# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62f2309b-fbed-574c-8e32-e6481e121ab3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 02.05.2025 SST.2024.162
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-162-_2025-05-02.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.162 
(ST.2023.13; STA.2022.3157) 

 

 

Urteil vom 2. Mai 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichterin Jacober 

Oberrichterin Hausherr 

Gerichtsschreiber i.V. Steiner 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau 

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.2001, von Eritrea, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Tobias Kazik,  

[…] 

 

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 6. März 2023 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung, 

mehrfacher Drohung, mehrfacher versuchter Nötigung, mehrfacher Be-

schimpfung, mehrfacher Tätlichkeiten und mehrfachen Ungehorsams 

gegen amtliche Verfügungen. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Brugg stellte mit Urteil vom 10. Oktober 2023 das Ver-

fahren betreffend die Vorwürfe der mehrfachen Beschimpfung (Anklage-

ziffern 4.2 bis 4.4) mangels Strafanträgen ein, sprach den Beschuldigten 

der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung, der mehrfachen 

Drohung, der mehrfachen versuchten Nötigung, der Beschimpfung (An-

klageziffer 4.1), der mehrfachen Tätlichkeiten und des mehrfachen Unge-

horsams gegen amtliche Verfügungen schuldig und verurteilte ihn zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, einer unbedingten Geldstrafe 

von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00, d.h. Fr. 300.00, sowie einer Busse von 

Fr. 1'000.00. Es ordnete eine stationäre Massnahme an und verwies den 

Beschuldigten unter Ausschreibung im Schengener Informationssystem 

(SIS) für 5 Jahre des Landes. Sodann wies es die Zivilklage des Privatklä-

gers B._____ ab, verpflichtete den Beschuldigten, der Privatklägerin 

C._____ eine Genugtuung von Fr. 500.00 und dem Privatkläger D._____ 

eine Genugtuung von Fr. 1'000.00 sowie Schadenersatz von Fr. 119.35 zu 

bezahlen und verwies dessen Zivilklage im Übrigen auf den Zivilweg. 

Schliesslich regelte es die Kosten und Entschädigungen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 17. Juli 2024 beantragte der Beschuldigte die 

Einstellung des Verfahrens betreffend den Vorwurf der Beschimpfung 

(Anklageziffer 4.1), einen Freispruch von den Vorwürfen der mehrfachen 

versuchten schweren Körperverletzung (Anklageziffern 1.1 und 1.3), der 

mehrfachen Drohung sowie der mehrfachen versuchten Nötigung, einen 

Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung statt versuchter schwerer 

Körperverletzung (Anklageziffer 1.2), eine Verurteilung zu einer Freiheits-

strafe von 4 Monaten, die Anordnung einer ambulanten Massnahme, 

eventualiter einer Massnahme für junge Erwachsene, den Verzicht auf die 

Anordnung einer Landesverweisung, die Reduktion der Genugtuung des 

Privatklägers D._____ auf Fr. 500.00 und die Abweisung der übrigen 

Zivilklagen, eventualiter deren Verweis auf den Zivilweg. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte reichte am 31. Oktober 2024 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Begründung ein. Mit dieser beschränkte der 

 - 3 - 

 

 

Beschuldigte die Berufung auf die stationäre Massnahme sowie die Lan-

desverweisung. 

 

3.3. 

Mit vorgängig zur Berufungsverhandlung eingereichter Berufungsantwort 

vom 13. November 2024 beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung 

der Berufung. 

 

3.4. 

Am 4. Dezember 2024 reichte der Beschuldigte eine Stellungnahme ein. 

Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 16. Dezember 2024 

auf eine Stellungnahme. 

 

3.5. 

Die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) reichten am 23. Januar 

2025 einen Therapieverlaufsbericht ein und ergänzten diesen mit Eingabe 

vom 27. März 2025. 

 

3.6. 

Mit Verfügung vom 24. April 2025 wurde der Antrag des Beschuldigten auf 

erneute Begutachtung bzw. Exploration vorgängig zur Berufungsverhand-

lung sowie die damit einhergehende Neuansetzung der Berufungsverhand-

lung abgewiesen. 

 

3.7. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme des Beschuldigten und der 

Sachverständigen Dr. med. E._____ fand am 2. Mai 2025 statt.  

 

Anlässlich der Berufungsverhandlung änderte der Beschuldigte die Beruf-

ungsanträge dahingehend ab, als dass er die Anträge auf Anordnung einer 

ambulanten Massnahme, eventualiter einer Massnahme für junge Erwach-

sene, zurückzog und damit die stationäre Massnahme nicht mehr anfocht. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Unter Berücksichtigung der im Verlaufe des Berufungsverfahrens erfolgten 

Rückzüge der mit Berufungserklärung gestellten Anträge ist nunmehr 

einzig noch die Landesverweisung zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

Von Amtes wegen ist dem Beschuldigten die ausgestandene Untersu-

chungshaft sowie der vorzeitige Massnahmenvollzug von insgesamt 

982 Tagen (25. August 2022 bis 2. Mai 2025) auf die Freiheitsstrafe, die 

Geldstrafe, die Busse und die stationäre Massnahme anzurechnen (Art. 51 

StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO). 

 - 4 - 

 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB 

unter Ausschreibung im SIS für 5 Jahre des Landes verwiesen. 

 

2.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; 

BGE 146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; 

BGE 145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4). Darauf kann verwiesen werden. 

 

2.3. 

Der Beschuldigte ist Eritreer. Er hat mit der (mehrfachen) versuchten schwe-

ren Körperverletzung eine Katalogtat für eine obligatorische Landesver-

weisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB schuldhaft begangen (vgl. zur 

Anwendung auf den Versuch: BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Der Beschuldigte 

ist somit grundsätzlich für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz zu verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). 

 

Die gesetzlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB, wonach die Landes-

verweisung bei Vorliegen einer Katalogtat die Regel und das Absehen von 

der Landesverweisung unter restriktiver Annahme eines Härtefalls und 

eines überwiegenden privaten Interesses an einem Verbleib in der Schweiz 

die Ausnahme sein sollte, wurde u.a. bei Straftätern mit einer langen 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz («long-term immigrants») durch die 

Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Europäischen Gerichtshofs 

für Menschenrechte (EGMR) stark relativiert. 

 

Allfällige Vollzugshindernisse spielen bereits bei der strafgerichtlichen An-

ordnung der Landesverweisung nach Art. 66a Abs. 2 StGB, das heisst bei 

der dort vorgesehenen Interessenabwägung, eine Rolle, soweit die Verhält-

nisse stabil sind und sich definitiv bestimmen lassen. Liegt ein definitives 

Vollzugshindernis vor, so hat das Sachgericht auf die Anordnung der Lan-

desverweisung zu verzichten (BGE 149 IV 231 E. 2.1.2 f.; BGE 147 IV 453 

E. 1.4.5). 

 

 - 5 - 

 

 

2.4. 

2.4.1. 

Der Beschuldigte ist eritreischer Staatsangehöriger. Er ist im Sudan 

geboren und hat zwischen 2004 und 2006 in Eritrea gelebt. Nach einem 

erneuten kurzzeitigen Aufenthalt im Sudan zwischen Juli 2006 und 

April 2008 gelangte er über Libyen und Italien am 3. Oktober 2008 im Alter 

von sechs Jahren gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern 

in die Schweiz. Sie stellten noch am selben Tag ihre Asylgesuche. 

Einreisegrund war die Furcht vor staatlicher Verfolgungsmassnahmen in 

Eritrea (Akten des Migrationsamts des Kantons Aargau [MIKA-Akten] 

act. 3 ff.). Mit Wiedererwägungsentscheid vom 12. April 2011 wurde das 

Asylgesuch des Beschuldigten abgelehnt, aufgrund der (damaligen) Unzu-

mutbarkeit einer Rückkehr nach Eritrea wurde der Vollzug der Wegweisung 

jedoch zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben (MIKA-Akten 

act. 25 ff.). Der Beschuldigte verfügt nach wie vor über einen Ausweis F.  

Er lebt nunmehr seit mehr als 16 Jahren in der Schweiz, womit er nach der 

Rechtsprechung des EGMR als «long-term immigrant» anzusehen ist 

(Urteil des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4.6.1 

mit Verweis auf das Urteil des EGMR Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen 

die Schweiz vom 17. September 2024, § 28), was es bei seinen persön-

lichen Interessen zu berücksichtigen gilt. 

 

Die Mutter sowie die drei Geschwister des Beschuldigten leben in der 

Schweiz. Sein Vater lebt nicht mehr (Untersuchungsakten [UA] act. 7). Das 

Verhältnis des Beschuldigten zu seiner Familie erscheint äusserst ambi-

valent. Es war in der Vergangenheit wiederholt von Angst und Eskalationen 

geprägt; so liegen elf Polizeiberichte zwischen 2019 und 2021 über 

häusliche Gewalt zwischen dem Beschuldigten und seiner Mutter bzw. 

seinen Schwestern vor, die zu Polizeieinsätzen und Hausverboten führten 

(MIKA-Akten act. 32 ff.; vgl. UA act. 101). Trotz der konfliktbehafteten fami-

liären Beziehung erhielt der Beschuldigte sowohl im vorzeitigen Vollzug im 

Gefängnis als auch in der PDAG regelmässig Besuch von seiner Mutter 

und seinen Schwestern. Es bestehe insbesondere zur älteren Schwester 

F._____ eine stabile Beziehung, die sich unterstützend auf seine Behand-

lung auswirke (Therapieverlaufsbericht der PDAG vom 27. März 2025 S. 1; 

Therapieverlaufsbericht der PDAG vom 23. Januar 2025 S. 6 und 12). Der 

Beschuldigte selbst bezeichnet die Beziehung zu seiner Familie als das 

Wichtigste in seinem Leben. Da sein Vater verstorben sei, sei er der einzige 

Mann im Hause und würde sich um seine Geschwister kümmern (Protokoll 

der Berufungsverhandlung [Protokoll] S. 20). Zwar lebte der Beschuldigte 

im Zeitpunkt seiner Inhaftierung alleine in einer eigenen Wohnung, 

dennoch war er oft in seinem Elternhaus anzutreffen (UA act. 7 und 403). 

Auch im Falle einer Entlassung aus der stationären Massnahme würde er 

nach eigenen Angaben bei seiner Mutter wohnen, und wenn es dort keinen 

Platz gäbe, in seine vorherige Wohnung zurückkehren (Protokoll S. 4). Der 

Beschuldigte ist gemäss eigenen Angaben kinderlos und ledig (UA act. 7). 

 - 6 - 

 

 

Der Beschuldigte ging regelmässig ins Fitnessstudio, zum Boxtraining und 

zum Joggen in die Natur (vorinstanzliche Akten [VA] act. 274; UA act. 13 

und 399). Er verfügt über ein bescheidenes soziales Beziehungsnetz, das 

sich, soweit bekannt, auf die Beziehungen zu seiner Familie und somit auf 

den angestammten Kulturkreis beschränkt (UA act. 125; vgl. UA act. 13). 

In Anbetracht seiner Aufenthaltsdauer erweist sich die persönliche und 

gesellschaftliche Integration als unterdurchschnittlich. Ferner ist weder eine 

vertiefte kulturelle Beziehung noch ein anderweitiger spezieller Bezug zur 

Schweiz ersichtlich. Indem der Beschuldigte einen Polizisten im Rahmen 

einer Verhaftung als einen «scheiss Schweizer» bezeichnete, zeigte er sich 

gegenüber der Schweiz gar abwertend und geringschätzend (nicht pagi-

nierte Beizugsakten JA.2019.1857, Rapport der Stadtpolizei Baden vom 

1. Juli 2019 S. 2). Sprachlich ist der Beschuldigte dagegen gut integriert. Er 

spricht einwandfrei Schweizerdeutsch, was in Anbetracht der langen Auf-

enthaltsdauer allerdings auch erwartet werden kann. Seine Muttersprache 

ist Tigrinisch (UA act. 7). 

 

Der Beschuldigte ist nicht in der Schweiz geboren, er ist hier jedoch 

aufgewachsen und hat seine prägenden Kinder- und Jugendjahre in der 

Schweiz verbracht. Im Alter von 14 Jahren ist er in das Jugendheim in 

I._____ gekommen (UA act. 7). Damit verbunden war das Ziel, ihn in seiner 

Entwicklung zu fördern, in seiner Berufsfindung zu unterstützen, insbe-

sondere einen Schulabschluss und einen Lehrbeginn zu ermöglichen, 

sowie an seinem Delikt- und Sozialverhalten zu arbeiten (UA act. 32 

«20180625_Schlussbericht_A._____.pdf» S. 1). Im Jugendheim habe er 

den Realschulabschluss gemacht und anschliessend eine einjährige 

Kompaktlehre als Maler absolviert (UA act. 8). Diese hätte als Vorbereitung 

für eine wirkliche Lehre gedient. Eine solche habe der Beschuldigte aber 

nie angetreten (VA act. 273). Aufgrund seiner Überforderung mit den 

Regeln im Jugendheim sowie seines Verhaltens gegenüber den Mitarbei-

tern wurde die Massnahme am 15. Juni 2018 aufgehoben (UA act. 32 

«20180625_Schlussbericht_A._____.pdf» S. 2; UA act. 32 «20180614_Ent-

scheid_A._____.pdf» S. 3). In der Folge wurde er vorübergehend im Auf-

nahmeheim in J._____ platziert, wovon er mehrfach entwichen ist (UA 

act. 32 «20180614_Entscheid_A._____.pdf» S. 2; nicht paginierte Beizugs-

akten JA.2018.1320, Bericht der Kantonspolizei Aargau vom 8. August 

2018 S. 2). Ab Oktober 2018 kehrte er wieder zu seiner Mutter und seinen 

Geschwistern nach H._____ zurück (nicht paginierte Beizugsakten 

JA.2018.1320, Verhandlung vor der Jugendanwaltschaft vom 19. Dezember 

2018 S. 1; nicht paginierte Beizugsakten JA.2018.1320, Entscheid der 

Jugendanwaltschaft vom 19. Februar 2019 S. 2). Eine anschliessende 

Platzierung im Betreuten Wohnen G._____ in K._____ von April bis August 

2019 mit der Teilnahme am Programm L._____, welches dem Beschul-

digten eine Tagesstruktur mit der Möglichkeit erste Arbeitserfahrungen zu 

sammeln, verpassten Schulstoff nachzuholen und am Boxtraining teil-

zunehmen, bieten sollte, scheiterte (UA act. 114). Der Beschuldigte kehrte 

 - 7 - 

 

 

erneut zu seiner Mutter nach H._____ zurück (UA act. 115). Ab März 2022 

sei er temporär als Maler oder Logistiker tätig gewesen (vgl. MIKA-Akten 

act. 164 ff.). Auf diese Weise habe er monatlich zwischen Fr. 3'000.00 und 

Fr. 4'000.00 verdienen können (UA act. 9). Eine Festanstellung habe er nie 

gehabt (VA act. 274). Im Zeitpunkt der Einvernahme am 29. Juli 2022 sei 

er ungefähr zwei Wochen ohne Arbeit gewesen (UA act. 7 ff.). Er sei mit 

Fr. 700.00 vom Sozialamt unterstützt worden (UA act. 10). Zudem über-

nehme das Sozialamt auch seine monatliche Miete von rund Fr. 300.00 

(UA act. 11). Er hätte damals noch offene Rechnungen bei Zalando in Höhe 

von Fr. 300.00 sowie bei der SBB, infolge Fahrens ohne gültigen Fahr-

ausweis, in Höhe von Fr. 700.00 gehabt (UA act. 11). Nach den obigen 

Feststellungen kann nicht von einer geglückten beruflichen bzw. wirtschaft-

lichen Integration die Rede sein. Auch die Bemühungen des Beistands, der 

dem Beschuldigten seit dessen Volljährigkeit beratend zur Seite stand, 

blieben hinsichtlich dessen Integration im Erwerbsleben erfolglos. Gemäss 

den Ausführungen des Beistands seien Arbeitsmassnahmen oder Ver-

suche, eine Ausbildung aufzunehmen, an der Bereitschaft des Beschul-

digten gescheitert. Ebenso sei eine Anmeldung zur IV sowie psychologische 

oder psychiatrische Unterstützung abgelehnt worden. Einige wenige Ar-

beitseinsätze (Anmeldung bei einem Integrationsprogramm über das RAV) 

habe der Beschuldigte nach kurzer Zeit wieder abgebrochen (UA act. 103). 

Es ist deshalb fraglich, ob sich die anlässlich der Berufungsverhandlung 

geäusserte Absicht, eine Lehre als Maurer zu machen und einer Arbeit 

nachzugehen, welche seinem Alltag eine Struktur geben würde (Protokoll 

S. 3 f. und 7), verwirklichen lässt. 

 

Neben den im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Straftaten spre-

chen auch mehrere – wenn auch teils niederschwellige – Vorstrafen gegen 

eine gelungene Integration. Der Beschuldigte wurde mit Entscheid der 

Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau vom 2. März 2017 wegen 

Hehlerei, versuchten Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung 

und Raubs zu einer aufgeschobenen persönlichen Leistung von acht 

Tagen verurteilt (MIKA-Akten act. 53 ff.). Mit den Entscheiden der Jugend-

anwaltschaft des Kantons Aargau vom 19. Februar 2019 und vom 6. No-

vember 2019 wurde der Beschuldigte zudem wegen Gewalt und Drohung 

gegen Behörden und Beamte und mehrfacher Beschimpfung zu einem 

aufgeschobenen Freiheitsentzug von vier bzw. sechs Tagen verurteilt 

(nicht paginierte Beizugsakten JA.2018.1320, Entscheid der Jugendan-

waltschaft des Kantons Aargau vom 19. Februar 2019 S. 1 ff.; nicht pagi-

nierte Beizugsakten JA.2019.1857, Entscheid der Jugendanwaltschaft des 

Kantons Aargau vom 6. November 2019 S. 1 ff.). Zudem wurde der Be-

schuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

3. August 2020 wegen versuchter Nötigung, Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte, mehrfacher Beschimpfung, mehrfachen Unge-

horsams gegen amtliche Verfügungen sowie mehrfacher Tätlichkeiten zu 

einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 800.00 

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verurteilt (MIKA-Akten act. 148 ff.; zum Ganzen UA act. 1 f.). Selbst wenn 

Vorstrafen nicht Anlass für eine Landesverweisung bilden, sind sie als 

prognoserelevante Delinquenz zur Gewichtung des vom Beschuldigten 

ausgehenden Rückfallrisikos vor dem Hintergrund des öffentlichen 

Interesses an der Verhütung von Straftaten zu berücksichtigen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.6). Die 

wiederholten Vorstrafen zeigen nämlich deutlich, dass die hiesige Rechts- 

und Werteordnung dem Beschuldigten gleichgültig sind und dass er offen-

sichtlich nicht gewillt ist, sich daran zu halten. Auch soweit Strafen voll-

zogen wurden, haben sie keine Verhaltensänderung bewirkt, geschweige 

denn einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen (UA act. 2 und 99 ff.). 

Darüber hinaus lässt sich eine deutliche Steigerung der Delinquenz hin zu 

schwerwiegenden Eingriffen in die körperliche Integrität feststellen. Von 

einer gelungenen Integration in die schweizerische Werte- und Rechts-

ordnung kann unter diesen Umständen keine Rede sein. 

 

Trotz seiner wenig geglückten Integration in der Schweiz ist nicht zu 

verkennen, dass der Beschuldigte seit seinem sechsten Lebensjahr in der 

Schweiz lebt und somit hier seinen Lebensmittelpunkt hat. 

 

2.4.2. 

Der Beschuldigte hat lediglich während einer Dauer von rund zwei Jahren 

in Eritrea gelebt. Dieser Aufenthalt liegt lange zurück und er ist seither nicht 

mehr nach Eritrea zurückgekehrt (VA act. 276). Der Beschuldigte gibt an, 

dass er in Eritrea eine Grossmutter und einen Grossvater sowie einen 

Onkel habe (VA act. 276). Er kenne jedoch niemanden im Land (vgl. 

Protokoll S. 6). Selbst wenn das Unterkommen bei Verwandten oder deren 

Unterstützung in der Anfangsphase einen Neubeginn im Heimatland zu 

unterstützen vermögen, stellen weder deren Vorhandensein noch ein gutes 

Verhältnis zu diesen Voraussetzungen für das Aussprechen einer Landes-

verweisung dar. Der Beschuldigte versteht und spricht Tigrinisch, was 

seine gesellschaftliche Integration erleichtern würde. Zwar gibt er an, die 

Sprache nicht besonders gut zu verstehen, doch kommuniziert er mit seiner 

Mutter auf Tigrinisch (Protokoll S. 6). Es ist auch davon auszugehen, dass 

der Beschuldigte aufgrund seines Elternhauses mit den kulturellen Eigen-

heiten Eritreas zumindest in den Grundzügen vertraut ist (vgl. Protokoll 

S. 14 f. und 17). Die Chancen auf eine erfolgreiche berufliche und wirt-

schaftliche Integration stehen angesichts seines fehlenden Berufsabschlus-

ses und seiner fehlenden Berufserfahrung ebenfalls nicht schlechter als in 

der Schweiz. Ein beabsichtigter Berufswechsel zum Maurer könnte auch in 

Eritrea vollzogen werden. Zusammengefasst erscheinen die Resoziali-

sierungschancen des Beschuldigten mit zumutbaren Anstrengungen intakt. 

 

2.4.3. 

Die Gutachterin diagnostizierte beim Beschuldigten eine leichte Intelli-

genzminderung, eine rezidivierende mittelgradige Depression sowie eine 

 - 9 - 

 

 

psychotische Störung aus dem schizophrenen Formenkreis (VA act. 215 f. 

und 219; vgl. UA act. 148). Der Beschuldigte bringt vor, dass im Falle einer 

zwangsweisen Rückkehr nach Eritrea völlige Unklarheit darüber bestünde, 

welche Behandlungsmöglichkeiten in Eritrea zur Verfügung stehen und 

welche Auswirkungen eine solche Ausschaffung auf die Psyche des Be-

schuldigten hätte (Plädoyer des Verteidigers S. 9). 

 

Unter den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fallen nur ganz ausserordentli-

che Fälle, in denen die konkrete Gefahr besteht, dass die Person aufgrund 

fehlender angemessener Behandlungsmöglichkeiten oder fehlenden Zu-

gangs zu Behandlungen, einer ernsthaften, rapiden und irreversiblen Ver-

schlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt wird, die intensives 

Leiden oder eine wesentliche Verringerung der Lebenserwartung nach sich 

zieht (Urteil des Bundesgerichts 6B_1470/2022 vom 29. August 2023 

E. 2.3.6). 

 

Der Beschuldigte wurde als therapierbar eingestuft (VA act. 217 f.; vgl. 

auch UA act. 144 f. und 150). Es sei eine geeignete medikamentöse Be-

handlung sowie therapeutische Betreuung notwendig (Protokoll S. 12 ff.). 

Um dies zu gewährleisten, wurde eine stationäre Massnahme nach Art. 59 

StGB angeordnet. Dadurch konnte bereits eine deutliche Stabilisierung der 

psychotischen Symptomatik erreicht werden (Therapieverlaufsbericht der 

PDAG vom 23. Januar 2025 S. 9 und 12; Therapieverlaufsbericht der 

PDAG vom 27. März 2025 S. 2). Zusätzlich soll ein Grundverständnis für 

die Erkrankung, die Behandlungsmöglichkeiten und die Medikation vermit-

telt sowie der Empfangsraum des Beschuldigten, d.h. seine Wohn- und 

Arbeitssituation, vorbereitet werden (Protokoll S. 12 f.; Therapieverlaufs-

bericht der PDAG vom 23. Januar 2025 S. 12; vgl. Therapieverlaufsbericht 

der PDAG vom 27. März 2025 S. 2). Eine unmittelbar lebensbedrohende 

Krankheit liegt damit nicht vor. Dennoch wird die Schizophrenie den 

Beschuldigten sein Leben lang begleiten. Um Rückfälle zu vermeiden, ist 

insbesondere eine kontinuierliche Medikation unabdingbar (Protokoll 

S. 12 ff.). Potenziellen Schwierigkeiten beim Zugang zum derzeit verab-

reichten Medikament Clozapin im Falle einer Ausweisung nach Eritrea 

könnten durch den Einsatz einer Depotmedikation begegnet werden (vgl. 

Protokoll S. 13 und 18 f.). Somit ist auch eine dramatische Verschlechterung 

des Gesundheitszustands des Beschuldigten in Eritrea aufgrund fehlender 

angemessener Behandlungsmöglichkeiten oder fehlenden Zugangs zu 

Behandlungen nicht zu befürchten.  

 

Dem Beschuldigten ist aufgrund seiner Erkrankung und der sich hier 

bietenden Unterstützung ein persönliches Interesse an einem Verbleib in 

der Schweiz dennoch nicht abzusprechen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_640/2024 vom 2. Dezember 2024 E. 2.3.2): Einerseits wäre eine Auswei-

sung aus der Schweiz und anschliessende Wiedereingliederung in Eritrea 

mit einer erheblichen psychischen Belastung verbunden. Andererseits 

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würde dem Beschuldigten mit der Etablierung eines geeigneten sozialen 

Empfangsraums in der Schweiz – namentlich der erforderlichen 

betreuenden Strukturen, eines professionellen Helfernetzes sowie einer 

stabilen Tagesstruktur – eine umfassende Unterstützung gewährleistet 

werden (vgl. Protokoll S. 13; Therapieverlaufsbericht der PDAG vom 

23. Januar 2025 S. 7). 

 

2.4.4. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Integration des Beschuldigten 

in persönlicher, gesellschaftlicher, beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht 

zwar als unterdurchschnittlich und wenig geglückt zu bezeichnen ist und 

ihm eine Wiedereingliederung in seiner Heimat grundsätzlich zumutbar 

wäre. Dennoch ist dem Beschuldigten ein hohes privates Interesse an 

einem Verbleib in der Schweiz zuzugestehen. Aufgrund seiner über 16-

jährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz gilt der Beschuldigte als «long-

term immigrant», sodass eine Ausweisung nach den in den Urteilen des 

EGMR genannten Empfehlungen grundsätzlich nur noch bei einer Verur-

teilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als 5 Jahren in 

Betracht käme (Urteil des EGMR Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die 

Schweiz vom 17. September 2024, § 28). Zudem ist der Beschuldigte 

sprachlich gut integriert, hat seinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz und 

pflegt eine enge Beziehung zu seiner Mutter und seinen drei Geschwistern, 

die ebenfalls hier ansässig sind. Das persönliche Interesse an einem 

Verbleib in der Schweiz wiegt angesichts der psychischen Erkrankung und 

der sich hier bietenden Unterstützung umso schwerer. In einer Gesamt-

würdigung der Umstände ist daher ein schwerer persönlicher Härtefall, 

wenn auch knapp, zu bejahen.  

 

2.5. 

Hinsichtlich der Interessenabwägung zwischen den öffentlichen Interessen 

an einer Wegweisung des Beschuldigten aus der Schweiz und den privaten 

Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib ergibt sich Folgendes: 

 

Angesichts der Vielzahl der Vorstrafen, der damit verbundenen Nichtbe-

währung, der vorliegend neu zu beurteilenden Straftaten, für die der 

Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt wurde, der 

zunehmenden Schwere der begangenen Delikte und der immer wieder 

gezeigten Gleichgültigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung 

und fremden Rechtsgütern ist zum heutigen Zeitpunkt von einer hohen 

Gefährlichkeit des Beschuldigten für die öffentliche Sicherheit und dem-

zufolge von einem hohen öffentlichen Interesse an seiner Wegweisung aus 

der Schweiz auszugehen (siehe vorstehend; vgl. auch Therapieverlaufs-

bericht der PDAG vom 23. Januar 2025 S. 13). Wird ein Beschuldigter, wie 

vorliegend, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr verurteilt, 

bedarf es aussergewöhnlicher Umstände, damit das private Interesse des 

Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an 

 - 11 - 

 

 

einer Landesverweisung überwiegt («Zweijahresregel»; vgl. zum Ganzen 

Urteile des Bundesgerichts 6B_1299/2019 vom 28. Januar 2020 E. 3.4.7 

sowie 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.6; jeweils mit Hinweisen). 

Zu beachten ist jedoch, dass die Anlasstaten des Beschuldigten (wie auch 

seine Vorstrafen und seine weiteren Auffälligkeiten im Sozialverhalten) in 

einem engen Zusammenhang mit der diagnostizierten Störung aus dem 

schizophrenen Formenkreis stehen und deshalb eine stationäre Massnah-

me nach Art. 59 StGB angeordnet worden ist. Es wird erwartet, dass durch 

die Massnahme der Gefahr weiterer, mit seiner psychischen Störung in 

Zusammenhang stehender Taten begegnet werden kann (vorinstanzliches 

Urteil E. 11.8; VA act. 218; Therapieverlaufsbericht der PDAG vom 

23. Januar 2025 S. 3). Diese Massnahme ist erfolgreich angelaufen und 

hat zu einer deutlichen psychopathologischen Stabilisierung geführt. Eine 

medikamentöse Einstellung sowie eine engmaschige therapeutische Be-

handlung bleiben weiterhin erforderlich (Protokoll S. 12 und 14; Therapie-

verlaufsbericht der PDAG vom 23. Januar 2025 S. 9 und 12; Therapie-

verlaufsbericht der PDAG vom 27. März 2025 S. 2). In den Stufen, welche 

die Belastungs- und Kooperationsfähigkeit erproben, befindet sich der 

Beschuldigte auf Stufe 2 von 9 (Protokoll S. 5 und 13) und bei Fortführung 

der Behandlung besteht derzeit ein mittelgradiges Rückfallrisiko (Therapie-

verlaufsbericht der PDAG vom 23. Januar 2025 S. 13). Neben der Vermit-

tlung eines Grundverständnisses für die Erkrankung, die Behandlungsmö-

glichkeiten und die Medikation, ist auch die Vorbereitung eines geeigneten 

Empfangsraums erforderlich. Mit dem Rückzug seines Antrags auf eine 

ambulante Massnahme anlässlich der Berufungsverhandlung signalisierte 

der Beschuldigte seine Bereitschaft, die stationäre Massnahme weiterzu-

verfolgen, um eine vollständige Remission der deliktrelevanten Sympto-

matik zu erreichen. Die Sachverständige hält das Erreichen der weiteren 

Stufen sodann auch für realistisch (Protokoll S. 13 f.). Mithin ist davon 

auszugehen, dass die therapeutische Behandlung bei weiterhin positivem 

Verlauf eine weitere Verbesserung der Legalprognose des Beschuldigten 

zur Folge haben wird, sodass nach Abschluss der stationären Massnahme 

eine günstige Legalprognose gestellt werden kann (Protokoll S. 15). Nach 

Abschluss der Massnahme ist somit nicht mehr von einem erheblichen 

öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Beschuldigten auszugehen. 

Unter diesen Umständen ist von aussergewöhnlichen Umständen und 

einem entsprechend hohen Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib 

in der Schweiz auszugehen, zumal er fast sein gesamtes Leben in der 

Schweiz verbracht hat und zufolge EGMR als «long-term immigrant» gilt. 

Er hat seinen Lebensmittelpunkt und seine familiären Kontakte zu seiner 

Mutter und seinen Schwestern in der Schweiz und ist hier auch – trotz 

unterdurchschnittlicher bzw. wenig geglückter Integration – verwurzelt; 

jedenfalls ist nicht ersichtlich, wo er sonst verwurzelt sein sollte. Damit 

überwiegen die insgesamt sehr hohen persönlichen Interessen des Be-

schuldigten unter Berücksichtigung der bereits begonnenen Massnahme 

und der Rechtsprechung des EGMR die hohen öffentlichen Interessen an 

 - 12 - 

 

 

einer Wegweisung aus der Schweiz knapp. Die Berufung des Beschul-

digten erweist sich in diesem Punkt als begründet und es ist von einer 

Landesverweisung abzusehen. 

 

3. 

3.1. 

Die Parteien tragen die Kosten im Berufungsverfahren nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens, wobei als unterliegend auch die Partei 

gilt, welche die Berufung (teilweise) zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte hat insofern einen für ihn günstigeren Entscheid erwirkt, 

als dass von einer Landesverweisung abgesehen wird. Hingegen unterliegt 

er hinsichtlich der erst im Berufungsverfahren erfolgten Rückzüge der 

übrigen mit Berufungserklärung gestellten Anträge. Bei diesem Verfahrens-

ausgang rechtfertigt es sich, die obergerichtliche Gerichtsgebühr von 

Fr. 4'000.00 (§ 15 GebührD) dem Beschuldigten zu ¾ aufzuerlegen und im 

Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. Die mündliche Erläuterung und 

Ergänzung des Haupt- und Ergänzungsgutachtens durch die Sachver-

ständige Dr. med. E._____ beziehen sich auf die Frage der thera-

peutischen Massnahme. Da der Beschuldigte in diesem Punkt unterliegt, 

sind ihm die Gutachterkosten von Fr. 3'902.80 vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

3.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote, zuzüglich der Dauer der Berufungsverhand-

lung, mit gerundet Fr. 5'000.00 aus der Staatskasse zu entschädigen 

(Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 3bis AnwT; § 13 AnwT). Diese 

Entschädigung für die amtliche Verteidigung ist vom Beschuldigten aus-

gangsgemäss zu ¾ zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Ver-

hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

Die ehemalige amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin Renate Senn, wurde 

mit Verfügung vom 23. Juli 2024 aus ihrem Mandat entlassen. Nachdem 

die amtliche Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren sistiert worden 

war, die amtliche Verteidigerin sich anschliessend nicht hat vernehmen 

lassen und auch kein im Berufungsverfahren vor Obergericht angefallener, 

entschädigungspflichtiger Aufwand ersichtlich ist, ist ihr für das Berufungs-

verfahren vor Obergericht keine Entschädigung zuzusprechen. 

 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte Anspruch auf ¼ seiner bis zur Ge-

währung der amtlichen Verteidigung per 3. März 2025 für die angemessene 

Ausübung seiner Verfahrensrechte im Berufungsverfahren angefallenen 

Aufwendungen, die – mangels eingereichter Kostennote – ermessensweise 

auf insgesamt Fr. 2'000.00 festgesetzt werden, wobei die Entschädigung von 

¼, d.h. Fr. 500.00, dem bis zur Einsetzung als amtlicher Verteidiger frei 

 - 13 - 

 

 

mandatierten Wahlverteidiger zusteht (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 

und 3 StPO). 

 

3.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird die beschuldigte Person nur teil-

weise schuldig gesprochen, so sind ihr die Verfahrenskosten grundsätzlich 

anteilsmässig aufzuerlegen. Bei einem einheitlichen Sachverhaltskomplex 

ist vom Grundsatz der vollständigen Kostenauflage jedoch nur abzu-

weichen, wenn die Strafuntersuchung im freisprechenden Punkt zu Mehr-

kosten geführt hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_491/2023 vom 7. August 

2023 E. 3.3 mit Hinweisen). 

 

Der Beschuldigte wurde mit Ausnahme der Einstellung des Verfahrens 

betreffend die Vorwürfe der mehrfachen Beschimpfung (Anklageziffern 4.2 

bis 4.4) gemäss Anklage verurteilt. Die mehrfachen Beschimpfungen bilden 

Teil des Sachverhaltskomplex der mehrfachen versuchten schweren Kör-

perverletzung. Es sind keine ausscheidbaren Untersuchungskosten auszu-

machen. Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten sind dem Beschuldigten 

unter diesen Umständen, so wie dies die Vorinstanz getan hat, vollum-

fänglich aufzuerlegen. 

 

3.4. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 13'472.85 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1231/2022 vom 

10. März 2023 E. 2.1). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

3.5. 

Der Beschuldigte hat seine durch den Beizug einer (zusätzlichen) Wahl-

verteidigung angefallenen Parteikosten für das erstinstanzliche Verfahren 

selbst zu tragen (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). 

 

4. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO; Art. 81 StPO). 

  

 - 14 - 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren betreffend die Vorwürfe der mehrfachen Beschimpfung 

(Anklageziffern 4.2. bis 4.4) wird eingestellt. 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte ist schuldig: 

- der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung gemäss 

Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 4.1); 

- der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB; 

- des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss 

Art. 292 StGB. 

 

3. [in Rechtskraft erwachsen] 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten Bestim-

mungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 34 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, 

 

einer unbedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00, 

d.h. Fr. 300.00,  

 

und einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 34 Tage Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Massnahmenvollzug von 

insgesamt 982 Tagen (25. August 2022 bis 2. Mai 2025) werden auf die 

Freiheitsstrafe, die Geldstrafe, die Busse und die stationäre Massnahme 

angerechnet. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Es wird eine stationäre Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB angeordnet. 

 

5. 

Von einer Landesverweisung wird gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB i.V.m. 

Art. 8 EMRK abgesehen. 

 - 15 - 

 

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

6.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ eine 

Genugtuung von Fr. 500.00 zu bezahlen. 

 

6.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._____ Schadenersatz 

von Fr. 119.35 und eine Genugtuung von Fr. 1'000.00 zu bezahlen. 

 

6.3. 

Im Übrigen werden die Zivilklagen auf den Zivilweg verwiesen, soweit 

darauf eingetreten werden kann. 

 

7. 

7.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu ¾, mit Fr. 3'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen.  

 

Die im Berufungsverfahren angefallenen Gutachterkosten von Fr. 3'902.80 

werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem (amtlichen) Verteidiger für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von insgesamt Fr. 5'500.00 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von Fr. 3'750.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8. 

8.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 31'949.20 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'300.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

8.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der ehemaligen amtlichen Verteidigerin, Rechts-

anwältin Renate Senn, für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädi-

gung von Fr. 13'472.85 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 16 - 

 

 

8.3. 

Der Beschuldigte hat seine Parteikosten für das erstinstanzliche Verfahren 

selbst zu tragen. 

 

8.4. 

Die Privatkläger B._____, C._____ und D._____ haben ihre Parteikosten 

für das erstinstanzliche Verfahren selbst zu tragen. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 2. Mai 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Six Steiner