# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecc28d98-84b5-5737-a511-050e84085af3
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-11-25
**Language:** de
**Title:** Strassen- und Wegabstand. Vorsprünge. Abstandsprivileg.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0235/2011
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_I_0235_2011_172.pdf

## Full Text

BRGE I Nr. 0235/2011 vom 25. November 2011 in BEZ 2012 Nr. 63 

(Bestätigt mit VB.2012.00018 vom 11. Juli 2012 = BEZ 2012 Nr. 54.) 

12. Zuletzt  rügt  die  Rekurrentschaft,  die  Erker  auf  der  Ost-  sowie  die
Balkone  auf  der  Südseite  würden  auf  einem  Drittel  der  massgeblichen 
Fassadenlänge in den Wegabstand ragen. Eine analoge Anwendung von § 260 
Abs. 3 PBG sei nicht statthaft. (…) 

12.2 In der Bestimmung von § 265 Abs. 1 PBG, die für die Bemessung des 
Strassenabstands  bei  fehlenden  Baulinien  zur  Anwendung  gelangt,  wird  die 
Frage  der  Überstellung  des  Abstandsbereichs  mit  Gebäudeteilen  wie 
namentlich  Vorsprüngen  nicht  geregelt.  Den  Vorschriften  von  §§  261  ff.  PBG 
über  die  Abstände  von  Gebäuden  gegenüber  Territorialgrenzen,  Wald, 
Gewässern,  Verkehrsanlagen  und  Strassen  (§§  261  -  268  PBG),  gegenüber 
Nachbargrundstücken  (§§  269  und  270  PBG)  und  gegenüber  Gebäuden  (§§ 
271-274 PBG) ist mit § 260 PBG eine «gemeinsame Bestimmung» (Überschrift 
vor § 260 PBG) vorangestellt. § 260 Abs. 3 PBG regelt die Vorsprünge im – mit 
dem  Wortlaut  der  Norm  nicht  weiter  spezifizierten  –  «Abstandsbereich». 
Danach  dürften  einzelne  Gebäudevorsprünge  bis  zu  2  m  in  den  Abstandsbe-
reich hineinragen, Erker, Balkone und dergleichen jedoch nur auf einem Drittel 
der betreffenden Fassadenlänge (§ 260 Abs. 3 PBG). Aus der Überschreibung 
mit  «Gemeinsame  Bestimmung»  sowie  dem  Zusammenhang  und der Stellung 
von  §  260  Abs.  3  PBG 
im  Gesetz  wird  klar,  dass  diese  Vorschrift 
uneingeschränkt auch im Zusammenhang mit dem Strassenabstand gemäss § 
265  Abs.  1  PBG  gelten  muss.  Es  ist  nicht  einzusehen,  weshalb  nur  auf  die 
Baulinie,  nicht  aber  auch  auf  die  sich  aus  §  265  PBG  ergebende 
Baubegrenzungslinie  gestellte  Gebäude 
freizuhaltenden  Bereich 
ragende  Vorsprünge  aufweisen  dürfen.  Insbesondere  würden  bei  anderer 
Auffassung offensichtlich unhaltbare Ergebnisse resultieren, indem beim Fehlen 
von  Baulinien  die  Gebäude  um  die  Tiefe  der  strassenseitigen  Vorsprünge  von 
der Strasse zurückversetzt werden müssten, etwa traufseitig gestellte Gebäude 
um  das  Mass  des  Traufvorsprunges,  was  ortsbaulich  unerwünschten 
uneinheitlichen  Fassadenfluchten  verfehlterweise  Vorschub  leisten  würde. 
Vorsprünge  jeder  Art  im  Strassenabstandsbereich  sind  demnach  gleich  zu 
behandeln  wie  Vorsprünge  im  Grenzabstandsbereich  von  Nachbargrund-
stücken. 

in  den 

Bei dieser Rechtsauffassung handelt es sich um eine gefestigte Praxis des 
Baurekursgerichtes  bzw.  der  vormaligen  Baurekurskommissionen.  Die  Rekur-
rentschaft  vermochte  keine  (neuen)  Gründe  vorbringen,  die  eine  Praxisände-
rung rechtfertigen würden.