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**Case Identifier:** bf9b60aa-9b2c-508b-a22f-8b016fee15c5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-29
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 29.05.2024 SST.2023.172
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-172_2024-05-29.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 
SST.2023.172 
(ST.2022.130; StA.2021.5465) 

 

 

Urteil vom 29. Mai 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Sprenger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.2001, von Kosovo, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Renate Senn,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Gefährdung des Lebens, Nötigung, Widerhandlungen gegen das 

Waffengesetz usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob am 21. September 2022 

Anklage gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher Gefährdung des 

Lebens gemäss Art. 129 StGB, Nötigung gemäss Art. 181 StGB (teilweise 

versucht), eventualiter Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB, mehrfacher 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG 

und Art. 34 Abs. 1 lit. b WG sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG.  

 

Dem Beschuldigten wurde insbesondere vorgeworfen, bei einem Treffen 

mit B._____ am 24. September 2021 in Q._____, mehrfach mit einer 

geladenen Pistole, Kaliber 7.65 mm Browning auf den Kopf und 

anschliessend den Oberkörper von B._____ gezielt zu haben und sie 

gefragt zu haben: «Was hast du mit meinem Cousin». Die Waffe habe er 

ohne Bewilligung getragen. Als sie sich zu ihrem Mercedes zurückzog, wo 

zwei Begleiter auf sie warteten – C._____ und D._____ (Geschwister) – sei 

der Beschuldigte ihr hinterhergelaufen und habe sie aufgefordert, stehen 

zu bleiben, was sie missachtet habe. C._____ und später auch D._____ 

seien dem Beschuldigten in den Weg gestanden. Dieser habe mit seiner 

Pistole abwechselnd auf C._____ und D._____ gezielt. Nachdem C._____ 

zum Beschuldigten gesagt habe, es würde sich sicherlich nur um eine 

Schreckschusspistole handeln, habe dieser einen Schuss mit gestrecktem 

Arm vertikal in die Luft abgegeben. Anschliessend habe er die Pistole mit 

einem Abstand von 60 cm an den Kopf von D._____ und anschliessend auf 

deren Oberkörper und abwechselnd auf die Brust von C._____ gerichtet. 

Ca. 15 Sekunden später habe er einen Schuss aus einer Distanz von 2 

Metern zu C._____ abgefeuert, wobei das Projektil zwischen C._____ und 

D._____ ca. 20 bis 50 cm neben dem linken Fuss von C._____ in den 

Betonboden eingeschlagen sei. C._____ und D._____ seien durch 

Asphaltsplitter an den Händen getroffen worden seien. Als die drei zum 

Auto gerannt seien, habe der Beschuldigte die Pistole auf den Rücken von 

D._____ gerichtet. Während des Besteigens des Fahrzeugs habe der 

Beschuldigte mit der Pistole abwechselnd auf die drei Personen gezielt. 

Beim Wegfahren des Mercedes habe der Beschuldigte erneut einen 

Schuss abgegeben aus einer Distanz von fünf Metern in Richtung des 

Mercedes, welcher durch Asphaltsplitter getroffen, aber nicht beschädigt 

worden sei. Zur Vorgeschichte wurde ein Streit zwischen einem Bekannten 

des Cousins des Beschuldigten und B._____ angeführt, bei der der 

Beschuldigte weder anwesend noch involviert gewesen sei (Anklageziffer 

1 und 2.3).  

 

Die Tatwaffe inkl. einem Magazin und Munition habe der Beschuldigte 

zwischen dem 24. Juli 2021 und 24. September 2021 an der R-Strasse in 

S._____ ohne Berechtigung erworben und bei sich zuhause aufbewahrt 

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(Anklageziffer 2.2.1). Zudem habe er am 24. September 2021 einen 

Revolver Kaliber .22 ohne Berechtigung bei sich zuhause besessen 

(Anklageziffer 2.2.2). 

 

Weiter habe der Beschuldigte zu einem unbekannten Zeitpunkt, 

mutmasslich im Oktober 2020 an der R-Strasse in S._____ eine Pistole 

SIG P220 inkl. Munition für Fr. 1'000.00 gekauft und diese anschliessend 

im Zeitraum vom 1. November 2020 bis 25. Februar 2021, mutmasslich im 

Januar 2021 in Q._____ an E._____ für Fr. 2'500.00 verkauft. Weiter habe 

er E._____ zwei Magazine und 10 Schuss Munition für Fr. 100.00 verkauft 

(Anklageziffer 2.1). 

 

Schliesslich wurde ihm vorgeworfen, am 24. September 2021 drei bis vier 

Joints Marihuana geraucht und 39.5 Gramm Marihuana besessen zu 

haben (Anklageziffer 3.1 und 3.3). 

 

2. 

Das Bezirksgericht T._____ beschloss am 9. März 2023 die Hinterlegung 

des Reisepasses des Beschuldigten sowie die Hinterlegung der 

Sicherheitsleistung von Fr. 5'000.00 bis zum Antritt des Strafvollzugs durch 

den Beschuldigten aufrecht zu erhalten und erkannte mit Urteil 

gleichentags: 

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf: 
- der Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffer 2.2.3);  
- der Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG i.V.m. [Berichtigung] Art. 19 Abs. 1 

lit. d BetmG (Anklageziffer 3.2). 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig: 
- der mehrfachen Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB (Anklageziffer 1) 
- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB (Versuch) (Anklageziffer 1); 
- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffern 2.1, 

2.2.1, 2.2.2, 2.3); 
- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 34 Abs. 1 lit. b WG (Anklageziffer 2.3); 
- der mehrfachen Widerhandlung gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG, teilweise in 

Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG (Anklageziffern 3.1, 3.3). 
 
3. 
3.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 129 StGB, Art. 181 StGB und Art. 33 Abs. 1 
lit. a WG und gestützt auf Art. 41 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 
48 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3.2. 
Die Untersuchungshaft von 200 Tagen (24.09.2021 – 11.04.2022) wird gestützt auf Art. 51 
StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

  

 - 4 - 

 

 

4. 
4.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 34 Abs. 1 lit. b WG und Art. 19a Ziff. 1 BetmG 
und gestützt auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 1'000.00 verurteilt. 
 
4.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen 
vollzogen. 
 
5. 
Gestützt auf Art. 56 StGB in Verbindung mit Art. 63 StGB wird eine ambulante forensisch 
psychiatrische Behandlung angeordnet. 
 
6. 
Der mit Strafbefehl vom 10. Juni 2021 der Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg gewährte 
bedingte Vollzug der ausgefällten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 30.00 wird gestützt 
auf Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen. Die widerrufene Geldstrafe von Fr. 3'600.00 ist zu 
bezahlen.  
 
7. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB für 5 Jahre des Landes 
verwiesen. Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem SIS 
eingetragen. 
 
8. 
8.1. 
Sofern der Beschuldigte dies innert 30 Tagen seit Rechtskraft des vorliegenden Urteils 
beantragt und er die Kosten für die dauerhafte Löschung der deliktsrelevanten Daten 
bezahlt, sind ihm die folgenden Gegenstände herauszugeben:  
- Mobiltelefon Apple iPhone SE inkl. Ladekabel, Stecker, Schutzhülle schwarz; 
- Mobiltelefon Samsung Galaxy S21, inkl. Ladekabel, Stecker, Schutzhülle transparent, 

Micro-SIM-Karte 8 (Swisscom); 
- Mobiltelefon Samsung Galaxy S9+. 
 
Bei unbenutztem Ablauf der Frist werden diese eingezogen.  
 
Mit dem Vollzug wird die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beauftragt. Sie trifft die 
sachgemässen Verfügungen.  
 
8.2. 
Über die Wiederaushändigung des beschlagnahmten Schwerts mit Bajonett sowie des 
Revolvers Kaliber .22 inkl. Munition hat die Kantonspolizei Aargau (SIWAS) nach Art. 31 
WG zu befinden. 
 
8.3. 
Die folgenden Betäubungsmittel werden eingezogen und das Polizeikommando Aargau, 
Gruppe Betäubungsmittel, wird mit der Vernichtung beauftragt:  
- 0.5 Gramm Marihuana; 
- 0.9 Gramm Kokain; 
- 39.5 Gramm Marihuana. 
 
8.4. 
Gestützt auf Art. 267 Abs. 3 StPO werden die sichergestellten Fr. 1'490.00 zur Deckung 
der Busse von Fr. 1'000.00 und im Umfang von Fr. 490.00 zur Deckung der widerrufenen 
Geldstrafe von Fr. 3'600.00 verwendet.  

  

 - 5 - 

 

 

8.5. 
8.5.1. 
Es wird davon Vormerk genommen, dass über folgende Gegenstände bzw. 
Vermögenswerte heute bereits mit separatem Beschluss entschieden worden ist 
(Beschluss über die Aufrechterhaltung der Ersatzmassnahmen):  
- Kosovarischer Reisepass […]; 
- Sicherheitsleistung Fr. 5'000.00. 
 
8.5.2. 
Die Sicherheitsleistung von Fr. 5'000.00 wird nach Freigabe bei Antritt des Strafvollzuges 
gestützt auf Art. 239 Abs. 2 StPO im Umfang von Fr. 3'110.00 zur Deckung der Restanz 
der widerrufenen Geldstrafe von Fr. 3'600.00 verwendet. Die restlichen Fr.1'890.00 werden 
zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet. 
 
9. 
9.1. 
Die Anklagegebühr wird auf Fr. 4'250.00 festgesetzt und dem Beschuldigten auferlegt.  
 
9.2. 
Die weiteren Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  22'597.80 
c) den verrechenbaren Polizeikostenrapporten  Fr. 450.00 
 (IT-Forensik) 
d) den Kosten für Gutachten von  Fr.  19'753.30 
e) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.  3'220.00 
f) anderen Auslagen Fr.  216.55 
g) den Spesen von Fr.  60.00 
Total  Fr.  51'297.65 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr sowie die Kosten gemäss lit. c-g im 
Gesamtbetrag von Fr. 28'699.85 auferlegt. 
 
9.3. 
9.3.1. 
Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten von Fr. 22'597.80 (inkl. 
Fr. 1'607.75 MwSt) werden einstweilen auf die Staatskasse genommen. 
 
9.3.2. 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung in der Höhe von Fr. 22'597.80 zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
9.4. 
Der Beschuldigte trägt allfällige eigene Kosten selber.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. Juli 2023 beantragte der Beschuldigte eine 

teilbedingte Freiheitsstrafe von 1 ¼ Jahren mit einem unbedingt zu 

vollziehenden Anteil von 6 Monaten und einem bedingt zu vollziehenden 

Anteil von 9 Monaten, Probezeit 4 Jahre, wobei der unbedingte Anteil der 

Freiheitsstrafe zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben sei. 

Weiter beantragte er, vom Widerruf des mit Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 2021 für die Geldstrafe von 120 

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Tagessätzen gewährten bedingten Strafvollzugs sei abzusehen und es sei 

keine Landesverweisung auszusprechen. 

 

3.2. 

Mit Anschlussberufungserklärung vom 3. August 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 4 ½ Jahre (recte: 

4 ¼ Jahre) sowie die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte reichte am 13. September 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung und die Staatsanwalt-

schaft am 18. September 2023 eine vorgängige schriftliche Anschluss-

berufungsbegründung ein. 

 

3.4. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 25. September 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung des Beschuldigten und mit 

vorgängiger Anschlussberufungsantwort vom 18. Oktober 2023 beantragte 

der Beschuldigte die Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwalt-

schaft.  

 

3.5. 

Die Berufungsverhandlung fand am 29. Mai 2024 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Strafzumessung und 

die Anordnung einer Landesverweisung. Die Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Strafzumessung sowie die 

ambulante Massnahme. In den übrigen Punkten (Freisprüche, Schuld-

sprüche, Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände [Mobiltelefone inkl. 

Zubehör], Überweisung beschlagnahmter Gegenstände [Schwert mit 

Bajonett und Revolvers Kaliber .22 inkl. Munition] an die Kantonspolizei 

Aargau, Fachstelle SIWAS, Einziehungen, Verwendung der beschlag-

nahmten Vermögenswerte sowie der Sicherheitsleistung zur Kosten-

deckung, Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung) ist das 

vorinstanzliche Urteil unangefochten geblieben und deshalb nicht zu 

überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Gefährdung des Lebens gemäss 

Art. 129 StGB (Anklageziffer 1), der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 

StGB (teilweise versucht; Anklageziffer 1), der mehrfachen Widerhandlung 

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gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffern 

2.1, 2.2.1, 2.2.2, 2.3), der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. b WG (Anklageziffer 2.3) sowie der 

mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklageziffern 3.1, 3.3) schuldig gemacht, wofür er 

angemessen zu bestrafen ist.  

 

2.2. 

Der Beschuldigte beantragt die Senkung der vorinstanzlich ausge-

sprochenen Freiheitsstrafe von 4 Jahren auf 1 ¼ Jahre, wovon 6 Monate 

unbedingt und 9 Monate bedingt ausgesprochen werden sollen. Auf den 

Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg vom 

10. Juni 2021 für die Geldstrafe von 120 Tagessätzen gewährten bedingten 

Strafvollzugs sei zu verzichten und die Probezeit um 3 Jahre zu verlängern 

(Berufungsbegründung Ziff. B.2). Die Staatsanwaltschaft beantragt eine 

Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 4 ¼ Jahre (Anschlussberufungs-

begründung Ziff. 1). 

 

Unangefochten geblieben und nicht mehr zu überprüfen ist die von der 

Vorinstanz für die Übertretungen (Widerhandlungen gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. b WG und die Widerhandlungen 

gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG) aus-

gesprochene Busse von Fr. 1'000.00. 

 

2.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff., je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden.  

 

2.4. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beach-

tung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweck-

mässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswir-

kungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre Wirksamkeit 

unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen (BGE 

147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Wie zu zeigen sein wird, kommt für die Gefährdungen des Lebens – bei 

isolierter Betrachtung – aufgrund der Schwere des Verschuldens nur eine 

Freiheitsstrafe infrage, während für die übrigen Delikte (Nötigungen 

gemäss Art. 181 StGB [teilweise versucht; Anklageziffer 1] und Wider-

handlungen gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG 

[Anklageziffern 2.1, 2.2.1, 2.2.2, 2.3]) aufgrund des konkreten Verschul-

dens jeweils noch eine Geldstrafe in Betracht kommt (siehe dazu unten). 

Auch unter dem Gesichtspunkt der präventiven Effizienz und Zweck-

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mässigkeit ist knapp nicht davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte 

nur von der Ausfällung einer Freiheitsstrafe beeindrucken liesse. Der 

Beschuldigte weist zwar eine Vorstrafe auf. Er wurde mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 2021 wegen Wider-

handlungen gegen das Waffengesetz und mehrfacher (grober) Verletzung 

der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen 

und einer Busse von Fr. 1'200.00 verurteilt. Hingegen hat er zumindest die 

vorliegend zu beurteilenden Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 

gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffer 2.1) begangen (vgl. unten), 

bevor der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 

2021 ergangen ist und die ausgesprochene bedingte Geldstrafe und die 

Busse ihre präventive Wirkung entfalten konnten. Ebenso zu berück-

sichtigen ist, dass es sich bei der mit Strafbefehl vom 10. Juni 2021 ausge-

sprochenen Strafe lediglich um eine bedingte Geldstrafe handelte. 

 

2.5. 

2.5.1. 

Hinsichtlich der Gefährdungen des Lebens gemäss Art. 129 StGB ist vorab 

festzuhalten, dass das Obergericht im Rahmen der Strafzumessung 

zugunsten des Beschuldigten davon ausgeht, dass er den Tatbestand 

zufolge Tateinheit nur zwei Mal und nicht wie von der Vorinstanz 

angenommen vier Mal erfüllt hat. 

 

In zeitlicher Hinsicht ist von einer ersten Gefährdung des Lebens für den 

Sachverhaltskomplex auszugehen, als der Beschuldigte mit B._____ 

alleine war und ihr die geladene und schussbereite Waffe aus nächster 

Nähe an den Kopf hielt und anschliessend auf ihren Oberkörper richtete 

(vorinstanzliches Urteil E. 3.3.1.1.2). 

 

Von einer zweiten Gefährdung des Lebens ist für den Sachverhaltskomplex 

auszugehen, als die zwei weiteren Personen, C._____ und D._____ 

dazustiessen. Der Beschuldigte richtete die Waffe – nachdem er einen 

Warnschuss in die Luft abgegeben hatte – auf den Kopf von D._____ und 

anschliessend auf ihren Oberkörper sowie den Brustbereich von C._____. 

Ca. 15 Sekunden später feuerte der Beschuldigte einen Schuss aus einer 

Distanz von zwei Metern auf den Boden zwischen C._____ und D._____ 

ab, wobei das Projektil ca. 20 bis 50 cm neben dem linken Fuss von 

C._____ einschlug und richtete die Waffe erneut auf C._____ und D._____. 

Schliesslich richtete er die Waffe auf den Rücken der wegrennenden 

D._____ und danach abwechselnd auf die anderen beiden, zielte und gab, 

als diese schliesslich im Auto wegfuhren, einen weiteren Schuss in den 

Boden in Richtung Fahrzeug ab (vorinstanzliches Urteil E. 3.3.1.1.3 bis 

E. 3.3.1.1.5).  

  

 - 9 - 

 

 

Dass der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung bestritten hat, die 

Waffe auf den Kopf und den Oberkörper von Personen gerichtet zu haben 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6), erscheint einerseits vor dem 

Hintergrund, dass er die Schuldsprüche nicht angefochten hat und 

andererseits, dass er sich auch nicht mehr an die zweite Schussabgabe 

(ca. 20-50 cm vom Fuss von C._____ entfernt) erinnern konnte, diese aber 

als erstellt bzw. bewiesen erachtete, als Schutzbehauptung (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 6). 

 

2.5.2. 

Die Einsatzstrafe ist für die zeitlich erstgelegene Gefährdung des Lebens 

zum Nachteil von B._____ festzusetzen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Wer eine Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB begeht, wird mit 

Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft. Ausgangspunkt für 

die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen Strafrahmens bildet die 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 

StGB). Bei der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB handelt es 

sich um ein konkretes Gefährdungsdelikt. Geschütztes Rechtsgut ist das 

Leben. 

 

Der Beschuldigte richtete seine geladene und schussbereite Waffe zuerst 

auf den Kopf und anschliessend auf den Oberkörper von B._____, wodurch 

er eine hohe Gefährdung für das Leben von B._____ bzw. die nahe 

Möglichkeit ihres Todes schuf, zumal bei einer tatsächlichen 

Schussabgabe in diesem Moment (auf den Kopf bzw. den Oberkörper von 

B._____ gerichtet) mit dem Tod zu rechnen war. Vor dem Hintergrund, 

dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter Drogen (Cannabis) und 

Alkoholeinfluss stand (UA act. 1565 f. und 1575; vgl. Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 7), erscheint eine (versehentliche) Schuss-

abgabe und die damit einhergehenden Verletzungen umso wahrschein-

licher. Mithin ist von einer hohen konkreten Gefährdung des Lebens von 

B._____ und einem entsprechend hohen Verschulden auszugehen. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung und damit einhergehend die Verwerf-

lichkeit des Handelns ist verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Der 

Tatbestand der Gefährdung des Lebens setzt zwar bereits Skrupellosigkeit 

voraus. Die Bemessung der Strafe hängt dabei aber auch wesentlich vom 

Ausmass der Skrupellosigkeit ab, welches die Schwere des Verschuldens 

wesentlich mitbestimmt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_55/2015 vom 7. 

April 2015 E. 3.3). Der Beschuldigte ging – trotz Alkohol- und Drogen-

konsums – geplant und strukturiert vor. Er vereinbarte unter dem Vorwand 

eines Schlichtungsgesprächs ein Treffen mit B._____ und holte 

anschliessend zuhause eine Waffe, mit der er im Rahmen des «Schlich-

tungsgesprächs» Schussabgaben plante – wenn auch «bloss» in die Luft 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13: Auf die Frage, ob er in Kauf 

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genommen habe, vor Ort zu schiessen, antwortete der Beschuldigte: «Ja, 

definitiv, einfach nicht auf Personen. In die Luft. Nur zum Angst machen 

und die Situation aufzulösen, ohne dass jemand verletzt wird.»). Vor Ort 

richtete der Beschuldigte die Waffe nach einer anfänglich normalen 

Unterhaltung, die mit der Zeit etwas hitziger wurde, auf die ahnungslose 

und ihm zuvor nicht näher bekannte B._____. Entgegen dem Beschul-

digten eskalierte die Situation dabei nicht «irgendwie» (vorinstanzliches 

Plädoyer der Verteidigung, GA act. 93), sondern er liess die Situation 

gezielt eskalieren, zumal er durch seine geladene und schussbereite Waffe 

die volle Kontrolle über die Geschehnisse innehatte. Dadurch lebte er das 

Machtgefüge, das er durch seine Waffe erzeugt hatte, ohne Rücksicht auf 

die körperliche Unversehrtheit von B._____ aus. Die Art und Weise der 

Tatausführung ist nach dem Gesagten über die blosse Erfüllung des 

Tatbestands hinausgegangen und erscheint mithin als besonders 

verwerflich. 

 

Verschuldenserhöhend sind zudem die Beweggründe des Beschuldigten 

sowie das grosse Mass an Entscheidungsfreiheit, über das der 

Beschuldigte verfügte, zu berücksichtigen. Der Beschuldigte hat sich auf 

blosse Aufforderung seines Cousins hin, dazu entschlossen, sich mit 

B._____ zu verabreden, um dieser mit einer geladenen Schusswaffe Angst 

zu machen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5 und 13; Aufforderung 

des Cousins zum Angst machen in UA act. 979 f.). Soweit der Beschuldigte 

vorbringt, er habe sich in einer moralischen Verpflichtung gesehen, dem 

Bekannten seines Cousins zur Seite zu stehen und B._____ etwas einzu-

schüchtern, weil er davon ausgegangen sei, dass der im Rollstuhl sitzende 

Bekannte von B._____ geschlagen worden sei bzw. erneut geschlagen 

werden soll (GA act. 40; vorinstanzliches Plädoyer der Verteidigung, GA 

act. 93), kann dies das Verhalten des Beschuldigten in keiner Weise 

erklären. Dass der Beschuldigte die Schusswaffe lediglich aus eigener 

Angst mitgenommen haben will, weil B._____ rücksichtslos mit anderen 

Menschen umgegangen sei (namentlich wegen dem Schlagen des im 

Rollstuhl sitzenden Kollegen seines Cousins; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 4) und er deshalb befürchtete, sie könne auch ihm schaden 

wollen, ist als Schutzbehauptung zu werten. Mithin lassen die Aufforderung 

seines Cousins, Angst zu machen (UA act. 979 f.) sowie der Umstand, 

gleich eine geladene Pistole mitzunehmen und damit Schüsse in die Luft 

abgeben zu wollen, keinen anderen Schluss zu. Vor diesem Hintergrund ist 

es denn auch abwegig, dass sich der Beschuldigte in einer 

Bedrohungssituation geglaubt und nur deshalb die Waffe hervorgenommen 

habe. Es wäre demnach für den Beschuldigten ein leichtes gewesen, auf 

das Mitführen einer Schusswaffe komplett zu verzichten bzw. davon 

abzusehen, diese auf B._____s Kopf und Oberkörper zu richten. Nichts zu 

seinen Gunsten ableiten kann der Beschuldigte, wenn er vorbringt, er hätte 

in nüchternem Zustand keine Waffe mitgenommen (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 10) bzw. allgemein nicht in guter Verfassung 

 - 11 - 

 

 

gewesen zu sein (UA act. 1602) und insbesondere im Tatzeitpunkt unter 

starkem Alkohol und Drogeneinfluss (Cannabis) gestanden zu haben. 

Vielmehr verfügte er über ein erhebliches Mass an Entscheidungsfreiheit, 

zumal gemäss Gutachten seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit 

vollständig erhalten (GA act. 247 f.) und er in der Lage war, sich mit 

B._____ zu verabreden, den Plan zu fassen, eine Waffe mitzunehmen und 

diese einzusetzen und – zumindest anfänglich – ein Gespräch mit B._____ 

zu führen. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, das Leben von 

B._____ nicht zu gefährden, desto schwerer wiegt die Entscheidung 

dagegen (vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Freiheits-

strafe von einem mittelschweren bis schweren Verschulden und einer dafür 

angemessenen Einsatzstrafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen. 

 

2.5.3. 

Diese Einsatzstrafe ist für die weitere Gefährdung des Lebens angemessen 

zu erhöhen, wobei sich ein ähnliches Bild ergibt: 

 

Der Beschuldigte richtete die Waffe – nachdem er einen Warnschuss 

abgegeben hatte – aus einer Distanz von bloss ca. 60 cm auf den Kopf von 

D._____ und anschliessend auf ihren Oberkörper sowie den Brustbereich 

von C._____. Schliesslich richtete er die Waffe auf den Rücken der 

wegrennenden D._____ und danach abwechselnd auf B._____ und 

C._____. Indem er seine geladene und schussbereite Waffe auf Menschen 

richtete und dabei deren Kopf, Oberkörper bzw. Brustbereich und Rücken 

ins Visier nahm, schuf er eine hohe Gefährdung für das Leben D._____ 

und C._____ und B._____ bzw. die nahe Möglichkeit ihres Todes, zumal 

bei einer tatsächlichen Schussabgabe in diesem Moment (in die besagten 

Körperregionen) mit dem Tod zur rechnen gewesen war. Vor dem 

Hintergrund, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter Drogen 

(Cannabis) und Alkoholeinfluss stand (UA act. 1565 f. und 1575; vgl. 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7), erscheint eine (versehentliche) 

Schussabgabe und die damit einhergehenden Verletzungen nur umso 

wahrscheinlicher. 

 

Die Art und Weise der Tatbegehung und damit einhergehend die Verwerf-

lichkeit des Handelns ist verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Der 

Beschuldigte hat nicht nur auf den Kopf, Oberkörper bzw. Brustbereich und 

Rücken von Menschen gezielt, sondern auch tatsächliche Schüsse 

abgegeben. So gab er neben dem Warnschuss in die Luft, zwei weitere 

Schüsse ab. Einerseits schoss er ca. 20 bis 50 cm vom linken Fuss von 

C._____ entfernt in den Boden und andererseits schoss er in Richtung des 

wegfahrenden Fahrzeugs auf den Boden. Vor dem Hintergrund, dass der 

Beschuldigte gemäss eigener Aussage, nicht mehr in der Lage gewesen 

 - 12 - 

 

 

sei, zu zielen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7), erscheint dies als 

besonders verwerflich, zumal bereits die kleinste Bewegung im Zeitpunkt 

der konkreten Schussabgabe zu einer erheblichen Verletzung hätte führen 

können.  

 

Nachdem sich die weiteren Tatumstände nicht vom zeitlich erstgelegenen 

Sachverhaltskomplex unterscheiden, kann darauf verwiesen werden (vgl. 

oben). Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu fünf Jahren 

Freiheitsstrafe von einem mittelschweren bis schweren Verschulden und – 

bei isolierter Betrachtung – einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 

3 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist zu 

beachten, dass die beiden Gefährdungen des Lebens in einem engen 

sachlichen, zeitlichen und örtlichen Zusammenhang standen. Entspre-

chend geringer ist der Gesamtschuldbeitrag zu veranschlagen. Nichts-

destotrotz entschied sich der Beschuldigte von Neuem, das Leben von 

Menschen in Gefahr zu bringen, nachdem weitere Personen zur Situation 

hinzugetreten sind. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich eine 

angemessene Erhöhung der Freiheitsstrafe um 1 ½ Jahre auf 4 ½ Jahre. 

 

2.5.4. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes:  

 

Der Beschuldigte ist bereits wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz sowie Strassenverkehrsdelikten vorbestraft, wobei er mit 

Strafbefehl vom 10. Juni 2021 zu einer bedingten Geldstrafe von 120 

Tagessätzen à Fr. 30.00, Probezeit 2 Jahre sowie einer Busse von 

Fr. 1'200.00 verurteilt wurde. Daraus hat er nicht die notwendigen Lehren 

gezogen, nachdem er nur drei Monate nach Eröffnung des Strafbefehls mit 

einer unberechtigt in seinem Besitz befindlichen Waffe diverse 

Gefährdungen des Lebens geschaffen hat. Dies wirkt sich straferhöhend 

aus (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). 

 

Der Beschuldigte hat die Schuldsprüche der mehrfachen Gefährdung des 

Lebens nicht mehr angefochten, was zu einer Vereinfachung des 

Berufungsverfahrens geführt hat. Zudem gab er den Schuss in die Luft von 

Beginn weg zu (UA act. 1572). Die weiteren Schussabgaben in den Boden 

und in Richtung Fahrzeug bestritt er hingegen (UA act. 1571; UA act. 1594 

ff.). Nachdem er mit Beweisen für die Schussabgaben konfrontiert wurde, 

gab er an, sich nicht mehr erinnern zu können (UA act. 1598; GA act. 45 f.; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6). Dass er die Waffe auf Personen 

gerichtet habe, bestritt er auch noch an der Berufungsverhandlung (GA 

act. 40; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6). Es kommt somit nur eine 

leichte, nicht aber eine erhebliche Strafminderung, wie dies bei einem von 

Anfang an vollumfänglich geständigen, nachhaltig einsichtigen und 

aufrichtig reuigen Täter möglich ist, in Frage. 

 

 - 13 - 

 

 

Hinsichtlich des Vorlebens des Beschuldigten ergibt sich Folgendes: Die 

Jugendzeit des Beschuldigten fand bereits ausführlich Eingang in das 

Gutachten vom 15. März 2022 von Dr. med. F._____, zumal dem 

Beschuldigten eine posttraumatische Belastungsstörung erheblichen 

Ausmasses aufgrund von längeren wiederkehrenden Belastungen in der 

Pubertät und Adoleszenz attestiert wurde (UA act. 234 ff.). Das Gutachten 

vom 15. März 2022 ist unter Berücksichtigung dieses Umstands jedoch 

zum Schluss gelangt, dass hinsichtlich der von ihm begangenen Straftaten 

weder eine Beeinträchtigung der Steuerungs- noch der Einsichtsfähigkeit 

vorgelegen habe (UA act. 239 f.). Nachdem die Jugendzeit des 

Beschuldigten bereits im Rahmen des Gutachtens vom 15. März 2022 

umfassend berücksichtigt worden ist, rechtfertigt sich nur eine massvolle 

strafmindernde Berücksichtigung des Vorlebens des Beschuldigten. 

 

Aus den übrigen persönlichen und familiären Verhältnissen des Beschul-

digten ergeben sich keine für die Strafzumessung relevanten Faktoren. 

Insbesondere liegen auch keine für die Annahme einer erhöhten 

Strafempfindlichkeit aussergewöhnlichen Umstände vor (vgl. statt vieler: 

Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hin-

weisen). 

 

Insgesamt halten sich die positiven und negativen Faktoren in etwa die 

Waage, weshalb sich die Täterkomponente neutral auswirkt.  

 

2.5.5. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte für die mehrfache Gefährdung des 

Lebens zu einer seinem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen 

angemessenen Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren zu verurteilen. 

 

2.6. 

Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 10. Juni 2021 wegen mehrfacher grober Verletzung der 

Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG, Widerhandlungen gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG sowie wegen mehrfacher 

Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG zu einer 

bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 30.00 und einer Busse 

von Fr. 1'200.00 verurteilt. Nachdem der Beschuldigte die vorliegend zu 

beurteilenden Widerhandlungen gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG (Anklagesachverhalt 2.1) vor dieser Verurteilung und zwar 

bis spätestens am 25. Februar 2021 begangen hat und dafür eine 

Geldstrafe auszusprechen ist, hat das Gericht in Anwendung von Art. 49 

Abs. 2 StGB eine Zusatzstrafe auszufällen, sodass der Beschuldigte nicht 

schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig 

beurteilt worden wären. 

 

 - 14 - 

 

 

Für die Übrigen – nach dieser Verurteilung begangenen und mit Geldstrafe 

zu ahndenden – Straftaten ist eine von der Zusatzstrafe unabhängige 

Strafe festzulegen (BGE 145 IV 1).  

 

2.7. 

Hinsichtlich der Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 2021 ergibt sich Folgendes:  

 

2.7.1. 

Die Einsatzstrafe ist bei gleichem Strafrahmen für die konkret schwerste 

Straftat festzusetzen. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 10. Juni 2021 bereits beurteilten Vergehen und die neu zu 

beurteilenden Widerhandlungen gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffer 2.1) weisen denselben abstrakten 

Strafrahmen auf. Konkret am schwersten wiegt hingegen die neu zu 

beurteilende Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffer 2.1) hinsichtlich des Verkaufs der (zuvor 

selbst ohne Berechtigung erworbenen) Pistole SIG P 220 inkl. Munition an 

E._____. Liegt der Einzel- oder Gesamtstrafe der neu zu beurteilenden 

Taten die schwerste Straftat zugrunde, ist diese um die Grundstrafe 

angemessen zu erhöhen. Die infolge Asperation eintretende Reduzierung 

der rechtskräftigen Grundstrafe ist von der Strafe für die neu zu 

beurteilenden Delikte abzuziehen und ergibt die Zusatzstrafe (BGE 

142 IV 265 E. 2.4.4).  

 

2.7.2. 

In Bezug auf die Einsatzstrafe ergibt sich Folgendes: Wer ohne 

Berechtigung u.a. eine Waffe anbietet oder überträgt, wird gemäss Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe bestraft. 

Der Besitz einer Waffe ohne Bewilligung wurde vom Gesetzgeber als 

Vergehens- und nicht etwa Übertretungstatbestand ausgestaltet. Dieser 

gesetzgeberischen Wertung liegt die Annahme zugrunde, dass es im 

Interesse der Allgemeinheit liege, die Anzahl Waffen in der Schweiz 

möglichst gering zu halten. Denn je grösser die Verfügbarkeit von Waffen, 

desto grösser ist die von ihnen ausgehende Gefahr, wenn Waffen in falsche 

Hände gelangen. Vor diesem Hintergrund ist bei Art. 33 Abs. 1 lit. a WG 

von einer für die Sicherheit der Allgemeinheit wichtigen Bestimmung 

auszugehen. Es ist allerdings zu beachten, dass Art. 33 Abs. 1 lit. a WG 

einerseits keine Unterscheidung zwischen der Art von Waffen 

(beispielsweise Stichwaffe, Schusswaffe, Schlagwaffe, Elektroschocker) 

trifft und andererseits nebst dem Besitz auch den Erwerb, das Mitführen, 

die Einfuhr in die Schweiz, das Anbieten, Übertragen, Vermitteln, 

Herstellen, Abändern und Umbauen unter dieselbe Strafnorm subsumiert. 

Entsprechend unterschiedlich erscheint die Schwere des mit der 

Widerhandlung einhergehenden Verschuldens. 

 

 - 15 - 

 

 

Der Beschuldigten hat eine illegal erworbene Pistole SIG P220 an E._____ 

übergeben. Es handelte sich dabei um eine besonders gefährliche Waffe, 

nämlich eine Schusswaffe, die der Beschuldigte mangels eigener 

Verwendungsmöglichkeit an E._____, den er vom Sehen her kannte, 

verkaufen wollte, da dieser nach einer Waffe suchte (GA act. 50 f). Die dem 

Beschuldigten vorgeworfene Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 

zufolge Übertragens geht nicht über die Erfüllung des Tatbestands hinaus, 

ist hingegen im Verhältnis zum blossen bereits strafbaren Anbieten oder 

Besitzen nicht zu bagatellisieren. Daran ändert nichts, dass ihm der 

ursprünglich vereinbarte der Kaufpreis von Fr. 2'500.00 schliesslich nicht 

bezahlt wurde (GA act. 50). Hinweise auf eine besondere Verwerflichkeit 

seines Handelns liegen hingegen nicht vor. Insgesamt ist hinsichtlich der 

Widerhandlungen gegen das Waffengesetz in Relation zum Strafrahmen 

von bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung der 

innerhalb dieses Strafrahmens denkbaren Widerhandlungen von einem 

noch knapp leichten Tatverschulden und einer dafür angemessenen 

Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen auszugehen. 

 

2.7.3. 

Diese Einsatzstrafe ist sodann aufgrund des vorgängigen unberechtigten 

Erwerbs der Pistole SIG P220 angemessen zu erhöhen. Durch den Erwerb 

der Waffe ist sein Handeln nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestandes hinausgegangen. Insgesamt ist von einem noch leichten 

Tatverschulden und – bei isolierter Betrachtung – einer Einzelstrafe von 90 

Tagessätzen auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist festzuhalten, 

dass insofern ein Zusammenhang zur Einsatzstrafe besteht, als der 

Beschuldigte dieselbe Waffe zuerst erwarb und danach verkaufte, dennoch 

hat er einen neuen Vorsatz gefasst. Insgesamt rechtfertigt es sich, die 

Einsatzstrafe um 60 Tagessätze auf 180 Tagessätze zu erhöhen.  

 

2.7.4. 

Diese Strafe wäre für den unberechtigten Erwerb von Munition (zusammen 

mit der Pistole SIG P220) und dem unberechtigten Übertragen von zwei 

Magazinen und mindestens 10 Schuss Munition an E._____ (Anklageziffer 

2.1) angemessen zu erhöhen. Diese Gesamtstrafe wäre sodann mit Blick 

auf die rechtskräftige Grundstrafe von 120 Tagessätzen angemessen zu 

erhöhen. Zudem wäre die Täterkomponente neutral zu berücksichtigen. 

Der Beschuldigte war im Zeitpunkt der vorliegend mit einer Zusatzstrafe zu 

ahndenden Delikte nicht vorbestraft, was neutral zu bewerten ist, da die 

Vorstrafenlosigkeit als Normalfall zu gelten hat (BGE 136 IV 1). Zwar war 

der Beschuldigte von Beginn weg geständig (UA act. 1176) und hat die 

Schuldsprüche im Berufungsverfahren nicht angefochten, hingegen lässt 

sein Verhalten weder auf Einsicht oder Reue schliessen und hat auch nicht 

zur Tataufdeckung beigetragen, nachdem der Hinweis auf die Übertragung 

der Waffe aus einem Strafverfahren gegen E._____ stammte bzw. der 

Auswertung dessen Mobiltelefons (vgl. UA act. 1266 ff.). Der schweren 

 - 16 - 

 

 

Jugendzeit des Beschuldigten wurde bereits im Rahmen der Beurteilung 

der Freiheitsstrafe ausreichend Rechnung getragen (vgl. oben). 

Anderweitig strafmindernde Faktoren wie eine erhöhte Strafempfindlichkeit 

liegen nicht vor. Das Gericht ist bei der gedanklich zu bildenden 

hypothetischen Gesamtstrafe jedoch an die Obergrenze der Geldstrafe 

gebunden (BGE 142 IV 265 E. 2.4.6) und die Strafobergrenze von 180 

Tagessätzen (Art. 34 StGB) ist bereits erreicht worden, womit es bei einer 

hypothetischen Gesamtstrafe von 180 Tagessätzen sein Bewenden hat. 

Dass dieses Ergebnis zu einer unbillig milden Strafe führen kann, ist nach 

der Rechtsprechung des Bundesgerichts hinzunehmen und rechtfertigt 

kein systemwidriges und ergebnisorientiertes Abweichen vom Willen des 

Gesetzgebers und dem Wortlaut der Norm (BGE 144 IV 217 E. 3.6; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_244/2021 vom 17. April 2023 E. 5.5.4). 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte für die bis zum 10. Juni 2021 

begangenen Delikte mit einer hypothetischen Gesamtstrafe von 

180 Tagessätzen zu bestrafen. Abzüglich der rechtskräftigen Grundstrafe 

von 120 Tagessätzen beträgt die auszufällende Zusatzstrafe somit 

60 Tagessätze. 

 

2.7.5. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und wirtschaftli-

chen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 Abs. 2 

StGB). Der Beschuldigte lebt mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner 

schwangeren Ehefrau zusammen (GA act. 54; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 13). Er arbeitet als Gipser und erzielt ein monatliches 

Nettoeinkommen von gerundet Fr. 4'900.00 (GA act. 54; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 16; an der Berufungsverhandlung eingereichte 

Lohnabrechnungen). Bei einem Pauschalabzug für die Krankenkasse, 

Steuern und notwendige Berufsauslagen von 20 % sowie einem Abzug für 

die hohe Anzahl an Tagessätzen von 15 % (BGE 134 IV 60 E. 6.5.2) 

resultiert daraus ein Tagessatz von gerundet Fr. 110.00. 

 

2.7.6. 

Die Zusatzstrafe von 60 Tagessätzen ist unbedingt auszusprechen. Die 

Anordnung einer ambulanten Massnahme, wie sie vom Beschuldigten 

selbst beantragt und – wie nachfolgend aufzuzeigen – auch ausgesprochen 

wird, bedeutet nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zugleich eine 

ungünstige Prognose, sodass der bedingte oder teilbedingte Aufschub 

einer gleichzeitig ausgefällten Strafe gemäss Art. 42 StGB und Art. 43 StGB 

ausgeschlossen ist (BGE 135 IV 180 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1388/2021 vom 3. März 2022 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 

  

 - 17 - 

 

 

2.7.7. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte für die Widerhandlungen gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffer 2.1) als 

Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg vom 

10. Juni 2021 mit einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 

Fr. 110.00, d.h. Fr. 6'600.00, zu bestrafen. 

 

2.8. 

Hinsichtlich der selbständig auszufällenden Geldstrafe für die neuen 

Delikte (Nötigungen gemäss Art. 181 StGB, teilweise versucht; 

Anklageziffer 1; Widerhandlungen gegen das Waffengesetz gemäss 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG; Anklageziffern 2.2.1, 2.2.2, 2.3) ergibt sich 

Folgendes: 

 

2.8.1. 

Die Einsatzstrafe ist ausgehend vom konkret schwersten Delikt, namentlich 

der versuchten Nötigung gemäss Art. 180 StGB festzusetzen. Diese wiegt 

schwerer als die vollendeten Nötigungen, nachdem der Beschuldigte 

B._____ mit gezogener Waffe davon abhalten wollte, die Gefahrensituation 

zu verlassen, wohingegen der Beschuldigte bei den vollendeten 

Nötigungen C._____ und D._____ aufforderte, sich aus der 

Gefahrensituation zu entfernen, was denn auch im Interesse von C._____ 

und D._____ gewesen sein dürfte, weshalb der Eingriff in die 

Willensbetätigung vergleichsweise geringer erscheint. 

 

Der Tatbestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB schützt die 

Handlungsfreiheit bzw. die Freiheit der Willensbildung des Einzelnen (BGE 

141 IV 1 E. 3.3.1). Der Beschuldigte versuchte – nachdem er die Pistole 

auf B._____ gerichtet hatte und diese verängstigt und eingeschüchtert 

rückwärts Richtung Auto ging –, B._____ am Weggehen zu hindern, indem 

er sie mit gezogener (aber nicht auf sie gerichteter) Pistole aufforderte, 

stehen zu bleiben. Der Beschuldigte wollte B._____ gezielt daran hindern, 

sich aus der Gefahrensituation zu begeben bzw. sie am Weggehen 

hindern, indem er ihr mit der gezogenen Waffe implizit drohte, davon 

Gebrauch machen zu wollen. Dies musste sie denn auch ernst nehmen, 

nachdem er bereits zuvor mit der Waffe direkt auf sie gezielt hat. Die 

Bedrohung mit einer Schusswaffe – wenn auch nicht mit erhobener Waffe 

– wiegt besonders schwer, zumal die bedrohte Person jederzeit mit dem 

Einsatz der Waffe rechnen muss, was schwere Verletzungen zur Folge 

haben kann. Die vom Beschuldigten geschaffene Zwangssituation und die 

damit einhergehende gewollte Einschränkung der Handlungsfreiheit geht 

mit der Gewaltdrohung gegen B._____ über die blosse Erfüllung des 

Tatbestands der Nötigung hinaus. Hinsichtlich des grossen Masses an 

Entscheidungsfreiheit kann auf die obigen Ausführungen hinsichtlich der 

Gefährdung des Lebens verwiesen werden. 

 

 - 18 - 

 

 

Insgesamt wäre für die vollendete Nötigung in Relation zum Strafrahmen 

von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe von einem gerade noch leichten bis 

mittelschweren Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatz-

geldstrafe von 180 Tagessätzen auszugehen. Da es vorliegend bei einer 

versuchten Nötigung geblieben ist, ist die Strafe angemessen zu 

reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei hat die Strafminderung umso 

geringer auszufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je 

schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). 

Der Beschuldigte hat alles unternommen, damit der Taterfolg auch eintritt. 

B._____ nahm die Bedrohung durch die Waffe denn auch ernst und wähnte 

sich in grosser Gefahr (UA act. 1667), womit die versuchte Nötigung bereits 

unmittelbare Folgen zeitigte. Offenbar war ihr Fluchtgedanke jedoch 

stärker, was hingegen einzig in der Person von B._____ begründet lag. Der 

Taterfolg im Sinne der Beeinträchtigung ihrer Handlungsfreiheit lag 

jedenfalls sehr nahe. Der Umstand, dass es bei einer versuchten Nötigung 

geblieben ist, ist deshalb nur sehr leicht verschuldensmindernd mit 30 

Tagessätzen zu berücksichtigen, so dass auf eine angemessene 

Einsatzgeldstrafe von 150 Tagessätzen zu erkennen ist.  

 

2.8.2. 

Die Einsatzstrafe ist für die hinsichtlich C._____ und D._____ begangene 

vollendete Nötigung gemäss Art. 181 StGB angemessen zu erhöhen.  

 

Der Beschuldigte forderte C._____ und D._____ – nachdem er einen 

Schuss abfeuerte, der 20 bis 50 cm vom Fuss von C._____ entfernt in den 

Boden einschlug – auf, sich zu entfernen. C._____ und D._____ rannten 

daraufhin zum Fahrzeug und entfernten sich zusammen mit B._____ vom 

Tatort. Zwar lag es insbesondere im Interesse von C._____ und D._____, 

sich aus der Gefahrensituation zu entfernen, nichtsdestotrotz hat der 

Beschuldigte seine Aufforderung mit einer geladenen Waffe in der Hand 

durchgesetzt. Hinsichtlich der weiteren Tatumstände kann auf die 

vorangegangenen Ausführungen verwiesen werden. Insgesamt ist für die 

Nötigung von C._____ und D._____ – bei isolierter Betrachtung – von 

einem leichten bis mittelschweren Verschulden auszugehen und einer 

dafür angemessenen Einzelgeldstrafe von 150 Tagessätzen. Im Rahmen 

der Asperation ist der enge sachliche und zeitliche Konnex zu der 

versuchten Nötigung zu berücksichtigen, weshalb der Gesamtschuld-

beitrag der vollendeten Nötigung entsprechend geringer erscheint. 

Insgesamt erweist sich eine Erhöhung der Einsatzstrafe in Anwendung des 

Asperationsprinzips um 100 Tagessätze als angemessen. Nachdem die 

gesetzliche Obergrenze von 180 Tagessätzen (Art. 34 Abs. 1 StGB) bereits 

erreicht und ein Strafartenwechsel ausgeschlossen ist (vgl. BGE 

144 IV 313), hat es damit sein Bewenden. Es erübrigen sich deshalb auch 

Ausführungen zum Verschulden in Bezug auf die Widerhandlung gegen 

das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffern 2.2.1, 

2.2.2, 2.3). 

 - 19 - 

 

 

 

2.8.3. 

Die Täterkomponente wirkt sich neutral aus und die Tagessatzhöhe ist auf 

Fr. 110.00 festzusetzen (siehe dazu oben). 

 

2.8.4. 

Die Geldstrafe von 180 Tagessätzen ist unbedingt auszusprechen, ist ihm 

aufgrund der anzuordnenden Massnahme doch eine Schlechtprognose zu 

stellen (siehe dazu oben). 

 

Der Beschuldigte hat die neuen Delikte, für die eine selbständige Strafe 

festzusetzen ist, während der ihm mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Aarau-Lenzburg vom 10. Juni 2021 auferlegten Probezeit von zwei Jahren 

bzw. lediglich ca. drei Monate nach dessen Eröffnung begangen hat. Die 

ausgesprochene bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen und die Busse 

von Fr. 1'200.00 vermochten den Beschuldigten nicht davon abzuhalten, 

nur kurze Zeit später weitere Delikte zu begehen. Damit ist denn auch die 

Warnwirkung des bedingten Vollzugs ausgeblieben. Ihm ist somit auch aus 

diesem Grund eine Schlechtprognose zu stellen. 

 

Die Nichtbewährung und die dem Beschuldigten zu stellende Schlecht-

prognose hat zur Folge, dass einerseits die neue Strafe unbedingt 

auszusprechen ist und andererseits – auch unter Berücksichtigung des 

Vollzugs der neuen Geldstrafe und der damit einhergehenden Wechsel-

wirkung – der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg vom 

10. Juni 2021 für die Geldstrafe von 120 Tagessätzen gewährte bedingte 

Strafvollzug zu widerrufen ist (Art. 46 Abs. 1 StGB). 

 

2.8.5. 

In Bezug auf die Widerrufsstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe gemäss 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg vom 10. Juni 2021 

wäre in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB zusammen mit der 

unbedingten Geldstrafe für die neu begangenen Delikte in sinngemässer 

Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden. Nachdem die 

Obergrenze von 180 Tagessätzen bereits erreicht ist und ein Strafarten-

wechsel auch in dieser Konstellation ausgeschlossen ist, wirkt sich der 

Widerruf faktisch nicht aus. Dies ist, auch wenn dies zu unbilligen 

Ergebnissen führt, hinzunehmen (vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.6; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_244/2021 vom 17. April 2023 E. 5.5.4). 

 

2.9. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 

4 ½ Jahren und – als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 2021 – mit einer unbedingten Geldstrafe von 

60 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. Fr. 6'600.00, und – als separate Gesamt-

geldstrafe mit der Widerrufsstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe gemäss 

 - 20 - 

 

 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 2021 – 

mit einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. 

Fr. 19'800.00, sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 10 Tage 

Freiheitsstrafe, zu bestrafen. 

 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von insgesamt 200 Tagen 

(24. September 2021 bis 11. April 2022) ist auf die Freiheitsstrafe 

anzurechnen. 

 

3. 

3.1. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Anschlussberufung, es sei für den 

Beschuldigten eine stationäre Massnahme für junge Erwachsene nach 

Art. 61 StGB anzuordnen (Anschlussberufungsbegründung Ziff. 2). Der 

Beschuldigte beantragt, es sei die Freiheitsstrafe zugunsten der 

angeordneten ambulanten Massnahme aufzuschieben (Berufungs-

begründung Ziff. 3).  

 

3.2. 

Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe alleine nicht geeignet 

ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein 

Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit 

dies erfordert und die Voraussetzungen der Art. 59-61, 63 oder 64 StGB 

erfüllt sind (Art. 56 Abs. 1 StGB). Dabei stützt sich das Gericht bei seinem 

Entscheid zwingend auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 

Abs. 3 StGB). Die Anordnung einer Massnahme setzt weiter voraus, dass 

der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im 

Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht 

unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB; Urteil des Bundesgerichts 

6B_796/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 3.2.3). 

 

Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen oder in 

anderer Weise abhängig, kann das Gericht anordnen, dass er ambulant 

behandelt wird, wenn er eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem 

Zustand in Zusammenhang steht, und zu erwarten ist, dadurch lasse sich 

der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters stehender Taten 

begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB). War der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 

25 Jahre alt und ist er in seiner Persönlichkeitsentwicklung erheblich 

gestört, so kann ihn das Gericht in eine Einrichtung für junge Erwachsene 

einweisen, wenn er ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit 

der Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung in Zusammenhang steht 

und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner 

Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung in Zusammenhang stehender 

Taten begegnen (Art. 61 Abs. 1 StGB). Sind mehrere Massnahmen in 

gleicher Weise geeignet, ist aber nur eine notwendig, so ordnet das Gericht 

diejenige an, die den Täter am wenigsten beschwert (Art. 56a Abs. 1 StGB). 

 - 21 - 

 

 

 

3.3. 

Die Voraussetzungen für die Anordnung einer ambulanten Massnahme 

nach Art. 63 Abs. 1 StGB oder einer Massnahme für junge Erwachsene 

nach Art. 61 Abs. 1 StGB sind unbestrittenermassen gegeben. Der 

Beschuldigte hat sich der mehrfachen Gefährdung des Lebens, der 

(teilweise versuchten) Nötigungen, der Widerhandlungen gegen das 

Waffengesetz sowie der Widerhandlungen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz schuldig gemacht. Diese vor dem 25. Geburtstag des 

Beschuldigten verübten Taten bzw. die Deliktneigung des Beschuldigten 

steht gestützt auf das schlüssige und überzeugende Hauptgutachten von 

Dr. med. F._____ vom 15. März 2022 in einem engen Zusammenhang mit 

seinen traumatischen Erlebnissen bzw. der daraus folgenden 

diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; UA 

act. 234, 245 und 248 f.), weshalb von einer schweren psychischen 

Störung im juristischen Sinne auszugehen ist (vgl. BGE 146 IV 1 E. 3.5.3 

ff.). Dies wird vom Beschuldigten denn auch nicht in Abrede gestellt, 

nachdem er selbst die Anordnung einer ambulanten Massnahme verlangt. 

Aufgrund der posttraumatischen Belastungsstörung ist der Beschuldigte in 

seiner Persönlichkeitsentwicklung erheblich gestört (UA act. 250). Auch 

hinsichtlich des Behandlungsbedürfnisses des Beschuldigten äusserte sich 

der Gutachter Dr. med. F._____ in seinem Gutachten schlüssig und 

substanziert: So bestehe beim Beschuldigten eine Rückfallgefahr, wobei 

mit mindestens moderater Wahrscheinlichkeit Tätlichkeiten und leichte 

Körperverletzungen zu erwarten seien und mit hoher Wahrscheinlichkeit 

mit Drohungen gerechnet werden müsse (UA act. 248). Das Rückfallrisiko 

sei auf die posttraumatische Belastungsstörung zurückzuführen, wobei 

ferner auch die Lebensumstände, insbesondere die fehlende Tagesstruktur 

aufgrund von Arbeitslosigkeit, von Bedeutung seien (UA act. 248). Die 

Anordnung einer ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB erweise sich 

als sinnvoll. Diese könne auch vollzugsbegleitend eingeleitet und durch-

geführt werden. Eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB sei 

dagegen weder zweckmässig noch zielführend. Eine Massnahme für junge 

Erwachsene nach Art. 61 StGB sei theoretisch möglich, aus aktueller Sicht 

jedoch nicht zwingend erforderlich, um dem Rückfallrisiko zu begegnen, da 

diese überwiegend sozialpädagogisch und nur sekundär psycho-

therapeutisch orientiert sei (UA act. 250 f.). Dr. med. F._____ bestätigte die 

Ausführungen anlässlich der Berufungsverhandlung. Obwohl sich die 

Lebenssituation des Beschuldigten dahingehend geändert habe, dass 

durch seine Arbeit eine Tagesstruktur vorhanden sei, sei eine ambulante 

Massnahme weiterhin indiziert. Die Prognose sei auch gut, wenn die 

Therapie so erfolge, wie sie durchgeführt werden müsse und wie er sie sich 

in seinem Gutachten vorgestellt habe, was aktuell fraglich sei, weil aus dem 

Bericht der freiwilligen Therapie nicht hervorgehe, ob überhaupt eine 

deliktsorientierte Therapie erfolge und die Therapeutin auch gar nicht über 

eine Ausbildung in forensischer Therapie verfüge (Protokoll der Berufungs-

 - 22 - 

 

 

verhandlung S. 26). Dass die Staatsanwaltschaft daran zweifelt, dass der 

Beschuldigte aus eigenem Antrieb gewillt und fähig sei, selbständig eine 

Ausbildung zu absolvieren (Anschlussberufungsbegründung Ziff. 2), ändert 

nichts an den schlüssigen und überzeugenden Ausführungen des 

Gutachters, wonach der Beschuldigte genügend Ressourcen habe und 

grundsätzlich auch fähig sei, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Die 

scheinbar mangelnde Leistungsbereitschaft, die er gezeigt habe, sei 

vorwiegend psychisch bedingt (GA act. 34). Dass Dr. med. F._____ in 

seinem Gutachten eine Massnahme für junge Erwachsene als Alternative 

gesehen hat, ändert nichts daran, dass eine ambulante Massnahme als 

weniger einschneidend (vgl. Art. 56a Abs. 1 StGB) und indiziert erscheint. 

Dies bestätigte denn auch Dr. med. F._____, indem er annimmt, eine 

ambulante therapeutische Massnahme genüge zur Zielerreichung, sofern 

sich der Beschuldigte als kooperativ erweise (UA act. 246). Folglich ist der 

ambulanten Massnahme der Vorzug zu geben. Die Berufung der 

Staatsanwaltschaft ist in diesem Punkt abzuweisen. 

 

3.4. 

Gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Mass-

nahme aufschieben, um der Art der Behandlung Rechnung zu tragen. 

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist vom Ausnahme-

charakter des Strafaufschubs auszugehen. Eine ambulante Massnahme ist 

somit grundsätzlich gleichzeitig mit dem Strafvollzug durchzuführen; ein 

Aufschub der Strafe bedarf der besonderen Rechtfertigung. Die Frage, ob 

der sofortige Vollzug der Strafe den Therapieerfolg erheblich gefährden 

würde, ist dem Gutachter zu unterbreiten. Das Gericht hat sodann zu 

entscheiden, ob es die im Gutachten enthaltenen Erörterungen für 

überzeugend hält oder nicht und ob es dementsprechend den 

Schlussfolgerungen des Experten folgen soll, wobei das Gericht in 

Fachfragen nicht ohne triftige Gründe vom Gutachten abweichen darf und 

Abweichungen begründen muss (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_986/2021 vom 19. Mai 2022 E. 2.3 mit Hinweisen). 

 

Die Voraussetzungen für einen Aufschub der Freiheitsstrafe gemäss 

Art. 63 Abs. 2 StGB sind entgegen dem Beschuldigten vorliegend nicht 

erfüllt. Dem schlüssigen und überzeugenden Hauptgutachten von Dr. med. 

F._____ ist ausdrücklich zu entnehmen, dass die ambulante Behandlung 

auch strafbegleitend eingeleitet und durchgeführt werden kann (UA 

act. 250), was er anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt hat (Proto-

koll der Berufungsverhandlung S. 25). Von einer erheblichen negativen 

Beeinträchtigung der Behandlungschancen kann daher keine Rede sein. 

Zwar hat der Beschuldigte durch seinen Stellenantritt mittlerweile eine 

geregelte Tagesstruktur und gibt an, nunmehr keinen Alkohol zu trinken 

und keine Drogen mehr zu nehmen (GA act. 55; Protokoll der Berufungs-

 - 23 - 

 

 

verhandlung S. 18 f.). Gemäss dem Sachverständigen könne es bis zu 

einer nachhaltigen Wirkung der Therapie beim Beschuldigten hingegen 

Monate, gegebenenfalls sogar ein bis zwei Jahre dauern (UA act. 246), 

was in Anbetracht des Umstands, dass die bisherige Therapie des Beschul-

digten nicht richtig aufgegleist worden ist (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 26), auch im Urteilszeitpunkt fortgeltend erscheint. 

Angesichts dessen und im Hinblick auf den Ausnahmecharakter des 

Aufschubs ist die ambulante therapeutische Massnahme gemäss Art. 63 

Abs. 1 StGB vollzugsbegleitend anzuordnen. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten unter Ausschreibung im Schengener 

Informationssystem (SIS) für die Dauer von 5 Jahren des Landes 

verwiesen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, es sei von einer 

Landesverweisung abzusehen (Berufungsbegründung Ziff. 5).  

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 

145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_1248/2023 vom 9. April 2024). Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte ist kosovarischer Staatsbürger. Er hat mit der mehrfachen 

Gefährdung des Lebens gleich mehrfach eine Katalogtag i.S.v. Art. 66a 

Abs. 1 lit. b StGB begangen und ist somit für 5 bis zu 15 Jahren aus der 

Schweiz wegzuweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). Art. 66a 

StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung hat sich 

daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu 

orientieren. 

 - 24 - 

 

 

 

4.4. 

Der heute 22-jährige Beschuldigte ist in der Schweiz geboren, 

aufgewachsen und verfügt über die Niederlassungsbewilligung C (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 13). Sprachlich ist er sehr gut integriert, er 

spricht einwandfrei Schweizer Dialekt. Sein Lebensmittelpunkt liegt in der 

Schweiz, auch wenn sich seine persönliche und gesellschaftliche 

Integration in der Schweiz in Anbetracht seines Aufwachsens in der 

Schweiz als eher schwach erweist. Der Beschuldigte wohnt bei seinen 

Eltern und mit seinem Bruder sowie seiner schwangeren Ehefrau 

zusammen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f.). Neben seiner 

Familie pflegt der Beschuldigte keine tieferen Freundschaften. Er sei nur 

noch selten mit Kollegen unterwegs. Mit einem Kollegen mache er 

regelmässig Musik (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 20). Ein 

aktuelles Engagement in einem Verein, einer gemeinnützigen Organisation 

oder Institution in der Schweiz sind nicht ersichtlich. Sein soziales 

Beziehungsnetz besteht und erschöpft sich hauptsächlich in der Beziehung 

zu seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Ehefrau sowie einem Kollegen, 

was nicht für eine besondere Integration spricht. Seine wirtschaftliche und 

berufliche Integration erweist sich als mangelhaft: Eine Lehre zum 

Logistiker hat er im 2. Lehrjahr abgebrochen, weil er sich im Betrieb nicht 

mehr wohl und eine Leere gefühlt habe sowie keinen Spass mehr gehabt 

habe, zur Arbeit zu gehen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14). 

Danach sei er arbeitslos gewesen (GA act. 56) bis er im Oktober 2022 im 

Gipserbetrieb seines Bruders – ohne Lehrabschluss – anfangen konnte 

(GA act. 54), wo er derweil netto ca. Fr. 4'900.00 verdiene (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 16). Stark negativ auf eine nachhaltige Inte-

gration wirkt sich seine Straffälligkeit aus: Der Beschuldigte wurde bereits 

mit Strafbefehl vom 10. Juni 2021 wegen Widerhandlungen gegen das 

Waffengesetz und mehrfacher grober sowie mehrfacher Verletzung der 

Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen und 

einer Busse von Fr. 1'200.00 verurteilt. Lediglich ca. drei Monate nach 

Eröffnung des Strafbefehls beging er die im vorliegenden Strafverfahren zu 

beurteilenden Delikte (Gefährdungen des Lebens, [teilweise versuchte] 

Nötigungen, Widerhandlungen gegen das Waffengesetz [mit Ausnahme 

von Anklageziffer 2.1], Widerhandlungen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz). Neben den im Strafregisterauszug aufgeführten Vorstrafen 

stand der Beschuldigte bereits in seinen Jugendjahren mit dem Gesetz in 

Konflikt. Mit Einstellungsverfügung vom 17. September 2014 wurde ein 

Verfahren gegen den Beschuldigten zufolge Mediation eingestellt, wobei 

der Beschuldigte eingestandenermassen einen anderen Jungen mehrfach 

beschimpft und wöchentlich geschlagen bzw. gestossen habe. Zudem 

wurde ihm im Jahr 2021 aufgrund seines Fahrverhaltens der Führer-

ausweis entzogen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 18). Die Straf-

verfahren sowie die ausgesprochene Strafe bzw. die mit dem Straf-

verfahren verbundenen Konsequenzen liessen ihn unbeeindruckt. 

 - 25 - 

 

 

 

4.5. 

Der Beschuldigte ist seit dem 24. April 2024 verheiratet, seine Frau ist 

schwanger und sie wohnen zusammen bei seinen Eltern und seinem 

Bruder (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f.). Weder seine Eltern 

noch sein Bruder gehören zur Kernfamilie. Es liegt hinsichtlich seiner Eltern 

und seinem Bruder unter den vorliegenden Umständen auch sonst keine 

genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung, welche unter 

den Schutz von Art. 8 EMRK fallen würde, vor. Mithin sind keine über die 

normalen Familienbande hinausgehende Verbindungen ersichtlich. Dass 

der Beschuldigte derweil noch zuhause wohnt und seine neue Ehefrau 

auch mit in die 5.5 Zimmerwohnung gezogen ist, erscheint im Hinblick auf 

die Erwerbslosigkeit seiner Ehefrau, deren Risikoschwangerschaft sowie 

die zu verbüssende Freiheitsstrafe des Beschuldigten als durchaus 

sinnvoll, jedoch in erster Linie den Umständen geschuldet zu sein. Weder 

daraus, noch aus dem Umstand, dass der Beschuldigte im Gipserbetrieb 

seines Bruders arbeitet, ergibt sich hingegen ein besonderes Abhängig-

keitsverhältnis des Beschuldigten (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_108/2024 vom 1. Mai 2024 E. 4.5). Der Beschuldigte verdient seinen 

Lebensunterhalt derweil selbst und arbeitet für sein monatliches 

Einkommen. Demgegenüber würde die Landesverweisung seine Ehefrau 

G._____ (vormals G._____) und das derzeit noch ungeborene Kind direkt 

betreffen, auch wenn sich das Ehepaar noch nicht lange kennt (der 

Beschuldigte hatte vor Vorinstanz noch angegeben, nicht in einer 

Beziehung zu stehen), sogleich heiratete und ein Kind zeugte. Jedenfalls 

wäre es seiner Ehefrau und dem erwarteten Kind zumutbar, dem 

Beschuldigten in den Kosovo zu folgen und ihr Familienleben dort zu 

pflegen. Auch eine berufliche Integration ist seiner jungen Ehefrau 

zumutbar. Sie ist gemäss Auskunft des Beschuldigten halb Kosovarin 

(wobei sie lediglich über einen Schweizer Pass verfüge; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14 und 21), weshalb anzunehmen ist, dass sie 

mit der kosovarischen Kultur vertraut ist, zumal sie nunmehr im Haushalt 

der Familie des Beschuldigten und insbesondere mit seinen Eltern lebt. 

Zudem ging sie die familiäre Bindung zum Beschuldigten im Wissen um 

dessen Straffälligkeit ein, was im Rahmen der Interessenabwägung zu 

berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_977/2023 vom 

12. Januar 2024 E. 1.4.5). Im Zeitpunkt der Eheschliessung vor wenigen 

Wochen – 24. April 2024 – lag bereits ein erstinstanzliches Urteil vor, womit 

der Beschuldigte zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und des 

Landes verwiesen wurde. Zusammenfassend kann seiner Ehefrau zuge-

mutet werden, den Beschuldigten in das Heimatland zu begleiten. Seiner 

Ehefrau und dem erwarteten Kind steht es aber ohnehin frei, in der Schweiz 

zu bleiben und den Kontakt über Kommunikationsmittel oder mittels 

Besuchen und Ferienaufenthalten aufrechtzuerhalten (Urteile des Bundes-

gerichts 6B_224/2022 vom 16. Juni 2022 E. 2.3.4; 6B_300/2020 vom 

21. August 2020 E. 3.4.5). Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass sich 

 - 26 - 

 

 

aufgrund des Vollzugs der mehrjährigen Freiheitsstrafe ohnehin eine 

gewisse Entfremdung einstellen wird, da während der Inhaftierung des 

Beschuldigten die tatsächlich gelebte familiäre Beziehung zu seinen 

Familienangehörigen stark erschwert sein wird. 

 

4.6. 

Die Integrationschancen in seinem Heimatland Kosovo erweisen sich für 

den Beschuldigten als intakt. Er spricht Albanisch (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 17) und ist mit der Kultur und den Gepflogenheiten im 

Kosovo nicht nur aus seinen Ferien vertraut (GA act. 57 und 60; Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 17), sondern auch durch seine Verwandt-

schaft, die aus demselben Kulturkreis stammt. Die gesellschaftliche 

Integration des Beschuldigten erscheint mithin ohne weiteres möglich und 

zumutbar. Der Beschuldigte hat einen Onkel im Kosovo, der dort ein Haus 

besitzt (GA act. 56; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 17). Auch wenn 

der Beschuldigte kein «grossartiges» Verhältnis zu seinem Onkel haben 

will (GA act. 56), sind keine Gründe ersichtlich, weshalb der Beschuldigte 

diesen Kontakt nicht intensivieren oder sich ein Umfeld aufbauen könnte. 

Auch ist die Wahrscheinlichkeit, sich im Kosovo eine wirtschaftliche 

Existenz aufbauen zu können, für ihn als junger und gesunder Mann mit 

guter Schweizer Schulbildung und einer – wenn auch nicht sehr langen (ca. 

1.5 Jahre) – Arbeitserfahrung als Gipser ohne Weiteres als intakt 

einzustufen.  

 

4.7. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in der Schweiz 

aufgewachsen ist und in persönlicher und gesellschaftlicher Hinsicht ein-

gebunden ist, womit zweifellos von einer starken Verwurzelung in der 

Schweiz auszugehen ist, auch wenn sich seine wirtschaftliche und beruf-

liche Integration und die Beachtung der schweizerischen Rechts- und 

Werteordnung als mangelhaft erweist. Angesichts des Aufwachsens des 

Beschuldigten in der Schweiz und der Tatsache, dass er hier seinen 

Lebensmittelpunkt hat und insbesondere seine Ehefrau hier wohnt, ist von 

einem erheblichen privaten Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib 

in der Schweiz auszugehen, auch wenn eine gesellschaftliche und beruf-

liche Wiedereingliederung in der Heimat für ihn durchaus zu bewältigen 

wäre. 

 

4.8. 

In Bezug auf das öffentliche Interesse an einer Wegweisung des Beschul-

digten aus der Schweiz ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte hat mit den 

begangenen Katalogtaten hochstehende Rechtsgüter, insbesondere das 

Leben von mehreren Personen, gefährdet. Er wird zu einer mehrjährigen 

Freiheitsstrafe von deutlich mehr als zwei Jahren verurteilt (zur 

«Zweijahresregel» vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1248/2023 vom 

9. April 2024 E. 3.4 mit Hinweisen). Ferner ist auch die seit seinen 

 - 27 - 

 

 

Jugendjahren andauernde Delinquenz des erst 22-jährigen Beschuldigten, 

die immer schwerere Ausmasse annahm, zu berücksichtigen, wodurch von 

einer erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und 

damit einhergehend einem hohen Interesse an seiner Wegweisung 

auszugehen ist. 

 

4.9. 

In Würdigung der gesamten Umstände ist das Vorliegen eines schweren 

persönlichen Härtefalls aufgrund der starken Verwurzelung des Beschul-

digten in der Schweiz zu bejahen. Jedoch überwiegt das hohe öffentliche 

Interesse an der Landesverweisung die erheblichen privaten Interessen 

des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz. Damit sind die Voraus-

setzungen für eine Landesverweisung erfüllt. Diese erweist sich sowohl un-

ter dem Blickwinkel von Art. 66a Abs. 2 StGB als auch unter demjenigen 

von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als verhältnismässig und rechtskonform. Mithin 

überwiegt die Stabilität des Privat- und Familienlebens des Beschuldigten 

in der Schweiz das öffentliche Interesse an seiner Wegweisung nicht bzw. 

ist eine Wegweisung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK gerechtfertigt (vgl. Urteil des 

EGMR Otite gegen Vereinigtes Königreich vom 27. September 2022, 

Nr. 18338/19, § 53). 

 

Die von der Vorinstanz auf das gesetzliche Minimum von 5 Jahre 

festgesetzte Dauer der Landesverweisung ist im Berufungsverfahren 

unangefochten geblieben, womit es sein Bewenden hat.  

 

4.10. 

Mit vorliegendem Urteil wird der Beschuldigte zu einer mehrjährigen 

Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren verurteilt und es wird eine obligatorische 

Landesverweisung angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass 

er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von 

Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Aus-

schreibung im SIS als unverhältnismässig erscheinen lassen würden, sind 

keine ersichtlich (vgl. BGE 146 IV 172 E. 3.2). Somit ist die Ausschreibung 

der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzu-

ordnen. 

 

5. 

Die von der Vorinstanz angeordnete Herausgabe der beschlagnahmten 

Mobiltelefone inkl. Zubehör ist im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben. Entgegen der Vorinstanz gibt es jedoch keine gesetzliche 

Grundlage für eine im Strafverfahren vorzunehmende Löschung einer – 

strafrechtlich nicht relevanten – Videodatei oder von «Personaldaten» als 

Voraussetzung für die Herausgabe. Das ist von Amtes wegen anzupassen. 

 

 - 28 - 

 

 

6. 

6.1. 

6.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_997/2020 vom 

18. November 2021 E. 2.2). 

 

Die Berufung des Beschuldigten ist vollumfänglich abzuweisen. Die 

Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft ist in Bezug auf die Strafzu-

messung insofern gutzuheissen, als eine Erhöhung der Freiheitsstrafe 

erfolgt, hingegen in Bezug auf die geforderte Massnahme für junge 

Erwachsene abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es 

sich, dem Beschuldigten die obergerichtlichen Verfahrenskosten von 

Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) im Umfang von 4/5 aufzuerlegen und im Übrigen 

auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

6.1.2. 

Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die 

anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote, jedoch 

angepasst an die effektive Dauer der Berufungsverhandlung, mit gerundet 

Fr. 5'600.00 zu entschädigen. 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu 4/5 zurückzufordern, sobald 

es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

6.2. 

6.2.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die erst-

instanzlichen Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Der Beschuldigte 

wird zwar vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz 

(Anklageziffer 2.2.3) und vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz (Anklageziffer 3.2) freigesprochen. Es handelt 

sich dabei aber im Vergleich zu den Schuldsprüchen um untergeordnete 

Punkte, auf die zudem keine ausscheidbaren Untersuchungskosten 

entfallen sind. Es rechtfertigt sich deshalb, die erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten dem Beschuldigten vollumfänglich aufzuerlegen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_491/2023 vom 7. August 2023 E. 3.3 mit 

Hinweisen). 

 

 - 29 - 

 

 

6.2.2. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 22'597.80 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 
 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- der Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG (Anklageziffer 2.2.3);  

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (Anklageziffer 3.2). 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB 

(Anklageziffer 1) 

- der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB, 

teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1); 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffern 2.1, 2.2.1, 2.2.2, 2.3); 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss 

Art. 34 Abs. 1 lit. b WG (Anklageziffer 2.3); 

- der mehrfachen Widerhandlung gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

(Anklageziffern 3.1, 3.3). 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 

Abs. 1 und 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 34 StGB, Art. 46 Abs. 1 StGB und 

Art. 106 StGB 

 

zu einer Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren sowie 

 - 30 - 

 

 

 

als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 10. Juni 2021 zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 

Fr. 110.00, d.h. Fr. 6'600.00, sowie 

 

als separate Gesamtgeldstrafe mit der Widerrufsstrafe gemäss Ziffer 3.2 

zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. 

Fr. 19'800.00, sowie 

 

zu einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 10 Tage Freiheitsstrafe, 

[in Rechtskraft erwachsen] 

 

verurteilt. 

 

3.2. 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. Juni 

2021 für die Geldstrafe von 120 Tagessätzen gewährte bedingte Vollzug 

wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen. Die widerrufene 

Geldstrafe bildet zusammen mit der neuen Strafe die Gesamtgeldstrafe 

gemäss Ziffer 3.1. 

 

3.3. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von insgesamt 200 Tagen 

(24. September 2021 bis 11. April 2022) wird auf die Freiheitsstrafe 

angerechnet. 

 

4. 

Es wird eine ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB angeordnet. 

 

5. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB für 5 Jahre 

des Landes verwiesen. 

 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) aus-

geschrieben.  

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

6.1. 

Folgende Betäubungsmittel werden eingezogen: 

- 0.5 Gramm Marihuana 

- 0.9 Gramm Kokain 

- 39.5 Gramm Marihuana 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

 - 31 - 

 

 

6.2. 

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände, werden gestützt auf 

Art. 31 WG i.V.m. § 30 Abs. 1 der Polizeiverordnung (PolV) der 

Kantonspolizei Aargau, Fachstelle SIWAS, überwiesen: 

- Schwert mit Bajonett 

- Revolver Kaliber .22 inkl. Munition 

 

6.3.  

Dem Beschuldigten werden auf Verlangen folgende beschlagnahmten 

Gegenstände herausgegeben: 

- Mobiltelefon Apple iPhone SE inkl. Ladekabel, Stecker, Schutzhülle schwarz; 

- Mobiltelefon Samsung Galaxy S21, inkl. Ladekabel, Stecker, Schutzhülle transparent, 

Micro-SIM-Karte 8 (Swisscom); 

- Mobiltelefon Samsung Galaxy S9+. 

 

Verlangt der Beschuldigte die Herausgabe nicht innert 30 Tagen seit 

Rechtskraft dieses Urteils, trifft die Staatsanwaltschaft die sachgemässen 

Verfügungen. 

 

6.4. 

Die sichergestellten Fr. 1'490.00 werden zur anteilsmässigen Deckung der 

Verfahrenskosten verwendet. Der Betrag ist der Obergerichtskasse 

abzuliefern. 

 

7. [in Rechtskraft erwachsen] 

7.1. 

Die Sicherheitsleistung von Fr. 5'000.00 wird zur anteilsmässigen Deckung 

der Verfahrenskosten verwendet. Die Sicherheitsleistung ist der 

Obergerichtskasse abzuliefern. 

 

7.2. 

Dem Beschuldigten wird sein kosovarischer Reisepass […] ausgehändigt, 

sobald er die Freiheitsstrafe angetreten hat. 

 

Das Amt für Justizvollzug wird darum ersucht, das Obergericht zu 

informieren, sobald der Beschuldigte die Freiheitsstrafe angetreten hat. 

 

8. 

8.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu 4/5 mit Fr. 4'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

 - 32 - 

 

 

8.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'600.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 4/5 zurückgefordert, 

sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

9. 

9.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 32'949.85 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 4'250.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

9.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 22'597.80 

auszurichten.  

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 
  

 - 33 - 

 

 

   

Aarau, 29. Mai 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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