# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e4ef6923-af00-53c0-b958-f83639b9c972
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-27
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 27.01.2022 SK1 2018 31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2018-31_2022-01-27.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 27. Januar 2022

Referenz SK1 18 31 / 32

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Cavegn, Vorsitzender
Moses und Michael Dürst
Gustin, Aktuar

Parteien A._____
Berufungskläger und Berufungsbeklagter
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peter Portmann
Quaderstrasse 18, Postfach 551, 7001 Chur 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Sennhofstrasse 17, 7001 Chur
Berufungsbeklagte und Berufungsklägerin

Gegenstand Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 
32 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 2 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Maloja vom 31.05.2018, mitgeteilt am 
02.08.2018 (Proz. Nr. 515-2018-4)

Mitteilung 31. Januar 2022

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Sachverhalt

A. Die Staatsanwaltschaft erklärte A._____ am 24. Mai 2017 mittels Strafbe-
fehl der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 1 
SVG und Art. 4 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig und 
verurteilte ihn zu einer Busse von CHF 150.00. Dem Strafbefehl lag folgender 
Sachverhalt zugrunde: 

Am _____ 2017 kam es unterhalb des Hotels B._____ auf Gemeindegebiet 
von C._____ auf der Voa D._____ zu einem Verkehrsunfall, wobei zwei 
Lieferwagen und ein Personenwagen involviert waren. Ein Lieferwagen 
stand mit Front in Richtung F._____ auf der in Fahrtrichtung des Beschul-
digten gesehen linken Seite, der Personenwagen sowie der zweite Liefer-
wagen standen etwas weiter unten auf der rechten Fahrbahnseite. Als die 
Polizei dabei war, den Tatbestand aufzunehmen, fuhr der Beschuldigte um 
ca. 10:35 Uhr vom Hotel B._____ kommend über die Voa D._____ in Rich-
tung C._____. Als er die auf der Strasse stehenden Fahrzeuge feststellte, 
betätigte er die Fussbremse. Dabei verlor er auf der schneebedeckten, rut-
schigen Fahrbahn, infolge der nicht den Witterungs- und Strassenverhält-
nissen angepassten Geschwindigkeit, die Herrschaft über sein Fahrzeug. 
Dieses rutschte alsdann der bergseitigen Felswand entlang talwärts und 
kollidierte daraufhin mit dem stehenden Personenwagen BMW 318d Tou-
ring, Kontrollschild G._____ welcher dadurch in den Lieferwagen VW T4 
Syncro, Kontrollschild E._____, geschoben wurde. An den Fahrzeugen 
entstand ein von der Polizei geschätzter Sachschaden von insgesamt CHF 
18'500.00, verletzt wurde niemand.

B. Gegen diesen Strafbefehl erhob A._____ am 13. Juni 2017 Einsprache. Am 
17. Januar 2018 überwies die Staatsanwaltschaft den Strafbefehl an das Regio-
nalgericht Maloja zur Durchführung des Hauptverfahrens.

C. Das Regionalgericht Maloja erklärte A._____ am 31. Mai 2018 der Verlet-
zung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 2 VRV in 
Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von 
CHF 150.00. Vom Vorwurf der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 
1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sprach es ihn frei. 

D. Gegen das Urteil des Regionalgerichts erhoben sowohl A._____ als auch 
die Staatsanwaltschaft Berufung. A._____ beantragt, er sei von Schuld und Strafe 
freizusprechen. Die Staatsanwaltschaft beantragt hingegen einen zusätzlichen 
Schuldspruch wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG 
in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.

E. Am 5. Oktober 2018 ordnete der damalige Vorsitzende der I. Strafkammer 
des Kantonsgerichts gestützt auf Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO und Art. 406 Abs. 2 lit. 
a StPO das schriftliche Verfahren an.

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Erwägungen

1. Die beiden Verfahren SK1 18 31 und SK1 18 32 wurden mit Verfügung vom 
27. August 2018 formell vereinigt. Mit vorliegendem Urteil werden beide Beru-
fungsverfahren behandelt und abgeschlossen. Die formellen Voraussetzungen 
geben zu keinen Bemerkungen Anlass, womit auf die Berufungen grundsätzlich 
einzutreten und ein neues Urteil zu fällen ist (Art. 408 StPO).

2.1. Als Berufungsgericht kann das Kantonsgericht grundsätzlich ein erstin-
stanzliches Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 
Abs. 2 StPO). Bildeten jedoch − wie vorliegend − ausschliesslich Übertretungen 
Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur 
geltend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des 
Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung 
(Art. 398 Abs. 4 StPO).

2.2. Betreffend den Sachverhalt hat das Berufungsgericht demnach nur zu prü-
fen, ob eine offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes durch die 
Vorinstanz gegeben ist. Relevant sind dabei klare Fehler bei der Sachverhaltser-
mittlung, wie namentlich Versehen, Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen 
zwischen der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Akten- 
und Beweislage auf der einen und der Urteilsbegründung auf der anderen Seite. 
Weiter in Betracht kommen insbesondere Fälle, in denen die gerügte Sachver-
haltsfeststellung auf einer Verletzung von Bundesrecht, in erster Linie von Verfah-
rensvorschriften der StPO selbst, beruht. Gesamthaft gesehen sind Konstellatio-
nen relevant, die als willkürliche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl. 
Niklaus Schmid/Daniel Jositsch, Praxiskommentar Schweizerische Strafprozess-
ordnung, 3. Aufl., Zürich 2017, N 12 f. zu Art. 398; BGer 6B_362/2012 v. 
29.10.2012 E. 5.2 und 6B_696/2011 v. 06.03.2012 E. 2.1). Willkür bei der Be-
weiswürdigung, wie sie vorliegend geltend gemacht wird, liegt vor, wenn der ange-
fochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation 
in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls 
vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 
E. 5.4 mit Hinweisen). Eine vertretbare Beweiswürdigung ist daher noch nicht will-
kürlich, auch wenn die Berufungsinstanz anstelle des Vorderrichters allenfalls an-
ders entschieden hätte. Das Berufungsgericht darf und muss sich in Sachverhalts-
fragen auf eine Willkürprüfung beschränken und hat keine erneute Beweiswürdi-
gung vorzunehmen (vgl. BGer 6B_696/2011 v. 06.03.2012 E. 4.1). Der Ermes-
sensspielraum des kantonalen Richters ist erst dann überschritten, wenn er sein 
Ermessen missbraucht, indem er zum Beispiel offensichtlich unhaltbare Schlüsse 

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zieht (BGE 112 Ia 369 E. 3) oder erhebliche Beweise ausser Acht lässt (vgl. zum 
Ganzen Roger Groner, Beweisrecht, Bern 2011, S. 157). Ob der Grundsatz in du-
bio pro reo als Beweiswürdigungsregel verletzt ist, ist (analog zur bundesgerichtli-
chen Praxis betr. Willkürkognition; vgl. BGE 127 I 38 E. 2.a und BGer 
6B_696/2011 v. 06.03.2012 E. 2.2) ebenfalls mit beschränkter Kognition zu prü-
fen. Das Berufungsgericht greift demnach nur ein, wenn die Vorinstanz den Be-
schuldigten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des Beweisergebnisses 
offensichtlich erhebliche bzw. schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an 
dessen Schuld fortbestanden. Neue Behauptungen und Beweise dürfen schliess-
lich nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 Satz 2 StPO). Die Berufungsinstanz 
entscheidet aufgrund der bereits vor erster Instanz vorgebrachten Behauptungen 
und der bestehenden Beweislage.

2.3. Weiter wird das angefochtene Urteil auf Rechtsverletzungen durch die Vor-
instanz hin überprüft. Insofern liegt keine Einschränkung der Überprüfungsbefug-
nis vor; sämtliche Rechtsfragen – sowohl materiell-rechtliche als auch prozessuale 
– sind mit freier Kognition zu prüfen (vgl. Sven Zimmerlin, in: Donatsch/Lieber/ 
Summers/Wohlers, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 
3. Aufl., Zürich 2020, N 23 zu Art. 398 StPO; BGer 6B_61/2012 v. 30.11.2012 
E. 2.3; vgl. zum Ganzen auch OGer ZH SU150065 v. 15.02.2016 E.2.).

2.4. Die Berufungsinstanz muss nicht sämtliche Vorbringen der Parteien 
selbständig schriftlich würdigen. Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO ist es den Rechts-
mittel-instanzen mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt, für die tatsächliche 
und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhaltes auf die Begrün-
dung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser vollumfänglich beipflichtet (vgl. 
BGE 141 IV 244 E. 1.2.3.). Auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argu-
mente ist demgegenüber immer einzugehen, wenn diese erst im Rechtsmittelver-
fahren vorgetragen werden (vgl. Daniela Brüschweiler, in: Do-
natsch/Lieber/Summers/ Wohlers, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung [StPO], 3. Aufl., Zürich 2020, N 9 zu Art. 82 StPO).

3. A._____ stellte in seiner Berufungserklärung den Beweisantrag, es sei in 
C._____ auf der Via D._____ ein Lokalaugenschein durchzuführen. Der Antrag ist 
abzuweisen. Aufgrund der Fotos (vgl. StA act. 17; RG act. 2a, 25, 26) und der po-
lizeilichen Skizze (StA act. 16) sind die örtlichen Gegebenheiten ausreichend er-
sichtlich, zumal gerade die strittigen im Unfallzeitpunkt vorherrschenden Strassen- 
und Witterungsbedingungen offensichtlich nicht mehr überprüfbar sind.

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4.1. In der Hauptsache ist vorliegend streitig und zu prüfen, ob sich A._____ 
angesichts der am Unfalltag herrschenden Witterungsbedingungen mit seinem 
Fahrzeug gesetzeskonform verhalten hat.

Im Einzelnen hat die Vorinstanz im angefochtenen Urteil befunden, dass A._____ 
gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 2 aVRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 
1 SVG schuldig zu sprechen ist. Begründend hielt sie im Wesentlichen fest, dass 
sich A._____ nicht ausreichend aufmerksam mit den Strassen- und Witterungs-
verhältnissens auseinandergesetzt habe und nicht mit der gebotenen Aufmerk-
samkeit gefahren sei. Er habe durch das tägliche Befahren der Strecke während 
mehrerer Tage vor dem Unfall um das Gefälle der Strasse von ca. 10 % gewusst. 
Zudem habe es zum Unfallzeitpunkt geschneit und die Strasse sei schneebedeckt 
gewesen und die Signalisation "Schneeketten obligatorisch" mit dem Zusatz "Aus-
genommen 4x4 Fahrzeuge" sei angebracht gewesen. Demnach hätte er mit der 
Möglichkeit rechnen müssen, dass auf dem ihm bekannten Steilstück Fahrzeuge 
zwecks Montierens von Schneeketten stehen könnten und er habe auch nicht 
ausschliessen können, dass sich Fahrzeuglenker in Schwierigkeiten befinden 
würden. Aus seiner Einvernahme gehe nicht hervor, dass er diese Vorsichtsmass-
nahmen ergriffen habe. Vielmehr sei aufgrund des Umstandes, dass er gemäss 
eigener Aussage die Signalisationstafel "Schneeketten obligatorisch" nicht gese-
hen habe, davon auszugehen, dass er nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit 
gefahren sei. Aufgrund der mehrfachen Warnhinweise und des Umstandes, dass 
sich die Unfallfahrzeuge nicht unmittelbar hinter der sich unterhalb des Hotels 
B._____ befindlichen Strecke befindenden Rechtskurve befunden hätten, müsse 
sich der Beschuldigte vorwerfen lassen, unzweckmässig reagiert zu haben, als er 
beim Realisieren des Unfalles unvermittelt auf die Bremse getreten sei. Ein gebo-
tenes weiteres Reduzieren der Geschwindigkeit hätte angesichts des noch vor-
handenen Reaktionsweges mit grosser Wahrscheinlichkeit ein unkontrolliertes 
Rutschen in die Unfallfahrzeuge verhindert. Die Staatsanwaltschaft Graubünden 
habe im Strafbefehl denn auch festgehalten, dass der Beschuldigte bei der Fest-
stellung der sich vor ihm befindenden Unfallfahrzeuge die Fussbremse betätigt 
und dabei auf der schneebedeckten, rutschigen Fahrbahn infolge der nicht den 
Umständen angepassten Geschwindigkeit die Herrschaft über sein Fahrzeug ver-
loren habe (act. E.1, Erw. 2.2. und 3.2). Dass der Beschuldigte trotz der erwähn-
ten Umstände nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit gefahren sei, stelle schliess-
lich in subjektiver Hinsicht eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit im Sinne von Art. 12 
Abs. 3 StGB dar (act. E.1, Erw. 5). In Bezug auf Art. 32 Abs. 1 SVG hielt es 
schliesslich fest, dass der Tatbestand grundsätzlich ebenfalls erfüllt sei. Art. 32 
Abs. 1 SVG sei jedoch lex specialis zu Art. 31 Abs. 1 SVG und komme nur zur 

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Anwendung, wenn das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs einzig auf die übersetzte 
Geschwindigkeit zurückzuführen sei. Dies sei vorliegend nicht der Fall, weshalb 
der Beschuldigte vom Vorwurf von Art. 32 Abs. 1 SVG freizusprechen sei (act. 
E.1, Erw. 6).

4.2.1. Die Parteien wehren sich im vorliegenden Berufungsverfahren in verschie-
dener Hinsicht gegen das erstinstanzliche Urteil.

4.2.2. A._____ bestreitet sämtliche Vorwürfe der Vorinstanz. So habe er sich ers-
tens sehr wohl mit den winterlichen Verhältnissen auseinandergesetzt und seine 
Fahrweise angepasst. Es könne nicht von ihm verlangt werden, Vorbereitungs-
handlungen wie ein Pilot vorzunehmen. Aussergewöhnlich seien denn auch nicht 
das Strassengefälle, der Schneefall oder der Schnee auf der Strasse gewesen, 
sondern der Umstand, dass der Untergrund derart glatt gewesen sei, dass man 
darauf nicht einmal habe stehen oder gehen können (act. A.4, S. 6 [SK1 18 32]). 
Weiter sei er mit grösster Vorsicht und Aufmerksamkeit gefahren, indem er mit 
einem wintertauglichen Allradfahrzeug mit Schritttempo unterwegs gewesen sei. 
Gestützt auf Art. 27 Abs. 1 SVG habe er davon ausgehen können, dass sein 
Fahrzeug als Allradfahrzeug die Strecke ohne Schneeketten befahren könne. 
Ebenfalls gestützt auf diese Grundlage habe er zudem nicht erwarten müssen, 
dass Fahrzeuge im Wege stehen würden. Anderes stelle überspitzte Erwartungen 
an einen Fahrzeugführer. Dass er nicht bremsbereit gewesen sei, sei schliesslich 
nicht belegt. Bremsbereitschaft sei angesichts der eisigen Umstände so oder so 
völlig unnütz gewesen (act. A.4, S. 6 f. [SK1 18 32]). Drittens sei er auch aufmerk-
sam gefahren, da er zu keinem Zeitpunkt abgelenkt gewesen sei. Dass er das 
Schild nicht gesehen habe, stelle keine Verletzung von Art. 27 Abs. 1 SVG dar, da 
er es trotzdem befolgt habe. Betreffend die Verkehrsbedingungen sei er nachweis-
lich aufmerksam gefahren, im Schritttempo, und sei sofort imstande gewesen, die 
Gefahr zu erkennen und abzubremsen (act. A. 4, S. 7 [SK1 18 32]). Schliesslich 
sei ihm auch keine Fehlreaktion vorzuwerfen, da aus den Akten nicht ersichtlich 
sei, dass er zu spät oder unrichtig reagiert, fehlerhaft abgebremst, oder eine ab-
rupte Lenkbewegung gemacht habe. Die Vorinstanz werfe ihm deshalb zu Unrecht 
eine Verletzung von Art. 31 Abs. 1 SVG vor (act. A.4, S. 8 [SK1 18 32]). Im Weite-
ren verweist der Beschuldigte, namentlich unter Hinweis auf die Zeugenaussage 
des Werkmeisters der Gemeinde C._____, darauf, dass die Strasse an diesem 
Tag unbefahrbar gewesen sei. Aus dem Vertrauensgrundsatz habe er jedoch auf-
grund der Signalisation davon ausgehen können, dass die Strasse befahrbar sei 
(act. A. 4 S. 9 f. [SK1 18 32]).

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4.2.3. Die Staatsanwaltschaft rügt in ihrer Berufungsbegründung hingegen den 
Freispruch in Bezug auf Art. 32 Abs. 1 SVG. Sie macht geltend, die Schlussfolge-
rung der Vorinstanz, wonach A._____ deshalb nicht der Widerhandlung gemäss 
Art. 32 Abs. 1 SVG schuldig gesprochen worden sei, weil das Nichtbeherrschen 
des Fahrzeuges nicht einzig auf eine übersetzte Geschwindigkeit zurückzuführen 
sei, sei nicht nachvollziehbar. Art. 32 Abs. 1 SVG werde nicht durch Art. 31 Abs. 1 
SVG konsumiert, wenn zur übersetzten Geschwindigkeit noch andere nicht erfüll-
ten Erfordernisse der Fahrzeugbeherrschung hinzukämen. Aus diesem Grund sei 
der Beschuldigte auch der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen (act. A.4, S. 2 
[SK1 18 31]). Betreffend die Kosten seien diese selbst dann zur Gänze A._____ 
aufzuerlegen, wenn dieser lediglich der Widerhandlung gemäss Art. 31 Abs. 1 
SVG schuldig gesprochen werde, zumal dies eine Frage der rechtlichen Würdi-
gung des zur Anklage gebrachten Sachverhalts sei (act. A.4, S. 3 [SK1 18 31]).

4.2.4. In den jeweiligen Berufungsantworten von A._____ vom 10. Dezember 
2018 und der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 10. Dezember 2020 hielten die 
Parteien an ihren Anträgen fest. Die Staatsanwaltschaft Graubünden bestritt die 
Ausführungen von A._____. Er habe sehr wohl nicht ausschliessen können, dass 
sich auf der Strecke noch Fahrzeuge zwecks Montage der Schneeketten befinden 
würden und hätte daher mit grosser Vorsicht und mit derart gedrosselter Ge-
schwindigkeit fahren müssen, dass er der Gefahr unverzüglich hätte begegnen 
können. Aufgrund des noch zur Verfügung stehenden Reaktionsweges hätte ein 
noch weiteres Drosseln der Geschwindigkeit statt eine unvermittelte Bremsung die 
Kollision grösstwahrscheinlich verhindert. Die Vorinstanz habe die Beweise im 
angefochtenen Urteil zutreffend gewürdigt. Das Vertrauensprinzip könne nicht an-
gerufen werden, müsse ein Verkehrsteilnehmer doch durchaus damit rechnen, 
dass bei winterlichen Verhältnissen Fahrzeuge ohne Allradantrieb das Kettenobli-
gatorium missachten würden (act. A.5 [SK1 18 32]). 

A._____ seinerseits hielt in der Berufungsantwort fest, es sei unmöglich gewesen, 
durch eine noch so vorsichtige Fahrt den Unfall zu vermeiden. Ihm sei in den Un-
tersuchungsakten gar keine falsche Reaktion vorgeworfen worden. Insbesondere 
sei nie vorgeworfen worden, er habe fehlerhaft abgebremst oder eine abrupte 
Lenkbewegung gemacht. Da Art. 32 Abs. 1 SVG lex specialis zu Art. 31 Abs. 1 
SVG sei, sei er selbst im Falle einer Bestrafung wegen Verstosses gegen Art. 31 
Abs. 1 SVG nicht auch mit dem Vorwurf der Verletzung von Art. 32 Abs. 1 SVG 
schuldig zu sprechen (act. A.5 [SK1 18 31]).

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5.1. Gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG wird mit Busse bestraft, wer im Strassenver-
kehrsgesetz kodifizierte Verkehrsregeln oder dessen Vollziehungsvorschriften ver-
letzt. Wie bereits dargelegt, hat die Vorinstanz im angefochtenen Urteil befunden, 
dass A._____ die Verkehrsregeln von Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 1 SVG und 
Art. 4 Abs. 2 aVRV verletzt hat, was durch den Beschuldigten bestritten wird. Die 
Staatsanwaltschaft bestreitet schliesslich den Freispruch in Bezug auf Art. 32 Abs. 
1 SVG, welchen das Gericht aufgrund unechter Konkurrenz ausgesprochen hat. 
Die genannten Bestimmungen sind deshalb in der Folge zu prüfen.

5.2. Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig so be-
herrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Die Forderung, 
das Fahrzeug ständig zu beherrschen, bedeutet, dass der Fahrer das Fahrzeug 
sicher und unfallfrei durch den Verkehr führen muss. Kommt es zu einem Zusam-
menstoss, gerät das Fahrzeug ins Schleudern und gar über die Strasse hinaus, so 
ist das an sich bereits der Beweis, dass das Fahrzeug vom Lenker nicht be-
herrscht wurde. Das Nichtbeherrschen des Fahrzeuges kann allerdings nur dann 
bestraft werden, wenn es schuldhaft geschehen ist, namentlich wenn eine Vor-
sichtspflicht nicht eingehalten worden ist (vgl. Andreas Roth, in: Nigg-
li/Probst/Waldmann [Hrsg.], Basler Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Ba-
sel 2014, N 54 zu Art. 31 SVG). Welche Vorsichtspflichten der zur Beherrschung 
des Fahrzeuges verpflichtete Fahrzeugführer nachzukommen hat, bestimmt die 
Gesamtheit aller Verkehrsregeln. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die 
Aufmerksamkeit. Der Fahrzeugführer muss ständig so wachsam sein, dass er alle 
relevanten Umstände aufnehmen und so verarbeiten kann, dass er rechtzeitig und 
situationsadäquat zu reagieren vermag. Namentlich hat er seine Fahrweise den 
Sicht- und Witterungsverhältnissen anzupassen (Roth, a.a.O., N 44 zu Art. 31 
SVG).

5.3. Die Vorinstanz wirft A._____ verschiedene Verletzungen der Vorsichts-
pflichten im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG vor. So soll er die Strassen- und Witte-
rungsverhältnisse nicht genügend beachtet haben, insgesamt nicht mit genügen-
der Aufmerksamkeit gefahren sein und zudem unzweckmässig reagiert haben, 
indem er beim Realisieren einer Unfallsituation unvermittelt auf die Bremse getre-
ten sei, stattdessen jedoch zuerst das Tempo hätte drosseln müssen. Ob die Tat-
sachenfeststellung der Vorinstanz, wonach A._____ unvermittelt auf die Bremse 
getreten sei, wegen fehlenden Beweismitteln als willkürlich zu beurteilen ist, kann 
vorliegend offengelassen werden, da den übrigen Feststellungen der Vor-instanz 
beizupflichten ist (vgl. diesbezüglich auch Weissenberger, a.a.O., N 11 zu Art. 31 
SVG, wonach in solchen Fällen bei Fahrzeugen mit elektronischem Bremsassis-

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tenten kein Fahrfehler vorliegt). Angesichts der am Unfalltag herrschenden Stras-
sen- und Witterungsbedingungen, der eher schmalen Strasse und des steilen Ge-
fälles (ca. 10%) hätte er bereits beim (aufgrund der Rechtskurve) ersten Erblicken 
des am linken Strassenrand stehenden weissen Lieferwagens seine Fahrge-
schwindigkeit noch weiter reduzieren und spätestens beim Erblicken der übrigen 
Fahrzeuge auf null senken müssen. A._____ passte sein Fahrverhalten hingegen 
erst an, als er alle Fahrzeuge erblicken konnte und festgestellt hatte, dass an ih-
nen kein Vorbeikommen möglich war. Gemäss eigener Aussage beabsichtigte er 
dabei offenbar zuerst, "[…] zwischen den Fahrzeugen, in der Fahrbahnmitte, 
durchzufahren" (vgl. StA act. 7, Frage 2). Dieses Fahrverhalten ist unter den am 
Unfalltag herrschenden Bedingungen jedoch als inadäquat zu betrachten und un-
ter anderem darauf zurückzuführen, dass A._____ nicht allen Umständen genü-
gend Aufmerksamkeit gewidmet hat. Zwar hat der Beschuldigte recht, wenn er 
geltend macht, dass ein Fahrzeuglenker nicht die gleichen Vorbereitungspflichten 
wie ein Pilot habe und ihm auch kein Verstoss gegen Art. 27 Abs. 1 SVG (Beach-
ten der Signale, Markierungen und Weisungen) vorgeworfen werden könne. Wenn 
ein Fahrzeuglenker jedoch ein Schild nicht sieht, welches gerade auch bei solchen 
Witterungsverhältnissen entscheidend für die Gesamtbeurteilung der Verhältnisse 
ist, kann er diese nicht korrekt einschätzen. Aufgrund des Schildes, der Strassen-
bedingungen und seiner Streckenkenntnisse hätte er jedoch mit der Möglichkeit 
rechnen müssen, dass das Steilstück sehr rutschig sein kann und deshalb Fahr-
zeuge die Fahrbahn blockieren könnten. In diesem Sinne ist ihm – in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz – vorzuwerfen, dass er unter anderem aufgrund sei-
ner fehlenden Aufmerksamkeit die Witterungs- und Strassenverhältnisse und die 
Möglichkeit von stehenden Fahrzeugen nicht richtig bedacht und so beim Auftau-
chen der anderen Fahrzeuge falsch reagiert hat. 

5.4. Dem Einwand der beschuldigten Person, wonach nicht das Fahrverhalten 
zum Unfall geführt habe, sondern einzig die Unbefahrbarkeit der Strecke kausal 
für das Rutschen und den Unfall gewesen sei, ist schliesslich nicht zu folgen. Zwar 
deuten die Aussagen des Werkmeisters tatsächlich darauf hin, dass die Strecke 
unter gewissen Wetterbedingungen nur schwer zu befahren sein kann (vgl. RG 
act. 22, S. 3 ff). Dass es gemäss Aussage des Werkmeisters bei 15 bis 45 Tagen 
mit Schneekettenpflicht pro Winter nur zu ein bis zwei Unfällen kommt, zeigt je-
doch, dass es die meisten Fahrzeughalter auch bei winterlichen Bedingungen 
durchaus schaffen, die Strasse unfallfrei zu befahren. Ein Unfallbeteiligter hatte 
zudem angegeben, dass er etwa eine dreiviertel Stunde vor dem Unfall die Stre-
cke in gleicher Richtung ohne Probleme abgefahren sei (StA act. 5). Die Aussa-
gen des Werkmeisters sind deshalb zu relativieren; die Realität zeigt, dass die 

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Strecke auch bei sehr winterlichen Bedingungen befahrbar ist. Insofern erscheint 
die Beweiswürdigung der Vorinstanz, wonach die Strasse mit genügend Vorsicht 
befahrbar gewesen wäre, zumindest nicht willkürlich. Es ist damit davon auszuge-
hen, dass die Strecke zwar rutschig, aber nach wie vor befahrbar war. Die unge-
nügende Beachtung der erwähnten Vorsichtspflichten ist deshalb − in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz − für das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs als kausal 
anzusehen.

5.5. Zusammenfassend hat A._____ den objektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 
1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG erfüllt. Dies einerseits dadurch, in-
dem er unzweckmässig reagiert hat, und andererseits indem er mit ungenügender 
Aufmerksamkeit und ungenügender Beachtung der Strassen- und Witterungsver-
hältnisse gefahren ist.

6. In subjektiver Hinsicht kann betreffend Art. 31 Abs. 1 SVG auf die Würdi-
gung der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. act. E.1, E. 5). Es ist ihr namentlich 
zuzustimmen, wenn sie festhält, dass aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung 
im Winter mit rutschigen Strassenverhältnissen zu rechnen ist, dass der Beschul-
digte um das bei solchen Bedingungen schwierig zu befahrende Strassenstück 
wusste, und dass er bei diesen Bedingungen mit sich in Schwierigkeiten befindli-
chen Fahrzeuge habe rechnen müssen. Insbesondere ist die Rüge des Beschul-
digten, wonach er gestützt auf den Vertrauensgrundsatz (Art. 26 Abs. 1 SVG) da-
von ausgehen konnte, dass sich die übrigen Verkehrsteilnehmer an ihre Ver-
kehrspflichten halten würden (namentlich an die Schneekettenpflicht) und er des-
halb nicht mit Hindernissen rechnen musste (vgl. act. A.4, S. 6, 9 [SK1 18 32]), 
ebenfalls abzuweisen. Dies nur schon deshalb, weil der Vertrauensschutz entfällt, 
wenn sich ein Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers aus der Unklar-
heit oder Ungewissheit einer bestimmten Verkehrslage aufdrängt, die nach allge-
meiner Erfahrung die Möglichkeit fremden Fehlverhaltens unmittelbar in die Nähe 
rücken lässt (BGE 125 IV 83 E. 2b; vgl. auch Art. 26 Abs. 2 SVG). Wie bereits 
dargelegt, war vorliegend eine solche Verkehrslage gegeben, da bei den am Un-
falltag herrschenden Strassenverhältnissen gerade an dieser Stelle mit Hindernis-
sen gerechnet werden musste. Zudem hatte der Beschuldigte gar nicht bemerkt, 
dass Schneekettenpflicht bestand, womit er sich auch nicht auf die (aufgrund der 
Ausnahme für 4 x 4 Fahrzeuge) angeblich falsche Signalisation der Schneeket-
tenpflicht berufen kann. Damit hat A._____ durch seine ungenügende Vorsicht in 
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit im Sinne von Art. 12 Abs. 3 StGB gehandelt, womit 
er die Tatbestände von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG 

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in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt hat. Die Berufung von A._____ ist da-
mit in diesem Punkt abzuweisen.

7.1. Es fragt sich nachfolgend, ob der Beschuldigte entgegen dem vorinstanzli-
chen Urteil auch die Bestimmungen von Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 2 
aVRV verletzt hat. Nach Art. 32 Abs. 1 SVG ist die Geschwindigkeit stets den Um-
ständen anzupassen, namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, 
sowie den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen. Wo das Fahrzeug den 
Verkehr stören könnte, ist langsam zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, nament-
lich vor unübersichtlichen Stellen, vor nicht überblickbaren Strassenverhältnissen, 
sowie bei schlechten Strassen- oder Sichtverhältnissen (Roth, a.a.O., N 2 zu Art. 
32 SVG). Der Fahrzeugführer darf dabei nur so schnell fahren, dass er innerhalb 
der überblickbaren Strecke halten kann; wo das Kreuzen schwierig ist, muss er 
auf halbe Sichtweite halten können (Art. 4 Abs. 1 VRV). Erkennbaren Gefahren 
muss dabei Rechnung getragen werden. Winterglätte stellt grundsätzlich keine 
höhere Gewalt dar und ist weder ein unvorhersehbares noch ein aussergewöhnli-
ches Ereignis. So muss beispielsweise auf einer Bergstrasse im Winter mit dem 
Auftreten von Fahrrinnen in hartem Schnee gerechnet werden. Nötigenfalls ist im 
Schritttempo zu fahren, was bedeutet, dass Art. 32 Abs. 1 SVG auch bei sehr 
niedrigen Geschwindigkeiten verletzt sein kann (BGE 101 IV 221 E. 1a; Roth, 
a.a.O., N 12 zu Art. 32 SVG). Bis am 31. Dezember 2020 hielt auch Art. 4 Abs. 2 
aVRV ausdrücklich fest, dass langsam zu fahren ist, wo die Strasse verschneit, 
vereist, mit nassem Laub oder Split bedeckt ist. Dieser Absatz ist in einer durch 
den Bundesrat beschlossenen Verordnungsrevision auf den 1. Januar 2021 mit 
der Begründung, dass sich der Inhalt von Art. 4 Abs. 2 aVRV bereits aus Art. 32 
Abs. 1 SVG ergebe, ersatzlos gestrichen worden (vgl. Eidgenössisches Departe-
ment für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Erläuternder Bericht zur 
Änderung der Verkehrsregeln und Signalisationsvorschriften, Verkehrsregelnver-
ordnung [VRV], Nationalstrassenverordnung [NSV], 2018, S. 5). Insofern hat sich 
die Rechtslage seit dem Unfall am 28. Februar 2017 trotz Revision nicht geändert, 
da lediglich eine Verordnungsbestimmung weggefallen ist, welche Art. 32 Abs. 1 
SVG konkretisiert hat. Unabhängig davon ist die Bestimmung im vorliegenden Fall 
nach wie vor anwendbar, da eine Tat nach demjenigen Recht zu beurteilen ist, 
das im Zeitpunkt der Begehung in Kraft stand (Art. 333 Abs. 1 StGB und Art. 102 
Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 StGB; vgl. auch Peter Popp/Anne Berkemeier, in: 
Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Aufl., Basel 2018, N 
11 zu Art. 2 StGB). Die Lex-mitior-Regel gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist vorliegend 
nicht einschlägig, da sich die materiellen Voraussetzungen der Strafbarkeit nicht 

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geändert haben (vgl. Popp/Berkemeier, a.a.O., N 14 zu Art. 2 StGB). Art. 4 Abs. 2 
aVRV ist damit vorliegend anwendbar.

7.2. Vorab ist jedoch festzuhalten, dass neben einer Geschwindigkeitsübertre-
tung auch andere Gründe zu einem Kontrollverlust über ein Fahrzeug führen kön-
nen. Wie unter E. 5 ausgeführt, ist eine Verletzung von Art. 31 Abs. 1 SVG auch 
bei kleiner Geschwindigkeit oder sogar bei stillstehendem Fahrzeug möglich. Das 
Bundesgericht hat denn auch festgehalten, dass Art. 32 Abs. 1 SVG eine lex spe-
cialis zu Art. 31 Abs. 1 SVG ist. Idealkonkurrenz besteht nur dann, wenn der Fahr-
zeuglenker sowohl zu spät Massnahmen zur Abwendung eines drohenden Unfal-
les ergreift und als auch zu schnell fährt (BGer 6B_718/2011 v. 02.05.2012 E. 
2.1).

7.3. Weder im angefochtenen Entscheid noch im Strafbefehl (StA act. 21) oder 
in den Strafakten wurde festgestellt, mit welcher Geschwindigkeit A._____ gefah-
ren ist oder wie lange der Bremsweg war. A._____ gibt in seiner Berufungsschrift 
an, dass er nur mit Schritttempo unterwegs gewesen sei und das Rutschen einzig 
auf den eisigen Untergrund und die Steilheit des Geländes zurückzuführen sei 
(StA act. 7). Dass der Beschuldigte schneller gefahren wäre, ist nicht ersichtlich. 
Dass er kurz vor dem Aufprall zumindest nur im Schritttempo gerutscht ist, wird 
vielmehr durch die Aussage eines Kantonspolizisten bestätigt (RG act. 23, S. 5). 
Auch das Schadensbild am Fahrzeug von A._____ lässt nicht auf eine hohe Ge-
schwindigkeit schliessen (vgl. StA act. 17, S. 5). Weitere Beweise, welche die Be-
hauptungen des Beschuldigten widerlegen könnten, wonach er im Schritttempo 
gefahren ist, liegen nicht vor. Es ist daher nicht willkürfrei feststellbar, dass die 
vom Beschuldigten gefahrene Geschwindigkeit nicht dem Schritttempo entspro-
chen hätte. Ob diese Geschwindigkeit unangemessen war, ist wiederum eine 
Rechtsfrage, welche vollumfänglich im Berufungsverfahren beurteilt werden kann. 

7.4. Es kann dem Beschuldigten nun nicht vorgehalten werden, dass er mit dem 
Schritttempo mit einer unangepassten Geschwindigkeit gefahren sei. Das Kan-
tonsgericht von Graubünden hat in seiner Rechtsprechung zwar bereits verschie-
dentlich festgehalten, dass alleine der Umstand, dass ein Fahrzeug auf Eis ins 
Rutschen kommt, den Schluss zulassen kann, dass der Fahrzeuglenker nicht die 
nötige Vorsicht walten liess und zu schnell unterwegs war (vgl. KGer GR SB 05 3 
v. 16.02.2005 E. 5; SK1 09 23 v. 14.07.2009 E. 4.b; SK1 14 2 v. 8.04.2014 E. 6.a; 
vgl. auch OGer AR GVP 24/2012, Nr. 3592 v. 24.01.2012 E. 1). Diese Annahme 
gilt allerdings nur dann, wenn keine andere Hauptunfallursache ersichtlich ist (vgl. 
KGer GR SK1 13 8 v. 22.05.2013 E. 4.c). Vorliegend ist aber nicht die gefahrene 
Geschwindigkeit Hauptursache des Unfalls, sondern die falsche, das heisst zu 

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späte und der vereisten Fahrbahn nicht angemessene Reaktion nach Erblicken 
der auf der Fahrbahn stehenden Fahrzeuge (vgl. E. 5). Mit andern Worten lassen 
die Umstände statt einer Geschwindigkeitsüberschreitung die Annahme einer an-
deren Kollisionsursache zu. Der Beschuldigte durfte daher – wie die Vorinstanz im 
Ergebnis zu Recht festgehalten hat – nicht der Verletzung von Art. 32 Abs. 1 SVG 
schuldig gesprochen werden. Die Berufung der Staatsanwaltschaft Graubünden 
ist daher in diesem Punkt abzuweisen.

7.5. Zu beachten ist nun, dass das Gericht zwar an den in der Anklage wieder-
gegebenen Sachverhalt gebunden ist, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung 
durch die Anklagebehörde. Legt das Gericht bei einer abweichenden tatbe-
standsmässigen oder rechtlichen Beurteilung dem Urteil einen anderen als den zur 
Anklage gebrachten Straftatbestand zugrunde, hat kein Freispruch respektive kein 
Teilfreispruch zu erfolgen. Entsprechendes gilt, wenn sich die Anklage auf eine 
Tat bezieht, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mehrere Tatbestände erfüllen 
soll (Idealkonkurrenz). Eine Verurteilung gestützt auf einen Teil der Tatbestände 
hat lediglich in Form eines diesbezüglichen Schuldspruchs zu ergehen. Das Urteil 
kann bei ein und derselben Tat nur einheitlich auf Verurteilung oder Freispruch 
lauten (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3 sowie BGer 6B_803/2014 vom 15.01.2015 E. 
3.4.2. m.w.H.; KGer SK1 18 10 v. 24.7.2018 E. 7.2). Vorliegend handelt es sich 
um einen einheitlichen Lebensvorgang bzw. um eine einheitliche Tat im prozessu-
alen Sinn. Hinsichtlich Art. 32 Abs. 1 SVG, für den keine Verurteilung erfolgt, ist 
daher entgegen dem angefochtenen Urteil kein expliziter Freispruch ins Dispositiv 
aufzunehmen.

8. In Bezug auf die Strafzumessung ist vorliegend unter Anwendung von 
Art. 82 Abs. 4 StPO auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen 
(vgl. act. E.1, E. 10). Unabhängig davon beantragt die Staatsanwaltschaft vorlie-
gend keine Erhöhung der Strafe, womit es vorliegend bei einer Busse von CHF 
150.00 bleibt.

9.1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 
StPO). Aufgrund des Freispruchs in Bezug auf Art. 32 Abs. 1 SVG hat die Vor-
instanz A._____ nur die Hälfte der Verfahrenskosten auferlegt. Dagegen hat die 
Staatsanwaltschaft Berufung erhoben, und zwar selbst für den Fall, wonach Art. 
32 Ab. 1 SVG nicht zur Anwendung kommt (act. A.4. S. 3). 

9.2. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Berufungsbegründung zutreffend darauf 
hingewiesen, dass es sich beim angeklagten Sachverhalt um einen einheitlichen 

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Lebensvorgang handelt. Mit vorliegendem Entscheid wird der Freispruch in Bezug 
auf Art. 32 Abs. 1 SVG daher aufgehoben, womit A._____ im Sinne der ursprüng-
lichen Anklage verurteilt wird. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt bei einer Verur-
teilung die beschuldigte Person die Verfahrenskosten. Vorliegend handelt es sich 
bei den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden in Höhe von 
CHF 1'175.00 um sogenannte Ohnehinkosten, welche der beschuldigten Person 
vollständig aufzuerlegen sind, obwohl in Bezug auf Art. 32 Abs. 1 SVG (Vorwurf 
der Geschwindigkeitsüberschreitung) keine Verurteilung erfolgt ist. Dies, weil die 
Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden in Höhe von CHF 
1'175.00 aufgrund des einheitlichen Tatvorgangs unabhängig vom Freispruch in 
Bezug auf Art. 32 Abs. 1 SVG in vollem Umfang angefallen sind (vgl. BGer 
6B_904/2015 v. 27.05.2016 E. 7.4). Zu beachten ist sodann, dass vorliegend be-
züglich Art. 32 Abs. 1 SVG zwar keine Verurteilung ausgesprochen wird, dass 
aber diesbezüglich auch kein expliziter Freispruch ins Dispositiv aufzunehmen ist, 
da zwischen den Tatbeständen Idealkonkurrenz besteht (vgl. E. 7.5). Weil gemäss 
Art. 426 Abs. 1 StPO bei einer Verurteilung die beschuldigte Person die Verfah-
renskosten trägt, gehen in eben geschilderten Konstellationen neben den Unter-
suchungskosten von CHF 1'175.00 auch die Kosten des vorinstanzlichen Verfah-
rens von CHF 2'000.00 vollständig zulasten der beschuldigten Person (vgl. BGer 
6B_574/2012 v. 28.05.2013 E. 2.4.3; Thomas Domeisen, in: Nigg-
li/Heer/Wiprächtiger (Hrsg.), Basler Kommentar, Schweizerischen Strafprozess-
ordnung, 2. Aufl., 2014 Basel, N 6 zu Art. 426 StPO).

Der Kostenentscheid präjudiziert den Entschädigungsentscheid (vgl. BGer 
6B_115/2019 v. 15.5.2019 E. 4.4; vgl. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Dem Be-
schuldigten werden die vorinstanzlichen Kosten vollumfänglich auferlegt, sodass 
ihm für das vorinstanzliche Verfahren keine ausseramtliche Entschädigung zuzu-
sprechen ist.

9.3. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend sind die 
Verfahrenskosten für beide Berufungsverfahren (SK1 18 31 und SK1 18 32) zu-
sammen zu betrachten. A._____ unterliegt mit seinen Anträgen vollständig, 
während die Staatsanwaltschaft mit ihrer Berufung teilweise durchdringt, nämlich 
hinsichtlich der Verfahrenskosten, nicht aber betreffend die beantragte Verurtei-
lung nach Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG. Somit sind 
die Verfahrenskosten zu drei Vierteln dem Berufungskläger und zu einem Viertel 
dem Staat aufzuerlegen. Folglich trägt ersterer die Gerichtsgebühr von CHF 

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3'000.00 im Umfang von CHF 2'250.00 (vgl. Art. 7 der Verordnung über die Ge-
richtsgebühren in Strafverfahren [VGS; BR 350.210]).

Die Entschädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenentscheid (Art. 
429 Abs. 1 StPO, Art. 436 Abs. 2 StPO, Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 430 Abs. 
2 StPO und Art. 428 Abs. 2 StPO). Folglich ist A._____ eine reduzierte Entschädi-
gung zuzusprechen. Sein Rechtvertreter reichte am 21. Dezember 2018 eine Ho-
norarnote mit einem Aufwand von 14.85 Stunden und einem Honoraransatz von 
CHF 240.00 pro Stunde ein. Zuzüglich der Barauslagen von CHF 106.90 und der 
Mehrwertsteuer macht er einen Betrag von CHF 3'670.90 geltend. Der Aufwand 
scheint angemessen. Demgemäss ist ihm eine reduzierte Entschädigung von ei-
nem Viertel, das heisst von CHF 917.70 auszurichten. 

10. Im Ergebnis ist die Berufung der Staatsanwaltschaft damit teilweise gutzu-
heissen. Die Berufung von A._____ wird abgewiesen.

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Demnach wird erkannt:

1. A._____ ist schuldig der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.

2. A._____ wird mit einer Busse von CHF 150.00 bestraft.

3. Die Untersuchungskosten von CHF 1'175.00 sowie die Kosten des vor-
instanzlichen Verfahrens von CHF 2'000.00 gehen zu Lasten von A._____. 

Das Depositum von CHF 1'000.00 wird mit der Busse von CHF 150.00 und 
im Umfang von CHF 850.00 mit den Untersuchungskosten der Staatsan-
waltschaft verrechnet.

4. Die Kosten der beiden Berufungsverfahren von CHF 3'000.00 gehen im 
Umfang von CHF 2'250.00 zu Lasten von A._____ und im Umfang von CHF 
750.00 zu Lasten des Kantons Graubünden (Kantonsgericht).

5. A._____ wird für das Berufungsverfahren mit CHF 917.70 ausseramtlich 
entschädigt.

6. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

7. Mitteilung an: