# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4aef536c-a4d1-52f4-83e3-1c7895a0f6d9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-2092/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2092-2009_2012-01-20.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­2092/2009

U r t e i l   v om   2 0 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer.

Parteien A._______, geboren am (…), alias
B._______, geboren am (…), ohne Nationalität 
(Palästinenser von Libanon),
vertreten durch Susanne Sadri, Asylhilfe Bern,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 27. Februar 2009 / N (…).

E­2092/2009

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  gemäss  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen 
Heimatstaat am 21. April 2008 und gelangte via Syrien und – nach einem 
Aufenthalt von ungefähr fünf Wochen in der Türkei – Bulgarien sowie ihm 
unbekannte Transitländer unter Umgehung der Grenzkontrolle am 7. Juni 
2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Am  12. 
Juni 2008  fand  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______ 
die  Kurzbefragung  statt,  und  am  8.  Juli  2008  erfolgte  die  Anhörung  zu 
den Asylgründen durch das BFM. 

Der  Beschwerdeführer  –  ein  staatenloser  Palästinenser  aus  dem 
Flüchtlingslager D._______ im Libanon – brachte zur Begründung seines 
Asylgesuchs  im  Wesentlichen  vor,  er  sei  Palästinenser  der  zweiten 
Fluchtbewegung  von  1967  und  habe  als  solcher  keine  Rechte  im 
Libanon. Sein Schwager sei  (…) dieses Flüchtlingslagers gewesen. Seit 
Mai 2007 sei er mit dem Sudanesen A.I. befreundet gewesen und habe 
sich täglich mit diesem getroffen. Nachdem er von A.I. lange nichts mehr 
vernommen habe,  habe er  von  seinem Schwager erfahren,  dass dieser 
geflohen  sei,  zumal  er  von  der  Hisbollah  (bewaffnete  paramilitärische 
libanesische  Organisation  zur  Beendigung  der  israelischen  Besatzung 
Israels  aus  dem  Libanon,  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht) 
beschuldigt  worden  sei,  Spionagetätigkeiten  für  Israel  durchgeführt  zu 
haben.  In  der  Folge  habe  die  Hisbollah  ihn  (den  Beschwerdeführer) 
befragen wollen, weshalb sie eine Vorladung an das Sicherheitskomitee 
des  Flüchtlingslagers  geschickt  hätten,  wonach  er  sich  beim 
Sicherheitsbüro  der  Hisbollah  melden  solle.  Auf  Anraten  seines 
Schwagers  habe  er  am  14. April  2008  das  Flüchtlingslager  D._______ 
verlassen und sei gleichentags (…) in Tripoli geflüchtet.

B. 
Eine  durch  einen  Experten  der  Fachstelle  Lingua  am  16.  Juni  2008 
durchgeführte Sprachanalyse (Gutachten vom 27. Juni 2008) ergab, dass 
der  Beschwerdeführer  eindeutig  in  einem  palästinensischen  Milieu  im 
Libanon sozialisiert wurde.

C. 
Der  Beschwerdeführer  reichte  nachträglich  eine  Identitätskarte  der 
"United Nations Relief and Works Agency  für Palestine Refugees  in  the 
Near  East"  (UNRWA;  Hilfswerk  der  Vereinten  Nationen  für  Palästina – 

E­2092/2009

Seite 3

Flüchtlinge  im  Nahen Osten;  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht)  zu 
den Akten.

D. 
Eine  interne  Dokumentenanalyse  vom  5.  August  2008  ergab,  dass  der 
vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Flüchtlingsausweis  –  trotz  kleiner 
formeller Unregelmässigkeiten – in Anbetracht der Gesamtumstände echt 
sei. 

E. 
Mit Verfügung vom 27. Februar 2009 – eröffnet am 2. März 2009 – wies 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der Wegweisung  an. 
Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  hielten  weder  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft noch denjenigen an die Glaubhaftmachung stand; 
ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  möglich,  zulässig  und 
zumutbar. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

F. 
Mit Eingabe vom 30. März 2009 – Datum Poststempel: 31. März 2009 – 
liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  Beschwerde 
erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben,  ihm 
sei Asyl zu gewähren, es sei die Unzulässigkeit sowie die Unzumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  es  sei  in  der  Folge  die 
vorläufige Aufnahme anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  liess 
er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ersuchen.  Seiner 
Beschwerde  liess  er  eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  der 
Gemeinde  (…)  vom  18.  März  2009  beilegen  und  stellte  einen 
polizeilichen Haftbefehl, wonach er aufgrund eines Befehls der Hisbollah 
vom Sicherheitskomitee gesucht werde, in Aussicht. 

G. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  7.  April  2009  setzte  die  zuständige 
Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  Frist  zur 
Nachreichung  des  in  Aussicht  gestellten  Haftbefehls  und  verwies  unter 
Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren 
Zeitpunkt.

E­2092/2009

Seite 4

H. 
Mit  Eingabe  vom  6.  Mai  2009  liess  der  Beschwerdeführer  das  Original 
sowie  eine  vollständige  deutsche  Übersetzung  der  Vorladung  der 
Befreiungsbewegung Fatah vom 14. April 2008 zu den Akten reichen.

I. 
Mit  Schreiben  vom  29. Mai  2009  liess  sich  das  BFM  unter  besonderer 
Berücksichtigung oben genannter Vorladung vernehmen.

J. 
Mit Eingabe vom 19. Juni 2009 liess der Beschwerdeführer replizieren.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.  
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Eine Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  liegt nicht 
vor,  so  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  vorliegenden  Fall 
endgültig entscheidet.

1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

E­2092/2009

Seite 5

durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.5. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

2.3.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie 
genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen 
sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten 
nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den 
Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber 
hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen 
unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens 
Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die 
nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet 
ferner  –  im  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 

E­2092/2009

Seite 6

Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, 
welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  im 
Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  aller  Elemente  (übereinstimmende 
Angaben  bezüglich  des  vorgebrachten  Sachverhaltes,  Substanziiertheit 
und  Plausibilität  der  Vorbringen,  persönliche  Glaubwürdigkeit) 
überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise 
abzustellen  (vgl.  Art. 7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK; 
EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S.  190  f.). Für das Glaubhaftmachen reicht 
es demnach nicht aus, wenn der  Inhalt der Vorbringen zwar möglich  ist, 
aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende 
Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung  sprechen 
(vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.149;  Handbuch  zum  Asyl­ 
und Wegweisungsverfahren, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 
Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 161 ff.; EMARK 1996 Nr. 28 E. 3.a S. 270).

3. 
3.1.  
3.1.1. Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  da 
seine Vorbringen weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 
gemäss  Art.  3  AsylG  noch  jenen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7 
AsylG standhielten. 

3.1.2.  Zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Entscheides  führte  die 
Vorinstanz aus, die Zugehörigkeit  zur palästinensischen Volksgruppe  im 
Libanon  begründe  für  sich  alleine  keine  asylrelevante  Verfolgung.  Die 
Lage  der  schätzungsweise  250'000  bis  300'000  Palästinenser  in 
libanesischen  Flüchtlingslagern  würde  sich  zweifellos  als  schwierig 
gestalten:  So  bestünden  trotz  der  Lockerungen  in  der Wahl  beruflicher 
Tätigkeit  im Jahr 2005 weiterhin Beschränkungen und die Erlangung der 
libanesischen  Staatsangehörigkeit  sei  aus  sicherheitspolitischen 
Überlegungen  und  aus  Furcht  vor  einer  Verschiebung  der  heiklen 
religiösen und politischen Balance des Landes nicht vorgesehen. Zudem 
werde die Grundversorgung weniger von staatlichen Institutionen als von 
der UNRWA wahrgenommen. Dennoch aber genössen die Palästinenser 
ein  erhebliches  Mass  an  Autonomie,  namentlich  in  den  von  ihnen 
kontrollierten  Lagern.  Ihre  Anwesenheit  im  Libanon  sei  nicht  in  Frage 
gestellt  und  ihre  Bewegungs­  sowie  Niederlassungsfreiheit  sei 

http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28

E­2092/2009

Seite 7

gewährleistet, so dass zahlreiche Palästinenser die Lager verlassen und 
sich ausserhalb eine Existenz aufgebaut hätten. 

Vor  diesem  Hintergrund  sowie  der  faktischen  bewaffneten 
Selbstverwaltung  der  Palästinenser  sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb 
das  Sicherheitskomitee  des  rund  (…)  Flüchtlinge  umfassenden  Lagers 
D._______  den  Schwager  des  (…)  dermassen  rasch  an  die  schiitische 
Hisbollah  ausliefern  sollte,  nur  weil  diese  ihn  der  Spionage  für  Israel 
beschuldigt habe. Damit würde die Verwaltung ihren Handlungsspielraum 
gegenüber  den  expandierenden  Schiiten  aufgeben  und  ein  Präjudiz  für 
weitere  "Auslieferungsgesuche"  schaffen.  Aufgrund  dieser  Tatsache 
dürfte  erwartet  werden,  dass  das  Sicherheitskomitee  selbst  abklären 
würde,  ob  sich  unter  ihnen  tatsächlich  ein  Verräter  befinde.  Der 
Beschwerdeführer  habe  auf  Vorhalt  hin  keine  Erklärung  abzugeben 
vermocht  (vgl.  Akten  BFM  A17/12  Frage  95).  Ferner  sei  er  trotz  des 
herrschenden  Misstrauens  im  Libanon  kaum  über  die  Ansichten  und 
Probleme seines angeblichen Freundes  informiert gewesen (vgl. A17/12 
Fragen 62­69). Spätestens nach der Beschuldigung durch die Hisbollah 
und  die  daraus  angeblich  resultierende  Bedrohung  wäre  zu  erwarten 
gewesen, dass sich der Beschwerdeführer und seine Angehörigen nach 
der  Gefahr  erkundigt  hätten,  um  diese  abzuschätzen.  Zudem  sei  nicht 
nachvollziehbar,  weshalb  der  Beschwerdeführer  überstürzt  und  ohne 
nähere  Informationen  das  Land  und  seine  Frau,  die  er  habe  heiraten 
wollen,  verlassen  und  nicht  länger  (…)  abgewartet  habe,  um  die 
Entwicklung der Lage abzuwarten. 

Gemäss  dem  Subsidiaritätsprinzip  seien  Personen  mit  einer 
innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines Drittstaates 
angewiesen.  Der  Beschwerdeführer  mache  ausschliesslich 
Schwierigkeiten mit  der  schiitischen Hisbollah  geltend. Dabei  handle  es 
sich  um  eine  von  Syrien  und  dem  Iran  unterstützte,  mehrere  tausend 
Mitglieder  umfassende  islamistische  Organisation.  Deren  Einflussgebiet 
konzentriere  sich  auf  Teile  der  Bekaa­Ebene,  auf  südliche  Vororte  von 
Beirut  und  auf  den  Südlibanon,  den  sie  und  die  libanesische  Armee 
kontrollierten.  Sie  sei  indessen  nicht  die  einzige  Vertreterin  schiitischer 
Anliegen  im  Libanon.  Obwohl  sie  seit  dem  11.  Juli  2008  wieder  einen 
Minister  in  der  libanesischen  Allparteienregierung  stelle,  bleibe  ihr 
Machtbereich  –  entgegen  den  Behauptungen  des  Beschwerdeführers – 
weiterhin  auf  diese  Regionen  beschränkt.  Der  überwiegende  Teil  des 
Landes  werde  von  anderen  Gruppierungen  kontrolliert  und  sei  dem 
Machtbereich der schiitischen Hisbollah entzogen. Der Beschwerdeführer 

E­2092/2009

Seite 8

könne  sich  allfälligen  künftigen  Verfolgungsmassnahmen  durch  einen 
Wegzug in einen solchen Teil des Landes entziehen, wo ihm zugemutet 
werden  könne,  effektiven  Schutz  durch  den  libanesischen  Staat  in 
Anspruch zu nehmen. 

3.1.3.  Demgegenüber  macht  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe  geltend,  er  habe  von  seinem  Schwager  erfahren, 
dass  er  aufgrund  eines  polizeilichen Haft­  und Auslieferungsbefehls  der 
Hisbollah vom Sicherheitskomitee gesucht werde. Wie allgemein bekannt 
sei, übe die Hisbollah  in zahlreichen palästinensischen Flüchtlingslagern 
ihre  Macht  aus  und  arbeite  eng  mit  den  Sicherheitskomitees  der 
Flüchtlingslager in Beirut zusammen. Ein solcher Auslieferungsbefehl sei 
ein  Indiz  für  die Machtausübung der Hisbollah  in den palästinensischen 
Flüchtlingslagern. Er habe sich nicht länger (…) aufhalten können, zumal 
er  sich  vor  der Verfolgung der Hisbollah  (…) nicht mehr habe  schützen 
können. Weil er wegen seines Status weder eine Arbeitsstelle noch eine 
Wohnung erhalten hätte, hätte er sich früher oder später bei den dortigen 
Behörden melden müssen und sich damit der Gefahr ausgesetzt, an die 
Hisbollah  ausgeliefert  und  inhaftiert  zu werden.  Aufgrund  der  fehlenden 
Schutzbereitschaft  des  Sicherheitskomitees  des  Flüchtlingslagers 
respektive  des  Quasi­Staates,  müsse  von  einer  mittelbaren  staatlichen 
Verfolgung ausgegangen werden. 

Ferner  weist  er  im  Wesentlichen  auf  die  prekären  allgemeinen 
Lebensbedingungen  in  den  libanesischen  Flüchtlingslagern  und  die 
Diskriminierung  der  palästinensischen  Bevölkerung  im  Libanon  hin  und 
macht  geltend,  dass  seine  Fluchtmotivation  nicht  alleine  in  seiner 
palästinensischen  Ethnie  gründe.  Diese  sei  aber  Indiz  für  die  nicht 
vorhandene  inländische  Fluchtalternative.  Als  palästinensischer 
Vertriebener  von  1967  erhalte  er weder  einen  libanesischen Pass  noch 
Unterstützung seitens der UNRWA. Demzufolge gehe das BFM in seiner 
Einschätzung  fehl,  wonach  die  Bewegungs­  und  Niederlassungsfreiheit 
der palästinensischen Flüchtlinge gewährleistet sei.

3.1.4.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  29. Mai  2009  hält  das  BFM  fest, 
dass  die  mit  der  Beschwerdeschrift  eingereichte  Vorladung  der  Fatah 
kein  taugliches  Beweismittel  sei,  um  eine  asylrelevante  Verfolgung  zu 
untermauern.  Solche  Dokumente  ohne  jegliches  Sicherheitsmerkmal 
könnten  problemlos  auf  jedem  beliebigen  Computer  hergestellt  und 
gegebenenfalls  erhältlich  gemacht  werden,  insbesondere  wenn  –  wie 
vorliegend –  (…). Zudem würden bei effektivem Verdacht der Spionage 

E­2092/2009

Seite 9

zugunsten Israels die zuständigen staatlichen Institutionen aktiv und nicht 
die Milizen. Mit Verweis auf eine  Internetseite hält es des Weiteren  fest, 
dass  in  diesen  Tagen  libanesische  Behörden mehrere  Verhaftungen  in 
diesem Zusammenhang vorgenommen und sich damit deutlich gegen die 
Hisbollah positioniert hätten. Ferner beschränke sich das Machtgebiet der 
Hisbollah weiterhin nur auf Teilgebiete des Libanon. 

3.1.5.  In  seiner Replik  beharrt  der Beschwerdeführer  auf  der Richtigkeit 
seiner  Ausführungen  und  macht  geltend,  die  Argumentation  des  BFM 
basiere  auf  einer  reinen  Behauptung.  Die  Machtausübung  und  der 
Einfluss der Hisbollah in palästinensischen Flüchtlingslagern könne nicht 
bestritten  werden.  Aufgrund  der  Beschuldigung  der  Spionage  für  Israel 
habe er begründete Furcht vor Verfolgung. 

3.2.  
3.2.1. Aufgrund des Lingua­Ergebnisses  steht  unter  anderem  fest,  dass 
die palästinensische Herkunft des Beschwerdeführers und sein Aufenthalt 
im Flüchtlingslager D._______ erstellt ist. Der Beschwerdeführer hat sich 
im  Verfahren  mit  seinem  UNRWA­Ausweis  legitimiert.  Mit  der 
Anwendbarkeit  der  Flüchtlingskonvention  auf  palästinensische 
Asylsuchende  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Urteil 
BVGE  2008/34  auseinandergesetzt:  Bei  palästinensischen 
Asylsuchenden,  die  unter  das  Mandat  der  UNRWA  fallen,  ist  kein 
genereller  Ausschluss  vom  Anwendungsbereich  der 
Flüchtlingskonvention  anzunehmen,  sondern es  ist  auch bei  ihnen  stets 
individuell  zu  prüfen,  ob  sie  die  Voraussetzungen  für  die  Anerkennung 
der Flüchtlingseigenschaft erfüllen (Art. 1 D des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] i.V.m. Art. 
1 A Ziff. 2 FK, Art. 3 AsylG). 

3.2.2.  Nach  eingehender  Prüfung  der  Akten  schliesst  sich  das 
Bundesverwaltungsgericht  der  Ansicht  der  Vorinstanz  an,  wonach  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers in einer Gesamtwürdigung weder den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  noch  denjenigen  an  die 
Glaubhaftmachung  standhalten.  Die  Vorbringen  in  der 
Rechtsmitteleingabe vom 30. März 2009 sowie  in seiner Replik vom 19. 
Juni  2009  sind  insgesamt  nicht  geeignet,  eine  Änderung  der 
vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken.  Der  Argumentation  des  BFM 
werden keine stichhaltigen und substanziierten Gründe entgegengesetzt 
und  eine  diesbezügliche  Auseinandersetzung  unterbleibt  weitgehend. 
Daran vermag auch das Beharren auf der Richtigkeit seiner Vorbringen in 

E­2092/2009

Seite 10

seiner  Replik  nichts  dazu  ändern.  Darüber  hinaus  geht  aus  dem  auf 
Beschwerdeebene eingereichten Dokument in keiner Weise hervor, dass 
es  sich  dabei  um  ein  Schreiben  einer  staatlichen  Institution  handelt. 
Vielmehr  ist  diesem  zu  entnehmen,  dass  es  sich  dabei  nicht  um  einen 
polizeilichen Haft­  respektive Auslieferungsbefehl  an  die Hisbollah  geht, 
sondern  um  eine  Vorladung  zu  einer  Befragung  der  Fatah  (politische 
Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten und stärkste Fraktion 
innerhalb  der  Dachorganisation  der  PLO  [Palestine  Liberation 
Organization];  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht).  Entgegen  seinen 
Ausführungen  ist  daher  nicht  einsehbar, weshalb  der Beschwerdeführer 
aufgrund der Vorladung der Fatah, welche unter  anderem die Hisbollah 
bekämpft,  von  letzterer  gesucht  werden  sollte.  Wie  das  BFM  in  seiner 
Vernehmlassung  vom  29.  Mai  2009  ferner  erwogen  hat,  ist  die 
eingereichte Vorladung wegen der  fehlenden Sicherheitsmerkmale  nicht 
geeignet,  seine  angeblich  asylrelevante  Verfolgung  zu  untermauern. 
Darüber  hinaus  liegen  keine  Anhaltspunkte  dafür  vor,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer aufgrund seines Persönlichkeitsprofils derart exponiert 
und  einen  solchen  Bekanntheitsgrad  erlangt  hätte,  dass  er  von  der 
Hisbollah  gesucht  würde.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht 
nach  Überprüfung  der  Akten  keine  Veranlassung,  die  Erwägungen  des 
BFM  zu  beanstanden,  zumal  sie  sich  mit  der  Lagebeurteilung  des 
Gerichts  decken  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
D­3731/2008  vom  12. Juni  2008,  D­1861/2009  vom  19. Mai  2009  und 
E­1402/2008 vom 24. Oktober 2011). Um Wiederholungen zu vermeiden, 
kann  weitgehend  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  in  der 
angefochtenen Verfügung und in der Vernehmlassung verwiesen werden. 

3.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 
nicht  gelungen  ist,  eine  asylrelevante  Verfolgung  nachzuweisen  oder 
glaubhaft  darzutun.  Es  erübrigt  sich,  auf  weitere  Ausführungen  in  der 
Beschwerde  einzugehen,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern 
vermögen.  Somit  hat  die  Vorinstanz  im  Ergebnis  zu  Recht  das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen.

4. 
4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Partei
http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Partei
http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Partei
http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete
http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete
http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete
http://de.wikipedia.org/wiki/Fraktion_(Politik)

E­2092/2009

Seite 11

4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

5. 
5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
STÖCKLI, a.a.O. Rz. 11.148).

6. 
6.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG). 

6.2.  Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG,  Art. 33  Abs. 1  FK).  Dieses  flüchtlingsrechtliche 
Rückschiebungsverbot  schützt  nur  Personen,  welche  die 
Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art.  3 AsylG  respektive Art.  1A FK 
erfüllen.  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall,  weshalb  das  in  Art.  5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots 
nicht zur Anwendung gelangen kann. Der Vollzug der Wegweisung in den 
Libanon ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

6.3. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 

E­2092/2009

Seite 12

Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten 
ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  in  den  Herkunftsstaat  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass 
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung 
drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil 
vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127,  mit 
weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Die  aktuelle 
allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Herkunftsstaat  lässt  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.4.  
6.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. 
März 2002, BBl 2002 3818).

6.4.2. Die allgemeine Situation  im Libanon hat sich seit Beendigung des 
Krieges  Im  Sommer  2006  wieder  stabilisiert.  Heute  herrscht  dort  nicht 
landesweit  eine  Bürgerkriegssituation  oder  eine  Situation  allgemeiner 
Gewalt,  aufgrund  derer  die  Zivilbevölkerung  als  konkret  gefährdet 
bezeichnet werden müsste.

E­2092/2009

Seite 13

6.4.3. Aus den Akten ergeben sich auch keine Anhaltspunkte, die darauf 
schliessen liessen, der Beschwerdeführer gerate im Falle einer Rückkehr 
in  den  Libanon  aus  individuellen Gründen wirtschaftlicher,  sozialer  oder 
gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation.  Der 
Beschwerdeführer  –  der  gemäss  Aktenlage  keine  gesundheitlichen 
Beeinträchtigungen  geltend  macht  und  arbeitsfähig  ist  –  verfügt  im 
Libanon  über  ein  breites  Familiennetz  (vgl.  A1/11  S.  4;  A17/12  S.  3), 
welches  ihm gegebenenfalls  auch bei  einer Wohnsitznahme ausserhalb 
seiner  bisherigen  Heimatregion  behilflich  sein  kann.  Der 
Beschwerdeführer  absolvierte  vier  Jahre  die Primarschule  und arbeitete 
bis  zu  seiner  Ausreise  als  (…)  in  E._______  (vgl.  A17/12  S.  4). 
Angesichts  des  relativ  jungen  Alters  und  seiner  bisherigen 
Schulausbildung,  der  beruflichen  Tätigkeiten  und  seiner 
Berufserfahrungen ist davon auszugehen, dass er – wie andere Personen 
palästinensischer Herkunft  –  sowohl  innerhalb  als  auch  ausserhalb  des 
Lagers leben und/oder zu seinen Verwandten zurückkehren kann und es 
ihm möglich sein wird, wieder eine Existenz aufzubauen. 

6.4.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung 
auch als zumutbar. 

6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  dessen  Identität 
aufgrund  seines  UNRWA­Ausweises  nachweisbar  ist,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  Libanons  die  für  die  Rückkehr  erforderlichen 
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, BVGE 2008/34 
E. 12), weshalb der Wegweisungsvollzug auch möglich ist. 

6.6. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu  bestätigen.  Das  BFM  hat  ihn  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und 
möglich erachtet. Die Anordnung einer  vorläufigen Aufnahme  fällt  damit 
ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34

E­2092/2009

Seite 14

insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art.  1  ­  3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Nachdem  die 
Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ausgewiesen ist und das Verfahren 
nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, ist das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege, über welches bisher nicht entschieden 
worden  ist,  gutzuheissen,  und  es  sind  keine  Verfahrenskosten  zu 
erheben.

(Dispositiv nächste Seite)

E­2092/2009

Seite 15

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Gabriela Freihofer Chantal Schwizer

Versand: