# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 73769bfa-9fc6-5bdf-9e1a-2641aa6dbd19
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.11.2018 SB170460
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170460_2018-11-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB170460-O/U/jv 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. R. Naef, Vorsitzender, lic. iur. B. Gut und Er-

satzoberrichterin lic. iur. N. Kaiser Job sowie der Gerichtsschreiber 

Dr. iur. F. Manfrin 

 

Urteil vom 15. November 2018 

 
in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. S. Leu  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung,  
vom 13. September 2017 (DG170101) 

-  2  - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 31. März 2017 

(Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 78 S. 78 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

  - der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 

  - der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie 

  - der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziffer 1 Abs. 1 StGB.  

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 1 Tag 

durch Untersuchungshaft erstanden ist. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 2 Jahren aufgeschoben und die Probe-

zeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (1 Jahr, abzüglich 1 Tag, der durch Untersuchungs-

haft erstanden ist) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem einge-

klagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung 

des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des  

Zivilprozesses verwiesen. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 

7. Juni 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren 

abgewiesen. 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 9'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'050.–   Kosten Kantonspolizei 

Fr. 2'500.–   Gebühr Strafuntersuchung 

Fr.  2'145.60   Gutachten / Expertisen etc. 

Fr. 57.40   Zeugenentschädigung 

Fr. 9'194.–   Unentgeltliche Vertretung RAin B._____ 

Weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

-  3  - 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen 

der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

8. (Mitteilungen.) 

9. (Rechtsmittel.)" 

 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 10 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 118 S. 2 f.) 

1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich – unter vollständiger Aufhebung 

des vorinstanzlichen Urteils –, somit vom Vorwurf der Vergewaltigung 

im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nöti-

gung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der Freiheitsberaubung 

im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, freizusprechen. 

2. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung sowie eine 

Entschädigung für die erbetene Verteidigung vor Vorinstanz in der Hö-

he von Fr. 26'100.– zuzusprechen. 

3. Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien vollumfänglich abzuweisen, 

soweit darauf einzutreten ist.  

4. Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die amtlichen 

Verteidigerkosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 121 S. 1) 

1. Es sei der Beschuldigte in allen Anklagepunkten für schuldig zu spre-

chen und damit das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen. 

2. Es sei der Beschuldigte mit fünf Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen, 

unter Anrechnung von einem Tag erstandener Haft. 

-  4  - 

3. Es sei das erstinstanzliche Urteil mit Bezug auf die übrigen Punkte zu 

bestätigen. 

c) Der Privatklägerschaft: 

(Urk. 122 S. 1) 

Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen und das vorinstanzliche  

Urteil sei zu bestätigen bzw. es sei den Anträgen der Staatsanwaltschaft 

stattzugeben. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzügl. MwSt. 

zulasten des Beschuldigten. 

 

 
Erwägungen: 

I.  Prozessgeschichte     

Am 5. April 2017 erhob die Staatsanwaltschaft nach durchgeführter Untersuchung 

Anklage gegen den Beschuldigten wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und 

Freiheitsberaubung (Urk. 20). Mit Urteil vom 13. September 2017 sprach das  

Bezirksgericht Zürich den Beschuldigten schuldig und verurteilte ihn zu einer teil-

bedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Am 20. September 2017 meldete die  

Verteidigung Berufung an (Urk. 60). Nach Zustellung des begründeten Urteils am 

15. November 2017 (Urk. 77) ging hierorts am 4. Dezember 2017 (Datum Post-

stempel 1. Dezember 2017) die Berufungserklärung ein (Urk. 81). Die Verteidi-

gung verlangt einen vollumfänglichen Freispruch, eine Zusprechung einer Genug-

tuung und die Abweisung der Zivilansprüche der Privatklägerin. Die Staatsanwalt-

schaft verlangt mit ihrer Anschlussberufung eine höhere Strafe (Urk. 85). Die 

Rechtsbeiständin der Privatklägerin erklärte auf Berufung und Anschlussberufung 

zu verzichten (Urk. 87).  

Die Berufungsverhandlung am 15. November 2018 war grundsätzlich öffentlich. 

Es erschienen der Beschuldigte mit seinem amtlichen Verteidiger, die Vertreterin 

der Staatsanwaltschaft sowie die Vertreterin der Privatklägerin. Die Privatklägerin 

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– in Begleitung einer Vertrauensperson – wurde vom Berufungsgericht persönlich 

befragt. Von der Einvernahme der Privatklägerin war die Öffentlichkeit (Publikum 

und Medien) auf Antrag der Privatklägerin ausgeschlossen (Urk. 87 S. 2, 

Urk. 103, Urk. 105, Prot. II S. 10; Urk. 116). Der Beschuldigte konnte die Einver-

nahme aus dem Videoübertragungsraum mitverfolgen (Prot. II S. 10 und 12; 

Urk. 116).  

II.  Prozessuales 

1. Umfang der Berufung 

Das vorinstanzliche Urteil wurde vom Beschuldigten mit Ausnahme der Kosten-

festsetzung (Dispositivziffer 6) vollumfänglich angefochten (Urk. 81 S. 2). Bei 

Gutheissung der Berufungsanträge würde die Kostenfestsetzung allerdings  

gegenstandslos, bei Abweisung der Berufung kann das gesamte vorinstanzliche 

Kostendispositiv bestätigt werden. Es rechtfertigt sich deshalb, auf einen Teil-

rechtskraftbeschluss zu verzichten.  

2. Beweisanträge 

2.1. Die amtliche Verteidigung erneuerte anlässlich der Berufungsverhandlung 

die bereits im Vorfeld der Berufungsverhandlung am 1. Dezember 2017 (Urk. 81) 

bzw. am 19. Oktober 2018 (Urk. 107) gestellten Beweisanträge. Konkret wurde 

die Einvernahme von C._____ als Zeugin sowie die Edition der Versicherungspo-

lice, des eigenen Kündigungsschreibens sowie der Auszahlungsbelege inkl. Be-

stätigungsschreiben der Lebensversicherung durch die Privatklägerin begehrt 

(Prot. II S. 13-15). Staatsanwaltschaft und Privatklägerschaft beantragten die Ab-

weisung der Beweisanträge (Prot. II S. 14 f.). 

2.2. Die Beweisanträge der Verteidigung wurden anlässlich der Berufungs-

verhandlung abgewiesen, zumal nach der Beurteilung durch die erkennende 

Kammer, kein Anlass für weitere Beweisabnahmen besteht. Das Beweisverfahren 

wurde unter Vorbehalt auf ein allfälliges Rückkommen auf das Beweisverfahren 

nach den Plädoyers geschlossen (Art. 379 i.V.m. Art. 349 StPO). 

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2.3. Auch nach Abschluss der Parteivorträge besteht kein Anlass, die beantrag-

ten Beweise abzunehmen. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erweist sich das 

Verfahren mit den im Recht liegenden Beweismitteln als spruchreif (vgl. Art. 349 

StPO) und es hat gestützt darauf ein Freispruch zu ergehen, an dem auch die 

Abnahme weiterer Beweis nichts ändern würde. Die Beweisanträge sind damit in 

antizipierter Beweiswürdigung nach Art. 139 Abs. 2 StPO abzuweisen. 

III.  Vorbemerkungen 

1. Zusammengefasster Sachverhalt und Standpunkte der Parteien 

Zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten ist anerkannt, dass es in der 

Nacht vom 6. auf den 7. Juni 2016 zu sexuellen Handlungen und Geschlechtsver-

kehr gekommen ist. Umstritten ist jedoch, ob diese freiwillig oder erzwungen wa-

ren. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass der Beschuldigte keine physische 

Gewalt einsetzte, um zum Sexualverkehr zu kommen. Die Privatklägerin fühlte 

sich nach ihrer Darstellung vielmehr aufgrund verbaler Äusserungen des Be-

schuldigten im Befehlston sowie wegen einer bedrohlichen Stimmung im Schlaf-

zimmer, insbesondere aufgrund von auf dem Bett liegendem Sadomaso-Material 

und wegen eines abstossenden Penis-Piercings genötigt, sexuelle Handlungen zu 

erdulden bzw. vorzunehmen. Im Einzelnen wird nachfolgend im Rahmen der 

Sachverhaltserstellung noch auf die Details des Handlungsablaufes eingegangen.  

2. Allgemeine rechtliche Vorabbemerkungen 

2.1. Im Rahmen eines Strafprozesses ist ein Schuldspruch nur zulässig, wenn 

sämtliche Tatbestandselemente der vorgeworfenen gesetzlichen Strafbestim-

mung vom erwiesenen Sachverhalt abgedeckt sind. Die Sachverhaltswürdigung 

hat sich deshalb in Bezug auf den Schuldspruch am gesetzlichen Tatbestand 

auszurichten. Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich darum, einige rechtliche 

Erwägungen zum Nötigungselement bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung 

voranzustellen. 

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2.2. Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs oder 

zu anderen sexuellen Handlungen nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt 

anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig 

macht, erfüllt den Tatbestand Vergewaltigung bzw. der sexuellen Nötigung 

(Art. 189 StGB und Art. 190 StGB). 

2.3. Das Bundesgericht hat im Entscheid 128 IV 97 E. 2 festgehalten, dass die 

sexuellen Nötigungsdelikte zu den Gewaltdelikten gehören und damit prinzipiell 

als Akte physischer Aggression zu verstehen seien. Die – im Rahmen des  

Gesetzgebungsprozesses in letzter Minute hineingekommene (vgl. BSK StGB  

II-MAIER, N 5 zu Art. 189) – tatbestandsmässige Variante des Unter-psychischen-

Druck-Setzens könne sich zwar auch aus einer tatbestandsmässigen Aussichts-

losigkeit eines Widerstands des Opfers ergeben, setze aber voraus, dass dem 

Opfer eine Widersetzung unter den gegebenen Umständen nicht zumutbar sei 

(vgl. dazu auch BSK StGB II-MAIER, N 13 zu Art. 189). Diese Umstände müssten 

eine Qualität erreichen, die sie in ihrer Gesamtheit als instrumentalisierte, soge-

nannte strukturelle Gewalt erscheinen liessen. Ob die tatsächlichen Verhältnisse 

die tatbeständlichen Anforderungen eines Nötigungsmittels erfüllen, lasse sich 

erst nach einer umfassenden Würdigung der relevanten konkreten Umstände ent-

scheiden. Es sei mithin eine individualisierende Beurteilung notwendig, die sich 

auf hinlänglich typisierbare Merkmale stützen müsse. Je nach Umständen und 

den Beziehungen zum Täter könne z.B. ein Kind wegen seiner kognitiven Unter-

legenheit und seiner Abhängigkeit in emotionaler und sozialer Hinsicht den Be-

dürfnissen des Täters mehr oder weniger ausgeliefert sein. Gerade bei der sexu-

ellen Ausbeutung durch Täter im sozialen Nahraum werde körperliche Gewalt 

vielfach gar nicht erforderlich sein, weil die Täter gezielt die entwicklungsbedingte 

emotionale Abhängigkeit und Bedürftigkeit der betroffenen Kinder auszunützen 

pflegten. Kognitive Unterlegenheit und emotionale wie auch soziale Abhängigkeit 

könnten bei Kindern einen ausserordentlichen psychischen Druck bzw. eine damit 

vergleichbare Unterlegenheit erzeugen, die es ihnen verunmögliche, sich gegen 

sexuelle Übergriffe zu wehren. Dies sei namentlich beim Missbrauch durch Autori-

tätsträger des gleichen Haushalts in Betracht zu ziehen, weil hier Ängste um den 

Verlust der Zuneigung unmittelbar zur ernsten Bedrohung werden könnten. In  

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solchen Situationen erschienen bereits die gegenüber einem Kind übermächtige 

Körperlichkeit des Erwachsenen, die alleinige physische Dominanz, geeignet, 

Elemente physischer Aggression zu manifestieren und das Gewaltkriterium im 

Sinne physischer oder zumindest struktureller Gewalt zu erfüllen. Mit der exemp-

larischen Bezugnahme auf ein Erwachsenen-Kind-Verhältnis dokumentiert das 

Bundesgericht nicht nur ganz besondere Umstände für eine psychische Druck-

situation, sondern es stellt auch klar, dass unter Erwachsenen grundsätzlich nicht 

leichthin von einer vergleichbaren Situation ausgegangen werden kann.  

2.4. Im Entscheid 133 IV 49 äusserte das Bundesgericht, dass nicht jeder  

beliebige Zwang, nicht schon jedes den Handlungserfolg bewirkende kausale 

Verhalten eines Täters, auf Grund dessen es zu einer ungewollten sexuellen 

Handlung kommt, eine sexuelle Nötigung darstelle. Die Tatbestände von Art. 189 

und 190 StGB schützten vor Angriffen auf die sexuelle Freiheit nur insoweit, als 

der Täter den zumutbaren Widerstand des Opfers überwindet oder ausschaltet. 

So sei z.B. das blosse Ausnützen vorbestehender gesellschaftlicher oder privater 

Machtverhältnisse noch keine zurechenbare Nötigungshandlung, Erforderlich sei 

eine durch den Täter geschaffene «tatsituative Zwangssituation». Auch in ande-

ren Entscheide verwendete das Bundesgericht diesen Ausdruck, z.B. in BGE 131 

IV 107. Der Zwang müsse vom Täter ausgehen. Insofern unterscheiden sich die 

Artikel 189 StGB und auch Art. 190 StGB von denjenigen, bei welchen es um die 

Ausnützung einer Notlage oder Abhängigkeit geht, beispielsweise Art. 188, 192 

oder 193 StGB (BSK StGB II-MAIER, N 10 zu Art. 189). So reicht beispielsweise 

eine kognitive oder emotional-soziale Unterlegenheit des Opfers nicht aus bzw. 

fällt unter einen anderen Tatbestand (BSK StGB II-MAIER, N 12 zu Art. 189). Der 

tatbestandsmässig erforderliche Zwang darf beispielsweise auch nicht bereits 

deshalb angenommen werden, weil ein mündiges und erwachsenes Opfer von 

seinem Wesen her zu Passivität oder submissivem Verhalten neigt. Das Sexual-

strafrecht für Erwachsene geht davon aus, dass eine Frau (oder auch ein Mann) 

mündig und handlungsfähig ist. Es schützt das sexuelle Selbstbestimmungsrecht 

und will beispielsweise nicht Sexualverkehr bestrafen, weil jemand diesen im 

Nachhinein bereut.  

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2.5. All diese Erwägungen zeigen, dass es bei den Tatbeständen von Art. 189 

und 190 StGB weniger um den Schutz von Personen geht, welche sich über eine 

Sexdating-Plattform zum ersten Mal treffen, sich zunächst gut verstehen, die eine 

dann während des Treffens wegen abstössigem Verhalten des Partners die Lust 

auf Sex oder gewisse Sexualpraktiken verliert, in der Folge dann aber keinen oder 

nur sehr geringen Widerstand leistet, weil sie ihre Angst oder Abneigung nicht zu 

erkennen geben will (Urk. 47 S. 21). Damit ist nicht gesagt, dass solche Personen 

keinen strafrechtlichen Schutz bei Zwangsanwendung geniessen; es sind aber 

Kriterien, welche für die Frage des zumutbaren Widerstands aufgrund der indivi-

duellen Einzelfallumstände eine erhebliche Rolle spielen.  

IV. Sachverhalt 

1. Beweislage und Grundsätze der Beweiswürdigung 

1.1. Beim vorliegenden Fall handelt es sich um ein sogenanntes Vier-Augen-

Delikt. Abgesehen vom Arztbericht und den Aussagen der beiden Beteiligten sind 

keine erheblichen weiteren Beweismittel vorhanden. Im Rahmen der Unter-

suchung wurden verschiedene Beweiserhebungen unterlassen, die im jetzigen 

Zeitpunkt nicht mehr nachgeholt werden können. So wurden beispielsweise keine 

Spuren zur Frage gesichert, ob die Rasur im Bett oder in der Dusche, ob die   

Pizza im Bett oder nicht dort gegessen wurde. Auch wurden keine Fingernagel-

schmutz- oder Kratzspuren vom angeblichen Kratzen der Privatklägerin am  

Rücken des Beschuldigten und keine (weiteren) Erhebungen zu den angeblichen 

Telefonaten der Privatklägerin mit der Zeugin C._____ und dem Notruf unmittel-

bar nach der Tat getätigt. All dies kann heute nicht mehr beigebracht werden, und 

damit bleibt es im vorliegenden Fall im Wesentlichen beim Arztbericht und den 

Aussagen der Beteiligten als Beweismittel. In Fällen, wo Aussage gegen Aussage 

steht, beschränkt sich die Aufgabe des Gerichts nicht einfach darauf zu bewerten, 

welche von den beiden geschilderten Versionen die glaubhaftere ist. Gemäss 

dem in Art. 32 Abs. 1 BV verankerten Grundsatz in dubio pro reo (im Zweifel für 

den Beschuldigten) ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, 

dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Art. 10 

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Abs. 1 StPO; BGE 137 IV 219 E. 7.3 mit Hinweisen; BGE 127 I 38 E. 2a; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_617/2013 vom 4. April 2014 E. 1.2; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. 

und Nr. 180 S. 957 f.). Ein Schuldspruch darf mit anderen Worten nie auf blosser 

Wahrscheinlichkeit beruhen, sondern darf nur erfolgen, wenn die Schuld des Be-

schuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür 

vorliegen, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den 

ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Von diesen Grundsätzen 

darf auch nicht abgewichen werden mit der Begründung, dass sich das Opfer ei-

ner Straftat manchmal in einem eigentlichen Beweisnotstand befindet, weshalb es 

in solchen Fällen ausreiche, wenn die Sachdarstellung des Opfers zumindest 

nicht unglaubhaft wirke. Das heisst umgekehrt nicht, dass bei einer Aussage  

gegen Aussage Situation stets ein Freispruch zu ergehen hat. Die Qualität der 

Aussagen muss aber in solchen Fällen bei einem Schuldspruch deutliche Unter-

schiede aufweisen in dem Sinne, dass die Validität der Aussage des Opfers sehr 

hoch ist und/oder jene der Aussagen des Beschuldigten sehr tief.  

1.2. In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht grundsätzlich frei. Es darf sich 

von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes aber nur 

dann überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung keine erheblichen und 

nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, dass sich der Sachverhalt so ver-

wirklicht hat wie angeklagt (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO; BGE 143 IV 214 nicht publ. 

E. 13.1 des Urteils 6B_824/2016 vom 10. April 2017; BGE 138 V 74 E. 7; 127 I 38 

E. 2a; je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgericht 6B_486/2018 vom 5. September 

2018 E. 1.1). Andernfalls ist eine beschuldigte Person freizusprechen (statt vieler: 

CORBOZ, "in dubio pro reo", ZBJV 1993, S. 419 f.). Die Überzeugung des Richters 

muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den 

unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 Rz 11, S. 247). 

Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien 

zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu wür-

digen ist (vgl. dazu BGE 133 I 33 E. 4.4.1-4.4.3; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4; 

Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4. sowie ARZT, In dubio contra, in Zeitschrift für 

Strafrecht 115, S. 197). 

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1.3. Stehen sich als Beweismittel im Wesentlichen Aussage gegen Aussage 

gegenüber, so sind gemäss Bundesgericht durch methodische Analyse der In-

halte der Aussagen diese darauf zu überprüfen, ob die auf ein bestimmtes Ge-

schehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben der aussagenden 

Person entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden kann, 

ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien und umgekehrt 

auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Entscheidend ist, ob die 

aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen 

Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Er-

lebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise   

vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens 

durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, so genannte Real-

kennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des 

Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft 

und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden  

(Urteile des Bundesgerichts 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017; 6B_200/2015 vom 

7. Oktober 2015 E. 1.3; BGE 133 I 33 E. 4.3 S. 45 f.; 129 I 49 E. 5 S. 58 f.; 

128 I 81 E. 2 S. 85 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_793/2010 vom 14. April 2011 

E. 1.3.1; je mit Hinweisen).  

1.4. Diese Grundsätze gelten auch für Sexualdelikte. 

2. Zusammengefasste Darstellung der Privatklägerin 

2.1. Die Privatklägerin ist in Afrika geboren und aufgewachsen und kam mit 25 

Jahren in die Schweiz. Sie und der Beschuldigte trafen sich aufgrund einer Verab-

redung über eine "Sugar-Daddy"- Plattform im Internet. Die Privatklägerin um-

schrieb diese Plattform wie folgt: "Es ist so, dass man sein Schätzchen ist, er sich 

um einen kümmert, er Geschenke kauft, wenn man etwas braucht. (…) Es geht 

darum, dass er glücklich ist mit mir zusammen und umgekehrt auch. Zusätzlich 

macht er mir noch Geschenke" (Urk. 5/1 Antwort 18). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung relativierte sie dann jedoch diese Aussage und machte geltend, ihr 

sei es darum gegangen, gute Leute zu treffen, auszugehen, etwas zu unterneh-

men und sich dabei einladen zu lassen. Das mit dem Geschenke machen stimme 

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nicht (Urk. 116 S. 10 f.). Sie habe früher einmal auf dieser Plattform ein Profil ge-

habt, dieses dann aber mangels Interesse wieder gelöscht. Mit dem Beschuldig-

ten in Kontakt gekommen sei sie dann, weil sie wieder ein neues Profil eröffnet 

habe (Urk. 5/2 Antwort 47). 

2.2. Die Privatklägerin schildert, sie hätten einen gemütlichen Abend in der 

Wohnung des Beschuldigten verbracht, hätten zusammen Pizza gegessen und es 

lustig gehabt. Zunächst sei die Privatklägerin auch einverstanden gewesen mit 

Sex. Sie hätten begonnen, sich zu küssen. Unter ihrem Kleid habe sie keine Un-

terhosen und keinen BH getragen (Urk. 4/1, Protokollnotiz zu Antwort 14, Urk. 5/2 

Antwort 67, zuletzt auch Urk. 116 S. 13-15). Als sie gemeinsam das Schlafzimmer 

des Beschuldigten betreten hätten, habe sie dann aber keinen Sex mehr gewollt, 

u.a. weil auf dem Bett Sado-Maso-Material gelegen habe und sie kein Gefühl der 

Sicherheit mehr gehabt habe. Den entsprechenden Hinweis des Beschuldigten 

auf seinem Profil auf der Dating-Plattform bezüglich seiner Vorlieben in Richtung 

SM habe sie überlesen. Völlig abgelöscht habe es ihr dann, als sie die beiden 

Penis-Piercings des Beschuldigten erblickt habe. Es habe auch unangenehm   

gerochen, wahrscheinlich weil eines der Piercings noch frisch gewesen sei. Sie 

habe ihm darauf gesagt, so gehe das aber nicht, er solle die Piercings abnehmen. 

Darauf habe er das grosse Piercing abgenommen, das andere aber anbehalten. 

Die Privatklägerin habe dann gesagt, dass sie gehen wolle, er habe jedoch er-

widert, dass sie ihm versprochen habe, über Nacht zu bleiben (Urk. 47 S. 15; so 

auch Urk. 116 S. 21). Der Beschuldigte habe ihr dann befohlen, sich auszuziehen 

und sich aufs Bett zu legen, worauf er ihre Hände mit 'Schnüren' festgebunden 

habe. Gewalt habe er keine angewendet. Sie habe sich gezwungen gefühlt auf-

grund seiner Haltung und der Zeit, die er sich genommen habe und wie er ihr das 

klar gemacht habe (so ihre Formulierung in Urk. 47 S. 18). An der Berufungs-

verhandlung sagte die Privatklägerin, sie habe das Schlafzimmer nicht verlassen, 

weil der Beschuldigte die Türe geschlossen habe. Sie hätte die Türe zwar auf-

machen können, aber sie habe nicht versucht, das Zimmer zu verlassen. Sie   

habe auch nicht um Hilfe gerufen, er habe sie nicht gewaltsam gefesselt, aber 

"auf jeden Fall äusserst entschlossen". Sie habe sich nicht gewehrt (Urk. 116 

S. 22 f.). Am Anfang sei die Türe noch offen gewesen; er habe sie aber zurück-

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gehalten, allerdings ohne sie zu berühren. Auf seine Frage, ob sie Angst habe, 

habe sie ihm nein gesagt. "Ich wollte nicht, dass er wusste, dass ich Angst habe" 

(Urk. 47 S. 21; so auch Urk. 116 S. 24). Sie habe nur gewollt, dass es endet und 

so gut wie möglich vorbei gehe. Er habe sie dann mit den Fingern penetriert, an-

schliessend habe er mehrmals seine ganze Hand hineingetan, vorne und hinten. 

Geweint habe sie nicht, aber geschrien, weil es weh getan habe. Dann habe er 

sich neben sie gelegt und sei eingeschlafen. Sie habe aber nicht weg gehen  

können, weil er, während er schlief, seine Hand oder seinen Fuss auf ihr gehabt 

habe (Urk. 47 S. 24; Urk. 116 S. 26). Sie habe nicht genau gewusst, ob er die 

Schlafzimmertüre verschlossen habe, habe dies aber angenommen, weil sie  

einen "Klick" gehört habe (Urk. 47 S. 25). Zwischendurch sei er einmal auf die 

Toilette gegangen. Sie habe bei dieser Gelegenheit gehört, wie er den Schlüssel 

zwei Mal gedreht habe. Am frühen Morgen habe er Geschlechtsverkehr gewollt 

und begonnen sie zu berühren. Sie habe ihn gebeten, ein Präservativ anzuziehen 

und auch die Piercings abzunehmen. Er habe das nicht gewollt. Sie habe ihn da-

rauf gebeten, wenigstens das Grosse, das vorne gewesen sei, abzunehmen 

(Urk. 47 S. 26; Urk. 116 S. 28). Er habe das dann gemacht und sie gebeten, ihm 

das Präservativ anzulegen und ihm eins zu blasen. Sie habe das dann gemacht. 

Es sei aber klar gewesen, dass sie das nicht gewollt habe. Zurück gestossen   

habe sie ihn nicht (Urk. 47 S. 29). Sie sei wie eine Marionette gewesen. "Wenn er 

sagte, mach das, dann machte ich es" (Urk. 47 S. 27). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung führte die Privatklägerin aus, sie habe dem Beschuldigten nicht ge-

sagt, dass sie keine sexuellen Handlungen wolle, aber "diese Person" (gemeint 

der Beschuldigte) habe von Anfang an gewusst, dass sie nicht einverstanden  

gewesen sei (Urk. 116 S. 27 f.). Danach habe er sie dann penetriert und sie habe 

vor Schmerzen geschrien, worauf er zwischendurch aufgestanden und das offene 

Fenster geschlossen habe. Dann sei er zurück aufs Bett gekommen und habe  

fertig gemacht. Nachdem sie bei ihm geduscht habe, habe er ihr noch Geld für die 

Kollegin (bei der sie Mietschulden gehabt haben soll) geben wollen, was sie aber 

abgelehnt habe.  

-  14  - 

3. Vorinstanzliche Sachverhaltswürdigung 

3.1. Wenn Personen bewusst falsche Aussagen in Strafverfahren machen, 

handelt es sich gemäss empirischer Erkenntnisse nie um eine von a bis z frei er-

fundene Geschichte. Dies bereits deshalb nicht, weil gewisse Sachverhalte stets 

erwiesen sind oder vernünftigerweise gar nicht in Abrede gestellt werden können. 

Wer falsche Aussagen macht, vermischt im Rahmen seiner Darstellung vielmehr 

ganz gezielt wahre Begebenheiten mit unwahren Elementen, frühere (reale) Er-

innerungen mit Fiktion oder greift auf vorbestehendes (bspw. aus Büchern, TV 

etc.), nicht dem eigenen Erleben entstammendes Wissen zurück (sog. Skript-

Wissen, dazu JANSEN, Zeuge und Aussagepsychologie, 2. Aufl., Heidelberg 2012, 

Rz 418). Enthält eine Aussage zahlreiche glaubhafte Details, so vermag dies zwar 

die Vermutung einer allgemeinen Glaubwürdigkeit der Person zu stärken, heisst 

aber umgekehrt noch nicht, dass aus diesem Grund sämtliche Aussagen der 

Wahrheit entsprächen. Quantitativer Detailreichtum für sich alleine ist eine not-

wendige, nicht aber hinreichende Bedingung einer positiven Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit (JANSEN, a.a.O., Rz 423). Dies insbesondere dann, wenn jener 

Teil der Aussagen, der als sehr glaubhaft bewertet werden kann, mehrheitlich  

nebensächliche oder für die aussagende Person unproblematische Details betrifft 

(vgl. LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse 

Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, AJP 11/2011, S. 1415 ff., 

S. 1426 f. und S. 1428 i.f.). Entscheidend ist deshalb, dass sich die Aussage in 

den bestrittenen, für die rechtliche Würdigung entscheidenden Punkten, im Kern-

geschehen, als glaubhaft erweist. Diese Grundsätze hat die Vorinstanz teilweise 

ausser Acht gelassen (so bspw. im Zusammenhang mit den umstrittenen 

Schliessverhältnissen im Schlafzimmer). 

3.2. Das Bundesgericht hat in einem neueren Entscheid festgehalten, dass 

freie Beweiswürdigung nicht bedeute, dass das Gericht nur seiner eigenen In-

tuition verpflichtet ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 

E. 2.2.3.1). Der Beweiswürdigung voraus zu gehen habe die Analyse und Fest-

stellung, welche der in der Anklageschrift vorgeworfenen Sachverhaltselemente 

-  15  - 

überhaupt bewiesen sind und welche nicht. Die anschliessende Beweiswürdigung 

betreffe die inhaltliche Auswertung der aufgenommenen Beweismittel. 

3.3. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklageschrift korrekt sämtliche Sach-

verhaltselemente aufgeführt, gestützt auf welche sie den Zwang und die Nötigung 

herleitet. Es ist im Rahmen der Sachverhaltserstellung im Hinblick auf die rechtli-

che Subsumtion als Nötigung unabdinglich, über jedes dieser einzelnen Elemente 

zu befinden, ob es rechtsgenügend erwiesen ist oder nicht. 

4. Würdigung der Aussagen 

4.1. Aussageverhalten des Beschuldigten und der Privatklägerin 

4.1.1. Die Aussagen des Beschuldigten, insbesondere in seiner ersten polizei-

lichen Befragung nach seiner Verhaftung am Tag nach dem angeklagten Vorfall, 

sind eher knapp und teilweise detailarm (Urk. 4/1). Auf Vorhalt der Vergewalti-

gung schilderte er den Verlauf der Tatnacht auf bloss acht Zeilen. Auf einzelne 

Fragen hin antwortete er in der Folge oft mit einem blossen Nein oder den Wor-

ten, das stimmt nicht. Dabei ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass im All-

gemeinen nicht Vorgefallenes in der Regel auch gar nicht substantiiert bestritten 

werden kann (vgl. BENDER/TREUER/NACK, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 

4. Aufl., München 2014, Rz 334). Immerhin vermochte der Beschuldigte aber  

einen stimmigen Ablauf des besagten Abends zu Protokoll zu geben. Ebenso ist 

nachvollziehbar, dass er bei der Darstellung des Sexualverkehrs mit der Privat-

klägerin aus Scham oder Angst vor Selbstbelastung zunächst etwas zurückhal-

tend war und schlüpfrige Details weg liess. Er war im Zeitpunkt der polizeilichen 

Befragung nota bene nicht in anwaltlicher Begleitung. So gab er zum Beispiel an: 

"Vor Mitternacht haben wir noch Pizza im Bett gegessen. Danach hatten wir ein-

vernehmlichen Sex. Danach bin ich aber bald eingeschlafen" (Urk. 4/1 Antwort 

50). Hier erscheinen die Handlungsübergänge etwas stark verkürzt oder lücken-

haft. Ausgehend von seiner Version, wonach es erst am Morgen wegen der Be-

zahlung zum Konflikt gekommen sei, kann aus solchen Verkürzungen aber wenig 

zu seinem Nachteil abgeleitet werden. Ansonsten sind in seinen Aussagen keine 

Ungereimtheiten, Strukturbrüche, Ausweichtendenzen, Übertreibungen, abwer-

-  16  - 

tende Bemerkungen über die Privatklägerin oder andere Fantasiesignale zu er-

kennen. Vor Vorinstanz und an der Berufungsverhandlung fiel die Schilderung 

des Beschuldigten dann ausführlicher aus (Urk. 49 und Urk. 117). Es kann sein, 

dass es ihm infolge des Zeitablaufs nun auch möglich war, sich eine stimmige 

Darstellung auszudenken. Immerhin wirkt jene Version vor Vorinstanz aber so wie 

eine Erzählung mit realem Hintergrund.  

4.1.2. Die Privatklägerin konnte in ihrer ersten polizeilichen Befragung spontan ei-

ne detaillierte und in weiten Teilen natürlich und lebensnah wirkende Darstellung 

zu Protokoll geben. Überzeugend wirkt ihre Erzählung allerdings nur hinsichtlich 

des ganzen Ablaufs des Abends und verschiedener Umstände des Sexual-

verkehrs. In starkem Kontrast dazu stehen ihre Ausführungen hinsichtlich des  

behaupteten vom Beschuldigten ausgeübten Zwangs und ihrer angeblichen Un-

freiwilligkeit bei den sexuellen Handlungen. Das geschilderte Verhalten der Pri-

vatklägerin erscheint in einigen dieser Punkte nicht nachvollziehbar, lebensfremd 

bis hin zu sehr merkwürdig.  

4.2. Verlauf der Abendunterhaltung im Wohnzimmer 

4.2.1. Die Privatklägerin schilderte, dass der Abend zunächst sehr gut verlaufen 

sei und eine gute Stimmung geherrscht habe (Urk. 4/1 Antwort 18, Urk. 4/2 S. 6 

Antwort 23). Er habe ihr Champagner angeboten, von dem ihr allerdings schlecht 

geworden sei. Sie hätten viel geredet und auch 'über sexuelle Beziehungen und 

solche Dinge' (Urk. 4/2 S. 6 Antwort 23; so auch Urk. 116 S. 14 f.). Er habe er-

wähnt, dass er hohe Absätze möge, weshalb sie dann noch einmal zum Auto zu-

rückgegangen sei, um ihre High Heels zu holen. Sie hätten dann eine Pizza be-

stellt. Sie hätten weiter miteinander geredet, über seine privaten Verhältnisse, 

seine zwei Kinder, seinen Beruf als … [Beruf] und dass er Kugelschreiber samm-

le. Er habe auch sie nach ihrem Privatleben und ihrem Beruf gefragt. Diese Schil-

derung der Privatklägerin in der staatsanwaltlichen Befragung findet einen gewis-

sen Widerspruch zu ihrer Aussage in der polizeilichen Befragung, wo die Privat-

klägerin noch zu Protokoll gab: "Er spricht nicht viel. Er ist ein bisschen mysteriös. 

Wenn ich ihm sehr intime Fragen gestellt habe, hat er mir nicht wirklich geantwor-

tet" (Urk. 4/1 Antwort 31). Die Privatklägerin fuhr dann fort, irgendwann zwischen 

-  17  - 

22 und 23 Uhr sei dann die Pizza gekommen. Der Beschuldigte habe sich ir-

gendwann einmal umgezogen und einen Bademantel angelegt (Urk. 4/2 S. 7). Sie 

habe sich nicht darüber gewundert, denn die Situation sei bereits sexuell gewe-

sen, sie hätten sich umarmt und liebkost (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 18; ähnlich auch 

Urk. 116 S. 18 f.). Sie hätten weiter miteinander gesprochen, sich gut verstanden 

und sich auch geküsst (Urk. 4/2 S. 6). Sie seien sich näher gekommen, der Be-

schuldigte habe ihr gefallen, sie habe Zuneigung und Zärtlichkeit gespürt (Urk. 4/2 

S. 7). Dann seien sie ins Schlafzimmer gegangen. 

4.2.2. Wenn die Verteidigung aus der Kleidung der Privatklägerin (Jumpsuit ohne 

Unterwäsche und BH) – jedenfalls sinngemäss – ihre Bereitschaft zu sexuellen 

Handlungen ableitet (vgl. Urk. 118 S. 23), dann ist dem zu entgegnen, dass selbst 

die Privatklägerin (wie bereits erwähnt) ausgeführt hat, sie habe sich zu Beginn 

des Abends durchaus einvernehmlichen Sex vorstellen können. 

4.2.3. Bis zu diesem Zeitpunkt der Handlung ergeben sich keine wesentlichen 

Widersprüche zwischen den Darstellungen in den Einvernahmen der Privatkläge-

rin und jenen des Beschuldigten. Auffällig ist einzig, dass nach Darstellung des 

Beschuldigten die Pizza im Bett und nicht im Wohnzimmer gegessen worden sei 

(Urk. 4/2 Antwort 14). Wie erwähnt wurde dieser Umstand spurentechnisch nicht 

weiter abgeklärt (bspw. Essensrückstände resp. Brosamen im Bett etc.). Dies  

wäre indes durchaus von Relevanz gewesen, denn wäre die Pizza quasi in trauter 

Zweisamkeit im Bett gegessen worden, stünde dies im Widerspruch zur Dar-

stellung der Privatklägerin, wonach die Stimmung bei Betreten des Schlafzimmers 

gekippt sei. 

4.3. Betreten des Schlafzimmers 

4.3.1. Die Privatklägerin führte aus, der Beschuldigte habe im Schlafzimmer  

Sadomaso-Material bereit gelegt. Die Peitsche z.B. habe bereits auf dem Bett   

gelegen (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 18; Urk. 116 S. 19 und 21 f.). Sie habe ihn darauf 

gefragt, was das soll und er habe ihr erklärt, dass er diese Sadomaso-Neigung 

habe. In diesem Moment sei sie mit Sex nicht mehr einverstanden gewesen. In  

ihrer staatsanwaltlichen Befragung hob die Privatklägerin dann für ihren Stim-

-  18  - 

mungsumschwung punkto Sexualverkehr mehr die Aura des Raumes hervor: 

"Das Zimmer war sehr niedrig. Es war dort dunkel und traurig. Es war keine gute 

Stimmung in diesem Zimmer" (Urk. 4/2 S. 7). Anlässlich der Berufungsverhand-

lung führte die Privatklägerin aus, sie habe den Beschuldigten gefragt, was das 

für Sachen seien. Er habe dann erwidert, dass sie beiden dies im Folgenden nun 

bräuchten. Er habe ihr dann gesagt, sei solle sich ausziehen und aufs Bett legen. 

Als sie gesagt habe, dass sie gehen wolle, habe er nein gesagt (Urk. 116 S. 19).  

4.3.2. Etwas anders fiel die Sachdarstellung des Beschuldigten aus. So hätten sie 

die Pizza zusammen auf dem Bett gegessen und nicht im Wohnzimmer. Zudem 

bestätigte er zwar die Frage, ob es Sadomaso-Material im Schlafzimmer gehabt 

habe, erklärte jedoch, dass sich dieses nicht auf dem Bett, sondern in einer offe-

nen Box in einem Gestell befunden habe, wie es auch im Polizeiprotokoll ver-

merkt sei (Urk. 4/2 Antwort 17; Urk. 117 S. 12). Es sei keine Peitsche auf dem 

Bett gewesen (Urk. 4/1 Antwort 82). Sie hätte über Sadomaso gesprochen, zumal 

in seinem Profil auf der Datingplattform stehe, dass er dazu nicht abgeneigt sei. 

Dass im Übrigen von diesen Utensilien etwas eingesetzt worden war – ab-

gesehen von den Schnüren zur Fesselung der Hände –, behauptete auch die  

Privatklägerin nicht.  

4.3.3. Ob nun etwas vom Sadomaso-Material auf dem Bett gelegen hat oder alles 

in einer Box im Gestell lag, lässt sich vor dem Hintergrund zweier differierender 

Behauptungen, welche in diesem Punkt gleich glaubhaft einzustufen sind, nicht 

rechtsgenügend beweisen. Dies wäre nur möglich, wenn man bei einer Gesamt-

würdigung aller Aussagen zum Schluss käme, dass eine Person ansonsten sehr 

glaubhafte Aussagen und die andere sehr unglaubhafte Aussagen gemacht hat. 

Vorbehältlich einer solchen Gesamtwürdigung kann der diesbezügliche Sach-

verhalt in der Anklage nicht als erwiesen betrachtet werden.  

4.4. Penis-Piercings 

4.4.1. Die Privatklägerin führte aus, nachdem sie das Schlafzimmer gemeinsam 

betreten hätten, habe er den Bademantel ausgezogen und es sei für sie noch 

schwieriger geworden. Er sei gut ausgestattet gewesen und habe ein grosses 

-  19  - 

Ding. Zudem habe er zwei Piercings am Penis, eines quer durch und ein zweites 

an der Spitze oben drauf, sehr sehr gross (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 18). Das habe ihr 

Angst gemacht. Dann habe sie ihm gesagt, dass dies so nicht gehe und ihn ge-

fragt, ob er die Piercings wegnehmen könne. Er habe jedoch erwidert, dass es 

nur mit den Piercings gehe. In der staatsanwaltlichen Befragung ergänzte die Pri-

vatklägerin diese Darstellung dann noch mit dem Geruch: "Der Mann zog dann 

seinen Bademantel aus und das erste was mir auffiel, war ein sehr starker Duft, 

nach etwas Verdorbenem, das von seinem Geschlechtsteil her kam. (…) Ich sah, 

dass dieses Piercing noch frisch war und noch nicht verheilt war und dass es  

diesen Gestank ausströmte. In diesem Moment sagte ich mir, dass das nichts für 

mich sei. Bevor ich ihm sagen konnte, dass das nichts für mich sei, fragte ich ihn 

noch, ob das alles mit diesen Piercings stattfinden werde und er sagte ja" 

(Urk. 4/2 S. 7; ähnlich zuletzt Urk. 116 S. 20). Im Rahmen der Berufungsverhand-

lung erwähnte die Privatklägerin den vom Penis ausgehenden Geruch erst auf 

konkrete Nachfrage ihrer Rechtsvertreterin (Urk. 116 S. 35). 

4.4.2. Der Beschuldigte sagte diesbezüglich in seiner staatsanwaltlichen Einver-

nahme aus, er könne sich daran erinnern, dass die Privatklägerin gesagt habe, 

dass sie ein Piercing nicht wolle und das er dieses entfernt habe (Urk. 4/2 Antwor-

ten 20 und 21). An der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte auf Frage 

aus, die Privatklägerin habe sich am grossen Piercing gestört, weshalb er es 

schon vor dem Oralverkehr abgenommen und in der Folge nicht mehr angezogen 

habe (Urk. 117 S. 13). 

4.4.3. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass es am Abend bzw. in der 

Nacht dann auch nicht zu Geschlechtsverkehr mit den Piercings gekommen war, 

sondern zu anderen sexuellen Handlungen und Oralverkehr. Auch wenn die Pri-

vatklägerin ihre Abneigung gegen Penis-Piercings sehr glaubhaft zu schildern 

vermochte, so beweist dies noch nicht, dass andere sexuelle Handlungen am 

Abend mit Zwang ausgeführt worden sind. Eine solche Schlussfolgerung wäre 

ebenso unzulässig wie umgekehrt zu sagen, wegen den vorgängigen freiwilligen 

Küssen sei erwiesen, dass die Privatklägerin auch mit allen später folgenden 

-  20  - 

Handlungen einverstanden gewesen sei. Insofern ergibt dieser Sachverhaltsteil 

keine erheblichen Aufschlüsse über eine Nötigung am Abend.  

4.5. Drohungen und Einsperren 

4.5.1. Weiter gab die Privatklägerin zu Protokoll, sie habe daraufhin gesagt, dass 

sie es vorziehe zu gehen, er aber in diesem Moment die Türe verschlossen habe. 

Er habe dabei wörtlich gesagt, es würde sowieso etwas passieren und es sei in 

ihrem Interesse, dass sie kooperiere (Urk. 4/1 S. 4). Wenn sie kooperieren werde, 

würde es ihr nicht weh tun und sie könne danach gehen. "Er hat mich ganz klar 

bedroht. Ich hatte Angst. Er ist … [Beruf]. Ich sah all die Sachen. Ich dachte er 

könnte mich umbringen und niemand wüsste, wo ich bin. Dann habe ich gedacht, 

wenn ich kooperiere, dann könne ich anschliessend gehen" (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 

18). In ihrer staatsanwaltlichen Einvernahme erklärte die Privatklägerin, auf ihre 

Äusserung hin, wonach sie gehen werde, habe er ihr erwidert, dass sie ihm vor-

gängig versprochen habe über Nacht zu bleiben und sie müsse sich an dieses 

Versprechen halten. Er habe dann die Türe zugemacht und ihr befohlen, sie  

müsse sich ausziehen und aufs Bett legen, es sei besser, wenn sie kooperiere, 

denn er sei ja … [Beruf] und wisse, wie man jemanden zum Verschwinden brin-

gen könne ohne Spuren zu hinterlassen (Urk. 4/2 S. 8 Antwort 23). Anlässlich der   

Berufungsverhandlung schilderte sie diese Situation folgendermassen (Urk. 116 

S. 20): "Ich sagte zu ihm "nein", ich wolle gehen. Er sagte dann sehr deutlich, ich 

solle mich ausziehen und aufs Bett legen. Ich begann hinten den Overall auszu-

ziehen, aber es klemmte. Er hat ihn dann ausgezogen." Und weiter (Urk. 116 

S. 20): "Davor hat er die Türe geschlossen und ich legte mich aufs Bett. Er hat 

mich an den Armen auf dem Bett gefesselt. Er ist auf mich gekommen. Er begann 

mich am Körper zu küssen. Er sagte zu mir, ich müsse ihm in die Augen blicken 

und ich müsse ihm sagen, dass ich seine kleine Unterworfene sei." Auf Nachfrage 

gab die Privatklägerin an, sie hätte die Türe aufmachen können, aber sie habe 

nicht versucht das Schlafzimmer zu verlassen und habe auch nicht um Hilfe geru-

fen (Urk. 116 S. 22). Im freien Bericht erwähnte die Privatklägerin zunächst nichts 

davon, dass der Beschuldigte sie umbringen resp. verschwinden lassen könne. 

Erst auf Nachfrage, weshalb sie nicht versucht habe zu gehen, machte sie gel-

-  21  - 

tend, der Beschuldigte habe ihr gesagt, sie müsse kooperieren, sonst würde es 

schlimm ausgehen. Er wüsste, wie man Menschen zum Verschwinden bringen 

könne. Sie habe zu grosse Angst gehabt, ihm etwas entgegenzuhalten oder einen 

Versuch zu unternehmen (Urk. 116 S. 26). 

4.5.2. Auf Vorhalt dieser Aussagen der Privatklägerin entgegnete der Beschuldig-

te, dass dies alles erstunken und erlogen sei (Urk. 4/1 Antwort 84). So etwas ha-

be es nicht gegeben. Er könne sich nicht erinnern, dass die Privatklägerin gesagt 

habe, sie wolle gehen (Urk. 4/3 Antwort 24). Die von der Privatklägerin behaupte-

ten Äusserungen habe er nicht gemacht, diese seien absurd und stimmten nicht 

(Urk. 4/3 Antworten 26 und 27). Wenn er als … [Beruf] eines wisse, dann dass es 

eben nicht möglich sei, jemanden zum Verschwinden zu bringen. So einen Blöd-

sinn habe er sicherlich nicht gesagt (Urk. 117 S. 16). Er könne sich nicht erinnern, 

dass er sonst etwas zur Privatklägerin gesagt habe, das sie als Druck oder Dro-

hung hätte auffassen können. Sie hätte jederzeit gehen können (Urk. 117 S. 14 

und 16). Zum Abschliessen der Türe machte der Beschuldigte geltend, es sei eine 

alte Wohnung, bei welcher innen alles schief sei und die Zimmer gar keine 

Schlüssel hätten. Und bei der Hauseingangstüre stecke der Schlüssel immer im 

Schloss (Urk. 4/1 Antwort 97). Zudem habe er der Privatklägerin einen Haus-

schlüssel gegeben, als diese die hohen Schuhe aus dem Auto habe holen wollen. 

Diesen Schlüssel habe sie ihm mutmasslich nicht mehr zurückgegeben, was er 

daraus schliesse, dass er später einen der Schlüssel vermisst habe (Urk. 4/1 

Antworten 76 und 97; Urk. 117 S. 7 und 14). An der Berufungsverhandlung führte 

der Beschuldigte wiederum aus, er habe die Türe nicht abgeschlossen. Er habe 

bis zur Einvernahme bei der Polizei nicht einmal gewusst, dass er einen Schlüssel 

zu dieser Türe habe (Urk. 117 S. 13 und 16). 

4.5.3. Bei der Geschichte mit dem Abschliessen der Türe bleibt offen, ob die Pri-

vatklägerin ein blosses Schliessen der Türe meinte oder ein Abriegeln mit einem 

Schlüssel. Immerhin wäre dies ein qualitativ wesentlicher Unterschied. Klar ist 

mittlerweile, dass ein Schlüssel vorhanden war. Ebenso klar ist aber auch, dass 

die Türe nicht dergestalt zu resp. geschlossen war, dass die Privatklägerin sich 

-  22  - 

nicht hätte aus dem Zimmer begeben können. Sie selbst sagte an der Berufungs-

verhandlung, sie hätte die Türe öffnen können. 

4.5.4. Für einen rechtsgenügenden Beweis der behaupteten bedrohlichen Äusse-

rungen des Beschuldigten reichen die Aussagen der Privatklägerin nicht aus. Es 

erscheint zwar nicht unmöglich, aber doch eher realitätsfremd, dass der Beschul-

digte plötzlich zu solchen Drohungen gegriffen hat. Natürlich gibt es Psycho-

pathen mit gestörtem Sexualtrieb, welche zu solchen Mitteln greifen, um ein Opfer 

gefügig zu machen. Solche Täter nötigen und vergewaltigen aber für gewöhnlich 

auch nicht in der eigenen Wohnung inmitten einer Altstadt. Der Beschuldigte ist 

weder einschlägig vorbestraft noch ist bekannt, dass er wegen einer patholo-

gischen sexuellen Veranlagung in psychotherapeutischer Behandlung ist. Vorlie-

gend bestand grundsätzlich die Bereitschaft der Privatklägerin zu sexuellen Hand-

lungen. Die Atmosphäre sei zuerst sehr gut gewesen und man habe sich geküsst 

und umarmt. Zumindest unter normalen Verhältnissen hätte der Beschuldigte ja 

auf Wünsche der Privatklägerin um eine für sie angenehmere Stimmung problem-

los eingehen können und hätte die Aussicht gehabt, trotzdem noch zu sexueller 

Befriedigung zu kommen. Sein von der Privatklägerin behaupteter plötzlicher 

Stimmungsumschwung von charmant und zärtlich auf bedrohlich und dominant 

erscheint zumindest sehr ungewöhnlich und deshalb nur beschränkt glaubhaft. 

Wie bereits erwähnt, möglich wäre es, dass solche Äusserungen gefallen sind, 

rechtsgenügend bewiesen sind sie aber nicht. Sowohl die Version der Privatklä-

gerin als auch jene des Beschuldigten können nicht mit Sicherheit als Lüge oder 

Wahrheit qualifiziert werden. Gegen die Glaubhaftigkeit der Darstellung der Pri-

vatklägerin spricht aber die Entwicklung ihrer Aussagen zu diesem Komplex. Zu-

nächst – gegenüber der Polizei – machte sie geltend, er sei … [Beruf]. Sie habe 

all die Sachen gesehen. Sie habe sich gedacht (sic!), er könnte sie umbringen 

und niemand wüsste, wo sie sei. Sie habe sich gedacht (sic!), wenn sie kooperie-

re, dann könne sie anschliessend gehen (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 18). Diese be-

haupteten Drohungen waren nach dieser Darstellung nicht Äusserungen des Be-

schuldigten, sondern vielmehr innere eigene Denkvorgänge der Privatklägerin. In 

ihren jüngsten Schilderungen wurden diese Drohungen dann zu Äusserungen des 

Beschuldigten: Er habe ihr gesagt (sic!), sie müsse kooperieren, sonst würde es 

-  23  - 

schlimm ausgehen. Er wüsste (sic!), wie man Menschen zum Verschwinden brin-

gen könne. Es ist nicht so, dass die Privatklägerin damit der vorsätzlichen Lüge 

überführt wäre. Aber diese Aussageentwicklung zeigt doch deutlich, wie sich inne-

re (durchaus verständliche) Vorgänge dann im Laufe der Zeit zu angeblich realen 

Äusserungen des Beschuldigten gewandelt haben. Ein Beispiel, wie sich Fiktion 

und Realität vermischen. Bei der letzten Einvernahme der Privatklägerin im Rah-

men der Berufungsverhandlung fällt überdies auf, dass die Privatklägerin von die-

ser angeblichen Drohung zunächst in ihrem freien Berichten über den Verlauf ab 

Betreten des Schlafzimmers nichts erwähnte (vgl. Urk. 116 S. 18 ff.). Erst auf 

konkrete Nachfrage, weshalb sie nicht versucht habe das Zimmer zu verlassen, 

obwohl sie gemäss ihren eigenen Aussagen die Türe hätten aufmachen können, 

erwähnte sie die angebliche Drohung. 

4.5.5. Schliesslich steht auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen 

Drohung im Raum. Die Privatklägerin insinuiert, dass der Beschuldigte sie hätte 

verschwinden lassen können, ohne dass irgendjemand vom Beschuldigten und 

ihrem Treffen erfährt. Nach übereinstimmenden Sachdarstellungen des Beschul-

digten und der Privatklägerin hat jedoch die Zeugin C._____ zu einem früheren 

Zeitpunkt am Abend angerufen und dabei erfahren, dass die Privatklägerin beim 

Beschuldigten ist. Und dieses Telefonat hat der Beschuldigte auch mitbekommen. 

Ein quasi unbemerktes Verschwindenlassen der Privatklägerin, womit der Be-

schuldigte gedroht haben soll, wäre also gar nicht mehr möglich gewesen. 

4.5.6. Und selbst wenn Äusserungen in der Art wie geschildert objektiv gefallen 

sind und sich rechtsgenügend beweisen liessen, so bliebe im vorliegenden Kon-

text der subjektive Tatbestand einer Nötigung zweifelhaft. Der Beschuldigte mach-

te aus seiner Sadomaso-Vorliebe keinen Hehl und deklarierte dies offen in sei-

nem Profil auf der Datingplattform "D._____" (Urk. 1 Anhang Polizeirapport; 

Urk. 5/2 Anhang Einvernahmeprotokoll). Er hatte keine Veranlassung anzuneh-

men, dass die Privatklägerin, zu welcher der Kontakt über diese Plattform zustan-

de gekommen war, dies vorgängig nie gelesen hatte (Urk. 47 S. 15). Es könnte 

deshalb auch nicht ausgeschlossen werden, dass er besagte Äusserungen als 

"Teil des Spiels" betrachtete. Unter solchen Umstände sind auch Äusserungen im 

-  24  - 

Befehlston nicht ungewöhnlich, sondern wohl die Regel und allein aufgrund der 

Worte des Gegenübers, "es wolle gehen", auf Unfreiwilligkeit bzw. eine sexuelle 

Nötigung zu schliessen, wäre willkürlich. 

4.6. Fesselung auf dem Bett und erste sexuelle Handlungen 

4.6.1. Gemäss Anklageschrift, welche auf der Darstellung der Privatklägerin be-

ruht, habe die Privatklägerin ihr Kleid nicht öffnen können, weshalb ihr der Be-

schuldigte abrupt den Reissverschluss geöffnet habe (Urk. 20 S. 3). Selbst schil-

derte die Privatklägerin vor Vorinstanz, dass sie begonnen habe, ihren Overall 

hinten zu öffnen. Dies sei ihr fast nicht gelungen, weil sie gezittert habe. Dann  

habe ihr der Beschuldigte geholfen, diesen auszuziehen (Urk. 47 S. 17; anlässlich 

der Berufungsverhandlung machte sie geltend, der Overall resp. der Reiss-

verschluss habe geklemmt, Urk. 116 S. 20). Dies ist eine recht unauffällige For-

mulierung, die mit der suggerierten Heftigkeit des Öffnens im Anklagesachverhalt 

nicht korreliert. In der Folge habe ihr der Beschuldigte befohlen, sich auf das Bett 

zu legen und habe ihre Hände seitlich am Bett mit Schnüren gefesselt. Anschlies-

send sei er auf sie "drauf gekommen" und habe ihren ganzen Körper abgeküsst 

(so zuletzt auch Urk. 116 S. 20). Schliesslich habe er Gleitmittel genommen und 

sie dann zuerst mit den Fingern, danach mit der ganzen Hand, mehrfach vaginal 

und anal penetriert. Dies obwohl sie ihm gesagt habe, dass es ihr weh tue. In ih-

ren Befragungen machte die Privatklägerin noch weitere Angaben. So hätten auf 

dem Bett blaue Pillen gelegen, von welchen er genommen habe. Dabei habe es 

sich offensichtlich um Viagra gehandelt. Nachdem er ihre Hände mit Schnüren 

seitlich am Bett befestigt habe, habe er sie im Intimbereich rasiert. Sie habe ge-

sehen, dass er mit der ganzen Hand in ihr drin gewesen sei. Er habe dann die 

Hand wieder raus und in seinen Mund genommen. Das habe er viele Male ge-

macht, auch hinten. Es habe lange gedauert (Urk. 5/2 S. 9). Ähnlich schilderte sie 

den Vorgang anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 116 S. 20 ff.). Er habe ihr 

sehr deutlich gesagt, sie solle sich ausziehen und aufs Betten legen. Er habe die 

Türe geschlossen und sie habe sich aufs Bett gelegt, wo er sie an den Armen auf 

dem Bett gefesselt habe, auf sie gekommen sei, begonnen habe sie zu küssen. 

Dann habe er die Hand vorne und hinten in sie hineingetan und die Flüssigkeit 

-  25  - 

getrunken bzw. die Hand abgeleckt. Das habe er mehrere Male gemacht 

(Urk. 116 S. 19 f.). Die Fesseln seien bereits vorbereitet gewesen. Es seien Seile/ 

Bänder gewesen. Die Bänder seien durch die Seile verlängert gewesen. Auf die 

Frage, ob er sie gewaltsam gefesselt habe, gab die Privatklägerin an (Urk. 116 

S. 23): "Auf jeden Fall äusserst entschlossen." Sie habe sich gegen das Fesseln 

nicht zur Wehr gesetzt. Sie wisse nicht, weshalb sie sich nicht gewehrt habe. Sie 

sei "wie neutralisiert" gewesen (Urk. 116 S. 23). Die Frage des Beschuldigten 

während der Penetration mit der Hand, ob sie Angst habe, habe sie mit nein be-

antwortet (Urk. 116 S. 24). Der Beschuldigte habe aber gewusst, dass sie keine 

sexuellen Handlungen gewollt habe, dies, weil die "Laute des Schmerzes andere 

sind, als die Laute des Vergnügens, des Geniessens" (Urk. 116 S. 24). Von der 

Intimrasur erwähnte die Privatklägerin an der Berufungsverhandlung nichts. 

4.6.2. Bei dieser Darstellung der Privatklägerin erweckt wiederum der Umstand, 

dass sie keinen relevanten Widerstand geleistet habe, erhebliche Zweifel. Ihr 

Verhalten lässt sich nicht im Geringsten mit jenem von anderen Vergewaltigungs-

opfern vergleichen. Ihre Behauptung, sie habe Angst davor gehabt, der Beschul-

digte könne sie umbringen (Urk. 5/1 S. 4; vgl. dazu auch vorstehend), ist eine so-

genannte innere Tatsache bzw. ein Gefühl, das einem wissenschaftlichen Beweis 

oder Gegenbeweis nicht zugänglich ist. Für einen rechtsgenügenden Beweis darf 

auf ein solches Angstgefühl geschlossen werden, wenn genügend äussere Um-

stände darauf zwingend schliessen lassen. Vorliegend fehlt es an solchen Um-

ständen. Es mag zwar sein, dass der Beschuldigte ihr körperlich und intellektuell 

überlegen war. Wie erwähnt, war die Privatklägerin aber im Tatzeitpunkt 32-jährig, 

sexuell nicht unerfahren und geistig eben so wenig zurückgeblieben. Sie war auch 

weder emotional noch z.B. beruflich vom Beschuldigten in irgendeiner Weise  

abhängig. Auch aufgrund der gesamten objektiven Umstände hatte die Privat-

klägerin keinerlei Veranlassung zu glauben, der Beschuldigte werde sie um-

bringen. Vergewaltiger handeln in der Regel entweder in einem bestehenden  

Beziehungsumfeld oder in der Anonymität und geben ihre Identität nicht preis. Die 

Privatklägerin verbrachte den Abend mit dem Beschuldigten zusammen in guter 

Atmosphäre und hatte auch nach eigenem Bekunden keinerlei Hinweise, dass es 

sich beispielsweise um einen verhaltensgestörten Sexualneurotiker handle. Der 

-  26  - 

Beschuldigte wurde auch nie physisch gewalttätig. Vor einem solchen Hintergrund 

wäre es der Privatklägerin zuzumuten gewesen, dass sie zumindest den Versuch 

gemacht hätte, die Wohnung zu verlassen oder beispielsweise durch Hilferufe auf 

sich aufmerksam gemacht hätte. 

4.6.3. In Bezug auf ihren Widerstand gegen die sexuellen Handlungen gab die 

Privatklägerin an, sie habe beim Penetrieren mit der Hand gesagt, es tue ihr weh 

und danach habe sie ihn gefragt, ob sie nun gehen dürfe (Anklageschrift S. 3; 

vgl. auch Urk. 116 S. 25 f.). Grundsätzlich darf in Straffällen nie verallgemeinert 

werden; jeder Fall unterscheidet sich vom anderen. Solche Äusserungen eines 

Opfers können deshalb andernorts durchaus geeignet sein, einem Täter die Un-

freiwilligkeit der sexuellen Handlungen vor Augen zu führen, beispielsweise wenn 

vorgängige physische Gewalt angewendet wurde, wenn ein starkes Abhängig-

keitsverhältnis oder entwicklungsbedingtes Gefälle zwischen Opfer und Täter   

besteht. Vorliegend sind keinerlei solcher Umstände vorhanden, weshalb solche 

Äusserungen die Schwelle des eingangs erwähnten zumutbaren Widerstands 

nicht erreichen.  

4.6.4. Ihre Erklärung, sie habe gedacht, wenn sie kooperiere, dann könne sie an-

schliessend gehen (Urk. 5/1 S. 4), er sei halt eine imposante Person und sie habe 

Angst vor Schlägen oder dass er sie mit einer Waffe erschiesse oder sie erwürge, 

gehabt (Urk. 5/2 Antworten 32 und 33), überzeugt in keiner Weise, da keine reale, 

objektive Bedrohungssituation herrschte. Vor Vorinstanz und auch an der Beru-

fungsverhandlung bestätigte die Privatklägerin, dass der Beschuldigte keine Ge-

walt angewendet habe (dazu vorstehend). Es sei einfach seine Haltung gewesen, 

die Zeit, die er sich genommen habe und wie er ihr es klar gemacht habe, wes-

halb sie Angst gehabt habe, die Situation zu verschlimmern (Urk. 47 S. 18). Die 

Privatklägerin wurde auch gefragt, weshalb sie denn nicht einfach rechtsumkehrt 

gemacht und zur Türe hinaus aus der Wohnung gegangen sei (Urk. 47 S. 17). 

Auch hier tönte ihre Antwort wenig überzeugend: "Das geschah vor der Schlaf-

zimmertüre. Dann machte er die Türe zu. Ich hatte Angst, wusste nicht, was ge-

schehen wird." Es darf mit Fug als äusserst ungewöhnlich bezeichnet werden, 

dass ein Vergewaltigungsopfer, das Todesängste ausgestanden hatte, eine solch 

-  27  - 

lapidare, detail- und emotionslose Aussage macht. Anlässlich der Berufungs-

verhandlung stellte die Privatklägerin dann auch klar, dass sie die Türe hätte auf-

machen können (dazu bereits vorstehend). 

4.6.5. Der Beschuldigte bestritt, die Privatklägerin zu irgendwelchen sexuellen 

Handlungen gezwungen zu haben (so zuletzt Urk. 117 S. 7 ff.). Er blieb allerdings 

hinsichtlich der Schilderung, was genau vorgefallen war, äusserst knapp, was 

diesbezüglich erhebliche Zweifel erweckt. So schilderte er in der ersten polizei-

lichen Befragung, es sei kurz zu sexuellen Handlungen gekommen, danach sei er 

eingeschlafen (Urk. 4/1 Antwort 85; Urk. 117 S. 7 f.). In der staatsanwaltlichen 

Einvernahme gab er zunächst zu Protokoll: "Beim sexuellen Kontakt am Abend 

kann ich mich nur noch an ein gewisses Petting, an Streicheleinheiten und Oral-

verkehr erinnern und dann bin ich eingeschlafen" (Urk. 4/2 Antwort 23). Etwas 

später in der Einvernahme ergänzte er, dass sie zwischen dem Essen und ins 

Bett gehen noch geduscht hätten. Das mit der Intimrasur stimme, allerdings habe 

dies in der Dusche und gegenseitig stattgefunden (Urk. 4/3 Antwort 28). Es sei 

auch richtig, dass auf dem Nachttisch eine Schachtel mit Tabletten gelegen habe. 

Diese seien tatsächlich blau, aber es sei nicht Viagra sondern Stillnox, ein starkes 

Schlafmittel. Davon habe er am besagten Abend sicher keine genommen, denn 

ansonsten wäre er in drei Minuten weg gewesen (Urk. 4/3 Antwort 28). Die 

Schlafzimmertüre sei sicher nicht verschlossen gewesen und an das Bett ge-

fesselt habe er die Privatklägerin auch nicht (Urk. 4/3 S. 7; so auch Urk. 117 

S. 12). Wenn er dies getan hätte, so hätte er die gefütterten Ledermanschetten, 

welche im Übrigen die Polizei auch fotografiert habe, verwendet (Urk. 4/3 Antwort 

30). Er könne sich nicht daran erinnern, mit den Fingern in die Geschädigte ein-

gedrungen zu sein und wenn die Privatklägerin noch mehr behaupte, so gehe ihre 

Fantasie mit ihr durch (Urk. 4/3 Antworten 32 - 34). Zu Geschlechtsverkehr sei   

es am Abend nicht gekommen, aber im Genitalbereich habe er die Privatklägerin 

berührt (Urk. 4/3 Antwort 31). An der Berufungsverhandlung hingegen führte der 

Beschuldigte aus, es sei zu Oralverkehr und zu normalem Geschlechtsverkehr 

gekommen, nicht aber zu Petting-Handlungen (Urk. 117 S. 12 f.). Er habe sie 

nicht gefesselt und die Türe sei nicht abgeschlossen gewesen (Urk. 117 S. 12 f.). 

Ihm sei nicht aufgefallen, dass bei der Privatklägerin nach resp. bei Betreten des 

-  28  - 

Schlafzimmers ein Stimmungswechsel stattgefunden habe. Sie habe auch nie 

den Wunsch geäussert, dass sie das Zimmer verlassen wolle. Sie habe ihm nie 

verständlich gemacht, dass sie habe gehen wollen bzw. dass sie nicht zufrieden 

sei. Das wäre kein Problem gewesen. Es habe immer wieder Frauen gegeben, 

die es sich anders überlegt hätten und gegangen seien. Die Privatklägerin hätte 

jederzeit gehen können (Urk. 117 S. 14 f.). 

4.6.6. Wenngleich der Beschuldigte eine Fesselung der Privatklägerin nicht 

glaubhaft widerlegen konnte, kann offen bleiben, ob eine solche stattgefunden  

hat oder nicht, denn es fehlt zumindest der rechtsgenügende Beweis, dass dies 

gegen den Willen der Privatklägerin geschehen ist.  

4.6.7. Das medizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin basiert auf  

einer körperlichen Untersuchung am 7. Juni 2016 um ca. 20:30 Uhr (Urk. 10/8). 

Bei der Befundaufnahme der Arme ist zu lesen:  

- An der rechten Unterarminnenseite, mittig bis handgelenknah, eine ca. 1 cm 

lange, von oben beugeseitig nach unten streckseitig verlaufende, braune, ver-

schorfte Hautabtragung ohne erkennbare Schürfrichtung. 

- An der linken Unterarmbeugeseite, handgelenknah, 5 gruppiert stehende, bis 

ca. 0,3 cm durchmessende, rote, nicht wegdrückbare Hautverfärbungen. 

- Ca. 1 cm daumenwärts davon eine doppelkonturiert imponierende, nahezu 

quer zur Extremitätenlängsachse verlaufende, am kleinfingernahen Ende leicht 

handwärts gebogene, rote, nicht wegdrückbare Hautverfärbung mit zentraler 

Abblassung. 

Wenngleich diese Befunde, die nicht fotografisch dokumentierte wurden, was eine 

gerichtliche Bewertung sehr erschwert, ein gewisses Indiz für eine Fesselung dar-

stellen, so belegen sie doch zumindest keine erhebliche Gegenwehr der Privat-

klägerin – was diese notabene auch nicht geltend gemacht hat.  

4.6.8. Viel bedeutender erscheint demgegenüber, dass der gynäkologische Be-

fund keine Verletzungen und keine auffälligen Sekretantragungen im Genital- und 

Analbereich ergab (Urk. 10/8 S. 3). Wenngleich im Gutachten festgehalten wird, 

dass bei einer Frau im geschlechtsreifen Alter bei unfreiwilligem vaginalen und 

-  29  - 

analen Verkehr nicht zwingend Verletzungen resultieren müssten, so sind doch 

gewisse nicht überwindbare Zweifel an der Version der Privatklägern angebracht, 

wonach der Beschuldigte in roher Weise viele Male mit seiner ganzen Hand  

vaginal und anal in sie eingedrungen sei. Auch vom persönlichen Gynäkologen, 

zu welchem sich die Privatklägerin einige Stunden nach dem Vorfall begab, wurde 

ein ärztlicher Bericht eingeholt. Er schreibt, dass die Privatklägerin in schlechter 

psychischer Verfassung gewesen sei und gesagt habe, sie sei vergewaltigt  

worden. Sie habe nur eine äussere Inspektion der Genitalien gewollt und diese 

sei kursorisch unauffällig gewesen. Auf ihren Wunsch hin habe er sie für eine 

Woche krank geschrieben (Urk. 6/3).  

4.7. Zeit in der Nacht 

4.7.1. Die Privatklägerin schilderte, der Beschuldigte habe sie danach losge-

bunden, worauf sie ihn gefragt habe, ob sie nun gehen könne. Dies habe er mit 

nein beantwortet, sie könne nicht gehen (Urk. 5/1 S. 4; so auch Urk. 116 S. 21). 

Dann fuhr die Privatklägerin fort: "Ja, ich lag sowieso neben ihm, ich konnte nicht 

schlafen. Er lag auch da und er hat auch nicht viel geschlafen. Er hatte immer   

eine Hand oder einen Fuss auf mir, wenn ich mich bewegte, ich glaube das war, 

um mich zu kontrollieren" (Urk. 5/1 S. 4; ähnlich Urk. 116 S. 26). Sie gab an der 

Berufungsverhandlung weiter an, sie habe nicht versucht, sich vorsichtig unter 

seiner Hand resp. seinem Fuss wegzuziehen (Urk. 116 S. 26). Sie habe auch 

nicht versucht, das Zimmer zu verlassen, als dieser auf die Toilette gegangen sei. 

Er habe die Türe hinter sich geschlossen. Ihr Mobiltelefon habe sich auf der   

Leiste beim Bett befunden. Sie habe aber nicht daran gedacht, um Hilfe zu rufen 

resp. den Notruf zu wählen (Urk. 116 S. 27). Auch diesbezüglich kann der Privat-

klägerin aufgrund der bereits vorstehend dargelegten Umstände schwer geglaubt 

werden, dass ihr ein Verlassen der Wohnung nicht möglich gewesen bzw. nicht 

zumutbar gewesen sei. 

4.7.2. Auch lieferte die Privatklägerin überhaupt keine (überzeugende) Erklärung, 

was in der langen Zeit zwischen den ersten sexuellen Handlungen in der Nacht 

und jenen am Morgen passiert sein soll resp. in welchem Gefühlszustand sie sich 

befunden haben soll. Sie selber sei nicht aufs WC gegangen (Urk. 116 S. 27). Es 

-  30  - 

wäre, wenn das Ganze ein einziges Martyrium für die Privatklägerin gewesen sein 

soll, doch zu erwarten, dass irgendwelche Erinnerungen an diese qualvollen 

Stunden bis zum Morgen in irgendeiner Form in ihrem Gedächtnis verhaftet  

wären. 

4.8. Erneute sexuelle Handlungen am Morgen 

4.8.1. Gemäss Anklage sei es am frühen Morgen wieder zu sexuellen Handlun-

gen gekommen. Die Privatklägerin schilderte, der Beschuldigte habe gesagt, er 

wolle Sex. "Dann sagte ich, okay, dann nimm deine Piercings weg" (Urk. 5/1 

S. 4). Der Beschuldigte habe dann aber nur das grosse Penis-Piercing weg-

genommen und von ihr verlangt, dass sie ihm eins "Blase" [Oralverkehr], was sie 

dann auch gemacht habe. Zuvor habe sie gesagt, es sei besser ein Präservativ 

zu benutzen. Sie habe eines genommen und er habe sie gebeten ihm dieses über 

zu ziehen (Urk. 5/1 S. 4; vgl. auch Urk. 116 S. 21). Auch am Morgen habe sie ihm 

nicht gesagt, dass sie keine sexuellen Handlungen (vornehmen) wolle. Aber 

(Urk. 116 S. 27 f.): "Diese Person wusste von Beginn weg, dass ich es nicht   

wollte, weil ich es ihm von Anfang an gesagt habe, ich wolle es nicht, ich wolle 

gehen. Diese Person wusste von Anfang an, dass ich nicht einverstanden bin." 

4.8.2. Danach habe er auch noch Geschlechtsverkehr gemacht. Er habe ihr die 

Flasche mit Gleitmittel gegeben und sie gebeten, es aufzutragen, was sie ge-

macht habe. Dann habe er angefangen und sie habe dabei Schmerzen gehabt 

und geschrien, worauf er aufgestanden und das offene Schlafzimmerfenster ge-

schlossen habe (Urk. 5/1 S. 5). Dann habe er fertig gemacht und dann habe sie 

gehen können. Er habe jedoch gesagt, dass sie zuerst noch duschen müsse.   

Darauf habe sie mit ihm zusammen geduscht (vgl. ähnlich zuletzt auch Urk. 116 

S. 21). 

4.8.3. Auch diese Schilderung tönt in keiner Weise wie die Erzählung eines Ver-

gewaltigungsopfers. Wie der Beschuldigte beispielsweise hätte erkennen können, 

dass die Privatklägerin mit keiner der sexuellen Handlungen einverstanden war, 

erhellt aus der Darstellung der Privatklägerin nicht. Vielmehr führte sie aus, dass 

sie "okay" gesagt habe und dies in einer "entspannten Atmosphäre", weil sie ihn 

-  31  - 

nicht habe aufregen wollen (Urk. 5/1 S. 4). Ihre Erklärung, sie habe so tun müs-

sen, als ob sie einverstanden gewesen wäre, damit er seine Piercings entfernt, 

überzeugt nicht. Einem neutralen Leser ihrer Aussagen drängt sich laufend die 

Frage auf, was denn tatsächlich passiert wäre, wenn die Privatklägerin ein klares 

Nein gesagt hätte oder wenn sie die Wohnung einfach verlassen hätte? Unter den 

vorliegenden Umständen bleibt es bei einer blossen theoretischen Möglichkeit, 

dass der Beschuldigte sie gewaltsam zurückbehalten hätte. Schliesslich ist es 

auch völlig atypisch, dass Täter und Opfer einer Vergewaltigung nach der Tat 

noch gemeinsam duschen. Denkbar ist dies bei einem schwer drangsalierten und 

verängstigten Opfer, bei Androhung massiver physischer Gewalt und weiterer 

Umstände, beispielsweise einer vorgängigen Entführung an einen abgelegenen 

Ort oder wenn der Täter infolge anderer Umstände grosse Macht über das Opfer 

hat. Solches ist vorliegend nicht ansatzweise der Fall. Die Erklärung der Privat-

klägerin, der Beschuldigte habe an ihr Spuren beseitigen wollen, vermag schlecht 

einzuleuchten (Urk. 5/2 S. 17 Antwort 87).  

4.8.4. Gemäss der Version des Beschuldigten hätten sie am frühen Morgen ein-

vernehmlichen Sex gehabt (Urk. 4/1 Antwort 91; Urk. 117 S. 8). Er habe in keiner 

Weise den Eindruck gehabt, dass dies unfreiwillig gewesen sei (vgl. zuletzt 

Urk. 117 S. 15). Soweit er sich erinnern könne, sei die Initiative von der Privat-

klägerin ausgegangen (Urk. 117 S. 15). Dann habe die Privatklägerin Geld ver-

langt, was er abgelehnt habe, weshalb es zum Streit gekommen sei. Dabei habe 

sie laut herumgeschrien, weshalb er das Fenster geschlossen habe. Sie habe 

herumtelefoniert und ihm gedroht, sie werde die Polizei rufen, worauf er ihr er-

widert habe, dass sie dies machen soll (Urk. 4/1 Antwort 93; ähnlich Urk. 117 S. 8 

und 10). Gemeinsam geduscht hätten sie am Morgen nicht. Dies habe er erst 

gemacht, nachdem die Privatklägerin gegangen sei. In seiner staatsanwaltlichen 

Befragung gab der Beschuldigte an, sie seien am nächsten Morgen gegen 5 Uhr 

aufgewacht, weil die nahen Kirchenglocken geläutet hätten und das Fenster offen 

gestanden habe (Urk. 4/2 S. 2; so auch Urk. 117 S. 8). Die Privatklägerin habe 

von ihm dann verlangt, dass er mit ihr zum Bancomaten gehe, um Fr. 700.-- ab-

zuheben und ihr zu übergeben. Dies habe er abgelehnt, weil dies nicht so verein-

bart gewesen sei. Die Privatklägerin habe dann begonnen herumzuschreien, ihm 

-  32  - 

zu drohen und ihn zu beschimpfen, weshalb er das Fenster geschlossen habe, 

damit die Nachbarn nicht gestört würden. Er sei dann in die Küche gegangen um 

Kaffee zu machen, sie habe jedoch weiter herumgeschrien und gesagt, sie würde 

die Polizei rufen. Sie habe dann jemanden angerufen, wobei sie auf Englisch und 

Französisch gesprochen habe, was er nicht verstanden habe. Dann sei sie ge-

gangen, habe ihm aber noch gedroht, dass sie ihn fertig mache werde und er 

nicht glauben solle, dass sie so blöd sei (Urk. 4/2 Antwort 6; ähnlich auch 

Urk. 117 S. 8 und 10).  

4.8.5. Was genau an diesem Morgen alles vorgefallen ist, wissen letztlich nur   

der Beschuldigte und die Privatklägerin. Stellt man sich die zu Protokoll gegeben 

Versionen vom Verlauf des Morgens gegenüber, so erscheint jedenfalls jene des 

Beschuldigten keinesfalls weniger glaubhaft als jene der Privatklägerin. Keines-

falls könnte gesagt, werden, dass jegliche vernünftige Zweifel an der Darstellung 

der Privatklägerin ausgeschlossen seien. Und selbst wenn man von Letzterer 

ausginge, bliebe jedenfalls nicht rechtsgenügend erwiesen, dass im Lichte des 

von der Privatklägerin geäusserten Einverständnisses zum Sexualverkehr der 

Beschuldigte erkannte, dass ihr innerer Wille ein anderer war. Es verhielte sich 

ähnlich einer zivilrechtlich unerheblichen Mentalreservation.  

4.9. Geldzahlung 

4.9.1. Der Beschuldigte führte aus, dass die Privatklägerin am besagten Abend 

fast im Minutentakt von einer Kollegin angerufen worden sei (Urk. 4/1 Antwort 68; 

Urk. 117 S. 8 f.). Sie habe ihm gesagt, eine Freundin wolle sofort Geld von ihr, 

das sie ihr schulde. Er habe dann zugesagt, ihr Fr. 700.-- zu geben, dass aber die 

Freundin vorbei kommen solle, um das Geld zu holen. Dies weil ihm die ganze 

Sache etwas suspekt vorgekommen sei (Urk. 4/1 Antworten 68 und 71; vgl. auch 

Urk. 117 S. 8 f.). Die Freundin sei dann aber nicht gekommen.  

4.9.2. Die Privatklägerin schilderte besagte Telefonanrufe ihrer Freundin wegen 

den Geldschulden ebenfalls (Urk. 5/1 Antwort 18 S. 4 oben; Urk. 116 S. 15-18). 

Der Beschuldigte habe dies mitbekommen und habe die Freundin aufgefordert, 

selbst vorbeizukommen, damit er ihr das Geld gebe, welches sie der Freundin 

-  33  - 

schulde. Die Freundin habe aber nicht kommen können, es sei schon spät ge-

wesen. Darauf habe er ihr, d.h. der Privatklägerin gesagt, er werde ihr das Geld 

am nächsten Tag geben. Diese Darstellung wiederholte und bestätigte die Privat-

klägerin in ihrer staatsanwaltlichen Befragung (Urk. 5/2 S. 7; vgl. auch Urk. 116 

S. 15-18). 

4.9.3. Letztlich bleibt dieser Aspekt des Sachverhaltes nicht ausschlaggebend für 

das Fazit. Immerhin belegt er leicht, dass der Privatklägerin eine finanzielle Zu-

wendung zu jenem Zeitpunkt recht willkommen gewesen wäre. Das mag wiede-

rum darauf hindeuten, dass es am Morgen des 7. Juni 2016 tatsächlich zu einem 

Streit wegen Geld und nicht wegen unfreiwilligem Sexualverkehr gekommen war. 

Es ist in diesem Sinne zumindest ein Indiz, dass die Aussage des Beschuldigten 

der Wahrheit entsprechen könnte. 

5. Verhalten der Privatklägerin nach Verlassen der Wohnung 

5.1. Das Verhalten der Privatklägerin nach dem Verlassen der Wohnung des 

Beschuldigten wirft vor dem Hintergrund, dass sie eben vergewaltigt worden sein 

soll, doch einige Fragen auf. 

5.2. Auf den Fotos des Mobiltelefons der Privatklägerin ist ersichtlich, dass sie 

um 5:37 Uhr vom 7. Juni 2016 die Nummer 117 gewählt hat, wobei die Verbin-

dung 19 Sekunden dauerte. Es ist ausserdem ersichtlich, dass sie um 5:38 Uhr 

noch einmal die Nummer 117 gewählt hat (Urk. 7/1). Danach gefragt, gab die Pri-

vatklägerin an, sie habe angerufen, aber sie glaube, sie habe aufhören müssen. 

Sie wisse es nicht. Weshalb sie nicht nochmals die Polizei angerufen habe, er-

klärte die Privatklägerin wie folgt: "Es war mein erster Gedanke, die Polizei anzu-

rufen. Um was zu sagen? Ich habe dann nachgedacht. Um was zu sagen?" Es 

wäre in der Situation der Privatklägerin naheliegend gewesen, nochmals einen 

Anrufversuch zu starten und die Polizei über das angeblich eben Vorgefallene zu 

unterrichten, zumal sich die Privatklägerin noch in Tatortnähe befand. Darauf an-

gesprochen, erwiderte die Privatklägerin: "Ja, das war mein Gedanke zu Beginn. 

Dann habe ich irgendwie davon Abstand genommen. Ich wollte nur noch nach 

Hause, vergessen" (zum Ganzen Urk. 116 S. 30 f.). Diese Erklärung ist nur 

-  34  - 

schwer verständlich. Bekannt ist, dass gewisse Vergewaltigungsopfer durchaus 

Scheu und Scham empfinden, die Polizei anzurufen. Das aber war offenbar nicht 

der Grund bei der Privatklägerin, jedenfalls machte sie solches nicht geltend. 

5.3. Stattdessen rief die Privatklägerin dann zweimal die Zeugin C._____ an, 

also diejenige Person, mit der sie am Vorabend in doch heftigem Streit lag wegen 

angeblichen Schulden. Sie schrieb C._____ auch noch zwei Nachrichten. Zuerst: 

"C._____ le type la m'a violée". Und um 5:51 Uhr: "Quand j'ai vu son truc je ne 

voulais plus moi et son attitude était bizarre" (Urk. 7/2). Die Privatklägerin erwähnt 

einzig, dass sie nicht mehr wollte, nachdem sie den Penis des Beschuldigten ge-

sehen habe. Davon, dass er sie eingesperrt, gefesselt und quasi mit dem Tod be-

droht habe, erwähnte die Privatklägerin nichts. 

5.4. Und schliesslich hat die Privatklägerin am Morgen auch noch einen 

"E._____" angerufen, der ihr Ex-Mann sei. Die Privatklägerin gab an, nicht mehr 

zu wissen, weshalb sie ihn angerufen habe. Sie habe sicher nicht angerufen, um 

ihm zu erzählen, was passiert sei. Er wisse bis heute nichts (Urk. 116 S. 32). Es 

mutet doch etwas befremdlich an, dass die Privatklägerin nach einem angebli-

chen Vergewaltigungsmartyrium ausgerechnet ihren Ex-Mann anruft, aber nicht 

als Vertrauensperson, um das Erlebte zu schildern oder bei ihm Hilfe zu holen, 

sondern aus Gründen, die die Privatklägerin nicht mehr kennt.  

5.5. All diese Umstände nach dem Verlassen der Wohnung sind selbstver-

ständlich für das zu beurteilende Kerngeschehen nur von nebensächlicher Bedeu-

tung. Sie nähren aber die Zweifel daran, dass sich das Geschehen in der Nacht 

so zugetragen hat, wie zur Anklage gebracht.  

6. Gesamtwürdigung 

6.1. Die Aussagen der Privatklägerin waren hinsichtlich des betreffenden Ab-

laufes des Abends und den sexuellen Handlungen viel detaillierter als jene des 

Beschuldigten. Sie machte teilweise auch ehrliche Aussagen über den sexuellen 

Zweck des Treffens und stellte physische Gewaltanwendung in Abrede, was eher 

ungewöhnlich ist für jemanden, der einen anderen zu Unrecht der Vergewaltigung 

-  35  - 

bezichtigt. Der Eindruck der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen ergibt sich weit-

gehend aufgrund dieses Teils ihrer Aussagen. Umgekehrt blieb der Beschuldigte 

hinsichtlich des genauen Ablaufs des Abends zum Teil sehr knapp und detailarm, 

weshalb seine Aussagen über den Ablauf des Abends weniger glaubhaft als jene 

der Privatklägerin wirken. Immerhin sind aber auch bei seinen Aussagen keine 

Fantasie- oder Lügensignale erkennbar. Dabei wird einmal die Frage, ob seine 

ersten Aussagen vor der Polizei und bei der Hafteinvernahme wegen fehlendem, 

bzw. freiwillig verzichteten Rechtsbeistand prozessual überhaupt gegen ihn ver-

wertbar sind, nicht berücksichtigt. 

6.2. Völlig konträr stellt sich das Bild jedoch hinsichtlich des Sachverhaltes dar, 

welcher eine sexuelle Nötigung belegen soll. Die Schilderung der Privatklägerin 

weist diesbezüglich unnatürliche Lücken und einen offenkundigen Erklärungsbe-

darf auf. So ist beispielsweise schlecht nachvollziehbar, wie sie der Beschuldigte 

angeblich ohne jegliche Gewaltanwendung habe nackt auf das Bett fesseln kön-

nen, obschon sie zu diesem Zeitpunkt schon klar geäussert habe, dass sie keinen 

Sex wolle, dass sie gehen wolle. Ein grosses Fragezeichen wirft auch der Um-

stand auf, dass der Beschuldigte angeblich mehrfach mit der ganzen Faust anal 

und vaginal in sie eingedrungen sei und keinerlei Spuren von einem solch rohen 

Vorgehen in der gynäkologischen Untersuchung einige Stunden später hatten 

festgestellt werden können. Ebenso ist es für einen neutralen Leser nur schwer 

nachvollziehbar, weshalb die Privatklägerin keinerlei Versuche machte, das 

Schlafzimmer zu verlassen. Ihre Darstellung, wonach der Beschuldigte die Türe 

mit dem Schlüssel abgeschlossen habe, ist unglaubhaft. Der Anklagesachverhalt 

ist in diesem Sinne zu Lasten des Beschuldigten nicht nachgewiesen. Ebenso nur 

schwerst nachvollziehbar erscheint, dass sie das Schlafzimmer nicht habe ver-

lassen können, obschon der Beschuldigte geschlafen habe. Unglaubwürdig ist die 

Privatklägerin auch aufgrund ihrer Begründung für ihre Passivität resp. dafür, 

dass sie nicht mit einem klaren Nein ihren entgegenstehenden Willen nach aus-

sen manifestiert hat. Die Privatklägerin war im Tatzeitpunkt 32-jährig und sexuell 

nicht unerfahren oder schüchtern. Sie lernte den Beschuldigten über eine  

Sexdating-Plattform kennen, traf sich mit diesem mit klarem Wissen und auch  

Willen, dass es zu Sex kommen werde, war nicht vom Beschuldigten situativ oder 

-  36  - 

emotional abhängig oder hierarchisch unterlegen. Der Beschuldigte wendete zu 

keinem Zeitpunkt physische Gewalt gegen sie an, weder im Tatzeitraum noch in 

einem früheren Zeitpunkt, weshalb sie keinen Anlass hatte zu glauben, er könne 

gewalttätig werden. Sie konnte auch davon ausgehen, dass aufgrund der zentra-

len Lage seiner Wohnung allfällige Hilferufe sofort von Dritten gehört worden wä-

ren. Immerhin stand während der Nacht ein Fenster der Wohnung offen und zu 

dieser sommerlichen Zeit hat es ab und zu noch Passanten auf der Strasse. 

Letztlich konnte die Privatklägerin nicht einmal ansatzweise plausibel darlegen, 

weshalb sie zu keinerlei Gegenwehr imstande gewesen sei. Alleine das im 

Schlafzimmer lagernde Sadomaso-Material kann nicht Ursache von einer die 

ganze Nacht andauernden lähmenden Angst der Privatklägerin gewesen sein, da 

der Beschuldigte ja auch nach ihrer Darstellung gar nicht auf den Einbezug dieser 

Utensilien bestanden hatte. Schliesslich darf es auch als sehr merkwürdig oder 

aussergewöhnlich bezeichnet werden, dass sie am Folgemorgen noch in der 

Wohnung des angeblichen Vergewaltigers geduscht habe. Im Normallfall über-

wiegt bei Vergewaltigungsopfern  in solchen Situationen der Fluchtgedanke und 

ein Opfer will erst zuhause bzw. in sicherer Umgebung duschen.  

6.3. Demgegenüber tönt die Version des Beschuldigten hinsichtlich der vorge-

worfenen Nötigung weitaus glaubhafter. Seine Darstellung ist logisch konsistent, 

das heisst sie weist keine Merkwürdigkeiten oder Ungereimtheiten auf. Auch der 

von ihm genannte Grund für den Streit bzw. das von ihm vermutetet Motiv einer 

Falschbelastung, die unterbliebene Bezahlung bzw. nach dem Jargon der Privat-

klägerin, das unterbliebene Geschenk für den Sex, tönt zumindest plausibel. Dass 

der Beschuldigte möglicherweise die sexuellen Handlungen nicht ganz wahrheits-

getreu oder zumindest nicht vollständig geschildert hat, belegt noch keine straf-

rechtlich relevante Tat. Insgesamt ergibt die Aussagenwürdigung hinsichtlich ei-

ner Nötigung und der Unzumutbarkeit einer Gegenwehr durch die Beschuldigte 

ein einseitiges Bild zu Lasten der Privatklägerin. Ihre diesbezüglichen Aussagen 

erwecken erhebliche Zweifel an ihrer Version. Daran ändert nichts, dass sie in 

Bezug auf andere Umstände glaubhaft ausgesagt hat. Sie hat in ihrer Heimat eine 

höhere Schulbildung genossen (Urk. 47 S. 4) und weilte im Tatzeitpunkt bereits 

seit sieben Jahren in der Schweiz, war somit mit Sitten und Gebräuchen und auch 

-  37  - 

den Möglichkeiten, in Notfällen polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können, 

vertraut. Sie war deshalb aufgrund ihrer persönlichen Kompetenzen sowohl in der 

Tatnacht imstande, sich gegen unfreiwilligen Sexualverkehr zu wehren als auch 

im Untersuchungsverfahren wahrheitsgemässe Aussagen zu machen.  

Einerseits sind keine der in der Anklageschrift geschilderten nötigenden Handlun-

gen des Beschuldigten (Drohungen, Hinderungen die Wohnung zu verlassen) 

rechtsgenügend erwiesen. Andererseits fehlt es ebenso am Nachweis, dass es 

der Privatklägerin nicht zuzumuten gewesen war, ihren Widerstand entsprechend 

zum Ausdruck zu bringen.  

6.4. Selbst wenn man auf die letzten Aussagen der Privatklägerin anlässlich  

der Berufungsverhandlung (abgesehen von der wenig glaubhaften behaupteten 

Drohung) abstellen würde, sind in rechtlicher Hinsicht keine tatbestandsmässige 

Nötigungshandlungen und ein entsprechender Vorsatz des Beschuldigten ersicht-

lich. Der Beschuldigte ist deshalb vollumfänglich frei zu sprechen. 

V. Zivilforderungen der Privatklägerin 

Bei diesem Ausgang fehlt es an einer Rechtsgrundlage für Ansprüche gestützt auf 

Art. 41 ff. OR. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Privatkläge-

rin sind deshalb abzuweisen.  

VI. Genugtuung des Beschuldigten 

1. Gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat eine freigesprochene Person  

Anspruch auf Genugtuung bei besonders schwerer Verletzung ihrer persönlichen 

Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug.  

2. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz praktisch keine Ausführungen zur 

Genugtuung (Urk. 52 S. 31). Sie verwies einzig darauf, dass der Beschuldigte 

16 Stunden in Haft gewesen sei. Anlässlich der Berufungsverhandlung berichtete 

der Beschuldigte von den Folgen des Verfahrens. Er sei aufgrund des Verfahrens 

und der ausführlichen Berichterstattung vorab durch die Zeitung F._____ (vgl. 

-  38  - 

Urk. 64), in der er trotz "Balken-Foto" klar zu identifizieren gewesen sei, beruflich 

stark geschädigt. Er sei sofort vom Arbeitgeber freigestellt worden und sei seither 

arbeitslos. Sein Ruf sei derart geschädigt, dass er in der Schweiz keine Stelle 

mehr finden werde. Zur Zeit erhalte er noch Arbeitslosenentschädigung (Urk. 117 

S. 1 ff.).  

3. Der Genugtuungsanspruch ist ausgewiesen, das Verfahren dauerte  

zweieinhalb Jahre und der Beschuldigte ist in beruflicher Hinsicht zu einem erheb-

lichen Teil ruiniert. Eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zzgl. Zins zu 5% seit 7. Juni 

2016 erscheint dem erlittenen immateriellen Unbill angemessen. 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Bei diesem Ausgang sind die gesamten Kosten der Untersuchung, des   

erstinstanzlichen Verfahrens und des Berufungsverfahrens, einschliesslich der 

Kosten für die erbetene Verteidigung bis zum 18. Oktober 2017 sowie die Kosten 

der amtliche Verteidigung ab 19. Oktober 2017 und die unentgeltliche Rechts-

beiständin der Privatklägerin auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 

StPO e contrario, Art. 429 StPO). 

2. Für die anwaltliche Verteidigung im Untersuchungsverfahren und erst-

instanzlichen Gerichtsverfahren ist dem Beschuldigten für die ausgewiesenen 

Aufwendungen (Urk. 54 und Urk. 119/3) eine Prozessentschädigung von 

Fr. 26'100.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ wird vollumfänglich freigesprochen. 

2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin werden 

abgewiesen. 

3. Dem Beschuldigten wird eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zzgl. Zins zu 5% 

seit 7. Juni 2016 zugesprochen.  

-  39  - 

4. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 26'100.– für 

anwaltliche Verteidigung im Untersuchungsverfahren und erstinstanzlichen 

Gerichtsverfahren aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kos-

ten betragen:  

Fr. 14'100.–   amtliche Verteidigung 

Fr. 4'260.–   unentgeltliche Verbeiständung  

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens sowie die Kosten der Untersuchung 

und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, einschliesslich derjenigen der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privat-

klägerin, werden auf die Gerichtskasse genommen. 

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (übergeben) 
− die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privat-

klägerin (übergeben) 
− die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten  

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat  
− die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privat-

klägerin  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich 
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 111 

-  40  - 

− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 
Vernichtung des ED-Materials"  

− die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG). 

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen 

erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 
 

Zürich, 15. November 2018 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. R. Naef 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

Dr. iur. F. Manfrin 
 

 

	Urteil vom 15. November 2018
	"Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte ist schuldig
	- der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
	- der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie
	- der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziffer 1 Abs. 1 StGB.

	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 1 Tag durch Untersuchungshaft erstanden ist.
	3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 2 Jahren aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (1 Jahr, abzüglich 1 Tag, der durch Untersuchungshaft erstanden ist) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
	4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den...
	5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 7. Juni 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
	6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
	Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
	7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt.
	8. (Mitteilungen.)
	9. (Rechtsmittel.)"
	1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich – unter vollständiger Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils –, somit vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie de...
	2. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung sowie eine Entschädigung für die erbetene Verteidigung vor Vorinstanz in der Höhe von Fr. 26'100.– zuzusprechen.
	3. Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
	4. Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die amtlichen Verteidigerkosten seien auf die Staatskasse zu nehmen.
	1. Es sei der Beschuldigte in allen Anklagepunkten für schuldig zu sprechen und damit das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen.
	2. Es sei der Beschuldigte mit fünf Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen, unter Anrechnung von einem Tag erstandener Haft.
	3. Es sei das erstinstanzliche Urteil mit Bezug auf die übrigen Punkte zu bestätigen.
	Erwägungen:
	I.   Prozessgeschichte
	II.   Prozessuales

	1. Umfang der Berufung
	2. Beweisanträge
	2.1. Die amtliche Verteidigung erneuerte anlässlich der Berufungsverhandlung die bereits im Vorfeld der Berufungsverhandlung am 1. Dezember 2017 (Urk. 81) bzw. am 19. Oktober 2018 (Urk. 107) gestellten Beweisanträge. Konkret wurde die Einvernahme von ...
	2.2. Die Beweisanträge der Verteidigung wurden anlässlich der Berufungsverhandlung abgewiesen, zumal nach der Beurteilung durch die erkennende Kammer, kein Anlass für weitere Beweisabnahmen besteht. Das Beweisverfahren wurde unter Vorbehalt auf ein a...
	2.3. Auch nach Abschluss der Parteivorträge besteht kein Anlass, die beantragten Beweise abzunehmen. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erweist sich das Verfahren mit den im Recht liegenden Beweismitteln als spruchreif (vgl. Art. 349 StPO) und es ha...
	III.   Vorbemerkungen

	1. Zusammengefasster Sachverhalt und Standpunkte der Parteien
	2. Allgemeine rechtliche Vorabbemerkungen
	2.1. Im Rahmen eines Strafprozesses ist ein Schuldspruch nur zulässig, wenn sämtliche Tatbestandselemente der vorgeworfenen gesetzlichen Strafbestimmung vom erwiesenen Sachverhalt abgedeckt sind. Die Sachverhaltswürdigung hat sich deshalb in Bezug auf...
	2.2. Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs oder zu anderen sexuellen Handlungen nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, erfüllt den Tatb...
	2.3. Das Bundesgericht hat im Entscheid 128 IV 97 E. 2 festgehalten, dass die sexuellen Nötigungsdelikte zu den Gewaltdelikten gehören und damit prinzipiell als Akte physischer Aggression zu verstehen seien. Die – im Rahmen des  Gesetzgebungsprozesses...
	2.4. Im Entscheid 133 IV 49 äusserte das Bundesgericht, dass nicht jeder  beliebige Zwang, nicht schon jedes den Handlungserfolg bewirkende kausale Verhalten eines Täters, auf Grund dessen es zu einer ungewollten sexuellen Handlung kommt, eine sexuell...
	2.5. All diese Erwägungen zeigen, dass es bei den Tatbeständen von Art. 189 und 190 StGB weniger um den Schutz von Personen geht, welche sich über eine Sexdating-Plattform zum ersten Mal treffen, sich zunächst gut verstehen, die eine dann während des ...
	IV.  Sachverhalt

	1. Beweislage und Grundsätze der Beweiswürdigung
	1.1. Beim vorliegenden Fall handelt es sich um ein sogenanntes Vier-Augen-Delikt. Abgesehen vom Arztbericht und den Aussagen der beiden Beteiligten sind keine erheblichen weiteren Beweismittel vorhanden. Im Rahmen der Untersuchung wurden verschiedene...
	1.2. In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht grundsätzlich frei. Es darf sich von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes aber nur dann überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung keine erheblichen und nicht zu unt...
	1.3. Stehen sich als Beweismittel im Wesentlichen Aussage gegen Aussage gegenüber, so sind gemäss Bundesgericht durch methodische Analyse der Inhalte der Aussagen diese darauf zu überprüfen, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem...
	1.4. Diese Grundsätze gelten auch für Sexualdelikte.

	2. Zusammengefasste Darstellung der Privatklägerin
	2.1. Die Privatklägerin ist in Afrika geboren und aufgewachsen und kam mit 25 Jahren in die Schweiz. Sie und der Beschuldigte trafen sich aufgrund einer Verabredung über eine "Sugar-Daddy"- Plattform im Internet. Die Privatklägerin umschrieb diese Pla...
	2.2. Die Privatklägerin schildert, sie hätten einen gemütlichen Abend in der Wohnung des Beschuldigten verbracht, hätten zusammen Pizza gegessen und es lustig gehabt. Zunächst sei die Privatklägerin auch einverstanden gewesen mit Sex. Sie hätten begon...

	3. Vorinstanzliche Sachverhaltswürdigung
	3.1. Wenn Personen bewusst falsche Aussagen in Strafverfahren machen, handelt es sich gemäss empirischer Erkenntnisse nie um eine von a bis z frei erfundene Geschichte. Dies bereits deshalb nicht, weil gewisse Sachverhalte stets erwiesen sind oder ver...
	3.2. Das Bundesgericht hat in einem neueren Entscheid festgehalten, dass freie Beweiswürdigung nicht bedeute, dass das Gericht nur seiner eigenen Intuition verpflichtet ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.2.3.1). Der Bewe...
	3.3. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklageschrift korrekt sämtliche Sachverhaltselemente aufgeführt, gestützt auf welche sie den Zwang und die Nötigung herleitet. Es ist im Rahmen der Sachverhaltserstellung im Hinblick auf die rechtliche Subsumt...

	4. Würdigung der Aussagen
	4.1. Aussageverhalten des Beschuldigten und der Privatklägerin
	4.1.1. Die Aussagen des Beschuldigten, insbesondere in seiner ersten polizeilichen Befragung nach seiner Verhaftung am Tag nach dem angeklagten Vorfall, sind eher knapp und teilweise detailarm (Urk. 4/1). Auf Vorhalt der Vergewaltigung schilderte er ...
	4.1.2. Die Privatklägerin konnte in ihrer ersten polizeilichen Befragung spontan eine detaillierte und in weiten Teilen natürlich und lebensnah wirkende Darstellung zu Protokoll geben. Überzeugend wirkt ihre Erzählung allerdings nur hinsichtlich des g...
	4.2. Verlauf der Abendunterhaltung im Wohnzimmer
	4.2.1. Die Privatklägerin schilderte, dass der Abend zunächst sehr gut verlaufen sei und eine gute Stimmung geherrscht habe (Urk. 4/1 Antwort 18, Urk. 4/2 S. 6 Antwort 23). Er habe ihr Champagner angeboten, von dem ihr allerdings schlecht geworden sei...
	4.2.2. Wenn die Verteidigung aus der Kleidung der Privatklägerin (Jumpsuit ohne Unterwäsche und BH) – jedenfalls sinngemäss – ihre Bereitschaft zu sexuellen Handlungen ableitet (vgl. Urk. 118 S. 23), dann ist dem zu entgegnen, dass selbst die Privatkl...
	4.2.3. Bis zu diesem Zeitpunkt der Handlung ergeben sich keine wesentlichen Widersprüche zwischen den Darstellungen in den Einvernahmen der Privatklägerin und jenen des Beschuldigten. Auffällig ist einzig, dass nach Darstellung des Beschuldigten die P...
	4.3. Betreten des Schlafzimmers
	4.3.1. Die Privatklägerin führte aus, der Beschuldigte habe im Schlafzimmer  Sadomaso-Material bereit gelegt. Die Peitsche z.B. habe bereits auf dem Bett   gelegen (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 18; Urk. 116 S. 19 und 21 f.). Sie habe ihn darauf gefragt, was ...
	4.3.2. Etwas anders fiel die Sachdarstellung des Beschuldigten aus. So hätten sie die Pizza zusammen auf dem Bett gegessen und nicht im Wohnzimmer. Zudem bestätigte er zwar die Frage, ob es Sadomaso-Material im Schlafzimmer gehabt habe, erklärte jedoc...
	4.3.3. Ob nun etwas vom Sadomaso-Material auf dem Bett gelegen hat oder alles in einer Box im Gestell lag, lässt sich vor dem Hintergrund zweier differierender Behauptungen, welche in diesem Punkt gleich glaubhaft einzustufen sind, nicht rechtsgenügen...
	4.4. Penis-Piercings
	4.4.1. Die Privatklägerin führte aus, nachdem sie das Schlafzimmer gemeinsam betreten hätten, habe er den Bademantel ausgezogen und es sei für sie noch schwieriger geworden. Er sei gut ausgestattet gewesen und habe ein grosses Ding. Zudem habe er zwei...
	4.4.2. Der Beschuldigte sagte diesbezüglich in seiner staatsanwaltlichen Einvernahme aus, er könne sich daran erinnern, dass die Privatklägerin gesagt habe, dass sie ein Piercing nicht wolle und das er dieses entfernt habe (Urk. 4/2 Antworten 20 und 2...
	4.4.3. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass es am Abend bzw. in der Nacht dann auch nicht zu Geschlechtsverkehr mit den Piercings gekommen war, sondern zu anderen sexuellen Handlungen und Oralverkehr. Auch wenn die Privatklägerin ihre Abneigun...
	4.5. Drohungen und Einsperren
	4.5.1. Weiter gab die Privatklägerin zu Protokoll, sie habe daraufhin gesagt, dass sie es vorziehe zu gehen, er aber in diesem Moment die Türe verschlossen habe. Er habe dabei wörtlich gesagt, es würde sowieso etwas passieren und es sei in ihrem Inter...
	4.5.2. Auf Vorhalt dieser Aussagen der Privatklägerin entgegnete der Beschuldigte, dass dies alles erstunken und erlogen sei (Urk. 4/1 Antwort 84). So etwas habe es nicht gegeben. Er könne sich nicht erinnern, dass die Privatklägerin gesagt habe, sie ...
	4.5.3. Bei der Geschichte mit dem Abschliessen der Türe bleibt offen, ob die Privatklägerin ein blosses Schliessen der Türe meinte oder ein Abriegeln mit einem Schlüssel. Immerhin wäre dies ein qualitativ wesentlicher Unterschied. Klar ist mittlerweil...
	4.5.4. Für einen rechtsgenügenden Beweis der behaupteten bedrohlichen Äusserungen des Beschuldigten reichen die Aussagen der Privatklägerin nicht aus. Es erscheint zwar nicht unmöglich, aber doch eher realitätsfremd, dass der Beschuldigte plötzlich zu...
	4.5.5. Schliesslich steht auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Drohung im Raum. Die Privatklägerin insinuiert, dass der Beschuldigte sie hätte verschwinden lassen können, ohne dass irgendjemand vom Beschuldigten und ihrem Treffen erfäh...
	4.5.6. Und selbst wenn Äusserungen in der Art wie geschildert objektiv gefallen sind und sich rechtsgenügend beweisen liessen, so bliebe im vorliegenden Kontext der subjektive Tatbestand einer Nötigung zweifelhaft. Der Beschuldigte machte aus seiner S...
	4.6. Fesselung auf dem Bett und erste sexuelle Handlungen
	4.6.1. Gemäss Anklageschrift, welche auf der Darstellung der Privatklägerin beruht, habe die Privatklägerin ihr Kleid nicht öffnen können, weshalb ihr der Beschuldigte abrupt den Reissverschluss geöffnet habe (Urk. 20 S. 3). Selbst schilderte die Priv...
	4.6.2. Bei dieser Darstellung der Privatklägerin erweckt wiederum der Umstand, dass sie keinen relevanten Widerstand geleistet habe, erhebliche Zweifel. Ihr Verhalten lässt sich nicht im Geringsten mit jenem von anderen Vergewaltigungsopfern vergleich...
	4.6.3. In Bezug auf ihren Widerstand gegen die sexuellen Handlungen gab die Privatklägerin an, sie habe beim Penetrieren mit der Hand gesagt, es tue ihr weh und danach habe sie ihn gefragt, ob sie nun gehen dürfe (Anklageschrift S. 3; vgl. auch Urk. 1...
	4.6.4. Ihre Erklärung, sie habe gedacht, wenn sie kooperiere, dann könne sie anschliessend gehen (Urk. 5/1 S. 4), er sei halt eine imposante Person und sie habe Angst vor Schlägen oder dass er sie mit einer Waffe erschiesse oder sie erwürge, gehabt (U...
	4.6.5. Der Beschuldigte bestritt, die Privatklägerin zu irgendwelchen sexuellen Handlungen gezwunge