# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d3d430b1-517b-5a80-8357-95dda5a6e102
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-31
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 31.08.2020 SB200147
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB200147_2020-08-31.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB200147-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. iur. Bussmann, Präsident, Oberrichterinnen lic. iur. 

Schärer und lic. iur. Bertschi sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

Baechler 

 

Urteil vom 31. August 2020 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. 
Kloiber,  

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. B._____,  
2. Soziale Dienste der Stadt Zürich,  
Privatklägerinnen 

 

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y._____,  

 

-   2   - 

betreffend mehrfache Förderung der Prostitution etc. (Rückweisung des 
Schweizerischen Bundesgerichtes) 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 
6. Juni 2018 (DG180034); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, 
II. Strafkammer, vom 27. September 2019 (SB180396); Urteil des Schweizeri-
schen Bundesgerichtes vom 9. März 2020 (6B_1314/2019) 
 

 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 29. Januar 2018 

(Urk. D1 21) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

- der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c 

und d StGB; 

- des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen der Sozialhilfe im Sinne 

von Art. 148a Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 157 Tage 

durch Untersuchungshaft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, 

abzüglich 157 Tage Untersuchungshaft) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

4. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. e und h StGB 

für die Dauer von 7 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.  

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-

onssystem (SIS) angeordnet. 

5. a) Es wird dem Grundsatz nach festgestellt, dass der Beschuldigte ge-

genüber der Privatklägerin B._____ für Schaden aus dem vorstehend beur-

teilten Ereignis von Mitte Juni 2016 bis am 12. Oktober 2016 ersatzpflichtig 

ist. Zur Festsetzung des Umfangs des Schadenersatzes wird die Privatklä-

gerin B._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ eine Ge-

nugtuung in der Höhe von Fr. 8'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. Oktober 

-   4   - 

2016 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren 

abgewiesen. 

6. Die folgenden durch die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl mit Verfügung vom 

6. November 2017 beschlagnahmten und bei der Stadtpolizei Zürich lagern-

den Gegenstände werden definitiv eingezogen und vernichtet: 

- Pro Book HP (Asservat Nr. A010'300'660) 

- SIM-Karte Lyca (Asservat Nr. A010'548'217) 

- Mobiltelefon Nokia schwarz (Asservat Nr. A010'548'342) 

- Mobiltelefon Nokia grau (Asservat Nr. A010'548'411) 

- Mobiltelefon Nokia golden (Asservat Nr. A010'548'364) 

7. Die folgenden durch die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl mit Verfügung vom 

6. November 2017 beschlagnahmten und bei der Stadtpolizei Zürich lagern-

den Gegenstände werden der Privatklägerin B._____ nach Eintritt der 

Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem 

Ablauf einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet: 

- Mobiltelefon WIKO Lenny (Asservat Nr. A009'923'686) 

- Mobiltelefon WIKO Jerry (Asservat Nr. A009'923'697) 

8. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren 
Fr. 1'500.00   Gebühr Beschwerdeverfahren, Geschäfts-Nr. UB170136 
Fr. 280.00   Auslagen 
Fr. 5.40   Entschädigung Zeugen 
Fr. 13'745.20   unentgeltliche Rechtsverbeiständung 
Fr. 20'127.25   amtliche Verteidigung 

 Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen der amtlichen Verteidigung und unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung der Privatklägerin B._____, werden dem Beschuldigten aufer-

-   5   - 

legt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung der Privatklägerin B._____ werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

sowie Art. 426 Abs. 4 StPO. 

Berufungsanträge im ersten Berufungsverfahren: 

a) Der amtlichen Verteidigung: 

(Urk. 70 S. 1 f.) 

1. Ziffer 1 Spiegelstrich 1 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und 

der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Förderung der 

Prostitution i.S.v. Art. 195 lit. c und d StGB freizusprechen. 

2. Ziff. 2 und 3 des vorinstanzlichen Urteils seien aufzuheben und der 

Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

CHF 30.00 und einer Probezeit von 3 Jahren zu bestrafen, wobei die 

157 Tage Untersuchungshaft an die Strafe anzurechnen seien. 

3. Ziff. 4 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und von der 

Anordnung einer Landesverweisung sei abzusehen. 

4. Ziff. 5 sei vollumfänglich aufzuheben und die Schadenersatz- und 

Genugtuungsforderungen seien abzuweisen. 

5. Ziff. 9 sei aufzuheben und die Kosten der Untersuchung und des 

erstinstanzlichen Verfahrens seien ausgangsgemäss im Umfang von 

4/5 auf die Staatskasse zu nehmen und im Restumfang dem 

Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

seien im Umfang von 4/5 definitiv, im Umfang von 1/5 einstweilen auf 

die Staatskasse zu nehmen. 

6. Dem Beschuldigten sei für die unrechtmässig erlittene Untersuchungs-

haft – im Umfang in dem diese nicht an die Geldstrafe anzurechnen 

ist –, angemessen zu entschädigen. 

-   6   - 

7. Unter ausgangsgemässer Regelung der Verfahrenskosten im 

Berufungsverfahren. 

b) Der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin B._____: 

(Urk. 73 S. 2) 

1. Es sei die Berufung des Berufungsklägers abzuweisen und das vor-

instanzliche Urteil zu bestätigen. 

2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen und zusätzlich Mehr-

wertsteuerzusatz zulasten des Berufungsklägers. 

Beschluss und Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 
27. September 2019: 

Es wird beschlossen: 

1. Vom Rückzug der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft wird Vormerk 

genommen. 

2. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, 

vom 6. Juni 2018 bezüglich Dispositivziffern 1 Spiegelstrich 2 (Schuldspruch 

betreffend unrechtmässigen Bezug von Leistungen der Sozialhilfe), 6 und 

7 (Beschlagnahmungen) sowie 8 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft er-

wachsen ist. 

3. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

4. Rechtsmittel: 

Gegen Ziffer 1 dieses Entscheids kann bundesrechtliche Beschwerde in 
Strafsachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

-   7   - 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Förderung der Prostitution im 

Sinne von Art. 195 lit. c StGB. 

2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf der 

Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. b StGB (Zuführung in 

die Prostitution) und Art. 195 lit. d StGB (Festhalten in der Prostitution). 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten, wo-

von 157 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.  

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 23 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate abzü-

glich 157 Tage Untersuchungshaft) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

5. Von der Ausfällung einer Landesverweisung wird abgesehen. 

6. Es wird dem Grundsatz nach festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber 

der Privatklägerin B._____ für Schaden aus dem angeklagten Ereignis er-

satzpflichtig ist. Zur Festsetzung des Umfangs des Schadenersatzes wird 

die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ eine Genug-

tuung in der Höhe von Fr. 8'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 12. Oktober 2016 

zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens werden, 

mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-

chen Rechtsvertretung der Privatklägerin B._____, dem Beschuldigten zu 

-   8   - 

zwei Dritteln auferlegt und zu einem Drittel auf die Gerichtskasse genom-

men. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin B._____ werden auf die Gerichtskasse 

genommen unter Vorbehalt der Rückforderung im Umfang von zwei Dritteln 

gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO. 

9. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.-- ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'600.–   amtliche Verteidigung 

Fr. 2'700.–   unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin  
  B._____. 

 
10. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privat-

klägerin B._____, werden dem Beschuldigten zu einem Drittel auferlegt und 

zu zwei Dritteln auf die Staatskasse genommen. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 

B._____ werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht 

gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt im Umfang von einem Drittel vorbe-

halten. 

Urteil des Bundesgerichtes vom 9. März 2020: 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Das Urteil des Obergerichts des Kan-

tons Zürich vom 27. September 2019 wird aufgehoben und die Sache zu 

neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. 

3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

4. Rechtsanwalt Dr. X._____ wird aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 2'000.-- 

entschädigt. 

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Berufungsanträge im zweiten Berufungsverfahren: 

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:  

(Urk. 62) 

1. Es sei der Beschuldigte für die Dauer von 7 Jahren des Landes zu 

verweisen; 

2. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten. 

b) Der amtlichen Verteidigung: 

(Urk. 65) 

Die Landesverweisung sei höchstens für die kürzest mögliche Dauer zu 

verhängen. 

______________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 6. Juni 2018 wurde der 

Beschuldigte der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 

lit. c und d StGB sowie des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen der Sozial-

hilfe im Sinne von Art. 148a Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer Frei-

heitsstrafe von 3 Jahren bestraft, welche im Umfang von 24 Monaten bedingt auf-

geschoben wurde unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren und deren Voll-

zug im Umfang von 12 Monaten angeordnet wurde. Ferner wurde der Beschuldig-

te für die Dauer von 7 Jahren des Landes verwiesen unter Anordnung der Aus-

schreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem. Ferner 

wurde über die Zivilforderungen der Privatklägerin B._____ und über die Verwen-

dung der beschlagnahmten Gegenstände befunden (Urk. 55). 

-   10   - 

Gegen das Urteil meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom 12. Juni 2018 Beru-

fung an (Urk. 47) und mit Eingabe vom 18. September 2018 reichte er fristgerecht 

die Berufungserklärung ein (Urk. 57). Innert der mit Präsidialverfügung vom 

21. September 2018 angesetzten Frist erhob die Staatsanwaltschaft Anschluss-

berufung, welche sich auf die Landesverweisung beschränkte. Die Privatklägerin 

B._____ erhob keine Anschlussberufung. Am 11. April 2019 wurde auf den 

27. September 2019 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 67). Mit Eingabe 

vom 26. September 2019 teilte die Staatsanwaltschaft den Rückzug ihrer An-

schlussberufung mit und stellte ein Gesuch um Dispensation von der Teilnahme 

an der Berufungsverhandlung, welches bewilligt wurde (Urk. 69). 

Nach Durchführung der mündlichen Berufungsverhandlung am 27. September 

2019 erging gleichentags das erste Berufungsurteil (Urk. 75 S. 26 ff.; Urk. 76). Mit 

Entscheid vom 27. September 2019 nahm die erkennende Kammer sodann vorab 

mittels Beschluss Vormerk vom Rückzug der Anschlussberufung der Staatsan-

waltschaft und stellte fest, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 

2. Abteilung, vom 6. Juni 2018 bezüglich des Schuldspruchs betreffend unrecht-

mässigen Bezug von Leistungen der Sozialhilfe, der Beschlagnahmungen und der 

Kostenfestsetzung in Rechtskraft erwachsen sei. Im Erkenntnis sprach sie den 

Beschuldigten der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 lit. c StGB 

schuldig und vom Vorwurf der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 

lit. b StGB (Zuführung in die Prostitution) und Art. 195 lit. d StGB (Festhalten in 

der Prostitution) frei. Sie bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten, 

unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 157 Tagen, wobei der 

Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 23 Monaten aufgeschoben wurde, un-

ter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Von der Anordnung einer obligatori-

schen Landesverweisung wurde abgesehen. Ausserdem wurde über die Zivilfor-

derungen der Privatklägerin B._____ sowie die Kosten- und Entschädigungsfol-

gen entschieden (Urk. 76 S. 61 ff.). 

Gegen dieses Urteil erhob die Oberstaatsanwaltschaft mit Eingabe vom 15. No-

vember 2019 Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht (Urk. 80; 

Urk. 81/2). Das Bundesgericht hiess diese mit Urteil vom 9. März 2020 gut, hob 

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den Entscheid des hiesigen Gerichtes auf und wies die Sache zur neuen Beurtei-

lung an das Obergericht des Kantons Zürich zurück. 

Nachdem sich die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte mit der schriftlichen 

Durchführung des zweiten Berufungsverfahrens einverstanden erklärten (Urk. 58; 

Urk. 59), wurde dieses mit Präsidialverfügung vom 8. April 2020 angeordnet und 

dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um sich zur Dauer 

der Landesverweisung zu äussern. Mit Eingabe vom 27. April 2020 ging die Ver-

nehmlassung der Staatsanwaltschaft ein (Urk. 62). Der Beschuldigte liess innert 

erstreckter Frist mit Eingabe vom 9. Juni 2020 seine Vernehmlassung samt Beila-

gen einreichen (Urk. 65; Urk. 66/1-2). Den Parteien wurde je Gelegenheit zur Stel-

lungnahme zu den Vorbringen der Gegenpartei eingeräumt. Die Parteien haben 

auf Stellungnahme verzichtet (Urk. 69; Urk. 70). Das Verfahren erweist sich als 

spruchreif. 

II. Prozessuales 

Mit Beschluss vom 27. September 2019 (Urk. 76 S. 61) nahm die hiesige Kammer 

Vormerk vom Rückzug der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft und stellte 

fest, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 6. Juni 2018 

hinsichtlich der Dispositivziffern 1 Spiegelstrich 2 (Schuldspruch betreffend un-

rechtmässigen Bezug von Leistungen der Sozialhilfe), 6 und 7 (Beschlagnahmun-

gen) sowie 8 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen war. Daran hat sich 

nichts geändert, sodass mit Beschluss vom Rückzug der Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft Vormerk zu nehmen und festzustellen ist, dass das vor-

instanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. 

Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angelegenheit 

zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich dieses von Bun-

desrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundesgericht 

kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das neue Ur-

teil zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem Rückwei-

sungsentscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil aufhebt. Ent-

scheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des bundes-

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gerichtlichen Entscheides (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichtes 

6B_765/2015 vom 3. Februar 2016 E. 4; je mit Hinweisen). Die neue Entschei-

dung der kantonalen Instanz ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die sich 

aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung 

ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies notwendig 

ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichtes Rechnung zu tragen 

(BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 

6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017 E. 3.2.1). 

Die Oberstaatsanwaltschaft rügte das erste Berufungsurteil mit ihrer Beschwerde 

in Strafsachen an das Bundesgericht einzig hinsichtlich des Entscheides, von der 

Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung abzusehen (Urk. 81/2; 

Urk. 85 S. 3). Im Übrigen wurde das erste Berufungsurteil nicht beanstandet. Das 

Bundesgericht wies die Sache denn auch zur Anordnung der Landesverweisung 

und Festsetzung der Dauer sowie Ausschreibung im SIS an das erkennende Ge-

richt zurück (Urk. 56 S. 13 f.). Die Erwägungen aus jenem Urteil, insbesondere 

zum Schuld- und Freispruch, zur Strafe und zu den Zivilforderungen der Privat-

klägerin B._____ sind daher in dieses zweite Berufungsurteil zu übernehmen 

(nachfolgend, Erw. III.-VI. und Erw. VIII.). Zu entscheiden ist im zweiten Beru-

fungsverfahren somit nur noch über die Landesverweisung sowie die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen (nachfolgend, Erw. VII und Erw. IX.) 

III. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

vom 29. Januar 2018 vorgeworfen, er habe der aus Ungarn stammenden Privat-

klägerin B._____, welche ohne das Wissen ihrer Familie in Zürich der Prostitution 

nachgegangen sei, mit ihm eine Beziehung eingegangen sei und ihm ihr gespar-

tes Geld auf sein Bankkonto überwiesen habe, in der Zeit von Mitte Juni 2017 

(recte 2016 vgl. Urk. 55 S. 6) bis Mitte Oktober 2017 (recte 2016 vgl. Urk. 55 S. 6) 

nach jedem Freier das Geld weggenommen und ihr pro Tag lediglich Fr. 100.– für 

Zimmermiete und Fr. 20.– für das Essen gelassen. Er habe sie täglich mit Worten 

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und Schlägen eingeschüchtert, sie bereits früh am Morgen um 05.00 Uhr auf die 

Strasse geschickt und habe sie angehalten, möglichst viele Freier zu bedienen 

auch ohne Kondom. Er habe der Privatklägerin, die Angst vor ihm gehabt habe, 

gesagt, sie könne nicht zur Polizei gehen, da diese keiner Prostituierten glaube. 

Im August 2017 (recte 2016) habe die Privatklägerin mit der Prostitution aufhören 

und nach Ungarn zurückkehren wollen. Der Beschuldigte habe sie nicht gehen 

lassen und habe sie gezwungen, weiterhin der Prostitution nachzugehen. Er habe 

sie geschlagen und gesagt, dass es niemand wagen solle, sie abzuholen, er wür-

de die Kolleginnen und die Privatklägerin töten, habe sie an den Haaren ins Zim-

mer gezogen und sie eingeschlossen, damit sie nicht habe nach Ungarn abreisen 

können. 

Der Beschuldigte habe der Privatklägerin gesagt, sie prostituiere sich für die ge-

meinsame Zukunft, sie müsse noch eine Zeit lang arbeiten bis sie genug Geld 

hätten für eine gemeinsame Wohnung und um ihren Sohn in die Schweiz zu ho-

len. Die Privatklägerin habe sich aus Scham von ihrem ganzen Umfeld distanziert. 

Der Beschuldigte sei ihre einzige Bezugsperson gewesen. Sie sei nicht in der La-

ge gewesen, sich gegen den Beschuldigten aufzulehnen und die Arbeit in der 

Prostitution aufzugeben. Sie habe grosse Angst vor dem Beschuldigten gehabt, 

habe sich in einer von ihm geschaffenen psychischen Zwangssituation befunden. 

Sie sei entgegen ihrem freien Willen als Prostituierte tätig gewesen und habe ihm 

gegen ihren Willen ihr verdientes Geld übergeben. 

Kurz zusammengefasst wird dem Beschuldigten somit vorgeworfen, er habe die 

Privatklägerin bei der Ausübung der Prostitution kontrolliert, Vorgaben betreffend 

Zeit und Umfang der Tätigkeit und Bedienung von Freiern ohne Kondom gemacht 

und habe ihr bis auf Fr. 120.– pro Tag die Einnahmen weggenommen. Ausser-

dem habe er sie daran gehindert, mit der Prostitution aufzuhören und nach Un-

garn zurückzukehren. 

Der Beschuldigte bestreitet den Anklagesachverhalt vollumfänglich. Nachfolgend 

ist daher zu prüfen, ob und wieweit sich dieser erstellen lässt. 

2. Sachverhaltserstellung 

-   14   - 

2.1. Beweismittel 

Die Vorinstanz hat die für die Sachverhaltserstellung verwertbaren Beweismittel 

zutreffend dargestellt (Urk. 55 S. 9 ff.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass 

als Beweismittel die Aussagen der Privatklägerin (Urk. D1 5/1-10), diejenigen des 

Beschuldigten (Urk. D1 8/1-5, Urk. 35 S. 15 ff. und Prot. II S. 16 ff.), die Zeugen-

aussagen C._____, D._____, E._____ und F._____ (Urk. D1 7/1-3 und 7/5) sowie 

diejenigen der Auskunftsperson G._____ (Urk. D1 7/5) vorliegen. Die Aussagen 

der Auskunftsperson H._____ (Urk. D1 6/5) sind mangels Wahrung der Teilnah-

merechte des Beschuldigten nur zu seinen Gunsten verwertbar. Als sachliche 

Beweismittel können für die Sachverhaltserstellung die Auswertungsberichte von 

Telefonverbindungen und Textnachrichten der Mobiltelefone der Privatklägerin 

(Urk. D1 3/7+8, D1 3/19, Anhänge zu Urk. D1 5/4-6) sowie diverse Fotos, die die 

Privatklägerin von sich selber erstellte (Anhänge zu Urk. D1 5/7-9), herangezogen 

werden. 

2.2. Zusammenfassung der Aussagen 

2.2.1. Aussagen der Privatklägerin 

2.2.1.1. Polizeiliche Einvernahme vom 1. Dezember 2016 

Die Privatklägerin begab sich am 13. Oktober 2016 in Begleitung der Ex-Freundin 

des Beschuldigten (E._____) zur Polizei und erklärte dort, sie sei vom Beschuldig-

ten zur Prostitution gezwungen worden, dieser habe ihr fast den ganzen Prostitu-

iertenlohn abgenommen (Urk. D1/1). Sie wurde der Opferstelle FIZ übergeben, 

und es wurde ihr von der Polizei eine Bedenkzeit eingeräumt, daraufhin erstattete 

sie Anzeige gegen den Beschuldigten.  

Ihre erste Einvernahme fand am 1. Dezember 2016 statt (Urk. D1 5/1). Sie sagte 

aus, sie sei im Mai 2016 (Urk. D1 5/1 S. 7) in die Schweiz gekommen, um hier als 

Prostituierte zu arbeiten, da sie in Ungarn kein Geld und keine Arbeit gehabt habe 

und ihren Sohn und ihre Geschwister habe unterstützen müssen (Urk. D1 5/1 

S. 8). Nach ein paar Tagen, an denen sie in der Schweiz gearbeitet habe, habe 

sie den Beschuldigten Ende Mai 2016 kennengelernt (Urk. D1 5/1 S. 8). Sie habe 

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den Beschuldigten nicht geliebt, aber sie habe die Liebe vermisst und er habe ihr 

gesagt, er liebe sie, was sie ihm geglaubt habe (Urk. D1 5/1 S. 9).  

Er habe ihr erzählt, er müsse Bussen bezahlen und brauche Geld, er werde es 

die nächste Woche zurückzahlen. Sie habe ihm das Geld geliehen, habe aber ge-

sagt, sie brauche das Geld nächste Woche wieder, weil sie nach Hause gehen 

wolle (Urk. D1 5/1 S. 2). Der Beschuldigte habe gesagt, sie solle nicht gehen, er 

liebe sie. Er habe ihr gesagt, ihr Geld sei auf seiner Karte und sie solle ihm ihre 

Einnahmen geben, sonst würden die Polizisten ihr das Geld wegnehmen. Er be-

zahle das Geld auf seine Karte, werde damit eine Wohnung und ein Auto kaufen 

und sie würden ihren Sohn in Ungarn abholen und in die Schweiz bringen. Er ha-

be ihr ein Foto der Bankkarte geschickt, auf welcher das Geld angeblich gewesen 

sei (Urk. D1 5/1 S. 4). Der Beschuldigte habe ihr jeden Tag alle Einnahmen bis 

auf Fr. 20.– für Essen und Zigaretten und Fr. 100.– für die Zimmermiete abge-

nommen (Urk. D1 5/1 S. 2). Er habe zu ihr gesagt, sie müsse Tag und Nacht ar-

beiten, weil er einen BMW X5 kaufen wolle.  

Er sei aggressiv gewesen, habe sie geohrfeigt und ständig angeschrien. Er habe 

sie viele Male, einige Male geohrfeigt (Urk. D1 5/1 S. 9). Der Beschuldigte habe 

sie dazu zwingen wollen, ohne Gummi zu arbeiten und Betrunkenen unter Einsatz 

eines Gassprays Geld wegzunehmen. Im Zimmer habe er sie zwei Mal geschla-

gen (Urk. D1 5/1 S. 3). Von der I._____ [Bar] aus habe er sie immer gesehen. Sie 

habe oft ihre Sachen gepackt, weil sie habe nach Hause fahren wollen. Er habe 

sie nicht fahren lassen und habe gesagt, sie solle Ungarn vergessen, sie gehöre 

nicht dorthin.  

Einmal sei sie krank gewesen, ein Freier habe sie zur Apotheke gefahren, Medi-

kamente gekauft und ihr Fr. 400.– gegeben. Der Beschuldigte habe ihr das Geld 

und die Medikamente weggenommen und habe gesagt, das sei überflüssig, sie 

sei gar nicht krank (Urk. D1 5/1 S. 4). Einmal sei er um 04.00 Uhr nach Hause ge-

kommen und habe sie zusammengeschissen, weil sie nicht bei der Arbeit gewe-

sen sei und habe sie angewiesen, auf die Strasse zu gehen (Urk. D1 5/1 S. 4). 

Auch als sie die Regelblutung gehabt habe, habe er ihr nicht erlaubt, in die Woh-

nung zu gehen (Urk. D1 5/1 S. 4 und S. 5).  

-   16   - 

Sie habe einmal gesehen, dass eine Frau namens J._____ angerufen habe. Der 

Beschuldigte habe auf ihre Frage gesagt, es handle sich um seine Exfreundin, es 

sei seit einer Woche Schluss mit ihr. Sie habe dann J._____ kontaktiert und sich 

mit ihr getroffen (Urk. D1 5/1 S. 5). Der Beschuldigte sei ihr auf der Strasse be-

gegnet, habe geschrien, sie solle aus der Wohnung verschwinden, habe sie als 

Nutte beschimpft und habe sie schlagen wollen, was Dritte verhindert hätten. Die 

herbeigerufene Polizei habe nicht geholfen, habe gesagt, sie solle zu ihrer Freun-

din gehen. Dann sei J._____ gekommen und sie seien zusammen zur Polizei ge-

gangen, so habe sie sich vom Beschuldigten befreien können (Urk. D1 5/1 S. 5). 

2.2.1.2. Polizeiliche Einvernahme vom 6. Dezember 2016 

Die Privatklägerin sagte aus, der Beschuldigte habe sie Anfang Juni 2016 zum 

ersten Mal um Geld gebeten zur Bezahlung von Bussen (Urk. D1 5/2 S. 3).  

Sie sei in der Zeit, als sie dem Beschuldigten ihren Lohn habe abgeben müssen, 

jeden Tag um 05.00 Uhr auf die Strasse gegangen und habe bis 22.00 Uhr gear-

beitet. Sie habe nirgendwo hingehen und nichts kaufen dürfen. Der Beschuldigte 

habe gesagt, sie müssten sparen, weil es keine Wohnung und kein Auto gebe 

und sie ihren Sohn abholen wollten. Sie habe keinen Ruhetag gehabt (Urk. D1 5/2 

S. 4).  

Der Beschuldigte sei immer aggressiv gewesen. Nachdem er ihr Ohrfeigen gege-

ben habe, habe sie grosse Angst gehabt. Er habe sehr oft, fast jeden Tag, die 

Hand drohend hochgehalten, um zu zeigen, dass er sie gleich schlagen werde. Er 

habe sie auch oft an den Haaren gezogen. Er habe sie jeden Tag angeschrien 

(Urk. D1 5/2 S. 5). Es sei vorgekommen, dass sie sich gewehrt und zurückge-

schlagen habe, vor allem in den letzten Tagen (Urk. D1 5/2 S. 6). Er habe sie vie-

le Male, oft an den Haaren gezogen, vielleicht so drei, vier Mal in der Woche 

(Urk. D1 5/2 S. 6). Einmal, es sei vielleicht im Juli oder August gewesen, habe der 

Beschuldigte sie mit der flachen Hand stark an den Hinterkopf und mit der Faust 

an die Schulter geschlagen, weil sie mit einer Freundin Kaffee trinken gegangen 

sei. Er habe ihr vorgeworfen, sie nehme Drogen und spiele an Spielautomaten. 

Sie habe keine Verletzungen oder blaue Flecken erlitten. Das zweite Mal sei er 

-   17   - 

einfach hereingekommen und habe ihr eine Ohrfeige gegeben, sie kenne den 

Grund dafür nicht (Urk. D1 5/2 S. 7). Einmal, vielleicht im August, sei es blau an 

der Augenbraue gewesen. Sie könne sich nicht erinnern, ob er sie geschlagen 

habe oder ihr eine Ohrfeige gegeben habe (Urk. D1 5/2 S. 7). Das blaue Auge 

habe entweder ihre Freundin K._____ oder L._____ vom M._____ gesehen. Der 

Beschuldigte habe sie manchmal fast täglich geschlagen, er habe damit aufge-

hört, als sie nicht mehr gefragt habe, was er mache und wohin er gehe. Er habe 

sie auch geschlagen, als die Frauen sie gefragt hätten, ob sie zusammen seien 

und sie dies bejaht habe. Da sei er herein gekommen, habe sie geschlagen 

und gefragt, warum sie solche Sachen erzähle, sie seien nur Kollegen, worauf 

sie erwidert habe, sie hätten Sex miteinander und seien nicht bloss Kollegen 

(Urk. D1 5/2 S. 7).  

Der Beschuldigte habe das Geld geholt, kaum sei der Freier weggewesen 

(Urk. D1 5/2 S. 8). Er habe gesagt, sie dürfe nirgendwo hingehen, keine Freunde 

haben und nichts kaufen. Er habe ihre Arbeitszeiten festgelegt (Urk. D1 5/2 S. 9) 

und gesagt, sie solle auch ohne Gummi arbeiten. Letzteres habe sie nicht ge-

macht, vielmehr habe sie den Kunden auf dem Zimmer gesagt, dass ohne Gummi 

nichts gehe (Urk. D1 5/2 S. 10). Sie habe keine Möglichkeit gehabt, Freier abzu-

lehnen, da er sie die meiste Zeit beobachtet habe (Urk. D1 5/2 S. 10). Nach dem 

Kennenlernen sei es zwei Wochen gut gewesen, im Juni habe er dann angefan-

gen, ihr Vorschriften zu machen (Urk. D1 5/2 S. 11).  

Wenn der Kunde weggegangen sei, sei schon der Beschuldigte gekommen, ha-

be auch in ihre Tasche geschaut, damit sie ja kein Geld verstecke (Urk. D1 5/2 

S. 11). Der Beschuldigte habe ihr jeden Tag Fr. 20.– für Essen und Zigaretten  

gelassen. Sie habe dem Beschuldigten geglaubt, dass er ihren Sohn in die 

Schweiz holen werde. Sie habe ihm vertraut, verliebt sei sie nicht in ihn gewesen 

(Urk. D1 5/2 S. 12). Auf die Frage, ob sie anfangs damit einverstanden gewesen 

sei, dem Beschuldigten praktisch ihren gesamten Lohn abzugeben, erklärte sie, 

sie sei mit der Zeit nicht einverstanden gewesen. Anfangs sei sie nicht sehr ein-

verstanden gewesen, aber er sei aufdringlich gewesen und habe darauf bestan-

-   18   - 

den (Urk. D1 5/2 S. 13). Sie habe versucht, ihm das Geld nicht zu geben, aber 

auch dann habe er es ihr weggenommen (Urk. D1 5/2 S. 13). 

2.2.1.3. Polizeiliche Einvernahme vom 13. Dezember 2016 

Die Privatklägerin führte aus, der Beschuldigte habe immer bei der Bar gestan-

den. Sie glaube, er habe sie auch sonst beobachten lassen, weil er immer ge-

wusst habe, wie viele Geschäfte sie habe. Sie denke, ein Bruder des Beschuldig-

ten habe sie während seiner Abwesenheit beobachtet (Urk D1 5/3 S. 5). N._____ 

von der Bar habe ihr gesagt, der Beschuldigte sitze in der Bar am Fenster, von 

dort aus sehe er alles (Urk. D1 5/3 S. 9).  

Es sei vorgekommen, dass sie so viele Freier gehabt habe, dass sie am nächsten 

Tag habe zum Arzt gehen müssen. Man habe ihr Medikamente gegeben und ge-

sagt, sie solle sich ausruhen und nicht arbeiten. Der Beschuldigte habe getobt 

und gesagt, es tue ihr nicht weh und sie solle arbeiten (Urk. D1 5/3 S. 4). Wäh-

rend des Tages habe der Beschuldigte ihr nicht erlaubt, in die Wohnung zu ge-

hen, sie habe nur am Abend nach der Arbeit dort sein dürfen, habe ca. gegen 

23.00 Uhr geduscht und sei am nächsten Morgen gegen 05.00 Uhr wieder auf die 

Strasse gegangen (Urk. D1 5/3 S. 6).  

Sie habe ihm, in der Woche bevor sie weggegangen sei, gesagt, sie könne nicht 

mehr, sie suche sich eine andere Wohnung, wo sie arbeiten und schlafen könne. 

Er habe gesagt, sie solle nicht einmal daran denken, er würde sie sonst zu Tode 

schlagen (Urk. D1 5/3 S. 6).  

Nachdem sie vom Beschuldigten weggegangen sei, habe dieser sie auf der 

Strasse gesucht und als er sie gefunden habe, habe er auf sie losgehen wollen. 

Die anderen Frauen seien zu ihr gestanden. Er habe sie angeschrien, er werde 

sie wegbringen lassen, weil sie Bussen habe und habe die Polizei gerufen 

(Urk. D1 5/3 S. 10). Die Polizei habe ihr nicht geholfen. J._____ sei dabei gewe-

sen. Der Beschuldigte habe nur gelacht und gesagt, sie sei eine Nutte, man wür-

de ihr nicht glauben. J._____ habe sie dann zur Polizei begleitet (Urk. D1 5/3 

S. 11). 

-   19   - 

2.2.1.4. Polizeiliche Einvernahme vom 17. Januar 2017 

Auf Vorhalt des Extraktionsberichtes ihres Mobiltelefons, wonach sie in der Zeit 

vom 7. Juli 2016 bis 5. August 2016 täglich mit dem Beschuldigten telefonischen 

Kontakt gehabt habe, bis 13 Mal pro Tag, erklärte die Privatklägerin, der Beschul-

digte habe ständig gefragt, was sie tue, wie viel sie verdiene. Er habe gesagt, sie 

müsse anrufen, wenn sie fertig sei, dann sei er auch gleich gekommen, um das 

Geld zu holen (Urk. D1 5/4 S. 3). An den Tagen, an welchen nicht telefoniert wor-

den sei, habe sie keinen Kredit auf dem Handy gehabt. Dann sei der Beschuldigte 

vor der Bar gestanden und habe gesehen, wann der Kunde weggegangen sei 

(Urk. D1 5/4 S. 4).  

Sie habe Ende Juli 2016 dem Beschuldigten mitgeteilt, dass sie nach Ungarn zu-

rückkehren wolle und ihr Geld zurückhaben wolle. Der Beschuldigte habe ihren 

gepackten roten Koffer kaputtgetreten, ihr eine Ohrfeige gegeben und gesagt, sie 

solle ja nicht weggehen (Urk. D1 5/4 S. 7). Anfangs August seien Frauen nach 

Ungarn gefahren und hätten noch Platz im Auto gehabt. Sie habe dem Beschul-

digten geschrieben, sie werde in 30 Minuten weg sein, er solle ihr Geld abheben 

und ihr bringen. Er habe geantwortet, sicher nicht (Urk. D1 5/4 S. 8). Er sei vorbei 

gekommen und habe gesagt, sie solle nicht nach Ungarn gehen, sie würden zu-

sammen gehen und ihr Kind dort abholen. Er habe wissen wollen, mit wem sie 

fahre und habe gesagt, er würde diese Person, die sie fahre, zusammenschlagen, 

wenn sie mitgehe. Er habe ihr einfach nicht erlaubt, dass sie nach Hause gehe 

(Urk. D1 5/4 S. 9). 

2.2.1.5. Polizeiliche Einvernahme vom 24. Januar 2017 

Die Privatklägerin sagte aus, der Beschuldigte habe sie einmal etwa 3 Stunden 

lang in der Wohnung eingesperrt, weil sie ihre Sachen gepackt habe und gesagt 

habe, sie gehe weg (Urk. D1 5/5 S. 8). 

2.2.1.6. Polizeiliche Einvernahme vom 31. Januar 2017 

Die Privatklägerin erklärte erneut, sie sei nicht in den Beschuldigten verliebt ge-

wesen. Am Anfang habe sie gedacht, es werde gut mit ihm. Es sei zwei drei Wo-

-   20   - 

chen normal gewesen und er habe gesagt, er werde ihren Sohn in die Schweiz 

bringen (Urk. D1 5/6 S. 3). 

2.2.1.7. Polizeiliche Einvernahme vom 7. Februar 2017 

Die Privatklägerin führte aus, der Beschuldigte habe gesagt, sie müsse Kleider 

tragen, in denen man alles gesehen habe, da die Freier sie so eher mitnehmen 

würden. Sie habe gesagt, sie wolle das nicht. Er habe geantwortet, das sei doch 

egal, sie sei eh eine Hure (Urk. D1 5/7 S. 5). 

2.2.1.8. Polizeiliche Einvernahme vom 23. Februar 2017 

Die Privatklägerin sagte aus, der Beschuldigte habe ihr im September, nach-

dem sie gefragt habe, wo ihr Geld sei, ein Foto seiner Bankkarte geschickt 

(Urk. D1 5/9 S. 2).  

O._____, eine Freundin von ihr, sei Ende August in der Schweiz gewesen und 

habe ihr gesagt, dass der Beschuldigte nicht A'._____ heisse, sondern A._____ 

und habe ihn ihr auf Facebook gezeigt. O._____ sei früher auch mit ihm zusam-

men gewesen und habe ihr gesagt, sie solle ihn verlassen, weil er ein Arschloch 

sei (Urk. D1 5/9 S. 2).  

Der Beschuldigte habe ihr das ganze Geld weggenommen, sie habe während den 

fünf Monaten nur vielleicht drei Mal Geld nach Hause schicken können, insgesamt 

Fr. 400.–, mehr habe der Beschuldigte nicht erlaubt und auch dafür habe sie ihn 

anflehen müssen. Er habe gesagt, weshalb sie Geld schicken sollten, sie würden 

ein Auto kaufen und ihren Sohn hierher holen (Urk. D1 5/9 S. 8).  

Sie habe den Beschuldigten nicht geliebt und in den letzten zwei Monaten keinen 

sexuellen Kontakt mehr erlaubt, da sie sich vor ihm geekelt habe (Urk. D1 5/9 

S. 9). 

2.2.1.9. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 7. Juli 2017 

Die Privatklägerin erzählte, sie sei, bevor sie den Beschuldigten kennengelernt 

habe, schon mehrmals in der Schweiz gewesen und habe jeweils nur zwei, drei 

-   21   - 

Wochen als Prostituierte gearbeitet und sei wieder nach Hause gefahren. Als sie 

den Beschuldigten kennengelernt habe, habe sie lange keine Beziehung mehr 

gehabt und habe die Liebe vermisst. Er habe gesagt, er habe keine Freundin und 

lebe alleine. Sie seien zusammen gekommen, und er sei zwei, drei oder vier Wo-

chen normal gewesen. Er habe sie gebeten, Bussen zu bezahlen, er würde ihr 

das Geld zurückgeben. Im Juni habe sie in zwei Malen total Fr. 1'000.– bis 

Fr. 1'100.– einbezahlt. Sie habe ihm am Anfang vertraut und geglaubt, dass er ihr 

das Geld zurückbezahlen werde. Sie sei nicht in ihn verliebt gewesen, sie hätten 

keine Liebesbeziehung unterhalten, am Anfang habe sie gedacht, es würde sich 

eine Liebesbeziehung entwickeln (Urk. D1 5/10 S. 4 ff.).  

Er habe gesagt, sie sollten sparen, das Geld auf eine Karte tun, eine Wohnung 

kaufen und ein Auto BMW X5 und ihren Sohn hierher bringen. Danach müsse sie 

diese Arbeit nicht mehr machen.  

Er habe in der I._____ am Fenster gesessen und habe sie beobachtet 

(Urk. D1 5/10 S. 7). 

Sie habe das Gefühl gehabt, er habe eine andere Frau. Als sie ihn darauf ange-

sprochen habe, habe er gesagt, er habe keine. Er sei danach aggressiv geworden 

und habe sie geschlagen.  

Im August habe sie nach Ungarn fahren wollen. Das habe er nicht zugelassen 

und habe gesagt, sie müssten eine Wohnung kaufen und ein Auto. Als sie ihn ge-

beten habe, ihr nicht das ganze Geld zu nehmen, damit sie ihrem Sohn etwas 

schicken könne, habe er gesagt, wozu etwas schicken, sie würden gemeinsam 

nach Ungarn gehen und ihn holen (Urk. D1 5/10 S. 11). 

Die zweite Bezahlung der Busse habe sie gemacht, weil er aggressiv geworden 

sei, indem er auf sie zugekommen sei und gesagt habe, "komm zahlen wir das 

jetzt", sie solle ihm das Geld geben, sonst bringe es die Polizei weg, er bezahle 

es auf seine Karte (Urk. D1 5/10 S. 8 f.). 

Sie habe sich keine Hilfe geholt, da sie Angst vor ihm gehabt habe. Er habe ge-

sagt, die Polizisten würden ihr nicht glauben. Sie solle nicht versuchen, wegzuge-

-   22   - 

hen, er werde sie überall finden. Sie habe Angst gehabt, dass er sie umbringen 

würde, wenn sie ihn anzeige. Er sei immer mit der Gruppe unterwegs gewesen 

und habe gesagt, er habe überall Kontakte, habe überall Geschwister und habe 

es gut mit der Polizei (Urk. D1 5/10 S. 10). Als die Polizisten sie gefragt hätten, ob 

alles in Ordnung sei, ob sie nicht einen Kaffee trinken sollten, habe sie nichts sa-

gen können, weil der Beschuldigte sie beobachtet habe (Urk. D1 5/10 S. 11). 

Sie habe von 05.00 Uhr bis 23.00 Uhr arbeiten müssen, und er habe ihr alles 

Geld weggenommen. Wenn sie ihm gesagt habe, er solle ihr etwas für das Essen 

lassen, habe er ihr Fr. 20.– gegeben, an manchen Tagen habe er ihr nichts gege-

ben. Er habe sie die ganze Zeit beobachtet. Sie habe jedes Geschäft annehmen 

müssen, auch ohne Gummi (Urk. D1 5/10 S. 11). 

Sie habe einmal ihre Sachen gepackt und habe ihm gesagt, eine Freundin kom-

me und bringe sie nach Hause. Er habe gesagt, diese solle sich nicht trauen, her-

zukommen, er würde sie töten. Er habe sie nicht gehen lassen, habe in die Rollen 

ihres Koffers getreten und die Kleider rausgeschmissen. Der Beschuldigte habe 

die Tür geschlossen und ihr wehgetan. Es habe Spuren an ihrem Kopf von den 

Schlägen gegeben, bei M._____ habe man dies gesehen, sie habe Angst gehabt 

zu erzählen, was vorgefallen sei (Urk. D1 5/10 S. 11). 

Der Beschuldigte habe sie geohrfeigt, getreten und auf die Schulter geschlagen. 

Sie habe öfters Verletzungen gehabt. Sie habe einen blauen Fleck im Gesicht ge-

habt. Ein ziviler Polizist habe es auch gesehen und habe sie gefragt, ob alles in 

Ordnung sei. Das sei häufig vorgekommen, manchmal habe er sie täglich ge-

schlagen. Der Beschuldigte sei immer aggressiv gewesen (Urk. D1 5/10 S. 12). 

Der Beschuldigte habe vor der Bar gestanden und habe alles gehört. In der Bar 

habe er sie vom Fenster aus beobachtet. Er sei immer dort gewesen, nonstop. Er 

habe gehört, wieviel sie verdiene, habe es gesehen und habe alle ihre Kunden 

gekannt. Manchmal sei er ins Zimmer gekommen, um das Geld zu holen, sobald 

der Gast aus dem Zimmer gegangen sei. Der Beschuldigte habe immer gewusst, 

was sie mache, selbst wenn er nicht dort gewesen sei (Urk. D1 5/10 S. 13). 

-   23   - 

Manchmal habe der Beschuldigte auch gewartet, bis sie eine bestimmte Summe 

angesammelt habe (Urk. D1 5/10 S. 14). 

Auf Vorhalt, dass sie gesagt habe, der Beschuldigte habe ihr befohlen, auch oh-

ne Gummi anzubieten, ob sie dies gemacht habe, erklärte sie (im Widerspruch 

zu früheren Aussagen), es habe Zeiten gegeben, wo sie das gemacht habe 

(Urk. D1 5/10 S. 13). 

Die Privatklägerin erklärte, viele Leute hätten ihr gesagt, dass sie den Beschuldig-

ten hassen, er ein Lügner sei. Das hätten die Leute gesagt, als sie sahen, dass er 

öfters zu ihr gekommen sei. Ende August sei eine Freundin aus Ungarn gekom-

men und habe ihr gesagt, sie kenne den Beschuldigten und sei auch mit ihm zu-

sammen gewesen. Diese Freundin habe ihr die Facebookseite des Beschuldigten 

gezeigt. Da habe sie erst seinen richtigen Namen erfahren (Urk. D1 5/10 S. 14). 

Sie habe Kunden erzählt, dass sie ständig arbeiten müsse und ihr weh getan 

werde. Diese hätten ihr gesagt, sie solle zur Polizei gehen. Es habe Kunden ge-

geben, die hätten ihr Fr. 500.– gegeben und sie zum Essen ausgeführt, weil sie 

gehungert habe (Urk. D1 5/10 S. 15). Als sie krank gewesen sei, sei ein Kunde 

mit ihr und ihrer Trans-Freundin im Taxi zur Bahnhofsapotheke gefahren und ha-

be Medikamente für Fr. 300.– bezahlt und habe ihr in der I._____ gezeigt, wie vie-

le Medikamente sie nehmen müsse. Der Kunde habe ihr Fr. 400.– oder Fr. 500.– 

gegeben. Der Beschuldigte habe reingeschaut, als sie in der I._____ gewesen sei 

und habe sich beruhigt, als sie ihm erzählt habe, dass der Kunde ihr Fr. 500.– ge-

geben habe (Urk. D1 5/10 S. 24 f.). 

Der Beschuldigte habe von dem Geld, das sie verdient habe, alle Möbel neu ge-

kauft. Oft habe sie nur zu ihm gehen dürfen, um ihm das Geld zu bringen 

(Urk. D1 5/10 S. 16). Er habe Karten gespielt und teure Schuhe gekauft 

(Urk. D1 5/10 S. 17). 

Am Anfang habe sie Sex mit dem Beschuldigten gehabt, die letzten zwei Monate 

nicht (Urk. D1 5/10 S. 16). Sie habe den Beschuldigten nicht geliebt und sich vor 

ihm geekelt (Urk D1 5/10 S. 17). 

-   24   - 

Sie habe nach Ungarn gehen wollen. Als sie ihm dies gesagt habe, habe er sie an 

den Haaren ins Zimmer gezogen und habe sie dort eingesperrt. Er habe gesagt, 

sie solle nicht flüchten, weil er sie dann töte (Urk. D1 5/10 S. 17). 

Am 10. oder 11. Oktober habe sie den Beschuldigten gefragt, wie viel Geld auf 

der Karte sei. Er habe geantwortet, es seien Fr. 40.– (Urk. D1 5/10 S. 17). 

Am Tag, an dem sie weggegangen sei, habe sie sich hinter einer Mülltonne an 

der R._____-strasse versteckt und habe das Mädchen, dessen Name sie beim 

Beschuldigten auf Viber gesehen habe, kontaktiert. Es habe sich um die Ex-

Freundin des Beschuldigten gehandelt, die ihr gesagt habe, sie sei mit ihm zu-

sammen gewesen und habe soeben mit ihm Schluss gemacht. Der Beschuldigte 

habe sie auf der Strasse gefunden, sei ausgerastet und habe die Polizei gerufen, 

damit diese sie wegen offener Bussen in der Höhe von Fr. 800.– mitnehme. Die 

Polizei sei gekommen und habe dem Beschuldigten Recht gegeben. Sie habe 

den Polizisten erzählt, dass der Beschuldigte ihr weh tue und ihr alles wegnehme. 

Die Polizisten hätten nicht auf sie gehört, nur auf den Beschuldigten und hätten 

gesagt, sie solle ihn in Ruhe lassen und zu ihren Kollegen gehen (Urk. D1 5/10 

S. 19 f.). Sie sei dann mit J'._____ zur Polizei gerannt. Sie sei in ein Haus ge-

bracht worden, wo sie drei bis vier Wochen untergebracht und betreut worden sei. 

Über Ostern sei sie drei Tage nach Ungarn gegangen. Die Zustände zu Hause 

seien sehr schlecht gewesen, deshalb habe sie sich entschlossen, wieder in die 

Schweiz zu kommen. Hier arbeite sie seit 21./22. April in einem Zimmer, sie stehe 

nicht mehr auf der Strasse. Sie habe Angst vor dem Beschuldigten, sei aber zu-

rückgekommen, im Glauben, dass es alle wissen und sie die Polizei anrufen kön-

ne (Urk. D1 5/10 S. 21). Vor einem Monat habe der Beschuldigte J'._____ auf der 

Strasse von hinten gepackt, gewürgt, bedroht und gefragt, warum sie mit ihr be-

freundet sei. J'._____ habe ihr das am Telefon erzählt. Sie habe Angst vor dem 

Beschuldigten und seiner Familie/Sippschaft.  

In den fünf Monaten mit dem Beschuldigten habe sie nur Fr. 200.– nach Hause 

geschickt. Der Beschuldigte habe gesagt, das reiche für ihren Sohn, dieser sei 

noch klein und sie würden ihn ja hierher holen. Nun habe sie für Fr. 3'000.– eine 

Wohnung in Ungarn gekauft (Urk. D1 5/10 S. 22 und S. 25). 

-   25   - 

Der Beschuldigte habe ihr über einen unbekannten Mann ausrichten lassen, er 

bezahle ihr Fr. 1'000.– , wenn sie keine Aussagen mache. Ihre Begleiterin von 

M._____ habe das auch gehört und auch eine weitere Frau von M._____ (Urk. D1 

5/10 S. 22). 

Der Beschuldigte habe ihr im August 2016 einmal fast die Hand gebrochen. Sie 

habe Geld in der Hand gehabt und er habe ihre Hand genommen und so fest zu-

gedrückt. Sie sei zu einem Kiosk gerannt, damit sie ihr helfen (Urk. D1 5/10 

S. 23). 

2.2.2. Aussagen des Beschuldigten 

2.2.2.1. Hafteinvernahme vom 3. Juli 2017 

Der Beschuldigte bestritt, die Privatklägerin bei Ausübung der Prostitution über-

wacht und ihr Anweisungen gegeben zu haben, wo, wann und zu welchem Preis 

sie sich anbieten solle. Ferner treffe es nicht zu, dass er ihr befohlen habe, auch 

Sex ohne Gummi anzubieten, ihr den Freierlohn unmittelbar nach jedem Freier 

weggenommen habe, ihr lediglich Fr. 20.– für Essen und Zigaretten und Fr. 100.– 

für Zimmermiete gelassen habe und ihr gedroht habe, sie zu Tode zu schlagen 

(Urk. D1 8/1 S. 2 f.). Er habe nie Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin ge-

habt (Urk. D1 8/1 S. 5/6). 

Er erklärte, die Privatklägerin und E._____ wollten beide mit ihm zusammen sein 

und seien eifersüchtig aufeinander (Urk. D1 8/1 S. 4). 

Er habe mit der Privatklägerin keinen Sex gehabt, mit ihr keinen SMS- oder 

Whats App-Kontakt gehabt, nicht mit ihr telefoniert und ihr keine Fotos geschickt 

(Urk. D1 8/1 S. 4). Er habe ihr nie telefoniert, es könne aber sein, dass sie ihm te-

lefoniert habe (Urk. D1 8/1 S. 5). 

2.2.2.2. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 7. Juli 2017 

Der Beschuldigte hielt daran fest, es treffe nicht zu, dass er mit der Privatklägerin 

Geschlechtsverkehr gehabt habe (Urk. D1 8/2 S. 2). Er habe kein Geld von ihr 

genommen und auf sein Sparkonto getan, habe sie nicht geschlagen und nicht 

-   26   - 

kontrolliert. Ihre Belastungen würden alle nicht stimmen (Urk. D1 8/2 S. 2). Auf die 

Frage, weshalb die Privatklägerin ihn falsch belasten sollte, erklärte er, die Privat-

klägerin wolle mit ihm sein, er wolle keine Schlampe, die für Fr. 50.– auf der 

R._____-strasse arbeite (Urk. D1 8/2 S. 2). Die Privatklägerin wolle Geld von ihm 

oder mit ihm zusammen sein. Auf die Frage, ob er die Privatklägerin geschlagen 

habe, sagte er "Leider nicht. Wenn ich gewusst hätte, wenn ich wegen nichts ins 

Gefängnis komme dann…Ich meine es nicht ernst, es war ein Witz" (Urk. D1 8/2 

S. 3). 

2.2.2.3. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 27. September 2017 

Der Beschuldigte bestätigte, dass er mit E._____ eine Liebesbeziehung hatte. Er 

habe sich von ihr getrennt, da er sich von ihr betrogen gefühlt habe. Er habe nicht 

gewusst, dass sie als Prostituierte gearbeitet habe (Urk. D1 8/3 S. 2 f.). Er habe 

weder E.____ noch die Privatklägerin geschlagen oder ihnen Geld weggenom-

men (Urk. D1 8/3 S. 3). Er habe nie eine Frau geschlagen (Urk. D1 8/3 S. 5). 

Er sei nicht jeden Tag in der I._____ gewesen, jedoch häufig, da alle Kurden sei-

ner Stadt dorthin gehen würden (Urk. D1 8/5 S. 5). 

Zur Privatklägerin habe er keine Beziehung gehabt, vielleicht sei sie einseitig in 

ihn verliebt gewesen (Urk. D1 8/5 S. 5). 

2.2.2.4. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 6. Dezember 2017  

Der Beschuldigte sagte aus, er habe seine Rechnungen aus seinem eigenen 

Geld bezahlt, er habe auch Geld von Kollegen geliehen. P._____ schulde er ca. 

Fr. 2'500.– bis Fr. 3'000.– (Urk. D1 8/4 S. 2). Auch von Q._____ habe er Geld ge-

liehen. 

2.2.2.5. Befragung vor Vorinstanz 

Am 6. Juni 2018 sagte der Beschuldigte vor Vorinstanz aus, die Privatklägerin 

und er seien Kollegen gewesen, ansonsten sei nichts zwischen ihnen gewesen. 

Vielleicht hätten sie ein Mal miteinander Sex gehabt, mehr aber nicht. Von seiner 

Seite aus habe es keine Liebesbeziehung zwischen ihnen gegeben, vielmehr eine 

-   27   - 

Beziehung rein kollegialer Natur. Er habe sich nicht in sie verliebt, ob sie sich in 

ihn verliebt habe, wisse er nicht. Er habe nicht gewusst, dass die Privatklägerin 

als Prostituierte arbeitete (Urk. 35 S. 15 f.). 

Es habe nie Streit gegeben, jedoch sei die Privatklägerin eines Tages vor dem 

Eingang der I._____ gestanden und habe ihn beschimpft, weshalb er die Polizei 

gerufen habe, welche die Privatklägerin mitgenommen habe. Er glaube, er habe 

ihr gesagt, sie solle ihn in Ruhe lassen, worauf sie angefangen habe, ihn zu be-

schimpfen (Urk. 35 S. 17). Sie habe ihn angeschrien und beschimpft (Urk. 35 

S. 18). Er habe eine SMS von seiner Exfreundin erhalten. Die Privatklägerin habe 

auf sein Telefon geschaut und habe den Namen seiner Exfreundin gesehen und 

daraufhin Recherchen auf Facebook betrieben, seine Exfreundin kontaktiert und 

ihm so Probleme gemacht (Urk. 35 S. 20). 

Es treffe nicht zu, dass die Privatklägerin Bussen für ihn bezahlt habe. Er habe bis 

heute vielleicht etwa Fr. 20'000.– Bussen bezahlt. Keine Frau habe ihn bisher un-

terstützt, damit er Bussen bezahlen könne (Urk. 35 S. 21). Er gehe davon aus, 

dass seine Exfreundin der Privatklägerin von seinen Bussen erzählt habe. Es 

stimme nicht, dass die Privatklägerin ihm Geld gegeben habe, um es auf sein Pri-

vatkonto einzubezahlen. 

Die Anschuldigungen der Privatklägerin seien alle erfunden. Vielleicht habe die 

Eifersucht sie zu solchen Aussagen verleitet, weil er noch Kontakt zu seiner Ex-

freundin gehabt habe. Die Privatklägerin habe mit ihm zusammenbleiben wollen. 

Wahrscheinlich seien sie aus ihrer Sicht ein Paar gewesen, aus seiner jedoch 

nicht (Urk. 35 S. 23).  

Die Privatklägerin habe ihn nicht in Ruhe gelassen und habe ihm Bilder von ihren 

Geschlechtsteilen geschickt (Urk. 35 S. 25). Auf die Frage, ob er ihr darauf ein 

Bild seines Geschlechtsteils geschickt habe, antwortete er, das müsse so gewe-

sen sein, er sei sich nicht sicher, aber es sei möglich (Urk. 35 S. 25). 

Auf Vorhalt der vielen Telefonate und Mitteilungen mit Liebesbekenntnissen er-

klärte der Beschuldigte, er habe verschiedene Wege ausprobieren müssen, wie er 

-   28   - 

sie loswerden konnte (Urk. 35 S. 25). Sie habe ihn oft mit Mitteilungen belästigt, 

er habe ja antworten müssen und irgendetwas zurückschreiben müssen. Er habe 

gewollt, dass sie ihn in Ruhe lasse, das habe er ihr auch geschrieben (Urk. 35 

S. 26). 

Auf die Frage, weshalb seine Exfreundin und die Privatklägerin ihn zu Unrecht be-

lasten sollten, erklärte er, er habe sich von seiner Exfreundin getrennt, weil diese 

ihn betrogen habe und von der Privatklägerin habe er auch nichts wissen wollen. 

Jemand, der seinen Körper verkaufe, könne alles sagen (Urk. 35 S. 27). 

2.2.2.6. Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung 

Der Beschuldigte führte aus, dass er die Privatklägerin in der I._____ kennenge-

lernt habe, sie allerdings nur eine oberflächliche, rudimentäre Beziehung wie zwei 

Kollegen gehabt hätten. Er habe nur ein Mal Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt 

und nicht gewusst, dass sie als Prostituierte arbeitete. Es stimme nicht, dass die 

Privatklägerin ihm Geld für Bussenzahlungen gegeben habe; niemand habe seine 

Bussen bezahlt. Die Privatklägerin habe ihn aus Eifersucht zu Unrecht beschul-

digt, als sie von seiner Exfreundin, Frau E._____, erfahren habe. Die Vorwürfe 

der Privatklägerin würden einfach nicht stimmen. Es gebe keine Zeugen, welche 

bestätigen könnten, dass er sie schlecht behandelt oder geschlagen hätte. Er ha-

be sie sicher nicht schlecht behandelt. Das stimme einfach nicht. Er habe sie un-

terstützt und ihr Geld via Bank überwiesen, wofür er auch Belege habe. Es sei zu-

treffend, dass aufgrund eines Vorfalls die Polizei gekommen sei, die Privatkläge-

rin habe sich damals aber nicht bei der Polizei beschwert, dass er versucht hätte, 

sie zu schlagen. Er habe die Privatklägerin auch nicht überwacht. Von seinem 

Platz in der I._____ aus habe man das Studio der Privatklägerin gar nicht sehen 

können (Prot. II S. 17 ff.). 

2.2.3. Aussagen Drittpersonen 

2.2.3.1. Aussagen E._____ 

E._____ sagte in der Zeugeneinvernahme vom 25. September 2017 aus, sie ha-

be mit dem Beschuldigten zusammengewohnt. Am 31. August 2016 habe sie ihm 

-   29   - 

die Kündigung bezüglich der Wohnung gegeben. Heute habe sie keinen Kontakt 

mehr mit ihm. Nach der Kündigung sei der Beschuldigte nochmals bei ihr vorbei-

gekommen und habe versucht, sich mit ihr zu versöhnen. Sie habe gesagt, dass 

das nicht funktioniere. Nachdem er gegangen sei, habe ihre Mutter geschrieben, 

dass die Privatklägerin, die sie damals noch nicht gekannt habe, sie suche. Die 

Privatklägerin habe ihr erzählt, dass sie mit dem Beschuldigten seit Mai zusam-

men sei, dass er sie schlecht behandelt habe, ihr das Geld weggenommen habe, 

sie geschlagen habe, sie nicht nach Ungarn habe fahren lassen und sie einge-

sperrt habe. Zuerst habe sie der Privatklägerin nicht geglaubt, dann sei sie zur 

Privatklägerin gefahren und habe diese in der Nähe der I._____ zusammen mit 

dem Beschuldigten stehen sehen. Sie habe den Beschuldigten gefragt, ob es 

stimme, was die Privatklägerin erzähle. Er habe gesagt, das stimme alles nicht, 

sie habe keine Wohnung, deshalb seien ihre Kleider in seiner Wohnung. Danach 

sei er plötzlich aggressiv geworden, habe die Hand erhoben und habe die Privat-

klägerin schlagen wollen. Sie habe sich vor die Privatklägerin gestellt, da sie ge-

hofft habe, dass er sie nicht schlage, da er sie nie geschlagen habe (Urk. D1 7/3 

S. 4). Dann seien die Polizisten gekommen. Diese hätten nicht geholfen, hätten 

der Privatklägerin gesagt, es sei ihre Schuld, dass sie dem Beschuldigten ihr Geld 

gegeben habe und sie solle bei einer Freundin übernachten. Die Privatklägerin sei 

in der Kälte geblieben und habe ihr erzählt, sie habe ihr Kind seit Monaten nicht 

mehr gesehen. Da sie das Gleiche auch erlebt habe, habe sie der Privatklägerin 

aufgrund ihres Mitgefühls geholfen, sie zur Kriminalpolizei begleitet, wo die Pri-

vatklägerin erzählt habe, was passiert sei und sie übersetzt habe. Die Privatkläge-

rin sei dann an einen Ort gebracht worden, wo sie Hilfe bekommen habe. Sie ha-

be selber nicht gesehen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin Geld abge-

nommen habe, aber sie habe es in einem Viber zwischen der Privatklägerin und 

dem Beschuldigten gelesen (Urk. D1 7/3 S. 5 f.). Am Abend als sie an die 

R._____-strasse gegangen sei, um der Privatklägerin zu helfen, habe diese kein 

Geld dabei gehabt. Sie habe ihr Fr. 40.– gegeben (Urk. D1 7/3 S. 8). 

Ihre Beziehung zum Beschuldigten sei am Anfang sehr schön und gut gewesen. 

Ab März 2016 habe sie nicht mehr so viel Geld gehabt und habe ihn nicht mehr 

so unterstützen können, deswegen sei ihre Beziehung immer schlechter gewor-

-   30   - 

den. Sie habe ihn vorher finanziell unterstützt, habe alles für ihn bezahlt, Schuhe, 

Kleider, Essen, Telefon und Auto. Sie habe alles gemacht für ihn, da sie gedacht 

habe, dass sie mit ihm zusammenleben werde, aber er habe sie verarscht 

(Urk. D1 7/3 S. 7). 

2.2.3.2. Aussagen G._____ 

G._____ ist ein Arbeitskollege des Beschuldigten und war ein Nachbar von ihm. 

Er sagte in der Befragung als Auskunftsperson vom 27. September 2017 aus, er 

kenne die Privatklägerin nicht persönlich, habe noch nie mit ihr gesprochen, habe 

sie jedoch an der R._____-strasse gesehen. Er erklärte, er sei nur ein Mal in der 

Wohnung des Beschuldigten gewesen, das Zimmer sei recht gut eingerichtet ge-

wesen, zum Teil fast etwas besser als seinen Geldsorgen entsprochen hätte (Urk. 

D1 7/4 S. 4). 

Aus diesen allgemeinen Feststellungen des Zeugen betreffend Einrichtung der 

Wohnung des Beschuldigten lassen sich keine konkreten Belastungen ableiten, 

zumal der Beschuldigte in der fraglichen Zeit gemäss glaubhaften Aussagen von 

E._____ auch von ihr finanziell unterstützt wurde. Auf die Aussagen dieses Zeu-

gen ist daher nachfolgend nicht weiter einzugehen. 

2.2.3.3. Zeugenaussage F._____ 

F._____ ist mit der Privatklägerin befreundet. Sie kennt sie von der Arbeit im Stu-

dio an der S._____-strasse. Den Beschuldigten hat sie im Studio gesehen und 

kennt ihn vom Grüssen her. Sie sagte in der Zeugeneinvernahme vom 27. Sep-

tember 2017 aus, sie habe gesehen, dass die Privatklägerin sehr viel im Studio 

habe arbeiten müssen. Die Privatklägerin habe von 05.00 Uhr bis 23.00 Uhr ge-

arbeitet. Sie habe gesehen, wie der Beschuldigte bei der Privatklägerin das Geld 

geholt habe. Wenn er das Geld geholt habe, habe sie gehört, wie sie geschrien 

und gestritten hätten (Urk. D1 7/5 S. 4). Die Privatklägerin sei vielleicht ein biss-

chen verliebt gewesen, habe immer geweint und sei traurig gewesen. Er habe nur 

das Geld gewollt, sei am Abend gekommen, wenn sie fertig gewesen sei mit der 

Arbeit, habe das Geld genommen und habe mit der Privatklägerin gestritten (Urk. 

-   31   - 

D1 7/5 S. 4). Die Privatklägerin sei gezwungen worden, ihm das Geld zu geben, 

sonst habe er sie geschlagen. Sie habe nicht gesehen, wie der Beschuldigte die 

Privatklägerin geschlagen habe, aber sie habe das gehört und habe gesehen, wie 

die Privatklägerin aus dem Zimmer gekommen sei, rot im Gesicht gewesen sei 

und geweint habe, fast jeden Abend. Der Beschuldigte sei ein Jahr lang oder län-

ger gekommen und habe Geld von der Privatklägerin geholt (Urk. D1 7/5 S. 6). 

Sie habe der Privatklägerin angeboten, ihr zu helfen und mit ihr zur Polizei zu ge-

hen, das hätten andere Frauen auch angeboten. Die Privatklägerin habe nicht 

über das Thema sprechen wollen, sei weggelaufen. Vielleicht habe sie Angst ge-

habt, sehr grosse Angst, dass sie geschlagen werde (Urk. D1 5/7 S. 6). Sie habe 

nicht gehört, dass der Beschuldigte der Privatklägerin Vorschriften gemacht hätte 

(Urk. D1 5/7 S. 6). Der Beschuldigte habe sich immer bei der Bar vis à vis vom 

Studio bei der Eingangstür aufgehalten, fast den ganzen Tag. Manchmal sei er 

mit dem Auto weggefahren und sei mit Kollegen zusammen gewesen, dann sei er 

aber wieder gekommen (Urk. D1 7/5 S. 8). Die Zeugin bestätigte, dass die Privat-

klägerin sie am Telefon gefragt habe, ob sie als Zeugin agieren könne und sagen 

könne, was sie gesehen habe (Urk. D1 7/5 S. 7 f.). 

2.2.3.4. Zeugenaussage C._____ 

C._____ arbeitete im Service in der I._____. Sie hat in ihrer Zeugeneinvernahme 

vom 25. September 2017 ausgesagt, sie kenne den Beschuldigten vom Arbeits-

ort. Er komme jeweils in die Bar, um etwas zu trinken. Auch die Privatklägerin 

kenne sie von ihrem Arbeitsort, sie komme manchmal etwas trinken. Die Privat-

klägerin sehe sie auch privat, sie würden manchmal zusammen spazieren gehen 

(Urk. D1 7/1 S. 3). Die Privatklägerin habe eine Liebesbeziehung mit dem Be-

schuldigten gehabt. Sie habe sich über den Beschuldigten beklagt, dass er ihr das 

Geld wegnehme und sie kein Geld für Essen und Kosmetika habe. Sie habe Mit-

leid mit der Privatklägerin gehabt und habe ihr immer wieder Geld gegeben (Urk. 

D1 7/1 S. 4). Sie habe von 11.00 Uhr bis 20.00 Uhr gearbeitet. In dieser Zeit sei 

die Privatklägerin immer auf der Strasse gewesen. Das sei während 5 Monaten 

gewesen und habe im März oder April 2016 begonnen. Sie glaube, die Privatklä-

gerin habe den Beschuldigten am Anfang geliebt, habe ihr erzählt, sie gebe ihm 

-   32   - 

das Geld aus Liebe, nachher habe sie ihr erzählt, sie liebe ihn nicht mehr (Urk. D1 

7/1 S. 4 f.). Ob die Privatklägerin dem Beschuldigten das Geld freiwillig gegeben 

habe, wisse sie nicht (Urk. D1 7/1 S. 5).  

Am 5. Juli 2017 habe ihr die Privatklägerin erzählt, es sei jemand gekommen und 

habe ihr Fr. 1'000.– geboten, damit sie die Strafanzeige zurückziehe. Sie habe 

diese Person nicht gesehen (Urk. D1 7/1 S. 5). Am 25. August 2017 habe sie ge-

hört, wie ein Mann der Privatklägerin Geld angeboten habe, wenn sie die Aussa-

gen zurückziehe. Die Privatklägerin habe geantwortet, sie wolle nicht darüber 

sprechen und sie wünsche kein Geld (Urk. D1 7/1 S. 6). 

Die Privatklägerin habe sich bei ihr beklagt, dass der Beschuldigte sie geschlagen 

habe, sie habe dies jedoch nicht gesehen. Die Privatklägerin sei oft zu ihr ge-

kommen und habe geweint wegen ihrer Liebesprobleme (Urk. D1 7/1 S. 6). Sie 

habe ihr geraten, sich vom Beschuldigten zu trennen. Die Privatklägerin sei weiter 

mit ihm zusammen geblieben, sie wisse nicht, ob dies aus Liebe oder aus Ge-

wohnheit geschehen sei. Sie wisse nicht, ob die Privatklägerin verliebt gewesen 

sei,   oder gewisse Ängste gehabt habe (Urk. D1 7/1 S. 6 f.). Die Privatklägerin 

habe konstant über Ängste gesprochen, dass sie Angst vor dem Beschuldigten 

habe, was genau, habe sie nicht erzählt (Urk. D1 7/1 S. 8). 

2.2.3.5. Zeugenaussage D._____ 

Die Zeugin ist bei M._____ (Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen in der Strassen-

prostitution) als Sozialarbeiterin angestellt. Sie bezeichnete die Privatklägerin in 

der Zeugeneinvernahme vom 25. September 2017 als ihre Klientin (Urk. D1 7/2 S. 

3). Sie führte aus, sie sei mit einer Kollegin, Frau T._____, an der S._____-

strasse gewesen, da die Privatklägerin medizinische Unterstützung benötigt habe. 

Als Frau T._____ sie gerufen habe, eine Aufregung entstanden sei und Frau 

T._____ sie gebeten habe, Herrn U._____ anzurufen. Sie habe mit dem Rücken 

zur Privatklägerin gestanden und habe sich auf das Rufen hin umgedreht. Sie ha-

be gesehen, wie ein Mann mit etwas Weissem in der Hand Richtung W._____-

strasse gegangen sei. Die Privatklägerin habe ihr erzählt, der Mann habe ein Blatt 

Papier in der Hand gehabt. Er sei aus dem Gefängnis gekommen und habe ihr Fr. 

-   33   - 

1'000.– bezahlen wollen, sie quasi bestechen wollen, damit sie ihre Aussagen zu-

rückziehe.  

Die Zeugin erklärte, sie kenne den Beschuldigten nicht, die Privatklägerin kenne 

sie seit ca. 1 Jahr. Sie habe ihr erzählt, sie sei von einem kurdischen Mann oft 

geschlagen worden und habe diesem Mann sehr viel Geld abgeben müssen. Die 

Privatklägerin sei müde und extrem gestresst gewesen und habe Angst gehabt. 

Sie habe mit ihr auch über das Verfahren gesprochen und habe viel Kraft ge-

braucht. Obwohl sie Medikamente habe einnehmen müssen, um das alles durch-

zustehen, habe sie alles trotzdem weiterziehen wollen (Urk. D1 7/2 S. 4 f.). 

Sie selber habe keine Verletzungen bei der Privatklägerin gesehen. Sie habe ihr 

erzählt, dass der kurdische Mann sie häufig an den Kopf geschlagen habe. Vor 

einer Woche sei der ganze Kopf der Privatklägerin angeschwollen gewesen und 

sie habe die linke Seite ihres Körpers nicht mehr richtig gespürt. Es sei bis heute 

nicht ganz klar, was sie gehabt habe, es könnte auch psychosomatisch sein 

(Urk. D1 7/2 S. 6). 

2.2.3.6. Polizeiliche Befragung H._____ vom 6. April 2017 

Wie bereits vorstehend erwähnt, sind die Aussagen von H._____ nur zugunsten 

des Beschuldigten verwertbar. Er bestätigte, dass er die Dienste der Privatkläge-

rin in Anspruch genommen habe und sie ihm nichts von einem Zuhälter erzählt 

habe. Einmal sei die Privatklägerin krank gewesen und er sei mit ihr und einer 

Kollegin von ihr im Taxi zur Apotheke am Hauptbahnhof gefahren und habe ihr 

Medikamente gegen Erkältung, Nasenspray, Lutschtabletten und sonst noch et-

was gekauft (Urk. D1 6/5 S. 2 f.). Die Privatklägerin habe nichts von einem Zuhäl-

ter erzählt. Sie habe von einer Busse im Betrage von Fr. 1'000.– gesprochen, die 

sie bezahlen müsse, sonst hole sie die Polizei (Urk. D1 6/5 S. 4). Er habe ihr Fr. 

200.– mehr gegeben, als sie verlangt habe (Urk. D 1 6/5 S. 2). Die Aussagen des 

Zeugen stützen die Darstellung der Privatklägerin betreffend Arbeit trotz Krank-

heit. Zugunsten des Beschuldigten fällt dagegen ins Gewicht, dass die Privatklä-

gerin H._____ nichts von einer solchen Druckausübung erzählt hat. Da die Aus-

-   34   - 

sagen von H._____ in ihrer gesamten Würdigung nicht zugunsten des Beschul-

digten ausgefallen sind, sind sie nicht verwertbar. 

2.3. Auswertungsberichte Mobiltelefone 

Daraus geht hervor, dass die Privatklägerin bis einige Tage vor der Anzeigeerstat-

tung immer wieder Textnachrichten mit dem Inhalt "ich liebe dich" schickte. Hin-

zuweisen ist auf die Textnachrichten und Bildnachrichten vom 9. und 10. Oktober 

2016 (Anhang zu Urk. D1 5/5) und die Zeit davor (Anhang zu Urk. D1 5/5 S. 29 f.; 

Anhang zu Urk. D1 5/6 S. 11). Erst am 10. Oktober 2016 beginnen die Mitteilun-

gen der Privatklägerin an den Beschuldigten, dass sie sich traurig und allein fühle. 

Am 11. Oktober 2016 fragt sie ihn, wie viel Geld er habe, worauf er antwortet 

"30 fer". Im weiteren Verlauf erklärt die Privatklägerin dem Beschuldigten, sie sei 

psychologisch erschüttert (Anhang zu Urk. D1 5/5 S. 23). Am 12. Oktober schreibt 

die Privatklägerin dem Beschuldigten, er habe jemanden, er verneint und erklärt, 

er sei allein (Anhang S. 24). Sie erklärt, sie hole die Polizei, diese komme in 

10 Minuten. 

Die Anrufdauer war bei den meisten Gesprächen sehr kurz. Dieser Umstand ist 

vereinbar mit der Darstellung der Privatklägerin, wonach sie dem Beschuldigten 

nach Beendigung eines Geschäfts habe Bescheid geben müssen und dieser den 

Freierlohn abgeholt habe. Auf der anderen Seite ist den Gesprächen bzw. Chats 

keine Druckausübung seitens des Beschuldigten zu entnehmen.  

Die Verteidigung macht zutreffend geltend, am 11. Oktober 2016 habe der Be-

schuldigte eine SMS Mitteilung an die Privatklägerin geschickt mit dem Wortlaut 

"ok, mach du was du willst", was gegen eine Kontrollausübung des Beschuldigten 

spreche (Urk. 41 A.6 f.). Diese Äusserung (Anhang zu Urk. D1 5/4 S. 22 Mittei-

lung vom 11.10.2016 14:56:24) kann zwar als Indiz zugunsten des Beschuldigten 

gewertet werden. Jedoch ist sie ebenso gut mit der Darstellung der Privatklägerin 

in Einklang zu bringen, denn es gilt zu beachten, dass der Beschuldigte nach ihrer 

Darstellung ihre ganzen Einnahmen an sich genommen hatte und sie über kein 

Geld verfügte, um nach Ungarn zurückzukehren. Unter diesen Umständen konnte 

der Beschuldigte gelassen sagen, sie könne machen, was sie wolle. 

-   35   - 

Aus dem Chatverlauf zwischen der Privatklägerin und V._____ vom 12. Oktober 

2016 geht hervor, dass die Privatklägerin sich am Beschuldigten rächen will, in-

dem sie ausführt, sie wolle ihn für viele Jahre ins Gefängnis bringen. Sie erklärt 

gegenüber V._____, der Beschuldigte habe ihr Leben ruiniert, sie 5 Monate für 

blöd verkauft. Von V._____ erfährt sie dann, dass der Beschuldigte eine Bezie-

hung mit ihrer Tochter unterhalten habe und bei dieser gewohnt habe und dass 

ihre Tochter den Beschuldigten nun weggeschickt habe. Die Privatklägerin erklärt 

erneut, der Beschuldigte habe sie bereits ausgenützt und habe ihr ganzes Geld 

mitgenommen. Der Beschuldigte habe 5 Monate lang nur gelogen. V._____ rät 

ihr, den Beschuldigten wegen des Geldes anzuzeigen. Die Privatklägerin be-

schliesst, die Polizei zu rufen. Auf die Bemerkung von V._____, wonach die Pri-

vatklägerin nach Hause gehen solle, nicht warten solle, bis der Beschuldigte nach 

Hause komme und sie schlagen werde, antwortet die Privatklägerin, "Umso bes-

ser, wenn er mich schlägt." (Urk. 3/10 S. 8). Der Beschuldigte sei ein abscheuli-

cher Typ, sie werde ihm zehn Jahre aufbürden (Urk. 3/10 S. 9). Im weiteren Ver-

lauf des Chats hält V._____ fest, die Privatklägerin solle schauen, dass der Be-

schuldigte sie nicht schlage (Urk. 3/10 S. 11), worauf die Privatklägerin entgegnet, 

das traue er sich nicht (Urk. 3/10 S. 11). 

3. Beweiswürdigung 

3.1. Aussagen der Privatklägerin und Drittaussagen 

3.1.1. Glaubwürdigkeit 

a) Privatklägerin 

Die Privatklägerin hat aufgrund ihrer Stellung im Verfahren und der von ihr gel-

tend gemachten Zivilansprüche ein eigenes Interesse am Ausgang des Verfah-

rens. Als Motiv für eine Falschbelastung macht der Beschuldigte eine enttäuschte 

Liebesbeziehung geltend. Auf ein solches Motiv hinweisen könnte, dass die Pri-

vatklägerin im Chatverlauf mit V._____ vom 12. Oktober 2016 äusserte, sie wolle 

den Beschuldigten viele Jahre ins Gefängnis bringen wegen des Geldes und er-

klärte, es sei besser, wenn er sie schlage, sie wolle ihm 10 Jahre aufbürden. In 

-   36   - 

die gleiche Richtung weist, dass sie sich an die Polizei wandte, nachdem sie er-

fahren hatte, dass der Beschuldigte die ganze Zeit eine Beziehung mit E._____ 

unterhalten hatte. Auf der anderen Seite erscheint es unter der Annahme wahr-

heitsgemässer Aussagen der Privatklägerin auch ohne Weiteres nachvollziehbar, 

dass sie den Beschuldigten hart bestraft sehen wollte, nachdem ihr ganzes Geld 

verschwunden war, welches sie unter belastenden Umständen in der Prostitution 

verdient und dem Beschuldigten im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft und 

die Verbringung ihres Kindes in die Schweiz übergeben hatte und sie zudem er-

fuhr, dass der Beschuldigte die ganze Zeit eine Beziehung zu E._____ unterhal-

ten hatte. Dass die Privatklägerin eine harte Bestrafung des Beschuldigten 

wünschte, lässt keinen Schluss auf eine Falschbelastung oder – wie von der Ver-

teidigung geltend gemacht (Urk. 70 S. 16 f.) – auf ein Rachemotiv zu und spricht 

nicht gegen ihre Glaubwürdigkeit. 

Auch die Argumentation der Verteidigung, wonach es beim Verhalten der Privat-

klägerin an einer logischen Konsistenz fehle, da sie keine Hilfe geholt habe, zielt 

ins Leere und spricht somit auch nicht gegen ihre Glaubwürdigkeit. Die Privatklä-

gerin holte sich durchaus Hilfe, indem sie nach 4 Monaten am 13. Oktober 2016 

in Begleitung der Exfreundin des Beschuldigten (E._____) zur Polizei ging und 

daraufhin auch Anzeige gegen den Beschuldigten erstattete (vgl. vorstehend, 

Erw. II.2.2.1.1.), was für sie kein leichter Schritt gewesen sein dürfte, zumal sie 

wusste, dass sie sich als Prostituierte, welche aus Ungarn stammte und in Zürich 

an der R._____-strasse ihre Dienste anbot, in einer gesellschaftlich denkbar 

schlechten Position befand. 

Zusammenfassend liegen keine Hinweise vor, welche an der Glaubwürdigkeit der 

Privatklägerin zweifeln liessen. 

b) Beschuldigter 

Der Beschuldigte hat aufgrund seiner Stellung im Verfahren ein legitimes Interes-

se daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Seine 

Aussagen sind wie diejenigen der Privatklägerin vor dem Hintergrund dieser Inte-

-   37   - 

ressenlage zu würdigen. Auch seitens des Beschuldigten bestehen keine Hinwei-

se, welche an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln liessen.  

c) Drittpersonen 

E._____ ist eine Ex-Partnerin des Beschuldigten. Sie hat die Beziehung zu ihm 

um den Deliktszeitraum herum beendet. Sie hat die Privatklägerin am 12. Oktober 

2016 kennengelernt und hat sie zwecks Anzeigeerstattung zur Polizei begleitet. 

Ihr Verhalten gegenüber der Privatklägerin spricht gegen die Mutmassung des 

Beschuldigten, die Zeugin könnte ihn aus Eifersucht falsch belastet haben. Ihren 

Aussagen ist zu entnehmen, dass sie sich vom Beschuldigten betrogen und aus-

genützt fühlt. Die Möglichkeit eines Komplotts mit der Privatklägerin kann zwar 

nicht zum Vornherein ausgeschlossen werden, jedoch bestehen dafür aufgrund 

ihrer Aussagen auch nicht die geringsten Hinweise. Hinzukommt, dass E._____ 

als Zeugin unter Hinweis auf die strenge Strafandrohung bei falscher Zeugenaus-

sage gemäss Art. 307 StGB ausgesagt hat. Es besteht keine Veranlassung, an 

der Glaubwürdigkeit der Zeugin zu zweifeln. 

F._____ ist befreundet mit der Privatklägerin (Urk. D1 7/5 S. 3). Diese Nähe zur 

Privatklägerin könnte einen Einfluss auf ihr Aussageverhalten haben, zumal sie 

dem Beschuldigten ablehnend gegenübersteht. Letzteres geht aus ihrer Erklärung 

hervor, wonach der Beschuldigte aggressiv sei und keinen Respekt vor Frauen 

habe, alle Männer seiner Kultur seien Machos und würden schlagen (Urk. D1 7/5 

S. 5). Vor dem Hintergrund dieser Äusserungen sind ihre Aussagen mit Vorsicht 

zu würdigen. Es ist aber auch festzuhalten, dass sie unter der strengen Strafan-

drohung gemäss Art. 307 StGB als Zeugin ausgesagt hat. 

C._____ kennt den Beschuldigten als Kunden der Bar, in welcher sie arbeitet. 

Über sein Privatleben weiss sie nichts. Die Privatklägerin hat sie ebenfalls dort 

kennengelernt und hat jeden Tag mit ihr zusammen Kaffee getrunken, gegessen 

und sich auch über Privates unterhalten (Urk. D1 7/1 S. 3). Dass die Zeugin in der 

Bar arbeitet, welche von einem Verwandten oder Bekannten des Beschuldigten 

betrieben wird und sie vor ihrer Zeugeneinvernahme gegenüber der Polizei äus-

serte, sie wolle die Aussage verweigern, da sie Angst habe, ihre Stelle aufgrund 

-   38   - 

der Zeugenaussagen zu verlieren (Urk. D1 7/6), ist bei der Würdigung ihrer Aus-

sagen zu berücksichtigen. Jedoch dürfte sie in dieser Konstellation eher nicht da-

zu neigen, den Beschuldigten übermässig zu belasten und wurde auch sie unter 

Hinweis auf die Wahrheitspflicht und die strenge Strafandrohung gemäss Art. 307 

StGB einvernommen. 

D._____ hat die Privatklägerin im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit 

kennengelernt. Den Beschuldigten kennt sie nicht. Seitens dieser Zeugin ist kein 

Motiv für eine Falschbelastung des Beschuldigten erkennbar. Festzuhalten ist je-

doch, dass diese Zeugin nur darüber berichten kann, was ihr die Privatklägerin 

erzählt hat. Eigene Beobachtungen betreffend das Verhalten oder die Äusserun-

gen des Beschuldigten hat sie nicht gemacht. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass 

es die berufliche Aufgabe der Zeugin ist, in der Prostitution tätige Frauen zu un-

terstützen. Sie bezeichnete die Privatklägerin denn auch als ihre Klientin (Urk. D1 

7/2 S. 3). 

3.1.2. Würdigung der Aussagen 

3.1.2.1. Beschuldigter 

Die Aussagen des Beschuldigten ergeben kein stimmiges Bild. In zentralen Punk-

ten sind sie widersprüchlich und werden durch weitere Beweismittel widerlegt. An 

erster Stelle ist darauf hinzuweisen, dass er in den ersten Befragungen geltend 

machte, mit der Privatklägerin nie Sex gehabt zu haben, um dann schliesslich 

einzuräumen, ein Mal mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Auch seine 

Aussage, wonach er mit der Privatklägerin weder per SMS, Whats App oder Tele-

fon kommuniziert habe, ist durch das Ergebnis der Auswertung der Mobiltelefone 

der Privatklägerin widerlegt. Konfrontiert mit dem Ergebnis der Auswertung der 

Mobiltelefone der Privatklägerin, in welchen sich zahlreiche Mitteilungen des Be-

schuldigten finden, in welchen er der Privatklägerin erklärt, er liebe sie, verstieg er 

sich in die Erklärung, er habe durch diese Mitteilungen erreichen wollen, dass die 

Privatklägerin ihn in Ruhe lasse. Ebenso abstrus erscheint seine Erklärung betref-

fend den Versand von Bildern der Geschlechtsteile sowie seine Beteuerung, er 

habe nicht gewusst, dass die Privatklägerin der Prostitution nachging, zumal er 

-   39   - 

sie nach eigenem Bekunden den ganzen Tag an der R._____-strasse vor ein-

schlägigen Lokalitäten stehen sah. 

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten nicht glaubhaft. Es kann nicht 

darauf abgestellt werden. 

3.1.2.2. Privatklägerin und Zeuginnen 

a) Abnahme des Freierlohnes und Verwendung für eigene Zwecke 

Die Aussagen der Privatklägerin ergeben insgesamt ein plausibles nachvollzieh-

bares Bild. Sie sagte gleichbleibend aus, sie habe den Beschuldigten an der 

R._____-strasse kennengelernt, wo sie als Prostituierte gearbeitet habe. Zuvor 

sei sie schon mehrmals in Zürich gewesen, habe hier jeweils für ein paar Wochen 

als Prostituierte gearbeitet und sei dann wieder nach Ungarn zurückgekehrt, wo 

sie mit dem erwirtschafteten Geld ihren Sohn und ihre Geschwister unterstützt 

habe. Am Anfang habe sie mit dem Beschuldigten eine intime Beziehung unter-

halten. Sie habe den Beschuldigten nicht geliebt, dieser habe ihr jedoch in Aus-

sicht gestellt, er werde eine Wohnung und ein Auto kaufen und sie würden ihren 

Sohn in die Schweiz holen. Ausserdem habe er sie aufgefordert, ihm ihre Ein-

nahmen abzugeben, damit er diese auf sein Bankkonto einbezahle, wo das Geld 

sicher aufbewahrt sei. Am Anfang habe er sie aufgefordert, Bussen für ihn zu be-

zahlen, wobei er in Aussicht gestellt habe, ihr das Geld zurückzubezahlen. Vor 

dem Hintergrund des Sparens auf dieses Ziel (gemeinsame Wohnung und ihren 

Sohn in die Schweiz holen) habe sie dem Beschuldigten ihre gesamten Einnah-

men abgegeben. Er habe ihr pro Tag nur Fr. 20.– für Zigaretten und Essen und 

Fr. 100.– für die Zimmermiete gelassen. Am Anfang habe sie gedacht, er sei ein 

normaler Mensch und habe auch sparen wollen für eine Wohnung, ein Auto, das 

Kind in die Schweiz zu bringen (Urk. D1 5/10 S. 6). 

Die Aussagen der Privatklägerin werden gestützt durch die auf ihrem Mobiltelefon 

gespeicherte Aufnahme der Bankkarte des Beschuldigten (Urk. D1 5/9 Anhang 

S. 1).  

-   40   - 

Dass die Privatklägerin kein Geld hatte, wird ferner durch Drittaussagen belegt. 

So sagte E._____ aus, die Privatklägerin habe kein Geld gehabt, als sie zur Poli-

zei gegangen seien, daher habe sie ihr Fr. 40.– gegeben (Urk. D1 7/3 S. 8). Fer-

ner schilderte E._____, ihre Beziehung zum Beschuldigten sei immer schlechter 

geworden, als sie ab März 2016 nicht mehr so viel Geld gehabt und den Beschul-

digten nicht mehr so habe unterstützen können. Vorher habe sie ihn finanziell un-

terstützt und alles für ihn bezahlt, Schuhe, Kleider, Essen, Telefon und Auto, da 

sie gedacht habe, dass sie mit ihm zusammenleben werde. Er habe sie jedoch 

"verarscht" (Urk. D1 7/3 S. 7). Der von E._____ geschilderte modus operandi 

stimmt mit dem von der Privatklägerin geschilderten Vorgehen des Beschuldigten 

überein. Die Darstellung der Privatklägerin passt auch in der zeitlichen Abfolge zu 

derjenigen von E._____, indem der Beschuldigte sich nach dem Versiegen der 

ersten Geldquelle (E._____) in der Person der Privatklägerin eine neue suchte. 

Es bestehen keine Anhaltspunkte, welche an der Glaubhaftigkeit der Aussagen 

von E._____ zweifeln liessen, insbesondere hat sie den Beschuldigten nicht un-

nötig belastet. Vielmehr sagte sie aus, der Beschuldigte habe sie nie geschlagen 

und habe auch die Privatklägerin nicht geschlagen, als sie sich vor sie gestellt 

habe. Die Zeugin unterscheidet ausserdem klar zwischen selbst Wahrgenomme-

nem und dem von der Privatklägerin Erzählten, was für die Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen spricht. Entgegen der Darstellung des Beschuldigten ist bei E._____ 

keine Eifersucht als Motiv für eine Falschbelastung erkennbar. Dass sie die Be-

ziehung beendete und den Beschuldigten aus der Wohnung warf, bevor sie von 

dessen Beziehung mit der Privatklägerin erfuhr, ist durch den Chatverlauf vom 12. 

Oktober 2016 zwischen der Privatklägerin und der Mutter der Zeugin belegt. Aus-

serdem wäre es eine höchst ungewöhnliche Verhaltensweise, die Rivalin zur Poli-

zei zu begleiten und bei der Anzeigeerstattung gegen den Geliebten zu unterstüt-

zen. 

C._____ erklärte, die Privatklägerin habe sich über den Beschuldigten beklagt, 

dass er ihr das Geld wegnehme und sie kein Geld für Essen und Kosmetika habe. 

Sie habe Mitleid mit der Privatklägerin gehabt und habe ihr immer wieder Geld 

gegeben (Urk. D1 7/1 S. 4). Die Privatklägerin habe ihr am Anfang erzählt, sie 

gebe ihm das Geld aus Liebe, nachher habe sie gesagt, sie liebe ihn nicht mehr. 

-   41   - 

Sie wisse nicht, ob die Privatklägerin dem Beschuldigten das Geld freiwillig gege-

ben habe (Urk. D1 7/1 S. 4 f.). Ihre Aussage stützt diejenige der Privatklägerin, 

wonach sie mit der Zeit nicht einverstanden gewesen sei, dem Beschuldigten 

praktisch ihren ganzen Lohn abzugeben, auch anfangs sei sie nicht sehr einver-

standen gewesen, aber er sei aufdringlich gewesen und habe darauf bestanden 

(Urk. D1 5/2 S. 13). Sie habe versucht, ihm das Geld nicht zu geben, aber auch 

dann habe er es ihr weggenommen (Urk. D1 5/2 S. 13). Gerade diese Aussage 

von C._____, wonach sie nicht wisse, ob die Privatklägerin dem Beschuldigten 

das Geld freiwillig gegeben habe, zeigt, dass sie differenziert aussagte und den 

Beschuldigten nicht einfach pauschal und übermässig belastete. Die glaubhaften 

Aussagen der Privatklägerin und der Zeugin C._____ finden eine zusätzliche 

Stütze in der Aussage von F._____, welche erklärte, der Beschuldigte habe im-

mer am Abend nach Beendigung der Arbeit das Geld bei der Privatklägerin geholt 

und mit ihr gestritten (Urk. D1 7/5 S. 4). 

Aufgrund des gesamten Bildes, welches sich aufgrund der Aussagen der Privat-

klägerin ergibt, welche durch verschiedene Zeugenaussagen gestützt werden, 

bleiben keine rechtserheblichen Zweifel, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 

in der Zeit von Mitte Juni 2016 bis Mitte Oktober 2016 unter dem Vorwand des 

Sparens für eine gemeinsame Wohnung, ein Auto und die Verbringung des Soh-

nes der Privatklägerin in die Schweiz den gesamten Freierlohn – bis auf Fr. 120.– 

täglich für Essen, Zigaretten und Zimmermiete – abnahm und das Geld abspra-

chewidrig für eigene Zwecke verwendete. Erstellt ist auch, dass die Privatklägerin 

deshalb über kein Geld verfügte und auf finanzielle Hilfe von Kolleginnen ange-

wiesen war. 

b) Gewaltanwendung 

Auffällig ist, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten bis zum 10. Oktober 2016 

immer wieder schrieb, sie liebe ihn, sie vermisse ihn. Auf Vorhalt der entspre-

chenden Auszüge aus dem Mobiltelefon erklärte die Privatklägerin, N._____ habe 

ihr gesagt, sie solle dem Beschuldigten dies schreiben, sie solle nett zu ihm sein, 

da N._____ Angst gehabt habe, dass er sie schlage. Sie habe N._____ auch er-

zählt, dass er ihr das Geld wegnehme (Urk. D1 5/4 S. 10). Diese Erklärung der 

-   42   - 

Privatklägerin für ihre Liebesbeteuerungen erscheint als wenig plausibel, zumal 

sie nach dem 10. Oktober 2016 keine solchen Beteuerungen mehr schrieb und 

sich nichts geändert hatte, dass sie weniger Angst vor dem Beschuldigten hätte 

haben müssen. Zwar kann ihre Darstellung, wonach sie den Beschuldigten nicht 

geliebt habe, jedoch anfangs dachte, es würde sich eine Liebesbeziehung entwi-

ckeln, auch dahingehend gewertet werden, dass sie nicht nur für sie günstige 

Umstände erwähnt. Wäre es ihr doch ein Leichtes gewesen, eine emotionale Ab-

hängigkeit vom Beschuldigten zu behaupten. Dies ändert jedoch nichts daran, 

dass ihre Behauptung, sie habe den Beschuldigten nicht geliebt, schwer in Über-

einstimmung zu bringen ist mit den zahlreichen Liebesbeteuerungen, welche sie 

ihm bis zum Schluss schickte. 

Wenig konzis und sehr pauschal sind ihre Aussagen betreffend die geltend ge-

machte Gewaltanwendung seitens des Beschuldigten. Zudem zeichnet sich dies-

bezüglich auch eine gewisse Aggravierungstendenz ab, worauf die Verteidigung 

zutreffend hinwies (Urk. 70 S. 9 f.). In ihrer ersten Einvernahme sagte sie aus, der 

Beschuldigte habe sie viele Male, einige Male geohrfeigt und zwei Mal geschla-

gen (Urk. D1 5/1 S. 3 und S. 9) und habe sie schlagen wollen, als er ihr nach der 

Kontaktaufnahme mit E._____ auf der Strasse begegnet sei (Urk. D1 5/1 S. 8). In 

ihrer zweiten polizeilichen Einvernahme sagte sie dann ebenso pauschal aus, der 

Beschuldigte habe sehr oft, fast jeden Tag, die Hand drohend hochgehalten, um 

zu zeigen, dass er sie gleich schlagen werde. Er habe sie auch oft an den Haaren 

gerissen, vielleicht drei vier Mal die Woche und jeden Tag angeschrien (Urk. D1 

5/2 S. 5 f.). Es sei vorgekommen, dass sie sich gewehrt und zurückgeschlagen 

habe, vor allem in den letzten Tagen (Urk. D1 5/2 S. 6). Einmal im Juli oder Au-

gust habe er ihr vorgeworfen, sie nehme Drogen oder spiele an Spielautomaten 

und habe sie mit der flachen Hand stark an den Hinterkopf geschlagen und mit 

der Faust an die Schulter. Das zweite Mal sei er hereingekommen und habe ihr 

unvermittelt eine Ohrfeige gegeben. Einmal, vielleicht im August, sei sie blau an 

der Augenbraue gewesen, sie wisse nicht, ob er sie geohrfeigt oder geschlagen 

habe. Manchmal habe er sie fast täglich geschlagen, habe aber damit aufgehört, 

als sie nicht mehr gefragt habe, was er mache und wohin er gehe (Urk. D1 5/2 S. 

7). In den folgenden Einvernahmen erwähnte sie zuerst eine Ohrfeige als sie En-

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de Juli/Anfang August den Koffer gepackt habe und nach Ungarn habe fahren 

wollen (Urk. D1 5/4 S. 7). Der Beschuldigte sei zu ihr in die Wohnung gekommen 

und habe gesagt, sie solle nicht nach Ungarn gehen, sie würden zusammen ge-

hen und ihr Kind abholen. Er habe gesagt, er würde die Person, die sie fahre, zu-

sammenschlagen, wenn sie mitgehe (Urk. D1 5/4 S. 9 ). In der Woche des 

9. Oktober 2016 habe er sie etwa drei Stunden lang eingesperrt, weil sie gepackt 

habe und gesagt habe, dass sie weggehe. Er habe sie an der Schulter gepackt 

und ins Zimmer zurückgeworfen (Urk. D1 5/5 S. 8). In der letzten Einvernahme 

schilderte sie diesen Vorfall dann dahingehend, dass der Beschuldigte sie nicht 

habe gehen lassen, die Tür abgeschlossen und ihr weh getan habe. Es habe 

Spuren von den Schlägen an ihrem Kopf gegeben (Urk. D1 5/10 S. 11). Er habe 

sie an den Haaren ins Zimmer gezogen, habe sie dort eingesperrt und habe ge-

droht, sie solle nicht flüchten, weil er sie dann töte (Urk. D1 5/10 S. 17). Der Be-

schuldigte habe sie geohrfeigt, getreten und an die Schulter geschlagen, sie habe 

öfters Verletzungen gehabt. Sie habe einen blauen Fleck im Gesicht gehabt. 

Manchmal habe der Beschuldigte sie täglich geschlagen (Urk. D1 5/10 S. 12).  

Zusammenfassend weisen die Aussagen der Privatklägerin betreffend die Ge-

waltanwendung seitens des Beschuldigten keine Konstanz auf. Zudem ist ihre 

Darstellung über weite Strecken pauschal ausgefallen. Teils kann sie sich nicht 

erinnern, ob sie geohrfeigt oder geschlagen wurde. Drittpersonen haben keine 

Gewaltanwendung seitens des Beschuldigten gesehen. E._____ schilderte, dass 

der Beschuldigte an dem Tag, an welchem sie die Privatklägerin zur Polizei be-

gleitet habe, seine Hand gegen die Privatklägerin erhoben habe. Sie sei dazwi-

schen gegangen und habe verhindern können, dass der Beschuldigte die Privat-

klägerin geschlagen habe. Sie erwähnte auch, sie habe gehofft, dass der Be-

schuldigte nicht schlage, da er sie selber nie geschlagen habe (Urk. D1 7/3 S. 4). 

F._____ sagte aus, sie habe nicht gesehen, wie der Beschuldigte die Privatkläge-

rin geschlagen habe, aber sie habe das gehört und habe gesehen, wie die Privat-

klägerin aus dem Zimmer gekommen sei, rot im Gesicht gewesen sei und geweint 

habe, fast jeden Abend (Urk. D1 7/5 S. 6). C._____ sagte als Zeugin aus, sie ha-

be selber nicht gesehen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin geschlagen ha-

be, jedoch habe ihr die Privatklägerin dies erzählt und dass sie Angst vor ihm ha-

-   44   - 

be (Urk. D1 7/1 S. 6). Diese glaubhaften Aussagen von Drittpersonen stützen die 

Darstellung der Privatklägerin, wonach es seitens des Beschuldigten zu Gewalt-

anwendung ihr gegenüber gekommen ist. Häufigkeit und Intensität der Gewaltan-

wendung lassen sich aufgrund der pauschalen Aussagen der Privatklägerin und 

der Zeugenaussagen jedoch nicht zuverlässig erstellen und müssen offen gelas-

sen werden.  

Ergänzend ist festzuhalten, dass auf den bei den Akten liegenden Fotos, die die 

Privatklägerin von sich selber aufgenommen hat, ersichtlich ist, dass sie unglück-

lich wirkt, allenfalls etwas verquollen ist im Gesicht, was auch auf Weinen zurück-

geführt werden kann. Verletzungen oder Spuren von Schlägen oder Ohrfeigen 

sind jedenfalls auf keiner Aufnahme ersichtlich, auch nicht auf jener, auf welcher 

die Privatklägerin ankreuzte, wo sie einen blauen Fleck aufgewiesen habe und 

erklärte, L._____ vom M._____ habe diesen gesehen (Urk. D1 5/7 S. 4 zu Foto 

Nr. 35 und Anhang Foto Nr. 35). 

Hinzukommt, dass die Zeugin D._____ in ihrer Zeugeneinvernahme vom 25. Sep-

tember 2017 aussagte, die Privatklägerin habe ihr erzählt, sie sei häufig vom kur-

dischen Mann an den Kopf geschlagen worden. Sie selber habe keine Verletzun-

gen bei der Privatklägerin gesehen. Vor einer Woche sei der ganze Kopf der Pri-

vatklägerin angeschwollen gewesen und sie habe die linke Seite ihres Körpers 

nicht mehr richtig gespürt. Es sei bis heute nicht ganz klar, was sie gehabt habe, 

es könnte auch psychosomatisch sein (Urk. D1 7/2 S. 6). Diese von der Zeugin im 

September 2017 beobachteten Schwellungen stehen nicht in Zusammenhang mit 

Gewaltanwendungen seitens des Beschuldigten. Es kann daher auch nicht aus-

geschlossen werden, dass die leichte Aufquellung im Gesicht auf verschiedenen 

Fotos der Privatklägerin psychosomatischen Ursprungs waren oder Ausdruck von 

zu wenig Schlaf oder Überbelastung. Regelmässige Schläge seitens des Be-

schuldigten belegen diese Aufnahmen nicht. 

Zugunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass es zu Tätlichkeiten ge-

genüber der Privatklägerin gekommen ist. Dass er sie täglich durch Worte oder 

Schläge eingeschüchtert hat, wie ihm die Anklage vorwirft, lässt sich dagegen 

nicht erstellen. 

-   45   - 

c) Überwachung und Vorschriften hinsichtlich Ausübung der Prostitution 

Bezüglich Überwachung und Erteilung von Vorschriften für die Ausübung der 

Prostitution sagte die Privatklägerin aus, der Beschuldigte habe sie von der 

I._____ aus immer gesehen. Er habe sie dazu zwingen wollen, ohne Gummi zu 

arbeiten und Betrunkenen unter Einsatz eines Gassprays Geld wegzunehmen 

(Urk. D1 5/1 S. 3). Einmal sei er um 04.00 Uhr nach Hause gekommen und habe 

sie zusammengeschissen, weil sie nicht bei der Arbeit gewesen sei und habe sie 

angewiesen, auf die Strasse zu gehen (Urk. D1 5/1 S. 4).  

Sie habe jeden Tag von 05.00 Uhr bis 22.00 Uhr gearbeitet ohne Ruhetag dazwi-

schen und sei so müde gewesen, dass es vorgekommen sei, dass sie auf der 

Strasse eingeschlafen sei (Urk. D1 5/2 S. 4). Sie habe keinen freien Tag gehabt, 

der Beschuldigte habe getobt, sie müsse arbeiten gehen (Urk. D1 5/2 S. 4). Der 

Beschuldigte habe das Geld geholt, kaum sei der Freier weggewesen (Urk. D1 

5/2 S. 8). Er habe gesagt, sie dürfe nirgendwo hingehen, keine Freunde haben 

und nichts kaufen. Er habe ihre Arbeitszeiten festgelegt (Urk. D1 5/2 S. 9) und 

gesagt, sie solle auch ohne Gummi arbeiten. Letzteres habe sie nicht gemacht, 

vielmehr habe sie den Kunden auf dem Zimmer gesagt, dass ohne Gummi nichts 

gehe (Urk. D1 5/2 S. 10). Sie habe keine Möglichkeit gehabt, Freier abzulehnen, 

da er sie die meiste Zeit beobachtet habe (Urk. D1 5/2 S. 10).  

Der Beschuldigte sei am Morgen um 10.00 Uhr bei der I._____ gewesen und sei 

abends gegen 23.00 Uhr oder 24.00 Uhr gegangen, manchmal auch erst um 

01.30 Uhr. Wenn die Bar zu gewesen sei, habe er im Auto gesessen (Urk. D1 5/2 

S. 9). Er habe immer bei der Bar gestanden, sie glaube, er habe sie auch sonst 

beobachten lassen, weil er immer gewusst habe, wie viele Geschäfte sie habe. 

Sie denke, ein Bruder des Beschuldigten habe sie während seiner Abwesenheit 

beobachtet (Urk. D1 5/3 S. 5). N._____ von der Bar habe ihr gesagt, der Beschul-

digte sitze in der Bar am Fenster, von dort aus sehe er alles (Urk. D1 5/3 S. 9). Es 

sei vorgekommen, dass sie so viele Freier gehabt habe, dass sie am nächsten 

Tag habe zum Arzt gehen müssen. Man habe ihr Medikamente gegeben und ge-

sagt, sie solle sich ausruhen und nicht arbeiten. Der Beschuldigte habe getobt 

und gesagt, es tue ihr nicht weh und sie solle arbeiten (Urk. D1 5/3 S. 4). Wäh-

-   46   - 

rend des Tages habe der Beschuldigte ihr nicht erlaubt, in die Wohnung zu ge-

hen, sie habe nur am Abend nach der Arbeit dort sein dürfen, habe ca. gegen 

23.00 Uhr geduscht und sei am nächsten Morgen gegen 05.00 Uhr wieder auf die 

Strasse gegangen (Urk. D1 5/3 S. 6).  

Er habe in der I._____ am Fenster gesessen und habe sie beobachtet (Urk. D1 

5/10 S. 7). Sie habe sich keine Hilfe geholt, da sie Angst vor ihm gehabt habe. Er 

habe gesagt, die Polizisten würden ihr nicht glauben. Sie solle nicht versuchen, 

wegzugehen, er werde sie überall finden. Sie habe Angst gehabt, dass er sie um-

bringen würde, wenn sie ihn anzeige. Er sei immer mit der Gruppe unterwegs ge-

wesen und habe gesagt, er habe überall Kontakte, habe überall Geschwister und 

habe es gut mit der Polizei (Urk. D1 5/10 S. 10). Als die Polizisten sie gefragt hät-

ten, ob alles in Ordnung sei, ob sie nicht einen Kaffee trinken sollten, habe sie 

nichts sagen können, weil der Beschuldigte sie beobachtet habe (Urk. D1 5/10 

S. 11). Der Beschuldigte habe gesagt, sie solle mehr arbeiten, mehr runtergehen 

damit sie eine Wohnung kaufen könnten (Urk. D1 5/10 S. 9). Sie habe von 

05.00 Uhr bis 23.00 Uhr arbeiten müssen. Er habe sie die ganze Zeit beobachtet. 

Sie habe jedes Geschäft annehmen müssen, auch ohne Gummi (Urk. D1 5/10 

S. 11). Der Beschuldigte habe vor der Bar gestanden und habe alles gehört. In 

der Bar habe er sie vom Fenster aus beobachtet. Er sei immer dort gewesen, 

nonstop. Er habe gehört, wieviel sie verdiene, habe es gesehen und habe alle ih-

re Kunden gekannt. Manchmal sei er ins Zimmer gekommen, um das Geld zu ho-

len, sobald der Gast aus dem Zimmer gegangen sei. Der Beschuldigte habe im-

mer gewusst, was sie mache, selbst wenn er nicht dort gewesen sei (Urk. D1 5/10 

S. 13). Manchmal habe der Beschuldigte auch gewartet, bis sie eine bestimmte 

Summe angesammelt habe (Urk. D1 5/10 S. 14). Der Beschuldigte habe ihr be-

fohlen, auch ohne Gummi anzubieten, es habe Zeiten gegeben, wo sie das ge-

macht habe (Urk. D1 5/10 S. 13). 

Die Aussagen der Privatklägerin zum Anklagepunkt der Überwachung und dem 

Erteilen von Vorschriften für die Ausübung der Prostitution, insbesondere betref-

fend die langen Arbeitszeiten, sind über alle Einvernahmen hinweg konstant und 

erfolgten praktisch widerspruchsfrei. Einzig zur Frage, ob sie tatsächlich auch Sex 

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ohne Kondom gemacht habe, sagte sie in einer frühen Einvernahme aus, sie ha-

be dem Kunden auf dem Zimmer gesagt, sie mache das nicht, wogegen sie in ei-

ner späteren Einvernahme erklärte, es habe Zeiten gegeben, in denen sie dies 

gemacht habe. Ihre Aussagen erscheinen insgesamt plausibel und zeigen keine 

Tendenz zur Aggravation. Ihre Ausführungen zu den langen Arbeitszeiten und der 

grossen Anzahl Freier, die sie bedienen musste, werden gestützt durch diverse 

Zeugenaussagen. 

F._____ bestätigte in der Zeugeneinvernahme vom 27. September 2017, sie habe 

gesehen, dass die Privatklägerin sehr viel im Studio habe arbeiten müssen. Die 

Privatklägerin habe von 05.00 Uhr bis 23.00 Uhr gearbeitet (Urk. D1 7/5 S. 4). Sie 

habe nicht gehört, dass der Beschuldigte der Privatklägerin Vorschriften gemacht 

hätte (Urk. D1 7/5 S. 6). Der Beschuldigte habe sich immer bei der Bar vis à vis 

vom Studio bei der Eingangstür aufgehalten, fast den ganzen Tag (Urk. D1 7/5 S. 

6 f.). Ihre Aussagen stimmen weitgehend überein mit der Zeugenaussage von 

C._____, wonach der Beschuldigte täglich in die Bar gekommen sei, um etwas zu 

trinken und Karten zu spielen (Urk. D1 7/1 S. 4). Sie habe von 11.00 Uhr bis 

20.00 Uhr in der Bar gearbeitet. In dieser Zeit sei die Privatklägerin immer auf der 

Strasse gewesen. Das sei während 5 Monaten gewesen und habe im März oder 

April 2016 begonnen (Urk. D1 7/1 S. 4). Der Beschuldigte habe in der Bar keinen 

Stammplatz gehabt, er habe sich einfach hingesetzt, wo es gerade frei gewesen 

sei (Urk. D1 7/1 S. 8). 

Es bestehen keine Anhaltspunkte, welche an der Glaubhaftigkeit der beiden un-

abhängigen Zeugenaussagen zweifeln liessen. Insbesondere ist festzuhalten, 

dass F._____ trotz ihrer verallgemeinernden negativen Äusserungen über Männer 

aus dem Kulturkreis des Beschuldigten differenziert aussagte und keine Tendenz 

erkennbar ist, ihn übermässig zu belasten. Insbesondere räumte sie ein, sie habe 

weder gesehen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin geschlagen habe, noch 

habe sie gehört, dass er ihr Vorschriften gemacht habe. Gestützt auf die Zeugen-

aussagen ist erstellt, dass die Privatklägerin sehr lange Arbeitszeiten hatte. Dass 

sie über 5 Monate hinweg jeden Tag ohne grössere Pausen oder freie Tage in 

diesem Gewerbe so lange arbeitete, muss auf eine Drucksituation zurückzuführen 

-   48   - 

sein. Denkbar ist sowohl, dass dieser Druck entstand, weil die Privatklägerin 

Angst vor dem Beschuldigten hatte und sich nicht getraute, sich ihm entgegenzu-

setzen, jedoch auch, dass sie ihn liebte und möglichst rasch möglichst viel Geld 

für eine gemeinsame Wohnung und die Verbringung ihres Sohnes in die Schweiz 

sparen wollte. Auf letztere Variante lässt ihre Aussage schliessen, sie sei von der 

vielen Arbeit so müde gewesen, es sei vorgekommen, dass sie auf der Strasse 

eingeschlafen sei. Sie habe nirgends hingehen und nichts kaufen dürfen, er habe 

immer gesagt, sie müssten sparen, weil es keine Wohnung und kein Auto gebe 

und sie würden ihren Sohn abholen (Urk. D1 5/2 S. 4). F._____ sagte diesbezüg-

lich aus, die Privatklägerin sei vielleicht ein bisschen verliebt gewesen und habe 

immer geweint und sei traurig gewesen. Der Beschuldigte habe nur das Geld ge-

wollt und habe nicht einmal bei der Privatklägerin geschlafen. Er sei immer am 

Abend gekommen, habe das Geld genommen und mit der Privatklägerin gestrit-

ten (Urk. D1 7/5 S. 4). Sie und andere Kolleginnen hätten der Privatklägerin Rat-

schläge gegeben, aber sie sei halt in ihn verliebt gewesen und habe nicht hören 

wollen (Urk. D1 7/5 S. 5). C._____ sagte als Zeugin aus, die Privatklägerin habe 

ihr am Anfang erzählt, dass sie den Beschuldigten liebe und ihm das Geld aus 

Liebe gebe. Danach habe sie gesagt, dass sie ihn nicht mehr liebe, was dann ge-

schehen sei, wisse sie nicht mehr (Urk. D1 7/1 S. 5). Die Privatklägerin habe sich 

ihr gegenüber beklagt, dass der Beschuldigte sie geschlagen habe. Sie sei oft zu 

ihr gekommen und habe geweint wegen ihren Liebesproblemen. Sie habe der 

Privatklägerin geraten, die Beziehung zu ihm zu unterbrechen. Die Privatklägerin 

sei aber mit ihm zusammen geblieben, sie wisse nicht, ob dies aus Liebe oder 

Gewohnheit gewesen sei (Urk. D1 7/1 S. 6). Gemäss übereinstimmenden Zeu-

genaussagen von F._____ und C._____ hat die Privatklägerin den Beschuldigten 

mindestens anfangs geliebt und hat wegen Liebesproblemen geweint. Mit diesen 

Zeugenaussagen vereinbar sind denn auch die zahlreichen Liebesbeteuerungen 

der Privatklägerin, welche sie dem Beschuldigten bis in den Oktober 2016 schick-

te. Die Erklärung der Privatklägerin, sie habe den Beschuldigten nicht geliebt und 

habe ihm diese Liebeserklärungen geschickt, weil N._____ Angst gehabt habe, 

dass er sie schlage und ihr gesagt habe, sie solle dem Beschuldigten dies sc