# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 002a122b-c8f5-5e9f-bc45-8375f6f3b80a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-02-08
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 08.02.2005 S 2004 175
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2004-175_2005-02-08.pdf

## Full Text

S 04 175

2. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 8. Februar 2005

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

1. … wurde 1942 geboren. Am 3. Mai 2004 erlitt er beim Einnehmen des 

Abendessens einen Zahnschaden. Am darauf folgenden Tag meldete er das 

Ereignis mittels Unfallmeldung der „Zürich“ Versicherungsgesellschaft, bei der 

er als Arbeitnehmer gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen 

versichert war. Er gab darin an, dass er zuhause beim Essen von gekochtem 

Reis auf „einen harten Gegenstand“ („Steinchen oder hartes Korn“) gebissen 

habe.

2. Mit Verfügung vom 10. Mai 2004 lehnte die Versicherung eine diesbezügliche 

Leistungspflicht ab. Begründet wurde dies im Wesentlichen mit dem für die 

Erfüllung des Unfallbegriffs notwendigen ungewöhnlichen äusseren Faktors, 

welcher vorliegend nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nachgewiesen sei. 

3. Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben vom 14. Mai 2004 Einsprache. 

Er machte geltend, dass er nach einem Krachgeräusch versucht habe, den 

Fremdkörper zu ertasten. Anschliessend habe er das vermeintliche „corpus 

delicti“ aus dem Mund genommen und den restlichen Reis 

hinuntergeschluckt. Es habe sich dann aber herausgestellt, dass er eine 

Zahnabsplitterung ertastet und den Verursacher des Zahnschadens 

verschluckt habe. Diese Situation beruhe auf einem Versehen und könne ihm 

nicht als Beweislosigkeit entgegengehalten werden, da er sich um eine 

Sicherstellung des Fremdkörpers bemüht habe. Auch sein Zahnarzt sei der 

Meinung, dass der Schaden durch einen Fremdkörper verursacht worden sei.

4. Am 30. November 2004 bestätigte die Versicherung die ergangene Verfügung 

und lehnte die Einsprache ab. Der Versicherte habe weder nachweisen 

können, dass der Schaden tatsächlich durch einen Fremdkörper entstanden 

sei, noch um welchen Fremdkörper es sich dabei gehandelt habe. Im 

Weiteren müsse der fragliche Gegenstand vorgelegt werden können, um dem 

notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu genügen, 

ansonsten liege gemäss Rechtsprechung eine blosse Vermutung für einen 

ungewöhnlichen äusseren Faktor vor. Der vom Versicherten geschilderte 

Sachverhalt sei zwar durchaus möglich. Ebenso gut möglich sei es jedoch, 

dass der Zahn aufgrund von Abnützungs- oder Verschleisserscheinungen 

gebrochen sei und der Versicherte auf den Zahnsplitter selbst gebissen habe.

5. Daraufhin erhob der Versicherte am 29. November 2004 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht. Er führte darin sinngemäss aus, dass er den an ihn 

gestellten Beweisanforderungen nachgekommen sei. Die 

Beschwerdegegnerin lege die Beweislast zu restriktiv aus. Er lasse seine 

Zähne zweimal jährlich vom Zahnarzt kontrollieren, deshalb könne von 

Abnützungs- oder Verschleisserscheinungen keine Rede sein. In gekochtem 

Reis müsse mit harten Körnern etc. nicht gerechnet werden. Die 

Ungewöhnlichkeit der äusseren Einwirkung sei somit gegeben und der 

Unfallbegriff erfüllt.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit 

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Einspracheentscheid der 

Beschwerdegegnerin vom 30. November 2004. Streitgegenstand bildet die 

Frage, ob die Zahnschädigung durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor 

verursacht wurde und die Beschwerdegegnerin für die Kosten aufzukommen 

hat.

2. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht 

beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren 

Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der 

Gesundheit zur Folge hat. Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das 

Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren 

Faktors, sondern auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der 

Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls 

schwerwiegende Folgen nach sich zog. Er ist ungewöhnlich, wenn er den 

Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen 

überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich von Fall zu Fall, wobei 

grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (BGE 121 V 38; 

BGE 118 V 283 Erw. 2a mit Hinweisen). 

3. Die Ungewöhnlichkeit ist gemäss Rechtsprechung des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts bei Zahnschäden dann zu bejahen, wenn diese durch 

einen Gegenstand verursacht werden, der üblicherweise nicht in dem 

betreffenden Nahrungsmittel vorhanden ist (vgl. Rumo-Jungo, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 

Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich Basel Genf 2003, 

S. 26). Bejaht wurde die Ungewöhnlichkeit beispielsweise bei einer 

Nussschale im Nussbrot oder in einer Nusstorte (BGE 114 V 169; RKUV 1988 

Nr. K 787 S. 420), ferner bei einem Knochensplitter in einer Wurst (BGE 112 

V 205 E. 3b). Als ungewöhnlicher Faktor - selbst in einem Entwicklungsland - 

erachtete das EVG im Weiteren ein Steinchen in einem Reisgericht (vgl. 

Rumo-Jungo, a.a.O., S. 31; RKUV 1999 Nr. U 349 S. 478 E. 3a).

4. a) Im Sozialversicherungsrecht gilt der auch vorliegend zum Tragen kommende 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Danach hat das Gericht 

in der Beweiswürdigung jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von 

allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Die 

blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den 

Beweisanforderungen nicht (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; BGE 121 V 47 E. 2a; 

Turtè Baer, Die Zahnschädigung als Unfall in der Sozialversicherung, SJZ 

1992, S. 324, mit Hinweisen).

b) Der Sozialversicherungsprozess wird vom Untersuchungsgrundsatz 

beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und 

vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. 

Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat 

in den Mitwirkungspflichten der Parteien. Der Untersuchungsgrundsatz 

schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig 

aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel 

die Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid 

zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen 

Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Für eine anspruchsbegründende 

Tatsache liegt somit die objektive Beweislast beim Leistungsansprecher (vgl. 

BGE 121 V 208 E. 6a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn 

es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes 

aufgrund der Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest 

überwiegend wahrscheinlich ist (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 

Das schweizerische Sozialversicherungsrecht kennt hingegen keinen 

Grundsatz, wonach im Zweifel zugunsten der versicherten Person zu 

entscheiden ist. Ein Anspruch auf Leistung besteht also nur, wenn die 

Voraussetzungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (vgl. ZAK 

1983 S. 259). Das Gericht darf und soll zudem berücksichtigen, dass die 

ersten Aussagen einer versicherten Person erfahrungsgemäss unbefangener 

und zuverlässiger sind, als spätere Darstellungen, die bewusst oder 

unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher Natur 

oder anderer Art beeinflusst sein können (vgl. BGE 115 V 143 E. 8c).

c) Nachstehend ist demnach zu prüfen, ob der Beschwerdeführer den 

behaupteten Geschehensablauf mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit 

nachweisen konnte. Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, dass in 

gekochtem Reis mit „harten Körnern etc.“ nicht gerechnet werden müsse, 

weshalb diese ungewöhnlich seien. Er stützt sich diesbezüglich u. a. auf die 

Rechtsprechung des EVG, wonach ein Steinchen in einem Reisgericht als 

ungewöhnlich angesehen worden sei. Dieses Vorbringen ist unbehelflich, da 

im vorliegenden Fall die Frage, ob eine Ungewöhnlichkeit und somit auch ein 

Unfall im Rechtssinne vorliegen, gar nicht beantwortet werden kann. Der 

Beschwerdeführer ist - da er den restlichen Kaubrei hinuntergeschluckt hat - 

weder in der Lage den fraglichen Gegenstand vorzulegen, noch kann er 

diesen genau bezeichnen („harter Gegenstand“/“Steinchen oder hartes 

Korn“). Derart unbestimmte Aussagen, ohne dass der Betroffene das corpus 

delicti genauer beschreiben kann, lassen keine zuverlässige Beurteilung 

darüber zu, um was für einen Faktor es sich gehandelt hat, geschweige denn 

über dessen Ungewöhnlichkeit (vgl. etwa die Urteile des Bundesgerichts U 

148/01 vom 27. Juni 2002, U 229/01 vom 21. Februar 2003 sowie U 64/02 

vom 26. Februar 2004, je mit weiteren Hinweisen). Folglich bleibt ungeklärt, 

worauf der Beschwerdeführer gebissen hat. Die blosse Vermutung oder 

Möglichkeit, dass die Zahnschädigung durch einen Fremdkörper verursacht 

wurde, genügt rechtsprechungsgemäss nicht. Auch aufgrund der Schädigung 

selbst kann nicht auf das Vorliegen eines äusseren Faktors geschlossen 

werden (vgl. BGE 122 V 233 E. 1). Es ist zusammenfassend festzuhalten, 

dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, dass die 

Zahnschädigung durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor entstanden 

ist. Sie könnte auch durch normales Kauen verursacht worden sein. Die 

Folgen dieser Beweislosigkeit trägt der Beschwerdeführer, welcher aus dem 

unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Die 

Beschwerde erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.

5. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG und Art. 11 der kantonalen Verordnung über das 

Verfahren in Sozialversicherungsstreitsachen (VVS) ist das kantonale 

Beschwerdeverfahren bei Sozialversicherungsstreitigkeiten - ausser bei 

leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung - kostenlos.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.