# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb750631-f8e1-5e61-802c-bfa9fbda6967
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-1384/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1384-2008_2011-12-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­1384/2008

U r t e i l   v om   6 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Kurt Gysi,
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,   
Gerichtsschreiber Tobias Meyer.

Parteien A._______, geboren (…), Türkei,  
vertreten durch Ali Civi,
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 31. Januar 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin,  eine  türkische  Staatsangehörige  kurdischer 
Ethnie,  verliess  ihr  Heimatland  am  1. Dezember  2006  und  flog  nach 
Schweden,  wo  sie  bis  am  6. Februar  2007  blieb.  Am  7. Februar  2007 
gelangte sie  in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag um Asyl ersuchte. 
Am  19. Februar  2007  wurde  sie  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
(…) zur Person befragt und am 3. April 2007 in (…) zu ihren Asylgründen 
angehört.

B. 
Mit  Verfügung  vom  31. Januar  2008  stellte  das  BFM  fest,  die 
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte ihr 
Asylgesuch ab. Gleichzeitig wies das BFM sie aus der Schweiz weg und 
beauftragte den Kanton (...) mit dem Vollzug der Wegweisung.

C. 
Mit  Eingabe  vom  29. Februar  2008  (Poststempel)  erhob  die 
Beschwerdeführerin  gegen  die  Verfügung  des  BFM  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben 
und  das  Asylgesuch  gutzuheissen.  Eventualiter  sei  der  Fall  zur 
Ergänzung des Sachverhaltes sowie zum Erlass einer neuen Verfügung 
an das BFM zurückzuweisen. Jedenfalls sei die Wegweisungsverfügung 
aufzuheben und ihre Anwesenheit auf anderer gesetzlicher Grundlage zu 
regeln.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  sie  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Prozessführung.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  7. März  2008  hiess  das 
Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung 
eines  Kostenvorschusses.  Die  Beschwerdeführerin  wurde  aufgefordert, 
innert Frist Belege über ihre familiäre Situation nachzureichen.

E. 
Mit Schreiben  vom 28. März 2008  reichte der Kanton  (...)  auf Ersuchen 
des  Bundesverwaltungsgerichts  einen  Amtsbericht  bezüglich  der 
Beschwerdeführerin, ihrer drei in der Schweiz lebenden Kinder und deren 
Vater  ein.  Mit  Schreiben  vom  8. April  2008  reichte  der  Kanton  ein 
ergänzendes Schreiben nach.

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F. 
Mit Eingabe vom 8. April 2008 reichte die Beschwerdeführerin Kopien der 
Ausländerausweise  ihrer  drei  Kinder,  die  sich  in  der  Schweiz  befinden, 
sowie  Bestätigungen  über  den  Aufenthalt  der  Halbgeschwister  der 
Beschwerdeführerin in Schweden ein.

G. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  22. April  2008  wurde  das  BFM  zur 
Vernehmlassung  eingeladen.  Mit  Stellungnahme  vom  9. Mai  2008 
beantragte  das  BFM  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Stellungnahme 
wurde  der  Beschwerdeführerin  am  15. Mai  2008  zur  Kenntnisnahme 
zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Die 
angefochtene Verfügung  ist  beschwerdefähig. Da  keine das Sachgebiet 
betreffende Ausnahme nach Art.  32 VGG vorliegt und das BFM zu den 
Vorinstanzen  im  Sinne  von  Art. 33  Bst.  d  VGG  gehört,  ist  das 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Beurteilung  der  Beschwerde  zuständig. 
Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder das 
Asylgesetz  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nichts  anderes 
bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 105 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht 
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 
– endgültig  (vgl.  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder 
Änderung,  weshalb  sie  zur  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 48  Abs. 1 
VwVG).

1.3. Die Beschwerdefrist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG) und die Anforderungen 
an  die  Beschwerdeschrift  (Art.  52  Abs.  1  VwVG)  sind  gewahrt.  Die 

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übrigen Sachurteilsvoraussetzungen  sind gegeben. Auf  die Beschwerde 
ist einzutreten. 

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1. Die  Beschwerdeführerin  begründete  ihre  Furcht  vor  Verfolgung  im 
erstinstanzlichen  Verfahren  mit  der  Bedrohung  durch  ihren  ehemaligen 
Ehemann  und  dessen  Familie.  Im  Jahr  1994  habe  sie  sich  von  ihrem 
Ehemann scheiden lassen und das Sorgerecht für ihre Kinder (Jahrgang 
[…]) sei  ihm zugeteilt worden.  Ihr Ex­Ehemann sei anschliessend  in die 
Schweiz gegangen, wo er sich wieder verheiratet habe. Die Kinder hätten 
bei  ihr  gewohnt,  bis  er  die  drei  jüngeren  Kinder  2003  in  die  Schweiz 
nachgezogen habe.  Ihr ältester Sohn habe die Türkei verlassen und sie 
wisse  nicht,  wo  er  sich  aufhalte.  Die  Zeit,  als  sie  alleine  in  der  Türkei 
gewohnt  habe,  sei  sehr  schwierig  für  sie  gewesen.  Von  ihrer 

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Schwiegermutter  sei  sie  verleumdet  und  belästigt worden  und  sie  habe 
unsittliche Angebote bekommen. Sie habe sogar an Selbstmord gedacht.

Im September 2006 sei ihr Ex­Ehemann mit den drei Kindern zu ihr in die 
Türkei  gekommen,  um  ihre  Tochter  B._______  gegen  deren  Willen  zu 
verheiraten.  Dabei  habe  er  sie  und  die  drei  Kinder  in  ihrem  Haus 
eingesperrt,  das  Telefon  sowie  ihre  Mobiltelefone  zerstört  und  ihre 
Ausweise  an  sich  genommen.  Er  habe  sie  geschlagen  und  gedroht,  er 
würde  sie  und  die  Kinder  umbringen.  Er  selber  habe  im 
gegenüberliegenden  Haus  seiner  Eltern  gewohnt  und  sie  so  unter 
Kontrolle gehabt. Nach drei oder vier Tagen sei es ihnen gelungen, durch 
ein Küchenfenster aus dem Haus zu fliehen. Mit der Hilfe eines Cousins 
sei  es  ihnen  gelungen,  nach  C._______  zu  gelangen.  Die  Polizei  in 
C._______ habe ihr gesagt, sie solle sich an den örtlichen Polizeiposten 
wenden.  Auf  den  örtlichen  Polizeiposten  habe  sie  aber  nicht  gehen 
können, da sie und ihre Kinder in dem kleinen Dorf von der Familie ihres 
Ex­Mannes  sehr  verhasst  seien  und  die  Polizei  sie  deshalb  nicht  hätte 
schützen können. Ihr Ex­Ehemann habe sie unterdessen mit einer Pistole 
in  der  Hand  bei  ihren  Verwandten  gesucht.  Unter  schwierigsten 
Bedingungen sei es ihnen dann gelungen, sich neue Pässe ausstellen zu 
lassen und Flugtickets  zu  kaufen.  Ihre drei Kinder  seien  in die Schweiz 
geflogen. Sie selber habe sich bei Verwandten und Bekannten versteckt. 
Schliesslich  habe  sie  von  ihren  Halbgeschwistern  in  Schweden  ein 
Einladungsgesuch  und  damit  ein Visum  für  Schweden  erhalten.  Anfang 
Dezember 2006 habe sie die Türkei verlassen.

4.2. Die Vorinstanz begründet ihre ablehnende Verfügung damit, dass es 
sich bei den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Übergriffen 
um Übergriffe durch Dritte handle und diese von den türkischen Behörden 
auf  Anzeige  hin  geahndet  würden.  Die  Verleumdungen  durch  die 
Schwiegermutter  und  andere  Personen  seien  aufgrund  ihrer  Art  und 
Intensität nicht asylrelevant.

4.3.  In  der  Beschwerdeschrift  bringt  die  Beschwerdeführerin  vor,  es 
handle  sich  vorliegend  um  frauenspezifische  Fluchtgründe.  Familiären 
Auseinandersetzungen  könne  nicht  jegliche  Bedeutung  abgesprochen 
werden.  Sie  wiederholt,  ihr  Ex­Ehemann  habe  sie  und  ihre  Kinder 
mehrere  Tage  gefangen  gehalten  und  mit  dem  Tod  bedroht.  Dessen 
ganze  Verwandtschaft  habe  sich  gegen  sie  verschworen,  um  sie  zu 
demütigen  und  zu  schikanieren.  Sie  sei  von  ihren  Verwandten 
regelmässig  aufgesucht  sowie  telefonisch  kontaktiert  und  dabei 

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angeschrien,  bedroht  und  geschlagen  worden.  Auch  der  Ex­Ehemann 
habe  sie  geschlagen.  Sie  fürchte,  dass  dessen  Familie  sie  bei  einer 
Rückkehr  in  die  Türkei  umbringen  würde.  Auf  den  Schutz  der  lokalen 
Polizei  könne  sie  nicht  zählen,  da  ihr  Ex­Ehemann  einflussreiche 
Beziehungen zu den kommunalen Behörden habe.  Im Gegenteil  rechne 
sie  damit,  auch  von  den  lokalen  Behörden  gesucht  und  getötet  zu 
werden.

5. 

5.1.  Die  Vorinstanz  stellt  zu  Recht  fest,  dass  die  von  der 
Beschwerdeführerin geltend gemachten Verfolgungshandlungen und die 
Furcht  vor zukünftiger Verfolgung nicht asylrelevant  sind. Übergriffe von 
Privatpersonen  sind  nur  asylrelevant,  wenn  der  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  nicht  in  der  Lage  oder  nicht  willens  ist,  der  verfolgten 
Person  genügenden  Schutz  zu  gewähren.  Ein  genügender  Schutz  ist 
dann  gegeben,  wenn  eine  funktionierende  und  effiziente 
Schutzinfrastruktur  zur  Verfügung  steht  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 
Nr. 18 E. 10).

5.2. Die Beschwerdeführerin hatte nach eigenen Angaben nie Probleme 
mit  den  türkischen  Behörden.  Die  in  der  Beschwerdeschrift  geäusserte 
Furcht, auch die örtliche Polizei könnte sie  töten wollen,  ist durch nichts 
belegt, unsubstantiiert  und damit unglaubhaft. Die Verfolgungsfurcht der 
Beschwerdeführerin  bezieht  sich  demzufolge  einzig  auf  die  geltend 
gemachte Bedrohung durch ihren Ex­Ehemann und dessen Familie. Das 
Bundesverwaltungsgericht hat bei der Beurteilung dieser Vorbringen auf 
die  Situation  abzustellen,  wie  sie  sich  zum  Urteilszeitpunkt  präsentiert 
(vgl. BVGE 2007/31 5.3).

5.3.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  häusliche  Gewalt  und  andere 
frauenspezifische  Fluchtgründe  asylrelevant  sein  können,  die 
Asylgewährung  auch  in  solchen  Fällen  aber  nicht  aus  "humanitären 
Gründen"  erfolgt,  wie  dies  die  Beschwerdeführerin  in  der  Beschwerde 
verlangt.  Auch  bei  häuslicher  Gewalt  und  frauenspezifischen 
Fluchtgründen müssen  die Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss  Art. 1A  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 AsylG erfüllt 
sein. 

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5.4. Der Ex­Ehemann der Beschwerdeführerin  lebt  in  der Schweiz. Seit 
dem  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderten  Vorfall  im  September 
2006  in  der Türkei,  bei  dem er  die Beschwerdeführerin  und  ihre Kinder 
angeblich  drei  Tage  in  ihrem  Haus  festhielt  und  sie  mit  dem  Tod 
bedrohte,  hat  er  sich  gegenüber  der Beschwerdeführerin  offenbar  ruhig 
verhalten  (siehe  Beschwerdeschrift  S. 6).  Auch  zu  den  volljährigen 
Kindern scheint er  keinen Kontakt mehr zu haben  (Bericht des Kantons 
(...)vom 28. März 2008). Damit stellt der Ex­Ehemann offensichtlich keine 
Gefahr  für  die  Beschwerdeführerin  mehr  dar,  womit  auch  davon 
ausgegangen werden  kann,  dass  von  seiner  in  der Türkei  verbliebenen 
Familie  keine  Bedrohung  mehr  ausgeht.  Die  Schikanen  und 
Diffamierungen,  welche  die  Beschwerdeführerin  aus  der  Zeit  geltend 
macht,  als  sie  alleine  in  der  Türkei  lebte,  weisen  zudem  keine 
asylrelevante Intensität auf. Darüber hinaus kann die Beschwerdeführerin 
nicht  glaubhaft  machen,  im  vorliegenden  Fall  seien  die  örtlichen 
Behörden  nicht  bereit,  sie  zu  schützen.  Die  Aussage,  die  Familie  ihres 
Ehemannes  habe  einen  grossen  Einfluss  auf  die  lokalen  Behörden  ist 
durch nichts belegt sowie unsubstantiiert und damit unglaubhaft.

5.5.  Damit  vermag  die  Beschwerdeführerin  eine  objektiv  begründete 
Furcht  vor  asylrelevanter  Verfolgung  nicht  glaubhaft  zu  machen.  Die 
Vorinstanz hat damit zutreffend festgestellt, dass die Beschwerdeführerin 
die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  und  ihr  Asylgesuch  zur  Recht 
abgelehnt.

6. 
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführerin  verfügt weder über eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

7. 

7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 

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vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

7.2.  Nach  Art.  83  Abs.  3  AuG  ist  der  Vollzug  nicht  zulässig,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur 
Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder 
ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder 
in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu 
werden  (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom 
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 
oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der 
Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand 
der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder 
Behandlung unterworfen werden.

Die  Vorinstanz weist  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf 
hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  nur 
Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  die 
Beschwerdeführerin  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nicht 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen  vermag,  findet  der  in  Art. 33 
Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung 
im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung.  Sodann  ergeben  sich 
weder  aus  den Aussagen  der  Beschwerdeführerin  noch  aus  den Akten 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  die 
Türkei  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK 
oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre. 
Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne 
der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.3. Nach Art. 83 Abs. 4 AuG  kann  der Vollzug  für Ausländerinnen  und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

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7.3.1.  In  der  Zentraltürkei,  aus  der  die  Beschwerdeführerin  stammt, 
besteht keine Situation allgemeiner Gewalt. Eine gänzlich unsichere, von 
bewaffneten  Konflikten  oder  permanent  drohenden  Unruhen  dominierte 
Lage,  aufgrund  derer  die  Beschwerdeführerin  sich  bei  einer  Rückkehr 
unvermeidlich  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  sehen  würde, 
besteht nicht.

7.3.2.  Die  Vorinstanz  stellt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  die 
Gesuchstellerin  habe  ein  verzweigtes  soziales  Netz  in  der  Türkei, 
schulische  Grundkenntnisse  und  berufliche  Erfahrung  in  der 
Landwirtschaft sowie im Industriesektor. Damit sprächen weder die in der 
Türkei  herrschende  politische  Situation  noch  andere Gründe  gegen  die 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.

7.3.3. Die  Beschwerdeführerin  entgegnet  in  der  Beschwerdeschrift,  sie 
verfüge  über  kein  soziales  Netzwerk  in  der  Türkei,  ihre  Eltern  seien 
gestorben,  ihre  Geschwister  lebten  seit  Jahren  in  Schweden.  Sie  habe 
lediglich  noch  zwei  Tanten  und  einige Cousins  in  der  Türkei,  zu  denen 
der  Kontakt  jedoch  abgebrochen  sei.  Zudem macht  sie  geltend,  sie  sei 
(...)  erkrankt und müsse sich deshalb erholen, um wieder zu Kräften zu 
gelangen. Sie habe als Kind nie die Schule besucht, sondern erst im Jahr 
2002 in einem Schulprojekt Lesen und Schreiben gelernt. Es sei äusserst 
zweifelhaft,  dass sie bei  einer Rückkehr eine Arbeitsstelle  finde und sie 
verfüge  über  kein  Vermögen.  In  ihr  altes  Haus  könne  sie  nicht 
zurückkehren.

7.3.4.  Auch  die  genannten  individuellen  Umstände  führen  im 
vorliegenden  Fall  nicht  zur  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs. 
Die  Beschwerdeführerin  hat  bereits  zwischen  2003  und  2006  alleine  in 
der  Türkei  gelebt.  Auch  wenn  sie  in  dieser  Zeit  Diffamierungen  und 
Schikanen ausgesetzt war, die an dieser Stelle nicht verharmlost werden 
sollen,  so  war  sie  doch  zumindest  in  der  Lage,  sich  finanziell  zu 
versorgen.  Dass  sie  nicht  mehr  in  das  ihrem  Ex­Ehemann  gehörende 
Haus  zurückkehren  kann,  wird  eine  Rückkehr  zwar  erschweren.  Es  ist 
jedoch festzuhalten, dass sie nach  ihren eigenen Angaben  in der Türkei 
immer  noch  über  Verwandte  verfügt  (Tanten  und  Cousins),  die  sie 
zumindest  in  der  ersten  Zeit  unterstützen  können.  Zudem  lebt  seit 
Kurzem  auch  einer  ihrer  Söhne  wieder  in  der  Türkei.  Die  in  der 
Beschwerdeschrift  geltend  gemachte  (…)erkrankung  wird  nicht  weiter 
belegt,  insbesondere  nicht  mit  einem  ärztlichen  Zeugnis,  sondern 
lediglich vage angedeutet. Eine diesbezügliche konkrete Gefährdung wird 

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nicht  dargelegt.  Damit  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als 
zumutbar.

7.4.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

7.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 
Bei diesem Verfahrensausgang hätte die Beschwerdeführerin die Kosten 
des  vorliegenden  Verfahrens  zu  tragen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Mit 
Zwischenverfügung vom 7. März 2008 hat das Bundesverwaltungsgericht 
dem  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung 
stattgegeben. Demzufolge ist die Beschwerdeführerin von der Bezahlung 
von Verfahrenskosten befreit (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Willisegger Tobias Meyer

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