# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9947e457-a429-5afc-b2ef-f0d16f149241
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-10
**Language:** de
**Title:** Bauvorschriften. Wohnhygiene in einem Subterrainhaus.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0195-0196/2021
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2022-5.pdf

## Full Text

BRGE I Nrn. 0195/2021 und 0196/2021 vom 10. Dezember 2021 in BEZ 2022 
Nr. 5 

2.  Beim  Bauvorhaben  der  privaten  Rekursgegner  handelt  es  sich  um  ein 
Subterrainhaus,  welches  im  rückwärtigen  Hof  zwischen  A-,  B-  und  C-Strasse 
zwischen  der  Stützmauer  einer  Garagenzufahrt  und  den  nördlichen  Grenzen 
der rekurrentischen Liegenschaften in gegen Nordwesten abfallendem Gelände 
ins  Erdreich  eingelassen  werden  soll.  Geplant  ist  eine  ausschliessliche 
Wohnnutzung  auf  einem  Geschoss  von  gut  100 m2  Grundfläche  mit 
Eingangsbereich,  drei  Zimmern,  einem  Wohnzimmer  mit  Küche,  zwei 
Nasszellen  und  einem  Kellerabteil.  Über  vertikale  Fenster  verfügt  das 
Bauvorhaben  nicht,  eine  Belichtung  der  Räume  erfolgt  ausschliesslich  über 
Oberlichter. (…) 

3.4  Bauten  müssen  nach  aussen  wie  im  Innern  unter  anderem  den 
Geboten der Wohnhygiene genügen (§ 239 Abs. 3 Satz 1 PBG). Als Teilgebiet 
der  Hygiene  befasst  sich  die  Wohnhygiene  mit  den  Wechselwirkungen 
zwischen  dem  Menschen  und  seiner  Wohnumwelt.  Die  Wohnhygiene 
beschäftigt  sich  mit  allen  Faktoren,  die  das  physische  und  psychische 
Wohlbefinden in einer Wohnung bedingen, insbesondere mit dem Wärme- und 
Feuchtigkeitsschutz,  dem  Schallschutz  und  der  Belichtung.  Bezüglich 
Belichtung  schreibt  §  302  Abs.  2  PBG  vor,  dass  Wohn-  und  Schlafräume  mit 
Fenstern zu versehen sind, die über dem Erdreich liegen, ins Freie führen und 
in  ausreichendem  Masse  geöffnet  werden  können;  die  Fensterfläche  hat 
wenigstens  einen  Zehntel  der  Bodenfläche  zu  betragen.  Diese  Regelung  soll 
sicherstellen,  dass  nur  solche  Räume  zu  Wohn-  und  Schlafzwecken  genutzt 
werden  können,  die  die  Erfordernisse  der  Wohnhygiene  einwandfrei  erfüllen. 
Gerade bei Neubauten spielen die wohnhygienischen Regelungen von §§ 299 
ff. PBG eine entscheidende Rolle. 

Die Formulierung, wonach die Fenster über dem Erdreich liegen müssen, 
wird  in  Literatur  und  Rechtsprechung  dahingehend  verstanden,  dass  der 
Luftraum  horizontal  (und  in  gewissem  Masse  auch  seitlich)  vor  dem  Fenster 
nicht  verstellt  sein  darf  und  das  natürliche  Licht  ungehindert  einfallen  kann 
(BRKE  II  Nr.  0052/2001,  E. 6. a  =  BEZ  2001  Nr.  30,).  Führt  ein  Fenster  eines 
Raumes 
(selbst  gross  dimensionierten) 
Lichtschacht, sind diese wohnhygienischen Anforderungen nicht erfüllt und der 
Raum  darf  nicht  zu  Wohn-  oder  Schlafzwecken  genutzt  werden  (Christoph 
Fritzsche/Peter  Bösch/Thomas  Wipf/Daniel  Kunz,  Zürcher  Planungs-  und 
Baurecht, 6. A., 2019, Bd. 2, S. 1247, mit Hinweis auf VGr, 16. November 2017, 
VB.2017.00452, E. 2.2 f.).  

im  Untergeschoss 

in  einen 

3.5  Vorliegend  erfolgt  die  Belichtung  der  unterirdischen  Wohn-  und 
Schlafräume  ausschliesslich  über  Oberlichter,  wobei  jedes  der  drei  Zimmer 
jeweils  über  ein  Oberlicht  verfügt,  dessen  Fläche  exakt  10  %  der Bodenfläche 
des  entsprechenden  Raums  beträgt.  Die  Belichtung  des Wohnzimmers  erfolgt 
über  ein  grösseres  Glasdach.  Ob  die  Oberlichter  und  das  Glasdach  in 
ausreichendem  Masse  geöffnet  werden  können,  geht  aus  den  Plänen  nicht 
hervor.  Es  darf  jedoch  davon  ausgegangen  werden,  dass  eine  entsprechende 
Lösung technisch möglich und umsetzbar ist. 

 
 
- 2-  

Uneinig  sind  sich  die  Parteien  insbesondere  darüber,  ob  die  Oberlichter 
aufgrund der konkreten Ausgestaltung als über dem Erdreich liegende Fenster 
gelten.  Während  die  Rekurrierenden  diesbezüglich  auf  die  Öffnung  in  der 
Raumdecke  abstellen,  halten  die  Bauherrschaft  und  die  Rekursgegnerin  die 
Lage der Oberlichter für massgebend. Aus den Plänen ist ersichtlich, dass die 
Glasflächen  der  Oberlichter  exakt  auf  das  Niveau  des  gestalteten  Terrains  zu 
liegen  kommen,  mithin  ein  nahtloser  Übergang  von  Erdreich  und  Glasfläche 
geschaffen  wird.  Streng  genommen  liegen  die  Oberlichter  daher  selbst  dann 
nicht  über  dem  Erdreich,  wenn  auf  die  Lage  der  Glasflächen  abgestellt  wird. 
Diesem Umstand alleine kommt jedoch keine entscheidende Bedeutung zu, da 
in  gewissen  baulichen  Situationen  selbst  die  Belichtung  von  Räumen  durch 
über  dem  Erdreich  liegende  Fenster  ungenügend  sein  kann  (BRKE  II  Nr. 
0052/2001, E. 6. a = BEZ 2001 Nr. 30). 

in  der  Zimmerdecke  eingelassenen  Schacht 

Entscheidend  ist  vorliegend  die  Tatsache,  dass  in  den  drei  Zimmern 
zwischen  der  ebenerdigen  Glasfläche  und  der  darunterliegenden  Raumdecke 
eine Entfernung von bis zu 0,7 m bzw. 1,21 m und 1,64 m besteht, über die das 
Licht  durch  einen 
in  den 
darunterliegenden  Raum  fällt.  Entgegen  der  Meinung  der  Rekursgegnerschaft 
ist  die  vorliegend  zu  beurteilende  Situation 
in  keiner  Weise  mit 
Dachflächenfenstern  vergleichbar.  Während  bei  diesen  ein  ungehinderter 
Lichteinfall  in  der  Regel  ohne  weiteres  gewährleistet  ist,  ist  dies  vorliegend 
aufgrund der tiefen Schächte gerade nicht der Fall. Es liegt auf der Hand, dass 
der Lichteinfall bei Fenstern bzw. Oberlichtern, die direkt in die Fassade bzw. in 
die  Dachhaut eingelassen  sind, deutlich  besser  ist,  als  bei  solchen,  denen ein 
Schacht  vorgelagert  ist.  Zur  Veranschaulichung  braucht  man  sich  bloss  einen 
Raum  vorzustellen,  der  sich  beispielsweise  20 m  unter  Terrain  befindet  und 
dessen Belichtung einzig über einen entsprechend langen Schacht erfolgt. Eine 
ausreichende  Belichtung  wäre  selbst  dann  nicht  mehr  gegeben,  wenn  die 
Glasfläche  des  Oberlichts  deutlich  mehr  als  10 %  der  Bodenfläche  betragen 
würde.  Daraus  erhellt,  dass  der  Gesetzgeber  bei  der  Festlegung  des 
Mindestgrenzwerts von 10 % offensichtlich den Normalfall von Fassaden- oder 
Dachflächenfenstern  vor  Augen hatte.  Mit anderen Worten  können  mangelnde 
wohnhygienische  Verhältnisse  auch  dann  gegeben  sein,  wenn  die  Vorgaben 
von § 302 Abs. 2 PBG dem Wortlaut nach eingehalten sind. Vorliegend beträgt 
die Fensterfläche der Oberlichter der drei Zimmer genau 10 % der Bodenfläche, 
was  angesichts  der  vorgelagerten  Schächte  klar  zu  einem  nicht  mehr 
ausreichenden  Lichteinfall  und  somit  zu  mangelnden  wohnhygienischen 
Verhältnissen  führt.  Nicht  hilfreich  ist  der  etwas  wortklauberisch  anmutende 
Einwand  der  Rekursgegnerschaft,  dass  vorliegend  der  Luftraum  horizontal  vor 
dem  Fenster  nicht  verstellt  sei.  Tatsächlich  verhält  es  sich  so,  dass  der 
horizontale  Luftraum  vor  den  Fenstern  aufgrund  der  Schächte  nicht  einmal 
ansatzweise sichtbar ist, was einer totalen Verstellung gleichkommt. So ist ein 
Blick ins Freie nur dann möglich, wenn man sich direkt unter den Lichtschacht 
stellt und den Blick senkrecht nach oben richtet. 

Erschwerend  kommt  vorliegend  hinzu,  dass  die  beiden  nebeneinander 
gelegenen Zimmer, die wohl als Kinderzimmer dienen sollen, eine Bodenfläche 
ist  den  privaten  Rekursgegnern 
von 
für  Räume  von  10 m2  bei 
beizupflichten,  dass  die  Mindestfläche 

lediglich  7 m2  aufweisen.  Zwar 

 
 
- 3-  

schon 

Einfamilienhäusern  nicht  gilt;  dies  ändert  jedoch  nichts  daran,  dass  insgesamt 
eine  genügende  Wohnhygiene  vorliegen  muss.  Dabei  sind  alle  Faktoren 
relevant,  die  das  physische  und  psychische  Wohlbefinden  in  einer  Wohnung 
bedingen  (VGr,  13.  Juli  2017,  VB.2017.00169,  E.  3.4).  In  wohnhygienischer 
Sicht wirkt sich dieser Umstand vorliegend besonders nachteilig aus, da die bei 
unterirdischen  Räumen  ohnehin 
vorherrschende  bunkerartige 
Atmosphäre  noch  verstärkt  wird.  Im  Verbund  mit  dem  bloss  0,7 m2  grossen 
Oberlicht, das sich mehr als 4 m über dem Zimmerboden am Ende eines bis zu 
1.64 m  langen  Schachts  befindet  und  als  einzige  natürliche  Lichtquelle  dient, 
resultiert ein Raum, der eher an einen Kellerraum oder eine Gefängniszelle als 
an  ein  Schlaf-  oder  Kinderzimmer  erinnert.  Personen,  die  sich  in  diesen 
Räumen  aufhalten,  sind  nahezu  komplett  von  der  Aussenwelt  abgeschottet, 
wodurch  sich  ein  Gefühl  des  Isoliert-  oder  Eingesperrtseins  entwickeln  kann, 
welches  das  psychische  Wohlbefinden  auf  Dauer  ernsthaft  beeinträchtigen 
kann.  Der  Einwand  der  privaten  Rekursgegner,  sie  hätten  diesbezüglich  halt 
offenbar geringere Ansprüche als andere Personen, stösst dabei ins Leere, da 
ein  objektivierter  Massstab  anzulegen  ist  und  nicht  ausgeschlossen  werden 
kann, dass dereinst auch andere Personen als die privaten Rekursgegner das 
Haus bewohnen werden. 

Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  sich  die  Rüge  der  mangelnden 

wohnhygienischen Verhältnisse als begründet erweist.