# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8ea3a29e-f56a-516b-9269-c3097cd24d2a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.02.2021 D-4221/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4221-2020_2021-02-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4221/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder, Richter Simon Thurnheer; 

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Daniel Schütz, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 24. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

D-4221/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 15. Novem-

ber 2019 in die Schweiz und suchte am 27. November 2019 um Asyl nach. 

Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Ostschweiz zugewie-

sen. Am 3. Dezember 2019 wurde er zu seiner Person und zum Reiseweg 

befragt (Personalienaufnahme) und am 16. Januar 2020 vertieft zu seinen 

Asylgründen angehört. 

Er begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, dass er somali-

scher Staatsangehöriger sei und dem Subclan der B._______ angehöre, 

welcher in den Provinzen C._______ und D._______ verbreitet sei. In den 

letzten zwölf Jahren habe er für verschiedene NGOs gearbeitet. Die letzten 

vier Jahre habe er in Mogadischu gelebt und sei für E._______ als (…) 

tätig gewesen. Nachdem vom 21. August 2019 an bei ihm mehrere Anrufe 

von einer unbekannten Telefonnummer eingegangen seien, welche er vor-

erst nicht beachtet habe, habe er am 28. August 2019 trotzdem einmal ei-

nen solchen Anruf entgegengenommen. Der Anrufer habe mitgeteilt, dass 

die Al-Shabaab mit ihm sprechen wolle. Er sei nicht darauf eingegangen 

und habe das Gespräch beendet. Einen weiteren Anruf am 8. September 

2019 habe er nicht beantwortet. Nachdem er am 30. September 2019 zwei 

weitere Anrufe von einer anderen Telefonnummer nicht entgegengenom-

men habe, sei eine Textnachricht mit folgendem Inhalt von diesem Absen-

der eingegangen: "Bruder, es ist Al-Shabaab, der dich anruft, antworte auf 

dein Telefon." Daraufhin habe er einen ihm bekannten Mitarbeiter der Te-

lekommunikationsfirma (…) kontaktiert, der ihm Informationen zu den bei-

den Telefonnummern habe geben können. Ihm sei nie mitgeteilt worden, 

weshalb die Al-Shabaab ihn zu einer Kontaktaufnahme habe zwingen wol-

len, er vermute aber, dass sie es auf Listen von Firmen, zu welchen er im 

Rahmen seiner Arbeit Zugang habe, abgesehen habe, um damit Geld von 

diesen erpressen zu können. Einen weiteren Anruf eine Woche später 

habe er ebenfalls nicht beantwortet, woraufhin er eine Textnachricht folgen-

den Inhalts erhalten habe: "Wir wissen, wo du dich in Mogadischu befin-

dest. Wir werden dich finden." Aus Angst vor Konsequenzen wegen der 

verweigerten Kontaktaufnahme habe er Mogadischu am 8. Oktober 2019 

verlassen und sei zuerst nach F._______ zu seiner Mutter und dann zu 

seinem Bruder gereist. Da er auch in dieser Zeit weitere Drohnachrichten 

erhalten habe, habe er sich zur Ausreise entschlossen. Am 2. November 

2019 sei er mit seinem Pass und einem Laissez-Passer der Vereinten Na-

tionen (engl. United Nations; UN) auf dem Luftweg von Mogadischu über 

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Seite 3 

Nairobi nach Amsterdam und von dort nach Turin gereist. Von Italien sei er 

per Bahn in die Schweiz gelangt. 

Er reichte seinen Pass und seine Identitätskarte, einen Eheschein und Ge-

burtsurkunden seiner Kinder, eine Lohnabrechnung, einen Arbeitsvertrag 

aus dem Jahre 2016, eine Fotografie seines Arbeitsausweises sowie Aus-

drucke einer Anrufliste und eines Chatverlaufs zu den Akten. 

Am 23. Januar 2020 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer den 

Entscheidentwurf zur Stellungnahme, worauf er mit Schreiben vom glei-

chen Tag explizit verzichtete. 

B.  

Mit Verfügung vom 27. Januar 2020 stellte das SEM fest, dass der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug 

an. 

C.  

Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 3. Februar 2020 

wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-624/2020 vom 24. Feb-

ruar 2020 gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-

gung beantragt wurde, und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

D.  

D.a Nach Zuweisung in das erweiterte Verfahren hörte das SEM den Be-

schwerdeführer am 23. Juni 2020 ergänzend zu den Asylgründen an. 

D.b Mit Schreiben vom 24. Juni 2020 liess der Beschwerdeführer Bezug 

nehmend auf die ergänzende Anhörung einen Tweet bezüglich der Tötung 

eines Cousins durch Al-Shabaab, zwei Medienberichte über kürzlich er-

folgte gezielte Ermordungen von Feinden der Terror-Miliz in Puntland sowie 

einen Zeitungsbericht betreffend illegale Steuereintreibung durch diese 

einreichen. 

D.c Mit Schreiben vom 14. Juli 2020 forderte das SEM den Beschwerde-

führer auf, einen aktuellen Personal Action Report ab Januar 2019 und alle 

vorhandenen Dokumente bezüglich seiner Kündigung einzureichen sowie 

Auskunft über die im Zusammenhang mit seiner Ausreise von ihm organi-

sierte Teilnahme an einem Weiterbildungskurs für UN-Mitarbeiter in Italien 

zu geben. Zudem verlangte das SEM detaillierte Auskünfte zu Datum und 

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Seite 4 

Zweck der Ausstellung des UN-Laissez-Passer sowie zum Grund eines 

zweimonatigen Aufenthalts des Beschwerdeführers in Mauritius vor dem 

Erhalt der Telefonanrufe. Schliesslich wurde ihm das rechtliche Gehör zu 

einem Widerspruch in seinen Aussagen gewährt. 

D.d Dazu nahm der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Juli 2020 und 

Nachtrag vom 17. Juli 2020 Stellung und reichte entsprechende Unterla-

gen ein. 

E.  

Mit Verfügung vom 24. Juli 2020 – eröffnet am 27. Juli 2020 – stellte das 

SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-

fülle, lehnte sein Asylgesuch erneut ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz sowie den Vollzug an. 

F.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Ein-

gabe vom 25. August 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er 

beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, verbunden mit der 

Gewährung von Asyl. Eventualiter sei er in der Schweiz vorläufig aufzu-

nehmen. Als Beweismittel lagen folgende Unterlagen bei: Bestätigung von 

A.N.O. (Mitarbeiter von … Telecom; nachfolgend: Telecom-Mitarbeiter); 

unter www.xinhuanet.com publizierter Zeitungsartikel vom 1. Juni 2019 be-

treffend die Tötung des UN-Mitarbeiters M.A.K.; Medienartikel betreffend 

illegale Steuereintreibung und einen Terror-Anschlag der Al-Shabaab; 

E._______-Schreiben vom 25. November 2019 (Kündigungsbestätigung); 

Personal Action Report; E._______-Lohnabrechnungen betreffend Okto-

ber 2019 und Januar bis Oktober 2019; zwei Medienartikel von Aljazeera 

vom 30. März 2020 und 17. Mai 2020 betreffend Ermordung von zwei Gou-

verneuren durch Al-Shabaab in Puntland. 

G.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte den Eingang der Beschwerde 

mit Schreiben vom 26. August 2020. 

 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. September 2020 teilte die Instruktionsrich-

terin dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in 

der Schweiz abwarten, und forderte ihn auf, bis zum 8. Oktober 2020 einen 

Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.— zu leisten. Dieser wurde am 

2. Oktober 2020 bezahlt. 

http://www.xinhuanet.com/

D-4221/2020 

Seite 5 

I.  

Mit Instruktionsverfügung vom 9. Oktober 2020 wurde die Vorinstanz zur 

Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. 

 

J.  

In ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2020 hielt die Vorinstanz vollum-

fänglich an ihren Erwägungen fest und schloss sinngemäss auf Abweisung 

der Beschwerde.  

K.  

Mit Instruktionsverfügung vom 23. Oktober 2020 wurde dem Beschwerde-

führer die vorinstanzliche Vernehmlassung zugestellt und ihm Gelegenheit 

zur Einreichung einer Replik eingeräumt. 

L.  

Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 9. November 2020 zur Ver-

nehmlassung des SEM Stellung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

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Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM fest, die Vorbringen 

des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft 

werden müsse. 

So stelle die eingereichte Anrufliste kein taugliches Beweismittel für die gel-

tend gemachte Bedrohungslage dar. Dasselbe gelte bezüglich des eben-

falls ins Recht gelegten ausgedruckten Chatverlaufs der erhaltenen Droh-

nachrichten. Daran ändere nichts, dass der Beschwerdeführer die Identität 

der beiden Anrufer mithilfe eines Telecom-Mitarbeiters habe ausfindig ma-

chen können, zumal fraglich bleibe, wie A.N.O. in den Besitz überraschend 

vieler Angaben insbesondere über den ersten Anrufer habe gelangen kön-

nen. Auch die eingereichten Zeitungsartikel zum generellen Vorgehen von 

Al-Shabaab und der Twitter-Chatverlauf zum Tod des angeblichen Cousins 

des Beschwerdeführers seien nicht geeignet beziehungsweise untauglich, 

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Seite 7 

um die persönliche flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft dar-

zulegen. Mit den zusätzlich nachgereichten Unterlagen bezüglich der An-

stellung und legalen Ausreise des Beschwerdeführers habe dieser sein bis 

zu diesem Zeitpunkt bestehendes Anstellungsverhältnis bei den UN bele-

gen können, darüber hinaus seien den Dokumenten keine Hinweise auf 

Vorfluchtgründe zu entnehmen. Vielmehr stehe lediglich fest, dass er So-

malia legal – mit dem Einverständnis seines Arbeitgebers und unter Ver-

schleierung der vorgebrachten Ausreisegründe vor diesem – im Rahmen 

eines Weiterbildungsangebots in Italien verlassen habe.  

Die Erklärungen des Beschwerdeführers für sein überraschendes Verhal-

ten bezüglich der angeblichen Drohanrufe und Drohnachrichten – er habe 

sich zu keinem Zeitpunkt an seinen Arbeitgeber, die UN, gewandt respek-

tive diese über die Vorfälle weder informiert noch um Hilfe gebeten – seien 

unplausibel. Ebenso wenig habe er plausibel darzulegen vermocht, wes-

halb er sich seiner SIM-Karten und Mobiltelefone nicht entledigt habe. So-

dann erachtete das SEM als überaus befremdlich und nicht situationsbe-

zogen, dass er seinen früheren Arbeitgeber bis zum Erlass der angefoch-

tenen Verfügung über die angeblichen Hintergründe seiner Kündigung und 

seinen aktuellen Aufenthaltsort nicht in Kenntnis gesetzt habe. Ausserdem 

bleibe offen, wie er seinen Arbeitgeber so kurzfristig – unter Verschleierung 

der vorgebrachten Gründe – von der Notwendigkeit einer Fortbildung im 

entfernten Ausland und einer weiteren längeren Abwesenheit von der Ar-

beitsstelle überzeugt haben wolle.  

Der Beschwerdeführer habe in der Anhörung angegeben, bezüglich der 

Anrufe und Textnachrichten nur den Telecom-Mitarbeiter gefragt zu haben, 

wem die Telefonnummer gehöre und wer ihm die Nachrichten schicke. In 

Widerspruch dazu habe er in der ergänzenden Anhörung erklärt, er habe 

seine Eltern und seinen Bruder angerufen, da er selbst nicht gewusst habe, 

was er machen könnte. Sein Bruder habe ihm geraten, bei (…) Telecom 

nachzufragen. Seine schriftliche Erklärung zu diesem Vorhalt, wonach es 

sich um ein Missverständnis handle, vermöge nicht zu überzeugen. Des 

Weiteren seien seine Aussagen in Bezug auf seine Reaktion nach den er-

haltenen Drohnachrichten nicht konsistent. Seine Antwort in der ergänzen-

den Anhörung, wonach er ein Huawei-Mobiltelefon mit Dual-SIM benützt 

habe, sei als Schutzbehauptung zu werten, da er zuvor wiederholt zwei 

Mobiltelefone erwähnt habe. Ausserdem habe er sich widersprüchlich dazu 

geäussert, bei welcher Gelegenheit er seine Ehefrau über den Hintergrund 

seiner Ausreise informiert habe. 

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4.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, der Telecom-Mitarbeiter, 

der die Identitäten der Anrufer habe ausfindig machen können, habe den 

vorgebrachten Sachverhalt schriftlich bestätigt, wobei er auf das diesbe-

züglich eingereichte Schreiben von A.N.O. verwies. Dieser habe sich im 

Übrigen (unter Angabe seiner Telefonnummer) ausdrücklich bereit erklärt, 

seine Identität dem Gericht telefonisch zu bestätigen, sofern diese Infor-

mation vertraulich behandelt werde. Der erste Anrufer sei A.N.O. bekannt 

gewesen, da es sich offenbar um einen lokalen Geschäftsmann gehandelt 

habe. Aufgrund dessen habe A.N.O. auch gewusst, dass der Anrufer be-

reits im Gefängnis gewesen sei und mit der Al-Shabaab in Verbindung 

stehe. Über den zweiten Anrufer habe er weniger Angaben machen kön-

nen, da hinter der Telefonnummer nur sehr wenige Details gespeichert ge-

wesen seien, was sehr ungewöhnlich sei. Unter den gegebenen Umstän-

den fehlten entgegen den Ausführungen der Vorinstanz jegliche Hinweise 

darauf, dass der Beschwerdeführer die Textnachrichten gefälscht haben 

könnte. Vielmehr sprächen die genannten Begebenheiten dafür, dass die 

Textnachrichten echt seien. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, 

dass auch gerade die abstrakte Formulierung der Textnachrichten sowie 

die Tatsache, dass immer zuerst ein Anruf getätigt worden und erst im An-

schluss eine Textnachricht erfolgt sei, ein starkes Indiz für die Echtheit sei. 

Hätte der Beschwerdeführer die Textnachrichten selber geschrieben, hätte 

er mit Sicherheit konkretere Drohungen formuliert und nicht eine derart 

komplizierte Vorgehensweise frei erfunden. Somit sei festzuhalten, dass 

die Drohungen von einer unbekannten Drittperson ausgesprochen worden 

seien. Der Beschwerdeführer habe ausreichend Grund zur Annahme ge-

habt, dass es sich bei um ein Mitglied einer Terrormiliz gehandelt habe. 

Kurze Zeit bevor er durch die Al-Shabaab bedrängt worden sei, habe sich 

eine vergleichbare Situation bei M.A.K., einem Mitarbeiter des gleichen Ar-

beitgebers, ereignet. M.A.K. habe das Schutzprogramm der UN in An-

spruch nehmen wollen und die dafür verantwortlichen Personen über die 

Bedrohungslage in Kenntnis gesetzt. Erstaunlicherweise sei es der UN 

nicht möglich gewesen, in nützlicher Zeit dem Mitarbeiter den verlangten 

Schutz zu gewähren, und dieser sei kurze Zeit später getötet worden. Dies-

bezüglich verwies er auf den eingereichten Zeitungsartikel vom 1. Juni 

2019. Dieser Vorfall sei dem Beschwerdeführer sehr wohl präsent gewe-

sen und er habe guten Grund zur Annahme gehabt, dass die Al-Shabaab-

Miliz auch bei seinem Arbeitgeber über Kontaktpersonen verfüge. Er habe 

daher damit rechnen müssen, dass eine Kontaktierung des Arbeitgebers 

ihm noch grössere Probleme machen könnte. 

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Als sich der Beschwerdeführer in den Norden Somalias begeben habe, um 

die Entwicklung der Bedrohungslage abzuwarten, sei ihm klargeworden, 

dass die einzige Möglichkeit die Ausreise aus Somalia sei, um der Verfol-

gung der Al-Shabaab zu entfliehen. Er habe deshalb nach einem Grund 

gesucht, um auf legale Weise das Land verlassen zu können. So habe er 

im Internet nach einer geeigneten Weiterbildung recherchiert, wobei deren 

Ort für ihn irrelevant gewesen sei und er lediglich nach der nächstmögli-

chen Gelegenheit, das Land verlassen zu können, gesucht habe. So habe 

er den Kurs in Italien gefunden. Daher habe er sich aktiv an den Supervisor 

sowie den Head of HR (Human Resources) seines Arbeitgebers gewandt, 

um die legale Ausreise für Weiterbildungszwecke bestätigen zu lassen. Er 

habe sich bis am 24. Oktober 2019 in den Ferien befunden. Diese habe er 

bis Mitte November verlängert. Am 7. November 2019 habe er sein Arbeits-

verhältnis gekündigt. Die Kündigung sei am 12. Dezember 2019 wirksam 

geworden, weshalb der Arbeitgeber den Beschwerdeführer erst zu diesem 

Zeitpunkt wieder zurückerwartet habe. Die restlichen Tage (bis zum 18. De-

zember 2019) habe er mit einem restlichen Ferienguthaben kompensiert. 

Entgegen dem Asylentscheid vom 24. Juli 2020 wirkten die Ausführungen 

des Beschwerdeführers zum Weiterbildungsprogramm nicht "zurechtge-

legt." Dem SEM sei entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer ledig-

lich einen ausreichenden Grund habe anbringen müssen, um nach Europa 

reisen zu können. Ein Weiterbildungsprogramm stelle einen solchen Grund 

dar. Aus unzähligen Weiterbildungsprogrammen der UN habe er daher ein 

beliebiges ausgewählt, welches möglichst bald stattgefunden habe. Dieser 

Entscheid habe somit durchaus spontan getroffen werden können. 

Er habe auch in den Ferien insbesondere für seinen Arbeitgeber erreichbar 

sein und für diesen beispielweise einige berufliche Telefongespräche füh-

ren müssen. Das Entledigen von SIM-Karten und Telefon hätte insofern 

sein Problem nicht gelöst, als die Al-Shabaab ihn auch mit einer neuen 

Nummer hätte ausfindig machen können. 

Nachdem er sich dazu entschlossen habe, das Land zu verlassen, habe er 

seine Frau und Kinder an einen Ort bringen wollen, von dem er gewusst 

habe, dass sie bestmöglich geschützt seien. So habe er seine Familie in 

F._______ getroffen und sei gemeinsam mit ihr nach G._______ gereist, 

wo die Mutter seiner Frau lebe.  

Seine Frau habe er erst zu einem späteren Zeitpunkt informiert. Vor seiner 

Ausreise habe er seiner Frau mitgeteilt, dass er das Land verlassen müsse. 

Über die Bedrohung habe er sie am 24. Oktober 2019 aufgeklärt. Die 

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Seite 10 

ganze Geschichte und insbesondere die konkreten Gründe habe er ihr je-

doch erst erzählt, als er in der Schweiz gewesen sei. So erscheine doch 

verständlich, dass er seine Familie nur Schritt für Schritt in die Bedrohungs-

lage involviert habe. 

4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2020 im 

Wesentlichen fest, dass sich die vom Beschwerdeführer eingereichten Zei-

tungsartikel zum generellen Vorgehen der gewalttätigen radikalislamischen 

Gruppe Al-Shabaab nicht dazu eigneten, eine persönliche flüchtlingsrecht-

lich relevante Verfolgung glaubhaft darzulegen. Auch änderten diese Zei-

tungsartikel nichts an der Einschätzung, dass eine Wegweisung nach Punt-

land generell zulässig und zumutbar sei. Die Bestätigung des vermeintli-

chen Mitarbeiters der (…) Telecom sei als Gefälligkeitsschreiben einer 

nicht weiter bekannten Drittperson zu werten. Augenscheinlich sei das Do-

kument lediglich im Programm Word verfasst worden. Ein solches Schrei-

ben lasse sich ohne Weiteres selbst herstellen oder verändern. Deshalb 

könne ihm kein Beweiswert zugesprochen werden. Eine Bestätigung der 

Identität des Verfassers via der in der Beschwerde angegebenen Telefon-

nummer sei weder möglich noch zielführend. Das vom Beschwerdeführer 

vorgebrachte Freundschafts- respektive Vertrauensverhältnis zum getöte-

ten UN-Mitarbeiter M.A.K. stellte das SEM in Frage. Insbesondere habe 

der Beschwerdeführer unterschiedliche Todesdaten von M.A.K. genannt. 

Zudem habe er in der Anhörung zu Protokoll gegeben, dass M.A.K. auch 

für die E._______ gearbeitet habe, wogegen im eingereichten Zeitungsar-

tikel festgehalten werde, dass M.A.K. am 29. Mai 2019 von Unbekannten 

auf offener Strasse getötet worden sei, weil er für das United Nations 

Security Management System (UNDSS) gearbeitet habe. Mehr sei zum 

Vorfall nicht bekannt. Es sei nicht klar, woher der Beschwerdeführer seine 

Informationen über die dem Mord vorausgegangene Erpressung durch die 

AI-Shabaab, die Reaktion von M.A.K. sowie die vermeintliche Untätigkeit 

des UNDSS habe. Dass der Entschluss des Beschwerdeführers, sich nicht 

an seinen Arbeitgeber, sondern an einen Mitarbeiter von (…) Telecom zu 

wenden, bei ihm keine Sicherheitsbedenken auszulösen vermocht habe, 

wirke befremdend, habe er doch in der Anhörung zu verstehen gegeben, 

dass auch (…) Telecom so unterwandert sei, dass die AI-Shabaab jederzeit 

seinen aktuellen Mobiltelefon-Standort abrufen könne. 

4.4 In seiner Replik vom 9. November 2020 entgegnete der Beschwerde-

führer, die Vorinstanz suche offensichtlich aktiv nach vermeintlichen Wider-

sprüchen in seinen Aussagen und versuche, ihn als unglaubwürdig darzu-

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Seite 11 

stellen. Zudem nahm er detailliert Stellung zu den Ausführungen in der Ver-

nehmlassung und hielt zusammenfassend fest, dass mit den vorgebrach-

ten und tauglichen Beweismitteln sehr wohl eine glaubhafte Bedrohungs-

lage als auch eine nachvollziehbare Reaktion darauf habe dargestellt wer-

den können. Die Vorinstanz versuche in kleinen Ungereimtheiten, welche 

er in der Replik nachvollziehbar erklärt habe, das Haar in der Suppe zu 

finden. 

5.  

5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit 

der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Bei der Be-

urteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller 

Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, 

Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-

keit usw.), die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft 

ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. 

Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt 

der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte 

wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-

verhaltsdarstellung sprechen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 

2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Vorliegend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass 

die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt – trotz gewisser Zweifel 

– als glaubhaft zu bewerten sind. Dabei gilt es insbesondere darauf hinzu-

weisen, dass der Beschwerdeführer seine Vorbringen ausgesprochen aus-

führlich und detailreich schilderte, wobei seine Aussagen in der Anhörung 

vom 16. Januar 2020 auch überwiegend mit denjenigen in der ergänzen-

den Anhörung vom 23. Juni 2020 übereinstimmen. Zudem enthalten sie 

zahlreiche Realkennzeichen. So schilderte er beispielsweise sehr ein-

drücklich seine grosse Angst, welche der Erhalt der ersten Textnachricht 

von Al-Shabaab bei ihm auslöste, wie er in seiner Ratlosigkeit zunächst 

seine Eltern und seinen Bruder anrief (vgl. A40 F8–14, F19 f.) und darauf-

hin Überlegungen dazu anstellte, wie er sich verhalten soll beziehungs-

weise welche Möglichkeiten ihm in seiner Lage offenstanden. Die verein-

zelten Elemente, welche gemäss der angefochtenen Verfügung gegen die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen sprechen, vermögen diese detailreichen Er-

zählungen nicht aufzuwiegen. Dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz 

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Seite 12 

vorgeworfene Punkte, die der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des 

Handelns widersprechen würden, vermochte dieser bereits anlässlich sei-

ner Anhörungen plausibel zu erklären. Dazu merkt er auf Beschwerde-

ebene zutreffend an, dass es sehr viel Phantasie bräuchte, um eine Bedro-

hungslage wie die vorliegende zu konstruieren, und er sich diesfalls mit 

Sicherheit einen viel weniger abstrakten Sachverhalt zurechtgelegt und 

insbesondere in die Textnachrichten viel konkretere Drohungen eingefloch-

ten hätte. Es liegen auch keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme 

der Vorinstanz vor, dass die Anrufe und Textnachrichten von einer beliebi-

gen Drittperson ausgegangen sein könnten oder gar der Beschwerdeführer 

sich diese Nachrichten selbst mittels eines zweiten Mobiltelefons zuge-

schickt haben könnte. Vielmehr hat der in einer höheren Position bei der 

E._______ tätige Beschwerdeführer, der bei Investitionen beziehungs-

weise bei der Vergabe von finanziell interessanten Aufträgen an Firmen 

mitwirkte und dessen Kontaktdaten auf der Webseite der E._______ er-

sichtlich waren, anlässlich seiner Anhörungen schlüssig dargelegt, wes-

halb er ausreichend Grund zur Annahme hatte, dass hinter den Anrufen 

und Drohnachrichten die Terrormiliz Al-Shabaab stand. Ausserdem be-

stand für ihn keinerlei Grund, eine solche Bedrohungslage selbst zu kon-

struieren, um aus Somalia ausreisen zu können. Des Weiteren begründete 

er unter Hinweis auf den ihm bekannten UN-Mitarbeiter M.A.K., der kurze 

Zeit vorher in vergleichbarer Bedrohungslage das Schutzprogramm der UN 

in Anspruch genommen habe und trotzdem getötet worden sei, nachvoll-

ziehbar, weshalb er sich nicht an seinen Arbeitgeber gewandt hat. Zwar 

verwies das SEM in diesem Zusammenhang zu Recht auf verschiedene 

Unstimmigkeiten. So trifft zu, dass er zwei verschiedene Todesdaten von 

M.A.K. nannte. Bezüglich des in der Anhörung vom 16. Januar 2020 ge-

nannten Datums (… 2020) ist aber nicht auszuschliessen, dass es sich 

um einen Versprecher beziehungsweise um einen Verschrieb handelt, zu-

mal M.A.K. laut dem eingereichten Zeitungsartikel am (…) getötet worden 

ist. Jedenfalls spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit des Vorbringens, 

dass der Beschwerdeführer, nachdem in den beiden Anhörungen vonei-

nander abweichende Todesdaten protokolliert worden waren, diesbezüg-

lich ein Beweismittel nachreichte, in dem wiederum ein anderes Datum 

steht. Zudem erwähnte er, dass M.A.K. bei der E._______ gearbeitet habe 

(vgl. A17 F50), wobei er in der ergänzenden Anhörung präzisierte, dass 

dieser bei der E._______ in der Abteilung Sicherheit tätig gewesen sei (vgl. 

A40 F8, F81). Auch die Annahme in der Replik, dass die E._______ Mitar-

beiter des UNDSS im Mandatsverhältnis beschäftige, kann nicht von der 

Hand gewiesen werden. Sodann wird in der Replik zu Recht darauf ver-

wiesen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der ergänzenden Anhörung 

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Seite 13 

mehrere UN-Mitarbeiter erwähnte, welche seitens der Al-Shabaab bedroht 

worden waren. In der Replik wird weiter zutreffend ausgeführt, dass dem 

Beschwerdeführer weitere Einzelheiten zum Fall von M.AK., wenn nicht 

von diesem selbst, so doch deshalb bekannt seien, weil dieser für die 

E._______ tätig gewesen sei. Daran vermag nichts zu ändern, dass der 

Beschwerdeführer einräumte, nicht alle Details zu kennen, zumal M.A.K. 

in der Abteilung Sicherheit und nicht am Standort Mogadischu gearbeitet 

habe (vgl. A40 F81). Vor diesem Hintergrund erscheint plausibel, dass der 

Beschwerdeführer seinen Arbeitgeber beziehungsweise die UN nicht über 

seine Bedrohungssituation informierte. Was den Vorhalt des SEM anbe-

langt, er habe in der Anhörung vom 16. Januar 2020 erklärt, ausser mit 

dem Telecom-Mitarbeiter mit niemandem über die Textnachrichten gespro-

chen zu haben, und in Widerspruch dazu in der ergänzenden Anhörung zu 

Protokoll gegeben, nach dem Erhalt der ersten Textnachricht seine Eltern 

und seinen Bruder angerufen zu haben, der ihm geraten habe, bei (…) 

Telecom für Informationen zum Absender nachzufragen, vermochte er die-

sen Widerspruch in seiner schriftlichen Stellungnahme vom 16. Juli 2020 

entgegen der Vorinstanz plausibel damit zu erklären, dass er die ihm ge-

stellte Frage in dem Sinne missverstanden habe, ob er ausserhalb seiner 

Familie, zum Beispiel in seinem beruflichen Umfeld, jemanden um Hilfe 

bezüglich der Drohungen gebeten habe. Sodann ist nachvollziehbar, dass 

sich der Beschwerdeführer trotz Bedenken, dass auch (…) Telecom von 

der Al-Shabaab unterwandert sein könnte, zwecks Beschaffung von Infor-

mationen zu den Telefonnummern der Anrufer und Absender der Droh-

nachricht an A.N.O. wandte, zumal es sich bei diesem um seine Kontakt-

person handelte, die für das Internet der E._______ zuständig und ihm 

deshalb persönlich bekannt war und vertrauenswürdig erschien (vgl. A40 

F24, F98 f.). In Würdigung dieser Umstände ist die als Beweismittel einge-

reichte Bestätigung von A.N.O., Head of accounts (UN & NGOs) bei (…) 

Telecom, entgegen der Vorinstanz durchaus geeignet, die Glaubhaftigkeit 

dieses Vorbringens zu bekräftigen. Sodann kann aus den Akten entgegen 

den Ausführungen der Vorinstanz bezüglich des Vorbringens des Be-

schwerdeführers, er benütze ein Dual-SIM-Mobiltelefon, nicht auf eine 

Schutzbehauptung geschlossen werden. Zudem vermochte er plausibel 

darzulegen, weshalb es ihm nichts genützt hätte, wenn er sich seiner SIM-

Karten entledigt und sein Mobiltelefon unter Angabe der Daten einer ande-

ren Person neu registriert hätte. Schliesslich erscheint auch das vom Be-

schwerdeführer geschilderte weitere Vorgehen, vom Verlassen Moga-

dischus über die Treffen mit seinen Familienangehörigen im Norden des 

Landes, die Organisation der Ausreise unter dem Vorwand eines Weiterbil-

dungskurses, für den er sich in Italien anmeldete, bis zur Kündigung seines 

D-4221/2020 

Seite 14 

Arbeitsvertrags mit der E._______ erst nach seiner Ankunft in der Schweiz, 

wo er auch seine Familie vollständig über die Gründe seiner Ausreise in-

formierte, insgesamt als glaubhaft. So zeichnen sich diese Schilderungen 

bei der jeweiligen Anhörung namentlich durch ihre logische Konsistenz und 

inhaltlich stimmige Darstellung, ihren quantitativen Detailreichtum, ihre 

raum-zeitliche Verknüpfungen sowie die Schilderung von Interaktionen, 

Komplikationen, unverstandenen Handlungselementen und eigenen psy-

chischen Vorgängen im Sinne von Realkennzeichen aus. Dabei ist insbe-

sondere darauf hinzuweisen, dass vom Moment an, als die vom Beschwer-

deführer nach der ersten Textnachricht Anfang Oktober 2019 eingeholten 

Informationen auf die Al-Shabaab als Urheber schliessen liessen und diese 

in der zweiten Nachricht schrieben, sie wüssten, dass er sich in Moga-

dischu befinde, und würden ihn finden, woraufhin er die Hauptstadt tags 

darauf verliess und in den Norden Somalias reiste, bis zu seiner nicht leicht 

zu bewerkstelligenden Ausreise aus Somalia am 2. November 2019 nur ein 

Monat verging, wobei er sich während dieser Zeit im Rahmen seiner Mög-

lichkeiten dem Zugriff der Terror-Miliz zu entziehen versuchte. Ausserdem 

vermochte er in der jeweiligen Anhörung die Gründe für sein konkretes Vor-

gehen überzeugend darzulegen, wenn dieses nach Ansicht des SEM der 

allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprach. 

5.3 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und denje-

nigen, die dagegen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht ins-

gesamt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Ver-

folgungsgeschichte entspreche in den wesentlichen Punkten den Tatsa-

chen, höher ist, als die – wenn auch nicht restlos auszuschliessende – 

Möglichkeit, sie sei vom Beschwerdeführer bloss konstruiert worden. Bei 

einer Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwiegen die für 

die Richtigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers sprechenden 

Elemente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien. Dem Beschwerde-

führer ist es demnach gelungen, den zur Begründung seines Asylgesuches 

vorgetragenen Sachverhalt in den wesentlichen Punkten glaubhaft zu ma-

chen.  

6.  

6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auf-

grund des von ihm glaubhaft dargelegten Sachverhalts die Flüchtlingsei-

genschaft erfüllt, ihm mithin Asyl zu gewähren ist. 

6.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

D-4221/2020 

Seite 15 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss zum Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell 

sein. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen 

dem Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind des-

halb zugunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. 

dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je 

m.w.H.). 

6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – 

aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger 

Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-

lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage 

Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen 

würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten 

Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der be-

troffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-

gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-

jektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). 

6.4 Das Bundesverwaltungsgericht hielt in E. 7.1 des Kassationsurteils 

D-624/2020 vom 24. Februar 2020 zutreffend fest, dass sich bereits aus dem 

Wortlaut der Textnachrichten konkrete Hinweise – im Sinne konkreter Dro-

hungen – auf eine Verfolgung ergeben ("Wir wissen, wo du bist in Moga-

dishu. Die Muslime werden dich bald finden, du Ungläubiger." [Nachricht 

vom 7. Oktober]; "Wir kennen dein Haus [ ... ]. Die Mujaheddin werden kom-

men, wenn Gott will." [Nachricht vom 12. Oktober]; 'Wir sind überall, musst 

du wissen, wir lassen solche Ungläubigen wie dich nicht in Ruhe, wenn Gott 

will." [Nachricht vom 22. Oktober]; "Du wirst von uns hören." [Nachricht vom 

31. Oktober]), und, sollten die Drohungen glaubhaft sein, eine begründete 

Furcht vor Vergeltungsaktionen der Al-Shabaab zu bejahen wäre, wobei es 

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Seite 16 

bezüglich der Asylrelevanz solcher Drohungen auf E. 6.4 des Urteils des 

Bundesverwaltungsgerichts D-2206/2017 vom 1. Juli 2019 verwies. Hin-

sichtlich des Verfolgungsmotivs führte das Gericht in seinem Kassationsur-

teil weiter aus, dass die Vorinstanz die Asylrelevanz zu Unrecht verneint 

habe. Zwar treffe zu, dass die von der Al-Shabaab geforderten Informationen 

finanziellen Interessen dienen würden. Dies lasse sich aber nicht zwingend 

auf die Vergeltungsmassnahmen übertragen, welche gegen den – in den 

Textnachrichten als Ungläubigen bezeichneten – Beschwerdeführer ergrif-

fen würden. Vielmehr wären diese Rachehandlungen für die verweigerte 

Kooperation zumindest teilweise von politischen Motiven getragen, da die 

Weigerung als oppositioneller Akt aufgefasst werde, wodurch die Verfolgung 

asylrelevant werde (vgl. a.a.O.; E. 7.3). Sodann hielt das Kassationsurteil 

bezüglich der vom SEM in seiner Verfügung vom 27. Januar 2020 bejahten 

innerstaatlichen Fluchtalternative in Puntland fest, dass fraglich sei, ob die 

Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit der dortigen Behörden bejaht werden 

könnte, eine fundierte Erörterung dieser Frage fehle und das SEM, sollte es 

die Glaubhaftigkeit bejahen, das Asylgesuch aber unter Berufung auf die 

Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit der somalischen Behörden respektive 

auf eine innerstaatliche Fluchtalternative ablehnen, dies substanziiert zu be-

gründen hätte (vgl. a.a.O., E. 7.2 und E. 8.3). Indem das SEM in der ange-

fochtenen Verfügung beziehungsweise in der Vernehmlassung den Vollzug 

der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Puntland als zulässig und 

zumutbar erachtete, bejahte es implizit die Schutzfähigkeit und Schutzwillig-

keit der dortigen Behörden. Indessen ist aufgrund der Ausführungen des Be-

schwerdeführers vorliegend nicht davon auszugehen, dass er in Puntland 

wirksam vor der Verfolgung durch die Al-Shabaab geschützt wäre (vgl. aus-

führlich zu den Anforderungen an eine innerstaatliche Schutzalternative: 

BVGE 2011/51; zur aktuellen Situation in Puntland vgl. Referenzurteil des 

BVGer E-6310/2017 vom 15. Januar 2020 E. 11.2.2). So ergibt sich aus den 

Textnachrichten und den Aussagen des Beschwerdeführers, dass die Al-

Shabaab nebst der Telefonnummer über weitgehende Kenntnisse ihn betref-

fend, wie etwa den Wohnort oder den Wechsel des Aufenthaltsortes, auch 

in Puntland, verfügt, weshalb nicht ohne Weiteres angenommen werden 

kann, dass sich dort eine Verfolgung vereiteln liesse (vgl. A 17 F76 f., A40 

F66, F93). Darüber hinaus hat er Fälle von gezielten Tötungen durch die Al-

Shabaab in Puntland, darunter auch ein Cousin von ihm im Hafen von 

F._______ (vgl. A40 F67), dokumentiert. Auch zum heutigen Zeitpunkt ist 

seine Furcht vor Verfolgung begründet, zumal sich die Situation in Somalia 

seit seiner Ausreise im November 2019 nicht massgeblich verändert hat. Vor 

diesem Hintergrund ist von einer andauernden und konkreten Gefährdung 

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Seite 17 

des Beschwerdeführers durch die Al-Shabaab auszugehen, welche als asyl-

relevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu werten ist. Daran vermag nichts zu 

ändern, dass der Beschwerdeführer nicht mehr für die E._______ tätig ist, 

zumal er weiterhin über Informationen verfügt, die sich zu verschaffen für die 

Al-Shabaab von erheblichem Interesse sind. Angesichts der Verhältnisse in 

Somalia ist auch nicht davon auszugehen, dass er durch die staatlichen Be-

hörden Schutz vor dieser Verfolgung erlangen könnte. Eine innerstaatliche 

Schutzalternative ist für ihn nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer erfüllt 

demzufolge die Flüchtlingseigenschaft. Den Akten sind schliesslich keine 

Hinweise auf Gründe im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen, weshalb 

dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren ist. 

7.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die angefochtene 

Verfügung des SEM vom 24. Juli 2020 ist aufzuheben. Der Beschwerde-

führer ist als Flüchtling anzuerkennen und das SEM anzuweisen, ihm Asyl 

zu gewähren. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 2. Oktober 2020 geleistete Kosten-

vorschuss von Fr. 750.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 

9.  

9.1 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG kann der 

obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-

gung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen 

Kosten zugesprochen werden (vgl. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Feb-

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen 

Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung wird 

in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung 

der massgeblichen Bemessungsfaktoren (insbesondere auch des Umstan-

des der bereits vorhandenen Aktenkenntnisse des Rechtsvertreters) dem-

nach von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 1'500.– festgelegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt. Das SEM wird ange-

wiesen, ihm Asyl zu erteilen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der Kostenvorschuss von 

Fr. 750.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'500.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Daniela Brüschweiler Daniel Widmer