# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 451f4d76-54fe-52fd-aaac-4d810d08d857
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.04.2017 D-244/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-244-2017_2017-04-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-244/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer, Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Mali,   

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 8. Dezember 2016 / N (…). 

 

 

 

D-244/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein damals noch minderjähriger Staatsange-

höriger von Mali – ersuchte am 10. September 2015 um die Gewährung 

von Asyl in der Schweiz. Dabei gab er anlässlich der Gesuchseinreichung 

auf dem handschriftlich und gemäss entsprechendem Vermerk selbständig 

ausgefüllten Personalienblatt (act. A1) an, er stamme aus B._______ (eine 

Stadt im Südwesten von Mali, … nordwestlich von Bamako und … südöst-

lich von Kayes gelegen), seine Muttersprache sei Bambamran (recte: Bam-

bara) und er spreche auch „Fase Franch“ (soweit ersichtlich: Französisch). 

Am 14. September 2015 vermerkte das SEM in einer Aktennotiz, aufgrund 

des äusseren Erscheinungsbildes des Beschwerdeführers, er scheine min-

derjährig zu sein, werde vorläufig auf eine Handknochenanalyse verzichtet.  

A.b Am 24. September 2015 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Per-

son und zu seinem persönlichen Hintergrund, zu seinem Reiseweg, zum 

Verbleib seiner Reise- und Identitätspapiere und summarisch zu seinen 

Gesuchsgründen befragt (vgl. act. A5: Protokoll der Befragung zur Person 

[BzP]). Dabei führte er unter anderem aus, er stamme ursprünglich aus 

C._______, welches (…) westlich von B._______ liege, er habe jedoch von 

seiner Geburt bis zu seiner Ausreise mit seinen Familie stets in B._______ 

gewohnt, welches wiederum in der Region von Bamako liege (recte: in der 

Region Kayes, aber näher bei Bamako als bei Kayes gelegen). Er sei ein 

ethnischer Mandinko und seine Muttersprache sei Bambara, er spreche 

aber auch Malinke (auch: Maninka) und ein wenig Französisch. Er sei je-

doch nie zur Schule gegangen, da er lesen und schreiben erst hier von den 

anderen Leuten in der Empfangsstelle gelernt habe (a.a.O., Ziffn. 1.07, 

1.08, 1.17 und 2.01). Seine (…) Mutter lebe mit seiner (…) Schwester und 

seinem (…) Bruder weiterhin in B._______, wogegen sein (…) Vater im 

Jahre 2014 verstorben sei. Im Rahmen der Ausführungen zu seiner Familie 

nannte er gleichzeitig die Telefonnummer des Mobiltelefons seines Bruders 

(a.a.O., Ziff. 3). Auf die Frage nach dem Verbleib seiner Reise- und Identi-

tätspapiere führte er aus, einen Pass habe er nie besessen und seine Iden-

titätskarte von Mali sei bei seiner Mutter in B._______ zurückgeblieben 

(a.a.O., Ziff. 4). Auf die weiteren Angaben und Ausführungen im Rahmen 

der Befragung zur Person wird – soweit wesentlich – nachfolgend einge-

gangen.  

D-244/2017 

Seite 3 

A.c Nach der Befragung zur Person wurde vom SEM in zwei weiteren Ak-

tennotizen vermerkt, der Beschwerdeführer dürfte vom Aussehen her min-

derjährig sein, und am 6. Oktober 2015 wurde die zuständige kantonale 

Behörde vom Staatssekretariat über die Zuweisung des unbegleiteten min-

derjährigen Asylsuchenden (UMA) in Kenntnis gesetzt. Dem minderjähri-

gen Beschwerdeführer wurde in der Folge von der kantonalen Behörde 

eine rechtskundige Person beigeordnet. Im Beisein dieser Vertrauensper-

son fand knapp ein Jahr später – am 13. September 2016 – in Bern-Wa-

bern die Anhörung zu den Gesuchsgründen statt.  

A.d Im Rahmen der Anhörung vom 13. September 2016 (vgl. act. A18: An-

hörungsprotokoll), welche wie die Befragung zur Person in Bambara ge-

führt wurde, berichtete der Beschwerdeführer vorab unter Vorlage einer 

Kopie respektive eines Fotos seiner Geburtsurkunde, welche ihm von sei-

ner Mutter durch Vermittlung einer Drittperson über "Facebook" zugestellt 

worden sei, über seine andauernden Kontakte mit seiner Mutter, mit wel-

cher er einmal im Monat telefoniere. Dabei gab er auf Nachfrage hin unter 

anderem an, seinen Geschwistern gehe es gut, wogegen seine Mutter auf-

grund ihres Alters sehr eingeschränkt sei. Weiter berichtete er über seine 

Herkunft aus der Ortschaft C._______, bei welcher es sich um einen Vorort 

von B._______ handle, welches wiederum eine grosse Stadt sei. Bei 

C._______ handle es sich um ein kleines Dorf, wo es keine Schule gebe. 

Kinder, welche aus dem Dorf zur Schule gingen, würden dies in einer 

Nachbarstadt tun. Er selber sei aber nie zur Schule gegangen, sondern er 

habe wie seine Geschwister auf dem Feld gearbeitet. Nachdem in der vor-

gelegten Geburtsurkunde als Geburtsort die Ortschaft D._______ ver-

zeichnet war, gab der Beschwerdeführer auf diesbezügliche Nachfrage hin 

an, die Ortschaften C._______ und D._______ gehörten zusammen. Auf 

die weiteren Angaben und Ausführungen im Rahmen der Anhörung wird – 

soweit wesentlich – nachfolgend eingegangen.  

A.e Am 27. Oktober 2016 stellte der Beschwerdeführer dem SEM kom-

mentarlos das Original seiner Geburtsurkunde zu, zusammen mit dem Ori-

ginal eines amtlichen Geburtsregisterauszuges vom 30. August 2016. In 

beiden Dokumenten ist die Ortschaft D._______ als Geburtsort vermerkt 

(tatsächlich ein Nachbarort von C._______) und beide wurden vom zustän-

digen Bürgermeisteramt der Gemeinde E._________ ausgestellt, welche 

im Kreis F._________ in der Region Kayes liegt (… nordwestlich von 

B._______ respektive … südöstlich von Kayes). Diese Papiere wurden 

vom SEM behördenintern durch einen Länderexperten respektive eine 

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Seite 4 

Länderexpertin geprüft, wobei von dieser Person die Echtheit der vorge-

legten Urkunden nicht bezweifelt wurde (act. A20: Aktennotiz "Abklärung 

mit Länderreferat"). 

B.  

Zur Begründung seines Gesuches brachte der Beschwerdeführer im Rah-

mend der Befragung zur Person vor, er habe seine Heimat verlassen, weil 

es bei ihnen zuhause respektive in Gao (fast 1400 km von B._______ und 

fast 1600 km von C._______ entfernt) Krieg gebe. Dabei machte er auf 

Nachfrage hin geltend, sein Vater sei in Gao respektive in der Sahara von 

Rebellen getötet worden, als sie – sein Vater, seine Mutter und er – anläss-

lich ihrer Ausreise dort unterwegs gewesen seien. Bei diesem Vorfall sei er 

am Fuss verletzt worden. Im Rahmen der Anhörung brachte der Beschwer-

deführer auf die Frage nach dem Grund für seine Ausreise vor, es sei da-

mals um kriegerischen Auseinandersetzungen gegangen. Es habe immer 

wieder Angriffe vonseiten der Rebellen gegeben, welche vor drei Jahren 

respektive 2014 auch seinen Vater umgebracht hätten. Nach diesem Über-

fall in Gao, bei welchem auch er mit einem Messer am Fuss verletzt worden 

sei, habe er aus Furcht um sein Leben die Flucht ergriffen und seine Hei-

mat im Januar 2015 verlassen. Dazu führte er aus, er sei selbständig von 

Gao über Algerien nach Libyen gereist, von wo er auf dem Seeweg Italien 

und anschliessend auf dem Landweg die Schweiz erreicht habe. Im Rah-

men der Anhörung brachte der Beschwerdeführer sodann auf entspre-

chende Nachfrage hin vor, weshalb seine Eltern damals mit ihm und seinen 

Geschwistern in Gao unterwegs gewesen seien, wisse er nicht. Gleichzei-

tig gab er an, Gao liege nicht weit von C._______ entfernt, zumal man von 

C._______ mit dem Auto innert eines halben Vormittags Gao erreichen 

könne (vgl. act. A18, F. 80-85). Auf weitere Nachfragen hin führte er aus, 

nach der Beerdigung seines Vaters in Gao, an welcher er aufgrund seiner 

Verletzung nicht habe teilnehmen können, habe er sich mit dem Einver-

ständnis seiner Mutter auf den Weg gemacht. Der Vorfall in Gao habe zur 

Trennung seiner Familie geführt, indem sein älterer Bruder nach Kayes ge-

gangen sei, wogegen seine Mutter und seine jüngere Schwester seither in 

einem Vorort von Gao lebten, und zwar in G._________ (knapp 1000 km 

südwestlich von Gao und über 400 km östlich von B._______ gelegen), 

wenn er richtig informiert sei. (vgl. a.a.O., F. 90 ff, 104 ff. und 137 ff.). Auf 

die Gesuchsvorbringen wird weiter – soweit für den Entscheid wesentlich – 

in den Erwägungen eingegangen.  

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Seite 5 

Anzumerken bleibt an dieser Stelle, dass zum Schluss der Anhörung von 

der Hilfswerkvertretung im Protokoll vermerkt wurde, der Beschwerdefüh-

rer habe teilweise Mühe gehabt, die gestellten Fragen zu beantworten und 

sich auszudrücken. Es scheine, dass er sich aufgrund seines Alters und 

seines Hintergrundes der Wichtigkeit der Anhörung womöglich nicht be-

wusst gewesen sei und daher oftmals nicht sehr detailliert oder ausschwei-

fend berichtet habe (vgl. act. A18 [letzte Seite]).  

C.  

Mit Verfügung vom 8. Dezember 2016 (eröffnet am 13. Dezember 2016) 

lehnte das SEM das Asylgesuch des damals nach wie vor noch minderjäh-

rigen Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach Mali an. In seinem Ent-

scheid erklärte das Staatssekretariat zunächst den vorgebrachten Überfall 

von Rebellen als nicht asylrelevant, zumal die damit behauptete Verwick-

lung in eine kriegerische Auseinandersetzung keine relevante Verfolgungs-

situation im Sinne von Art. 3 AsylG (SR 142.31) erkennen lasse. Darüber 

hinaus erklärte das Staatssekretariat die Angabe und Ausführung des Be-

schwerdeführers zu seiner Herkunft, zu seiner angeblich fehlenden Schul-

bildung und zum aktuellen Aufenthaltsort seiner Angehörigen sowie dessen 

Reisewegschilderungen als mit mannigfachen Widersprüchen behaftet 

und daher insgesamt unglaubhaft. Die geografischen Angaben des Be-

schwerdeführers erkannte das Staatssekretariat als durchwegs tatsachen-

widrig. Nach diesen Feststellungen gelangte das SEM im Rahmen der Prü-

fung des Wegweisungsvollzuges zum Schluss, aufgrund der unglaubhaf-

ten Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen und zu seiner Herkunft 

sei es dem Staatssekretariat nicht möglich, die tatsächlichen persönlichen 

und familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers zu evaluieren. Die Fol-

gen der Verheimlichung seiner wahren Verhältnisse und Herkunft habe der 

Beschwerdeführer zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen 

sei, einer Wegweisung nach Mali stünden keine rechterheblichen Vollzugs-

hindernisse entgegen. Da es sich beim Beschwerdeführer um eine noch 

minderjährige Person handle, bleibe im Sinne einer Kindswohlprüfung da-

rauf hinzuweisen, dass er den Weg von Mali in die Schweiz selbständig 

zurückgelegt habe, was von einer gewissen Selbständigkeit und Reife 

zeuge. Zudem stehe er mit seiner Mutter in regelmässigem Kontakt. Des-

halb könne davon ausgegangen werden, dass er bei seiner Rückkehr auf 

Unterstützung zählen könne. Zudem werde er bald volljährig.  

D.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 12. Januar 2017 

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Seite 6 

– handelnd durch seinen Rechtsvertreter und beschränkt auf die Frage der 

Anordnung der Wegweisung respektive des Wegweisungsvollzuges – Be-

schwerde. In seiner Eingabe beantragte er zur Hauptsache die Anordnung 

einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzuges, eventualiter die Rückweisung der Sache ans 

SEM. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht so-

wie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbei-

stand. Im Rahmen seiner Beschwerdebegründung bekräftigte der Be-

schwerdeführer vorab das Vorbringen über den Tod seines Vaters angeb-

lich in Gao, über seine angeblich bei diesem Vorfall erlittene Verletzung am 

Bein und über seine anschliessende Ausreise aus Mali. Gegen eine Weg-

weisung nach Mali wandte er in der Folge zunächst unter Verweis auf eine 

SFH-Länderanalyse zur allgemeinen Lage in Mali vom 30. Oktober 2012 

ein, bereits aufgrund der Gesamtsituation in seiner Heimat sei eine Rück-

kehr unzumutbar. In seinem Fall würden indes auch individuelle Gründe 

gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen, da er keine 

Kenntnis vom Aufenthalt seiner Angehörigen habe und damit unklar sei, 

wer ihn nach seiner Rückkehr in seine Obhut nehmen sollte. Seine Versor-

gung sei völlig unklar, zumal sein Vater verstorben sei und sein Bruder mitt-

lerweile in Kayes lebe. Mit Blick darauf sei er in der Schweiz vorläufig auf-

zunehmen. Im Rahmen seiner weiteren Beschwerdevorbringen hielt der 

Beschwerdeführer dem SEM namentlich eine unvollständige Sachverhalts-

stellung und eine schwerwiegende Verletzung seines Anspruchs auf recht-

liches Gehör vor, zumal es das Staatssekretariat pflichtwidrig und entge-

gen der Praxis nach BVGE 2015/30 unterlassen habe, im Rahmen der Prü-

fung des Wegweisungsvollzuges seine konkrete Situation als unbegleiteter 

Minderjähriger vollständig abzuklären, nachdem seine Minderjährigkeit als 

unbestritten gelte. Auf die diesbezüglichen Vorbringen wird weiter – soweit 

im Urteilszeitpunkt noch relevant – nachfolgend eingegangen (vgl. unten, 

E. 3.2). Daneben bestritt der Beschwerdeführer die vorinstanzlichen Fest-

stellungen betreffend die generelle Unglaubhaftigkeit seiner Angaben und 

Ausführungen. In dieser Hinsicht machte er zum einen geltend, im Rahmen 

seiner Würdigung habe das SEM gänzlich ausser Acht gelassen, dass er 

noch minderjährig sei. Gleichzeitig könne aufgrund seines aktenkundig 

zwar eher knappen, in der Sache aber durchaus konstanten Aussagever-

haltens keineswegs von einer bewussten Verheimlichung von Informatio-

nen und verwehrter Mitwirkung ausgegangen werden. Soweit es seinem 

Sachverhaltsvortrag an Substanz mangle, sei dies in erster Linie vor dem 

Hintergrund seiner Minderjährigkeit zu sehen, was sich im Übrigen auch 

aus dem diesbezüglichen Vermerk der Hilfswerkvertretung ergebe (vgl. 

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Seite 7 

dazu oben, Bst. B [zweiter Absatz]). Darüber hinaus machte der Beschwer-

deführer geltend, er sei vom SEM zu Unrecht in Bambara angehört worden. 

Seine Muttersprache sei vielmehr Maninka, sei er doch ein ethnischer 

Mandinko. So sei denn auch die Befragung zur Person tatsächlich gar nicht 

in Bambara, sondern vom Dolmetscher inoffiziell in Maninka geführt wor-

den, was im Protokoll jedoch unerwähnt geblieben sei. Zur falschen Ver-

zeichnung seiner Muttersprache sei es im Übrigen gekommen, weil in der 

Empfangsstelle das Personalienblatt nicht von ihm, sondern vielmehr von 

einem Kollegen ausgefüllt worden sei, da er selbst nicht lesen und schrei-

ben könne. Da die Anhörung in der Folge ausschliesslich in Bambara ge-

führt worden sei, habe er dieser nicht vollständig folgen können. Gerade 

mit Blick darauf müsse von einer ungenügenden Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhalts ausgegangen werden, welche jedoch nicht von 

ihm zu vertreten sei, nachdem er im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung erst 

(…)-jährig gewesen sei.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. Januar 2017 wurde aufgrund der damali-

gen Aktenlage den Gesuchen um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um Befreiung von der Kos-

tenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) sowie um Gewährung 

der amtlichen Verbeiständung (nach Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) entspro-

chen und dem Beschwerdeführer antragsgemäss der rubrizierte Rechts-

vertreter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet (Art. 110a Abs. 1 i.V.m. 

Art. 110a Abs. 3 AsylG). Gleichzeitig wurde das SEM zum Schriftenwech-

sel eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG).  

F.  

Im Rahmen seiner Vernehmlassung vom 31. Januar 2017 hielt das SEM 

an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 

Beschwerde. Dabei bekräftigte das Staatssekretariat im Wesentlichen 

seine bisherigen Schlüsse betreffend die praktisch vollständige Unglaub-

haftigkeit der Angaben und Ausführungen des Beschwerdeführers, wo-

durch eine umfassendere Prüfung der Frage der Zumutbarkeit verunmög-

licht werde. Alleine mit der Berufung auf seine Minderjährigkeit würden die 

zahlreichen Widersprüche nicht erklärt. Vom bald volljährigen Beschwer-

deführer hätten vielmehr nachvollziehbare Angaben zu seinen Hintergrund 

erwartet werden dürfen. Über seine bisherigen Erwägungen hinausgehend 

meldete das Staatssekretariat im Übrigen neu auch noch gewisse Zweifel 

an der geltend gemachten Herkunft aus Mali an. Auf der anderen Seite hielt 

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Seite 8 

das SEM dafür, eine Kindswohlprüfung sei durchaus vorgenommen wor-

den. Das Beschwerdevorbringen betreffend eine angeblich falsche Befra-

gungs- und Anhörungssprache erklärte das Staatssekretariat sodann unter 

Verweis auf die Aktenlage als nicht stichhaltig. Dabei hielt das Staatssek-

retariat unter anderem fest, mangels Hinweisen auf Verständigungsprob-

leme habe kein Anlass bestanden, an der vom Beschwerdeführer bezeich-

neten Muttersprache zu zweifeln.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. Februar 2017 wurde dem Beschwerdefüh-

rer die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis gebracht und der Be-

schwerdeführer zur diesbezüglichen Stellungnahme (Replik) eingeladen. 

Dabei wurde er der Ordnung halber darauf hingewiesen, dass nicht mit ei-

nem Abschluss des Verfahrens noch (…) vor Erreichen seiner Volljährigkeit 

gerechnet werden könne.  

H.  

Am 20. Februar 2017 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-

vertreter eine Replik ein, in welcher er an seinen Beschwerdevorbringen 

vollumfänglich festhielt. So bekräftigte er namentlich das Vorbringen, das 

SEM sei seiner erhöhten Abklärungspflicht im Falle von unbegleiteten min-

derjährigen Gesuchstellern nach wie vor nicht nachgekommen, weshalb 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. 

Gleichzeitig bekräftigte er das Vorbringen, aus sprachlichen Gründen habe 

er im Rahmen der Anhörung nicht alles verstanden. Aufgrund der Anmer-

kungen der Hilfswerksvertretung erscheine denn auch als nicht ausge-

schlossen, dass es zu Verständigungsproblemen gekommen sei. Alleine 

der Umstand, dass er demnächst volljährig werde, müsse schliesslich un-

erheblich bleiben, da insgesamt von einer schwerwiegenden Verletzung 

seines Anspruchs auf das rechtliche Gehör auszugehen sei. Nachdem der 

Anspruch auf das rechtliche Gehör formeller Natur sei und das SEM auch 

im Rahmen der Vernehmlassung die im Falle von unbegleiteten Minderjäh-

rigen notwendigen Abklärungen nicht nachgeholt habe, falle eine Heilung 

der Gehörsrechtsverletzung ausser Betracht. Zudem sei es aufgrund der 

sprachlichen Schwierigkeiten zu einer unvollständigen Sachverhaltsfest-

stellung gekommen, welche auch auf Vernehmlassungsstufe nicht habe 

bereinigt werden können. Auf die weiteren Vorbringen im Rahmen der Rep-

likeingabe – namentlich zur Frage der Kostenverlegung im Falle einer Ab-

weisung der Beschwerde – wird nachfolgend eingegangen.  

  

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Seite 9 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-

gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG). 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und seine 

Eingabe ist als frist- und formgerecht zu erkennen (Art. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 

2.  

2.1 Im Rahmen der Beschwerde wird explizit beantragt, "es sei die Verfü-

gung des SEM vom 8. Dezember 2016 in den Dispositivpunkten 3, 4 und 

5 aufzuheben und der Beschwerdeführer sei wegen der Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzuges als Ausländer vorläufig in der Schweiz aufzu-

nehmen, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen" (vgl. Beschwerdeanträge 1 und 2). Da sich die Beschwer-

de damit auf die Frage der Wegweisung respektive des Wegweisungsvoll-

zuges beschränkt, sind die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die 

Ablehnung des Asylgesuches (vgl. Ziffn. 1 und 2 des Dispositivs der ange-

fochtenen Verfügung) unangefochten in Rechtskraft erwachsen.  

2.2 Vom Beschwerdeführer wird sodann – zumindest gemäss dem Wort-

laut seines Hauptantrages – nicht nur die Anordnung des Wegweisungs-

vollzuges, sondern auch die Anordnung der Wegweisung als solcher an-

gefochten, indem er die Aufhebung auch von Ziffer 3 des Dispositivs der 

angefochtene Verfügung beantragt (vgl. oben). Eine diesbezügliche Be-

gründung liegt allerdings nicht vor und die Anordnung der Wegweisung als 

solcher stellt die Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs dar (Art. 44 

[erster Satz] AsylG). Da die Ablehnung des Asylgesuches unangefochten 

in Rechtskraft erwachsen ist und der Beschwerdeführer weder über eine 

D-244/2017 

Seite 10 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen verfügt, ist die Anordnung der Wegweisung zu be-

stätigen (vgl. auch BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H). 

2.3 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet nach dem Gesagten 

einzig die Prüfung der Frage der Rechtmässigkeit der Anordnung des Weg-

weisungsvollzuges (vgl. Ziff. 4 f. des Dispositivs der angefochtenen Verfü-

gung), mithin die Frage, ob das SEM den Vollzug der Wegweisung zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat (Art. 44 Abs. 2 [zwei-

ter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2-4 AuG [SR 142.20]).  

2.4 Aufgrund der Aktenlage ist indes vor den Erwägungen zu dieser Sache 

(vgl. unten, E. 4) vorab auf die prozessualen Rügen des Beschwerdefüh-

rers einzugehen.  

3.  

3.1 Vom Beschwerdeführer wird die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung und Rückweisung der Sache ans SEM zwar der Form nach bloss im 

Sinne eines Eventualantrages beantragt, tatsächlich setzt er sich in seiner 

Beschwerde jedoch zur Hauptsache mit seinen Vorbringen betreffend eine 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und be-

treffend das Vorliegen einer schweren Gehörsrechtsverletzung auseinan-

der. Da diese Rügen im Bestätigungsfall zu einer Kassation der angefoch-

tenen Verfügung führen würden, wird darauf zuerst eingegangen.  

3.2 Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, der entscheidre-

levante Sachverhalt sei deshalb nicht genügend erstellt und sein Anspruch 

auf das rechtliche Gehör sei deshalb verletzt, weil vom SEM aufgrund sei-

ner Minderjährigkeit zwingend notwendige Abklärungen in der Heimat, mit-

hin eine praxiskonforme Abklärung der Frage nach den effektiven Modali-

täten respektive nach der praktischen Umsetzung des Wegweisungsvoll-

zuges, unterlassen worden seien. Die diesbezüglichen, sehr umfassenden 

Ausführungen in der Beschwerde – welche in grundsätzlich zutreffender 

Weise die massgebliche Praxis wiedergeben – wären in der Tat als aus-

schlaggebend zu erkennen, wenn der Beschwerdeführer nach wie vor min-

derjährig wäre. So muss sich das SEM entgegen halten lassen, die im Rah-

men der angefochtenen Verfügung trotz unbestrittener Minderjährigkeit 

verfolgte Argumentationslinie bei der Prüfung des Wegweisungsvollzuges 

– an welcher das Staatssekretariat selbst noch im Rahmen seiner Ver-

nehmlassung festgehalten hat – stehe in klarem Widerspruch sowohl zum 

Gesetz (vgl. dazu Art. 69 Abs. 4 AuG [SR 142.20]) als auch zur ständigen 

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Seite 11 

Rechtsprechung (vgl. dazu BVGE 2015/30 E. 7.3, mit Verweis auf die stän-

dige Praxis gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 24 und 1998 

Nr. 13). So ist nach Art. 69 Abs. 4 AuG vor einer Ausschaffung von unbe-

gleiteten minderjährigen Ausländerinnen und Ausländern sicherzustellen, 

dass diese im Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder 

einer Aufnahmeeinrichtung übergeben werden, welche den Schutz des 

Kindes gewährleisten (vgl. ferner Art. 10 Abs. 2 der Rückführungsrichtlinie 

[2008/115/EG]). Demnach müssen vom SEM noch vor Erlass der wegwei-

senden Verfügung konkrete Abklärungen inklusive der allfälligen Übernah-

mezusicherungen einer geeigneten Institution vorgenommen beziehungs-

weise eingeholt werden, wenn eine unbegleitete minderjährige Person 

nicht direkt zu ihrer Familie zurückgeführt werden kann, was im Übrigen 

ebenfalls noch vor Erlass der wegweisenden Verfügung erstellt werden 

müsste (vgl. zum Ganzen die vorstehend zitierte Praxis). Seinen diesbe-

züglichen Verpflichtungen ist das SEM im Rahmen der angefochtenen Ver-

fügung auch nicht ansatzweise nachgekommen. Der Beschwerdeführer ist 

indes in der Zwischenzeit volljährig geworden und er verkennt namentlich 

im Rahmen seiner Replikeingabe, dass dadurch sein Rechtsschutzinte-

resse (im Sinne von Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG) an den beantragten Ab-

klärungen in der Heimat weggefallen ist, da solche nur im Falle nach wie 

vor bestehender Minderjährigkeit vorzunehmen sind. Die mit Blick auf die 

vormalige Minderjährigkeit beantragte Rückweisung der Sache zwecks 

nachträglicher Sachverhaltsabklärungen fällt daher zum heutigen Zeit-

punkt ausser Betracht. Auch wenn mit der angefochtenen Verfügung das 

rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt wurde, ist nach Erreichen 

der Volljährigkeit eine bloss noch "erzieherische Rückweisung" der Sache 

ans SEM abzulehnen. Die vorgenannten Umständen sind aber immerhin 

– wie vom Beschwerdeführer zum Schluss der Replikeingabe geltend ge-

macht – im Rahmen der Kostenverlegung zu berücksichtigen (vgl. unten, 

E. 6).  

3.3 Der Beschwerdeführer beruft sich im Weiteren darauf, er sei vom SEM 

in Bambara und damit nicht in seiner Muttersprache Maninka angehört wor-

den, was zu einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung geführt haben 

dürfte und eine Gehörsrechtsverletzung darstelle. In dieser Hinsicht ist al-

lerdings zunächst auf das Folgende hinzuweisen: Nachdem sich der da-

mals noch minderjährige Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Gesuchs-

einreichung noch als Kind respektive als Jugendlicher darstellte, und nicht 

bereits als junger Erwachsener, wurde diesem Umstand vom Staatssekre-

tariat während des Verfahrens durchaus gebührend Rechnung getragen. 

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Seite 12 

So wurde der Beschwerdeführer bereits im Rahmen der Befragung zur 

Person vom 24. September 2015 als Kind erkannt und die ein Jahr später 

erfolgte Anhörung vom 13. September 2016 wurde in einer Art und Weise 

aufgebaut und durchgeführt, welcher er offenkundig ohne weiteres folgen 

konnte. Aus der Anmerkung zum Protokoll vonseiten der Hilfswerkvertre-

tung (vgl. oben, Bst. B [zweiter Absatz]) ergibt sich im Übrigen nichts an-

deres. Tatsächlich war der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Anhörung 

schon (…)-jährig, der Anhörung hätte jedoch auch eine noch jüngere Per-

son mühelos folgen können. So wurden die massgeblichen Fragen nach 

seinem Alter, nach seiner Herkunft und insbesondere nach seinen familiä-

ren Verhältnissen und Verbindungen im Verlauf der Anhörung Schritt für 

Schritt angegangen. Dies soweit ersichtlich in einer durchaus entspannten 

Form, hat doch der Beschwerdeführer beispielsweise sehr frei über seine 

andauernden telefonischen Kontakte mit seiner Mutter berichtet. Dem Be-

schwerdeführer wurde damit zweifelsohne in altersgerechter Form hinrei-

chend Gelegenheit geboten, sich zu seiner Person und zu seinen Ge-

suchsgründen umfassend zu äussern. Zwar hält das SEM dafür, von dieser 

Möglichkeit habe er keinen Gebrauch gemacht, indem seine Angaben und 

Ausführungen praktisch in jeder Hinsicht völlig widersprüchlich seien. Die 

diesbezüglichen Erwägungen des SEM vermögen jedoch aufgrund der Ak-

tenlage nicht zu überzeugen, jedenfalls nicht in der vom Staatssekretariat 

vertretenen, absoluten Form. Tatsächlich muss sich das Staatssekretariat 

in diesem Zusammenhang entgegen halten lassen, es habe in seinen Er-

wägungen der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers im Befragungs- 

und Anhörungszeitpunkt nicht hinreichend Rechnung getragen. So ent-

sprechend die vorhandenen Angaben zur Herkunft und zum persönlichen 

Hintergrund in der vorliegenden Form durchaus dem, was von einer Person 

erwartet werden darf, welche nur über eine mässige Schulbildung verfügt 

(von einer solchen ist indes durchaus auszugehen) und welche ihre Heimat 

bereits in einem Alter von unter (…) Jahren verlassen hat. Bei einer Ge-

samtbetrachtung wird im Übrigen ohne weiteres ersichtlich, welche Ele-

mente des Sachverhaltsvortrages tatsächlichen Gegebenheiten entspre-

chen dürften (so ein massgeblicher Teil der Schilderungen zur Herkunft und 

zu den familiären Verhältnissen) und welche Elemente dies ganz klar nicht 

tun (so die unsubstanziierten Vorbringen über den angeblichen in Gao er-

lebten Überfall, welche in der vorliegenden Form den Sachverhaltsvortrag 

ohne weiteres als Konstrukt erkennen lassen). Entgegen den vorinstanzli-

chen Erwägungen lassen sich beispielswiese auch die geographischen An-

gaben des Beschwerdeführers mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor 

Ort in Einklang bringen, jedenfalls soweit er über seine Herkunft ursprüng-

lich aus der Ortschaft C._______ berichtet, bei welcher es sich tatsächlich 

D-244/2017 

Seite 13 

um einen Nachbarort der Ortschaft D._______ handelt. In dieser Hinsicht 

hat der Beschwerdeführer zudem schlüssige Beweismittel nachgereicht 

(vgl. oben, Bst. A.e.). Ganz anders verhält es sich demgegenüber mit sei-

nen Angaben beispielsweise zu angeblichen Lage von Gao, wo er einen 

Überfall erlebt haben will, oder zum aktuellen Aufenthalt seiner Mutter an-

geblich in G._________, was er erst ganz zum Schluss der Anhörung und 

im Widerspruch zu seinen früheren Angaben einbrachte. Entgegen den an-

ders lautenden Vorbringen besteht mit Blick auf diese Ausgangslage zu-

gleich kein Anlass zur Annahme, der Beschwerdeführer wäre aus sprach-

lichen Gründen in irgendeiner Weise in seinem Sachverhaltsvortrag einge-

schränkt worden. Das SEM verweist im Rahmen seiner Vernehmlassung 

denn auch zu Recht darauf hin, mangels Hinweisen auf Verständigungs-

probleme habe kein Anlass bestanden, an der vom Beschwerdeführer be-

zeichneten Muttersprache zu zweifeln. Die anders lautenden Vorbringen 

gehen schliesslich nicht nur aufgrund der Aktenlage fehl, sie blenden auch 

den länderspezifischen Kontext aus. So handelt es sich bei Bambara und 

Maninka nicht um unterschiedliche, sondern um überaus eng miteinander 

verwandte Sprache, mithin eher um blosse Dialekte der Grundsprache, 

welche als "Manding" oder "Mandekan" bezeichnet wird. Je nach Autor 

werden zwar in der Einteilung der verschiedenen Sprach-Untergruppen 

leicht unterschiedliche Ansätze verfolgt (vgl. bspw. CHRISTOPHER MOSLEY 

AND R. E. ASHER [Hrsg.], Atlas of the World's Languages, London, 199 

[Section 8, Map 112], gegenüber der Einteilung des Instituts für Afrikanistik 

der Universität Wien [http://www.univie.ac.at/sikwa/bambara18.pdf; abge-

rufen am 2. März 2017]), was jedoch nichts daran ändert, dass sich Bam-

bara- und Maninka-Sprechende gegenseitig relativ mühelos verstehen. 

Teilweise werden denn auch Bambara und Malinke (Maninka) zusammen 

mit Dyula als eine einzige Sprache betrachtet (so etwa vom Institut für 

Asien- und Afrika-Wissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin 

[https://www.iaaw.hu-berlin.de/de/region/afrika/studium/sprachen/bam-

bara/bambara; abgerufen am 2. März 2017]). Nach dem Gesagten besteht 

insgesamt kein Anlass zur Annahme, sprachliche Probleme hätten den Be-

schwerdeführer an einem vollständigen und korrekten Sachverhaltsvortrag 

gehindert.  

3.4 Nach vorstehenden Erwägungen kommt im Urteilszeitpunkt dem vor-

stehend beschriebenen Mangel der angefochtenen Verfügung in der Sa-

che keine Relevanz mehr zu und bedarf es in diesem Zusammenhang 

auch nicht mehr weiterer Sachverhaltsabklärungen. Der entscheidrele-

vante Sachverhalt ist vielmehr als hinreichend erstellt zu erkennen, womit 

die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ausser Betracht 

http://www.univie.ac.at/sikwa/bambara18.pdf
https://www.iaaw.hu-berlin.de/de/region/afrika/studium/sprachen/bambara/bambara
https://www.iaaw.hu-berlin.de/de/region/afrika/studium/sprachen/bambara/bambara

D-244/2017 

Seite 14 

fällt und das Gericht einen Entscheid in der Sache zu treffen hat (Art. 61 

Abs. 1 VwVG). 

4.  

4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 

[zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 AuG).  

Festzuhalten bleibt in diesem Zusammenhang, dass bezüglich der Gel-

tendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gemäss Praxis des 

Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der 

Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, allfällige Vollzugshindernisse sind 

zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-

tens glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

4.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

Der Grundsatz der Nichtrückschiebung schützt indes nur Personen, wel-

che die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. Mario Gattiker, Das Asyl- und 

Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Nachdem die Vernei-

nung der Flüchtlingseigenschaft unangefochten in Rechtskraft erwachsen 

ist, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 

Non-Refoulement vorliegend keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des 

Beschwerdeführers nach Mali ist somit unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Be-

schwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den 

Fall einer Rückführung nach Mali dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

D-244/2017 

Seite 15 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Falle einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. dazu EGMR, Saadi 

gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124-127 

m.w.H.). Schliesslich lässt auch die allgemeine Menschenrechtssituation in 

Mali den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem 

Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als 

auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  

4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Auslän-

derinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 

Im Rahmen der angefochtenen Verfügung äussert sich das SEM nur an-

satzweise zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, da es 

sich in diesem Zusammenhang vornehmlich auf die die angeblich praktisch 

vollständige Unglaubhaftigkeit der Angaben und Ausführung des Be-

schwerdeführers beruft. Immerhin verweist das Staatssekretariat auf die 

regelmässigen Kontakte des Beschwerdeführers zur Mutter und auf seine 

mutmasslich vorhandenen familiären Anknüpfungspunkte. Der Beschwer-

deführer macht demgegenüber geltend, der Wegweisungsvollzug sei nur 

schon aufgrund der allgemeinen Lage in seiner Heimat als unzumutbar zu 

erkennen. Daneben beruft er sich auf das angebliche Fehlen nicht nur einer 

Schulbildung, sondern auch von persönlichen Anknüpfungspunkten in der 

Heimat. Dem SEM wurde schon im Rahmen der vorstehenden Erwägun-

gen entgegengehalten, dass sich den Akten durchaus verwertbare Anga-

ben zur Herkunft des Beschwerdeführers und zu seinen familiären Verhält-

nissen entnehmen lassen, welche einer Würdigung zugänglich sind. Dem 

Beschwerdeführer ist wiederum zu entgegnen, dass er offenkundig aus 

dem Südwesten von Mali und damit aus einer Region stammt, welche nie 

vom Bürgerkrieg in Norden des Landes betroffen war, und dass er in seiner 

Heimat offenkundig auch weiterhin über enge persönliche Anknüpfungs-

punkte verfügt. So hat er im Rahmen der Anhörung nicht nur über seinen 

regelmässigen telefonischen Kontakt zur Mutter berichtet, sondern im 

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Seite 16 

Nachgang zur Anhörung neben dem Original seiner Geburtsurkunde auch 

noch das Original eines erst am 30. August 2016 von der zuständigen Ge-

meindeverwaltung von E._________ ausgestellten Geburtsregisteraus-

zugs nachgereicht (vgl. oben, Bst. A.e.). Damit ist ausgewiesen, dass der 

Beschwerdeführer nach wie vor in ständigem Kontakt zu seinen engsten 

Angehörigen (Mutter, Bruder und Schwester) steht, welche sich im Übrigen 

aufgrund der Aktenlage auch weiterhin am ehesten entweder in der Ge-

meinde E._________ oder aber in der Stadt B._______ aufhalten dürften. 

Der erst zum Schluss der Anhörung behauptete Aufenthalt der Mutter nicht 

am bisherigen Wohnort in B._______, sondern angeblich im weit entfern-

ten G._________ (vgl. oben, Bst. B [erster Absatz am Ende]), überzeugt 

nicht. Wenn der Beschwerdeführer schliesslich im Rahmen der Be-

schwerde geltend macht, sein Bruder halte sich heute in Kayes auf, ist ihm 

wiederum zu entgegnen, dass er auch diese Stadt über die ihm gemäss 

Aktenlage durchaus bekannte Bahnlinie erreichen kann, welche von Ba-

mako über B._______ (und später auch E._________) nach Kayes führt. 

Vor diesem Hintergrund darf davon ausgegangen werden, der Beschwer-

deführer könne relativ einfach zu seinen Angehörigen zurückkehren, zu 

welchen er weiterhin engen Kontakt pflegt. Der Beschwerdeführer lässt 

schliesslich auch keine gesundheitlichen Probleme erkennen, welche ge-

gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen würden. Das 

Beschwerdevorbringen betreffend seine angeblich mangelnde Schulbil-

dung ist aufgrund der Aktenlage als weder überzeugend noch entscheidre-

levant zu erkennen. Mit Blick auf seine anders lautenden Vorbringen bleibt 

der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass er das SEM über das für 

ihn zuständige (… [kantonale Migrationsamt]) um Ausrichtung von Rück-

kehrhilfe ersuchen kann (Art. 93 AsylG i.V.m. Art. 62 ff. der Asylverordnung 

2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Nach diesen Feststellun-

gen erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar, auch wenn der 

Beschwerdeführer gerade erst volljährig geworden ist.  

4.4 Schliesslich ist auch von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs 

auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), da der Beschwerdeführer verpflichtet ist, 

sich bei der zuständigen Vertretung seines Heimatstaates die für eine 

Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 

AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).  

4.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Vollzug der Wegweisung nach 

Mali als zulässig, zumutbar und möglich zu erkennen ist, womit die bean-

tragte Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz ausser Be-

tracht fällt (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 

D-244/2017 

Seite 17 

5.  

Nach vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend, dass im 

Urteilszeitpunkt den als rechtsfehlerhaft erkannten Aspekten der angefoch-

tenen Verfügung keine entscheidrelevante Bedeutung mehr zukommt und 

die für den vorliegenden Entscheid wesentlichen Sachverhaltsmomente 

richtig und vollständig erstellt sind (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Bei dieser Sach-

lage ist die angefochtene Verfügung im Resultat zu bestätigen und die da-

gegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus vorste-

henden Erwägungen ergibt sich jedoch, dass die angefochtene Verfügung 

während des gesamten Verfahrens an einem schwerwiegenden Mangel 

litt, welcher zweifelsohne zu einer Kassation geführt hätte, wäre der Be-

schwerdeführer in der Zwischenzeit nicht volljährig geworden. Der Mangel 

als solcher besteht zwar nach wie vor, jedoch kommt diesem nach Errei-

chen der Volljährigkeit keine Bedeutung mehr zu. Zu berücksichtigt ist je-

doch, dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der angefochtenen Verfü-

gung unter Zwangs- und Haftandrohung eine Ausreisefrist auf einen Zeit-

punkt noch vor Erreichen seiner Volljährigkeit angesetzt worden war. Aus 

dem Umstand, dass der damals noch minderjährige Beschwerdeführer die 

Durchsetzung des rechtsfehlerhaften Entscheides nur durch die Einrei-

chung seiner Beschwerde hat verhindern können, darf ihm jedoch kein fi-

nanzieller Nachteil erwachsen, weshalb ihm keine Kosten aufzuerlegen 

sind (vgl. BVGE 2008/47). Damit erweist sich das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) im 

Nachhinein als gegenstandlos.  

6.2 Nach dem vorstehend Gesagten ist dem Beschwerdeführer schliess-

lich trotz Unterliegens eine angemessene Parteientschädigung für die ihm 

aus der Beschwerdeführung erwachsenen, notwendigen Kosten zuzuspre-

chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 

2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschädigung, welche dem Be-

schwerdeführer vom SEM zu entrichten ist, ist aufgrund der am 20. Februar 

2017 eingereichten Kostennote seines Rechtsvertreters, welche als der 

Sache angemessen erscheint und den massgeblichen Bemessungsfakto-

ren entspricht, auf Fr. 1‘420.– festzusetzen. Damit erweist sich auch das 

Gesuch um Gewährung der amtlichen Verbeiständung (nach Art. 110a 

Abs. 1 und 3 AsylG) im Nachhinein als gegenstandlos. 

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Seite 18 

 

  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 1‘420.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Contessina Theis Lorenz Mauerhofer 

 

 

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