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**Case Identifier:** e5668620-a940-59b4-a17d-790cc2711ca4
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-15
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 15.10.2021 200 2019 704
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2019-704_2021-10-15.pdf

## Full Text

200 19 704 IV
KNB/SVE/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 15. Oktober 2021

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schütz, Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiberin Schwitter

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 19. Juli 2019

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1968 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), ..., 
meldete sich erstmals im Mai 2016 unter Hinweis auf Rheuma, Fibromyal-
gie und Arthrose bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum 
Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegne-
rin], Antwortbeilage [AB] 1). Die IVB tätigte in der Folge medizinische und 
erwerbliche Abklärungen und gewährte insbesondere ein Belastbarkeits-
training bei der Abklärungsstelle C.________ in ... von 6. Juni bis 10. Sep-
tember 2017 (AB 44). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 60) 
verneinte sie mit Verfügung vom 12. Dezember 2017 (AB 68) einen An-
spruch auf berufliche Massnahmen. Diese Verfügung blieb unangefochten. 
Die IVB veranlasste weiter eine psychiatrische Begutachtung bei 
Dr. med. D.________, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psy-
chotherapie (Expertise vom 24. April 2018 [AB 76]). Mit Vorbescheid vom 
29. August 2018 (AB 84) stellte die IVB eine von 1. November 2016 bis 
31. März 2017 befristete, ganze Rente in Aussicht. Nach dagegen erhobe-
nem Einwand (AB 87, 92, 94) verfügte die IVB am 19. Juli 2019 dem Vor-
bescheid entsprechend (AB 98).

B.

Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, mit Eingabe vom 13. September 2019 Beschwerde mit fol-
genden Rechtsbegehren:

1. Die IV-Verfügung vom 19. Juli 2019 sei insoweit aufzuheben, als dass 
sie die Rente auf die Zeit von 1. November 2016 bis 31. März 2017 
beschränkt.

2. Der Beschwerdeführerin sei eine unbefristete Rente auszurichten.

3. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz 
zurückzuweisen, insbesondere zur Erstellung eines somatischen Gut-
achtens.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 3

Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort auf Abweisung 
der Beschwerde.

In der Folge hielt die Beschwerdeführerin an ihren Rechtsbegehren fest.

Am 17. August 2021 hielt die Beschwerdeführerin - in Kenntnis davon, dass 
im Falle einer Beschwerdegutheissung im Sinne des Eventualbegehrens 
die gesamte Verfügung aufgehoben wird (Schreiben des Gerichts vom 
13. August 2021) - an der Beschwerde fest.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von 
Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche 
Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des 
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des 
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des 
kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) 
Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im 
vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch 
den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse 
an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 
ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des 
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; 
SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie 
Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; 
BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 19. Juli 2019 (AB 98), 
mit welcher der Beschwerdeführerin eine von 1. November 2016 bis 

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31. März 2017 befristete ganze Invalidenrente zugesprochen wurde. Strei-
tig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. In anfechtungs- 
und streitgegenständlicher Hinsicht liegt ein Rechtsverhältnis vor, wenn 
rückwirkend eine abgestufte und/oder befristete IV-Rente zugesprochen 
wird. Wird nur die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefoch-
ten, wird damit die richterliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne 
eingeschränkt, dass die unbestritten gebliebenen Rentenbezugszeiten von 
der richterlichen Prüfung ausgenommen blieben (BGE 125 V 413; AHI 
2001 S. 278 E. 1a; SVR 2019 IV Nr. 33 S. 100 E. 3.2). Folglich ist vorlie-
gend der grundsätzliche Anspruch auf eine IV-Rente, unter Einschluss der 
unbestritten gebliebenen Zusprache einer ganzen Rente von 1. November 
2016 bis 31. März 2017, zu prüfen.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist - im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit - nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 

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2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch 
nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies 
zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Ein-
fluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 
hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten 
Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb 
gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berück-
sichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 
106 E. 4.4 S. 110). 

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf 
eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.4 Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten 
IV-Rente sind die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen analog 
anzuwenden, weil noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine an-
spruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist mit der Folge, dass dann 

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gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird (BGE 133 V 263 E. 6.1 
S. 263; SVR 2019 IV Nr. 2 S. 4 E. 2).

2.4.1 Ändert sich der IV-Grad einer Rentenbezügerin oder eines Renten-
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch 
hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben 
(Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche 
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invali-
ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invaliden-
rente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Ge-
sundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerb-
lichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im übli-
chen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszu-
standes erheblich verändert haben. Dazu gehört die Verbesserung der Ar-
beitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behin-
derung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gege-
ben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung 
gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 
144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 
2.2.1). 

2.4.2 Wird rückwirkend eine abgestufte oder befristete Rente zugespro-
chen, sind einerseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und anderseits der 
in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a IVV festzusetzende Zeit-
punkt der Anspruchsänderung die massgebenden Vergleichszeitpunkte 
(BGE 133 V 263 E. 6.1 S. 263; SVR 2019 IV Nr. 2 S. 4 E. 2).

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

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3.

3.1 Was den Gesundheitszustand bzw. die Arbeits- und Leistungsfähig-
keit der Beschwerdeführerin betrifft, ergibt sich aus den Akten im Wesentli-
chen das Folgende:

3.1.1 Im Bericht vom 15. April 2016 (AB 11 S. 9) diagnostizierte 
Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheu-
matologie, eine chronische, lumbospondylogene, fraglich radikuläre 
Schmerzsymptomatik (Osteochondrose L5/S1 mit Diskusprotrusion und 
möglicher extraforaminaler Tangierung der Wurzel L5; Fazettengelenksar-
throsen L5/S1 und L4/5), eine Schmerzschwellenstörung im Sinne eines 
Fibromyalgie-Syndroms (somatische Trigger: degenerative Veränderungen 
der Lendenwirbelsäule [LWS]), jahrelange hohe Arbeitsbelastung als ...) 
sowie eine Adipositas. Die Beschwerdeführerin habe chronifizierte, lumbo-
sakral und spondylogen ausstrahlende Schmerzen rechts. Somatisch rele-
vante Befunde seien die Segmentdegeneration L5/S1, weniger am Seg-
ment L4/5. Entsprechend dieser lokalen Befunde seien vor einem Jahr of-
fenbar zumindest teilweise erfolgreiche Fazettengelenksblockaden erfolgt. 
Dadurch habe während mehreren Monaten eine Schmerzlinderung bestan-
den. Die Symptomatik sei aktuell seit November wieder exazerbiert.

3.1.2 Dr. med. F.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 
diagnostizierte im Bericht vom 23. Mai 2016 (AB 11 S. 2) mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisch lumbospondylogenes Schmerzsyn-
drom (Fazettengelenksarthrose L5/S1 und L4/5; Ostechondrose L5/S1 mit 
Diskusprotrusion und möglicher extraforaminaler Tangierung der Wurzel 
L5) sowie ein Fibromyalgie-Syndrom (S. 2 Ziff. 1.1). Es bestünden seit Jah-
ren Schmerzen im Bereich der oberen Halswirbelsäule (HWS; Differenzial-
diagnose [DD: i.R. Fibromyalgie]). Seit Mai 2015 leide die Beschwerdefüh-
rerin an chronisch intermittierenden resp. aktuell therapieresistenten 
Schmerzen im Bereich der LWS mit Ausstrahlung ins rechte Bein. Es lägen 
multiple degenerative Veränderungen der Wirbelsäule mit fraglich radikulä-
rer Ausstrahlungssymptomatik vor. Die Prognose sei eher ungünstig durch 
Chronifizierung und die Begleiterkrankung Fibromyalgie (S. 3 Ziff. 1.4). Die 
Beschwerdeführerin sei in der Leistungsfähigkeit resp. beim Durchführen 
von Arbeitsschritten eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizi-

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nischer Sicht noch zumutbar, zur Zeit sei aber nicht abschliessend beurteil-
bar in welchem zeitlichen Rahmen. Aktuell bestehe eine Einschränkung 
beim Heben von Lasten von mehr als fünf Kilogramm, bei Rotations- und 
Beugebewegungen sowie bei Arbeiten unter Zeitdruck (S. 4 Ziff. 1.6). 

3.1.3 Die Beschwerdeführerin war von 14. bis 19. Juli 2016 in der Klinik 
G.________ hospitalisiert (vgl. Austrittsbericht vom 19. Juli 2016 [AB 18 
S. 4]). Im Bericht vom 20. Juli 2016 (AB 18 S. 2) z.H. der Beschwerdegeg-
nerin hielten med. prakt. H.________, Assistenzarzt Orthopädie, sowie 
Dr. med. I.________, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trauma-
tologie des Bewegungsapparates, und Prof. Dr. med. J.________, Facharzt 
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine ventrale Diskek-
tomie L5/S1 und eine Segmentaufrichtung mit Interposition eines Synfix-
Cages am 15. Juli 2016 bei einem chronisch lumbovertebralen Schmerz-
syndrom mit einer rechtsseitigen Beinschmerzsymptomatik fest. Als Dia-
gnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsunfähigkeit wurden wiederholte typi-
sche Thoraxschmerzen, eine Anstrengungsdyspnoe, eine Leistungsintole-
ranz, ein Fibromyalgie-Syndrom sowie eine Migräne aufgeführt (Ziff. 1.1). 
Aktuell bestehe seit dem 14. Juli 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % 
(Ziff. 1.6). Bei körperlicher Belastung komme es zur Schmerzzunahme. Die 
Tätigkeit im ... mit hohen körperlichen Belastungen sei tabu. Dies sei für 
den medizinischen Befund kontraindiziert (Ziff. 1.7).

Dieselben Ärzte diagnostizierten im Bericht vom 12. September 2016 
(AB 22 S. 1) z.H. der Beschwerdegegnerin weiterhin ein chronisches lum-
bovertebrales Schmerzsyndrom bei Status nach ALIF (anterior lumbar in-
terbody fusion) L5/S1 (Ziff. 3). Der Gesundheitszustand (Ziff. 1) bzw. die 
Rücken- und Beinschmerzsymptomatik habe sich im Vergleich zur präope-
rativen Situation verschlechtert (Ziff. 4). Es bestünden belastungsabhängi-
ge Schmerzen im LWS-Bereich und im Bein (Ziff. 12). Die Prognose sei 
zum jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen (Ziff.9). Es bestehe eine Ar-
beitsunfähigkeit ab dem 14. Juli 2016 bis auf weiteres (Ziff. 11). 

3.1.4 Im Sprechstundenbericht vom 18. November 2016 (AB 27 S. 2) dia-
gnostizierte Prof. Dr. med. J.________ einen Zustand nach ALIF L5/S1 
(Synfix Evolution, Beckenkamm) vom 15. Juli 2016 sowie eine persistie-

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rende chronische Schmerzproblematik/Ischialgie-Symptomatik rechts. Bei 
der Beschwerdeführerin persistierten nach stattgehabtem Eingriff lokale 
Schmerzen im Kreuz, zusätzlich sei auch eine gewisse Beinsymptomatik 
rechts gegeben. Es sei ein Dauerschmerz vorhanden, auch nachts. Die 
Beschwerdeführerin könne in keiner Position länger verharren. Vom Orga-
nischen her sei keine kritische Veränderung ersichtlich. Man könne erwar-
ten, dass sich innerhalb der nächsten Monate auch die Spondylodese 
L5/S1 noch knöchern konsolidiere. Die Beschwerdeführerin solle versu-
chen, ihre Arbeitstätigkeit zu 30 % wieder aufzunehmen. Vom Strukturellen 
her sei festzuhalten, dass der Rücken sonst in einem ausgezeichneten 
Zustand sei ohne andere Zeichen einer degenerativen Veränderung. Vier 
Monate nach der Operation sei die Stabilität im operativen Segment auch 
so weit gewährleistet, dass sich die Beschwerdeführerin nicht in irgendei-
ner Form einen Schaden zufüge, auch wenn die Schmerzen halt noch per-
sistierten. Auch mittel- und längerfristig müsse in der Beurteilung der Zu-
mutbarkeit rein bezogen auf die organischen/fassbaren Veränderungen 
festgehalten werden, dass hier eine mittelschwere Arbeitstätigkeit ohne 
Einschränkung ab sechs Monaten postoperativ möglich sei.

3.1.5 Dr. med. F.________ hielt im Verlaufsbericht vom 27. Februar 2017 
(AB 32) als neue Diagnose eine Episode mit Ileitis terminalis (Dezember 
2016), welche aktuell in Abheilung sei, eine Gastritis sowie eine depressive 
Episode fest (Ziff. 3). Schmerzen lumbal oder an anderen Körperstellen 
träten wahrscheinlich immer wieder verstärkt und belastungsabhängig auf 
(Ziff. 9). Die lumbalen Schmerzen verstärkten sich bei Rotationsbewegun-
gen des Oberkörpers und beim Beugen sowie längeren Stehen. Es 
bestünden Schwierigkeiten beim ... mit ... und Aufheben von Gegenständen 
vom Boden (Ziff. 12). Zumutbar wären eher leichtere ...tätigkeiten (z.B. ...) 
ohne häufigen Einsatz des ... in stressfreier Umgebung (Ziff. 13). Möglich 
sei das ... von ... auf Hüfthöhe mit der Möglichkeit, sich zwischendurch hin-
setzen zu können. Zu vermeiden seien Rotationsbewegungen mit Kraftan-
wendung des Oberkörpers (Ziff. 14). Im Prinzip sei die aktuelle Tätigkeit als 
... suboptimal, aber aufgrund fehlender Ausbildung und Sprachkenntnisse 
seien „(keine) wenige“ berufliche Alternativen vorhanden (Ziff. 16).

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3.1.6 In der Beurteilung vom 9. März 2017 (AB 33) diagnostizierte med. 
pract. K.________, Praktische Ärztin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst 
(RAD), als IV-relevante Gesundheitsschäden ein chronisch lumbospondy-
logenes Schmerzsyndrom (Status nach ALIF L5/S1 vom 15. Juli 2016 bei 
erosiver Osteochondrose L5/S1 mit Diskusprotrusion und extraforaminaler 
Tangierung der Wurzel L5; Fazettenarthrose L5/S1 und L4/L5) sowie ein 
Fibromyalgie-Syndrom mit generalisierten Schmerzen im Schulterbereich, 
HWS und wahrscheinlicher Akzentuierung der lumbospondylogenen 
Schmerzen. Die Beschwerdeführerin sei aktuell noch rekonvaleszent mit 
einer Arbeitsfähigkeit von 20 % in der angestammten Tätigkeit als ..., wobei 
ab 13. März 2017 eine Steigerung auf 30 % geplant sei. Die aktuellen An-
gaben von Dr. med. F.________ seien nachvollziehbar. Nach Ablauf der 
(interindividuellen) Rekonvaleszenzzeit mit Aufbau der Muskulatur sollte in 
einer angepassten wechselbelastenden Tätigkeit, ohne Heben und Tragen 
von mittelschweren und schweren Lasten, ohne Zwangshaltungen wie häu-
figes Bücken, Knien oder Kauern, ohne Überkopf-Arbeiten, ohne Umwelt-
einflüsse wie Zugluft, ohne Angewiesen sein auf Richtungshören und ohne 
repetitive Rumpfrotation im Sitzen/Stehen eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 
100 % erreicht werden können (S. 15).

3.1.7 Im Verlaufsbericht vom 10. September 2017 (AB 48 S. 2) hielt 
Dr. med. F.________ weiterhin fest, bei körperlicher Tätigkeit mit Wechsel-
belastung ohne Handhabung von schweren Lasten (über fünf Kilogramm) 
und frequenten Rotationsbewegungen von Oberkörper und Hüfte sowie 
häufigem Beugen sollte eine Erwerbstätigkeit zumutbar sein (S. 3 Ziff. 13). 
Mit Ausnahme der vorgenannten Bewegungen (Heben, Rotation, häufiges 
Beugen) sollte eine Tätigkeit zumindest bis zu einem Pensum von 60 % 
zumutbar sein. Trotz intensivem Therapieangebot (Ergotherapie, Physio-
therapie, Medikation) und Arbeitstraining sei dieses Pensum aktuell nicht 
erreicht worden (Ziff. 14).

3.1.8 Prof. Dr. med. J.________ hielt im Bericht vom 20. Oktober 2017 
(AB 53) eine chronifizierte lumboischialgische Schmerzproblematik rechts-
betont bei einem Zustand nach ALIF L5/S1 (Synfix Evolution, Becken-
kamm) vom 15. Juli 2016 sowie eine chronische Schmerzkrankheit (Fibro-
myalgie) fest. 15 Monate nach operativer Versorgung müsse konstatiert 

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werden, dass die knöcherne Konsolidation nicht vollständig stattgefunden 
habe. Das Pseudoarthrose-Risiko betrage etwa 5 % bei gesunden Patien-
ten, da die Beschwerdeführerin Raucherin sei, sei die Pseudoarthrose-Rate 
im Schnitt bei etwa 10 % gegeben.

3.1.9 Dr. med. L.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und 
Rheumatologie, vom RAD, hielt in seiner Stellungnahme vom 24. Oktober 
2017 (AB 54) fest, eine mittelschwere bis schwere Tätigkeit in mehrheitlich 
stehender Position mit häufiger Rotation des Rumpfes sei definitiv nicht 
mehr zumutbar. Es stelle sich entgegen der Ansicht von Prof. 
Dr. med. J.________, welcher sage, die Situation könne trotz der Pseudo-
arthrose ohne zusätzliche Risiken einzugehen, akzeptiert werden, die Fra-
ge der Stabilisierung des Rückens und der Korrektur dieser Pseudoarthro-
se, bevor ein Zumutbarkeitsprofil in einer angepassten Tätigkeit erstellt 
werde. Auf jeden Fall sollte es sich bei dieser angepassten Tätigkeit um 
eine leichte und nicht mehr um eine Tätigkeit in der ... handeln. Weiter stel-
le sich die Frage, ob eine Operation notwendig sei, wenn die Indikation zu 
dieser diskutierbar sei, insbesondere unter Berücksichtigung, dass die 
Komplikation dieses Eingriffs an sich schon zu einer objektiven funktionel-
len Einschränkung werde. Das Dossier werde an 
Prof. Dr. med. M.________, Facharzt für Radiologie, zur Stellungnahme 
gesendet. In psychiatrischer Hinsicht sei eine Begutachtung bei 
Dr. med. D.________ zu veranlassen.

3.1.10 In der Stellungnahme vom 23. November 2017 (AB 66) hält 
Prof. Dr. med. M.________ fest, die Diagnose einer Pseudoarthrose lasse 
sich nicht bestätigen. Die Spondylodese weise keine Materiallockerung auf. 
Es sei eine allmähliche Brückenbildung zu erkennen, die sicherlich hinter 
den Erwartungen in dieser Altersgruppe zurückbleibe. Dementsprechend 
sei es eine langsamere Ossifikation als typischerweise erwartet werden 
könne. Es könne vermutet werden, dass die Konsolidation und Überbauung 
dieses Intervertebralraumes in den nächsten sechs Monaten fortschreite.

3.1.11 Im psychiatrischen Gutachten vom 24. April 2018 (AB 76.1) dia-
gnostizierte Dr. med. D.________ ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
Angst und Depression, gemischt (ICD-10 F41.2). Unabhängig von allen 
Überlegungen zur differentialidagnostischen Einordnung und ICD-10-

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konformen Codierung sei abschliessend zusammenfassend festzuhalten, 
die residuale anxiodepressive Symptomatik sei aus rein psychiatrischer 
Sicht allenfalls noch als leicht zu quantifizieren, dies gar ohne jegliche 
psychiatrisch-psychotherapeutische oder psychopharmakologische Unter-
stützung. Auf psychiatrischem Fachgebiet sei sicherlich nicht von einem 
schweren und therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren, dauerhaft invalidi-
sierenden Residualzustand auszugehen, vielmehr begründeten die verein-
zelt reaktiv auftretenden, residualen psychischen Symptome im Sinne von 
„ICD-10 F41.2 Angst und Depression, gemischt“ keinerlei Minderung der 
Arbeitsfähigkeit. Die Diagnosen einer anhaltenden somatoformen 
Schmerzstörung, einer echten depressiven Episode, gar einer rezidivieren-
den Störung im Sinne einer wirklichen „affektiven Psychose“ im Sinne des 
Kapitels F3 der ICD-10 seien nicht haltbar. Es bestehe keine für diese Dia-
gnosen typische Symptomatik. Auch leide die Beschwerdeführerin nicht an 
einer Persönlichkeitsstörung. Abschliessend sei zusammenfassend festzu-
halten, dass die vereinzelt reaktiv auftretenden, allenfalls leicht ausgepräg-
ten anxiodepressiven Symptome im Sinne der Diagnose „ICD-10 F41.2 
Angst und Depression, gemischt“ bei der Beschwerdeführerin aus rein me-
dizinisch-psychiatrischer Sicht keine durchgehende und höhergradige Ar-
beitsunfähigkeit in einer dem Alter, Ausbildungsstand und den tatsächli-
chen körperlichen Beeinträchtigungen angepassten Tätigkeiten begründe-
ten. Die bei der beruflichen Abklärungsmassnahme beobachtete Leis-
tungsminderung sei somit nicht durch eine Störung auf psychiatrischem 
Fachgebiet zu erklären, seien doch schwerwiegendere Störungen wie eine 
rezidivierende depressive Störung, eine Persönlichkeitsstörung oder eine 
anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie auch anderweitige psych-
iatrische Störungsbilder mit hoher Sicherheit auszuschliessen. Aus rein 
psychiatrischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 21 Ziff. 3) in der 
bisherigen Tätigkeit in der ... oder in der ...abteilung des N.________. Die 
diesbezüglichen Beeinträchtigungen erklärten sich durch die körperlichen 
Probleme (S. 27 Ziff. VI Ziff. 4). 

3.1.12 In der Beurteilung vom 9. Mai 2018 (AB 82) erachtete der RAD-Arzt 
Dr. med. L.________ eine leichte Tätigkeit in einer wechselnden Position in 
einem 100%-Pensum als zumutbar, wobei jedoch eine Leistungsminderung 
von 20 % aufgrund der erhöhten Anzahl an Pausen wegen der segmenta-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 13

len Ruhigstellung des Rückens durch den chirurgischen Eingriff und den 
degenerativen Erkrankungen im Lendenbereich bestehe. Dieses Zumut-
barkeitsprofil entspreche Dr. med. F.________s Beschreibung einer Ar-
beitsfähigkeit von mindestens 60 % in einer angepassten Tätigkeit. Eine 
rein sitzende oder stehende Tätigkeit sei nicht zumutbar. Arbeiten auf 
Schulterhöhe wie auch fern vom Körper sowie auf der Leiter oder auf dem 
Gerüst seien nicht zumutbar. Repetitive rumpfbeugende Tätigkeiten sowie 
kniende oder hockende seien ebenfalls nicht zumutbar. Spiro-ergometrisch 
ergebe sich aus dem Dossier, dass die Beschwerdeführerin zu einer leich-
ten Tätigkeit in der Lage sei. Es bleibe zu präzisieren, dass die Akten keine 
objektiven Beweise für eine körperliche, geistige und/oder intellektuelle 
Gesundheitsbeeinträchtigung enthielten, die mit objektiven funktionellen 
Einschränkungen einhergingen, die Grundlage für eine erhebliche langfris-
tige Arbeitsunfähigkeit werden könnten. So belegten die Ausführungen der 
Rheumatologie des Spitals O.________ sowie von Dr. med. E.________ 
und Prof. Dr. med. J.________ objektiv betrachtet kein neurologisches De-
fizit. 

In der Aktennotiz vom 5. Juli 2018 (AB 83) hielt Dr. med. L.________ so-
dann fest, die Beschwerdeführerin sei im Juli 2016 an der Lendenwir-
belsäule operiert worden, weshalb in diesem Zusammenhang eine Arbeits-
unfähigkeit von 100 % von Juli bis November 2016 bestanden habe. Die 
Entwicklungen nach der Operation ergäben keine objektivierbaren funktio-
nellen Einschränkungen, welche eine Arbeitsunfähigkeit von langer Dauer 
begründeten. Das Zumutbarkeitsprofil in der Beurteilung vom 9. Mai 2018 
(AB 82) sei von Januar bis Juni 2016 und ab Januar 2017 gültig.

3.1.13 Im Bericht vom 1. November 2018 (AB 94) diagnostizierte 
Dr. med. P.________, Facharzt für Neurochirurgie, eine Lumboischialgie 
rechts (Status nach ventraler Spondylodese L5/S1; August 2016). Die Si-
tuation sei schwierig einzuschätzen, weder prä- noch postoperativ zeige 
sich eine Affektion nervaler Strukturen. Eine sichere Pseudoarthrose sei 
allerdings auch nicht ersichtlich. Daher bleibe eine gewisse Skepsis bezüg-
lich der in Bern offensichtlich vorgeschlagenen zusätzlichen dorsalen Fixie-
rung. Empfohlen würden eine muskulo-skelettale Rehabilitation mit inte-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 14

griertem Schmerzprogramm, die Sistierung des Rauchens und eine Ge-
wichtsreduktion.

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2).

Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt 
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar 
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 15

Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in 
einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht 
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. 
Gleiches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung 
wiederholt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird. Es bedarf 
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die 
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. 
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im 
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des 
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 
3b ee S. 354; SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). 

3.3 Die Beschwerdegegnerin stützt die vorliegend angefochtene Verfü-
gung auf die RAD-ärztliche Aktenbeurteilung vom 9. Mai 2018 (AB 82) und 
die RAD-Aktennotiz vom 5. Juli 2018 (AB 83) von Dr. med. L.________, 
woran dieser am 7. Februar 2019 festhielt (vgl. AB 95 S. 11).

3.3.1 Psychiatrischerseits verweist Dr. med. L.________ in der Einschät-
zung vom 9. Mai 2018 (AB 82 S. 3, 7) auf die Expertise von Dr. med. 
D.________ vom 24. April 2018 (AB 76.1). Diese erfüllt die von der höch-
strichterlichen Rechtsprechung gestellten Anforderungen an Expertisen 
(vgl. E. 3.2 hiervor). Die Feststellungen des Gutachters beruhen auf eige-
ner spezialärztlicher Abklärung und sind in Kenntnis der Vorakten sowie 
unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden getroffen worden. Die 
Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sind 
für die streitigen Belange umfassend und die gezogenen Schlussfolgerun-
gen zum psychischen Gesundheitszustand werden nachvollziehbar und 
einleuchtend begründet. Die fachärztliche Einschätzung der Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht ist schlüssig und wider-
spruchsfrei. Dem Gutachten kommt damit voller Beweiswert zu, weshalb 
Dr. med. L.________ in seiner Stellungnahme vom 9. Mai 2018 (AB 82 
S. 3) zu Recht darauf verweist. Es liegen keine medizinischen Berichte in 
den Akten, welche Zweifel an der Einschätzung des Experten wecken. 
Damit ist erstellt und denn auch unbestritten, dass aus psychiatrischer 
Sicht das funktionelle Leistungsvermögen nicht beeinträchtigt ist, d.h. keine 
Arbeitsunfähigkeit besteht (vgl. AB 76.1 S. 27 Ziff. 1 f.).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 16

3.3.2 In somatischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin auf das 
in der Aktenbeurteilung von Dr. med. L.________ vom 9. Mai 2018 (AB 82) 
formulierte Zumutbarkeitsprofil, wonach in einer angepassten leichten 
Tätigkeit mit wechselnder Position eine Arbeitsfähigkeit von 100 % mit ei-
ner reduzierten Leistungsfähigkeit von 20 % bestehe. Wie es sich mit die-
ser Einschätzung verhält, kann letztlich offen bleiben. Denn vorliegend 
handelt es sich primär um ein orthopädisches Problem, zu dessen Beurtei-
lung es Dr. med. L.________ als Internist und Rheumatologe an der ärztli-
chen Fachkompetenz fehlt, ist doch für eine eigenständige medizinische 
Einschätzung als Grundlage für die Beurteilung des Leistungsanspruchs 
eine spezifische fachärztliche Qualifikation erforderlich (Entscheid des 
BGer vom 30. November 2020, 9C_550/2020, E. 5.3). Überdies fehlt es an 
einer Umschreibung des funktionellen Leistungsvermögens (Belastungs-
profil) basierend auf einer (aktuellen) klinischen Untersuchung mit qualitati-
ver und quantitativer Analyse der Funktionsstörung des Bewegungsappara-
tes, stellt doch eine solche Untersuchung die wichtigste und feinste Prüfung 
bei Gesundheitsschäden an der Wirbelsäule dar (Entscheide des BGer 
vom 1. September 2015, 9C_335/2015, E. 4.2.1 f., und vom 12. Mai 2020, 
8C_839/2019, E. 3.2.1). So hatte der RAD-Arzt vorgängig in seiner Stel-
lungnahme vom 24. Oktober 2017 (AB 54) denn auch selbst festgehalten, 
nach Einholung einer radiologischen Stellungnahme bei Prof. Dr. med. 
M.________ sei die Situation in orthopädischer Hinsicht extern beurteilen 
zu lassen (vgl. hierzu S. 10 Ziff. 1 lit. a und b). Die Aktenbeurteilung von 
Dr. med. L.________ vom 9. Mai 2018 (AB 82 S. 7) erlaubt nach dem Dar-
gelegten in somatischer Hinsicht keine abschliessende Beurteilung. 

Überhaupt wurde in keinem der vorliegend für die somatischen Gesund-
heitsbeeinträchtigungen in erster Linie in Frage kommenden Fachgebiete 
(Orthopädie, Rheumatologie sowie Neurologie) spezifisch im Hinblick auf 
eine fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit samt Umschreibung 
des funktionellen Leistungsvermögens eine klinische Untersuchung der 
Beschwerdeführerin vorgenommen und gestützt darauf abschliessend ein 
Zumutbarkeitsprofil erstellt, mithin der Sachverhalt bisher ungenügend ab-
geklärt (vgl. Beschwerde S. 3 Ziff. III Ziff. 1; Stellungnahme S. 3 Ziff. III 
Ziff. 4). Daran ändern auch die zahlreichen durch die behandelnden Ärzte 
vorgenommenen klinischen Untersuchungen (vgl. AB 11 S. 9, AB 28 S. 2, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 17

AB 18 S. 7 f., AB 27 S. 2, 4 f., AB 38.2 S. 3, AB 53) nichts, dienten diese 
doch vorab der Beurteilung der (jeweils aktuellen) Situation und den Thera-
pieoptionen, nicht jedoch einer abschliessenden Beurteilung der Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit. Auch auf das von der RAD-Ärztin med. pract. 
K.________ am 9. März 2017 formulierte Zumutbarkeitsprofil (vgl. AB 33) 
kann nach dem Gesagten nicht abschliessend abgestellt werden.

3.3.3 Was den durch die Beschwerdegegnerin bejahten Anspruch der 
Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente von 1. November 2016 bis 
31. März 2017 betrifft, ist auch diesbezüglich aufgrund ungenügender 
Sachverhaltsabklärung nicht rechtsgenüglich erstellt, ob das Wartejahr 
nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (vgl. E. 2.2 hiervor), wonach die Beschwerde-
führerin während einem Jahr zu mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen 
sein müsste, erfüllt ist und in welcher Höhe und in welchem Zeitraum ge-
gebenenfalls ein Rentenanspruch besteht.

3.4 Zusammenfassend hätte die Beschwerdegegnerin es nicht bei der 
RAD-Aktenbeurteilung bewenden lassen dürfen, ist doch der medizinische 
Sachverhalt in somatischer Hinsicht ungenügend abgeklärt. 

3.5 Die Beschwerde erweist sich damit hinsichtlich des eventualiter ge-
stellten Antrages, mit welchem eine Rückweisung an die Vorinstanz bean-
tragt wird, als begründet. Folglich erübrigen sich Ausführungen zur Bemes-
sung des Invaliditätsgrades bzw. zu den entsprechenden Vergleichsein-
kommen. 

Vielmehr ist die angefochtene Verfügung vom 19. Juli 2019 (AB 98) zwecks 
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung in Form 
eines externen somatischen Gutachtens in den Fachdisziplinen Orthopä-
die, Rheumatologie sowie Neurologie im Sinne der Erwägungen aufzuhe-
ben, damit die Beschwerdegegnerin hiernach über den Leistungsanspruch 
der Beschwerdeführerin neu verfüge.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 18

4.

4.1 Gemäss aArt. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig 
gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 82a ATSG) ist das 
Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitig-
keiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten-
pflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig 
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils zurückzuerstatten. 

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Die von Rechtsanwalt B.________ eingereichte Kostennote vom 30. März 
2020 sowie die ergänzende Kostennote vom 17. August 2021 mit einem 
insgesamt geltend gemachten zeitlichen Aufwand von 12.3 Stunden sind 
nicht zu beanstanden. Gestützt auf diese Kostennoten wird die Parteien-
tschädigung der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren auf 
Fr. 3‘420.85 (Honorar von Fr. 3'111.30 zuzüglich Auslagen von Fr. 65.-- 
und MWST von Fr. 244.55) festgesetzt. Diesen Betrag hat die Beschwer-
degegnerin der Beschwerdeführerin zu ersetzen. 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 19. Juli 2019 aufgehoben und die Sache an die Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2021, IV/19/704, Seite 19

schwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie - nach Vornahme der 
Abklärungen im Sinne der Erwägungen - neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihr nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3‘420.85 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.