# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62ea4f98-46a2-5631-b8a3-9aaa0ce0d3d0
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 16.08.2010 IV 2008/482
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-482_2010-08-16.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/482

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 13.07.2020

Entscheiddatum: 16.08.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 16.08.2010
Art. 16 ATSG; Art. 28 IVG. Beginn der rentenbegründenden 
Arbeitsunfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 16. August 2010, IV 2008/482).

Entscheid Versicherungsgericht, 16.08.2010

Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Philia Roth

Entscheid vom 16. August 2010

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Nikola Bellofatto, Wiesenstrasse 10,

Postfach 1073, 8032 Zürich,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rente

Sachverhalt:

A.       

A.a   A.___ (Jahrgang 1975) meldete sich am 30. September 2003 erneut zum Bezug 

von Invalidenleistungen an, nachdem er sich bei der IV-Stelle des Kantons B.___ 

bereits 1996 zum Leistungsbezug angemeldet hatte (IV-act. 11). Damals war ihm 

wegen einer Ellbogen-Gelenks-Arthrose nach einem Unfall eine Umschulung vom 

Maurer zum Kaufmann zugesprochen worden, die er jedoch abgebrochen hatte (IV-act. 

22 und 24). In seiner aktuellen Anmeldung gab der in C.___ Wohnhafte an, er sei 

vollumfänglich arbeitsunfähig, da er seit 1997 an einer schweren Colitis ulcerosa leide 

(IV-act. 1). Die Arbeitgeberin des Versicherten berichtete der IV-Stelle des Kantons St. 

Gallen am 14. Oktober 2003, der Versicherte arbeite seit 4. August 2003 als Maurer. 

Der letzte Arbeitstag sei der 10. September 2003 gewesen. Das Arbeitsverhältnis 

werde wegen nicht korrekten Verhaltens wohl auf Ende November 2003 aufgelöst (IV-

act. 9). Bereits eine frühere Arbeitsstelle im Jahr 2002 war nach fünf Monaten wegen 

Unkorrektheiten gekündigt worden (IV-act. 40).

A.b   Dr. med. D.___, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 

29. Oktober 2003, der Versicherte leide seit 1997 an einer Colitis ulcerosa und seit 

etwa 1994 an einer Osteochondrose des linken Ellbogens. Er sei in der Schweiz 

aufgewachsen und habe es bis zum Gymnasium geschafft, sei dort gescheitert und sei 

schlussendlich Maurer geworden. Eine vernünftige medizinische Behandlung sei beim 

Versicherten nicht möglich, da er charakterlich sehr unstet sei und sich an keine 

Anweisungen halte. Die Colitis ulcerosa wirke sich durch Schwächezustände und 

Unterbrüche bei der Arbeit aus, weil der Versicherte zwischen fünf und 15-mal am Tag 

die Toilette aufsuchen müsse. Seit Jahren sei er deshalb in der bisherigen Tätigkeit 

zwischen 20 und 100% eingeschränkt. Eine leichte Arbeit mit einer Toilette in der Nähe 

und der Möglichkeit für Pausen sei dem Versicherten vollumfänglich zumutbar (IV-act. 

31). Der Hausarzt ergänzte auf Nachfrage der IV-Stelle am 7. Januar 2004, die 

Arbeitsfähigkeit der letzten Jahre zu beurteilen sei ihm nicht möglich, da der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Versicherte wahrscheinlich bei der Arbeit ebenso unzuverlässig gewesen sei wie bei 

der medizinischen Behandlung (IV-act. 39).

A.c   Die IV-Stelle veranlasste ab Mitte August 2004 erneut eine Umschulung des 

Versicherten in einer Ganztageshandelsschule. Weil der Versicherte der Schule 

mehrfach unentschuldigt fernblieb, mahnte die IV-Stelle am 25. September 2004 seine 

Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht ab (IV-act. 55). Am 18. Oktober 2004 

erteilte die IV-Stelle verfügungsweise die entsprechende Kostengutsprache für die 

Ausbildung an der Handelsschule vom 17. August 2004 bis 8. Juli 2005 (IV-act. 60). 

Diese Umschulung wurde wegen weiterer entschuldigter und unentschuldigter 

Absenzen mit Verfügung vom 22. August 2005 per 2. Februar 2005 abgebrochen (IV-

act. 89 und 102).

A.d   Dr. D.___ gab in seinen Verlaufsberichten vom 4. März 2005 und vom 26. 

November 2005 an, der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Im 

Vordergrund stehe eine psychische Störung. Die Colitis ulcerosa sei mal besser und 

mal schlechter und die Rückenbeschwerden träten je nach Belastung auf. Eine leichte 

Arbeit sei im Schnitt wahrscheinlich sechs bis acht Stunden pro Tag zumutbar (IV-act. 

91 und 105). Dr. med. E.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, 

berichtete der IV-Stelle am 6. April 2004, der Versicherte sei wegen einer mittelgradigen 

depressiven Episode zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 94). Diese Behandlung brach der 

Versicherte am 4. April 2005 ab (IV-act. 99). Nachdem Dr. med. F.___, Facharzt für 

Gastroenterologie und Innere Medizin FMH, leitender Arzt an der Klinik für Innere 

Medizin des Kantonsspitals B.___, am 5. Januar 2006 eine komplizierte 

therapieresistente Colitis ulcerosa bestätigt hatte (IV-act. 108), beauftragte die IV-Stelle 

am 3. April 2006 das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI), Basel, mit der 

polydisziplinären Begutachtung des Versicherten (IV-act. 115).

A.e   Dr. med. G.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der 

IV-Stelle am 30. April 2006, der Versicherte leide an einer emotionalen instabilen 

Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typus (ICD-10: F60.30), nach jahrelangen 

Mikrotraumatisierungen durch die Mutter und einer angeblichen Vergewaltigung im 

achten Lebensjahr, einer Colitis ulcerosa mit Pancolitis (ICD-10 K51.0) bei chronisch 

rezidivierendem Verlauf unter Steroiden, zentraler Linsentrübung beidseits, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wahrscheinlich steroidbedingt, einem St. n. Enterocolitis mit Campylobacter 9/04 sowie 

einem Verdacht auf Colon irritabile. Der Versicherte sei in seiner bisherigen Tätigkeit 

seit Jahren etwa zu 70% arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit wie eine leichte 

adaptierte Tätigkeit seien dem Versicherten durch die psychischen Beeinträchtigungen 

vollständig verunmöglicht (IV-act. 118).

A.f    Am 12. Juni 2006 erstattete das ABI im Auftrag der IV-Stelle das polydisziplinäre 

Gutachten. Der Versicherte war am 24., 26. und 27. April 2006 rheumatologisch, 

psychiatrisch und gastroenterologisch untersucht worden. Die Ärzte nannten folgende 

Diagnosen: Colitis ulcerosa (ICD-10: K51.0), chronisches lumbalbetontes 

Panvertebralsyndrom (ICD-10 M53.8) bei differentialdiagnostisch entzündlichem Befall 

des Achsenskeletts bei Colitis ulcerosa im Rahmen einer Diskopathie L4/5 und bei 

radiomorphologisch Wirbelsäulenfehlform und Chondrose L4/5 sowie beginnende 

Arthrose des rechten Radiohumeralgelenks (ICD-10 M19.1) bei St. n. zweimaliger 

Arthrotomie des rechten Ellbogens 1994 und 1996 bei St. n. traumatisierter 

Osteochondrosis dissecans des Capitulum radiale humeri 1992. Ohne Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit bestehe eine Anpassungsstörung mit vorwiegender 

Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23). Die bisherige Tätigkeit als 

Maurer sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. In einer körperlich leichten bis 

gelegentlich mittelschweren Tätigkeit könne unter einer adäquaten antiphilogistischen 

und analgetischen Behandlung, die sowohl die Colitis ulcerosa als auch das 

rheumatologische Leiden einschliesse, eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erreicht 

werden. Auch unbehandelt bestehe für eine leichte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 

80% (IV-act. 120). Der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 19. Juli 2006 fest, die 

psychiatrische Diagnose einer Anpassungsstörung sei formal aufgrund des zeitlichen 

Verlaufs nicht mehr zulässig. Die von den behandelnden Psychiatern erhobenen 

Diagnosen seien zwar erwähnt, würden aber nicht genügend diskutiert. Auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von 80% könne abgestellt werden (IV-act. 121).

A.g   Dr. F.___ vom Kantonsspital B.___ unterrichtete die IV-Stelle am 16. Oktober 2006 

darüber, dass sich der Versicherte erneut in Behandlung begeben habe. Aktuell stehe 

unter anderem zur bestehenden Colitis ulcerosa die Diagnose eines Morbus Crohn zur 

Diskussion. Man versuche auch, die rheumatologischen Rückenbeschwerden zu 

behandeln. Die Arbeitsunfähigkeit betrage insbesondere wegen der chronischen, oft 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

imperativen Durchfälle, die wiederholt auch zu einer groben Stuhlinkontinenz mit 

entsprechender sozialer Einschränkung geführt hätten, 100% (IV-act. 126). Der 

behandelnde Psychiater, Dr. G.___, kritisierte am 17. Oktober 2006 das ABI-Gutachten 

aus psychiatrischer Sicht. Die gestellte Diagnose sei nicht zutreffend. Die 

Selbstbeurteilung des Versicherten werde entgegen den medizinischen Standards nicht 

in die Beurteilung miteinbezogen. Der Versicherte leide an einer schweren, emotional 

instabilen Persönlichkeitsstörung und sei zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 124). Das ABI 

nahm am 9. November 2006 zu diesen Arztberichten Stellung und schlug eine 

Verlaufsbegutachtung vor, da sich das Beschwerde- und Befundbild des Versicherten 

noch im Fluss befinde und keinem lang andauernden, gleich bleibenden Zustand 

entspreche (IV-act. 131).

A.h   Am 31. Juli 2007 berichtete Dr. F.___ über eine Verbesserung des 

Gesundheitszustandes seit Ende Juni 2007, weil der Versicherte auf ein neues 

Medikament sehr gut angesprochen habe. Dadurch seien auch die Rückenschmerzen 

verschwunden (IV-act. 135).

A.i     Das ABI erstattete am 30. Oktober 2007 das Verlaufsgutachten. Der Versicherte 

war am 22. August 2007 untersucht worden. Die Ärzte gaben als Hauptdiagnosen (mit 

Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit) an:

1.    Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.3)

2.    Seronegative Spondylarthropathie mit bilateraler Sacroileitis bei aktivem Morbus 

Crohn (ICD-10: M46.1, M54.5, K50.9)

- Verdacht auf intermittierende periphere Gelenksbeteiligung

- Verdacht auf rezidivierende Enthesiopathie distaler Achillessehne links

3.    Reaktives chronisches cerviko-cephales Schmerzsyndrom (ICD-10: M53.0)

- Wirbelsäulenfehlhaltung (deutlich betonte BWS Hyperkyphose)

- deutliche reaktive Myogelose der Suboccipital-und Trapeziusmuskulatur

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

- gemäss Aktenlage Chondrose L4/5

4.    Beginnende Arthrose des rechten Radiohumeralgelenks (ICD-10: M19.1)

-  St. n. zweimaliger Arthrotomie des rechten Ellbogens 1994 und 1996 bei St. n. 

traumatisierter Osteochondrose dissecans des Capitulum radiale humeri 1992

5.    Chronische entzündliche Darmerkrankung (ICD-10: K42.9)

-  DD: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

- weitgehende Therapieresistenz auf verschiedene Therapien

- Therapie mit Immunsupression und Humira seit 29. Juni 2007.

Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünden:

1.    Latente Hypothyreose (ICD-10: E03.9)

2.    Nikotinabusus (10py) (ICD-10: F17.1) .

Die Ärzte führten in ihrer Gesamtbeurteilung aus, der Versicherte leide seit 1997 an 

einer Colitis, die sich weitgehend als therapieresistent erwiesen habe. Erstmals sei es 

durch die Behandlung mit Humira zu einer Beschwerderegredienz gekommen. Parallel 

zur Dosisreduktion von Humira beziehungsweise mit Sistieren der Steroidtherapie seien 

die intestinalen Beschwerden mit unveränderter Intensität wieder aufgetreten. Im 

Oktober 2006 sei eine seronegative Spondylarthropathie mit ISG-Arthritis beidseits 

diagnostiziert worden. Die bisherige Tätigkeit als Maurer sei dem Versicherten seit 

Oktober 2003 nicht mehr zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht könne dem Versicherten 

wegen der diagnostizierten emotional instabilen Persönlichkeitsstörung eine 

Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert werden. Aufgrund der inneren Spannungen, der 

Reizbarkeit, der Aggressivität und Impulsivität sei der Versicherte derzeit kaum an 

einem Arbeitsplatz und in ein Team integrierbar und einem Arbeitgeber kaum zumutbar. 

Aus rheumatologischer Sicht seien wegen der ausgeprägten Beschwerden im Bereich 

des Achsenskeletts trotz ausgebauter, kombinierter Basistherapie inklusive eines TNF 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

alpha Hemmer (Humira) weder die angestammte noch eine dem Leiden adaptierte 

Verweistätigkeit zumutbar. Aus gastroenterologischer Sicht bestehe für eine leichte, 

dem Leiden adaptierte, ruhige Tätigkeit eine Einschränkung von 25%. Der Versicherte 

müsste jedoch seine Arbeiten jederzeit unterbrechen können, um unverzüglich eine 

hygienisch einwandfreie Toilette aufsuchen zu können. Zusammengefasst bestehe 

auch für eine dem Leiden adaptierte Verweistätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. Die 

subjektive Einschätzung des Versicherten, keiner Arbeitstätigkeit mehr nachgehen zu 

können, sei nachvollziehbar. Die Diagnose des behandelnden Psychiaters gemäss 

Bericht vom 17. Oktober 2006 könne bestätigt werden, die 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

dagegen nicht. Nach Ansicht der Gutachter könne aufgrund des alleinigen 

psychopathologischen Zustandes eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zugemutet werden. Der 

Versicherte sei im Vorjahr bei deutlich besserer somatischer Situation auch 

psychiatrisch einigermassen kompensiert beziehungsweise arbeitsfähig gewesen (IV-

act. 137). Der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 22. November 2007 fest, auf das 

ABI-Gutachten könne abgestellt werden. Dem Versicherten seien seine angestammte 

Tätigkeit ab Oktober 2003 und eine leidensadaptierte Tätigkeit ab September 2006 

nicht mehr zumutbar. Für den Zeitraum davor könne für eine adaptierte Tätigkeit von 

einer Arbeitsfähigkeit von 80% ausgegangen werden. Wann die Verschlechterung 

eingetreten sei, könne wegen der Incompliance des Versicherten ärztlich nicht 

nachvollzogen werden (IV-act. 138 und 139).

A.j     Mit Vorbescheid vom 20. März 2008 stellte die IV-Stelle die Zusprache einer 

Viertelsrente ab 1. Dezember 2006 und einer ganzen Rente ab 1. März 2007 in 

Aussicht. Seit 1. Dezember 2005 (Beginn der einjährigen Wartezeit) sei er in seiner 

Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Ihre Abklärungen hätten ergeben, dass seit 

Oktober 2003 eine medizinische Einschränkung von 20% ausgewiesen sei. Bei der 

erneuten Begutachtung sei festgestellt worden, dass sich der Gesundheitszustand seit 

September 2006 verschlechtert habe und eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestehe. 

Der Invaliditätsgrad betrage deshalb 100% (IV-act. 145). Dagegen liess der Versicherte 

am 29. Mai 2008 einwenden, das Abklärungsergebnis könne betreffend die 

festgestellte medizinische Einschränkung von Oktober 2003 bis September 2006 nicht 

nachvollzogen werden. Dieses widerspreche der Beurteilung gemäss dem neuen ABI-

Gutachten vom 30. Oktober 2007, wonach eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit Oktober 

2003 auch in einer adaptierten Tätigkeit bestanden habe. Gemäss den beiliegenden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Berichten der behandelnden Ärzte habe gar eine Arbeitsunfähigkeit von 66 bis 80 oder 

gar 100% bestanden (IV-act. 155-4/7 bis 155-6/7). Daher sei ab Oktober 2003 eine 

Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 100% ausgewiesen und der Versicherte habe ab Oktober 

2004 Anspruch auf eine 50 bis 100%ige Rente und ab September 2006 Anspruch auf 

eine ganze Rente (IV-act. 155).

A.k   Mit Verfügungen vom 8. Oktober 2008 sprach die IV-Stelle des Kantons B.___ 

dem Versicherten eine Viertelsrente ab 1. Dezember 2006 und eine ganze Rente ab 

1. März 2007 zu (IV-act. 166 bis 168). Zu den Einwänden des Versicherten gab sie an, 

die ärztlichen Berichte seien zum Teil widersprüchlich und es werde nicht zwischen 

angestammter und adaptierter Tätigkeit unterschieden. Nach der Stellungnahme des 

RAD habe bis zur Begutachtung eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten 

Tätigkeit vorgelegen (IV-act. 163).

B.       

B.a   Gegen diese Verfügungen liess der Versicherte am 7. November 2008 beim 

Verwaltungsgericht des Kantons B.___ Beschwerde erheben. Das Verwaltungsgericht 

des Kantons B.___ stellte die Beschwerde am 25. November 2008 zuständigkeitshalber 

dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zu. Wie sich aus den Akten ergebe, 

handle es sich bei den ins Recht gelegten Verfügungen in Sinn eines Schreibfehlers 

offensichtlich um solche der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (G act. 1). Das 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bestätigte am 28. November 2008 seine 

Zuständigkeit (G act. 2).

B.b   In der Beschwerde vom 7. November 2008 beantragte der Beschwerdeführer die 

Aufhebung der drei Verfügungen vom 8. Oktober 2008. Ihm sei für die Jahre 2003 bis 

2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%, mindestens jedoch 80% (leidensadaptiert und 

angestammt), anzuerkennen und entsprechend die IV-Rente neu zu berechnen. 

Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen. Seit September 2006 bestehe eine unbestrittene und ausgewiesene 

Arbeitsunfähigkeit von 100%. Die Verschlechterung, die zu dieser Arbeitsunfähigkeit 

geführt habe, sei bereits 2003 eingetreten, was von Dr. D.___ mit E-Mail vom 21. Mai 

2008 bestätigt worden sei (G act. 1.1.7). Die Darmerkrankung und die damit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

verbundenen Schmerzen hätten bereits seit September 2003 dazu geführt, dass eine 

Arbeitsfähigkeit von 80% nicht möglich gewesen sei. Seither habe sich keine 

wesentliche Veränderung ergeben. Die gutachterlich festgestellte Arbeitsfähigkeit von 

80% widerspreche den Akten. Selbst das aktuelle ABI-Gutachten vom 30. Oktober 

2007 gehe von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab Oktober 2003 aus (G act. 1.1).

B.c   Das Versicherungsgericht St. Gallen bewilligte mit Zwischenentscheid vom 4. 

Februar 2009 das mit Beschwerde vom 7. November 2008 gestellte Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (G act. 8).

B.d   Mit Beschwerdeantwort vom 2. Februar 2009 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Einschätzung des ABI 

komme grosses Gewicht zu. Die polydisziplinäre Untersuchung gewähre eine 

Gesamtbetrachtung. Auf eine oberflächliche psychiatrische Untersuchung während der 

ersten Begutachtung ergäben sich keine Hinweise. Auf die jeweiligen 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen des ABI könne abgestellt werden. Dr. D.___ habe im 

Übrigen im Bericht vom 29. Oktober 2003 eine volle Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit bestätigt. Die Arbeitsfähigkeit betrage deshalb bis September 

2006 80%. Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% werde daher 

Anfang Dezember 2006 erreicht. Demnach habe der Beschwerdeführer ab Dezember 

2006 Anspruch auf eine Viertelsrente und ab März 2007 Anspruch auf eine ganze Rente 

(G act. 6).

B.e   Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 4. März 2009 an seinen Anträgen 

fest (G act. 11).

B.f    Am 10. März 2009 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer 

Duplik (G act. 14).

B.g   Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit entscheidrelevant, in den 

Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.        

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.1    Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen 

des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung 

über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Das 

Bundesamt für Sozialversicherungen hat im Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 

2007 lückenfüllend vorgesehen, grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Eintritts des 

Versicherungsfalls abzustellen, aber auch für Sachverhalte mit Eintritt des Rentenfalls 

im Jahr 2008 altes Recht anzuwenden, wenn die Anmeldung ebenfalls noch im Jahr 

2008 erfolgt ist. Das Bundesgericht hat gestützt auf das Rundschreiben, wenn der 

Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2008 entstanden wäre, altes Recht angewendet 

(vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts i/S S. vom 28. August 2008 [8C_373/2008] und i/

S P. vom 9. März 2009 [8C_491/08]). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns 

rechtfertigt es sich vorliegend, angesichts der IV-Anmeldung vom 30. September 2003 

und des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit im September 2003, die bis zum 31. Dezember 

2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.

1.2    Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, 

wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, 

wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% 

vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 

40% auf eine Viertelsrente. Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch 

massgebenden Invalidität wird gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG durch 

einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte 

Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen 

und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage 

erzielen könnte, in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person 

erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.

1.3    Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 ATSG). Danach haben 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne 

Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. 

Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle 

Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des 

streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Gutachtens 

ist nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob er für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des 

Gutachters begründet sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).

2.        

2.1    Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen 

für eine Tätigkeit der versicherten Person von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der 

Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in 

welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person 

arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage 

für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung ihr noch zugemutet werden 

können (BGE 125 V 256. E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ist eine versicherte Person während 

eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch zu durchschnittlich 40% arbeitsunfähig 

gewesen, so entsteht ein Rentenanspruch (aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG). Unter 

Arbeitsunfähigkeit im Sinn von aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist die durch den 

Gesundheitsschaden bedingte qualitative und/oder quantitative Einbusse an 

funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu 

verstehen (BGE 130 V 99 E. 3.2). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald in der 

bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% vorliegt (AHI 1998 S. 

124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die 

versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war 

(aArt. 29  IVV). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind 

zu berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Urteil des 

Bundesgerichts i/S C. vom 2. März 2000 [I 307/99]). Für die Erfüllung des Wartejahrs 

genügt eine durchschnittlich 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. Ein 

Rentenanspruch nach Ablauf des Wartejahrs entsteht jedoch erst bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40% bezogen auf eine adaptierte Tätigkeit.

ter

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.2    Nach den Akten ist der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit 

gemäss übereinstimmenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden und 

begutachtenden Ärzte seit Oktober 2003 vollumfänglich arbeitsunfähig. Der 

Beschwerdeführer ist gelernter Maurer. Nach Ablauf der einjährigen Wartezeit (aArt. 29 

Abs. 1 lit. b IVG) im Oktober 2004 befand er sich in einer Umschulung zum Kaufmann 

und bezog IV-Taggelder. Daher ist für Oktober 2004 bis Ende Januar 2005 keine 

Rentenberechnung vorzunehmen (vgl. IV-act. 60 und 102). Der Beschwerdeführer ist 

von seinem Hausarzt vom 20. November 2004 bis 3. Dezember 2004 und ab 

10. Januar 2005 als Maurer bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig erklärt worden (IV-

act. 155-5/7). Auch der damals behandelnde Psychiater hat aufgrund einer 

mittelschweren depressiven Episode eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt (IV-act. 

94-2/5). Nach Abbruch der Umschulungsmassnahmen auf den 2. Februar 2005 ist die 

Rentenprüfung jedoch nicht mehr aufgrund der vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit in 

der bisherigen Tätigkeit als Maurer vorzunehmen. Dem Beschwerdeführer wäre es 

nämlich zumutbar gewesen, sich im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht (Art. 21 

Abs. 4 ATSG) selbständig im Rahmen der noch zu bestimmenden Restarbeitsfähigkeit 

um eine Hilfsarbeit zu bemühen.

2.3    Der Beschwerdeführer leidet unter anderem an einer seronegativen 

Spondylarthropathie bei chronischer Darmerkrankung sowie einer 

Persönlichkeitsstörung. Diese Erkrankungen haben die Arbeitsfähigkeit zwischen 

Oktober 2003 und August 2006 unterschiedlich in Grad und Dauer eingeschränkt. 

Spätestens seit September 2006 liegt nach den übereinstimmenden Beurteilungen der 

Ärzte sowohl in der bisherigen wie in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit vor. Die Krankengeschichte ist nicht lückenlos dokumentiert, 

offenbar weil sich der Beschwerdeführer unregelmässig in ärztliche Behandlung 

begeben hat. Sofern aus den vorliegenden Akten nicht eruiert werden kann, in welchem 

Ausmass der Beschwerdeführer überwiegend wahrscheinlich in einer 

leidensangepassten Tätigkeit arbeitsunfähig war, und weitere Abklärungen 

diesbezüglich ebenfalls keine verlässlichen Erkenntnisse versprechen, trägt der 

Beschwerdeführer die Folgen der Beweislosigkeit (BGE 117 V 264 E. 3b). Zu prüfen ist 

der Zeitraum ab Februar 2005.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.4    Das ABI hat in seinem Gutachten vom 12. Juni 2006 die zumutbare 

Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auf 80% festgesetzt (IV-act. 120). 

Die Beschwerdegegnerin hat unter Berufung auf den RAD auf diese 

Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt. Wie aus dem Verlaufsgutachten des ABI vom 

30. Oktober 2007 jedoch hervorgeht, war die psychiatrische Begutachtung insofern zu 

optimistisch ausgefallen, als damals eine psychische Störung mit Krankheitswert 

verneint worden war. Auch der RAD hat in seiner ersten Stellungnahme vom 19. Juli 

2006 die psychiatrische Diagnose angezweifelt (vgl. IV-act. 121). Der Beschwerdeführer 

ist der Ansicht, er sei seit Oktober 2003 zu mindestens 80%, wenn nicht 100%, 

arbeitsunfähig. Nachfolgend ist daher zu überprüfen, ob die 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit auch in Verweistätigkeiten retrospektiv erst ab September 2006 

eingetreten ist.

2.5    Aus somatischer Sicht hat der Hausarzt im März 2005 bestätigt, dass dem 

Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit sechs bis acht Stunden pro Tag 

zumutbar sei. Im Vordergrund stehe eine psychiatrische Störung. Der 

Beschwerdeführer wechsle zwischen psychisch aufbrausend und depressiv (IV-act. 

91). Am 15. November 2005 hat der Hausarzt ihn als nicht vollständig arbeitsunfähig 

bezeichnet, auch wenn ihn weiterhin eine Colitis ulcerosa, eine psychische Störung, 

eine Osteoporose und Lumbalgien belasteten (IV-act. 105-2/6). Eine genaue 

Arbeitsfähigkeitsschätzung fehlt. In der retrospektiven Arbeitsfähigkeitsschätzung vom 

21. Mai 2008 hat der Hausarzt ausgeführt, eine Teilarbeitsfähigkeit zu einem Drittel, 

maximal aber 50%, könne er noch zeitweise akzeptieren (IV-act. 155-5/7). Sodann hat 

der Hausarzt am 29. Mai 2008 erklärt, die von ihm erwähnte maximale Arbeitsfähigkeit 

für die Zeit von 2005 bis 2006 sei so zu sehen: Ganztägige körperlich leichte Arbeit in 

einem Gebäude mit rasch erreichbarer Toilette, mit intermittierenden ganz- bis 

mehrtägigen Absenzen bei schlechtem Zustand, sonst aber mit verminderter Leistung 

wegen häufiger Toilettengänge (IV-act. 155-6/7). Der behandelnde Internist Dr. F.___ 

hat in seinen Berichten vom 13. September 2004 (IV-act. 91-5/6) und vom 22. Juni 

2005 (IV-act. 105-5/6) jeweils keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. In der 

retrospektiven Beurteilung vom 19. Mai 2008 hat er dem Beschwerdeführer eine 

80%ige Arbeitsunfähigkeit für die Jahre 2003 bis 2006 attestiert. Nach seiner 

Einschätzung hat sich der Gesundheitszustand seit 2003 nicht entscheidend verändert 

beziehungsweise hat sich die Arbeitsfähigkeit nicht zusätzlich vermindert (IV-act. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

155-4/7). Das ABI geht in seinen Gutachten vom 12. Juni 2006 und vom 30. Oktober 

2007 davon aus, dass aus der unbehandelten beziehungsweise später 

therapieresistenten Colitis ulcerosa eine Einschränkung von 20 bis 25% resultiere (IV-

act. 120-17/18 und 137-22/56). Der Beschwerdeführer hat sich im Jahr 2005 einzig im 

Juni 2005 durch Dr. F.___ wegen der Colitis ulcerosa behandeln lassen. Weitere 

Arztberichte zur somatischen Situation im Jahr 2005 fehlen. Danach hat sich der 

Beschwerdeführer erst im Juni, August und November 2006 wieder behandeln lassen. 

Die rückwirkende Beurteilung der behandelnden Ärzte widerspricht ihren echtzeitlichen 

Angaben, weshalb darauf mangels hinreichender Verlässlichkeit und Plausibilität nicht 

abgestellt werden kann. Die retrospektiven Berichte begründen nicht, weshalb die 

echtzeitlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen unzutreffend gewesen sein sollen. 

Hinweise darauf, dass die späteren Untersuchungen zu einer besseren Erkenntnis der 

gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers und damit zu einer präziseren 

rückwirkenden Arbeitsfähigkeitsschätzung geführt hätten, liegen nicht vor. Daraus folgt, 

wie aus den echtzeitlichen Berichten und der gutachterlichen Beurteilung schlüssig und 

nachvollziehbar hervorgeht, dass dem Beschwerdeführer aus gastroenterologischen 

Sicht in einer leidensangepassten Tätigkeit seit etwa 2003 eine 75 bis 80%ige 

Arbeitsfähigkeit zumutbar ist.

2.6    Anlässlich der ersten ABI-Begutachtung im April 2006 ist von chronisch-

rezidivierenden Rückenschmerzen berichtet worden, die bei Exazerbationen gut mit 

intramuskulären Injektionen durch den Hausarzt behandelt worden waren. Klinisch 

habe man keine Sacroileitis nachweisen können, da alle Tests diesbezüglich negativ 

ausgefallen seien. Deshalb werde von einem Panvertebralsyndrom im Zusammenhang 

mit einem differentialdiagnostisch entzündlichen Befall des Achsenskeletts bei Colitis 

ulcerosa im Rahmen einer Diskopathie L4/5 sowie radiomorphologisch nachweisbarer 

Wirbelsäulenfehlform und Chondrose L4/5 ausgegangen. Sowohl in der konventionell-

radiologischen Übersichtsaufnahme der LWS als auch im aktenmässig vorliegenden 

Befund eines MRI des ISG 3/06 beständen daneben Hinweise für eine mögliche 

Sacroileitis. Zusammen mit der persönlichen Vorgeschichte einer Colitis ulcerosa sowie 

der Familienanamnese von Spondylitis ankylosans bei zwei Brüdern sei damit das 

Vorliegen einer entzündlichen Affektion des Achsenskeletts im Sinn einer 

Spondarthropathie nicht vollständig ausgeschlossen. Die starke subjektive 

Beschwerdeintensität und vor allem die angegebene Behinderung selbst im Alltag habe 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

man durch die vorliegenden Befunde nicht erklären können, spezifische und/oder 

hochgradige pathologische Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule seien weder 

klinisch noch radiologisch nachweisbar. Aus rheumatologischer Sicht sollten weitere 

Abklärungen vorgenommen werden. Aufgrund der vorliegenden Befunde sei eine 

körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit vollumfänglich zumutbar (IV-act. 

120-10/18). Bereits wenige Monate später, am 31. August und 7. September 2006, 

wurde der Beschwerdeführer erneut rheumatologisch abgeklärt und die Diagnose einer 

seronegativen Sponylarthropathie bei chronisch entzündlicher Darmerkrankung 

objektiviert und bestätigt. Eine entsprechende Medikation wurde veranlasst. Eine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung wurde nicht abgegeben (IV-act. 137-48/56). Der 

begutachtende Rheumatologe des ABI hat bei der Verlaufsbegutachtung vom August 

2007 ausgeführt, die Diagnose einer entzündlichen rheumatischen Systemerkrankung 

könne nun objektiv bestätigt werden. Trotz einer adäquat ausgebauten kombinierten 

Basistherapie lägen weiterhin massive Schmerzen vor. Dementsprechend könne die 

subjektive Schmerzsymptomatik somatisch objektiv vollumfänglich nachvollzogen 

werden und führe zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft (IV-act. 

137-18/56). In der Gesamtbeurteilung haben die Ärzte den Eintritt der 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit auf September 2006 festgelegt (IV-act. 137-22/56). Dieser Beginn 

erscheint dem Gericht nicht überzeugend. Bereits bei der ersten ABI-Begutachtung im 

April 2006 hat der Beschwerdeführer über massive Rückenschmerzen bei 

entzündlicher Darmerkrankung geklagt. Sodann besteht eine familiäre Belastung für 

chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung. Der begutachtende Rheumatologe 

hat als Verdachtsdiagnose eine entzündliche Affektion des Achsenskeletts im Sinn 

einer Spondarthropathie bereits im April 2006 nicht ausschliessen können. Jedoch hat 

er die subjektiv geklagten Beschwerden damals nicht objektivieren können und 

deshalb in seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt. Das ihm zur 

Verfügung gestandene MRI vom März 2006 ist ohne Kontrastmittelgabe erfolgt, 

weshalb es keine Rückschlüsse auf eine entzündliche Systemerkrankung liefern 

konnte. Der begutachtende Rheumatologe hat auf den Bedarf weiterer 

Untersuchungen betreffend entzündliche Veränderungen hingewiesen. Sodann hat er 

festgehalten, falls sich radiomorphologisch relevante neue Aspekte ergäben, müsse 

eine Reevaluation der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht veranlasst werden 

(IV-act. 120-10/18 f.). Die Diagnose einer seronegativen Spondylarthropathie mit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

bilateraler Sacroileitis bei entzündlicher Darmerkrankung ist bereits wenige Monate 

nach dieser Begutachtung im August/September 2006 objektiviert worden. Damit ist 

auch die subjektiv geklagte Behinderung durch die Rückenschmerzen bei 

entzündlicher Darmerkrankung retrospektiv nachvollziehbar geworden. Diese wird sich 

nicht innert weniger Monate grundlegend verändert haben. Daher ist mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass bereits im April 2006 aus 

rheumatologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit gegeben war. Die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI-Gutachtens vom 12. Juni 2006 ist daher nicht 

plausibel. Im Verlaufsgutachten vom 30. Oktober 2007 wird der Beginn der 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit nicht begründet. Es ist nicht einzusehen, weshalb diese erst mit 

Objektivierung der rheumatologischen Systemerkrankung Ende August/Anfangs 

September 2006 Gültigkeit haben sollte, nachdem bereits im April 2006 die 

entsprechende Verdachtsdiagnose gestellt worden war.

2.7    Der Beschwerdeführer leidet schliesslich auch an psychischen Beschwerden. Er 

hat sich vom 8. Dezember 2004 bis 6. April 2005 psychiatrisch behandeln lassen. Dr. 

E.___ hat in seinem Bericht vom 6. April 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

aufgrund einer mittelschweren depressiven Episode angegeben (IV-act. 94 und 99). Die 

Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode wurde weder von den 

begutachtenden Psychiatern noch vom später behandelnden Psychiater Dr. G.___ 

bestätigt. Zudem ist zu vermuten, dass der behandelnde Psychiater die subjektiven 

Beschwerden des Beschwerdeführers in seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung zu stark 

berücksichtigt hat; er hat in seinem Bericht vom 6. April 2005 darauf hingewiesen, dass 

sich der Beschwerdeführer eine "Ruhezeit" wünsche, um wieder zu sich zu kommen 

(IV-act. 94-2/5). Allenfalls hat die fragliche depressive Episode zu einer 

vorübergehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt. Da der 

Beschwerdeführer die Behandlung jedoch schon nach vier Monaten abgebrochen hat, 

ist aus psychiatrischer Sicht eine bestehende, längerdauernde Arbeitsunfähigkeit nicht 

nachgewiesen. Bis zur Behandlung durch Dr. G.___ ab März 2006 fehlen fachärztliche 

Berichte über den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und eine 

allfällige Teilarbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Die hausärztliche 

Einschätzung vom November 2005, wonach weiterhin psychische Probleme im 

Vordergrund stünden, aber keine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit begründet werden 

könne, quantifiziert die Arbeitsunfähigkeit nicht. Daher ist eine relevante Einschränkung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bis März 2006 (Zeitpunkt der 

Behandlungsaufnahme durch Dr. G.___) nicht überwiegend wahrscheinlich 

nachgewiesen.

2.8    Erst im März 2006 hat der Beschwerdeführer die psychiatrische Behandlung 

wieder aufgenommen (vgl. IV-act. 112). Im Bericht vom 30. April 2006 hat Dr. G.___ die 

Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung gestellt. Aus 

psychiatrischer Sicht leide der Versicherte stark an einer Störung der 

Konzentrationsfähigkeit, der Anpassungsfähigkeit sowie der Flexibilität in emotionaler 

und sozialer Hinsicht. Der Versicherte habe ein geringes Durchhaltevermögen und eine 

kleine Frustrationstoleranz sowie vor allem eine grosse Angst vor Kränkungen, die zu 

Reizbarkeit und Impulsivität führten. Auch eine leichte adaptierte Tätigkeit sei dem 

Versicherten durch die psychischen Beeinträchtigungen vollständig verunmöglicht. 

Insbesondere bezögen sich die psychischen Beeinträchtigungen auf die mit jeder Art 

von Arbeit verknüpften, zwischenmenschlichen Kontakte (IV-act. 118). Dieser Bericht 

ist dem ABI zwar offenbar in Kopie zugestellt worden, fehlt jedoch in der 

Aktenauflistung der Gutachten vom 12. Juni 2006 und vom 30. Oktober 2007. Im 

Bericht vom 17. Oktober 2006 hat Dr. G.___ die Diagnose sowie die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von 0% wiederholt (IV-act. 125). Im ABI-Verlaufsgutachten 

vom 30. Oktober 2007 hat Dr. med. H.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 

FMH, bestätigt, dass die von Dr. G.___ im Bericht vom 17. Oktober 2006 gestellte 

Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung korrekt sei. Seines 

Erachtens sei die von Dr. G.___ attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit jedoch lediglich 

im Umfang von 50% gerechtfertigt. In Addition von somatischen und psychischen 

Befunden könne die Arbeitsunfähigkeit jedoch eher höher liegen. Zur Zeit sei der 

Beschwerdeführer keinem Arbeitgeber zumutbar (IV-act. 137-14/56). Dass die 

Persönlichkeitsstörung per se nicht zu einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit geführt 

hat, ist plausibel. Aus dem Verlaufsgutachten geht jedoch nicht hervor, wann die 

attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist. In der Gesamtbeurteilung wird auf 

September 2006 verwiesen. Dr. H.___ hat zum vorangehenden ABI-Gutachten 

angegeben, die Diagnose der Anpassungsstörung habe retrospektiv zu wenig die 

Verzahnung von Vorgeschichte und aktuellem Leiden berücksichtigt. Der 

Beschwerdeführer sei bereits als Kind gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt gewesen, 

die zu einer Verformung seiner Persönlichkeit geführt hätten. Sie bedingten Wut und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Hass, welche die Persönlichkeit zu sprengen drohten. Der Ausbruch der Colitis 

ulcerosa habe später auch zur psychischen Dekompensation geführt. Entsprechend 

dem somatisch besseren Zustand im Vorjahr sei der Beschwerdeführer auch 

psychiatrisch weitaus ausgeglichener, die Persönlichkeitsstörung sei kompensiert 

gewesen (IV-act. 137-15/56 f.). Daraus zu schliessen, die Persönlichkeitsstörung habe 

anlässlich der ersten Begutachtung noch nicht zu einer Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit geführt, erscheint dem Gericht nicht überzeugend. Auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht gemäss ABI-Gutachten vom 

12. Juni 2006 kann daher nicht abgestellt werden. Dr. H.___ hat nämlich einen 

psychischen Befund erhoben, der nur minim von der Befunderhebung durch Dr. G.___ 

im Frühling 2006 abweicht. So hat Dr. H.___ angeben: Durch innere Spannungen, 

Reizbarkeit, Aggressivität und Impulsivität sei der Beschwerdeführer derzeit kaum an 

einem Arbeitsplatz, in einem Team integrierbar. Er könne sich nur bedingt mit Konstanz 

auf eine Arbeit konzentrieren. Es könne ihm allenfalls eine Arbeit in weitgehender Ruhe 

und Abgeschiedenheit zugemutet werden (IV-act. 137-14/56). Sodann ist auch im ABI-

Gutachten vom 12. Juni 2006 festgestellt worden, dass beim Beschwerdeführer 

Gereiztheit, Ärger, Anspannung sowie eine geringe Frustrationstoleranz vorlägen (IV-

act. 120-13/18). Der Bericht von Dr. G.___ vom 30. April 2006 wurde von Dr. H.___ 

offenbar nicht berücksichtigt. Dr. G.___ hat in diesem Bericht festgestellt, dass sich der 

psychopathologische Zustand bereits im März 2006 manifestiert habe. Dieser Bericht 

ist zusammen mit dem aus rheumatologischer Sicht bereits verschlechterten 

Gesundheitszustand geeignet, betreffend Beginn der Arbeitsunfähigkeit zu einer 

anderen Beurteilung zu führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008 i/S. L. 

[8C_809/2007] E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer spätestens ab April 2006 aufgrund 

seiner Persönlichkeitsstörung zu mindestens 50% arbeitsunfähig war. Werden dabei 

auch die mutmasslichen Auswirkungen der rheumatologischen Systemerkrankung 

berücksichtigt, ist in antizipierter Beweiswürdigung mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Arbeitsunfähigkeit 

insgesamt bereits im April 2006 100% betragen hat. Die psychiatrische Einschätzung 

gemäss ABI-Begutachtung vom 12. Juni 2006 erweist sich retrospektiv als zu 

optimistisch. Zwar lässt der Verlauf der Erkrankung des Beschwerdeführers vermuten, 

dass bereits vor April 2006 eine nicht unerhebliche Arbeitsunfähigkeit aus 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

psychiatrischer und rheumatologischer Sicht bestanden haben könnte und der 

Beschwerdeführer die Umschulung möglicherweise aus gesundheitlichen Gründen 

abgebrochen hatte. Die erforderliche Begutachtung des Beschwerdeführers hat die 

Beschwerdegegnerin jedoch erst im April 2006 in Auftrag gegeben. Die Aktenlage lässt 

lediglich den Schluss zu, dass eine 20 bis 25%ige Arbeitsunfähigkeit aus 

gastroenterologischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit seit Februar 2005 

ausgewiesen ist.

2.9    Zusammenfassend folgt daraus, dass der Beschwerdeführer seit Februar 2005 in 

einer leidensangepassten Tätigkeit zu 20 bis 25% und seit April 2006 zu 100% 

arbeitsunfähig ist. Gemäss Bundesgericht ist auf den Mittelwert einer Bandbreite, 

vorliegend also 22.5% Arbeitsunfähigkeit abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

vom 21. April 2005 i/S. K. [I 822/04] E. 4.4 mit weiteren Hinweisen).

3.        

3.1    Auf der Basis dieser Resterwerbsfähigkeiten für eine leichte, leidensadaptierte 

Tätigkeit ist im Folgenden der Invaliditätsgrad zu bemessen. Gemäss Arbeitgeber hat 

der Beschwerdeführer an seiner letzten Arbeitsstelle Fr. 6'235.-- pro Monat inklusive 

Ferien- und 13. Monatslohnanteil verdient. Die Arbeit als Maurer hat er krankheitshalber 

bereits nach einem Monat nicht mehr ausüben können, weshalb ihm auf Ende 

November 2003 gekündigt worden ist (IV-act. 9). Wie aus den Gutachten hervorgeht, 

ist die vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit als Maurer ab Oktober 2003 ausgewiesen. 

Wenn der Arbeitgeber angibt, der gezeigten Leistung entspreche lediglich ein Lohn von 

Fr. 5'200.--, so ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die 

gesundheitlichen Beschwerden den Beschwerdeführer bereits im August 2003 in seiner 

vollen Leistungsfähigkeit behindert haben, da er bereits am 10. September 2003 

krankheitshalber zuletzt zur Arbeit erschienen war (IV-act. 155-5/7). Zwar liegt der 

vereinbarte Lohn von Fr. 6'235.-- über dem durchschnittlichen Lohn im Baugewerbe für 

Männer mit Berufs- und Fachkenntnissen und entspricht eher dem Lohn für die 

Verrichtung selbständiger und qualifizierter Arbeiten (Niveau 3 der Tabellenlöhne TA1, 

Privater Sektor, Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE] 2002). Der 

Beschwerdeführer wird als sehr intelligent beschrieben. Er leidet seit seiner Kindheit an 

einer Persönlichkeitsstörung, die sich gemäss den Akten durch seine Unzuverlässigkeit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wohl bereits seit der Jugend bemerkbar gemacht hat. Da sie offenbar lange 

kompensiert werden konnte, hat sie sich vorerst nicht auf die Arbeitsfähigkeit 

ausgewirkt. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass er ohne diese Störung das 

Gymnasium beendet hätte. Vor diesem Hintergrund kann für das Valideneinkommen 

auf den vertraglich vereinbarten Lohn von Fr. 6'235.-- pro Monat beziehungsweise Fr. 

74'820.-- im Jahr 2003 abgestellt werden. Angepasst an die Nominallohnentwicklung 

bis ins Jahr 2005 (2004: 0.9% und 2005: 1.0%) beträgt das Valideneinkommen Fr. 

76'248.--.

3.2    Weil der Beschwerdeführer seit 2003 keine Arbeit mehr aufgenommen hatte, ist 

das Invalideneinkommen aufgrund der Tabellenlöhne der LSE zu bestimmen (vgl. etwa 

Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2008 [8C_119/2007] E. 5.2). Da der 

Beschwerdeführer die ihm zugesprochene Umschulung abgebrochen hatte, ist zur 

Bestimmung des Invalideneinkommens auf die durchschnittlichen Löhne für einfache 

und repetitive Tätigkeiten (Niveau 4) abzustellen. Im Jahr 2005 verdienten Männer bei 

einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden durchschnittlich Fr. 58'389.--. Dieser 

Betrag ist um den Arbeitsunfähigkeitsfaktor von 22.5% zu kürzen, was Fr. 45'251.-- 

ergibt.

3.3    Der Beschwerdeführer ist gegenüber einem gesunden Konkurrenten 

benachteiligt, weil er mehr Krankheitsabwesenheiten haben sowie für 

Überstundentätigkeit weniger verfügbar sein wird. Er wird deshalb eine Lohneinbusse 

in Kauf nehmen müssen. Vom Invalideneinkommen ist deshalb ein zusätzlicher Abzug 

vorzunehmen. Der oftmals als "Leidensabzug" bezeichnete Abzug hat nichts mit dem 

Leiden zu tun, dieses ist bereits in der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung 

berücksichtigt worden. Vielmehr sollen damit jene Nachteile ausgeglichen werden, 

welche die versicherte Person bei der Anwendung statistischer Daten für das 

Invalideneinkommen erleidet (vgl. BGE 126 V 75 neues Fenster zum Leidensabzug). 

Vorliegend fällt zudem ins Gewicht, dass bei Männern im tiefsten Anforderungsniveau 

die Teilzeitarbeit hochgerechnet auf ein Vollpensum statistisch gesehen schlechter 

entlöhnt ist als Vollzeitarbeit (Tabelle T6* auf S. 25 der LSE 2004). Männer im tiefsten 

Anforderungsniveau erzielten im Jahr 2006 mit einem zwischen 75% und 89% 

liegenden Arbeitspensum aufgerechnet auf ein Vollpensum ein um 8% tieferes 

https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Einkommen. Insgesamt ist daher ein zusätzlicher Abzug von 10% gerechtfertigt. Das 

Invalideneinkommen beläuft sich demnach auf Fr. 40'726.--.

3.4    Bei einem Valideneinkommen von Fr. 76'248.-- und einem Invalideneinkommen 

von Fr. 40'726.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 46.59%. Das Wartejahr (aArt. 29 

Abs. 1 lit. b IVG) war bei einer seit Oktober 2003 bestehenden 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit im Oktober 2004 erfüllt. Bis 2. Februar 

2005 hat der Beschwerdeführer ein Taggeld wegen der beruflichen Umschulung 

bezogen. Der Beschwerdeführer hat somit ab 1. Februar 2005 Anspruch auf eine 

Viertelsrente.

3.5    Nachdem sich der Gesundheitszustand verschlechterte hatte, ist der 

Beschwerdeführer seit April 2006 zu 100% arbeitsunfähig. Dies stellt einen 

Rentenrevisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar, weshalb in Anwendung 

von Art. 88a Abs. 2 IVV die Rente ab 1. Juli 2006 auf eine ganze Rente anzuheben ist.

4.        

4.1    Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung in 

teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Dem Beschwerdeführer ist ab 

1. Februar 2005 eine Viertelsrente und ab 1. Juli 2006 eine ganze Rente zuzusprechen.

4.2    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Da sich die angefochtene Verfügung als 

rechtswidrig erwiesen hat und da der Beschwerdeführer auf jeden Fall gezwungen 

gewesen ist, Beschwerde zu führen, um nicht rechtswidrig behandelt zu werden, muss 

in Bezug auf die Kostentragungspflicht unabhängig vom konkreten 

Beschwerdebegehren (in Analogie zur entsprechenden Regelung bei einer 

Rückweisung zur weiteren Abklärung, vgl. ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a) von einem 

vollumfänglichen Obsiegen des Beschwerdeführers ausgegangen werden. Die 

Beschwerdegegnerin trägt deshalb die gesamten Gerichtskosten. Da sie gemäss Art. 3 

Abs. 1 lit. b des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die 

Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sozialversicherungsanstalt und damit Teil einer selbständigen öffentlich-rechtlichen 

Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme 

amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli, 

Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor 

dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb 

die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

4.3    Die obsiegende beschwerdeführerende Partei hat bei diesem Verfahrensausgang 

Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese bemisst sich gemäss Art. 61 lit. g ATSG 

nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses. Unter 

Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 

3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem 

Verfahrensausgang wird die bereits bewilligte unentgeltliche Prozessführung 

gegenstandslos.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.       In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 8. Oktober 

2008 aufgehoben. Der Beschwerdeführer hat ab 1. Februar 2005 Anspruch eine 

Viertelsrente und ab 1. Juli 2006 auf eine ganze Rente.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 16.08.2010
	Art. 16 ATSG; Art. 28 IVG. Beginn der rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. August 2010, IV 2008/482).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T13:32:04+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen