# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ca91cff-19e7-53ef-85f3-d4e867d99184
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 10.05.2022 SBK.2022.149
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2022-149_2022-05-10.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2022.149 / va
(HA.2022.172)
Art. 154

Entscheid vom 10. Mai 2022

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichter Egloff
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führer

A._____, […]
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Peter Steiner,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Baden,
Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG

Anfechtungs-
gegenstand

Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom
13. April 2022 betreffend die Verlängerung der Ersatzmassnahmen

in der Strafsache gegen A._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
1.1.
Am 5. Juni 2021 meldete die Ehefrau des Beschwerdeführers (B.) der Ein-
satzzentrale der Kantonspolizei Aargau einen Vorfall häuslicher Gewalt sei-
tens des Beschwerdeführers ihr und der gemeinsamen Tochter C. gegen-
über. Der Beschwerdeführer wurde deswegen am 6. Juni 2021 vorläufig
festgenommen.

1.2.
Mit Verfügung vom 10. Juni 2021 versetzte das Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Aargau den Beschwerdeführer bis zum 6. September
2021 in Untersuchungshaft. Am 28. Juli 2021 wurde er daraus entlassen.
Gleichzeitig ordnete das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau
Ersatzmassnahmen (u.a. ein Kontakt- und Annäherungsverbot) für die
Dauer von drei Monaten an. Am 31. August 2021 wies es den Antrag auf
Aufhebung des Kontakt- und Annäherungsverbots ab. Mit Verfügung vom
20. Oktober 2021 verlängerte es die bestehenden Ersatzmassnahmen um
drei weitere Monate bis zum 19. Januar 2022.

1.3.
Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 14. Dezember 2021 Anklage ge-
gen den Beschwerdeführer wegen versuchter vorsätzlicher Tötung (evtl.
Gefährdung des Lebens), Drohung und einfacher Körperverletzung zum
Nachteil seiner Ehefrau sowie mehrfachen Tätlichkeiten zum Nachteil sei-
ner Ehefrau und der gemeinsamen Tochter.

1.4.
Mit Verfügung vom 4. Januar 2022 wies das Zwangsmassnahmengericht
des Kantons Aargau einen Antrag des Beschwerdeführers auf Aufhebung
des Kontakt- und Annäherungsverbots vom 20. Dezember 2021 ab (Dispo-
sitiv-Ziff. 1), untersagte dem Beschwerdeführer bis zum 4. Februar 2022
das Stellen eines weiteren Aufhebungsgesuchs und verlängerte die beste-
henden Ersatzmassnahmen bis zum 19. April 2022. Die Beschwerdekam-
mer in Strafsachen des Obergerichts wies eine vom Beschwerdeführer
hiergegen erhobene Beschwerde mit Entscheid SBK.2022.15 vom 2. März
2022 ab. Gegen diesen Entscheid ist eine Beschwerde beim Bundesgericht
anhängig.

2.
2.1.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden beantragte am 7. April 2022
beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau die Verlängerung
der mit Verfügung vom 28. Juli 2021 angeordneten Ersatzmassnahmen bis
zum 27. Mai 2022.

- 3 -

2.2.
Der Beschwerdeführer beantragte mit Stellungnahme vom 11. April 2022
(unter Kosten- und Entschädigungsfolgen) die Abweisung dieses Antrags.

2.3.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau verlängerte die mit
Verfügung vom 28. Juli 2021 angeordneten Ersatzmassnahmen (unter
Ausklammerung der Verpflichtung, eine Gewaltberatung zu absolvieren)
mit Verfügung vom 13. April 2022 wie folgt bis zum 27. Mai 2022:

" 1.
Dem Beschuldigten wird unter Strafandrohung von Art. 292 StGB verbo-
ten, mit B., geb. […], sowie den gemeinsamen Kindern (E., geb. […], und
F., geb. […]) in irgendeiner Form (persönlich / telefonisch / per Internet
usw.) Kontakt aufzunehmen und sich diesen auf eine Distanz von weniger
als 100 Metern zu nähern.

2.
Der Beschuldigte wird unter Strafandrohung von Art. 292 StGB verpflichtet,
sich alle zwei Wochen bei der Kantonspolizei Aargau, Polizeiposten Ba-
den, Ländliweg 2, 5400 Baden, persönlich zu melden.

3.
Die Staatsanwaltschaft Baden wird für berechtigt erklärt, dem Beschuldig-
ten alle Reisepapiere (Reisepass, Identitätskarte, etc.) abzunehmen."

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 25. April 2022 Beschwerde
gegen die ihm am 19. April 2022 zugestellte Verfügung. Er stellte folgende
Anträge:

" 1.
 Die Verfügung vom 13. April 2022 sei aufzuheben.

 2.
 Das in Ziffer 1.1. der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts vom

28. Juli 2021 verfügte Kontakt- und Annäherungsverbot sei aufzuheben.

 3.
 Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."

3.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau und die Staatsan-
waltschaft Baden teilten mit Eingaben vom 2. und 3. Mai 2022 mit, unter
Hinweis auf die Begründung des angefochtenen Entscheids auf eine Ver-
nehmlassung zu verzichten.

- 4 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
Der Beschwerdeführer ist berechtigt, die Verfügung des Zwangsmassnah-
mengerichts des Kantons Aargau vom 13. April 2022, mit welcher gegen
ihn laufende Ersatzmassnahmen verlängert wurden, mit Beschwerde an-
zufechten (Art. 237 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 222 StPO; Art. 393 Abs. 1 lit. c
StPO). Auf seine frist- und formgerecht erhobene Beschwerde (Art. 396
Abs. 1 StPO; Art. 385 Abs. 1 StPO) ist (unter Vorbehalt nachfolgenden Ab-
satzes) einzutreten.

Wenngleich der Beschwerdeführer in Beschwerde-Antrag Ziff. 1 die Aufhe-
bung der Verfügung vom 13. April 2022 beantragt, ergibt sich aus der Be-
gründung und dem (als Hauptbegehren und nicht als Eventualbegehren
formulierten) Beschwerde-Antrag Ziff. 2, dass es dem Beschwerdeführer
nur um die Nichtverlängerung des Kontakt- und Annäherungsverbots geht.
Soweit er entgegen dem Gesagten auch die Verlängerung der übrigen Er-
satzmassnahmen anfechten wollte, wäre darauf mangels entsprechender
Begründung (vgl. hierzu insbesondere Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO) ohne
Weiteres nicht einzutreten.

2.
Was die allgemeinen theoretischen Grundlagen anbelangt, nach denen die
Zulässigkeit von Ersatzmassnahmen i.S.v. Art. 237 StPO (wie das hier
massgebliche Kontakt- und Annäherungsverbot) zu beurteilen sind, kann
auf die zutreffenden Erwägungen des Zwangsmassnahmengerichts des
Kantons Aargau verwiesen werden (Verfügung vom 13. April 2022 E. 3).

3.
3.1.
Wurde gegen einen in Haft befindlichen Angeschuldigten Anklage erhoben,
so kann der Haftrichter in der Regel davon ausgehen, dass die allgemeine
Haftvoraussetzung des dringenden Tatverdachts gegeben ist. Davon wäre
ausnahmsweise abzuweichen, wenn der Angeschuldigte im Haftprüfungs-
oder Haftbeschwerdeverfahren darzutun vermöchte, dass die Annahme ei-
nes dringenden Tatverdachts unhaltbar ist (Urteil des Bundesgerichts
1B_283/2016 vom 26. August 2016 E. 3). Nichts anderes kann gelten,
wenn es (wie vorliegend) einzig um im Verhältnis zur Haft mildere Ersatz-
massnahmen geht.

3.2.
3.2.1.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden verwies in ihrem Verlänge-
rungsgesuch zum dringenden Tatverdacht auf die am 14. Dezember 2021
erhobene Anklage u.a. wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, ev. Gefähr-
dung des Lebens. Diesbezüglich sei in Beachtung der bundesgerichtlichen

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Rechtsprechung ein dringender Tatverdacht ohne Weiteres zu bejahen, zu-
mal dies nicht unhaltbar sei.

3.2.2.
Der Beschwerdeführer bestritt mit Stellungnahme vom 11. April 2022 das
Vorliegen eines dringenden Tatverdachts trotz Anklage mit der Unhaltbar-
keit der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Die ihn belastenden Aussagen sei-
ner Ehefrau vom 6. Juni 2021 seien wegen Verletzung seines Teilnahme-
rechts nicht verwertbar. Anlässlich der parteiöffentlichen Einvernahme
habe seine Ehefrau ihre anfänglichen Vorwürfe nicht bestätigt. Vielmehr
habe sie am 18. Januar 2022 durch ihren Rechtsvertreter den Rückzug
sämtlicher Strafanträge und ihr Desinteresse an der Weiterführung des
Strafverfahrens gegen ihn erklärt und mitteilen lassen, dass sie keine ihn
belastenden Aussagen machen bzw. von ihrem Zeugnisverweigerungs-
recht Gebrauch machen werde. Auch habe sie auf ihre Parteistellung und
eine getrennte Anhörung anlässlich der Hauptverhandlung verzichtet und
ihre Privatklage zurückgezogen.

3.2.3.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau folgte der Sicht-
weise der Präsidentin des Bezirksgerichts Baden. Über die Verwertbarkeit
der Einvernahmen werde das Sachgericht zu befinden haben. Die Aussa-
gen der Ehefrau des Beschwerdeführers seien zudem nicht die einzigen
Beweismittel (Verfügung vom 13. April 2022 E. 4.1).

3.2.4.
Der Beschwerdeführer verwies mit Beschwerde auf seine Eingabe vom
11. April 2022 (vgl. vorstehende E. 3.2.2) bzw. wiederholte seine damaligen
Ausführungen. Ein dringender Tatverdacht lasse sich nicht mit Aussagen
begründen, die "offensichtlich und mit grösster Wahrscheinlichkeit" unver-
wertbar seien. Dass diese Aussagen nicht das einzige Beweismittel seien,
treffe offensichtlich nicht zu. Belegt seien höchstens der Zustand bzw. die
Verletzungen seiner Ehefrau, nicht aber (was für die Bejahung eines drin-
genden Tatverdachts zwingend wäre), dass er damit etwas zu tun habe.

3.3.
Abgesehen von den von der Staatsanwaltschaft Baden am 6. Juni 2022
durch Befragung der Ehefrau des Beschwerdeführers erhobenen Bewei-
sen, die der Beschwerdeführer für offensichtlich unverwertbar hält, gibt es
noch weitere konkrete Hinweise für zumindest einige der zur Anklage ge-
brachten Tatvorwürfe. Namentlich ist darauf hinzuweisen, dass die Ehefrau
des Beschwerdeführers am 5. Juni 2021 einen Vorfall häuslicher Gewalt
meldete. Bei ihrer deswegen am 6. Juni 2020 durchgeführten rechtsmedi-
zinischen Untersuchung wurden Zeichen mehrfacher stumpfer Gewaltein-
wirkung auch gegen den Kopf festgestellt, die sich zwanglos dem Ereignis
zuordnen liessen. Eine konkrete Lebensgefahr wurde u.a. aufgrund von

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Befunden am Hals und festgestellten Stauungsblutungen im rechten Trom-
melfell und an den Augenlidern bejaht (vgl. hierzu Entscheid der Beschwer-
dekammer in Strafsachen des Obergerichts SBK.2022.15 vom 2. März
2022 E. 4.3.2.2).  Von daher ist es, auch wenn man die Aussagen der Ehe-
frau des Beschwerdeführers vom 6. Juni 2021 gänzlich unberücksichtigt
lässt, in Berücksichtigung der erhobenen Anklage nicht unhaltbar, einen
dringenden Tatverdacht (in Bezug auf die in vorstehender E. 3.2.1 genann-
ten Straftatbestände bzw. darauf, dass der Beschwerdeführer für die bei
seiner Ehefrau kurz nach der beanzeigten Auseinandersetzung festgestell-
ten Verletzungen sowie die ärztlicherseits festgestellte konkrete Lebensge-
fahr verantwortlich sein könnte) weiterhin zu bejahen, der jedenfalls ausrei-
chend ist, um eine allfällige Verlängerung der hier in Frage stehenden Er-
satzmassnahmen bis zum 27. Mai 2022 zu rechtfertigen. Dies nicht zuletzt
auch deshalb, weil der Beschwerdeführer den Vorfall vom 5. Juni 2022
nicht an sich bestreitet, sondern einzig dessen Schwere (er will seine Ehe-
frau einzig "geschoben" haben [Entscheid der Beschwerdekammer in Straf-
sachen des Obergerichts SBK.2022.15 vom 2. März 2022 E. 4.3.2.3]), was
angesichts dessen, dass derzeit eine alternative Erklärung für die festge-
stellten Verletzungen seiner Ehefrau noch nicht einmal ansatzweise aus-
zumachen ist, nicht überzeugend wirkt. Auch ist zwischenzeitlich eine ei-
gentliche Entkräftung des dringenden Tatverdachts (wie er sich ganz am
Anfang präsentierte) nicht eingetreten. Vielmehr besteht unbesehen davon,
dass die Ehefrau des Beschwerdeführers am 18. Januar 2022 erklärte,
nach "reiflicher Überlegung" keine weiteren – den Beschwerdeführer be-
lastenden – Aussagen, sondern von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Ge-
brauch machen zu wollen, durchaus die Möglichkeit, dass sie sich noch
anders besinnt. Dass sie nach der anfänglichen Anzeige den Beschwerde-
führer aktuell nicht mehr belasten will, ist derzeit nämlich keinesfalls zwin-
gend als Hinweis darauf zu verstehen, dass ihre Anzeige falsch oder auch
nur übertrieben gewesen wäre bzw. dass sie "die Sache" nun (weil an sich
harmlos) als erledigt betrachten will, sondern (gerade bei häuslicher Gewalt
nicht atypisch) mutmasslich vielmehr so, dass sie sich in einem durch einen
Interessenszwiespalt massgeblich mitverursachten emotional ambivalen-
tem Zustand befindet und sich deshalb in einer von aussen betrachtet nur
schwer nachvollziehbaren Weise verhält.

Von daher ist es entgegen der Beschwerde nicht zu beanstanden, dass das
Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau unter Hinweis auf die be-
reits erhobene Anklage und andere (als die von der Staatsanwaltschaft Ba-
den mit Einvernahme der Ehefrau des Beschwerdeführers am 6. Juni 2021
erhobenen) Beweise einen dringenden Tatverdacht (wie oben dargelegt)
bejahte.

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4.
4.1.
4.1.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau prüfte von den von
der Präsidentin des Bezirksgerichts Baden in ihrem Verlängerungsgesuch
geltend gemachten besonderen Haftgründen der Wiederholungs- und Kol-
lusionsgefahr einzig Letztere. Was die diesbezüglichen theoretischen
Grundlagen anbelangt, kann auf E. 4.2.1 der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden.

Im Weiteren führte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau
in seiner E. 4.2.4 aus, dass das Bezirksgericht Baden die Ehefrau des Be-
schwerdeführers zur Hauptverhandlung vorgeladen und damit zum Aus-
druck gebracht habe, diesen Personalbeweis selber nochmals erheben zu
wollen. Gerade in einer Konstellation wie vorliegend, in der widersprüchli-
che Aussagen der Ehefrau des Beschwerdeführers vorlägen, sei es für eine
korrekte Beweiswürdigung wichtig, dass sich das Bezirksgericht Baden ein
Bild einer unbeeinflussten Zeugin machen könne. Bei Aufhebung der Er-
satzmassnahmen wäre ernstlich zu befürchten, dass der Beschwerdefüh-
rer mit seiner Ehefrau in Kontakt treten und versuchen könnte, auf sie ein-
zuwirken. Dass seine Ehefrau anwaltlich vertreten sei, ihr Desinteresse er-
klärt und angekündigt habe, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Ge-
brauch machen zu wollen, sei irrelevant, weil das Bezirksgericht Baden die
Ehefrau des Beschwerdeführers in Kenntnis dieser Umstände vorgeladen
habe. In Anbetracht der engen persönlichen Beziehung des Beschwerde-
führers zu seiner Ehefrau und der Schwere der Vorwürfe sei Kollusionsge-
fahr daher weiterhin zu bejahen.

4.1.2.
Der Beschwerdeführer brachte hiergegen mit Beschwerde (auch mit Ver-
weis auf seine Stellungnahme gegenüber dem Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Aargau vom 11. April 2022) vor, dass überhaupt keine
rechtsrelevanten belastenden Aussagen seiner Ehefrau vorlägen und
diese im Gegenteil wünsche, mit ihm zusammenleben zu dürfen. Aufgrund
der von ihr bzw. ihrem Rechtsvertreter am 18. Januar 2022 abgegebenen
Erklärungen könne nunmehr (nach Abschluss der Strafuntersuchung)
keine Kollusionsgefahr mehr bestehen. Ansonsten müsste in allen Fällen
noch bis zum Berufungsverfahren Kollusionsgefahr angenommen werden,
da rein theoretisch noch vor Obergericht eine Änderung des Aussagever-
haltens möglich sei. Dass seine Ehefrau anwaltlich vertreten sei und am
18. Januar 2022 ihr Desinteresse erklärt und angekündigt habe, von ihrem
(ihr auch zustehenden) Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu
wollen, sei nicht irrelevant.

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4.2.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermögen die überzeugenden
Erwägungen des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau zur
Kollusionsgefahr nicht zu relativieren. Dass nach dem in E. 3.3 Ausgeführ-
ten weiterhin davon auszugehen ist, dass sich die Ehefrau des Beschwer-
deführers in einem mutmasslich durch einen Interessenszwiespalt mitver-
ursachten, emotional ambivalentem Zustand befindet, lässt befürchten,
dass sie Beeinflussungsversuchen des Beschwerdeführers, mit welchen
bei Aufhebung des Kontakt- und Annäherungsverbots ohne Weiteres zu
rechnen wäre, zugänglich wäre bzw. diesen wenig entgegenzusetzen
hätte. Wenn der Beschwerdeführer bei der Eröffnung seiner Festnahme am
7. Juni 2021 ausführte, dass es schön wäre, wenn die Eltern seiner Ehefrau
von den Vorwürfen wüssten, dass er deshalb bereits mit seinem Schwie-
gervater telefoniert habe und dass dieser ihm versprochen habe, mit seiner
Ehefrau darüber zu reden, weshalb er sich erhoffe, dass sich sein Schwie-
gervater mit ihm verbünde und entsprechend Einfluss auf seine Ehefrau
nehme (vgl. hierzu Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen des
Obergerichts SBK.2022.15  vom 2. März 2022 E. 4.3.2.3), veranschaulicht
er selbst, mit was bei einer Aufhebung des Kontakt- und Annäherungsver-
bots konkret zu rechnen wäre bzw. was mit diesen Ersatzmassnahmen ge-
rade verhindert werden soll. Der Umstand, dass seine Ehefrau anwaltlich
vertreten ist und mit Schreiben vom 18. Januar 2022 verschiedene Erklä-
rungen abgab, ändert hieran nichts, zumal der durchaus wichtige Hinter-
grund dieser einzig mit "reiflichen Überlegungen" begründeten Erklärungen
gänzlich im Dunkeln bleibt. Zwar ist es an sich richtig, dass Kollusionsge-
fahr entsprechend dem Fortgang der Untersuchung tendenziell eher ab-
nimmt. Gerade der Umstand, dass auf die Aussagen der Ehefrau des Be-
schwerdeführers bei ihrer Einvernahme vom 6. Juni 2021 womöglich nicht
abzustellen ist, betont aber die Wichtigkeit der geplanten Einvernahme der
Ehefrau des Beschwerdeführers durch das Bezirksgericht Baden, weshalb
die Ehefrau des Beschwerdeführers vorgängig bestmöglich vor (auch jetzt
noch ohne Weiteres erfolgsversprechend möglichen) Kollusionsversuchen
des Beschwerdeführers möglichst jeglicher Art zu schützen ist.

5.
5.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau führte zur Verhält-
nismässigkeit des hier strittigen Kontakt- und Annäherungsverbots aus,
dass dieses geeignet und erforderlich sei, um der festgestellten Kollusions-
gefahr zu begegnen. Auch im Hinblick darauf, dass die Staatsanwaltschaft
Baden eine Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren beantragt habe, sei eine Verlän-
gerung der Ersatzmassnahmen bis zum 27. Mai 2022 verhältnismässig,
ohne dass deswegen die Unschuldsvermutung verletzt bzw. ein Schuld-
spruch "vorprogrammiert" sei.

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5.2.
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer sich hierzu mit Be-
schwerde nicht äusserte, kann ohne Weiteres auf diese Erwägungen des
Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau verwiesen werden, die
nicht zuletzt auch in Beachtung der nach wie vor aktuellen Ausführungen
der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts (mit Entscheid
SBK.2022.15 vom 2. März 2022 in E. 5) in keiner Weise zu beanstanden
sind.

5.3.
Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet, weshalb sie abzuwei-
sen ist. Ob sich die Verlängerung des Kontakt- und Annäherungsverbots
auch mit der von der Präsidentin des Bezirksgerichts Baden geltend ge-
machten Wiederholungsgefahr begründen liesse, kann bei diesem Ergeb-
nis mit dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau offenbleiben.

6.
6.1.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
des Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO), weshalb die Kos-
ten dieses Beschwerdeverfahrens dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen sind.

6.2.
Die dem amtlichen Verteidiger des Beschwerdeführers für das vorliegende
Beschwerdeverfahren auszurichtende Entschädigung ist am Ende des
Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz festzulegen
(Art. 135 Abs. 2 StPO).

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 73.00, zusammen
Fr. 1'073.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

- 10 -

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 10. Mai 2022

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard

	3.2.
	3.3.