# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dd9b81a9-78e1-5a66-a6d7-53f4fe58c812
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 27.09.2023 WPR.2023.84
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2023-84_2023-09-27.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2023.84 / pw / ko  
ZEMIS [***] N [***]   

 

 

Urteil vom 27. September 2023 
 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 

vertreten durch Daniel Widmer, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 

 

 
   

Gesuchs-

gegnerin  

 A._____, von Burundi,  

alias B._____, von Unbekannt 

alias B._____, von Burundi 

z. Zt. im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft, 8058 Zürich 

amtlich vertreten durch MLaw Joel Marcin, Rechtsanwalt, 

Bahnhofstrasse 19, 5200 Brugg AG    

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76a AIG / Haftüberprüfung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A.  

Die Gesuchsgegnerin reiste eigenen Angaben zufolge am 15. Februar 

2023 illegal in die Schweiz und reichte am 16. Februar 2023 ein Asylgesuch 

ein (Akten des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 45).  

 

Nachdem ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank 

EURODAC ergeben hatte, dass die Gesuchsgegnerin in Slowenien und 

Kroatien als Asylsuchende registriert ist (MI-act. 39), ersuchte das 

Staatssekretariat für Migration (SEM) die kroatischen und slowenischen 

Behörden am 17. April 2023 um Rückübernahme der Gesuchsgegnerin 

(MI-act. 57 ff.). Die kroatischen Behörden stimmten der Rückübernahme 

am 1. Mai 2023 zu (MI-act. 46). 

 

Mit Entscheid vom 23. August 2023 trat das SEM auf das Asylgesuch der 

Gesuchsgegnerin nicht ein, wies sie nach Kroatien weg, ordnete an, sie 

habe die Schweiz bis am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu 

verlassen und beauftragte den Kanton Aargau mit dem Vollzug der 

Wegweisung (MI-act. 66 ff.). Der Entscheid erwuchs am 8. September 

2023 unangefochten in Rechtskraft (MI-act. 87). 

 

Auf Vorladung hin erschien die Gesuchsgegnerin am 25. September 2023, 

10.00 Uhr, für ein Ausreisegespräch auf der Amtsstelle des Amts für 

Migration und Integration Kanton Aargau (MIKA) (MI-act. 89 f., 98). Dabei 

gab sie gegenüber dem MIKA an, nicht freiwillig nach Kroatien 

zurückkehren zu wollen (MI-act. 98 ff.). 

 

B. 

In der Folge wurde der Gesuchsgegnerin im Rahmen der Befragung durch 

das MIKA gleichentags das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung 

einer Administrativhaft gewährt (MI-act. 105 ff.). Im Anschluss an die 

Befragung wurde der Gesuchsgegnerin die Anordnung der Haft wie folgt 

eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Es wird eine Administrativhaft gemäss Art. 76a AIG angeordnet. 
 
2. 
Die Haft begann am 25. September 2023, 10.00 Uhr. Sie wird für 38 Tage 
bis zum 1. November 2023, 12.00 Uhr, angeordnet. 
 
3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Zentralgefängnis Lenzburg. 

 

 - 3 - 

 

 

C. 

Im Anschluss an die Eröffnung der angeordneten Haft unterzeichnete die 

Gesuchsgegnerin eine Erklärung, wonach sie eine richterliche 

Haftüberprüfung wünsche (MI-act. 112). 

 

D. 

In der Folge bestellte das Verwaltungsgericht der Gesuchsgegnerin einen 

amtlichen Rechtsvertreter, stellte diesem die Akten elektronisch zu und 

räumte ihm eine Frist bis 27. September 2023, 14.00 Uhr, zur 

Stellungnahme ein (MI-act. 5 f.). 

 

E. 

Der Rechtsvertreter reichte am 27. September 2023, 9.45 Uhr, seine 

Stellungnahme ein und stellte folgende Anträge (act. 11): 

 

1. 
Die angeordnete Haft sei nicht zu bestätigen. 
 
2. 
Die Gesuchsgegnerin sei sofort aus der Haft zu entlassen. 
 
3. 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des 
Gesuchstellers (inkl. MwSt.). 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und 

Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Dublin-

Administrativhaft auf Antrag der betroffenen Person in einem schriftlichen 

Verfahren innert 96 Stunden seit Antragstellung (Art. 80a Abs. 3 des 

Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die 

Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- und Integrationsgesetz, 

AIG; SR 142.20] i.V.m. Art. 80 Abs. 2 AIG; § 6 des Einführungsgesetzes 

zum Ausländerrecht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). 

 

Nachdem die Gesuchsgegnerin anlässlich der Eröffnung der 

Haftanordnung eine richterliche Haftüberprüfung verlangt hat, ist diese 

vorzunehmen. Die Haftüberprüfungsfrist beginnt sodann mit der 

Antragsstellung der Gesuchsgegnerin zu laufen, welche vorliegend am 

25. September 2023, 12.21 Uhr, erfolgte (MI-act. 112). Nach dem 

Gesagten ist die Haftüberprüfungsfrist mit vorliegendem Entscheid 

eingehalten. 

 

 - 4 - 

 

 

2. 

Gemäss § 14 Abs. 2 EGAR entscheidet der Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts über die angeordnete Haft aufgrund der Akten und der 

Vorbringen der Parteien. Die Abnahme weiterer Beweise bleibt 

vorbehalten. 

 

Die Gesuchsgegnerin sagte anlässlich des Ausreisegesprächs und des 

rechtlichen Gehörs am 25. September 2023 gegenüber dem MIKA im 

Wesentlichen aus, sie sei nicht bereit die Schweiz in Richtung Kroatien zu 

verlassen (MI-act. 98 f., 105 ff.).  

 

Ergänzend bringt ihr Rechtsvertreter vor, entgegen den Ausführungen des 

Gesuchstellers sei nicht darauf zu schliessen, dass sich die 

Gesuchsgegnerin behördlichen Anordnungen widersetze. So sei sie der 

Vorladung vom 18. September 2023 betreffend das Ausreisegespräch 

nachgekommen. Weiter sei aus den Akten nicht zu entnehmen, dass die 

Gesuchsgegnerin in der Schweiz jemals einen unbekannten Aufenthaltsort 

gehabt habe oder den Behörden nicht zur Verfügung gestanden sei. 

Schliesslich sei festzuhalten, dass die Gesuchsgegnerin auf eine 

medizinische Betreuung und die damit verbundenen Zuweisungen zur 

medizinischen Abklärung durch die Behörden angewiesen sei, weshalb es 

im Interesse der Gesuchsgegnerin sei, den Behörden zur Verfügung zu 

stehen. Soweit der Gesuchsteller erkläre, die Gesuchsgegnerin habe 

versucht, gegenüber den Schweizer Behörden ihre Identität zu 

verschleiern, indem sie unter mehreren Identitäten in diversen Ländern 

aufgetreten sei, sei festzuhalten, dass die Gesuchsgegnerin glaubhaft 

erklärt habe, aus Angst eine andere Identität verwendet zu haben und 

gezwungen worden sei, Fingerabdrücke zu geben. Der Vertreter führt aus, 

die Haft wäre auch nicht verhältnismässig. Die Gesuchsgegnerin sei darauf 

angewiesen, durch die Behörden medizinisch versorgt zu werden, womit 

eine Untertauchensgefahr ausgeschlossen sei. Vorliegend wäre es 

geeigneter und zweckmässiger, der Gesuchsgegnerin eine 

Rayonbeschränkung oder eine Meldepflicht aufzuerlegen, und die 

Gesuchsgegnerin weiter in der kantonalen Unterkunft wohnen zu lassen 

(act. 11 ff.). 

 

II. 

1. 

1.1. 

Die zuständige kantonale Behörde kann eine betroffene Person, für deren 

Asylverfahren ein anderer Dublin-Staat zuständig ist, zur Sicherstellung 

des Wegweisungsvollzugs in Haft nehmen, wenn die entsprechenden 

Voraussetzungen von Art. 76a AIG erfüllt sind. 

 

 - 5 - 

 

 

1.2. 

Wurde die betroffene Person dem Kanton Aargau zugewiesen oder hält sie 

sich im Kanton Aargau auf (Art. 80a Abs. 1 lit. b AIG), ist das MIKA gemäss 

§ 13 Abs. 1 EGAR zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76a 

AIG.  

 

Die Gesuchsgegnerin wurde im Rahmen ihres Asylverfahrens mit 

Entscheid des SEM vom 23. August 2023 dem Kanton Aargau zugewiesen 

(MI-act. 74.), womit die Zuständigkeit des Kantons Aargau gegeben ist. 

Vorliegend wurde die Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die 

zuständige Behörde erlassen (act. 1 ff.). 

 

1.3. 

Für die Überstellung in einen Dublin-Staat ist seit dem 1. Januar 2014 die 

auch für die Schweiz geltende sogenannte "Dublin III-Verordnung" 

(Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem 

Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist [Neufassung], in der 

Fassung gemäss ABl. L 180 vom 29. Juni 2013, S. 31 ff.) massgebend. Per 

1. Juli 2015 wurde die Dublin III-Verordnung durch Anpassung des 

nationalen Rechts vollständig in Kraft gesetzt (vgl. Bundesbeschluss vom 

26. September 2014 über die Genehmigung und die Umsetzung des 

Notenaustausches zwischen der Schweiz und der EU betreffend die 

Übernahme der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 

Prüfung eines Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

[Weiterentwicklung des Dublin/Eurodac-Besitzstands]; AS 2015 1841). Mit 

Blick auf die Ausführungsbestimmungen gilt die Verordnung (EG) 

Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 

(Dublin II-Durchführungsverordnung; ABl. L 222 vom 5. September 2003, 

S. 3 ff.) grundsätzlich weiter, wobei gemäss Art. 48 Satz 2 der 

Dublin III-Verordnung die Art. 11 Abs. 1, Art. 13, Art. 14 und Art. 17 der 

Dublin II-Durchführungsverordnung aufgehoben wurden. Für die nicht 

mehr gültigen Verweise in der Dublin II-Durchführungsverordnung auf die 

Verordnung (EG) Nr. 343/2003 (Dublin II-Verordnung) wurde im Anhang II 

zur Dublin III-Verordnung eine Konkordanztabelle eingefügt (vgl. 

Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der 

Europäischen Union betreffend die Übernahme der Verordnung [EU] 

Nr. 604/2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Antrags auf internationalen 

Schutz zuständig ist [Weiterentwicklung des Dublin/Eurodac-Besitzstands]; 

SR 0.142.392.680.01). 

 

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1.4. 

Das SEM ersuchte die kroatischen Behörden am 17. April 2023 um 

Übernahme der Gesuchsgegnerin (MI-act. 57 ff.). Diese stimmten der 

Rückübernahme am 1. Mai 2023 zu (MI-act. 46 f.) In der Folge trat das 

SEM mit Verfügung vom 23. August 2023 auf das Asylgesuch der 

Gesuchsgegnerin nicht ein und wies sie aus der Schweiz weg (MI-

act. 66 ff.). Diese Verfügung ist am 8. September 2023 in Rechtskraft 

erwachsen (MI-act. 87). Damit liegt ein rechtsgenüglicher 

Wegweisungsentscheid vor und es steht fest, dass Kroatien als Dublin-

Zielstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist.  

 

2. 

Vorliegend wurde eine Administrativhaft gestützt auf Art. 76a Abs. 3 lit. c 

AIG (Wegweisungsvollzug) bis zum 1. November 2023, 12.00 Uhr 

angeordnet.  

 

Gemäss dieser Bestimmung kann eine betroffene Person zur 

Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung für maximal sechs Wochen 

in Haft genommen werden. 

 

Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es die 

Gesuchsgegnerin aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den 

Vollzug sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt.  

 

3. 

3.1 

Gemäss Art. 76a Abs. 1 lit. a AIG müssen konkrete Anzeichen dafür 

vorliegen, dass sich die betroffene Person der Durchführung der 

Wegweisung entziehen will. Davon ist insbesondere dann auszugehen, 

wenn einer der in Art. 76a Abs. 2 AIG genannten Umstände vorliegt. 

 

3.2 

Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76a Abs. 2 lit. b AIG, wonach 

von einer Untertauchensgefahr auszugehen ist, wenn das Verhalten der 

betroffenen Person in der Schweiz oder im Ausland darauf schliessen lässt, 

dass sie sich behördlichen Anordnungen widersetzt. 

 

Sowohl im Rahmen des Ausreisegesprächs als auch anlässlich der 

Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend die Anordnung einer Haft im 

Dublin-Verfahren vom 25. September 2023 äusserte sich die 

Gesuchsgegnerin gegenüber dem MIKA mehrfach dahingehend, sie sei 

nicht bereit, die Schweiz Richtung Kroatien zu verlassen.  

 

In der mehrfach geäusserten, konstanten Weigerung der Ausreisepflicht 

nachzukommen, ist – entgegen der Auffassung ihres Rechtsvertreters – ein 

klares Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich die Gesuchsgegnerin der 

 - 7 - 

 

 

Ausschaffung entziehen will. Daran ändert – entgegen der Auffassung ihres 

Rechtsvertreters – auch nichts, dass die Gesuchsgegnerin in der Schweiz 

nie unbekannten Aufenthalts war, den Behörden immer zur Verfügung 

stand und der Vorladung des MIKA freiwillig Folge geleistet hat (act. 11) 

Dieses Verhalten legte sie an den Tag, als sie noch nicht befürchten 

musste, ausgeschafft zu werden. Massgeblich ist deshalb nicht, wie sich 

die Gesuchsgegnerin früher verhielt, sondern wie sie sich verhielt, als ihr 

bewusst war, dass der Vollzug ihrer Wegweisung unmittelbar bevorsteht. 

 

Somit ist der Haftgrund im Sinne von Art. 76a Abs.2 lit. b AIG erfüllt. 

 

3.3 

Des Weiteren stützt das MIKA seine Haftanordnung auf Art. 76a Abs. 2 

lit. c, wonach ein konkretes Anzeichen einer Untertauchensgefahr vorliegt, 

wenn die betroffene Person mehrere Asylgesuche unter verschiedenen 

Identitäten einreicht. Das MIKA macht geltend, die Gesuchsgegnerin habe 

versucht, gegenüber den Schweizer Behörden ihre Identität zu 

verschleiern, indem sie unter mehreren Identitäten in diversen Ländern 

auftrat. 

 

Aktenkundig ist, dass die Gesuchsgegnerin im Rahmen ihrer Asylgesuche 

in Kroatien und Slowenien einen falschen Namen angab (MI-act. 46 f, 64) 

Damit und aufgrund des Umstandes, dass die Gesuchsgegnerin in 

diversen Dublin-Staaten unterschiedliche Identitäten verwendet hatte, 

liegen konkrete Anzeichen im Sinne von Art. 76a Abs. 2 lit. b und c AIG vor, 

dass sie sich dem Vollzug der Wegweisung entziehen würde, womit der 

genannte Haftgrund erfüllt ist. Daran ändert – entgegen der Auffassung des 

Rechtsvertreters – auch nichts, dass die Gesuchsgegnerin aus Angst eine 

andere Identität verwendet habe (act. 11), da der Haftgrund selbst dann 

erfüllt wäre, wenn die betroffene Person ein objektiv nachvollziehbares 

Motiv für die Falschangabe hätte.   

 

Der Haftgrund im Sinne von Art. 76a Abs. 2 lit. c ist damit gegeben. 

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor. 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem 

Beschleunigungsgebot nicht ausreichend Beachtung geschenkt hätte.  

 

6. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu 

bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der 

Verhältnismässigkeit verstossen würde.  

 

 - 8 - 

 

 

Eine mildere Massnahme zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung 

ist – entgegen der Meinung des Rechtsvertreters – nicht ersichtlich. 

Insbesondere erscheint weder die Anordnung einer Meldepflicht noch eine 

Eingrenzung zielführend, wäre es der Gesuchsgegnerin diesfalls doch 

ohne weiteres möglich, sich den Behörden bis zum Ausreisezeitpunkt zur 

Verfügung zu halten und trotzdem unterzutauchen, sobald die Reise nach 

Kroatien anzutreten wäre. Gleiches gilt für die Argumentation, die 

Gesuchsgegnerin sei auf medizinische Betreuung angewiesen. 

 

Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden. 

 

Weiter ist festzuhalten, dass die Gesuchsgegnerin hafterstehungsfähig ist 

(MI-act. 100 ff.) und es ihr während ihrer Inhaftierung jederzeit zusteht, eine 

Untersuchung durch eine ärztliche Fachperson zu verlangen und 

notwendige Medikamente zu erhalten. 

 

Insgesamt sind keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete Haft 

als unverhältnismässig erscheinen liessen. 

 

7. 

Gemäss Art. 76a Abs. 3 lit. c AIG darf die Haft gestützt auf Art. 76a AIG zur 

Sicherstellung des Vollzugs zwischen der Eröffnung des Weg- oder 

Ausweisungsentscheides und der Überstellung der betroffenen Person an 

den zuständigen Dublin-Staat höchstens sechs Wochen dauern.  

 

Das MIKA ordnete die Administrativhaft gestützt auf Art. 76a Abs. 3 lit. c 

AIG für 38 Tage an (act. 1 ff.). Dies ist nicht zu beanstanden. 

 

Weigert sich die Gesuchsgegnerin im Rahmen des Wegweisungsvollzugs, 

ein Transportmittel zur Durchführung der Überstellung in den zuständigen 

Dublin-Staat zu besteigen, oder verhindert sie auf eine andere Art und 

Weise durch ihr persönliches Verhalten die Überstellung, kann gemäss 

Art. 76a Abs. 4 AIG Renitenzhaft angeordnet werden. Die gemäss nationa-

lem Recht geltende Höchstdauer der Haft von drei Monaten darf nach bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung jedoch nicht ausgeschöpft werden und 

muss richterlich überprüfbar sein (BGE 148 II 169, Erw. 4 ff.). Nachdem 

das Bundesgericht offengelassen hat, welche Haftdauer insgesamt zuläs-

sig ist, wird aufgrund des konkreten Einzelfalls zu bestimmen sein, für wie 

lange Renitenzhaft angeordnet werden darf.  

 

8. 

Es bestehen überdies keine Anzeichen dafür, dass die für die Rückführung 

der Gesuchsgegnerin nach Kroatien notwendigen Schritte nicht innert der 

jeweils maximal zulässigen Haftdauer abgeschlossen werden könnten und 

die Haft gemäss Art. 80a Abs. 7 lit. a AIG zu beenden wäre.  

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III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Der Gesuchsgegnerin ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein 

amtlicher Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für 

eine Dauer von mehr als 30 Tagen angeordnet hat.  

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 25. September 2023 durch das MIKA angeordnete Dublin-

Administrativhaft wird bestätigt. Die Haft begann am 25. September 2023, 

12.00 Uhr. 

 

2. 

Vorbehalten bleibt die allfällige Anordnung und Verlängerung einer 

Renitenzhaft gestützt auf Art. 76a Abs. 4 AIG. 

 

3. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Zentralgefängnis Lenzburg erfolgen. 

 

4. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

5. 

Als amtlicher Rechtsvertreter wird MLaw Joel Marcin, Rechtsanwalt, Brugg, 

bestätigt. Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach Haftentlassung der 

Gesuchsgegnerin seine detaillierte Kostennote einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

die Gesuchsgegnerin (Vertreter, im Doppel; vorab per Inca-Mail) 

das MIKA (mit Rückschein, inkl. Stellungnahme vom 27. September 2023; 

vorab per E-Mail) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz; BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 27. September 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: 

 

 

 

Busslinger