# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aaed6f33-959e-5b66-ad63-01b81a56d483
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.02.2012 E-6746/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6746-2011_2012-02-27.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

 

Abteilung V
E­6746/2011

U r t e i l   v om   2 7 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richterin Gabriela Freihofer,
Gerichtsschreiber Tobias Meyer.

Parteien A._______, geboren (…), 
B._______, geboren (…), 
C._______, geboren (…), 
D._______, geboren (…), Eritrea, 
vertreten durch Randi von Stechow, Thurgauer 
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, 
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Mit  Schreiben  vom  15. August  2011  ersuchte  E._______  (N […])  für 
seinen Bruder A._______ und dessen Familie in der Schweiz um Asyl.

B.  
Mit Schreiben vom 2. November 2011 forderte das BFM den Bruder des 
Beschwerdeführers  auf,  eine  Vollmacht  des  Beschwerdeführers  im 
Original  nachzureichen. Gleichzeitig  teilte  das BFM dem Bruder mit,  im 
vorliegenden Verfahren könne keine Befragung durch die Schweizerische 
Botschaft  im  Sudan  stattfinden,  da  diese  nicht  in  der  Lage  sei, 
Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Das BFM schickte dem 
Bruder eine Reihe von Fragen zur Abklärung des Sachverhaltes. 

C. 
Mit  Eingabe  vom  16. November  2011  informierte  die  Rechtsvertreterin 
das BFM über  ihre Mandatsübernahme. Sie  reichte  eine Vollmacht  des 
Bruders  des  Beschwerdeführers  ein  sowie  ein  Schreiben  des 
Beschwerdeführers,  in  dem  dieser  ausführt,  er  lebe  als  Flüchtling  in 
Khartoum,  Sudan,  und  sein  Bruder  übernehme  seine  Vertretung  im 
"Verfahren".  In  der  gleichen  Eingabe  nahm  der  Bruder  des 
Beschwerdeführers zu den vom BFM gestellten Fragen Stellung.

D. 
Mit Verfügung  vom 2. Dezember  2011  lehnte  das BFM das Asylgesuch 
der Beschwerdeführenden ab und verweigerte ihnen die Einreise.

E. 
Mit  Eingabe  vom  15. Dezember  2011  erhob  die  Rechtsvertreterin  im 
Namen  der  Beschwerdeführenden  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde und beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und 
es  sei  den  Beschwerdeführenden  zwecks  Durchführung  eines 
ordentlichen  Asylverfahrens  eine  Einreisebewilligung  zu  erteilen. 
Eventualiter  sei  die  Sache  zur  vollständigen  Feststellung  des 
Sachverhaltes  und  zur  erneuten  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  sie  um  Gewährung 
der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung 
eines Kostenvorschusses.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in der Regel – wie 
auch  vorliegend  –  endgültig  (vgl.  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). 

1.2. Zur Beschwerde legitimiert  ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren 
teilgenommen  hat  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme  erhalten  hat, 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat 
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

Die  Legimitation  ist  vorliegend  insoweit  fraglich,  als  die 
Beschwerdeführenden  am  vorinstanzlichen  Asylverfahren  teilgenommen 
haben  müssen  und  das  Stellen  eines  Asylgesuchs  als  relativ 
höchstpersönliches  Recht  gilt,  das  vertretungsfeindlich  ist  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­3162/2011  vom  6. Dezember  2011, 
E. 4.3.2). Wird das Asylgesuch nicht persönlich gestellt  und der Mangel 
im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens auch nicht geheilt, so hat die 
betreffende  Person  am  erstinstanzlichen  Verfahren  überhaupt  nicht 
teilgenommen. Wäre in solchen Konstellationen auch die Legitimation zur 
Beschwerdeerhebung zu verneinen, hätte das Bundesverwaltungsgericht 
keine Gelegenheit,  in  der Sache  zu  prüfen,  ob  ein  persönlich  gestelltes 
Asylgesuch  vorliegt  oder  nicht.  Die  Legitimation  ist  daher  zur  Prüfung 
dieser  Frage  zu  bejahen  und  insoweit  ist  auf  die  frist­  und  formgerecht 
eingereichte  Beschwerde  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  und  Art. 52  VwVG) 
einzutreten.

1.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  auf  die  Durchführung  eines 
Schriftenwechsels gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet.

2. 
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Verletzung von Bundesrecht, unrichtige oder unvollständige Feststellung 

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des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  Unangemessenheit  hin 
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3. 

3.1. Gemäss Art.  18 AsylG gilt  jede Äusserung, mit  der eine Person zu 
erkennen  gibt,  dass  sie  die  Schweiz  um  Schutz  vor  Verfolgung 
nachsucht, als Asylgesuch. Hat eine Person ein Asylgesuch im Sinne von 
Art. 18  AsylG  gestellt,  wird  sie  dadurch  Partei  und  kann  sich  im 
Verfahren,  wenn  sie  nicht  persönlich  zu  handeln  hat,  vertreten  lassen 
(Art. 11 Abs. 1 VwVG). 

Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  mit  Urteil  E­3162/2011  vom 
6. Dezember  2011  seine Rechtsprechung  bestätigt,  wonach  es  sich  bei 
der Erhebung eines Asylgesuchs um ein relativ höchstpersönliches Recht 
handelt.  Urteilsfähige  Personen  müssen  höchstpersönliche  Rechte  wie 
ein  Asylgesuch  selbständig,  mithin  ohne  die  Hilfe  eines  Vertreters 
ausüben.  Das  Stellen  eines  Asylgesuchs  durch  einen  Vertreter  ist 
unzulässig.  Der  Mangel  kann  allerdings  geheilt  werden.  Eine  Heilung 
kann  beispielsweise  dadurch  erfolgen,  dass  der  Inhalt  des  über  einen 
Vertreter  eingereichten  Asylgesuchs  anlässlich  einer  mündlichen 
Anhörung  oder  durch  eine  persönlich  verfasste  oder  zumindest 
unterzeichnete  Stellungnahme  zum  Fragenkatalog  des  BFM  bestätigt 
wird.  In  jedem  Fall  muss  der  Mangel  jedoch  vor  Ergehen  eines 
erstinstanzlichen  Asylentscheides  geheilt  werden  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­3162/2011  vom  6. Dezember  2011, 
E. 4.3.2).

Der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin sind urteilsfähige und 
mündige Personen, die ein Asylgesuch persönlich stellen müssen, wobei 
sie  ihre  unmündigen  Kinder  gesetzlich  vertreten.  Nachfolgend  ist  zu 
prüfen,  ob  eine  persönliche  Willenserklärung  vorliegt,  die  auf  ein 
Asylgesuch schliessen lässt, und – verneinendenfalls – ob der Mangel im 
erstinstanzlichen Verfahren geheilt worden ist. 

3.2. Das  erstinstanzliche  Asylverfahren  wurde  durch  ein  Schreiben  des 
Bruders  des  Beschwerdeführers  eingeleitet.  Dieser  legte  seinem 
Schreiben  vom  15. August  2011  eine  "case­history"  des 
Beschwerdeführers bei (BFM­Akte A1/3, S. 2 f.). Das Schreiben ist in der 
ersten Person abgefasst und  führt aus, dass der Beschwerdeführer aus 
Eritrea in den Sudan geflohen sei und weshalb in der Schweiz um Schutz 

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für  den  Beschwerdeführer  ersucht  werde.  Das  Dokument  trägt  jedoch 
keine Unterschrift und es handelt sich – im Gegensatz zur handschriftlich 
verfassten Vollmacht (siehe unten E. 3.4) – um einen Computerausdruck. 
Aufgrund  der  fehlenden  Unterschrift  und  weil  nicht  klar  ist,  ob  das 
Dokument vom Beschwerdeführer abgefasst wurde, kann das Dokument 
nicht als ein persönlich gestelltes Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG 
angesehen werden. 

3.3. Eine mündliche Anhörung der Beschwerdeführenden fand nicht statt. 
Die  von  der  Vorinstanz  schriftlich  gestellten  Fragen  wurden  wiederum 
vom  Bruder  des  Beschwerdeführers,  angeblich  nach  Rücksprache, 
beantwortet.  Die  Beschwerdeführenden  traten  insoweit  auch  nach 
Einreichung  des  Schreibens  vom  15. August  2011  im  erstinstanzlichen 
Verfahren nicht persönlich in Erscheinung. 

3.4.  Im  erstinstanzlichen  Verfahren  reichte  die  Rechtsvertreterin  eine 
Vollmacht  mit  der  Unterschrift  des  Beschwerdeführers  ein  (BFM­Akte 
A3/15,  S. 4).  In  diesem  auf  Englisch  verfassten  und  mit  Unterschrift 
versehenen  Dokument  schreibt  der  Beschwerdeführer,  er  lebe  als 
Flüchtling  in  Khartoum,  Sudan.  Er  informiert  darüber,  dass  er  einen 
Bruder  namens  E._______  in  der  Schweiz  habe,  der  sich  um  sein 
Verfahren  kümmere.  Dieses  Dokument  kann  als  Vollmacht  der 
Beschwerdeführenden  an  E._______  ausgelegt  werden,  nicht  aber  als 
Asylgesuch,  das  keiner  Vertretung  zugänglich  ist.  Im  Übrigen  wird  im 
Dokument  ein  angeblicher  Flüchtlingsstatus  im  Sudan  bloss  erwähnt, 
jedoch  weder  um  Asyl  für  die  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz 
ersucht, noch dargelegt, inwieweit sie in Eritrea oder im Sudan gefährdet 
seien.  Das Dokument  genügt  daher  nicht  als  Asylgesuch  im Sinne  von 
Art. 18 AsylG.

3.5.  Auch  zusammen  vermögen  die  beiden  Dokumente  –  der  nicht 
unterzeichnete  Computerausdruck  und  die  unterzeichnete  Vollmacht – 
den Mangel des nicht persönlich gestellten Asylgesuchs nicht zu heilen. 
Notwendig  ist  eine  klar  den  Beschwerdeführenden  zurechenbare 
Willensäusserung, mit der sie zu erkennen geben, dass sie die Schweiz – 
wegen  einer  asylrelevanten  Verfolgung  –  um  Schutz  durch  Asyl 
ersuchen. Eine solche Willensäusserung fehlt. 

4. 
Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  kein  zulässig  gestelltes 
Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  bei  den  Akten  liegt.  Indem  die 

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Vorinstanz auf das Gesuch dennoch eingetreten ist und es in der Sache 
behandelt hat, hat sie Bundesrecht verletzt. Die angefochtene Verfügung 
ist  daher  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die 
Vorinstanz  zurückzuweisen.  Nach  der  Rückweisung  hat  die  Vorinstanz 
entweder  auf  das  Asylgesuch  mangels  Höchstpersönlichkeit  nicht 
einzutreten oder die Beschwerdeführenden aufzufordern, ihren Willen zur 
Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz klar zu manifestieren.

5. 

5.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

5.2. Die  Beschwerdeinstanz  kann  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden 
Partei  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und 
verhältnismässig  hohe  Kosten  zusprechen  (Art.  64  Abs. 1  VwVG). 
Vorliegend gelten  die Beschwerdeführenden  indes nicht  als  obsiegende 
Partei.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  nicht  etwa  wegen  einer  zu 
Recht erhobenen Beschwerde aufgehoben, sondern einzig deshalb, weil 
die Vorinstanz ein unzulässiges Gesuch in der Sache behandelt hat. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben  und  die  Sache  zur 
Neubehandlung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die  Vorinstanz 
zurückgewiesen.

2. 
Es werden keine Kosten erhoben.

3. 
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
schweizerische Vertretung in Khartoum.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Willisegger Tobias Meyer

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