# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 23457297-286e-56bc-93a8-16457a31d8eb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.03.2024 D-3504/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3504-2022_2024-03-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3504/2022 

 

 
Un 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  M ä r z  2 0 2 4   

Besetzung 
 Richterin Chiara Piras (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, 

Richterin Chrystel Tornare Villanueva, 

Gerichtsschreiberin Giulia Marelli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Ehemann, 

B._______, geboren am (…), 

Kolumbien, 

beide vertreten durch Lea Riedener, 

(…), 

Beschwerdeführende, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (Wiedererwägung); 

Verfügung des SEM vom 14. Juli 2022 / N (…). 

 

 

 

D-3504/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I.  

A.  

A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 9. Februar 2020 in der Schweiz 

um Asyl nach. 

A.b Am 14. Februar 2020 fanden die Personalienaufnahmen (PA) statt. 

A.c Am 20. Februar 2020 führte das SEM mit den Beschwerdeführenden 

die persönlichen Gespräche gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO), durch und teilte schliesslich 

mit Verfügung vom 24. März 2020 mit, das Dublin-Verfahren sei beendet 

und das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren werde durchgeführt. 

A.d Am 29. Mai 2020 wurden die Beschwerdeführenden zu ihren Asylgrün-

den angehört. 

Der Beschwerdeführer brachte dabei zusammengefasst vor, er habe Ko-

lumbien am (…) 2019 verlassen, um mit seiner Ehefrau sein zu können. Er 

selber habe keine Drohungen erhalten und sein eigenes Leben sei nicht in 

Gefahr gewesen. 

A.e Mit Verfügung vom 4. Juni 2020 wurden die Beschwerdeführenden 

dem erweiterten Verfahren zugeteilt und mit Zuweisungsentscheid vom 

26. Juni 2020 dem Kanton C._______ zugewiesen. 

A.f Am 2. September 2020 wurde die Beschwerdeführerin ergänzend zu 

ihren Asylgründen angehört. 

A.g Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichten die Beschwerdefüh-

renden zum Nachweis ihrer Identität und zur Untermauerung ihrer Vorbrin-

gen ihre Reisepässe im Original sowie zahlreiche Dokumente zu den Ak-

ten, die teilweise auch im Asylverfahren des Vaters und der Stiefmutter der 

Beschwerdeführerin (N […]) eingereicht worden waren. 

D-3504/2022 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 27. Januar 2021 stellte das SEM fest, die Beschwerde-

führenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte deren Asyl-

gesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zudem händigte es ihnen die editi-

onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. 

C.  

Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 1. März 2021 wies 

das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-908/2021 vom 11. Oktober 

2021 ab. 

II.  

D.  

D.a Mit als "Wiedererwägungsgesuch und Gesuch um vorsorgliche Mass-

nahme" bezeichneter Eingabe vom 24. Februar 2022 gelangten die Be-

schwerdeführenden erneut an das SEM und beantragten, es sei wiederer-

wägungsweise auf die Verfügung vom 27. Januar 2021 zurückzukommen, 

die Flüchtlingseigenschaft der Gesuchstellerin festzustellen und ihr in der 

Schweiz Asyl zu gewähren sowie ihren Ehemann in ihre Flüchtlingseigen-

schaft einzubeziehen, eventualiter sei festzustellen, dass die Wegweisung 

unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, und es sei die vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. In formeller Hinsicht beantragten sie, es sei im Rah-

men vorsorglicher Massnahmen der Vollzug der Wegweisung bis zum Ent-

scheid über das Wiedererwägungsgesuch auszusetzen und die kantona-

len Behörden entsprechend anzuweisen. Des Weiteren ersuchten sie um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Der Eingabe lagen eine Kopie der vorinstanzlichen Verfügung vom 27. Ja-

nuar 2021, ein Arztzeugnis von D._______, Ph.D., eidgenössisch aner-

kannte Psychotherapeutin, vom 15. Februar 2022, ein undatierter Droh-

brief der "Autodefensas Gaitanistas de Colombia" (nachfolgend: AGC) an 

die Mitglieder der Antikorruptionsgruppe ("O._______" [nachfolgend: 

O._______]), ein Schreiben von E._______ vom 2. Dezember 2021, ein 

Schreiben von F._______ vom 6. Dezember 2021, ein Schreiben von 

G._______ vom 7. Dezember 2021 sowie Vollmachten vom 17. Ja-

nuar 2022 sowie vom 23. Februar 2022 und eine Substitutionsvollmacht 

vom 7. September 2021 bei. 

D-3504/2022 

Seite 4 

D.b Mit Eingabe vom 15. März 2022 reichten die Beschwerdeführenden 

die vom SEM zuvor angeforderte Übersetzung der eingereichten Doku-

mente ein und legten eine Online-Anzeige bei der Generalstaatsanwalt-

schaft Kolumbiens sowie eine Bestätigung derselben ins Recht. 

D.c Mit Schreiben vom 9. Mai 2022 beantworteten die Beschwerdeführen-

den die Fragen des SEM vom 27. April 2022 und reichten Screenshots von 

WhatsApp-Unterhaltungen zwischen H._______ und dem Vater der Be-

schwerdeführerin ein. 

E.  

Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 14. Juli 2022 wies das SEM das 

Wiedererwägungsgesuch ab, lehnte den Antrag auf Einbezug des Ehe-

mannes in die Flüchtlingseigenschaft der Ehefrau ab, erklärte die Verfü-

gung vom 27. Januar 2021 als rechtskräftig und vollstreckbar, wies das Ge-

such um Erlass der Verfahrenskosten ab, erhob eine Gebühr in der Höhe 

von Fr. 600.– und wies darauf hin, dass einer allfälligen Beschwerde keine 

aufschiebende Wirkung zukomme. 

F.  

F.a Mit Eingabe vom 15. August 2022 (Datum des Poststempels) erhoben 

die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

und beantragten die Aufhebung der Verfügung des SEM vom 14. Juli 2022, 

die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl 

in der Schweiz. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs festzustellen, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-

lung an das SEM zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchten sie um 

superprovisorische Aussetzung eines allfälligen Wegweisungsvollzugs, um 

Gewährung der aufschiebenden Wirkung und entsprechende Anweisung 

der kantonalen Behörde sowie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Der Beschwerde lagen – anders als im Beilagenverzeichnis (S. 19) ange-

geben – eine Kopie der Verfügung des SEM vom 14. Juli 2022, eine Kopie 

des Wiedererwägungsgesuchs vom 24. Februar 2022 sowie eine Substi-

tutionsvollmacht vom 14. Januar 2022 bei. 

F.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 16. August 2022 in 

elektronischer Form vor (vgl. hierzu Art. 109 Abs. 3 des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31]). Gleichentags wurde der Vollzug der 

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Seite 5 

Wegweisung der Beschwerdeführenden mit superprovisorischer Mass-

nahme gestützt auf Art. 56 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsver-

fahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) per sofort einstwei-

len ausgesetzt. 

G.  

G.a Mit Verfügung vom 18. August 2022 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde gut und verfügte, die 

Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Weiter hiess sie das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlas-

sung ein. 

G.b Das SEM liess sich mit Eingabe vom 24. August 2022 vernehmen. 

H.  

H.a Mit Zwischenverfügung vom 29. August 2022 wurde den Beschwerde-

führenden Gelegenheit gegeben, eine Replik sowie entsprechende Be-

weismittel einzureichen. 

H.b Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 12. Septem-

ber 2022. Am 14. September 2022 wurde die Eingabe dem SEM zur Kennt-

nisnahme weitergeleitet. 

I.  

Mit Schreiben vom 22. Januar 2024 (beim Gericht eingegangen am 8. Feb-

ruar 2024) informierte die zuständige kantonale Behörde das SEM darüber, 

dass der Beschwerdeführer seit dem 27. Dezember 2023 als verschwun-

den/untergetaucht gelte.  

J.  

J.a Am 21. Februar 2024 forderte die zuständige Instruktionsrichterin die 

Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden auf, das Gericht über den ge-

genwärtigen Aufenthaltsort des Beschwerdeführers zu informieren und 

eine aktuelle, von diesem unterzeichnete Erklärung zu den Akten zu rei-

chen, aus welcher das fortbestehende Rechtsschutzinteresse hervorgehe.  

J.b Mit Eingabe vom 4. März 2024 liess der Beschwerdeführer eine schrift-

liche Bestätigung bezüglich seines fortbestehenden Interesses am vorlie-

genden Beschwerdeverfahren beim Gericht einreichen und gab gleichzei-

tig seine aktuelle Adresse bekannt. Die Rechtsvertretung machte zudem 

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Seite 6 

unter Verweis auf das beigelegte Arztzeugnis vom 23. Januar 2023 gel-

tend, der Vater der Beschwerdeführerin sei erkrankt und bedürfe deswegen 

ihrer Unterstützung.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-

richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das 

SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine 

Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betref-

fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem ge-

mäss Lehre und Praxis Wiedererwägungsentscheide grundsätzlich wie die 

ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weiterge-

zogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurtei-

lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Ge-

biet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 

AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht 

vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

– nach wie vor – ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-

hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde le-

gitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 

Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

  

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Seite 7 

3.  

Das mit der Beschwerde gestellte (Subeventual-)Begehren, die Sache sei 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, falls das Bundes-

verwaltungsgericht den Sachverhalt als nicht spruchreif erachte (vgl. Ziff. 5 

der Rechtsbegehren sowie Rz. 53 der Beschwerdebegründung), wurde in 

der Rechtsmitteleingabe nicht weiter begründet. Es ist aufgrund der Akten-

lage nicht ersichtlich, inwiefern der rechtserhebliche Sachverhalt unrichtig 

oder unvollständig erstellt worden sein soll; der Sachverhalt ist als spruch-

reif zu erachten. Eine Verletzung von Verfahrensrechten durch das SEM 

ist nicht erkennbar und den Akten lassen sich auch keine weiteren Gründe 

für eine Kassation entnehmen. Das entsprechende Begehren (vgl. Rechts-

begehren 5) ist folglich abzuweisen. 

4.  

4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b und Art. 111d AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist 

dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrun-

des schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). 

4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-

gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an 

eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (sog. 

"einfaches Wiedererwägungsgesuch"; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). 

Falls die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein einge-

leitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abge-

schlossen wurde – können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wie-

dererwägung begründen (zum sogenannten "qualifizierten Wiedererwä-

gungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Gemäss Art. 111b 

Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG hat die Partei 

diesfalls neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel beizubringen. Ana-

log zur Revision wird dabei vorausgesetzt, dass die entsprechenden Tat-

sachen oder Beweismittel auch bei zumutbarer Sorgfalt nicht im Rahmen 

des ordentlichen Verfahrens hätten eingereicht werden können. Die Erheb-

lichkeit ist zu bejahen, wenn die neu angerufenen Tatsachen oder Beweis-

mittel geeignet sind, die beurteilten Asylvorbringen in einem anderen Licht 

erscheinen zu lassen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-4802/2021 vom 

8. April 2022 E. 5.1). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung geprüft 

werden können – wie vorliegend – Beweismittel, die erst nach einem ma-

teriellen Beschwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts entstan-

den sind und daher revisionsrechtlich nicht berücksichtigt werden können 

(vgl. BVGE 2013/22 E. 12.3). 

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Seite 8 

4.3  

4.3.1 Die Beschwerdeführerin brachte zur Begründung ihres Asylgesuchs 

im Wesentlichen vor, im Sommer 2016 habe sie mit ihrem Vater sowie wei-

teren Personen die O._______ gegründet. Die Gruppe habe kontrollieren 

wollen, wie die Ressourcen der Bürgergemeinde I._______ verwendet 

werden. Sie persönlich habe dabei als Sekretärin der Gruppe fungiert und 

in dieser Funktion an Sitzungen mit dem Bürgermeister und der Gemein-

deadministration teilgenommen sowie Schreiben der Gruppe verfasst und 

unterzeichnet. Bei Kontrollen von Dokumenten seien der Gruppe Unregel-

mässigkeiten und Machenschaften aufgefallen, welche sie in der Folge bei 

den zuständigen staatlichen Stellen (Procuraduría General und Contraloría 

General) zur Anzeige gebracht habe. Am (…) 2018 sei sie von zwei Män-

nern als Warnung und Einschüchterung bedroht worden, damit ihr Vater 

mit den Anzeigen gegen die Korruption aufhöre. Später habe sie heraus-

gefunden, dass einer der beiden Männer ein Ex-Polizist und der andere ein 

Ex-Militärangehöriger gewesen sei. Nach diesem Ereignis habe sie zwar 

noch als Sekretärin für die Antikorruptionsgruppe geamtet, aber keine 

Schreiben mehr unterzeichnet. Nachdem am (…) 2018 auf das Haus ihres 

Vaters geschossen worden sei, habe dieser polizeiliche Schutzmassnah-

men erhalten. Ab (…) 2018 sei ihm ausserdem von der Unidad Nacional 

de Protección (UNP) des Innenministeriums Personenschutz gewährt so-

wie eine kugelsichere Weste und ein Notfalltelefon abgegeben worden. 

Weiter hätten Mitarbeitende der Gemeinde den Mitgliedern der Antikorrup-

tionsgruppe mehrfach mitgeteilt, dass sie mit den Anzeigen aufhören soll-

ten. Ferner sei anonym eine Facebook-Seite mit einem Todeszeichen als 

Profilbild erstellt und am (…) 2018 darauf geschrieben worden, dass, sollte 

der Familie ihres Vaters etwas passieren, man nicht wisse, wer für diese 

Tat zu beschuldigen sei. Da nur ihr Vater Schutz von der UNP erhalten 

habe, habe sie sich nicht mehr sicher gefühlt und habe sich infolgedessen 

entschlossen, aus Kolumbien auszureisen. Am (…) 2018 sei sie legal mit 

dem Flugzeug nach Spanien gereist, wo sie im Juni 2019 ein Asylgesuch 

gestellt habe. In der Zwischenzeit habe ihr Vater in Kolumbien die Arbeit 

mit der Antikorruptionsgruppe weitergeführt, wobei die Drohungen gegen 

deren Mitglieder zugenommen hätten. Personen aus der öffentlichen Ver-

waltung hätten den Mitgliedern von (…) im Januar 2020 schliesslich ge-

sagt, dass sie auf einer "Todesliste" stehen würden. Daraufhin hätten ihr 

Vater und ihre Stiefmutter sowie einige Mitglieder der Antikorruptions-

gruppe Kolumbien verlassen. Ungefähr eine Woche nach der Ausreise ih-

res Vaters seien am (…) 2020 zwei seiner Mitstreiter erschossen worden, 

nachdem sie gleichentags eine weitere Anzeige eingereicht hätten. Beide 

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Seite 9 

hätten zuvor von der UNP ebenfalls Schutzmassnahmen erhalten. In Spa-

nien habe sie, die Beschwerdeführerin, zwar eine Aufenthalts- und Arbeits-

bewilligung, aber keine speziellen Schutzmassnahmen erhalten, weshalb 

sie sich dort ebenfalls nicht mehr sicher gefühlt habe. Am (…) Februar 2020 

sei sie deshalb in die Schweiz weitergereist und habe hier um Asyl nach-

gesucht. Im Falle einer Rückkehr nach Kolumbien befürchte sie Repressa-

lien im Zusammenhang mit den erwähnten Ermittlungen. 

4.3.2 Das vorliegend zu beurteilende Wiedererwägungsgesuch begründe-

ten die Beschwerdeführenden mit einem sie betreffenden Arztbericht von 

D._______, Ph.D., vom 15. Februar 2022, einem undatierten Drohbrief der 

AGC an die Mitglieder der O._______, sowie den Schreiben von 

E._______ vom 2. Dezember 2021, F._______ vom 6. Dezember 2021 

und G._______ vom 7. Dezember 2021 als nachträglich entstandene Be-

weismittel.  

4.3.3 Die Vorinstanz hat den grundsätzlichen Anspruch auf Behandlung 

des Wiedererwägungsgesuchs vom 24. Februar 2022 nicht in Abrede ge-

stellt und ist auf dieses eingetreten. Das Bundesverwaltungsgericht geht, 

soweit sich das Gesuch auf die Flüchtlingseigenschaft bezieht, vom Vorlie-

gen eines qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs aus, nachdem die 

Frage der Verfolgungsgefahr aufgrund der Tätigkeit der Beschwerdeführe-

rin als Mitglied der O._______ bereits im ordentlichen Verfahren Prozess-

gegenstand war und die neu vorgelegten Beweismittel nach Abschluss des 

ordentlichen Verfahrens entstanden sind. Da die Schreiben von 

E._______, F._______ und G._______ jedoch bereits seit Dezember 2021 

vorlagen, ist das Wiedererwägungsgesuch diesbezüglich nicht rechtzeitig 

eingereicht worden, zumal gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG ein Wiederer-

wägungsgesuch 30 Tage nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes 

einzureichen gewesen wäre. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann 

diesbezüglich im Weiteren auf die zutreffenden Ausführungen in der ange-

fochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort E. IV, Ziff. 1). Bezüglich 

des undatierten Drohbriefes, welchen die Beschwerdeführerin in der (…) 

2022 erhalten haben soll, ist die 30-tägige Frist gemäss Art. 111b Abs. 1 

AsylG gewahrt. Mit dem Wiedererwägungsgesuch vom 24. Februar 2022 

wurde sodann fristgerecht ein ärztlicher Kurzbericht betreffend die Be-

schwerdeführerin eingereicht. Bei den Vorbringen zum Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin handelt es sich um (allfällige) nachträglich 

eingetretene Wegweisungsvollzugshindernisse, weshalb in diesem Zu-

sammenhang in Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einem einfachen 

Wiedererwägungsgesuch auszugehen ist. 

D-3504/2022 

Seite 10 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat nachfolgend zu prüfen, ob das 

SEM das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden zu Recht 

abgewiesen hat. 

5.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 In der als "Wiedererwägungsgesuch und Gesuch um vorsorgliche  

Massnahme" bezeichneten Eingabe vom 24. Februar 2022 führten die Be-

schwerdeführenden zur Begründung aus, die neu eingereichten Beweis-

mittel würden die Verfolgung der Beschwerdeführerin in Kolumbien auf-

grund ihres politischen Engagements für die Antikorruptionsgruppe (…) be-

legen. Der neue Drohbrief beweise nicht nur, dass die Bedrohung für die 

Mitglieder der (…) noch immer aktuell sei, sondern auch, dass sehr wohl 

eine gezielte Verfolgungsgefahr für die Beschwerdeführerin bestehe, zu-

mal sie darin namentlich erwähnt worden sei. Weiter hätten alle drei Mit-

glieder des Gemeinderats von I._______ schriftlich bestätigt, dass sie ein 

Gründungsmitglied und ein wichtiger Teil der (…) sei, wobei sie aufgrund 

ihrer Arbeit als "lider social" bezeichnet worden sei. Dass ihr in Kolumbien 

kein Polizeischutz zur Verfügung gestellt worden sei und der Staat die 

Morde an O._______-Mitgliedern nicht verhindert habe, zeige, dass sie of-

fensichtlich nicht auf den Schutz des kolumbianischen Staates zählen 

könne. Als Folge ihres politischen Engagements bestehe ein unerträglicher 

psychischer Druck, was durch das eingereichte Arztzeugnis bestätigt 

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Seite 11 

werde. Sollte die gezielte Verfolgung der Beschwerdeführerin erneut ver-

neint werden, bestünde zumindest eine Reflexverfolgung aufgrund der Ver-

folgung ihres Vaters. Sie sei somit als Flüchtling anzuerkennen und ihr 

Ehemann sei gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft 

miteinzuschliessen. 

6.2 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, es sei un-

verständlich weshalb eine Gruppierung, welche die Beschwerdeführerin im 

ordentlichen Verfahren nie als Verfolgerin genannt habe, nunmehr sie, ih-

ren Vater sowie H._______, ein weiteres Mitglied der O._______, mittels 

eines Drohschreibens bedrohen sollte, zumal sie alle I._______ respektive 

Kolumbien bereits seit geraumer Zeit verlassen hätten. An dieser Einschät-

zung würden weder die Online-Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft, 

die Bestätigung derselben noch der Screenshot einer WhatsApp-Unterhal-

tung zwischen ihr, ihrem Vater und H._______ etwas ändern. Weiter seien 

die Anforderungen an das Vorliegen eines unerträglichen psychischen Dru-

ckes weiterhin nicht gegeben, wobei der ärztliche Bericht vom 22. Februar 

2022 nichts an dieser Einschätzung zu ändern vermöge. Auch eine Furcht 

vor zukünftiger Verfolgung sei nicht gegeben. Selbst wenn sich bei einer 

Rückkehr in ihre Heimatregion eine solche Situation ergeben könnte, be-

stünde eine zumutbare innerstaatliche Schutzalternative in anderen Regi-

onen Kolumbiens. Folglich könne ihr die Flüchtlingseigenschaft nicht zuer-

kannt werden. 

6.3 In der Beschwerde wurde der Argumentation des SEM entgegengehal-

ten, die eingereichten Beweismittel seien authentisch und würden belegen, 

dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland in asylrelevanter Weise 

verfolgt werde. Es könne bereits unabhängig vom Drohbrief davon ausge-

gangen werden, dass die Mitglieder der O._______ den paramilitärischen 

Gruppierungen sowie den von diesen geschützten Regierungsmitgliedern 

bekannt seien. Das nun unter anderem an die Adresse der Eltern von 

H._______ verteilte Flugblatt zeige, dass die Gewaltbereitschaft seitens 

paramilitärischer Gruppen gegen die noch lebenden Mitglieder der 

O._______ nach wie vor vorhanden und real sei und zwar gerade auch, 

nachdem die genannten Personen vorübergehend das Land oder zumin-

dest die Gegend verlassen hätten. Weiter werde mit dem Drohbrief und 

den drei Schreiben von E._______, F._______ und G._______ die vom 

SEM vertretene Ansicht widerlegt, wonach die Beschwerdeführerin in der 

O._______ keine Rolle innegehabt habe, welche ein Verfolgungsinteresse 

begründen würde. Sodann verkenne die Vorinstanz, dass die Nähe der Be-

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Seite 12 

schwerdeführerin zu den (noch lebenden) Mitgliedern der O._______ wei-

terhin bestehe, verschiedene durch die O._______ eingeleitete Verfahren 

noch hängig seien und paramilitärische Gruppen weiterhin ein Interesse 

daran hätten, die Mitglieder der O._______ daran zu hindern, gegen sie 

auszusagen. Die Beschwerdeführerin habe begründete Furcht, im Falle ei-

ner Rückkehr in ihren Heimatstaat erneut ernsthaften Nachteilen ausge-

setzt zu werden, wobei diese Situation ständiger Angst bereits jetzt einen 

unerträglichen psychischen Druck bei ihr verursache. 

6.4 In seiner Vernehmlassung stellte sich das SEM auf den Standpunkt, 

die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder 

Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen 

könnten. 

6.5 In der Replik hielten die Beschwerdeführenden an den in der Be-

schwerde gestellten Anträgen und Ausführungen fest. 

7.  

7.1 Ob die Beschwerdeführerin in Kolumbien im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

asylrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt war, wurde letztmals in der 

Verfügung des SEM vom 27. Januar 2021 verneint, was das Bundesver-

waltungsgericht mit Urteil D-908/2021 vom 11. Oktober 2021 bestätigte 

(vgl. Prozessgeschichte Bst. B und C hiervor). Vorliegend gilt es zu prüfen, 

ob die mit dem Wiedererwägungsgesuch vom 24. Februar 2022 einge-

reichten Beweismittel an dieser Beurteilung etwas zu ändern vermögen. 

7.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorbrachte, der undatierte Drohbrief 

der AGC zeige, dass sie in Kolumbien weiterhin wegen ihrer Tätigkeit für 

die O._______ verfolgt werde, ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

– festzuhalten, dass die eingereichte Kopie keinerlei Sicherheitsmerkmale 

aufweist und ihr deshalb nur ein geringer Beweiswert zukommt. Das 

Schreiben alleine liefert damit keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine 

gezielt gegen sie gerichtete Verfolgung. Die Einwände in der Beschwerde 

vermögen die überzeugenden Erwägungen des SEM nicht zu entkräften. 

Nachdem im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-908/2021 vom 

11. Oktober 2021 festgehalten wurde, dass die Beschwerdeführerin keine 

asylrelevante Verfolgung erlitten hat und ihr mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit auch künftig keine solche drohen wird (vgl. a.a.O. E. 5.5), 

erscheint es sodann auch äusserst unwahrscheinlich, dass sie knapp (…) 

Jahre nach ihrer Ausreise aus Kolumbien ins Visier der AGC geraten sein 

D-3504/2022 

Seite 13 

soll, zumal sie lediglich als Sekretärin für die O._______ tätig war und ei-

genen Angaben zufolge seit dem 24. Februar 2018 kein Dokument und kei-

nen Antrag unterzeichnet habe (vgl. SEM-Akte […]-65/16, F55). An dieser 

Einschätzung ändern auch die verspätet eingereichten Schreiben von 

F._______ vom 6. Dezember 2021 und G._______ vom 7. Dezember 

2021, in denen sie als "líder social" bezeichnet wurde, nichts, da diese – 

wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt – als blosse Gefälligkeits-

schreiben ohne erhöhten Beweiswert zu erachten sind. 

7.3  

7.3.1 Hinsichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, wonach auf-

grund ihrer Angst vor einer Verfolgung nach ihrer Rückkehr nach Kolum-

bien ein unerträglicher psychischer Druck bestehe, ist Folgendes festzu-

halten: 

7.3.2 Um das Vorhandensein eines unerträglichen psychischen Drucks be-

jahen zu können, müssen konkrete staatliche Eingriffe vorliegen, welche 

effektiv stattgefunden haben oder künftig drohen. Die staatlichen Verfol-

gungsmassnahmen müssen in einer objektivierten Betrachtung zudem als 

derart intensiv erscheinen, dass der betroffenen Person ein weiterer Ver-

bleib in ihrem Heimatstaat objektiv nicht mehr zugemutet werden kann. Mit 

anderen Worten ist nicht ausschlaggebend, wie die betroffene Person die 

Situation subjektiv erlebt hat, sondern ob aufgrund der tatsächlichen Situ-

ation eine Drittperson nachvollziehen kann, dass der psychische Druck un-

erträglich geworden ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 30 E. 4d; vgl. ferner 

Referenzurteil des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 7.6). 

7.3.3 Bereits im Urteil D-908/2021 vom 11. Oktober 2021 wurde die Frage, 

ob die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise unter unerträglichem psychi-

schem Druck stand, behandelt und verneint (vgl. a.a.O. E. 5.3). Die von ihr 

nunmehr angeführte Angst vor einer Verfolgung bei ihrer Rückkehr gründet 

auf ihren subjektiven Erlebnissen und ist angesichts der vorhergehenden 

Ausführungen objektiv nicht begründet, weshalb darin kein unerträglicher 

psychischer Druck zu erkennen ist. Daran vermag auch der zu den Akten 

gereichte ärztliche Kurzbericht vom 15. Februar 2022 nichts zu ändern, wo-

nach die Beschwerdeführerin mehrere Symptome einer mittelgradigen De-

pression sowie einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zeige 

und der Stress, die rezidivierenden Albträume und Panikattacken eine di-

rekte Folge ihrer Angst, nach Kolumbien zurückzukehren, seien (vgl. SEM-

D-3504/2022 

Seite 14 

Akte […]-1/21, Beilage 2). Diese fachärztliche Diagnose, welche vom Bun-

desverwaltungsgericht nicht in Frage gestellt wird, vermag die vorge-

brachte Verfolgungssituation sowie den daraus resultierenden psychischen 

Druck nicht zu belegen und lässt per se auch keine Rückschlüsse auf die 

Ursache der festgestellten psychischen Leiden zu. 

7.4  

7.4.1 Angesichts der Tatsache, dass das SEM nach dem Gesagten die Vor-

bringen der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung zu Recht 

als nicht asylrelevant erachtet hat, bedarf die Frage der Schutzfähigkeit der 

kolumbianischen Behörden keiner abschliessenden Beurteilung. 

7.4.2 Der Vollständigkeit halber ist indessen festzuhalten, dass eine Verfol-

gung durch nichtstaatliche Akteure – wie vorliegend die paramilitärische 

Organisation AGC – grundsätzlich flüchtlingsrelevant sein kann, wenn es 

der betroffenen Person nicht möglich ist, davor im Heimatstaat adäquaten 

Schutz zu finden. Nach der sogenannten Schutztheorie ist eine nichtstaat-

liche Verfolgung nur dann asylrelevant, wenn der Staat unfähig oder nicht 

willens ist, Schutz vor besagter Verfolgung zu bieten. Es ist dabei vom 

Staat keine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von 

nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu verlangen, weil es kei-

nem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und 

Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine 

funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wo-

bei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe wie an 

ein Rechts- und Justizsystem zu denken ist, welches eine effektive Straf-

verfolgung ermöglicht. Ob das bestehende Schutzsystem als in diesem 

Sinne effizient erachtet werden kann, hängt letztlich auch davon ab, ob der 

Schutz die von Verfolgung betroffene Person tatsächlich erreicht (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Die Inanspruchnahme dieses Schutzsys-

tems muss der betroffenen Person demnach objektiv zugänglich und indi-

viduell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter 

Berücksichtigung des länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist.  

7.4.3 Wie das Erstatten der Online-Anzeige vom 9. März 2022 durch die 

Beschwerdeführerin und die Bestätigung derselben gezeigt haben (vgl. 

SEM-Akte […]-5/12, Beilage 3), ist das kolumbianische Schutzsystem für 

sie zugänglich. Es kann folglich nicht auf eine generelle Schutzverweige-

rung der kolumbianischen Behörden geschlossen werden. Ferner ist vor-

liegend auch das Bestehen innerstaatlicher Aufenthaltsalternativen zu be-

D-3504/2022 

Seite 15 

stätigen, zumal nicht davon auszugehen ist, die AGC würde die Beschwer-

deführerin in ganz Kolumbien verfolgen. Dies ergibt sich einerseits daraus, 

dass Kolumbien nicht flächendeckend von den Paramilitärs beherrscht 

wird (vgl. Urteile des BVGer E-4269/2018, E-4270/2018 und E-4272/2018 

alle vom 4. September 2018) und andererseits aus dem Umstand, dass es 

sich bei der Beschwerdeführerin nicht um eine landesweit bekannte Per-

sönlichkeit handelt. 

7.5 Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, 

Gründe darzulegen, die zu einer Wiedererwägung der vorinstanzlichen 

Verfügung vom 27. Januar 2021 führen könnten. Folglich hat das SEM zu 

Recht das Wiedererwägungsgesuch abgewiesen und den Einbezug des 

Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin 

abgelehnt. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-

länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen.  

8.2.2 Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfül-

len, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK; SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des 

Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und 

völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]; 

D-3504/2022 

Seite 16 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK; SR 0.105]; Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschen-

rechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 [EMRK; SR 0.101]). 

8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Menschenge-

richtshofs (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten 

die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen 

oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen 

Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 7201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Das ist vorliegend jedoch nicht der Fall und auch die allgemeine 

Menschenrechtssituation in Kolumbien lässt den Wegweisungsvollzug 

nicht als unzulässig erscheinen. 

8.2.4 Folglich erweist sich der Vollzug der Wegweisung der Beschwerde-

führenden – sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Best-

immungen – nach wie vor als zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2  

8.3.2.1 Die Beschwerdeführenden brachten in ihrem Wiedererwägungsge-

such vom 24. Februar 2022 vor, dem eingereichten Arztbericht vom 

22. Februar 2022 sei zu entnehmen, dass der psychische Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin instabil sei und sie sich deswegen in Be-

handlung befinde. Eine Unterbrechung dieser Behandlung könnte sich 

sehr nachteilig auswirken. Zudem bestehe ein akutes Risiko, dass sich ihr 

Gesundheitszustand bei einer Rückkehr in ein Land, wo sich das Trauma 

ereignet habe, das für ihre psychischen Belastungen verantwortlich sei, 

D-3504/2022 

Seite 17 

drastisch verschlechtere. Ausserdem sei eine Rückkehr an ihren Her-

kunftsort aufgrund der dort besonders aktiven Feinde der O._______ un-

möglich, zumal sie auch nicht auf die Hilfe von Familie oder Bekannten 

zählen könnte und ganz auf sich alleine gestellt wäre. 

8.3.2.2 In der angefochtenen Verfügung vertrat das SEM die Ansicht, die 

geltend gemachten gesundheitlichen Probleme stünden dem Wegwei-

sungsvollzug nach Kolumbien nicht entgegen. Auch wenn die psychologi-

schen und psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten in Kolumbien hinter 

denjenigen in der Schweiz zurückstehen würden, sei eine Behandlung in 

den grösseren Städten möglich und zumutbar. Im Weiteren sei bezüglich 

der Zumutbarkeit der Wegweisung darauf hinzuweisen, dass die Be-

schwerdeführerin ausserhalb ihrer Heimatregion über ein zumutbare Auf-

enthaltsalternative verfüge. 

8.3.2.3 Die Beschwerdeführenden wendeten in ihrer Rechtsmitteleingabe 

ein, es sei unzumutbar die Beschwerdeführerin dazu zu bringen, ihre jet-

zige psychotherapeutische Behandlung abzubrechen. Allein die gedankli-

che Nähe zum Heimatstaat habe zu einer Verschlimmerung ihrer Situation 

geführt. Ihr solle zumindest die Möglichkeit gegeben werden, durch die an-

gefangene Behandlung, die Distanz zum Ereignisort und das Vergehen der 

Zeit das Geschehene zu verarbeiten, damit sie eines Tages wieder zurück 

in ihre Heimat gehen könne.  

8.3.2.4 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, zwar sei die pa-

ramilitärische Gruppierung AGC in verschiedenen Regionen Kolumbiens 

präsent, in weiten Teilen habe sie jedoch gar keine Präsenz oder lediglich 

eine geringe. Damit sei offensichtlich, dass selbst wenn die Beschwerde-

führenden im heutigen Zeitpunkt schutzbedürftig wären, eine innerstaatli-

che Schutzalternative bestehen würde. 

8.3.2.5 In der Replik wurde eingewendet, dass auch wenn die Gruppierung 

AGC nicht in jeder Region Kolumbiens gleich präsent sei, es sich dennoch 

um eine der mächtigsten kriminellen Organisationen in Kolumbien handle, 

welche im ganzen Land vernetzt sei, für den Schmuggel von Kokain, 

Schutzgelderpressungen, zahlreiche Morde sowie Vertreibungen verant-

wortlich und im illegalen Bergbau tätig sei, womit sie zweifellos als "natio-

nales Kartell" bezeichnet werden könne. Der kolumbianische Staat sei 

nicht in der Lage den Beschwerdeführenden Schutz zu gewähren, weshalb 

ihnen im Falle einer Rückkehr nach Kolumbien eine ernsthafte und kon-

krete Gefahr für Leib und Leben drohe. 

D-3504/2022 

Seite 18 

8.3.3 In Kolumbien herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situ-

ation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-

bar wäre (vgl. hierzu Urteil des BVGer D-908/2021 vom 11. Oktober 2021 

E. 7.4.2 m.w.H sowie jüngst das Urteil des BVGer E-6583/2020 vom 11. Ja-

nuar 2024 E. 9.3.3 m.w.H.). 

8.3.4 Auch individuelle Gründe wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitli-

cher Natur lassen nach wie vor nicht auf eine konkrete Gefährdung der 

Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr schliessen. 

Die Beschwerdeführenden verfügen in ihrem Heimatland, wo sie aufge-

wachsen und gemäss eigenen Angaben bis zu ihrer Ausreise gelebt haben 

(vgl. SEM-Akten […]-45/11 [nachfolgend: SEM-Akte 45/11], F5 ff. und […]-

46/7 [nachfolgend: SEM-Akte 46/7], F5), über ein tragfähiges Beziehungs-

netz (vgl. SEM-Akten 45/11, F13 ff. und F 29 ff. und 46/7, F17 ff.), welches 

sie bei seiner Rückkehr unterstützten und ihnen insbesondere in 

I._______, J._______, K._______, L._______ oder M._______ eine gesi-

cherte Wohnsituation bieten könnte. Überdies ist davon auszugehen, dass 

sie sich während ihrer Schul- und Berufsausbildung auch ausserhalb ihrer 

Kernfamilien ein Umfeld und ein soziales Netzwerk aufgebaut haben. In 

beruflicher Hinsicht können beide auf langjährige Berufserfahrungen in ver-

schiedenen Bereichen zurückgreifen (vgl. SEM-Akten 45/11, F13 ff. und 

F 21 ff. und 46/7, F25 ff.). Insoweit ist davon auszugehen, dass sie sich 

nach ihrer Rückkehr nach Kolumbien rasch wieder in den Arbeitsmarkt in-

tegrieren und für ein regelmässiges Einkommen sorgen können. Allfällige 

wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten stehen dem Wegweisungs-

vollzug jedenfalls nicht entgegen, da blosse soziale und wirtschaftliche 

Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen be-

troffen ist (beispielsweise Mangel an Arbeitsplätzen), keine konkrete Ge-

fährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen vermögen (vgl. 

BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Zur Überbrückung der Anfangszeit steht es den 

Beschwerdeführenden bei ihrer Rückkehr zudem offen, einen Antrag auf 

finanzielle Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. 

Art. 73 ff. der Asylverordnung 2 vom 1. August 1999 über Finanzierungs-

fragen [AsylV 2; SR 142.312]), womit ihnen der wirtschaftliche Wiederein-

stieg im Heimatland erleichtert werden kann. Alsdann sind keine Gründe 

ersichtlich, die den Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführenden unter 

medizinischen Gesichtspunkten als unzumutbar erscheinen lassen wür-

den. Gemäss Kurzbericht von D._______, Ph.D., vom 15. Februar 2022 

sei die Beschwerdeführerin seit dem (…) 2021 in psychotherapeutischer 

D-3504/2022 

Seite 19 

Behandlung und zeige mehrere Symptome einer mittelgradigen Depres-

sion und einer PTBS. Der Stress, die rezidivierenden Albträume und die 

Panikattacken seien eine direkte Folge ihrer Angst, nach Kolumbien zu-

rückzukehren (vgl. SEM-Akte […]-1/21, Beilage 2). Da seither keine weite-

ren ärztlichen Unterlagen zu den Akten gereicht wurden, ist davon auszu-

gehen, dass sich die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin 

zumindest nicht verschlechtert haben. Im Übrigen ist festzustellen, dass 

Kolumbien insbesondere in den Städten und grösseren Ortschaften über 

eine vergleichsweise gute Gesundheitsversorgung verfügt (vgl. Urteil des 

BVGer E-6583/2020 vom 11. Januar 2024 E. 9.3). Der Beschwerdeführer 

ist gemäss eigenen Angaben bei guter Gesundheit (vgl. SEM-Akte 46/7, 

F4). Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, den Beschwer-

deführenden würde bei einer Rückkehr in ihr Heimatland aus individuellen 

Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine ihre 

Existenz gefährdende Situation geraten, die als konkrete Gefährdung im 

Sinne der zu beachtenden Bestimmungen zu werten wäre (Art. 83 Abs. 4 

AIG). 

8.3.5 Damit erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl allgemein als 

auch in individueller Hinsicht als zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. 

An dieser Einschätzung vermag auch die mit Eingabe vom 4. März 2024 

geltend gemachte – und auf einem vor über einem Jahr erstellten Arztzeug-

nis basierende – gesundheitliche Situation des Vaters der Beschwerdefüh-

rerin nichts zu ändern, zumal dieser namentlich auch von seiner Ehefrau 

(N […]), die wie die Beschwerdeführerin nicht im selben Kanton wie der 

Erkrankte domiziliert ist, durch seine Krankheit begleitet und betreut wer-

den kann.    

8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als (weiterhin) zulässig und zumutbar bezeichnet. Eine Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme fällt somit nach wie vor ausser Betracht (Art. 83 

Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die 

Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 

D-3504/2022 

Seite 20 

10.  

Die mit Zwischenverfügung vom 18. August 2022 gewährte aufschiebende 

Wirkung gemäss Art. 111b Abs. 3 Satz 2 AsylG wird mit vorliegendem Urteil 

gegenstandslos. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Nachdem mit Zwischen-

verfügung vom 18. August 2022 das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen 

worden ist und weiterhin von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden 

auszugehen ist, sind ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

11.2 Eine Parteientschädigung ist beim vorliegenden Verfahrensausgang 

nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3504/2022 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Giulia Marelli 

 

 

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