# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63e38486-694c-51fd-8c30-83d779597551
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.08.2023 E-196/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-196-2021_2023-08-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-196/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Lorenz Noli    

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Beschwerdeführer, 

und seine Tochter 

B._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

beide vertreten durch MLaw Ninja Frey, 

BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region 

(…),  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 11. Dezember 2020 / N (…). 

 

 

 

E-196/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Gemeinsam mit seiner Ehefrau und den beiden älteren Kindern ver-

liess der Beschwerdeführer Afghanistan eigenen Angaben zufolge unge-

fähr im Juni 2019. Seine Ehefrau und die beiden älteren Kinder gelangten 

am 2. Oktober 2019 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl ersuchten. 

Dieses Asylgesuch wurde mit (in Rechtskraft erwachsener) Verfügung des 

SEM vom 28. November 2019 abgelehnt; der Vollzug der Wegweisung 

wurde wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf-

geschoben. 

A.b Der Beschwerdeführer gelangte am 2. Februar 2020 in die Schweiz, 

wo er am 4. Februar 2020 um Asyl nachsuchte. Nach seiner Zuweisung in 

das Bundesasylzentrum (BAZ) C._______ fand am 10. Februar 2020 die 

Personalienaufnahme statt. Am 14. April 2020 wurde er zu seinen Asyl-

gründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten {…} [A] 17). Am 

17. April 2020 verfügte das SEM die Behandlung des Asylgesuchs im er-

weiterten Verfahren. 

A.c Mit Eingabe vom 20. Mai 2020 zeigte die neue Rechtsvertretung dem 

SEM ihre Mandatsübernahme an und reichte eine Vollmacht gleichen Da-

tums ein. 

A.d Am (…) wurde die Tochter des Beschwerdeführers in der Schweiz ge-

boren. Sie wurde vom SEM in das Asylgesuch des Beschwerdeführers ein-

bezogen.  

A.e Mit Verfügung vom 7. August 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-

deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Weg-

weisung schob es zufolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen 

Aufnahme auf. Mit Urteil vom 12. November 2020 (E-4467/2020) hiess das 

Bundesverwaltungsgericht die gegen diese Verfügung erhobene Be-

schwerde vom 9. September 2020 gut, hob die Verfügung vom 7. August 

2020 auf und wies die Sache zur vollständigen sowie richtigen Feststellung 

des Sachverhaltes und anschliessenden Neubeurteilung an das SEM zu-

rück. 

B.  

Mit am 15. Dezember 2020 eröffneter Verfügung vom 11. Dezember 2020 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer und seine Tochter erfüllten die 

E-196/2021 

Seite 3 

Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegweisung schob es 

zufolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

C.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 14. Januar 2021 gelangte der Beschwerde-

führer durch seine Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht. Er 

beantragt unter Aufhebung dieser Verfügung die Feststellung seiner 

Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In verfahrensrechtli-

cher Hinsicht beantragte er unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die 

Bestellung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Als Bei-

lagen liess er unter anderem eine Honorarnote seiner Rechtsvertreterin 

vom 14. Januar 2021 einreichen. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. Februar 2021 stellte die Instruktionsrich-

terin das Anwesenheitsrecht des Beschwerdeführers und seiner Tochter in 

der Schweiz für die Dauer des Verfahrens fest. Die Anträge auf Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und auf Beiordnung einer amtlichen 

Rechtsvertretung hiess sie – vorbehältlich einer nachträglichen Verände-

rung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers – gut und sie 

bestellte die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Das SEM lud 

sie ein, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen. 

E.  

Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2021, die 

dem Beschwerdeführer am 9. März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde, die 

Abweisung der Beschwerde. 

F.  

Am 4. August 2022 und am 10. Mai 2023 beantwortete die Instruktionsrich-

terin Anfragen des Beschwerdeführers zum Verfahrensstand vom 28. Juli 

2022 und vom 3. Mai 2023. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Behandlung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM im Sinne von Art. 5 VwVG. 

E-196/2021 

Seite 4 

Dabei entscheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und 

auch vorliegend endgültig; eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt 

nicht vor (vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und der 

Beschwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der gesuchsbegründenen Aussagen in verschiedenen Entschei-

den dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen 

werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 f. und BVGE 2012/5 E. 2.2). 

E-196/2021 

Seite 5 

4.  

4.1 Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie aus dem Dorf D._______, Provinz Wardak, wo er bis zu seiner 

Ausreise im Frühjahr 2019 zusammen mit seiner Familie gelebt habe. Er 

sei bis zur (…) Klasse in die Schule gegangen und habe danach in (…) 

gearbeitet. Daneben habe er in (…) seines Vaters geholfen und verschie-

dene Hilfsarbeiten verrichtet. Im Frühjahr 2019 sei der Vater eines nachts 

von Angehörigen der Taliban aufgesucht und unter Zwang dazu aufgefor-

dert worden, einen verletzten Kampfgenossen in seiner (…) zu behandeln. 

Nachdem seine Ehefrau ihn geweckt und über den Vorfall informiert habe, 

sei er seinem Vater gefolgt und habe von einem Feld aus beobachten kön-

nen, wie ein Fahrzeugkonvoi mit bewaffneten Regierungssoldaten bei (…) 

erschienen sei. Daraufhin habe es ein Gefecht gegeben, das bis zum Mor-

gengrauen gedauert habe. Als er zur (…) zurückgekehrt sei, habe er den 

Leichnam seines Vaters vorgefunden. Sein Vater sei gleich anschliessend 

im Beisein zahlreicher Dorfbewohner beerdigt worden. E._______, ein bei 

der nationalen Sicherheitsbehörde in F._______ tätiger Cousin seines Va-

ters, habe ihm dann telefonisch mitgeteilt, die afghanischen Sicherheitsbe-

hörden beabsichtigten sicherlich, ihn, den Beschwerdeführer, aufgrund des 

nächtlichen Vorfalls, festzunehmen, da sein Vater von Dorfbewohnern ge-

sehen worden sei, wie er den Taliban geholfen habe. Er habe ihm geraten, 

wegzugehen. Sein Cousin G._______ habe ihn dann zu seinem Wohnort 

nach H._______ gebracht, wo er sich versteckt habe. Unmittelbar danach 

hätten die Sicherheitskräfte bei seiner Familie eine Hausdurchsuchung 

durchgeführt und auch nach Waffen gefragt. Sie hätten sich nach dem Be-

schwerdeführer erkundigt und ihm ausrichten lassen, er solle sich bei der 

Distrikt-Behörde melden; falls er nicht komme, würden sie ihn finden und 

festnehmen. Am Abend seien auch Taliban zuhause vorbeigegangen und 

hätten nach ihm gefragt; sie hätten ihm ausrichten lassen, er müsse innert 

Frist bei ihnen vorstellig werden, ansonsten würden sie ihn trotzdem erwi-

schen und falls nicht, würden sie die Familie mitnehmen. Er werde ver-

dächtigt, die Behörden während der nächtlichen Schiesserei über den Vor-

fall informiert zu haben und mit ihnen zusammenzuarbeiten. In der Nacht 

darauf habe er seine Familie abholen und ebenfalls nach H._______ brin-

gen lassen.   

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer am Ende der Anhörung das 

Bild eines Briefes vom (…) 1398, ausgestellt vom Islamischen Emirat Af-

ghanistan, Taliban-Bewegung, Militärkommission der Provinz I._______ 

(nachfolgend: Vorladung) zu den Akten, wonach der Beschwerdeführer 

E-196/2021 

Seite 6 

aufgefordert werde, sich beim Stützpunkt zu melden und seine Unschuld 

zu beweisen, weil durch seine Meldung bei den Behörden am (…) 1398 

Taliban-Mitglieder getötet worden seien. Bei einer Weigerung werde er er-

wischt und streng verurteilt. 

4.2 Das SEM begründet die ablehnende Verfügung im Wesentlichen mit 

der mangelnden Asylrelevanz der Vorbringen. Aufgrund der Angaben des 

Beschwerdeführers sei davon auszugehen, dass für ihn respektive seine 

Familie grundsätzlich die allgemein unsichere Lage vor Ort der massgebli-

che Grund für das Verlassen des Heimatlandes gewesen sei. Dieselben 

Ausreisegründe würden viele Menschen in Afghanistan zur Flucht zwingen. 

Zwar sei denkbar, dass sein Vater dazu angehalten worden sei, verletzte 

Angehörige der Taliban-Miliz zu behandeln, wodurch er mit dem Dilemma 

konfrontiert gewesen sei, einerseits den Taliban zu helfen und andererseits 

aus Sicherheitsgründen nicht mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden. 

Allerdings habe es sich dabei nicht um individuell-persönliche und gezielte 

Nachstellungen gegen seinen Vater respektive den Beschwerdeführer ge-

handelt. Vielmehr seien die Regierungstruppen und die Taliban im Zuge 

der chaotischen Kriegssituation in jener Nacht zufällig aneinandergeraten 

und der Vater beziehungsweise seine Familie sei dadurch willkürlich ge-

schädigt worden. Die Zufälligkeit der Ereignisse werde bestätigt, wenn er 

angebe, sein Vater sei als unbeteiligter Zivilist und etwas exponierterer 

(…), aber nicht als Mitglied oder Sympathisant der Taliban genötigt worden, 

einem verletzten Talib zu helfen. Auch habe er die Geschehnisse in jener 

Nacht nur vage und meist aus der Perspektive von Drittpersonen geschil-

dert. Er habe die Beteiligten persönlich nicht gesehen, sondern die Situa-

tion nur aus sicherer Entfernung beobachtet. Von den Besuchen zuhause 

habe er von seiner Mutter erfahren. Es sei klar, dass die Taliban nur zu 

ihnen gekommen seien, weil seine Familie in der (…) verfügt habe. An-

sonsten habe er keine Gründe für die Nachstellungen seitens der Sicher-

heitskräfte und der Taliban genannt, sondern unterstrichen, viele Jahre 

lang keine Probleme gehabt zu haben. Sodann habe E._______, ein Mit-

arbeiter der nationalen Sicherheitsbehörde, beteuert, er wisse von seiner 

Unschuld. Schliesslich sei er von den Geschehnissen jener Nacht nur indi-

rekt als Sohn seines Vaters betroffen gewesen, selber sei er nicht aktiv 

gewesen. Er bringe nicht vor, von der misslichen lokalen Sicherheitslage in 

einem höheren Ausmass betroffen gewesen zu sein als der übrige Teil der 

Bevölkerung. Die geschilderten Ereignisse seien in ihrer Brutalität geprägt 

von Willkür und mangelnder Gezieltheit. Weder der erste Kontakt seines 

Vaters mit den Taliban und die spätere Schiesserei, der sein Vater zum 

E-196/2021 

Seite 7 

Opfer gefallen sei, noch die Aufforderungen beider Parteien, sich zu stel-

len, stellten asylrelevante individuell-konkrete Verfolgungshandlungen dar. 

Keinen anderen Schluss lasse der an ihn gerichtete Brief der Taliban zu. 

Die Vorladung – der nur ein eher geringer Beweiswert zukomme – unter-

streiche zwar die Darlegungen des Beschwerdeführers, veranschauliche 

aber auch, dass die geltend gemachten Repressalien nicht aus einem der 

in Art. 3 AsylG genannten Gründe erfolgt seien. 

Vor dem Hintergrund der fehlenden Asylrelevanz, so das SEM abschlies-

send, erübrige es sich grundsätzlich, auf allfällige Unglaubhaftigkeitsele-

mente einzugehen. Immerhin sei festzuhalten, dass seine Schilderungen 

in Bezug auf die Schiesserei und die Besuche der Regierungstruppen so-

wie der Taliban zuhause nicht die zu erwartende Substanz, hinreichenden 

Detailreichtum und Realkennzeichen aufweisen würden. Zudem sei er wie-

derholt auf Allgemeinschauplätze ausgewichen oder habe pauschale und 

oberflächliche Aussagen wiederholt, anstatt präziser auf persönlich Erleb-

tes einzugehen. Dies, obwohl ihm an der Anhörung seitens des Fachspe-

zialisten und seiner Rechtsvertretung wiederholt die Gelegenheit einge-

räumt worden sei, seine Schilderungen zu präzisieren respektive nachvoll-

ziehbar darzulegen.  

4.3 In seiner Beschwerde wendet der Beschwerdeführer insbesondere ein, 

vor dem Hintergrund der Omnipräsenz der Taliban in D._______ und der 

Unsicherheit, welche Dorfbewohner auf ihrer Seite gestanden hätten, sei 

davon auszugehen, dass die afghanischen Behörden seine Familie auf-

grund dessen, dass der Vater des Beschwerdeführers in seiner (…) – ins-

besondere aber aufgrund des Besuches der Taliban in jener Nacht – als 

Taliban-Unterstützende wahrgenommen habe. Der Beschwerdeführer 

habe deshalb mit einer Festnahme durch die afghanischen Behörden rech-

nen müssen. Im Übrigen habe er bei der Eröffnung des ersten Asylent-

scheides im Klientengespräch vom 19. August 2020 mitgeteilt, dass sein 

Cousin G._______ ihm im April 2020, kurz nach der Asylanhörung, telefo-

nisch mitgeteilt habe, die Regierungsbehörden hätten zwei Wochen nach 

seiner Flucht den Familienwohnsitz in D._______ erneut aufgesucht und 

seien sogar ins Haus eingedrungen. Im (…) 2020 sei dies wieder gesche-

hen und ausserdem sei auch G._______ von ihnen behelligt worden. 

G._______ kümmere sich um den verlassenen Familienwohnsitz des Be-

schwerdeführers und seiner Familie in D._______, wo er regelmässig 

kurze Kontrollbesuche mache. So habe er auch die Vorladung der Taliban 

gefunden. Dass die Vorinstanz dieser Vorladung nur einen geringen Be-

weiswert zuspreche, sei nicht nachvollziehbar, unterstreiche sie doch die 

E-196/2021 

Seite 8 

Befürchtung des Beschwerdeführers, seitens der Taliban tatsächlich an 

Leib und Leben gefährdet zu sein. Dass die Massnahmen der Taliban so-

wie der afghanischen Behörden gezielt gegen den Beschwerdeführer ge-

richtet seien, ergebe sich einerseits aus der Vorladung, welche den Be-

schwerdeführer namentlich nenne. Ferner sei nicht bekannt, dass auch 

Nachbarn, Freunde oder andere Dorfbewohner behelligt worden seien. 

Zum Vorhalt, er habe zu den Ereignissen nur über Drittpersonen berichten 

können, wendet er ein, im Zeitpunkt der Hausbesuche durch die Behör-

denmitglieder und die Taliban sei er bereits in H._______ gewesen. In der 

Nachricht seiner Mutter seien die Informationen, dass er als vermeintlicher 

Taliban-Unterstützer gesucht werde und ihm die Inhaftierung drohe sowie 

diejenige, dass er von den Taliban der Denunziation bezichtigt werde und 

er sich innert drei Tagen bei ihrem Stützpunkt zu melden habe, die wich-

tigsten gewesen. Angesichts dessen, dass auch seine damals noch in 

D._______ weilenden Familienangehörigen um ihr Leben gefürchtet hät-

ten, verstehe sich von selbst, dass die Mutter am Telefon nicht auf Details 

zu sprechen gekommen sei; auch er habe nicht danach gefragt. 

5.  

Das SEM hat zu Recht festgestellt, der Beschwerdeführer erfülle die 

Flüchtlingseigenschaft nicht und entsprechend zu Recht sein Asylbesuch 

abgewiesen. Zwar erweist sich die Argumentation in der Beschwerde als 

teilweise berechtigt (vgl. E. 5.1). Im Übrigen vermag sie aber nichts zu be-

wirken (vgl. E. 5.2 bis E. 5.4).  

5.1 Das SEM verneint die Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerde-

führers hauptsächlich mit dem Argument der fehlenden Gezieltheit. Diese 

Beurteilung wird in der Beschwerde zu Recht kritisiert. Der Beschwerde-

führer macht in Bezug auf den Verfolger «afghanische Regierung» klarer-

weise geltend, es werde seinem Vater (und dadurch im Sinne einer Re-

flexverfolgung auch ihm) die Zugehörigkeit zu den Taliban unterstellt, weil 

der Vater einen Talibankämpfer behandelt habe; deswegen werde nun der 

Beschwerdeführer gesucht. In Bezug auf den Verfolger «Taliban» macht er 

geltend, es werde ihm vorgeworfen, die Kämpfer an die afghanische Re-

gierung verraten zu haben, worauf Taliban-Mitglieder getötet worden seien. 

Auch sie würden ihn suchen. Damit macht er in beiden Fällen geltend, vom 

jeweiligen Verfolger als der jeweils oppositionellen Partei zugehörig ver-

dächtigt zu werden und deswegen konkret verfolgt zu sein. Das Argument 

der Zufälligkeit respektive fehlenden Gezieltheit überzeugt demnach nicht; 

daran ändert noch nichts, dass die Lage in Afghanistan von Willkür und 

Brutalität geprägt sei, von welcher die Bevölkerung allgemein betroffen sei. 

E-196/2021 

Seite 9 

Auch ein asylrechtlich relevantes Motiv kann – jedenfalls in Bezug auf die 

seitens der Taliban geltend gemachte Verfolgung – nicht a priori verneint 

werden, zumal der Beschwerdeführer vorbringt, sie hätten ihn des Verrats 

bezichtigt. Demgegenüber erweist sich die geltend gemachte Verfolgung 

aus anderen Gründen als nicht flüchtlingsrechtlich relevant.   

5.2 Hinsichtlich der seitens der afghanischen Behörden geltend gemach-

ten Verfolgung ist zunächst festzustellen, dass in diesem Zusammenhang 

das Motiv tatsächlich fraglich ist. Die Glaubhaftigkeit der geltend gemach-

ten Ereignisse vorausgesetzt, dürfte es im legitimen Interesse der damali-

gen afghanischen Behörden gelegen haben, den Beschwerdeführer zu-

mindest zum Vorfall anzuhören. Weiter braucht auf diesen Sachverhaltsteil 

nicht mehr eingegangen zu werden. Denn die Situation in Afghanistan hat 

sich seit der Ausreise des Beschwerdeführers respektive nach dem Macht-

wechsel in Afghanistan im August 2021 grundlegend verändert. Die dama-

lige Regierung musste ihre Macht an die Taliban abtreten. Es ist folglich 

nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdeführer von den damaligen af-

ghanischen Behörden noch Behelligungen drohen sollten, unabhängig von 

deren Legitimität.  

5.3 Bezüglich der seitens der Taliban geltend gemachten Verfolgung, die 

ihm unterstellen würden, sie bei den ehemaligen afghanischen Behörden 

verraten zu haben, ist die notwendige hohe Wahrscheinlichkeit, dass der 

Beschwerdeführer bei einer heutigen Rückkehr in naher Zukunft deswegen 

ernsthafte Nachteile zu gewärtigen hätte, nicht gegeben. Gewaltsame Zu-

sammenstösse zwischen Soldaten der damaligen afghanischen Regierung 

und den Taliban waren in der fraglichen Zeit zahlreich, ohne dass damit die 

Tragik des Ereignisses für den Beschwerdeführer relativiert werden soll. 

Hinzu kommt, dass weder der Beschwerdeführer noch sonst jemand in der 

näheren oder weiteren Familie ansonsten je Probleme mit den Taliban ge-

habt habe (A17 F139 f.), vielmehr hätten fast alle Dorfbewohnter den Tali-

ban angehört (ebd. F130). Vor diesem Hintergrund und angesichts dessen, 

dass die Taliban inzwischen die Macht im Land erhalten haben, ist ein ent-

scheidendes, das heisst flüchtlingsrechtlich relevantes, Interesse von ihrer 

Seite am Beschwerdeführer aufgrund des einzelnen Ereignisses (unter 

zahlreichen ähnlichen) von vor mehr als vier Jahren heute nicht mehr an-

zunehmen. Dies scheint sich auch dadurch zu bestätigen, dass der Cousin 

G._______ offenbar nie in den Fokus geraten sei, obwohl er gemäss An-

gaben in der Beschwerde regelmässig zum Familienwohnsitz in 

D._______ zurückkehre, um nach dem Rechten zu sehen. Zutreffend ist 

E-196/2021 

Seite 10 

schliesslich die Einschätzung des SEM zum geringen Beweiswert der Vor-

ladung der Taliban. Zum einen liegt das Beweismittel nur in fotografierter 

Form vor. Zum andern fällt auf, dass der Beschwerdeführer dieses Beweis-

mittel erst ganz am Schluss der Anhörung (nach der Rechtsbelehrung) the-

matisiert. Dies obwohl er das Foto bereits während seiner Reise, in der 

Türkei, erhalten habe und während der Anhörung gleich an mehreren Stel-

len zu erwarten gewesen wäre, dass er die Vorladung genannt hätte. So 

etwa bei A17 F86 oder am Ende von F125. Gar nicht nachvollziehbar ist 

dann, dass er sich bei den Fragen 130 bis 136 überhaupt nicht an die Vor-

ladung zu erinnern scheint. Auf die dortigen präzisen Fragen rund um die 

geltend gemachte Vorladung seitens der Taliban, vermag er nur äusserst 

oberflächliche Antworten zu geben. Beispielsweise führt er hinsichtlich der 

Frage nach dem Ort, wo er hätte vorstellig werden müssen ausweichend 

an, es gebe bestimmte Adressen, wie beispielsweise eine Madrasa oder 

andere Orte, wo man hingehen müsse, fast alle Dorfbewohner seien Tali-

ban-Mitglieder (A17 F130) und hätte er zu ihnen gehen wollen, hätten die 

Dorfbewohner ihn schon hingebracht oder die Taliban ihn gefunden (ebd. 

F131). Auf die konkrete Rückfrage, er solle nochmals schildern, weshalb 

er persönlich zu den Taliban hätte gehen müssen (ebd. F136), antwortet er 

pauschal, die Taliban würden alles machen, was sie wollten. Dies ist ange-

sichts dessen, dass die schriftliche Vorladung der Taliban einen Ort, wo er 

sich hinbegeben müsse, ebenso nennt wie einen konkreten Grund sowie 

eine entsprechende Androhung für den Fall, dass er nicht komme, nicht 

nachvollziehbar.  

5.4 Schliesslich sind auch die vom SEM am Rande erhobenen Zweifel an 

den Schilderungen des Beschwerdeführers durchaus berechtigt. Auf die 

entsprechende Begründung kann verwiesen werden (A51, II., S. 7, letzter 

Abschnitt). Der Einwand in der Beschwerde zum Vorhalt, er habe zu den 

Besuchen der Behörden und der Taliban nur wenige Details nennen kön-

nen – dies sei verständlich, weil sich seine Mutter angesichts der Lebens-

gefahr auf die wichtigsten Informationen beschränkt habe – überzeugt 

schon deshalb nicht, weil der Beschwerdeführer mit seinen Verwandten, 

insbesondere mit seinem Cousin G._______, bei dem seine Mutter lebe, 

nach wie vor in Kontakt stehe. Entsprechend ist davon auszugehen, er 

hätte spätestens in der Beschwerde mehr Details nennen können. Es er-

übrigt sich angesichts der bisherigen Erwägungen aber, näher darauf oder 

auf weitere Unstimmigkeiten einzugehen, die sich beispielsweise auch aus 

den Angaben in der Beschwerde zum Klientengespräch vom 19.  August 

2020 ergeben.  

E-196/2021 

Seite 11 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

7.2 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 11. Dezember 2020 die 

vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers und (…) in der Schweiz an-

geordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zu-

lässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Die 

vorläufige Aufnahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in 

Rechtskraft. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). Da der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 19. Feb-

ruar 2021 gutgeheissen wurde und sich aus den Akten keine Veränderung 

der finanziellen Verhältnisse ergibt, sind keine Verfahrenskosten zu erhe-

ben. 

E-196/2021 

Seite 12 

9.2 Mit Zwischenverfügung vom 19. Februar 2021 wurde auch der Antrag 

auf Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung gestützt auf Art. 102m 

Abs. 1 AsylG gutgeheissen und die Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-

beiständin bestellt. Die Rechtsbeiständin macht in ihrer Honorarnote einen 

zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 2.5 Stunden geltend, der an-

gemessen ist. Der im Verlaufe des Verfahrens entstandene Vertretungs-

aufwand lässt sich aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen und ist 

auf eine weitere Arbeitsstunde zu bestimmen. Allerdings ist der geltend ge-

machte Stundenansatz von Fr. 200.– auf den praxisüblichen Betrag von 

Fr. 150.–, der in der Zwischenverfügung vom 19. Februar 2021 kommuni-

ziert worden war, zu reduzieren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). 

Die in der Beschwerde ausgewiesene Spesenpauschale von Fr. 50.– er-

scheint überhöht, zumal nur die notwendigen und verhältnismässig hohen 

Kosten zu entschädigen sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art 7 ff. VGKE). 

Die Entschädigung für die Auslagen ist somit auf Fr. 25.– zu veranschla-

gen. Entsprechend ist das Honorar der amtlich bestellten Rechtsbeiständin 

auf insgesamt Fr. 550.– festzusetzen. Dieser Betrag ist durch die Gerichts-

kasse zu vergüten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-196/2021 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlich bestellten Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse 

ein Honorar in der Höhe von Fr. 550.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Ulrike Raemy 

 

 

Versand: