# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a1d5d6b-75c6-5c22-abb4-491bd31d77b9
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 03.07.2023 SB220307
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220307_2023-07-03.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 
 

Geschäfts-Nr.: SB220307-O/U/as 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Was-

ser-Keller und Oberrichter lic. iur. Wenker sowie die Gerichts-

schreiberin MLaw Meier 

 

Urteil vom 3. Juli 2023 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. Leu, 

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend gewerbsmässigen Betrug etc. und Widerruf (Rückweisung des 
Schweizerischen Bundesgerichtes) 
 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 
19. Juni 2017 (DG160257); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, 
II. Strafkammer, vom 31. März 2021 (SB170310); Urteil des Schweizerischen 
Bundesgerichtes vom 12. Mai 2022 (6B_709/2021) 
 

 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 31. August 2016 

(Urk. 34/1) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig: 

− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 

Abs. 2 StGB; 

− der mehrfachen, teilweise versuchten, Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB; 

− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 und 

Abs. 3 StGB; 

− der mehrfachen groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 

Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 

VRV (Abbremsen). 

2. Von den Vorwürfen betreffend Nebendossier 16 sowie im CHF 195 über-

steigenden Umfang betreffend Nebendossier 36 wird der Beschuldigte frei-

gesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 ¾ Jahren Freiheitsstrafe, wovon 91 Ta-

ge durch Haft erstanden sind. 

4. Der bedingte Vollzug bezüglich des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Zürich-Limmat vom 6. Juli 2011 ausgefällten Strafteils von 10 Tagessätzen 

zu CHF 40 wird widerrufen. 

5. Es wird vom Beschuldigten ein DNA-Profil im Sinne von Art. 5 des DNA-

Profil-Gesetzes erstellt. 

- 3 - 

Die Kantonspolizei Zürich wird beauftragt, beim Beschuldigten die DNA-

Probe abzunehmen.  

Der Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der 

Rechtskraft bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst, Zeughaus-

strasse 11, in 8004 Zürich, zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit 

Wangenschleimhautabnahme zu melden. 

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern Schadener-

satz in nachfolgender Höhe zu bezahlen: 

− B._____ [Versicherung] (1), CHF 38'990.25, zuzüglich 5 % Zins auf 
CHF 31'180.25 ab 25. April 2012; 

− C._____ AG [Versicherung] (2), CHF 53'428.70; 
− D._____ AG … (3), CHF 14'999.70, zuzüglich 5 % Zins ab 4. März 

2013; 
− E._____ AG [Versicherung] (4), CHF 10'623.10, zuzüglich 5 % Zins ab 

1. August 2012; 
− F._____ (6), CHF 1'000, zuzüglich 5 % Zins ab 7. Juli 2008; 
− G._____ AG [Versicherung] (7), CHF 13'287, zuzüglich 5 % Zins ab 12. 

März 2012; 
− H._____ [Versicherung] (8), CHF 6'361.60, zuzüglich 5 % Zins ab 

13. Dezember 2016; 
− I._____ (9), CHF 1'000, zuzüglich 5 % Zins ab 24. Januar 2012; 
− J._____ AG (11), CHF 1'000; 
− K._____ AG [Versicherung] (12), CHF 19'253.10, zuzüglich 5 % Zins 

ab 11. Februar 2012; 
− L._____ (15), CHF 2'500, zuzüglich 5 % Zins ab 27. Juli 2011; 
− M._____ (16), CHF 2'328.95, zuzüglich 5 % Zins ab 4. März 2013; 
− N._____ (17), CHF 1'000, zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2012; 
− O._____ (18), CHF 500, zuzüglich 5 % Zins ab 11. August 2011; 
− P._____ (20), CHF 1'658.43; 
− Q._____ (21), CHF 722, zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2012; 
− R._____ (22), CHF 4'039, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Februar 2012; 
− S._____ (23), CHF 927, zuzüglich 5 % Zins ab 28. Februar 2012; 
− T._____ (24), CHF 1'750. 

- 4 - 

7. Die Schadenersatzbegehren folgender Privatkläger werden im jeweils ge-

nannten Umfang abgewiesen: 

− C._____ AG (2): CHF 100; 
− E._____ AG (4): CHF 1'000; 
− G._____ AG (7), CHF 1'500; 
− H._____ (8): CHF 1'000; 
− U._____ (19): CHF 1'000. 

8. Im allfälligen Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren gemäss Zif-

fern 6 und 7 auf den Zivilweg verwiesen. 

9. Die Schadenersatzbegehren der folgenden Privatkläger werden auf den Zi-

vilweg verwiesen: 

− V._____ (5); 
− W._____ (26). 

10. Die Genugtuungsbegehren der folgenden Privatkläger werden abgewiesen: 

− L._____ (15); 
− U._____ (19); 
− R._____ (22); 
− S._____ (23). 

11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 29. August 2016 

beschlagnahmten Gegenstände (act. 24/12) werden dem Beschuldigten 

nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben. 

Bei Nichtabholung werden sie nach Ablauf von drei Monaten nach Eintritt 

der Rechtskraft vernichtet. 

12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 20'000.-- ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 20'000.--   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 10'728.70   Auslagen Untersuchung 

Fr. 1'968.50   Zeugenentschädigungen (Untersuchung) 

- 5 - 

Fr. 40'362.70   ehem. amtliche Verteidigung (X2._____; Untersuchung) 

Fr. 26'119.85   amtliche Verteidigung (X3._____; Untersuchung) 

Fr. 10'236.13   amtliche Verteidigung (X3._____; gerichtliches Verfahren) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

13. Die Kosten der Untersuchung, ausgenommen diejenigen der amtlichen Ver-

teidigung, werden dem Beschuldigten zu drei Vierteln auferlegt und im Übri-

gen auf die Staatskasse genommen. 

14. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amt-

lichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zu neun Zehnteln auferlegt 

und im Übrigen auf die Staatskasse genommen. 

15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO im Umfang von CHF 59'074.40. 

16. Rechtsanwalt lic. iur. X3._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher 

Verteidiger des Beschuldigten mit CHF 36'355.98 (inkl. MwSt.) aus der Ge-

richtskasse entschädigt. 

17. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern Prozessent-

schädigungen in nachfolgender Höhe zu bezahlen: 

− U._____ (19), CHF 200; 
− R._____ (22): CHF 366. 

 

 

 

 

 

- 6 - 

Berufungsanträge im Verfahren SB220307: 

a) Der amtlichen Verteidigung: 

(Urk. 164, schriftlich) 

 "1. Es sei die Verletzung des Beschleunigungsgebots festzustellen und die 

mit Urteil vom 31.03.2021 in Ziff. 3 ausgesprochene Freiheitsstrafe 

aufzuheben und von einer Bestrafung Umgang zu nehmen; jedenfalls 

sei die Verletzung des Beschleunigungsgebots festzustellen und die in 

Ziff. 3 des obergerichtlichen Urteils vom 31.03.2021 ausgesprochene 

Freiheitsstrafe von 4 Jahren aufzuheben und eine Freiheitsstrafe von 

höchstens zwei Jahren auszusprechen und dem Berufungskläger eine 

bedingte Strafe im Sinne von Art. 42 StGB zuzugestehen. 

 2. Eventualiter sei bei Aussprechung einer Freiheitsstrafe zwischen 2 und 

3 Jahren ein teilbedingter Vollzug unter Gewährung des Strafaufschubs 

im Ausmass von 2 Jahren zu gewähren." 

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:  

 Keine Anträge. 

 

Berufungsanträge im Verfahren SB170310: 

a) Der amtlichen Verteidigung: 

(Urk. 117 S. 1 f., schriftlich) 

1. Es sei festzustellen und ins Urteilsdispositiv als gesonderte Ziffer aus-
drücklich aufzunehmen, dass in dieser Sache 

mit einer Verfahrensdauer von insgesamt 7 Jahren und 5 Monaten 
seit der erstmaligen polizeilichen Konfrontation mit einzelnen Tatvor-

würfen bis zur zweitinstanzlichen Verhandlung im allgemeinen und 

- 7 - 

mit einer Dauer des Berufungsverfahrens von gut 3 Jahren und 2 Mo-
naten innert welcher Dauer einzig eine Ergänzung des psychiatrischen 
Gutachtens eingeholt worden ist, im speziellen 

das Beschleunigungsgebot massiv verletzt worden ist. 

2. Der Beschuldigte sei – soweit auf die Anklage überhaupt eingetreten 

werden kann – vollumfänglich freizusprechen. 

3. Eventuell, d.h. im Falle einer vollumfänglichen oder teilweisen Bestäti-

gung des vorinstanzlichen Urteils im Schuldpunkt sei das Strafmass 
auf eine teilbedingte, lediglich um 24 Monate übersteigenden Teil zu 

vollziehende Freiheitsstrafe von maximal 30 Monaten zu reduzieren 
und die dem Beschuldigten anzusetzende Probezeit für die aufzu-

schiebende Strafe auf vier Jahre anzusetzen. 

4. Der von der Vorinstanz angeordnete Widerruf des bedingten Vollzugs 

einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 40.00 gemäss Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 6. Juli 2011 sei aufzuheben 

und auf den entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft sei in An-

wendung von Art. 46 Abs. 5 StGB unabhängig vom Ausgang des Ver-

fahrens in der Hauptsache nicht weiter einzutreten. 

5. Auf die Schadenersatzbegehren der E._____ AG, der G._____ AG und 

der K._____ AG sei nicht einzutreten. 

Die übrigen Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Ge-

schädigten seien, soweit sie nicht mit dem vorinstanzlichen Urteil 

rechtskräftig abgewiesen oder auf den Zivilweg verwiesen worden sind, 

ebenfalls auf den Zivilweg zu verweisen. 

6. Alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsregelung 

bzw. Zusprechung von Haftentschädigung und Genugtuung an den 

Beschuldigten gemäss den der Vorinstanz gestellten Anträge. 

- 8 - 

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:  

(Urk. 123 S. 1) 

1. Bestätigung der vorinstanzlichen Schuldsprüche gemäss Urteilsziffer 1 

2. Bestätigung der vorinstanzlichen Freisprüche gemäss Urteilsziffer 2 

3. Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren, 

abzüglich der erstandenen Haft 

4. Absehen vom Widerruf der Vorstrafe gemäss Urteilsziffer 4 Vorinstanz 

5. Im übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

6. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten für das zweitinstanzli-

che Verfahren 

 

 

Inhaltsverzeichnis: 

Erwägungen: ...................................................................................................... 10 
I. Prozessgeschichte ........................................................................................ 10 
II. Berufungsgegenstand .................................................................................. 13 
III. Prozessuales .............................................................................................. 14 

A. Verfolgungsverjährung .......................................................................... 14 
B. Anklagegrundsatz ................................................................................. 15 
C. Abweichende rechtliche Würdigung ...................................................... 19 
D. Strafanträge .......................................................................................... 23 
E. Psychiatrische Begutachtung ................................................................ 28 
F. Verwertbarkeit Beweismittel .................................................................. 40 
G. Privatklägerschaft .................................................................................. 46 
H. Teilrechtskraft ........................................................................................ 46 

IV. Materielles .................................................................................................. 47 
A. Anklagevorwurf ..................................................................................... 47 
B. Standpunkt des Beschuldigten .............................................................. 47 
C. Beweisgrundsätze ................................................................................. 48 
D. Beweismittel .......................................................................................... 50 
E. Würdigung ............................................................................................. 51 

V. Rechtliche Würdigung ............................................................................... 125 
A. Würdigung der Vorinstanz ................................................................... 125 
B. Mehrfache grobe Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG) ........ 125 

- 9 - 

C. Gewerbsmässiger Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB) ..................... 126 
D. Mehrfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) ............................ 134 
E. Mehrfache Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) .................................. 135 
F. Ergebnis .............................................................................................. 137 

VI. Sanktion .................................................................................................... 137 
A. Anwendbares Sanktionsrecht .............................................................. 137 
B. Strafrahmen ........................................................................................ 138 
C. Strafzumessungsfaktoren .................................................................... 139 
D. Konkrete Strafzumessung ................................................................... 139 

VII. Widerruf ................................................................................................... 149 
VIII. DNA Profil ............................................................................................... 149 
IX. Fahrverbot ................................................................................................ 150 
X. Zivilansprüche ........................................................................................... 150 

A. Ausgangslage ..................................................................................... 150 
B. Rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen .................................... 153 
C. Einzelfallbeurteilung ............................................................................ 153 

XI. Beschlagnahme ........................................................................................ 165 
A. Rechtliche Grundlagen ........................................................................ 165 
B. Subsumption ....................................................................................... 165 

XII. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................... 166 
A. Vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen ........................... 166 
B. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen......................... 169 

Dispositiv ......................................................................................................... 171 

 

 

 

- 10 - 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

1. Seitens der Vorinstanz wurde der Verfahrensgang hinsichtlich des Vorver-

fahrens einlässlich und zutreffend geschildert (Urk. 74 E. I.), weshalb vollumfäng-

lich darauf verwiesen werden kann. 

2. Das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung, entschied mit Urteil vom 19. Juni 

2017 im Verfahren DG160257 über die vorliegende Anklage. Gegen dieses Urteil 

liess der amtliche Verteidiger des Beschuldigten mit Eingabe vom 22. Juni 2017 

(Urk. 69) innert Frist Berufung anmelden. Das vollständig begründete Urteil 

(Urk. 70 bzw. 74) wurde von der Staatsanwaltschaft am 21. Juli 2017 und von der 

Verteidigung am 24. Juli 2017 entgegengenommen (Urk. 72/1-2). Mit Eingabe 

vom 11. August 2017 ging die Berufungserklärung des Beschuldigten hierorts ein 

(Urk. 76). Mit Präsidialverfügung vom 15. August 2017 im Verfahren SB170310 

(Urk. 78) wurde der Staatsanwaltschaft sowie den Privatklägern unter Hinweis auf 

die Berufungserklärung des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussbe-

rufung bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt. Mit Einga-

be vom 1. September 2017 (Urk. 80) erhob die Staatsanwaltschaft fristgerecht 

Anschlussberufung. Eine Kopie der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft 

wurde dem Beschuldigten bzw. den Privatklägern mit Präsidialverfügung vom 

16. Oktober 2017 zugestellt (Urk. 87). Eine zwischenzeitlich seitens der Privatklä-

gerin 8 erhobene Anschlussberufung (vgl. Urk. 81/A-B; Urk. 82) wurde von ihr mit 

Eingabe vom 13. Oktober 2017 wieder zurückgezogen, wobei sie gleichzeitig aus-

führte, dass sie an der ihr vorinstanzlich zugesprochenen Forderung von 

Fr. 6'361.60 festhalte (Urk. 85; vgl. auch Urk. 83 u. 87).  

3. Mit Schreiben vom 3. Juli 2018 (Urk. 91) erteilte der vormalige Referent den 

Auftrag an Dr. med. AA._____, sein forensisch-psychiatrisches Gutachten vom 

4. November 2013 zu ergänzen (Urk. 91). Das Ergänzungsgutachten von 

Dr. med. AA._____ (Urk. 93) ging daraufhin am 21. September 2018 beim Gericht 

ein. Mit Präsidialverfügung vom 1. November 2018 (Urk. 94) wurde das Ergän-

zungsgutachten dem amtlichen Verteidiger sowie der Staatsanwaltschaft zuge-

- 11 - 

stellt und ihnen jeweils eine Frist zur freigestellten Stellungnahme hierzu ange-

setzt. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde am 20. November 2018 auf Stellung-

nahme verzichtet (Urk. 96). Seitens der Verteidigung wurde innert zweimal er-

streckter Frist (vgl. Urk. 97 u. 100) mit Eingabe vom 18. Februar 2019 (Urk. 101) 

zum Ergänzungsgutachten Stellung genommen und ein Ober- bzw. Zweitgutach-

ten sowie eine Zeugeneinvernahme von Dr. med. AB._____ beantragt. Mit Verfü-

gung des vormaligen Referenten vom 29. März 2019 (Urk. 102) wurde der 

Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zur Beweiseingabe der Verteidigung vom 

18. Februar 2019 Stellung zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft liess sich daraufhin 

mit Eingabe vom 4. April 2019 (Urk. 104) dazu vernehmen. Auf den 1. Juli 2019 

erfolgte infolge Pensionierung des vormaligen Referenten ein Referentenwechsel. 

Mit Präsidialverfügung vom 2. August 2019 (Urk. 106) wurden die am 18. Februar 

2018 gestellten Anträge der Verteidigung auf Erstellung eines Zweit- bzw. Ober-

gutachtens und auf Zeugeneinvernahme von Dr. med. AB._____ einstweilen ab-

gewiesen.  

4. Die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft, die Privatkläger und den Be-

schuldigten zur Berufungsverhandlung im Verfahren SB170310 ergingen am 20. 

März 2020 (Urk. 111). 

5. Erschienen waren zur Berufungsverhandlung vom 23. Oktober 2020 im Ver-

fahren SB170310 der Beschuldigte in Begleitung seines damaligen amtlichen Ver-

teidigers Rechtsanwalt lic. iur. X3._____ sowie die Staatsanwältin lic. iur. Leu 

(Prot. II S. 8). Anlässlich der Berufungsverhandlung erfolgte die persönliche Be-

fragung des Beschuldigten, die Parteivertreter hielten ihre Parteivorträge und der 

Verteidigung wurde das Schreiben der Staatsanwältin Leu vom 23. Mai 2013 

samt E-Mail und Aktennotiz vom 23. August 2019 (Urk. 108-110) zur Einsicht vor-

gelegt (Prot. II S. 35). Nachdem die Verteidigung mitgeteilt hatte, dass sie sich 

nicht in der Lage sehe, zu den ihr vorgelegten Dokumenten (Urk. 108-110) an-

lässlich der Berufungsverhandlung Stellung zu nehmen, und sie sich vorbehalte 

diesbezüglich ein Ausstandsbegehren zu prüfen, wurde ihr antragsgemäss Frist 

bis 29. Oktober 2020 angesetzt, um schriftlich zu diesen Dokumenten (Urk. 108-

110) Stellung nehmen zu können (Prot. II S. 35 ff.). 

- 12 - 

6. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2020 reichte die Verteidigung innert Frist ihre 

Stellungnahme ein und stellte ein Ausstandsbegehren gegen den Referenten 

(Urk. 124). Das Ausstandsbegehren wurde mit Schreiben vom 30. Oktober 2020 

zuständigkeitshalber an die I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich 

überwiesen, welche dieses mit Beschluss vom 25. Januar 2021 abwies 

(Urk. 125). 

7. Am 31. März 2021 erging das Urteil im Verfahren SB170310 (Urk. 126) und 

wurde von den Parteien in vollständiger, begründeter Ausfertigung (Urk. 129) am 

12. Mai 2021 (Verteidigung; Urk. 130) bzw. 14. Mai 2021 (Staatsanwaltschaft; 

Urk. 130) entgegengenommen. Mit Datum vom 23. April 2021 erging ferner ein 

Nachtragsbeschluss bezüglich der Verpflichtung des Beschuldigten zur Bezah-

lung einer Prozessentschädigung an den Privatkläger R._____ (Urk. 131). 

8. Mit Eingabe vom 14. Juni 2021 wurde gegen das Urteil der hiesigen Kam-

mer seitens des Beschuldigten Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht er-

hoben (Urk. 139/2).  

9. Mit Urteil vom 12. Mai 2022 hiess das Bundesgericht die Beschwerde des 

Beschuldigten teilweise gut und wies sie im Übrigen ab, soweit darauf einzutreten 

war. Das Urteil der hiesigen Kammer vom 31. März 2021 wurde teilweise aufge-

hoben und die Sache zur neuen Entscheidung zurückgewiesen (Urk. 144). 

10. Mit Eingabe vom 11. Juli 2022 (Urk. 147) ersuchte der aktuelle amtliche Ver-

teidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, um Übertragung der amtlichen Verteidi-

gung vom vormaligen amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X3._____, wel-

cher nicht mehr im Anwaltsregister eingetragen war bzw. seine Anwaltstätigkeit 

eingestellt hatte (vgl. auch Urk. 146/1-2), welchem Ersuchen seitens des Gerichts 

mit Präsidialverfügung vom 13. Juli 2022 entsprochen wurde (Urk. 148). 

11. Seitens des Beschuldigten wurde am 28. September 2022 (Urk. 152 bzw. 

153) und seitens der Anklagebehörde am 3. Oktober 2022 (Urk. 151/1) das jewei-

lige Einverständnis mit der seitens des Gerichts am erstmals am 7. September 

- 13 - 

2022 und hernach nochmals am 28. September 2022 (vgl. Urk. 151/1) zur Dispo-

sition gestellten Durchführung eines schriftlichen Verfahrens mitgeteilt.  

12. Mit Präsidialverfügung vom 10. Januar 2023 wurde die schriftliche Durchfüh-

rung des zweiten Berufungsverfahrens angeordnet und dem Beschuldigten eine 

Frist von 30 Tagen zur Erstattung seiner Berufungs- und Beweisanträge ange-

setzt (Urk. 154). Die Verteidigung reichte daraufhin innert drei Mal erstreckter Frist 

(vgl. Urk. 157; 159; 161) am 18. April 2023 ihre Berufungs- und Beweisanträge 

ein (Urk. 164).  

13. Mit Präsidialverfügung vom 20. April 2023 wurde der Staatsanwaltschaft ei-

ne Frist von 30 Tagen angesetzt, um die Berufungsantwort einzureichen, zu den 

Beweisanträgen der Verteidigung Stellung zu nehmen und eigene Beweisanträge 

zu stellen, wobei bei Säumnis Verzicht angenommen und aufgrund der Akten ent-

schieden werden würde (Urk. 167). Die Staatsanwaltschaft liess sich daraufhin 

nicht vernehmen.  

II. Berufungsgegenstand 

1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angele-

genheit zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich dieses 

von Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundes-

gericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das 

neue Urteil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem 

Rückweisungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil auf-

hebt. Entscheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des 

bundesgerichtlichen Entscheids (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 und Urteil des Bundes-

gerichts 6B_765/2015 vom 3. Februar 2016 E. 4; je mit Hinweisen). Die neue Ent-

scheidung der kantonalen Instanz ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die 

sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beur-

teilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies not-

wendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichtes Rechnung zu 

tragen. Aufgrund der Bindungswirkung bundesgerichtlicher Rückweisungsent-

scheide ist es dem Berufungsgericht abgesehen von allenfalls zulässigen Noven 

- 14 - 

verwehrt, der Beurteilung des Rechtsstreits einen anderen als den bisherigen 

Sachverhalt zu unterstellen oder die Sache unter rechtlichen Gesichtspunkten zu 

prüfen, die im Rückweisungsentscheid ausdrücklich abgelehnt oder überhaupt 

nicht in Erwägung gezogen worden sind (Urteil BGer 6B_1283/2020 vom 20. De-

zember 2022 E. 2.1 m.w.H.).  

2. Gestützt auf den vorliegenden bundesgerichtlichen Aufhebungsentscheid 

hat die hiesige Kammer bei der Vornahme der Strafzumessung der Verletzung 

des Beschleunigungsgebots Rechnung zu tragen (vgl. Urk. 144 insb. E. 3.2.3 u. 

3.5.1.-3.5.3).  

3. Nachfolgend ist den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichtes Rech-

nung zu tragen. 

III. Prozessuales 

A. Verfolgungsverjährung 

1. Art. 97 StGB legt die Fristen für die Verfolgungsverjährung von Verbrechen 

und Vergehen fest. Innert dieser Fristen hat ein erstinstanzliches Urteil zu erge-

hen, widrigenfalls die Verfolgungsverjährung eintritt und das Strafverfahren als 

Folge dessen einzustellen wäre (Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO; Art. 329 Abs. 4 StPO; 

BSK StGB-ZURBRÜGG, Art. 97 StGB N 1a). In Art. 97 Abs. 1 StGB werden die Ver-

jährungsfristen bestimmt. Zu beachten ist, dass die zehnjährige Verjährungsfrist 

gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB – im Gegensatz zu den übrigen unter Abs. 1 er-

wähnten Fristen, welche bereits seit dem 1. Oktober 2002 gelten – erst per 1. Ja-

nuar 2014 in Kraft gesetzt wurde und aufgrund des Rückwirkungsverbots nur für 

ab diesem Datum begangene Taten gilt. Deshalb beträgt die Verfolgungsfrist ge-

mäss dem davor geltenden Recht hinsichtlich Taten, bei welchen die angedrohte 

Höchststrafe drei Jahre beträgt, lediglich sieben Jahre (vgl. BSK StGB-ZURBRÜGG, 

Art. 97 StGB N 10a m.w.H.). 

2. Vorliegend wurden von der Anklagebehörde Ereignisse ab dem 7. Juli 2008 

(ND 18) bis 27. April 2013 (ND 37) angeklagt. Seitens der Vorinstanz wurde zu-

treffend festgehalten (Urk. 74 E. II. B.1.), dass vorliegend die Tatbestände der 

- 15 - 

groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG), der einfachen Körperver-

letzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) und der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB; ausser 

unter Abs. 3 [grosser Schaden] fallende Sachverhalte) über eine angedrohte 

Höchststrafe von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren verfügen. Entsprechend tritt 

die Verfolgungsverjährung bezüglich dieser Delikte innert sieben Jahren nach 

Tatbegehung ein, demgegenüber die Strafverfolgung von nicht gewerbsmässigem 

oder gewerbsmässigem Betrug gemäss Art. 146 Abs. 1 (und Abs. 2 StGB) erst 

innert 15 Jahren nach Tatbegehung verjährt (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB).  

3. Bereits seitens der Staatsanwaltschaft wurde die Problematik der Verfol-

gungsverjährung hinsichtlich der zwei ältesten Dossiers (ND 18 [7.7.2008] und 

ND 36 [8.4.2009]) erkannt und die entsprechenden Strafverfahren eingestellt 

(Urk. 34/5 S. 4), was im vorinstanzlichen Urteil zutreffend Erwähnung fand 

(Urk. 74 E. II.B.2.). Anlässlich der Berufungsverhandlung im Verfahren SB170310 

machte die Verteidigung hinsichtlich ND 36 geltend, dass es sich im Zusammen-

hang mit dem Nokia Mobiltelefon um einen geringfügigen Betrug und damit um 

eine Übertretung handle, welche längst verjährt sei, weshalb diesbezüglich auf die 

Anklage nicht einzutreten sei (Urk. 117 S. 18). Wie nachfolgend noch zu zeigen 

sein wird, handelte der Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich 

(nachstehend unter E. IV.C.2.6.). Der Vorsatz des Beschuldigten richtete sich 

auch beim Vorfall vom 27. April 2013 (ND 36) auf das Erlangen einer grossen 

Haftpflichtzahlung, da er mit seinem Vorgehen nicht nur auf eine Vermögensdis-

position des Kollusionspartners respektive dessen Versicherers für das beschä-

digte Mobiltelefon, sondern auch für sein beschädigtes Fahrzeug abzielte, was 

keiner geringfügigen Summe entspricht. Entsprechend handelt es sich um kein 

geringfügiges Vermögensdelikt und die Verjährung ist noch nicht eingetreten. Im 

Übrigen stellt sich die Frage der Verfolgungsverjährung vorliegend nicht. 

B. Anklagegrundsatz 

1. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 

Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Ge-

richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immuta-

- 16 - 

bilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-

hörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-

legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe 

in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Der Anklage-

grundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-

ten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; 

BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV 188 E. 1.3; je mit Hinweisen). Unter dem Ge-

sichtspunkt der Informationsfunktion muss die beschuldigte Person aus der An-

klage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Dies bedingt eine zureichende 

Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person genau 

weiss, welcher konkreten Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten recht-

lich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann. 

Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschul-

digungen konfrontiert zu werden (vgl. BGE 103 Ia 6 E. 1b; Urteile des Bundesge-

richts 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 141 IV 

437 und 6B_1151/2015 vom 21. Dezember 2016 E. 2.2; je mit Hinweisen). Zu den 

gesetzlichen Merkmalen der strafbaren Handlung gehören, neben den Tatbe-

standsmerkmalen, die Schuldform (sofern vorsätzliches und fahrlässiges Verhal-

ten strafbar ist), die Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Gehilfenschaft) 

sowie die Erscheinungsform (Versuch oder vollendetes Delikt) und allfällige Kon-

kurrenzen. Die tatsächlichen Umstände der Tat – Zeit, Ort, Art der Begehung und 

Form der Mitwirkung, angestrebter oder verwirklichter Erfolg (einschliesslich Kau-

salzusammenhang) – sind anzugeben und die einzelnen rechtlichen Elemente 

des Delikts hervorzuheben. Hinsichtlich der Vorsatzelemente genügt grundsätz-

lich der Hinweis auf den gesetzlichen Straftatbestand im Anschluss an die Dar-

stellung des Sachverhalts als zureichende Umschreibung der subjektiven Merk-

male, wenn der betreffende Tatbestand nur vorsätzlich begangen werden kann 

(BGE 120 IV 348 E. 3c S. 355 f. mit Hinweis; Urteile des Bundesgerichts 

6B_633/2015 vom 12. Januar 2016 E. 1.3 und 6B_873/2015 vom 20. April 2016 

E. 1.3. m.w.H.). Solange für die beschuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt 

ihr vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht da-

zu führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf. Entscheidend ist, dass 

- 17 - 

für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten 

ihr vorgeworfen wird. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt vor Schranken; 

es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzustellen (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_894/2016 vom 14. März 2017 E. 1.1.1 mit Hinweisen, 

6B_18/2017 vom 17. Mai 2017 E. 1.2 und 6B_228/2017 vom 4. Juli 2017 E. 2.3). 

2. Seitens der Verteidigung wird – wie bereits vor Vorinstanz – vorgebracht, 

dass die Anklage in mehrfacher Hinsicht den Anklagegrundsatz verletze. So 

macht sie geltend, dass einzelne Betrugselemente – wer sich geirrt habe und wer 

letztlich eine Vermögensdisposition an wen ausgeführt habe – und die Gewerbs-

mässigkeit des Betrugs (Urk. 63 S. 3 ff.; Prot. I S. 25; Urk. 117 S. 19 f.) unzu-

reichend umschrieben worden seien. Zudem fehle es in der Anklage hinsichtlich 

der vorsätzlichen Körperverletzung an jeglicher Umschreibung, weshalb im Ein-

zelfall eine Verwirklichung der Gefahr noch näher gewesen sein soll, als dies für 

die Erfüllung des Tatbestands von Art. 90 Ziff. 2 SVG ohnehin schon gefordert 

werde (Urk. 117 S. 20). 

3.1. Den Tatbestand des Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt, wer in der 

Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch 

Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Ir-

renden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen an-

dern am Vermögen schädigt. Handelt der Täter gewerbsmässig, wird er mit Frei-

heitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen be-

straft (Art. 146 Abs. 2 StGB).  

3.2. Nach der Rechtsprechung liegt im Begriff des berufsmässigen Handelns der 

Ansatzpunkt für die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit. Der Täter handelt be-

rufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tä-

tigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten 

Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er 

die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufes ausübt. Wesentlich für die An-

nahme der Gewerbsmässigkeit ist, dass sich der Täter, wie aus den gesamten 

Umständen geschlossen werden muss, darauf eingerichtet hat, durch deliktische 

Handlungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur 

- 18 - 

Finanzierung seiner Lebensgestaltung darstellen (Urteile des Bundesgerichts 

6B_333/2018 vom 23. April 2019 E. 2.3.1, 6B_290/2016 vom 15. August 2016 

E. 1.2 und 6B_550/2016 vom 10. August 2016 E. 2.3).  

3.3. Vorliegend wird seitens der Anklagebehörde rechtsgenügend umschrieben, 

dass der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Betrüge berufsmässig und mit dem 

Ziel begangen hat, damit einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung 

seiner Lebensgestaltung realisieren zu können. Seitens der Vorinstanz wurden 

die diesbezüglich massgebenden Stellen in der Anklageschrift zutreffend erwähnt 

(Urk. 74 E. IV.A.2.1.2.), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann. Ergän-

zend ist darauf hinzuweisen, dass auch aus den Zwischentiteln "Gewerbsmässi-

ger Betrug" (Urk. 34/1 S. 2) und "Zusammenfassung (gewerbsmässiger Betrug)" 

(Urk. 34/1 S. 9) hervorgeht, dass auch die berufsmässige Ausübung der Betrüge 

angeklagt wird, auch wenn sich der Vorhalt aus dem Fliesstext selbst zu ergeben 

hat. Der Beschuldigte wusste vorliegend jedenfalls in rechtsgenügendem Masse, 

dass ihm auch die berufsmässige Begehung der Betrüge vorgeworfen wurde und 

konnte sich dementsprechend verteidigen. Mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. A.2.1.4.) 

ist damit einig zu gehen, dass mit dem Hinweis auf die Nutzung jeder Gelegenheit 

zur Erzielung eines zusätzlichen Einkommens das eigentliche Kernelement der 

Gewerbsmässigkeit in der Anklage hinreichend präzise zum Ausdruck kam. Der 

Anklagegrundsatz wurde deshalb rechtsgenügend gewahrt. 

3.4. Auch die einzelnen Merkmale des Betrugs bzw. die Betrugshandlungen 

(Täuschung, Arglist, Irrtum, Vermögensdisposition und Schaden) wurden in der 

Anklage (Urk. 34/1) rechtsgenügend umschrieben. Die entsprechenden Ausfüh-

rungen der Vorinstanz erweisen sich als zutreffend (Urk. 74 E. IV.A.2.2.2.) und 

darauf kann vollumfänglich verwiesen werden. Auch diesbezüglich wusste der 

Beschuldigte, was ihm vorgeworfen wurde und konnte sich dementsprechend ver-

teidigen. Auch war ihm aufgrund der Involvierung von Kollisions- und weiteren 

Vorfallbeteiligten sowie Versicherungsgesellschaften und der ausführlichen Be-

schreibung in der Anklageschrift klar, dass allenfalls mehrere Personen in die Be-

urteilung des Schadensfalls eingebunden waren und es somit fallweise zu Irr-

tumsvermittlungen bzw. einer Irrtumsvermittlungskette gekommen ist (zu diesen 

- 19 - 

Begriffen: z.B. BEATRICE KÄSER, Sozialleistungsbetrug, Sozialversicherungsbe-

trug/Sozialversicherungsmissbrauch, Diss. Zürich 2012, N 242 m.w.H.). Auch die-

se wurden in der Anklageschrift detailliert umschrieben. Der Anklagegrundsatz 

wurde deshalb rechtsgenügend gewahrt. 

3.5. Auch die einzelnen Merkmale der vorsätzlichen, teilweise versuchten Kör-

perverletzung wurden in der Anklage rechtsgenügend umschrieben (Urk. 34/1 

S. 12 f.). Entgegen der Verteidigung ist die Frage, ob sich die Gefahr für die kör-

perliche Unversehrtheit der Kollisionsbeteiligten im Einzelfall verwirklicht hat, im 

Rahmen der rechtlichen Würdigung (nachstehend unter E. IV.D.) und insbesonde-

re gesondert von Art. 90 Ziff. 2 SVG zu prüfen, da es sich bei der groben Ver-

kehrsregelverletzung und der Körperverletzung um zwei verschiedene Rechtsgü-

ter handelt. 

3.6. Einhergehend mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. A.IV.2.2.2.) ist schliesslich fest-

zustellen, dass vorliegend die – bedingt durch die hohe Anzahl an ähnlich gela-

gerten Unfällen naheliegenden – den einzelnen Dossiers vorangestellten, verein-

heitlichenden Angaben und auch die Verwendung von Alternativbeschreibungen 

das Anklageprinzip nicht verletzen. Der Beschuldigte wusste, was Gegenstand 

der Anklage ist und konnte sich jederzeit gehörig verteidigen. 

C. Abweichende rechtliche Würdigung 

1. Will das Gericht den Sachverhalt rechtlich anders würdigen als die Staats-

anwaltschaft in der Anklageschrift, so eröffnet es dies den anwesenden Parteien 

und gibt ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme (Art. 344 StPO). Die rechtliche 

Würdigung des durch die Anklageschrift bestimmten Prozessgegenstandes ist 

ausschliesslich Aufgabe des Gerichts und kann nicht durch die Parteien vorbe-

stimmt oder eingeschränkt werden, weshalb das Gericht von den Anträgen der 

Staatsanwaltschaft – ebenso wie von denjenigen der beschuldigten Person oder 

der Privatklägerschaft – abweichen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_254/2015 

vom 27. August 2015 E. 3.1.). Mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.A.1.3.) hat der 

Hinweis seitens des Gerichts auf die Möglichkeit einer abweichenden rechtlichen 

Würdigung spätestens vor Abschluss des Beweisverfahrens zu erfolgen (BSK 

- 20 - 

StPO-HAURI/VENETZ, Art. 344 StPO N 12). Vorauszusetzen ist in diesem Zusam-

menhang, dass die Umschreibung des Sachverhalts in der Anklage die Subsump-

tion unter einen anderen Straftatbestand überhaupt zulässt. 

2. Seitens der Vorinstanz wurde den Parteien anlässlich der Hauptverhandlung 

im Rahmen der Vorfragen mitgeteilt, dass das Gericht für den Fall eines Schuld-

spruchs die Möglichkeit einer von der Anklage abweichenden rechtlichen Würdi-

gung in Betracht ziehe. So kam für die Vorinstanz zusätzlich zum Vorwurf der 

groben Verkehrsregelverletzung die Prüfung des Vorliegens einer Nötigung sowie 

die Subsumption der angeklagten Sachbeschädigungen unter die Qualifizierung 

als grosser Schaden im Sinne von Abs. 3 von Art. 144 StGB in Frage (Prot. I 

S. 6). 

3.1. Hinsichtlich der Nötigung wurde von der Vorinstanz vorab zutreffend erwo-

gen (Urk. 74 E. IV.A.3.1.), dass eine Verurteilung des Beschuldigten wegen Nöti-

gung im Sinne von Art. 181 StGB zufolge des erfolgten Hinweises im Sinne von 

Art. 344 StPO und angesichts der rechtsgenügenden Umschreibung des entspre-

chenden Kernsachverhalts in der Anklageschrift grundsätzlich möglich sei. 

3.2. In der Lehre werden unterschiedliche Auffassungen vertreten, ob zwischen 

der Nötigung und der Verletzung von Verkehrsbestimmungen unechte oder echte 

Konkurrenz besteht, wenn ein Verkehrsteilnehmer durch seine Fahrweise einen 

anderen Strassenbenützer zu einem bestimmten Verhalten nötigt. Gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung ist echte Konkurrenz zwischen Art. 181 StGB 

und Art. 90 Abs. 2 SVG anzunehmen, weil die beiden Straftatbestände unter-

schiedliche Rechtsgüter schützen würden: Mit den Verkehrsregeln solle laut dem 

Bundesgericht insbesondere die Verkehrssicherheit auf öffentlichen Strassen ge-

währleistet werden. Demgegenüber schütze der Nötigungstatbestand die Hand-

lungsfreiheit bzw. die Freiheit der Willensbildung und -betätigung des Einzelnen. 

Daneben seien auch verschiedene Rechtsgutträger betroffen, weil Art. 90 Abs. 2 

SVG überdies weitere abstrakt gefährdete Verkehrsteilnehmer schütze (BGE 137 

IV 326 E. 3.5.1., 3.5.2. u. 3.6. m.w.H., auch zu den unterschiedlichen Lehrmei-

nungen). Aufgrund dieser Auffassung käme somit grundsätzlich zusätzlich eine 

- 21 - 

Bestrafung wegen Nötigung in Frage, zumal der entsprechende Kernsachverhalt 

diesbezüglich rechtsgenügend umschrieben wurde. 

3.3. Seitens der Vorinstanz wird nun aber erwogen, dass aufgrund weiterer De-

likte wie diejenigen der (allenfalls teilweise versuchten) Körperverletzung und des 

gewerbsmässigen Betrugs, die jeweils vorangehende Nötigung diesbezüglich als 

mitbestrafte Vortat erscheine (Urk. 74 E. IV.A.3.2.). Diese Auffassung erweist sich 

als zutreffend. Entscheidend ist nämlich, dass die massgebenden Tathandlungen 

zumindest zum Teil kongruent sind mit der Nötigungshandlung bzw. in einer sehr 

engen zeitlichen Konnexität stehen. Im Zusammenhang mit der angeklagten ein-

fachen Körperverletzung erweist sich vorliegend die Nötigungshandlung als mit-

bestrafte Vortat, weil die der Körperverletzung vorausgehende Beeinträchtigung 

der Willensfreiheit der Privatkläger mit dem Eingriff in die körperliche Integrität ei-

ne Handlungseinheit bildet (vgl. BGE 104 IV 173 E. 2). Hinsichtlich der Konkur-

renz zum gewerbsmässigen Betrug ist entscheidend, dass die Nötigungshandlung 

dermassen in der Täuschungshandlung im Rahmen des Betrugs aufgeht, dass 

diese ebenfalls eine Handlungseinheit bilden. Auch diesbezüglich wird die Nöti-

gung durch den Beschuldigten demnach als mitbestrafte Vortat konsumiert. 

Schliesslich ist vorliegend auch das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 

Abs. 2 StPO hinsichtlich der rechtlichen Würdigung zu beachten, erstreckt sich 

die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft nämlich nicht auf die rechtliche 

Würdigung durch die Vorinstanz (vgl. Urk. 80). Eine Verurteilung des Beschuldig-

ten wegen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB kommt demnach so oder anders 

nicht in Frage. 

4.1. Auch hinsichtlich der Frage des Vorliegens eines grossen Schadens bzw. 

der Möglichkeit einer Bestrafung gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB wurde seitens der 

Vor-instanz rechtzeitig der erforderliche Hinweis an die Parteien gemacht, wes-

halb eine entsprechende Verurteilung grundsätzlich zulässig wäre. 

4.2 Vorliegend ist zu prüfen, ob ein grosser Schaden im Sinne des Gesetzes 

vorliegt bzw. ob eine zusammenfassende Addition der Schäden aus den einzel-

nen Dossiers zulässig ist, was seitens der Verteidigung mit dem zusätzlichen 

- 22 - 

Hinweis darauf, dass sich auch der Vorsatz des Beschuldigten auf einen grossen 

Schaden hätte beziehen müssen (Urk. 63 S. 27), verneint wird. 

4.3. Als im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB gross gilt ein Schaden, welcher den 

Betrag von Fr. 10'000.- übertrifft (Urteil des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom 

7. Februar 2019 E. 3.3.2; BGE 136 IV 117 E. 4.3.1). Viele kleinere Schäden kön-

nen summiert einen grossen Schaden ausmachen (TRECHSEL/CRAMERI, in: Trech-

sel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar StGB, 3. A., Zürich 2018, Art. 144 StGB N 10). 

Dies gilt jedenfalls dann, sofern eine natürliche Handlungseinheit vorliegt. Die 

Frage der Tateinheit ist bei Art. 144 Abs. 3 StGB nicht eigenständig, sondern 

nach den allgemeinen Regeln zu beantworten (BSK StGB-WEISSENBERGER, 

Art. 144 StGB N 104 ff.). Mehrere Einzelhandlungen sind rechtlich als Einheit an-

zusehen, wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen des 

engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung 

noch als ein einheitliches zusammengehörendes Geschehen erscheinen 

(BGE 131 IV 83 E. 2.4.5.). 

4.4. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.A.4.4.) kann vorlie-

gend hinsichtlich der Sachbeschädigungen nicht von einer Handlungseinheit aus-

gegangen werden, weil die zeitliche Konnexität zwischen den einzelnen Fällen 

letztlich zu lose erscheint. Daran vermag auch die seitens der Vorinstanz ange-

wandte Analogie des Vorsatzes des Beschuldigten, eine unbestimmte Anzahl an 

Sachbeschädigungen zu verüben, zu seinem Vorsatz zur gewerbsmässigen Er-

langung von ihm nicht zustehenden Schadenszahlungen nichts zu ändern. Denn 

in casu mangelt es nicht am Erfordernis des einheitlichen Willensaktes, um das 

Vorliegen einer Handlungseinheit anzunehmen, sondern an demjenigen des ge-

nügenden zeitlichen Zusammenhangs. Auch wenn die in Frage stehenden Delikte 

teilweise lediglich wenige Tage auseinander lagen, lässt sich eine Handlungsein-

heit vor dem Hintergrund der massgebenden bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung nicht aufrecht erhalten, zumal laut der Anklage teilweise auch mehrere 

Wochen bis Monate nicht delinquiert worden sei. So wurde in BGE 131 IV 83 

festgehalten, dass hinsichtlich des Vorliegens einer natürlichen Handlungseinheit 

ein Zeitraum von einem Monat bereits als länger anzusehen sei (E. 2.4.5). Dem-

- 23 - 

nach ist eine Handlungseinheit und damit auch das Vorliegen eines grossen 

Schadens im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB zu verneinen.  

4.5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Sachbeschädigungen – sofern 

sie nicht bereits in den einzelnen Dossiers einen grossen Schaden bilden – nicht 

von Amtes wegen, sondern lediglich auf Antrag zu verfolgen waren. Nachfolgend 

ist u.a. zu prüfen, ob die erforderlichen Strafanträge vorliegen. 

D. Strafanträge 

1. Von der Vorinstanz wurden die rechtlichen Grundlagen und Erfordernisse 

zum Strafantrag ausführlich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 74 E. II.C.3. u. 

6.1.), weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich da-

rauf verwiesen werden kann. 

2. Die amtliche Verteidigung macht in Bezug auf die Strafanträge – auch im 

Berufungsverfahren SB170310 – geltend, dass – nicht nur hinsichtlich Sachbe-

schädigung, sondern auch betreffend versuchte Körperverletzung – alle bzw. zu-

mindest vereinzelte Strafanträge zu spät gestellt worden seien (Urk. 63 S. 4 u. 25; 

Urk. 117 S. 18; Prot. I S. 24). Die Strafanträge wegen versuchter Körperverlet-

zung würden laut der Verteidigung zudem auf einem Willensmangel beruhen, weil 

die unverletzt gebliebenen Geschädigten zur Stellung eines Strafantrags verleitet 

bzw. geradezu gezwungen worden seien. Deshalb sei auf die diesbezügliche An-

klage nicht einzutreten (Urk. 63 S. 4; Prot. II S. 36; Urk. 124 S. 2).  

3.1. Seitens der Vorinstanz wurden die im Zeitraum vom 28. Mai 2013 bis 15. Ju-

li 2013 gestellten 22 Strafanträge hinsichtlich versuchter Körperverletzung oder 

Körperverletzung allesamt zutreffend aufgeführt (Urk. 74 E. I.C.4.). 

3.2. Es stellt sich vorliegend die Frage, ab wann den Parteien die dreimonatige 

Antragsfrist lief. Vorliegend wurde seitens der Vorinstanz zutreffend darauf hin-

gewiesen, dass die Strafverfolgungsbehörden (erst) spätestens im April/Mai 2013 

zur Überzeugung gelangt seien, dass ein weiteres Vorgehen gegen den Beschul-

digten erfolgreich sein könnte. Daraufhin seien allfällige Antragstellerinnen und  

-steller mittels eines Begleitschreibens "in Sachen Verkehrsunfall" der Stadtpolizei 

- 24 - 

Zürich informiert und zur Prüfung eines Strafantrags eingeladen worden. Indem 

die Strafverfolgungsbehörden im damaligen Zeitpunkt ihr Wissen den Ange-

schriebenen offenbart hätten, habe die dreimonatige Frist im Zeitpunkt der Zustel-

lung des Informationsschreibens Ende Mai 2013 bzw. in Sachen ND 24/S._____ 

(Urk. D24/3) am 20. Juni 2013 zu laufen begonnen und sei von allen Antragstelle-

rinnen und -stellern durch Unterzeichnung der Strafanträge – bis auf eine Aus-

nahme (s. nachstehend unter E. 3.4.) bis zum 15. Juli 2013 – eingehalten worden. 

Diese Auffassung der Vorinstanz erweist sich als vollumfänglich zutreffend, und 

die Anträge hinsichtlich (versuchter) Körperverletzung wurden allesamt fristge-

mäss gestellt. 

3.3. Auf den ersten Blick erscheint allerdings irritierend, dass zumindest in einem 

Fall auch ein Beleg bei den Akten ist, welcher aufzeigt, dass eine Antragstellerin 

bereits früher unterschriftlich bestätigte, von der dreimonatigen Antragsfrist hin-

sichtlich eines konkreten Delikts (vorliegend: Fahrlässige Körperverletzung) 

Kenntnis genommen zu haben (Urk. D11/6/2 [AC._____]: Unterschriftlich bestätig-

te Kenntnisnahme der Antragsfrist bereits am 21. März 2012). Es stellt sich somit 

die Frage, ob die Antragsfrist betreffend denselben Antragsteller und dasselbe 

Delikt grundsätzlich mehrfach angesetzt werden – und damit laufen – kann. Ein-

hergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. I.C.4.3.) ist dies in Fäl-

len wie dem vorliegenden zu bejahen, wo die zusätzliche Kenntnis, wonach der 

Beschuldigte die Unfälle mutmasslich vorsätzlich provoziert – und nicht lediglich 

fahrlässig herbeigeführt – hatte, einen anderen, neuen Lebenssachverhalt dar-

stellt. Diese Sachlage lag offensichtlich auch dem Schreiben der Staatsanwältin 

vom 23. Mai 2013 (Urk. 110; vgl. dazu auch die nachstehend unter E. 3.5. ge-

machten Erwägungen) zu Grunde, welches an die Kollisionsbetroffenen ging. 

3.4. An der vorinstanzlichen Feststellung, dass alle Strafanträge hinsichtlich 

(versuchter) Körperverletzung fristgemäss gestellt wurden, ändert auch der erst 

am 11. September 2013 von T._____ hinsichtlich "versuchte eventualvorsätzliche 

Körperverletzung" gestellte Strafantrag (Urk. 37/2) nichts. Unabhängig davon, 

dass aus den Akten nicht ersichtlich ist, dass er – wie die anderen Kollisionsbetei-

ligten – ebenfalls ein Schreiben von Fw AD._____ betreffend Prüfung eines Straf-

- 25 - 

antrages hinsichtlich Körperverletzung erhalten hat, stellt sich hier die Frage, ob 

er bereits davor auf das Stellen eines Strafantrages verzichtet hat: So bringt die 

Verteidigung vor, dass er die von ihm vorgetragene Sachverhaltsversion von An-

fang an gekannt und nie geirrt habe (Urk. 63 S. 25; Urk. 117 S. 18). Der Privatklä-

ger T._____ gab denn auch an, bereits drei oder vier Tage nach der Kollision vom 

27. April 2013 (ND 37) gegenüber der Kantonspolizei … geltend gemacht zu ha-

ben, dass er das "Gefühl" habe, er sei vom Beschuldigten ausgebremst worden. 

Er sei sich aber "nicht sicher" gewesen und habe "nur auf Verdacht hin" keine An-

zeige erstatten wollen (Urk. 16/31 S. 6, vgl. auch S. 10; Urk. 16/86 S. 13 f.). Dar-

aus aber den Schluss zu ziehen, dass T._____ bereits damals sichere und zuver-

lässige Kenntnis des Sachverhalts gehabt habe, geht fehl. Denn solange auf-

grund der Sachlage unklar ist, ob überhaupt ein Delikt begangen wurde, beginnt 

die Frist nicht zu laufen. Im Übrigen wurde seitens der Vorinstanz ausführlich, 

schlüssig und zutreffend dargestellt, dass sich die Erhebung der Strafanzeige 

letztlich wohl auf die Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Hausdurchsuchung 

im Autohaus AE._____ AG stützen dürfte (s. dazu Urk. 74 E. II.C.4.2.). Demnach 

ist davon auszugehen, dass der Privatkläger T._____ zufolge der durchgeführten 

Hausdurchsuchung und der entsprechenden Information der Mitarbeitenden des 

Autohauses AE._____ AG letzte bestehende Zweifel hatte ausräumen können. 

Damit erhielt er aber erst im Zeitraum Ende Juli bzw. anfangs August 2013 eine 

zuverlässige Kenntnis des Sachverhalts. Es ist deshalb davon auszugehen, dass 

auch der Privatkläger T._____ seinen Strafantrag hinsichtlich Körperverletzung 

rechtzeitig stellte. 

3.5. Auch der weitere Einwand der Verteidigung, wonach die Strafanträge wegen 

versuchter Körperverletzung auf einem Willensmangel beruhen würden, weil die 

unverletzt gebliebenen Geschädigten zur Stellung eines Strafantrags verleitet 

bzw. geradezu gezwungen worden seien (Urk. 63 S. 4; Prot. II S. 36; Urk. 124 

S. 2), geht fehl (s. dazu auch die nachstehend unter E. F.6. gemachten Ausfüh-

rungen). So ist weder aus dem erwähnten Schreiben der Staatsanwältin noch aus 

dem Begleitschreiben der Polizistin AD._____ vom Mai bzw. Juni 2013 eine unzu-

lässige Willenseinwirkung auf diese Unfallbeteiligten erkennbar, einen Strafantrag 

zu stellen. In letzterem bittet die Polizistin AD._____ die Adressaten/Innen des 

- 26 - 

Schreibens lediglich, die Stellung eines Strafantrages "zu prüfen" und verweist in 

diesem Zusammenhang auf das Schreiben der Staatsanwältin Leu vom 23. Mai 

2013 (vom hiesigen Gericht beigezogen: Urk. 110, welche der Verteidigung an-

lässlich der Berufungsverhandlung im Verfahren SB170310 zusammen mit Urk. 

108 und Urk. 109/1-2 zur Einsicht vorgelegt wurde unter antragsgemässer 

Fristansetzung für eine schriftliche Stellungnahme [Prot. II S. 35 ff.]). Auch wenn 

die Polizistin AD._____ die Adressaten/Innen ihres Schreibens bittet, den Strafan-

trag entsprechend auszufüllen bzw. zu unterschreiben und zurückzuschicken, ist 

aus dem mitversandten grünen Formular ohne Weiteres ersichtlich, dass diese 

nebst dem Stellen des Strafantrags drei weitere Optionen hatten: Die Kenntnis-

nahme der Antragsfrist zu bestätigen, auf Strafantrag zu verzichten oder einen 

bestehenden Strafantrag zurückzuziehen und dies jeweils unterschriftlich zu be-

stätigen. Auch aus dem beigelegten Schreiben der Staatsanwältin vom 23. Mai 

2013 (Urk. 110) ergibt sich keine unzulässige Druckausübung auf die Kollisions-

betroffenen, einen Strafantrag zu erheben. Vielmehr wird im besagten Schreiben 

angesprochen, dass die Adressaten/Innen des Schreibens in eine Kollision mit 

dem Beschuldigten involviert gewesen seien, dass sie dabei entweder verletzt 

worden seien oder aufgrund der Umstände damit hätten rechnen müssen, und 

dass sie unter Verweis auf das beiliegende Strafantragsformular die Gelegenheit 

erhielten, Strafantrag gegen den Beschuldigten betreffend Körperverletzung, resp. 

versuchte Körperverletzung, zu stellen. 

4.1. Hinsichtlich Sachbeschädigung ist vorab darauf hinzuweisen, dass vorlie-

gend – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – nicht von einem von Amtes 

wegen zu verfolgenden grossen Schaden im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB 

auszugehen ist (s. dazu vorstehend unter Erwägungen C.4.1.-4.5.). Deshalb ist 

hinsichtlich der Sachbeschädigung gestützt auf Art. 144 Abs. 1 StGB von An-

tragsdelikten auszugehen.  

4.2. Seitens der Vorinstanz wurden die im Zeitraum vom 1. bis 23. April 2015 

hinsichtlich Sachbeschädigung erhobenen Strafanträge allesamt zutreffend aufge-

führt (Urk. 74 E. I.C.5.). 

- 27 - 

4.3. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. II.C.5.2.) sind 

diese Strafanträge isoliert betrachtet alle als deutlich verspätet anzusehen, war 

den antragstellenden Personen der identische Sachverhalt – mutmasslich vor-

sätzlich herbeigeführte Verkehrsunfälle – im Zeitpunkt der Antragsstellung doch 

bereits seit rund zwei Jahren bekannt. Vorliegend ist allerdings zu Gunsten der 

Antragsteller/innen zu gewichten, dass sie zwei Jahre zuvor faktisch zur Prüfung 

der Antragstellung ausschliesslich hinsichtlich Körperverletzung eingeladen wur-

den, weil die mitversandten grünen Antragsformulare – was angesichts der identi-

schen Schrift in allen mitversandten Formularen offensichtlich scheint – durch die 

darin enthaltene Vorformulierung bereits entsprechend eingeschränkt wurden. 

Daran vermag der Umstand, dass das mit dem Betreff "Stellung eines Strafantra-

ges – in Sachen Verkehrsunfall" versandte Begleitschreiben von Polizistin 

AD._____ die Antragstellung nicht auf Körperverletzung beschränkte (z.B. 

Urk. D30/5/1 S. 2), nichts Entscheidendes zu ändern. Auch geht aus dem eben-

falls mit dem Strafantragsformular mitversandten Schreiben von Staatsanwältin 

Leu vom 23. Mai 2013 explizit hervor, dass lediglich Strafantrag wegen (versuch-

ter) Körperverletzung erhoben werden könne (Urk. 110). Die seitens der Strafver-

folgungsbehörden vorgenommene Einschränkung hinsichtlich Antragsstellung 

rund zwei Jahre zuvor darf den Antragstellern/Innen – einhergehend mit der Auf-

fassung der Vorinstanz bzw. auch unter Verweis auf ihre einlässliche Erörterung 

der Frage (Urk. 74 E. II.C.5.3. u. 5.4.) – aufgrund ihres Anspruches auf Schutz 

des berechtigten Vertrauens in behördliche Erklärungen nicht zum Nachteil gerei-

chen. Ihr Antragsrecht hinsichtlich Sachbeschädigung war deshalb noch nicht 

verwirkt. Dies muss sich der Beschuldigte entgegenhalten lassen.  

4.4. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend ausgeführt (Urk. 74 E. C.6.), dass 

auch fünf weitere Personen, welche zuvor noch keinen Strafantrag gestellt hatten, 

im Frühling 2015 ebenfalls auf ein Schreiben der Strafverfolgungsbehörden hin 

Strafantrag hinsichtlich Sachbeschädigung stellten (Urk. D4/5/5 [AF._____]; 

Urk. D9/5/4 [I._____]; Urk. D22/5 [J._____ AG]; Urk. D29/5/9 [D._____ AG]; 

Urk. D30/5/6 [V._____]). In allen besagten Fällen handelte es sich um die Halter 

der kollisionsbeteiligten Fahrzeuge, welche die Wagen im massgebenden Zeit-

punkt nicht selber gelenkt hatten. Von der Vorinstanz wurde einlässlich erörtert, 

- 28 - 

dass vorliegend in vier der fünf Fälle (Urk. D4/5/5 [AF._____]; Urk. D9/5/4 

[I._____]; Urk. D22/5 [J._____ AG]; Urk. D30/5/6 [V._____]) nicht davon ausge-

gangen werden könne, dass die betreffenden Antragsteller/innen bereits vor Er-

halt des Schreibens seitens der Strafverfolgungsbehörden vom 27. März 2015 

rechtsgenügende Kenntnis über ihre Antragsrechte hinsichtlich Sachbeschädi-

gung hatten. Diese Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. C. 6.2.-6.3. u. 6.5-

6.6.) erweisen sich als zutreffend, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu 

vermeiden – vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. Auch ist – einherge-

hend mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. II.C.6.4.) – davon auszugehen, dass die 

Sachlage im Falle der D._____ AG als Halterin des von ihrem Angestellten 

AG._____ gelenkten Fahrzeugs anders gelagert ist, da die D._____ AG nach-

weislich bereits mit Schreiben der K._____ vom 22. März 2013 über den ihr ent-

standenen Schadensfall informiert wurde (Urk. D29/17/2) und hernach – gestützt 

auf die dem Gericht vorliegenden Akten – länger untätig blieb bzw. den Strafan-

trag hinsichtlich Sachbeschädigung nicht rechtzeitig, sondern erst am 10. April 

2015 (Urk. D29/5/9) als Reaktion auf das Schreiben von Staatsanwältin Leu vom 

27. März 2015 (Urk. D29/5/8) stellte. Insbesondere ist auch nicht erwiesen, dass 

der von AG._____ gestellte Strafantrag hinsichtlich (versuchter) Körperverletzung 

vom 5. Juni 2013 (Urk. D29/9/4) die D._____ AG davon abgehalten haben sollte, 

einen Strafantrag hinsichtlich Sachbeschädigung zu stellen. Demnach ging der 

Strafantrag seitens der D._____ AG verspätet bei den Strafverfolgungsbehörden 

ein. Da vorliegend – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. 

II.C.6.4.) – aufgrund der geltend gemachten Schadenssumme von Fr. 18'399.70 

(Urk. D29/22/7) allerdings bereits für diesen Schadensfall allein betrachtet das 

Vorliegen eines grossen Schadens im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB zu prüfen 

ist (vgl. dazu vorstehend E. II.C. 4.3.-4.5.), steht der fehlende Strafantrag hinsicht-

lich Sachbeschädigung einer Verurteilung nicht entgegen. 

E. Psychiatrische Begutachtung 

1. Von der Vorinstanz wurden die rechtlichen Grundlagen und Erfordernisse an 

einen Gutachter und an ein Gutachten bzw. die Bedeutung eines Privatgutach-

tens ausführlich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 74 E. II.D.3.2.), weshalb – 

- 29 - 

um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vorab darauf verwiesen werden 

kann. Ergänzend ist festzuhalten, dass an die Person des Sachverständigen und 

den Inhalt des Gutachtens hohe Anforderungen gestellt werden (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_835/2017 vom 22. März 2018 E. 4.2.1 m.w.H.) sowie dass als 

sachverständige Person im Sinne von Art. 20 und 56 Abs. 3 StGB grundsätzlich 

nur Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie zuzulassen sind (vgl. BGE 140 

IV 49 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_989/2017 vom 20. Dezember 2017 

E. 2.3 und 6B_884/2014 vom 8. April 2015 E. 3.3). Gemäss Art. 184 Abs. 1 StPO 

ernennt die Verfahrensleitung die sachverständige Person und erteilt ihr einen 

schriftlichen Auftrag. In der Regel gibt sie den Parteien vorgängig Gelegenheit, 

sich zur sachverständigen Person und zu den Fragen zu äussern und dazu eige-

ne Anträge zu stellen (Art. 184 Abs. 3 StPO). Zu beachten ist, dass die vorgängi-

ge Information der Parteien über die Person des Sachverständigen vor allem dort 

Sinn macht, wo gutachterliche Erkenntnisse stark von Wertungen abhängen, die 

mit der konkreten Person eng verbunden sind, wie dies beispielsweise bei psy-

chiatrischen Gutachten der Fall ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2017 vom 

20. Februar 2018 E. 2.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist aller-

dings zur Wahrung des rechtlichen Gehörs ausreichend, wenn die betroffene Per-

son die Möglichkeit hat, sich nachträglich zum Gutachten wie auch zur Person 

des Gutachters zu äussern und gegebenenfalls Ergänzungsfragen zu stellen 

(BGE 125 V 332 E. 4b; Urteile 6B_918/2017 vom 20. Februar 2018 E. 2.5, 

1B_196/2015 vom 17. Mai 2016 E. 2 und 6B_298/2012 vom 16. Juli 2012 E. 3.3, 

je mit Hinweisen). Schliesslich ist zu beachten, dass einem Privatgutachter kein 

Recht auf eine Stellungnahme oder einen zweiten Vortrag gegenüber dem amtlich 

bestellten Sachverständigen zusteht (vgl. BSK StPO-HEER, Art. 189 N 19 m.w.H.). 

2.1. Seitens der Verteidigung wurde mit Eingabe vom 18. Februar 2019 

(Urk. 101) und anlässlich der Berufungsverhandlung im Verfahren SB170310 er-

neut (Urk. 117 S. 24; Prot. II S. 36 f.) der Antrag gestellt, dass – auch nach der 

Ergänzung vom 19. September 2018 (Urk. 93) des seitens der Strafverfolgungs-

behörden in Auftrag gegebenen Gutachtens durch Dr. med. AA._____, Facharzt 

Psychiatrie/Psychotherapie, vom 4. November 2013 (Urk. 23/14) – ein Zweit- bzw. 

Obergutachten zur psychiatrischen Begutachtung des Beschuldigten einzuholen 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-49%3Ade&number_of_ranks=0#page49
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-49%3Ade&number_of_ranks=0#page49
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332

- 30 - 

sei bzw. der behandelnde Psychiater des Beschuldigten, Dr. med. AB._____, 

Facharzt Psychiatrie/Psychotherapie, als Zeuge zu befragen sei. Im Einzelnen 

wurde von der Verteidigung bemängelt, dass das Gutachten von 

Dr. med. AA._____ zu oberflächlich sei, es zu früh erfolgt sei, die Mitwirkungs-

rechte des Beschuldigten bei der Auswahl des Gutachters und des Gutachtens-

gegenstandes verletzt worden seien und zum Bericht des den Beschuldigten be-

handelnden Psychiaters Dr. med. AB._____ Widersprüche bestehen würden. Zu-

dem könne eine insgesamt lediglich 3½ Stunden dauernde Explorationsbespre-

chung und Untersuchung eines Exploranden aus einer fremden Ethnie mit 

schlechten Deutschkenntnissen, welche zudem mehrheitlich unter Haftbedingun-

gen erfolgt sei, unter keinen Umständen den hohen Anforderungen an ein psychi-

atrisches Gutachten gerecht werden. Aufgrund all dieser Umstände dränge sich 

ein Obergutachten förmlich auf (Urk. 101; Urk. 117 S. 24; Prot. II S. 36 f.).  

2.2. Seitens der Verteidigung wird davon ausgegangen, dass es sich beim Be-

schuldigten um einen schreckhaften, schlechten Automobilisten handle (Urk. 63 

S. 3), welcher zudem – was sie sinngemäss unter Berufung auf den Bericht von 

Dr. med. AB._____ vom 14. Juni 2017 (Urk. 77/2) vorzubringen scheint – unter 

einer psychischen Störung leide (vgl. Urk. 76; Prot. II S. 38). 

2.3. Aus dem seitens der Verteidigung am 14. August 2017 (vgl. Urk. 76) einge-

reichten Bericht von Dr. med. AB._____ vom 14. Juni 2017 (Urk. 77/2) geht her-

vor, dass Letzterer den Beschuldigten ab dem 24. September 2013 einmal wö-

chentlich fachärztlich behandle und sich seine Beurteilung auf insgesamt rund 

150 Sitzungen stütze. Es handle sich dabei um eine multimodal geführte Therapie 

bestehend aus geeigneten diagnostischen Massnahmen einschliesslich einer 

gründlichen neuropsycho- und leistungspsychologischen Testung und Beübung 

am praxiseigenen Terminal mit computergestützten Programmen aus der "Wiener 

Testbatterie" sowie wiederholter psychiatrischer Explorationen und psychothera-

peutisch supportiv und problemzentrierten Interventionen. Dr. med. AB._____ fol-

gert aus dem Umstand, dass beim Beschuldigten so plötzlich dissoziative Anfälle 

aufgetreten seien, und aus seinen Beobachtungen, dass der Beschuldigte unter 

einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nach ICD-10, F61.0 leide, deren An-

- 31 - 

fänge bereits mehrere Jahrzehnte zurück reichen würde. Dabei bezieht er sich 

ausdrücklich auf die von Dr. med. AA._____ festgestellten Verhaltensauffälligkei-

ten des Beschuldigten, zieht aber einen anderen Schluss aus diesen. Ausserdem 

diagnostiziert Dr. med. AB._____ beim Beschuldigten ein im Erwachsenenalter 

entstandenes ADS, da zum Beispiel die Wender-Utah-und andere einschlägige 

Kriterien (Kriterien im HASE etc.) bei ihm zweifelsfrei erfüllt seien. Die Panikatta-

cken des Beschuldigten erklärte Dr. med. AB._____ letztlich mit dessen "relativen 

Ich-Schwäche", welche den Stressfaktoren, welchen der Beschuldigte während 

der Untersuchungshaft und der polizeilichen Einvernahme ausgesetzt gewesen 

sei, nichts Genügendes habe entgegensetzen können. Aus dieser Diagnostik fol-

ge des Weiteren, dass "zuvor schon auch ein beträchtlicher Anteil der beschrie-

benen Autounfälle durch diese Persönlichkeitsstörung und das ätiopathogenisch 

damit verknüpfte[n] ADS mitverursacht worden ist und somit mindestens eine par-

tielle Minderung der Schuldfähigkeit […] gegeben gewesen war (und ist)". Die 

Auswirkungen des erheblichen psychiatrischen Gesundheitsschadens des Be-

schuldigten seien kausal für kognitive und praktische Leistungsstörungen wie De-

fizite in der selektiven wie geteilten Aufmerksamkeit, der Konzentration, des 

psychophysischen Durchhaltevermögens und der Vigilanz.  

3.1. Vorliegend erscheint in Bezug auf die Auswahl des Gutachters wesentlich, 

dass Dr. med. AA._____ nebst seinem Facharzttitel in Psychiatrie und Psychothe-

rapie auch gestützt auf die Verordnung über psychiatrische und psychologische 

Gutachten in Straf- und Zivilverfahren (PPGV) über die erforderlichen Qualifikati-

onen verfügt und im entsprechenden Sachverständigenverzeichnis aufgeführt ist, 

weshalb es an seiner fachlichen Qualifikation keine Zweifel gibt. 

3.2. Ferner ist festzuhalten, dass der seitens der Anklagebehörde als damaliger 

Verfahrensleitung unter Hinweis auf Art. 307 StGB und die weiteren Pflichten er-

teilte Gutachtensauftrag an Dr. med. AA._____ vom 15. Juli 2013 

inkl. Fragenkatalog (Urk. 23/13) – wie nachgehend auch das Gutachten selbst 

(Urk. 28/26) – in Kopie an den Beschuldigten ging (Urk. 23/13 S. 5 bzw. 

Urk. 28/18), welchem es in der Folge unbenommen blieb, sich zur Person des 

Gutachters und zu den an diesen gestellten Fragen zu äussern oder Ergänzungs-

- 32 - 

fragen zu stellen bzw. stellen zu lassen, was indes – auch mittels seiner Stellung-

nahme vom 18. Februar 2019 zum Ergänzungsgutachten von Dr. med. AA._____ 

(Urk. 101) – unterblieb. Auch anlässlich der Berufungsverhandlung im Verfahren 

SB170310 konnte sich die Verteidigung einlässlich zum Gutachter und zum Gut-

achtensgegenstand äussern. Demnach wurde dem verteidigten Beschuldigten 

das rechtliche Gehör zur Gutachterwahl und zum Gutachtensgegenstand im Lich-

te der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung rechtsgenügend gewährt 

(entsprechend auch die Vorinstanz: Urk. 74 E. III.B.6.4.). 

3.3. Des Weiteren geht der seitens der Verteidigung vorgebrachte Einwand der 

zu frühen Begutachtung fehl. Abgesehen davon, dass nicht substantiiert wurde, 

inwiefern sich dieser geltend gemachte Umstand in Bezug auf den massgeben-

den Beurteilungszeitraum zu Ungunsten des Beschuldigten oder der Qualität des 

Gutachtens auswirken sollte und sich abgesehen davon das Aussageverhalten 

des Beschuldigten auch nicht geändert hat und gleichbleibend blieb (entspre-

chend auch die Vorinstanz: Urk. 74 E. II.D.3.3.5.), erscheint eine zu den ange-

klagten Vorfällen möglichst zeitnahe Begutachtung sogar sinnvoller als eine zeit-

fernere. Auch dem Einwand der Verteidigung, dass es sich bei einer Dauer von 

3½ Stunden um eine zu kurze Zeitspanne für die Explorationsbesprechung und 

Untersuchung des Beschuldigten gehandelt haben soll, kann nicht gefolgt wer-

den. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung obliegt es der fachkundigen 

Einschätzung des Gutachters, die für die Erstellung des psychiatrischen Gutach-

tens erforderliche Dauer der Explorationsgespräche und Untersuchungen des Ex-

ploranden festzulegen (BGE 144 IV 176). Vorliegend ist zudem auch nicht ersicht-

lich, inwiefern die von Dr. med. AA._____ aufgewendete Zeit für das Explorati-

onsgespräch und die Untersuchung des Beschuldigten für die Erstellung des Gut-

achtens nicht ausreichend gewesen sein sollte. 

3.4. Hinsichtlich der Sachverhaltsdarstellung betreffend Panikattacken und Anfäl-

len während des Vorverfahrens des Beschuldigten kann vorab vollumfänglich auf 

die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 74 

E. II.D.3.3.1.-3.3.2.). Diese werden hernach noch näher erörtert werden. 

- 33 - 

4.1. Der seitens der Strafverfolgungsbehörden mit Auftrag vom 15. Juli 2013 

(Urk. 23/13) beauftragte Gutachter Dr. med. AA._____ kam in seinem Gutachten 

vom 4. November 2013 (Urk. 23/14) zum Schluss, dass beim Beschuldigten im 

Tatzeitraum keine psychische Störung vorlag, demgegenüber für den Untersu-

chungszeitraum die Diagnose von "dissoziativen Krampfanfällen" (ICD-10 F44.5), 

auch Pseudoanfälle genannt (s. dazu auch die zutreffenden Erwägungen der Vor-

instanz: Urk. 74 E. II.D.3.3.3.), gestellt werden könne (Urk. 23/14 insb. S. 25-28). 

Dr. med. AA._____ berücksichtigte im Rahmen seiner sorgfältigen Anamnese 

auch mehrere Fremdauskünfte (Bericht Hausarzt Dr. med. AH._____, Berichte 

des Universitätsspitals Zürich, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin; Bericht 

Schweizerisches Epilepsiezentrum Zürich vom 28. August 2013; Verkehrspsycho-

logische Abklärung von Dr. phil. AI._____ vom 30. September 2013; Bericht der 

Gemeinde AJ._____, Sozialabteilung vom 16. Juli 2013; sowie im Rahmen der 

Erstellung des Ergänzungsgutachtens: Verkehrsmedizinische Begutachtung des 

IRM Zürich vom 13. November 2013). Dr. med AA._____ schloss aufgrund der 

verfügbaren und beigezogenen Untersuchungen nachvollziehbar aus, dass der 

Beschuldigte unter Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises, affektiven 

Störungen, hirnorganischen Veränderungen, unter eventuellen körperlichen Er-

krankungen wie zum Beispiel einer Epilepsie oder kardiopulmonal bedingten Be-

wusstseinsstörungen leide (Urk. 23/14 S. 25). Ferner schloss Dr. med. AA._____ 

das Vorliegen einer Panikstörung aus, weil der Beschuldigte nicht generell unter 

wiederkehrenden schweren Angstattacken leide, sondern diese Zusammenbrü-

che lediglich in spezifischen Situationen aufgetreten seien (Urk. 23/14 S. 26). Ein 

solches Verhalten trete häufig auf, um einem unangenehmen seelischen Konflikt 

zu entgehen, welcher von der betroffenen Person häufig verleugnet werde, und 

die Symptome in enger Beziehung zu psychischem Stress stehen würden. An-

hand des vom Beschuldigten an den Tag gelegten Verhaltens zeigte der Sach-

verständige detailliert und schlüssig auf, wie sich die neurotische Selbstdarstel-

lung des Beschuldigten in einer konfrontativen Drucksituation wie einer Befragung 

dermassen ausweglos zuspitzt, dass als einzige Lösung die sogenannte Konver-

sion (Umsetzung seelischer Konflikte in körperliche Phänomene) bleibe, um sich 

aus der unerträglichen Situation zu befreien bzw. diese zu beenden. Ausdrücklich 

- 34 - 

wies Dr. med. AA._____ darauf hin, dass die später festgestellte neurotische Stö-

rung in Form von dissoziativen Krampfanfällen sicher nicht in ursächlichem Zu-

sammenhang mit den Taten stehe, sondern vielmehr eine Folge der Vorfälle bzw. 

der sich daraus ergebenden Zuspitzung innerpsychischer Konflikte beim Beschul-

digten sei. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht könne die Diskrepanz zwischen 

dem vom Beschuldigten dargestellten erwünschten Selbstbild und den tatsächlich 

vorliegenden mannigfachen Problemen als unterstützender Faktor für seine De-

linquenz gesehen werden. Die Einsicht des Beschuldigten in das Unrecht seiner 

Taten sei gegeben gewesen. Ferner liessen sich eine grosse Anzahl an Pla-

nungs- und Entscheidungselementen finden, welche seine voll erhaltene Steue-

rungsfähigkeit deutlich machen würden. Dr. med. AA._____ folgerte daraus, dass 

es keinen Hinweis auf eine Minderung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten gä-

be. 

4.2. Im Rahmen seines Ergänzungsgutachtens vom 19. September 2018 

(Urk. 93) wurde Dr. med. AA._____ u.a. die Gelegenheit eingeräumt, auch zur 

Kritik der Verteidigung und zur "gänzlich anderen Einschätzung" durch Dr. med. 

AB._____ sowie zu den Abklärungen von Dr. med. AK._____ und Dr. phil. 

AI._____ Stellung zu nehmen (vgl. die gerichtliche Auftragserteilung vom 3. Juli 

2018: Urk. 91). Dr. med. AA._____ hält darin fest, dass gerade in der forensisch-

psychiatrischen Begutachtung eine strikte Trennung zwischen Begutachter und 

Behandler einzuhalten sei. Die Einschätzung durch Dr. med. AB._____ sei wenig 

begründet und die Wahl der zugezogenen Fremdberichte bzw. -befunde sei sehr 

selektiv erfolgt. Für die Annahme einer Persönlichkeitsstörung müssten folgende 

sechs Kriterien allesamt erfüllt sein: Erstens, eine deutliche Unausgeglichenheit in 

den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Kogniti-

on, Affektivität, Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung, Art des Umgangs mit 

anderen und die Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen. Zweitens, ein 

Andauern und eine Gleichförmigkeit des auffälligen Verhaltensmusters und keine 

Begrenzung auf Episoden psychischer Krankheiten. Drittens, dass das auffällige 

Verhaltensmuster tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen 

eindeutig unpassend sei. Viertens, dass die Störungen immer in der Kind-

heit/Jugend begännen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestieren 

- 35 - 

würden. Fünftens, dass die Störung letztlich zu deutlichem, subjektivem Leiden 

führe. Und, sechstens, dass die Störung meistens mit deutlichen Einschränkun-

gen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden sei (Urk. 93 

S. 5 f.). Laut Dr. med. AA._____ werde schnell deutlich, dass diese Kriterien kei-

neswegs – wie erforderlich – sämtlichst erfüllt seien. Das auffällige Verhalten des 

Beschuldigten sei sehr spezifisch: Er sei nicht beim Autofahren im Allgemeinen, 

wobei es sich schon um einen spezifischen Vorgang handle, sondern insbesonde-

re beim Befahren einer Strecke mit hohem Verkehrs- und Stauaufkommen immer 

wieder in Unfälle verwickelt gewesen. Bei einer früheren verkehrsmedizinischen 

Abklärung mit einer sehr anspruchsvollen Kontrollfahrt im Beisein eines Arztes 

und eines Verkehrsexperten habe der Beschuldigte ausserdem ein sehr gutes Er-

gebnis erzielt, sodass seine Fahreignung anschliessend ohne jede Auflage habe 

befürwortet werden können. Auch habe beim Beschuldigten keine der geforderten 

deutlichen Unausgeglichenheiten in mehreren Funktionsbereichen festgestellt 

werden können. Ferner biete auch die lebensgeschichtliche Entwicklung (Kind-

heit, Jugend, problemlose Ausbildung und Übersiedlung in die Schweiz, langjähri-

ge Partnerschaft, berufliche Anstellungen; keine Störungen des Sozialverhaltens) 

keinen Hinweis darauf, dass auffällige Verhaltensmuster tiefgreifend und in vielen 

persönlichen und sozialen Situationen unpassend oder hindernd gewesen seien. 

Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne bzw. dürfe dem Beschuldigten 

gemäss Dr. med. AA._____ deshalb nicht gestellt werden. Es müsse auch darauf 

hingewiesen werden, dass sich Dr. med. AB._____ nicht zu den genannten erfor-

derlichen Kriterien äussere und ohne nähere Begründung die Diagnose einer 

Persönlichkeitsstörung stelle. Würde man im Bereich der Deliktsdynamik jedoch 

den Ausführungen von Dr. med. AB._____ folgen, bleibe es völlig unerklärlich, 

warum es nur in sehr spezifischen Anforderungssituationen, nämlich beim Auto-

fahren an einem bestimmten Abschnitt der Autobahn, zu der ungewöhnlich hohen 

Anzahl von Unfällen gekommen sei. Für Dr. med. AA._____ ergaben sich ab-

schliessend keine Erkenntnisse, die an seinen früheren Ausführungen eine Ände-

rung hervorrufen könnten. 

4.3. Den plausiblen, sorgfältig hergeleiteten und schlüssigen Ausführungen des 

Gutachters Dr. med. AA._____ ist zu folgen. Das Vorliegen einer Persönlichkeits-

- 36 - 

störung beim Beschuldigten kann aufgrund des vom bestellten Gutachter detail-

liert erörterten Katalogs an Voraussetzungen, welche beim Beschuldigten alle-

samt nicht erkennbar sind, ausgeschlossen werden. Demgegenüber erweisen 

sich die Feststellungen von Dr. med. AB._____ hinsichtlich der von ihm behaupte-

ten Persönlichkeitsstörung als offensichtlich zu wenig begründet und nachvoll-

ziehbar. Dass die dissoziativen Anfälle allein situativ nicht ableitbar erscheinen 

würden (vgl. Urk. 77/2 S. 3), wurde nicht näher erklärt und ist beim vorliegenden 

Beweisergebnis überdies nicht nachvollziehbar. Einhergehend mit der Auffassung 

der Vorinstanz (Urk. 74 E. 3.3.4.) bleibt – somit weiterhin – unklar, inwiefern sich 

diese angebliche Störung massgeblich auf die Unfälle ausgewirkt haben soll, zu-

mal der Beschuldigte gestützt auf einen früheren, im Übrigen beinahe gleichlau-

tenden Bericht von Dr. med. AB._____ vom 26. Januar 2014 (Urk. 28/35) gleich-

wohl einen Teil der Unfälle vielleicht "bewusst herbeigeführt" habe. Auch im spä-

teren Bericht vom 14. Juni 2017 (Urk. 77/2) vermag Dr. med. AB._____ nicht zu 

begründen, weshalb und wie "ein beträchtlicher Anteil der beschriebenen Autoun-

fälle" durch die Persönlichkeitsstörung und das ADS "mitverursacht" worden ist. 

Die Berichte von Dr. med. AB._____ erweisen sich deshalb als nicht nachvoll-

ziehbar und vermögen die fachlich fundierte und schlüssig hergeleitete Einschät-

zung von Dr. med. AA._____ in keiner Weise in Zweifel zu ziehen. Einhergehend 

mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. D.3.3.5.) handelt es sich angesichts der von ihm 

festgestellten dissoziativen Störung nach ICD-10 F44.5 um reine Pseudoanfälle, 

also Anfälle artifizieller Natur. So oder anders war der Beschuldigte im Zeitpunkt 

der angeklagten Vorfälle vollumfänglich zurechnungs- und somit auch schuldfä-

hig. 

4.4. Ergänzend ist zu erwähnen, dass auch das beauftragte Schweizerische Epi-

lepsie-Zentrum schlüssig und nachvollziehbar folgerte, dass es sich bei beiden 

Vorfällen (24. Juni 2013 und 4. Juli 2013) um Panik- und Hyperventilationsatta-

cken mit "artifizieller Ausgestaltung" gehandelt habe. Das Vorliegen epileptischer 

Anfälle wurde demgegenüber ausgeschlossen (Urk. 23/7).   

4.5. Eine widersprüchliche Aktenlage besteht hinsichtlich der Beurteilung der 

Fahreignung des Beschuldigten: Einerseits wird diese im Rahmen der verkehrs-

- 37 - 

medizinischen Begutachtung des Beschuldigten durch Dr. med. AL._____ vom 

15. November 2012 (Urk. 23/1) bejaht. Andererseits wird diese dem Beschuldig-

ten durch das Verkehrsmedizinische Gutachten von Dr. med. AK._____ vom 

13. November 2013 (Urk. 23/5) abgesprochen. Diese widersprüchlichen Ein-

schätzungen werfen Fragen auf: Das Gutachten AL._____ beinhaltete nebst wei-

teren Untersuchungen (Urinscreening; Blutentnahme; Ärztlicher Bericht Hausarzt 

Dr. med. AH._____; Bericht Stadtspital Waid) eine ärztlich begleitete und am 

14. November 2012 durchgeführte 50-minütige Kontrollfahrt, anlässlich welcher 

der Beschuldigte alle geprüften Fähigkeiten in den Bereichen Aufmerksamkeit, 

Konzentration, Wahrnehmung, Situationserfassung, geteilte Aufmerksamkeit, Re-

aktion, Belastbarkeit, Leistungsabfall, Leistungsreserve, und Lerneffekt erfüllte. 

Ihm wurde eine sehr verhaltene, defensive und vorsichtige Fahrweise attestiert. 

Es wurde festgestellt, dass der Beschuldigte die Anforderungen insgesamt erfüllt. 

Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen und gestützt auf die eingeholten 

Berichte wurde festgestellt, dass der Beschuldigte ein körperlich und psychisch 

unauffälliges Zustandsbild abgäbe und weder relevante psychische noch somati-

sche Erkrankungen oder eine Suchtproblematik vorliegen würden, weshalb die 

Fahreignung ohne Auflagen bejaht wurde. Das Gutachten AK._____ erfolgte rund 

ein Jahr später und vor dem zusätzlichen Hintergrund der beiden zwischenzeitlich 

erfolgten Panikattacken des Beschuldigten sowie seinem am 23. Mai 2013 erfolg-

ten Führerausweisentzug. Die Untersuchungen beinhalteten diverse Tests 

(Urinscreening; Blutentnahme mit chemischem Untersuchungsbericht; Chemisch-

toxikologische Haaranalyse; Kurztests betr. kognitive Leistungsfähigkeit) und be-

rücksichtigten diverse ärztliche bzw. psychologische Berichte (Austrittsberichte 

Universitätsspital vom 24. Juni 2013 u. 4. Juli 2013; Bericht des Schweizerischen 

Epilepsiezentrums vom 28. August 2013; Bericht Hausarzt Dr. AH._____ vom 

2. September 2013; Verkehrspsychologische Abklärung Dr. phil. AI._____ vom 

30. September 2013). Auffällig war, dass die verkehrspsychologische Abklärung 

durch Dr. phil. AI._____ ergab, dass der Beschuldigte in den Leistungstests 

mehrheitlich ungenügende Resultate erzielte, was für eine klare Beeinträchtigung 

verkehrsrelevanter Hirnleistungsfunktionen spreche. Auch aufgrund der fehlenden 

Verarbeitung der Verkehrsunfälle, was prognostisch äusserst kritisch zu werten 

- 38 - 

sei, wurde die charakterliche und kognitive Fahreignung des Beschuldigten aus 

verkehrspsychologischer Sicht als klar negativ beurteilt und dem Beschuldigten 

die Fahreignung auch aufgrund des nachgewiesenen Drogenkonsums (Kokain) 

abgesprochen. Im Rahmen der – sich somit deutlich negativ auswirkenden – ver-

kehrspsychologischen Beurteilung durch Dr. phil. AI._____ (Urk. 23/5) fielen im 

Hinblick auf die charakterliche Fahreignung und die Rückfallgefahr insbesondere 

negativ ins Gewicht, dass der Beschuldigte schwer bzw. nicht nachvollziehbare 

Schilderungen der Ursachen der Unfälle von sich gegeben habe, fehlendes Inte-

resse an den Hintergründen der Vorfälle gezeigt habe, eine absolut inadäquate 

Verarbeitung der gehäuft vorgekommenen Unfallereignisse gezeigt und keine ak-

tive Suche nach Kompensationsstrategien unternommen habe, eine fatalistische 

Grundhaltung offenbart habe sowie verkehrsrelevante Defizite in den Aufmerk-

samkeitsfunktionen und der Fehlerkontrolle gezeigt habe. Vor diesem Hintergrund 

ist ohne Weiteres nachvollziehbar, dass ihm die Fahreignung von Dr. phil. 

AI._____ abschliessend abgesprochen wurde.  

4.6.  Die beiden widersprüchlichen Expertisen lassen sich klarerweise nicht in 

Einklang bringen. Trotzdem ist zu berücksichtigen, dass sie jeweils einen unter-

schiedlichen Fokus (praktische Fahrbetätigung im Gutachten AL._____ bzw. cha-

rakterliche Defizite im Gutachten AK._____) hatten und zu unterschiedlichen Zeit-

punkten mit einer etwas unterschiedlichen Ausgangslage erfolgten. Letztlich lässt 

sich indes anhand beider Gutachten die Frage, ob der Beschuldigte in den ange-

klagten Fällen absichtlich eine Kollision verursachte, nicht abschliessend beant-

worten. Zweifel an der Schlüssigkeit der aus psychiatrisch-forensischer Sicht ge-

machten Folgerungen von Dr. med. AA._____ vermögen sie ferner nicht aufkom-

men zu lassen. Daran vermag letztlich auch das seitens der Verteidigung ge-

machte Vorbringen (Prot. I S. 7), dass die Fahreignung des Beschuldigten nur von 

Dr. med. AL._____, nicht aber vom Prüfungsexperten des Strassenverkehrsam-

tes, als genügend erachtet worden sei, nichts zu ändern. 

4.7. Auffällig ist immerhin, dass das Fahrverhalten des Beschuldigten aktenkun-

dig sehr unterschiedlich ausfällt. Einerseits ist im Gutachten AL._____ von einer 

eher defensiven Fahrweise des Beschuldigten die Rede, was sich mit der vom 

- 39 - 

Beschuldigten selbst geltend gemachten vorsichtigen Fahrweise (Urk.  60 S. 6; 

Urk. 14/4 S. 8), welche gemäss seinen Angaben auch darin begründet liege, dass 

seine Eltern bei einem Autounfall im Jahr 1980 ums Leben gekommen seien 

(Urk. 60 S. 6 u. 10; Urk. 14/7 S. 10; Urk. 14/20 S. 5 ff.; Urk. 14/35 S. 4), deckt. 

Andererseits wurde dem Beschuldigten der Führerausweis mehrfach entzogen, 

auch wegen teilweise massiven Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwin-

digkeit (s. dazu die seitens der Vorinstanz zutreffend erwähnten Belegstellen: 

Urk. 74 E. II.D.4.3.2.). Dieses aktenkundige widersprüchliche Fahrverhalten ver-

mochte der Beschuldigte nicht zu erklären (Urk. 60 S. 7 f.), weshalb seinem Aus-

sageverhalten in Bezug auf seine Fahrweise mit einer gewissen Zurückhaltung zu 

begegnen ist. Daraus lassen sich allerdings keine Erkenntnisse gewinnen, welche 

Zweifel am zwischenzeitlich ergänzten Gutachten von Dr. med. AA._____ auf-

kommen lassen könnten. 

5. Gestützt auf die erörterte Aktenlage erweist sich die (zwischenzeitlich er-

gänzte) Begutachtung von Dr. med. AA._____ als schlüssig und überzeugend. 

Deshalb erweist sich der Antrag der Verteidigung auf Einholung eines Zweit- bzw. 

Obergutachtens bzw. eine Zeugeneinvernahme von Dr. med. AB._____ als obso-

let und ist abzuweisen. 

6.1. Im zweiten Berufungsverfahren SB220307 liess der Beschuldigte ferner den 

Beweisantrag stellen, es sei eine Begutachtung bei einer anerkannten Fachper-

son der Psychiatrie in Auftrag zu geben, um die psychische Belastung durch die  

11-jährige Dauer des Strafverfahrens in Erfahrung zu bringen bzw. sei jedenfalls 

Dr. AB._____ als psychiatrischer Fachexperte zu den Folgen der langen Verfah-

rensdauer zu befragen (Urk. 164 S. 2). Begründet wird der Antrag seitens der 

Verteidigung insbesondere damit, dass die lange Verfahrensdauer erheblich auf 

seinem Mandanten gelastet hat. Selbst dem Gutachten von Dr. AA._____ könne 

entnommen werden, dass er an Konversionsstörungen leide, wenn er unter Druck 

gerate. Dr. AB._____ sei sogar von einer Persönlichkeitsstörung ausgegangen. 

Dr. AB._____ sei der behandelnde Psychiater des Beschuldigten und könne über 

die Folgen des Drucks und der langen Belastung bestens Auskunft geben. In 

mindestens einer Einvernahme sei der Beschuldigte auch zusammengebrochen. 

- 40 - 

Die psychischen Folgen einer langen Dauerbelastung seien im Hinblick auf die 

Verletzung des Beschleunigungs[g]ebotes und der daraus folgenden erheblichen 

Herabsetzung des Strafmasses von besonderer Bedeutung, was es aus Sicht der 

Verteidigung abzuklären gelte (Urk. 164 S. 3 f. u. 12 f.). 

6.2. Wie hernach (unter E. VI.D.5.4.1-5.4.3.) aufgezeigt wird, stellt die Schwere, 

mittels welcher die beschuldigte Person durch die Verfahrensverzögerung getrof-

fen wurde, lediglich eines von mehreren Kriterien dar, welche bei der Beurteilung 

der sachgerechten Folge einer Verletzung des Beschleunigungsgebots zu be-

rücksichtigen sind (vgl. BGE 143 IV 373 E. 1.4.1 m.w.H.). Angesichts des Um-

stands, dass seitens der Verteidigung gleichzeitig dargetan wurde, dass der Be-

schuldigte in der Lage sei, sich bestens ins Erwerbsleben einzufügen, er seit einer 

langen Dauer eine fixe Anstellung habe (vgl. auch Urk. 165), welche es ihm er-

mögliche, für seine Familie zu sorgen, und sein Sozialleben zudem gefestigt sei 

(Urk. 164 S. 3), ist ein – allenfalls auf die lange Verfahrensdauer im vorliegenden 

Prozess zurückzuführender – krankheitsbedingter (Teil-)Ausschluss des Beschul-

digten aus dem Erwerbs- oder Sozialleben gänzlich auszuschliessen bzw. wurden 

ein solcher oder allfällige anderweitige Einschränkungen im Alltag bzw. in seiner 

Lebensführung seitens der Verteidigung nicht einmal im Ansatz dargetan, woran 

der geltend gemachte Zusammenbruch des Beschuldigten in mindestens einer 

Einvernahme nichts ändert, weil der Zusammenhang mit der Dauer des Strafver-

fahrens weder begründet wurde noch erkennbar ist. Vorliegend wurde den mit der 

langen Verfahrensdauer bzw. der Verletzung des Beschleunigungsgebots einher-

gehenden Belastungen für den Beschuldigten im Rahmen der Strafzumessung 

indes Rechnung getragen (s. nachstehend unter E. VI.D.5.4.1.-5.4.3.). Bei dieser 

Sachlage erweist sich der Beizug einer sachverständigen Person im Sinne von 

Art. 182 StPO oder des den Beschuldigten behandelnden Psychiaters zur Beurtei-

lung des Masses der Betroffenheit des Beschuldigten als nicht erforderlich. Der 

entsprechende Beweisantrag der Verteidigung ist deshalb abzuweisen. 

F. Verwertbarkeit Beweismittel 

1. Von der Vorinstanz wurden die vorliegend relevanten rechtlichen Grundla-

gen und Erfordernisse im Zusammenhang mit der Verwertbarkeit von Beweismit-

- 41 - 

teln ausführlich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 74 E. III.B.1., 2.1., 3.2., 4.2., 

5.1., 5.2.2., 5.2.3., 5.3., 6.1., 6.2., 7.2.), weshalb vorab – um unnötige Wiederho-

lungen zu vermeiden – vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. 

2. Die amtliche Verteidigung macht bzw. machte im Verlauf des Verfahrens 

geltend, dass der Beschuldigte teilweise – infolge fehlender notwendiger Verteidi-

gung bzw. fehlender gehöriger Verteidigung durch den vormaligen Verteidiger 

(Urk. 26/78 bzw. Urk. 28/89) – nicht rechtsgenügend verteidigt gewesen sei, dass 

der Anspruch des Beschuldigten auf Übersetzung, insbesondere im Zusammen-

hang mit der Erstellung des Psychiatrischen Gutachtens, verletzt worden sei 

(Urk. 47 S. 2; Urk. 26/76 S. 2; Urk. 28/89 S. 2; Prot. I S. 7), (Urk. 63 S. 4; Prot. I 

S. 16 f.), und dass eine unzulässige Beeinflussung der Einvernommenen durch 

die Strafverfolgungsbehörden stattgefunden habe (Urk. 63 S. 4; Prot. I S. 16 f.; 

Prot. II S. 36; Urk. 124 S. 2).  

3. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend erörtert (Urk. 74 E. III.B.2.), dass 

vorliegend bereits vor der ersten Einvernahme des Beschuldigten das Erfordernis 

einer notwendigen Verteidigung im Sinne von Art. 130 StPO vorgelegen habe, 

welche gestützt auf Art. 131 StPO aufgrund der vorgängigen Untersuchungseröff-

nung am 14. Mai 2013 bereits damals hätte sichergestellt sein sollen. Dies sei 

aber hinsichtlich der ersten beiden Einvernahmen vom 23. Mai 2013 (Urk. 14/2-3) 

nicht der Fall gewesen, weshalb diese Befragungen unverwertbar seien. Dieser 

von der Vor-instanz getroffene Schluss erweist sich als zutreffend und auf die 

entsprechenden Einvernahmen darf nicht abgestellt werden. 

4. Im Einklang mit den zutreffenden detaillierten Erwägungen der Vorinstanz 

(Urk. 74 E. III.B.3.3.-3.5.) ist vorliegend nicht von einer ungehörigen Verteidigung 

durch den vormaligen Verteidiger Rechtsanwalt X2._____ auszugehen. So sind – 

einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.B.3.3.) – insbe-

sondere keine konkreten Andeutungen der vormaligen amtlichen Verteidigung 

zuhanden der Strafverfolgungsbehörden auszumachen, wonach sie den Beschul-

digten für schuldig halten würde. Ebenso ist ein einmaliges Sondieren seitens der 

vormaligen amtlichen Verteidigung, ob ein abgekürztes Verfahren seitens der 

Staatsanwaltschaft überhaupt in Frage komme, nicht als Andeutung eines 

- 42 - 

Schuldeingeständnisses zu sehen, sondern als strategische und im Sinne der 

Mandantschaft vorzunehmende Prozesshandlung. Schliesslich ist auch im Übri-

gen keine Verhaltensweise der vormaligen Verteidigung erkennbar, welche als 

ungehörige Verteidigungshandlung in Frage kommt. Eine unter diesem Titel be-

stehende Unverwertbarkeit von Beweismitteln steht deshalb nicht in Frage. Dem-

nach sind die in Anwesenheit der vormaligen Verteidigung durchgeführten Ein-

vernahmen des Beschuldigten (Urk. 14/4-43; Urk. 14/45-48) und die Einvernah-

men von Zeugen und Auskunftspersonen (Urk. 16/1-28; Urk. 16/30-44; 

Urk. 16/46-49) als Beweismittel verwertbar. 

5. Dass der Anspruch des Beschuldigten auf gehörige Übersetzung – insbe-

sondere bei der Erstellung des Psychiatrischen Gutachtens – verletzt worden sein 

soll, wie es die Verteidigung vorbrachte (Urk. 47 S. 2; Urk. 26/76 S. 2; Urk. 28/89 

S. 2; Prot. I S. 7), ist vorliegend nicht ersichtlich. Der von der damaligen Verfah-

rensleitung eingesetzte Gutachter Dr. med. AA._____ unterhielt sich im Rahmen 

der Erstellung seines Gutachtens anlässlich zweier Treffen während insgesamt 

3 ½ Stunden mit dem Beschuldigten (Urk. 23/14 S. 1). Aus der schriftlichen Nie-

derlegung seiner Explorationen ist in keiner Weise erkennbar, dass Verständi-

gungsschwierigkeiten zwischen dem Gutachter und dem Beschuldigten ge-

herrscht haben könnten (vgl. Urk. 23/14 S. 4 ff.). Auch aus den übrigen Gutachten 

und Einvernahmeprotokollen aus vorliegendem und früheren Verfahren lassen 

sich ins Gewicht fallende Verständnisschwierigkeiten nicht eruieren: Seitens der 

Vorinstanz wurde bereits zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte 

mehrfach bestätigte, zumindest Hochdeutsch zu verstehen bzw. zu Protokoll gab, 

keine Übersetzung zu benötigen und alles verstanden zu haben (Urk. 74 

E. III.B.4.4. u. dortige Verweise auf diverse Einvernahmen). Auch im Übrigen 

kann auf die einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz zur Frage der gehörigen 

Übersetzung verwiesen werden (Urk. 74 E. III.B.4.5.-4.8), welche das wider-

sprüchliche Verhalten des Beschuldigten konzise aufzeigen und sich allesamt als 

zutreffend erweisen. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 

E. III.B.4.9.) ist davon auszugehen, dass die punktuelle Berufung auf die Notwen-

digkeit einer Übersetzung sich ausschliesslich als taktisches Manöver des Be-

schuldigten bzw. dessen amtlicher Verteidigung erweist. Der Einwand der unge-

- 43 - 

hörigen Übersetzung vermag damit weder an der Verwertbarkeit des Psychiatri-

schen Gutachtens von Dr. med. AA._____ noch der anderen Beweismittel etwas 

zu ändern. 

6. Ferner ist hinsichtlich der Verwertbarkeit der Beweismittel die seitens der 

Verteidigung – auch anlässlich der Berufungsverhandlung im Verfahren 

SB170310 (Prot. II S. 36) – geltend gemachte (Urk. 63 S. 4; Prot. I S. 16 f.) unzu-

lässige Beeinflussung der Einvernommenen durch die Strafverfolgungsbehörden 

zu prüfen (vgl. Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO). Einerseits habe gemäss der Verteidi-

gung die Polizistin AD._____ die Unfallbeteiligten suggestiv befragt, indem sie 

beispielsweise ihre Befragungen damit einzuleiten gepflegt habe, der Beschuldig-

te stünde im Verdacht, mehrfach Verkehrsunfälle in betrügerischer Absicht verur-

sacht zu haben. Andererseits seien laut dem amtlichen Verteidiger unverletzt ge-

bliebene Verletzte dazu verleitet worden, Strafanträge gegen den Beschuldigten 

wegen versuchter Körperverletzung zu stellen (Urk. 63 S. 4). Zu letzterem Ein-

wand wurden bereits die nötigen Erwägungen gemacht und festgestellt, dass er 

nicht zutrifft (s. vorstehend unter E. D.3.5.). Hinsichtlich des gegenüber den Straf-

verfolgungsbehörden geäusserten Suggestionsvorwurfs ist vorab – einhergehend 

mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.B.5.2.4.) – davon auszugehen, 

dass die einvernommenen Auskunftspersonen bzw. Zeugen nicht in unzulässiger 

Weise beeinflusst wurden, indem sie anlässlich ihrer ersten jeweiligen Einver-

nahme regelmässig einen Hinweis hinsichtlich des Grundes der Einvernahme er-

hielten, nämlich dass das "Strafverfahren gegen A._____ betreffend Verdacht Be-

trug" (z.B. Urk. 14/10) erfolgte, weil seitens der Strafverfolgungsbehörden lediglich 

ein Verdacht geäussert wurde und der Untersuchungszweck dies auch vorliegend 

nicht verbot. Des Weiteren stellt sich die Frage einer unzulässigen Suggestion mit 

Blick auf das seitens der Strafverfolgungsbehörden im Frühling 2013 an verschie-

dene potentielle Auskunftspersonen ergangene Schreiben, in welchem sie dar-

über orientiert wurden, dass "diverse Verkehrsunfälle in den Jahren 2011 und 

2012" untersucht würden, wobei sie an einem dieser Unfälle beteiligt gewesen 

seien, weshalb mehrere Punkte von Interesse seien. Im besagten Schreiben wird 

zudem darauf hingewiesen, dass die Ermittlungen auf manipulierten Verkehrsun-

fällen basieren würden und gegen den vordersten Lenker ein Strafverfahren be-

- 44 - 

züglich Betrug eröffnet worden sei. Einhergehend mit der zutreffenden Auffassung 

der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.B.5.2.5.) hätte seitens der Strafverfolgungsbehörden 

in der vorliegenden Konstellation durchaus ein Verzicht auf die Angabe des Grun-

des der Einvernahme angezeigt sein können, um einer allfälligen potentiellen Kol-

lusion unter den Auskunftspersonen entgegenzuwirken. Wesentlich ist aber, dass 

vorliegend – wie bereits seitens der Vorinstanz zutreffend festgehalten wurde 

(Urk. 74 E. III.B.5.2.5.) – keine Anhaltspunkte für kollusives Verhalten bestehen, 

was abgesehen davon bei vorliegender Konstellation auch nicht plausibel er-

scheint. Auch wurde seitens der Vorinstanz zutreffend festgehalten (Urk. 74 

E. III.B.5.2.5.), dass die als Auskunftspersonen und nicht mehr als Beschuldigte 

einvernommenen Personen bereits aus diesem Umstand folgern hätten können, 

dass sich der Fokus der Untersuchung zwischenzeitlich geändert haben könnte. 

So oder anders waren sich die betroffenen Personen bewusst, dass sie bereits 

davor Aussagen getätigt hatten und deshalb davon auszugehen hatten, dass ihre 

nachfolgenden Schilderungen des in Frage stehenden Geschehens auf entspre-

chende Übereinstimmung geprüft werden würden. Schliesslich ist noch zu erwäh-

nen, dass die Vorfallbeteiligten vorliegend ohne Weiteres auch ungeachtet des in 

Frage stehenden Handelns seitens der Strafverfolgungsbehörden hätten kolludie-

ren können. Eine unzulässige Beeinflussung der als Auskunftspersonen einzu-

vernehmenden Beteiligten seitens der Strafverfolgungsbehörden liegt jedenfalls 

nicht vor. Die in Frage stehenden Aussagen sind verwertbar. 

7. Seitens der Vorinstanz wurde ferner zutreffend ausgeführt, dass die Teil-

nahmerechte des Beschuldigten teilweise nicht gewahrt wurden (s. Urk. 74 

E. III.B.5.3.2.): Entsprechend sind mehrere Einvernahmen, anlässlich derer der 

Beschuldigte nicht anwesend war und auch zu keinem späteren Zeitpunkt im Ver-

fahren angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, die ihn belastende 

Aussage in Zweifel zu ziehen und Ergänzungsfragen zu stellen, ausschliesslich 

zu Gunsten des Beschuldigten verwertbar. 

8. Des Weiteren ist zu prüfen, ob die an Einvernahmen gemachten Aussagen 

anderer Personen, an welchen der Beschuldigte zwar krankheitsbedingt fehlte, 

sein Verteidiger hingegen beiwohnte, als Beweismittel verwertbar sind. Gemäss 

- 45 - 

Art. 147 Abs. 3 StPO kann seitens einer Partei bzw. ihres Rechtsbeistandes die 

Wiederholung der Beweiserhebung verlangt werden, wenn eine der beiden ge-

nannten Personen aus zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert war. 

Die StPO lässt offen, was unter einem zwingenden Grund zu verstehen ist. Nach 

der Botschaft sind darunter z.B. Krankheit, Auslandabwesenheit und die Ein-

schränkungen der Teilnahmerechte nach den Art. 108 StPO und Art. 149 ff. StPO 

zu verstehen (BBl 2006 S. 1187). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

setzt die effektive Wahrnehmung des Teilnahmerechts (im Regelfall) kumulativ 

die Anwesenheit der beschuldigten Person und der Verteidigung voraus (BGer 

6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 1.2.). Auf eine W