# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f92aca44-49ef-5061-bd5d-00f72dde6742
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.07.2023 E-3661/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3661-2023_2023-07-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3661/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  J u l i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richter Manuel Borla; 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), und ihre Kinder 

B._______, geboren am (…), und 

C._______, geboren am (…), 

Venezuela,  

(…), 

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 31. Mai 2023 / N (…). 

 

 

 

E-3661/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin A._______ und ihre Kinder seien am 9. Februar 

2020 in die Schweiz eingereist und reichten am 4. Februar 2021 ihre Asyl-

gesuche ein. Am gleichen Tag unterzeichnete die Beschwerdeführerin eine 

Vollmacht zugunsten der ihr zugewiesenen Rechtsvertretung und das SEM 

nahm ihre Personalien auf. 

B.  

Am 19. Februar 2021 fand ein Dublin-Gespräch statt. Die Beschwerdefüh-

rerin wurde am 14. Juni und am 26. August 2021 zu ihren Asylgründen an-

gehört. 

B.a Dabei brachte sie hinsichtlich des Reiseweges im Wesentlichen vor, 

sie seien am (…) 2015 versteckt in einem Lastwagen nach Kolumbien aus-

gereist. Vier Tage später seien sie in Paris gelandet. Nach dem Verlust ihrer 

Reisepässe hätten sie sich bis zur Ausstellung der neuen Dokumente ille-

gal in Frankreich aufgehalten. Sodann hätten sie im Jahr 2018 mit einem 

Zug in die Schweiz fahren wollen, doch seien ihnen in Deutschland die 

Reisepässe gestohlen worden, weshalb sie gezwungen gewesen seien, in 

diesem Land auf die neuen Dokumente zu warten. Während diesen Jahren 

habe ein Jugendfreund der Beschwerdeführerin mit Namen D._______ alle 

Kosten übernommen. 

Nach Ankunft in der Schweiz hätten sie in einer Kirche in E._______ Zu-

flucht gefunden; der Pfarrer habe ihnen schliesslich eine private Unterkunft 

organisiert. 

B.b Die Beschwerdeführerin sei zusammen mit ihren drei Geschwistern in 

F._______ (Estado Carabobo) gross geworden. In den 1990er Jahren sei 

sie in den Vereinigten Staaten als (…) tätig gewesen. Nachdem sie unge-

fähr im Jahr 2000 nach Venezuela zurückgekehrt sei, habe sie sich im 

(…)bereich selbständig machen wollen, was wegen des Chávez-Regimes 

jedoch gescheitert sei. Sie und weitere Familienmitglieder seien seit die-

sem Zeitpunkt aufgrund des politischen Engagements ihres Bruders und 

ihres Vaters bedroht worden. Im (…) 2001 sei ihr Bruder umgebracht wor-

den. Dieser sei eine öffentliche Person gewesen. Wie auch ihr Vater, wel-

cher ausserdem Gouverneur des Estado G._______ und unter dem vene-

zolanischen Präsidenten H._______ Abgeordneter gewesen sei, sei ihr 

Bruder für die Partei "Acción Democrática" (eine sozialdemokratisch aus-

gerichtete Partei, welche in den 1990er Jahren die grösste Partei des 

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Seite 3 

Landes war [Anmerkung des Gerichts]) und für die Bürgervereinigung      

"Asociación civil, I._______" oppositionell aktiv gewesen. 

Nach dem Tod ihres Bruders sei insbesondere ihr Vater weiter bedroht wor-

den, weil er im Rahmen seiner Funktonen Beweise bezüglich Korruption 

und anderer Verbrechen von Chávez-Getreuen gesammelt habe. Am (…) 

2012 sei ihr Vater umgebracht worden. Weil die Beschwerdeführerin unter 

Verdacht gestanden habe, seine Beweismittel zu besitzen, habe ihre 

Freundin J._______ sie und ihre nur wenige Tage alten Kinder nach 

K._______ gebracht. Dort hätten sie in einem Studio gelebt und J._______ 

habe ihnen das Essen gebracht. Im Frühling 2014 hätten sie für ungefähr 

zwei Wochen bei der Mutter von J._______ in L._______ Unterschlupf ge-

funden. Während einer Autofahrt in ein Einkaufszentrum sei auf die Be-

schwerdeführerin und J._______ geschossen worden; vermutlich seien sie 

von J._______ Mutter an die Verbindung Castro-Chávez (respektive "G-2 

Cubano") verraten worden. Aus Angst vor den sogenannten "colectivos" 

(paramilitärische und bewaffnete Banden [Anmerkung des Gerichts]) habe 

sie sich mit ihren Kindern seit (…) 2014 bis zur Ausreise in den Anden an 

einem ihr unbekannten Ort versteckt. 

B.c Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts informierte die Beschwer-

deführerin, dass sie an Schlaf- und Sehstörungen leide. Ausserdem sei sie 

in psychologischer Behandlung. 

C.  

Am 17. Mai 2021 reichte die Beschwerdeführerin verschiedene Doku-

mente, Medienberichte und Fotos von Familienmitgliedern (alles in Kopie) 

zu den Akten. 

D.  

Am 23. Juni 2021 wurden die Beschwerdeführenden dem erweiterten Ver-

fahren zugeteilt und am 28. Juni 2021 dem Kanton E._______ zugewie-

sen. Die zuvor zugewiesene Rechtsvertretung reichte eine Vollmacht in 

Sachen Asyl/Wegweisung im Rahmen des erweiterten Verfahrens mit Da-

tum vom 25. Juni 2021 zu den Akten. 

E.  

Mit am 1. Juni 2023 eröffneter Verfügung vom 31. Mai 2023 verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre 

Asylgesuche ab und wies sie aus der Schweiz weg. Aufgrund eines 

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Seite 4 

unzumutbaren Wegweisungsvollzugs wurden sie jedoch vorläufig aufge-

nommen. 

F.  

Am 26. Juni 2023 beendete die Rechtsvertretung ihr Mandatsverhältnis. 

G.  

Gegen die ablehnende Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden am 

29. Juni 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantra-

gen, die Ziffern 1 und 2 des Verfügungsdispositivs seien aufzuheben und 

das SEM anzuweisen, ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und 

ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Sach-

verhaltsfeststellung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht 

ersuchen sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive 

Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Der Beschwerde lagen eine Fürsorgebestätigung E._______ vom 15. Juni 

2023, ein Arztbericht M._______ (Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-

rapie) vom 1. November 2022, ein schulpsychologischer Bericht 

E._______ vom 27. Oktober 2022 sowie ein Brief von D._______ vom 

15. Juni 2023 bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Behandlung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM im Sinne von Art. 5 VwVG. 

Dabei entscheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und 

auch vorliegend endgültig; eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt 

nicht vor (vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 5 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-

gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-

weisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Be-

schwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

vorläufig aufgenommen hat. Auf die Beschwerde ist im Umfang des Ver-

fahrensgegenstandes des vorliegenden Beschwerdeverfahrens (Disposi-

tivziffer 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung) folglich einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Ge-

stützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schrif-

tenwechsels verzichtet. 

4.  

Auf den Rückweisungsantrag ist im konkreten Fall nicht einzugehen, da 

dieser in der Beschwerdeschrift vom 29. Juni 2023 nicht weiter begründet 

wurde und keine offensichtlichen entsprechenden Mängel erkennbar sind. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 6 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz begründete die ablehnende Verfügung insbesondere 

mit der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen. Es sei nicht nachvollziehbar, 

dass sich die Beschwerdeführerin während vieler Jahre in Venezuela ver-

steckt und ihre Unterschlüpfe nie verlassen habe, zumal sie persönlich 

letztmals im Jahr 2000 bedroht worden sei. Vor diesem Hintergrund sei 

ferner nicht verständlich, dass sie den Ort in den Anden, wo sie sich für 1.5 

Jahre versteckt habe, nicht nennen könne. Von dort aus seien die Be-

schwerdeführenden am (…) 2015 illegal nach Kolumbien (Maicao) ausge-

reist, was überdies merkwürdig erscheine, da dieser Ort nicht in der An-

denregion sondern im Nordosten von Kolumbien liege. 

Auch sei der geltend gemacht Anschlag in L._______ nicht glaubhaft. Vo-

rausgesetzt der Vater sei wirklich von politischen Gegnern umgebracht 

worden, sei eine derart intensive Weiterverfolgung seiner Tochter während 

mehr als zweier Jahre nach seinem Tod nicht einleuchtend. Die Erklärung, 

die Gegner hätten die Beweise ihres Vaters bei ihr vermutet, überzeuge 

nicht, zumal sie selbst diesen Umstand abstreite. Ferner seien die Schilde-

rungen dieses Anschlags allzu oberflächlich respektive abstrakt ausgefal-

len. 

Ausserdem seien die Aufenthalte in Frankreich und Deutschland zweifel-

haft, zumal die Beschwerdeführerin die verschiedenen Unterkünfte mit ih-

ren zwei kleinen Kindern nie verlassen habe, obwohl sie sich auf europäi-

schem mithin sicherem Boden befunden hätten. Überdies sei nicht nach-

vollziehbar, dass ein Jugendfreund für sie aufgekommen sei. Auch dass 

sie in der Schweiz ein Jahr gewartet habe, um die Asylgesuche einzu-

reichen, sei verwunderlich. Ausserdem seien ihre Aussagen bezüglich der 

Reisepässe, welche im Jahr (…) ausgestellt respektive erneuert und im 

(…) amtlich beglaubigt worden seien, merkwürdig. Seltsam sei ferner, dass 

sie die Reispässe in der Schweiz bei einem Umzug erneut verloren habe. 

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Selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit der Vorbringen sei jedoch nicht da-

von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr mit ei-

ner flüchtlingsrelevanten Verfolgung rechnen müsse, zumal die Drohungen 

auf das Jahr 2000 zurückgehen und der Tod ihres Bruders sowie ihres Va-

ters schon mehrere Jahre zurückliegen würden. Selbst wenn ihr Vater tat-

sächlich Beweise gegen die Regierung gehabt hätte, sei unwahrscheinlich, 

dass die Beschwerdeführerin deswegen noch verfolgt würde. 

Für weitere Details der Begründung wird auf die Verfügung verwiesen. 

6.2 Gegen diese Erwägungen wendet die Beschwerdeführerin in ihrer Be-

schwerde ein, dass im Jahr 2000 die gesamte Familie Morddrohungen er-

halten habe. Ihr sei nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2012 bewusst ge-

worden, dass sie in ernsthafter Gefahr sei, weswegen sie sich mit ihren 

Kindern in K._______ versteckt habe. Sie sei die einzige gewesen, die en-

gen Kontakt mit ihrem Vater gehabt habe, weshalb die Beweise ihres Va-

ters bei ihr vermutet worden seien. In dieser Zeit habe sie nur ihrer Freun-

din J._______ vertraut. Als sie sich ein einziges Mal nach draussen gewagt 

habe, sei sie – 14 Jahre nach den Morddrohungen – angegriffen worden; 

an Details (ausser den Schüssen) möge sie sich jedoch nicht erinnern. 

Dass sie sich an den Ort in den Anden nicht erinnern könne, liege daran, 

dass sie bereits als Jugendliche zwecks Ausbildung eine längere Zeit in 

den Vereinigten Staaten verbracht habe. Im November 2015 seien sie über 

die Anden, vielleicht auch über die "sierras", nach Kolumbien ausgereist; 

von N._______ (recte wohl: O._______), wo Freunde von ihr gelebt hätten, 

seien sie von J._______ nach Maicao gebracht worden. 

Hinsichtlich der Erneuerung ihrer Reisepässe habe sie auf eine Freundin 

namens P._______, welche für SAIME ("Servicio Administrativo de Identi-

ficación Migración y Extranjeria") gearbeitet habe, zurückgreifen können. 

Die Beschwerdeführerin habe die Reisepässe nur jeweils abholen müssen. 

Dass sie weder in Frankreich noch in Deutschland um Schutz nachgesucht 

habe, liege an ihrer Traumatisierung; erst mit der Unterstützung eines Pfar-

rers aus E._______ habe sie in der Schweiz ein Asylgesuch einreichen 

können. 

Abschliessend hob die Beschwerdeführerin hervor, dass sie sich in ihrer 

persönlichen Integrität verletzt fühle, weil ihr nicht geglaubt worden sei. 

 

 

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Seite 8 

7.  

7.1 Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtliche Begründung der 

Vorinstanz nicht gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann es eine ange-

fochtene Verfügung im Ergebnis gleich belassen, dieser aber eine andere 

Begründung zu Grunde legen. Die Möglichkeit einer solchen Motivsubsti-

tution ist im Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen begrün-

det. Sollte sich der neue Entscheid auf Rechtsnormen stützen, mit deren 

Anwendung die Parteien nicht rechnen mussten, ist ihnen Gelegenheit zu 

geben, sich vorgängig dazu zu äussern (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, 

Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 1.54; 

BVGE 2007/41 E. 2 m.w.H.). 

Im vorliegenden Fall nimmt das Bundesverwaltungsgericht eine Motivsub-

stitution vor und gelangt zum Schluss, dass die Vorbringen insbesondere 

nicht flüchtlingsrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG sind. Weil diese Norm 

schon im bisherigen Verfahren herangezogen wurde, muss es den Be-

schwerdeführenden hierzu das rechtliche Gehör nicht gewähren. Ob die 

Aussagen der Beschwerdeführerin auch unglaubhaft sind, wie das SEM 

erwogen hat, kann offenbleiben. 

7.2 Die Beschwerdeführerin macht eine Reflexverfolgung geltend. Eine 

solche liegt vor, wenn sich die Verfolgungsmassnahmen – abgesehen von 

der primär betroffenen Person (wie ihr Bruder oder ihr Vater) – auch auf 

Familienangehörige und Verwandte erstrecken. Dies kann im Sinn von 

Art. 3 AsylG flüchtlingsrechtlich relevant sein, allerdings hängen die Wahr-

scheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität stark von den 

konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Die erlittene Verfolgung bezie-

hungsweise die begründete Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung 

muss ferner sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- 

oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentschei-

des noch aktuell sein. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung 

genügt dabei nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den 

Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Mo-

tive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementspre-

chend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen las-

sen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3; BVGE 2011/51 E. 6.2). 

7.3 Vorliegend ist nicht von Verfolgungshandlungen gegen die Beschwer-

deführerin als Familienangehörige auszugehen. Auch wenn im (…) 2014 

ein Angriff gegen sie und ihre Freundin beziehungsweise auf deren Auto 

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stattgefunden hat, sind keine Indizien erkennbar, dass dieser der Be-

schwerdeführerin persönlich gegolten hat. Es ist kaum vorstellbar, dass die 

Angreifer sie per Zufall auf dem Einkaufsweg in einem Auto wiedererkannt 

haben. Hätten diese sie aber gezielt abgepasst, dürften sie auch ihren Auf-

enthaltsort gekannt haben, wo sie jederzeit Ziel eines Angriffs hätte sein 

können. Ihre Erklärung, die Mutter von J._______ müsse sie verraten ha-

ben, ist nicht erhellend, da diese der Beschwerdeführerin zuvor Zuflucht 

gewährt hat und mit einem solchen Verrat ihre eigene Tochter in Gefahr 

gebracht hätte.  

Auch wenn sich die Beschwerdeführerin in Venezuela – möglicherweise 

aufgrund von Erlebnissen in der Vergangenheit – ständig persönlich be-

droht fühlte, was das Bundesverwaltungsgericht nicht bestreiten will, ist 

eine individuelle Bedrohungslage aus objektiver Sicht zu verneinen, wes-

halb keine Verfolgung der Beschwerdeführerin aufgrund der politischen Ak-

tivitäten ihres Bruders oder ihres Vaters erkennbar ist. Dabei gilt insbeson-

dere zu beachten, dass sie nie im Besitz der Beweise war, welche ihr Vater 

gegen einzelne Chávez-Getreuen gesammelt habe. 

7.4 Hinsichtlich der Drohungen im Jahr 2000, aufgrund welcher die Famili-

enmitglieder untergetaucht seien, ist der zeitliche Kausalzusammenhang 

nicht erfüllt, da bis zur Ausreise 15 Jahre ohne individuelle Verfolgung sei-

tens des Regimes vergangen sind. Auch sei ihre Mutter, immerhin Ehefrau 

ihres regimekritischen Vaters, nie Verfolgungen ausgesetzt gewesen (A38 

F50); dies, obwohl sie nach den Drohungen im Jahr 2000 Anzeige erstattet 

habe (A53 F17 f.). Folglich kann aus objektiver Sicht im Zeitpunkt der Aus-

reise keine begründete Verfolgungsfurcht bejaht werden. 

7.5 Nach dem Gesagten ist nicht von einer künftigen Verfolgung auszuge-

hen, da keine beachtliche Wahrscheinlichkeit dafürspricht, dass sich die 

Befürchtungen der Beschwerdeführerin objektiv in absehbarer Zeit verwirk-

lichen werden. 

7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden 

keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft ma-

chen konnten und deshalb die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt ist. Das 

SEM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden somit zu Recht abge-

lehnt. 

 

 

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Seite 10 

8.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

10.2 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ungeachtet einer allfälli-

gen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

Versand: