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**Case Identifier:** 6d55ef91-24ce-50ab-bce8-e84ce6e7b7c8
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-04-18
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 18.04.2017 IV 2014/316
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-316_2017-04-18.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/316

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.04.2020

Entscheiddatum: 18.04.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 18.04.2017
Art. 43 Abs. 1 ATSG. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. 
Rückweisung der Sache zur erneuten psychiatrischen Begutachtung. 
Klärung der Frage, ob die Beschwerdeführerin an einer 
Persönlichkeitsstörung leidet. Teilweise Gutheissung der Beschwerde 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. April 
2017, IV 2014/316).

Entscheid Versicherungsgericht, 18.04.2017

Entscheid vom 18. April 2017

Besetzung                                                                      

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen

Monika Gehrer-Hug und Marie-Theres Rüegg Haltinner;

Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger             

Geschäftsnr.                                                                                                                  

IV 2014/316            

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

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vertreten durch Rechtsanwältin Annina Schreiner, M.A. HSG in Law, Vadianstrasse 44, 

Postfach 262, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand                                                                   

Rente

Sachverhalt

A.   

A.a  A.___ meldete sich im Dezember 2006 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen 

zum Bezug einer IV-Rente an (IV-act. 1). Sie gab an, seit dem 7. Januar 2006 an 

Ängsten, an einer Depression und an körperlichen Beschwerden zu leiden. Sie habe in 

B.___ die Textilfachschule besucht und sich danach zur Modeentwerferin 

weitergebildet.

A.b  Dr. med. C.___, Oberärztin Tagesklinik Psychiatrisches Zentrum D.___, berichtete 

am 19. Februar 2007, dass sich die Versicherte vom 1. März bis 28. Dezember 2006 in 

tagesklinischer Behandlung befunden habe (IV-act. 14). Die Versicherte leide an einer 

Panikstörung mit Hyperventilation (ICD-10: F41.0), an einer kombinierten 

Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und anankastischen Zügen (F61) und an 

einem chronischen lumbalen Schmerzsyndrom (anamnestisch Sakroileitis und 

Diskopathie). Vom 24. bis 31. Januar 2006 und vom 1. März bis 31. August 2006 sei sie 

in der Tätigkeit als Konfektionsmodelleurin zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 

1. September 2006 bestehe eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sei wegen 

der Schmerzen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Aufgrund der 

Persönlichkeitsstörung sei es schwierig, die Versicherte zu integrieren. Sie leide an 

Regulationsproblemen im zwischenmenschlichen Kontakt und an sehr schwankenden 

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Zuständen zwischen bagatellisierender Selbstüberschätzung einerseits und 

Hilflosigkeitserleben mit Ängsten und Panik andererseits.

A.c  Im September/Oktober 2007 wurde die Versicherte durch Dr. med. E.___, 

Spezialarzt für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, und Dr. med. F.___, 

Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet (Gutachten vom 3. 

November 2007, IV-act. 34). Dr. E.___ erklärte, dass er in der Untersuchung keine 

Erklärung für die anamnestischen Polyarthralgien und für das Beschwerdeausmass der 

Lumboischialgien und der Hüftschmerzen rechts gefunden habe. Belegt seien lediglich 

eine diskrete 4° lumbale Skoliose, eine Diskushernie L4/5 und abgeflachte 

Fussgewölbe beidseits. Die Versicherte benötige wegen der langjährigen Schonung 

vermehrte Pausen. Aus somatischer Sicht sei sie in der Tätigkeit als 

Konfektionsmodelleurin sowie in jeder anderen leicht bis knapp mittelschweren 

Tätigkeit zu 90 % arbeitsfähig. Dr. F.___ gab im psychiatrischen Teilgutachten vom 25. 

Oktober 2007 (IV-act. 33) als Diagnosen eine depressive Episode mittleren Grades mit 

somatischem Syndrom und Panikstörung mit Hyperventilation (F32.11 und 41.0), eine 

narzisstische Persönlichkeitsstörung (F60.8) und eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung (F45.4) an. Die Versicherte sei wegen der Schmerzsymptomatik und 

der depressiven Episode (verminderter Antrieb, verminderte Konzentrationsfähigkeit, 

gestörter Schlaf und verminderte Belastbarkeit) seit September 2006 zu rund 50 % 

arbeitsunfähig. In polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die 

Restarbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auf 50 %. RAD-Arzt Dr. med. G.___ notierte 

am 16. November 2007, dass es gerechtfertigt erscheine, von einer Arbeitsunfähigkeit 

von 50 % auszugehen (IV-act. 35).

A.d  Anlässlich einer Haushaltabklärung vom 21. Februar 2008 erklärte die Versicherte, 

dass sie nach der Einreise in die Schweiz zwei Jahre lang Deutsch gelernt habe (IV-act. 

44). Anschliessend habe sie sich auf verschiedene Vollzeitstellen beworben. Wenn sie 

gesund wäre, würde sie grundsätzlich in einem vollen Pensum arbeiten. Die 

Abklärungsperson hielt fest, dass die Versicherte als Vollerwerbstätige zu qualifizieren 

sei.

A.e  Med. pract. H.___, Oberarzt Tagesklinik Psychiatrisches Zentrum D.___, berichtete 

am 19. Dezember 2008 (IV-act. 51), dass die Versicherte seit Januar 2008 an 

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Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion (F43.21) leide. Seit dem 4. 

Juni 2008 befinde sie sich in tagesklinischer Behandlung. Aktuell laufe das 

Scheidungsverfahren. Aufgrund der tief greifenden Kränkung, die die Versicherte 

erfahren habe, sei die Prognose kurz- und mittelfristig als eher negativ zu beurteilen. 

Die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit sei frühestens im Herbst 2009 möglich. RAD-Arzt 

Dr. G.___ notierte am 31. Dezember 2008, dass von einer Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes seit der Begutachtung auszugehen sei (IV-act. 52). Am 29. Juli 

2009 berichtete med. pract. H.___ über eine Verbesserung des Gesundheitszustandes 

(IV-act. 53).

A.f  Am 13. August 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass ihr Beratung und 

Unterstützung bei der Stellensuche gewährt werde (IV-act. 55). Vom 2. März bis 30. 

April 2010 absolvierte die Versicherte eine berufliche Abklärung im I.___ (IV-act. 66). 

Während med. pract. H.___ der Eingliederungsverantwortlichen am 12. März 2010 

telefonisch mitteilte, dass die Versicherte in der Arbeitsabklärung aufblühe (IV-act. 

90-3), äusserte sich die Versicherte anlässlich eine Standortgesprächs am 17. März 

2010 negativ über die erste Zeit in der Arbeitsabklärung (IV-act. 90-3). Laut dem 

Abklärungsbericht Verzahnungsprogramm vom 20. April 2010 (IV-act. 87) hatte die 

Versicherte jeweils morgens von 8.15-12.15 Näharbeiten von Hand und mit der 

Maschine sowie Zuschneidarbeiten erledigt. Sie sei Schneiderin und handwerklich 

geschickt. Mit dem Einstieg habe sie sich schwer getan. Später habe sie sich in die 

Gruppe integriert und scheinbar gern gearbeitet. Gegenüber anderen Teilnehmerinnen 

habe sie sich manchmal verständnislos und intolerant gezeigt. Wie belastbar die 

Versicherte sei und wie schnell sie arbeiten könne, könne nicht beurteilt werden. Eine 

Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei nur in Teilzeit und in einem kleinen Team oder 

selbständig arbeitend möglich.

A.g  RAD-Arzt Dr. med. J.___ notierte am 9. Dezember 2010 (IV-act. 81), dass die von 

Dr. F.___ attestierte 50 %ige Arbeitsunfähigkeit aus der erst nach der Einreise in die 

Schweiz aufgetretenen mittelgradigen depressiven Episode und der somatoformen 

Schmerzstörung resultiere. Im Übrigen entspreche der von Dr. F.___ beschriebene 

Befund nicht demjenigen einer mittelgradigen depressiven Episode.

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A.h  Med. pract. H.___ berichtete am 20. Dezember 2010 (IV-act. 86), dass die am 1. 

Juni 2008 begonnene tagesklinische Behandlung am 1. Oktober 2009 beendet worden 

sei. Seither finde eine ambulante Behandlung statt. Die Versicherte sei weiterhin voll 

arbeitsunfähig. Sie sei sehr in ihrem bisherigen Beziehungsgeschehen verfangen und 

könne sich nicht davon distanzieren. Sie sei schwer depressiv, es bestünden eine 

Antriebs- und Freudlosigkeit. Ein ausgeprägtes Morgentief verunmögliche es der 

Versicherten, eine Arbeitsstelle am Morgen pünktlich anzutreten. Aufgrund des 

tiefgreifenden Charakters der Depression und der schweren Lebensgeschichte 

empfehle er, eine „50 %ige“ IV-Berentung zu prüfen. Die Eingliederungsverantwortliche 

hielt in ihrem Schlussbericht vom 31. Januar 2011 fest (IV-act. 89), dass sie den 

Eindruck habe, dass die Versicherte durch die Trennung/Scheidung in ihrem Verhalten 

stark beeinflusst werde resp. positive Perspektiven wie blockiert würden. Die 

Versicherte habe in ihrem Verhalten teilweise vordergründig und manipulativ gewirkt. 

Solange die Unterhaltsfrage nicht geklärt sei, habe eine Wiedereingliederung kaum 

Erfolgschancen. Am 28. Februar 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die 

Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde, da ihr erneut eine volle Arbeitsunfähigkeit 

attestiert worden sei und sie sich aktuell subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (IV-act. 93).

A.i   Med. pract. H.___ berichtete am 7. April 2011 (IV-act. 95), dass es bei der 

Versicherten seit der Ehescheidung im März 2011 zu einer gewissen Erleichterung 

gekommen sei. Sie sehe ihre Lage nun wieder deutlich optimistischer. Da es ab dem 

Mittag zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung komme, sollte in absehbarer Zeit 

zumindest eine halbtägige Arbeitstätigkeit möglich sein, die später auf 100 % 

ausgebaut werden könnte. Am 2. August 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, 

dass Abklärungen bezüglich der Möglichkeiten einer beruflichen Eingliederung 

notwendig seien (IV-act. 105).

A.j   Am 29. August 2011 wurde die Versicherte von RAD-Arzt Dr. med. K.___, Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht (IV-act. 107). Dr. K.___ gab als 

Diagnosen eine Panikstörung (F41.0), eine Migräne (D43.0), Hüftbeschwerden rechts 

(ohne sichtbare Funktionsbehinderung), narzisstisch selbstunwerte, passiv-aggressive 

Persönlichkeitszüge (Z73.1) und einen Verdacht auf eine Dysthymie (F34.1) an. Er 

erklärte weiter, dass die mangelnde Flexibilität, sich auf neue Situationen einzustellen, 

und die Panikzustände mit dadurch vermehrter Ängstlichkeit und Beeinträchtigung des 

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Selbstwertgefühls und des Leistungsvermögens allenfalls noch eine 20 bis 30 %ige 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigten. Nicht zu übersehen sei jedoch eine 

passiv-aggressive Leistungsabwehr mit unmotivierter Leistungsbereitschaft. Diese 

beruhe aus psychodynamischen Gesichtspunkten wohl darauf, dass die Versicherte 

aus ihrer Verletztheit und ihrem beeinträchtigten Selbstwertgefühl heraus die 

Vorstellung entwickelt habe, dafür belohnt werden zu müssen, wenn schon ihr 

Ehemann für sie nicht lebenslang Unterhalt zahlen müsse. Mit Verfügung vom 1. März 

2012 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten, dass sie keinen Anspruch auf berufliche 

Eingliederungsmassnahmen habe, da sie sich weiterhin nur in beschränktem Ausmass 

arbeitsfähig fühle (IV-act. 114).

A.k  Mit Vorbescheid vom 24. September 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 121). Dagegen liess die Versicherte 

am 31. Oktober 2012 einwenden (IV-act. 125), dass ein Arbeitsversuch als Teamleiterin 

im Restaurant eines Bekannten von September 2011 bis Februar 2012 (3-4 Tage pro 

Woche während 4-5 Stunden) gezeigt habe, dass die Versicherte der Aufgabe nicht 

gewachsen sei. Der Versicherten sei es nicht gelungen, sich ins Arbeitsteam 

einzufügen, sie sei nicht kompromissbereit gewesen und habe die anderen Mitarbeiter 

mit ihrem Perfektionismus überfordert. Ausserdem sei sie starken 

Stimmungsschwankungen unterworfen gewesen. Obwohl sich die Versicherte der 

Problematik bewusst gewesen sei, sei es ihr nicht gelungen, ihr Verhalten anzupassen. 

Auch habe sich die Migräne durch die Arbeitstätigkeit bzw. die damit verbundenen 

psychischen Belastungen und Konfliktsituationen erheblich verstärkt. Sodann hätten 

die Stimmungsschwankungen und Stimmungstiefs wegen der mit einer Endometriose 

verbundenen Schmerzen und den Nebenwirkungen der Ende November 2011 

begonnenen Hormonbehandlung stark zugenommen. Die Versicherte habe grosse 

Angst vor dem anstehenden chirurgischen Eingriff im November 2012, was sich in 

vermehrten Panikattacken äussere.

A.l   Dr. med. L.___, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 27. 

November 2012, dass die Versicherte an zeitweise die Leistungsfähigkeit wesentlich 

einschränkenden Reizdarm-Beschwerden sowie an rezidivierenden Kopfschmerzen, 

welche teils als migräniform und teils als Spannungskopfschmerz zu werten seien, leide 

(IV-act. 130-2 f.). Dr. med. M.___, Frauenarzt, informierte am 29. November 2012 (IV-

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act. 131-2), dass eine Behandlung mit Dienogest zur raschen Besserung der diffusen 

Unterbauchschmerzen geführt habe. Als Nebenwirkungen dieser medikamentösen 

Behandlung könnten Kopfschmerzen (9 %) und eine depressive Verstimmung (5.1 %) 

auftreten. Med. pract. H.___ gab in seinem Bericht vom 21. Dezember 2012 an (IV-act. 

132-2), dass es wegen der durch die Endometriose ausgelösten Schmerzen mit 

nachfolgender Operation zu einer deutlichen Verschlechterung des Stimmungsbildes 

gekommen sei. Die Versicherte sei wieder voll arbeitsunfähig.

A.m Im Juli und August 2013 wurde die Versicherte polydisziplinär 

(allgemeininternistisch, psychiatrisch, neurologisch, rheumatologisch, gynäkologisch) 

durch die ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI) begutachtet 

(Gutachten vom 16. Dezember 2013, IV-act. 148). Die Diagnosen mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit lauteten:

•      Leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.0/F32.1)

•      Panikstörung (F41.0)

•      chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts (MRT-Befunde siehe 

IV-act. 148-28)

-      Differentialdiagnose: Lumbales Facettengelenkschmerzsyndrom mit 

pseudoradikulärer Ausstrahlung in die rechte untere Extremität.

Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter u.a. an:

•      Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)

•      akzentuierte abhängige, selbstunsichere Persönlichkeitszüge (Z73.1)

•      multifaktorielles Kopfschmerzsyndrom (Migräne und 

Spannungskopfschmerzkomponente)

•      funktionelle Sensibilitätsstörung und Tremor (F44.4/F44.6)

•      rezidivierende Bauchschmerzen (weitere Angaben s. IV-act. 148-28 f.).

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Dr. med. N.___, FMH Allgemeine Innere Medizin, erklärte, dass bei der Untersuchung 

das Abdomen vor allem im rechten Unterbauch druckdolent gewesen sei. Ansonsten 

seien die Befunde regelrecht und die Laborwerte unauffällig gewesen. Die 

Arbeitsfähigkeit sei aus allgemeininternistischer Sicht nicht eingeschränkt. Dr. med. 

O.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte aus, dass bei der Versicherten 

depressive Verstimmungen, eine erhöhte Ermüdbarkeit, eine Antriebsstörung, 

morgendliche Anlaufschwierigkeiten, Schlafstörungen, ein etwas verminderter 

Selbstwert mit Schamgefühlen wegen der eingeschränkten Leistungsfähigkeit (aber bei 

erhaltener Selbstwertregulation) sowie eine Panikstörung mit doch häufig auftretenden 

anfallsartigen Ängsten mit vegetativen Symptomen bestünden. Die angegebenen 

Essattacken seien im Rahmen der Depression zu sehen, da das Erbrechen im 

Zusammenhang mit Migräne auftrete. Der Medikamentenspiegel des eher niedrig 

dosierten Antidepressivums habe unter dem therapeutischen Bereich gelegen. 

Aufgrund der frühen lebensgeschichtlichen Belastungen bestünden akzentuierte, 

abhängige und selbstunsichere Persönlichkeitszüge. Gegen die Diagnose einer 

Persönlichkeitsstörung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit spreche vor allem, dass die 

Versicherte vor der Erkrankung voll leistungsfähig gewesen sei. Die vorhandenen 

Ressourcen seien eher gering, da sich die Versicherte kaum arbeitsfähig fühle und 

finanziell vom Sozialamt abhängig sei. Die Schmerzen liessen sich durch die 

somatischen Befunde nicht hinreichend objektiveren, sodass eine psychische 

Überlagerung angenommen werden müsse. Da deutlich ausgeprägte emotionale und 

psychosoziale Belastungsfaktoren bestünden, die sich in den Schmerzen ausdrückten, 

könne eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert werden. Diese 

habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Die Versicherte leide nicht an einer 

schweren psychischen Störung, die therapeutisch nicht günstig beeinflusst werden 

könnte, die therapeutischen Möglichkeiten seien noch nicht ausgeschöpft, eine 

schwere chronische somatische Erkrankung liege nicht vor, die Versicherte pflege 

durchaus wenige Kontakte und ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr 

beeinflussbarer innerseelischer Verlauf bei einer zwar entlastenden, aber missglückten 

Konfliktbewältigung sei nicht erwiesen. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte 

wegen der Depression und der Panikstörung seit dem Jahr 2006 zu 30 % 

arbeitsunfähig. Es bestehe eine verminderte Belastbarkeit mit vor allem einer erhöhten 

Ermüdbarkeit, weshalb die Versicherte einen vermehrten Pausen- bzw. 

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Erholungsbedarf habe. Dr. med. P.___, Facharzt für Neurologie, gab an, dass sich in 

neurologischer Hinsicht bezüglich der Hüftgelenks- und Rückenbeschwerden kein 

relevanter Befund ergeben habe. Der wechselnd ausgeprägte, insgesamt eher nur 

diskrete Tremor lasse sich keinem neurologischen Krankheitsbild zuordnen und sei, wie 

die Gefühlsstörung, als funktionell anzusehen. Die Mitarbeit der Versicherten bei der 

Untersuchung sei überwiegend gut gewesen, allenfalls bei einigen Teilaufgaben nicht 

konsistent. Eine massive bewusstseinsnahe Symptomausweitung könne nicht 

unbedingt angenommen werden. Wenn davon ausgegangen werde, dass es sich beim 

Tremor um eine leichte dissoziative Bewegungsstörung und nicht um ein rein 

bewusstseinsnahes Zittern handle, könne die Versicherte feinmechanische Tätigkeiten 

nur noch eingeschränkt verrichten. Für alle übrigen körperlich leichten bis 

mittelschweren Frauenarbeiten sei die Versicherte aus neurologischer Sicht voll 

arbeitsfähig. Dr. Q.___, FMH Rheumatologie, führte aus, dass die klinisch-

rheumatologische Untersuchung zum Teil deutlich inkonsistente Befunde ergeben 

habe. Aus klinisch-rheumatologischer Sicht könne das Ausmass der nun seit über 20 

Jahren beklagten Beschwerden am Bewegungsapparat nicht adäquat erklärt werden, 

sodass von einer wegweisenden psychosozialen Überlagerung des Schmerzbildes 

auszugehen sei. Es bestehe eine ausgeprägte subjektive Krankheits- und 

Behinderungsüberzeugung. In einer körperlich leichten bis nur sehr selten 

mittelschweren und wechselbelastenden beruflichen Tätigkeit sei die Versicherte unter 

Berücksichtigung der qualitativen Arbeitsplatzbedingungen (s. IV-act. 148-24 f.) voll 

arbeitsfähig. Dr. med. R.___, FMH Gynäkologie, führte aus, dass aus gynäkologischer 

Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, da die Schmerzen 

behandelbar seien. In polydisziplinärer Hinsicht legten die Gutachter die 

Arbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit auf 70 % (ganztägiges 

Pensum) fest. RAD-Arzt Dr. K.___ notierte am 14. Januar 2014, dass auf das 

polydisziplinäre Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 150).

A.n  Mit Vorbescheid vom 31. Januar 2014 kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei 

einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 154). Zur 

Begründung hielt sie fest, dass eine leichte bis mittelgradige depressive Episode 

gemäss der Rechtsprechung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe. 

Somit sei in einer adaptierten Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 

Dagegen wendete die Rechtsvertreterin der Versicherten am 10. März 2014 ein (IV-act. 

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155), dass die Versicherte gemäss den behandelnden Ärzten aus psychiatrischer Sicht 

voll arbeitsunfähig sei. Hinzu komme, dass sich der Gesundheitszustand seit der 

Begutachtung verschlechtert habe. Ausserdem falle es der Versicherten schwer, ein 

Vertrauensverhältnis aufzubauen und sich gegenüber einem Arzt vollständig zu öffnen; 

dies sei ihr auch gegenüber Dr. O.___ nicht gelungen. In einem beigelegten Bericht 

vom 7. März 2014 hatte Dr. med. S.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erklärt, 

dass ihr die Versicherte am 3. Februar 2014 von der Hausärztin zur Behandlung 

zugewiesen worden sei (IV-act. 155-8 ff.). Die Versicherte leide an einer rezidivierenden 

depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome 

(F33.2) vor dem Hintergrund einer mehrfach kombinierten Persönlichkeitsstörung 

(zwanghaft, paranoid/schizoid, ängstlich, abhängige, borderline Anteile, F61), und an 

einer Zwangsstörung (F42). Als Nebendiagnosen hatte Dr. S.___ Kontaktanlässe mit 

Bezug auf die Kindheitserlebnisse und die Erziehung (Z61, Z62), frühere belastende 

Eheverhältnisse/Probleme Übergangsphase Lebenszyklus und Isolation (Z60, Z63) und 

andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis (Z63) angegeben. Die 

Versicherte habe erstmals ihre Geheimnisse offenbaren können. Die Suizidalität habe 

ein wenig entschärft werden können. Die Versicherte sei bis auf weiteres zu 100 % 

arbeitsunfähig.

A.o  RAD-Arzt Dr. K.___ hielt am 9. Mai 2014 fest (IV-act. 158), dass die von Dr. S.___ 

erhobenen Befunde keine schwere Depression abbildeten. Der Umstand, dass die 

Behandlungen nur alle zwei Wochen stattfänden und dass bereits eine sehr geringe 

Dosis des Antidepressivums Citalopram eine deutliche Besserung des depressiven 

Zustandsbildes bewirkt habe, spreche allenfalls für eine nicht invalidisierende, 

temporäre depressive Störung. Es bestehe keine Veranlassung, von der bisherigen 

Beurteilung abzuweichen. Mit Verfügung vom 12. Mai 2014 wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 159).

B.   

B.a  Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

am 16. Juni 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die 

Aufhebung der Verfügung und die Ausrichtung mindestens einer Viertelsrente. 

Eventualiter seien durch das Gericht weitere medizinische Abklärungen zu veranlassen. 

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Die Rechtsvertreterin stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (inkl. 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung). Zur Begründung machte sie geltend, dass die 

bisherigen Arbeitsversuche gezeigt hätten, dass die Beschwerdeführerin den 

Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht gewachsen sei. Sowohl Dr. S.___ wie auch 

Dr. L.___ bescheinigten der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit. Im 

Übrigen sei der Zusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden und den 

körperlichen Leiden sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht eingehend 

abgeklärt worden. Entgegen der Behauptung des RAD hätten die Behandlungen bei Dr. 

S.___ zunächst zweimal wöchentlich und später mindestens einmal wöchentlich 

stattgefunden. Es könne keinesfalls davon ausgegangen werden, dass maximal eine 

temporäre depressive Störung vorliege. Die Klinik für Neurologie hatte in einem 

beiliegenden Bericht vom 25. April 2014 die von der Beschwerdeführerin geltend 

gemachte fehlende Kraft und Kontrolle in der rechten Hand beim Schreiben als 

Schreibkrampf mit intermittierendem Handtremor, DD dyston DD funktionell überlagert, 

interpretiert (act. G 1.1 Beilage 7). Die Klinikärzte hatten zudem die Diagnose einer 

sensiblen Radikulopathie C6 rechts angegeben. Dr. L.___ hatte am 6. Juni 2014 

berichtet, dass die Wiederaufnahme einer regelmässigen Arbeitstätigkeit im Moment 

nicht denkbar sei, da die Beschwerdeführerin psychisch überhaupt nicht belastbar sei 

(act. G 1.1 Beilage 6). Dr. S.___ hatte im Verlaufsbericht vom 13. Juni 2014 erklärt, dass 

die depressive Störung aktuell mittelgradig ausgeprägt sei (F33.1; act. G 1.1 Beilage 9). 

Neu hatte sie die Diagnosen einer Bulimia nervosa, mit Missbrauch von Abführmitteln 

(F50.2), und eines Verdachts auf eine bipolar affektive Störung (F31) angegeben. Dass 

die Beschwerdeführerin bisher trotz jahrelanger Behandlung nur wenige Fortschritte 

habe erzielen können, liege weniger an einer Selbstlimitierung oder an unfähigen 

Fachpersonen, sondern an einem komplexen Krankheitsbild mit einem schwierigen 

Verlauf und einem zeitlich sehr weit zurückreichenden Beginn. Die Beschwerdeführerin 

sei bis auf weiteres voll arbeitsunfähig.

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. Juli 2014 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 3). Sie machte geltend, dass den psychiatrischen Diagnosen eine 

invalidisierende Wirkung zu Recht abgesprochen worden sei. Selbst wenn man die 

psychischen Beschwerden losgelöst von der somatoformen Schmerzstörung 

betrachten würde, wären sie nicht invalidisierend. Gemäss dem ABI-Gutachten liege 

der Medikamentenspiegel unter dem therapeutischen Bereich. Es fehle somit an einer 

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konsequenten Depressionstherapie, deren Scheitern das Leiden als resistent 

ausweisen würde. Sogar wenn der Invaliditätsbemessung die im Gutachten attestierte 

Arbeitsunfähigkeit von 30 % zugrunde gelegt würde, käme der IV-Grad unter 40 % zu 

liegen.

B.c  Am 5. August 2014 bewilligte die zuständige Abteilungspräsidentin das Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin A. Schreiner) für das 

Beschwerdeverfahren (act. G 4).

B.d  Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin erklärte am 12. September 2014, 

dass sie von einer ausführlichen Replik absehe (act. G 6). In einem am 14. September 

2016 eingereichten Bericht vom 30. August 2016 hatte Dr. S.___ erklärt, dass die 

depressive Störung aktuell leicht- bis mittelgradig ausgeprägt sei (act. G 9.1). Einen 

Verdacht auf eine bipolar affektive Störung hatte sie nicht mehr erwähnt. Die 

Beschwerdeführerin sei weiterhin voll arbeitsunfähig.

B.e  Am 26. September 2016 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine 

Honorarnote über den Betrag von Fr. 5'300.-- ein (21.48 Stunden à Fr. 250.--, exkl. 

Barauslagen und Mehrwertsteuer).

Erwägungen

1.   

1.1  Mit der angefochtenen Verfügung vom 12. Mai 2014 hat die IV-Stelle einen 

Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 0 % verneint.

1.2  Die Beschwerdeführerin hat sich bereits im Dezember 2006 zum Bezug von IV-

Leistungen angemeldet und eine Arbeitsunfähigkeit seit Januar 2006 geltend gemacht. 

Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von 

sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nun ist aber nach 

dem (lückenfüllend geschaffenen) Übergangsrecht der 5. IV-Revision die altrechtliche 

Regelung des Rentenbeginns weiter anzuwenden, sofern das Wartejahr vor dem 

Zeitpunkt des Inkrafttretens (1. Januar 2008) zu laufen begonnen hat und die 

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Anmeldung bis spätestens Ende Juni 2008 erfolgt ist (vgl. das vom Bundesamt für 

Sozialversicherungen herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 

2007 sowie die Modifikation in BGE 138 V 475). Nach aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht 

der Rentenanspruch ‒ unabhängig vom Datum der Anmeldung ‒ unmittelbar mit der 

Erfüllung des Wartejahres. Da sich die Beschwerdeführerin innert zwölf Monaten nach 

Eintritt der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zum Leistungsbezug angemeldet hat, 

würde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1. Januar 2007 entstehen. 

Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin in der Zeit vom 1. Januar 

2007 bis 12. Mai 2014 (Verfügungserlass) einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.

2.   

2.1  Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 

8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung 

der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.2  Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad 

grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen).

3.   

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3.1  Um das Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin vom 1. Januar 2006 (frühestmöglicher Beginn des Wartejahres) bis 

12. Mai 2014 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen.

3.2  In somatischer Hinsicht macht die Beschwerdeführerin insbesondere Hüft-, 

Rücken-, Bauch- und Kopfschmerzen sowie ein häufiges Zittern in beiden Händen und 

eine leichte Minderempfindung im rechten Arm und rechten Bein geltend. Der 

rheumatologische Gutachter Dr. E.___ hat bereits im Gutachten vom 3. November 2007 

festgehalten, dass er keine Erklärung für die anamnestischen Polyarthralgien und für 

das Ausmass der Lumboischialgien und der Hüftschmerzen rechts habe finden 

können. Zu diesem Schluss sind auch die Gutachter des ABI im Jahr 2013 gekommen: 

Der neurologische Gutachter Dr. P.___ hat erklärt, dass sich in neurologischer Hinsicht 

kein relevanter Befund bezüglich der Hüftgelenks- und Rückenbeschwerden ergeben 

habe. Auch der wechselnd ausgeprägte, insgesamt eher nur diskrete Tremor und die 

Gefühlsstörung (im rechten Arm und Bein) liessen sich keinem neurologischen 

Krankheitsbild zuordnen. Das multifaktorielle Kopfschmerzsyndrom hat Dr. P.___ 

teilweise im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung angesehen, ihm aber auch 

eine Spannungskopfschmerz- und Migränekomponente beigemessen (IV-act. 148-18). 

Der rheumatologische Gutachter Dr. Q.___ hat in der klinischen Untersuchung zum Teil 

deutlich inkonsistente Befunde erhoben. Auch er hat sich die Beschwerden am 

Bewegungsapparat aus rheumatologischer Sicht nicht erklären können. Dr. E.___ hat 

der Beschwerdeführerin im Jahr 2007 wegen der langjährigen Schonung und der damit 

verbundenen Notwendigkeit vermehrter Pausen auch in einer körperlich adaptierten 

Tätigkeit eine 10 %ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Diese Einschätzung überzeugt 

nicht, da es sich bei einer körperlichen Dekonditionierung nicht um einen bleibenden, 

invalidisierenden Gesundheitsschaden handelt. Die ABI-Gutachter Dr. P.___ und Dr. 

Q.___ haben die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht in einer körperlich leichten bis 

nur sehr selten mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit auf 100 % geschätzt. 

Diese Beurteilung überzeugt angesichts der geringen objektivierbaren pathologischen 

Befunde und der guten Behandelbarkeit der Kopf- und Bauchschmerzen. Aus 

somatischer Sicht ist die Beschwerdeführerin daher in einer körperlich adaptierten 

Tätigkeit (worunter auch die angestammten Tätigkeit als Konfektionsmodelleurin fällt) 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nie längerdauernd in ihrer Arbeitsfähigkeit 

eingeschränkt gewesen.

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3.3  In psychiatrischer Hinsicht liegen bezüglich der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeit 

unterschiedliche Beurteilungen im Recht. Insbesondere divergieren die Meinungen 

hinsichtlich des Vorliegens einer Persönlichkeitsstörung. Während die behandelnde 

Psychiaterin Dr. med. T.___ (2006, IV-act. 33-4), Dr. C.___ (2007, Tagesklinik D.___), der 

Gutachter Dr. F.___ (2007) sowie Dr. S.___ (2014) davon ausgegangen sind, dass die 

Beschwerdeführerin an einer (kombinierten) Persönlichkeitsstörung leidet, haben RAD-

Arzt Dr. K.___ und der Gutachter Dr. O.___ lediglich akzentuierte Persönlichkeitszüge 

diagnostiziert. Der langjährige behandelnde Psychiater med. pract. H.___ (2008 bis ca. 

2013) hat sich gar nie damit auseinandergesetzt, ob die Beschwerdeführerin an einer 

Persönlichkeitsstörung leiden könnte oder allenfalls akzentuierte Persönlichkeitszüge 

vorhanden sein könnten. Dr. O.___ hat zwar das Vorliegen von frühen 

lebensgeschichtlichen Belastungen bejaht (IV-act. 148-13), eine Persönlichkeitsstörung 

jedoch mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin vor der Erkrankung voll 

leistungsfähig gewesen sei, verneint. Tatsächlich treten Persönlichkeitsstörungen meist 

bereits in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung (ICD-10: F60.-). Aus dem 

psychiatrischen Teilgutachten von Dr. F.___ geht hervor, dass die Beschwerdeführerin 

in B.___ die Grundschule besucht habe. Die Lehre als Schneiderin habe sie wegen 

Hüftbeschwerden abgebrochen und stattdessen eine vierjährige Ausbildung zur 

Männermodeentwerferin absolviert. Eine feste Anstellung habe sie wegen ihrer 

Beschwerden nie erhalten. Rund ein Jahr lang habe sie als freie Mitarbeiterin für ein 

Theater gearbeitet und daneben vom Arbeitsamt gelebt. 1997/1998 habe sie Jura 

studiert, das Studium aber abbrechen müssen, weil kein Geld mehr vorhanden 

gewesen sei. Danach habe sie wieder vom Sozialamt gelebt. Im Jahr 2000 habe sie in 

B.___ den Invalidenstatus erhalten, d.h. man habe ihr nur noch eine Teilzeitarbeit in 

einer angepassten Tätigkeit zugetraut (IV-act. 33-2, 44-13). Der berufliche Werdegang 

der Beschwerdeführerin ist somit bereits in B.___ unstet gewesen. Sie hat nie eine 

Festanstellung gehabt und auch nie Vollzeit gearbeitet. Die Angabe von Dr. O.___, dass 

die Beschwerdeführerin vor der Erkrankung im Jahr 2006 voll leistungsfähig gewesen 

sei, überzeugt vor diesem Hintergrund nicht.

3.4  Bei einer Persönlichkeitsstörung handelt es sich um ein andauerndes Verhaltens- 

und Erlebnismuster, das deutlich, tief greifend und inflexibel von den Erwartungen der 

soziokulturellen Umgebung abweicht. Eine Persönlichkeitsstörung beginnt zwar bereits 

in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter, das subjektive Leiden tritt unter 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/21

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Umständen aber erst im späteren Verlauf auf (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 

266. Auflage, Berlin 2014, S. 1641). Eine schizoide Persönlichkeitsstörung ist durch 

einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermässiger 

Vorliebe für Phantasie, einzelgängerisches Verhalten und in sich gekehrte 

Zurückhaltung gekennzeichnet. Betroffene haben nur ein begrenztes Vermögen, 

Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben (ICD-10: F60.1). Bei der emotional 

instabilen Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung mit 

deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, 

verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung 

zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu 

kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu 

Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder 

behindert werden. Es können zwei Erscheinungsformen unterschieden werden: Ein 

impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und 

mangelnde Impulskontrolle und ein Borderline-Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch 

Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein 

chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und 

eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und 

Suizidversuchen (ICD-10: F60.3). Die anankastische (zwanghafte) 

Persönlichkeitsstörung ist durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener 

Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit 

gekennzeichnet. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse 

auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen (ICD-10: F60.5). Die 

Hauptmerkmale der ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung sind Gefühle von 

Anspannung und Besorgtheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit. Es besteht eine 

andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptiert werden und eine 

Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Kritik mit eingeschränkter 

Beziehungsfähigkeit. Die betreffende Person neigt zur Überbetonung potentieller 

Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter 

Aktivitäten (ICD-10: F60.6). Personen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung 

verlassen sich bei kleineren oder grösseren Lebensentscheidungen passiv auf andere 

Menschen. Die Störung ist ferner durch grosse Trennungsangst, Gefühle von 

Hilflosigkeit und Inkompetenz, durch eine Neigung, sich den Wünschen älterer und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/21

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anderer unterzuordnen sowie durch ein Versagen gegenüber den Anforderungen des 

täglichen Lebens gekennzeichnet. Die Kraftlosigkeit kann sich im intellektuellen 

emotionalen Bereich zeigen; bei Schwierigkeiten besteht die Tendenz, die 

Verantwortung anderen zuzuschieben (ICD-10: F60.7). Die narzisstische 

Persönlichkeitsstörung ist durch ein Gefühl der Grossartigkeit und der eigenen 

Wichtigkeit, dem Bedürfnis nach Bewunderung, von Arroganz und Anspruchsdenken, 

von hoher Kränkbarkeit und von einem Mangel an Einfühlungsvermögen und Empathie 

gekennzeichnet. Sie kann nach Kränkungssituationen mit einer schweren depressiven 

Episode und Suizidalität einhergehen (Pschyrembel, a.a.O., S. 1642).

3.5  Die Psychiaterin Dr. T.___ hat gegenüber Dr. F.___ angegeben, dass die 

Beschwerdeführerin psychisch sicher deutlich gestört sei; diagnostisch handle es sich 

um eine narzisstische (ev. Borderline-) Persönlichkeitsstörung. Die Beschwerdeführerin 

habe bei der Erhebung der Lebensgeschichte manchmal nicht zwischen Phantasie und 

Realität unterscheiden können. Ihre Angaben seien nicht kongruent mit den Angaben 

gewesen, die sie gegenüber Dr. C.___ gemacht habe. Genaueres Nachfragen habe zu 

Spannungen in der therapeutischen Beziehung geführt (IV-act. 33-4). Die 

anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin sind teilweise tatsächlich 

widersprüchlich: Beispielsweise hat sie gegenüber Dr. F.___ angegeben, ihren Vater 

nicht zu kennen (IV-act. 33-2), während sie gegenüber den ABI-Gutachtern erklärt hat, 

im 16. oder 17. Altersjahr erfahren zu haben, wer ihr Vater sei (IV-act. 148-11). 

Diskrepant sind auch die Angaben bezüglich der Kindheit: Dr. S.___ hat die 

Beschwerdeführerin erzählt, dass die Verhältnisse beim Heranwachsen die Hölle 

gewesen seien (act. G 9.1). RAD-Arzt Dr. K.___ hingegen hat notiert, dass die 

Beschwerdeführerin vom Grossvater, der sie praktisch grossgezogen habe, alles 

bekommen habe und an diese Zeit gute Erinnerungen habe (IV-act. 107). Natürlich 

stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich nicht zwischen Phantasie 

und Realität unterscheiden kann, oder ob sie bewusst falsche Angaben zu ihrer 

Anamnese gemacht hat. Ohne Zweifel aufhorchen lassen die Aussagen der 

Beschwerdeführerin gegenüber der gynäkologischen Gutachterin Dr. R.___, wonach sie 

als Teamleiterin in einer Pizzeria gut im Team eingebettet gewesen sei, dass ihr die 

Arbeit viel Spass gemacht habe und dass sie beim Arbeitsversuch erfreulicherweise 

festgestellt habe, dass sie viel Geduld mit anderen Menschen habe und diesen gerne 

bei der Ausbildung zur Seite stehe (IV-act. 148-26 f.). Gemäss den (angesichts der 

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Aktenlage überzeugenden) Ausführungen der Rechtsvertreterin ist die 

Beschwerdeführerin der Tätigkeit als Teamleiterin nicht gewachsen gewesen. Sie sei 

nicht kompromissbereit gewesen, habe die anderen Mitarbeiter mit ihrem 

Perfektionismus überfordert und wenn in ihren Augen etwas nicht richtig gelaufen sei, 

sei sie sehr böse geworden, was zu andauernden Konflikten mit den anderen 

Arbeitnehmern geführt habe (IV-act. 125). Dass die Beschwerdeführerin offenbar 

Probleme mit der Selbstwahrnehmung sowie mit der Wahrnehmung und Interpretation 

ihrer Mitmenschen hat, geht auch eindrücklich aus dem Bericht über den 

tagesklinischen Aufenthalt im Jahr 2006 und aus den Unterlagen über die berufliche 

Abklärung im Jahr 2010 hervor: Dr. C.___ hat angegeben, dass die Beschwerdeführerin 

während des tagesklinischen Aufenthalts Mühe gehabt habe, andere wahrzunehmen 

und sich in andere einzufühlen. Durch unangepasste Äusserungen habe sie sich in eine 

Aussenseiterposition gebracht (IV-act. 14-3). Die Projektleiterin der beruflichen 

Abklärung hat erklärt, dass sich die Beschwerdeführerin im Team auffällig verhalten 

habe: Sie habe sich abgesondert, sich gegenüber anderen Teilnehmerinnen manchmal 

verständnislos und intolerant gezeigt und es habe immer wieder Konflikte mit anderen 

Teilnehmerinnen gegeben; die Beschwerdeführerin sei weder bei den Teilnehmerinnen 

noch bei den Leiterinnen (Akzeptanzproblem) beliebt gewesen. Die Beschwerdeführerin 

hat das Problem demgegenüber nicht bei sich selber, sondern bei den anderen Frauen 

gesehen (IV-act. 87-7 und 90-4). Neben den vielen zwischenmenschlichen Konflikten 

und dem Mangel an Einfühlungsvermögen und Empathie (IV-act. 14-3) gehen aus den 

Akten auch andere Merkmale einer Persönlichkeitsstörung hervor wie beispielsweise 

eine tiefe Frustrationstoleranz und eine gesteigerte Reizbarkeit (IV-act. 155-9, act. G 

9.1), eine tiefgreifende Kränkung durch den Betrug des Ehemannes (IV-act. 86-3), 

starke Stimmungsschwankungen (act. G 9.1), Spannungsgefühle (act. G 9.1), 

zwanghafte Handlungen (IV-act. 155-8 f.), Perfektionismus, Halsstarrigkeit, praktisch 

fehlende soziale Beziehungen sowie − als mögliches Begleitsymptom − Essstörungen. 

Das in den Akten beschriebene, äusserst auffällige Verhalten der Beschwerdeführerin 

sowie die fachärztlichen Einschätzungen von Dr. T.___, Dr. C.___, Dr. F.___ und Dr. 

S.___ wecken erhebliche Zweifel an den Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. K.___ und 

des Gutachters Dr. O.___, wonach bei der Beschwerdeführerin lediglich akzentuierte 

Persönlichkeitszüge ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen sollen. Da unklar 

ist, ob die Beschwerdeführerin an einer (kombinierten) Persönlichkeitsstörung leidet, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/21

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steht auch die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Eine erneute psychiatrische Begutachtung 

unter Berücksichtigung der gesamten Krankengeschichte (insbesondere auch der 

derjenigen von Dr. S.___) ist unumgänglich.

3.6  Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die psychiatrische 

Neubegutachtung in Auftrag zu geben hat. Die bundesgerichtliche Praxis, wonach ein 

kantonales Versicherungsgericht in der Regel dann ein Gerichtsgutachten einholt, wenn 

es im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, eine Administrativexpertise 

sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4), leuchtet 

nicht ein: Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet, die 

notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Die Beschwerdegegnerin 

hat somit u.a. den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären, dass die 

Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsunfähigkeit in 

psychiatrischer Hinsicht ungenügend abgeklärt. Der Gesetzgeber hat die 

rechtsgenügliche Ermittlung des Sachverhalts ausdrücklich der IV-Stelle zugewiesen. 

Eine Verletzung dieser gesetzlichen Regelung kann durch die vom Bundesgericht 

angeführten Vorteile von Gerichtsgutachten, namentlich der Straffung des 

Gesamtverfahrens und der beschleunigten Rechtsgewährung (siehe BGE 137 V 210 E. 

4.4.1.2), nicht „geheilt“ werden. Hinzu kommt, dass in einem Gerichtsgutachten nur der 

Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt der angefochtenen 

Verfügung zu beurteilen sind, während eine Rückweisung der Beschwerdegegnerin die 

Möglichkeit gibt, den gesamten Verlauf der Arbeitsfähigkeit bis zu einer neuen 

Verfügung zu berücksichtigen. Zu beachten ist auch, dass der Beschwerdeführerin 

durch die Einholung eines Gerichtsgutachtens die Möglichkeit genommen würde, den 

Rentenanspruch von drei Instanzen prüfen zu lassen. Dies ist insbesondere auch 

deshalb problematisch, weil das Bundesgericht nur über eine eingeschränkte Kognition 

verfügt, d.h. es kann den Sachverhalt nur eingeschränkt überprüfen (siehe Art. 97 des 

Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die erneute psychiatrische Begutachtung ist 

daher durch die Beschwerdegegnerin zu veranlassen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/21

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3.7  Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der 

Beschwerde gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und die Sache ist zur 

erneuten psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Ein allfälliger Rentenanspruch könnte, wie in Erw. 1.2 erläutert, frühestens ab 1. Januar 

2007 entstehen. Für den Rentenanspruch entscheidend ist die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin während eines Jahres vor dem frühestmöglichen 

Anspruchsbeginn, also ab Januar 2006. Im einzuholenden psychiatrischen Gutachten 

ist daher auch zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit Januar 2006 Stellung zu nehmen. 

Die Begutachtung hat zudem unter Einbezug der vollständigen Krankheitsgeschichte 

zu erfolgen.

4.   

4.1  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die 

Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die 

Verwaltung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215 E. 

6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt sich 

die Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung.

4.2  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur 

weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten 

ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das 

Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) 

pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Ein durchschnittlich aufwändiger IV-Rentenfall 

wird im Verfahren vor dem Versicherungsgericht praxisgemäss pauschal mit Fr. 

3'500.-- entschädigt. Die Rechtsvertreterin hat eine Honorarnote über Fr. 5'300.-- (exkl. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/21

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Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht. Dieser Betrag erscheint deutlich zu 

hoch, da der vorliegende Fall vom Aufwand und vom Schwierigkeitsgrad her im 

Vergleich mit anderen Fällen durchschnittlich gewesen ist. Die Entschädigung ist daher 

auf pauschal Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.   

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 12. 

Mai 2014 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur 

anschliessenden Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.  

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.   

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 

3'500.-- zu bezahlen.

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	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 18.04.2017
	Art. 43 Abs. 1 ATSG. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Rückweisung der Sache zur erneuten psychiatrischen Begutachtung. Klärung der Frage, ob die Beschwerdeführerin an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. April 2017, IV 2014/316).

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