# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10a86639-289c-5739-a61f-7a604557d345
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung O1S-17-1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_O1S-17-1_nodate.pdf

## Full Text

Berufungsbeklagte  
Anklägerin 

Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden  
 
vertreten durch: StA B___, Schützenstrasse 1A, 9100 Herisau 
 

Berufungsbeklagte  
Privatklägerin 1 

C1___ 

Berufungsbeklagter  
Privatkläger 2 

C2___ 

Berufungsbeklagte  
Privatkläger 3 

C3___ 
Berufungsbeklagte 2-4 vertreten durch: RA CC___ 
 

 

 

 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
1. Abteilung  
 
Die vom Berufungskläger gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde an das Bundesgericht  
hat dieses mit Entscheid vom 15. Februar 2019 abgewiesen, soweit es darauf eingetreten ist  
(6B_901/2018). 
 

Urteil vom  23. Januar 2018  
 

Mitwirkende Obergerichtspräsident E. Zingg 
Oberrichterin S. Rohner 
Oberrichter B. Oberholzer, Hp. Blaser, H. Zingg 
Obergerichtsschreiberin B. Schittli 
 
 

Verfahren Nr. O1S 17 1 
 
 
 

Sitzungsort Trogen 
 
 
 

Berufungskläger 
Beschuldigter 

A___ 
 
notwendig verteidigt durch: RA AA___ 
 

Gegenstand vorsätzliche Tötung 

 

Seite 2 

Rechtsbegehren  

 
 
a) der Staatsanwaltschaft: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

gemäss Anklageschrift: 
 

1. Das Küchenmesser (Tatwaffe) sei in Anwendung von Art. 377 Abs. 2 StPO, Art. 69, 
Art. 70, Art. 72 StGB einzuziehen. 

 
2. Es sei auch über die Kostennote von Rechtsanwalt D___ (Anwalt der ersten 

Stunde) vom 27. März 2015 zu entscheiden. 
 

3. Der Beschuldigte sei wegen vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB 
schuldig zu sprechen. 

 
4. Die Anträge zu den Sanktionen werden anlässlich der Hauptverhandlung gestellt. 
 
 
gemäss Anträgen an der Hauptverhandlung: 
 
1. Der Angeklagte sei wegen vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB 

schuldig zu sprechen. 
 
2. Er sei angemessen mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 10 Jahren zu bestrafen, 

unter Anrechnung von 163 Tagen Untersuchungshaft (22.03. bis 31.08.2015). 
 
3. Es seien die Zivilforderungen der Privatklägerschaft zu beurteilen. 

 
4. Unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten. 

 
 
 im Berufungsverfahren: 
 

1. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen. 
 
2. Das Urteil des Kantonsgerichts vom 16. August 2016 sei in allen Punkten zu 

bestätigen. 
 
3. Unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten gemäss Art. 426 und 428 StPO. 
 

 
b) des Beschuldigten: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. A___ sei der vorsätzlichen Tötung nach Art. 111 StGB, begangen in Notwehrexzess 
nach Art. 15 und Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen; 

 
2. A___ sei zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als 3 Jahren zu verurteilen, wobei 

die Hälfte unbedingt und die andere Hälfte bedingt unter Ansetzung einer Probezeit 
von 2 Jahren zu vollziehen sei; 

 
3. Die Zivilforderungen der Privatkläger seien auf den Zivilweg zu verweisen; 

 

Seite 3 

 
4. Das beschlagnahmte Küchenmesser sei einzuziehen und zu vernichten; 
 
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 
 
 im Berufungsverfahren: 
 

1. Der angefochtene Entscheid des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden vom 
16. August 2016 sei hinsichtlich der Dispositivziffern 1, 2, 3 (teilweise) und 5 
aufzuheben. 

 
2. In Abänderung der Dispositivziffer 1 sei A___ der vorsätzlichen Tötung nach Art. 

111 StGB, begangen in Notwehrexzess nach Art. 15 und 16 Abs. 1 StGB schuldig 
zu sprechen. 

 
3. In Abänderung der Dispositivziffer 2 sei A___ zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr 

als 3 Jahren zu verurteilen, wobei die Hälfte unbedingt und die andere Hälfte 
bedingt unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu vollziehen sei.  

 
4. In Abänderung von Dispositivziffer 3 sei den Privatklägern eine Genugtuung nach 

richterlichem Ermessen, jedoch maximal in Höhe von CHF 20‘000.00 für C1___, 
von CHF 10‘000.00 für C2___ und von CHF 10‘000.00 für C3___, je zuzüglich Zins 
zu 5 % seit dem 22. März 2015, zuzusprechen. 

 
5. Die Kosten des erstinstanzlichen sowie des Berufungsverfahrens seien neu zu 

verlegen.  
 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 
 
 
c) der Privatkläger 1 - 3: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 
1. Der Angeklagte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemessen zu 

bestrafen. 
 
2. Der Angeklagte sei zu verpflichten, der Geschädigten und Privatklägerin C1___ 

Schadenersatz in Höhe von CHF 6‘426.05 nebst 5 % Zins seit dem 01.07.2015 zu 
bezahlen. 

 
3. Der Angeklagte sei zu verpflichten, der Geschädigten und Privatklägerin C1___ eine 

Genugtuung in Höhe von CHF 50‘000.00 nebst 5 % Zins seit dem 22.03.2015 zu 
bezahlen. 

 
4. Der Angeklagte sei zu verpflichten, dem Geschädigten und Privatkläger C2___ eine 

Genugtuung in Höhe von CHF 35‘000.00 nebst 5 % Zins seit dem 22.03.2015 zu 
bezahlen. 

 
5. Der Angeklagte sei zu verpflichten, der Geschädigten und Privatklägerin C3___ eine 

Genugtuung in Höhe von CHF 35‘000.00 nebst 5 % Zins seit dem 22.03.2015 zu 
bezahlen. 

 
6. Das beschlagnahmte Küchenmesser (Tatwaffe) sei einzuziehen und zu vernichten. 

 

 

Seite 4 

7. Der Angeklagte sei zu verpflichten, die Vertretung der Straf- und Zivilkläger im 
Strafverfahren angemessen zu entschädigen. 

 
 
 im Berufungsverfahren: 
 
 (kein Antrag) 
 

 

 

Sachverhalt  

 

A. Übersicht 

 

Am 22. März 2015 um ca. 17:05 Uhr ging A___ zum Schulhaus E___ in F___ . Dort sah 

er zwei bis drei Gruppen Männer. Es kam zu Diskussionen und anschliessend zu einer 

Messerstecherei, bei welcher A___ ein Messer aus der Jackentasche zog und dieses mit 

grosser Wucht in den Brustbereich von G___ stiess. Dieser verstarb kurze Zeit später an 

den Folgen der Durchstechung der linken Herzkammerwand. Die genauen Umstände der 

Geschehnisse sind in diesem Strafverfahren zu klären.  

 

 

B. Prozessgeschichte im Verfahren vor dem Kantonsge richt 

 

a) Am 22. März 2015 um 18:21 Uhr ging bei der Kantonalen Notrufzentrale Appenzell 

Ausserrhoden die Meldung ein, es sei jemand mit einem Messer niedergestochen 

worden. Nur wenige Minuten später rief A___ an, um die Tat zu melden. Die Ambulanz 

sowie das Pikett Vorderland wurden unverzüglich aufgeboten. Die Polizei fand A___ in 

seiner Wohnung vor und nahm ihn fest (act. B 3/2.1; B 3/4.1; B 3/5.1). Um 22:25 Uhr fand 

in der Wohnung des Beschuldigten in Anwesenheit von dessen Sohn H___ eine 

Hausdurchsuchung, Durchsuchung von Aufzeichnungen, Personen und Gegenständen 

statt (act. B 3/5.2 - B 3/5.4). Auf Haftantrag der Staatsanwaltschaft vom 24. März 2015 

ordnete das Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft an, welche bis zum 

31. August 2015 verlängert wurde (act. B 3/5.9 - B 3/5.12 und act. B 3/14). Seit dem 

1. September 2015 befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Strafvollzug (act. 

14.1.16).  

 

b) Der Beschuldigte wurde am 22. März 2015 um 22:00 Uhr von der Staatsanwaltschaft 

einvernommen (act. B 3/7.4). Gleichzeitig wurden die Auskunftspersonen J___ (act. B 

3/9.9) und K___ (act. B 3/9.15) polizeilich einvernommen. Am 23. März 2015 (act. B 

 

Seite 5 

3/7.3), am 26. März 2015 (act. B 3/7.2) und am 31. März 2015 (act. B 3/7.1) wurde der 

Beschuldigte von der Polizei befragt. H___ wurde am 23. März 2015 von der 

Staatsanwaltschaft (act. B 3/8.4) und der Polizei (act. B 3/8.1) einvernommen. Weitere 

Einvernahmen von H___ erfolgten am 26. März 2015 (act. B 3/8.2), am 1. April 2015 (act. 

B 3/8.3) sowie am 2. April 2015 (act. B 3/8.5). Am 24. März 2015 befragte die Polizei 

C2___ (act. B 3/9.2), L___ (act. B 3/9.16), M___ (act. B 3/9.17), N___ (act. B 3/9.18), 

O___  (act. B 3/9.19) und C3___ (act. B 3/9.10) als Auskunftspersonen. P___ und Q___ 

wurden am 25. März 2015 polizeilich befragt (act. B 3/9.11 und B 3/9.12). Die polizeiliche 

Einvernahme von R___ fand am 26. März 2015 (act. B 3/9.8) statt, jene von S___  (act. B 

3/9.4) und T___ (act. B 3/9.13) am 29. März 2015. Am 13. April 2015 wurde C2___ 

nochmals einvernommen (act. B 3/9.1). U___  wurde am 23. April 2015 polizeilich als 

Auskunftsperson einvernommen (act. B 3/9.3). Die Befragung der Ehefrau des 

Beschuldigten, V___, fand am 28. April 2015 statt (act. B 3/9.7). Am 19. Mai 2015 führte 

die Staatsanwaltschaft zwischen C2___ und dem Beschuldigten (act. B 3/11) sowie J___ 

und dem Beschuldigten (act. B 3/12) Konfrontationseinvernahmen durch.  

 

c) Mit Eingabe vom 17. April 2015 konstituierten sich C1___, C2___ und C3___ als Privat- 

und Strafkläger (act. B 3/17.5).  

 

d) Das rechtsmedizinische Gutachten, welches von der Staatsanwaltschaft am 22. März 

2015 beim Institut für Rechtsmedizin in Auftrag gegeben wurde, wurde am 28. April 2015 

versandt (act. B 3/13.5). Das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin über die 

durchgeführte Obduktion datiert vom 4. Juni 2015 (Fachbereich Forensische Medizin; act. 

B 3/13.1), jenes über die DNA-Spuren vom 22. Juli 2015 (Fachbereich Forensische 

Genetik; act. B 3/13.2; vgl. auch B 3/13.3).  

 

e) Der Schlussbericht der Polizei wurde am 17. September 2015 verfasst (act. B 3/1). Der 

Bericht des Kriminaltechnischen Dienstes ist vom 25. September 2015 (act. B 3/2.2 und B 

3/2.4).  

 

f) Die Schlusseinvernahme mit dem Beschuldigten führte die Staatsanwaltschaft am 

11. Dezember 2015 durch (act. B 3/22).  

 

g) Mit Parteimitteilung vom 8. Januar 2016 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass das 

Untersuchungsverfahren abgeschlossen sei und es mittels Anklageerhebung 

abgeschlossen werde. Allfällige Beweisanträge konnten innert Frist geltend gemacht 

werden (act. B 3/23). Der Verteidiger reichte am 22. Februar 2016 einen Beweisantrag ein 

(act. B 3/29). Dieser wurde mit Verfügung vom 16. März 2016 abgelehnt (act. B 3/35).  

 

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h) Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft datiert vom 13. April 2016 (act. B 3/39).  

 

i) Die Vorladungen zur Hauptverhandlung vom 16. August 2016 wurden am 29. April 2016 

versandt (act. B 3/41). Gleichzeitig wurde den Parteien Gelegenheit zur Stellung von 

Beweisanträgen gegeben. Mit Eingabe vom 22. Juli 2016 bezifferten die Privatkläger 1 bis 

3 ihre Anträge (act. B 3/59 - 62).  

 

j) Die Hauptverhandlung fand am 16. August 2016 statt, wobei der Beschuldigte nochmals 

einvernommen wurde (act. B 3/64 und B 3/69). Das Urteil wurde den Parteien im 

Anschluss an die Beratung am 16. August 2016 mündlich verkündet und begründet 

(act. B 3/64). Das Dispositiv wurde am 19. August 2016 versandt (act. B 3/70). Der 

Beschuldigte meldete mit Schreiben vom 31. August 2016 fristgerecht Berufung an (act. B 

3/73). In der Folge wurde das Urteil von Amtes wegen schriftlich begründet (Art. 82 Abs. 1 

StPO). 

 

 
C. Vorstrafen 

 

Abgesehen vom heute zu beurteilenden Vorfall ist der Beschuldigte im Schweizerischen 

Strafregister nicht verzeichnet (act. B 3/38).  

 

 
D. Entscheid der Vorinstanz 

 

Mit Urteil vom 16. August 2016 sprach das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden, 

2. Abteilung, A___ der vorsätzlichen Tötung schuldig und verurteilte ihn unter Anrechnung 

der erstandenen Untersuchungshaft von 163 Tagen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 9 Jahren. Weiter wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin 1 

Schadenersatz im Betrage von CHF 6‘426.05 nebst 5 % Zins seit dem 1. Juli 2015 zu 

bezahlen. Zudem wurde ihm auferlegt, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung von 

CHF 40‘000.00 sowie den Privatklägern 2 und 3 je eine solche von CHF 20‘000.00, je 

nebst Zins zu 5 % seit 22. März 2015, zu entrichten. Das sichergestellte Messer wurde 

eingezogen und vernichtet. Die Verfahrenskosten in Höhe von insgesamt CHF 26‘640.30 

wurden, abzüglich der Kosten für die amtliche Verteidigung, dem Beschuldigten auferlegt. 

Dieser wurde verpflichtet, die Privatkläger 1 - 3 mit CHF 3‘952.26 zu entschädigen. RA 

D___ (= Anwalt der ersten Stunde) wurde für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger 

mit CHF 1‘591.80 (inkl. MWSt) - unter Vorbehalt der Rückerstattung durch den 

Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO - aus der Staatskasse entschädigt. Es 

 

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wurde festgestellt, dass das volle Honorar im Sinne von Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO 

CHF 1‘871.00 (inkl. MWSt) beträgt.  

 

 Auf eine Wiedergabe der Urteilsbegründung in den angefochtenen Punkten wird 

verzichtet und auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen.  

 

 

E. Schriftenwechsel im Berufungsverfahren 

 

a) Gegen das Urteil vom 16. August 2016, dessen Zustellung an den Beschuldigten in 

begründeter Ausfertigung am 22. Dezember 2016 erfolgt war (act. B 3/81), liess dieser mit 

Eingabe seines Verteidigers vom 11. Januar 2017 Berufung einreichen (act. B 1).  

 

b) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 12. Januar 2017 wurde der Staatsanwaltschaft 

und den Privatklägern Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und begründeten 

Nichteintretensantrag und/oder Anschlussberufung einzureichen (act. B 4). Von dieser 

Möglichkeit wurde kein Gebrauch gemacht. 

 

c) Mit Schreiben vom 19. Mai 2017 wurde den Verfahrensbeteiligten eröffnet, dass die 

Verfahrensleitung beabsichtige, dem Beweisantrag der Verteidigung vom 22. Februar 

2016 stattzugeben und beim Institut für Rechtsmedizin St. Gallen ein Zusatzgutachten 

einzuholen (act. B 6/1-3). Die Verfahrensbeteiligten hatten gegen dieses Vorgehen nichts 

einzuwenden, verzichteten indessen auf eine Stellungnahme dazu (act. B 8 bis B 10).  

 

d) Das Zusatzgutachten des Institutes für Rechtsmedizin, St. Gallen, datiert vom 24. Juli 

2017 (act. B 12). In der Folge wurde den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur 

Stellungnahme eingeräumt (act. B 14), wovon einzig der Beschuldigte Gebrauch machte 

(act. B 16).  

 

e) Am 3. November 2017 liess der Beschuldigte das ausgefüllte Formular „Befragung zur 

Person / Angaben zu Einkommens- und Vermögensverhältnissen“ einreichen (act. B 22).  

 

 
F. Hauptverhandlung vor dem Obergericht 

 

Die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Obergericht fand am 23. Januar 2018 in 

Anwesenheit des Staatsanwaltes, der Privatklägerin 3, des Beschuldigten und dessen 

Verteidigers sowie von Dolmetscher N.H. statt (act. B 27). 

 

Seite 8 

 

 
G. Entscheid des Obergerichts 

 

Das Obergericht führte seine Beratung im Anschluss an die mündliche Verhandlung durch 

und eröffnete den Parteien sein Urteil danach im Dispositiv (act. B 28).  

 

 

 

Erwägungen  

 

1. Formelles 
 

1.1 Zuständigkeit 
 

Diesbezüglich kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(act. B 2, E. 1., S. 6 f.). Die sachliche Zuständigkeit des Obergerichts ergibt sich aus Art. 

26 des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31).  

 

 

1.2 Rechtzeitigkeit der Berufungserklärung 
 

Das begründete Urteil des Kantonsgerichts ist dem Verteidiger des Beschuldigten am 

22. Dezember 2016 zugestellt worden (act. B 3/81). Die Berufungserklärung vom 

11. Januar 2017 erfolgte somit fristgerecht (act. B 1, Art. 399 Abs. 3 StPO).  

 

 

1.3 Gegenstand des Berufungsverfahrens 

 

Festzuhalten ist, dass bezüglich des Urteils der Vorinstanz vom 16. August 2016 die 

Behandlung der Zivilforderung, soweit der Anspruch auf Schadenersatz betroffen ist 

(Dispositiv Ziffer 3), die Einziehung der Tatwaffe (Dispositiv Ziffer 4), die Entschädigung 

für den Anwalt der ersten Stunde (Dispositiv Ziffer 6) sowie die Entschädigung an die 

Privatkläger 1-3 (Dispositiv Ziffer 7) nicht angefochten wurden und somit in Rechtskraft 

erwachsen sind1.  

 

 

                                                
1 SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2018, N. 1 zu 

Art. 402 StPO. 

 

Seite 9 

1.4 Berufungsgründe 

 

 Mit der Berufung können gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO  

- Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, 

Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung 

- die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts 

- Unangemessenheit 

 

 gerügt werden. Aus den Ausführungen von RA AA___ an Schranken (act. B 25) ergibt 

sich, dass sowohl eine unrichtige Feststellung des Sachverhaltes als auch 

Rechtsverletzungen Gegenstand des Rechtsmittels sind.  

 

1.5 Abnahme weiterer Beweise / Verwertbarkeit der E invernahmen 
 

1.5.1 Am 22. Februar 2016 ersuchte Rechtsanwalt AA___ um Einholung eines 

Zusatzgutachtens  beim Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (act. B 

3/29).  

 
Die Staatsanwaltschaft lehnte den Beweisantrag mit Verfügung vom 16. März 2016 ab 

(act. B 3/35).  

 

 In der Zwischenzeit hat das Obergericht das beantragte Zusatzgutachten beim Institut für 

Rechtsmedizin eingeholt (vgl. oben E. lit. c und d und act. B 12). 

 

1.5.2 Die Vorinstanz  hat eingehend begründet (act. B 2 E. 1.2, S. 9 ff.), dass verschiedene 

Einvernahmen - konkret diejenigen in act. B 3/8.1-8.5 und act. B 3/9.1-9.19 - nicht 

verwertbar  sind, weil dem Beschuldigten das Recht  auf Mitwirkung  resp. Teilnahme 

verwehrt  wurde. Dabei hat sie im Wesentlichen darauf hingewiesen, dass die 

Einvernahmen von J___ (act. B 3/9.9) und K___  (act. B 3/9.15) nach Eröffnung des 

Strafverfahrens erfolgt sein müssen. Gemäss der Staatsanwaltschaft seien die 

Einvernahmen der Opferfamilie trotz dem Umstand, dass der Beschuldigte daran nicht 

teilgenommen habe, verwertbar. Angeblich sei der Beschuldigte aus Sicherheitsgründen 

nicht zugelassen worden (die Staatsanwaltschaft habe diesen Entscheid damit begründet, 

dass in diesem Verfahrensstadium nicht bekannt gewesen sei, wie die beiden Familien 

bei einem Zusammentreffen reagieren würden und Auseinandersetzungen verhindert 

werden sollten). Rund einen Monat später sei eine Konfrontationseinvernahme zwischen 

dem Beschuldigten und C2___ ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt 

worden. Es sei fraglich, ob innert dieser kurzen Zeit die angebliche Gefahr wesentlich 

geringer geworden sei. Konkrete Anzeichen für das Bestehen einer Gefahr seien nicht 

 

Seite 10 

dargelegt worden. Selbst wenn tatsächlich eine Gefahr bestanden hätte, hätten mit den 

heute zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmitteln Massnahmen ergriffen werden 

können, um die Teilnamerechte zu wahren (zum Beispiel hätten der Beschuldigte und 

sein Verteidiger die Befragungen im Nebenraum per Übertragung mitverfolgen und 

anschliessend Ergänzungsfragen stellen können). Nicht ausreichend sei, wenn lediglich 

der Verteidiger anwesend gewesen sei. Folglich sei die Einvernahme von C2___ vom 

13. April 2015 nicht verwertbar. Hingegen könne auf die Konfrontationseinvernahmen 

zwischen dem Beschuldigten und C2___ resp. J___ vom 19. Mai 2015 abgestellt werden, 

da bei diesen Befragungen sowohl der Beschuldigte als auch sein Verteidiger anwesend 

gewesen seien.   

 Das Argument der Staatsanwaltschaft, die Einvernahmen seien für das Verfahren 

betreffend Raufhandel erfolgt, sei unbehelflich (act. B 2 E. 1.2, S. 11). Es ergebe sich 

eindeutig aus den Einvernahmeprotokollen (vgl. act. B 3/9.1-9.19), dass diese im 

Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt gemacht worden seien. Die Einvernahmen von 

H___ (vgl. act. B 3/8.1-8.5 und B 3/9.5) seien zum Raufhandel und zum Tötungsdelikt 

erfolgt, wobei dieser bezüglich dem Letzteren als Mittäter befragt worden sei. Auch bei 

diesen Befragungen hätten dem Beschuldigten die Teilnahmerechte gewährt werden 

müssen.  

 Dem Einwand der Staatsanwaltschaft, der Beschuldigte verhalte sich 

rechtsmissbräuchlich, indem er den Einwand der Verletzung der Teilnahmerechte erst an 

der Hauptverhandlung vorbringe und keine Wiederholung der Einvernahme beantrage, sei 

entgegenzuhalten, dass die Teilnahmerechte Ausfluss von Verfahrensgarantien seien, 

welche von Amtes wegen zu beachten seien (act. B 2 E. 1.2, S. 11). Die 

Staatsanwaltschaft habe die Verteidigung und den Beschuldigten lediglich einmal auf eine 

Einvernahme aufmerksam gemacht. Ein Antrag auf Teilnahme durch den Beschuldigten 

oder dessen Verteidiger sei nicht nötig; überdies handle es sich beim Antrag um eine 

Kann-Vorschrift. Eine Pflicht zur Wiederholung bestehe nicht. Aus den Akten ergebe sich 

nicht, dass der Beschuldigte und sein Verteidiger rechtzeitig über die Termine der 

Einvernahmen informiert worden wären. Einzige Ausnahme sei die Befragung von C2___ 

gewesen, bei welcher die Anwesenheit des Beschuldigten verweigert worden sei (act. B 

67/1). Schliesslich frage sich, ob eine Wiederholung sinnvoll gewesen wäre. Die 

beteiligten Personen hätten die Tat nicht oder nur flüchtig gesehen, weil ihre 

Aufmerksamkeit anderen Personen und Ereignissen gegolten habe. Da die Tat sich 

bereits vor rund 17 Monaten ereignet habe, sei anzunehmen, dass sich diese Personen 

kaum mehr an Details erinnern könnten. Eine Wiederholung der Einvernahmen würde 

also zu keinen Erkenntnissen führen. Es bestünde eher die Gefahr, dass nach so langer 

Zeit eine Realität konstruiert würde.  

 

Seite 11 

 Zusammenfassend seien die Einvernahmen in act. B 3/8.1-8.5 und B 3/9.1-9.19 nicht 

verwertbar, sofern die Aussagen den Beschuldigten belasteten. Entlastende Aussagen 

seien hingegen zu berücksichtigen (act. B 2 E. 1.2, S. 12).  

 

1.5.3 In der Berufungserklärung liess der Beschuldigte  ausführen (act. B 1, S. 3), gestützt auf 

das erstinstanzliche Urteil, gemäss welchem sämtliche in act. B3/8.1-8.5 und act. 9.1-9.19 

enthaltenen Einvernahmen unverwertbar seien, sei es aus seiner Sicht nicht erforderlich, 

die Wiederholung der Einvernahmen zu verlangen. Es könne nicht angehen, dass 

gestützt auf eine Berufungserklärung bislang unverwertbare Beweise plötzlich verwertbar 

würden. Er sei auch nicht der Auffassung, dass er sein Recht auf Konfrontation mit 

Belastungszeugen von sich aus geltend machen müsste. Im bisher nicht gestellten Antrag 

auf nochmalige Befragung von Belastungszeugen (act. B3/8.1-8.5 und act. 9.1-9.19) 

könne kein Verzicht auf den Konfrontationsanspruch gesehen werden. Sollte das 

angerufene Gericht wider Erwarten und entgegen der Vorinstanz der Auffassung sein, der 

Beschuldigte müsse sein Recht auf Konfrontation mit Belastungszeugen von sich aus 

geltend machen, werde im Berufungsverfahren beantragt, sämtliche Personen, an deren 

Befragung der Beschuldigte bislang kein Teilnahmerecht gehabt habe und welche 

deshalb unverwertbar seien, unter Gewährung des Teilnahmerechts erneut als Zeugen zu 

befragen.  

 

 An diesem Antrag hielt der Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung fest 

(act. B 27, S. 7).  

 

1.5.4 Gemäss Staatsanwalt  B___ ist dieser Antrag abzulehnen (act. B 27, S. 7), da nach dem 

langen Zeitablauf nicht anzunehmen sei, dass sich die involvierten Personen noch an die 

genauen Umstände erinnern könnten. 

 

1.5.5 Aus den Akten  (act. B 3/8.1-8.5 und B 3/9.1-9.19) ergibt sich, dass der Beschuldigte bei 

keiner der durch die Polizei resp. die Staatsanwaltschaft durchgeführten Befragungen 

anwesend war. Seinem Verteidiger wurden lediglich die Einvernahme der Ehefrau, V___, 

sowie diejenige von C2___ vom 13. April 2015 vorgängig angezeigt (act. B 3/66, S. 8). An 

der Einvernahme von C2___ vom 13. April 2015 nahm RA AA___ teil (act. B 3/9.1), dem 

Beschuldigten wurde die Teilnahme verwehrt (act. B 3/66, S. 8 und B 3/67/1). Lediglich 

bei den Konfrontationseinvernahmen vom 19. Mai 2015 zwischen A___ und C2___ resp. 

J___ waren der Beschuldigte und sein Verteidiger zugegen (act. B 3/11 und B 3/12).  

 

1.5.6 Das Kantonsgericht hat die rechtlichen Grundlagen  sowie die gängige Lehre  und 

Praxis  zu den Teilnahmerechten bei Beweiserhebungen ausführlich und umfassend 

 

Seite 12 

dargestellt (act. B 2 E. 1.2, S. 7 ff.). Darauf kann vorbehaltlos verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO)2.  

 

1.5.7 Mit der Vorinstanz ist das Obergericht  ebenfalls der Meinung, dass die polizeilichen resp. 

staatsanwaltlichen Einvernahmen in act. B 3/8.1-8.5 und B 3/9.1-9.19 unverwertbar  sind. 

Auf deren schlüssige Erwägungen (E. 1.3) kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). Aus Sicht des Obergerichts sind folgende Ergänzungen anzubringen: 

 

- Das Kantonsgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass die Staatsanwaltschaft 

den Beschuldigten und seinen Verteidiger auf die Einvernahme-Termine hätte 

aufmerksam machen müssen und ein Antrag auf Teilnahme nicht erforderlich war 

resp. ist3. Des in der Berufungserklärung der guten Ordnung halber gestellten 

Antrages hätte es demnach nicht bedurft. Hier präsentieren sich die Umstände somit 

wesentlich anders als im Fall, den das Bundesgericht am 25. Oktober 20174 beurteilt 

hat. Während dem Beschuldigten und seinem Verteidiger vorliegend die 

Einvernahme-Termine - abgesehen von zwei Ausnahmen - nicht angezeigt wurden, 

hat in dem vom Bundesgericht beurteilten Sachverhalt der bei der Einvernahme 

anwesende Verteidiger gegen die Abwesenheit des Beschuldigten nicht opponiert 

und keinen Antrag auf dessen Teilnahme gestellt. Lediglich unter diesen Umständen 

hat das Bundesgericht entschieden, es dürfe angenommen werden, der Beschuldigte 

habe auf sein Teilnahmerecht verzichtet und weiter ausgeführt, soweit ein gültiger 

Verzicht vorliege, verletze die im Berufungsverfahren erhobene Rüge der Verletzung 

des Teilnahmerechts den Grundsatz von Treu und Glauben.  

 

- Im Übrigen erachtet auch das Obergericht eine Wiederholung der Einvernahmen aus 

dem Grund für entbehrlich, als die befragten Auskunftspersonen die Vorgänge rund 

um den Messerstich nicht selbst oder zumindest nicht in voller Länge und im Detail 

beobachtet haben, da ihre Aufmerksamkeit bei den sich überschlagenden 

Geschehnissen anderen Personen oder Ereignissen galt. Es ist daher davon 

auszugehen, dass sie zur entscheidenden Frage, nämlich dem Vorliegen einer 

Notwehrsituation bzw. eines Notwehrexzesses nichts beitragen können, selbst wenn 

sie nochmals befragt würden. Kommt hinzu, dass seit der Tat mittlerweile fast drei 

Jahre vergangen sind und es deshalb als unwahrscheinlich scheint, dass die damals 

                                                
2 BGE 119 II 478 E. 1 lit. d; Urteil Bundesgericht 4A_538/2013 vom 19. März 2014 E. 3.1. 
3 DORRIT SCHLEIMINGER METTLER, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 9 zu Art. 147 StPO; 

WOLFGANG WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 7 zu Art. 147 StPO; BGE 112 Ia 5 E. 2 lit. b. 

4 BGE 143 IV 397 E. 3.4. 

 

Seite 13 

anwesenden Personen sich noch an Details zu erinnern vermögen. Vielmehr 

bestünde die Gefahr, dass nach so langer Zeit eine Realität konstruiert würde.  

 

- Die in act. B 3/8.1-8.5 und 3/9.1-9.19 enthaltenen Einvernahmen der 

Auskunftspersonen sind aber noch aus einem anderen Grund nicht verwertbar. Die 

von einer Person vor der Polizei als Auskunftsperson gemachten Aussagen können 

nämlich nur verwertet werden, wenn anschliessend noch eine ordnungsgemässe 

Befragung als Zeuge samt Belehrung über die damit verbundenen Rechte vor dem 

Staatsanwalt oder dem Gericht stattfindet und die polizeilichen Protokolle hierbei 

bestätigt werden5. 

 

1.5.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Einvernahmen in act. B 3/8.1-8.5 und B 3/9.1-

9.19 nicht verwertbar sind, sofern die Aussagen den Beschuldigten belasten. Entlastende 

Aussagen können hingegen berücksichtigt werden.  

 

1.6 Anklageprinzip 

 

 Den Ausführungen der Vorinstanz zum Anklageprinzip (act. B 2 E. 1.3, S. 12 f.) kann das 

Obergericht sich vollumfänglich anschliessen; auf diese zutreffenden Erwägungen kann 

somit verwiesen werden6. 

 

 

 

2. Vorsätzliche Tötung - massgeblicher Sachverhalt 

 

2.1 Angeklagter Sachverhalt  

 

Gemäss Anklageschrift vom 13. April 2016 (act. B 3/39) erfuhr A___ am Sonntagmittag, 

22. März 2015, von seinem Sohn H___, dass es in der vergangenen Nacht in F___ zu 

einer Schlägerei unter Jugendlichen gekommen war, an der unter anderem auch sein 

Sohn beteiligt war. Im Laufe des Nachmittags begab sich der Sohn des Beschuldigten 

zum Schulhaus E___, wo eine Aussprache stattfand. H___ rief zu Hause an und bestellte 

seinen Vater auf den Platz, nachdem er feststellte, dass ein Teil der Jugendlichen in 

Begleitung ihrer Väter zur Aussprache erschienen war. Der Beschuldigte befand sich im 

Zeitpunkt des Anrufes im Garten, wo er laut Anklage damit beschäftigt war, mit einem 

Küchenmesser verschiedene Schnüre von einer Verpackung zu lösen. Er unterbrach 

                                                
5 NIKLAUS SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz. 919. 
6 BGE 119 II 478 E. 1 lit. d; Urteil Bundesgericht 4A_538/2013 vom 19. März 2014 E. 3.1. 

 

Seite 14 

diese Arbeit, steckte das Messer in die Jackentasche und machte sich auf den Weg zum 

Schulhaus. Als er auf dem Vorplatz des Schulhauses eintraf, diskutierte eine 

Personengruppe über den Streit der vergangenen Nacht. Der Beschuldigte erkannte 

C2___, ging sofort auf ihn zu und beschimpfte diesen laut. Es kam zu einem allgemeinen 

Handgemenge, an dem sich mehrere Jugendliche beteiligten. Als sich der Beschuldigte 

und G___, der Vater von C2___, gegenüberstanden, zog der Beschuldigte sein Messer 

aus der Jackentasche. G___ gelang es zunächst, den messerführenden Arm des 

Beschuldigten zurückzustossen. Der Beschuldigte verletzte sich dabei leicht am eigenen 

Hals. Er holte darauf erneut mit der messerführenden Hand aus und stiess das Messer 

mit kräftiger Wucht in den linken Brustbereich von G___. Dieser stürzte daraufhin zu 

Boden, wo er leblos liegen blieb. G___ verstarb an den Folgen der Messerstichverletzung 

in die linke Brustkorbvorderseite mit Durchstechung der linken Herzkammerwand. Der 

Beschuldigte habe die lebensgefährliche Verletzung beim gezielten Stoss des Messers in 

den linken Brustbereich des Opfers billigend in Kauf genommen. 

 

 

2.2 Unbestrittener Sachverhalt 

 

 Der Beschuldigte bestreitet die Tat nicht. Er gibt zu, G___ mit einem Küchenmesser 

tödlich verletzt zu haben (act. B 3/7.1 - 7.4; B 3/11; B 3/12; B 3/22, B 3/69). Das 

Gutachten der Rechtsmedizin bestätigt diese Aussage. Am Messergriff, an der 

Messerklinge sowie an der Messerscheide fanden sich DNA-Spuren von G___ (act. B 

3/13.2, S. 3 - 5). Die Legalobduktion ergab, dass das Opfer eines nichtnatürlichen Todes 

durch einen Messerstich verstarb (act. B 3/13.1.1, S. 2 - 5). 

 

 

2.3 Bestrittener Sachverhalt 

 

2.3.1 Vorbringen der Verteidigung im erstinstanzlichen Ve rfahren 

Die Verteidigung behauptet, man habe nach dem Erscheinen des Beschuldigten mehr 

oder weniger normal miteinander gesprochen. Während dieses Gespräches habe C2___ 

gegenüber dem Beschuldigten Todesdrohungen gegen ihn und seine Familie 

ausgestossen, er habe den Beschuldigten ausserdem provoziert und dessen Familie 

beleidigt. Nachdem dieser C2___ weggestossen habe, sei er von G___ gepackt und 

zurückgestossen worden. Der Schlag sei so stark gewesen, dass dem Beschuldigten 

schwarz vor Augen geworden sei und er fast das Bewusstsein verloren habe. Auch habe 

er Schmerzen und Atemprobleme gehabt. Der Beschuldigte habe C2___ wahrgenommen, 

der hinter seinem Vater hervor und seitlich auf ihn zugekommen sei. Er habe Panik 

 

Seite 15 

gehabt. Da er sich nicht anders zu helfen wusste, habe er in der Tasche nach etwas 

Hartem bzw. seinem Handy gesucht, um es gegen G___ einsetzen zu können. Dabei 

habe er das Messer in die Hand bekommen, mit welchem er dann G___ gedroht habe. 

Dieser habe seine Messerhand ergriffen und zurückgestossen, wobei der Beschuldigte 

leicht am Kinn verletzt wurde. Es sei in der Folge zum tödlichen Stich gekommen, weil er 

von G___ am Hals gepackt und nicht mehr losgelassen wurde. Spätestens im Zeitpunkt 

des Würgevorgangs habe sich der Beschuldigte aufgrund der Todesangst in einer 

Notwehrsituation befunden (act. B 3/66, S. 13 f.). Im Zusammenhang mit der 

Notwehrsituation sei zu beachten, dass der Beschuldigte herzkrank sei und öfters an 

Herzproblemen sowie zeitweise unter Angstzuständen leide. Das Verhalten von G___ und 

C2___ habe der Beschuldigte krankheitsbedingt schneller als notwehrberechtigten Angriff 

empfunden als eine gesunde Drittperson (act. B 3/66, S. 22 mit Verweis auf act. B 3/8.5, 

S 2). 

 

2.3.2 Aussagen des Beschuldigten 

Anlässlich der ersten Einvernahme vom 22. März 2015 sagte der Beschuldigte aus, 

C2___ habe ihn direkt nach seiner Ankunft gefragt, ob er Angst vor ihm habe (act. B 

3/7.4, S. 2). Er habe erwidert, dass sich die Polizei um die Streitereien in der vergangenen 

Nacht kümmern werde. Daraufhin sei er von G___ am Hals gepackt worden. Beim 

Versuch sich zu wehren, habe G___ nur fester zugedrückt. Mit der rechten Hand habe er 

dann in der Jackentasche nach dem Messer gegriffen, mit welchem er G___ habe Angst 

machen wollen (act. B 3/7.4, S. 3). Als er gesehen habe, dass C2___ ihn schlagen wollte, 

habe er G___ in den Bauch gestochen (act. B 3/7.4, S. 2). 

 

In der Einvernahme vom 23. März 2015 sagte der Beschuldigte aus, dass C2___ gleich 

zu Beginn sehr aggressiv auf ihn zugekommen sei und sich vor ihm aufgebaut habe. Er 

habe C2___ weggeschubst. G___ habe ihn sogleich am Hals gepackt und ihn einige 

Meter über den Platz geschoben. Sein Hals sei zugedrückt worden, weswegen er keine 

Luft mehr bekommen habe. Er habe versucht, die Hände von G___ wegzudrücken. Dies 

sei ihm nicht gelungen, da G___ kräftiger sei als er. Aus den Augenwinkeln habe er 

C2___ seitlich auf ihn zukommen sehen. Er sei in Panik geraten und habe nach etwas 

Hartem gegriffen. Leider habe er das Messer erwischt (act. B 3/7.3, S. 7). Er habe grosse 

Angst gehabt und sich nur noch mit dem Messer zu helfen gewusst. Er habe es 

herausgezogen und gerufen, lass mich, ich habe ein Messer. G___ habe dann das 

Handgelenk der messerführenden Hand ergriffen, wobei er (der Beschuldigte) sich am 

Kinn leicht verletzt habe. Er habe bemerkt, dass C2___ keinen Meter mehr entfernt war. 

Aus Angst und Panik habe er in Richtung des Bauches von G___ gestochen. (der 

Beschuldigte korrigiert sich) Er habe nicht gezielt zugestochen, sondern nur noch 

 

Seite 16 

gehandelt. Er sei so aufgelöst und in Angst gewesen; er habe nur noch gewollt, dass es 

aufhöre (act. B 3/7.3, S. 8). Danach habe ihn C2___ angreifen wollen (act. B 3/7.3, S. 9). 

 

Am 26. März 2015 gab A___ zu Protokoll, er habe C2___ an der Schulter gestossen, um 

ihn umzudrehen. Dieser habe seinen Sohn H___ beschimpft. G___ habe sofort reagiert 

und ihn (den Beschuldigten) über den Kleidern an der Brust gepackt. Die Situation habe 

sich dann beruhigt (act. B 3/7.2, S. 3 f.). C2___ habe sich dann vor ihm aufgebaut und ihn 

ein wenig zurückgeschoben. Er habe sich nicht gewehrt, weil er gewusst habe, dass er 

weniger Kraft habe als C2___. Danach sei er von G___ gepackt und weiter 

zurückgeschoben worden. C2___ sei hinter G___ her gelaufen. In diesem Moment habe 

er das Messer aus seiner Jackentasche gezogen und G___ damit mehrmals gedroht. 

Dieser habe die messerführende Hand gepackt, wobei er (der Beschuldigte) sich am Kinn 

verletzt habe. Er habe seine messerführende Hand dann aus dem Griff lösen können und 

G___ nochmals gesagt, er solle aufhören. Er habe gesehen, dass C2___ hinter ihm 

gewesen sei und habe einen kurzen Stich in Richtung G___ gemacht. Der Griff an seinem 

Hals habe sich dann gelöst (act. B 3/7.2, S. 4). 

 

In der Einvernahme vom 31. März 2015 führte der Beschuldigte aus, er habe nur seine 

Hände auf C2___s Schultern gelegt und ihn ermahnt, leiser zu sprechen. C2___ habe 

sich umgedreht. Er sei von G___ kurz am Hals gepackt worden. Dieser habe ihn dann 

losgelassen und ihn ausgelacht. Sie hätten dann normal miteinander gesprochen. 

Während des Gespräches sei er von C2___ beschimpft, beleidigt und mit dem Tod 

bedroht worden. C2___ habe seine Familie ebenfalls bedroht und beleidigt. 

Währenddessen sei C2___ provozierend vor ihn hin gestanden. Er habe ihn dann 

weggestossen. G___ habe ihn sofort ruckartig am Hals gepackt und zurückgeschoben. 

Dies sei so heftig gewesen, dass ihm schwarz vor Augen geworden sei und er beinahe 

das Bewusstsein verloren habe. Während er am Hals gewürgt worden sei, habe er in der 

Jackentasche nach etwas Hartem getastet, das er gegen G___ einsetzen konnte, da er 

körperlich stark unterlegen gewesen sei. Er habe das Messer in die Hand bekommen und 

damit G___ gedroht. Dieser habe nach der Hand mit dem Messer gegriffen, wobei er sich 

selbst am Kinn verletzt habe (act. B 3/7.1, S. 2 f.). C2___ sei seitlich auf ihn 

zugekommen, weswegen er aus Panik auf G___ eingestochen habe (act. B 3/7.1, S. 5). 

Weiter führte er aus, er habe nicht gesehen, dass sein Sohn mit C2___ am Kämpfen war. 

Er habe überhaupt nicht mehr mitbekommen, was um ihn herum passiert sei (act. B 3/7.1, 

S. 5). Er habe zugestochen, weil er keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe, sein 

Leben zu retten (act. B 3/7.1, S. 6). Das IRM habe keine Würgemale feststellen können, 

weil er eine Jacke mit einem Kragen angehabt habe. Der Kragen sei zwischen den 

Händen des Opfers und dem Hals gewesen (act. B 3/7.1, S. 6). 

 

Seite 17 

 

Am 19. Mai 2015 fanden die Konfrontationseinvernahmen mit C2___ und J___ statt (act. 

B 3/11 und B 3/12). Der Beschuldigte erklärte, dass die Aussagen von C2___ nicht richtig 

seien. Er sei von C2___ bedroht worden. C2___ habe ihn mit der Brust nach vorne 

gestossen und ihn gefragt, ob er wisse, dass er ihn umbringen könne. Er sei beleidigt und 

beschimpft worden (act. B 3/11, S. 4). Es sei zum Messerstich gekommen, weil er von 

G___ gewürgt worden sei und er die beiden C1___/C2___ in seiner Nähe gesehen habe 

(act. B 3/11, S. 4). 

Auch die Aussagen von J___ in der Konfrontationseinvernahme seien nicht korrekt. Er 

habe keine Drohungen ausgesprochen. C2___ habe versucht, ihn zu schlagen, jemand 

habe ihn aber zurückgehalten. Er habe dann gesehen, dass C2___ hinter ihm sei und ihn 

schlagen wollte. In diesem Moment habe er G___ gedroht und dann zugestochen (act. B 

3/12, S. 3). 

 

In der Schlusseinvernahme vom 11. Dezember 2015 gab A___ folgendes zu Protokoll: 

Die Jungs hätten ihn zu Beginn gehänselt, weil er beim Laufen Probleme gehabt habe. Er 

sei dann von G___ gepackt worden. Da er von J___ provoziert worden sei, habe er 

diesem gedroht. Die Situation habe sich dann beruhigt. Er sei dann zu C2___, um mit ihm 

zu reden. C2___ habe ihn schlagen wollen und ihm gedroht, ihn, seinen Sohn und seine 

ganze Familie zu töten. G___ habe währenddessen nur gelacht. Er habe C2___ 

weggestossen und sei dann zu dessen Vater G___ gelaufen. Dieser habe ihn am Hals 

gepackt und gestossen. Er habe Schmerzen sowie Atemprobleme gehabt und ihm sei 

schwarz vor den Augen geworden. Er habe nur noch zwei Personen - G___ und noch 

eine, welche Albanisch gesprochen habe - gesehen. C2___ habe versucht, ihn zu 

schlagen, was er auch gesehen habe. W1___ und W2___ hätten versucht, C2___ von 

ihm wegzuhalten. Er habe versucht, die Hand von G___ von seinem Hals zu lösen, was 

ihm nicht gelungen sei, da er zu wenig Kraft gehabt habe (act. B 3/22, S. 2). Weil er 

C2___ aus den Augen verloren und Angst gehabt habe, dieser könnte von hinten 

kommen, habe er das Handy hervorholen und G___ damit schlagen wollen. Auf der 

anderen Seite sei jedoch das Messer gewesen. Er habe G___ damit gedroht. Dieser habe 

versucht, ihm das Messer wegzunehmen. Er habe Angst gehabt, dass C2___ hinter ihm 

sei. G___ habe ihn dann wieder am Hals gepackt. Dann sei es sehr schnell gegangen. Er 

habe ihm das Messer nicht ins Herz stechen wollen. Hätte G___ das Messer richtig 

erwischt, hätte er ihm in den Hals geschnitten. Er sei retour und G___ sei vorwärts 

gegangen. Er habe Atemprobleme gehabt und C2___ sei auf ihn zugesprungen und habe 

ihn schlagen wollen. Er habe das Messer dann hochgenommen und mit dem Messer in 

der Hand „Stopp“ gesagt. C2___ habe Angst bekommen. Dann sei sein Sohn gekommen 

und sie seien nach Hause gegangen (act. B 3/22, S. 2 f.). Er habe G___ nicht mit Absicht 

 

Seite 18 

töten wollen. Hätte er dies gewollt, hätte er ihn von oben geschlagen oder ihn von hinten 

angegriffen (act. B 3/22, S. 4). Er habe Panik bekommen, weil er C2___ nicht mehr 

gesehen und gedacht habe, dass ihn jemand töten möchte (act. B 3/22, S. 3). Er habe 

befürchtet, dass sie zuerst seinen Sohn, ihn und seine Familie töten. Dies ohne Grund, da 

es nie Streit gegeben habe (act. B 3/22, S. 5). 

 

Vor Schranken führte der Beschuldigte aus, er wisse nicht, wieso er von G___ gewürgt 

worden sei. Er sei nie auf ihn losgegangen (act. B 3/69, S. 7). Ihm sei schwarz vor Augen 

geworden. Da er von G___ gewürgt worden sei, habe er nicht umkippen können. Es sei 

sehr schnell (2 - 3 Sekunden) gegangen, wobei er während dieser Zeit nur die Sicht 

verloren habe (act. B 3/69, S. 11). Danach habe er nur zwei Personen gesehen, G___ 

und C2___. C2___ sei rechts von ihm gewesen, dann habe er ihn verloren. Aus Angst, 

dieser sei hinter ihm, habe er das Messer aus der Tasche gezogen und habe G___ damit 

schlagen wollen. Er habe ihm zuerst damit gedroht. Da G___ versucht habe, das Messer 

wegzuschlagen, habe er Angst bekommen, dass G___ ihm das Messer an den Hals 

setzen würde. Er habe dann zugestochen (act. B 3/69, S. 5). Vom Würgegriff habe er sich 

lösen können. Dennoch habe er aus Angst, dass C2___ in angreife, zugestochen. Er 

habe in diesem Moment eine grosse Kraft bekommen (act. B 3/69, S. 9). Er habe nicht 

darüber nachgedacht, dass er G___ tödlich verletzen könne. Er wisse aber, dass ein Stich 

in die Bauch- und Brustgegend einen Menschen töten könne (act. B 3/69, S. 10). Im 

Übrigen wisse er nicht, wie der Blutfleck von G___ an der Innenseite des Kragens dorthin 

gekommen sei. Die Jacke sei bis oben geschlossen gewesen (act. B 3/69, S. 8). 

 

Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte A___, er bleibe bei den bisherigen 

Aussagen, mehr habe er nicht zu sagen. Er werde sich lediglich noch zu seiner Person, 

aber nicht mehr zur Sache äussern (act. B 27, S. 3 und 6). Er erwähnte lediglich, dass er 

Rechtshänder sei und die gesundheitlichen Probleme schon vor der Tat bestanden; 

seither hätten sie sich verschlimmert (act. B 27, S. 6). 

 

2.3.3 Aussagen von C2___ 

C2___ erklärte in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten, dass sein Vater 

zu schlichten versucht habe. Er habe den Beschuldigten in den Arm genommen und 

gesagt, dass sich alle beruhigen sollen. Sein Vater habe den Beschuldigten nie 

angegriffen (act. B 3/11, S. 3). Er selber habe den Beschuldigten nicht bedroht, er habe 

ihn kurz geschubst, als er von ihm hinten am Kragen gepackt worden sei (act. B 3/11, S. 

4). Unmittelbar vor der Tat habe er mit H___ am Boden gekämpft (act. B 3/11, S. 2).  

 

 

Seite 19 

2.3.4 Aussagen von J___  

 In der Konfrontationseinvernahme vom 19. Mai 2015 sagte J___ aus, dass G___ versucht 

habe, die Situation zu beruhigen. G___ habe den Beschuldigten gestossen und ihn so 

dazu bewegen wollen, nach Hause zu gehen (act. B 3/12, S. 2 und 5). Es treffe nicht zu, 

dass G___ A___ am Kragen gepackt habe; er habe etwa einen bis anderthalb Meter 

entfernt von diesem gestanden (act. B 3/12, S. 3). Nach dem Stich habe er C2___ geholt. 

Dieser sei in diesem Zeitpunkt mit H___ am Kämpfen gewesen (act. B 3/12, S. 4). 

 

2.3.5 Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Galle n, Legalobduktion 

Zur Klärung der Todesursache und Todesart wurde durch die Staatsanwaltschaft eine 

Legalobduktion in Auftrag gegeben (act. B 3/13.1). Bei der Obduktion zeigte sich eine 

Messerstichverletzung in der linken Brustkorbvorderseite mit Durchstechung der linken 

Herzkammerwand auf Höhe des 5. Zwischenrippenraumes in der mittleren 

Schlüsselbeinlinie (act. B 3/13.1.1, S. 3). Auf den beigelegten Bildern ist ersichtlich, dass 

die Stichverletzung nur wenige Zentimeter unterhalb der Brustwarze erfolgte (act. B 

3/13.1.5, Abb.1). 

 

Das Gutachten hält fest, dass für die Beibringung einer solchen Verletzung eine grosse 

Wucht bei der Stichausführung vorauszusetzen war, da sowohl Bekleidung, Haut, als 

auch Rippen einen deutlichen Widerstand leisteten. Auf den Abb. 5 und 6 ist die 

schlitzartige Öffnung des Herzbeutels und die glattrandige Durchtrennung der linken 

Herzkammer ersichtlich. Anhand der computertomographischen Untersuchung liess sich 

eine leicht nach links und oben führende Stichkanalrichtung mit Ausrichtung der 

geschliffenen Messerklinge nach unten feststellen. Der Stichkanalverlauf mit 

Durchtrennung des Rippenknorpels der 6. und 7. Rippe links ist auf Abb. 3 und 4 

erkennbar. Der starke Blutverlust sowie die Gewebeblutungen im Verlauf des Stichkanals 

könnten als Beleg für die erhaltene Kreislauffunktion zum Zeitpunkt der 

Verletzungsentstehung (Vitalitätszeichen) gewertet werden. Nach Öffnung des Herzens 

könnte abhängig von der Geschwindigkeit des Blutverlustes eine noch kurzfristig 

erhaltene Handlungsfähigkeit bestanden haben. Allerdings wären die Verletzungen selbst 

bei sofortiger notärztlicher Behandlung nicht überlebbar gewesen. Aus 

rechtsmedizinischer Sicht bestehen keine vernünftigen Zweifel an einem kausalen 

Zusammenhang zwischen der Stichverletzung und dem Todeseintritt. Folglich handelt es 

sich um ein Tötungsdelikt (act. B 3/13.1.1, S. 2 - 5).  

 

2.3.6 Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Galle n, DNA-Spuren 

Das Institut für Rechtsmedizin untersuchte den Fingernagelschmutz an beiden Händen 

der beschuldigten Person und des Opfers. Die Jacke des Beschuldigten und die Tatwaffe 

 

Seite 20 

wurden ebenfalls untersucht. Die Untersuchung lieferte folgende Ergebnisse (act. B 

3/13.2): 

 

Der Fingernagelschmutz von der rechten Hand des Beschuldigten enthält DNA-Spuren 

des Beschuldigten und des Opfers (act. B 3/13.2, S. 2 f.). Auf dem Messergriff, der 

Messerklinge und in der Messerscheide fanden sich DNA-Spuren von Opfer und Täter 

(act. B 3/13.2, S. 3 - 5). Die Blutspur an der rechten Halspartie des Beschuldigten enthielt 

das DNA-Profil einer einzelnen Person, welche mit dem DNA-Profil des Beschuldigten 

vollständig übereinstimmt (act. B 3/13.2, S. 5). Das Institut für Rechtsmedizin 

untersuchte verschiedene Stellen auf der Jacke des Beschuldigten, die er zum 

Zeitpunkt der Tat trug (act. B 3/13.2; Abbildungen in act. B 3/13.3). An vier Stellen 

wurde mit dem Hexagon OBTI-Test untersucht, ob sich auf der Jacke menschliches 

Hämoglobin befindet. Die Blutflecken 2, 3 und 4 (act. B 3/13.3, S. 4 f. und 9) 

enthielten DNA-Profile einer Person, nämlich jene des Beschuldigten (act. B 3/13.2, 

S. 6). Am Blutfleck 1 (act. B 3/13.3. S. 4 und 9) war ein vollständiges DNA-Profil einer 

einzigen Person zu finden. Das erwähnte DNA-Profil stimmt vollständig mit dem DNA-

Profil des Opfers überein (act. B 3/13.2, S. 6). Am rechten Ärmel der Jacke fand das 

Institut für Rechtsmedizin die DNA-Profile des Beschuldigten, des Opfers sowie von 

zwei unbekannten Personen. Am linken Ärmel ergaben sich keine Hinweise für das 

Vorhandensein von DNA-Profilen des Opfers (act. B 3/13.2, S .6 f. und 10; act. B 

3/13.3, S. 2). Die Aussen- und Innenseite des Jackenkragens wurde nach DNA-

Profilen untersucht. Es konnten DNA-Profile der beschuldigten Person und weiteren 

Personen nachgewiesen werden. Das DNA-Profil des Opfers war im Kragenbereich 

jedoch nicht nachweisbar (act. B 3/13.2, S. 8 ff., B 3/13.3, S. 1 und 3). Schliesslich 

wurden die 6 Taschen der Jacke untersucht (act. B 3/13.2, S. 8 ff., B 3/13.3, S. 6 f.). 

Einzig auf der Jackentasche 2 fanden sich DNA-Profile des Beschuldigten, des 

Opfers und einer weiteren Person (act. B 3/13.2, S. 9; B 3/13.3, S. 6). Auf der 

Jackentasche 1, 3, 4 und 5 wurden DNA-Profile gefunden, jedoch stimmen diese mit 

jener des Beschuldigten überein (act. B 3/13.2, S. 8 f.; B 3/13.3, S. 6 - 8). 

 

2.3.7 Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Galle n, Untersuchung Beschuldigter 

Der Beschuldigte wurde am 22. März 2015 durch das Institut für Rechtsmedizin 

untersucht. Am rechten Kieferwinkel zeigte sich eine ritzartige Oberhautläsion. Sie stellt 

Folge einer schürfenden, spitzen Gewalteinwirkung dar. Es fanden sich keine 

Komponenten zu einer Gewalteinwirkung. Die Läsion ist als unspezifisch zu werten. Sie 

lässt sich mit der Aussage des Beschuldigten, dass die Verletzung im Zusammenhang mit 

dem Gerangel entstand, vereinbaren (act. B 3/13.5, S 3). Es zeigten sich weder 

Verletzungen an der Halshaut noch objektive Befunde (wie z.B. Stauungsblutungen im 

 

Seite 21 

Gesichtsbereich), die eine Durchblutungsstörung des Gehirns infolge einer Kompression 

der Blutgefässe am Hals und somit eine konkrete Lebensgefahr belegen könnten. Das 

geschilderte Schwarzwerden vor Augen kann als vorübergehende Durchblutungsstörung 

des Gehirns interpretiert werden. Eine relevante und lebensgefährliche Beeinträchtigung 

der Hirnfunktion durch einen Angriff gegen den Hals lässt sich aufgrund der Angabe des 

Beschuldigten, er habe während des Würgevorgangs gezielt in seiner Tasche "nach 

etwas Hartem" gesucht, nicht ableiten (act. B 3/13.5, S. 3). 

 

2.3.8 Zusatzgutachten des Instituts für Rechtsmedizin St.  Gallen 

 Aus dem Zusatzgutachten vom 24. Juli 2017 ergibt sich (act. B 12, S. 2),  

 

- (auf die Frage, ob DNA-Rückstände von G___ auf der von A___ getragenen Jacke 

zwingend zu erwarten gewesen wären, wenn A___ von diesem gewürgt worden 

wäre), dass die DNA-Übertragung unter anderem abhängig von der Dauer und 

Intensität des Kontaktes zwischen der unbedeckten Haut und dem Gegenstand / 

Kleidungsstück sei. Bei einer nur kurzzeitigen Berührung sei nicht zwingend mit der 

Übertragung von genügend DNA zu rechnen, damit ein DNA-Profil erstellt werden 

könne. Bei einem über längere Zeit bestehenden intensiven Kontakt sei zu 

erwarten, dass genügend DNA für die Erstellung eines DNA-Profils übertragen 

werde.  

- (auf die Frage, ob es denkbar sei, dass A___ von G___ gewürgt worden sei, ohne 

dass DNA von G___ auf seiner Jacke zurückgeblieben sei), damit DNA an einem 

Gegenstand / Kleidungsstück nachgewiesen werden könne, müsse zwingend ein 

Kontakt zwischen dem Gegenstand / Kleidungsstück und der unbedeckten 

Körperoberfläche erfolgt sein. Aus dem oben Gesagten lasse sich zudem ableiten, 

dass bei einem intensiven Würgen mit hohem Druck und langem Kontakt mit der 

Übertragung von DNA gerechnet werden müsse. Bei einem nur flüchtigen Kontakt 

sei nicht zwingend mit einer DNA-Übertragung zu rechnen.  

- dass allein aufgrund des fehlenden Nachweises von DNA keine Aussage dazu 

gemacht werden könne, ob ein Würgen stattgefunden habe oder nicht. Eine solche 

könne nur im Zusammenhang mit konkreten Angaben zum geltend gemachten 

Ereignis erfolgen.  

 

2.3.9 Erwägungen der Vorinstanz 

 Das Kantonsgericht hat das Vorliegen einer Notwehrsituation mit einlässlicher 

Begründung (auf welche nachfolgend im Detail eingegangen wird, vgl. E. 2.3.13), verneint 

und festgehalten, die Darstellung der Geschehnisse durch den Beschuldigten sei nicht 

glaubwürdig, weshalb dieser sich auch nicht auf den Grundsatz „in dubio pro reo“ berufen 

 

Seite 22 

könne. Fest stehe einzig, dass A___ mit dem mitgebrachten Messer in das Herz von 

G___ gestochen habe (act. 2.3.9, S. 21 ff.).  

 

 

2.3.10 Ausführungen des Beschuldigten im Berufungsverfahre n 

 Die Verteidigung hielt auch im Berufungsverfahren daran fest, dass A___ sich in einer 

Notwehrsituation befand, als er auf G___ einstach (act. B 25). Auch auf diese Vorbringen 

wird unten (E. 2.3.13) näher einzugehen sein.  

 

 

2.3.11 Ausführungen der Staatsanwaltschaft im Berufungsve rfahren 

 Gemäss Staatsanwalt B___ hat das Kantonsgericht den Sachverhalt zutreffend 

festgestellt und rechtlich gewürdigt (act. B 26, S. 1).  

 

 

2.3.12 Rechtliche Grundlagen 

Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO besagt, dass die 

Strafverfolgungsbehörden und die Strafgerichte nicht nach festen Beweisregeln, sondern 

aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache als 

bewiesen ansehen oder nicht7. Im Rahmen der freien Beweiswürdigung kommt es weder 

auf die Zahl der für oder gegen ein bestimmtes Beweisergebnis sprechenden 

Beweismittel an, noch kommt bestimmten Arten von Beweismitteln ein Vorrang resp. ein 

Übergewicht gegenüber anderen Arten von Beweismitteln zu. Weder hat der 

Personalbeweis Vorrang vor dem Sachbeweis, noch umgekehrt. Entscheidend ist allein 

der Beweiswert der konkret vorhandenen Beweismittel, beim Personalbeweis also die 

Glaubwürdigkeit der Person - und vor allem - die Glaubhaftigkeit der Angaben, welche 

diese Person gemacht hat8. Verletzt ist der Grundsatz der freien Beweiswürdigung dann, 

wenn der Richter sich auf schematische Regeln stützt, was dann der Fall ist, wenn er 

nicht mehr auf die innere Autorität des konkreten Beweismittels abstellt, sondern 

beispielsweise Aussagen von Angehörigen generell keinen bzw. einen geringen 

Beweiswert beimisst9. Sind die Strafbehörden von jeder positiven oder negativen 

Beweisregel entbunden, werden sie damit auf ihr eigenes Urteilsvermögen 

zurückgeworfen: Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung sollen sie einzig nach 

ihrer persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber entscheiden, 

                                                
7 BGE 133 I 33 E. 2.1. 
8 WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 27 zu Art. 10. 
9 WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 28 zu Art. 10; THOMAS HOFER, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 

2014, N. 54 ff. zu Art. 10. 

 

Seite 23 

ob sie eine Tatsache für bewiesen halten oder nicht10. Die richterliche Überzeugung lässt 

sich inhaltlich in eine subjektive und eine objektive Komponente aufgliedern. Als 

gefühlsmässige Empfindung verlangt sie nach persönlicher Gewissheit, dass sich ein 

Sachverhalt so und nicht anders zugetragen hat. Eine blosse Vermutung oder ein 

Verdacht reichen hierfür nicht aus. Die Gewissheit ist jedoch nicht Ausfluss 

gefühlsmässigen Empfindens, sondern beruht auf rationaler Erkenntnis. Überzeugt zeigen 

darf sich das Gericht nur, wenn es jeden vernünftigen Zweifel ausschliessen kann. Die 

Überzeugung muss mit anderen Worten durch gewissenhaft festgestellte Tatsachen und 

logische Schlussfolgerungen begründet sein; dadurch wird die Herleitung des 

Beweisergebnisses objektiv nachvollziehbar11.  

 

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein indirekter 

Beweis zulässig. Indizien sind Tatsachen, von denen auf das Vorliegen einer unmittelbar 

entscheiderheblichen Tatsache geschlossen werden kann. Der Indizienbeweis ist dem 

direkten Beweis gleichwertig. Es ist zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen 

Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, 

auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen. Beim 

Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, 

aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche 

Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer 

gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen und einzeln 

betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, können in ihrer Gesamtheit ein 

Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der 

Sachverhalt so verwirklicht hat12. In einem Indizienprozess muss das Tatgeschehen aus 

den Umständen erschlossen werden13. Der Indizienprozess als solcher verletzt weder die 

Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teilrechte. Der Grundsatz „in dubio 

pro reo“ findet auf das einzelne Indiz keine Anwendung14. 

 

                                                
10 THOMAS HOFER, a.a.O., N. 58 zu Art. 10; WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 31 zu Art. 10 mit weiteren 

Hinweisen. 
11 THOMAS HOFER, a.a.O., N. 61 zu Art. 10; WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 31 zu Art. 10; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_439/2010 vom 29. Juni 2010 E 5.5. 
12 Urteile des Bundesgerichts 6B_824/2016, 6B_844/2016, 6B_946/2016, 6B_960/2016 vom 10. April 

2017 E. 12.1. 
13 Urteil des Bundesgerichts 6B_678/2012 vom 30. April 2013 E. 2.3. 
14 Urteil des Bundesgerichts 6B_360/2016, 6B_361/2016 vom 1. Juni 2017 E. 2.4. 

 

Seite 24 

2.3.13 Würdigung durch das Obergericht 

 Unbestrittener Sachverhalt  

 Nach Auffassung des Obergerichts stehen folgende Gegebenheiten sicher fest: 

 

- auf dem Vorplatz des Schulhauses E___ in F___  treffen sich am späteren 

Sonntagnachmittag, den 22. März 2015, mehrere Jugendliche und deren Väter. 

Dabei geht es um die Aufarbeitung / Schlichtung einer Auseinandersetzung 

zwischen den Jugendlichen in der vorangegangenen Nacht; 

- H___ ruft zu Hause an und lässt seinem Vater ausrichten, er solle ebenfalls zum 

Schulhaus E___ kommen; 

- der Beschuldigte befindet sich im Zeitpunkt des Anrufes im Garten, wo er mit einem 

Küchenmesser Schnüre von einer Verpackung löst; 

- auf den Anruf hin unterbricht er diese Arbeit, steckt das Messer in die Jackentasche 

und macht sich auf den Weg zum Schulhaus; 

- als der Beschuldigte zum Schulhaus kommt, diskutieren diverse Personen über die 

Ereignisse der vergangenen Nacht;  

- zwischen dem Beschuldigten und C2___ kommt es zu einer verbalen 

Auseinandersetzung und einem kurzen Körperkontakt (Wegstossen, Hand auf 

Schulter legen); dann beruhigt sich die Situation (vorerst) wieder (act. B 3/11, S. 4; 

act. B 3/12, S. 2, act. B 3/22 S. 2, act. B 3/7.1, S. 3, act. B 3/7.2, S. 4).  

- anschliessend geraten G___ und A___ aneinander; dabei zieht A___ das 

mitgebrachte Messer aus der Jackentasche und droht G___ (mehrmals, act. B 

3/7.1, S. 3) damit (act. B 3/7.3, S. 8; act. B 3/7.2, S. 4; act. B 3/22, S. 2; act. B 3/69, 

S. 5); G___ gelingt es zunächst, den messerführenden Arm von A___ 

zurückzustossen, wobei der Letztere sich leicht am Kinn verletzt (act. act. B 3/22, S. 

2; act. B 3/7.3, S. 8; act. B 3/7.1, S. 3); A___ droht G___ in der Folge erneut mit 

dem Messer (act. B 3/7.2, S. 4), danach kommt es zum tödlichen Messerstich von 

A___ gegenüber G___ (act. B 3/7.2, S. 4; act. B 3/7.1, S. 3);  

- C2___ und H___ kämpfen im Zeitpunkt, als der tödliche Messerstich erfolgt, am 

Boden miteinander (act. B 3/11, S. 2; act. B 3/12, S. 4), was A___ offenbar nicht 

mitbekommt (act. B 3/69, S. 11; act. B 3/7.1, S. 4 f.); 

- anfänglich sagt A___ aus, C2___ habe sich während der Auseinandersetzung mit 

G___ hinter bzw. seitlich neben ihm befunden (act. B 3/7.3, S. 2 und 8; act. B 3/7.2, 

S. 4), später will er ihn aus den Augen verloren haben (act. B 3/22, S. 2, act. B 3/69, 

S. 5). 

- G___ ist grösser und kräftiger als A___, der zudem krank ist (act. B 3/7.3, S. 7; act. 

B 3/7.2, S. 4); 

 

Seite 25 

- G___ ist nicht bewaffnet und weist keine Abwehrverletzungen auf (act. B 3/13.1.1, 

S. 4); 

- am Kragen der Jacke von A___ befinden sich keine DNA-Spuren des späteren 

Opfers (act. B 3/13.2, S. 8); 

- A___ weist keine Merkmale auf, welche auf ein Würgen hindeuten (act. B 3/13.5, S. 

3); 

- zwischen G___ und A___ resp. deren Familien gibt es vor der Tat keinen Streit und 

auch keine schwelenden Konflikte (act. B 3/22, S. 4; act. B 3/69, S. 4 und 6); 

- A___ ist Rechtshänder (act. B 27, S. 6); 

- Der Messerstich wird mit grosser Wucht von unten nach oben geführt und hat die 

Jacke, die Haut und die Rippen durchlagen (act. B 3/13.1.1, S. 4); 

- vor und nach dem Stich steckt das Messer in der dafür vorgesehenen 

Messerscheide in der Jackentasche des Beschuldigten (act. B 3/7.3, S. 10 f.); 

- nach der Tat begibt A___ sich nach Hause und ruft die Polizei an (act. B 3/7.4, S. 

2); 

- die Untersuchung des Beschuldigten nach der Tat ergibt dass er nicht alkoholisiert 

ist; hingegen werden Rückstände von Medikamenten gefunden (Citalopram und 

Tramadol); beim Ersteren handelt es sich um ein Antidepressivum in einer 

therapeutischen Konzentration und beim zweiten um ein Opioid-Schmerzmittel in 

einer übertherapeutischen Konzentration. Die Einnahme von Tramadol kann unter 

anderem zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Benommenheit führen. 

Aufgrund der unauffälligen Befunde kann allerdings nicht von einer relevanten 

zentralnervösen Beeinträchtigung zum Zeitpunkt der Blutentnahme ausgegangen 

werden. (act. B 3/13.5, S. 2 und 4). 

 

 

 Unklarer / bestrittener Sachverhalt 

 Über folgende Gegebenheiten herrscht keine Klarheit resp. sie werden bestritten: 

 

- ob der Beschuldigte das Messer mit Blick auf das Treffen bewusst eingesteckt hat 

oder ob er es ohne Absicht einsteckte und später zufällig darauf gestossen ist, als er 

in seine Jackentasche gegriffen hat; 

- wie der finale Kontakt zwischen G___ und A___ abgelaufen ist, d.h. ob überhaupt 

und allenfalls wie der Erstere den Letzteren gepackt und/oder gewürgt hat und falls 

ja, wie intensiv die Berührung gewesen ist, wie lange sie gedauert und ob sie über 

den Kleidern/der Jacke oder auf der blossen Haut stattgefunden hat; 

 

Seite 26 

- ob resp. wie die Jacke, welche zwei Verschlusssysteme aufweist (Reissverschluss 

und Knöpfe), geschlossen gewesen ist, d.h. ist nur der Reissverschluss 

geschlossen oder ist sie auch zugeknöpft gewesen. 

 

 Aus den oben geschilderten Umständen ergibt sich für das Obergericht  was folgt: 

 
- Für  den Umstand, dass G___ den Beschuldigten gewürgt  hat, spricht einzig 

dessen eigene Aussage. Der Beweiswert der eigenen Aussage ist allerdings nicht 

besonders hoch, da eine beschuldigte Person nicht verpflichtet ist, aktiv an ihrer 

eigenen Überführung mitzuwirken (nemo tenetur se ipsum accusare)15. 

 

- Den teils unterschiedlichen Aussagen des Beschuldigten misst das Obergericht  

nicht dieselbe Bedeutung zu wie die Vorinstanz (act. B 2 E. 2.3.9, S. 21) resp. 

wertet diese als neutral. Wie die Verteidigung ausführte, sind diese nämlich - 

zumindest was das Kerngeschehen betrifft - relativ konstant (vgl. obige Auflistung). 

Die Abweichungen betreffen in erster Linie Details und sind vor dem Hintergrund der 

Fremdsprachigkeit des Beschuldigten, der teils langen Zeiträume zwischen den 

Einvernahmen sowie der damit verbundenen Emotionen erklärbar. 

 

- Weiter hielt die Vorinstanz fest (act. B 2 E. 2.3.9, S. 22), es gebe keine Erklärung 

dafür, wie ein Blutfleck, der - ausschliesslich - DNA-Spuren des Opfers enthalte, auf 

die Innenseite des Kragens der Jacke des Beschuldigten gelangen konnte, wenn 

diese (angeblich) bis oben geschlossen war. Diese Tatsache lasse darauf 

schliessen, dass die Jacke offen getragen worden sei. Folglich sei die Erklärung des 

Beschuldigten, wegen des Jackenkragens seien keine Würgemale vorhanden, nicht 

glaubhaft; ebenso wenig der angebliche Würgevorgang. 

Die Verteidigung bringt nun vor (act. B 25, S. 8), der Blutfleck Nr. 1 auf Seite 9 der 

Fotodokumentation (act. B3/13.3) befinde sich gar nicht auf der Krageninnenseite, 

sondern noch aussen in der Nähe des Reissverschlusses. Es sei also sehr wohl 

möglich, dass der Blutfleck trotz vollständig geschlossener Jacke an diese Stelle 

habe gelangen können. Der im IRM-Gutachten als Nr. 1 bezeichnete Blutfleck an 

der Jacke des Beschuldigten und der Umstand einer beim Würgevorgang 

vollständig geschlossenen Jacke würden sich gegenseitig also nicht ausschliessen.

  

Aus der Fotodokumentation geht hervor, dass es sich bei der vom Beschuldigten 

getragenen Jacke um ein Modell mit zwei Verschlusssystemen handelt (act. B 

3/Beilage zu 13.3, S. 1): Diese verfügt sowohl über einen Reissverschluss als auch 

                                                
15 WOLFGANG WOHLERS, a.a.O., N. 3 zu Art. 10 StPO. 

 

Seite 27 

über Druckknöpfe, wobei sich die Letzteren weiter aussen als der Reissverschluss 

befinden. Der Fleck Nr. 1 befindet sich links vom Reissverschluss auf der Innenseite 

des Stoffteils, welcher den Reissverschluss überlappt und mittels Druckknöpfen 

verschlossen wird (S. 4 und 9).  

Somit ist es denkbar, dass der Blutfleck Nr. 1 trotz geschlossenem Reissverschluss 

an die besagte Stelle gelangen konnte. Daraus folgt wiederum, dass zugunsten des 

Beschuldigten von dessen Darstellung, die Jacke sei während dem 

Aufeinandertreffen mit G___ geschlossen gewesen, auszugehen ist (in dubio pro 

reo, Art. 10 Abs. 3 StPO). 

 

- Gegen  die Darstellung  der Geschehnisse  durch den Beschuldigten  fallen 

folgende Momente ins Gewicht: 

- Zunächst haben weder C2___ (act. B 3/11, S. 3 und 5) noch J___ (act. B 3/12, S. 

3) beobachtet, dass G___ A___ gepackt oder gewürgt hat. Gemäss diesen 

beiden soll das spätere Opfer im Gegenteil versucht haben, den Beschuldigten 

zu beruhigen (act. B 3/11, S. 3; act. B 3/12, S. 3).  

 

- Wie das Kantonsgericht zu Recht hervorhebt (act. B 2 E. 2.3.9, S. 24), ist A___ 

sich im Zeitpunkt des angeblichen Würgevorganges gemäss eigenen Aussagen 

keineswegs sicher, was um ihn herum passiert bzw. ob C2___ tatsächlich hinter 

ihm gewesen ist, denn er hat diesen aus den Augen verloren (act. B 3/22, S. 2, 

act. B 3/69, S. 5). Erhärtet wird dieser Umstand durch die Aussage von C2___, 

der anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten aussagt, 

dass er mit H___ am Kämpfen gewesen sei, als sein Vater niedergestochen 

worden sei (act. B 3/12, S. 2). Dies wird durch die Aussage von J___ bestätigt 

(act. B 3/12, S 4).  

 

- Der Beschuldigte macht geltend, er sei von G___ so stark gewürgt worden, dass 

er keine Luft mehr bekommen habe und in Panik geraten sei (act. B 3/7.3, S. 7 f.; 

B 3/7.2, S. 4; act. B 3/22, S. 2; act. B 3/69, S. 5), ihm sei „schwarz vor Augen“ 

geworden und er habe beinahe das Bewusstsein verloren (B 3/7.1, S. 3 und 6; 

act. B 3/22, S. 2; act. B 3/69, S. 5). Einen Tag nach der Tat klagt er über 

Schmerzen im Hals (act. B 3/7.3, S. 12). Nach dem Gutachten des IRM über die 

Untersuchung von A___ finden sich bei diesem weder Verletzungen an der 

Halshaut noch objektive Befunde, die eine Durchblutungsstörung des Gehirns 

infolge einer Kompression der Blutgefässe am Hals und somit eine konkrete 

Lebensgefahr belegen können (act. B 3/13.5, S. 3). Vor diesem Hintergrund 

erachtete das Kantonsgericht die Aussagen des Beschuldigten als nicht 

 

Seite 28 

nachvollziehbar und führte aus, wenn ein Mensch derart gewürgt werde, dass die 

Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterbrochen werde und er einen Tag später noch 

über Schmerzen klage, lägen im Normalfall entsprechende Hinweise vor (act. B 2 

E. 2.3.9, S. 22).  

Anlässlich der Berufungsverhandlung wendet die Verteidigung ein, der 

Beschuldigte habe nie geltend gemacht, durch das Würgen in Lebensgefahr 

geraten zu sein. Er habe lediglich ausgesagt, es sei ihm zeitweilen „schwarz vor 

Augen“ geworden und er habe fast das Bewusstsein verloren. Es sei ohne 

weiteres nachvollziehbar, dass A___ aufgrund seiner bekannten 

gesundheitlichen Probleme den Würgevorgang intensiver wahrgenommen habe 

und dieser auf ihn grössere Auswirkungen gehabt habe als bei einer x-beliebigen 

anderen Person (act. B 25, S. 8 f.).  

Nach Auffassung des Obergerichts überzeugt die Schlussfolgerung der 

Vorinstanz (act. B 2 E. 2.3.9, S. 22 ff.) und es kann daher vollumfänglich auf 

deren zutreffende Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO)16. 

Ergänzend ist anzufügen, dass nebst den fehlenden objektiven Befunden wie 

Verletzungen der Halshaut, Druckspuren, Durchblutungsstörungen etc., welche 

gegen das angebliche Würgen sprechen, weitere Momente Zweifel an der 

Darstellung des Beschuldigten wecken. So ist der Beschuldigte gemäss eigenen 

Angaben während des Würgevorganges in der Lage gewesen, in die 

Jackentasche zu greifen und nach dem Handy zu suchen bzw. das sich dort 

befindliche Messer hervorzuholen (act. B 3/7.3, S. 7 f.; B 3/22, S. 2; B 3/69, S. 5). 

Der Bericht des Institutes für Rechtsmedizin bestätigt indessen, dass eine 

ungenügende Blutzufuhr des Gehirns zu einer Einschränkung der Körper- und 

Hirnfunktionen führt, welche zu Bewusstseinsstörungen führen können. Wer 

(beinahe) das Bewusstsein verliert, kann sich vielleicht unter Umständen mit 

Mühe auf den Beinen halten, dürfte jedoch kaum in der Lage sein, ein Messer 

aus der Jackentasche zu ziehen und dieses - gemäss Obduktionsbericht (act. B 

3/13.5, S. 3) - mit grosser Wucht in den Körper einer anderen Person zu 

rammen.  

Die Ausführungen der Verteidigung bestätigen letztlich selbst, dass der 

angebliche Würgevorgang keine reelle Gefahr für den Beschuldigten darstellte, 

sondern von diesem höchstens als solche empfunden wurde (darauf ist unten E. 

4.3 unter dem Stichwort Putativnotwehr zurückzukommen).  

 

                                                
16 BGE 119 II 478 E. 1 lit. d; Urteil Bundesgericht 4A_538/2013 vom 19. März 2014 E. 3.1. 

 

Seite 29 

- Zu Recht hat die Vorinstanz in den Aussagen von A___ insofern einen 

Widerspruch erkannt (act. B 2 E. 2.3.9, S. 23), indem er einerseits erklärt, er 

habe wegen den Schmerzen nicht viel Kraft (act. B 3/7.3; S. 8, B 3/7.2, S. 4 f.; B 

3/22, S. 2; B 3/69, S. 4) und andererseits vorbringt, während des 

Würgevorganges habe er eine grosse Kraft erhalten, weshalb es ihm möglich 

gewesen sei, das Messer mit grosser Wucht in das Herz von G___ zu stossen 

(act. B 3/69, S. 9). Die Vorbringen der Verteidigung (act. B 25, S. 10), nämlich 

Täter und Opfer seien in steter Bewegung und das Würgen nicht immer gleich 

intensiv gewesen sowie in Todesangst, sei ein Mensch in der Lage, ungeglaubte 

Kräfte zu mobilisieren, überzeugen demgegenüber nicht. Wenn das angebliche 

Würgen zeitweise so wenig intensiv gewesen ist, dass A___ währenddessen 

seine Jackentaschen nach einem Instrument zur Verteidigung absuchen konnte 

(act. B 25, S. 10), spricht das per se gerade gegen das Vorliegen einer echten 

Gefahrenlage. Dass ein Mensch in Todesangst grosse Kräfte aktivieren kann, 

mag bei einer gesunden Person zutreffen. Mit Bezug auf die Situation, in der der 

herzkranke Beschuldigten sich befand (act. B 3/7.2, S. 4; B 27, S. 6), erscheint 

dies dem Obergericht jedoch wenig glaubwürdig, da dieser eigenen Aussagen 

zufolge nicht einmal einen Kugelschreiber längere Zeit halten kann (act. B 3/7.2, 

S. 5). 

 

- Die fehlenden Hinweise auf den Würgevorgang erklärt der Beschuldigte damit, 

dass er eine Jacke mit Kragen getragen habe. Die Hände von G___ seien über 

dem Kragen gewesen (act. B 3/7.1, S. 6). Das Kantonsgericht schliesst aus dem 

Umstand, dass sich am Kragen der Jacke von A___ keine DNA-Spuren des 

späteren Opfers befinden und die Jacke gut gefüttert ist (act. B 3/13.2, S. 8), es 

sei nicht nachvollziehbar, dass G___ den Beschuldigten über dem bis oben 

geschlossenen, gepolsterten Jackenkragen derart gewürgt habe, dass dieser in 

Atemnot geraten sei und beinahe das Bewusstsein verloren habe. Und dies alles, 

ohne am Hals oder am Jackenkragen DNA-Spuren zu hinterlassen (act. B 2 E. 

2.3.9, S. 22).  

In diesem Zusammenhang wendet die Verteidigung ein (act. B 25, S. 9), gemäss 

dem Zusatzgutachten könne aufgrund des fehlenden Nachweises von DNA des 

Opfers keine Aussage dazu gemacht werden, ob ein Würgen stattgefunden habe 

oder nicht und es werde sogar gutachterlich bestätigt, dass der geltend 

gemachte Würgevorgang gerade nicht ausgeschlossen werden könne.  

Diese Interpretation ist nach Auffassung des Obergerichts nur bedingt richtig. 

Wie die Staatsanwaltschaft zu Recht erwähnt (act. B 26, S. 2), kann aufgrund 

des Zusatzgutachtens vom 24. Juli 2017 zumindest ausgeschlossen werden, 

 

Seite 30 

dass A___ über dem am Hals geschlossenen Kragen mit hohem Druck über 

längere Zeit gewürgt worden ist, da bei einem längeren, intensiven Kontakt 

genügend DNA für die Erstellung eines DNA-Profils hätte übertragen werden 

müssen (act. B 3/12, S. 2). Korrekt ist einzig, dass aufgrund des fehlenden 

Nachweises von DNA am Kragen der Jacke des Beschuldigten  ein Würgen nicht 

generell ausgeschlossen werden kann.  

 

- Der Vorinstanz ist auch beizupflichten (act. B 2 E. 2.3.9, S. 23), dass die 

Behauptung von A___, er habe G___ mit dem Handy schlagen wollen, um sich 

aus dem Würgegriff zu befreien, nicht glaubwürdig ist. Umso mehr als die 

Abwehr eines Angriffes mit einem Handy, das 132 g wiegt, - entgegen den 

Vorbringen der Verteidigung (act. B 25, S. 10 f.) - nicht wirklich 

erfolgversprechend ist. Fraglich ist, ob der Beschuldigte wusste, dass er ein 

Messer eingesteckt hatte und gezielt nach diesem gegriffen hat oder ob er beim 

Gerangel mit G___ das Messer, das er nach dem Telefonanruf seines Sohnes 

eingesteckt hatte, zufälligerweise in die Hand bekam. Die erste Aussage des 

Beschuldigten spricht dafür, dass er das Messer bewusst aus der Tasche 

gezogen hat (act. B 3/7.4, S. 2). In den späteren Einvernahmen erklärte er dann, 

er habe das Messer nur zufällig in die Hand bekommen (act. B 3/7.3, S. 7 f.; B 

3/22, S. 2; B 3/69, S. 5). Wie es sich damit genau verhält, kann indessen 

offenbleiben. Fakt ist, dass A___ das Messer bewusst gegen G___ einsetzte 

(act. B 3/7.4, S. 2; B 3/7.3, S. 8; B 3/69, S. 5).  

 

- Der Beschuldigte sagt weiter aus, dass er das Messer hervorgezogen und G___ 

damit gedroht habe. Er habe ihm damit nur Angst machen wollen (act. B 3/7.4, S. 

3). Dieser habe das Handgelenk der messerführenden Hand gepackt. Dabei 

habe er, der Beschuldigte, sich am Kinn verletzt (act. B 3/7.3, S. 8; B 3/7.2, S. 4; 

B 3/7.1, S. 3). Er habe zugestochen, weil er keine anderen Möglichkeiten mehr 

gesehen habe, sein Leben zu retten (act. B 3/7.1, S. 6). In der 

Schlusseinvernahme und anlässlich der Hauptverhandlung vor dem 

Kantonsgericht erklärt der Beschuldigte dann, er habe Angst bekommen, dass 

G___ ihm das Messer an den Hals setzen würde (act. B 3/22, S. 3 f.; B 3/69, S. 

5). Er wisse, dass ein Stich in die Bauch- oder Brustgegend einen Menschen 

töten könne (act. B 3/69, S. 3). Er habe nur gewollt, dass es aufhöre (act. B 

3/7.3, S. 8).  

Die Vorinstanz erachtet diese Aussagen mangels Hinweisen, dass G___ den 

Beschuldigten habe töten wollen, als nicht nachvollziehbar. Umso mehr als A___ 

gemäss eigenen Aussagen mit der Familie C___ keine Probleme und zum Opfer 

 

Seite 31 

ein fast freundschaftliches Verhältnis gehabt habe. J___ und C2___ hätten in 

den Konfrontationseinvernahmen ausgesagt, dass G___ versucht habe, zu 

schlichten und die Situation zu beruhigen. Vom Opfer sei der Beschuldigte auch 

nicht provoziert worden (act. B 2 E. 2.3.9, S. 24). Es sei daher absolut 

unverständlich und unglaubwürdig, wieso G___ A___ hätte würgen sollen (act. B 

2 E. 2.3.9, S. 24 f.). 

 Der Verteidiger des Beschuldigten hält diese Umstände für die Beurteilung des 

Kerngeschehens und des massgeblichen Sachverhalts nicht für relevant. Es 

spiele keine Rolle, ob G___ A___ habe töten wollen. Dies sei vom Beschuldigten 

in der fraglichen Situation einfach so wahrgenommen worden. Ebenso wenig sei 

es entscheidend, wieso das spätere Opfer den Beschuldigten gewürgt habe; 

entscheidend sei einzig, dass A___ gewürgt worden sei (act. B 25, S. 12).  

 Für das Obergericht sind die Ausführungen des Kantonsgerichts durchaus 

plausibel und geeignet, den angeblichen Angriff des späteren Opfers auf den 

Beschuldigten als Schutzbehauptung bzw. Rechtfertigung für dessen Angriff mit 

dem Messer zu entlarven. Was die Verteidigung dagegen vorbringt, ist aus ihrer 

Sichtweise zwar richtig, dabei setzt sie sich aber nicht mit dem Aussageverhalten 

des Beschuldigten und den darauf aufbauenden Erwägungen der Vorinstanz 

auseinander.  

 

- Die Frage, ob der Beschuldigte gemäss der Vorinstanz gezielt in die Brust von 

G___ gestochen hat (act. B 2 E. 2.3.9, S. 25), oder ob dieser den Bauch treffen 

wollte, wie er in der Untersuchung angab (act. B 3/7.3, S. 8; B 3/69, S. 9), spielt 

aufgrund der Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. E. 3.2 unten) keine Rolle 

und kann somit offen gelassen werden.  

 

- Das Kantonsgericht hat erwogen (act. B 2 E. 2.3.9, S. 25 f.), der Beschuldigte 

und G___ seien sich gegenübergestanden. Sofern der Beschuldigte tatsächlich 

gewürgt worden sei, stelle sich die Frage nach dem Vorliegen einer 

Notwehrsituation. A___ habe in allen Einvernahmen erwähnt, G___ habe das 

Messer zuerst zurückgestossen, wobei er am Kinn verletzt worden sei, was auch 

durch den Kriminaltechnischen Dienst belegt sei. Die Messerhand hätte nicht 

weggedrängt werden können, wenn beide Hände am Hals des Opfers geblieben 

wären. Die Hand von G___ habe den Griff demzufolge lösen müssen. Aufgrund 

dieser Lockerung hätte es dem Beschuldigten möglich sein müssen, sich ganz zu 

befreien. Es sei nämlich nicht vorstellbar, mit nur einer Hand den Hals über dem 

dicken Jackenkragen des Beschuldigten weiter zu würgen, falls je gewürgt 

worden sei. Dazu habe A___ angegeben, G___ habe sogleich wieder mit beiden 

 

Seite 32 

Händen zugepackt und er habe nicht gewusst, wo sich C2___ befinde. Diese 

Erklärung sei nicht plausibel. Das Ziel des Beschuldigten, nämlich dass der Griff 

sich löse, sei in dem Moment erreicht worden, als G___ den Arm des 

Beschuldigten weggedrückt habe. In diesem Zeitpunkt könne er nicht mehr 

gewürgt worden sein. Zudem habe das spätere Opfer nun gewusst, dass der 

Beschuldigte ein Messer habe und damit auch zusteche. Es wäre widersinnig 

gewesen, wenn er in dieser Situation den Würgevorgang mit beiden Händen 

wieder aufgenommen hätte, denn dann hätte er die Messerhand von A___ nicht 

mehr abwehren können. Er hätte sich also schutzlos dem zu erwartenden 

nächsten Messerangriff ausgesetzt. Es sei viel wahrscheinlicher, dass G___, der 

grösser und stärker als der Beschuldigte gewesen sei, versucht habe, sich der 

Waffe zu bemächtigen und der Beschuldigte sofort wieder zugestochen habe, 

ohne G___ Gelegenheit zur Abwehr zu geben. Falls durch das Würgen 

überhaupt je eine Notwehrsituation bestanden habe, so sei sie in jenem Moment 

beendet gewesen, als G___ die Messerhand abgewehrt habe. Die 

Notwehrsituation wäre nachvollziehbar gewesen, wenn der Beschuldigte die 

Geschichte so dargestellt hätte, dass es zu einem Kampf um das Messer 

gekommen sei. Seine Darstellung lasse sowohl seine Aktion wie diejenige von 

G___ völlig absurd erscheinen.  

Dem hält die Verteidigung entgegen, es sei sehr wohl möglich, nur mit einer 

Hand zu würgen (act. B 25, S. 12 f.). Zumindest sei es möglich, den 

Angegriffenen mit einer Hand an der Flucht zu hindern, bevor der Würgevorgang 

mit beiden Händen fortgesetzt werde. Genau dies habe der Beschuldigte 

vorgebracht. Ob dies gemäss der Vorinstanz widersinnig gewesen sei, weil G___ 

sich dadurch schutzlos einem nächsten Messerangriff ausgesetzt hätte, sei nicht 

relevant, umso mehr als beide Beteiligten sich in dieser Stresssituation nicht 

zwingend rational verhalten hätten. Es sei auf jeden Fall denkbar, dass der 

begonnene Angriff nach der ersten Abwehr der Messerhand fortgesetzt worden 

sei. Weil das Würgen mit einer Hand nur kurz gedauert habe, habe A___ diesen 

Moment nicht zur Flucht nutzen können und die Notwehrsituation sei nicht 

aufgehoben gewesen.  

Das Obergericht erachtet die Würdigung der geschilderten Ereignisse durch die 

Vorinstanz als zutreffend und kann sich dieser vollumfänglich anschliessen (Art. 

82 Abs. 4 StPO)17. Ergänzend ist anzufügen, dass A___ zu Protokoll gegeben 

hat, er habe G___ mehrfach (act. B 3/7.1, S. 3), sowohl vor dem Wegdrücken der 

Messerhand (act. B 3/7.3, S. 8; act. B 3/7.2, S. 4; act. B 3/22, S. 2; act. B 3/69, S. 

                                                
17 BGE 119 II 478 E. 1 lit. d; Urteil Bundesgericht 4A_538/2013 vom 19. März 2014 E. 3.1. 

 

Seite 33 

5) als auch danach (act. B 3/7.2, S. 4), auf das Messer aufmerksam gemacht und 

ihm gesagt , er solle aufhören . Nach Auffassung des Obergerichts sind die 

beiden Schilderungen, nämlich jemandem verbal  mit einem Messer zu drohen 

und gleichzeitig gewürgt zu werden, nicht mit einander vereinbar. Diese belegen 

vielmehr, dass die Notwehrsituation - falls sie je bestanden hat - mit der Abwehr 

der Messerhand durch G___ beendet war. In diesem Moment hätten dem 

Beschuldigten andere Möglichkeiten als zuzustechen offen gestanden, um sich 

der Situation zu entziehen. Er hätte zum Beispiel in einen anderen Körperteil von 

G___, zum Beispiel den Oberschenkel, stechen oder weglaufen können.  

 

- Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die nicht verwertbaren 

Aussagen nichts enthalten, was den Beschuldigten entlasten könnte, also seine 

Darstellung des Ablaufs bestätigen würde.  

 

2.3.14 Fazit 

 In Würdigung sämtlicher Umstände hält das Obergericht es nicht für erstellt, dass A___ 

von G___ tatsächlich gewürgt worden ist. Aber selbst wenn man auf die Darstellung des 

Beschuldigten abstellen und diese als wahrhaftig betrachten würde, bestehen nach dem 

Obergericht keine Zweifel, dass das behauptete Würgen spätestens im Zeitpunkt, als 

G___ die Messerhand abwehrte, beendet war. Unstreitig hat der Beschuldigte erst 

danach mit dem mitgebrachten Messer in das Herz von G___ gestochen.  

 

 

3. Vorsätzliche Tötung - Rechtliches 

 

3.1 Objektiver Tatbestand 

Täter nach Art. 111 StGB kann jeder Mensch sein18, der einen anderen lebenden 

Menschen tötet19. Die Tathandlung besteht in der Verursachung des Todes eines 

lebenden Menschen. Der Täter kann dabei beliebige Tatmittel einsetzen. Der Erfolg 

kann durch physische oder psychische Einwirkung auf das Opfer eintreten20. Mit dem 

Eintritt des Todes ist die vorsätzliche Tötung vollendet21. 

 

Der Beschuldigte zog das Messer aus der rechten Jackentasche als er G___ 

gegenüberstand. Er stach G___ mit dem Messer in die linke Brustkorbvorderseite. 

                                                
18  CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auf. 2013, N. 2 zu Art. 111 StGB. 
19  CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, a.a.O., N 2 vor Art. 111 StGB. 
20  CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, a.a.O., N. 4 zu Art. 111 StGB.. 
21  CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, a.a.O., N. 5 zu Art. 111 StGB. 

 

Seite 34 

Dabei wurde die linke Herzkammerwand durchstochen. G___ erlag dieser Verletzung. 

Der objektive Tatbestand ist somit erfüllt. 

 

3.2 Subjektiver Tatbestand 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 

ausführt. Wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt, handelt 

bereits vorsätzlich (Art. 12 Abs. 1 StGB). Der Vorsatz muss sich einzig auf die 

Herbeiführung des Todes beziehen. Gemäss Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB ist 

Eventualvorsatz ausreichend22. Eventualvorsatz liegt vor, wenn der Täter den Eintritt 

des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für ernsthaft möglich hält, aber 

dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts billigt, sich mit ihm 

abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein23. Während der bewusst fahrlässig 

handelnde Täter (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf vertraut, dass der von 

ihm als möglich vorausgesehene Erfolgt nicht eintreten wird, nimmt der 

eventualvorsätzlich handelnde Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs 

ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab. Wer den Erfolg dergestalt in Kauf 

nimmt, „will“ ihn im Sinne von Art. 18 Abs. 2 aStGB24. Für den Nachweis des 

Vorsatzes kann sich das Gericht auf das Geständnis des Täters oder auf äusserlich 

feststellbare Indizien und Erfahrungsregeln stützen, die Rückschlüsse von den 

äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den 

äusseren Umständen zählen auch die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der 

Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser 

dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf 

gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen25. 

Das Geschworenengericht des Kantons Zürich entschied, dass eine Person, die mit 

einem Fleischmesser mit einer 14 cm langen Klinge auf Brusthöhe in die linke 

Körperseite stösst, töten möchte und sich des Erfolges bewusst ist26. In ähnlicher 

Weise entschied das Bundesgericht. Es vertritt die Ansicht, dass das Risiko der 

Tatbestandsverwirklichung, d.h. des Todes des Opfers, als hoch einzustufen sei, 

wenn der Täter einem Menschen mit einem Messer in den Oberkörper sticht. Es sei 

allgemein bekannt, dass sich bei Messerstichen in die Brust das Risiko tödlicher 

Verletzungen als so wahrscheinlich aufdrängen muss, dass das Handeln des Täters 

                                                
22  CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, a.a.O., N. 7 zu Art. 111 StGB. 
23 ANDREAS DONATSCH, Kommentar StGB, Andreas Donatsch [Hrsg.], 20. Aufl. 2018, N. 10 zu Art. 12 

StGB mit weiteren Hinweisen. 
24  BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 16 mit Hinweisen. 
25  Urteil des Bundesgerichts 6B_239/2009 vom 13.07.2009, E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 

6B_289/2008, vom 17.7.2008, E. 5.3; BGE 134 IV 26, E. 3.2.2; BGE 131 IV 1, E. 2.2. 
26  Urteil des Geschworenengerichts des Kantons ZH vom 16.12.1994, in: ZR 96/1997, S. 190. 

 

Seite 35 

als Inkaufnahme dieses Erfolges ausgelegt werden muss27. Es bedürfe keiner 

besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass Messerstiche in Brust oder Bauch 

eines Menschen tödliche Folgen haben können28. 

 

Ein direkter Vorsatz ist nicht angeklagt. Der Beschuldigte bestritt stets, dass er G___ 

töten wollte. Damit bleibt zu prüfen, ob er eventualvorsätzlich handelte. Eigenen 

Aussagen zufolge war ihm bewusst, dass ein Stich in den Bauch oder die Brust 

gefährlich ist (act. B 3/69, S. 10). Er nahm somit in Kauf, das Opfer mit dem 

Messerstich in den Bauch- resp. Brustbereich zu töten. Der subjektive Tatbestand ist 

zufolge Vorliegens von Eventualvorsatz erfüllt und der Beschuldigte ist der 

vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB schuldig zu sprechen. 

 

 

4.1 Notwehr 

Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der 

Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen 

angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Notwehrexzess führt zur 

Strafmilderung nach freiem Ermessen des Gerichts (Art. 16 Abs. 1 StGB). Es wird nur der 

intensive, quantitative Exzess erfasst. Dieser liegt vor, wenn der Täter die durch den 

Grundsatz der Verhältnismässigkeit gezogenen Grenzen überschreitet. Handelt der Täter 

ausserhalb der Notwehrsituation, zum Beispiel bevor eine unmittelbare Bedrohung 

vorliegt, kennt das Gesetz keine Strafmilderung29. Notwehr ist nur solange zulässig, wie 

der Angriff andauert. Das ist auch dann der Fall, wenn zusätzlich zur bisherigen eine 

weitere oder gesteigerte Gefährdung bzw. Verletzung unmittelbar bevorsteht oder im 

Gange ist. Abgeschlossen ist der Angriff erst, wenn das Delikt beendet ist30.  

 

Die Abwehr gegen einen Angriff muss angemessen sein. Die Angemessenheit beurteilt 

sich dabei unter Berücksichtigung derjenigen Situation, in welcher sich der rechtswidrig 

Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befunden hat, sowie der Schwere des Angriffs, der 

durch Angriff und Abwehr bedrohten Rechtsgüter wie auch der Art des Abwehrmittels und 

                                                
27  Urteil des Bundesgerichts 6B_527/2010 vom 30.09.2010, E. 4.2; ähnlich: Urteil des Bundesgerichts 

6B_230/2012 vom 18.09.2012 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_239/2009 vom 13.07.2009, E. 
2.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_289/2008, vom 17.7.2008, E. 5.4. 

28  Urteil des Bundesgerichts 6B_177/2011 vom 5.8.2011, E. 2.10; BGE 109 IV 5 E. 2.  
29  Urteil des Bundesgerichts 6B_454/2015 vom 26.11.2015, E. 3; Urteil des Bundesgerichts 

6B_810/2011 und 6B_811/2011, vom 30.08.2012; E. 3; TRECHSEL/GETH, Praxiskommentar StGB, 
3. Aufl. 2018, Art. 16 N 1 m.w.H. 

30 ANDREAS DONATSCH, Kommentar StGB, Andreas Donatsch [Hrsg.], 20. Aufl. 2018, N. 3 zu Art. 15 
StGB mit weiteren Hinweisen. 

 

Seite 36 

dessen tatsächlicher Reaktion31. Das Bundesgericht hielt fest, dass beim Einsatz eines 

Messers zur Abwehr eines Angriffes gegen die körperliche Integrität besondere 

Zurückhaltung geboten sei. Der Einsatz eines Messers sei das letzte Mittel der 

Verteidigung. Doch könne er im Einzelfall, etwa in Anbetracht der Art und Weise des 

Angriffs, der zahlenmässigen Überlegenheit der Angreifer und des Risikos, im Laufe der 

Auseinandersetzung schwere Körperverletzungen davonzutragen, angemessen sein32.  

 

Gemäss der Vorinstanz (act. B 2 E. 2.6, S. 28 f.) liegen keine Hinweise vor, dass der 

Beschuldigte von G___ hätte getötet werden sollen oder anderweitig bedroht worden ist. 

Mangels Vorliegen einer Bedrohung oder eines Angriffs sei keine Notwehrsituation 

gegeben. Folglich habe der Beschuldigte ausserhalb der Notwehrsituation gehandelt und 

die Strafe könne nicht gemildert werden. Würde angenommen, der Beschuldigte wäre 

einem Angriff von G___ ausgesetzt gewesen, müsste die Angemessenheit der 

Abwehrhandlung untersucht werden. Der Beschuldigte habe das Messer aus der 

Jackentasche gezogen und dieses mit grosser Wucht in die Brust des Opfers gerammt, 

nachdem er dieses mit dem Messer bedroht hatte. Eine solche Abwehr sei nicht mehr 

angemessen, hätte der Beschuldigte den Angriff doch milder abwehren können, in dem er 

G___ in den Arm oder in den Oberschenkel hätte stechen können. Der Beschuldigte hätte 

sich bereits mit einer solchen Handlung aus der angeblichen Würgehandlung befreien und 

weglaufen können. Das Vorliegen eines Notwehrexzesses wäre auch in diesem Fall zu 

verneinen. 

 

 Diesen Ausführungen kann das Obergericht sich vollumfänglich anschliessen und es kann 

somit grundsätzlich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO)33. Ergänzend ist anzufügen, dass die Abwehr nur gegen den 

Angreifer zulässig ist; im Verhältnis zu einem unbeteiligten Dritten kann höchstens 

Notstand vorliegen34. Ein vermeintlicher Angriff durch C2___ hätte den Beschuldigten also 

nicht zur Notwehrhandlung gegenüber G___ berechtigt.  

 

 

4.2 Putativnotwehr 

                                                
31  Urteil des Bundesgerichts 6B_527/2010 vom 30.09.2010, E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_289/2008, vom 17.07.2008, E. 7.3. 
32  BGE 136 IV 49, E. 3; Urteil des Bundesgerichts 6B_810/2011 und 6B_811/2011 vom 30.08.2012, 

E. 3. 
33 BGE 119 II 478 E. 1 lit. d; Urteil Bundesgericht 4A_538/2013 vom 19. März 2014 E. 3.1. 
34 ANDREAS DONATSCH, Kommentar StGB, Andreas Donatsch [Hrsg.], 20. Aufl. 2018, N. 8 zu Art. 15 

StGB mit weiteren Hinweisen. 

 

Seite 37 

 Der Beschuldigte hat zum einen angegeben, er habe C2___ während der 

Auseinandersetzung mit G___ aus den Augen verloren und Angst gehabt, dieser greife 

ihn von hinten an (act. B 3/22, S. 2 und B 3/69, S. 5). Zum andern hat der Verteidiger 

vorgebracht (act. B 25, S. 8 f.), der Beschuldigte habe nie geltend gemacht, durch das 

Würgen in Lebensgefahr geraten zu sein. Aufgrund seiner Krankheit sei nachvollziehbar, 

dass er den Würgevorgang intensiver wahrgenommen habe als eine gesunde Person und 

entsprechend auch die Auswirkungen grösser gewesen seien. Der Beschuldigte hat 

mehrfach geäussert, er habe Panik gehabt und einfach versucht, sein Leben zu retten 

(act. B 3/7.1, S. 6; B 3/7.3,S. 8).  

 

 Hier stellt sich für das Obergericht die Frage, ob A___ allenfalls in Putativnotwehr 

gehandelt. hat.  

 

 Putativnotwehr liegt vor, wenn der Täter über das Vorliegen eines rechtswidrigen 

Angriffes irrt; der Irrtum hierüber ist nach Art. 13 StGB, d.h. den Sachverhaltsirrtum, zu 

beurteilen. Die blosse Vorstellung von der Möglichkeit eines Angriffs genügt für die 

Annahme von Putativnotwehr allerdings nicht35. 

 

 Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so beurteilt das 

Gericht die Tat nach Art. 13 Abs. 1 StGB zu Gunsten des Täters nach dem Sachverhalt, 

den sich der Täter vorgestellt hat. Wie oben (E. 4.1) erwähnt, ist die Abwehr  nur gegen 

den Angreifer zulässig . Selbst wenn man also davon ausgehen würde, dass C2___ 

A___ angreifen wollte bzw. im Begriffe war, dies zu tun, würde das den Letzteren nicht zu 

einer Abwehrhandlung gegenüber G___ berechtigen.  

 

 Wenn man entgegen der primären Auffassung des Obergerichts davon ausgeht, dass 

G___ A___ gewürgt hat (E. 2.3.13 und 2.3.14), war die Notwehrsituation beendet, als 

G___ den Beschuldigten einseitig losliess und dessen Messerhand abwehrte. Beim 

Vorbringen, dass G___ ihm anschliessend das Messer an den Hals setzen würde 

(Aussagen Beschuldigter in der Einvernahme vom 11. Dezember 2015, act. B 3/22, S 2 f. 

und an Schranken vor dem Kantonsgericht, act. B 3/69, S. 5 und 9) handelt es sich um 

eine blosse Vorstellung von der Möglichkeit eines weiteren Angriffs, was für die Annahme 

von Putativnotwehr nicht genügt36. 

 

 Mithin liegt auch keine Putativnotwehr vor.  

                                                
35 ANDREAS DONATSCH, Kommentar StGB, Andreas Donatsch [Hrsg.], 20. Aufl. 2018, N. 6 zu Art. 15 

StGB mit weiteren Hinweisen. 
36 Urteil Bundesgericht 6B_663/2016 vom 26. September 2016 E. 2.4. 

 

Seite 38 

 

4.3 Totschlag 

 Die Verteidigung hat die rechtliche Qualifikation des Handelns des Beschuldigten als 

vorsätzliche Tötung nicht beanstandet (act. B 25, S. 15). Auch das Obergericht hat den 

Ausführungen der Vorinstanz zum Tatbestand des Totschlags (act. B 2 E. 3, S. 29 f.) 

nichts hinzuzufügen; auf diese kann somit vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 

4 StPO)37. 

 

4.4 Fazit 

 A___ ist schuldig der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB. Notwehr, 

Putativnotwehr oder Totschlag liegen nicht vor.  

 

 

5. Strafzumessung 

 

5.1 Erwägungen der Vorinstanz 

 Das Kantonsgericht ist von einem mittelschweren Verschulden ausgegangen. Die 

Strafempfindlichkeit hat es als neutral bewertet und berücksichtigt, dass die Tat 

eventualvorsätzlich begangen wurde. Weiter hat es dem Beschuldigten Einsicht und Reue 

attestiert und dem Geständnis - allerdings nur leicht - Rechnung getragen; dies mit der 

Begründung, dass das Geständnis die Strafuntersuchung nicht massgeblich erleichtert 

habe. Die Einsatzstrafe hat die Vorinstanz auf 9 Jahre Freiheitsstrafe festgelegt. Bei 

dieser Strafe blieb es, da keine Strafmilderungs- und Strafschärfungsgründe vorliegen. 

Schliesslich wurde die erstandene Untersuchungshaft von 163 Tagen angerechnet (act. B 

2 E. 5, S. 32 ff.).  

 

5.2 Ausführungen des Beschuldigten 

 Der Verteidiger des Beschuldigten brachte an Schranken des Obergerichts zum 

Strafmass vor (act. B 25, S. 15 f.), falls das Gericht wider Erwarten eine Notwehrsituation 

verneine, wäre für die Strafzumessung folgendes zu beachten: Die Strafzumessung wäre 

im Eventualfall insofern nicht korrekt, als man die Einsatzstrafe auf neun Jahre festgelegt, 

dem Beschuldigten für seine Einsichtigkeit und Reue eine Strafminderung von einem Jahr 

zugestanden und die auszufällende Freiheitsstrafe dann trotzdem auf neun Jahre 

festgesetzt habe. Methodisch komme die Festsetzung der Einsatzstrafe stets vor der 

Berücksichtigung von Strafminderungsgründen. Attestiere man dem Beschuldigten also 

                                                
37 BGE 119 II 478 E. 1 lit. d; Urteil Bundesgericht 4A_538/2013 vom 19. März 2014 E. 3.1. 

 

Seite 39 

Strafminderungsgründe, müsse die auszufällende Strafe zwingend unterhalb von neun 

Jahren liegen (S. 16).  

 Nicht zugestimmt werden könne der Vorinstanz eventualiter bezüglich Ausmass der 

Strafminderung wegen der gezeigten Einsicht und Reue. Quasi als Regel gewähre das 

Bundesgericht in konstanter Praxis im Fall von Reue und Einsicht eine Strafminderung 

von einem Drittel bis einem Fünftel. Hier sei es gerade einmal ein Neuntel der 

Einsatzstrafe. A___ habe sein Geständnis ganz am Anfang der Strafuntersuchung 

abgelegt und das Vorgefallene ebenfalls ganz früh und in der Folge immer wieder 

aufrichtig bereut. Mithin wäre mindestens eine Strafminderung von zwei Jahren 

angemessen. Im Übrigen sei das Strafverfahren durch das Geständnis durchaus 

erleichtert worden. Ohne dieses wäre die Staatsanwaltschaft nicht um 

Konfrontationseinvernahmen mit sämtlichen Auskunftspersonen und Zeugen herum 

gekommen (S. 16).  

 Die eventualiter auszufällende Freiheitsstrafe dürfe nach dem Gesagten sieben Jahre 

nicht überschreiten (S. 17).  

 Im Strafrecht gebe es gemäss dem Kantonsgericht St. Gallen keine Vergleichsfälle, weil 

jedes Verschulden individuell sei. Diese würden hier also nicht weiter helfen (act. B 27, S. 

10).  

 

5.3 Ausführungen der Staatsanwaltschaft 

 Die Staatsanwaltschaft hielt demgegenüber fest (act. B 26, S. 4), vorliegend sei ein 

Menschenleben ohne Grund ausgelöscht worden. Es sei das höchste vom Strafrecht 

geschützte Rechtsgut. Dieser Aspekt sei bei allen von der Verteidigung vorgetragenen 

Verharmlosungen nicht aus den Augen zu verlieren. Im Verfahren vor dem Kantonsgericht 

seien bezüglich des Strafmasses einige Vergleichsfälle aus der Praxis unseres Kantons 

sowie von anderen Kantonen aufgezeigt worden. In keinem Fall sei eine Freiheitsstrafe 

von weniger als neun Jahren ausgesprochen worden. Zusätzlich weise er auf einen 

neuen Vergleichsfall hin: Der Mann, welcher im Sommer 2014 in einer Moschee in 

Winkeln einen Serben niedergeschossen habe, müsse gemäss Urteil des Kantonsgerichts 

St. Gallen für 16 Jahre ins Gefängnis. Zwar laute der Schuldspruch in jenem Fall auf 

Mord. Die Differenz zum Grundtatbestand der vorsätzlichen Tötung sei indessen nicht 

derart gross, dass man im Vergleich zu dieser Rechtsprechung eine Senkung um mehr 

als sieben Jahre als gerechtfertigt bezeichnen könnte. Das von der Vorinstanz 

ausgesprochene Strafmass von 9 Jahren sei an der untersten Grenze, jedoch aufgrund 

der konkreten Verhältnisse (Reueverhalten) noch knapp vertretbar. So betrachtet, sei das 

angefochtene Urteil in allen Teilen ausgewogen und korrekt.  

 

5.4 Zurechnungsfähigkeit Beschuldigter 

 

Seite 40 

Die Untersuchung des Beschuldigten im Institut für Rechtsmedizin hat keine auffälligen 

Befunde ergeben (act. B 3/13.5). Insbesondere war dieser am Tag der Tat um 23.00 Uhr 

(Untersuchungsprotokoll S. 1) bewusstseinsklar, wach und voll orientiert. Es zeigten sich 

psychomotorisch keine Auffälligkeiten, affektiv wirkte A___ leicht niedergeschlagen 

(Gutachten S. 4). Im Blut wurden Rückstände des Antidepressivums Citalopram sowie 

des Opioid-Schmerzmittels Tramadol gefunden (Gutachten S. 4 und 

Untersuchungsbericht). Die Einnahme von Tramadol kann zu Übelkeit, Erbrechen, 

Kopfschmerzen und Benommenheit führen. Von einer relevanten zentralnervösen 

Beeinträchtigung im Zeitpunkt der Blutentnahme ist gemäss dem Gutachten jedoch nicht 

auszugehen  

 

5.5 Rechtliche Grundlagen 

Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des 

Täters. Dabei berücksichtigt es das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und die 

Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere 

der Verletzung oder der Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit 

des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie 

weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die 

Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Die ermittelte Einsatzstrafe ist in 

Anwendung von Art. 48 und 48a StGB bei Vorliegen von Strafmilderungsgründen 

herabzusetzen. 

 

Wer vo