# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6fb9f1d2-f761-5966-88eb-fc5bc54c4342
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-11
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 11.01.2024 SK 2023 261
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-261_2024-01-11.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 261-263

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 11. Januar 2024  

Besetzung Oberrichter Knecht (Präsident i.V.), Oberrichter Horisberger, 
Oberrichterin Weingart
Gerichtsschreiberin von Teufenstein

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________

Strafkläger

Gegenstand Verleumdung sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Ein-
zelgericht) vom 5. April 2023 (PEN 22 343-345)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland (Einzelgericht [nachfolgend: Vorinstanz]) erkannte 
mit Urteil vom 5. April 2023 Folgendes (pag. 70 ff. [Hervorhebungen im Original]):

I. 

A.________ wird schuldig erklärt:

der Verleumdung begangen am 25.02.2022 in E.________ (Ort), F.________ (Einkaufszentrum)

in Anwendung der Artikel
34, 42 Abs. 1, 46, 47, 174 Abs. 1 StGB
426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu CHF 50.00, ausmachend total CHF 500.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

2. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus CHF 600.00 Gebühren der Staatsan-
waltschaft Oberland und aus CHF 1'000.00 Gebühren und Auslagen des Gerichts, insgesamt 
bestimmt auf CHF 1’600.00.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 600.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 1'000.00.

II. 

1. Der A.________ mit Urteil vom ________ der regionalen Staatsanwaltschaft Oberland für eine 
Geldstrafe von 28 Tagessätzen zu je CHF 80.00, ausmachend CHF 2'240.00, gewährte beding-
te Vollzug wird nicht widerrufen.

Der A.________ mit Urteil vom ________ der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland für 
eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je CHF 70.00, ausmachend CHF 2'450.00, gewährte 
bedingte Vollzug wird nicht widerrufen.

2.  A.________ wird verwarnt.

3. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 des Gerichts und 
CHF 150.00 der Staatsanwaltschaft Oberland, ausmachend insgesamt CHF 450.00, werden 
A.________ auferlegt.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduzieren sich die Verfahrenskosten um 
CHF 150.00. Die reduzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 300.00.

III. 

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

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2. Berufung / Vertretung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigte) mündlich zu 
Protokoll Berufung an (pag. 64 und pag. 75).

Die schriftliche Urteilsbegründung wurde der Beschuldigten am 5. Juni 2023 zuge-
stellt (pag. 111). 

Mit Schreiben vom 19. Juni 2023 erklärte die Beschuldigte form- und fristgerecht 
vollumfänglich Berufung (pag. 115). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 23. Juni 2023 mit, sie ver-
zichte auf die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 120 f.). 

Der Strafkläger C.________ (nachfolgend: Strafkläger) liess sich innert Frist nicht 
vernehmen (vgl. pag. 123). 

In der Folge wurden die Parteien sowie D.________ als Zeugin zur Berufungsver-
handlung vom 11. Januar 2024 vorgeladen, wobei dem Strafkläger das Erscheinen 
freigestellt wurde (pag. 128 f. und pag. 131 f.). 

Mit Eingabe vom 25. August 2023 teilte Rechtsanwältin B.________ mit, die Be-
schuldigte habe sie mit der Wahrung ihrer strafrechtlichen Interessen beauftragt 
(pag. 133). 

Das Gesuch der Beschuldigten vom 27. Dezember 2023 um amtliche Verteidigung 
(pag. 156 ff.) wurde mit Verfügung vom 4. Januar 2024 abgewiesen (pag. 190 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden über die Beschuldigte ein 
Strafregisterauszug (datierend vom 22. Dezember 2023 [pag. 152 ff.]) und ein 
Leumundsbericht samt Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse (datierend 
vom 21. Dezember 2023 [pag. 144 ff. und pag. 150 f.]) und Betreibungsregister-
auszug (datierend vom 5. Dezember 2023 [pag. 148 f.]) eingeholt. Weiter wurden 
von Amtes wegen die Akten SK 21 242 der 2. Strafkammer des Obergerichts des 
Kantons Bern und die Akten PEN 23 276 / 277 des Regionalgerichts Oberland 
ediert (pag. 142 f. und pag. 191).

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde die Beschuldigte erneut zur Person 
und zur Sache befragt (pag. 207 ff.). Weiter wurden D.________ als Zeugin 
(pag. 201 ff.) und der Strafkläger als Auskunftsperson (pag. 214 ff.) einvernommen. 
Schliesslich wurde die von Rechtsanwältin B.________ eingereichte Kopie des 
Bundesgerichtsurteils 6B_324/2023 vom 9. August 2023 auf Beschluss der Kam-
mer zu den Akten erkannt (vgl. pag. 213). 

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwältin B.________ stellte für die Beschuldigte oberinstanzlich folgende 
Anträge (pag. 217 bzw. pag. 222):

1. Das Urteil vom 5. April 2023 sei vollumfänglich aufzuheben.

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2. A.________ sei entsprechend vom Vorwurf der Verleumdung, angeblich begangen am 25. Fe-

bruar 2022, freizusprechen.

3. A.________ sei eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 2'000.00 zuzusprechen.

4. Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten in der Höhe von total Fr. 1'600.00 sowie von Fr. 450.00 

seien der Staatskasse resp. C.________ aufzuerlegen.

5. Die Verfahrenskosten für das vorliegende Verfahren seien vollumfänglich der Staatskasse resp. 

C.________ aufzuerlegen und Frau A.________ sei eine Parteikostenentschädigung gemäss 

der eingereichten Honorarnote zuzusprechen.

Der Strafkläger beantragte sinngemäss die Bestätigung des erstinstanzlichen Ur-
teils (pag. 219).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Beschuldigte hat das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich angefochten. Damit 
hat die Kammer das gesamte erstinstanzliche Urteil zu überprüfen. Sie verfügt da-
bei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]), ist aufgrund der alleinigen Berufung durch die Beschuldigte je-
doch an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, 
d.h. sie darf das erstinstanzliche Urteil nicht zu ihrem Nachteil abändern.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Strafbefehl

Mit erstem Strafbefehl vom 29. August 2022 wurde der Beschuldigten zunächst 
vorgeworfen, sich am 25. Februar 2022 im F.________(Einkaufszentrum) an der 
E.________ (Ort) der üblen Nachrede schuldig gemacht zu haben, indem sie ge-
genüber D.________ (nachfolgend: Zeugin) anlässlich eines kurzen Gesprächs er-
zählt haben soll, ihr getrennt lebender Ehemann habe sie während der Ehe ge-
schlagen, wodurch sie psychisch krank geworden sei und deshalb das Obhutsrecht 
über die Kinder verloren habe (pag. 27). Die Beschuldigte erhob dagegen Einspra-
che (pag. 32), worauf am 3. November 2022 ein neuer Strafbefehl erging. 

Mit zweitem Strafbefehl vom 3. November 2022, der vorliegend als Anklageschrift 
gilt (Art. 356 Abs. 1 StPO), wird der Beschuldigten vorgeworfen, sich am 25. Fe-
bruar 2022 im F.________ (Einkaufszentrum) an der E.________ (Ort) der Ver-
leumdung schuldig gemacht zu haben, indem sie gegenüber der Zeugin anlässlich 
eines kurzen Gesprächs wider besseren Wissens erzählt haben soll, ihr getrennt 
lebender Ehemann habe sie während der Ehe geschlagen, wodurch sie psychisch 
krank geworden sei und deshalb das Obhutsrecht über die Kinder verloren habe 
(pag. 47).

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Der angeklagte Sachverhalt ist insoweit unbestritten, als dass es am 25. Febru-
ar 2022 im F.________(Einkaufszentrum) an der E.________(Ort) zwischen der 
Beschuldigten und der Zeugin, die sich zuvor noch nie persönlich begegnet waren, 

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zu einem kurzen Gespräch kam. Weiter ist unbestritten, dass die beiden anlässlich 
dieses Gesprächs unter anderem über den Strafkläger und noch Ehemann der Be-
schuldigten sprachen. Schliesslich ist unbestritten, dass der Strafkläger die Be-
schuldigte während der Ehe nie schlug (vgl. dazu insb. die Aussagen der Beschul-
digten auf pag. 20 Z. 73 und Z. 90, pag. 44 Z. 56, Z. 63 und Z. 59 f., pag. 209 Z. 36, 
pag. 210 Z. 43 f. und pag. 220), jedoch rechtskräftig wegen Schändung zum Nach-
teil der Beschuldigten verurteilt wurde (vgl. Urteil SK 21 242 des Obergerichts des 
Kantons Bern vom 25. August 2022 bzw. Bundesgerichtsurteil 6B_324/2023 vom 
9. August 2023). 

Bestritten ist demgegenüber, dass die Beschuldigte der Zeugin anlässlich des Ge-
sprächs sagte, ihr getrenntlebender Ehemann bzw. der Strafkläger habe sie 
während der Ehe geschlagen, wodurch sie psychisch krank geworden sei und des-
halb die Obhut über die Kinder verloren habe. Beweismässig zu klären ist somit, ob 
sich die Beschuldigte entsprechend geäussert hat.

8. Beweismittel 

Die Vorinstanz hat die wenigen vorhandenen Beweismittel in ihrer Urteilsbegrün-
dung aufgeführt und zusammenfassend wiedergegeben; darauf kann verwiesen 
werden (S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 84 ff.). Soweit sich 
ergänzende Bemerkungen zu den einzelnen Beweismitteln aufdrängen, erfolgen 
diese unmittelbar im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung (E. 12 unten). 

9. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung und Aussageanalyse

Betreffend die Grundsätze der Beweiswürdigung und die theoretischen Grundlagen 
zur Aussagewürdigung kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 
verwiesen werden (S. 5 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 81 ff.). 

10. Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete es als erstellt, dass die Beschuldigte gegenüber der Zeu-
gin wider besseren Wissens sagte, der Strafkläger habe sie während der Ehe ge-
schlagen. Betreffend den weiteren Inhalt der angeblichen Aussage, wonach sie (die 
Beschuldigte) dadurch psychisch krank geworden sei und deshalb die Obhut über 
die Kinder verloren habe, äusserte sich die Vorinstanz in ihrem Beweisergebnis 
nicht (zum Ganzen S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 94). 

Die Vorinstanz stützte sich dabei auf die ihrer Ansicht nach glaubhaften Aussagen 
der Zeugin. Sie erwog zusammengefasst, die Zeugin habe den Ablauf des Tatge-
schehens logisch und konsequent geschildert, habe Selbstkorrekturen vorgenom-
men sowie diverse Details, Nebensächlichkeiten und Nebenumstände geschildert. 
Weiter habe sie das Gespräch und dessen Inhalt gut rekonstruieren und fliessend 
darüber erzählen können sowie eigene psychische Vorgänge und solche der Be-
schuldigten geschildert. Ihre Aussagen wiesen insgesamt sowohl qualitativ als 
auch quantitativ eine realitätsnahe Dichte von Details auf, seien stimmig und frei 
von inneren oder äusseren Widersprüchen. Die Zeugin sei in der Lage gewesen, 
das Kerngeschehen konkret und mit diversen nebensächlichen Aspekten wieder-
zugeben, wobei ihre psychische Betroffenheit und die genaue Interaktions-

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schilderung die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen untermauerten. Gründe, an diesen 
Aussagen zu zweifeln, seien keine ersichtlich. Der Umstand, dass die Zeugin in-
zwischen gut mit dem Strafkläger befreundet sei, habe ihre Aussagen nicht beein-
flusst (zum Ganzen S. 14 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 90 ff.).

Die Aussagen der Beschuldigten qualifizierte die Vorinstanz demgegenüber als 
wenig glaubhaft und ungeeignet, die glaubhafte Version der Zeugin zu erschüttern. 
Sie erwog, die Beschuldigte sei hauptsächlich auf den Standpunkt eingegangen, 
dass sie diese Äusserung nicht gemacht habe. Ihre Aussagen seien wenig detail-
liert und eher karg. Betreffend den Inhalt des Gesprächs habe sich die Beschuldig-
te zudem nicht einheitlich geäussert. So hätten sich ihre Aussagen im Laufe der 
Zeit leicht verändert und seien geprägt durch eine knappe Beschreibung. Die Be-
schuldigte habe zwar zugegeben, mit der Zeugin über ihren Ehemann gesprochen 
zu haben. Den genauen Inhalt dieses fraglichen Teilgesprächs habe sie indessen 
nicht dargelegt. Auf Vorhalt der Aussagen der Zeugin habe die Beschuldigte so-
dann ausweichend und gewissermassen zielgerichtet geantwortet. Weiter habe sie 
nicht darlegen können, welche Aussage sie anstelle der ihr vorgeworfenen tatsäch-
lich über den Strafkläger gemacht haben wolle. Schliesslich habe die Beschuldigte 
verschiedene persönliche Gründe gehabt, die Zeugin über die Situation zwischen 
ihr und dem Strafkläger «aufzuklären». Aufgrund dieses erhöhten Mitteilungsbe-
dürfnisses betreffend den Strafkläger sei naheliegend, dass die Beschuldigte die ihr 
vorgeworfene Äusserung gemacht habe. Ausserdem sei einleuchtend, dass sie das 
Bedürfnis gehabt habe, den Strafkläger «schlecht zu reden», zumal das Verfahren 
wegen Schändung zu dieser Zeit noch nicht abgeschlossen gewesen sei und sich 
die Beschuldigte entsprechend hilflos gefühlt habe (zum Ganzen S. 16 ff. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung; pag. 92 ff.).

11. Argumente der Verteidigung

Die Verteidigung wandte gegen das Beweisergebnis der Vorinstanz in der Beru-
fungsverhandlung ein, die Vorinstanz habe die Aussagen der Beschuldigten, wo-
nach sie gegenüber der Zeugin nie gesagt habe, während der Ehe vom Strafkläger 
geschlagen worden zu sein, zu Unrecht als unglaubhaft qualifiziert. Die Beschuldig-
te habe den Strafkläger gegenüber der Zeugin offensichtlich nie eines unehrenhaf-
ten Verhaltens beschuldigen wollen. Ansonsten hätte sie dieser erzählt, was ihr der 
Strafkläger erwiesenermassen angetan habe. Weiter sei unlogisch, dass die Be-
schuldigte hätte erfinden sollen, der Strafkläger habe sie geschlagen, wenn sie oh-
ne Weiteres hätte sagen können, er habe sie geschändet. Schliesslich habe die 
Beschuldigte in der oberinstanzlichen Einvernahme sehr glaubhaft ausgeführt, 
dass und weshalb sie der Zeugin damals gesagt habe, der Strafkläger habe ihr 
während der Ehe «Gewalt angetan». Die Zeugin habe aus diesen Aussagen fälsch-
licherweise auf Schläge geschlossen, wobei sie das Wort ‘schlagen’ in der Beru-
fungsverhandlung nicht mehr benutzt, sondern erwähnt habe, die Beschuldigte ha-
be ihr gegenüber von Missbrauch bzw. davon gesprochen, dass der Strafkläger 
während der Ehe nicht gut zu ihr gewesen sei. Der Strafkläger gehe gemäss sei-
nen oberinstanzlichen Aussagen ebenfalls davon aus, dass die Beschuldigte ge-
genüber der Zeugin erwähnte, er habe sie (die Beschuldigte) während der Ehe 
misshandelt bzw. missbraucht. Zusammengefasst sei in Würdigung dieser Aussa-

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gen davon auszugehen, dass die Beschuldigte gegenüber der Zeugin nicht sagte, 
der Strafkläger habe sie während der Ehe geschlagen, sondern äusserte, der 
Strafkläger habe ihr Gewalt angetan. Der angeklagte Sachverhalt sei damit nicht 
erstellt (zum Ganzen pag. 218 f.).

12. Konkrete Beweiswürdigung durch die Kammer

12.1 Aussagen der Beschuldigten

Die Beschuldigte erklärte zu Beginn der polizeilichen Einvernahme vom 10. Ju-
ni 2022, sie sei überrascht gewesen, als sie erfahren habe, dass der Strafkläger 
Strafantrag wegen übler Nachrede, eventuell Verleumdung, gegen sie gestellt habe 
(pag. 20 Z. 67). Als ihr daraufhin vorgehalten wurde, dass sie gemäss Angaben 
des Strafklägers gegenüber einer Drittperson erzählt haben soll, er habe in der 
gemeinsamen Beziehung «Gewalt zu ihrem Nachteil» ausgeübt, antwortete sie: 
«Nein, das habe ich nie gesagt. Er hat mich in der Ehe nie geschlagen.» (pag. 20 
Z. 69 ff.). Auf Vorhalt, sie solle der Zeugin erzählt haben, während der Ehe vom 
Strafkläger geschlagen worden zu sein, sagte die Beschuldigte zudem aus: «Das 
habe ich nicht gesagt. Das ist nicht wahr. Ich könnte ganz andere Sachen über ihn 
sagen, aber dass er mich geschlagen haben soll, sagte ich nicht, denn das wäre 
nicht die Wahrheit.» (pag. 20 Z. 85 ff.). Schliesslich bestätigte sie, der Zeugin ge-
sagt zu haben, dass das Verhältnis zwischen ihr und dem Strafkläger schwierig sei 
(pag. 20 Z. 96 f.). 

Nach erfolgter Einsprache gegen den ersten Strafbefehl vom 29. August 2022 (sie-
he E. 6 oben) erklärte die Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 3. November 2022, sie habe Einsprache erhoben, weil sie nicht 
einverstanden sei mit dem Vorwurf, «dies» gesagt zu haben bzw. nicht akzeptieren 
könne, für etwas verurteilt zu werden, das sie nicht gesagt habe (pag. 43 Z. 40 ff.). 
Weiter bestätigte sie ihre gegenüber der Polizei gemachten Aussagen (pag. 43 
Z. 49). Auf Vorhalt der Aussagen der Zeugin, wonach sie (die Beschuldigte) ihr er-
zählt haben soll, dass es zwischen ihr und ihrem Ehemann (dem Strafkläger) sehr 
schwierig sei, weil er sie in der Beziehung früher auch geschlagen habe (pag. 10 
Z. 39 f.), bzw. er sie mehrmals geschlagen habe und sie dadurch psychisch er-
krankt sei und deshalb das Obhutsrecht über die Kinder verloren habe (pag. 11 
Z. 48 f.), antwortete die Beschuldigte, sie habe mittlerweile ein Urteil, das bestätige, 
dass sie von ihrem Exmann – gemeint dem Strafkläger – geschändet worden sei. 
Sie könne Vieles erzählen, was der Strafkläger ihr während der Ehe angetan habe, 
aber geschlagen habe er sie nie. Sie sei nicht einverstanden mit dieser Aussage. 
Sie wisse nicht, wie die Zeugin reagiert hätte, wenn sie ihr gesagt hätte, was wirk-
lich passiert sei, nämlich, dass er sie vaginal und anal geschändet habe. Sie habe 
es nicht nötig, zu lügen. Er habe sie nicht geschlagen (zum Ganzen pag. 44 
Z. 54 ff.). Auf Nachfrage, ob sie der Zeugin gesagt habe, dass der Strafkläger sie 
geschlagen habe, beteuerte die Beschuldigte erneut: «Nein, das habe ich nie ge-
sagt. Ich habe mir lange überlegt, wie sie auf so etwas kommt. Ich kann es mir 
nicht erklären.» (pag. 44 Z. 62 ff.). 

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Beschuldigte ihre ge-
genüber der Staatsanwaltschaft gemachten Aussagen (pag. 58 Z. 34) und erklärte 

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auf Frage, was sie zum Vorwurf sage: «Das Gleiche. Ich habe dies nicht gesagt.» 
(pag. 58 Z. 40 f.). Auf Frage, ob sie dabeibleibe, die ihr vorgeworfene Aussage 
nicht gemacht zu haben, antwortete sie: «Ja, ganz sicher nicht.» (pag. 58 Z. 43 f.). 
Schliesslich beschrieb sie, wie es zum Gespräch mit der Zeugin kam. So hätten ihr 
Sohn und derjenige der Zeugin zusammen gespielt. Dann sei ihr Sohn zu ihr ge-
kommen, habe sie an der Hand zur Zeugin gebracht und ihr erklärt, dies sei die 
Mutter seines Kollegen (pag. 59 Z. 2 f. und Z. 15 ff.). 

In der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschuldigte ihre bisherigen Aussagen 
(pag. 209 Z. 29) und erklärte, sie habe das erstinstanzliche Urteil angefochten, weil 
sie nicht gehört worden sei (pag. 207 Z. 32). Weiter schilderte sie, die Begegnung 
mit der Zeugin sei damals zustande gekommen, weil ihr Sohn denjenigen der Zeu-
gin gesehen und ihr gesagt habe, G.________ sei da, worauf sie – da sie bis dahin 
keinen Kontakt zu anderen Eltern gehabt habe – entgegnet habe, «ah cool», 
kannst du sie mir zeigen. Daraufhin habe ihr Sohn sie an der Hand genommen, zur 
Zeugin gebracht und sie hätten sich vorgestellt (pag. 209 Z. 39 ff., pag. 210 Z. 1 ff. 
und pag. 211 Z. 42 ff.). Im anschliessenden Gespräch habe sie gegenüber der 
Zeugin erwähnt, dass ihre Situation schwierig sei (pag. 210 Z. 7 und Z. 12). Zudem 
habe sie ihr erzählt, dass ihr getrenntlebender Ehemann ihr während der Ehe Ge-
walt angetan habe, weshalb sie sich von ihm getrennt habe (pag. 210 Z. 22 f.). 
Was sie mit «Gewalt angetan» meine, habe sie indessen nicht weiter ausgeführt 
(pag. 210 Z. 33). Auf Frage, weshalb sie in der polizeilichen Einvernahme das Wort 
‘schlagen’ verwendet bzw. auf Vorhalt des Vorwurfs, sie hätte einer Drittperson er-
zählt, der Strafkläger habe in der gemeinsamen Beziehung Gewalt zu ihrem Nach-
teil ausgeübt, gesagt habe, er habe sie in der Ehe nie geschlagen, erklärte die Be-
schuldigte (pag. 210 Z. 42 ff.):  

Die Polizei sagte mir, was der Vorwurf sei, und ich habe mich darauf fokussiert. Ich hörte, ich hätte 
gesagt, er habe mich geschlagen. Aber das stimmt nicht. Er hat mich weder geschlagen, noch habe 
ich das gesagt. An dieser Einvernahme war ich sehr auf dieses ‘geschlagen’ fokussiert und aufge-
bracht, weil ich nicht damit gerechnet habe. Ich habe das Protokoll der polizeilichen Einvernahme 
zwar durchgelesen, aber es ist mir nicht aufgefallen.

Auf Vorhalt des konkreten Vorwurfs und auf Frage, ob sie der Zeugin gesagt habe, 
sie sei durch den Strafkläger psychisch krank geworden und habe daher das Ob-
hutsrecht über die Kinder verloren, reagierte die Beschuldigte mit Kopfschütteln 
(pag. 212 Z. 4). Weiter gab die Beschuldigte auf Frage, was sie über die Aussagen 
und das Auftreten der Zeugin denke, wenn sie sie nun gehört und gesehen habe, 
zur Antwort, dass einfach nicht dasselbe gesagt worden sei (pag. 212 Z. 8). Auf 
Frage, ob sie der Zeugin gesagt habe, der Strafkläger habe sie während der Ehe 
misshandelt, führte sie Folgendes aus (pag. 212 Z. 14 ff.): 

Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich das Wort Gewalt brauchte. Ich kann mich nicht daran 
erinnern, dass ich von misshandeln sprach. Normalerweise, wenn ich über dieses Thema spreche, 
sage ich, mir sei Gewalt angetan worden.

Schliesslich bestätigte die Beschuldigte, sie habe der Zeugin gesagt, der Strafklä-
ger habe sie nicht gut behandelt (pag. 212 Z. 20). Dass er sie geschlagen habe, 
habe sie jedoch nie gesagt. Es gebe keinen Grund, weshalb sie dies behaupten 

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bzw. erfinden sollte (pag. 212 Z. 28 f.). Sie schildere den Leuten jeweils, es sei ihr 
Gewalt angetan worden, und zwar aus den folgenden Gründen (pag. 212 Z. 36 ff.):

Das was mir passierte, ist nicht etwas Einfaches. Wenn ich das den Menschen sagen würde, wären 
die meisten Menschen geschockt oder würden es nicht verstehen. Deshalb passe ich meine Wörter 
an. In unserer Gesellschaft ist es immer noch nicht üblich, dass man über solche Sachen spricht. Ich 
habe mich entschieden, dass ich darüber spreche, weil es eine Veränderung braucht. Deshalb sage 
ich, mir sei Gewalt angetan worden. Es ist so verpackt, dass es andere Leute aufnehmen können. 
Aber ich erzähle den Menschen nicht bei der ersten Begegnung, was mir wirklich passiert ist.

In Würdigung dieser Aussagen ist festzuhalten, dass die Beschuldigte von Anfang 
an beteuerte, der Zeugin nie gesagt zu haben, der Strafkläger habe sie während 
der Ehe geschlagen. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte sie zudem 
nachvollziehbar, weshalb sie bei der ersten Einvernahme nach Vorhalt des Vor-
wurfs des Strafklägers sogleich von schlagen sprach (pag. 210 Z. 42 ff.; vgl. ferner 
Vorhalt der Aussagen der Zeugin, pag. 20 Z. 85 ff.). So schilderte die Beschuldigte 
glaubhaft, wie sie sich auf den Vorwurf der Polizei fokussiert und gehört habe, sie 
solle gesagt haben, der Strafkläger habe sie geschlagen, was indes nicht stimme, 
weshalb sie dies verneint und gesagt habe, er habe sie nie geschlagen. Die proto-
kollierte Antwort der Beschuldigten lässt mithin darauf schliessen, dass beim münd-
lich mitgeteilten Vorhalt des Vorwurfs des Strafklägers seitens der Polizei bereits 
von Schlagen die Rede war. Verständlich und lebensnah erscheint sodann ihre Er-
klärung, dass sie der Zeugin gesagt habe, der Strafkläger habe ihr während der 
Ehe Gewalt angetan, weil sie, wenn sie in der Gesellschaft über «dieses Thema» 
spreche, immer sage, es sei ihr Gewalt angetan worden, damit die Leute nicht 
schockiert seien und «es» so aufnehmen könnten (pag. 212 Z. 36 ff.). Insgesamt 
äusserte sich die Beschuldigte damit logisch, konstant und verständlich zum Kern-
geschehen. Ihre Schilderungen ergeben ein stimmiges Ganzes, zumal sie – wie 
sich im Folgenden zeigen wird – weder durch die Aussagen des Strafklägers noch 
durch diejenigen der Zeugin entkräftet werden, sondern gar mit diesen in Einklang 
gebracht werden können.

12.2 Aussagen des Strafklägers

Der Strafkläger sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 3. Mai 2022 ebenfalls 
nicht aus, die Beschuldigte habe der Zeugin gesagt, er habe sie (die Beschuldigte) 
während der Ehe geschlagen, sondern erklärte vielmehr, die Beschuldigte habe der 
Zeugin anscheinend erzählt, er habe sie (die Beschuldigte) «missbraucht und auch 
misshandelt» (pag. 7 Z. 39). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte er 
sodann aus, die Beschuldigte habe der Zeugin erzählt, er habe sie (die Beschuldig-
te) während der Ehe misshandelt (pag. 60 Z. 37), weshalb die Zeugin ihn angeru-
fen und gefragt habe, ob er die Beschuldigte geschlagen habe, was er verneint ha-
be (pag. 60 Z. 38 f.). In der Berufungsverhandlung führte der Strafkläger aus, die 
Zeugin habe ihm gesagt, die Beschuldigte hätte ihr erzählt, dass er sie während 
der Ehe geschlagen habe. Er sei ab dieser Aussage perplex gewesen, weil das 
Strafverfahren gegen ihn bereits «gelaufen» und er gewusst habe, was ihm vorge-
worfen werde. Deshalb habe er die Zeugin gefragt: «weshalb geschlagen?», wor-
auf diese geantwortet habe, die Beschuldigte hätte ihr dies erzählt (zum Ganzen 
pag. 214 Z. 20 ff.). Auf Vorhalt, dass er in der polizeilichen Einvernahme gesagt 

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habe, die Beschuldigte hätte der Zeugin erzählt, er habe sie während der Ehe 
misshandelt bzw. missbraucht, nun aber von schlagen spreche, erklärte der Straf-
kläger (pag. 215 Z. 1 ff.):

Am Telefon fragte mich Frau D.________ [die Zeugin], ob ich sie (Frau A.________ [die Beschuldig-
te]) jemals missbraucht, misshandelt habe. Ich verneinte dies. Am selben Abend ging ich dann noch 
zu ihr (Frau D.________) und dann ergab sich aus dem Gespräch heraus das Wort ‘geschlagen’. 
Frau D.________ fragte mich, ob ich sie (Frau A.________) geschlagen habe, was ich verneinte.

Im Rahmen der Ergänzungsfragen wiederholte der Strafkläger diese Aussage 
sinngemäss (vgl. pag. 216 Z. 37 ff.). Auf Frage, ob er wisse, wie die Zeugin auf das 
Wort ‘schlagen’ gekommen sei, antwortete er, er denke, sie habe das für sich «aus 
dem Sammelbegriff ‘Missbrauch, misshandeln’ geschlossen» und sei dann nicht 
«auf die Schiene seines Strafverfahrens gerutscht», von dem sie damals keine 
Kenntnis gehabt habe (pag. 215 Z. 7 ff.). 

Gesamthaft fällt in Würdigung dieser Aussagen auf, dass selbst der Strafkläger 
nicht davon auszugehen scheint, die Beschuldigte habe gegenüber der Zeugin er-
wähnt, er habe sie während der Ehe geschlagen, sondern vielmehr annimmt und 
entsprechend mehrfach zu Protokoll gab, die Beschuldigte habe sich gegenüber 
der Zeugin dahingehend geäussert, dass er sie während der Ehe misshandelt bzw. 
missbraucht habe, woraus die Zeugin geschlossen habe, er habe die Beschuldigte 
während der Ehe geschlagen. Die Aussagen des Strafklägers vermögen die Versi-
on der Beschuldigten somit nicht zu entkräften, sondern untermauern vielmehr de-
ren Angabe, wonach sie der Zeugin nicht gesagt habe, der Strafkläger habe sie 
während der Ehe geschlagen.

12.3 Aussagen der Zeugin

Die Zeugin führte in der polizeilichen Einvernahme aus, die Beschuldigte habe ihr 
erzählt, der Strafkläger habe sie in der Beziehung früher «auch geschlagen» 
(pag. 10 Z. 40). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab sie zu Protokoll, die 
Beschuldigte habe ihr gesagt, der Strafkläger habe sie misshandelt und geschla-
gen (pag. 62 Z. 35). In der Berufungsverhandlung schilderte sie, die Beschuldigte 
und sie hätten sich via die Kinder im F.________(Einkaufszentrum) getroffen. An-
schliessend habe ihr die Beschuldigte innerhalb von fünf Minuten erzählt, der Straf-
kläger habe sie misshandelt (zum Ganzen pag. 202 Z. 35, ferner pag. 203 Z. 2). 
Auf Vorhalt, dass sie nun von misshandeln, in den früheren Einvernahmen indes 
von schlagen gesprochen habe, erklärte die Zeugin: «Ja, geschlagen.» (pag. 203 
Z. 5 ff.). Sie könne sich jedoch nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern 
(pag. 203 Z. 10). Zudem sagte sie aus, die Beschuldigte habe ihr einfach gesagt, 
der Strafkläger habe sie während der Zeit, in der sie zusammen gewesen seien, 
nicht gut behandelt (pag. 203 Z. 15 f.). Auf Frage, ob sie dies näher beschreiben 
könne, entgegnete sie: «Einfach gewalttätig. Aber ich fragte nicht mehr nach […].» 
(pag. 203 Z. 18 f.). Daraufhin beteuerte sie wiederum, die Beschuldigte habe ihr 
gesagt, der Strafkläger habe sie in der Ehe geschlagen, wodurch sie psychisch 
krank geworden sei und das Obhutsrecht über die Kinder verloren habe (pag. 203 
Z. 27 und Z. 31 f. sowie pag. 205 Z. 13). Anschliessend führte sie jedoch aus, nach 
dem Treffen den Strafkläger angerufen und gefragt zu haben, ob es stimme, dass 

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er die Beschuldigte schlecht behandelt bzw. misshandelt habe (pag. 203 Z. 44 und 
pag. 204 Z. 2 f.). Auf Frage, was sie unter dem Begriff ‘Misshandlung’ verstehe, 
antwortete sie: «Gewalt, psychische und körperliche Gewalt.» (pag. 205 Z. 20 f.). 
Unter den Begriff ‘Gewalttätigkeit’ falle für sie ferner die Ausübung von Gewalt bzw. 
schlagen, psychische und sexuelle Gewalt sowie alles, was jemandem weh tue 
(pag. 205 Z. 27). 

In Würdigung dieser Aussagen ist festzuhalten, dass die Zeugin nicht konstant 
aussagte, die Beschuldigte habe ihr gesagt, der Strafkläger habe sie während der 
Ehe geschlagen, sondern teilweise auch erklärte, die Beschuldigte habe ihr gesagt, 
der Strafkläger habe sie misshandelt bzw. nicht gut behandelt. Unter dem Begriff 
‘Misshandlung’ versteht die Zeugin offenbar Gewalt und unter das Wort ‘Gewalt-
tätigkeit’ subsumierte sie die Ausübung von Gewalt bzw. schlagen, psychische und 
sexuelle Gewalt sowie alles, was jemandem weh tue. Es liegt damit nahe, dass die 
Zeugin von der Aussage der Beschuldigten, der Strafkläger habe ihr «Gewalt ange-
tan», auf das Wort ‘schlagen’ schloss. Die Schilderungen der Zeugin vermögen die 
glaubhaften Aussagen der Beschuldigten somit ebenfalls nicht zu entkräften.  

12.4 Ergebnis

Im Ergebnis ist auf die glaubhaften Aussagen der Beschuldigten abzustellen, wo-
nach sie der Zeugin anlässlich des Gesprächs im F.________(Einkaufszentrum) 
nicht sagte, der Strafkläger habe sie während der Ehe geschlagen, wodurch sie 
psychisch krank geworden sei und deshalb die Obhut über die Kinder verloren ha-
be. Vielmehr erzählte sie gegenüber der Zeugin, der Strafkläger habe ihr während 
der Ehe Gewalt angetan, was angesichts dessen, dass er sie während der Ehe 
nachweislich schändete, nicht tatsachenwidrig ist. Der angeklagte Sachverhalt ist 
damit nicht erstellt, weshalb die Beschuldigte von der Anschuldigung der Verleum-
dung, angeblich begangen am 25. Februar 2022 im F.________(Einkaufszentrum) 
in Spiez zum Nachteil des Strafklägers freizusprechen ist.

III. Widerrufsverfahren

Die Widerrufsverfahren SK 23 262 und SK 23 263 gegen die Beschuldigte sind zu-
folge Freispruchs einzustellen. Die Verfahrenskosten für die erstinstanzlichen Wi-
derrufsverfahren von CHF 450.00 trägt der Kanton Bern (vgl. E. IV.13 unten). Obe-
rinstanzlich werden für die Widerrufsverfahren keine Verfahrenskosten erhoben.

IV. Kosten und Entschädigung

13. Verfahrenskosten

Art. 423 Abs. 1 StPO sieht vorbehältlich abweichender Bestimmungen als Grund-
satz vor, dass die Verfahrenskosten vom Bund oder dem Kanton getragen werden, 
der das Verfahren geführt hat. Art. 426 Abs. 1 StPO regelt, dass die beschuldigte 
Person die Verfahrenskosten trägt, wenn sie verurteilt wird. Die Kosten des 
Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder 
Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Bei Antragsdelikten können die Verfahrens-

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kosten gemäss Art. 427 Abs. 2 StPO der antragstellenden Person, sofern diese 
mutwillig oder grob fahrlässig die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen 
Durchführung erschwert hat, oder der Privatklägerschaft auferlegt werden, wenn 
(lit. a) das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen wird, 
und (lit. b) soweit die beschuldigte Person nicht nach Art. 426 Abs. 2 StPO kosten-
pflichtig ist.

Vorliegend wird die Beschuldigte oberinstanzlich freigesprochen. Sie obsiegt damit 
vollumfänglich. Der Strafkläger hat die Einleitung des Verfahrens nicht mutwillig 
oder grob fahrlässig bewirkt und auch dessen Durchführung nicht erschwert. Er hat 
weder zu verantworten, dass das Verfahren an die Vorinstanz überwiesen wurde, 
noch war er oberinstanzlich berufungsführende Partei. Eine Auferlegung der Ver-
fahrenskosten an den Strafkläger erscheint vor diesem Hintergrund nicht gerecht-
fertigt. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 2'050.00 (inkl. Kosten 
der Widerrufsverfahren von CHF 450.00), und die Kosten des oberinstanzlichen 
Verfahrens, bestimmt auf CHF 3'000.00 (inkl. Auslagen für die Zeugin; Art. 5 i.V.m. 
24 Abs. 1 lit. a des Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]), hat somit der 
Kanton Bern zu tragen.

14. Entschädigung / Genugtuung

14.1 Entschädigung

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das 
Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO An-
spruch auf eine nach dem Anwaltstarif festgelegte Entschädigung ihrer Aufwen-
dungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte. 

Die Höhe der Entschädigung des anwaltlichen Aufwands in Verfahren vor den kan-
tonalen Gerichten richtet sich nach dem Kantonalen Anwaltsgesetz (KAG; 
BSG 168.11) und der Parteikostenverordnung (PKV; BSG 168.811). In Strafrechts-
sachen wird das Honorar bei einzelgerichtlichen Verfahren vor dem Regionalge-
richt im Rahmen von CHF 500.00 bis CHF 25'000.00 bemessen. Im Berufungsver-
fahren beträgt das Honorar 10 bis 50% davon (Art. 17 Abs. 1 lit. f i.V.m. b PKV). In-
nerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sa-
che gebotenen Zeitaufwand, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit 
des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG). Bei der Bemessung des Parteikostenersatzes 
besteht ein grosses richterliches Ermessen.

Die von Rechtsanwältin B.________ mit Honorarnoten vom 11. Januar 2024 
(pag. 223 f. [Aufwände bis Ende 2023] und pag. 225 f. [Aufwände ab 2024]) gel-
tend gemachte Entschädigung befindet sich innerhalb des Rahmentarifs und er-
scheint mit Blick auf die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Pro-
zesses als angemessen. Die Entschädigung für die Ausübung der Verfahrensrech-
te im oberinstanzlichen Verfahren beläuft sich damit auf CHF 3'709.20 (in-
kl. Auslagen und Mehrwertsteuer). 

14.2 Genugtuung

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das 
Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO An-

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spruch auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen 
Verhältnisse, insbesondere Freiheitsentzug. 

Vorliegend begründet die Beschuldigte die Ausrichtung einer Genugtuung damit, 
dass sie Opfer sexueller Gewalt durch den Strafkläger geworden sei und sich sei-
netwegen, anstatt sich um ihre Genesung kümmern zu können, mit dem vorliegen-
den Verfahren, in dem sie nun Beschuldigte und nicht mehr Opfer sei, «herum-
schlagen» müsse (pag. 219). 

Die Beschuldigte befindet sich angesichts der Gesamtumstände unbestrittener-
massen in einer belastenden Situation. Diese Situation besteht jedoch weitgehend 
unabhängig vom vorliegenden Verfahren und vermag insofern keine besonders 
schwere Verletzung ihrer persönlichen Verhältnisse bezogen auf das vorliegende 
Verfahren zu begründen. Hinzu kommt, dass eine gewisse Belastung einem Straf-
verfahren immanent ist. Es rechtfertigt sich daher nicht, der Beschuldigten eine 
Genugtuung im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO auszurichten. 

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V. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird freigesprochen 

von der Anschuldigung der Verleumdung, angeblich begangen am 25. Februar 2022 in 
E.________, F.________(Einkaufszentrum), zum Nachteil von C.________,

unter Ausrichtung einer Entschädigung von CHF 3'709.20 (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuer) für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte im oberinstanzlichen Ver-
fahren, 

ohne Ausrichtung einer Genugtuung im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO sowie 

unter Auferlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'600.00 und der 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 3'000.00 an den Kanton Bern.

II.

1. Die Widerrufsverfahren SK 23 262 und SK 23 263 gegen A.________ werden zufolge 
Freispruchs eingestellt.

2. Die Verfahrenskosten für die erstinstanzlichen Widerrufsverfahren von CHF 450.00 
trägt der Kanton Bern.

3. Oberinstanzlich werden für die Widerrufsverfahren keine Verfahrenskosten erhoben.

III.

Zu eröffnen:
- der Beschuldigten/Berufungsführerin, v.d. Rechtsanwältin B.________
- dem Strafkläger 
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz

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Bern, 11. Januar 2024
(Ausfertigung: 8. März 2024)

Im Namen der 2. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Knecht

Die Gerichtsschreiberin:

von Teufenstein

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.