# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f17b1784-6f7f-5ff9-9a9c-3f375ac3fea7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.06.2018 E-2963/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2963-2018_2018-06-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2963/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;   

Gerichtsschreiberin Nina Klaus. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft;  

Verfügung des SEM vom 19. April 2018 / N (…). 

 

 

 

E-2963/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heute Staatssekretariat für 

Migration, SEM) anerkannte mit Verfügung vom 12. August 2010 den Be-

schwerdeführer als Flüchtling und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden 

mit der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig ordnete 

das BFM wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige 

Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz an.  

 

Die Partnerin und die in der Schweiz geborenen Töchter des Beschwerde-

führers sind in der Schweiz ebenfalls als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-

men.  

 

Im August 2017 reiste der Beschwerdeführer mit seiner Familie nach 

B._______, um seine Partnerin traditionell zu heiraten.  

 

B.   

B.a Mit Schreiben vom 29. August 2017 teilte das SEM dem Beschwerde-

führer mit, es bestehe der Verdacht, dass er anlässlich seiner Reise am 

9. August 2017 nach B._______ über den Landweg auch nach Eritrea ge-

reist sei. Das SEM beabsichtige deshalb, seine Flüchtlingseigenschaft ab-

zuerkennen und gewähre ihm das rechtliche Gehör.  

B.b Am 19. September 2017 reichte der damalige Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers eine Stellungnahme beim SEM ein. Er führte darin aus, 

der Beschwerdeführer habe sich mit seiner Partnerin und den Kindern an-

lässlich der Heiratszeremonie nur im Sudan aufgehalten und reichte dazu 

folgende Beweismittel ein: E-Ticketbelege der Turkish Airlines, Heiratsur-

kunde im Original, vier Fotos der Hochzeit, vier Kopien der Reiseausweise 

für Flüchtlinge mit den Visaeinträgen für den Sudan sowie zwei Registra-

tionsdokumente auf Arabisch.  

B.c Mit Schreiben vom 29. Dezember 2017 teilte das SEM dem Rechts-

vertreter mit, die eingereichten Beweise seien ungeeignet, um die Zweifel 

betreffend Heimatreise nach Eritrea zu widerlegen, und es forderte den 

Beschwerdeführer auf, den vorgebrachten durchgehenden Aufenthalt im 

Sudan lückenlos zu belegen sowie sämtliche Reiseausweise für Flücht-

linge aller Familienangehörigen im Original einzureichen. 

 

E-2963/2018 

Seite 3 

B.d Am 11. Januar 2018 stellte der Rechtsvertreter dem SEM die vier Rei-

seausweise im Original und eine Bestätigung des Hotelaufenthalts in 

B._______ zusammen mit einer ID-Kopie des Hotelbetreibers zu. 

B.e Am 27. Februar 2018 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, auch 

die neu eingereichten Beweismittel seien ungeeignet, den lückenlosen Auf-

enthalt im Sudan zu belegen und forderte ihn auf, weitere Beweismittel ein-

zureichen.  

Ausserdem habe die Durchsicht des Reiseausweises des Beschwerdefüh-

rers gezeigt, dass er am 1. November 2016 über den Flughafen C._______ 

in D._______ ausgereist und zwei Wochen später wieder eingereist sei. 

Einreisestempel der Zieldestination seien jedoch keine eingetragen. Es sei 

bekannt, dass zahlreiche eritreische Staatsangehörige über den italieni-

schen Flughafen C._______ in ihren Heimatstaat zurückfliegen würden 

und dort den Eintrag in den Reiseausweis umgehen würden, indem sie sich 

mit eritreischen Identitätskarten auswiesen. Daher dränge sich der Ver-

dacht auf, der Beschwerdeführer habe diesen Reiseweg gewählt. Das 

SEM gewährte dem Beschwerdeführer auch dazu das rechtliche Gehör 

und forderte ihn auf, weitere Beweismittel wie Bankauszüge oder Kredit-

kartenabrechnungen einzureichen. 

B.f Mit Schreiben vom 7. März 2018 nahm der Rechtsvertreter erneut Stel-

lung und hielt fest, es habe sich bei der Reise ab C._______ um einen Flug 

des Beschwerdeführers nach E._______ gehandelt. Er habe sich für zwei 

Wochen bei Freunden in Schweden aufgehalten. Im Sudan sei keine Kre-

ditkarte benutzt worden und weitere Unterlagen könne er nicht einreichen.  

B.g Am 12. März 2018 entgegnete das SEM, es könne sich bei den Ein-

trägen im Reiseausweis vom 1. und 23. November 2016 nicht um die gel-

tend gemachte Reise nach E._______ handeln, da bei Flügen innerhalb 

des Schengenraumes keine Stempelungen erfolgen würden; der Be-

schwerdeführer habe während des genannten Zeitraums eindeutig den 

Schengenraum verlassen. Erneut wurde ihm das rechtliche Gehör einge-

räumt.  

B.h Per E-Mail gelangte der Rechtsvertreter am 21. März 2018 an das 

SEM und teilte mit, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich das SEM nun 

auf eine Reise im November 2016 abstütze, welche nicht im Zusammen-

hang mit der Reise nach B._______ im August 2017 stehe. Bei der Reise 

vom November 2016 habe es sich um einen Verwandtenbesuch in 

E-2963/2018 

Seite 4 

E._______ gehandelt, und es sei nicht klar, warum der Pass damals abge-

stempelt worden sei. 

B.i Am 22. März 2018 antwortete das SEM – ebenfalls per E-Mail – auch 

mit der Reise im November 2016 erwecke der Beschwerdeführer den Ein-

druck, er habe seine damalige Zieldestination verheimlichen wollen und 

verfüge über ein zweites Ausweisdokument. Die Begründung, wonach das 

Reisedokument aus unbekannten Gründen gestempelt worden sei, 

obschon der Beschwerdeführer nach E._______ geflogen sein wolle, sei 

unbehelflich.  

B.j Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers antwortete noch gleichen-

tags, vermutlich werde kein zusätzliches Schreiben folgen, da keine weite-

ren Beweismittel vorhanden seien. Am 22. März 2018 ersuchte er das SEM 

dennoch um Fristerstreckung für das rechtliche Gehör, da die Passagier-

daten der Norwegian Airline nur mit einem Strafregisterauszug herausge-

geben würden, dieser aber erst am 31. März 2018 eintreffen werde.  

C.  

Mit Verfügung vom 19. April 2018 (eröffnet am 23. April 2018) aberkannte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers.  

D.  

Der Beschwerdeführer gelangte mit Beschwerde vom 22. Mai 2018 an das 

Bundesverwaltungsgericht mit den Begehren, die angefochtene Verfügung 

sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass ihm die Flüchtlingseigenschaft 

weiterhin zukomme; alternativ sei die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und der Fall zur erneuten Abklärung an das SEM zurückzuweisen.  

Als Beilage reichte er den E-Mail-Verkehr mit dem Norwegian Customer 

Service ein sowie ein Schreiben in schwedischer Sprache inklusive Zustel-

lungskuvert (im Original), das von seinem Cousin zweiten Grades stamme 

und seinen Besuch in Schweden bestätige. 

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht zeigte mit Schreiben vom 24. Mai 2018 den 

Eingang der Beschwerde an. 

 

 

  

E-2963/2018 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG sowie Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er-

messens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-

E-2963/2018 

Seite 6 

schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft aber-

kannt, wenn Gründe nach Art. 1 C Ziff. 1–6 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen. 

Namentlich fällt eine Person unter anderem dann nicht mehr unter die Be-

stimmungen der FK und endet ihr Flüchtlingsstatus, wenn sie sich freiwillig 

wieder unter den Schutz des Landes gestellt hat, dessen Staatsangehörig-

keit sie besitzt (Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK). 

 

6.  

6.1 Nachgehend ist zu beurteilen, ob überhaupt ausreichende Hinweise 

dafür vorliegen, um anzunehmen, dass der Beschwerdeführer im fragli-

chen Zeitpunkt in seinen Heimatstaat gereist war und, sofern dies zu beja-

hen wäre, ob er sich freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staats-

angehörigkeit er besitzt, gestellt hat (Art. 1 C Ziff. 1 FK). Lehre und Recht-

sprechung setzen für eine solche Schutzunterstellung voraus, dass drei 

Bedingungen kumulativ erfüllt sein müssen: Der Beschwerdeführer muss 

erstens freiwillig in Kontakt mit seinem Heimatland getreten sein, er muss 

zweitens beabsichtigt haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch 

zu nehmen, und drittens muss ihm dieser Schutz auch tatsächlich gewährt 

worden sein (BVGE 2010/17 E. 5 m.w.H.). 

6.2 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht-

lingseigenschaft liegt nach den allgemeine Regeln des Verwaltungsrechts 

bei den Behörden, da diese aus den zu beweisenden Tatsachen Rechts-

folgen ableiten wollen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E-7605/2007 vom 10. August 2009 E. 5.2.5). Dies gilt sowohl in Bezug auf 

den Nachweis der Heimreise als auch bezüglich den drei genannten Vo-

raussetzungen einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft.  

Bezüglich des Beweismasses ist festzuhalten, dass die Asylbehörden die 

relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen haben. Soweit sich rele-

vante Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand feststellen lassen 

oder mit den Behörden zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht bewie-

sen werden können, müssen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich 

E-2963/2018 

Seite 7 

gemacht werden (analog Art. 7 AsylG). Die blosse Möglichkeit, dass sich 

etwas zugetragen hat, genügt dabei im Allgemeinen nicht, um eine Rechts-

folge an den betreffenden Sachverhalt anzuknüpfen (vgl. RENE A. RHI-

NOW/BEAT KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Er-

gänzungsband, 1990, S. 298). 

7.  

7.1 Die Vorinstanz begründete die Aberkennung der Flüchtlingseigen-

schaft damit, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge-

hen sei, der Beschwerdeführer besitze ein zweites Ausweisdokument,  das 

er entweder dem SEM bis anhin vorenthalten habe, oder das er erst nach 

Abschluss seines Asylverfahrens habe ausstellen lassen. Die Einträge in 

seinem Reiseausweis für Flüchtlinge würden zeigen, dass er am 1. No-

vember 2016 den Schengenraum verlassen habe und erst am 23. Novem-

ber 2016 wieder zurückgekehrt sei. Der Austritt aus dem Schengenraum 

sei anhand der beiden verwendeten Stempel zu erkennen, die an sämtli-

chen Aussenstellen des Schengenraums zum Einsatz kämen. Im Gegen-

satz dazu gebe es bei einer intra-Schengenreise keinen Eintrag in das Rei-

sedokument, weshalb bei der vorgebrachten Reise nach Schweden keine 

Stempelungen in D._______ hätten vorgenommen werden müssen. Es 

seien weder der Ein- noch der Ausreisestempel des Ziellandes dieser 

Reise im Ausweisdokument zu finden. Es sei zu vermuten, der Beschwer-

deführer sei nach Eritrea gereist, weil er offenbar eine Stempelung des 

Ziellandes in seinem Schweizer Reiseausweis für Flüchtlinge habe vermei-

den wollen. Der Beschwerdeführer habe keine Nachweise für die behaup-

tete Reise nach E._______ vorgelegt. Würde er sich tatsächlich in Schwe-

den aufgehalten haben, würde er die Reise mittels Flugtickets, Bankaus-

zügen oder sonstigen Beweismitteln belegen können. Der Vollständigkeit 

halber sei anzufügen, dass der Beschwerdeführer einen zweiwöchigen 

Aufenthalt in Schweden geltend gemacht habe, es sich bei der Dauer vom 

1. November 2016 bis zum 23. November 2016 aber um einen über drei-

wöchigen Zeitraum handle.  

 

7.2 In seiner Rechtsmitteleingabe entgegnete der Beschwerdeführer, ein 

Bekannter habe sein Flugticket in D._______ organisiert, weil es dort güns-

tiger gewesen sei. Das Ticket habe er nicht aufbewahrt, und es gebe auch 

keinen elektronischen Nachweis, weil er es nicht online gebucht habe. 

Weshalb der Zollbeamte in C._______ einen Ausreistempel angebracht 

habe, wisse er nicht. Jedoch sei die Kontrolle in C._______ hektisch ver-

laufen. Bei seiner Ankunft in Schweden sei sein Reiseausweis nicht ge-

stempelt worden, und der Einreisestempel bei der Rückreise nach 

E-2963/2018 

Seite 8 

C._______ sei wohl aufgrund seines Ausreisestempels erfolgt. Der Custo-

mer Service von Norwegian habe aufgrund der fehlenden Buchungsnum-

mer nicht bestätigen können, dass er am 1. November 2016 von 

C._______ nach E._______ geflogen sei. Nebst dem Schreiben seines 

Cousins, welches seinen Aufenthalt bestätige, habe er keine weiteren 

Nachweise, wie Trambillets oder Einkaufsabrechnungen vorzuweisen, zu-

mal der Besuch bereits eineinhalb Jahr zurückliege. Er habe alles Mögliche 

getan, um seine Reise nach Schweden nachzuweisen. Das SEM habe 

demgegenüber keinen Nachweis für seine angebliche Reise nach Eritrea, 

sondern stütze sich nur auf die Stempelung im Pass und glaube ihm nicht. 

Zudem habe das SEM bereits im Zusammenhang mit der Reise in den 

Sudan angenommen, er und seine Familie seien nach Eritrea gereist. Es 

habe dann aber seine Vermutung fallen lassen, was für seine Glaubwür-

digkeit spreche. Ferner sei die Behauptung des SEM nicht logisch. Hätte 

er tatsächlich eine Reise nach Eritrea verheimlichen wollen, so hätte er 

dies bei der Reise in den Sudan im Jahr 2017 tun können, indem er mit 

einem weiteren Reisepapier nach Eritrea hätte reisen können. Ausserdem 

wäre bei einer Reise aus dem Schengen-Raum ein Visum erforderlich ge-

wesen. Ein solches sei jedoch nur für die Reise in den Sudan vorhanden, 

nicht aber für die Reise im Jahr 2016. Auch dieses Argument spreche für 

eine Reise innerhalb Europas. Obwohl das SEM die Beweislast trage, habe 

es keine weiteren Abklärungen vorgenommen, weder bei Fluggesellschaf-

ten noch bei der eritreischen Auslandvertretung. Dass der Nachweis für 

das SEM schwierig oder zumindest mit erheblichem Aufwand verbunden 

sei, eine Reise in das Herkunftsland nachzuweisen, dürfe nicht ihm zur 

Last gelegt werden. Es sei deshalb dem SEM nicht gelungen, dies zu be-

legen oder zumindest überwiegend wahrscheinlich zu machen. 

 

8.  

8.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-

führers zu Unrecht aberkannt hat. 

 

Der Vorinstanz gelingt es nicht, die Heimatreise des Beschwerdeführers 

vom November 2016 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darzutun. Ihre 

Vermutung, wonach der Beschwerdeführer ein zweites Ausweisdokument 

besitze, mit welchem er nach Eritrea gereist sei, beruht auf einer blossen 

Annahme. Auch die Stempel im Reisepass des Beschwerdeführers stellen 

keinen hinreichend klaren Beweis für seine Reise nach Eritrea dar. Die Ar-

gumentation der Vorinstanz, es komme bei einer intra-Schengenreise zu 

keinem Eintrag in das Reisedokument, geht ausserdem fehl. Denn gemäss 

E-2963/2018 

Seite 9 

Art. 11 Abs. 1 Bst. c der Verordnung (EU) Nr. 2016/399 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschafts-

kodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener 

Grenzkodex] werden bei der Ein – und Ausreise die Reisedokumente von 

Drittstaatsangehörigen nämlich systematisch abgestempelt. Ein Einreise- 

oder Ausreisestempel wird insbesondere in den Grenzübertrittspapieren 

von Drittstaatsangehörigen angebracht, die nicht der Visumpflicht unterlie-

gen. Die Stempel im Reiseausweis des Beschwerdeführers beweisen 

demnach nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwer-

deführer den Schengenraum verlassen hat. Es mutet zwar merkwürdig an, 

dass im Pass des Beschwerdeführers keine Stempel von Schweden vor-

handen sind und das Unterstützungsschreiben seines Cousins besitzt 

kaum Beweiswert. Dennoch reichen die damit erweckten Zweifel nicht aus, 

um die Heimreise des Beschwerdeführers zu beweisen, zumal das Argu-

ment des Beschwerdeführers, nach über eineinhalb Jahren besitze er 

keine Belege, wie etwa Trambillets, Einkaufsquittungen und Ähnliches, 

nicht von der Hand zu weisen sind. Die Vermutung des SEM müsste, wie 

bereits dargelegt, entweder klar bewiesen sein oder zumindest, im Sinn 

des Beweismasses der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, objektiv näher 

an der Wahrheit sein als das, was der Beschwerdeführer geltend macht 

(vgl. SAMUEL WERENFELS: Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen 

Asylrecht, 1987, S. 135). Vorliegend ist dies nach dem Gesagten nicht der 

Fall und die Aktenlage lässt die Annahme, der Beschwerdeführer habe im 

November 2016 eine Heimatreise unternommen, nicht zu. 

8.2 Damit erübrigt es sich, auf die unter E. 6.1 genannten Voraussetzungen 

für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft weiter einzugehen. Wie er-

wähnt müssten aber selbst bei erstellter Heimreise weitere Voraussetzun-

gen erfüllt sein, um die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft zu recht-

fertigen.  

8.3 Im Ergebnis liegen die Voraussetzungen für eine Aberkennung der 

Flüchtlingseigenschaft im vorliegenden Fall offensichtlich nicht vor, zumal 

bereits die Reise des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat im fragli-

chen Zeitpunkt nicht als erstellt gelten kann. 

9.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen und die Verfügung 

des Staatssekretariats vom 19. April 2018 aufzuheben. Der Beschwerde-

führer bleibt in der Schweiz weiterhin als Flüchtlinge anerkannt.  

E-2963/2018 

Seite 10 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Dem im Beschwerdeverfahren nicht vertretenen Beschwerdeführer 

sind keine notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten im Sinne des 

Gesetzes entstanden, welche eine Entschädigungspflicht nach sich ziehen 

(Art. 64 Abs. 1 VwVG, (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 ff. des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Daher ist keine Parteientschä-

digung auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2963/2018 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 

19. April 2018 wird aufgehoben. Der Beschwerdeführer erfüllt nach wie vor 

die Flüchtlingseigenschaft.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Nina Klaus