# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ce3f51c1-2b69-5ad9-933c-46fd90739a1e
**Source:** Bundespatentgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-10-06
**Language:** de
**Title:** Entscheid O2019_004
**Docket/Reference:** O2019_004
**URL:** https://www.bundespatentgericht.ch/rechtsprechung/entscheidanzeige/161/

## Full Text

B u n d e s p a t e n t g e r i c h t

T r i b u n a l   f é d é r a l   d e s   b r e v e t s

T r i b u n a l e   f e d e r a l e   d e i   b r e v e t t i

T r i b u n a l   f e d e r a l   d a   p a t e n t a s

F e d e r a l   P a t e n t   C o u r t

O2019_004

Besetzung

U r t e i l   v o m   6 .   O k t o b e r   2 0 2 0

Präsident Dr. iur. Mark Schweizer (Vorsitz),
Richter Dipl. El.-Ing. ETH, MSc. C.S. (Computer Science)
Daniel Vogel (Referent),
Richter Dipl. Ing. Phys. EPFL Christoph Müller,
Erste Gerichtsschreiberin lic. iur. Susanne Anderhalden

Verfahrensbeteiligte

Sunshine Software Development GmbH,
Josef-Kogler-Strasse 8, DE-82031 Grünwald,

vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. iur. Kilian Schärli und
Dr. iur. Simon Holzer, Meyerlustenberger Lachenal AG, 
Schiffbaustrasse 2, Postfach 1765, 8031 Zürich, patentan-
waltlich beraten durch Dipl. Ing. Andreas Ascherl, Kehl 
Ascherl Liebhoff & Ettmayr, Patentanwälte - Partnerschaft 
mbB, Emil-Riedel-Strasse 18, DE-80538 München,

Klägerin

gegen

FRIENDZ SA, Corso San Gottardo 16, 6830 Chiasso,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jonathan Bernasconi, 
Kellerhals Carrard, Via Canova 15, Casella postale 6280, 
6901 Lugano, und Rechtsanwalt Dr. iur. Daniel Alder, Keller-
hals Carrard, Rämistrasse 5, Postfach, 8024 Zürich, patent-
anwaltlich beraten durch Dr. Philipp Rüfenacht, Keller & Part-
ner Patentanwälte AG, Eigerstrasse 2, Postfach, 3000 Bern 
14,

Beklagte

Gegenstand

Patentverletzung (Auskunft, Rechnungslegung, Wiedergut-
machung); Peer-to-Peer-Protokoll

O2019_004

Das Bundespatentgericht zieht in Erwägung:

Prozessgeschichte

1.
Am 26. April 2019 reichte die Klägerin die Klageschrift ein mit folgenden
Rechtsbegehren:

«1. Die Beklagte sei unter Androhung einer Ordnungsbusse von CHF 1'000 pro 

Tag der Nichterfüllung gemäss Art. 343 Abs. 1 lit. c ZPO, mindestens aber 

CHF 5'000 gemäss Art. 343 Abs. 1 lit. b ZPO, sowie der Bestrafung ihrer Or-

gane nach Art.  292 StGB  mit Busse im Widerhandlungsfall  zu  verpflichten, 

innert 45 Tagen nach Rechtskraft des Urteils Auskunft zu erteilen und nach 

anerkannten  Grundsätzen  der  Rechnungslegung  Rechnung  zu  legen  über 

sämtliche Transaktionen mit Tokens, die auf der Ethereum-Blockchain basie-

ren,  also  insbesondere,  aber  nicht  abschliessend  nativer  Ethereum  Token 

(ETH und ERC20) und Friendz-Token (FDZ), unter Angabe insbesondere der 

folgenden Informationen (unter Vorlage der einschlägigen Auszüge aus der 

Finanz- und Betriebsbuchhaltung sowie der Kostenstellen- und Kostenträger-

rechnung,  sowie  Auszüge  aus  den  genutzten  Krypto-Wallets  und  der 

Ethereum-Blockchain):

a. Wann wurden die entsprechenden Token generiert?

b. Wann und an welche Token-Adressen wurden die entsprechenden To-

ken versendet?

c. Wann und durch wen wurde welcher Token empfangen?

d. Angabe  sämtlicher  Primär- und  Sekundärmarkt-Transaktionen,  bei  de-

nen  entsprechende  Token  gegen  andere  Token  ausgegeben,  umge-

tauscht, ge- oder verkauft wurden, unter Angabe der Tokens und deren 

Anzahl,  dem Tauschverhältnis und Tauschzeitpunkt, sowie  der jeweili-

gen Kurse der Token in CHF;

e. Angabe  sämtlicher  Primär- und  Sekundärmarkt-Transaktionen,  bei  de-

nen entsprechende Token gegen Fiat-Währungen ausgegeben, umge-

tauscht, ge- oder verkauft wurden, unter Angabe der Tokens und deren 

Anzahl,  dem Tauschverhältnis und Tauschzeitpunkt, sowie  der jeweili-

gen Kurse der Token in CHF;

f.

Angabe sämtlicher Transfers, bei denen entsprechende Token zwischen 

eigenen  Wallets  der  Beklagten  oder  Wallets  von  mit  ihr  verbundenen 

Seite 2

Personen transferiert wurden, unter Angabe der Tokens und deren An-

zahl,  der  allfälligen  Gegenleistung  (inkl.  Umtauschverhältnis)  und  dem 

Transferzeitpunkt, sowie der jeweiligen Kurse der Token in CHF.

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2. Der Klägerin sei im Anschluss an die Rechnungslegung und Auskunftsertei-

lung gemäss Rechtsbegehren 1 Gelegenheit zu geben, den von der Beklag-

ten an sie zu bezahlenden finanziellen Wiedergutmachungsanspruch zu be-

ziffern, und die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den so bezifferten 

Betrag zuzüglich eines Schadenzinses von 5% p.a. zu bezahlen.

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. der Auslagen für den not-

wendigerweise beigezogenen Patentanwalt) zu Lasten der Beklagten.

und den folgenden prozessualen Anträgen:

1. Das  Verfahren  sei  einstweilen  auf  die  Fragen  der  Auskunftserteilung  und 

Rechnungslegung, d.h. auf das Rechtsbegehren Nr. 1 zu beschränken, bis 

über dieses Rechtsbegehren ein vollstreckbares Teilurteil vorliegt;

2. Das Verfahren sei bis zum Vorliegen eines vollstreckbaren Teilurteils mit Be-

zug auf die Substantiierung und Bezifferung der finanziellen Ansprüche der 

Klägerin zu sistieren.»

2.
Am 3. Juli 2019 erstattete die Beklagte die Klageantwort:

«Präliminar

1. Die Klage sei unzulässig.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

In der Hauptsache

1. Die Klage sei vollständig abzuweisen, soweit sie zulässig sei.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

Eventualiter 

1. Das  Rechnungslegungsbegehren  der  Sunshine  Software  Development 

GmbH gegen die FRIENDZ SA sei zu beschränken auf die Informationen be-

treffend die Zahl der Token, die die FRIENDZ SA anlässlich ihres Initial Coin 

Offerings zwischen Februar und März 2018 emittiert hat, auf die Identität der 

Destinatäre der Token und auf die Identität der Nutzer und der Kunden, wobei 

die  Vornamen  und  Namen  der  Destinatäre  der  Token  und  der  Kunden  zu 

schwärzen und/oder in anonymisierter Form zu produzieren sein werden.

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Der FRIENDZ SA sei eine Frist von 45 Tagen ab der Rechtskraft dieses Ent-

scheids anzusetzen, um die Dokumentation von Punkt 1 nach den erwähnten 

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Modalitäten vorzulegen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

Auf jeden Fall

1. Das  Schadenersatzbegehren  der  Sunshine  Software  Development  GmbH, 

Deutschland, gegen die FRIENDZ SA, Schweiz, sei vollständig abzuweisen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.»

3.
Am  7.  Oktober  2019  fand  eine  Instruktions-/Vergleichsverhandlung  statt, 
die indessen zu keiner Einigung führte.

4.
Am  24.  Oktober  2019  reichte  die  Klägerin  die  Replik  ein,  darin  hielt  die 
Klägerin  an  den  bisherigen  Rechtsbegehren  fest,  mit  einer  Präzisierung 
des Rechtsbegehrens 2:

«2. Der Klägerin sei im Anschluss an die Rechnungslegung und Auskunftsertei-

lung gemäss Rechtsbegehren 1 Gelegenheit zu geben, den von der Beklag-

ten an sie zu bezahlenden finanziellen Wiedergutmachungsanspruch zu be-

ziffern, und die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den so bezifferten 

Betrag, mindestens aber CHF 100'000, zuzüglich eines Schadenzinses von 

5% p.a. zu bezahlen.

und dem prozessualen Antrag:

Es sei der Beklagten umgehend eine Frist von vier Wochen zur Einreichung 

der Duplik anzusetzen.»

5.
Am 20. Januar 2020 reichte die Beklagte die Duplik ein mit den folgenden 
Rechtsbegehren:

«1. Auf die Klage sei nicht einzutreten.

2. Eventualiter:

Die Klage sei vollumfänglich abzuweisen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Auslagenersatz für den not-

wendigerweise beigezogenen Patentanwalt).»

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6.
Am  24.  Februar  2020  reichte  die  Klägerin  die  Stellungnahme  zur  Duplik 
ein.

7.
Am 29. April 2020 erstattete Richter Daniel Vogel sein Fachrichtervotum.

8.
Die  Stellungnahmen  der  Parteien  dazu  erfolgten  je  mit  Eingabe  vom 
16. Juni 2020. 

9.
Am 30. Juni 2020 fand die Hauptverhandlung statt.

Prozessuales

10.
Die  Klägerin  ist  eine  Gesellschaft  mit  beschränkter  Haftung  mit  Sitz  in 
Deutschland. Die  Beklagte  ist  eine  Aktiengesellschaft  mit  Sitz  in  der 
Schweiz. Gemäss Art. 1 Abs. 2 IPRG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 und Art. 60 Abs. 1 
lit. a des Übereinkommens über die gerichtliche Zuständigkeit und die An-
erkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssa-
chen (LugÜ, SR 0.275.12) sowie Art. 26 Abs. 1 lit. a PatGG ist die örtliche 
und sachliche Zuständigkeit des Bundespatentgerichts gegeben.

11.
Die Klägerin bedient sich der deutschen Sprache, die Beklagte anfänglich 
der italienischen Sprache (Klageantwort), später ebenfalls der deutschen 
Sprache. Verfahrenssprache ist deutsch (Art. 36 Abs. 1 PatGG).

12.
Das Verfahren wird einstweilen auf die Frage der Auskunftserteilung und 
Rechnungslegung beschränkt (Art. 85 Abs. 2; Art. 125 lit. a ZPO).

13.
Gemäss Art. 110 Abs. 1 IPRG ist schweizerisches Recht anwendbar.

Rechtsschutzinteresse

14.
Prozessvoraussetzung  ist  unter  anderem  ein  schutzwürdiges  Interesse 

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des Klägers (Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO). Erforderlich ist im Regelfall ein per-
sönliches Interesse des Klägers, das in dem Sinn rechtlicher Natur ist, als 
die verlangte Leistung, die anbegehrte Feststellung oder Gestaltung einer 
Rechtslage ihm einen Nutzen eintragen muss.1

15.
Die  Beklagte  bestreitet  einerseits,  dass  Art.  66  PatG  eine  genügende 
Rechtsgrundlage für die verlangten Auskünfte bilde. Dieser Einwand ist bei 
der materiellen Begründetheit zu prüfen.

Andererseits behauptet die Beklagte, die für die Bezifferung der (bestritte-
nen) finanziellen Ansprüche der Klägerin notwendigen Informationen seien 
öffentlich zugänglich. So seien auf der Website der Beklagten die Zahl der 
Kunden, der Werbekampagnen und der aktiven Nutzer zu erfahren.

Wie  die  Klägerin  zu  Recht  bemerkt,  erlauben  die  öffentlich  zugänglichen 
Angaben auf der Website der Beklagten es ihr nicht, ihre finanziellen Wie-
dergutmachungsansprüche zu beziffern. Die Angaben erlauben weder die 
Bezifferung des Brutto-Umsatzes noch Rückschlüsse auf den Gewinn, zu-
dem sind sie veraltet (stammt von Anfang 2018, siehe S. 53). Die Klägerin 
hat daher einen Nutzen an den verlangten Auskünften, erlauben es diese 
ihr doch, ihre angeblichen finanziellen Wiedergutmachungsansprüche (ge-
nauer) zu beziffern.

Das Rechtsschutzinteresse der Klägerin ist daher ausgewiesen.

Bestimmtheit der Rechtsbegehren

16.
Ein Rechtsbegehren ist so bestimmt und präzis abzufassen, dass sich mit 
hinreichender  Deutlichkeit  erkennen  lässt,  was  der  Kläger  anstrebt,  und 
dass das Rechtsbegehren bei Gutheissung der Klage ohne Weiteres zum 
richterlichen Urteil erhoben werden kann.2

Die genügende Bestimmtheit des Rechtsbegehrens ist Prozessvorausset-
zung und damit von Amtes wegen zu prüfen, wobei das Bundespatentge-
richt eine unzureichende Bestimmtheit mangels entsprechender Rüge nur 

1 BGE 122 III 279 E. 3a; Urteil 4A_127/2019 vom 7. Juni 2019, E. 4.
2 BGE 137 III 617 E. 4.3; BGer, Urteil A-7040/2009 vom 30. März 2011, E. 3.2.

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sehr  zurückhaltend  annimmt.  Folge  der  mangelnden  Bestimmtheit  ist 
Nichteintreten auf die Klage.3

17.
Gemäss der Beklagten sind die Auskunfts- und Rechnungslegungsbegeh-
ren «weder zweckmässig, noch erforderlich, noch ist der Beklagten mög-
lich, diesen im anbegehrten Umfang überhaupt nachzukommen». Die Be-
klagte könne über die Empfänger der Token und Sekundärmarkt-Transak-
tionen  aus  technischen  Gründen  keine Angaben  machen.  Entsprechend 
seien die Rechtsbegehren unbestimmt und auf die Klage nicht einzutreten.

Die Beklagte bemängelt bei Lichte besehen, dass die Auskunftsbegehren 
zu weitgehend und/oder objektiv nicht erfüllbar seien. So ist das Begehren 
«Angabe sämtlicher Primär- und Sekundärmarkt-Transaktionen, bei denen 
entsprechende Token gegen andere Token ausgegeben, umgetauscht, ge-
oder  verkauft  wurden,  unter Angabe  der Tokens  und  deren Anzahl,  dem 
Tauschverhältnis und Tauschzeitpunkt, sowie der jeweiligen Kurse der To-
ken  in  CHF» durchaus  bestimmt,  aber  es  kann  sein,  dass  die  Beklagte 
ohne Verschulden nicht im Besitze dieser Informationen ist und sich diese 
Informationen auch nicht beschaffen kann. Dann ist das Rechtsbegehren 
im  entsprechenden  Umfang  materiell  abzuweisen.  Offenbar  erkennt  die 
Beklagte, was von ihr verlangt wird; sie kritisiert, dass sie nicht in der Lage 
sei, das Verlangte zu leisten. Eine Unbestimmtheit, die zum Nichteintreten 
führt, liegt nicht vor.

Daher ist auf die Klage einzutreten.

Materielles

Aktivlegitimation der Klägerin

18.
Wer über eine ausschliessliche Lizenz verfügt, ist unabhängig von der Ein-
tragung  der  Lizenz  im  Register  selbständig  zur  Klage  nach Art.  72  oder 
Art. 73  PatG  berechtigt,  sofern  dies  im  Lizenzvertrag  nicht  ausdrücklich 
ausgeschlossen worden ist (Art. 75 Abs. 1 PatG).

19.
Die Beklagte bestreitet die Aktivlegitimation der Klägerin. Die Klägerin habe 

3 BPatGer, Urteil O2012_004 vom 24. August 2012, E. 9 – «Leichtbeton»; Teilurteil 
O2017_007 vom 1. November 2019, E. 15 – «Beatmungsgerät».

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den ausschliesslichen Lizenzvertrag, aus dem sie ihre Klageberechtigung 
ableite, nicht eingereicht. Daher sei nicht erstellt, dass der Lizenzvertrag 
die  Klageberechtigung  nicht  ausdrücklich  ausschliesse.  Die  Zeichnungs-
berechtigung  des  angeblichen  Verwaltungsratspräsidenten  der AC Tech-
nologies SA sei nicht belegt, und die Unterzeichnung der Bestätigung des 
Lizenzvertrags sei in Dubai erfolgt, obwohl die AC Technologies SA ihren 
Sitz in Luxemburg habe. Folglich sei die Wirksamkeit des Lizenzvertrags 
nach dem anwendbaren Recht zu überprüfen.

20.
Die  Klägerin  reicht  zum  Nachweis  ihrer  Klageberechtigung  eine  Bestäti-
gung der im schweizerischen Patentregister eingetragenen Inhaberin des 
Patents CH EP 1 151 591 B1 (Klagepatent) ein, der AC Technologies SA, 
Leithum, Luxemburg. Gemäss der Bestätigung hat die Patentinhaberin der 
Klägerin eine ausschliessliche Lizenz am Klagepatent erteilt und die Klä-
gerin hat das Recht, das Klagepatent gegen Dritte gerichtlich durchzuset-
zen. Die Bestätigung ist unterzeichnet von Joachim Günster, Vorsitzender 
des Verwaltungsrates der AC Technologies SA. Ausweislich des Handels-
registerauszugs der AC Technologies SA ist Joachim Günster einzelzeich-
nungsberechtigter Geschäftsführer-Direktor der AC Technologies SA.

Das Gericht muss nach freier Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO) überzeugt 
sein, dass die Klägerin ausschliessliche Lizenznehmerin am Klagepatent 
ist  und  dass  ihre  Berechtigung  zur  selbständigen  Klage  nicht  vertraglich 
ausgeschlossen wurde. Aufgrund der vorliegenden Bestätigung ist das Ge-
richt überzeugt, dass die Klägerin zur selbständigen Klage ermächtigt ist. 
Dass die Bestätigung nicht am Sitz der Lizenzgeberin unterzeichnet wurde, 
vermag ihre Gültigkeit nicht in Frage zu stellen. Ein Anspruch auf Vorlage 
des vollständigen Lizenzvertrags besteht nicht; der Beweis kann auch auf 
anderem Weg erbracht werden.

Die Klägerin kann die Ansprüche aus der Verletzung des Klagepatents da-
her selbständig geltend machen.

Klagepatent

21.
Das Klagepatent EP 1 151 591 B1 wurde 11. Januar 2000 angemeldet und 
seine Erteilung am 22. September 2004 veröffentlicht. Das Klagepatent be-
ansprucht die Priorität der DE19900636 vom 11. Januar 1999.

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Das Klagepatent betrifft die Speicherung von und den Zugriff auf Daten in 
verteilten und vernetzten Rechnerstrukturen (Abs. [0001]).

Im Unterschied zu verteilten und vernetzten Rechnerstrukturen, bei denen 
Daten von einem zentralen Rechnersystem, mit einem oder mehreren Ser-
vern, zur Verfügung gestellt werden, betrifft das Klagepatent ein dezentra-
les vernetztes System zur Datenverwaltung, das ohne eine zentrale Steu-
erung  auskommt,  da  die Daten  dezentral  durch die Teilnehmer  des  Sys-
tems gespeichert und verwaltet werden (so genanntes «Peer to Peer Pro-
tokoll»).

Die Erfindung soll eine möglichst schnelle Versorgung mit Daten ermögli-
chen,  wobei  zusätzlich  gewährleistet  sein soll,  dass  die  Übertragungen 
möglichst fehlertolerant durchgeführt werden (Abs. [0010]). Des Weiteren 
soll die Erfindung die Funktionsfähigkeit des verteilten, vernetzten Rech-
nersystems auch bei einem Ausfall von Daten bereitstellenden Einrichtun-
gen und von einzelnen Netzwerkbereichen sicherstellen (Abs. [0011]).

Der Wortlaut der geltend gemachten Ansprüche 1 und 30 des Klagepatents 
wird bei der Auslegung in E. 28 wiedergegeben.

Technologischer Hintergrund

22.
Die  Klägerin  behauptet,  das  Klagepatent  lasse  sich  auf  die  Blockchain-
Technologie,  insbesondere  die  so  genannte  «Ethereum  Blockchain»,  le-
sen.  Es  ist  deshalb  notwendig,  kurz  einige  technische  Grundlagen  der 
Ethereum-Blockchain darzustellen. Dabei wird darauf verzichtet, die Tech-
nologie umfassend zu erklären, und nur auf diejenigen Aspekte vertieft ein-
gegangen, die für das vorliegende Urteil relevant sind. Soweit nicht anders 
angegeben, sind die Ausführungen zum technologischen Hintergrund un-
bestritten und entstammen dem Parteigutachten von Björn Scheuermann 
vom 25. März 2019.

Ethereum  ist  eine  quelloffene,  global  dezentralisierte  Software,  die  Pro-
gramme ausführt, die als «smart contracts» bezeichnet werden. Sie ver-
wendet eine Blockchain, um die Zustandsänderungen des Systems zu syn-
chronisieren  und  zu  speichern,  zusammen  mit  einer  Kryptowährung  na-
mens «Ether», um die Kosten der Ausführungsressourcen zu messen und 
zuzuteilen. Anders als die bekannte Bitcoin-Blockchain besteht der Zweck 
von  Ethereum  nicht  in  erster  Linie  darin,  ein  Zahlungsnetzwerk für  Kryp-
towährungen zu sein. Während die Kryptowährung Ether sowohl integraler 

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Bestandteil als auch notwendig für den Betrieb von Ethereum ist, ist Ether 
als Gebrauchswährung gedacht, um die Nutzung der Ethereum-Plattform 
zu bezahlen.

Ethereum ist ein verteiltes System, dessen Teilnehmer das Ethereum-ei-
gene Peer-to-Peer-Netzwerk nutzen, um Daten ohne einen zentralen Ser-
ver auszutauschen. Da dieses Netzwerk über eine vorhandene Netzwerk-
Infrastruktur realisiert wird, wird es auch als «Overlay-Netzwerk» bezeich-
net. 

Alle Teilnehmer von Ethereum arbeiten mit einer gemeinsamen Datenba-
sis, der Ethereum-Blockchain. Die Sicherheit des Systems hängt massge-
blich davon ab, dass alle Teilnehmer die gleiche Sicht auf die in der Block-
chain  gespeicherten  Daten  haben  und  stets  auf  dem  aktuellsten  Stand 
sind. Daher tauschen sich Kommunikationspartner bei jedem Verbindungs-
aufbau über ihren jeweiligen Stand der Blockchain aus. Stellt ein Teilneh-
mer durch diesen Austausch fest, dass seine lokale Blockchain nicht der 
aktuellsten Version im Netzwerk entspricht, so startet er eine Synchronisa-
tion  der  fehlenden  Blöcke  über  den  sogenannten  Downloader,  eine Teil-
komponente der Ethereum-Software.

Am Peer-to-Peer Netzwerk teilnehmende Rechner werden auch als «Kno-
ten» oder  «nodes» des  Netzwerks  bezeichnet.  Speichert  ein  Knoten  die 
gesamte Ethereum-Blockchain, wird er als «Full Node» bezeichnet. Er ent-
spricht unstrittig einer «Datenspeichereinheit» des geltend gemachten An-
spruchs. Speichert ein Knoten nur den Teil der Blockchain, der für ihn rele-
vant ist, spricht man von einem «Light Node», der unstrittig einer «Rech-
nereinheit» im Sinne des Klagepatents entspricht.

Die Netzwerk-Verwaltung in Ethereum gliedert sich in drei Hauptbestand-
teile: Die sogenannte Peer Discovery, die Peer-Verwaltung und darauf auf-
bauend das Ethereum-Protokoll. Das Zusammenspiel der einzelnen Kom-
ponenten der Netzwerk-Verwaltung bestimmt die Menge an aktiven Kom-
munikationsverbindungen, die ein Knoten unterhält.

In der Regel ist die Sicht eines Netzwerkknotens auf das gesamte Netz-
werk unvollständig. Das Ziel der Peer Discovery ist es, geeignete Knoten 
für potentielle Overlay-Verbindungen zu finden. Jeder Netzwerkknoten um-
fasst eine Tabelle mit den ihm bekannten Knoten. Die Zeilen der Tabelle 
werden als «Buckets» bezeichnet. Jeder Bucket enthält maximal 16 Nach-

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barn einer bestimmten logischen Distanz zum eigenen Knoten. Jedem Bu-
cket ist eine sogenannte Replacement List vorgeschaltet, in der maximal 
zehn Knoten in einem Ringpuffer gespeichert werden. Soll ein neuer Kno-
ten in einen bereits gefüllten Bucket hinzugefügt werden, so werden alle 
bestehenden Einträge um eine Position nach hinten verschoben und der 
letzte Eintrag entfernt.

Es gibt verschiedene Mechanismen, über die ein Netzwerkknoten von an-
deren Nachbarn erfahren kann, die hier nicht weiter erläutert werden. Wich-
tig  im  vorliegenden  Zusammenhang  ist,  dass  ein  zweistufiger  Prozess 
durchlaufen  werden  muss,  bevor  ein  Nachbar  in  der  lokalen Tabelle  ge-
speichert wird. Der Prozess besteht aus einem Bonding sowie gegebenen-
falls der sogenannten Revalidation.

Das Bonding soll sicherstellen, dass der Nachbarknoten tatsächlich exis-
tiert und aktiv kommuniziert. Dazu wird eine Ping-Nachricht an den poten-
tiellen Nachbarn geschickt, welche mit einer Pong-Nachricht beantwortet 
werden  muss.  Der  Ping/Pong-Austausch muss  dabei  nicht  unbedingt  er-
folgreich sein. Nach Beendigung des Bondings wird der Knoten dem Bu-
cket hinzugefügt, wenn der Bucket noch nicht voll ist. Ansonsten wird der 
Knoten in die Replacement List eingetragen, deren bestehende Einträge 
um eine Position nach hinten verschoben und der letzte Eintrag entfernt.

In Abständen von 0 bis 10 Sekunden wird die Revalidation der Knoten im 
Bucket durchgeführt. Dazu wird der letzte Knoten in einem Bucket ausge-
wählt  und  eine  Ping-Nachricht  an  den  besagten  Knoten  gesendet.  Falls 
innerhalb von 0,5 Sekunden eine Pong-Nachricht empfangen wird, bleibt 
der Knoten im Bucket und wird an die vorderste Position des Buckets ge-
setzt. Falls der Empfänger der Ping-Nachricht nicht innerhalb der Zeitfrist 
antwortet, so wird der entsprechende Knoten durch einen zufälligen Kno-
ten aus der Replacement List ersetzt.

Das beschriebene Verhalten der Tabelle sorgt dafür, dass die Reihenfolge 
der  Nachbarn  innerhalb  eines  Buckets  ihre  Aktivität  widerspiegelt:  Der 
erste Knoten ist dabei der zuletzt aktive, während der letzte am längsten 
nicht  aktiv  war.  Die  Sortierung  erfolgt  implizit. Bleiben  Nachbarn  inaktiv, 
beispielsweise, weil die Datenübertragung zwischen den Nachbarn derzeit 
gestört oder sehr langsam ist, dann werden sie früher oder später durch 
aktivere ersetzt. Die Sortierung der Knoten in den Buckets wird somit durch 
die mittels der Ping- und Pong-Nachrichten ermittelte Nachrichtenlaufzeit
beeinflusst.

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Die vorstehend beschriebene Peer-Discovery-Tabelle dient als Grundlage 
für die Peer-Verwaltung in Ethereum, auch DevP2P genannt. DevP2P baut 
Verbindungen zu anderen Knoten auf/ab und verwaltet die aktiven Kom-
munikationsverbindungen,  basierend  auf  den  Daten  der  Peer  Discovery. 
Die  Peer  Discovery  sucht  neue  Nachbarn  und  liefert  diese  als  mögliche 
Kandidaten für einen Verbindungsaufbau an die Peer-Verwaltung. Basie-
rend auf diesen Vorschlägen baut die Peer-Verwaltung neue Verbindungen 
auf  und  formt  dementsprechend  das  Overlay-Netzwerk.  Die  eigentlichen 
Netzwerkprotokolle (wie z.B. das Ethereum-Protokoll) versenden ihre Da-
ten (zum Beispiel Transaktionen und Blöcke) über diese Verbindungen.

Die maximale Anzahl von gleichzeitig aktiven Verbindungen ist auf insge-
samt 25 beschränkt. Wenn nicht alle ausgehenden Verbindungsslots aus-
gefüllt sind, werden Verbindungsaufbauten zu möglichen Nachbarn, die in 
der Peer-Discovery-Tabelle gespeichert werden, gestartet. Unter Weglas-
sung  der  Details  ist  festzuhalten,  dass  die Auswahl  der  Knoten aus  der 
Peer-Discovery-Tabelle, zu denen eine Verbindung aufgebaut wird, von der 
impliziten Sortierung der Knoten in den Buckets in dem Sinne beeinflusst
wird, dass ein Verbindungsaufbau zu einem aktiveren Knoten mit geringe-
rer Antwortzeit wahrscheinlicher ist.

Verletzungshandlungen

23.
Die  Beklagte  vertreibt  eine  Applikation  für  mobile  Plattformen  namens 
«Friendz App», mit der Nutzer digitale Inhalte teilen können. Für die Erstel-
lung von (erfolgreichen) digitalen Inhalten und die Interaktion mit solchen 
Inhalten erhalten die Nutzer so genannte «Z-Credits», die gegen «Friendz-
Token» eingetauscht  werden  können.  Beim  «Friendz-Token» handelt  es 
sich um einen Token (eine auf der Blockchain transferierbare Einheit), der 
auf dem ERC20-Standard («Ethereum Request for Comments 20») beruht.
Der ERC20-Standard definiert, welche Funktionen ein Smart Contract be-
sitzen muss, um als ERC20-Token zu gelten.

Im März 2018 führte die Beklagte eine «Initial Coin Offering» durch, d.h. 
interessierte Dritte konnten im Tausch gegen die Kryptowährung «Ether»
Friendz-Token erwerben. Nach Angaben der Beklagten wurden insgesamt 
392 Millionen Friendz-Token verkauft und 22’868 Einheiten «Ether» einge-
nommen, was im März 2018 einem Gegenwert von USD 10 Mio. bis USD 
20 Mio. entsprach (da der Ether-Kurs in dem Zeitraum stark schwankte, ist 
keine genauere Angabe möglich).

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Die Klägerin argumentiert, dass Transaktionen mit Friendz-Token (wie der
Versand an externe Empfänger), die mit der beklagtischen «Friendz App»
ausgeführt  werden können,  dazu führen,  dass  ERC-Token  bzw.  entspre-
chende  Transaktionen  von  Smart  Contracts  in  der  Ethereum-Blockchain 
abgebildet werden. Da die Ethereum-Software in bestimmten Konstellatio-
nen die geltend gemachten Ansprüche des Klagepatents verletze, sei der 
Vertrieb etc. der «Friendz App» eine der Beklagten zuzurechnende patent-
verletzende Handlung.

Die  Beklagte  bestreitet  einerseits,  dass  die Ethereum-Software  in  den 
Schutzbereich des Klagepatents fällt (dazu hinten, E. 35 ff.). Andererseits 
macht  sie  geltend,  die  nachweislich  dezentralisierten  und  unabhängigen 
Rechner- und  Speichereinheiten  samt  aller  Transaktionen  unbekannter 
Dritter könnten der Beklagten patentrechtlich überhaupt nicht zugerechnet 
werden.

Zu letzterem Argument der Beklagten ist zu sagen, dass derjenige, der ein 
patentrechtlich  geschütztes  Verfahren  oder  eine  geschützte  Vorrichtung 
benützt,  sich  nicht  dadurch  der  Verantwortung  entziehen  kann,  dass  die 
Vorrichtung  in  fremden  Eigentum  steht  oder  das  Verfahren  von  Dritten 
durchgeführt wird, wenn die Vorrichtung oder das Verfahren unter seiner 
Kontrolle stehen. Die von der Beklagten emittierten Friendz-Token beruhen 
auf der Ethereum-Software. Transaktionen mit ihnen sind ohne Benutzung 
der Ethereum-Software nicht möglich. Indem die Beklagte Token emittiert, 
die auf dem ERC20-Standard beruhen, benutzt sie wissentlich und willent-
lich  die  Ethereum-Software.  Dass  diese  auf  Rechnern  läuft,  die  ihr  nicht 
gehören, spielt keine Rolle. 

Bezüglich  Sekundärmarkt-Transaktionen  mit  Friendz-Token  ist  die  Be-
klagte zumindest als Gehilfin i.S.v. Art. 66 lit. c PatG zu betrachten, soweit 
die Sekundärmarkt-Transaktionen als widerrechtliche Haupttaten zu quali-
fizieren sind. Die Friendz-Token haben keinen anderen Zweck, als mit Hilfe 
der  Ethereum-Blockchain  übertragen  zu  werden,  was  der  Beklagten  be-
wusst ist. Durch die Schaffung der Token ermöglicht die Beklagte erst sol-
che Transaktionen und begünstigt sie damit i.S.v. Art. 66 lit. d PatG.

Nicht  zu  beantworten  ist  vorliegend  die  Frage,  ob  die  Benutzung  der 
Ethereum-Software durch  Anwender im  Ausland eine  Verletzung  des 
schweizerischen  Teils  eines  europäischen  Patents  darstellt.  Die  Frage 
kann  offengelassen werden,  weil  die  Ethereum-Software  nicht  in  den 

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Schutzbereich  der  geltend  gemachten  Ansprüche  eingreift  (hinten, 
E. 35 ff.).

24.
Erstmals anlässlich der Hauptverhandlung bringt die Beklagte vor, das von 
der Klägerin beschriebene Szenario (d.h. dass ein Knoten A des Peer-to-
Peer-Netzwerks ausfällt, kurz nachdem er Daten an einen anderen Knoten 
C  übermittelt  hat,  dieser  andere  Knoten  C  den Ausfall  bemerkt  und  eine 
Verbindung  mit  einem  weiteren  Knoten  D  aufnimmt,  der  die  von A  an  C 
übermittelten Daten noch nicht gespeichert hat und sie deshalb von C ko-
piert) sei von vielen Zufällen abhängig. Es könne zwar theoretisch vorkom-
men, aber die Klägerin habe nicht nachgewiesen, dass dieses Szenario im 
Ethereum-Overlay  tatsächlich  vorgekommen sei. Entsprechend  habe  die 
Klägerin – selbst wenn das beschriebene Szenario patentverletzend wäre, 
was die Beklagte bestreitet – nicht nachgewiesen, dass es tatsächlich zu 
Patentverletzungen gekommen sei. In einem komplexen System könnten 
zufällig fast alle Schrittfolgen irgendwann einmal auftreten. Ein Patent, das 
auf  eine  bestimmte  Abfolge  von  Schritten  gerichtet  sei,  werde  nicht 
dadurch verletzt, dass eine Vorrichtung das Potenzial habe, diese Abfolge 
zufällig zu verwirklichen.

Das Argument, dass sich das von der Klägerin zur Begründung der Patent-
verletzung herangezogene Szenario tatsächlich nie, oder bloss zufällig, im 
Ethereum-Overlay verwirklicht habe, ist eine neue Tatsachenbehauptung. 
Nach  Eintritt  des Aktenschlusses  können  neue  Tatsachenbehauptungen 
nur unter den Voraussetzungen von Art. 229 Abs.1 ZPO vorgebracht wer-
den. Bei der Behauptung handelt es sich ersichtlich nicht um eine Tatsa-
che, die erst nach Abschluss des Schriftenwechsels entstanden ist (echtes 
Novum). Die Beklagte begründet auch nicht, weshalb sie die Behauptung 
trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher aufstellen konnte (unechtes Novum). 
Nachdem die Klägerin das entsprechende Szenario bereits in der Klage-
schrift vom 26. April 2019 verwendet hat, um die Patentverletzung zu be-
gründen, ist nicht erkennbar, weshalb die Beklagte die entsprechende Be-
hauptung nicht bereits in der Klageantwort oder spätestens in der Duplik 
hätte in den Prozess einbringen können.

Die Behauptung, das von der Klägerin beschriebene Szenario gemäss Kla-
geschrift, RZ 85 f., komme tatsächlich im Ethereum-Overlay nicht vor, ist 
daher verspätet und nicht zu hören.

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Massgeblicher Fachmann

25.
Die Kenntnisse und Fähigkeiten des massgeblichen Fachmannes sind in 
zwei Schritten zu bestimmen: Zuerst ist das für die zu beurteilende Erfin-
dung  massgebliche  Fachgebiet,  anschliessend  Niveau  und  Umfang  der 
Fähigkeiten und Kenntnisse des Fachmannes des entsprechenden Fach-
gebiets zu bestimmen. Das massgebliche Fachgebiet bestimmt sich nach 
dem technischen Gebiet, auf dem das von der Erfindung gelöste Problem 
liegt.4

Die Fähigkeiten und Kenntnisse des Fachmannes umschreibt das Bundes-
gericht mit der Formulierung, der durchschnittlich gut ausgebildete Fach-
mann, auf den bei der Beurteilung der erfinderischen Tätigkeit abgestellt 
werde, sei «weder ein Experte des betreffenden technischen Sachgebiets 
noch  ein  Spezialist  mit  hervorragenden  Kenntnissen.  Er  muss  nicht  den 
gesamten Stand der Technik überblicken, jedoch über fundierte Kenntnisse 
und Fähigkeiten, über eine gute Ausbildung sowie ausreichende Erfahrung 
verfügen  und  so  für  den  in  Frage  stehenden  Fachbereich  gut  gerüstet 
sein».5 Was dem fiktiven Fachmann fehlt, ist jede Fähigkeit des assoziati-
ven oder intuitiven Denkens.6

Wo  ein  Problem  mehrere  technische  Gebiete  beschlägt,  kann  die  fiktive 
Fachperson aus einem Team von Fachleuten aus unterschiedlichen Fach-
gebieten gebildet werden.7

26.
Das Klagepatent verweist beim Hintergrund der Erfindung auf die Optimie-
rung des Zugriffs auf Daten und deren Bearbeitung in verteilten und ver-
netzten Rechnerstrukturen (Abs. [0001).

Die  Parteien  definieren  nicht  ausdrücklich  einen  massgeblichen  Fach-
mann. Die Klägerin weist darauf hin, dass der Fachmann Netzwerktopolo-
gien und Verbindungsgestaltungen zwischen Client und Datenspeicher be-
urteilen kann. Die Beklagte gibt als technisches Gebiet des Klagepatents 

4 BPatGer, Urteil S2017_001 vom 1. Juni 2017, E. 4.4.
5 BGE 120 II 71 E. 2.
6 BGE  120  II  312  E.  4b  – «cigarette  d‘un  diamètre  inférieur»;  CR-PI-LBI-
SCHEUCHZER, Art. 1 N 122.
7 BGE 120 II 71 E. 2 – «Wegwerfwindel»; BPatGer, Urteil S2017_001 vom 1. Juni 
2017, E. 4.4.

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dezentrale Rechnersysteme zur Dateiverwaltung an, und verweist in die-
sem Zusammenhang im Anschlusssatz auf den Fachmann. 

Als  massgeblicher  Fachmann  wird  folglich  von  einem  Informatiker  oder 
Software Ingenieur ausgegangen, insbesondere auf dem Gebiet verteilter 
und vernetzter Rechnerstrukturen für die Datenverwaltung.

Auslegung der geltend gemachten Patentansprüche

27.
Patentansprüche  sind  aus  der  Sicht  des  massgebenden  Fachmanns  im 
Lichte der Beschreibung und der Zeichnungen auszulegen (Art. 51 Abs. 3 
PatG). Das allgemeine Fachwissen ist als sogenannter liquider Stand der 
Technik ebenfalls Auslegungsmittel.8 Definiert die Patentschrift einen Be-
griff  nicht  abweichend,  so  ist  vom  üblichen  Verständnis  im  betreffenden 
technischen Gebiet auszugehen.

Patentansprüche sind funktional auszulegen, d.h. ein Merkmal soll so ver-
standen werden, dass es den vorgesehenen Zweck erfüllen kann.9 Der An-
spruch soll im Zweifelsfall so gelesen werden, dass die im Patent genann-
ten Ausführungsbeispiele  wortsinngemäss  erfasst  werden;10 andererseits 
ist der Anspruchswortlaut nicht auf die Ausführungsbeispiele einzuschrän-
ken, wenn er weitere Ausführungsformen erfasst.11 Wenn in der Rechtspre-
chung  von  einer  «breitesten  Auslegung» von  Anspruchsmerkmalen  ge-
sprochen  wird,12 so  muss  das  derart  verstandene  Merkmal  immer  in  der 
Lage  sein,  seinen  Zweck  im  Rahmen  der  Erfindung  zu  erfüllen.  D.h.  der 
Anspruch ist grundsätzlich nicht unter seinem Wortlaut auszulegen, aber 
auch nicht so, dass Ausführungsformen erfasst werden, die die erfindungs-
gemässe Wirkung nicht erzielen.13

Die Entstehungsgeschichte bzw. das Erteilungsverfahren sind für die Aus-
legung der Patentansprüche nicht massgebend. Verzichte und Beschrän-
kungen, die der Anmelder im Erteilungsverfahren vorgenommen hat, sind 

8 BGer, Urteil 4A_541/2013 vom 2. Juni 2014, E. 4.2.1 – «Fugenband».
9 BRUNNER, Der Schutzbereich europäisch erteilter Patente aus schweizerischer 
Sicht – eine Spätlese, sic! 1998, 348 ff., 354.
10 BPatGer, Urteil O2019_003 vom 19. August 2020, E. 22 – «Lumenspitze».
11 BPatGer,  Urteil  O2013_008  vom  25.  August  2015,  E. 4.2  – «elektrostatische 
Pulversprühpistole».
12 BPatGer,  Urteil  O2013_008  vom  25.  August  2015,  E. 4.2  – «elektrostatische 
Pulversprühpistole».
13 BPatGer,  Urteil  O2016_009
vom  18. Dezember  2018,  E. 25  –
«Durchflussmessfühler»;  BPatGer,  Urteil  S2018_007  vom  2. Mai  2019,  E. 14  –
«Werkzeugeinrichtung».

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nur  insoweit  zu  berücksichtigen,  als  sie  in  den  Patentansprüchen  sowie 
allenfalls in der Beschreibung zum Ausdruck kommen.14 Einzig wenn auf-
grund eines im Erteilungsverfahren eingeschränkten Anspruchs Schutz ge-
gen eine Verletzung durch Nachahmung (äquivalente Verletzung) verlangt 
wird, kann ganz ausnahmsweise die Erteilungsgeschichte diesem Schutz 
entgegenstehen, wenn aus der Einschränkung ein Verzicht auf bestimmte 
äquivalente Ausführungsformen abgeleitet werden kann.15

28.
Der  geltend  gemachte Anspruch  1  lautet  in  der  Merkmalsgliederung  ge-
mäss Klagebeilage Nr. 23 wie folgt:

Datenzugriffs- und -verwaltungssystem für ein Rechnersystem mit

1. wenigstens zwei Datenspeichereinrichtungen (C1, C2, ..., Cn),

2. wenigstens einer Rechnereinheit (CL), die auf Daten der Datenspei-

chereinrichtungen (C) zugreift,

3. Datenübertragungseinrichtungen (N) zur Datenübertragung zwischen 
den Datenspeichereinrichtungen (C) und der Rechnereinheit (CL),

4. wobei die Daten in wenigstens zwei der wenigstens zwei Datenspei-

chereinrichtungen (C) redundant gespeichert sind,

5. Einrichtungen zur Erfassung vorbestimmter Parameter der Daten-

übertragung zwischen den Datenspeichereinrichtungen (C) und der 
Rechnereinheit (CL),

6. wobei Daten in Abhängigkeit von den ermittelten vorbestimmten Para-
metern in den Datenspeichereinrichtungen (C) redundant gespeichert 
sind,

7.

8.

9.

und wobei die Rechnereinheit (CL) in Abhängigkeit von den ermittel-
ten vorbestimmten Parametern auf eine der Datenspeichereinrichtun-
gen (C) zugreift,

dadurch gekennzeichnet, dass die Datenspeichereinrichtungen (C) 
Einrichtungen zur Erfassung vorbestimmter Parameter für Datenüber-
tragung zwischen den Datenspeichereinrichtungen (C) umfassen,

und wobei die Datenspeichereinrichtungen (C) unabhängig von ei-
nem Zugriff der Rechnereinheit (CL) in dem System redundant ge-
speicherte Daten in Abhängigkeit der ermittelten Parameter von Da-
tenübertragungen zwischen den Datenspeichereinrichtungen (C) ver-
schieben.

14 BGE 143 III 666 E. 4.3 – «Pemetrexed II».
15 BGE 143 III 666 E. 5.5.3 f.

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Der geltend gemachte Anspruch 30 lautet in der Merkmalsgliederung ge-
mäss Klagebeilage Nr. 23 wie folgt:

Verfahren zum Datenzugriff und zur Datenverwaltung für ein 
Rechnersystem, das folgende Schritte umfasst:

1. Speichern von Daten in wenigstens zwei Datenspeichereinrichtungen 

(C),

2. Zugreifen  auf  die  Daten  der  Datenspeichereinrichtungen  (C)  mittels 
wenigstens einer Rechnereinheit (CL) über Datenübertragungseinrich-
tungen (N), wobei

3.

4.

5.

6.

vorbestimmte Parameter der Datenübertragung zwischen den Daten-
speichereinrichtungen (C) und der Rechnereinheit (CL) ermittelt wer-
den,

die Daten in wenigstens zwei der wenigstens zwei Datenspeicherein-
richtungen (C) in Abhängigkeit von den ermittelten Parametern der 
Datenübertragung redundant gespeichert werden, und

das Zugreifen auf die Daten in Abhängigkeit von den ermittelten Para-
metern der Datenübertragung erfolgt,

dadurch gekennzeichnet, dass die Datenspeichereinrichtungen (C) 
vorbestimmte Parameter für Datenübertragungen zwischen den Da-
tenspeichereinrichtungen (C) erfassen, und

7. wobei redundant gespeicherte Daten unabhängig von einem Zugriff 

der Rechnereinheit (CL) auf die Daten in Abhängigkeit der ermittelten 
Parameter von Datenübertragungen zwischen den Datenspeicherein-
richtungen verschoben werden.

Auslegung des Begriffs «Verschieben von Daten»

29.
Gemäss dem üblichen Sprachgebrauch auf dem Gebiet der Computer- und 
Netzwerktechnologie  bedeutet  «Verschieben  von  Daten» etwas Anderes
als «Kopieren von Daten». Während beim Kopieren die in einer Datenspei-
chereinheit  gespeicherten  Daten  identisch  in  einer  weiteren  Datenspei-
chereinheit repliziert werden, umfasst das Verschieben von Daten aus ei-
ner  Speichereinheit  in  eine  andere  Datenspeichereinheit  zwingend  zwei 
Teilschritte, ein Löschen oder ungültig Machen und ein Kopieren (ungültig 
gemacht sind die Daten, wenn das System davon ausgeht, dass die Daten 
nicht mehr verfügbar sind, unabhängig davon, ob sie tatsächlich unbrauch-
bar sind). Dies entspricht auch dem übereinstimmenden Verständnis der 
Parteien.

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Abbildung 1:  Abb. 3 aus Gutachten Björn Scheuermann vom 25. März 2019, S. 22

Ein unterschiedliches Verständnis der Parteien des Begriffs «Verschieben 
von Daten» offenbart sich erst an einem konkreten Beispiel. Es seien A, B, 
C und D in der Abbildung 1 Datenspeichereinheiten, die über bestehende 
Verbindungen verbunden sind (ausgezogene Linien) oder zwischen denen 
zukünftig eine Verbindung aufgebaut werden kann (gestrichelte Linie). Die 
Datenspeichereinheit A fällt  aus,  d.h.  sie  reagiert  nicht mehr  (rechtzeitig) 
auf Anfragen der Datenspeichereinheit C. Diese versucht dann, eine Ver-
bindung mit einer weiteren Datenspeichereinheit D aufzubauen, mit der sie 
bislang nicht verbunden war. Nach dem Verbindungsaufbau mit D stellt die 
Datenspeichereinheit C fest, dass die Datenspeichereinheit D aktuell nicht 
alle Daten enthält, die in der ausgefallenen Datenspeichereinheit A gespei-
chert  waren.  Diese  Daten,  die redundant  auch  bereits  bei  C gespeichert 
sind, kopiert C an D. Damit verfügen C und D über die gleichen Daten, und 
D verfügt über die gleichen Daten wie die ausgefallene Datenspeicherein-
heit A.

Für die Klägerin liegt darin ein «Verschieben» von Daten: Die bisher bei A 
gespeicherten Daten seien dort (für C) nicht mehr zugänglich und würden 
zu D kopiert. Damit würden Daten ungültig gemacht und kopiert, also ver-
schoben im Sinne des Anspruchs. Die Klägerin stützt sich für diese Auffas-
sung primär auf Abs. [0190] des Klagepatents:

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Aus dem ersten Spiegelstrich der Aufzählung ergebe sich, dass das Kla-
gepatent  das  Kopieren  von  Daten  (Spiegel)  auf  eine  andere  Datenspei-
chereinheit  (Zellen)  nach Ausfall  einer  Speichereinheit  als  «Verschiebe-
operation», also «Verschieben», bezeichne.

Die Beklagte hält dem entgegen, es müsse ein kausaler Zusammenhang 
zwischen der Verlegung der Daten an einen anderen Speicherort und der 
fortan fehlenden Verwendbarkeit der Daten am ursprünglichen Speicherort 
bestehen. D.h. ein Verschieben sei nur dann gegeben, wenn im Rahmen 
des Verlegens der Daten neben dem Kopier- auch ein Löschvorgang oder 
ein  ungültig  Machen  erfolge.  Die  Beklagte  verweist  dazu  auf Abs. [0195] 
des  Klagepatents.  Dort wird  ausgeführt,  dass  eine  Datenspeichereinheit, 
für  die  eine  unzureichende  Datenübertragungsleistung  festgestellt  wird, 
aus dem Verbund entfernt wird und sich selbst für ungültig erklärt oder von 
der Verwaltungseinheit für ungültig erklärt wird. 

Der von der Klägerin beschriebene Vorgang sei hingegen ein blosses Ko-
pieren von Daten. Nach dem zufälligen Ausfall der Datenspeichereinheit A 
würden Daten von C nach D kopiert, die im Zeitpunkt des Ausfalls von A 
bereits in C gespeichert waren. Der Ausfall der Datenspeichereinheit A sei 
nicht kausal mit dem Kopieren verbunden.

30.
Das  beklagtische  Verständnis  entspricht  dem  üblichen  Sprachgebrauch. 
Gemäss diesem umfasst das Verschieben von digitalen Daten notwendi-
gerweise sowohl das Kopieren der Daten an einen neuen Speicherort als 
auch das Löschen oder ungültig Machen am alten Speicherort. Die beiden 
Teilschritte müssen für ein Verschieben insofern im Rahmen der gleichen 
Operation  erfolgen,  als  bei  einer  ausgelösten  Verschiebeoperation  in  ei-
nem  Rechnersystem  zwingend  beide Teilschritte  durch  das  Rechnersys-
tem ausgeführt werden – das heisst, das Rechnersystem führt das Kopie-
ren  der  Daten  an  einen  neuen  Speicherort  aus  und  das  Rechnersystem 
führt das Löschen oder ungültig Machen der Daten am alten Speicherort
aus. Wird  durch  das Rechnersystem nur  einer dieser  beiden Teilschritte 

Seite 20

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ausgeführt, handelt es sich um ein blosses Löschen oder ein blosses Ko-
pieren. Die beiden Teilschritte müssen im Rahmen einer (Verschiebe)-ope-
ration erfolgen und sie müssen aufgrund der Auslösung dieser Verschiebe-
operation ausgeführt werden.

Auch  eine funktionale Auslegung führt  zu keinem  anderen  Ergebnis.  Die 
Erfindung bezweckt primär, die Versorgung von Clients mit Daten in einer 
vernetzten, verteilten Rechnerstruktur so zu optimieren, dass jeder Client 
möglichst schnell mit Daten versorgt wird (Abs. [0010]). Erreicht wird die 
schnelle Verfügbarkeit der Daten namentlich durch die Merkmale im Kenn-
zeichen  der  unabhängigen Ansprüche.  Wenn  bei  der  Überwachung  der 
Übertragungsleistung  zwischen  Datenspeichereinheiten  festgestellt  wird, 
dass  eine  Datenspeichereinheit  die  geforderte  Leistung  nicht  erbringen 
kann, erfolgt ein Verschieben auf eine andere Datenspeichereinheit (Abs. 
[0192, 0193]). Dieses Verschieben erfüllt den erfindungsgemässen Zweck, 
wenn im Sinne des üblichen Sprachgebrauchs die Daten von der «langsa-
men» Speichereinheit  kopiert  und  dort  anschliessend  ungültig  gemacht 
werden.  Es  ist  nicht  notwendig  oder  sinnvoll,  sie  auf  der  «langsamen»
Speichereinheit weiter bereit zu halten, also nur zu kopieren.

Der von der Klägerin zitierte Abschnitt [0190] aus dem speziellen Teil der 
Beschreibung  stützt  das klägerische  Verständnis  des  Begriffs  «Verschie-
ben» nicht. Abs. [0190] zählt Gründe auf, die Verschiebeoperationen not-
wendig machen. Dazu gehört der Ausfall eines Clusters oder einzelner Zel-
len. Abs.  [0190]  besagt  aber  nicht,  dass  der Ausfall  eines  Clusters  oder 
einzelner Zellen selber Teil einer Verschiebeoperation ist. Der Ausfall eines 
Clusters A kann es notwendig machen, dass Daten von einem Cluster B 
auf  einen  Cluster  C  verschoben  werden.  Der Ausfall  von  Cluster A  mag
dann  eine  Verschiebeoperation  notwendig machen  und  diese  auslösen.
Der Ausfall von Cluster A ist aber nicht Teil einer Verschiebeoperation und 
wird auch nicht durch ein Rechnersystem aufgrund einer ausgelösten Ver-
schiebeoperation ausgeführt.

Nicht massgeblich für das Auslegungsergebnis ist die Eingabe der Patent-
inhaberin im Erteilungsverfahren vom 17. Januar 2001. Dort wird zum ge-
änderten Patentanspruch 1 ausgeführt, dieser sei durch die Merkmale er-
gänzt worden, «wonach die Datenspeichereinrichtungen Einrichtungen zur 
Erfassung  vorbestimmter  Parameter  für  Datenübertragungen  zwischen 
den Datenspeichereinrichtungen umfassen und die Datenspeichereinrich-
tungen unabhängig von einem Zugriff der Rechnereinheit in dem System 
redundant gespeicherte Daten in Abhängigkeit der ermittelten Parameter 

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für Datenübertragungen zwischen den Datenspeichereinrichtungen selbst 
untereinander kopieren und in den Datenspeichereinrichtungen löschen, in 
denen die kopierten Daten zuvor gespeichert waren […]». Weiter wird in 
der  Eingabe  gesagt,  der  geänderte  Anspruch  unterscheide  sich  von 
EP 767  585 A1  durch  «die  erfindungsgemässen  Merkmale,  wonach  die 
Datenspeichereinrichtungen  Parameter  für  Datenübertragungen  unterei-
nander erfassen und unabhängig von einem Datenzugriff redundante Da-
ten verschieben (untereinander kopieren und entsprechend löschen)». 

Die Erteilungsgeschichte ist für die Auslegung von Patentansprüchen nicht 
massgeblich. Sie kann in Ausnahmefällen für die Bestimmung des Schutz-
bereichs massgeblich sein, aber darum geht es vorliegend nicht.

Entsprechend ist der Begriff «Verschieben von Daten» i.S.d. Klagepatents 
so zu verstehen, dass das Verschieben zwei zwingend auszuführende Teil-
schritte aufweist, das Kopieren der Daten von ihrem ursprünglichen Spei-
cherort  an  einen  neuen  Speicherort  und  das  Löschen  oder  ungültig Ma-
chen dieser Daten an ihrem ursprünglichen Speicherort. Dabei sind beide 
Teilschritte  als  Teil und  aufgrund  einer  ausgelösten  Verschiebeoperation 
durch das Rechnersystem auszuführen. Bei einem Ausfall einer Datenspei-
chereinrichtung können  zwar  zufällig  Daten gelöscht  oder  ungültig  ge-
macht werden. Dieser zufällige Ausfall und der damit verbundene Daten-
verlust ist jedoch kein Schritt, der durch ein Rechnersystem aufgrund einer 
ausgelösten Verschiebeoperation ausgeführt wird. Es liegt also kein Teil-
schritt vor, der durch ein Rechnersystem im Rahmen und aufgrund einer 
ausgelösten Verschiebeoperation ausgeführt wird.

Auslegung des Begriffs «in Abhängigkeit von»

31.
Der kennzeichnende Teil der geltend gemachten Ansprüche verlangt, dass 
Daten  «in Abhängigkeit  der  ermittelten  Parameter  von  Datenübertragun-
gen zwischen den Datenspeichereinrichtungen» verschoben werden. Die 
Klägerin kritisiert das Fachrichtervotum vom 29. April 2020 dahingehend, 
dass dieses von einem dichotomen Verständnis von «Abhängigkeit» aus-
gehe;  aus  dem  seitenübergreifenden  letzten  Absatz  des  Fachrichtervo-
tums, S. 26, ergebe sich, dass der Fachrichter «in Abhängigkeit von» als 
ja/nein-Entscheidung  verstehe.  Dieses  Verständnis  sei  falsch,  vielmehr 
umfasse «in Abhängigkeit von» jede Art von Einflussnahme der Parameter 
der Datenübertragungen auf den Vorgang des Verschiebens.

Seite 22

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Nach  dem  üblichen  Sprachgebrauch  bedeutet  «abhängig» «durch etwas 
bedingt, bestimmt; von etwas beeinflusst». Damit ein Zustand B von einem 
anderen Zustand A abhängig ist, wird nicht verlangt, dass der Zustand B 
ausschliesslich von Zustand A bestimmt wird. So hängt der Pegelstand ei-
nes Stausees von der Regenmenge, aber auch von weiteren Faktoren wie 
der Abflussmenge  oder der  Schneeschmelze ab.  Die  Beziehung  der Ab-
hängigkeit ist nicht umkehrbar (z.B. hängt die Regenmenge nicht vom Pe-
gelstand ab).

Nicht verlangt ist, dass der abhängige Zustand dichotom ist. Die von der 
Klägerin  kritisierte  Passage  des  Fachrichtervotums  ist  nicht  in  diesem 
Sinne  zu  verstehen.  Eine Abhängigkeit  besteht  auch,  wenn  ein  Zustand 
graduell von einem anderen Zustand beeinflusst wird.

Entsprechend ist «in Abhängigkeit von» dahingehend zu verstehen, dass 
ein Zustand einen anderen Zustand kausal beeinflusst, ohne dass es sich 
um  den  einzigen  kausalen  Einfluss  handeln  müsste,  und  ohne  dass  der 
beeinflusste Zustand dichotom sein muss.

Rechtsbeständigkeit

32.
Die Beklagte wendet ein, das Klagepatent sei nicht rechtsbeständig, weil 
es in einer Weise geändert worden sei, dass sein Gegenstand über den 
Inhalt  der Anmeldung  in  der  ursprünglich  eingereichten  Fassung  hinaus-
gehe  (Art. 123(2)  EPÜ)  und  nicht  erfinderisch  sei  ausgehend  von 
WO 98/26559 A1 in Kombination mit WO 98/35302 A2. Die Klägerin vertei-
digt das Klagepatent in der erteilten Fassung.

Auf die Argumente der Parteien zur angeblich fehlenden Rechtsbeständig-
keit  des  Klagepatents  wird  nicht  weiter  eingegangen,  da  die  geltend  ge-
machten Ansprüche bei richtiger Auslegung durch die Beklagte nicht ver-
letzt werden.

Verletzung

33.
Die Klägerin macht die Verletzung der Ansprüche 1 (Vorrichtungsanspruch) 
und 30 (Verfahrensanspruch) des Klagepatents geltend.

Seite 23

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Die Beklagte bestreitet einerseits, dass ihr die Verwendung der Ethereum-
Technologie zugerechnet werden kann (dazu vorne, E. 23). Weiter bestrei-
tet sie, dass durch die Emittierung von ERC20-Token bzw. Transaktionen
mit  solchen Token auf  der  Ethereum-Blockchain  die  Merkmale  5,  6,  7,  8 
und 9 des Anspruchs 1 und die Merkmale 3, 4, 5, 6 und 7 des Anspruchs 
30  verwirklicht  werden. Die  Verwirklichung  der  weiteren  Merkmale  wird 
nicht bestritten und daher nachfolgend auch nicht weiter dargelegt.

Erfassung  vorbestimmter  Parameter  der  Datenübertragung  (Merk-
male  5,  6  und  8  von Anspruch  1  und  Merkmale  3,  4  und  6  von An-
spruch 30)

34.
Gemäss Merkmal 5 umfasst das Datenverwaltungssystem Einrichtungen 
zur Erfassung vorbestimmter Parameter der Datenübertragung zwischen 
den Datenspeichereinrichtungen und der Rechnereinheit, wobei Daten in 
Abhängigkeit von den ermittelten vorbestimmten Parametern in den Daten-
speichereinrichtungen  redundant  gespeichert  sind (Merkmal  6)  und  die 
Einrichtungen  zur  Erfassung  vorbestimmter  Parameter  für  Datenübertra-
gung  zwischen  den  Datenspeichereinrichtungen  Teil  der  Datenspeicher-
einrichtungen sind (Merkmal 8).

Die Beklagte wendet ein, dass die Klägerin pauschal den Ping-Mechanis-
mus  zur  Erfassung  bestimmter  Datenübertragungsparameter (Nachrich-
tenlaufzeit) erwähne, ohne jedoch eine konkrete Verwendung bzw. die Da-
tenspeicherung  solcher  Parameter  innerhalb  von  Ethereum  bzw.  ERC20 
zu belegen. Die Beklagte macht weiter eine fehlende Differenzierung sei-
tens  der  Klägerin  zwischen  unterschiedlichen  Parametern  für  die  Daten-
übertragung geltend, und argumentiert mit Verweis auf die Merkmale 5, 6 
und 8 von Anspruch 1 und die Merkmale 3, 4 und 6 von Anspruch 30, aus 
den  Darlegungen  der  Klägerin  gehe  nicht  hervor,  dass  einerseits  vorbe-
stimmte  Parameter  der  Datenübertragung  zwischen  den  Datenspeicher-
einrichtungen und der Rechnereinheit erfasst würden (Merkmal 5 des An-
spruchs 1 bzw. Merkmal 3 des Anspruchs 30) und dass andererseits (an-
dere)  vorbestimmte  Parameter  der  Datenübertragung  zwischen  den  Da-
tenspeichereinrichtungen erfasst würden (Merkmal 8 des Anspruchs 1 bzw. 
Merkmal 6 des Anspruchs 30). Die Klägerin versuche vielmehr, dieselben 
Daten einmal dem einen Aspekt und ein anderes Mal dem anderen Aspekt 
zuzuordnen.  Die  dem  Gutachten  Scheuermann  zugrundeliegende  An-
nahme, wonach im Rahmen des Klagepatents die Speichereinheiten auch 
über  das  Internet  verbundene  Clients  sein  könnten, treffe  nicht  zu,  es 

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ergäbe  sich  vielmehr  aus Abs.  [0073]  des  Klagepatents,  dass  die  Daten 
gerade nicht vom bzw. auf dem Client gespeichert würden, sondern in von 
diesem zu unterscheidenden Datenspeichereinrichtungen.

Die Klägerin hält dem zutreffend entgegen, dass die Knoten (Nodes) des 
Ethereum-Netzwerks  sowohl  Clients/Rechnereinheiten  als  auch  Daten-
speichereinrichtungen sein können, da ein Knoten derart konfiguriert wer-
den kann,  dass  er  die gesamte  Ethereum-Blockchain  herunterlädt  (Full 
Node) und für andere Knoten dann als Datenspeichereinrichtung fungiert, 
oder dass er lediglich diejenigen Teile der Ethereum-Blockchain herunter-
lädt, die für ihn relevant sind (Light Node), und im Sinne des Klagepatents 
als Rechnereinheit anzusehen ist.

Ob es sich bei der jeweils gemessenen Nachrichtenlaufzeit um einen Pa-
rameter der Datenübertragung zwischen Datenspeichereinrichtungen und 
der  Rechnereinheit  handelt  oder  um  einen  Parameter  der  Datenübertra-
gung  zwischen  den  Datenspeichereinrichtungen  untereinander,  liegt al-
leine daran, wo bzw. für welche Datenverbindung die Nachrichtenlaufzeit
gemessen  wird. Wenn  die  Nachrichtenlaufzeit zwischen  dem  Empfänger 
einer Transaktion (hier ein Light Node) und einem Full Node erfasst wird, 
wird ein Parameter der Datenübertragung zwischen Datenspeichereinrich-
tungen und der Rechnereinheit erfasst. Ein Parameter der Datenübertra-
gung  zwischen  den  Datenspeichereinrichtungen  wird erfasst,  wenn  eine 
Nachrichtenlaufzeit zwischen den im Overlay verbundenen Instanzen der 
Ethereum-Software – und damit auch zwischen Datenspeichereinrichtun-
gen – zum Einsatz kommt. Full Nodes, die alle Blöcke speichern, verteilen
diese Blöcke auch untereinander über Datenverbindungen, für die Nach-
richtenlaufzeiten erfasst werden und erfassen entsprechend Parameter der 
Datenübertragung zwischen den Datenspeichereinrichtungen.

Somit werden die Merkmale 5, 6, 7 und 8 des Anspruchs 1 und der Merk-
male 3, 4, 5 und 6 des Anspruchs 30 bei der Emittierung von und Transak-
tionen mit ERC20-Token auf der Ethereum-Blockchain erfüllt.

Verschieben von redundant gespeicherten Daten unabhängig von ei-
nem Zugriff der Rechnereinheit in Abhängigkeit der ermittelten Para-
meter von Datenübertragungen zwischen den Datenspeichereinrich-
tungen (Merkmal 9 von Anspruch 1; Merkmal 7 von Anspruch 30)

35.
Die Klägerin begründet die Verletzung der Ansprüche 1 und 30 durch das 

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Overlay-Netzwerk  der  Ethereum-Blockchain  mit  einem  Szenario,  das  im 
Basisgutachten  von  Prof.  Björn  Scheuermann  entwickelt  wird (Kapitel  7, 
Seiten 21-22).

Im laufenden Betrieb von Ethereum könne es zu folgendem Szenario kom-
men (die Grossbuchstaben beziehen sich auf die Abbildung 1):

1. Knoten A  schickt  eine Ankündigung  eines  neuen  Blocks  X  an  C. 
Falls dieser aktueller ist als das bei Knoten C lokal bekannte Ende 
der Blockchain, dann wird C diesen Block von A anfordern. Danach 
liegt Block X sowohl bei A also auch bei C vor, er ist also redundant 
gespeichert. 

2. Knoten A fällt aus. Hierdurch geht eine der redundanten Kopien von 
Block X verloren. Der Ausfall wird von C registriert, beispielsweise 
über ein Timeout. Dies führt dazu, dass Knoten C in seinen lokalen 
Peer-Discovery-Tabellen  einen  neuen  Knoten  als  potentiellen 
Nachbarn sucht. Die Auswahl wird von den Eigenschaften der Da-
tenübertragung  zu  potentiellen  Kommunikationspartnern  beein-
flusst. Sei D der Knoten, den C als neuen Nachbarn wählt. Im Wei-
teren soll der Fall betrachtet werden, dass Knoten D der Block X 
noch nicht bekannt ist. 

3. Eine Verbindung von C zu D wird aufgebaut. Dazu wird der nach 
der  Protokollspezifikation  notwendige  Nachrichtenaustausch 
durchgeführt und dabei unter anderem der jeweilige Stand der lokal 
bekannten Blockchains übermittelt. 

4. Knoten  C  stellt  fest,  dass  seine  lokale  Blockchain  aktueller  («hö-
her») ist als die von Knoten D, und insbesondere, dass der Block X 
bei D noch nicht vorliegt. Aufgrund der unterschiedlichen total diffi-
culty zwischen Knoten C und Knoten D wird der Downloader aktiv. 
Knoten D fordert die bislang unbekannten Daten von Knoten C an 
und  löst somit  eine  Übertragung  des  Blocks  X  von  Knoten  C  an 
Knoten  D  aus;  somit  entsteht  wieder  eine  redundante  Kopie  des 
Blocks.

Der  Downloader  in  Ethereum,  der  bei  Verbindungsausfällen  aktiv  werde, 
sorge folglich dafür, dass ein Block X von Knoten A mittels Knoten C auf 
den Knoten D verschoben werde, nachdem Knoten A ausgefallen sei. Es 
würden somit Daten (nämlich der Block X) zwischen Datenspeichereinrich-

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tungen (nämlich den Knoten A, C und D) unabhängig von der Rechnerein-
heit (nämlich  Knoten  B  sowie  einer  Vielzahl  weiterer  Knoten) i.S.d. An-
spruchs verschoben. Diese Verschiebung erfolge in Abhängigkeit von er-
mittelten Parametern der Datenübertragung, weil der Knoten, zu dem der 
Block X «verschoben» werde, gemäss der vorher gemessenen Nachrich-
tenlaufzeit ausgewählt werde.

Die Klägerin erachtet die Übertragung des Blocks X vom Knoten C an den 
Knoten D als unmittelbare Konsequenz des Ausfalls von Knoten A, wes-
halb sie ein anspruchsgemässes «Verschieben» des Blocks X durch den 
Knoten C vom ausgefallenen Knoten A an den Knoten D darstelle. So merkt 
die  Klägerin  in  ihrer  Stellungnahme  zur  Duplik  an,  dass  das  Übertragen 
einer Kopie des fraglichen Blocks X von Knoten C an Knoten D, in unmit-
telbarer  Folge  der  neu  aufgebauten  Verbindung  von  C  zu  D  ausgelöst 
werde, und dass insbesondere das Austauschen der Höhe der jeweiligen 
lokalen  Blockchain  beim  Verbindungsaufbau  eine  entscheidende  Rolle 
spiele, da diese Information benutzt werde, um die Synchronisation zu star-
ten und so den Unterschied anzugleichen. Diese Synchronisation wiede-
rum sei im betrachteten Szenario eine unmittelbare Konsequenz des Aus-
falls von Knoten A, da ohne diesen Ausfall keine Verbindung zwischen Kno-
ten C und D entstanden wäre.

Die  Beklagte  bestreitet,  dass  im  Overlay-Netzwerk  der  Ethereum-Block-
chain Daten i.S.d. Merkmals 9 (Merkmal 7 von Anspruch 30) verschoben 
werden.  Die  Beklagte  hält  mit  Verweis  auf Abs. [0010]  des  Klagepatents 
fest, dass es die Aufgabe des Klagepatents sei, die Übertragungsqualität 
zwischen Clients und Daten bereitstellenden Einrichtungen einer vernetz-
ten,  verteilten  Rechnerstruktur  so  zu  optimieren,  dass  eine  möglichst 
schnelle und fehlertolerante Versorgung mit Daten/Funktionalitäten ermög-
licht werden soll. Zudem solle die Erfindung gemäss Abs. [0016] des Kla-
gepatents eine zusätzliche Optimierung des Datenzugriffs und der Daten-
verwaltung  erreichen,  wozu  die  Datenspeichereinrichtungen  in  dem  Sys-
tem  redundant  gespeicherte  Daten  in Abhängigkeit  der  ermittelten  Para-
meter  von  Datenübertragungen  zwischen  den  einzelnen  Datenspeicher-
einrichtungen und der Rechnereinheit untereinander kopieren und in den 
Datenspeichereinrichtungen löschen, in denen die kopierten Daten zuvor 
gespeichert waren, womit Daten innerhalb des erfindungsgemässen Sys-
tems  von  einer  Datenspeichereinrichtung  zu  anderen  Datenspeicherein-
richtungen verschoben werden.

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Auch in einer verteilten, vernetzten Rechnerstruktur sei der zur Verfügung 
stehende  Speicherplatz  begrenzt.  Dies  sei  dem  Fachmann  bewusst,  er 
würde also in einem System, wie es im Klagepatent beschrieben ist, nicht 
Daten wahllos vervielfältigen, zumal bei einer höheren Anzahl von Spiegeln 
der Aufwand  für  die Aktualisierung  der Daten  in  allen  Spiegeln  stark  an-
steige, was wiederum – dem übergeordneten Ziel der Erfindung zuwider-
laufend  – die  verfügbaren  Übertragungskapazitäten  von  den  Datenspei-
chereinrichtungen zur Recheneinheit reduziere.

Bei Transaktionen mit den ERC20-Token der Beklagten werde die Lehre 
des Klagepatents nicht verwirklicht, denn auf der Ethereum-Blockchain er-
folge  kein  Löschen  selbst  von  als  ungültig  erkannten  Blöcken  und  dies 
schon gar nicht in Abhängigkeit der ermittelten Parameter von Datenüber-
tragungen  zwischen  Datenspeichereinrichtungen. Anders  als  bei  den  im 
Klagepatent  beispielhaft  aufgeführten  Computerspielen  müsse  in  einer 
Blockchain wie Bitcoin oder Ethereum jederzeit ein redundanter Datenbe-
stand  gewährleistet  sein,  was  die  Klägerin  nicht  bestreite  (unter  Verweis 
auf die Klage RZ 81 und die Replik RZ 40).

Der Ausfall des Knotens A könne nicht als Teil einer Verschiebeoperation 
aufgefasst werden, weil er das Kopieren erst auslöse. Dass der Ausfall des 
Knotens den Wegfall einer redundanten Kopie des Blocks X zur Folge hat, 
könne nicht mit einem Löschvorgang oder einem Ungültigmachen gleich-
gesetzt werden.

36.
Gemäss der in E. 29 getroffenen Auslegung des Begriffs «Verschieben von 
Daten» umfasst ein Verschieben als zwingend auszuführende Teilschritte 
sowohl das Kopieren als auch das Löschen oder ungültig Machen der ko-
pierten Daten am ursprünglichen Speicherort, wobei das Löschen und Ko-
pieren  in  dem  Sinne  als Teilschritte  ausgeführt  werden,  als  sie  beide  im 
Rahmen einer durch das Rechnersystem ausgelösten Verschiebeopera-
tion ausgeführt werden. Beim klägerischen Beispiel ist dies nicht der Fall. 
Auslöser des Kopierens der Daten von C nach D ist der Ausfall des Kno-
tens A,  der  lokal  eine  ungenügende  Redundanz  der  Daten  bewirkt. Der 
Ausfall des Knotens A hingegen erfolgt durch beliebige Gründe. Der Ausfall 
des  Knotens A  ist  damit kein Teil  einer  ausgelösten  Verschiebeoperation 
und wird auch nicht durch ein Rechnersystem ausgelöst und als Teilschritt 
im Rahmen der ausgelösten Verschiebeoperation ausgeführt. Dadurch un-
terscheidet  sich  das  von  der  Klägerin  beschriebene  Szenario  auch  von 
dem in Abs. [0190] erwähnten Ausfall eines Clusters, der ein Verschieben 

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notwendig  macht.  Dort  ist  der Ausfall  des  Clusters Auslöser  sowohl  des 
Löschens/ungültig Machens als auch des Kopierens.

Weshalb die Daten ursprünglich vom zwischenzeitlich ausgefallenen Kno-
ten A an den Knoten C kopiert wurden, ist nicht bekannt. Aber auf jeden 
Fall kann dieser Kopiervorgang nicht durch den Ausfall des Knotens A aus-
gelöst worden sein, weil nach dessen Ausfall die dort gespeicherten Daten 
nicht mehr kopiert werden können.

Mit anderen Worten löst der Ausfall des Knotens A zwar das Kopieren des 
Blocks X  vom  Knoten  C  an  den  Knoten  D aus,  ist  aber  unabhängig  von 
diesem  Kopieren  in  dem  Sinne,  dass  der Ausfall  nicht  als Teilschritt  und 
aufgrund einer ausgelösten Verschiebeoperation ausgeführt wird, sondern 
einen  unbekannten,  davon  unabhängigen  anderen  Grund  oder Auslöser 
hat. Da weder die Übertragung des Blocks X vom Knoten A an den Knoten 
C,  noch  die  Übertragung  des  Blocks  X  vom  Knoten  C  an  den  Knoten  D 
einem anspruchsgemässen «Verschieben von Daten» entspricht, und da 
der Ausfall des Knotens A und der damit einhergehende Verlust der redun-
danten Kopie des Blocks X beim Knoten A nicht Teil des dadurch ausge-
lösten Kopierens des Blocks X vom Knoten C an den Knoten D ist, liegt
kein anspruchsgemässes «Verschieben von Daten» vor.

Bei  der  angegriffenen Ausführungsform werden  somit  redundant  gespei-
cherte Daten nicht gemäss Merkmal 9 von Anspruch 1 und Merkmal 7 von 
Anspruch 30 in Abhängigkeit von ermittelten Parametern von Datenüber-
tragungen zwischen den Datenspeichereinrichtungen verschoben.

Folglich werden die geltend gemachten Ansprüche 1 und 30 des Klagepa-
tents durch die Beklagte nicht verletzt.

Kosten und Entschädigungsfolgen

37.
Ausgangsgemäss  wird  die  Klägerin  kosten- und  entschädigungspflichtig 
(Art. 106 Abs. 1 ZPO). Ausgehend von einem Streitwert von CHF 400’000 
ist die Gerichtsgebühr auf CHF 36’000 festzusetzen (Art. 1 Reglement über 
die Prozesskosten beim Bundespatentgericht, KR-PatGer, SR 173.413.2). 
Zu  den  Gerichtskosten  gehören  die  Übersetzungskosten  (Art. 95 Abs. 2 
lit. d ZPO). Vorliegend sind Kosten in der Höhe von CHF 1’647.80 für die 
Dolmetscherin und die Miete der Flüsteranlage an der Instruktionsverhand-
lung angefallen. Diese Kosten sind zusammen mit der Gerichtsgebühr aus 

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dem Kostenvorschuss  der  Klägerin  zu  beziehen;  der  Fehlbetrag  von 
CHF 1’647.80 ist von der Klägerin nachzufordern (Art. 111 Abs. 1 ZPO).

Die Klägerin schuldet der Beklagten eine Entschädigung für die rechtsan-
waltliche  Vertretung  (Art. 95  Abs. 3  lit. e ZPO),  die  gemäss  Tarif  auf 
CHF 40’000 festzusetzen ist (Art. 4, 5 KR-PatGer). 

38.
Die unterliegende Partei hat der obsiegenden Partei zudem Ersatz für de-
ren notwendigen Auslagen  zu  erstatten (Art.  32 PatGG  i.V.m. Art.  3  lit.  a 
KR-PatGer; entspricht Art. 95 Abs. 3 lit. a ZPO). Praxisgemäss gehören die 
Auslagen für die patentanwaltliche Unterstützung im Prozess zu den not-
wendigen Auslagen. Sie sind bis zur tatsächlichen Höhe, oder, wenn diese 
die  Entschädigung  für  die  berufsmässige  anwaltliche  Vertretung  gemäss 
Tarif  übersteigt,  «von  der  Grössenordnung  her  im  Bereich  der  rechtsan-
waltlichen Entschädigung» des Anwalts gemäss KR-PatGer zu erstatten.16

Die Beklagte reicht unter dem Titel notwendige Auslagen eine Kostennote 
der  Kanzlei  Keller  &  Partner  Patentanwälte AG  für  die  Unterstützung  im 
Prozess in der Höhe von CHF 18’360 (zzgl. MwSt) ein. Diese Kosten er-
scheinen notwendig und angemessen und übersteigen den tariflichen Rah-
men  für  die  berufsmässige  anwaltliche  Vertretung  nicht,  weshalb  sie der 
Beklagten von der Klägerin in dieser Höhe zu ersetzen sind.

Das Bundespatentgericht erkennt:

1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 36’000;

die weiteren Kosten (Dolmetscherkosten) betragen CHF 1’647.80.

3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt und mit dem von ihr geleis-
teten Kostenvorschuss verrechnet. Der Fehlbetrag von CHF 1’647.80 
wird von der Klägerin nachgefordert.

16 BPatGer,  Urteil  O2016_009  vom  18.  Dezember  2018,  E.  64  –
«Durchflussmessfühler»;  Urteil  S2018_001  vom  23.  Mai  2018,  E.  5;  Urteil 
O2015_009  vom  21.  März  2018,  E.  11.2;  Urteil  O2012_43  vom  10.  Juni  2016, 
E. 5.5

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4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung 
von CHF 58’360 (inkl. Ersatz notwendiger Auslagen) zu bezahlen.

5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien unter Beilage des Protokolls der 
Hauptverhandlung sowie nach Eintritt der Rechtskraft an das Eidge-
nössische Institut für Geistiges Eigentum, je gegen Empfangsbestäti-
gung.

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Zivilsachen geführt werden 
(Art. 72 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätes-
tens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu des-
sen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplo-
matischen oder konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 
Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und 
hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die 
Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismit-
tel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizule-
gen (vgl. Art. 42 BGG).

St. Gallen, 6. Oktober 2020

Im Namen des Bundespatentgerichts

Präsident

Erste Gerichtsschreiberin

Dr. iur. Mark Schweizer

lic. iur. Susanne Anderhalden

Versand: 07.10.2020

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