# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d16d198b-c9b8-5a4f-955b-e79c3cfe95ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.03.2015 E-3976/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3976-2014_2015-03-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3976/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  M ä r z  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richterin Esther Karpathakis (Vorsitz), 

Richter Bendicht Tellenbach,  

Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 28. Februar 2014 / N (…). 

 

 

 

E-3976/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit undatierter englischsprachiger Eingabe an die Schweizerische Bot-

schaft in Khartum (Eingang dort: 10. Oktober 2011; nachgehend: die Bot-

schaft) suchte der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger Eritreas, sinn-

gemäss um Einreise in die Schweiz und Gewährung von Asyl für sich und 

(…) nach. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, sie seien im 

Heimatstaat Eritrea aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur (…) verfolgt, deshalb 

in den Sudan geflohen und hätten dort eine Rückschaffung in den Heimat-

staat zu befürchten. Ferner könnten sie sich im Sudan nicht frei bewegen. 

B.   

Das SEM teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 19. Septem-

ber 2013 mit, dass gemäss Mitteilung der Schweizer Botschaft in Khartum 

vom 23. März 2010 eine Befragung vor Ort aus sicherheitstechnischen, 

strukturellen und organisatorischen Gründen nicht möglich sei, weshalb 

von einer solchen abgesehen werde, was der Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts entspreche (BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). 

Gleichzeitig wurde ihm mittels detailliertem Fragenkatalog Frist gesetzt, 

nähere Angaben zu seiner Person, seiner Situation in Eritrea und im Sudan 

sowie zu weiteren Gründen für sein Asylgesuch zu machen sowie zu einem 

allfällig negativen Asylentscheid des SEM Stellung zu nehmen.  

In Bezug auf (…), teilte es ihm mit, mangels einer (…) zurechenbaren Wil-

lensäusserung liege kein zulässig gestelltes Asylgesuch vor und wies ihn 

daraufhin, dass dieser Mangel dadurch geheilt werden könne, dass (…) 

eine persönliche Stellungnahme verfasse und unterzeichne, was allerdings 

vor Ergehen eines erstinstanzlichen Asylentscheides zu geschehen hätte. 

C.  

Mit Schreiben vom 26. Januar 2014 nahm der Beschwerdeführer Stellung 

zum Fragenkatalog des BFM. 

Er legte im Wesentlichen dar, er sei aufgrund (…) (…) zusammen mit (…) 

von der eritreischen Regierung für über ein Jahr inhaftiert worden. Wäh-

rend der Haft seien sie geschlagen und gefoltert worden. Nach einem Spi-

talaufenthalt sei ihnen die Flucht gelungen und sie seien im (…) in den 

Sudan gelangt. Dort hätten sie sich beim Büro des UNHCR registriert und 

seien einem Flüchtlingscamp zugewiesen worden. Dieses habe der Be-

schwerdeführer im (…) verlassen aus Angst, vom eritreischen Geheim-

dienst entführt zu werden. Seither lebe er in (...), zusammen mit Freunden 

E-3976/2014 

Seite 3 

und arbeite als (…). Er lebe aber auch dort in der stetigen Angst, von erit-

reischen Behördenmitgliedern gekidnappt und zurück nach Eritrea ge-

bracht zu werden. Die heimatlichen Behörden suchten ihn und (...), weil sie 

aus dem Gefängnis geflohen seien, aber auch, weil er im Sudan junge 

Landsleute gegen das eritreische Regime aufbringe. Er habe von der Su-

che über einen Freund erfahren, dessen Bekannter für die eritreische Bot-

schaft in (...) arbeite. Am (…), als er mit (…) in (...) unterwegs gewesen sei, 

hätten sie eritreische Behörden gesehen, die eine Person entführt hätten; 

(...) habe sich nach diesem Ereignis, zusammen mit (…) Freundin, zur Wei-

terreise nach Libyen entschieden. Am (…) sei (…) dort inhaftiert worden 

und seither habe er nichts mehr von (…) gehört. (…) Freundin sei am (…) 

zusammen mit ihrem Kind in (…) gestorben, von (…) fehle jede Spur. 

In persönlicher Hinsicht gab der Beschwerdeführer an, (…) im Sudan ein 

Universitätsstudium als (…) abgeschlossen zu haben. Gelegentlich sei es 

ihm möglich als (…) zu arbeiten, wobei er immer befürchten müsse, ent-

führt zu werden.  

Der Beschwerdeführer legte seinem Schreiben (…) in Kopie bei.  

D.  

Mit Verfügung vom 28. Februar 2014 – eröffnet am 11. Juni 2014 – verwei-

gerte das SEM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und 

lehnte sein Asylgesuch ab.  

Zur Begründung führte es aus, die Schilderungen des Beschwerdeführers 

liessen darauf schliessen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Eritrea 

aufgrund seines (…) und seiner Inhaftierung ernsthafte Schwierigkeiten 

haben könnte.  

Es sei allerdings noch zu prüfen, ob es ihm zumutbar sei, einen anderen 

Staat um Aufnahme zu ersuchen, was einer Asylgewährung durch die 

Schweiz entgegenstehen würde. Der Beschwerdeführer halte sich im Su-

dan auf, wo zwar die Lage der eritreischen Flüchtlinge und Asylbewerber 

nicht einfach sei. Flüchtlinge im Sudan, die vom UNCHR registriert worden 

seien, verfügten jedoch nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze 

Land, sondern würden einem Flüchtlingslager zugeteilt, wo sie sich aufzu-

halten hätten und die nötige Versorgung erhielten. Es sei dem Beschwer-

deführer zuzumuten, beim UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte seine 

Situation tatsächlich kritisch sein. Die Befürchtungen des Beschwerdefüh-

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Seite 4 

rers, nach Eritrea ausgeschafft zu werden, seien sodann als gering zu er-

achten, zumal er in dieser Hinsicht kein besonderes Risikoprofil aufweise. 

Der Beschwerdeführer lebe nun bereits seit fast (…) Jahren im Sudan. Zu-

dem habe er dort einen Universitätsabschluss gemacht. Die Hürden für 

eine zumutbare Existenz in (...) seien vorliegend nicht unüberwindbar, auch 

wenn sich die wirtschaftliche Situation als schwierig erweise. Darüber hin-

aus lebe im Sudan eine grosse eritreische Diaspora, die für in Not geratene 

Landsleute bereitstehe und weitgehende Unterstützung biete.  

Da weder nahe Verwandte oder Bezugspersonen des Beschwerdeführers 

in der Schweiz lebten und auch sonst in den Akten keine Hinweise auf all-

fällige Anknüpfungspunkte zur Schweiz ersichtlich seien, sei keine beson-

dere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben. Danach benötige der Be-

schwerdeführer den zusätzlichen Schutz der Schweiz nicht, vielmehr sei 

es ihm zuzumuten, im Sudan zu verbleiben. 

E.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit undatierter, eng-

lischsprachiger Eingabe (Eingang auf der Botschaft: 2. Juli 2014) Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss de-

ren Aufhebung und die Bewilligung der Einreise in die Schweiz. 

Er begründete seine Eingabe im Wesentlichen damit, dass seine wirt-

schaftliche Situation es ihm nicht erlaube, sich weiterhin in (...) aufzuhalten. 

Dank eines Stipendiums des UNHCR sei es ihm möglich gewesen an der 

Universität (…) zu studieren. Er lebe weit entfernt von seinen Eltern in (...), 

damit er nicht vom eritreischen Sicherheitsdienst gekidnappt werde. Er 

habe schon mehrmals versucht nach Libyen auszureisen, aber seine wirt-

schaftliche Situation lasse das nicht zu. Er befürchte auch, dass (...) ge-

storben sei. Darüber hinaus seien er und (…) Arbeitskollegen am (…) vom 

sudanesischen Sicherheitsdienst für (…) Monat inhaftiert worden, ohne ein 

Verfahren erhalten zu haben. Schliesslich habe er im (…) eine Ausländer-

karte erhalten, die aber nur für (…) gültig sein. Danach, so fürchte er, werde 

er ausgeschafft. Er habe das UNHCR bereits informiert, dieses habe ihm 

aber nicht weiterhelfen können. 

Zur Untermauerung seines Vorbringens reichte der Beschwerdeführer eine 

Kopie eines Ausweises vom (…) ein.  

F.  

E-3976/2014 

Seite 5 

F.a Mit Zwischenverfügung vom 5. August 2014 lud die zuständige Instruk-

tionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts (nachgehend: Instruktions-

richterin) die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde und den bei-

gelegten Beweismitteln ein.  

F.b Mit Vernehmlassung vom 18. August 2014 führte das SEM aus, dass 

Flüchtlinge im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht verfügten, son-

dern sie sich in dem ihnen zugeteilten Flüchtlingscamp aufzuhalten hätten. 

Dennoch hielten sich viele Flüchtlinge illegal in (...) auf. Die sudanesischen 

Sicherheitskräfte würden diesbezüglich regelmässig Kontrollen durchfüh-

ren, wobei es aufgrund eines illegalen Aufenthaltsstatus zu Inhaftierungen 

kommen könne. Die vom Beschwerdeführer eingereichte Karte sei eine 

Identitätskarte für irreguläre Migranten. Dieser Ausweis definiere keinen 

Aufenthaltsstatus, sondern fordere den Inhaber auf, seinen Status inner-

halb von sechs Monaten zu regularisieren. Es sei dem Beschwerdeführer 

zuzumuten, sich ins Flüchtlingslager zu begeben, um dieser Aufforderung 

nachzukommen.  

F.c Mit Zwischenverfügung vom 20. August 2014 gab die Instruktionsrich-

terin dem Beschwerdeführer Gelegenheit zur Replik.  

Mit undatierter Replik (Eingang bei der Botschaft: 14. September 2014) 

führte der Beschwerdeführer aus, es bestehe weiterhin die Gefahr einer 

Deportation nach Eritrea. So seien er und (…) weitere Personen erneut 

von den sudanesischen Sicherheitskräften kontrolliert worden. Daraufhin 

sei ihm von den Sicherheitskräften die ID-Karte abgenommen worden und 

am nächsten Tag sei er vor Gericht gebracht worden. Da er seine ID-Karte 

nicht habe vorweisen können, sei er zur Zahlung einer Geldsumme verur-

teilt worden. Sodann verfüge das Urteil die Deportation in sein Heimatland. 

Nachdem er einen Tag in Haft genommen worden sei, hätten seine 

Freunde den Behördenmitgliedern eine Kopie seiner ID zeigen können, so 

dass er schliesslich freigelassen worden sei. Sein Aufenthalt werde jedoch 

nur bis zum Ablauf seines Ausländerausweises im (…) geduldet. 

Als Beweismittel legte er nebst der bereits eingereichten Kopie seines (…), 

zwei Dokumente in Kopie und in fremder (arabischer) Sprache ein. Diese 

wurden seitens des Gerichts von Amtes wegen übersetzt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

E-3976/2014 

Seite 6 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behör-

den nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal-

tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 

173.110]). 

1.2 Die Beschwerde wurde in englischer Sprache und somit nicht in einer 

Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Be-

schwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung konnte 

indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss verzichtet 

werden, zumal der Eingabe des Beschwerdeführers genügend klare, sinn-

gemässe Rechtsbegehren sowie deren Begründung zu entnehmen sind 

und ohne Weiteres darüber befunden werden kann.  

1.3 Die Beschwerde ist frist- und in der Form akzeptiert eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist nach dem Gesagten einzutreten. 

1.4 Was das für (...) eingereichte Asylgesuch betrifft, ist das SEM verfah-

rensrechtlich richtig vorgegangen, indem es den Beschwerdeführer mit 

Schreiben vom 19. September 2013 darauf hingewiesen hat, es fehle eine 

entsprechende Willenserklärung (…). Mangels Vorliegen einer solchen im 

Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung, hat das SEM zu 

Recht nur das Asylgesuch des Beschwerdeführers zum Gegenstand seiner 

Verfügung gemacht, wobei die Tragik der vorliegenden Umstände vom Ge-

richt nicht verkannt wird.  

E-3976/2014 

Seite 7 

2.  

Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorlie-

gende Entscheid in deutscher Sprache. 

3.  

Im Asylbereich richten sich die Kognition und Rügemöglichkeiten nach Art. 

106 Abs. 1 AsylG; (zur Frage der Auswirkung der Streichung von Art. 106 

Abs.1 Bst. a aAsylG [Beschwerdegrund der Unangemessenheit] auf das 

Beschwerdeverfahren in Ausland-Asylverfahren, vgl. Urteil des Bundesver-

waltungsgerichts D-103/2014 vom 21. Januar 2015, E. 4 ff. [zur Publikation 

vorgesehen]). 

4.  

Das vorliegende Verfahren ergeht gestützt auf die Übergangsbestimmung 

zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (von der Bun-

desversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft 

getreten), wonach für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten 

der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 

19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung des Asylge-

setzes Geltung haben. 

 

5.  

5.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer 

schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 

die Vorinstanz überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG); das Gesuch kann auch 

direkt beim BFM eingereicht werden (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3; zum Ver-

fahren vgl. D-103/2014 vom 21. Januar 2015, E. 3). 

5.2  Die Vorinstanz bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur 

Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 

Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen Staat 

auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib nament-

lich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbe-

dürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat 

oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, 

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we-

gen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer-

den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, 

Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychi-

schen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

E-3976/2014 

Seite 8 

5.3 Die Vorinstanz kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – 

und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin-

weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen 

oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen 

(aArt. 52 Abs. 2 AsylG).  

5.4 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG 

sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nament-

lich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Mög-

lichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie 

die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in 

Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilli-

gung ist die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prü-

fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft 

gemacht wird und ob ihr der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der 

Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BGVE 2011/10 E. 3.3 

S. 126). 

5.5 Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, 

in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszuge-

hen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor 

Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzu-

nehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich 

dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl 

in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 

Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme 

des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu 

prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung 

gefunden hat oder erlangen kann, und – falls dies zu bejahen ist – ob der 

asylsuchenden Person die Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaa-

tes und somit der Verbleib in diesem Staat objektiv zugemutet werden 

kann. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme 

in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit 

einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gilt also zu 

prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es 

gerade die Schweiz ist, die einer Person den erforderlichen Schutz gewäh-

ren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, EMARK 2004 Nr. 21 E. 4b.aa S. 139 

f.). 

6.  

E-3976/2014 

Seite 9 

6.1 Vorliegend geht das SEM in seiner Verfügung davon aus, dass der Be-

schwerdeführer in seinem Heimatstaat Eritrea Schwierigkeiten mit den hei-

matlichen Behörden gehabt hatte. Auch das Gericht hat keinen Grund, an 

seinen Vorbringen zu zweifeln und es ist mit grosser Wahrscheinlichkeit 

von einer begründeten Furcht vor Verfolgung auszugehen, müsste der Be-

schwerdeführer nach Eritrea zurückkehren. Letztlich kann die Frage aber 

vorliegend offengelassen werden, da es ihm im Ergebnis, wie das SEM 

richtig ausführt, gemäss Art. 52 Abs. 2 aAsylG zugemutet werden kann, im 

Sudan zu verbleiben, womit er den Schutz der Schweiz nicht benötigt (vgl. 

dazu das zur Publikation vorgesehene Grundsatzurteil des Bundesverwal-

tungsgerichts D-103/2014 vom 21. Januar 2015 E. 7.). 

6.2 Wie bereits das SEM festhält, ist die Situation für eritreische Flüchtlinge 

im Sudan generell nicht einfach. Dennoch bestehen im vorliegenden Ver-

fahren keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein weiterer 

Verbleib im Sudan dem Beschwerdeführer nicht zumutbar oder nicht mög-

lich ist. Die vom UNHCR registrierten Flüchtlinge sind grundsätzlich gehal-

ten, sich in einem UNHCR-Flüchtlingslager aufzuhalten und verfügen im 

Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht. Auch die Ausübung einer Ar-

beit ist in aller Regel nur mittels entsprechender Bewilligung zugänglich 

(US Department of State, Country Reports on Human Rights Practices for 

2012: Sudan, gefunden auf <http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/2012hu-

manrightsreport/index.htm?year=2012&dlid=204171#wrapper>,[zuletzt 

besucht am 28. Januar 2015]).  

Viele anerkannte eritreische Flüchtlinge halten sich, wie der Beschwerde-

führer, nicht in Flüchtlingslagern, sondern illegal in (...) auf, wo sie versu-

chen, einer Arbeit nachzugehen. In der Vergangenheit kam es dort – wie in 

der Beschwerde hinsichtlich der Zwischenfälle mit der Polizei geltend ge-

macht – in vereinzelten Fällen zu Verhaftungen von eritreischen Flüchtlin-

gen beziehungsweise auch zu Deportationen von eritreischen Flüchtlingen 

in ihren Heimatstaat. Gemäss gesicherten Erkenntnissen des Gerichts ist 

das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer und Eritree-

rinnen, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, jedoch 

eher gering, da diese Rückführungen nicht flächendeckend oder grossräu-

mig erfolgen. Im Sudan als Flüchtlinge registrierte beziehungsweise aner-

kannte Flüchtlinge werden in der Regel nicht in ihr Heimatland zurückge-

führt (vgl. insb. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-103/2014 vom 

21. Januar 2015 E. 7.4; D-6478/2013 vom 24. Dezember 2013 E. 5.3; E-

1452/2012 vom 15. Juni 2012 mit weiteren Hinweisen sowie UNHCR, "UN-

HCR deeply concerned by deportation of Eritreans from Sudan" vom 26. 

E-3976/2014 

Seite 10 

Juli 2011). Dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 

5. Juli 2012 zufolge, der die Gefahr von Deportationen, Entführungen und 

Lösegelderpressungen von eritreischen Flüchtlingen im Sudan thematisiert 

und auf die schwierige Situation hinweist, kann ausserdem entnommen 

werden, dass insbesondere das UNHCR, die International Organisation for 

Migration (IOM) und die sudanesischen Behörden bestrebt sind, die Situa-

tion zu verbessern. Gleiches gilt für Bestrebungen hinsichtlich der Sicher-

heit in den Flüchtlingscamps (vgl. dazu insbesondere die Mitteilung des 

UNHCR vom 25. Januar 2013; "UNHCR concern at refugee kidnappings, 

disappearences in eastern Sudan").  

Im vorliegenden Fall bestehen keine konkreten Hinweise auf eine dro-

hende Deportation des Beschwerdeführers. Er verfügt weder mit (…) noch 

mit der erlittenen Haft oder der angedeuteten gegen das eritreische Re-

gime eingestellten Oppositionshaltung, die er mit jungen Landsleuten dis-

kutiere, über ein erhöhtes Risikoprofil. Er lebt denn auch seit bereits über 

(…) Jahren im Sudan und hat dort auch studiert. Zwar musste er behördli-

che Kontrollen und auch eine Festnahme in (...) erdulden, diese stehen 

jedoch offensichtlich vorab im Zusammenhang mit seinem Aufenthaltssta-

tus in (...). Gemäss den Akten ist der Beschwerdeführer im Sudan nämlich 

einem Flüchtlingscamp zugewiesen, zieht es jedoch vor, sich in (...) aufzu-

halten. Auch die vom Beschwerdeführer eingereichte Identitätskarte ver-

mag die Gefahr einer Deportation nach Eritrea nicht zu begründen, da das 

dort angegebene Datum nicht das Datum, nach dem er den Sudan zu ver-

lassen habe, darstellt, sondern den Inhaber der Karte dazu auffordert, sei-

nen Aufenthalt bis dahin zu regulieren. Diese Einschätzung ändert sich 

auch durch das im Rahmen der Replik eingereichte Gerichtsdokument 

nicht, da der Beschwerdeführer der darin angedrohten Ausweisung mit 

dem Begleichen der ihm auferlegten Geldstrafe entgehen kann bzw. 

konnte (vgl. die vom Bundesverwaltungsgericht in Auftrag gegebene Über-

setzung in die deutsche Sprache des Gerichtsbeschlusses der sudanesi-

schen Justizbehörde vom […]). Darüber hinaus ist er laut seinen Ausfüh-

rungen in der Replik aus der Haft entlassen worden, sobald seine Freunde 

ihm die ID-Karte gebracht hätten. Auch aus (…) ergibt sich keine Unzumut-

barkeit des Aufenthalts im Sudan, da die Religionsfreiheit in der Verfassung 

verankert und gemäss Erkenntnissen des Gerichts grundsätzlich gewähr-

leistet ist. Anderes macht der Beschwerdeführer denn auch gar nicht gel-

tend.  

6.3 Das SEM hat sodann zutreffend ausgeführt, dass sich aus der schwie-

rigen Lebenssituation des Beschwerdeführers keine einreise-relevante 

E-3976/2014 

Seite 11 

akute Gefährdung im massgeblichen Sinne ableiten lässt. Der Beschwer-

deführer, dem es gelungen ist, an einer sudanesischen Universität einen 

Abschluss zu erlangen, dürfte sich im Vergleich zu anderen eritreischen 

Flüchtlingen, die sich im Sudan aufhalten, in einer privilegierten Situation 

befinden und es ist davon auszugehen, dass er auch weiterhin zumindest 

Gelegenheitsarbeiten ausüben kann, wovon er auch berichtet. Sodann 

lässt sich aus seinen Angaben schliessen, dass er an seinem Aufenthalts-

ort über eine Unterkunft sowie ein Beziehungsnetz verfügt. In diesem Zu-

sammenhang ist allgemein auf die grosse eritreische Gemeinschaft in (...) 

zu verweisen, die eine weitere Eingliederung ebenfalls erleichtert. Sollten 

die finanziellen Mittel des Beschwerdeführers zur Deckung des Existenz-

bedarfs nicht genügen, könnte er einer allfälligen Versorgungsnotlage 

dadurch entgehen, dass er sich erneut an das UNHCR wendet und sich 

einem Flüchtlingslager zuteilen lässt. Auch wenn anerkanntermassen die 

Situation in den Lagern teils prekär ist, kann davon ausgegangen werden, 

dass zumindest die Grundversorgung dort gewährleistet ist.  

6.4 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdeführer 

objektiv zumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfolgungs-

gefahr in seinem Heimatstaat Eritrea bestehenden Schutz weiterhin in An-

spruch zu nehmen. Das SEM hat auch zu Recht festgestellt, dass der Be-

schwerdeführer über keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz ver-

füge; dem Umstand, dass er mit seiner Ausbildung über vergleichsweise 

guten Integrationschancen verfügt, vermag für sich alleine die fehlende Be-

ziehungsnähe nicht aufzuwiegen.  

Eine Schutzgewährung gerade durch die Schweiz erscheint somit unter 

Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, welche mit dem Aufenthalt 

des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als re-

gistrierter Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich. Zusammenfassend 

ergibt sich, dass das SEM zu Recht und mit zutreffender Begründung fest-

gestellt hat, eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 

Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib 

im Sudan zuzumuten sei. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu 

Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch 

abgelehnt.  

7.  

Demzufolge erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtmässig und 

die Beschwerde ist abzuweisen. 

E-3976/2014 

Seite 12 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs-

ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine 

VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahrenskosten zu ver-

zichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

E-3976/2014 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die schweize-

rische Vertretung in Khartum. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Karpathakis Sibylle Dischler 

 

 

Versand: