# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1647a57a-148c-5dca-b2ef-2bd459ac41fd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.09.2020 E-3257/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3257-2020_2020-09-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3257/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter David R. Wenger;   

Gerichtsschreiberin Nina Klaus. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 25. Mai 2020 / N (…). 

 

 

 

E-3257/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die damals minderjährige Beschwerdeführerin, eine afghanische 

Staatsangehörige hazarischer Ethnie gelangte am 2. Juli 2017 zusammen 

mit ihren Eltern und ihren minderjährigen Geschwistern (vgl. Beschwerde-

verfahren E-3253/2020) in die Schweiz und suchte hier am selben Tag um 

Asyl nach. Die Befragung zur Person fand am 12. Juli 2017 statt (BzP; Pro-

tokoll in den SEM-Akten A19/12) und am 23. Oktober 2018 wurde sie ein-

lässlich zu ihren Asylgründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-

Akten A31/13). 

A.b Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei in B._______ geboren 

und habe dort bis zur Ausreise mit ihren Eltern und Geschwistern illegal 

gelebt. Sie habe neun Jahre lang die afghanische Schule sowie einen Wei-

terbildungskurs für (…) besucht.  

Ihre Eltern seien bereits vor ihrer Geburt aus Afghanistan in den Iran ge-

flüchtet, weil ihre Grosseltern mütterlicherseits eine Heirat zwischen ihrer 

Mutter und ihrem Vater nicht erlaubt hätten. Ihre Mutter hätte gegen ihren 

Willen mit ihrem Cousin väterlicherseits verheiratet werden sollen. Weil ihre 

Eltern nie geheiratet hätten, würde man die gesamte Familie, würden sie 

in den Heimatstaat Afghanistan zurückkehren, steinigen, da eine Bezie-

hung wie jene ihrer Eltern gemäss Scharia ein Verbrechen sei.  

Im Iran hätten sie mehrmals umziehen müssen, weil die feindlich gesinnte 

Familie aus Afghanistan die Eltern gesucht habe. Eines nachts seien zwei 

vermummte Männer in ihr Haus eingebrochen und hätten ihre Eltern mit 

Holzstöcken geschlagen. Die Männer hätten beabsichtigt, ihre Mutter um-

zubringen. Wegen des Aufruhrs seien die Nachbarn gekommen und die 

Männer seien geflüchtet. Die Nachbarn hätten die Polizei rufen wollen. Da 

aber ihre Familie im Iran über keine Aufenthaltsbewilligung verfügt habe, 

habe ihr Vater dies aus Angst vor einer Ausschaffung nach Afghanistan ab-

gelehnt. Nachdem sie den Arbeitgeber des Vaters angerufen hätten, habe 

dieser den Vater in ein Spital gebracht. Sie, ihre Mutter und ihre Geschwis-

ter hätten sich während dieser Zeit beim Arbeitgeber ihres Vaters aufgehal-

ten. Nach zehn Tagen sei ihr Vater aus dem Spital entlassen worden. Kurz 

später seien sie zusammen aus dem Iran ausgereist. An der iranisch-türki-

schen Grenze seien sie, ihre Mutter und ihrer Schwester nach C._______ 

ausgeschafft worden und nach der Rückkehr in den Iran hätten sie ihre 

Reise in die Schweiz angetreten. 

E-3257/2020 

Seite 3 

A.c Mit Verfügung vom 25. Mai 2020, eröffnet am 27. Mai 2020, verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr 

Asylgesuch vom 2. Juli 2017 ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete zufolge der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs die vorläufige Aufnahme an. 

Mit separater Verfügung vom 25. Mai 2020 lehnte die Vorinstanz auch die 

Asylgesuche der Eltern und der minderjährigen Geschwister der Be-

schwerdeführerin ab, verfügte die Wegweisung und ordnete zufolge der 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ebenfalls die vorläufige Auf-

nahme an. 

B.  

B.a Die Beschwerdeführerin gelangte mit Beschwerde vom 24. Juni 2020 

an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, die Verfügung des SEM 

vom 25. Mai 2020 sei aufzuheben, sie sei als Flüchtling anzuerkennen und 

es sei ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen.  

In prozessualer Hinsicht ersucht sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses, und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung ihrer 

Wahl.  

Als Beilage reichte die Beschwerdeführerin unter anderem eine Bestäti-

gung der Fachstelle für (…) des Kantons D._______ vom 11. Juni 2020 

ein. Darin führt eine (…) im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin sei 

vom 21. Dezember 2017 bis am 22. März 2018 an mehreren Beratungsge-

sprächen gewesen. Es sei einerseits um Zukunftsperspektiven gegangen, 

andererseits aber auch um die Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse 

im Heimatland und auf der Flucht. Es bestehe ihrer Einschätzung nach 

klarerweise eine Traumafolgeproblematik, die längerfristig werde behan-

delt werden müssen, sobald die Beschwerdeführerin dazu bereit sei. 

B.b Ebenfalls mit Beschwerde vom 24. Juni 2020 gelangten auch die El-

tern der Beschwerdeführerin an das Bundesverwaltungsgericht und foch-

ten die sie betreffende Verfügung des SEM vom 25. Mai 2020 an (vgl. Be-

schwerdeverfahren E-3253/2020).  

E-3257/2020 

Seite 4 

C.  

Am 30. Juni 2020 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin den Ein-

gang der Beschwerde und stellte das einstweilige Anwesenheitsrecht der 

Beschwerdeführerin in der Schweiz fest. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2020 forderte die Instruktionsrichterin 

die Beschwerdeführerin auf, innert Frist eine Beschwerdeverbesserung 

nachzureichen. 

E.  

Mit Schreiben vom 7. Juli 2020 bestätigte das zuständige kantonale Amt 

die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführerin. 

F.  

Mit Eingabe vom 9. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin fristgerecht 

eine Beschwerdeverbesserung ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

E-3257/2020 

Seite 5 

1.4 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht worden. Mit der Nachrei-

chung der Originalunterschrift der Beschwerdeführerin im Rahmen der Be-

schwerdeverbesserung erfüllt die Beschwerdeschrift auch die Formerfor-

dernisse. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil-

genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht können gemäss dieser Bestimmung die 

Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschrei-

tung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. 

3.  

Die Behandlung der vorliegenden Beschwerde wird aufgrund der sachli-

chen und persönlichen Nähe insofern mit derjenigen der Eltern der Be-

schwerdeführerin koordiniert, als darüber im selben Spruchkörper ent-

schieden wird und das Urteil mit gleichem Datum ergeht.  

4.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

Streitig und zu prüfen ist die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe-

rin und gegebenenfalls die Asylgewährung. Falls kein Asyl zu gewähren ist, 

ist im Weiteren gegebenenfalls die Wegweisung zu prüfen.   

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

E-3257/2020 

Seite 6 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-

satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der Be-

schwerdeführerin. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus, 

wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der 

gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die 

vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

7.  

7.1 Zur Begründung der fehlenden Flüchtlingseigenschaft und der Ableh-

nung des Asylgesuches führt die Vorinstanz zunächst im Wesentlichen 

aus, das Asylgesuch der Eltern der Beschwerdeführerin sei mit Verfügung 

des SEM vom 25. Mai 2020 abgelehnt und eine vorläufige Aufnahme an-

geordnet worden. Da die Vorbringen ihrer Eltern als unglaubhaft qualifiziert 

worden seien, bestehe in Ermangelung der Verfolgungssituation ihrer El-

tern kein Anlass zur Annahme, dass sie bei einer Rückkehr nach Afghanis-

tan einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. 

Abgesehen davon wiesen die Vorbringen der Beschwerdeführerin eben-

falls Unglaubhaftigkeitselemente auf. So seien ihre Aussagen bezüglich 

des Überfalls im Iran zum einen widersprüchlich ausgefallen. Denn bei der 

BzP habe sie angegeben, als die zwei Männer ins Haus eingedrungen 

seien, sei ihre Familie noch nicht am Schlafen gewesen; sie selbst sei im 

Wohnzimmer am Lernen gewesen. Im Gegensatz dazu habe sie bei der 

Anhörung dargelegt, sie habe geschlafen, als die zwei Männer ins Haus 

gekommen seien. Weiter habe sie bei der BzP geltend gemacht, ihr Vater 

habe, nachdem die Nachbarn erschienen und die Männer geflüchtet seien, 

E-3257/2020 

Seite 7 

seinen Arbeitgeber angerufen. Bei der Anhörung habe sie hingegen ge-

sagt, sie selber habe den Arbeitgeber ihres Vaters angerufen. Zum anderen 

habe sie den Überfall im Iran oberflächlich und undifferenziert sowie ohne 

jegliche Details oder inhaltliche Besonderheiten geschildert. Auch auf 

Nachfrage hin, habe sie auf stereotype Art und Weise das Gesagte ohne 

eine weiterführende Szene oder eine gefühlsbetone Aussage wiederholt. 

Es fehlten beispielsweise individualisierte Aussagen, welche ihre persönli-

che Betroffenheit oder ein persönlich gefärbtes Reaktionsmuster zum Aus-

druck brächten. Auch als sie konkret nach ihren Empfindungen in diesem 

Moment gefragt worden sei, habe sie lediglich gesagt, sie habe gedacht, 

dass es sich bei den Männern um Diebe gehandelt habe.   

Aufgrund der unsubstantiierten und widersprüchlichen Vorbringen könne 

ihr nicht geglaubt werden, dass sie und ihre Familie seitens der angebli-

chen Feinde ihrer Eltern im Iran Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge-

wesen seien oder aus diesen Gründen in Afghanistan eine Verfolgung zu 

befürchten hätten. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen sei auch 

nicht davon auszugehen, dass sie in Afghanistan befürchten müsse, ge-

steinigt zu werden.  

Ihre Vorbringen hielten demnach den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft 

werden müsse. 

7.2 In ihrer Beschwerdeschrift weist die Beschwerdeführerin unter dem 

Sachverhalt zunächst ergänzend darauf hin, dass sie sich aufgrund der 

traumatischen Erlebnisse im Iran und auf der Flucht zwischen Dezem-

ber 2017 und März 2018 von der kantonalen Fachstelle für (…) habe bera-

ten lassen. In materieller Hinsicht hält sie an der Glaubhaftigkeit ihrer Vor-

bringen fest und verweist ergänzend auf die Beschwerde ihrer Eltern. Auf 

einzelne Einwände, wird in den folgenden Erwägungen eingegangen.  

8.  

Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend macht, das SEM habe 

formelles Recht verletzt, indem es ihre «Belastungsstörung» nicht berück-

sichtigt habe, ist zunächst festzuhalten, dass sich aus den massgeblichen 

Protokollen keine Hinweise auf eine erhebliche psychische Beeinträchti-

gung der Beschwerdeführerin ergeben (vgl. A19 Ziff. 8.02, A21 F4), auch 

wenn sie an einer Stelle der Schilderungen offenbar geweint habe (vgl. A21 

F13). Auch ist nicht ersichtlich, dass die befragenden Personen dem ju-

gendlichen Alter der Beschwerdeführerin nicht Rechnung getragen hätten, 

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Seite 8 

vielmehr geht aus den Protokollen eine sorgfältige und korrekte Befra-

gungsweise der damals (…)- (BzP) respektive (…)jährigen Beschwerde-

führerin (Anhörung) hervor. Bezeichnenderweise war sie sehr gut in der 

Lage, umfassende Sachschilderungen zu machen (vgl. u.a. A21 F13). Vor 

diesem Hintergrund überzeugt auch ihr Einwand nicht, sie habe am 

Schluss der Anhörung, die ihr vom SEM angebotene Möglichkeit, noch wei-

tere Sachen zu erzählen, abgelehnt, da die Erinnerung an den Überfall 

sehr belastend sei für sie, umso weniger als sie gleich zweimal klar zu Pro-

tokoll gab, sie habe alles sagen können (vgl. ebd. F73 und F75). Zwar muss 

nicht bezweifelt werden, dass die Beschwerdeführerin in jungen Jahren 

möglicherweise bereits schwierige Situationen erlebt hat, nicht zuletzt auch 

auf der Flucht als die Familie getrennt und sie mit ihrer Mutter und ihrer 

Schwester nach Afghanistan ausgeschafft worden sei. Dass die angefoch-

tene Verfügung deswegen auf einem unvollständigen Sachverhalt basieren 

würde, ist aber nicht ersichtlich. Daran vermag auch das auf Beschwerde-

stufe eingereichte Schreiben der kantonalen Fachstelle für (…) vom 

11. Juni 2020 nichts zu ändern.  

Es sind zusammenfassend keine Gründe ersichtlich, die eine Rückweisung 

der Angelegenheit an die Vorinstanz rechtfertigen würden. Der diesbezüg-

liche Antrag ist abzuweisen. 

9.  

9.1 In materieller Hinsicht hat das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft der 

Beschwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.  

Zu Recht ist das SEM insbesondere zum Schluss gelangt, nachdem die 

geltend gemachte Verfolgung ihrer Eltern in Afghanistan und basierend 

darauf im Iran nicht glaubhaft sei, bestehe auch kein Anlass zur Annahme, 

die Beschwerdeführerin sei bei einer Rückkehr nach Afghanistan 

asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt. Die Einschätzung der Vorinstanz im 

Beschwerdeverfahren ihrer Eltern und Geschwister wird mit Urteil des 

BVGer von heute 18. September 2020 im Verfahren E-3253/2020 bestätigt; 

auf die dortige Erwägung 8.1 kann verwiesen werden.  

Ergänzend kann festgehalten werden, dass das SEM zu Recht auch in den 

Aussagen der Beschwerdeführerin Widersprüche zum Überfall durch 

Familienmitglieder der Mutter erkannt hat. Auf die entsprechenden 

Erwägungen in der angefochtenen Verfügung kann verwiesen werden (vgl. 

oben E. 7.1 zweiter Abschnitt). Mit dem Einwand, sie habe sich im 

Zeitpunkt der BzP erst seit kurzem in der Schweiz aufgehalten, sei damals 

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Seite 9 

noch jung gewesen und psychisch belastet, vermag die Beschwer-

deführerin diese sich stark widersprechenden Angaben nicht zu erklären. 

Auch der Hinweis, sie habe durchaus Emotionen gezeigt, was als 

Realkennzeichen zu werten sei, vermag nichts zu bewirken. Wie bei der 

Beurteilung der Beschwerde ihrer Eltern bereits ausgeführt, ist im Übrigen 

nicht gänzlich auszuschliessen, dass ein gewaltsamer Übergriff auf die 

Eltern der Beschwerdeführerin einmal stattgefunden hat, nicht glaubhaft ist 

aber der geltend gemachte Kontext.  

9.2 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht festgestellt, die Beschwer-

deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht 

und es hat deswegen auch zu Recht ihr Asylgesuch abgelehnt.  

10.  

10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

10.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihre 

Rechtsbegehren jedoch nicht von vornherein als aussichtslos betrachtet 

werden können und ihre Bedürftigkeit ausgewiesen ist, ist das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben. 

E-3257/2020 

Seite 10 

12.2 Die Beschwerdeführerin hat die mit nachgereichter Beschwerdever-

besserung in Form ihrer Originalunterschrift rechtsgenügliche Beschwer-

deschrift offenbar selbst verfasst, wobei ersichtlich ist, dass sie vermu-

tungsweise über einen juristischen Beistand verfügt hat. Abgesehen von 

der von Amtes wegen eingeholten Beschwerdeverbesserung drängten sich 

weitere Instruktionsmassnahmen nicht auf. Die Beiordnung einer amtlichen 

Rechtsvertretung (aArt. 110a Abs. 1 AsylG), auf welche die Beschwerde-

führerin grundsätzlich Anspruch hätte, würde folglich einen prozessualen 

Leerlauf bedeuten. Der diesbezügliche Antrag ist daher abzuweisen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3257/2020 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 

3.  

Das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung wird abge-

wiesen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Nina Klaus 

 

 

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