# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f07a357c-0b67-5a14-91a5-835721e360aa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.12.2011 D-4843/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4843-2009_2011-12-27.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­4843/2009
law/joc

U r t e i l   v om   2 7 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Gérard Scherrer, 
Richterin Contessina Theis,
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

Parteien A._______, geboren am (…),
und deren Kind
B._______, geboren am (…),
angeblich Eritrea,
(…),
Beschwerdeführerinnen,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Vollzug der Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 29. Juni 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführerin A._______  reiste eigenen Angaben zufolge am 
28.  Juli  2008  in  die  Schweiz  ein  und  suchte  am  gleichen  Tag  im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Basel  um  Asyl  nach.  Dort 
wurde sie am 31. Juli 2008 summarisch zu ihren Asylgründen befragt. Am 
9. Juni 2009 hörte sie das BFM einlässlich zu ihren Asylgründen an.

B. 
Die Beschwerdeführerin machte zur Begründung  ihres Asylgesuches  im 
Wesentlichen geltend, sie sei Staatsbürgerin von Eritrea und  tigrinischer 
Ethnie.  Geboren  und  aufgewachsen  sei  sie  jedoch  in  C._______ 
(Äthiopien). Als sie 13 Jahre alt gewesen sei, sei ihr Vater gestorben. Ihre 
Mutter  sei  ein  Jahr  später  einer  Krankheit  erlegen.  Danach  sei  sie  mit 
ihrem Bruder alleine  in Äthiopien zurückgeblieben. 1999/2000 seien alle 
Eritreer in Äthiopien aufgefordert worden, Äthiopien zu verlassen. Damals 
sei ihr Bruder in ihrer Abwesenheit von der Polizei festgenommen und ihr 
Haus  versiegelt  worden.  Sie  sei  deshalb  nach  D._______,  Sudan, 
geflohen.  Dort  habe  sie  als  Haushaltshilfe  gearbeitet  und  mit  ihrem 
Ehemann,  einem  eritreischen  Staatsangehörigen,  und  ihren  beiden 
Kindern  zusammen  gelebt.  Dann  habe  die  sudanesische  Regierung 
angefangen, alle Eritreer  in  ihren Heimatstaat zurückzuweisen. Aufgrund 
ihrer  Schwangerschaft  habe  ihr  Ehemann  entschieden,  dass  sie  alleine 
aus dem Sudan ausreisen solle. Für alle hätte das Geld zur Flucht nicht 
gereicht. Sie sei von D._______ aus mit dem Auto nach Libyen gelangt. 
Anschliessend sei sie von Tripolis weiter mit dem Schiff nach Italien und 
von dort mit dem Zug in die Schweiz gefahren. Ihr Ehemann wisse nicht, 
dass sie sich hier befinde. 

C. 
Mit  Verfügung  vom  29. Juni  2009  stellte  das  BFM  fest,  die 
Beschwerdeführerin  und  ihre  Tochter würden  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht  erfüllen,  und  lehnte  ihre  Asylgesuche  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es 
die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der 
Wegweisung an. 

D. 
Mit  Eingabe  vom  29. Juli  2009  erhob  die  Beschwerdeführerin  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  und 
beantragte,  die  angefochtene Verfügung  sei  in  den Ziffern  4  und  5  des 
Dispositivs aufzuheben und ihr sei infolge Unzumutbarkeit des Vollzuges 

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der  Wegweisung  die  vorläufige  Aufnahme  zu  erteilen.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  sie,  es  sei  ihr  die  Bezahlung 
von Verfahrenskosten sowie eines Kostenvorschusses zu erlassen. 

E. 
Mit Verfügung vom 5. August 2009 hiess das Bundesverwaltungsgericht 
das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
gut  und  verzichtete  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses. 

F. 
Das  BFM  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  12. August  2009  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlassung  wurde  der 
Beschwerdeführerin am 17. August 2009 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend 
– endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG, 
SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 
Beschwerdeführerin und ihr Kind haben am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1. Die Beschwerdeführerin beantragt, die Dispositivziffern 4 und 5 der 
angefochtenen  Verfügung  seien  aufzuheben,  und  ihr  und  ihrer  Tochter 
sei infolge Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung die vorläufige 
Aufnahme zu gewähren. Die Verfügung des BFM ist somit, soweit sie die 
Fragen  des  Asyls  und  der  Flüchtlingseigenschaft  betrifft,  in  Rechtskraft 
erwachsen  (vgl.  Ziff. 1  und  2  des  Dispositivs  der  angefochtenen 
Verfügung). 

3.2. Die verfügte Wegweisung als solche (vgl. Ziffer 3 des Dispositivs der 
vorinstanzlichen Verfügung), welche die Regelfolge der Ablehnung eines 
Asylgesuches  bildet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  kann  nur  dann  aufgehoben 
werden,  wenn  ein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung 
besteht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). Aufgrund der Akten ergibt 
sich kein solcher Anspruch und ein solcher wird auch in der Beschwerde 
nicht  geltend  gemacht.  Gegenstand  des  vorliegenden 
Beschwerdeverfahrens bildet daher lediglich die Frage, ob das BFM den 
Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  angeordnet  hat  (vgl.  Art. 44  Abs.  2 
AsylG) beziehungsweise, ob entsprechend des Rechtsbegehrens  infolge 
Unzumutbarkeit  anstelle  des  Vollzugs  der  Wegweisung  die  vorläufige 
Aufnahme anzuordnen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 und 
4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4. 
4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländerinnen  und  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1 
AuG).

4.2.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

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WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

4.3. 
4.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

4.3.2. Das BFM  gelangt  in  der  angefochtenen  Verfügung  zum Schluss, 
dass  die  allgemeine  Lage  in  Äthiopien  einem Wegweisungsvollzug  der 
Beschwerdeführerin  und  ihrem  Kind  nicht  entgegenstehen  würde.  Im 
Weiteren seien weder die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte 
eritreische  Herkunft  noch  die  geltend  gemachte  Vertreibung  aus 
Äthiopien noch die von ihr behauptete eritreische Staatsangehörigkeit als 
glaubhaft  zu  erachten.  Ebenfalls  nicht  glaubhaft  sei  die  Angabe  der 
Beschwerdeführerin, seit acht Jahren zu niemanden in Äthiopien Kontakt 
gehabt  zu  haben.  Es  sei  zudem  davon  auszugehen,  dass  sie  in 
C._______,  woher  sie  angeblich  stamme,  über  ein  tragfähiges 
Beziehungsnetz verfüge. 

4.3.3.  Die  Beschwerdeführerin  stellt  sich  demgegenüber  in  der 
Rechtsmittelschrift  hauptsächlich auf  den Standpunkt,  eine Rückführung 
nach Äthiopien sei  für sie als alleinstehende Mutter eritreischer Herkunft 
generell  nicht  zumutbar.  Zudem hält  sie  an  ihrer Darstellung  eritreische 
Staatsangehörige,  jedoch  in  Äthiopien  geboren  und  aufgewachsen  zu 
sein,  fest. Ebenso wiederholt sie,  in Äthiopien über kein Beziehungsnetz 
mehr  zu  verfügen.  Ausserdem  weist  sie  auf 
Konzentrationsschwierigkeiten während  der Anhörung  vom 9. Juni  2009 
hin, die aufgrund der Anwesenheit ihres Kindes entstanden seien.

4.3.4.  Die  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  eritreische 
Staatsangehörige  zu  sein  (vgl.  act.  A1/9  S. 1),  ist  mangels  Vorlegung 
rechtsgültiger  Ausweisepapiere  nicht  belegt.  Ihre  Angaben  zu  ihrer 
Herkunft  respektive  zur  eritreischen  Herkunft  und  Ethnie  ihrer  Eltern 
erweisen sich zudem als ungereimt. Einmal gab sie an, ihre Eltern seien 
Tigriner  (vgl.  act.  A1/9  S. 2),  an  anderer  Stelle  nannte  sie  als  deren 
Volkszugehörigkeit jedoch "Eritreer" respektive "Hadike" (vgl. act. A14/18 
S. 5).  Letztere  Bezeichnungen  sind  jedoch  nicht  für  Volksgruppen  in 

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Eritrea  gebräuchlich.  Die  Beschwerdeführerin  brachte  zudem  während 
der Anhörung vor, ihre Eltern stammten aus E._______ (Eritrea) (vgl. act. 
A14/18  S. 4).  Im  Gegensatz  dazu  gab  sie  jedoch  später  zu  Protokoll, 
diese  stammten  aus  F._______  und  bezeichnete  deren  Ethnie 
gleichzeitig mit Tigre  (vgl. act. A14/18 S. 15).  Im Rahmen der Anhörung 
legte  sie  zudem  erstmals  dar,  ihr  Vater  sei  in  Eritrea  schon  einmal 
verheiratet gewesen und bevor er nach Äthiopien gekommen sei, um ihre 
Mutter zu heiraten, habe er sich scheiden  lassen (vgl. act. A14/18 S. 5). 
Aus  dieser  Aussage  wäre  zu  schliessen,  dass  die  Mutter  der 
Beschwerdeführerin  –  entgegen  ihrer  späteren  Darstellung  –  stets  in 
Äthiopien, nicht aber  in Eritrea gelebt hat. Auch diese Behauptung  lässt 
sich  nicht  mit  ihren  weiteren  Angaben  vereinbaren,  wonach  sich  ihre 
Eltern  in  Eritrea  kennengelernt  und  zusammen  nach  C._______ 
(Äthiopien)  gezogen  seien  (vgl.  act.  A14/18  S. 5).  Sollte  ihre  Mutter 
eritreischer  Abstammung  sein,  so  wäre  zudem  zu  erwarten  gewesen, 
dass  die  Beschwerdeführerin  zumindest  ein  eritreisches  Kinderlied  auf 
Tigrinya  hätte  angeben  können,  was  jedoch  nicht  der  Fall  ist  (vgl.  act. 
A14/18  S. 8).  Die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  zur  geltend 
gemachten eritreischen Herkunft sind daher – übereinstimmend mit dem 
BFM – als nicht glaubhaft zu erachten. Der Einwand in der Beschwerde, 
es  könne  diesbezüglich  von  klaren  Angaben  der  Beschwerdeführerin 
gesprochen  werden,  überzeugt  nicht.  Auch  die  geltend  gemachten 
Konzentrationsschwierigkeiten  vermögen  nicht  zu  erklären,  weshalb  sie 
sich  hinsichtlich  der  von  ihr  behaupteten  eritreischen  Herkunft  teils  in 
massive Widersprüche verstrickt. 

4.3.5. Die Beschwerdeführerin gab einerseits an, in der Stadt C._______, 
Provinz G._______,  geboren  zu  sein.  Andererseits  nannte  sie  als  ihren 
Geburts­  und  damaligen  Lebensmittelpunkt  in  Äthiopien,  die  Stadt 
H._______  (vgl.  act.  A1/9  S. 1,  act.  A14/18  S. 3  und  10).  Trotz  dieser 
divergierenden  Angaben  zu  ihrem  Geburtsort  erscheint  jedoch 
wahrscheinlich,  dass  sie,  wie  von  ihr  bekräftigt,  tatsächlich  in  Äthiopien 
sozialisiert wurde. Sie  spricht Amharisch und bezeichnet  diese Sprache 
als  ihre Muttersprache  (vgl.  act.  A1/9  S. 3  und  7,  act.  A2/2  S. 2).  Auch 
ihre  Kenntnisse  gewisser  äthiopischer  Zeremonien  (vgl.  act.  A14/18  S. 
13)  bilden  ein  Indiz  für  eine  Sozialisation  in  Äthiopien.  Die 
Beschwerdeführerin  bestätigt  zudem  in  der  Beschwerde  erneut,  aus 
Äthiopien  zu  stammen  und  dort  geboren  und  aufgewachsen  zu  sein. 
Mangels  anderweitiger  Anhaltspunkte,  die  für  einen  anderen  als  den 
äthiopischen Staat  als Herkunftsstaat  der  Beschwerdeführerin  sprechen 

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würden, ist demnach zu prüfen, ob ihr und ihrem Kind die Rückkehr nach 
Äthiopien, zuzumuten ist. 

4.3.6.  Der  zweieinhalb  Jahre  dauernde  Grenzkrieg  zwischen  Äthiopien 
und Eritrea wurde  im  Juni  2000 mit  einem von der Organisation  für  die 
Einheit Afrikas (OAU) vermittelten Waffenstillstand und einem von beiden 
Staaten  am  12. Dezember  2000  unterzeichneten  Friedensabkommen 
beendet. Trotz des Abzugs der UN­Friedenstruppen aus Eritrea im März 
2008 und aus Äthiopien  im August  2008  ist  im heutigen Zeitpunkt  nicht 
von  einem  offenen  Konflikt  im  Grenzgebiet  zwischen  diesen  beiden 
Staaten auszugehen, wenn auch gleichzeitig zu bemerken ist, dass eine 
Lösung  der  Grenzproblematik  und  eine  Normalisierung  zwischen  den 
beiden  Staaten  nach  wie  vor  nicht  in  Sicht  ist  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgericht  E­2097/2008  vom  7. Juli  2011  E. 8.3).  Das 
Bundesverwaltungsgericht  geht daher weiterhin von der grundsätzlichen 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Äthiopien aus. 

4.3.7. Zu berücksichtigen gilt es allerdings, dass die Lebensumstände für 
den  Grossteil  der  am  oder  unter  dem  Existenzminimum  lebenden 
Bevölkerung Äthiopiens (Einkommen, Ernährungssicherung, Gesundheit, 
Bildung,  Wohnraumversorgung)  als  prekär  zu  erachten  sind.  Die 
Existenzbedingungen  sind  für  die  Mehrheit  der  Bevölkerung  äusserst 
hart. Immer mehr Haushalte auch im städtischen Bereich fallen unter die 
Armutsgrenze,  so  dass  sie  nicht  mehr  in  der  Lage  sind,  die  zum 
Überleben notwendigen Nahrungsmittel  zu erwerben. Zum Aufbau einer 
sicheren Existenz sind somit ausreichend finanzielle Ressourcen und gut 
vermarktbare  berufliche  Fähigkeiten  sowie  intakte  familiäre  und  soziale 
Netzwerke  nötig.  Insbesondere  für  alleinstehende  und  zurückkehrende 
Frauen  ist  es  nicht  leicht,  sich  sozial  und  wirtschaftlich  wieder  zu 
reintegrieren.  Nicht  verheiratete  und  allein  lebende  Frauen  werden  von 
der Gesellschaft – auch der städtischen – nicht akzeptiert. Eine Wohnung 
zu  finden  ist  für  sie  in  der  Regel  nur  über  Bekannte  möglich  und  die 
Arbeitslosigkeit von Frauen wird beispielsweise in Addis Abeba auf 40 bis 
55%  geschätzt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht  E­2097/2008 
vom 7. Juli 2011 E. 8.4). 

4.3.8. Ob  aufgrund  dieser  Sachlage  für  die Beschwerdeführerin  und  ihr 
Kind eine Rückkehr nach Äthiopien nur unter bestimmten begünstigenden 
Faktoren als zumutbar erachtet werden kann, lässt sich nicht zuverlässig 
abschätzen. Die Beschwerdeführerin widerspricht  sich nämlich nicht nur 
hinsichtlich  der  Herkunft  ihrer  Eltern,  sondern  sie  ist  –  entgegen  den 

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Ausführungen  in  der  Beschwerde  –  auch  nicht  in  der  Lage,  konkrete, 
übereinstimmende  und  substanziierte  Angaben  über  ihre  weiteren 
familiären  und  persönlichen  Verhältnisse  zu  machen.  Überdies 
erscheinen  ihre  Antworten  insgesamt  als  ausweichend.  So  weiss  sie 
nicht,  in welchem Alter sie die Schule  in Äthiopien besucht hat  (vgl. act. 
A14/18 S. 6). Auch die Todesursache ihrer Eltern vermag sie lediglich mit 
"diese sind einer Krankheit erlegen" zu beschreiben. Das Einreisedatum 
ihrer Eltern nach Äthiopien kennt sie ebenfalls nicht  (vgl. act. A1/9 S. 3, 
act. A14/18 S. 5 ff.). Hinsichtlich des Todesjahres ihrer Eltern widerspricht 
sie  sich,  indem  sie  einmal  darlegt,  ihre  Eltern  seien  in  Äthiopien 
gestorben,  als  sie  16 Jahre  alt  gewesen  sei,  während  sie  andererseits 
angibt,  diese  seien  gestorben,  als  sie  13  und  14 Jahre  alt  gewesen  sei 
vgl. act. A14/18 S. 6). Im EVZ erwähnte sie zudem, sie habe in Äthiopien 
einen  Bruder  (vgl.  act.  A1/9  S. 3).  Demgegenüber machte  sie  während 
der  Anhörung  unter  anderem  geltend,  sie  sei  ein  Einzelkind  (vgl.  act. 
A14/18 S. 4). Ihre Lebensumstände als Waisenkind vermochte sie jedoch 
nicht näher zu beschreiben (vgl. act. A14/18 S. 6). Während sie  im EVZ 
ausführte,  ihr Ehemann sei eritreischer Herkunft und sie habe diesen  im 
Sudan kennengelernt (vgl. A1/9 S. 2 und 5), erklärte sie  im Rahmen der 
Anhörung wiederum, ihr Ehemann stamme aus C._______ (Eritrea) (vgl. 
act.  A14/18  S. 9),  was  angesichts  der  Tatsache,  dass  C._______  in 
Äthiopien  liegt,  nicht  zutreffen  kann.  Darauf  angesprochen  gab  sie 
ausweichend zu Protokoll, sie sei  in Äthiopien geboren (vgl. act. A14/18 
S. 9).  Ihre  Kenntnisse  über  die  Familie  ihres  Ehemannes  beschränken 
sich  zudem  darauf,  dass  sich  diese  in  Eritrea  aufhalten  würden  und 
Eritreer seien. Auch über  ihren Ehemann kann sie  lediglich die Auskunft 
erteilen, dass dieser Eritreer sei  (vgl. act. A14/18 S. 9). Angesichts  ihrer 
Erklärung, sie sei mit diesem seit 2000/2001 – also mehrere Jahre –  im 
Sudan verheiratet gewesen (vgl. act. A1/9 S. 2), deutet eine derart banale 
Auskunft  darauf  hin,  dass sie nicht  bereit  ist,  betreffend  ihren Ehemann 
wahrheitsgemässe  Angaben  zu  machen.  Dieser  Eindruck  wird  auch 
durch  ihre  Behauptung  bestätigt,  sie  wisse  nicht,  wie  sie  ihrem  Mann 
schreiben  könne,  da  sie  die  Postleitzahl  nicht  kenne  (vgl.  act.  A14/18 
S. 4.). Hinsichtlich des Aufenthaltes der Beschwerdeführerin im Sudan ist 
schliesslich zu bemerken, dass sie einerseits erklärte, sie habe dort in der 
Stadt  D._______  im  Quartier  L._______  gelebt  (vgl.  act.  A1/9  S. 2) 
andererseits  dieses Quartier  aber  auch  als Ortschaft  bezeichnet,  indem 
sie antwortet,  im Sudan  in L._______ gelebt zu haben  (vgl. act. A14/18 
S. 3). Auch bezüglich des behaupteten langjährigen Aufenthalts im Sudan 
ergeben sich daher erhebliche Zweifel. 

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4.4.  Wie  das  BFM  zutreffend  festgehalten  hat,  findet  die 
Untersuchungspflicht  der  Asylbehörden  im  Zusammenhang  mit  der 
Prüfung  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  ihre  Grenzen  an 
der  Mitwirkungspflicht  der  betroffenen  Person.  Kommt  diese  ihrer 
Mitwirkungspflicht  insbesondere  bei  der  Erhebung  der  persönlichen 
Verhältnisse  im  Herkunftsland  nicht  beziehungsweise  nur  in 
ungenügendem Mass nach oder sind ihre diesbezüglichen Angaben nicht 
glaubhaft,  können  daraus  im  Rahmen  der  freien  Beweiswürdigung 
(Art. 40  des  Bundesgesetzes  vom  4. Dezember  1947  über  den 
Bundeszivilprozess  [BZP,  SR 273]  i.V.m.  Art. 19  VwVG  durchaus 
Rückschlüsse  auf  die  für  sie  im  Heimatland  tatsächlich  bestehende 
Situation gezogen werden. Lassen sich im Rahmen der Beweiswürdigung 
die  Verhältnisse,  die  sich  im  Falle  einer  Rückkehr  ins  Herkunftsland 
ergeben  würden,  zuverlässig  einschätzen,  besteht  kein  Anlass, 
diesbezüglich  von  Amtes  wegen  weitere  Abklärungen  vorzunehmen. 
Aufgrund  vorstehender  Erwägungen  (vgl.  E. 4.3.8)  ergibt  sich,  dass  die 
Beschwerdeführerin  –  aus  unerfindlichen Gründen  –  offensichtlich  nicht 
bereit  ist,  vollständig  und  wahrheitsgemäss  über  ihre  persönliche  und 
familiäre Situation im Herkunftsland Auskunft zu erteilen. Es ist demnach 
nicht Sache der Asylbehörden nach hypothetischen Vollzugshindernissen 
im  Herkunftsland  zu  forschen  und  es  kann  –  da  es  ihr  nicht  gelingt, 
Wegweisungshindernisse  zumindest  glaubhaft  zu  machen  –  davon 
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in Äthiopien über ein 
soziales Netz verfügt, das ihr im Falle der Rückkehr bei der Reintegration 
behilflich  sein  kann,  und  sie  weder  aus  sozialen,  wirtschaftlichen  oder 
gesundheitlichen Gründen  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten würde. 
Das  bei  der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  zu 
beachtende  Kindeswohl  spricht  im  Übrigen  ebenfalls  nicht  gegen  eine 
Rückkehr nach Äthiopien. Die Tochter der Beschwerdeführerin ist zwar in 
der  Schweiz  geboren,  jedoch  erst  drei  Jahre  alt.  Angesichts  dieser 
verhältnismässig kurzen Aufenthaltsdauer  in der Schweiz kann nicht von 
einer Verwurzelung ausgegangen werden, die einer Rückkehr zusammen 
mit der Mutter in deren Herkunftsstaat entgegenstehen würde. Den Akten 
kann  zudem  nicht  entnommen  werden,  dass  aus  der  in  der 
Vergangenheit  behandelten  Hirnblutung  bei  der  Tochter  weitergehende 
medizinische  Probleme  resultiert  hätten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Äthiopien erweist sich demnach nicht als unzumutbar. 

4.5. 
4.5.1.  Die  Beschwerde  enthält  alsdann  in  Bezug  auf  die  vom  BFM 
festgestellte  Zulässigkeit  (Art. 83  Abs. 3  AuG)  beziehungsweise 

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Möglichkeit  (Art. 83  Abs. 2  AuG)  des  Vollzugs  der  Wegweisung  keine 
Anträge. Auch  in der Begründung der Beschwerde wird nicht dargelegt, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  diesbezüglich  Bundesrecht 
verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig 
feststellen oder unangemessen sein soll. Das Bundesverwaltungsgericht 
kann  eine  fehlerhafte  Verfügung  zugunsten  einer  Partei  jedoch  auch 
ändern  (Art. 62  Abs. 1  VwVG),  wenn  in  der  Beschwerde  kein 
entsprechendes  Begehren  formuliert  wird  (MADELEINE  CAMPRUBI  in: 
Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das 
Verwaltungsverfahren,  Zürich  2008,  Rz. 6  zu  Art. 62  VwVG).  Es  ist 
allerdings  nicht  gehalten,  über  die  Vorbringen  der  Parteien  hinaus  den 
Sachverhalt  vollkommen  neu  zu  erforschen  noch  hat  es  nach  allen 
möglichen Rechtsfehlern zu suchen; vielmehr prüft es von den Parteien 
nicht  aufgeworfene  Rechtsfragen  nur  dann,  wenn  hierzu  aufgrund 
bestimmter,  sich  aus  den  Akten  ergebender  Anhaltspunkte  hinreichend 
Anlass  besteht  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER, 
Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  Rz. 1.54 
ff., BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.).

4.5.2.  In  der  Beschwerde  werden  hinsichtlich  allfälliger 
Vollzugshindernisse  im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 2  und  3  AuG  keine 
Anträge  gestellt  und  auch  der  Begründung  sind  keine  entsprechenden 
Einwände zu entnehmen. Ungeachtet dessen ergeben sich auch aus den 
Akten  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  hindeuten  würden,  dass  der 
Vollzug  der  Wegweisung  gegen  Art. 5  Abs. 1  AsylG  beziehungsweise 
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 
der  Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30])  verstossen  würde  oder  der 
Beschwerdeführerin  oder  ihrer  Tochter  im  Falle  der  Rückkehr  nach 
Äthiopien  Folter  beziehungsweise  eine  nach  Art. 25  Abs. 3  der 
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 
1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 
gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende 
Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) oder nach Art. 3 der Konvention 
vom  4. November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  unmenschliche  oder  erniedrigende 
Strafe  oder  Behandlung  drohen  würde.  Der  Vollzug  der  Wegweisung 
erweist  sich  somit  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen  als  zulässig.  Schliesslich  obliegt  es  der 
Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des 
Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu 

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beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb  nicht  ersichtlich  ist,  weshalb 
der Vollzug der Wegweisung unmöglich sein sollte (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

4.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Vollzug der 
Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig  erachtet  hat,  und  es  besteht  auch 
sonst kein Anlass, den vom BFM angeordneten Vollzug der Wegweisung 
von  Amtes  wegen  zu  beanstanden.  Die  Anordnung  der  vorläufigen 
Aufnahme fällt deshalb nicht in Betracht. 

5. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

6. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Der 
Beschwerdeführerin  wurde  jedoch  durch  das  Bundesverwaltungsgericht 
mit  Verfügung  vom  5. August  2009  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im 
Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  gewährt.  Aufgrund  der  Akten  ist  nicht 
davon  auszugehen,  ihre  finanzielle  Lage  habe  sich  seit  Erlass  der 
Verfügung  verändert.  Sie  ist  daher  weiterhin  als  bedürftig  zu  erachten. 
Auf die Auferlegung von Verfahrenskosten ist somit zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten gesprochen. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerinnen,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

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