# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 723787fa-e661-5e0d-b56a-da9ac88b252b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-09-15
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 15.09.2015 100 2015 89
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2015-89_2015-09-15.pdf

## Full Text

100.2015.89U
DAM/KUN/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 15. September 2015

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichterin Arn De Rosa, Verwaltungsrichter Daum
Gerichtsschreiberin Kummler 

A.________
zzt. in den Anstalten Witzwil, Postfach 10, 3236 Gampelen
vertreten durch Fürsprecher …
Beschwerdeführer 

gegen

Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern 

sowie

Einwohnergemeinde Bern 
Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei, Predigergasse 5, 
Postfach, 3000 Bern 7

betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA und 
Wegweisung infolge Straffälligkeit (Entscheid der Polizei- und Militärdirek-
tion des Kantons Bern vom 17. Februar 2015; BD 051/14)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der am … 1983 geborene A.________, Staatsangehöriger der 
Bundesrepublik Deutschland, gelangte am 18. Juli 2005 erstmals in die 
Schweiz und erhielt aufgrund eines befristeten Arbeitsvertrags eine Kurz-
aufenthaltsbewilligung EG/EFTA, gültig bis am 18. Oktober 2006. Nach 
seiner Rückkehr nach Deutschland reiste er am 1. Februar 2007 erneut in 
die Schweiz ein, worauf ihm zwecks Ausübung einer unselbständigen Er-
werbstätigkeit eine Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA erteilt wurde, (zuletzt) 
gültig bis am 31. Januar 2012. Am 15. Januar 2013 verurteilte ihn das 
Obergericht des Kantons Bern wegen versuchter vorsätzlicher Tötung unter 
Anordnung einer ambulanten psychotherapeutischen Massnahme in zwei-
ter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Mit Verfügung vom 
21. Februar 2014 verweigerte die Einwohnergemeinde (EG) Bern, Ein-
wohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei (EMF), die Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung von A.________, wies ihn aus der Schweiz weg und 
ordnete an, er habe die Schweiz nach verbüsstem Strafvollzug zu ver-
lassen. Der frühestmögliche Termin für eine bedingte Entlassung fällt auf 
den 27. Februar 2017. 

B.

Gegen diese Verfügung erhob A.________ am 19. März 2014 Beschwerde 
bei der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern (POM). Diese wies 
das Rechtsmittel mit Entscheid vom 17. Februar 2015 ab, wobei sie ihm 
antragsgemäss die unentgeltliche Rechtspflege gewährte. 

C.

Hiergegen hat A.________ am 19. März 2015 Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde erhoben mit den Anträgen, der angefochtene Entscheid sei auf-
zuheben und seine Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern; auf die Weg-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 3

weisung aus der Schweiz sei zu verzichten. Gleichzeitig hat er für das ver-
waltungsgerichtliche Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege unter Bei-
ordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt ersucht. 

Die EG Bern und die POM beantragen mit Stellungnahme vom 24. März 
2015 bzw. Vernehmlassung vom 21. April 2015 die Abweisung der Be-
schwerde. Zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege hat sich die 
EG Bern nicht geäussert; die POM hat sich insoweit ausdrücklich eines 
Antrags enthalten. Der Instruktionsrichter hat in der Folge die Akten er-
gänzen lassen. Die Verfahrensbeteiligten haben darauf verzichtet, sich 
dazu zu äussern. A.________ hat seinerseits weitere Unterlagen zu den 
Akten gegeben. 

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letz-
te kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Ge-
setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen 
Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung 
oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und fristgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten. 

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 4

2.

Im Streit liegen die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA 
und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz. 

2.1 Als deutscher Staatsangehöriger kann sich der Beschwerdeführer 
im Zusammenhang mit seiner Anwesenheit in der Schweiz auf das Abkom-
men vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten 
andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681) berufen. Ge-
mäss Art. 4 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Anhang I FZA hat er das Recht, sich nach 
Massgabe der Kapitel II bis IV dieses Anhangs in der Schweiz aufzuhalten 
und hier eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Das Bundesgesetz vom 
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; 
SR 142.20) gilt im Anwendungsbereich des FZA nur so weit, als das 
Gemeinschaftsrecht keine abweichenden Bestimmungen enthält oder das 
AuG günstigere Bestimmungen vorsieht (Art. 2 Abs. 2 AuG; BVR 2014 
S. 395 E. 2.1).

2.2 Gemäss Art. 5 Anhang I FZA dürfen gestützt auf das Freizügig-
keitsabkommen eingeräumte Rechte durch Massnahmen eingeschränkt 
werden, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Ge-
sundheit gerechtfertigt sind (BGE 136 II 5 E. 4.1, 130 II 176 E. 3.1; 
BVR 2003 S. 513 E. 2a; VGE 2013/244 vom 6.8.2014, E. 3.2); dabei sind 
die dort erwähnten Richtlinien sowie die hierzu ergangene Rechtsprechung 
des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu beachten (vgl. Art. 16 FZA). Die 
Regelung von Art. 5 Anhang I FZA kann indes nicht zu Massnahmen gegen 
in der Schweiz befindliche Personen ermächtigen, die über diejenigen hi-
nausgehen, welche im schweizerischen Recht vorgesehen sind. Demnach 
ist zunächst zu prüfen, ob ausserhalb des FZA eine Rechtsgrundlage vor-
handen ist, auf welche sich die Verweigerung des Verbleibs des Be-
schwerdeführers in der Schweiz stützen lässt. Erst bei Bejahung dieser 
Frage ist in einem nächsten Schritt zu prüfen, inwiefern das Freizügig-
keitsabkommen zusätzliche Schranken auferlegt (BGE 130 II 176 E. 3.2; 
BGer 2C_236/2013 vom 19.8.2013, E. 4, 2C_221/2012 vom 19.6.2012, 
E. 3.2, 2C_636/2010 vom 3.8.2011, E. 2.1). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 5

2.3 Gestützt auf das AuG können Bewilligungen, ausgenommen die 
hier nicht zur Diskussion stehende Niederlassungsbewilligung, nach Mass-
gabe der Voraussetzungen von Art. 62 AuG widerrufen werden. Danach 
liegt ein ausländerrechtlicher Widerrufs- bzw. Erlöschensgrund insbeson-
dere dann vor, wenn die Ausländerin oder der Ausländer (rechtskräftig) zu 
einer längerfristigen Freiheitsstrafe, d.h. zu einer solchen von mehr als ei-
nem Jahr, verurteilt worden ist (Art. 62 Bst. b AuG), wobei mehrere unter-
jährige Strafen nicht kumuliert werden dürfen und keine Rolle spielt, ob die 
Sanktion (teil-)bedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (vgl. 
BGE 139 I 31 E. 2.1; BVR 2013 S. 543 E. 3.1). – Der Beschwerdeführer 
wurde am 15. Januar 2013 vom Obergericht des Kantons Bern rechts-
kräftig zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt (vgl. vorne Bst. A), 
womit er, was er anerkennt (vgl. Beschwerde S. 5), einen Widerrufsgrund 
gesetzt hat. 

2.4 Der Beschwerdeführer rügt, die gegen ihn gerichtete ausländer-
rechtliche Massnahme sei unverhältnismässig (vgl. Beschwerde S. 5). – 
Der Widerruf einer Bewilligung ist nur zulässig, wenn er aufgrund der im 
Einzelfall vorzunehmenden Interessenabwägung verhältnismässig er-
scheint (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 96 
AuG). Im Rahmen dieser Beurteilung sind die öffentlichen Interessen an 
der Entfernungsmassnahme aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und 
Ordnung und die privaten Interessen der betroffenen Person am weiteren 
Verbleib in der Schweiz gegeneinander abzuwägen. Zu berücksichtigen ist 
die Gesamtheit der rechtswesentlichen Umstände im Einzelfall, namentlich 
die Schwere des Verschuldens, das Verhalten gegenüber der öffentlichen 
Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen, die Rückfallgefahr, die Dauer der 
bisherigen Anwesenheit bzw. die Integration sowie die der betroffenen Per-
son und ihrer Familie oder anderen Angehörigen drohenden Nachteile (vgl. 
BGE 139 I 145 E. 2.4, 135 II 377 E. 4.3 und 4.5; BVR 2013 S. 543 E. 4.1, 
2011 S. 289 E. 5.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 6

3.

Hinsichtlich des öffentlichen Interesses an der Nichtverlängerung der Auf-
enthaltsbewilligung und Wegweisung des Beschwerdeführers aus der 
Schweiz ergibt sich was folgt: 

3.1 Das Verschulden, welches die betroffene Person mit der längerfristi-
gen Freiheitsstrafe auf sich geladen hat, ist Ausgangspunkt der Beurteilung 
des öffentlichen Interesses. Seine Schwere bemisst sich regelmässig nach 
der Höhe der vom Strafgericht verhängten Strafe (BGE 134 II 10 E. 4.2 
[Pra 97/2008 Nr. 87], 129 II 215 E. 3.1). Gemäss höchstrichterlicher Praxis 
sprechen Freiheitsstrafen ab 24 Monaten für ein schweres Verschulden, da 
diese Fälle bereits als so gravierend eingestuft werden, dass der voll-
ständige Aufschub der Strafe nicht mehr in Frage kommt und mindestens 
ein Teil zwingend vollzogen werden muss. Auch aus fremdenpolizeilicher 
Sicht bedeutet eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als 
24 Monaten in jedem Fall einen sehr schwerwiegenden Verstoss gegen die 
schweizerische Rechtsordnung (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.3 und 3.4, 
135 II 377 E. 4.4 zur vorliegend infolge nicht mehr kurzer Aufenthaltsdauer 
zwar nicht anwendbaren sog. «Reneja-Praxis»; in Bezug auf die Beurtei-
lung des Verschuldens sind die Erwägungen dennoch massgeblich).

3.2 Der Beschwerdeführer wurde am 15. Januar 2013 vom Obergericht 
des Kantons Bern in zweiter Instanz wegen versuchter vorsätzlicher Tö-
tung, begangen am 8. August 2010, zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jah-
ren verurteilt (vgl. Akten EG Bern pag. 116 ff.; vgl. auch pag. 32 ff. [Urteil 
des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 13.2.2012]). Wie die POM zu 
Recht festgehalten hat (E. 6a), spricht bei dieser Ausgangslage bereits das 
verhängte Strafmass für ein schweres Verschulden, übersteigt dieses doch 
die gemäss «Reneja-Praxis» massgebliche Grenze um das Zweieinhalbfa-
che. Nichts anderes ergibt sich mit Blick auf die konkreten Umstände des 
Delikts: Nachdem ihm seine damalige Freundin ihren Entschluss, sich von 
ihm zu trennen, mitgeteilt hatte, besorgte sich der Beschwerdeführer im 
gemeinsamen Haushalt das grösste und gefährlichste Messer und pirschte 
sich anschliessend von hinten an die Partnerin heran. Hierauf umfasste er 
diese mit der linken Hand und hielt mit der rechten das ca. 30 cm lange, mit 
einer 18,5 cm langen Klinge ausgestatte Küchenmesser auf ihrer Halshöhe 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 7

hin. Als sie versuchte, ihm zu entkommen, stach er ihr mit dem Messer in 
den Unterleib bzw. rechts in den Bauch und verursachte dadurch eine le-
bensgefährliche Verletzung, die ohne Notoperation zum inneren Verbluten 
geführt hätte. Der Beschwerdeführer war sich dabei der Gefährlichkeit ei-
nes solchen Stichs durchaus bewusst und wollte seine Partnerin in diesem 
Moment des Geschehens töten; ausserdem konnte sein Angriff nur auf-
grund des sofortigen Einschreitens einer in der Wohnung anwesenden 
Drittperson gestoppt werden (vgl. Urteilsbegründung des Obergerichts vom 
15.1.2013 [Akten EG Bern pag. 124 ff.; nachfolgend Urteilsbegründung] 
S. 60 f. und 64 f.). 

3.3 Dass der Beschwerdeführer die Tat unter einer «ausserordentli-
chen» psychischen Belastung bzw. «starker Alkoholisierung» begangen 
haben will (vgl. Beschwerde S. 5), vermag ihn nicht zu entlasten: Gemäss 
psychiatrischem Gutachten des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes 
(FPD) der Universität Bern vom 3. Februar 2011 (Strafvollzugsakten 
[act. 8A] pag. 353 ff.; nachfolgend psychiatrisches Gutachten) lag bei ihm 
zum Tatzeitpunkt eine leicht reduzierte Steuerungsfähigkeit bei voller Ein-
sichtsfähigkeit vor (S. 28 ff. und 35; vgl. auch Strafvollzugsakten 
pag. 54 ff.); diese leichte Verminderung der Schuldfähigkeit hat das Ober-
gericht bei der Würdigung des Verschuldens bereits berücksichtigt (vgl. 
Urteilsbegründung S. 62 ff.). Anders als er anzunehmen scheint, ist im vor-
liegenden ausländerrechtlichen Verfahren ohne weiteres auf die Sachver-
haltsfeststellungen und rechtliche Würdigung des Strafgerichts abzustellen, 
zumal diese jedenfalls nicht in einer Art und Weise in Frage gestellt wer-
den, welche eine ausnahmsweise abweichende Beurteilung rechtfertigen 
würde (vgl. hierzu etwa BGer 2C_717/2013 vom 5.9.2013, E. 2.2 mit Ver-
weis auf BGE 124 II 103 E. 1c). Sodann vermag auch der Hinweis, dass er 
die Taten mittlerweile zutiefst bereue und bereit sei, seine psychischen 
Probleme sowie den riskanten Alkoholkonsum therapeutisch anzugehen, 
das mit der begangenen Tat verbundene Verschulden nicht zu schmälern; 
diese Aspekte werden aber im Rahmen der Ausführungen zur Rückfallge-
fahr zu würdigen sein (vgl. hinten E. 6). Abgesehen davon hat das Strafge-
richt auch das «sehr tadellose Verhalten» nach der Tat bzw. der Entlas-
sung aus der Untersuchungshaft bei der Strafzumessung ausdrücklich ge-
würdigt (Urteilsbegründung S. 64). Mit der POM (E. 6a) ist damit in aus-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 8

länderrechtlicher Hinsicht von einem schweren Verschulden des Beschwer-
deführers auszugehen. Im Übrigen bleibt anzumerken, dass (versuchte) 
Tötungsdelikte zu den Anlasstaten gehören, die gemäss Art. 121 Abs. 3 
Bst. a BV zum Verlust aller Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz 
führen. Auch wenn diese Bestimmung nicht unmittelbar anwendbar ist, 
bringt sie doch eine klare verfassungsrechtliche Wertung zum Ausdruck, 
welcher im Rahmen der Interessenabwägung grundsätzlich Rechnung zu 
tragen ist (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; jüngst statt vieler etwa 
BGer 2C_940/2014 vom 30.5.2015, E. 5.3).

3.4 Zu berücksichtigen ist sodann das Verhalten gegenüber der öffentli-
chen Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen. Bei Personen, die mehrfach 
oder sogar regelmässig delinquiert haben, besteht aufgrund ihrer Einsichts-
losigkeit ein erhebliches sicherheitspolizeiliches Interesse, sie aus der 
Schweiz wegzuweisen. Wiederholte oder gar notorische Delinquenz zeigt 
in besonderer Weise, dass sich die betreffende Person von Strafurteilen 
nicht hat beeindrucken lassen, und führt zum Schluss, dass sie nicht wil-
lens oder fähig ist, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten (BVR 2013 
S. 543 E. 4.3 mit Hinweisen). – Der Beschwerdeführer hat, wie erwähnt, 
am 8. August 2010 eine versuchte vorsätzliche Tötung begangen. Weiter 
wurde er am 28. September 2007 wegen grober Verkehrsregelverletzung 
bei einer Probezeit von zwei Jahren zu einer bedingten Geldstrafe von 
30 Tagessätzen zu Fr. 80.-- sowie zu einer Verbindungsbusse von 
Fr. 1'000.-- verurteilt (vgl. Urteilsbegründung S. 9). Auch wenn dem Be-
schwerdeführer damit keine regelmässige oder gar notorische Delinquenz 
unterstellt werden kann, liegt aber doch eine Mehrfachdelinquenz vor, wel-
che die POM zu seinem Nachteil würdigen durfte (E. 6b). Im Übrigen ist 
auch die begangene Verkehrsregelverletzung keineswegs zu bagatellisie-
ren, bedeutet sie doch, dass der Beschwerdeführer mit seinem Tun eine 
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf 
genommen hat. Die Schlussfolgerung der POM, wonach dieses Verhalten 
in der Interessenabwägung als leicht erschwerend zu gewichten ist, ist da-
mit nicht zu beanstanden. 

3.5 Da auch die vom Beschwerdeführer bestrittene Rückfallgefahr ge-
geben ist (vgl. hinten E. 6), hat die Vorinstanz zu Recht ein gewichtiges 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 9

öffentliches Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung 
und der damit verbundenen Wegweisung des Beschwerdeführers aus der 
Schweiz bejaht. 

4.

Hinsichtlich der privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in 
der Schweiz sind einerseits die Dauer der Anwesenheit und die Integration 
sowie andererseits die ihm und allfälligen Angehörigen drohenden Nach-
teile zu berücksichtigen.  

4.1 Der heute 32-jährige Beschwerdeführer gelangte erstmals im Juli 
2005 im Alter von 22 Jahren in die Schweiz und erhielt aufgrund eines be-
fristeten Arbeitsvertrags eine bis Oktober 2006 gültige Kurzaufent-
haltsbewilligung EG/EFTA (Akten EG Bern pag. 4 und 7). Nach seiner 
Rückkehr nach Deutschland reiste er am 1. Februar 2007 erneut in die 
Schweiz ein, worauf ihm zwecks Ausübung einer unselbständigen Er-
werbstätigkeit eine Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA ausgestellt wurde, 
(zuletzt) gültig bis am 31. Januar 2012 (Akten EG Bern pag. 11 f.). Die prä-
genden Abschnitte seiner Kindheit und Adoleszenz hat der Beschwerdefüh-
rer somit in Deutschland verbracht, wo er auch die gesamte Schulzeit 
durchlief, eine Berufsausbildung als Maurer und später eine Ausbildung 
zum … und … absolvierte sowie Militärdienst leistete (vgl. Akten EG Bern 
pag. 190 und  221 f.). Von der Aufenthaltsdauer ist zudem die Zeit 
abzuziehen, die der Beschwerdeführer in Unfreiheit verbracht hat 
(Untersuchungshaft von 103 Tagen; Beginn Strafvollzug am 10.2.2014 
[Akten EG Bern pag. 118 und 254]) und die er aufgrund der 
aufschiebenden Wirkung der gegen die Nichtverlängerung der Aufent-
haltsbewilligung ergriffenen Rechtsmittel hier verbringt (vgl. BGE 137 II 1 
E. 4.3; BVR 2013 S. 543 E. 5.1). Es ist der Vorinstanz darin zu folgen, dass 
die Aufenthaltsdauer damit insgesamt nicht besonders lang ausfällt (vgl. 
E. 7a).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 10

4.2 Die POM hat zudem zu Recht auch eine besondere Eingliederung 
des Beschwerdeführers in die hiesigen Verhältnisse verneint, welche we-
sentlich zu dessen Gunsten zu berücksichtigen wäre: 

4.2.1 Der Beschwerdeführer ging in der Schweiz verschiedenen Erwerbs-
tätigkeiten als Maurer – seinem angestammten Beruf – bzw. als … nach, 
teilweise auch längerfristig (vgl. Akten EG Bern pag. 4, 214 f. und 220 ff.; 
Urteilsbegründung S. 8 f.). Nachdem er infolge seiner Straffälligkeit die 
damalige Arbeitsstelle verloren hatte (vgl. Urteilsbegründung S. 9), nahm er 
nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft innert kurzer Zeit 
verschiedene (temporäre) Erwerbstätigkeiten auf und war schliesslich bis 
kurz vor Antritt des Strafvollzugs im Februar 2014 beim … als Maurer 
angestellt (Akten EG Bern pag. 205, 228 ff., 231 f. und 239; Beilage 8 zur 
Beschwerde vom 19.3.2014). Diese Umstände sind grundsätzlich positiv zu 
werten; ebenso, dass der Beschwerdeführer mit den ausgeübten 
Erwerbstätigkeiten offenbar finanziell auf eigenen Füssen stehen konnte 
(vgl. Akten EG Bern pag. 239 f. und 213; Urteilsbegründung S. 9). Der 
Beschwerdeführer hielt sich jedoch gerade zu Erwerbszwecken in der 
Schweiz auf; eine regelmässige Erwerbstätigkeit, wie sie hier vorliegt, und 
damit verbunden eine finanzielle Unabhängigkeit darf unter diesen 
Umständen ohne weiteres erwartet werden. Im Übrigen hatte der 
Beschwerdeführer hierzulande auch keine sprachlichen Hindernisse zu 
überwinden, wie die POM zutreffend festgehalten hat (E. 7a). 

4.2.2 In sozialer Hinsicht verweist der Beschwerdeführer – ohne dies ent-
sprechend zu belegen – auf ein schon «seit längerer Zeit» vorwiegend in 
der Schweiz bestehendes soziales Netz. Darüber hinaus bestreitet er die 
Ausführungen der POM aber nicht, wonach er abgesehen von einigen 
freundschaftlichen Beziehungen keine engen und nahen sozialen Kontakte, 
welche den Bezug zur Schweiz nachhaltig vertiefen würden, darlegen 
könne (E. 7b); er stellt zudem auch die Feststellung des Strafgerichts, er 
habe hier in der Schweiz höchstens ein paar Kollegen, jedoch keine engen 
Freunde, nicht in Frage (vgl. Urteilsbegründung S. 9; psychiatrisches 
Gutachten S. 16 und 32 f.). Selbst wenn der Beschwerdeführer mittlerweile 
zu einem hier lebenden Landsmann, von dessen 1½-jährigem Sohn er 
offenbar Patenonkel ist (vgl. Akten EG Bern pag. 209 f.; Beschwerde-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 11

beilage [BB] 15), eine enge Beziehung pflegen sollte, lässt sich damit unter 
den gegebenen Umständen für sich allein nicht auf eine erfolgreiche 
soziale Integration schliessen. Wie die Vorinstanz zutreffend anführt, 
spricht schliesslich aber insbesondere die schwere Straffälligkeit des Be-
schwerdeführers in einem äusserst sensiblen Bereich (Delikte gegen Leib 
und Leben) massgeblich gegen eine erfolgreiche Eingliederung in die 
hiesigen Verhältnisse, stellt doch die Respektierung der rechtsstaatlichen 
Ordnung einen wichtigen Aspekt jeglicher Integration dar (Art. 4 Bst. a der 
Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Integration von Ausländerinnen 
und Ausländern [VIntA; SR 142.205]). Die Schlussfolgerung der POM, der 
Beschwerdeführer habe sich jedenfalls nicht in einem solchen Ausmass in 
der Schweiz integriert, wie es nicht ohnehin erwartet werden dürfte, ist 
damit nicht zu beanstanden. 

4.3 Zu würdigen sind schliesslich die Auswirkungen der Entfernungs-
massnahme auf den Beschwerdeführer und allfällige Angehörige. 

4.3.1 Was die Rückkehr nach Deutschland anbelangt, hat die POM zu-
treffend erwogen (E. 7b), dass der heute 32-jährige Beschwerdeführer 
seine gesamte Kindheit und Jugend dort verbracht hat (vorne E. 4.1). Es ist 
davon auszugehen, dass die Bindung zu seinem Heimatland nach wie vor 
eng und er mit den sprachlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Ge-
pflogenheiten bestens vertraut ist, zumal diese denjenigen in der Schweiz 
sehr ähnlich sind. Der Beschwerdeführer kann ausserdem in seiner Heimat 
an ein enges familiäres Beziehungsnetz anknüpfen, wohnen dort doch 
seine Eltern sowie offenbar auch weitere Verwandte (vgl. Beschwerde 
S. 11; psychiatrisches Gutachten S. 8 ff.). Auch wenn sich der Kontakt zu 
diesen Familienmitgliedern gegenwärtig aus Distanzgründen schwierig 
gestalten mag (vgl. Therapieverlaufsbericht des FPD vom 12.9.2014 [BB 7; 
nachfolgend Therapiebericht vom 12.9.2014] S. 4), ist er bis heute immer-
hin nicht abgebrochen; ausserdem hat der Beschwerdeführer, welchem die 
Trennung von der Familie offenbar schwer fällt (vgl. Therapieverlaufsbe-
richt des FPD vom 29.1.2015 [BB 8; nachfolgend Therapiebericht vom 
29.1.2015] S. 3), insbesondere den Kontakt und die Beziehung zum Vater 
im Verlauf der Zeit verbessern sowie diesbezügliche Konflikte ansprechen 
und lösen können (Therapiebericht vom 12.9.2014 S. 4). Dass er in 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 12

Deutschland darüber hinaus über keine sozialen Kontakte (mehr) verfügen 
soll (Beschwerde S. 11), vermag ihm bei dieser Ausgangslage nicht zu 
helfen; abgesehen davon war seine soziale Situation offenbar auch vor 
dem Wegzug in die Schweiz nicht wesentlich anders (vgl. psychiatrisches 
Gutachten S. 16 und 32 f.). Schliesslich sind auch in beruflicher oder wirt-
schaftlicher Hinsicht keine Hindernisse für eine Wiedereingliederung im 
Heimatland ersichtlich: Als arbeitsfähiger Mann in den Dreissigern, der die 
Landessprache spricht und in Deutschland die gesamte (Berufs-)Ausbil-
dung absolviert hat, kann er dort einer Arbeit nachgehen. Die in der 
Schweiz gewonnenen beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen sollten ihm 
die Wiedereingliederung im Heimatland zusätzlich erleichtern. Im Übrigen 
unterscheiden sich die Verhältnisse in Deutschland auch in wirtschaftlicher 
Hinsicht nicht wesentlich von denjenigen in der Schweiz. Andere Gründe, 
welche eine Rückkehr als unzumutbar erscheinen liessen, sind weder gel-
tend gemacht noch ersichtlich. 

4.3.2 Der Beschwerdeführer ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Er 
macht denn auch keine familiären Beziehungen geltend, welche der stritti-
gen Massnahme entgegenstehen könnten. Durch die Wegweisung würde 
zwar wohl die Beziehung zu seinem hier lebenden Patenkind erschwert, zu 
welchem er offenbar auch während des Strafvollzugs einen guten Kontakt 
pflegt (vgl. BB 15; vorne E. 4.2.2). Dieses zählt aber nicht zu den nahen 
Verwandten und fällt daher nicht in den Schutzbereich von Art. 8 der Euro-
päischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) bzw. Art. 13 
Abs. 1 BV (vgl. etwa BGE 135 I 143 E. 1.3.2 und 3.1). Im Übrigen kann 
diese Beziehung angesichts der nahen Distanz zu Deutschland ohne 
weiteres auch über die Grenze hinweg weiterhin gepflegt werden. Andere 
engere persönliche Beziehungen stehen nicht zur Diskussion; insbeson-
dere ist der Beschwerdeführer nicht mehr liiert (vgl. Beschwerde S. 10). 

4.4 Insgesamt kommt auf privater Seite weder der Aufenthaltsdauer 
noch der beruflichen und sozialen Integration des Beschwerdeführers we-
sentliche Bedeutung zu, von der strittigen Massnahme sind keine familiären 
Beziehungen betroffen und es stehen auch der Rückkehr und Wieder-
eingliederung im Heimatland keine Hindernisse entgegen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 13

5.

Die Abwägung der massgeblichen öffentlichen und privaten Interessen 
ergibt Folgendes: Der Beschwerdeführer wurde wegen versuchter vorsätzli-
cher Tötung seiner damaligen Freundin zu fünf Jahren Freiheitsstrafe ver-
urteilt, womit er sich ein schweres Verschulden vorwerfen lassen muss. Im 
Verbund mit der Rückfallgefahr begründet dies ein gewichtiges öffentliches 
Interesse an der strittigen Massnahme. Die Interessen am Verbleib des 
Beschwerdeführers in der Schweiz haben nach dem nationalen Ausländer-
recht dagegen zurückzustehen: Er kann sich weder auf eine lange Auf-
enthaltsdauer noch auf eine besonders erfolgreiche berufliche und soziale 
Integration in der Schweiz berufen; ausserdem verfügt er hier über keine 
konventions- bzw. verfassungsmässig geschützten familiären Beziehungen 
und es stehen auch der Rückkehr und Wiedereingliederung in den Nach-
barstaat Deutschland keine Hindernisse entgegen. Die Entfernungsmass-
nahme erweist sich damit als verhältnismässig. 

6.

Es bleibt zu prüfen, ob der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung auch vor 
dem Freizügigkeitsrecht standhält. Auf diesen Aspekt legt der Be-
schwerdeführer das Hauptgewicht seiner Ausführungen. 

6.1 Nach Art. 5 Anhang I FZA vermag eine strafrechtliche Verurteilung 
allein nicht ohne weiteres Entfernungs- oder Fernhaltemassnahmen zu 
rechtfertigen. Vielmehr bedarf es nach der Rechtsprechung einer tatsächli-
chen und hinreichend schweren sowie einer gegenwärtigen Gefährdung 
der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung (BGE 137 II 233 E. 5.3.3, 
131 II 329 E. 3.2 [Pra 95/2006 Nr. 52], je mit Hinweisen). Verlangt ist eine 
nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzie-
rende Wahrscheinlichkeit, dass die ausländische Person künftig die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung stören wird. Mit Blick auf die Bedeutung des 
Grundsatzes der Freizügigkeit dürfen an die Wahrscheinlichkeit keine zu 
geringen Anforderungen gestellt werden. Allerdings hängen diese auch von 
der Schwere der möglichen Rechtsgüterverletzung ab; je schwerer diese 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 14

ist, desto niedriger sind die Anforderungen an die in Kauf zu nehmende 
Rückfallgefahr (BGE 139 II 121 E. 5.3 [Pra 103/2014 Nr. 1], 136 II 5 E. 4.2, 
130 II 493 E. 3.3 [Pra 94/2005 Nr. 99], 176 E. 4.3.1; BGer 2C_406/2014 
vom 2.7.2015, E. 4.2; VGE 2013/269 vom 28.11.2014, E. 6.1 [bestätigt 
durch BGer 2C_6/2015 vom 30.6.2015]).

6.2 Die POM hat namentlich mit Hinweis auf die mit der Anlasstat zu-
sammenhängenden psychischen Störungen sowie die ihrer Auffassung 
nach bescheidenen bisherigen Therapieerfolge ein erhebliches Risiko, 
dass der Beschwerdeführer erneut schwere Gewaltdelikte begeht, bejaht 
und damit die Voraussetzungen für eine Entfernungsmassnahme auch im 
Licht des Freizügigkeitsrechts als erfüllt erachtet (E. 9). Der Beschwer-
deführer wendet dagegen ein, er habe trotz schwieriger Umstände seit über 
viereinhalb Jahren keine strafbare Handlung mehr begangen und sich auch 
sonst in jeder Hinsicht wohlverhalten. Er gelte als therapiewillig und -moti-
viert und habe – was die Vorinstanz verkannt habe und sich nun klar aus 
dem vor Verwaltungsgericht eingereichten jüngsten Therapiebericht vom 
29. Januar 2015 ergebe – mit Hilfe der ambulanten Massnahme durchaus 
deliktsrelevante Fortschritte und damit wesentliche Therapierfolge erzielt. 
Unter diesen Umständen sei davon auszugehen, dass sich die «einmalige 
Situation vom August 2010» realistischerweise nicht wiederholen sollte; im 
Übrigen sei auch angesichts der von der Vollzugsanstalt gewährten Aus-
gänge, Urlaube und sonstigen Vollzugslockerungen kaum von einer «ge-
genwärtigen Rückfallgefahr» auszugehen (Beschwerde S. 8 f.).

6.3 Der Beschwerdeführer hat sich im Jahr 2010 eines schweren Ge-
waltdelikts schuldig gemacht. Gemäss psychiatrischem Gutachten bestand 
bei ihm zum Tatzeitpunkt eine Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) mit 
den Hauptproblembereichen «Selbstwertregulation» und «Umgang mit und 
Integration von aggressiven Persönlichkeitsanteilen». Zusätzlich lag eine 
Alkoholintoxikation (ICD-10 F10.0) mit allerdings – trotz hoher Blutalkohol-
konzentration – nur leicht ausgeprägtem Rausch vor (S. 24 ff. und 35). Die 
Anlasstat habe mit diesen psychischen Störungen in Zusammenhang 
gestanden, wobei namentlich die Alkoholintoxikation einen wichtigen Faktor 
dargestellt habe (S. 24 f. und insb. S. 33 f.). Entsprechend seien die ge-
nannten persönlichkeitsgebundenen Faktoren sowie der schädliche Ge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 15

brauch von Alkohol zentrale Risikofaktoren für zukünftige Gewaltdelin-
quenz; zudem dürfte sich insoweit auch eine neue Partnerschaft nicht nur 
positiv, sondern auch im Sinn eines Stressors auswirken (S. 33). Auch 
wenn in der aktuellen Situation (allein lebend, kein Kontakt zum Opfer, 
Alkoholabstinenz) ein eher geringes Rückfallrisiko bestehe, sei die Gefahr 
weiterer schwerer Gewaltstraftaten erhöht, sollte der Beschwerdeführer 
erneut in eine ähnliche Situation wie damals gelangen (kränkender Bezie-
hungskonflikt, Alkoholisierung; S. 33 und 36). Die psychischen Störungen 
seien aber grundsätzlich behandelbar. Voraussetzung hierfür sei, dass im 
Rahmen einer störungs- und deliktsorientierten Behandlung die Selbstwert-
problematik bearbeitet und der Alkohol als wichtiger Risikofaktor fokussiert 
werde; darüber hinaus gelte es, die Wahrnehmung und Integration eigener 
aggressiver Impulse zu verbessern sowie die sozialen Kompetenzen zu 
stärken, insbesondere den sozial angemessenen Umgang mit aggressiven 
Gefühlen (S. 34 und 36 f.). Gestützt auf dieses Gutachten, welches der 
Beschwerdeführer inhaltlich nicht (mehr) in Zweifel zieht, ging der Spezial-
dienst der Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug des Kantons Bern 
(ASMV) in seiner «umfassenden Risikobeurteilung» vom 5. November 
2013 (Strafvollzugsakten pag. 225 ff.; nachfolgend Risikobeurteilung) von 
einem «mittleren» bzw. «moderaten» Rückfallrisiko für neue Gewaltstraf-
taten aus (S. 5 und 8); das Obergericht ordnete mit dem Hinweis, dass eine 
Strafe für sich allein zur Vermeidung weiterer Delikte ähnlicher Art und in 
ähnlichen Situationen nicht geeignet sei, eine ambulante psychotherapeuti-
sche Massnahme an (Urteilsbegründung S. 67 f.). Nachdem sich der Be-
schwerdeführer bereits im November 2010 als Ersatzmassnahme zur 
Untersuchungshaft und anschliessend freiwillig in eine (sucht)therapeuti-
sche Behandlung begeben hatte (vgl. Risikobeurteilung S. 4 ff.; Straf-
vollzugsakten pag. 62 f.; BB 13 und 14), befindet er sich seit dem 
11. Februar 2014 in der angeordneten ambulanten Behandlung (Erstge-
spräch am 28.2.2014; vgl. Therapiebericht vom 12.9.2014 S. 1 f.). 

6.4 Bei diesen Gegebenheiten stellt sich im Wesentlichen die Frage, 
inwiefern die bisher absolvierte Therapie hinsichtlich der künftigen Legal-
prognose eine Veränderung herbeiführen konnte. Hierzu ergibt sich zu-
nächst Folgendes: 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 16

6.4.1 Gemäss dem – bereits der Vorinstanz vorgelegenen – Therapie-
bericht vom 12. September 2014 gilt der Beschwerdeführer allgemein als 
behandlungsmotiviert und nimmt er die in der Regel wöchentlichen Ein-
zeltherapiesitzungen zuverlässig wahr. Er hat sich sodann im Bereich «Um-
gang mit unangenehmen Gefühlen (wie Ärger, Wut, Kränkung, verminder-
tes Selbstwertgefühl, Kontrollverlust) und adäquate aktive psychische Be-
dürfnisbefriedigung» offenbar gut auf die Therapie einlassen können. Dabei 
habe einerseits ein verbessertes Konfliktmanagement thematisiert werden 
können, andererseits seien die entsprechenden Gefühle benannt und die 
innerpsychischen Vorgänge dazu geklärt sowie andere prosoziale Verhal-
tensweisen erfolgreich eingeübt worden (S. 2 f.). Wie dem Beschwerdefüh-
rer beizupflichten ist, sind damit auf störungsorientierter Behandlungsebene 
durchaus gewisse Therapieerfolge zu verzeichnen; ausserdem sind dessen 
Therapiemotivation und -einsatz anzuerkennen. 

6.4.2 Die POM führt aber zu Recht an, dass nach demselben Bericht im 
Bereich Konsum von Alkohol hinsichtlich Deliktsrelevanz noch keine Ein-
sicht erzielt werden konnte. Der Beschwerdeführer stelle sich insoweit auf 
den Standpunkt, dass Alkohol bei der Tat keine Rolle gespielt habe und 
weigere sich denn auch zur etwaigen Einnahme von Antabus (Alko-
holentwöhnungsmittel). Er wolle einzig in Konfliktsituationen mit Frauen 
künftig nicht mehr zu Alkohol greifen, jedoch nicht generell darauf verzich-
ten; dass er in einem Vollzugsurlaub abstinent bleibe, könne er nicht ver-
sprechen. Ein Glas Wein am Abend in Gesellschaft gehöre für ihn zu einer 
«guten Lebensqualität» und es habe zudem aufgrund seiner Herkunft aus 
... für ihn auch Bier eine gesellschaftliche Bedeutung, wobei er auch 
einfach den Biergeschmack schätze (Therapiebericht vom 12.9.2014 
S. 3 f.). Entgegen seiner Auffassung durfte die POM bei dieser Sachlage 
darauf schliessen, dass die im Zusammenhang mit dem riskanten Alko-
holkonsum attestierte erhöhte Rückfallgefahr jedenfalls ausserhalb der 
engmaschigen Betreuung im Strafvollzug bzw. der ambulanten Mass-
nahme keineswegs behoben ist. Anders als der Beschwerdeführer offenbar 
meint, ist längst nicht jede potenzielle Konfliktsituation in dem Sinn 
voraussehbar, dass jeweils vorgängig auf Alkohol verzichtet werden kann. 
Es erscheint deshalb in seiner Situation mit Blick auf eine künftige Delikts-
freiheit eine vollständige Abstinenz zumindest vorläufig unabdingbar; eine 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 17

solche wird denn auch aus therapeutischer Sicht zur langfristigen Delikts-
prävention befürwortet (vgl. psychiatrisches Gutachten S. 34; Therapie-
bericht vom 12.9.2014 S. 5; vgl. auch Empfehlungen zum Vollzug gemäss 
der Risikobeurteilung S. 11). Im Übrigen vermochte bei der Anlasstat im 
August 2010 selbst ein nur «leicht ausgeprägter Rausch» die Delikts-
begehung wesentlich zu begünstigen (vgl. vorne E. 6.3). Die Haltung des 
Beschwerdeführers mutet reichlich naiv an und zeugt von einer gewissen 
Uneinsichtig- und Unbelehrbarkeit, wenn er davon ausgeht, dass in seiner 
Situation ein bloss punktueller Verzicht bzw. ein nur gemässigter Alkohol-
konsum zur Vermeidung weiterer schwerer Straftaten ausreiche. Dass er 
seinen Alkoholkonsum offenbar bereits vor Antritt der ambulanten Mass-
nahme deutlich reduziert hat (vgl. Strafvollzugsakten pag. 63), ist an sich 
positiv zu werten, nach dem Gesagten aber nicht von entscheidender 
Bedeutung. Dasselbe gilt mit Blick auf den Umstand, dass er die bereits 
Ende 2010 angefangene Therapie bis zu seiner strafrechtlichen Ver-
urteilung auf freiwilliger Basis weitergeführt hat (vgl. vorne E. 6.3); die POM 
hat diesem Aspekt folglich auch keine besondere Beachtung schenken 
müssen (vgl. Beschwerde S. 9). 

6.4.3 Die Vorinstanz hat zudem richtigerweise auch hinsichtlich des «so-
zialen Beziehungsverhaltens des Beschwerdeführers insbesondere in part-
nerschaftlichen Beziehungen zu Frauen» auf das Fortbestehen eines zen-
tralen Risikofaktors hingewiesen (E. 9d): Wohl hat der Beschwerdeführer 
nach dem Bericht vom 12. September 2014 seine nach Begehung der Tat 
aufgenommene, mittlerweile ebenfalls gescheiterte Paarbeziehung freund-
schaftlich beenden können. Es würde ihn aber eine neue Partnerschaft der 
Exfreundin nur dann nicht stören, wenn seine eigene Freundschaft zu ihr 
erhalten bliebe; er wünsche sich aktuell das Fortbestehen dieser Freund-
schaft bis ans Lebensende (S. 4). Der POM ist beizupflichten, dass auch 
vor diesem Hintergrund das erneute Auftreten einer deliktsbegünstigenden 
Situation (vgl. vorne E. 6.3) nicht ausgeschlossen werden kann. Schliess-
lich führt die Vorinstanz auch zutreffend ins Feld, dass nach dem fraglichen 
Bericht eine eigentliche deliktsorientierte Therapie mit einem «Tatkreislauf» 
noch nicht stattgefunden hat (S. 4). Der Beschwerdeführer könne zwar mitt-
lerweile selbst benennen, dass die Tat mit einer extremen Verletzung sei-
ner Gefühle einhergegangen sei; insgesamt bewerte er jedoch seine Strafe 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 18

als überhöht, weil seiner Meinung nach die Verletzung seiner Gefühle von 
aussen zugefügt worden sei und bei der Strafzumessung rechtfertigende 
Faktoren zu wenig berücksichtigt worden seien. Auch insoweit kann, wie 
die POM richtig gewürdigt hat, von einer Behebung der Rückfallgefahr nicht 
gesprochen werden. 

6.5 Bei dieser Ausgangslage hat die POM dem – abgesehen von einer 
einzigen Disziplinierung wegen Besitzes unerlaubter Filme auf dem PC – 
durchwegs sehr positiven Strafvollzugsverlauf (vgl. Strafvollzugsakten 
pag. 272) zu Recht kein entscheidendes Gewicht beigemessen; ebenso 
wenig vermag dem Beschwerdeführer der Umstand zu helfen, dass er seit 
der Tat im August 2010 strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung getreten 
ist. Der Beschwerdeführer befand sich im Strafvollzug bzw. in der ambulan-
ten Massnahme unter Kontrolle und Begleitung von Fachpersonal; gutes 
Verhalten wird im Übrigen im Strafvollzug und auch nach der bedingten 
Entlassung allgemein erwartet und schliesst eine (nach wie vor) gegenwär-
tige Gefahr nicht aus (vgl. BGE 139 II 121 E. 5.5.2 [Pra 103/2014 Nr. 1], 
137 II 233 E. 5.2.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGer 2C_236/2013 vom 
19.8.2013, E. 6.5). Unter diesen Umständen kann nicht von einer eigentli-
chen Bewährung des Beschwerdeführers gesprochen werden, und zwar 
ungeachtet der schrittweise gewährten Vollzugslockerungen (vgl. vorne 
E. 6.2). Mit der POM ist damit gestützt auf die ihr vorgelegenen Unterlagen 
trotz in Angriff genommener Therapie auf das Fortbestehen einer relevan-
ten Rückfallgefahr für schwere Delikte zu schliessen; dementsprechend 
durfte die Vorinstanz die Voraussetzungen für eine Entfernungsmass-
nahme auch im Licht von Art. 5 Anhang I FZA als erfüllt betrachten. 

6.6 Der vor Verwaltungsgericht neu eingereichte Therapiebericht vom 
29. Januar 2015 führt, anders als der Beschwerdeführer meint, zu keiner 
abweichenden Beurteilung: 

6.6.1 Laut dem Bericht wurde im Rahmen der störungsorientierten Thera-
pie neben der Arbeit an den deliktsrelevanten Persönlichkeitsanteilen und 
dem Umgang mit unangenehmen Gefühlen am Thema der Deliktsrelevanz 
des Alkoholkonsums festgehalten und dieses eingehend psychoedukativ 
bearbeitet (S. 3). In der deliktsorientierten Therapie habe – trotz belasten-
der ausländerrechtlicher Situation, Trennung von der Familie und gewisser 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 19

Haftmüdigkeit – eine verbesserte Akzeptanz und Einsicht hinsichtlich des 
Erfordernisses der Alkoholabstinenz aus deliktpräventiven Gründen er-
arbeitet werden können; ausserdem sei der Beschwerdeführer, der an-
lässlich der bisher gewährten Vollzugslockerungen (ein Urlaub von 
24 Stunden und mehrere Ausgänge) stets abstinent geblieben sei, dies-
bezüglich «klar kontrollfähig» (S. 2 ff.). Damit scheint die Therapie nunmehr 
auch hinsichtlich der Deliktsrelevanz des Alkoholkonsums eine positive 
Entwicklung zu nehmen. 

6.6.2 Nachdem bereits früher aus therapeutischer Sicht im Raum gestan-
den hat, dass beim Beschwerdeführer keine wirkliche Veränderungsbereit-
schaft, sondern bloss eine oberflächliche, vielleicht sogar strategische Mo-
tivation vorliegen könnte (vgl. Risikobeurteilung S. 6; vgl. in diesem Zu-
sammenhang auch Urteilsbegründung S. 56), wirft dessen Verhalten inso-
weit immer noch gewisse Fragen auf. Es ist nicht auszuschliessen, dass 
der Beschwerdeführer, welcher noch bis vor kurzem hinsichtlich einer Al-
koholabstinenz eine klar ablehnende Haltung vertreten hatte (vgl. vorne 
E. 6.4.2), mittlerweile den engen Zusammenhang zwischen der Erreichung 
dieses Therapieziels und der Gewährung von Vollzugslockerungen bzw. 
seiner ausländerrechtlichen Situation realisiert hat und sein Sinneswandel 
in erster Linie daher rührt. Er selber führt dazu im Schreiben vom 
2. Oktober 2014 (BB 15), in welchem er um ausnahmsweise Aus-
gangsverlängerung ersucht hat, aus, er sei nur deshalb nicht früher zur 
heutigen Einsicht gelangt, da er zunächst durch die Strafvollzugsbehörden 
nicht über die Erforderlichkeit einer Alkoholabstinenz orientiert worden sei; 
mittlerweile sei diesbezüglich aber eine offizielle Anordnung erfolgt, welche 
er – wie auch sämtliche übrigen Auflagen – selbstverständlich befolgen 
werde (vgl. auch Therapiebericht vom 29.1.2015 S. 3). Dass der Be-
schwerdeführer tatsächlich zu einer «echten» Einsicht gelangt ist, welche 
auch ausserhalb des Strafvollzugs bzw. der ambulanten Massnahme un-
abhängig von einer behördlichen Auflage Bestand hat, erscheint unter die-
sen Umständen wenig wahrscheinlich. Im Übrigen ist aktenkundig, dass an 
den Therapiesitzungen eine entsprechende Orientierung erfolgt (vgl. The-
rapiebericht vom 12.9.2014 S. 3: «Dieser Schwerpunkt [Konsum von Alko-
hol] wurde von Beginn der Therapie orientierend und klärend [Deliktsrele-
vanz] mit hohem psychoedukativen Anteil gesetzt») und dabei auch die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 20

Massnahme einer vollständigen Alkoholabstinenz thematisiert worden ist 
(vgl. vorne E. 6.4.2); von einer solchen war ausserdem bereits im psy-
chiatrischen Gutachten sowie in der Risikobeurteilung der ASMV vom 
5. November 2013 die Rede (vgl. Risikobeurteilung S. 11; vgl. zudem auch 
etwa Strafvollzugsakten pag. 63). 

6.6.3 Inwiefern der Beschwerdeführer seine Einstellung effektiv geändert 
hat, spielt aber letztlich nur eine untergeordnete Rolle. Denn das mit Blick 
auf die Rückfallgefahr zentrale Alkoholproblem kann im heutigen Zeitpunkt 
so oder anders nicht als gelöst betrachtet werden. Der Beschwerdeführer 
hat, auch wenn bei ihm keine eigentliche Alkoholabhängigkeit diagnostiziert 
worden ist, über eine lange Zeit regelmässig Alkohol konsumiert. Der Alko-
hol hatte für ihn in mehrfacher Hinsicht einen wichtigen Stellenwert, so 
dass er bis vor kurzem nicht zu einer entsprechenden Abstinenz bereit war 
(vgl. vorne E. 6.4.2). Auch wenn er derzeit seinen Alkoholkonsum kon-
trollieren kann und anlässlich der bisherigen Vollzugslockerungen abstinent 
geblieben ist, dürfte damit ein konsequenter Verzicht auf Alkohol für ihn 
ausserhalb des geschützten Rahmens des Strafvollzugs bzw. der ambulan-
ten Massnahme nicht einfach sein. Auch nach dem neusten Therapiebe-
richt ist ihm die diesbezügliche Einsicht «ausserordentlich» schwer gefallen 
und sind die bisherigen Therapieerfolge unter Anwendung entsprechender 
Kontrollmassnahmen weiterhin zu festigen (S. 3 f.); ausserdem gingen be-
reits die im Rahmen des Strafverfahrens beigezogenen Fachpersonen in 
allgemeiner Weise davon aus, dass dem Risiko weiterer Straftaten nur 
durch eine langandauernde, relativ engmaschige therapeutische Betreuung 
begegnet werden kann (Urteilsbegründung S. 66; vgl. auch Straf-
vollzugsakten pag. 63). Unter diesen Umständen kann nicht davon aus-
gegangen werden, dass beim Beschwerdeführer ein nachhaltig veränderter 
Umgang mit Alkohol oder gar eine vollständige Alkoholabstinenz, wie sie 
zumindest vorläufig für eine künftige Deliktsfreiheit unabdingbar erscheint 
(vgl. vorne E. 6.4.2), innert nur weniger Wochen oder Monate bewirkt wer-
den kann; die Erreichung dieses Therapieziels stellt vielmehr einen länge-
ren Prozess dar, der weitere Therapien benötigt und über die Zeit nach der 
Entlassung aus dem Strafvollzug bzw. Beendigung der ambulanten Mass-
nahme hinausgeht. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 21

6.6.4 Hinzu kommt, dass nach dem fraglichen Bericht vom 29. Januar 
2015 auch die Beziehung des Beschwerdeführers zur letzten Exfreundin 
(vgl. vorne E. 6.4.3) als «wechselhaft» gilt und dieser bislang nicht bereit 
war, die ehemalige Partnerin in die Therapie miteinzubeziehen, obschon 
eine solche Massnahme im Rahmen der laufenden Therapie offenbar ein 
Thema darstellt und als wichtig angesehen wird (S. 3 f.; vgl. auch Risiko-
beurteilung S. 11). Auch insoweit ist die Gefahr weiterer Delikte – auch 
wenn aus therapeutischer Sicht vorläufig keine weiteren Massnahmen an-
gezeigt sind – demnach nicht behoben, sondern scheint es an der er-
forderlichen Therapiebereitschaft des Beschwerdeführers zu mangeln. Ins-
gesamt ist damit ein erfolgreicher, d.h. auch längerfristig gesicherter The-
rapieabschluss trotz positiver Ansätze derzeit nicht absehbar. Auch die 
ASMV erachtete im Übrigen in Kenntnis des hier interessierenden Berichts 
die Therapieziele als noch nicht erfüllt und ordnete dementsprechend am 
4. März 2015 mangels Zielerreichung die Weiterführung der ambulanten 
Massnahme an (vgl. Strafvollzugsakten pag. 339 und 325 f.). Ausserdem 
erfolgen sämtliche Vollzugslockerungen jeweils nur unter Auferlegung ei-
nes strikten Alkoholkonsumverbots und unter Durchführung entsprechen-
der Kontrollen, wobei das Opfer jeweils entsprechend informiert wird und 
dem Beschwerdeführer die Kontaktaufnahme zu diesem ausdrücklich un-
tersagt ist (vgl. etwa Strafvollzugsakten pag. 327 und 285). 

6.7 Auch unter Berücksichtigung der jüngsten therapeutischen Entwick-
lung ist damit in Würdigung der gesamten Umstände eine konkrete Rück-
fallgefahr nach wie vor zu bejahen. Die bisher erzielten Therapieerfolge 
und -fortschritte schliessen keineswegs aus, dass eine gegenläufige Ent-
wicklung im Sinn eines Rückfalls eintreten könnte (vgl. auch 
BGer 2C_1155/2012 vom 8.5.2013, E. 3.3). Dieses – wenn auch im 
Vergleich zum vorinstanzlichen Verfahren gegebenenfalls etwas geringere 
– Risiko ist angesichts des begangenen vorsätzlichen Tötungsversuchs 
nicht hinzunehmen. Tötungsdelikte gehören zu den schwersten Straftaten; 
entsprechend darf auch im Licht des Freizügigkeitsrechts selbst eine 
geringe Rückfallgefahr zu einer fremdenpolizeilichen Massnahme führen 
(vgl. etwa BGer 2C_1148/2013 vom 8.7.2014, E. 5.2, 2C_236/2013 vom 
19.8.2013, E. 6.4). Mit der POM ist demnach eine nach Art und Ausmass 
der möglichen Rechtsgutverletzungen (Leben und körperliche Integrität) 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 22

gegenwärtige, tatsächliche und hinreichend schwere Rückfallgefahr anzu-
nehmen, womit der angefochtene Entscheid auch im Licht von Art. 5 An-
hang I FZA der Rechtskontrolle standhält. Soweit der Beschwerdeführer in 
diesem Zusammenhang den Beweisantrag auf ein Parteiverhör stellt (vgl. 
Beschwerde S. 9), wird dieser abgewiesen. Eine solche Befragung ver-
möchte an der Einschätzung des Rückfallrisikos nach dem vorstehend Ge-
sagten nichts zu ändern (vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung BVR 2012 
S. 252 E. 3.3.3, 2011 S. 97 E. 4.2.1). 

7.

Die POM hat die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung somit zu Recht 
verweigert; eine solche kommt auch nicht ermessensweise in Betracht 
(Art. 33 Abs. 3 AuG; angefochtener Entscheid, E. 11; BVR 2011 S. 289 
E. 6), was der Beschwerdeführer nicht näher beanstandet. Die Beschwerde 
erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen. 

Die Wegweisung ist auf den Zeitpunkt der Beendigung des Strafvollzugs 
angeordnet worden, wobei das Strafende auf den 29. Oktober 2018 fällt; 
frühestmöglicher Zeitpunkt für eine bedingte Entlassung ist der 27. Februar 
2017 (Therapiebericht vom 12.9.2014 S. 1). Unter diesen Umständen kann 
das Verwaltungsgericht darauf verzichten, eine Ausreisefrist anzusetzen. 

8.

Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer an sich kosten-
pflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG) und hat keinen Anspruch auf Partei-
kostenersatz (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Er hat indes-
sen für das verwaltungsgerichtliche Verfahren um unentgeltliche Rechts-
pflege unter amtlicher Beiordnung seines Rechtsvertreters ersucht. 

8.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Verfahrenskosten, wenn diese nicht über die erforderlichen Mittel ver-
fügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 
VRPG; vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 23

19. Dezember 2008 [ZPO; SR 272]). Unter den gleichen Voraussetzungen 
kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet wer-
den, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtfertigen 
(Art. 111 Abs. 2 VRPG). Ein Prozess ist nicht aussichtslos, wenn berech-
tigte Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, das heisst wenn Gewinnaussich-
ten und Verlustgefahren sich ungefähr die Waage halten oder jene nur we-
nig geringer sind als diese. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtli-
chen Praxis demgegenüber Prozessbegehren anzusehen, bei denen die 
Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und 
deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend ist 
dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünfti-
ger Überlegung zu einem Prozess entschliessen oder aber davon absehen 
würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und 
Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb austragen können, weil er sie 
nichts kostet (BVR 2008 S. 97 E. 5.2; BGE 139 III 475 E. 2.2).

8.2 Der Beschwerdeführer erzielt im Rahmen des Strafvollzugs ein Pe-
kulium von Fr. 500.-- bis 900.-- pro Monat, über welches er zu 60 % frei 
verfügen kann (vgl. Gesuchsbeilage [GB] 4); abgesehen davon wird er der-
zeit vom Sozialdienst der Stadt Bern unterstützt (GB 5 und 6). Damit ist 
ohne weiteres von seiner Prozessarmut auszugehen. Da sich der Be-
schwerdeführer auf das FZA berufen kann und das Rückfallrisiko deshalb 
den erhöhten Anforderungen von Art. 5 Anhang I FZA genügen muss, kann 
die Beschwerde angesichts der neuen Therapie- und Vollzugsberichte, 
namentlich des neuen Berichts vom 29. Januar 2015, sodann nicht als von 
vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Schliesslich rechtfertigen die 
Verhältnisse auch den Beizug einer Rechtsvertreterin bzw. eines Rechts-
vertreters. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist somit gutzuheis-
sen, und dem Beschwerdeführer ist für das verwaltungsgerichtliche Be-
schwerdeverfahren sein Rechtsvertreter als amtlicher Anwalt beizuordnen. 

8.3 Die Verfahrenskosten sind demnach unter Vorbehalt der Nachzah-
lungspflicht des Beschwerdeführers vorläufig vom Kanton Bern zu tragen 
(Art. 113 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 123 ZPO). Die Kostennote des Rechts-
vertreters gibt im Licht von Art. 104 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 41 des Kan-
tonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 24

Art. 1 und 11 ff. der Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung 
des Parteikostenersatzes (PKV; BSG 168.811) zu keinen Bemerkungen 
Anlass. Entsprechend ist der tarifmässige Parteikostenersatz auf 
Fr. 2'730.--, zuzüglich Fr. 93.60 Auslagen und Fr. 225.90 MWSt (8 % von 
Fr. 2'823.60), insgesamt Fr. 3'049.50, festzusetzen. Die amtliche Entschä-
digung ist bei einem massgeblichen Zeitaufwand von 10,92 Stunden ge-
stützt auf Art. 112 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 42 KAG und Art. 1 der Verord-
nung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtlichen Anwäl-
tinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) auf Fr. 2'184.-- (10,92 x 200.--), 
zuzüglich Fr. 93.60 Auslagen und Fr. 182.20 MWSt (8 % von Fr. 2'277.60), 
insgesamt Fr. 2'459.80, festzusetzen. Der Rechtsvertreter ist vorerst aus 
der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Beschwerdeführer ist gegenüber 
dem Kanton bzw. dem Rechtsvertreter zur Nachzahlung verpflichtet, sobald 
er dazu in der Lage ist (Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 42a Abs. 2 KAG und 
Art. 123 ZPO).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. 

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 2'500.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt. Die Kosten trägt vorerst der Kanton Bern. Vorbehalten bleibt 
die Nachzahlungspflicht des Beschwerdeführers.

4. Für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wird dem Beschwer-
deführer Rechtsanwalt …, Bern, als amtlicher Anwalt beigeordnet. Der 
tarifmässige Parteikostenersatz wird in diesem Verfahren auf 
Fr. 3'049.50 (inkl. Auslagen und MWSt) festgesetzt. Davon wird 
Rechtsanwalt … aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'459.80 (inkl. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15.09.2015, Nr. 100.2015.89U, 
Seite 25

Auslagen und MWSt) festgesetzte Entschädigung vergütet. Vorbehalten 
bleibt die Nachzahlungspflicht des Beschwerdeführers. 

5. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer
- der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern 
- der Einwohnergemeinde Bern 
- dem Staatssekretariat für Migration 

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.