# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b815d1e3-b753-505c-a35c-94d370e3d3b5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.04.2010 B-2419/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-2419-2008_2010-04-12.pdf

## Full Text

Abtei lung II
B-2419/2008
{T 1/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  A p r i l  2 0 1 0

Richter Marc Steiner (Vorsitz), Richter Claude Morvant, 
Richter Hans Urech, Richter Bernard Maitre, 
Richter David Aschmann, 
Gerichtsschreiberin Miriam Sahlfeld.

TMS Trademark-
Schutzrechtsverwertungsgesellschaft mbH, 
Oberhausener Strasse 6, DE-40472 Düsseldorf,
vertreten durch 
Schneider Feldmann AG Patent- und Markenanwälte, 
Beethovenstrasse 49, Postfach 2792, 8022 Zürich,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE,
Stauffacherstrasse 65, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verfügung vom 13. März 2008 betreffend die 
Schutzverweigerung gegenüber der Marke IR 855'013 
MADONNA (fig.).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

B-2419/2008

Sachverhalt:

A.
Gestützt auf eine deutsche Basiseintragung vom 22. April 2004 wurde 
die Wortbildmarke IR 855'013 MADONNA (fig.) am 15. Dezember 2004 
unter anderem mit Schutzanspruch für die Schweiz im internationalen 
Register  eingetragen und am 25. August  2005 von der  Organisation 
Mondiale  de la  Propriété  Intellectuelle  dem Eidgenössischen Institut 
für Geistiges Eigentum (Vorinstanz) mitgeteilt. Die Marke hat folgendes 
Erscheinungsbild mit dem Farbanspruch dunkelrot und silbergrau:

Sie ist für folgende Waren registriert:

Klasse 3: 
Savons; parfumerie, huiles essentielles, cosmétiques, lotions pour les  
cheveux. 

Klasse 9: 
Appareils  et  instruments  de  conduction,  de  commutation,  de  trans-
formation, de stockage, de régulation ou de commande de l'électricité;  
appareils d'enregistrement, de transmission ou de reproduction du son  
ou des images; machines à  calculer,  équipements  de traitement  de  
données et ordinateurs; lunettes et lunettes de soleil, étuis à lunettes. 

Klasse 14: 
Métaux précieux et leurs alliages et produits en ces matières ou en  
plaqué non compris dans d'autres classes; joaillerie, bijouterie, pierres  
précieuses; horlogerie et instruments chronométriques. 

Klasse 18:
Cuir  et  imitations  du  cuir  et  produits  en ces  matières,  non  compris  
dans d'autres classes; malles et sacs de voyage; parapluies, parasols  
et cannes; sacs de plage. 

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Klasse 20:
Meubles, miroirs, cadres; produits (non compris dans d'autres classes)  
en bois, liège,  roseau, jonc,  osier,  corne,  os, ivoire,  baleine,  écaille,  
ambre, nacre, écume de mer, succédanés de toutes ces matières ou  
en matières plastiques. 

Klasse 21: 
Ustensiles et récipients pour le ménage ou la cuisine (ni en métaux  
précieux,  ni  en  plaqué); peignes et  éponges; brosses (à  l'exception  
des pinceaux); verre brut ou mi-ouvré (à l'exception du verre de con-
struction); verrerie, porcelaine et faïence non comprises dans d'autres  
classes. 

Klasse 24:
Tissus et produits textiles non compris dans d'autres classes; couver -
tures de lit et de table.

Klasse 25:
Vêtements  pour  hommes,  femmes  et  enfants;  chaussures,  couvre-
chefs, tricots (vêtements); ceintures (vêtements).

Klasse 26:
Dentelles et broderies, rubans et lacets; boutons, crochets et oeillets,  
épingles  et  aiguilles;  fleurs  artificielles;  articles  décoratifs  pour  la  
chevelure.

Klasse 28:
Jeux et jouets; articles de gymnastique et de sport non compris dans  
d'autres classes; décorations pour arbres de Noël.

B.
Mit Notifikation vom 24. August 2006 eröffnete die Vorinstanz der TMS 
Trademark-Schutzrechtsverwertungsgesellschaft  MbH  (nachfolgend: 
Hinterlegerin)  einen  Refus  provisoire  total  (sur  motifs  absolus).  Sie 
machte geltend,  dass das Zeichen MADONNA (fig.)  als italienisches 
Wort  die  Jungfrau  Maria  und  Mutter  Jesu  bezeichne  und  daher 
geeignet  sei,  die  religiösen  Gefühle  der  Konsumenten  zu  verletzen, 
welche einer christlichen Glaubensgemeinschaft angehören. Aufgrund 
dieses Umstandes sei das Zeichen als gegen die guten Sitten und das 

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moralische, religiöse und kulturelle Empfinden nicht unmassgeblicher 
Bevölkerungskreise  verstossend  einzustufen  und  die  Schutzgewäh-
rung daher zu verweigern.

C.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2007 trat die Beschwerdeführerin dem 
Refus provisoire  total  entgegen und machte  geltend,  das  Wort  "Ma-
donna" habe vielfältige andere Bedeutungen neben der Funktion als 
Synonym für  die Mutter  Gottes wie zum Beispiel  die Funktion eines 
Vornamens, den unter anderem auch die weithin bekannte amerika-
nische  Sängerin  Madonna  trage,  aber  auch  die  Bezeichnung  von 
Maria mit dem Jesuskind in der darstellenden und bildenden Kunst. In 
der  Schweiz  werde  heutzutage  durch  die  kennzeichenmässige  Ver-
wendung des Wortes "Madonna" niemand mehr in seinem religiösen 
Empfinden verletzt. In der Schweiz gebe es Firmeneintragungen und 
in  Deutschland  zahlreiche  Markeneintragungen  mit  dem Bestandteil 
MADONNA. Dieser Umstand müsse als Indiz zu Gunsten der Schutz-
gewährung Berücksichtigung finden.

D.
Die  Vorinstanz  hielt  mit  Schreiben  vom 11.  Oktober  2007  an  ihren 
Beanstandungen fest. Sie  ergänzte  ihre  Ausführungen dahingehend, 
dass für die Beurteilung des Zeichens, insbesondere beim Schutzhin-
dernis  der  guten  Sitten,  lediglich  die  schweizerische  Auffassung 
massgeblich und eine bestehende Gewöhnung des Publikums an die 
Verknüpfung  bestimmter  Waren  oder  Dienstleistungen  mit  religiösen 
Zeichen  (wie  die  Verwendung  von  Heiligennamen  für  alkoholische 
Getränke) in Rechnung zu stellen sei. Die schweizerische Bevölkerung 
sei  nicht  an die Verwendung religiöser Motive für  die beanspruchten 
Waren gewöhnt mit der Folge, dass hierdurch das religiöse Empfinden 
mindestens eines Teils der christlichen Bevölkerung der Schweiz ver-
letzt werden könne. Auch würden die Konsumenten die Bedeutung des 
Wortes  als  Vornamen nicht  erkennen,  da  das  Wort  in  Alleinstellung 
ohne Nachnamen nicht als Vorname wahrgenommen werde. Für eine 
Markeneintragung gälten andere Voraussetzungen als für die Handels-
registereintragung einer Firma, weswegen die Verwendung des Wortes 
"Madonna" als Bestandteil  von Firmen für das vorliegende Verfahren 
bedeutungslos sei. Ausländische Voreintragungen seien unbeachtlich, 
wenn es um das Schutzhindernis der guten Sitten gehe.

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E.
Mit Schreiben vom 5. Dezember 2007 wendete sich die Beschwerde-
führerin insbesondere gegen die Feststellung der Vorinstanz, die Ver-
wendung des Zeichens würde in Bezug auf die beanspruchten Waren 
als anstössig empfunden. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf 
diverse Eintragungen im Schweizerischen Markenregister, welche die 
Worte  "Madonna",  "Christ",  "Maria"  oder  "Mönch"  enthalten  und  für 
vergleichbare Waren eingetragen seien. Auch die rechtswissenschaft-
liche Literatur rate wegen der gelockerten Sitten zur zurückhaltenden 
Anwendung  der  Sittenwidrigkeit  als  absolutes  Schutzhindernis.  Der 
schweizerische  Konsument  sei  durch  eine  in  sämtlichen  Hennes  & 
Mauritz-Filialen der Schweiz vertriebene Modekollektion der Sängerin 
Madonna und den Vertrieb der  Waren der  Markenanmelderin  an die 
Verknüpfung von Mode mit diesem Wort gewöhnt. Zu berücksichtigen 
sei ausserdem, dass es sich bei der Madonna nicht um eine zentrale 
Figur  der  Religion  handle.  Wenn  schon  eine  Marke  CHRIST  einge-
tragen werden könne, müsse das erst recht für MADONNA gelten. 

F.
Mit  Verfügung  vom  13.  März  2008  bestätigte  die  Vorinstanz  ihren 
Refus provisoire total vom 24. August 2006. Zur Begründung führte sie 
nebst  vollumfänglichem Verweis  auf  ihre  vergangenen Schreiben er-
gänzend aus, dass die Madonnenverehrung in der Schweiz Tradition 
habe  und  in  der  christlichen  Religion  nicht  nur  der  Name des Reli -
gionsgründers  besonderen  Schutz  verdiene,  weswegen  durch  die 
Verwendung  dieses  Wortes  als  Marke  ein  Teil  der  christlichen  Be-
völkerung  der  Schweiz  in  ihren  religiösen  Gefühlen  verletzt  werden 
könne. Eine  Gewöhnung  der  Konsumenten  an  die  Verwendung  des 
Wortes MADONNA im Zusammenhang mit den beanspruchten Waren 
im Sinne der Ausführungen der Beschwerdeführerin sei zu verneinen. 
Die  schweizerischen  Voreintragungen  und  internationalen  Registrie-
rungen mit dem Bestandteil "Madonna" erachtet die Vorinstanz als zu 
alt  und  aus  anderen  Gründen  nicht  mit  dem  streitgegenständlichen 
Zeichen vergleichbar. 

G.
Gegen  diese  Verfügung  erhob  die  Hinterlegerin  am  15.  April  2008 
Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht mit folgenden Anträgen:

1.  Die  Verfügung  des  IGE  vom  13.  März  2008  betreffend  Schutzver-
weigerung des Schutzausdehnungsgesuchs der IR-Marke Nr. 855013 für 
die  Schweiz  sei  aufzuheben,  und  das  IGE  sei  anzuweisen,  die  vor-

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liegende Marke ins Markenregister  für  sämtliche beanspruchten Waren 
zum Markenschutz in der Schweiz zuzulassen und gegenüber der inter-
nationalen  Behörde  WIPO  die  Aufhebung  des  Schutzverweigerungs-
bescheides mitzuteilen.

2. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen.

Zur  Begründung  wiederholt  sie  die  im  Rahmen  der  vorgerichtlichen 
Korrespondenz  erörterten  Argumente.  Die  Beschwerdeführerin  geht 
davon aus,  dass sittenwidrig nur  Zeichen sind,  welche einen rassis-
tischen, religionsfeindlichen oder sexuell anstössigen Inhalt haben. Zur 
Beurteilung der  Sittenwidrigkeit  sei  nicht  nur  auf  die  schweizerische 
Bevölkerung,  sondern  auch  auf  die  betroffene  Religionsgruppe  an 
sich,  vorliegend  die  Katholiken,  abzustellen.  Sie  verweist  auf  eine 
Gemeinschaftsmarke MADONNA, welche für vergleichbare Waren vom 
Harmonisierungsamt  für  den  Binnenmarkt  (HABM)  ohne  Beanstan-
dungen und mit Wirkung für Länder mit einem wesentlichen höheren 
Anteil römisch-katholischer Gläubiger als die Schweiz, wie etwa Polen, 
Italien,  Spanien  und  Portugal,  eingetragen  wurde. Wenn Heiligenna-
men für alkoholische Getränke das religiöse Empfinden nicht verletz-
ten,  dann müsse dies  erst  recht  für  die Kennzeichnung harmloserer 
Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs mit dem Zeichen MADONNA 
gelten.

H.
Mit  Schreiben  vom  2.  Juni  2008  verzichtete  die  Vorinstanz  auf  die 
Einreichung einer Stellungnahme und beantragte unter Hinweis auf die 
Begründung der Verfügung vom 3. Oktober 2007 die Abweisung der 
Beschwerde.

I.
Mit  Noveneingabe  vom  28.  August  2008  reichte  die  Beschwerde-
führerin einen Auszug aus dem Schweizerischen Markenregister ein, 
wonach die Vorinstanz folgendes Zeichen (CH-Nr. 573405)

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für die Waren der Klassen 9, 16, 35, 38 und 41 eingetragen habe. 

J.
Mit Schreiben vom 26. September 2008 begründete die Vorinstanz die 
Eintragung  des  vorgenannten  Zeichens  damit,  dass  sich  anders  als 
beim  streitgegenständlichen  Zeichen  durch  die  farbliche  Gestaltung 
eine Aufspaltung des Wortes in "MA" einerseits und "DONNA" ande-
rerseits aufdränge. Daher fehle es an der für eine Gleichbehandlung 
erforderlichen Vergleichbarkeit beider Zeichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Bundesverwaltungsgericht  ist  zur  Beurteilung von Beschwerden 
gegen  Eintragungsverfügungen  der  Vorinstanz  in  Markensachen  zu-
ständig (Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[VGG, SR 173.32]). Die Beschwerde wurde in der gesetzlichen Frist 
von  Art.  50  Abs. 1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom 20. De-
zember  1968  (VwVG,  SR  172.021)  eingereicht  und  der  verlangte 
Kostenvorschuss rechtzeitig  geleistet. Als  Antragstellerin  auf  Schutz-
ausdehnung der IR-Marke 855'013 auf die Schweiz ist die Beschwer-
deführerin durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und 
beschwert und deshalb zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist daher einzutreten.

2.

2.1 Zwischen Deutschland und der Schweiz galt bislang das Madrider 
Abkommen über die internationale Registrierung von Marken, revidiert 
in  Stockholm  am  14.  Juli  1967  (MMA,  SR  0.232.112.3),  sowie  die 
Pariser  Übereinkunft  zum Schutz  des gewerblichen Eigentums,  revi-
diert in Stockholm am 14. Juli 1967 (PVÜ, SR 0.232.04). Im Verhältnis 
Deutschlands und der Schweiz zueinander ist am 1. September 2008 
eine neue Fassung des Protokolls  vom 27. Juni  1989 zum Madrider 
Abkommen über  die  internationale  Registrierung  von  Marken  (MMP, 
SR  0.232.112.4)  in  Kraft  getreten.  Gegenüber  diesem  Land  sind 
dadurch  neu  die  Bestimmungen  des  MMP  anstelle  jener  des  MMA 
(JULIE POUPINET,  Madrider System: Aufhebung der "Sicherungsklausel" 
und weitere Änderungen, in: Zeitschrift für Immaterialgüter-, Informa-
tions-  und  Wettbewerbsrecht  [sic!]  7+8/2008  571 ff.)  anzuwenden. 

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Ohne  Übergangsregelung  entfalten  Rechtsänderungen  grundsätzlich 
nur  Wirkung,  wenn  sie  vor  Erlass  der  vorinstanzlichen  Verfügung  in 
Kraft  getreten sind (ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allge-
meines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/  Basel/Genf  2006,  Rz. 326 
f.). In Abweichung davon sind Verfahrensvorschriften grundsätzlich mit 
dem Tag des Inkrafttretens anwendbar (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., 
Rz. 327a mit  Hinweisen). Die Vorschriften des MMP sind als  Verfah-
rensrecht einzuordnen (vgl. die Charakterisierung bei KARL-HEINZ FEZER, 
Einleitung,  in:  Ders.  [Hrsg.],  Handbuch  der  Markenpraxis,  Marken-
verfahrensrecht Bd. 1, München 2007, Rn. 50 ff.) und sind damit auf 
die vorliegende Beschwerde anzuwenden. Die Ausnahme von dieser 
Regel,  wonach  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  nicht  abgelaufene 
Fristen nach altem Recht zu bestimmen sind (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 
a.a.O.,  Rz. 327a),  entfaltet  vorliegend  keine  Bedeutung,  da  die 
Vorinstanz  ihre  Erklärung,  dass  sie  der  Marke  den  Schutz  in  der 
Schweiz  verweigere  (vgl.  dazu  der  Entscheid  Eidgenössischen 
Rekurskommission für Geistiges Eigentum [RKGE] in sic! 1/2006 S. 31 
E. 2 Käfer [fig.]) fristgerecht, nämlich innerhalb der noch gemäss Art. 5 
Abs.  2  MMA  geltenden  Jahresfrist  und  nicht  nur  innert  der  18-
monatigen Frist gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. b MMP abgegeben hat. 

2.2 Als Zurückweisungsgrund kann die Vorinstanz angeben, dass die 
Marke gegen die guten Sitten oder die öffentliche Ordnung verstosse 
(Art. 5 Abs. 1 MMA in Verbindung mit Art. 6quinquies Bst. b Ziff. 3 PVÜ). 
Dieser  zwischenstaatlichen  Regelung  entspricht  Art. 2  Bst. d  des 
Markenschutzgesetzes  vom  28. August  1992  (MSchG,  SR  232.11). 
Lehre und Praxis zu dieser Norm können somit herangezogen werden 
(RKGE  vom  5.  Oktober  2000  in  sic!  1/2001  31 [hiernach:  RKGE 
Siddhartha] E. 2).

2.3 Art. 2 Bst. d MSchG schliesst den Markenschutz für Zeichen aus, 
welche gegen die öffentliche Ordnung, die guten Sitten oder geltendes 
Recht verstossen. Dabei wird gelegentlich auf die Rechtsprechung und 
Lehre zu  Art.  19  Abs. 2  des  Obligationenrechts  vom 30. März  1911 
(OR, SR 220)  verwiesen (MICHAEL NOTH in: Ders./Georg Bühler/Florent 
Thouvenin  [Hrsg.],  Markenschutzgesetz  [MSchG],  Bern  2009,  [hier-
nach: Bearbeiter, in: MSchG], Art. 2 lit. d N. 5). DAVID geht noch davon 
aus, dass es für die Kategorien in Art. 2 Bst. d MSchG den Oberbegriff  
der  sittenwidrigen  Zeichen  gebe  (LUCAS DAVID,  in:  Kommentar  zum 
schweizerischen Privatrecht, Markenschutzgesetz/Muster- und Modell-
gesetz,  Basel  1999,  [hiernach:  David,  MSchG-Kommentar]  Art.  2 

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N. 70).  Diese  Systematik  entspricht  indessen  nicht  mehr  dem  gel-
tenden Markenrecht. Vielmehr sind Rechtswidrigkeit, Ordnungswidrig-
keit  und  Sittenwidrigkeit  drei  nebeneinander  stehende  Kategorien 
(Richtlinien in Markensachen des Eidgenössischen Instituts für Geisti-
ges Eigentum [IGE] vom 1. Juli 2008, Teil 4 Ziff. 6 und 7; ebenso MATHIS 
BERGER,  Sittenwidrige Zeichen sind nicht schutzfähig, in: sic!  Sonder-
nummer 2006, S. 41 ff.). Ordnungswidrig sind im Sinne eines Auffang-
tatbestands  oder  "Notventils"  (EUGEN MARBACH,  in:  Roland  von  Bü-
ren/Lucas David [Hrsg.], Schweizerisches Immaterialgüter- und Wett-
bewerbsrecht,  Bd. III/1,  Markenrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009  [hiernach: 
Marbach],  N. 647)  Zeichen,  welche  gegen  die  öffentliche  Ordnung 
verstossen  (etwa eine  Marke  "Moritz  Leuenberger";  MARBACH,  a.a.O., 
N. 674 Fn. 878). Dabei  geht  es um den Schutz von Persönlichkeiten 
des öffentlichen Lebens, aber auch der diplomatischen Beziehungen 
(ANTIGERMAN für  englische  Desinfektionsmittel  bei  DAVID,  MSchG-
Kommentar, N. 71 zu Art. 2 oder Maomint für Confiseriewaren, Beispiel 
bei  ERIKA SCHMIDT,  Die  neuere  Markenpraxis  des  schweizerischen 
Bundesamtes für  geistiges  Eigentum,  in: Gewerblicher  Rechtsschutz 
und Urheberrecht International [GRUR Int] 1980, S. 396, 402) oder um 
Zeichen, die das friedliche Zusammenleben stören. Jedenfalls sitten-
widrig  ist  neben  sexuell  anstössigen  Bezeichnungen  die  marken-
mässige  Kommerzialisierung  religiöser  Symbole  (NOTH,  in:  MSchG, 
Art. 2 lit. d  N. 24; die Eintragungsfähigkeit  nur für  Zeichen eindeutig 
religionsfeindlichen  Inhalts  ausschliessend  demgegenüber  CHRISTOPH 
WILLI, Markenschutzgesetz, Kommentar zum schweizerischen Marken-
recht  unter  Berücksichtigung  des  europäischen  und  internationalen 
Markenrechts, Zürich 2002,  Art. 2 N. 262). Verletzt das Zeichen über 
die Tatsache der Kommerzialisierung hinaus das religiöse Empfinden 
(Mohammed  für  alkoholische  Getränke)  oder  wird  es  gar  als  reli -
gionsfeindlich bzw. diskriminierend wahrgenommen, wird in der Lehre 
teilweise Sittenwidrigkeit angenommen (NOTH,  in: MSchG, Art. 2 lit. d 
N. 24;  vgl.  zum  deutschen  Recht  PAUL STRÖBELE,  in: Ders./Hacker/ 
Kirschneck/Knoll  [Hrsg.],  Markengesetz  Kommentar,  9.  Aufl.,  Köln 
2009 [hiernach: Kommentar Markengesetz D], § 8, N. 502), wogegen 
andere Lehrmeinungen diesfalls von einem Verstoss gegen die öffent-
liche  Ordnung  ausgehen  (DAVID,  MSchG-Kommentar,  Art. 2  N. 71, 
ebenso für das deutsche Recht KARL-HEINZ FEZER, Markenrecht, 4. Aufl., 
München 2009,  § 8 N. 586; vgl. zur  Beschränkung des Sittenwidrig-
keitsbegriffs  auf  die  "konsensfähige  Konventionalethik"  etwa  ERNST 
KRAMER,  Berner  Kommentar, Bd.  VI,  1.  Abt.,  Unterteilband  1a,  Bern 
1991, N. 174 zu Art. 19-20 OR; CLAIRE HUGUENIN, in: Basler Kommentar, 

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OR I,  4. Aufl.,  Basel  2007,  N. 32  f.  zu  Art. 19/20  OR,  und  BERGER, 
a.a.O., S. 43 f.). So wurde der Marke STE MARIE für Leintücher die 
Eintragung verweigert (SCHMIDT, a.a.O., GRUR Int 1980, S. 402). Sitten-
widrig ist nach dem Gesagten nicht erst die allenfalls problematische 
Aussage  (diese  könnte  bei  Gefährdung  des  religiösen  Friedens  je 
nach Konzeption auch ordnungswidrig sein), sondern schon die Wahl 
des  Zeichens  zum  Zwecke  einer  kommerziellen  Verwendung  als 
solche (MARBACH, a.a.O., Rz. 663 mit Fn. 869;  NOTH,  in: MSchG, Art. 2 
lit. d N. 24).

2.4 Mit  der  Sittenwidrigkeit  als  Tatbestandselement  des Art. 2  Bst. d 
MSchG wird vom Richter bei der Normanwendung eine Abschätzung 
der Stimmungslage im massgebenden Teil der Bevölkerung zu einem 
Zeichen verlangt (vgl. PETER SALADIN, Das Recht auf Werbung und seine 
öffentlich-rechtlichen Schranken, Diss.,  Bern  1969,  S. 236). Zugleich 
hat er den freiheitlich-demokratischen Grundentscheidungen der Ver-
fassung Rechnung zu tragen (vgl. zur öffentlichen Sittlichkeit BGE 106 
Ia  267  ff.  E.  3,  insbes.  S.  274,  und  zum Ganzen  PIERRE TSCHANNEN, 
"Öffentliche Sittlichkeit": Sozialnormen als polizeiliches Schutzgut? in: 
Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, Berne 2005, S. 563). Als Teil 
der  verfassungsmässigen  Ordnung  sind  bei  der  Auslegung  solch 
generalklauselartiger Normen die berührten Grundrechte zu gewähr-
leisten. Vorliegend  stehen dem religiösen  Empfinden  eines  Teils  der 
Gesellschaft  die durch die Wirtschaftsfreiheit  geschützten Interessen 
der  Markenanmelder  gegenüber  (vgl.  zum  Schutzbereich  der  Wirt-
schaftsfreiheit  und  zur  Abgrenzung  derselben  gegenüber  der  Mei-
nungsäusserungsfreiheit BGE 128 I 295 E. 5 S. 308 ff.). Verfassungs-
rechtlich ist  die Abwägung der widerstreitenden Interessen im Sinne 
der praktischen Konkordanz geboten (vgl. zu dieser Konzeption grund-
legend  KONRAD HESSE,  Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundes-
republik Deutschland, 20. Aufl., Heidelberg 1999, N. 72 und N. 317 f., 
und  für  die  Schweiz  etwa  ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER/HELEN KELLER, 
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, 
Rz. 319). Dies bedeutet, dass die anzuwendende Norm in einer Weise 
zu interpretieren ist, mit welcher die verfassungsrechtlich geschützten 
Rechtsgüter auf eine Art und Weise in Einklang gebracht werden, dass 
jedes von ihnen bestmöglich verwirklicht wird.

2.5 Im  Rahmen  der  Beurteilung  der  Sittenwidrigkeit  eines  Zeichens 
darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich die sittlichen Wertvorstel-
lungen nicht für alle Zeit festlegen lassen (NOTH, in: MSchG, Art. 2 lit. d 

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N. 25 mit Hinweisen; vgl. in Bezug auf Art. 19 Abs. 2 OR etwa HUGUE-
NIN, a.a.O., Rz. 34 zu Art. 19/20 OR). DAVID führt etwa in Bezug auf das 
Zeichen  Stimul'Eve  für  Verhütungsmittel  aus,  dass  die  Toleranz-
schwelle heute etwas höher liegen dürfte (MSchG-Kommentar, N. 74 
zu Art. 2 MSchG, vgl.  MARBACH,  a.a.O., N. 670 zu Art. 2 mit  Fn. 875). 
Auch  NOTH stellt  tendenziell  eine  allgemeine  Liberalisierung  fest  (in: 
MSchG, Art. 2. lit. d N. 25). Die Rechtsprechung geht davon aus, dass 
eine solche eher im sexuellen Bereich als in Bezug auf die religiösen 
Zeichen und Symbole festzustellen ist (RKGE Siddhartha E. 3 mit Hin-
weisen).  In  der  deutschen  Doktrin  wird  demgegenüber  von  einer 
gewissen  Tendenz  zur  Lockerung  religiöser  Bindungen  und  zugleich 
einer wachsenden Unkenntnis in diesem Bereich ausgegangen (STRÖ-
BELE, Kommentar Markengesetz D, § 8, N. 502). Insgesamt ergibt sich, 
dass  ältere  Rechtsprechung  und  Praxis  nicht  unbesehen  herange-
zogen werden können.

3.

3.1 Schweizerische Gerichte hatten bislang kaum über sittenwidrige, 
das religiöse Empfinden verletzende Zeichen zu entscheiden. Im Zu-
sammenhang mit dem Zeichen SIDDHARTHA urteilte die Rekurskom-
mission unter Berufung auf die Zurückweisungspraxis der Vorinstanz 
(RKGE Siddhartha, E. 4 mit Hinweis auf LADY BUDDHA für Uhren und 
MOHAMMED für alkoholische Getränke, Beispiele bei  DAVID,  MSchG-
Kommentar,  Art.  2  N.  72;  ISLAM,  MEKKA,  MEDINA  und  DEUS für 
Waren aller Art, Aus der Praxis des Amtes für Geistiges Eigentum, in: 
Schweizerische  Mitteilungen  für  Immaterialgüterrecht  [SMI]  1951 
S. 157;  Bundesamt  für  Geistiges  Eigentum  [BAGE],  in:  SMI  1974, 
S. 199  BUDDHA  für  Tee;  SCHMIDT,  a.a.O.  ebenda  JESUS  CHRIST 
SUPERSTAR ebenfalls  für  Schallplatten),  dass  es  darauf  ankomme, 
ob die  Angehörigen der  betroffenen Religion in  ihren religiösen Ge-
fühlen  verletzt  werden  können,  wobei  auch  den  Zeichen  religiöser 
Minderheiten Respekt entgegen zu bringen sei (E. 7 ff.).

3.2 Die Markenprüfung erfolgt in Bezug auf alle vier Landessprachen. 
Dabei kommt jeder Sprache der gleiche Stellenwert zu (WILLI, a.a.O., 
Art. 2 N. 15). Es genügt, wenn ein Zeichen in einem einzigen Sprach-
gebiet als anstössig empfunden wird, um es als schutzunfähig zurück-
zuweisen (DAVID, MSchG-Kommentar, N. 76 zu Art. 2 MSchG; BERGER, 
a.a.O., S. 44).

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3.3 In Bezug auf die Prüfung der Eintragungsfähigkeit im Lichte von 
Art. 2  Bst. d  MSchG ist  nicht  auf  das Verständnis  der Abnehmer im 
Sinne eines Verkehrskreises, sondern auf  dasjenige der allgemeinen 
Öffentlichkeit bzw. "weiter Volkskreise" abzustellen (EUGEN MARBACH, Die 
Verkehrskreise  im  Markenrecht,  in:  sic!  1/2007,  [hiernach:  Marbach, 
Verkehrskreise] S. 5;  BERGER,  a.a.O., S. 44 mit  Fn. 32;  DAVID,  MSchG-
Kommentar, Rz. 73 zu Art. 2 MSchG). Die Bestimmung der relevanten 
Sichtweisen hat hier eine etwas andere Funktion als im Rahmen von 
Art. 2 Bst. a-c MSchG (vgl. dazu ausführlich  NOTH,  Art. 2 lit. d N. 7). 
Dabei  ist  auch  auf  Minderheiten  Rücksicht  zu  nehmen  (RKGE 
Siddhartha,  E. 7). Dazu ist in der Doktrin kritisch angemerkt worden, 
dass  das  Empfinden  übertrieben  empfindlicher  Randgruppen,  bei-
spielsweise religiöser Fanatiker, nicht massgebend sein könne (WILLI, 
a.a.O.,  Art. 2  N. 263). Aus  verfassungsrechtlicher  Sicht  ist  demnach 
bei der Beschränkung der Wirtschaftsfreiheit insoweit dem Verhältnis-
mässigkeitsgrundsatz Rechnung zu tragen und Art. 2  Bst. d  MSchG 
verfassungskonform auszulegen (vgl. dazu mutatis mutandis WOLFGANG 
KAHL,  Die  Konkretisierung verwaltungsrechtlicher  Sittlichkeitsklauseln, 
in:  Verwaltungsarchiv  4/2008,  S. 451  ff.,  insbes.  S. 459).  In  diesem 
Sinne hält  auch  BERGER fest,  dass es auf  die Sensibilität  des Durch-
schnittsangehörigen  der  entsprechenden  Bevölkerungsgruppe  (bzw. 
Minderheit)  ankommt  (a.a.O.,  S. 44).  MARBACH und  BERGER wollen 
ausserdem den Schutzausschluss in Bezug auf die Zeichen religiöser 
Minderheiten nur insoweit  zulassen, als jene breiten Verkehrskreisen 
in der Schweiz geläufig sind (MARBACH, a.a.O., Rz. 666; BERGER, a.a.O., 
S. 44 f.; anders wohl die RKGE  Siddhartha,  a.a.O., E. 7; vgl. zu den 
Sprachregionen  E.  3.2  hiervor).  Dasselbe  Erfordernis  müsste  nach 
dieser  Konzeption  wohl  auch  für  Gottheiten  und  zentrale  Persön-
lichkeiten einer Religion gelten,  was im vorliegenden Fall angesichts 
der unbestrittenen Bekanntheit des Begriffs "Madonna" indessen nicht 
weiter zu erörtern ist. 

3.4 Von  einer  Sittenwidrigkeit  zum  Schutze  religiösen  Empfindens 
kann jedenfalls dann nicht die Rede sein, wenn das religiöse Gefühl 
der  betroffenen  Religionsangehörigen  wegen  des  lange  währenden 
Gebrauchs  eines  Zeichens  und  entsprechender  Gewöhnung  nicht 
mehr angesprochen wird oder die Verwendung religiöser Zeichen für 
bestimmte Waren historisch gewachsen ist  (RKGE  Siddhartha,  E. 3) 
wie  dies  bei  Heiligennamen  für  alkoholische  Getränke  und  Lebens-
mittel der Fall ist (SANKT PAUL für Fleischwaren als Bespiel bei ERWIN 
MATTER,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  betreffend  den  Schutz  der 

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Fabrik- und Handelsmarken, der Herkunftsbezeichnungen von Waren 
und der  gewerblichen  Auszeichnungen,  Zürich  1939,  S. 70);  weitere 
Beispiele in der Vorauflage EUGEN MARBACH, in: Roland von Büren/Lucas 
David  [Hrsg.],  Schweizerisches  Immaterialgüter-  und  Wettbewerbs-
recht,  Bd. III,  Kennzeichenrecht  Basel 1996 [Marbach,  Kennzeichen-
recht], S. 92, CH-Nr. 402 530 SANKT FLORIN, CH-Nr. 403 723 SAINT 
YVES, CH-Nr. 401 722 SANTA TERESA; eintragungsfähig in Deutsch-
land:  Entscheid  des  deutschen  Bundespatentgerichts  [BPatGE]  15, 
230  Marie Celeste für Sherryweine und Rum, APOSTEL PAULUS für 
Körper-  und  Schönheitspflegemittel,  Deutsches  Patentamt  [DPA]  in 
Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht [GRUR] 1954, 470). 

4.

4.1 Die  Beschwerdeführerin  ist  der  Auffassung,  der  Markenschutz 
könne  dem Zeichen  MADONNA nur  dann  verweigert  werden,  wenn 
sich  der  religionsfeindliche Inhalt  des Zeichens geradezu aufdränge. 
Dies  sei  aber  nicht  der  Fall,  da  das  Wort  "Madonna"  nichtreligiöse 
Bedeutungen habe (Beschwerde S. 10 f.). Dieser Umstand allein be-
wirkt  jedoch nicht,  dass die die Sittenwidrigkeit  der Eintragung nach 
sich ziehende Bedeutung nicht im Vordergrund steht. Die Rekurskom-
mission hat in Bezug auf SIDDHARTHA entschieden, dass die Zweit-
bedeutung als Romantitel irrelevant sei, weil jedenfalls die Buddhis ten 
in der Schweiz darunter den Religionsstifter verstünden (RKGE Sidd-
hartha E. 7). Auch in Bezug auf den Ausschlussgrund der Zugehörig-
keit  zum Gemeingut  (Art.  2  Bst.  a  MSchG)  ist  anerkannt,  dass  die 
Möglichkeit weiterer, weniger nahe liegender Deutungen den Gemein-
gutcharakter nicht aufheben kann, wenn der beschreibende Sinn eines 
Zeichens offen auf der Hand liegt (bezogen auf beschreibende Anga-
ben, Urteil des Bundesgerichts 4A_161/2007 vom 18. Juli 2007 E. 6.2 
we make  ideas  work; Urteil  des  BVGer  B-7427/2006  vom 9. Januar 
2008 E. 3.4  Chocolat Pavot I; RKGE vom 24. Mai 2000 in sic! 7/2000 
592 E. 4 Clearcut). Nichts anderes kann für den Ausschlussgrund der 
Sittenwidrigkeit  gelten. Zu prüfen ist  daher zunächst, ob die Verwen-
dung  des  Wortes  "Madonna"  zu  kommerziellen  Zwecken  als  sitten-
widrig zu beurteilen ist.

4.2 Die  international  registrierte  Marke  der  Beschwerdeführerin, 
MADONNA (fig.),  ist  ein aus den italienischen Wörtern "ma" (meine, 
verkürzt von "mia) und "donna" (Herrin) zusammengesetztes Wort. In 
der altitalienischen Literatursprache handelte es sich um die Anrede 

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für  eine  gesellschaftlich  hoch  stehende  Dame  (auf  französisch: 
Madame) und bei den Dichtern des Dolce stil novo des 13. und 14. Jh. 
um  die  geliebte  Dame  (SALVATORE BATTAGLIA,  Grande  Dizionario  della 
lingua italiana, Band 9, Turin 1975, S. 393 ff.). Der Begriff "Madonna" 
ist  bereits  im 14. Jh. in  den Schriften des Bernhardin von Siena als 
Synonym  (Antonomasie)  für  die  Mutter  Jesu  gebraucht  worden 
(BATTAGLIA, a.a.O., S. 394).

4.3 Abhängig  von  der  jeweiligen  Sprache  hat  das  Wort  "Madonna" 
heute  unterschiedliche  Bedeutungsinhalte  bzw.  rangieren  diese  je 
nach Sprache an unterschiedlicher Rangstelle in Bezug auf das reli-
giöse Empfinden. Im Italienischen handelt  es sich in erster Linie um 
die Bezeichnung für Maria von Nazareth (nachgewiesen in den Laudes 
des umbrischen Mystikers JACOPONE DA TODI (1230-1306), in: Mistici del 
Duecento  e  del  Trecento, A.  Levasti  [Hrsg.]  Mailand  1935),  welche 
nach  dem  christlichen  Glauben  die  Mutter  Jesu  ist  (vgl.  GIACOMO 
DEVOTO/GIAN CARLO OLI,  Dizionario  della  lingua  italiana,  elektronische 
Version  2004/2005:  "Epiteto  di  Maria  di  Nazareth,  madre  di  Gesù 
Cristo; il più diffuso anche nel campo del culto e dell'iconografia: invo-
care la M.; andare a messa alla (chiesa della) M. delle Grazie; una M. 
di Raffaello; il mese della M., il mese di maggio dedicato al culto ma-
riano."). Französisch sprechende Konsumenten verstehen unter dem 
französisierten Wort, "madone", die Darstellung der Jungfrau Maria in 
der  Kunst  (Le  Nouveau  Petit  Robert  de  la  Langue  Française,  Paris 
2009, S. 1500). Zur Bezeichnung bzw. Anrufung Marias ist im franzö-
sischen vielmehr "la sainte vierge" gebräuchlich (vgl. Langenscheidts 
e-Handwörterbuch Deutsch-Französisch, Version 5.0). Ausweislich des 
Duden  Deutsches  Universalwörterbuch  (6. Aufl.,  Mannheim  2006, 
S. 1102) und Multimedia Brockhaus (Version vom 15. Juli 2007) ist im 
Deutschen ähnlich dem Italienischen unter "Madonna" neben der Pop-
Ikone zunächst die Maria, Mutter Jesu, und erst an zweiter Stelle die 
Bezeichnung einer künstlerischen Darstellung Mariens.

4.4 Neben der religiösen Bedeutung des Wortes "Madonna" unmittel-
bar zur Anrufung Mariens wird dieses nicht nur zur Bezeichnung der 
Darstellung  Mariens  in  der  Kunst,  sondern,  wenn  auch  sel ten,  als 
weiblicher  Vorname  oder  als  Nachname  verwendet.  Das  Schweize-
rische Online-Telefonbuch,  http://www.tel.search.ch,  verzeichnet  rund 
60  solcher  Einträge.  Weithin  bekannt  ist  auch  die  amerikanische 
Sängerin und Pop-Ikone, die ebenfalls Trägerin dieses Vornamens ist. 

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4.5 Zunächst  ist  festzustellen,  dass  jedenfalls  die  schweizerischen 
Konsumenten  italienischer  Muttersprache  das  Wort  "Madonna"  in 
erster  Linie  als  religiöse  Bezeichnung,  nämlich  zur  Anrufung  der 
Muttergottes,  verwenden.  Die  Marienverehrung  hat  wie  von  beiden 
Parteien übereinstimmend vorgetragen einen besonderen Stellenwert 
für die Angehörigen der römisch-katholischen Kirche. Im italienischen 
Sprachgebiet  der  Schweiz  bzw.  im  Tessin  sind  gemäss  der  Volks-
zählung  im  Jahre  2000  rund  75  % Katholiken  (CLAUDE BOVAY/RAPHAËL 
BROQUETS,  Eidgenössische  Volkszählung  2000,  Religionslandschaft  in 
der  Schweiz,  Bundesamt  für  Statistik  [Hrsg.],  Neuchâtel  Dezember 
2004, S. 18 f., Grafiken 1 und 2). Wie von der Vorinstanz belegt, befin-
den sich auch in den deutsch sprechenden Teilen der Schweiz Orte,  
an  denen  Maria  in  Gestalt  einer  Madonna  verehrt  wird  (so  etwa 
Schwarze Madonna von Einsiedeln – http://www.kloster-einsiedeln.ch/, 
Schwarze Madonna von Iddaberg im Toggenburg –  http://www.kirch-
berg.ch/ desktopdefault.aspx/tabid-432/, Schwarze Madonna von Pela-
giberg – http://www.fssp.ch/st_pelagiberg. html, Madonna von Balm in 
der  Wallfahrtskirche  Oberdorf/SO  –  http://www.pfarrei-oberdorf.ch/ 
pfarr-_und_wallfahrtskirche.html).  Der  Umstand,  dass  der  Begriff 
ausserdem in der Kunstgeschichte sowie als Name und insbesondere 
als Vorname einer weltberühmten Sängerin eine Rolle spielt, ist für die 
Frage, ob der Ausschlussgrund der Sittenwidrigkeit eingreift, unerheb-
lich, da es ausreicht, wenn eine von mehreren Bedeutungen geeignet 
ist, das religiöse Empfinden zu verletzen (sinngemäss zum beschrei-
benden Charakter vgl. E. 4.1 hiervor; RKGE Siddhartha E. 7 in Bezug 
auf  den  gleichnamigen  Roman  von  Hermann  Hesse;  Urteile  des 
BVGer  B-7427/2006  vom  9. Januar  2008  E. 3.4  Chocolat  Pavot  I; 
RKGE vom 24. Mai 2000, in sic! 7/2000 592 E. 2 Clearcut). Im vorlie-
genden Fall können demnach die anderen Sinngehalte vernachlässigt 
werden. Die Bedeutung des Wortes als Name ist  in der Schweiz ge-
ring,  wie  schon  die  wenigen  Einträge  im  Schweizer  Telefonbuch 
zeigen. In Ermangelung eines den Vor- bzw. Nachnamen ergänzenden 
Namens,  welcher  dessen  Natur  als  Namen  klar  legen  würde,  kann 
ohnehin nicht von einem Namen ausgegangen werden (vgl. in diesem 
Sinne auch  RKGE  Siddhartha E. 11). Die Sängerin Madonna hat mit 
Sicherheit  einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert  in der Unter-
haltungsbranche.  Dennoch  kann  nicht  davon  ausgegangen  werden, 
dass die Sängerin die Verwendung des Begriffs zur Bezeichnung der 
Muttergottes derart  überlagert,  dass der religiöse Bedeutungsgehalt, 
insbesondere in den Gebieten der Schweiz mit italienisch sprechender 
Bevölkerung, in den Hintergrund treten würde. Die kunstgeschichtliche 

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Bezeichnung ist so eng mit der religiösen Bedeutung verknüpft, dass 
sie  jedenfalls  in  der  italienischen  Sprache  kaum  als  eigenständiger 
Bedeutungsgehalt, sondern eher als Ergänzung oder Fortentwicklung 
der religiösen Bedeutung anzusehen ist. 

5.

5.1 Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Verwendung  des 
Zeichens MADONNA (fig.) sei schon deswegen nicht sittenwidrig, weil  
die  Madonna,  bzw. die  Muttergottes  keine Siddhartha,  Buddha oder 
Mohammed vergleichbare zentrale Position in der christlichen bzw. rö-
misch-katholischen Glaubenslehre  einnehme. Es ist  zutreffend,  dass 
sowohl Siddhartha und Buddha im Buddhismus als auch Mohammed 
im Islam die zentrale Stellung einnehmen und im Sinne von "Zeichen 
extra commercium" (in Anlehnung an das Konzept der res extra com-
mercium, vgl. dazu  AMALIE WEIDNER, Kulturgüter als res extra commer-
cium im internationalen Sachenrecht, Diss., Berlin 2001, S. 14 ff.) wohl 
generell  nicht  als  Marken  zur  Verfügung  stehen  (vgl.  insoweit  die 
Praxis  der  Vorinstanz,  E.  2.5  hiervor,  die  erwähnte  Rechtsprechung 
der  Rekurskommission  zu  SIDDHARTHA  E. 11, und  die  Rechtspre-
chung  im  europäischen  Ausland Decision  of  the  Appointed  Queens 
Counselor  on  the  appeal  against  the  Decision  of  the  English  Trade 
Mark  Registry  [E.T.M.R.]  vom 18. Januar  2005  JESUS;  BPatG  vom 
2. November  1993,  in  GRUR 1994,  377  MESSIAS  für  Bekleidungs-
stücke, Schuhwaren und Kopfbedeckungen; BPatG 24 W [pat] 140/01 
Beschluss vom 25. Juni 2002 Dalailama für Fungizide und Herbizide), 
weswegen die Gesuche ohne Ansehen der jeweils im einzelnen bean-
spruchten Waren durch Eintragungsbehörden oder Gerichte abgelehnt 
wurden.  Eine  gleichermassen  abstrakte  Beurteilung  als  sittenwidrig 
haben die Schriften bzw. Bücher der sogenannten Schrift- oder Buch-
religionen erfahren  (BPatGE 28,14  CORAN für  Arzneimittel  mit  Hin-
weis auf die gleiche Stellung der Bibel im Christentum), sofern nicht 
das Warenverzeichnis auf religiöse Themen, wie etwa bei Devotiona-
lien  oder  Literatur  eingeschränkt  ist  (so  jedenfalls  die  Vorinstanz  in 
Bezug  auf  die  Marke  CH-Nr. 568'972  THE BIBLE YOU CAN WEAR 
[fig.]). Fraglich ist, ob auch das Zeichen MADONNA nicht eintragungs-
fähig ist, obwohl es sich bei der so bezeichneten Mutter Jesu weder 
um  die zentrale  Person  der  christlichen  Religion  noch  ihre  heiligen 
Schriften handelt.

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5.2 Es gibt ausser dem Christentum weitere monotheistische Religio-
nen,  welche  anderen  Persönlichkeiten  neben  der  Hauptperson  eine 
wichtige  Rolle  einräumen.  So  dürften  zum  Beispiel  die  Tochter  des 
Propheten Mohammed, Fatima (vgl. indessen die Eintragung  FLEUR 
DE FATIMA Nr. 406'612 für alkoholische Getränke), oder Moses im jü-
dischen Glauben einen nicht gänzlich zu vernachlässigenden Stellen-
wert  haben.  In  diesem  Sinne  ist  zu  berücksichtigen,  dass  es  sich 
jedenfalls bei der Madonna nicht nur um eine Figur des Neuen Testa-
ments wie die Apostel handelt, sondern um eine Gestalt, die täglich für 
sich genommen in Gebeten von Tausenden angerufen und der daher 
räumlich  durch  besondere  Altäre  in  den  katholischen  Kirchen  ein 
besonderer  Platz  eingeräumt wird. Der Umstand, dass die Madonna 
nicht Teil der im Christentum zentralen Trinität ist, führt demnach nicht 
schon dazu, dass die Sittenwidrigkeit der Kommerzialisierung ausge-
schlossen werden kann. Vielmehr legt die intensive Madonnenvereh-
rung,  welche  über  die  Verehrung  gewisser  Heiliger  deutlich  hinaus-
geht,  eine für  die Mehrheit  der  der katholischen Kirche zugehörigen 
Christen zentrale Rolle nahe.

6.
Des Weiteren argumentierte die Beschwerdeführerin, wie auch jene im 
Verfahren betreffend das Zeichen SIDDHARTHA (a.a.O., E. 10), dass 
es darauf ankomme, wie die Angehörigen einer Religion und zwar im 
vorliegenden  nicht  nur  diejenigen  auf  schweizerischem Gebiet,  son-
dern auch Italiener, Spanier, Portugiesen und Polen auf  die Verwen-
dung  des  religiös  besetzten  Begriffes  als  Marke  reagieren.  Die 
Beschwerdeführerin sieht die tolerante Haltung der Katholiken gegen-
über  einer  kommerziellen Verwendung des Wortes  "Madonna" durch 
die beanstandungslose Eintragung der Marke seitens des Harmonisie-
rungsamtes  für  den  Binnenmarkt  mit  Wirkung  für  sämtliche  EU-
Mitgliedsstaaten  belegt.  Während  den  Eintragungen  ausländischer 
Markenbehörden grundsätzlich nur Indizcharakter zukommt (BGE 129 
III  229  E.  5.5  Masterpiece,  BGE  114  II  174  E.  2c  Eile  mit  Weile), 
könnte die Einstellung der italienisch sprechenden Religionsangehöri-
gen in der Schweiz für die Frage der Sittenwidrigkeit von Bedeutung 
sein. Schon die Rekurskommission hat anlässlich ihres Entscheids im 
Verfahren betreffend das Zeichen SIDDHARTHA ausgeführt, dass die 
Zurückweisung  wegen  Sittenwidrigkeit  gerade  ohne  Stellungnahme 
von  betroffenen  Personen  verfügt  werden  darf  (RKGE  Siddhartha 
E. 10). Dies entspricht der zuvor getroffenen Feststellung (E. 3.3 hier-
vor), wonach entscheidend ist, dass weite Bevölkerungsteile die Kom-

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merzialisierung  religiöser  Motive  nicht  billigen und  ihnen  ausserdem 
das Zeichen MADONNA als religiöses Motiv der katholischen Christen 
geläufig  ist. Bezüglich der  Schutzfähigkeit  eines Zeichens kommt es 
jedenfalls nicht darauf an, ob eine Religion tolerant ist oder nicht oder 
ob  sich  ein  neuer  Trend  zu  Religiosität  wahrnehmen  lässt.  Aus  der 
angeblich  durch  ausländische  Voreintragungen  nachgewiesenen 
Toleranz  ausländischer  Katholiken,  die  ausserdem  lediglich  zu  den 
Tessiner  Katholiken hinzutreten,  kann  die  Beschwerdeführerin  daher 
jedenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten.

7.
Bei der Prüfung religiöser Motive ist neben der Stellung im jewei ligen 
System und der Glaubensausübung (E. 5.1) zu berücksichtigen, dass 
es  für  die  wichtigen  Personen  einer  Religion  zahlreiche  Synonyme 
gibt,  welche  nicht  alle  in  gleichem Masse  geeignet  erscheinen,  bei 
ihrer Verwendung als Marke das religiöse Empfinden zu verletzen. So 
ist  zu  bedenken,  dass  Jesus  von  Nazareth  ausserdem  als  Erlöser, 
König,  Christ,  Gottessohn,  Nazarener,  Retter,  Messias,  Davidssohn, 
Kyrios, Adonai, Jesses, Heiland etc. bezeichnet wird, ohne dass diese 
Namen alle  zwingend – mit  Ausnahme von  JESUS (Decision of  the 
Appointed Queens Counselor  on the appeal  against  the Decision of 
the English Trade Mark Registry [E.T.M.R.] vom 18. Januar 2005, der 
indessen  offen  lässt,  ob  die  Marke  nicht  in  Bezug  auf  bestimmte 
Waren doch schutzfähig sein könnte, Ziff. 26) und MESSIAS (BPatGE 
vom 2. November  1993,  in  GRUR  1994,  377)  –  vom Markenschutz 
ausgenommen  werden  müssen  (zur  eingetragenen  Bezeichnung 
CHRIST vgl. unten E. 10 ff.).

7.1 Wollte man die Eignung eines Zeichens, religiöses Empfinden zu 
verletzen und damit die Sittenwidrigkeit als Zeichen extra commercium 
zu begründen, veranschaulichen,  so wären jedenfalls JESUS, SIDD-
HARTHA, DALAILAMA und MOHAMMED in ihrer Eigenschaft als Reli-
gionsstifter als abstrakt zur Verletzung geeignet in der innersten meh-
rerer konzentrischer Sphären zu plazieren. Nicht nur andere, weniger 
zentrale Personen der jeweiligen Glaubenslehren, sondern auch selte-
ner verwendete Synonyme für die zentralen Personen mögen dagegen 
in  einer  äusseren Sphäre anzusiedeln  sein,  in  der  von einer  Sitten-
widrigkeit allenfalls im Zusammenhang mit den hierfür angemeldeten 
Waren denkbar ist (mit dieser Differenzierung ebenfalls BERGER, a.a.O., 
S. 43). Es stellt sich vorliegend die Frage, welche Rolle der Bezeich-

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nung MADONNA als Synonym für Maria von Nazareth für katholische 
Christen einzuräumen ist. 

7.2 Im  Italienischen  wird  die  Muttergottes  im  Ave  Maria  und  im 
Katechismus (Teil 1, 2. Abschnitt, Kap. III, Art. 9, § 6) Maria, Madre di 
Cristo, Madre di  Dio, Madre della Chiesa, Santa Vergine, nuova Eva 
genannt. Die Bezeichnung "Madonna" ist damit kein Begriff der katho-
lischen Glaubenslehre. Hinzukommt, dass in der heutigen italienischen 
Sprache das Wort "Madonna" sehr viele, nicht religiöse Verwendungen 
haben kann: z.B. als Ausruf "Madonna, che caldo!"  oder als Verstär-
kungsausdruck "Un lavoro della Madonna". Als blosser Teil des Kultur-
guts müsste sich Madonna wie auch Marc Aurel als Werbeträger für 
Rasierschaum einiges  gefallen  lassen  (MARBACH,  a.a.O.,  N. 673:  "be-
rührt zwar peinlich, gilt jedoch markenrechtlich als unproblematisch"). 
Festzustellen  ist  somit  einerseits,  dass  die  italienisch  sprechende 
Bevölkerung  den  Begriff  auch  in  nicht  religiösen  Zusammenhängen 
gewohnheitsgemäss verwendet. Andererseits wird die Mutter Jesu, wie 
bereits ausgeführt, auch unter der Bezeichnung Madonna im täglichen 
Gebet  angerufen.  Die  Ehrerbietung,  welche  der  Muttergottes  entge-
gengebracht wird, manifestiert sich unter anderem in der auch heute in 
der Schweiz lebendigen Madonnenverehrung (insbes. Schwarze Ma-
donna  von  Einsiedeln  –  http://www.kloster-einsiedeln.ch/;  vgl.  aber 
auch  Madonna  degli  Angeli  von  Scarpapè  bei  Giubiasco,  Convento 
Madonna  del  Sasso  –  http://www.orselina.ch/it/cultura/mon_madon-
na_sasso.asp, Verehrung der Madonna di Re im nicht nur italienischen 
Valle Vigezzo. sondern auch im angrenzenden Tessin – http://www.val-
vigezzo.com/santuario.re/santuario_re.htm).  Festzuhalten  ist  damit, 
dass  jedenfalls  für  einen  überwiegenden  Teil  der  katholischen 
Christen,  in  der  italienischen  Schweiz  (vgl.  E.  4.3  hiervor),  die  Be-
zeichnung  "Madonna"  nicht  bloss  der  Name einer  religiösen  Figur, 
sondern  vielmehr  einen  Ehrentitel (Invokation)  wie  "Allmächtiger", 
"Messias" oder "Gott" darstellt. Die Ehrerbietung in "Madonna" unter-
scheidet  den  Begriff  semantisch  von  blossen  Vornamen.  Solche 
religiös-ehrerbietigen Invokationen zentraler Figuren (vgl. E. 5.2) sind 
vom Markenschutz auszuschliessen. 

8.
Die Beschwerdeführerin stützt sich schliesslich – unter Hinweis auf die 
Üblichkeit  von  Heiligennamen  für  alkoholische  Getränke  (vgl.  E.  3.4 
hiervor)  –  darauf,  bei  der  schweizerischen  Bevölkerung  sei  eine 
Gewöhnung bezüglich der Verwendung des Zeichens MADONNA für 

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Bekleidungsstücke eingetreten, da sie diese Art von Waren bereits seit 
ca. sieben Jahren in der Schweiz unter der Bezeichnung vertreibe und 
ausserdem im Jahre 2007 bei dem Modegeschäft  Hennes & Mauritz 
eine  Modekollektion  der  Pop-Sängerin  Madonna  unter  dem  Namen 
lanciert  worden  sei  (Beschwerde,  S.  11).  Gegen  diese  behauptete 
Gewöhnung spricht indessen zweierlei: Zum einen handelt es sich bei 
sieben  Jahren um einen sehr  überschaubaren Zeitrahmen,  während 
die Benennung alkoholischer Getränke mit Heiligennamen als Tradition 
auf  die  Zeit  vor  der  Markengesetzgebung  zurückgehen  dürfte.  Zum 
anderen ist nicht davon auszugehen, dass eine Gewöhnung in Bezug 
auf  ein einzelnes Zeichen überhaupt das Verdikt  der Sittenwidrigkeit 
aufheben könnte. Erforderlich erschiene vielmehr eine generelle Tradi-
tion, eine Warenkategorie mit  religiösen Motiven zu bezeichnen, was 
indessen in Bezug auf  Bekleidungsstücke nicht  festzustellen ist. Von 
einer  die  Sittenwidrigkeit  aufhebenden  Gewöhnung  der  schweizeri-
schen Bevölkerung ist daher nicht auszugehen.

9.
Nach  dem  Gesagten  gehört  die  Bezeichnung  "Madonna"  in  der 
Schweiz wegen ihrer Rolle in der Religionsausübung der Katholiken zu 
denjenigen  Zeichen,  welche  ohne  Ansehen  der  beantragten  Waren, 
geeignet sind, die religiösen Gefühle der katholischen Christen zu ver-
letzen und dessen Eintragung in das Markenregister daher als sitten-
widrig im Sinne von Art. 2 Bst. d MSchG zurückzuweisen ist, falls nicht 
andere Gründe die  Sittenwidrigkeit  aufzuheben vermögen. Die  grafi-
schen Elemente sind in der Regel nicht geeignet,  den sittenwidrigen 
Charakter eines das religiöse Empfinden verletzenden Wortelementes 
aufzuheben.  Die  Gestaltung  des  vorliegenden  Zeichens,  die  im 
Wesentlichen aus der Wahl von Schrift, Farbe und eines Hintergrundes 
nebst Umrahmung besteht, gibt jedenfalls keinen Anlass zu einer ab-
weichenden Beurteilung des Zeichens. Damit ist die Beschwerde ab-
zuweisen,  sofern  nicht  die  Beschwerdeführerin  mit  dem geltend  ge-
machten Gleichbehandlungsanspruch durchdringt,  was im Folgenden 
zu prüfen sein wird.

10.
Die Beschwerdeführerin macht einen Anspruch auf Gleichbehandlung 
geltend und verlangt,  dass ihr  Zeichen aufgrund der  Eintragung der 
vergleichbar  lautenden  Marke  MADONNA,  CH-Nr. 573'405,  ihrem 
Zeichen Schutz für die Schweiz zu gewähren sei. 

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10.1 Nach  dem  verwaltungsrechtlichen  Gleichbehandlungsgrundsatz 
sind juristische Sachverhalte nach Massgabe ihrer Gleichheit gleich zu 
behandeln. Dieselbe Behörde darf nicht ohne sachlichen Grund zwei 
rechtlich gleiche Sachverhalte unterschiedlich beurteilen. Nicht  erfor-
derlich ist, dass die Sachverhalte in all ihren tatsächlichen Elementen 
identisch sind (WILLI, a.a.O., Art. 2 N. 28). Demgegenüber besteht kein 
Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, selbst wenn eine bisher 
abweichende  Praxis  bestanden  haben  sollte.  Frühere  –  allenfalls 
fehlerhafte  –  Entscheide  sollen  nicht  als  Richtschnur  für  alle  Zeiten 
Geltung haben müssen (Urteil  des BVGer B-5659/2008 vom 27. Au-
gust 2009 E. 6.1  Chocolat Pavot Verpackungsabbildung [fig.]  mit Hin-
weisen). Nach Rechtsprechung von Bundesgericht und Bundesverwal-
tungsgericht wird der Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht aus-
nahmsweise anerkannt, wenn eine ständige gesetzwidrige Praxis einer 
rechtsanwendenden Behörde  vorliegt  und  die  Behörde  zu  erkennen 
gibt,  dass  sie  auch  in  Zukunft  nicht  von dieser  Praxis  abzuweichen 
gedenke (Urteil des Bundesgerichts 4A_250/2009 vom 10. September 
2009 E. 4 UNOX [fig.]; Urteil  des BVGer B-7427/2006 vom 9. Januar 
2008 E. 9.1 Chocolat Pavot I [fig.]). 

10.2 Die  von  der  Beschwerdeführerin  angeführte  Eintragung  CH-
Nr. 574'405  betrifft  das  Wortbildzeichen  MADONNA.  Anders  als  bei 
dem streitgegenständlichen Zeichen sind jedoch die Wortbestandteile 
MA einerseits  und DONNA andererseits  in  unterschiedlichen Farben 
gehalten,  wobei  das  knallrote  DONNA  das  fast  weisse  MA  nahezu 
völlig verdrängt. Zu Recht geht daher die Vorinstanz davon aus, dass 
die Konsumenten das Wort auch ohne Leerschlag in MA und DONNA 
aufspalten. Infolge  dieser  Auftrennung  assoziieren  die  Konsumenten 
gar  keinen  religiösen  Sinngehalt,  sondern  gehen  von  der  unmittel -
baren  Bedeutung  aus,  welche  ins  Deutsche  übersetzt  "Meine  Frau, 
Dame  oder  Herrin"  ist.  Die  graphische  Gestaltung  der  streitgegen-
ständlichen  Marke  ohne  farbliche  oder  sonstige  Unterbrechung  legt 
eine Aufspaltung indessen gerade nicht nahe. Schon aufgrund dieses 
Unterschiedes sind die zwei Marken nicht vergleichbar, so dass kein 
Gleichbehandlungsanspruch besteht.

10.3 Weiter  hat  sich  die  Beschwerdeführerin  auf  den  Umstand  be-
rufen,  dass  in  der  Schweiz  mehrere  Marken  mit  dem  Bestandteil  
CHRIST  mit  der  Begründung  der  Vorinstanz  eingetragen  worden 
seien,  es  handle  sich  um  einen  Familiennamen.  "Madonna"  aber 
werde  auch  als  Name  verwendet.  Es  sei  nicht  ersichtlich,  warum 

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CHRIST das religiöse Empfinden nicht verletze, wohl aber MADONNA, 
wenn es  sich  in  beiden  Fällen  doch um Namen handle. Zu  berück-
sichtigen ist indessen, dass der Nachname "Christ" sehr viel häufiger 
anzutreffen ist, weswegen eine Vergleichbarkeit der beiden Zeichen zu 
verneinen ist.

11.
Die  Beschwerdeführerin  hat  sich  weiter  darauf  gestützt,  dass  das 
Zeichen  durch  die  Eintragung  als  Gemeinschaftsmarke  im  Ausland 
und sogar u.a. im vorwiegend katholischen Nachbarland Italien Schutz 
geniesse. Das Bundesgericht lehnt eine grundsätzliche präjudizieren-
de Wirkung ausländischer Voreintragungen ab, sieht diese aber allen-
falls als  Indiz  für  die Schutzfähigkeit  in  Grenzfällen an (BGE 129 III  
225 E. 5.5 Masterpiece). Zum einen kann gemäss der schweizerischen 
Praxis  und Rechtsprechung zur  Sittenwidrigkeit  vorliegend nicht  von 
einem Grenzfall ausgegangen werden. Zum anderen kommt die Regel, 
dass  Zweifelsfälle  einzutragen  sind,  im  Falle  von  öffentlichen  Inter -
essen – wie Irreführungsgefahr oder Sittenwidrigkeit – als Ausschluss-
grund nicht zur Anwendung (Urteile des Bundesgerichts in Schweizeri-
sches Patent-, Muster- und Markenblatt [PMMBl] 1996 I 26 San Fran-
cisco 49ers und vom 2. August 1994 in PMMBl 1994, 76 Alaska; Urteil 
des BVGer B-7408/2006 E. 2.2 bticino; MARBACH, a.a.O., N. 240).

12.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die internationale Registrie-
rung Nr. 855'013 MADONNA (fig.) im Sinne von Art. 2 Bst. d MSchG 
gegen die guten Sitten verstösst,  indem sie das religiöse Empfinden 
verletzt. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.

13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die 
Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art. 63  Abs. 1 VwVG).  Eine  Parteient-
schädigung  ist  ihr  nicht  zuzusprechen  (Art.  64  Abs. 1  VwVG,  Art.  7 
Abs. 1  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]). 

Die Spruchgebühr ist nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, 
Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien zu bestim-
men  (Art. 63  Abs. 4bis VwVG,  Art. 2  Abs. 1  VGKE).  In  Markeneintra-
gungsverfahren geht es um Vermögensinteressen. Die Gerichtsgebühr 

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bemisst  sich  folglich  nach dem Streitwert  (Art. 4  VGKE). Die Schät-
zung  des  Streitwertes  hat  sich  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  an 
Erfahrungswerten aus der Praxis zu orientieren, wobei bei eher unbe-
deutenden Zeichen grundsätzlich ein Streitwert zwischen Fr. 50'000.-- 
und  Fr.  100'000.--  angenommen  werden  darf  (Urteil  des  Bundes-
gerichts  4A_161/2007 vom 18. Juli  2007 E. 2  we make ideas work, 
BGE  133  III  492  E.  3.3  Turbinenfuss mit  weiteren  Hinweisen).  Von 
diesem  Streitwert  ist  auch  im  vorliegenden  Verfahren  auszugehen. 
Mangels Indizien für einen höheren oder niedrigeren Wert der stritti-
gen Marke ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.-- zu erheben, welche 
der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen ist  und mittels  des geleisteten 
Kostenvorschusses zu decken ist.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 3'500.--  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr.  1'000.--  wird  der 
Beschwerdeführerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden 
Urteils zurückerstattet.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

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4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde)
- die  Vorinstanz  (Ref-Nr.  IR  855'013  MADONNA  (fig.);  Gerichts-

urkunde)
- das  Eidgenössische  Justiz-  und  Polizeidepartement  (Gerichtsur-

kunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Marc Steiner Miriam Sahlfeld

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Zivilsachen geführt 
werden (Art. 72 ff.,  90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer 
Amtssprache  abzufassen  und  hat  die  Begehren,  deren  Begründung 
mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 
angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die 
beschwerdeführende  Partei  in  Händen  hat,  beizulegen  (vgl.  Art.  42 
BGG).

Versand: 20. April 2010

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