# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 29785eb1-1eed-5290-8599-42ba5ca706a7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.06.2009 D-2490/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2490-2009_2009-06-16.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2490/2009
law/rep
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  J u n i  2 0 0 9

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Gérald Bovier;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

A._______, geboren (...), Sri Lanka,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 28. Januar 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2490/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  -  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamili-
scher Ethnie - reiste eigenen Angaben zufolge am 9. November 2007 
illegal  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  13. November  2007  unter  der 
Identität  B._______,  geboren  am  (...)  um  Asyl  nachsuchte.  Am 
22. November 2007 befragte ihn das BFM summarisch zum Reiseweg 
und zu den Gründen für  das Verlassen seines Heimatlandes. In  der 
Folge  ergaben  Abklärungen  bei  den  (...)  Behörden,  dass  der 
Beschwerdeführer am 23. September 1998 in C._______ einreiste und 
dort  unter  der  Identität  A._______,  geboren  (...)  einen  Asylantrag 
stellte,  welcher  am 28. Februar  2007  rechtskräftig  abgelehnt  wurde. 
Am  26. November  2007 räumte  ihm  das  BFM  hierzu  das  rechtliche 
Gehör  ein,  woraufhin  der  Beschwerdeführer  seinen  langjährigen 
Aufenthalt  in  C._______ einräumte. Mit  Verfügung vom 5. Dezember 
2007  ordnete  das  BFM  die  vorsorgliche  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers nach C._______ an, welche am 6. Dezember 2007 
vollzogen  wurde.  Die  (...)  Behörden  führten  den  Beschwerdeführer 
daraufhin am 13. Februar 2008 nach Sri Lanka zurück.

B.
Mit gleichentags bei der schweizerischen Vertretung in Colombo ein-
getroffener Eingabe vom 22. September 2008 ersuchte der Beschwer-
deführer  um  Gewährung  von  Asyl  in  der  Schweiz.  Zur  Begründung 
machte er im Wesentlichen geltend, er habe in Colombo anlässlich von 
Personenkontrollen  bereits  verschiedentlich  Probleme  mit  Polizisten 
beziehungsweise Armeeangehörigen bekommen, weil er nur im Besit-
ze eines srilankischen Reisepasses sei und dort als Geburtsort Jaffna 
eingetragen sei. Ausserdem befürchte  er,  von den srilankischen Be-
hörden  unter  Druck  gesetzt  zu  werden,  falls  diese  erfahren  sollten, 
dass er in C._______ für eine tamilische Fernsehstation einen Kurzfilm 
über den Krieg in  Sri  Lanka gedreht  habe. Im Weiteren hätten  zwei 
seiner Geschwister früher in den Reihen der LTTE (Liberation Tigers of 
Tamil Eelam) gewirkt, was ihm ebenfalls Schwierigkeiten mit den sri-
lankischen Sicherheitskräften eintragen könne. Im Übrigen verfüge er 
in Sri Lanka über keinerlei Angehörige mehr. Sein als Flüchtling aner-
kannter  Bruder  lebe  seit  langem in C._______. Zufolge seiner  lang-
jährigen  Assimilation  in  C._______  spreche  er  selber  sehr  gut 
D._______,  könne demgegenüber nur wenig Tamilisch und gar nicht 
Singhalesisch. Ausserdem sei es ihm nicht möglich, in Sri Lanka selbst 

Seite 2

D-2490/2009

die Ausstellung einer persönlichen Identitätskarte zu erwirken, da er in 
Sri Lanka nirgends registriert sei. Diese Umstände würden ihn faktisch 
der Möglichkeit berauben, in Colombo eine Arbeitsstelle zu finden und 
damit seine Existenz zu sichern.

Zur  Untermauerung seiner  Vorbringen reichte  der  Beschwerdeführer 
ein Bestätigungsschreiben der (...) Botschaft in Colombo vom 9. April 
2008 sowie  Kopien von Auszügen seines  srilankischen Reisepasses 
zu  den  Akten.  Im  vorgenannten  Schreiben  der  (...)  Botschaft  in 
Colombo wird unter Angabe der Personalien des Beschwerdeführers 
sowie der Nummer seines persönlichen Reisepasses bestätigt, dass er 
seit  1996 in C._______ gelebt habe und dort  gut integriert  gewesen 
sei, indessen am 13. Februar 2008 von C._______ zwangsweise nach 
Sri  Lanka  zurückgebracht  worden  sei,  wo  er  über  keine  näheren 
Verbindungen  mehr  verfüge.  An  Sprachen  beherrsche  er  nebst 
D._______ nur wenig Englisch und Tamilisch.

C.
Mit  Schreiben vom 29. September  2008 forderte  die  schweizerische 
Vertretung  in  Colombo  den  Beschwerdeführer  mittels  verschiedener 
konkreten Fragestellungen auf, seine Asylvorbringen - unter Beifügung 
allfälliger weiterer Beweismittel - bis zum 12. November 2008 in einer 
Weise  darzulegen,  welche  eine  abschliessende  Beurteilung  seines 
Falls ermögliche.

D.
In seinem - der Schweizer Botschaft am 16. Oktober 2008 zugegange-
nen - Schreiben vom 15. Oktober 2008 hielt der Beschwerdeführer er-
gänzend fest, er fühle sich in Colombo namentlich seitens der singha-
lesischen  Behörden  bedrängt,  welche  aufgrund  seines  langjährigen 
Aufenthalts in C._______ immer wieder argwöhnten, er könne dort für 
die  Belange  der  LTTE  geschult  worden  sein.  Zusätzlich  Schwierig-
keiten bereite der Umstand, dass er ursprünglich aus Jaffna stamme 
und nach wie vor keine srilankische Identitätskarte besitze, da seine 
Eltern es mutmasslich unterlassen hätten, ihn in Sri Lanka behördlich 
registrieren zu lassen. Etwa am 8. Oktober 2008 hätten ihn zwei Poli-
zisten in Colombo aufgesucht, ihn auf den Posten mitgenommen und 
dort zwei Stunden lang verhört. Praktisch täglich würde er von Ange-
hörigen des Criminal Investigation Department (CID) angehalten und 
nach seiner Identitätskarte gefragt, wobei er einmal geohrfeigt worden 
sei. Nach Jaffna könne er nicht reisen, da er dort  Anstände mit  den 

Seite 3

D-2490/2009

LTTE zu gewärtigen hätte. Im Weiteren wies er auf die Tatsache hin, 
dass immer wieder aus Jaffna stammende Jugendliche von unbekann-
ter Seite entführt würden, weshalb er befürchte, ein ähnliches Schick-
sal zu erleiden.

E.
Mit Begleitschreiben vom 30. Oktober 2008 übermittelte die schweize-
rische Vertretung in  Colombo die Akten zuständigkeitshalber  an das 
BFM und hielt unter anderem fest, im vorliegenden Fall sei aus Mangel 
an personellen Ressourcen auf eine Anhörung des Beschwerdeführers 
durch die Botschaft verzichtet worden.

F.
Mit  Verfügung vom 28. Januar  2009 verweigerte  das  BFM dem Be-
schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylge-
such ab.

G.
Mit  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gerichtetem  Schreiben  vom 
1. April  2009 teilte  die Schweizer Botschaft  in  Colombo mit,  der Be-
schwerdeführer habe (zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt) am 
Schalter  der  Botschaft  vorgesprochen  und  die  Verfügung  des  BFM 
vom 28. Januar 2009 angenommen. Bereits einen Tag später habe er 
der Botschaft seine Beschwerde ausgehändigt, welche nunmehr wei-
tergeleitet werde. Der Beschwerdeführer beantragte in seiner undatier-
ten  und mit  keinem Eingangsstempel  der  Botschaft  versehenen  Be-
schwerde  sinngemäss,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben, 
es sei ihm die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und sein Asylge-
such gutzuheissen. Der  Beschwerde ist  im Wesentlichen zu entneh-
men, dass Polizisten ihn am 14. Januar 2009 aufgefordert hätten, die 
Stadt  Colombo schnellstmöglich zu verlassen. Daraufhin sei  er  nach 
Trincomalee gereist, wo er am am 16. Januar 2009 angekommen sei 
und beabsichtigt habe, am folgenden Tag per Schiff nach Jaffna zu ge-
langen. Er sei  indessen noch am 16. Januar 2009 nur knapp einem 
Entführungsversuch entronnen, der bloss deshalb gescheitert sei, weil 
im fraglichen Zeitpunkt ein Polizeiauto aufgetaucht sei. Die Polizisten 
hätten daraufhin sowohl die vier Entführer als auch ihn selber festge-
nommen und während sieben Tagen inhaftiert, bis sie alle auf gerichtli-
chen Beschluss hin wieder freigelassen worden seien. Besagte Leute 
hätten ihn aufgefordert,  aus Trincomalee zu verschwinden, woraufhin 
er  wieder nach Colombo zurückgekehrt  sei. In  Colombo habe er auf 

Seite 4

D-2490/2009

eine  Geldüberweisung  einer  früheren  persönlichen  Lehrerin  aus 
C._______  gewartet.  Am 20. Februar  2009  sei  er  auf  die  Bank  ge-
gangen, um die von seiner früheren Lehrerin übermittelten 200 Euro 
abzuholen. In  der  Folge sei  er  von mehreren Leuten überfallen,  zu-
sammengeschlagen und des Geldes beraubt worden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorin-
stanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu 
gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bun-
desverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art. 
105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst.  c  Ziff.  1  und  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und die Unangemessenheit  gerügt  werden (Art.  49  VwVG und 
Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
mangels  Vorliegens  einer  Empfangsbestätigung  nicht  fest.  Auch  die 
undatierte, von der Botschaft  mit  Begleitschreiben vom 1. April  2009 
als Beschwerde bezeichnete und via das BFM an das Bundesverwal-
tungsgericht weiter geleitete Eingabe besitzt keinen Eingangsstempel 
der Botschaft. Angesichts dieser Fakten ist zugunsten des Beschwer-
deführers von der Rechtzeitigkeit  der Beschwerdeeinreichung auszu-
gehen.

2.
Die Beschwerde ist  somit  form- und fristgerecht  eingereicht; der Be-
schwerdeführer  ist  legitimiert  (Art.  37  VGG  und  Art. 6  AsylG  i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist mithin einzutreten.

Seite 5

D-2490/2009

3.
3.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  er-
kannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus organisatori-
schen oder kapazitätsmässigen Gründen bei der jeweiligen Vertretung, 
aus  faktischen  Hindernissen  im betreffenden Land oder  aus  bei  der 
asylsuchenden Person liegenden persönlichen Gründen ergeben kann 
(vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts 
[BVGE] 2007/30 E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der Sachverhaltser-
stellung  sowie  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl. 
BVGE 2007/30 E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener Un-
möglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in 
einem individualisierten Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufor-
dern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes 
Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in aller Regel nicht zu 
genügen (BVGE 2007/30 E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung 
beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung  erübrigen, 
wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs 
als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber 
diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu 
geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest 
schriftlich zu äussern (BVGE 2007/30 E. 5.7). Schliesslich ist das Bun-
desamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung in 
der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE 2007/30 E. 
5.6 sowie 5.7).

3.2 Im vorliegenden Fall wurde auf eine Botschaftsbefragung des Be-
schwerdeführers  zu  seinem  Asylgesuch  verzichtet.  Das  BFM  hat  in 
seiner  Verfügung vom 28. Januar  2009 gleichzeitig  den Verzicht  auf 
eine Befragung des Beschwerdeführers durch die Botschaft mit man-
gelnden personellen Ressourcen,  also einer Überlastung, begründet. 
Die Botschaft  forderte den Beschwerdeführer hingegen mittels  eines 
individualisierten Schreibens zur weiteren Konkretisierung seiner Asyl-

Seite 6

D-2490/2009

gründe auf und signalisierte in besagtem Schreiben auch die Erwar-
tung,  dass er  sich  erschöpfend zu seinen Ausreisegründen äussere, 
damit  sein  Fall  abschliessend  beurteilt  werden  könne.  Die  entspre-
chende Eingabe des Beschwerdeführers vom 15. Oktober 2008 (vgl. 
Sachverhalt  Bst.  D)  enthält  denn  auch  hinreichend  konkrete 
Informationen zum für das Asylgesuch rechtserheblichen Sachverhalt, 
so  dass  dieser  seitens  des  BFM  als  erstellt  betrachtet  und  ab-
schliessend beurteilt werden konnte. Vor diesem Hintergrund bestand 
für das BFM zudem kein Grund, dem Beschwerdeführer eine summa-
risch  begründete  Ankündigung,  in  Bälde  einen  negativen  Entscheid 
treffen zu wollen, vorangehen zu lassen, und dem Beschwerdeführer 
dazu das rechtliche Gehör zu gewähren. Diesbezüglich ist  festzuhal-
ten, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör nur die Feststellung des 
rechtserheblichen Sachverhaltes, nicht aber die Beweiswürdigung be-
schlagen kann. Die Behörde ist  deshalb nicht  verpflichtet,  der Partei 
mitzuteilen, wie sie den Sachverhalt zu würdigen gedenkt, oder ihr gar 
die Gelegenheit einzuräumen, sich zu ihrer rechtlichen Würdigung zu 
äussern  (vgl.  BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL in:  Bernhard 
Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG, 
Zürich/Basel/Genf  2009,  Art. 30,  N 18).  Vorliegend  wurde  dem  Be-
schwerdeführer indessen durch die in einem individualisierten Schrei-
ben seitens der Botschaft eröffnete Möglichkeit, seine Asylgründe ab-
schliessend  darzulegen,  mithin  bei  der  Erhebung  des  rechtserhebli-
chen Sachverhalt mitzuwirken, bereits gewährt, und er hat von dieser 
Möglichkeit mit seinem Antwortschreiben vom 15. Oktober 2008 auch 
Gebrauch gemacht. Der  Entscheid des BFM erfolgte zudem dreiein-
halb Monate nach der abschliessenden Stellungnahme des Beschwer-
deführers zu seinen Asylgründen, weshalb auch angesichts der relativ 
kurzen Zeitspanne zwischen Stellungnahme und vorinstanzlichem Ent-
scheid nicht zwingend die Notwendigkeit  bestand, dem Beschwerde-
führer vor Ergehen des Entscheids in der Sache abermals das rechtli-
che Gehör zur allfälligen Ergänzung des Sachverhalts zu gewähren.

4.
4.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 

Seite 7

D-2490/2009

Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

4.2 Bei  diesem Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die 
Erteilung einer Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Er-
messensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz, die Möglichkeit  der Schutzgewährung durch einen anderen 
Staat,  die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Mög-
lichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche so-
wie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs-  und  Assimilationsmöglich-
keiten in Betracht zu ziehen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15, insbe-
sondere S. 131 ff.,  welcher angesichts bloss redaktioneller  Änderun-
gen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültig-
keit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist 
dabei  die Schutzbedürftigkeit  der betroffenen Personen (vgl. EMARK 
1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der 
Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann.

5.
5.1 Der  Beschwerdeführer  begründete  sein  Asylgesuch  im  Rahmen 
des erstinstanzlichen Verfahrens namentlich damit, er habe in Colom-
bo bereits mehrere Male Schwierigkeiten mit der Polizei gehabt, weil 
ihn diese zufolge seines langjährigen Aufenthalts  in  C._______ wie-
derholt  verdächtigt  hätten,  für  Aktivitäten im Interesse der  LTTE ge-
schult worden zu sein. Hinzu komme, dass in seinem Reisepass Jaffna 
als sein Geburtsort vermerkt sei, was die behördlichen Verdachtsmo-
mente  gegen ihn  verstärke. Ausserdem werde er  häufig  von Leuten 
des CID belästigt, welche sich jeweils nach seiner srilankischen Identi-
tätskarte erkundigen würden. Eine solche sei für ihn jedoch nicht er-
hältlich, da er allem Anschein nach in Sri Lanka nie registriert worden 
sei. Im Übrigen befürchte er, aufgrund der früheren Aktivität mehrerer 
Geschwister bei der LTTE belangt zu werden.

Wie das BFM in seiner Verfügung indessen zutreffend festgestellt hat, 
bestehen  vorliegend  aus  objektiver  Sicht  keine Anhaltspunkte  dafür, 
dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka Nachteile im Sinne von Art. 3 
AsylG zu befürchten hätte. So lebte er von 1996 bis Februar 2008 in 

Seite 8

D-2490/2009

C._______ und kann diese Tatsache den srilankischen Behörden ge-
genüber auch mit einer entsprechenden Bestätigung der (...) Botschaft 
in  Colombo  vom  9.  April  2008  belegen.  Die  Tatsache,  dass  er  in 
Colombo  bis  heute  trotz  verschiedener  kurzzeitiger  behördlicher 
Befragungen immer wieder entlassen worden ist,  zeigt  überdies auf, 
dass ihn die Polizei und das CID nie nachhaltig verdächtigt haben, im 
Ausland für die LTTE ausgebildet worden und deshalb potentiell  An-
hänger derselben zu sein. Wiewohl die diversen Anhaltungen und Ver-
höre des Beschwerdeführers durch die srilankischen Sicherheitsbehör-
den von diesem als beängstigend und schikanös empfunden werden 
mögen,  dienen  solche  vorab  dem  legitimen  behördlichen  Interesse, 
eine Infiltrierung von LTTE-Kämpfern im Raume Colombo zu unterbin-
den. Auch wenn der Beschwerdeführer als junger Tamile aus dem Nor-
den Sri Lankas vermehrt Personenkontrollen über sich ergehen lassen 
muss, ist er von solchen Sicherheitsmassnahmen nicht mehr betroffen 
als  andere  ebenfalls  im  Grossraum  Colombo  lebenden  Landsleute, 
welche ursprünglich  aus  Jaffna  stammen,  wobei  allein  entscheidend 
ins  Gesicht  fällt,  dass  die  genannten  wiederholten  Festnahmen und 
Befragungen des Beschwerdeführers durch die Polizei und Angehörige 
des CID von ihrer Intensität her keine derart schwerwiegende Eingriffe 
in die physische Integrität und persönliche Freiheit darstellen, als dass 
sie als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG bezeich-
net werden könnten.

5.2 Der Beschwerdeführer wies im Rahmen seiner Rechtsmitteleinga-
be sodann darauf  hin,  dass er  im Januar  2009 von Unbekannten in 
Trincomalee beinahe entführt  worden wäre und anschliessend bis zu 
seiner gerichtlichen Freilassung zusammen mit den Entführern in poli-
zeilichem Gewahrsam verbracht zu haben. Ausserdem machte er gel-
tend,  im Februar  2009 in  Colombo von Unbekannten seines Geldes 
beraubt worden zu sein, nachdem er dieses auf der Bank abgehoben 
habe.

Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Herkunft der angeblichen vier 
Entführer  des  Beschwerdeführers  im  Dunkeln  liegt,  weshalb  bereits 
aus diesem Grunde ein asylbeachtliches Verfolgungsmotiv nicht aus-
zumachen ist. Darüber hinaus hat der Einsatz der srilankischen Polizei 
im  vorliegenden  Fall  dazu  geführt,  dass  der  Beschwerdeführer  kein 
weiteres Unheil erlitten hat, was im Ergebnis auch klarerweise für die 
Bereitschaft  und  Fähigkeit  der  srilankischen  Sicherheitsbehörden 
spricht,  ihre Staatsbürger im Rahmen des Möglichen vor Übergriffen 

Seite 9

D-2490/2009

privater  Dritter  zu  schützen. Auch hinsichtlich  des  Raubüberfalls  auf 
den  Beschwerdeführer  in  Colombo  bestehen  keinerlei  Hinweise  da-
rauf,  dass  dieser  einen  asylrechtlichen  Hintergrund  haben  könnte, 
weshalb auch diesfalls eine Verfolgung des Beschwerdeführers im Sin-
ne von Art. 3 AsylG mangels eines ersichtlichen asylrechtlichen Verfol-
gungsmotivs der Täter verneint werden muss.

5.3 Schliesslich weist der Beschwerdeführer auf seine desolate wirt-
schaftliche und persönliche Situation in Sri Lanka hin. So verfüge er in 
Sri Lanka keinerlei Angehörige, sei seiner Heimat aufgrund des lang-
jährigen Aufenthalts in C._______ sprachlich und kulturell  entfremdet 
und  besitze  zufolge  seiner  schlechten  Sprachkenntnisse  im  Tamili-
schen  und  seiner  fehlenden  srilankischen  Identitätskarte  auch  über 
keinerlei  Aussichten, eine Stelle zu finden und sich damit eine Exis-
tenz zu schaffen.

In  diesem  Zusammenhang  bleibt  festzuhalten,  dass  die  vom  Be-
schwerdeführer  geschilderten  wirtschaftlichen  Schwierigkeiten  keine 
Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Das Gesetz sieht 
demgegenüber nicht vor, dass Asylsuchenden, welche ihr Asylgesuch 
im Ausland stellen,  unabhängig  von einer  Gefährdung im Sinne von 
Art.  3  AsylG  -  und  damit  der  Aussicht  auf  Asylgewährung  in  der 
Schweiz - die Einreise schon deshalb zu bewilligen ist, weil sie im Hei-
mat- oder Herkunftsstaat  wegen Krieg,  Bürgerkrieg, allgemeiner Ge-
walt oder einer medizinischen Notlage konkret gefährdet sind.

5.4 Zusammenfassend  ist  deshalb  festzustellen,  dass  es  dem  Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 
AsylG glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf weitere Vorbringen in 
der Beschwerde einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern kön-
nen. Das BFM hat demnach dem Beschwerdeführer zu Recht die Ein-
reise in die Schweiz verweigert  beziehungsweise dessen Asylgesuch 
abgelehnt.  Aufgrund  der  derzeitigen  Situation  in  Sri  Lanka  ist  die 
Situation für Tamilien gewiss generell schwierig und belastend; dieser 
Umstand betrifft indessen letztlich einen Grossteil  der tamilischen Zi-
vilbevölkerung in Sri Lanka, weshalb die vorinstanzliche Verfügung an-
gesichts der restriktiven Praxis im Bereich der Auslandverfahren, bei 
denen sich die Frage von allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen 
gerade nicht stellt, zu bestätigen ist.

Seite 10

D-2490/2009

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  49  VwVG  und 
Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- 
grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG); aus verwaltungsökonomischen Gründen wird indessen in An-
wendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
(VGKE,  SR 173.320.2)  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten  ver-
zichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

D-2490/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer, durch die schweizerische Vertretung in Co-
lombo

- die Schweizerische Vertretung in Colombo, mit der Bitte um Eröff-
nung dieses Urteils an den Beschwerdeführer sowie um Zustellung 
der  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (per 
EDA-Kurier; in Kopie)

- Das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den Akten  Ref.-Nr. N  (...)  (in 
Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

Versand: 

Seite 12