# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d388c59-5557-50eb-bd09-4627fb4c00f5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-09-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.09.2018 E-3084/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3084-2018_2018-09-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3084/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  S e p t e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richterin Christa Luterbacher,    

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Angela Stettler, Advokatur Kanonen-

gasse, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 23. April 2018 / N (…). 

 

 

 

E-3084/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 10. Dezember 2015 in der Schweiz um 

Asyl und machte anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 23. De-

zember 2015 und der Anhörung vom 6. Februar 2018 im Wesentlichen Fol-

gendes geltend:  

Er sei ein Hazara ismailitischer Religionszugehörigkeit aus B._______, 

Provinz Baglan. Er habe seit seiner Kindheit Freiwilligenarbeit (Rezakari) 

im Rahmen seiner Glaubensausübung geleistet. Ab 2010 habe er eine lei-

tende Position innerhalb der Abteilung Rezakar in der Provinz Baglan ge-

habt. Er habe für die eigene Religion geworben, Reden gehalten und Sit-

zungen veranstaltet. In seinen Reden habe er die Taliban kritisiert. Auch 

habe er Unterrichtsklassen, unter anderem für Frauen, organisiert und Ar-

beitslosen zu einer Beschäftigung verholfen. Die Taliban hätten seine Glau-

bensbrüder bedroht, sie dazu aufgefordert, mit ihrer Rezakar-Tätigkeit auf-

zuhören und einige der Rezakar-Personen getötet. 

Im Jahr 2015, kurz vor einem religiösen Fest, habe er seinen Vater ange-

rufen und ihm gesagt, dass er von der Schule ins Dorf zurückkehren 

möchte. Dieser habe einen Fahrer beauftragt, von C._______ (…) ins Dorf 

mitzunehmen. In Begleitung dieses Fahrers sei der Beschwerdeführer in 

sein Dorf gefahren. Am nächsten Tag sei sein Vater informiert worden, dass 

eine Religionsschule der Taliban im Nachbardorf D._______ in Brand ge-

setzt worden sei. Dabei seien auch mehrere Koran-Exemplare verbrannt. 

Die Taliban hätten im Dorf des Beschwerdeführers mehrere Personen ver-

haftet und unter Folter verhört. Sie hätten erfahren, dass er am Vortag (…) 

ins Dorf geliefert habe. Da er sich zudem in der Vergangenheit negativ über 

die Taliban geäussert habe, hätten sie ihn verdächtigt, für den Brand ver-

antwortlich zu sein. Sie hätten beabsichtigt, in sein Dorf zu kommen, die 

zuständige Person von der Organisation Rezakari festzunehmen und hin-

zurichten sowie die Jamaat Khana (Gebetshaus der Ismailiten) in Brand zu 

setzen. Etwa hundert bis zweihundert Dorfbewohner hätten sich in der 

Folge am Dorfrand versammelt und den Taliban den Zugang zum Dorf ver-

wehrt. Diese hätten sich daraufhin zurückgezogen. Einige ältere Personen 

aus dem Dorf seien zu den Taliban gegangen, hätten mit ihnen über den 

Vorfall gesprochen und verlangt, dass die Verhafteten freigelassen würden. 

Die Taliban hätten unter der Bedingung zugestimmt, dass alle Personen in 

Führungspositionen bei den Rezakari, darunter der Beschwerdeführer, 

ihnen überstellt würden. Sein Vater habe ihn daraufhin aufgefordert, nach 

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Seite 3 

C._______ zu gehen, was er auch getan habe. Auf Anraten seines Vaters 

habe er unterwegs das Fahrzeug gewechselt. Das erste Fahrzeug, in dem 

er unterwegs gewesen sei, sei angehalten worden und die Passagiere 

seien von den Taliban verhaftet worden. Einen dieser Passagiere hätten 

sie mit dem Beschwerdeführer verwechselt und ihn töten wollen. Die Be-

hörden hätten jedoch interveniert. Die Taliban hätten die Identität des Man-

nes abgeklärt und ihn in der Folge freigelassen. Als der Beschwerdeführer 

in C._______ gewesen sei, habe ihn sein Vater informiert, dass die Taliban 

eine Fatwa gegen ihn erlassen hätten und er getötet werden solle, weil er 

gegen die islamischen Gesetze verstossen habe. Den Dorfältesten sei ein 

entsprechender Drohbrief übergeben worden. Sein Vater habe ihn deshalb 

dazu gedrängt, das Land zu verlassen und habe seine Ausreise organi-

siert. (…) bis (…) Monate vor Abschluss seines (…) Schuljahres habe er 

Afghanistan über Pakistan verlassen, und sei am 10. Dezember 2015 in 

die Schweiz gelangt. Sein Vater wechsle zurzeit ständig seinen Aufent-

haltsort, da er Angst vor den Taliban habe. Sein jüngerer Bruder lebe bei 

seinem Onkel und seine Mutter lebe bei ihrem Bruder. 

Als Beweismittel reichte er folgende Beweismittel zu den Akten: 

 seine Tazkira (im Original); 

 einen Drohbrief der Taliban vom (…) 2015 (im Original); 

 ein von verschiedenen Behörden unterzeichnetes Schreiben sei-

nes Vaters vom (…) 2017 (im Original); 

 Bestätigung eines Frewilligeneinsatzes für das "His Highness 

Prince Aga Khan Shia Imami Ismaili Council for Afghanistan" (im 

Original); 

 ein Zertifikat des Aga Khan Education Service (im Original);  

 eine Bestätigung des Centre Culturel Ismaélien vom (…) 2017 (im 

Original); 

 mehrere Fotos, darunter solche von sich, von Mitgliedern der ismai-

litischen Gemeinschaft, von dem Mann, der an seiner Stelle verhaf-

tet worden sei und von den Taliban; 

 mehrere Teilnahme- und Kursbestätigungen der Heilsarmee (im 

Original); 

 ein telc-Zertifikat vom (…) 2017; 

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Seite 4 

 ein als persönliches Zeugnis bezeichnetes Schreiben von 

E._______ und F._______ vom 

(…) 2018 (im Original); 

 eine Arbeitsbestätigung der Stiftung G._______ vom (…) 2018 (im 

Original); 

 mehrere Schuldokumente, darunter Zeugnisse (im Original).  

 

B.  

Mit Schreiben vom 12. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer eine 

Stellungnahme ein und legte Kopien bereits bei den Akten befindlicher Do-

kumente bei. 

C.  

Mit Verfügung vom 23. April 2018 – eröffnet am 28. April 2018 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte 

sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der 

Schweiz an, schob den Vollzug jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten 

einer vorläufigen Aufnahme auf. 

D.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 25. Mai 2018 be-

antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung in den Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs und die Rückweisung der Sache 

an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts und 

Neubeurteilung. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-

deführers festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer 

Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiord-

nung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen Kurzbericht der Hilfs-

werkvertretung (HWV) vom 6. Februar 2018, eine (nicht amtliche) Überset-

zung des Drohbriefes der Taliban vom (…) 2015 ins Englische und eine 

Fürsorgebestätigung vom 25. Mai 2018 ein.  

E.  

Mit Verfügung vom 8. Juni 2018 hiess das Bundesverwaltungsgericht die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um 

amtliche Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines 

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Kostenvorschusses. Gleichzeitig ersuchte es die Vorinstanz, innert Frist 

eine Vernehmlassung einzureichen. 

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 hält das SEM an seinen Er-

wägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragt die Abwei-

sung der Beschwerde.  

G.  

In seiner Replik vom 10. Juli 2018 hält der Beschwerdeführer seinerseits 

an den Anträgen fest. Gleichzeitig wurde eine Kostennote mit gleichem Da-

tum eingereicht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

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Seite 6 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 AsylG bedeutet – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach-

verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob-

jektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung von Vorbringen ist eine die eigenen Erlebnisse betref-

fende substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete 

Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schil-

derung eines Sachverhaltes ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origina-

lität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft 

wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi-

dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der 

Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung al-

ler Elemente (insbesondere Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen 

Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben), die für 

oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. Glaubhaft ist eine Sach-

verhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3; vgl. 

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auch LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, Einführung in die Aussagepsychologie, in: 

Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, 2017, S. 47 ff.).  

4.  

4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids befand die Vor-

instanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an 

die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügend. Seine 

Schilderungen seien auffallend chronologisch sowie widersprüchlich, wür-

den wenige Realkennzeichen enthalten (insbesondere in Bezug auf seine 

Gemütslage) und er habe keine genauen Zeitangaben, insbesondere zum 

Zeitpunkt des Erhalts des Drohbriefes der Taliban, machen können. Auch 

sei nicht nachvollziehbar, weshalb gerade er von den Taliban beschuldigt 

worden sein soll, die Schule in Brand gesetzt zu haben. Den Akten sei zu-

dem nicht zu entnehmen, dass er aufgrund seiner Religionszugehörigkeit, 

seiner Tätigkeit innerhalb der Rezakari und der Kritik an den Taliban Ver-

folgung ausgesetzt gewesen wäre. Die in diesem Zusammenhang stehen-

den Vorbringen seien folglich nicht asylrelevant.  

4.2 Auf Beschwerdeebene konkretisiert der Beschwerdeführer verschie-

dene Punkte seiner Aussagen und führt aus, er habe sich entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz zu seiner Gemütslage geäussert. Ferner würden 

seine Ausführungen mehrere Realkennzeichen enthalten, darunter Schil-

derungen von nebensächlichen Details, das Verwenden direkter Rede, die 

Wiedergabe von Gesprächen und Interaktionen sowie Erklärungen zu sei-

nem Verhalten. Dies werde durch den Bericht der HWV bestätigt. Er habe 

mit mehreren Personen über seine Asylgründe gesprochen. Die mehrma-

lige Wiederholung seiner Fluchtgründe führe dazu, dass er diese inzwi-

schen mit einer gewissen Distanziertheit darlegen könne. Ferner habe er 

eine zurückhaltende Persönlichkeit, der Emotionsausbrüche nicht entspre-

chen würden. Die schlechte Atmosphäre anlässlich der Anhörung müsse 

zusätzlich berücksichtigt werden. Die HWV habe in ihrem Kurzbericht fest-

gehalten, der Befrager habe einen kalten und forschen Eindruck gemacht, 

sich in seiner Befragungsleitung in Frage gestellt gefühlt, deshalb negative 

Bemerkungen gemacht, gegen Ende der Befragung die Fassung verloren 

und die Anhörung nicht in einem angebrachten Ton abgeschlossen. Ange-

sichts dieser angespannten Atmosphäre sei es dem Beschwerdeführer 

schwer gefallen, zum Befrager Vertrauen zu fassen und über seine Gefühle 

zu sprechen. Ferner sei der Einwand der Vorinstanz, seine chronologische 

Erzählweise würde auf eine auswendiggelernte und konstruierte Ge-

schichte hindeuten, völlig unhaltbar. Es spreche vielmehr für die Glaubhaf-

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tigkeit seiner Ausführungen, dass er seine Geschichte chronologisch stim-

mig erzählt habe. Er sei in der Lage gewesen, in der Zeit vor und zurück 

zu springen und seine Vorbringen trotzdem logisch und konsistent darzu-

legen. Bezüglich des Drohbriefes der Taliban führte er aus, dieser sei zu-

erst den Dorfältesten und anschliessend seinem Vater übergeben worden, 

wobei bei der Anhörung nicht immer klar zwischen diesen beiden Zustel-

lungen unterschieden worden sei. Als er seinen Vater aus Pakistan ange-

rufen habe, sei diesem der Brief von den Dorfältesten überbracht worden. 

Zuvor habe sein Vater lediglich von dessen Existenz gewusst und den un-

gefähren Inhalt gekannt. Angesichts der prekären Lage, in der sich der Be-

schwerdeführer befunden habe und des Umstandes, dass zwischen den 

Telefongesprächen mit seinem Vater und der Anhörung über zwei Jahre 

vergangen seien, sei verständlich, dass er nicht genau wisse, wann die 

Dorfältesten den Drohbrief erhalten hätten. Er habe anlässlich der Rück-

übersetzung angemerkt, der Brief sei eine Woche nach und nicht vor seiner 

Ausreise übergeben worden. Wenn die Vorinstanz nun trotz Korrektur auf 

die falsch übersetzte Zeitangabe abstelle, beraube sie die Rücküberset-

zung jeglichen Sinns, diene diese doch gerade dazu, nicht korrekt über-

setzte Aussagen zu korrigieren. An das genaue Datum des Brands im Dorf 

D._______ könne er sich nicht erinnern. Er habe jedoch stets angegeben, 

der Vorfall habe ungefähr (…) Monate vor seiner Einreise in die Schweiz 

stattgefunden, was ungefähr dem (…) 2015 entspreche. Er habe präzisiert, 

ihm hätten (…) Monate bis zum Abschluss der (…) Klasse gefehlt und dass 

das Schuljahr mit dem Beginn des Winters ende. Seine Verständigungs-

probleme mit dem Dolmetscher seien ebenfalls zu berücksichtigen. Er 

habe bereits zu Beginn der Anhörung darauf aufmerksam gemacht, der 

Dolmetscher stamme aus dem Iran und spreche einen anderen Dialekt des 

Dari. Dem Kurzbericht der HWV könne entnommen werden, dass er an der 

Übersetzung des Dolmetschers gezweifelt habe und Bemerkungen auf 

Deutsch gemacht habe, um jene zu korrigieren. Dies sei nicht hinreichend 

festgehalten worden im Protokoll. Auch nicht alle Wortwechsel zwischen 

ihm und dem Dolmetscher seien protokolliert worden. Aufgrund der Tatsa-

che, dass zwischen dem Brand und der Anhörung über zwei Jahre vergan-

gen seien, sei nachvollziehbar, dass er sich nicht mehr erinnern könne, ob 

er Ferien aufgrund des (…) oder des (…) gehabt habe. Die Vorinstanz ver-

kenne zudem, dass religiöse Rituale, wie Fasten und das (…) für Ismailiten 

eine sehr geringe Bedeutung hätten. Die ismailitische Lehre und seine 

Äusserungen stünden im Widerspruch zur konservativen Glaubensausle-

gung der Taliban. Diese würden ihn als Häretiker ansehen. Es sei plausibel, 

dass die Taliban von seinen Aussagen und seiner Position innerhalb der 

ismailitischen Gemeinschaft erfahren hätten, da sie Informanten im Dorf 

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hätten. Der Zeitpunkt der Flucht spreche ebenfalls für seine Vorbringen. 

Wäre er nicht verfolgt worden, hätte er mit Sicherheit nicht (…) Monate vor 

seinem (…) Afghanistan verlassen. Die Vorinstanz habe ferner die einge-

reichten Beweismittel ausser Acht gelassen und damit seinen Anspruch auf 

rechtliches Gehör verletzt. Auch habe sie die Beweisregel von Art. 7 AsylG 

zu restriktiv gehandhabt. Es entstehe der Eindruck, die Vorinstanz suche 

angesichts seiner ausführlichen, präzisen und plausiblen Ausführungen 

Vorwände, um die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen zu verneinen. Sämtli-

che Elemente, welche für seine Sachverhaltsdarstellung gesprochen hät-

ten, habe die Vorinstanz vollständig unberücksichtigt gelassen. Aufgrund 

seiner religiösen Überzeugungen und der Tatsache, dass die Taliban ihn 

der Brandstiftung verdächtigen würden, müsse er mit ernsthaften Nachtei-

len in Form einer Hinrichtung rechnen. Der afghanische Staat sei nicht fä-

hig, ihn davor zu schützen. Als Hazara und Führungsperson der religiösen 

Minderheit der Ismailiten gehöre er einer besonders exponierten Bevölke-

rungsgruppe an.  

4.3 In ihrer Vernehmlassung anerkennt die Vorinstanz, dass der die Anhö-

rung durchführende Sachbearbeiter eine teilweise resolute Art an den Tag 

gelegt habe, jedoch sei der für den Asylentscheid relevante Sachverhalt 

erstellt worden. Es seien keine Hinweise ersichtlich, wonach der Beschwer-

deführer begründete Zweifel an der Übersetzung des Dolmetschers gehabt 

habe. Es würden keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass er früher in 

Kontakt mit den Taliban gewesen sei und über ein religiöses Profil verfüge. 

Entsprechend seien keine Verbindungen zwischen dem Brand und seiner 

religiösen Zugehörigkeit zu erkennen. Folglich könne nicht der Vorwurf ge-

macht werden, dass diesbezüglich nicht genauer nachgefragt worden sei. 

Für Ismailiten seien das (…) und der (…) durchaus von Bedeutung. Der 

Umstand, dass die durch die Taliban Festgenommenen aufgrund der reli-

giösen Feierlichkeiten freigelassen worden seien, ohne dass die Forderun-

gen der Taliban hätten erfüllt werden müssen, weise auf die Bedeutung der 

Feiertage in der ismailitischen Gemeinschaft hin. Es sei nicht nachvollzieh-

bar, weshalb das SEM die anlässlich der Rückübersetzung getätigten An-

merkungen des Beschwerdeführers nicht verwenden solle. Bei der Rück-

übersetzung gehe es nicht darum, Aussagen derart zu verändern, dass Wi-

dersprüche ausgeräumt werden könnten, sondern um die Kontrolle, ob das 

Gesagte richtig festgehalten worden sei. Die eingereichten Beweismittel 

seien leicht fälschbar und nur von geringem Beweiswert. Die wichtigsten 

Eckpunkte der Dokumente seien anlässlich der Anhörung übersetzt wor-

den. Auch wenn diese echt sein sollten, würde dies nichts ändern, da ein 

Drohbrief der Taliban und dessen behördliche Bestätigung als solche keine 

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Asylrelevanz entfalten würden. Die Aussage des Beschwerdeführers, vom 

Drohbrief erfahren zu haben, nachdem er aus Afghanistan ausgereist sei, 

lasse sich nicht mit dem Inhalt seines Telefonats betreffend einer schnellen 

Ausreise vereinbaren. Seine Schilderungen würden den Eindruck erwe-

cken, als wolle er sich ein religiöses Profil konstruieren. Dies gelinge ihm 

jedoch aufgrund unplausibler Angaben nicht. Es mute seltsam an, dass die 

Taliban zwar die ismailitische Gemeinschaft beobachtet haben sollen, je-

doch nicht wüssten, wer der Beschwerdeführer und seine Familie seien, 

die alle hohe Positionen innerhalb der ismailitischen Gemeinschaft und im 

Dorf gehabt haben sollen. Es erstaune auch, dass die Taliban den Namen 

des Vaters des Beschwerdeführers im Drohbrief erwähnt hätten.  

4.4 In seiner Replik führt der Beschwerdeführer aus, er habe begründete 

Zweifel an der Übersetzung des Dolmetschers gehabt und ihn bei der 

Rückübersetzung korrigiert. Ferner habe die HWV festgehalten, dass er 

Anmerkungen auf Deutsch gemacht habe, um die Sätze des Dolmetschers 

zu korrigieren. Diese Anmerkungen seien jedoch nicht protokolliert worden. 

Mit Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts führt 

er zudem aus, die Vorinstanz könne den eingereichten Beweismitteln nicht 

mit dem pauschalen Argument, sie seien leicht käuflich, den Beweiswert 

absprechen. Die Beweismittel seien echt und würden seine Vorbringen be-

legen. Seine Aussagen würden mit dem Inhalt des Drohbriefes und der An-

zeige seines Vaters übereinstimmen. Die Vorinstanz könne ferner gar nicht 

wissen, ob die wichtigsten Eckpunkte der Dokumente übersetzt worden 

seien, da nicht der gesamte Inhalt übersetzt worden sei. Auch begründe 

sie nicht, weshalb ein Drohbrief der Taliban, mit welchem seine Bestrafung 

angekündigt werde, nicht asylrelevant sein sollte. Die Vorinstanz habe ihre 

Begründungspflicht verletzt, indem sie die Beweismittel nicht vollständig 

übersetzt und im angefochtenen Entscheid nicht gewürdigt habe. Sie ma-

che ferner einen Zirkelschluss, wenn sie argumentiere, er weise kein reli-

giöses Profil auf, weshalb ihm dazu auch keine weiteren Fragen hätten ge-

stellt werden müssen. Die von der Vorinstanz angeführte Quelle zur Be-

deutung des (…) und des (…) es würde gerade belegen, dass diese für die 

Ismailiten von sekundärer Bedeutung im Vergleich zu anderen Festen 

seien. Sie begehe ferner einen Logikfehler, wenn sie ausführe, die durch 

die Taliban festgenommenen Personen seien aufgrund der religiösen Fei-

erlichkeiten freigelassen worden, und daraus folgere, diese hätten eine Be-

deutung in der ismailitischen Gemeinschaft. Der Umstand, dass die Taliban 

an bestimmten Tagen Gefangene freilassen würden, habe eher etwas mit 

ihren Usanzen und Glaubensinhalten zu tun. Aufgrund des Brandes und 

seiner Kritik an den Taliban werde er als Häretiker angesehen. Somit werde 

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er aus einem religiösen und politischen Motiv von den Taliban verfolgt. Die 

drohenden Nachteile seien offensichtlich auch genügend intensiv, müsse 

er doch mit unmenschlicher Behandlung, wenn nicht sogar Folter und Tod 

rechnen.  

5.  

Auf die Prüfung der in der Beschwerde erhobenen Rüge betreffend Verlet-

zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz kann an-

gesichts der nachfolgenden Ausführungen verzichtet werden.  

6.  

Die Argumentation der Vorinstanz wird in der Beschwerde und der Replik 

des Beschwerdeführers weitgehend entkräftet. Es kann auf seine ausführ-

lichen und zutreffenden Entgegnungen verwiesen werden. Insbesondere 

ist ihm zuzustimmen, dass die Vorinstanz es in der angefochtenen Verfü-

gung unterlassen hat, die Elemente, welche für die Glaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen sprechen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu berücksich-

tigen. Ihre Begründung erweckt vielmehr den Eindruck, als seien alle für 

die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechenden Elemente systematisch 

ausgeblendet worden. Entgegen ihren Ausführungen enthalten die Schil-

derungen des Beschwerdeführers zur Bedrohung durch die Taliban – wie 

nachfolgend dargelegt – eine Vielzahl an Realkennzeichen.  

Der Beschwerdeführer legte anlässlich der Anhörung in einem über drei 

Seiten langen freien Bericht substanziiert dar, welche Gründe zu seiner 

Flucht geführt haben. Er unterstrich diese Schilderungen mit mehreren 

räumlich-zeitlichen Verknüpfungen (vgl. vorinstanzliche Akten A15 S. 9 ff.) 

sowie Schilderungen von Interaktionen und Dialogen. Zu den letzten bei-

den Punkten seien an dieser Stelle beispielhaft die Ausführungen zu seiner 

Unterhaltung mit seinem Vater zu nennen, als dieser ihn dazu drängte, das 

Land zu verlassen, und zu den Einwänden seines Onkels hierzu (vgl. A15 

S. 11). Seinen Darlegungen lassen sich auch seine Gedanken und Sorgen 

entnehmen. So führte er aus, er habe nicht ausreisen wollen, weil er viel in 

die Tätigkeit der Rezakari investiert habe und noch nicht einmal die Schule 

habe beenden können. Zudem habe er sich gefragt, wie er das Land ver-

lassen solle, wenn er doch bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal seine Pro-

vinz verlassen habe und auch nicht einmal in Kabul gewesen sei (vgl. A15 

S. 11). Seinem Vater gegenüber habe er den Wunsch geäussert, seine 

Mutter wenigstens noch ein letztes Mal sehen zu dürfen, dieser habe ihm 

dies jedoch verwehrt. Auch habe er wissen wollen, was seine Mutter über 

seine Ausreise denke und was mit seinem Bruder geschehen würde (vgl. 

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A15 S. 11). Seine Ausführungen sind zudem im Wesentlichen wider-

spruchsfrei und enthalten eine Vielzahl von (nebensächlichen) Details. So 

stellte er beispielsweise anschaulich dar, wie vorwiegend ältere Personen 

aus seinem Dorf von Motorradfahrern, die mit Lautsprechern herumgefah-

ren seien, dazu aufgerufen worden seien, sich zu versammeln, die Taliban 

bis zum Rand des Eingangs zum Dorf unterhalb des Tals gekommen seien 

und sich von dort über die Hauptstrasse zurückgezogen hätten, als sie auf 

Widerstand gestossen seien (vgl. A15 S. 10). Weiter legte er detailliert dar, 

auf dem Weg nach C._______ das Auto gewechselt zu haben, weil sein 

Vater befürchtet habe, dass er festgenommen werden könnte. Tatsächlich 

sei ein anderer Mann verhaftet worden, den man mit ihm verwechselt habe. 

Jener hätte in der Region vom Bezirk H._______ getötet werden sollen, sei 

aber wieder freigelassen worden, nachdem die Behörden interveniert und 

die Taliban die Verwechslung festgestellt hätten (vgl. A15 S. 10 f.). Auch 

die von seinem Vater organisierte Ausreise beschrieb er anschaulich und 

detailliert (vgl. A15 S. 11 f.). Dabei erwähnte er auch aufgetretene Schwie-

rigkeiten: Er habe nicht gewusst, wohin er gehen müsse, habe seinen Vater 

angerufen und gefragt, ob es nicht möglich wäre, dass er das Land mit dem 

Flugzeug verlassen könne, sein Vater habe dies jedoch verneint (vgl. A15 

F51). Nicht nachvollziehbar ist die Argumentation der Vorinstanz, wonach 

aufgrund der chronologischen Erzählweise des Beschwerdeführers davon 

auszugehen sei, dass es sich um einen konstruierten Sachverhalt handle, 

sie ihm aber gleichzeitig vorhält, er könne sich nicht an das genaue Datum 

der Vorfälle erinnern. Der Umstand, dass er das genaue Datum nicht nen-

nen konnte, spricht gerade gegen eine konstruierte Geschichte und es wi-

derspricht den Erkenntnissen der Aussagepsychologie, dies als Lügensig-

nal zu werten. Im Gegenteil: Das Eingeständnis von Erinnerungs- und 

Wissenslücken stellt ein Realkennzeichen dar (vgl. LUDEWIG/BAUMER/TA-

VOR, a.a.O., S. 50 und S. 64; MARCO FERRARI, Erkenntnisse aus der Aus-

sagepsychologie, Plädoyer 4/09). In diesem Zusammenhang ist auch die 

Aussage des Beschwerdeführers zu erwähnen, er sei sich nicht sicher, ob 

genau 25 Personen von den Taliban verhaftet worden seien, dies sei nur 

eine ungefähre Anzahl (vgl. A15 S. 10). Dem Vorbringen der Vorinstanz, 

der Beschwerdeführer konstruiere ein religiöses Profil, kann ebenfalls nicht 

gefolgt werden. Er legte glaubhaft dar, seit seiner Kindheit ein aktives und 

engagiertes Mitglied der ismailitischen Gemeinschaft zu sein (vgl. A15 F42, 

F45 f. und F50). Dies hat er mit mehreren Dokumenten belegt (vgl. diverse 

Bestätigungen der ismailitischen Gemeinschaft). Schliesslich ist die Argu-

mentation der Vorinstanz, die "wichtigsten Inhalte und Eckpunkte" der Be-

weismittel seien übersetzt worden (vgl. Vernehmlassung S. 3), schwer 

E-3084/2018 

Seite 13 

nachvollziehbar, konnte sie doch nicht wissen, was deren "wichtigster" In-

halt ist, ohne sie übersetzt zu haben. Der Vorinstanz kann zugestimmt wer-

den, dass in Bezug auf den Zeitpunkt des Erhalts des Drohbriefes der Ta-

liban Ungereimtheiten bestehen. Nach dem Gesagten überwiegen jedoch 

bei einer Gesamtwürdigung die Elemente, welche für die Richtigkeit der 

Sachverhaltsdarstellung sprechen, weshalb die Vorbringen des Beschwer-

deführers als glaubhaft zu erachten sind. 

7.  

7.1 Es bleibt zu prüfen, ob und inwiefern die glaubhaften Vorbringen des 

Beschwerdeführers von flüchtlingsrechtlicher Relevanz sind.  

7.2 Das Gericht hat mit Urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 (als Re-

ferenzurteil publiziert) eine neue Lagebeurteilung zu Afghanistan vorge-

nommen. Zusammenfassend ergibt sich eine deutliche Verschlechterung 

der Sicherheitslage seit dem letzten Länderurteil des Bundesverwaltungs-

gerichts im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) und dem Abzug der International 

Security Assistance Force (ISAF) über alle Regionen hinweg (vgl. dazu 

ausführlich E. 7.3 und E. 7.4). Es erscheint unklar, ob sich die afghanischen 

Sicherheitskräfte gegen die regierungsfeindlichen Gruppierungen werden 

behaupten können, zumal die Desertions- und Abgangsrate sehr hoch so-

wie der Ausbildungsstand der Rekruten schlecht ist und eine Infiltrierung 

durch regierungsfeindliche Gruppierungen stattfindet. Zudem gilt die Af-

ghan Local Police (ALP) in der afghanischen Bevölkerung als korrupt und 

wird für gravierende Menschenrechtsverletzungen und Missbräuche ver-

antwortlich gemacht. Hinzu kommt die Tatsache, dass Angehörige der ALP 

für die von ihnen begangenen Vergehen nicht zur Rechenschaft gezogen 

werden und sie teilweise unter der Kontrolle lokaler Machthaber stehen 

(vgl. zum Ganzen Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Afghanistan: Up-

date, Die aktuelle Sicherheitslage, Bern, 30. September 2016, S. 6 ff.; Ber-

telsmann Stiftung, BTI 2016 – Afghanistan Country Report,  

< https://www.bti-project.org/fileadmin/files/BTI/Downloads/Reports/2016/ 

pdf/BTI_2016_Afghanistan.pdf >, abgerufen am 27.08.2018; vgl. auch Ur-

teil des BVGer D-3394/2014 vom 26. Oktober 2015). 

Bei der Beurteilung der Sicherheitslage lassen sich sodann Gruppen von 

Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Ver-

folgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, 

welche die Regierung unterstützen oder als deren Unterstützer betrachtet 

werden, Entwicklungshelfer, Menschenrechtsaktivisten, Angehörige religi-

öser Minderheiten und Personen, welche gegen islamische Grundsätze 

E-3084/2018 

Seite 14 

(gemäss Auslegung der Taliban) verstossen (vgl. UNHCR Eligibility Guide-

lines for Assessing the International Protection Needs of Asylum-Seekers 

from Afghanistan vom 19. April 2016, S. 34 ff.; SFH, Afghanistan: Update, 

a.a.O., S. 19 ff.). 

7.3 Der Beschwerdeführer wird von den Taliban verdächtigt, ihre Religions-

schule und dabei auch Koran-Exemplare in Brand gesetzt zu haben. Zu-

dem ist er ein aktives Mitglied der religiösen Minderheit der Ismailiten. Die 

Ismailiten haben sich mit dem Anti-Taliban-Milizenführer Dostum verbün-

det, werden von den Taliban als Nichtmuslime betrachtet und sind einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt (vgl. Austrian Centre for Country of 

Origin and Asylum Research and Documentation, Anfragebeantwortung zu 

Afghanistan: Sicherheitslage für Ismailiten in der Provinz Baghlan; Berichte 

über gezielte Angriffe durch die Taliban oder Hezb-e Islami, 3. April 2015, 

< https://www.ecoi.net/de/dokument/1058514.html >, abgerufen am 

27.08.2018). Der Beschwerdeführer exponierte sich zudem, indem er sich 

für die Bildung von Frauen einsetzte und die Taliban in seinen Reden kriti-

sierte. Nach dem Brand in der Religionsschule haben die Dorfältesten ei-

nen gegen ihn gerichteten Drohbrief von den Taliban erhalten. Es ist somit 

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner 

Flucht einer Verfolgung seitens der Taliban im Sinne von Art. 3 AsylG aus-

gesetzt war beziehungsweise im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan 

ausgesetzt wäre.  

Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Drohbrief – in welchem 

dem Beschwerdeführer aus politischen beziehungsweise religiösen Grün-

den mit dem Tod gedroht wird – nach Ansicht der Vorinstanz nicht von Asyl-

relevanz sein soll (vgl. Vernehmlassung S. 3). Worauf sie diese Behaup-

tung stützt, kann ihren Ausführungen nicht entnommen werden.  

7.4 Es besteht vorliegend auch keine innerstaatliche Flucht- beziehungs-

weise Schutzalternative. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts bedingt die Annahme einer innerstaatlichen Schutzalterna-

tive unter anderem, dass am Zufluchtsort eine funktionierende und effizi-

ente Schutzinfrastruktur besteht und der Staat gewillt ist, der in einem an-

deren Landesteil von Verfolgung betroffenen Person am Zufluchtsort 

Schutz zu gewähren. Schliesslich muss es ihr individuell zuzumuten sein, 

den am Zufluchtsort erhältlichen Schutz längerfristig in Anspruch nehmen 

zu können. Dabei sind die allgemeinen Verhältnisse am Zufluchtsort und 

die persönlichen Umstände der betroffenen Person zu beachten und es ist 

E-3084/2018 

Seite 15 

unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes im Rahmen ei-

ner individuellen Einzelfallprüfung zu beurteilen, ob ihr angesichts der sich 

konkret abzeichnenden Lebenssituation am Zufluchtsort realistischerweise 

zugemutet werden kann, sich dort niederzulassen und sich eine neue Exis-

tenz aufzubauen. Für die Frage der Zumutbarkeit kommt der Zumutbar-

keitsbegriff gemäss Art. 83 AuG zur Anwendung (vgl. BVGE 2011/51 E. 8). 

Gemäss dem vorgenannten Referenzurteil (D-5800/2016) hat sich sowohl 

die Sicherheitslage als auch die humanitäre Situation in Kabul im Vergleich 

zu der in BVGE 2011/7 beschriebenen Situation klar verschlechtert. Die 

Lage in Kabul ist daher grundsätzlich als existenzbedrohend und somit un-

zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren. Auch kommen 

die Städte Herat und Mazar-i-Sharif als potenzielle Schutzalternativen nicht 

in Frage, da mangels persönlicher Bezugspunkte des Beschwerdeführers 

zu diesen Städten die von der Rechtsprechung verlangten, besonders be-

günstigenden Umstände nicht gegeben sind (vgl. BVGE 2011/38 E. 4.3 zu 

Herat, BVGE 2011/49 E.7.3 zu Mazar-i-Sharif).  

7.5 Nach dem Gesagten ist – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer in seinem Heimatland ernsthafte Nachteile – in Form der 

glaubhaft gemachten begründeten Furcht vor zukünftiger asylrelevanter 

Verfolgung durch die Taliban – im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten 

hat. Folglich hat die Vorinstanz zu Unrecht die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgewiesen. 

Gründe für den Ausschluss aus der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 1 

Bst. F FK sind nicht ersichtlich. Er ist daher als Flüchtling anzuerkennen 

und es ist ihm – mangels Vorliegens von Asylausschlussgründen (vgl. 

Art. 53 AsylG) – in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

8.  

Zusammenfassend verletzt die angefochtene Verfügung Bundesrecht. Die 

Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die Verfügung der Vorinstanz ist auf-

zuheben, und diese ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer gestützt auf 

Art. 2 und 3 AsylG Asyl zu gewähren. 

 

9.  

Die Vorinstanz ist im Übrigen auf ihre Aktenführungs- und Paginierungs-

E-3084/2018 

Seite 16 

pflicht hinzuweisen (vgl. dazu Urteile des BVGer D-6126/2016 vom 24. Au-

gust 2017 E. 6.2.2; D-4122/2016 vom 16. August 2016 E. 6.2.3; 

E-4491/2017 und E-4500/2017 vom 10. November 2017 E. 6). Der zur an-

gefochtenen Verfügung gehörende Rückschein und die Stellungnahme 

des Beschwerdeführers vom 12. Februar 2018 wurden nicht ins Aktenzver-

zeichnis aufgenommen.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

11.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechts-

vertreterin des Beschwerdeführers machte im Rahmen der Replik einen 

Aufwand von Fr. 4'438.20 geltend (16.35 Stunden à Fr. 250.– zzgl. Ausla-

gen und Mehrwertsteuer). Der zeitliche Aufwand von 16.35 Stunden er-

scheint dem vorliegenden, nicht übermässig komplexen oder umfangrei-

chen Verfahren nicht als vollumfänglich angemessen respektive notwendig 

im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Unter Berücksichtigung der massge-

benden Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der Entschädigungs-

praxis in Vergleichsfällen ist der Vertretungsaufwand für das Beschwerde-

verfahren auf pauschal Fr. 3'500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-

schlag) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3084/2018 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, 

die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm 

Asyl zu gewähren. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3'500.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Maria Wende 

 

 

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