# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b63953c-ab2d-537f-ae4b-91db1dafb182
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-07
**Language:** de
**Title:** Abzustellen ist auf das IV-Gutachten, nicht auf den Kreisarztbericht; Invalideneinkommen entspricht Tabellenlohn, Anforderungsniveau 2; Gutheissung.
**Docket/Reference:** UV.2020.00246
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2020.00246.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2020.00246
II. Kamm
er
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
7. Dezember 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
Kasernenstrasse 15, Postfach, 8021 Zürich
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1965, arbeitete seit dem 1. April 2013 bei der
Y.___
AG als Elektroinstallateur
zu einem 100%-Pensum
und war im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 22. Januar 2014 mit dem Fuss in ein Loch trat und stürzte und sich dabei an der linken Schulter verletzte (Urk. 9/1). Die Ärzte der
Klinik Z.___
diagnostizierten im Bericht über die Notfallkonsultation vom 19. Februar 2014 (Urk. 9/6) eine traumatische Ruptur der cranialen
Subscapularissehne
und eine instabile lange Bizepssehne der Schulter links und wiesen darauf hin, dass sich der Versicherte beim selben Unfall eine Distorsion des oberen Sprunggelenks (OSG) rechts zugezogen hatte. Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen des Unfallereignisses, richtete Taggelder aus und übernahm die Kosten der Heilbehandlung (Urk. 9/
2-4).
Mit durch
Einspracheentscheid
vom 9. Januar 2018 (Urk. 9/260) bestätigter Ver
fügung vom 12. September 2016 sprach die Suva dem Versicherten eine Integritätsentschädigung für die aus dem Unfallereignis vom 22. Januar 2014 verbl
ie
bene Beeinträchtigung von 20 % entsprechend einem Betrag von Fr. 25'200.
zu (Urk. 9/228). Das Sozialversicherungsgericht wies die dagegen gerichtete Beschwerde im Prozess Nr. UV.2018.00046 mit Urteil vom 2. Oktober 2019 ab (Urk. 9/316), welcher Entscheid vom Bundesgericht mit Urteil vom 11. Februar 2020 geschützt wurde (Urk. 9/329).
1.2
Bereits zuvor, am 6. September 2016
,
nahm der Versicherte eine Umschulung
zum Informatiker
auf, für welche die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, neben der Zusprache von Taggeldern Kostengutsprache leistete (Urk. 9/230). Die Suva stellte die Heilkosten und Taggeldleistungen per 5. September 2016 ein und stellte die Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen in Aussicht (Urk. 9/229).
Nachdem die Suva von der IV-Stelle
am 10. Januar 2020
darüber informiert worden war, dass der Versicherte die
Umschulung zum Informatiker EFZ
erfolg
reich abgeschlossen
hat
te
(Urk. 9/
327/2-3
),
sprach sie ihm mit Verfügung vom 24. April 2020 ab 1. Januar 2020 eine Rente
bei einem Invaliditätsgrad von 17 %
zu (Urk. 9/356). Die dagegen gerichtete Einsprache vom 8. Mai 2020 (Urk. 9/360;
Einspracheergänzung
vom 11. Juni 2020, Urk. 9/364) wies
sie
mit
Einsprache
entscheid
vom 30. September 2020 ab (Urk. 9/369 = Urk. 2).
2.
2.1
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 30. September 2020 (Urk. 2) erhob der Ver
sicherte am 2. November 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
(S. 2 oben)
, dieser sei aufzuheben
(Ziff. 1)
und die Suva sei zu verpflichten
, nach ergänzenden Abklärungen seinen Invaliditätsgrad neu festzulegen
(Ziff. 2); eventu
ell
sei das Verfahren bis zum Abschluss der Rentenprüfung durch die Invalidenversicherung zu sistieren (Ziff. 3). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2021 (Urk. 8) schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (S. 2 oben). Mit Gerichtsverfügung vom 4. Februar 2021 wurde das Verfahren bis zum Abschluss des Administrativ
verfahrens der Invalidenversicherung sistiert (Urk. 11).
2.2
Am 1. Februar 2022 nahm der Versicherte eine Tätigkeit als
Magaziner
zu einem Arbeitspensum von 40 % bei der
A.___
AG auf (Urk. 23/365). Mit
Eingabe vom 9. März 2023 reichte
er dem Gericht
den Vorbescheid
der IV-Stelle
vom 12. Dezember 2022 (Urk. 16/1)
ein (Urk. 15) und
liess ihm
am 20. April 2023 die Rentenverfügung
derselben
vom 19. April 2023
(Urk. 18)
zukommen
, mit welcher ihm von Janu
a
r 2015 bis März 2016 eine ganze und von April bis September 2016 sowie ab Januar 2020 eine
Dreiviertelsrente
zugesprochen wor
den war,
mit dem Hinweis, dass diese rechtskräftig sei (Urk. 17). Mit Verfügung vom 26. April 2023 hob das
Sozialversicherungsg
ericht die am 4. Februar 2021 angeordnete Verfahrenssistierung auf und zog die Akten der Invaliden
versicherung (Urk. 23/1-386) bei (Urk. 19).
2.3
Mit Replik vom 5. Juli 2023 beantragte der Beschwerdeführer, es sei ihm in Gut
heissung der Beschwerde eine Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditäts
grades von 57 %, eventuell von 53 %, zuzusprechen (S. 5 oben). Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 13. September 2023 am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (Urk. 30), worüber der Beschwerdeführer am 13. September 2023 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 31).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt aus
gebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
22. Januar 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6
UVG
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1).
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer
den kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE
142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1
, je mit Hinweisen
; Urteil des Bundesgerichts 8C_305/2022 vom 13. April 2023 E. 3.1
).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE
142 V 435 E. 1,
129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (
vgl. BGE 138 V 248 E. 4, 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/
bb
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_640/2022 vom 9. August 2023 E. 4
).
1.5
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG;
BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil
des Bundes
gerichts
8C_
527/2020
vom 2.
November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen
). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1
).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1
).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Ver
sicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE
145 V 97 E. 8.5,
142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Im gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung besteht keine
absolute
Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig. Die IV-Stellen und die Unfall
versicherer haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzunehmen. Sie dürfen sich ohne weitere eigene Prüfung nicht mit der blossen Übernahme des Invaliditätsgrades des jeweils anderen Sozialversicherers begnügen
. Bereits abgeschlossene Invaliditätsfestlegungen sind
mitzuberück
sichtigen
(
vgl. BGE 133 V 549 E. 6, 126 V 388 E. 2d sowie Urteil des Bundes
gerichts 8C_429/2021 vom 17. Mai 2022 E. 5.1, je mit Hinweisen
).
2.
2.1
Im
Einspracheentscheid
(Urk. 2) hielt die Beschwerdegegnerin fest, nach der medizinischen Beurteilung von
Dr.
B.___
vom 30. Mai 2016 seien
den Akten
keine weiteren einschlägigen Arztberichte
zu entnehmen, weshalb auf dessen Ein
schätzung abgestellt werden könne. Es bestehe keine Notwendigkeit für weitere Abklärungen, zumal betreffend die Schulter keine anderweitige, dem kreisärzt
lichen Zumutbarkeitsprofil entgegensprechende Berichte eingegangen sei
e
n und die Verschlechterung des Sprunggelenks für eine Bürotätigkeit, wie sie der Beschwerdeführer als Informatiker ausübe, nicht von zentraler Bedeutung sei (S. 7 f. Ziff. 4). Betreffend die organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden
habe der Beschwerdeführer einen leichten Unfall erlitten
, weshalb der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei (S. 9
lit
. d). Für die Er
mittlung des Invalideneinkommens sei auf die Tabellenlöhne abzustellen, und zwar auf das Kompetenzniveau 2, welches aufgerechnet auf das Jahr 2020 Fr. 81'650.
betrage (S. 12
lit
. b). Ein Leidensabzug sei nicht zu gewähren (S. 13 Mitte). Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 98'475.
ergebe sich eine unfall
bedingte Erwerbseinbusse von rund 17 % (S. 13
lit
. d).
Mit Beschwerdeantwort (Urk. 8) wiederholte die Beschwerdegegnerin, es sei nicht von einer vollständigen Gebrauchsunfähigkeit des linken Armes auszugehen (S. 3 Ziff. 6.1).
Der Beschwerdeführer sei aufgrund der Unfallfolgen in einer der Behinderungen angepassten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig. Die Tätigkeit als Informatiker sei mit dem kreisärztlich definierten Zumutbarkeitsprofil verein
bar. Mangels Unfallkausalität seien die psychogenen und kognitiven Störungen nicht zu berücksichtigen (S. 5 Ziff. 6.5). Aufgrund der Ausbildung zum Informatiker und als gelernter Elektroinstallateur und Fotograf sei es
dem Beschwerdeführer
zumutbar, in der Tätigkeit als Informatiker einen Lohn im Rahmen des Kompetenzniveaus 2 zu erzielen. Den Schulterbeschwerden sei be
reits im Zumutbarkeitsprofil Rechnung getragen worden, weshalb sie nicht zu
sätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzuges einfliessen dürften (S. 6 oben).
Mit
Duplik führte die Beschwerdegegnerin
sodann
aus
(Urk. 30)
, das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten datiere nach dem
Ein
spracheentscheid
, weshalb es für das vorliegende Verfahren nicht zu berücksich
tigen sei (S. 1 Mitte). Ohnehin sei im Gutachten nicht zwischen unfallbedingten und unfallfremden Beeinträchtigungen unterschieden worden, weshalb der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten k
önne
(S. 1 unten). Die im orthopädischen Teilgutachten attestierte qualitative Einschränkung von 20 % sei einem chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom geschuldet und als unfallfremde Diagnose im vorliegenden Verfahren nicht zu beachten. Es werde im Gutachten nirgends begründe
t
dargelegt, dass
d
iese Schmerzen aufgrund organisch nachgewiesener Unfallfolgen erklärbar seien
, womit auch aufgrund des Gutachtens feststehe, dass rein aufgrund der organischen Unfallfolgen in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 2 Mitte). Weil im Gutachten auch unfallfremde Faktoren berücksichtig worden seien, sei auch die Berechnung des IV-Grades
durch die Invalidenversicherung
vorliegend nicht relevant (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer machte
dagegen geltend (Urk. 1), er sei unfallbedingt schon vor dem bei der Beschwerdegegnerin versicherten Ereignis beeinträchtigt gewesen, habe jedoch seine angestammte Tätigkeit noch ausüben können, da er vieles mit dem noch unverletzten linken Arm habe kompensieren können. Nach dem zweiten Unfallereignis sei dies nicht mehr möglich. Das linke Schultergelenk sei massiv eingeschränkt, wodurch die rechte Schulter wieder mehr eingesetzt werde, was auch hier zu einer Verschlechterung der Beschwerdesituation führe (S. 6 Ziff. 19). Es sei unbestritten, dass eine beidseitige komplexe und operativ nicht mehr angehbare Rotatorenmanschettenruptur, verbunden mit AC-Gelenksarthrosen, zu massiven Schmerzen führe. Dass die kognitiven Beeinträchtigungen mangels eindeutig nachweisbarer Zuordnung nicht als adä
quat kausale Unfallfolge zu erachten seien, bedeute nicht, dass auch die Schmerz
problematik keinen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis habe. Diese massiven und seit Jahren andauernden Sch
m
erzen seien klar organisch bedingt, weshalb sie bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt werden müssten (S. 7
Ziff.
20-21). Er habe mit einer Verlängerung der beruflichen Massnahmen die Ausbildung abschliessen können, obwohl sich bereits im Praktikum gezeigt habe, dass die typischerweise von einem
Informatiker auszu
übenden Arbeiten, die nicht nur am PC sitzend stattfinden, nicht optimal an
gepasst seien. Im neu erlernten Beruf könne er nur Teilbereiche selbständig erledigen. Es sei nicht realistisch, dass er als Informatiker eine an die körperlichen Beeinträchtigungen angepasste Anstellung finden könne, welche ausschliesslich Arbeiten am PC oder am Telefon umfassen und bei der er trotzdem einen dem Kompetenzniveau 2 entsprechenden Verdien
s
t erzielen könnte
. Es sei daher beim Invalideneinkommen vom Kompetenzniveau 1 auszugehen (S. 8 Ziff. 25-26). Vom Tabellenlohn sei ein Abzug von 25 % zu gewähren, da sein linker Arm praktisch vollständig gebrauchsunfähig sei, was sich aufgrund der Wechsel
wirkung zum ebenfalls beeinträchtigten rechten Arm besonders limitierend aus
wirke (S. 8 Ziff. 27).
Mit Replik führte der Beschwerdeführer aus
(Urk. 27)
, im
im
Auftrag der IV-Stelle veranlassten polydisziplinären Gutachten sei aus orthopädischer Sicht festgestellt worden, dass die Beweglichkeit und Belastbarkeit beider Schultergelenke stark eingeschränkt
sei
. Selbst bei optimal angepasster Tätigkeit bestehe infolge der chronischen Schmerzsymptomatik eine 20%ige Einschränkung
(S. 1 Ziff. 6.1)
. Dies zeige, dass der Beschwerdeführer nicht nur funktionell limit
i
ert, sondern zu
sätzlich schmerzbedingt in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
Die Tätigkeit als Informatiker erfolge nicht ausschliesslich
oder
vorwiegend sitzend, denn er sei zum Informatiker mit Fachrichtung Systemtechnik umgeschult worden. Diese Tätigkeit könne aufgrund des Zumutbarkeitsprofils nicht optimal umgesetzt werden (S. 2 Ziff. 6.2). Es sei mit einem Tabellenlohnabzu
g
der Tatsache Rechnung zu tragen, dass ihm auch in einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt selbst in einer optimal angepassten Tätigkeit nur noch ein sehr geringes Spektrum ver
bleibe, denn er sei als funktionell Einarmiger zu betrachten, der den einen Arm nur noch als
Hilfsarm
einsetzen könne, wobei auch der rechte Arm stark be
einträchtigt sei (S. 4 oben).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die verbleibende Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers
und zu welcher Erwerbs
einbusse diese führt. Nicht streitig ist dagegen, dass die kognitiven Beeinträchtigungen nicht auf den Unfall zurückzuführen sind.
3.
3.1
Am 2
7.
Mai 2016 fand eine kreisärztliche Untersuchung bei
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Chirurgie
, statt, worüber dieser gleichentags berichtete
(
Urk.
9/207)
. Als Diagnose nannte er einen Status nach Sturz am 22. Januar 2014 mit Distorsion des rechten oberen Sprunggelenks (OSG) mit Teilruptur des lateralen Bandapparates und Teilruptur des Lig
amentum
deltoideum
,
Teilabriss der
Subscapularissehne
,
Pulley
-Läsion und Längsriss in der langen Bizepssehne. Es sei eine konservative Therapie der Sprunggelenksläsion und eine arthro
skopische
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
der linken Schulter (3. April 2014) erfolgt.
Später
habe eine Re-Ruptur der
Rotatorenmanschette
am Übergang Supraspinatus/Infraspinatus und eine Revisionsarthroskopie mit Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
(5. Dezember 2014) mit sonographischem Nachweis einer erneuten Ruptur der Supraspinatussehne (24. Juni 2015) stattgefunden.
Nebenbefundlich
bestehe ein Status nach zweimaliger Operation einer
Subscapularisläsion
rechts (2010; S. 7 Mitte).
D
er Beschwerdeführer sei rechts
dominant. Er habe den Untersuchungsraum ohne Hinken betreten, Treppauf- und
Treppabgehen
erfolge alternierend und sicher ohne Benützung des Handlaufs. Fersen
-
und Zehenspitzengang sei
en
seitengleich problemlos möglich, ebenso der
Einbeinstand
.
Es sei beidseits kein
Kalkaneuskompressionsschmerz
, keine laterale Aufklappbarkeit, kein
Schubladendenphänomen
und keine
Impingement
symptomatik
auslösbar. Es bestehe ein leichter Druckschmerz im Bereich distal des rechten Aussenknöchels.
Der Schulterstand sei links 1 cm tiefer als rechts. Die Muskulatur des Schultergürtels sei seitengleich mit jeweils leichter Hypo
trophie im Bereich des Supraspinatus.
Beiderseits fänden sich reizlose
Arthro
skopieportalnarben
. Die aktive Beweglic
hkeit des Schultergelenks bei Ab-/Ad
duktion
betrage
rechts 120-0-25°, links 20-0-10°, die Ante-Retroversion rechts 150-0-120°, links 45-0-10°, die Extra-/Intrarotation bei gebeugtem Arm rechts 60-0-80°, links 30-0-70°. Die
Rotatorenmanschettentests
links seien praktisch nicht verwertbar. Flexion und Extension der Ellbogen sei
en
seitengleich un
auffällig, ebenso die Pro- und Supination der Unterarme. Die Beweglichkeit von Handgelenk, Hand und Fingern sei unauffällig (S.
6).
Subjektiv
persistierten
Schmerzen in beiden Schultern, links mehr als rechts, und eine Bewegungseinschränkung
im Schultergelenk
vor allem links
sowie
wechselnde Beschwerden im Bereich des OSG. Unfallunabhängig bestünden Merkfähigkeitsstörungen, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen. Objektiv f
änden
sich eine mässige Einschränkung der Schulterbeweglichkeit rechts und eine massive Einschränkung der Schulterbeweglichkeit links. Eine wesentliche Verbesserung sei nicht zu erwarten. Die körperlich schwere Tätigkeit als Elektro
installateur sei nicht zumutbar.
B
ezüglich der linken Schulter
sei
aus medizinischer Sicht
eine leichte Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten lediglich körpernah, ohne Tätigkeiten auf Brustniveau
sowie
ohne abrupte und stärkere Zug- und Stossbelastungen
, möglich
. Auch sollten Schläge und Vibrationen auf die obere linke Extremität vermieden werden (S.
7). Nach Erhalt der Untersuchungsbefunde bezüglich des Sprunggelenks rechts könne ent
schieden werden, ob weitere Einschränkungen vorhanden seien (S.
8).
Nachdem das a
m 13.
Juni 2016
durch
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Radiologie und diagnostische Neuroradiologie,
Kernspintomogramm
(MRI)
des rechten Rückfusses
(vgl. Urk. 9/214) vorgelegen hatte, äusserte sich
Dr.
B.___
am 19. Juli 2016 (Urk. 9/222) zum Zumutbarkeitsprofil bezüglich des OSG und hielt eine wechselbelastende Tätigkeit als sinnvoll.
3.
2
Laut
Stellungnahme
von PD
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Suva Versicherungsmedizin, vom
9.
März 2018 (
Urk. 9/267
)
dokumentiert
der Bericht über die kreisärztliche Untersuchung vom 2
7.
Mai 2016
(vgl. vorstehende E. 3.1)
alle wesentlichen Angaben zu den vom
Beschwerde
führer
beklagten Beschwerden und die Befunde einer umfassenden und aus
gesprochen sorgfältigen klinischen Untersuchung. Die basierend auf diesen Informationen und allen weiteren relevanten Dokumenten getroffenen versicherungsmedizinischen Schlussfolgerungen seien überzeugend begründet und nachvollziehbar. Eine vom Kreisarzt
i
m Zeitpunkt der Untersuchung als nicht ausreichend beurteilte Datenlage zu den Unfallfolgen in der Region des rechten Rückfusses sei konsequent durch eine in der Folge veranlasste kernspintomo
grafische
Schnittbildgebung
komplettiert worden (S.
3
Mitte
). Bezüglich einer Instabilität des rechten Rückfusses als allfällige Unfallfolge habe der Kreisarzt mit Untersuchung vom 2
7.
Mai 2016 «keine laterale Aufklappbarkeit, kein Schubladenphänomen» festgestellt. Das kreisärztlich veranlasste und am 13.
Juni 2016 vorgenommene
MRI
(vgl. vorstehende E. 3.2)
bringe gemäss fach
radiologischer Beurteilung erhaltene Bandstrukturen und abgeheilte Aussen
bandrupturen zur Darstellung. Die beschriebene
n
vorbestehenden leichten Degenerationen in den Sprunggelenken seien nicht als Unfallfolge zu werten
(S. 4 Mitte).
3.
3
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
,
hielt im
Bericht vom 13.
Juli 2018
fest
(Urk.
9/275
)
,
seit der letzten Konsultation vom 10.
Mai 2016 habe sich aus schulterchirurgischer Sicht
keine relevante Veränderung ergeben. Die neuro
psychologischen Symptome seien
sicher auch durch die Schmerzhaftigkeit bedingt. Der linke Arm sei gebrauchsun
f
ähig
.
R
ein sitzende Tätigkeiten am
Computer
seien möglich, hingegen sei eine Installationstätigkeit
von Computern
nicht
realisierbar
(S. 2 Mitte)
.
Im an die IV-Stelle gerichteten Bericht vom
20. Juli 2018 (Urk. 9/374 S. 3)
stellte
Dr.
E.___
fest, die aktuelle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gründe einerseits auf der orthopädischen Situation an den Schultern, aber auch zu einem bedeutenden Anteil auf Gedächtnisstörung mit verminderter Speicher- und Lern
fähigkeit. Aus schulterchirurgischer Sicht sei der Beschwerdeführer in einer rein administrativen Tätigke
i
t, welch
e
lediglich den rechten Arm repetitiv beanspruche, zu 50 % arbeitsfähig.
Mit Stellungnahme vom
5.
Oktober 2018 (Urk.
9/279
) ergänzte
Dr.
E.___
, er schätze das Ausmass der Gebrauchsunfähigkeit der linken Schulter aufgrund der Befunde als schwer ein. Aktiv habe der Beschwerdeführer anlässlich der klini
schen Untersuchung vom 1
3.
Juli 2018 den Arm kaum um wenige Grade
elevieren
und abduzieren können und auch eine Aussenrotation sei kaum möglich gewesen. Die Aussenrotation habe, wenn passiv durchgeführt, aktiv nicht mehr gehalten werden können.
3.
4
Laut Bericht über die Fuss-Sprechstunde
in
der
Klinik F.___
vom 1
4.
Februar 2019 (Urk.
9/296)
diagnostizierten
die Ärzte
eine chronische OSG-Instabilität rechts (S. 1).
K
linisch
zeige sich
eine laterale Instabilität des
OSG
mit vermehrtem
Talusvorschub
sowie einer
D
r
uckdolenz
über dem anterioren
talofibularen
Liga
ment. Ein Korrelat finde sich in der MRI-Bildgebung vom
7.
Februar 2019 (
vgl.
Urk.
9/
291
S. 3
).
3.
5
Am 27.
März 2019 be
jahte
Kreisarzt
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
(Urk.
9/301
), die Frage der Beschwerdegegnerin, ob sich bildgebend und klinisch eine Veränderung am Sprunggelenk rechts ergeben habe
:
Die Verschlimmerung des Gesundheits
zustandes des rechten Sprunggelenks sei ätiologisch mit natürlicher Progredienz
erklärbar
. Die bildgebend objektivierbare und klinisch dokumentierte Instabilität sei als leicht zu bezeichnen
(S. 2 unten)
.
3.
6
Dr.
med. univ. (A)
H.___
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
hielt im Bericht
vom 8. Juni 2020
an die IV-Stelle fest
(Urk. 9/363
= Urk. 23/328/1-4
)
, der Beschwerdeführer könne aktuell nicht mehr als 40 % arbeiten. In seiner Praktikumszeit als IT-Helfer sei er von allen Mitarbeitern und vom Geschäftsinhaber in allen Tätigkeiten unterstützt worden (S. 3 Ziff. 2.7). Er könne keine schweren Gewichte heben und tragen. Der linke Arm sei zu 100 % unbrauchbar, der rechte Arm sei
nur
teilweise brauchbar. Wegen der Rückenproblematik könne der Beschwerdeführer nicht lange sitzen oder stehen (S. 3 Ziff. 3.4). Er leide unter Schmerzen, Vergesslichkeit und Alter (S. 4 Ziff. 4.4).
3.
7
3.
7
.1
Im Au
f
trag
der Invalidenversicherung wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
med.
I.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
J.___
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates,
Dr.
med.
K.___
, Fachärztin für Neurologie,
Dr.
L.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dipl. Psych.
M.___
, Fachpsychologin für Neuropsychologie,
des Zentrums N.___
, Medizinische Abklärungsstelle MEDAS, poly
disziplinär begutachtet.
Im Gutachten vom 21. April 2022 (Urk. 23/358) stellten die Gutachter
innen und Gutachter
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 4.3):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei muskulärer Dys
balance
, Haltungsinsuffizienz und Wirbelsäulenfehlhaltung, skoliotisch, Diskopathie L4-S1 mit
-
Verdacht auf kleine Diskushernie L4/5 links und L5/S1 rechts ohne sichtbare Neurokompression (MRI)
-
Subscapularis-Insuffizienz rechts bei
-
Status nach Treppensturz und Teilruptur Supraspinatussehne,
Pulley
-Läsion und
Subscapularisläsion
rechts am 15. Dezember 2009
-
arthroskopische Rekonstruktion
Rotatorenmanschette
am 3. Juni 2010 (
Tenodese
lange
Bicepssehne
,
Subscapularissehnennaht
)
-
arthroskopische Re-Rekonstruktion
Subscapularissehne
rechts am 26. November 2010
-
persistierende Schmerzen Schulter links bei Re-Ruptur der Supraspinatus
sehne am 24. Juni 2015
-
Schultertrauma links am 22. Januar 2014 mit
t
raumatischer
Sub
scapularisläsion
, lange
Bicepssehnen
- und
Pulley
-Läsion und
Supra
spinatusläsion
-
Schulterarthroskopie und Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
und
Tenodese
Biceps
am 3. April 2014
-
Re-Ruptur Supraspinatus/Infraspinatus am 31. Oktober 2014
-
Revisions-Schulterarthroskopie und Re-Rekonstruktion der
Rotatoren
manschette
Übergang Supra-/
Infraspinatussehne
am 5. Dezember 2014
-
chronische Instabilität des OSG rechts
-
Status nach OSG-Distorsion am 22. Januar 2014 rechts mit Teilruptur lateraler Bandapparat und Ligamentum
deltoideum
, konservativ therapiert mit ventralem OSG-
Impingement
und leichtem Hohlfuss
A
usserdem
wurden
zahlreiche
Diagnosen
, die sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
, genannt
(S. 11 Mitte)
.
3.
7
.2
Im orthopädischen Fachgutachten (S. 53-69) hielt
Dr.
J.___
fest, es könne von einer stabilen Situation bezüglich des Rückens ausgegangen werden
. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule sei
bei einem chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom bei muskulärer Dysbalance und Haltungsinsuffizienz und Wirbelsäulenfehlhaltung
recht gut, die Belastbarkeit aber durch die degenerativen Veränderungen vermindert. Es sei vor allem von Überkopfarbeiten und schwerem Tragen und Heben von Lasten abzusehen (S. 65 unten). Trotz eingeschränkter Beweglichkeit der rechten Schulter habe die Arbeit als Elektro
installateur
wieder aufgenommen werden können. Beim rechtsdominanten Beschwerdeführer sei eine eingeschränkte Beweglichkeit
der Schulter bis 120° bei Abduktion und Flexion
und eine Subscapularis-Insuffizienz geblieben. Das Tragen und Heben von Gewichten bis 5 kg sei körpernah möglich. Repetitive Überkopfarbeiten seien nicht möglich
(S. 66 oben)
. An der linken Schulter lägen persistierende Schmerzen vor mit einer dokumentierten Re-
r
uptur der Supraspinatussehne.
Die Beweglichkeit sei erheblich eingeschränkt und es bestünden erhebliche Schmerzen.
Der linke Arm könne im Alltag und bei der Arbeit kaum verwendet werden, grössere Belastungen, sowohl körpernahe als auch körperferne, seien nicht möglich (S. 66 Mitte). Am OSG rechts lägen Schmerzen und klinisch eine laterale Instabilität vor. Der Beschwerdeführer trage Schuheinlagen. Eine wechselbelastende Tätigkeit sei möglich (S. 66 unten).
Die Tätigkeit als Elektroinstallateur sei nicht mehr möglich. Die Arbeit als Foto
graf sei auch nicht mehr möglich. Die Arbeit als IT-Verantwortlicher sei möglich, aber Installationsarbeiten mit Kabeln usw. sei
en
nicht möglich. Von Seiten beider Schultergelenke sei eine leichte körperliche Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis 5 kg, ohne Überbrustniveau und ohne Überkopfarbeiten
, zumutbar
. Ein erhöhter Pausenbedarf sei notwendig (S. 68 unten f.). In
zeitlicher Hinsicht be
stehe eine Einschränkung von 20 % (S. 69 Ziff. 8.2).
3.
7
.
3
Unter Berücksichtigung sämtlicher Disziplinen führten die Gutachterinnen und Gutachter z
ur Arbeitsfähigkeit aus,
a
us neurologischer Sicht fänden sich keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
(S. 14 Mitte)
.
In psychiatrischer Hinsicht sei der Beschwerdeführer aufgrund seiner leicht pathologischen Persönlichkeits
struktur und seiner narzisstischen Defizite zu 20 % in der Arbeitsfähigkeit ein
geschränkt
(S. 14 Mitte)
.
Relevant sei aber, dass die intellektuelle Leistungsfähig
keit im unteren Durchschnittsbereich liege und dadurch der Erwerb neuen Wissens limitiert sei, dies bei durch diese Leistungsschwäche mitbedingter Schwäche in schulischen Leistungen (S. 12 Mitte).
Neuropsychologisch sei die Funktionsfähigkeit b
ei Aufgaben mit hohen Anforderungen eingeschränkt (im Umfang von 10-30 %, bezogen auf ein Vollpensum). Dementsprechend sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer über zahlreiche Ressourcen verfüge. Ein
schränkend wirke sich aber
das
aufgrund der Schulbildung als im unteren Durch
schnittsbereich liegende intellektuelle Leistungsvermögen aus, aufgrund dessen er mehr Zeit als Gleichaltrige benötige neues Wissen zu erwerben. Auch die ge
mäss den klinischen Beobachtungen zu konstatierenden, nicht auf mutter
sprachlichem Niveau liegenden Deutschkenntnisse wirkten sich einschränkend aus.
Insgesamt sei der Beschwerdeführer in
angepasster
Tätigkeit zu 30 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (S. 15 Mitte).
4.
4.1
Aus
dem Bericht von Kreisarzt
Dr.
B.___
(E. 3.1)
ergibt sich, dass der Beschwerdeführer anlässlich eines
Fehltritts mit
Sturz eine Distorsion des rechten OSG mit
Teilrutpur
des lateralen Bandapparates und des Ligamentum
deltoideum
sowie einen Teilabriss der
Subscapularissehne
,
eine
Pulley
-Läsion und
einen
Längsriss in der langen Bizepssehne an der linken Schulter erlitt. Während das OSG konservativ behandelt wurde, wurde an der linken Schulter eine arthro
skopische
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
und später eine Revisions
arthroskopie mit Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
bei Re-Ruptur der
Rotatorenmanschette
am Übergang Supraspinatus/Infraspinatus durchgeführt. Eineinhalb Jahre nach dem Unfall wurde sonographisch der Nachweis einer erneuten Ruptur der Supraspinatussehne erbracht. Aus einem früheren Unfall
ereignis
liegt
ein Status nach zweimaliger Operation einer
Subscapularisläsion
rechts
vor.
Bei subjektiv persistierenden Schmerzen in beiden Schultern und einer Bewegungseinschränkung vor allem im
linken
Schultergelenk und wechselnden Beschwerden im Bereich des rechten OSG
sowie
aufgrund der Untersuchungs
befunde ging Kreisarzt
Dr.
B.___
davon aus, dass dem Beschwerdeführer die an
gestammte, körperlich schwere Tätigkeit als Elektroinstallateur nicht mehr zu
mutbar sei. Bezüglich der linken Schulter erachtete
Dr.
B.___
eine körperlich leichte Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten lediglich körpernah, ohne Tätigkeiten über Brustniveau, ohne abrupte und stärkere axiale Zug- und Stoss
belastungen und ohne Schläge und Vibrationen auf die linke obere Extremität als möglich
. Aufgrund der OSG-Beschwerden erachtete er eine wechselbelastende Tätigkeit als zumutbar.
Damit übereinstimmend sind dem Beschwerdeführer gemäss
Dr.
J.___
(E. 3.
7
.2) die Tätigkeiten als Elektroinstallateur und als Fotograf nicht mehr möglich. Die Tätigkeit als IT-Verantwortlicher sei ihm, soweit keine Installationsarbeiten ge
fordert seien, möglich. Als Leistungsprofil von Seiten beider Schultergelenke formulierte
sie
eine leichte körperliche Tätigkeit mit körpernahem Heben und Tragen von Lasten bis 5 kg, ohne Arbeiten über Brustniveau und ohne Überkopf
arbeiten. Bezüglich der Instabilität im rechten OSG erachtete
sie
ebenfalls eine wechselbelastende Tätigkeit als möglich und aufgrund der Rückenbeschwerden hielt
sie
fest, es sei vor allem für Überkopftätigkeiten und schweres Tragen und Heben von Lasten abzusehen. Insgesamt erachtete
sie
aufgrund der Schmerzen vermehrte Pausen als notwendig, welchen
sie
mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % bezifferte.
Die beiden Ärzte
gaben damit übereinstimmende Beurteilungen bezüglich des Belastungsprofils ab, wobei
Dr.
B.___
in
zeitlich
er Hinsicht
keine Einschränkung und
Dr.
J.___
eine solche von
20% aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs
attestierte
.
4.
2
Dr.
B.___
erwähnt
e
in seinem Bericht, dass beim Beschwerdeführer subjektiv Schmerzen in beiden Schultern, links mehr als rechts
,
persistierten
und wies auf nicht verwer
t
bare klinische Tests bezüglich der
linken
Rotatorenmanschette
hin (S. 7).
Ob er damit ausdrücken wollte, das
s für die geklagten Schmerzen kein organisches Korrelat gegeben ist,
kann seinem Bericht
ebenso wenig
entnommen werden
wie eine Erklärung, weshalb er die geklagten Schmerzen bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt hat
.
Dementsprechend ist seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht
nachvollzieh
bar,
weshalb sich
die Beschwerdegegnerin nicht darauf abstützen
durfte
.
Daran ändert auch die Stellungnahme von PD
D.___
(E. 3.
2
) nichts,
wonach
Dr.
B.___
alle wesentlichen Angaben zu den geklagten Beschwerden und die Befunde einer umfassenden und ausgesprochen sorgfältigen klinischen Unter
suchung dokumentiert habe,
gab er
diese
doch in Bezug auf eine Integritätsentschädigung
und nicht in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
ab.
4.
3
Demgegenüber stellte
Dr.
J.___
(E. 3.
7
.2)
ausdrücklich fest, dass die angegebenen Beschwerden, weswegen
sie
in zeitlicher Hinsicht eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % attestierte
,
mit den Befunden und den Informationen aus der Aktenlage vereinbar seien (S. 67).
Dass in der attestierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 % auch die unfallfremden Rücken
beschwerden eingeschlossen
sind
,
ist
nicht zutreffend
. So hielt
Dr.
J.___
fest, es könne den Rücken betreffend von einer stabilen Situation ausgegangen werden. Bei recht guter Beweglichkeit der Wirbelsäule sei die Belastbarkeit durch die degenerativen Veränderungen vermindert. Der Beschwerdeführer berichtete ih
r
gegenüber denn auch von zwei bis dreimal
pro
Woche auftretenden Probleme
n
,
welche darin bestünden, dass
er keine groben Bewegungen machen und das Heben und Tragen von Lasten
schwierig sei (S. 61 unten)
.
Von e
rhebliche
n
Schmerzen
ist
im Gutachten nur im Zusammenhang mit der linken Schulter
die Rede. Auch die Schmerzmitteleinnahme wurde nur im Zusammenhang mit den Schulterschmerzen erwähnt und die vermehrt notwendige Erholung wurde im Gutachten auf die Schultergelenke zurückgeführt. Schliesslich gründet auch die gestörte Nachtruhe auf den Schulterschmerzen. Aufgrund der
genau begründeten
Ausführungen de
r
orthopädischen Gutachter
in
ist die Einschränkung der Arbeits
fähigkeit um 20 % klar auf die Schulterproblematik zurückzuführen.
4.4
Auch wenn das
N.___
-Gutachten nach dem
Einspracheentscheid
ergangen ist, kann darauf abgestellt werden, ist doch aus dem Gutachten nicht ersichtlich und wurde von der Beschwerdegegnerin auch nicht substantiiert geltend gemacht, dass sich zwischen September 2020 und April 2022 eine Veränderung im Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ergeben hätte.
Konkrete Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
des Zentrums N.___
sprechen, sind nicht ersichtlich, womit mit
Dr.
J.___
davon auszugehen ist,
dass der Beschwerdeführer aufgrund der Unfallfolgen in einer angepassten Tätigkeit lediglich zu 80 % arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Für den Einkommensvergleich
(vgl. vorstehende E. 1.2)
sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Ver
fügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Die Invalidenversicherung schloss die
Eingliederungsmassnahmen
per
31. Dezember 2019 ab (vgl. Urk. 23/319 S. 1 und 3). Ein allfälliger Rentenbeginn ist damit auf den 1. Januar 2020 zu legen.
5.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
5.2.2
Die Beschwerdegegnerin bezifferte das
Valideneinkommen
im Jahr 2020 mit Fr. 98'475.
(Urk. 9/356 S. 2 unten). Dies wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten
(
Urk. 1 und Urk. 27) und
ist aufgrund der Akten ausgewiesen
(vgl. Urk. 9/
326 S. 2
)
.
5.3
5.3.1
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zu
mutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 135 V 297 E. 5.2
,
129 V 472 E. 4.2.1). Dabei ist vom Grundsatz auszugehen, dass der ausgerichtete Lohn normalerweise der geleisteten Arbeit entspricht. Abweichungen unterliegen strengen Beweisanforderungen (BGE 117 V 8 E. 2c/
aa
mit Hinweisen). Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können insbesondere die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE-Tabellenlöhne) herangezogen werden
(BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
5.3.2
Der Beschwerdeführer
erlangte
am 28. Juni 2019
das Fähigkeitszeugnis zum Informatiker EFZ (Urk. 23/312)
. Gemäss dem Verlaufsprotokoll Berufsberatung vom 16. November 2017 (Urk. 23/258) begann
d
er Beschwerdeführer die Aus
bildung
hierzu
in Fachrichtung Applikationsentwicklung, wechselte dann aber, da dies für ihn
kognitiv zu anspruchsvoll
war
(vgl. auch E. 3.
7
.4-5)
, in die Fach
richtung Systemtechnik (S. 5 Mitte). Die Tätigkeit als Systemtechniker
beinhaltet die Installation von Hardware und
erforder
t eine körperliche Belastbarkeit,
über
die der Beschwerdeführer
aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen
nicht
verfügt
. Er hat denn auch auf diesem Beruf keine Tätigkeit aufgenommen
, sondern ist seit 1. Februar 2020 als
Magaziner
in einem Pensum von 40 % bei der
A.___
AG
tätig
(Urk. 23/365). Ob er damit seine Restarbeits
fähigkeit optimal verwertet,
ist unerheblich
, sind doch vorliegend die Verhältnisse im Zeitpunkt des
Einspracheentscheid
s
, welcher vom 30. September 2020 datiert (Urk. 2)
,
relevant (vgl. BGE
129 V 1 E. 1.2
).
Vor dem Unfall war der Beschwerdeführer
als
Elektroinstallateur tätig, welchen Beruf er erlernt hatte. Laut Verfügung
der IV-Stelle
vom
6. Februar 2000 beendete er eine praktische Umschulung zum Fotografen, für welche die Invaliden
versicherung Kostengutsprache geleistet hatte (Urk. 23/39).
Das in den beruf
lichen Ausbildungen
Erlernte und seine breite
Berufspraxis
(vgl. Urk. 23/313)
erlauben es ihm,
Tätigkeiten mit einem höheren Anforderungsprofil
als einfache Hilfsarbeitertätigkeiten
auszuüben
, weshalb für die Bestimmung des Invaliden
einkommens der Durchschnitt
s
lohn der Männer über sämtliche Wirtschaftszweige im Kompetenzniveau 2
(von 4 Niveaus)
heranzuziehen ist. Dieser betrug gemäss LSE 2
018 (veröffentlicht im April 2020) Fr. 5'649.
pro Monat. Unter Berück
sichtigung des Nominallohnindexes für Männer von 101.5 Punkten im Jahr 201
9
und 103.2 Punkten im Jahr 2020
(BFS, Nominallohnindex Männer 2016-2020 T1.1.15
)
sowie einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von
41.7 Stunden (B
F
S, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) beträgt das
hypothetische
Jahres
einkommen
bei einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
Fr.
57'482.
.
5.4
5.4.1
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die ver
bliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglich
erweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Ab
zug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemä
ss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliege
nder erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesam
thaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgericht
s
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.4.2
Der Beschwerdeführer
machte geltend, er sei sowohl rechts als auch links durch die Schulterverletzungen eingeschränkt, wobei der linke Arm, der nach dem ersten Unfallereignis vermehrt eingesetzt worden sei, nach dem zweiten Unfall
ereignis erheblich massiver beeinträchtigt und praktisch gebrauchsunfähig sei.
Zwar hielt
Dr.
J.___
(E. 3.
7
.2)
fest, der linke Arm könne nur noch als
Hilfsarm
eingesetzt werden, wobei aufgrund des
definierten Anforderungsprofil
s
ein Ein
satz noch möglich ist
. Die Einschränkung
en
aufgrund der
Schulter
beschwerden
links sind bereits
mit der
zeitlich
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit berücksichtigt
. Hie
r
von abgesehen bestehen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
realistische Betätigungsmöglichkeiten selbst für Personen, die funktionell als Ein
armige zu betrachten sind
und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten können (vgl. Urteil
des Bundesgericht
8C_37/2016 vom
8.
Juli 2016 E. 5.1.2)
,
weshalb
keine triftigen Gründe ersichtlich sind, abweichend von der Beschwerdegegnerin einen
Abzug vom Tabellenlohn
vorzunehmen
. Daran ändert
auch
nichts, dass die Invalidenversicherung einen Abzug
gewährt
hat
(vgl. vorstehende E. 1.7)
.
5.5
Aus dem Vergleich zwischen
Valideneinkommen
von Fr. 98'475.
und Invalideneinkommen von Fr. 57'482.
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 4’993.
beziehungsweise 41.6 %. Damit hat der Beschwerdeführer Anspruch
auf eine Invalidenrente
entsprechend einem Invaliditätsgrad von
gerundet
(BGE 130 V 121)
42 %. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht
GSVGer
). Unter Berücksichtigung eines gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.
pro Stunde zuzüglich Mehrwertsteuer
(MWST)
erscheint eine Parteientschädigung von Fr.
2
’
6
00.
(inklusive Bar
auslagen und M
WST
) als angemessen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 30. September 2020 aufgehoben wird mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer
ab 1. Januar 2020
Anspruch auf eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 42 % hat.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Partei
entschädigung von
Fr.
2’600
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensTiefenbacher