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**Case Identifier:** 76dc6c03-1e61-5da2-baa5-2e7731d7b14a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 28.03.2025 VBE.2024.402
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-402_2025-03-28.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2024.402 / lf / bs 
Art. 38 

 

Urteil vom 28. März 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident 

Oberrichter Kathriner 

Oberrichterin Fischer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin 

 A._____ 

vertreten durch Dr. iur. Volker Pribnow, Rechtsanwalt,  

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin 

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   B._____ 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten und berufliche Massnahmen 

(Verfügung vom 14. Juni 2024) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1981 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 19. Juli 2021 bei 

der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integra-

tion/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Be-

schwerdegegnerin tätigte daraufhin berufliche sowie medizinische Abklä-

rungen und hielt in deren Rahmen mehrfach Rücksprache mit dem Regio-

nalen Ärztlichen Dienst (RAD). Sie gewährte der Beschwerdeführerin Kos-

tengutsprache für ein Aufbau- und ein Arbeitstraining sowie für ein 

Coaching. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren und erneuter 

Rücksprache mit ihrem beratenden Arzt wies die Beschwerdegegnerin das 

Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. Juni 

2024 ab.  

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 14. Juni 2024 erhob die Beschwerdeführerin mit 

Eingabe vom 15. August 2024 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung vom 14. Juni 2024 sei aufzuheben und es sei die Sache 
zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur Neuverfügung über 
die Ansprüche der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zu-
rückzuweisen. 

 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde-

gegnerin."  

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 18. September 2024 beantragte die Beschwer-

degegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 26. September 2024 wurde die 

berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren bei-

geladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Mit Eingabe vom 

24. Oktober 2024 verzichtete diese auf das Einreichen einer Stellung-

nahme. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegeh-

ren betreffend Rente und Integrationsmassahmen der Beschwerdeführerin 

 - 3 - 

 

 

mit Verfügung vom 14. Juni 2024 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 181) zu 

Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

2.1. 

In der angefochtenen Verfügung vom 14. Juni 2024 (VB 181) stützte sich 

die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht insbesondere auf die 

RAD-Aktenbeurteilungen vom 28. September 2021 (VB 14), 17. August 

2022 (VB 85) und 16. Februar 2023 (VB 149) sowie auf die Aktenbeurtei-

lung ihres beratenden Arztes 16. April 2024 (VB 180). 

 

2.1.1. 

Am 28. September 2021 hielt RAD-Arzt C._____, Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie, fest, spätestens mit der Krankschreibung am 4. März 

2021 liege mit den Diagnosen "Rezidivierende depressive Störung, gegen-

wärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (F33.2)", und "So-

ziale Phobien (F40.1)" ein Gesundheitsschaden mit Krankheitswert vor, 

welcher eine vorübergehende, jedoch nicht längerfristige oder gar dauer-

hafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nach sich ziehe. Bei dem Ver-

dacht auf kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen mit selbstunsi-

cher-vermeidenden und zwanghaften Anteilen (F61) handle es sich um Er-

lebens- und Verhaltensmuster, die im therapeutischen Prozess keiner 

schnellen Veränderung unterliegen würden und meist eine langfristige kon-

sequente integriert psychiatrisch/psychotherapeutische Begleitung vonnö-

ten machen würden (VB 14 S. 1). Aktuell sei noch von einer 100%igen Ar-

beitsunfähigkeit auszugehen. Prognostisch sei innerhalb von sechs bis 

acht Monaten im Rahmen allfälliger Integrationsmassnahmen vom Errei-

chen einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit auszuge-

hen. Es scheine, dass bei gegebener Vulnerabilität für Verunsicherung, 

Ängste und ein depressives Erleben im Rahmen der Veränderungen am 

Arbeitsplatz im Zuge der Corona-Pandemie ein für die Beschwerdeführerin 

enormer Druck hinsichtlich Flexibilität und Umstellungsfähigkeit entstanden 

sei. Prinzipiell sei aus RAD-Sicht davon auszugehen, dass die Beschwer-

deführerin ihre angestammte Tätigkeit zukünftig in gewohntem Umfang und 

Pensum wieder ausüben könne (VB 14 S. 2). 

 

2.1.2. 

In seiner Aktennotiz vom 17. August 2022 führte RAD-Arzt C._____ aus, 

nachvollziehbar seien die Diagnosen "Rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)", "Soziale Phobien 

(ICD-10 F40.1)" und "Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung mit 

selbstunsicher-vermeidenden und zwanghaften Anteilen (ICD-10 F61.0)". 

Die integriert psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung sei als adä-

quat und leitliniengerecht einzuschätzen. Die Symptomatik und die daraus 

resultierenden Funktionseinschränkungen seien nachvollziehbar, würden 

den ausgeprägten Leidensdruck der Beschwerdeführerin skizzieren und 

 - 4 - 

 

 

nachvollziehbar den Zeitbedarf im Rahmen der Integrationsmassnahme 

sowie die Notwendigkeit eines langsamen, behutsamen Aufbaus der Ar-

beitsfähigkeit erklären. Im Rahmen der gestellten Diagnosen leide die Be-

schwerdeführerin unter Ängsten, Normen und Anforderungen nicht zu ge-

nügen. Dies wiederum gehe mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis und dem 

Bedürfnis, Übersicht und Kontrolle zu behalten, einher. Schwieriger erlebe 

sie dies im Bereich von IT und EDV, da Vorgänge nicht derart offensichtlich 

seien wie bei Dokumentationen auf Papier (VB 85 S. 1). Günstig wäre für 

die Beschwerdeführerin, wenn der Anteil an IT/EDV-Aufgaben überschau-

bar wäre, kein Zeitdruck für Aufgaben bestehen würde und diese mit wenig 

Unvorhergesehenem einhergehen würden. Dies schliesse die ange-

stammte Tätigkeit im kaufmännischen Bereich zukünftig auch in höherem 

Pensum nicht aus. Entsprechende Anpassungen im Aufgabengebiet, mög-

licherweise zunächst zeitweise Abweichung vom klassischen Stellenbe-

schrieb einer kaufmännischen Angestellten sowie eine weitere Unterstüt-

zung im Aufbau der Arbeitsfähigkeit und beim Finden einer geeigneten Tä-

tigkeit seien dringend zu empfehlen (VB 85 S. 2). 

 

2.1.3. 

Am 16. Februar 2023 hielt RAD-Arzt Dr. med. D._____, Praktischer Arzt, 

fest, aus versicherungsmedizinischer Sicht seien die Feststellungen im Be-

richt vom 16. März 2023 (recte: 16. Februar 2023), in welchem eine einfa-

che Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F 90.0) dokumentiert sei, 

sachlich fundiert und nachvollziehbar. Eine geänderte Beurteilung hinsicht-

lich der Arbeitsfähigkeit ergebe sich daraus nicht. Es werde empfohlen, an 

den Beurteilungen vom 28. September 2021 (vgl. E. 2.1.1. hiervor) und 

17. August 2022 (vgl. E. 2.1.2. hiervor) festzuhalten (VB 149). 

 

2.1.4. 

Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin med. pract. E._____, Prakti-

scher Arzt sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in sei-

ner Aktenbeurteilung vom 16. April 2024 aus, die neuen, im Einwandver-

fahren eingereichten medizinischen Unterlagen würden die bisherigen Stel-

lungnahmen des RAD aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht wesent-

lich in Frage zu stellen vermögen. Es würden vor allem keine neuen psy-

chiatrischen Diagnosen aufgeführt. Die leichte neuropsychologische Stö-

rung werde im Bericht vom 4. Oktober 2023 nachvollziehbar als Folge der 

vorliegenden psychischen Beeinträchtigung beurteilt. Aufgrund der be-

schriebenen Defizite sei nicht ersichtlich, weshalb es der Beschwerdefüh-

rerin nicht möglich sein sollte, die angestammte Tätigkeit in einem hohen 

Pensum von mindestens 80 % auszuüben (VB 180 S. 1). Im Bericht vom  

4. Januar 2024 werde die depressive Episode als remittiert und die Persön-

lichkeitsstörung als moderat beurteilt, was angesichts der bisherigen Aus-

bildungs- und Berufsbiographie plausibel erscheine. Es scheine, dass die 

veränderten Arbeitsbedingungen durch die Homeofficepflicht eine depres-

sive Entwicklung begünstigt hätten und eine vorübergehende Arbeitsun-

 - 5 - 

 

 

fähigkeit bewirkt hätten. Hinweise für eine schwere Ausprägung der Per-

sönlichkeitsstörung mit wesentlicher und länger andauernder Auswirkung 

auf die berufliche Leistungsfähigkeit könnten aktuell nicht mehr erkannt 

werden. Auch die Tatsache, dass es der Beschwerdeführerin möglich ge-

wesen sei, im Rahmen der beruflichen Integrationsmassnahmen ein Pen-

sum von 80 % zu erreichen und sie den Wunsch habe, sich beruflich zu 

verändern, spreche nicht mehr für eine wesentliche psychische Beeinträch-

tigung. Durch die bisherigen Behandlungsmassnahmen scheine es zu ei-

ner gesundheitlichen Stabilisierung gekommen zu sein. Angesichts des ak-

tuellen Behandlungsumfangs (Sistieren der Medikation, psychiatrischer 

Termin einmal pro Woche) könne aktuell keine schwere psychische Beein-

trächtigung erkannt und die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit mithin nicht 

nachvollzogen werden. Auch die leichten bis mittelgradigen Funktionsein-

schränkungen seien diskrepant zur vollen Arbeitsunfähigkeit. In Bezug auf 

den Wunsch nach einer neuen Tätigkeit im sozialen Bereich sei anzumer-

ken, dass eine solche Tätigkeit häufig mit einer hohen (emotionalen) Be-

lastung einhergehe und ein hohes Mass an Sozialkompetenz und Teamfä-

higkeit erfordere. Angesichts der vorliegenden Diagnosen erscheine eine 

solche Tätigkeit weit weniger geeignet als die angestammte Tätigkeit im 

kaufmännischen Bereich, da das Risiko für eine psychische Verschlechte-

rung höher einzustufen sei. Insgesamt könne festgestellt werden, dass 

keine krankheitsbedingten Ursachen erkannt werden könnten, welche die 

Beschwerdeführerin daran hindern würden, die angestammte Tätigkeit in 

einem Pensum von mindestens 80 % auszuüben. Zu beachten seien dabei 

lediglich gewisse Anpassungen, welche in den bisherigen RAD-Stellung-

nahmen bereits beschrieben worden seien (VB 180 S. 2 f.). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

2.2.2. 

In beweismässiger Hinsicht sind Berichte von beratenden Ärztinnen und 

Ärzten denjenigen eines versicherungsinternen Arztes gleichzusetzen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.2.2). Auch 

wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner medizini-

scher Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen praxis-

gemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im Verfah-

ren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen 

Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c S. 160 ff.). 

 - 6 - 

 

 

Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig-

keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergän-

zende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und 122 

V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

2.2.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, sie habe weder wäh-

rend der beruflichen Massnahmen noch medizinisch-theoretisch in der an-

gestammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte eine Arbeitsfähigkeit 

von mindestens 80 %, geschweige denn eine Leistungsfähigkeit von über 

80 %, erreicht (vgl. Beschwerde S. 3). Die Aktenbeurteilungen der RAD-

Ärzte sowie des beratenden Arztes würden den Anforderungen an beweis-

taugliche Arztberichte nicht genügen (vgl. Beschwerde S. 5 ff.). Die Fest-

stellungen in der Verfügung seien aktenwidrig und willkürlich, da sich weder 

in der Aktenbeurteilung vom 16. April 2024 noch in den übrigen Akten eine 

Grundlage dafür finde, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tä-

tigkeit als Kauffrau weiterhin im Vollpensum zumutbar sei und dass keine 

länger andauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe 

(vgl. Beschwerde S. 8; 14). Soweit med. pract. E._____ erwäge, es würden 

keine neuen psychiatrischen Diagnosen aufgeführt, sei hervorzuheben, 

dass sich seit August 2022 kein RAD-Facharzt für Psychiatrie und Psycho-

therapie mehr mit den Akten befasst habe und zudem nicht die Diagnosen 

massgebend seien, sondern die sich daraus ergebenden Einschränkungen 

(vgl. Beschwerde S. 8). Entgegen med. pract. E._____ werde im Bericht 

vom 4. Oktober 2023 (VB 174 S. 3 ff.) eingehend dargelegt, weshalb die 

Beschwerdeführerin gerade in ihrer angestammten Tätigkeit erheblich ein-

geschränkt sei (vgl. Beschwerde S. 9). Insgesamt würden Zweifel an der 

Einschätzung von med. pract. E._____ bestehen. So müsse auch seiner 

Einschätzung, dass es nicht mehr für eine wesentliche psychische Beein-

trächtigung spreche, dass die Beschwerdeführerin ein Pensum von 80 % 

erreicht habe und den Wunsch habe, sich beruflich zu verändern, wider-

sprochen werden. Die Akten zu den Eingliederungsmassnahmen würden 

zeigen, dass die Beschwerdeführerin gerade in der angestammten 

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Tätigkeit als kaufmännische Angestellte deutlich eingeschränkt sei (vgl. Be-

schwerde S. 10 ff.). Es gehe des Weiteren nicht an, dass die Behandlung 

implizit und völlig unsubstantiiert als ungenügend dargestellt werde und 

med. pract. E._____ daraus schliesse, die einlässlich dokumentierten Ein-

schränkungen würden gar nicht erst bestehen (vgl. Beschwerde S. 13). In 

den medizinischen Akten seien mehrere fachärztlich gestellte Diagnosen 

sowie die sich daraus ergebenden Symptome und Verhaltensweisen doku-

mentiert, welche deutlich für eine Einschränkung der Arbeits- und Leis-

tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin gerade als kaufmännische Ange-

stellte im ersten Arbeitsmarkt sprechen würden bzw. zumindest erhebliche 

Zweifel an der diametral anderslautenden Behauptung der Beschwerde-

gegnerin bzw. von med. pract. E._____ begründen würden (vgl. Be-

schwerde S. 13 f.). 

 

3.2. 

Nach der Rechtsprechung obliegt die abschliessende Beurteilung der sich 

aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähig-

keit in der Hauptsache den ärztlichen Fachkräften. Allerdings darf den Er-

gebnissen leistungsorientierter beruflicher Abklärungen nicht jegliche Aus-

sagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abgesprochen wer-

den. Es wäre aber auch nicht sachgemäss, allein auf diese Evaluationen 

abzustellen, weil sie in der Regel auf berufspraktischen Beobachtungen 

beruhen, welche in erster Linie die dabei erhobene, subjektive Arbeitsleis-

tung der versicherten Person wiedergeben. Steht indessen eine medizini-

sche Einschätzung der Leistungsfähigkeit wie hier in offensichtlicher und 

erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausführli-

chen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz 

der versicherten Person effektiv realisiert und gemäss Einschätzung der 

Berufsfachleute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an 

den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist die Einholung einer klären-

den medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 9C_462/2022 vom 31. Mai 2023 E. 4.2.2.1 mit Hinwei-

sen). 

 

Im Bericht vom 22. Dezember 2022 zum Aufbau- und Arbeitstraining (Be-

richtszeitraum 10. Januar bis 21. Dezember 2022; VB 122 S. 2) wurde von 

den Eingliederungsfachleuten festgehalten, im Bereich KV bestehe eine 

Leistungsfähigkeit von 60 %. Leistungsmindern seien vermehrter Erklä-

rungsbedarf, Konzentrationsmangel aufgrund Störlärms bzw. erhöhter 

Sensibilität, erschwerter Umgang mit Zeitdruck, rasche Überforderung 

samt Erschöpfungszuständen und Müdigkeit, eher langsameres Arbeits-

tempo, hohe Anspannung und Nervosität. Im Bereich Arbeitsagogik und 

Betreuung – in welchem das Arbeitstraining am 1. November 2022 aufge-

nommen wurde (VB 122 S. 4) – bestehe eine Leistungsfähigkeit von 90 % 

mit wenig bis keinen Einschränkungen. Die Beschwerdeführerin müsse 

sich gut organisieren und benötige Zeit für Notizen. Die Leistungsfähigkeit 

 - 8 - 

 

 

der Beschwerdeführerin würde sich in den zwei unterschiedlichen Arbeits-

bereichen stark unterscheiden. Im KV würden Tempo, Zeitdruck, Schnell-

lebigkeit, viel Technik, viele Konzentrationsaufgaben sowie eine notwen-

dige enge Begleitung durch Vorgesetzte zur ständigen Überforderung und 

einem Gefühl des Versagens führen. Ein Arbeitsversuch im angestammten 

Beruf werde als nicht zielführend und nachhaltig eingeschätzt. Eine Ar-

beitsumgebung im KV, die wenig Arbeit am PC verlange, entspreche nicht 

der Realität des ersten Arbeitsmarktes. Die Beschwerdeführerin bringe die 

besten Voraussetzungen für die Berufe Arbeitsagogik oder Fachfrau Be-

treuung mit (VB 122 S. 5). 

 

Im Bericht vom 15. März 2023 (Berichtszeitraum 10. Januar bis 12. März 

2023; VB 159 S. 1) wurde festgehalten, das Pensum im Bereich der Agogik 

/ Klientenbetreuung (ab dem 1. November 2022) habe im Vergleich zu den 

Einsätzen im Bereich KV (vgl. dazu Bericht vom 15. Juli 2022, in welchem 

entgegen dem vereinbarten Pensum von sieben bis acht Stunden an vier 

Tagen pro Woche ein stabiles Pensum von fünf Stunden an vier Tagen pro 

Woche erreicht wurde; VB 84 S. 5) rascher gesteigert werden können bis 

hin zum Zielpensum von acht Stunden an vier Tagen die Woche. Ein Ar-

beitsversuch im angestammten Arbeitsumfeld mache zum jetzigen Zeit-

punkt keinen Sinn. Ein Arbeitsversuch im Bereich Agogik/Betreuung wäre 

sinnvoll, da die Beschwerdeführerin in diesem Bereich Stabilität, Freude 

und stets positive Rückmeldungen habe erhalten dürfen (VB 159 S. 3). Im 

Bereich KV bestehe eine Leistungsfähigkeit von 60 %, aber die Beschwer-

deführerin werde in diesem Bereich als nicht vermittelbar erachtet. Im Be-

reich Arbeitsagogik/Betreuung bestehe eine Leistungsfähigkeit von 90 %. 

Die Einschätzung des RAD, welcher eine Rückkehr in den angestammten 

Beruf als realistisch einstufe, widerspreche der Empfehlung der Unterzeich-

nenden. Eine Rückkehr in den angestammten Beruf würde bei der Be-

schwerdeführerin vermutlich zu viel Druck und Stress produzieren, was 

eine nachhaltige Eingliederung gefährde. Die Beschwerdeführerin habe 

sich für ein Praktikum als Mitarbeiterin Betreuung entschieden, wobei sie 

sie im Rahmen eines Jobcoachings bis zum 12. Juni 2023 (VB 151) beglei-

ten dürften (VB 159 S. 4). 

 

Im Bericht vom 18. Juni 2023 (Berichtszeitraum bis zum 12. Juni 2023) 

wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin im Bereich der Betreu-

ung/Begleitung als vermittelbar erachtet werde und in diesem Bereich eine 

Leistungsfähigkeit von 90 % bestehe. Die Einschätzung des RAD (Rück-

kehr in den kaufmännischen Beruf) widerspreche weiterhin der Empfehlung 

der Unterzeichnenden. Im Rahmen des Praktikums im Betreuungssetting 

habe die Beschwerdeführerin stark an Stabilität, Selbstsicherheit, Ent-

schlossenheit und Freude gewinnen können. Die Konstanz und Stabilität 

seien in den Einsätzen im Rahmen der Massnahmen im Bereich KV nicht 

gegeben gewesen. Diese Einsätze seien begleitet gewesen von Ausfällen 

und Krankschreibungen aufgrund von Erschöpfung und Angstzuständen. 

 - 9 - 

 

 

Die medikamentöse Behandlung bzgl. ADHS sei zum jetzigen Zeitpunkt 

noch nicht abgeschlossen, da es aufgrund einer Infektionserkrankung zu 

einem Unterbruch der Medikation gekommen sei. Es werde eine Ausbil-

dung (Fachangestellte Betreuung) oder eine weiterführende Tätigkeit im 

Begleitsetting empfohlen (VB 161 S. 6).  

 

Die von den RAD-Ärzten und dem beratenden Arzt vorgenommenen Beur-

teilungen der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. E. 2.1. hiervor) 

stehen damit in Widerspruch zu den praktischen Erfahrungen im Rahmen 

der beruflichen Massnahmen und der Einschätzung der Eingliederungs-

fachleute. Zudem stimmt die Einschätzung der Eingliederungsfachleute 

überein mit der Einschätzung der behandelnden Ärzte der Beschwerdefüh-

rerin. So führten insbesondere der leitende Arzt L._____, Facharzt für Psy-

chiatrie und Psychotherapie, und die Assistenzärztin F._____, Psychiatri-

sche Dienste G._____, in ihrem Bericht vom 4. Januar 2024 aus, infolge 

des aktuellen und der vorhergehenden psychopathologischen Befunde und 

der damit einhergehenden funktionalen Einschränkungen sei die Be-

schwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht für die angestammte Tätigkeit 

seit Beginn der Behandlung bei ihnen am 2. Februar 2022 bis und mit der 

nächsten Reevaluation am 12. Februar 2024 zu 100 % arbeitsunfähig 

(VB 176 S. 3). 

 

Bei dieser Sachlage hätte daher aufgrund der Diskrepanz der verschiede-

nen Einschätzungen praxisgemäss grundsätzlich eine klärende medizini-

sche Stellungnahme eingeholt werden müssen, was jedoch unterblieben 

ist. Med. pract. E._____ äusserte sich in seiner Aktenbeurteilung vom 

16. April 2024 in keiner Weise zu den praktischen Erfahrungen der Be-

schwerdeführerin im Rahmen der beruflichen Massnahmen oder begrün-

dete die Abweichung seiner Einschätzung davon (vgl. E. 2.1.4. hiervor). Es 

ist auch nicht ersichtlich, ob med. pract. E._____ überhaupt fundierte 

Kenntnis von der beruflichen Massnahme bzw. den Berichten der Einglie-

derungsfachleute hatte. Damit ist in Anbetracht der strengen Anforderun-

gen an reine Aktenbeurteilungen durch versicherungsinterne medizinische 

Fachpersonen (vgl. E. 2.2.2. hiervor) nach dem Dargelegten von zumindest 

geringen Zweifeln an den RAD-Beurteilungen und der Beurteilung des be-

ratenden Arztes (vgl. E. 2.1. hiervor) auszugehen (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 8C_427/2022 vom 28. Februar 2023 E. 5.3). 

 

3.3. 

Der medizinische Sachverhalt erweist sich damit als unvollständig und im 

Lichte der Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; 

BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 

S. 195) nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Die Sache ist dementsprechend 

zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. 

BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Dabei ist die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin insbesondere unter 

 - 10 - 

 

 

Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der beruflichen Massnahmen bis 

zum (neuen) Verfügungszeitpunkt zu bestimmen. Zudem hat die Be-

schwerdegegnerin noch nicht abgeklärt, ob die Reduktion des Pensums 

per  

1. September 2011 auf 80 % aus gesundheitlichen Gründen vorgenommen 

wurde (vgl. Beschwerde S. 5 f.) und die Beschwerdeführerin damit als im 

Gesundheitsfall vollständig Erwerbstätige einzuschätzen wäre, was bei der 

allfälligen Invaliditätsgradbemessung zu berücksichtigen wäre. Anschlies-

send hat die Beschwerdegegnerin neu über das Rentenbegehren der Be-

schwerdeführerin sowie über einen allfälligen Anspruch der Beschwerde-

führerin auf berufliche Massnahmen zu verfügen. 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 14. Juni 2024 aufzuheben und die 

Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuver-

fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

4.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

4.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz ihrer 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom  

14. Juni 2024 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

 - 11 - 

 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin die 

Parteikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 3'300.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift der Beschwerdeführerin oder ihres 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 28. März 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Roth     Fricker