# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af71d730-4e2b-5548-85f0-10802eeb5fd7
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-08
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung 08.11.2022 OG O1S-20-10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_OG-O1S-20-10_2022-11-08.pdf

## Full Text

Berufungskläger 

Anschlussberufungs-

beklagter 

Beschuldigter 

A. 

 

amtlich verteidigt durch: RA AA. 

 

 

 

Berufungsbeklagte 1 

Anschlussberufungs-

klägerin  

Anklägerin 

Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden  

 

vertreten durch: Staatsanwalt BB. 

 

 

Berufungsbeklagte 2 

Privatklägerin  

C. 

 

vertreten durch: CC. 

 

 

 

  

Obergericht Appenzell Ausserrhoden 
1. Abteilung 

 

Urteil vom 8. November 2022 
 

Mitwirkende Obergerichtspräsident W. Kobler 

Oberrichterin S. Rohner-Staubli 

Oberrichter B. Oberholzer, H.P. Blaser, R. Breu  

Obergerichtsschreiberin M. Epprecht 

 

 

Verfahren Nr. O1S 20 10 

 

 

Sitzungsort Trogen 

 

 

Gegenstand sexuelle Nötigung, evtl. versuchte sexuelle Nötigung, 

sexuelle Belästigung  

Berufung gegen das Urteil des Einzelrichters des 

Kantonsgerichts SE3 20 2 vom 27. August 2020 

 

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Anträge 
 
 
a) des Beschuldigten, Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. a) A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 
 
  b) Eventualiter sei A. wegen mehrfacher sexueller Belästigung im Sinne von 

Art. 198 Abs. 2 StGB zu einer angemessenen Busse zu verurteilen. 
 
  c) Subeventualiter sei A. wegen mehrfacher sexueller Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB unter Anrechnung von Massnahmen im Umfang von 306 
Tagen zu einer Freiheitsstrafe von maximal 3 Monate zu verurteilen. Der 
Vollzug der Strafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschie-
ben. 

 
2. Auf die Anordnung einer Massnahme sei zu verzichten. 

 
3. Für die Überhaft sei A. CHF 30'600 Genugtuung gutzusprechen. 

 
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates. 

 
 
 im Berufungsverfahren: 
 

1. Die Ziffern 1 bis 5 des Urteils des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden vom  
27. August 2020 seien aufzuheben. 

 
2. Die Anschlussberufung sei kostenpflichtig abzuweisen. 

 
3. A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 
4. Eventualiter sei A. wegen mehrfacher sexueller Belästigung im Sinne von Art. 198 

Abs. 2 StGB zu einer angemessenen Busse zu verurteilen. 
 

5. Auf die Anordnung einer Massnahme sei zu verzichten. 
 

6. Für die Überhaft sei A. seit 7. Dezember 2018 eine Genugtuung von  
CHF 100 pro Tag zuzusprechen. 

 
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates. 

 
8. Die Honorarnote des Verteidigers inkl. Mehrwertsteuer sei zu schützen. 

 
 
 
b) der Staatsanwaltschaft, Berufungsbeklagten 1 und Anschlussberufungsklägerin: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen wegen sexueller Nötigung (Art. 189 
Abs. 1 StGB), evtl. versuchter sexueller Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 
Abs. 1 StGB) sowie wegen sexueller Belästigung (Art. 198 StGB) z.N. C. 
 

 

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2. Der Beschuldigte sei zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten, sowie zu 
einer Busse von CHF 300.00 zu verurteilen. 
 

3. Es sei beim Beschuldigten eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB 
anzuordnen. 
 

4. Die unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten sei zugunsten der Massnahme 
gemäss Art. 63 StGB aufzuschieben. 
 

5. Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 
 

6. Für die Vertretung der Staatsanwaltschaft vor Schranken wird eine Gebühr von 
CHF 500.00 geltend gemacht. 

 
 
 im Berufungsverfahren: 
 

1. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und 
Entschädigungsfolge zulasten des Beschuldigten. 

 
2. Ziffer 2 des Urteils des Kantonsgerichts vom 27. August 2020 im Strafverfahren 

gegen den Beschuldigten sei aufzuheben. 
 

3. Der Beschuldigte sei wegen sexueller Nötigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 
von 6 Monaten zu verurteilen. 

 
4. Unter Kostenfolge zulasten des Beschuldigten. 

 
 
 
c) der Privatklägerin und Berufungsbeklagten 2: 
 

im erstinstanzlichen Verfahren: 
 
(kein Antrag)  

 
 
 im Berufungsverfahren und an Schranken: 
 
 (kein Antrag) 
 
 
 

Sachverhalt 

 

A. Übersicht 

A. und die Privatklägerin C. sind in verschiedenen Wohngruppen im D. wohnhaft. Sowohl 

A. als auch C. sind geistig beeinträchtigt. A. wird vorgeworfen, C. am 27. Oktober 2018 

in der Wohngruppe E. wissentlich und willentlich sexuell genötigt und belästigt zu haben 

(act. B 3/15). 

  

 

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B. Erstinstanzliches Verfahren 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 6. März 2020 beim Kantonsgericht Appenzell Ausser-

rhoden Anklage gegen A. (act. B 3/15). Mit Verfügung vom 16. März 2020 wurde den 

Parteien Gelegenheit gegeben, Beweisanträge zu stellen (act. B 3/18). Die Verteidigung 

reichte mit Eingabe vom 17. März 2020 verschiedene Beweisanträge ein, die 

Staatsanwaltschaft am 19. März 2020 (act. B 3/19 und 21). Mit Verfügung vom  

14. April 2020 wurden die Beweisanträge der Verteidigung abgewiesen und jenen der 

Staatsanwaltschaft entsprochen (act. B 3/22). Am 22. Mai 2020 wurde ein 

Zwischenbericht des D. eingeholt, welcher am 30. Juni 2020 beim Kantonsgericht 

einging (act. B 3/24 und 25). Die Hauptverhandlung fand am 10. August 2020 in 

Anwesenheit der Staatsanwaltschaft, von A. und dessen Verteidiger, RA AA., sowie des 

Sachverständigen Dr. med. F., Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, K., statt. 

Die Privatklägerin nahm nicht teil (act. B 3/31). Das Urteil wurde am 27. August 2020 

gefällt und das schriftliche Urteilsdispositiv am 1. September 2020 versandt (act. B 3/31 

und 36). Mit Schreiben vom 11. September 2020 meldete die Verteidigung rechtzeitig 

die Berufung an (act. B 3/38).  

 

C. Erstinstanzliches Urteil  

 Der Einzelrichter des Kantonsgerichts sprach A. am 27. August 2020 der sexuellen 

Nötigung schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten. Zudem 

ordnete er eine ambulante Massnahme an und schob den Vollzug der Freiheitsstrafe 

zugunsten der ambulanten Massnahme auf. Die Verfahrenskosten in Höhe von 

insgesamt CHF 17'384.00 wurden dem Beschuldigten auferlegt und die Kosten der amt-

lichen Verteidigung einstweilen auf die Staatskasse genommen. RA AA. wurde für seine 

Bemühungen als amtlicher Verteidiger mit CHF 7'019.00 (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

aus der Staatskasse entschädigt (act. B 3/36 und act. B 12).  

 

D. Schriftenwechsel im Berufungsverfahren 

a) Gegen das Urteil vom 27. August 2020, dessen Zustellung in begründeter Ausfertigung 

am 15. Oktober 2020 erfolgte (act. B 3/41/22), liess der Beschuldigte (nachfolgend: 

Berufungskläger) mit Eingabe vom 5. November 2020 Berufung erklären und Beweisan-

träge stellen (act. B 1). 

 

b) Mit Verfügung vom 12. November 2020 wurde der Staatsanwaltschaft und der Privatklä-

gerin Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und begründeten Nichteintretensantrag 

 

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und/oder eine schriftliche Anschlussberufung einzureichen (act. B 4). Die Staatsanwalt-

schaft erklärte Anschlussberufung (act. B 7), während die Privatklägerin sich nicht 

vernehmen liess.  

 

c) Dem Berufungskläger wurde mit Verfügung des Vorsitzenden vom 19. November 2020 

die amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren gewährt und RA AA. als amtlicher 

Verteidiger beauftragt (act. B 6).  

 

d) Mit Verfügung vom 7. Dezember 2020 wurde dem Verteidiger des Berufungsklägers 

Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und begründeten Nichteintretensantrag 

und/oder eine schriftliche Anschlussberufung einzureichen (act. B 8), wovon dieser 

keinen Gebrauch machte (act. B 9).  

 

e) Der Vorsitzende lehnte mit Verfügung vom 29. Januar 2021 die vom Berufungskläger 

gestellten Beweisanträge ab (act. B 10).  

 

f) Am 7. Juni 2022 wurden die Verfahrensbeteiligten zur mündlichen Berufungsverhand-

lung vom 8. November 2022 vorgeladen (act. B 13).  

 

g) Mit Eingabe vom 9. Juni 2022 hielt der Verteidiger des Berufungsklägers an den bereits 

gestellten Beweisanträgen fest (act. B 14). 

 

h) Das D. reichte mit Eingabe vom 23. September 2022 eine Stellungnahme und einen 

Verlaufsbericht ab Juli 2020 ein (act. B 17 und B 18), welche den Parteien zugestellt 

wurden (act. B 20). 

 

Auf die entsprechenden Ausführungen und Angaben in den in lit. a - h vorstehend ange-

führten Schriftstücken wird, soweit für die Beurteilung erforderlich, im Rahmen der nach-

folgenden Erwägungen einzugehen sein. 

 

E. Berufungsverhandlung vor dem Obergericht 

 Die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Obergericht fand am 8. November 2022 

in Anwesenheit des Berufungsklägers, dessen amtlichen Verteidigers RA AA. sowie in 

Anwesenheit des Staatsanwaltes BB. und der Beiständin der Privatklägerin statt. Das 

Obergericht führte gleichentags seine Beratung durch. Auf eine mündliche Eröffnung des 

Urteils verzichteten die Verfahrensbeteiligten. Das Urteil des Obergerichts wurden den 

Parteien am 16. November 2022 im Dispositiv zugestellt (act. B 25). Mit Eingabe vom 

 

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17. November 2022 erklärte der Verteidiger des Berufungsklägers den Verzicht auf 

Ergreifung von Rechtsmitteln (act. B 28). 

 

 

 

Erwägungen 

 

1. Formelles 

1.1 Zuständigkeit 

 Auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen zur örtlichen und sachlichen Zustän-

digkeit kann verwiesen werden (act. B 2/Erwägung 1). 

 

 Ergänzend ist bezüglich der sachlichen Zuständigkeit des Obergerichts auf Art. 26 

Justizgesetz (JG, bGS 145.31) hinzuweisen, wonach das Obergericht Berufungs- und 

Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege ist. 

 

1.2 Rechtsmittellegitimation 

Der Berufungskläger ist mit Urteil des Einzelrichters des Kantonsgerichts Appenzell Aus-

serrhoden vom 27. August 2020 verurteilt worden. Folglich hat er ein rechtlich geschütz-

tes Interesse an der Aufhebung dieses Entscheides und ist zur Einreichung der Berufung 

legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Hinsichtlich der Anschlussberufung ist die Legitimation 

der Staatsanwaltschaft gegeben (Art. 381 Abs. 1 StPO). 

 

1.3 Rechtzeitigkeit der Berufung und der Anschlussberufung 

 Die erstinstanzliche Urteilsbegründung wurde an sämtliche Verfahrensbeteiligten am 

15. Oktober 2020 versandt (act. B 3/41/22). Die Berufungserklärung vom 5. November 

2020 erfolgte somit fristgerecht (Art. 399 Abs. 3 StPO; act. B 1). Dasselbe gilt für die 

Anschlussberufung (act. B 4 und 7). 

 

1.4 Gegenstand der Berufung und Anschlussberufung 

 Berufung und Anschlussberufung richten sich gegen die Dispositiv-Ziffern 1 – 5 (Schuld-

spruch, Strafmass, ambulante Massnahme, Verfahrenskosten) des Urteils des Kantons-

gerichts vom 27. August 2020 (Art. 399 Abs. 3 und Abs. 4 StPO; Art. 401 Abs. 2 StPO) 

und damit gegen sämtliche Urteilspunkte des vorinstanzlichen Urteils. Das Obergericht 

beurteilt den vorliegenden Fall mit voller Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). 

 

 
  

 

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1.5 Beweisanträge 

Der Verteidiger des Berufungsklägers stellte in der Berufungserklärung die Anträge, das 

Gutachten von Dr. med. F. mangels Verwertbarkeit aus den Akten zu nehmen, den 

Berufungskläger durch einen Drittgutachter neu begutachten beziehungsweise eine 

Ergänzung/Neufassung des Gutachtens durch Dr. med. F. vornehmen zu lassen 

(Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO; act. B 1). Diese Beweisanträge wurden vom Vorsitzenden 

des Obergerichts mit Verfügung vom 29. Januar 2021 abgelehnt, da aufgrund der 

ausführlichen Erläuterung des Gutachtens durch Dr. med. F. im Rahmen der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung zur Zeit eine neue Begutachtung beziehungsweise 

eine Ergänzung nicht zwingend notwendig erscheine (Art. 405 Abs. 1 i.V.m. Art. 331 

Abs. 1 und Abs. 3 StPO; act. B 10). Anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung 

erneuerte RA AA. seine Beweisanträge (act. B 31/12). Diese Anträge werden 

nachfolgend beurteilt (vgl. Erwägung 4.3.2.3). 

 

 

2. Sachverhalt und Beweiswürdigung 

2.1 Vorwürfe gemäss Anklageschrift 

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden vom 5. März 2020 

wird dem Berufungskläger zum einen vorgeworfen, die Privatklägerin sexuell belästigt 

zu haben, indem er – sie auf ihrem Bett sitzend, er auf dessen Bettrand sich befindend – 

sie mit seinen Händen gegen ihren Willen an ihren Brüsten und ihrem Bauch über der 

Kleidung berührt und fest angefasst sowie mehrmals versucht habe, sie auf den Mund 

zu küssen. Sie habe dem Berufungskläger gesagt, dass sie diese Handlungen nicht 

wolle und er gehen solle. Zum anderen wird dem Berufungskläger vorgeworfen, die 

Privatklägerin sexuell genötigt zu haben, indem er – sie auf ihrem Bett sitzend, er auf 

dessen Bettrand sich befindend – sie gegen ihren Willen mit seinen Händen an ihrem 

Oberkörper derart auf ihr Bett nach hinten gedrückt habe, dass sie auf dem Rücken zu 

liegen gekommen sei, er ihre Oberschenkel mit seinen Händen auseinander gedrückt 

und mit seinem Körper auf sie gelegt habe, so dass – während beide bekleidet waren 

und blieben – der Penis des Berufungsklägers die Scheide der Privatklägerin berührt 

habe. Weiter habe der Berufungskläger mit seinem Oberkörper und Gesäss gegen den 

Willen der Privatklägerin während mehrerer Minuten wippende, den Beischlaf 

imitierende Bewegungen auf ihrem Körper ausgeführt. Die Privatklägerin habe sich mit 

wiederholtem Schreien und Versuchen, den Berufungskläger mit beiden Händen 

wegzustossen, gewehrt und habe versucht, sich aufzurichten (act. B 3/15). 

 

  

 

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2.2 Würdigung durch die Vorinstanz 

Die Vorinstanz ging aufgrund einer Gesamtwürdigung vom Sachverhalt aus, wie er in 

der Anklageschrift vom 5. März 2020 umschrieben wurde. Sie stützte sich hierbei auf die 

Aussagen der Privatklägerin, welche sie als sehr konstant, ohne Widersprüche und ohne 

unnötige Beschuldigung des Berufungsklägers sowie als authentisch und glaubhaft 

bezeichnete. Zudem seien die Aussagen der Privatklägerin sowie die Aussagen und 

Zugeständnisse des Berufungsklägers im Wesentlichen deckungsgleich. Trotz der 

geistigen Behinderung der Privatklägerin sei klar, dass sie die Problematik des 

Geschehens richtig eingeschätzt und angemessen reagiert habe. Am Urteilsvermögen 

der Privatklägerin hinsichtlich des Geschehens und dass ihr Unrecht angetan worden 

sei, beständen keine Zweifel (act. B 2/Erwägung 4.3). 

 

2.3 Vorbringen der Parteien im Berufungsverfahren 

2.3.1 Verteidigung 

RA AA. brachte im Rahmen der Berufungsverhandlung im Wesentlichen vor, es bleibe 

unbestritten, dass der Berufungskläger gegen den Willen und zum Nachteil der 

Privatklägerin eine oder mehrere Handlungen begangen und sich bei ihr habe 

entschuldigen wollen. Unklar bleibe, wofür genau er sich habe entschuldigen wollen und 

was sich genau zugetragen habe. Das erstinstanzliche Urteil stütze sich massgeblich 

auf die Aussagen der Privatklägerin ab. Die zum Hauptvorwurf erhobene Behauptung, 

wonach der Berufungskläger sein Geschlechtsteil am Geschlechtsteil der Privatklägerin 

gerieben habe, sei anlässlich der Konfrontationseinvernahme unerwähnt geblieben 

beziehungsweise die Privatklägerin habe diese Behauptung weder von sich aus erhoben 

noch habe die Staatsanwaltschaft nachgefragt (act. B 22/6). Dem Berufungskläger sei 

dieser Sachverhalt nicht vorgehalten worden, weshalb dieser nicht als eingestanden 

qualifiziert werden und nicht Gegenstand einer Anklage oder gar Gegenstand einer 

Verurteilung sein könne. Gemäss seinen Schilderungen habe der Berufungskläger die 

Privatklägerin geküsst, an den Brüsten über den Kleidern und am Bauch angefasst sowie 

an den Oberschenkeln berührt. Über seine Motivation oder seine Empfindungen sei der 

Berufungskläger entweder nicht befragt worden oder er habe sich dazu nicht äussern 

können. Daher sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz dennoch überzeugt sei, 

die Handlungen am fraglichen Abend seien triebgesteuert gewesen. Ein nicht 

dokumentiertes Wippen sei von der Vorinstanz eindeutig als eine sexualbezogene 

Handlung definiert worden, wohingegen aus Sicht der Verteidigung eine als "Wippen" 

interpretierte Bewegung einer mental eingeschränkten Person nicht als eine sexuell 

 

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motivierte, vorsätzliche Handlung qualifiziert werden könne (act. B 22/7). Wenn über-

haupt, habe der Berufungskläger lediglich den Straftatbestand der sexuellen Belästigung 

erfüllt (act. B 22/9). 

 

2.3.2 Staatsanwaltschaft 

Im Rahmen der Berufungsverhandlung führte die Staatsanwaltschaft aus, dem Beru-

fungskläger sei das Aneinanderreiben von Geschlechtsteilen vorgehalten worden. Die 

Vorinstanz habe zutreffend festgehalten, dass die Privatklägerin zu den von ihr erhobe-

nen Vorwürfen gegenüber dem Berufungskläger sehr konstant ausgesagt habe und es 

keine Widersprüche in ihren Aussagen gebe. Daher könne auf ihre authentischen, glaub-

haften Aussagen abgestellt werden. Zumal sich ihre Aussagen im Wesentlichen mit den 

Aussagen und Zugeständnissen des Berufungsklägers decken (act. B 24/1).  

 

2.4 Beweismittel 

Dem Gericht liegen die Aussage der Privatklägerin in der Videoeinvernahme vom 

3. Dezember 2018 (act. B 3/2.1.9), die Aussage des Berufungsklägers vom  

19. Dezember 2018 (act. B 3/2.1.6) und die Aussagen in der Konfrontationseinvernahme 

vom 8. März 2019 vor (act. B 3 /4.1). Sodann befinden sich die Aussagen der 

Auskunftspersonen G. (act. B 3/2.1.3) und H. (act. B 3/2.1.7) in den Akten sowie ein 

"Meldeformular bei Gewaltvorfällen" des D., welches den Vorfall vom 27. Oktober 2018 

betrifft (act. B 3/2.1.2).  

 

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin und des Berufungsklägers grund-

sätzlich korrekt zusammengefasst, weshalb an dieser Stelle darauf verwiesen werden 

kann (Erwägungen 4.1 und 4.2 des angefochtenen Entscheids; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im 

Sinne einer Rekapitulation wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung 

ergänzend darauf eingegangen.  

 

2.5 Beweiswürdigung  

2.5.1 Theoretische Ausführungen 

Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO besagt, dass 

die Strafverfolgungsbehörden und die Strafgerichte nicht nach festen Beweisregeln, 

sondern aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung darüber entscheiden, ob sie eine 

Tatsache als bewiesen ansehen oder nicht (BGE 133 I 33 E. 2.1). Im Rahmen der freien 

Beweiswürdigung kommt es weder auf die Zahl der für oder gegen ein bestimmtes 

Beweisergebnis sprechenden Beweismittel an, noch kommt bestimmten Arten von 

 

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Beweismitteln ein Vorrang resp. ein Übergewicht gegenüber anderen Arten von Beweis-

mitteln zu. Weder hat der Personalbeweis Vorrang vor dem Sachbeweis, noch umge-

kehrt. Entscheidend ist allein der Beweiswert der konkret vorhandenen Beweismittel, 

beim Personalbeweis also die Glaubwürdigkeit der Person – und vor allem – die Glaub-

haftigkeit der Angaben, welche diese Person gemacht hat (WOLFGANG WOHLERS, in: 

Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 27 zu Art. 10 StPO).  

 

Bleiben bei der Auswertung der Beweise Unsicherheiten haften oder lässt das Beweis-

ergebnis verschiedene Deutungen beziehungsweise Sachverhaltsalternativen zu, so 

ergibt sich aus dem Grundsatz "in dubio pro reo", nach welcher Entscheidungsregel zu 

verfahren ist. In diesem Fall muss das Sachgericht von der für die beschuldigte Person 

günstigeren Sachlage ausgehen, wenn unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tat-

sächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat bestehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). Das 

bedeutet allerdings nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen 

dem für die beschuldigte Person günstigeren Beweis zu folgen ist. Vielmehr kommt der 

Grundsatz "in dubio pro reo" nur zur Anwendung, wenn nach abgeschlossener Beweis-

würdigung schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel am angeklagten Tatsachen-

fundament verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1).  

 

2.5.2 Würdigung der Beweismittel 

2.5.2.1 

Der Berufungskläger gab in der Einvernahme vor der Kantonspolizei vom 19. Dezember 

2018 an (act. B 3/2.16), er sei auf die Privatklägerin drauf gelegen und sei auf ihr 

"gumpet" beziehungsweise "ghopst" (Fragen 4, 6 und 7). Als alle fort gewesen seien, sei 

er in ihr Zimmer gegangen ohne anzuklopfen (Frage 8). Sie habe aufhören gesagt und 

er sei nicht von ihr runter gegangen (Frage 9). Nachher habe ihr Freund ihn von der 

Privatklägerin runterholen müssen (Frage 10). Sie sei auf dem Bett gelegen und er sei 

auf sie draufgesprungen; sie habe dann geschrien (Frage 12). Er habe ihre Jeans und 

Unterhose ausgezogen und seinen Samen in sie reingedrückt (Fragen 6, 16,19, 21, 33 

und 43). Die Privatklägerin habe sich zu wehren versucht und ihn weggeschubst (Frage 

47 und 48). Die Privatklägerin habe ziemlich lange geschrien, sie habe geschrien, dass 

er aufhören soll (Frage 50 und 51). Er habe die Privatklägerin nicht gefragt, ob er mit ihr 

Sex haben dürfe, einfach gemacht (Frage 52). Es stimme, dass er ihr an die Brüste und 

den Bauch gefasst habe (Frage 64 und 65). Er habe sie über den Kleidern an die Brüste 

gefasst (Frage 66). Die Privatklägerin habe nicht so gut darauf reagiert (Frage 69). Es 

stimme auch, dass er sie einmal lange auf die Lippen geküsst habe (Fragen 71-73). Die 

 

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Privatklägerin habe nicht so gut darauf reagiert, sie habe nicht gewollt (Fragen 74 und 

75). Er habe von der Privatklägerin verlangt, sich auf das Bett zu legen, weil er auf sie 

habe liegen wollen (Frage 77). Sie sei auf den Rücken gelegen und er sei mit seinem 

Bauch auf sie drauf gelegen (Frage 79). Er habe sie niedergedrückt mit seinen Händen 

bei den Brüsten, worauf die Privatklägerin nicht mehr so gut reagiert habe (Fragen 81, 

82, 95 und 96). Sie habe versucht sich zu wehren und gesagt, dass man das nicht mache 

(Fragen 83 und 84). Er habe mit seinen Händen die Beine der Privatklägerin auseinan-

dergedrückt und habe sie hierbei am Oberschenkel berührt, wobei sie noch ganz beklei-

det gewesen sei (Fragen 87, 88 und 90). Mit seiner Hand habe er die Privatklägerin am 

Bauch und an den Brüsten berührt (Fragen 92 und 93). Sie habe am Bauch über 

Schmerzen geklagt, weil er etwas zu fest gerüttelt habe (Frage 102). Er sei um 20 Uhr 

oder 20.05 Uhr zurück auf seine Wohngruppe und dort geblieben (Fragen 105 und 106). 

Er habe sich telefonisch entschuldigen wollen, weil er das gemacht habe (Frage 110). 

 

In der Konfrontationseinvernahme gab der Berufungskläger zu Protokoll (act. B 3/4.1), 

die Privatklägerin habe nicht gern, wenn er auf sie gelegen sei und er habe das ziemlich 

fest gemacht (Frage 48). Er habe ihr an die Brust gefasst, sich auf sie gelegt und so 

komische Bewegungen gemacht, obwohl sie gesagt habe, er solle aufhören (Fragen 

50-52 und 62). Er habe sie über den Kleidern berührt (Fragen 54 und 65). Er wisse nicht 

mehr, warum er ihre Oberschenkel auseinandergedrückt habe (Frage 67). Er habe sie 

aufgefordert, auf das Bett zu liegen; dann sei es passiert. Die Privatklägerin habe gesagt, 

er solle runter, sie möge das nicht (Frage 68). 

 

An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 10. August 2020 sagte der Berufungs-

kläger aus, es sei richtig, dass er die Privatklägerin festgehalten habe, als er mit ihr auf 

dem Bett gewesen sei. Er sei auf ihr "gumpet", wobei diese Bewegungen – der Beru-

fungskläger machte leichte Bewegungen nach hinten und vorne – Sex machen seien. 

Sie hätten die Kleider angehabt (act. B 3/31/9ff.). 

 

Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Berufungskläger zusammenfassend im 

Wesentlichen aus, er habe eine Grenzüberschreitung begangen. Er sei auf ihr drauf 

gewesen und habe so komische Bewegungen gemacht. So wie Sex. Er wisse schon, 

was Sex sei. Er habe das schon gehabt, als Kind schon. Er habe nur die Bewegungen 

gemacht (act. B 31/7). Er sei einfach in ihr Zimmer in ihrer Wohngruppe E. 

reingeschlichen, ohne anzuklopfen. Sie sei auf dem Bett gelegen. Er wisse nicht mehr, 

ob er und die Privatklägerin die Kleider ausgezogen haben. Er habe sie ein "bitzeli" an 

den Beinen berührt. An den Brüsten habe er sie auch so berührt. Sie sei erschrocken 

 

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und habe geschrien, weil sie es nicht gut gefunden habe. Er habe sie nicht auf den Mund 

geküsst, nachher nicht mehr und vorher auch nicht (act. B 31/8). Er habe sie gezwungen, 

sich hinzulegen, wisse aber nicht mehr genau, wie er das gemacht habe. Er sei ein "bit-

zeli" auf ihr "gumpet". Auf die Nachfrage, ob ein "bitzeli" mit den komischen Bewegun-

gen, die wie Sex sind, sagte der Berufungskläger ja genau. Der Privatklägerin habe das 

nicht so gefallen, sie habe "abe goh" gesagt und er sei nicht runter gegangen. Ob sie 

versucht habe, ihn wegzustossen, wisse er nicht (act. B 31/9). Er habe aufgehört, auf ihr 

zu "gumpen", weil sie sich beschwert habe. Ausgelöst, dass er von ihr runter gegangen 

sei, sei ihr festes Weinen gewesen, es sei ihr zu viel geworden (act. B 31/10). Ob er seit 

dem Vorfall mit der Privatklägerin wieder einen Menschen so am Körper berührt habe 

wie die Privatklägerin, wisse er jetzt nicht genau auswendig (act. B 31/11). Auf die Frage, 

was Sex sei, erklärte der Berufungskläger, das sei, wenn man das mache mit den 

komischen Bewegungen und der Andere wolle nicht. Er wisse das nicht auswendig, ob 

man Kleider anhabe oder nicht beim Sex (act. B 31/11f).  

 

2.5.2.2 

Die Privatklägerin gab in der Videoeinvernahme vom 3. November 2018 zusammenfas-

send an, dass der Berufungskläger ohne anzuklopfen ihr Zimmer betreten habe. Er habe 

sich auf den Bettrand gesetzt und obwohl sie ihn gebeten habe, zu gehen, sei er nicht 

gegangen. Er habe sie an den Brüsten sowie am Bauch angefasst und auf ihren Bauch 

gedrückt. Während des Anfassens habe er sie ein paarmal – etwa 3 Mal – auf den Mund 

geküsst, danach habe sie ihren Kopf weggedreht. Er sei auf sie gelegen und habe sie 

am Oberkörper auf das Bett gedrückt. Sie hätten sich an den Beinen und am Bauch 

berührt. Beide seien bekleidet gewesen. Er habe dann mit dem Oberkörper und Gesäss 

Bewegungen ähnlich wie beim Reiten gemacht. Sie habe sich wehren wollen und habe 

gerufen und versucht, ihn mit ihren Händen gegen seinen Oberkörper wegzudrücken. 

Aber er sei stärker gewesen und habe sie wieder zurück auf das Bett gedrückt. Er habe 

ihre Beine auseinandergedrückt. Zudem habe er ihr mehrmals gesagt, sie solle sich 

gerade ins Bett legen, was wegen des Bett-Endes nicht möglich gewesen sei. Nach ca. 

25 Minuten sei der Berufungskläger aufgestanden und habe gesagt, er müsse jetzt 

gehen (vgl. act. B 3/2.1.9). 

 

In der Konfrontationseinvernahme gab die Privatklägerin zu Protokoll (act. B 3/4.1), der 

Berufungskläger sei ohne anzuklopfen in ihr Zimmer gekommen (Frage 9 und 12). Er 

habe sich auf ihr Bett gesetzt, sie auf ihr Bett gedrückt und sich auf sie gelegt. Sie habe 

sich wehren wollen, habe ihn wegdrücken wollen und habe um Hilfe gerufen (Frage 10). 

Sie habe ihn mit ihren Händen versucht wegzudrücken, aber er sei viel stärker gewesen. 

 

Seite 13 

Er habe mit seinen Händen auf ihre Brust gedrückt und sie so wieder zurück aufs Bett 

gedrückt (Frage 15). Sie sei auf dem Bett gelegen und er habe sich auf sie gelegt (Frage 

18). Als er auf ihr gelegen sei, habe er sie zwischen den Beinen berührt und diese aus-

einander gedrückt (Frage 20). Er sei auf ihr gelegen, habe komisch geatmet und sich 

komisch bewegt (Frage 34).  

 

2.5.2.3 

Die Auskunftsperson G., Wohngruppenleiter der Wohngruppe "E.", D., meldete am 

14. November 2018 den am 27. Oktober 2018 stattgefundenen Vorfall auf der 

Wohngruppe "E." bei der Polizei in [...]. Anlässlich der Einvernahme vom 22. November 

2018 erklärte er im Wesentlichen, dass die Privatklägerin bei ihm in der Wohngruppe 

lebe und am Abend des 27. Oktober 2018 mit einem weiteren Bewohner auf der 

Wohngruppe verblieben sei, während er mit den übrigen Mitgliedern der Wohngruppe 

an eine Disco gefahren sei. Er sei den ganzen Abend abwesend gewesen und habe erst 

am nächsten Morgen von der Privatklägerin direkt erfahren, dass etwas geschehen sei 

mit dem Berufungskläger. Er habe den Vorfall dann schriftlich aufgenommen (vgl. 

Meldeformular). Kurz darauf habe der Berufungskläger in seiner Wohngruppe angerufen 

und sich bei der Privatklägerin entschuldigen wollen. Da habe er bemerkt, dass wirklich 

etwas geschehen sei. Mit der Wohngruppenleiterin des Hauses, in welchem der 

Berufungskläger wohne, habe er danach den Berufungskläger konfrontiert, welcher 

ihnen gegenüber ausgesagt habe, im Zimmer der Privatklägerin gewesen zu sein und 

diese im Bett entgegen deren Willen sexuell belästigt zu haben (vgl. Meldeformular). Die 

Privatklägerin sei wegen eines Hirntumors geistig etwas beeinträchtigt (Realitätswahr-

nehmungsstörungen), könne aber normal sprechen und normal Auskunft geben. Eine 

Video-Einvernahme erachte er daher als unproblematisch (act. B 3/2.1.3). 

 

Die Auskunftsperson H. erklärte im Wesentlichen in der Einvernahme vom 

20. Dezember 2018, sie arbeite in der Wohngruppe, in welcher der Berufungskläger 

lebe, als Fachfrau Betreuung und sei die Bezugsperson des Berufungsklägers. Am 

besagten Tag sei die Übergabe an sie um 17.00 Uhr erfolgt. Sie habe kein Signal wahr-

nehmen können, dass der Berufungskläger etwas vorhabe. Ihre Wohngruppe sei infor-

miert gewesen, dass sie am Abend in einem anderen Haus um 19.30 Uhr eine Pedicure 

mache. Diese habe bis kurz vor 20.00 Uhr gedauert und im Treppenhaus jenes Hauses 

habe sie die Privatklägerin getroffen. Diese habe irgendetwas vor sich hingemurmelt, 

was sie akustisch nicht habe verstehen können. Dort im Treppenhaus habe sie nicht den 

Eindruck gehabt, dass etwas passiert wäre vorhin. Sie sei weiter gegangen und habe 

auf ihrer Wohngruppe einen Bewohner getroffen und diesen zur Sonntagsvorbereitung 

 

Seite 14 

in den [...] begleitet, wo bereits der Berufungskläger im Kreis gesessen sei. An jenem 

Abend habe sie vom Vorfall nichts gehört. Auch nach der Sonntagsvorbereitung habe 

sie beim Berufungskläger nicht erkennen können, dass es zuvor zu einem Vorfall 

gekommen wäre. Um die Mittagszeit des 28. Oktober 2018 sei G. auf ihre Wohngruppe 

gekommen und habe über den Vorfall vom vergangenen Abend berichtet (act. B 3/2.1.7). 

 

2.5.2.4 

Im Meldeformular bei Gewaltdelikten wurde vom Wohngruppenleiter G. am 28. Oktober 

2018 folgende Aussage der Privatklägerin vermerkt: "A. kommt um halb acht in mein 

Zimmer ohne anzuklopfen. Sitzt erst auf den Bettrand und berührt mich an der Brust und 

am Bauch, ich wehre mich und sage stopp, nein, das will ich nicht! Doch A. hörte nicht 

auf mich und verlangte, dass ich gerade ins Bett liege, danach legte er sich auf mich und 

berührte mich zwischen den Beinen. Ich konnte mich nicht wehren, er hielt mich mit 

beiden Händen fest und machte wippende Bewegungen. Um ca. 19.55 Uhr ist er davon 

gegangen. Ich bin dann zu L. ins Zimmer und habe dort H. angetroffen und es ihr erzählt!" 

(act. B 3/2.1.2). 

 

2.5.3 Würdigung durch das Obergericht und erstellter Sachverhalt 

Die Aussagen der Privatklägerin sind glaubhaft, wirken erlebnisbasiert und es sind keine 

Auffälligkeiten auszumachen. Die Schilderungen des Kerngeschehens – das Betreten 

ihres Zimmers ohne anzuklopfen; das Absitzen auf ihren Bettrand; die Berührungen an 

der Brust und am Bauch über den Kleidern; das Küssen; das Auf-sie-Legen und die 

wippenden Bewegungen; das Niederdrücken auf ihr Bett und ihre vergeblichen Abwehr-

bemühungen; das Auseinanderdrücken der Oberschenkel – sind gleichbleibend und es 

erfolgte keine übermässige Belastung des Berufungsklägers. Die Privatklägerin 

bemühte sich um eine genaue Schilderung sowohl des Rahmens- als auch des Kern-

geschehens und schilderte nicht nur die Übergriffe, sondern auch ihre emotionalen 

Reaktionen. Sie vermochte ihre Enttäuschung darüber, dass niemand auf der Wohn-

gruppe ihre Hilferufe gehört beziehungsweise ihre Hilflosigkeit, dass ihre Abwehrbemü-

hungen angesichts der überlegenen Stärke des Berufungsklägers vergeblich waren, 

kundzutun. Auch ihr Unverständnis, warum der Berufungskläger ihr das angetan habe, 

und ihre Traurigkeit darüber kamen erkennbar zum Ausdruck. Insgesamt ist festzuhal-

ten, dass die Aussagen der Privatklägerin zum Vorfall vom 27. Oktober 2018 durchwegs 

überzeugend, realistisch und konstant sind. Die Schilderungen erscheinen plausibel und 

authentisch und es sind keine wesentlichen Widersprüche erkennbar. Auch nach einer 

Würdigung des nonverbalen Verhaltens, welches sich aus der Videoaufzeichnung der 

 

Seite 15 

Befragung ergibt, sind ihre Aussagen überzeugend und damit als glaubhaft zu bezeich-

nen. Es bestehen keine Zweifel an der glaubhaften Darstellung der Privatklägerin, 

weshalb vollumfänglich auf ihre Aussagen abgestellt werden kann. 

 

Die Aussagen des Berufungsklägers sind hingegen insofern auffällig, als er Aussagen 

zu weiteren Handlungen machte, dessen ihn die Privatklägerin gar nicht bezichtigte. 

Im Kerngeschehen – das Betreten des Zimmers der Privatklägerin ohne anzuklopfen; 

das Absitzen auf ihren Bettrand; die Berührungen an der Brust und am Bauch über den 

Kleidern; das Küssen; das Auf-sie-Legen und die wippenden Bewegungen; das 

Niederdrücken auf ihr Bett und ihre vergeblichen Abwehrbemühungen; das 

Auseinanderdrücken der Oberschenkel – stimmen die Aussagen und Zugeständnisse 

grundsätzlich überein. Sodann ergibt sich aus den Aussagen des Berufungsklägers, 

dass er darum wusste, dass die Privatklägerin seine Küsse und Berührungen nicht 

wollte.  

 

Aus der Würdigung der vorliegenden Beweismittel ergibt sich damit ein stimmiges 

Gesamtbild, wonach die von der Privatklägerin geschilderten Berührungen und Küsse 

durch den Berufungskläger stattgefunden haben, bei denen sich letzterer bewusst und 

auch durch körperlichen Einsatz über den Willen der Privatklägerin hinwegsetzte. Aus-

zugehen ist somit von einem Betreten des Zimmers der Privatklägerin ohne anzuklopfen; 

von einem Absitzen auf ihren Bettrand; von Berührungen an der Brust und am Bauch 

über den Kleidern; von Küssen; vom Auf-sie-Legen und von wippenden Bewegungen 

beziehungsweise den Beischlaf imitierenden Bewegungen des Berufungsklägers; vom 

Niederdrücken der Privatklägerin auf ihr Bett und ihre vergeblichen Abwehrbemühungen 

sowie vom Auseinanderdrücken der Oberschenkel.  

 

Ergänzend ist zu bemerken, dass unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, wonach auf Video aufgezeichnete Einvernahmen genügen können, 

um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit der Auskunftsperson respektive 

der Glaubhaftigkeit der Aussagen zu verschaffen, im konkreten Fall – unter Berücksich-

tigung der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin – auf eine gerichtliche Einver-

nahme der Privatklägerin verzichtet werden kann, zumal eine solche von der Verteidi-

gung auch nicht verlangt wurde (Urteil des Bundesgerichts 6B_612/2020 vom  

1. November 2021 E. 2.3 mit Hinweisen u.a. auf BGE 140 IV 196 E. 2.3.3 ff.). 

 

 

  

 

Seite 16 

3. Rechtliche Würdigung 

3.1 Sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) 

 Wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen 

Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychi-

schen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 

zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 189 Abs. 1 StGB).  Der Tatbestand von 

Art. 189 StGB setzt voraus, dass der Täter das Opfer durch eine Nötigungshandlung 

dazu bringt, eine sexuelle Handlung zu erdulden oder vorzunehmen. Er erfasst alle 

erheblichen Nötigungsmittel, auch solche ohne unmittelbaren Bezug zu physischer 

Gewalt. Es soll ebenfalls das Opfer geschützt werden, das in eine ausweglose Situation 

gerät, in der es ihm nicht zuzumuten ist, sich dem Vorhaben des Täters zu widersetzen, 

auch wenn dieser keine Gewalt anwendet. Dementsprechend umschreibt das Gesetz 

die Nötigungsmittel nicht abschliessend. Es erwähnt namentlich die Ausübung von 

Gewalt und von psychischem Druck sowie das Bedrohen und das Herbeiführen der 

Widerstandsunfähigkeit, wobei der zuletzt genannten Variante kaum eigenständige 

Bedeutung zukommt (Urteil des Bundesgerichts 6B_658/2020 vom 23. August 2021 

E. 2.4.1 mit weiteren Hinweisen u.a. auf BGE 131 IV 167 E. 3).  Gewalt im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein 

grösseres Mass an körperlicher Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug des Akts 

notwendig ist bzw. wenn sich der Täter mit körperlicher Kraftentfaltung über die 

Gegenwehr des Opfers hinwegsetzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe Gewalt oder 

Brutalität etwa in Form von Schlägen und Würgen ist indes nicht erforderlich. Es genügt, 

wenn der Täter seine überlegene Kraft einsetzt, indem er das Opfer festhält oder sich 

mit seinem Gewicht auf dieses legt. Vom Opfer wird nicht verlangt, dass es sich gegen 

die Gewalt mit allen Mitteln zu wehren versucht. Dieses muss sich nicht auf einen Kampf 

einlassen oder Verletzungen in Kauf nehmen. Die von der Rechtsprechung geforderte 

Gegenwehr des Opfers meint eine tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit 

welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Handlungen 

nicht einverstanden zu sein (Urteile des Bundesgerichts 6B_658/2020 vom 23. August 

2021 E. 2.4.1; 6B_1/2021 vom 10. Mai 2021 E. 2.2; 6B_1444/2020 vom 10. März 2021 

E. 2.3.2, je mit Hinweisen). Als sexuelle Handlungen im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

gelten nur Verhaltensweisen, die für den Aussenstehenden nach ihrem äusseren 

Erscheinungsbild einen unmittelbaren sexuellen Bezug aufweisen und im Hinblick auf 

das geschützte Rechtsgut erheblich sind (Urteile des Bundesgerichts 6B_658/2020 vom 

23. August 2021 E. 2.4.1; 6B_1/2021 vom 10. Mai 2021 E. 2.2, je mit Hinweisen). 

Bedeutsam für die Beurteilung der Erheblichkeit sind qualitativ die Art und quantitativ die 

Intensität und Dauer der Handlung, wobei die gesamten Begleitumstände zu 

 

Seite 17 

berücksichtigen sind (Urteile des Bundesgerichts 6B_658/2020 vom 23. August 2021 

E. 2.4.1; 6B_1260/2019 vom 12. November 2020 E. 2.2.3, je mit Hinweisen). In 

subjektiver Hinsicht wird Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt (PHILIPP MAIER, 

Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 54 zu Art. 189 StGB; 

TRECHSEL/BERTOSSA, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

4. Aufl. 2021, N. 12 zu Art. 189 StGB).  

 

3.2 Sexuelle Belästigung (Art. 198 StGB) 

 Gemäss Art. 198 StGB macht sich der sexuellen Belästigung schuldig und wird, auf 

Antrag, mit Busse bestraft, wer vor jemandem, der dies nicht erwartet, eine sexuelle 

Handlung vornimmt und dadurch Ärgernis erregt (Abs. 1), oder wer jemanden tätlich 

oder in grober Weise durch Worte sexuell belästigt (Abs. 2). Die Bestimmung erfasst 

geringfügigere Beeinträchtigungen der sexuellen Integrität. Ob sie eine Verletzung der 

Selbstbestimmung darstellen, kann zweifelhaft sein. Sie sind aber mit solchen Eingriffen 

vergleichbar, indem sie die betroffene Person jedenfalls ohne ihren Willen mit Sexualität 

konfrontieren. Es handelt sich um qualifiziert unerwünschte sexuelle Annäherungen 

beziehungsweise um physische, optische und verbale Zumutungen sexueller Art. Aus 

dem Merkmal der Belästigung ergibt sich, dass das Opfer in diese weder eingewilligt 

noch sie – etwa spasseshalber – provoziert haben darf. Die tätliche Belästigung 

gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB setzt eine körperliche Kontaktnahme voraus. Hiefür 

genügen bereits wenig intensive Annäherungsversuche oder Zudringlichkeiten, solange 

sie nur nach ihrem äusseren Erscheinungsbild sexuelle Bedeutung haben. Hierunter 

fallen neben dem überraschenden Anfassen einer Person an den Geschlechtsteilen 

auch weniger aufdringliche Berührungen wie das Antasten an der Brust oder am Gesäss, 

das Betasten von Bauch und Beinen auch über den Kleidern, das Anpressen oder 

Umarmungen. Zu berücksichtigen ist, ob dem Opfer zugemutet werden kann, sich der 

Belästigung zu entziehen, was am Arbeitsplatz oder an ähnlichen Örtlichkeiten in der 

Regel weniger einfach ist als etwa in öffentlichen Lokalitäten (BGE 137 IV 263 E. 3.1 mit 

Hinweisen).  Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (BERN-

HARD ISENRING, Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 28 zu Art. 198 StGB; 

TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., N. 8 zu Art. 198 StGB). 

 

3.3 Würdigung durch die Vorinstanz 

 Die Vorinstanz ging von einem Gesamtvorsatz aus. Sowohl der räumliche wie auch der 

zeitliche Zusammenhang sei sehr eng und der Berufungskläger habe nur einmal den 

Entschluss gefasst, sich der Privatklägerin zu nähern. Die beiden Anklagevorwürfe wie-

sen einen derart engen Zusammenhang auf, dass sie als eine Einheitstat zu werten 

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Seite 18 

seien (act. B 2 Erwägung 5.1). Durch die vom Berufungskläger angewandte Gewalt 

– das Setzen des Berufungsklägers auf das Bett der Privatklägerin und das Drücken 

seiner Hände auf ihre Brust – habe er die Privatklägerin genötigt, die an ihr 

vorgenommenen Handlungen zu dulden. Der Berufungskläger habe die Privatklägerin 

durch das Drücken auf ihre Brust auf ihr Bett gedrückt, sie über den Kleidern an der 

Brust und in der Bauchregion berührt, sie dreimal auf den Mund geküsst und mit seinen 

Händen ihre Oberschenkel auseinandergedrückt. Zudem habe er wippende 

Bewegungen auf ihr vollzogen. Diese Elemente ergäben eindeutig eine sexualbezogene 

Handlung. Durch die Abwehrhandlungen der Privatklägerin, deren Ernsthaftigkeit nicht 

habe missverstanden werden können, sei für den Berufungskläger erkennbar gewesen, 

dass sie mit seinem Vorgehen nicht einverstanden gewesen sei. Der Berufungskläger 

habe damit vorsätzlich gehandelt. Sowohl der objektive wie auch der subjektive 

Tatbestand der sexuellen Nötigung sei erfüllt, wobei die sexuelle Belästigung von 

ersterer konsumiert werde (act. B 2 Erwägung 5.2). 

 

3.4 Würdigung durch das Obergericht 

 Im Sinne einer Vorbemerkung ist festzuhalten, dass in Übereinstimmung mit der Vor-

instanz von einer Einheitstat auszugehen ist. Eine natürliche Handlungseinheit ist anzu-

nehmen, wenn das gesamte Tätigwerden des Täters auf einem einheitlichen Willensakt 

(einheitliches Ziel, einmaliger Entschluss) beruht und Kraft eines engen räumlichen und 

zeitlichen Zusammenhangs der Einzelakte bei natürlicher Betrachtungsweise objektiv 

als ein einheitliches, zusammengehörendes Geschehen erscheint (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.7 mit Hinweisen). Ein solches 

einheitliches, zusammengehörendes Geschehen liegt hier vor. Die am fraglichen Abend 

erfolgten Handlungen hängen räumlich und zeitlich eng zusammen und es liegt ein 

einmaliger Entschluss des Berufungsklägers vor, sich der Privatklägerin zu nähern. 

 

 Der weiteren rechtlichen Würdigung der Vorinstanz kann jedoch insofern nicht gefolgt 

werden, als die Vorinstanz die zum Schuldspruch wegen sexueller Nötigung führende 

Tathandlung als Drücken der Hände des Berufungsklägers auf die Brüste der Privatklä-

gerin bezeichnete. In der Anklage vom 5. März 2020 wurde das Berühren der Brüste 

jedoch unter dem Titel "Sexuelle Belästigung" angeklagt (act. B 3/15), weshalb die Vor-

instanz das Anklageprinzip, welches eine Bindung des Gerichts an den in der Anklage 

umschriebenen Sachverhalt statuiert, verletzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_638/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.4.2). Kernstück der Anklageschrift bildet die 

Darstellung der dem Beschuldigten zur Last gelegten Tat. Die Darstellung des tatsäch-

lichen Vorgangs ist auf den gesetzlichen Tatbestand auszurichten, der nach Auffassung 

 

Seite 19 

der Anklage als erfüllt zu betrachten ist, d.h. es ist anzugeben, welche einzelnen Vor-

gänge und Sachverhalte den einzelnen Merkmalen des Straftatbestandes entsprechen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_638/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.4.2 mit weiteren 

Hinweisen). Zwar ist eine andere rechtliche Würdigung möglich, aber nur, wenn sich der 

andere Straftatbestand auch mit dem Sachverhalt der Anklage deckt. Es genügt nicht, 

wenn sich die Beweise für den vom Gericht als erfüllt betrachteten Straftatbestand aus 

den Akten ergeben (FINGERHUTH/GUT, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 

Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 2 zu Art. 344 

StPO). Beim Tatbestand der sexuellen Nötigung gehört zu den Merkmalen dieses Straf-

tatbestandes auch die nötigende Handlung (vgl. Erwägung 3.1). In der Anklageschrift 

vom 5. März 2020 finden sich unter dem Titel "sexuelle Belästigung" aber keine Ausfüh-

rungen zu einer nötigenden Handlung (act. B 3/15), weshalb vorliegend der unter diesem 

Tatbestand angeklagte Sachverhalt nicht zu einem Schuldspruch bezüglich des 

Tatbestandes der sexuellen Nötigung führen kann (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1262/2021 vom 23. März 2022 E. 3.1).  

 

 Ein Schuldspruch wegen sexueller Nötigung kann nur dann ergehen, wenn der von der 

Staatsanwaltschaft unter diesem Titel angeklagte Sachverhalt – Drücken auf das Bett, 

Oberschenkel auseinanderdrücken, auf Körper legen, Berührung von Penis und Scheide 

während beide Beteiligte voll bekleidet sind, wippende Bewegungen – tatbestands-

mässig als erwiesen erachtet wird (vgl. act. B3/15 und Erwägung 2.1). Nach Ansicht des 

Gerichts ergeben sich aus den Einvernahmen der Parteien keine Hinweise, dass – wie 

angeklagt – der Penis des Berufungsklägers die Scheide der Privatklägerin berührt hat. 

Belegt ist hingegen das Drücken auf das Bett, das Auseinanderdrücken der Oberschen-

kel, das (bekleidete) Aufeinanderliegen sowie Bewegungen des Berufungsklägers mit 

Oberkörper und Gesäss, welche letzterer als "gumpen" beziehungsweise "hopsen" 

bezeichnete. Das Niederdrücken der Privatklägerin auf ihr Bett durch den Berufungsklä-

ger trotz ihrer Gegenwehr ist als Nötigungshandlung zu betrachten. Sodann stellt sich 

die Frage, ob die anderen Handlungen des Berufungsklägers, welche wie bereits 

erwähnt als zusammengehörendes Geschehen zu betrachten sind, in Bezug auf den 

Tatbestand der sexuellen Nötigung als sexuelle Handlung zu beurteilen sind, wobei nur 

Verhaltensweisen tatbeständlich sind, die im Hinblick auf das Rechtsgut erheblich sind 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1102/2019 vom 28. November 2019 E. 2.2; 

6B_1260/2019 vom 12. November 2020 E. 2.2.3). Vom Standpunkt eines objektiven 

Betrachters aus erscheinen die vom Berufungskläger begangenen Handlungen äusser-

lich weder neutral noch eindeutig sexualbezogen, d.h. sie erscheinen ambivalent und 

sind daher im Licht der gesamten Umstände zu beurteilen (Urteile des Bundesgerichts 

 

Seite 20 

6B_549/2021 vom 18. Mai 2022 E. 1.4 mit Hinweis auf 6B_727/2013 vom 7. Oktober 

2014 E. 3.3). Der Berufungskläger und die Privatklägerin sind beide geistig beeinträchtigt 

und leben in verschiedenen Wohngruppen im selben Heim. An einem Abend, als andere 

Bewohner und Bewohnerinnen des Heims in der Disco waren, suchte der 

Berufungskläger die Privatklägerin auf deren Wohngruppe auf, betrat, ohne anzuklopfen, 

ihr Zimmer und setzte sich an ihren Bettrand. Wie lange die in der Anklageschrift 

umschriebenen und dem Berufungskläger vorgeworfenen Handlungen insgesamt 

dauerten, ist unklar, da sich auch die Anklageschrift hierzu nicht äussert. In zeitlicher 

Hinsicht kann der Vorfall lediglich durch die Aussagen der Betreuerin der Wohngruppe, 

in welcher der Berufungskläger lebt, sowie durch die Aussagen der Privatklägerin etwas 

eingegrenzt werden, da die Betreuerin ihre Wohngruppe an jenem Abend kurz vor 

19.30 Uhr verlassen haben dürfte und sie die Privatklägerin um ca. 20.00 Uhr getroffen 

hat (act. B 3/2.1.7, vgl. auch act. B 3/2.1.2 und act. B 3/2.16, Frage 105 und 106). 

Aufgrund der Einvernahmen der Parteien erscheint bezüglich des Ablaufs als erstellt, 

dass bevor der bekleidete Beschwerdeführer sich auf die ebenfalls bekleidete 

Privatklägerin legte, ihre Oberschenkel auseinanderdrückte und wippende Bewegungen 

vollzog, der Berufungskläger zuerst die verbale und dann auch (versuchte) körperliche 

Gegenwehr der Privatklägerin überwand. Gesamthaft gesehen und unter Berücksichti-

gung dieses Geschehensablaufs weisen die dem Berufungskläger vorgeworfenen 

Handlungen nicht die Art, die Intensität und die Dauer einer sexuellen Handlung auf, 

welche zu einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung führen könnten (vgl. 

TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., N. 5 f. zu Art. 187 StGB und N. 8 zu Art. 189 StGB, je mit 

zahlreichen Hinweisen). Dem vor 64 Jahren ergangenen Entscheid des Kantonsgerichts 

Graubünden, das eine unzüchtige Handlung erkannte, als ein Mann seine mit 

Nachthemd und Mantel bekleidete Haushaltshilfe auf ein Bett warf und sich über sie 

legte (PKG 1958 Nr. 11), ist nicht zu folgen.  

 

 Hinsichtlich des Tatbestands der sexuellen Belästigung wirft die Staatsanwaltschaft dem 

Berufungskläger unter anderem vor, die Privatklägerin gegen ihren Willen an ihren 

Brüsten und ihrem Bauch über der Kleidung berührt zu haben (act. B 3/15). Hierbei 

handelt es sich ganz klar um eine tätliche Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB (vgl. 

Erwägung 3.2). Dass diese Zudringlichkeiten für die Privatklägerin unerwünscht waren, 

gab sie unmissverständlich zu erkennen, indem sie den Berufungskläger wegdrücken 

wollte und um Hilfe rief. Indem sich der Berufungskläger bewusst darüber hinwegsetzte, 

handelte er wissentlich und willentlich, mithin direktvorsätzlich.  

 

 

Seite 21 

 Der objektive und subjektive Tatbestand von Art. 198 Abs. 2 StGB ist somit erfüllt und 

der Berufungskläger der sexuellen Belästigung, begangen am 27. Oktober 2018, schul-

dig zu sprechen. 

 

 

4. Strafzumessung 

4.1 Rechtliche Grundlagen 

 Sexuelle Belästigung nach Art. 198 Abs. 2 StGB wird mit Busse bestraft. Eine solche ist 

nach den Verhältnissen des Täters zu bemessen und soll seinem Verschulden ange-

messen sein; sie beträgt höchstens 10'000 Franken (Art. 106 StGB).  

 

 Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des 

Täters. Dabei berücksichtigt es das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und die 

Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere 

der Verletzung oder der Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der 

Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach 

bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage 

war, die Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). 

 

 War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 

gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1 StGB). War 

der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 

gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 

StGB).  

 

 Besteht ernsthafter Anlass, an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln, so ordnet die 

Untersuchungsbehörde oder das Gericht die Begutachtung durch einen Sachverständi-

gen an (Art. 20 StGB). Die Feststellung verminderter Schuldfähigkeit stellt einen obliga-

torischen Strafmilderungsgrund dar (Art. 19 Abs. 2 StGB), wobei der Verminderung der 

Schuldfähigkeit bei der Strafzumessung im vollen Ausmass der Verminderung Rech-

nung zu tragen ist. Dabei ist keine lineare Reduktion nach einem bestimmten Tarif 

vorzunehmen, indessen muss ein bestimmtes Verhältnis zwischen der festgestellten 

Verminderung der Schuldfähigkeit und den Folgen für die Strafe bestehen (BGE 136 

IV 55 E. 5.3; vgl. zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1278/2020 vom 

27. August 2021 E. 4.3 mit Hinweisen). Eine verminderte Schuldfähigkeit stellt eines von 

mehreren Kriterien für die Beurteilung des (subjektiven) Tatverschuldens dar (BGE 136 

IV 55 E. 5.5 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B 272/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 3.4). 

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Liegt eine Verminderung der Schuldfähigkeit vor, ist in einem ersten Schritt zu 

entscheiden, in welchem Umfang die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher Hinsicht 

eingeschränkt ist und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des Tatverschuldens 

auswirkt. Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und ausdrücklich zu benennen. 

Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens 

die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht. Die so 

ermittelte Strafe kann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher 

Täterkomponenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). 

 

4.2 Vorbringen der Parteien im Berufungsverfahren 

 Die Verteidigung brachte hierzu vor, dass bei der festzusetzenden Busse die mindestens 

mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit strafmildernd zu berücksichtigen sei (act. 

B 22/9).  

 

4.3 Würdigung durch das Obergericht 

4.3.1 Objektives Tatverschulden 

 Der Berufungskläger berührte die Privatklägerin über den Kleidern an der Brust und am 

Bauch und küsste sie mehrmals auf den Mund. Die Privatklägerin wehrte sich verbal und 

letztlich auch körperlich, jedoch war der Berufungskläger ihr körperlich überlegen. Die 

klaren tätlichen Belästigungen wiegen – mit Blick auf die gesamte Bandbreite möglicher 

Belästigungen – zwar noch verhältnismässig leicht. Unbestritten ist aber, dass der Vorfall 

der Privatklägerin körperlich – Kratzer mit den Fingernägeln und Schmerzen am Bauch 

(vgl. act. B 3/4.1, Frage 23 und 24) – und psychisch – nicht wohl und komisch fühlen, 

traurig sein, Unverständnis über das Vorgefallene (act. B 3/2.19 und act. B 3/4.1, Frage 

10) – zusetzte. Der Berufungskläger ignorierte den Willen und die Gegenwehr der 

Privatklägerin und setzte sich damit über die für ihn erkennbaren Grenzen hinweg. In 

zeitlicher Hinsicht dauerte der Vorfall insgesamt zwar nicht lange, zeigt aber angesichts 

der Gegenwehr der Privatklägerin eine gewisse Hartnäckigkeit des Berufungsklägers. 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der objektiven Tatkomponenten von einem leichten 

Verschulden auszugehen. 

 
4.3.2 Subjektives Tatverschulden 

 Der Berufungskläger handelte vorsätzlich, indem er den kundgetanen Willen der Privat-

klägerin und deren offensichtlich abwehrende Haltung missachtete. Er hätte die Rechts-

gutverletzung vermeiden können, wenn er sich dem ihm bekannten Willen der Privatklä-

gerin gefügt hätte.  

 

  

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4.3.2.1 

 Wie erwähnt (vgl. Erwägung 4.1) stellt die Verminderung der Schuldfähigkeit eines von 

mehreren Kriterien für die Beurteilung des subjektiven Tatverschuldens dar. Sie ist durch 

einen Sachverständigen zu beurteilen.  

 

 Die Frage, ob die Unrechtseinsicht oder Steuerungsfähigkeit ausgeschlossen war, hat 

sich stets auf die konkrete Straftat zu beziehen (BOMMER/DITTMANN, Basler Kommentar, 

Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 41 zu Art. 19 StGB). Der Gutachter darf sich daher nicht 

nur nosologisch zur psychischen Störung bzw. zum Krankheitsbild äussern, sondern 

muss in seiner Begutachtung auch darlegen, wie sich eine allfällige Störung konkret auf 

die Fähigkeit des Beschuldigten auswirkt, das Unrecht seines (konkreten) Handelns zu 

erkennen (Einsichtsfähigkeit) und sein Handeln entsprechend zu steuern, d.h. an dieser 

Erkenntnis auszurichten. Da sich die Steuerungsfähigkeit naturgemäss nicht direkt 

messen lässt, hat deren Beurteilung anhand des Gesamtverhaltens des Täters vor, 

während und nach der Tat zu erfolgen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1278/2020 vom 

27. August 2021 E. 4.3.2 mit Hinweis auf 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 

E. 1.7.2 mit weiteren Hinweisen). 

 

 Das Gericht würdigt Gutachten grundsätzlich frei (Art. 10 Abs. 2 StPO). In Fachfragen 

darf es davon indes nicht ohne triftige Gründe abweichen und muss Abweichungen 

begründen. Auf der anderen Seite kann das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise 

beziehungsweise der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen 

gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1278/2020 vom 27. August 2021 E. 4.3.3 mit Hinweis auf BGE 146 

IV 114 E. 2.1; 142 IV 49 E. 2.1.3; 141 IV 369 E. 6.1, je mit Hinweisen).  

 

4.3.2.2 

 Laut forensisch-psychiatrischem Gutachten von Dr. med. F. vom 25. November 2019 litt 

der Berufungskläger zur Zeit der Tat an einer psychischen Störung. Zum einen bestehe 

eine mittelschwere Intelligenzminderung bei Cerebralparese und zum anderen eine 

Dissexualität bei psychosexueller Entwicklungsstörung, welche zu einer Bisexualität mit 

pädophilem Einschlag geführt habe. Der Berufungskläger sei aufgrund seiner markanten 

Intelligenzminderung in der Einsicht ins Tatunrecht ein Stück weit limitiert gewesen, 

ebenso zur Fähigkeit, von den sexuellen Impulsen Abstand zu nehmen respektive 

gemäss dieser Einsicht zu handeln. Aus psychiatrischer Sicht könnte angesichts des 

Schweregrades seiner Störung von einer zumindest mittelgradigen Verminderung der 

Schuldfähigkeit ausgegangen werden (act. B 3/6.5/23 f.). Anlässlich der erstinstanz-

 

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lichen Hauptverhandlung bestätigte Dr. med. F. diese Ausführungen. Ergänzend führte 

er aus, dass er einerseits gestützt auf seine XX-jährige Berufserfahrung im Fall des 

Berufungsklägers von einer mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit ausgehe. 

Andererseits sei es rein diagnostisch – gestützt auf ICD-10 – korrekt, die geistige 

Behinderung des Berufungsklägers als mittelgradig schwere Verminderung einzustufen. 

Weiter habe sich bei den Abklärungen der Eindruck ergeben, dass beim Berufungskläger 

so etwas wie ein Schuld- und Schamgefühl vorhanden gewesen sei. Man könne nicht 

sage, dass er dies nicht einordnen könne. Er habe gemerkt, dass der Berufungskläger 

nicht frei sei von der Fähigkeit, sexuelles Verhalten zu erkennen, wenn es in Form von 

sexuellen Erregungen stattfinde und dies zu bewerten, was es allenfalls für ein Opfer 

bedeute, wenn es ihm aufgezwungen werde. Er habe gemerkt, dass beim 

Berufungskläger doch eine wesentliche Restschuldfähigkeit vorhanden sei, wobei man 

natürlich darüber diskutieren könne, wo diese genau sei. Die Einbusse, welche der 

Berufungskläger aufgrund seiner intellektuellen Defizite habe, wiege ungefähr das auf, 

was er an moralisch und ethischen Gefühlen entwickelt habe. Der Berufungskläger sei 

so in der Mitte von jenen, die er bis jetzt kennengelernt habe (act. B 3/31/4 f.). 

 

4.3.2.3 

 Im Sinne einer Vorbemerkung ist festzuhalten, dass zur Beantwortung der Frage, ob ein 

früheres Gutachten noch hinreichend aktuell ist, allein die materielle Frage, ob Gewähr 

dafür besteht, dass sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht 

gewandelt hat, massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_435/2021 vom 21. Juni 

2021 E. 1.3 mit Hinweis auf BGE 134 IV. 246 E. 4.3). Die gutachterlichen Ausführungen 

aus dem November 2019 sind als aktuell anzusehen, da gemäss dem Gutachter weder 

für die Intelligenzminderung noch die abnorme Sexualorientierung eine Heilung respek-

tive Normalisierung möglich ist (act. B 3/6.5/24). 

 

 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kann auf das psychiatrische Gutachten von Dr. 

med. F. vollumfänglich abgestellt werden und es erübrigen sich weitere Beweiser-

hebungen. Das Gutachten ist vollständig und die Quellen, auf welchen die Ausführungen 

im Gutachten beruhen, werden im Gutachten bezeichnet (act. B 3/6.5/2). Die von der 

Staatsanwaltschaft gestellten Fragen werden vollständig und in verständlicher Weise 

beantwortet und die Begründungen sind inhaltlich nachvollziehbar. Für das Gericht sind 

keine Widersprüche erkennbar, das Gutachten erscheint insgesamt als genau und es 

liegen gestützt auf die vorhandenen Akten keine Hinweise vor, welche die 

Überzeugungskraft des Gutachtens erschüttern könnten. Soweit der Verteidiger an der 

Berufungsverhandlung bemängelt, der Gutachter habe zur Klärung wesentlicher Fragen 

 

Seite 25 

sich einzig auf die Darstellungen des Berufungsklägers verlassen, ist ihm entgegenzu-

halten, dass zur Authentizität der Aussagen des Berufungsklägers sowohl im Gutachten 

(act. B 3/6.5/17) als auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung Stellung 

genommen wurde und eine diesbezügliche Einordnung erfolgte (act. B 3/31/6 ff.). Die im 

Gutachten festgestellte Intelligenzminderung, die festgestellte reduzierte Schuldfähigkeit 

des Berufungsklägers sowie die Notwendigkeit einer Therapie wurden im Rahmen der 

Befragung des Berufungsklägers bestätigt und es ist nicht ersichtlich, inwiefern ein 

neues Gutachten oder die Ergänzung des vorliegenden Gutachtens weitere Erkennt-

nisse brächte. Die Beweisanträge des Verteidigers des Berufungsklägers sind demnach 

abzuweisen. 

 

 Zusammenfassend kann für die Beurteilung der Schuldfähigkeit auf das schlüssige 

forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. F. abgestellt werden, in welchem dem 

Berufungskläger eine mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit attestiert wird. 

Unter deren Berücksichtigung erscheint angemessen, von einem leichten subjektiven 

Tatverschulden auszugehen. 

 

4.3.3 Einsatzstrafe 

 In Würdigung sämtlicher Tatkomponenten ist insgesamt von einem leichten Tatverschul-

den des Berufungsklägers auszugehen. Innerhalb des weiten Strafrahmen ist die hypo-

thetische Strafe im unteren Bereich anzusiedeln und diese bei CHF 500.00 anzusetzen.  

 

4.3.4 Täterbezogene Kriterien 

 Die persönlichen Verhältnisse des Berufungsklägers wirken sich bei der Strafzumessung 

neutral aus. Er weist keine Vorstrafen auf. Der Berufungskläger gestand die ihm vorge-

worfenen Taten im Wesentlichen ein und verhielt sich im Strafverfahren kooperativ. 

Ferner zeigte er auch eine gewisse Einsicht und Reue, indem er zugab, dass die 

Privatklägerin nicht gut auf seine Handlungen reagierte. Insgesamt sind diese Kriterien 

leicht strafmindernd zu berücksichtigen.  

 

4.3.5 Fazit 

 Zusammenfassend erweist sich ausgehend von der Einsatzstrafe und unter Würdigung 

der gesamten Umstände eine Busse von CHF 300.00 als angemessen. 

 

Die Dauer der Ersatzfreiheitsstrafe bemisst sich nach Auffassung des Bundesgerichts 

allein nach dem Verschulden. Bei der Festlegung der Ersatzfreiheitsstrafe muss das 

Gericht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von der Schuld abstrahieren und hernach 

 

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eine täter- und tatangemessene Ersatzfreiheitsstrafe bilden. Die Strafverfolgungsbehör-

den gehen indes vielfach von einem fixen Umwandlungsbetrag von einem Tag pro  

CHF 100 aus. Ein solcher Umrechnungssatz erscheint folgerichtig, wenn die finanziellen 

Verhältnisse bei der Bussenbemessung nicht einbezogen wurden (STEFAN 

HEIMGARTNER, in: Donatsch [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, 21. Aufl. 2022, 

N. 5 zu Art. 106 StGB mit weiteren Hinweisen). 

 

Dem Obergericht erscheint unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des 

Berufungsklägers eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen als täter- und tatangemessen. 

 

 

5. Massnahme 

5.1 Rechtliche Grundlagen 

Eine stationäre Massnahme kann nur bei Verbrechen oder Vergehen angeordnet 

werden (Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB). Eine Übertretung – vorliegend eine sexuelle 

Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB – genügt hingegen für die Anordnung 

einer ambulanten Massnahme, wobei sich dann die Frage nach der Verhältnismässigkeit 

stellt (TRECHSEL/PAUEN BORER, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2021, N. 1 zu Art. 63 StGB). 

 

Nach Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht 

genügt, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen (lit. a), ein Behandlungs-

bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert; und (lit. b) die 

Voraussetzungen der Artikel 59 – 61, 63 oder 64 erfüllt sind (lit. c). Die Anordnung einer 

Massnahme setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeit des 

Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht 

unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB).  

 

Das Verhältnismässigkeitsprinzip umfasst die Teilaspekte Eignung, Erforderlichkeit und 

Verhältnismässigkeit (TRECHSEL/PAUEN BORER, a.a.O., N. 6 zu Art. 56 StGB). Massnah-

men bedürfen primär deren unabdingbaren Notwendigkeit, welches Kriterium unter dem 

Aspekt der Subsidiarität zu prüfen ist. Eine Massnahme muss überdies geeignet sein, 

bei der betroffenen Person die Legalprognose zu verbessern. Sie muss sich für die 

Person in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschränkung als zumutbar 

erweisen. Zu prüfen ist das Vorhandensein einer geeigneten Einrichtung und eines 

erfolgversprechenden Behandlungskonzepts. Je weniger die beiden letzten 

Gesichtspunkte für eine Massnahme sprechen, umso höher liegt die Schwelle für eine 

 

Seite 27 

solche. Schliesslich muss eine vernünftige Relation bestehen zwischen dem Eingriff und 

dem angestrebten Ziel (MARIANNE HEER, Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, 

N. 35 zu Art. 56 StGB).  

 

5.2 Beurteilung der Vorinstanz 

Die Vorinstanz folgte der Empfehlung des Gutachters hinsichtlich der Anordnung einer 

ambulanten Massnahme. Durch die Intensität des Zusammenhangs zwischen der 

Störung des Berufungsklägers und der Straftat sei von einer Schwere der psychischen 

Störung im Sinne des Gesetzes auszugehen. Dass die Störung vorliegend nur zu einer 

mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit führe, vermöge daran nichts zu ändern (act. 

B 2, Erwägung 7.3).  

 

5.3 Vorbringen der Parteien im Berufungsverfahren 

5.3.1 Verteidigung 

 Die Verteidigung führte aus, dass sich die Verantwortlichen des D. tatkräftig sowohl um 

das Wohl des Berufungsklägers als auch um das Wohl der übrigen Bewohnerinnen und 

Bewohner kümmerten. Sie hätten Massnahmen getroffen, indem sie die Tagesbe-

treuung des Berufungsklägers umstrukturiert hätten und sich der Berufungskläger 

beziehungsweise dessen Beistand mit einer Einschliessung während den Frei- und 

Nachtzeiten einverstanden erklärt habe. Diese Massnahmen schränkten das berufliche 

Tätigkeitsfeld, die Freizeitgestaltung, die Kontaktmöglichkeiten des Berufungsklägers 

erheblich ein (act. B 22/10 f.).  

 

5.3.2 Staatsanwaltschaft  

 Die Staatsanwaltschaft hielt an ihrem Antrag auf Anordnung einer Massnahme fest und 

begründete dies damit, dass der Gutachter zum Schluss gekommen sei, dass eine 

ambulante Massnahme geeignet erscheine, um eine wirksame Senkung des Rückfall-

risikos hinsichtlich grenzüberschreitenden Verhaltens zu erreichen. Die initiierten 

Massnahmen des D. wiesen in die richtige Richtung, jedoch sei eine verbindliche 

Anordnung und Kontrolle der notwendigen therapeutischen und medizinischen 

Massnahmen erforderlich (act. B 24/4).  

 

5.4 Würdigung durch das Obergericht 

Das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. F. bildet eine rechtsgenügende 

Entscheidgrundlage im Sinne von Art. 56 Abs. 3 StGB. Der Gutachter erklärte, dass 

sowohl die geistige Behinderung wie auch die abnorme Sexualorientierung respektive 

Entwicklungsstörung weiterhin vorhanden seien und ein relativ stringenter tatpsycho-

 

Seite 28 

logischer Zusammenhang zwischen diesen Störungen und den vorgeworfenen Taten 

bestehe. Es gebe für die Intelligenzminderung keine psychiatrische Therapie, vielmehr 

sei der Berufungskläger auf lange Sicht auf fachmännische Betreuung in einem 

geeigneten Milieu angewiesen. Betreffend der abnormen Sexualorientierung sei eine 

Heilung respektive Normalisierung der Triebausrichtung nicht möglich. Durch geeignete 

Massnahmen (organisatorisch, psychotherapeutisch, allenfalls pharmakotherapeutisch) 

sei es möglich, die Menschen in seiner Umgebung vor seiner sexuellen Übergriffigkeit 

zu schützen (act. B 3/6.5/24). Weiter führte Dr. med. F. zusammenfassend aus, dass 

eine stationäre Massnahme nicht indiziert erscheine (act. B 3/6.5/25). Im Rahmen der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Gutachter betreffend der Empfehlung 

einer ambulanten Massnahme ergänzend aus, dass beim Berufungskläger ein 

Massnahmepaket – organisatorische Interventionen zur Einengung des (nächtlichen) 

Aktionsradius, kognitive Verhaltenstherapie sowie ein Arrangement/Vorkehrungen im 

Haus zur Hinführung zu einem angepassten straflosen Verhalten – geschaffen werden 

müsse, welches vor allem von aussen für Sicherheit schaffe. Er erachte die bereits 

aufgegleisten Massnahmen als genügend, zumal der Berufungskläger sich schon bei 

der Untersuchung für solche organisatorische und therapeutische Massnahmen 

ausgesprochen habe. Die Prognose werde durch diese bereits umgesetzten 

Massnahmen deutlich besser. Jedoch brauche es wegen der Intelligenzminderung des 

Berufungsklägers viel mehr Zeit bis zu einer Aufhebung der Massnahme, insofern werde 

man den zeitlichen Rahmen von einer Massnahme weitgehend ausschöpfen müssen 

(act. B 3/31/5).  

 

Zusammenfassend äussert sich das Gutachten zur Behandelbarkeit des Berufungsklä-

gers klar und bejaht einen Zusammenhang zwischen seinen Störungen und der von ihm 

verübten Tat sowie das Bestehen einer Behandlungsbedürftigkeit. Bejaht werden auch 

die Massnahmewilligkeit und –fähigkeit des Berufungsklägers sowie der Umstand, dass 

die vom D. initiierten Massnahmen ausreichend seien. In der mit Blick auf die 

Berufungsverhandlung eingeholten Stellungnahme und Verlaufsbericht ab Juli 2020 des 

D. wird die weiterhin engmaschige Begleitung und Betreuung des Berufungsklägers 

– nächtliches Einschliessen im Zimmer, tagsüber 1:1 Begleitung, Freiräume ohne direkte 

Betreuung nur bei längerer Anpassungsleistung, mit klarer Absprache und 

Sicherheitsvorkehrungen bezüglich der Personenkonstellationen, tägliche Besprechung 

des Sozialverhaltens anhand einer Smiley-Liste, wöchentliche Sequenzen mit der 

internen Gewaltpräventionsstelle, regelmässige Standortgespräche mit den beteiligten 

Bereichen – dargelegt (act. B 17 und B 18). Somit ist zum einen festzuhalten, dass das 

D. Massnahmen getroffen hat und weiterhin trifft, welche bezogen auf den 

 

Seite 29 

Berufungskläger grundsätzlich erfolgreich waren und sind. Zum anderen ist 

festzustellen, dass es auch an einem erfolgsversprechenden Behandlungskonzept 

mangelt. Eine ambulante Massnahme darf nur angeordnet werden, wenn zu erwarten 

ist, durch sie lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in 

Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 lit. b StGB). Das D. hat 

bereits nach dem Urteil der Vorinstanz von sich aus Therapien initiiert (act. B. 18.3 S. 1), 

diese wurden also nicht vom Amt für Justizvollzug angeordnet. Trotzdem sind die 

Ergebnisse dieser Therapien beachtlich. Die im März 2021 begonnenen vierzehn-

täglichen Therapiesitzungen mit Dr. med. I. wurden nach rund 1 ½ Jahren beendet, weil 

die Einzeltherapie keine Fortschritte zeigte (act. B. 17 S. 2, B. 18.1 und B 18.2). Für Dr. 

I. war grundsätzlich fraglich, ob der Berufungskläger therapierbar ist (act. B. 18.1). Er 

stellte sodann fest, dass dem Berufungskläger für eine klassische Verhaltenstherapie 

die kognitiven Voraussetzungen fehlen (act. B. 18.1). Auch der wöchentliche […] mit der 

J., wurde nach mehr als 3 Jahren abgeschlossen, weil keine Ergebnisse mehr zu 

erwarten waren (act. B 17 und B 18.3). Berücksichtigt man zudem das Verhältnismässig-

keitsprinzip, ist von der Anordnung einer ambulanten Massnahme abzusehen (Art. 56 

Abs. 6 StGB analog; Art. 63 Abs. 2 lit. b StGB analog; vgl. auch TRECHSEL/PAUEN BORER, 

a.a.O., N. 26 zu Art. 56 StGB und N. 4 zu Art. 63a StGB). 

 

 

6. Genugtuung  

Der Verteidiger beantragte eine Genugtuung von CHF 100 pro Tag für die Überhaft (act. 

B 1). Gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO ist dem Berufungskläger keine Genugtuung 

zuzusprechen, da diese Bestimmung die Entschädigungs- und Genugtuungsansprüche 

der beschuldigten Person bei Einstellung oder Freispruch regelt. Auch gestützt auf 

Art. 431 StPO lässt sich kein Anspruch herleiten, da die vom D. getroffenen Restriktionen 

– Umstrukturierung der Betreuung, Einengung des Aktionsradius, therapeutische 

Ansätze – im freiwillig vereinbarten Rahmen erfolgten (vgl. hierzu SCHMID/JOSITSCH, 

Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2018, N. 1 zu Art. 429 

StPO und N. 1 zu Art. 431 StPO). 

 

 

  

 

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7. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

7.1 Verfahrenskosten 

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsie-

gens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Das Obsiegen oder Unterliegen beurteilt 

sich grundsätzlich nach den Anträgen der rechtsmittelführenden Partei. Unterliegt eine 

Partei nur teilweise, werden die Kosten anteilsmässig verlegt. Der Entscheid über das 

Ausmass der Kostenauflage präjudiziert denjenigen betreffend der Entschädigung 

(YVONA GRIESSER, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 1 zu Art. 428 StPO). Die 

beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Ausgenommen 

sind die Kosten für die amtliche Verteidigung; vorbehalten bleibt Art. 135 Abs. 4 StPO 

(Art. 426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so 

befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO), wobei diese Fragen für jede Verfahrensstufe separat zu prüfen sind und 

demgemäss Kostenauflagen und Entschädigungspflichten für diese durchaus unter-

schiedlich ausfallen können (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 1 zu Art. 428 StPO). Die Ver-

fahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung des Aufwands 

und den Auslagen im konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO). Auslagen sind unter 

anderem Kosten für die amtliche Verteidigung und unentgeltliche Verbeiständung 

(Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO), Kosten für Gutachten (Art. 422 Abs. 2 lit. c StPO) sowie 

Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden (Art. 422 Abs. 2 lit. d StPO). 

 

Die Berufung des Berufungsklägers wird teilweise gutgeheissen. Zwar erfolgt nicht wie 

im Hauptantrag beantragt ein Freispruch, jedoch erfolgt im Sinne des Eventualantrages 

ein Schuldspruch wegen sexueller Belästigung und es wird auf die Anordnung einer 

Massnahme verzichtet. Demgegenüber unterliegt die Staatsanwaltschaft mit ihrer 

Anschlussberufung hinsichtlich der Strafzumessung vollständig. Insgesamt erscheint bei 

diesem Ausgang des Verfahrens angemessen, die Verfahrenskosten zu einem Drittel 

dem Berufungskläger und zu zwei Dritteln dem Staat aufzuerlegen.  

 

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf CHF 2'500.00 festgesetzt (Art. 29 lit. b 

Gebührenordnung, bGS 233.3). Die Vorinstanz hat die Gerichtsgebühr auf CHF 1'500.00 

festgelegt und die Auslagen – Kosten des Vorverfahrens von CHF 8'865.00 sowie die 

Kosten für die amtliche Verteidigung von CHF 7'019.00 – bis zum vorinstanzlichen Urteil 

dargelegt. Vor Obergericht sind zudem Auslagen von CHF 500.00 für die Vertretung der 

Anklage (Art. 422 Abs. 2 lit. d StPO) sowie die nachfolgend noch festzulegenden Kosten 

für die amtliche Verteidigung angefallen (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO). 

 

Seite 31 

 Die Kosten für die amtliche Verteidigung werden vorläufig auf die Staatskasse genom-

men (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  

 

7.2 Entschädigung 

Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren richten sich 

nach den Artikeln 429-434 StPO (Art. 436 Abs. 1 StPO). Aus den Art. 429-434 StPO folgt 

ohne weiteres, dass bei einem Schuldspruch grundsätzlich kein Raum für eine Entschä-

digung des Beschuldigten bleibt (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 1 zu Art. 429 StPO). Der 

Berufungskläger hat somit weder im erst- noch im zweitinstanzlichen Verfahren eine 

Entschädigung zugute. 

 

7.3 Entschädigung für die amtliche Verteidigung 

 RA AA. wurde von der Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 17. Dezember 2018 bis 

zur erstinstanzlichen Beurteilung mit der amtlichen Verteidigung beauftragt (act. 

B 3/9.1). Im Berufungsverfahren wurde dem Berufungskläger mit Verfügung vom 

19. November 2020 die amtliche Verteidigung gewährt (act. B. 6).  

 

 RA AA. wurde im erstinstanzlichen Verfahren für seine Bemühungen als amtlicher 

Verteidiger mit CHF 7'019.00 aus der Staatskasse entschädigt (act. B 2/21). Für das 

Berufungsverfahren hat der amtliche Verteidiger eine Honorarnote in Höhe von 

CHF 3'082.65 eingereicht (act. B 23). Die Honorarnote erweist sich als tarifkonform 

(Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 23 und Art. 24 der Verordnung über den Anwaltstarif 

[AT, bGS 145.53]), weshalb der Verteidiger mit CHF 3'082.65 aus der Staatskasse zu 

entschädigen ist.  

 

 Die Aufteilungsquote für die Gebühren wird auch für die Kosten der amtlichen Verteidi-

gung angewendet, mithin sind diese Kosten zu einem Drittel vom Berufungskläger und 

zu zwei Dritteln vom Staat zu tragen. Der Rückerstattungsanspruch des Staats beträgt 

daher gesamthaft CHF 3'367.20 (1/3 der gesamthaften Kosten der amtlichen Verteidi-

gung von CHF 10'101.65; Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

 

 

  

 

Seite 32 

In teilweiser Gutheissung der Berufung und Abweisung der Anschlussberufung 

erkennt das Obergericht: 

 

1. Der Beschuldigte A. wird schuldig gesprochen der sexuellen Belästigung im Sinne von 
Art. 198 Abs. 2 StGB (Tatzeit: 27. Oktober 2018).  

 
 
2. Er wird verurteilt zu einer Busse von CHF 300.00, bei schuldhaftem Nichtbezahlen 

ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen (Art. 106 StGB). 
 
 
3. Es wird keine ambulante Massnahme angeordnet. 
 
 
4. Es wird A. keine Genugtuung zugesprochen. 
 
 
5. Die folgenden Verfahrenskosten: 

 
 CHF   8'865.00 Kosten der Voruntersuchung 
 CHF   1'500.00 erstinstanzliche Gerichtsgebühr 
 CHF   2'500.00 zweitinstanzliche Gerichtsgebühr 
 CHF      500.00 Kosten der Staatsanwaltschaft für die Vertretung der Anklage vor  
  Zweiter Instanz 
 CHF 13'365.00 insgesamt, 
 
 werden zu einem Drittel (CHF 4'455.00) A. auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse 

genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung (vor erster Instanz:  
CHF 7'019.00; vor zweiter Instanz: CHF 3'082.65; insgesamt CHF 10'101.65) werden zu 
einem Drittel (CHF 3'377.20) vorläufig und zu zwei Dritteln (CHF 6'734.45) endgültig auf 
die Staatskasse genommen. Im Betrag von CHF 3'367.20 bleibt die Rückforderung vor-
behalten (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 
 
6. RA AA. wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger vor beiden Instanzen mit 

CHF 10'101.65 (inklusive Barauslagen und MwSt.) aus der Staatskasse entschädigt. Es 
wird festgestellt, dass das volle Honorar im Sinne von Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO 
CHF 10'101.65 (inkl. Barauslagen und MwSt.) beträgt. 

 
 
7. Rechtsmittel:  
 Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in Strafsachen 

erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde richtet sich nach Art. 78 ff. 
Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist beim Schweizerischen 
Bundesgericht, Avenue du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, schriftlich einzu-
reichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der 
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die 
als Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 
BGG). Die Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 

 
 Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen 

Beschwerde gemäss Art. 135 Abs. 3 lit. b bzw. Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Strafpro-
zessordnung (StPO, SR 312.0) erheben. Die Beschwerde ist beim Bundesstrafgericht, 

 

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Viale Stefano Franscini 7, Postfach 2720, 6501 Bellinzona, schriftlich einzureichen. Hin-
sichtlich des Inhalts und der Form der Beschwerde wird auf Art. 385 StPO verwiesen.  

 
 
8. Mitteilung an: 

- Berufungskläger über seinen amtlichen Verteidiger, mit Gerichtsurkunde 
- Beiständin des Berufungsklägers, mit Gerichtsurkunde 
- Staatsanwaltschaft (U 18 1279), mit Gerichtsurkunde 

 - Privatklägerin über ihre Beiständin, mit Gerichtsurkunde 
 - Vorinstanz (SE3 20 2), mit interner Post 
 
 
9. Mitteilung nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist an: 
  - kantonale Koordinationsstelle für das Strafregister, mit interner Post 
  - Amt für Finanzen, mit interner Post 
 
 
 
Der Obergerichtspräsident: 

 

 

lic. iur. W. Kobler 

Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

lic. iur. Monika Epprecht 

 
 
 
Versandt am: 3. März 2023