# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3909af6f-7fd4-5671-a997-e3c90778a329
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-05-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.05.2019 E-701/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-701-2018_2019-05-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-701/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  M a i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner,  

Richterin Barbara Balmelli,    

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

amtlich verbeiständet durch lic. iur. Kathrin Stutz,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 5. Januar 2018. 

 

 

 

E-701/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a  Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge im Dezember 2014. Sie sei illegal nach Äthiopien, nach wenigen 

Wochen Aufenthalt nach B._______/Sudan und anschliessend nach 

C._______/Libyen gelangt. Auf der Weiterreise sei sie aufgegriffen und für 

26 Tage ins Gefängnis gesteckt worden. Etwa im April 2015 habe sie ver-

sucht, über das Meer nach Italien zu gelangen. Sie sei jedoch erneut er-

wischt worden und in der Folge drei Monate im Gefängnis gewesen. Der 

Schlepper habe für sie und andere Flüchtende die Freilassung veranlasst. 

Diesmal sei die Überfahrt nach Italien gelungen. Nach etwa vier Tagen in 

Italien sei sie am 29. Juli 2015 in die Schweiz eingereist, wo sie am 30. Juli 

2015 ein Asylgesuch stellte. 

A.b Am 6. August 2015 fand im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

D._______ die Befragung zur Person (BzP) statt. 

A.c Am 30. Oktober 2015 beendete das SEM ein zuvor eingeleitetes Dub-

lin-Verfahren und stellte fest, das Asylgesuch der Beschwerdeführerin 

werde in der Schweiz geprüft. 

A.d Das SEM hörte die Beschwerdeführerin in der Folge am 25. Januar 

2017 ausführlich zu ihren Asylgründen an. 

A.e Im Wesentlichen führte sie zur Begründung aus, sie gehöre der Ethnie 

der Tigrinya an und stamme aus E._______. Sie habe (…) Jahre die 

Schule besucht; die (…) Klasse habe sie nicht bestanden und daher erneut 

angefangen, jedoch nach etwa eineinhalb Monaten abgebrochen. In der 

Folge habe sie ab 2013 Kleinhandel betrieben. Die finanzielle Situation der 

Familie sei schlecht gewesen, zumal der Vater als Soldat kaum je zu Hause 

gewesen sei und seinen Angehörigen keine Unterstützung habe leisten 

können. Zudem erhalte man nach Abbrechen der Schule ein Aufgebot für 

den Militärdienst. Sie habe dieses von der Verwaltung etwa zwei Wochen 

vor der Ausreise erhalten und sich deswegen versteckt; danach habe sie 

mit einer Kollegin das Land verlassen. Sie sei zudem im Jahr 2013 (BzP) 

respektive im zehnten Monat 2014 (Anhörung) in Haft gewesen.  

A.f Zum Beleg ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihren Tauf-

schein, Kopien der Identitätsausweise der Eltern zu den vorinstanzlichen 

Akten.  

E-701/2018 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 5. Januar 2018 – eröffnet am 9. Januar 2018 – lehnte 

das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. 

C.  

C.a Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin durch ihre 

Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 2. Februar 2018 Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung 

des SEM, die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewäh-

rung; eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbar-

keit der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen. 

C.b In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der  

unentgeltlichen Prozessführung einschliesslich des Verzichts auf die  

Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung ihrer Rechts- 

vertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. 

D.  

D.a Der Instruktionsrichter stellte am 7. Februar 2018 fest, die Beschwer-

deführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. 

Gleichzeitig forderte er diese auf, bis zum 21. Februar 2018 ihre Bedürftig-

keit zu belegen. Mit gleicher Instruktionsverfügung lud er das SEM zur Ver-

nehmlassung innert gleicher Frist ein.  

D.b Die Beschwerdeführerin reichte am 12. Februar 2018 die verlangte 

Unterstützungsbestätigung zum Beleg ihrer Bedürftigkeit sowie die Kopie 

ihrer Überweisung durch den Hausarzt an die Psychiatrische Poliklinik des 

Universitätsspitals F._______ zu den Akten. 

D.c Das SEM hielt in seinen Vernehmlassungen vom 12. und 15. Februar 

2018 vollumfänglich an den Erwägungen in der Verfügung vom 5. Januar 

2018 fest (die ergänzende zweite Stellungnahme wurde nachgereicht, 

nachdem das Gericht der Vorinstanz das medizinische Beweismittel zur 

Kenntnis gebracht hatte).  

D.d Mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2018 hiess der Instruktions-

richter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

sowie um amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte lic. iur. Kathrin 

Stutz als amtliche Rechtsbeiständin ein. 

Mit gleicher Verfügung eröffnete er der Beschwerdeführerin die vorinstanz-

lichen Vernehmlassungen vom 12. und 15. Februar 2018 und setzte ihr 

E-701/2018 

Seite 4 

eine Frist zum Einreichen einer Replik sowie gegebenenfalls eines Berichts 

über die Behandlung in der Psychiatrischen Poliklinik des Universitäts- 

spitals F._______.  

E.  

E.a Die Beschwerdeführerin reichte ihre Replik am 12. März 2018 zu den 

Akten. Betreffend das Einreichen eines ärztlichen Berichts liess sie um 

Fristerstreckung um einen Monat ersuchen. 

Der Instruktionsrichter erstreckte am 13. März 2018 die Frist zur Einrei-

chung des angekündigten Arztberichts antragsgemäss.  

Ein am 6. April 2018 eingehendes weiteres Gesuch um Verlängerung der 

Frist für das Einreichen des Arztberichts wies der Instruktionsrichter am 

10. April 2018 unter Hinweis auf die im Asylverfahren geltenden gesetzli-

chen Verfahrensfristen ab.  

E.b Am 11. April 2018 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht betref-

fend "Erstgespräch vom 23. Februar 2018" des Universitätsspitals 

F._______, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik, datierend 

vom 6. April 2018, zu den Akten.  

E.c Am 14. September 2018 wurde ein weiterer "Medizinischer Bericht", 

datierend vom 6. September 2018, zu den Beschwerdeakten gereicht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

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Seite 5 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt. 108 Abs. 1; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän-

ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel-

che die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie entlastenden 

Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheidwesentli-

chen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten (vgl. 

BVGE 2012/21 E. 5.1; KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxis- 

kommentar Verwaltungsverfahrensgesetz VwVG, Waldmann/Weissenber-

ger [Hrsg.], 2. Aufl. 2016, Art. 12 VwVG N 19 ff.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, 

Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 

2013, Rz. 1043 ff.). 

3.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese mit verbindlichen Weisungen an 

die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz 

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Seite 6 

ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden 

müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in 

diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch 

durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Ein-

zelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss 

dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die von der Beschwerdefüh-

rerin geltend gemachten Asylgründe seien in zentralen Punkten nicht 

glaubhaft. 

5.1.1 So habe sie bezüglich des Geburtsdatums ein widersprüchliches 

Aussageverhalten gezeigt: Sie habe in der BzP zunächst darauf bestan-

den, sie sei minderjährig, könne dies jedoch nicht mit einer Taufurkunde 

beweisen. Auf Vorhalt hin habe sie dann in Aussicht gestellt, die  

Taufurkunde nachzureichen. Das Dokument habe sie anlässlich der  

Bundesanhörung eingereicht, wobei aufgrund des dort aufgeführten  

Geburtsdatums entgegen ihren Behauptungen von ihrer Volljährigkeit aus-

zugehen sei. Dieses anfängliche Aussageverhalten werfe ein erstes zwei-

felhaftes Licht auf ihre Asylvorbringen. 

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Seite 7 

5.1.2 Sodann habe sie inhaltlich und zeitlich unterschiedliche Angaben be-

züglich ihrer Inhaftierungen gemacht, und ihre Angaben hinsichtlich des 

angeblich erhaltenen Aufgebots für den Militärdienst seien widersprüchlich 

geblieben. Darauf angesprochen, habe sie keine plausible Erklärung für 

diese Unstimmigkeiten abgeben können.  

5.1.3 Insgesamt würden die Vorbringen die Anforderungen an die Glaub-

haftigkeit im Sinn von Art. 7 AsylG nicht erfüllen.  

5.1.4 Hinsichtlich der geltend gemachten illegalen Ausreise sei gestützt auf 

das Koordinationsurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Januar 

2017 (D-789/2015) festzuhalten, dass eritreische Staatsangehörige auf-

grund der illegalen Ausreise nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

mit Sanktionen seitens des eritreischen Staates rechnen müssten, die 

ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden 

Andere glaubhafte Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in 

den Augen der eritreischen Regierung als missliebige Person erscheinen 

lassen könnten, seien nicht ersichtlich. Die geltend gemachte illegale Aus-

reise vermöge für sich alleine keine Furcht vor einer zukünftigen asylrele-

vanten Verfolgung zu begründen.  

5.1.5 Zusammenfassend halte die Asylbegründung weder den Anforderun-

gen an Art. 3 noch denjenigen an Art. 7 AsylG stand. Die Beschwerdefüh-

rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und ihr Asylgesuch sei abzu-

lehnen. 

5.2  

5.2.1 In ihrem Rechtsmittel wendet die Beschwerdeführerin ein, sie sei in 

Eritrea beim Versuch der illegalen Ausreise erwischt und in Haft genommen 

worden. Danach sei ihr eine sechsmonatige Meldepflicht auferlegt und 

kurze Zeit später eine Vorladung für das Einrücken in den Militärdienst 

übergeben worden.  

5.2.2 Habe sie in der BzP noch Mühe gehabt, die für die Ausreise massge-

blichen Ereignisse richtig wiederzugeben, sei sie in der Anhörung dazu in 

der Lage gewesen. Es treffe zwar zu, dass sie in der BzP eine andere Ver-

sion der Ereignisse angegeben habe als in der Bundesanhörung. Sie sei 

bei der Einreise in die Schweiz und bei der Erstbefragung sehr durcheinan-

der gewesen, habe Angst gehabt und sich kaum konzentrieren können. 

Namentlich in Libyen habe sie Schlimmes erlebt, sei dort lange Zeit inhaf-

tiert und massiver Gewalt durch den Schlepper ausgesetzt gewesen. Diese 

Angaben zu ihrer psychischen Verfassung in der BzP seien entgegen der 

Auffassung der Vorinstanz glaubhaft und nachvollziehbar.  

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Seite 8 

5.2.3 Das bei der Bundesanhörung erstellte Protokoll zeige auf, dass sie 

dort in der Lage gewesen sei, ihren Fluchtversuch im Oktober 2014, die 

Festsetzung durch die Soldaten und anschliessende Haft bei der Polizei, 

ausführlich und detailliert zu beschreiben. Zudem habe sie keine abwei-

chenden Schilderungen dieser Haft vorgebracht, sondern auf Vorhalt  

richtiggestellt, dass sie zweimal aus unterschiedlichen Gründen verhaftet 

worden sei. Das erste Mal im Jahr 2013 in G._______ aufgrund des Ver-

dachts, sie wolle illegal ausreisen (damals habe die Mutter sie nach drei 

Stunden wieder abholen können); die zweite Festnahme sei in H._______ 

durch Soldaten erfolgt, als sie ausser Landes habe fliehen wollen. Sie sei 

nach vier Tagen bei den Soldaten zur Polizei nach I._______ gebracht und 

dort weitere drei Tage in Haft behalten worden. Weil sie damals minderjäh-

rig gewesen sei, und dank einer Bürgschaft, habe man sie mit der Auflage 

entlassen, die folgenden sechs Monate alle zwei Wochen zur Unterschrift 

zu kommen. 

5.2.4 Die Vorinstanz begründe ihren Entscheid vor allem mit unterschiedli-

chen Angaben in der BzP und der Bundesanhörung. Wie angeführt, habe 

die Beschwerdeführerin in der BzP die für die Flucht massgebenden Ereig-

nisse ebenso durcheinandergebracht wie die Angaben zu ihrem Alter. Dies 

sei auf ihre psychische Verfassung bei der Einreise in die Schweiz zurück-

zuführen. Sie sei von den Erlebnissen während der Flucht weiterhin belas-

tet.  

5.2.5 Die Beschwerdeführerin liess im Lauf des Beschwerdeverfahrens 

das Überweisungsschreiben des behandelnden Arztes (Facharzt FMH All-

gemeine Medizin) vom 7. Februar 2018, einen Bericht vom 6. April 2018 

betreffend "Erstgespräch vom 23. Februar 2018" des Universitätsspitals 

F._______, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik (basierend 

auf drei Konsultationen zwischen Februar und April 2018), sowie einen 

zweiten "Medizinischen Bericht" derselben Institution vom 6. September 

2018 zu den Akten reichen. 

6.  

6.1 Glaubhaftmachen im Sinn von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. 

Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche 

Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist 

eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen 

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Seite 9 

widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkomm-

nisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Ver-

folgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende 

Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung 

von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, ge-

steigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. 

6.2 Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamt-

beurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen 

Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönli-

che Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 

E. 5.1, BVGE 2010/57 E. 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1,  

EMARK 1996 Nr. 27 E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 

7.  

7.1 Die Beschwerdeführerin hat in der BzP vorgebracht, sie habe finanzi-

elle Probleme und kurz vor der Ausreise von der Verwaltung in E._______ 

ein Aufgebot für den Militärdienst bekommen. Auf die Frage nach Inhaftie-

rungen führte sie in der Spontanantwort aus, sie sei "vor etwa vor einem 

Jahr" – angesichts des Zeitpunkts der BzP im August 2015 mithin etwa im 

August 2014 – einmal inhaftiert worden. Aufgrund des Nachfragens er-

klärte sie dann ausserdem, im Jahr 2013 für drei Tage in I._______ bei 

Geheimagenten inhaftiert gewesen zu sein (vgl. Protokoll A7/14 S. 9). Wei-

tere Gründe, die einer Rückkehr entgegenstehen könnten, verneinte sie 

zwar (vgl. Protokoll A7/14 S. 9); sie liess jedoch am Ende der BzP auch 

festhalten, wegen dieser Inhaftierung habe sie Probleme gehabt (vgl. 

a.a.O. S. 11). Gesundheitliche Probleme führte sie keine an (vgl. a.a.O. S. 

10). 

Hinsichtlich der Reise von Eritrea bis Europa schilderte sie unter anderem, 

sie sei zweimal in Libyen erwischt und einmal 26 Tage, das zweite Mal drei 

Monate im Gefängnis gewesen (vgl. a.a.O. S. 7). 

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Ein vertieftes Nachfragen fand in der summarischen BzP weder hinsichtlich 

der bereits hier erkennbaren Ungereimtheiten betreffend die angeführte 

Haft noch der vorgebrachten Gefängnisaufenthalte in Libyen statt. 

7.2  

7.2.1 In der Anhörung beschrieb die Beschwerdeführerin zunächst nur all-

gemein, wer nicht zur Schule gehe, werde Soldat. Mädchen würden dabei 

von den Soldaten als Spielzeug benutzt und vergewaltigt, alles sei sehr 

schlecht (vgl. Protokoll A19/21 F/A 60). Auf ihre persönliche Situation an-

gesprochen, schilderte sie einen Fluchtversuch mit einem weiteren Mäd-

chen und einem Jungen: Sie hätten im zehnten Monat 2014 versucht, ille-

gal über die Grenze auszureisen, seien aber von Soldaten erwischt, vier 

Tage von diesen in H._______, das an der Grenze sei, festgehalten, heftig 

geschlagen und anschliessend der Polizei in I._______ übergeben wor-

den, wo sie drei weitere Tage inhaftiert und misshandelt worden sei. Nach 

der Freilassung gegen Bürgschaft sei sie ihrer Meldepflicht nur einmal 

nachgekommen. Sie sei verzweifelt gewesen, und im Dezember 2014 sei 

sie aus Eritrea weggegangen (vgl. Protokoll A19/21 F/A 62–69, 82 und 

96 ff).  

7.2.2 Auf Nachfragen hin führte die Beschwerdeführerin aus, die Soldaten 

hätten ihr bei der Festnahme klar erklärt, sie werde wie ein Feind betrach-

tet. Sie hätten sie geschlagen und in ihre Unterkunft gebracht. Sie habe 

bereits hier vor Erschöpfung und wegen der durch Schläge verletzten 

Beine kaum laufen können. Die erste Nacht habe sie bei den Soldaten ver-

bringen müssen. Tags darauf sei sie zum Schreiber gebracht und dort 

durchsucht worden.  

Bei der Schilderung dieser Durchsuchung sind im Protokoll die folgenden 

Aussagen festgehalten: "A: […] Als sie mich durchsucht hatten, waren zwei 

Personen in dem Haus/Raum. Sie haben dann zu mir gesagt: 'Zieh deine 

Kleidung aus'. Ich habe dann meine Kleidung ausgezogen. Anfangs habe 

ich mich noch geweigert (GS weint). Dann hat der eine mir eine gescheu-

ert, dann bin ich hingefallen, dann hat er mich durchsucht und so…  

das war alles sehr böse… Ich habe zu diesem Zeitpunkt meinen BH und 

meine Unterhose nicht ausgezogen. Er hat das dann ausgezogen und hat 

dann zu mir gesagt, ich soll die Hände nach oben halten. Er hat dann ge-

sagt, ich soll meine Hände nach oben halten. Es war da noch ein zweiter 

und dann schlagen sie dich einfach grundlos. Er hat mir dann wieder eine 

gescheuert […]" (vgl. a.a.O. F/A 70); "F: Wie bekamen Sie Ihre Kleidung 

wieder? A: Ich war ja dann halb nackt. Ich sollte meine Hände nach oben 

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Seite 11 

halten. Dann haben sie alles durchsucht. Sie haben die Kleidung durch-

sucht und dann habe ich es wieder angezogen. Und dann haben sie mich 

zu meiner Kollegin zurückgeschickt und bei ihr war das genauso. Sie  

behandeln einen jeweils einzeln" (vgl. a.a.O. F/A 72); "F: Und wie war das 

für Sie, diese Behandlung? A: "Sehr schlecht. Es hat mich zur Verzweiflung 

gebracht. Und dieser Junge, der hatte mich dann auch hier hinten geschla-

gen (GS zeigt auf den Hinterkopf). Er sagte: 'Bück dich' und dann hat er 

dort draufgeschlagen. Überall schlagen sie auf dich ein" (vgl. a.a.O. 

A/F 73).  

Diese Aussagen wirken lebensecht, und sie weisen weitere Realitätskenn-

zeichen auf. Das Aussageverhalten legt den Schluss nahe, die Beschwer-

deführerin hätte in diesem Zusammenhang noch mehr zu sagen gehabt. 

Ein vertieftes und behutsames inhaltliches Nachfragen zu den Umständen 

des Geschilderten unterblieb jedoch – hingegen wurde in der Folge der 

Befragungsfokus auf das Alter der Soldaten, auf Dauer und Ort der Haft 

gerichtet (vgl. a.a.O. F/A 74 ff.).  

7.2.3 Die Beschwerdeführerin beschönigte ihren ursprünglichen Fehler be-

züglich der Angaben zur Haft nicht. Sie versuchte dabei zu erklären, dass 

es eine Haft im Jahr 2014 gegeben habe, als sie beim Ausreiseversuch 

erwischt worden sei, während sich die in der BzP nach Nachfrage in den 

Raum gestellte Jahreszahl von 2013 auf einen weniger gravierenden Ein-

griff im Heimatdorf des Vaters beziehe, bei dem sie nur einige Stunden 

festgehalten worden (dann aber wegen eines örtlichen Festtags mit der 

Mutter erst nach drei Tagen weggekommen) sei. An dieser Stelle führte sie 

erstmals an, sie könne sich das nicht erklären, sie habe in der Erstbefra-

gung nicht alles begriffen, nachdem sie sechs Monate in Libyen gewesen 

sei; sie habe keine Ahnung, ihr Kopf sei nicht "ganz da" gewesen (vgl. Pro-

tokoll A19/21 F/A 89–109). 

7.2.4 Hinsichtlich der Ausreise wurde die Beschwerdeführerin äusserst ein-

gehend nach dem Ablauf, den zeitlichen und örtlichen Begebenheiten und 

der Finanzierung befragt (vgl. a.a.O. F/A 132–168). Auf ihren anschlies-

senden Hinweis, sie sei unterwegs auf der Flucht auch in Haft gewesen 

und ihre Wiederholung, ihr Kopf sei deswegen durcheinander gewesen 

(vgl. a.a.O. F/A 169), erfolgten jedoch keine Nachfragen, obwohl solche 

zur Klärung des Sachverhalts erforderlich gewesen wären. 

  

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Seite 12 

7.3  

7.3.1 Auf Beschwerdeebene hat die Beschwerdeführerin von Anfang an er-

neut auf ihre schwierige psychische Situation hingewiesen. Am 12. Februar 

2018 wurde eine Überweisung des Hausarztes an die Psychiatrische Poli-

klinik des Universitätsspitals F._______ eingereicht. Im kurzen Überwei-

sungsschreiben wurde unter anderem eine Posttraumatische Belastungs-

störung (PTBS) nach Flucht und erlebter Gewaltanwendung diagnostiziert. 

7.3.2 Im nachfolgend eingereichten ausführlichen fachärztlichen Bericht 

vom 6. April 2018 werden betreffend die psychische Gesundheit konkret 

die Diagnosen einer "mindestens mittelschwere[n]" PTBS und einer mittel- 

gradigen depressiven Episode gestellt. Dazu wird erläutert, die Beschwer-

deführerin zeige täglich belastende, intrusive Erinnerungen und Albträume, 

lege ein Vermeidungsverhalten an den Tag, um sich abzulenken, es finde 

ein starker sozialer Rückzug statt und sobald traumatische Inhalte (mehr-

fache Inhaftierungen auf der Flucht, Misshandlung und Bezeugung der Er-

mordung einer Freundin [Anmerkung BVGer: solches hatte die Beschwer-

deführerin bei ihren Befragungen nie erwähnt]) zur Sprache kämen, wür-

den starke Kopfschmerzen ausgelöst, es seien negative Veränderungen 

von Kognition und Stimmung festzustellen. Die berichtenden Fachärzte  

befanden weitere Abklärungen für angezeigt und setzten die Beschwerde-

führerin auf die Warteliste zur Behandlung im Ambulatorium für Folter- und 

Kriegsopfer. Eine zwischenzeitlich durchgeführte Otorhinolaryngologie- 

Abklärung habe ausserdem eine an Taubheit grenzende sensorineurale 

Schwerhörigkeit links ergeben, welche eine Hörgeräteversorgung notwen-

dig mache.  

7.3.3 Im zweiten fachärztlichen Bericht vom 6. September 2018 wird die 

fünf Monate zuvor gestellte Diagnose bestätigt. Die Beschwerdeführerin 

leide nach wie vor an den Symptomen einer PTBS und einer mittel- 

gradigen depressiven Episode. Dazu wird ausgeführt, eine Rückschaffung 

nach Eritrea würde mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Re-Traumati-

sierung führen. Die Traumatisierungen hätten in Libyen und in Eritrea statt-

gefunden, wobei diese Erlebnisse im Traumagedächtnis miteinander ver-

knüpft würden. Diese akute Traumatisierung sei sehr wahrscheinlich auch 

dafür verantwortlich, dass die Beschwerdeführerin sich bei der Erstanhö-

rung nicht ausreichend habe konzentrieren können und sich mutmasslich 

in einem teildissoziativen Zustand befunden habe, was zu einer starken 

Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen einschliesslich des Gedächt-

niszugangs führen könne. Zudem sei die Kommunikation durch die 

schwere Hörbehinderung sicher zusätzlich erschwert gewesen.  

E-701/2018 

Seite 13 

7.3.4 Durch diese fachärztlichen Berichte – an deren Korrektheit zu zwei-

feln für das Gericht kein Anlass besteht – werden einerseits die Aussagen 

der Beschwerdeführerin teilweise untermauert. Andererseits erscheinen 

die grundsätzlich korrekt festgestellten Ungereimtheiten bei der Beschrei-

bung der Inhaftierungen in einem anderen Licht. 

7.4 Hinzu kommt, dass eine "an Taubheit grenzende" einseitige Schwerhö-

rigkeit der Beschwerdeführerin – die gemäss Bericht vom April 2018 anam-

nestisch seit vier Jahren bestehe und durch einen Hörsturz hervorgerufen 

worden sei – im erstinstanzlichen Verfahren nicht bekannt war. Aus den 

beiden Befragungsprotokollen wird solches jedenfalls nicht ersichtlich.  

Es ist davon auszugehen, dass diese erhebliche Beeinträchtigung der 

Wahrnehmung – die offensichtlich geeignet war, zu fehlerhaftem Verständ-

nis gestellter Fragen und entsprechenden Antworten zu führen – damals 

nicht erkannt worden ist, zumal die Beschwerdeführerin selbst nichts Der-

artiges erwähnt hatte. Beim Durchlesen des Anhörungsprotokolls fallen  

(in Kenntnis der medizinischen Thematik) mehrere Protokollstellen auf, bei 

denen die Beschwerdeführerin vor ihrer Antwort zunächst eine einfache 

und unmissverständliche Frage wiederholte (vgl. A19 F/A 103: "F: An wel-

chem Ort befand sich der Schreiber genau? A: Der Schreiber? Es gibt  

einen… "; F/A 106: "F: Wie lange sind sie damals festgehalten worden, als 

Sie im Heimatdorf Ihres Vaters waren? A: Dort? Dort, hatten sie mich…"; 

F/A 162: F: "[…], deshalb verstehe ich nicht ganz, wie Sie da Kontakt mit 

ihrer Freundin aufnehmen konnten? A: Mit dem Mädchen? Ich habe 

mich…"). Dieses Aussageverhalten kann einen Hinweis auf akustische 

Probleme darstellen. 

7.5  

7.5.1 Schliesslich ist festzustellen, dass die (eine Woche nach Ankunft der 

Beschwerdeführerin in Schweiz) erfolgte BzP gemäss Protokoll durch ein 

Männerteam durchgeführt worden ist (Sachbearbeiter und Dolmetscher 

des SEM), was einer offenen Schilderung allfälliger sexueller Übergriffe ab-

träglich gewesen sein dürfte. 

7.5.2 Dem Protokoll der Anhörung vom 25. Januar 2017 ist zwar zu ent-

nehmen, dass die Befragerin des SEM und die Dolmetscherin weiblichen 

Geschlechts waren. Bei der "HWV" (Hilfswerksvertretung) ergibt sich das 

Geschlecht aus dem Protokoll nicht. Und das Gleiche gilt für die "Person 

am Computer", welche die Befragerin bei der Vorstellung der Beteiligten 

erwähnte und die dafür zuständig sei "die Fragen und Antworten [zu] pro-

E-701/2018 

Seite 14 

tokollieren" (vgl. Protokoll S. 2). Bei dieser Aktenlage kann nicht ausge-

schlossen werden, dass auch bei dieser Anhörung ein oder zwei männliche 

Personen anwesend waren. 

7.6 Zusammenfassend stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass der 

rechtserhebliche Sachverhalt von der Vorinstanz nicht korrekt und vollstän-

dig festgestellt worden ist. Die Entscheidreife lässt sich nicht sinnvoll durch 

das Bundesverwaltungsgericht herstellen, weshalb es angezeigt ist, die 

angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zwecks vollständiger 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts an das SEM zurückzuwei-

sen (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Dabei wird die Vorinstanz sämtliche relevanten 

Sachverhaltselemente namentlich unter Einbezug der nun vorgelegten 

fachärztlichen Berichte abzuklären und den rechtserheblichen Sachverhalt 

in geeigneter Weise zu erstellen haben. 

7.7 Sollte das SEM danach das Asylgesuch erneut ablehnen und die Weg-

weisung anordnen, wäre die Beurteilung der Durchführbarkeit der Wegwei-

sung in Kenntnis der medizinischen Umstände erneut zu beurteilen.  

8.  

Die Beschwerde ist bei dieser Sachlage gutzuheissen, soweit die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und VwVG). Die unentgeltliche Rechtspflege wird damit ge-

genstandslos. 

9.2 Der Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung 

von Art. 64 VwVG eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise er-

wachsenen Parteikosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), respektive ist das Honorar 

ihrer Rechtsbeiständin dem SEM zur Vergütung unter diesem Titel aufzu-

erlegen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die 

notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 8 

Abs. 2 und Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu 

ziehenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 9–13 VGKE) ist die Parteient-

schädigung auf insgesamt Fr. 1000.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. 

  

E-701/2018 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt worden ist. 

2.  

Die Verfügung vom 5. Januar 2018 wird aufgehoben und die Sache wird 

zur Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung an das SEM zurück- 

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1000.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay 

 

 

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