# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8773b43e-0f2c-5f7a-adfc-a21f37ccb9df
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-31
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 31.03.2021 IV 2020/35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2020-35_2021-03-31.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/35

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.10.2021

Entscheiddatum: 31.03.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 31.03.2021
Art. 28 IVG: Beweiskraft psychiatrisches Gutachten von November 2017 
bejaht; die attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit erscheint ausgewiesen. 
Psychiatrisches Verlaufsgutachten von Juli 2018 ist ebenfalls lege artis 
erstellt worden. Allerdings überzeugt es hinsichtlich der aus psychiatrischer 
Sicht ab Dezember 2017 attestierten 70%igen Arbeitsunfähigkeit nicht. Es ist 
für das Gericht aufgrund der in den beiden Gutachten gestellten Diagnosen 
und der erhobenen Befunde sowie der gesamten Aktenlage nicht 
überwiegend wahrscheinlich, dass sich die Arbeitsunfähigkeit zwischen den 
beiden Begutachtungen aus psychiatrischer Sicht um 20 % verschlechtert 
hat. Die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten Rechtsgründe 
rechtfertigen kein Abweichen von der gutachterlich schlüssig festgestellten 
50%igen Arbeitsunfähigkeit; eine Rente ist dem Beschwerdeführer zu 
Unrecht verwehrt worden. Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bejaht 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. März 
2021, IV 2020/35). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_311/2021.

Entscheid vom 31. März 2021

Besetzung

Präsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichter Joachim Huber und 

Versicherungsrichterin Corinne Schambeck; Gerichtsschreiberin Sabrina Bleile

Geschäftsnr.

IV 2020/35

Parteien

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St.Galler Gerichte

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Amanda Guyot, GN Rechtsanwälte, 

St. Leonhard-Strasse 20, Postfach, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 11. November 2014 bei der IV-

Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und 

Rentenleistungen an (IV-act. 1). Er hatte sich damals noch in einem seit fast zwanzig 

Jahren bestehenden Arbeitsverhältnis als Maschinenbediener bei der B.___ befunden 

(IV-act. 22), jedoch war er nach am ___ 2014 erhaltener Kündigung (vgl. IV-act. 22-7) 

seit dem […] von Dr. med. C.___, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, santémed 

Gesundheitszentrum D.___, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden (IV-act. 1-3 

f.; Fremdakten act. 1-1 ff.). Bei zunehmender Verschlechterung des depressiven 

Zustandes hatte Dr. C.___ den Versicherten der psychiatrischen Klinik E.___ 

zugewiesen (vgl. IV-act. 26-3, oben), wo dieser vom 11. August bis 23. Oktober 2014 

hospitalisiert worden war. Die behandelnden Ärzte der psychiatrischen Klinik E.___ 

hatten eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert 

(IV-act. 23). Ab dem 28. Oktober 2014 hatte sich der Versicherte in teilstationärer 

Behandlung in der Tagesklinik F.___ befunden (IV-act. 26-3, oben, und 28-1), wo 

A.a. 

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wiederum die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem 

Syndrom gestellt worden und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war 

(vgl. IV-act. 26).

Am ___ 2015 endete die Anstellung des Versicherten (IV-act. 22-2 und 22-7). 

Anlässlich einer Standortbesprechung in der Tagesklinik F.___ vom ___ 2015 beschrieb 

der Versicherte seine Situation als dramatisch. Die laufende Trennung von seiner 

Ehefrau zerre stark an ihm. Seine Ehefrau tauche immer wieder bei ihm auf und 

provoziere ihn sowie seine neue Freundin. Neben dieser familiären Belastung habe er 

grosse finanzielle Sorgen und werde aktuell betrieben (IV-act. 30). Am 25. Juni 2015 

berichtete med. pract. G.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, dass der 

Versicherte Ende Mai 2015 aus der Tagesklinik ausgetreten sei, wobei bei Austritt noch 

immer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Der weitere Verlauf der 

Arbeitsfähigkeit sei durch den nachbehandelnden Dr. C.___ zu beurteilen (IV-act. 35; 

zum Zeitpunkt des Austritts vgl. ferner IV-act. 54-3, oben). Am 29. September 2015 

erstattete Dr. med. H.___, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, im Auftrag der 

SWICA Krankenversicherung AG eine psychiatrische Kurzbeurteilung (Fremdakten, act. 

G 12). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine 

mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (Fremdakten, act. G 

12-10). Sodann kam Dr. H.___ zum Schluss, dass eine erneute, zeitnahe tagesklinische 

Behandlung indiziert sei. Einen Monat nach Beginn dieser Behandlung sei von einer 

50%igen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf respektive einer Tätigkeit mit 

vergleichbarem Anforderungsprofil auszugehen. Zwei Monate nach Beginn der 

insgesamt nur für zwei Monate indizierten Behandlung sei eine 75%ige Arbeitsfähigkeit 

und nach einem weiteren Monat eine 100%ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen 

(Fremdakten, act. G 12-12). Am 28. Oktober 2015 kam es zum Wiedereintritt des 

Versicherten in die Tagesklinik F.___ (vgl. IV-act. 54-3, oben). Am 18. Januar 2016 

nannte med. pract. I.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Tagesklinik 

F.___, als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 

Episode mit somatischem Syndrom (IV-act. 54-2), und ging wiederum von einer 

100%igen Arbeitsunfähigkeit aus, prognostizierte jedoch für den März 2016 eine 

50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 54-5). Ab dem 1. März 2016 attestierte med. pract. 

I.___ schliesslich noch eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 58).

A.b. 

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Am 16. März 2016 unterzeichnete der Versicherte einen Eingliederungsplan der IV-

Stelle (IV-act. 60). Mit Mitteilung vom 17. März 2016 gewährte die IV-Stelle dem 

Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 63). Ab dem 5. 

April 2016 nahm der Versicherte mit einem Arbeitspensum von 20 % an einem 

Einsatzprogramm im J.___ teil (vgl. IV-act. 73 und 75) bei gleichzeitiger Weiterführung 

des Aufenthaltes in der Tagesklinik F.___ (vgl. IV-act. 73 f. und 80-2, unten). Am 13. Mai 

2016 erfolgte der Austritt aus der Tagesklinik. Im Austrittsbericht vom 10. Juni 2016 

nannte med. pract. I.___ als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, sowie eine andauernde 

Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit. Weiter hielt er fest, dass sich die 

Depression bei gedanklicher Einengung auf die psychosoziale Belastungssituation nur 

langsam aufgehellt habe. Im Verlauf habe sich eine immer deutlicher ausgeprägte 

Verbitterung gezeigt mit der Überzeugung, von verschiedenen Seiten (Arbeitgeber, 

Arbeitskollegen und Ehefrau) ungerecht behandelt und geschädigt worden zu sein. Der 

Versicherte sei oft tagelang auf diese Gedankeninhalte eingeengt gewesen und habe 

gegenüber den Personen, die er für sein Leid verantwortlich mache, einen starken Groll 

entwickelt. Diese Externalisierung sei zwar immer wieder thematisiert worden, habe 

aber letztlich nicht aufgelöst werden können, sodass eine andauernde 

Persönlichkeitsänderung im Sinne eines Verbitterungssyndroms diagnostiziert worden 

sei. Die Arbeitsunfähigkeit schätzte med. pract. I.___ noch immer auf 80 % (IV-act. 80). 

In einem Bericht vom 4. August 2016 ging auch Dr. C.___ von einer ca. 80%igen 

Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 83). Am 23. September 2016 hielt der regionale ärztliche 

Dienst (RAD) fest, dass aufgrund der Persönlichkeitsänderung mit starker Verbitterung 

und Externalisierung, die immer wieder zu depressiven Phasen geführt habe, maximal 

eine 20-30%ige Arbeitsfähigkeit vorhanden sei. Eine weitere Steigerung sei nicht 

absehbar. Auch berufspraktisch hätten sich die Schwierigkeiten gezeigt. Der 

Versicherte habe das Pensum im Rahmen des Einsatzprogrammes nicht über 30 % 

steigern können (IV-act. 88-2). Mit Mitteilung vom 27. September 2016 lehnte die IV-

Stelle einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen ab (IV-act. 92).

A.c. 

Am 15. Dezember 2016 hielt Dr. C.___ fest, dass sich im Vergleich zu seinem 

Verlaufsbericht vom 4. August 2016 keine Änderungen ergeben hätten (IV-act. 97). Am 

15. Februar 2017 führte der RAD aus, dass sich nun eine Chronifizierung der 

A.d. 

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depressiven Symptomatik als eigenständiges und nicht mehr ausschliesslich von 

psychosozialen Faktoren bestimmtes Krankheitsgeschehen manifestiert habe. Er teilte 

jedoch die Schätzung der Arbeitsfähigkeit von Dr. C.___ nicht mehr, sondern ging neu 

von einer 60-70%igen Arbeitsfähigkeit aus, wobei er diese medizintheoretische 

Einschätzung explizit als vorläufig bezeichnete (vgl. IV-act. 99-4). Vom 10. Juli bis 19. 

August 2017 hielt sich der Versicherte stationär in der Klinik K.___ auf, wo die 

behandelnden Ärzte aus psychiatrischer Sicht wiederum eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, diagnostizierten und dem Versicherten bis 

zum 3. September 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierten (IV-act. 124).

Am 30. November 2017 erstattete Prof. Dr. med. L.___, FMH Psychiatrie und 

Psychotherapie, FMH Neurologie, im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches 

Gutachten (IV-act. 128). Als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit nannte er eine beginnend chronifizierte, rezidivierende depressive 

Störung (depressive Episode, über zwei Jahre anhaltend), gegenwärtig und im Verlauf 

überwiegend mittelgradig (IV-act. 128-76). Sodann kam Prof. L.___ zum Schluss, dass 

aus rein medizinischer Sicht auf der Grundlage eines bio-psycho-sozialen 

Gesundheitsverständnisses ohne Berücksichtigung eventueller IV-fremder Faktoren 

sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in adaptierten Tätigkeiten seit dem 27. Mai 

2014 anhaltend eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Während der teilstationären 

und stationären Aufenthalte sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen (IV-

act. 128-77). In seiner Stellungnahme vom 11. Januar 2018 bezeichnete der RAD das 

Gutachten als umfassend und nachvollziehbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht 

könne darauf abgestellt werden (IV-act. 131). Namentlich aufgrund in der Begutachtung 

sowie im Austrittsbericht der Klinik K.___ angesprochener Knieprobleme, Schulter- und 

Kopfschmerzen sowie Nackenbeschwerden (vgl. IV-act. 124, 128-61, 128-73 und 

128-76) holte die IV-Stelle jedoch noch weitere ärztliche Berichte ein (vgl. IV-act. 131 

ff.), die das Vorliegen multisegmentaler Degenerationen der Halswirbelsäule, eine 

Gonarthrose rechtsbetont sowie Degenerationen des rechten Schultergelenks 

bestätigten (vgl. IV-act. 134 ff.).

A.e. 

Am 23. Juli 2018 erstatteten Prof. L.___ und Dr. med. M.___, FMH Orthopädische 

Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, im Auftrag der IV-Stelle ein 

bidisziplinäres (psychiatrisches und orthopädisches) Gutachten (IV-act. 149). Als 

A.f. 

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Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter in ihrer 

integrativen Beurteilung ein chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom ohne 

Radikulopathie, eine Belastungs- und Bewegungseinschränkung des rechten 

Schultergelenks, eine medial betonte Gonarthrose des rechten Kniegelenks mit einer 

Chondropathie bei einem 1x1 cm messenden Knorpeldefekt des medialen 

Femurkondylus und medial betonter Meniskopathie sowie eine chronifizierte, 

rezidivierende depressive Störung (depressive Episode über zwei Jahre anhaltend), 

gegenwärtig und im Verlauf überwiegend mittelgradig (IV-act. 149-9). Sodann kamen 

die Sachverständigen zum Schluss, dass der Versicherte aus orthopädischer Sicht in 

seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei (IV-act. 149-14). Für 

angepasste Tätigkeiten bestünden zahlreiche qualitative Einschränkungen (vgl. IV-

act. 149-11 f.). Unter Berücksichtigung sämtlicher Schonkriterien bestehe aus 

orthopädischer Sicht in einer körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren, 

wechselbelastenden, jedoch überwiegend sitzenden Tätigkeit bezogen auf ein volles 

Arbeitspensum eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 149-14). Aus psychiatrischer 

Sicht sei die rezidivierende depressive Störung zunächst eine Folge der maladaptiven 

Verarbeitung multipler psychosozialer Probleme des Versicherten und seiner 

Wertvorstellungen gewesen, jedoch habe sich mit der Depression eine ICD-gelistete 

psychiatrische Störung entwickelt. Aus rein psychiatrischer Sicht und einem bio-

psychosozialen Krankheitsmodell folgend lägen seit der Krankschreibung vom 27. Mai 

2014 Einschränkungen vor, die bis November 2017 die Arbeitsfähigkeit im Verlauf 

schätzungsweise um 50 % (bezogen auf ein Vollpensum) reduzierten. Ab Dezember 

2017 habe sich das Störungsbild mit dem Hinzutreten der Schmerzexazerbation 

verschlechtert. Seither bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 149-14). Der 

RAD bezeichnete das Gutachten am 13. August 2018 als umfassend und 

nachvollziehbar. Aus versicherungsärztlicher Sicht könne die administrative 

Entscheidung darauf abgestützt werden. Die Einschätzung der Diagnosen respektive 

der psychosozialen Belastungsfaktoren obliege dem Rechtsanwender (IV-act. 154).

Mit Schreiben vom 11. September 2018 gelangte die IV-Stelle mit Rückfragen an 

die Gutachter. Sie forderte die Sachverständigen zu einer Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit unter Ausschluss soziokultureller und psychosozialer Aspekte auf. 

Weiter wollte sie von den Sachverständigen wissen, ob aus juristischer Sicht davon 

A.g. 

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ausgegangen werden könne, dass ohne die IV-fremden Belastungsfaktoren kein 

psychischer Gesundheitsschaden entstanden wäre und ob weiterhin vom Vorliegen 

einer depressiven Symptomatik auszugehen wäre, wenn die psychosozialen 

Belastungsfaktoren wegfallen würden (IV-act. 155). In seiner Stellungnahme vom 24. 

Januar 2019 hielt Prof. L.___ fest, dass er die soziokulturellen und psychosozialen 

Aspekte und deren auslösende bzw. unterhaltende Wirkung auf das psychiatrische 

Störungsbild im Gutachten genau beschrieben habe. Er habe im Gutachten die 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausgehend von einem bio-psycho-sozialen 

Krankheitsmodell getroffen. Dies nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass 

psychosoziale Belastungsfaktoren in fast allen Lebenssituationen eruierbar seien und 

Krankheitsverläufe mehr oder weniger immer modulierten. Nun werde er seitens der IV-

Stelle aufgefordert, eine Arbeitsfähigkeitsschätzung unter Ausschluss dieser Aspekte 

zu treffen. Dies sei aufgrund des Vorgesagten aus medizinischer Sicht ein Paradoxon. 

Eine einstündige diesbezügliche Sitzung mit dem Rechtsdienst der IV-Stelle sei ohne 

Ergebnis geblieben. Er möchte auf eine Veranstaltung für IV-Gutachter hinweisen, in 

welcher die von einem Gutachter vorgenommene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unter 

Ausschluss von psychosozialen Faktoren als Präjudizierung gewertet worden sei. Es 

sei fraglich, wie eine Arbeitsfähigkeitsschätzung vonstattengehen solle, wenn juristisch 

ein bio-psychisches und medizinisch ein bio-psycho-soziales Krankheitsmodell verfolgt 

werde, jedoch keine juristische Parallelüberprüfung der Gutachten stattfinden solle. 

Dies könnte eigentlich nur bedeuten, dass der medizinische Gutachter die juristische 

Stellungnahme erledigen müsse. Weiter wies Prof. L.___ darauf hin, dass es sich bei 

den von ihm beim Versicherten diagnostizierten Störungen um ICD-10 konforme 

Erkrankungen handle. Da die soziokulturellen Grundwerte des Versicherten eine Basis 

für die affektive Störung geboten hätten, gehe er davon aus, dass soziokulturelle 

Grundwerte Grundaspekte der Persönlichkeit seien, sodass er aus medizinischer Sicht 

unter Ausschluss soziokultureller Aspekte zu keiner anderen Bewertung der 

Arbeitsfähigkeit komme. Die Bedrohungen durch die Familienangehörigen der Ehefrau 

des Versicherten seien krankheitsfördernd und -unterhaltend. Der Versicherte könne 

sich diesem psychosozialen Belastungsfaktor mit Auswirkungen auf seine 

Psychopathologie nicht entziehen, obschon er es versucht habe. Aus medizinischer 

Sicht sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit daher auch unter Ausschluss dieses 

psychosozialen Faktors zu bestätigen. Es könne also nicht davon ausgegangen 

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werden, dass ohne die IV-fremden Faktoren kein psychischer Gesundheitsschaden 

entstanden wäre. Wenn die psychosozialen Faktoren wegfallen würden, wäre aber 

zumindest davon auszugehen, dass die Depression deutlich schwächer ausfallen 

würde. Ob diese komplett sistieren würde, könne er nicht sagen. Die psychosozialen 

Belastungsfaktoren hätten eine direkte Wirkung auf die Psychopathologie, jedoch 

könne sich der Versicherte diesen nicht entziehen (IV-act. 159). In einer Stellungnahme 

vom 13. Februar 2019 hielt Dr. med. N.___, Mitarbeiterin der IV-Stelle, fest, dass sich 

keine Inkonsistenzen feststellen liessen. Das Krankheitsbild wirke insgesamt 

authentisch. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei der Einbezug psychosozialer 

Faktoren in die Arbeitsfähigkeitsschätzung problematisch (IV-act. 160).

Nach der Einholung eines weiteren Berichtes bei Dr. C.___ (IV-act. 168-3 ff.; zu 

einem eingeholten Bericht des Hausarztes vgl. IV-act. 165) sowie einer Stellungnahme 

eines internen Juristen (vgl. IV-act. 173) stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit 

Vorbescheid vom 13. November 2019 die Abweisung des Rentenbegehrens in 

Aussicht. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Aktenlage von 

Darstellungen der verschiedenen psychosozialen Belastungsfaktoren geprägt sei. 

Diese seien bei der Beurteilung eines IV-relevanten Gesundheitsschadens jedoch 

auszuscheiden. Im vorliegenden Fall sei die aus medizinischer Sicht attestierte 

Arbeitsunfähigkeit mit seltener Klarheit durch die psychosozialen Belastungen geprägt. 

Gemäss gutachterlicher Beurteilung könne zwar nicht mit Sicherheit gesagt werden, 

dass ohne die IV-fremden Faktoren kein psychischer Gesundheitsschaden erstanden 

wäre. Dies heisse aber auch, dass eine von den Belastungsfaktoren unabhängige 

Erkrankung nicht überwiegend wahrscheinlich sei. Zusammenfassend könne der vom 

bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell bestimmten Arbeitsfähigkeitsschätzung des 

Gutachters aus versicherungsrechtlicher Sicht nicht gefolgt werden. Eine psychisch 

bedingte Arbeitsunfähigkeit könne nicht anerkannt werden. Demnach gelte der 

Versicherte in einer den somatischen Adaptationskriterien angepassten Arbeit als voll 

arbeitsfähig (IV-act. 174).

A.h. 

Gegen diesen Vorbescheid liess der Versicherte, vertreten durch Pro Infirmis, St. 

Gallen-Appenzell, am 10. Dezember 2019 Einwand erheben (IV-act. 180).

A.i. 

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B.  

Mit Verfügung vom 15. Januar 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit im 

Wesentlichen gleicher Begründung wie im Vorbescheid bei einem Invaliditätsgrad von 

0 % ab (IV-act. 181).

A.j. 

Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), 

vertreten durch Rechtsanwältin J. Husidic, St. Gallen, am 11. Februar 2020 

Beschwerde erheben. Er liess beantragen, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: 

Beschwerdegegnerin) vom 15. Januar 2019 sei aufzuheben und die 

Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm ab dem 1. Mai 2015 eine durch das Gericht 

zu bestimmende Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zu weiteren 

medizinischen Abklärungen, insbesondere für psychiatrische und orthopädische 

Abklärungen, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, wobei diese zu verpflichten 

sei, ein neues medizinisches Gutachten einzuholen; alles unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1). Weiter liess der 

Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie 

Rechtsverbeiständung beantragen (act. G 1 und 6). Mit Schreiben vom 25. Februar 

2020 liess der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. C.___ vom 19. Februar 2020 

einreichen (act. G 4 und 4.1).

B.a. 

In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. März 2020 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).

B.b. 

Am 8. April 2020 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch um 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und 

Bewilligung der unentgeltliche Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor 

Versicherungsgericht (act. G 8).

B.c. 

In seiner Replik vom 1. Mai 2020 liess der Beschwerdeführer unverändert an den 

in der Beschwerde gestellten Anträgen festhalten (act. G 10).

B.d. 

In einem Schreiben vom 8. Mai 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in der 

Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf die Erstattung einer 

ausführlichen Duplik (act. G 12).

B.e. 

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Erwägungen

1.

Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine 

Invalidenrente.

2.  

Am 9. Juni 2020 wurde dem Versicherungsgericht die Übernahme des Mandats 

durch Rechtsanwältin A. Guyot, St. Gallen, angezeigt (act. G 14 und 14.1).

B.f. 

Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 

830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen 

Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine 

Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 

von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.1. 

Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im 

Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

2.2. 

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3.  

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts 

eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der 

Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).

Zunächst ist zu prüfen, ob der Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 

6; Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2).

3.1. 

Das Gutachten von Prof. L.___ und Dr. M.___ vom Juli 2018, in welchem dem 

Beschwerdeführer ab der Krankschreibung vom 27. Mai 2014 zunächst eine 50%ige 

und ab Dezember 2017 eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden ist (vgl. IV-

act. 149-14), beruht auf eigenständigen Abklärungen und berücksichtigt die Vorakten. 

Den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden haben die Gutachter ebenfalls 

Beachtung geschenkt. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv 

wesentliche Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären. Es gibt 

insgesamt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Sachverständigen im Rahmen der 

Begutachtung nicht lege artis vorgegangen wären (vgl. IV-act. 149). Gleiches gilt 

allerdings für das von Prof. L.___ am 30. November 2017 erstattete psychiatrische 

Gutachten (vgl. IV-act. 128), in welchem er dem Beschwerdeführer abgesehen von den 

stationären und teilstationären Aufenthalten ab dem 27. Mai 2014 eine 50%ige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert hat (IV-act. 128-77). Die zweite Begutachtung bei Prof. 

L.___ unter zusätzlichem Beizug des orthopädischen Sachverständigen Dr. M.___ hat 

die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aufgrund der im Austrittsbericht der Klinik 

K.___ vom 12. September 2017 sowie der im Rahmen der ersten Begutachtung 

angesprochenen somatischen Beschwerden (Knieprobleme, Schulter-, Kopf- und 

Nackenschmerzen) veranlasst (vgl. IV-act. 124, 128-61, 128-73 und 128-76). Aufgrund 

der somatischen Beschwerden haben Prof. L.___ und Dr. M.___ in ihrem Gutachten 

vom Juli 2018 dem Beschwerdeführer jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

in leidensangepassten Tätigkeiten attestiert (IV-act. 149-14). Die zugestandene 

Arbeitsunfähigkeit beruht ausschliesslich auf der psychischen Problematik. Als einzige 

3.2. 

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psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben die 

Sachverständigen im interdisziplinären Konsens ihres Gutachtens vom Juli 2018 eine 

chronifizierte, rezidivierende depressive Störung (depressive Episode über zwei Jahre 

anhaltend), gegenwärtig und im Verlauf überwiegend mittelgradig, angegeben (IV-

act. 149-9). Damit liegt im Wesentlichen dieselbe Diagnose wie im Gutachten vom 

November 2017 vor (vgl. IV-act. 128-76). Auch der im zweiten Gutachten erhobene 

Psychostatus lässt nicht nachvollziehbar auf eine Verschlechterung des psychischen 

Zustandes zwischen den beiden Begutachtungen schliessen (vgl. IV-act. 149-69 ff. und 

128-65 ff.). Hinsichtlich des formalen Gedankengangs scheint sich sogar eine 

Verbesserung eingestellt zu haben. Während dieser im Gutachten vom November 2017 

noch als im Tempo leicht verzögert beschrieben worden war, ist eine solche 

Verzögerung im Rahmen der zweiten Begutachtung nicht mehr festgestellt worden. 

Auch beim Appetit und dem sexuellen Antrieb scheint sich die Situation eher 

verbessert zu haben (vgl. IV-act. 128-66 und 149-70). Schliesslich unterscheidet sich 

auch der vom Beschwerdeführer im Rahmen der zweiten Begutachtung geschilderte 

Tagesablauf nur wenig von demjenigen, den er in der ersten Begutachtung dargelegt 

hat (etwa zur neuen Einnahme eines Frühstücks vgl. IV-act. 128-63 und 149-68). Ein 

massiv verschlechtertes Aktivitätsniveau ist somit nicht erkennbar. Folglich lässt sich 

für das Gericht nicht schlüssig nachvollziehen, weshalb sich die Arbeitsunfähigkeit aus 

psychischen Gründen zwischen der Erstattung des ersten und des zweiten Gutachtens 

durch Prof. L.___ um 20 % erhöht haben soll. Das Gutachten vom Juli 2018 ist in 

diesem Punkt nicht schlüssig. Prof. L.___ begründet die ab Dezember 2017 

eingetretene Verschlechterung im Wesentlichen damit, dass sich das Störungsbild 

aufgrund des Hinzutretens der Schmerzexazerbation ab Dezember 2017 verschlechtert 

habe mit einem zunehmenden Rückzug in die Kranken- und Opferrolle (vgl. IV-

act. 149-112 f.).  Angesichts dessen, dass aus somatischer Sicht im Gutachten vom 

Juli 2018 jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden ist, aus 

psychiatrischer Sicht keine Schmerzverarbeitungsstörung mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit diagnostiziert worden ist und sich auch aus den im Rahmen der 

Untersuchung erhobenen Befunden nicht klar fassbar eine wesentliche 

Zustandsverschlechterung eruieren lässt, überzeugt diese Begründung nicht. Dies gilt 

umso mehr, als dass auch aus dem Bericht von Dr. C.___ vom 6. Juni 2019 kein Verlauf 

hervorgeht, der eine namhafte Verschlechterung der psychischen Situation zwischen 

den beiden Begutachtungen nahelegen würde (vgl. IV-act. 168-3 ff.). Ganz generell 

fehlen dokumentierte medizinische Behandlungen zwischen den beiden 

Begutachtungen, die auf eine wesentliche Verschlechterung der Arbeitsunfähigkeit 

schliessen lassen würden, zumal die in den beiden Gutachten genannte 

Therapiefrequenz unverändert geblieben ist (vgl. IV-act. 128-64 und 149-69). Eine 50 % 

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4.  

übersteigende Arbeitsunfähigkeit kann somit nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Vielmehr ist auf die von Prof. L.___ im 

Gutachten vom November 2017 überzeugend dargelegte 50%ige Arbeitsunfähigkeit 

abzustellen.

Die Beschwerdegegnerin sieht aus rechtlichen Gründen überhaupt keine 

Arbeitsunfähigkeit als überwiegend wahrscheinlich bewiesen an (vgl. IV-act. 181-3; act. 

G 7). Sie macht im Wesentlichen geltend, Prof. L.___ habe sich auf ein - aus 

invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht massgebendes - bio-psycho-soziales 

Krankheitsmodell gestützt. Bei seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit habe er die 

psychosozialen und soziokulturellen Einflussfaktoren explizit nicht ausgeschlossen, 

weshalb durch den Rechtsanwender zwingend zu überprüfen sei, ob bzw. in welchem 

Umfang eine Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht anerkannt werden könne. Da die 

diagnostizierte Depression gemäss der Einschätzung von Prof. L.___ bei Wegfall der 

Belastungsfaktoren deutlich schwächer ausfallen, allenfalls sogar sistieren würde, sei 

eine Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Ob die Depression beim Wegfall der 

Belastungsfaktoren komplett sistieren würde, sei aus invalidenversicherungsrechtlicher 

Sicht nicht relevant. Denn schon bei einer deutlich schwächer ausgeprägten 

Depression wäre eine relevante Arbeitsunfähigkeit nicht überwiegend wahrscheinlich 

(act. G 7).

4.1. 

Nach Art. 7 Abs. 2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer 

Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung 

zu berücksichtigen (vgl. auch Art. 6 ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG). Für die Annahme einer 

Invalidität braucht es somit ein medizinisches Substrat, das ärztlicherseits schlüssig 

festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit 

beeinträchtigt. Das bedeutet gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass 

das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den 

belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon 

psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von 

Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im 

fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen 

Leidenszustand. Wenn ein solch verselbstständigtes psychisches Leiden mit 

erheblicher Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ausgewiesen ist, kann 

eine rentenbegründende Invalidität nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhandensein 

soziokultureller oder psychosozialer Belastungsfaktoren verneint werden. Denn die 

4.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/19

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Invalidenversicherung hat finalen, nicht kausalen Charakter. Die Ursache einer 

einwandfrei festgestellten psychischen Erkrankung ist daher 

invalidenversicherungsrechtlich nicht von Bedeutung (Urteil des Bundesgerichts vom 5. 

August 2020, 8C_207/2020, E. 5.2.2 mit Hinweisen; BGE 127 V 299 E. 5a). Der 

Umstand allein, dass psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung 

einer Gesundheitsschädigung eine wichtige Rolle gespielt haben, tangiert deren 

Anspruchserheblichkeit also nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2015, 

9C_140/2014, E. 3.3 mit Hinweisen). Psychosoziale Belastungsfaktoren können somit 

mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie zu einer eigentlichen 

Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, welche ihrerseits eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, wenn sie einen verselbständigten 

Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner Folgen 

verschlimmern (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni 2018, 9C_680/2017, E. 5.2 mit 

Hinweisen). In diesen Konstellationen tragen die als solche nicht versicherten sozialen 

Faktoren zum Umfang der verselbständigten Gesundheitsschädigung bei (Urteil des 

Bundesgerichts vom 7. Januar 2015, 9C_140/2014, E. 3.3).

Gestützt auf die Beurteilungen von Prof. L.___ sowie unter Berücksichtigung der 

gesamten Aktenlage ist zwar anzunehmen, dass zahlreiche psychosoziale 

Belastungsfaktoren wie namentlich die Kündigung des langjährigen 

Anstellungsverhältnisses sowie die Trennungsproblematik zur Entstehung und 

Aufrechterhaltung der von Prof. L.___ diagnostizierten rezidivierenden depressiven 

Störung beigetragen haben bzw. noch immer beitragen, allenfalls sogar die 

Hauptursachen für deren Entstehung gewesen sind. Dies ist für die 

Invalidenversicherung als finale Versicherung jedoch irrelevant (vgl. E. 3.4). Prof. L.___ 

hat zu Recht darauf hingewiesen, dass sich psychosoziale Belastungsfaktoren nämlich 

in fast allen Lebenssituationen eruieren lassen und Krankheitsverläufe mehr oder 

weniger immer mitmodulieren (vgl. IV-act. 159). Solche Belastungsfaktoren lassen sich 

kaum vom medizinischen Leiden im eigentlichen Sinne trennen (vgl. BGE 127 V 299 

E. 5a). Folglich ist es nachvollziehbar, dass Prof. L.___ im konkreten Fall des 

Beschwerdeführers, der nach Eindruck der Akten ein komplexes, durchaus 

verwobenes Krankheitsgeschehen aufweist, die Forderung der Beschwerdegegnerin, 

eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unter Ausschluss psychosozialer 

Belastungsfaktoren abzugeben, als Paradoxon empfunden hat (vgl. IV-act. 159). Es ist 

nicht zu beanstanden, dass Prof. L.___ bei der Schätzung der medizinischen 

Arbeitsunfähigkeit auf die gesundheitlichen Einschränkungen, die auch durch 

psychosoziale Faktoren beeinflusst sind, abgestellt hat. Für die Beurteilung der 

Arbeitsunfähigkeit primär entscheidend sind nämlich die gesundheitlichen 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/19

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Beeinträchtigungen (vgl. Art. 6 und 7 Abs. 2 ATSG). Die Beschwerdegegnerin verkennt, 

dass im vorliegenden Fall ein eigenständiges medizinisches Substrat mit funktionellen 

Auswirkungen ärztlicherseits schlüssig festgestellt worden ist. Prof. L.___ hat 

nachvollziehbar ausgeführt, dass die rezidivierende depressive Störung zunächst eine 

Folge der maladaptiven Verarbeitung multipler psychosozialer Probleme und 

Wertevorstellungen des Beschwerdeführers gewesen sei, sich jedoch mit der 

Depression eine ICD-gelistete psychische Störung entwickelt habe (vgl. IV-act. 149-14 

und 149-112). In seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2019 hat er explizit darauf 

hingewiesen, dass es sich bei den von ihm beim Beschwerdeführer diagnostizierten 

Störungen um ICD-10 konforme Erkrankungen handle (vgl. IV-act. 159). Der RAD hatte 

bereits in einer Stellungnahme vom 15. Februar 2017 festgehalten, dass sich eine 

Chronifizierung der depressiven Symptomatik als eigenständiges und nicht mehr 

ausschliesslich von psychosozialen Faktoren bestimmtes Krankheitsgeschehen 

manifestiert habe (vgl. IV-act. 99-4). Auch der behandelnde Psychiater Dr. C.___ geht 

von einer Verselbständigung der durch die Kündigung ausgelösten Erkrankung aus und 

hat sogar - im Gegensatz zu Prof. L.___ - eine Persönlichkeitsänderung diagnostiziert 

(vgl. act. G 4.1). Es attestieren also mehrere Ärzte einen verselbständigten 

Gesundheitsschaden. Selbst wenn sich die von Prof. L.___ diagnostizierte depressive 

Störung bei Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren verbessern oder 

möglicherweise gar wegfallen würde, wie dies die Beschwerdegegnerin mit Verweis auf 

die Stellungnahme von Prof. L.___ vom 24. Januar 2019 (IV-act. 159) behauptet 

(vgl. act. G 7), ändert dies nichts an der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz der 

aktuell ärztlicherseits festgestellten Pathologie. Wie bereits beschrieben, geht nämlich 

auch die Rechtsprechung davon aus, dass psychosoziale Belastungsfaktoren einen 

verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner 

Folgen verschlimmern können, ohne dass dem Gesundheitsschaden deshalb die 

invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abzusprechen wäre (vgl. E. 3.4). Das 

Zusammenspiel zwischen den psychosozialen Faktoren und der Psychopathologie hat 

Prof. L.___ in seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2019 bezogen auf den konkreten 

Fall denn auch anschaulich erläutert. Er hat ausgeführt, dass die soziokulturellen 

Grundwerte des Beschwerdeführers eine Basis für die affektive Störung geboten 

hätten. Daher gehe er, Prof. L.___, davon aus, dass soziokulturelle Grundwerte 

Grundaspekte der Persönlichkeit seien, sodass er aus medizinischer Sicht unter 

Ausschluss soziokultureller Aspekte zu keiner anderen Bewertung der Arbeitsfähigkeit 

komme. Die Bedrohungen, denen sich der Beschwerdeführer ausgesetzt fühle, seien 

krankheitsfördernd und -unterhaltend. Der Beschwerdeführer könne sich diesem 

psychosozialen Belastungsfaktor mit Auswirkungen auf seine Psychopathologie nicht 

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entziehen. Aus medizinischer Sicht sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit daher 

auch unter Ausschluss dieses psychosozialen Faktors zu bestätigen (vgl. IV-act. 159).

Zudem hat sich Prof. L.___ bei seinen Beurteilungen am vom Bundesgericht für 

alle psychischen Erkrankungen als anwendbar erklärten strukturierten Beweisverfahren 

orientiert (vgl. IV-act. 149; BGE 143 V 418). Dabei beurteilt sich das Vorliegen einer 

rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit anhand von systematisierten 

Indikatoren, die - unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren 

Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) 

anderseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen 

(vgl. BGE 141 V 281 und 143 V 418; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni 2018, 

9C_680/2017, E. 5.1). Den Belastungsfaktoren wird somit im Rahmen des strukturierten 

Beweisverfahrens bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit ohnehin entsprechend 

Rechnung getragen. Für eine von den medizinischen Einschätzungen losgelöste 

juristische Parallelüberprüfung bleibt somit grundsätzlich kein Raum (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts vom 4. Juni 2018, 9C_194/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Daran ändert 

nichts, dass Prof. L.___ darauf hingewiesen hat, die Bewertung der soziokulturellen 

Faktoren überlasse er dem Rechtsanwender (vgl. z.B. IV-act. 149-112; vgl. ferner 

Vorgutachten von Prof. L.___ vom 30. November 2017, IV-act. 128-75). Wie aus seiner 

Stellungnahme vom 24. Januar 2019 erhellt, hat er damit im Wesentlichen lediglich zum 

Ausdruck gebracht, dass es ihm nicht möglich ist, allfällige juristische 

Parallelüberprüfungen seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung vorzunehmen (vgl. IV-

act. 159). Ein Gutachter hat sich zwar an den normativen Rahmenbedingungen, die der 

Auftraggeber mittels Fragestellung vorgibt, zu orientieren. Die Rechtsanwendung ist 

jedoch primär Aufgabe des Rechtsanwenders. Dieser hat die Beweiskraft eines 

Gutachtens aus rechtlicher Sicht zu überprüfen (vgl. E. 2.2; vgl. ferner Entscheid des 

Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. November 2018, IV 2016/373, 

E. 3.1.3). Eine von den medizinischen Einschätzungen losgelöste juristische 

Parallelüberprüfung der Arbeitsfähigkeit steht den Rechtsanwendenden aber auch 

durch das strukturierte Beweisverfahren nicht offen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. 

Juni 2018, 9C_194/2018, E. 4.1 mit Hinweisen).

4.4. 

Nach dem Gesagten rechtfertigen die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten 

Rechtsgründe kein Abweichen von der im ersten Gutachten von Prof. L.___ schlüssig 

und plausibel begründeten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50 %. Folglich ist 

seit der Krankschreibung vom 27. Mai 2014 - abgesehen von den stationären und 

teilstationären Aufenthalten mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit - im Verlauf von einer 

4.5. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/19

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5.  

50%igen Arbeitsunfähigkeit in optimal leidensangepassten Tätigkeiten auszugehen 

(vgl. E. 3; vgl. IV-act. 128-77 und 149-14).

Ausgehend von dieser Arbeitsunfähigkeit von 50 % bleiben die erwerblichen 

Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad 

anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2).

5.1. 

Für den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des 

Beginns des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Die Anmeldung des 

Beschwerdeführers ist bei der Beschwerdegegnerin am 11. November 2014 

eingegangen (IV-act. 1). Der frühestmögliche Rentenbeginn i.S.v. Art. 29 Abs. 1 und 3 

IVG fällt somit auf den 1. Mai 2015. Das Wartejahr i.S.v. Art. 28 IVG ist ebenfalls im Mai 

2015 erfüllt worden, da der Beschwerdeführer seit dem 27. Mai 2014 krankgeschrieben 

ist (vgl. IV-act. 149-14). Massgebend für den Einkommensvergleich ist somit das Jahr 

2015.

5.2. 

Gemäss den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer 

in der angestammten Tätigkeit bei einer Wochenarbeitszeit von 42 Stunden im Jahr 

2014 ein Jahresgehalt von Fr. 62'725.-- erzielt (vgl. IV-act. 22-3). Unter 

Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2015 resultiert ein 

Jahreseinkommen von gerundet Fr. 62'895.-- (Fr. 62'725.-- / 2220 x 2226; vgl. Tabelle 

T 39 des Bundesamtes für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der 

Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2018). Angepasst an eine wöchentliche 

Arbeitszeit von 41.7 Stunden ergibt sich ein Jahreslohn von gerundet Fr. 62'446.-- 

(Fr. 62'895.--/ 42 x 41.7).

5.3. 

Für das Invalideneinkommen ist mangels aktuell ausgeübter Erwerbstätigkeit 

grundsätzlich auf den statistischen Zentralwert der schweizerischen 

Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 (nominallohnangepasst bis zum Jahr 2015) für im 

Kompetenzniveau 1 beschäftigte Männer bei einer durchschnittlichen wöchentlichen 

Arbeitszeit von 41.7 Stunden abzustellen. Dies ergibt bei einem Arbeitspensum von 

100 % ein Jahreseinkommen von Fr. 66'633.-- (vgl. Anhang 2 der Gesetzesausgabe 

der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Bei den LSE-Daten handelt es sich 

allerdings lediglich um statistische Durchschnittswerte, was sich daran zeigt, dass der 

Beschwerdeführer im vorliegenden Fall als Gesunder in einem Pensum von 100 % ein 

unter dem LSE-Wert liegendes Einkommen erzielt hat. Da die Akten keinerlei 

Anhaltspunkte dafür liefern, dass der Beschwerdeführer freiwillig auf ein höheres 

Einkommen verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit seines 

5.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/19

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6.  

Validenlohns auf die für die Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden Zwänge 

des realen Arbeitsmarktes zurückzuführen ist. Aus diesem Grund ist das 

Valideneinkommen auf den LSE-Lohn anzuheben. Da demnach im vorliegenden Fall 

sowohl hinsichtlich des hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des 

Invalideneinkommens derselbe Lohn für ein Pensum von 100 % zugrunde zu legen ist, 

kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs 

vorgenommen werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der 

Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn 

(vgl. BGE 126 V 75). Die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs ist vorliegend nicht 

angezeigt. Zwar bestehen beim Beschwerdeführer zahlreiche gesundheitliche 

Einschränkungen, jedoch wird diesen im Rahmen der 50%igen Arbeitsunfähigkeit 

bereits ausreichend Rechnung getragen. Namentlich ist anzunehmen, dass allfällige 

durch die orthopädischen Leiden bedingten Verwertungsschwierigkeiten der 

Restarbeitsfähigkeit bereits in der aus psychiatrischer Sicht attestierten 50%igen 

Arbeitsunfähigkeit aufgehen. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 %, wie er ab 

Mai 2015 anzunehmen ist, ergibt sich folglich ein Invaliditätsgrad von 50 % und damit 

ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.

Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in Gutheissung 

der Beschwerde aufzuheben ist. Dem Beschwerdeführer ist rückwirkend ab 1. Mai 

2015 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.

6.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

mit Blick auf vergleichbare Fälle als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens 

entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

6.2. 

bis 

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 

61 lit. g ATSG). Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale 

Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als 

angemessen.

6.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/19

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Entscheid

1.

In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung aufgehoben und 

dem Beschwerdeführer wird rückwirkend ab 1. Mai 2015 eine halbe Invalidenrente 

zugesprochen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.

Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 

3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 31.03.2021
	Art. 28 IVG: Beweiskraft psychiatrisches Gutachten von November 2017 bejaht; die attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit erscheint ausgewiesen. Psychiatrisches Verlaufsgutachten von Juli 2018 ist ebenfalls lege artis erstellt worden. Allerdings überzeugt es hinsichtlich der aus psychiatrischer Sicht ab Dezember 2017 attestierten 70%igen Arbeitsunfähigkeit nicht. Es ist für das Gericht aufgrund der in den beiden Gutachten gestellten Diagnosen und der erhobenen Befunde sowie der gesamten Aktenlage nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sich die Arbeitsunfähigkeit zwischen den beiden Begutachtungen aus psychiatrischer Sicht um 20 % verschlechtert hat. Die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten Rechtsgründe rechtfertigen kein Abweichen von der gutachterlich schlüssig festgestellten 50%igen Arbeitsunfähigkeit; eine Rente ist dem Beschwerdeführer zu Unrecht verwehrt worden. Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. März 2021, IV 2020/35). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_311/2021.

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