# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e98aca5e-4123-5760-9809-1d1cd3a9997b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.07.2020 F-3714/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3714-2020_2020-07-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3714/2020, F-3710/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  J u l i  2 0 2 0    

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richter Andreas Trommer;   

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
  

1. A._______, geboren (…),  

alias B._______, geboren (…),  

2. C._______, geboren (…), 

beides iranische Staatsangehörige, 

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 16. Juli 2020 / (…), 

Verfügung des SEM vom 16. Juli 2020 / (…). 

 

 

 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer 1 und seine Schwester (Beschwerdeführerin 2) 

reichten am 7. Mai 2020 im Bundesasylzentrum in Basel Asylgesuche ein. 

Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, 

dass Italien ihnen vom 20. Januar 2020 bis 11. Februar 2020 gültige Visa 

ausgestellt hatte (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 8). 

B.  

Am 13. Mai 2020 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden um 

Übernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 12 Abs. 4 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehe-

nen Frist unbeantwortet.  

C.  

Im Rahmen der Dublin-Gespräche vom 15. Mai 2020 gewährte das SEM 

dem Beschwerdeführer 1 und der Beschwerdeführerin 2 im Beisein der zu-

gewiesenen Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Ita- 

liens für die Durchführung der Asyl- und Wegweisungsverfahren, zu einer 

allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Der Be-

schwerdeführer 1 führte hierzu aus, er und seine Schwester seien mit ge-

fälschten Pässen von Italien in die Schweiz gekommen. Konkrete Gründe, 

welche gegen eine Rückkehr nach Italien sprächen, habe er nicht. Beide 

seien sie in die Schweiz gekommen, um nach Grossbritannien weiterzurei-

sen. Am Flughafen in Basel seien sie mit zwei neuen, ebenfalls gefälschten 

Pässen erwischt und festgenommen worden. Deshalb hätten sie Asylge-

suche gestellt und würden gerne hierbleiben. Er möchte nicht von Italien in 

den Iran geschickt werden und mache sich Sorgen wegen der guten Be-

ziehungen zwischen diesen beiden Ländern. Die Beschwerdeführerin 2 er-

klärte, dass es eigentlich keine Gründe gegen eine Rückkehr nach Italien 

gebe. Zum medizinischen Sachverhalt gaben die Geschwister an, dass es 

ihnen gut gehe bzw. sie keine besonderen Probleme hätten (SEM act. 15).  

D.  

Mit zwei separaten Verfügungen vom 16. Juli 2020 (eröffnet am 17. Juli 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 3 

2020) trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ver-

fügte ihre Überstellung nach Italien und forderte sie – unter Androhung von 

Zwangsmassnahmen im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM 

den Kanton Basel-Landschaft mit dem Vollzug der Wegweisungen, hän-

digte den Beschwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Ak-

tenverzeichnis aus und stellte fest, dass allfälligen Beschwerden gegen die 

Entscheide keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 18). 

E.  

Mit gemeinsamer Eingabe vom 22. Juli 2020 beantragen der Beschwerde-

führer 1 (BVGer F-3714/2020) und die Beschwerdeführerin 2 (BVGer   

F-3710/2020) sinngemäss die Aufhebung der beiden Verfügungen vom 

16. Juli 2020. 

F.  

Am 23. Juli 2020 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG 

den Vollzug der Überstellungen per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2). 

Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten des SEM in 

elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Aus prozessökonomischen Gründen rechtfertigt es sich, die beiden ein 

Geschwisterpaar betreffenden und auch inhaltlich eng zusammenhängen-

den Verfahren F-3714/2020 und F-3710/2020 zu vereinigen. 

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 4 

1.4 Die Beschwerdeführenden haben an den Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, sind durch die angefochtenen Verfügungen berührt und ha-

ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert 

(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht 

eingereichte gemeinsame Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 

AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu 

behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).  

3.  

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 5 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall 

eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-

tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten 

Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 

Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-

punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-

über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 

4.3 Gemäss Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO ist derjenige Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig, welcher der an-

tragstellenden Person ein Visum erteilt hat, das seit weniger als sechs Mo-

naten abgelaufen ist, wobei im betreffenden Staat nicht zusätzlich ein Asyl-

gesuch gestellt worden zu sein braucht. Der nach der Dublin-III-VO zustän-

dige Mitgliedstaat ist verpflichtet, eine asylsuchende Person, die in einem 

anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach Massgabe der Arti-

kel 21, 22 und 29 aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). Die 

Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag 

prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

5.  

5.1 Gemäss einem Abgleich mit dem CIS-VIS erhielten die Beschwerde-

führenden von Italien vom 20. Januar 2020 bis 11. Februar 2020 gültige 

Visa. Das SEM ersuchte die italienischen Behörden am 13. Mai 2020 daher 

um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Dub-

lin-III-VO (SEM act. 13). Diese liessen das Ersuchen innert der in Art. 22 

Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit sie ihre Zu-

ständigkeit implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). Die grund-

sätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben und wird von den Be-

schwerdeführenden nicht bestritten. 

5.2 Nachfolgend ist demnach im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu 

prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren 

und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden syste-

mische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 6 

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-

VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist. 

6.  

6.1 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

6.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Die Beschwerdeführenden beschreiben in der summarisch gehaltenen 

Rechtsmitteleingabe vom 22. Juli 2020 nochmals ihren Fluchtweg und er-

klären, dass sie die vorinstanzliche Einschätzung zum Asylverfahren in Ita-

lien und zu den dortigen Aufnahmebedingungen nicht teilten. Italien sei auf-

grund der derzeitigen politischen Lage, u.a. verstärkt durch den unerwar-

teten Ausbruch von Covid 19, nicht in der Lage, humanitäre Hilfe zu ge-

währleisten. Die Notaufnahmezentren seien überfüllt, Personen im Asyl-

verfahren und solche mit Schutzstatus lebten oft unter prekären Bedingun-

gen und die örtlichen Verwaltungen wiesen schwerwiegende Mängel auf. 

Rechtlicher Beistand, Gesundheitsversorgung und psychologische Unter-

stützung seien kaum erhältlich und die Behandlung der Asylgesuche dau-

ere teilweise über zwei Jahre. Selbst notfallärztliche Behandlungen könn-

ten teilweise nicht durchgeführt werden. Verzögerungen bei der Unterbrin-

gung seien genauso alltäglich wie der mögliche Verlust des Anspruchs auf 

eine Unterkunft. Es könne deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass der 

Weg für sie dort in die Obdachlosigkeit führe. Zudem bestehe die Gefahr, 

dass Italien sie aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der überlasteten 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 7 

Asylsituation trotz berechtigter Asylgründe in den Iran zurückschicken 

werde, wo sie Repressalien, Inhaftierung, Folter, usw. erwarteten.  

7.2 Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, steht es den Beschwerdeführen-

den nach erfolgter Überstellung nach Italien offen, dort um Asyl nachzusu-

chen und damit Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu er-

halten. Sie haben in diesem Zusammenhang kein konkretes und ernsthaf-

tes Risiko dargetan, die italienischen Behörden würden sich weigern, sie 

aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung 

der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch 

keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in ihrem Fall 

den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in 

ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen 

würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die Ver-

mutung, Italien halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen ein, kann im 

Einzelfall widerlegt werden. Wie eben erwähnt, bedarf es hierfür aber kon-

kreter und ernsthafter Hinweise, die gegebenenfalls von den Betroffenen 

darzutun sind (vgl. Urteil des BVGer E-937/2020 vom 24. Februar 2020 

E. 5.4 m.H.). 

7.3 Des Weiteren gibt es keine konkreten Hinweise für die Annahme, Italien 

würde den Beschwerdeführenden dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahme-

richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Das 

italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende und Personen mit Schutz-

status steht zwar in der Kritik, das Bundesverwaltungsgericht ist  

aber in dem am 17. Dezember 2019 ergangenen Referenzurteil  

E-962/2019 zum Schluss gelangt, auch nach Erlass und Umsetzung des 

«Salvini-Dekrets» sei gegenwärtig das Vorliegen systemischer Schwach-

stellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO, welche die staatliche 

Unterstützung Italiens und dessen Einrichtungen für Asylsuchende betref-

fen, zu verneinen (vgl. ausführlich E. 6.1 – 6.4). Dies gilt auch, obwohl die 

dortigen Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen 

und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus mit gewissen Mängeln 

behaftet sind, und sich demgegenüber mehrere private Hilfsorganisationen 

der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen (vgl. bspw. 

Urteile des BVGer F-2628/2020 vom 29. Mai 2020 E. 5.3 oder F-2009/2020 

vom 24. April 2020 E. 8.3). Diese Einschätzung vermögen die Beschwer-

deführenden mit ihren pauschal geäusserten Zweifeln nicht in Frage zu 

stellen. 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 8 

7.4 Als junge und gesunde Personen gehören die Beschwerdeführenden 

sodann nicht zu den besonders schutzbedürftigen Personen im Sinne der 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, so dass bei ihnen keine 

individuellen Garantieerklärungen der italienischen Behörden hinsichtlich 

der Unterbringung einzuholen sind (vgl. zitiertes Referenzurteil E-962/2019 

E. 7.4 und 8). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass das Land grund-

sätzlich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. 

statt vieler: Urteile des BVGer E-6298/2019 vom 5. Dezember 2019 S. 12 

und F-4617/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 5.3). Es liegen keine Hinweise 

vor, wonach den Beschwerdeführenden dort eine adäquate medizinische 

Behandlung verweigert würde. Der Zugang für asylsuchende Personen 

zum italienischen Gesundheitssystem über die Notversorgung hinaus ist 

derzeit grundsätzlich gewährleistet, auch wenn es in der Praxis zu zeitli-

chen Verzögerungen kommen kann (Urteil E-962/2019 E. 6.2.7).  

7.5 Was schliesslich den Hinweis auf die Covid-19-Pandemie anbelangt, 

so handelt es sich hierbei nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts 

um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Voll-

zugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist (vgl. etwa Urteil des BVGer 

F-2489/2020 vom 3. Juni 2020 E. 6.3 m.H.).  

Soweit die Beschwerdeführenden in diesem Zusammenhang sinngemäss 

das Vorliegen von humanitären Gründen geltend machen, ist ergänzend 

anzumerken, dass das SEM gemäss Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG bei der 

Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum 

verfügt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtenen Verfügungen sind 

unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Ak-

ten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über-  

respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht ent-

hält sich deshalb weiterer Äusserungen. 

7.6 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Italien der für die 

Behandlung der Asylgesuche des Beschwerdeführenden zuständige Mit-

gliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 

8.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. 

Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- 

oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde ihre Überstellung nach Italien 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 9 

in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 

Bst. a AsylV 1). 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die beiden Ver-

fügungen des SEM vom 16. Juli 2020 sind zu bestätigen. 

10.  

Der für beide Personen am 23. Juli 2020 angeordnete Vollzugsstopp fällt 

mit vorliegendem Urteil dahin. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-

renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt für Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerdeverfahren F-3714/2020 und F-3710/2020 werden verei-

nigt.  

2.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

 

 

F-3714/2020, F-3710/2020 

Seite 11 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführenden (durch Vermittlung des Bundesasylzent-

rums Allschwil, gegen Empfangsbestätigung; Beilage: Einzahlungs-

schein) 

– das SEM, Bundesasylzentrum Allschwil 

– das Migrationsamt des Kantons Basel-Landschaft (in Kopie)