# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0cbb39b8-2243-53fd-a3b4-42d9394d17ec
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.02.2012 E-986/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-986-2012_2012-02-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­986/2012

U r t e i l   v om   2 9 .   F e b r u a r   2 0 1 2  

Besetzung Richterin Christa Luterbacher
mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli, 
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Beschwerdeführerin,
und ihr Kind B._______, geboren am (…),
beide Eritrea, 
beide vertreten durch Christian Hoffs, (…)

Gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien 
(Dublin­Verfahren);
Verfügung des BFM vom 9. Februar 2012 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die Beschwerdeführerin Äthiopien eigenen Angaben zufolge am 8. 
Juli 2007 verliess und nach  längeren Aufenthalten  im C._______ und  in 
D._______ am 29. März 2011 auf dem Seeweg nach Italien gelangte, 

dass  sie  von  dort  am  20.  Dezember  2011  zusammen mit  ihrem  [Kind], 
[das]  sie  in  E._______  geboren  habe,  in  die  Schweiz  einreiste  und 
gleichentags um Asyl nachsuchte,  

dass sie am 5. Januar 2012 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) 
Basel zu ihrer Person und summarisch zu ihren Ausreisegründen befragt 
wurde, 

dass  sie  dabei  ausführte,  sie  sei  eritreische  Staatsbürgerin  tigrinischer 
Ethnie, habe aber zeitlebens in Äthiopien gelebt, 

dass ihr Vater im Jahre (…) nach Eritrea deportiert worden sei und auch 
ihr Bruder Äthiopien verlassen habe, so dass sie sich als älteste Tochter 
um die Familie habe kümmern müssen, 

dass sie von 2003 bis 2004 in Äthiopien in F._______ als (…) gearbeitet 
habe  und  vom G._______  (…)  vergewaltigt  worden  sei,  mit  der  Folge, 
dass sie im Jahr (…) von diesem [ein Kind] geboren habe,

dass  ihre Mutter diesen Umstand, dass sie von einem Moslem ein Kind 
geboren habe, nicht habe akzeptieren können, weshalb der Kontakt  zur 
Mutter vor vier Jahren abgebrochen sei, 

dass  sie  [ihr  erstes  Kind]  in  Äthiopien  bei  der  Mutter  und  den 
Geschwistern zurückgelassen habe, 

dass sie zwischenzeitlich ­ (…) ­  ein weiteres Kind geboren habe,

dass  der  Vater  dieses  [Kindes]  ihr  langjähriger  Freund  sei,  welcher  auf 
dem Boot nach Italien keinen Platz mehr gefunden habe, 

dass  sie  am  29. März  2011  in  Italien  angekommen  sei  und wegen  der  
geplatzten Kaiserschnitt­Narbe gleich für zwei Wochen habe hospitalisiert 
werden müssen, 

dass sie die Folgezeit  in einem Lager sowie bei Landsleuten auf Sizilien 
verbracht habe und später nach Rom und Mailand gereist sei,

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dass  sie  für  ihr  Kind  im  Lager  in  Italien  nicht  genügend Milch  erhalten 
habe,

dass die Beschwerdeführerin im Verlauf der Befragung mit dem Umstand 
konfrontiert wurde, dass sie  laut EURODAC­Erfassung am 4. April 2011 
in Italien ein Asylgesuch eingereicht habe,

dass  ihr  zur Kenntnis gebracht wurde,  voraussichtlich sei  Italien  für das 
Asylgesuch  zuständig  und  auf  ihr  Asylgesuch  in  der  Schweiz  werde 
diesfalls nicht eingetreten, 

dass die Beschwerdeführerin dazu geltend machte, sie könnte nicht nach 
Italien  zurückkehren,  da  die  dort  lebenden Verwandten  erfahren  hätten, 
dass sie [ein Kind] von einem Moslem bekommen habe, 

dass  sie  befürchte,  es würde  ihr  etwas  angetan,  hätten  diese  Leute  ihr 
doch gedroht, sie umzubringen,

dass  ihr  die Verwandten  ihres Partners  zudem  [das  zweite Kind]  hätten 
wegnehmen wollen,

dass  das  BFM  am  19.  Januar  2012  die  italienischen  Behörden  um 
Übernahme der Beschwerdeführerin und  ihres Kindes  im Sinne von Art. 
16 Abs. 1 Bst.  c der Verordnung  [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. 
Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist (Dublin­II­Verordnung), ersuchte,

dass Italien zum Übernahmeersuchen  innert der  festgelegten Frist keine 
Stellung nahm, 

dass das BFM mit Verfügung vom 9. Februar 2012 ­ dem Rechtsvertreter 
der  Beschwerdeführerin  eröffnet  am  14.  Februar  2012  ­  in  Anwendung 
von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch vom 27. Dezember 2011 nicht eintrat, die 
Wegweisung nach Italien verfügte, die Beschwerdeführerin und ihr Kind ­ 
unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  ­  aufforderte, 
die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu 
verlassen,  den Kanton  (…)  verpflichtete,  die Wegweisungsverfügung  zu 
vollziehen,  feststellte,  einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung 
komme  keine  aufschiebende  Wirkung  zu,  und  der  Beschwerdeführerin 
die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

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dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung ausführte, gestützt auf 
die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (Abkommen  vom 
26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und 
der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem 
Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­
Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68];  Dublin­II­VO;  Verordnung 
[EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit 
Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des 
Rates  [DVO Dublin]) sei  Italien  für die Durchführung des Asylverfahrens 
zuständig, 

dass der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit EURODAC 
nachweise,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  Italien  ein  Asylgesuch 
eingereicht habe, 

dass  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  festgelegten  Frist  zum 
Übernahmeersuchen  des  BFM  keine  Stellung  bezogen  hätten,  weshalb 
aufgrund  der  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  von  der 
Zuständigkeit  Italiens  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens auszugehen sei,

dass  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  der 
Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges nach Italien nicht zu widerlegen vermöchten, 

dass  die  geltend  gemachten  Drohungen  und  Befürchtungen  im 
Zusammenhang  mit  ihrem  aus  einer  Beziehung  zu  einem  Moslem 
stammenden Kind zu keinem anderen Ergebnis zu führen vermöchten, da 
es sich bei Italien um einen Rechtsstaat mit funktionierenden polizeilichen 
Behörden, welche sowohl schutzwillig als auch schutzfähig seien, handle, 

dass sich die Beschwerdeführerin  im Falle von Übergriffen somit an die 
zuständigen staatlichen Stellen wenden könne,

dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind in Italien sodann auch Schutz 
vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fänden, 

dass auch keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention 
vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  im  Falle  einer  Rückkehr  der 
Beschwerdeführerin und ihres Kindes nach Italien bestünden, 

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dass  der  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  daher  zulässig  und  im 
Weiteren auch zumutbar und möglich sei,

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 21. 
Februar  2012  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  erhob  und  beantragte,  es  sei  die  Verfügung  des  BFM 
aufzuheben  und  dieses  sei  anzuweisen,  vom  Recht  auf  Selbsteintritt 
Gebrauch zu machen und sich als zuständig zu erachten, 

dass  die  Beschwerdeführerin  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht 
beantragte, es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde zu erteilen 
und die unentgeltliche Prozessführung  im Sinne von Art.  65 Abs. 1 des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG, 
SR 172.021) zu gewähren,  

dass der Rechtsvertreter seine Anträge unter Beilage eines Berichts von 
"Pro Asyl" zur Lage der Flüchtlinge  in  Italien vom 28. Februar 2011 und 
eines  Berichtes  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  vom  Mai  2011 
(Asylverfahren  und  Aufnahmebedingungen  in  Italien)  damit  begründete, 
eine Überstellung nach  Italien könne der Beschwerdeführerin und  ihrem 
Kind nicht zugemutet werden,

dass  die  Instruktionsrichterin  mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Februar 
2012  per  Telefax  den  Vollzug  der  Wegweisung  bis  zum  Eingang  der 
vorinstanzlichen  Akten  und  einem  allfälligen  Entscheid  über  die 
Gewährung der aufschiebenden Wirkung aussetzen liess,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  23.  Februar  2012  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

dass  sich das Verfahren nach dem VwVG  richtet,  soweit  das VGG und 
das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),

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dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind  am  Verfahren  vor  der 
Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  und  Art. 48  Abs. 1 
VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde, 

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  sich  einer 
selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl.  BVGE  2011/9  E.  5;  Entscheidungen  und  Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. 
S. 240 f.), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  zu  prüfen  ist,  ob  das  BFM 
gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist, 

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dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als 
zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab 
auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der 
angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,

dass  sich  die  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  vor  ihrer 
Einreise  in  die  Schweiz  während  zirka  neun  Monaten  in  Italien 
aufgehalten hat, 

dass  sie  gemäss  der  daktyloskopischen  Erfassung  dort  ein  Asylgesuch 
gestellt hat, welches in Bari am 4. April 2011 registriert wurde, 

dass  laut  Angaben  in  der  Beschwerdeschrift  über  das  Asylgesuch  in 
Italien noch nicht entschieden worden sei,

dass  daher  gemäss  den  Bestimmungen  der  Dublin­II­VO  vorliegend 
Italien  für  die  Behandlung  des  Asylgesuchs  und  eines  allfälligen 
Wegweisungsverfahrens zuständig ist, 

dass die  italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behörden 
um Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihres Kindes innert Frist 
nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens  gemäss 
Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  so  genannten  Verfristung 
definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO), 

dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951 
über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der 
EMRK ist, 

dass  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vorliegen,  wonach  sich  Italien  im 
Falle  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Kindes  nicht  an  die  daraus 
resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würde,

dass  in  Italien  ein  rechtsstaatlich  konformes Verfahren  zur  Prüfung  des 
Asylgesuchs und der Wegweisung garantiert ist, 

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dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im 
Rahmen  eines Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten, würden  aufgrund  der 
dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage versetzt, 

dass  die  Umstände,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind 
während  neun  Monaten  in  Italien  aufgehalten  haben  und  der 
Beschwerdeführerin  nach  ihrer  Ankunft  auch  während  zwei  Wochen 
Spitalpflege  zukam,  geeignet  sind,  diese  Einschätzung  bestätigen  (vgl. 
A5/12, S. 8),

dass  die  auf  Beschwerdeebene  behauptete  Entlassung  aus  einem 
Auffanglager  in  Bari  von  der  Beschwerdeführerin  in  dieser Weise  nicht 
geltend gemacht wurde, 

dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Befragung  nur  geltend  machte, 
aufgrund ihrer Unzufriedenheit mit den Lagerbedingungen/­leistungen sei 
sie mit Landsleuten mitgegangen (vgl. A5/12, S. 8), 

dass  gleichzeitig  nicht  in  Abrede  gestellt  werden  soll,  dass  das 
italienische  Asylverfahren  gewisse  Schwachstellen  aufweist  und 
Asylsuchende  in  Italien  bei  der Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem Zugang 
zur  medizinischen  Infrastruktur  mitunter  gewissen  Schwierigkeiten 
ausgesetzt sein können,

dass  das  Gericht  aber  davon  ausgeht,  Dublin­Rückkehrende  würden 
betreffend Unterbringung von den italienischen Behörden eher bevorzugt 
behandelt, und es würden sich zudem neben den staatlichen Strukturen 
auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von 
Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, 

dass  beispielsweise  die  Organisation  „Arci  con  Fraternità“  seit  dem  1. 
Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom) 
organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung 
anbietet,

dass  weiter  auf  die  Tatsache  hinzuweisen  ist,  dass  gemäss  der 
Aufnahmerichtlinie  Italien  gehalten  ist,  den  Asylsuchenden  materielle 
Aufnahmebedingungen  zu  gewähren,  die  die  Sicherung  des 
Lebensunterhalts und der Gesundheit gewährleisten, 

dass  keine  hinreichenden  Gründe  zur  Annahme  bestehen,  dass 
Personen, die sich  im Rahmen eines Asylverfahrens  in  Italien aufhalten, 
aufgrund  der  dortigen  Aufenthaltsbedingungen  in  eine  existenzielle 

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Notlage  versetzt  würden  (vgl.  etwa  Entscheide  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­721/2012  vom  14.  Februar  2012,  E­
536/2012  vom  3. Februar  2012,  D­378/2012  vom  25. Januar  2012,  D­
7654/2010 vom 20. April 2011 mit weiteren Hinweisen), 

dass  gegen  die  Umsetzung  der  Aufnahmerichtlinie  durch  Italien  ­  im 
Gegensatz zu Griechenland  ­ von Seiten der Europäischen Kommission 
kaum  Beanstandungen  ergangen  sind,  und  es  der  Beschwerdeführerin 
zuzumuten wäre, sich an die dafür zuständigen Behörden zu wenden, um 
die nötige Unterstützung zu beantragen.

dass  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der Gewährung des  rechtlichen 
Gehörs  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  nach  Italien  keine  Einwände 
bezüglich  fehlender  Unterbringung  anführte  (solche  wurden  erst  auf 
Beschwerdeebene ins Feld geführt), sondern als gegen die Überstellung 
sprechend  einzig  ihre  familiären  Probleme  und  Ängste  im 
Zusammenhang mit ihren Kindern erwähnte, 

dass  das  BFM  bezüglich  allfälliger  Bedrohungen  im  angefochtenen 
Entscheid  zu  Recht  anführte,  diesfalls  könnte  sich  die 
Beschwerdeführerin an die schutzfähigen und schutzwilligen italienischen 
Behörden wenden, 

dass  diese  angeblichen  Bedrohungen  sodann  ohnehin  als  wenig 
substanziiert zu bezeichnen sind und nur schwer nachvollziehbar ist, die 
im  Ausland  lebende  Verwandtschaft  wolle  sich  (…)  Jahre  nach  der 
Geburt  [des  ersten  Kindes]  noch  für  diesen  Vorfall  an  der 
Beschwerdeführerin rächen, 

dass  das  BFM  nach  dem  Gesagten  keine  Veranlassung  zu  einem 
Selbsteintritt  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  gehabt  hat  und  es  damit  zu 
Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist,

dass die eingereichten,  dem Gericht  bekannten Berichte  von  "Pro Asyl" 
und  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  an  der  vorgenommenen 
Einschätzung im Ergebnis nichts zu ändern vermögen, 

dass  die  Rüge,  dem  Umstand  der  Vulnerabilität  der 
Beschwerdeführenden  hätte  bereits  beim  Rückübernahmeersuchen 
Rechnung getragen werden müssen, nicht zu verfangen vermag,

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dass  diesem  Umstand,  dass  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  und 
ihrem  (…)  Kind  um  verletzliche  Personen  handelt,  jedoch  bei  der 
Überstellung der Beschwerdeführenden nach  Italien Rechnung getragen 
werden soll, 

dass  das  BFM  deshalb  angewiesen  wird  sicherzustellen,  dass  die 
italienischen  Behörden  über  die  Ankunft  und  die  Bedürfnisse  der 
Beschwerdeführerin und ihres Kleinkindes explizit informiert werden, und 
sie  Personen  übergeben  werden,  welche  die  Verantwortung  für  sie 
übernehmen können, 

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung 
aus der Schweiz zur Folge hat  (Art.  44 Abs. 1 AsylG),  vorliegend keine 
ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  wurde  und  auch  kein 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht,  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach zu bestätigen ist, 

dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches 
zuständigen   Staat  handelt  –  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für 
Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 
1 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20]), 

dass  sich  die  Frage  nach  dem  Bestehen  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen  regelmässig  bereits  als 
Voraussetzung  (und  nicht  erst  als  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheids  darstellt,  und  demnach  im  Rahmen  der 
Prüfung des Selbsteintritts beantwortet worden ist, 

dass in diesem Sinn das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Italien 
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder 
unangemessen  sei  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, 

dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist, 

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Seite 11

dass  der  Antrag  auf  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der 
Beschwerde   –  die  aufschiebende Wirkung  kann  nur  für  die Dauer  des 
Beschwerdeverfahrens  Wirkung  entfalten  –  aufgrund  des  vorliegenden 
direkten Entscheids  in der Hauptsache selbst gegenstandslos geworden 
ist, weshalb darüber nicht zu befinden ist,

dass der am 22. Februar 2012 verfügte provisorische Vollzugsstopp nach 
dem Gesagten zu widerrufen ist,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung 
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen  ist, da die Beschwerde – wie 
sich  aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  –  als  aussichtslos  zu 
bezeichnen  war,  weshalb  die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind, 

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­ 
(Art. 1 ­ 3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

E­986/2012

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen  sicherzustellen,  dass  die  italienischen 
Behörden über die Ankunft und die Bedürfnisse der Beschwerdeführerin 
und  ihres Kleinkindes explizit  informiert werden, und dass sie Personen 
übergeben  werden,  welche  die  Verantwortung  für  sie  übernehmen 
können, 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin : Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

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