# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9afd33b-a7c8-5a87-80c5-ee0f31ac2dc7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.01.2023 F-5921/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5921-2022_2023-01-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5921/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richter Gregor Chatton; 

Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch Morena Brajshori,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz,  

(…)  

Beschwerdeführer,   
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.   
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone. 

 

 

 

F-5921/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (afghanischer Staatsangehöriger, geb. 2006) er-

suchte am 16. August 2022 in der Schweiz um Asyl. Anlässlich der Anhö-

rung vom 15. November 2022 äusserte er betreffend Kantonszuteilung den 

Wunsch, im gleichen Kanton wie sein entfernter Verwandter B._______ 

(N […]) zugeteilt zu werden. Dieser sei sein einziger Verwandter in der 

Schweiz und unterstütze ihn mental.  

B.  

Mit Verfügung vom 23. November 2022 verneinte die Vorinstanz die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und 

ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, verfügte jedoch zufolge der 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs eine vorläufige Aufnahme. 

Gleichzeitig wies sie ihn dem Kanton C._______ zu, der mit der Umsetzung 

der vorläufigen Aufnahme beauftragt wurde. Ferner hielt die Vorinstanz 

fest, eine allfällige Beschwerde gegen die Kantonszuweisung habe keine 

aufschiebende Wirkung. 

C.  

Am 6. Dezember 2022 erliess die Vorinstanz einen «Zuweisungsentscheid 

an den Kanton» und verfügte die Zuweisung des Beschwerdeführers an 

den Kanton C._______. Entsprechend wurde er am 7. Dezember 2022 in 

den Kanton C._______ überstellt.  

D.  

Mit Eingabe vom 21. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der 

Verfügung vom 23. November 2022. Die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn 

dem Kanton D._______ zuzuweisen. Eventualiter sei die Sache zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner ersuchte er um Wie-

derherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, vorsorgliche 

Zuweisung an den Kanton D._______ und superprovisorische Anweisung 

an die Vollzugsbehörden, von einer Zuweisung an den Kanton C._______ 

abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Wiederherstellung 

der aufschiebenden Wirkung und die vorsorglichen Massnahmen entschie-

den habe. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren 

und auf einen Kostenvorschuss zu verzichten.  

  

F-5921/2022 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-

gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-

ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Be-

schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG 

und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.3 Entscheide über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an einen 

Kanton können gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG – Art. 27 Abs. 3 AsylG geht 

als spezielle Bestimmung der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG 

vor (Art. 106 Abs. 2 AsylG) – nur mit der Begründung angefochten werden, 

sie verletzten den Grundsatz der Einheit der Familie. 

2.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie 

im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei-

ten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den 

Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kantone 

und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311), wobei das SEM bei der Verteilung bereits in der 

Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asylsu-

chenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 

Abs. 1 AsylV 1). 

3.2 Der Begriff der «Einheit der Familie» gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG wird 

im Asylgesetz einheitlich verwendet und entspricht dem Schutzbereich von 

Art. 8 EMRK (BVGE 2008/47 E. 4.1). Er umfasst demnach die Kernfamilie, 

F-5921/2022 

Seite 4 

d.h. Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner, in dauernder ehe-

ähnlicher Gemeinschaft zusammenlebende Personen sowie deren minder-

jährige Kinder (vgl. Art. 1a Bst. e AsylV 1). Andere familiäre Beziehungen 

stehen nur in besonderen Fällen unter dem Schutz dieser Garantie. Ist die 

Beziehung zwischen Eltern und ihren volljährigen Kindern oder zwischen 

erwachsenen Geschwistern betroffen, muss ein Abhängigkeitsverhältnis 

dargetan werden, das über die normalen familiären Bindungen hinausgeht 

(BGE 147 I 268 E. 1.2.3; 144 II 1 E. 6.1). 

3.3 Besondere Elemente der Abhängigkeit können sich unabhängig vom 

Alter, namentlich aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen 

wie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden 

Krankheiten ergeben (vgl. BGE 120 Ib 257 E. 1e; 115 Ib 1 E. 2d; Urteil des 

BGer 2C_339/2019 vom 14. November 2019 E. 3.4; Urteil des EGMR 

65550/13 Belli und Arquier-Martinez gegen Schweiz vom 11. Dezember 

2018 Ziff. 65). Die betroffene Person muss für die Bewältigung des tägli-

chen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen sein, die sinnvollerweise nur von 

einem nahen Angehörigen geleistet werden kann. Eine lediglich moralische 

Unterstützung genügt dabei nicht, um ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne 

der Rechtsprechung zu begründen (Urteil BGer 2C_339/2019 E. 3.5; 

BVGE 2008/47 E. 4.1.1 f.; Urteil des EGMR 23887/16 I.M. gegen Schweiz 

vom 9. April 2019 § 62). Das besondere Abhängigkeitsverhältnis muss ge-

wachsen sein und im Zeitpunkt der Geltendmachung des Anspruchs be-

stehen (Urteile des BGer 2C_396/2021 vom 27. Mai 2021 E. 3.2; 

2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2). 

4.  

Die Mutter des Beschwerdeführers und die Mutter von B._______ sind ge-

mäss den Ausführungen des Beschwerdeführers Cousinen. Unbestritten 

ist daher, dass B._______ nicht zur Kernfamilie des Beschwerdeführers zu 

zählen ist. Zu prüfen ist, ob ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der zitier-

ten Rechtsprechung vorliegt. Der Beschwerdeführer macht geltend, als un-

begleiteter Minderjährige führe er eine nahe, enge und tatsächlich gelebte 

Beziehung zu seinem Verwandten B._______. Ausser B._______ habe er 

keine weiteren Verwandten und Freunde in der Schweiz. Dieser habe ihn 

während des Asylverfahrens unterstützt und helfe ihm mental. Afghanistan 

hätten sie zusammen verlassen und seien gemeinsam in die Schweiz ein-

gereist. Durch die Zuweisung an den Kanton C._______ würde er von sei-

nem einzigen in der Schweiz lebenden Verwandten getrennt werden. Es 

bestehe zwischen ihm und B._______ ein besonderes Abhängigkeitsver-

F-5921/2022 

Seite 5 

hältnis im Sinne von Art. 8 EMRK und er sei auf dessen Unterstützung an-

gewiesen. Aufgrund seiner Erlebnisse im Heimatland sei er psychisch sehr 

belastet und traumatisiert. Aus den Akten ist hingegen nicht ersichtlich, 

dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers derart gravierend 

sind, als dass er für die Bewältigung des täglichen Lebens auf fremde Hilfe 

angewiesen ist, die nur von B._______ geleistet werden kann. Dies wird 

vom Beschwerdeführer sodann weder geltend gemacht noch durch ärztli-

che Berichte belegt. Eine lediglich moralische Unterstützung genügt nicht, 

um ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung zu begrün-

den. B._______ ist selbst minderjährig und kann damit keine Fürsorge-

pflichten für den Beschwerdeführer ausüben. Entgegen der Ansicht des 

Beschwerdeführers ist die Vorinstanz in ihrer Verfügung sodann genügend 

auf die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und B._______ ein-

gegangen und es liegt keine Verletzung der Begründungspflicht vor.  

5.  

Die Zuweisung des Beschwerdeführers an den Kanton C._______ verletzt 

damit den Grundsatz der Einheit der Familie gemäss Art. 27 Abs. 3 letzter 

Satz AsylG nicht. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

6.  

Die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, 

um Anordnung von vorsorglichen Massnahmen und um superprovisorische 

Anweisung an die Vollzugsbehörden, von einer Überstellung in den Kanton 

C._______ abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Wie-

derherstellung der aufschiebenden Wirkung und die vorsorglichen Mass-

nahmen entschieden habe, sind mit vorliegendem Urteil gegenstandslos 

geworden. 

7.  

7.1 Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ungeachtet ei-

ner allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 

VwVG). 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde der Beschwerdeführer grund-

sätzlich kostenpflichtig. Angesichts seiner Minderjährigkeit ist jedoch von 

der Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen (vgl. Art. 63 Abs. 1 in 

fine VwVG i.V.m. Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]).  

F-5921/2022 

Seite 6 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. 

 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Annina Mondgenast 

 

 

 

Versand: