# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbeb3d87-ff38-5c1f-9d68-a7b1b3292b06
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-26
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 26.01.2022 BK 2021 471
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2021-471_2022-01-26.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 21 471

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 26. Januar 2022

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid,
Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiberin Volknandt 

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter/Beschwerdeführer

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Entschädigung, Genugtuung (Einstellung)

Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland vom 13. Oktober 2021 (BM 21 13808)

2

Erwägungen:

1.

1.1 Am 6. April 2021 erliess die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland (nach-
folgend: Staatsanwaltschaft) einen Strafbefehl gegen A.________ (nachfolgend: 
Beschwerdeführer) wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 
durch unbefugten Konsum von Betäubungsmitteln. Dagegen erhob der Beschwer-
deführer Einsprache. 

1.2 Mit Verfügung vom 13. Oktober 2021 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren 
gestützt auf Art. 319 Abs. 1 Bst. b der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) ein 
(Ziffer 1). Die Verfahrenskosten wurden dem Kanton Bern auferlegt (Ziffer 2). Dem 
Beschwerdeführer wurde keine Entschädigung und keine Genugtuung ausgerichtet 
(Ziffer 3). Gegen Ziffer 3 des Dispositivs erhob der Beschwerdeführer am 20. Okto-
ber 2021 Beschwerde und verlangte eine Entschädigung sowie eine Genugtuung. 
In ihrer Stellungnahme vom 3. November 2021 schloss die Generalstaatsanwalt-
schaft auf die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Stellungnahme wurde 
dem Beschwerdeführer am 6. November 2021 zugestellt. 

2. Gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft kann bei der Beschwerdekammer in 
Strafsachen innert zehn Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt wer-
den (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0], Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und 
der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisati-
onsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Der Beschwerdeführer 
ist durch die Verweigerung einer Entschädigung und Genugtuung in Ziffer 3 der 
angefochtenen Verfügung unmittelbar in seinen rechtlich geschützten Interessen 
betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf 
die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten.

3.

3.1 Die angefochtene Verfügung, aus welcher sich auch der rechtserhebliche Sachver-
halt ergibt, ist folgendermassen begründet:

Der beschuldigten Person wird mit Anzeigerapport der Kantonspolizei Bern vom 15. März 2021 vor-
geworfen, in der Zeit vor der Polizeikontrolle vom 22.12.2020, ca. 12.35 Uhr, in C.________, 
D.________ (Strasse), bewusst und unbefugt eine unbestimmte Menge Marihuana konsumiert zu ha-
ben. 

Gestützt auf diesen Sachverhalt wurde durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Bern-
Mittelland, am 6. April 2021 ein Strafbefehl gegen die beschuldigte Person erlassen und eine Busse 
von CHF 100.00 und Gebühren von CHF 100.00 ausgesprochen. 

Gegen diesen Strafbefehl erhob die beschuldigte Person nach B-Postzustellung formgerecht Einspra-
che, mit der Begründung, durch die Polizei kontrolliert worden zu sein. Diese habe jedoch während 
der Ausweiskontrolle sowie der Durchsuchung der persönlichen Effekten keine verdächtigen Ge-
genstände aufgefunden und die beschuldigte Person ohne strafrechtlich relevanten Vorkommnisse 
aus der Kontrolle entlassen. 

3

Die Begründung der Einsprache entsprach dem Sachverhalt des Anzeigerapports der Kantonspolizei 
Bern überhaupt nicht, weshalb der beschuldigten Person die Möglichkeit eingeräumt wurde, die Ein-
sprache zurückzuziehen. In der Folge hielt die beschuldigte Person an der Begründung fest und insis-
tierte, dass die Ausführungen der Polizei in keiner Weise der Wahrheit entsprechen würden. 

[…]

Die Kantonspolizei Bern wurde folglich aufgefordert, zu den Schilderungen der beschuldigten Person 
Stellung zu nehmen, wonach der zuständige polizeiliche Sachbearbeiter dahingehend einberichtete, 
dass am besagten Datum verschiedene Polizeikontrollen durch die Polizei durchgeführt worden seien. 
Die beschuldigte Person schildere in ihrer Einsprachebegründung detailliert eine Kontrolle, welche 
beim Bahnhof E.________ und nicht in C.________ erfolgt sei. Dabei seien keine strafbaren Hand-
lungen festgestellt und es sei nichts gegen die beschuldigte Person, welche sich gegenüber der Poli-
zei anständig und kooperativ verhalten habe, beanstandet worden. Die Überprüfung habe folglich er-
geben, dass während einer späteren Kontrolle beim Bahnhof C.________ Betäubungsmittel sicher-
gestellt worden seien, wobei der Konsum durch eine andere Person eingestanden worden sei. Im Zu-
ge der Ausarbeitung der Kontrollen habe der polizeiliche Sachbearbeiter die Personalien der beiden 
Kontrollen verwechselt und die falsche Person zur Anzeige gebracht. 

Es handelt sich vorliegend aus genannten Gründen klar um einen Fehler der Kantonspolizei Bern, 
welcher zur Ausstellung eines falschen Strafbefehls geführt hat. Die beschuldigte Person hat sich in 
keiner Weise strafbar gemacht, weshalb das Verfahren eingestellt wird. 

3.2 Der Beschwerdeführer erachtet eine Genugtuung wegen Stresses und Schlafpro-
blemen sowie eine Entschädigung von CHF 300.00 als angemessen. Er habe zwei 
Kollegen zur Unterstützung beiziehen müssen, da er sich in der Schweizer Rechts-
ordnung nicht auskenne und nicht gewusst habe, wie die Eingaben an die Behör-
den zu formulieren seien. Diese Kollegen hätten sehr viel Zeit investiert; ohne sie 
wäre er nicht zu seinem Recht gekommen. Zudem habe er einen Tag frei nehmen 
müssen, um die Eingaben fristgerecht einreichen zu können. Er weise somit einen 
Tag Verdienstausfall auf und sei auf das Geld angewiesen, zumal er sich erst vor 
kurzem vom Sozialdienst habe lösen können und jederzeit mit einem Jobverlust 
rechnen müsse. 

4.

4.1 Gemäss Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO hat die beschuldigte Person bei Einstellung 
des Verfahrens einen Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die an-
gemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte. Darunter fallen primär die Kosten 
der frei gewählten Verteidigung i.S.v. Art. 129 StPO (GRIESSER, in: Kommentar zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung, N. 4 zu Art. 429 StPO). Die Verteidigung 
der beschuldigten Person ist gemäss Art. 127 Abs. 5 StPO nur Anwältinnen und 
Anwälten vorbehalten, die nach dem Anwaltsgesetz (BGFA; SR 935.61) berechtigt 
sind, Parteien vor Gericht zu vertreten.

4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er sich von zwei Kollegen habe unter-
stützen lassen, da er sonst nicht gewusst hätte, wie er sich hätte wehren sollen und 
dies zu formulieren gewesen wäre. Im Unterschied zum Wahlverteidiger im Sinne 
von Art. 129 StPO kommen den im Hintergrund tätigen Kollegen des Beschwerde-
führers keine Verfahrensrechte zu. Ausserdem sind sie nicht berechtigt, irgendwel-

4

che Rechte der beschuldigten Person in eigenem Namen zu wahren oder geltend 
zu machen. Zwar ist es dem Beschwerdeführer unbenommen, sich beim Verfassen 
einer Rechtsschrift durch Kollegen unterstützen zu lassen. Die diesbezüglichen 
Aufwendungen und Spesen sind allerdings nicht entschädigungswürdig, da es sich 
dabei nicht um die Ausübung von Verfahrensrechten im Sinne von Art. 429 Abs. 1 
Bst. a StPO handelt. Würden die Kosten der Kollegen ersetzt, würde damit die Re-
gelung umgangen, dass einzig Anwältinnen und Anwälte zur Verteidigung von be-
schuldigten Personen befugt und deren Kosten als Entschädigung zu ersetzen 
sind.

4.3 Damit erweist sich die Verweigerung einer Entschädigung für die Ausübung der 
Verfahrensrechte im vorinstanzlichen Verfahren als gerechtfertigt. 

5.

5.1 Weiter macht der Beschwerdeführer einen Verdienstausfall von einem Tag geltend, 
was CHF 200.00 (8 ½ Stunden à CHF 25.00) entspreche. Für die schriftlichen Ein-
gaben seien ihm zudem Portokosten entstanden. 

5.2 Dieser geltend gemachte Aufwand ist vor dem Hintergrund von Art. 429 Abs. 1 
Bst. b StPO zu prüfen. Bei den wirtschaftlichen Einbussen gemäss Bst. b geht es in 
erster Linie um Lohn- und Erwerbseinbussen, verursacht durch Haft oder Teilnah-
me am Verfahren. Eine Entschädigung für den persönlichen Zeitaufwand (Akten-
studium, Verfassen von Eingaben, Teilnahme an Verhandlungen etc.) von nicht 
anwaltlich vertretenen Personen ist in der Strafprozessordnung indes ebenso we-
nig explizit vorgesehen wie bei anwaltlich vertretenen Personen, die trotz der an-
waltlichen Verteidigung in der Regel eigene Zeit für ihre Verteidigung aufwenden 
müssen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann einer nicht anwaltlich 
vertretenen Person für den persönlichen Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit 
einem Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung zugesprochen werden, 
wenn besondere Verhältnisse dies rechtfertigen. Solche besonderen Verhältnisse 
liegen nach der Rechtsprechung vor, wenn es sich a) um eine komplizierte Sache 
mit hohem Streitwert handelt; b) die Interessenwahrung einen hohen Arbeitsauf-
wand notwendig macht, der den Rahmen dessen überschreitet, was der Einzelne 
üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung der persönlichen Angele-
genheiten auf sich zu nehmen hat; und c) zwischen dem betriebenen Aufwand und 
dem Ergebnis der Interessenwahrung ein vernünftiges Verhältnis besteht (Urteil 
des Bundesgericht 6B_251/2015 vom 24. August 2015 E. 2.3). 

5.3 Der Beschwerdeführer macht einen Zeitaufwand von 8 ½ Stunden und Auslagen 
(Porto) geltend. Zur beantragten Arbeitsausfallentschädigung stellt die Kammer 
fest, dass ein Lohnausfall nicht belegt und aufgrund der Geringfügigkeit der Auf-
wendungen auch nicht ersichtlich ist. Damit kann letztlich offenbleiben, ob die gel-
tend gemachten Aufwendungen den Rahmen, was Einzelne üblicher- und zumut-
barerweise nebenbei zur Besorgung der persönlichen Angelegenheiten auf sich zu 
nehmen haben, tatsächlich überschreiten. Dementsprechend sind die Aufwendun-
gen des Beschwerdeführers nicht zu entschädigen. 

5

6. Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer sinngemäss die Bezahlung einer Ge-
nugtuung infolge des Stresses und der dadurch hervorgerufenen Schlafstörungen.   
Art. 429 Abs. 1 Bst. c StPO sieht eine Genugtuung nur bei besonders schwerer 
Verletzung der persönlichen Verhältnisse vor. Eine solche ist mit Blick auf das ge-
gen den Beschwerdeführer geführte Verfahren nicht zu erkennen.

7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. 

8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig 
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Aufgrund der konkreten Umstände rechtfertigt es sich vor-
liegend, die Verfahrenskosten zu reduzieren und auf CHF 600.00 festzusetzen. Ei-
ne Entschädigung ist nicht auszurichten, da der Beschwerdeführer unterliegt. 

6

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 600.00, werden dem Be-
schwerdeführer auferlegt. 

3. Eine Entschädigung wird nicht gesprochen. 

4. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Beschwerdeführer (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwältin B.________

(mit den Akten – per Kurier)

Bern, 26. Januar 2022 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Volknandt 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.