# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 94c7137c-484f-5222-9606-6655b625f48e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer 05.10.2021 ZK2 2020 44
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_007_ZK2-2020-44_2021-10-05.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 5. Oktober 2021
(Mit Urteil 4A_588/2021 vom 15. März 2022 hat das Bundesgericht die gegen die-
ses Urteil erhobene Beschwerde abgewiesen.)

Referenz ZK2 20 44

Instanz II. Zivilkammer 

Besetzung Nydegger, Vorsitzender
Hubert und Bergamin
Diggelmann, Aktuar ad hoc

Parteien A._____ AG
Berufungsklägerin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Werder
Werder Viganò AG, Bahnhofstrasse 64, 8001 Zürich 

gegen

B.________
Berufungsbeklagter
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniele Favalli
Vischer AG, Schützengasse 1, Postfach 5090, 8021 Zürich 

Gegenstand Forderungen

Anfechtungsobj. Entscheid Regionalgericht Albula vom 26.05.2020, mitgeteilt am 
24.09.2020 (Proz. Nr. 115-2012-5)

Mitteilung 18. Oktober 2021

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Sachverhalt

A. Die A._____ AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht 
mit Sitz in C.________. Sie bezweckt unter anderem den Bau und Betrieb von 
Restaurations- und Beherbergungsbetrieben. Sie war Eigentümerin des Hotels 
"D.________" in der Gemeinde C.________.

B.________ hatte Wohnsitz in F.________, heute wohnt er in G.________. Vom 
1. Mai 2002 bis zum 31. Oktober 2010 war er Geschäftsführer der A._____ AG. 
Vom 18. April 2006 bis zum 20. November 2007 war er zudem Mitglied des Ver-
waltungsrates der H.________, welche am _____ 2007 mit der A._____ AG fusio-
nierte. 

Die Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden (nachstehend GVG) versi-
chert obligatorisch alle Gebäude im Kanton unter anderem gegen Feuer. Ihre 
Tätigkeit beruht auf dem Gesetz über die Gebäudeversicherung des Kantons 
Graubünden (BR 830.100 vom 15. Juni 2010, nachstehend zitiert als G-GVG), 
welches eine Fassung vom 12. April 1970 ersetzte (diese zitiert als G-GVG/1970).

B. Am _____ 2003 brannte das Hotel D.________ ab. Eigentümerin des 
Grundstücks und damit des Hotels war zu jenem Zeitpunkt die I.________. Nach 
den massgeblichen Bestimmungen hatte die GVG zuerst nur den Zeitwert zu be-
zahlen. Eine Entschädigung in der Höhe des in aller Regel und so auch hier höhe-
ren Neuwerts wurde nur und erst fällig, wenn das Gebäude innert einer bestimm-
ten Frist wieder aufgebaut wurde. Der eingeklagte Betrag von CHF 1'159'778.85 
bildet die Differenz von Zeit- und Neuwert. Am 10. April 2006 erstreckte die GVG 
der damaligen Eigentümerin die Frist für den Wiederaufbau bis zum 13. April 
2008.

Am 19. April 2006 verkaufte die I.________ das Grundstück Nr. E._____ an die 
H.________, und die Handänderung wurde vollzogen. Ein Weiterverkauf an zwei 
natürliche Personen, die Eheleute R.________, wurde zwar beurkundet, aber der 
Vollzug der Handänderung wurde davon abhängig gemacht, dass die baurechtli-
chen Voraussetzungen für eine geplante neue Überbauung geschaffen würden. 
Das kam offenbar nicht zustande, und der ganze Vertrag wurde später mit einer 
separaten Vereinbarung rückgängig gemacht. Im November 2007 fusionierten die 
H.________ und die A._____ AG. Am _____ 2007 wurde die H.________ im 
Handelsregister gelöscht.

Die GVG schrieb am 10. April 2008 an die nicht mehr im Handelsregister einge-
tragene H.________ und wies sie auf die demnächst ablaufende (erstreckte) Frist 

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zur Wiederherstellung des abgebrannten Gebäudes hin. Die Angeschriebene rea-
gierte nicht. Am 20. April 2010 verfügte die GVG, ein Anspruch auf die Differenz 
zwischen Zeit- und Neuwert sei verwirkt.

Die Parzelle, auf welcher das Hotel D.________ gestanden hatte, wurde gemäss 
dem Inhalt des öffentlichen und damit prozessual notorischen Grundbuchs seit 
dem Schadenfall mehrfach in der Fläche verändert und erhielt jeweils eine neue 
Katasternummer; hingegen ist unbestritten, dass der tatsächlich erstellte Neubau 
des Hotels mehr oder weniger an der Stelle steht, an welcher vor dem Brand das 
Hotel D.________ stand. Für die heutige Auseinandersetzung dürften die Verän-
derungen keine Rolle spielen – sie werden auch von den Parteien in der Berufung 
nicht thematisiert. Das Nämliche gilt für die weiteren Änderungen des Eigentums: 
zunächst Übertragung an die J.________, dann Übergang durch Fusion an die 
K.________. 

C. Die A._____ AG leitete am 9. Dezember 2011 das Schlichtungsverfahren 
gegen B.________ ein und erhielt am 19. Januar 2012 die Klagebewilligung. In-
nert der Frist von Art. 209 Abs. 3 ZPO gelangte sie an das Regionalgericht Albula, 
mit dem nachstehenden Rechtsbegehren:

1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 1'159'778.85 zu 
bezahlen, zuzüglich Zins zu 5% seit 12. Dezember 2011.

2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten.

Sie warf B.________ vor, er habe es als ihr Organ pflichtwidrig versäumt, bei der 
GVG eine (weitere) Fristverlängerung zu verlangen, die Rechtsmittelfrist gegen die 
Feststellung der Verwirkung der noch offenen Versicherungsleistung nicht gewahrt 
und dem Verwaltungsrat vorgetäuscht, es bestehe noch ein Versicherungsan-
spruch. Daraus leitete sie ab, er habe ihr die CHF 1'159'778.85 zu ersetzen. 
B.________ wendete ein, der streitige Anspruch sei in zwei Tranchen à je 50% 
abgetreten worden: Im April 2006 durch die I.________ an den L.________, dann 
im Oktober 2007 durch die H.________ an die Eheleute R.________. Die A._____ 
AG habe daher durch sein Handeln oder Unterlassen gegenüber der GVG keinen 
Schaden erlitten. Auf weitere Vorbringen der Parteien ist so weit nötig im Folgen-
den einzugehen. Der Verfahrensablauf in erster Instanz wird im angefochtenen 
Urteil geschildert; er braucht hier nicht wiederholt zu werden.

D. Mit Urteil vom 26. Mai 2020, mitgeteilt am 24. September 2020, entschied 
das Regionalgericht Albula, wie folgt:

1. Die Klage wird abgewiesen.

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2. Die Gerichtskosten in der Höhe von CHF 38'350.-- (Entscheidgebühr 
CHF 30'000.00, Kosten der Beweisführung CHF 8'350.--) gehen zu 
Lasten der Klägerin und werden mit den von ihr geleisteten Kostenvor-
schüssen in der Höhe von total CHF 37'475.00 sowie mit dem Kosten-
vorschuss des Beklagten von CHF 875.00 verrechnet.

3.a Die Klägerin hat den Beklagten mit CHF 102'436.70 (inkl. Barauslagen 
und MWST) aussergerichtlich zu entschädigen.

3.b Die Klägerin hat dem Beklagten den von ihm geleisteten Gerichtskos-
tenvorschuss für Beweiserhebungen im Umfang von CHF 875.00 zu 
ersetzen.

4.-6.(Rechtsmittelbelehrung und Mitteilungen)

E. Dagegen erhob die A._____ AG (nachfolgend: Berufungsklägerin) mit Ein-
gabe vom 28. Oktober 2020 Berufung beim Kantonsgericht von Graubünden und 
beantragte, was folgt:

1. Das Urteil des Regionalgerichts Albula vom 26. Mai 2020 sei aufzuhe-
ben.

2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 1'159'778.85 zu 
bezahlen, zuzüglich Zins zu 5% seit 12. Dezember 2011.

3. Eventualiter zu Ziff. 2: Die Sache sei zur Neubeurteilung und zur Er-
gänzung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsbe-
klagten.

F. Mit Berufungsantwort vom 30. November 2020 stellte B.________ (nachfol-
gend: Berufungsbeklagter) folgende Rechtsbegehren:

1. Auf die Berufung sei nicht einzutreten, eventualiter sei die Berufung 
abzuweisen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. MwSt.) zu Lasten 
der Berufungsklägerin.

G. Der Berufungsklägerin wurde die Berufungsantwort am 2. Dezember 2020 
zugestellt; sie reichte keine weitere Eingabe ein. Die Sache erweist sich als 
spruchreif.

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Erwägungen

1.1. Prozessuales

Die Berufung ist rechtzeitig, und sie enthält sowohl einen Antrag als auch eine Be-
gründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Der für eine Berufung erforderliche Streitwert 
(Art. 308 Abs. 2 ZPO) ist erreicht. 

1.2. Terminologisches

Die Vorinstanz wies die Klage ab, weil der Anspruch auf eine Versicherungsleis-
tung mit der Fusion als zweiter Handänderung untergegangen sei und der Beru-
fungsklägerin daher die Aktivlegitimation fehle.

Als Sach-(Aktiv- oder Passiv-)legitimation wird das Recht bezeichnet, einen An-
spruch im eigenen Namen geltend zu machen resp. ihn gegenüber dem einge-
klagten Subjekt zu verfolgen (Max Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 
3. Aufl., Zürich 1979, S. 139). Wenn beispielsweise zwei juristische Personen ver-
traglich verbunden sind oder waren, sind die hinter ihnen stehenden natürlichen 
Personen im Streit um Ansprüche aus diesem Vertrag weder aktiv- noch passivle-
gitimiert. Ob der Vertrag gültig zustande gekommen ist, betrifft aber nicht die Fra-
ge der Sachlegitimation, sondern eine weitere materiell-rechtliche Voraussetzung 
des Anspruchs.

Die Fragen, wem die Leistungen GVG im Schadenfall zustehen und unter welchen 
Voraussetzungen einmal entstandene Ansprüche untergehen, ist nachstehend zu 
erörtern. Hier ist lediglich anzumerken, dass im vorliegenden Verfahren nicht (di-
rekt) ein Anspruch der Berufungsklägerin gegenüber der GVG eingeklagt ist. Wäre 
das die Frage, müsste zuerst geklärt werden, ob die Berufungsklägerin den An-
spruch überhaupt geltend machen könne (die Frage der Aktivlegitimation), und 
dann kämen die weiteren Elemente zur Sprache, wie das Einhalten der Obliegen-
heiten im Schadenfall, die Bemessung der Entschädigungssumme etc. Vorliegend 
eingeklagt ist aber nur der Bezifferung nach die Leistung der GVG aus dem Brand. 
Die Berufungsklägerin fasst den Berufungsbeklagten als ihr ehemaliges Organ ins 
Recht, weil er es in Verletzung seiner Pflichten unterlassen habe, ihr die Leistung 
der GVG zu verschaffen oder den entsprechenden Anspruch zu erhalten. Für die-
se auf Art. 754 Abs. 1 OR gestützte Klage ist die Gesellschaft gegenüber ihrem 
Geschäftsführer aktivlegitimiert. Die Begründetheit der Klage im Einzelnen ist kei-
ne Frage der Sachlegitimation.

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Der Punkt braucht indessen nicht weiter vertieft zu werden, weil diese terminologi-
sche Frage für das Ergebnis keine Rolle spielt.

1.3. Anforderungen an die Berufung

Wenn das Verfahren wie hier der Partei- und der Dispositionsmaxime untersteht, 
stellt die Berufung keine Fortsetzung des erstinstanzlichen Verfahrens dar. Sie 
dient vielmehr der Überprüfung des angefochtenen Entscheides und des Verfah-
rens der ersten Instanz (Art. 310 ZPO). Es obliegt den Parteien, geltend gemachte 
Mängel aufzuzeigen. Das hebt den Grundsatz nicht auf, dass das Gericht und 
damit auch die Berufungsinstanz das Recht von Amtes wegen anzuwenden hat 
(Art. 57 ZPO). Einer Partei kann es daher nicht schaden, wenn sie sich auf unzu-
treffende Gesetzesbestimmungen beruft oder solche gar nicht nennt. Es obliegt ihr 
aber, den geltend gemachten Fehler aufzuzeigen, und zwar nicht nur allgemein, 
sondern so präzis, dass es die Berufungsinstanz ohne Mühe verstehen kann. Sie 
darf nicht einfach auf Vorbringen in erster Instanz verweisen, sondern muss so-
wohl die Passagen im angefochtenen Urteil als auch die angerufenen Aktenstücke 
genau bezeichnen. Das Bundesgericht formuliert es im grundlegenden Urteil so: 
Von der Partei werde verlangt "de motiver son appel (art. 311 al. 1 CPC), c'est-à-
dire de démontrer le caractère erroné de la motivation attaquée. Pour satisfaire à 
cette exigence, il ne lui suffit cependant pas de renvoyer aux moyens soulevés en 
première instance, ni de se livrer à des critiques toutes générales de la décision 
attaquée. Sa motivation doit être suffisamment explicite pour que l'instance d'ap-
pel puisse la comprendre aisément, ce qui suppose une désignation précise des 
passages de la décision que le recourant attaque et des pièces du dossier sur les-
quelles repose sa critique" (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGE 141 III 576 E. 2.3.3).

In der Berufung sind neue Vorbringen mit wenigen Ausnahmen ausgeschlossen 
(Art. 317 ZPO). Die Parteien müssen, um den vorstehend genannten Erfordernis-
sen zu genügen, die Voraussetzungen einer der gesetzlichen Ausnahmen be-
gründen. Wenn sie in der Berufung tatsächliche Behauptungen vortragen, die 
nicht auf den ersten Blick etwas betreffen, wovon schon das erstinstanzliche Ge-
richt ausging, werden sie als neu betrachtet, ohne dass die Berufungsinstanz die 
erstinstanzlichen Rechtsschriften und Akten darauf hin zu durchforsten hätte, wo 
die Behauptung allenfalls schon aufgestellt worden sein könnte. 

Der Berufungsbeklagte stellt mit der Berufungsantwort den Haupt-Antrag, es sei 
auf die Berufung nicht einzutreten. So weit erkennbar, begründet er das nicht. Es 
ist daher darauf nicht weiter einzugehen.

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2.1. Überblick

Der Berufungsbeklagte wird als ehemaliges Organ der Berufungsklägerin ins 
Recht gefasst. Die Berufungsklägerin muss ihm also eine schädigende Handlung 
oder Unterlassung in der Zeitspanne vom 1. Mai 2002 bis zum 31. Oktober 2010 
vorwerfen können. Dabei kann sie sich auf die tatsächlichen Grundlagen be-
schränken; die rechtlichen Schlüsse zieht das Gericht von Amtes wegen (Art. 57 
ZPO).

In die fragliche Zeit fällt der Brand des Hotels, welches damals noch im Eigentum 
der I.________ stand. Einer offenbar in deren Namen handelnden M.________. 
eröffnete die GVG am 10. April 2006 eine Erstreckung der Frist für den Wieder-
aufbau des Hotels als Voraussetzung für die zusätzliche Zahlung der Differenz 
zum Neuwert (RG act. II/10). Wenige Tage später erwarb die H.________, deren 
Verwaltungsrat der Berufungsbeklagte tags zuvor geworden war, das Grundstück. 
Im Spätherbst 2007 fusionierten die H.________ und die Berufungsklägerin. Am 
10. April 2008 erinnerte die GVG die mittlerweile im Handelsregister gelöschte 
H.________ schriftlich daran, die Frist zum Wiederaufbau werde am 13. April 
2008 ablaufen (RG act. II/14). Innert dieser Frist wurde weder eine Erstreckung 
verlangt, noch wurde das Gebäude wieder aufgebaut. 

Das Regionalgericht verneint eine für einen Schaden kausale Pflichtverletzung 
des Berufungsbeklagten, weil die GVG nach der zweiten Handänderung so oder 
anders keine Leistungen mehr erbracht hätte. Da das die Basis des angefochte-
nen Urteils ist und die Parteien in der Berufung eingehend dazu Stellung nehmen, 
ist es vorweg zu diskutieren.

2.2. Schadensereignis und nachfolgende Handänderungen

2.2.1. Ausgangslage

Das G-GVG wurde 2010 revidiert; auf den vorliegenden Fall anwendbar ist noch 
die Fassung vom 12. April 1970. Diese enthält keine Bestimmungen über Hand-
änderungen am versicherten Grundstück. Das Bundesgesetz über den Versiche-
rungsvertrag (VVG) regelt nur die privaten Versicherungen, wenn es nicht durch 
Verweis in einem kantonalen Gesetz anwendbar erklärt wird (Stefan Vogel, in: 
N.________/Honsell [Hrsg.], Gebäudeversicherung, Systematischer Kommentar, 
Basel 2009, S. 20 N 7). Gleichwohl muss diese Lücke im GVG jedenfalls für Han-
dänderungen vor einem schädigenden Ereignis im Sinne von Art. 54 VVG gefüllt 
werden: dass der Versicherungsvertrag mit Rechten und Pflichten auf den Erwer-
ber übergeht (wie der Übergang der Nebenrechte einer Forderung bei einer Zes-

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sion, Art. 170 Abs. 1 OR, insbesondere auch Abs. 3; die GVG selber ist offenkun-
dig davon ausgegangen: RG act. II/1) – wenn auch wegen der obligatorischen Na-
tur der Versicherung ohne die im VVG statuierten Ablehnungs-Rechte von Versi-
cherung und Erwerber. Relevant im vorliegenden Fall ist der Sachverhalt, dass die 
versicherte Sache nach dem schädigenden Ereignis die Hand wechselt. Auch da-
zu enthält die damalige Fassung des GVG keine Bestimmung. Die heutige Fas-
sung des Gesetzes bestimmt in Art. 36 Abs. 2, Anspruch auf die Abgeltung der 
Wiederherstellungskosten des Gebäudes hat die Gebäudeeigentümerin bezie-
hungsweise der Gebäudeeigentümer im Zeitpunkt des Schadenereignisses bezie-
hungsweise eine erste Erwerberin beziehungsweise ein erster Erwerber des 
Grundstücks nach dem Schadenereignis (Fassung vom 7. Dezember 2016, in 
Kraft seit 1. Januar 2018; Hervorhebung beigefügt). Das angefochtene Urteil geht 
davon aus, das sei schon unter dem alten Recht Praxis gewesen, und daher habe 
die Berufungsklägerin ohnehin keinen Anspruch gehabt, welchen der Berufungs-
beklagte schuldhaft hätte untergehen lassen können.

2.2.2. Praxis der GVG

Die Berufungsklägerin macht vorweg geltend, eine Praxis der GVG, wonach eine 
zweite Handänderung zur Verwirkung des Anspruchs geführt habe, sei vom Beru-
fungsbeklagten in erster Instanz nicht geltend gemacht worden und dürfe daher 
keine Berücksichtigung finden (act. A.1 S. 7 Rz. 17). Der Berufungsbeklagte be-
trachtet die Frage nach der Praxis der GVG demgegenüber als Rechtsfrage – 
räumt also implizit ein, dass er diese Praxis nicht behauptete (act. A.2 S. 14 Rz. 
48 und S. 19 Rz. 81). 

Tatsachen sind von den Parteien zu behaupten und zu beweisen (Art. 55 Abs. 1 
ZPO); demgegenüber wendet das Gericht das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 
ZPO). Dabei sind die massgeblichen Rechtssätze nach Wortlaut und Auslegung 
anzuwenden, und allenfalls ist nach Gewohnheitsrecht und letztlich in Lückenfül-
lung im Sinne von Art. 1 Abs. 2 ZGB zu entscheiden – diese vier Wege sind je zu 
einander subsidiär. Gewohnheitsrecht ist Recht und von Amtes wegen anzuwen-
den. Die Praxis einer Behörde ist allerdings wie "Übung und Ortsgebrauch" eine 
Tatsache, die behauptet und bewiesen werden muss (Art. 150 Abs. 2 ZPO; Jürgen 
Brönnimann in: Berner Kommentar zur ZPO, Bern 2012, N 20 zu Art. 150 ZPO; 
Hans Schmid, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar zur ZPO, 3. 
Aufl., Basel 2021, N 9 zu Art. 150 ZPO).

Das Regionalgericht hat sich direkt mit einer allfälligen Praxis der GVG befasst. In 
einem "Gutachten" (das zwar ursprünglich ein ziemlich anderes Thema beschlug; 

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vgl. RG act. IX/1) nebst Ergänzung wird festgehalten, die GVG "akzeptiere" seit 
zwanzig Jahren nur eine Handänderung (RG act. IX/2 und 3), allerdings ist das 
nicht weiter begründet. Der fachkundige Zeuge N.________, welche die neue 
Fassung des Gesetzes BR 183.100 redigierte, gab (nachdem er zuerst nicht ver-
standen hatte, worum es im Prozess ging) seine Rechtsauffassungen wieder, er-
läuterte diese aber nicht weiter (RG act. X/1). Der Zeuge S.________, ehemals 
Direktor der GVG, wurde eingehend befragt, aber nicht zu dem hier interessieren-
den Thema (RG act. X/5). Auch die Aussagen des Zeugen O.________, offenbar 
(wenn auch nicht dazu befragt) früher Mitarbeiter der GVG, geben für die zu be-
antwortende Frage nichts her (RG act. X/11). Das trifft auch für die zahlreichen 
anderen Zeugen zu (im Einzelnen RG act. X). 

Dem durfte die Vorinstanz entnehmen, die Leitung der GVG habe seit Jahren die 
Auffassung vertreten, wenn ein Grundstück nach einem Schadenfall zwei Mal die 
Hand wechsle, verwirke ein Anspruch aus der Versicherung. Auf den ersten Blick 
ist das etwas merkwürdig, da es dafür keine erkennbare Grundlage gibt und das 
allgemeine Prinzip der Gesetzmässigkeit der Verwaltung erwarten liesse, etwas so 
Einschneidendes habe eine andere Basis als die Auffassung einer Verwaltungs-
behörde. In der neuen Fassung des G-GVG ist diese Bestimmung nun enthalten 
(Art. 36 Abs. 2 G-GVG). Das Gesetz ist eindeutig formuliert und den Versicherten 
zugänglich, welche ihr Handeln danach ausrichten und also eine Verwirkung ver-
meiden können. Der Regierungsrat schrieb dazu, die von der GVG praktizierte 
Verwirkung solle der Spekulation mit Brandruinen entgegenwirken (vgl. Botschaft 
über die Teilrevision des Gesetzes über die Gebäudeversicherung im Kanton 
Graubünden vom 6. September 2016, Heft Nr. 8 /2016-2017 507 ff., S. 525 f.). Die 
Spekulation mit dem essentiellen Gut Boden wird allgemein als unerwünscht be-
trachtet – das bundesrechtliche Gesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) 
dient vor allem diesem Zweck, und auch Massnahmen der Kantone dagegen wie 
eine zeitlich rückwärts progressive Besteuerung von Grundstückgewinnen sind 
üblich und nach allgemeiner Auffassung zulässig. Das neue Gesetz konnte aller-
dings nicht zurückwirken, und im hier interessierenden Zeitraum galt die Bestim-
mung noch nicht.

Die Vorinstanz hätte daher zuerst das geltende Gesetz konsultieren und allenfalls 
auslegen sollen. Eine spezifische Bestimmung gab es nicht. Ausgangspunkt aller 
weiterer Überlegungen musste sein, dass eine Versicherung, welche Prämien zur 
Deckung eines Risikos einnimmt, bei Eintritt dieses Risikos grundsätzlich zahlen 
muss. Dass eine (erste) Handänderung nicht zur Verwirkung führte, ist unstreitig. 
Es gibt keinen Anhaltspunkt und keine Begründung dafür, dass und weshalb nur 

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gerade eine Handänderung aus der Sicht des (alten) Gesetzes "zulässig" sein 
sollte. Indirekt kommt die Handänderung möglicherweise vor in Art. 29 der damals 
geltenden regierungsrätlichen Ausführungsbestimmungen zum G-GVG vom 19. 
September 2000: "Tritt der Versicherte seine Ansprüche gegenüber der Anstalt an 
einen Dritten ab, und beabsichtigt dieser, den Ersatzbau an einem anderen Ort zu 
erstellen, so kann die Anstalt aus wichtigen Gründen die Entschädigung auf den 
Zeitwert beschränken". Das konnte insbesondere im Fall einer Handänderung eine 
praktische Bedeutung erlangen; von einer Verwirkung wegen der Handänderung 
ist aber nicht die Rede. Das bereits zitierte Standardwerk zur Gebäudeversiche-
rung sagt dazu nichts; unter dem Stichwort "Handänderung" findet man nur Be-
merkungen zur Haftung für laufende Prämien (N 7.1.94) und zum Übergang der 
Versicherung für Wasserschaden (N 7.3.30). Eine Rechtsprechungs-Recherche 
gibt kein Ergebnis. – Die GVG hat sich im hier interessierenden Brandfall mehr-
fach an die Versicherte gewandt. Sie hat die Frist zum Wiederaufbau erstreckt, sie 
hat von der ersten Handänderung ausdrücklich Kenntnis genommen, und sie hat 
kurz vor Ablauf der erstreckten Frist auf die Notwendigkeit einer (weiteren) Erstre-
ckung aufmerksam gemacht (RG act. II/10, II/11 und II/14). Nirgends wurde auf 
die "Unzulässigkeit" einer zweiten Handänderung hingewiesen.

Es mag sein, dass die leitenden Organe der GVG im hier massgeblichen Zeitpunkt 
der Auffassung waren, eine zweite Handänderung nach einem Schadenfall solle 
"nicht toleriert" werden. Ob eine solche Auffassung je tatsächlich praktisch An-
wendung fand, lässt sich den Beweiserhebungen der Vorinstanz nicht entnehmen 
– nach der Lebenserfahrung sind mehrfache Grundstück-Handäderungen nach 
einem Brand und vor dem Wiederaufbau des zerstörten Gebäudes jedenfalls nicht 
die Regel, also sicher nicht allzu häufig. Den Versicherten irgendwie kommuniziert 
wurde die Praxis offenbar nicht, insbesondere nicht im hier zu beurteilenden Fall. 
Gegenteils schrieb die GVG ausdrücklich von einer Auszahlung der Versiche-
rungssumme nach dem Wiederaufbau "an den dannzumaligen Eigentümer" (act. 
A.1 S. 9 Rz. 25, verweisend auf RG act. II/13), und das war ohne Vorbehalt formu-
liert, also entgegen der Auffassung des Berufungsbeklagten (act. A.2 S. 15 f. Rz. 
55 ff.) für den unbefangen lesenden Versicherten sehr wohl ein Indiz dafür, dass 
die GVG selber oder jedenfalls die Person, welche jenen Brief schrieb, nicht von 
einer Verwirkung ausging. Die von der Vorinstanz angenommene und dem ange-
fochtenen Urteil zugrunde gelegte Praxis bestand in einer internen, den Versicher-
ten nicht kommunizierten und nicht zugänglichen Überzeugung, mit einer zweiten 
Handänderung nach dem Schadenfall verwirke der Versicherungsanspruch. Nach 
Treu und Glauben (Art. 29 BV) war es nicht zulässig, eine solche faktisch geheime 
Praxis anzuwenden, für welche das Gesetz weder nach seinem Wortlaut noch 

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nach Auslegung eine Grundlage gab. Eine zweite (oder auch eine weitere) Han-
dänderung konnte darum nicht zur Verwirkung des Versicherungsanspruches 
führen.

Unerheblich bleibt damit die Kontroverse, ob eine Fusion eine Handänderung im 
Sinne des kantonalen Rechts darstellte und darstellt. Entgegen der Auffassung 
der Berufungsklägerin traf und trifft es wohl zu. Diese räumt selber ein, im hier zu 
beurteilenden Fall habe eine Absorptions-Fusion stattgefunden, aufgrund derer die 
übernommene Gesellschaft und bisherige Eigentümerin im Handelsregister 
gelöscht wurde. Im Grundbuch wurde die Eigentümerin geändert. Art. 103 FusG 
verbietet den Kantonen, Handänderungen infolge von Fusionen mit Steuern zu 
belegen – betrachtet den Vorgang also als Handänderung. Das Bundesgericht 
geht stillschweigend davon aus, eine Fusion bewirke die Handänderung an einem 
Grundstück, auch wenn oder gerade wenn etwa eine Besteuerung aufgeschoben 
wird (BGE 134 II 124 E. 4.6). Das kantonale Recht (und um die Auslegung eines 
kantonalen Gesetzes geht es hier) betrachtet an anderer Stelle eine Fusion ohne 
Weiteres als Handänderung, so in Art. 83 des Steuergesetzes (BR 720.000) und 
in Art. 8 des Gesetzes über die Gemeinde- und Kirchensteuern (BR 720.200).

2.3. Pflichtverletzung durch den Berufungsbeklagten

Damit ist zu prüfen, ob der Berufungsbeklagte im Interesse der Berufungsklägerin 
die Möglichkeit hätte nutzen müssen, die Frist zur Wiederherstellung des Gebäu-
des noch ein weiteres Mal erstrecken zu lassen. Er befasst sich damit in der Beru-
fung zwar nicht. Das Kantonsgericht kann aber in der Berufung selber und refor-
matorisch entscheiden (Art. 318 Abs. 1 lit. b ZPO). Im Sinne der so genannten 
Eventualmaxime musste er sich also dazu äussern, wenn er es als erforderlich 
erachtete.

Kritisch ist der Umstand, dass der Berufungsbeklagte die Frist zur Wiederherstel-
lung nicht erstrecken liess. In der Berufung behauptet er nicht (und er sagt ebenso 
wenig, wo er das in erster Instanz allenfalls vorgetragen habe), er habe das im 
Vertrauen auf die vorstehend diskutierte behauptete Praxis der GVG unterlassen; 
er argumentiert nur damit, ein allfälliger Schaden sei wegen der Verwirkung gar 
nicht eingetreten. Wie gesehen, hätte eine Fristerstreckung sehr wohl die Möglich-
keit gewahrt, mit einem Wiederaufbau des Hotels die Voraussetzungen für den 
Rest der Versicherungssumme zu schaffen. Dabei ging es um einen sehr bedeu-
tenden Betrag, und als Geschäftsführer der Berufungsklägerin musste der Beru-
fungsbeklagte das sicherstellen, wenn es die Berufungsklägerin betraf. Falls er 
darauf unvorsichtig und pflichtwidrig nicht achtete, wäre das eine grobe Fahrläs-

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sigkeit gewesen, die ihn vor der Haftung sowohl als Organ (Art. 754 Abs. 1 OR) 
als auch als Arbeitnehmer (Art. 321e Abs. 1 OR) nicht schützen könnte. Er bestrei-
tet auch nicht, dass die GVG die Frist zum Erstellen des Ersatzneubaus bis zu 
dessen tatsächlicher Fertigstellung hätte weiter erstrecken können (Art. 33 Abs. 1 
zweiter Satz G-GVG/1970 sieht keine Höchstdauer der Erstreckung vor), wenn die 
erste Erstreckung nicht ungenutzt verstrichen wäre.

Ein Rechtsmittel gegen die Verfügung der GVG vom 20. April 2010 wäre aus-
sichtslos gewesen. Abgesehen davon, dass bereits der Fristablauf zwei Jahre zu-
vor die Verwirkung des Anspruchs bewirkt hatte und die Verfügung gar nicht kon-
stitutiv war, hätte es keine erfolgversprechenden Argumente gegen diese Verwir-
kung gegeben.

Entscheidend ist aber etwas Anderes:

2.4. Schaden der Berufungsklägerin

Die Berufungsklägerin bringt unter Verweis auf die entsprechenden Behauptungen 
vor erster Instanz vor, der am Ende tatsächlich erstellte Ersatzneubau sei "für die 
T.________" (recte: für die J.________; vgl. RG act. III/11) im Rohbau im Novem-
ber 2012 fertig gestellt worden, und das hätte ihr erlaubt, den zweiten Teil der 
Versicherungsleistung geltend zu machen (act. A.1, S. 27 Rz. 98 ff.). Damit räumt 
sie implizit ein, dass sie das Objekt vor der Wiederherstellung weiter veräusserte. 
Nach den vorstehenden Erwägungen ging damit der Versicherungsanspruch 
grundsätzlich auf die Erwerberin über. An der verwiesenen Stelle in der erstin-
stanzlichen Replik behauptete die Berufungsklägerin allerdings ausdrücklich und 
unter Verweis auf den entsprechenden Vertrag vom 25. August 2011, sie habe 
sich den Versicherungsanspruch von der Käuferin abtreten lassen (vgl. RG act. I/5 
Rz. 74 ff.). Eine solche Abtretung war ohne Weiteres zulässig (BGE 111 Ib 150 E. 
2; vgl. auch André Grisel, Traité de droit administratif, Bd. II, Neuenburg 1984, S. 
626 ff.) – der Berufungsbeklagte verweist in der Berufung ebenfalls auf diesen 
Vertrag (RG act. III/11, Ziffer III/4).

Der Berufungsbeklagte wendet dagegen ein, weil die Berufungsklägerin keine ei-
genen Aufwendungen für den Ersatzneubau getragen habe, würde sie bei Gut-
heissung der Klage ungerechtfertigt bereichert (act. A.2 S. 20 Rz. 89). Das trifft 
nicht zu. Die Sachversicherung soll zwar nicht zu einer Bereicherung des Geschä-
digten führen (Glaus/Honsell, a.a.O., S. 255). Wenn sich die Berufungsklägerin 
den Anspruch gegen die GVG von der Erwerberin abtreten liess, kommt es aber 
nicht darauf an, dass nicht sie selber den Ersatzneubau finanzierte. Es war dann 

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Sache und eine rechtliche Möglichkeit der Vertragsparteien, die erwartete Ent-
schädigung in ihren Vertrag, namentlich in den Kaufpreis, einfliessen zu lassen, 
und damit ist der Einrede der Bereicherung der Boden entzogen.

Der Berufungsbeklagte steht allerdings auf dem weiteren Standpunkt, die Beru-
fungsklägerin habe ihre allfälligen Ansprüche gegen die GVG noch vor der Erstel-
lung des Ersatzneubaus selber gültig abgetreten (act. A.2 S. 31 Rz. 148). Daher 
sei ihr ein Schaden überhaupt nicht oder eventuell zunächst höchstens in der Hälf-
te der eingeklagten Summe entstanden. Konkret beruft er sich auf ein Schreiben 
der I.________ und der H.________ an die GVG vom 19. April 2006, wonach die 
Entschädigungssumme an die beiden Gesellschaften je zur Hälfte auszuzahlen 
sei. Die GVG erklärte sich damit einverstanden (vgl. RG act. II/11). Die Berufungs-
klägerin, welcher die Berufungsantwort zugestellt wurde, bringt dagegen in der 
Berufung nichts vor. Der Standpunkt des Berufungsbeklagten ist überzeugend: 
unabhängig davon, welcher der Parteien der ersten Handänderung der Anspruch 
oder die Anwartschaft auf Leistung(en) der GVG zustand, haben sie sich darauf 
geeinigt, dass die Hälfte des Anspruches oder der Ansprüche nicht auf die Erwer-
berin übergehen solle und der Verkäuferin verbleibe. Gleichviel, wann und von 
wem in der Folge die Voraussetzungen für den zweiten Teil der Entschädigung 
geschaffen wurden, stand der H.________ oder einer ihrer Rechtsnachfolgerinnen 
also vorweg nur noch die Hälfte davon zu. 

Der Berufungsbeklagte verweist weiter auf den Vertrag der H.________ mit dem 
Ehepaar R.________ vom 12. Oktober 2007, wonach die erstere den letzteren 
ihre Ansprüche gegen die GVG abtraten (act. A.2 S. 32 Rz. 150; RG act. III/2 Zif-
fer IV/5). Die Grundbuch-Anmeldung erfolgte zunächst nicht, und das Eigentum 
am Grundstück blieb daher bei der Verkäuferin. Eine Abtretung ist Verpflichtung 
und Verfügung in Einem und kann als obligatorischer Bestandteil eines Grunds-
tückkauf-Vertrages auch selbständig bestehen, wenn der Vollzug der Eigentums-
übertragung einstweilen nicht erfolgt – darauf beruft sich der Berufungsbeklagte. 
Unter der Überschrift "5. Versicherungsentschädigung" heisst es in dem Vertrag 
(vgl. RG act. 3/2):

Auf die allfällig von der Gebäudeversicherung Graubünden, P.________, 
ausbezahlten Beträge bei Wiederaufbau eines Hotelbetriebes hat die Ver-
käuferschaft nach dem grundbuchlichen Vollzug dieses Kaufvertrages kei-
nen Anspruch mehr. Diese gehen zu:

- 50% an den L.________, Q.________ (gemäss Vertrag vom 19. April 
2006),

- 50% an die Käuferschaft.

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So weit die Ansprüche auf eine Entschädigung der Gebäudeversicherung 
Graubünden der Verkäuferschaft zustehen, werden diese an die Käufer-
schaft zediert.

Die Parteien gingen also davon aus, nach Vollzug des Kaufvertrages habe die 
Verkäuferin keinen Anspruch mehr gegen die GVG, und unter den gesetzlichen 
Voraussetzungen (Ersatzneubau) wäre die Käuferin anspruchsberechtigt. Für die-
sen Fall gab es demnach nichts zu zedieren. Trotzdem erfolgte eine Zession – 
und sinnvollerweise muss sich diese also auf die Zeit vor dem grundbuchlichen 
Vollzug des Kaufvertrages beziehen. Die Käufer verpflichteten sich, eine offenbar 
nötige Umzonung unverzüglich in Angriff zu nehmen und den Ersatzneubau 
(gemäss Vertrag sollten eine nicht näher definierte "Überbauung" und ein Hotel 
gebaut werden) so rasch als möglich zu erstellen; für Verzögerungen waren Kon-
ventionalstrafen vereinbart (Ziffer 13 und 15 des Vertrages). Obgleich der Vollzug 
des Kaufvertrages durch die Baubewilligung "für die von der Käuferschaft beab-
sichtigte Überbauung" bedingt war (Ziffern 14 und 25), war also die Zession allfäl-
liger Ansprüche nicht von vornherein sinnlos. Insbesondere waren auch andere 
Klauseln (etwa die, dass sich die Käufer unverzüglich um die Umzonung zu 
bemühen hatten) von der Sache her gerade nicht von der aufgeschobenen Eigen-
tumsübertragung abhängig. Der Vertrag wurde öffentlich beurkundet, und dabei 
hatte der Notar die Aufgabe, die Parteien auf die Bedeutung und Tragweite ihrer 
Abmachungen hinzuweisen. Dass er das versäumt hätte, macht keine Seite gel-
tend. Damit muss nach Treu und Glauben angenommen werden, der Vertrag be-
stimme, was der Wortlaut ausdrückt: dass die Abtretung tatsächlich erfolgen solle. 
Dafür spricht auch, dass später im Aufhebungsvertrag die betroffenen Forderun-
gen/Anwartschaften ausdrücklich zurück abgetreten wurden.

Die Parteien hoben den soeben diskutierte Vertrag Ende 2009 einvernehmlich auf, 
und die Käufer zedierten der Verkäuferin dabei "namentlich […] Beiträge der Ge-
bäudeversicherung. Sollten solche Beträge an die Eheleute R.________ ausbe-
zahlt werden oder ausbezahlt worden sein, sind diese der H.________ weiterzulei-
ten" (vgl. RG act. III/4, Ziff. II/8). Der Berufungsbeklagte macht nun geltend, im 
Zeitpunkt, als bei der GVG eine allfällige Fristerstreckung hätte verlangt werden 
können (im April 2008), habe der Vertrag vom Oktober 2007 noch in Kraft gestan-
den, die Verkäuferin habe keine Ansprüche aus der Versicherung gehabt, und sei 
nicht (nicht mehr oder noch nicht) legitimiert gewesen, gegenüber der GVG Er-
klärungen abzugeben, insbesondere eine Erstreckung zu verlangen. Die Beru-
fungsklägerin kommentiert in der Berufung auch das nicht. In der Tat datiert der 
Aufhebungsvertrag erst vom 16. Dezember 2009 (RG act. III/4, S. 5). Als der Ver-
trag mit den Eheleuten R.________ aufgehoben und die Forderun-

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gen/Anwartschaften gegen die GVG zurück zediert wurden, war die Frist für das 
Erstellen des Ersatzneubaus also abgelaufen. Und als die Erstreckung hätte ver-
langt werden müssen, standen allfällige Ansprüche (genauer 50% davon) aus der 
Versicherung noch den Eheleuten R.________ zu. Diese liessen die Ansprüche 
durch den Verzicht auf eine weitere Fristerstreckung untergehen (Art. 33 Abs. 1 G-
GVG/1970), und der Berufungsbeklagte hatte weder die Möglichkeit noch Veran-
lassung, sich um ein rechtzeitiges Gesuch zu sorgen. Als die Ansprüche zurück 
zediert wurden, bestanden sie bereits nicht mehr.

2.5. Resultat

Im Ergebnis ist der angefochtene Entscheid mit Abweisung der Klage zu bestäti-
gen, wenn auch mit einer anderen Begründung: nach dem Brand des Hotels 
D.________ hatte die Gebäudeversicherung neben dem Zeitwert eine zusätzliche 
Entschädigung in der Höhe der Differenz zum Neuwert zu leisten, wenn das Bran-
dobjekt innert einer bestimmten Frist mindestens gleich wieder erstellt wurde. Die-
se Frist konnte erstreckt werden. Die Auslegung der massgeblichen Bestimmung 
des Gesetzes ergibt, dass der Anspruch auf diese zusätzliche Entschädigung bei 
Handänderungen auf den jeweiligen Erwerber überging, und zwar auch mehr als 
einmal. Der Berufungsbeklagte als Geschäftsführer und Organ der Berufungsklä-
gerin hatte die Pflicht, solche Ansprüche zu wahren, insbesondere durch rechtzei-
tige Erstreckung der Frist. Die Ansprüche können allerdings abgetreten werden – 
so hat sich die Berufungsklägerin selbst von der ihr nachfolgenden Eigentümerin 
deren allfälligen Ansprüche gegen die GVG zedieren lassen. Eine solche Abtre-
tung erfolgte bereits bei der ersten Handänderung, als die später mit der Beru-
fungsklägerin fusionierte H.________ von der ursprünglich durch den Brand Ge-
schädigten das Grundstück erwarb, und zwar zu 50%. Der Vorgang wiederholte 
sich im Vertrag vom April 2007 mit den zwei Bau-Interessenten R.________. Die-
se Abtretung war bis zur Rück-Zession im Aufhebungsvertrag vom Dezember 
2009 gültig. Als die erstmals erstreckte Frist zum Wiederaufbau des abgebrannten 
Gebäudes ablief, und als eine weitere Erstreckung hätte verlangt werden sollen, 
standen allfällige Ansprüche der Klägerin nicht zu. Die Unterlassung des Beru-
fungsbeklagten konnte die Berufungsklägerin daher gar nicht schädigen.

3. Kostenfolgen

Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt die Berufungsklägerin die Kosten (Art. 
106 ZPO). Die Entscheidgebühr ist entsprechend der sich stellenden Tat- und 
Rechtsfragen sowie angesichts des Streitwerts von rund CHF 1,16 Mio. auf CHF 

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12'000.00 festzusetzen (Art. 8 VGZ [BR 320.210]). Sie ist aus dem von der Beru-
fungsklägerin geleisteten Vorschuss von CHF 15'000 zu beziehen.

Der Berufungsbeklagte hat keine Honorarvereinbarung und keine Honorarnote 
eingereicht. Die Parteientschädigung ist ermessensweise auf CHF 6'000.00 (inkl. 
Spesen und MWSt.) festzusetzen.

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Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung wird abgewiesen, und das angefochtene Urteil wird bestätigt.

2. Die Kosten für das Berufungsverfahren in Höhe von CHF 12'000.00 gehen 
zu Lasten der A._____ AG und werden aus dem von dieser geleisteten 
Vorschuss in Höhe von CHF 15'000.00 bezogen. Der Rest des Vorschus-
ses in Höhe von CHF 3'000.00 wird der A._____ AG zurückerstattet.

3. Die A._____ AG wird verpflichtet, B.________ für das Berufungsverfahren 
eine Parteientschädigung von CHF 6'000.00 (inkl. Spesen und MWSt.) zu 
bezahlen.

4. Gegen diese, einen Streitwert von mindestens CHF 30'000.00 betreffende 
Entscheidung kann gemäss Art. 72, Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG Beschwerde in 
Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, ge-
führt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 
ff. BGG.

5. Mitteilung an: