# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4bc6555e-f599-5946-ac05-6d21bc28aedb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.03.2021 E-3796/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3796-2017_2021-03-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3796/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Ariane Burkhardt,  

Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 1. Juni 2017 / N (…). 

 

 

 

E-3796/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, afghanischer Staatsangehöriger der Ethnie Hazara 

mit letztem Wohnsitz in Kabul, verliess eigenen Angaben zufolge seinen 

Heimatstaat im September 2015 und reiste über den Iran und verschiedene 

europäische Länder am 10. November 2015 in die Schweiz ein. Gleichen-

tags ersuchte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ 

um Asyl. Er wurde am 27. November 2015 summarisch zu seiner Person, 

dem Reiseweg und den Asylgründen befragt (BzP) und am 19. April 2017 

aufgrund seiner Minderjährigkeit im Beisein einer Vertrauensperson einge-

hend zu seinen Asylvorbringen angehört.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, sein 

Onkel sei in Kabul in eine Streitigkeit mit einer Person geraten, bei welcher 

es sich um einen Anhänger eines einflussreichen Mannes namens 

C._______ gehandelt habe, woraufhin diese Person in Folge des Streits 

getötet worden sei. Sein Onkel sei zu einer Haftstrafe verurteilt und nach 

neun Jahren aus der Haft entlassen worden. Sein Vater habe aus Angst 

vor einer drohenden Rache Afghanistan im Jahre 2009 verlassen und lebe 

seither in D._______. Als ältester Sohn der Familie habe er – der Be-

schwerdeführer – befürchtet, die Feinde seines Vaters beziehungsweise 

seines Onkels würden an ihm Rache verüben. Aufgrund von Drohungen, 

die sich gegen ihn gerichtet hätten, habe er auch die Schule nicht mehr 

besuchen können. Ausserdem sei er von den Taliban und Sunniten bedroht 

worden und die Situation sei für ihn als ethnischer Hazara immer gefährli-

cher geworden. Dies habe zum Ausreiseentschluss geführt. 

Der Beschwerdeführer reichte die afghanische Tazkera seiner Mutter im 

Original ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 1. Juni 2017 – eröffnet am 6. Juni 2017 – stellte die 

Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz und den Vollzug der Wegweisung an. 

C.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer, handelnd durch die 

rubrizierte Rechtsvertreterin, am 6. Juli 2017 Beschwerde beim Bundes-

verwaltungsgericht. Er liess beantragen, der vorinstanzliche Entscheid sei 

aufzuheben und ihm sei in Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl in 

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Seite 3 

der Schweiz zu gewähren. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, ihn 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz 

aufzunehmen. 

In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sowie um Einsetzung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-

din. 

Der Beschwerdeführer reichte mit der Beschwerde zwei Recherchen der 

Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) ein, namentlich 

eine solche vom 7. Juni 2017 zu Afghanistan: «Blutrache und Blutfehde»; 

sowie eine solche vom 19. Juni 2017 zu Afghanistan: «Sicherheitslage in 

der Stadt Kabul».  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2017 hiess die damalige Instruktions-

richterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. Gleichzeitig wurde antragsge-

mäss die mandatierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin ein-

gesetzt. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2018 wurde die Vorinstanz zur Ein-

reichung einer Vernehmlassung eingeladen. 

F.  

Die am 9. Februar 2018 eingereichte Vernehmlassung wurde dem Be-

schwerdeführer am 12. Februar 2018 zugestellt, mit Frist zur Einreichung 

einer allfälligen Replik. 

G.  

Mit Eingabe vom 13. März 2018 reichte der Beschwerdeführer nach Ge-

währung einer entsprechenden Fristverlängerung eine Replik zu den Ak-

ten. 

H.  

Mit Eingaben vom 17. März 2018 und 12. April 2018 liess der Beschwer-

deführer Beweismittel betreffend sein wirtschaftliches und soziales Netz in 

Kabul einreichen. 

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Seite 4 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2019 wurde das SEM erneut zu ei-

ner Vernehmlassung eingeladen. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdefüh-

rer mitgeteilt, dass die bisherige Instruktionsrichterin aus organisatorischen 

Gründen innerhalb der Abteilung V nicht mehr für das vorliegende Verfah-

ren zuständig sei und die Unterzeichnende den Vorsitz im Verfahren über-

nommen habe. 

J.  

Die Vernehmlassung vom 14. August 2019 wurde dem Beschwerdeführer 

am 15. August 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

K.  

Mit Eingabe vom 11. November 2020 wurde um beförderliche Behandlung 

des Verfahrens ersucht und mitgeteilt, dass die amtlich beigeordnete 

Rechtsvertreterin nicht mehr für die Berner Rechtsberatungsstelle tätig sei 

und stellvertretend Frau Denise Baltensperger die Rechtsvertretung über-

nehme. 

L.  

Mit Schreiben vom 20. November 2020 erteilte die Instruktionsrichterin 

Auskunft zum Verfahrensstand und äusserte sich zum Weiterbestand des 

amtlichen Mandats.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden. 

1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

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Seite 5 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländer-

rechts richtet sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts nach 

Art. 49 VwVG (vgl. Art. 112 AIG; BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 6 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

4.  

4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz 

im Wesentlichen aus, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Schwierigkeiten im Heimatstaat den Anforderungen an Art. 3 AsylG nicht 

genügen würden.  

Soweit er geltend mache, dass die Lage in Kabul für ihn als ethnischen 

Hazara immer gefährlicher geworden und er aufgrund dieser ethnischen 

Zugehörigkeit von den Taliban bedroht worden sei, könne vorliegend nicht 

von einer effektiven persönlichen und gezielten Bedrohung ausgegangen 

werden. Der Beschwerdeführer habe selbst vorgebracht, persönlich nicht 

von den Taliban bedroht worden zu sein. Mithin handle es sich vielmehr um 

eine allgemeine Angst vor der Gewalt, die von den Taliban ausgehe und 

die der allgemein instabilen Sicherheitslage Afghanistans zuzuschreiben 

sei. Die vorgebrachten Ereignisse würden daher keinen derart intensiven 

Eingriff in die persönliche Freiheit im asylrelevanten Ausmass darstellen.  

Auch das Vorbringen, dass er als Hazara von der sunnitischen Mehrheit 

diskriminiert und belästigt worden und die Lage für ihn aufgrund seiner Eth-

nie immer gefährlicher geworden sei, führe nicht zur Annahme einer ge-

zielten Verfolgung. Zum aktuellen Zeitpunkt würden keine Anzeichen dafür 

vorliegen, dass die Volksgruppe der Hazara allein aufgrund der Ethnie ei-

ner gezielten Verfolgung unterliegen würde. Die allgemeine Schlechterstel-

lung der Hazara stelle keine Kollektivverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

dar. Zudem sei eine Gefährdung aus ethnischen Gründen in Gebieten, wo 

die betreffende Volksgruppe die Bevölkerungsmehrheit darstelle, unwahr-

scheinlich. Das Vorbringen des Beschwerdeführers beziehe sich auf die 

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allgemeine sicherheitspolitische, soziale und wirtschaftliche Lage in Afgha-

nistan.  

Des Weiteren würden die Ausführungen des Beschwerdeführers die Anfor-

derungen an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG nicht erfüllen. So 

habe der Beschwerdeführer in der BzP vorgebracht, die Familie des von 

seinem Onkel Getöteten würde an seiner Familie Rache nehmen wollen. 

Sein Onkel sei aufgrund des von ihm verübten Mordes ungefähr neun 

Jahre in Haft gewesen und unterdessen entlassen worden. Ausserdem 

habe er, der Beschwerdeführer, mit den afghanischen Behörden nie Prob-

leme gehabt. Im Rahmen der Bundesanhörung habe er hingegen ausge-

führt, er sei von Anhängern des getöteten C._______ bedroht worden. 

C._______ habe für die Regierung gearbeitet und ein grosses Beziehungs-

netzwerk gehabt, weswegen er sich auch nicht an die Polizei habe wenden 

können. Sein Vater, der einer anderen politischen Gruppierung als der des 

Getöteten angehört habe, sei aus Angst vor Rache geflohen. Er selbst sei 

persönlich dreimal von Anhängern C._______ angegriffen und bedroht 

worden. Diese widersprüchlichen und nachgeschobenen Aussagen in Be-

zug auf die Verfolgungs- und Bedrohungssituation würden erhebliche 

Zweifel am Wahrheitsgehalt der Vorbringen aufkommen lassen. Des Wei-

teren seien seine Aussagen vage, unplausibel und unsubstanziiert geblie-

ben. Insbesondere die Schilderungen zu den geltend gemachten Drohun-

gen seitens der Anhänger von C._______ seien sehr allgemein ausgefallen 

und hätten sich in wenigen kurzen, stereotypen Sätzen erschöpft. Insge-

samt sei kein klares Bild seiner Erlebnisse und der angeblichen Bedro-

hungssituation entstanden. Da der Beschwerdeführer nicht plausibel habe 

erklären können, weswegen ihm konkret ernsthafte Nachteile drohen soll-

ten, sei anzunehmen, dass seine Ausführungen nicht auf eigenen Erfah-

rungen beruhen würden.  

4.2 Der Beschwerdeführer hielt dem in der Beschwerde entgegen, erklä-

rend sei auszuführen, dass seine Familie mit der von C._______ seit lan-

gem im Streit liege, zumal die beiden Familien verschiedenen politischen 

Lagern angehören würden. Im Zuge dieser Fehde sei es zu einem Todes-

fall gekommen und sein Onkel sei für den Tod eines Anhängers und Fami-

lienmitglieds von C._______ verantwortlich gemacht worden. Er sei zu ei-

ner Haftstrafe von zwanzig Jahren verurteilt worden. Die Haftstrafe sei spä-

ter reduziert worden und sein Onkel sei nach der Haftentlassung unterge-

taucht. Nachdem C._______ begonnen habe, für die Regierung zu arbei-

ten, habe sein Vater die Situation als zu gefährlich eingeschätzt und im 

Jahre 2009/2010 Afghanistan in Richtung Iran verlassen. In der Folge sei 

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es zu Drohungen von Seiten der Anhänger von C._______ gegen ihn und 

seine Familie gekommen. Aus diesem Grund habe die Familie innerhalb 

Kabuls auch mehrmals den Wohnort wechseln müssen. In den Jahren 

2011 bis 2014 sei er insgesamt dreimal von Anhängern C._______ aufge-

griffen und bedroht worden. Als ältester Sohn der Familie sei er, nachdem 

sein Onkel und sein Vater untergetaucht beziehungsweise aus Afghanistan 

ausgereist seien, mit dem Tod bedroht worden. Zwischen dem letzten An-

griff und der Ausreise habe er sich sodann kaum mehr ausser Haus ge-

wagt. Die vorinstanzliche Einschätzung, wonach seine Ausführungen wi-

dersprüchlich und nachgeschoben seien, seien zurückzuweisen. Insbe-

sondere habe er bereits an der BzP vorgebracht, dass sein Vater wegen 

C._______ neuerlicher Regierungstätigkeit ausgereist sei. Zudem sei die 

Bedrohung von C._______ ausgegangen und nicht direkt von den Behör-

den, weswegen er die Frage nach Problemen mit den Behörden wahrheits-

gemäss verneint habe. Er habe im Rahmen der BzP kurz zusammenge-

fasst die Asylgründe genannt, wobei der Umstand der Verhaftung seines 

Onkels wegen der Tötung eines Anhängers von C._______ im Zentrum 

gestanden habe. Zudem müsse darauf hingewiesen werden, dass ihm so-

wohl an der BzP als auch an der Anhörung kaum Rückfragen zur Person 

von C._______, den Hintergründen der Familienfehde sowie zu den drei 

Bedrohungssituationen gestellt worden seien. Dies lasse vermuten, dass 

der Sachbearbeiter seinen Vorbringen zum Vornherein keinen Glauben ge-

schenkt habe. Unter Berücksichtigung seiner Minderjährigkeit wäre die 

Vorinstanz jedoch gehalten gewesen, Fragen unter verschiedenen Blick-

winkeln sowie anhand von konkreten Beispielen zu stellen und sich zu ver-

gewissern, dass er die Fragen richtig verstanden habe. Die Vor-instanz 

habe ausserdem keine Gesamtwürdigung sämtlicher für und gegen seine 

Glaubwürdigkeit sprechenden Elemente vorgenommen. Seine Angaben 

würden jedoch durchaus ein Gesamtbild ergeben. Unter Hinweis auf eine 

Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 7. Juni 2017 zu Afghanis-

tan und zu Blutrache sei des Weiteren darauf hinzuweisen, dass Ehre und 

Vergeltung im afghanischen Kontext eine zentrale Rolle spielen würden. 

So könne selbst dann keine gewaltsame Vergeltung ausgeschlossen wer-

den, wenn ein Fall rechtskräftig entschieden werde und die Strafe von der 

betreffenden Person abgesessen werde. Die Rache könne zudem mehrere 

Jahre und Generation nach der die Fehde auslösenden Tat weiterbeste-

hen. Ein weiteres Problem bestünde in der vorherrschenden Korruption 

des afghanischen Polizei- und Justizapparates, der weder imstande noch 

willens sei, eine Blutrache zu verhindern oder zu beenden. Insgesamt sei 

die geltend gemachte Bedrohungslage durchaus plausibel und glaubhaft 

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gemacht worden. Von den afghanischen Behörden habe er zudem keine 

Unterstützung erhalten können.  

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Übereinstimmung mit dem 

SEM zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den An-

forderungen an die Glaubhaftmachung einer asylrelevanten Verfolgung 

nicht zu genügen vermögen. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen in 

der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Einwände in der Be-

schwerde vermögen zu keiner anderen Gesamteinschätzung zu führen. 

5.2 Zunächst ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass der Be-

schwerdeführer in Bezug auf die Bedrohungssituation, welcher seine Fa-

milie und er selbst ausgesetzt gewesen sei, im Rahmen der BzP einen 

leicht differenzierten Sachverhalt geschildert hat, als später an der Anhö-

rung. So hat er an der BzP ausgeführt, dass sein Onkel in eine Streitigkeit 

verwickelt gewesen sei, wobei dessen Widersacher ums Leben gekommen 

sei. Daraufhin sei sein Onkel zu einer Freiheitstrafe von neun Jahren ver-

urteilt worden (act. A4/11 F2.02). Der Beschwerdeführer selbst habe be-

fürchtet, dass die Familie des Getöteten an seiner Familie Rache ausüben 

werde. Auf konkrete Anhaltspunkte einer solchen Bedrohung angespro-

chen erwiderte er, dass die Familie des Getöteten seiner Familie einmal 

gesagt habe, dass sie aus Rache ein Familienmitglied töten würden 

(act. A4/11 7.02). Im Rahmen der Anhörung machte der Beschwerdeführer 

hingegen geltend, sowohl sein Vater als auch sein Onkel stünden aus po-

litischen Gründen seit längerer Zeit in einem Konflikt mit C._______ und 

dessen Anhängern. Von einer Familienfehde und Blutrache im eigentlichen 

Sinne war mithin keine Rede mehr, sondern nur von Anhängern der politi-

schen Figur C._______, die die Familie des Beschwerdeführers bedroht 

hätten. Aufgrund dieser inhaltlichen Diskrepanzen kann nicht ausgeschlos-

sen werden, dass der an der Anhörung vorgebrachte Konflikt mit 

C._______ nachgeschoben wurde.  

5.3 Hinzu kommt, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers in Bezug 

auf die Bedrohung durch Anhänger C._______ über weite Teile unsubstan-

tiiert und ausweichend ausgefallen sind (act. A18/14 F48, 49, 50). Insbe-

sondere lassen auch die Schilderung der drei Zwischenfälle, die der Be-

schwerdeführer persönlich mit Anhängern C._______ erlebt haben will, 

nach Einschätzung des Gerichts Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vor-

bringen aufkommen. Einerseits konnte der Beschwerdeführer nur eine 

sehr grobe zeitliche Einordnung dieser Vorkommnisse vornehmen 

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Seite 10 

(act. A18/14 F56 ff.). Andererseits machte er bezüglich der Person, die ihn 

beziehungsweise seine Familie bedroht haben soll, widersprüchliche Aus-

sagen. So äusserte er sich zum einen dahingehend, dass C._______ per-

sönlich Drohungen ausgesprochen haben soll (act. A18/14 F49), zum an-

deren führte er aus, lediglich Kontakt mit den Anhängern C._______ ge-

habt zu haben (act. A18/14 F51), wobei er diese nicht näher zu umschrei-

ben vermochte, obwohl es sich einmal um eine bekannte Person gehandelt 

habe (act. A18/14 F52).  

5.4 Soweit in der Beschwerde vorgebracht wird, es seien in der Anhörung 

zu wenig Rückfragen in Bezug auf die Hintergründe dieser Fehde mit 

C._______ und zur Bedrohungslage gestellt worden (Beschwerde S. 6, 7), 

kann dieser Ansicht nicht gefolgt werden. Aus dem Protokoll der Anhörung 

ergibt sich, dass diese einlässlich und altersentsprechend geführt wurde 

und insbesondere Nachfragen und konkretisierende Fragen seitens des 

Sachbearbeiters gestellt wurden – dies im Übrigen in Anwesenheit der 

Rechtsvertreterin, die weder im Rahmen der Anhörung Mängel in der Be-

fragungstechnik monierte noch selbst entsprechende Ergänzungsfragen 

stellte (act. A18/14 S. 11 ff.). Dem Einwand auf Beschwerdeebene, wonach 

die Vorinstanz keine Gesamtwürdigung sämtlicher für und gegen die 

Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers sprechenden Elemente vorge-

nommen habe und damit voreingenommen gewesen sei (Beschwerde S. 

6, 7), kann das Gericht ebenfalls gestützt auf das vorliegende Anhörungs-

protokoll nicht folgen.  

5.5 Soweit der Beschwerdeführer erstmals an der Anhörung eine Bedro-

hungssituation von Seiten der Taliban geltend machte, ist dazu auszufüh-

ren, dass er eigenen Angaben zufolge nie persönlich von den Taliban be-

droht wurde (act. A18/14 F59). Vielmehr weist er in genereller Weise auf 

die Gefahr und allgemeine Verunsicherung hin, die in Afghanistan von den 

Taliban ausgehe (act. A18/14 F60). Eine Verfolgung durch die Taliban res-

pektive eine begründete Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung nachzu-

weisen oder glaubhaft zu machen, gelingt dem Beschwerdeführer mithin 

nicht. Auch eine konkrete und gegen seine Person gerichtete Bedrohung 

durch die Sunniten konnte der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen. 

Insbesondere vermochte er, auch auf Nachfragen des Sachbearbeiters 

hin, nicht plausibel auszuführen, in welcher Weise sich diese Bedrohungs-

lage gezeigt hätte. Zwar schilderte er einen Zwischenfall mit einem Poli-

zeioffizier, der ihn geohrfeigt habe (act. A18/14 F61). Dass dieser Vorfall in 

einem Zusammenhang zu seiner religiösen Zugehörigkeit stehen soll, 

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Seite 11 

ergibt sich aus seiner Darlegung jedoch nicht. Seine Vorbringen diesbe-

züglich bleiben vage und unspezifisch, was sich beispielhaft daran zeigt, 

dass er stets von «den Sunniten» spricht, ohne einen spezifischen Täter 

nennen zu können (act. A18/14 F45, 48, 61).  

5.6 Ergänzend ist anzuführen, dass das Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers in Bezug auf seinen Schulbesuch und den Schulabbruch in sich nicht 

stimmig ist. So machte er in nicht weiter substanziierter Weise geltend, auf-

grund des Konflikts mit der besagten Person habe er auch die Schule nicht 

weiterbesuchen können (act. A18/14 F33). Gleichzeitig brachte er aber 

auch vor, die Schule in der achten Klasse abgebrochen zu haben, weil er 

von Sunniten und von anderen nicht näher bezeichneten Personen ge-

schlagen und geprügelt worden sei (act. A18/14 F45). In der BzP trug er in 

Bezug auf den Abbruch seines Schulbesuchs vor, dass er drei Monate zu-

vor seinen letzten Schultag gehabt habe (act. A4/11 F1.17.04), mithin Ende 

August 2015, was mit dem Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan über-

einstimmen dürfte (s. act. A4/11 F5.01). Demnach ergibt sich bereits zeit-

lich nicht ohne Weiteres, dass er die Schule aufgrund der Bedrohung durch 

die Anhänger C._______, die Sunniten oder die Taliban hätte abbrechen 

müssen.  

5.7 Im Ergebnis ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Flücht-

lingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die 

Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).  

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Seite 12 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2  

7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

7.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement le-

diglich Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es 

dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nicht-Rückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Af-

ghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

7.2.4 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

E-3796/2017 

Seite 13 

Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Be-

schwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-

botene Strafe oder Behandlung befürchten. Gemäss Praxis des Europäi-

schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) müsste der Beschwer-

deführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernsthafte Risiko («real risk») glaub-

haft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch-

liche Behandlung droht (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, 

Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Nachdem 

eine Verfolgung im Heimatstaat nicht glaubhaft gemacht werden konnte, 

lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan für sich al-

leine den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzuläs-

sig erscheinen. 

7.2.5 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich zu-

sammenfassend – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen 

Bestimmungen – als zulässig. 

7.3  

7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

7.3.2  

7.3.2.1 Die Vorinstanz hielt in Bezug auf den Wegweisungsvollzug fest, 

dass nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine 

Rückkehr nach Kabul nicht generell unzumutbar sei, sondern unter be-

günstigenden Umständen als zumutbar erkannt werden könne. Der Be-

schwerdeführer habe mit seiner Familie während über zehn Jahren in Ka-

bul gelebt und sei dort zur Schule gegangen. Es würden auch keine indivi-

duellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs spre-

chen, zumal der Beschwerdeführer über ein tragfähiges Beziehungsnetz in 

Kabul verfüge und von seinem Vater, der im Iran lebe, finanziell unterstützt 

werde. Seine Mutter sei beruflich tätig und er habe die Reise in die Schweiz 

eigenständig finanzieren können. Er habe bis zur achten Klasse die Schule 

besucht und mit diversen Teilzeitarbeiten ein vergleichsmässig hohes Ein-

kommen erzielt. Da er keine Beweismittel eingereicht habe, die sein gel-

tend gemachtes Geburtsdatum belegen würden, sei ausserdem davon 

E-3796/2017 

Seite 14 

auszugehen, dass er demnächst volljährig werde und, abgesehen von ei-

nem (…), gesund sei. Insgesamt sei damit zu rechnen, dass er bei der 

Wiedereingliederung sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht 

von seiner Familie unterstützt werde. Schliesslich sei der Wegweisungs-

vollzug ebenfalls möglich und zulässig.  

7.3.2.2 Der Beschwerdeführer entgegnete dem in der Beschwerde, dass 

gemäss Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-7625/2008 vom 

16. Juni 2011 eine Wegweisung nur zumutbar sei, wenn begünstigende 

Umstände vorliegen würden, welche in seinem Fall nicht gegeben seien. 

Es sei von einer Bedrohungslage in Bezug auf ihn und die Familie auszu-

gehen. Seine Familie wechsle deshalb öfters innerhalb von Kabul den 

Wohnort. In Bezug auf die Familie sei sodann festzustellen, dass seine 

Mutter nur ein geringes Einkommen als (…) erwirtschafte und von den 

Geldüberweisungen des im Iran lebenden Vaters abhängig sei. Über die 

Situation des Vaters sei nichts bekannt, respektive sei dies weder erfragt 

noch konkret abgeklärt worden. Es sei zu bezweifeln, dass seine Mutter in 

der Lage wäre, ihn wieder auszunehmen, da sie gezwungen sei, aufgrund 

der bestehenden Bedrohungslage immer wieder den Wohnort zu wech-

seln. In Bezug auf ihn gehe die Vorinstanz davon aus, dass er sein eigenes 

Einkommen generieren könne. Es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass es 

ihm vor seiner Ausreise nur während eines Jahres möglich gewesen sei in 

Kabul zu arbeiten und dies nur an einzelnen Tagen. Die Vorinstanz habe 

sich sodann damit begnügt, pauschal auf die in Afghanistan lebende Tan-

ten und Onkel zu verweisen, ohne nähere Abklärungen vorzunehmen. Ob 

sich diese noch in Kabul aufhalten und gewillt und in der Lage wären, ihn 

zu unterstützen und seine Existenz zu sichern, sei fraglich. Er habe bereits 

vor seiner Ausreise mit der Tante und dem verbliebenen Onkel in Kabul 

keinen Kontakt gehabt und wisse nicht, wo diese sich aufhalten. Er verfüge 

mithin nicht über ein tragfähiges Netz. Verwiesen wurde sodann auf die 

zum damaligen Zeitpunkt in Kabul verübten Anschläge mit zahlreichen zi-

vilen Opfern. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob angesichts der herr-

schenden Sicherheitslage und der eklatanten Welle von Gewalt nicht von 

einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auszugehen 

sei.  

7.3.2.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass ein Weg-

weisungsvollzug auch in Anbetracht der zwischenzeitlich ergangenen 

neusten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil  

D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 [als Referenzurteil publiziert]) als zu-

mutbar zu qualifizieren sei. Die erforderlichen besonders begünstigenden 

E-3796/2017 

Seite 15 

Umstände – junger, gesunder Mann, tragfähiges soziales Netz, das dem 

Rückkehrenden eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie 

Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten kann – seien im 

vorliegenden Fall gegeben. 

7.3.2.4 Replizierend hielt der Beschwerdeführer fest, dass die erforderli-

chen besonders begünstigenden Umstände bei ihm nicht gegeben seien. 

Er pflege nur alle paar Monate Kontakt mit seiner Mutter; diese habe seit 

Längerem keinen Kontakt mehr zum im Iran lebenden Vater, so dass auch 

dessen finanzielle Unterstützung mittlerweile fehle. Die wirtschaftliche Si-

tuation der Familie stelle sich seit dem Wegfall der Unterstützung durch 

den Vater besonders prekär dar. Seine Mutter sei gesundheitlich ange-

schlagen, habe Erkrankungen des (…) und des (…), die sie daran hindern 

würden, ihrer Erwerbstätigkeit als (…) nachzugehen. In diesem Zusam-

menhang wurden die Mutter betreffende ärztliche Berichte eingereicht und 

darauf verwiesen, dass sie auf regelmässige Medikation angewiesen sei. 

Seine jüngere Schwester sei nunmehr als (…) tätig, könne aber mit ihrem 

Lohn gerade einmal die Miete zahlen. Die eigentlichen Lebenshaltungs-

kosten der sechsköpfigen Familie müssten durch das Einkommen des Bru-

ders gedeckt werden, der als (…) arbeite. Seine Familie – die Mutter, zwei 

Brüder und drei Schwestern – würden auf engstem Raum in einem gemie-

teten Zimmer in Kabul leben. Entsprechend wäre sie nicht in der Lage, ihm 

bei einer Rückkehr eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie 

Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration zu bieten.  

7.3.3 Mit Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5800/2016 vom 

13. Oktober 2017 hat das Gericht eine aktuelle Lageeinschätzung zu Af-

ghanistan, insbesondere zu Kabul, vorgenommen. Das Gericht stellte eine 

deutliche Verschlechterung der Sicherheitslage seit dem letzten Länderur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) über alle 

Regionen hinweg fest. Es kam zum Schluss, dass in weiten Teilen von Af-

ghanistan unverändert eine derart schlechte Sicherheitslage und derart 

schwierige humanitäre Bedingungen bestehen würden, dass die Situation 

als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren und 

somit der Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar zu beurteilen 

sei. Die Sicherheitslage und die allgemeine humanitäre Situation in Kabul 

seien aus verschiedenen Gründen differenziert und gesondert zu analysie-

ren. Es würden sich sowohl die Sicherheitslage, welche als volatil und von 

zahlreichen Anschlägen geprägt zu bezeichnen sei, als auch die humani-

täre Situation in Kabul im Vergleich zu der in BVGE 2011/7 beschriebenen 

E-3796/2017 

Seite 16 

Situation klar verschlechtert darstellen. Die Lage in Kabul sei daher grund-

sätzlich als existenzbedrohend und demnach unzumutbar gemäss Art. 83 

Abs. 4 AIG zu beurteilen. Von dieser Regel könne abgewichen werden, 

falls besonders begünstigende Faktoren vorliegen würden, aufgrund derer 

ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs ausgegangen werden 

könne (vgl. a.a.O. E. 8.2 ff.). 

Solche günstigen Voraussetzungen könnten namentlich dann gegeben 

sein, wenn es sich bei der rückkehrenden Person um einen jungen, gesun-

den Mann handle. Unabdingbar sei in jedem Fall ein soziales Netz, das 

sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkeh-

renden als tragfähig erweise. Dieses soziale Netz müsse dem Rückkeh-

renden insbesondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung so-

wie Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Al-

lein aufgrund von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch 

Mitgliedern der Kernfamilie, bei welchen insbesondere das wirtschaftliche 

Fortkommen sowie die Unterbringung ungeklärt seien, sei nicht von einem 

tragfähigen sozialen Beziehungsnetz auszugehen. Es liege in der Natur 

der Sache, dass bei Personen, bei welchen Kabul lediglich eine Aufent-

haltsalternative darstelle und die somit kaum oder nie in Kabul gelebt ha-

ben, eine Bejahung eines solchen tragfähigen sozialen Netzes noch grös-

serer Zurückhaltung bedürfe. Ebenso sei entscheidrelevant, über welche 

Berufserfahrung die rückkehrende Person verfüge beziehungsweise inwie-

fern eine wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im 

Zusammenspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden könne. Ange-

sichts der festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul verstehe es 

sich von selbst, dass das Vorliegen dieser strengen Anforderungen in je-

dem Einzelfall sorgfältig geprüft werde und diese erfüllt sein müssten, um 

einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu betrachten (a.a.O. 

E. 8.4.1). Diese Rechtsprechung hat nach wie vor Gültigkeit.  

7.3.4  

7.3.4.1 Im Asylverfahren – wie auch im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt 

der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dieser 

besagt, dass die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollstän-

dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das 

Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten 

Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat. 

Dabei beschränken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene 

Umstände, welche die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie 

entlastenden Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle für den Entscheid 

E-3796/2017 

Seite 17 

wesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrich-

tig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher 

und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechts-

erheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle 

wesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden, oder weil 

Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest-

stellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevan-

ten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.H.). 

Gemäss aArt. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die 

Pflicht (und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von 

Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht), an der Feststellung 

des Sachverhaltes mitzuwirken. Sofern die gesetzlichen Mitwirkungspflich-

ten durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, muss die 

Behörde insbesondere dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn 

aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr einge-

reichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am 

Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Am-

tes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2; BVGE 

2008/24 E. 7.2; BVGE 2007/21 E. 11.1). 

7.3.4.2 Im vorliegenden Fall erweist sich der Sachverhalt für die Beurtei-

lung der Frage, ob im Falle des Beschwerdeführers begünstigende Fakto-

ren zu bejahen sind, die im Sinne der Rechtsprechung den Vollzug der 

Wegweisung nach Kabul als zumutbar erscheinen lassen können, als nicht 

genügend erstellt. Dies betrifft bereits den Sachverhalt, wie er im Rahmen 

der Anhörung des zum damaligen Zeitpunkt minderjährigen Beschwerde-

führers ermittelt wurde. So hat der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen 

Verfahren vorgetragen, dass seine Mutter mit sechs weiteren Geschwis-

tern in Kabul lebe, wohin die Familie im Jahr 2005 übergesiedelt sei, nach-

dem sie in der Heimatregion aufgrund ihrer Ethnie nicht hätten verbleiben 

können. Der Vater lebt nach Angaben des Beschwerdeführers seit dem 

Jahr 2009 im Iran und hat die Familie finanziell unterstützt (act. A18/14 

F18). Welcher beruflichen Tätigkeit der Vater im Iran nachgeht, konnte der 

Beschwerdeführer nicht angeben, er äusserte die Vermutung, dass sein 

Vater als Landwirt oder Bauer arbeite (act. A18/14 F19). Diese nicht näher 

konkretisierten und nur vermutungsweise geäusserten Angaben sind inso-

fern nicht ganz nachvollziehbar, als der Beschwerdeführer auch angab, auf 

der Flucht nach Europa während einer kürzeren Zeit bei seinem Vater im 

Iran gelebt zu haben (act. A18/14 F39). Diesbezüglich wurden jedoch 

keine weiteren Nachfragen gestellt. Allein aus den wenigen Angaben des 

E-3796/2017 

Seite 18 

Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung zu seiner Familie auf ein wirt-

schaftlich tragfähiges Netz in Kabul zu schliessen, erscheint im Lichte des 

Referenzurteils D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 nicht sachgerecht. 

Vielmehr hätte es bereits weiterer Abklärungen zur familiären Situation und 

insbesondere der Tragfähigkeit des zur Verfügung stehenden Netzes in 

Kabul bedurft, zumal der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren 

keinerlei missbräuchliches Verhalten im Sinne einer Mitwirkungspflichtver-

letzung an den Tag gelegt hat, welches weitere Abklärungen erübrigt hätte 

(vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.).  

Sofern auf Beschwerdeebene neue Umstände angeführt werden, die 

ebenfalls relevant für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzuges sein können, scheint auch diesbezüglich der Sachverhalt nicht 

genügend erstellt. So macht der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene 

geltend, dass sich die familiäre Lage mittlerweile verändert habe. Nicht nur 

soll der Kontakt zum Vater, der für die finanzielle Unterstützung der Familie 

zentral gewesen sei, abgebrochen sein, sondern auch die Gesundheit der 

Mutter des Beschwerdeführers soll sich dahingehend verschlechtert ha-

ben, dass sie für den Unterhalt ihrer Familie nicht mehr aufkommen könne. 

Allein eine Schwester und ein Bruder würden zum Familieneinkommen bei-

tragen. Ebenso relativiert der Beschwerdeführer die Annahme des SEM, er 

könne auf seine Tanten und Onkel in Kabul zählen. Die Annahme des SEM 

ist in der Tat in dieser verallgemeinernden Vermutung im Lichte des zitier-

ten Referenzurteils nicht möglich. Hier bedarf es ebenfalls weiterer Abklä-

rungen. Diesbezüglich ist jedoch der zwischenzeitlich volljährige Be-

schwerdeführer gehalten, sich im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht aktiv 

an der Erstellung des relevanten Sachverhalts zu beteiligen. So ist festzu-

stellen, dass die Ausführungen im Beschwerdeverfahren zwar in Bezug auf 

die Darlegung der Wohnsituation sowie der gesundheitlichen Probleme der 

Mutter Bemühungen erkennen lassen, an der Sachverhaltserstellung mit-

zuwirken. In Bezug auf den im Iran lebenden Vater wurde aber lediglich 

ohne weitere Konkretisierungen festgehalten, dass der Kontakt der Familie 

zu diesem abgebrochen sei und damit auch die finanzielle Unterstützung. 

Solcherlei Ausführungen sind ungenügend für die Glaubhaftmachung von 

bestehenden Wegweisungsvollzugshindernissen. Der Beschwerdeführer 

ist sodann eigenen Angaben gemäss im Alter von (…) Jahren aus seinem 

Heimatstaat ausgereist und hat weder die Schule beendet noch eine Be-

rufsausbildung absolviert. Zwar hat er eigenen Angaben zufolge gearbeitet, 

dies jedoch nur vereinzelt (ein- bis zweimal in der Woche) und lediglich als 

Hilfskraft auf der (…) oder in der (…). Ob er in der Zwischenzeit während 

E-3796/2017 

Seite 19 

seines Aufenthalts in der Schweiz eine weitergehende Schul- oder Berufs-

ausbildung absolviert hat, die ihm bei der wirtschaftlichen Reintegration in 

seinem Heimatstaat von Nutzen sein könnte, ist aus den Akten ebenso we-

nig ersichtlich.  

7.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, in: Waldmann/Weis-

senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 

2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S. 1264). Die in diesen Fällen fehlende 

Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwer-

deinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozess-

ökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht 

(vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1).  

7.5 Vorliegend ist der Sachverhalt, wie er sich zum Urteilszeitpunkt stellt, 

nicht ausreichend erstellt, dass auf diesen gestützt eine Beurteilung im 

Sinne der Rechtsprechung zum Wegweisungsvollzug Kabul erfolgen 

könnte. Eine solche Erstellung auf Beschwerdeebene gebietet sich bereits 

deshalb nicht, weil das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich ent-

scheidet und dem Beschwerdeführer unter Umständen eine Instanz verlo-

ren gehen könnte. Die Beschwerde ist demnach im Sinne der Erwägungen 

gutzuheissen. Die Verfügung vom 1. Juni 2017 ist im Wegweisungsvoll-

zugspunkt (Dispositivziffern 4 und 5) aufzuheben und die Sache zur weite-

ren Abklärung allenfalls im Zusammenhang mit einer erneuten Anhörung 

des Beschwerdeführers und zur neuen Entscheidung unter Berücksichti-

gung der im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismit-

tel an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. BVGE 2011/23 E. 5.3.1 m.w.H). 

Soweit weitergehend (Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Gewährung 

von Asyl, Anordnung der Wegweisung; Dispositivziffern 1–3) ist die Be-

schwerde abzuweisen.  

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die (im Umfang des Obsie-

gens reduzierten) Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 

E-3796/2017 

Seite 20 

Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 18. Juli 2017 gutgeheissen worden ist, 

sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines hälftigen Ob-

siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE; SR 173.320.2) eine praxisgemäss um die 

Hälfte reduzierte Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachse-

nen Parteikosten zuzusprechen.  

Die Rechtsvertreterin weist in ihrer Kostennote vom 6. Juli 2017 bei einem 

Stundenansatz von Fr. 180.– und einem zeitlichen Aufwand von elf Stun-

den einen Gesamtaufwand von Fr. 2'188.40 aus. Der Aufwand scheint in 

zeitlicher Hinsicht als angemessen. Unter Berücksichtigung der seither ein-

gereichten Eingaben der Rechtsvertreterin und des teilweisen Obsiegens-

grades ist zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insge-

samt Fr. 1’350.– (inkl. die Hälfte der Auslagen und Mehrwertsteueranteil) 

zuzusprechen.  

8.3 Sodann wurde dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 

18. Juli 2017 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von 

aArt. 110a Abs. 1 AsylG gewährt und in der Folge Frau lic. iur. Ariana Burk-

hard als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Im Umfang des hälftigen 

Unterliegens ist die amtlich eingesetzten Rechtsbeiständin vom Bundes-

verwaltungsgericht zu entschädigen. 

Wie in der Zwischenverfügung vom 18. Juli 2017 angekündigt, ist bei nicht-

anwaltlichen Rechtsbeiständen von einem Stundenansatz von maximal 

Fr. 150.– auszugehen. Demzufolge ist der amtlich beigeordneten Rechts-

vertreterin Frau lic. iur. Ariana Burkhard (vgl. dazu Schreiben des Bundes-

verwaltungsgerichts vom 20. November 2020) zu Lasten des Gerichts ein 

amtliches Honorar in Höhe von Fr. 1’150.– (inkl. die Hälfte der Auslagen 

und Mehrwertsteueranteil) auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3796/2017 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darin die Aufhebung der Dispo-

sitivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Im Übri-

gen (Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, Gewährung von Asyl und 

Anordnung der Wegweisung; Dispositivziffern 1–3) wird die Beschwerde 

abgewiesen.  

2.  

Die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung werden aufge-

hoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung ans 

SEM zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'350.– 

auszurichten. 

5.  

Der rubrizierten Rechtsvertreterin wird ein amtliches Honorar von 

Fr. 1’150.– zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

E-3796/2017 

Seite 22