# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07e67a70-be0e-54cd-954a-bf6afff7c6ea
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-11-02
**Language:** de
**Title:** Gestaltung und Einordnung. Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an einer umweltverträglichen Energieversorgung und demjenigen an der Erhaltung intakter Ortsbilder.
**Docket/Reference:** BRKE II Nr. 0232/2004
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_II_0232_2004_343.pdf

## Full Text

BRKE II Nr. 0232/2004 vom 2. November 2004 in BEZ 2004 Nr. 73

Mit Entscheid vom 12. Mai 2004 verweigerte der Gemeinderat X die baurechtliche 
Bewilligung für Sonnenkollektoren auf dem Dach eines Gebäudes in der Kernzone. Die 
14,8  m  breiten  und  1,1  m  hohen  Sonnenkollektoren  sollten  im  Bereich  des  zweiten 
Dachgeschosses  eingebaut  werden,  oberhalb  einer  ca.  15  m  breiten  Schleppgaube. 
Gegen die Bewilligungsverweigerung erhoben die Grundeigentümer Rekurs.

Aus den Erwägungen:

3.  b)  (...)  Nach  §  238  Abs.  2  PBG  ist  auf  Objekte  des  Natur- und  Heimatschutzes 
besondere Rücksicht zu nehmen. Ein derartiger Anwendungsfall liegt in casu klarerwei-
se vor, gehört das streitbetroffene Gebäude doch einerseits einer nach § 205 PBG eine 
planungsrechtliche  Schutzmassnahme  darstellenden  Kernzone  an  und  handelt  es  sich 
beim Ortsbild von X zudem um ein solches von kantonaler Bedeutung.

f) Nach  dem  Dafürhalten  der  Rekurrierenden  hätte  die  Vorinstanz  bei  ihrem  Ent-
scheid  neben  rein  ortsbaulichen  Gesichtspunkten  insbesondere  auch  umweltrechtliche 
Aspekte  berücksichtigen  müssen.  Beim  streitbetroffenen  Gebäude  handelt  es  sich  um 
ein ohne fossile Brennstoffe auskommendes, dem «Minergie»-Standard entsprechendes 
Gebäude.  Gemäss  rekurrentischen  Angaben  anlässlich  des  Lokaltermins  ist  eine  aus-
reichende Energieversorgung des streitbetroffenen Gebäudes ohne die fraglichen Son-
nenkollektoren  nicht  mehr  gewährleistet  bzw.  müssen  aufwendige  Ersatzmassnahmen 
getroffen werden (Tiefenbohrung).

Den  Rekurrierenden  ist  ohne  weiteres  darin  beizupflichten,  dass  an  der  nicht  mit 
zusätzlichen CO2-Emissionen verbundenen Nutzung erneuerbarer Energien ein erhebli-
ches öffentliches Interesse besteht. Dieses zeigt sich vorab daran, dass sich Bund und 
Kantone gemäss Art. 89 BV (u.a.) für eine umweltverträgliche Energieversorgung einzu-
setzen haben. Eines der vom Energiegesetz (EnG) definierten Ziele besteht in der ver-
stärkten Nutzung erneuerbarer Energien (Art. 1 Abs. 2 lit. c, Art. 3 Abs. 1 lit. c und Art. 5 
Abs.  3  EnG).  Soweit  die  Rekurrierenden  allerdings  sinngemäss  dafürhalten,  dass  die-
sem Ziel ortsbauliche Gesichtspunkte ohne weiteres unterzuordnen seien, so ist dem zu 
widersprechen.  Auch  an  der  Erhaltung  weitgehend  intakter  Dorfbilder  wie  demjenigen 
von X besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse. Dies manifestiert sich etwa darin, 
dass der Bund bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die Anliegen des (in die 
Zuständigkeit der Kantone fallenden; Art. 78 Abs. 1 BV) Natur- und Heimatschutzes zu 
nehmen und Ortsbilder zu schonen sowie sie gar ungeschmälert zu erhalten hat, wenn 
es das öffentliche Interesse gebietet (Art. 78 Abs. 2 BV; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes über den Natur- und Heimatschutz, NHG, welche Norm diese Verpflichtung 
auch auf die Kantone ausdehnt). Es stehen sich mithin gleichrangige öffentliche Interes-
se  gegenüber,  welche  sorgfältig  gegeneinander  abzuwägen  sind.  Während in «norma-

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len» Bauzonen das öffentliche Interesse an der Nutzung erneuerbarer Energien zumeist 
prävalieren dürfte, ist der diesbezügliche Entscheid in durch die Festsetzung einer Kern-
zone planungsrechtlich geschützten Ortsbildern differenzierend nach den im konkreten 
Einzelfall  bestehenden  Gegebenheiten  zu  treffen.  Selbst  diesfalls  bestünde  allerdings 
kein Raum für eine Interessenabwägung, sofern die Kernzonenvorschriften Sonnenkol-
lektorenanlagen  ausdrücklich  untersagten,  womit  die  Interessenabwägung  auf  Geset-
zesstufe  vorweggenommen  wäre.  Dies  ist  in  casu  nicht  der  Fall.  Doch  ist  den  Kernzo-
nenbestimmungen wie erwähnt zu entnehmen, dass Durchbrechungen der Dachhaut im 
zweiten  Dachgeschoss  nicht  oder  höchstens  in  untergeordnetem  Umfang  zugelassen 
werden sollen. Tendenziell wird hiermit der Erhaltung der bestehenden Dachlandschaft 
in  dem wie  erwähnt  kantonal  bedeutsamen  Ortsbild  von  X  eine  besondere  Bedeutung 
zugemessen. Dieser von einem wesentlichen öffentlichen Interesse gedeckten Wertung 
haben  sich  die  (öffentlichen  und  privaten)  Interessen  an  der  Nutzung  erneuerbarer 
Energien, soweit solche Massnahmen dem erwähnten Anliegen zuwiderlaufen, unterzu-
ordnen.  In  der  vorliegend  fraglichen  Kernzone  sind  Anlagen  zur  Nutzung  erneuerbarer 
Energien daher nur insoweit als zulässig anzusehen, als sie mit den ortsbaulich verfolg-
ten Absichten vereinbar sind (Erdwärmesonden, Wärmepumpen, ebenerdig aufgestellte 
oder im Bereich des ersten Dachgeschosses situierte Sonnenkollektoren).