# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b973845c-c7a1-5159-9e33-289c6b7b51bb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-03-13
**Language:** de
**Title:** Unfallkausalität einer VKB-Läsion mit Meniskusschädigungen; zumindest geringe Zweifel an der kreisärztlichen Einschätzung.
**Docket/Reference:** UV.2019.00147
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2019.00147.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2019.00147
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
13. März 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
Anwaltskanzlei Reto
Zanotelli
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der
im Jahre 1968
geborene
X.___
war seit dem 1.
März 198
9
bei der
Y.___
AG
als
Lastwagenführer
angestellt und als solche
r
bei der
Suva
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
(
Urk.
9/1)
.
Am
5.
April 2016
verdrehte sich der
Versicherte bei
m Heruntersteigen von einem
Cheminée
das linke Knie (
Urk.
9/25 S.
1), was zu einer MRI-Untersuchung am
8.
April
2016 führte (
Urk.
9/151). Am 1
6.
Dezember 2016 verletzte sich der Versicherte beim Herun
ter
springen von einer Lastwagenhebebühne auf den verunreinigten Boden erneut am linken Knie (
Urk.
9/1). Für die Folgen des Unfalls vom 1
6.
Dezember 2016 informierte die Suva mit Schreiben
vom
4.
Januar 2017 über die Über
nahme der Versicherungsleistungen (
Urk.
9/4). Infolge persistierender Beschwerden musste sich der Versicherte am 2
8.
März 2017 einem operativen Eingriff unterziehen (diagnostische Arthroskopie Knie links, Teilresektion des
Innenmeniskus
hinter
horns
, Stumpfresektion des vorderen Kreuzbandes;
Urk.
9/23).
Aufgrund einer weiterhin bestehenden Kniegelenkinstabilität erfolgte am 1
9.
September 2017 ein
zweiter
operativer Eingriff (
arthroskopische
partielle mediale Meniskusresektion und VKB-Rekonstruktion links,
Urk.
9/71).
1.2
Mit Schreiben vom 2
1.
März 2018 informierte die Suva über die Einstellung der Taggeldleistungen ab
1.
Mai 2018 (
Urk.
9/123); mit Schreiben vom 2
6.
April 2018 hielt sie fest, dass für den Monat Mai 2018 noch ein Taggeld von 50
%
aus
ge
richtet werde und die Taggeldzahlungen per
1.
Juni 2018 eingestellt würden (
Urk.
9/132). Infolge weiterhin persistierender Beschwerden wurde am 1
3.
Juni 2018 ein Verlaufs-MRI erstellt (
Urk.
9/146),
wobei im Juni und Juli Infiltrationen erfolgten (
Urk.
9/147,
Urk.
9/155) mit nur vorübergehender Verbesserung der Be
schwerden (
Urk.
9/173).
1.3
Mit Verfügung vom
4.
Oktober 2018 teilte die Suva die Leistungseinstellung per 3
1.
Oktober 2018 mit (
Urk.
9/177). Am
2.
November 2018 unterzog sich der Ver
sicherte einer erneuten Operation (offene Revision mit
Débridement
am
Pes
anse
rinus
und des
tibialen
Bohrkanals links,
Urk.
9/182). Gestützt auf die chirurgische Beurteilung vom
4.
Februar 2019 (
Urk.
9/191) hielt die Suva mit
Einspracheent
scheid
vom 2
5.
April 2019 an der verfügten Leistungseinstellung per 3
1.
Oktober 2018 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am 3
1.
Mai 2019 Beschwerde und beantragte, es sei die Suva zu verpflichten, für die Folgen der Unfälle vom
5.
April und 1
6.
Dezember 20
1
6 auch nach dem 3
1.
Dezember 2018 weiterhin die Leis
tungen aus der Unfallversicherung zu erbringen; unter Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
August 2019 beantragte die Beschwerde
geg
ne
rin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 1
9.
August 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10). Die ergän
zende Stellungnahme des Vertreters des Beschwerdeführers vom 2
8.
August 2019 (
Urk.
11) wurde der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
4.
September 2019 zur freigestellten Stellungnahme unterbereitet (
Urk.
12); diese hielt an ihrer Ein
schätzung der Sach- und Rechtslage fest (
Urk.
14-16).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am
9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ve
r
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die
hier zu beurteilende
n Unfälle haben
sich am
5.
April respektive 1
6.
Dezember 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und i
n dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den
Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, mög
lich
erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Bei Rückfällen und Spätfolgen obliegt es der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild
und dem Unfall mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach
zuweisen. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auf
treten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderun
gen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen
Kausalzusammen
hangs zu stellen
. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Per
son
aus
. Werden durch einen Unfall Beschwerden verursacht, übernimmt die Un
fallversicherung den durch das Unfallereignis verursachten Schaden, spätere Gesundheitsstörungen dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (
Urteil des Bundesgerichts
8C_589/2017
vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2 mit Hinweisen)
.
1.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
li
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
hin
sichtlich der natürlichen Kausalität
damit, dass
die im MRI vom
8.
April 2016
festgestellte vordere Kreuzbandläsion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nich
t im Zusammenhang mit dem Unfall vom
5.
April 2016 zu sehen sei (
Urk.
2 S. 4).
Der kapselnahe mediale Meniskusriss sei dabei spontan abgeheilt, ein normaler Verlauf nach einer Teil-
Meniskektomie
dauere in der eigenen Erfahrung 6 bis maximal 12 Wochen (
Urk.
9/191 S. 25).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass
gestützt auf die Einschätzung der
Fachärzte des
Z.___
vom
9.
November 2018 davon auszugehen sei, dass die VKB-Ruptur am
5.
April 2016 verursacht worden und als posttraumatisch zu qualifizieren sei (
Urk.
1 S. 5).
Zu
dem wäre es ohne die mehrfache unfallbedingte Traumatisierung des Kniegelenks zufolge der bis dahin sehr guten muskulären Kompensation der - wie von der Suva behauptet vorbestehenden – Kreuzbandruptur jedenfalls keine Kniebe
schwerden aufgetreten und auch keine Operationen am VKB nötig geworden. Selbst wenn
k
eine richtungsgebende Verschlimmerung anzunehmen
wäre,
wäre die Unfallversicherung für die bloss vorübergehende unfallbedingte Aktivierung des Vorzustan
des leistungspflichtig (S. 7). Darüber hinaus werde auch im Suva-internen chirurgischen Bericht dringend die zusätzliche MRI-Beurteilung durch einen Radiologen angeregt. Schliesslich handle es sich bei der seit dem Jahr 2017
behandlungsbedürftigen
VKB-Ruptur um eine unfallähnliche Körperschädigung
,
für welche die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig sei
(S.
8).
3.
3.1
Dr.
med.
A.___
, Chefarzt am Zentrum
B.___
beurteilte das MRI vom
8.
April 2016 dahingehend, dass ein chronischer Resi
dualzustand einer vorderen Kreuzbandruptur vorliege; weiter eine
höhergradige
Degeneration des medialen
Meniskuskorpus und
Hinterhorns
mit ausgeprägtem Ödem entlang der Meniskusbasis, suspekt auf Vorliegen eines basisnahen verti
kalen Einrisses am
Oberrand
der Basis Höhe Übergang Corpus/
Hinterhorn
. Der mutmassliche Einriss verlaufe
intrameniskal
und durchbreche
im Weiteren nicht die Ober- und Unterfläche. Weiter bestehe eine mittelgrosse
Bakerzyste
bei regel
rechtem Knorpelüberzug in allen Kompartimenten
, weiter ein regelrechtes late
rales und
femoro-patelläres
Kompartiment bei moderatem Gelenkserguss (
Urk.
9/151).
3.2
Die für den Operationsbericht vom 2
8.
März 2017 verantwortlichen Fachärzte des Spitals
C.___
diagnostizierten einen Status nach zweimaliger Kniegelenks
dis
torsion links, erstmals Anfang 2016 und im Dezember 2016 nach Sprung von einer Laderampe mit aktuell symptomatischer
Innenmeniskushinterhornläsion
, VKB-Ruptur sowie Status nach intraartikulärer Steroid- und
Hyaluronsäu
re
infil
tration
Knie links am 1
1.
Januar 201
7.
Operativ sei eine diagnostische Arthros
kopie Knie links durchgeführt worden mit Teilresektion des
Innenmeniskushinter
horns
sowie Stumpfresektion des vorderen Kreuzbandes (
Urk.
9/23).
Mit Bericht vom 2
0.
Juni 2017 hielten die Fachärzte des Spitals
C.___
eine symptomatische Kniegelenksinstabilität bei VKB-Ruptur und
Innenmenis
ksus
hinterhornläsion
fest
, unter Hinweis auf weitere operative Möglichkeiten (
Urk.
9/44
).
Am 1
9.
September 2017 wurde am Spital
C.___
eine
arthroskopische
partielle mediale Meniskusresektion und VKB-Rekonstruktion links durchgeführt
, bei symptomatischer
anteriorer
Kniegelenksinstabilität links (
Urk.
9/71).
3.3
PD
Dr.
med.
D.___
, Oberarzt am
Z.___
, beurteilte das MRI vom 1
3.
Juni 2018 dahingehend, dass der VKB-Graft auffällig dünn und deutlich signalalteriert sei, entweder im Zuge der
Ligamentisierung
oder aber bei partieller Re-Ruptur (klinisch stabil?). Weiter sei ein Status nach medialer
Teilmeniskektomie
mit ent
sprechendem Substanzdefekt im
Hinterhorn
und in der Pars
intermedia
ersicht
lich, in der Restsubstanz kein Nachweis eines neu
aufgretretenen
Risses. Zudem liege ein fokaler oberflächlicher Knorpeldefekt an der medialen Gelenkfacette der Patella angrenzend an die etwas prominente
Plica
mediopatellaris
vor (
Urk.
9/146 S. 2).
3.4
Die für den Bericht des
Z.___
vom 2
0.
September 2018 verantwortlichen Fach
ärzte diagnostizierten neu eine
Ansatztendinopathie
Pes
anserinus
links mit/bei Verdacht
auf
leicht überstehende Interferenzschraube.
Die Schmerzen seien belastungsabhängig, Instabilitätsgefühle würden keine be
stehen. Sie könnten dem Beschwerdeführer die Entfernung/Kürzung der Interfe
renzschraube in einem ambulanten Eingriff anbieten mit jedoch ungewisser Prognose (
Urk.
9/173).
3.5
Der für die kreisärztliche Beurteilung vom 2
8.
September 2018 verantwortliche Radiologe führte aus, dass die Beschwerden nun nur noch auf Folgen der VKB-Ruptur zurückzuführen seien, die weder auf den Unfall vom 1
6.
Dezember 2016 noch auf jenen vom
5.
April 2016 zurückzuführen sei
en
; für die Suva könne der relevante stabile Gesundheitszustand als erreicht betrachtet werden (
Urk.
9/176).
3.6
Am
2.
November 2018 wurde am
Z.___
eine offene Revision mit
Débridement
am
Pes
anserinus
und des
tibialen
Bohrkanals links durchgeführt (
Urk.
9/182).
3.7
Die für den Bericht des
Z.___
vom
9.
November 2018 verantwortlichen Fach
ärzte führten hinsichtlich der Beurteilun
g des MRI
vom
8.
April 2016 aus, dass es Zeichen für eine frische Verletzung bei einem Ödem im
posteromedialen
und vor allem auch im
posterolateralen
Tibiaplateau
bei zusätzlicher Zerrung der Gelenks
kapsel
posteromedial
g
ebe. Die MRI-Befunde seien
auch mit Prof.
E.___
, Chefarzt Radiologie im
Z.___
, besprochen worden.
Bei einem zuvor beschwer
defreien Patienten könne dieser Befund i
hrer Ansicht nach
gut mit einem frischen Trauma und einer frischen VKB-Ruptur vereinbar sein. Dies auch, da im Verlauf bis zur MRI-Bildgebung acht Monate später insbesondere die Degeneration und Läsion des medialen Meniskus stark zugenommen habe, sodass im Vorfeld nicht
von einer chronischen Instabilität habe ausgegangen werden können (
Urk.
9/185).
3.8
PD
Dr.
med.
F.___
, Facharzt FMH für Chirurgie (Suva), führte in seiner chirur
gischen Beurteilung vom
4.
Februar 2019 insbesondere aus, dass
die im MRI vom
8.
April 2016 festgestellte VKB-Läsion
basierend auf der dargelegten Literatur
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom
5.
April 2016 zu sehen sei. Hingegen sei die mediale Meniskusläsion an der Kap
sel
insertion
auf den genannten Unfall zurückzuführen, wobei ein degenerativer Meniskusschaden mit
intrameniskalem
horizontalem Rissverlauf vorbestehend
gewesen
sei. Der mediale Meniskusriss, der anlässlich des zweiten Unfalls vom 1
6.
Dezember 2016 im MRI konstatiert worden sei, sei durch die vorbestehende Meniskusdegeneration und die Instabilität bei VKB-Läsion erklärbar. Der erheb
liche Gelenkserguss lasse dabei auf ein mögliches, frisches E
reignis schliessen. Der Unterfl
ächenriss am medialen Meniskus sei neu gegenüber der Vorunter
suchung von vor 6 Monaten.
Dabei müss
e
in der Kausalitätsfrage aber die vor
bestehende Meniskusdegeneration und die
ap
-Instabilität bei vorderem Kreuz
bandriss berücksichtigt werden.
Der kapselnahe mediale Meniskusriss sei spontan
geheilt, ein normaler Verla
uf nach Teil-
Meniskektomie
dauere
in der eigenen Erfahrung 6 bis maximal 12 Wochen.
Die Beurteilung der Fachärzte des
Z.___
vom
9.
November 2018 würden viele Ungereimtheiten aufweisen, zudem sei die angeführte Unterstützung durch Prof.
E.___
nicht schriftlich dokumentiert und könne durch ein Gegengutachten problemlos entkräftet werden. Falls die hier erfolgte persönliche MRI-Darlegung nicht genügen sollte, sei ein
Aktenkonsil
mit Prof.
G.___
, Chefarzt Radiologie am
Spital
H.___
,
durchzuführen (
Urk.
9/191 S. 23-25).
3.9
In ihrem Schreiben vom 2
7.
Mai 2019 führten die involvierten Fachärzte des
Z.___
aus, dass sie aufgrund der unei
nheitlichen Beurteilung des MRI
vom April 2016 eine unabhängige Beurteilung begrüssen würden
. Hierbei müsse ihrer Meinung nach jedoch auch die Anamnese und die Klinik des Patienten mit
be
rücksichtigt werden als auch die Dynamik der Gelenksdegeneration, welche aus den Folgeuntersuchungen hervorgehe. Ansonsten würde sich auch die Frage nach einer unabhängigen gutachterlichen Untersuchung stellen (
Urk.
3).
4.
4.1
Strittig ist vorliegend insbesondere, ob die im MRI vom
8.
April 2016 festgestellt
e
VKB-Läsion auf den Unfall vom
5.
April 2016 zurückzuführen ist
oder schon vorbestehend war.
Auch wenn man – entsprechend der Einschätzung der Be
schwerdegegnerin - von einer vorbestehenden Läsion ausginge, hätten sich die unfallbedingt erlittenen Meniskusschädigungen zwar nicht direkt
auf die VKB-Läsion ausgewirkt; dennoch wäre die VKB-Problematik
im Sinne einer Akti
vie
rung eines Vorzustandes unfallversicherungsrechtlich relevant (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_847/2016 vom
5.
April 2017 E. 5.3.2).
So wurde die VKB-Rekonstruktion links insbesondere aufgrund der symptomatischen Kniegelenks
instabilität links durchgeführt (
Urk.
9/71).
Hinzuweisen ist dabei
aber
auf die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen bis Ende Oktober 2018 ohnehin erbracht hat.
Zu prüfen bleibt demnach, sofern man von einer vorbe
stehenden VKB-Problematik ausgeht, ob die unbestrittenermassen erlittenen Meniskusverletzungen ab
1.
November 2018 weiterhin Beschwerden verursacht haben, oder ob diesbezüglich von einem
status
quo sine
vel
ante auszugehen ist.
Aus dem Bericht der Fachärzte des
Z.___
vom 2
0.
September 2018 ergeben sich zumindest keine Hinweise auf Instabilitätsgefühle mehr (Urk. 9/173).
4.2
Hinsichtlich der Beurteilung der medizinischen Aktenlage ist a
nzumerken, dass
d
en Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte nach der Rechtsprechung Beweiswert zu
kommt
, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs
frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fach
personen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhän
giger
Sachver
stän
diger. Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
In Würdigung der vorlie
genden medizinischen Akten vermö
g
en
insbesondere die Einschätzung
en
der Fachärzte des
Z.___
vom
9.
November 2018 sowie 2
7.
Mai 2019
zumindest geringe Zweifel an der
kreisärztlichen
Einschätzung der Sachlage durch
PD
Dr.
F.___
zu wecken. Die Einschätzung der spezialisierten Fachklinik vom
9.
November 2018 ist
eingehend
begründet
und stützt sich wesentlich auf eine nicht von vornherein abwegige Interpretation der MRI-Bilder vom April 20
16. Dabei wurde eine frische Verletzu
ng beschrieben, wogegen PD Dr.
F.___
die Bilder anders beurteilte, ohne indes aufzuzeigen, inwiefern die Annahme der
Z.___
-Ärzte falsch ist. Der Verweis auf die Literatur (Urk. 9/191/22) erscheint zwar nachvollziehbar, doch kann das Gericht diesen medizinischen Expertenstreit nicht beurteilen
.
Damit
kann der einen oder anderen Einschätzung nicht ohne abschliessende gutachterliche Beurteilung der Vorzug gegeben werden, zumal PD
Dr.
F.___
selber eine ergänzende MRI-Beurteilung in den Raum stellt.
Zu Recht weisen die Fachärzte des
Z.___
zudem auf die Dynamik der Gelenks
dege
ne
ration hin, welche bei der Beurteilung des
status
quo sine
vel
ante per
1.
Novem
ber 2018 ebenfalls zu beurteilen ist. So wurde insbesondere im Bericht vom 1
5.
Juni 2018 bereits darauf hingewiesen, dass die Beschwerden möglicherweise auch auf die
retropatelläre
Degeneration zurückzuführen sind (
Urk.
9/147 S. 2).
4.3
Zusammenfassend erscheint es zwecks fundierter Beurteilung der Sachlage ange
zeigt, die Sache zur unabhängigen externen Begutachtung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob die im MRI vom
8.
April 2016 festgestellte VKB-Läsion auf den Unfall vom
5.
April 2016 zurück
zuführen ist. Falls die VKB-Läsion als vorbestehend qualifiziert würde, wäre weiter zu klären, ob die ab
1.
November 2018 bestehenden Beschwerden allein auf die VKB-Problematik zurückzuführen sind oder auch noch durch die unfall
bedingten Schädigungen unterhalten werden einschliesslich allfälliger
bereits eingetretener Gelenksdegenerationen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann vorerst offen bleiben ob die VKB-Läsion – sofern nicht durch den Unfall vom
5.
April 2016 verursacht – als unfallähnliche Körperschädigung zu qualifizieren wäre.
5.
Die Rückweisung eine
r Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers
gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegne
rin demnach zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer
eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
,
auf Fr.
2’3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, d
ass der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom
5.
November 2018
aufgehoben und
die Sache an die Beschwerde
geg
nerin zurückge
wiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä
gungen
, über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
neu verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’300
.-- (
inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 14-16
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten;
der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty