# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe9b46d0-be84-5c15-a448-5ffc010ded06
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-12-10
**Language:** de
**Title:** Eine Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente einzig gestützt auf eine Verweigerung einer Arbeitsvermittlung ohne Auswirkung auf die Invalidität (Invaliditätsgrad) erfolgte zu Unrecht. Rückweisung, da die IV-Stelle keinen Invaliditätsgrad errechnete.
**Docket/Reference:** IV.2018.00712
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00712.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00712
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiber Müller
Urteil
vom
10. Dezember 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
iur
. André
Largier
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.
1
X.___
, geboren
1
9
6
8
,
besuchte
die Schule in Italien und
verfügt über keine berufliche Ausbildung
(Urk. 7/
27
S. 1 und S.
5
).
Zuletzt
war der Versicherte a
b dem 1.
Februar 2009 bei der
Y.___
als
Gipser
tätig (Urk. 7/38 S. 1).
1.2
Am 7. Juni
2017
meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine seit Februar 2017
bestehende
Diskushernie der Lendenwirbelsäule (LWS)
zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an
(Urk. 7/27)
.
Die IV-Stelle
klärte
in der Folge
die medizinisc
he
sowie die
erwerbliche Situation ab und
zog Akten
des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/36
, Urk. 7/48
)
.
Am 5. März 2018 erfolgte eine eingehende orthopä
di
sche Untersuchung durch Dr. med.
Z.___
, Facharzt für Orthopädische Chirur
gie und Traumatologie, vom regionalen ärztlichen Dienst
(
RAD;
Urk.
7/52
)
.
Am 19. März 2018 (Urk. 7/53) auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten als Mass
nahme die Durchführung einer
Behandlung (Schmerztherapie und Lumbalband
age)
zur
Verbesserung
des Gesundheitszustandes.
Dazu sollte er bis am 19. April 2018 den behandelnden Arzt respektive den Behandlungsplan angeben, worauf
hin der Versicherte am 26. März 2018 mitteilte, die Massnahme bei Dr. med.
A.___
, Fachärztin für
Neurochirurgie
, durchführen zu wollen (vgl. Urk. 7/55).
Nachdem
der
Versicherte
eine
anlässlich
der
Besprechung vom 12. April 2018 mit der IV-Stelle vereinbarten Rückmeldung bezüglich einer Arbeitsvermittlung bei der
B.___
bis am 21. April 2018 nicht
erfüllt hatte
(vgl. Urk. 7/67 S. 6 Mitte)
,
forderte
ihn
die IV-Stelle am 24. April 2018 (Urk. 7/61)
schriftlich auf,
dieser
Verpflichtung
bis spätestens am 3. Mai 2018 nachzukommen. Sie wies
ihn
darauf
hin, dass im Unterlassungsfall die Abklärungen eingestellt würden und aufgrund der Akten entschieden werde, was zur Abweisung des Gesuchs führen werde.
Nach Erhalt einer E-Mail des Versicherten, in welcher
d
ieser
auf das Angebot einer Arbeitsvermittl
ung bei der
B.___
verzichtet
und
darüber
informierte
hatte
, weiterhin bei seinem bisherig
en Arbeitgeber arbeiten zu woll
en (vgl. Urk. 7/67
S. 7), teilte ihm die IV-Stelle a
m 7. Mai 2018 (Urk. 7/63) mit, dass die Arbeitsvermittlung mit seinem Einverständnis abgeschlossen werde und über den Rentenentscheid eine separate Verfügung ergehe.
Mit Schreiben der IV-Stelle vom
18. Mai 2018 (Urk. 7/65) wurde der Versicherte darauf hin
gewiesen,
dass
die mit Datum vom 19.
März 2018 auferlegte Mit
wir
kungspflicht
(Schmerztherapie und Lumbalbandage)
auch im Falle eine
r
Abwei
sung des Leistungsbegehrens und auch im Hinblick auf eine zukünftige Anmel
dung gelte.
Nach
durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/66,
Urk. 7/
73
)
verneinte
die IV-St
elle mit Verfügung vom 24. Juli 2018 (Urk.
2
) einen Rentenanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am
3. September 2018
(Urk. 1)
Beschwerde gegen die Verfügung vom
24. Juli 2018
und beantragte,
in Aufhebung der angefochtenen Ver
fügung sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm rückwirkend eine ange
messene Invalidenrente zuzusprechen und auszurichten (
S.
2
).
Die IV-Stelle beantragte mit
Beschwerdeantwort vom 5. Oktober 2018 (Urk. 6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
8. Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialv
ersicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht i
n
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode de
s Einkommensvergleichs; BGE 130
V
343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss Art. 7 Abs. 1 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unter
nehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern.
Art. 21 Abs.
4 ATSG bestimmt, dass einer versicherten Person die Leistungen vorüber
gehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sie sich einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesent
liche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit ver
spricht, entzieht oder widersetzt oder nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen.
Die Rege
lungen von Art.
43 Abs.
3 ATSG (Nichteintreten oder Sachentsche
id auf
grund der Akten) und Art.
7b Abs.
1 IVG (Kürzung oder Verweigerung der Leis
tung) sind grundsä
tzlich nebeneinander anwendbar.
Die Sanktion bei verletzter Schadenminderungs- oder Mitwirkungspflicht hat sich an das Verhältnismässig
keitsprinzip zu halten und insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person zu berücksichtigen (Urteil des Bun
desgerichts 9C_370/2013 vom 22. November 2013 E.
3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer
renten
abweisenden Verfügung vom
24
.
Juli
2018 (Urk. 2) aus,
in der Invalidenversicherung gelte der Grundsatz Ein
gliederung vor Rente. Demnach gingen die Eingliederungsmassnahmen den Ren
ten grundsätzlich vor. Ein Rentenanspruch bestehe somit in der Regel so lange nicht, als von Ei
n
gliederungsmassnahmen eine rentenbeeinflussende Änderung
erwartet werden könne
(S. 1)
. Zur Beurteilung der Eingliederungsfähigkeit sei eine
Stellungnahme beim RAD eingeholt wo
rden. Der RAD-Arzt s
ehe eine Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit von 80% (beginnend mit 50% und einer Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit alle 4 Wochen um 10%) unter Beachtung
eines
aus
formulierten
Belastungsprofils
als zumutbar an.
Dem Beschwerdeführer sei eine Arbeitsvermittlung direkt über die
B.___
angeboten worden. Er habe auf das Angebot verzichtet, da er weiterhin in der angestammten Tätigkeit als Gipser arbeiten wolle. Die Teilnahme an Eingliederungsmassnahmen wäre ihm zumutbar gewesen. Es sei davon auszugeben, dass er mit Unterstützung der Invaliden
ver
sicherung eine seiner Gesundheit angepasste Tätigkeit gefunden hätte und dem
nach im 80
%-Pensum ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erwirt
schaf
ten könne (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführe
r
stellte sich in seiner Beschwerde vom
3
.
September
2018 (Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt,
es sei zwar zutreffend,
dass
er
sich trotz schriftlicher Aufforderung nicht bei der
B.___
zur Arbeitsvermittlung ge
meldet habe, er sei aber im Rahmen der Selbsteingliederung und nach Rück
sprache mit der behandelnden Fachärztin sowie seinem Arbeitgeber an seinen angestammten Arbeitsplatz zurückgekehrt. Anfänglich habe er – bei möglichst körperlich leichter Arbeit und vollzeitiger Präsenz
-
eine Arbeitsleistung zu 50 % und ab 1.
Juli 2018 zu 60 % erbracht. Er habe somit gar nicht definitiv auf eine Arbeitsvermittlung verzichtet, sondern er verlange zunächst die Möglichkeiten auszuloten, ob er seine Restarbeitsfähigkeit bei seinem bisherigen Arbeitgeber ausschöpfen könne (S. 5
f. Ziff.
7.1).
Weiter
brachte
der Beschwerdeführer
vor
, selbst wenn sein Verhalten als Mit
wirkungspflichtverletzung zu qualifizieren wäre, führe dies nicht zur Abweisung des Rentengesuches.
Die Rechtsprechung des Bundesgerichts stelle klar, dass der Tatbestand nach Art. 21
Abs.
4 ATSG verschiedene Elemente enthalte.
Insbeson
dere vorausgesetzt
werde, dass die medizinische oder erwerbliche
Vorkehr geeig
net sei, eine erhebliche Minderung des versicherten Schadens zu bewirken. So
wohl im Vorbescheid als auch in der angefochtenen Verfügung behaupte die Beschwerdeführerin, die Teilnahme an der Eingliederungsmassnahme sei zumut
bar
gewesen und nach Beendigung der Massnahme hätte ein rentenaus
schliessen
des Erwerbseinkommen bei einem 80 %-Pensum erzielt werden können. Weder der angefochtenen Verfügung noch den Akten l
ie
sse
n
sich für diese Behaup
tungen ein Nachweis entnehmen. Es fehlten Angaben, welches Einkommen nach erfolgreicher Arbeitsvermittlung hätte erzielt werden können, womit es schon an der Grundlage für die Behauptung fehle, er hätte ein rentenausschliessendes Erwerbs
einkommen erzielen können.
Bei realistischer Betrachtungsweise resul
tiere bei einem Beschäftigungsgrad von 80 % - unter Verwendung der Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statis
tik [Hilfsarbeiter], eines leidensbedingten Tabellenabzuges von 15 % und der Nominallohnanpassung des
Valideneinkommens
– ein Invaliditätsgrad von 52 %.
Er würde somit selbst im Falle einer erfolgreichen Arbeitsvermittlung kein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen. Aufgrund der Verhält
nis
mässig
keit einer Sanktion kä
me zudem nur eine Kürzung auf eine halbe Rente in Frage (S. 6-11 Ziff. 7.2).
2.3
Unbestrittenermassen ist d
er Beschwerdeführer der Aufforderung
der
Beschwer
de
führerin, die
auferlegte Arbeitsvermittlung bei
der
B.___
anzugehen
,
nicht nachgekommen
(E. 2.2
; vgl. auch Urk. 7/67
)
.
Strittig und zu
prüfen
bleibt
, ob
die
Beschwerdeführerin den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht auf
grund
der unterlassen
en
Arbeitsvermittlung bei der
B.___
gänzlich
verneint hat
.
3
.
3
.1
Bei der
angeordneten
Arbeitsvermittlung
bei der
B.___
handelt es sich
um eine
unter dem Tit
el der Schadenminderungspflicht
auferleg
t
e Massnahme
ge
mäss Art. 21 Abs. 4 ATSG, wie sich der Mitteil
ung vom 24.
April 2018 (Urk. 7/61
)
unschwer
entnehmen lässt
.
3.2
3.2.1
Eine
Leistungskürzung oder
-verweigerung gestützt auf Art. 21 Abs.
4 ATSG
ist
davon abhängig, ob die fragliche Massnahme eine wesentliche Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit verspricht. Vorausgesetzt wird, dass die medizinische oder erwerb
liche
Vorkehr geeignet ist, eine erhebliche Minderung des versicherten Schadens zu bewirken
(Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2016 vom
20.
März 2017 E 4.1.1
).
3.2.2
Bei der Arbeitsvermittlung
nach Art.
18 IVG
handelt es sich um
eine
im direkten Zweck gemäss Art. 1a Abs. 1
lit
. a IVG - Verhinderung, Verminderung oder Behe
bung
der Invalidität mit geeigneten, einfachen und zweckmässigen Eing
liede
run
gsmassnahmen – liegende
Naturalleistung (vgl.
Meyer/
Reichmuth
, Bundesge
setz übe
r die Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich 2014,
Rz
9 zu Art.
18
).
Wie vom Beschwerdeführer korrekt bemerkt (E. 2.2), ist nicht ersichtlich, inwie
fern die Arbeitsvermittlung bei der
B.___
überhaupt zu einer Verringerung seiner Erwerbsfähigkeit
– nicht faktischer Erwerbtätigkeit -
hätte führen sollen. Dies wird von der Beschwerdegegnerin denn auch nicht dargelegt, sondern in ihrer Verfügung ohne nähere Begründung behauptet (E. 2.1). Eine Arbeitsver
mittlung bei der
B.___
hätte zwar wohl die Chance des Beschwerdeführers erhöht,
konkret
eine passende Arbeitsstelle zu finden, um das ihm medizinisch zumutbare Arbeitspotential auszuschöpfen. Zu einer Erhöhung der medizinisch bestimmten Erwerbsfähigkeit hätte dies jedoch nicht geführt. Entscheidend für die Bemessung des Invaliditätsgrades bei der Beurteilung eines Rentenanspruches ist
indessen
nicht die effektiv ausgeübte Tätigkeit, sondern einzig das
Erwerbs
einkommen,
welches
die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
(hypothetisch)
erzielen könnte
(
vgl.
E. 1.4). Allfällige Bemessungen oder gar nur Erwägungen zu den erwerblichen Auswir
kungen hat die Beschwerdegegnerin nicht vorgenommen (E. 2.1).
Darüber hinaus ist fraglich, ob die für eine Arbeitsvermittlung notwendigen Vor
aussetzungen vorliegend überhaupt erfüllt
wären
. D
ie leistungsspezifische Invali
di
tät des Anspruchs
auf eine Arbeitsvermittlung, liegt vor
, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht.
Bei
den
beim Beschwerdeführer
besteh
enden
Einschränkungen
, wie sie von
RAD-Arzt
Dr.
Z.___
anlässlich seiner Untersuchung vom 5. März 2018 festgestellt worden sind (
vgl. das
Belastungs
profil
: nur noch leichte wechselbelastende Tätigkeiten mit diversen weitergeh
en
den Einschränkungen, wie etwa ohne Knien, ohne Bücken, Verharren in Zwangs
haltungen, ohne Überkopfarbeiten - also grundsätzlich praktisch keine Arbeiten auf dem Bau - sind zumutbar
[
vgl.
Urk. 7/52
S. 10
]
),
ist fraglich,
ob
die
An
spruch
svoraussetzungen
auf eine Arbeitsvermittlung nach Art. 18 IVG
, mithin eine
leistungsspezifische Invalidität
,
überhaupt erfüllt
sind
.
Es
ist
nich
t
erkennbar
, inwiefern
der Beschwerdeführer
aufgrund seiner gesundheitlichen Einschrän
kungen bei der Stellensuche auf eine Arbeitsvermittlung der Beschwerdegegnerin angewiesen
sein sollte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 3.3
für einen Fall mit ähnlich gelagerten Einschränkungen
). Dies
e Frage
muss vorliegend nicht abschliessend beantwortet werden
.
Ferner ist auf die Tatsache hinzuweisen, dass
der
Beschwerdeführer den medi
zinischen auferlegten Massnahmen, welche sicherlich zur Verbesserung seiner Erwerbstätigkeit beitragen, ohne Weiteres nachgekommen ist beziehungsweise weiterhin nachkommt
.
Er
befolgte die Anweisung gemäss dem Schreiben vom 19. März 2018 (Urk. 7/53), indem er der Beschwerdeführerin innert der ihm ange
setzten Frist am 26. März 2018 (Urk. 7/55) mitteilte, die auferlegt
e
medizinische Massnahme bei Dr. med.
A.___
, Fachärztin für Neurochirurgie, durch
führen
zu wollen
.
Zudem
sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass er die auf
er
legte Schmerztherapie und Lumbalbandage bei Dr.
A.___
nicht in
nert
nützlicher Frist begonnen hätte
oder nicht durchführen würde
(vgl. Urk. 7/53, Urk. 7/65).
So ist er weiterhin bei Dr.
A.___
in Behandlung (vgl. Urk. 7/71-72) und trägt nach eigener Aussage
eine
Lumbalbandage (vgl. Urk. 1 S.
4 Mitte
)
.
3.2.3
Nach dem Gesagten
steht fest, dass die
dem Beschwerdeführer
auferl
egte Scha
denminderungspflicht in
Form der Arbeitsvermittlung bei der
B.___
nicht geeignet war, die Erwerb
s
fähigkeit zu verbessern, weshalb die Beschwerde
geg
nerin die Rente
zu Unrecht
verweigerte.
3.3
3.3.1
Darüber hinaus
wäre
bei Leistungsverweigerungen und –
k
ürzungen
nach Art. 21 Abs.
4 ATSG
,
wie vom Beschwerdefü
hrer zu Recht bemerkt (E. 2.2),
die Verhält
nis
mässigkeit
der Sanktion
zu beachten. Danach müssen
das Mass der Sanktion und der voraussichtliche Eingliederungserfolg (Verbesserung oder Erhaltung der Erwerbsfähigkeit) einander entsprechen. Die Person ist bei einer Verletzung der Schadenminderungspflicht grundsätzlich so zu stellen, wie wenn sie diese wahr
genommen hätte (Urteil des Bundesgerichts 9C_15
5/2019 vom 24.
Juni 2019 E. 2.2)
.
3
.
3.2
Demgemäss wäre höchstens denkbar, dass die Beschwerdegegnerin den Be
schwe
r
deführer so stellt, als hätte er die angeordnete Massnahme vollzogen. Damit könnte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer so behandeln, als wäre zu 80 % arbeitsfähig. Dies erscheint indes nicht nötig.
Dr.
Z.___
diagnostizierte in seinem Bericht vom 5. März 2018 (Urk. 7/52/9-10
) ein rezidivierendes chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
Radi
kulopathie
L5 beidseits bei
Diskushernienrezidiv
L5/S1 und Status nach
Di
s
k
us
hernienoperation
mit Dekompression der Wurzel (9. Mai 2014 und 4. April 2017), eine Funktionseinschränkung beider Arme bei
Impingement
-Syndrom beid
seits sowie eine Bewegungseinschränkung des linken Handgelenks bei Ver
dacht auf
Handgelenksarthrose links. Er erachtete die bisherige Tätigkeit als Gipser als sei 1. Februar 2017 nicht mehr zumutbar und ging in einer angepassten Tätigkeit (vgl. E. 3.2.2) von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit bei 100 % zeitlicher Anwesenheit und vermehrtem Pausenbedarf von 20 % aufgrund von Schmerzen seit 5. März 2018 aus, wobei die Arbeitsfähigkeit nur unter ausreichender Thera
pie erreicht werde. Eine Eingliederung mit langsam steigender Belastung von an
fangs 50 % mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit alle vier Wochen um 10
% auf 80 % sei medizinisch sinnvoll.
Aus diesen Darlegungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer - nach Ein
schätzung des RAD-Arztes - in angepasster Tätigkeit medizinisch-theoretisch 80
% arbeitsfähig war. Die langsame Steigerung des Pensums von 50 % auf 80
% war lediglich als medizinisch sinnvoll, nicht aber als zwingend nötig beschrieben worden. Namentlich kann der ärztlichen Einschätzung nicht entnommen werden, dass die Arbeitstätigkeit mit langsamer Steigerung die Arbeitsfähigkeit steigern kann. Sie beträgt nach Ansicht des RAD-Arztes bereits 80 %.
3.4
Bei dieser Ausgangslage durfte die Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres, namentlich ohne einen Einkommensvergleich, einen Rentenanspruch verneinen. Der Beschwerdeführer verdiente zuletzt Fr. 87'620.-- (Urk. 7/18/2) und damit erheblich mehr als der Durchschnittslohn für eine einfache Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art. Damit wird ein allfälliger Abzug vom Tabellenlohn aus
schlaggebend für die Frage des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers sein. Hierfür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit der Rechts
weg gewahrt wird.
4
.
4
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 13
7 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4
.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Entsprechend ist ihm eine Prozessentschädigung von Fr.
2‘0
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass
die
angefochtene
Verfügung
vom
2
4.
Juli
2018 aufge
hoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese,
nach
erfolgtem Vorgehen
im
Sinne der Erwägun
gen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
iur
. André
Largier
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubMüller