# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f953754-9e66-5251-9194-f38aaeda3b71
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.06.2010 E-3534/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3534-2010_2010-06-24.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3534/2010/kuc
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  J u n i  2 0 1 0

Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 
Richter Daniele Cattaneo, Richter Maurice Brodard,
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
Serbien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Ver-
fügung des BFM vom 10. Mai 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3534/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A.
Die  Beschwerdeführenden,  ethnische  Roma  aus  E._______, 
verliessen ihren Heimatstaat  eigenen Angaben zufolge am 28. März 
2010 und reisten am folgenden Tag illegal in die Schweiz ein, wo sie 
ein  Asylgesuch  stellten.  Am  16.  April  2010  wurden  die 
Beschwerdeführenden  im  F._______  summarisch  und  am  29.  April 
2010  einlässlich  zu  den  Asylgründen  befragt.  Dabei  machten  die 
Beschwerdeführenden  geltend,  am  1.  Januar  2010  sei  er 
(Beschwerdeführer)  beim  Bahnhof  von  G._______  von  fünf 
glatzköpfigen Serben schlimm zusammengeschlagen und beschimpft 
worden, weil er Angehöriger der ethnischen Minderheit der Roma sei. 
Daraufhin sei er blutüberströmt mit dem Taxi zur Polizei gegangen, die 
sich nicht einmal die Mühe gemacht habe, die Übeltäter ausfindig zu 
machen, und ihm geantwortet  habe, im Nachhinein könne nichts für 
ihn  gemacht  werden,  die  Polizei  müsse  an  Ort  und  Stelle  gerufen 
werden. Unbekannte,  vermutlich  dieselben Täter,  die ihn  angegriffen 
hätten, hätten dann eine Woche später begonnen, einmal oder mehr-
mals  wöchentlich  nachts  mit  Papier  umwickelte  Steine  gegen  die 
Fensterscheiben  zu  werfen. Die  Papiere  hätten  Morddrohungen  und 
Beschimpfungen  enthalten  und  sie  (Beschwerdeführenden)  hätten 
immer  wieder  die  Scheiben  reparieren  lassen  müssen.  Schliesslich 
hätten sich die Übergriffe gegen ihre Familie derart  gehäuft, dass es 
für sie untragbar gewesen sei, und sie keinen anderen Ausweg mehr 
gesehen hätten als auszureisen.  

Überdies  hätten  sie  als  Roma  dem  behandelndenden  Arzt  ihres 
Sohnes  mehrfach  Geld  bezahlen  müssen,  damit  dieser  gewillt  ge-
wesen sei, eine Augenoperation durchzuführen. 

Auch ihre Tochter spüre die gegen sie gehegte Abneigung im Kinder-
garten aufgrund ihrer Ethnie. Sie werde von den anderen Kindern be-
lästigt  oder  gar  ausgeschlossen.  Sie  hätten  sie  deshalb  nicht  zur 
Schule angemeldet. 

Ferner  hätten  die  Eltern  des  Beschwerdeführers  Probleme  mit  der 
Wohngemeinde und dem Gericht, die deren Haus abreissen wollten, 
weil  es  angeblich  nicht  den  Bauvorschriften  entspreche.  Es  handle 
sich  aber  bloss  um eine  Schikane  der  Behörden  gegenüber  Roma, 
denn (auch) für Serben würden Häuser ohne Bauvorschriften gebaut. 

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B.
Das BFM trat mit  am gleichentags eröffneter Verfügung vom 10. Mai 
2010 in Anwendung von Art. 34 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerde-
führenden  vom  29.  März  2010  nicht  ein  und  ordnete  deren   Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.

C.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit  Ein-
gabe vom 14. Mai 2010 (Poststempel: 17. Mai 2010) Beschwerde beim 
Bundesverwaltungsgericht  und  beantragten  die  Aufhebung  der  vor-
instanzlichen Verfügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 
sowie  die  Asylgewährung,  (eventualiter)  sei  die  Unzulässigkeit  bzw. 
Unmöglichkeit  unter  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  festzu-
stellen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  um  Gewährung  der  unentgelt-
lichen Prozessführung,  um Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung 
der vorliegenden Beschwerde, um Unterlassung der Kontaktaufnahme 
mit den Behörden des Heimat- oder Herkunftsstaates und der Weiter-
gabe von Daten an dieselben sowie (eventualiter) um Mitteilung einer 
bereits erfolgten Datenweitergabe in separater Verfügung. 

D.
Die vorinstanzlichen Akten trafen am 19. Mai  2010 beim Bundesver-
waltungsgericht (Art. 109 Abs. 2 AsylG) ein.

Das Bundesverwaltungsgericht erwägt: 

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  über  Be-
schwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Ver-
waltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Der Beschwerdeführer ist  durch die angefochtene Verfügung be-
sonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Auf-
hebung beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der 

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Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art.37 VGG und Art.  48 
Abs. 1 VwVG).

1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – vor-
behältlich nachfolgender Ausführungen – einzutreten (Art. 108 Abs. 2 
AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG).

1.4 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG). 

1.5 Bei  Nichteintretensentscheiden,  mit  denen es  das BFM ablehnt, 
das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 bis 
Art. 35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz 
grundsätzlich auf die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asyl -
gesuch nicht eingetreten ist, beschränkt. Die Beschwerdeinstanz ent -
hält  sich  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung,  hebt  die  an-
gefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung 
an  die  Vorinstanz  zurück  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 
S.  240  f.).  Demgegenüber  prüft  das  Gericht  die  angefochtene  Ver-
fügung hinsichtlich der angeordneten Wegweisung und deren Vollzugs 
in voller Kognition. 

1.6 Auf  den  Antrag,  es  sei  den  Beschwerdeführenden  die  Flücht-
lingseigenschaft  anzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren  ist  deshalb 
nach dem Gesagten nicht einzutreten. 

1.7 Gestützt auf  Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet. 

2.
Die  in  der  Rechtsmitteleingabe  beantragten  vorsorglichen  Mass-
nahmen (aufschiebende Wirkung, Kontaktaufnahme mit den Behörden 
des Heimat-  oder  Herkunftsstaates sowie die  Weitergabe von Daten 
an dieselben) sind mit dem vorliegenden Endentscheid in der Haupt-
sache gegenstandslos geworden. 

3.
3.1 Gemäss  Art.  34  Abs.  1  AsylG  wird  auf  Gesuche  von  Asyl-
suchenden aus verfolgungssicheren Staaten nach Art. 6a Abs. 2 Bst. a 

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AsylG  nicht  eingetreten,  ausser  es  gebe  Hinweise  auf  eine  Ver-
folgung.Praxisgemäss kommt bei Art. 34 Abs. 1 AsylG derselbe weite 
Verfolgungsbegriff zur Anwendung wie bei den Art. 18, Art. 33 Abs. 3 
Bst. b und Art. 35 AsylG (zu den beiden erstgenannten Bestimmungen 
vgl. EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247). Dieser weite Verfolgungsbegriff 
umfasst nicht bloss ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG, son-
dern auch die von Menschenhand verursachten Wegweisungshinder-
nisse im Sinn von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art.  83 Abs. 3 und 4 AuG 
(vgl. EMARK 2004 Nr. 5 E. 4c.aa S. 35 f., EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3  
S. 247).  Ausserdem  ist  dabei  ein  im  Vergleich  zum  –  bereits  er-
leichterten  –  Beweismass  des  Glaubhaftmachens  nochmals 
reduzierter  Massstab  anzuwenden: Sobald  sich  aus  den  Akten  Hin-
weise  auf  Verfolgung  ergeben,  deren  Unglaubhaftigkeit  nicht  bereits 
auf  den  ersten  Blick  erkannt  werden  kann,  muss  auch  bei  Asyl-
gesuchen aus verfolgungssicheren Staaten die Flüchtlingseigenschaft 
einlässlich  geprüft  werden  (vgl.  EMARK 2005  Nr. 2  E. 4.3  S. 16  f., 
EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247, EMARK 2004 Nr. 34 E. 4.2 S. 242, 
EMARK 2004 Nr. 5 E. 4c.bb S. 36).

4.
4.1 Die Vorinstanz brachte zur Begründung ihres Entscheids im We-
sentlichen vor, Serbien sei gemäss Beschluss des Bundesrates vom 
6. März 2009 als verfolgungssicherer Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 
Bst.  a  AsylG  anerkannt  worden.  Deshalb  bestehe  die  gesetzliche 
Regelvermutung, dass asylrelevante staatliche Verfolgung nicht statt-
finde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Es 
handle sich hierbei um eine relative Verfolgungssicherheit, welche im 
Einzelfall  auf  Grund  konkreter  und  substanziierter  Hinweise  um-
gestossen werden könne. 

Bereits am 3. April  2003 sei Serbien dem Europarat beigetreten und 
habe einen Monat zuvor die   Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
ratifiziert.  Der  Europarat  habe  Anfang  September  2008  die  Ver-
besserungen  im  Demokratisierungsprozess  und  bei  den  Menschen-
rechten anerkannt. Die Lage der ethnischen Minderheiten in Serbien 
habe sich entspannt und das am 25. Februar 2002 in Rechtskraft ge-
tretene  Bundesgesetz  zum  Schutz  und  zur  Freiheit  der  nationalen 
Minderheiten schütze Angehörige  ethnischer  Minderheiten. Auch die 
Roma seien  als  nationale  Minderheiten  anerkannt  worden. Gemäss 
diesem  Minderheitengesetz  erhielten  die  Minoritäten  das  Recht  auf 
Schulbildung  in  der  Muttersprache,  das  Recht  auf  Gebrauch  der 

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Muttersprache  als  Amtssprache  sowie  das  Recht  auf  Information  in 
eigener  Sprache. Zudem sei  auch deren  proportionale  Vertretung  in 
öffentlichen Ämtern vorgesehen. 

Dennoch  könnten  vereinzelte  Benachteiligungen  und  Schikanen 
gegenüber  Roma  nicht  restlos  ausgeschlossen  werden.  Allerdings 
billige oder unterstütze der Staat selbst Übergriffe durch Drittpersonen 
nicht. Es  könne  in  einzelnen  Fällen  vorkommen,  dass  Behördenver-
treter  „niederen  Chargen“  die  notwendigen  Untersuchungs-
massnahmen trotz  widerholtem Intervenieren nicht  einleiten  würden. 
Es bestehe jedoch auch die Möglichkeit  gegen fehlbare Beamte auf 
dem Rechtsweg vorzugehen und die zustehenden Rechte bei höheren 
Instanzen einzufordern. Der serbische Staat sei bestrebt, Verfehlungen 
von Beamten zu ahnden. 

Die Beschwerdeführenden hätten jedoch zu wenig unternommen um 
den Schutz der Behörden zu erlangen, als sie von Januar bis zu ihrer 
Ausreise nachts immer wieder mit Steinen beworfen worden seien und 
Drohbriefe  erhalten  hätten.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  zu-
sammengeschlagen worden und zur Polizei gegangen sei, habe diese 
ihn  angehört.  Weil  es  keine  Zeugen  gegeben  und  der  Beschwerde-
führer auch keinen der Angreifer erkannt habe, habe sie ihm gesagt,  
sie  müsse  an  Ort  und  Stelle  des  Geschehens  gerufen  werden. 
Aufgrund  dieser  deutlichen  Worte  hätte  den  Beschwerdeführenden 
zugemutet werden können, die polizeilichen Behörden an den Ort des 
Geschehens  zu  rufen.  Der  Polizei  könne  somit  nicht  mangelnder 
Schutzwille oder mangelnde Schutzfähigkeit vorgeworfen werden. 

Überdies  bestünden  erhebliche  Zweifel  an  den  geltend  gemachten 
nächtlichen Steinwürfen. Es widerspreche der allgemeinen Erfahrung, 
wenn  jemand  während  längerer  Zeit  wöchentlich  oder  sogar  täglich 
eine zerbrochene Scheibe und nächtliche Ruhestörung in Kauf nehme, 
ohne  dagegen  auch  nur  die  geringsten  Vorkehrungen  zu  treffen. 
Andererseits würden die Beschwerdeführenden auch widersprüchliche 
Aussagen zur Intensität dieser Vorfälle machen, so habe der Ehemann 
(Beschwerdeführer) anlässlich der Befragung und auch anlässlich der 
Anhörung erklärt, diese nächtlichen Belästigungen seien zunächst im 
Abstand einer Woche und zuletzt fast jede Nacht erfolgt. Die Ehefrau 
(Beschwerdeführerin)  habe  anlässlich  der  Befragung  hingegen  er-
läutert,  die  Vorfälle  hätten  ungefähr  eine  Woche,  nachdem ihr  Ehe-
mann  zusammengeschlagen  worden  sei,  angefangen,  und  danach 
hätten  sie  jede  Nacht  stattgefunden.  In  der  Anhörung  erklärte  sie 

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jedoch, nach dem ersten Vorfall sei zunächst eine Woche vergangen, 
danach  habe  der  Abstand  zwischen  den  Ereignissen  zwei  Wochen 
betragen und erst zuletzt seien sie nächtlich erfolgt. 

Aus diesen Gründen schloss die Vorinstanz, dass keine Hinweise vor-
liegen würden, welche die widerlegbare Vermutung des Art. 6a Abs. 2 
Bst. a AsylG umstossen könnten. Somit gelinge es den Beschwerde-
führern nicht, die Vermutung fehlender Verfolgung zu widerlegen.

4.2 Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Rechtsmitteleingabe an 
ihren  Vorbringen  fest  und  ergänzten,  der  geschilderte  Vorfall  vom 
1. Januar 2010 sei charakteristisch für Übergriffe, welche Angehörige 
ethnischer  Minderheiten  in  Serbien  immer  wieder  erfahren  würden. 
Eine  weitere  Anzeige  wegen  der  nächtlichen  Steinwürfe  und  Be-
drohungen hätte nichts gebracht, da die Polizei bei der ersten Anzeige, 
als  er  blutüberströmt  vorgesprochen habe,  nur  gelacht  und von ihm 
verlangt habe, Zeugen zu nennen. Die Polizei wisse genau, dass sich 
niemand bereit erklären würde für einen Roma eine Tat zu bezeugen. 
Er (Beschwerdeführer) habe alles unternommen, um den Schutz von 
den Behörden zu erlangen. Die Anliegen der Roma würden nicht ernst  
genommen. Die Polizei habe ihren Spass daran gehabt, dass er über-
haupt den Mut gehabt habe, zur Polizei zu gehen. Sie (Beschwerde-
führende) hätten die Angriffe auf sich genommen, in der Hoffnung und 
aus früherer Erfahrung, dass sich die ganze Sache beruhigen würde. 
Leider sei es anders herausgekommen und die ganze Sache mit den 
Steinen  sei  eskaliert.  Weiter  baten  sie  darum,  die  eventuellen  Un-
stimmigkeiten  bei  den  Zeitangaben  nicht  als  Widersprüche  aufzu-
fassen. Sie hätten Angst gehabt und sich um ihre Kinder und ihr Leben 
gefürchtet. 

5.
Im Folgenden ist  zu prüfen,  ob die Vorinstanz zu Recht gestützt auf 
Art. 34 Abs. 1 AsylG auf  das Asylgesuch der Beschwerdeführenden 
nicht eingetreten ist. 

5.1 Die Beschwerdeführenden erklärten anlässlich  der  Befragungen, 
sie seien Staatsangehörige von Serbien. Zur Stützung ihrer Angaben 
reichten sie Auszüge aus dem Geburtsregister in kyrilischer Schrift mit  
Übersetzung  ein  und  einen  Führerausweis  des  Beschwerdeführers. 
Die geltend gemachte Staatsangehörigkeit respektive Herkunft wurde 
vom BFM nicht  bestritten. Es ist  daher davon auszugehen, dass die 
Beschwerdeführenden tatsächlich aus Serbien stammen. 

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Mit  Beschluss vom 6. März 2009 erklärte der Bundesrat  Serbien als 
verfolgungssicheren Staat („safe country“) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 
Bst. a AsylG. Dieser Beschluss wurde und wird gemäss Art. 6a Abs. 3 
AsylG  periodisch  überprüft  und  stillschweigend  bestätigt.  Nach  dem 
Gesagten  sind  die  formellen  Voraussetzungen  für  den  Erlass  eines 
Nichteintretensentscheids auf der Grundlage von Art. 34 Abs. 1 AsylG 
erfüllt. 

5.2 Sodann ist zu untersuchen, ob im vorliegenden Fall Hinweise auf 
eine  Verfolgung  bestehen,  die  nicht  offensichtlich  haltlos,  und  somit 
einem Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 1 AsylG entgegen-
stehen würden. 

Das BFM führt in der angefochtenen Verfügung aus, den Beschwerde-
führenden hätte zugemutet werden können, gegen die Übergriffe Drit -
ter um Schutz bei den polizeilichen Behörden zu ersuchen, zumal der 
Beschwerdeführer  bereits  zuvor  von  der  Polizei  darauf  aufmerksam 
gemacht worden sei, sie müsse an den Ort des Geschehens gerufen 
werden, um etwas unternehmen zu können. Das BFM schliesst  dar-
aus,  es  könne  nicht  von  einer  fehlenden  Schutzfähigkeit  oder  von 
einem  fehlenden  Schutzwillen  der  polizeilichen  Behörden  aus-
gegangen  werden.  Aus  dieser  Argumentation  des  BFM  ist  zu  er-
kennen, dass die Vorinstanz implizit eine mögliche Verfolgung seitens 
Dritter nicht ausschloss und sich materiell auf die Vorbringen einliess 
und diese einer Prüfung ihrer flüchtlings- beziehungsweise asylrecht-
lichen  Relevanz  gemäss  Art.  3  AsylG  unterzog.  Hinsichtlich  der  Er-
wägung  des  BFM,  wonach  erhebliche  Zweifel  an  den  erwähnten 
nächtlichen  Steinwürfen  bestünden,  ist  festzuhalten,  dass  die  Vor-
instanz dabei die Vorbringen einer Glaubhaftigkeitsprüfung nach dem 
Massstab von Art. 7 AsylG unterzog. Dieses Vorgehen ist mit der von 
der  ARK übernommenen  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  un-
vereinbar,  wonach  die  Beweismassanforderungen,  welchen  die  Ver-
folgungshinweise im Sinn von Art. 34 Abs. 1 AsylG zu genügen haben, 
um  einen  Nichteintretensentscheid  auszuschliessen,  tief  anzusetzen 
sind.  Sobald  die  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  nicht  auf  den  ersten 
Blick als unglaubhaft erkennbar sind, bleibt für einen Nichteintretens-
entscheid, wie unter E. 3.2 erwähnt, kein Raum. 

Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Behelligungen 
und Drohungen können nicht als auf den ersten Blick als unglaubhaft  
qualifiziert werden. Das BFM konnte seine Feststellung, es lägen keine 
Hinweise  auf  eine  Verfolgung  vor,  nicht  rechsgenüglich  begründen. 

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Eine Beurteilung,  wie  sie  das BFM in  der  angefochtenen Verfügung 
vorgenommen hat, kann nur im Rahmen einer materiellen Prüfung des 
Asylgesuchs  im  ordentlichen  Verfahren  erfolgen  und  ist  bei  einem 
Nichteintretensentscheid unzulässig.

5.3 Nach  dem Gesagten  ist  die  Vorinstanz  zu  Unrecht  gestützt  auf 
Art. 34  Abs. 1  AsylG auf  das  Asylgesuch der  Beschwerdeführenden 
nicht  eingetreten.  Dass  vorliegend  ein  anderer  gesetzlicher 
Nichteintretenstatbestand erfüllt sein könnte, ergibt sich aus den Akten 
nicht.

5.4 Die Beschwerde ist gutzuheissen und die angefochtene Verfügung 
aufzuheben. Die Akten sind der Vorinstanz zur Weiterführung des Asyl-
verfahrens zu überweisen.

6.  
6.1 Die Bedürftigkeit  der Beschwerdeführenden ist  aktenkundig. Den 
Rechtsbegehren  ist  teilweise  zu  entsprechen.  Das  Gesuch  um  Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb gutzuheissen. 

6.2 Beim  vorliegenden  Verfahrensausgang  sind  keine  Verfahrens-
kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

6.3 Die Beschwerdeführenden sind rechtlich nicht  vertreten. Es sind 
keine  Vertretungskosten  entstanden.  In  diesem  Sinne  wird  keine 
Parteientschädigung zur Vergütung auferlegt (Art. 64 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird, soweit darauf einzutreten ist, gutgeheissen. 

2.
Die vorinstanzliche Verfügung vom 10. Mai 2010 wird aufgehoben. Die 
Akten werden zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

6.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM und  die 
zuständige kantonale Behörde. 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

Versand: 

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