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**Case Identifier:** 43e95897-941b-595c-a2b1-b7ac7d4fbfa4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.02.2022 BVGE 2022 VII/1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2022-VII-1_2022-02-21.pdf

## Full Text

Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

2022 VII/1 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VII 1 

 

2022 VII/1 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung VI 
i. S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

F–3211/2020 vom 21. Februar 2022 

Familiennachzug und Einschluss in die vorläufige Aufnahme. Berück-

sichtigung einer längerfristigen Freiheitsstrafe bei der nachzuzie-

henden Person. 

Art. 62 Abs. 1 Bst. b, Art. 83 Abs. 7 Bst. a, Art. 85 Abs. 7 AIG. 

1. Art. 85 Abs. 7 AIG weist hinsichtlich der Berücksichtigung einer 
bei der nachzuziehenden Person vorliegenden Straffälligkeit eine 

echte Lücke auf (E. 6). 

2. Die Lücke kann durch die analoge Anwendung von Art. 83 Abs. 7 
Bst. a AIG geschlossen werden (E. 7). 

3. Der Familiennachzug und der Einschluss in die vorläufige Auf-
nahme gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG werden deshalb grundsätzlich 

verweigert, wenn bei der nachzuziehenden Person eine länger-

fristige Freiheitsstrafe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG vor-

liegt. Bei der Beurteilung der strafrechtlichen Sanktion als hinrei-

chender Ausschlussgrund ist auf die etablierte Praxis zu Art. 62 

Abs. 1 Bst. b AIG zurückzugreifen. Wie alles staatliche Handeln 

hat die so begründete Verweigerung der vorläufigen Aufnahme 

verhältnismässig zu sein (E. 8). 

Regroupement familial et inclusion dans l'admission provisoire. Prise 

en compte d'une peine privative de liberté de longue durée prononcée 

à l'encontre de la personne en faveur de laquelle le regroupement 

familial est sollicité. 

Art. 62 al. 1 let. b, art. 83 al. 7 let. a, art. 85 let. 7 LEI. 

1. L'art. 85 al. 7 LEI ne dit rien de la prise en compte d'une condam-
nation prononcée à l'encontre de la personne en faveur de laquelle 

le regroupement familial est sollicité, ce qui constitue une véritable 

lacune (consid. 6). 

2. Cette lacune peut être comblée en appliquant par analogie l'art. 83 
al. 7 let. a LEI (consid. 7). 

2022 VII/1 Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

 

 

2 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

3. Par conséquent, le regroupement familial et l'inclusion dans l'ad-
mission provisoire au sens de l'art. 85 al. 7 LEI sont en principe 

refusés lorsque la personne en faveur de laquelle le regroupement 

familial est sollicité a été condamnée à une peine privative de li-

berté de longue durée au sens de l'art. 83 al. 7 let. a LEI. Pour 

évaluer la sanction pénale comme motif d'exclusion suffisant, il 

convient de se référer à la pratique établie en lien avec l'art. 62 al. 1 

let. b LEI. A l'instar de toute action de l'Etat, le refus de l'ad-

mission provisoire ainsi motivé doit répondre au principe de la 

proportionnalité (consid. 8). 

Ricongiungimento familiare e inclusione nell'ammissione provvisoria. 

Presa in considerazione di una pena detentiva di lunga durata inflitta 

alla persona da ricongiungere. 

Art. 62 cpv. 1 lett. b, art. 83 cpv. 7 lett. a, art. 85 cpv. 7 LStrI. 

1. L'art. 85 cpv. 7 LStrI contiene una lacuna propria per quanto con-
cerne la presa in considerazione di una condanna a carico della 

persona da ricongiungere (consid. 6). 

2. La lacuna può essere colmata mediante applicazione per analogia 
dell'art. 83 cpv. 7 lett. a LStrI (consid. 7). 

3. Se la persona da ricongiungere è stata condannata a una pena 
detentiva di lunga durata secondo l'art. 83 cpv. 7 lett. a LStrI, il 

ricongiungimento familiare e l'inclusione nell'ammissione provvi-

soria ai sensi dell'art. 85 cpv. 7 LStrI sono pertanto, in linea di 

principio, rifiutati. Nel valutare se la sanzione penale inflitta costi-

tuisce un motivo di esclusione sufficiente occorre fare riferimento 

alla prassi consolidata relativa all'art. 62 cpv. 1 lett. b LStrI. Come 

ogni altra azione dello Stato, anche il rifiuto dell'ammissione prov-

visoria fondato su questo motivo deve rispettare il principio di 

proporzionalità (consid. 8). 

 

Die syrische Beschwerdeführerin reiste am 5. September 2012 in die 

Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Mit Verfügung vom 5. Februar 2014 

stellte das damalige Bundesamt für Migration (BFM, heute: Staatssekre-

tariat für Migration [SEM]) fest, dass sie die Flüchtlingseigenschaft nicht 

Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

2022 VII/1 

 

 

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erfülle, lehnte ihr Asylgesuch ab, wies sie aus der Schweiz weg und ord-

nete gleichzeitig ihre vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs an. 

Im Jahr 2016 heiratete die Beschwerdeführerin den algerischen Staatsan-

gehörigen X. Dieser war am 1. November 2011 in die Schweiz eingereist 

und hatte ein Asylgesuch gestellt. Das BFM hatte das Gesuch mit Verfü-

gung vom 23. August 2013 abgelehnt und den Vollzug der Wegweisung 

angeordnet. X. hält sich seither ohne Aufenthaltstitel in der Schweiz auf. 

Am 10. Dezember 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin beim zustän-

digen Migrationsamt um Einbezug von X. in ihre vorläufige Aufnahme. 

Am 3. Februar 2020 übermittelte das Migrationsamt das Gesuch zusam-

men mit einer abschlägigen Stellungnahme an das SEM. Das SEM wies 

das Gesuch mit Verfügung vom 20. Mai 2020 ab. 

Am 22. Juni 2020 gelangte die Beschwerdeführerin mit Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht. 

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

5.  
5.1 Vorfrageweise ist zu klären, ob entsprechend dem Dafürhalten 
der Vorinstanz die Regelung gemäss Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG (SR 142.20) 

im Rahmen des Familiennachzugs und des Einbezugs in die vorläufige 

Aufnahme nach Art. 85 Abs. 7 AIG sinngemässe Anwendung findet. Beja-

hendenfalls wäre der Ehemann der Beschwerdeführerin aufgrund seiner 

Straffälligkeit auch bei erfüllten Voraussetzungen grundsätzlich nicht in 

deren vorläufige Aufnahme miteinzuschliessen. 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich der genannten Frage 
bisher noch nicht explizit angenommen. In einem ähnlichen Fall wie dem 

vorliegenden kam es zum Schluss, dass die Delinquenz eines gestützt auf 

Art. 85 Abs. 7 AIG nachzuziehenden und in die vorläufige Aufnahme 

seiner Ehefrau miteinzuschliessenden Ehegatten sowohl unter dem Titel 

der Interessenabwägung gemäss Art. 96 Abs. 1 AIG als auch des Aus-

schlusses der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AIG zu be-

rücksichtigen sei (Urteil des BVGer F–3028/2019 vom 27. Oktober 2021 

E. 6.1). Die Frage, ob eine von der nachzuziehenden Person erwirkte län-

gerfristige Freiheitsstrafe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG einen 

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Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

 

 

4 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

eigenständigen Ausschlussgrund für einen Familiennachzug und für einen 

Einbezug in die vorläufige Aufnahme gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AIG dar-

stellt, musste dort infolge der untergeordneten Delinquenz jedoch nicht 

geklärt werden. 

5.3 Anders verhält es sich im vorliegenden Fall. X. wurde mit rechts-
kräftigem Urteil des Regionalgerichts (…) vom 18. Oktober 2018 des Ver-

brechens gegen das BetmG ([SR 812.121] mengenmässig qualifiziert 

begangen in der Zeit von September 2015 bis ca. April 2016 durch Erwerb, 

Besitz, nachfolgende Verarbeitung und Verkauf/Abgabe von 450 g 

Kokaingemisch, ausmachend 211,50 g reines Kokain), des Vergehens 

gegen das BetmG (begangen in der Zeit von Oktober 2015 bis ca. April 

2016 durch Erwerb, Besitz, Vermittlung und Verkauf/Abgabe von 1,3 kg 

Haschisch und Ansichnahme sowie Abgabe von 10 g MDMA), der 

sexuellen Belästigung (begangen am 9. April 2016), des Diebstahls (be-

gangen am 25. November 2016), der Hehlerei (begangen zwischen dem 

25. und 26. Februar 2013) und der Übertretung gegen das BetmG (began-

gen in der Zeit von Oktober 2015 bis April 2017 durch Erwerb, Besitz und 

Konsum von Kokain, Amphetamin, Haschisch und Marihuana) schuldig 

gesprochen und zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten 

verurteilt ([...]). 

Der Tatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG ist damit klarerweise erfüllt. 

Dieser stimmt im Wortlaut mit dem Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 

Bst. b AIG überein und ist gleich auszulegen (vgl. MARC SPESCHA, in: 

Migrationsrecht Kommentar, 5. Aufl. 2019, Art. 83 AIG N. 39; Urteil des 

BVGer D–806/2018 vom 23. März 2020 E. 5.4.2 m.w.H.). Eine 

längerfristige Freiheitsstrafe im Sinne der genannten Bestimmung liegt 

gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung vor, wenn sie eine 

Dauer von mehr als einem Jahr hat und sich auf ein einziges Urteil stützt. 

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder 

unbedingt ausgesprochen wurde (vgl. statt vieler BGE 139 I 31 E. 2.1 

m.w.H.). Die der Freiheitsstrafe zugrunde liegenden Straftaten müssen 

sodann hinreichend aktuell sein. Im Sinne eines Grundsatzes ist davon 

auszugehen, dass ein Zeitraum zwischen der Verübung der Straftat und der 

ausländerrechtlichen Massnahme von 15 Jahren für eine fehlende Aktua-

lität spricht (vgl. Urteil des BGer 2C_408/2019 vom 9. September 2019 

E. 2.4.3; PETER UEBERSAX et al., Migrationsrecht, 2021, S. 166).  

Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

2022 VII/1 

 

 

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6.  
6.1 Die Vorinstanz fordert mit der sinngemässen Anwendung von 
Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG auf den vorliegenden Fall im Ergebnis eine 

Lückenfüllung durch Gesetzesanalogie. Die Zulässigkeit eines solchen 

Vorgehens ist nachfolgend zu prüfen. 

6.2 Eine Lücke im Gesetz besteht, wenn sich dieses als unvollständig 
erweist, weil es jede Antwort auf eine sich stellende Rechtsfrage schuldig 

bleibt. Hat der Gesetzgeber eine Rechtsfrage nicht übersehen, sondern 

stillschweigend – im negativen Sinn – mitentschieden (qualifiziertes 

Schweigen), bleibt kein Raum für richterliche Lückenfüllung. Eine Geset-

zeslücke, die vom Gericht zu füllen ist, liegt nach der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts vor, wenn der Gesetzgeber etwas zu regeln unterlassen hat, 

was er hätte regeln sollen, und dem Gesetz diesbezüglich weder nach 

seinem Wortlaut noch nach dem durch Auslegung zu ermittelnden Inhalt 

eine Vorschrift entnommen werden kann. Von einer unechten oder rechts-

politischen Lücke ist demgegenüber die Rede, wenn dem Gesetz zwar eine 

Antwort, aber keine befriedigende zu entnehmen ist. Echte Lücken zu 

füllen, ist dem Gericht aufgegeben, unechte zu korrigieren ist ihm grund-

sätzlich verwehrt (vgl. BGE 144 II 281 E. 4.5 m.w.H.). 

6.3 Die Unterscheidung zwischen echten und unechten Lücken wird 
in der Praxis immer weniger beachtet. Sie hilft bei der Beantwortung der 

Frage, ob und in welchem Rahmen im Verwaltungsrecht Lücken von 

rechtsanwendenden Organen gefüllt werden dürfen, kaum weiter. Deshalb 

verzichtet eine andere Auffassung der Methodenlehre auf diese Unter-

scheidung und bezeichnet die Lücke als planwidrige Unvollständigkeit des 

Gesetzes, die von rechtsanwendenden Organen behoben werden darf. 

Dabei gelten als Massstab nur die dem Gesetz selbst zugrunde liegenden 

Zielsetzungen und Werte, nicht hingegen Wertungen, die von aussen an 

das Gesetz herangetragen werden. Wenn eine Regelung im Hinblick auf 

eindeutige und wichtige Zielsetzungen des Gesetzes unvollständig ist, darf 

die rechtsanwendende Behörde diese Lücke füllen (vgl. zum Ganzen 

HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 

2020, Rz. 213 m.w.H.). 

6.4 Im AIG ist keine Bestimmung zu finden, die sich explizit dazu 
äussert, wie eine längerfristige Freiheitsstrafe des nachzuziehenden Fami-

lienangehörigen im Rahmen des Einbezugs in die vorläufige Aufnahme 

gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AIG zu berücksichtigen wäre. Es ist nicht davon 

2022 VII/1 Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

 

 

6 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

auszugehen, dass der Gesetzgeber eine solche Regelung bewusst unter-

lassen und damit zu dieser Frage qualifiziert geschwiegen hat. Vielmehr 

deuten die nicht vorhandenen Hinweise auf eine entsprechende Sachver-

haltskonstellation in den Materialien zum hierzu einschlägigen Art. 14c 

Abs. 3bis ANAG (BS 1 121), welcher später wörtlich in das AuG (AS 2007 

5437) überführt wurde, darauf hin, dass diese Möglichkeit nicht bedacht 

wurde (vgl. die Botschaft vom 4. September 2002 zur Änderung des Asyl-

gesetzes, zur Änderung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung 

sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlas-

senenversicherung [BBl 2002 6845, 6911], den Entwurf zum Asylgesetz 

[BBl 2002 6938, 6958], die parlamentarische Debatte [AB 2004 N 580 ff., 

627 ff.; AB 2005 S 340 ff., 379 f.; AB 2005 N 1158 ff.] und zu den 

Gesetzgebungsarbeiten auch Urteil des BVGer D–2557/2013 vom 

26. November 2014 E. 5.4.2; BVGE 2017 VII/4 E. 4). Im Hinblick auf die 

wichtige Zielsetzung des AIG, die öffentliche Sicherheit und Ordnung in 

der Schweiz zu wahren (vgl. dazu etwa Urteil des BGer 2C_846/2018 vom 

26. März 2019 E. 5.3 m.w.H. und NÄGELI/SCHOCH, Ausländische Perso-

nen als Straftäter und Straftäterinnen, in: Ausländerrecht, Handbücher für 

die Anwaltspraxis, Bd. VIII, 2. Aufl. 2009, Rz. 22.173), erweist sich 

Art. 85 Abs. 7 AIG somit als lückenhaft. Es ist eine planwidrige Unvoll-

ständigkeit beziehungsweise eine echte Lücke anzunehmen, die von den 

rechtsanwendenden Organen behoben werden kann. 

7.  
7.1 Beim Füllen einer Lücke hat das Gericht nach der Regel zu ent-
scheiden, die es als konsequenter Gesetz- oder Verordnungsgeber aufstel-

len würde (Art. 1 Abs. 2 ZGB). Die richterliche Rechtsregel soll sich nach 

Möglichkeit in das vorgegebene System einfügen, im Bestreben, gleich 

gelagerte Rechtsfragen nicht ohne Not unterschiedlich zu beantworten. 

Rechtssetzungslücken sind mithilfe eines Analogieschlusses zu schliessen, 

wenn die infrage stehende Situation wertungsmässig einer bestehenden 

Regelung entspricht (vgl. statt vieler BGE 126 III 129 E. 4). 

7.2 Die Nachzugsbestimmung für vorläufig aufgenommene Personen 
gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG ist derjenigen für «gewöhnliche» ausländische 

Personen nachgebildet (vgl. PETER BOLZLI, in: Migrationsrecht Kommen-

tar, a.a.O., Art. 85 AIG N. 21). Das Bundesverwaltungsgericht kam in 

einem Grundsatzurteil aufgrund einer historischen, systematischen und 

grammatikalischen Auslegung des altrechtlichen Art. 85 Abs. 7 AuG zum 

Schluss, dass bei der Beurteilung der Voraussetzungen gemäss dieser 

http://links.weblaw.ch/BGE-126-III-129

Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

2022 VII/1 

 

 

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Bestimmung die Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundes-

verwaltungsgerichts zu Art. 44 AuG analog heranzuziehen ist (BVGE 

2017/VII 4 E. 4; vgl. auch Urteil des BVGer F–7288/2014 vom 5. Dezem-

ber 2016 E. 4.3 m.w.H.). Eine von den anderen Varianten des Familien-

nachzugs gemäss Art. 42 ff. AuG unabhängige Anwendung von Art. 85 

Abs. 7 AuG erachtete das Bundesverwaltungsgericht in einem weiteren 

Grundsatzurteil aus einer systematischen Perspektive als unzulässig, zu-

mal es sich um eine ausländerrechtliche Regelung handle. Sowohl Art. 85 

Abs. 7 als auch Art. 42–44 AuG dienten im Ergebnis dem Familien-

nachzug zu einer in der Schweiz lebenden Person (vgl. BVGE 2017/VII 8 

E. 5.2). Asylrechtliche Fragen würden sich bei der Beurteilung eines 

Einbezugs in die vorläufige Aufnahme grundsätzlich nicht stellen (vgl. 

BVGE 2017/VII 8 E. 5.3 m.H. auf BGE 141 I 49 E. 3.6). Diese Recht-

sprechung hat auch unter dem AIG weiterhin Geltung. Art. 85 Abs. 7 und 

Art. 44 Abs. 1 AIG sind in Bezug auf die zu erfüllenden materiellen Nach-

zugsvoraussetzungen nach wie vor identisch. 

7.3 Vor diesem Hintergrund ist die bereits im Urteil F–3028/2019 
(E. 6.1) eingeleitete analoge Anwendung von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG auf 

Sachverhaltskonstellationen wie die vorliegende systemgerecht. Die 

genannte Bestimmung nimmt in Bezug auf das Verhalten von auslän-

dischen Personen eine Interessenabwägung vor und legt die Grenze fest, 

bei deren Überschreitung das öffentliche Interesse am Wegweisungs-

vollzug überwiegt und die vorläufige Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 2 

und 4 AIG ausgeschlossen ist (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.9.4). Denselben 

ordnungs- und sicherheitspolizeilichen Zweck verfolgt bei den Familien-

nachzugsbestimmungen gemäss Art. 42 ff. AIG – von denen Art. 85 Abs. 7 

AIG aufgrund seiner ausländerrechtlichen Natur wie gesehen nicht unab-

hängig angewandt werden kann (vgl. vorstehend E. 7.2) – Art. 51 AIG. 

Dieser hält fest, dass die Nachzugsansprüche nach Art. 42 AIG erlöschen, 

wenn Widerrufsgründe nach Art. 63 AIG vorliegen (Art. 51 Abs. 1 Bst. b). 

Die Nachzugsansprüche nach den Art. 43, Art. 48 und Art. 50 AIG wiede-

rum erlöschen, wenn Widerrufsgründe nach den Art. 62 oder Art. 63 

Abs. 2 AIG vorliegen (Art. 51 Abs. 2 Bst. b). In sämtlichen der vor-

genannten Normen spiegelt sich der Schutzzweck wider, welchen das 

Ausländerrecht für die schweizerische Gesellschaft verfolgt (vgl. 

vorstehend E. 6.4). Im Ergebnis kann eine längerfristige Freiheitsstrafe 

damit im Sinne der Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung 

sowohl zum Erlöschen von Nachzugsansprüchen als auch zum Ausschluss 

einer vorläufigen Aufnahme infolge von Unzumutbarkeit oder 

2022 VII/1 Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

 

 

8 VII BVGE / ATAF / DTAF  

 

Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs führen. Weshalb sich eine 

solche strafrechtliche Sanktion nicht auch auf die Frage des Einschlusses 

in die vorläufige Aufnahme gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG auswirken sollte, 

ist nicht ersichtlich. Es handelt sich um gleich gelagerte Rechtsfragen, die 

nicht ohne Not anders entschieden werden sollten. Die von der Vorinstanz 

vorgenommene analoge Anwendung von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG auf 

einen solchen Fall fügt sich in die Gesetzessystematik ein und entspricht 

wertungsgemäss der Regelung von Art. 51 AIG. 

8.  
8.1 Im Ergebnis ist demnach festzuhalten, dass die Frage, ob eine 
durch den nachzuziehenden Familienangehörigen im In- oder Ausland 

erwirkte längerfristige Freiheitsstrafe gemäss Art. 83 Abs. 7 Bst. a bezie-

hungsweise Art. 62 Abs. 1 Bst. b AIG im Rahmen des Einschlusses in die 

vorläufige Aufnahme gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AIG zu berücksichtigen 

ist, im AIG nicht geregelt ist. Es handelt sich um eine echte Gesetzeslücke 

beziehungsweise um eine planwidrige Unvollständigkeit. Diese kann mit 

Blick auf die ausländerrechtliche Natur von Art. 85 Abs. 7 AIG, auf die 

inhaltliche Verwandtschaft dieser Bestimmung mit der Familiennach-

zugsregelung gemäss Art. 42 ff. AIG und auf den ordnungs- und sicher-

heitspolizeilichen Zweck des AIG durch die analoge Anwendung von 

Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG systemgerecht geschlossen werden. 

8.2 Der Familiennachzug und der Einschluss in die vorläufige Auf-
nahme gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG werden folglich grundsätzlich nicht 

verfügt, wenn bei der nachzuziehenden Person eine längerfristige Frei-

heitsstrafe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG vorliegt. Bei der Beur-

teilung der strafrechtlichen Sanktion als insofern hinreichender Aus-

schlussgrund ist auf die etablierte Praxis zu Art. 62 Abs. 1 Bst. b AIG 

zurückzugreifen. Wie alles staatliche Handeln hat zudem auch die so 

begründete Verweigerung der vorläufigen Aufnahme verhältnismässig zu 

sein (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV; Art. 8 Ziff. 2 EMRK; Art. 96 

AIG). Die Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziffer 2 EMRK und 

jene nach Art. 96 AIG sind dabei deckungsgleich (vgl. statt vieler Urteil 

des BGer 2C_754/2018 vom 28. Januar 2019 E. 6.1 m.H. auf BGE 139 I 

31 E. 2.3.2). 

8.3 Nach dem Ausgeführten kann X. aufgrund seiner Verurteilung 
vom 18. Oktober 2018 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Mona-

ten unabhängig von den Voraussetzungen gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG 

grundsätzlich nicht in die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin 

Familiennachzug bei vorläufiger Aufnahme. Längerfristige 
Freiheitsstrafe bei der nachzuziehenden Person 

2022 VII/1 

 

 

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eingeschlossen werden. Wie gesehen, erfüllt das Strafurteil den Tatbestand 

von Art. 83 Abs. 7 Bst. a beziehungsweise Art. 62 Abs. 1 Bst. b AIG ohne 

Weiteres (vgl. vorstehend E. 5.3). Damit liegt ein Ausschlussgrund für den 

Einbezug in die vorläufige Aufnahme vor. Zu prüfen bleibt die Grund-

rechtskonformität, insbesondere die Verhältnismässigkeit eines solchen 

Ausschlusses.