# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7ae931a1-ce2b-5531-91b6-2b7afc04ccdd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.11.2023 E-6289/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6289-2023_2023-11-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6289/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richterin Susanne Genner;   

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,  

(…),   

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 8. November 2023. 

 

 

 

E-6289/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 5. September 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der europäischen Finger-

abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 27. August 2023 in Kro-

atien daktyloskopiert wurde und dort um Asyl ersucht hatte. 

B.  

Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin am 18. September 2023 im 

Beisein ihrer Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zu einem allfälligen 

Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Kroa-

tien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätz-

lich in Frage komme. Die Beschwerdeführerin führte dabei im Wesentli-

chen aus, die kroatischen Behörden hätten sie vier Tage in Haft genom-

men, wobei sie weder Essen noch Trinken erhalten habe und auf dem Bo-

den habe schlafen müssen. Ihr Vater sei vor ihren Augen nackt untersucht 

worden. Man habe ihr gesagt, die Abgabe ihrer Fingerabdrücke sei aus 

kriminalistischen Gründen erforderlich. Nachdem sie sich dagegen ge-

wehrt habe, hätten die Polizisten gelacht und geflucht und wahrscheinlich 

Gewalt angewendet, wenn sie die Fingerabdrücke nicht abgegeben hätte. 

Kroatien sei wie die Türkei und die kroatischen Behörden würden sie zu-

rück in die Türkei weisen. Sie leide an gesundheitlichen Problemen, insbe-

sondere nach den Vorfällen in Kroatien gehe es ihr psychisch schlecht.  

C.  

Das SEM ersuchte am 22. September 2023 die kroatischen Behörden um 

Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).  

D.  

Die kroatischen Behörden erteilten gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO 

am 6. Oktober 2023 ihre Zustimmung zur Wiederaufnahme der Beschwer-

deführerin. 

E.  

Im vorinstanzlichen Verfahren wurden am 19. September 2023, 22. 

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Seite 3 

September 2023 und 27. Oktober 2023 medizinische Unterlagen die Be-

schwerdeführerin betreffend zu den Akten gereicht.  

F.  

Mit Verfügung vom 8. November 2023 – eröffnet am 10. November 2023 – 

trat das SEM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ord-

nete ihre Überstellung nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Der zuständige 

Kanton wurde mit dem Vollzug der Überstellung beauftragt. Gleichzeitig 

verfügte das SEM die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an die 

Beschwerdeführerin und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen 

den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

G.  

Am 10. November 2023 legte die der Beschwerdeführerin zugewiesene 

Rechtsvertretung ihr Mandat nieder.  

H.  

Mit Eingabe vom 15. November 2023 (Poststempel) gelangte die Be-

schwerdeführerin an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr Asylgesuch in der 

Schweiz zu prüfen. In prozessualer Hinsicht wurde ersucht, der Be-

schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Des Weiteren bean-

tragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

I.  

Am 16. November 2023 ordnete die Instruktionsrichterin gestützt auf 

Art. 56 VwVG einen superprovisorischen Vollzugsstopp an.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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Seite 4 

2.  

Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-füh-

rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

3.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie 

im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei-

ten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG) ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer 

Begründung behandelt wird (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeit gemäss Dublin-III-VO. Führt diese 

Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung 

des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mit-

gliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf 

das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

5.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-

deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet 

eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe 

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Seite 5 

der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-

lin-III-VO). Im Rahmen eines solchen Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: 

Take back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung 

nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 

m.w.H.). 

5.4 Erweist es sich als unmöglich, Antragstellende in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU- Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

5.5 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

6.  

6.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin ergab, dass 

sie am 27. August 2023 in Kroatien daktyloskopisch erfasst wurde. Glei-

chentags stellte sie gemäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank ein 

Asylgesuch. Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahme-

ersuchen gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO der Vorinstanz gestützt 

auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zu.  

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Somit sind sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch der Umstand, 

dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin zuständigen Mitgliedstaats gemäss Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde, als erstellt zu betrachten 

mit der Folge, dass das Verfahren nach einer Rücküberstellung der Be-

schwerdeführerin fortgesetzt wird. Die Zuständigkeit Kroatiens ist daher – 

wie vom SEM zutreffend erwogen (s. angefochtene Verfügung S. 3 f.) – 

grundsätzlich gegeben. Daran ändert auch der Einwand im Rahmen des 

Dublin-Gespräch nichts, wonach der Beschwerdeführerin in Kroatien die 

Fingerabdrücke unter dem Vorwand kriminalistischer Gründe abgenom-

men worden seien und ihr bei Nichtbefolgung Gewalt durch die Polizisten 

gedroht hätte. Die Fingerabdruckabnahme bei illegal einreisenden auslän-

dischen Personen und Asylsuchenden beruht auf Art. 14 Abs. 1 der Ver-

ordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) und die erzwungene Gesuchs-

einreichung ist vorliegend weder erstellt noch wäre sie im Ergebnis rele-

vant.  

6.2 Gemäss der vom SEM in der Verfügung zitierten Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts weisen das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen in Kroatien keine systemischen Schwachstellen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf (vgl. Referenzurteil 

des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 9.5). Demnach sind Dub-

lin-Überstellungen nach Kroatien grundsätzlich sowohl in «take-charge» 

(Aufnahme) als auch im – wie vorliegend – «take-back» (Wiederaufnahme) 

Verfahren zulässig. Im Übrigen kann hierzu auf die zutreffenden Erwägun-

gen des SEM verwiesen werden (angefochtene Verfügung S. 5 f.).  

6.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

nicht gerechtfertigt. 

6.4  

6.4.1 Zur Frage des Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz 

Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV1 ist Folgendes fest-

zustellen: 

6.4.2 Zunächst ist festzuhalten, dass der Einwand auf Beschwerdeebene, 

die Beschwerdeführerin habe Familienangehörige in der Schweiz (Ge-

schwister und Tante) und könne auf deren Unterstützung zählen, keinen 

Zuständigkeitsübergang auf die Schweiz im Sinne von Art. 9 f. Dublin-III-

VO (Schutz der Familieneinheit) zu begründen vermag, zumal der Begriff 

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«Familienangehörige» gemäss Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO nur die Kernfa-

milie, das heisst Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner sowie 

minderjährige Kinder umfasst. 

6.4.3 Es liegen sodann in Bezug auf die Familienangehörigen in der 

Schweiz auch keine Gründe gemäss Art. 16 Dublin-III-VO (Abhängigkeits-

verhältnis) vor, die einen Selbsteintritt gebieten würden.  

6.4.4 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, sie sei von den kro-

atischen Behörden unmenschlich behandelt worden. Die kroatischen Be-

hörden würde sie zudem zurück in die Türkei weisen, was ihren Tod be-

deuten würde.  

Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt angesichts der von der Be-

schwerdeführerin geschilderten Erlebnisse, dass das Verhalten der kroati-

schen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchenden im Rah-

men der Erstaufnahme bis zur Gesuchstellung in Kroatien problematisch 

sein kann. Die Beschwerdeführerin konnte jedoch nicht darlegen, dass die 

ihr bei einer Rückführung im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Kroatien 

zu erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, dass diese zu einer Ver-

letzung von Art. 3 EMRK führen könnten. In Übereinstimmung mit dem 

SEM (angefochtene Verfügung S. 6) bestehen keine konkreten Gründe für 

die Annahme, dass sie sich bei einer Überstellung nach Zagreb (vgl. die 

Zustimmung der kroatischen Behörden vom 6. Oktober 2023) in einer ähn-

lichen Situation wiederfinden würde, wie dies der Fall bei ihrer illegalen 

Einreise nach Kroatien gewesen sein soll (vgl. auch zit. Urteil des BVGer 

E-1488/2020 E. 9.4). Ferner bestehen keine Gründe für die Annahme, Kro-

atien werde den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur 

Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 

aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 

Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu wer-

den. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihr zu-

stehenden Aufnahmebedingungen könnte sie sich im Übrigen nötigenfalls 

an die kroatischen Behörden wenden und ihre Rechte – wie vom SEM  

in der Verfügung zutreffend erwähnt (a.a.O. S. 4) – auf dem Rechtsweg 

einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und 

des Rates 2013/33/EU vom 26.  Juni 2013 zur Festlegung von Normen  

für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen 

[Aufnahmerichtlinie]). Des Weiteren stehen ihr die vom SEM in  

der Verfügung erwähnten Möglichkeiten offen (Zuhilfenahme von 

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Seite 8 

Nichtregierungsorganisationen, Anzeige mittels Anwalts, Kontaktaufnahme 

mit der kroatischen Ombudsfrau).  

6.4.5  

6.4.5.1 Sodann liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die Ge-

sundheit der Beschwerdeführerin durch die Überstellung nach Kroatien 

ernsthaft gefährdet würde.  

6.4.5.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli-

chen Problemen stellt nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen 

Art. 3 EMRK dar. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Schwerkranke, 

die durch die Überstellung – mangels angemessener medizinischer Be-

handlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer 

ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer 

erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).  

6.4.5.3 Die von der Beschwerdeführerin angeführten gesundheitlichen Be-

schwerden, namentlich ihre psychischen Probleme ([…]) sowie die gemäss 

Bericht des (…) vom 10. Oktober 2023 diagnostizierte (…) dürften aktuell 

nicht von einer Tragweite sein, dass sie einer Überstellung nach Kroatien 

entgegenstehen würden. Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwer-

deführerin wegen ihrer psychischen Probleme seit 2018 in Behandlung sei 

und Medikamente einnehme. Weitergehendes wird auch auf Beschwerde-

ebene nicht geltend gemacht. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass – 

wie vom SEM erwähnt – Kroatien über eine ausreichende medizinische 

Infrastruktur verfügt. Sollte die Beschwerdeführerin nach der Rückkehr 

nach Kroatien eine medizinische Behandlung benötigen, so ist Kroatien – 

wie die anderen Mitgliedstaaten auch – verpflichtet, den Antragstellenden 

die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversor-

gung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und 

schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 

Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Gemäss Art. 19 Abs. 2 der Aufnahmerichtlinie 

ist bei besonderen Bedürfnissen zudem die erforderliche medizinische 

oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psycholo-

gischen Betreuung) zu gewähren. Konkrete Hinweise, dass Kroatien sei-

nen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer Hin-

sicht nicht nachkommen würde, liegen aktuell nicht vor. Im Übrigen ist auf 

die ausführlichen und zutreffenden Ausführungen des SEM zu verweisen 

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(a.a.O. S. 7) und anzumerken, dass die schweizerischen Behörden, die mit 

dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, dem aktuellen 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei der Organisation der 

Überstellung nach Kroatien Rechnung tragen werden, indem sie die kroa-

tischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig 

über den Gesundheitszustand und die allenfalls notwendige medizinische 

Behandlung der Beschwerdeführerin informieren. 

6.4.6 Folglich droht keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die 

Schweiz nicht zum Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflich-

tet ist. Den Akten sind sodann mit Blick auf einen Selbsteintritt gestützt auf 

Art. 29a AsylV1 keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensaus-

übung (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) oder ein Über- oder Unterschreiten des 

Ermessens (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu ent-

nehmen. 

7.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten und 

hat die Wegweisung nach Kroatien angeordnet. Die Beschwerde ist abzu-

weisen.  

8.  

Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 15. November 2023 angeordnete 

Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wir-

kung ist gegenstandslos geworden. 

9.  

9.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist 

abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen ergibt – von Anfang an als aussichtslos zu bezeichnen waren.  

9.2 Die Verfahrenskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 ff. 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

9.3 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache ebenfalls gegen-

standslos.  

 

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

 

 

Versand: