# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c19bd22-e91d-5e79-8e8d-2dbc4b52a2eb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 C-2954/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2954-2009_2011-11-07.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung III
C­2954/2009

U r t e i l   v om   7 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz),
Richter Antonio Imoberdorf, Richter Andreas Trommer,
Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer.

Parteien 1. A.X._______, 
2. B.X._______, 
beide vertreten durch lic. iur. Claudia Zumtaugwald, 
Rechtsanwältin, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Einreiseverbot.

 

C­2954/2009

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Der  aus  dem Kosovo  stammende Beschwerdeführer  (geb.  1973)  stellte 
am 29. September  1997  ein  erstes Asylgesuch,  das mit  unangefochten 
gebliebener  Verfügung  vom  6.  November  1997  des  damaligen 
Bundesamtes  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  unter  Anordnung  der 
Wegweisung  und  des  Wegweisungsvollzuges  abgewiesen  wurde.  Vom 
17.  Juli  1998  an  war  der  Beschwerdeführer  unbekannten  Aufenthaltes, 
bis er am 23. Oktober 1998 an einem bekannten Drogenumschlagplatz in 
Basel  festgenommen  wurde.  Am  28. Dezember  1998  ersuchte  er  ein 
zweites Mal  um Asyl. Gleichzeitig  stellte  seine Ehefrau  für  sich  und die 
drei Kinder ebenfalls Asylgesuche.

Das  BFF  trat  mit  Verfügung  vom  16.  August  2000  auf  das  zweite 
Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein.  Ebenfalls  am  16.  August 
2000  wurde  das  Asylgesuch,  das  die  Ehefrau  für  sich  und  ihre  Kinder 
gestellt  hatte,  abgewiesen.  Das  BFF  ordnete  in  beiden  Verfügungen 
zudem die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Gegen 
diese  Verfügungen  wurde  mit  separaten  Eingaben  vom  6.  September 
2000  Beschwerde  erhoben.  Auf  Vernehmlassungsstufe  kam  das 
Bundesamt  insoweit auf die beiden angefochtenen Verfügungen zurück, 
als  es  wegen  der  gesundheitlichen  Situation  eines  der  Kinder  die 
vorläufige  Aufnahme  der  mittlerweile  sechsköpfigen  Familie  wegen 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges anordnete.

B. 
Mit  Urteil  des  Kreisgerichts  (…)  vom  20.  Dezember  2000  wurde  der 
Beschwerdeführer  wegen  schwerer  Körperverletzung, 
Freiheitsberaubung,  Nötigung  und  unterlassener  Hilfeleistung  zu 
9 Monaten Gefängnis  auf  Bewährung mit  einer  Probezeit  von  3  Jahren 
verurteilt.  Aufgrund  dieses  Urteils  und  früherer  Bagatelldelikte  hob  das 
Bundesamt  die  dem  Beschwerdeführer  gewährte  vorläufige  Aufnahme 
mit Entscheid vom 23. März 2001 wieder auf. Diese Verfügung erwuchs 
unangefochten  in  Rechtskraft.  Vom  20.  April  2001  an  war  der 
Beschwerdeführer  erneut  unbekannten  Aufenthaltes,  bis  er  am 
22. August  2001  im  Kanton  Aargau  festgenommen  und  daraufhin  nach 
Pristina ausgeschafft wurde.

C. 
Am 15. Februar 2008 ersuchte der Beschwerdeführer zum dritten Mal um 
Asyl.  Mit  Verfügung  vom  10.  April  2008  trat  das  BFM  auch  auf  dieses 

C­2954/2009

Seite 3

Asylgesuch  nicht  ein,  wies  ihn  aus  der  Schweiz  weg  und  ordnete  den 
Vollzug  an.  Die  dagegen  am  17.  April  2008  vom  Beschwerdeführer, 
seiner  Ehefrau  und  den  vier  Kindern  beim  Bundesverwaltungsgericht 
erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 29. April 2008 abgewiesen, 
soweit darauf eingetreten wurde.

Vom  30.  April  2008  an  galt  der  Beschwerdeführer  wiederum  als 
verschwunden, bis er am 12. März 2009 am Wohnort seiner Ehefrau  im 
Kanton  Luzern  festgenommen  und  anschliessend  im  Kanton  Bern  in 
Ausschaffungshaft versetzt wurde.

D. 
Am  27.  April  2009  verhängte  die  Vorinstanz  gegenüber  dem 
Beschwerdeführer  ein  vom  2. Mai  2009  bis  1. Mai  2012  geltendes 
Einreiseverbot.  Gleichzeitig  entzog  sie  einer  allfälligen  Beschwerde  die 
aufschiebende Wirkung. Zur Begründung  führte sie aus, wegen  illegaler 
Einreise und illegalen Aufenthalts  liege ein schwerer Verstoss gegen die 
öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  vor  (vgl.  Art.  67  Abs.  1  Bst.  a 
Ausländergesetzes  vom  16.  Dezember  2005  [AuG,  SR  142.20],  in  der 
Fassung vom 16. Dezember 2005, vgl. AS 2007 5437).

Der  Beschwerdeführer  wurde  am  1.  Mai  2009  in  sein  Heimatland 
ausgeschafft.

E. 
In  seiner  Eingabe  vom  3.  Mai  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
(eingegangen am 8. Mai 2009) ersucht der Beschwerdeführer darum, das 
"Einreiseverbot  bis  auf  das  Maximum"  zu  kürzen.  Dabei  machte  er 
geltend, seine vier Kinder, darunter seine körperbehinderte Tochter, seine 
Eltern  sowie  seine  Geschwister  mit  ihren  Familien  lebten  hier  in  der 
Schweiz.

Mit  Eingabe  vom  27.  Mai  2009  wies  sich  die  Rechtsvertreterin  mit 
Vollmachten  des  Beschwerdeführers  und  dessen  Ehefrau  (nachfolgend 
Beschwerdeführerin) aus.

F. 
Mit Gesuch vom 23. Juni 2009 beantragte die Beschwerdeführerin beim 
Amt  für  Migration  des  Kantons  Luzern  die  Bewilligung  des 
Familiennachzugs (Einbezug  in die vorläufige Aufnahme) zugunsten des 
Beschwerdeführers.

C­2954/2009

Seite 4

G. 
Die Vorinstanz  schliesst  in  ihrer Vernehmlassung  vom 10. August  2009 
auf  Abweisung  der  Beschwerde,  da  das  öffentliche  Interesse  an  einer 
Fernhaltemassnahme vorliegend das private Interesse an einer künftigen 
ungehinderten Einreise in die Schweiz überwiege. Der Beschwerdeführer 
sei im Zusammenhang mit den Asylgesuchen regelmässig untergetaucht 
und habe behördlichen Anordnungen keine Folge geleistet. Zudem habe 
er  stets  klar  zu  erkennen  gegeben,  dass  er  die  Schweiz  unter  keinen 
Umständen  verlassen  werde  und  bei  seiner  in  der  Schweiz  lebenden 
Familie bleiben wolle. Die Vorinstanz wies darauf hin, dass bei Vorliegen 
wichtiger  Gründe  das  Einreiseverbot  auf  Gesuch  hin  vorübergehend 
aufgehoben werden könne.

H. 
Auf Antrag der Beschwerdeführer sistierte das Bundesverwaltungsgericht 
das vorliegende Verfahren mit Verfügung vom 2. Oktober 2009 bis  zum 
rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens betreffend Familiennachzug.

I. 
Am  5. Oktober  2009  reichte  die  Rechtsvertreterin  die  Kopie  einer  vom 
7. September  2009  datierten,  aber  ursprünglich  an  die  Vorinstanz 
adressierten Replik ein. Darin beantragt sie namens ihrer Mandanten die 
Aufhebung des Einreiseverbotes.

J. 
Im November  2009  reiste  der  Beschwerdeführer  trotz  des  bestehenden 
Einreiseverbotes  in  die  Schweiz  ein.  Am  30. Dezember  2009  wurde  er 
von der Kantonspolizei  Luzern  in der Wohnung der Beschwerdeführerin 
festgenommen. Mit  Strafverfügung  des Amtsstatthalteramts  Luzern  vom 
14. Januar  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  mehrfacher 
rechtswidriger  Einreise  und  mehrfachen  rechtswidrigen  Aufenthalts  zu 
einer  unbedingten  Freiheitsstrafe  von  110  Tagen  Gefängnis  verurteilt. 
Nach deren Verbüssung wurde er am 27. Februar 2010 ausgeschafft.

K. 
Die  Vorinstanz  lehnte  am  4. Januar  2010  das  Gesuch  um 
Familiennachzug  und  Einbezug  in  die  vorläufige  Aufnahme  ab.  Die 
daraufhin  eingereichte  Beschwerde  wurde  vom 
Bundesverwaltungsgericht  (Abteilung IV)  mit  Entscheid  vom  29. März 
2011  abgeschrieben,  da  das  BFM  inzwischen  seine  Zustimmung  zur 

C­2954/2009

Seite 5

Erteilung  von  Aufenthaltsbewilligungen  an  die  Beschwerdeführerin  und 
ihre Kinder erteilt hatte. 

L. 
Mit Verfügung vom 8. April 2011 teilte das Bundesverwaltungsgericht den 
Beschwerdeführern mit,  es  beabsichtige  die  Sistierung  aufzuheben  und 
das  Verfahren  wieder  aufzunehmen.  Von  der  Möglichkeit,  Stellung  zu 
nehmen, machten die Beschwerdeführer keinen Gebrauch.

M. 
Neben  den  Vorakten  zog  das  Bundesverwaltungsgericht  die  den 
Beschwerdeführer  betreffenden  Akten  des  Kantons  Bern  sowie  die 
Asylakten bei.

N. 
Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  entscheiderheblich,  in  den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR 
172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu 
gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung  eines  Einreiseverbotes 
eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges 
Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt 
nicht vor.

1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 
sich  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz,  soweit  das 
Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 

1.3. Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat ohne Weiteres zur 
Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf seine im Übrigen frist­ 
und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  49 ff. 
VwVG). Die Beschwerdeführerin hat zwar am vorinstanzlichen Verfahren 

C­2954/2009

Seite 6

nicht teilgenommen. Dies lag jedoch nicht an ihr, sondern an der Art, wie 
die  Verfahren  zum  Erlass  von  Einreiseverboten  durch  die  Vorinstanz 
geführt werden. Demnach erfüllt auch sie die Voraussetzung von Art. 48 
Abs. 1  Bst.  a  VwVG.  Da  bei  ihr  auch  die  anderen  Anforderungen  von 
Art. 48  Abs. 1  VwVG  gegeben  sind  und  die  übrigen  formellen 
Voraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auch  in  dieser  Hinsicht  auf  die 
Beschwerde einzutreten.

1.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  (vgl.  Art. 83 
Bst.  c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.5.  Die  am  2.  Oktober  2009  verfügte  Sistierung  des  Verfahrens  wird 
aufgehoben und das Verfahren wieder aufgenommen.

2. 
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung 
von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des 
Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  –  soweit  nicht  eine  kantonale 
Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit 
gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet 
das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4 
VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die 
Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen 
gutheissen oder abweisen. Massgebend  ist grundsätzlich die Sach­ und 
Rechtslage  zum Zeitpunkt  seines Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1 E.  2; 
BVGE 2007/41 E. 2).

3. 
Mit  Inkrafttreten  des  Ausländergesetzes  am  1.  Januar  2008  wurde  das 
Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der 
Ausländer  (ANAG, BS 1 121) abgelöst  (vgl. Art.  125 AuG  i.V.m. Ziffer  I 
des  Anhangs  2  zum  AuG).  Das  Ausländergesetz  ist  auf  alle  Verfahren 
anwendbar, die nach seinem Inkrafttreten eingeleitet wurden, sei es nun 
auf  Gesuch  hin  oder  von  Amtes  wegen  (vgl.  Art.  126  Abs.  1  AuG  e 
contrario;  ferner  BVGE  2008/1  E.  2  mit  Hinweisen).  Wenn  –  wie  im 
vorliegenden  Fall  –  bei  der  Anwendung  des  neuen  Rechts  auf 
Verhältnisse abgestellt wird, die zum Teil noch unter der Herrschaft des 
alten  Rechts  entstanden  sind  und  beim  Inkrafttreten  des  neuen Rechts 
andauern,  liegt  eine  unechte  Rückwirkung  vor,  die  –  vorbehältlich  des 

C­2954/2009

Seite 7

Vertrauensschutzprinzips  –  grundsätzlich  zulässig  ist  (vgl.  ULRICH 
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
6.  Aufl.,  Zürich/St.  Gallen  2010,  Rz.  337  ff.;  BVGE  2009/3  E.  3.2  mit 
Hinweis).

4. 
4.1.  Das  in  Art.  67  AuG  geregelte  Einreiseverbot  entspricht  der 
altrechtlichen Einreisesperre des Art. 13 ANAG. Auf den 1. Januar 2011 
trat  als  Folge  der  Weiterentwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  eine 
neue  Fassung  in  Kraft  (zum Ganzen  vgl.  BBl  2009  8881  und  AS  2010 
5925). Nach Art. 67 Abs. 1 AuG wird ein Einreiseverbot vom BFM unter 
Vorbehalt von Absatz 5 nun gegenüber weggewiesenen Ausländerinnen 
und Ausländern verfügt, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. 
a ­ c AuG sofort  vollstreckt wird  (Bst.  a)  oder  die  betroffene Person der 
Ausreiseverpflichtung nicht nachgekommen ist (Bst. b). Es kann nach Art. 
67 Abs. 2 AuG sodann gegen ausländische Personen erlassen werden, 
die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im 
Ausland  verstossen  haben  oder  diese  gefährden  (Bst.  a), 
Sozialhilfekosten  verursacht  haben  (Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­, 
Ausschaffungs­  oder  Durchsetzungshaft  genommen  werden  mussten 
(Bst.  c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer  von  höchstens  fünf 
Jahren verhängt. Es kann  für eine  längere Dauer verfügt werden, wenn 
die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche 
Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann 
die  verfügende  Behörde  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen 
Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein 
Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben  (Art. 67 Abs. 5 
AuG).

Die  bisher  bestehende  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von 
Fernhaltemassnahmen  ist  mit  den  obgenannten  Grundsätzen  vereinbar 
(vgl.  BBl  2009  8896  ad  Art.  67  Abs.  3  in  fine),  weswegen  sich  für  den 
Beschwerdeführer  im  Ergebnis  nichts  ändert  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  C­820/2009  vom  9.  März  2011  E.  5.1  mit 
Hinweis).

4.2. Wie  bereits  die  altrechtliche  Einreisesperre  ist  das  Einreiseverbot 
keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern eine Massnahme 
zur  Abwendung  einer  künftigen  Störung  der  öffentlichen  Sicherheit  und 
Ordnung  (siehe  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen 
und  Ausländer  vom  8.  März  2002  [nachfolgend:  Botschaft],  BBl  2002 

C­2954/2009

Seite 8

3709,  hier  3813).  Die  öffentliche  Sicherheit  und Ordnung  im  Sinne  von 
Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG (welcher der alten Fassung von Art. 67 Abs. 1 
Bst.  a  AuG  entspricht)  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der 
polizeilichen  Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die 
Unverletzlichkeit  der  objektiven  Rechtsordnung  und  der  Rechtsgüter 
Einzelner  (Botschaft,  a.a.O.,  3809;  vgl.  auch  RAINER  J. 
SCHWEIZER/PATRICK SUTTER/NINA WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], 
Sicherheits­ und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008, 
Teil B, Rz. 12 und 13 mit Hinweisen). In diesem Sinne liegt nach Art. 80 
Abs.  1  Bst.  a  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung, 
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen 
die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  unter  anderem  dann  vor,  wenn 
gesetzliche  Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  missachtet 
werden.  Widerhandlungen  gegen  Normen  des  Ausländerrechts  fallen 
ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und können als solche ein 
Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O., 3813).

5. 
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2000, 
als  er  sich  aufgrund  des  zweiten  Asylgesuches  in  der  Schweiz 
aufgehalten  hat,  straffällig  geworden  ist.  Dies  führte  zur  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  B).  In  fremdenpolizeilicher 
Hinsicht  ist  dem  Beschwerdeführer  vorzuwerfen,  dass  er  sich  nach 
Abweisung  seiner  drei  Asylgesuche  jeweils  nicht  an  die  gesetzlichen 
Vorschriften  gehalten  hat.  Er  kam  der  behördlichen  Anordnung,  die 
Schweiz  zu  verlassen,  nicht  nach,  tauchte  jeweils  unter  und  hielt  sich 
einige Zeit  illegal  in der Schweiz auf  (vgl. Sachverhalt Bst. A, B und C). 
Zwei  Mal  wurde  er  von  der  Polizei  aufgegriffen  und  musste  zur 
Durchsetzung  der  angeordneten  Wegweisung  ausgeschafft  werden. 
Aufgrund dieser Tatsachen und der vom Beschwerdeführer immer wieder 
geäusserten Absicht, dauerhaft bei seiner Familie in der Schweiz sein zu 
wollen,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  einer 
Fernhaltemassnahme  gegeben.  Zudem  hat  der  Beschwerdeführer 
deutlich  gemacht,  dass  er  nach  wie  vor  nicht  gewillt  ist,  sich  an  die 
Rechtsordnung zu halten. So  ist er unter Missachtung des bestehenden 
Einreiseverbots  unter  Vorweisung  ihm  nicht  zustehender  Dokumente 
(Pass und Visum)  im November 2009  in die Schweiz eingereist und hat 
sich bei seiner Familie aufgehalten (vgl. Sachverhalt Bst. J).

6. 

C­2954/2009

Seite 9

6.1.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  angeordnete  Massnahme  in  richtiger 
Ausübung des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz 
der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem 
Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem 
öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der 
Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  der  Betroffenen 
andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter, 
die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die 
persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den 
Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  HÄFELIN/  MÜLLER/ 
UHLMANN, a.a.O., Rz. 613 ff.).

6.2. Da der Beschwerdeführer behördlichen Verfügungen  (Wegweisung, 
Fernhaltemassnahme) keine Folge geleistet hat, muss er sich vorwerfen 
lassen, wiederholt und systematisch Bestimmungen missachtet zu haben, 
denen  für  das Funktionieren  der  ausländerrechtlichen Ordnung  zentrale 
Bedeutung zukommt. Sein Verhalten lässt erwarten, dass er sich auch in 
Zukunft  nicht  an  die  Anweisungen  der  Behörden  halten  wird.  Deshalb 
besteht  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  an  seiner  befristeten 
Fernhaltung.

6.3. Hinsichtlich der privaten Interessen verweist die Rechtsvertreterin auf 
die  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  die  vier  gemeinsamen 
minderjährigen Kinder,  darunter  seine  schwerbehinderte  Tochter,  in  der 
Schweiz  leben.  Für  den  ohnehin  visumspflichtigen  Beschwerdeführer 
stelle  das  Einreiseverbot  eine  weitere  Hürde  dar,  die  sich  vor  dem 
Hintergrund des Rechts  auf Achtung des Familienlebens gemäss Art.  8 
der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  bzw.  Art.  13 
Abs.  1  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
vom 18. April 1999 (BV, SR 101) nicht rechtfertige.

6.3.1. Zunächst  ist  hervorzuheben,  dass  allfällige  Einschränkungen  des 
Familienlebens  aufgrund  sachlicher  und  funktioneller  Zuständigkeit  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vorliegend  nicht  Verfahrensgegenstand  sein 
können, soweit sie auf das Fehlen eines dauerhaften Aufenthaltsrechts in 
der  Schweiz  zurückzuführen  sind  (vgl.  die  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts C­4509/2009 vom 7. Januar 2010 E. 7.3 mit 
Hinweisen).  Die  Pflege  regelmässiger  persönlicher  Kontakte  des 
Beschwerdeführers zur Ehefrau und den Kindern scheitert daher bereits 
am  fehlenden  Anwesenheitsrecht  in  der  Schweiz.  Somit  stellt  sich  im 

C­2954/2009

Seite 10

vorliegenden Verfahren lediglich die Frage, ob die über die Verweigerung 
des  Aufenthaltsrechts  hinausgehende,  durch  das  Einreiseverbot 
zusätzlich bewirkte Erschwernis vor Art. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts C­820/2009 vom 9. März 2011 E. 7.2).

6.3.2.  Da  der  Beschwerdeführer  über  kein  Aufenthaltsrecht  verfügt, 
könnte er  derzeit  nur  zu Besuchszwecken  in  die Schweiz  kommen. Die 
Aufhebung  des  Einreiseverbots  würde  demnach  leidglich  dazu  führen, 
dass  er  den  allgemeinen,  für  Staatsangehörige  des  Kosovo  geltenden 
Einreisebestimmungen  (insbesondere  der  Visumspflicht)  unterstünde 
(vgl.  Art.  4  Abs.  1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die 
Einreise und die Visumerteilung  [VEV, SR 142.204] mit Verweisung auf 
die Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001, die im 
Anhang I  eine  Liste  von  Drittländern  enthält  –  darunter  das Gebiet  des 
Kosovo – deren Staatsangehörige für den Schengenraum visumspflichtig 
sind). Der Beschwerdeführer könnte somit ohnehin nicht bewilligungsfrei 
in  die  Schweiz  einreisen.  Die Wirkungen  des  Einreiseverbots  bestehen 
zudem  nicht  darin,  ihm  während  dessen  Geltungsdauer 
Besuchsaufenthalte  bei  seiner  Familie  in  der  Schweiz  schlichtweg  zu 
untersagen.  Es  steht  ihm  vielmehr,  wie  die  Vorinstanz  in  ihrer 
Vernehmlassung  festhielt,  die Möglichkeit  offen,  aus wichtigen Gründen 
die  zeitweilige  Suspension  der  angeordneten  Fernhaltemassnehme  zu 
beantragen (vgl. Art. 67 Abs. 5 AuG).

Den geltend gemachten privaten Interessen des Beschwerdeführers kann 
im  dargelegten  Rahmen  Rechnung  getragen  werden.  Der  Kontakt  zu 
seiner  Ehefrau  und  seinen  mittlerweile  17­,  15­,  14­  und  11­jährigen 
Kindern kann überdies mittels moderner Kommunikationsmittel und – da 
die  in  der  Schweiz  lebenden  Familienmitglieder  inzwischen  über 
Aufenthaltsbewilligungen verfügen – grundsätzlich mittels Besuchen beim 
Beschwerdeführer  im Kosovo gepflegt werden.  Zwar  trifft  dies  in Bezug 
auf die behinderte Tochter nicht  in vollem Umfang zu. Diesem Umstand 
wird  jedoch  von  der  Vorinstanz  bei  der  Beurteilung  allfälliger 
Suspensionsgesuche Rechnung zu  tragen sein. Es  ist demzufolge nicht 
ersichtlich,  inwiefern  das  Einreiseverbot,  das  in  erster  Linie  eine 
administrative  Erschwernis  darstellt,  einen  rechtfertigungsbedürftigen 
Eingriff  in  das  von  Art.  8  EMRK  bzw.  Art. 13  Abs.  1  BV  geschützte 
Familienleben  darstellen  könnte,  wie  die  Beschwerdeführenden  geltend 
machen.

C­2954/2009

Seite 11

6.4. Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen 
führt  das Bundesverwaltungsgericht  daher  zu Schluss,  dass die  für  drei 
Jahre  verhängte  Fernhaltemassnahme  eine  verhältnismässige  und 
angemessene  Massnahme  zu  Schutze  der  öffentlichen  Sicherheit  und 
Ordnung darstellt.

7. 
7.1. Wird gegen eine Person, die nicht Angehörige eines Staates ist, der 
durch  eines  der  Schengen­Assoziierungsabkommen  gebunden  ist  (vgl. 
Anhang 1 Ziffer  1 AuG),  ein Einreiseverbot  nach Art.  67 AuG verhängt, 
wird  diese  Person  gestützt  auf  Art.  94  Abs.  1  und  Art.  96  des 
Übereinkommens  vom  19.  Juni  1990  zur  Durchführung  des 
Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen Abbau  der Kontrollen  an 
den gemeinsamen Grenzen (Schengener Durchführungsübereinkommen 
[SDÜ], Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19­62) und Art. 16 Abs. 2 
und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13.  Juni  2008  über  die  polizeilichen 
Informationssysteme  (BPI,  SR  361)  grundsätzlich  im  Schengener 
Informationssystem  ([SIS],  vgl.  dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur 
Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Eine solche Ausschreibung einer 
Person  im  SIS  zur  Einreiseverweigerung  aufgrund  einer  vom  BFM 
verhängten  Fernhaltemassnahme  bewirkt,  dass  ihr  die  Einreise  in  das 
Hoheitsgebiet der Schengen­Mitgliedstaaten verweigert wird (vgl. Art. 13 
Abs.  1  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  über  einen 
Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen 
[Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1­
32]).

7.2.  Der  Beschwerdeführer  ist  nicht  Bürger  eines  Schengenstaates, 
weshalb das fragliche Einreiseverbot  im SIS ausgeschrieben wurde (Art. 
96  SDÜ).  Überdies  verfügt  der  Beschwerdeführer  weder  über  ein 
Aufenthaltsrecht  in  einem  Schengenstaat  noch  wurde  die  Schweiz  von 
einer anderen Vertragspartei im Rahmen von Art. 25 SDÜ konsultiert (vgl. 
hierzu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­20/2010 vom 12. Oktober 
2010 E. 6.2.1). Die Ausschreibung  im SIS erfolgte daher zu Recht, was 
auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird.

8. 
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im 
Lichte  von Art.  49 VwVG nicht  zu  beanstanden  ist. Die Beschwerde  ist 
somit abzuweisen. 

C­2954/2009

Seite 12

9. 
Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den 
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs.1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. 
des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

(Dispositiv S. 12)

C­2954/2009

Seite 13

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschuss verrechnet.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführenden (Einschreiben)
– die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] und […] zurück)
– das Migrationsamt des Kantons Luzern

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Barbara Kradolfer

Versand: