# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a256c95-a86d-5a12-82c5-a51d71b3f9ef
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-29
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 29.05.2020 VG.2019.00135 (VG.2020.934)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2019-00135_2020-05-29.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 29. Mai 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2019.00135

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch
    Rechtsanwältin B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Abteilung Migration des Kantons Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Sicherheit und Justiz 

    des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung /
  Ordentliche Wegweisung

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  Die am […] geborene
  A.______, Staatsangehörige des Landes
  C.______, heiratete am 3. August 2015 D.______, welcher das schweizerische
  Bürgerrecht besitzt. Am 28. November 2015 reiste sie im Rahmen des
  Familiennachzugverfahrens in die Schweiz ein, wo sie eine bis am 27. November
  2017 gültige Aufenthaltsbewilligung B erhielt. Nachdem die Eheleute
  ihren Wohnsitz Ende November 2016 von […] nach […] verlegt hatten, wurde die
  Aufenthaltsbewilligung von A.______ bis am 27. November 2018 verlängert.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am 29. März 2018 erstattete
  der Onkel von A.______ bei der Kantonspolizei Glarus eine Meldung, wonach
  D.______ gegenüber seiner Frau gewalttätig geworden sei. Nachdem eine
  polizeiliche Intervention stattgefunden und A.______ einen Strafantrag gegen
  ihren Ehemann gestellt hatte, wies ihn die Kantonpolizei Glarus bis zum 5. April
  2018 von der gemeinsamen Wohnung weg, was vom Zwangsmassnahmengericht des
  Kantons Glarus am 4. April 2018 bis am 15. April 2018 verlängert wurde. In
  der Folge berechtigte der Präsident des Kantonsgerichts Glarus A.______ und
  D.______ am 19. April 2018 zum Getrenntleben und merkte überdies vor,
  dass sie seit dem 1. April 2018 getrennt leben.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Am 21. September 2018
  stellte A.______ erneut ein Gesuch um Verlängerung ihrer
  Aufenthaltsbewilligung, welches die Abteilung Migration nach Gewährung des
  rechtlichen Gehörs am 27. Dezember 2018 abwies und sie anwies, innert
  90 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung die Schweiz zu verlassen. Die
  von A.______ am 8. Januar 2019 dagegen erhobene Beschwerde wies das
  Departement Sicherheit und Justiz (DSJ) am 29. Oktober 2019 ab.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 A.______ gelangte in der Folge mit Beschwerde vom
  29. November 2019 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der
  Verfügung der Abteilung Migration vom 27. Dezember 2018 sowie des
  Beschwerdeentscheids des DSJ vom 29. Oktober 2019. Es sei ihr die
  Aufenthaltsbewilligung zu verlängern, eventualiter sei die Sache zur weiteren
  Abklärung an die Abteilung Migration zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der Abteilung Migration und des DSJ sowie
  unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung und der
  unentgeltlichen Prozessführung.

  
	
   

  
	
  4.2 Das DSJ beantragte am 13. Januar 2020 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
  einzutreten sei; unter Kostenfolgen zu Lasten von A.______. Die Abteilung
  Migration liess sich am 14. Januar 2020 vernehmen und beantragte ebenfalls
  die Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolgen zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  4.3 Das Verwaltungsgericht führte am 29. Mai 2020 eine
  mündliche Verhandlung mit Parteieinvernahme durch, wobei auf das
  handschriftliche Protokoll des Gerichtsschreibers zu verweisen ist.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 16 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die
  Ausländerinnen und Ausländer und zum Asylgesetz vom 4. Mai 2008 (EG AuG)
  i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
  vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
  zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
  die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mit der
  Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die unrichtige oder unvollständige
  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens geltend
  gemacht werden (Art. 107 Abs. 1 VRG). Die Unangemessenheit des
  Entscheids kann nur ausnahmsweise geltend gemacht werden (vgl. Art. 107 Abs.
  2 VRG). Ein solcher Ausnahmetatbestand liegt nicht vor.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, sie
  habe während des ehelichen Zusammenlebens von ihrem Ehepartner systematisch
  physische und psychische Gewalt erfahren, was von den Beschwerdegegnern zu
  Unrecht verneint worden sei. Insbesondere sei die Tatsache, dass es zu
  tätlichen Übergriffen gekommen sei und entsprechende Verletzungen gesehen
  worden seien, trotz stimmiger Aussagen von ihr, ihrer damaligen Nachbarin und
  ihrer Chefin zu Unrecht als unglaubhaft eingestuft worden. Sodann seien für
  die geltend gemachten Einschränkungen, Kontrollen, Drohungen und
  Beleidigungen durch ihren Ehemann vermeintliche Rechtfertigungsgründe gesucht
  worden, welche nicht aktenkundig seien. Dementsprechend hätten die
  Beschwerdegegner die im Recht liegenden Beweise nicht nach pflichtgemässem
  Ermessen gewürdigt und es insbesondere unterlassen, eine Gesamtbetrachtung
  des Sachverhalts vorzunehmen. Vielmehr hätten sie sich darauf beschränkt,
  ihre Aussagen aufgrund nicht nachvollziehbarer und unsachlicher Gründe zu
  würdigen. Insgesamt seien wichtige persönliche Gründe für eine Verlängerung
  der Aufenthaltsbewilligung gegeben, wobei eine Nichtverlängerung in
  Anbetracht der Umstände, in welchen sie sich über Jahre befunden habe, nicht
  verhältnismässig sei. Dies nicht zuletzt mit Blick darauf, dass sie sich
  innert kürzester Zeit in der Schweiz aus eigener Kraft ein neues Leben mit
  einer eigenen Wohnung sowie einem festen Arbeitsplatz aufgebaut habe.

  
	
   

  
	
  3.2 Die Beschwerdegegnerin bringt vor, der Sachverhalt
  sei rechtsgenüglich erstellt worden. Es seien sämtliche involvierten Personen
  durch fachlich befähigtes Personal befragt worden und die Beschwerdeführerin
  habe mehrfach die Möglichkeit erhalten, sich frei und offen in ihrer
  Muttersprache zur Sache zu äussern. Dabei habe sie sich bereits nach den
  ersten Befragungen in entscheidenden Fragen widersprochen oder habe zu
  relevanten Ereignissen keine Aussagen machen können, wobei sie den
  Sachverhalt immer weiter ausgebaut und sich dadurch in immer häufigere
  Widersprüche verwickelt habe. Dabei habe sie ihr angeblich erlittenes Martyrium
  nie glaubhaft schildern können. Hinzu komme, dass ihre Aussagen von
  denjenigen der befragten Zeuginnen massgeblich abwichen, weshalb keine
  kongruenten Schilderungen vorlägen. Damit habe anlässlich der umfassenden
  fremdenpolizeilichen Befragungen nicht erstellt werden können, dass die
  Beschwerdeführerin je Opfer von häuslicher Gewalt durch ihren Ehemann
  geworden sei, weshalb keine wichtigen persönlichen Gründe für eine
  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung vorlägen.

  
	
   

  
	
  3.3 Der Beschwerdegegner 2 stellt sich auf den
  Standpunkt, der Sachverhalt sei entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
  nicht stets zu ihren Ungunsten ausgelegt worden. Vielmehr seien auch ihre
  Darstellungen vereinzelt als glaubhaft taxiert worden. Sodann habe er sich
  keineswegs nur auf Einzelheiten fokussiert, sondern seinem Entscheid ein
  Gesamtbild der geschilderten Vorfälle zugrunde gelegt. Dennoch sei er wegen
  der Inkonsistenz der verschiedenen Aussagen der befragten Personen zum
  Schluss gelangt, dass die Systematik, Konstanz und Intensität der ehelichen
  Gewalt insgesamt nicht glaubhaft dargestellt worden seien, wobei er nicht in
  Abrede stelle, dass es sich vorliegend um eine belastende und unglückliche
  Beziehung gehandelt habe.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Ausländische
  Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von Schweizerinnen und
  Schweizern haben Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
  Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1
  des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
  Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG]). Gemäss Art. 50 Abs. 1 AIG besteht der Anspruch des
  Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der
  Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 f. AIG nach Auflösung der Ehe oder der
  Familiengemeinschaft weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
  bestanden hat und die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfüllt sind
  (lit. a); oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der
  Schweiz erforderlich machen (lit. b). Wichtige persönliche Gründe nach Art.
  50 Abs. 1 lit. b AIG können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der
  Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen
  geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark
  gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Im
  Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AIG ist jede Form
  ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei sie körperlicher oder psychischer Natur, ernst zu nehmen. Häusliche Gewalt bedeutet
  systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben und
  nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines
  eskalierenden Streits. Die physische oder psychische Zwangsausübung und deren
  Auswirkungen müssen vielmehr von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität
  sein (BGE 138 II 229 E. 3.2.1).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Auch psychische bzw. sozioökonomische Druckausübung
  wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und Einsperren kann einen für
  die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger
  Oppression erreichen. Dies ist der Fall, wenn die psychische Integrität des
  Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer
  beeinträchtigt würde. Demgegenüber begründet nicht jede unglückliche,
  belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung
  einer Beziehung bereits einen nachehelichen Härtefall und ein weiteres
  Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Häusliche Oppression
  bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle
  auszuüben. Die anhaltende, erniedrigende Behandlung muss derart schwerwiegen,
  dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlicher Umstände
  vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus
  bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre
  Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt. Eine
  glaubhaft gemachte oppressionsbedingte Aufhebung der Hausgemeinschaft soll
  für die betroffene Person keine ausländerrechtlichen Nachteile zur Folge
  haben, wenn sie durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernsthaft
  gefährdet wäre und ihr eine Fortführung der ehelichen Gemeinschaft bei
  objektiver Betrachtungsweise nicht mehr zugemutet werden kann. Es handelt
  sich hierbei um einen Ausfluss der sich aus dem Verfassungs- und
  Konventionsrecht ergebenden staatlichen Schutzpflichten. Beeinträchtigt ein
  Gatte in schwerwiegender Weise andauernd grundlegende, verfassungs- und
  menschenrechtlich relevante Positionen des andern, hat der Staat dessen
  Recht, sich dem entsprechenden oppressiven privaten Verhalten zu entziehen,
  im Migrationszusammenhang insofern Rechnung zu tragen, als er keine
  unzumutbar hohen Anforderungen an einen möglichen Verbleib im Land stellen
  darf. Hierzu dient die ein selbständiges Anwesenheitsrecht begründende
  Regelung von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG,
  wobei sie den verfassungs- und konventionsrechtlichen Schutzpflichten
  entsprechend auszulegen ist. Die Abhängigkeit des Opfers häuslicher Gewalt
  bzw. psychischer Oppression vom Täter soll durch die Bewilligungsfrage
  nicht verstärkt und die gewaltbetroffene nachgezogene Person nicht vor das
  Dilemma gestellt werden, in der Zwangssituation verbleiben oder den Verlust
  des Aufenthaltsrechts hinnehmen zu müssen. Dabei ist eine Gesamtbetrachtung
  vorzunehmen. Zwar können die eheliche Gewalt einerseits und die starke
  Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im
  Herkunftsland andererseits praxisgemäss je für sich allein einen wichtigen
  persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG
  darstellen, wobei die beiden Elemente nicht kumulativ zu verstehen sind. Dies
  schliesst indessen nicht aus, im Einzelfall beide Elemente zu berücksichtigen
  und den Härtefall auch zu bejahen, wenn diese je für sich selber hierzu nicht
  genügen würden, ihre Kombination aber wertungsmässig einem wichtigen
  persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b
  AIG gleichkommt (BGE 138 II 229 E. 3.2.2).

  
	
   

  
	
  4.2.3 Die ausländische Person trifft bei den
  Feststellungen des entsprechenden Sachverhalts eine weitreichende
  Mitwirkungspflicht. Sie muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche
  Oppression in geeigneter Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder
  psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte, Berichte/Einschätzungen von
  Fachstellen, glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder
  Nachbarn etc.). Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle
  Spannungen genügen nicht. Wird häusliche Gewalt in Form psychischer
  Oppression behauptet, muss vielmehr die Systematik der Misshandlung bzw. deren
  zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv
  nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig unterlegt werden. Dasselbe
  gilt, soweit damit verbunden geltend gemacht werden soll, bei einer Rückkehr
  erweise sich die soziale Wiedereingliederung als stark gefährdet. Auch hier
  genügen allgemeine Hinweise nicht. Die befürchtete Beeinträchtigung muss im
  Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubhaft erscheinen. Nur in
  diesem Fall und beim Bestehen entsprechender Beweisanträge, die nicht in
  antizipierter Beweiswürdigung abgewiesen werden können, wobei aber
  allfälligen sachinhärenten besonderen Beweisschwierigkeiten Rechnung zu
  tragen ist, rechtfertigt es sich, ein ausländerrechtliches Beweisverfahren
  durchzuführen (BGE 138 II 229 E. 3.2.3).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann heirateten am
  3. August 2015 und leben seit dem 1. April 2018 gerichtlich getrennt.
  Demgemäss dauerte die Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre, weshalb sich
  aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG kein Anspruch auf die Verlängerung der
  Aufenthaltsbewilligung ergibt. Eine solche fällt auch gestützt auf
  Art. 43 Abs. 1 AIG ausser Betracht, da die Beschwerdeführerin nicht mehr
  mit ihrem Ehemann zusammenwohnt. Ferner stützt sich die Beschwerdeführerin zu
  Recht nicht auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention vom
  4. November 1950 (EMRK) oder Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der
  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV), da sie keine
  besonders intensiven privaten Bindungen bzw. sozialen Beziehungen in der
  Schweiz pflegt, welche einen Anspruch auf Aufenthalt ergeben könnten
  (vgl. dazu BGE 130 II 281 E. 3.2.1). Demgegenüber macht die
  Beschwerdeführerin geltend, sie sei Opfer physischer und psychischer häuslicher
  Gewalt gewesen, weshalb ein Anspruch auf Verlängerung der
  Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2
  AIG bestehe.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass sich eheliche Gewalt
  ihrer Natur nach regelmässig in den eigenen vier Wänden und ohne Zeugen
  ereignet. Insofern dürfen an den Nachweis der Gewaltanwendung keine
  überhöhten Anforderungen gestellt werden (VGer-Urteil VG.2014.00057 vom 2.
  Oktober 2014 E. II/6.1). Diesem Umstand trug der Gesetzgeber damit Rechnung,
  dass bei der Geltendmachung eines persönlichen Härtefalls im Sinne von Art.
  50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG nicht ein strikter Beweis verlangt
  wird oder das in sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten geltende
  Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt, sondern bereits ein
  Glaubhaftmachen genügt. Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache schon dann, wenn
  für deren Vorhandensein gewisse Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht
  noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben
  könnte (BGE 130 III 321 E. 3.3).

  
	
   

  
	
  6.2 Vorliegend
  erweisen sich die Vorbringen der Beschwerdeführerin hinsichtlich eines
  Härtefalls im Sinne Art. 50 Abs. 1
  lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG als glaubhaft. So gelang es ihr insbesondere
  vor den Schranken des Gerichts rechtsgenüglich darzulegen, dass sie während
  ihrer Ehe Opfer von häuslicher Gewalt war. Dies findet einerseits in den im
  Recht liegenden Akten seine Stütze, andererseits erscheint es nicht
  nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin kurz bevor die Ehegemeinschaft
  mit D.______ drei Jahre gedauert hat, was ihr ohne Weiteres ein Anspruch auf
  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a
  AIG verliehen hätte, diese aus anderen Gründen als die von ihr vorgebrachten
  aufgegeben hat.

  
	
   

  
	
  Obschon die Beschwerdeführerin anlässlich der
  Befragungen teilweise inkonsistente Angaben machte und folglich gewisse
  Zweifel an manchen Schilderungen verständlich sind, lässt sich aus diesen
  ableiten, dass es am 29. März 2018 zu einem heftigen Streit zwischen ihr
  und ihrem Ehemann gekommen war, wobei sie sich am 30. März 2018 notfallmässig
  ins Spital E.______ begab und sich dort einer ärztlichen Kontrolle unterzog.
  Die dort festgestellten Diagnosen stimmen mit den Vorkommnissen, wie sie von
  der Beschwerdeführerin vorgetragen wurden, weitgehend überein und es
  erscheint nicht plausibel, dass sie sich die Verletzungen selbst zugefügt
  hat, was ihr Ehemann gegenüber der Polizei zu Protokoll gab. Des Weiteren
  erweisen sich die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend weiterer
  erlittener physischer und psychischer Gewalt während der Ehe in den
  wesentlichen Punkten als stimmig und lassen sich mit den Aussagen ihrer
  ehemaligen Chefin und ihrer ehemaligen Nachbarin vereinbaren. So berichteten
  Letztere übereinstimmend von gesichteten Blessuren und deuteten darauf hin,
  dass die Beschwerdeführerin während der Arbeit bzw. zu Hause von ihrem
  Ehemann über das übliche Mass hinaus eingeschränkt und kontrolliert wurde,
  wobei keine Indizien ersichtlich sind, dass diese Aussagen reine Gefälligkeitshandlungen
  zu Gunsten der Beschwerdeführerin waren. Zwar trifft es zu, dass zwischen den
  Aussagen der Beschwerdeführerin und denjenigen der Auskunftspersonen
  teilweise Widersprüche bestehen, was insbesondere auf die zeitlichen Angaben
  zutrifft. Im Ergebnis schilderten sie jedoch übereinstimmend von
  verschiedenen Vorfällen, welche in ihrer Gesamtheit für das Vorliegen von
  häuslicher Gewalt im Sinne eines persönlichen Härtefalls sprechen.

  
	
   

  
	
  Demgemäss erscheint es glaubhaft, dass D.______
  mehrfach Gewalt gegen die Beschwerdeführerin anwendete und dabei auch Waffen
  benutzte, wofür auch die von der Polizei bei D.______ sichergestellten und
  von der Beschwerdeführerin erwähnten Gegenstände (z.B. Schlagring)
  sprechen. Sodann wurde Letztere offenbar erheblich in ihrem sonstigen
  finanziellen und sozialen Fortkommen eingeschränkt. Diesbezüglich lässt sich
  beispielsweise den Akten entnehmen, dass sie sich mehrfach von dritter Seite
  her finanzielle Mittel beschaffen musste. Des Weiteren legte die
  Beschwerdeführerin anlässlich der diversen Befragungen konsistent dar, dass
  ihr Ehemann sich gegenüber ihr selbst und gegenüber ihrer Familie
  beleidigend, bedrohlich und herabsetzend verhielt. Ferner ergibt sich aus den
  Akten und gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin, dass ihr Ehemann
  die gesamten finanziellen Angelegenheiten während der Ehegemeinschaft in
  Eigenregie erledigte. Zusammen mit dem Umstand, dass er ihr beispielsweise
  bereits einen Deutschkurs verwehren wollte, erscheint es damit insgesamt
  stimmig, soweit die Beschwerdeführerin darauf hinweist, dass er ihre soziale
  Integration habe verhindern und über sie nach seinem Ermessen habe verfügen
  wollen. Im Übrigen kann ihr der Umstand, dass sie sich nicht bereits früher
  Hilfe gesucht hat, nicht zum Nachteil gereichen. Vielmehr erscheint es
  nachvollziehbar, dass sie sich schämte, sich mit Blick auf ihre häuslichen
  Probleme gegenüber aussenstehenden Personen oder auch gegenüber
  Familienangehörigen zu öffnen.

  
	
   

  
	
  6.3 Unter Würdigung der gesamten Umstände gelingt es der Beschwerdeführerin, nicht zuletzt
  anlässlich der persönlichen Befragung vor dem Verwaltungsgericht, das
  Vorliegen eines persönlichen Härtefalls glaubhaft darzulegen. Den
  Beschwerdegegnern kann zwar insoweit gefolgt werden, als dass sich die Aussagen
  der Beschwerdeführerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme und den
  Befragungen durch die Beschwerdegegnerin 1 als teilweise inkonsistent
  erweisen, was beispielsweise auf den Ablauf der Vorkommnisse vom 29. März
  2018, namentlich von welchem Raum aus die Beschwerdeführerin ihren Onkel
  anrief, oder etwa was die Anzahl der erlittenen Übergriffe sowie die
  Messerattacken, die jeweils benutzten Waffen oder Gegenstände, den Zeitpunkt,
  in welchem ihre ehemalige Nachbarin erstmals blaue Flecken an ihrem Körper
  entdeckt hat und auf einige Ausführungen zur Kontennutzung zutrifft. Diese
  Widersprüche betreffen weitgehend aber nur Details, wobei insbesondere zu
  beachten ist, dass die Beschwerdeführerin bei der polizeilichen Befragung im
  Nachgang an den Vorfall vom 29. März 2018 emotional stark aufgewühlt war.
  Sodann sind die Widersprüche vor dem Hintergrund zu sehen, dass die
  Beschwerdeführerin aufgrund der erlittenen Vorfälle auch später emotional
  stark belastet war und sichtlich nach wie vor erheblich unter der Situation
  leidet. Ferner ist mit Blick auf ihre mangelhaften Deutschkenntnisse nicht
  auzuschliessen, dass es bei den Befragungen trotz Vorhandenseins von
  Übersetzern gewisse Verständigungsschwierigkeiten gab. 

  
	
   

  
	
  Insgesamt kann zwar nicht gänzlich ausgeschlossen
  werden, dass die Beschwerdeführerin nicht in einem für die Verlängerung der
  Aufenthaltsbewilligung notwendigen Mass häusliche Gewalt erlitt. Dies ändert
  aber nichts daran, dass zahlreiche Elemente dafür sprechen, dass sie Opfer
  ehelicher physischer und psychischer Gewalt war, womit dies glaubhaft gemacht
  ist.

  
	
   

  
	
  6.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass sich die
  Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Möglichkeiten bereits gut in der Schweiz
  integriert hat und bei einer allfälligen Rückkehr ins Land C.______ auf ihre
  dortige Familie angewiesen bzw. in ihrem wirtschaftlichen und sozialen
  Fortkommen erheblich beeinträchtigt wäre. So lebt sie in […] in einer eigenen
  Wohnung und führte gegenüber dem Gericht glaubhaft aus, dass sie aktuell zwar
  keine Arbeitsstelle habe, jedoch eine solche in Aussicht habe. Zudem ist
  anhand ihrer Aussagen und der im Recht liegenden Akten erstellt, dass sie in
  der Schweiz soziale Bindungen pflegt und bereit ist, sich weiter zu
  integrieren, womit insgesamt ein erhebliches Interesse an der Verlängerung
  der Aufenthaltsbewilligung besteht.

  
	
   

  
	
  6.5 Zusammenfassend war der Beschwerdeführerin wegen
  der erlittenen physischen und psychischen Gewalt während der Ehegemeinschaft
  mit D.______ ein weiterer Verbleib in der ehelichen Gemeinschaft nicht mehr
  zumutbar, weshalb von einem persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 50
  Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG auszugehen ist. Dieser wurde von der
  Beschwerdeführerin zumindest in den wesentlichen Punkten glaubhaft dargelegt,
  wobei die von den Beschwerdegegnern erwähnten Inkonsistenzen bei den
  Befragungen im Lichte der Belastungssituation der Beschwerdeführerin zu
  würdigen sind. Da die wichtigen persönlichen Gründe der Beschwerdeführerin
  einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen, erweist sich
  ihr Anspruch auf eine Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung als
  begründet.

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die Beschwerde gutzuheissen. Der
  Entscheid des Beschwerdegegners 2 vom 29. Oktober 2019 ist aufzuheben
  und die Beschwerdegegnerin 1 ist einzuladen, die Aufenthaltsbewilligung
  der Beschwerdeführerin zu verlängern.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Nach Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei,
  welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Der
  Kanton ist für seine Behörden gemäss Art. 135 Abs. 1 VRG nicht
  kostenpflichtig. Folglich sind die Gerichtskosten auf die Staatskasse zu
  nehmen.

  
	
   

  
	
  1.2 Nach Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG erhalten die
  Parteien zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung, wenn sie im
  Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren obsiegen. Ausgangsgemäss ist der
  Beschwerdegegner 2 daher zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine
  Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Gemäss
  Art. 139 Abs. 1 VRG befreit die
  Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen, um neben dem Lebensunterhalt für
  sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin ganz
  oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das Verfahren
  nicht aussichtslos ist. Unter denselben Voraussetzungen weist sie der Partei
  auf Gesuch hin oder von Amtes wegen einen Anwalt als Rechtsbeistand zu,
  sofern ein solcher für die gehörige Interessenwahrung erforderlich ist
  (Art. 139 Abs. 2 VRG). Der Nachweis der Bedürftigkeit obliegt nach
  Art. 139 Abs. 3 VRG der gesuchstellenden Partei.

  
	
   

  
	
  2.2 Da die Gerichtskosten auf die Staatskasse zu nehmen
  sind, ist das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

  
	
   

  
	
  2.3 Die Beschwerdeführerin beantragt zudem die Gewährung der unentgeltlichen
  Rechtsverbeiständung. Dabei ergibt sich ihre Mittellosigkeit ohne
  Weiteres aus den Akten. Da sie vorliegend
  obsiegt, sind ihre Begehren zudem nicht aussichtslos. Daneben erweist sich
  der Beizug eines Rechtsbeistands als erforderlich. Folglich ist ihr Gesuch um
  Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und ihr ist
  in der Person von Rechtsanwältin B.______ eine unentgeltliche
  Rechtsbeiständin zu bestellen. Diese ist mit Fr. 3'500.- (inkl. Auslagen
  und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Daran anzurechnen ist die
  Parteientschädigung seitens des Beschwerdegegners 2 in gleicher Höhe.

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Das
    Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
    wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

    
	
    2.

    	
    Das
    Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
    wird gutgeheissen. Ihr wird in der Person von Rechtsanwältin B.______ eine
    unentgeltliche Rechtsbeiständin bestellt.

    
	
    3.

    	
    Die Rechtsbeiständin wird zu Lasten der
    Gerichtskasse mit Fr. 3'500.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)
    entschädigt. Daran angerechnet wird die Parteientschädigung seitens des
    Beschwerdegegners 2 in gleicher Höhe.

    

  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Beschwerdegegners 2
    vom 29. Oktober 2019 wird aufgehoben. Die Beschwerdegegnerin 1 wird
    eingeladen, die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu
    verlängern.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Der
    Beschwerdegegner 2 wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 3'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]