# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f00398dd-b4c1-5b74-9144-1082e2b9137a
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.12.2017 IV 2015/126
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2015-126_2017-12-11.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2015/126

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 06.05.2020

Entscheiddatum: 11.12.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 11.12.2017
Art. 7 f. ATSG, Art. 28 IVG; Art. 16 ATSG: Abstellen auf ein MEDAS-
Gutachten, das hinsichtlich der Diagnosen und Arbeitsfähigkeitsschätzung 
mit zwei Vorgutachten übereinstimmt. Prozentvergleich bei fehlendem 
regelmässigem Einkommen vor Eintritt des invalidisierenden 
Gesundheitsschadens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons 
St. Gallen vom 11. Dezember 2017, IV 2015/126).

Entscheid vom 11. Dezember 2017

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann und 

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Beatrix Zahner

Geschäftsnr.  

IV 2015/126

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gegenstand 

Rente

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ meldete sich am 22. September 2006 bei der Invalidenversicherung (IV) zum 

Leistungsbezug an (IV-act. 1). Sie hatte am 3. Januar 2006 eine Berstungsfraktur des 

LWK 1 erlitten, welche operativ versorgt worden war (dorso ventrale Spondylodese Th 

12 bis L1 und dorsale Instrumentierung L 2, Segmentfreigabe am 26. Juli 2006; vgl. 

Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] 

vom 15. Juli 2009, IV-act. 73-1 f.).

A.b  Dr.med. B.___, FMH Innere Medizin, hielt im Arztbericht vom 28. September 2006 

zusätzlich rezidivierende Synkopen unklarer Genese und einen Verdacht auf 

Polytoxikomanie bzw. Alkohol(missbrauch) fest (IV-act. 4). Am 28. September 2007 

erlitt die Versicherte einen akuten inferoposterioren Myokardinfarkt und während des 

stationären Aufenthalts einen Grand-mal-Anfall (Bericht der Kardiologie des 

Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 5. Oktober 2007, IV-act. 58-3 ff.). Die IV-Stelle 

liess die Versicherte bidisziplinär abklären (orthopädisches Gutachten Dr.med. C.___, 

FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rheumatologie und Allgemeine Innere 

Medizin, vom 24. Juli 2008; psychiatrisches Konsiliargutachten Dr.med. D.___, FMH 

Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. April 2008; IV-act. 49). Aus Sicht beider 

Fachgebiete wurde die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin als nicht mehr zumutbar 

(Unüberwindbarkeit der Schmerzen, eingeschränkte Belastbarkeit der Wirbelsäule) 

erachtet und für eine (optimal) angepasste Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % 

attestiert (IV-act. 49-7, 26).

A.c  Berufliche Massnahmen konnten nicht durchgeführt werden. Da das 

Eingliederungspotential nicht festgestellt werden konnte, ordnete der RAD eine 

Verlaufsbegutachtung an (Schlussbericht berufliche Eingliederung vom 23. November 

2009, IV-act. 81; RAD-Stellungnahme vom 20. Januar 2010, IV-act. 82).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.d  Die MEDAS Ostschweiz erstattete am 20. Dezember 2010 im Auftrag der IV-Stelle 

ein zweites, polydisziplinäres Gutachten (E.___, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie; Dr.med. F.___, Neurologie FMH; Dr.med. G.___, Orthopädische 

Chirurgie FMH; Untersuchungen 20. bis 22. September und 20. Oktober 2010). Die 

Gutachter kamen zum Ergebnis, aus orthopädischer und psychiatrischer Sicht und 

auch polydisziplinär sei die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten um 30 % 

eingeschränkt (IV-act. 96-35 ff.).

A.e  Nachdem der RAD Stellung genommen hatte, auf das Gutachten könne abgestellt 

werden (10. Februar 2011, IV-act. 97), stellte die IV-Stelle der Versicherten mit 

Vorbescheid vom 22. Juli 2011 (IV-act. 107) die Abweisung des Rentengesuchs in 

Aussicht. Hiergegen liess die Versicherte am 9. August 2011 Einwand erheben (IV-act. 

108), den sie nach Abklärungen betreffend das psychiatrische Untersuchungsgespräch 

(vgl. dazu Eingabe der Versicherten vom 7. September 2011, IV-act. 117-1, und 

Stellungnahme von E.___ vom 6. Januar 2012, IV-act. 132-5 f.) am 31. Januar 2012 mit 

der Unvollständigkeit der Akten bzw. der Anamnese begründete (IV-act. 132-1 ff.).

A.f  Die IV-Stelle wies das Rentengesuch nach Einholung einer weiteren RAD-Stellung-

nahme vom 15. März 2012 (IV-act. 134) mit Verfügung vom 26. März 2012 ab (IV-act. 

136) und widerrief diese nach Eingang eines Berichts der Klinik für Orthopädische 

Chirurgie des KSSG vom 22. März 2012, wonach ein Grossteil der Beschwerden im 

Bereich der unteren Extremität mit einer progredienten Spinalkanalstenose vereinbar 

seien (IV-act. 137-1 ff.), am 5. April 2012 (IV-act. 144).

A.g  Die Versicherte war in der Kriseninterventionsstation des Psychiatrischen 

Zentrums H.___ vom 19. Juli bis 10. August 2012 in stationärer und vom 13. bis 27. 

August 2012 in teilstationärer tagesklinischer Behandlung (Austrittsbericht vom 10. 

September 2012, IV-act. 166-9 ff.) und ab 18. September 2012 im Psychiatrischen 

Zentrum in ambulanter Therapie (Arztberichte Dr.med. I.___, Oberarzt, vom 7. 

Dezember 2012, IV-act. 159, und vom 2. April 2013, IV-act. 166-1 ff.).

A.h  Nachdem der RAD nach mehrfacher Ergänzung der medizinischen Akten sowie 

mehreren Stellungnahmen zuletzt am 14. Mai 2013 festgehalten hatte, es sei seit dem 

Gutachten keine versicherungsmedizinisch relevante Verschlechterung ausgewiesen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(IV-act. 167), erliess die IV-Stelle am 5. Juni 2013 erneut einen rentenabweisenden 

Vorbescheid (IV-act. 171).

A.i Am 20. Juni 2013 wurde bei hochgradiger Spinalkanalstenose LWK 3/4 eine 

Dekompression LWK 3/4 mit Sequesterektomie und Nukleotomie und am 1. Juli 2013 

eine Wundrevision vorgenommen (Bericht Neurochirurgie KSSG vom 16. Juli 2013; IV-

act. 178-3 ff.; Operationsberichte IV-act. 178-1, 2). Unter Hinweis auf diese 

Operationen liess die Versicherte am 8. Juli 2013 gegen den Vorbescheid vom 5. Juni 

2013 Einwand erheben (IV-act. 172). Vom 18. Juli bis 17. August 2013 unterzog sie sich 

einer Rehabilitation in den Kliniken Valens in J.___ (Austrittsbericht vom 2. September 

2013, IV-act. 188-5 ff.) und war vom 10. bis 22. Februar 2014 in der Klinik für 

Rheumatologie des KSSG hospitalisiert (Kurzaustrittsbericht vom 21. Februar 2014, IV-

act. 225-76 ff.). Vom 26. Februar bis 15. März 2014 erfolgte wiederum eine stationäre 

Rehabilitation in den Kliniken Valens in J.___ (vorläufiger Austrittsbericht vom 12. März 

2014, IV-act. 225-83 ff.; vgl. auch Austrittsbericht vom 28. März 2014, IV-act. 225-94 

f.).

A.j Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS Bern begutachtet 

(Gutachten vom 15. Oktober 2014, Innere Medizin, Neurologie, Orthopädische 

Chirurgie, Psychiatrie; Untersuchungen 29. April bis 22. August 2014; IV-act. 225-1 ff.). 

Die Experten diagnostizierten mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit als Reinigungskraft/

Zeitungsverträgerin eine rezidivierend depressive Episode, mittelschwer, bei ängstlich 

selbstunsicherer abhängiger Primärpersönlichkeit (ICD-10: F33.1), ein 

lumbospondylogenes Syndrom ohne radikuläre Zeichen, eine Knieinstabilität links nach 

vorderer Kreuzbandruptur links nach Misstritt vom 17. Februar 2013 und ohne 

Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 225-34) ein Zervikalsyndrom mit myofascialer 

Schmerzausstrahlung, eine koronare Herzerkrankung bei Status nach 

inferoposteriorem Myokardinfarkt, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), einen Alkoholabusus, 

abstinent, und einen Benzodiazepinabusus (IV-act. 225-33 f.). Aus rein psychiatrischer 

Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit sowie in Verweistätigkeiten eine 

Arbeitsfähigkeit von 70 %. Aus orthopädischer Sicht bestehe in der angestammten 

Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr und im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils eine 

solche von 80 % (IV-act. 225-34).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.k  Mit Vorbescheid vom 11. November 2014 wurde der Versicherten - nach einer 

Stellungnahme des RAD am 27. Oktober 2014 (IV-act. 226) - die Abweisung des 

Rentengesuchs in Aussicht gestellt (IV-act. 227). Hiergegen liess die Versicherte am 12. 

Dezember 2014 durch die Procap Einwand erheben (IV-act. 232). Sie verwies dabei auf 

eine nicht berücksichtigte Verschlechterung des Gesundheitszustandes in 

orthopädischer Hinsicht sowie auf die inzwischen gestellten Diagnosen eines 

Hirninfarkts und einer Epilepsie (Bericht Klinik für Neurologie KSSG vom 7. Oktober 

2014, IV-act. 238-8 ff.).

A.l Die IV-Stelle legte die Angelegenheit nochmals dem RAD vor und wies gestützt auf 

dessen Stellungnahme vom 2. März 2015 (IV-act. 244) das Leistungsbegehren 

betreffend Rente mit Verfügung vom 6. März 2015 aufgrund eines Invaliditätsgrades 

von 30 % ab (IV-act. 245).

B. 

B.a  Mit Beschwerde vom 23. April 2015 beantragt die Beschwerdeführerin die 

nochmalige Überprüfung ihrer Invalidität sowie die unentgeltliche Prozessführung 

(Befreiung von den Gerichtskosten). Eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 70 % sei 

ihr gesundheitsbedingt nicht möglich. Insbesondere wegen ihres Schlaganfalles 

bestünden zusätzliche Beschwerden, die ihre Arbeitsfähigkeit um mehr als 30 % 

einschränkten. Es seien weitere neurologische Abklärungen vorgesehen (act. G 1).

B.b  In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. Januar 2016 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das MEDAS-Gutachten sei 

ausführlich abgefasst und dessen Schlussfolgerungen zusammen mit der 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung seien in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Die nach der 

Begutachtung eingereichten medizinischen Unterlagen seien in der RAD-

Stellungnahme vom 2. März 2015 ausführlich gewürdigt worden. Demnach sei davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Verfügung zu 70 % in 

einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei (act. G 9).

B.c  Mit Eingabe vom 23. Januar 2016 (act. G 10) reicht die Beschwerdeführerin dem 

Gericht unter anderem Berichte der Klinik für Rheumatologie des KSSG über eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Hospitalisation vom 12. bis 24. Oktober 2015 (Kurzaustrittsbericht vom 23. Oktober 

2015, act. G 10.3) und des Psychiatrischen Zentrums H.___ vom 4. Januar 2016 (act. G 

10.2) ein.

B.d  Die Abteilungspräsidentin bewilligt der Beschwerdeführerin am 28. Januar 2016 

die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten; act. G 11).

Erwägungen

1. 

1.1  Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich 

bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und 

nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar 

ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.2  Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 

831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person 

mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine 

halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.3  Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen 

Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie 

ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen 

Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 

Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 

Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft 

zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).

1.4  Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und 

Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). 

Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den 

streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben 

Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen 

stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der 

Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte 

hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat 

das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, 

nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 126 V 360 

E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).

2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.1  Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 6. März 2015 bildet 

das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Bern vom 15. Oktober 2014. Umstritten 

und zu prüfen ist, ob darauf abgestellt werden kann.

2.2  In Bezug auf die Schmerzen diagnostiziert der orthopädische Gutachter der 

MEDAS Bern ein lumbospondylogenes Syndrom ohne radikuläre Zeichen bei/mit 

Status nach Spondylodese Th12/LWK1 und nach Dekompression LWK 3/4 und bei 

Rezidivhernie im Segment L3/4 ohne Kontakt zu den neuralen Strukturen gemäss MRI 

vom 20. Mai 2014 sowie eine Knieinstabilität links nach Kreuzbandruptur (IV-act. 

225-33). Er führt aus, die angegebenen Beschwerden fänden sowohl klinisch wie 

radiologisch überwiegend ein entsprechendes Substrat, gingen jedoch über den 

radiologischen und klinischen Befund hinaus (IV-act. 225-33). Im Rahmen eines im 

Wesentlichen rückenschonenden Zumutbarkeitsprofils attestiert er eine Arbeitsfähigkeit 

von 80 % (IV-act. 225-33 f.). Nachvollziehbar erscheint die vom orthopädischen 

Gutachter angenommene Verschlechterung des Befundes (IV-act. 225-35; vgl. auch 

RAD-Stellungnahme vom 17. Dezember 2013, IV-act. 196) aufgrund der seit der 

Begutachtung 2010 eingetretenen Progredienz der Diskushernie L3/4 bzw. der 

Spinalkanalstenose und der folgenden Operation mit Komplikation im Verlauf (Bericht 

Neurochirurgie KSSG vom 16. Juli 2013, IV-act. 178-5). Der im Einwandverfahren 

geltend gemachte Widerspruch zwischen einerseits der Feststellung einer 

Verschlechterung gegenüber dem Vorgutachten und andererseits der Attestierung 

einer höheren Arbeitsfähigkeit (IV-act. 232-1 f.) beruht möglicherweise darauf, dass der 

orthopädische Gutachter der MEDAS Bern davon ausging, der Vorgutachter habe eine 

Arbeitsfähigkeit (und nicht, wie zutreffend, eine Arbeitsunfähigkeit) in angestammter 

Tätigkeit von 100 % attestiert (IV-act. 225-32). In Anbetracht der vom orthopädischen 

Gutachter angenommenen und plausiblen Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes aus orthopädischer Sicht stellt sich somit die Frage, ob seine 

Einschätzung oder diejenige der orthopädischen Vorgutachter mehr überzeugt. Dies 

kann jedoch offen bleiben, da retrospektiv und interdisziplinär die mit 70 % tiefer 

eingeschätzte Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht limitierend ist. Zudem war die 

Verschlechterung lediglich vorübergehend, gab doch die Beschwerdeführerin gemäss 

Bericht der Neurochirurgie vom 11. September 2013 bei Behandlungsabschluss eine 

deutliche Schmerzlinderung an (IV-act. 195-3 f.). Zudem erwähnt der Bericht vom 16. 

Juli 2013 eine erfolgreiche konservative Therapie der Knieverletzung (IV-act. 178-4). Es 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ist sodann auch nicht dargetan oder ersichtlich, dass die übrigen im Gutachten vom 

24. Dezember 2010 gestellten Diagnosen - chronische Peripelvin-, Inguinal- und diffuse 

Bein-/Fussschmerzen links, leichte sensible Polyneuropathie und Schwäche und 

Gefühlsstörung der linken unteren Extremität und leichte Schulterperiarthropathie links 

(IV-act. 96-53) - Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten, welche das der 

angefochtenen Verfügung zugrunde liegende Gutachten nicht berücksichtigt hat. Im 

Ergebnis erscheint daher plausibel, dass aus orthopädischer Sicht auch rückblickend 

nicht eine quantitativ eingeschränktere Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist als aus 

psychiatrischer Sicht.

2.3  Die Beschwerdeführerin macht sodann im Wesentlichen geltend, auf das 

Gutachten der MEDAS Bern könne aufgrund der inzwischen gestellten Diagnosen einer 

Epilepsie und eines Hirninfarktes nicht mehr abgestellt werden (act. G 1). Im Bericht der 

Klinik für Neurologie des KSSG vom 30. Juli 2014 wird festgehalten, in 

Zusammenfassung der anamnestischen Angaben und des EEG-Befundes sei die 

Diagnose einer Epilepsie zu stellen (IV-act. 238-4). Im MRI Neurocranium vom 5. Juni 

2014 hatte sich ein lakunärer Defekt links zerebellär, a.e. embolisch bedingt, gezeigt 

(IV-act. 238-2). RAD-Ärztin Dr.med. K.___, Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie, nahm hierzu am 2. März 2015 Stellung, die singuläre Lakune im 

Kleinhirnbereich sei noch nicht funktionsbeeinträchtigend. Es fehle auch ein Hinweis 

auf strukturelle Ursachen einer Epilepsie im MRI vom Juni 2014; allein im EEG vom Juli 

2014 fänden sich Hirnaktivitäten, welche zu Anfällen führen könnten. Die 

Anfallshäufigkeit sei jedoch äusserst gering, auch wenn die Angaben der 

Beschwerdeführerin dazu variierten. Im Juli 2014 sei ein letztes Anfallsereignis im Mai 

2014 angegeben worden; in der neurologischen Untersuchung vom Oktober 2014 sei 

eine Anfallsfreiheit seit drei bis fünf Jahren angegeben worden. Eventuell mögliche, 

sehr seltene, eher nicht generalisierte Anfälle könnten keine weitere quantitative 

Arbeitsfähigkeitseinschränkung begründen (IV-act. 244). Die vormals vertretene 

Beschwerdeführerin hat zwar weitere diesbezügliche (neurologische) Berichte in 

Aussicht gestellt (act. G 1, 3, 6, 10), solche jedoch nicht eingereicht. Aktenkundig sind 

ein Grand-Mal-Anfall am 30. September 2007 (Bericht Kardiologie KSSG vom 5. 

Oktober 2007, IV-act. 58-3 ff.) und ein Zungenbiss während eines Langzeit-EEGs, 

welches jedoch im fraglichen Zeitraum keine epilepsietypischen Potentiale aufwies 

(Bericht Neurologie KSSG vom 30. Juli 2014, IV-act. 238-3 f.). Dr. D.___ erwähnte in 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

seinem Gutachten vom 21. April 2008 seit mehreren Jahren etwa zehnmal jährlich 

auftretende Bewusstseinsverluste, deren Ursache auch in der Alkoholerkrankung liegen 

könne (Intoxikation oder Entzug; IV-act. 49-16), befand sie indessen für die 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht als relevant (IV-act. 49-22 f., 25). Anlässlich der 

neurologischen Begutachtung am 20. Oktober 2010 äusserte die Beschwerdeführerin, 

Bewusstseinsverluste ohne Vorboten seien seit zwei Jahren nicht mehr vorgekommen, 

seither sei sie zweimal kreislaufbedingt kollabiert, mit vorausgehendem Schwindel. 

Nicht datierbar habe sie einige Wochen bis Monate ein nicht erinnerliches 

Antiepileptikum genommen, das nach einem ersten EEG mit Epilepsiezeichen 

verschrieben und nach Anfallsfreiheit sowie einem normalen zweiten EEG wieder 

abgesetzt worden sei (IV-act. 96-50, 55). Der damalige neurologische Gutachter hielt 

fest, die neurologischen Affektionen - eine leichte sensible Polyneuropathie und die 

rezidivierenden Bewusstseinsverluste - begründeten keine Arbeitsunfähigkeit in der 

bisherigen Tätigkeit (IV-act. 96-56). Insgesamt erscheint nachvollziehbar, dass der 

neurologische Experte der MEDAS Bern von fehlenden konkreten Hinweisen auf eine 

manifeste Epilepsie ausging, eine beklagte Kraftminderung im linken Arm auf 

algophobe Selbstlimitierung zurückführte und zum Ergebnis kam, in der neurologisch-

versicherungsmedizinischen Gesamtbewertung ergäben sich keine Hinweise für eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, welche über die Bewertung des orthopädischen 

Fachgebietes hinausgehen würde (IV-act. 225-28, 45).

2.4 

2.4.1  Psychiatrisch werden von allen Gutachtern übereinstimmend eine 

Alkoholabhängigkeit (bei inzwischen erreichter Abstinenz), eine rezidivierende 

depressive Störung, leichte bis mittelschwere Ausprägung, selbstunsichere und 

paranoide bzw. abhängige Persönlichkeitszüge sowie eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung bzw. eine Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 

Faktoren bzw. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und 

psychischen Faktoren diagnostiziert und eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 

30 % für adaptierte Tätigkeiten attestiert (psychiatrische Abklärung vom 21. April 2008, 

IV-act. 49-21 ff., 26; psychiatrisches Consiliargutachten vom 26. Oktober 2010, IV-act. 

96-66 f.; psychiatrische Begutachtung vom 22. August 2014, IV-act. 225-58 f.). Die 

psychiatrische Gutachterin der MEDAS Bern zählt die anhaltende somatoforme 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schmerzstörung zu den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 

225-58), wohl mit Blick auf die damals geltende Rechtsprechung des Bundesgerichts.

2.4.2  Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung zu den unklaren Beschwerden 

geändert und die Vermutung, Schmerzsyndrome und vergleichbare psychosomatische 

Leiden seien überwindbar, aufgegeben und durch einen strukturierten, normativen 

Prüfungsraster ersetzt (BGE 141 V 281, insb. S. 294 f. E. 3.5 f.). Gemäss altem 

Verfahrensstandard eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Im 

Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen 

Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ist entscheidend, ob das abschliessende 

Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 137 

V 266 E. 6). In sinngemässer Anwendung auf die materiellbeweisrechtlich geänderten 

Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die administrativen und/oder 

gerichtlichen Sachverständigengutachten gegebenenfalls im Kontext mit weiteren 

fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen 

Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8; Urteil des Bundesgerichts vom 

13. April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3).

2.4.3  Dr. D.___ setzte sich im Gutachten vom 21. April 2008 eingehend mit den so 

genannten Förster-Kriterien und den Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin 

auseinander (IV-act. 49-24 f.). Die Beschwerdeführerin sei in schwierigen und von 

Gewalt geprägten familiären Verhältnissen aufgewachsen (vgl. dazu auch 

psychiatrisches Gutachten vom 26. Oktober 2010, IV-act. 96-60 f., und vom 22. August 

2014, IV-act. 225-51 f.). Er wies auf die schwierige Jugend und die nach der Heirat und 

Einstellung der Berufstätigkeit eingetretene Instabilität der Verhältnisse mit Beginn der 

depressiven Phasen und des Alkoholkonsums hin (IV-act. 49-14 f.). Dr. D.___ kam zum 

Ergebnis, aufgrund des Vorliegens einer primär auffälligen Persönlichkeit, einer 

psychiatrischen Komorbidität (depressive Störung), der chronischen körperlichen 

Begleiterkrankung (koronare Herzerkrankung mit Status nach Herzinfarkt) und des 

Verlustes der sozialen Integrität sei der Beschwerdeführerin die Überwindung der 

Schmerzen nur sehr eingeschränkt zumutbar (IV-act. 49-30). Die psychiatrische 

Gutachterin der MEDAS Bern verweist auf diese Beeinträchtigungen und führt aus, 

daraus resultiere auch das auf psychiatrischem Fachgebiet verminderte 

Leistungsvermögen (IV-act. 225-59). Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, und sollte 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unter Aufbringung zumutbarer Willensanspannung in der Lage sein, sich an Regeln und 

Routinen anzupassen, Aufgaben zu strukturieren und zu planen und fachliche 

Kompetenzen anzuwenden. Sie sei in ihrer Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, in ihrer 

Kontaktfähigkeit zu Dritten und ihrer Gruppenfähigkeit nicht beeinträchtigt. Es 

bestünden mittelschwere Beeinträchtigungen der Bereiche Flexibilität und 

Umstellungsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der 

Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Gruppenfähigkeit und der Fähigkeit, Spontanaktivitäten 

zu initiieren (IV-act. 225-30 f., 58 f.). Das Gutachten der MEDAS Bern berücksichtigt 

somit die nach geänderter Rechtsprechung massgeblichen Indikatoren ausreichend. Es 

ist schlüssig, nachvollziehbar und vollständig. Somit ist invalidenversicherungsrechtlich 

darauf abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in adaptierten Tätigkeiten 

auszugehen.

3. 

3.1  Die Beschwerdeführerin erlangte im März 1985 das Fähigkeitszeugnis als 

Verkäuferin (IV-act. 13-1). Ab 1988 arbeitete sie für eine Metzgerei, nach eigenen 

Angaben als Ausliefererin. Von 1993 an erzielte sie als kantonale Angestellte in der 

Raumpflege Einkommen zwischen rund Fr. 25'000.-- und Fr. 38'000.--, nach ihren 

Angaben entsprechend einem 70 %-Pensum. Daneben war sie als Zeitungsverträgerin 

tätig im Umfang von 20 bis 25 Stellenprozenten. Per November 2000 gab sie die Stelle 

in der Reinigung infolge der mit der Auslagerung verbundenen Einkommenseinbusse 

auf und erzielte danach noch unregelmässig kleinere Erwerbseinkommen (vgl. zum 

Ganzen Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 5; Abklärungsbericht vom 20. 

März 2008, IV-act. 45, Gutachten vom 15. Oktober 2014, IV-act. 225-16, 40 f., 46, 51 

f.). Ein freiwilliger Verzicht auf eine weitergehende Erwerbstätigkeit ist aufgrund des 

Bezugs von Arbeitslosenentschädigungen und der ausgewiesenen 

Sozialhilfeabhängigkeit nicht anzunehmen (vgl. IK-Auszug, IV-act. 5; act. G 10.5; IV-act. 

192-4, IV-act. 45-3). Damit fehlt es an zuverlässigen Grundlagen für eine ziffermässige 

Bemessung des Valideneinkommens, und es kann - wie dies die Vorinstanz getan hat 

(IV-act. 247) - ein Prozentvergleich vorgenommen werden (vgl. BGE 104 V 136 f. E. 2b 

und Urteil des Bundesgerichts vom 4. Februar 2015, 9C_888/2014, E. 2).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.2  Abschliessend stellt sich die Frage nach einem Tabellenlohnabzug. Damit soll der 

Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie 

Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder 

Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben 

können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa S. 323). Die Beschwerdeführerin leidet unter 

zahlreichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, nämlich des Rückens (degenerative 

Veränderungen) und der Schulter, an Folgen der Abhängigkeit (sensible 

Polyneuropathie, vgl. Gutachten MEDAS Ostschweiz vom 20. Dezember 2010, IV-act. 

96-25), an einer koronaren Herzerkrankung nach Herzinfarkt, an rezidivierenden 

depressiven Episoden sowie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und 

weist ängstlich-selbstunsichere, abhängige Persönlichkeitszüge auf. Auch wenn sich 

diese Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht alle auf die invalidenversicherungsrechtlich 

relevante Arbeitsfähigkeit auswirken, schränken sie die Chancen der 

Beschwerdeführerin auf dem Stellenmarkt insgesamt erheblich ein. Aufgrund der 

koronaren Herzkrankheit und aus orthopädischer Sicht sind die früher ausgeübten 

Tätigkeiten in der Raumpflege und als Zeitungsverträgerin nicht mehr zumutbar 

(Gutachten MEDAS Bern vom 15. Oktober 2014, IV-act. 225-34 ff.). Die 70 %ige 

Arbeitsfähigkeit ist bedingt durch langsamere Arbeitsweise bzw. erhöhten 

Pausenbedarf (IV-act. 225-34). Zusätzlich sind nur leichte bis gelegentlich 

mittelschwere Tätigkeiten mit einem Gewichtslimit von 5 kg zumutbar, die nicht 

ausschliessliches Gehen oder Stehen oder ständiges Treppensteigen erfordern. 

Arbeiten in gehockter oder kniender Position, in monotoner Zwangshaltung des 

Rückens und ständige Überkopfarbeiten links sind unzumutbar (IV-act. 225-34 f.). Aus 

psychiatrischer Sicht ist ein wohlwollender Arbeitsplatz ohne besondere 

Stressbelastung und ohne besonders fordernde soziale Interaktionen erforderlich (IV-

act. 225-34). Diese zusätzlichen Faktoren bilden Gründe für einen Tabellenlohnabzug 

(vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013 E. 3.4, und 

vom 22. Januar 2015, 8C_693/2014, E. 4.2.1). Hinzu kommt eine lange Abwesenheit 

vom Arbeitsmarkt. Aufgrund der vorliegenden Polymorbidität mit diversen 

Einschränkungen des Zumutbarkeitsprofils, der erforderlichen beruflichen Umstellung 

und der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt rechtfertigt sich ein Tabellenlohnabzug 

von 15 %. Somit besteht ein Invaliditätsgrad von 40,5 % (1- [0,85 x 0,7]), und die 

Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Viertelsrente.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.3  Da bereits die Vorgutachten vom 24. Juli 2008 und vom 24. Dezember 2010 in den 

angestammten Tätigkeiten als Reinigungsfrau und als Zeitungsverträgerin eine 100 

%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall am 3. Januar 2006 attestieren (IV-act. 49-26; 

IV-act. 96-35), war das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 3. Januar 2007 

erfüllt. Art. 29 Abs. 1 IVG, wonach ein Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach 

Geltendmachung entsteht, ist am 1. Januar 2008 als Teil der 5. IV-Revision, mithin 

nach der Anmeldung vom 22. September 2006 (IV-act. 1), in Kraft getreten. Nach dem 

übergangsrechtlichen Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde 

zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt gegolten 

haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte, 

ist diese Norm vorliegend nicht anwendbar (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, 

je mit Hinweisen). Der Rentenanspruch besteht daher ab Vollendung des Wartejahres 

(Art. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 aIVG) bzw. ab 1. Januar 2007. 

4. 

4.1  In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 6. März 2015 aufzuheben 

und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2007 eine Viertelsrente 

zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte 

Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 6. März 2015 aufgehoben und 

der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2007 eine Viertelsrente 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zugesprochen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung wird die Sache an 

die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. 

Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 11.12.2017
	Art. 7 f. ATSG, Art. 28 IVG; Art. 16 ATSG: Abstellen auf ein MEDAS-Gutachten, das hinsichtlich der Diagnosen und Arbeitsfähigkeitsschätzung mit zwei Vorgutachten übereinstimmt. Prozentvergleich bei fehlendem regelmässigem Einkommen vor Eintritt des invalidisierenden Gesundheitsschadens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Dezember 2017, IV 2015/126).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T06:42:01+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen