# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e311f39e-690d-5bf0-b184-265121b405bf
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 28.01.2021 SB180499
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180499_2021-01-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB180499-O/U/mc 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. Laufer sowie der Gerichtsschreiber 

lic. iur. Samokec 

 

Urteil vom 28. Januar 2021 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. Jäger,  

Anklägerin und Berufungsklägerin 

 

sowie 

 

A._____,  
Privatklägerin und Berufungsklägerin 

 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw Y._____ 

 

betreffend mehrfache, teilweise versuchte Vergewaltigung   
 

-   2   - 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 
15. August 2018 (DG180022) 
 

 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle Flug-

hafen, vom 20. März 2018 (Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil und Beschluss der Vorinstanz: 
(Urk. 60 S. 27 f.) 

Es wird beschlossen:  

1. Der Beweisantrag des Beschuldigten (Auswertung Chatverkehr im Mobiltele-

fon der Privatklägerin) wird als gegenstandslos abgeschrieben. 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung gemäss nachfolgendem Ur-

teil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist der angeklagten Straftaten nicht schuldig und wird voll-

umfänglich freigesprochen. 

2. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegeh-

ren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 6'000.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 2'500.–   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 450.–   Auslagen Polizei  

Fr. 22'500.–   amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt.) 

Fr.  7'150.–   ½ Kosten Rechtsvertreterin Privatklägerin (inkl. MwSt.)  

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

4. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertre-

tung der Privatklägerin, werden auf die Gerichtskasse genommen.  

-   4   - 

5. Dem Beschuldigten wird für die unrechtmässig erlittene Haft Schadenersatz 

von Fr. 20'000.– (ohne Zins) und eine Genugtuung von Fr. 35'000.–, zuzüg-

lich 5% Zins ab dem 25. Oktober 2017, aus der Gerichtskasse zugespro-

chen. Die weitergehenden Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche 

werden abgewiesen. 

6. Der Privatklägerin wird keine Prozessentschädigung zugesprochen. 

Berufungsanträge: 

a) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland: 

(Urk. 85 S. 1 f.) 

"1. Der Beschuldigte B._____ sei schuldig zu sprechen 
 - der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB und mit Art. 200 StGB. 

2. Der Beschuldigte B._____ sei zu bestrafen mit einer Freiheits-
strafe von 36 Monaten unter Anrechnung der erstandenen Haft. 

3. Es sei der Vollzug von 18 Monaten Freiheitsstrafe und Gewäh-
rung des bedingten Vollzuges der restlichen 18 Monate Freiheits-
strafe unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren anzuordnen. 

4. Es sei eine Landesverweisung von 7 Jahren anzuordnen. 
5. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem anzuordnen. 
6. Es seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsverfahren 

dem Beschuldigten B._____ aufzuerlegen." 

b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 86 S. 2) 

"1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. 
2. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen bzw. auf 

den Zivilweg zu verweisen. 
3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten sei angemessen 

(zzgl. MwSt. von 8%) zu entschädigen. 
4. Dem Beschuldigten sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-

teils für die unrechtmässig erlittene Haft Schadenersatz von 
Fr. 20'000.– (ohne Zins) und eine Genugtuung von Fr. 35'000.– 
(zzgl. Zins von 5% ab 25.10.17) zuzusprechen. 

-   5   - 

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Berufungsklägerin 
aufzuerlegen." 

 

-   6   - 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Prozessuales 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, vom 15. August 2018 

wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der angeklagten Straftaten (Vergewaltigung 

und versuchte Vergewaltigung) freigesprochen. Die Privatklägerin wurde mit ih-

rem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses 

verwiesen. Dem Beschuldigten wurde für unrechtmässig erlittene Haft Schaden-

ersatz von Fr. 20'000.-- (ohne Zins) und eine Genugtuung von Fr. 35'000.--, zu-

züglich 5% Zins ab dem 25. Oktober 2017 aus der Gerichtskasse zugesprochen, 

die weitergehenden Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche wurden abge-

wiesen. 

Gegen das Urteil haben die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 20. August 2018 

(Urk. 50) und die Privatklägerin mit Eingabe vom 24. August 2018 (Urk. 53) Beru-

fung angemeldet. Die Staatsanwaltschaft reichte ihre Berufungserklärung fristge-

recht mit Eingabe vom 29. November 2018 ein (Urk. 63). Sie beantragt, der Be-

schuldigte sei der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung schuldig zu 

sprechen, mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten zu bestrafen unter Gewährung 

des teilbedingten Strafvollzugs im Umfang von 18 Monaten, es sei eine Landes-

verweisung von 7 Jahren anzuordnen und deren Ausschreibung im Schengener 

Informationssystem anzuordnen. Die Privatklägerin zog ihre Berufung mit Eingabe 

vom 5. Dezember 2018 zurück (Urk. 64). Es wurden keine Anschlussberufungen 

erhoben. Der Beschuldigte beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-

teils (Urk. 70 und Urk. 86 S. 2). 

Die Privatklägerin beantragte, dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen 

Geschlechts angehört und im Fall einer Befragung von einer Person gleichen Ge-

schlechts einvernommen zu werden (Urk. 71). Diesem Antrag wurde mit der Ge-

richtsbesetzung im Berufungsverfahren Folge geleistet. 

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Am 27. Januar 2021 fand, nachdem zwei vorgängige Termine verschoben werden 

mussten, die Berufungsverhandlung betreffend den Beschuldigten zusammen mit 

derjenigen betreffend den Mitbeschuldigten C._____ statt (Geschäfts-Nr. 

SB180500). Das Verfahren erweist sich als spruchreif. 

2. Vorab ist vom Rückzug der Berufung der Privatklägerin Vormerk zu nehmen. 

Da dieser innert Frist für die Berufungserklärung erfolgte und kein massgeblicher 

zusätzlicher Aufwand entstanden ist, resultieren daraus keine Kostenfolgen für die 

Privatklägerin. 

3. Ferner ist davon Vormerk zu nehmen, dass das vorinstanzliche Urteil bezüg-

lich Dispositiv-Ziffern 2 (Zivilforderungen der Privatklägerin), 3 teilweise (Kosten-

festsetzung) und 6 (Prozessentschädigung Privatklägerin) in Rechtskraft erwach-

sen ist. 

4. Mit Eingabe vom 24. Januar 2019 stellte die amtliche Verteidigung des Mit-

beschuldigten im Parallelverfahren SB180500 den Beweisantrag, es sei das Mo-

biltelefon der Privatklägerin hinsichtlich sämtlicher Chats (SMS, Whatsapp, Mess-

enger, Mail etc.) in der Zeit vom 23. Dezember 2016 bis 8. August 2017 auszu-

werten bzw. dessen Auswertung zu den Akten zu nehmen (Urk. 105 S. 3 in 

SB180500). Auch wenn die amtliche Verteidigung des Beschuldigten keinen sol-

chen Beweisantrag gestellt hat, so tangiert der entsprechende Antrag aus dem 

Parallelverfahren auch das vorliegende Verfahren, weshalb nachfolgend darauf 

einzugehen ist. 

Die amtliche Verteidigung des Mitbeschuldigten C._____ begründet ihren Be-

weisantrag zusammengefasst damit, dass die Privatklägerin über mehrere Jahre 

hinweg einen regen Chatverkehr mit anderen Männern gepflegt habe. Der Inhalt 

dieses Chatverkehrs lasse darauf schliessen, dass die Privatklägerin offensicht-

lich beachtliche sexuelle Fantasien aufweise. Für die Beurteilung der Vorwürfe 

gegen den Mitbeschuldigten C._____ und für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

der Aussagen der Privatklägerin könne es von Bedeutung sein mit wem und wo-

rüber diese in der Zeit von Ende 2016 bis anfangs August 2017 gechattet habe 

(Urk. 105 S. 3 i.V.m. Urk. 52 S. 3 f. in SB180500). Schliesslich dürfe es auch nicht 

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der polizeilichen Sachbearbeiterin überlassen werden, die für das Verfahren rele-

vanten Daten bzw. Chats auszuwählen, da diese nicht über umfassende Akten-

kenntnis verfügt habe und deshalb nicht habe entscheiden können, welche Chats 

für die Beurteilung des Anklagesachverhaltes von Bedeutung seien. Eine solche 

Beurteilung liege in der ausschliesslichen Kompetenz des Gerichtes (Urk. 105 

S. 3 i.V.m. Urk. 52 S. 4. in SB180500). 

Der vorgenannte Beweisantrag der amtlichen Verteidigung im Parallelverfahren 

wurde mit Präsidialverfügung vom 8. Juli 2019 einstweilen abgewiesen (Urk. 111 

in SB180500), anlässlich der Berufungsverhandlung von der amtlichen Verteidi-

gung aber erneut gestellt (vgl. Prot. II S. 7). Zur Begründung brachte sie wiede-

rum vor, dass die Auslesung dieser Chats zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich 

der Persönlichkeit der Privatklägerin führen könnte, welche im Rahmen der Be-

weiswürdigung zu berücksichtigen wären. So sei es insbesondere entscheidend 

zu wissen, ob die Privatklägerin in den letzten Wochen oder Monaten der Bezie-

hung zum Mitbeschuldigten C._____ Kontakte zu anderen Männern gehabt und 

welche Fantasien sie mit diesen ausgetauscht habe (vgl. Prot. II S. 43 f.). 

Bereits die Vorinstanz wies in ihrer Verfügung vom 4. Juni 2018 im Parallelverfah-

ren zutreffend darauf hin (Urk. 54 S. 2 f. in SB180500), dass mit der Auswertung 

der Mobiltelefone des Mitbeschuldigten C._____ und der Privatklägerin die Anruf-

liste der Anrufe des Mitbeschuldigten an die Privatklägerin im Zeitraum vom 

23. Dezember 2016 bis zum 8. August 2017 und die gesamte Whatsapp-

Kommunikation zwischen dem Mitbeschuldigten und der Privatklägerin aktenkun-

dig gemacht wurde. Lediglich in Bezug auf die Kommunikation der Privatklägerin 

mit (unbekannten) Drittpersonen wurde eine Auswahl von Chat-Nachrichten aus 

den Jahren 2012 bis 2017 aktenkundig gemacht. 

Dass von den Chats der Privatklägerin mit Drittpersonen lediglich eine Auswahl 

zu den Akten genommen wurde, begründete die zuständige polizeiliche Sachbe-

arbeiterin D._____ damit, dass sich ihr nach der Durchsicht sämtlicher Chats auf 

dem Mobiltelefon der Privatklägerin aus den von dieser mit Drittpersonen geführ-

ten Chats keine relevanten Hinweise auf das dem Mitbeschuldigten vorgeworfene 

Delikt ergeben hätten (Urk. D1 20/10 in SB180500). Dass die Sachbearbeiterin 

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D._____ aufgrund fehlender Aktenkenntnis keine Vorauswahl in Bezug auf die 

Chats mit Drittpersonen habe treffen können, wie dies von der Verteidigung im 

Parallelverfahren vorgebracht wird (Urk. 105 S. 3 i.V.m. Urk. 52 S. 3 f. in 

SB180500), trifft nicht zu. So geht aus dem von D._____ verfassten Polizeirapport 

vom 23. November 2017 hervor, dass sie über die dem Mitbeschuldigten 

C._____, und damit auch dem Beschuldigten, vorgeworfenen Delikte bestens in-

formiert war und damit genau wissen musste, welche konkreten Chats und Anrufe 

im Hinblick auf die Beurteilung der anklagegegenständlichen Tatvorwürfe von Re-

levanz sein könnten. Dies wird denn auch gerade durch den Umstand belegt, 

dass D._____ überhaupt sexuell konnotierte Chats der Privatklägerin mit unbe-

kannten Drittpersonen aktenkundig machte, obwohl diese Chats in keinem Zu-

sammenhang mit den anklagegegenständlichen Tathandlungen stehen (vgl. 

Urk. D1 20/3 in SB180500). 

Inwiefern sich aus der Auswertung sämtlicher Chats der Privatklägerin mit Dritt-

personen sachdienliche Informationen hinsichtlich der dem Mitbeschuldigten 

C._____ und dem Beschuldigten vorgeworfenen Tathandlungen ergeben würden, 

ist sodann nicht ersichtlich. So handelt es sich bei den fraglichen Delikten im We-

sentlichen um Vieraugendelikte bzw. beim Vorwurf der Vergewaltigung in Mittä-

terschaft um ein Sechsaugendelikt. Aus dem Chat-Verhalten der Privatklägerin 

gegenüber irgendwelchen (unbekannten) Drittpersonen können mithin weder di-

rekte Rückschlüsse auf ihr Verhalten gegenüber dem Mitbeschuldigten C._____, 

mit welchem sie im damaligen Zeitpunkt eine (reale) Beziehung führte, noch auf 

ihr Verhalten gegenüber dem Beschuldigten gezogen werden. Ebensowenig las-

sen sich daraus Rückschlüsse auf ihr Aussageverhalten im Rahmen des Strafver-

fahrens ziehen. 

Schliesslich liegen den anklagegegenständlichen Tathandlungen gegen die sexu-

elle Integrität der Privatklägerin auch keine aussergewöhnlichen Sexualpraktiken 

zugrunde. Ob und wie sich die Privatklägerin in allfälligen Chats mit irgendwel-

chen Drittpersonen bezüglich sexueller Fantasien austauschte, kann vor diesem 

Hintergrund nicht von Belang sein. 

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Ein von der Verteidigung des Beschuldigten gestellter Beweisantrag auf Auswer-

tung des Mobiltelefons der Privatklägerin hinsichtlich sämtlicher Chats in der Zeit 

vom 23. Dezember 2016 bis 8. August 2017 wäre damit – wie im Parallelverfah-

ren SB180500 – abzuweisen. 

II. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 20. März 2018 kurz zusammengefasst vorgeworfen, er ha-

be am Abend des 23. Dezember 2016 gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten 

C._____ versucht, die Privatklägerin in seiner Wohnung zu vergewaltigen. Die 

beiden Beschuldigten hätten die Privatklägerin auf das Bett gestossen. Bereits 

dabei habe sie verbal kundgetan, dass sie keinen Sex wolle und sie aufhören soll-

ten. Darauf hätten die beiden Beschuldigten sich selber und die Privatklägerin 

entkleidet. Der Mitbeschuldigte C._____ habe die auf dem Rücken auf dem Bett 

liegende Privatklägerin an den Oberarmen festgehalten während der Beschuldigte 

ihr die Unterhose ausgezogen habe und nach dem Überstreifen eines Kondoms 

versucht habe, vaginal in die Privatklägerin einzudringen. Die Privatklägerin habe 

verbal kundgetan, dass sie das nicht wolle, man aufhören solle, habe versucht, 

sich loszureissen und habe sich seitlich weggedreht. Dem Beschuldigten sei es 

nicht gelungen, in die Privatklägerin einzudringen. In der Folge habe der Beschul-

digte die Privatklägerin an den Oberarmen festgehalten und der Mitbeschuldigte 

C._____ habe versucht, vaginal in die Privatklägerin einzudringen. Sie habe ver-

bal kundgetan, dass sie dies nicht wolle, dass man aufhören solle. Aufgrund ihrer 

Gegenwehr durch seitliches Wegdrehen sei es auch dem Mitbeschuldigten nicht 

gelungen, in sie einzudringen.  

Nach dem vorbeschriebenen Vorfall sei die Privatklägerin aus der Wohnung ge-

rannt und habe sich nach Hause begeben wollen. Der Beschuldigte sei ihr gefolgt 

während der Mitbeschuldigte in der Wohnung geblieben sei. Im Treppenhaus ha-

be er die Privatklägerin an den Handgelenken in den Trocknungsraum gezogen. 

Sie habe versucht, sich loszureissen und habe gesagt, dass sie nach Hause ge-

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hen wolle. Der Beschuldigte habe gesagt, dass er Sex mit ihr wolle, habe sie an 

den Armen festgehalten und habe sich rasch die Hose heruntergezogen. Sie ha-

be versucht wegzulaufen. Der Beschuldigte habe ihre Hose geöffnet und diese 

zusammen mit der Unterhose zu den Unterschenkeln heruntergezogen. Die Pri-

vatklägerin habe erneut gesagt, dass sie das nicht wolle und habe versucht, sich 

loszureissen und den Beschuldigten wegzustossen, was ihr nicht gelungen sei. 

Der Beschuldigte habe ein Kondom übergestreift, habe sich gegen die Privatklä-

gerin gedrückt und sei vaginal in sie eingedrungen während sie ihn aufgefordert 

habe, aufzuhören und gesagt habe, er tue ihr weh. 

2. Sachverhaltserstellung 

2.1. Allgemeine Bemerkungen betreffend Sachverhaltserstellung 

Der Anklagevorwurf stützt sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Privatklä-

gerin. Ihren Aussagen stehen diejenigen des Beschuldigten und auch des Mitbe-

schuldigten C._____ gegenüber. Da Widersprüche und Ungereimtheiten betref-

fend den einen Anklagekomplex auch Auswirkungen auf die Aussagenwürdigung 

betreffend andere Komplexe haben können, erscheint es angezeigt, die Aussa-

gen der Beteiligten zuerst in ihrer Gesamtheit darzustellen, um dann bei der Be-

weiswürdigung darauf zurückzukommen. Wiederholungen und Überschneidungen 

lassen sich dabei nicht vermeiden. 

Sodann ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen auf die Argumente des 

Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft einzugehen. Das rechtliche Gehör 

nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem 

Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in 

seiner Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit al-

len Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbrin-

gen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we-

sentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen 

genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr 

Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 

81 E. 2.2; je mit Hinweis). 

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2.2. Übersicht Beweismittel 

Der Sachverhalt wird sowohl bezüglich des Vorwurfs des in Mittäterschaft began-

genen Vergewaltigungsversuchs wie bezüglich des Vorwurfs der vollendeten Ver-

gewaltigung vom Beschuldigten vollumfänglich bestritten. Für die Sachverhaltser-

stellung liegen neben den Aussagen des Beschuldigten diejenigen des Mitbe-

schuldigten und der Privatklägerin sowie der Chatverlauf zwischen der Privatklä-

gerin und dem Mitbeschuldigten in der Zeit nach den angeklagten Delikten vor. 

Unbestritten und aufgrund der Akten erstellt ist, dass die Privatklägerin und der 

Mitbeschuldigte am Abend/in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 2016 

beim Beschuldigten in dessen Zimmer waren, dass die Privatklägerin das Zimmer 

alleine verliess und an ihren Wohnort zurückkehrte während der Mitbeschuldigte 

noch beim Beschuldigten blieb. 

2.3. Beweismittel im Einzelnen 

2.3.1. Aussagen des Beschuldigten 

In der polizeilichen Einvernahme vom 25. Oktober 2017 sagte der Beschuldigte 

aus, die Privatklägerin und der Mitbeschuldigte seien einmal bei ihm zu Hause 

gewesen. Er habe ein paar Biere herausgenommen und die beiden hätten ange-

fangen Gras zu rauchen. Er denke, dass die Privatklägerin nie zuvor Gras ge-

raucht habe, das schliesse er daraus, wie sie den Joint in den Mund genommen 

habe (Urk. 5/1 S. 8). Sie habe angefangen, sich nicht mehr so wohl zu fühlen. Sie 

habe immer wieder Wasser getrunken und sei irgendwie nervös gewesen. Der 

Mitbeschuldigte habe etwas mit ihr herumgemacht, sie seien ja auch ein Paar 

gewesen. Sie seien auf dem Bett gesessen, er auf dem Sofa (Urk. 5/1 S. 7). Die 

beiden hätten sich geküsst. Im Verlaufe des Küssens habe der Mitbeschuldigte 

die Privatklägerin etwas umarmt und habe etwas auf ihr gelegen (Urk. 5/1 S. 8). 

Plötzlich sei die Privatklägerin aufgestanden und aus dem Zimmer gegangen. Er 

habe den Mitbeschuldigten gefragt, was passiert sei, dieser habe geantwortet, es 

sei alles gut und sei weggegangen (Urk. 5/1 S. 7). Er habe sich verabschiedet 

und sei schlafen gegangen (Urk. 5/1 S. 5), er sei ihr nicht hinterhergerannt (Urk. 

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5/1 S. 10). Der Beschuldigte bestritt die Anklagevorwürfe vollumfänglich (Urk. 5/1 

S. 9 f.). Er machte geltend, nie sexuellen Kontakt mit der Privatklägerin gehabt zu 

haben. 

Der Beschuldigte sagte in der Hafteinvernahme vom 26. Oktober 2017 aus, die 

Privatklägerin und der Mitbeschuldigte seien zu ihm gekommen. Sie hätten Bier 

getrunken. Die Privatklägerin und der Mitbeschuldigte hätten Gras geraucht, er 

selber nicht. Er habe gemerkt, dass die Privatklägerin vorher noch nie Gras ge-

raucht habe, das habe man daran gesehen, wie sie den Joint gehalten habe. Die 

beiden seien auf dem Bett gesessen, er auf dem Sofa (Urk. 5/2 S. 5). Er habe 

gemerkt, dass es ihr nicht mehr so gut gegangen sei, und er habe dem Mitbe-

schuldigten gesagt, er solle etwas zu ihr schauen. Der Mitbeschuldigte habe sie in 

den Arm genommen und geküsst. Sie seien auf seinem Bett gelegen und hätten 

etwas rumgemacht, d.h. in den Arm nehmen und Küssen. Danach sei sie plötzlich 

aufgestanden und sei rausgegangen (Urk. 5/2 S. 5). Er habe den Mitbeschuldig-

ten gefragt, was passiert sei, er habe gesagt, es sei alles ok. Er habe sich vom 

Mitbeschuldigten verabschiedet. Dieser sei auch weggegangen. Er sei in seinem 

Zimmer geblieben. Er habe der Privatklägerin an jenem Abend nur die Hand ge-

geben als sie gekommen seien, er habe sie nicht angefasst und nicht festgehalten 

(Urk. 5/2 S. 7). Es stimme nicht, dass er ihr gefolgt sei. Auch den vorgeworfenen 

Vorfall im Trocknungsraum bestritt er vollumfänglich (Urk. 5/2 S. 7). 

In der Haftanhörung vom 27. Oktober 2017 hielt der Beschuldigte daran fest, dass 

er der Privatklägerin bei der Begrüssung die Hand gegeben habe, er sie sonst 

nicht berührt habe, es insbesondere nicht zu sexuellen Handlungen gekommen 

sei (Urk. 5/3 S. 2). Der Mitbeschuldigte und die Privatklägerin seien auf seinem 

Bett gesessen und hätten sich geküsst, der Mitbeschuldigte habe sie in den Arm 

genommen. Die Privatklägerin habe zuerst die Wohnung verlassen, sie habe sich 

nach dem Alkohol- und Rauchkonsum nicht wohl gefühlt. Am Schluss habe sie 

ihm gesagt, sie fühle sich nicht mehr wohl (Urk. 5/3 S. 3). Er habe den Mitbe-

schuldigten gefragt, was los sei, dieser habe geantwortet, es sei alles gut. Danach 

habe auch der Mitbeschuldigte die Wohnung verlassen (Urk. 5/3 S. 4). Er bestritt 

die Vorwürfe weiterhin vollumfänglich (Urk. 5/3 S. 4 ff.). 

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Am 15. Januar 2018 fand eine Konfrontationseinvernahme zwischen den Be-

schuldigten statt. Der Mitbeschuldigte räumte auf Vorhalt der entsprechenden 

Aussage des Beschuldigten ein, es könne sein, dass er an jenem Abend Gras ge-

raucht habe, sicher hätten sie getrunken (Urk. 5/4 S. 3). Auf Vorhalt der Aussage 

des Mitbeschuldigten, wonach er die Privatklägerin zu Tür begleitet habe, erklärte 

der Beschuldigte, er habe sie nicht zum Hauseingang begleitet, jedoch zur Tür auf 

seinem Stockwerk, d.h. zum Treppenhaus (Urk. 5/4 S. 4). Der Mitbeschuldigte 

sagte aus, die Privatklägerin habe ihm erzählt, der Beschuldigte habe sie mit dem 

Finger in der Scheide verletzt, Genaueres habe sie nicht gesagt (Urk. 5/4 S. 4). 

Der Beschuldigte hielt an seiner Bestreitung fest, und erklärte, er wisse nicht, 

wieso die Privatklägerin dem Mitbeschuldigten dies erzählt habe. Es sei nichts 

passiert (Urk. 5/4 S. 4f.).  

In der Schlusseinvernahme vom 15. Februar 2018 bestritt der Beschuldigte die 

Anklagevorwürfe vollumfänglich (Urk. 5/6 S. 6). 

In der Befragung vor Vorinstanz hielt er daran fest, dass es ein ganz normaler 

Abend gewesen sei, nichts passiert sei und falsch sei, was die Privatklägerin er-

zähle (Prot. I S. 79). Der Mitbeschuldigte und die Privatklägerin seien auf dem 

Bett gesessen, er auf dem Sofa. Er und der Mitbeschuldigte hätten angefangen, 

viel in ihrer Muttersprache zu sprechen und er habe dem Mitbeschuldigten ge-

sagt, sie müssten aufpassen, dass es für sie nicht langweilig werde. Der Mitbe-

schuldigte habe sie umarmt und sie hätten sich auf die Seite gedreht. Es sei alles 

gut gegangen. Danach sei sie aufgestanden und gegangen (Prot. I S. 80). Sie 

habe ihm nicht gesagt, weshalb sie gehe, was sie dem Mitbeschuldigten gesagt 

habe, wisse er nicht. Er habe den Mitbeschuldigten gefragt, ob etwas passiert sei. 

Dieser habe geantwortet, es sei alles ok (Prot. I S.- 81). Er begleite normaler-

weise jeden Gast bis zur Wohnungstür (Prot. I S. 82). Nachdem sie gegangen sei, 

habe er mit dem Mitbeschuldigten ein bisschen geredet, über die nächste Woche 

und die Suche nach einem Job diskutiert. Dann sei der Mitbeschuldigte gegan-

gen, er wisse nicht mehr um welche Zeit (Prot. I S. 82). 

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Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte bei seiner Befra-

gung zur Sache von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und verwies 

auf seine Aussagen vor Vorinstanz (Prot. II S. 29 ff.). 

2.3.2. Aussagen des Mitbeschuldigten 

Die Darstellung des Mitbeschuldigten betreffend die Beziehung zwischen ihm und 

der Privatklägerin und deren Beendigung steht der Darstellung der Privatklägerin 

diametral gegenüber. Zu den dem Beschuldigten und teilweise ihm selber vorge-

worfenen Delikten hat sich der Mitbeschuldigte in der Einvernahme vom 25. Ok-

tober 2017 geäussert. Er machte geltend, die Aussagen der Privatklägerin würden 

nicht stimmen. Sie hätten beim Beschuldigten getrunken und getanzt, dann hätten 

sie gesagt, dass sie nach Hause gehen solle (Urk. 7/3 S. 8). Der Beschuldigte 

habe gesagt, er begleite sie zur Haustür seines Wohnhauses. Die von ihr erzählte 

Geschichte sei ganz und gar gelogen. Es sei zu keinerlei sexuellem Kontakt ge-

kommen. Es stimme auch nicht, dass sie Sex mit ihr haben wollten und dass er 

versucht habe, in sie einzudringen (Urk. 7/3 S. 8). 

In der Einvernahme vom 31. Oktober 2017 sagte der Mitbeschuldigte betreffend 

den Vorfall vom 23./24. Dezember 2016 aus, die Privatklägerin sei neben ihm 

gewesen. Sie habe ihn geküsst. An jenem Abend hätten sie sicher getrunken, er 

wisse nicht mehr, ob sie Gras geraucht hätten (Urk. 7/4 S. 12). Die Privatklägerin 

habe ihm nach dem Abend geschrieben, dass der Beschuldigte sie in der Scheide 

verletzt habe, dafür habe er sich entschuldigt. Die Privatklägerin habe ihm erzählt, 

der Beschuldigte habe versucht, mit der Hand etwas an ihrer Scheide zu machen, 

Genaueres wisse er nicht. Der Beschuldigte habe gesagt, er begleite die Privat-

klägerin zur Haustür, er sei in der Wohnung geblieben und wisse nicht, wie lange 

der Beschuldigte weggeblieben sei (Urk. 7/4 S. 14). Er habe den Beschuldigten 

nicht auf die Sache angesprochen, da er der Privatklägerin nicht geglaubt habe 

(Urk. 7/4 S. 14). Er habe gesagt, er werde beim Beschuldigten übernachten, sie 

solle nach Hause gehen. Der Beschuldigte habe dann gesagt, er begleite die Pri-

vatklägerin zur Haustür (Urk. 7/4 S. 16). 

-   17   - 

In der Befragung vor Vorinstanz, bestritt der Mitbeschuldigte erneut, dass es am 

fraglichen Abend zu einem Übergriff von ihm oder dem Beschuldigten gegenüber 

der Privatklägerin gekommen sei (Prot. S. 41 f.). Es treffe zu, dass er sich am 

24. Dezember 2016 bei der Privatklägerin entschuldigt habe, dies habe er getan, 

weil er gesagt habe, sie solle nach Hause gehen und er beim Beschuldigten habe 

bleiben wollen. Sie habe bei ihm bleiben wollen. Ausserdem habe er sich ent-

schuldigt, weil sie gesagt habe, der Beschuldigte habe ihr etwas gemacht (Prot. I 

S. 42). Dies habe sie ihm am folgenden Tag erzählt, zuerst persönlich, dann habe 

sie es per WhatsApp geschrieben. Sie habe ihm erzählt, der Beschuldigte habe 

mit ihr Sex haben wollen und habe ihre Scheide berührt (Prot. I S. 43). Zuerst sei 

er schockiert gewesen und habe ihr nicht geglaubt, da der Beschuldigte zu dieser 

Zeit eine Freundin gehabt habe. Er hätte dies aber auch nicht gemacht, wenn er 

keine Freundin gehabt hätte, er kenne den Beschuldigten seit 9 Jahren. Am frag-

lichen Abend habe der Beschuldigte die Privatklägerin zur Tür begleitet. Er könne 

nicht sagen, wie lange der Beschuldigte weggewesen sei, er sei betrunken gewe-

sen und habe auf dem Bett des Beschuldigten geschlafen (Prot. I S. 45). Die Pri-

vatklägerin habe ihm erzählt, der Beschuldigte habe mit der Hand ihre Scheide 

berührt und sie sei dabei verletzt worden. Er habe keine Fragen gestellt, weil er 

von Anfang an gemerkt habe, dass sie lüge (Prot. I S. 46). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Mitbeschuldigte bei seiner Be-

fragung zur Sache – wie auch der Beschuldigte – von seinem Aussageverweige-

rungsrecht Gebrauch und verwies auf seine Aussagen vor Vorinstanz (vgl. Prot. II 

S. 24 ff.). 

2.3.3. Aussagen E._____ 

Die Aussagen von E._____ (Vater der Privatklägerin) in der polizeilichen Befra-

gung vom 24. August 2017 (Urk. 8/1) können mangels Konfrontation nur zuguns-

ten des Beschuldigten verwendet werden. Zugunsten des Beschuldigten spricht 

einzig, dass die Privatklägerin ihrem Vater nichts über eine vollendete Vergewalti-

gung durch den Beschuldigten erzählte (Urk. 8/1 S. 3). 

  

-   18   - 

2.3.4. Aussagen der Privatklägerin 

Die Privatklägerin hat am 3. August 2017 auf der Polizeistation … Anzeige gegen 

den Mitbeschuldigten C._____ erstattet. Eine Anzeigeerstattung gegen den Be-

schuldigten erfolgte damals noch nicht. In der Ergänzung zum Brief vom 2. Au-

gust 2017, welchen sie bei der Anzeigeerstattung mitbrachte und den ihr Vater für 

sie verfasst hatte, führte sie betreffend den Vorfall vom Dezember aus, der Mitbe-

schuldigte habe sie zu einem Kollegen, der in der Nähe wohne, zum Reden ein-

geladen. Sie habe gedacht, sie würden nur reden. Die beiden hätten viel getrun-

ken und hätten sie genötigt. Sie sei aber weggerannt in die WG zurück, es sei da-

her nichts weiter passiert (Urk. 6/5 S. 3). Belastungen gegenüber dem Beschul-

digten brachte sie erstmals in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

18. September 2017 im Verfahren gegen den Mitbeschuldigten vor. Sie antworte-

te auf die Frage, ob der Mitbeschuldigte sie bei Freunden als seine Freundin vor-

gestellt habe, das sei einmal im Dezember gewesen, es sei eine schlimme Sache 

passiert, es sei fast um eine Vergewaltigung gegangen (Urk. 6/1 S. 13). Das ge-

naue Datum wisse sie nicht mehr. Der Mitbeschuldigte habe sie eingeladen, zu 

seinem Kollegen mitzukommen, der B._____ heisse und auch an der F._____-

Strasse in einem anderen Wohnblock wohne. Sie sei mitgegangen. Sie hätten 

dort zuerst geredet, Musik gehört und etwas getrunken, etwas gelacht und ge-

tanzt. Mit der Zeit hätten sie gesagt, sie wollten etwas mehr machen, hätten sie 

aufs Bett gelegt und begonnen, sich auszuziehen. Sie habe dann gesagt, sie sei 

nicht bereit und wolle sich wenigstens waschen. B._____ habe ihr Waschsachen 

gegeben. Sie hätten angefangen, sie zu berühren und zu küssen. Sie sei aufge-

sprungen und habe gesagt, sie wolle das nicht. Sie hätten sie zu sich gezogen 

und weitergemacht. Nach ein paar Minuten als sie gesagt habe, sie wolle nicht 

weitermachen, hätten sie sich auf das Sofa gesetzt. Sie sei nachher ins Bad ge-

gangen und als sie rausgekommen sei, habe sie ihre Sachen gepackt und sei 

weggerannt. Bevor sie ins Bad gegangen sei, hätten die beiden sie ausgezogen. 

Sie sei ins Bad gegangen als sie noch nicht gewusst habe, dass sie Geschlechts-

verkehr von ihr wollten (Urk. 6/1 S. 15 f.). Als sie aus dem Bad gekommen sei, 

hätten sie sie auf das Bett geschmissen oder geschubst und hätten beide ver-

sucht in sie einzudringen. Der Mitbeschuldigte habe es zuerst versucht, es habe 

-   19   - 

nicht geklappt, da sie sich gewehrt habe indem sie sich so bewegt habe, dass er 

nicht zu ihrer Scheide gekommen sei. Der Beschuldigte habe sie an den Armen 

festgehalten, der Mitbeschuldigte habe die Oberschenkel ein bisschen festgehal-

ten (Urk. 6/1 S. 17 f.). Sie habe durch ihre Bewegungen kundgetan, dass sie es 

nicht wolle und dies nachher auch gesagt. Nach ein paar Minuten hätten sie ge-

merkt, dass sie wirklich nicht bereit sei und hätten gesagt, sie würden sich kurz zu 

einem Getränk auf das Sofa setzen. Bis dahin habe nur der Mitbeschuldigte ver-

sucht, in sie einzudringen (Urk. 6/1 S. 18). Sie sei dann eine Minute auf dem Sofa 

gewesen, dann habe sie gesagt, sie müsse ins Bad gehen. Nachher sei sie aus 

dem Bad gekommen, habe ihre Sachen genommen und sei aus der Wohnung ge-

rannt (Urk. 6/1 S. 19). Auf die Frage, ob nur C._____ versucht habe, in sie einzu-

dringen antwortete sie "eigentlich nicht, aber ich will nicht unbedingt jemanden be-

lasten" (Urk. 6/1 S. 19). Nach einer kurzen Unterbrechung der Einvernahme für 

eine Besprechung mit ihrer Anwältin sagte sie aus, der Beschuldigte sei ihr hin-

terhergerannt als sie aus der Wohnung weggerannt sei. Im Gang habe er sie in 

den Trocknungsraum gezogen, habe sich an sie gedrückt, die Hose herunterge-

lassen und sie so festgehalten, dass sie nicht mehr habe wegrennen können. Er 

habe ihre Hose und Unterhose heruntergezogen. Dann habe er probiert, in sie 

einzudringen, sie habe gesagt, sie wolle nicht, aber er habe es kurz geschafft, sie 

doch so hinzukriegen. Er sei kurz in sie eingedrungen, es habe weh getan und sie 

habe ihm gesagt, er solle aufhören. Sie habe sich sehr gewehrt und habe sich 

von ihm weggerissen. Er habe gesagt, es tue ihm leid, und sie sei weggerannt. Es 

habe ihr sehr wehgetan als er in sie eingedrungen sei. Sie habe während 2, 3 Ta-

gen Schmerzen gehabt beim Stuhlgang (Urk. 6/1 S. 20). Sie habe diesen Vorfall 

bei der Polizei nicht erwähnt, da sie gedacht habe, dieser liege zu lange zurück 

(Urk. 6/1 S. 21). 

In der Einvernahme vom 27. September 2017 im Rahmen der Strafuntersuchung 

gegen den Mitbeschuldigten sagte sie aus, sie sei beim Vorfall in der Wohnung 

des Beschuldigten zuerst im Bad gewesen, dann hätten sie angefangen, sie aus-

zuziehen. Als sie aus dem Bad gekommen sei, hätten sie zuerst noch etwas ge-

sprochen und auf dem Sofa gesessen. Dann hätten sie sie auf das Bett getan und 

hätten Sex gewollt. Sie habe gesagt, sie wolle keinen Sex (Urk. 6/2 S. 3). Die bei-

-   20   - 

den seien angetrunken gewesen und hätten einfach weitergemacht. Sie habe sich 

auch körperlich gewehrt und habe versucht, sich zu entreissen (Urk. 6/2 S. 4). 

Nachdem sie weggerannt sei, habe sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen. Der 

Mitbeschuldigte habe laut an ihre Zimmertür geklopft und habe gesagt, sie solle 

aufmachen, sie habe gesagt, er solle sie in Ruhe lassen und er sei nach einer 

Weile weggegangen. Am nächsten Tag hätten sie dann darüber gesprochen. Er 

habe gesagt, dass es ihm sehr leid tue, es sei wegen dem Alkohol gewesen. Sie 

habe ihm verziehen und gesagt, dass das nicht mehr vorkommen solle und sie 

nur mit ihm Sex haben wolle (Urk. 6/2 S. 4). Auch der Beschuldigte habe sich da-

für entschuldigt, aber sie hätten nicht viel darüber gesprochen (Urk. 6/2 S. 4). Ge-

gen den Beschuldigten habe sie keine Strafanzeige gemacht, da sie mit dem Mit-

beschuldigten habe zusammenkommen wollen und ihn deswegen nicht habe wü-

tend machen wollen. Der Beschuldigte sei ein Kollege des Mitbeschuldigten und 

hätte dem Mitbeschuldigten allenfalls Probleme gemacht (Urk. 6/2 S. 20). 

In der Einvernahme als Auskunftsperson vom 13. Dezember 2017 bestätigte sie, 

in der Nacht vom 23. auf dem 24. Dezember 2016 zusammen mit dem Mitbe-

schuldigten in der Wohnung des Beschuldigten gewesen zu sein. Zuerst hätten 

sie normal geredet, dann hätten die beiden von ihr Sex gewollt, sie aufs Bett ge-

zogen und sich bis auf T-Shirt und Unterhose ausgezogen. Beide hätten versucht, 

es auszuführen (Urk. 6/3 S. 5). Beide hätten angefangen, ihre Kleider auszuzie-

hen, sie glaube, beide hätten die Kleidungsstücke weggenommen und angefan-

gen sie zu küssen und zu streicheln (Urk. 6/3 S. 6). Bis auf die Unterhose habe 

sie nichts mehr angehabt. Sie habe gesagt, dass sie dies nicht wolle, dass sie 

aufhören sollen. Zu jenem Zeitpunkt habe sie eine Beziehung zum Mitbeschuldig-

ten gehabt und habe es schlimm gefunden, dass eine weitere Person dazukom-

me. Die beiden hätten trotzdem weitergemacht. Sie habe sich gewehrt und ver-

sucht, sich loszureissen, habe mit Armen und Händen gestossen (Urk. 6/3 S. 7). 

Der Mitbeschuldigte habe sie festgehalten an beiden Oberarmen und der Be-

schuldigte habe versucht, in sie einzudringen, habe dies aber nicht geschafft, weil 

sie sich auf alle Seiten gedreht habe. Sie habe es sehr schlimm gefunden, was 

die beiden gemacht hätten (Urk. 6/3 S. 8). Sie habe ihnen dann gesagt, dass sie 

aufs WC müsse und sei ins Bad gegangen (Urk. 6/3 S. 9). Auf Vorhalt, dass sie in 

-   21   - 

der letzten Einvernahme die Sache umgekehrt geschildert habe, nämlich, dass 

der Beschuldigte sie festgehalten habe, und der Mitbeschuldigte versucht habe, in 

sie einzudringen, erklärte sie, beide hätten versucht, in sie einzudringen (Urk. 6/3 

S. 9). Sie hätten sie auf das Bett gelegt und dann hätten beide versucht in sie ein-

zudringen, sie glaube, es sei zuerst der Beschuldigte gewesen, dann der Mitbe-

schuldigte, sie sei sich aber nicht mehr sicher (Urk. 6/3 S. 9). Sie hätten beide 

versucht, dem andern zu helfen, dass es gelinge. Beide hätten die gleiche Tech-

nik angewendet und sie an den Oberarmen gehalten (Urk. 6/3 S. 10). In der letz-

ten Einvernahme habe sie nicht gesagt, dass der Beschuldigte auch in der Woh-

nung versucht habe, in sie einzudringen, da sie ihn nicht zu sehr habe beschuldi-

gen wollen. Es sei aber besser, jetzt die Wahrheit zu sagen (Urk. 6/3 S. 9). Beide 

hätten sich selber ein Kondom übergezogen, welches sie aus der Hosentasche 

genommen hätten (Urk. 6/3 S. 10). Nachdem die beiden versucht hätten, in sie 

einzudringen habe sie gesagt, dass sie sich im Bad waschen wolle. Die Beschul-

digten hätten gemeint, es wäre schöner, wenn sie sich noch rasiere. Der Be-

schuldigte habe ihr Rasierschaum, Rasierklinge, Seife und ein Tuch gegeben 

(Urk. 6/3 S. 11). Sie sei ca. 5 Minuten im Bad gewesen, habe ihr Kleider so 

schnell wie möglich angezogen und sei aus der Wohnung gerannt. Die beiden 

hätten gesagt, sie solle bleiben, sie habe gesagt, es gehe ihr nicht gut, sie wolle 

weggehen. Man habe sie nur verbal gehindert, sich anzuziehen und wegzugehen 

(Urk. 6/3 S. 12). Der Beschuldigte sei ihr hinterhergerannt, er habe sich schnell 

Hemd und Hose angezogen als sie weggerannt sei. Er habe sie am Handgelenk 

in den Trocknungsraum gezerrt (Urk. 6/3 S. 13). Der Mitbeschuldigte sei in der 

Wohnung geblieben. Sie habe versucht, sich loszureissen und habe gesagt, sie 

wolle sofort nach Hause (Urk. 6/3 S. 13). Er habe gesagt, er wolle Sex mit ihr ha-

ben, habe sie an sich gedrückt, seine Hose runtergezogen und sei mit einem Bein 

aus der Hose gestiegen. Sie habe gesagt, sie wolle das nicht und habe weglaufen 

wollen, er habe sie jedoch mit beiden Händen an den Armen festgehalten 

(Urk. 6/3 S. 14). Er habe ihre Hose runtergezogen. Sie habe gesagt, er solle auf-

hören und sie wolle nicht. Er habe ein Kondom aus der Hosentasche genommen 

und übergezogen und sei in sie eingedrungen. Sie habe gesagt, es tue ihr weh, er 

solle aufhören. Der Beschuldigte sei dreiviertel in sie eingedrungen, nicht voll-

-   22   - 

ständig (Urk. 6/3 S. 16). Sie glaube, er sei zum Samenerguss gekommen, sie sei 

sich nicht mehr hundertprozentig sicher (Urk. 6/3 S. 17). Sie sei weggerannt zu ih-

rer WG an der F._____-Strasse. Der Beschuldigte sei ihr bis zur Tür nachgelau-

fen, sie habe das Wohnhaus ohne weiteres verlassen können. Eine halbe Stunde 

später sei der Mitbeschuldigte zu ihr an die Zimmertür gekommen, habe geklopft, 

habe mit ihr reden wollen, sich entschuldigen wollen. Sie habe nicht mit ihm reden 

wollen und habe die Tür nicht geöffnet. Erst am Nachmittag des nächsten Tages 

habe sie mit ihm gesprochen, er habe sich entschuldigt. Der Beschuldigte habe 

sich glaublich im Januar oder im Februar bei ihr entschuldigt (Urk. 6/3 S. 19). Sie 

habe die Entschuldigungen angenommen, aber es sei doch zu heftig gewesen, 

deshalb habe sie die Aussage gemacht (Urk. 6/3 S. 19). Nach dem Vorfall habe 

sie ein paar Tage, so zwei Wochen, starke Schmerzen in der Scheide gehabt 

(Urk. 6/3 S. 20 f.). Am Schluss der Einvernahme schilderte sie dann wieder, sie 

hätten sie aufs Bett geschubst, dann habe zuerst der Mitbeschuldigte sie festge-

halten und der Beschuldigte habe versucht, in sie einzudringen. Nachher habe es 

der Mitbeschuldigte versucht und der Beschuldigte habe sie festgehalten. Nach-

her sei sie ins Bad gegangen und habe nach dem Verlassen des Bades ihr Sa-

chen genommen uns sei aus der Wohnung rausgegangen. 

In der Befragung vor Vorinstanz erklärte die Privatklägerin auf die Frage, weshalb 

sie im Schreiben vom 2. August 2017 und in der polizeilichen Einvernahme im 

Zusammenhang mit der Anzeigeerstattung gegen den Mittäter den Vorfall im 

Trocknungsraum nicht erwähnt habe, sie habe den Beschuldigten nicht belasten 

wollen. Später in einem Gespräch mit ihrer Anwältin habe sie verstanden, dass es 

besser sei, die ganze Wahrheit zu sagen (Prot. I S. 16). Von der Vorinstanz wurde 

ihr vorgehalten, dass sie in der Einvernahme vom 4. August 2017 auf die Frage, 

wann es zum ersten Mal zu sexuellen Handlungen gegen ihren Willen gekommen 

sei, geantwortet habe, dies sei gegen anfangs Juli 2017 gewesen. Auf die Frage, 

weshalb sie den Vorfall von Dezember nicht erwähnt habe, erklärte sie erneut, sie 

habe vor dem Gespräch mit ihrer Anwältin gemeint, es sei besser, ihn zu schonen 

(Prot. I S. 17). Auch auf Vorhalt, dass sie den Vorfall im Trocknungsraum erst 

nach einer Besprechung mit ihrer Anwältin geschildert habe, den Vorfall in der 

Wohnung dagegen schon angedeutet habe, erklärte sie erneut, sie habe den Be-

-   23   - 

schuldigten schonen wollen (Prot. I S. 18). Sie führte aus, der Beschuldigte habe 

sich bei ihr entschuldigt und sie habe die Entschuldigung angenommen (Prot. I 

S. 18). Sie sei um die Zeit von Dezember 2016 bis Februar 2017 in den Mitbe-

schuldigten verliebt gewesen und habe in dieser Zeit versucht, eine Beziehung 

mit ihm aufzubauen, das andere habe sie ihm verziehen. Nachher sei es aber 

schlimmer geworden (Prot. I S. 20 f.). Betreffend den Vorfall im Trocknungsraum 

schilderte sie, dass der Beschuldigte sie im Treppenhaus eingeholt habe und sie 

am Arm über zwei Stufen den Gang entlang in den Trocknungsraum gezogen ha-

be (Prot. I S. 33). Ferner bestätigte sie, dass der Beschuldigte sowohl seine wie 

ihre Hose und Unterhose heruntergezogen habe und sich ein Kondom übergezo-

gen habe. Während er die Kleider heruntergezogen habe, habe er sie am Arm 

festgehalten und habe sie gegen die Waschmaschine gedrückt. Als er sich das 

Kondom übergezogen habe, habe er sie gegen die Waschmaschine gedrückt und 

habe beide Hände frei gehabt (Prot. I S. 28 f.). Sie habe die ganze Zeit gesagt, 

sie wolle das nicht und habe versucht, sich loszureissen, dies sei nicht gegangen. 

Sie habe versucht, sich mit ihren Armen loszureissen und habe immer gesagt, er 

solle aufhören, sie wolle das nicht. Sie habe auch keine Chance gehabt, sich seit-

lich abzuwenden. Der Beschuldigte habe beim Eindringen im Stehen leicht ge-

kniet (Prot. I S. 30). 

2.2.5. Chatverlauf zwischen der Privatklägerin und dem Mitbeschuldigten 

Der Auswertung des Chatverlaufs zwischen der Privatklägerin und dem Mitbe-

schuldigten ist zu entnehmen, dass der Mitbeschuldigte der Privatklägerin am 

24.12.2016 um 09.53 Uhr schrieb "sorry Wege gestern" und die Privatklägerin 

antwortete "ich bin schockiert und wütend. Die Nacht davor war so extrem gut; 

und dann kommst du danach mit deinem Kolleg an ???? Ich bin NICHT daran in-

teressiert mit deinen Kollegen zu ficken". Der Beschuldigte erklärt darauf, es sei 

gut, dass sie nicht mit seinem Kollegen etwas gemacht habe (Urk. 11/1 S. 6). Sie 

fragt ihn ferner, ob er denke sie ficke mit jedem (Urk. 11/1 S. 7). Am Nachmittag 

des 24.12.2016 fragte die Privatklägerin den Mitbeschuldigten, ob er oft Dreier 

mache. Er antwortete "Ich mache allein. Gestern war ich betrunken. Darum". Am 

26.12.2016 schrieb die Privatklägerin auf die Frage des Mitbeschuldigten, ob alles 

-   24   - 

gut sei bei ihr "ja alles gut, bis auf die Schmerzen in meiner Scheide wenn ich uri-

niere auf dem WC, dein Kolleg hat mich schon im Innern stärker verletzt 

(Urk. 11/1 S. 10). Im weiteren Chatverlauf erklärte der Mitbeschuldigte gegenüber 

der Privatklägerin, er habe Angst, dass sie ihn nur wegen Sex benutze. Sie erwi-

derte, sie sei nicht so eine Frau, die nur wegen Sex da sei (Urk. 11/1 S. 17) und 

am Morgen darauf doppelte sie nach und schrieb "Guten Morgen, wieso denkst 

du noch oder hast Angst, dass sich dich nur für Sex haben will/nutze? Wenn ich 

dich nur für sex nutzen wollen würde, hätte Ich am Freitagabend mit dir und mit 

deinem Kolleg Sex gemacht. Aber genau aus dem Grund weil ich dich NICHT nur 

für sex nutzen will, habe ich keinen Sex mit deinem Kolleg gemacht. Verstehst 

du?" (Urk. 11/1 S.18). Am 26.12.15.40 Uhr schrieb die Privatklägerin dem Mitbe-

schuldigten :"Bei dir alles ok? Dein Kolleg hat mich körperlich ziemlich verletzt… 

langsam tut es weniger weh in meiner Scheide, aber es brennt immer noch ab 

und zu" (Urk. 11/1 S. 19). 

2.4. Beweiswürdigung 

2.4.1. Aussagen des Beschuldigten 

Der Beschuldigte hat aufgrund seiner Parteistellung ein legitimes Interesse daran, 

die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Es liegen jedoch 

keine Hinweise vor, welche an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln liessen.  

Seine Aussagen sind im Kernbereich gleichbleibend und widerspruchsfrei, was 

angesichts des Umstandes, dass sie sich im Wesentlichen auf eine konstante Be-

streitung der Anklagevorwürfe beschränken, nicht weiter erstaunt. Insgesamt wei-

sen seine Aussagen einen geringen Detaillierungsgrad auf und erscheinen pau-

schal. Auffällig ist seine konstante Aussage, wonach die Privatklägerin plötzlich 

aufgestanden sei und sein Zimmer verlassen habe. Das abrupte Weggehen wird 

von ihm in keiner Weise plausibel erklärt. Er macht lediglich geltend, er habe den 

Mitbeschuldigten gefragt, ob etwas nicht in Ordnung sei, dieser habe erwidert, es 

sei alles ok. Aufhorchen lässt auch, dass er seine Aussagen denjenigen des Mit-

beschuldigten angleicht, was sich darin zeigt, dass er erst auf Vorhalt einer ent-

sprechenden Aussage des Mitbeschuldigten einräumt, er habe die Privatklägerin 

-   25   - 

zur Tür begleitet, um gleich wieder einzuschränken, dies sei nur die Tür zum 

Treppenhaus gewesen, nicht die Haustür. 

In der ersten Einvernahme hatte der Beschuldigte ausgesagt, er habe den Mitbe-

schuldigten gefragt, was passiert sei, dieser habe geantwortet, es sei alles gut 

und sei weggegangen (Urk. 5/1 S. 7), er habe sich verabschiedet und sei schlafen 

gegangen (Urk. 5/1 S. 5). In der Hafteinvernahme vom 26. Oktober 2017 und in 

der Haftanhörung vom 27. Oktober 2017 hielt er daran fest, er habe sich vom Mit-

beschuldigten verabschiedet, dieser sei auch weggegangen, er sei in seinem 

Zimmer geblieben (Urk. 5/2 S. 5 und Urk. 5/3 S. 4). Im Widerspruch zu seinen 

bisherigen Aussagen sagte er vor Vorinstanz aus, nachdem die Privatklägerin ge-

gangen sei, habe er mit dem Mitbeschuldigten ein bisschen geredet, habe über 

die nächste Woche und die Suche nach einem Job diskutiert. Dann sei der Mitbe-

schuldigte gegangen, er wisse nicht mehr, um welche Zeit (Prot. I S. 82). Dieses 

widersprüchliche Aussageverhalten lässt aufhorchen und zeugt vom Bemühen 

des Beschuldigten, seine Aussagen mit denjenigen des Mitbeschuldigten in Ein-

klang zu bringen. Dieses Bemühen tritt auch darin zu Tage, dass er in der 

Hafteinvernahme vom 26. Oktober 2017 auf Vorhalt des gegen ihn ergangenen 

Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. Mai 2013 (Urk. 17/2), 

mit welchem er wegen Raubes verurteilt wurde, erklärte, er sei zu Unrecht verur-

teilt worden, der Mitbeschuldigte habe die Tat begangen und habe dabei seinen 

Pullover getragen. Er habe die Sache auf sich genommen, da er damals jung und 

dumm gewesen sei und gedacht habe, die anderen Kollegen würden ihm beim 

Bezahlen der Busse helfen (Urk. 5/2 S. 10). In der Konfrontationseinvernahme mit 

dem Mitbeschuldigten vom 15. Januar 2018 hielt der Beschuldigte dann aber sei-

ne Belastung gegenüber dem Mitbeschuldigen nicht mehr aufrecht und erklärte, 

er sei bei der Einvernahme vom 26. Oktober 2017 unter Druck gewesen, habe un-

ter Schock gestanden (Urk. 5/5 S. 3 f.). 

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten im Kern gleichbleibend aber 

sehr pauschal ausgefallen. Darüber hinaus weisen sie in wichtigen Punkten aber 

auch Widersprüche auf, insbesondere zur Frage, ob er die Privatklägerin zur Tür 

begleitet hat und ob und wie lange der Mitbeschuldigte nach dem Weggang der 

-   26   - 

Privatklägerin im Zimmer des Beschuldigten blieb. Auffällig ist sein den Aussagen 

des Mitbeschuldigten angepasstes Aussageverhalten. Alle diese Umstände las-

sen Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten aufkommen. 

2.4.2. Aussagen des Mitbeschuldigten 

Auch der Mitbeschuldigte hat aufgrund seiner Stellung im Verfahren ein legitimes 

Interesse, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Da er 

mit dem Beschuldigten befreundet ist, wogegen seine Beziehung zur Privatkläge-

rin im Zeitpunkt seiner Einvernahmen aufgrund ihrer Anzeige und Aussagen ge-

gen ihn sehr belastet war, kommt ihm keine neutrale Position zu. Es besteht die 

Gefahr, dass er zugunsten seines Freundes aussagen könnte. Auch betreffend 

den Mitbeschuldigten liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor, welche an seiner 

Glaubwürdigkeit zweifeln liessen. 

Die Aussagen des Mitbeschuldigten stimmen mit denjenigen des Beschuldigten 

insoweit überein als beide bestreiten, im Zimmer des Beschuldigten versucht zu 

haben, mit der Privatklägerin gegen deren Willen Geschlechtsverkehr zu haben. 

Auch die Aussagen des Mitbeschuldigten sind pauschal ohne Detailangaben aus-

gefallen. Er hält über alle Einvernahmen konstant an seiner Bestreitung des An-

klagevorwurfs fest. Im Gegensatz zur Darstellung des Beschuldigten, wonach die 

Privatklägerin plötzlich aufgestanden sei und habe gehen wollen, sagte der Mit-

beschuldigte etwas diffus aus, sie hätten gesagt, dass sie nach Hause gehen sol-

le. Er habe gesagt, er werde beim Beschuldigten übernachten, sie solle nach 

Hause gehen (Urk. 7/4 S. 16). Der Beschuldigte habe sie dann zur Haustür seines 

Wohnhauses begleitet, während er im Zimmer geblieben sei (Urk. 7/3 S. 8; 7/4 

S. 14). Dass der Mitbeschuldigte sich bei der Privatklägerin am nächsten Tag ent-

schuldigte, was aus dem Chatverlauf hervorgeht, erklärte er damit, dass er sie 

nach Hause geschickt habe und beim Beschuldigten habe bleiben wollen. Er ha-

be sich auch entschuldigt, da die Privatklägerin ihm erzählt habe, dass der Be-

schuldigte sie in der Scheide verletzt habe, indem er versucht habe, mit der Hand 

an ihrer Scheide etwas zu machen (Urk. 7/4 S. 14; Prot. I S. 42). Der Mitbeschul-

digte sagte ferner aus, er habe dies der Privatklägerin nicht geglaubt, er habe von 

Anfang an gemerkt, dass sie lüge (Urk. 7/4 S. 14; Prot. I S. 46). Die Aussage des 

-   27   - 

Mitbeschuldigten, wonach er sich bei der Privatklägerin entschuldigt habe, ist vor 

dem Hintergrund, dass er ihr nicht geglaubt haben will und gemerkt habe, dass 

sie lüge, nicht stimmig. Aus seiner Darstellung erhellt auch nicht, weshalb er da-

von ausging, dass die Privatklägerin lüge. Da die Beziehung zur Privatklägerin in 

jenem Zeitpunkt noch nicht weit gediehen war, wäre es naheliegender gewesen, 

dass der Mitbeschuldigte sich gegen eine schwere Anschuldigung seines langjäh-

rigen Kollegen/Freundes zur Wehr gesetzt hätte, statt sich zu entschuldigen. Es 

ist nicht erkennbar, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten gegenüber dem 

Mitbeschuldigten falsch hätte anschuldigen sollen. Die nicht nachvollziehbare Be-

hauptung, die Privatklägerin habe gelogen, erscheint als Ausdruck des Bemühens 

des Mitbeschuldigten, den Beschuldigten zu entlasten. 

Den Aussagen des Mitbeschuldigten sind keine Hinweise zu entnehmen, welche 

gegen die Darstellung der Privatklägerin sprechen würden. Ihre Aussagen werden 

durch diejenigen des Mitbeschuldigten dahingehend gestützt, dass er wie die Pri-

vatklägerin konstant ausführte, er sei im Zimmer des Beschuldigten geblieben, als 

sie dieses verlassen habe und der Beschuldigte habe sie begleitet, bzw. sei ihr 

gefolgt. 

2.4.3. Aussagen der Privatklägerin und Chatverlauf 

a) Allgemeines 

Die Privatklägerin hat wie der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte aufgrund ih-

rer Stellung im Verfahren ein Interesse an dessen Ausgang. Dieses manifestiert 

sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht in den geltend gemachten Zivilansprüchen. 

Bei der Privatklägerin sind ebenfalls keine Hinweise erkennbar, welche an ihrer 

Glaubwürdigkeit zweifeln liessen. 

 

b) Anzeigeverhalten / Motiv für eine Falschbelastung / allgemeines Aussage-

verhalten 

-   28   - 

Ihre Aussagen sind wie diejenigen der beiden Beschuldigten pauschal ausgefal-

len. Eine emotionale Beteiligung wird von ihr nicht geschildert mit Ausnahme der 

allgemeinen Erklärung, das Vorgefallene sei sehr schlimm gewesen (Urk. 6/3 

S. 8), bzw. sie habe es schlimm gefunden, dass neben dem Mitbeschuldigten ei-

ne weitere Person dazukomme, da sie zu diesem Zeitpunkt nur eine Beziehung 

zum Mitbeschuldigten gehabt habe (Urk. 6/3 S. 6). Der Umstand, dass sie ihr Er-

leben nicht detailliert schildert, lässt sich damit erklären, dass die Privatklägerin 

ursprünglich keine Anzeige gegen den Beschuldigten erstatten wollte. Sie erklär-

te, der Beschuldigte habe sich nach dem Vorfall entschuldigt und sie habe seine 

Entschuldigung ein paar Tage später angenommen (Urk. 6/1 S. 21). Zudem ist es 

zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten gemäss ihrer Darstellung an-

ders als zwischen ihr und dem Mitbeschuldigten nach den Vorfällen vom 23./24. 

Dezember 2016 zu keinen späteren Übergriffen oder Auseinandersetzungen ge-

kommen. Es erscheint daher als plausibel, dass die Privatklägerin die Sache be-

treffend den Beschuldigten auf sich beruhen lassen wollte. Dass sie den Vorfall im 

Trocknungsraum nicht sogleich zur Anzeige brachte, erklärte die Privatklägerin 

ferner damit, dass sie damals mit dem Mitbeschuldigten habe zusammenkommen 

wollen und ihn nicht habe wütend machen wollen, da der Beschuldigte ein Kollege 

des Mitbeschuldigten gewesen sei (Urk. 6/2 S. 20). Es ist nicht leicht nachvoll-

ziehbar, dass die Privatklägerin eine Beziehung zum Mitbeschuldigten aufbauen 

wollte, obwohl dieser nach ihrer Darstellung versucht hatte, sie zusammen mit 

dem Beschuldigten in dessen Zimmer zu vergewaltigen. Dies musste auch der 

Privatklägerin bewusst sein. Dass sie dennoch dazu stand und an ihren Belastun-

gen gegenüber dem Beschuldigten über alle Einvernahmen hinweg festhielt, 

spricht für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung. Die Privatklägerin hatte den Vor-

fall im Zimmer des Beschuldigten bereits in der Ergänzung zum Schreiben vom 2. 

August 2017 angedeutet. Sie schrieb, sie sei mit dem Mitbeschuldigten Ende De-

zember zu einem Kollegen des Mitbeschuldigten gegangen, dieser sei Afghane. 

Beide hätten viel getrunken und hätten sie genötigt. Sie sei dann weggerannt zu-

rück in die WG. Es sei weiter nichts passiert (Urk. 6/5 S. 3). Diesen Vorfall brachte 

sie betreffend den Mitbeschuldigten in der Einvernahme vom 18. September 2017 

von sich aus vor, daher erscheint ihre Erklärung, sie habe den Vorfall im Trock-

-   29   - 

nungsraum nicht von sich aus erwähnt, da sie gedacht habe, dieser liege zu lang 

zurück, auf ersten Blick nicht kohärent. Andererseits deutet der Umstand, dass sie 

in ihrer Einvernahme vom 4. August 2017 auf die Frage, wann der Mitbeschuldig-

te erstmals sexuelle Handlungen von ihr erzwungen habe, antwortete, dies sei 

gegen anfangs Juli 2017 gewesen (Urk. 6/4 S. 5), darauf hin, dass sie davon aus-

ging, der Vorfall vom Dezember 2016 liege zu lange zurück. Insgesamt erschei-

nen die Erklärungen der Privatklägerin für die späte Belastung des Beschuldigten 

als glaubhaft. Ein Motiv für eine Falschbelastung des Beschuldigten ist nicht er-

kennbar. Insbesondere konnte sich die Privatklägerin daraus keinen Vorteil für 

das Verfahren gegen den Mitbeschuldigten erhoffen. Ferner ist festzuhalten, dass 

den Aussagen der Privatklägerin keinerlei Tendenz zu übersteigerter Belastung 

und zu Übertreibungen zu entnehmen ist. Sie hielt über alle Einvernahmen daran 

fest, dass die beiden Beschuldigten angetrunken gewesen seien und es beiden 

nicht gelungen sei, in sie einzudringen. Ebenfalls sagte sie aus, sie habe gesagt, 

sie wolle das nicht und habe auch mit ihren Bewegungen kundgetan, dass sie das 

nicht wolle. Die Beschuldigten hätten nach ein paar Minuten gemerkt, dass sie 

wirklich nicht bereit sei und hätten gesagt, sie würden sich kurz für ein Getränk 

auf das Sofa setzen (Urk. 6/1 S. 18). Es ist davon auszugehen, dass die beiden 

Beschuldigten in ihrer körperlichen Übermacht ohne weiteres gemeinsam in der 

Lage gewesen wären, ihr Ansinnen mittels stärkerer Gewaltanwendung gegen 

den Willen der Privatklägerin durchzusetzen. Ausser Festhalten an den Armen 

und Beinen schilderte die Privatklägerin keine Gewaltanwendung. Zudem räumte 

sie ein, dass die beiden Beschuldigten sie nur verbal daran zu hindern versuch-

ten, das Zimmer zu verlassen als sie aus dem Bad zurückkam (Urk. 6/3 S. 12). 

Dass den Aussagen der Privatklägerin keine Tendenz zur Dramatisierung zu ent-

nehmen ist, stellt einen Hinweis für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung dar. 

 

 

c) Widersprüche / Ungereimtheiten 

-   30   - 

Die Privatklägerin hat in der Einvernahme vom 18. September 2017 nicht klar 

ausgesagt, wann und wie oft sie während des Aufenthaltes beim Beschuldigten 

das Bad aufgesucht hat. Zuerst sagte sie aus, die Beschuldigten hätten sie auf 

das Bett gelegt und begonnen, sich auszuziehen. Sie habe dann gesagt, sie sei 

noch nicht bereit und wolle sich wenigstens waschen, worauf ihr der Beschuldigte 

Waschsachen gegeben habe, damit sie sich im Bad wasche. Dann hätten sie an-

gefangen, sie zu berühren und zu küssen. Sie sei aufgesprungen und habe ge-

sagt, sie wolle das nicht. Sie hätten sie zu sich gezogen und weitergemacht. Nach 

ein paar Minuten als sie gesagt habe, sie wolle nicht weitermachen, seien sie auf 

das Sofa gesessen. Nachher sei sie ins Bad gegangen. Als sie rausgekommen 

sei, habe sie ihre Sachen gepackt und sei weggerannt (Urk. 6/1 S. 16). In der 

gleichen Einvernahme sagte sie dann aus, sie sei ins Bad gegangen als sie noch 

nicht gewusst habe, dass die beiden Geschlechtsverkehr von ihr wollten  (Urk. 6/1 

S. 16). Als sie aus dem Bad gekommen sei, hätten sie sie auf das Bett geschmis-

sen oder geschubst (Urk. 6/1 S. 17). Diese Aussage betreffend den Gang zum 

Bad erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, worauf auch von der amtli-

chen Verteidigung hingewiesen wird (vgl. Urk. 86 S. 9 ff.). Jedoch wird dieser 

vermeintliche Widerspruch in der nächsten Einvernahme der Privatklägerin vom 

27. September 2017 aufgelöst indem sie erklärt, sie sei zweimal im Bad gewesen. 

Bevor sie das erste Mal ins Bad gegangen sei, sei noch nicht die Rede davon 

gewesen, dass die beiden Beschuldigten Sex wollten (Urk. 6/1 S. 3). 

Die Privatklägerin sagte in der Einvernahme vom 18. September 2017 aus, der 

Mitbeschuldigte habe sie an den Oberschenkeln festgehalten und habe zuerst 

versucht, in sie einzudringen während der Beschuldigte sie an den Armen festge-

halten habe (Urk. 6/1 S. 17). In der Einvernahme vom 13. Dezember 2017 sagte 

sie dann aus, der Mitbeschuldigte habe sie an den Oberarmen festgehalten und 

der Beschuldigte habe versucht, in sie einzudringen (Urk. 6/3 S. 7). Sie glaube, 

der Beschuldigte habe zuerst versucht, in sie einzudringen, sie sei sich aber nicht 

mehr sicher (Urk. 6/3 S. 9). Die Privatklägerin differenzierte bei ihren Aussagen 

nicht bezüglich der Tatbeiträge jedes einzelnen Beschuldigten. Sie erlebte deren 

Handeln als gemeinsames Vorgehen und schilderte deren Verhalten gleichlau-

tend ohne Individualisierung oder klare Rollenverteilung. Diese stereotype Schil-

-   31   - 

derung lässt sich damit erklären, dass dieser erste Vorfall für die Privatklägerin 

nicht gleichermassen traumatisierend war wie der von ihr geschilderte Vorfall im 

Trocknungsraum, zumal sie sich erfolgreich gegen eine Penetration wehren konn-

te. In der Ergänzung zum Schreiben vom 2. August 2017, welches sie zur Anzei-

geerstattung mitbrachte, schrieb sie denn auch, beide hätten viel getrunken und 

hätten sie genötigt. Sie sei dann weggerannt zurück in die WG. Es sei weiter 

nichts passiert (Urk. 6/5 S. 3). Vor diesem Hintergrund – und entgegen der An-

sicht der Verteidigung (vgl. Urk. 86 S. 15 ff.) – vermag der Umstand, dass sie 

nicht mehr genau sagen konnte, welcher der beiden Beschuldigten zuerst ver-

sucht habe, sie zu penetrieren, keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Darstel-

lung zu begründen. Dass die Privatklägerin den Beschuldigten zuerst nur betref-

fend den Vorfall im Trocknungsraum belastete und erst in einer späteren Einver-

nahme seine Mittäterschaft beim Vorfall im Zimmer erwähnte, lässt sich zwanglos 

damit erklären, dass die geschilderte vollendete Vergewaltigung im Trocknungs-

raum für die Privatklägerin ungleich schwerer wiegt. Ein eigentlicher Widerspruch 

ist diesbezüglich in ihren Aussagen nicht auszumachen. 

Der Ablauf des angeklagten Vorfalls im Trocknungsraum wurde von der Privatklä-

gerin wie schon der Vorfall im Zimmer sehr pauschal und auch auf Nachfragen 

sehr rudimentär geschildert. Sie machte im Wesentlichen geltend, der Beschuldig-

te habe sie in den Trocknungsraum gezogen, sich gegen sie gedrückt, sie festge-

halten, seine Hose und Unterhose heruntergezogen, ihre Hose - sie glaube die 

Hose habe einen Knopf gehabt - und Unterhose heruntergezogen, ein Kondom 

übergestreift und sei kurz vaginal gegen ihren verbal und durch versuchte körper-

liche Gegenwehr bekundeten Willen in sie eingedrungen. Wie die Verteidigung 

zutreffend geltend macht (Urk. 40 S. 30 ff.; Urk. 86 S. 35 ff.), konnte die Privatklä-

gerin nicht mehr genauer schildern, wie der Beschuldigte diese Handlungen trotz 

Gegenwehr ihrerseits vollziehen konnte. Sie beschrieb, dass er sich gegen sie 

und dabei sie glaublich gegen die Waschmaschine gedrückt habe (Prot. I S. 28). 

Der Beschuldigte ist 175/176 cm gross und wiegt 75 kg (Urk. 5/1 S. 5). Er betreibt 

Krafttraining sowie Kampfsportarten (Boxen und Brasilian Jiu Jitsu) (Urk. 5/6 

S. 2). Somit war er der 20 cm kleineren Privatklägerin körperlich weit überlegen. 

Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 86 S. 35 ff.) ist es angesichts dieser 

-   32   - 

Kräfteverhältnisse vorstellbar, dass der Beschuldigte unter Einsatz seines Kör-

pergewichts die Privatklägerin daran hindern konnte, sich zu entfernen, dabei sei-

ne und ihre Hose und Unterhose herunterzuziehen und ein Kondom überzustrei-

fen. Zudem ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass die Privatklä-

gerin aufgrund der vorangehenden Ereignisse in der Wohnung – dem Kiffen, wel-

ches ihr gemäss den Aussagen des Beschuldigten nicht bekommen sei (Urk. 5/1 

S. 7) und insbesondere den vorgängigen Vergewaltigungsversuchen – nicht im 

Vollbesitz ihrer Kräfte sein konnte und mithin nicht voll wehrhaft war. Ebenso 

denkbar ist entgegen dem Vorbringen der Verteidigung (Urk. 40 S. 35 f.; Urk. 86 

S. 42), dass der Beschuldigte vaginal in die kleinere Privatklägerin eindringen 

konnte, ohne sie hochzuheben indem er - so die Privatklägerin (Prot. I S. 30) - 

leicht in die Knie ging im Stehen. Dass sich die Privatklägerin gemäss ihren An-

gaben während des Vorfalls im Trocknungsraum nicht lautstark gegen den Be-

schuldigten zur Wehr gesetzt und um Hilfe geschrien habe, um die Nachbarschaft 

auf sich aufmerksam zu machen, kann sich – entgegen der Ansicht der Verteidi-

gung (Urk. 86 S. 34 f.) – nicht zulasten der Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen 

auswirken. Ein Normverhalten von Opfern im Rahmen von Vergewaltigungshand-

lungen existiert schlicht nicht.  

d) Stütze durch den Chatverlauf 

Der Chatverlauf zwischen der Privatklägerin und dem Mitbeschuldigten in der Zeit 

vom 24. Dezember 2016 bis 26. Dezember 2016 stellt eine klare Stütze für die 

Darstellung der Privatklägerin dar. Dabei gilt es zu beachten, dass dieser in einem 

Zeitraum erfolgte, welcher weit vor der Anzeigeerstattung durch die Privatklägerin 

anfangs August 2017 lag. Es besteht nicht der geringste Hinweis dafür, dass es 

sich um konstruierte Unterhaltungen im Hinblick auf eine geplante Anzeigeerstat-

tung handelte. Der Chatverlauf lässt sich in jeder Hinsicht mit den Aussagen der 

Privatklägerin betreffend die Vorfälle in der Nacht vom 23./24. Dezember 2016 im 

Zimmer des Beschuldigten in Einklang bringen. Die Unterhaltung beginnt damit, 

dass der Mitbeschuldigte sich bei der Privatklägerin wegen gestern entschuldigt. 

Die Privatklägerin erklärt im weiteren Chatverlauf, sie sei schockiert über das 

Vorgefallene und sie sei nicht daran interessiert, mit seinem Kollegen Sex zu ha-

-   33   - 

ben. Auch ihre Frage an den Mitbeschuldigten, ob er oft Dreier mache, was er 

verneint und erklärt, dass er es allein mache, gestern jedoch betrunken gewesen 

sei, stellt ein starkes Indiz für die Darstellung der Privatklägerin dar, wonach beide 

Beschuldigten am 23./24. Dezember 2016 versucht haben, vaginal in sie einzu-

dringen. Dass dies nicht ihrem Willen entsprach, geht aus den Äusserungen her-

vor, sie sei schockiert, habe keinen Sex mit seinem Kollegen haben wollen und 

habe keinen Sex mit seinem Kollegen gemacht. 

Die Privatklägerin klagte im Chatverlauf mehrmals über Schmerzen in der Schei-

de und erklärte gegenüber dem Mitbeschuldigten, der Beschuldigte habe sie in 

der Scheide verletzt. Die von ihr geklagten Schmerzen sind mit dem von ihr be-

schriebenen erzwungenen Geschlechtsverkehr im Trocknungsraum vereinbar. 

Da beide Beschuldigten konstant bestreiten, dass es zu sexuellen Handlungen im 

Zimmer gekommen ist und der Beschuldigte den angeklagten Vorfall im Trock-

nungsraum vollumfänglich bestreitet, ist nicht die Frage zu beantworten, ob die 

Privatklägerin keinen Sex zu dritt wollte und dies für die Beschuldigten erkennbar 

war. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 60 S. 8) spielt es vorliegend 

keine Rolle, dass die Privatklägerin vor den angeklagten Vorfällen schon Sex zu 

dritt praktiziert hat, wie dies den Chatverläufen aus der Zeit vor den angeklagten 

Vorfällen entnommen werden kann (DG180021 Urk. 20/7 S. 1) und von ihr auf 

Befragen auch bestätigt wurde (Urk. 6/3 S. 24 f.). Dasselbe gilt auch bezüglich 

der Chats mit Dritten vor den angeklagten Vorfällen, in welchen sie schrieb, dass 

sie auf Schlagen und Beissen stehe und von einem Tunesier geschlagen, miss-

handelt und vergewaltigt werden wolle (DG180021 Urk. 20/6 S. 8-12), bezüglich 

welchen sie aussagte, es habe sich bei diesen Äusserungen um Spass mit einem 

Mann gehandelt, mit dem sie über Tinder geschrieben habe, den sie aber nie ge-

sehen habe (Urk. 6/3 S. 23 f.) 

 

 

2.5. Fazit Sachverhaltserstellung 

-   34   - 

Den pauschalen Schilderungen des Beschuldigten betreffend die Geschehnisse 

am 23./24. Dezember 2016 stehen als Hauptbeweismittel die Aussagen der Pri-

vatklägerin gegenüber. Die Aussagen des Beschuldigten beschränken sich auf 

eine konstante Bestreitung der Vorwürfe. Nicht nachvollziehbar wird aufgrund sei-

ner Darstellung, weshalb die Privatklägerin so urplötzlich sein Zimmer verlassen 

haben soll, nachdem der Abend ganz normal verlaufen sein soll. Ob der Beschul-

digte die Privatklägerin zur Tür begleitete und der Mitbeschuldigte allein im Zim-

mer zurückblieb, ist von entscheidender Bedeutung im Zusammenhang mit dem 

Vorwurf der Vergewaltigung im Trocknungsraum. Genau in diesem Punkt hat der 

Beschuldigte inkonstante Aussagen gemacht und seine Darstellung derjenigen 

des Mitbeschuldigten angepasst. Auch die Aussagen der Privatklägerin sind pau-

schal ausgefallen und enthalten gewisse Ungereimtheiten, welche sich jedoch 

auflösen lassen. Eine minutiöse Schilderung und sekundengenaue Bemessung 

der Ereignisse im Trocknungsraum, wie sie von der Verteidigung gefordert wird 

(Urk. 86 S. 41 ff.), kann von der Privatklägerin sodann auch nicht verlangt werden. 

Die Aussagen des Mitbeschuldigten belasten den Beschuldigen betreffend den 

Vorfall im Trocknungsraum insofern als er aussagte, der Beschuldigte habe die 

Privatklägerin zur Tür begleitet während er alleine im Zimmer zurückgeblieben sei 

und auch bestätigte, die Privatklägerin habe ihm am folgenden Tag erzählt, dass 

der Beschuldigte mit der Hand ihre Scheide berührt habe. Von entscheidender 

Bedeutung ist jedoch, dass die Aussagen der Privatklägerin durch den Chatver-

lauf zwischen ihr und dem Mitbeschuldigten unmittelbar nach den angeklagten 

Vorfällen in einer Weise gestützt werden, welche keine rechtserheblichen Zweifel 

an der Darstellung der Privatklägerin mehr offen lassen. Der Anklagesachverhalt 

ist daher erstellt. 

III. Rechtliche Würdigung 

Der Beschuldigte hat am 23./24. Dezember 2016 zusammen mit dem Mitbeschul-

digten in wechselnder Rollenverteilung im Sinne einer Mittäterschaft gehandelt. 

Einmal hielt er die Privatklägerin an den Oberarmen fest während der Mittäter 

versuchte, mit seinem Penis vaginal in die Privatklägerin einzudringen, einmal 

versuchte er mit seinem Penis in sie einzudringen während der Mittäter die Pri-

-   35   - 

vatklägerin an den Oberarmen festhielt. Damit hat der Beschuldigte den Tatbe-

stand der mehrfachen versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 200 StGB erfüllt. 

Im Trocknungsraum hat er die Privatklägerin durch Gewaltanwendung (Festhalten 

an den Armen, Drücken gegen die Privatklägerin) zum Geschlechtsverkehr ge-

zwungen, ist gegen ihren verbal und konkludent geäusserten Willen vaginal mit 

dem Penis in sie eingedrungen. Damit hat er den Tatbestand der Vergewaltigung 

im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB erfüllt. 

Der Beschuldigte ist daher schuldig zu sprechen der mehrfachen, teilweise ver-

suchten, Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 200 StGB. 

IV. Strafzumessung 

1. Allgemeines 

Vorliegend sind drei Vergewaltigungsvorwürfe zu beurteilen, davon eine vollende-

te und zwei versuchte Taten. Gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB ist bei der Strafzu-

messung von der schwersten Tat auszugehen, vorliegend der vollendeten Ver-

gewaltigung. Die dafür auszufällende Strafe ist für die weiteren Taten mittels As-

peration angemessen zu erhöhen. 

Der Strafrahmen für Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist Frei-

heitsstrafe von 1 bis 10 Jahre. Die Sanktionen für alle Delikte sind innerhalb die-

ses Strafrahmens festzulegen. Der Strafmilderungsgrund des Versuchs (Art. 22 

Abs. 1 StGB) und der Strafschärfungsgrund der Begehung in Mittäterschaft 

(Art. 200 StGB) können innerhalb des Strafrahmens strafmindernd bzw. strafer-

höhend berücksichtigt werden, es bedarf keiner Erweiterung des Strafrahmens. 

Innerhalb des Strafrahmens bemisst sich die Strafe nach dem Verschulden des 

Täters, dessen Vorleben und persönliche Verhältnisse und der Wirkung der Strafe 

auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Die Bewertung des Verschuldens 

erfolgt nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

-   36   - 

Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zie-

len des Täters sowie danach, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 

Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden 

(Art. 47 Abs. 2 StGB). 

2. Tatschwere 

2.1. Vollendete Vergewaltigung 

In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass die Tat für sich allein betrachtet nur 

kurz dauerte, die Privatklägerin sprach von 8 Minuten, davon 2 Minuten Penetra-

tion (Urk. 6/3 S. 17). Die Gewaltanwendung erschöpfte sich im Festhalten an den 

Armen und dem Drücken mit dem Köper gegen die Privatklägerin. Sie ist somit im 

unteren Bereich anzusiedeln. Deutlich erschwerend fällt jedoch ins Gewicht, dass 

das Opfer durch die vorgängigen Vergewaltigungsversuche geschwächt war und 

vom Beschuldigten auf der Flucht nach der ersten Tat eingeholt wurde. Die Pri-

vatklägerin erlitt neben den psychischen Folgen der Tat Schmerzen in der Schei-

de, welche mehrere Tag andauerten. 

In subjektiver Hinsicht liegt direkter Vorsatz vor. Nach dem ersten gescheiterten 

Versuch im Zimmer liess der Beschuldigte nicht von der Privatklägerin ab und ver-

folgte sein Vorhaben mit Nachdruck weiter, was auf erhebliche kriminelle Energie 

hindeutet, zumal zwischen dem Versuch und dem zweiten Angriff eine gewisse 

Zeit verstrich, in welcher die Privatklägerin im Bad war, sich dann anzog und weg-

rannte.  

Insgesamt wiegt das Verschulden innerhalb des weiten Strafrahmens nicht mehr 

leicht und erscheint eine Einsatzstrafe im Bereich von 24 Monaten als angemes-

sen. 

 

 

2.2. Vergewaltigungsversuche 

-   37   - 

In objektiver Hinsicht fällt erschwerend ins Gewicht, dass die Delikte in Mittäter-

schaft begangen wurden. Die beiden Beschuldigten waren der Privatklägerin 

schon je einzeln körperlich überlegen. Ihre Gewaltanwendung erschöpfte sich je-

doch im gemeinsamen Festhalten der Privatklägerin an Armen und Beinen. Dass 

die Tat im Versuchsstadium blieb, deutet darauf hin, dass die Beschuldigten nicht 

bereit waren, massivere Gewalt anzuwenden. Die Privatklägerin schilderte denn 

auch, dass sie gesagt habe, sie wolle das nicht und habe sich gegen das Festhal-

ten gewehrt, die beiden Täter hätten dann von ihr abgelassen als sie merkten, 

dass sie wirklich nicht wollte und sich auf das Sofa gesetzt (Urk. 6/1 S. 18). Die 

mehrfache Tatbegehung wirkt sich straferhöhend aus. Insgesamt dauerte die Tat 

gemäss Schätzung der Privatklägerin 20 Minuten (Urk. 6/3 S. 9) und somit eher 

kurze Zeit. Die straferhöhenden Faktoren der Begehung in Mittäterschaft (Art. 200 

StGB) und die mehrfache Tatbegehung werden teilweise aufgewogen durch den 

strafmindernden Faktor des Versuchs (Art. 22 Abs. 1 StGB). Da sich die Privat-

klägerin erfolgreich gegen die beiden Beschuldigten zur Wehr setzen konnte, hielt 

sich die bei ihr verursachte Traumatisierung in Grenzen, was sich darin zeigt, 

dass sie beiden Beschuldigten verziehen hat und trotz dem Vorgefallenen eine 

Beziehung zum Beschuldigten aufbauen wollte. 

In subjektiver Hinsicht liegt direkter Vorsatz vor. Zugunsten des Beschuldigten ist 

von einer gewisse Enthemmung infolge Konsums von Alkohol und Marihuana 

auszugehen.  

Insgesamt ist das Tatverschulden noch als leicht zu bewerten und erscheint bei 

separater Betrachtung eine Strafe im Bereich von 16 Monaten dem Verschulden 

angemessen. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips ist eine Erhöhung 

der Einsatzstrafe für die vollendete Vergewaltigung um 12 Monate angemessen. 

2.3. Zwischenfazit Tatschwere 

Der Tatschwere angemessen erscheint insgesamt eine Freiheitsstrafe von 36 

Monaten.  

2.4. Täterkomponente 

-   38   - 

Der Beschuldigte ist in Afghanistan geboren und aufgewachsen. Aufgrund des 

dort herrschenden Krieges kam er im Jahre 2009, also mit etwa 16 Jahren, in die 

Schweiz. Hier hat er einen Deutschkurs absolviert. Eine Ausbildung als Automo-

bilassistent wurde nach einem Jahr abgebrochen. Er verfügt über keine Berufs-

ausbildung (Urk. 5/1 S. 4; Prot. I S. 77; Prot. II S. 16 und 20 f.). Seine Eltern und 

Geschwister leben in … [Stadt] in Afghanistan. Er unterhält noch Kontakt mit sei-

ner Mutter und seinen Geschwistern (Prot. II S. 17 und 20). Der Beschuldigte hat 

keine Kinder (Prot. II S. 22). Jedoch hat er in der Schweiz eine Freundin, welche 

er im Februar 2016 kennenlernte und mit der er seit Mai 2017 eine Beziehung 

führt und inzwischen auch verlobt ist (Prot. I S. 77 f.; Prot. II S. 19 f.). Sie unter-

stützt ihn teilweise auch finanziell (Urk. 5/6 S. 7). Vor der Verhaftung arbeitete er 

während zwei bis drei Monaten bei G._____ als Lieferant und erzielte ein monatli-

ches Einkommen von Fr. 3'000.-- bis Fr. 3'500.-- (Urk. 5/6 S. 7; Prot. I S. 77; Prot. 

II S. 16). Davor übte er über das Sozialamt vermittelte Tätigkeiten aus (H._____ 

I._____ [Ortschaft]). Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft wollte er 

seine Arbeit bei G._____ wieder aufnehmen, was ihm aber verwehrt wurde. Da-

nach arbeitete er bei der Transportfirma "J._____ GmbH" auf Stundenlohnbasis. 

Der von ihm dort erzielte Verdienst reichte jedoch nicht zur Deckung seiner Le-

benskosten, weshalb er diese Anstellung kündigte und eine neue Anstellung bei 

der K._____ im Paketbotendienst fand, wo er Fr. 4'200.-- netto pro Monat verdien-

te. Mit der Corona-Pandemie verlor er diese Stelle im März 2020. In der Folge 

kaufte er sich von seinem Ersparten einen alten Occasions-Lieferwagen mit An-

hänger, wobei seine Freundin ihn dabei ebenfalls finanziell unterstützte, und 

gründete eine Einzelfirma (B._____ Transporte). Seit etwa 3 oder 4 Monaten ist er 

mit seiner Firma selbständig erwerbstätig und kann sich aktuell einen Monatslohn 

von etwa Fr. 2'000.-- ausbezahlen (Prot. II S. 17 ff., 22 ff.). Sein Mietkostenanteil 

für die von ihm und seiner Freundin bewohnten Wohnung beträgt Fr. 750.-- pro 

Monat (Prot. II S. 19). Seine Krankenkassenprämie schlägt mit Fr. 350.-- bis 

Fr. 400.-- zu Buche (Prot. II S. 20). Seine Schulden, welche er mit monatlichen 

Ratenzahlungen zwischen Fr. 50.-- und Fr. 100.-- abbezahlt, betragen aktuell zwi-

schen Fr. 8'000.-- und Fr. 10'000.-- (Prot. II S. 21). Seinen persönlichen Verhält-

nissen sind keine für die Strafzumessung relevanten Faktoren zu entnehmen. 

-   39   - 

Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe auf (Urk. 84). Mit Strafbefehl der Staatsan-

waltschaft Zürich-Limmat vom 10. Mai 2013 wurde er des Raubes schuldig ge-

sprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen bestraft und 

einer Busse von Fr. 1'000.--. Die Probezeit für die Geldstrafe wurde auf 2 Jahre 

festgesetzt. Diese Vorstrafe ist nicht einschlägig und lag bereits im Zeitpunkt der 

heute zu beurteilenden Taten längere Zeit zurück. Sie wirkt sich nur leicht strafer-

höhend aus. 

Der Beschuldigte ist nicht geständig, was sich strafzumessungsneutral auswirkt. 

Zugunsten des Beschuldigten ist die mehrfache Verschiebung der Berufungsver-

handlung zu berücksichtigen, welche der Corona-Pandemie (Verschiebung des 

Verhandlungstermins vom 24. März 2020 auf den 20. Oktober 2020) sowie einem 

Verschiebungsgesuch der Staatsanwaltschaft (Verschiebung des Verhandlungs-

termins vom 20. Oktober 2020 auf den 27. Januar 2021) geschuldet war (vgl. 

Urk. 73, 75, 78 und 80). Die lange Dauer des Berufungsverfahrens und die damit 

verbundene Belastung des Beschuldigten ist leicht strafmindernd zu berücksichti-

gen. 

Insgesamt führt die Täterkomponente aufgrund der leicht strafmindernd zu be-

rücksichtigenden langen Verfahrensdauer zu einer Reduktion der hypothetischen 

Einsatzstrafe um 4 Monate auf 32 Monate.  

2.5. Fazit 

Zusammenfassend erscheint unter Berücksichtigung sämtlicher massgeblicher 

Strafzumessungsfaktoren die Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheits-

strafe von 32 Monaten für die mehrfache, teilweise versuchte, Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

und Art. 200 StGB dem Verschulden des Beschuldigten als angemessen. 

Einer Anrechnung der vom Beschuldigten durch Untersuchungshaft und vorzeiti-

gen Strafvollzug erstandenen 295 Tage (Untersuchungshaft vom 25. Oktober 

2017 bis zum 15. Februar 2018, vorzeitiger Strafvollzug vom 15. Februar 2018 bis 

-   40   - 

zum 15. August 2018; Urk. 16/2 S. 1, Urk. 16/34 und Urk. 46) steht nichts entge-

gen (Art. 51 StGB). 

V. Vollzug 

Aufgrund der auszufällenden Freiheitsstrafe von 32 Monaten ist die Gewährung 

eines teilbedingten Strafvollzugs gestützt auf Art. 43 Abs. 1 StGB möglich. Zu prü-

fen bleibt, ob dem Beschuldigten eine hinreichend günstige Prognose für die Ge-

währung eines teilbedingten Strafvollzugs gestellt werden kann. Der Beschuldig-

ter ist nicht einschlägig vorbestraft. Seine Vorstrafe aus dem Jahre 2013 liegt be-

reits lange Zeit zurück. Seit der Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug am 

15. August 2018 wurde der Beschuldigte sodann nicht mehr straffällig (Urk. 84) 

und begann zudem mit dem Aufbau einer selbständigen beruflichen Existenz im 

Transportbereich (vorstehend, Erw. IV.2.4.). Er verbrachte 295 Tage in Haft und 

vorzeitigem Strafvollzug. Die lange Dauer der Inhaftierung dürfte bleibenden Ein-

druck bei ihm hinterlassen haben. Unter diesen Umständen kann ihm noch eine 

günstige Prognose für die Gewährung des teilbedingten Strafvollzugs gestellt 

werden. Da sein Verschulden insgesamt eher noch leicht wiegt (vorstehend, 

Erw. IV.2.1. f.) und die Festlegung eines grösseren zu vollziehenden Strafanteils 

die sich anbahnende Stabilisierung seiner persönlichen Verhältnisse, mithin seine 

Resozialisierung gefährden würde, ist der vollziehbare Teil der auszufällenden 

Freiheitsstrafe auf 10 Monate festzusetzen. Im Übrigen Umfang von 22 Monaten 

ist die Freiheitsstrafe aufzuschieben. Da der Beschuldigte nicht Ersttäter ist, ist 

die Probezeit für den aufzuschiebenden Teil der Strafe von 22 Monaten auf 3 Jah-

re festzulegen. 

 

 

 

VI. Landesverweisung 

1. Katalogtat 

-   41   - 

Der Beschuldigte wird wegen mehrfacher, teilweise versuchter Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 StGB verurteilt. Dieses Delikt stellt eine Katalogtat für eine ob-

ligatorische Landesverweisung im Sinne von Art. 66a lit. h StGB dar. 

2. Härtefallklausel 

Gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB kann das Gericht ausnahmsweise von einer Lan-

desverweisung absehen, wenn dies für den Ausländer einen schweren persönli-

chen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesver-

weisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der 

Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern 

Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind. 

Wann ein persönlicher Härtefall vorliegt, wird vom Gesetz nicht definiert, auch die 

bei der Interessenabwägung zu berücksichtigenden Kriterien werden nicht er-

wähnt. Der Entscheid wird in das Ermessen des Gerichtes gelegt, welches den 

Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu beachten hat. Gemäss den Feststellungen des 

Bundesgerichtes ist der Botschaft keine Definition der Härtefallklausel zu entneh-

men und ergeben sich aus den parlamentarischen Debatten keine nützlichen Aus-

legungselemente. Jedoch geht daraus hervor, dass der Gesetzgeber die Aus-

nahmeklausel restriktiv regeln und das richterliche Ermessen soweit als möglich 

reduzieren wollte (BGE 144 IV 332 E. 3.3.1.). Gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung kann die Beurteilung eines Härtefalls kriteriengeleitet nach der Be-

stimmung über den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" gemäss Art. 31 

Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 

24. Oktober 2007 vorgenommen werden (BGer 6B_659/2018 Urteil vom 20. Sep-

tember 2018 E. 3.3.3.). Diese Kriterien sind insbesondere Integration in der 

Schweiz, Familienverhältnisse, finanzielle Verhältnisse, Dauer der Anwesenheit in 

der Schweiz, Gesundheitszustand, Resozialisierungschancen im Heimatland, 

medizinische Versorgung, familiäre Bindung in der Schweiz. 

Ein Absehen von der Landesverweisung gestützt auf Art. 66a Abs. 2 StGB setzt 

kumulativ das Vorliegen eines persönlichen Härtefalls und das Fehlen eines 

-   42   - 

überwiegenden öffentlichen Interesses an der Landesverweisung voraus (BGer 

6B_659/2018 Urteil vom 20. September 2018 E.3.3.). 

Der Beschuldigte ist in Afghanistan geboren und aufgewachsen. Aufgrund des 

dort herrschenden Krieges ist er im Jahre 2009 als Jugendlicher im Alter von etwa 

16 Jahren in die Schweiz gekommen und hat hier prägende Jahre verbracht. Sei-

ne Anwesenheitsdauer von über 10 Jahren ist relativ lang. Es ist ihm nicht gelun-

gen, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Vor seiner Verhaftung arbeitete er 

während zwei bis drei Monaten bei G._____ als Lieferant und erzielte ein monatli-

ches Einkommen von Fr. 3'000.-- bis Fr. 3'500.-- (Urk. 5/6 S. 7; Prot. I S. 77; Prot. 

II S. 16). Davor übte er über das Sozialamt vermittelte Tätigkeiten aus (H._____ 

I._____). Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft arbeitete er zuerst 

bei der Transportfirma "J._____ GmbH" und danach bei der K._____ im Paketbo-

tendienst, wo er Fr. 4'200.-- netto pro Monat verdiente. Nach dem Verlust dieser 

Arbeitsstelle zufolge der Corona-Pandemie gründete er eine Transportfirma, mit 

welcher er nun seit etwa 3 oder 4 Monaten selbständig erwerbstätig ist und sich 

so einen Monatslohn von etwa Fr. 2'000.-- ausbezahlen kann (Prot. II S. 17 ff., 22 

ff.). Seine Schulden im Umfang von etwa Fr. 8'000.-- bis Fr. 10'000.-- zahlt er ak-

tuell in Raten zwischen Fr. 50.-- und Fr. 100.-- ab (Prot. II S. 21). In persönlicher 

Hinsicht führt der Beschuldigte seit Februar 2016 eine Beziehung, wobei er mit 

seiner Freundin inzwischen verlobt ist (Prot. I S. 77 f.; Prot. II S. 19 f.). Auch wenn 

der Beschuldigte einige Bemühungen vorweisen kann, im hiesigen Arbeitsmarkt 

Fuss zu fassen und sich seit mehreren Jahren in einer Beziehung mit seiner 

Freundin befindet, haben seine Integration und Verwurzelung in der Schweiz nicht 

ein Ausmass erreicht, welches für sich allein einen persönlichen Härtefall zu be-

gründen vermag. Zu berücksichtigen sind jedoch auch die Resozialisierungs-

chancen des Beschuldigten in seinem Heimatland. Diese sind angesichts der La-

ge in Afghanistan sehr schlecht. Gemäss aktuellen Einschätzungen des EDA 

(Stand 15.01.21) ist die Sicherheit nicht gewährleistet, besteht das Risiko von 

schweren Gefechten, Raketeneinschlägen, Minen, Terroranschlägen, Entführun-

gen und gewalttätigen kriminellen Angriffen. Ausserdem bekämpfen sich in ver-

schiedenen Landesteilen die afghanischen Sicherheitskräfte Verbände der Tali-

ban und andere bewaffnete Gruppierungen. Die Kämpfe fordern zahlreiche Opfer. 

-   43   - 

Laut der Uno-Mission in Afghanistan sind im Jahr 2018 3803 Zivilisten getötet und 

7189 verletzt worden. Angesichts der langandauernden Krisensituation ist in ab-

sehbarer Zeit auch keine Veränderung der Lage zu erwarten. Unter diesen Um-

ständen würde eine Landesverweisung einen schweren persönlichen Härtefall für 

den Beschuldigten darstellen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Möglich-

keit eines Aufschubs des Vollzugs der Landesverweisung durch die zuständige 

Behörde gestützt auf Art. 66d StGB, weil eben eine Verbesserung der Situation in 

Afghanistan nicht absehbar ist. Für den Beschuldigten würde dies bedeuten, dass 

er, wenn eine Landesverweisung ausgesprochen würde, auf unabsehbare Zeit in 

der Schweiz bleiben würde immer mit dem Damoklesschwert eines Vollzuges der 

Landesverweisung in der Schwebe, was unter dem Aspekt der Resozialisierung 

kontraproduktiv wäre. Vor diesem Hintergrund ist zusammen mit der langen Zeit 

seines Aufenthaltes in der Schweiz ein schwerer persönlicher Härtefall zu beja-

hen. 

Der Beschuldigte hat eine Vorstrafe betreffend Raub und wird wegen mehrfacher 

Vergewaltigung verurteilt, was auf erhöhte Gewaltbereitschaft hinweist und ein 

erhebliches öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung begründet. Auf der ande-

ren Seite konnte dem Beschuldigten die für eine Gewährung des teilbedingten 

Strafvollzugs notwendige günstige Prognose gestellt werden und ist davon aus-

zugehen, dass er durch die erstandene Haft und den noch zu vollziehenden Rest 

der Strafe hinreichend gewarnt ist, so dass die Gefahr für die öffentliche Sicher-

heit erheblich reduziert ist. Die Anordnung einer Landesverweisung würde sich 

unter den gegebenen Umständen bei eindeutig überwiegendem Interesse des 

Beschuldigten an einem Absehen von ein Landesverweisung als unverhältnis-

mässig erweisen. Es ist daher von der Anordnung einer Landesverweisung abzu-

sehen. 

VI. Genugtuung 

Da der Beschuldigte schuldig gesprochen wird und die erstandene Haft von 295 

Tagen auf die auszufällende Freiheitsstrafe angerechnet wird, besteht kein An-

spruch auf Zusprechung einer Genugtuung. 

-   44   - 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

Der Beschuldigte unterliegt mit Ausnahme der Landesverweisung mit seinem 

Standpunkt vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft dringt mit ihren Berufungsan-

trägen dagegen fast vollumfänglich durch. Ausgangsgemäss sind die Kosten der 

Untersuchung und der Gerichtsverfahren beider Instanzen, mit Ausnahme der 

Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der 

Privatklägerin, dem Beschuldigten daher zu zwei Dritteln aufzuerlegen und zu ei-

nem Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO und Art. 428 

Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Betreffend die Kosten der amtlichen Verteidigung bleibt die Rückforderung ge-

genüber dem Beschuldigten im Umfang von zwei Dritteln vorbehalten. In Bezug 

auf die Kosten für die unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin ist dagegen zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte der zum Nachteil der Privatklägerin be-

gangenen mehrfachen, teilweise versuchten, Vergewaltigung vollumfänglich 

schuldig gesprochen wird. Dementsprechend ist ihm gegenüber die Rückzah-

lungspflicht betreffend die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Pri-

vatklägerin in vollem Umfang vorzubehalten (Art. 138 Abs. 1 StPO). 

Die amtliche Verteidigung macht für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren 

Fr. 6'025.05 (inkl. Auslagen und MWST) geltend, wobei darin der Aufwand für die 

Berufungsverhandlung von knapp 10 Stunden (vgl. Prot. II S. 3 und 56) noch nicht 

enthalten ist (vgl. Urk. 81). Nach entsprechender Anpassung ihrer Honorarnote ist 

sie für das Berufungsverfahren mit Fr. 8'400.-- (inkl. Auslagen und MWST) aus 

der Gerichtskasse zu entschädigen. 

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin für das Vorverfahren 

und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren in den beiden Strafverfahren 

SB180500 und SB180499 belaufen sich auf insgesamt Fr. 14'300.--. Die Hälfte 

dieser Kosten entfällt jeweils auf die dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldig-

ten als Allein- sowie als Mittäter vorgeworfenen Delikte. Dementsprechend sind 

die Kosten für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Vorverfahren 

-   45   - 

und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren in Bezug auf den Beschuldigten mit 

Fr. 7'150.-- festzusetzen. Für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren sowie im 

Parallelverfahren SB180500 macht die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Pri-

vatklägerin ein Honorar von gerundet Fr. 1'000.-- (inkl. Auslagen und MWST) gel-

tend (Urk. 83). Dieses erweist sich als angemessen und ist hälftig auf die beiden 

Berufungsverfahren aufzuteilen. Dementsprechend ist die unentgeltliche Rechts-

vertretung der Privatklägerin für ihren Aufwand im vorliegenden Berufungsverfah-

ren mit Fr. 500.– (inkl. Auslagen und MWST) aus der Gerichtskasse zu entschä-

digen. 

  

-   46   - 

Es wird beschlossen: 

1. Vom Rückzug der Berufung der Privatklägerin wird Vormerk genommen. 

2. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 15. 

August 2018 bezüglich der Dispositivziffern 2 (Zivilforderungen der Privat-

klägerin), 3 teilweise (Kostenfestsetzung) und 6 (Prozessentschädigung Pri-

vatklägerin) in Rechtskraft erwachsen ist. 

3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig der mehrfachen, teilweise versuchten, 

Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 200 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 32 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 295 

Tage durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 22 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate abzü-

glich 295 Tage erstandene Haft und vorzeitigen Strafvollzug) wird die Frei-

heitsstrafe vollzogen. 

4. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen. 

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 8'400.–   amtliche Verteidigung, 

Fr. 500.–   unentgeltliche Rechtsvertretung Privatklägerin. 

6. Die Kosten des Vorverfahrens und des Gerichtsverfahrens in beiden Instan-

zen, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten 

zu zwei Dritteln auferlegt und zu einem Drittel auf die Gerichtskasse ge-

-   47   - 

nommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genom-

men. Die Rückzahlungspflicht bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO resp. 

Art. 138 Abs. 1 StPO betreffend die Kosten der amtlichen Verteidigung im 

Umfang von zwei Dritteln, betreffend die Kosten der unentgeltlichen Rechts-

vertretung der Privatklägerin in vollem Umfang vorbehalten. 

7. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten; 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland; 
− die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin im Doppel für 

sich und zuhanden der Privatklägerin; 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten; 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland; 
− die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin im Doppel für 

sich und zuhanden der Privatklägerin; 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz; 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste; 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich; 
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung des DNA-Profils; 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A. 

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

-   48   - 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 28. Januar 2021 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Stiefel 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. Samokec 
 

 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 
 

	Urteil vom 28. Januar 2021
	 Anklage:
	Urteil und Beschluss der Vorinstanz: (Urk. 60 S. 27 f.)
	Es wird beschlossen:
	1. Der Beweisantrag des Beschuldigten (Auswertung Chatverkehr im Mobiltelefon der Privatklägerin) wird als gegenstandslos abgeschrieben.
	2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung gemäss nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte ist der angeklagten Straftaten nicht schuldig und wird vollumfänglich freigesprochen.
	2. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
	3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
	4. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, werden auf die Gerichtskasse genommen.
	5. Dem Beschuldigten wird für die unrechtmässig erlittene Haft Schadenersatz von Fr. 20'000.– (ohne Zins) und eine Genugtuung von Fr. 35'000.–, zuzüglich 5% Zins ab dem 25. Oktober 2017, aus der Gerichtskasse zugesprochen. Die weitergehenden Schadener...
	6. Der Privatklägerin wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
	Berufungsanträge:
	Erwägungen:
	Es wird beschlossen:
	1. Vom Rückzug der Berufung der Privatklägerin wird Vormerk genommen.
	2. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 15. August 2018 bezüglich der Dispositivziffern 2 (Zivilforderungen der Privatklägerin), 3 teilweise (Kostenfestsetzung) und 6 (Prozessentschädigung Privatklägerin) in Rechtskraf...
	3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig der mehrfachen, teilweise versuchten, Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 200 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 32 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 295 Tage durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind.
	3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 22 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate abzüglich 295 Tage erstandene Haft und vorzeitigen Strafvollzug) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
	4. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.
	5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. Die Kosten des Vorverfahrens und des Gerichtsverfahrens in beiden Instanzen, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten zu zwei Dritteln auferlegt und z...
	7. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten;
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland;
	 die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin;
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten;
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland;
	 die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin;
	 die Vorinstanz;
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste;
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich;
	 die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung des DNA-Profils;
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A.

	8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Zur Beachtung:
	- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.