# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** db74968d-fc9a-5cf9-b642-e6b3e45910b7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.03.2010 D-3318/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3318-2009_2010-03-03.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3318/2009
law/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richter Martin Zoller, Richter Robert Galliker, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._________, geboren (...),
B._________, geboren (...),
C.__________, geboren (...),
D.__________, geboren (...),
E.__________, geboren (...),
Kosovo,
(...),
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 24. April 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3318/2009

Sachverhalt:

A.
A.a Die Beschwerdeführenden,  ethnische Serben mit  letztem Wohn-
sitz  in  F.__________,  verliessen  ihr  Heimatland  eigenen  Angaben 
gemäss zusammen mit  ihrem jüngsten Sohn am 27. März 2008 und 
reisten  gleichentags  legal  –  mit  ihren  mit  Visa  versehenen 
Reisepässen – in die Schweiz ein. Am 10. April 2008 stellten sie beim 
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen Asylgesuche.

A.b Bei  der  Erstbefragung  im  EVZ  Kreuzlingen  vom 21. April  2008 
sagte der Beschwerdeführer aus, er sei von Albanern bedroht worden. 
Als er am 14. Oktober 2007 in seinen Wald gegangen sei, sei er zwei 
Albanern begegnet, die dort Holz geholt hätten. Er habe ihnen gesagt, 
dass sie dies nicht dürften, worauf er beschimpft worden sei. Er habe 
gedroht,  er  werde  sie  bei  der  UNMIK  (United  Nations  Interim 
Administration Mission in  Kosovo) anzeigen,  und sie hätten ihm ihre 
Vornamen gesagt. Am folgenden Tag habe er bei der UNMIK Anzeige 
erstatten wollen. Der Polizist sei Albaner gewesen und habe ihm ge-
sagt, sie hätten anderes zu tun, er solle wieder gehen. Am 9. Januar 
2008 habe er seinen Sohn zu einem Arzt bringen müssen. Beim an-
schliessenden Einkaufen hätten ihn die beiden Albaner gesehen. Als 
er später nach Pristina gefahren sei, sei ein Auto auf der Strasse ge-
standen. Er habe sich diesem genähert und einer der Albaner sei aus 
dem Auto gestiegen. Dieser habe ihn aufgefordert, auszusteigen und 
habe ihm eine Waffe gezeigt. In diesem Moment habe eine Drittperson 
die Person angerufen, die im Auto gesessen habe. Der Albaner habe 
ihm gesagt, er habe Glück gehabt, das nächste Mal werde er keines 
haben. Seither habe er  in Angst  gelebt. Als er  von der Schweiz aus 
habe heimkehren wollen, habe er vom Flughafen aus seine Mutter an-
gerufen,  die  ihm  gesagt  habe,  dass  sich  die  Albaner  nach  ihm  er-
kundigt hätten.

Die  Beschwerdeführerin  legte  dar,  sie  seien  in  die  Schweiz  ge-
kommen,  um ihren schwer  kranken Patenonkel  zu  besuchen. Er  sei 
verstorben, bevor sie das Visum erhalten hätten, sie hätten aber sein 
Grab  besuchen  wollen.  Als  sie  vor  ihrer  Rückkehr  ihre  Schwieger-
mutter  angerufen  hätten,  habe  ihnen  diese  gesagt,  sie  sollten  nicht 
zurückkommen, da die Albaner, mit denen ihr Mann Probleme gehabt 
habe,  nach  ihm gefragt  hätten.  Die  Männer  hätten  ihrer  Schwieger-
mutter gesagt,  sie sollten besser nicht  zurückkehren. Ihr Mann habe 

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bei  der  UNMIK  wegen  den  zurückliegenden  Problemen  mit  diesen 
Männern Anzeige erstatten wollen. Dort  habe man ihm gesagt,  man 
könne nichts unternehmen, da er die genauen Personalien der Männer 
nicht kenne.

A.c Am 14. Mai 2008 wurden die Beschwerdeführenden zu ihren Asyl-
gründen  angehört.  Der  Beschwerdeführer  machte  im  Wesentlichen 
geltend, er habe in seiner Heimat grosse Angst gehabt. Die allgemeine 
Lage sei  dort  sehr  schlecht. Einmal  sei  er  von einem Polizisten ge-
ohrfeigt  worden,  der  behauptet  habe,  er  habe  kein  Bremslicht  an 
seinem Wagen. Sie hätten nur während dreier Stunden pro Tag Strom. 
Des Weiteren bestätigte und ergänzte er die bei der Erstbefragung ge-
machten Aussagen hinsichtlich der Probleme mit zwei Albanern. Sein 
Onkel  habe ihm gesagt,  dass  sich  die  beiden Albaner  nach ihm er-
kundigt  hätten. Bis  zu  seiner  Ausreise  habe  er  aber  keine  weiteren 
Probleme mit ihnen gehabt.

Die  Beschwerdeführerin  sagte  aus,  sie  sei  aufgrund  der  schlechten 
Lage im Kosovo in die Schweiz gekommen. Sie habe Angst  gehabt, 
dort zu leben. Sie habe sich auch davor gefürchtet, ihre Kinder in die 
Schule zu schicken. Wegen des Vorfalles im Wald sei das Leben ihres 
Mannes  bedroht.  Die  Männer  hätten  gesagt,  sie  würden  ihn  um-
bringen, falls er sie anzeige. Da sie im Kosovo nicht beschützt würden, 
könnten sie dort nicht mehr leben.

A.d Die  Söhne  C.__________  und  D.__________  der 
Beschwerdeführenden  verliessen  den  Kosovo  gemäss  Angaben  des 
Ersteren am 10. August 2008 und gelangten am folgenden Tag in die 
Schweiz, wo sie am 12. August  2008 um Asyl  nachsuchten. Bei  der 
Erstbefragung  im  EVZ  Basel  sagte  C.__________  aus,  er  habe  zu 
seinen in der Schweiz lebenden Eltern kommen wollen. Die Albaner 
hätten ihn einige Male mit Steinen beworfen.

A.e Das  BFM  führte  am  3.  November  2008  mit  den  Beschwerde-
führenden  eine  weitere  Anhörung  durch  und  hörte  deren  Sohn 
C.__________ gleichentags zu seinen Asylgründen an. 

Der Beschwerdeführer führte aus, er habe zwölf Jahre lang die Schule 
besucht, habe zwar keinen Beruf erlernt, könne aber fast jede Tätigkeit 
verrichten.  Im  Kosovo  habe  er  meistens  als  Kellner,  aber  auch  als 
Chauffeur gearbeitet. Seit 1999 habe er, ausser in der eigenen Land-
wirtschaft, nicht mehr gearbeitet. Vom Kosovo aus sei er einige Male 

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nach Belgrad gefahren. 

Die Beschwerdeführerin gab an, die Mittelschule abgeschlossen und 
eine Ausbildung als  Verkäuferin  zu  haben. Sie sei  einige Male nach 
Vranje und nach Belgrad gereist, als sie das Visum für die Schweiz be-
antragt hätten. 

C.__________  machte  geltend,  er  habe  bis  im  Juni  2008  die 
Grundschule  besucht.  Auf  dem  Schulweg  sei  er  von  albanischen 
Kindern  provoziert  oder  mit  Gegenständen  beworfen  worden.  Die 
Lebensbedingungen im Kosovo seien sehr schlecht. 

A.f Am 14. Januar  2009  setzte  das  BFM die  Beschwerdeführenden 
von den Ergebnissen der Abklärungen der schweizerischen Botschaft 
in Pristina vom 18. Dezember 2008 in Kenntnis, welche diese auf Er-
suchen des BFM vom 19. November 2008 durchführte, und gewährte 
ihnen Frist zur Einreichung einer Stellungnahme. Am 21. Januar 2009 
übermittelten die Beschwerdeführenden ihre Stellungnahme.

B.
Mit Verfügung vom 24. April 2009 – eröffnet am 27. April 2009 – stellte 
das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  würden  die  Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfüllen, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  aus  der 
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.

C.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 22. Mai 2009 be-
antragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung  und  die  Anerkennung  ihrer  Flüchtlingseigenschaft.  Es  sei 
von  einer  Wegweisung  abzusehen  und  ihnen  die  unentgeltliche 
Rechtspflege zu gewähren. Der Eingabe lagen mehrere Beweismittel 
bei (vgl. S. 22 der Beschwerde).

D.
Der Instruktionsrichter  hiess das Gesuch um Gewährung der  unent-
geltlichen Rechtspflege gemäss Art.  65 Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021)  mit Verfügung vom 28. Mai 2009 gut und verzichtete auf 
die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  übermittelte  er 
die Akten dem BFM zur Vernehmlassung.

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E.
Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 5. Juni 2009 die 
Abweisung der Beschwerde.

F.
Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Stellungnahme vom 22. Juni 
2009, der zahlreiche Beweismittel beilagen, an ihren Anträgen fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesver-
waltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vor-
liegenden Beschwerde, es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls end-
gültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Verfahren  richtet  sich  nach 
dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  die  Be-
schwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teil-
genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  be-
ziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. 
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung  zu 
tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Das  BFM führte  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  dass 
den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  viele  Ungereimtheiten  zu 
entnehmen seien. Er habe hinsichtlich des Zusammentreffens mit den 
Albanern  im  Wald  unterschiedliche  Daten  angegeben.  Auch  zum 
zweiten Aufeinandertreffen mit den Albanern habe er unterschiedliche 
Daten genannt. Einmal habe er gesagt, er habe die Namen der beiden 
von seinem Onkel erfahren, ein anderes Mal habe er vorgebracht, die 
Männer hätten ihm ihre Namen selbst genannt. Er habe ausgeführt, er 
habe sich nach dem zweiten Zusammentreffen mit den Männern nicht 
mehr aus dem Haus getraut,  habe sich aber noch mehrere Wochen 
dort  aufgehalten und bei seiner Einreise in die Schweiz am 27. März 
2008 kein Asylgesuch gestellt. Er habe sich erst unmittelbar vor dem 
Rückflug  dazu  entschieden.  Erfahrungsgemäss  seien  unter  begrün-
deter Angst lebende Personen bestrebt, unverzüglich den Ort der Ge-
fährdung zu verlassen und bei den Behörden des Zufluchtstaats um 
Schutz  nachzusuchen.  Die  Beschwerdeführerin  und  der  Sohn 
C.__________ hätten keine eigenen Asylgründe geltend gemacht. Die 
von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  schwierigen 
Lebensumstände  in  Kosovo  seien  Ausdruck  der  erschwerten 

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wirtschaftlichen Bedingungen in  ihrem Heimatstaat  und asylrechtlich 
nicht relevant. 

Das BFM erachtete den Vollzug der Wegweisung in  den Kosovo als 
nicht zumutbar, weil dort  für Serben ausserhalb deren Enklaven eine 
konkrete  Gefährdung  nicht  ausgeschlossen  werden  könne.  Eine 
Wegweisung in den Herkunftsbezirk der Beschwerdeführer oder in den 
Norden Kosovos stehe deshalb nicht zur Diskussion. Für Serben aus 
dem Kosovo bestehe aber in Serbien grundsätzlich eine Aufenthalts-
alternative. Gemäss serbischer Verfassung von 2006 sei  der Kosovo 
integraler  Bestandteil  Serbiens,  weshalb  die  Beschwerdeführenden 
weiterhin  als  serbische  Staatsangehörige  betrachtet  würden  und  für 
die Einreise nach Serbien Papiere erhielten. Selbst in Anbetracht der 
hohen Arbeitslosigkeit  in Serbien dürfte es einem der Ehegatten ge-
lingen,  innerhalb nützlicher Frist  eine Erwerbstätigkeit  zu finden. Die 
Abklärungen des BFM hätten ergeben,  dass  die  Beschwerdeführen-
den  Beziehungen  zu  G.__________  hätten,  wo  Verwandte  wohnten 
und sich zum Zeitpunkt der Abklärungen die Mutter des Beschwerde-
führers während längerer Zeit aufgehalten habe. Seine Schwester lebe 
in H.___________ und Angehörige der Beschwerdeführerin lebten in 
Belgrad.  Sie  verfügten  in  Serbien  somit  über  ein  breites  verwandt-
schaftliches  Beziehungsnetz.  Zudem  hätten  sie  Verwandte  in  der 
Schweiz und in Österreich und dürften von dieser Seite auf eine ge-
wisse finanzielle Unterstützung zählen können. Die Inanspruchnahme 
der Aufenthaltsalternative sei somit zumutbar.

4.2 In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  die  serbische  Bevöl-
kerung  im  Kosovo  lebe  seit  Jahren  in  Angst  vor  albanischen  Über-
griffen. Nach dem Abzug der serbischen Armee und Polizei habe der 
Terror  gegen die  Serben zugenommen. In  der  Folge zählen die  Be-
schwerdeführenden  zahlreiche  Vorfälle  auf,  bei  denen  im  Kosovo 
lebenden Serben Schaden zugefügt worden sei. Diese zeigten, dass 
die serbische Bevölkerung in  grosser Gefahr lebe und um ihr  Leben 
fürchten  müsse.  Sie  hätten  bis  zu  ihrer  Ausreise  in  einem  von 
albanischen Dörfern umgebenen Dorf gelebt. Sie seien von Albanern, 
die  durch  ihr  Dorf  gefahren  seien,  mit  Gesten  bedroht  worden.  Im 
Weiteren werden nochmals die von den Beschwerdeführenden in den 
Befragungen  geltend  gemachten  Erlebnisse  geschildert  und  ausge-
führt, die Diskriminierung und Vertreibung der Serben halte an und die 
Beschwerdeführenden  seien  zu  einem  Leben  unter  unmenschlichen 
Bedingungen  gezwungen.  Sie  hätten  kaum  Möglichkeiten,  sich 
wirtschaftlich  zu  entfalten.  Seit  der  Unabhängigkeitserklärung  des 

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Kosovos  seien  ihre  Freiheit  und  Bewegungsmöglichkeiten  noch  be-
grenzter. Die serbische Bevölkerung fürchte sich vor einem erneuten 
Pogrom wie im Jahr 2004. Die Polizei beschütze die Serben nicht vor 
den Albanern. Sie hätten sich entschlossen, in der Schweiz um Asyl 
nachzusuchen,  weil  das Leben in  ihrer  Heimat nicht  mehr erträglich 
gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe einige Male erlebt, wie ihr 
Haus und ihr Sohn mit Steinen beworfen worden seien. Sie habe auch 
den  Überfall  auf  der  Fahrt  von  F.__________  nach  I.___________ 
miterlebt.  Bei  allen  Anhörungen  habe  ein  Albaner  als  Übersetzer 
fungiert,  was  nicht  korrekt  sei,  da  dessen  Muttersprache  nicht  das 
Serbische  sei.  Die  Unstimmigkeiten  bei  den  Datumsangaben  seien 
Folge  der  zeitlichen  Distanz.  Der  Beschwerdeführer  habe  ohnehin 
Mühe,  sich  Daten  zu  merken.  Die  beiden  Albaner  hätten  ihm  ihre 
Namen verraten,  weil  sie  gedacht  hätten,  er  getraue  sich  nicht,  sie 
anzuzeigen. Sein Onkel habe ihm später erklärt, die beiden stammten 
aus Albanien. Der Entscheid, in der Schweiz um Asyl nachzusuchen, 
sei gefallen, als die Mutter des Beschwerdeführers erzählt habe, dass 
die  beiden  Albaner  ihn  wieder  bedrohten.  Ferner  wird  geltend 
gemacht, auch die Lage in Kosovska Mitrovica sei schlecht. Zudem sei 
eine Rückweisung nach Belgrad nicht zumutbar, weil sie dort nicht zu 
Hause  seien.  In  Serbien  befänden  sich  Hunderttausende  von 
Flüchtlingen, die in unzumutbaren Verhältnissen lebten. Serbien habe 
mit grossen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Sie müssten dort 
ohne  Arbeit  und  unter  schwierigen  Lebensbedingungen  ihr  Leben 
fristen. Serben aus dem Kosovo würden dort nicht gern gesehen und 
aufgefordert,  dorthin  zurückzukehren.  Sie  erachteten  es  als  nicht 
korrekt,  wenn sich die Schweiz auf die serbische Verfassung berufe, 
da  diese  den  Kosovo  anerkannt  habe.  Sie  hätten  in  Serbien  keine 
Verwandten.  In  G.__________  lebe  ein  Bruder  der  Tante  des 
Beschwerdeführers,  seine  Schwester  lebe  nicht  in  H.___________, 
sondern im Kosovo. Seine Schwester sei in H.___________ im Spital 
gewesen, weil sie dort  operiert  worden sei. In Belgrad habe er keine 
Verwandten  und  er  sei  nur  einige  Male  dort  gewesen.  Ihre  in  der 
Schweiz und Österreich lebenden Verwandten könnten es ihnen sicher 
nicht ermöglichen, sich in Serbien eine Existenz aufzubauen. Zudem 
sei  die Beschwerdeführerin  krank und auf  ärztliche Kontrollen ange-
wiesen.

4.3 Das BFM führt  in seiner Vernehmlassung aus,  die umfangreiche 
Eingabe  der  Beschwerdeführenden  beschreibe  im  Wesentlichen  die 
Situation  im  Kosovo  und  in  Serbien.  Bezeichnenderweise  äusserten 
sie sich lediglich nebenbei und unsubstanziiert  zu den Gründen, aus 

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denen das BFM ihren Vorbringen keinen Glauben schenkte. Abklärun-
gen vor Ort hätten ergeben, dass die Beschwerdeführenden in Serbien 
über  eine  Aufenthaltsalternative  verfügten.  Der  Beschwerdeführer 
habe denn in seiner Eingabe vom 22. Mai 2009 auch bestätigt, dass er 
ausserhalb seines Wohnsitzes Verwandte und sich selbst einige Male 
in  Belgrad  aufgehalten  habe.  Die  momentanen  gesundheitlichen 
Probleme der  Beschwerdeführerin  könnten den Vollzug der  Wegwei-
sung nicht stoppen, da es sich um keine gravierende Krankheit handle, 
die in Serbien nicht behandelt werden könne.

4.4 In  der  Stellungnahme  wird  entgegnet,  die  Situation  im  Kosovo 
habe sich bis heute nicht verbessert. Diesbezüglich verweisen die Be-
schwerdeführenden  auf  weitere  Zwischenfälle,  die  sich  dort  zuge-
tragen haben. Eine Rückkehr in den Nordkosovo sei unzumutbar. Es 
sei ihnen nicht zuzumuten, nach Serbien zu gehen, wo sie auch keine 
Verwandten  hätten.  In  dieser  Hinsicht  verweisen  die  Beschwerde-
führenden auf die Lage der sich in Serbien aufhaltenden Flüchtlinge. 

5.
5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 
Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-
fälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat-
sachen unterdrückt  oder  bewusst  falsch darstellt,  im Laufe des  Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner  – im Gegen-
satz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt 
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen 
des Gesuchstellers. Entscheidend ist,  ob  im Rahmen einer  Gesamt-
würdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhalts-
darstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht. 
Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (Art. 7  Abs. 2 
und  3  AsylG;  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

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5.2 Der Beschwerdeführer machte bei der Erstbefragung vom 21. April 
2008 geltend, er habe den beiden Albanern mit einer Anzeige bei der 
UNMIK gedroht, als er gesehen habe, wie sie Holz aus seinem Wald 
geholt  hätten.  Diese  hätten  ihm  gesagt,  er  könne  sie  ruhig  bei  der 
UNMIK anzeigen, und hätten ihm ihre Namen genannt (act. A1/9 S. 5). 
Bei der Anhörung vom 14. Mai 2008 gab er indessen an, sein Onkel 
habe ihm die Namen der beiden gesagt (act. A13/11 S. 5). Auf diese 
abweichende Aussage angesprochen,  sagte er,  sein Onkel  habe die 
Namen bestätigt,  was nicht  zu  überzeugen vermag. Ferner  fällt  auf, 
dass  die  Beschwerdeführenden  den  Vorfall  mit  den  zwei  Albanern 
während  ihrer  Rückkehr  von  F.__________  nicht  deckungsgleich 
schilderten.  Die  Beschwerdeführerin  erklärte  bei  der  Erstbefragung, 
sie  hätten im Januar 2008 ihren Sohn zum Arzt  gebracht  und seien 
anschliessend  Einkaufen  gegangen. Auf  dem Nachhauseweg  hätten 
sie zwei neben einem Auto stehende Männer gesehen. Ihr Wagen sei 
von einem der beiden angehalten worden. Einer sei auf der Seite ihres 
Mannes  hingestanden,  der  andere  auf  ihrer  Seite.  Zwischendurch 
habe der auf  ihrer  Seite  stehende Mann einen Telefonanruf  erhalten 
(act. A2/9 S. 6). Bei der Anhörung vom 14. Mai 2008 gab sie an, der 
Albaner,  der  sich  auf  der  Seite  ihres  Mannes  neben  ihren  Wagen 
gestellt  habe,  habe  ihnen  eine  Pistole  gezeigt.  Er  habe  sie 
aufgefordert,  den  Wagen zu  verlassen. Als  jemand angerufen habe, 
habe  er  mit  dieser  Person  gesprochen  (act.  A14/9  S.  4).  Der 
Beschwerdeführer wiederum machte geltend, einer der beiden Albaner 
sei aus einem stehenden Wagen ausgestiegen und habe ihm gesagt, 
er solle anhalten. Als der Albaner ihm seine Waffe gezeigt habe, habe 
eine  Drittperson  den  Albaner  angerufen,  der  im  Auto  gesessen  sei 
(act. A1/9 S. 5). Mitunter ist der Albaner, der einen Anruf auf seinem 
Handy erhalten hat,  auf  der  Fahrerseite  oder  der  Beifahrerseite  des 
Autos  gestanden  beziehungsweise  im  Wagen  der  beiden  sitzen 
geblieben. In der Beschwerde vom 22. Mai 2009 wird ausgeführt,  auf 
der  Strasse  von  F.__________  nach  I.___________  sei  ein  Auto 
gestanden  aus  dem  einer  der  Albaner  ausgestiegen  sei  und  ihnen 
gesagt habe, dass sie anhalten sollen. Er habe vom Beschwerdeführer 
verlangt, dass er aussteigen solle und habe ihm eine unter der Jacke 
versteckte Waffe gezeigt. In diesem Moment sei über sein Handy ein 
Anruf  gekommen.  Er  habe  etwas  mit  jemandem  auf  Albanisch 
besprochen. Der Albaner habe von seinem Vorhaben abgelassen und 
habe  zum  Beschwerdeführer  lediglich  noch  gesagt,  er  habe  dieses 
Mal Glück gehabt (Beschwerde S. 11). Diese Version deckt sich zwar 
im Wesentlichen mit jener Version, die die Beschwerdeführerin bei der 
Anhörung  zu  Protokoll  gegeben  hat.  Angesichts  der  abweichenden 

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Versionen,  welche  die  Beschwerdeführenden  während  der 
Erstbefragung geschildert  haben, bleiben aber erhebliche Zweifel am 
Wahrheitsgehalt  des  Geschilderten  bestehen.  Dies  wird  denn  auch 
durch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  bestätigt.  So  habe  er 
sich,  obwohl  er  um sein Leben gefürchtet  haben soll,  noch mehrere 
Wochen  an  seinem  Wohnort  aufgehalten,  was  unter  diesen 
Umständen  nicht  nachvollziehbar  ist.  Schliesslich  sagten  beide  Be-
schwerdeführenden,  sie  hätten  die  Absicht  gehabt,  in  ihre  Heimat 
zurückzukehren,  weshalb  sie  nicht  gleich  nach  ihrer  Einreise  in  die 
Schweiz  um Asyl  nachgesucht  hätten.  Ihre  Darstellung,  wonach  sie 
erst  auf  dem Flughafen von Zürich erfahren hätten,  dass die beiden 
Albaner  zu  Hause  nach  dem Beschwerdeführer  gesucht  hätten,  er-
scheint  zudem  wenig  plausibel.  Der  von  der  Schweizerischen  Bot-
schaft  im  Kosovo  kontaktierte  Onkel  des  Beschwerdeführers,  der 
neben  dem Haus  der  Beschwerdeführenden wohnt,  bestätigte  zwar, 
dass der Beschwerdeführer Probleme mit Albanern gehabt habe, die 
Holz aus seinem Wald geholt hätten (act. A30/2). Entgegen den Aus-
sagen des Beschwerdeführers (act. A1/9 S. 6, A13/11 S. 5) sagte je-
doch sein Onkel, er selbst sei bei diesem Vorfall nicht dabei gewesen. 
Seines Wissens habe es keine weiteren Zwischenfälle gegeben. Der 
Beschwerdeführer  machte aber geltend,  sein Onkel habe ihn jeweils 
informiert,  wenn  die  Albaner  sich  bei  diesem  nach  ihm  erkundigt 
hätten (act. A13/11 S. 8). Die Erklärung der Beschwerdeführenden in 
ihrer Stellungnahme vom 21. Januar 2009, der Onkel habe keine de-
taillierten Angaben zum Vorfall  im Wald machen wollen, da er  Angst 
um seine Sicherheit habe, vermag nicht zu überzeugen, ist doch dem 
Bericht der Botschaft zu entnehmen, dass der Onkel bereitwillig Aus-
kunft erteilte. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Beschwerde-
führenden die Probleme mit den zwei Albanern, welche Holz aus dem 
Wald  des  Beschwerdeführers  geholt  hätten,  übersteigert  dargestellt 
haben. 

5.3 Die Beschwerdeführenden und ihr Sohn C.__________ haben bei 
den Befragungen – teilweise anhand konkreter Beispiele – ausgesagt, 
sie hätten unter der allgemeinen Lage im Kosovo gelitten. So seien sie 
von den Angehörigen der  ethnischen Mehrheit  diskriminiert  und  an-
gefeindet worden. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichten sie 
zur  Illustration  der  Sicherheitslage  im Kosovo und  der  Situation  der 
Angehörigen  der  ethnischen  Minderheit  der  Serben  zahlreiche  Be-
richte ein. Angesichts der schwierigen Lage, in der sich die serbische 
Minderheit im Kosovo befindet, bestehen an der Glaubhaftigkeit ihrer 

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diesbezüglichen Vorbringen keine Zweifel.

6.
6.1 Die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG erfüllt  eine asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  be-
gründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund be-
stimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 
zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2008/4 E. 5.2 S. 37; EMARK 2006 
Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Aufgrund 
der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zu-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz 
finden  kann (vgl.  BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2  S. 174  f.;  BVGE 2008/4 
E. 5.2  S. 37 f.;  EMARK  2006  Nr. 18  E. 10  S. 201  ff.;  EMARK  2005 
Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Be-
urteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage  nach  der  im  Zeit-
punkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht 
vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist 
jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität  der Verfolgungs-
furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im 
Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zu-
gunsten und zulasten der  das Asylgesuch stellenden Person zu be-
rücksichtigen  (vgl.  BVGE 2008/4  E. 5.4  S. 38  f.;  EMARK 2000  Nr. 2 
E. 8a S. 20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17  und 
11.18).

6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass 
zur Annahme besteht,  eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus 
heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Ver-
folgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen,  welche 
den Eintritt  der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufge-
zählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und 
dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar 

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erscheinen  lassen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193 f.,  EMARK 
2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

6.3 Wie vorstehend ausgeführt wurde (vgl. E. 5.2) erscheinen die von 
den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  geschilderten 
Probleme  mit  zwei  Albanern  als  übersteigert  dargestellt.  Die  Be-
schwerdeführenden  haben  ausgesagt,  sie  seien  in  die  Schweiz  ge-
kommen,  um  das  Grab  des  Onkels  der  Beschwerdeführerin  zu  be-
suchen und hätten die Absicht gehabt, nach Ablauf des Visums in ihre 
Heimat zurückzukehren. Bereits ihre Absicht, in den Kosovo zurückzu-
kehren,  schliesst  das  Vorliegen  einer  begründeten  Furcht  zum Zeit-
punkt  ihrer  Ausreise  aus. Angesichts  des  Umstandes,  dass  ihr  Vor-
bringen,  sie  hätten  kurz  vor  ihrer  Rückkehr  auf  dem Flughafen  von 
einer Suche nach dem Beschwerdeführer und neuen Drohungen der 
Albaner  erfahren,  unglaubhaft  erscheint,  kann  ihnen  auch  diesbe-
züglich  keine  begründete  Furcht  vor  einer  Rückkehr  in  ihre  Heimat 
zuerkannt werden.

6.4 Soweit  die Beschwerdeführenden geltend machen, sie hätten im 
Kosovo unter  den allgemeinen Benachteiligungen gelitten, denen die 
Angehörigen  der  ethnischen  Minderheit  der  Serben  ausgesetzt  sein 
können, ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu ver-
weisen. Die Benachteiligungen, denen sie bis zum Zeitpunkt ihrer Aus-
reise  aus  dem Kosovo ausgesetzt  waren,  erreichten einerseits  nicht 
eine  derartige  Intensität,  dass  sie  zur  Anerkennung  der  Flüchtlings-
eigenschaft  führen  könnten,  andererseits  gingen  sie  von  Privat-
personen aus und sie brachten sie den örtlichen Sicherheitsbehörden 
nicht  zur  Kenntnis.  Den  im Kosovo anwesenden  internationalen  Be-
hörden  und  der  KPS (Kosovo  Police  Service)  kann  somit  nicht  vor-
geworfen  werden,  sie  hätten  nichts  zum  Schutz  des  Beschwerde-
führers  unternommen. Allein  der  Umstand,  dass  die  Beschwerde-
führenden im Falle der Rückkehr nach Kosovo auch in Zukunft mit Un-
annehmlichkeiten  und  Schikanen  rechnen  müssten,  lässt  sich  keine 
begründete  Furcht  vor  Verfolgung  ableiten,  da  die  Schwierigkeiten, 
welchen die serbische Bevölkerung im Alltag generell begegnet in der 
Regel  nicht  derart  gravierend  sind,  als  dass  von  ernsthaften  Nach-
teilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG gesprochen werden könnte.

6.5 Festzuhalten ist schliesslich, dass die Beschwerdeführenden sich 
als  serbische  Staatsangehörige  bezeichnen  (act.  A3/3)  und  die 
serbische Staatsangehörigkeit besitzen. Sie gaben vier jugoslawische 
Reisepässe,  die  teilweise  noch  nach  der  Unabhängigkeitserklärung 

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des Kosovos ausgestellt worden waren, und zwei von der UNMIK aus-
gestellte  Identitätskarten  zu  den  Akten.  Gemäss  dem  Gesetz 
(Nr. 135/04)  vom  21. Dezember  2004  besitzen  sie  die  serbische 
Staatsangehörigkeit, da sie Kinder serbischer Staatsangehöriger sind 
und auf dem (ehemaligen) Staatsgebiet der Republik Serbien geboren 
wurden.  Die  Republik  Kosovo,  deren  Staatsangehörigkeit  die  Be-
schwerdeführenden ebenfalls besitzen dürften, aberkennt beziehungs-
weise  verweigert  Angehörigen  anderer  Staaten  die  kosovarische 
Staatsangehörigkeit  nicht.  Serbien  anerkennt  die  Republik  Kosovo 
nicht  als  Staat  und  betrachtet  damit  die  Staatsangehörigen  des 
Kosovos grundsätzlich als serbische Staatsangehörige. Da vorliegend 
keinerlei  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  den  Beschwerde-
führenden in Serbien asylrechtlich relevante Verfolgung droht, können 
sie sich nach Serbien begeben, wo sie aufgrund der Niederlassungs-
freiheit  Wohnsitz  nehmen  können  und  ihnen  allenfalls  auch  neue 
serbische  Identitätspapiere  ausgestellt  würden.  Unter  diesen  Um-
ständen ist die  Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die  Asyl-
gewährung  von  vornherein  ausgeschlossen,  da  die  Beschwerde-
führenden,  denen  es  zuzumuten  ist,  sich  in  Serbien  niederzulassen 
(vgl. E. 8.4.1), nicht auf internationalen Schutz angewiesen sind (vgl. 
W. KÄLIN, Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a.  M.  1990, 
S. 35;  UNHCR,  Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur 
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993, S. 24, Rz. 106 und 
107). 

6.6 Angesichts  der  aufgezeigten  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren Ausführungen in der Beschwerde sowie die zahlreichen ein-
gereichten Berichte zur allgemeinen Lage der serbischen Minderheit 
im Kosovo im Einzelnen einzugehen, da diese nicht geeignet sind, zu 
einer  anderen  rechtlichen  Würdigung  der  Aktenlage  zu  führen.  In 
Würdigung der gesamten Umstände ist  somit  festzustellen,  dass die 
Beschwerdeführenden  einen  flüchtlingsrechtlich  bedeutsamen  Sach-
verhalt weder nachgewiesen noch glaubhaft gemacht haben. Die Fest-
stellung des BFM, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlings-
eigenschaft  nicht,  ist  dementsprechend zu bestätigen. Das BFM hat 
ihre Asylgesuche somit zu Recht und mit zutreffender Begründung ab-
gelehnt.

7.  
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 

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ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

8.
8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheits-
verhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme von Ausländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen  werden,  in  dem ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 

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4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grund-
freiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 
werden.

8.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  den  Be-
schwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in 
Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. 
Ihre Rückkehr nach Serbien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 
AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerde-
führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den 
Fall einer Ausschaffung in Serbien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Ge-
richtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses müssten die  Beschwerdeführenden eine konkrete 
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im 
Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung 
drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, 
Urteil  vom 28. Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124-127, 
mit weiteren Hinweisen). Die Beschwerdeführenden haben sich mehr-
mals in Serbien aufgehalten und es können den Akten keinerlei  An-
haltspunkte  dafür  entnommen  werden,  dass  sie  dort  einer  un-
menschlichen Behandlung ausgesetzt wurden beziehungsweise damit 
rechnen müssen, einer solchen ausgesetzt zu werden. Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation in Serbien lässt den Wegweisungsvoll-
zug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl-  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu-
lässig.

8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 

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Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

8.4.1 In  Serbien  besteht  keine  Situation  generalisierter  Gewalt,  die 
sich  über  das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben  er-
strecken würde. Der Vollzug der Wegweisung von ethnischen Serben 
mit letztem Wohnsitz in Kosovo nach Serbien ist deshalb grundsätzlich 
zumutbar. Es bestehen zudem auch keine individuellen Gründe wirt-
schaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur die darauf hinwiesen, 
dass die Beschwerdeführenden in Serbien in eine existenzbedrohende 
Situation geraten könnten. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um 
einen  Mann  mit  guter  schulischer  Ausbildung  und  einiger  Berufs-
erfahrung, der in der Lage sein sollte,  sich in Serbien eine Existenz 
aufzubauen.  Auch  die  Beschwerdeführerin  verfügt  über  eine  gute 
Schulbildung und ist gelernte Verkäuferin, hat allerdings keine Berufs-
erfahrung. Die Beschwerdeführenden gaben bei den Anhörungen vom 
3. November 2008 nur ausweichend und zurückhaltend Auskunft über 
ihre  Aufenthalte  in  Serbien  und  die  dort  lebenden  Verwandten.  Der 
Onkel  des  Beschwerdeführers,  der  am 16. Dezember  2008  von der 
Schweizerischen  Botschaft  besucht  wurde,  gab  indessen  an,  die 
Mutter  des  Beschwerdeführers  halte  sich  derzeit  während  einigen 
Wochen  bei  Verwandten  in  G.__________  (Serbien)  auf.  Eine 
Schwester des Beschwerdeführers lebe in H.___________ (Serbien). 
Einige  Verwandte  der  Beschwerdeführerin  lebten  in  Belgrad.  Die 
Beschwerdeführenden  bestreiten  zwar,  dass  eine  der  beiden 
Schwestern des Beschwerdeführers in Serbien lebe, räumen aber ein, 
dass sie dort  Verwandte haben. Diese mögen zwar nicht in der Lage 
und  möglicherweise  auch  nicht  gewillt  sein,  sie  längerfristig  zu 
beherbergen  und  zu  unterstützen.  Dennoch  kann  angenommen 
werden,  dass  sie  zumindest  in  einer  Anfangsphase  mit  deren 
Unterstützung  rechnen  können.  Da  die  Beschwerdeführenden  im 
Kosovo  zweifelsfrei  registriert  wurden,  stehen  einer  Anmeldung  in 
Serbien keine administrativen Hindernisse entgegen. Sie werden nach 
einer  Anmeldung  Zugang  zu  finanzieller  und  bei  Bedarf  auch 
medizinischer  Unterstützung  haben.  Dem  eingereichten  ärztlichen 
Zeugnis  von  Dr.  med.  J.__________  vom  15. Mai  2009  ist  zu 
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin wegen einer ausgeprägten, 
tiefen Beinvenenthrombose in ihrer Behandlung war. Für drei Monate 
müsse  ihr  Blut  verdünnt  werden  und  im  ersten  Monat  sei  eine 
regelmässige  ärztliche  Kontrolle  notwendig.  Die  Beschwerdeführerin 
könnte  sich  im  Fall  einer  erneut  auftretenden  Thrombose  oder 

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weiterhin  notwendiger  Behandlung  auch  in  Serbien  in  ärztliche  Be-
handlung begeben, weshalb ein weiterer Verbleib in der Schweiz aus 
medizinischen Gründen nicht notwendig ist. 

8.4.2 Schliesslich  ist  bei  der  Beurteilung  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs der Aspekt des Kindeswohls zu berücksichtigen. 
Dies  ergibt  sich  nicht  zuletzt  aus  einer  völkerrechtskonformen  Aus-
legung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte  von Art. 3 Abs. 1 der Kon-
vention vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, 
SR 0.107). Unter dem Aspekt  des Kindeswohls sind demnach sämt-
liche Umstände einzubeziehen und zu würdigen,  die im Hinblick auf 
eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl 
können für  ein  Kind namentlich  folgende Kriterien  im Rahmen einer 
gesamtheitlichen  Beurteilung  von  Bedeutung  sein:  Alter,  Reife,  Ab-
hängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, 
Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungs-
bereitschaft  und  -fähigkeit),  Stand  und Prognose bezüglich  Entwick-
lung/Ausbildung,  sowie  der  Grad der  erfolgten Integration  bei  einem 
längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer 
des Aufenthaltes in der  Schweiz,  ist  im Hinblick auf  die Prüfung der 
Chancen und Hindernisse einer Reintegration beziehungsweise Integ-
ration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, 
da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld 
herausgerissen  werden  sollten.  Dabei  ist  aus  entwicklungspsycho-
logischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare  persönliche  Umfeld  des 
Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu  berücksichtigen,  sondern  auch 
dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die  Verwurzelung  in  der  Schweiz 
kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der 
Schweiz  mithin  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben 
kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar 
erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f.,  EMARK 2005 
Nr. 6 E. 6. S. 55 ff.).

Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall indes nicht gegeben. 
Der jüngste,  mittlerweile  achtjährige Sohn der Beschwerdeführenden 
ist  zusammen  mit  seinen  Eltern  im  Alter  von  sechs  Jahren  in  die 
Schweiz eingereist. Er dürfte – wie für Kinder in seinem Alter üblich – 
noch stark an seine Eltern gebunden sein, weshalb für ihn eine Wohn-
sitznahme  in  Serbien  keine  grösseren  Probleme  mit  sich  bringen 
sollte.  Die  beiden  nunmehr  14-  beziehungsweise  16-jährigen  Söhne 
der  Beschwerdeführenden  sind  ihren  Eltern  im  August  2008  in  die 

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Schweiz  gefolgt  und  befinden  sich  demnach  erst  seit  eineinhalb 
Jahren in der Schweiz. Die prägenden Jahre ihrer Kindheit haben sie 
in  Serbien  beziehungsweise  im  Kosovo  verbracht,  und  es  ist  nicht 
davon  auszugehen,  dass  sie  in  der  Schweiz  bereits  tief  verwurzelt 
sind.  Somit  ist  ihnen  eine  Wohnsitznahme  in  Serbien  zuzumuten, 
zumal das Serbische ihre Muttersprache ist und sie in schulischer Hin-
sicht den Anschluss an ihre serbischen Altersgenossen finden werden.

8.4.3 Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  aufgrund  des  Ge-
sagten nicht  als  unzumutbar. An  dieser  Einschätzung  vermögen die 
zahlreichen,  von  den  Beschwerdeführenden  eingereichten  Berichte 
über  die  allgemeine Lage,  in  der  sich  Kosovoserben  in  Serbien  be-
finden, nichts zu ändern. 

8.5 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder verfügen über vier gül-
tige  jugoslawische  Reisepässe,  die  bei  Bedarf  verlängert  werden 
könnten. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich mithin als möglich 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

9.
Zusammenfassend ergibt  sich,  dass das BFM den Vollzug der Weg-
weisung zu Recht angeordnet hat,  da dieser zulässig, zumutbar und 
möglich ist. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit nicht 
in Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

11.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  den  Be-
schwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Da 
ihnen mit Verfügung vom 28. Mai 2009 die unentgeltliche Rechtspflege 
gewährt wurde, sind indessen keine Verfahrenskosten zu erheben.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführenden (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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