# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 248a7e73-fb7f-54fe-815c-8f0695ea9eed
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-02-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.02.2018 SK 2017 132
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-132_2018-02-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 17 132

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. Februar 2018 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Oberrichterin Bratschi, Ober-
richter Schmid
Gerichtsschreiber Bruggisser

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

 

und

C.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Schändung, Hausfriedensbruch, Widerhandlung gegen das 
Betäubungsmittelgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 8. Februar 2017 (PEN 2015 870)

2

Inhaltsverzeichnis

I. Formelles .......................................................................................................................4

1. Erstinstanzliches Urteil............................................................................................4

2. Berufung..................................................................................................................5

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen....................................................................6

4. Opferschutzmassnahmen .......................................................................................6

5. Anträge der Parteien...............................................................................................7

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer................................................9

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung................................................................................9

7. Vorwurf gemäss Anklageschrift ..............................................................................9

8. Beweiswürdigung der Vorinstanz und Vorbringen der Verteidigung.....................10

9. Unbestrittenes Rahmengeschehen.......................................................................11

10. Bestrittener Sachverhalt........................................................................................13

11. Beweiswürdigung der Kammer .............................................................................14

11.1 Objektive Beweismittel ..............................................................................14

11.1.1 Allgemeines .................................................................................14

11.1.2 Aufgezeichnetes Telefongespräch mit der Notrufzentrale...........15

11.1.3 Forensisch-toxikologisches Aktengutachten und Einvernahme 
des Sachverständigen .................................................................19

11.2 Aussagen ..................................................................................................22

11.2.1 Würdigung von Aussagen im Allgemeinen..................................22

11.2.2 Aussagen der Zeugin E.________

11.2.3 Aussagen des Beschuldigten ......................................................29

11.2.4 Aussagen der Privatklägerin C.________ ...................................33

11.2.5 Aussagen der Zeugin F.________ ..............................................37

11.3 Rahmengeschehen am Abend..................................................................37

11.3.1 Zum Konsum von Alkohol und Seresta .......................................37

11.3.2 Zum Verhalten und zum Zustand der Privatklägerin im Verlauf 
des Abends..................................................................................39

11.3.3 Zwischenfazit...............................................................................44

11.4 Kerngeschehen in der Nacht .....................................................................44

11.4.1 Zustand der Privatklägerin und Ablauf des Geschlechts-
verkehrs.......................................................................................44

11.4.2 Zum inneren Geschehen (subjektive Seite) ................................48

11.5 Fazit und erstellter Sachverhalt .................................................................49

3

III. Rechtliche Würdigung..................................................................................................50

12. Schändung............................................................................................................50

12.1 Objektiver und subjektiver Tatbestand ......................................................50

12.2 Subsumtion................................................................................................50

13. Hausfriedensbruch................................................................................................51

IV. Strafzumessung ...........................................................................................................52

14. Allgemeines...........................................................................................................52

15. Schändung............................................................................................................53

15.1 Strafrahmen...............................................................................................53

15.2 Objektive Tatkomponenten .......................................................................53

15.3 Subjektive Tatkomponenten......................................................................54

15.4 Täterkomponenten ....................................................................................54

15.5 Zwischenfazit.............................................................................................54

16. Hausfriedensbruch................................................................................................54

17. Vollzug und Ergebnis ............................................................................................55

V. Zivilpunkt......................................................................................................................55

18. Prozessuales.........................................................................................................55

19. Genugtuung ..........................................................................................................56

VI. Kosten, Entschädigung und weitere Verfügungen.......................................................57

20. Verfahrenskosten..................................................................................................57

21. Amtliche Entschädigungen ...................................................................................58

21.1 Verteidigung des Beschuldigten................................................................58

21.2 Unentgeltlicher Rechtsvertretung für die Privatklägerin ............................58

22. DNA und übrige biometrische erkennungsdienstliche Daten................................59

VII. Dispositiv......................................................................................................................60

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 8. Februar 2017 hat das Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelge-
richt, nachfolgend: Vorinstanz) Folgendes erkannt (pag. 371 ff., Hervorhebungen 
im Original):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Schändung, und

2. des Hausfriedensbruchs,

beides begangen in der Nacht vom 08.10.2014 auf den 09.10.2014 in G.________ (Ortschaft), sowie

3. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen in der Zeit 
vom 08.02.2014 bis zum 28.03.2016 durch Erwerb, Anbau, Besitz und Konsum von Ha-
schisch/Marihuana in G.________(Ortschaft),

und in Anwendung der Art. 30, 34, 40 42 Abs. 1, 44, 47, 51, 106, 186 und 191 StGB,
Art 19a Ziff. 1 BetmG,
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten.

Die Polizeihaft vom 24.10.2014 wird im Umfang von einem Tag auf die Freiheitsstrafe ange-
rechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf einen Tag festgesetzt.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus (ohne Kosten für die amtliche Verteidi-
gung):

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Gebühren
CHF 6'270.00

Auftritt Staatsanwaltschaft an HV CHF 1'000.00
Kosten des Gerichts (ohne schriftliche Begründung) CHF 2'500.00
Total CHF 9'770.00

Auslagen
Allgemeine Auslagen StA CHF 1'484.50
Persönliche Auslagen StA CHF 561.00
Auslagen Hauptverhandlung CHF 1'567.95
Allgemeine Kanzleiauslagen Gericht CHF 100.00
Total CHF 3'713.45

Total Verfahrenskosten CHF 13'483.45

Allgemeine Gebühren Untersuchung

II. [Amtliche Entschädigung und volles Honorar für die amtliche Verteidigung]

III. Zivilklage

A.________ wird in Anwendung von Art. 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 12‘000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 09.10.2014 an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________.

2. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

IV. [Amtliche Entschädigung und volles Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privat-
klägerin]

V. [Weitere Verfügungen]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte/Berufungsführer A.________ (nach-
folgend: Beschuldigter), amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________, mit Ein-
gabe vom 15. Februar 2017 fristgerecht die Berufung an (pag. 416). Mit Verfügung 
vom 30. März 2017 wurde den Parteien die schriftliche Urteilsbegründung ver-
schickt (pag. 428 f.). Diese wurde dem Beschuldigten am 3. April 2017 zugestellt 
(pag. 434). Die vom 24. April 2017 datierende Berufungserklärung des Beschuldig-
ten (pag. 435 f.) ging ebenfalls form- und fristgerecht beim Obergericht des Kan-
tons Bern ein. Darin beschränkte der Beschuldigte die Berufung auf die Schuld-
sprüche wegen Schändung und Hausfriedensbruchs (Ziff. I.1 und I.2 des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), auf die dafür ausgesprochenen Freiheits- und 
Geldstrafe, die Verfahrenskosten (Ziff. I.1, I.2 und I.4 des erstinstanzlichen Urteils-
dispositivs) sowie auf die Entscheide betreffend die Zivilklage und Parteientschädi-
gung (Ziff. III und IV des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Mit Eingabe vom 1. Mai 2017 teilte die Generalstaatsanwaltschaft den Verzicht auf 
Erklärung der Anschlussberufung mit sowie, dass aus ihrer Sicht kein Grund für ein 
Nichteintreten auf die Berufung bestehe (pag. 442 f.). Auch die Straf- und Zivilklä-
gerin C.________ (nachfolgend: Privatklägerin), amtlich vertreten durch Rechtsan-

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walt D.________, verzichtete mit Schreiben vom 9. Mai 2017 darauf, sich der Beru-
fung anzuschliessen und machte keine Gründe für ein Nichteintreten auf die Beru-
fung geltend (pag. 444).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen ersuchte der Verfahrensleiter am 7. August 2017 die Hausärztin 
der Privatklägerin, Frau H.________, konkrete Fragen zu den heutigen Auswirkun-
gen des Ereignisses vom 8./9. Oktober 2014 auf die Privatklägerin in einem ergän-
zenden Bericht – zu demjenigen vom 31. August 2015 (pag. 47 f.) – zu beantwor-
ten (pag. 462 f.). Der gestützt darauf erstellte Bericht von Frau H.________ datiert 
vom 3. November 2017 (pag. 468 f.). Weiter wurden ein aktueller Strafregisteraus-
zug (pag. 487) sowie ein Leumunds- bzw. Informationsbericht, datierend vom 
18. Januar 2017 (pag. 482 ff.), über den Beschuldigten eingeholt. 

In der Berufungsverhandlung vom 6. Februar 2018 führte die Kammer nochmals 
mehrere Einvernahmen durch. Wie vor der Vorinstanz wurden die Privatklägerin 
(pag. 495 ff.), der Beschuldigte (pag. 513 ff.) sowie die Zeugin E.________ 
(pag. 501 ff.) nachmals zur Sache befragt. Zudem wurde von Amtes wegen eine 
Befragung mit Prof. Dr. I.________, stellvertretender Direktor des Instituts für 
Rechtsmedizin (IRM) der Universität Bern und Leiter der Abteilung Forensische 
Toxikologie und Chemie, als Sachverständiger zum forensisch-toxikologischen Ak-
tengutachten vom 19. August 2016 durchgeführt (pag. 507 ff.). Die Zeugenbefra-
gung mit Frau E.________ konnte nicht zu Ende geführt werden. Die Einvernahme 
wurde im Einverständnis mit den Parteien und auf Anraten der als Vertrauensper-
son anwesenden behandelnden Psychiaterin von Frau E.________, Frau Dr. 
J.________, abgebrochen (vgl. pag. 503, Z. 37–45 und pag. 506).

4. Opferschutzmassnahmen

Mit Schreiben vom 18. Januar 2018 wies Rechtsanwalt D.________ darauf hin, 
dass die Privatklägerin (schon im Vorverfahren, vgl. pag. 34) verlangt habe, eine 
Konfrontation mit dem Beschuldigten im gesamten Strafverfahren zu vermeiden, 
was auch anlässlich der Berufungsverhandlung zu berücksichtigen sei. Weiter be-
antragte er, die Privatklägerin – abgesehen von ihrer eigenen Einvernahme – ge-
stützt auf Art. 338 Abs. 1 der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) von der Teil-
nahme an der Berufungsverhandlung zu dispensieren, da ihre Anwesenheit 
insofern nicht erforderlich sei (pag. 476 f.).

Die Strafbehörden vermeiden eine Begegnung des Opfers mit der beschuldigten 
Person, wenn – wie vorliegend – das Opfer dies verlangt. Sie tragen in diesem Fall 
dem Anspruch der beschuldigten Person auf rechtliches Gehör auf andere Weise 
Rechnung (Art. 152 Abs. 3 StPO). Gestützt auf diese Bestimmung hiess der Ver-
fahrensleiter mit Verfügung vom 25. Januar 2018 die Gesuche der Privatklägerin 
um Vermeidung der Konfrontation mit dem Beschuldigten und um Dispensation von 
der Teilnahme an der Berufungsverhandlung mit Ausnahme ihrer eigenen Einver-
nahme gut (pag. 479 ff.). Im Einverständnis mit der Verteidigung wurde an der Be-
rufungsverhandlung vom 6. Februar 2018 die Begegnung zwischen der Privatklä-
gerin und dem Beschuldigten dadurch vermieden, dass letzterer das Obergericht 

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erst betrat, nachdem die Privatklägerin dieses nach ihrer Einvernahme verlassen 
hatte. Zuvor war der Verteidigung die Gelegenheit eingeräumt worden, die Aussa-
gen der Privatklägerin mit dem Beschuldigten telefonisch zu besprechen und An-
schlussfragen an die Privatklägerin zu stellen (vgl. pag. 499). Auf diese Weise wur-
de dem Anspruch des Beschuldigten auf rechtliches Gehör Rechnung getragen. 
Die Privatklägerin liess sich bei ihrer Einvernahme von Frau F.________ als Ver-
trauensperson begleiten (vgl. Art. 152 Abs. 2 StPO).

5. Anträge der Parteien

Fürsprecher B.________ beantragte im Rahmen der oberinstanzlichen Verhand-
lung vom 6. Februar 2018 namens und im Auftrag des Beschuldigten Folgendes 
(pag. 519 und pag. 538; Hervorhebungen im Original):

I. Es sei festzustellen, dass das Urteil vom 8. Februar 2017 betreffend Ziffer I. 3 (Widerhand-
lungen gegen das Betäubungsmittelgesetz) in Rechtskraft erwachsen ist.

II. Herr A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf:

1. der Schändung, z.N. von Frau C.________, angeblich begangen in der Nacht vom 8. auf 
den 9. Oktober 2014 in G.________(Ortschaft) (Urteil Ziffer I. 1);

2. des Hausfriedensbruchs, z.N. von Frau C.________, begangen in der Nacht vom 8. auf 
den 9. Oktober 2014 in G.________(Ortschaft) (Urteil Ziffer I. 2).

III. Die anteilsmässigen Verfahrenskosten von mindestens 90% für das Verfahren vor dem Re-
gionalgericht Bern-Mittelland sowie die Verfahrenskosten vor dem Obergericht des Kan-
tons Bern seien dem Kanton Bern aufzuerlegen.

IV. Herrn A.________ sei keine persönliche Entschädigung, dagegen eine anteilsmässige Ent-
schädigung von mindestens 90% für die Verteidigungskosten für das Verfahren vor dem 
Regionalgericht Bern-Mittelland sowie eine volle Entschädigung für die Verteidigungskos-
ten vor der Obergericht des Kantons Bern zuzusprechen. 

V. Die Privatklage sei zurückzuweisen.

VI. Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Über die beschlagnahmten Gegenstände sei von Amtes wegen zu verfügen.

2. Das anteilsmässige Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen. 

Staatsanwalt K.________ stellte für die Generalstaatsanwaltschaft folgende Anträ-
ge (pag. 521 f. und pag. 529 f.; Hervorhebungen im Original):

I.

1. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Ein-
zelgericht) insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als

1.1. A.________ schuldig erklärt wurde wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz, mehrfach begangen in der Zeit vom 08.02.2014 bis zum 28.03.2016 durch 
Erwerb, Anbau, Besitz und Konsum von Haschisch/Marihuana in G.________(Ortschaft) 
(vgl. Urteil Ziff. I. 3.),

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1.2. A.________ verurteilt wurde zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00 (Ersatzfrei-
heitsstrafe 1 Tag).

2. A.________ sei schuldig zu erklären wegen

2.1. Schändung

2.2 Hausfriedensbruchs
beides begangen in der Nacht vom 08.10.2014 auf den 09.10.2014 in 
G.________(Ortschaft) zum Nachteil von C.________.

II.

Er sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, 

die Polizeihaft vom 24.10.2014 sei im Umfang von einem Tag auf die Freiheitsstrafe anzurech-
nen, und der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre 
festzusetzen;

2. zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00,

der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 5 Jahre festzusetzen; 

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

III.

Im Weiteren seien die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Honorare der amtlichen Anwälte, 
Mitteilungen).

(Beantragte Gebühr gemäss Art. 21 VKD: CHF 500.00).

Rechtsanwalt D.________ beantragte für die Privatklägerin was folgt (pag. 525 und 
pag. 531; Hervorhebungen im Original):

1. In Bestätigung des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 08.02.2017 sei der Be-
schuldigte schuldig zu sprechen wegen Schändung und Hausfriedensbruchs, beides began-
gen am 08. resp. 09.10.2014 zum Nachteil von C.________, und zu einer angemessenen Stra-
fe zu verurteilen.

2. Der Beschuldigte sei weiter zu verurteilen, der Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe von 
CHF 8‘000.00 nebst 5% Zins seit dem 09.10.2014 zu bezahlen.

3. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien durch A.________ zu tragen. Die oberinstanz-
lichen Verfahrenskosten seien durch A.________ oder den Kanton Bern zu tragen.

4. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar des Rechtsbeistands der Privatklägerin 
seien:
a. für das erstinstanzliche Verfahren gemäss Urteil vom 08.02.2017 auf CHF 11‘271.65 (amt-

liche Entschädigung) resp. CHF 14‘976.90 (volles Honorar) festzusetzen; und

b. für das oberinstanzliche Verfahren im Rahmen der eingereichten Honorarnote festzuset-
zen.

c. A.________ sei sowohl hinsichtlich des erstinstanzlichen als auch hinsichtlich des oberin-
stanzlichen Verfahrens zu verpflichten, der Privatklägerin zuhanden ihres Rechtsbeistan-

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des die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu er-
setzen.

5. Weiter sei zu verfügen, was rechtens.

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte focht das erstinstanzliche Urteil nur in Teilen an. Der mit der be-
schränkten Berufung nicht angefochtene Schuldspruch wegen Widerhandlungen 
gegen das Betäubungsmittelgesetz und die dafür ausgesprochene Übertretungs-
busse von CHF 100.00 (Ziff. I.3 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), sind damit 
in Rechtskraft erwachsen. Neu zu verfügen sein wird bezüglich der Zustimmung 
zur Löschung des DNA-Profils sowie der weiteren über den Beschuldigten erhobe-
nen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten. Aufgrund der mit dem Schuld-
punkt verknüpften Rück- und Nachzahlungspflicht des Beschuldigten ist grundsätz-
lich auch über die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche 
Verteidigung des Beschuldigten im erstinstanzlichen Verfahren neu zu befinden.

Über die angefochtenen Punkte des erstinstanzlichen Urteils (vgl. E. 2 oben), ins-
besondere über die Schuldsprüche wegen Schändung und Hausfriedensbruch und 
die allenfalls dafür auszusprechende Strafe, hat die Kammer mit umfassender Ko-
gnition neu zu befinden (vgl. Art. 398 Abs. 2 StPO). Da keine Anschlussberufung 
erklärt wurde, ist die Kammer nach Art. 391 Abs. 2 StPO an das Verschlechte-
rungsverbot gebunden, d.h. sie darf das Urteil nicht zum Nachteil des Beschuldig-
ten abändern (sog. Verbot der «reformatio in peius»).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 5. November 2015 Schändung 
und Hausfriedensbruch zum Nachteil der Privatklägerin zur Last gelegt. Konkret 
wird ihm folgender Sachverhalt vorgeworfen (pag. 227 f.):

A.________ begab sich am 08. Oktober 2014 im Verlauf des früheren Abends in die Wohnung seiner 
über ihm wohnenden Nachbarin C.________ am L.___weg _ (Nr.) in G.________(Ortschaft), um die-
se anzufragen, ob sie während seiner in den nächsten Tagen geplanten Abwesenheit zu seinen Kat-
zen schauen könne. In der Wohnung von C.________ befand sich ebenfalls die Nachbarin 
E.________, welche die Privatklägerin wegen ihres an diesem Tag übermässigen Alkoholkonsums 
mit zusätzlicher Einnahme von mehreren Seresta-Tabletten betreute. Während des anschliessend 
längeren Aufenthaltes des Beschuldigten A.________ in der Wohnung der Privatklägerin stürzte 
C.________ aufgrund ihres desolaten Zustandes drei bis vier Mal zu Boden, wobei diese jeweils ohne 
fremde Hilfe nicht mehr alleine aufstehen konnte und hierzu die Hilfe von E.________ und dem Be-
schuldigten A.________ benötigte. Schliesslich musste die Privatklägerin, welche nur noch lallte und 
kein einziges Wort mehr normal aussprechen konnte, vom Beschuldigten A.________ und von 
E.________ in ihr Schlafzimmer ins Bett getragen bzw. geschleppt werden.

In der Folge begab sich der Beschuldigte A.________ um die Mitternachtszeit, als die Privatklägerin 
alleine in ihrer unverschlossenen Wohnung war, in deren Schlafzimmer, zog C.________ die restli-

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chen Kleider aus und vollzog anschliessend mit der auf dem Rücken liegenden und widerstandsun-
fähigen Geschädigten auf dem Bett den Geschlechtsverkehr.

8. Beweiswürdigung der Vorinstanz und Vorbringen der Verteidigung

Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt als erstellt. Insgesamt bekundete 
sie keine erheblichen Zweifel, dass die Privatklägerin zum Tatzeitpunkt nicht mehr 
fähig gewesen sei, sich gegen unerwünschte Handlungen zu wehren. Sie stützte 
sich dabei insbesondere auf die ihrer Auffassung nach glaubhaften Aussagen der 
Zeugin E.________ zu ihren Wahrnehmungen zum Tatzeitpunkt und zu den Ereig-
nissen und dem Zustand der Privatklägerin an jenem Abend. Aufgrund der Anga-
ben der Zeugin E.________ und der Privatklägerin über den Mischkonsum – Alko-
hol (Rotwein und Mojito-Getränk) und Schlaftabletten (Seresta) – der Privatklägerin 
ging die Vorinstanz gestützt auf das forensisch-toxikologische Aktengutachten da-
von aus, dass sich die Privatklägerin im Tatzeitpunkt in stark eingetrübtem Be-
wusstseinszustand bis komatösen Zustand befunden haben müsse. In subjektiver 
Hinsicht erwog die Vorinstanz, dass sich der desolate Zustand der Privatklägerin 
der Wahrnehmung des Beschuldigten nicht habe entziehen können, da er deren 
auffälliges Verhalten am Abend, insbesondere mehrere Stürze, mitbekommen habe 
und im Tatzeitpunkt um die Widerstandsunfähigkeit der im Bett liegenden Privat-
klägerin gewusst habe (vgl. vor allem pag. 398 ff., S. 21 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung).

Die Verteidigung brachte gegen die Beweiswürdigung der Vorinstanz zusammen-
gefasst vor, dass einzig die Einnahme einer Tablette Seresta erhärtet sei. In den 
Augen von Frau E.________ sei die Privatklägerin nicht so schlecht «zwäg» gewe-
sen, habe sie doch entgegen dem unmissverständlichen Rat des von ihr telefo-
nisch kontaktierten Notfallarztes davon abgesehen, die Sanitätspolizei beizuziehen. 
Weiter habe Frau E.________ angegeben, die Privatklägerin habe den Beschuldig-
ten durchaus etwas angemacht. Die Privatklägerin habe nie von einer Verletzung 
am Kopf gesprochen, was gegen das von Frau E.________ geschilderte Sturzge-
schehen spreche. Es stelle sich schon die Frage, wieso Frau E.________ den Be-
schuldigten über die konsumierten Tabletten, nicht aber – wie sie eingeräumt habe 
– über den Anruf bei der Notrufzentrale informiert haben solle. Der Beschuldigte 
habe so weder die angeblich eingenommenen Medikamente noch die angeblichen 
Stürze der Privatklägerin mitbekommen. Das von Frau E.________ geschilderte 
selbständige Aufstehen der Privatklägerin um ca. 23:00 Uhr, bei welchem noch ei-
ne klare Willensbildung und Willensäusserung stattgefunden habe, sei mit den von 
der Privatklägerin angegebenen Konsummengen nicht vereinbar, was der Sach-
verständige bestätigt habe. Überdies habe die Privatklägerin am nächsten Morgen 
auch nicht über Übelkeit, Erbrechen oder Kater geklagt, was bei der von ihr ange-
gebenen Konsummenge aber zu erwarten wäre. Eine Amnesie bedeute auch nicht, 
dass man widerstandsunfähig sei. Die Privatklägerin könne nun von der von ihr be-
haupteten Amnesie nicht mehr abweichen; auch weil ihre zwei Kolleginnen ihr zur 
Anzeige geraten hätten, der Beschuldigte so gestempelt sei und sie so einen ge-
wissen Schutz habe. Aufgrund der späten und gemeinsamen Anzeige sei zudem 
davon auszugehen, dass die Frauen die Sache untereinander besprochen hätten. 
Bei den Aussagen der Privatklägerin sei zu berücksichtigen, dass es sich dabei 

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teilweise, wie auch der Notfallarzt vermutet habe, um einen Hilferuf gehandelt ha-
ben könne. Frau E.________ habe das Kerngeschehen in der Nacht höchstens für 
einen sehr kurzen Moment und bei schlechten Lichtverhältnissen gesehen und sei 
dann «zack» wieder in ihre Wohnung zurück. Sie könne daher nicht genau sagen, 
was im entscheidenden Moment um ca. 00:40 Uhr passiert sei, insbesondere ob 
die Privatklägerin ansprechbar, regungs- und willenslos gewesen sei oder nicht. 
Dass der Beschuldigte «Penetration» mit «Ejakulation» verwechselt habe, dürfe 
nicht zu seinen Ungunsten ausgelegt werden. Das Verhältnis des Beschuldigten zu 
Frau E.________ sei von Anfang an schlecht gewesen. Demgegenüber habe der 
Beschuldigte ein gutes Verhältnis zur Privatklägerin gehabt, welches er durch eine 
solche Handlung nicht aufs Spiel gesetzt hätte. Mittlerweile sei auch der Kontakt 
zwischen der Privatklägerin und Frau E.________ abgebrochen, weil, wie die Pri-
vatklägerin gesagt habe, Frau E.________ die Wahrheit nicht ertrage. Es frage 
sich, welche Wahrheit dies wohl sei. Auch die abgebrochene Einvernahme mit Frau 
E.________, gerade als es ans Eingemachte gegangen sei, sei eindrucksvoll ge-
wesen. Insgesamt könne dem Beschuldigten so nicht nachgewiesen werden, dass 
er die Privatklägerin geschändet habe (pag. 519 ff., pag. 527).

9. Unbestrittenes Rahmengeschehen

Aus den insoweit übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten und der Zeuginnen 
kann vorab folgendes unbestrittenes Rahmengeschehen festgehalten werden:

Die Privatklägerin (geb. ___), die Zeuginnen E.________ (geb. ___) und 
F.________ (geb. ___) und der Beschuldigte (geb. 1967) wohnten über mehrere 
Jahre im Mehrfamilienhaus am L.___weg _ (Nr.) in G.________(Ortschaft), wo sie 
bis auf Frau E.________, welche 2017 ausgezogen ist, immer noch wohnhaft sind. 
Das Haus umfasst sechs Wohnungen, wobei der Beschuldigte im Erdgeschoss der 
Liegenschaft wohnt, über ihm im ersten Stock befand sich die Wohnung der Zeugin 
E.________ und vis-à-vis von dieser diejenige der Privatklägerin. Das Zusammen-
leben unter den Nachbarinnen und dem Nachbar sei, abgesehen von paar wenigen 
Reklamationen an den Beschuldigten wegen Lärms, angenehm und friedlich ver-
laufen, man habe sich nachbarlich unterstützt und gelegentlich ein Glas Wein zu-
sammen getrunken. Unbestritten sind auch frühere sexuelle Kontakte des Beschul-
digten mit der Privatklägerin und mit der Zeugin F.________ (Aussagen 
F.________: pag. 100, Z. 24–29; pag. 105, Z. 64–67; Aussagen der Privatklägerin: 
pag. 123, Z. 195–196; pag. 131, Z. 125); Aussagen des Beschuldigten: pag. 157, 
Z. 183; pag. 166, Z. 510–514). Demgegenüber hatte die Zeugin E.________ zum 
Beschuldigten ein eher reserviertes Verhältnis (pag. 82 f., Z. 90–96; pag. 158, 
Z. 222–223), während auch sie von guten Beziehungen zur Privatklägerin und zur 
Zeugin F.________ sprach (pag. 83, Z. 98–100). Zwischen der Privatklägerin und 
Frau F.________ – welche die Privatklägerin auch jeweils als Vertrauensperson an 
die Einvernahmen vor der Vorinstanz und der Kammer begleitete (vgl. pag. 263 
und pag. 493) – besteht eine enge Freundschaft; die Privatklägerin und Frau 
E.________ haben sich zwischenzeitlich zerstritten (vgl. pag. 256, Z. 38–39; 
pag. 268, Z. 33–37).

12

Am 8. Oktober 2014 befand sich die Privatklägerin psychisch in schlechter Stim-
mung, weil tags zuvor ihre Schwester Geburtstag gehabt hätte, wäre sie noch am 
Leben gewesen und nicht neun Jahre vorher verstorben; ein Ereignis, das sich bei 
der Privatklägerin offenbar in einer Neigung zu Depressionen auswirkt (vgl. den 
Arztbericht von H.________ vom 3. November 2017, pag. 468 f.; vgl. auch die 
früheren Berichte, pag. 47 f. und pag. 55 ff.). Die Privatklägerin versuchte deshalb, 
ihren erwachsenen Sohn zu erreichen, um einen Gesprächspartner in dieser 
schwierigen Situation zu haben. Sie erhielt jedoch vom Sohn einen für sie verlet-
zenden abschlägigen Bescheid, worauf sie Alkohol und dazu nach eigenen Anga-
ben Seresta-Tabletten einzunehmen begann. Zwischen ca. 20:00 und 20:30 Uhr 
dieses Tages nahm sie mit der im gleichen Haus wohnenden Zeugin E.________ 
Kontakt auf, worauf diese im Domizil der Privatklägerin erschien. Sie hörte der Pri-
vatklägerin zu, welche von ihrer momentan üblen Situation berichtete und auf die 
SMS-Absage ihres Sohnes hinwies. Da die Privatklägerin gegenüber Frau 
E.________ die Einnahme von mehreren Seresta-Tabletten mit Alkohol angegeben 
und dann noch eine (weitere) Tablette sowie ein Mojito-Getränk zu sich genommen 
habe, rief Frau E.________ um 20:54 Uhr bei der Notrufzentrale «M.________» an 
und fragte nach, was sie in dieser Situation unternehmen solle, um zu verhindern, 
dass die Privatklägerin in einen noch schlimmeren Zustand gerate. Der dienstha-
bende Notarzt machte eindringlich auf die Gefahren einer gleichzeitigen Einnahme 
von Seresta und Alkohol aufmerksam und empfahl Frau E.________, die Sanitäts-
polizei beizuziehen, damit die Privatklägerin in eine psychiatrische Klinik verbracht 
werden könne (vgl. CD mit der Aufnahme des Telefongesprächs, pag. 289, sowie 
E. 11.1.2 unten). Das Telefongespräch dauerte 13 Minuten und 35 Sekunden, also 
bis ca. 21:08 Uhr. Frau E.________ verzichtete aber in der Folge darauf, die Sa-
nitätspolizei zu verständigen. 

Kurz darauf klingelte es an der Tür. Es war der Beschuldigte, der nachfragen woll-
te, ob die Privatklägerin oder Frau E.________ ihm während seiner nächst-
wöchentlichen Abwesenheit die Katze füttern würde. Die Privatklägerin bot ihm da-
bei an, ein Bier mit ihnen zu trinken, worauf sich der Beschuldigte zu den beiden 
Frauen setzte (pag. 74, Z. 49–52; pag. 145, Z. 25–27). Im nachfolgenden Verlauf 
setzte sich die Privatklägerin auf den Schoss des Beschuldigten. Sie küssten sich, 
wobei es darum ging, ein «Täfeli» bzw. «Schöggeli» von Mund zu Mund weiterzu-
geben (pag. 87, Z. 274–276; pag. 161, Z. 316–318; pag. 162, Z. 376). Später be-
schlossen der Beschuldigte und Frau E.________, die Privatklägerin ins Bett zu 
bringen. Der Beschuldigte verliess daraufhin die Wohnung der Privatklägerin wie-
der. Frau E.________ berichtete davon, dass die Privatklägerin danach nochmal 
aufgewacht, aufgestanden und durch die Wohnung gelaufen sei. Danach sei die 
Privatklägerin im Bett wieder eingeschlafen. Später begab sich Frau E.________ 
wieder in ihre eigene Wohnung.

Der Beschuldigte seinerseits hörte im offenbar ringhörigen Haus in seiner Woh-
nung, dass Frau E.________ wieder in ihre Wohnung zurückgegangen war. Er be-
schloss dann, sich nochmals zur Privatklägerin hinauf zu begeben, betrat deren 
unverschlossene Wohnung und begab sich ins Schlafzimmer, wo die Privatklägerin 
in ihrem Bett lag. Unbestrittenermassen kam es zwischen dem Beschuldigten und 
der Privatklägerin in der Folge zum Geschlechtsverkehr (vgl. pag. 275, Z. 4–5; 

13

pag. 277, Z. 32–33). Frau E.________ konnte unterdessen in ihrer Wohnung nicht 
einschlafen und hörte plötzlich ein Geräusch aus der Wohnung der Privatklägerin, 
«was sich wie ein Seufzer anhörte» (pag. 75, Z. 88). Wiederum begab sie sich in 
die Wohnung der Privatklägerin, wo sie im Schlafzimmer sah, dass sich der Be-
schuldigte nackt mit der Privatklägerin auf dem Bett befand. Nach kurzer Feststel-
lung dieser Situation wurde Frau E.________ gemäss ihren Angaben von einem 
Flashback ihrer eigenen Vergewaltigung gepackt, worauf sie unbemerkt vom Be-
schuldigten in ihre Wohnung zurückging und sich völlig blockiert schlafen legte.

Am nächsten Morgen fragte die Privatklägerin Frau E.________, was am Vorabend 
passiert sei und Frau E.________ erzählte ihr, was sie gesehen habe und ent-
schuldigte sich dafür, dass sie unfähig gewesen sei, zu intervenieren.

10. Bestrittener Sachverhalt

Kern des bestrittenen Sachverhalts bildet mit Blick auf den Tatbestand der Schän-
dung einerseits die Frage, ob die Privatklägerin im Zeitpunkt, als sich der Beschul-
digte wiederum in ihre Wohnung begab und mit ihr unbestrittenermassen den Ge-
schlechtsverkehr vollzog, physisch imstande war, sich gegen ungewollte sexuelle 
Kontakte zu wehren oder, wie in der Anklageschrift vorgeworfen, eben nicht. Wird 
die Widerstandsunfähigkeit bejaht, ist andererseits zu klären, ob der Beschuldigte 
diesen Zustand erkannte bzw. ihn mit grosser Sicherheit erkennen konnte und 
gleichwohl handelte.

Zur Beurteilung des körperlichen Zustands der Privatklägerin im relevanten Zeit-
punkt sind mehrere Elemente zu klären, welche sich zuvor im Verlauf des Abends 
ereigneten und Rückschlüsse über das bestrittene Kerngeschehen zulassen: So ist 
der Zustand und das Verhalten der Privatklägerin näher zu klären. Fraglich ist 
auch, in welchem Ausmass und zu welchem Zeitpunkt sie Alkohol und Seresta-
Tabletten einnahm. Bestritten ist ferner, ob Frau E.________ den Beschuldigten 
über den Mischkonsum der Privatklägerin informierte und ob sich die Privatklägerin 
auffällig benahm und vor allem, ob sie in Anwesenheit des Beschuldigten mehr-
mals stürzte (vgl. pag. 160, Z. 300–313; pag. 161, Z. 334).

Zu klären ist auch, wieso der Beschuldigte wiederum die Wohnung der Privatkläge-
rin aufsuchte, nachdem er gehört hatte, dass Frau E.________ in ihre Wohnung 
zurückgekehrt war; ob dies deswegen war, weil er, wie er selbst behauptet, sich 
Sorgen um die Privatklägerin gemacht hat (pag. 273, Z. 37–39). Wie erwähnt, ist 
das darauffolgende, eigentliche Kerngeschehen zu ermitteln, nämlich in welchem 
Zustand der Beschuldigte die Privatklägerin in diesem Zeitpunkt vorfand und wie es 
dann zum Geschlechtsverkehr kam. Der Beschuldigte selbst gab dazu an, die Pri-
vatklägerin sei wach gewesen, habe angegeben, es gehe ihr besser und ihn gebe-
ten, er solle bei ihr bleiben, woraufhin es zu einverständlichem Geschlechtsverkehr 
gekommen sei (vgl. pag. 145, Z. 36–41; pag. 146, Z. 70–76; pag. 272, Z. 32–34). 
Demgegenüber gab Frau E.________ an, die Privatklägerin habe keine Reaktion 
gezeigt und sei wie ein «Bäbi» auf dem Rücken mit ausgestreckten Armen mit den 
Beinen über den Schultern des knienden Beschuldigten auf dem Bett gelegen 
(pag. 76, Z. 163–167; pag. 91, Z. 418–419; pag. 259, Z. 37–39).

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Näher zu klären ist auch, ob die von der Privatklägerin beschriebenen, am nächs-
ten Morgen festgestellten Verletzungen im Unterleib (Rötungen und Schwellungen 
im Schambereich) als erstellt erachtet werden und wenn ja, ob diese auf die sexu-
ellen Handlungen des Beschuldigten zurückzuführen sind. Als weiteres Element ist 
schliesslich das bisherige sexuelle Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der 
Privatklägerin von einer gewissen Bedeutung, insbesondere wie oft es zu sexuel-
lem Kontakt gekommen war und ob die Privatklägerin dem Beschuldigten tatsäch-
lich schon zu erkennen gegeben hatte, dass sie keinen Geschlechtsverkehr mehr 
mit ihm wünschte.

11. Beweiswürdigung der Kammer

Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung, insbeson-
dere zur freien richterlichen Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO und zur 
Tragweite des Grundsatzes «in dubio pro reo», zutreffend wiedergegeben 
(pag. 383 f., S. 6 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Auf diese Erwägun-
gen wird verwiesen.

Nachfolgend werden zunächst die objektiven (E. 11.1 unten) und subjektiven Be-
weismittel (E. 11.2 unten), insbesondere die Aussagen, einzeln aufgeführt, jeweils 
gefolgt von allgemeinen würdigenden Erwägungen dazu. In einem zweiten Schritt 
werden dann die konkreten Beweisfragen zum Rahmengeschehen am Abend 
(E. 11.3 unten) und dem Kerngeschehen in der Nacht (E. 11.4 unten) anhand 
sämtlicher Beweismittel beurteilt und beantwortet.

11.1 Objektive Beweismittel

11.1.1 Allgemeines

Die Vorinstanz hat die vorliegenden objektiven Beweismittel vollständig aufgelistet 
und deren wesentlichen Inhalt kurz zusammengefasst (pag. 383 und pag. 395 ff., 
S. 6 und S. 18 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf kann grundsätz-
lich verwiesen werden. Das aufgezeichnete Telefongespräch von Frau E.________ 
mit der M.________AG wird nachfolgend noch eingehender behandelt (E. 11.1.2 
unten). Nicht zuletzt aufgrund der ergänzenden und klärenden Einvernahme des 
Sachverständigen vor oberer Instanz ist nachfolgend auch auf das forensisch-
toxikologische Aktengutachten des IRM vom 19. August 2016 und die darin enthal-
tenen Schlüsse im Detail einzugehen (E. 11.1.3 unten). 

Die beiden rechtsmedizinischen Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Pri-
vatklägerin (pag. 39 ff.) und des Beschuldigten (pag. 35 ff.) lassen – vor allem we-
gen der zwischen Ereignis und Untersuchung vergangen Zeit – keine Hinweise auf 
das Tatgeschehen erkennen. Die ärztlichen Berichte in den Akten äussern sich vor 
allem zu den Auswirkungen des Ereignisses auf die psychische Gesundheit der 
Privatklägerin:

- Im Bericht vom 31. August 2015 (pag. 47 f.) hielt die Hausärztin der Privatklä-
gerin, H.________, unter anderem fest, sie habe bei der Privatklägerin nach 
der ersten Konsultation nach dem Ereignis, am 25. November 2014, eine deut-
liche Zunahme der depressiven Verstimmung mit extremer sozialer Isolation 
und zahlreicher Aversionen verbunden mit allgemeiner Lust- und Antriebslosig-

15

keit festgestellt. Die von der Privatklägerin geltend gemachte Amnesie sei 
durchaus durch gemeinsame Einnahme von Seresta und Alkohol zu erklären.

- Im ergänzenden Bericht vom 17. April 2016 (pag. 291) gab H.________ weiter 
bekannt, sie habe der Privatklägerin letztmals am 9. September 2013 ein Pa-
ckung von 20 Tabletten «Seresta Expidet 15 mg» abgegeben und dabei, bei 
Bedarf, eine Dosierung von ½ bis 1 Tablette pro Tag empfohlen.

- Die Privatklägerin war seit dem 4. März 2015 bei der Psychologin 
Dr. N.________ in Behandlung, in deren Bericht vom 6. August 2015 
(pag. 55 ff.) depressive Symptome mit gleichzeitigen Wutgefühlen dem Be-
schuldigten gegenüber bestätigt werden.

- Im oberinstanzlich eingeholten ergänzenden Bericht vom 3. November 2017 
(pag. 468 f.) hielt H.________ unter anderem fest, dass nach wie vor zahlreiche 
Aversionen und Lust- und Antriebslosigkeit festzustellen seien, ebenso wie die 
extreme soziale Isolation. Trotz vorbestehender Neigung zu Depressionen stel-
le das Ereignis einen Knick in der Lebenslinie der Privatklägerin dar.

- Die Psychiaterin Dr. med. O.________ bestätigte am 23. Oktober 2014 
(pag. 95) gegenüber Frau E.________, dass die Feststellung der «Vergewalti-
gung» der Privatklägerin bei Frau E.________ ihre selbst erlebte Vergewalti-
gung und den sexuellen Missbrauch des Sohnes reaktiviert habe und Frau 
E.________ deshalb nicht in der Lage gewesen sei, so zu reagieren, wie sie es 
sich gewünscht hätte, nämlich den Vorgang zu unterbrechen oder die Polizei zu 
rufen.

11.1.2 Aufgezeichnetes Telefongespräch mit der Notrufzentrale

Aus Besorgnis über den Zustand der Privatklägerin rief Frau E.________ an jenem 
Abend um 20:54 Uhr der M.________AG, einer privaten Notrufzentrale, an. Ge-
genüber der Polizei gab die M.________AG an, das Telefongespräch habe bis 
20:59 Uhr gedauert (pag. 32). Gemäss der später durch die Vorinstanz edierte Au-
diodatei dauerte das Gespräch aber deutlich länger, nämlich rund 13:30 Minuten. 
Diese Abweichung ist aber wohl dadurch zu erklären, dass die Notrufzentrale ihre 
Angabe zeitlich auf das Gespräch mit ihrer Mitarbeiterin beschränkte. Danach wur-
de Frau E.________, nach mehrminütiger Verbindungszeit, noch mit dem dienst-
habenden Arzt verbunden. Das Telefongespräch dient vorliegend als objektiver 
Anhaltspunkt in zeitlicher Hinsicht und enthält authentische Angaben von Frau 
E.________, insbesondere über die Konsummengen der Privatklägerin, welche sie 
gegenüber der Mitarbeiterin und sodann dem diensthabenden Arzt machte. Darü-
ber hinaus ist im ersten Teil des Gesprächs im Hintergrund mehrmals die Privat-
klägerin zu hören und redet Frau E.________ während laufendem Telefongespräch 
auf diese ein. Nachfolgend wird daher dieser erste Teil, wie gesprochen im Dialekt, 
transkribiert wiedergegeben:

E.________ (A) ruft am 8. Oktober 2015 um 20:54 Uhr der M.________AG, Frau P.________ (B), an. 
Später (Minute 9:35) wird A mit dem diensthabenden Notfallarzt Dr. Q.________ (C) verbunden (Ende 
des Gesprächs Minute 13:36). Teilweise ist im Hintergrund die Privatklägerin (D) zu hören.

[Klingeln, A und B begrüssen sich]

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A: Ig han e Frag: Mini Nachbarin, dere isches psychisch itz grad nid guet gange und när bini übere 
go luege. När het sie gseit, si heigi Seresta-Tablette gno u si het gseit 4 Stück à 15 mg u heigi 
Alkohol drzue gno, aber ig weis nid wieviu Alkohol. Aber si het no mit mr chönne klar rede. U när 
het si grad no eini gno u i hares äbe nid chönne wägnäh, de wäres 5 Seresta gsi. Itz hani wöue 
frage, i ha chlei Angst, eh, cha das si, dass si mir übereschlaft oder dass da öppis passiert, wüu i 
weis nid wiviu Alkohol dass si het gha. U si isch jitz go schlafe.

B: [wiederholend, notiert wohl gleichzeitig] Isch jitz go schlafe. …und Alkohol. [kurze Pause] Eh – het 
sie no meh Seresta?

A: Deheime, ja. I ha dänkt, wenn i z‘nächste Mau übere ga, de nimm i se übere. De nimm i se wäg.

B: Was het sie, 1 «Miligrämmer» oder 2.5, wüsst dir das?

A: Ähm, i ga süsch hurti go luege. I ha äbe gmeint… [Minute 1:25; Geräusche, geht wohl in die 
Wohnung der Privatklägerin um nachzuschauen] Wüu i füele mi drum när nid wohl, wenn ig d 
Verantwortig ha.

B: Das isch sehr unagnähm, ja. [Pause]

A: [flüsternd] Ja, sie schlaft scho.

B: Ja, de nimmt si di andere emu nümme.

A: 15 mg Seresta sis.

B: 15.

A: Ja.

B: Milligramm, jawoll. [tippt] Also itze, Frou E.________, das isch öies Telefonnummer, gäuet?

A: Ja, Momänt schnäu. [kurze Pause; dann zu D] Nenei, blib lige, C.________. [zu B] Es geit ihre nid 
guet u si wott jitz no Alkohol trinke. I nimme jitz mau die Tablette da furt. [zu D] Ig tue dir die… [zu 
B] Es isch grad e chli schwierig. [zu D] Ig luege da nume, was de da aues für Tablette hesch.

[D zu A] [Anfang unverständlich, teilweise vermischt mit Hintergrundgeräuschen, vermutlich vom 
Call-Center] …Seresta und… [unverständlich] [A zu D] Nume d Seresta äbe nid. [zu B] Ja.

B: Mhm.

A: Mues i da jitz irgendwie Angst ha?

B: Ig tuenech mitem Arzt verbinde, dass mir das nächhär chöi aluege. Aber ig müessti drum äbe no d 
Postleitzahl und öie Vorname ha, wüu das öies Telefonnummero isch.

A: Mi Vorname isch E.________ und Postleitzahl isch _____ (Postleitzahl).

B: E.________. Und de muess dr… _____ (Postleitzahl) [tippt]. Nächhär muess dr Arzt no… 
R.________ (Ortschaft) oder G.________(Ortschaft)?

A: [zu D] Scho guet, weisch i bi grad no am Telefon. Hurti öpper öppis frage, ig chume grad widr, ig 
ga schnäu übere, isch guet. [D] Nei, chasch nid übere ga. [A zu D] Mou, ig chume grad widr, 
weisch, i bi hurti am Telefon. Ig chume grad widr, gäu C.________. [D] Ja nid irgend… [A] Nei. [D] 
…öpper hie ir Hütte ha. [A] Nei, nenei, ig luege, isch guet? [D] Ig ma de gar niemer ir Hütte ha. [A] 
Nei, isch guet, i luege C.________, du muesch dir keni Sorge mache. [D] Ig wott keni… [A] Nei. 
[D] Ig wott niemer ir Hütte ha. [A] Nei. Ig chum när grad übere i 5 Minute. [D] Ig ha eifach itz im 

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Momänt grad… [A] Ja, ja. Ig chume i 5, 10 Minute grad widr übere. [D] Ig wott nid… [A] Nei isch 
guet, i luege. [D] [unverständlich]

B: De göht nomau use, ja.

A: [zu D] Nei. Nei, muesch kei… [zu B] Momänt. [wieder zu D; schlechter hörbar, vermutlich weil 
Handymikrofon abgedeckt wird] Nei, muesch ke Angst ha C.________, ig chume i 10 Minute widr, 
ig tue chlopfe, gäu.

B: Weit dir mir spöter widr alütte, das chunnt nech drum süsch tüür.

A: Nei, jitz bin i grad… iz bin i grad äne. Jitz het sie äbe gseit, «weimr zäme eis trinke?» und es isch 
eifach schwierig, ig chare ds Züg nid wägnäh, es isch so chli…

B: Ja, Dir chöit nüt mache gäge ihre Wille, wüssst Dir.

A: Aber ig ha eifach Angst, wüu ig, ig übernime da fasch wie e Verantwortig…

B: …wo dir nid chöit trage, gäuet, ja. Sit Dir G.________(Ortschaft) oder R.________ (Ortschaft)?

A: G.________(Ortschaft).

B: Und d Strass mues i o ha, faus dr Doktor verbi chäm.

A: L.___weg _ (Nr.).

B: [tippt] __ (Nr.). Und das gieng um e C.________?

A: Ja. C.________.

A: Mmh?

B: C.________.

A: C.________.

B: Sie het jitz grad gseit, si wöu niemer ha, sie düeg süsch zue mache. Jitz gani haut eifach übere go 
luege u blibe bi ihre. De hani o chlei Kontroue, wie viu dass sie trinkt.

A: Jawoll. Aber d Verantwortig chöit Dir ja nid säuber trage.

B: Äbe, das isch mis Problem.

A: Ig tuenech gärn mitem Arzt wo Dienst het verbinde. Dass dä näch chönnt… Herr Dr. Q.________ 
het Dienst. E Momänt bitte.

B: Ja, merci.

[Minute 5:48–9:35 Musik, danach mit C verbunden]

Gegenüber dem diensthabenden Arzt schilderte Frau E.________ nochmals die Si-
tuation. Sie wisse nicht wie viel Alkohol die Privatklägerin getrunken habe; die Pri-
vatklägerin habe noch sagen können, sie habe Rotwein, aber nicht eine ganze Fla-
sche getrunken und dann noch so ein Mojito-Fläschchen. Auf Nachfrage gab sie 
aber an, die Privatklägerin habe kein chronisches Problem mit Alkohol. Es dünke 
sie, dass die Privatklägerin anfange «bsoffe liire». Der Arzt warnt vor der Kombina-
tion von Alkohol und Seresta. Es töne danach, als sei es etwas appellativ – «i ma 
nümm» –, noch nicht grad ein Suizidversuch, aber bei einer weiteren Flasche habe 
es diese Wirkung. Er schlägt vor, die Sanitätspolizei anzurufen, um die Privatkläge-

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rin in eine psychiatrische Klinik zu bringen. Schliesslich verbleiben sie so, dass 
Frau E.________ nötigenfalls die Sanitätspolizei eigenhändig anrufen soll.

Aus dem Telefongespräch geht zunächst hervor, dass es um die Einnahme des 
Medikaments Seresta mit der Wirkstoffmenge – darüber hat sich Frau E.________ 
während des Gespräch offenbar nochmals versichert – von 15 mg geht. Was die 
durch die Privatklägerin konsumierten Mengen an Alkohol und Tabletten anbelangt, 
die im Telefongespräch zur Sprache kommen, ist aber zu unterscheiden zwischen 
den Angaben von Frau E.________, welche sie auf eigenen Wahrnehmungen ba-
sierend schildert und denjenigen, welche sie vom Hörensagen – gestützt auf die 
angeblichen Aussagen der Privatklägerin – gemacht hat. In diesem Sinne kann 
auch nicht, wie dies die Vorinstanz in ihren Erwägungen zum aufgezeichneten Te-
lefongespräch andeutete (pag. 397, S. 20 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung), 
unbesehen auf die dort genannten Konsummengen abgestützt werden. Die Ein-
nahme von vier Seresta-Tabletten hat Frau E.________ nicht selbst gesehen, son-
dern basiert auf angeblichen Schilderungen der Privatklägerin. Gleiches gilt hin-
sichtlich des angeblich getrunkenen Rotweins. Demgegenüber schildert Frau 
E.________ als eigene Wahrnehmung, dass die Privatklägerin – in ihrer Gegen-
wart, wohl kurz vor dem Anruf bei der Notrufzentrale – noch eine Tablette genom-
men habe. Gleiches gilt auch für das gegenüber dem Arzt erwähnte Fläschchen 
Mojito-Getränk.

Da während des Telefongesprächs auch die Privatklägerin selbst, teilweise im Dia-
log mit Frau E.________, zu hören ist, ermöglichen die Aufnahmen auch Rück-
schlüsse auf den Zustand der Privatklägerin in jenem Zeitpunkt des Abends, um 
ca. 21:00 Uhr. Frau E.________ erwähnt einleitend, die Privatklägerin habe, offen-
bar kurz vor dem Telefonanruf, noch klar mit ihr reden können. Frau E.________ 
tätigte den Anruf mit ihrem Mobiltelefon (vgl. pag. 31) offenbar aus der eigenen 
Wohnung aus, während die Privatklägerin in ihrer Wohnung (gegenüber, auf der-
selben Etage) am Schlafen war. Um die Wirkstoffmenge auf der Tablettenpackung 
nachzuschauen, begab sich Frau E.________ in die Wohnung der Privatklägerin, 
woraufhin diese, offenbar aufgrund der Stimme von Frau E.________, wieder auf-
wachte. Die im Hintergrund hörbare Reaktion der Privatklägerin lässt schliessen, 
dass sie (wohl aufgrund der von Frau E.________ am Telefon genannten Postleit-
zahl) realisierte, dass womöglich jemand herbeigerufen würde, was sie aber nicht 
wollte. Wiederholt führte sie aus, sie wolle niemand in der «Hütte» haben, wobei 
sie sich teilweise verhaspelte und den Satz nicht zu Ende sprach. Die Sprache der 
Privatklägerin wirkt eher schwerfällig und auch etwas lallend. Frau E.________ 
versuchte derweil mit einfachen Worten beschwichtigend und beruhigend auf die 
Privatklägerin einzuwirken (z.B. «Nei, isch guet, i luege, C.________, du muesch 
dir keni Sorge mache.» oder «Nei. Nei, muesch ke Angst ha C.________.»). Ihre 
Art zu sprechen deutet darauf hin, dass sie die Privatklägerin als sehr hilfsbedürftig 
ansah. Dass sich die Privatklägerin später offenbar nicht mehr an das Telefonat 
von Frau E.________ erinnern konnte (vgl. pag. 498, Z. 30), deutet auch auf erste 
durch die eingenommenen Mittel herbeigeführte Einschränkungen in der Wahr-
nehmungsfähigkeit hin. Anschliessend begab sich Frau E.________ wieder in die 
eigene Wohnung, wo sie daraufhin gegenüber dem Arzt unter anderem angab, es 
dünke sie, die Privatklägerin fange an, besoffen zu «liiren».

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11.1.3 Forensisch-toxikologisches Aktengutachten und Einvernahme des Sachverständi-
gen

Um die Auswirkungen eines Mischkonsums von Alkohol und Seresta-Tabletten auf 
den Körper der Privatklägerin beurteilen zu können, gab die Vorinstanz beim IRM 
ein Aktengutachten in Auftrag. Als Grundlage für die gutachterliche Beurteilung di-
enten dabei diverse Annahmen zum Sachverhalt, welche im Gutachtensauftrag 
festgehalten wurden (vgl. pag. 306 ff.) – so hinsichtlich der Konsummengen (3 bis 5 
Seresta-Tabletten sowie 375 ml Rotwein und 600 bis 1000 ml Mojito-Getränk mit 
15% Vol.) sowie der Konsum- und Tatzeit. Aus diesem Grund wiesen die Gutachter 
auch relativierend darauf hin, dass die gutachterlichen Berechnungen auf Konsum-
angaben basierten, welche nicht durch biologische Asservate überprüft worden 
seien. Die wichtigsten Ergebnisse des forensisch-toxikologischen Aktengutachtens 
vom 19. August 2016 (pag. 314 ff.) können wie folgt zusammengefasst werden:

- Je nach Annahme der eingenommenen Menge Alkohol wäre bei der Privatklä-
gerin zum angenommenen Tatzeitpunkt um 00:40 Uhr eine Blutalkoholkonzen-
tration (BAK) zwischen 1.9 und 3.1 Promille anzunehmen.

- Die Einnahme von 3 bis 5 Tabletten Seresta 15 mg – d.h. 45 bis 75 mg des 
Wirkstoffs Oxazepam – sei für eine Person ohne vorbestehende Toleranzent-
wicklung und ohne ärztliche Kontrolle als hohe Dosierung einzustufen, bei der 
Symptome wie Schläfrigkeit und Amnesie auch ohne Alkoholeinfluss nicht aus-
geschlossen werden könnten. Bei der vorliegenden Kombination der beiden 
Substanzen sei eine Amnesie aus forensisch-toxikologischer Sicht wahrschein-
lich.

- Ein solcher Mischkonsum von Alkohol und Oxazepam könne bei einer nicht an 
Alkohol und Benzodiazepine gewöhnten Person zu einer Verstärkung der 
atemdepressiven Wirkung führen, welche mit Bewusstlosigkeit lebensgefährlich 
werden könnte.

- Unter den getroffenen Annahmen wäre die Privatklägerin zum mutmasslichen 
Tatzeitpunkt nicht mehr in der Lage gewesen, sich gegen ungewollte sexuelle 
Kontakte zu wehren. Die Mischvergiftung würde zu stark eingetrübtem Be-
wusstseinszustand bis komatösem Zustand führen.

- Bei Mischkonsum von Alkohol und – dem hinsichtlich Toxizität mit Oxazepam 
vergleichbaren – Temazepam sinke die mediane BAK, die zu tödlichen Vergif-
tungen führe, von 3.3 auf 2.2 Promille. 

Abschliessend führten die Gutachter relativierend an, die Zeugenaussagen von 
Frau E.________, dass die Privatklägerin nach dem Einschlafen wieder erwacht, 
aufgestanden sei und gesprochen habe, seien nicht mit den angegebenen Kon-
summengen von Alkohol und Oxazepam zu vereinbaren. Es wäre vielmehr keine 
Gegenwehr und keine Handlungen infolge des zu erwartenden stark eingetrübten 
bis komatösen Zustandes zu erwarten.

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Einvernahme mit Prof. Dr. I.________ zum Gutachten

Um die genaue Bedeutung dieses im Aktengutachten erwähnten Widerspruchs zu 
klären, wurde in der Berufungsverhandlung vom 6. Februar 2018 mit Prof. Dr. 
I.________, stellvertretender Direktor des IRM, Forensischer Toxikologe und Di-
plom-Chemiker, eine Befragung als Sachverständiger zum Gutachten durchgeführt 
(pag. 507 ff.). Dieser bestätigte den Inhalt des Aktengutachtens und führte zusam-
mengefasst Folgendes aus:

Es gehe zwei bis drei Stunden, bis die maximale Konzentration des Medikaments 
Seresta erreicht werde. Danach gebe es einen flachen Abfall der Konzentration. 
Zusammen mit dem Alkohol führe die additive Wirkung zu einer Plateauwirkung in 
der Hauptwirkungsphase. Ausgehend von den angenommenen Konsummengen 
könne in den ersten Stunden nach Erreichen der Höchstkonzentration noch mit Wi-
derstandslosigkeit gerechnet werden (pag. 507, Z. 26–43; pag. 508, Z. 1–2). Die 
Halbwertszeit betrage bei Benzodiazepinen mindestens 6 Stunden und nehme im 
Alter zusätzlich zu (pag. 511, Z. 36–38). Mit Blick auf Antwort 6 im Gutachten 
bestätigte Prof. I.________, dass keine automatische Korrelation von Amnesie und 
Widerstandunfähigkeit bestehe. Die Vorlagerung der Amnesie sei typisch für Ben-
zodiazepine. Diese könne die noch vorhandene Entscheidungsfähigkeit überschat-
ten, d.h. sie könne zeitlich noch weiter vorangehen, als die Widerstandsunfähigkeit. 
Umgekehrt müsse die Widerstandsunfähigkeit aber in der Regel mit einer Amnesie 
einhergehen (pag. 508, Z. 4–16). Auch Prof. I.________ bestätigte, dass die Zeu-
genaussagen von Frau E.________, wonach die Privatklägerin selber wieder auf-
gestanden, in der Wohnung umhergegangen sei und Wünsche habe sprachlich 
äussern können (vgl. pag. 74, Z. 67–77; pag. 91, Z. 391–402) gegen die ange-
nommenen Konsummengen sprächen. Die Einnahme von zwei Seresta-Tabletten 
sei eine sichere Dosis, bei welcher Menschen grundsätzlich einschlafen würden. 
Bei fünf Seresta-Tabletten entstehe eine hohe Konzentration, welche man norma-
lerweise nicht wegstecken könne (pag. 508, Z. 18–43; pag. 509, Z. 1–5). Bei gerin-
ger Überdosierung könne es theoretisch auch zu einer paradoxen Reaktion kom-
men, welcher dann mit Zunahme der Konzentration im Blut wieder in die 
sedierende Wirkung übergehe. Diesen Effekt habe er aber selbst noch nie zu be-
gutachten gehabt, und er könne daher aus eigener Erfahrung nichts dazu sagen 
(pag. 512, Z. 7–20). Bei Menschen, die regelmässig Seresta einnähmen, sei eine 
Toleranzentwicklung um das Zehn- bis Zwanzigfache möglich. Vorliegend könne 
man aber nicht sagen, dass die Wirkung nach 23:00 Uhr, als sie verladen aufge-
standen sei, noch stärker geworden sei, zumal der Alkohol um 00:40 Uhr schon 
wieder im Abbau gewesen sei (pag. 509, Z. 5–26). Gefragt nach dem mengenmäs-
sig minimalen Mischkonsum von Alkohol und Oxazepam, bei welcher bei der Pri-
vatklägerin mit eingeschränkter Widerstandsfähigkeit zu rechnen sei, führt Prof. 
I.________ aus, die liege bei Alkohol allein sicher über 1 Promille, so bei 2 Promil-
le. Jede Tablette Seresta verstärke diesen Effekt. Entscheidend sei aber, ob die 
betroffene Person eine Gewöhnung habe (pag. 509, Z. 31–38). Bei Benzodiazepi-
nen könne schon nach vier Wochen mit einer Toleranz gerechnet werden 
(pag. 512, Z. 30–32). Die Frage, wenn von den Zeugenaussagen ausgegangen 
werde, ob es richtig sei, dass entweder weniger Seresta eingenommen worden 
seien oder eine Toleranz vorhanden sei, bejahte Prof. I.________. Mit fünf Seresta-

21

Tabletten würde ein Nichttoleranter lange durchschlafen und auch noch am nächs-
ten Tag ständig schlafen wollen (pag. 511, Z. 8–17). Gefragt nach einer Wechsel-
wirkung mit Citalopram hielt Prof. I.________ fest, eine zusätzliche Wirkung sei 
schon möglich, es gebe eine wechselseitige Wirkungsverstärkung der zentralwirk-
samen Substanzen. Die Einnahme von Citalopram führe aber nicht zu einer Tole-
ranz bezüglich Seresta (pag. 510, Z. 1–6 und Z. 40–42). Seresta sei ein Beruhi-
gungsmittel, das die Hürde des Einschlafens senke. Es sei kein so starkes 
Schlafmittel wie Barbiturate und kein Schlafmittel, bei welchem man unabdingbar 
nicht mehr geweckt werden könne. Wenn man als Ungewohnte eine Tablette Se-
resta und ein Glas Rotwein nehme, wäre seine Prognose, dass man das Glas noch 
gut abstellen könnte, eine halbe Stunde später aber auf dem Sofa schlafen würde. 
Die Wirkung könne bei Benzodiazepinen sehr unterschiedlich sein und auch zu ei-
ner Schlafphase von zwei Tagen führen (pag. 510, Z. 19–29). Nehme man ohne 
Toleranz zwei Seresta-Tabletten ein, wäre man zwar grundsätzlich noch weckbar, 
aber so müde, dass man sofort wieder einschliefe. Bei zwei bis drei Tabletten müs-
se etwas von aussen passieren, damit man aufwache (pag. 511, Z. 19–22 und 
Z. 29–31). Prof. I.________ bestätigte sodann, dass es denkbar sei, dass sich ein 
beruhigendes Medikament mit der Wirkung der natürlichen Müdigkeit verstärken 
könne (pag. 512, Z. 22–24).

Bemerkungen zu den gutachterlichen Feststellungen

Vorweg kann festgehalten werden, dass die Kammer das Aktengutachten unter 
den vorgegebenen Annahmen für schlüssig und nachvollziehbar hält. Prof. 
I.________ hat das Gutachten inhaltlich nochmals bestätigt sowie ergänzende und 
erläuternde Angaben dazu gemacht. Auch seine Aussagen erscheinen durchwegs 
als plausibel und schlüssig. Auf die gutachterlichen Angaben kann also grundsätz-
lich abgestützt werden, vor allem soweit diese in allgemeiner Weise die Wirkung 
von Seresta und Alkohol auf den menschlichen Körper zum Gegenstand haben. 

Es kann damit davon ausgegangen werden, dass eine Person ohne Toleranz bei 
Einnahme einer Einzeldosis von 15 mg Oxazepam und einem Glas Rotwein nor-
malerweise nach einer halben Stunde schlafen würde. Ca. 2.5 Stunden danach be-
steht ein maximaler Plasmastand, gefolgt von einem flachen Abfall der Konzentra-
tion mit einer Halbwertszeit des Wirkstoffs von ca. 8 Stunden, mindestens aber 6 
Stunden. Bei zwei Tabletten Seresta schläft man ein, ist aber grundsätzlich noch 
weckbar, jedoch so müde, dass man sofort wieder einschlafen würde. Bei Misch-
konsum mit Alkohol kommt es zu einer additiven Wirkung der zentraldämpfenden 
Wirkungen, welche auch zu einer Plateauwirkung führt. Die Wirkung kann zudem 
durch das Medikament Citalopram sowie die natürliche Müdigkeit verstärkt werden. 
Die Amnesie kann einen Zeitraum eindecken, in welchem noch gewisse Entschei-
dungsfähigkeit vorhanden ist. Diese Vorlagerung der Amnesie ist typisch für Ben-
zodiazepine. Aus der Aussage, dass die Privatklägerin um ca. 23:00 Uhr verladen 
aufgestanden sei, kann nicht geschlossen werden, dass danach die Beeinträchti-
gung noch stärker wurde.

Klar ist aber ebenfalls, dass die konkreten gutachterlichen Berechnungen und 
Schlüsse zum Zustand der Privatklägerin im mutmasslichen Tatzeitpunkt mit der 

22

Zuverlässigkeit der Annahmen, welche diesen zugrunde liegen, stehen und fallen. 
So wiesen die Gutachter gleich selbst darauf hin, dass die Zeugenaussage, wo-
nach die Privatklägerin nach dem Einschlafen wieder erwacht und aufgestanden 
sei, mit den angegebenen Konsummengen nicht vereinbar sei. Die Vorinstanz sah 
darin indes keinen Widerspruch, weil sie bezweifelte, dass sich die Gutachter die 
zeitlichen Verhältnisse korrekt vergegenwärtigt hätten: Die von den Gutachtern re-
ferenzierte Aussage von Frau E.________ beziehe sich auf den Zeitpunkt, in wel-
chem der Beschuldigte die Wohnung wieder verlassen habe. Wann dies genau 
gewesen sei, sei unklar. Beachte man, dass der maximale Plasmaspiegel des 
Oxazepams nach ca. 2.5 Stunden erreicht werde, seien ein schlafähnlicher Zu-
stand und ein erneutes Erwachen in relativ kurzer Zeit nach der Einnahme (letzte 
Einnahme um ca. 21:00 Uhr) mit den gutachterlichen Feststellungen durchaus ver-
einbar. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden und sie erweist sich spätes-
tens nach den Angaben von Prof. I.________ als falsch. Zwar ist nicht ganz klar, 
wann der Beschuldigte die Wohnung der Privatklägerin wieder verlassen hat. 
Demgegenüber geht aus dem aufgenommenen Telefonat mit der Notrufzentrale 
hervor, dass die Privatklägerin eine – die letzte – Tablette Seresta etwas vor 20:54 
Uhr eingenommen hat. Wenn sie tatsächlich zuvor vier weitere Seresta-Tabletten 
eingenommen haben sollte, hätte dies vor dem Eintreffen von Frau E.________h. 
zumindest vor 20:30 Uhr wohl aber sogar vor 20:00 Uhr sein müssen. Der – betref-
fend die ersten vier Tabletten – höchste Plasmastand, zusammen mit dem Alkohol 
nahe an der Vergiftungsgrenze, wäre dann schon deutlich vor 23:20 Uhr eingetre-
ten. Trotz der Unsicherheiten über den genauen Zeitpunkt wäre die Privatklägerin 
dann jedenfalls ziemlich nahe am höchsten Plasmastand wieder aufgewacht, was 
den Gutachtern zufolge kaum möglich erscheint. Der Privatklägerin ging es nach 
den Aussagen von Frau E.________ in jenem Zeitpunkt deutlich besser, als dies 
die Gutachter beim angenommenen Konsum annehmen (stark eingetrübt bis ko-
matös). Dieser Widerspruch könnte in erster Linie dadurch erklärt werden, dass 
entweder Frau E.________ mit ihren Schilderungen über das erneute Aufstehen 
der Privatklägerin log oder aber, dass die Privatklägerin vor der Ankunft von Frau 
E.________ kleinere Mengen Seresta und/oder Alkohol zu sich genommen hatte, 
als sie gegenüber Frau E.________ angab. Prof. I.________ deutete zudem an, 
dass der vermeintliche Widerspruch auch mit einer starken Gewöhnung an Seresta 
oder, zumindest theoretisch, auch mit einer paradoxen Wirkung dieses Medika-
ments erklärt werden könnte. Letzteres habe er aber noch nie erlebt und scheint 
auch für ihn selbst als plausible Erklärung auszuscheiden (vgl. pag. 511, Z. 15–17). 
Auf diese Hypothesen wird noch näher einzugehen sein (E. 11.3.1 unten).

11.2 Aussagen

11.2.1 Würdigung von Aussagen im Allgemeinen

Die Vorinstanz hat die anerkannten Grundsätze der Aussagenwürdigung ausführ-
lich und zutreffend wiedergegeben (pag. 384 ff., S. 7 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung), worauf vorab verwiesen werden kann.

Bei der Abklärung des Wahrheitsgehaltes von Zeugenaussagen hat sich die soge-
nannte Aussageanalyse weitgehend durchgesetzt. Nach dem empirischen Aus-
gangspunkt der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unter-

23

schiedliche geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, 
ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuel-
len Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Er-
lebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise vor-
genommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens durch 
Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, sogenannte Realkennzei-
chen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des Aussa-
geverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und die 
persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Dabei ist im-
mer davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. 
Ergibt die Prüfung, dass diese «Unwahrhypothese» (Nullhypothese) mit den erho-
benen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. 
Es gilt dann die Alternativhypothese, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist 
dafür besonders auch die Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte 
der Aussage (BGE 129 I 49 E. 5; ROLF BENDER/ARMIN NACK/WOLF-DIETRICH TREU-
ER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Aufl. 2014, N. 313 ff.). Weiter ist zu prü-
fen, inwiefern sich die Aussagen mit anderen Beweismitteln in Übereinstimmung 
bringen bzw. durch sie widerlegen lassen.

11.2.2 Aussagen der Zeugin E.________ 

E.________ wurde am 20. Oktober 2014 polizeilich als Auskunftsperson 
(pag. 73 ff.) sowie am 21. Mai 2015 durch die Staatsanwaltschaft (pag. 80 ff.) und 
am 29. März 2016 durch die Vorinstanz (pag. 256 ff.) als Zeugin befragt. Ihre Aus-
sagen sind von der Vorinstanz zusammengefasst und teilweise wörtlich zitiert wor-
den (pag. 389 ff., S. 12 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung), worauf hier 
verwiesen werden kann.

In der Berufungsverhandlung fand nochmals eine Zeugeneinvernahme mit 
E.________ statt (pag. 501 ff.), die allerdings nicht zu Ende geführt werden konnte. 
Sie bestätigte aber ihre bisherigen Aussagen und führte auf entsprechende Fragen 
des Vorsitzenden zusammengefasst Folgendes zum Abend des 8. Oktobers 2014 
aus: Die schlechte Nachricht des Sohnes habe die Privatklägerin an jenem Abend 
völlig durcheinandergebracht. Die Privatklägerin habe ihr damals gesagt, sie habe 
vier Tabletten Seresta genommen, sie selbst habe dies nicht gesehen. Es sei aber 
so lange her, sie könne nicht mehr genau sagen, wie es ablaufen sei. Aus Angst 
habe sie dann den Notarzt angerufen (pag. 501, Z. 15–33). Die Einnahme der wei-
teren Tablette habe sie gesehen, die Privatklägerin habe diese mit Mojito herunter-
geschluckt (pag. 502, Z. 1–2). Sie sei dann rüber in ihre Wohnung, um den Notarzt 
anzurufen. Die Tablettenpackung habe sie während dem Telefongespräch in der 
Hand gehabt; es seien noch paar wenige Tabletten drin gewesen (pag. 502, Z. 20–
28). Auf Frage, ob sie bestätigen könne, dass die Privatklägerin in der Zeit nach 
dem Telefongespräch keinen Alkohol mehr getrunken habe, gab Frau E.________ 
an, die Privatklägerin habe noch eine Seresta-Tablette genommen und danach 
auch weiter Alkohol getrunken, sie glaube Wein, könne es aber nicht mehr mit Si-
cherheit sagen (pag. 502, Z. 41–44). Angesprochen auf ihre früheren Aussagen, 
wonach die Privatklägerin nur noch Kaffee und keinen Alkohol mehr getrunken ha-
be, führte sie aus, sie habe der Privatklägerin Kaffee gemacht, aber am Anfang ha-

24

be diese schon noch Alkohol getrunken und sich geweigert, etwas anderes zu trin-
ken. Beim Durchlesen ergänzte sie dazu, dass sie es einfach nicht mehr wisse. 
Auch sie selbst habe am Anfang Alkohol getrunken, sie wisse aber nicht mehr, ob 
vor oder nach dem Anruf (pag. 503, Z. 1–8). Als der Beschuldigte dazugekommen 
sei, hätten sie etwas getrunken, sie wisse aber nicht mehr was. Der Beschuldigte 
habe ihr dabei geholfen, die Privatklägerin aufzuheben, als sie gegen die Wand 
geknallt sei. Die Privatklägerin habe «gliiret», nicht mehr normal geredet und sinn-
lose Sachen erzählt, verstanden habe man sie aber schon (pag. 503, Z. 19–24). 
Nachdem der Vorsitzende die Zeugin fragte, ob sich die Privatklägerin noch selber 
habe ausziehen können, um ins Bett zu gehen, brach Frau E.________ in Tränen 
aus und bat um eine Pause. In der Folge stellten der Vorsitzende und Oberrichterin 
Bratschi fest, dass Frau E.________ hyperventilierte und sich in völlig aufgelöstem 
Zustand befand. Auf Anraten von Frau Dr. J.________ und im Einverständnis mit 
den Parteien wurde die Einvernahme abgebrochen (vgl. pag. 503 und pag. 506).

Würdigung der Aussagen zum Rahmengeschehen

Wie schon die Vorinstanz zutreffend festgehalten und anhand konkreter Beispiele 
aufgezeigt hat (pag. 391, S. 14 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung), enthalten 
die Aussagen von Frau E.________, vor allem die tatnächsten gegenüber der Poli-
zei, zahlreiche Realkennzeichen. Dies gilt zunächst für ihre Aussagen zum Rah-
mengeschehen, welche durch ihren aussergewöhnlichen Detailreichtum imponie-
ren. Ergänzend kann erwähnt werden, dass ihre Aussagen durchsetzt sind von 
eigenen Gedanken und Überlegungen, die sie sich zum fraglichen Zeitpunkt ge-
macht hatte und an welche sie sich im Zeitpunkt der Frage noch zu erinnern ver-
mochte. In diesem Zusammenhang können etwa Folgende Aussagen erwähnt 
werden:

- Sie erzählt anschaulich, wie man bei der Privatklägerin auf dem Bett gesessen 
sei und sie sich mit dem Beschuldigten darüber verständigt habe, wer denn nun 
zur Privatklägerin schauen solle. Das habe dann sie übernommen, da der Be-
schuldigte am nächsten Tag wieder früh habe arbeiten müssen, was er schon 
den ganzen Abend gesagt habe (pag. 74, Z. 61–66).

- Weil die Privatklägerin anschliessend noch einen Drink verlangt habe, habe sie 
ihr ein Glas Wasser gebracht, was diese aber abgelehnt habe, worauf sie dem 
Wasser etwas Sirup beigefügt habe (pag. 74, Z. 73–76).

- Um sicher zu gehen, dass die Privatklägerin auch wirklich schlafe, habe sie 
dann noch ein paar Sachen in der Wohnung aufgeräumt (pag. 74, Z. 78–79) 
bzw., wie sie vor der Staatsanwaltschaft präzisierte, noch den Kehrichtsack zu-
sammengeputzt (pag. 91, Z. 401). Vor der Vorinstanz legte sie dar, die Privat-
klägerin sei auf den Kehrichtsack gestürzt, der dabei umgefallen sei. Sie habe 
das dann zusammengeräumt, als die Privatklägerin am Schlafen gewesen sei 
(pag. 259, Z. 8–10).

- Sie habe sich überlegt, ob sie auf der Couch in der Wohnung der Privatklägerin 
schlafen solle, um diese überwachen zu können, habe das dann aber verwor-
fen und habe dafür in ihrer eigenen Wohnung extra ihre Schlaftabletten nicht 
genommen, um auf jeden Fall mitzubekommen, wenn etwas in der (unmittelbar 

25

nebenanliegenden) Wohnung der Privatklägerin nicht stimmen würde, was in 
diesem äusserst ringhörigen Haus ohne Weiteres hörbar wäre (pag. 75, Z. 80–
85). 

- Als sie nach dem wahrgenommenen Seufzer nachschauen gegangen sei, habe 
sie zuerst im Gang Licht gemacht, denn sie habe ja nicht gewusst, in welchem 
Raum sich nun die Privatklägerin aufhalten würde (pag. 75, Z. 90–91).

Die sehr konsistenten, detaillierten und nachvollziehbaren Erstaussagen der Zeu-
gin E.________ erscheinen aber auch deshalb als besonders zuverlässig, weil die 
Zeugin das bis zum Zeitpunkt des Anrufs bei der Notrufzentrale Geschehene in 
diesem Telefongespräch (welches im Übrigen erst im Hinblick auf die erstinstanzli-
che Fortsetzungsverhandlung – d.h. nachdem die Zeugin ihre wesentlichen Aussa-
gen zu Protokoll gegeben hatte – ediert wurde, vgl. pag. 281 und pag. 288) weitge-
hend identisch geschildert hat. So insbesondere bezüglich der von der 
Privatklägerin angegebenen Konsummengen (vier Seresta-Tabletten, nicht eine 
ganze Flasche Wein und Mojito-Getränke) und dass die Privatklägerin sodann in 
ihrer Gegenwart noch eine Tablette sowie ein Mojito-Getränk zu sich nahm. Sowohl 
aus ihren Aussagen als auch aus dem Telefongespräch mit der Notrufzentrale 
kommt ihre tiefe Besorgnis um den Zustand der Nachbarin und die Last der Ver-
antwortung, welche ihr in diesem Zusammenhang zukam, gut zum Ausdruck. Dass 
sie trotz dieser Bürde und – wie sie sogar selbst einräumte (pag. 74, Z. 43) – ent-
gegen der Empfehlung des Notarztes, die Privatklägerin nicht in eine psychiatri-
sche Klinik bringen liess, kann unter diesen Umständen aber nicht als Hinweis für 
den vergleichsweise guten Zustand der Privatklägerin aufgefasst werden. Die Er-
klärung von Frau E.________, sie habe gewusst, dass die Privatklägerin dies nicht 
wolle (pag. 74, Z. 43–44), überzeugt und erscheint vor dem Hintergrund der ein-
dringlichen Aufforderungen der Privatklägerin, welche im Hintergrund des Telefon-
gesprächs zu hören sind, gut nachvollziehbar. Auch weitere Verknüpfungen von 
konkreten Aussagen mit der eigenen Gefühlslage deuten auf eine hohe Zuverläs-
sigkeit der Aussagen hin. So etwa die Angabe, sie sei – trotz des auch von ihr als 
schwierig beschriebenen Verhältnisses zu ihm (vgl. z.B. pag. 82, Z. 92–94) – froh 
gewesen, dass der Beschuldigte da gewesen sei und ihr geholfen habe, insbeson-
dere um die Privatklägerin ins Bett zu tragen (pag. 74, Z. 54–55; pag. 88, Z. 292–
293; pag. 259, Z. 13–14). Gleiches gilt, wie auch schon die Vorinstanz treffend 
ausgeführt hat, wie Frau E.________ in ihren Aussagen ihr Innenleben beschrieb, 
nachdem sie von der Privatklägerin aufgefordert wurde, beim «Schöggeli»-
Austauschen mitzumachen. Zunächst habe sie dies verweigert, weil sie sich davor 
geekelt habe («grusig»); danach habe sie es mit der Privatklägerin, nicht aber mit 
dem Beschuldigten, mitgemacht, weil diese darauf beharrt habe (pag. 87 f., Z. 275–
282).

Frau E.________ sagte im Wesentlichen über die weiteren Einvernahmen gesehen 
gleichbleibend und konstant aus. Auch vor der Kammer vermochte sie sich durch-
aus noch an einzelne für sie wichtige Elemente des damaligen Abends erinnern. In 
den Details sind ihre Aussagen aber geprägt von Unsicherheit und der offenbar 
verblassten Erinnerung, auf was sie in Einvernahme selbst immer wieder hinwies 
(pag. 501, Z. 37; pag. 502, Z. 7, Z. 15, Z. 32–33 und Z. 44; pag. 503, Z. 4, Z. 8, 

26

Z. 12 und Z. 27) und was angesichts der vergangenen Zeit auch verständlich er-
scheint. Konkret widersprach Frau E.________ vor der Kammer ihren früheren 
Aussagen, indem sie angab, die Privatklägerin habe auch nach Einnahme der Se-
resta-Tablette weiter Alkohol getrunken (pag. 502, Z. 41–44; pag. 503, Z. 1–4), und 
indem sie nun ausführte, sie habe selbst auch Alkohol getrunken (pag. 503, Z. 6–
12). Demgegenüber hatte Frau E.________ noch in den viel tatnäheren Einver-
nahmen wiederholt, klar und konstant ausgesagt, die Privatklägerin habe, jeden-
falls nachdem sie das Mojito-Fläschchen zu Ende getrunken habe, keinen Alkohol 
mehr zu sich genommen (pag. 74, Z. 48–49; pag. 77, Z. 218–220; pag. 90, Z. 373–
376; pag. 92, Z. 464–465; pag. 260, Z. 32–33). Auch sie selbst habe keinen Alko-
hol getrunken, sie hätte dies damals wegen den Medikamenten auch nicht gedurft 
und habe zudem die Privatklägerin nicht dazu animieren wollen (pag. 77, Z. 218–
220; pag. 82, Z. 77–78; pag. 90, Z. 373–376). Überdies ist angesichts der Besorg-
nis von Frau E.________ über den schlechten Zustand der Privatklägerin und den 
diesbezüglichen eindringlichen Rat des diensthabenden Arztes, nicht davon aus-
zugehen, dass Frau E.________ es zugelassen hätte, dass die Privatklägerin noch 
weiter Alkohol getrunken hätte. Die gegenteiligen, reichlich diffus wirkenden neus-
ten Aussagen von Frau E.________ scheinen darauf zurückzuführen zu sein, dass 
sie aufgrund der mittlerweile vergangenen Zeit von fast 40 Monaten über diese De-
tails nicht mehr im Klaren ist. Dies vermag an der Glaubhaftigkeit ihrer früheren 
Aussagen indes nichts zu ändern.

Würdigung der Aussagen zum Kerngeschehen

Bei Frau E.________ handelt es sich um eine – bei Sexualdelikten äusserst selten 
anzutreffende – Zeugin des Kerngeschehens. Sie habe aus ihrer Wohnung zwei-
mal ein Geräusch, das sich wie ein Seufzer angehört habe, wahrgenommen und 
gedacht, die Privatklägerin sei wohl wieder wach und über etwas gestolpert. Sie sei 
deswegen in die Wohnung der Privatklägerin, habe Licht im Gang gemacht und zu 
ihr ins Schlafzimmer geschaut, wo sie den Vorfall habe sehen können (pag. 75, 
Z. 87–93). Zu dem dort Wahrgenommenen sind ihre Aussagen etwas weniger er-
giebig als diejenigen zum Rahmengeschehen, da sie nach ihren Angaben beim Er-
blicken des den Geschlechtsverkehr ausübenden Beschuldigten ein Flashback ih-
rer eigenen Vergewaltigung erlitten und dem Vorfall deswegen nur sehr kurz 
zugeschaut habe, ohne in der Lage gewesen zu sein, den Handlungen des Be-
schuldigten Einhalt zu gebieten. Geschockt und ohne, dass der Beschuldigte die 
Beobachtung gemerkt habe, sei sie dann wieder in ihre Wohnung gegangen. 
Zunächst gab sie an, sie sei nach dem Anblick des Beschuldigten «zack» wieder 
zurück in ihre Wohnung (pag. 76, Z. 178–179). Konkret nach der Dauer gefragt 
sagte sie dann aus, sie sei sehr kurz, ca. zwei bis drei Minuten dort gewesen 
(pag. 77, Z. 186–187). Vor der Staatsanwaltschaft sprach sie davon, sie sei «so-
fort» zurück in ihre Wohnung (pag. 91, Z. 420). Wie lange sie den Vorfall genau 
beobachtete, ist also nicht ganz klar, jedenfalls verfolgte sie das Geschehen nur 
vergleichsweise kurz und handelt sich beim Geschilderten um eine Momentauf-
nahme. 

Immerhin sagte sie zum Kerngeschehen aus, der Beschuldigte habe auf dem Bett 
gekniet und die Beine der Privatklägerin über seine Schultern gelegt gehabt. Sein 

27

Penis sei glaublich in die Privatklägerin eingeführt gewesen, was sie daraus ge-
schlossen habe, dass er am «ruggen» gewesen sei (pag. 76, Z. 164–167). Der Be-
schuldigte sei komplett nackt gewesen, die Privatklägerin habe sie nicht gut beob-
achten können, jedenfalls seien ihre Beine nackt gewesen (pag. 76, Z. 174–178). 
Ob die Privatklägerin während des Vorfalls wach gewesen sei, könne sie nicht sa-
gen, sie habe das Gefühl, das sei eher nicht der Fall gewesen. Sie habe nur ihn 
gesehen und sei dann geschockt gewesen (pag. 77, Z. 193–195). Der Beschuldigte 
habe leise gehandelt und nichts gesprochen, ob er zu einem Orgasmus gekommen 
sei, habe sie nicht erkennen können (pag. 77, Z. 198–203). Bei der Staatsanwalt-
schaft sagte Frau E.________ weiter aus, die Privatklägerin sei auf dem Rücken 
gelegen und habe die Arme seitlich von sich gestreckt, während der Beschuldigte 
gekniet sei und ihre Beine über seinen Schultern gehabt habe; es habe so ausge-
sehen, als ob sie den Geschlechtsverkehr vollzogen hätten (pag. 91, Z. 416–420). 
Seitens der Privatklägerin habe sie während ihrer Beobachtungszeit gar keine Re-
aktion erkennen können (pag. 92, Z. 432–440). In der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung gab sie dazu an, der Beschuldigte habe sie nicht bemerkt, da er voll-
kommen auf die Privatklägerin konzentriert gewesen sei, die wie ein «Bäbi» 
dagelegen sei, die Arme ausgestreckt, ihr Beine über seinen Schultern und «völlig 
weg» (pag. 259, Z. 38–39). Ob der Beschuldigte Gewalt angewendet habe, könne 
sie nicht sagen, fein sei es jedenfalls nicht gewesen, die Privatklägerin habe sich 
auch nicht bewegt (pag. 260, Z. 5–6). Vor der Kammer konnte Frau E.________ 
nicht mehr zum Kerngeschehen befragt werden.

Gerade unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Frau E.________ den Vorfall 
nur kurz beobachtete, sind ihre konstanten Aussagen zum konkret Wahrgenom-
menen vergleichsweise detailliert. Insbesondere das durchaus aussergewöhnliche 
Detail, dass sich die Beine der Privatklägerin auf den Schultern des knienden Be-
schuldigten befanden, scheint Frau E.________ besonders geblieben zu sein. 
Trotz der eingeschränkten Lichtverhältnisse, die ihr verunmöglicht haben, alle De-
tails wahrzunehmen (vgl. pag. 77, Z. 182–183), vermochte sie die beiden Körper 
(auf dem Rücken mit ausgestreckten Armen, wie ein «Bäbi», die Füsse auf den 
Schultern des knienden Beschuldigten) durchaus plastisch und bildhaft zu be-
schreiben. Auch die Bewegungen des Beschuldigten («ruggen») illustrierte sie 
wirklichkeitsnah und gut nachvollziehbar. Es fällt auch hier auf, dass Frau 
E.________ unterscheiden kann, zwischen dem, was sie selber sah und dem, was 
sie aus Bewegungen, dem «Ruggen», schloss, nämlich dass der Penis in die Pri-
vatklägerin eingeführt gewesen sei. Frau E.________ gab gegenüber der Staats-
anwaltschaft an, am Borderline-Syndrom zu leiden (pag. 93, Z. 497) und opiathalti-
ge Präparate zu sich nehmen zu müssen (pag. 82, Z. 77–78). Diese Elemente, 
über welche Frau E.________ ohne zu zögern Auskunft gab, wirken sich aber nicht 
auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen aus. Insbesondere war, wie auch anschau-
lich aus dem Telefongespräch mit der Notrufzentrale und dem diensthabenden Arzt 
hervorgeht, ihre Wahrnehmungsfähigkeit an jenem Abend nicht eingeschränkt. 
Frau E.________ ist auch die einzige der Beteiligten, welche am Ereignisabend 
keinen Alkohol getrunken hat; sie hat auch extra auf die Einnahme eines Schlafmit-
tels verzichtet. An der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen vermag sodann auch nichts 
zu ändern, dass sie nicht einschritt, sondern, wie sie angab, sich aufgrund eines 

28

Schockzustandes in ihrer Wohnung weinend unter der Bettdecke verkrochen habe. 
Dass diese Erklärung nicht blosser Vorwand ist, wird im Bericht der Psychiaterin 
Dr. O.________ vom 23. Oktober 2014 bestätigt (pag. 95). Der Anblick habe die 
früher von Frau E.________ selbst erlittene Vergewaltigung und den sexuellen 
Missbrauch ihres Sohnes reaktiviert, so dass sie nicht in der Lage gewesen sei, zu 
reagieren, wie sie es sich gewünscht hätte. Schon aufgrund dieser Angabe der Ärz-
tin, bei welcher Frau E.________ seit der eigenen Vergewaltigung in Behandlung 
war (vgl. pag. 81, Z. 40–41), besteht kein Anlass, die Aussagen von Frau 
E.________ aufgrund dieser Verhaltensweise in Zweifel zu ziehen. Für das Vortäu-
schen eines solchen Schockzustandes und damit eines Grundes für die Untätigkeit 
ist auch kein Motiv erkennbar. Dagegen spricht auch der Umstand, dass Frau 
E.________ der Privatklägerin ihr Verhalten bereits am nächsten Tag schonungs-
los offenlegte und erklärte, dass sie nicht mit sich zufrieden sei (vgl. pag. 75, 
Z. 104–114). Des Weiteren konnte sich die Kammer an der Berufungsverhandlung 
selbst ein Bild von Frau E.________ und ihrer Verfassung machen. Trotz des Bei-
seins ihrer Psychiaterin nahm sie die erneute Konfrontation mit den damaligen Ge-
schehnissen sichtlich stark mit. Zusammen mit der Erkenntnis, dass sie sich an vie-
les nicht mehr im Detail zu erinnern vermochte, führte dies schliesslich dazu, dass 
sie die Einvernahme nicht zu Ende führen konnte. Auch diese Reaktion ist nicht 
geeignet, ihre bisherigen Aussagen in Zweifel zu ziehen.

Für die von der Verteidigung angedeutete Hypothese, Frau E.________ hätte ei-
nen Komplott gegen den von ihr ungeliebten Beschuldigten geschmiedet, bestehen 
überhaupt keine Anhaltspunkte. Es ist nicht ersichtlich, wieso Frau E.________ – 
teilweise entgegen ihrer Wahrheitspflicht als Zeugin – den Beschuldigten tatsa-
chenwidrig eines so schwerwiegenden Delikts anschuldigen sollte; erst recht nicht 
deshalb, weil sie sich damit als (einzige) Belastungszeugin freiwillig einer wieder-
holten Konfrontation mit einem Thema ausgesetzt hätte, welches für sie aufgrund 
eigener Erlebnisse ausserordentlich belastend ist. Wäre es ihr aber darum gegan-
gen, dem Beschuldigten eins auszuwischen, hätte es dazu weit einfachere Mög-
lichkeiten gegeben, so beispielsweise im Zusammenhang mit den Hanfpflanzen, 
die sich offenbar auf seinem Balkon befanden (vgl. pag. 76, Z. 157–158). Die Aus-
sagen von Frau E.________ sind differenziert und enthalten keine pauschalen oder 
übermässigen Belastungen an die Adresse des Beschuldigten; umgekehrt schonte 
sie weder sich selbst noch die Privatklägerin. Beispielsweise räumte sie ein, dem 
Beschuldigten wohl nicht mitgeteilt zu haben, dass sie zuvor dem Notfallarzt ange-
rufen habe (pag. 87, Z. 266–268) und gab auch an, dass die Privatklägerin den Be-
schuldigten an jenem Abend etwas angemacht habe und später auch zu ihm habe 
gehen wollen. Schliesslich hat auch das mittlerweile – offenbar vor der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung (pag. 268, Z. 33–37) – verschlechterte Verhältnis zwi-
schen der Privatklägerin und Frau E.________ nicht dazu geführt, dass letztere ih-
re Aussagen in irgendeiner Weise abgeschwächt oder abgeändert hätte.

Fazit

Zusammenfassend erscheinen die Aussagen von Frau E.________ in jeder Hin-
sicht als sehr glaubhaft, nachvollziehbar und in sich logisch. Für die Ermittlung des 

29

Rahmen- und des Kerngeschehens kann damit grundsätzlich auf ihre Darstellung 
der Ereignisse abgestellt werden.

11.2.3 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde am 24. Oktober 2014 von der Polizei (pag. 143 ff.), am 
29. April 2015 von der Staatsanwaltschaft (pag. 152 ff.) und an 29. März 2016 in 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 270 ff.) befragt. Die Vorinstanz hat 
seine Aussagen zusammengefasst und teilweise wörtlich wiedergegeben 
(pag. 392 ff., S. 15 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf wird verwie-
sen.

In der Berufungsverhandlung vom 6. Februar 2018 wurde der Beschuldigte ein wei-
teres Mal zur Sache befragt (pag. 513 ff.). Dabei sagte er zusammengefasst aus, 
er habe nicht mitbekommen, dass die Privatklägerin mehrmals umgefallen sein sol-
le. Sie hätten die Privatklägerin auch nicht ins Schlafzimmer getragen, sondern ge-
bracht. Auch blaue Flecken habe er bei der Privatklägerin nicht gesehen (pag. 513, 
Z. 35–37). Gefragt nach den Abweichungen zu den Aussagen von Zeugin 
E.________ führte er aus, er habe von Anfang an, als Frau E.________ eingezo-
gen sei, Probleme mit ihr gehabt, sie habe sich immer über seinen Fernseher be-
schwert und gemeint, er handle «immer nur nach dem Schwanz». Er habe sich 
Mühe gegeben, aber man habe keinen Konsens gefunden, die Chemie habe nicht 
gestimmt (pag. 514, Z. 1–13). Auf Frage, warum man die Privatklägerin ins Bett 
gebracht habe, führte er aus, sie habe geweint und gesagt, sie wolle sterben. Sie 
hätten gedacht, man könne die Privatklägerin nicht am Tisch lassen, sie müsse ins 
Schlafzimmer, damit sie etwas runterkommen könne. Frau E.________ und er hät-
ten die Privatklägerin ins Bett gebracht (pag. 514, Z. 15–21). Zum Zustand der Pri-
vatklägerin in diesem Zeitpunkt gab er an, sie habe noch gelacht, als er gekommen 
sei, danach habe sie plötzlich «grännet». Man habe einfach am Tisch getrunken 
und es sei noch normal geredet worden (pag. 514, Z. 25–26). Auf spätere Ergän-
zungsfrage präzisierte er, die Privatklägerin sei zunächst noch lustig drauf gewe-
sen, was sich dann plötzlich geändert habe; sie sei ruhiger und ruhiger geworden 
und habe dann angefangen zu weinen. Erst danach habe sie ihm erklärt, wieso sie 
weine; das habe er vorher nicht gewusst (pag. 516, Z. 26–29). Er habe dann ein-
fach gesagt, er wolle schlafen gehen und Frau E.________ solle schauen, wie es 
der Privatklägerin gehe. Für ihn sei es unangenehm gewesen, und Frau 
E.________ habe als Frau besser darüber reden können (pag. 514, Z. 32–34). Ge-
fragt danach, wie die Privatklägerin mit ihm gesprochen habe, als er wieder ins 
Schlafzimmer gekommen sei, gab er an, die Privatklägerin sei im Bett gelegen und 
das Licht habe gebrannt. Die Privatklägerin sei im Halbschlaf gewesen. Er habe sie 
gefragt, ob es ihr gut gehe, worauf sie gesagt habe, es gehe gut und er solle doch 
hier schlafen. Sie hätten normal zueinander geredet, seien einander immer näher 
gekommen und hätten sich geküsst. Die Privatklägerin habe ihn mit offenen Augen 
angeschaut (pag. 514, Z. 36–44; pag. 515, Z. 2). Auf Vorhalt seiner früheren Aus-
sagen zum Ablauf des Geschlechtsverkehrs bejahte er die Frage, ob die Privatklä-
gerin das alles problemlos habe mitmachen können. Es sei etwa 00:30 Uhr gewe-
sen, als er wieder hochgegangen sei, er sei auch nicht ganz nüchtern gewesen. 
Die Privatklägerin habe ihm das T-Shirt abgezogen und sei nicht nur passiv her-

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umgelegen (pag. 515, Z. 5–12). Die Privatklägerin habe einfach gestöhnt, ob sie 
zum Höhepunkt gekommen sei, könne er nicht sagen. Sie hätten dann beide ge-
schlafen. Am Morgen sei er erwacht, das Natel sei unten in seiner Wohnung ge-
blieben, er habe gesehen, dass er sich umgehend anziehen müsse, um zur Arbeit 
zu gehen. Er habe sich kurz von der schlafenden Privatklägerin verabschiedet, sei 
aber in einem «Züg» gewesen, weil er zur Arbeit habe gehen müssen, wo er dann 
auch pünktlich erschienen sei (pag. 515, Z. 15–26; pag. 516, Z. 21). Gefragt nach 
dem von ihm erwähnten sexuellen Kontakt mit der Privatklägerin im Sommer 2014 
führte der Beschuldigte aus, das sei bei ihm unten gewesen. Sie seien im Wohn-
zimmer am Fernsehschauen und Weintrinken gewesen, danach habe sich dies er-
geben (pag. 515, Z. 28–31). Auf ergänzende Fragen der Kammer gab er weiter an, 
er trinke gern im Eichholz ein «Bierli» und es könne sein, dass er am 8. Oktober 
2014 dort etwa vier Bier getrunken habe (pag. 516, Z. 31–37). Auf Vorhalt der Aus-
sage, die Privatklägerin habe ihn darum gebeten, bei ihr ein Bier zu trinken, gab 
der Beschuldigte zu Protokoll, er habe noch ein Bier unten gehabt und dann dort 
vor dem Wein wohl auch noch ein Bier getrunken. Er habe wohl sein eigenes Bier 
mit hoch genommen, er könne es aber nicht mehr sagen, ob er oben ein Bier ge-
trunken habe oder nicht. Wein habe er wohl eine halbe Flasche mitgetrunken 
(pag. 516, Z. 39–44; pag. 517, Z. 1–6). Gefragt danach, wie es zum Geschlechts-
verkehr gekommen sei, gab der Beschuldigte an, sie hätten zunächst angefangen 
zu schmusen, hätten sich gegenseitig ausgezogen und dann miteinander schlafen 
wollen. Bei ihm sei es nicht so gut gegangen, weil er betrunken und sein Penis 
schlaff gewesen sei. Die Privatklägerin habe gesagt, das sei nicht so schlimm, 
woraufhin sie sich gegenseitig verwöhnt hätten und dann beide eingeschlafen sei-
en (pag. 517, Z. 9–15). Bei einer gewissen Dosis Alkohol gehe bei ihm nichts mehr. 
Er sei schon erregt, der Penis aber nicht richtig hart gewesen. Er habe schon etwas 
eindringen können, aber nicht richtig (pag. 517, Z. 23–25).

Würdigung der Aussagen

Der Beschuldigte hat die Geschehnisse grösstenteils konstant geschildert und den 
groben Ablauf des Abends bis zum Geschlechtsverkehr abgesehen von gewissen 
Details auch zutreffend beschrieben. Die Kammer schliesst sich der Würdigung der 
Aussagen des Beschuldigten durch die Vorinstanz (pag. 394 f., S. 17 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung) grundsätzlich an. Darauf wird vorab verwiesen. 

Zu ergänzen ist, dass der Beschuldigte den Ablauf des Geschlechtsverkehrs mit 
der Privatklägerin von Beginn weg völlig allgemein und unspezifisch beschrieb, so 
z.B. vor der Polizei: «Wir haben uns geküsst. Ich habe ihr unter das T-Shirt gegrif-
fen. Wir haben uns ausgezogen. Ich dachte, dass sie es auch will. Wir haben uns 
gegenseitig befriedigt und dann miteinander geschlafen. Sie hat mich verwöhnt und 
ich habe sie verwöhnt. Sie hat mir eins geblasen und ich habe sie mit der Zunge 
verwöhnt. Der Geschlechtsverkehr hat in der Missionarsstellung stattgefunden» 
(pag. 146, Z. 72–76). Auch die späteren Aussagen dazu vor der Staatsanwalt-
schaft, der Vorinstanz und zuletzt auch gegenüber der Kammer erfolgten ähnlich 
farblos und stereotyp, ohne erkennbare aussagenimmanente Qualitätsmerkmale – 
so wie jemand spricht, der dies nicht so, sondern entweder gar nicht oder ganz an-
ders erlebt hat. Auch weitere Details im Aussageverhalten lassen erkennen, dass 

31

der Beschuldigte den Ablauf nicht sehr präzise schilderte, sich teilweise wider-
sprach und seine Aussagen an vorgehaltene Beweismittel anpasste. Angespro-
chen auf die Aussage der Zeugin E.________, wonach er die Beine der Privatklä-
gerin über seine Schultern gelegt habe, um so den Geschlechtsverkehr zu 
vollziehen, schüttelte er den Kopf und führte aus, er habe normal Sex gehabt und 
könne sich nicht daran erinnern; er habe vor ihr gelegen und habe sie verwöhnt 
(pag. 147, Z. 112–115). Gegenüber der Staatsanwaltschaft passte er die Aussagen 
auf denselben Vorhalt hin dahingehend an, dass es möglich sei, dass er die Beine 
auf den Schultern gehabt habe, weil er die Privatklägerin verwöhnt habe; vielleicht 
sei es das, was Frau E.________ gesehen habe (pag. 164, Z. 431–439). Direkt 
danach will er sich an diese ursprünglich bestrittene, dann doch für möglich gehal-
tene Stellung sogar erinnert haben: «Ich mag mich daran erinnern, dass ich sie in 
dieser Stellung (ihre Beine über meinen Schultern) verwöhnt habe» (pag. 164, 
Z. 444–445). Als er an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gefragt wurde, wie 
er sich erkläre, dass die Privatklägerin am nächsten Tag blaue Flecken gehabt ha-
be, gab er als Grund, wieso er nichts davon gesehen haben will, an, das Licht sei ja 
abgelöscht gewesen (pag. 277, Z. 45–47). Damit widerspricht er zumindest teilwei-
se seiner wiederholten Aussage, das Licht im Schlafzimmer und im Korridor der 
Privatklägerin habe gebrannt, als er wieder zu ihr hochgegangen sei (pag. 145, 
Z. 37; pag. 163, Z. 397–398; pag. 514, Z. 38). Zumindest in diesem Zeitpunkt 
müsste er die Privatklägerin, um welche er sich angeblich so Sorgen gemacht ha-
ben will, gut gesehen haben, auch wenn sie nicht nackt war. Dass der Beschuldig-
te, nachdem er vor der Vorinstanz darauf hingewiesen wurde, dass das von der 
Privatklägerin geschilderte Verletzungsbild nicht von Oral- oder Handverkehr 
stammen könne (vgl. pag. 275, Z. 13–16), geltend machte, er habe «Penetration» 
und «Ejakulation» verwechselt – er sei schon eingedrungen, aber nicht zum Or-
gasmus gekommen (pag. 277, Z. 27–43) –, erscheint abwegig. Auch darin könnte 
durchaus eine Anpassung der Aussagen an ein vorgehaltenes Beweisergebnis vor-
liegen. Aufgrund der aus seinen Aussagen hervorgehenden Reaktion auf diese 
Hinweise, der Tatsache, dass er selbst diese beiden Begriffe in den Aussagen nie 
verwendete und die Wörter auch eine gewisse Nähe aufweisen, erscheint aber 
schon möglich – und ist zu seinen Gunsten anzunehmen –, dass in diesem Sinne 
ein Missverständnis vorlag. Dennoch erweisen sich insgesamt die Aussagen des 
Beschuldigten zum Kerngeschehen, vor allem aufgrund der Art und Weise, wie sie 
vorgetragen wurden und des klaren qualitativen Strukturbruchs im Vergleich zu den 
restlichen Aussagen, als ausgesprochen unglaubhaft.

Gestützt auf seine Aussagen ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte vor und 
an diesem Abend Alkohol – wie er selbst angibt vor allem vier bis fünf Dosen Bier – 
zu sich genommen hat und daher insbesondere auch zum mutmasslichen Tatzeit-
punkt nicht ganz nüchtern war, was seinen Aussagen zufolge auch dazu geführt 
haben soll, dass der Geschlechtsverkehr nicht richtig geklappt habe. Die spärlichen 
Aussagen zum Kerngeschehen lassen sich aber nicht mit einer dadurch einge-
schränkten Wahrnehmungsfähigkeit erklären. Den Grossteil des Alkohols nahm er 
nämlich noch im Eichholz ein, wohl deutlich bevor er (etwa um 21:30 Uhr) die 
Wohnung der Privatklägerin betrat, und damit mehrere Stunden vor dem mutmass-
lichen Tatzeitpunkt um 00:40 Uhr. Auch Frau E.________ hatte nicht das Gefühl, 

32

dass der Beschuldigte im Zeitpunkt, als er die Wohnung der Privatklägerin verlas-
sen hat, angetrunken war (pag. 90, Z. 380). Die Geschehnisse, als er am Abend 
erstmals in der Wohnung der Privatklägerin war, vermochte er aber trotz des Bier-
konsums noch deutlich konkreter und detaillierter zu schildern. Weiter hat der Be-
schuldigte auch selbst angegeben, dass er – mehr oder weniger – regelmässig Bier 
trinke (vgl. pag. 155, Z. 102–107; pag. 516, Z. 31–33), weshalb von einer gewissen 
Gewöhnung auszugehen ist.

Deutlich zuverlässiger, weil qualitativ reichhaltiger und viel detaillierter, erscheinen 
die Schilderungen des Beschuldigten zum Vorgeschehen an jenem Abend. Verein-
zelt verstrickte er sich aber auch hier in Widersprüche. Anders als bei Frau 
E.________ fielen etwa seine Aussagen dazu, was am Abend getrunken wurde, 
nicht erst vor der Kammer, Jahre nach dem Vorfall, sondern schon vor der Staats-
anwaltschaft sehr ungenau und widersprüchlich aus. Dort gab er an, er habe in der 
Wohnung der Privatklägerin ein Bier und dann noch Wein mit den beiden Frauen 
getrunken. Ihm sei ein Glas Wein angeboten worden. Sowohl die Privatklägerin als 
auch Frau E.________ hätten Wein getrunken (pag. 160, Z. 282–284). Bezüglich 
Frau E.________ hatte er in der ersten Einvernahme noch das Gegenteil behaup-
tet (pag. 151, Z. 309). Erst als er daraufhin mit der Aussage von Frau E.________, 
wonach sie an diesem Abend nichts getrunken habe, konfrontiert wurde, machte er 
Erinnerungslücken geltend («Ich kann nicht sagen, ob Frau E.________ getrunken 
hat.», pag. 160, Z. 289). Kurz darauf sprach er wieder ohne jede Differenzierung 
davon, sie seien da gesessen und hätten Wein getrunken (pag. 160, Z. 312–313). 
Auch in der Hauptverhandlung gab er wiederum klar und deutlich an, er wisse nur, 
dass sie zu dritt Wein getrunken hätten (pag. 277, Z. 18). Auf die Frage, ob er an 
diesem Tag vorgängig Alkohol konsumiert habe, antwortete er, er habe unten bei 
ihm vorher ein Bier getrunken (pag. 160, Z. 291–293). Auch hier räumte er erst auf 
Hinweis auf den klaren Widerspruch zu seinen ersten Aussagen – wo er angab, be-
reits im Eichholz vier Bier getrunken zu haben (pag. 147, Z. 98) – ein, dass er es 
nicht mehr genau wisse (pag. 160, Z. 298). Aus diesen Elementen kann zwar nicht 
geschlossen werden, dass der Beschuldigte absichtlich falsch ausgesagt hat. 
Gleichwohl geht daraus eine Tendenz hervor, dass er sich in seinen Aussagen 
nicht immer streng am realen Erlebnishintergrund orientierte, insbesondere indem 
er eigene Unsicherheiten verschwieg und erst einräumte, nachdem man ihn aus-
drücklich auf Widersprüche hinwies, womit er auch hier seine Aussagen nachträg-
lich an vorgehaltene Beweismittel anpasste. 

Fazit

Die Schilderungen des Beschuldigten zum Kernsachverhalt erweisen sich insge-
samt als unglaubhaft. Im Übrigen schilderte er aber den groben Ablauf des Abends 
grundsätzlich zuverlässig. Aufgrund seines teilweise ungenauen Aussageverhal-
tens verbleibt aber auch dort Raum für Zweifel, ob er punktuell nicht wahrheitsge-
treu aussagte oder Einzelheiten verschwieg. Was dies in Bezug auf die bestrittenen 
Sachverhaltsfragen konkret bedeutet, ist in einer Gesamtwürdigung aller zur Verfü-
gung stehenden Beweismittel zu ermitteln. 

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11.2.4 Aussagen der Privatklägerin C.________

Die Privatklägerin wurde am 20. Oktober 2014 polizeilich (pag. 119 ff.), am 21. Mai 
2015 durch die Staatsanwaltschaft (pag. 128 ff.) sowie in der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung (pag. 264 ff.) einvernommen. Es wird auf die Zusammenfassung 
und teils wörtliche Wiedergabe der Aussagen der Vorinstanz (pag. 386 f., S. 9 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) verwiesen.

Auch mit der Privatklägerin wurde vor der Kammer nochmals eine Einvernahme 
durchgeführt (pag. 495 ff.). Sie gab an, sich nach wie vor ab dem Zeitpunkt, als der 
Beschuldigte an ihrer Wohnungstüre geklingelt habe, nicht mehr an die Nacht vom 
8./9. Oktober 2014 erinnern zu können (pag. 496, Z. 1–5). Weiter führte sie zu-
sammengefasst auf entsprechende Fragen aus, sie habe an diesem Tag ihrem 
Sohn ein SMS geschrieben und dann, es müsse am frühen Abend gewesen sein, 
von diesem eine Absage per SMS erhalten (pag. 496, Z. 7–12). Sie habe daraufhin 
auf jeden Fall vier Tabletten Seresta mit Rotwein genommen. Da sie nicht in den 
Keller, eine neue Flasche Rotwein habe holen wollen, habe sie zudem noch so Mo-
jito-Getränke, von welchen sie noch drei bis vier im Kühlschrank gehabt habe, ein-
genommen, bevor Frau E.________ gekommen sei (pag. 496, Z. 17–23; pag. 497, 
Z. 43; pag. 498, Z. 1–3). Wie und wann genau s