# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72512058-9f5a-5305-a3f5-b7ef5f74d93f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.11.2010 D-5258/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5258-2009_2010-11-12.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5258/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richter Markus König, Richterin Claudia Cotting-Schalch;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...),
Nigeria,
vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin, 
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Berne,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 20. Juli 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5258/2009

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer reiste nach eigenen Angaben unter Umgehung 
der Grenzkontrolle von Italien her am 7. Juni 2009 in die Schweiz ein,  
wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 12. Juni 2009 erfolgte 
die  Kurzbefragung  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
B._______  und  am 30.  Juni  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  am 
selben Ort zu seinen Asylgründen angehört (Anhörung).

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen geltend, er sei nigerianischer Staatsangehöriger, gehöre 
zur  Ethnie  der  Ljaw  und  stamme  aus  dem  Dorf  C._______  (Delta 
State).  Im  Jahre  2005  sei  sein  Vater  im  Verlaufe  des  ethnischen 
Konflikts  zwischen  den  Ljaws  und  den  Itsekiri  im  Delta  State  von 
Angehörigen der Itsekiri getötet worden. Nachdem er vom Tod seines 
Vaters erfahren habe,  sei  er  von D._______ (Edo State),  wo er  seit 
dem Jahre  1997  gelebt  und  gearbeitet  habe,  in  sein  Heimatdorf  im 
Delta State zurückgekehrt, um seine Mutter und seine Brüder von dort  
wegzubringen. In  der  Nacht  nach  seiner  Ankunft  hätten  Angehörige 
der  Itsekiri  erneut  sein  Heimatdorf  angegriffen,  ihn  festgenommen, 
misshandelt und gezwungen, sein Ohr aufzuessen, das sie ihm zuvor 
abgeschnitten  hätten.  Am  folgenden  Morgen  sei  er  von  Männern 
seines Dorfes befreit und zu einem Arzt gebracht worden, von dem er 
gepflegt worden sei. Der Vorsteher von C._______, der ihn dort regel -
mässig  besucht  habe,  habe  ihm  eines  Tages  eine  Vorladung  zu-
kommen lassen, in der er sowie andere Personen aufgefordert worden 
seien,  vor einem Gericht  in  Lagos zu erscheinen. Da er verletzt  ge-
wesen  sei  und  er  befürchtet  habe,  wie  andere  junge  Männer  nicht  
mehr von dort zurückzukehren, habe er der Aufforderung keine Folge 
geleistet. Einige Tage später habe ihn seine Lebenspartnerin besucht 
und ihm mitgeteilt,  dass im Fernsehen nach ihm gesucht werde. Der 
Arzt, bei dem er sich aufgehalten habe, habe ihm daraufhin mitgeteilt,  
dass  er  nicht  länger  bei  ihm bleiben könne. Da  er  befürchtet  habe, 
überall in Nigeria von den Behörden gefasst zu werden, habe er sich 
mit der Hilfe des Vorstehers von C._______ per Auto in den Niger be-
geben, wo er zirka vier Monate geblieben sei. Anschliessend sei er - 
im Jahre 2006 - nach Libyen gegangen, wo er auf  einem Bauernhof 
gearbeitet  habe.  Dort  habe  ihn  eines  Nachts  ein  Mann  unter  An-
drohung von Gewalt sexuell  missbraucht. Am 4. Juni 2009 sei er mit 

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der Hilfe eines Schleppers mit einem Boot nach Italien gelangt, von wo 
man ihn per Auto in die Schweiz gefahren habe.

Zum Beweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Laufe 
des Verfahrens vor der Vorinstanz die Kopie eines Dokuments mit der 
Überschrift "In the magistrate's court of Nigeria" zu den Akten. 

B.
Mit Verfügung vom 20. Juli  2009 - eröffnet am 25. Juli  2009 - stellte 
das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  und es  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  ordnete  es die 
Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. 

Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  vorliegend  sei 
festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  den  schweizerischen  Be-
hörden keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben habe, weshalb 
seine Identität und seine Zugehörigkeit  zur Ethnie der Ljaw nicht er -
stellt seien, was die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen in Frage stelle. 
Im  Weiteren  sei  festzuhalten,  dass  die  geltend  gemachten  Ver-
folgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  nur  auf  seinen  Be-
hauptungen  beruhten,  welche  einzig  durch  seine  Narben  gestützt 
würden,  deren  Herkunft  jedoch  nicht  erwiesen  sei.  Sofern  man  die 
Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers als glaubhaft beurteile, 
sei zudem zu bemerken, dass sie Teil des allgemeinen und wirtschaft -
lichen  Konfliktes  zwischen  den  Itsekiri  und  den  Ljaws  seien,  eines 
Konfliktes, der sich auf das Gebiet der Stadt Waari begrenze und der 
von den Behörden bekämpft  werde, um die öffentliche Ordnung auf-
recht zu erhalten. Es bestünden keine Hinweise darauf, dass der Be-
schwerdeführer, der die Unterstützung seines Heimatdorfes genossen 
habe, nicht die Möglichkeit gehabt hätte, beim Staat um Schutz zu er-
suchen und zu seiner Lebenspartnerin und seinen Kindern in den Edo 
State, wo er seit  1997 gearbeitet habe, zurückzukehren. Die geltend 
gemachten Vorbringen seien daher  nicht  asylrelevant,  ebenso wenig 
wie  die  vorgebrachten Nachteile,  die  er  in  Libyen erlitten habe. Das 
vom Beschwerdeführer  eingereichte  Beweismittel  sei  nicht  geeignet, 
zu einer anderen Einschätzung zu führen, zumal es sich lediglich um 
eine schlecht lesbare Kopie handle und es gerichtsnotorisch sei, dass 
solche Dokumente in Nigeria käuflich erworben werden könnten. Aus 
diesen Gründen genügten die Asylvorbringen des Beschwerdeführers 
den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht. Den Vollzug 

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der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und 
möglich. Für den weiteren Inhalt wird auf die vorinstanzliche Verfügung 
verwiesen. 

C.
Mit Beschwerde vom 20. August 2009 (Poststempel) an das Bundes-
verwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechts-
vertreterin beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er 
sei  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  ihm  sei  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter sei die Unzumutbarkeit und die Unzulässigkeit der Weg-
weisung festzustellen und das BFM anzuweisen, ihn vorläufig aufzu-
nehmen. Subeventualiter sei das Verfahren zum Zwecke der erneuten 
Abklärung  des  Sachverhaltes  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In 
prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit 
für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Mit  der  Beschwerde  wurde  ein  ärztliches  Zeugnis  von  Dr.  med. 
E._______,  Universitäre  Psychiatrische  Dienste  F._______,  vom 18. 
August 2009 zu den Akten gereicht. 

D.
Mit  Zwischenverfügung  des  zuständigen  Instruktionsrichters  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  25.  August  2009  wurde  dem  Be-
schwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz abwarten könne. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
werde verzichtet und über das Gesuch um Gewährung der unentgelt -
lichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  im  End-
entscheid befunden. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, bis 
zum 9. September 2009 eine Vernehmlassung einzureichen.

E.
Mit  Eingabe  vom 25. August  2009  liess  der  Beschwerdeführer  eine 
Fürsorgebestätigung vom 20. August 2009 zu den Akten reichen. 

F.
In ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2009 hielt  die Vorinstanz 
an der angefochtenen Verfügung fest  und beantragte die Abweisung 
der Beschwerde. 

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G.
Mit  Schreiben  vom 7. Oktober  2009  liess  der  Beschwerdeführer  re-
plizieren.  Der  Eingabe  lag  ein  ärztliches  Zeugnis  von  Dr.  med. 
E._______,  Universitäre  Psychiatrische  Dienste  F._______,  datiert 
vom 18. August 2009, bei.

H.
Mit Eingabe vom 7. Dezember 2009 liess der Beschwerdeführer einen 
Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  vom  26.  Oktober  2009 
bezüglich  der  Behandlung  der  Posttraumatischen  Belastungsstörung 
in Nigeria sowie eine Kostennote zu den Akten reichen. 

I.
Mit  Schreiben  vom 1. Juni  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  zwei 
Schreiben  der  (...)-Versicherung  beziehungsweise  der  (...)  ein  und 
ersuchte das Gericht gleichzeitig um baldigen Entscheid in der Sache. 

J.
Mit Schreiben vom 11. Juni 2010 orientierte das Bundesverwaltungs-
gericht den Beschwerdeführer über den Stand des Verfahrens. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

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1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung; er ist  daher zur Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

1.4 Gestützt auf Art. 37 VGG i.V.m. Art. 33a Abs. 2 Satz 2 VwVG er-
geht das vorliegende Urteil in deutscher Sprache.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2  Die  im  Gesetz  so  definierte  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  eine 
asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  be-
gründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund be-
stimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 
zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/4  E. 5.2  S. 37;  Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.). Aufgrund der Subsidiarität 
des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flücht-
lingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die  betroffene  Person  in 
ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz  finden  kann  (vgl. 

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BVGE  2008/12  E.  7.2.6.2  S.  174  f.;  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.; 
EMARK  2006  Nr. 18  E. 10  S. 201  ff.;  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7.3 
S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.).

3.3 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass 
zur Annahme besteht,  eine Verfolgung hätte sich - aus der Sicht  im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  -  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer Zeit  verwirklicht beziehungsweise werde sich -  auch aus 
heutiger Sicht - mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Ver-
folgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen,  welche 
den Eintritt der erwarteten - und aus einem der vom Gesetz aufgezähl-
ten Motive erfolgenden - Benachteiligung als wahrscheinlich und dem-
entsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar 
erscheinen  lassen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193 f.,  EMARK 
2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

4.
4.1
4.1.1 Der  Beschwerdeführer  begründet  sein  Asylgesuch  zum  einen 
damit,  er  werde  in  seinem  Heimatland  von  den  nigerianischen  Be-
hörden  gesucht.  Er  habe  eine  Vorladung  erhalten,  in  der  er  auf -
gefordert worden sei, vor einem Gericht in Lagos zu erscheinen. Da er 
verletzt  gewesen  sei  und  geglaubt  habe,  wie  andere  junge  Männer 
nicht mehr von dort zurückzukehren, habe er der Aufforderung keine 
Folge geleistet. Zudem habe ihm seine Lebenspartnerin einige Tage 
später mitgeteilt,  dass im Fernsehen nach ihm gesucht werde. Da er 
deswegen befürchtet  habe, überall  in Nigeria von den Behörden ge-
fasst zu werden, habe er sein Heimatland verlassen. Nachfolgend ist 
zu prüfen, ob die Vorinstanz diese Asylgründe des Beschwerdeführers 
durch die nigerianischen Behörden zu Recht als Unglaubhaft beurteilt 
hat. 

4.1.2 Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn 
sie genügend substanziiert,  in sich schlüssig und plausibel sind. Sie 
dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen 
Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder 
den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darü-
ber  hinaus  muss  der  Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erschei-
nen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige 
Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver-

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fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt  oder  die  nötige  Mitwirkung  am Verfahren  verweigert.  Glaub-
haftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein 
reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum für  gewisse  Ein-
wände und Zweifel  an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entschei-
dend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts-
darstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine 
objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; EMARK 2005 
Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

4.1.3 Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer den Wortlaut 
sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  bestätigt  hat  und  sich 
deshalb seine Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen muss. 

4.1.4 Zweifel  an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ver-
folgung  durch  die  nigerianischen  Behörden  bestehen  schon  des-
wegen, da aus den Akten kein Grund ersichtlich ist, weshalb die Be-
hörden  ein  Interesse  daran  haben  sollten,  den  Beschwerdeführer 
habhaft zuwerden, hat er doch gemäss eigenen Aussagen in seinem 
Heimatland nichts gemacht, was eine behördliche Suche nach seiner 
Person rechtfertigen würde. Bezeichnenderweise war denn auch der 
Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  nicht  in  der  Lage,  einen 
möglichen Grund für die behauptete Verfolgung zu nennen (vgl. Akten 
BFM  A  11/14,  S.  9).  Keinen  realen  Hintergrund  hat  auch  das  Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  von  seiner  Lebens-
partnerin erfahren habe, im Fernsehen gesucht  worden zu sein. Die 
geltend gemachte Suche durch die nigerianischen Behörden erscheint 
auch deshalb als unglaubhaft, da der Beschwerdeführer anlässlich der 
Anhörung  zu  Protokoll  gab,  während  seines  mehr  als  dreiwöchigen 
Aufenthalts beim Arzt hätten die Behörden ihn nicht aufgesucht (vgl. 
Akten  BFM  A  11/14,  S.  10).  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  die 
nigerianischen Behörden den Beschwerdeführer  schon während sei-
nes  Aufenthalts  beim Arzt  verhaftet  hätten,  würden  sie  tatsächlich  - 
wie behauptet -  nach ihm suchen, zumal es für sie ein Leichtes ge -
wesen  wäre,  ihn  dort  aufzuspüren.  Übereinstimmend  mit  der  Vor-
instanz  ist  überdies  festzuhalten,  dass  mangels  Einreichung  eines 
rechtsgenüglichen  Originaldokuments  die  Identität  des  Beschwerde-
führers  nicht  feststeht,  was aber  für  die Überprüfung der  Aussagen, 
der Dokumente und die Asylgewährung grundsätzlich Voraussetzung 
ist. Bezüglich des eingereichten Dokuments mit der Überschrift "In the 
magistrate's court of Nigeria" ist  schliesslich festzuhalten, dass auch 

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dieses nicht geeignet ist, die behauptete Verfolgung des Beschwerde-
führers  durch  die  nigerianischen  Behörden  glaubhaft  zu  machen, 
zumal  es  sich  lediglich  um  eine  Kopie  handelt,  der  aufgrund  ihrer 
leichten Manipulierbarkeit grundsätzlich nur ein beschränkter Beweis-
wert  zukommt,  und  solche  Dokumente  zudem  im  Heimatland  des 
Beschwerdeführers ohne Weiteres käuflich erworben werden können. 
Erhebliche Zweifel an der Authentizität des eingereichten Dokuments 
erweckt  zudem  der  Umstand,  dass  dessen  Inhalt  in  wesentlichen 
Punkten  nicht  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  überein-
stimmt.  Beispielsweise  wurde  der  Beschwerdeführer  laut  Dokument 
bereits für den 12. Januar 2005 vorgeladen, obwohl dieser anlässlich 
der Befragungen geltend machte, er sei erst im Februar beziehungs-
weise Juni, Juli  oder August 2005 von D._______ in sein Heimatdorf 
zurückgekehrt, wo er dieses Dokument erhalten haben will (vgl. Akten 
BFM A 6/10, S. 5; A 11/14, S. 7).

Somit ist  zusammenfassend festzuhalten, dass es dem Beschwerde-
führer  nicht  gelungen  ist,  die  behauptete  Suche  der  nigerianischen 
Behörden nach seiner Person glaubhaft zu machen.

4.2
4.2.1 Der  Beschwerdeführer  begründet  sein  Asylgesuch  sodann 
weiter  damit,  er  sei  im Jahre 2005 in seinem Heimatdorf  C._______ 
(Delta State) von Angehörigen der Itsekiri festgenommen, misshandelt 
und dazu  gezwungen worden,  sein  Ohr  zu  verspeisen,  das  sie  ihm 
zuvor abgeschnitten hätten, nachdem er dorthin gereist sei, um seine 
Mutter  und  seine  Brüder  von  dort  wegzubringen.  Von  Bewohnern 
seines  Heimatdorfes  sei  er  kurze  Zeit  später  wieder  befreit  und  zu 
einem Arzt gebracht worden, von dem er gepflegt worden sei. Da in 
seinem Heimatgebiet der ethnische Konflikt zwischen den Ljaws und 
den Itsekiri  noch immer bestehe, wäre er bei einer Rückkehr dorthin 
der Gefahr ausgesetzt, erneut angegriffen zu werden. 

4.2.2 Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage zweifelhaft 
ist, ob sich die Geschehnisse tatsächlich so zugetragen haben, wie sie 
vom Beschwerdeführer  dargelegt  worden sind. Vorliegend kann eine 
vertiefte Prüfung dieser Frage jedoch unterbleiben. Der Beschwerde-
führer erfüllt selbst bei Wahrunterstellung seiner Vorbringen die Flücht-
lingseigenschaft nicht, da ihm eine valable innerstaatliche Fluchtalter-
native, mithin die Möglichkeit, der geltend gemachten Verfolgung durch 
die  Itsekiri  mit  einem  Ortswechsel  zu  entgehen,  offensteht. 

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Übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  geht  das  Bundesverwaltungs-
gericht  nämlich  davon  aus,  der  Beschwerdeführer  könne  sich  der 
behaupteten  Verfolgung  durch  die  Itsekiri  in  seinem  Heimatdorf 
C._______, die klar lokalen Charakter aufweist, durch eine Rückkehr 
nach  D._______  (Edo  State),  wo  er  gemäss  eigenen  Angaben  seit 
dem Jahre 1997 mit seiner Lebenspartnerin und seinen Kindern gelebt 
sowie ein eigenes Coiffeurgeschäft betrieben hat (Akten BFM A 11/14, 
S. 5), entziehen, da er dort keinen asylrelevanten Behelligungen aus-
gesetzt  ist,  zumal  die  vorgebrachte  Verfolgung  durch  die  nigeria-
nischen Behörden nicht  glaubhaft  ist  (vgl. vorstehend E. 4.1). In  der 
Rechtsmittelschrift  wird  nichts  vorgebracht,  was  an  dieser  Einschät-
zung etwas ändern könnte. 

4.3 Der  Vollständigkeit  halber  ist  festzuhalten,  dass  auch  der  vom 
Beschwerdeführer  geltend gemachte  sexuelle  Missbrauch,  den  er  in 
Libyen  erlitten  haben  will,  seine  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu  be-
gründen  vermag,  zumal  er  unbestrittenermassen  nigerianischer 
Staatsangehöriger  ist,  weshalb  die  Prüfung  der  flüchtlingsrechtlich 
relevanten Gefährdung  einzig  in  Bezug auf  sein  Heimatland  Nigeria 
durchzuführen ist (vgl. dazu EMARK 1995 Nr. 2 E. 3a S. 17). 

4.4 Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  die  Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers  zutreffend  als  nicht  glaubhaft  be-
ziehungsweise als nicht asylrelevant erachtet und das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers  zu  Recht  abgelehnt  hat.  An  diesem  Ergebnis 
vermögen auch die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers in 
dessen Eingaben nichts zu ändern,  weshalb darauf  nicht  näher  ein-
gegangen wird. Da vorliegend der Sachverhalt genügend erstellt ist, ist 
das  Subeventualbegehren  des Beschwerdeführers,  wonach das Ver-
fahren zum Zwecke der erneuten Abklärung des Sachverhalts an die 
Vorinstanz zurückzuweisen sei, abzuweisen.

5.
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). 

Seite 10

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6.
6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2
6.2.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent -
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

6.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrecht -
lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, 

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kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung 
finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Nigeria ist  dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall 
einer  Ausschaffung  nach  Nigeria  dort  mit  beachtlicher  Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall  
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren 
Hinweisen).  Dies  ist  ihm nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht 
gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Nigeria 
lässt  den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt  nicht  als  un-
zulässig erscheinen. Für den Fall,  dass sich beim Beschwerdeführer 
im  Falle  eines  allfälligen  zwangsweisen  Vollzugs  der  Wegweisung 
suizidale Tendenzen akzentuieren, wie das in den eingereichten ärzt -
lichen Zeugnissen vom 18. August 2009 angedeutet  wird,  wäre dem 
mit geeigneten medikamentösen oder allenfalls auch psychotherapeu-
tischen  Massnahmen  entgegen  zu  wirken,  so  dass  für  ihn  eine 
konkrete  Gefahr  ernster  gesundheitlicher  Schäden  auszuschliessen 
wäre (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1. S. 212, mit einem Hinweis 
auf den Entscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan et al. 
gegen Deutschland [Beschwerde Nr. 33743/03]). Nach dem Gesagten 
ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.3  
6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002,  BBl  2002  3818).  Aus  medizinischen  Gründen  kann  sich  der 

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Wegweisungsvollzug  gestützt  auf  Art.  83  Abs.  4  AuG auch  als  un-
zumutbar erweisen, wenn für die betroffene Person bei einer Rückkehr 
in ihre Heimat eine wesentliche medizinische Behandlung nicht erhält -
lich wäre. Der Umstand alleine, dass die Spitalinfrastruktur oder das 
medizinische  Fachwissen  im  Heimatstaat  ein  tieferes  Niveau  auf-
weisen,  führt  praxisgemäss  nicht  zur  Unzumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs. Bei  der  Prüfung der  Voraussetzungen von Art.  83 
Abs. 4 AuG sind humanitäre Überlegungen im Einzelfall gegen andere 
öffentliche  Interessen  abzuwägen,  die  allenfalls  für  den  Vollzug  der 
Wegweisung  sprechen  würden,  was  den  Asylbehörden  einen  Er-
messensspielraum  lässt.  Entsprechend  bilden  etwa  gesundheitliche 
Probleme, welche für  sich allein  betrachtet  den Wegweisungsvollzug 
nicht  bereits  als  unzumutbar  erscheinen  lassen,  ein  Beurteilungs-
element,  welches  in  die  vorzunehmende  Interessenabwägung  ein-
bezogen  werden  muss  und  zusammen  mit  weiteren  humanitären 
Aspekten zur Feststellung der Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvoll-
zugs führen kann (vgl. zum Ganzen EMARK 2001 Nr. 16 E. 6b S. 123, 
2003 Nr. 24 E. 5a und 5b S. 157 f.).

6.3.2 In  Nigeria  herrscht  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  oder 
kriegerischer Auseinandersetzungen, aufgrund derer die Bevölkerung 
konkret gefährdet wäre. Zwar ist es auch in den vergangenen Monaten 
in verschiedenen Teilen des Landes - insbesondere im Niger-Delta und 
im Nordosten Nigerias - zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen 
paramilitärisch  organisierten  Banden  und  Sicherheitskräften  be-
ziehungsweise  zwischen  Angehörigen  verschiedener  ethnischer  und 
religiöser Bevölkerungsgruppen gekommen, dennoch kann im jetzigen 
Zeitpunkt  nicht  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  von  einer  Situation  all-
gemeiner  Gewalt  in  ganz Nigeria,  die  für  den Beschwerdeführer  bei 
der  Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine  konkrete  Gefahr  darstellen 
würde, gesprochen werden.

6.3.3
6.3.3.1 Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe vorliegen, 
die eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat als 
unzumutbar  erscheinen  lassen.  Insbesondere  ist  zu  prüfen,  ob  die 
geltend  gemachten  gesundheitlichen  Beschwerden  ein  individuelles 
Vollzugshindernis bilden.

6.3.3.2 In  den  beiden  eingereichten  (fast  identischen)  ärztlichen 
Zeugnissen  von  Dr.  med.  E._______,  Universitäre  Psychiatrische 

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Dienste  F._______,  vom  18.  August  2009  wird  im  Wesentlichen 
festgehalten,  der  Beschwerdeführer  zeige  eine  depressive 
Symptomatik  mit  Affektarmut,  Ratlosigkeit,  Anhedonie  und 
Antriebsarmut,  die  sich  nach  dem  negativen  Asylentscheid  deutlich 
akzentuiert habe. Daneben bestünden eine erhöhte Schreckhaftigkeit, 
immer  wiederkehrende  Ohr-  und  Nackenschmerzen,  Intrusionen  in 
Form von Nachhallerinnerungen und Flashbacks an die Ereignisse in 
Nigeria.  Zudem  leide  der  Beschwerdeführer  unter  einer 
posttraumatischen  Belastungsstörung,  Konzentrationsschwierigkeiten 
und  Rumination.  Bezüglich  der  Behandlung  des  Beschwerdeführers 
wird  im  Bericht  ausgeführt,  dass  diese  aus  einer  medikamentösen, 
antidepressiven Therapie sowie einer Psychotherapie bestehe. 

6.3.3.3 Wie vorstehend unter  Erwägung 4 erwähnt,  ist  aufgrund der 
Aktenlage zweifelhaft,  ob  sich die  Geschehnisse im Heimatland des 
Beschwerdeführers tatsächlich so zugetragen haben, wie das von ihm 
geltend gemacht wird. Auch mit den eingereichten ärztlichen Berichten 
vom 18. August 2009 werden die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten  traumatisierenden  Erlebnisse  nicht  belegt,  zumal  aufgrund 
der  Feststellung  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  einzig 
glaubhaft  gemacht  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  ein  traumatisie-
rendes  Ereignis  erlebt  haben  muss. Die  genauen  Umstände  dieses 
Erlebnisses bleiben indessen unklar. Zudem ist festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragungen nicht  geltend machte, 
unter psychischen Problemen zu leiden. Aus den Akten geht überdies 
nicht  hervor,  dass  er  bereits  während  seinen  Aufenthalten  im  Niger 
beziehungsweise  in  Libyen  unter  psychischen  Problemen  gelitten 
hätte. Da sich die traumatisierenden Ereignisse bereits im Jahre 2005 
zugetragen  haben  sollen,  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Be-
schwerdeführer  schon  viel  früher  unter  den  in  den  ärztlichen  Zeug-
nissen  vom  18.  August  2009  aufgeführten  psychischen  Problemen 
gelitten hätte, wären diese tatsächlich auf die behaupteten Erlebnisse 
im  Jahre  2005  zurückzuführen.  Auch  die  Tatsache,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer erst kurze Zeit nach Erhalt der Verfügung des BFM 
vom 20. Juli 2009 erstmals in psychiatrische Behandlung begeben hat, 
lässt  darauf  schliessen,  dass  seine  gesundheitlichen  Beschwerden 
nicht (nur) mit  den geltend gemachten Erlebnissen im Heimatland in 
Verbindung stehen, sondern vielmehr (auch) auf die schwierige Situa-
tion  im  Zusammenhang mit  dem negativen  Asylentscheid  zurückzu-
führen sein dürften. 

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6.3.3.4 Die Durchführung einer psychiatrischen Behandlung in Nigeria 
ist  möglich. Es  gibt  in  diesem Land etwa 35 psychiatrische Kliniken 
oder psychiatrische Abteilungen. In psychiatrischen Kliniken in Nigeria 
werden unter anderem klinische Depressionen, suizidale Tendenzen, 
posttraumatische Belastungsstörungen, Schizophrenie und Psychosen 
behandelt.  In  einigen  Kliniken  ist  die  Behandlung  kostenlos,  die 
Medikamente müssen aber immer selbst bezahlt  werden. Für Perso-
nen  mit  psychischen  Störungen  gibt  es  in  einigen  Bundesstaaten 
zudem Betreuungseinrichtungen auf  Gemeindeebene, die von Nicht-
Regierungsinstitutionen, privaten Ärzten und Ärztinnen und vor allem 
von religiösen Einrichtungen betrieben werden. Für  spezifische Ziel-
gruppen wie Flüchtlinge, Opfer von Katastrophen, ältere Personen und 
Kinder gibt es spezielle Programme. Die meisten psychosozialen Ver-
sorgungseinrichtungen befinden sich in den städtischen Zentren, vor 
allem im Süden des Landes. Psychopharmaka sind in Nigeria erhält-
lich und meistens bezahlbar. So ist  auch das Medikament Cymbalta 
erhältlich, wobei es jedoch teuer sein und um die 50 USD pro Monat  
kosten kann. An dessen Stelle werden alternative Medikamente ver-
schrieben  (vgl.  dazu  insbesondere  das  Gutachten  der  SFH-Länder-
analyse vom 26. Oktober 2009 "Nigeria: Behandlung von PTSD").

6.3.3.5 Der Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise seit dem Jahre 
1997  in  D._______  gelebt,  wo  die  erforderlichen  psychopharmako-
logischen sowie psychotherapeutischen Behandlungen erhältlich sind, 
um  die  in  den  ärztlichen  Zeugnissen  vom  18.  August  2009  auf-
geführten psychischen Probleme des Beschwerdeführers angemessen 
zu behandeln, zumal es sich dabei nicht um gravierende gesundheit -
liche Beschwerden handelt. Bezüglich der Finanzierbarkeit  ist  festzu-
halten,  dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatland über nahe 
Verwandte verfügt,  die ihn bei  Bedarf  finanziell  unterstützen können. 
Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Möglich-
keit hat, fürs Erste einen Vorrat an Medikamente mitzunehmen und bei 
Bedarf  beim  BFM  einen  Antrag  auf  medizinische  Rückkehrhilfe  zu 
stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 
11.  August  1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV  2,  SR  142.312]). 
Zusammenfassend  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  der  Be-
schwerdeführer - sofern die in der Schweiz aufgetretenen psychischen 
Probleme in  der  Heimat  überhaupt  noch vorhanden sind -  bei  einer 
Rückkehr  nach  Nigeria  die  erforderliche  medizinische  Behandlung 
erhältlich  machen kann. Allein  der  Umstand,  dass  die  Behandlungs-
möglichkeiten  in  Nigeria  nicht  dem  medizinischen  Standard  in  der 

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Schweiz entsprechen, macht den Vollzug nicht unzumutbar (vgl. BVGE 
2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). 
Eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers durch Rückschaf-
fung  in  seine  Heimat  kann  deshalb  nicht  angenommen  werden. 
Entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Auffassung  erscheint 
daher  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Nigeria  unter 
medizinischen  Gesichtspunkten  als  zumutbar  (vgl.  dazu  auch  Urteil 
des Bundesverwaltungsgerichts  D-3562/2009 vom 31. Juli  2009 S. 9 
f.).

6.3.3.6 Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass der Beschwerdeführer 
bei  einer  Rückkehr  nach  Nigeria  aufgrund  seiner  längeren  Landes-
abwesenheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  könnte. 
Indes hat er bis zu seiner Ausreise im Jahre 2005 in seinem Heimat-
staat  gelebt,  weshalb  er  mit  den  dortigen  Gepflogenheiten  bestens 
vertraut ist. Aufgrund der Akten ist anzunehmen, dass seine Lebens-
partnerin und seine Kinder noch immer in D._______ leben (vgl. Akten 
BFM A 11/14, S. 5), weshalb davon auszugehen ist, dass er dort über  
ein soziales Beziehungsnetz verfügt,  welches ihm eine Reintegration 
erleichtern  wird. Insbesondere ist  anzunehmen,  dass er nach seiner 
Rückkehr in  sein Heimatland bei  seiner Lebenspartnerin und seinen 
Kindern  wohnen  kann.  Überdies  ist  festzuhalten,  dass  der  Be-
schwerdeführer  über  jahrelange Erfahrung als  Coiffeur  verfügt,  wes-
halb  anzunehmen  ist,  er  könne  sich  in  seinem  Heimatland  auch 
wirtschaftlich  reintegrieren.  Es  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  blosse 
soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige 
Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine Ge-
fährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  die 
weiterhin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1. 
S. 215). Sodann steht es dem Beschwerdeführer frei und ist ihm auch 
zuzumuten, sich an einem anderen als seinem Herkunftsort niederzu-
lassen.

6.3.4 Im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  sämtlicher  Faktoren  ist 
somit  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  der  Vollzug  der  Weg-
weisung  des  Beschwerdeführers  nach  Nigeria  als  zumutbar  zu  er-
achten ist.

6.4 Schliesslich  obliegt  es  dem Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-

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halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

6.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Weg-
weisung zu bestätigen. Die  Vorinstanz hat  den Vollzug zu Recht  als 
zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt 
eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83 
Abs. 1-4 AuG).

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten desselben dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  und  auf  insgesamt  Fr. 600.--  festzu-
setzen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1-3 des Reglements vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die Be-
schwerde  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeeinreichung  nicht  als  aus-
sichtslos bezeichnet  werden konnte und der Beschwerdeführer  nach 
wie vor keiner bezahlten Tätigkeit  nachgeht (so dass von seiner Be-
dürftigkeit ausgegangen werden kann), sind in Gutheissung des in der 
Beschwerde  vom  20.  August  2009  gestellten,  bis  anhin  nicht  be-
handelten Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

9.
Aufgrund  der  Abweisung  der  Beschwerde  ist  keine  Parteient-
schädigung zuzusprechen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand: 

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