# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b540ed52-2171-5e6c-af6b-d88ccfeb9a54
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.11.2010 D-8147/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8147-2010_2010-11-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8147/2010
law/joc/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A.__________, geboren (...),
ohne Nationalität, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 18. November 2010/ N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8147/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 18. November 2010 – eröffnet am 
19. November  2010  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers vom 4. September 2010 nicht eintrat, 
die  Wegweisung  nach  Österreich  verfügte,  den  Beschwerdeführer  – 
unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  auf-
forderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerde-
frist zu verlassen, feststellte, der Kanton B._________ sei verpflichtet, 
die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  und  eine  allfällige 
Beschwerde  gegen  die  vorliegende  Verfügung  habe  keine 
aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die 
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 
23. November  2010 beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde er-
hob und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 
die  Vorinstanz  anzuweisen,  ihr  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben 
und sich für vorliegendes Asylverfahren für zuständig zu erklären,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei im Sinne 
vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung zu erteilen und 
die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung nach Italien 
(recte: Österreich) abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über 
die vorliegende Beschwerde entschieden habe, und es sei auf die Er -
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche 
Prozessführung zu gewähren,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
24. November 2010 vorsorglich aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 24. November 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht vollständig eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  sich  aus  den  Akten  beziehungsweise  den  Aussagen  des  Be-
schwerdeführers  ergibt,  dass  dieser  in  Österreich  am  20. Oktober 
2004 ein Asylgesuch einreichte  und entsprechend in der EURODAC 
Datenbank erfasst worden ist,

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dass das BFM bei dieser Sachlage und der innert Frist seitens Öster-
reichs  am  25.  Oktober  2010  positiv  beantworteten  (Art. 20  Abs. 1 
Bst. b  Dublin-II-VO),  gestützt  auf  Art. 10  Abs. 1  i.V.m. Art. 16  Abs. 1 
Bst. c  Dublin-II-VO  erfolgten  Anfrage  um  Wiederaufnahme  des  Be-
schwerdeführers  vom 18. Oktober  2010,  Österreich  zu Recht  als  für 
die Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

dass der Beschwerdeführer, der noch anlässlich des ihm vom BFM am 
16.  September  2010  gewährten  rechtlichen  Gehörs  vehement  be-
stritten hat, sich je in Österreich aufgehalten zu haben (vgl. Act.  A9/2), 
nunmehr in der Beschwerde geltend macht, er habe, nachdem er sich 
vier  Jahre  in  Österreich  aufgehalten  habe,  einen  negativen  Asyl-
entscheid erhalten, es jedoch nicht angehe, dass er nach Österreich 
zurückgeschickt werde, weil er, sobald er dort angekommen sei, nach 
Sierra Leone oder Anambra State deportiert werde, 

dass damit  nichts  Stichhaltiges geltend gemacht  wird,  das  in  Bezug 
auf  die  Zuständigkeit  Österreichs  für  die  Durchführung  des Asylver-
fahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 

dass  Österreich  unter  anderem Signatarstaat  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30),  der  Konvention  vom 4. November  1950  zum  Schutze 
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des 
Übereinkommens vom 10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen, 
Österreich  halte  sich  generell  oder  in  Bezug  auf  die  Person  des 
Beschwerdeführers nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen, 

dass sich aus den Akten auch sonst  keine Gründe ergeben, welche 
zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art.  3  Abs. 2 
Dublin-II-VO) Anlass geben könnten,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

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2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach  Österreich  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  be-
zeichnet hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass  die  Gesuche  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses  und  um Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Be-
schwerde (Art. 107a AsylG) angesichts des vorliegenden direkten Ent -
scheides in der Hauptsache gegenstandslos geworden sind,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zufolge Aussichtslosigkeit der Be-
schwerde abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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