# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 836b65d5-7fdf-57a1-9e36-3710dec8657c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2021 E-814/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-814-2020_2021-11-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-814/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  N o v e m b e r  2 0 2 1   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihr Kind B._______, geboren am (…), 

Côte d'Ivoire,   

vertreten durch Françoise Jacquemettaz,  

Centre Suisses-Immigrés (C.S.I.),  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. Januar 

2020 / N (…). 

 

 

 

E-814/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin hat ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge 

am (…) 2017 verlassen und sei nach Frankreich geflogen, wo sie am (…) 

2017 angekommen sei. Am 30. Mai 2018 stellte sie im damaligen Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in (…) ein Asylgesuch. In Anwendung 

von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die Durchführung von Testphasen 

zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich vom 4. September 

2013 (TestV; SR 142.318.1) wurde sie dem damaligen Verfahrenszentrum 

in Zürich zugewiesen. 

B.  

Am 1. Juni 2018 unterzeichnete die Beschwerdeführerin eine Vertretungs-

vollmacht zugunsten der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende in Zü-

rich. 

C.  

Am 5. Juni 2018 fand eine Personalienaufnahme und am 13. Juni 2018 ein 

Dublingespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 statt, bei 

welchen sie summarisch zu ihrer Person, ihrem Reiseweg und ihrem Ge-

sundheitszustand befragt wurde. 

D.  

Die Rechtsvertretung reichte zwischen dem 29. Juni 2018 und 7. Septem-

ber 2018 diverse Formulare mit medizinischen Informationen des Ambula-

toriums Kanonengasse ein, in welchem die Beschwerdeführerin zwischen 

dem (…)2018 und dem (…) 2018 neun Konsultationen hatte. Am 6. Juli 

2018 reichte die Beschwerdeführerin zudem einen ausführlichen Bericht 

der Psychiatrischen Polyklinik (…), datiert auf den 27. Juni 2018, ein. Aus 

den Unterlagen geht im Wesentlichen hervor, dass die Beschwerdeführerin 

an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und an einer mittel- 

bis schwergradigen depressiven Episode leide. 

E.  

Am 29. August 2018 informierte die Rechtsvertretung das SEM, dass am 

14. August 2018 ein erstes Gespräch der Beschwerdeführerin mit der 

Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) stattgefunden habe 

und weitere Gespräche folgen würden. 

F.  

Gemäss einer Datenbankabfrage des SEM vom 29. August 2018 wurde 

E-814/2020 

Seite 3 

der Beschwerdeführerin am 28. Juli 2017 ein durch Frankreich ausgestell-

tes Schengenvisum zu Besuchszwecken erteilt, welches bis am 31. August 

2017 gültig gewesen sei. Im Mai 2017 sei ein Antrag um Erteilung eines 

Schengenvisums von den italienischen Behörden abgewiesen worden. Die 

französischen Visumsunterlagen wurden vom SEM in die Akten aufgenom-

men. 

G.  

Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin an-

lässlich der Anhörung zu den Asylgründen vom 30. August 2018 im We-

sentlichen folgenden Sachverhalt vor: 

Sie gehöre der Ethnie der (…) an und stamme aus dem Dorf C._______ in 

der Präfektur D._______, wo sie mit ihren Eltern und einem Bruder aufge-

wachsen sei. Sie habe vier Jahre lang die Schule besucht und danach ihrer 

Mutter auf dem Feld geholfen. Im Jahr 2002 seien ihre Eltern verstorben, 

ihr Bruder sei inzwischen ebenfalls verstorben. Ebenfalls im Jahr 2002 

habe sie ihren Mann E._______ (nachfolgend: E._______) nach Brauch 

geheiratet. Von der Familie ihres Mannes sei sie damals zwangsbeschnit-

ten worden. Sie habe danach mit ihrem Mann im Dorf F._______ gelebt. In 

den Jahren (…) und (…) seien ihre beiden Kinder zur Welt gekommen.  

Im Mai 2017 seien Rebellen ins Dorf gekommen. Im Jahr 2015 habe ihr 

Mann ein Wahlbüro überwacht, weshalb sein Name auf einer Liste der Re-

bellen gestanden sei. Da man ihn für einen Unterstützer des Regimes ge-

halten habe, sei er von den Rebellen vor ihren Augen getötet worden, wäh-

rend sie von den Rebellen vergewaltigt worden sei. Ein Nachbar sei auf-

grund des Lärms herbeigeeilt und ebenfalls umgebracht worden. Sie sei 

schliesslich in Ohnmacht gefallen, woraufhin die Rebellen gedacht hätten, 

dass sie tot sei. Sie hätten deswegen das Haus angezündet und sie zu-

rückgelassen. Ein Jäger habe die Schüsse gehört und sei zum Haus ge-

kommen. Er habe sie aus dem Haus retten können und sie in ein Kranken-

haus gebracht. Sie sei zwei Wochen lang im Krankenhaus behandelt wor-

den. Danach habe ein (…) Krankenpfleger der UNO namens G._______ 

ihr geholfen, nach Abidjan zu gelangen. Er habe ihr gesagt, die Rebellen 

würden vielleicht zurückkommen, um sie zu töten. Sie habe sich etwa zwei 

Monate in seinem Haus in Abidjan aufgehalten und sich entschieden, Côte 

d’Ivoire zu verlassen. Sie habe sich zudem vor der Familie ihres Mannes 

gefürchtet, da diese sie erneut habe verheiraten wollen. Der Krankenpfle-

ger habe ihr geholfen, ihre Ausreise zu organisieren. Sie sei schliesslich zu 

dessen Bruder namens H._______ nach [Frankreich] gereist. Der Bruder 

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Seite 4 

habe sie jedoch zu Hause eingesperrt und missbraucht. Sie habe auch sein 

Haus putzen müssen. Nach etwa neun Monaten sei es ihr gelungen, aus 

dem Haus zu fliehen. Zwei Männer hätten sie auf der Strasse angespro-

chen und sie in die Schweiz gefahren, wo sie schliesslich um Asyl nach-

suchte. 

Ihre beiden Kinder hätten sich zum Zeitpunkt des Überfalls bei einer Freun-

din in einem nahe gelegenen Dorf namens I._______ befunden. Sie wür-

den sich nach wie vor bei der Freundin aufhalten. 

H.  

Mit Verfügung vom 4. September 2018 teilte das SEM der Beschwerdefüh-

rerin mit, dass weitere Abklärungen nötig seien und ihr Asylgesuch gemäss 

Art. 19 TestV im erweiterten Verfahren behandelt werde. Gleichzeitig wurde 

sie dem Kanton (…) zugewiesen. 

I.  

Am 21. Dezember 2018 legte die im Testverfahren zugewiesene Rechts-

vertretung der Rechtsberatungsstelle Zürich das Mandat nieder und reichte 

gleichzeitig eine Bestätigung der FIZ, datiert auf den 20. Dezember 2018, 

ein. Aus der Bestätigung geht hervor, dass die Beschwerdeführerin drei 

Gespräche bei der FIZ gehabt habe.  

J.  

Am 29. August 2019 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM ergänzend 

zu ihren Asylgründen angehört. Dabei wurde sie insbesondere auch auf die 

Visumsunterlagen angesprochen, aus welchen hervorgehe, dass sie mit 

einem Mann namens J._______ verheiratet sei. 

K.  

Am 12. September 2019 reichte das Centre Suisse Immigrés (CSI) eine 

Mandatsanzeige sowie einen Bericht der FIZ vom 1. März 2019 zu den 

Akten. 

L.  

Am 18. November 2019 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das 

rechtliche Gehör zu einem auf den Namen der Beschwerdeführerin lauten-

den Facebookprofil und hielt im Wesentlichen fest, dass aus dem Profil 

insgesamt nicht hervorgehe, dass sie wie von ihr angegeben in [Frank-

reich] eingesperrt worden sei.  

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Seite 5 

M.  

Am 28. November 2019 nahm die Beschwerdeführerin Stellung und führte 

aus, dass H._______ in [Frankreich] für sie das Profil erstellt und Fotos 

hinaufgeladen habe, damit sie mit ihrer Familie in Côte d’Ivoire Kontakt 

aufnehmen könne. Erst Anfang des Jahres 2018 habe er sein Verhalten 

ihre gegenüber geändert und sie bedroht. 

N.  

Mit Verfügung vom 9. Januar 2020, eröffnet am 13. Januar 2020, verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr 

Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 

Vollzug der Wegweisung an. Es begründete seinen Entscheid im Wesent-

lichen damit, dass ihre Vorbringen nicht glaubhaft geworden seien. 

O.  

Am 4. Februar 2020 ging ein Arztbericht, datiert auf den 17. Januar 2020, 

beim SEM ein. 

P.  

Die Beschwerdeführerin liess die Verfügung des SEM vom 9. Januar 2020 

mit Beschwerde vom 12. Februar 2020 (Poststempel) durch ihre Rechts-

vertreterin anfechten und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf-

zuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihr Asyl zu 

gewähren, eventualiter sei sie als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, even-

tualiter sei die Undurchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen 

und infolge dessen eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht wurde um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses ersucht.  

Mit der Beschwerde wurde ein Schreiben der Gynäkologin der Beschwer-

deführerin bezüglich der Genitalverstümmelung sowie ein diesbezüglicher 

ärztlicher Bericht vom 11. Dezember 2019 eingereicht. Daneben wurde ein 

Arztbericht von Frau Dr. (…) vom Dezember 2019 eingereicht. 

Q.  

Mit Instruktionsverfügung vom 20. Februar 2020 bestätigte die Instruktions-

richterin den Eingang der Beschwerde und hielt fest, die Beschwerdefüh-

rerin dürfe den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleich-

zeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, sich zur Beschwerde vernehmen 

zu lassen. 

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Seite 6 

R.  

Am 6. März 2020 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein. 

S.  

Am 16. April 2020 replizierte die Beschwerdeführerin. 

T.  

Am (…) ist ein Kind der Beschwerdeführerin in der Schweiz auf die Welt 

gekommen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 38 der Verordnung über die Durchfüh-

rung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich 

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Seite 7 

[TestV, SR 142.318.1] i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.5 Das Beschwerdeverfahren wurde gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG in 

deutscher Sprache geführt. 

1.6 Das am (…) geborene Kind B._______ wird ins Beschwerdeverfahren 

seiner Mutter einbezogen. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führte in seiner ablehnenden Verfügung im Wesentlichen 

aus, dass die Beschwerdeführerin widersprüchliche Angaben in Bezug auf 

die Tötung des Mannes durch die Rebellen gemacht habe. Sie habe einer-

seits angegeben, sie habe gesehen, wie ihr Mann erschossen worden sei, 

und sei dann ohnmächtig geworden. Andererseits habe sie gesagt, sie 

habe sich zum Zeitpunkt des Mordes in der Hütte befunden, welche blick-

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dichte Wände gehabt habe und sie sei von zwei Männern vergewaltigt wor-

den. Es sei nicht nachvollziehbar, wie sie unter diesen Umständen hätte 

Zeugin der Ermordung des Mannes und des Nachbarn werden können. Im 

Weiteren habe sie angegeben, dass sie ohnmächtig und ohne Kleider oder 

Sonstigem von einem Jäger ins Krankenhaus gebracht worden sei. Später 

habe der Jäger ihre Identitätskarte aus der Hütte geholt und ihr ins Kran-

kenhaus gebracht. Dies stehe jedoch in Widerspruch zu ihrer Aussage, 

dass sie während ihres Krankenhausaufenthaltes keinen Besuch bekom-

men habe. Ferner habe sie angegeben, dass ihre Kinder nicht umgebracht 

worden seien, da sie sich zum Zeitpunkt des Überfalls bei einer Freundin 

in den Ferien befunden hätten. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvoll-

ziehbar, weshalb sie bis heute keine Massnahmen getroffen habe, um die 

Kinder in Sicherheit zu bringen oder sich über ihren Verbleib zu informie-

ren. Daneben sei erstaunlich, dass sie lange habe überlegen müssen, wo 

sich die Kinder zum Zeitpunkt des Überfalls befunden hätten. Aufgrund der 

Unglaubhaftigkeit der Ermordung des Ehemannes entbehre die geltend 

gemachte Furcht vor einer Zwangsverheiratung durch die Familie des Ehe-

mannes einer Grundlage. Zudem habe sie gesagt, sie habe keinen Besuch 

im Krankenhaus erhalten. Gleichzeitig habe sie aber auch gesagt, dass sie 

sich für die Ausreise entschieden habe, da sie Probleme mit der Familie 

des Mannes gehabt habe und diese sie erneut habe verheiraten wollen. Es 

sei unerklärlich, wie sie einige Tage nach der Tötung des Ehemannes mit 

dessen Familie Probleme gehabt hätte, ohne mit Angehörigen der Familie 

in Kontakt getreten zu sein. Es sei somit nicht glaubhaft, dass sie in Côte 

d’Ivoire sowohl von Rebellen als auch der Familie des Mannes verfolgt 

worden sei.  

Zudem bestünden Zweifel, ob sie vor ihrer Ausreise als Ehefrau von 

E._______ in F._______ gelebt habe. Es würden nämlich keine Doku-

mente vorliegen, welche die im Jahr 2002 geschlossen Ehe belegen wür-

den. In den Visumsunterlagen befinde sich hingegen eine Ehebescheini-

gung, gemäss welcher sie am (…) 2014 einen Herrn J._______ in 

(…)/Abidjan geheiratet habe. Ferner liege eine Flugbuchung von Herrn 

J._______ für denselben Flug, welchen sie genommen habe, vor. Darauf 

angesprochen habe sie lediglich gesagt, dass sie J._______ nicht kenne 

und verkauft worden sei. Sie habe keine Ahnung gehabt, dass sie als ver-

heiratete Frau einen Visumsantrag gestellt habe. Diese Aussage sei jedoch 

als Schutzbehauptung zu verstehen, da sie auf dem von ihr unterschriebe-

nen Visumsantrag angegeben habe, dass ihr Ehemann J._______ für die 

Reisekosten bürge.  

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Ebenso würden widersprüchliche Angaben zum Erhalt ihres Reisepasses 

vorliegen. Einerseits habe sie geltend gemacht, sie habe den Pass zusam-

men mit dem Mann, der ihr zur Reise nach Europa verholfen habe, aus-

stellen lassen. Sie habe den Pass im Januar 2017 ausstellen lassen, ge-

mäss ihren Angaben den Reisegehilfen aber erst nach dem Überfall vom 

17. Mai 2017 im Krankenhaus kennengelernt. Die Aussage könne somit so 

nicht stimmen. Andererseits habe sie zu Protokoll gegeben, dass sie be-

reits im Januar 2017 nach Abidjan gereist sei, um ihren Pass ausstellen zu 

lassen. Weshalb in ihrem Pass Abidjan als Wohnort aufgeführt sei, er-

schliesse sich jedoch aus ihren Aussagen nicht. Es sei daher davon aus-

zugehen, dass sie sich schon längere Zeit, als von ihr angegeben, dauer-

haft in Abidjan aufgehalten habe. In diese Richtung deute auch die bei den 

französischen Behörden eingereichte Ehebescheinigung sowie die Tatsa-

che, dass sie bereits am 6. April 2017 in Abidjan einen Visumsantrag für 

Italien gestellt habe, obwohl sie sich gemäss ihren Angaben damals noch 

in F._______ aufgehalten habe. Nicht nur in ihrem Pass, sondern auch in 

den beiden Visaanträgen sei Abidjan als Wohnort vermerkt. Zudem lasse 

ihr Facebookaccount auf ein Beziehungsnetz in Abidjan schliessen, was 

die Vermutung, sie habe sich schon längere Zeit in Abidjan aufgehalten, 

untermauere.  

Ferner habe sie vorgebracht, sie sei von einem (…) UNO-Krankenpfleger 

unter falschen Versprechungen zu dessen Bruder H._______ nach [Frank-

reich] geschickt worden. Dort sei sie vom (…) 2017 bis im Mai 2018 in einer 

Wohnung mit vergitterten, einbruchsicheren Fenstern festgehalten und se-

xuell missbraucht worden. Sie habe weder die Möglichkeit gehabt, die 

Wohnung zu verlassen, noch hätten sie mit jemandem Kontakt gehabt. 

H._______ habe ihr nach der Ankunft alles abgenommen, so dass sie 

keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mehr gehabt habe. Die einsehba-

ren Facebook-Einträge auf ihrem Profil würden indes belegen, dass sie im 

Stande gewesen sei, Kontakt mit zahlreichen Personen aufzunehmen. Zu-

dem sei sie anlässlich Weihnachten 2017 vor einem geschmückten Tan-

nenbaum zu sehen. Beim raumhohen Fenster im Hintergrund sei keine 

Vergitterung erkennbar. Zudem präsentiere sie sich im November 2017 auf 

einem Foto im Freien. Dies stehe im Widerspruch zu ihrer Angabe, sie 

habe die Wohnung von H._______ nicht verlassen können. Hierzu habe 

sie erklärt, H._______ habe das Facebookprofil für sie erstellt, um ihr zu 

helfen, ihre Kinder oder andere Verwandte zu finden. Da sie selbst kaum 

zur Schule gegangen sei, sei sie unfähig, eine solche Seite zu unterhalten 

oder Kommentare selbst zu verfassen. H._______ habe erst im Januar 

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Seite 10 

2018 sein Verhalten geändert und begonnen, sie zu bedrohen und zu miss-

brauchen. Dieser Erklärungsversuch überzeuge jedoch nicht. Auf ihrer Fa-

cebookseite würden sich keine erstaunten Kommentare darüber finden, 

dass sie nun eine solche Seite unterhalte und Kommentare in korrektem 

Französisch schreibe. Auch seien keine Nachfragen nach den Kindern er-

sichtlich. Dies sei umso erstaunlicher, als die Kinder sich in der unruhigen 

Region Dix-Huit Montagne aufhalten würden. Schliesslich könne offenblei-

ben, weshalb sie an der Anhörung den abrupten Verhaltenswechsel von 

H._______ nicht erwähnt habe. Es könne somit nicht geglaubt werden, 

dass sie in der von ihr geschilderten Art und Weise in [Frankreich] festge-

halten worden sei. Ferner sei als deutlicher Hinweis zu werten, dass sie 

keinen Schutz im Sinne des Asylgesetzes brauche, da sie nach der Flucht 

aus der Wohnung sich nicht an die französieren Behörden gewandt habe. 

Es wäre naheliegend gewesen, dass sie sich in der von ihr geltend ge-

machten Situation an eine nichtstaatliche oder staatliche Institution in 

[Frankreich] gewandt hätte, statt sich unbekannten Männern für die Fahrt 

in die Schweiz anzuvertrauen. In Bezug auf den vom FIZ verfassten Bericht 

sei darauf hinzuweisen, dass dieser lediglich ihre Aussagen wiedergebe, 

ohne die Glaubhaftigkeit geprüft zu haben. Zudem werde im Bericht darauf 

verwiesen, dass mehrere Gespräche stattgefunden hätten. Sie habe je-

doch auch auf mehrfache Nachfrage angegeben, dass nur ein Gespräch 

stattgefunden habe. Der Bericht vermöge deswegen ihre Asylvorbringen 

nicht zu stützen. 

4.2 In der Beschwerde wird bekräftigt, die Beschwerdeführerin sei nicht 

verheiratet gewesen. Sie habe zwei Kinder von ihrem Mann, mit welchem 

sie nur nach Brauch verheiratet gewesen sei. Somit sei ihr im italienischen 

Visumsantrag angegebener Zivilstand «ledig» korrekt. Ihren Reisepass 

habe sie selber in Abidjan ausstellen lassen. Als Wohnort sei Abidjan an-

gegeben, da dies der Ausstellungsort des Passes sei. Im Pass, den 

G._______ habe ausstellen lassen, sei wohl auf seine Bitte Abidjan als 

Wohnort vermerkt worden. In Bezug auf die französischen Visumsunterla-

gen sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nicht wisse, wie 

G._______ den Visumsantrag begründet habe. Sie sei jedenfalls alleine 

gereist und wisse nicht, wer sich hinter den Initialen J._______ befinde. Es 

sei wohl G._______ gewesen, der eine Heiratsurkunde habe ausstellen 

lassen und den französischen Behörden eingereicht sowie ihre Reise fi-

nanziert habe.  

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Seite 11 

In Bezug auf die vom SEM festgestellten Widersprüche führte die Be-

schwerdeführerin aus, sie habe sich in der Hütte befunden, als die Rebel-

len gekommen seien. Zwei Männer seien in die Hütte hineingekommen und 

hätten sie ausgezogen. Als sie ihren Kopf gehoben habe, habe sie gese-

hen, wie zwei weitere Männer ihren Mann geschlagen hätten. Sie habe 

dann einen Schuss gehört und gesehen, wie er zu Boden gefallen sei. Da-

nach sei sie in Ohnmacht gefallen. Später im Krankenhaus habe ein Arzt 

ihr gesagt, dass ein Jäger sie in der Hütte gefunden und ins Krankenhaus 

gebracht habe. Sie habe gehört, dass auch ein Nachbar umgebracht wor-

den sei. In Bezug auf ihre Kinder führte sie aus, ihr seien bei ihrer Ankunft 

in Frankreich alle Unterlagen abgenommen worden, weshalb sie keine 

Nummer ihrer Freundin, bei welcher sich die Kinder aufhalten würden, 

mehr habe. Die Kinder würden sich nicht in der Region Dix-Huit Montagne 

aufhalten, sondern im Dorf I._______ in der Region D._______.  

Sie habe das Land verlassen, da sie mit der Familie ihres Mannes Prob-

leme gehabt habe. Gemäss ivorischer Tradition müsse eine Frau, die ihren 

Mann verloren habe, mit einem Mann derselben Familie zusammenleben. 

Es handle sich um einen Brauch und heisse nicht, dass Familienangehö-

rige ins Krankenhaus gekommen seien, um sie zu bitten, den Brauch zu 

respektieren. Sie habe gewusst, dass sie bei einer Rückkehr in das Dorf 

gezwungen wäre, mit einem Mitglied der Schwiegerfamilie zu leben. Sie 

habe sich jedoch dieser Tradition nicht unterwerfen wollen. Sie sei vor der 

Ehe von der Schwiegerfamilie gezwungen worden, sich beschneiden zu 

lassen. Zudem habe sie das Land auch aus Angst vor den Rebellen ver-

lassen.  

Hinsichtlich des Facebookprofils führte sie erneut aus, dass sie selbst über 

kein Profil verfüge. Vermutlich habe H.______ das für sie erstellt, damit er 

sie im Falle einer Flucht diskreditieren könne. Er habe wahrscheinlich in 

ihrem Namen Nachrichten verfasst, sie sei von ihm aber nie darüber infor-

miert worden. Da sie nur vier Jahre lang zur Schule gegangen sei, sei sie 

nicht in der Lage, ein entsprechendes Profil zu kreieren. Hätte sie selber in 

dieser Art kommunizieren können, hätte sie sich über den Verbleib der Kin-

der informiert. Sie könne sich nicht erklären, weshalb H._______ sein Ver-

halten ihr gegenüber plötzlich geändert, sie eingesperrt und missbraucht 

habe. Jedenfalls habe er begonnen, die Türe abzuschliessen und sie habe 

nicht mehr hinausgehen können. Er habe ihr gedroht, dass er sie überall 

finden und wegen illegalen Aufenthalts in Frankreich bei der Polizei anzei-

gen würde, sollte sie weglaufen.  

E-814/2020 

Seite 12 

Abschliessend sei darauf hinzuweisen, dass nicht alle ihre Asylgründe be-

rücksichtigt worden seien. Sie habe angegeben, dass sie im Alter von (…) 

Jahren zwangsbeschnitten worden sei, was einen Eingriff in ihre körperli-

che Integrität dargestellt habe. Ausserdem habe sie keine Nachricht von 

ihren Eltern und wisse nicht, ob diese noch am Leben seien oder ebenfalls 

von den Rebellen getötet worden seien. Sie sei ferner erstaunt, dass der 

Bericht der FIZ kaum berücksichtigt worden sei. Im Bericht werde festge-

halten, dass sie psychisch belastet und traumatisiert sei und nicht ohne 

Medikamente auskomme. Die Fachpersonen des FIZ hätten ihre Aussagen 

als glaubhaft befunden und sie hätten bestätigt, dass sie Opfer von Men-

schenhandel geworden sei. Aus dem Bericht gehe zudem hervor, dass die 

Beschwerdeführerin sich in einfacher Sprache ausdrücke. Auch der 

Rechtsvertretung sei aufgefallen, dass sie im Gespräch teilweise Mühe ge-

habt habe, die Fragen zu verstehen. Aus den Anhörungsprotokollen gehe 

ebenfalls hervor, dass sie die Fragen teilweise nicht verstanden habe und 

ihr mehrfach nicht klar gewesen sei, was von ihr verlangt werde. Dies 

könne eine Erklärung für die widersprüchlichen Aussagen sein. 

5.  

Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die Er-

wägungen des SEM in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-

deführerin zu bestätigen sind. Es ist der Beschwerdeführerin nicht gelun-

gen, die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft zu machen. 

5.1 Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im 

Rahmen eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Real-

kennzeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Dif-

ferenzierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive ver-

fälschten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, 

desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem 

Erleben beruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Per-

son und die Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichti-

gen. Zu den Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsis-

tenz, die ungeordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der 

quantitative Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfungen, die Wieder-

gabe von Gesprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserun-

gen der eigenen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken so-

wie die Schilderung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkei-

ten, unverstandenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vor-

gängen (vgl. Urteil des BVGer E-1832/2017 vom 3. Dezember 2019, E. 3.3, 

mit Hinweis auf: ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft 

E-814/2020 

Seite 13 

sind ihre Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL 

LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-

sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: 

AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3 

E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.). 

5.2 Basierend auf diesen Grundsätzen muss festgestellt werden, dass die 

Aussagen der Beschwerdeführerin hinsichtlich des Überfalls der Rebellen 

nicht überzeugen. Ihre Schilderungen blieben in weiten Teilen oberflächlich 

und sie konnte insgesamt nicht den Eindruck vermitteln, sie habe persön-

liche Erlebnisse wiedergegeben. Ihre Beschreibung des Tages, an dem ihr 

Mann getötet und sie vergewaltigt worden sei, blieb unsubstantiiert und sie 

gab im Wesentlichen eine Abfolge von Ereignissen wieder, ohne qualitative 

und quantitative Details anzuführen (SEM Akten 1026787-24/36 [nachfol-

gend A24], F35, F107; 1026787-42/15 [nachfolgend A42], F31, F36, F39). 

Die darauffolgenden Fragen des SEM hat sie in weiten Teilen äusserst 

knapp und ohne erlebnisbasierte Anmerkungen beantwortet (SEM Akte 

A24, F108 ff.). Auch auf mehrmaliges Nachfragen des SEM fügte die Be-

schwerdeführerin keine besonderen Einzelheiten oder psychischen Vor-

gänge hinzu, sondern beschränkte sich jeweils auf die Wiederholung der-

selben, kurzen Angaben der Geschehnisse, welche kaum Realkennzei-

chen beinhalten (SEM Akte A42, F39 ff.). Bei derartigen gravierenden Vor-

kommnissen wäre indes zu erwarten gewesen, dass sie immerhin ansatz-

weise innere Vorgänge wiedergegeben hätte oder zumindest aus ihren 

Aussagen erkennbar wäre, dass es ihr Mühe bereitet hätte, über die Er-

mordung des Mannes oder die Vergewaltigung zu sprechen. Insgesamt 

vermittelte sie nicht den Eindruck, dass ihre Erzählungen auf realen Erleb-

nissen beruhen.  

5.3 Darüber hinaus weisen ihre Aussagen auch Ungereimtheiten auf. Sie 

gab beispielsweise wiederholt an, der Nachbar habe die Schüsse gehört 

und sei herbeigeeilt. Man habe ihm in der Folge mit einer Machete den 

Kopf abgeschlagen (SEM Akten A24, F269; A42, F28, F32, F34). Erst in 

der Beschwerde präzisiert die Beschwerdeführerin, dass sie den Nachbarn 

nicht gesehen habe, sondern dass sie gehört habe, dass dieser mit einer 

Machete getötet worden sei (Beschwerde S. 2). Ihre Aussagen an den bei-

den Anhörungen weisen jedoch an keiner Stelle darauf hin, dass sie die 

Tötung des Nachbarn nicht selber gesehen habe. Im Gegenteil gab sie an, 

dass «(…) das Ganze mit der Machete» sie sehr traumatisiert habe (SEM 

Akte A42, F34). Weshalb sie nun im Nachhinein angab, dass man ihr von 

der Tötung des Nachbarn lediglich erzählt habe, ist nicht nachvollziehbar. 

E-814/2020 

Seite 14 

Des Weiteren ist nicht nachvollziehbar, dass sie sich vor den Rebellen der-

art gefürchtet habe, dass sie das Land verlassen habe, aber die Kinder 

nicht auch in Sicherheit gebracht hätte. Sie gab nämlich an, sie fürchte 

sich, dass die Rebellen auch sie töten würden, da man, wenn jemand auf 

einer Liste sei, auch dessen Familie töte (SEM Akte A42, F94). Demzufolge 

wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich auch mit der Sicherheit der Kin-

der auseinandergesetzt hätte. Entsprechende Gedankengänge werden 

aus den Anhörungsprotokollen indes nicht ersichtlich. 

5.4 Auch ihre Ausführungen über den Aufenthalt im Krankenhaus sind un-

substantiiert ausgefallen. Das SEM hat treffend ausgeführt, dass sie an-

gab, sie habe im Krankenhaus von niemandem Besuch bekommen (SEM 

Akte A24, F132). Demgegenüber gab sie jedoch zu einem späteren Zeit-

punkt an, der Jäger sei zur Hütte zurückgekehrt und habe ihr die Identitäts-

karte ins Krankenhaus gebracht (a.a.O., F167). Hinzukommend blieben 

auch ihre Ausführungen über die Behandlung, welche sie im Krankenhaus 

erhalten habe, äusserst oberflächlich (a.a.O., F136-F138). Bei einem zwei-

wöchigen Aufenthalt in einem Krankenhaus wäre indes zu erwarten gewe-

sen, dass sie ausführlichere Angaben über jene Zeit hätte machen können. 

Ferner kann angenommen werden, dass sie Unterlagen über den Aufent-

halt hätte beschaffen und einreichen können. Sie gab hierzu lediglich an, 

sie habe eine Rechnung begleichen müssen und eine Quittung erhalten, 

verfüge aber sonst über keine Dokumente und könne nichts einreichen 

(a.a.O., F95-F97). Ins Bild passt sodann, dass die Angaben über die Reise 

vom Krankenhaus nach Abidjan ebenfalls äusserst vage geblieben sind 

(SEM Akten A24, F147 ff.; A42, F49-F51). 

5.5 Daneben hat das SEM zu Recht ausgeführt, dass nicht nachvollziehbar 

ist, weshalb die Beschwerdeführerin bis heute nicht mit ihren Kindern in 

Kontakt hätte treten können, zumal sich die Kinder noch immer bei der 

Freundin in einem nahegelegenen Dorf befinden sollen. Dass die Be-

schwerdeführerin nach der Behandlung direkt nach Abidjan gereist sei und 

nicht zumindest versucht haben will, die Kinder zu kontaktieren oder nach 

Abidjan mitzunehmen, scheint realitätsfremd. Es fällt auch auf, dass sie 

anlässlich der Anhörung nur sehr wenig über die Freundin, bei welcher sich 

ihre Kinder aufhalten sollen, angeben konnte. So konnte sie weder ihren 

vollständigen Namen nennen, noch konnte sie sonst etwas über die Freun-

din erzählen. Auch musste sie nachdenken, wo die Freundin lebt und hatte 

zunächst Mühe, das Dorf zu benennen (SEM Akte A24 F45-F50). An der 

Anhörung gab sie an, sie habe keinen Kontakt mit den Kindern, da sie de-

ren Nummer nicht habe (a.a.O., F226). Aus den Akten geht nicht hervor, 

E-814/2020 

Seite 15 

dass sie in der Zwischenzeit mit ihren Kindern hätte Kontakt aufnehmen 

können oder was sie diesbezüglich unternommen hat. An der ergänzenden 

Anhörung führte sie hierzu lediglich aus, sie habe nichts unternommen, um 

etwas über ihre Kinder zu erfahren (SEM Akte A42, F10 ff.). Die Ausfüh-

rungen in der Beschwerde, dass man ihr bei der Ankunft in Frankreich alles 

abgenommen habe und sie deshalb die Nummer der Freundin nicht mehr 

habe (Beschwerde S. 3) vermögen nicht zu überzeugen. 

5.6 Darüber hinaus ist festzuhalten, dass aus den Akten diverse Unge-

reimtheiten hervorgehen, welche grundsätzlich Zweifel am Lebenslauf der 

Beschwerdeführerin ergeben.  

5.6.1 Die Beschwerdeführerin gab an der Anhörung an, ihre Eltern seien 

während der Krise im Jahr 2002 verstorben (SEM Akte A24, F59, F65). In 

der Beschwerde wird hingegen festgehalten, dass sie nicht wisse, ob ihre 

Eltern noch am Leben seien oder ebenfalls von den Rebellen getötet wor-

den seien (Beschwerde S. 3). Daneben sind auch ihre Angaben, dass sie 

nicht wisse, ob noch jemand von der Verwandtschaft lebe (a.a.O., F66, 

F253), zweifelhaft. Sie gab an, sie habe seit dem Jahr 2002 mit ihrem Mann 

E._______ im Dorf F._______ gelebt, welches etwa neun Kilometer von 

ihrem Heimatdorf entfernt sei (a.a.O., F64). Bevor sie nach Abidjan gereist 

sei, habe sie nicht den Mut gehabt, ins Dorf zu gehen, da ihre Eltern nicht 

mehr da gewesen seien (a.a.O., F234). Dass sie in all den Jahren bis zu 

ihrer Ausreise im Jahr 2017 nicht hätte in Erfahrung bringen können, ob 

sich noch Familienangehörige im Dorf befänden, ist nicht nachvollziehbar. 

5.6.2 Dem SEM ist zudem beizustimmen, dass aus den französischen Vi-

sumsunterlagen im Vergleich zu ihren Aussagen diverse Unstimmigkeiten 

hervorgehen. Den Unterlagen wurde ein Zivilstandsauszug beigelegt, ge-

mäss welchem die Beschwerdeführerin am (…) 2015 einen Herrn 

J._______ geheiratet habe und von Beruf (…) sei (SEM Akte 1026787-

27/21). Die Beschwerdeführerin hat hierzu angegeben, sie wisse nicht, wer 

dieser Mann sei, da der Krankenpfleger für sie das Visum organisiert habe. 

Über den Auszug sei sie nicht informiert und sie habe nicht gewusst, was 

den Visumsunterlagen beigelegt worden sei (SEM Akte A42, F64 ff.).  

5.6.3 Zudem sind auch ihre Aussagen im Vergleich zu den Angaben in ih-

rem Reisepass widersprüchlich. Sie gab an, sie habe etwa im Juli 2017 mit 

G._______ in Abidjan den Pass anhand ihrer Identitätskarte ausstellen las-

sen (SEMK Akte A24 F72-F74, F82). Einerseits ist im Pass (wie auch in 

den Visaunterlagen) Abidjan als Wohnort angegeben, obwohl sie gemäss 

E-814/2020 

Seite 16 

ihren eigenen Aussagen nur zwei Monate vor der Ausreise bei dem Kran-

kenpfleger in Abidjan gelebt habe. Sie gab auf die widersprechende Adres-

sangabe an, in Côte d’Ivoire werde der Ort, an dem man den Pass ausstel-

len lasse, als Wohnort angegeben (a.a.O., F347 f.). In der Beschwerde 

wiederholte sie dies und gab ferner an, G._______ habe einen weiteren 

Pass ausstellen lassen (Beschwerde S.2), was sie bis anhin jedoch nicht 

vorgebracht hatte. Andererseits gab sie an, sie habe den Pass nach dem 

Überfall im Mai 2017 ausstellen lassen. Der Pass wurde hingegen am 19. 

Januar 2017 ausgestellt. Auf Nachfrage des SEM konnte die Beschwerde-

führerin die Ungereimtheit nicht auflösen (a.a.O., F315 ff.). Erst später in 

der Anhörung gab sie an, sie erinnere sich nun wieder, dass sie einmal im 

Januar 2017 nach Abidjan gereist sei und einen Pass habe ausstellen las-

sen, da sie mit ihrem Mann Streit gehabt habe (a.a.O., F341). 

5.6.4 Die Beschwerdeführerin gab somit im Wesentlichen an, dass der 

Krankenpfleger für sie das Visum beschafft habe und sie keine Kenntnis 

über den konkreten Inhalt des Visums gehabt habe. Hierzu ist festzustel-

len, dass die Beschwerdeführerin den Visumsantrag – mit derselben Un-

terschrift wie auch an den Anhörungen in der Schweiz – unterschrieben 

hat. Es ist somit davon auszugehen, dass sie zumindest den Visumsantrag 

gesehen hat. Ob die weiteren dem Visumsantrag beigelegten Dokumente 

und die Passangaben der Wahrheit entsprechen, kann für die Beurteilung 

der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen letztlich offen bleiben, da gemäss 

den obigen Erwägungen ihre Aussagen zu dem Angriff der Rebellen an 

sich nicht glaubhaft geworden sind. 

5.7 In Bezug auf die durch die Familie des verstorbenen Mannes befürch-

tete erneute Verheiratung der Beschwerdeführerin ist festzustellen, dass 

das SEM zu Recht ausgeführt hat, dass es diesem Vorbringen aufgrund 

der Unglaubhaftigkeit des Angriffs durch die Rebellen an einer Grundlage 

fehlt. Hinzukommend ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhalts-

punkte dafür, dass der Beschwerdeführerin durch die Familie des Mannes 

asylrelevante Nachteile drohen könnten. Sie führte aus, dass die Mitglieder 

der Familie des Mannes eine erneute Verheiratung durchsetzen würden 

(SEM Akte A24, F127 ff.). Gleichzeitig gab sie jedoch auch an, dass die 

Eltern des Mannes verstorben seien und er nur noch zwei Schwestern 

habe (a.a.O., F89f.). Inwiefern unter diesen Voraussetzungen eine weitere 

Verheiratung unter Zwang tatsächlich stattfinden würde, erscheint fraglich. 

Aus den Aussagen lässt sich jedenfalls keine mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit drohende asylrelevante Verfolgung feststellen. 

E-814/2020 

Seite 17 

5.8 Hinsichtlich des Berichts der FIZ ist festzuhalten, dass dieser lediglich 

die Aussagen der Beschwerdeführerin wiedergibt. Die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen wurde nicht weiter geprüft und die Geschehnisse im Heimatland 

wurden nur in einigen wenigen Sätzen wiedergegeben. Bei dem Einschät-

zungsbericht steht sodann auch die Frage, ob die Beschwerdeführerin Op-

fer von Menschenhandel geworden sei, im Vordergrund, was von der FIZ 

bejaht wird. Hierzu ist anzumerken, dass sich gewisse Zweifel über die 

Darstellung der Beschwerdeführerin der Ereignisse in [Frankreich] erge-

ben. Einerseits hat das SEM zutreffend festgehalten, dass sich anhand des 

Facebook-Profils der Beschwerdeführerin Ungereimtheiten ergeben. Stär-

ker ins Gewicht fällt indes, dass die Beschwerdeführerin erst im Rahmen 

des rechtlichen Gehörs zu dem Facebook-Profil angab, dass H._______ 

erst Anfang des Jahres 2018 sein Verhalten ihr gegenüber geändert habe 

und zuvor ihr noch habe helfen wollen (SEM Akte 1026787-45/2). Es ist 

jedoch nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin dies nicht 

schon zuvor erwähnt hätte. Sie gab hingegen mehrfach an, dass 

H._______ ihr bei der Ankunft alle Dokumente und Reisepapiere abge-

nommen habe und sie das Haus nicht verlassen habe (SEM Akten A24, 

F183; A42, F7). Letztlich kann an dieser Stelle indes offen bleiben, ob die 

Beschwerdeführerin gemäss der einschlägigen Definition Opfer von Men-

schenhandel geworden ist. Die Problematik des Menschenhandels knüpft 

grundsätzlich nicht an ein flüchtlingsrechtliches Merkmal an. Vielmehr han-

delt es sich dabei um ein ausschliesslich gemeinrechtlich motiviertes Ver-

brechen ohne asylrelevantes Motiv (vgl. dazu die Urteile des BVGer D-

2759/2018 vom 2. Juli 2018 S. 6 f; E-7609/2015  vom 24. Februar 2016 

E. 5.4; D-1683/2014 vom 12. August 2014 E. 6.2; D-5017/2011 vom 

20. September 2011 S. 7). Einer möglichen Gefährdung ist daher im Rah-

men der zu prüfenden Wegweisungsvollzugshindernisse, insbesondere 

nach Art. 3 und 4 EMRK Rechnung zu tragen. Das Gericht sieht vorliegend 

keine Gründe, auf diese Praxis zurückzukommen. Die Erlebnisse in Frank-

reich sind folglich nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.  

5.9 Im Sinne eines Zwischenfazits kann festgehalten werden, dass es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, den Angriff der Rebellen sowie eine 

(erneut) drohende Zwangsverheiratung glaubhaft zu machen. 

6.  

In der Beschwerde wird zu Recht moniert, dass das SEM die Genitalver-

stümmelung der Beschwerdeführerin nicht berücksichtigt hat. Auf Be-

schwerdeebene wurde eine Bestätigung einer Gynäkologin vom 29. No-

vember 2019 sowie ein ärztlicher Bericht derselben Gynäkologin vom 11. 

E-814/2020 

Seite 18 

Dezember 2019 eingereicht. Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Be-

schwerdeführerin im Alter von (…) Jahren beschnitten worden sei. Dem 

Gericht ist bekannt, dass in Côte d’Ivoire eine bevorstehende Eheschlies-

sung Anlass zu einer Beschneidung einer volljährigen Frau sein kann, wo-

bei der Druck meistens von der Familie des Bräutigams ausgeht (vgl. Urteil 

des BVGer D-1714/2009 vom 22. Dezember 2011 E. 5.3). Auch die Be-

schwerdeführerin hat vorgebracht, dass die Familie ihres Mannes sie 

zwangsbeschnitten habe, als sie etwa (…) Jahre alt gewesen sei. Es soll 

nicht in Abrede gestellt werden, dass es sich dabei – wie in der Beschwerde 

festgehalten – um einen erheblichen Eingriff in die physische Integrität der 

Beschwerdeführerin gehandelt hat und dieser Eingriff auch psychische Fol-

gen mit sich bringen kann. Sie hat hingegen nicht geltend gemacht, inwie-

fern sie heute noch an den Folgen leide oder sie begründete Furcht habe, 

bei einer Rückkehr diesbezüglich erneut Nachteile zu erleiden. Ein Kausal-

zusammenhang zu ihrer Ausreise im Jahr 2017 ist ebenfalls nicht ersicht-

lich. Ohne die Tragik einer Genitalverstümmelung zu verkennen, kann vor-

liegend daraus keine asylrechtliche Relevanz abgeleitet werden. 

7.  

Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht, was 

geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch zu Recht abge-

lehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

E-814/2020 

Seite 19 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2  

9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

9.2.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.2.3 Der Vollzug ist zudem nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der 

Ausländer weder in den Heimat- oder Herkunftsstaat noch in einen Dritt-

staat ausreisen oder dorthin gebracht werden können (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.3  

9.3.1 Das SEM hielt hinsichtlich der Zulässigkeit des Vollzugs der Wegwei-

sung fest, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 

Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden könne, da die Beschwerdeführerin 

die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es würden sich aus den Akten auch 

keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihr im Falle einer Rückkehr in ih-

ren Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 

EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. In Bezug auf die Zumut-

barkeit des Vollzugs der Wegweisung führte das SEM weiter aus, dass in 

Côte d’Ivoire keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder von allgemeiner 

Gewalt vorherrsche, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret ge-

fährdet bezeichnet werden müsse. Zu ihren individuellen Umständen hielt 

das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin angegeben habe, aus 

C._______, Distrikt D._______, Dix-Huit Montagne zu stammen. Der Voll-

zug der Wegweisung in diese Region sei derzeit unzumutbar. Daher sei zu 

prüfen, ob eine zumutbare Wohnsitzalternative in eine andere Landesre-

gion bestehe. Aus den Akten gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin in 

Abidjan gelebt habe. Sie habe zwar angegeben, dass sie nur zwei Monate 

E-814/2020 

Seite 20 

dort wohnhaft gewesen sei. Diese Angabe vermöge jedoch gemäss den 

Ausführungen in den Erwägungen nicht zu überzeugen. Es sei vielmehr 

davon auszugehen, dass sie bereits seit geraumer Zeit in Abidjan gelebt 

habe und dort über ein Beziehungsnetz verfüge. Sie habe ferner angege-

ben, nur über Arbeitserfahrung in der Landwirtschaft zu verfügen. Gemäss 

dem Passeintrag sei sie indes (…). In der Vernehmlassung führte das SEM 

ergänzend aus, dass die Beschwerdeführerin bis zum Zeitpunkt der Ge-

währung des rechtlichen Gehörs zum Facebookaccount nicht in psycholo-

gischer oder psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Es sei daher nahe-

liegend, dass die im Bericht des Spitals (…) diagnostizierten Schwierigkei-

ten ([…] und […] sowie eine PTBS) in engem Zusammenhang mit dem zu 

diesem Zeitpunkt absehbaren Asylentscheid und den damit zusammen-

hängenden Veränderungen stehe. Für solche psychischen Beschwerden 

bestehe ein medizinisches Angebot in Côte d’Ivoire. Eine ambulante und 

stationäre Behandlung sei im staatlichen Hôpital psychiatrique de Binger-

ville in Abidjan möglich. Das Medikament Zolpidem sowie zahlreiche wei-

tere Psychopharmaka seien im staatlichen CHU Treichville erhältlich. 

9.3.2 Die Beschwerdeführerin replizierte, dass sie in F._______ gelebt 

habe, was eine achtstündige Reise nach Abidjan bedeute. Deswegen er-

scheine der Zugang zur medizinischen Behandlung problematisch, insbe-

sondere auch vor dem Hintergrund, dass ihre Grundlage zur Existenzsi-

cherung unsicher sei. Auch wenn eine medizinische Behandlung in Côte 

d’Ivoire kostenlos erhältlich zu sein scheine, seien die Fahrtkosten und die 

lange Hin- und Rückreise als problematisch zu bezeichnen. Ausserdem 

gehe aus den Arztberichten hervor, dass sie an einer PTBS leide, welche 

auf dramatische Ereignisse in ihrem Herkunftsland zurückzuführen seien. 

Die Konfrontation mit dem Umfeld, in welchem die traumatischen Ereig-

nisse erfolgt seien, sei geeignet, die Krankheitssymptome zu verschlim-

mern und die Genesung zu behindern. Eine Rückkehr nach Côte d’Ivoire 

stelle daher eine Gefahr für ihre physische und psychische Integrität dar. 

9.4  

9.4.1 Vorab ist festzuhalten, dass gemäss Einschätzungsbericht der FIZ 

vom 1. März 2019 (SEM Akte 1026787-43/7) die Beschwerdeführerin Op-

fer von Menschenhandel geworden sei. Der Darstellung der Beschwerde-

führerin zufolge wäre der Sachverhalt des Menschenhandels nicht erst in 

Europa, sondern bereits im Heimatland angelegt (a.a.O.). Beim Vorliegen 

von Hinweisen von Menschenhandel ist das SEM in der Pflicht, diese im 

Rahmen der Wegweisungsvollzugshindernisse nach Art. 83 Abs. 3 AIG (im 

Sinne eines Unzulässigkeitskriteriums nach Art. 3 oder 4 EMRK) zu prüfen. 

E-814/2020 

Seite 21 

Das SEM hat die Wegweisungsvollzugshindernisse in Bezug auf den Men-

schenhandel indes in der angefochtenen Verfügung in keiner Weise ge-

prüft.  

Das SEM hat der möglichen Opferstellung der Beschwerdeführerin weder 

bei der Begründung der Zulässigkeit noch der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs und hinsichtlich ihrer Aussagen zu ihren persönlichen Um-

ständen Rechnung getragen. Mit Verweis auf die obigen Erwägungen 

(E.5.6) sind die genauen Lebensumstände der Beschwerdeführerin in der 

Elfenbeinküste vor ihrer Ausreise nicht bekannt. Ihre Aussagen sind zum 

einen nicht nachvollziehbar geworden, zum anderen widersprechen sie 

teilweise den Angaben in den Visumsunterlagen. Ob die Beschwerdefüh-

rerin vor ihrer Ausreise tatsächlich längere Zeit in Abidjan gelebt hat oder 

ob es sich bei der Angabe des Wohnsitzes in den Visumsunterlagen um 

falsche Angaben handelt, welche der Schlepper beziehungsweise 

G._______ erfasst habe, kann anhand der vorliegenden Akten nicht fest-

gestellt werden. Das SEM stützte sich in seiner Beurteilung im Wesentli-

chen auf die Visumsunterlagen. Die Argumentation des SEM greift indes 

zu kurz und ist nicht vollständig. Es hat sich auf einen nicht genügend er-

stellten Sachverhalt gestützt, indem es lediglich auf die Angaben in den 

Visumsunterlagen verwies, welche jedoch von der Beschwerdeführerin be-

stritten werden. Zudem ist die Begründung nicht stimmig, da das SEM ei-

nerseits davon ausging, dass die Beschwerdeführerin unglaubhafte Anga-

ben zu ihrer Identität gemacht habe, andererseits aber die Angaben in den 

Visumsunterlagen der Prüfung des Wegweisungsvollzugs zugrunde legte. 

Ferner verkennt das SEM mit seiner Begründung, dass unwahre Angaben 

ein typisches Verhalten von Menschenhandelsopfern darstellen können 

(vgl. BVGE 2016/27 E.6.3). Das widersprüchliche Aussageverhalten der 

Beschwerdeführerin kann somit nicht ohne Weiteres zum Anlass genom-

men werden, ihre Angaben zu ihren Lebensumständen für völlig unglaub-

haft zu halten. Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin gemäss 

Einschätzung der FIZ Opfer von Menschenhandel geworden ist, ist dem-

nach nicht gänzlich auszuschliessen, dass es sich bei den mit den Visums-

unterlagen eingereichten Dokumenten um gefälschte Dokumente und es 

sich bei den Angaben nicht um die wahren Lebensumstände handelt, wie 

die Beschwerdeführerin mehrfach beteuert. Anhand der vorliegenden Ak-

tenlage kann somit keine seriöse Prüfung, ob in casu Wegweisungsvoll-

zugshindernisse bestehen, vorgenommen werden. Der Beschwerdeführe-

rin muss nach dem Gesamten in geeigneter Weise die Möglichkeit gege-

ben werden, ihre allfällige Opferstellung – insbesondere im Lichte von 

E-814/2020 

Seite 22 

Wegweisungsvollzugshindernissen – zu konkretisieren. Dabei ist festzu-

halten, dass der Beschwerdeführerin gemäss Art. 8 AsylG eine Mitwir-

kungspflicht obliegt. Verweigert die Beschwerdeführerin eine Mitwirkung in 

Bezug auf ihre persönlichen Umstände im Heimatstaat, so hat sie deren 

Konsequenzen zu tragen. Anschliessend hat das SEM auf die Hinweise 

auf Menschenhandel im Zusammenhang mit dem Vollzug der Wegweisung 

einzugehen und die Verfügung diesbezüglich zu begründen.  

9.4.2 Aus den vorinstanzlichen Akten geht zudem hervor, dass am (…) die 

Tochter der Beschwerdeführerin geboren wurde. Weitere Informationen – 

beispielsweise hinsichtlich des Kindsvaters und dessen Staatsangehörig-

keit – gehen aus den Akten nicht hervor. Die Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs ist auch vor diesem Hintergrund neu zu evaluieren. Bei einer 

Rückkehr nach Côte d’Ivoire ist nun auch das Wohl des Kindes der Be-

schwerdeführerin sowie die Möglichkeit der Reintegration der Beschwer-

deführerin als Mutter eines kleinen Kindes zu berücksichtigen. Nach dem 

Gesagten drängen sich weitere Abklärungen in Bezug auf die Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs und des Kindswohls aufgrund der veränderten 

Sachlage auf, wobei auch diesbezüglich der Beschwerdeführerin hinsicht-

lich der Darlegung ihrer familiären Situation in der Schweiz eine Mitwir-

kungspflicht zukommt. 

9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz es versäumt 

hat, ein sich aus Art. 3 oder 4 EMKR möglicherweise ergebendes Vollzugs-

verbot vertieft zu prüfen. Der Sachverhalt wurde zudem nicht hinlänglich 

erstellt, um eine abschliessende Beurteilung allfälliger Wegweisungsvoll-

zugshindernisse vorzunehmen. Weitere Sachverhaltsabklärungen und 

eine Neubeurteilung des Wegweisungsvollzugs sind vorliegend angezeigt. 

10.  

10.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar 

Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). 

Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar 

auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies 

im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie 

E-814/2020 

Seite 23 

muss dies aber nicht, zumal der Beschwerdeführerin dadurch eine Instanz 

verloren ginge (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1). 

10.2 Vorliegend ist aufgrund des Gesagten nicht von einer leicht herstell-

baren Entscheidungsreife auszugehen. Ausserdem soll das Gericht grund-

sätzlich nicht anstelle der verfügenden Verwaltungsbehörde die Grundla-

gen des rechtserheblichen Sachverhalts erstellen, weil die beschwerdefüh-

rende Partei bei diesem Vorgehen eine Instanz verlieren würde. Vor die-

sem Hintergrund ist eine Rückweisung angezeigt. Der Vorinstanz ist es da-

bei unbenommen, auch weitere Abklärungen (wie bspw. eine Botschafts-

anfrage bezüglich des Zivilstandes, des letzten Wohnortes in Côte d’Ivoire 

oder des familiären Hintergrundes der Beschwerdeführerin) vorzunehmen. 

Auch die Einholung eines aktualisierten Arztberichtes kann unter Umstän-

den zur Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs angezeigt 

sein. 

10.3 Das SEM ist anzuweisen, den Sachverhalt in Bezug auf das Vorliegen 

von Wegweisungsvollzugshindernissen vollständig festzustellen und in der 

Sache neu zu entscheiden. 

11.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung vom 

9. Januar 2020 betreffend deren Dispositivziffern 1 und 2 (Flüchtlingsei-

genschaft, Asyl) Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen 

Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Mit 

der Abweisung des Asylgesuchs hat das SEM auch die Wegweisung als 

solche zu Recht angeordnet (vgl. oben E. 8), und auch Dispositivziffer 3 

der angefochtenen Verfügung ist zu bestätigen. Die Beschwerde ist daher 

abzuweisen, soweit in dieser beantragt wird, es sei die Flüchtlingseigen-

schaft der Beschwerdeführerin festzustellen, ihr Asyl zu gewähren und die 

Wegweisungsanordnung aufzuheben. Hinsichtlich des von der Vorinstanz 

angeordneten Wegweisungsvollzugs ist die Beschwerde hingegen gutzu-

heissen und die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung 

sind aufzuheben. Diesbezüglich ist die Sache zur Abklärung des Sachver-

halts und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz 

zurückzuweisen.  

12.  

12.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 

E-814/2020 

Seite 24 

Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist bezüglich ih-

res Hauptantrags auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Asylge-

währung unterlegen. Bezüglich der Anordnung des Wegweisungsvollzugs 

hat sie obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen. 

Ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde nicht eingereicht. Praxisgemäss sind die 

Kosten auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführerin 

sind demnach die Hälfe der Kosten von Fr. 375.– aufzuerlegen. 

12.2 Die Beschwerdeführerin ist im Umfang ihres Obsiegens – hier also 

hälftig – für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen 

(Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]).  

Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertre-

tungsaufwand lässt sich aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, 

weshalb auf die Einholung einer Kostennote verzichtet werden kann (Art. 

14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren sowie der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen 

(Art. 9-13 VGKE) ist der Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von insgesamt Fr. 230.– (inkl. Auslagen) zuzuspre-

chen. Das SEM ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag zu 

entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-814/2020 

Seite 25 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit die Feststellung der Flüchtlings-

eigenschaft, die Gewährung von Asyl und die Aufhebung der Wegwei-

sungsanordnung beantragt wird. 

2.  

Die Beschwerde wird hinsichtlich der Anordnung des Wegweisungsvoll-

zugs im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

3.  

Die angefochtene Verfügung wird in den Dispositivziffern 4 und 5 aufgeho-

ben und die Sache wird zur Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeur-

teilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

4.  

Die reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 375.– werden der 

Beschwerdeführerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Ver-

sand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine anteilsmässige 

Parteientschädigung von Fr. 230.– auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

Christa Luterbacher Tina Zumbühl 

 

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