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**Case Identifier:** e1a8223d-4fb6-5d8d-8975-6e74becd9907
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 08.11.2023 SST.2022.299
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-299_2023-11-08.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.299 
(ST.2019.75; StA.2016.3818) 

 

 

Urteil vom 8. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Ersatzrichterin Jacober 

Gerichtsschreiberin Eichenberger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwältin Olivia Müller,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1968, von Oberkulm, 

[…]  

verteidigt durch Rechtsanwältin Renate Senn, 

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung, Schändung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob am 11. November 2019 

Anklage gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller 

Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Schändung und mehrfacher 

sexueller Nötigung.  

 

2. 

Mit Urteil vom 17. Mai 2022 sprach das Bezirksgericht Kulm den 

Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer 

Freiheitsstrafe von 9 Jahren. Das Bezirksgericht befand über die Zivilklage 

sowie über die Kostenfolgen.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 7. Dezember 2022 beantragte der 

Beschuldigte einen vollumfänglichen Freispruch. 

 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beantragte mit Anschlussberufung 

vom 22. Dezember 2022 eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 13 Jahre. 

 

3.3. 

Mit Verfügung vom 4. Januar 2023 wurde das Gesuch um Wechsel der 

amtlichen Verteidigung abgewiesen.  

 

Mit Eingabe vom 23. Februar 2023 teilte der Beschuldigte mit, dass er 

fortan von Rechtsanwältin Senn freigewählt verteidigt werde. 

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 19. April 2023 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Begründung der Anschluss-

berufung und der Beschuldigte am 15. Mai 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Begründung der Berufung ein. 

 

Der Beschuldigte reichte am 5. Juni 2023 eine vorgängige 

Anschlussberufungsantwort ein. Die Privatklägerin reichte am 5. Juni 2023 

und die Staatsanwaltschaft am 7. Juni 2023 je eine vorgängige 

Berufungsantwort ein.  

 

Der Beschuldigte reichte am 28. Juli 2023 eine Stellungnahme ein. 

 

3.5. 

Die Berufungsverhandlung fand am 8. November 2023 statt.  

 

 - 3 - 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig 

gesprochen und ihn wegen mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind, 

mehrfacher Schändung und mehrfacher sexueller Nötigung zu einer 

Freiheitsstrafe von 9 Jahren verurteilt. Der Beschuldigte verlangt indessen 

einen vollumfänglichen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft wendet sich mit 

ihrer Anschlussberufung einzig gegen das Strafmass und beantragt eine 

Erhöhung der vorinstanzlich ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 9 Jahren 

auf 13 Jahre. 

 

Das vorinstanzliche Urteil ist damit – mit Ausnahme der Höhe der 

Entschädigung für die amtliche Verteidigung – vollumfänglich zu 

überprüfen. 

 

2. 

2.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich an A._____, der Tochter 

seiner damaligen Lebenspartnerin, über einen Zeitraum von Herbst 2008 

bis Mitte Februar 2016 mehrfach und in verschiedener Art sexuell vergriffen 

zu haben. Die sexuellen Übergriffe hätten sich überwiegend am 

gemeinsamen Wohnort an der Q-Strasse in R._____ ereignet. Daneben sei 

es auch einmal im Tessin während den gemeinsamen Ferien und nach 

dem Auszug von A._____ aus dem Haus des Beschuldigten an deren 

Wohnort am S-weg in T._____ zu sexuellen Übergriffen gekommen. 

 

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, dass er 

A._____ aufgefordert habe, sein Glied zu manipulieren, sie am Gesäss 

gestreichelt und sich dabei selbst befriedigt zu haben. Später soll er Anal- 

und Oralverkehr an ihr vollzogen haben. Aufgrund ihres Alters und der 

persönlichen Beziehung zum Beschuldigten sei A._____ bis ungefähr zu 

ihrem 9. Lebensjahr urteilsunfähig und bis zum 12. Lebensjahr 

widerstandsunfähig gewesen, weshalb der Beschuldigte wegen 

Schändung zu verurteilen sei. Ab ihrem 9. oder 10. Lebensjahr habe der 

Beschuldigte A._____ zudem unter Druck gesetzt, indem er sie anwies, 

niemandem von diesen Handlungen zu erzählen, da er sonst ins Gefängnis 

komme. Sie habe aus Angst geschwiegen. Ab ihrem 12. Lebensjahr habe 

sie versucht, sich gegen die Übergriffe zu wehren, was der Beschuldigte 

ignoriert oder erzieherische Strafen ausgesprochen habe. Insofern habe 

sich der Beschuldigte der sexuellen Nötigung schuldig gemacht. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz erachtete es im Wesentlichen gestützt auf die als glaubhaft 

qualifizierten Aussagen von A._____ sowie weiterer Indizien als erwiesen 

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an, dass der Beschuldigte die ihm gemäss Anklage vorgeworfenen 

sexuellen Übergriffe im genannten Zeitraum begangen habe 

(vorinstanzliches Urteil E. 3.4. ff.).  

 

Demgegenüber verlangt der Beschuldigte einen vollumfänglichen 

Freispruch und wirft der Vorinstanz eine willkürliche Beweiswürdigung vor 

(Berufungserklärung, S. 2; Berufungsbegründung, S. 3 ff.).  

 

2.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das 

Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer 

Aussagen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die personenbezogene 

Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaubhaftigkeit. Die 

allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit, 

ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Sie bildet 

aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse und darf deshalb nie 

alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Überprüfung des 

Realitätsgehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht deshalb die 

Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage, die sich nach ihrem Inhalt 

bestimmt (BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 81 E. 2). 

 

2.4. 

Die dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum 

Nachteil von A._____ sollen sich ab Herbst 2008/Frühjahr 2009 bis Mitte 

Februar 2016 zugetragen haben, als sie zwischen 7 und 14 ½ Jahre alt 

war. Im Laufe des Vorverfahrens wurde A._____ am 7. August 2016 

polizeilich (Untersuchungsakten [UA] act. 144 ff.) und am 14. Dezember 

2017 durch die Staatsanwaltschaft mit Gewährung der Teilnahmerechte 

(UA act. 164 ff.) als Auskunftsperson befragt. Zudem wurde sie anlässlich 

der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 2. März 2021 erneut zur 

Sache einvernommen (Gerichtsakten [GA] act. 120 ff.).  

 

 - 5 - 

 

 

A._____, C._____ sowie der Beschuldigte wurden schliesslich anlässlich 

der Berufungsverhandlung am 8. November 2023 einlässlich zur Sache 

befragt. Das Obergericht konnte folglich einen persönlichen Eindruck ihres 

Aussageverhaltens und ihrer Persönlichkeit gewinnen und Unklarheiten 

klären. 

 

2.5. 

Der Beschuldigte soll bis Mitte Februar 2016 den Anal- und Oralverkehr an 

A._____ vollzogen haben (UA act. 149). Die polizeiliche Einvernahme 

erfolgte am 7. August 2016 und damit nur gerade knapp sechs Monate 

später. In Bezug auf den Anal- und Oralverkehr liegen somit hinsichtlich der 

letzten angeklagten Vorkommnisse relativ tatnahe Aussagen vor. Die bei 

zeitlich länger zurückliegenden Vorkommnissen einhergehende 

Verblassungstendenz von Erinnerungen kann damit ausgeschlossen 

werden. A._____ war im Zeitpunkt des gemäss Anklage letztmals 

stattgefundenen Analverkehrs 14 ½ Jahre alt und vermochte die sexuellen 

Handlungen zweifelsohne als solche zu beurteilen (vgl. Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 12). 

 

Die Aussagen zum Anal- und Oralverkehr sind konkret und 

nachvollziehbar. A._____ konnte die Vorfälle zeitlich eingrenzen. Der 

Beschuldigte habe begonnen, sie anal zu penetrieren, als sie etwa zehn 

oder elf Jahre alt gewesen sei (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6). 

Danach habe der Analverkehr über einen Zeitraum von etwa drei oder vier 

Jahren fast jedes Wochenende stattgefunden, wenn der Beschuldigte 

allein mit ihr war, weil C._____ nach Hause gegangen sei, um zu waschen 

oder Pizzateig zu machen oder wenn sie mit Einkaufen oder Gartenarbeit 

beschäftigt gewesen sei (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6 und 9). Die 

meisten Übergriffe hätten sich im Elternschlafzimmer abgespielt («90 %» = 

UA act. 178; GA act. 159). Den Ablauf kann sie bildlich beschreiben, indem 

sie angibt, sie habe jeweils auf dem Bauch gelegen, sie habe dann knien 

müssen, indem der Beschuldigte sie hochgehoben habe (UA act. 180). 

Ihren Rücken habe sie dabei derart bücken müssen, dass ihre Haare nach 

hinten gefallen seien. Sie erwähnt sowohl Komplikationen, indem sie das 

Eindringen als schwierig bezeichnete, als auch Besonderheiten, indem sie 

schilderte, dass der Beschuldigte manchmal Bodylotion oder etwas 

Ähnliches verwendet habe (UA act. 180 f.; GA act. 159). Damit es besser 

funktioniert, habe der Beschuldigte Crème benutzt und sie angewiesen, sie 

solle lockerlassen (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 14). Als weitere 

Besonderheiten erwähnte sie, dass der Beschuldigte jeweils stark geatmet 

und geschwitzt habe (UA act. 183; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 10). 

Teilweise habe er sie auch mit der Zunge stimuliert, er habe die Zunge 

bewegt und habe sie mit der Hand an der Vagina berührt (UA act. 183).  

 

Stimmig dazu sind auch die körperlichen Reaktionen, welche sie nach 

einem jeweiligen Analverkehr beschrieb. Als sie noch jünger gewesen sei, 

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habe sie in der Nacht erbrechen müssen, später habe sie wegen der 

Schmerzen Mühe mit dem Stuhlgang gehabt; selten sei der Stuhl blutig 

gewesen (UA act. 182; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 11). Sie 

erwähnte schliesslich auch Emotionen, nämlich, dass sie Schmerzen 

während des jeweiligen Eindringens empfunden habe; es sei jeweils eine 

schlimme Situation gewesen, da der Beschuldigte nach dem jeweiligen Akt 

aufgestanden und zum Alltäglichen übergegangen sei (UA act. 149; UA 

act. 153). Auch konnte sie ihre Gefühlslage beschreiben. So habe sie beim 

Analverkehr lieber ihr Gesicht ins Kissen gedrückt, als zu knien (UA 

act. 178), da sie nichts habe sehen und hören wollen (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 10). Gestützt auf die schlüssigen Aussagen von 

A._____ liegen keine Zweifel vor, dass der Beschuldigte den Analverkehr 

an A._____ mehrfach vollzogen hat. 

 

Im Einklang mit dem gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A._____ 

gewonnenen Beweisergebnis stehen auch die Analuntersuchungen. 

Diesen zufolge kann gestützt auf die anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 2. März 2021 getätigten Aussagen der beiden 

Sachverständigen Dr. med. D._____ und Dr. med. E._____ zum Gutachten 

vom 26. März 2018 (vorinstanzliches Urteil E. 3.4.3 ff.) als Ursache der bei 

A._____ festgestellten Analfissuren ein analer Missbrauch nicht 

ausgeschlossen werden. Dass die Untersuchungen einen analen 

Missbrauch nicht mit Sicherheit feststellen können, liegt in der Natur der 

Sache und vermag die glaubhaften Aussagen von A._____ nicht in Zweifel 

zu ziehen; im Gegenteil stützen die Gutachten ihre Aussagen. Zu keinem 

anderen Ergebnis führt die vom Beschuldigten bei Dr. med. F._____ in 

Auftrag gegebene Stellungnahme zum Untersuchungsprotokoll vom 

26. März 2018 und zum Gutachten vom 26. März 2018, zumal es sich dabei 

nicht um ein gerichtliches Gutachten, sondern um mit Zurückhaltung zu 

würdigende Parteivorbringen des Beschuldigten handelt (vgl. BGE 141 IV 

369 E. 6.2). Insoweit der Beschuldigte vorbringt, A._____ habe bereits vor 

Beginn der angeblichen sexuellen Übergriffe an Verstopfung gelitten, 

weshalb die Verstopfung nicht mit den sexuellen Handlungen 

zusammenhängen könne, verkennt er, dass bei an Verstopfung leidenden 

Kindern in der Regel gerade keine Vernarbungen zurückbleiben. Auch sein 

Vorbringen, bei A._____ hätten keine Hinweise auf Bakterien oder 

Entzündungen vorgelegen, was bei Analverkehr aber durchaus 

vorkommen könne und den angeklagten Analverkehr als äusserst 

unwahrscheinlich erscheinen lasse (Plädoyer der Verteidigung, S. 4 f.; 

Protokoll Berufungsverhandlung, S. 29), ist nicht stichhaltig. Das Fehlen 

von Bakterien und Entzündungen vermag vor dem Hintergrund der 

schlüssigen Aussagen von A._____ und den gutachterlichen 

Feststellungen einen analen Missbrauch nicht auszuschliessen, zumal die 

Problematik des Entstehens von Entzündungen und die Übertragung von 

Bakterien vor allem dann auftritt, wenn sowohl Vaginal- wie auch 

Analverkehr zeitnah praktiziert werden. Zwischen dem Beschuldigten und 

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A._____ ist es jedoch – gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A._____ 

– nicht zu vaginalem Verkehr gekommen (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 12). 

 

Im Einklang mit den glaubhaften Aussagen von A._____ stehen auch die 

letzten Chatverläufe auf WhatsApp zwischen dem Beschuldigten und 

A._____ vom 25. Juli 2016, wonach sie nichts mehr von ihm hören wolle, 

er ihr Leben zerstört habe und er für sie gestorben sei. In der Zeit ab Ende 

April 2016 sind auch keine Nachrichten des Beschuldigten mehr ersichtlich, 

was mit der Aussage von A._____ übereinstimmt, wonach sie ihn blockiert 

habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 15). Auch wenn diesen 

Umständen für sich allein kein entscheidender Beweiswert zukommt, so 

stützen sie die Aussagen von A._____ doch, zumal der Beschuldigte keine 

schlüssige Erklärung dafür hatte, weshalb es sonst zu diesem Chatverlauf 

und zur Blockierung durch A._____ gekommen ist. 

 

2.6. 

2.6.1. 

Glaubhaft sind auch die von A._____ geschilderten minderschweren 

Vorfälle, als sie diese sexuellen Handlungen als solche noch nicht 

einzuordnen vermochte. Auch wenn diesbezüglich aufgrund des langen 

Zeitablaufs das Erinnerungsvermögen von einer natürlichen 

Verblassungstendenz gekennzeichnet ist, ist für das Obergericht erstellt, 

dass sich die sexuellen Handlungen im Kerngehalt so zugetragen haben, 

wie von A._____ geschildert. 

 

Der erste Vorfall soll sich im Tessin zugetragen haben, welchen sie bildlich 

beschreiben konnte (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, S. 5). Dieser 

habe sich während den gemeinsamen Ferien ereignet. Es sei Abend 

gewesen und sie sei unten auf dem Sitzplatz mit dem Beschuldigten vis-à-

vis auf einer Bank gesessen (UA act. 188). Der Beschuldigte habe seine 

Hose geöffnet, sein Glied hervorgenommen, ihre Hand daraufgelegt und 

sie angewiesen, dieses mit Auf- und Abwärtsbewegungen zu manipulieren. 

Dass sie sich nicht mehr daran erinnern vermochte, ob der Penis des 

Beschuldigten erigiert war, ist aufgrund des langen Zeitablaufs und 

aufgrund der Tatsache, dass sie damals erst 7-jährig war und den Vorfall 

folglich nicht richtig einzuordnen vermochte, ohne Weiteres erklärbar und 

schmälert den Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht (UA act. 170 ff.; GA 

act. 156 f.; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6).  

 

In Bezug auf die weiteren dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen 

Übergriffe sagte A._____ aus, es seien immer dieselben gewesen, sie habe 

ihn mit der Hand befriedigen müssen. Sie vermochte die Vorfälle situativ, 

zeitlich und örtlich zu beschreiben. Die Vorfälle hätten sich entweder im 

Büro des Beschuldigten oder im Whirlpool im Garten seines Hauses 

ereignet. Im Büro sei es dazu gekommen, wenn sie sich am Computer 

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Ferienfotos angesehen hätten. Sie sei vor dem Bildschirm gestanden und 

er sei hinter ihr auf einem Stuhl gesessen. Er habe ihr und sich die Hose 

ausgezogen, ihr nacktes Gesäss gestreichelt und sich selber befriedigt (UA 

act. 173; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6). Er habe ihr Gesäss nur 

mit einer Hand angefasst, mit der anderen habe er sich an seinem Penis 

gerieben (UA act. 173). Dabei habe er jeweils lauter geatmet (UA act. 174). 

Dies sei während des Zusammenlebens ca. wöchentlich gewesen, danach 

seltener, nämlich alle zwei Monate (UA act. 175; GA act. 157). Teilweise 

sei der Beschuldigte zum Samenerguss gekommen. Sie habe das daran 

festgestellt, dass er Taschentücher verwendet habe (UA act. 174). Im 

Whirlpool habe sie ihn auch am Glied anfassen und manuell befriedigen 

müssen (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7). Dabei erwähnte sie, dass 

sie zunächst zu dritt, meistens alle nackt, im Whirlpool gebadet hätten, ihre 

Mutter jeweils zuerst den Pool verlassen hätte, um zu duschen. Sie hätte 

wegen ihrer Haare länger gebraucht (UA act. 176; GA act. 158; Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 7). Sie beschrieb die Position, indem sie angab, 

im Pool habe es verschiedene Sitze. Sie sei neben dem Beschuldigten 

gesessen; sie habe ihn immer im Sitzen befriedigen müssen (UA act. 177; 

GA act. 158). Ob er zum Samenerguss gekommen sei, wisse sie nicht, es 

sei ja unter Wasser gewesen (UA act. 177). 

 

2.6.2. 

A._____ hat die sexuellen Übergriffe schlüssig, nachvollziehbar und 

widerspruchsfrei geschildert. In allen Einvernahmen gab sie die Übergriffe 

und deren Steigerungen in chronologischer Reihenfolge konstant wieder. 

Zuerst habe sie ihn manuell am Glied befriedigen müssen; als sie älter 

gewesen sei, sei es zu Oral- und Analverkehr gekommen, der Beschuldigte 

habe sie teilweise auch mit der Zunge stimuliert und sei mit dem Finger in 

ihre Vagina eingedrungen (UA act. 148 ff.; 170 ff., GA act. 154 ff.; Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 6). Ebenso war sie in der Lage, unterschiedliche, 

sexuelle Handlungen örtlich zu differenzieren. Sie schilderte, dass sich der 

erste Vorfall im Tessin und die weiteren sexuellen Übergriffe im Haus des 

Beschuldigten, und dort entweder im Whirlpool, im Büro oder im Bett, sowie 

zuletzt in ihrer Wohnung in T._____ ereignet hätten. Auch zeitlich konnte 

sie die Vorfälle eingrenzen. Es bestehen unter Berücksichtigung ihrer 

Persönlichkeit und ihres Aussageverhaltens, wovon sich das Obergericht 

anlässlich der Berufungsverhandlung ein eigenes Bild machen konnte, 

keine Zweifel daran, dass es im Kerngeschehen zu den von ihr 

geschilderten sexuellen Übergriffen im genannten Zeitraum gekommen ist. 

Dass ihre Schilderungen gewisse Abweichungen aufweisen, ist mit dem 

Zeitablauf, ihrem damaligen Alter und ihrer Persönlichkeit sowie ihrem 

damit zusammenhängenden Aussageverhalten zu erklären. Gleiches gilt 

auch für den Umstand, dass die Aussagen mit der Zeit vager als detaillierter 

wurden, was mit dem Verblassen der Erinnerungen erklärbar ist. Die 

Vorfälle begannen, als A._____ 7 Jahre alt war. Die erste polizeiliche 

Einvernahme erfolgte am 7. August 2016 und damit 8 Jahre später. Zu 

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diesem Zeitpunkt war A._____ 15 Jahre alt. Es ist notorisch, dass das 

kindliche Erinnerungsvermögen weniger ausgeprägt ist als jenes einer 

erwachsenen Person. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass A._____ 

jeweils nur noch die Handlung an sich beschreiben konnte, aber sich an 

keine weiteren Details, wie beispielsweise die genaue Uhrzeit, Kleidung, 

räumliche Verhältnisse etc. erinnern konnte. Auch dass in den 

Schilderungen zu den früheren sexuellen Übergriffen Angaben zu 

Emotionen fehlen, ist mit dem damaligen Alter von A._____ zu erklären. 

Sie gab an, als Kind die Handlungen nicht verstanden zu haben, was ohne 

Weiteres nachvollziehbar ist. Dennoch war sie in der Lage, die sexuellen 

Handlungen individuell zu beschreiben.  

 

Aktenkundig ist sodann, dass A._____ erhebliche psychische Probleme 

aufwies. Sie absolvierte vom 9. September 2016 bis 13. Februar 2017 eine 

psychotherapeutische Behandlung (UA act. 110 ff.) und wurde vom 3. bis 

27. Januar 2017 stationär in der Klinik für Kinder und Jugendliche der 

Psychiatrischen Dienste Aargau AG [PDAG] behandelt (UA act. 93). Im 

Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung besuchte sie eine 

Maltherapie, in deren Rahmen auch die angeklagten sexuellen Übergriffe 

angegangen worden sind (GA act. 149 ff.). In diesem Zusammenhang kann 

eine mögliche Beeinflussung ihres Erinnerungsvermögens bzw. 

Aussageverhaltens durch autosuggestive Prozesse oder fremdsuggestive 

Einwirkungen Dritter weitgehend ausgeschlossen werden, da sie die 

Therapie am 6. März 2018 (GA act. 149) und somit zeitlich erst begann, 

nachdem sie sich Freunden anvertraut hatte und die Anzeigeerstattung 

erfolgt war (vgl. nachstehend). Auch gab A._____ anlässlich der 

Berufungsverhandlung an, sie sei sich ziemlich sicher, das von ihr 

Geschilderte auch tatsächlich erlebt zu haben, ansonsten sie nicht wüsste, 

wie es sich anfühle, wie es gewesen sei und wie es geschmeckt habe 

(Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7). So habe der Beschuldigte bspw. 

viel Rotwein getrunken; wenn sie diesen Geruch heute rieche, lösche es 

ihr ab (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7). Entgegen dem Vorbringen 

des Beschuldigten (Berufungsbegründung, S. 8) können die von A._____ 

während ihrer Kunst- und Maltherapie angefertigten Zeichnungen – wenn 

auch mit einer gewissen Zurückhaltung, da erst durch die Therapie erfolgte 

suggestive Einflüsse nicht gänzlich auszuschliessen sind – in die 

Beweiswürdigung miteinbezogen werden, geben sie doch jeweils bildlich 

und mit kurzer Beschreibung versehen die dem Beschuldigten 

vorgeworfenen Handlungen wieder und wurden sie während der Mal- und 

Kunsttherapie angefertigt, die gerade dazu dient, Erlebtes auf diese Art und 

Weise zu verarbeiten. 

 

Die teilweise unterschiedlichen Antworten auf die Fragen in Bezug auf 

sexuelle Übergriffe während weiteren Ferienaufenthalten oder den Beginn 

der analen Übergriffe, den teilweise vagen Angaben zur Anzahl und die 

Schilderungen bezüglich des Schmerzempfindens sind unter den 

 - 10 - 

 

 

vorliegenden Umständen nicht geeignet, die im Kerngeschehen 

glaubhaften Aussagen von A._____, nämlich dass sie den Beschuldigten 

mit der Hand befriedigen musste, dass er sie am nackten Gesäss 

streichelte, sich dabei selber befriedigte, mit der Zunge und den Fingern 

vaginal eindrang und dass er sowohl Anal- als auch Oralverkehr an ihr 

vollzog, zu erschüttern. 

 

2.7. 

A._____ räumt Erinnerungslücken ein und verzichtet auf naheliegende 

Mehrbelastungen. Sie wirft dem Beschuldigten nicht vor, Vaginalverkehr an 

ihr verübt oder sie zu weiteren sexuellen Handlungen gezwungen zu 

haben. Der Beschuldigte habe es ihr gelassen, dass sie ein «normales» 

erstes Mal erleben könne (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 12). Sie 

bezichtigt ihn auch nicht, ein besonders rohes Verhalten gezeigt zu haben 

oder dass es zu Gewaltanwendungen gekommen sei. Im Gegenteil sagte 

sie aus, er sei grundsätzlich lieb zu ihr gewesen und habe Rücksicht darauf 

genommen, dass sie noch nicht erwachsen gewesen sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 13). Zudem ist nicht davon auszugehen, dass 

A._____ in der Lage wäre, Aussagen über ein komplexes 

Handlungsgeschehen ohne Erlebnishintergrund zu reproduzieren und über 

einen Zeitraum von mittlerweile über 7 Jahren konstant zu schildern, zumal 

sie während dem gesamten Verfahren Gefahr liefe, erhebliche 

Widersprüche preiszugeben. 

 

Schliesslich ist ein Motiv für eine Falschbelastung nicht erkennbar. Die 

Initiative zur Anzeige kam nicht von A._____; sie selbst hätte nicht einmal 

Anzeige erstattet (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 11). Zudem erfolgte 

die Anzeige spät und erst nach der Trennung ihrer Mutter vom 

Beschuldigten. Aufgrund des Alters von A._____ und des zuvor 

bestehenden Loyalitätskonflikts ist es nachvollziehbar, dass sie Mühe 

bekundete, über das Vorgefallene zu berichten, zumal Schilderungen eines 

sexuellen Übergriffs die Intimsphäre des Opfers betreffen und es 

entsprechende Überwindung erfordert, darüber zu berichten. Sie erklärte 

dies auch damit, Angst davor gehabt zu haben, dass ihre Mutter ihr nicht 

glauben könnte. Schliesslich sprechen die weiteren Umstände, unter 

welchen die Anzeige erfolgte, gegen ein Rachemotiv. Aktenkundig ist, dass 

sich A._____ zunächst Freunden (UA act. 235 ff.; UA act. 239 ff.; UA act. 

243 ff.; UA act. 247 ff.; UA act. 251 ff.) und erst durch diese motiviert ihrer 

Mutter gegenüber öffnete (UA act. 219; GA act. 145). Ihre Mutter erstattete 

daraufhin Anzeige, wobei sie am 5. August 2016 um 23:03 Uhr die 

Kantonspolizei telefonisch kontaktierte (UA act. 135; GA act. 145). 

Entgegen dem Beschuldigten (Berufungsbegründung, S. 8) sind keine 

Hinweise ersichtlich, dass A._____ durch das familiäre Umfeld zur Anzeige 

gedrängt oder falsch beeinflusst worden wäre. Die dargelegten Umstände, 

unter welchen die Strafanzeige erfolgte, sprechen vielmehr dagegen. 

 

 - 11 - 

 

 

2.8. 

Das Vorbringen des Beschuldigten, er sei mit A._____ nie allein gewesen, 

weshalb die sexuellen Handlungen erst gar nicht haben stattfinden können, 

überzeugt nicht. Die geschilderten sexuellen Handlungen dauerten nicht 

stundenlang. Sodann war C._____ auch nicht die ganze Zeit anwesend. 

So hat sie schlüssig ausgesagt, dass der Beschuldigte ihr auf Nachfrage 

hin, was vorgefallen sei, vorgeworfen habe, sie sei ja nicht dabei gewesen, 

da sie dann gearbeitet habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 19). Auch 

räumt der Beschuldigte selbst ein, C._____ habe – als sie noch 

zusammenwohnten – bei ihm im Garten gejätet und [in einem anderen 

Zimmer] gebügelt (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 26). 

 

Als haltlos erweist sich das Argument des Beschuldigten, die Aussagen von 

A._____ seien nicht glaubhaft, da beispielsweise der Whirlpool öffentlich 

einsehbar sei, weshalb es dort sicherlich nicht zu sexuellen Übergriffen 

gekommen sein könne (Berufungsbegründung, S. 5). A._____ schilderte, 

dass beide während den sexuellen Handlungen nebeneinander gesessen 

seien und sie den Beschuldigten unter Wasser am Penis habe berühren 

müssen. Selbst wenn der Pool folglich von aussen einsehbar gewesen 

wäre, wären die entsprechenden Handlungen nicht als solche erkennbar 

gewesen. 

 

Ebenso ist der Einwand, dass A._____ bereits im Teenageralter ein 

«auffälliges Sexualverhalten» gepflegt habe, indem sie mit ihrem 

damaligen Freund intim verkehrt sei (Berufungsbegründung, S. 5), nicht 

stichhaltig und es ist auch nicht ersichtlich, was der Beschuldigte daraus zu 

seinen Gunsten ableiten will. Erstens fanden die meisten, vorliegend zu 

beurteilenden sexuellen Übergriffe während des Kindes- und frühen 

Jugendalters von A._____ statt. Zweitens ist allein der Umstand, dass sie 

mit einem gleichaltrigen Freund intim verkehrte, nicht geeignet, die 

Glaubhaftigkeit hinsichtlich des Stattfindens sexueller Übergriffe durch den 

Beschuldigten in Frage zu stellen. 

 

Wenn der Beschuldigte sodann vorbringt, die Anzahl der von A._____ 

genannten Übergriffe sei unrealistisch hoch und deshalb unglaubhaft 

(Berufungsbegründung, S. 6), vergisst er, dass die Übergriffe jahrelang, 

nämlich von Herbst 2008 bis Februar 2016 dauerten und regelmässig 

stattfanden. Angesichts dessen erscheint die von A._____ genannte 

Anzahl als eher tief. Die Angabe ist denn auch mehr als Anhaltspunkt denn 

als exakte Angabe zu verstehen. Auch dass sie teilweise nur noch wenig 

Details zu den einzelnen Handlungen schildern konnte, spricht entgegen 

der Ansicht des Beschuldigten (Berufungsbegründung, S. 6) nicht gegen, 

sondern vielmehr für ihre Glaubhaftigkeit (siehe dazu oben). Es wurde 

bereits dargelegt, dass in Anbetracht der langen Zeitdauer, der Häufigkeit 

der Vorfälle und des jungen Alters von A._____ ohne Weiteres 

nachvollziehbar ist, dass nicht mehr alles erinnerlich ist. Gerade bei 

 - 12 - 

 

 

Sexualdelikten im familiären Umfeld über eine gewisse Zeit hinweg kann 

denn auch nicht erwartet werden, dass das Opfer Buch führt (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1003/2020 vom 21. April 2021 E. 1.4 und 

6B_1087/2022 vom 16. Januar 2023 E. 7.4) – was A._____ auch nicht 

gemacht hat (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 13).  

 

Insoweit der Beschuldigte anführt, es erscheine unrealistisch und nicht 

nachvollziehbar, dass es in den Ferien zu sexuellen Übergriffen gekommen 

sein soll und A._____ trotz dessen mehrfach mit in die Ferien nach Ägypten 

und in die Türkei verreist sei und nicht aufbegehrt habe 

(Berufungsbegründung, S. 6 f.), kann ihm nicht gefolgt werden. Dass auch 

C._____ und teilweise noch weitere Personen mitverreist sind, vermag die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen von A._____ betreffend sexuelle 

Vorkommnisse nicht in Frage zu stellen, fanden derartige Handlungen doch 

jeweils im Hotelzimmer in Abwesenheit der übrigen Personen statt (UA 

act. 149 f.; GA act. 162 f.). Das fehlende Aufbegehren seitens A._____ 

erscheint aufgrund des zwischen ihr und dem Beschuldigten aufgrund 

familiärer Verbindung bestehenden Vertrauensverhältnisses, seiner 

Autoritäts- bzw. Machtposition und in diesem Zusammenhang auch durch 

den ihr gegenüber aufgebauten psychischen Druck und dem Umstand, an 

sie gestellte Erwartungen nicht enttäuschen zu wollen, erklärbar und 

nachvollziehbar. 

 

Entgegen dem Beschuldigten (Stellungnahme zu den Eingaben der 

Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin, S. 2) ist es schliesslich auch 

nicht so, dass die Anklage bezüglich der Eingrenzung des Tatvorwurfs in 

zeitlicher Hinsicht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht genüge. 

Der Anklagesachverhalt umschreibt die Zeit und den Ort der 

vorgeworfenen Tathandlungen so genau, wie dies vorliegend möglich war. 

So erscheint es angesichts der zwischen der Tat und der Anzeigeerstattung 

vergangenen Zeit von mehreren Jahren und des damaligen jungen Alters 

von A._____ nachvollziehbar, dass ihr die genaue zeitliche Einordnung der 

Ereignisse Schwierigkeiten bereitete. Mithin kann und darf nicht erwartet 

werden, dass sie sich jeweils an das Datum sämtlicher Übergriffe und 

deren exakte Anzahl erinnert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_228/2015 

vom 25. August 2015 E. 1.3). Nach der Rechtsprechung wird dem 

Anklagegrundsatz bei gehäuften und regelmässigen Delikten Genüge 

getan, wenn die Handlungen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht 

approximativ umschrieben werden; insbesondere kann nicht erwartet 

werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch geführt wird (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_959/2022 vom 7. August 2023 E. 2.1; 6B_1087/2022 

vom 16. Januar 2023 E. 7.4; 6B_103/2017 vom 21. Juli 2017 E. 1.5.2; 

6B_228/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). Die Anklageschrift erfüllt ihre 

Umgrenzungs- und Informationsfunktion, bestehen für den Beschuldigten 

doch keine Zweifel darüber, welches Verhalten ihm vorgeworfen wird, was 

ihm wiederum eine effektive Verteidigung ermöglicht hat (vgl. Urteil des 

 - 13 - 

 

 

Bundesgerichts 6B_959/2022 vom 7. August 2023 E. 2.1 und 2.3; 

6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 1.3.3 f.; 6B_141/2022 vom 

10. Oktober 2022 E. 1.4.2). Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist 

nicht auszumachen. 

 

2.9. 

Nach dem Gesagten ist für das Obergericht bei einer aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung zweifellos erstellt, dass sich der 

Beschuldigte in einem Zeitraum von Herbst 2008 bis Februar 2016 an der 

minderjährigen A._____ im Sinne der Anklage mehrfach sexuell vergriffen 

hat. Der angeklagte Sachverhalt ist damit erstellt. 

 

Die Vorinstanz hat den massgeblichen Sachverhalt rechtlich korrekt 

subsumiert. Es kann dazu auf die unbestritten gebliebenen Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. C. 4. ff.; Art. 82 

Abs. 4 StPO). Sie ist davon ausgegangen, dass der Tatbestand der 

mehrfachen sexuellen Nötigung ab Herbst 2009 – als A._____ bezüglich 

der sexuellen Handlungen urteilsfähig war – durch das Streicheln des 

Gesässes, die Manipulationen am Penis und den Oral- und Analverkehr in 

Form der Tatbestandsvariante des Unter-psychischen-Druck-Setzens 

erfüllt ist (vorinstanzliches Urteil E. C. 4.2 ff.). Der Beschuldigte hat seine 

Vertrauens- und Autoritätsposition sowie das emotionale 

Abhängigkeitsverhältnis gezielt ausgenutzt. Er hat den teilweise 

ausdrücklich geäusserten Willen von A._____ missachtet und einzelne 

Versuche, sich den sexuellen Übergriffen zu entziehen, unterbunden. Auf 

Zurückweisungen reagierte er mit erzieherischen Sanktionen, indem er ihr 

beispielsweise verbot, den Gameboy zu benutzen, fernzusehen oder sich 

mit Freundinnen zu treffen. Der Beschuldigte auferlegte A._____ 

schliesslich ein Schweigegebot und machte sie mit Geld sowie 

Geschenken gefügig. Den ersten Vorfall im Tessin und die sexuellen 

Handlungen vor dem Computer bis Herbst 2009 hat die Vorinstanz als 

Schändungen qualifiziert, da A._____ die sexuellen Handlungen als solche 

bis zu diesem Zeitpunkt nicht einzuordnen vermochte und daher 

altersbedingt urteilsunfähig war (vorinstanzliches Urteil E. C. 4.2.2.2). Da 

der Beschuldigte die sexuellen Handlungen zwischen Herbst 2008/Frühling 

2009 und Februar 2016 verübte und A._____ in diesem Zeitraum zwischen 

7 und 14 ½ Jahre alt war, hat die Vorinstanz den Tatbestand der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind als gegeben erachtet 

(vorinstanzliches Urteil E. C. 4.1 ff.). 

 

Der Beschuldigte hat sich somit der mehrfachen sexuellen Nötigung, der 

mehrfachen Schändung und der mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

einem Kind schuldig gemacht. Seine Berufung erweist sich im Schuldpunkt 

damit insgesamt als unbegründet und ist abzuweisen.  

 

 - 14 - 

 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte ist wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher sexueller 

Handlung mit einem Kind und mehrfacher sexueller Nötigung zum Nachteil 

von A._____ schuldig zu sprechen und dafür angemessen zu bestrafen.  

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt anschlussberufungsweise eine Erhöhung 

der vorinstanzlichen Freiheitsstrafe von 9 Jahren auf 13 Jahre. Der 

Beschuldigte hat einen vollumfänglichen Freispruch verlangt und sich nicht 

zum Strafmass geäussert.  

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4, je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden.  

 

Am 1. Januar 2018 ist das teilrevidierte Sanktionenrecht in Kraft getreten. 

Wie zu zeigen sein wird, zeitigt es auf die auszusprechende Strafe jedoch 

keine konkrete Auswirkung, es erweist sich folglich nicht als milder («lex 

mitior», Art. 2 Abs. 2 StGB). Entsprechend findet das im Zeitpunkt der 

Taten geltende Recht Anwendung (Art. 2 Abs. 2 StGB).  

 

3.3. 

Die Tatbestände der Schändung, der sexuellen Nötigung und der sexuellen 

Handlungen mit einem Kind sehen als Sanktion alternativ Geld- oder 

Freiheitsstrafe vor. Bei der Wahl der Sanktionsart sind dem Verschulden 

unter Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige 

Kriterien die Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten 

Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie 

ihre Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu 

berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 

82 E. 4.1). Wie zu zeigen sein wird, ist aufgrund der jeweiligen Schwere 

des Verschuldens – bei isolierter Betrachtung – für die Schändungen, die 

sexuellen Nötigungen und die sexuellen Handlungen mit einem Kind keine 

Geldstrafe mehr möglich, weshalb für alle Straftaten eine Freiheitsstrafe 

auszusprechen ist. 

 

3.4. 

3.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die schwerste Straftat festzusetzen. Es handelt sich 

dabei um die sexuelle Nötigung, anlässlich welcher der Beschuldigte die 

damals 10 bis 11-jährige A._____ anal penetrierte.  

 

Der Tatbestand der sexuellen Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB sieht 

eine Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder eine Geldstrafe vor. Das Gericht 

 - 15 - 

 

 

misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem 

Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die 

Strafzumessung bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der sexuellen Nötigung 

schützt die sexuelle Freiheit resp. das Recht auf sexuelle 

Selbstbestimmung (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2; BGE 122 IV 97 E. 2b; 

BGE 119 IV 309 E. 7a). 

 

Der Beschuldigte begann den Analverkehr an A._____ zu vollziehen, als 

diese rund 10 oder 11 Jahre alt war. Die anale Penetration ist im weiten 

Spektrum aller möglichen Handlungen eine der schwerwiegendsten 

Formen der sexuellen Nötigung mit entsprechend sehr hoher 

Eingriffsintensität. Demgemäss schwer wiegt die Verletzung der sexuellen 

Integrität und damit einhergehend das Verschulden. A._____ empfand 

dabei Schmerzen, welche auch nach dem Vorfall für einige Tage 

persistierten; teilweise blutete sie nach dem Analverkehr und hatte Mühe 

beim Stuhlgang. Ob die bei A._____ festgestellten Analfissuren vom 

gewaltsamen Eindringen verursacht wurden oder einer anderen Genese 

zuzuschreiben sind, konnte gutachterlich nicht mit Sicherheit geklärt 

werden. Daraus kann der Beschuldigte hingegen nichts zu seinen Gunsten 

ableiten; ebenso wenig aus dem Umstand, dass er keine physische Gewalt 

angewendet hat. Das Fehlen eines zur Erfüllung des objektiven 

Tatbestands nicht notwendigen Umstands wirkt sich nicht 

verschuldensmindernd, sondern neutral aus. 

 

Leicht verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise bzw. die Ver-

werflichkeit der Tatbegehung aus, die erheblich über die blosse Erfüllung 

des Tatbestands hinausgegangen ist und eine nicht unerhebliche kriminelle 

Energie des Beschuldigten offenbart. Die sexuelle Handlung geschah nicht 

etwa spontan, sondern wurde vom Beschuldigten systematisch angestrebt, 

indem er zunächst durch alltägliches und nicht sexualisiertes Verhalten die 

Nähe von A._____ suchte und dabei darauf achtete, dass die Kindsmutter 

nicht zu Hause war. Mithin hat er bewusst und gezielt das aufgrund der 

Verbindung zur Kindsmutter bestehende Vertrauensverhältnis und seine 

Autoritätsposition als faktischer Stiefvater schamlos ausgenutzt (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 7B_187/2022 vom 30.Oktober 2023 E. 2.5). 

 

Der sexuellen Nötigung ist eine (rein) sexuelle sowie egoistische Motivation 

immanent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu 

berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 

3. Dezember 2002 E. 7.4.2). Der Beschuldigte verfügte jedoch über ein 

sehr hohes Mass an Entscheidungsfreiheit, was verschuldenserhöhend zu 

berücksichtigen ist. Als erwachsene Person war es an ihm, die sexuelle 

Integrität der sich damals im Kindesalter befindlichen A._____ zu wahren 

und nicht zu verletzen. Er entschied sich dagegen, obwohl er seine 

Bedürfnisse anders hätte befriedigen können. Es sind keine inneren oder 

 - 16 - 

 

 

äusseren Umstände ersichtlich, welche die Entscheidungsfreiheit des 

Beschuldigten hätten einschränken können. Je leichter es für ihn gewesen 

wäre, die sexuelle Integrität von A._____ zu respektieren, desto schwerer 

wiegt die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden 

(BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).  

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu 10 Jahren 

Freiheitsstrafe und den in diesem Rahmen denkbaren Erscheinungsformen 

sexueller Nötigungen von einem mittelschweren Verschulden und einer 

dafür angemessenen Einsatzstrafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe 

auszugehen. 

 

3.4.2. 

Diese Einsatzstrafe ist für die weiteren sexuellen Nötigungshandlungen, die 

Schändungen sowie die sexuellen Handlungen mit einem Kind, für welche 

bei isolierter Betrachtung je Freiheitsstrafen als Einzelstrafen auszufällen 

wären, in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB 

angemessen zu erhöhen.  

 

3.4.2.1. 

In Bezug auf die weiteren sexuellen Nötigungen ergibt sich Folgendes: 

 

Zwischen Herbst 2009 und Februar 2016 erfolgten zahlreiche weitere 

sexuelle Nötigungshandlungen an und mit der damals 8 bis 14 ½-jährigen 

A._____. Die genaue Anzahl der Übergriffe lässt sich aufgrund des 

mehrjährigen Tatzeitraums nicht exakt eruieren. Zugunsten des 

Beschuldigten ist es zu einem halben Dutzend Handlungen mit Oralverkehr 

und zu mindestens fünf weiteren Vorfällen analer Penetrationen 

gekommen. Diese Handlungen zählen zu den schwersten Formen der 

sexuellen Nötigung. Sind die einzelnen Missbrauchshandlungen, wie 

vorliegend, in einem familiären Umfeld erfolgt, ist im Rahmen der 

Asperation die Gesamtheit der Handlungen im Blick zu behalten und es ist 

nicht für jede Handlung gesondert nach Art. 49 Abs. 1 StGB zu verfahren, 

zumal die Anzahl der einschlägigen Handlungen gar nicht bestimmbar ist 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_453/2020 vom 30. September 2021 E. 1.4 

mit Hinweisen).  

 

Hinzu kommen weitere als sexuelle Nötigung zu qualifizierende 

Handlungen, wobei es sich durchwegs nicht nur um oberflächliche, 

flüchtige Berührungen handelte. Vielmehr liess sich der Beschuldigte von 

A._____ manuell befriedigen, streichelte ihr nacktes Gesäss, während er 

sich selbst befriedigte, drang mit dem Finger in ihre Vagina ein und 

stimulierte sie mit der Zunge. Die letzteren Erscheinungsformen sind dabei 

als beischlafsähnlich zu qualifizieren. 

 

 - 17 - 

 

 

Insgesamt ist von einem äusserst schwerwiegenden Eingriff in die sexuelle 

Integrität von A._____ auszugehen.  

 

Was im Übrigen die Verwerflichkeit des Handelns des Beschuldigten, seine 

Beweggründe und das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit betrifft, kann 

auf die bereits im Rahmen der Einsatzstrafe erfolgte Begründung 

verwiesen werden. 

 

Nach dem Dargelegten ist hinsichtlich der weiteren sexuellen Nötigungen 

bei einer Einzelbetrachtung von einem nicht mehr leichten bis 

mittelschweren Verschulden und dafür angemessenen Einzelstrafen von 

15 Monaten bis 3 Jahren – jeweils abhängig von der Art und Intensität der 

sexuellen Nötigungshandlungen – auszugehen. Im Rahmen der Asperation 

dieser weiteren Straftaten ist einerseits zu berücksichtigen, dass insofern 

ein gewisser Zusammenhang zwischen den einzelnen sexuellen 

Nötigungshandlungen besteht, als sie wiederholt zum Nachteil von 

A._____ begangen wurden. Andererseits entfällt wegen der verschiedenen 

Zeitpunkte und Örtlichkeiten sowie des langen Tatzeitraums eine natürliche 

Handlungseinheit. Der Beschuldigte hat den Vorsatz während des 

Tatzeitraums von über sechs Jahren hinsichtlich der zahlreich 

vorgenommenen sexuellen Handlungen immer wieder von Neuem gefasst. 

Insgesamt rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe von 3 Jahren aufgrund der 

erheblichen Anzahl von Missbräuchen um insgesamt 6 Jahre auf 9 Jahre 

zu erhöhen.  

 

3.4.2.2. 

Bezüglich der Schändungen ergibt sich Folgendes: 

 

Der Straftatbestand der Schändung schützt die sexuelle Selbstbestimmung 

von Personen, die seelisch oder körperlich nicht in der Lage sind, sich 

gegen sexuelle Zumutungen zu wehren (Urteil des Bundesgerichts 

6B_518/2020 vom 15. September 2021 E. 1.3; BGE 133 IV 49 E. 7.2). 

 

Der Beschuldigte hat während den gemeinsamen Ferien im Tessin sein 

Glied hervorgeholt, die Hand von A._____ daraufgelegt und sie 

angewiesen, es mit Auf- und Abwärtsbewegungen zu manipulieren. 

A._____ war zum Tatzeitpunkt sieben Jahre jung. Etwa ein halbes Jahr 

später begannen die Vorfälle vor dem Computer. Sie hat sich Ferienfotos 

angesehen, wobei der Beschuldigte seine Hand auf ihrem nackten Gesäss 

hatte und dieses streichelte, während er sich mit der anderen Hand selbst 

befriedigte. 

 

Der Tatbestand der Schändung setzt voraus, dass das Opfer unfähig war, 

sich gegen die sexuellen Handlungen zu wehren. Der vorliegend zur 

Erfüllung des Tatbestands wesentliche Umstand, dass A._____ aufgrund 

 - 18 - 

 

 

ihres damaligen Alters die Handlungen noch nicht richtig einordnen konnte, 

kann sich deshalb nicht zusätzlich verschuldenserhöhend auswirken. 

 

Leicht verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise bzw. die 

Verwerflichkeit der Tatbegehung aus, die über die blosse Erfüllung des 

Tatbestands hinausgegangen ist und eine nicht unerhebliche kriminelle 

Energie des Beschuldigten offenbart. Die sexuellen Handlungen können 

nicht als spontaner Impuls abgetan werden; vielmehr strebte der 

Beschuldigte diese Situation systematisch an und wählte gezielt einen 

Augenblick, als er alleine mit A._____ zu Hause war resp. deren Mutter 

arbeitete. Was im Übrigen die Beweggründe des Beschuldigten und das 

hohe Mass an Entscheidungsfreiheit betrifft, kann auf die bereits im 

Rahmen der Einsatzstrafe erfolgte Begründung verwiesen werden. 

 

Betreffend die Schändungen ist bei einer Einzelbetrachtung von einem 

nicht mehr leichten bis mittelschweren Verschulden und dafür 

angemessenen Einzelstrafen von 15 Monaten bis 2 Jahren – jeweils 

abhängig von der Art und Intensität der sexuellen Handlungen – 

auszugehen. Die schwerwiegendste Schändung stellt das Manipulieren 

des Penis dar. Die exakte Anzahl der Übergriffe lässt sich nicht eruieren. 

Zugunsten des Beschuldigten ist von mindestens fünf weiteren Vorfällen 

mit erheblicher Intensität auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist 

wiederum zu beachten, dass die einzelnen Schändungen in einem 

Zusammenhang stehen, als sie sich jeweils gegen A._____ richteten und 

jeweils auf ähnliche Art und Weise begangen worden sind. Es liegt jedoch 

keine natürliche Handlungseinheit vor; vielmehr hat der Beschuldigte den 

Vorsatz während des Tatzeitraums immer wieder von Neuem gefasst. 

Angemessen erscheint eine Erhöhung um 2 Jahre auf 11 Jahre. 

 

3.4.2.3. 

Bezüglich der sexuellen Handlungen mit einem Kind ergibt sich Folgendes:  

 

Der Beschuldigte hat sich hinsichtlich der als sexuelle Nötigung und 

Schändung zu qualifizierenden Vorfälle aufgrund des damaligen Alters von 

A._____ zufolge echter Konkurrenz auch der sexuellen Handlungen mit 

einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB strafbar gemacht. Der Tatbestand 

der sexuellen Handlungen mit einem Kind schützt die ungestörte 

psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung des Kindes (BGE 146 IV 

153 E. 3.5.2). Auch wenn es dabei um eine Gefährdung (siehe Marginalie 

zu Art. 187 f. StGB) und nicht um einen Angriff auf die sexuelle Freiheit und 

Ehre (siehe Marginalie zu Art. 189 ff. StGB) geht, spielen dabei die konkret 

vorgenommenen sexuellen Handlungen, deren Intensität und Häufigkeit 

eine wichtige Rolle. Es versteht sich denn auch von selbst, dass als 

besonders schwer zu qualifizierende sexuelle Handlungen auch zu einer 

entsprechend höheren Gefährdung der ungestörten psychisch-

emotionalen und sexuellen Entwicklung des betroffenen Kindes führen.  

 - 19 - 

 

 

Was die einzelnen Handlungen, deren Verwerflichkeit und Beweggründe 

des Beschuldigten sowie das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit betrifft, 

kann auf die bereits erfolgten Erwägungen zu den sexuellen Nötigungen 

sowie den Schändungen verwiesen werden. Der Beschuldigte hat 

verschiedene sexuelle Handlungen an und mit A._____ vorgenommen, 

wobei es auch zu gravierenden Eingriffen in Form von Oral- und 

Analverkehr und weiteren beischlafsähnlichen Handlungen gekommen ist. 

Dabei berührte er sie in unsittlicher Weise, liess sich von ihr stimulieren und 

stimulierte sie umgekehrt oral. Der Beschuldigte gefährdete dabei ganz 

bewusst und in erheblicher Weise die psychisch-emotionale und sexuelle 

Entwicklung von A._____. Der Taterfolg wiegt entsprechend schwer. 

A._____ wurde zwar – soweit ersichtlich – physisch nicht verletzt, was sich 

jedoch neutral auswirkt (siehe dazu oben). Obwohl sie sich aktuell zu 

stabilisieren beginnt, was sich beispielweise anhand ihrer Lehre, welche sie 

nächstes Jahr abschliessen wird (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 3), 

zeigt, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden, 

ob und inwiefern sich die Gefährdung der sexuellen oder seelischen 

Entwicklung von A._____ nachhaltig verwirklicht hat. Dies ist jedoch auch 

nicht entscheidend. Mögliche drohende Langzeitfolgen werden bei Opfern 

von Sexualdelikten oft erst nach Jahren manifest, können dann aber 

gravierende und langanhaltende Wirkungen zeitigen (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 E. 2.6.4 f. und 

6B_215/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.5.2). 

 

Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass die sexuellen 

Handlungen mit den vorgenannten Missbrauchshandlungen einhergingen, 

weshalb der Gesamtschuldbeitrag geringer zu veranschlagen ist. Das 

damit einhergehende Verschulden ist weitgehend mit den sexuellen 

Nötigungen und Schändungen abgegolten. Angemessen ist eine Erhöhung 

der Einsatzstrafe um 1 Jahr auf insgesamt 12 Jahre.  

 

3.5. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

weist keine Vorstrafen auf (vgl. aktueller Strafregisterauszug), was jedoch 

als Normalfall gilt und neutral zu werten ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Im 

Übrigen sind die persönlichen Verhältnisse – soweit ersichtlich – 

unauffällig. Der Beschuldigte lebt in stabilen Verhältnissen und betreibt ein 

eigenes, rentables Coiffeurgeschäft.  

 

Der Beschuldigte hat sämtliche sexuellen Missbrauchshandlungen zum 

Nachteil von A._____ von Beginn an hartnäckig bestritten, was zwar sein 

Recht ist, da er sich nicht selber belasten muss (Art. 113 Abs. 1 StPO). Wer 

hingegen nicht geständig ist, kann hinsichtlich des begangenen Unrechts 

weder einsichtig noch reuig sein. Eine Strafminderung, wie sie bei einem 

von Beginn an geständigen und einsichtigen Straftäter möglich ist, kommt 

vorliegend somit nicht in Frage.  

 - 20 - 

 

 

Weitere Faktoren, welche sich strafmindernd oder straferhöhend auswirken 

könnten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist nicht von einer erhöhten 

Strafempfindlichkeit auszugehen. Die Vorinstanz sah eine solche dabei 

fälschlicherweise im Umstand der selbständigen Geschäftstätigkeit des 

Beschuldigten (vorinstanzliches Urteil E. 6.2.4). Nach konstanter 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine erhöhte Strafempfindlichkeit 

lediglich bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 E. 3.4 mit 

Hinweisen). Solche Umstände sind vorliegend nicht ersichtlich. Vielmehr 

bewirkt der Freiheitsentzug für jede beruflich und sozial integrierte Person 

eine gewisse Härte und führt zu keiner Strafminderung.  

 

Die Täterkomponente ist insgesamt als neutral zu bewerten.  

 

3.6. 

3.6.1. 

Die Vorinstanz hat weder geprüft, ob das Beschleunigungsgebot verletzt 

wurde noch ob der Strafmilderungsgrund nach Art. 48 lit. e StGB 

einschlägig ist.  

 

3.6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1003/2020 

vom 21. April 2021 E. 3.3.1 und 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 

E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen werden.  

 

Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wurde am 15. August 2016 

mit Erlass des Festnahmebefehls eröffnet (UA act. 8; eine formelle 

Eröffnungsverfügung befindet sich nicht in den Akten). Vom 7. August 2016 

bis 13. September 2016 fanden diverse polizeiliche Einvernahmen mit den 

relevanten Personen statt und es wurden weitere Beweismittel erhoben. 

Auf Anfrage der Vertreterin der Privatklägerin vom 17. Januar 2017 nach 

dem Verfahrensstand (UA act. 320) wurde dieser mit Schreiben der 

Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft derzeit nicht 

über genügend personelle Ressourcen verfüge. Sobald diese wieder 

verfügbar seien, was frühestens gegen Mitte Jahr der Fall sein dürfte, 

werde man sie informieren (UA act. 321). Eine Einvernahme durch die 

Staatsanwaltschaft mit dem Opfer erfolgte schliesslich am 14. Dezember 

2017 (UA act. 157-192). Der Verfahrensabschluss wurde den Parteien am 

5. Juli 2018 mitgeteilt (UA act. 327); am 20. November 2018 wurde C._____ 

durch die Staatsanwaltschaft einvernommen (UA act. 223 ff.). Bis zur 

Anklageerhebung am 11. November 2019 erfolgten keine 

Verfahrenshandlungen mehr. Es ist festzustellen, dass das Verfahren 

damit während Monaten stillstand, obwohl die Untersuchung 

abgeschlossen war. Es stand weder eine Ausdehnung des Strafverfahrens 

zur Diskussion noch ist die Sache als besonders aufwendig zu qualifizieren. 

 - 21 - 

 

 

Die Untätigkeit von knapp 12 Monaten zwischen den letzten Einvernahmen 

und der Anklageerhebung erscheint nicht mehr angemessen, zumal der 

Vorwurf gegen den Beschuldigten erheblich war. Im Weiteren ist 

festzuhalten, dass nach der letzten im September 2016 erfolgten 

polizeilichen Einvernahme in den Jahren 2017 und 2018 gerade noch drei 

weitere Einvernahmen stattfanden. Selbst ein zeitweiser, personeller 

Engpass vermag eine solche Verfahrensverzögerung nicht zu erklären. 

Zudem ist nicht ersichtlich, dass die Staatsanwaltschaft um zusätzliche 

Ressourcen ersucht hätte oder eine Abtretung an die Oberstaats-

anwaltschaft geprüft worden wäre. Zwischen der Anklageschrift der 

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom 11. November 2019 und dem 

vorinstanzlichen Urteil vom 17. Mai 2022 vergingen rund 2 ½ Jahre. Auch 

unter Berücksichtigung, dass ein Tatinterlokut gemäss Art. 342 Abs. 1 lit. b 

StPO angeordnet wurde und psychiatrische Gutachten eingeholt wurden, 

erscheint die Verfahrensdauer als zu lange. Im Weiteren beträgt die Frist 

für die Urteilsbegründung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO 60 Tage, 

ausnahmsweise 90 Tage. Nach der Rechtsprechung handelt es sich 

hierbei um eine Ordnungsfrist, deren Nichteinhaltung ein Indiz für eine 

Verletzung des Beschleunigungsgebots sein kann (Urteile des 

Bundesgerichts 1B_443/2021 vom 6. Oktober 2021 E. 3.2 und 1B_82/2021 

vom 9. September 2021 E. 2.2). Die Zustellung des begründeten Urteils 

erfolgte am 22. November 2022. Mit einer Ausfertigungsdauer von rund 

6 Monaten für die schriftliche Urteilsbegründung hat die Vorinstanz die 

hierfür massgebenden Fristen somit überschritten. Zwar ist das 

vorinstanzliche Urteil mit 185 Seiten sehr umfangreich ausgefallen, es 

handelte sich aber weder um eine besonders komplexe Angelegenheit 

noch um einen aussergewöhnlich umfassenden Straffall. Unter diesen 

Umständen liegt eine Verletzung des Beschleunigungsgebots vor. 

 

Insgesamt rechtfertigt die Verletzung des Beschleunigungsgebots eine 

Strafreduktion von 2 Jahren Freiheitsstrafe. Zudem ist die Verletzung des 

Beschleunigungsgebots im Dispositiv festzuhalten.  

 

3.6.3. 

Eine Strafmilderung nach Art. 48 lit. e StGB ist hingegen zu verneinen. 

Gemäss Art. 48 lit. e StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das 

Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich 

vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Der 

Strafmilderungsgrund infolge langen Zeitablaufs ist in jedem Fall zu 

berücksichtigen, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen sind und 

der Täter sich in dieser Zeit wohlverhalten hat, wobei zeitlich massgebend 

das zweitinstanzliche kantonale Urteil ist (BGE 140 IV 145 E. 3.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_56/2017 vom 19. April 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Der 

Beschuldigte hat die sexuellen Übergriffe teilweise vor und teilweise nach 

dem 12. Altersjahr von A._____ begangen (Art. 101 Abs. 2 StGB i.V.m. 

Art. 101 Abs. 1 lit. e StGB). Bei unverjährbaren Straftaten (Art. 101 Abs. 1 

 - 22 - 

 

 

lit. e StGB) ist eine Strafmilderung vorgesehen, wenn ihre Verfolgung bei 

Anwendung der ordentlichen Fristen verjährt wäre (Art. 101 Abs. 2 StGB). 

Die sexuellen Übergriffe erstreckten sich über einen Zeitraum von 8 Jahren, 

weshalb nicht gesagt werden kann, dass sich der Beschuldigte seit dem 

ersten Vorfall im Jahre 2008 wohlverhalten hat. Vielmehr verging er sich 

während dieser Zeitspanne wiederholt an A._____, wobei der letzte Vorfall 

im Jahre 2016 erfolgte. Eine Strafmilderung kommt bereits aus diesem 

Grund nicht infrage. Im Übrigen wären im Zeitpunkt des vorliegenden 

Urteils zwei Drittel der Verjährungsfrist (Art. 101 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 97 

Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 98 lit. b StGB) nicht verstrichen.  

 

3.7. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte der mehrfachen sexuellen 

Nötigung, der mehrfachen Schändung und der mehrfachen sexuellen 

Handlung mit einem Kind zu einer dem Verschulden und den persönlichen 

Verhältnissen angemessenen Freiheitsstrafe von 10 Jahren zu verurteilen.  

 

Bei diesem Strafmass fällt der (teil-)bedingte Vollzug von vornherein ausser 

Betracht (Art. 42 und Art. 43 StGB).  

 

4. 

In der Berufung des Beschuldigten finden sich für den Fall der ganz oder 

teilweisen Abweisung der Berufung im Schuldpunkt keine Ausführungen zu 

der von der Vorinstanz festgestellten Haftungsquote sowie der der 

Privatklägerin zugesprochenen Genugtuung in der Höhe von Fr. 25'000.00. 

 

Darauf ist somit nicht weiter einzugehen bzw. es kann auf die unbestritten 

gebliebenen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 

StPO), zumal hinsichtlich der adhäsionsweise geltend gemachten 

Zivilforderung die Dispositionsmaxime gilt.  

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). 

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung, mit der er einen Freispruch 

beantragt hat, vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft, welche mit 

Anschlussberufung eine Erhöhung der Freiheitsstrafe von 9 auf 13 Jahre 

beantragt hat, dringt insoweit durch, als die Freiheitsstrafe auf 10 Jahre 

erhöht wird. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich bei einer 

Gewichtung der entsprechenden Anträge, dem Beschuldigten die 

 - 23 - 

 

 

obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) zu ¾ mit 

Fr. 3'750.00 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 

47). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte somit Anspruch auf eine 

Entschädigung im Umfang von ¼ seiner Aufwendungen im Berufungs-

verfahren für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte durch 

die freigewählte Verteidigerin Rechtsanwältin Renate Senn (Art. 436 Abs. 1 

StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO; § 9 Abs. 1 und 2bis AnwT).  

 

Abzustellen ist auf ihre anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte 

Kostennote, jedoch angepasst an einen Stundenansatz von Fr. 220.00 (§ 9 

Abs. 2bis AnwT). Dem Beschuldigten ist somit – unter Vorbehalt der 

Verrechnung (Art. 442 Abs. 4 StPO) – eine Entschädigung von gerundet 

Fr. 3'500.00 auszurichten. 

 

5.3. 

Die frühere amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren bis zu 

ihrer Entlassung gestützt auf die von ihr am 14. März 2023 eingereichte 

Kostennote mit Fr. 2'300.05 aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten, der über namhafte 

Vermögenswerte verfügt, zu ¾ mit Fr. 1'725.05 sofort zurückzufordern 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

5.4. 

Der Privatklägerin sind im Berufungsverfahren keine notwendigen 

Aufwendungen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO entstanden. Es kann 

dazu auf die Verfügung vom 31. Mai 2023, mit welcher ihr Gesuch um 

Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin abgewiesen worden ist, 

verwiesen werden. Die dortigen Ausführungen zur Notwendigkeit gelten 

auch für eine erbetene Rechtsvertretung. Ihr ist deshalb keine 

Parteientschädigung zuzusprechen. 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie  

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428  

Abs. 3 StPO).  

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Da der Beschuldigte hinsichtlich 

sämtlicher Delikte verurteilt wird, erweist sich die vorinstanzliche 

Kostenregelung als korrekt und ist zu bestätigen. Die erstinstanzlichen 

 - 24 - 

 

 

Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 29'902.00 (inklusive einer 

Anklagegebühr von Fr. 2'950.00) sind vollumfänglich dem Beschuldigten 

aufzuerlegen.  

 

6.2. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung in der Höhe von Fr. 24'769.15 ist mit 

Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf im Berufungs-

verfahren nicht zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten, der sich in günstigen 

finanziellen Verhältnissen befindet, sofort zurückzufordern (Art. 135 Abs. 4 

lit. a StPO).  

 

6.3. 

Die der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin im 

erstinstanzlichen Verfahren zugesprochene Entschädigung von 

Fr. 18'235.75 ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf 

nicht mehr zurückzukommen ist. 

 

Der Beschuldigte befindet sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen, 

weshalb diese Kosten von ihm sofort zurückzuverlangen sind (Art. 426 

Abs. 4 StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

  

 - 25 - 

 

 

 

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist.  

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, 

- der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB,  

- der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB.  

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 

Abs. 1 StGB und Art. 40 StGB zu einer Freiheitstrafe von 10 Jahren 

verurteilt.  

 

4. 

4.1. 

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

A._____ hinsichtlich des natürlich und adäquat kausal auf die Schändung, 

die sexuellen Nötigungen und die sexuellen Handlungen mit einem Kind 

zurückzuführenden Schadens dem Grundsatz nach bei einer 

Haftungsquote von 100 % schadenersatzpflichtig ist. 

 

4.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._____ eine 

Genugtuung von Fr. 25'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit 26. September 

2018 zu bezahlen.  

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 3'750.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird – unter Vorbehalt der Verrechnung – 

angewiesen, dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine 

Parteientschädigung von Fr. 3'500.00 zu bezahlen. 

 

5.3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der früheren amtlichen 

Verteidigerin des Beschuldigten, Rechtsanwältin Andrea-Ursina Bieri, für 

 - 26 - 

 

 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'300.05 auszu-

richten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 1'725.05 sofort 

zurückverlangt. 

 

5.4. 

Die Privatklägerin A._____ hat ihre Parteikosten für das 

Berufungsverfahren selbst zu tragen.  

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 29'902.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 2'950.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der früheren amtlichen Verteidigerin des 

Beschuldigten, Rechtsanwältin Andrea-Ursina Bieri, für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 24'769.15 

auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten sofort zurückverlangt.  

 

6.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin, 

Rechtsanwältin Olivia Müller, für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung von Fr. 18'235.75 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten sofort zurückverlangt.  

  

 - 27 - 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 8. November 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     Eichenberger