# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d3337d88-4d70-501c-b9ed-92482f990a4a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-03-31
**Language:** de
**Title:** Rückweisung zur medizinischen Abklärung
**Docket/Reference:** IV.2016.00877
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00877.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00877
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
31. März 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG
Rechtsdienst,
Dr.
iur
.
O.___
Affolternstrasse
42, Postfach 6944, 8050 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die
1962 geborene
X.___
, Mutter dreier 1983, 1986 und 1989 geborener Kinde
r, ausgebildete Krankenpflegerin
mit Weiterbildungen im Wirtschaftsbereich (Handelsdiplom, höheres Wirtschaftsdiplom, div. Kader
ausbildungen
)
, war zuletzt als Leiterin des Innendienstes bei de
r
Y.___
AG
tätig
(
Urk.
6/16). Mit Datum vom 13.
September 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression (Burn-out) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/7)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
tätigte medizinische und berufliche Abklärungen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
6/11/1-33) bei. Am 1
5.
November 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, zurzeit seien keine beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen notwendig (
Urk.
6/17).
Nachdem die
Versicherte
die Kündigung ihrer Arbeitsstelle per Ende April 2013 erhalten hatte
(vgl.
Urk.
6/21
,
Urk.
6/71/2
), erteilte ihr die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Potentialabklärung in der
Z.___
(vgl.
Mitteilung vom 1
3.
Mai 2013,
Urk.
6/27)
,
ein Aufbautraining in der Stiftung Enzian, einschliesslich eines Taggeldes (vgl. Mitteilungen vom 2
3.
Juli 2013,
Urk.
6/37 f.
) sowie
ein
Arbeitsversuch im
A.___
AG, einschliesslich eines Taggeldes (vgl. Mitteilung
en vom 2
0.
Februar 2014, Urk.
6/50 f., Verfügung vom 2
5.
Februar 2014,
Urk.
6/54). Mit Mitteilung vom 2.
September 2014 schloss die IV-Stelle ihre Bemühungen in Sachen
Arbeitsvermittlung
ab (
Urk.
6/59).
Nach
dem
die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
4.
Februar 2015 die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht gestellt hatte (
Urk.
6/72), veranlasste sie
auf entsprechenden
Einwand der Versicherten am
9.
März 2015 (
Urk.
6/73, mit ergänzender
Ein
wandbegründung
vom 3
0.
April 2015,
Urk.
6/76) das psychiatrische Gutach
ten von
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 2
3.
Dezember 2015 (
Urk.
6/92/1-10).
Mit Verfügung vom 2
7.
Juni 2016 hielt die IV-Stelle an ihrem Standpunkt fest und wies das Rentenbegehren der Versicherten
wie vorbeschieden
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 1
9.
August 2016 Beschwerde und beantragte, es sei ihr gestützt auf das Gutachten vom 2
3.
Dezember 2015 eine Rente zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am 2
2.
September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien
sowie
die eingere
ichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
(Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG])
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr
nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG
).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin
zusammenge
fasst
,
es bestehe kein IV-relevanter psychischer Gesundheits
schaden. Vielmehr sei die Beschwerdeführer
in
bei einer Gesamtwürdigung aller Einschränkungen und Ressourcen ungeachtet ihrer Beschwerden in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
(
Urk.
2 S. 3).
2.2
Die Beschwerdegegnerin wandte dagegen
im Wesentlichen
ein, es sei gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B.___
von einer relevanten, invalidisierenden
psychischen Erkrankung auszugehen, welche ihre Arbeit
s
fähigkeit bis heute einschränke. Seit März 2012 sei sie in ihrer ursprünglichen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Frühestens seit Dezember 2014 bestehe in einer ange
passten Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
. Sodann
erhob die Beschwerdeführerin verschiedentlich Einwände im Zusammenhang mit der „Ressourcenprüfung“ der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
1 S. 4
f.)
.
Die
vorliegen
den Akten
würden
u
nisono und eindeutig zeigen, dass
sie (die Beschwerde
führerin) ihre mittlerweile
chronifizierte
gesundheitliche Einschränkung mit ihren wenigen noch vorhandenen Ressourcen und trotz genügender Compli
ance eben gerade nicht habe überwinden können (
Urk.
1 S. 6).
3
.
3.1
Die medizinische Aktenlage stellt sich im Wesentlichen wie folgt dar:
3.2
Im Bericht zuhanden der Krankentaggeldversicherung vom 2
6.
April 2012 diagnostizierte der seit anfangs April 2012 behandelnde
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eine mittel- bis
schwergradige
depressive Störung (ICD-10: F32.11/32.2,
Urk.
6/11/26).
Es bestünden eine depressi
ve Antrieb
shemmung, psychische, physische und
geistige
Erschöpfung, innere Unruhe, Schlaf-
,
Konzentrations- und Gedä
cht
nisstörungen, gedankliche Bl
ockierungen, vegetative und emotionale Labili
tä
t,
völlige Verunsicherung sowie
sozialphobische
Ängste mit sozialem Rück
zug (
Urk.
6/11/25). Die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
6.
März 2012 bis mindestens Ende Juni 2012 arbeitsunfähig. Zurzeit sei keine adaptierte Tätigkeit ersichtlich, da die psychischen Beschwerden alle Arten von Tätig
keiten tangieren würden (
Urk.
6/11/26).
3.
3
Im Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom
4.
Februar 2013
diagnosti
zierte der seit September 2012 behandelnde
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, (1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) bei Konflikten und Überforderung sowie (
2
) ein Burnout-Syndrom (ICD-10: Z56.6,
Urk.
6/22/1).
Die Beschwerdeführerin leide an
Gedankenkreisen, Reizüber
flutung und Einschlafstörungen,
impulsiven Ausbrüchen
und sozialem Rückzug. Subjektiv
klage
sie
über
grosse Müdig
keit. Si
e brauche täglich mindestens 9 Stunden
Schlaf
,
um sich erholt zu fühlen. Zudem fühle sie sich überhaupt nicht stressresistent. Wenn z
u viele Dinge nebeneinander
liefen
, viele Leute in einem
Raum seien und der Geräuschpegel
hoch sei, käme es zu Störungen des Denkflusses oder zu
"innerem und äusserem" Zittern (
Urk.
6/22/2).
Nach ca. 3 Stunden Arbeit komme
es zu Einschränkungen
der geistigen Auffassungsgabe, der motori
schen Agilität und
Konzentrationsfähigkeit
sowie zu ein
er tendenziellen
Reizüberflutung mit hohem Erschöpfungsgrad und Wortfindungsstörungen.
Die bisherige
Tätigkeit
sei der Beschwerdeführerin noch zu 12 Stunden pro Woche zuzumuten. Ab 2013 sei sie im Umfang von
40
%
arbeitsfähig (
Urk.
6/22/2 f.).
3.
4
Im Entlassungsbericht vom 1
7.
August 2012
betreffend
die
stationäre psycho
therapeutisch-psychosomatische Behandlung vom 1
1.
Juni 2012 bis 1
7.
August 2012
stellte die beurteilende Chefärztin der
E.___
dieselben
Diagnosen (
Urk.
6/22/5).
Die Beschwerdeführerin sei
deut
lich depressiv in der Grundstimmung, zeitweise innerlich unruhig und hoff
nungslos. Sie
habe
Insuffizienzgefühle, diffuse Ängste und phobisch
e
Reakti
onen beim Auto- und
Z
ugfahren, Störungen der Vitalgefühle, eine ausge
prägte Schw
ä
che und zahlreic
he körperliche Beschwerden geäussert, vor allem
Schmerzen, muskuläre V
erspannungen, Herzrhythmusstö
rungen
sowie
Störungen des Verdauungssystems.
Ausserdem habe die Beschwerdeführerin s
eit einigen Monaten ein Ohrengeräusch rechts und links bemerkt,
welches
bei Stress deutlich stärker werde. Ein affektiver Rapport
sei herstellbar. Die Beschwerdeführerin sei
jedoch affektiv
eingeschränkt schwingungsfähig.
Sodann
bestünden
morgendliche Antriebs- sowie
Ein- und Durchschlafstö
rungen
(
Urk.
6/22/6)
.
Im Rahmen des
multimodulen
Therapieprogramms sei es
indes
zu einer deutlichen körperlichen Erholung und Besserung der depressiven Symptomatik sowie körperlichen Beschwerden gekommen
.
Bei
Austritt
habe sich die Beschwerdeführerin
seelisch und körperlich gekräftigt
gefühlt. Sie habe
an Lebensfreude gewonnen und auch
die
Schlafstörungen
hätten sich
gebessert
(
Urk.
6/22/7, vgl. auch
Urk.
6/11/32)
.
3.
5
Im Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom
3.
Dezember 2014 stellte
Dr.
D.___
keine neuen Diagnosen (
Urk.
6/69/1). Die Beschwerdeführerin leide an chronischer Müdigkeit, Energielosigkeit,
Niedergeschlagenheit, star
ken Stimmungsschwankungen, innerer Anspannung und Nervosität, Ängst
lichkeit, Freudlosigkeit, Konzentrationsstörungen,
Libidoverlust
, Schlafstö
rungen. Nach ca. 4 Stunden Arbeit
komme
es zu den
bereits
im Bericht vom
4.
Februar 2013
genannten Einschränkungen (vgl. E. 3.2,
Urk.
7/22/2 f.).
In ihrer bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfä
hig. In einer angepassten Tätigkeit sei sie zu maximal 60
%
arbeitsfähig (
Urk.
6/69/2, vgl. auch
Urk.
6/70/20 f.).
3.
6
I
m psychiatrischen Gutachten vom 2
3.
Dezember 2015
diagnostizierte
Dr.
B.___
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom ICD-10 F32.11 (
Urk.
6/92/8).
D
ie Beschwerdeführer
in
befinde sich
in
einem gutem Allgemein-
und Ernäh
rungszustand. Sie wirke
leicht unter Druck, angespannt und
erschöpft. Im psychopathologischen Befund
sei sie bewusstseinsklar und
alls
eits orientiert. Ihr Bericht sei
nachvollziehbar, detailliert und sachlich d
argestellt. Die Kon
zentration lasse
im Verlauf der Un
tersuchung nach und die Beschwerdefüh
rerin müs
s
e
länger ü
berlegen. Das formale Denken sei
kohärent, von norma
lem Tempo,
allerdings
leicht eingeengt auf ihre Einschränkungen. Inhaltlich
bestehe
kein Anhalt für Zwänge, Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen, auch anamnes
tisch nicht. Im Affekt wirke die Beschwer
deführerin verarmt. Ausserdem seien ihre
Gefü
hle vermindert schwingungs
fähig;
es besteh
e
eine deutliche S
törung der Vitalität. Sie hadere
nach wie vor in Bezug auf ihre frühere Leistungsfähigkeit und d
en jetzigen Einschrän
kungen. So habe die Beschwerdeführerin
immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass sie nach
wie vor schnell überfordert sei
und sich dies dann üb
er mehrere Tage negativ auswirke. Ihr Antrieb sei vermindert. Nach wie vor würde die Beschwerdeführerin ihre
bisherige
n Interessen vernachläs
sigen und es bestehe ein sozialer Rückzug
sowie ein
erhöhtes Schlaf- und
Ruhebedürfnis (
Urk.
6/92/7).
Die
Beschwerdeführerin habe
ursprünglich eine Ausbildung in der Pflege
gemacht,
jedoch in den verschiedensten beruflichen Bereichen gearbeitet. Se
it der Geburt i
hrer drei Töchter
in den Jahren 1983, 1986 und 1989 habe sie diese mehr oder weniger all
eine aufgezogen und daneben noch ber
uflich gearbeitet. Ihr Leben sei
immer durch Mehrfachbelastungen geprägt
gewesen
. Zum
gesundheitlichen Einbruch sei es
jedoch erst ca. 2012
gekommen. Zu dieser Zeit habe die Beschwerdeführerin
in einer sehr anspruchsvollen
,
aber auch erfüllenden Tätigkeit als Leiterin
im Innendi
enst einer Versicherungs
gesellschaft
gearbeitet. Die gesundheitliche Problematik habe
sich schlei
chend mit Müdigkeit, Ermüdbarkeit, Schlaf
- und Konzentrationsstörungen, zunehmendem Rückzug sowie
Interesseverlust
entwickelt
. Bis zum Zusam
menbruch und der krankheitsbeding
ten Arbeitsunfähigkeit seien
einige Monate
vergangen.
Es
sei bei der Beschwerdeführerin
eine typische Burnout-Dynamik zu beobachten, bei der die Betroffenen anfänglich ihren Leistungs
abbau mit noch mehr Anstrengung zu kompensieren versuch
ten und
so in einen Kreis von zunehmender Belastung und Überforderung geraten
würden, bis zur Dekompensation und
b
ehandlungsbedürftigen
depre
ssiven Störung. Seit 2012 fände
eine konsequente und umfassende Behandlung mit sozialer und beruflicher Rehabilitation statt, die auch langsa
m zu einer Besserung geführt habe
. Die
Beschwerdeführerin sei
inzwischen wiede
r im Stande
,
ein Teilzeitpensum a
n einem angepassten Arbeitsplatz z
u leisten. Die Arbeits
stelle
sei
in gewisser Hinsicht
jedoch ein Ni
schenplatz
und die Beschwerde
führerin müsse
auch viele Einschränkungen und Kompromisse eingehen, um ihre Leistu
ngsfähigkeit zu erhalten. Auch im privaten Bereich sei
sie noch längst nicht auf
dem Niveau, welches
sie vor ihrer Er
krankung gehabt habe. Vielmehr mü
ss
e die Beschwerdeführerin
auch hier viele
Einschränkungen in Kauf nehmen (
Urk.
6/92/8).
Es
seien
psychosoziale
Belastungsfaktoren für die psychische Erkrankung mitverantwortlich gewesen. Die Beschwerdeführerin sei
jahrelang mehrfach belastet
gewesen, habe
diesen Belastung
en jedoch jahrelang stand
gehalten und ihre Aufgaben erfolgreich bewältigt. Bei der Entstehung einer psychi
schen Erkrankung spiel
t
en meistens die Veranlagung (Vulnerabilität) des Betroffenen eine Rolle ebenso wie zusätzliche Belastungsfaktoren. Nachdem die Folgen der Belastung jedoch ein derartiges
Ausmass angenommen hätten
, dass von einer relevanten Erkrankung die
Rede sei
, spiel
t
en die sogenannten psychosozialen Belastungsfaktoren keine Rolle mehr im
Krankheitsgeschehen und
müss
t
en höchstens bei der Prävention eines Rückfalls
berücksichtigt werden. Dies werde bei der Beschwerdeführerin
besonders dadurch deutlich, dass ihre Stö
rung
trotz langjähriger Behandlung und Wegfall der verschiede
nen
Bel
astungsfaktoren lange keine wesentliche Besserung gezeigt habe
und auch aktuell noch keine vollst
ändige Erholung erreicht worden sei
.
Derzei
t würden
keine erkennbaren psychosozialen Belastungsfaktoren vor
liegen, welche
den verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder die Folgen verschlimmern
würden. Es handle
sich tatsächlich um einen vollstän
dig verselbständigten Gesundheitsschaden, der weiter
hin bestehe
, obwohl die Belastungsfaktoren eliminiert
wo
rden
seien (
Urk.
6/92/9)
.
In
ihrer früheren Tätigkeit als Leite
rin Innendienst
bei einer Versicherungsge
sellschaft
sei die Beschwerdeführerin
seit mindestens Anfang 2012
nicht mehr arbeitsfähi
g. Für eine solche anspruchsvolle Tätigkeit mit Personalver
antwortung, Flexibilität, hoher Belastbarke
it und sozialer Kompetenz bringe
sie nicht mehr die
notwendigen Voraussetzungen mit.
Die Einschränkungen hätten
sich durch die jahrelange Behandlung, das Aufbautraining
,
aber auch die konkreten Anpassungen im Alltag,
welche die
Beschwerdeführerin selber vorgenommen habe,
mittlerweile zurückgebildet
. Sie sei
in ihrer Fähigkeit
,
sich an Regeln und Routine
n anzupassen, das heisse
Termine zuverlässig ein
zuhalten, sich in Organisationsabläufe einzufügen, tägliche Routineaufgaben zu erledigen
,
leicht eingeschränkt,
so lange diese überschaubar
und im jetzi
gen Belastungsrahmen
seien
. Auch die Fähigkeit Aufgaben zu
planen und zu strukturieren sei
derzeit im Rahmen ihrer jetzigen Belastung (Haushalt sowie Nischenarbeitsplatz in Teilzeitpensum mit geringen Anforderungen an Kon
zentration, Flexibilität, Zeit- oder Leistungsdruck) geringfügig eingeschränkt. Flexibilit
ät und Umstellungsfähigkeit seien weiterhin stark eingeschränkt. Die Beschwerdeführerin sei
auf eine regelmässige planbare R
outine angewiesen. Ausserordentl
iche A
ktivitäten oder Belastungen müsse
sie langfristig planen und vorbereiten. In der Anwendung
fachlicher Kompetenzen sei
s
ie erheblich beeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin habe im Verl
auf ihrer beruflichen Karriere sehr viele Kompetenzen erworben, die sie jedoch auf Grund ihrer gesundheitlichen Einsc
hränkungen kaum noch anwenden kö
nn
e. Ihre
Ent
sch
eidungs
-
und Urteilsfähigkeit seien
derzeit noch leicht ei
ngeschränkt. Durchhalte-
, Selbstbehaup
tungs-
sowie Gruppenfähigkeit seien
weiterhin relevant eingeschränkt. Die Fähigk
eit zu Spontanaktivitäten sei
schwer ein
geschränkt aufgrund der schnellen Überforderung, der geringen allgemeinen Belastbarkeit, der fehlenden Flexibilität sowie der schnellen Ermüdbarkeit. Auch
sei die Verkehrsfähigkeit
leicht
eingeschränkt. So sei die Beschwerde
führerin
nicht im Stande
,
längere Wege zurückzulegen. Für angepasste Tätigkeiten ohne Leistungsdruck, in
einer ruhigen
Arbeitsumgebung
(
nicht in einem Grossraumbüro oder einer lauten Arbeitsumgebung
), mit kurzem Arbeitsweg und
der Möglichkeit
,
regelmässige Pausen zu machen, ohne hohe Anforderungen an Konzentrat
ion oder fachliche Kompetenz sei die Beschwerdeführerin indes
zu 60
%
arbeitsfähig seit ca. einem Ja
hr
, das h
ei
sse seit Dezember 201
4.
Diese Leistungsfähigkeit habe
sie langsam aufgebaut und gesteigert
(
Urk.
6/92/8)
.
4.
4.1
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten kann nicht abschliessend beur
teilt werden, ob bei der
Beschwerdeführer
in
ein versicherungsrelevanter Gesundheitsschaden besteht
.
Hierbei ist zu vermerken, dass die fachärztliche Stellungnahme der RAD-Ärztin sich in einer Zusammenfassung des Gutach
tens erschöpft und keine begründete Beurteilung der gutachterlichen Ein
schätzungen abgegeben wurde (vgl.
Urk.
6/99/4).
4.2
Die
Berichte
der behandelnden
Dres
.
C.___
und
D.___
,
datierend
vom 26
.
April
2012 und
4.
Februar 2013
,
(vgl. E. 3.
2
,
3.
3
)
kö
nn
en
nicht als aktu
elle Entscheidungsgrundlage für die angefochtene Verfügung vom
27.
Juni 2016
herangezogen werden
.
Dasselbe
gilt für den Austrittsbericht der
E.___
Engadina
vom 1
7.
August 2012
(vgl. E. 3.
4
)
. Kommt hinzu, dass letz
t
erem keinerlei Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu entnehmen sind. Schliesslich erweist sich auch der Bericht von
Dr.
D.___
vom
3.
Dezember 2014 als keine hinreichende Entscheidungsgrundlage. Ins
besondere bleibt unklar, inwiefern eine seit ca. 2009 rezidivierende depres
sive Störung vorliegen soll.
Ausserdem
stellte Dr.
D.___
im Rahmen seiner Arbeitsfähigkeit
seinschätzung
vornehmlich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ab, wonach
nach
4
Stunden Arbeit am PC Ermüdbar
keit, Konzentrationsstörungen sowie ein ausgeprägter Leistungsabfall eintre
ten würden. Weshalb
Dr.
D.___
vor diesem Hintergrund auf eine 60%ige Arbeitsfähigkeit schloss
,
ist auch nicht ohne weiteres einsichtig
.
4.
3
Sodann
sind dem
psychiatrische
n
Gutachten von
Dr.
B.___
vom 23.
Dezem
-
ber
2015
k
aum objektive
Befunde
zu
entnehmen, welche schlüssig
darzu
-
legen ver
mö
chten
, dass d
ie Beschwerdeführerin seit
Dezember
2014
weiter
-
hin
zu 40
%
arbeitsunfähig
wäre
(
Urk.
6/92/7)
.
Insbesondere ist die Vermin
-
derung
der Leistungsfähigkeit infolge zunehmender Müdigkeit nicht
schlüs
-
sig
dargelegt, wenn gleichzeitig das effektiv geleistete Pensum von 60 % von Montag bis Mittwoch erfüllt wird.
Zur Frage
,
wie es sich mit der Arbeits
-
fähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit
vor
Dezem
-
ber
2014 verhielt, schweigt sich das Gutachten gar gänzlich aus. Angesichts der (wenigen) objektiven Befunde erweist sich denn auch
die Diagnose einer mittelgradig depressiven
Episode
als nicht hinreichend nach
vollziehbar
. Insbesondere ist dem
Gutachten
nicht zu entnehmen
, inwiefern und worin das „somatische Syndrom“
nach Massgabe von ICD-10 F32.11
bestehen soll.
Jedenfalls finden die typischen
Merkmale eines
somatischen Syndroms (vgl. Klinisch-diagnostische
Leitlinien der Internationalen Klassifi
kation
psychi
-
scher Gesundheitsstörungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9. Auflage, Bern 2014, S.
170)
darin
keine
Erwähnung.
Ausserdem
gibt das Gutachten keinerlei Auf
-
schluss darüber
, ob die medizinischen
Behandlungsmassnahmen
vollständig
ausgeschöpft worden sind
oder
ob angesichts der langjährig
anhaltenden Einschränkungen
allenfalls
p
harmako
- und/oder
(
psycho
)
therapeutische Optimierungen
angezeigt wären
. Kommt hinzu,
dass die Medikamenten
-
einnahme nie mittels eines Serumspiegels überprüft wor
den ist. Schliesslich drängt sich die Frage auf, ob die anhaltende Müdigkeit tatsächlich einzig in der depressiven
Symptomatik
ihre
hinreichende
Erklä
rung findet.
4.
4
Zusammenfassend lag der angefochtenen Verfügung kein hinreichend abge
klärter medizinischer Sachverhalt zugrunde, welcher eine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustandes sowie deren Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit de
r Beschwerdeführerin
erlaubt hätte. Mithin kann mit Blick auf die
langanhaltende mittelgradig
depressive
Symptomatik
nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass
– gegebenenfalls auch nur vorübergehend -
ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden bestanden hat.
In Anbetracht dieser Erwägungen ist
eine
sämtliche Aspekte des vorliegenden Falles umfassende
psychiatrische, gegebenenfalls auch somatische
Abklä
rung
,
angezeigt.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Ent-scheid
aufzuheben.
5
.
5
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflich
tig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- fe
stgelegt. Die Kosten sind ermes
sensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und (aufgrund der rechtspre
chungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung) ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach Art. 34 Abs.
3
GSVGer
hat die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen. Vor
liegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 1‘
6
00.-- (inkl. Barausla
gen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Das Gericht
erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
2
7.
Juni 2016
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über das Rentenbegehren neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr. 1‘600
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bu
ndesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesge
richt Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger