# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4f94f5d-33dc-59a1-a613-3adc926a48cb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-12
**Language:** de
**Title:** Der psychische Gesundheitszustand erweist sich insbesondere in Bezug auf das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als ungenügend abgeklärt; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2017.01000
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.01000.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.01000
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Grieder-Martens
Urteil
vom
12. Juni 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Stephan
Breidenstein
OZB Rechtsanwälte
Bahnhofplatz 9, Postfach, 8910 Affoltern am Albis
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1969, war vom
4.
März 2013 bis 2
8.
Februar 2014 bei der
Y.___
als
Accountant
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am 2
9.
No
vember 2013 war (
Urk.
5/34)
.
Unter Hinweis auf
eine Gleichgewichtsstörung und auf psychische B
eschwerden
meldete sich
die Versicherte
am 2
7.
April 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/22).
Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und er
werbliche Situation ab
und erteilte Kostengutsprache für
ein
Belastbarkeits- und
ein
Aufbautraining (
Urk.
5/41,
Urk.
5/53,
Urk.
5/61,
Urk.
5/75). Am 1
4.
Dezember 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass Eingliederungsmassnahmen zurzeit nicht mög
lich seien (
Urk.
5/99),
und holte beim
Z.___
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
3
0.
September 2016
er
stattet wurde (
Urk.
5/134
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/140;
Urk.
5/145) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
4.
Juli 2017 (
Urk.
5/159 =
Urk.
2) einen Ren
tenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am
1
4.
September 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 1
4.
Juli 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ih
r eine Invalidenrente z
uzusprechen, eventuell sei
die Angelegenheit zur Neubeur
teilung an die IV-Stelle zurückzuweisen
(
Urk.
1 S.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Oktober 2017 (
Urk.
4) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1
7.
April 2018
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigun
gen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fachärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hinweis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Ab
klärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtser
heblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach dem dargelegten Prüfungsraster erübrigt sich
rechtsprechungsgemäss
, wenn Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die Leistungseinschränkung überwiegend auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche die Annahme einer gesundheit
lichen Beeinträchtigung von vornherein
ausschliessen
(BGE 141 V 281 E. 2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.1).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen ei
nander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid davon aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Herzinfarktes wie auch aufgrund ihrer Na
ckenbeschwerden für einige Monate in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ge
wesen sei. Eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung liege nicht vor, ins
besondere keine Persönlichkeitsstörung. Eine längerdauernde invalidisierende Er
krankung bestehe somit nicht.
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte ein, dass der Entscheid, welche
r
das Vorliegen einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Erkrankung verneine, dem
Z.___
-Gutachten vom 3
0.
September 2016 widerspreche. Dieses erfülle sämtliche Voraussetzungen im Sinne der Rechtsprechung, weshalb darauf abzustellen sei.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Strittig ist dabei insbesondere die Arbeitsfähigkeit in psychischer Hinsicht und in diesem Zusammenhang die Frage, ob eine Persönlichkeitsstörung vorliegt.
3.
3.1
Mit Bericht vom 1
4.
Mai 2014 (
Urk.
5/33) diagnostizierte der Arzt der
A.___
eine seit Herbst 2013 bestehende Anpassungsstörung, Angst und de
pressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22;
Ziff.
1.1)
,
und attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit
von
Januar bis Ende Mai 201
4.
A
b Juni 2014
sei
in angepass
ter Tätigkeit
von
einer Arbeitsfähigkeit von
50
%
mit
einer
Steigerung bis auf 80
%
im Verlauf der nächsten Monate
auszugehen (
Ziff.
1.6-1.7).
3.2
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, welche die Be
schwerdeführerin seit
6.
Juni 2015 hausärztlich behandelte, nannte mit Bericht vom
1.
Juli 2015
(
Urk.
5/82
/1-3
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1-1.2):
-
mittelgradige Depressionen (seit Ende 2013) mit somatischem Syndrom
(ICD-10:
F32.11
)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung
(ICD-10:
F60.3
)
-
i
nferiorer STEMI bei koron
arer
Dreigefässerkrankung
-
Diskushernie C5/6 (ED 11/2014) mit
radikulärem
Schmerzsyndrom C6 li
nks
Dr.
B.___
führte aus, dass a
ufgrund des Herzinfarktes von einer einmona
tigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
sei. D
ie weitere Arbeitsunfähigkeit sei be
dingt durch die psychische Problematik in Kombination mit den
Diskushernien
schmerzen
. Ak
tuell
sei von einer Ar
beitsunfähigkeit
von 100
%
auszugehen, wo
bei ein Auseinanderdividieren der schmerzbedingten und der psychisch vermin
derten Belastbarkeit,
der
erniedrigten Frustrationstoleranz und
der
verminderte
n
Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nicht möglich sei (
Ziff.
1.6).
3.3
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte mit Bericht
vom
9.
Juli
2015 (
Urk.
5/85)
folgende Diagnosen
(
Ziff.
1.1)
:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (
ICD-10:
F33.11)
-
aktenanamnestisch: emotional instabile Persönlichkeitsstörung (
ICD-10:
F60.3)
Dr.
C.___
ging von einer vollen Ar
beitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit
als Buchhalterin
aus (
Ziff.
1.6).
3.4
Am 3
0.
September 2016 erstatteten die Ärzte des
Z.___
aufgrund
ihrer
orthopä
dischen
, neurologischen und psychiatrischen Untersuchung der Beschwerdefüh
rerin ihr Gutachten (
Urk.
5/134) und hielten aus polydisziplinärer
Sicht folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(S. 49)
:
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung (
ICD-10:
F60.3)
-
rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig leichtgradig ausgeprägt (
ICD-10:
F33)
-
zervikovertebrogenes
Syndrom mit belastungsabhängiger Nervenwurzel
reizsymptomatik C6 links und leichtem sensorischem Ausfall
bei
-
Diskushernie Halswirbelkörper 5/6 mit
foraminaler
Einengung beidseits und
dorsolateraler
Spondylose (MRI
5.
Oktober 2015)
-
g
eringgradiger
Osteochondrose
C5
/6 und
Spondylarthrose
C6/7/T
h1 (
Rx
3
1.
August 2016)
-
a
usgeprägter Haltungsinsuffizienz
-
chronisches
lumbovertebrogenes
Syndrom leichtgradig
mit belastungsab
hängig aktivierter Facettenarthrose und
perisakraler
Ligamentopathie
bei
-
geringgradiger
lumbosakraler
Spondylarthrose
, Hyperlordose (
Lordose
winkel
90,
Rx
3
1.
August 2016)
-
muskulärer
Disbalance
Ferner nannten die Gutachter folgende
Diagnosen ohne Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 49)
:
-
Polyarthrosen der Hände
geringen Grades, asymptomatisch
-
Status nach Morbus
Osgood
-Schlatter beidseits
, asymptomatisch
-
koronare Dreiast-Erkrankung
-
Status nach inferiorem STEMI 1
7.
Mai 2015 mit Status nach PTCA und Stent
-
n
ormale systolische linksventrikuläre Funktion bei inferiorer Akinesie (LVEF 60
%
) (Mai 2015)
-
Risikofaktoren: Nikotin circa 50 pack
year
,
Dyslipidämie
-
Status nach paroxysmalem Lagerungsschwindel 2013
In der Darstellung und Diskussion der funktionellen Auswirkungen der objekti
vierte
n
Befund
e
und Diagnosen führten die Gutachter aus, dass der Versicherten aus internistischer, orthopädischer und neurologischer Sicht die Ausübung der angestammten kaufmännischen Tätigkeit möglich sei. Zur emotional instabilen Persönlichkeitsstörung und rezidi
vi
erenden depressiven Störung hielten si
e
fest, dass es die Versicherte mit Wegfall der stabilisierenden Arbeit vor etwa 12 Jahren nie wieder geschafft habe, sich stabil zu integrieren. Sie versuche, sich in einem Arbeitsumfeld einzubringen, anzupassen und habe hohe Selbstansprüche. Diesen Zustand könne sie nur kurze Zeit herstellen, es komme dann zu einem depressiv-ängstlichen Zusammenbruch beziehungsweise zu Ko
n
flikten am Arbeitsplatz mit Beziehungsabbrüc
h
en. Sie sei nicht in der Lage, flexibel auf Ansprüche an sie zu reagieren. Die Versicherte könne ihre Affekte nicht regulieren und habe Mühe, positive
B
eziehungen einzugehen. Sie sei sehr weitschweifig, zeige eine hohe Af
fektdysregulation und überfordere sich und andere Menschen in den sozialen In
teraktionen (S. 50 f.
Ziff.
8.1).
Zu den individuellen Belastungsfaktoren und Res
sourcen hielten die Gutachter fest, dass die Versicherte aktuell die Wohnungs
kündigung erhalten habe und unklar sei, wo sie ab Oktober wohnen werde. Zu ihrem ambulanten Therapeuten habe sie eine tragfähige Beziehung aufgebaut, und sie sei gewillt, sich beruflich zu
reintegrieren
. Zudem habe sie eine abge
schlossene Ausbildung.
Zur
Arbeitsfähigkeit
hielten die Gutachter fest, dass die Versicherte
aus
rein so
matischer Sicht für die angestammte kaufmännische Tätigkeit
als
vollschichtig arbeitsfähig zu erachten sei. Aus
psychiatrischer Sicht in freier Wirtschaft
sei sie
für sämtliche Tätigkeiten, das heisse auch in adaptierten, körperlich leichten Tä
tigkeiten, ohne Durchführen schwerer Tätigkeiten, ohne repetitive Überkopfarbei
ten
seit Februar 2014
als arbeitsunfähig zu beurteilen
. Die Versicherte habe in ihrer Biographie gezeigt, dass sie keine durchgehende Stabilität zeigen könne, habe multiple Stellenwechsel gehabt, teilzeitlich gearbeitet, immer wieder sei es zu Unterbrüchen, Problemen, interpersonellen Schwierigkeiten gekommen, und sie habe immer mit psychischer Instabilität reagiert. Insgesamt sei die Belastbar
keit immer vermindert gewesen.
Anlässlich der beruflichen
M
assnahme in der Institution
D.___
habe sie während mehrerer Monate zuverlässig arbeiten können, die Leistungsfähigkeit sei aber schwankend gewesen,
und es sei zu wie
derholten Schwierigkeiten gekommen. Die Verantwortlichen der
I
ntegrations
massnahme hätten eine lediglich 20 bis 30%ige Leistungsfähigkeit im ersten
A
r
beitsmarkt attestiert. Diese sei rein theoretisch zu sehen, da die Versicherte in ges
c
hütztem Rahmen unter Bedingungen gearbeitet habe
, welche in der freien Wirtschaft nicht gegeben seien
. Aus diesen Gründen, weil diverse psychische Funktionen deutlich gestört seien, sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
gegeben
(S. 52
f.
Ziff.
9.1-9.2
). Be
rufliche Massnahmen könnten nicht vorgeschlagen wer
den
; die Versicherte sei in der fr
e
ien Wirtschaft nicht als arbeitsfähig zu beurtei
len, und die psychische Instabilität sei derart gross, dass sie es an keinem Arbeits
platz länger aushalten würde
. D
ie Versicherte benötige Hilfe bei der Stellensuche und der Einarbeitungszeit
. I
m geschützten Ber
eich sei aktuell eine
Arbeitsfähig
keit
von 50
%
gegeben, es solle jedoch ein allmählicher Einstieg erfolgen,
und
gegebenenfalls wäre auch eine BEFAS-Abklärung sinnvoll (S.
53 f.
Ziff.
10.2
)
. Die weitere Prognose sei offen, es sei nicht auszuschliessen, dass die Versicherte eine Teila
r
beitsfähigkeit in freier Wirtschaft erreichen könne (S. 54
Ziff.
10.3).
3.5
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, hielt mit Stellungnahme vom 1
5.
Februar 2017
zur Diagnose der
Persönlichkeitssstö
rung
(
Urk.
5/138 S. 10 f.)
fest, dass aufgrund der Familien- und Sozialanamnese sowie der beruflichen Anamnese im internistischen Teilgutachten und der fach
spezifischen anamnestischen Ergänzungen im psychiatrischen Teilgutachten keine psychischen Auffälligkeiten oder andere Abweichungen eruiert werden könnten, die im Kindes- oder Jugendalter begonnen hätten. Aufgrund der unauf
fälligen Schullaufbahn ohne Kontakte zu Schulpsychologen und der durchwegs guten Arbeitszeugnisse, auch hinsichtlich der persönlichen Qualitäten, könne keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden. Es seien auch keine emotio
nal instabilen Persönlichkeitsanteile festzustellen wie impulsives Handeln, Nei
gung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt, Störung und starke Unsicherheit be
züglich des Selbstbilds, Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung und Selbstverletzungen, anhaltendes Gefühl der inneren Leere. Wegen der zum Teil theatralischen Darstellungen bestimmter Begebenheiten im Leben der Versicher
ten könnten am ehesten noch
histrionische
Persönlichkeitszüge passen. In diesem Sinne könne den Diagnosen des psychiatrischen Teilgutachtens nicht gefolgt wer
den.
3.6
Dr.
C.___
, welcher die Beschwerdeführerin seit dem 1
9.
Juni 2015 psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelte, führte mit Stellungnahme vom 2
1.
März 2016 (richtig wohl: 2017
;
Urk.
5/144/3-5
) aus, dass aufgrund der Schwere des Zustandsbildes und der häufigen suizidalen Krisen mindestens w
ö
chentliche Kon
sul
t
ationen erfolgten, um stationären Aufenthalten entgegenzuwirken. Gemäss seinen anamnestischen Erhebungen und dem
B
ericht der
Vorbehandlerin
(
F.___
,
A.___
) bestehe eine sehr stabile Störung, welche bereits in der Adoleszenz begonnen habe, und welche eine psychotherapeutische
B
egleitung sowie Medikation mit Be
n
zodiazepinen bereits in früher Jugend aufgrund von psychi
a
trischer Auffälligkeit mit Suizidalität nötig gemacht habe.
Die Kriterien für eine spezifische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60) seien er
fül
l
t, indem sich in der Kra
n
kengeschichte klare Störungen in der Affektivität (Depressionen mit suizidalen Krisen) und der Impulskontrolle (Sexualverhalten, Substanzgebrauch) zeigten. Häufig habe es sehr dysfunktion
a
l-schädli
c
he Bezie
hungen zu gewalttätigen Partnern mit
Idealisierungen
oder v
ö
lligen Entwertun
gen gegeben. Das Wahrnehmen und Denken scheine von frühester Kindheit an deutlich verzerrt zu sein
. Das Verhaltensmuster ziehe sich wie ein roter Faden durch das Leben der Beschwe
r
deführerin, scheine sehr tiefgreifend und führe zu einem extremen subjektiven Leidensdruck. Die Störung habe mindestens im Ju
gendalter begonnen, die berufliche Leistungsfähigkeit in den letzten Jahren
sei
massiv eingeschränkt, wobei dies in früheren Jahren von der Beschwerdeführerin scheinbar knapp
habe
kompensiert werden k
önnen
.
Was die emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.31) angehe, so zeigten sich deutliche Tendenzen von wechselnder instabiler Stimmung. Das im
pulsive Verhalten äussere sich hier eher in einer Selbstschädigung, eher vom
Borderline
-Typ. Man sehe eine deutliche emotionale Instabilität sowie ein völlig verzerrtes Selbstbild. Auch zeige sich ein chronisches Gefühl von innerer Leere sowie die Neigung zu intensiven aber unbeständigen Beziehungen, welche immer wieder zu wiederholten emotionalen Krisen führten.
Die Darstellungen der Beschwerdeführerin seien eher untertrieben. So seien ihm zahlreiche Traumata aus früher Kindheit durch massive körperliche wie psychi
sc
he Gewalt durch insbeso
n
d
ere de
n
Vater der Beschwerdeführerin bekannt.
Bei
spielsweise sei sie von ihm massiv getreten und mit Beruhigungsmitteln betäubt und dann an den Heizkörper gebunden worden, und es könnten noch zahlreiche ähnliche Vorfälle aufgezeigt werden.
Mit Schreiben vom 2
3.
März 2017 (
Urk.
5/144/6) ergänzte
Dr.
C.___
, dass sich zusätzlich diagnostisch ein ADHS im Erwachsenenalter herauskristallisiert habe. Sie profitiere von einer Medikation mit
Methylphenidat
, was diagnostisch auch beweisend sei.
3.7
Lic
. phil.
G.___
, Psychologin und Psychotherapeutin, führte mit Be
richt vom 1
3.
April 2017 (
Urk.
5/147
/1
) aus, dass sie die Beschwerdeführerin erst
mals anlässlich der Magersucht-
Hospitalisation
der Schwester kennen gelernt habe. Die Beschwerdeführerin habe verklemmt und zusammengestaucht gewirkt
,
eine grosse Traurigkeit ausgestrahlt und
habe
völlig vernachlässigt
geschienen
. Mangels Kooperation der Eltern sei eine Familientherapie nicht durchführbar ge
wesen. Der zweite Kontakt mit der Beschwerdeführerin und anschliessender in
tensiver psychotherapeutischer Behandlung (2-3 Stunden wöchentlich während des Jahres 1989) habe nach dem Unfalltod und
der
Identifikation ihrer Schwester stattgefunden.
Als Diagnosen nannte
lic
. phil.
G.___
ein schweres Trauma, Ängste, Depressionen, Suizidalität, instabile Persönlichkeit. Die Kindheits- und Jugend
jahre seien traumatisch gewesen, mit Psychoterror durch die völlig unberechen
bare Mutter und täglichen Misshandlungen jeder Art durch den autoritären, jäh
zornigen Vater. Die psychiatrische Behandlung sei durch Prof.
Dr.
H.___
, Kinder- und Jugendpsychiater erfolgt, welcher ihr Medikamente verordnet und
sie
im Sommer 1989 zu einer vierwöch
ig
en Erholungskur eingewiesen habe.
3.8
Mit Stellungnahme vom
6.
Juli 2017 (
Urk.
5/158 S. 3 f.) hielt
Dr.
E.___
vom RAD
an ihrer Einschätzung fest. Darin führte sie unter anderem aus, dass eine stabile, in der Adoleszenz beginnende Persönlichkeitsstörung nicht erkennbar sei, dass sämtliche und nicht nur drei Diagnosekriterien zu erfüllen seien, dass eine schwierige Kindheit nicht hinreichend sei für die Diagnosestellung. Bei den von
lic
. phil.
G.___
beschriebenen
B
efunden handle es sich um normal
psychische Reaktionen auf ein schlimmes Lebensereignis und nicht eine stabile Störung. Auch die
von
Dr.
C.___
neu genannte
Diagnose eines ADHS hätte seit Kindheit vorliegen müssen und sei im Übrigen bis anhin ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit geblieben.
4.
4.1
Gemäss Abschlussbericht der
D.___
vom 2
2.
Mai 2015 (
Urk.
5/74) absol
vierte die Beschwerdeführerin vom
4.
August 2014 bis zum
3.
Januar 2015 ein Belastbarkeits- und
ab
4.
Januar 2015 ein Aufbautraining, welches per
4.
Mai 2015 abgebrochen wurde. Zusammenfassend hielten die zuständigen Personen der
D.___
fest, dass die Ziele des Aufbautrainings nicht hätten erreicht wer
den können und eine angedachte Steigerung der Präsenzzeiten und Arbeitsfähig
keit nicht möglich gewesen sei; zunehmende psychische und physische Belastun
gen hätten am
4.
Mai 2015 zu einem unbefristeten krankheitsbedingten Ausfall und zum Abbruch der Massnahme geführt (S. 3
Ziff.
5). Zur Einschätzung der Integrationsmöglichkeiten hielten sie fest, dass die Integration im ersten Arbeits
markt nicht möglich sei. Aufgrund der psychischen Situation der Beschwerdefüh
rerin sei die Arbeits- und Leistungsfähigkeit noch ungenügend. Sie benötige eine strukturierte Arbeitsweise, regelmässige Pausen, ein wohlwollendes Arbeitsum
feld und therapeutische Begleitung und Unterstützung. Zu empfehlen seien all
gemeine kaufmännische Tätigkeiten und Sachbearbeitung ohne Verantwortung und Leitungsfunktion bei einer Präsenz von drei bis vier Stunden pro Tag. Bezo
gen auf den ersten Arbeitsmarkt bestehe eine Leistungsfähigkeit von 20 bis 30
%
. Notwendige Massnahmen zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt umfassten therapeutische Massnahmen, danach Wiedereinstieg mit Begleitung, bei einer vo
raussichtlichen Dauer von einem halben bis einem Jahr. Dadurch sei eine Arbeits
fähigkeit von voraussichtlich 50
%
zu erreichen (S. 2 f.
Ziff.
4). Die Beschwerde
führerin sei jeweils zuverlässig und pünktlich zum Training erschienen (S. 2
Ziff.
3.2).
4.
2
Gemäss Verlaufsprotokollen der Eingliederungsberatung
vom 2
8.
Mai und vom 1
4.
Dezember 2015
arbeitete die Beschwerdeführerin in der Integrationsmass
nahme motiviert und kooperativ mit und ging regelmässig in die Psychotherapie, konnte aber die Ziele des Aufbautrainings nicht erreichen. Nach einer Steigerung der Präsenz auf 5 Stunden sei ein
unbefristeter krankheitsbedingter Ausfall und ein
Abbruch der Massnahme erfolgt (
Urk.
5/78
S. 1
)
, weshalb
Eingliederungs
massnahmen
in der Folge
noch als verfrüht erachtet
wurden
. Im Rahmen der Fallteamsitzung vom
8.
Dezember 2015 wurde die durch
Dr.
B.___
am 1
4.
Oktober 2015 attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
revidiert und festgehalten, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht erst zu 20
%
arbeitsfähig sei
(
Urk.
5/100).
5.
5
.1
Unbestritten
ermassen ist die Beschwerdeführerin gemäss Gutachten des
Z.___
vom 3
0.
September 201
6 (
Urk.
5/134; vorstehend E. 3.4
)
aus somatischer Sicht in
d
e
r angestammten
kaufmännischen Tätigkeit
und in einer angepassten
,
körper
lich leichten Tätigkeit, ohne Durchführ
ung
schwerer Tätigkeiten
und
ohne repe
titive Überkopfarbeiten
,
voll arbeitsfähig.
Darauf ist abzustellen.
5
.2
Strittig ist die Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht und in diesem Zusammen
hang insbesondere, ob eine
invalidisierende Persönlichkeitsstörung
vorliegt
.
Diesbezüglich gingen die Gutachter des
Z.___
vom Vorliegen einer Persönlich
keitsstörung und
einer rezidivierenden depressiven Episode
sowie
einer daraus resultierenden vollen Arbeits
unfähigkeit aus, während die
RAD-Ärztin
Dr.
E.___
das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung
verneinte und die Beschwerdegegne
rin eine
volle Arbeitsfähigkeit
als gegeben erachtete
.
5.3
Im psychiatrischen Teilgutachten des
Z.___
(
Urk.
5/134; vorstehend E. 3.4) wurden das Vorliegen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung und
der rezidivie
renden depressiven Störung
mit einer
daraus resultierende
n
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
insbesondere auch unter Hinweis auf die Erwerbsbiographie der Be
schwerdeführerin begründet.
Dazu
ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin über eine abgeschlossene Ausbildung verfügt, diverse Weiterbildungen absolvierte und für ihre Tätigkeiten sowohl in fachlicher als auch in persönlicher Hinsicht jeweils ausgezeichnete Ar
beitszeugnisse erhielt (
Urk.
5/13,
Urk.
5/20/13-34,
Urk.
5/40/6-28). Dem Lebens
lauf der Beschwerdeführerin (
Urk.
5/12) ist weiter zu entnehmen, dass sie nach der Geburt ihrer Kinder
ihre Erwerbstätigkeit kurz vollständig unterbrach
(1992-1994), ansonsten aber durchgehend erwerbstätig war
und dabei auch verantwor
tungsvolle Positionen besetzte
(2012-2014:
Accountant
zu 100
%
bei der
Y.___
; 2012: selbständiger Vertrieb; 2008-2012: Alleinbuchhalte
rin/Per
-
sonaladministration
80
%
bei der
I.___
; 2007-2008 Alleinbuchhalterin 80
%
bei der
J.___
). Soweit sie teilzeit
lich arbeitete, handelt
e
es sich um
ein Pensum von 80
%
. Dies
entspricht im We
sentlichen auch der im Gutachten wiedergegebenen Zusammenfassung der be
ruflichen Laufbahn (
Urk.
5/134 S. 47
Ziff.
5).
Angesichts dessen ist n
icht nachvollziehbar, weshalb
im
psychiatrische
n
Gutach
te
n
danach
ausgeführt wurde
,
dass
die Beschwerdeführerin
e
s seit etwa 12 Jahren nie wieder geschafft
habe
, sich stabil zu integrieren,
dass
sie
in ihrer Biographie multiple Stellenwechsel gehabt und
(nur)
teilzeitlich gearbeitet
habe
und dass es immer wieder zu Unterbrüchen und interpersonellen Schwierigkeiten gekommen sei (vorstehend E. 3.4;
Urk.
5/134
S. 52 f.
Ziff.
9.2
).
Auch
die gestellten psychiat
rischen Diagnosen, insbesondere jene der Persönlichkeitsstörung,
erweisen sich
damit
nicht als schlüssig begründet.
Ferner erscheint angesichts d
ies
er Erwerbs
biographie eine volle Arbeitsunfähigkeit zumindest anhand der im Gutachten aufgeführten Begründung nicht als plausibel.
Was
sodann
das Erfordernis eines strukturierten Beweisverfahrens angeht
(vorstehend E. 1.
1)
, so
gehen
die im Zu
sammenhang mit den Standardindikatoren massgeblichen Aspekte nur vereinzelt
aus
dem Gutachten
hervor
. Damit kann auf das psychiatrische Teilgutachten
des
Z.___
und die darin enthaltene Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht abgestellt wer
den.
5.4
Dr.
E.___
, RAD, verneinte das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung
unter ande
rem
mit dem
Hinweis auf das
Fehlen von psychischen Auffälligkeiten im Kindes- oder Jugendalter
(vorstehend E. 3.5 und E. 3.8)
. Dazu ist zu bemerken, dass – auch wenn echtzeitliche Berichte nicht mehr erhältlich sind - aufgrund der Be
richte
der dannzumal
behandelnden Psychotherapeutin und des aktuell behan
delnden Psychiaters
Dr.
C.___
Anhaltspunkte für in der Kindheit erlebte Trau
mata bestehen
(vorstehend E. 3.6-3.7)
.
Z
ur Arbeitsfähigkeit in psychischer Hin
sicht
äusserte sich
Dr.
E.___
nicht
.
In der Folge ging d
ie
Bes
chwerdegegnerin
un
ter Hinweis auf die
im Gutachten aufgeführten vielfältigen Ressourcen (
Urk.
5/138 S. 10) von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus
.
Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin eine regelmässige Psychothera
pie besuchte
,
motiviert und zuverlässig am Arbeits- und Belastbarkeitstraining teilnahm, dennoch aber
das Ziel nicht erreichte und
eine Steigerung über 4 h nicht möglich war (vorstehend E. 4),
erscheint
diese Einschätzung
indessen
nicht
als plausibel
.
5.5
Da weder das psychiatrische Teilgutachten des
Z.___
noch die Beurteilung durch die Ärztin des RAD
mit dem
Schluss der Beschwerdegegnerin auf eine volle Ar
beitsfähigkeit zu überzeugen vermögen, erweist sich
die medizinische Aktenlage
hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustands
der Beschwerdeführerin -
ins
besondere in Bezug auf die Beurteilung der daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit und
auf
die Frage des
Vorliegen
s
einer Persönlichkeitsstörung
-
als unzureichend abgeklärt
. Die
Sache
ist daher
zur
weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Danach wird die Beschwerdegegnerin erneut über den Leis
tungsanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
zu verfügen haben.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 6
00.--
festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
De
r
Beschwerdeführer
in
steht ausgangsgemäss
eine
Prozessentschädigung
zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
ver
sicherungsgericht, GSVGer). Entsprechend ist ih
r
eine
Prozess
entschädigung von Fr.
2
‘
0
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass die angefochtene Verfügung vom 1
4.
Juli 2017 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Stephan
Breidenstein
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannGrieder-Martens