# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 894848a6-d32c-5817-a3ee-ebd2fb469eaf
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-26
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 26.09.2011 SB110372
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110372_2011-09-26.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110372-O/U/eh 

 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Vorsitzender, lic. iur. S. Volken 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. R. Affolter sowie der Gerichts-

schreiber lic. iur. T. Brütsch 

 

Urteil vom 26. September 2011 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
vertreten durch Stv. Leitende Staatsanwältin lic. iur. S. Steinhauser, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend  

einfache Körperverletzung etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 9. März 2011  
(DG100092) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom  

8. Oktober 2010 (Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

 Urteil der Vorinstanz: 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von  

 Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB, 

− der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB  

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie 

− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB  

in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 

29 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind) sowie mit einer Busse 

von Fr. 300.–. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. 

4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

-   3   - 

5. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. April 2008 für einen 

Freiheitsentzug von vier Monaten, wovon 14 Tage durch Haft erstanden 

sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird voll-

zogen. 

6. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. Dezember 2009 für  

einen Freiheitsentzug von fünf Monaten, wovon 32 Tage durch Haft  

erstanden sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe 

wird vollzogen. 

7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem Ereignis vom 23. Januar 

2010 gegenüber dem Privatkläger B._____ grundsätzlich schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung der Höhe des Schadenersatzes wird 

der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ eine Genugtu-

ung in der Höhe von Fr. 1'000.– zu bezahlen.  

9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 7'320.10   amtl. Verteidigungskosten  

Fr. 10'320.10    
 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse  

genommen. Die übrigen Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.  

11. (Mitteilungen) 

12. (Rechtsmittel) 

 

 

 

-   4   - 

Das Gericht erwägt: 

I. Verfahrensgang und Prozessuales 

1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirksgerichts 

Winterthur vom 9. März 2011 wurde der Beschuldigte A._____ wie folgt schuldig 

gesprochen: der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB, der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB, der versuchten Erpres-

sung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie des geringfügigen Diebstahls im 

Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB. Die Vo-

rinstanz bestrafte ihn mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von  

10 Monaten, davon 29 Tage durch Untersuchungshaft erstanden, sowie mit einer 

Busse von Fr. 300.--. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall schuldhafter Nicht-

bezahlung der Busse wurde auf 3 Tage festgesetzt. Zwei bedingt aufgeschobene 

Vorstrafen aus den Jahren 2008 und 2009 von vier und fünf Monaten Freiheits-

entzug wurden vollziehbar erklärt. Weiter stellte die Vorinstanz fest, dass der  

Beschuldigte aus dem Ereignis vom 23. Januar 2010 gegenüber dem Privatkläger 

B._____ grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung der 

Höhe des Schadenersatzes wurde der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozes-

ses verwiesen. Der Beschuldigte wurde sodann verpflichtet, dem  

Privatkläger B._____ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'000.-- zu  

bezahlen (Urk. 36 S. 14 f.).  

2. Gegen diesen Entscheid liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen Ver-

teidiger rechtzeitig bei der Vorinstanz Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; 

Urk. 30). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging innert gesetzlicher Frist 

bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 39). Fristgerecht mit 

Eingabe vom 22. Juni 2011 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass sie Bestätigung 

des vorinstanzlichen Urteils beantragt und auf das Stellen von Beweisanträgen 

verzichtet (Urk. 43; Art. 400 Abs. 3 StPO; Art. 389 Abs. 3 StPO). Demgegenüber 

-   5   - 

hat die Verteidigung bezüglich der beruflichen, finanziellen und sozialen Situation 

des Beschuldigten Beweisanträge für das Berufungsverfahren vorbehalten  

(Urk. 39 S. 2).  

3. Die Berufung des Beschuldigten ist ausdrücklich auf die Frage des Vollzugs 

der ausgesprochenen Freiheitsstrafe, auf den Widerruf der beiden Vorstrafen und 

auf die dem Privatkläger zuerkannte Genugtuung beschränkt (Dispositivziffern 3, 

5, 6 und 8; Urk. 39; Art. 399 Abs. 4 StPO). Demnach sind im Berufungsverfahren 

nicht angefochten:  

-  der erstinstanzliche Schuldspruch (Dispositivziffer 1); 

-  die erstinstanzlich ausgefällte Freiheitsstrafe und Busse (Dispositivziffer 2); 

-  die Ersatzfreiheitsstrafe (Dispositivziffer 4); 

-  die Feststellung der grundsätzlichen Schadenersatzpflicht (Dispositivziffer 7); 

-  die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 9); 

-  die Kostenregelung (Dispositivziffer 10).  

Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). Obwohl zwischen den einzelnen Punkten der Sanktions-

regelung - hier umfassend die Dispositivziffern 2 bis 6 - eine enge Konnexität  

besteht, ist vorliegend kein Grund ersichtlich, die ausgefällten Strafen und die  

Ersatzfreiheitsstrafe (Dispositivziffern 2 und 4) nicht als rechtskräftig vorzu-

merken. Zugunsten der Beschuldigten Person können zwar auch nicht ange-

fochtene Punkte überprüft werden, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheide zu 

verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Das ist hier offensichtlich nicht der Fall.  

 

II. Strafvollzug 

-   6   - 

1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer  

Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der  

Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter 

von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.  

2.1 Mit der Vorinstanz ist die objektive Voraussetzung zur Gewährung einer  

bedingten Strafe vorliegend als erfüllt anzusehen, da die ausgefällte Freiheitsstra-

fe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren liegt. 

2.2 In subjektiver Hinsicht ist für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges 

das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt (BGE 134 IV 97 E. 7.3). 

Die günstige Prognose wird also – gemäss Gesetz – vermutet, doch kann diese 

Vermutung widerlegt werden (BGE 134 IV 5; BGE 134 IV 97 E. 7.3; Donatsch/ 

Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

18. Auflage, Zürich 2010, Art. 42 StGB N 6; Hansjakob/Schmitt/Sollberger,  

Kommentierte Textausgabe zum revidierten Strafgesetzbuch, 2. Auflage, Luzern 

2006, Art. 42 StGB, S. 36 und Entscheid des Bundesgerichtes 6B_214/2007 vom 

13. November 2007, E. 5.3.2 am Ende samt Verweis auf die Botschaft). Die  

Gewährung des Strafaufschubes setzt mit anderen Worten nicht mehr die positive 

Erwartung voraus, der Täter werde sich bewähren, sondern es genügt die  

Abwesenheit der Befürchtung, dass er es nicht tun werde (Entscheid des  

Bundesgerichtes 6B_1017/2008 vom 24. März 2009, E. 5.1). Der Strafaufschub 

ist deshalb die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose  

abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittelfeld der Ungewissheit den Vor-

rang (Entscheid des Bundesgerichtes 6B_214/2007 vom 13. November 2007,  

E. 5.3.1).   

 

Die vom Bundesgericht unter dem alten Recht entwickelten Prognosekriterien 

bleiben weiterhin massgebend (Trechsel/Stöckli, Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 42 N 9; BGE 134 IV 1,  

E. 4.2.1 und Entscheide des Bundesgerichtes 6B_214/2007 vom 13. November 

2007, E. 5.3.1 und 6B_43/2007 vom 12. November 2007 E. 3.3.1). Bei der  

-   7   - 

Prognosestellung bzw. der Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild 

der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Massgebend sind die Tatumstände, das Vor-

leben, der Leumund sowie alle weiteren Umstände, die gültige Schlüsse auf den 

Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen (Donatsch/ 

Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 42 N 7; sinngemäss Trechsel/Stöckli, a.a.O., 

Art. 42 N 10). Dazu gehören namentlich die strafrechtliche Vorbelastung, die  

Sozialisationsbiographie und das Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer  

Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen und so weiter. Einschlägige Vorstra-

fen fallen bei der Beurteilung künftigen Wohlverhaltens besonders ins Gewicht 

(Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 42 N 8 f.; Trechsel/Stöckli, a.a.O., 

Art. 42 N 10). Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des 

Entscheides mit zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1017/2008 

vom 24. März 2009, E. 5.2.2; eingehend Schneider in BSK StGB I, Basel 2003, 

Art. 41 aStGB N 67 ff. mit zahlreichen Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 

6S.408/2003 vom 6. Januar 2004 und Schneider/Garré in BSK StGB I, 2. Auflage, 

Basel 2007, Art. 42 N 43). 

3.1 Vorstrafen und Untersuchungshaft 

Bereits im Jahre 2006 musste sich der Beschuldigte als Jugendlicher bei der  

Jugendanwaltschaft verantworten. Mit Erziehungsverfügung der Jugendanwalt-

schaft der Bezirke C._____ und D._____ vom 26. September 2006 wurde er we-

gen mehrfacher Tätlichkeiten und Drohung zu einer Arbeitsleistung von fünf Ta-

gen verpflichtet (HD Urk. 17/3 S. 15 f.). Diese angeordnete Arbeitsleistung  

erfüllte er erst nach der zweiten Aufforderung (Urk. 27/2 S. 7).  

Gemäss Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister (vgl. Urk. 38) weist der 

Beschuldigte einschlägige Vorstrafen aus den Jahren 2008 und 2009 auf. So 

wurde er mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. April 2008 wegen mehr-

fachen Raubs, mehrfachen versuchten Raubs, Diebstahls, einfacher Körperver-

letzung und Hausfriedensbruchs verurteilt und mit vier Monaten Freiheitsentzug 

bestraft, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von einem Jahr. 14 Tage  

-   8   - 

verbrachte er damals in Untersuchungshaft (Urk. 38; HD Urk. 17/3). Am  

16. Dezember 2009 erfolgte eine weitere Verurteilung durch das Bezirksgericht 

C._____ wegen Raubs, betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsan-

lage, mehrfach versuchten betrügerischen Missbrauchs einer Datenver-

arbeitungsanlage sowie Hehlerei. Die Strafe lautete auf fünf Monate Freiheitsent-

zug bedingt bei zwei Jahren Probezeit. Gleichzeitig wurde die Probezeit bezüglich 

der ersten Vorstrafe vom 16. April 2008 um ein Jahr verlängert. Im zweiten Straf-

verfahren dauerte die Untersuchungshaft 32 Tage (Urk. 38; HD Urk. 17/4). Diese 

einschlägigen Vorstrafen wirken sich äusserst nachteilig auf die Legalprognose 

aus. Allgemein kann wie bisher unter dem Gesichtspunkt des Vorlebens eine  

frühere Bestrafung negativ berücksichtigt werden, sie hebt die Vermutung einer 

günstigen Prognose auf (Trechsel/Stöckli, Art. 42 N 16; BGE 134 IV 1 E. 4.2.3), 

wobei besonders gleichartige Delinquenz, wie sie hier vorliegt, gegen eine  

günstige Prognose spricht. 

Zudem scheinen weder die fünftägige Arbeitsleistung noch die im Zusammen-

hang mit den zwei Vorstrafen erstandene Untersuchungshaft von insgesamt 46 

Tagen den Beschuldigten ausreichend gewarnt zu haben. Auch die während der 

vorliegenden Untersuchung in Haft verbrachten weiteren 29 Tage haben beim 

Beschuldigten offenbar keinen Eindruck hinterlassen: Anlässlich der Hafteinver-

nahme vom 13. April 2010 bezeichnete er sie als "easy" (ND Urk. 12/2 S. 6). Mit 

der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, der Beschuldigte habe aus den Vor-

strafen und der jeweiligen Untersuchungshaft keine Lehren gezogen (Urk. 36 

S. 10). Das signalisierte der Beschuldigte im Übrigen auch selber, indem er in der 

polizeilichen Einvernahme vom 23. Januar 2010 auf die Frage, ob er aus früheren 

Schlägereien die Lehre gezogen habe, antwortete, er verstehe die Frage nicht. 

Indessen bezeichnete er seine frühere Beteiligung an Schlägereien kurzerhand 

als jugendlichen Leichtsinn (HD Urk. 3 S. 3 f.).  

Von Schock- und Warnwirkung früherer Verurteilungen sowie dieses Strafver-

fahrens und der schon mehrfach erlittenen Untersuchungshaft (vgl. Schneider/ 

-   9   - 

Garré, Art. 42 N 74) kann daher nicht die Rede sein. Ob der Beschuldigte willens 

ist, im hiesigen Rechtssystem zu bestehen, erscheint sehr fraglich. 

Der Beschuldigte beruft sich auf deliktsfreies Verhalten seit seiner Entlassung aus 

der Untersuchungshaft am 10. Mai 2010 (vgl. ND Urk. 22/10; Urk. 48 S. 3). Diese 

geltend gemachte rund 16-monatige deliktsfreie Zeit ist bei der Prognosebildung 

im Hinblick auf die Vollzugsfrage nicht zu berücksichtigen. Deliktsfreies Verhalten 

zwischen der Haftentlassung bzw. dem Abschluss der Strafuntersuchung und der 

Urteilsfällung darf nämlich vorausgesetzt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_463/2010 vom 29. Juli 2010 E. 2.6).  

3.2 Delinquieren während laufender Probezeiten und laufender  

Strafuntersuchung 

Infolge weiterer strafbarer Handlungen zwischen September und Oktober 2006, 

die später Teil der ersten Vorstrafe vom 16. April 2008 wurden, verpflichtete  

die Jugendanwaltschaft den Beschuldigten, ein Selbstsicherheitstraining zu  

absolvieren. Er besuchte das Training nur ein einziges Mal (Urk. 27/2 S. 7). Zur  

Begründung gab er damals an, das sei nicht nötig gewesen, er habe das nicht 

gebraucht. Er sei nicht so ein aggressiver Mensch, wie es der Jugendanwalt  

beurteilt habe. Er sei nicht mehr so (vgl. Beizugsakten der Jugendanwaltschaft 

der Bezirke C._____ und D._____ 2006/1421, Prot. S. 10). Die zwei Vorstrafen 

und die vorliegend zu beurteilenden Taten belegen klar das Gegenteil.  

Die strafbaren Handlungen, die zur zweiten Vorstrafe vom 16. Dezember 2009 

führten, beging der Beschuldigte allesamt in der Probezeit nach der ersten  

Verurteilung. Die heute zur Debatte stehenden Delikte fallen in die (teilweise  

verlängerten) Probezeiten beider Vorstrafen, wobei sich das erste Delikt, die 

 Körperverletzung, nur gerade 1 ½ Monate nach der letzten Verurteilung vom  

16. Dezember 2009 ereignete.  

Ab 2006 und somit seit seinem 15. Altersjahr hat der Beschuldigte mit einiger  

Regelmässigkeit gegen das Gesetz verstossen, wobei gewaltsames Handeln im 

-   10   - 

Vordergrund stand. Trotz Kenntnis, was eine Probezeit ist (vgl. Urk. 27/1 S. 5; 

Beizugsakten der Jugendanwaltschaft C._____ 2009/131, Prot. S. 11), wurde er 

mehrmals wieder straffällig und ignorierte damit das in ihn gesetzte Vertrauen. 

Auch hat er das zweite der heute anstehenden Delikte, nämlich den Tatkomplex 

Erpressung/Nötigung/geringfügiger Diebstahl, ungeachtet des bereits laufenden 

Strafverfahrens wegen Körperverletzung begangen. Das alles spricht deutlich  

gegen Aussicht auf Bewährung.  

3.3 Tatumstände sowie Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren 

3.3.1 Ein Blick auf die aktuellen Taten zeigt, dass der Beschuldigte keineswegs 

zaghaft oder zimperlich vorging.  

Beim Vorfall vom 23. Januar 2010 setzte er aus nichtigem Anlass sogleich seine 

Faust ein, und dies nicht nur einmal. Vielmehr traktierte er sein Opfer mit einer 

Vielzahl von gezielten Schlägen gegen dessen Gesicht, auch dann noch, als der 

Privatkläger schützend seine Hände bzw. Arme vor das Gesicht hielt. Dadurch 

verursachte er beim Opfer die aktenkundigen multiplen Verletzungen und  

Beschwerden (Urk. 20 S. 3). Die Heftigkeit der verabreichten Schläge liess sich 

sogar an der Hand des Beschuldigten ablesen, welche noch Stunden danach 

schmerzte und ein wenig angeschwollen war (HD Urk. 3 S. 2). Darin liegt ein  

weiterer Gradmesser für seine erhebliche Aggressivität und Gewalttätigkeit.  

Auch beim Tatkomplex Erpressung/Nötigung/geringfügiger Diebstahl vom  

5. April 2010 fällt sein sehr hartnäckiges und mehrstufiges Vorgehen auf, einzig 

um schnell an einen ihm nicht zustehenden namhaften Geldbetrag zu kommen. 

Der ihm körperlich unterlegene Geschädigte nahm die lautstarken und insistie-

renden Aufforderungen und Drohungen des Beschuldigten verständlicherweise 

sehr ernst (Urk. 20 S. 4 f.). Anschliessend scheute sich der Beschuldigte nicht, 

den Untersuchungsbehörden bezüglich des genannten Tatkomplexes eine aus-

gedehnte und fantasiereiche Lügengeschichte aufzutischen, nämlich, dass er den 

Geschädigten in einer Notlage finanziell unterstützt habe und dieser ihm daher 

Geld schulde. Eventuell wolle dieser mit falscher Anschuldigung verhindern, dass 

-   11   - 

er ihm das geschuldete Geld zurückzahlen müsse. Diese Behauptungen äusserte 

der Beschuldigte offenkundig in der Absicht, das Opfer wider besseres Wissen in 

ein schlechtes Licht zu stellen. Daran hielt er über mehrere Einvernahmen hinweg 

fest (ND Urk. 12/1 S. 1 ff.; ND Urk. 12/2 S. 3 ff. und 6; ND Urk. 12/3; ND Urk. 22/7 

S. 3 f.). Von dieser freien Erfindung rückte er erst zu einem späten Zeitpunkt in 

der Untersuchung und eher widerwillig ab, dies erkennbar auf Anraten seines Ver-

teidigers (ND Urk. 17 S. 1; Urk. 27/1 S. 4). Das Bestreiten (Leugnen) einer vorge-

haltenen Tat ist zwar das gute Recht eines Beschuldigten und bildet keinen Grund 

zur Verweigerung des bedingten Strafvollzugs, da die Nutzung der Verteidigungs-

rechte nicht sanktioniert werden darf (Trechsel/Stöckli, Art. 42 N 19 mit zahl-

reichen Hinweisen). Wird jedoch - wie hier - gleichzeitig das Opfer zu Unrecht, ja 

geradezu böswillig, angeschwärzt, spricht dies gegen jegliche Einsicht und Reue 

und wirkt sich negativ auf die Prognose aus (Trechsel/Stöckli, Art. 42 N 18).  

Ähnlich verhielt sich der Beschuldigte im Zusammenhang mit der Körperver-

letzung vom 23. Januar 2010: Er schuldigte postwendend und konstant das Opfer 

an, indem er behauptete, von diesem "angegriffen" bzw. "geschupft" worden zu 

sein (HD Urk. 2 S. 2; HD Urk. 3 S. 3; Urk. 27/1 S. 2 f.).  

3.3.2 Wohl zeigte sich der Beschuldigte schliesslich im Wesentlichen geständig, 

doch erfolgte das Geständnis wie gesehen nur zögerlich und augenscheinlich auf 

äusseren Druck. Bei der Körperverletzung wäre ein Bestreiten zudem aufgrund 

der Beweislage zum vorneherein sinnlos gewesen. Das in der Schlusseinver-

nahme sowie vor Vorinstanz mehrfach geäusserte Bedauern und die Beteuerung, 

es sei dumm von ihm gewesen, er habe jetzt einen ganz andern Weg einge-

schlagen bzw. er werde sich in Zukunft komplett ändern (vgl. ND Urk. 17 S. 5 f.; 

Urk. 27/1 S. 3, 5 und 7; vgl. auch HD Urk. 3 S. 4 bezüglich der Körperverletzung: 

Klar tue es ihm leid, er sage das auch dieses Mal) waren bereits in früheren Straf-

verfahren zu hören. So erklärte er vor Bezirksgericht am 16. April 2008, jetzt sei 

alles wieder gut, er sei jetzt ein anderer Mensch (Beizugsakten der Jugend-

anwaltschaft der Bezirke C._____ und D._____ 2006/1421, Prot. S. 12 und 15). 

Und im Zusammenhang mit der zweiten Vorstrafe gab er am 16. Dezember 2009 

-   12   - 

unter anderem zu Protokoll, es sei sehr dumm von ihm gewesen; er bereue es 

schon, ehrlich gesagt (Beizugsakten der Jugendanwaltschaft C._____ 2009/131, 

Prot. S. 9). Obwohl er sich jeweils geläutert gab, hat sich das Verhalten des Be-

schuldigten in der Folge aber nicht geändert.   

3.3.3 Auch die konkreten Tatumstände sowie das Verhalten nach der Tat und im 

Strafverfahren belasten die Legalprognose.  

3.4  Bestehen sozialer Bindungen und Hinweise auf Suchtgefährdungen 

Für die Bewährungsaussichten ist zudem von Bedeutung, ob persönliche  

Beziehungen bestehen, von denen eine stabilisierende Wirkung erwartet werden 

kann. Gemeint ist damit in erster Linie der familiäre Rahmen (Schneider/Garré, 

a.a.O., Art. 42 N 63). 

3.4.1 Der Beschuldigte wohnt noch immer - zusammen mit einer jüngeren 

Schwester - bei seinen Eltern. Diese halten nach wie vor zu ihm und unterstützen 

ihn auch finanziell (ND Urk. 17 S. 5; Urk. 27/1 S. 7; Urk. 27/3 S. 2 f.). Der  

Beschuldigte lebte und lebt somit in einem stabilen Beziehungsnetz. Trotzdem 

kam es während Jahren zu diversen Delikten. Der schon bisher konstante und  

intakte familiäre Hintergrund ist daher nicht geeignet, Gewähr für künftig rechts-

getreues Verhalten des Beschuldigten zu bieten.  

Was den Freundeskreis des Beschuldigten betrifft, so hat er schon jeweils in den 

früheren Strafverfahren wie auch aktuell erklärt, den Kontakt zu den "falschen 

Leuten" abgebrochen zu haben (vgl. Beizugsakten der Jugendanwaltschaft der 

Bezirke C._____ und D._____ 2006/1421, Prot. S. 12; Beizugsakten der  

Jugendanwaltschaft C._____ 2009/131, Prot. S. 10 ff.; ND Urk. 17 S. 6;  

Urk. 27/1 S. 7). Dennoch geriet er - offenkundig mit neuen Kollegen - wieder ins 

Fahrwasser der Delinquenz. Dies zeigt, dass auch das erweiterte soziale Umfeld 

im Bereich gleich- oder ähnlichaltriger Personen den Beschuldigten nicht positiv 

zu beeinflussen vermag. Ebenso wenig scheint Verlass auf den Beschuldigten  

selber, wenn es um die Wahl von Freunden und Kollegen geht.  

-   13   - 

Schliesslich ist neu zu erwähnen, dass der Beschuldigte gemäss eigenen  

Angaben seit mittlerweile zwei Monaten eine feste Freundin hat (Urk. 47 S. 4). 

3.4.2 Zudem ist der Beschuldigte suchtgefährdet (vor allem Alkohol, aber auch 

Drogen). Die Delikte beging er teilweise alkoholisiert und unter Drogeneinfluss 

(Beizugsakten der Jugendanwaltschaft C._____ 2009/131, Prot. S. 9; HD  

Urk. 2; HD Urk. 3; HD Urk. 15/1; Urk. 27/1). Auch ist ihm bewusst, dass er in  

alkoholisiertem Zustand aggressiv wird (Urk. 27/1 S. 2). Dies hat er auch heute 

wieder gesagt (Urk. 47 S. 5). Heute hat der Beschuldigte zudem beteuert, er 

 trinke aus diesem Grund eigentlich nur noch ab und zu einmal ein Bier, wenn er 

rausgehe. Sein letzter Drogenkonsum sei auch schon "lange" her und dann auch 

nur Marihuana (Urk. 47 S. 5). Diese Angaben - wenn auch nicht grundsätzlich  

unglaubhaft - sind letztlich nicht überprüfbar. 

3.5 Sozialisationsbiografie und Arbeitsverhalten 

3.5.1 Der Beschuldigte hat in der Schweiz die Schulen besucht, die Oberstufe  

jedoch nicht beendet. Er wurde im Sommer/Herbst 2006 vom Unterricht ausge-

schlossen. Am 16. April 2008 führte er dazu aus, zur Schule sei er nicht mehr  

gegangen, weil er sie nicht gemocht habe, es habe ihm ehrlich gesagt gestunken. 

Auf Vorhalt bestätigte er, dass bei ihm alles versucht worden sei, auch mit Einzel-

unterricht. Er bereue es, die Chance nicht gepackt zu haben. Er habe aus seinen 

Fehlern gelernt. Damals bestand die Möglichkeit, eine Lehre im Baugewerbe zu 

absolvieren, und der Beschuldigte erachtete es selber auch als sinnvoll, eine  

Lehre zu machen (vgl. Beizugsakten der Jugendanwaltschaft der Bezirke 

C._____ und D._____ 2006/1421, Prot. S. 7, 9,12). Daraus wurde offenbar nichts. 

3.5.2 Anlässlich der Hauptverhandlung betreffend die zweite Vorstrafe vom 

16. Dezember 2009 drehte sich das Gespräch um die ab 10. August 2009 inne-

gehabte Praktikumsstelle bei der E._____ AG (…, C._____, vgl. HD Urk. 3 S. 5; 

ND Urk. 19). Der Beschuldigte betonte die grosse gegenseitige Zufriedenheit (in 

gleichem Sinne äusserte sich die Firma im Zeugnis  

Betriebspraktikum vom 30. April 2010 sowie in der Bestätigung Betriebspraktikum 

-   14   - 

vom 14. Juli 2010, ND Urk. 19). Diese soziale Firma sei eine Vorbereitung für eine 

Lehre. Er wolle das Praktikum abschliessen, in F._____ dann die dritte Oberstufe 

wiederholen und abschliessen und eine Lehre machen. Es sei dann viel  

einfacher, eine Lehre zu finden. Er wolle aber nicht unbedingt eine Lehre machen, 

sondern studieren, also Weiterbildungen machen. Er bitte darum, ihn erst nach 

dem Praktikum zu bestrafen, sonst sehe es mit seiner Zukunft nicht gut aus. Er 

müsse auf seine Zukunft achten (Beizugsakten der Jugendanwaltschaft C._____ 

2009/131, Prot. S. 11 ff.). In der Folge blieb es bei diesen schönen Worten, denn 

bereits am 23. Januar 2010 kam es zur Körperverletzung gegenüber dem Privat-

kläger B._____ und zweieinhalb Monate darauf zu den Delikten zum Nachteil des 

Geschädigten G._____. Gegenüber der Polizei berief sich der Beschuldigte am 

23. Januar 2010 auf "eine schwere Jugend"; er möchte nicht, dass nun wegen 

des Vorfalls (Körperverletzung) seine Zukunft verbaut werde (HD Urk. 3 S. 4).  

Eine schwere Jugend ist mitnichten aktenkundig. Zwar bestanden ca. im Jahre 

2008 - verständlicherweise - Spannungen zwischen Eltern und Sohn aufgrund 

von dessen Delinquenz. Die Eltern waren vorübergehend getrennt und  

der Beschuldigte wohnte bei der Mutter, bevor die Eltern im März 2008 wieder 

zueinander fanden (vgl. Beizugsakten der Jugendanwaltschaft C._____ und  

D._____ 2006/1421, Prot. S. 11 ff.). Diese Umstände deuten keineswegs zwin-

gend auf eine schwierige Startbasis für die Zukunft, wachsen doch heutzutage 

unzählige Kinder und Jugendliche nicht in einer intakten Familie auf. Auch kann 

deswegen nicht behauptet werden, dem Beschuldigten habe die väterliche Identi-

fikationsfigur gefehlt, zumal beide Eltern wie dargelegt zum Beschuldigten halten.    

In der Hafteinvernahme vom 13. April 2010 nannte der Beschuldigte als besonde-

res Problem aus einem allfälligen weiteren Freiheitsentzug, dass er sein Prakti-

kum bei der Firma E._____ AG verliere (ND Urk. 12/2 S. 7). Tatsächlich wurde 

der Praktikumsvertrag infolge nicht bewilligter Absenz von ungewisser Dauer 

(Verhaftung des Beschuldigen, vgl. ND Urk. 22) am 29. April 2010 aufgelöst. Der  

Beschuldigte erhielt jedoch kurz darauf, mit Vertrag vom 26./31. Mai 2010, eine 

neue Chance zur Absolvierung des Betriebspraktikums, vorerst befristet bis  

-   15   - 

31. August 2010 und dann verlängert bis 30. November 2010 (ND Urk. 19). Im 

Ergebnis hielt damit auch die Firma E._____ AG zum Beschuldigten, trotz seiner 

Straffälligkeit und 29-tägiger Untersuchungshaft. Er konnte seine vielver-

sprechende Anstellung als Betriebspraktikant im Jugendprojekt - welches Jugend-

lichen eine bessere Chance der Integration auf dem Lehrstellen - und Arbeits-

markt bieten soll und aus 60% Arbeitszeit in unterschiedlichen Produktionsabtei-

lungen und 40% allgemein- und persönlichkeitsbildendem Unterricht in Deutsch, 

Mathematik, Sport sowie in Elektrotechnik und Druckmess-Sensorik besteht  

(vgl. ND Urk. 19) - ohne erkennbaren Nachteil fortsetzen.  

In der Schlusseinvernahme vom 8. Oktober 2010 und auf die Fragen, wie es mit 

ihm weitergehe, was noch passieren müsse, dass er keine Leute mehr schlage 

und ausnehme, führte der Beschuldigte wie erwähnt aus, er sei fest davon über-

zeugt, dass er jetzt einen ganz anderen Weg eingeschlagen habe. Zur Begrün-

dung verwies er auf ein Schreiben der Herren H._____ und I._____ von der  

Firma E._____ AG (ND Urk. 17 S. 6). In diesem Schreiben vom 8. Oktober 2010 

(ND Urk. 18) bekräftigten die genannten Personen wiederum mit lobenden  

Worten und unter Hinweis auf das oben erwähnte Zeugnis ihre Unterstützung des 

Beschuldigten und gaben gleichzeitig ihrer Überzeugung Ausdruck, dass er aus 

seinen Fehlern gelernt habe und für seine Zukunft die richtigen Weichen stellen 

werde. Er werde bis Ende Juli 2011 im Jugendprojekt bleiben können, wenn er 

sich weiter an die Abmachungen halte. Man unterstütze ihn bei der Lehrstellen-

suche und helfe ihm, seine Sozialkompetenzen zu stärken sowie schulische  

Defizite aufzuholen. Erwähnt wurde ferner, dass der Beschuldigte kurz zuvor die 

Aufnahmeprüfung für den Sekundarschulabschluss für Erwachsene, Leistungs-

stufe A, bestanden habe (auch ND Urk. 17 S. 5). Abschliessend äusserten sich 

die Herren H._____ und I._____ dahin, dass sie Unterstützungsmassnahmen 

zum heutigen Zeitpunkt als sehr wichtig und richtungsweisend für das ganze spä-

tere Leben des Beschuldigten erachten. Sie sprachen dem Beschuldigten ihr Ver-

trauen aus und bekundeten ihre Hoffnung, dass eine allfällige Strafe so angesetzt 

werden könne, dass ein Lehrbeginn im Sommer 2011 möglich sei.  

-   16   - 

3.5.3  Mit Schreiben der Firma E._____ AG vom 21. Oktober 2010 (Urk. 24) wur-

de die Staatsanwaltschaft dahin informiert, dass der Beschuldigte seinen  

Praktikumsvertrag mit dem Unternehmen auf den 22. Oktober 2010 gekündigte 

habe, um am 25. Oktober 2010 mit der Weiterbildung "Sekundarschulabschluss 

für Erwachsene" zu beginnen. Man habe ihm dazu die Vor- und Nachteile für  

seine Situation erläutert. Mit guten Chancen auf eine Lehrstelle ab Sommer 2011 

habe der Beschuldigte für seine letzte Anstellungswoche eine Schnupperwoche 

bei der nahe gelegenen J._____-Firma vereinbart. Danach hätte ein kurzes Re-

sonanzgespräch mit ihnen (Firma E._____ AG) stattfinden sollen. Man habe sich 

für den Beschuldigten gefreut und gehofft, dass er die Lehrstelle bekomme.  

Leider habe er sich weder in der J._____-Firma noch in der Firma E._____ AG 

gemeldet und diese Chance sehr leichtfertig vertan. Der Leiter Jugendprojekt, 

H._____, schloss mit den Worten: "Unsere Enttäuschung ist (...) gross und wir 

müssen unsere Einschätzung korrigieren. Im Nachhinein stellen wir fest, dass er 

sich auch uns gegenüber nicht immer an Abmachungen gehalten hat. Er weiss, 

welche Antworten man gerne hört. So haben wird uns von seinem vermeintlichen 

Verständnis und seinen Zusicherungen wohl auch blenden lassen." (Urk. 24).  

Auf Vorhalt dieses Schreibens konterte der Beschuldigte vor Vorinstanz zunächst, 

es sei nicht so, dass er die Lehrstelle bekommen hätte. Er habe die Schule  

abschliessen und nicht irgendeine Lehre machen wollen. Das Potential dazu habe 

er. Immerhin räumte er dann ein, es sei nicht anständig und respektlos von ihm 

gewesen, nicht abzusagen und einfach nicht zu gehen, und auf Frage äusserte er 

Verständnis, dass die Verantwortlichen bei der Firma E._____ AG von ihm  

enttäuscht seien (Urk. 27/1 S. 6).  

Der unvermittelte Abgang des Beschuldigten bei der ihm sehr wohlgesinnten  

Firma E._____ AG und sein nachrichtenloses Fernbleiben von der vereinbarten 

Schnupperwoche bei der potentiellen Lehrstelle, der Firma K._____ AG, wirft ein  

bedenkliches Licht auf Einstellung und Zuverlässigkeit des Beschuldigten. Die 

Enttäuschung des zuständigen Leiters Jugendprojekt ist absolut nachvollziehbar, 

zumal dieser nach über einem Jahr intensiver Begleitung des Beschuldigten  

-   17   - 

zweifellos in der Lage ist, die Möglichkeiten und das Zukunftspotential seines 

Schützlings richtig einzuschätzen. Die Bewährung am Arbeitsplatz ist ein wesent-

licher Faktor für die Prognosebildung. Analog verhält es sich mit einer  

Praktikumsstelle, namentlich wenn sie einen so bedeutenden und zukunfts-

weisenden Stellenwert hat in der Biografie eines auf die schiefe Bahn geratenen 

Jugendlichen wie hier. Eine Verweigerung des bedingten Vollzugs trotz  

Bewährung am Arbeitsplatz bzw. trotz Bewährung an einer Praktikumsstelle 

kommt nur dann in Betracht, wenn im Rahmen einer Gesamtwürdigung schwer-

wiegende konkrete Gegenindizien derart überwiegen, dass sich trotz des genann-

ten gewichtigen Bewährungsfaktors keine günstige Prognose stellen lässt  

(Trechsel/Stöckli, a.a.O., Art. 42 N 21 samt Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

Vorliegend hat der Beschuldigte die Bewährung an der Praktikumsstelle nicht  

bestanden. Trotz guter Voraussetzungen hängte er vorzeitig und völlig unerwartet 

einen überaus erfolgreich angepackten, strukturierten und begleiteten Einstieg in 

die Berufsausbildung und Arbeitswelt und damit gleichzeitig einen wichtigen  

Bewährungsfaktor leichtfertig an den Nagel. Namentlich schlug er die unmittelbar 

bevorstehende Schnuppermöglichkeit mit reeller Aussicht auf eine Lehrstelle im 

Anschluss an das Betriebspraktikum anstandslos in den Wind. Dies offenbar in 

der Meinung, er sei zu höherem berufen (vgl. die Hinweise der Verteidigung be-

treffend Informatikerlehre, Urk. 27/3 S. 3 und Prot. I S. 7). Nun fehlt es an  

fachkundiger Unterstützung und mithin an einem Setting, das dem Beschuldigten 

in kritischen Situationen Halt bieten könnte. Das wäre aber umso dringender, als 

der Beschuldigte einerseits die vorliegend zu beurteilenden Taten trotz erfolgreich 

laufendem Praktikum begangen hat und Unterstützungsmassnahmen von den 

Fachleuten bei der E._____ AG als sehr wichtig und richtungsweisend für die 

ganze Zukunft des Beschuldigten eingestuft werden (ND Urk. 19). Angesichts 

seiner Vorgeschichte erscheint die Persönlichkeit des Beschuldigten keineswegs 

gefestigt, seine Zukunft im Hinblick auf eine unerlässliche Berufsausbildung  

alleine gestalten zu können. Auch wenn man dem Beschuldigten die positive  

Absicht, das versäumte dritte Oberstufenschuljahr nachholen und anschliessend 

eine Lehre absolvieren zu wollen, zugesteht, wie er auch heute wieder ausführte 

-   18   - 

(Urk. 47 S. 2 ff.), genügt der bekundete gute Wille allein bei seiner Biografie bei 

weitem nicht. Das alles beeinträchtigt die Prognose ganz erheblich. Daran ändert 

auch der Umstand nichts, dass der Beschuldigte bis anhin den Volksschulkurs  

regelmässig zu besuchen scheint (vgl. Urk. 27/3 S. 3 und dortigen Anhang).  

Dieser erste Schritt vermag die verpasste Chance eines fachkundig und  

individuell betreuten sowie gut vorbereiteten Berufseinstiegs aber keinesfalls zu 

ersetzen resp. erweckt zumindest Bedenken an dessen Erfolgsaussichten auf-

grund der Biographie des Beschuldigten.  

3.6 Gesamtwürdigung 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mehrfach einschlägig 

vorbestraft ist, aus mehrmaliger Untersuchungshaft und bedingt ausgesproche-

nen Strafen keine Lehren gezogen hat, während zweier laufender Probezeiten, 

kurz nach einer vorangegangenen Verurteilung und teilweise während laufender 

Strafuntersuchung weiter delinquierte, dass auch die Tatumstände sowie das 

Verhalten nach den Taten und im Strafverfahren die Legalprognose belasten, er 

sich am Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz - zumindest bis jetzt - im Ergebnis nicht 

bewährte, dass - trotz seinen heutigen Angaben  - Suchtgefährdungen bestehen 

und auch ein stabiler familiärer Rahmen in Kindheit und Jugend all dies nicht zu 

verhindern vermochte. Der drohende Unterbruch in der Ausbildung zum  

Abschluss der Sekundarschule A (Urk. 27/1 S. 7; Urk. 27/3 S. 3) kann die Lga-

prognose nicht zu seinen Gunsten beeinflussen. Dies umso weniger, als dem Be-

schuldigten schon zweimal mit dem Argument der bevorstehenden Ausbildung 

(Aussicht auf eine Lehrstelle) der bedingte Vollzug gewährt bzw. eine "allerletzte" 

Chance gegeben wurde (HD Urk. 17/3 S. 16; auch Urk. 36 S. 11).  

 

Schliesslich ist es gerade bei Delikten gegen Leib und Leben äusserst wichtig, 

dass die Ernsthaftigkeit der Sanktion, wozu auch die Frage des Vollzugs der  

Strafe gehört, für den Beschuldigten erkennbar ist. afe erfolgt (Schneider/Garré in 

BSK StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 42 N 74).  

-   19   - 

Anderseits ist festzuhalten, dass der Beschuldigte heute vor Schranken durchaus 

einen positiven persönlichen Eindruck hinterlassen hat; insbesondere hat er heute 

anschaulich sein aufrichtig anmutendes Bedauern darüber bekundet, dass er sich 

durch seine strafbaren Handlungen den Einstieg in ein geregeltes Berufsleben 

verbaut und die eigenen Zukunftsperspektiven erschwert habe und sich deshalb 

heute insbesondere auch nicht die Annehmlichkeiten leisten könne, welche  

andere Gleichaltrige haben, welche einer Arbeit nachgehen (wörtlich: "Leute in  
meinem Alter haben ein Einkommen und ein Auto. Ich will genau wie die anderen Menschen auch 
integriert werden." (Urk. 47 S. 9)). Diese - wie gesagt anschaulich vorgetragenen - 
Reuebekundungen sind zu hören, wenn auch mit Zurückhaltung zu interpretieren; 

so hat es doch der Beschuldigte auch in der Vergangenheit immer wieder ver-

standen, sowohl bei potentiellen Arbeitgebern als auch vor Behörden sich in  

einem guten Licht zu präsentieren und hat jedoch das in ihn gesetzte Vertrauen in 

der Folge regelmässig missbraucht. Allerdings ist ebenfalls zu berücksichtigen, 

dass mit dem heutigen Urteil gleichzeitig auch über den Widerruf des in  

zwei früheren Urteilen gewährten bedingten Strafvollzuges zu befinden ist, was 

eine Gesamtbetrachtung notwendig macht. Dem allfälligen Vollzug der Vorstrafe 

kann nämlich gemäss Bundesgericht eine "Schock- und Warnwirkung"  

zukommen, welche bei der Prognosebildung eben auch zu berücksichtigen ist 

(vgl. Entscheid des Bundesgerichts 6B_768/2009; BGE 134 IV 140; Donatsch/ 

Flachsmann/Hug/Weder, Praxiskommentar, 18. Auflage, Zürich 2010, Art. 42  

N 10 mit weiteren Hinweisen auf die Judikatur). Wie nachfolgend zu erläutern sein 

wird, sind die beiden Vorstrafen des Beschuldigten jedenfalls zu vollziehen  

(Erwägung III.). Somit wird sich der Beschuldigte erstmals während längerer Zeit 

im Strafvollzug befinden. Unter diesen Umständen und auch unter Berücksichti-

gung, dass aufgrund der Höhe besagten Vorstrafen keine besonders günstigen 

Umstände (Art. 42 Abs. 2 StGB) gegeben sein müssen, scheint es letztlich doch 

gerechtfertigt, auf den Vollzug der heutigen Strafe zu verzichten. Dies insbe-

sondere auch deshalb weil es in legalprognostischer Hinsicht im Falles des  

Beschuldigten durchaus sinnvoll erscheint, wenn - nebst dem angeordneten Voll-

zug der heute zu widerrufenen Strafen - das Damoklesschwert einer weiteren zu 

-   20   - 

vollziehbaren Strafen von vorliegend 10 Monaten über ihm hängt. Die Probezeit 

ist dabei auf das gesetzliche Maximum von 5 Jahren festzusetzen. 

III. Widerruf 

1. Die Regelung betreffend Nichtbewährung (Art. 46 Abs. 1 StGB) und die  

zwei Vorstrafen des Beschuldigten sind im angefochtenen Urteil richtig dargestellt 

(Urk. 36 S. 11 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2. Wie die vorstehende Erwägung II. ergeben hat, ist dem Beschuldigten auf-

grund einer Gesamtbetrachtung für das künftige Wohlverhalten nur dann keine 

eigentliche Schlechtprognose auszustellen, sofern die heute zu berücksichtigen-

den Vorstrafen widerrufen werden. Bei dieser Situation sind in Bestätigung des 

angefochtenen Urteils deshalb die mit Urteilen des Bezirksgerichts C._____ vom 

16. April 2008 und vom 16. Dezember 2009 ausgefällten bedingten Freiheitsstra-

fen von vier und fünf Monaten zu widerrufen und damit zu vollziehen. Die Bildung 

einer Gesamtstrafe fällt angesichts der Gleichartigkeit der Sanktionen ausser Be-

tracht (BGE 134 IV 241 E. 4.4). 

IV. Genugtuung 

Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung 

zutreffend dargelegt und dem Privatkläger in korrekter Wertung der massgeben-

den Kriterien eine Genugtuung von Fr. 1'000.-- zuerkannt (Urk. 36 S. 13). Diese 

Summe ist angemessen und es kann zur Begründung im Sinne von Art. 82  

Abs. 4 StPO auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden. 

Schliesslich hat der Beschuldigte heute die Genugtuungsforderung auch aner-

kannt (Prot. II S. 5). Der Beschuldigte ist daher in Bestätigung der Vorinstanz zu 

verpflichten, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung von Fr. 1'000.-- zu be-

zahlen.  

-   21   - 

V. Kosten 

1. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen teilweise. Demnach sind 

ihm die Kosten des Berufungsverfahrens mit Ausnahme jener der amtlichen Ver-

teidigung zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.  

Die Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten (Art. 426 Abs. 1 Satz 2 StPO;  

Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  

 2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'400.-- festzu-

setzen.   

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

9. März 2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

− der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB, 

− der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit  

Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie 

− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 172ter Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 29 Tage durch  

Untersuchungshaft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–. 

3. [...] 

-   22   - 

4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

5. [...] 

6. [...] 

7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem Ereignis vom 23. Januar 2010 gegen-

über dem Privatkläger B._____ grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist. Zur  

genauen Feststellung der Höhe des Schadenersatzes wird der Privatkläger auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

8. [...] 

9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 7'320.10   amtl. Verteidigungskosten  

Fr. 10'320.10    

 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die  

übrigen Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt." 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf  

5 Jahre festgesetzt. 

2. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. April 2008 für einen 

Freiheitsentzug von vier Monaten, wovon 14 Tage durch Haft erstanden 

sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird voll-

zogen. 

3. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. Dezember 2009 für  

einen Freiheitsentzug von fünf Monaten, wovon 32 Tage durch Haft erstan-

-   23   - 

den sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird 

vollzogen.  

4. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privat-

kläger B._____ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'000.-- zu  

bezahlen. 

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 2'400.--  ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr.     amtliche Verteidigung 

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen jene der amtlichen 

Verteidigung, werden zur Hälfte dem Beschuldigten auferlegt und zur Hälfte 

auf die Gerichtskasse genommen.  

 Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten. 

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
des Beschuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (überbracht) 
− die Privatklägerschaft [B._____, …] (versandt) 

(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer 
eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur 
zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs 
verlangen.) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
 des Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an 

-   24   - 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A und B 
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- 
und Löschungsdaten 
 

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 26. September 2011 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Dr. iur. F. Bollinger 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. T. Brütsch 

 

	Urteil vom 26. September 2011
	Anklage:
	Urteil der Vorinstanz:
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig
	 der einfachen Körperverletzung im Sinne von
	Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
	 der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB,
	 der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB  in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
	 der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie
	 des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB  in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.

	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 29 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
	3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
	4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
	5. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. April 2008 für einen Freiheitsentzug von vier Monaten, wovon 14 Tage durch Haft erstanden sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird vollzogen.
	6. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. Dezember 2009 für  einen Freiheitsentzug von fünf Monaten, wovon 32 Tage durch Haft  erstanden sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird vollzogen.
	7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem Ereignis vom 23. Januar 2010 gegenüber dem Privatkläger B._____ grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung der Höhe des Schadenersatzes wird der Privatkläger auf den Weg de...
	8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'000.– zu bezahlen.
	9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse  genommen. Die übrigen Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
	Das Gericht erwägt:
	3.6 Gesamtwürdigung
	Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mehrfach einschlägig vorbestraft ist, aus mehrmaliger Untersuchungshaft und bedingt ausgesprochenen Strafen keine Lehren gezogen hat, während zweier laufender Probezeiten, kurz nach einer vorange...

	1. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen teilweise. Demnach sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens mit Ausnahme jener der amtlichen Verteidigung zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigun...
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 9. März 2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig
	 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
	 der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB,
	 der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit  Art. 22 Abs. 1 StGB,
	 der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie
	 des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.

	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 29 Tage durch  Untersuchungshaft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
	3. [...]
	4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
	5. [...]
	6. [...]
	7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem Ereignis vom 23. Januar 2010 gegenüber dem Privatkläger B._____ grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist. Zur  genauen Feststellung der Höhe des Schadenersatzes wird der Privatkläger auf den Weg d...
	8. [...]
	9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die  übrigen Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt."
	2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf  5 Jahre festgesetzt.
	2. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. April 2008 für einen Freiheitsentzug von vier Monaten, wovon 14 Tage durch Haft erstanden sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird vollzogen.
	3. Der mit Urteil des Bezirksgerichts C._____ vom 16. Dezember 2009 für  einen Freiheitsentzug von fünf Monaten, wovon 32 Tage durch Haft erstanden sind, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerrufen. Diese Strafe wird vollzogen.
	4. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'000.-- zu  bezahlen.
	5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen jene der amtlichen Verteidigung, werden zur Hälfte dem Beschuldigten auferlegt und zur Hälfte auf die Gerichtskasse genommen.
	Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten.
	7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  des Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (überbracht)
	 die Privatklägerschaft [B._____, …] (versandt)
	(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen.)
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden
	des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Vorinstanz
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A und B
	 die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

	8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.