# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2821f07a-00fe-5a2c-9def-df66691b47b6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-18
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 18.09.2020 IV 2017/445
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2017-445_2020-09-18.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2017/445

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.04.2021

Entscheiddatum: 18.09.2020

Entscheid Versicherungsgericht, 18.09.2020
Art. 16 ATSG. Art. 28 IVG. Würdigung eines psychiatrischen Gutachtens. 
Festlegung der Höhe der Arbeitsunfähigkeit im Verlauf. Prozentvergleich. 
Anspruch auf eine befristete Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom 18. September 2020, IV 2017/445).

Entscheid vom 18. September 2020

Besetzung

Versicherungsrichter Joachim Huber (Vorsitz), Versicherungsrichterinnen Christiane 

Gallati Schneider und Miriam Lendfers; Gerichtsschreiber Markus Jakob

Geschäftsnr.

IV 2017/445

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, St. Leonhardstrasse 45, Postfach 

1637, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 2/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

IV-Leistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend Versicherter), gelernter Offsetdrucker, arbeitete als 

Inlinedrucker am Standort B.___ für die C.___ AG, Jona (IV-act. 1, 15). Ab dem 20. 

Februar 2014 war der Versicherte wegen psychischer Leiden bei Dr. med. D.___, 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in Behandlung (IV-act. 9-5, 25). Ab 

dem 1. September 2014 bestand eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 2, KV-

Fremdakten, 1, 7). Vom 11. bis 15. September und vom 27. September bis 20. Oktober 

2014 wurde er stationär im Kriseninterventionszentrum und danach im Ambulatorium 

des Psychiatrischen Zentrums E.___ behandelt (IV-act. 24). Am 17. Oktober 2014 

kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per 30. 

November 2014 (IV-act. 15-6).

A.a. 

Am 22. Oktober 2014 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen 

(berufliche Integration/Rente) an (IV-act. 9).

A.b. 

Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums E.___ vom 29. Oktober 2014 

diagnostizierten med. prakt. F.___ und med. prakt. G.___ eine mittelgradige depressive 

Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11). Sie gingen weiterhin von einer 

100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 24).

A.c. 

Am 9. Januar 2015 untersuchte Dr. med. H.___, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, Facharzt für Pharmazeutische Medizin FMH, im Auftrag der 

Krankentaggeldversicherung (nachfolgend: Versicherung) den Versicherten. Im 

Untersuchungsbericht vom 16. Februar 2015 erklärte Dr. H.___, dass diagnostisch 

nach Vorgeschichte, Beschwerdeschilderung, bisherigem Krankheitsverlauf und 

aktuellem Befund eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) vorgelegen 

A.d. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 3/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

habe, die inzwischen am Abklingen und aktuell nur noch leichtgradig ausgeprägt sei. Er 

vermutete, dass sich die Symptomatik vollständig zurückbilden werde. Zum damaligen 

Zeitpunkt erachtete er eine ärztliche bzw. psychotherapeutische Behandlung vorläufig, 

d.h. bis zur vollständigen Depressionslösung, noch als erforderlich, jedoch nicht 

darüber hinausgehende psychiatrische Behandlungsmassnahmen. Angesichts des 

deutlich rückläufigen klinischen Befunds ging Dr. H.___ nur noch bis Ende Februar 

2015 von einer vollständigen und für die Monate März und April 2015 noch von einer 

50%igen Arbeitsunfähigkeit aus. Ab Mai 2015 erachtete er eine vollständige 

Arbeitsfähigkeit als umsetzbar. Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. H.___ aus, dass eine 

fortgesetzte Attestierung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit keinen Vorteil bieten 

würde, denn eine längerfristige Arbeitsdispensation würde der Dekonditionierung und 

dem Vermeidungsverhalten geradezu Vorschub leisten und womöglich eine Spirale in 

Gang setzen, die über ängstliche Zurückhaltung vor neuen Herausforderungen zu einer 

Verstärkung dieser Vermeidungshaltung und somit zu einem weiteren Rückzug führen 

würde (KV-Fremdakten, 2-4ff.).

Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums E.___ vom 3. Juli 2015 

(teilstationärer Aufenthalt in der Tagesklinik vom 9. März bis 26. Juni 2015, 

Abschlussgespräch am 1. Juli 2015) diagnostizierten Dr. med. I.___, Oberarzt, und lic. 

phil. J.___, Psychologin, in psychiatrischer Hinsicht eine mittelgradige depressive 

Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und eine posttraumatische 

Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Im Weiteren wurde ausgeführt, dass die Zuweisung 

zur teilstationären Behandlung aufgrund einer erneuten Verschlechterung der 

depressiven Symptomatik und einer fehlenden Tagesstruktur erfolgt sei. Beim Austritt 

sei der Psychostatus im Vergleich zum Eintritt im Wesentlichen unverändert gewesen. 

Die von Dr. H.___ am 16. Februar 2015 gestellte Arbeitsfähigkeitsprognose (50 % ab 

März 2015, 100 % ab Mai 2015) habe sich aufgrund der Beobachtungen als nicht 

realistisch herausgestellt. Auszugehen sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab 

Beginn der tagesklinischen Behandlung am 9. März 2015 bis zum ersten Termin im 

Ambulatorium am 8. Juli 2015. Danach schätzten sie die Arbeitsfähigkeit in einer der 

Behinderung angepassten Tätigkeit auf 40 %, mit der Prognose einer Erreichung einer 

50%igen Arbeitsfähigkeit innerhalb von sechs Monaten (IV-act. 37).

A.e. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 4/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Daraufhin bat die Versicherung Dr. H.___ um eine erneute Beurteilung der 

gesundheitlichen Situation des Versicherten anhand der Aktenlage. Dem Arzt wurden 

die Arztberichte des Psychiatrischen Zentrums E.___ vom 9. März und 3. Juli 2015 

vorgelegt. In der Stellungnahme vom 20. August 2015 erklärte Dr. H.___, dass die 

Einschätzung durch die Ärzte des Psychiatriezentrums E.___ für ihn überraschend sei. 

Erklären liesse sich diese nur, wenn nach seiner Beurteilung eine unvorhergesehene 

Verschlechterung des Krankheitsbildes eingetreten sei. Er empfahl der Versicherung 

eine nochmalige Begutachtung des Versicherten (KV-Fremdakten, 5-5ff.).

A.f. 

In einer auf den Akten basierenden Stellungnahme vom 27. August 2015 erklärte 

RAD-Ärztin K.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, dass auf die 

Begutachtung von Dr. H.___ und seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht mehr 

abgestellt werden könne. Die RAD-Ärztin ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit 

für alle Tätigkeiten vom 3. März bis 8. Juli 2015 aus. Danach ging sie von einer 

Präsenzzeit von 3 bis 4 Stunden pro Tag aus mit dem Ziel, innerhalb von sechs 

Monaten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aufzubauen (IV-

act. 42).

A.g. 

Im Arztbericht des Ambulatoriums des Psychiatrischen Zentrums E.___ vom 11. 

September 2015 diagnostizierten Dr. med. L.___, Oberärztin, und med. prakt. M.___, 

Assistenzärztin, eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom 

(ICD-10: F32.11) und Störungen durch Sedativa oder Hypnotika, schädlicher Gebrauch 

(ICD-10: F13.1). Aufgrund des psychischen Zustands des Versicherten wurden die 

Medikation erhöht und die Konsultationsintervalle verkürzt. Die Arbeitsfähigkeit 

schätzten sie derzeit und bis 31. Oktober 2015 auf 20 % (KV-Fremdakten, 5-3f.).

A.h. 

Der Aufforderung der Versicherung, sich von Dr. H.___ am 16. September 2015 

erneut untersuchen zu lassen, kam der Versicherte nicht nach (KV-Fremdakten, 4, 5-2).

A.i. 

Am 12. November 2015 wurde dem Versicherten vom Psychiatrischen Zentrum 

E.___ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende November 2015 attestiert (IV-act. 48). 

Zirka Mitte November 2015 wurde die Behandlung im Psychiatrischen Zentrum E.___ 

im gegenseitigen Einverständnis abgebrochen (IV-act. 50).

A.j. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 5/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Im Dezember 2015 konsultierte der Versicherte zweimal Dr. med. N.___, Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie. Im Arztbericht vom 15. Dezember 2015 schilderte 

Dr. N.___ eine hochkomplexe Situation mit Auseinandersetzungen mit Behandlern und 

Institutionen (u.a. Krankentaggeldversicherungen, RAV, IV, Migrationsamt, Arbeitgeber, 

Sozialamt) sowie einer schwierigen psychosozialen Situation (erneut verheiratet, das 

Ehepaar erwarte im Frühjahr 2016 ein gemeinsames Kind, familiäre Belastungen, 

Kinder im KJPD St. Gallen). Wegen der genannten Faktoren ging er von einer 

ungünstigen Prognose aus. Ob auch noch posttraumatische Symptome massgeblich 

seien, konnte er noch nicht abschliessend beurteilen. Im Weiteren erwähnte er, dass 

gemäss Auskunft der Vorbehandler aus dem Ambulatorium die Zusammenarbeit mit 

dem Versicherten sehr schwierig gewesen sei. Es sei unmöglich gewesen, mit ihm 

einen roten Faden zu verfolgen. Dr. N.___ erachtete die Voraussetzungen für eine 

erfolgreiche therapeutische Arbeit mit dem Versicherten als nicht gegeben (IV-act. 

51-2ff., vgl. auch IV-act. 63).

A.k. 

Am 26. Januar 2016 begab sich der Versicherte in Behandlung bei Dr. med. O.___, 

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (IV-act. 68, 71). Mit ärztlichem 

Zeugnis vom 1. März 2016 attestierte Dr. med. P.___, Allgemeine Medizin FMH, dem 

Versicherten "überbrückend" eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar bis 29. 

Februar 2016 (IV-act. 58, 72-4).

A.l. 

In der Stellungnahme vom 14. März 2016 erklärte RAD-Ärztin Dr. K.___, dass in 

absehbarer Zeit kein Eingliederungspotential erkennbar sei und eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten bestehe (IV-act. 59). Mit Schreiben vom 22. März 

2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens um 

berufliche Massnahmen mit (IV-act. 61).

A.m. 

Im Arztbericht vom 1. Juni 2016 diagnostizierte Dr. O.___ eine schizotype Störung 

(ICD-10: F21) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden 

und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61.0). Erste Symptome seien nach dem 

Tod der ersten Ehefrau am 22. März 2013 (vgl. IV-act. 10-1f.) aufgetreten. Die Ärztin 

ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit seit dem 1. September 2014 bis auf 

weiteres aus (IV-act. 70f.).

A.n. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 6/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

Im Arztbericht vom 2. Juni 2016 erklärte Dr. P.___, dass ihm die Details zu den 

psychischen Leiden, deren Behandlung und den daraus resultierenden 

Einschränkungen nicht bekannt seien. Er verwies die IV-Stelle deshalb an die 

behandelnden Psychiater (IV-act. 72-2ff.).

A.o. 

Auf Empfehlung des RAD-Arztes Dr. med. Q.___, welcher die gestellten Diagnosen 

als zunehmend vielfältiger, aber auch als widersprüchlicher erachtete (IV-act. 74), 

erteilte die IV-Stelle am 29. Juli 2016 den Auftrag für eine psychiatrische Begutachtung 

an Dr. R.___, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-

act. 77).

A.p. 

Im psychiatrischen Gutachten vom 27. Februar 2017 diagnostizierte Dr. R.___ 

gestützt auf die Aktenlage und die persönlichen Untersuchungen des Versicherten am 

2. und 8. September 2016 eine neurotische Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10: 

F48.9). Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, dass die bisherige Tätigkeit als der 

Gesundheitsstörung angepasst gelten könne. Medizinisch-theoretisch betrage die 

störungsbedingte Leistungsminderung derzeit schätzungsweise 10 % (IV-act. 93). In 

der Stellungnahme vom 23. März 2017 erklärte RAD-Arzt Dr. Q.___, dass das 

Gutachten von Dr. R.___ den versicherungsmedizinischen Anforderungen entspreche 

und auf das Gutachtenergebnis abgestellt werden könne (IV-act. 96).

A.q. 

Mit Vorbescheid vom 3. April 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die 

Abweisung des Leistungsbegehrens auf eine Invalidenrente in Aussicht. Zur 

Begründung wurde angeführt, dass er ohne Behinderung ein Einkommen von 

Fr. 64'018.- (Valideneinkommen) und in einer leidensadaptierten Tätigkeit bei einer 

90%igen Arbeitsfähigkeit ein solches von Fr. 59'808.- (Invalideneinkommen) erzielen 

könne. Die Erwerbseinbusse betrage Fr. 4'210.- und der Invaliditätsgrad 7 %. Es liege 

somit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor (IV-act. 99).

A.r. 

Am 19. Mai 2017 erhob der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. 

Laurent Häusermann, St. Gallen, Einwand gegen den Vorbescheid vom 3. April 2017 

(IV-act. 104). Verlangt wurde die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Zur 

Begründung wurde insbesondere angeführt, dass die Befunde, Diagnosen und 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 7/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

C.  

Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte gegenüber den begutachtenden 

Ärzten Dr. H.___ und Dr. R.___ überzeugender seien. Die von Dr. R.___ im Gutachten 

gestellte Diagnose einer nichtinvalidisierenden neurotischen Störung sei nicht 

nachvollziehbar.

Am 23. Mai 2017 forderte die IV-Stelle Gutachter Dr. R.___ auf, zu den Einwänden 

des Versicherten aus medizinischer Sicht Stellung zu nehmen (IV-act. 105). Im 

Nachtrag zum Gutachten vom 23. Oktober 2017 führte Dr. R.___ insbesondere aus, 

dass sich der Versicherte – ohne Vorliegen von Krankheitsgründen – mit seinem 

Lebensstil selbst limitiere. Im Weiteren begründete er ausführlich seine 

Diagnosestellung (IV-act. 111). In der Stellungnahme vom 30. Oktober 2017 erklärte 

RAD-Arzt Dr. med. S.___, dass weiterhin auf das Ergebnis des Gutachtens abgestellt 

werden könne (IV-act. 112).

B.b. 

Mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 verneinte die IV-Stelle den erhobenen 

Anspruch auf eine Invalidenrente. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, 

dass mit dem Einwand keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht worden 

seien, weshalb weiterhin auf das Gutachten von Dr. R.___ abgestellt werde. Dem 

Versicherten sei eine adaptierte Tätigkeit seit Mai 2015 zu 90 % zumutbar. Der 

Invaliditätsgrad betrage lediglich 7 % (IV-act. 113).

B.c. 

Dagegen gelangte der Rechtsvertreter des Versicherten am 1. Dezember 2017 mit 

Beschwerde ans Versicherungsgericht. Beantragt wurde: 1. Es sei die Verfügung vom 

30. Oktober 2017 aufzuheben und es seien dem Versicherten die gesetzlichen 

Leistungen zu erbringen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 

Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde beantragt, die Akten im Verfahren vor dem Versicherungsgericht St. Gallen 

betreffend Taggeldleistungen (KV-Z 2017/3) beizuziehen, das Verfahren formlos bis 

zum Abschluss des Verfahrens KV-Z 2017/3 zu sistieren und die Kosten bei der 

Hauptsache zu belassen. In materiellrechtlicher Hinsicht wurde insbesondere 

ausgeführt, dass es dem Gutachten von Dr. R.___ an der erforderlichen Schlüssigkeit 

fehle, weshalb nicht darauf abgestellt werden dürfe (act. G 1).

C.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 8/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch 

des Beschwerdeführers.

Mit Schreiben vom 24. Januar 2018 teilte das Versicherungsgericht den Parteien 

die Sistierung des Verfahrens – bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids im 

Klageverfahren KV-Z 2017/3 – mit (act. G 4). Am 19. März 2019 erging der Entscheid in 

der Taggeldstreitigkeit KV-Z 2017/3. Nach Eintritt der Rechtskraft wurde die Sistierung 

des vorliegenden Verfahrens aufgehoben (act. G 6).

C.b. 

Am 30. September 2019 liess der Beschwerdeführer, neu vertreten durch 

Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, St. Gallen (vgl. act. G 5, G 5.1), eine ergänzende

Beschwerdebegründung einreichen (act. G 13).

C.c. 

In der Beschwerdeantwort vom 13. November 2019 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und eventualiter die Einholung 

eines Gerichtsgutachtens. Begründet wurde der Abweisungsantrag insbesondere 

damit, dass auf das Gutachten von Dr. R.___ abgestellt werden könne, denn der 

Gutachter habe die Akten angemessen gewürdigt, sei auf abweichende Diagnosen 

eingegangen und habe die Herleitung seiner Diagnosen begründet (act. G 15).

C.d. 

In der Replik vom 20. April 2020 hielt der Beschwerdeführer an den 

Rechtsbegehren gemäss Beschwerde vom 1. Dezember 2017 fest. Gerügt wurde 

insbesondere, dass der Gutachter es unterlassen habe, die funktionellen Auswirkungen 

der erhobenen Beschwerden zu beurteilen. Ausserdem habe eine schlüssige 

Beurteilung in Lichte der massgeblichen Indikatoren nicht stattgefunden (act. G 23).

C.e. 

Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik innert der 

angesetzten Frist (vgl. dazu act. G 24).

C.f. 

Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder 

die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), 

1.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 9/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 

40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 

40 % invalid sind (lit. c). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von 

sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 

des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; 

SR 830.1), jedoch frühestens im Monat der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt 

(Art. 29 Abs. 1 IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats ausbezahlt, in dem der 

Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).

 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder 

längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist 

der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze 

oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens 

einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 

Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, 

wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.2. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen, 115 V 134 E. 2). 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für 

die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten 

begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).

1.3. 

Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte 

(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen 

könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG und 

Art. 28a Abs. 1 IVG).

1.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 10/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.

Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu beantworten, ob der 

medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt worden ist.

Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine 

Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist.

1.5. 

Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Abweisung des Rentenanspruchs im 

Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. R.___ vom 27. Februar 2017 

und den Nachtrag dazu vom 23. Oktober 2017 (IV-act. 93 und 111; IV-act. 113, 132, 

act. G 15-2f.). Der Beschwerdeführer bestreitet dagegen dessen Beweiskraft und 

verweist auf die abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte (act. G 13-3ff., 

G 23-2ff.).

2.1. 

Vorweg ist zu beachten, dass ein den Beweisanforderungen grundsätzlich 

genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a und b) nicht in Frage 

gestellt werden und Anlass zu weiteren Abklärungen bieten kann, wenn und sobald die 

behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen 

Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen 

festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte 

vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und 

die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts 

vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine 

psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. 

Sie eröffnet einer psychiatrischen Fachperson – sei sie nun in therapeutischer oder in 

begutachtender Funktion – daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb 

dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig 

und zu respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die 

Beweisanforderungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 

8C_694/2008, E. 5.1.1).

2.2. 

Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann zunächst nur relevant sein, wenn 

sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung 

ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017; BGE 130 V 396). Da 

die diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein das objektiv 

bestehende tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt, sind die funktionellen 

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 11/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Folgen der Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und quantitativ 

einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.1, 143 V 418 E. 4.1.2). Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1f.) sind grundsätzlich 

(bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche psychischen 

Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu 

unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind - unter 

Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von 

Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits - gemäss BGE 141 V 281 also in 

der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das Bundesgericht wie 

folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie "funktioneller Schweregrad" (E. 

4.3) mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der 

diagnoserelevanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg 

oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung 

und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und "sozialer 

Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 

4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen 

vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und 

eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).

Das der angefochtenen Verfügung vom 30. Oktober 2017 (IV-act. 113) 

zugrundeliegende psychiatrische Gutachten von Dr. R.___ vom 27. Februar 2017 und 

der Nachtrag dazu vom 23. Oktober 2017 (IV-act. 93 und 111) wurden vor dem BGE 

143 V 418 (vom 30. November 2017) erstellt, welcher die Anwendbarkeit des 

strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 auf sämtliche psychische 

Erkrankungen ausdehnte. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlieren 

vor BGE 141 V 281 (bzw. vor BGE 143 V 418) erstattete medizinische (psychiatrische) 

Gutachten ihren Beweiswert nicht per se. Vielmehr ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, 

ob die Sachverständigengutachten, gegebenenfalls im Kontext mit weiteren 

fachärztlichen Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen 

Indikatoren erlauben oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8; vgl. Bundesgerichtsentscheid 

vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016). Der psychiatrische Gutachter Dr. R.___ hat sich - 

wenn auch (da noch) in Unkenntnis der heute geltenden bundesgerichtlichen 

Terminologie nur sinngemäss - mit dem funktionellen Schweregrad der 

Beeinträchtigung und der Konsistenz auseinandergesetzt.

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

 2.5. 

Festzustellen ist, dass Dr. R.___ im Gutachten (IV-act. 93-2ff.) eine ausführliche 

Anamnese und Befunderhebung wiedergab (u.a. in Anlehnung an das AMDP System; 

IV-act. 93-8ff./15f.), die Ergebnisse der neuropsychologischen/

verhaltensneurologischen Testdiagnostik sowie der Blutuntersuchung (IV-act. 93-17f.) 

berücksichtigte und die Diagnose neurotische Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10: 

F48.9), stellte (IV-act. 93-24). Erläuternd führte er aus, dass er aufgrund des leicht 

niedergeschlagenen, unzufriedenen und dysphorischen Affekts, der Klagen über 

Reizbarkeit, Wut und Ärger, der Klagen über Abnahme der Hedonie und der Hinweise 

auf latente Minderwertigkeitsgefühle und Probleme im Bereich des Selbstwertes, vom 

Vorliegen eines leichten affektiven Syndroms ausgegangen sei. Die Klagen über 

Müdigkeit, Schwäche, körperliche Beschwerden würden zu einem neurasthenischen 

(asthenischen) Syndrom passen. Weitere erhobene Symptome habe er nicht einer 

spezifischen psychiatrischen Gesundheitsstörung zuordnen können. Er erachte daher 

die eher allgemeine, unspezifische Diagnose der neurotischen Störung als am 

passendsten. Er habe nur eine leichte, jedoch weder eine rezidivierende depressive 

Störung noch eine Persönlichkeitsstörung erheben können, obwohl einzelne 

Diagnosekriterien erfüllt erschienen seien. Die Auffälligkeiten im Verhalten seien durch 

krankheitsfremde Faktoren erklärbar, am ehesten durch die Religion/Kultur und 

soziales Aussenseitertum. Dass es nach dem Tod der ersten Ehefrau (22. März 2013, 

IV-act. 10-1f.) und des ungeborenen Kindes im Mutterleid der zweiten Ehefrau 

(September 2014, IV-act. 24-2) zu einer Trauerreaktion im Sinne einer gehemmten oder 

prolongierten Trauer gekommen sei, sei plausibel. Die Kriterien für eine depressive 

Episode infolge von Schicksalsschlägen seien damals möglicherweise erfüllt gewesen. 

Eine posttraumatische Belastungsstörung sei jedoch nicht nachgewiesen. Es fehle 

insbesondere an einer anschaulichen Wiedergabe von Beschwerdeschilderungen, die 

eine solche ergeben würde. Zu den früheren ärztlichen Einschätzungen führte Dr. R.___ 

aus, dass der Einfluss der sozialen Faktoren nur ungenügend gewürdigt worden sei. Es 

fehle eine Abgrenzung der Auswirkungen medizinisch-psychiatrischer von 

krankheitsfernen sozialen Faktoren. Deshalb sei er auch nicht zu den gleichen 

diagnostischen Einschätzungen wie der behandelnde Psychiater Dr. N.___ und die 

Psychiaterin Dr. O.___ gekommen (IV-act. 93-24f./30ff.). Im Nachtrag zum Gutachten 

vom 23. Oktober 2017 begründete Dr. R.___ nochmals seine Diagnosestellung und 

wies darauf hin, dass selbst wenn bei einer Depression vorkommende Symptome 

vorlägen, dies noch nicht bedeute, dass eine depressive Episode oder eine affektive 

2.5.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Störung gemäss ICD-10 gegeben sei, denn solche Symptome kämen bei vielen 

psychischen Erkrankungen vor (IV-act. 111).

Dr. R.___ äusserte sich auch zur Ausprägung der Gesundheitsschädigung (vgl. 

BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). So führte er zum funktionellen Schweregrad aus, dass er 

zum Untersuchungszeitpunkt nur leichte Befunde habe feststellen können. Die 

Gesundheitsstörung trete hauptsächlich dadurch in Erscheinung, dass der 

Beschwerdeführer über Müdigkeit, körperliche Beschwerden und Auffälligkeiten im 

Gefühlsbereich sowie über Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit klage. Der 

Beschwerdeführer habe zwar auch über sozialen Rückzug und die Abnahme von 

Aktivitäten geklagt. Dies stehe jedoch im Kontrast zu den relativ vielen Aktivitäten und 

sozialen Kontakten, die der Beschwerdeführer pflege (IV-act. 93-18/24f.).

2.5.2. 

 2.6. 

Unbestritten ist, dass zeitnah zu den erlittenen Schicksalsschlägen (Tod der 

ersten Ehefrau am 22. März 2013 und des ungeborenen Kindes der zweiten Ehefrau im 

September 2014) behandlungsbedürftige psychische Leiden aufgetreten sind (IV-act. 

10-1f., 24-2, 93-11f./23/32). So begab sich der Beschwerdeführer im Februar 2014 in 

psychiatrische Behandlung. Ab September 2014 bis November 2015 erfolgten 

ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungen im Psychiatrischen Zentrum 

E.___. Gestützt auf die jeweils zeitnah erstellten Arztberichte des Psychiatrischen 

Zentrums E.___ (vgl. IV-act. 37, 50, 53, KV-Fremdakten, 5-3f., 7-13ff.) muss mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer zumindest mittelschweren 

Depression bis November 2015 ausgegangen werden. Die abweichenden 

Einschätzungen von Dr. H.___ (Gutachten vom 16. Februar 2015, KV-Fremdakten, 

2-4ff.) und von Dr. R.___ (Gutachten vom 27. Februar 2017, IV-act. 93), in welchen 

bereits ab dem Frühjahr 2015 von einer wesentlichen gesundheitlichen Verbesserung 

und damit nicht mehr von einem erheblichen psychischen Leiden ausgegangen wird, 

vermögen bezüglich des Zeitraumes bis November 2015 nicht zu überzeugen. So 

äusserte sich Dr. H.___ im Februar 2015 rein prognostisch und in der Stellungnahme 

vom 20. August 2015 empfahl er eine erneute Begutachtung (KV-Fremdakten, 5-5ff.). 

Die Einschätzungen von Dr. R.___ beruhen auf den Untersuchungen des 

Beschwerdeführers, welche erst im September 2016 stattfanden. Es fehlt auch an einer 

überzeugenden Begründung, weshalb die zeitnahen Einschätzungen der Ärzte des 

Psychiatrischen Zentrums E.___ falsch sein sollen. In der Stellungnahme vom 20. 

August 2015 ging die RAD-Ärztin Dr. K.___ ebenfalls von einer eingeschränkten 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. Von einer wesentlichen Verbesserung der 

2.6.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

psychischen Leiden ist ab Dezember 2015 auszugehen, wurde doch die Behandlung 

im Psychiatrischen Zentrum E.___ Mitte November 2015 im gegenseitigen 

Einverständnis abgebrochen (IV-act. 50, 53: Die Klinikärzte attestiert dem 

Beschwerdeführer noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende November 2015). 

Ab Dezember 2015 dürften versicherungsrechtlich nicht relevante Problematiken in den 

Vordergrund getreten sein, erwähnte doch Dr. R.___ im Gutachten, dass 

krankheitsferne Faktoren beim Beschwerdeführer zu einer Selbstlimitierung geführt 

hätten. Genannt wurden familiäre Probleme und Konflikte, verursacht insbesondere 

durch unterschiedliche Lebensanschauungen und Wertvorstellungen der 

Familienmitglieder (vgl. IV-act. 93-11/23/28f./33), sowie finanzielle Probleme, infolge 

des Arbeitsplatzverlustes und der Einstellung der Krankentaggeldleistungen (vgl. IV-act. 

93-14/28f.). Dr. N.___ erwähnte in seinem Arztbericht vom Dezember 2015 ebenfalls 

verschiedene krankheitsferne Faktoren (IV-act. 51-2ff.). Da die behandelnden Ärzte Dr. 

N.___ und Dr. O.___ bei ihren Einschätzungen auch krankheitsferne Beeinträchtigungen 

berücksichtigt haben (IV-act. 51-2ff., 71-2), kann in Übereinstimmung mit Dr. R.___ 

(IV-93-24f., 111) zumindest für die Zeit ab Dezember 2015 nicht unbesehen auf deren 

Atteste abgestellt werden.

Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in der 

Beschwerdebegründung vom 30. September 2019 hinsichtlich der Diagnosestellung 

geltend, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden von Dr. R.___ nur 

mangelhaft berücksichtigt worden seien (act. G 13-3ff.). Insbesondere habe der Arzt 

eine depressive Episode nicht in Erwägung gezogen, obwohl zumindest vier der 

angegebenen Symptome bei einer Depression gegeben seien. Dazu ist festzustellen, 

dass Dr. R.___ die geklagten Beschwerden sehr wohl gewürdigt, jedoch auch weitere 

Erkenntnisse (wie das Verhalten und die Alltagsaktivitäten des Beschwerdeführers) bei 

der Diagnosestellung mitberücksichtigt hat. Auch führte er im Gutachten aus, dass er 

zum Untersuchungszeitpunkt kein schweres depressives Syndrom habe feststellen 

können (IV-act. 93-18/24/32), wobei er den erhobenen Psychostatus dokumentierte (IV-

act. 93-15ff.). Zudem setzte sich Dr. R.___ mit den Diagnosen der behandelnden 

Psychiater Dr. N.___ und Dr. O.___ auseinander, wies dabei auf Inkonsistenzen sowie 

die Berücksichtigung krankheitsferner Faktoren hin (IV-act. 93-30ff.) und erwähnte, 

dass Dr. H.___ bereits im Gutachten vom 16. Februar 2015 von einer vorübergehenden 

depressiven Episode ausgegangen war (IV-act. 93-29f., KV-Fremdakten, 2-4ff.).

2.6.2. 

Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass hinsichtlich der Zeit ab Dezember 

2015 die diagnostische Einschätzung von Dr. R.___ nachvollziehbar und schlüssig ist. 

Ab Dezember 2015 ist folglich vom Vorliegen einer neurotischen Störung, nicht näher 

2.6.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

bezeichnet (ICD-10: F48.9), in einer nicht besonders schweren Ausprägung 

auszugehen. Bis und mit November 2015 ist dagegen auf die Diagnosestellung des 

Psychiatrischen Zentrums E.___ abzustellen und damit vom Vorliegen eines 

erheblichen psychischen Leidens (mittelgradige depressive Episode mit somatischem 

Syndrom, ICD-10: F32.11) auszugehen.

 2.7. 

Nachfolgend ist auf den Behandlungs- und Eingliederungserfolg bzw. die 

Therapieresistenz einzugehen (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Der Beschwerdeführer 

begab sich im Februar 2014 wegen eines depressiven Leidens in fachärztliche 

Behandlung (IV-act. 9-5, 25-2). Das depressive Krankheitsbild dürfte sich bis Ende 

November 2015 wesentlich verbessert haben, wurde doch die Behandlung im 

Psychiatrischen Zentrum E.___ Mitte November 2015 beendet. Der Beschwerdeführer 

konsultierte zwar im Dezember 2015 zweimal den Psychiater Dr. N.___, es erfolgte 

jedoch keine Behandlung (IV-act. 51-2ff., 63). Am 26. Januar 2016 konsultierte der 

Beschwerdeführer die Psychiaterin Dr. O.___ (IV-act. 71-1). Der eigentliche 

Behandlungsbeginn erfolgte gemäss den Angaben des Beschwerdeführers jedoch erst 

später, wahrscheinlich im Februar oder März 2016 (IV-act. 93-11). Dies erklärt auch, 

weshalb nicht Dr. O.___, sondern der Hausarzt Dr. P.___ am 1. März 2016 dem 

Beschwerdeführer rückwirkend für die Monate Januar und Februar 2016 eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit attestierte (IV-act. 58, 72-4). Diese Arztbesuche ändern jedoch 

nichts daran, dass ab Dezember 2015 keine plausible Begründung für eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr ersichtlich ist. Anlässlich der Untersuchung im 

September 2016 konnte Dr. R.___ denn auch nur wenige versicherungsrechtlich 

relevante Funktionsdefizite feststellen, welche zudem nach seiner Einschätzung durch 

guten Willen und zumutbare Aktivierung von Ressourcen fast vollständig 

kompensierbar wären. Ausserdem war im Blutspiegel das verordnete 

Psychopharmakon Venlafaxin nicht nachweisbar, was auf eine Nichteinnahme des 

Medikaments hinweist und die Angewiesenheit auf dieses Medikament in Frage stellt. 

Falls sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verschlechtern sollte, 

könnte die Medikamententherapie neu aufgesetzt werden (vgl. IV-act. 93-26f.). In 

Anbetracht des Gesagten ist davon auszugehen, dass mit Abschluss der Behandlung 

im Psychiatrischen Zentrum E.___ im November 2016 auch keine krankheitsbedingte 

Behandlungsbedürftigkeit mehr gegeben war. Eine Behandlungsresistenz ist damit 

jedenfalls nicht ausgewiesen.

2.7.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Als rechtlich bedeutsame Komorbiditäten fallen – nebst Begleiterkrankungen mit 

eigenständiger invalidisierender Bedeutung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) – 

Beschwerden in Betracht, welchen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung 

beizumessen ist (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Dr. R.___ stellte gestützt auf die 

Untersuchung im September 2016 nur eine Diagnose (neurotische Störung in einer 

nicht besonders schweren Ausprägung). Selbst wenn vom Vorliegen weiterer 

Diagnosen ausgegangen würde, erscheint es in Anbetracht der nur geringen 

Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde als unwahrscheinlich, dass diesen eine 

ressourcenhemmende Wechselwirkung zukäme (vgl. IV-act. 93-24f.).

2.7.2. 

In Bezug auf die im Komplex Persönlichkeit zu prüfenden Merkmale 

(Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen) ist 

dem Gutachten zu entnehmen, dass vor der Erkrankung im Jahr 2014 eine normale 

Sozialisation und eine volle Leistungsfähigkeit bestand. Auffällig war lediglich die 

zunehmende Verhaltensausrichtung des Beschwerdeführers nach der Religion und 

dabei insbesondere sein missionarisches Auftreten gegenüber Arbeitskollegen (vgl. IV-

act. 93-13f./23/33). Die gezeigten Verhaltensweisen dürften jedoch noch in einem 

akzeptablen Rahmen gewesen sein, ansonsten hätte die Arbeitgeberin dem 

Beschwerdeführer nach erfolgter Kündigung nicht wieder einen neuen Arbeitsvertrag 

per 1. September 2014 angeboten (IV-act. 1, 15-2, 93-13). Im Gutachten beschrieb Dr. 

R.___ den Beschwerdeführer – in Anlehnung an die dimensionalen 

Persönlichkeitsmerkmale von Costa ("big five") – als eine wahrscheinlich eher 

durchschnittlich gesellige, eher leicht irritierbare, durchschnittlich gutmütig verträgliche, 

durchschnittlich gründlich gewissenhafte und durchschnittlich neugierige 

Persönlichkeit. Es gebe Hinweise auf eine Empfindlichkeit auf Kritik und auf eine 

gewisse Verletzbarkeit. Eine Persönlichkeitsakzentuierung habe sich aber nicht mit 

hinreichender Sicherheit belegen lassen und eine Persönlichkeitsstörung schon gar 

nicht (IV-act. 93-17/19). Festzuhalten ist, dass die gutachterlichen Einschätzungen zur 

Persönlichkeit nachvollziehbar sind und nach der Aktenlage auch zutreffend sein 

dürften. Relevante Abweichungen sind nicht ersichtlich.

2.7.3. 

Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer über verwertbare Ressourcen verfügt. 

Der Beschwerdeführer verneint dies. Aus den Akten ergeben sich jedoch verschiedene 

Ressourcen. So verfügt der Beschwerdeführer über eine Ausbildung als Drucker und 

mehrjährige Berufserfahrung (IV-act. 15-1, 19, 93-13; KV-Fremdakten, 9-11f.). Ein 

berufliches Beziehungsnetzwerk dürfte daher vorhanden sein. Aus den vom 

Beschwerdeführer geschilderten Tagesabläufen sind ausserdem verschiedene 

Aktivitäten ersichtlich. So geht er regelmässig ins Thaibox-Training, erledigt Einkäufe, 

2.7.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

geht ein- oder zweimal pro Tag in die Moschee, hilft im Haushalt und betreut seine 

Kinder. Zudem nimmt er an den Elternabenden in der Schule teil. In den Ferien 

besuchte er alleine seine Familie in T.___ (IV-act. 93-10f./23/31). Siebeneinhalb Monate 

nach dem Tod seiner ersten Ehefrau am 22. März 2013 heiratete er am 5. November 

2013 erneut (IV-act. 9-1f., 10-1f.). Es ist daher Dr. R.___ zuzustimmen, dass der 

Beschwerdeführer über verwertbare bzw. nutzbare Ressourcen verfügt.

Zum sozialen Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.2) ist festzustellen, dass der 

Beschwerdeführer zusammen mit seiner zweiten Ehefrau sowie seien fünf Kindern aus 

erster und zweiter Ehe zusammenlebt. Der Beschwerdeführer dürfte daneben auch 

Kontakte zu weiteren Personen haben, wie den Trainingskollegen vom Thaiboxen 

sowie Gläubigen, welche wie er mehrmals täglich die Moschee besuchen. Gemäss Dr. 

R.___ ist weder die Selbstbehauptungsfähigkeit noch die Kontaktfähigkeit zu Dritten 

und auch nicht die Gruppenfähigkeit krankheitsbedingt beeinträchtigt (IV-act. 93-10f./

22f./31). Es ist folglich nicht von krankheitsbedingten sozialen Beeinträchtigungen 

auszugehen.

2.7.5. 

Der Beschwerdeführer macht eine gleichmässige Einschränkung des 

Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen geltend (BGE 141 V 281 E. 4.4.1). Dr. R.___ 

hält es für möglich, dass das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers vor Auftreten der 

Erkrankung höher gewesen sei. Nicht plausibel sei dagegen, dass die 

krankheitsbedingten Beschwerden dem Beschwerdeführer eine Arbeit verunmöglichen 

würden, wenn er im Alltag durchaus in der Lage sei, Leistungen zu erbringen (bspw. 

Einkaufen, Haushaltsarbeiten, Kinderbetreuung, Moscheebesuche; IV-act. 93-31). 

Aufgrund der aktenkundigen Alltagsaktivitäten kann nicht von einer 

krankheitsbedingten gleichmässigen Reduktion des Aktivitätsniveaus in allen 

Lebensbelangen (berufliche und persönliche Aktivitäten) ausgegangen werden.

2.7.6. 

Was den behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen 

Leidensdruck (BGE 141 V 281 E. 4.4.2) angeht, ist festzustellen, dass der 

Beschwerdeführer sich im September 2015 weigerte, sich im Auftrag der Versicherung 

erneut von Dr. H.___ untersuchen zu lassen. Auch nahm er trotz Aufforderung seine 

Arbeit nicht wieder auf (IV-act. 52-1; KV-Fremdakten, 5-2). Die Behandlung im 

Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums E.___ brach er im November 2015 ab (IV-

act. 50). In der Folge kam es zu mehrwöchigen Behandlungsunterbrüchen. Wohl erst 

im März 2016 nahm der Beschwerdeführer die Behandlung bei Dr. O.___ effektiv auf 

(vgl. Ausführungen in Erwägung 2.7.1). Bereits kurze Zeit später teilte der 

Beschwerdeführer seinem Hausarzt Dr. P.___ am 6. April 2016 mit, dass er sich bei Dr. 

2.7.7. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

U.___ zur psychiatrischen Behandlung anmelden werde (IV-act. 72-4). Dies weist auf 

erneute Unstimmigkeiten hinsichtlich der Behandlungszielsetzung hin (vgl. IV-act. 

51-2f.). Gemäss Arztbericht vom 1. Juni 2016 verschrieb Dr. O.___ dem 

Beschwerdeführer die Medikamente Quetiapin 150 mg und Venlafaxin 2 x 150 mg. Die 

von Dr. R.___ im September 2016 veranlasste Blutuntersuchung ergab, dass der 

gemessene Quetiapin-Spiegel (das Medikament wurde primär zur Schlafregulation 

verschrieben, IV-act. 93-27) zu den Angaben des Beschwerdeführers zur 

Medikamenteneinnahme passte, dagegen lag die Konzentration von Venlafaxin und 

seiner Abbauprodukte unterhalb der Nachweisgrenze. Dieses Resultat widerspricht der 

Aussage des Beschwerdeführers, dass er das Medikament täglich in therapeutisch 

wirksamer Dosis zu sich nehme (IV-act. 93-17f./27). Ist die therapeutische Einnahme 

eines Medikaments im Blutserum nicht nachweisbar, stellt dies immerhin ein Indiz für 

die Nichteinnahme dar. Festzuhalten ist somit, dass sich ein ausgewiesener 

Leidensdruck ab Dezember 2015 nicht (mehr) erhärten lässt. Dies trifft selbst dann zu, 

wenn wie vom Beschwerdeführer gefordert (vgl. act. G 13-7f., G 23-3) die 

Nichtnachweisbarkeit des Antidepressivums ausseracht gelassen wird.

 2.8. 

Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. R.___ im Gutachten aus, es sei plausibel, dass 

nach dem Tod der Ehefrau im Jahr 2013, den Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und 

Belastungen durch die Sorge für die Kinder eine psychische Störung mit depressiven 

Symptomen eingetreten sei. Er ging jedoch nicht davon aus, dass die weitreichenden 

Beschwerden und Erscheinungsbilder auch noch über den Februar 2015 hinaus 

nachweisbar als überwiegend wahrscheinlich rein gesundheitsbedingt angesehen 

werden könnten. Dagegen mass er krankheitsfernen Faktoren eine wesentliche Rolle 

für das Erleben und Verhalten des Beschwerdeführers zu (IV-act. 93-33). Die wenigen 

Funktionsdefizite des Beschwerdeführers erachtete er durch guten Willen und 

zumutbare Aktivierung von Ressourcen als fast vollständig kompensierbar. 

Dementsprechend ging Dr. R.___ ab Mai 2015 von einer Leistungsminderung von 

maximal 10 % aus und erachtete eine 90%ige Arbeitsfähigkeit (realisierbar in einem 

vollzeitlichen Pensum) dem Beschwerdeführer als zumutbar (IV-act. 93-33ff.).

2.8.1. 

Der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. R.___ kann in Anbetracht der bei der 

Würdigung der Diagnosen gewonnenen Erkenntnisse (vgl. voranstehende Erwägung 

2.6) nicht unbesehen gefolgt werden, sondern es bedarf ebenfalls einer zeitlichen 

Differenzierung. Für die Zeit ab 1. Dezember 2015 ist gestützt auf die Erkenntnisse aus 

dem strukturierten Beweisverfahren (nicht erheblicher Schweregrad der 

2.8.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.

Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.

diagnostizierten Gesundheitsschädigung, vorhandene persönliche und soziale 

Ressourcen, keine Behandlungsresistenz und kein erheblicher Leidensdruck) auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. R.___ von 90 % abzustellen. Hinsichtlich des 

Zeitraums ab 1. September 2015 (frühester Rentenbeginn, vgl. nachfolgende Erwägung 

3.1) bis 30. November 2015 ist auf die Einschätzungen der Ärzte des Psychiatrischen 

Zentrums E.___ abzustellen, welche dazumal von einer 80%igen bzw. 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit ausgingen (vgl. KV-Fremdakten 7-13ff.).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten von Dr. R.___ die nach 

neuer Rechtsprechung für sämtliche psychiatrische Diagnosen erforderlichen 

Indikatoren des strukturierten Beweisverfahrens ausreichend berücksichtigt. In den 

Stellungnahmen vom 23. März und 30. Oktober 2017 erklärte der RAD gleichfalls, dass 

auf das Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 96, 112). Für eine abweichende 

rechtliche Beurteilung hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz der 

psychiatrischen Diagnosen bleibt für die Zeit ab dem 1. Dezember 2015 somit kein 

Raum, zumal das Gutachten entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers die 

geklagten Beschwerden und die vorhandenen medizinischen Akten sehr wohl 

berücksichtigt. Insbesondere erscheint die abweichende gutachterliche Beurteilung 

gegenüber den früheren Arztberichten von Dr. N.___ und Dr. O.___ mit Blick auf die 

erhobenen Befunde, Diagnosen und Belastungsfaktoren, aber auch mit Blick auf die 

Tatsache, dass sich die Schätzung auf die bisherige und zugleich auch adaptierte 

Tätigkeit bezieht, als nachvollziehbar. Daher ist für die Zeit ab dem 1. Dezember 2015 

auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 90 % abzustellen. Dabei ist 

dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Drucker weiterhin zumutbar. Für 

den Zeitraum vom 1. September bis 30. November 2015 ist dagegen gestützt auf die 

Einschätzungen der Ärzte des Psychiatrischen Zentrums E.___ von einer 

Arbeitsunfähigkeit von zumindest 80 % auszugehen.

2.9. 

Bei dieser Ausgangslage erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen wie 

die vom Beschwerdeführer geforderte Einholung eines Gerichtsgutachtens (vgl. act. G 

13, G 23).

2.10. 

Der Beschwerdeführer meldete sich am 22. Oktober 2014 zum Leistungsbezug an 

(IV-act. 9). Die behandelnden Ärzte attestieren ihm in der angestammten Tätigkeit ab 

dem 1. September 2014 im Schnitt eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40 % (KV-

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  

Fremdakten, 7-1ff.), womit das Wartejahr am 1. September 2015 erfüllt war. In 

Nachachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG kann ein 

Rentenanspruch frühestens am 1. September 2015 entstehen.

Für die Zeit ab dem 1. Dezember 2015 ist dem Beschwerdeführer sowohl die 

angestammte Tätigkeit als (Inline-/Offset) Drucker als auch eine angepasste Tätigkeit in 

einem 90%-Pensum zumutbar. Im Jahr vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte 

er gemäss IK-Auszug einen Lohn von Fr. 63'510.- (vgl. IV-act. 13-1). Gemäss dem 

neuen Arbeitsvertrag wurde der bisherige Monatslohn per 1. September 2014 um Fr. 

358.- auf Fr. 4'500.- plus Zulagen erhöht (IV-act. 15-2). Damit entsprach der Lohn des 

Beschwerdeführers in etwa dem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn gemäss der 

Lohnstrukturerhebung 2014 des Bundesamtes für Statistik (Fr. 65'654.-, 

Kompetenzniveau 1, Männer, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit). Der 

Invaliditätsgrad ist folglich im Rahmen eines Prozentvergleichs zu ermitteln (siehe zum 

Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 

5.3.1 mit Hinweisen). Ausgehend von einer 90%igen Restarbeitsfähigkeit beträgt der 

Invaliditätsgrad im Rahmen des Prozentvergleichs 10 %. Die Höhe eines 

Tabellenlohnabzugs kann vorliegend offengelassen werden, denn selbst bei 

Gewährung des nach der Rechtsprechung höchstzulässigen Abzugs von 25 % (vgl. 

BGE 126 V 75), welcher vorliegend aufgrund der konkreten Umstände auf jeden Fall zu 

hoch ist, würde ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von gerundet 33 % 

(10 % + [90 % x 25]) resultieren.

3.2. 

Für die Zeit vom 1. September 2015 bis 30. November 2015 ergibt sich basierend 

auf einer 80%igen bzw. 100%igen Arbeitsunfähigkeit ein rentenbegründender 

Invaliditätsgrad von zumindest 80 %. Die per 1. Dezember 2015 eingetretene und 

dauerhafte gesundheitliche Verbesserung führt unter Berücksichtigung der bei der 

Rentenanpassung gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die 

Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) geltenden dreimonatigen Frist für die Dauer ab 

1. September 2015 bis 29. Februar 2016 zu einem befristeten Anspruch auf eine ganze 

Rente.

3.3. 

Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 30. Oktober 2017 

aufzuheben und dem Beschwerdeführer befristet für die Zeit vom 1. September 2015 

bis 29. Februar 2016 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und 

Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

4.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.  

Da der Gerichtsschreiber verhindert ist, wird der Entscheid für diesen stellvertretend 

von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art 39ter Abs. 2 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 30. 

Oktober 2017 aufgehoben und dem Beschwerdeführer befristet für die Zeit vom 1. 

September 2015 bis 29. Februar 2016 eine ganze Rente zugesprochen. Zur 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis 

Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- 

erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da die 

Beschwerde lediglich teilweise betreffend einen rückwirkend befristeten 

Rentenanspruch gutgeheissen wird, ist von einem Obsiegen des Beschwerdeführers 

von einem Drittel auszugehen. Dem teilweisen Obsiegen entsprechend haben der 

Beschwerdeführer einen Anteil von Fr. 400.- und die Beschwerdegegnerin einen Anteil 

von Fr. 200.- an der Gerichtsgebühr zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von 

Fr. 600.- ist dem Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 200.- zurückzuerstatten.

4.2. 

bis

 Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf 

eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei 

insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen 

ist. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend 

anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30  HonO) pauschal 

Fr. 1'500.- bis Fr. 15'000.-. In vergleichbaren Fällen spricht das Versicherungsgericht 

im Fall des Obsiegens eine Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu (siehe etwa die Entscheide des 

Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. März 2019, IV 2018/205, E. 3.3, 

und vom 26. November 2018, IV 2017/177, E. 4.3). Entsprechend dem Obsiegen von 

einem Drittel erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.- (inklusive Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) als gerechtfertigt.

4.3. 

bis

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 22/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung wird die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat einen Anteil an der Gerichtsgebühr in der Höhe von 

Fr. 200.- und der Beschwerdeführer einen solchen in der Höhe von Fr. 400.- zu 

bezahlen. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss im Umfang von 

Fr. 200.- zurückerstattet.

3.

Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 

1'200.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 18.09.2020
	Art. 16 ATSG. Art. 28 IVG. Würdigung eines psychiatrischen Gutachtens. Festlegung der Höhe der Arbeitsunfähigkeit im Verlauf. Prozentvergleich. Anspruch auf eine befristete Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. September 2020, IV 2017/445).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2024-05-26T23:41:51+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen