# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6fb42b2a-8c03-564b-8c40-8201e8489cf7
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.11.2024 BG.2024.29
**Docket/Reference:** BG.2024.29
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2024-29_2024-11-07

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 7. November 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Daniel Kipfer Fasciati und Nathalie Zufferey,  

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter  

   
Parteien   

KANTON FREIBURG, Staatsanwaltschaft,  

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON BERN, Generalstaatsanwaltschaft,  

 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2024.29 

 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland (nachfolgend «StA BE») 

eröffnete am 16. Januar 2024 unter der Verfahrensnummer BM 24 3496 eine 

Strafuntersuchung gegen A. wegen einfacher Körperverletzung mit einem 

gefährlichen Gegenstand und wegen Widerhandlung gegen Art. 115 Abs. 1 

lit. a des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 

und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, 

AIG; SR 142.20). Das Verfahren geht zurück auf eine Strafanzeige vom 

14. Januar 2024, die bei der kantonalen Einsatzzentrale Bern erstattet 

wurde. Aus dem Anzeigerapport der Kantonspolizei Bern vom 29. Februar 

2024 ergibt sich, dass A. dem Opfer mit einem Küchenmesser eine Schnitt-

verletzung am Arm beigebracht habe (vgl. kantonale Akten BE).    

  

Am 20. Februar 2024 eröffnete die Staatsanwaltschaft Freiburg (nachfolgend 

«StA FR») unter der Verfahrensnummer F 24 1960 eine Strafuntersuchung 

gegen A. wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Fälschung von Ausweisen 

und rechtswidrigen Aufenthalts. Das Verfahren geht zurück auf eine Strafan-

zeige vom 20. Februar 2024, die bei der Kantonspolizei Freiburg erstattet 

wurde. Aus einem Bericht des Freiburger Netzwerks für psychische Gesund-

heit FNPG vom 7. Februar 2024 zuhanden der Kantonspolizei Bern wird er-

sichtlich, dass A. in die Räumlichkeiten des FNPG eingedrungen und dort 

leere Formulare für ärztliche Rezepte gestohlen, diese später für den Bezug 

von Ritalin eigenhändig ausgefüllt und unterzeichnet und in einer Berner 

Apotheke eingesetzt haben soll (kant. Akten FR, pag. 2000 ff., insb. 2014 ff.) 

 

Am 6. März 2024 eröffnete (der StA FR zufolge) die Regionale Staatsanwalt-

schaft Emmental-Oberaargau (nachfolgend ebenfalls «StA BE») unter der 

Verfahrensnummer EO 24 3346 COS ein Strafverfahren gegen A. wegen 

rechtswidrigen Aufenthalts (act. 1 S. 2).  

 

 

B. Mit Schreiben von 11. März 2024 ersuchte die Generalstaatsanwaltschaft 

des Kantons Bern (nachfolgend «GStA BE») die StA FR um Übernahme des 

bei ihr hängigen Verfahrens, weil das am schwersten wiegende Delikt, das 

A. vorgeworfen werde, der Diebstahl, im Kanton Freiburg begangen worden 

sei und dort verfolgt werde. Die StA FR lehnte die Übernahme mit Schreiben 

vom 26. März 2024 ab mit dem Hinweis darauf, dass der Diebstahl von drei 

Rezeptformularen, der in Freiburg begangen worden sei, geringfügig sei. 

Ausserdem werde A. vorgeworfen, sich in Bern der Verwendung gefälschter 

Urkunden schuldig gemacht zu haben. Es sei nicht bekannt, wo er die Re-

zepte gefälscht haben könnte, weshalb auf deren Verwendung in Bern 

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abzustellen sei. Sie ersuchte mit demselben Schreiben die GStA BE um 

Übernahme dieses Verfahrens durch den Kanton Bern (Akten des Aus-

tauschs zwischen BE und FR, vgl. kant. Akten FR, pag. 5000 ff.).   

 

 

C. Mit Schreiben vom 27. März 2024 wies die GStA BE das Übernahmeersu-

chen der StA FR ab und ersuchte ihrerseits abermals um Übernahme durch 

die StA FR. Gemäss des Grundsatzes in dubio pro duriore sei in Freiburg 

nicht von einem geringfügigen Diebstahl auszugehen und für die Urkunden-

fälschung gebe es im Kanton Bern keinen Anknüpfungspunkt, zumal es beim 

Fälscher nicht auf die Verwendung der Urkunde, sondern auf den Ort an-

komme, an dem er die Fälschung begangen habe (Akten des Austauschs 

zwischen BE und FR, vgl. kant. Akten FR, pag. 5000 ff.).  

 

 

D. Im darauffolgenden weiteren Austausch zwischen der GStA BE und der 

StA FR mit Schreiben der GStA BE vom 2. April, der stellvertretenden Ge-

neralstaatsanwältin FR («stv. GStA FR») vom 5. April 2024, der GStA BE 

vom 12. April 2024, der stv. GStA FR vom 19. April 2024, der GStA BE vom 

29. April 2024, der stv. GStA FR vom 14. Mai 2024, der GStA BE vom 16. Mai 

2024 hielten beide Kantone an ihren Positionen fest. Strittig blieb die Gering-

fügigkeit des Diebstahls im Kanton Freiburg sowie der Tatort der Urkunden-

fälschung bzw. die Relevanz der Verwendung der gefälschten Urkunden 

(vgl. kant. Akten FR, pag. 5000 ff.). Schliesslich blieb es bei einer Meinungs-

verschiedenheit ob der Frage, welcher der beiden Kantone das Bundesstraf-

gericht zur Festlegung des Gerichtsstandes anzurufen verpflichtet ist (vgl. 

kant. Akten FR, insb. pag. 5017 ff.). 

 

 

E. Mit Eingabe vom 31. Mai 2024 ersuchte die stv. GStA FR beim Bundesstraf-

gericht um Bestimmung des Gerichtsstands und stellte den Antrag, es seien 

die Strafbehörden des Kantons Bern für berechtigt und verpflichtet zu erklä-

ren, die A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen (act. 1). 

 

 

F. Mit Gesuchsantwort vom 7. Juni 2024 beantragt die GStA BE, es sei auf das 

Gesuch nicht einzutreten, eventuell sei der Kanton Freiburg für berechtigt 

und verpflichtet zu erklären für die Verfolgung und Beurteilung der dem Be-

schuldigten vorgeworfenen Taten (act. 3). Das Gericht hat die Gesuchsant-

wort der StA FR am 11. Juni 2024 zur Kenntnis zugestellt (act. 4). Die StA 

FR hat sich darauf nicht mehr vernehmen lassen.  

 

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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-

nen Fall, wenn nötig, der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 

Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 

die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-

mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 

(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-

dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 

Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die 

Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO 

i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die 

ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 

von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden (vgl. 

hierzu TPF 2019 62 E. 1; TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be-

rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der 

Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kan-

tonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO). 

 

1.2 Die Generalstaatsanwältin oder der Generalstaatsanwalt des Kantons Frei-

burg ist unter Vorbehalt einer Delegation grundsätzlich berechtigt, den Ge-

suchsteller bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwer-

dekammer zu vertreten (Art. 135 Abs. 2 des Justizgesetzes des Kantons 

Freiburg vom 31. Mai 2010 [JG/FR; SGF 130.1]). Auf Seiten des Gesuchs-

gegners steht diese Befugnis der GStA BE zu (Art. 24 lit. b des Einführungs-

gesetzes zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugend-

strafprozessordnung des Kantons Bern vom 11. Juni 2009 [EG ZSJ/BE; BSG 

271.1]). 

 

1.3 Die Parteien haben vor Einreichung des Gesuchs einen Meinungsaustausch 

mit mehreren Schriftenwechseln durchgeführt, wobei sich keine Einigung 

ergab. Der Meinungsaustausch ist deshalb als abgeschlossen zu betrach-

ten. 

 

- 5 - 

 

 

1.4 Gemäss klarer gesetzlicher Anordnung in Art. 40 Abs. 2 StPO ist derjenige 

Kanton zur Anrufung des Bundesstrafgerichts verpflichtet, der zuerst mit der 

Sache befasst war. Die Formulierung «zuerst mit der Sache befasst war» 

lehnt sich an das forum praeventionis an. Das Gesuch ist von derjenigen 

Staatsanwaltschaft an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ein-

zureichen, welche zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen hat resp. 

von Verfolgungshandlungen, z.B. i.S. einer eingegangenen Strafanzeige, 

betroffen ist (BAUMGARTNER, Die Zuständigkeit im Strafverfahren, 2014, 

S. 483). Das ist vorliegend unstreitig der Kanton Bern, der mit der Entgegen-

nahme der Strafanzeige vom 14. Januar 2024 mehr als einen Monat vor dem 

Kanton Freiburg Verfahrenshandlungen vornahm (vgl. oben Lit. A). Es wäre 

deshalb gemäss Art. 40 Abs. 2 StPO Sache des Gesuchsgegners gewesen, 

nach dem Meinungsaustausch, der keine Einigung ergab, unverzüglich, d.h. 

gemäss der Gerichtspraxis innert 10 Tagen an die Beschwerdekammer zu 

gelangen. Nur wenn es streitig wäre, welcher Kanton zuerst mit der Sache 

befasst war, würde der Kanton in Frage kommen, der den Meinungsaus-

tausch eröffnet hat. Das ist in casu nicht der Fall. Dabei kann vorliegend of-

fenbleiben, ob der Meinungsaustausch erst mit dem letzten Schreiben der 

GStA BE vom 16. Mai 2024 an die stv. GStA FR oder bereits früher abge-

schlossen war (vgl. hierzu Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2024.6 

vom 29. Februar 2024 E. 1). Jedenfalls ist der Gesuchsgegner als erstbe-

fasster Kanton seiner Pflicht nicht nachgekommen und er hat auch keine 

zwingenden Gründe für ein Abweichen von der 10-Tagesfrist dargelegt, wes-

halb es sich im vorliegenden Fall rechtfertigt, ohne Eintreten auf das Gesuch 

und ohne weitere materielle Prüfung des Gerichtsstandskonflikts die Zustän-

digkeit des Gesuchsgegners aufgrund dessen Säumnis bei der Lösung die-

ses Konflikts festzulegen (vgl. TPF 2011 150). 

 

 

2. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten keine Ge-

richtsgebühr zu erheben (TPF 2023 130 E. 5.1). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons Bern sind berechtigt und verpflichtet, die A. 

zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.  

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.  

 

 

Bellinzona, 8. November 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.