# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cfe59178-6a6c-506c-9719-974ebe0e9092
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.06.2018 E-853/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-853-2017_2018-06-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-853/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richterin Andrea Berger-Fehr,  

Richterin Christa Luterbacher,  

Richterin Claudia Cotting-Schalch,      

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Irak,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 27. Januar 2017 / N (…). 

 

 

 

E-853/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 25. Februar 2016 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

B.  

B.a Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) im Empfangs- und Verfah-

renszentrum (EVZ) B._______ vom 1. März 2016 gab der Beschwerdefüh-

rer an, er und seine Ehefrau hätten in Bagdad ein türkisches Visum erhal-

ten. Am 2. Februar 2016 hätten sie zusammen ihren Heimatstaat auf dem 

Luftweg verlassen und seien über verschiedene Länder von Deutschland 

her am 25. Februar 2016 in die Schweiz gelangt. Dabei seien ihnen in fast 

allen Ländern, durch die sie gereist seien, ihre Fingerabdrücke abgenom-

men worden. In Deutschland hätten sie bleiben müssen, da [ihr Kind] krank 

gewesen sei. Das Verfahren der Ehefrau und des Kindes wurde getrennt 

behandelt. 

B.b Gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers und einen Abgleich 

der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac vom 20. Februar 2016 

wurde dem Beschwerdeführer zu einem allfälligen Nichteintretensent-

scheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Deutschland das recht-

liche Gehör gewährt, welches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des 

Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-

gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung 

seines Asylgesuchs zuständig sei. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses 

Mitgliedstaates wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch 

machte er geltend, die Situation der Camps in Deutschland sei schlecht 

und sein Zielland sei die Schweiz gewesen. Zudem gewährte das SEM 

dem Beschwerdeführer gestützt auf seine Aussagen und den Eurodac-

Treffer auf Leros vom 10. Februar 2016 auch das rechtliche Gehör zu einer 

allfälligen Zuständigkeit Griechenlands, Kroatiens, Sloweniens oder Öster-

reichs. 

C.  

Das SEM ersuchte am 9. März 2016 die deutschen Behörden um Wieder-

aufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-

VO. 

E-853/2017 

Seite 3 

D.  

Mit Schreiben vom 22. März 2016 lehnten die deutschen Behörden das 

Wiederaufnahmeersuchen zunächst ab, da die Beantwortung weitere 

Nachforschungen erfordere. Über das Ergebnis würde das SEM unaufge-

fordert informiert. 

E.  

Am 23. März 2016 erklärte das SEM den deutschen Behörden gegenüber, 

dass es mit der einstweiligen Ablehnung des Wiederaufnahmeersuchens 

nicht einverstanden sei. So sei das positive Ergebnis eines Fingerabdruck-

vergleichs ein Beweis für die Zuständigkeit. Das Vertrauen in die Richtigkeit 

der Ergebnisse von EURODAC-Abgleichen müsse geschützt werden. Es 

würden sich weitere Abklärungen daher erübrigen. Dem Ersuchen sei zu-

zustimmen. 

F.  

Am 1. Dezember 2016 stimmten die deutschen Behörden dem Wiederauf-

nahmeersuchen ausdrücklich zu. 

G.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 2. Dezember 2016 das 

rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Deutschlands zur Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-VO, zum beabsich-

tigten Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 

142.31) sowie zur Wegweisung nach Deutschland. 

H.  

Der Beschwerdeführer nahm dazu am 8. Dezember 2016 Stellung. Dabei 

machte er geltend, er sei zusammen mit seiner Ehefrau und [seinem Kind] 

in die Schweiz gekommen, da seine Ehefrau starkes Heimweh habe und 

ihre Schwester hier lebe. 

I.  

Mit Verfügung vom 27. Januar 2017 – eröffnet am 7. Februar 2017 – trat 

das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-

such des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz nach Deutschland. Weiter händigte es dem Beschwerdeführer 

die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, 

einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine aufschie-

bende Wirkung zu.  

E-853/2017 

Seite 4 

J.  

Mit Beschwerde vom 8. Februar 2017 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des SEM sei aufzuheben 

und das SEM anzuweisen, sein Recht zum Selbsteintritt auszuüben und 

sich für das vorliegende Asylverfahren für zuständig zu erklären. Es sei im 

Sinne einer vorsorglichen Massnahme die aufschiebende Wirkung zu er-

teilen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung 

nach Deutschland abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die 

vorliegende Beschwerde entschieden habe. In prozessualer Hinsicht 

wurde um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG ersucht.  

K.  

Mit Telefax vom 14. Februar 2017 setzte die zuständige Instruktionsrichte-

rin den Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einst-

weilen aus. 

L.  

Mit verfahrensleitender Verfügung vom 12. Juli 2017 wurde der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zuerkannt. Gleichzeitig wurde das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbe-

halt der Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gutge-

heissen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet 

sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts 

anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

E-853/2017 

Seite 5 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

1.3 Die Präsidentin der Abteilung V des Bundesverwaltungsgerichts ord-

nete eine Fünferbesetzung des Spruchkörpers an (vgl. Art. 21 und Art. 25 

VGG i.V.m. Art. 32 Abs. 2 und 3 des Geschäftsreglements vom 17. April 

2008 für das Bundesverwaltungsgericht [VGR, SR 173.320.1]).  

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht kann auf die Durchführung eines Schriften-

wechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 

m.w.H.).  

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM gemäss dem Dublin-Assoziierungsabkommen vom 

26. Oktober 2004 (DAA, SR 0.142.392.68) die Zuständigkeitskriterien ge-

mäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer 

Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, 

nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküber-

stellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein. 

E-853/2017 

Seite 6 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

3.2.1 Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) 

sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der 

dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri-

terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si-

tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei-

nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. 

BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 

2014, K4 zu Art. 7). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: 

take back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständig-

keitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.). 

3.2.2 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-

stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, Art. 22 und Art. 29 Dublin-III-VO auf-

zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). 

4.  

4.1 Das SEM begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, ge-

mäss dem Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac sei 

nachgewiesen, dass der Beschwerdeführer in Deutschland am 20. Februar 

2016 ein Asylgesuch eingereicht habe. Deutschland sei daher gestützt auf 

die Dublin-III-VO für die Durchführung seines Asyl- und Wegweisungsver-

fahrens zuständig und habe seiner Übernahme explizit zugestimmt. Der 

vom Beschwerdeführer geäusserte Wunsch nach einem weiteren Verbleib 

in der Schweiz habe keinen Einfluss auf die Zuständigkeit, da es grund-

sätzlich nicht Sache der betroffenen Person sei, den für ihr Asylverfahren 

zuständigen Staat selber zu bestimmen. Der Umstand, dass sich der Be-

schwerdeführer seit knapp einem Jahr in der Schweiz befinde, spreche 

nicht gegen die Zuständigkeit Deutschlands. Im Weiteren würden weder 

völkerrechtlichen Hindernisse noch andere Gründe an dieser Zuständigkeit 

etwas ändern. 

4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe geltend, er 

sei seit einem Jahr in der Schweiz und habe einen Freundeskreis. Er leide 

E-853/2017 

Seite 7 

wegen der angefochtenen Verfügung und dem Umstand, dass er zu [sei-

nem Kind] seit einem Jahr keinen Kontakt mehr habe, an einer schweren 

Depression und habe einen Suizidversuch unternommen. Er möchte sich 

psychologisch behandeln lassen. Bei einer Überstellung nach Deutschland 

möchte er, dass seine Ehefrau und [sein Kind] (E-3807/2017) mitgehen 

würden. 

5.  

Den Akten ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer vor der Ein-

reise in die Schweiz in Deutschland aufgehalten und dort ein Asylgesuch 

gestellt hatte. Das SEM ersuchte daher die deutschen Behörden am 

9. März 2016 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Wieder-

aufnahme des Beschwerdeführers. Die deutschen Behörden lehnten das 

Rückübernahmeersuchen am 22. März 2016 zunächst ab, da die Beant-

wortung weitere Nachforschungen erfordern würde. Darauf antwortete das 

SEM mit Schreiben vom 23. März 2016 (A25) und damit innerhalb der vor-

gesehenen dreiwöchigen Frist im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Durchführungs-

verordnung (EU) Nr. 118/2014 der Kommission vom 30. Januar 2014 zur 

Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 mit Durchführungsbestim-

mungen zur Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatangehörigen in einem Mitgliedstaat gestell-

ten Asylantrags zuständig ist (DVO) und ersuchte erneut um Aufnahme des 

Beschwerdeführers (sogenanntes Remonstrationsverfahren) mit der Be-

gründung, nach der DVO sei das positive Ergebnis eines (Eurodac-) 

Fingerabdruckvergleichs ein Beweis für die Zuständigkeit, weshalb sich 

weitere Abklärungen erübrigen würden und Deutschland dem Ersuchen 

(um Rückübernahme des Beschwerdeführers) umgehend zuzustimmen 

habe. Die deutschen Behörden stimmten der Übernahme des Beschwer-

deführers am 1. Dezember 2016 – somit über acht Monate nach dem Re-

monstrationsersuchen – zu.  

6.  

Vorliegend stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, er lebe 

bereits seit einem Jahr in der Schweiz und habe einen Freundeskreis auf-

gebaut. Er weist damit auf die lange Dauer seines (Dublin-)Verfahrens hin.  

7.  

Die Zuständigkeitsbestimmung im Dublin-Verfahren erfolgt nach genau 

festgelegten Fristen. Diese sind verbindlich (vgl. Urteil des EuGH 

C-670/2016 vom 26. Juli 2017, Mengesteab [nachfolgend zitiert als EuGH, 

E-853/2017 

Seite 8 

Mengesteab] Rn. 49-53). Dies soll insbesondere im Sinne des im fünften 

Erwägungsgrund der Dublin-III-VO erwähnten Ziels der zügigen Bearbei-

tung der Anträge auf internationalen Schutz (Beschleunigungsgebot) „eine 

rasche Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ermöglichen, um den 

effektiven Zugang zu den Verfahren zur Gewährung des internationalen 

Schutzes zu gewährleisten.“ (vgl. CONSTANTIN HRUSCHKA, Dublin-Re-

monstrationsverfahren: Ein Instrument zur Umgehung der Dublin-Fristen?, 

in: Asyl 1/17, S. 11; Urteil des EuGH C-201/16, Shiri, vom 25. Oktober 2017 

[nachfolgend zitiert als EuGH, Shiri], Rn. 31). Damit soll auch verhindert 

werden, dass Asylsuchende "ins Abseits" geraten (sog. "refugees in orbit") 

und sich kein Staat innert nützlicher Frist für die Behandlung des Asylge-

suches für zuständig erachtet (ANNE KÜHLER, Das Dublin-System und das 

schweizerische Asylrecht, in: recht – Zeitschrift für juristische Weiterbildung 

und Praxis 5/2013, S. 224 ff.). 

Aus der Dublin-III-VO ergeben sich nach Antragstellung einer Person auf 

internationalen Schutz für den ersuchenden Mitgliedstaat je nach Konstel-

lation unterschiedliche Zeitspannen (zwei Monate bei Vorliegen eines Eu-

rodac-Treffers resp. drei Monate ohne diesen), um einen anderen Mitglied-

staat um Aufnahme oder Wiederaufnahme der betroffenen Person zu er-

suchen (Art. 21 Abs. 1 resp. Art. 23 Abs. 2 Dublin-III-VO). Erfolgt das Ersu-

chen nicht innerhalb dieser Frist, wird der Mitgliedstaat, in welchem der 

Antrag um internationalen Schutz gestellt wurde, zuständig (Art. 21 Abs. 1 

Unterabsatz 3 resp. Art. 23 Abs. 3 Dublin-III-VO; FILZWIESER/SPRUNG, 

a.a.O., zu Art. 21 Dublin-III-VO K3 ff.). Der ersuchte Mitgliedstaat hat je 

nach Verfahren zwischen einer Woche und zwei Monaten Zeit, auf das Er-

suchen zu reagieren (Art. 21. Abs. 2 resp. Art. 22 Abs. 1 und 6 und Art. 25 

Abs. 1 Dublin-III-VO). Dabei sind grundsätzlich folgende drei Konstellatio-

nen denkbar: (1) Der ersuchte Mitgliedstaat stimmt dem Ersuchen innert 

Frist explizit zu. Er ist demnach für die Behandlung des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens zuständig. Die Überstellung hat innerhalb von sechs Mo-

naten zu erfolgen (Art. 29 Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO). Verpasst der ersu-

chende Mitgliedstaat diese Frist, wird er wiederum als aktueller Aufent-

haltsstaat zuständig. (2) Ohne Antwort auf das Zuständigkeitsersuchen 

wird der ersuchte Staat für die Behandlung des Asyl- und Wegweisungs-

verfahrens implizit zuständig (Art. 22 Abs. 7 resp. Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-

VO). Die Überstellung hat innerhalb von sechs Monaten zu erfolgen (Art. 

29 Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO). (3) Der ersuchte Mitgliedstaat lehnt das 

Gesuch ausdrücklich ab, weshalb er nicht zuständig wird. Dies gilt auch 

dann, wenn er nach den Zuständigkeitskriterien eindeutig zuständig wäre. 

Der ersuchende Mitgliedstaat kann innerhalb von drei Wochen indes eine 

E-853/2017 

Seite 9 

erneute Prüfung des Gesuchs verlangen (sog. Remonstrationsverfahren, 

Art. 5 Abs. 2 DVO). Weder eine stillschweigende noch eine vorläufige oder 

einstweilige Ablehnung sind in der Dublin-III-VO oder der DVO vorgese-

hen. 

8.  

8.1 Im vorliegenden Verfahren stellt sich als Erstes die Frage nach der 

Qualifikation der „vorläufigen Ablehnung“ des Übernahmeersuchens der 

deutschen Behörden vom 22. März 2016.   

8.2 Eine „vorläufige Ablehnung“ mit dem Hinweis, weitere Untersuchungen 

durchzuführen, ist – wie oben festgestellt – in der Dublin-Verordnung nicht 

vorgesehen. Durch eine solche vorläufige Ablehnung wäre es einem Mit-

gliedstaat grundsätzlich möglich, die Antwortfrist in unzulässiger Weise zu 

verlängern, was dem Sinn und Zweck der festen Fristenregelungen und 

der Anforderung der zügigen Bearbeitung im Sinne der Dublin-III-VO wi-

dersprechen würde.  

8.2.1 In der Lehre wird unter Hinweis auf Art. 5 Abs. 1 DVO, welcher vor-

sieht, dass ein Mitgliedstaat nach Prüfung der Unterlagen in seiner Ableh-

nung im Zuständigkeitsverfahren nach Art. 21 oder 25 Dublin-III-VO sämt-

liche Gründe, die zur Ablehnung geführt haben, ausführlich zu erläutern 

hat, die Meinung vertreten, eine solche Erklärung und Prüfung der Unter-

lagen fehlten bei den „einstweiligen Ablehnungen“. Eine Ablehnung mit 

Vorbehalt weiterer Prüfungen sei in der Dublin-III-VO nicht vorgesehen, 

weshalb weitere Untersuchungen gegebenenfalls in der Antwortfrist statt-

finden müssten und eine definitive Antwort erfolgen müsste. Eine Nichtprü-

fung des Zuständigkeitsersuchens führe klarerweise zur Zuständigkeit des 

Staates, welcher die Prüfung nicht vornehme. Eine solche vorläufige Ab-

lehnung sei als rechtlich nicht wirksame Absichtserklärung einer weiteren 

Prüfung zu werten und nicht als ablehnende Antwort. Durch eine solche 

einseitige Erklärung könnten die Antwortfristen der Dublin-III-VO umgan-

gen werden, was nicht dem Sinn und Zweck der Verordnung entspreche. 

Es sei demnach von einer stillschweigenden Zustimmung auszugehen. 

Entsprechend könne das Ersuchen um erneute Prüfung seitens des SEM 

nicht als Remonstrationsverfahren erachtet werden, da keine erstmalige 

Prüfung Deutschlands erfolgt sei (HRUSCHKA, a.a.O, S. 13).  

Hruschka basiert seine Ausführungen zu einem grossen Teil auf die feh-

lende Begründung respektive Prüfung der Ablehnung. In der Praxis sind 

Ablehnungen ohne Erläuterung sämtlicher Gründe jedoch gang und gäbe. 

E-853/2017 

Seite 10 

Inwiefern eine Unterscheidung zwischen der oft verwendeten Formulierung 

„He is not known“ und keiner Begründung gemacht werden kann, erscheint 

fraglich, zumal diese Argumentationsweise weitere Fragen eröffnen würde, 

beispielsweise welcher Begründungsdichte eine Ablehnung genügen 

müsste, was in einem Massenzuständigkeitsverfahren zwischen einzelnen 

Staaten kaum sachgerecht oder praktikabel erscheint. Weiter kann eine 

begründete Ablehnung schwierig erscheinen, wenn der angefragte Mit-

gliedstaat schlicht keine Hinweise auf den Aufenthalt einer Person hat, ins-

besondere in den Fällen, in denen kein Eurodac-Treffer vorliegt.  

8.2.2 Würde der Meinung von Hrukscha gefolgt, wäre das Schreiben mit 

der „vorläufigen Ablehnung“ als rechtsungültig und somit als einfaches In-

formationsschreiben der deutschen Behörden zu werten. Dies hätte zur 

Folge, dass die deutschen Behörden innerhalb der Antwortfrist in rechts-

genüglich begründeter und somit definitiver Weise ihre Zuständigkeit ab-

zulehnen hätten oder Deutschland – bei fehlender Antwort innerhalb der 

Frist – für das entsprechende Asyl- und Wegweisungsverfahren zuständig 

würde. Gemäss Wortlaut von Art. 22 Abs. 7 sowie Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-

VO kann nur das Ausbleiben einer Antwort („keine Antwort erteilt“/„absence 

de réponse“/„mancata risposta“) einen Zuständigkeitsübergang durch Still-

schweigen begründen. Auch wenn die vorläufige Ablehnung keine eigent-

liche Überprüfung des Übernahmeersuchens und keine (rechtsgenügliche) 

Begründung der Ablehnung beinhaltet, ist diese als Antwort auf das Auf-

nahme- respektive Wiederaufnahmeersuchen zu qualifizieren und kann 

nicht als Ausbleiben einer Antwort gelten. Für diese Argumentation spricht 

weiter, dass die Ablehnung via DubliNet (Art. 15, 18 ff. DVO; FILZWIE-

SER/SPRUNG, a.a.O., zu Art. 17 Dublin-III-VO, K10) gesendet wurde und 

somit offenbar klar im Rahmen des Dublin-Zuständigkeitsverfahrens er-

folgte, was gegen die Qualifikation als reines Informationsschreiben oder 

als informelles Schreiben zwischen den Asylbehörden spricht. Damit ist die 

These der Umdeutung einer „vorläufigen Ablehnung“ in eine stillschwei-

gende Zustimmung zu verwerfen. 

8.3 Im Sinne dieses Ausschlussprinzips ist eine „vorläufige Ablehnung“ als 

„normale“ (ordentliche) Ablehnung zu qualifizieren. Die Schweiz hat ihre 

Zuständigkeit entweder zu akzeptieren und das Asyl- und Wegweisungs-

verfahren in der Schweiz zügig an die Hand zu nehmen oder innerhalb von 

drei Wochen nach Erhalt der ablehnenden Antwort ein sogenanntes Re-

monstrationsverfahren im Sinne von Art. 5 Abs. 2 DVO einzuleiten.  

E-853/2017 

Seite 11 

9.  

9.1 Vorliegend hat das SEM auf die vorläufige Ablehnung der deutschen 

Behörden am 23. März 2016 mit der Einleitung eines Remonstrationsver-

fahrens reagiert, worauf die deutschen Behörden – ohne weitere Nachfra-

gen des SEM – erst am 1. Dezember 2016 und somit nahezu achteinhalb 

Monate nach dem Remonstrationsersuchen ihre Zustimmung erteilt haben. 

Es stellt sich damit die Frage, welcher Mitgliedstaat nach einer massiv ver-

späteten Zustimmung in einem Remonstrationsverfahren für die Durchfüh-

rung des nationalen Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig ist. 

9.2 Das Remonstrationsverfahren ist nicht in der Dublin-III-VO, sondern in 

der DVO geregelt. Nach einer Ablehnung der Zuständigkeit kann ein ersu-

chender Mitgliedstaat, der der Auffassung ist, dass die Ablehnung auf ei-

nem Irrtum beruht, oder der sich auf weitere Unterlagen berufen kann, vom 

ersuchten Mitgliedstaat eine erneute Prüfung verlangen. Das Remonstra-

tionsverfahren kann demnach als eine Art Wiedererwägungsersuchen und 

somit als „ausserordentliches Verfahren“ innerhalb des Dublin-Verfahrens 

bezeichnet werden (FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., zu Art. 5 DVO, K6 mit Ver-

weis auf den Dublin-II Kontaktausschuss). Die Remonstrationsanfrage 

muss innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der ablehnenden Antwort er-

folgen. Der ersuchte Mitgliedstaat ist gemäss der DVO gehalten, binnen 

zwei Wochen auf das Ersuchen zu antworten (Art. 5 Abs. 2 DVO). Für die 

Durchführung von Remonstrationsverfahren ist somit ein Zeitraum von ma-

ximal fünf Wochen ab Erhalt der ablehnenden Antwort vorgesehen. Durch 

das Remonstrationsverfahren ändern (verlängern) sich in keinem Fall die 

in der Dublin-III-Verordnung vorgesehenen Fristen für die Antwort auf Auf-

nahme- beziehungsweise Wiederaufnahmeersuchen (Art. 5 Abs. 2 in fine 

DVO; Art. 18 Abs. 1 und 6 und Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin-II-VO, heute Art. 

22 und 25 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Stimmt der ersuchte Mitgliedstaat innerhalb der zweiwöchigen Frist dem 

Remonstrationsersuchen zu, wird er für die Behandlung des Asylgesuchs 

respektive die Wiederaufnahme des Asylsuchenden zuständig. Lehnt der 

ersuchte Mitgliedstaat seine Zuständigkeit innerhalb der zweiwöchigen 

Frist erneut ab, bleibt der ersuchende Mitgliedstaat für die Behandlung des 

Asylgesuchs zuständig. Antwortet der ersuchte Mitgliedstaat nicht, ver-

bleibt gemäss Rechtsprechung und Lehre die Zuständigkeit der Behand-

lung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens grundsätzlich beim ersuchen-

den Mitgliedstaat. Zwar liegt durch die Nichtbeantwortung des Remonstra-

tionsersuchens eine Verletzung von Unionsrecht vor, diese hat jedoch 

E-853/2017 

Seite 12 

mangels diesbezüglicher Rechtsgrundlage in der Dublin-III-VO grundsätz-

lich keinen Zuständigkeitsübergang auf den ersuchten Mitgliedsstaat zur 

Folge (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1719/2016 vom 4. Mai 

2016 E. 4.1.2; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O. zu Art. 5 DVO K4; HRUSCHKA, 

a.a.O, S. 11; Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Handbuch zum Asyl- 

und Wegweisungsverfahren, 2. Aufl. 2015; SEM, www.sem.ad-

min.ch/dam/data/sem/asyl/verfahren/hb/c/hb-c3-d.pdf, abgerufen am 

28. Februar 2018).  

Lehre und Rechtsprechung gehen somit davon aus, dass das SEM grund-

sätzlich verpflichtet gewesen wäre, nach zwei Wochen ohne Antwort von 

Deutschland das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren an die Hand 

zu nehmen und innerhalb der gesetzlichen Behandlungsfristen über das 

Asylgesuch zu entscheiden. Fraglich ist indessen, wie mit einer – wie im 

vorliegenden Verfahren – deutlich verspäteten, aber expliziten Zustimmung 

umzugehen ist, welche Wirkung diese entfalten kann sowie welche Rechts-

folgen sie auf die Zuständigkeit gemäss der Dublin-III-VO hat. 

An dieser Stelle ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass beim EuGH in der 

Sache C-47/17 und C-48/17 Vorabentscheidungsverfahren hängig sind, 

denen entnommen werden kann, dass Deutschland respektive Italien eine 

Antwort auf ein Remonstrationsersuchen der Niederlande schuldig blieb, 

und der Beschwerdeführer in seiner nationalen Beschwerde die Zuständig-

keitserklärung der Niederlande verlangte (http://curia.europa.eu/juris/ 

document/document_print.jsf?doclang=DE&text=&pageIdex=0&part= 

1&mode=req&docid=189758&occ=first&dir=&cid=286936, abgerufen am 

21. März 2018; http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text= 

&docid=189773&pageIndex=0&doclang=de&mode=lst&dir=&occ=first& 

part=1&cid=837342, abgerufen am 21. März 2018). Der EuGH hat dabei 

unter anderem die Frage zu beantworten, über welche Frist der ersuchte 

Mitgliedstaat verfügt, um auf das Verlangen einer neuerlichen Prüfung (Re-

monstration) zu antworten. Nachdem im Verfahren C-47/17 die von den 

Niederlanden verlangte Dringlichkeit verneint worden war, dürfte nicht mit 

einem zeitnahen Verfahrensabschluss zu rechnen sein. Vorliegend liegt im 

Gegensatz jedenfalls zum EuGH-Verfahren C-48/17 (C-48/17: Ablauf von 

7 ½ Wochen zwischen Anfrage der Niederlande und positiver Antwort von 

Italien) der Zeitablauf zwischen der Anfrage der Schweiz und der positiven 

Antwort von Deutschland deutlich über der Dauer der sechs Monate Über-

stellungsfrist. 

E-853/2017 

Seite 13 

9.3 Bei den Fristen des Remonstrationsverfahrens in der DVO handelt es 

sich im Gegensatz zu den Fristen in der Dublin-III-VO in Ermangelung einer 

Rechtsgrundlage nicht um Fristen, welche einen automatischen Zuständig-

keitsübergang zur Folge haben (Urteile des BVGer E-1719/2016 E. 4.1.2 

und E-2732/2017 vom 1. Juni 2017; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O. K4; 

HRUSCHKA, a.a.O., S. 11; SFH, a.a.O., S. 13). Der EuGH hat in seinem 

Urteil  Mengesteab, mit Verweis auf die Schlussanträge der Generalanwäl-

tin die Bedeutung der Fristen in der Dublin-III-VO zwar unterstrichen und 

insbesondere hinsichtlich Art. 21 Dublin-III-VO (Frist für das Aufnahmege-

such) ausgeführt, dass die Fristen zwingend seien und streng gelten wür-

den. Es sei nicht vorgesehen, dass die Mitgliedstaaten diese verlängern 

könnten (Rn. 72). Die Berücksichtigung der Fristen sei zur Verwirklichung 

der Ziele der Dublin-III-VO einer zügigen Bearbeitung der Anträge auf in-

ternationalen Schutz sowie die Sicherstellung eines wirksamen Rechtsbe-

helfs von grosser Bedeutung, weshalb es einer asylsuchenden Person 

möglich sein müsse, sich auf den Ablauf einer Frist im Überstellungsver-

fahren berufen zu können (Rn. 62). Im zitierten Urteil fokussiert sich der 

EuGH aber insbesondere auf das Kapitel VI der Dublin-III-VO (Rn. 49), 

weshalb diese Erwägungen nicht zwingend auf die Bestimmungen der 

DVO zu übernehmen sind und die zweiwöchige Antwortfrist im Remonst-

rationsverfahren unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung des EuGH 

nicht als absolute Frist zu qualifizieren ist. Der ersuchte Mitgliedstaat soll 

zwar binnen zwei Wochen antworten. Tut er dies nicht, hat dies, wie bereits 

hiervor erwähnt, jedoch keinen automatischen Zuständigkeitsübergang auf 

diesen zur Folge (vgl. E. 9.2). Gemäss Rechtsprechung und Lehre ver-

bleibt in diesem Fall die Zuständigkeit der Behandlung des Asyl- und Weg-

weisungsverfahrens beim remonstrierenden Mitgliedstaat. Eine stillschwei-

gende Zustimmung des ersuchten Staates besteht nur in den in Art. 22 

Abs. 7 und 25 Abs. 2 Dublin-III-VO vorgesehenen Verfahren (Art. 10 DVO), 

was heisst, dass in Remonstrationsverfahren nur eine explizite Zustim-

mung die Zuständigkeit des ersuchten Staates zu begründen vermag. Es 

wäre indes stossend, wenn ein ersuchter Mitgliedstaat, der der Übernahme 

(ausdrücklich) verspätet zustimmt, aus seinem Fehlverhalten – der nicht 

fristgerechten Antwort auf ein Remonstrationsbegehren – etwas zu seinen 

Gunsten ableiten könnte, obschon seine ursprüngliche Ablehnung aner-

kanntermassen durch die nachträgliche Zustimmung auf einem Irrtum be-

ruhte, weshalb auch aus diesem Grund die zweiwöchige Antwortfrist nicht 

absolut gelten kann. Weiter ist demgegenüber ebenfalls nicht zulässig, 

dass der ersuchende Mitgliedstaat, ohne aktiv zu werden, eine unbe-

grenzte Zeit zuwartet, bis eine allfällige Zustimmung ergeht, um sich seiner 

E-853/2017 

Seite 14 

Zuständigkeit zu entziehen, wenn mit der Zustimmung des ersuchten Staa-

tes die Zuständigkeit auf jeden Fall auf diesen übergehen würde. Wenn 

eine verspätete positive Antwort auf ein Remonstrationsverfahren in jedem 

Fall einen Zuständigkeitsübergang auslösen könnte, würde sich daraus 

überdies eine unbestimmte Wartezeit für die Asylsuchenden ergeben, da 

die Verfahren dadurch quasi suspendiert werden könnten. Folglich ist zu 

prüfen, unter welchen zeitlichen Voraussetzungen eine solche (verspätete) 

ausdrückliche Zustimmung noch zu einem Zuständigkeitsübergang auf 

den ersuchten Staat führen kann, beziehungsweise ab wann die ausdrück-

liche Zustimmung nichts mehr an der Zuständigkeit des ersuchenden Staa-

tes ändert. 

9.4 Die Remonstration innerhalb der dreiwöchigen Frist begründet eine 

„neuerliche“ Überprüfungsobliegenheit für den ersuchten Staat, die aber 

nicht zur Folge haben darf, dass die (Maximal-)Fristen (der höherrangigen 

Grundverordnung [Dublin-III-VO]), die im Sinne der Rechtsprechung Men-

gesteab (Rn. 50) alle verbindlich sein dürften (vgl. diesbezüglich auch das 

zur Publikation vorgesehene Urteil des BVGer E-1998/2016 vom 21. De-

zember 2017 E. 5.3.2), etwa wieder „aufleben“ oder von neuem zu laufen 

beginnen. Die Antwortfrist von zwei Wochen gemäss Art. 5 Abs. 2 DVO ist 

nur eine Ordnungsfrist und damit nicht absolut (vgl. auch den Wortlaut der 

Bestimmung: franz.: „s’efforce“; deutsch: „erteilt“; italienisch: „procura di ris-

pondere“). Anders verhält es sich in Analogie zum Entscheid Mengesteab 

bei den Fristen aus der Dublin-III-VO, namentlich bei der Überstellungsfrist 

gemäss Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO.  

9.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Grundsatzurteil BVGE 

2010/27 (E. 7.3.1) festgestellt, dass das SEM auf das Asylgesuch einzu-

treten hat, wenn sich die Person nach Ablauf der Überstellungsfrist noch 

im Land befindet, was auch vorliegend der Fall ist. Dies wurde in BVGE 

2015/19 E. 6.3 bestätigt: „In allen Fällen sind die Folgen einer Fristüber-

schreitung gleich geregelt. Wird die Überstellung nicht innert Frist vollzo-

gen, geht die Zuständigkeit auf den ersuchenden Mitgliedstaat über.“ 

Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung sowie von Sinn und Zweck 

der Dublin-Verordnung (rasche Bestimmung eines zuständigen Mitglied-

staates und Vermeidung von „refugees in orbit“) kann eine explizite Zustän-

digkeitserklärung des ersuchten Mitgliedstaats nach Ablauf der Antwortfrist 

im Remonstrationsverfahren von zwei Wochen höchstens bis Ablauf der 

Überstellungsfrist ergehen, um die Zuständigkeit auf den ersuchten Staat 

zu übertragen, respektive muss innert dieser Frist auch die Überstellung 

E-853/2017 

Seite 15 

selbst noch erfolgen können. Nach Ablauf der Überstellungsfrist ohne er-

folgte Überstellung, ist daher der Staat, in welchem sich die Person befin-

det, zuständig, unabhängig davon, ob der ersuchte Mitgliedstaat bereit 

wäre, die asylsuchende Person trotz des Ablaufs der Überstellungsfrist auf-

zunehmen (BVGE 2010/27 E. 7.3.1; 2015/19 E. 6.3 in fine; Urteil des EuGH 

Shiri, Rn. 34; zur Publikation vorgesehenes Urteil des BVGer E-1998/2016 

vom 21. Dezember 2017 E. 5.3.2). Dies trifft auch auf die Situation einer 

verspäteten Zustimmung in einem Remonstrationsverfahren zu. 

Gestützt auf diese Feststellungen folgt, dass eine verspätete Zustimmung 

zur Zuständigkeit im Remonstrationsverfahren jedenfalls dann keine 

Rechtswirkung mehr entfaltet, wenn diese nach der sechsmonatigen Über-

stellungsfrist erfolgt respektive wenn die asylsuchende Person nicht mehr 

innerhalb dieser sechs Monate in den ersuchten und nun per Remonstra-

tionsverfahren zustimmenden Mitgliedstaat überstellt werden kann. Nach 

Ablauf der Überstellungsfrist geht die Zuständigkeit auf die Schweiz über 

und das SEM hat das nationale Asylverfahren zügig an die Hand zu neh-

men. Dieses Resultat berücksichtigt auch das Ziel der Dublin-III-VO einer 

raschen Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats, da in jedem Fall 

nach Ablauf der Überstellungsfrist feststeht, welcher Mitgliedstaat für die 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig ist. Unge-

klärte Zuständigkeiten nach mehreren Monaten oder Jahren, missbräuch-

liches Abwarten von hypothetischen Zustimmungen im Remonstrationsver-

fahren und somit die Gefahr der Schaffung von „refugees in orbit“, welche 

das Dublin-System verhindern will, werden durch dieses Resultat vermie-

den.  

9.6  
Schliesslich stellt sich die Frage, ab welchem Zeitpunkt die Überstellungs-
frist zu laufen beginnt. 
 

9.6.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO erfolgt die Überstellung in den 

zuständigen Mitgliedstaat spätestens innerhalb einer Frist von sechs Mo-

naten nach der Annahme des Aufnahme- oder Wiederaufnahmegesuchs. 

Beim Stellen eines Remonstrationsgesuchs liegt jedoch gerade keine An-

nahme respektive Zustimmung im Aufnahme- oder Wiederaufnahmever-

fahren vor. Gleichzeitig bestimmt Art. 5 Abs. 2 DVO, dass es durch das 

Remonstrationsverfahren nicht zu einer Änderung (Verlängerung) der dies-

bezüglichen Fristen der Dublin-III-VO kommen kann (Art. 5 Abs. 2 DVO 

Satz 4: „Durch dieses zusätzliche Verfahren ändern sich in keinem Fall die 

in Art. 18 Abs. 1 und 6 [heute Art. 22 Dublin-III-VO] und Art. 20 Abs. 1 Buch-

E-853/2017 

Seite 16 

stabe b) der Verordnung [heute Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO] (…) vorgese-

henen Fristen“), weshalb die im Rahmen des Remonstrationsverfahrens 

erfolgte äusserst späte explizite Annahme (vorliegend Antwort Deutsch-

lands vom 1. Dezember 2016) die Überstellungsfrist von sechs Monaten 

nicht auszulösen vermag, ansonsten durch eine solche späte Antwort die 

Fristen verlängert würden.  

9.6.2 Der Beginn der sechsmonatigen Überstellungsfrist gestaltet sich je 

nach Konstellation – explizite Annahme, keine Antwort, ausdrückliche Ab-

lehnung (vgl. E. 7 hiervor) – unterschiedlich. Bei einer expliziten Annahme 

des Aufnahme- oder Wiederaufnahmegesuchs beginnt die Überstellungs-

frist ab dem Zeitpunkt der Zustimmung des ersuchten Staates zu laufen 

(Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO). Antwortet der ersuchte Staat nicht und wird 

damit die Zustimmung (des ersuchten Staates) per Verfristung angenom-

men (Art. 22 Abs. 7 resp. Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO), beginnt die Über-

stellungfrist mit dem Verfristungsdatum zu laufen, das heisst mit impliziter 

Annahme (Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Remonstrati-

onsverfahrens liegt indessen weder eine Zustimmung noch eine Verfris-

tung, sondern eine negative Antwort (vorliegend: „vorläufige“ Ablehnung, 

vgl. E. 8.3) vor. Die im Remonstrationsverfahren erfolgte Zusage nach die-

ser negativen Antwort ist als deren „Wiedererwägung“ zu verstehen; an-

ders ausgedrückt wird die frühere Ablehnung durch die Antwort im Re-

monstrationsverfahren nun zu einer Annahme. Dies bedeutet, dass für die 

Berechnung der sechsmonatigen Überstellungsfrist vom Zeitpunkt der 

„vorläufigen Ablehnung“ respektive negativen Antwort (vgl. E. 8.3 hiervor) 

auszugehen ist.  

9.6.3 Nach dem Gesagten gilt im vorliegenden Verfahren der 22. März 

2016 („vorläufige“ Ablehnung Deutschlands) als Beginn der sechsmonati-

gen Überstellungsfrist, welche am 22. September 2016 abgelaufen ist.  

9.6.4 Die Zustimmung Deutschlands am 1. Dezember 2016 erfolgte somit 

klar verspätet. 

9.7 Aufgrund des Gesagten ist die Zuständigkeit der Behandlung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens auf die Schweiz übergegangen.  

10.  

Die angefochtene Verfügung ist aus den vorstehenden Gründen aufzuhe-

E-853/2017 

Seite 17 

ben und die Vorinstanz anzuweisen, das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers im Rahmen eines ordentlichen Asylverfahrens zügig an die Hand zu 

nehmen und zu prüfen.  

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

11.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung 

für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, 

Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 

173.320.2). Da der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren nicht ver-

treten war, ist nicht ersichtlich, welche verhältnismässig hohen Kosten ihm 

entstanden sein könnten, weshalb ihm keine Entschädigung zuzusprechen 

ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-853/2017 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 27. Januar 2017 wird aufgehoben. Die Vor-

instanz wird angewiesen, sich für das Asylverfahren des Beschwerdefüh-

rers zuständig zu erklären und das nationale Verfahren durchzuführen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener 

 

 

Versand: