# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6d645a65-6279-56c5-a543-e37cde0ada41
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-08-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.08.2016 F-4456/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4456-2015_2016-08-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung VI 

F-4456/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  A u g u s t  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), 

Richter Andreas Trommer,  

Richter Yannick Antoniazza-Hafner,    

Gerichtsschreiberin Jacqueline Moore. 
 

 
 

Parteien 
 X._______,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Schengen-Visum zu Besuchszwecken für Y._______. 

 

 

 

F-4456/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 28. April 2015 beantragte der seit Oktober 2009 im Norden Indiens le-

bende, chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie Y._______ (geb. 

1988, nachfolgend: Gesuchsteller bzw. Eingeladener) bei der Schweizeri-

schen Botschaft in Neu Delhi ein Schengen-Visum für die Dauer von 30 

Tagen. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab er an, seinen im Kanton 

Zürich wohnhaften „Patenonkel“ X._______ (geb. 1965, nachfolgend: 

Gastgeber bzw. Beschwerdeführer), besuchen zu wollen. Dieser hatte be-

reits am 21. März 2015 ein entsprechendes Einladungsschreiben an die 

Schweizer Botschaft gerichtet. 

B.  

Mit Formularentscheid vom 30. April 2015 lehnte es die Schweizerische 

Botschaft in Neu Delhi ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie be-

gründete ihre Haltung zum einem damit, dass der Besuchszweck unzu-

reichend dargestellt sei und zum anderen mit der ihrer Auffassung nach 

fehlenden Gewähr für die fristgerechte Wiederausreise des Eingeladenen 

aus dem Schengen-Raum nach dem Besuchsaufenthalt.  

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Gastgeber beim SEM am 12. Mai 2015 

Einsprache. Dabei rügte er sinngemäss, dass die von der Auslandvertre-

tung aufgeführten Hinderungsgründe nicht zuträfen. Als Gastgeber verfüge 

er über die finanziellen und räumlichen Voraussetzungen und habe den 

Aufenthaltszweck (er möchte dem Eingeladenen gerne die Schweizer Kul-

tur vorstellen) klar deklariert. Weiter könne er versichern, dass der Gesuch-

steller nicht die Absicht hätte, in der Schweiz zu verbleiben. Dieser gehe 

im A._______ in B._______ einer erfüllenden Arbeit nach und habe ein ge-

regeltes und gutes Einkommen. Um diese Arbeit machen zu können, habe 

dieser jahrelang studiert. Das gesamte, dem Gesuchsteller wichtige per-

sönliche Umfeld sei in A._______. Der Eingeladene lebe dort intensiv und 

fest in der tibetischen Tradition und im tibetischen Glauben und die Nähe 

zu Dharamshala und dem Dalai Lama seien für ihn elementar. Er habe 

bereits seine eigentliche Heimat, Tibet, verlassen müssen, und die neue 

Heimat und die spirituelle Nähe zum Dalai Lama würde er nie aufgeben 

wollen. 

D.  

Nachdem das Migrationsamt des Kantons Zürich beim Gastgeber ergän-

zende Auskünfte eingeholt und an das SEM weitergeleitet hatte, wies die 

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Vorinstanz die Einsprache mit Verfügung vom 1. Juli 2015 ab. Zur Begrün-

dung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Gesuchsteller aus einer 

Region stamme, aus welcher als Folge der schwierigen wirtschaftlichen 

Verhältnisse ein Zuwanderungsdruck bestehe. Wie die Erfahrung gezeigt 

habe, würden viele – vor allem jüngere und gut ausgebildete – Personen 

versuchen, sich im westlichen Ausland eine vermeintlich bessere Zukunft 

aufzubauen. Damit sei grundsätzlich von einem hohen Risiko einer nicht 

fristgerechten und anstandslosen Rückkehr auszugehen. Von dieser gene-

rellen Einschätzung sei nur abzuweichen, wenn dem Gesuchsteller über 

das übliche Mass hinausgehende Verpflichtungen im Aufenthaltsland oblä-

gen.  

Konkret führte die Vorinstanz aus, dass es sich beim Gesuchsteller um ei-

nen inzwischen 28-jährigen, ledigen und kinderlosen Mann handle, der we-

der besonderen familiären Verpflichtungen noch Betreuungspflichten nach-

zugehen habe, womit eine weitere Gewähr für die Rückkehr ins Heimatland 

fehle. Entsprechend grosse Bedeutung komme deshalb den wirtschaftli-

chen Verhältnissen des Gesuchstellers zu. Gemäss den Gesuchsakten ar-

beite der Gesuchsteller als Künstler. Entsprechende Dokumente wie Ar-

beitsvertrag oder Bankauszüge seien eingereicht worden, doch könne da-

mit nicht abschliessend beurteilt werden, in welchen finanziellen Verhält-

nissen er lebe. Schliesslich zeige die Erfahrung ganz allgemein, dass auf-

grund des grossen Lohngefälles zwischen der Schweiz und Indien selbst 

ein für einheimische Verhältnisse gutes Salär nicht nachhaltig davon ab-

halten könne, das Heimatland dauerhaft zu verlassen. Insgesamt könne 

vorliegend nicht von gefestigten beruflichen und damit von wirtschaftlichen 

Verhältnissen ausgegangen werden, die nachhaltig von einer allfälligen 

Emigration abzuhalten vermöchten. Vor diesem Hintergrund sei das Risiko, 

dass der Gesuchsteller die Schweiz nach seinem Besuchsaufenthalt nicht 

wieder rechtzeitig verlassen könne, nicht zu unterschätzen. Die Vorausset-

zungen für die Ausstellung des beantragten Visums seien somit nicht er-

füllt. 

E.  

Dagegen gelangte der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 

20. Juli 2015 an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte sinngemäss 

die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des ge-

wünschten Schengen-Visums zugunsten des Gesuchstellers. Darin be-

tonte er noch einmal mit Nachdruck, dass der Besuchszweck klar sei und 

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er auch sonst alle für einen Besuch relevanten Bedingungen nachgewie-

sen und erfüllt habe. Aus diesen Gründen sei der ablehnende Entscheid 

für ihn nicht nachvollziehbar und zu tiefst stossend. 

F.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. September 

2015 die Abweisung der Beschwerde. 

G.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-

gen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 

Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen 

Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge-

führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des 

SEM, mit denen die Erteilung eines Schengen-Visums zu Besuchszwe-

cken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem Verwaltungsverfah-

rensgesetz, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-

schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-

verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 

Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann 

die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen 

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gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage 

zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 

3.  

Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines chinesischen Staats-

angehörigen tibetischer Ethnie um Erteilung eines Visums für einen vier-

wöchigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich der Gesuchsteller 

nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann 

und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die 

vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungs-

bereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz 

den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtli-

chen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 

142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur An-

wendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichende 

Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2–5 AuG). 

4.  

Das Schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht 

auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung ei-

nes Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätz-

lich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestat-

ten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei 

um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über 

Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 

135 II 1 E. 1.1 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen 

Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Einreise 

und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. 

das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Ei-

nen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt jedoch auch das Schen-

gen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.1; a.M. EGLI/MEYER, in: Ca-

roni/Gächter/Thurnherr, SHK zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer, 2010, Art. 5 N 3 f.).  

5.  

5.1 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-

Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-

raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-

mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein 

Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 

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des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de-

ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei-

nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan-

gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum 

benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti-

tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver-

fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 

22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 

142.204, Fassung gemäss Änderung vom 4. Mai 2016, AS 2016 1283] 

i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EU] Nr. 2016/399 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 [kodifizierter Text] über 

einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Per-

sonen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, Abl. L 77 vom 

23. März 2016)], Art. 4 VEV). 

5.2 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um-

stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei-

chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 

VEV, Art. 6 Abs. 1 Bst. c und Abs. 4 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der 

Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol-

gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu 

belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien 

Aufenthaltes verlassen bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte 

Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako-

dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). 

Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati-

onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine 

Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche 

Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar-

stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 6 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 

5.3 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 

Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige 

Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristge-

recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer-

ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Ja-

nuar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsan-

gehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Ein-

wanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 

Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten 

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Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorüber-

gehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang 

(vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Ein-

reiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 6 Abs. 1 Bst. c 

SGK). 

5.4 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom-

men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes 

"einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 

VEV, Art. 36 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün-

den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler 

Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö-

rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevoraussetzungen nicht er-

füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu 

erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für 

das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 

Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer 

drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat-

tet werden, vgl. Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung des beantragten Schengen-

Visums mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wieder-

ausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 

6.2 Wie oben erwähnt, unterliegt der Gesuchsteller als chinesischer 

Staatsangehöriger der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] 

Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 [Abl. L 81 vom 21. März 2001; 

zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). 

Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK ste-

hen die Fragen nach dem Zweck des geplanten Aufenthalts und nach der 

gesicherten Wiederausreise im Vordergrund. Dazu lassen sich in der Regel 

keine gesicherten Feststellungen, sondern nur Prognosen treffen. Dabei 

sind alle Umstände im konkreten Einzelfall zu würdigen. 

6.3 Indien gehört trotz abgeschwächtem Wirtschaftswachstum nach wie 

vor zu den aufstrebenden Schwellenländern und ist eine der am stärksten 

expandierenden Volkswirtschaften der Welt. Trotzdem sieht sich das Land 

bei der Armutsbekämpfung und in der Bildungs- und Infrastrukturentwick-

lung vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Das durchschnittliche Pro-

Kopf-Einkommen liegt bei 1‘247.- Euro (ungefähr USD 1‘383.-) pro Jahr. 

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Etwa 30% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze von USD 1 

pro Kopf und Tag; weniger als USD 2 pro Tag zur Verfügung haben sogar 

70% der Bevölkerung. Allerdings zeigen sich erhebliche regionale Unter-

schiede. Ein zunehmendes Einkommensgefälle besteht nicht zuletzt einer-

seits zwischen der prosperierenden städtischen Mittelschicht und ander-

seits der überwiegend armen Bevölkerung auf dem Lande. Nur ca. 10% 

aller Beschäftigten stehen in einem vertraglich geregelten Arbeitsverhält-

nis. Die übrigen 90% werden dem sog. „informellen Sektor“ zugerechnet, 

die weder gegen Krankheit noch Arbeitsunfälle abgesichert sind noch An-

spruch auf soziale Leistungen oder Altersvorsorge haben. Wachstum und 

Wohlstand verdankt Indien v.a. dem Dienstleistungssektor mit ca. 30% Be-

schäftigungsanteil (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt, www.auswaerti-

ges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Indien > 

Wirtschaft, Stand: März 2016, abgerufen Juli 2016). 

6.4 Angesichts der geschilderten Umstände ist nicht zu beanstanden, dass 

die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von 

Besucherinnen und Besuchern aus Indien allgemein als hoch einschätzt, 

insbesondere, wenn durch die Anwesenheit von Bekannten im Ausland be-

reits ein Beziehungsnetz besteht. 

6.5 Bei der Risikoanalyse sind neben allgemeinen Umständen und Erfah-

rungen – wie erwähnt – auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Ein-

zelfalls zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Hei-

matland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder 

familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für 

eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Andererseits muss bei 

Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, 

das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens (nach 

bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) als hoch eingeschätzt 

werden. 

7.  

7.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen 28-jährigen ledigen und 

kinderlosen Mann, tibetischer Ethnie, der seit Oktober 2009 in Nordindien 

im Exil lebt. Der Umstand, dass er sein Heimatland im Jahre 2009 verlas-

sen hat und seither in Indien lebt, spricht (noch) nicht für eine tiefe Verwur-

zelung mit der „neuen Heimat“. Irgendwelche Verantwortlichkeiten des Ein-

geladenen gegenüber Angehörigen, sollen doch seine Eltern nach wie vor 

in Lhasa (China) leben, werden vom Beschwerdeführer nicht geltend ge-

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macht. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, im persönli-

chen oder familiären Umfeld des Eingeladenen seien Verpflichtungen oder 

gar Abhängigkeiten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr 

ins Heimatland bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situationen angespann-

ter wirtschaftlicher und/oder politischer Verhältnisse selbst zurückblei-

bende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon abhalten kön-

nen, den Entscheid für eine Emigration zu fällen; sei dies etwa in der Hoff-

nung, die Zurückgebliebenen aus dem Ausland wirtschaftlich effizienter un-

terstützen zu können.  

7.2  Der Gesuchsteller hat am A._______ in B._______ „thangka painting“ 

– tibetische Malereien – studiert und arbeitet dort als Künstler. Mit dieser 

Arbeit verdient er seinen Lebensunterhalt (SEM-pag. 43 und 66). Der Be-

schwerdeführer führt dazu an, dass der Gesuchsteller Dank dieser Arbeit 

intensiv und fest in der tibetischen Tradition und im tibetischen Glauben 

leben könne. Den Akten liegen eine „Arbeitgeberbescheinigung“, ein Per-

sonalausweis sowie Bankauszüge bei, die belegen, dass der Gesuchstel-

ler einer geregelten Arbeit mit einem monatlichen (unregelmässigen) Ein-

kommen nachgeht.  

Einem Bankauszug der State Bank of India zufolge, welcher auf den Na-

men des Gesuchstellers lautet, besass der Gesuchsteller am 20. April 2015 

Cr 100‘475.15 (Cr = Credit und meint INR somit rund USD 1‘486.-, vgl. 

SEM-pag. 32 und 33). Diesem Kontoauszug ist weiter zu entnehmen, dass 

der Gesuchsteller zwischen USD 40.- und 100.- monatlich verdient. Am 

20. April 2015 hat er „by cash“ eine Einzahlung von INR 100‘000.00 (rund 

USD 1‘479.-) getätigt. Angesichts eines durchschnittlichen Jahreseinkom-

mens von USD 1‘383.- in Indien (vgl. E. 6.3), verfügt der Gesuchsteller mit 

USD 1‘486.- zwar über ein Vermögen leicht über einem durchschnittlichen 

Jahreseinkommen in Indien. Dieses Vermögen hat sich allerdings nicht ge-

stützt auf sein generiertes Einkommen angesammelt, sondern entstammt 

einer einmaligen Einzahlung vom 20. April 2015. Dieser enorme Anstieg 

des Vermögens des Gesuchstellers hat der Beschwerdeführer weder er-

klärt noch kann er angesichts der künstlerischen Tätigkeit des Gesuchstel-

lers nachvollzogen werden. Aufgrund der Aktenlage kann jedenfalls zum 

heutigen Zeitpunkt nicht von vorteilhaften wirtschaftlichen Verhältnissen 

ausgegangen werden, die nachhaltig von einer Emigration abzuhalten ver-

möchten, zumal der Gesuchsteller schon sein Heimatland (China/Tibet) 

verlassen hat. 

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Seite 10 

7.3 Vor diesem Hintergrund müssen die Beteuerungen auf Beschwerde-

ebene, wonach genügend Garantien für eine fristgerechte Wiederausreise 

vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend bezeichnet werden. Dies 

umso mehr, als die von der Schweizervertretung sowie der Vorinstanz ge-

äusserten Zweifel am Aufenthaltszweck durchaus begründet erscheinen.  

8.  

Unter den gegebenen Umständen durfte die Vorinstanz demnach willkür-

frei davon ausgehen, die Wiederausreise des Eingeladenen sei im Sinne 

der massgeblichen Bestimmungen nicht gesichert. An der Richtigkeit die-

ser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beschwerde-

führer, der gemäss den eingereichten Unterlagen fraglos über einen guten 

Leumund verfügt, die in Art. 7 Abs. 1 VEV geregelte Verpflichtungserklä-

rung abgegeben und damit sein Vertrauen in ein rechtskonformes Verhal-

ten seines Gastes zum Ausdruck gebracht hat. Bei der Risikobeurteilung 

ist aber in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Be-

deutung. Nur Letzterer ist in der Lage, hinreichend Gewähr für eine fristge-

rechte und anstandslose Wiederausreise zu bieten. In seiner Eigenschaft 

als Gastgeber kann der Beschwerdeführer mit rechtlich verbindlicher Wir-

kung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Be-

suchsaufenthalt, nicht aber für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen sei-

nes Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 

E. 9). 

 

9.  

Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine 

zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht er-

füllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter 

Gültigkeit (vgl. E. 5.4) wurden vom Beschwerdeführer nicht geltend ge-

macht und ergeben sich auch sonst nicht aus den Akten. 

10.  

Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass sich die angefochtene Ver-

fügung im Lichte von Art. 49 VwVG als rechtmässig erweist. Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen. 

11.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 900.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Sie sind durch den am 10. August 2015 geleisteten Kostenvorschuss 

in gleicher Höhe gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […]; zurück) 

– Migrationsamt des Kantons Zürich 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Marianne Teuscher Jacqueline Moore 

 

 

 

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