# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0eb91571-8deb-511d-af6a-1a820d57ce72
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 24.06.2024 VBE.2023.520
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-520_2024-06-24.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2023.520 / DB / bs 
Art. 92 

 

Urteil vom 24. Juni 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Jacober  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Bächli          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

unentgeltlich vertreten durch Dr. iur. Elias Hörhager, Rechtsanwalt, 

Ruederstrasse 8, Postfach, 5040 Schöftland    

     

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

     

 
   

Beigeladene 1  PKRück Lebensversicherungsgesellschaft für die betriebliche 

Vorsorge AG, Vaduz, Zweigniederlassung Zürich, Zollikerstrasse 4, 

8032 Zürich      

 

Beigeladene 2  Previs Vorsorge, Brückfeldstrasse 16, 3012 Bern       

 

    
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 7. November 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1980 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 20. September 

2022 (Posteingang 7. November 2022) bei der Beschwerdegegnerin zum 

Bezug von Leistungen (berufliche Massnahmen, Rente) der Eidgenössi-

schen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte da-

raufhin berufliche und medizinische Abklärungen und nahm Rücksprache 

mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Nach durchgeführtem Vorbe-

scheidverfahren und erneuter Rücksprache mit dem RAD wies die Be-

schwerdegegnerin das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin mit 

Verfügung vom 7. November 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 7. November 2023 erhob die Beschwerdeführe-

rin mit Eingabe vom 8. Dezember 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1.   
  Es sei die Verfügung vom 07. November 2023 aufzuheben. 
 
 2. 

Es sei die Beschwerdeführerin zu berenten. Eventualiter sei die Sache 
zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 
 3.  

Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-
währen und es sei der unterzeichnende Vertreter als ihr unentgeltlicher 
Rechtsvertreter einzusetzen. 

 
 4. 
 Unter Kosten- und Entschädigungsfolge." 
 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 1. Februar 2024 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde.  

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlichen Verfügungen vom 6. Februar 2024 wurden die 

beiden beruflichen Vorsorgeeinrichtungen der Beschwerdeführerin zum 

Verfahren beigeladen und ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. 

Beide liessen sich in der Folge nicht vernehmen. 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 20. Februar 2024 wurde der 

Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und 

Dr. iur. Elias Hörhager, Rechtsanwalt, Schöftland, zu ihrem unentgeltlichen 

Vertreter ernannt. 

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegeh-

ren der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. November 2023 (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 49) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

In der angefochtenen Verfügung vom 7. November 2023 (VB 49) stützte 

sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen 

auf die Aktenbeurteilungen des RAD-Arztes Dr. med. B._____, Facharzt 

für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Praktischer Arzt, vom 13. Februar 

2023 (VB 21), vom 25. Juli 2023 (VB 39) sowie vom 15. August 2023 

(VB 44).  

 

2.1. 

Dr. med. B._____ hielt in seiner Stellungnahme vom 13. Februar 2023 fest, 

bei der Beschwerdeführerin würden anhaltende gesundheitliche Probleme 

nach drei Covid-Infektionen bestehen. Es lägen Symptome wie Dyspnoe, 

Konzentrationsmangel, muskuläre Schwäche, rasche Ermüdbarkeit, Inap-

petenz und Kopfschmerzen vor. Bereits vor der COVID-Erkrankung hätten 

deutliche psychosoziale Belastungssituationen (arbeitsloser und kranker 

Ehemann, finanzielle Probleme, schwierige Situation mit Kind mit Autis-

mus) bestanden. Zusätzlich würden orthopädische Einschränkungen ange-

geben, welche aber bei weitestgehendem Fehlen von degenerativen Ver-

änderungen am ehesten als tendomyotisch eingeschätzt worden und wohl 

auch in Verbindung mit einer psychosozialen Belastungssituation und wirt-

schaftlichen Existenzängsten zu sehen seien. Versicherungsmedizinisch 

sei zusammenfassend festzuhalten, dass ein Gesundheitsschaden mit 

Krankheitswert, der eine längerdauernde oder anhaltende Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit begründe, nicht sicher ausgewiesen sei und mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit psychosoziale Gründe die Hauptrolle für die 

anhaltende Arbeitsunfähigkeit spielen würden. Zudem führte er aus, dass 

objektive Kriterien zur Diagnose des Long-COVID-Syndroms nicht existie-

ren würden (VB 21). 

 

2.2. 

Nach Kenntnisnahme der mit dem Einwand vom 18. April 2023 (VB 31) ein-

gereichten Berichte des Kantonsspitals C._____ betreffend die Post-Covid 

Sprechstunde vom 27. Februar 2023 (VB 32 S. 5 ff.) und bezüglich der 

neuropsychologischen Sprechstunde vom 6. April 2023 (VB 32 S. 9 ff.) so-

wie des Berichts der Klinik D._____ vom 4. April 2023 (VB 32 S. 1 ff.) führte 

Dr. med. B._____ in seiner versicherungsmedizinischen Würdigung vom 

25. Juli 2023 aus, es seien noch die Ergebnisse der im Bericht des Kan-

tonsspitals C._____ bezüglich der Post-Covid Sprechstunde vom 27. Feb-

ruar 2023 empfohlenen Untersuchungen (MRI des Neurokraniums, physio- 

 - 4 - 

 

 

und ergotherapeutische Mitbeurteilung, Mitbeurteilung durch die Kardiolo-

gie sowie durch die Pneumologie, ENMG mit der Frage nach Hinweisen 

auf eine somatische Ursache der Schmerzen und des Schwächegefühls 

v.a. im linken Arm, Covid-Labor, danach allenfalls psychiatrische und/oder 

neuropsychologische Mitbeurteilung) abzuwarten, bevor eine abschlies-

sende Beurteilung erfolgen könne (VB 39). 

 

2.3. 

In seiner abschliessenden Stellungnahme vom 15. August 2023 führte 

Dr. med. B._____ nach Eingang von zusätzlichen Berichten der Klinik für 

Rheumatologie des Kantonsspitals C._____ vom 9. Mai 2023 (VB 41) so-

wie der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals C._____ bezüglich der 

neuromuskulären Sprechstunde vom 3. Mai  2023 (VB 42 S. 2 ff.) und der 

neuropsychologischen Sprechstunde vom 6. April 2023 (VB 42 S. 5 ff.) 

aus, es sei ohne Begründung eine Änderung der bisherigen Verdachtsdi-

agnose des Post-Covid auf eine gesicherte Diagnose vorgenommen wor-

den. Aus Sicht des RAD sei mit den neuen Berichten eine Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit durchaus plausibel, wobei fraglich sei, ob eine gesi-

cherte Diagnose vorliege, welche versicherungsmedizinisch relevant sei. 

Die Schmerzen seien durch das Fibromyalgiesyndrom begründet, welches 

aber versicherungsmedizinisch als nicht relevant gelte. Es bleibe deshalb 

bei der Einschätzung, dass medizinisch-theoretisch eine vollständige Ar-

beitsfähigkeit bestehen würde, wenngleich nachvollziehbar noch deutliche 

Einschränkungen bei der Beschwerdeführerin bestünden. Es ergebe sich 

eine versicherungsmedizinisch nicht relevante Diskrepanz zwischen Theo-

rie und Realität (VB 44). 

 

3. 

3.1. 

Im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts-

beschwerdeverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und 

ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und 

Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 

130 V 64 E. 5.2.5 S. 68 f.). Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungs-

gericht haben zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veran-

lassen, wenn hierzu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus 

den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 

117 V 282 E. 4a S. 283). 

 

3.2. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

 - 5 - 

 

 

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün-

det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.3. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-

stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 

V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3.4. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (vgl. statt vieler Urteil des Bundesge-

richts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1 mit Hinweisen). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen 

von Dr. med. B._____ seien in sich widersprüchlich. Während in den Be-

richten vom 13. Februar und 1. Juni 2023 eine Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit verneint worden sei, sei seinem Bericht vom 10. August 2023 zu 

entnehmen, dass deutliche Einschränkungen der Leistungsfähigkeit beste-

hen würden, medizinisch-theoretisch aber dennoch eine volle Arbeitsfähig-

keit vorliege (Beschwerde, S. 7 f.). Ferner sei Dr. med. B._____ als Fach-

arzt der allgemeinen Medizin nicht befähigt, das Beschwerdebild der Be-

schwerdeführerin zu beurteilen, zumal die Diagnosen aus dem Fachbe-

reich der Rheumatologie und Psychiatrie stammen würden und er im Wi-

derspruch zu den behandelnden Fachärzten eine volle Arbeitsfähigkeit at-

testiere (Beschwerde, S. 8 f.). Zudem gingen die Ausführungen fehl, die 

Fibromyalgie sei versicherungsmedizinisch nicht relevant, werde diese 

 - 6 - 

 

 

doch gemäss Rechtsprechung als unklares syndromales Beschwerdebild 

qualifiziert, auf welches der Indikatorenkatalog für nicht organisch nach-

weisbare Beschwerden angewendet werden müsse (Beschwerde, S. 9). 

Folglich sei durch die Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten 

einzuholen (Beschwerde, S. 10). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Dr. med. E._____, Facharzt für Neurologie, Kantonsspital C._____, schlug 

in seinem Bericht vom 27. Februar 2023 zum weiteren Prozedere vor, dass 

noch ein MRI des Neurokraniums, eine physio- und ergotherapeutische 

Mitbeurteilung, eine Mitbeurteilung durch die Kardiologie sowie Pneumolo-

gie und eine Elektroneurographie sowie ein "Covid-Labor" durchzuführen 

seien, wobei entsprechende Aufgebote noch folgen würden. Ebenso solle 

danach bei der Verlaufskontrolle in der Post-Covid Sprechstunde evaluiert 

werden, ob allenfalls noch eine psychiatrische und/oder neuropsychologi-

sche Mitbeurteilung notwendig sei (vgl. VB 32 S. 6).  

 

4.2.2. 

In der Folge fand am 6. April 2023 eine neuropsychologische Untersuchung 

durch Dr. phil. F._____, Fachpsychologin für Neuropsychologie, Kan-

tonsspital C._____, aufgrund der subjektiv berichteten Konzentrations-

schwierigkeiten bei V.a. Folgezustand nach Covid-Erkrankung statt. Dabei 

ergab sich, dass die Belastbarkeit für eine neuropsychologische Untersu-

chung aktuell nicht gegeben sei. Eine erneute Zuweisung wäre erst bei Sta-

bilisierung der Schmerz- und Stimmungsproblematik sinnvoll und empfeh-

lenswert, sollten die kognitiven Einschränkungen weiterhin bestehen. Im 

Hinblick auf den Aufbau einer angemessenen Tagesstruktur sei eine An-

meldung bei den Psychiatrischen Dienste G._____ in Q._____ vorgenom-

men worden, wobei aufgrund der ausgeprägten körperlichen Einschrän-

kungen eine Umsetzung aktuell als noch nicht möglich eingeschätzt wor-

den sei (VB 32 S. 9 ff.). 

 

4.2.3. 

Aus rheumatologischer Sicht diagnostizierte Dr. med. H._____, Facharzt 

für Rheumatologie, Kantonsspital C._____, in seinem Bericht vom 9. Mai 

2023 ein Fibromyalgie-Syndrom und ein Post-COVID-Syndrom. Er führte 

aus, in der klinischen Untersuchung könnten Tenderpoints über der Mus-

kulatur der oberen und unteren Extremitäten, des Abdomens und des Tho-

rax gesehen werden, was typisch für eine Fibromyalgie sei. Im Widespread 

pain Index hätten 17 von 19 Schmerzarealen ausgelöst werden können, 

der Symptom severity score habe 12 von 12 betragen und im Fragebogen 

zur Einschätzung der Aktivität einer Fibromyalgie (FIQ-R) habe die Be-

schwerdeführerin 88,5 von 100 Punkten erreicht. Die Beschwerden seien 

im Rahmen der Fibromyalgie bei myofaszialer Hyperalgesie mit "tender-

points" im Bereich der Fibromyalgie-typischen Areale mit 

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psychosomatischen Beschwerden (u.a. chronische Erschöpfung, Schlaf-

störungen, Konzentrationsschwäche, Hypästhesien) zu interpretieren. Zu-

dem wurde durch Dr. med. H._____ mittels des Patient Health Questio-

naire eine mittelgradige Depression erkannt (vgl. VB 41 S. 2). Ergänzend 

empfahl er eine schmerzspezialisierte Psychotherapie, wobei die Be-

schwerdeführerin bereits an einen Psychotherapeuten "angebunden" wor-

den sei (VB 41 S. 3).  

 

4.2.4. 

Dres. med. I._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, sowie 

J._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ambulatorium 

D._____, führten in ihrem Schreiben an die damalige Rechtsvertreterin der 

Beschwerdeführerin vom 4. April 2023 aus, es bestehe eine 100%ige Ar-

beitsunfähigkeit. Die vom RAD-Arzt angegebenen "deutlichen psychosozi-

alen Belastungssituationen" seien lange vorbestehend. Die Beschwerde-

führerin habe trotz dieser Herausforderungen und neben der Haushaltsfüh-

rung immer gearbeitet. Die Begründung des RAD-Arztes, die Beschwerden 

seien lediglich darauf zurückzuführen, greife daher zu kurz (vgl. VB 32 

S. 1).  

 

4.3. 

Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob die von Dr. med. E._____ und 

Dr. med. H._____ empfohlene psychiatrische Mitbeurteilung durch die Psy-

chiatrischen Dienste G._____ tatsächlich stattgefunden und was sich – ge-

gebenenfalls – bei den entsprechenden Untersuchungen ergeben hat. Zu-

dem kommt der von der fachpsychiatrischen Einschätzung von Dr. med. 

J._____ abweichenden Beurteilung der Auswirkungen der psychischen 

Symptomatik auf die Arbeitsfähigkeit von Dr. med. B._____, der nicht über 

den Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt, kein Beweis-

wert zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_584/2018 vom 13. November 

2018 E. 4.1.1.2. mit Hinweisen). Auch ist den Akten nicht zu entnehmen, 

wieso Dr. med. B._____ in seiner Stellungnahme vom 18. April 2023 noch 

ausführte, es seien die Ergebnisse der vorgesehenen weiteren Untersu-

chungen (MRI des Neurokraniums, physio- und ergotherapeutische Mitbe-

urteilung, Mitbeurteilung durch die Kardiologie sowie durch die Pneumolo-

gie, ENMG mit der Frage nach Hinweisen auf eine somatische Ursache der 

Schmerzen und des Schwächegefühls v.a. im linken Arm, Covid-Labor, da-

nach allenfalls psychiatrische und/oder neuropsychologische Mitbeurtei-

lung) abzuwarten, bevor dann eine abschliessende Beurteilung möglich sei 

(VB 31), er am 15. August 2023 aber abschliessend Stellung nahm 

(VB 44), obwohl zwischenzeitlich von den noch vorgesehenen Abklärun-

gen lediglich die rheumatologische und eine neurologische Untersuchung 

stattgefunden hatten (vgl. VB 41 S. 2 ff.; 42 S. 2 ff.) und die vorgesehene 

neuropsychologische Untersuchung wegen der unzureichenden Belastbar-

keit der Beschwerdeführerin gescheitert war (vgl. VB 42 S. 6). 

 

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Das durch Dr. med. H._____ fachärztlich diagnostizierte Fibromyalgiesyn-

drom wurde zudem durch Dr. med. B._____ als versicherungsmedizinisch 

nicht relevant beurteilt. Die pauschale Beurteilung der Diagnose als ohne 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erfolgte indes losgelöst vom konkreten 

Sachverhalt, was nicht statthaft ist. Es gilt zu beachten, dass, unabhängig 

von der klassifikatorischen Einordnung einer Krankheit, aus einer Diagnose 

– mit oder ohne diagnoseinhärentem Bezug zum Schweregrad – allein 

keine verlässliche Aussage über das Ausmass der mit dem Gesundheits-

schaden korrelierenden funktionellen Leistungseinbusse bei psychischen 

Störungen resultiert (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 S. 54 f.). Bei psychischen Lei-

den ist in allen Fällen durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht 

zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähig-

keitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweis-

themen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Das heisst, sie 

haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden 

erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klini-

scher Prüfung und Exploration (BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 367 ff.). Zudem 

befand Dr. med. B._____ zwar, dass hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin eine Diskrepanz zwischen Theorie und Realität be-

stehe, beurteilte diese jedoch als versicherungsmedizinisch nicht relevant. 

Es wäre an der Beschwerdegegnerin gewesen, die invalidenversiche-

rungsrechtliche Relevanz der gemäss Dr. med. B._____ in der Realität be-

stehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit-

tels Prüfung der massgebenden Indikatoren abzuklären. 

 

4.4. 

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der anspruchsrelevante 

medizinische Sachverhalt zum Zeitpunkt der RAD-Beurteilung vom 

15. August 2023 nicht abschliessend geklärt war, was jedoch eine 

Voraussetzung für eine beweistaugliche Aktenbeurteilung darstellt (vgl. 

E. 3.4 hiervor). Die Beschwerdegegnerin wäre gehalten gewesen, den 

Sachverhalt sowohl in Bezug auf die somatischen als auch auf die 

psychiatrischen Beschwerden weiter abzuklären.  

 

4.5. 

Zusammenfassend erweist sich der anspruchsrelevante medizinische 

Sachverhalt vor diesem Hintergrund im Lichte der Untersuchungsmaxime 

(Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 

V 93 E. 5.2.8 S. 105; 130 V 64 E. 5.2.5 S. 68 f.; 125 V 193 E. 2 S. 195; 122 

V 157 E. 1a S. 158; vgl. auch UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 

2020, N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) als nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Es 

rechtfertigt sich damit, die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwer-

degegnerin zurückzuweisen (BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 V 210 

E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin neu über 

das Rentenbegehren zu verfügen.  

 

 - 9 - 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 7. November 2023 aufzuheben und 

die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die Beschwer-

degegnerin zurückzuweisen ist. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 7. No-

vember 2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne 

der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsver-

treter der Beschwerdeführerin die Parteikosten in richterlich festgesetzter 

Höhe von Fr. Fr. 3'300.00 zu bezahlen. 

 

 

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 24. Juni 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin:   Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Peterhans   Bächli