# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4ddd244-0828-56ba-a466-f14e713e5b89
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-03-19
**Language:** de
**Title:** Erneute Anmeldung. Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs, wenn vor erneuten medizinischen Abklärungen aufgrund eines Rückweisungsurteils mitgeteilt worden war, die beruflichen Massnahmen seien abgeschlossen. Invaliditätsbemessung. Teilweise Gutheissung.
**Docket/Reference:** IV.2017.00810
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00810.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00810
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Barblan
Urteil
vom
19. März 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
Anwaltskanzlei Reto
Zanotelli
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
PANVICA
Pensionskasse
Talstrasse 7, Postfach 514, 3053 Münchenbuchsee
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1973, schloss 1993 eine Lehre als Ap
othekenhelferin (heu
te: Pharmaa
ssistentin) ab und war bis im Jahr 2000 als solche tätig. In der Folge wechselte sie in den kaufmännischen Bereich und erwarb im Jahr 2002 das Bü
rofachdiplom, im Jahr 2003 das Handelsdiplom sowie im Jahr 2004 das Schwei
zerische Informatik-Zertifikat (vgl.
Urk.
7/1 und
Urk.
7/21). Von November 2003 bis Juli 2004
arbeitete die Versicherte
in einem Pensum von 80
%
als Dis
ponentin Medikamentenbeschaffung bei der
Y.___
AG (vgl.
Urk. Urk.
7/8)
. Eine erste Anmeldung der Versicherten zum Bezug von Leistungen der Invali
denversicherung vom
7.
Oktober 2004 (
Urk.
7/2) wurde letztlich nicht weiter
verfolgt, nachdem die Versicherte per
5.
Oktober 2004 eine 60%-Stelle im Ver
kaufsbereich angetreten hatte (vgl.
Urk.
7/11).
1.2
Unter Hinweis auf eine manische Depressivität meldete sich die Versicherte am 2
2.
November 2006 erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/15). Mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2008 (
Urk.
7/50) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenan
spruch, da die ermittelten Invaliditätsgrade unter 40
%
lagen.
1.3
Am 1
9.
Oktober 2012 meldete sich die Versicherte ein weiteres Mal zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/73). Mit Mitteilung vom 3
0.
Januar 2013 (
Urk.
7/80) schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab,
dies
unter Hinweis auf ei
ne separate Verfügung betreffend Rentenanspruch. Nach Einholung eines psy
chiatrischen Gutachtens (
Urk.
7/93) verneinte sie mit Verfügung vom 2
4.
September 2014 bei einem Invaliditätsgrad von 37
%
sodann einen Renten
anspruch (
Urk.
7/112). Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
3.
Mai 2015 in dem Sinne gut, als es die Verfügung vom 2
4.
September 2014 aufhob und die Sache zu weiteren Ab
klärungen an die Vorinstanz zurückwies (Verfahren Nr. IV.2014.01113;
Urk.
7/123).
Daraufhin holte die IV-Stelle aktuelle Arztberichte ein und liess die Versich
erte durch einen Arzt ihres Regionalen Ä
rztlichen Dienstes (RAD) untersuchen (
Urk.
7/129). Am 3
1.
August 2016 gewährte die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit vom
1.
September 2016 bis 2
8.
Februar 2017 einen Arbeitsversuch bei der
Z.___
AG, wo die Versicherte ab
1.
Januar 2015 zu 80
%
als Verkäuferin angestellt war (
Urk.
7/150
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7,
Ziff.
2.9), sowie ein Job-Coaching (
Urk.
7/148). Für die Dauer der Massnahme richtete die IV-Stelle der Versicherten ein Taggeld aus (
Urk.
7/153). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
7/168,
Urk.
7/174) sprach die IV-Stelle der Versicherten
mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2017 (
Urk.
7/184 und
Urk.
7/187 =
Urk.
2) bei ei
nem Invaliditätsgrad von 52
%
sodann eine halbe Rente ab
1.
März 2017 zu.
2.
2.1
Die Versicherte erhob am
2.
August 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
Juni 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, und es sei ihr ab dem
1.
Juli 2013 bis zum 3
1.
August 2016 und sodann ab dem
1.
März 2017 eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
September 2017 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
8.
September 2017 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Am 2
2.
September 2017 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme ein (
Urk.
9), welche der Beschwerdegegnerin am
9.
Oktober 2017 zugestellt wurde (
Urk.
10).
2.2
Mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
Januar 2018 wurde die Pensionskasse PANVICA zum Prozess beigeladen (
Urk.
11). Diese liess sich innert der ihr angesetzten Frist nicht vernehmen.
Mit Eingabe vom 2
3.
Januar 2018 beantragte die Beschwerdeführerin die zu
sätzliche Beiladung einer weiteren (näher genannten) Pensionskasse.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Vorab ist z
um Antrag der Beschwerdeführerin auf zusätzliche Beiladung einer
weiteren Pensionskasse festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung vom
1
5.
Juni 2017 (
Urk.
2)
nur der Pensionskasse PANVICA
zugestellt wurde. Pensi
onskassen, welche
n
die angefochtene Verfügung nicht
eröffnet wurde
, sind rechtsprechungsgemäss nicht an d
ie invalidenversicherungsrechtliche
Festset
zung des IV-Grades gebunden (vgl.
dazu
BGE 129 V 73 E. 4
.2.2). D
eshalb
ist
von
der beantragten Beiladung abzusehen.
2
.
2
.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) eine für den Rentenanspruch re
levante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
2
.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
2
.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe und ermittelte mittels Einkommensver
gleichs einen Invaliditätsgrad von 52
%
. Zur
Bestimmung
des
Valideneinkom
mens
stellte sie
dabei auf den
von Frauen im Gesundheits- und Sozialwesen im Kompetenzniveau 2 erzielten
Lohn gemäss
den Tabellenlöhnen der vom Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) ab. Als Invalideneinkommen zog
sie
das von der Beschwerdeführerin aktuell bei der
Z.___
AG erzielte Einkommen heran. Den Beginn des Rentenanspruchs legte sie auf den
1.
März 2017 fest, mit der Begründung, dass ein Rentenan
spruch erst nach Beendigung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen per Ende Februar 2017 bestehe und zuvor noch Eingliederungspotential bestanden habe (
Urk.
2 Verfügungsteil 2,
Urk.
6).
3
.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, gemäss medizinischer Beurteilung seit Juli 2012 zu mindestens 40
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt zu sein, womit ab
1.
Juli 2013 der Anspruch auf eine Invalidenrente begründet sei. Der Rentenanspruch habe am
1.
Juli 2013 begonnen und sei für den Zeitraum der Eingliederungsmassnahme mit der Zahlung des Invalidentag
gelds vom
1.
September 2016 bis 2
8.
Februar 2017 unterbrochen worden. Nachdem die Beschwerdegegnerin im Jahr 2013 die Gewährung beruflicher Massnahmen rechtsverbindlich abgelehnt und auf die nachfolgende Rentenprü
fung hingewiesen habe, sei es widersprüchlich, wenn sie von einem vorhande
nen Eingliederungspotential bis Ende Februar 2017 ausgehe. Weiter sei davon auszugehen, dass sie (die Beschwerdeführerin) bei guter Gesundheit vollzeitlich im Anstellungsverhältnis als Pharma-Disponentin verblieben wäre und sich der damit erzielte Einstiegslohn im Zeitverlauf zumindest entsprechend der Teue
rung erhöht hätte. Bei Gegenüberstellung des bei der
Y.___
AG tatsächlich erzielten, an die Teuerung angepassten Lohnes und des von der Beschwerde
gegnerin ermittelten Invalidenlohnes resultiere ein eine
n Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
begründender Invaliditätsgrad von 63
%
(
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
16). Würde nicht auf den bei der
Y.___
AG erzielten Lohn, sondern auf die LSE abgestellt, sei von einer dem Kompetenzniveau 3 entsprechenden Tätig
keit als Pharmadisponentin auszugehen, da sie nach Abschluss der Grundaus
bildung zur Pharmaassistentin erfolgreich mehrere Weiterbildungen im kauf
männischen und kommerziellen Bereich abgeschlossen habe, welche ihr den be
ruflichen Aufstieg zur komplexen und anspruchsvollen Tätigkeit bei der Dispo
sition zur Medikamentenbeschaffung mit einem erheblichen Mehrverdienst er
möglicht hätten (
Urk.
9).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist der Renten
anspruch der Beschwerdeführerin
und in diesem Zusammenhang der Invaliditätsgrad und der Beginn des Rentenan
spruchs.
4
.
Mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2008 (
Urk.
7/50) hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin letztmals rechtskräftig verneint. Sie ging damals davon aus, dass der Beschwerdeführerin eine behinderungsan
gepasste Tätigkeit ab Oktober 2004 zu 60
%
zumutbar sei. Sodann qualifizierte sie die Beschwerdeführerin als Teilerwerbstätige und ermittelte - in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung - einen rentenausschlies
senden Invaliditätsgrad von 39
%
beziehungsweise 26
%
.
In der vorliegend angefochtenen Verfügung qualifizierte die Beschwerdegegne
rin die Beschwerdeführerin (neu) als Erwerbstätige, was unbestritten ist. Zudem ging sie - angesichts der veränderten Erwerbssituation der Beschwerdeführerin - von einem anderen Invalideneinkommen aus als in der Verfügung vom Dezem
ber 200
8.
Damit ist von einer wesentlichen Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen auszugehen und
der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
allseitig
, das
heisst
unter Berücksichti
gung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsa
chenspektrums und ohne Bindung an die ursprüngliche Rentenverfügung, zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C
_436/2011 vom 1
0.
Mai 2012 E. 4
).
5
.
5
.1
In ihrem Gutachten vom Februar 2014 (
Urk.
7/93) nannten
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie, und
lic
. phil.
B.___
, Fachpsychologe für Psy
chothe
rapie FSP,
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11 unten):
-
bipolare Störung, gegenwärtig unter medikamentöser Behandlung remit
tiert (ICD-10 F31.7)
-
leichte Einschränkungen im Bereich der psychoreaktiven Anforderungen
-
anamnestisch
schizoaffektive
Störung
In der angestammten
Tätigkeit als Pharmaassistentin attestierten die Gutachter der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit. In einer an
gepassten Tä
tigkeit wie zum Beispiel im Verkauf oder für leichte kaufmänni
sche Tätigkeiten erachteten sie die Beschwerdeführerin als zu 50
%
arbeitsunfähig (S. 12 oben).
5
.2
In seinem
Urteil vom 1
3.
Mai 2015 erwog das hiesige Gericht, dass sich - aus näher dargelegten Gründen - weder die gutachterliche Schlussfolgerung betref
fend die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Pharmaassistentin noch die Schlussfolgerung hinsichtlich der Arbeitsfähigk
eit in angepassten Tä
tigkeiten
als nachvollziehbar begründet erweise. Demnach mangle es an einer
hinreichenden medizinischen
Entscheidgrundlage
zur Beurt
eilung des Renten
anspruchs (
Urk.
7/123 E
.
4.2-
4.3).
5
.3
Am 1
4.
Dezember 2015 berichtete
dipl.
med.
C.___
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie und Facharzt für Neurologie, RAD, über die Untersu
chung der Beschwerdeführerin vom
8.
Dezember 2015 (
Urk.
7/129). Als psychi
atrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
dipl.
med.
C.___
eine bipolare Störung, gegenwärtig unter medikamentöser Behandlung remittiert, ICD-10 F31.7 (S. 4
Ziff.
9). Er führte aus, Hauptproblem der Patienten mit bipolaren Störungen sei die erhöhte Vulnerabilität auf psychische und psy
chosoziale Stressoren. Die Schwelle sei im Vergleich zur Normalbevölkerung deutlich niedriger, sodass eine deutlich geringere emotionale Belastung bereits zu einem erneuten Krankheitsschub führen könne. Dies zeige die Arbeitsbiogra
phie der Beschwerdeführerin deutlich (S. 5 unten). Für die Beschwerdeführerin optimal angepasst wäre eine klar strukturierte Tätigkeit ohne Schicht- und Nachtdienste in einem vertrauensvollen Umfeld. Dabei sollte es sich nur um ein kleines Team und eine kleine Geschäftseinheit handeln. Bei Tätigkeiten mit hö
heren intellektuellen Anforderungen wie bei der Tätigkeit als Pharmaassistentin sei der Grad der Arbeitsfähigkeit geringer als bei kognitiv weniger anspruchs
vollen Tätigkeiten. Deswegen sei die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Phar
maassistentin seit Juli 2012 durchschnittlich zu 40
%
eingeschränkt. In einer einfach strukturierten, klar definierten Verkaufstätigkeit, wie sie die Beschwer
deführerin derzeit bei der
Z.___
AG ausübe, sei bei optimalen Bedingungen seit Juli 2012 ein Pensum von 70
%
bis 80
%
möglich (S. 5 unten, S. 6 oben,
S. 6
Ziff.
11).
5
.4
Am 2
0.
Juli 2016 berichtete
Dr.
med. univ.
D.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
E.___
(
Urk.
7/146/1-3), die Be
schwerdeführerin habe im Mai/Juni 2016 erneut eine
schizo
-manische Episode erlitten, welche ihre Arbeitsfähigkeit wieder eingeschränkt und ihren Arbeits
platz stark gefährdet habe. Derzeit sei die
schizo
-manische Phase remittiert und es bestehe - wie nach einer manischen Episode zu erwarten - eine depressive Nachschwankung in leichtem Ausmass Die Arbeitsfähigkeit im Detailhandel bei
Z.___
liege derzeit bei 40
%
, im Laufe der nächsten Wochen sei eine Steige
rung auf 60
%
geplant. Die Beschwerdeführerin sei hochmotiviert für die Wie
dereingliederung und müsse in ihren Bestrebungen eher gebremst werden (
Ziff.
1.3,
Ziff.
2.1).
5
.5
Am
3.
Februar 2017 (
Urk.
7/162) berichtete
Dr.
D.___
, das derzeit von der Be
schwerdeführerin im Detailhandel bei der
Z.___
AG (
Ziff.
2.1) ausgeübte Pen
sum von 60
%
werde bis auf weiteres und auch langfristig als nicht
steigerbar
eingeschätzt (
Ziff.
3.3).
5
.6
In seiner Stellungnahme vom
9.
Februar 2017 (
Urk.
7/166 S. 5 f.) führte RAD-Arzt
dipl.
med.
C.___
aus, das Jahr 2016 habe gezeigt, dass eine Arbeitsbelas
tung von 80
%
zu hoch sei. Es sei zu zwei stationären psychiatrischen Aufent
halten gekommen. Die bisherige Tätigkeit als Pharmaassistentin sei der Be
schwerdeführer aufgrund der Relevanz für die Sicherheit ab Mai 2016 nicht mehr zumutbar. Grund dafür seien die ausgebaute psychiatrische Medikation mit kognitiven Einschränkungen und die dauerhaft verminderte psychische Be
lastbarkeit. Die bipolare Störung der Beschwerdeführerin mit zwei Schüben im Jahr 2016 sei gegenwärtig unter medikamentöser Behandlung teilremittiert (S. 5 unten). In
einer angepassten
Tätigkeit
bestehe ab Mai 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Als angepasst zu werten sei eine
klar strukturierte Tätigkeit ohne Schicht- und Nachtdienste i
n einem vertrauensvollen Umfeld, in einem kleinen Geschäft und Team und ohne Konflikte sowie emotionale Belastungen.
In Anbe
tracht der Gesamtsituation und des wiederkehrenden Verlaufs der schweren psychischen Erkrankung sollte langfristig ein 50%-Pensum nicht überschritten werden.
6
.
Ausweislich der medizinischen Akten leidet die Beschwerdeführerin an einer bipolaren Störung.
Gemäss Beurteilung
durch
RAD-Arzt
dipl.
med.
C.___
ist
sie deswegen
seit Juli 2012 sowohl in der erlernten Tätigkeit als Pharmaassis
tentin als auch bei der Ausübung einfach strukturierter Verkaufstätigkeiten, wie sie die Beschwerdeführerin seit Januar 2015 bei der
Z.___
AG ausübt, massge
blich in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt.
In der Tätigkeit als Pharmaassis
tentin attestierte der
RAD-Arzt
der Beschwerdeführerin
ab Juli 2012
eine 40%ige und
ab Mai
2016
eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
(vorstehend E. 4.3, E. 4.6)
. Vor d
em
Hinte
rgrund dieser Beurteilung is
t der Beschwerdeführerin beizupflichten, dass per
1.
Juli 2013 die Voraussetzung gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
erfüllt war und
bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen nach
Art.
28
Abs.
1 IVG sowie nach
Art.
29
Abs.
1 IVG
in diesem Zeitpunkt
ein
Rentenanspruch entstand.
D
ie Beschwerdegegnerin
stellte sich
auf den Standpunkt, bis Ende Februar 2017 habe noch Eingliederungspotential bestanden, sodass der Rentenanspruch erst per
1.
März 2017 habe entstehen können. Hier
ist mit der Beschwerdeführerin darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom 3
0.
Januar 2013 (
Urk.
7/80) die beruflichen Massnahmen abschloss und
einen Rentenanspruch prüfte
.
Vor diesem Hintergrund ist es widersprüchlich, wenn die Beschwerdegegnerin für die Zeit bis Februar 2017 von einem noch vorhan
denen Eingliederungspotential ausging
und den Rentenanspruch für die Zeit ab
Juli 2013 (implizit) unter Hinweis auf das Fehlen der Voraussetzung gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG verneinte
. Daran ändert nichts
,
dass
die Beschwerde
gegnerin der Beschwerdeführerin für die Zeit vom
1.
September 2016 bis 2
8.
Februar 2017 berufliche Massnahmen in Form eines Arbeitsversuchs ge
währte. Das mit der Anmeldung der Beschwerdeführerin vom Oktober 2012 (
Urk.
7/73) eingeleitete Verwaltungsverfahren wurde betreffend
Eingliede
rungsmassnahmen mit Mitteilung vom 3
0.
Januar 2013 (
Urk.
7/80) und betref
fend Rente - nach weiteren medizinischen Abklärungen aufgrund des Rückwei
sungsurteils vom 1
3.
Mai 2015 (
Urk.
7/123) - mit der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
Juni 2017 (
Urk.
2) beendet und es kann nicht zu Lasten der Beschwer
deführerin gehen, dass
sich
die Rentenprüfung aufgrund der Unklarheiten in medizinischer
Hins
icht
in die Länge zog.
Aufgrund der Anmeldung der
Beschwerdeführerin vom Oktober 2012 ist dem
nach ein allfälliger Rentenanspruch am
1.
Juli 2013
entstanden. Z
u
prüfen
ist
, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit
und dem
Invaliditätsgrad
der Beschwerde
führerin
ab diesem Zeitpunkt
verhält.
7
.
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach einer längeren stabilen Phase im Juli 2012 wegen manischer Entgleisung mit fremdaggressiven Handlungen per fürsorgerische
n
Freiheitsentzug
s
in die
E.___
eingewiesen wurde (
Urk.
7/146/6 unten). Für die Zeit ab Juli 2012 attestierte
RAD-Arzt
dipl.
med.
C.___
der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
in der Tätigkeit als Pharmaassistentin und eine Arbeitsunfähigkeit von
20
%
bis 30
%
in
einer einfach strukturierten, klar definierten Verk
aufstä
tigkeit (vorstehend E. 5
.3
).
Für die Zeit ab Mai 2016 ging
er
sodann
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Pharmaassistentin und von einer 50%
igen Arbeitsunfähigkeit in
einer
angepassten Tätigkeit
aus
(vorste
h
end E. 5
.6)
, dies
,
nachdem die Beschwerdeführerin im Mai/Juni 2016 eine
schi
zo-manische
Episode erlitten
hatte (vorstehend E.
5
.4).
Was die Beurteilung
durch
dipl.
med.
C.___
für die Zeit ab Juli 2012 anbe
langt, so erweist sich diese jedenfalls insofern als
plausibel
, als die behandelnde Ärztin der
E.___
,
Dr.
D.___
, der Beschwerdeführerin im April 2013 eine
nur
ge
ringgradig
tiefere
Arbeitsunfähigkeit von 30
%
bis 40
%
in der damals ausgeüb
ten Verkaufstätigkeit in einer Bäckerei (vgl.
Urk.
7/86) attestiert hatte (
Urk.
7/89
Ziff.
1.6).
Zur Arbeitsfähigkeit
in der Tätigkeit als Pharmaassistentin äusserte sich
Dr.
D.___
nicht, was mit Blick darauf, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2000 nicht mehr als solche tätig war, auch nachvollziehbar ist.
Die v
om RAD-Arzt
für die Zeit ab Mai 2016
angenommene Arbeitsunfähigkeit von
100
%
in der Tätigkeit als Pharmaassistentin und von 50
%
in einer
angepass
ten Tätigkeit
(vorstehend E. 5
.6)
, worunter der RAD-Arzt
soweit ersichtlich
auch die von der Beschwerdeführerin bei der
Z.___
AG
ausgeübte Verkaufstätigkeit s
ubsumierte (vgl. vorstehend E. 5
.3),
ist sodann unbestritten
und
steht insbe
sondere nicht im Widerspruch zur Einschätzung der behandelnden Ärztin
Dr.
D.___
, welche im Februar 2017 das von der Beschwerdeführerin bei
der
Z.___
AG
ausgeübte 60
%
-Pensum als nicht
steigerbar
eingeschätzt hatte
(vor
stehend E. 5
.5). Ab Mai 2016 ist damit mit der Beschwerdegegnerin von einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
für angepasste Tätigkeiten
auszugehen.
8
.
8
.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
8
.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
8
.3
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass
zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E.
4.1 und E. 4.2; BGE
128 V 174
;
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.1 und 9C_22/2014 vom 18. Februar 2014 E. 4.3
).
8
.4
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frü
hestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel
am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensent
wicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt wor
den wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versi
cherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der LSE berechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
8
.
5
Die Beschwerdeführerin war bis im Jahr 2000 in ihrem erlernten Beruf als Pharmaassistentin tätig.
Im Juli 2002 erlangte
sie
das Bürofachdiplom VSH
(
Urk.
7/13/6).
Von
November 2002
bis Mai 2003
arbeitete
sie
in einem Pensum
von 80
%
als Stationssekretärin in der Klinik
F.___
(
Urk.
7/7)
. Nach Erlan
gung des Handelsdiploms
VSH
im Juli 2003
war
sie von November 2003 bis Ju
li 2004 zu 80
%
als Disponentin Medikamentenbeschaffung bei der
Y.___
AG
tätig (
Urk.
7/8)
.
Aus dem im Arbeitszeugnis der Klinik
F.___
und
in
der Arbeitsbestätigung der
Y.___
AG enthaltenen Tätigkeitsbeschrieb (
Urk.
7/13/8-9) erhellt, dass
diese
beide
n
Stellen erhöhte intellektuelle Anforde
rungen
und auch ein erhöhtes Mass an
Verantwortung mit sich brachten
.
Da sich das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin gemäss RAD-Arzt
dipl.
med.
C.___
unter anderem in einer erhöhten Vulnerabilität auf psychische und psy
chosoziale Stressoren äussert und sich dies nicht zuletzt in der Arbeitsbiogra
phie der Beschwerdeführerin mit häufigen Stellenwechseln
(vgl.
Urk.
7/79/1 f.)
widerspiegelt (vorstehend E. 5
.3),
ist mit
überwiegend
er W
ahrscheinlich
keit da
von auszugehen
, dass die
nur kurze Anstellungsdauer
als Stationssekretärin be
ziehungsweise Disponentin in der Medikamentenbeschaffung
ges
undheitsbe
dingt zu erklären ist und die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit
in einer entsprechend
en
Anstellung mit entsprechendem Lohnniveau
verblieben wäre. Dafür, dass die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt des Rentenbeginns
im Ge
sundheitsfall
das
Lohnniveau einer Pharmaassi
s
tentin
(vgl. dazu insbesondere die im Auszug aus dem individuellen Konto ausgewiesenen Löhne für die Jahre 1993 bis 2000 bei der Apotheke
G.___
und der Apotheke
H.___
,
Urk.
7/144/3; vgl. auch
Urk.
7/13/13-15), übertroffen hätte,
spricht
auch
, dass die Beschwerdeführerin sich weiterbildete und sie nach dem Bürofach- und dem Handelsdiplom im Jahr 2004
überdies
das Schweizerische Informatik-Zertifik
at
erlangte (
Urk.
7/1/5).
Anlässlich einer im Jahr 2010 durchgeführten Laufbahn
beratung wurde der Beschwerdeführerin nicht zuletzt ein weit überdurchschnitt
liches
, bis an ei
n Universitätsniveau reichendes
Intelligenz
potential attestiert und als langfristige Perspektive eine Ausbildung zur Betriebswirtschafterin HF ins Auge gefasst (
Urk.
7/66 S. 2 oben).
Daher
ist
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt des Rentenbeginns im Jahr 2013 i
m Gesundheitsfall mehr verdient hätte
als die von
der
Beschwerdegegnerin gestützt auf die LSE ermittelten
rund
Fr.
64‘
98
7
.
--
(Wert 2016;
Urk.
7/165). Ein Einkommen
in dieser Höhe
erzielte
die Beschwer
deführerin bereits im Jahr 2003
als Stationssekretärin in der Klin
ik
F.___
(
Fr.
52‘000.-- für ein 80
%
Pensum, entsprechend
Fr.
65‘000.-- für ein 100
%
-Pensum;
Urk.
7/7
Ziff.
10 ff.) und
nach Erlangung des Handelsdiploms
konnte sie dieses
mit ihrer Tätigkeit
bei der
Y.___
AG
weiter auf
Fr.
58‘240.-- pro Jahr (entsprechend
Fr.
72‘800.-- für ein 100
%
-Pensum;
Urk.
7/8
Ziff.
10 ff.) steigern.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sachgerecht, zur Ermittlung des
Validen
einkommens
- wie von der Beschwerdeführerin beantragt - an das bei der
Y.___
AG erzielte
Einkommen anzuknüpfen,
auch wenn dieses Arbeitsverhält
nis im Verfügungszeitpunkt bereits über zehn Jahre zurück lag
. Denn das mit dieser Tätigkeit erzielte Einkommen widerspiegelt
das
Lohnniveau
, welches die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall überwiegend wahrscheinlich hätte errei
chen
beziehungsweise halten
können.
8
.6
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Er
werbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b/aa).
8
.7
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens
können nach der Rechtspre
chung
Tabellenlöhne gemäss den LSE herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlich
ten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015
vom 11. September 2015 E. 3.2.2). Der
Beizug
der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Mey
er/
Reichmuth
,
IVG
, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
8
.8
Im Zeitpunkt des Rentenbeginns im Jahr 2013 war die Beschwerdeführerin
im Umfang von 50
%
bis 70
%
als Verkäuferin in einer Bäckerei tätig (vgl.
Urk.
7/86). Per
1.
Januar 2015 trat sie sodann eine 80
%
-Stelle als Verkäuferin bei der
Z.___
AG an (vgl.
Urk.
7/150), wobei das Pensum per März 2017 auf 60
%
reduziert wurde (
Urk.
7/173).
Die Anstellung bei der Bäckerei
endete nach
rund zwei Jahre
n
(vgl.
Urk.
7/144/1)
. Bei der
Z.___
AG
war die Beschwerde
führerin
im Verfügungszeitpunkt rund zweieinhalb Jahre
angestellt
. Angesichts dieser relativ kurzen
Anstellungsdauer
kann bei beiden Stellen nicht von be
sonders stabilen Arbeitsverhältnissen gesprochen werden.
Es k
ommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin
gemäss Beurteilung des RAD-Arztes langfristig ein 50
%
-Pensum nicht überschreiten sollte (vorstehend E.
5
.6)
, sodass fraglich ist, ob sie ihre 60
%
-Anstellung bei der
Z.___
AG wird halten können.
Vor diesem Hintergrund
können
die von der Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeit
raum tatsächlich erzielten Einkommen nicht als Invalidenlohn gelten und ist es vielmehr
sachgerecht, zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf die LSE ab
zustellen.
Mit Blick auf das von RAD-Arzt
dipl.
med.
C.___
für optimal leidensangepass
te Tätigkeiten beschriebene Belastungsprofil (vgl. vorstehend E.
5.3, E. 5
.6
) ist
für die Berechnung des Invalideneinkommens
auf das Total der von weiblichen Arbeitskräften
in allen Wirtschaftszweigen
im privaten Sektor
erzielten Löhne gemäss LSE
und dort auf das Kompetenzniveau 1
abzustellen.
8.9
Für die Zeit von Juli 2013 bis April 2016 ergibt sich damit folgender Einkom
mensvergleich:
Im Jahr 2004 b
elief sich der
von der Beschwerdeführerin
bei der
Y.___
AG erzielte Lohn für ein 100
%
-Pensum auf
Fr.
72‘800 (
Urk.
7/8
Ziff.
10 ff.
). U
nter Berücksichtigung der
Entwicklung des Nominallohnindexes der Saläre für
weib
liche
Arbeitskräfte von 2
‘360 Punkten im Jahr 2004 auf 2
’
648 Punkte im Jahr 2013
(
Bundesamt für Statistik, T 39,
Lohnentwicklung)
resultiert
ein massge
bendes
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
81‘684.--
(
Fr.
72‘800.-- : 2‘360 x 2‘648
).
Der
von Frauen
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
erzielte standardisierte Durchschnittslohn für
einfache Tätigkeiten körperlicher
oder
handwerklicher
Art (
Kompetenzniveau
1) belief sich
im Jahr 2012 auf
Fr.
4
‘112.-- pro Monat (LSE 2012, TA1
). Bei dem der Beschwerdeführerin
ge
mäss
RAD-Beurteilung
zumutbaren Pensum von
(durchschnittlich) 75
%
(vor
stehend E. 7
)
und unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 201
3
von 41.7 Stunden (b
etriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, herausgegeben vom Bundesamt für Statistik, T03.02) sowie der Nominallohnentwicklung im Jahr 2013
von 0.7
%
(
Bundesamt für Statistik, T 39,
Lohnentwicklung)
resultiert für das Jahr 2013
ein Invalidenein
kommen von
rund
Fr.
38‘851.-- (
Fr.
4‘112.--
: 40 x 41.7
x 12 x
1.007
x 0.75
).
Beim Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
81‘684.--
mit dem
Inva
-
liden
einkommen
von
Fr.
38‘851.
--
resultiert
eine Einkommenseibusse von
Fr.
42‘833.-- und
ein
Invaliditätsgrad
von
gerundet
(vgl. dazu BGE 130 V 121 E. 3.2)
52
%
und damit ein Anspruch auf eine
halbe Rente
(
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Anzumerken ist, dass auch dann ein eine
n Anspruch auf eine
halbe Rente be
gründender Invaliditätsgrad resultierte, wenn bei der Ermittlung des Invaliden
einkommens auf die von
Dr.
D.___
attestierte (durchschnittliche) Arbeitsfähig
kei
t von 65
%
(vgl. vorstehend E. 7
) abgestellt würde
. Denn das Invalidenein
kommen beliefe sich
diesfalls
auf
rund
Fr.
33‘671.-- (
Fr.
4‘112.--
: 40 x 41.7
x 12 x
1.007 x 0.65
)
und der IV-Grad somit auf
gerundet
59
%
.
8.10
Für die Zeit
ab Mai 2016 ergibt sich sodann folgender Einkommensvergleich:
Ausgehend vom
bei der
Y.___
AG im
Jahr 2004
erzielten Lohn von
Fr.
72‘800 resultiert u
nter Berücksichtigung der Entwicklung des Nominallohn
indexes der Saläre für weibliche Arbeitskräfte von 2
‘360 Punkten im Jahr 2004 auf 2
’
709 Punkte im Jahr 2016
(Bundesamt für Statistik, T 39,
Lohnent
-
wick
lung
) ein massgebendes
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
83‘566
.-- (
Fr.
72‘800.-- : 2‘360 x
2‘709
).
Der von Frauen
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
erzielte standardisierte Durchschnittslohn für
einfache Tätigkeiten körperlicher
oder
handwerklicher
Art (
Kompetenzniveau
1) belief sich
im Jahr 2014
auf
Fr.
4
‘300.-- pro Monat (LSE 2014, TA1
). Bei dem der Beschwerdeführerin
ge
mäss
RAD-Beurteilung
zumutbaren Pensum von
50
%
(vorstehend E. 6)
und unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 201
6 von 41.7 Stunden (b
etriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabtei
lungen, herausgegeben vom Bundesamt für Statistik, T03.02) sowie der Nom
i
nallohnentwicklung im Jahr 2015
von 0.5
%
und im Jahr 2016 von 0.8
%
(
Bundesamt für Statistik, T 39,
Lohnentwicklung)
resultiert für das Jahr 2016
ein Invalideneinkommen von
rund
Fr.
27‘247.-- (
Fr.
4‘300
.--
: 40 x 41.7
x 12 x
1.005 x 1.008 x 0.5
).
Beim Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
83‘566.--
mit dem Invaliden
einkommen von
Fr.
27‘247.
--
resultiert
eine
Einkommenseinbusse
von
Fr.
56‘319.
--
und ein
Invaliditätsgrad von
gerundet
67
%
und damit ein An
spruch auf eine
Dreiviertelsrente
(
Art.
28
Abs.
2 IVG).
8.11
Gemäss
Art.
88a
Abs.
2 IVV ist eine
Verschlechterung
der Erwerbsfähigkeit zu
berücksichtigen
, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ge
dauert hat. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin damit von Juli 2013 bis Juli 2016 Anspruch auf eine halbe Rente. Ab
August
2016 besteht
sodann
Anspruch
auf eine Dreiviertelrente.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
9
.
9.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
9.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). U
nter Berücksichtigung der massgeblichen Krite
rien ist die Prozessentschädigung beim praxisgemässen
Stundenansatz vom
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2’400
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzulegen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung der
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
1
5.
Juni 2017
mit der Feststellung
aufgehoben, dass die Beschwerdeführerin
von Juli 2013 bis Juli 2016 Anspruch auf eine halbe und ab August 2016
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
13
-
Pensionskasse PANVICA
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannBarblan