# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22a61365-f39a-5026-96f1-69ceeebf9861
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-10-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.10.2015 D-6237/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6237-2015_2015-10-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-6237/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  O k t o b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Einzelrichter Thomas Wespi, 

mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;   

Gerichtsschreiber Alfred Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

Somalia,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration, SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;  

Verfügung des SEM vom 22. September 2015 / N (…). 

 

 

 

D-6237/2015 

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben am 1. September 

2015 mit Einreisebewilligung in die Schweiz einreiste und gleichentags im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte, 

dass am 18. September 2015 die Befragung zur Person (BzP) stattfand,  

dass das SEM die Beschwerdeführerin mit Zuweisungsentscheid vom 

22. September 2015 – allenfalls eröffnet am 22. September 2015 – unter 

Hinweis auf Art. 27 AsylG (SR 142.31) und Art. 21 sowie Art. 22 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) für die 

Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zuwies, einer allfäl-

ligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog und die Beschwer-

deführerin anwies, sich bis zum 23. September um 14.00 Uhr bei der 

zuständigen C._______ Behörde zu melden, 

dass es ferner festhielt, der Zuweisungsentscheid könne nur mit der Be-

gründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit 

der Familie, 

dass es den Entscheid damit begründete, aus den Abklärungen im EVZ 

und nach erfolgter Rechtsbelehrung seien keine spezifischen schüt-

zenswerten Interessen der Beschwerdeführerin ersichtlich, welche für 

eine Zuweisung in einen bestimmten Kanton sprechen würden,  

dass die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 

1. Oktober 2015 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob 

und eine Umplatzierung in die Nähe ihrer Verwandten (Tante/Cousin) in 

die (Region der Schweiz) (Ort 1/Ort 2) beantragte,  

dass auf die Begründung der Beschwerde, soweit entscheidwesentlich, 

in den Erwägungen einzugehen sein wird, 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 

über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-

det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor 

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welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),  

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 

vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, 

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), 

dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden 

Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selb-

ständig beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbare Zwischenverfü-

gung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), 

dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),  

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich 

vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 

der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 

Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-

wechsel verzichtet wurde, 

dass das SEM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den Kan-

tonen zuweist und dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und 

der Asylsuchenden Rechnung trägt, 

dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1 erfolgt, 

wobei das SEM bei der Verteilung bereits in der Schweiz lebende Fami-

lienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asylsuchenden und beson-

ders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1), 

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dass ein Zuweisungsentscheid des Staatsekretariats gemäss Art. 27 Abs. 3 

letzter Satz AsylG, der als lex specialis der allgemeinen Regel von Art. 106 

Abs. 1 AsylG vorgeht (vgl. Art. 106 Abs. 2 AsylG), in materieller Hinsicht 

nur mit der Begründung angefochten werden kann, er verletze den Grund-

satz der Einheit der Familie, 

dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG 

grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne von 

Art. 1a Bst. e AsylV 1 orientiert und mithin die Kernfamilie (Ehegatten und 

minderjährige Kinder) umfasst, 

dass über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande 

demgegenüber nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, 

sofern zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis 

besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.), 

dass die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein derartiges 

Abhängigkeitsverhältnis unter Verwandten beispielsweise angenommen 

hat, wenn die Angehörigen behindert sind oder aus einem anderen Grund 

auf die Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind 

(vgl. BVGE 2008/47, a.a.O.), 

dass die gemäss Rechtsmitteleingabe in der Schweiz lebende Tante res-

pektive der Cousin nicht zur Kernfamilie im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1 

gehören,  

dass die volljährige Beschwerdeführerin auf dem selbständig ausgefüllten 

Personalienblatt im EVZ vom 1. September 2015 die Frage nach medizini-

schen Problemen verneinte und bei der BzP ihre gesundheitliche Situation 

dahingehend beschrieb, dass sie immer wieder an ihre getöteten Kollegen 

und ihre Kindheit denken müsse (vgl. A 1 und A 3 S. 8 gemäss Aktenver-

zeichnis SEM),  

dass ihr die Nähe zu vertrauten Verwandten nicht nur helfe, die physische 

Sicherheit zu erlangen, sondern auch einem für sie wichtigen emotionalen 

Heilungsprozess diene, 

dass im vorliegenden Fall indessen ein wie oben skizziertes Abhängigkeits-

verhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihren Verwandten (Tante/ 

Cousin) zu verneinen ist,  

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Seite 5 

dass noch anzumerken ist, dass anlässlich der BzP lediglich von zwei Tan-

ten mit Aufenthaltsorten in (Ort 3) und (Ort 2) die Rede war, zu denen die 

Beschwerdeführerin keinen regelmässigen Kontakt pflege (vgl. A 3 S. 5), 

dass mithin nicht von einer nahen, tatsächlich gelebten Beziehung ausge-

gangen werden kann, 

dass letztlich die mit keinen Unterlagen dokumentierten Ausführungen der 

Beschwerdeführerin, sie leide an einer posttraumatischen Belastungsstö-

rung, lebe in ständiger Angst verbunden mit Schlafmangel und fühle sich 

depressiv, in casu ebenfalls zu keiner anderen zu ihren Gunsten ausfallen-

den Beurteilung zu führen vermögen, 

dass das Anliegen der Beschwerdeführerin, in der (Region der Schweiz) 

bessere Anstellungsmöglichkeiten zu finden, keine zulässige Begründung 

gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG darstellt, weshalb nicht weiter darauf einzu-

gehen ist, 

dass damit festzustellen ist, dass die Kantonszuweisung der Beschwerde-

führerin den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 

AsylG nicht verletzt und die Beschwerde demnach abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.–  

(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

demnach der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 

VwVG). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 6 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.   

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Wespi Alfred Weber 

 

 

Versand: