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**Case Identifier:** be620e29-7088-5ddf-9bb1-ecf58d083af8
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 16.11.2022 200 2021 568
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-568_2022-11-16.pdf

## Full Text

200 21 568 IV
MAK/SVE/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 16. November 2022

Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Schwitter

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 11. Juni 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1973 geborene, zuletzt als … tätig gewesene A.________ (Versicherte 
bzw. Beschwerdeführerin) meldete sich erstmals im Jahr 2010 unter Hin-
weis auf nach einem 1987 (recte wohl: 1985) erlittenen Autounfall immer 
noch bestehende starke Schmerzen im Kniebereich (beidseitig) bei der 
Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten 
der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 2). 
Gestützt auf erwerbliche und medizinische Abklärungen (AB 26, 28, 30, 33 
f.) verneinte die IVB mit Verfügung vom 5. Juli 2012 (AB 41) bei einem In-
validitätsgrad von 13 % einen Rentenanspruch, was mit Urteil des Verwal-
tungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dezember 2012 (IV/2012/806 
[AB 47]) und mit Entscheid des Bundesgerichts (BGer) vom 18. März 2013 
(9C_79/2013 [AB 52]) bestätigt wurde.

Am 25. Juni 2018 (Posteingang bei der IVB: 4. September 2018) meldete 
sich die Versicherte unter Hinweis auf eine posttraumatische Kniefehlstel-
lung beidseits nach Verkehrsunfall, einen Zustand nach Femurosteotomie 
(25. Oktober 2017) sowie eine Diskushernie L5/S1 erneut zum Leistungs-
bezug an (AB 57). Die IVB führte abermals erwerbliche und medizinische 
Erhebungen durch. Am 20. Mai 2019 teilte die IVB der Versicherten mit, 
dass keine Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden könnten und 
der Rentenanspruch geprüft werde (AB 105). In der Folge veranlasste sie 
eine orthopädisch-psychiatrische Begutachtung der Versicherten durch die 
MEDAS (MEDAS-Gutachten vom 8. August 2019 [AB 107]) und liess durch 
den Bereich Abklärungen einen Bericht erstellen (Abklärungsbericht für 
Selbständigerwerbende vom 30. September 2019 [AB 108]). Mit Vorbe-
scheid vom 31. Oktober 2019 (AB 109) stellte sie der Versicherten die Zu-
sprache einer vom 1. Juli bis 30. November 2019 befristeten ganzen Rente 
in Aussicht. Nach dagegen erhobenem Einwand (AB 114, 116) tätigte die 
IVB abermals medizinische Abklärungen und holte insbesondere Stellung-
nahmen beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein (Stellungnahmen 
vom 1. Dezember 2020 [AB 144 ff.]). Nach erneutem Vorbescheidverfahren 
(AB 149 ff.) sprach die IVB der Versicherten mit Verfügung vom 11. Juni 

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2021 (AB 167) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine vom 1. Juli bis 
30. November 2019 befristete ganze Rente (samt Kinderrenten) zu.

B.

Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, mit Eingabe vom 17. August 2021 Beschwerde mit folgenden 
Rechtsbegehren:

1. Es sei die Verfügung vom 11. Juni 2021 aufzuheben.

2. Es seien der Beschwerdeführerin Invalidenrenten sowie Invalidenkinderrenten in 
folgendem Umfang zuzusprechen:

- Vom 1. Juli 2019 bis 31. Oktober 2019 eine ganze Rente
- ab dem 30. November und bis auf weiteres eine halbe Rente.

3. Eventualiter sei die Angelegenheit an die IV-Stelle Bern zur weiteren Abklärung 
zurückzuweisen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 24. Sep-
tember 2021 auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 

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und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 11. Juni 2021 
(AB 167). In anfechtungs- und streitgegenständlicher Hinsicht liegt ein 
Rechtsverhältnis vor, wenn rückwirkend eine abgestufte und/oder befristete 
IV-Rente zugesprochen wird. Wird nur die Abstufung oder die Befristung 
der Leistungen angefochten, wird damit die richterliche Überprüfungsbe-
fugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass die unbestritten gebliebenen 
Rentenbezugszeiten von der richterlichen Prüfung ausgenommen blieben 
(BGE 125 V 413; SVR 2019 IV Nr. 32 S. 100 E. 3.2; AHI 2001 S. 278 
E. 1a). Streitig und zu prüfen ist demnach der Rentenanspruch unter Ein-
schluss der vom 1. Juli bis 30. November 2019 zugesprochenen ganzen 
IV-Rente. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin zunächst eine 
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, indem die 
Beschwerdegegnerin die angefochtene Verfügung erlassen habe, ohne im 
Geringsten auf die gemachten Einwände einzugehen (Beschwerde S. 12 ff. 
Ziff. 44 ff.). 

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2.2 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 
der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Die Begründungspflicht ist wesentli-
cher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 
Abs. 2 BV. Sie soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen 
Motiven leiten lässt, und den Betroffenen ermöglichen, die Verfügung ge-
gebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl 
die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Trag-
weite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen 
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die 
Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies 
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen 
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken (BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236, 124 V 180 E. 1a 
S. 181; SVR 2020 IV Nr. 57 S. 194 E. 3.1.2).

Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende 
Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene 
Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu 
äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen 
kann. Die Heilung eines allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme bleiben 
(BGE 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197, 126 V 130 E. 2b S. 132; SVR 2021 IV Nr. 
43 S. 140 E. 4.4.1, 2020 IV Nr. 57 S. 194 E. 3.3.1). Von einer Rückweisung 
der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im 
Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden 
Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, wenn und soweit die 
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen 
Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) 
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der 
Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197; SVR 
2021 IV Nr. 43 S. 140 E. 4.4.1, 2020 IV Nr. 57 S. 194 E. 3.3.1).

2.3 Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdegegnerin sich in der ange-
fochtenen Verfügung vom 11. Juni 2021 (AB 167) nicht mit jedem einzel-
nen im Einwand vorgebrachten Argument auseinandersetzte. Allerdings 
legte sie dar, welche Vorbringen sie für erheblich hielt und auf welche 

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Überlegungen sie ihren Entscheid stützte, wobei sie sich zulässigerweise 
auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränkte. Abgesehen davon, dass 
eine ausdrückliche und einlässliche Auseinandersetzung mit jeder einzel-
nen Rüge nicht erforderlich ist (vgl. E. 2.2 hiervor), war es der Beschwerde-
führerin denn auch ohne weiteres möglich, eine ausführlich begründete 
Beschwerde einzureichen. Überdies verwies die Beschwerdegegnerin be-
reits im Vorbescheidverfahren (vgl. AB 149 S. 3) auf den Abklärungsbericht 
für Selbständigerwerbende vom 30. September 2019 (AB 108) als Be-
standteil des Entscheides, welcher sich ausführlich mit den Standardindika-
toren auseinandersetzte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs resp. der 
Begründungspflicht ist vorliegend somit nicht erfolgt (vgl. BGE 142 III 433 
E. 4.3.2 S. 436). Selbst wenn von einer Gehörsverletzung auszugehen wä-
re, die indes – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht (S. 14 
Ziff. 50) – nicht als schwerwiegend zu werten wäre, wäre diese geheilt, da 
die Beschwerdeführerin sich vor dem angerufenen Gericht, das sowohl den 
Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann, äussern konnte 
(vgl. E. 2.2 hiervor).

3.

3.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). Weil in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich 
besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich sind, die bei der Erfüllung des rechtlich zu 
ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben 
(BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213), und die 
angefochtene Verfügung vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderungen 
vom 19. Juni 2020 datiert, ist der Rentenanspruch nach den bis 
31. Dezember 2021 geltenden Normen (fortan aArt.) zu prüfen.

3.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-

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lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

3.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG 
sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische 
Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur 
dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-
trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 
145 V 215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist 
noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob 
dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem 
Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und 
Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen 
des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu 
arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter 
ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).

3.3.1 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga-
ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 
281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt 
die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier-
ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 
E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 
418 E. 7.2 S. 429).

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3.3.2 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. 

3.3.3 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von 
Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt 
im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin-
dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
„funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). 
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur 
zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell-
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Stan-
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie-
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Fol-
gen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person 
zu tragen (E. 6 S. 308).

3.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-

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ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG 
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des 
Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.

3.5 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

3.6 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf 
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (aArt. 17 Abs. 1 ATSG). Wurde eine Rente bereits einmal wegen 
eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine neue Anmel-
dung nur geprüft, wenn die Voraussetzung nach Abs. 2 erfüllt ist (Art. 87 
Abs. 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversiche-
rung [IVV; SR 831.201], vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351).

3.6.1 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge-
such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis-
sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung 
des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass 
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine 
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls 
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, 
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) 
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall 
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 
117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

3.6.2 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den 
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit 

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den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht 
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen 
(oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) 
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert 
haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer 
Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist 
ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der 
Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des 
Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 
E. 2.3 S. 10; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 110 E. 3.1).

3.6.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach aArt. 17 Abs. 1 
ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten 
materiellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

3.6.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b 
S. 200; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 110 E. 3.1).

3.7 Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, 
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende 
Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem 
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass 
sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu 
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Mona-
te angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a 
Abs. 1 IVV). Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der 
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeein-

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flus-sende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Un-
terbrechung drei Monate angedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV).

3.8 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

4.

4.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom September 
2018 (AB 57) eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell geprüft. 
Praxisgemäss ist die Eintretensfrage durch das Gericht daher nicht zu be-
urteilen (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Streitig ist der Rentenanspruch, 
wobei zunächst zu prüfen ist, ob ein Revisionsgrund vorliegt. Gegebenen-
falls ist anschliessend der Rentenanspruch allseitig frei zu beurteilen (vgl. 
E. 3.6.2 ff. hiervor).

Massgebende Vergleichszeitpunkte bilden die Verfügung vom 5. Juli 2012 
(AB 41; bestätigt mit VGE IV/2012/806 [AB 47] und BGer 9C_79/2013 
[AB 52]) – als letztmals eine allseitige Überprüfung der Leistungsvoraus-
setzungen erfolgte – und die nunmehr angefochtene Verfügung vom 
11. Juni 2021 (AB 167; vgl. E. 3.6.3 hiervor). Die Beschwerdeführerin wur-
de im Oktober 2017 am linken Knie (vgl. AB 72 S. 13) und im April 2019 am 
rechten Knie (vgl. AB 120 S. 12) operiert. Nach diesen Operationen be-
standen jeweils viermonatige Episoden mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit 
(vgl. AB 107.2 S. 11 Ziff. 8). Damit ist eine revisionsrechtlich relevante 
Sachverhaltsänderung resp. ein Neuanmeldungsgrund ausgewiesen. 
Dementsprechend ist der Rentenanspruch frei zu prüfen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 12

4.2 Bei Erlass der die zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung bilden-
den (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243) angefochtenen Verfügung vom 11. Juni 
2021 (AB 167) präsentierte sich die medizinische Aktenlage – soweit ent-
scheidwesentlich – wie folgt:

4.2.1 In der bidisziplinären Gesamtbeurteilung des MEDAS-Gutachtens 
vom 8. August 2019 (AB 107.1 S. 5 ff. Ziff. 4) führten die 
Dres. med. C.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau-
matologie des Bewegungsapparates, sowie D.________, Fachärztin für 
Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit auf (S. 6 Ziff. 4.2): 

1. Posttraumatische laterale und femo(ro)patellare Gonarthrose links mit post-
traumatischer Gelenkumformung (Vagusfehlstellung 20° und negativer Slope 
30°) im Status nach lateral aufklappender Femurosteotomie am 25. Oktober 
2017;

2. Posttraumatische Fehlstellung rechtes Kniegelenk mit Varusdeformität im Fe-
mur mit negativem Slope im Status nach Flexionsosteotomie Tibia und Proxi-
malisierung der Tuberositas tibia vom 17. April 2019;

3. Lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts bei nachgewiesener Diskusher-
nierung L5/S1 rechts mit leichtgradiger Funktionseinschränkung;

4. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradiges Ausmass mit 
somatischen Symptomen (ICD-10 F33.11);

5. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1);

6. Anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen 
Anteilen (ICD-10 F45.41).

Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten die Experten 
keine auf (AB 107.1 S. 6 Ziff. 4.2). In der bisherigen Tätigkeit sei die Ar-
beitsfähigkeit seit Oktober 2017 (Zeitpunkt der ersten Umstellungsosteoto-
mie) aufgehoben. Aus psychiatrischer Sicht seien keine Arbeitsunfähigkei-
ten dokumentiert (S. 8 Ziff. 4.7). In einer leidensangepassten Tätigkeit habe 
ab Oktober 2017 mit der ersten Umstellungsoperation eine Arbeitsunfähig-
keit von 100 % bis Ende Februar 2018 und anschliessend wieder eine 
100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Vom 17. April 2019 (Umstellungsos-
teotomie) bis Mitte August 2019 sei die Beschwerdeführerin erneut 100 % 
arbeitsunfähig gewesen. Sodann habe sich bezüglich einer angepassten 
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (4.5 [recte wohl: 4.25; vgl. 
AB 107.3 S. 13 Ziff. 8] Stunden pro Tag bei 100%iger Leistungsfähigkeit) 
eingestellt (Ziff. 4.8). Seit dem Zeitpunkt der Verfügung vom 5. Juli 2012 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 13

habe sich eine wesentliche Veränderung dahingehend ergeben, als beide 
Kniegelenke, die vor vielen Jahren eine posttraumatische Gelenksumfor-
mung erfahren hätten, in den Jahren 2017 und 2019 in den Achsen korri-
giert und in ihrer Biomechanik optimiert worden seien. Zweifellos bestehe 
trotz der Korrekturen eine Belastungsminderung beider Kniegelenke, wel-
cher mit dem formulierten Belastungsprofil Rechnung getragen werde. Ra-
diologisch komme dies in einer ausgeprägten Osteopenie zum Ausdruck, 
die Arthrose sei radiologisch nur leicht bis mittelgradig ausgeprägt. Subjek-
tiv würden vermehrt Schmerzen angegeben, wobei die Schmerzverarbei-
tung aufgrund einer psychischen Labilität nur vermindert möglich sei, so 
dass auch aus diesem Grund die Schmerzen verstärkt wahrgenommen 
würden, wodurch wiederum die depressive Symptomatik zugenommen 
habe und umgekehrt, aber auch Symptome bei der PTBS vermehrt getrig-
gert werden könnten (S. 9 Zusatzfragen).

Im federführenden orthopädischen Teilgutachten (AB 107.2) hielt Dr. med. 
C.________ fest, nach dem Unfallereignis im Jahr 1985 sei die Beschwer-
deführerin konservativ mit einer Immobilisation und einer Gipsschiene be-
handelt worden. Im Jahr 2017 und zuletzt im April 2019 hätten sich Korrek-
tur-osteotomien beider Kniegelenke angeschlossen (S. 9 Ziff. 7.1). Die Be-
schwerdeführerin werde spätestens mit der Konsolidierung der Osteotomie 
im Bereich des rechten Kniegelenks, welche etwa vier Monate nach Eingriff 
erreicht werde (vgl. S. 9 Ziff. 7.2), in der Lage sein, körperlich leichte Tätig-
keiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu zehn Kilogramm durchzu-
führen. Die Tätigkeiten sollten im Wechsel zwischen Stehen, Gehen und 
Sitzen erfolgen. Tätigkeiten in kniender und kauernder Stellung, in Vorbeu-
ge und mit einem Anspruch an erhöhte Standsicherheit (wie auf Leitern, 
Gerüsten oder Treppen) sollten ebenso wie Tätigkeiten unter extremen 
Temperaturschwankungen wie Hitze, Kälte und Nässe vermieden werden 
(S. 10 Ziff. 7.4). In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine vollständige Ar-
beitsunfähigkeit. Ab Oktober 2017 habe in der bisherigen (recte wohl: an-
gepassten) Tätigkeit bis Ende Februar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 
100 % bestanden. Danach habe bis zum 17. April 2019 (Umstellungsosteo-
tomie) eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Vom 17. April bis Mitte 
August 2019 sei die Beschwerdeführerin erneut 100 % arbeitsunfähig ge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 14

wesen. Ab Mitte August 2019 sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus-
zugehen (S. 10 f. Ziff. 8). 

Dr. med. D.________ führte im psychiatrischen Teilgutachten (AB 107.3) 
aus, die Beschwerdeführerin habe im Alter von etwa zwölf Jahren einen 
Unfall mit unklarem Hergang erlitten. Sie sei nach anamnestischen Anga-
ben im Koma gelegen, habe ein Schädel-Hirntrauma und mehrere Kno-
chenbrüche erlitten. Dies habe bei ihr eine PTBS mit entsprechenden 
Symptomen ausgelöst. Zudem habe sie komorbid eine depressive Erkran-
kung entwickelt, die nur sporadisch behandelt worden sei. Durch die Erleb-
nisse sei eine verminderte Stressverarbeitung begünstigt worden, so dass 
Schmerzen nach dem Unfall unter anderem dadurch zugenommen und 
bereits das Ausmass einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung 
angenommen hätten. Dies habe zudem die Depression wiederholt begüns-
tigt. Sie habe zwischendurch beruflich tätig sein können. Es sei vor etwa 
drei Jahren bei körperlicher Überlastung und Dauer der Schmerzen zu ei-
ner deutlich verschlechterten depressiven Verstimmung gekommen, was 
dann auch die Symptome im Rahmen der PTBS aufrechterhalten und ver-
stärkt (Trigger: Schmerzen) habe, wobei diese nie adäquat behandelt wor-
den sei und somit als chronifiziert angesehen werden müsse (S. 11 
Ziff. 7.1). Es ergäben sich keine Hinweise für IV-fremde psychosoziale Fak-
toren, die die Depression in hohem Ausmass begünstigten (S. 10 Ziff. 6). 
Nach anamnestischen Angaben seien bisher nur sporadisch ambulante 
psychiatrische Behandlungen erfolgt, einerseits kurzfristig nach dem Unfall 
in der …, dann im Jahr 2004 etwa für drei bis vier Jahre mit auch psycho-
pharmakologischer Behandlung und jetzt seit 2018 ohne psychopharmako-
logische Behandlung mit einer Frequenz von zweimal pro Woche. Es wer-
de berichtet, dass die jetzt erfolgende ambulante Psychotherapie für sie 
günstig verlaufe. Nichtsdestotrotz seien die therapeutischen Möglichkeiten, 
insbesondere auch im Hinblick auf die posttraumatische Symptomatik, 
noch nicht ausgeschöpft (Ziff. 7.2). Betreffend Inkonsistenzen führte 
Dr. med. D.________ aus, die Beschwerdeführerin habe anlässlich der 
Exploration teilweise unterschiedliche Angaben zu Behandlungen und 
Schmerzverlauf gemacht, wobei Konzentrationsstörungen bestanden hät-
ten, die dafür ursächlich sein könnten. Meist habe sich bei näherer Nach-
frage dann ein nachvollziehbarer Verlauf ergeben. Ansonsten habe sie syn-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 15

thym ihre Einschränkungen geschildert (S. 7 Ziff. 3.2). In der zuletzt aus-
geübten Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin während 4.25 Stunden 
anwesend sein, wobei die Leistungsfähigkeit bei depressionsbedingten 
Konzentrationsstörungen und verminderter Durchhaltefähigkeit um 30 % 
gemindert sei. Insgesamt werde die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen 
Tätigkeit auf 35 % eingeschätzt, welche aufgrund der geschilderten noch-
mals deutlicheren Verschlechterung wegen der Dauer der Schmerzen vor 
drei Jahren mit vermehrter depressiver Verstimmung seit Oktober 2017 
bestehe. Eine angepasste Tätigkeit erfordere eine wertschätzende und 
kooperative Atmosphäre ohne ausgeprägte Stressoren wie rasche Flexibi-
lität und Umstellfähigkeit, mit regelmässigen Pausen, eher repetitiven, we-
nig konzentrativen Aufgaben und ohne körperliche Belastung. In einer sol-
chen Tätigkeit sei eine Präsenz von 4.25 Stunden ohne Einschränkung der 
Leistungsfähigkeit möglich, d.h. es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % 
seit Oktober 2017 (S. 13 f. Ziff. 8).

4.2.2 Im Bericht des Spitals E.________ vom 17. Dezember 2019 
(AB 116 S. 6 ff.) führten Dr. med. F.________, Praktische Ärztin, und 
lic. phil. G.________, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, zu Handen 
der Rechtsvertretung folgende Diagnosen auf:

1. Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-
10 F45.41);

2. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy-
chotische Symptome (ICD-10 F33.2);

3. Verdacht auf Traumafolgestörung (ICD-10 F43.1).

Es liege eine tiefgreifende chronifizierte psychiatrische Störung vor. Akte-
nanamnestisch bestünden Hinweise auf eine PTBS. Bisweilen habe die 
Beschwerdeführerin jedoch kein konkretes Ereignis benennen können, 
welches eine solche Diagnose verfestigt habe. Von einer raschen Gene-
sung sei nicht auszugehen. Zurzeit sei weder eine Integration auf dem ers-
ten Arbeitsmarkt noch eine Tätigkeit zu 50 % möglich. Eine medikamentöse 
Behandlung sei vorgeschlagen worden, was die Beschwerdeführerin auf-
grund starken Erbrechens bis anhin abgelehnt habe. Um die chronifizierten 
Muster zu durchbrechen und nochmals den Versuch einer medikamentö-
sen Therapie zu starten, werde eine stationäre Behandlung empfohlen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 16

4.2.3 Dr. med. F.________ hielt im Verlaufsbericht vom 2. April 2020 
(AB 124) fest, der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert (S. 2 
Ziff. 1). Als neue Diagnose nannte sie eine andauernde Persönlichkeitsän-
derung nach Extrembelastung mit dependenten und ängstlich vermeiden-
den Zügen aufgrund stark chronifiziertem Verlauf (ICD-10 F62.0; Ziff. 2). 
Die Sitzungen hätten verkürzt stattgefunden, da die Beschwerdeführerin 
schnell in hohe Spannungszustände mit vegetativen Symptomen wie Er-
brechen, Schwindel und in dissoziative Zustände geraten sei (Ziff. 4). Ein 
vollständiger psychopathologischer Befund habe deswegen nicht erhoben 
werden können (S. 3 Ziff. 6). Das ambulante Setting stosse langsam aber 
sicher an seine Grenzen. Auch kleine Fortschritte könnten kaum erzielt 
werden. Eine stationäre Behandlung mit dem Ziel einer medikamentösen 
Behandlung aber auch mit Einbezug des familiären Systems wäre nötig, 
um Veränderungen zu erzielen. Die Beschwerdeführerin habe sich jedoch 
bis heute nicht darauf einlassen können (Ziff. 7). Eine antidepressive Medi-
kation, welche aufgrund sofortiger Übelkeit und Erbrechen abgelehnt wor-
den sei, sei dringend indiziert (Ziff. 8). Es bestehe seit April 2019 eine 
100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 11).

4.2.4 Dr. med. H.________, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
und -psychotherapie, hielt im Bericht vom 18. Februar 2021 (AB 159 S. 3 f.) 
z.H. der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin fest, die Betreuung 
durch sie erfolge erst seit April 2020, weshalb lediglich über den Verlauf 
seit diesem Zeitpunkt Stellung genommen werden könne. Aufgrund der 
Symptomatik, dass der Beschwerdeführerin bereits beim Sprechen über 
Medikamente übel geworden sei, werde von einer zusätzlichen phobischen 
Störung bezüglich Einnahme von Medikamenten und stationärer Aufnahme 
ausgegangen. Es sei mit einer entsprechenden verhaltenstherapeutischen 
Behandlung begonnen worden. Die geschilderten Symptome hätten bis 
jetzt eine regelmässige Einnahme der verordneten Medikation und die Ein-
willigung in eine stationäre Behandlung verhindert. Es sei nach Besserung 
der Angstsymptomatik erneut eine Psychopharmakotherapie geplant. Zu-
sätzlich sei die Beschwerdeführerin nun für einen stationären Aufenthalt in 
einer psychiatrischen Klinik angemeldet.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 17

4.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2).

4.4

4.4.1 Das MEDAS-Gutachten vom 8. August 2019 (AB 107) erfüllt – je-
denfalls was die erhobenen Befunde und die gestellten Diagnosen betrifft – 
die Anforderungen an den Beweiswert von Gutachten (vgl. E. 4.3 hiervor), 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 18

was zwischen den Parteien denn auch nicht bestritten ist, weshalb 
grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.

4.4.2 In somatischer Hinsicht zeigte Dr. med. C.________ gestützt auf die 
anlässlich der Exploration erhobenen Befunde und die bildgebenden Un-
tersuchungen nachvollziehbar auf, es bestünden als Diagnosen mit Aus-
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische laterale und femoro-
patellare Gonarthrose links mit posttraumatischer Gelenkumformung (Val-
gusfehlstellung 20° und negativer Slope 30°) im Status nach lateral auf-
klappender Femurosteotomie am 25. Oktober 2017, eine posttraumatische 
Fehlstellung des rechten Kniegelenks mit Varusdeformität im Femur und 
negativem Slope im Status nach Flexionsosteotomie Tibia und Proximali-
sierung der Tuberositas tibia vom 17. April 2019 sowie ein lumbospondylo-
genes Schmerzsyndrom rechts bei nachgewiesener Diskushernierung 
L5/S1 rechts mit leichtgradiger Funktionseinschränkung (AB 107.2 S. 8 
Ziff. 6). Es leuchtet ein, dass der orthopädische Gutachter der Beschwerde-
führerin als Folge der Operationen im Oktober 2017 und April 2019 (Um-
stellungsosteotomien) für die Zeit der Rekonvaleszenz (von Oktober 2017 
bis Ende Februar 2018 sowie vom 17. April 2019 bis Mitte August 2019) 
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte und die Arbeitsfähigkeit auf-
grund der bestehenden somatischen Befunde in der bisherigen Tätigkeit 
generell als aufgehoben einschätzte. Im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils 
einer angepassten Tätigkeit (im Wechsel zwischen Stehen, Gehen und 
Sitzen körperlich leichte Tätigkeiten mit Lasten von bis zu zehn Kilogramm 
mit Vermeidung von kniender und kauernder Stellung, von Vorbeuge und 
von einem Anspruch an erhöhte Standsicherheit wie auf Leitern, Gerüsten 
oder Treppen sowie von extremen Temperaturschwankungen wie Hitze, 
Kälte und Nässe) trug er den Beeinträchtigungen ebenso angemessen 
Rechnung (S. 10 f. Ziff. 8). Damit wurden die somatischen Einschränkun-
gen vollständig berücksichtigt.

4.4.3 Psychiatrischerseits diagnostizierte Dr. med. D.________ eine rezi-
divierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradiges Ausmass mit 
somatischen Symptomen (ICD-10 F33.11), eine PTBS (ICD-10 F43.1) so-
wie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit körperlichen und 
psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41; AB 107.3 S. 10 Ziff. 6). Gestützt 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 19

darauf schloss die Expertin auf eine Arbeitsfähigkeit von 35 % in der bishe-
rigen sowie eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit 
(mit wertschätzender und kooperativer Atmosphäre ohne ausgeprägte 
Stressoren wie rasche Flexibilität und Umstellfähigkeit, mit regelmässigen 
Pausen, eher repetitiven, wenig konzentrativen Aufgaben; S. 13 f. Ziff. 8). 

Was zunächst die Diagnose einer PTBS (ICD-10 F43.1) betrifft, vermag 
diese nicht zu überzeugen. Denn die Gutachterin begründete diese Dia-
gnose nicht nachvollziehbar, sondern führte sie einzig auf den 1985 erlitte-
nen Unfall zurück (S. 9 ff. Ziff. 6; vgl. auch AB 107.1 S. 6 Ziff. 4.1). Dabei 
setzte sich Dr. med. D.________ jedoch weder mit der Unfallschwere noch 
dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin trotz einer angeblichen PTBS 
jahrelang in Beruf und Familie (mit zwei Kindern) bestehen konnte, ausein-
ander. Überdies beschäftigte sich die Gutachterin auch nicht mit dem Krite-
rium, wonach eine PTBS gemäss ICD-10 F43.1 (auch in der 2022 gelten-
den Fassung) mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten nach 
einem Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenarti-
gem Ausmass auftritt (Entscheid des BGer vom 26. Juni 2013, 
9C_228/2013, E. 4.1.2; vgl. auch DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Inter-
nationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Kli-
nisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 207 f.). Schliesslich wurde 
der 1985 erlittene Unfall auch in den Berichten des SRO (AB 116 S. 7, 124 
S. 2 ff.) nicht als Grundlage einer möglichen PTBS erwähnt. 

Nach dem Dargelegten erscheint weiter fraglich, ob die Diagnose einer 
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit körperlichen und psychi-
schen Anteilen (ICD-10 F45.41) hinreichend begründet ist, erachtete 
Dr. med. D.________ diese doch insbesondere als durch die posttraumati-
sche Belastungsstörung begünstigt (S. 10 Ziff. 6, S. 11 Ziff. 7.1). Dies kann 
letztlich jedoch offenbleiben, denn so oder anders ist nach Durchführung 
des strukturierten Beweisverfahrens in psychiatrischer Hinsicht kein invali-
disierender Gesundheitsschaden ausgewiesen (vgl. E. 5.5 hiernach).

Hingegen überzeugt mit Blick auf die psychiatrische Befunderhebung (wie 
unter anderem: etwas beeinträchtigte Konzentration, depressiv bedingt 
geminderte Antriebslage, depressive Grundstimmung, Minderung der affek-
tiven Schwingungsfähigkeit, Interessenlosigkeit, Rückzug sowie eine ge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 20

wisse Anhedonie, erhebliche Schlafstörungen, Appetitminderung; vgl. 
AB 107.3 S. 7 ff. Ziff. 4.3) die Diagnose einer rezidivierenden depressiven 
Störung, gegenwärtig mittelgradiges Ausmass mit somatischen Sympto-
men (ICD-10 F33.11). Soweit Dr. med. F.________ davon abweichend die 
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere 
Episode ohne psychotische Symptome (AB 116 S. 6 ff., 124 S. 2 Ziff. 3) 
stellt, fehlt ihr dazu als Praktische Ärztin grundsätzlich die psychiatrische 
Fachkompetenz (vgl. zur Bedeutung der fachärztlichen Qualifikation der 
Ärzte hinsichtlich des Beweiswertes ihrer Aussagen: Entscheid des BGer 
vom 15. November 2021, 9C_458/2021, E. 3.3). Invalidenversicherungs-
rechtlich massgebend ist denn auch nicht die genaue diagnostische Zuord-
nung, sondern die Auswirkung des Gesundheitsschadens auf die Arbeits-
fähigkeit (vgl. BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). Die Ärzte sind sich immer-
hin insoweit einig, als ein depressives Geschehen vorliegt. Allerdings sind 
nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung die verschiedenen medizi-
nisch-psychiatrischen Interpretationen zulässig und zu respektieren, sofern 
die Gutachterperson – wie in concreto – lege artis vorgegangen ist (statt 
vieler: Entscheid des BGer vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 4.2.2). 
Was die unterschiedliche Folgenabschätzung betrifft, ist dem Umstand 
Rechnung zu tragen, dass diese – gerade, aber nicht nur im Bereich der 
Psychiatrie – eine hohe Variabilität aufweist und unausweichlich 
Ermessenszüge trägt (BGE 140 V 193 E. 3.1 S. 195, 137 V 210 E. 3.4.2.3 
S. 253). Hinzu kommt, dass die behandelnden Ärzte im Hinblick auf ihre 
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall die Einschätzung eher 
zu Gunsten ihrer Patienten vornehmen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; 
SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). Dr. med. F.________ bringt denn 
auch keine neuen Aspekte vor, die im Rahmen der Begutachtung uner-
kannt oder ungewürdigt geblieben wären. Der Umstand allein, dass der 
Behandler eine abweichende Meinung äussert, vermag nicht Anlass zu 
weiteren Abklärungen zu geben (vgl. SVR 2021 IV Nr. 10 S. 29 E. 5.7, 
2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3). Dies umso mehr, als Dr. med. F.________ 
erwähnte, den psychopathologischen Befund nicht vollständig erheben zu 
können (AB 124 S. 3 Ziff. 6). Auch der Bericht von Dr. med. H.________ 
(AB 159 S. 3 f.) vermag keine neuen Aspekte aufzuzeigen und betrifft 
überdies erst den Behandlungszeitraum ab April 2020, womit er von vorn-
herein nicht geeignet ist, die gutachterliche Einschätzung in Zweifel zu zie-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 21

hen. Was den Austrittsbericht der Klinik I.________ über den Aufenthalt 
vom 20. Juni bis 10. Juli 2021 (AB 170) betrifft, datiert dieser nach Verfü-
gungserlass (vgl. zum massgebenden Sachverhalt E. 4.2 hiervor). Über-
dies enthält auch dieser keine neuen Aspekte, die im Rahmen der Begut-
achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. 

4.4.4 Nach dem Ausgeführten hat die Beschwerdegegnerin den medizini-
schen Sachverhalt mit dem voll beweiskräftigen MEDAS-Gutachten vom 
8. August 2019 (AB 107) rechtsgenüglich abgeklärt. Demnach kann in anti-
zipierter Beweiswürdigung auf ergänzende medizinische Abklärungen ver-
zichtet werden (vgl. Beschwerde S. 2 Rechtsbegehren Ziff. 3; BGE 144 V 
361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 
2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). 

Gestützt auf die bidisziplinäre Konsensbeurteilung (AB 107.1 S. 5 ff. Ziff. 4) 
ist erstellt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der 
bisherigen Tätigkeit seit Oktober 2017 aufgehoben ist. In einer 
angepassten Tätigkeit (vgl. zum Zumutbarkeitsprofil S. 7 Ziff. 4.5) besteht 
nach Auffassung der Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, mit 
Ausnahme der Zeiträume von Oktober 2017 bis Ende Februar 2018 sowie 
vom 17. April 2019 bis Mitte August 2019, während derer jeweils eine 
vollständige Arbeitsunfähigkeit in jedweder Tätigkeit bestand (S. 8 Ziff. 4.7 
f.).

5.

5.1 Zu prüfen bleibt damit, ob anhand des strukturierten Beweisverfah-
rens nach BGE 141 V 281 der psychiatrisch attestierten Arbeitsunfähigkeit 
von 50 % in einer angepassten Tätigkeit ab Oktober 2017 (vgl. 107.1 S. 8 
Ziff. 4.8 i.V.m. AB 107.3 S. 13 f. Ziff. 8) auch aus rechtlicher Sicht gefolgt 
werden kann (vgl. E. 3.3.1 ff. hiervor), wobei die versicherte Person die 
materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416). 

Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich unter Hinweis auf den Ent-
scheid des BGer vom 2. Dezember 2019, 9C_808/2018, vor, indem die 
Beschwerdegegnerin gestützt auf das strukturierte Beweisverfahren einen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 22

invalidisierenden Gesundheitsschaden verneint habe (vgl. AB 108 S. 3 f.), 
habe sie eine unzulässige juristische Parallelprüfung vorgenommen. Denn 
von einer normorientierten medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähig-
keit dürfe nur aus triftigen Gründen abgewichen werden (Beschwerde S. 6 
Ziff. 17). Wie das Bundesgericht im vorgenannten Entscheid in E. 4.3 mit 
Hinweis auf BGE 143 V 417 E. 6 S. 247 festgehalten hat, ist ärztlicherseits 
substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Grün-
den die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die 
psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht 
zu schmälern vermögen. Dies ist vorliegend nicht erfolgt. 
Dr. med. D.________ erwähnte zwar die „sonstigen persönlichen, fami-
liären und sozialen Aktivitäten“ der Beschwerdeführerin, bezog diese je-
doch nicht in überzeugender Weise in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 
mit ein. Sie erwähnte ferner auch, dass die Beschwerdeführerin die Be-
handlungsoptionen nicht ausschöpft, trug diesem Umstand jedoch nicht 
annähernd plausibel Rechnung. Mithin liegen triftige Gründe vor, welche 
die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens erlauben. Aus 
rechtlicher Sicht kann denn auch von einer medizinischen Einschätzung 
der Arbeitsunfähigkeit in einer Expertise abgewichen werden, ohne dass 
sie ihren Beweiswert gänzlich einbüsste. Darin liegt weder eine Gering-
schätzung der ärztlichen Beurteilung noch eine gerichtliche Kompetenzan-
massung, sondern es ist notwendige Folge des rein juristischen Charakters 
der sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit 
und Invalidität (Entscheid des BGer vom 21. April 2020, 8C_147/2020, E. 
5.2 mit Hinweisen). 

Damit hat das Gericht – ohne dass es sich dabei um eine unzulässige 
juristische Parallelprüfung handelt – die Leistungsfähigkeit anhand des 
strukturierten Beweisverfahrens eigenständig zu beurteilen.

5.2 Die klassifikatorischen Vorgaben zumindest betreffend die rezidivie-
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychoti-
sche Symptome, sind eingehalten (vgl. AB 107.3 S. 10 Ziff. 6; vgl. E. 4.4.3 
hiervor). Die psychiatrische Gutachterin führte aus, die Beschwerdeführerin 
habe ihre Einschränkungen synthym geschildert (AB 107.3 S. 7 Ziff. 3.2). 
Hinweise auf Aggravation oder eine Verdeutlichungstendenz führte 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 23

Dr. med. D.________ keine auf. Vielmehr konnte sie keine Inkonsistenzen 
feststellen (AB 107.1 S. 8 Ziff. 4.6). Die Prüfung der ersten Ebene schliesst 
damit einen invalidisierenden Gesundheitsschaden nicht aus (vgl. E. 3.3.2 
hiervor), womit auf der zweiten Ebene anhand der Standardindikatoren die 
ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des tatsächlich erreichbaren 
Leistungsvermögens zu erfolgen hat (vgl. E. 3.3.3 hiervor).

5.3 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
„funktioneller Schweregrad“ (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.):

5.3.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:

5.3.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgesche-
hens anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätio-
logie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 
S. 298 ff.). Im Rahmen der Untersuchung konstatierte 
Dr. med. D.________ – nebst unauffälligen Befunden – unter anderem eine 
etwas beeinträchtigte Konzentration, einen etwas verlangsamten formalen 
Gedankengang, eine konzentrationsbedingte leichte Beeinträchtigung der 
Merkfähigkeit, des Kurz- und Langzeitgedächtnisses, eine depressiv be-
dingt geminderte Antriebslage, eine depressive Grundstimmung, eine ge-
minderte affektive Schwingungsfähigkeit, eine Interessenlosigkeit, einen 
Rückzug sowie eine gewisse Anhedonie (AB 107.3 S. 8 Ziff. 4.3). Der Mini-
ICF-Ratingbogen ergab mittelgradige Beeinträchtigungen (S. 12 Ziff. 7.4). 
Insgesamt kann die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde daher 
zumindest nicht als schwer bezeichnet werden. 

5.3.1.2 Sodann ist auf die Behandlungs- und Eingliederungserfolge oder 
-resistenz als wichtige Indikatoren für den funktionellen Schweregrad ein-
zugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.). Zur Behandlung berichtete 
die Gutachterin, bisher seien nur sporadisch ambulante psychiatrische Be-
handlungen erfolgt, einerseits kurzfristig nach dem Unfall in der …, dann im 
Jahr 2004 etwa für drei bis vier Jahre mit auch psychopharmakologischer 
Behandlung und jetzt seit 2018 ohne psychopharmakologische Behandlung 
mit einer Frequenz von zweimal pro Woche. Nichtsdestotrotz seien die the-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 24

rapeutischen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft (AB 107.3 S. 11 
Ziff. 7.2). Vielmehr sollte die psychiatrisch-/psychotherapeutische Behand-
lung fortgeführt und intensiviert und eine Traumabehandlung erwogen wer-
den. Zudem sollte auch eine psychopharmakologische Behandlung über-
dacht werden (S. 15 Ziff. 8). Diese Einschätzung deckt sich denn auch mit 
jener der behandelnden Ärzte (vgl. AB 116 S. 7, 124 S. 3 Ziff. 7 f., 159 
S. 3). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin handelt es sich hierbei 
folglich nicht um eine reine Prognose (Beschwerde S. 8 Ziff. 28). Dass an-
geblich eine phobische Störung bezüglich der Einnahme von Medikamen-
ten bestehen soll, wie im Bericht von Dr. med. H.________ vom 18. Febru-
ar 2021 (AB 159 S. 3 f.) festgehalten (vgl. Beschwerde S. 9 Ziff. 30 und 
S. 12 Ziff. 40), überzeugt nicht. Anlässlich der Begutachtung bestanden 
zwar Hinweise, dass die Beschwerdeführerin bisher aus Angst vor Neben-
wirkungen auf die Einnahme von Medikamenten verzichtete (vgl. AB 107.3 
S. 9 Ziff. 4.3); dass diese Angst inzwischen dergestalt zugenommen hätte, 
dass sie krankheitswertig geworden wäre, ist jedoch nicht überzeugend 
dargetan. Mithin sind die Therapiemöglichkeiten bei weitem nicht ausge-
schöpft und es liegt offenkundig keine ausgewiesene Behandlungsresis-
tenz vor.

5.3.1.3 Was den Indikator Komorbiditäten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 
S. 300 f.) anbelangt, führte die Gutachterin aus, die Symptomkomplexe 
bedingten sich ungünstig gegenseitig und hielten sich somit gegenseitig 
aufrecht (AB 107.3 S. 10 Ziff. 6). Ob dieser Einschätzung mit Blick auf das 
in E. 4.4.3 hiervor Dargelegte überhaupt zu folgen ist, kann offenbleiben. 
Denn selbst wenn von Wechselwirkungen auszugehen wäre, wäre hervor-
zuheben, dass die Medikamentenspiegel sämtlicher Schmerzmittel ausser-
halb der Nachweisgrenze liegen (AB 107.3 S. 9 Ziff. 4.3), was sich mit den 
Angaben der Beschwerdeführerin deckt, wonach sie die Medikamente 
überwiegend nicht einnehme. Die nicht ausgeschöpften psychiatrischen 
und psychopharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten (vgl. E. 5.3.1.2 
hiervor) würden somit den Umfang relativieren, in welchem Wechselwir-
kungen anzunehmen wären.

5.3.2 Betreffend den Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 
S. 302) stellte die Gutachterin keine Hinweise für eine Persönlichkeitsak-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 25

zentuierung oder gar eine Persönlichkeitsstörung fest (AB 107.3 S. 12 
Ziff. 7.4). 

5.3.3 Zum Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) 
hielt die Gutachterin fest, die Beschwerdeführerin lebe mit ihrer Familie in 
einer 4.5-Zimmerwohnung. Finanziell werde sie vom Ehemann unterstützt. 
Die Partnerschaft werde als gut beschrieben, sie fühle sich vom Ehemann 
gut unterstützt. Auch der ältere Sohn helfe ihr sehr viel. Sie habe in der 
Schweiz Bekannte, sowohl … als auch …. Derzeit habe sie eher wenig 
Kontakt zu diesen, welche aber Verständnis für ihre Situation hätten. Sie 
sehe fern, liege gerne auf dem Balkon und bei besserer Konzentration lese 
und koche sie gerne. Letztes Jahr sei sie in der … in den Ferien gewesen 
(AB 107.3 S. 6 Ziff. 3.2). Insbesondere unter Berücksichtigung des Um-
standes, dass Dr. med. D.________ die Einbindung und Unterstützung 
durch die Familie explizit als Ressource bezeichnete (AB 107.3 S. 11 
Ziff. 7.1; vgl. Beschwerde S. 10 Ziff. 34), ist zwar von einem relativen, aber 
nicht ausgeprägten sozialen Rückzug auszugehen. Vielmehr hält das sozi-
ale Umfeld durchaus gewisse Ressourcen bereit. Inwiefern durch die 
Berücksichtigung der familiären Ressourcen das Recht auf Familienleben 
gemäss Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; 
SR 0.101) verletzt werden soll (Beschwerde S. 10 Ziff. 34), ist nicht nach-
vollziehbar.

5.4 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie „Konsistenz“. Dar-
unter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 
S. 303).

5.4.1 Zum Indikator der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 
S. 303 f.) bemerkte die Expertin keine Diskrepanzen (vgl. AB 107.3 S. 11 
Ziff. 7.3).

5.4.2 Was den Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304) anbe-
langt, erfolgten bisher nur sporadisch ambulant psychiatrische Behandlun-
gen ohne psychopharmakologische Therapie. Die Therapiemöglichkeiten 
sind daher bei weitem nicht ausgeschöpft (vgl. AB 107.3 S. 15 Ziff. 8). Erst 
nach Erlass des Vorbescheides, mithin möglicherweise durch das laufende 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 26

Versicherungsverfahren beeinflusst, wurde die Beschwerdeführerin nun für 
einen stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik angemeldet 
(AB 159 S. 3) bzw. unterzog sie sich einer stationären Behandlung in der 
Klinik I.________ (vgl. AB 170). 

5.5 In der Gesamtbetrachtung sind die geltend gemachten funktionel-
len Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beeinträchti-
gung anhand der Standardindikatoren daher nicht überwiegend wahr-
scheinlich erstellt, weshalb das Vorliegen eines invalidisierenden psychi-
schen Gesundheitsschadens zu verneinen ist. Vor diesem Hintergrund ist 
auf die psychiatrisch attestierte Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Optik 
nicht abzustellen.

In somatischer Hinsicht ist nach dem in E. 4.4.2 hiervor Dargelegten er-
stellt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der bisherigen 
Tätigkeit seit Oktober 2017 aufgehoben ist. In einer angepassten Tätigkeit 
(vgl. zum Zumutbarkeitsprofil AB 107.2 S. 11 Ziff. 8) besteht eine 
vollständige Arbeitsfähigkeit mit Ausnahme für die Zeiträume von Oktober 
2017 bis Ende Februar 2018 sowie vom 17. April 2019 bis Mitte August 
2019, während derer als Folge der Operationen eine vollständige 
Arbeitsunfähigkeit bestand (AB 107.1 S. 8 Ziff. 4.8). Gestützt auf diese so-
matischen Einschränkungen ist nachfolgend die Invaliditätsbemessung 
vorzunehmen.

6.

6.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 27

6.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) 
herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 
168 E. 3.2). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte 
Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im 
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren 
Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit 
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand 
ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 
322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in 
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von 
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten 
Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, 
Nationalität/Aufenthalts-kategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss 
sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach 
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf 
insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 
134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten 
ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen 
Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht 
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und 
so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen 
(BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

6.3 Wird auf Tabellenlöhne abgestellt, sind grundsätzlich immer die im 
Zeitpunkt des angefochtenen Verwaltungsaktes aktuellsten statistischen 
Daten zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297; SVR 2020 IV Nr. 70 
S. 244 E. 4.1).

6.4 Unter Berücksichtigung der Neuanmeldung vom September 2018 
(AB 57) fiele der frühestmögliche Zeitpunkt eines allfälligen Rentenbeginns 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 28

grundsätzlich auf März 2019 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 
IVG), womit ein erster Einkommensvergleich auf diesen Zeitpunkt hin 
durchzuführen ist. Die aufgrund der Operation vom 17. April bis Mitte Au-
gust 2019 resultierende Phase der vollständigen Arbeitsunfähigkeit stellt 
einen Revisionsgrund dar, welcher ab Juli 2019 zu berücksichtigen ist (vgl. 
Art. 88a Abs. 2 IVV). Ebenso ist aufgrund der per Mitte August 2019 einge-
tretenen Verbesserung ein Einkommensvergleich vorzunehmen (vgl. 
Art. 88a Abs. 1 IVV).

6.5 Was das Valideneinkommen betrifft, stellte die Beschwerdegegnerin 
auf das zuletzt in den Jahren 2017 und 2018 als … in einem 100%-Pensum 
im … des Ehemannes erzielte Einkommen ab, welches Fr. 44'300.-- betrug 
(vgl. AB 71, 75 S. 4 Ziff. 2.12, 78.2 f., 108 S. 2 Ziff. 1). Dies ist nicht zu be-
anstanden und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten.

Da die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet, stellte 
die Beschwerdegegnerin zur Bestimmung des Invalideneinkommens zu 
Recht auf Tabellenlöhne ab. Daraus resultiert gestützt auf die LSE 2018 
(vgl. E. 7.3 hiervor), Tabelle TA1_tirage_skill_level, Total, Frauen, Kompe-
tenzniveau 1, indexiert pro 2019 (gemäss Tabelle T1.2.10, Nominallohnin-
dex, Frauen, 2011-2021, Total, 2018: 105.9, 2019: 107.0), angepasst an 
die betriebsübliche Wochenarbeitszeit (vgl. Tabelle „Betriebsübliche 
Wochenarbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche“ des 
BFS, Total), für das Jahr 2019 ein Invalideneinkommen von Fr. 55'249.20 
(Fr. 4'371.-- x 12 / 40 x 41.7 / 105.9 x 107.0).

6.6 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 44'300.-- und einem Invali-
deneinkommen von Fr. 55'249.20 resultiert ab März 2019 ein Invaliditäts-
grad von 0 %, womit kein Rentenanspruch besteht. 

Infolge der vollständigen Arbeitsunfähigkeit vom 17. April bis Mitte August 
2019 hat die Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2019 Anspruch auf eine ganze 
Rente (vgl. Art. 88a Abs. 2 IVV).

Aufgrund der ab Mitte August 2019 eingetretenen Verbesserung (100%ige 
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit; vgl. E. 5.5 hiervor) beläuft 
sich der IV-Grad bei einem Valideneinkommen von Fr. 44'300.-- und einem 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 29

Invalideneinkommen von Fr. 55'249.20 erneut auf 0 %, womit ab Dezember 
2019 kein Rentenanspruch mehr besteht (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV). 

7.

Die angefochtene Verfügung vom 11. Juni 2021 (AB 167) erweist sich da-
mit als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

8.

8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss in 
gleicher Höhe entnommen.

8.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 30

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Nov. 2022, IV/21/568, Seite 31

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.