# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c744e18f-9a45-5184-a5dc-97dd94086a38
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.12.2008 A-1646/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1646-2006_2008-12-03.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1646/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 
Richterin Salome Zimmermann, Richter Pascal Mollard, 
Gerichtsschreiberin Jeannine Müller.

X._______, 
vertreten durch Y._______ AG, 
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (1. - 4. Quartal 2001); Leistungsaus-
tausch.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1646/2006

Sachverhalt:

A.
Der  X._______  ist  ein  Verein  im Sinne von Art.  60  des  Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) und 
bezweckt als Arbeitgeberverband des (...)gewerbes sowie verwandter 
Produktionszweige der (...)wirtschaft [Branche] die Wahrung der Inte-
ressen seiner ca. 5'000 Mitglieder. Er ist seit dem 1. Januar 1995 bei 
der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) im Register der Mehr-
wertsteuerpflichtigen eingetragen.

B.
Im März und April 2002 führte die ESTV beim X._______ eine Kontrol-
le durch. Dabei ermittelte sie für die Steuerperioden 1. bis 4. Quartal 
2001 eine Mehrwertsteuerforderung in Höhe von Fr. 101'916.--. Gleich-
zeitig  setzte  sie  die  Einlageentsteuerung  infolge  Option  für  die  Ver-
steuerung  der  Referentenhonorare  und  Mitgliederbeiträge  auf  den 
1. Januar  2001  annäherungsweise  fest.  Das  sich  daraus  ergebende 
Guthaben von Fr. 143'916.-- verrechnete die Verwaltung mit der Nach-
forderung und erliess in der Folge die Gutschriftsanzeige (GA) Nr. ... 
vom 24. Mai  2002 im Betrag von insgesamt Fr. 42'000.--. Die  Mehr-
wertsteuerforderung von Fr. 101'916.--  resultierte  u. a. aus dem Vor-
halt, der X._______ habe als Arbeitgeberverband im Zusammenhang 
mit  der  Ausarbeitung  und  dem  Vollzug  von  Gesamtarbeitsverträgen 
des  (...)gewerbes  Leistungen  an  den  Z._______  erbracht  und  dafür 
eine pauschale Entschädigung erhalten. Dieses Entgelt habe er nicht 
deklariert. In der Folge liess der X._______ einen einsprachefähigen 
Entscheid beantragen.

C.
Die ESTV entschied am 16. Juni 2003, sie fordere vom X._______ für 
die Perioden 1. bis 4. Quartal 2001 zu Recht Fr. 101'916.-- nach. In der 
Begründung wies sie darauf hin, dass die Forderung mit dem Gutha-
ben aus der Einlageentsteuerung in Höhe von Fr. 143'916.-- verrech-
net  worden sei,  woraus ein  Saldo von Fr. 42'000.--  zu  Gunsten des 
X._______  resultiere.  Mit  Eingabe  vom  18.  August  2003  liess  der 
X._______  Einsprache  erheben  und  die  Nachbelastung  im  Zusam-
menhang mit den Abgeltungen des Z._______ bestreiten. Zur Begrün-
dung trug er im Wesentlichen vor, es mangle diesbezüglich an einem 
mehrwertsteuerlichen Leistungsaustausch.

Seite 2

A-1646/2006

D.
Mit  Einspracheentscheid  vom 24. Juli  2006  erkannte  die  ESTV, der 
Entscheid vom 16. Juni 2003 sei mangels Anfechtung im Umfang von 
Fr.  41'879.--  in  Rechtskraft  erwachsen,  wies  die  Einsprache  vom 
18. August 2003 ab und hielt fest, der X._______ schulde nebst dem 
in Rechtskraft  erwachsenen Betrag noch Fr. 60'037.--  Mehrwertsteu-
ern. In Verrechnung mit dem Guthaben durch die Einlageentsteuerung 
per 1. Januar 2001 in Höhe von Fr. 143'916.-- ergebe sich ein Saldo zu 
Gunsten des  X._______ von Fr. 42'000.--. Das Guthaben  werde mit 
allfälligen  Forderungen  aus  anderen  Steuerperioden  verrechnet.  Ein 
danach noch vorhandenes Guthaben werde dem X._______ nach Ein-
tritt  der Rechtskraft  ausbezahlt. Zur Begründung hielt  die Verwaltung 
im Wesentlichen dafür,  zwischen den Leistungen des X._______ an 
den Z._______ und der entsprechenden Abgeltung sei das Bestehen 
eines  steuerbaren  Leistungsaustauschs  zu  bejahen. Es  spiele  keine 
Rolle, ob ein Auftragsverhältnis im zivilrechtlichen Sinne vorliege.

E.
Am 15. September 2006 lässt der X._______ (Beschwerdeführer) bei 
der Eidgenössischen Steuerrekurskommission (SRK) Beschwerde ein-
reichen  und  beantragen,  den  Einspracheentscheid  aufzuheben  und 
ihm eine Gutschrift  in Höhe von Fr. 60'037.--, unter Berücksichtigung 
der  sich  verändernden  Vorsteuerkürzungen,  zu  erteilen;  dies  unter 
Kosten- und Entschädigungsfolge.

Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2007 beantragt die ESTV die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde.

F.
Am 30. Januar  2007 teilt  das Bundesverwaltungsgericht  den Verfah-
rensbeteiligten mit, es habe das vorliegende Verfahren zuständigkeits-
halber übernommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Bis zum 31. Dezember 2006 konnten Einspracheentscheide der ESTV 
auf  dem Gebiet  der  Mehrwertsteuer  nach  Art.  44 ff.  des  Bundesge-
setzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) innert 30 Tagen nach Eröffnung mit Beschwerde 

Seite 3

A-1646/2006

bei der SRK angefochten werden (aArt. 65 des Bundesgesetzes vom 
2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.201], 
in der Fassung vom 1. Januar 2001 [AS 2000 1300]; aufgehoben per 
31. Dezember  2006).  Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  so-
fern es zuständig ist, die Ende 2006 bei der SRK hängigen Rechtsmit-
tel. Die Beurteilung erfolgt  nach neuem Verfahrensrecht  (Art. 53 des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 über  das Bundesverwaltungsge-
richt  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR 172.32]).  Das  Verfahren 
richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt 
(Art. 37 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der 
Beschwerde  sachlich  wie  funktionell  zuständig  (Art. 31,  32  und  33 
Bst. d VGG). Auf die frist-  und formgerecht eingereichte Beschwerde 
ist einzutreten.

2.

2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen u.a. im Inland gegen Entgelt  er-
brachte Lieferungen von Gegenständen sowie im Inland gegen Entgelt 
erbrachte Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a und b MWSTG).

Damit eine steuerbare Dienstleistung überhaupt vorliegt, muss sie im 
Austausch mit einer Gegenleistung (Entgelt) erfolgen. Die Entgeltlich-
keit  stellt  ein  unabdingbares  Tatbestandsmerkmal  einer  mehrwert-
steuerlichen  Leistung  dar  (Ausnahme:  Eigenverbrauch  [Art.  5  Bst.  c 
MWSTG]). Besteht kein Austauschverhältnis in diesem Sinn zwischen 
Leistungserbringer und -empfänger, ist die Aktivität mehrwertsteuerlich 
irrelevant  und  fällt  nicht  in  den Geltungsbereich  der  Mehrwertsteuer 
(statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1567/2006 vom 
28. Dezember 2007 E. 2.2.1, A-1431/2006 vom 25. Mai  2007 E. 2.1; 
Entscheid der SRK vom 18. November 2002, veröffentlicht in Verwal-
tungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 67.49 E. 2a/cc).

Die Annahme eines solchen Leistungsaustauschs setzt voraus, dass 
zwischen Leistung und Gegenleistung eine innere wirtschaftliche Ver-
knüpfung gegeben ist. Es muss ein direkter ursächlicher Zusammen-
hang zwischen Leistung und Gegenleistung bestehen (BGE 132 II 353 
E. 4.1, BGE 126 II 443 E. 6a, mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 
2A.410/2006  vom  18.  Januar  2007  E.  5.1;  BVGE  2007/39  E. 2.1 
S. 496; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1385/2006 vom 3. Ap-
ril 2008 E. 3.1; IVO P. BAUMGARTNER, mwst.com, Kommentar zum Bundes-
gesetz über die Mehrwertsteuer, Basel 2000, Rz. 6 und 8 zu Art. 33 
Abs. 1 und 2;  DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allge-

Seite 4

A-1646/2006

meine Verbrauchsteuer  und von den entsprechenden Wirkungen auf 
das  schweizerische Recht,  Bern  1999,  S. 223 ff.). Die  Beantwortung 
der Frage nach der  inneren Verknüpfung erfolgt  nicht  in  erster  Linie 
nach zivilrechtlichen, sondern nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Kri-
terien (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 2A.304/2003 vom 14. No-
vember  2003  E.  3.6.1;  BVGE 2007/23  E. 2.3.2  S. 269 f.;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1338/2006  vom 12. März  2007  E. 2.1; 
Entscheid der SRK vom 5. Juli 2005, veröffentlicht in VPB 70.7 E. 2a; 
RIEDO,  a.a.O., S. 112 mit Fn. 125). Insbesondere ist für die Annahme 
eines Leistungsaustauschs das Vorliegen eines Vertragsverhältnisses 
nicht  zwingend  erforderlich  (BGE  126  II  249  E. 4a;  Urteil  des  Bun-
desgerichts  2A.175/2002 vom 23. Dezember  2002 E. 3.2; Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1567/2006  vom  28.  Dezember  2007 
E. 2.2.2). Es genügt vielmehr, dass Leistung und Gegenleistung inner-
lich derart verknüpft sind, dass die Leistung eine Gegenleistung aus-
löst (BGE 132 II 353 E. 4.1, BGE 126 II 249 E. 4a; Urteil des Bundes-
gerichts 2A.269/2006 vom 20. Juni 2008 E. 3.1; Urteile des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-1442/2006  vom  11.  Dezember  2007  E. 2.2, 
A-1346/2006 vom 4. Mai 2007 E. 2.2).

Ein  Leistungsaustausch  liegt  also  vor,  wenn  zusammenfassend  fol-
gende Tatbestandsmerkmale erfüllt  sind (vgl. Urteile  des Bundesver-
waltungsgerichts  A-1442/2006  vom  11.  Dezember  2007  E.  2.3, 
A-1354/2006 / A-1409/2006 vom 24. August 2007 E. 3.1, A-1346/2006 
vom 4. Mai 2007 E. 2.2):

a) Es müssen zwei Beteiligte in Gestalt eines Leistenden und eines 
Leistungsempfängers vorhanden sein, 
b)  der  erbrachten  Leistung  muss  ein  Entgelt  als  Gegenleistung 
gegenüberstehen und 
c) die Leistung und die Gegenleistung müssen miteinander innerlich 
wirtschaftlich verknüpft sein.

Bei  der  Beurteilung  des  wirtschaftlichen  Zusammenhangs  zwischen 
Leistung und Entgelt,  also bei der Frage, ob ein Leistungsaustausch 
vorliegt, ist primär auf die Sicht des Leistungsempfängers abzustellen, 
was  namentlich  der  Konzeption  der  Mehrwertsteuer  als  Verbrauch-
steuer entspricht (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1442/2006 
vom  11.  Dezember  2007,  E.  2.3,  A-1354/2006  /  A-1409/2006  vom 
24. August 2007 E. 3.1; Entscheid der SRK vom 14. Juni 2005, veröf-
fentlicht  in  VPB 69.126  E. 2a/dd;  RIEDO,  a.a.O.,  S. 230  ff.;  ALOIS CA-

Seite 5

A-1646/2006

MENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER,  Handbuch  zum Mehrwert-
steuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003,  2. Aufl.,  Rz. 182;  BAUMGARTNER, 
a.a.O., Rz. 9 ff. zu Art. 33 Abs. 1 und 2; vgl. auch Entscheid der SRK 
vom 24. August 1997, veröffentlicht in MWST-Journal 3/1997 S. 103 f. 
E. 4a).

2.2

2.2.1 Das  Entgelt  stellt  zudem  die  Bemessungsgrundlage  für  die 
Mehrwertsteuer dar (vgl. BGE 126 II 443 E. 6). Zum Entgelt gehört al-
les, was der Leistungsempfänger oder ein Dritter für ihn als Gegenleis-
tung für  die  Leistung aufwendet  einschliesslich  Spenden,  die  unmit-
telbar den einzelnen Umsätzen des Empfängers als Gegenleistung zu-
geordnet werde können (Art. 33 Abs. 1 und 2 MWSTG). Nur jene Zu-
wendungen des Abnehmers gehören nicht  zum steuerbaren Entgelt, 
die keinen ursächlichen Zusammenhang mit der steuerbaren Leistung 
aufweisen  und  ihren  Rechtsgrund  in  einem  selbständigen,  von  der 
Leistung  unabhängigen  Leistungsaustauschverhältnis  haben.  Getreu 
dem Wesen der Mehrwertsteuer als Verbrauchsteuer ist auch hier die 
Sicht  des  Verbrauchers  bzw. des  Leistungsempfängers  massgeblich. 
So sieht denn das anwendbare Recht vor, zum Entgelt gehöre alles, 
was der Empfänger für die Leistung aufwendet,  und nicht etwa, was 
der Erbringer dafür erhält (Art. 33 Abs. 2 MWSTG). Begriff und Umfang 
des  Entgelts  definiert  sich  folglich  aus  der  Optik  des  Abnehmers: 
Berechnungsgrundlage ist  letztlich,  was der Verbraucher (Abnehmer) 
bereit  oder  verpflichtet  ist,  für  die  erhaltene  Leistung  aufzuwenden 
bzw. um die Leistung zu erhalten (statt vieler: Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts  A-1567/2006  vom  28. Dezember  2007  E. 2.5, 
A-1386/2006 vom 3. April  2007 E. 2.3,  mit  Hinweisen auf  die Recht-
sprechung;  RIEDO,  a.a.O.,  S. 96, 228;  DIETER METZGER,  Kurzkommentar 
zum Mehrwertsteuergesetz, Muri/Bern 2000, S. 110 Rz. 3).

2.2.2 Wie gesehen gehören gemäss Art. 33 Abs. 2 MWSTG zum Ent-
gelt auch Spenden, die unmittelbar den einzelnen Umsätzen des Emp-
fängers  als  Gegenleistung zugeordnet  werden  können  (E. 2.2.1  hie-
vor). Davon zu unterscheiden sind demgegenüber jene Spenden, die 
nicht in diesem Sinn eine Gegenleistung darstellen und kein steuerba-
res  Entgelt  bilden.  Gemäss  Bundesgericht  werde  mit  derartigen, 
zweckgebundenen  privaten  Zuwendungen  –  wie  bei  der  öffentlich-
rechtlichen Subvention – angestrebt, dass der Leistungsempfänger ei-
ne bestimmte Aufgabe erfülle, die jedoch im einen wie im anderen Fall 

Seite 6

A-1646/2006

nicht eine konkrete Gegenleistung darstelle. Der private Spender wolle 
– wie auch ein  Subventionsgeber  – die Tätigkeit  des Unternehmens 
allgemein fördern (BGE 126 II 443 E. 8; Urteil des Bundesgerichts vom 
4. Juli 2003, veröffentlicht in Archiv für Schweizerisches Abgaberecht 
[ASA]  73  S. 563  E.  4.3,  4.5;  vgl.  auch  Urteile  des  Bundesgerichts 
2C_506/2007 vom 13. Februar 2008 E. 3.3,  2A.526/2003 vom 1. Juli 
2004 E. 1.1.; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1408/2006 vom 
13. März 2008 E. 3.4). Solche unentgeltliche, freiwillige Zuwendungen 
von Privaten werden als sog. Nichtumsätze bezeichnet,  welche nicht 
Gegenstand  der  Mehrwertsteuer  bilden  (CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, 
a.a.O., Rz. 153 f., 307 ff.; vgl. auch BGE 132 II 353 E. 4.3). Allerdings 
ist im Einzelfall  genau zu prüfen, ob eine freiwillige Zuwendung oder 
ein Leistungsentgelt vorliegt (BGE 124 II 443 E. 8a). Soweit eine steu-
erpflichtige Person Spenden erhält, die nicht einzelnen Umsätzen des 
Empfängers als Gegenleistung zugeordnet werden können, ist ihr Vor-
steuerabzug – wie bei Subventionen oder anderen Beiträgen der öf-
fentlichen Hand – verhältnismässig zu kürzen (Art. 38 Abs. 8 Satz 1 
und 2 MWSTG; BGE 132 II 353 E. 7.1, BGE 126 II 443 E. 8; Urteile 
des  Bundesgerichts  2C_506/2007  vom  13. Februar  2008  E. 3.3, 
2A.650/2005 vom 15. August  2006  E. 3.3; Urteil  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-1443/2006  vom  25. September  2007  E. 2.2;  DIEGO 
CLAVADETSCHER, mwst.com, a.a.O., N 15 zu Art. 38 Abs. 8, CAMENZIND/HO-
NAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1438, 1447 ff.).

3.
Im  vorliegenden  Fall  liegt  die  mehrwertsteuerliche  Qualifikation  der 
fraglichen pauschalen Abgeltungen des Z._______ im Streit. 

3.1 Der Z._______ besteht aus dem "Paritätischen ..." (Vollzugsfonds) 
und dem "Paritätischen ..."  (Bildungsfonds),  beides Vereine im Sinne 
von Art. 60 ZGB. Die Mitglieder dieser Vereine sind der Beschwerde-
führer als Vertreter der Arbeitgeber sowie verschiedene Gewerkschaf-
ten als Arbeitnehmervertreter (jeweils Art. 1 der Statuten der beiden 
Vereine). Die Finanzierung des Z._______ erfolgt durch Beiträge der 
Arbeitnehmer und Arbeitgeber, durch Zuwendungen sowie durch Kapi-
talerträge (jeweils Art. 20 der Statuten). 

3.2 Der Vollzugsfonds bezweckt u. a. die Deckung der Kosten für den 
Vollzug des  Landesmantelvertrags  ...  (LMV) und weiterer  Gesamtar-
beitsverträge  (GAV)  mit  Vollzugsfonds-Beitragspflicht  (z. B.  ...  usw.) 
und der lokalen GAV, sowie die Tätigkeit der paritätischen Berufskom-

Seite 7

A-1646/2006

missionen (Art. 3  Abs. 1 Bst. a  der  Statuten des Vollzugsfonds)  Die 
Durchführung erfolgt in Form einer Ausgleichskasse (Art. 3 Abs. 2 der 
Statuten). Art. 23 Abs. 1 der Statuten hält fest, dass der Beschwerde-
führer einerseits sowie die beteiligten Arbeitnehmerorganisationen an-
derseits  zur  Abgeltung ihres Aufwands bei  der  Ausarbeitung und im 
Vollzug der GAV jährlich je Fr. 850'000.-- (Basis 1996 unter Einbezug 
der ... [Berufsgattung]) erhalten.

3.3 Indem  der  Beschwerdeführer  den  LMV  und  die  verschiedenen 
GAV ausarbeitet und vollzieht, erbringt er klarerweise mehrwertsteuer-
liche Leistungen. Diese Tätigkeiten werden direkt mit der pauschalen 
Entschädigung  abgegolten.  Der  Beschwerdeführer  vereinnahmt  und 
verbucht dieses Entgelt denn auch jeweils im eigenen Namen. Der Be-
schwerdeführer  seinerseits  ist  aufgrund  der  statutarischen  Bestim-
mung zur Erledigung der Aufgaben verpflichtet. Im Gegenzug darf er 
die  Ausrichtung  der  entsprechenden  Abgeltung  –  ebenfalls  gestützt 
auf die Statuten – erwarten bzw. ist diese geschuldet. Es besteht dem-
nach eine innere, wirtschaftliche Verknüpfung zwischen den genann-
ten Leistungen des Beschwerdeführers und der pauschalen Entschädi-
gung  (vgl. E.  2.1  hievor).  Das  Bestehen  eines  mehrwertsteuerlichen 
Leistungsaustauschs ist nach dem Gesagten zu bejahen.

Betreffend  den  Leistungsempfänger  geht  die  Vorinstanz  davon  aus, 
der Beschwerdeführer erbringe seine Leistungen an den Vollzugsfonds 
bzw.  an  die  entsprechende  paritätische  Kommission.  Der  Vollzugs-
fonds bzw. die entsprechende paritätische Kommission führe die Aus-
arbeitung und den Vollzug der GAV in casu nicht selber aus, sondern 
überlasse  diese  Aufgabe  seinen  Mitgliedern,  wovon  eins  der  Be-
schwerdeführer sei. Das Bundesverwaltungsgericht hat gewisse Zwei-
fel  an  der  Auffassung,  der  Vollzugsfonds  sei  Leistungsempfänger. 
Denn der Vollzugsfonds stellt  in  erster  Linie eine Art  Finanzierungs-
instrument dar, das die eingenommenen Gelder verwaltet und bestim-
mungs- bzw. zwecksgemäss verteilt. Aufgrund der geschilderten statu-
tarischen Ausgangslage scheint der Beschwerdeführer seine Leistun-
gen  eher  der  Gesamtheit  der  Vertragsparteien  des  LMV  sowie  der 
übrigen  GAV  zu  erbringen.  Dass  die  dafür  geschuldete  Abgeltung 
dabei  durch  den  Vollzugsfonds  ausgerichtet  wird,  stünde  dem  nicht 
entgegen. Das Mehrwertsteuergesetz selbst  sieht vor, dass das Ent-
gelt von einem Dritten geleistet werden kann (vgl. E. 2.2.1 hievor). Wie 
dem auch sei, die Frage kann an dieser Stelle offenbleiben; wie gese-
hen liegt so oder anders ein mehrwertsteuerlicher Leistungsaustausch 

Seite 8

A-1646/2006

vor. Dem Beschwerdeführer als Leistungserbringer steht mit  der Ge-
samtheit  der  Vertragsparteien  des LMV und der GAV (bzw. mit  dem 
Vollzugsfonds) eine Leistungsempfängerin gegenüber. Er hat das mit 
seinen  Leistungen  im  rechtsgenügenden  Zusammenhang  stehende 
Entgelt vereinnahmt.

3.4 Was in der Beschwerde dagegen vorgebracht wird, vermag zu kei-
nem anderen Ergebnis zu führen:

3.4.1 Der Beschwerdeführer hält dafür, die Beiträge seien als "privat-
rechtliche Subvention" zu qualifizieren, mit der er weiterhin in seinem 
Verhalten gefördert  werden solle. Es liege somit tatsächlich ein Leis-
tungsauftrag vor, wie er im Falle von öffentlich-rechtlichen Subventio-
nen vorkomme, und nicht ein Leistungsaustausch.

Wie unter E. 3.2 hievor dargelegt, erhält der Beschwerdeführer für sei-
ne Tätigkeit im Zusammenhang mit der Ausarbeitung und dem Vollzug 
der verschiedenen GAV statutengemäss eine jährliche, fixe Entschädi-
gung. Entgegen seiner Ansicht wird dieser Betrag jedoch nicht ledig-
lich mit dem Zweck ausgerichtet, sein Verhalten in allgemeiner Weise 
dahingehend  zu  fördern,  dass  er  auch  weiterhin  in  diesem Bereich 
tätig ist. Der Betrag stellt  vielmehr das Entgelt  dar für die konkreten 
Leistungen,  welche  er  dafür  zu  erbringen  hat.  Die  Abgeltung  kann 
demnach von vornherein keine mehrwertsteuerliche Spende bzw. pri-
vate Zuwendung darstellen (vgl. E. 2.2.2 und 3.3 hievor), wie er sinn-
gemäss geltend macht.

Als unbehelflich erweist  sich insbesondere auch die Behauptung,  es 
bestehe ein Leistungsauftrag. Vorab ist festzuhalten, dass der Begriff 
des  "Leistungsauftrags"  (vgl.  Art. 33  Abs.  6  Bst.  b  MWSTG,  Art.  8 
MWSTGV)  lediglich  im  Zusammenhang  mit  der  Ausrichtung  von 
öffentlich-rechtlichen  Subventionen  verwendet  wird.  Darüber  hinaus 
zeigt  dieser  nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  lediglich 
an, dass die Subvention voraussetze, dass der Subventionsempfänger 
eine im öffentlichen Interesse liegende Aufgabe wahrnehme und die 
Subvention  in  der  Regel  davon  abhängig  gemacht  werde,  dass  die 
Aufgabe fortgeführt werde. Insofern bestehe eine Bindungswirkung der 
Subvention. Der  Leistungsauftrag  wolle  im Zusammenhang  mit  Sub-
ventionen sicherstellen,  dass  sie  im vorgegebenen öffentlichen Inte-
resse verwendet würden und der Empfänger der Subvention nicht ein-
seitig auf die Erfüllung der im öffentlichen Interesse liegenden Aufgabe 
verzichte.  Ungeachtet  dessen  sei  jedoch  auch  bei  Vorliegen  eines 

Seite 9

A-1646/2006

"Leistungsauftrags" im Einzelfall zu prüfen, ob es sich wirklich um eine 
Subvention  handle  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.273/2004  vom 
1. September 2005 E. 2.3; vgl. zum Ganzen auch Urteile des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-1548/2006  vom  3. September  2008  E. 3.4, 
A-1442/2006 vom 11. Dezember 2007 E. 3.4, bestätigt durch das Urteil 
des  Bundesgerichts  2C_105/2008 vom 25. Juni  2008 E. 3.3). Gleich 
verhielte es sich für  die sinngemäss behauptete Spende, wäre denn 
der Begriff "Leistungsauftrag" mutatis mutandis überhaupt auch auf sie 
übertragbar; deren Vorliegen ist indes nicht erwiesen.

Sodann vermag der Beschwerdeführer auch aus der Tatsache, dass er 
eine pauschale Abgeltung erhält, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 
Die Vereinbarung eines fixen Entgelts, unabhängig vom tatsächlichen 
Aufwand, ist  – insbesondere auch in der (...)branche – nichts Unge-
wöhnliches, sondern vielmehr eine Frage der Verhandlungspositionen 
der Parteien. Ein Kriterium für das Bestehen oder Nichtbestehen eines 
mehrwertsteuerlichen Leistungsaustauschs kann darin jedenfalls nicht 
gesehen werden. Denn massgebend ist vorliegend die Höhe der Auf-
wendung der Leistungsempfängerin für die Leistung, ausmachen jähr-
lich Fr. 850'000.-- (vgl. E. 3.2 hievor). Soweit der Beschwerdeführer im 
Übrigen  anführt,  eine  Anpassung  der  Pauschale  erfolge  weder  auf-
grund der Statuten noch in tatsächlicher Hinsicht, ungeachtet dessen, 
ob der Betrag für die Deckung der entstehenden Kosten genüge oder 
nicht,  ist  er auf den Wortlaut von Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Statuten 
des Vollzugsfonds zu verweisen. Danach kann die Pauschale von je 
Fr. 850'000.--, welche aufgrund der Basis des Jahres 1996 unter Ein-
bezug der ... [Berufsgattung] berechnet worden ist, jährlich, unter Be-
rücksichtigung der Lohnentwicklung im (...)gewerbe und von allfälligen 
Veränderungen des Geltungsbereichs, durch die Vertragsparteien neu 
festgelegt werden.

3.4.2 Der Beschwerdeführer macht im Weitern geltend, er würde die 
ihm übertragenen Aufgaben auch ohne einen Zahlungsfluss vorneh-
men,  schon allein  deshalb, weil  die  Wahrung des Arbeitsfriedens im 
wesentlichen Interesse seiner Mitglieder liege.

Inwieweit der Leistungserbringer (auch) im eigenen Interesse handelt, 
ist für die vorliegende Beurteilung unerheblich. Solches kommt häufig 
vor und ändert am Bestehen eines Leistungsaustauschs nichts (Urteil 
des  Bundesgerichts  2C_284/2008 vom 23. September  2008 E. 2.5). 
Dass der  Beschwerdeführer  seine Leistungen auch ohne Entschädi-

Seite 10

A-1646/2006

gung erbringen würde, ist darüber hinaus eine reine Behauptung. Als 
Mitgründer  und Mitglied  des  Vollzugsfonds ist  der  Beschwerdeführer 
zur Hälfte an der Ausarbeitung bzw. der Revision der Statuten beteiligt. 
Und diese sehen eindeutig eine Entschädigung vor.

4.
Die umstrittene Nachforderung ist  nach dem Gesagten zu Recht  er-
folgt.  Ausgangsgemäss  ist  die  Beschwerde  abzuweisen.  Die  Verfah-
renskosten in Höhe von Fr. 2000.-- sind dem Beschwerdeführer aufzu-
erlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG)  und  mit  dem geleisteten  Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Eine Parteientschädigung an 
den Beschwerdeführer ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e 
contrario).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'000.-- verrechnet. 

3.
Dem  Beschwerdeführer  wird  keine  Parteientschädigung  zugespro-
chen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Seite 11

A-1646/2006

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Riedo Jeannine Müller

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 12