den 
Beweismitteln  um  Fälschungen  oder  Gefälligkeitserweisungen  handeln 
könnte  oder  sonstige  Gründe  vorliegen  würden,  weshalb  deren 
Beweiswert reduziert wäre. 

5.3.  Indem die Vorinstanz Teile  der Vorbringen  der Beschwerdeführerin 
nicht in ihrer Verfügung erwähnt und auch die eingereichten Beweismittel 
nicht  entsprechend  würdigt,  hat  sie  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
nicht  vollständig  und  aktenwidrig  erstellt.  Angesichts  dieser  nicht 
heilbaren  formellen  Mängel  besteht  für  das  Bundesverwaltungsgericht 
weder  Anlass  noch  die  rechtliche  Möglichkeit,  die  vorinstanzlichen 
Erwägungen zur Frage der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit unter dem 
Aspekt  von  Art.  3  AsylG  einer materiellen  Überprüfung  zu  unterziehen. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  enthält  sich  deshalb  jeglicher  Aussage 
darüber,  ob  die  Erwägungen  des  Bundesamtes  diesbezüglich 
rechtskonform sind. 

6.  
Aus  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene 
Verfügung den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig 
feststellt (Art. 106 AsylG). Die Verfügung vom 9. März 2010 ist von Amtes 
wegen aufzuheben und die Sache ist an das BFM zur vollständigen und 
richtigen  Sachverhaltsfeststellung  und  zur  neuen  Entscheidung 
zurückzuweisen.  Die  Beschwerde  ist  dementsprechend  insofern 
gutzuheissen,  als  damit  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung 
beantragt wird.

7. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  2  VwVG).  Der  Beschwerdeführerin 
wurde  ausserdem mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Dezember  2008  die 
unentgeltliche Prozessführung gewährt. 

8. 
Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsiegenden 

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Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung  für die 
ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten 
zugesprochen  werden.  Angesichts  ihres  Obsiegens  ist  der 
Beschwerdeführerin  eine  angemessene  Parteientschädigung  für  die  ihr 
durch  das  Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten 
zuzusprechen  (Art.  7  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR 173.320.2]). Es  ist einstweilen nur der  für die Kassation notwendige 
Anteil  der  Beschwerde  entschädigungspflichtig,  nicht  aber  jener  Anteil 
betreffend  die  (vorliegend  ungeprüfte)  Beanstandung  der  materiellen 
Verfügungsinhalte.  Da  keine  Kostennote  vorliegt,  werden  die  zu 
entschädigenden Kosten aufgrund der Akten geschätzt (vgl. Art. 14 Abs. 
2 VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 
(Art. 7 ff. VGKE) wird die Parteientschädigung, welche von der Vorinstanz 
zu entrichten ist, auf angemessene Fr. 300.­­ (inkl. Auslagen und MWSt) 
festgesetzt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Verfügung des BFM vom 17. November 2008 wird aufgehoben und 
die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen.

2. 
Die  Sache  wird  dem  BFM  zur  vollständigen  und  korrekten 
Sachverhaltsfeststellung und zur neuen Entscheidung zurückgewiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine 
Parteientschädigung  von  Fr.  300.­­  (inklusive  Auslagen  und  MWSt)  zu 
entrichten.

5. 
Dieses Urteil  geht  an  den Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin,  das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel 

Versand: