# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1307e76-6584-56ef-8331-51d7321a3a28
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 31.08.2023 3-RV.2022.73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-RV-2022-73_2023-08-31.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

 

3-RV.2022.73       

P 131 
 

 

 

 

Urteil vom 31. August 2023 
 
 

 
 

Besetzung  Präsident Fischer  

Richter Lämmli  

Richter Biondo  

Gerichtsschreiber Lenarcic          

 

 
 

   

Rekurrent   A._____  

   

 

 
 
 

Gegenstand  Einspracheentscheid der Steuerkommission Q._____ 

vom 3. Mai 2022 

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2020 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 17. März 2022 wurde A._____ von der Steuer-

kommission Q._____ für das Jahr 2020 zu einem steuerbaren Einkommen 

von CHF 31'600.00 veranlagt. In Abweichung von der Selbstdeklaration 

wurde kein Kinderabzug gewährt. 

 

2. 

Gegen die Verfügung vom 17. März 2022 erhob A._____ mit Schreiben 

vom 7. April 2022 Einsprache und stellte den folgenden Antrag: 

 

"A._____ sei ein Kinderabzug zu gewähren." 

 

3. 

Mit Entscheid vom 3. Mai 2022 wies die Steuerkommission Q._____ die 

Einsprache ab. 

 

4. 

Den Einspracheentscheid vom 3. Mai 2022 (Versanddatum 17. Mai 2022) 

hat A._____ mit rechtzeitigem Rekurs vom 16. Juni 2022 (am 17. Juni 2022 

persönlich überbracht) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung 

Steuern, weitergezogen. Er stellt die folgenden Begehren: 

 

"1. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (mit Verweis auf 

die entsprechenden Gesuchsunterlagen) 

2. Mir, dem Steuerpflichtigen, sei ein Kinderabzug zu gewähren." 

 

Auf die Begründung wird, soweit für die Entscheidung erforderlich, in den 

Erwägungen eingegangen. 

 

5. 

Die Steuerkommission Q._____ und das Kantonalen Steueramt 

beantragen die Abweisung des Rekurses. 

 

6. 

A._____ hat eine Replik erstattet. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2020. 

Massgebend für die Beurteilung ist das Steuergesetz vom 15. Dezember 

1998 (StG). 

 

2. 

2.1. 

Der Rekurrent und seine Ehefrau B._____ haben am tt.mm.2019 die 

folgende Trennungsvereinbarung geschlossen: 

 

"1. Die vorgenannten Eheleute haben in gegenseitiger Übereinstimmung, 

ab dem tt.mm.2019 ihren gemeinsamen Haushalt an der R-Strasse 

26, auf unbestimmte Zeit aufgelöst und leben getrennt voneinander.  

 

[….] 

 

2. Für die Zeit des Getrenntlebens vereinbaren die Eheleute folgendes: 

 

2.1  B._____ bleibt weiterhin mit den Söhnen C._____, geb. tt.mm.2012 und 

D._____, geb. tt.mm.2014, an der R-Strasse 26 in Q._____ wohnhaft. 

 

2.2   A._____ hat die eheliche Wohnung per tt.mm.2019 verlassen. Er wohnt 

an der S-Strasse 26 in Q._____. 

 

2.3  Die Eltern beantragen die alternierende Obhut. Die gemeinsame elter-

liche Sorge bleibt bestehen. Das heisst, wichtige Erziehungs- und Aus-

bildungsfragen sowie Fragen, die die Gesundheit der Kinder betreffen, 

sind miteinander zu besprechen. 

 

2.4   Obhut- und Ferienregelung: 

Die Eltern achten auf eine ausgeglichene Obhutsregelung. Monatlich 

besprechen sie wo, wann und bei wem C._____ und D._____ sich 

aufhalten. Dies hängt vom Einsatzplan von B._____ ab. 

 

Darüber hinaus besteht ein gegenseitiges uneingeschränktes Kontakt-

recht für beide Elternteile. 

Die Eltern haben das Recht mindestens 2 Wochen Ferien mit den Kin-

dern zu verbringen. Die Ankündigung erfolgt mindestens 2 Monate im 

Voraus. Weitere Absprachen erfolgen aufgrund gegenseitiger Verein-

barungen zwischen den Eltern. 

 

2.5  [……] 

 

2.6  [fehlt] 

 

 - 4 - 

 

 

2.7  Das Paar hat sich folgende finanzielle Lösung überlegt. (gemäss bei-

liegender Berechnung, welche auf einer vollständigen, gegenseitigen 

Offenlegung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse basiert). 

A._____ bezahlt die Privatschule von C._____ direkt. Die Gesundheits- 

und Freizeitkosten für die Kinder werden hälftig bestritten. Bei ausser-

ordentlichen Auslagen für die Kinder teilen sich die Eltern die Kosten 

nach vorhergehender Absprache. 

 

Eine Veränderung der Einkommensverhältnisse kann eine Anpassung 

der Berechnung zur Folge [haben]. Umgerechnet in Unterhaltsbeiträge 

würde dies bedeuten, dass B._____ folgende Unterhaltsbeiträge 

inklusiv Betreuungsunterhalt bekäme für C._____ 1300 Franken und 

für D._____ 1395 Franken inklusiv Kinderzulagen. 

 

3. [….] 

 

4. [….] 

 

5. [….]" 

 

  

 - 5 - 

 

 

Der Trennungsvereinbarung liegt die folgende "Unterhaltsberechnung" zu 

Grunde: 

 

 
 

2.2. 

Der Veranlagung liegen "Unterhaltsbeiträge an den getrennten Ehegatten" 

und "Unterhaltsbeiträge für minderjährige Kinder" von je CHF 15'160.00 zu 

Grunde, und es wurde kein Kinderabzug gewährt (vgl. Details Steuerver-

anlagung 2020). 

 

Gemäss den Ausführungen der Steuerkommission Q._____ hat der 

Rekurrent im Jahr 2020 an die getrennt lebende Ehefrau 

Unterhaltszahlungen von CHF 30'320.00 geleistet, welche für die Ehefrau 

und die beiden minderjährigen Kinder bezahlt wurden (vgl. 

Einspracheentscheid, S. 2). Im Weitern wurde das Folgende ausgeführt: 

 

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"Wer für das gleiche Kind bereits einen Abzug von Kinderalimenten nach § 40 

lit. c StG vornehmen kann, hat keinen Anspruch auf den Kinderabzug (§ 42 

Abs. 1 lit. a Ziff. 4 StG). Somit besteht bei einem Abzug von Kinderalimenten 

kein Anspruch auf den Kinderabzug (SGE vom 21.03.2019, 3-RV.2018.26)." 

 

2.3. 

Der Rekurrent beantragt, es sei ihm für seinen Sohn C._____ ein Kin-

derabzug zu gewähren. Zur Begründung macht er geltend, dass er für 

C._____ vollumfänglich direkt selber aufkomme und nur für D._____ 

Unterhaltszahlungen an B._____ leiste (Rekurs). 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Für jedes Kind unter elterlicher Sorge bis zum vollendeten 14. Altersjahr 

werden für die Steuerberechnung vom Reineinkommen CHF 7'100.00 ab-

gezogen (§ 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StG). 

 

3.1.2. 

Wer für das gleiche Kind bereits einen Abzug nach § 40 lit. c vornehmen 

kann, hat keinen Anspruch auf den Kinderabzug (§ 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 4 

StG). 

 

3.2. 

Von den Einkünften werden abgezogen die Unterhaltsbeiträge an den ge-

schiedenen, gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebenden Eheteil sowie 

die Unterhaltsbeiträge an einen Elternteil für die unter dessen elterlicher 

Sorge stehenden Kinder, nicht jedoch Leistungen in Erfüllung anderer fa-

milienrechtlicher Unterhalts- oder Unterstützungspflichten (§ 40 lit. c StG). 

 

3.3. 

Der Rekurrent macht in der Steuererklärung 2020 "Unterhaltsbeiträge an 

Ehegatten" von CHF 30'317.00 geltend (Ziff. 12.1). Diese Deklaration steht 

nicht in Einklang mit der Trennungsvereinbarung, denn daraus geht nicht 

hervor, dass er seiner getrennt lebenden Ehefrau Unterhaltsbeiträge für ih-

ren Lebensunterhalt zu leisten hat. Aus der Trennungsvereinbarung erge-

ben sich vielmehr vom Rekurrenten zu leistende (monatliche) Unterhalts-

beiträge für C._____ von CHF 1'300.00 und für D._____ von CHF 1'395.00 

inkl. Kinderzulagen. Bei den vom Rekurrenten deklarierten CHF 30'317.00 

bzw. von der Vorinstanz zum Abzug zugelassenen CHF 30'320.00 handelt 

es sich daher ausschliesslich um Unterhaltsbeiträge für C._____ und 

D._____. Dass der Rekurrent die CHF 1'300.00 für C._____ nicht an die 

getrennt lebende Ehefrau entrichtet, sondern direkt an die Privatschule von 

C._____ (CHF 1'300.00 für Ganztagsschule [vgl. Aufstellung 

"Unterhaltsberechnung"]) bezahlt (Ziff. 2.7 der Trennungsvereinbarung), 

ändert an der Qualifikation als Unterhaltsbeiträge nichts, denn diese 

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können auch durch die Übernahme von Schulgeldern geleistet werden 

(VGE vom 19. September 2013 [WBE.2012.389], bestätigt durch 

Bundesgerichtsurteil vom 6. Juni 2014 [2C_1008/2013]). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Nach dem Wortlaut von § 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 4 StG ist klar, dass der Abzug 

von Unterhaltsbeiträgen nicht mit Kinderabzügen kumuliert werden darf. 

Das Bundesgericht hat das damit einhergehende Resultat, dass ein Steu-

erpflichtiger, welcher Unterhaltsbeiträge für seine Kinder vom Roheinkom-

men abziehen kann, nicht zusätzlich Anspruch auf Sozialabzüge für die 

Kinder hat, geschützt (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. Mai 2010 

[2C_835/2009]). Damit soll eine doppelte Entlastung für dieselbe Person 

vermieden werden (vgl. Kreisschreiben Nr. 30 vom 21. Dezember 2010 der 

Eidg. Steuerverwaltung betreffend "Ehepaar- und Familienbesteuerung 

nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG]", Ziff. 10.2 

zum analogen Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG). 

 

3.4.2. 

Zwar ist nicht nur der Normwortlaut massgebend, sondern auch der Norm-

sinn. Ein vom Normwortlaut abweichender Normsinn muss sich allerdings 

ebenfalls aus dem Gesetz selber ergeben (VGE vom 12. September 2012 

[WBE.2012.5]). Die sich am Wortlaut orientierende Auslegung entspricht 

überdies dem Legalitätsprinzip, welches im Steuerrecht eine wichtige Rolle 

spielt, weshalb sich die Auslegung stärker am Gesetzeswortlaut zu 

orientieren hat als in anderen Rechtsgebieten (VGE vom 11. September 

2014 [WBE.2013.297]). 

 

§ 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 4 StG kann auch nicht ansatzweise entnommen wer-

den, dass unter bestimmten Umständen eine Kumulation des Abzuges von 

Unterhaltsbeiträgen mit Kinderabzügen zulässig ist. Eine Ausnahme 

müsste durch den Gesetzgeber eingeführt werden und nicht durch eine 

vom klaren Gesetzeswortlaut abweichende Rechtsprechung (analog Bun-

desgerichtsurteil vom 19. März 2009 [2C_472/2008], E. 4.2). 

 

3.5. 

Weil der Rekurrent die für C._____ geleisteten Unterhaltsbeiträge abziehen 

kann, ist der Antrag auf Gewährung eines Kinderabzuges für C._____ 

abzuweisen. Daran vermag aufgrund der geltenden gesetzlichen 

Bestimmungen auch der Einwand des Rekurrenten nichts zu ändern, dass 

er zeitlich und finanziell zu 50 % für seine beiden Kinder aufkomme und 

daher mathematisch Anspruch auf einen (50% von zwei) Kinderabzug habe 

(vgl. E-Mail vom 21. Januar 2022). 

 

 

 

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4. 

4.1. 

Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent die Kosten des Rekurs-

verfahrens zu tragen (§ 189 Abs. 1 StG). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Der Rekurrent beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. 

 

4.2.2. 

Für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Bestellung 

eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ist nach kantonalem Recht wie nach 

Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-

schaft vom 18. April 1999 (BV) vorausgesetzt, dass das Verfahren bzw. die 

gestellten Begehren nicht aussichtslos sind. Gemäss der Rechtsprechung 

des Bundesgerichts sind Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, 

bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlust-

gefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. 

Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaus-

sichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur we-

nig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die 

nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess 

entschliessen würde. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussichten beste-

hen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und summarischen Prüfung 

der Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einrei-

chung des Gesuchs massgebend sind (BGE 142 III 138, mit Verweis auf 

BGE 139 III 475 und BGE 138 III 217, je mit weiteren Hinweisen; vgl. VGE 

vom 17. März 2022 [WBE.2022.77]). 

 

4.2.3. 

Aufgrund des klaren Wortlautes von § 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 4 StG und der 

dazu ergangenen Rechtsprechung ist der Rekurs von vornherein aus-

sichtslos. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist 

damit abzuweisen.  

 

4.3. 

Es ist keine Parteikostenentschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG). 

 

 

  

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Das Gericht erkennt: 

 

1. 

Der Rekurs wird abgewiesen. 

 

2. 

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

3. 

Der Rekurrent hat die Kosten des Rekursverfahrens, bestehend aus einer 

Staatsgebühr von CHF 300.00, der Kanzleigebühr von CHF 110.00 und 

den Auslagen von CHF 100.00, zusammen CHF 510.00, zu bezahlen. 

 

4. 

Es wird keine Parteikostenentschädigung ausgerichtet. 

 

 

 
   

Zustellung an: 

den Rekurrenten 

das Kantonale Steueramt  

das Steueramt der Q._____ 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung  

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau angefochten 

werden. Die Beschwerde ist in doppelter Ausfertigung beim Spezialver-

waltungsgericht, Laurenzenvorstadt 9, 5001 Aarau, einzureichen. Die 

Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerdeschrift muss einen Antrag, wie 

der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Begründung enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizu-

legen (§§ 28 und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 [VRPG] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 der Schwei-

zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO]; §§ 187, 

196 und 198 des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 [StG]). 

 

  

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Aarau, 31. August 2023 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Fischer Lenarcic