# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7550fe8-59b8-53cc-8177-7cab94c99a32
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-06
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 06.08.2020 S 2018 156
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2018-156_2020-08-06.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 18 156

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti
RichterIn von Salis, Audétat 

Aktuar Ott

URTEIL

vom 6. August 2020

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Karin Caviezel,

Beschwerdeführer

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. A._____ meldete sich am 1. Mai 2007 erstmals und unter Hinweis auf eine 

bestehende Drogenabhängigkeit zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) an. Diese tätigte ver-

schiedene Abklärungen, so auch bei Dr. med. B._____, der in seinem Arzt-

bericht vom 7. Mai 2007 als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits-

fähigkeit ein Verdacht auf Schizophrenie/schizoide Persönlichkeitsstörung 

sowie Störungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, bestehend seit 

1999, auswies. Im Zeitraum von Ende 2005 bis Ende 2007 befand sich 

A._____ in stationärer Drogentherapie. Zur Prüfung eines Leistungsan-

spruches beabsichtigte die IV-Stelle, ein psychiatrisches Gutachten einzu-

holen, worüber A._____ am 12. Februar 2008 informiert wurde. Dieser wi-

dersetzte sich allerdings einer Begutachtung. Trotz Mahnung vom 5. März 

2008, welche unter Hinweis auf die Folgen einer Mitwirkungspflichtsverlet-

zung erfolgte, konnte die Begutachtung schliesslich nicht durchgeführt 

werden. A._____ zog am 1. April 2008 seine Anmeldung vom 1. Mai 2007 

zurück bzw. sein Leistungsbegehren wurde nach Durchführung des Vor-

bescheidverfahrens mit Verfügung vom 8. September 2008 abgewiesen. 

2. Am 6. Januar 2017 meldete sich A._____ erneut bei der IV-Stelle unter 

Hinweis auf eine chronische Virushepatitis C, eine paranoide Schizophre-

nie sowie eine psychische und Verhaltensstörung durch Opioide und Ko-

kain, Abhängigkeitssyndrom, zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle tätigte 

wiederum verschiedene Abklärungen. Nach einem Evaluationsgespräch 

betreffend beruflicher Eingliederung vom 18. Januar 2017 schloss die IV-

Stelle mit Mitteilung vom 26. Januar 2017 die Eingliederungsmassnahmen 

mit der Begründung ab, A._____ habe anlässlich des Evaluationsge-

spräches angegeben, dass er sich zurzeit nicht in der Lage fühle, in we-

sentlichem Umfang einer Erwerbstätigkeit nachzugehen; dies werde von 

den (bisherigen) Abklärungen bestätigt. Neben einem Bericht vom 15. Ja-

nuar 2017 des behandelnden Hausarztes Dr. med. B._____ wurde auch 

ein auf den 1. Februar 2017 datierter Arztbericht von Dr. med. C._____ 

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(Psychiatrische Dienste Graubünden [PDGR]) eingeholt. Denn A._____ 

befand sich gemäss Austrittsbericht vom 23. März 2017 ab dem 8. Novem-

ber 2016 bis zum 13. März 2017 zum widerholten Male in stationärer Be-

handlung in einer Klinik. Aus dem Bericht von Dr. med. C._____ ging ne-

ben der bisherigen Behandlungsanamnese insbesondere hervor, dass fol-

gende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen: pa-

ranoide Schizophrenie (F20.2; diagnostiziert im Juli 2015, vorher sonstige 

akute vorwiegend wahnhaft psychotische Störung F23.3 mit Erstdiagnose 

im Oktober 1999), Störungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom 

(F11.2; ab Oktober 2002), Störungen durch Kokain, Abhängigkeitssyn-

drom (F14.2; ab 2001), Störungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom 

(F17.2; ab etwa 1997) sowie Störungen durch Alkohol, Missbrauch (F10.1; 

vorher Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom F10.2, etwa 1996 

bis 2005). Anlässlich der damaligen stationären Behandlung wurde eine 

schlechte Prognose gestellt und empfohlen, ihn in eine heroingestützte Be-

handlung mit täglicher Opiatabgabe zu überführen. Zu den erwerblichen 

Auswirkungen wurde ausgeführt, dass während des Aufenthalts eine Ar-

beitsunfähigkeit von 100% bestanden habe und aufgrund der schizophre-

nen Grunderkrankung nur eine bedingte Konzentration, Verlässlichkeit und 

Sicherheit in seiner bisherigen Tätigkeit gegeben sei. Zudem bestünden 

aufgrund seines körperlichen Zustandes auch nur geringe körperliche Re-

serven. Die Leistungsfähigkeit, im (Bau-)Betrieb seines Vaters (im ge-

schützten Rahmen) zu arbeiten, sei deutlich vermindert, wobei er zuletzt 

im September 2016 dort gearbeitet habe. Ab ca. März 2017 sei ein Arbeits-

einsatz in einer geschützten Werkstätte zu ca. 50 % geplant. Insgesamt 

präsentiere sich ein komplexer langjähriger Verlauf, wobei die Schizophre-

nie vom Patienten lange mit Suchtmitteln selbst behandelt worden sei. 

Seit März 2017 nahm A._____ im Ambulatorium am Diaphinprogramm 

(diacetylmorphin- bzw. heroingestützte Behandlung) teil.

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3. Mit Schreiben vom 12. April 2017 wurde A._____ aufgefordert, eine wirk-

same neuroleptische Behandlung sowie eine Drogen- und Alkoholabsti-

nenz mittels regelmässiger Kontrollen nachzuweisen, wobei die Substitu-

tionsbehandlung mit Methadon davon ausgenommen war. Für den Fall der 

Nichterfüllung wurde ihm angedroht, dass über seinen Anspruch so ent-

schieden werde, als ob er die Massnahmen durchgeführt hätte, d.h. es 

werde ihm eine prognostizierte Erwerbstätigkeit angerechnet. Letztere 

schätzte Dr. med. D._____ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ost-

schweiz auf 80% ein. 

Am 18. April 2017 informierte Dr. med. E._____ (PDGR) die IV-Stelle darü-

ber, dass sich A._____ seit März 2017 in einer diaphingestützten Behand-

lung befinde. Sie schlug ein Kontrollsetting betreffend die verlangte neuro-

leptische Behandlung und die Drogenabstinenz vor. Im Verlaufsbericht 

vom 13. Oktober 2017 hielt Assistenzärztin F._____ vom Ambulantorium 

G._____ der PDGR fest, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszu-

standes bei unveränderten Diagnosen festgestellt werden könne. Bekannt 

und fortbestehend sei eine Polytoxikomanie und eine schwere paranoide 

Schizophrenie, wobei die Schizophrenie vorausgegangen sei und für die 

Einschränkungen im Arbeitsalltag verantwortlich sei. Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit hätten die eingeschränkte Kommunikations- und Konzen-

trationsfähigkeit, die eingeschränkte Flexibilität und Merkfähigkeit sowie 

die eingeschränkte Belastbarkeit. Eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeits-

markt sei unrealistisch. Vielmehr werde die Fortführung der Tätigkeit im 

geschützten Rahmen empfohlen, wobei der Ist-Zustand im Rahmen der 

Einschränkungen optimal sei. Eine Heilung bzw. Verbesserung sei nicht 

realistisch.

4. Am 4. Juni 2018 wurde A._____ von Dr. med. H._____ im Hinblick auf die 

Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens untersucht, welches am 

2. August 2018 erstattet wurde. Das psychiatrische Gutachten wurde unter 

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Beizug der durch Dr. phil. I._____ durchgeführten neuropsychologischen 

Abklärung gemäss dessen Bericht vom 26. Juni 2018 erstellt, welcher 

A._____ am 22. Juni 2018 ebenfalls persönlich befragt und untersucht 

hatte. Die neuropsychologische Abklärung wurde von Dr. med. H._____ 

aufgrund der langjährigen Polytoxikomanie als angezeigt erachtet, um be-

urteilen zu können, ob bereits sekundäre Folgeschäden (der neurokogniti-

ven Funktionsfähigkeit) aufgetreten seien. Als Diagnosen mit Auswirkun-

gen auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. med. H._____ eine psychische und 

Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum ande-

rer psychotroper Substanzen, andere anhaltende kognitive Beeinträchti-

gungen (ICD-10: F19.74), fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig-

keit seien indes die diagnostizierte psychische und Verhaltensstörung 

durch multiplen Substanzgebrauch und der Konsum anderer psychotroper 

Substanzen, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem 

ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogamm in Bezug auf Opiate (ICD-10: 

F19.22); ansonsten bestehe gegenwärtig Abstinenz. Das Vorliegen einer 

paranoiden Schizophrenie verneinte Dr. med. H._____ ebenso wie ein se-

kundäres Suchtgeschehen. Dr. med. H._____ erkannte aber eindeutige 

Hinweise auf bereits anhaltende kognitive bzw. neuropsychologische Ein-

schränkungen, welche wohl zu einem wesentlichen Teil als Folge der (jah-

relangen) Polytoxikomanie anzusehen seien. Es bestehe insbesondere 

eine deutlich verminderte Arbeitsgeschwindigkeit, eine deutliche Vermin-

derung des Arbeitsgedächtnisses sowie Beeinträchtigungen des Langzeit-

gedächtnisses, der visuell-figuralen Lernfähigkeit, des rechnerischen Den-

kens sowie der kreativen Produktion verbaler Lösungen. In der ange-

stammten Tätigkeit im Bausektor (beim langjährigen und sehr entgegen-

kommenden Arbeitgeber) erachtete Dr. med. H._____ eine Arbeitsfähig-

keit von 50 % als möglich. Die (kognitiven) Einschränkungen hätten sich 

(wohl) im Laufe der letzten Jahre zunehmend entwickelt, wobei sie im Zeit-

punkt der aktuellen Untersuchung sicher dokumentiert seien. Die zuletzt 

ausgeübte Tätigkeit sei wohl weitgehend ideal adaptiert, weshalb auch 

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eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für eine überschaubare, klar geregelte und 

repetitiv gestaltete Erwerbstätigkeit mit der Möglichkeit für häufige Pausen 

als ideal adaptierte Tätigkeit bestehe. In der Abschlussbeurteilung vom 

23. August 2018 erachtete Dr. med. D._____ vom RAD Ostschweiz das 

psychiatrische Gutachten von Dr. med. H._____ vom 2. August 2018 als 

beweiskräftig und empfahl darauf abzustellen. Im Rahmen des Einwand-

verfahrens bekräftigte er diese Einschätzung am 25. Oktober 2018.

5. Mit Vorbescheid vom 29. August 2018 kündigte die IV-Stelle die Abwei-

sung des Anspruchs auf Umschulungsmassnahmen an, weil die verblie-

bene Leistungsfähigkeit in der bisherigen wie auch einer adaptierten Tätig-

keit gleich hoch und somit keine Umschulung auf eine neue Tätigkeit not-

wendig sei. Für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31. August 

2018 stellte sie gleichentags mit separatem Vorbescheid die Ausrichtung 

einer ganzen Invalidenrente in Aussicht. Ab dem 1. September 2018 be-

stehe hingegen nur noch ein Anspruch auf eine halbe Rente. Dagegen 

erhob A._____ mit Schreiben vom 25. September 2018 Einwand und ver-

langte eine neue Begutachtung bzw. Beurteilung. Dazu verwies er auf ein 

Schreiben vom 20. September 2018 von Dr. med. C._____, wonach 

A._____ im Rahmen eines Therapiesettings zu 60 % in einer geschützten 

Werkstätte tätig sei und dieser bereits damit an seine Grenzen komme. 

Eine Übertragung dieser Tätigkeit auf den ersten Arbeitsmarkt sei nicht 

realistisch, womit auf dem ersten Arbeitsmarkt momentan keine Arbeits-

fähigkeit bestehe und lediglich eine tagesstrukturierende Beschäftigung 

möglich sei. Dies führte Dr. med. C._____ insbesondere auf die schizo-

phrene Grunderkrankung zurück.

6. Am 26. Oktober 2018 verfügte die IV-Stelle betreffend Umschulungsmass-

nahmen wie vorbeschieden und teilte der zuständigen Ausgleichskasse 

den Beschluss betreffend den Rentenanspruch – ebenfalls wie vorbe-

schieden – mit. Demnach bestehe für den Zeitraum vom 1. September 

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2017 bis zum 31. August 2018 ein Anspruch auf eine ganze und ab dem 

1. September 2018 ein solcher auf eine halbe Invalidenrente. Der Bericht 

vom 20. September 2018 von Dr. med. C._____ vermöge die Einschät-

zung des Administrativgutachtens vom 2. August 2018 inkl. neuropsycho-

logischer Abklärung durch Dr. phil. I._____ sowie die RAD-Beurteilung 

vom 23. August 2018 nicht zu erschüttern. Namentlich liesse sich eine pa-

ranoide Schizophrenie anhand der "harten" Diagnosekriterien eindeutig 

nicht diagnostizieren. Demnach liege keine schwere, dem Suchtleiden zu-

grundeliegende psychische Störung vor. Gestützt auf die neuropsycholo-

gische Abklärung seien aber kognitive Einschränkungen als sekundäre 

Folgeschäden infolge einer langjährigen Sucht festzustellen. Die Verfü-

gung mit der Berechnung der Rentenleistungen, welche A._____ eröffnet 

wurde, datiert auf den 19. November 2018.

7. Am 11. Dezember 2018 erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) 

dagegen Einsprache (recte: Beschwerde) beim Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden und bemängelte dabei, dass ihm ab dem 1. Septem-

ber 2018 nur eine halbe Invalidenrente zugesprochen worden sei. Zur Be-

gründung brachte er vor, dass er an einer chronisch paranoiden Schizo-

phrenie leide und nur im geschützten Rahmen einer Tätigkeit im Umfang 

von 60 % nachgehen könne, wobei er dabei bereits an seine Grenzen 

stosse.

8. Am 15. Januar 2019 liess sich die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegeg-

nerin) dazu vernehmen. Sie beantragte die kostenpflichtige Abweisung der 

Beschwerde. Zur Begründung wurde im Wesentlichen auf die angefoch-

tene Verfügung vom 19. November 2018 verwiesen. Zudem ergänzte sie, 

dass aufgrund der Aktenlage, namentlich den Ausführungen von Dr. med. 

H._____ in seinem psychiatrischen Administrativgutachten vom 2. August 

2018 (richtigerweise) davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer 

in einer adaptierten Tätigkeit bereits spätestens ab dem 13. März 2017, als 

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er (zuletzt) aus dem stationären Aufenthalt ausgetreten sei, (ganztags) zu 

50 % arbeitsfähig gewesen sei. Eine diesebezügliche "reformatio in peius" 

werde dem Gericht überlassen.

9. Am 22. März 2019 replizierte der nunmehr anwaltlich vertretene Beschwer-

deführer und beantragte, dass ihm über den 31. August 2018 hinaus eine 

ganze Invalidenrente, eventualiter eine Dreiviertelsrente zuzusprechen sei. 

Zudem wurde um unentgeltliche Prozessführung sowie die Bestellung der 

unterzeichnenden Rechtsanwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin er-

sucht. Zur Begründung wurde insbesondere geltend gemacht, dass das 

Valideneinkommen in Anwendung von Art. 26 IVV infolge einer Frühinvali-

dität zu bestimmen gewesen wäre. Zudem wurde die Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Abrede ge-

stellt und die Bestimmung des Invalideneinkommens kritisiert.

10. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 4. April 2019 und hielt an ihren An-

trägen fest. Sie verneinte die Anwendbarkeit von Art. 26 IVV und entgeg-

nete der Kritik hinsichtlich der Bestimmung des Invalideneinkommens so-

wie der geltend gemachten Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt.

11. Am 21. April 2020 teilte die zuständige Instruktionsrichterin dem Beschwer-

deführer mit, dass die 3. Kammer des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden in Aussicht genommen habe, die angefochtene Verfügung 

vom 19. November 2018 aufzuheben und die Angelegenheit für ergän-

zende Abklärungen und neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen. Zur Begründung wurde eine bis anhin fehlende gesamt-

hafte medizinische Beurteilung der funktionellen Einschränkungen und de-

ren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit unter Einschluss eines gemäss 

neuer Rechtsprechung zu berücksichtigenden primären Abhängigkeitssyn-

droms angeführt. Dem Beschwerdeführer wurde infolge der in Aussicht ge-

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nommenen Aufhebung der angefochtenen Verfügung und einer damit ein-

hergehenden möglichen Schlechterstellung in Anwendung von Art. 61 lit. d 

ATSG die Möglichkeit zur Stellungnahme und zum Rückzug der Be-

schwerde gegeben.

12. Der Beschwerdeführer liess sich dazu am 27. Mai 2020 vernehmen und 

stellte sich auf den Standpunkt, dass bei einem weiteren gutachterlichen 

Abklärungsbedarf keine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zu er-

folgen habe, sondern ein Gerichtsgutachten eingeholt werden müsste. Zu-

dem erachtete er die Aufhebung der Verfügung vom 19. November 2018 

als nicht zulässig, weil vorliegend lediglich die Befristung der ganzen Rente 

bzw. die Reduktion auf eine halbe Rente ab dem 1. September 2018 ange-

fochten sei. Die Zusprache der ganzen Invalidenrente (für den Zeitraum 

vom 1. September 2017 bis zum 31. August 2018) sei formell in Rechtskraft 

erwachsen. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens sei einzig, ob 

er Anspruch auf eine Erhöhung der halben Rente ab dem 1. September 

2018 habe. Die Beschwerdegegnerin habe gestützt auf das Gutachten von 

Dr. med. H._____ den Anspruch auf eine halbe Rente (ab dem 1. Septem-

ber 2018) bejaht und auch im Beschwerdeverfahren nicht angezweifelt. Zu-

dem äusserte er sich zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach 

diagnostizierte Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen 

als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheits-

schäden in Betracht fielen.

13. Die Beschwerdegegnerin nahm zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 

27. Mai 2020 nicht Stellung.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die ange-

fochtene Verfügung vom 19. November 2018 sowie die weiteren Akten 

wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden vom 19. November 2018. Eine solche Anord-

nung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht 

am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht 

des Kantons Graubünden als örtlich und sachlich zuständigem Versiche-

rungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 

lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] 

sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial-

versicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und materieller Ver-

fügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen Verfü-

gung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren 

Aufhebung oder Änderung. Er ist somit zur Beschwerdeerhebung legiti-

miert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde zu-

dem frist- und – unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Be-

schwerdeführer im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung noch nicht an-

waltlich vertreten war – auch formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG 

i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG sowie Art. 61 lit. b 

ATSG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2. Vorliegend ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers streitig. 

Während dieser die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab dem 

1. September 2018 beantragt, stellt die Beschwerdegegnerin in ihrer Ver-

nehmlassung vom 15. Januar 2019 entgegen der angefochtenen Verfü-

gung zur Diskussion, ob ihm ab dem 1. September 2017 gar nur eine halbe 

Invalidenrente zusteht.

3. Aus dem psychiatrischen Administrativgutachten vom 2. August 2018 von 

Dr. med. H._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie zer-

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tifizierter Gutachter SIM, kann geschlossen werden, dass beim Beschwer-

deführer ein primäres Suchtleiden vorliegt. Denn andere psychiatrische 

Diagnosen, namentlich diejenige einer paranoiden Schizophrenie, wurden 

infolge Nichterfüllung der erforderlichen klassifikatorischen Vorgaben 

gemäss ICD-10 nachvollziehbar ausgeschlossen und Dr. med. H._____ 

hielt auch selbst fest, dass sich keine Hinweise dafür fänden, dass es sich 

um sekundäres Suchtgeschehen handeln würde. 

3.1. Gemäss der dannzumal gültigen, heute aber überholten Rechtsprechung 

führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne 

des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst rele-

vant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hatten, in deren 

Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbstätigkeit beeinträchtigen-

der, Gesundheitsschaden eingetreten war, oder wenn sie selber Folge ei-

nes körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens waren, dem Krank-

heitswert zukam. Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden 

fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Be-

funde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung 

fanden (vgl. dazu BGE 124 V 265 E.3c und Urteil des Bundesgerichts 

9C_620/2017 vom 10. April 2018 E.2.2.1 f.). 

Nach der mit BGE 145 V 215 geänderten Rechtsprechung kann einem 

fachärztlich einwandfrei und nachvollziehbar diagnostizierten Abhängig-

keitssyndrom bzw. einer Substanzkonsumstörung (psychische Störung 

durch psychotrope Substanzen) nicht zum vornherein jede invalidenversi-

cherungsrechtlich beachtliche Relevanz abgesprochen werden, sondern 

fallen auch sie als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychi-

sche) Gesundheitsschäden in Betracht. Damit sind grundsätzlich auch 

primäre Abhängigkeitssyndrome einem strukturierten Beweisverfahren 

gemäss BGE 141 V 281 zu unterziehen (siehe BGE 145 V 215 E.6). Dabei 

ist diese neue Rechtsprechung auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung 

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noch nicht erledigten Fälle und somit auch auf den vorliegenden Fall anzu-

wenden (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_259/2019 vom 14. Oktober 

2019 E.5.1, 8C_756/2017 vom 7. März 2018 E.4 m.H.). Auf die Durch-

führung eines strukturierten Beweisverfahrens bzw. eine Prüfung der Stan-

dardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 kann aus Gründen der Verhältnis-

mässigkeit namentlich dann verzichtet werden, wenn im Rahmen beweis-

wertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351 E.3) eine Arbeitsun-

fähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen 

gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder 

aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (siehe 

BGE 143 V 418 E.7.1).

3.2. Vorliegend wurde zwar im Rahmen der Erstellung des psychiatrischen Gut-

achtens vom 2. August 2018 von Dr. med. H._____ aufgrund der Frage-

stellungen grundsätzlich eine sich am strukturierten Beweisverfahren ori-

entierende medizinische Abklärung durchgeführt. Als Diagnose mit Auswir-

kungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde aber einzig die psychische und Ver-

haltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer 

psychotroper Substanzen, andere anhaltende kognitive Beeinträchtigung 

(ICD-10: F19.74), angegeben. Dies geht auch insbesondere daraus hervor, 

dass im Administrativgutachten bei den Fragen zum Komplex "Gesund-

heitsschädigung" die kognitiven Einschränkungen als im Vordergrund ste-

hend betrachtet wurden, welche wohl überwiegend als Folge der langjähri-

gen Polytoxikomanie anzusehen seien (siehe IV-act. 103 S. 49 ff.). Die Dia-

gnose der psychischen und Verhaltensstörungen durch multiplen Sub-

stanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen, Abhängig-

keitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Er-

satzdrogenprogramm in Bezug auf die Opiate bei ansonsten gegenwärtig 

bestehender Abstinenz (ICD-10: F19.22), wurde lediglich als solche ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bewertet.

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3.3. In Anbetracht der anwendbaren Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 

stellt sich die Frage, weshalb Dr. med. H._____ das diagnostizierte Abhän-

gigkeitssyndrom (ICD-10: F19.22) als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

beurteilt hat. Eine naheliegende Erklärung dafür ist, dass er als zertifizierter 

medizinischer Gutachter SIM und in Übereinstimmung mit der damaligen 

Rechtsprechung die als primär beurteilte Suchterkrankung bzw. Substanz-

konsumstörung bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausgeklammert 

hat. Alternativ liesse sich aber auch argumentieren, dass Dr. med. H._____ 

dem Abhängigkeitssyndrom tatsächlich keine bzw. keine über die bereits 

attestierte Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50 % in bisheriger und adap-

tierter Tätigkeit hinausgehende Einschränkung infolge der kognitiven Ein-

schränkungen aufgrund sekundärer Folgeschäden der langjährigen Poly-

toxikomanie zuerkannt hat. Zwar wurde in der neuropsychologischen Ab-

klärung vom 26. Juni 2018 die neurokognitive Funktionstüchtigkeit im Hin-

blick auf die erwerbliche Eingliederungsfähigkeit abgeklärt, wobei eine 

Leistungsminderung von 50 % bei ganztägiger Präsenzzeit in bisheriger 

und ideal adaptierter Tätigkeit festgehalten wurde (siehe IV-act. 103 S. 94 

f.). Die entsprechenden Testergebnisse der neuropsychologischen Testun-

gen erreichte der Beschwerdeführer namentlich unter der Medikation mit 

Diaphin im Rahmen einer Substitutionsbehandlung bei schwerer Heroinab-

hängigkeit im Rahmen der heroingestützten Behandlung (siehe IV-act. 103 

S. 83 und S. 92 ff.). Indes stützte sich die von Dr. phil. I._____ attestierte 

Leistungsminderung von 50 % bei vollzeitlicher Präsenzzeit an einem Ar-

beitsplatz im ersten Arbeitsmarkt, namentlich infolge eines erhöhten Pau-

senbedarfs bzw. verminderter Arbeitsgeschwindigkeit (auch) bei über-

schaubaren, klar geregelten und repetitiv gestalteten Tätigkeiten sowie ei-

ner verminderten Gedächtnisleistung, auf rein neuropsychologische Ge-

sichtspunkte ab. Dr. med. H._____ attestierte dem Beschwerdeführer in 

seinem Gutachten vom 2. August 2018 ebenfalls eine verbliebene (ganz-

tätige) Arbeitsfähigkeit von 50 % in bisheriger und adaptierter Tätigkeit, wo-

bei das Anforderungsprofil für eine adaptierte Tätigkeit der Umschreibung 

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in der neuropsychologischen Beurteilung vom 26. Juni 2018 entsprach. Der 

verminderten Leistungsfähigkeit lagen gemäss Dr. med. H._____ die fest-

gestellten neuropsychologischen Einschränkungen zugrunde, welche wohl 

überwiegend wahrscheinlich als Folge der Polytoxikomanie anzusehen 

seien und sich im Verlauf der letzten Jahre zunehmend entwickelt hätten 

(siehe IV-act. 103 S. 49 ff. und 56). Dr. med. H._____ schloss in Überein-

stimmung mit der damaligen Rechtsprechung auch ein (invalidenversiche-

rungsrechtlich relevantes) sekundäres Suchtgeschehen aus, weil – abge-

sehen von der Diagnosen einer psychischen und Verhaltensstörung durch 

multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substan-

zen – keine weitere relevante psychiatrische Diagnose gestellt werden 

konnte. Insbesondere verneinte er nach Rücksprache mit der behandeln-

den Ärztin des Ambulatoriums G._____ das Vorliegen einer Schizophrenie, 

welche in den Akten wiederholt diagnostiziert worden war. Indes bejahte er 

die Frage, ob das Abhängigkeitssyndrom zu irreversiblen Gesundheits-

störungen geführt habe (siehe IV-act. 103 S. 50), womit, im Kontext der 

weiteren Äusserungen des Administrativgutachtens, die neuropsychologi-

schen Einschränkungen gemeint gewesen sein müssen. Hinzu kommt, 

dass gemäss Dr. med. H._____ die Krankengeschichte eindeutig durch die 

Polytoxikomanie geprägt war, weshalb abzuklären sei, ob dadurch bereits 

sekundäre (kognitive) Folgeschäden aufgetreten seien. 

Im Administrativgutachten finden sich überdies keine vertieften Ausführun-

gen zu den in den Akten befindlichen Beurteilungen des behandelnden 

Facharztes für Psychiatrie, Dr. med. C._____, welcher den Beschwerde-

führer für den Zeitpunkt des Berichtes (1. Februar 2017) als arbeitsunfähig 

(im ersten Arbeitsmarkt) einstufte. Weiter hielt Dr. med. C._____ fest, dass 

es sinnvoll sei, eine Tagesstruktur in geschütztem Rahmen aufzubauen, 

wobei Überforderungen zu vermeiden seien (siehe IV-act. 52 S. 4). Trotz 

dieser fachärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde-

führers äusserte sich Dr. med. H._____ in seinem Gutachten vom 2. Au-

- 15 -

gust 2018 nicht zur Frage, weshalb den sich aus den Akten ergebenden 

Abhängigkeitssyndromen (siehe IV-act. 52 S. 1) bzw. der von ihm selbst 

gestellten Diagnose betreffend die Abhängigkeitssyndrome, welche diesen 

entspricht, keine funktionellen bzw. keine über die neuropsychologischen 

Einschränkungen hinausgehenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

zuerkannt werden können. Eine entsprechende Stellungnahme wäre indes 

angezeigt gewesen, denn es lag namentlich keine Konstellation vor, in wel-

cher unwidersprochen, schlüssig und aufgrund eines beweiswertigen 

(fach-)ärztlichen Berichtes auf die Absenz von relevanten Auswirkungen 

dieser Abhängigkeitssymptomatik auf die Arbeitsfähigkeit hätte ausgegan-

gen werden dürfen. Ebenso wenig schloss Dr. med. H._____ unter Bezug-

nahme auf die Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 und somit in 

Übereinstimmung mit BGE 145 V 215 nachvollziehbar und schlüssig objek-

tivierte funktionelle Folgen dieser psychischen Gesundheitsschädigung 

aus. 

Insofern erscheint es dem Gericht überwiegend wahrscheinlich, dass 

Dr. med. H._____ seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Lichte der im 

Zeitpunkt der Gutachtenserstellung gültigen Rechtsprechung zu primären 

Abhängigkeitssyndromen vornahm und diese von der Beurteilung der Ar-

beitsfähigkeit entsprechend ausklammerte. Dies ist aber nach der heute 

gültigen Rechtsprechung so nicht mehr zulässig. Vielmehr können gemäss 

BGE 145 V 215 auch Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkon-

sumstörungen wie andere psychische Erkrankungen funktionelle Auswir-

kungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen, was grundsätzlich im Rahmen ei-

nes strukturierten Beweisverfahrens zu prüfen ist. Insofern mangelt es dem 

Administrativgutachten vom 2. August 2018 an einer gesamthaften medizi-

nischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers infolge 

der funktionellen Folgen der festgestellten Gesundheitsschäden, worunter 

nach neuer Rechtsprechung auch primäre Abhängigkeitssyndrome fallen 

können.

- 16 -

Auch die weiteren in den Akten liegenden fachärztlichen Berichte erlauben 

keine schlüssige Beurteilung der funktionellen Auswirkungen des Abhän-

gigkeitssyndroms bzw. der Substanzkonsumstörung anhand der mass-

geblichen Indikatoren. So fehlen insbesondere aussagekräftige Beurteilun-

gen hinsichtlich des im konkreten Einzelfall Rechnung zu tragenden 

Schweregrades der Abhängigkeit beim Beschwerdeführer. Insbesondere 

lässt der letzte aktenkundige Verlaufsbericht des Ambulatoriums G._____ 

der PDGR vom 13. Oktober 2017 von Assistenzärztin F._____, in welchem 

eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt als unrealistisch einge-

schätzt und die Einschränkungen im Arbeitsalltag primär auf die – von 

Dr. med. H._____ nachvollziehbar ausgeschlossene – Schizophrenie 

zurückgeführt wurden, keine Rückschlüsse auf den auf die Suchterkran-

kung entfallenden Anteil davon zu. Im Allgemeinen ist dabei zu beachten, 

dass auch bei Abhängigkeitssyndromen – nicht anders als bei den meisten 

Erkrankungen (siehe dazu BGE 140 V 193 E.3.1) – kein direkter Zusam-

menhang besteht zwischen Diagnose und Arbeits(un-)fähigkeit bzw. Inva-

lidität. Vielmehr sind die Auswirkungen des festgestellten Gesundheits-

schadens auf die funktionelle Leistungsfähigkeit im Einzelfall für die 

Rechtsanwendenden durch die beigezogene ärztliche Fachperson nach-

vollziehbar darzulegen (siehe BGE 145 V 215 E.6.1 f. und 143 V 409 

E.4.2.1 und 4.5.2). Der rechtserhebliche Sachverhalt präsentiert sich dem-

nach als ungenügend abgeklärt. 

3.4. Am 21. April 2020 informierte die zuständige Instruktionsrichterin den Be-

schwerdeführer darüber, dass die 3. Kammer des Verwaltungsgerichts auf-

grund der vorstehend erwähnten Umstände in Aussicht genommen hat, die 

angefochtene Verfügung vom 19. November 2018 aufzuheben und die An-

gelegenheit zu ergänzenden Abklärungen betreffend den medizinischen 

Sachverhalt und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurück-

zuweisen. Weil dem Beschwerdeführer insofern eine Schlechterstellung 

- 17 -

drohe, als mit der Aufhebung und Rückweisung die in der angefochtenen 

Verfügung zugesprochenen Rentenleistungen wegfielen bzw. das für die 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung massgebende Ergebnis der Standardindika-

torenprüfung offen und eine Leistungsverweigerung oder -kürzung infolge 

Verletzung einer dem Beschwerdeführer obliegenden Schadenminde-

rungspflicht weiterhin möglich sei, wurde ihm Gelegenheit geboten, sich 

dazu zu äussern und die erhobene Beschwerde zurückzuziehen bzw. zur 

neuen Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 Stellung zu nehmen. Dazu 

ist zu bemerken, dass die Einräumung der Gelegenheit zum Beschwer-

derückzug bei einer in Aussicht genommenen reformatio in peius oder 

Rückweisung an die Vorinstanz bei einer rentenzusprechenden Verfügung 

nur schon dann angezeigt ist, wenn ein entsprechender Verfahrensaus-

gang durch das Gericht als möglich erachtet wird (siehe BGE 144 V 153 

E.4.1.2) bzw. eine (teil-)rentenzusprechende Verfügung aufgehoben und 

zu weiteren Abklärungen an den Versicherungsträger zurückgewiesen wer-

den soll (siehe BGE 137 V 314 E.3.2.3 f.).

3.4.1. Am 27. Mai 2020 liess sich der Beschwerdeführer dazu vernehmen und 

erachtete im Falle einer weiteren Abklärungsbedürftigkeit anstelle der 

Rückweisung an die Beschwerdegegnerin die Einholung eines Gerichts-

gutachtens als angezeigt. Dazu brachte er vor, dass eine Rückweisung an 

die Verwaltung vorliegend unzulässig sei, weil diese ihrer Abklärungspflicht 

nachgekommen sei, das Gericht aber die Abklärung des Sachverhaltes in 

einer bestimmten Frage weiterführen wolle. Namentlich sei die Rückwei-

sung an den Versicherungsträger ausgeschlossen, wenn die Notwendig-

keit einer medizinischen Begutachtung bestehe. Vorliegen gehe es nicht 

um eine Präzisierung oder Ergänzung des bereits vorhandenen Gutach-

tens, sondern um die Erstellung eines neuen Gutachtens unter Berücksich-

tigung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Bezug auf Sucht-

erkrankungen, nachdem die Beschwerdegegnerin bereits eine Rente zu-

gesprochen hatte. Die Aufhebung dieser Rentenverfügung und Rückwei-

- 18 -

sung an die Vorinstanz zur Einholung eines rechtskonformen Gutachtens 

verlängere für ihn das Verfahren in unzumutbarer Weise und führte dazu, 

dass er über längere Zeit hinweg auf die nicht angefochtene halbe Invali-

denrente zu verzichten hätte. Unter diesen Umständen und unter Berück-

sichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 

210 sei eine Rückweisung vorliegend unzulässig. Ohnehin sei die Aufhe-

bung der Verfügung von 19. November 2018 auch im Falle einer Rückwei-

sung an die Beschwerdegegnerin nicht zulässig. Denn es sei lediglich die 

Befristung der ganzen Invalidenrente bzw. die Reduktion der ganzen auf 

eine halbe Rente per 1. September 2018 angefochten worden. Die zuge-

sprochene ganze Invalidenrente (für den Zeitraum 1. September 2017 bis 

zum 31. August 2018) sei in Rechtskraft erwachsen, auch wenn das kan-

tonale Versicherungsgericht nach Art. 61 lit. d ATSG nicht an die Parteibe-

gehren gebunden sei. Streitgegenstand sei nur die Frage, ob der Be-

schwerdeführer Anspruch auf eine Erhöhung der halben Invalidenrente ab 

dem 1. September 2018 habe, zumal die Beschwerdegegnerin gestützt auf 

das Gutachten von Dr. med. H._____ den Anspruch des Beschwerdefüh-

rers auf eine halbe Rente im Verwaltungsverfahren bejaht und auch im ver-

waltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren nicht angezweifelt habe. Da-

mit sei die gänzliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die da-

mit einhergehende, zumindest vorübergehende Schlechterstellung des Be-

schwerdeführers (infolge Wegfalls der laufenden halben Rente und wohl 

auch Wegfall seines Anspruches auf den geschützten Arbeitsplatz) nicht 

angebracht. Abschliessend hielt der Beschwerdeführer unter Bezugnahme 

auf die neue Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 fest, dass er mit der 

Einholung eines Gutachtens, welches auch die invalidisierende Wirkung 

der Suchterkrankung berücksichtige, einverstanden sei. Im Ergebnis hielt 

er an der Beschwerde fest und beantragte die Einholung eines Gerichts-

gutachtens. Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen.

- 19 -

3.4.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung umfasst der Streitgegen-

stand immer ein ganzes Rechtsverhältnis und nicht lediglich einen Teilas-

pekt desselben. Mit der verfügungsweisen Zusprache einer (unbefristeten) 

Invalidenrente wird ein Rechtsverhältnis geordnet, welches im Wesentli-

chen durch die Anspruchsberechtigung an sich sowie die Höhe und den 

Beginn der Leistung bestimmt wird. Streitgegenstand in einem Verfahren 

betreffend eine Rentenleistung der Invalidenversicherung ist immer der 

Rentenanspruch als Ganzes, auch wenn zwangsläufig eine Staffelung der 

Beurteilung eintreten kann. So bildet grundsätzlich der Verfügungserlass 

die zeitliche Grenze zur verbindlichen Festlegung des Rentenanspruches. 

Werden nur einzelne Teilaspekte der Rentenfestsetzung angefochten, wird 

damit die gerichtliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne einge-

schränkt, dass unbestritten gebliebene Teilaspekte in Rechtskraft erwach-

sen und einer gerichtlichen Überprüfung entzogen wären (vgl. zum Ganzen 

BGE 136 V 45 E.6.2, 135 V 148 E.5.2, 131 V 164 E.2.2 und 125 V 413 E.2; 

Urteile des Bundesgerichts 9C_179/2016 vom 11. August 2016 E.3.1, 

8C_811/2012 vom 4. März 2013 E.3 und 2C_446/2007 vom 22. Januar 

2008 E.2.2). Vorliegend ging die Beschwerdegegnerin in der angefochte-

nen Verfügung vom 19. November 2018 – gestützt auf das Gutachten vom 

2. August 2018 von Dr. med. H._____ – davon aus, dass der Beschwerde-

führer trotz der kognitiven Einschränkungen infolge langjähriger Polytoxi-

komanie ab dem Zeitpunkt der psychiatrischen Exploration vom 4. Juni 

2018 zu 50 % in der angestammten und einer adaptierten Tätigkeit (auf 

dem ersten Arbeitsmarkt) arbeitsfähig sei. Wie in der vorstehenden Erwä-

gung 3.3 ausgeführt, basiert diese rückwirkende Rentenzusprache ange-

sichts der Rechtsprechung von BGE 145 V 215 auf einem unvollständig 

erhobenen medizinischen Sachverhalt, weil dem ausgewiesenen Abhän-

gigkeitssyndrom ohne Prüfung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 

V 281 und ohne weitere Begründung keine funktionellen Auswirkungen auf 

die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zuerkannt wurde bzw. solche 

Auswirkungen aufgrund von (unwidersprochenen) fachärztlichen Berichten 

- 20 -

auch nicht eindeutig und nachvollziehbar ausgeschlossen werden können. 

Damit basiert die – unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist von Art. 88a 

Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) 

– von der Beschwerdegegnerin per 1. September 2018 verfügte (rückwir-

kende) Herabsetzung der ab dem 1. September 2017 zugesprochenen 

ganzen Invalidenrente infolge Verbesserung des Gesundheitszustandes 

ab dem 4. Juni 2018 und damit einhergehend einer Arbeitsfähigkeit von 

50 % in angestammter und adaptierter Tätigkeit auf einer ungenügenden 

medizinischen Sachverhaltsabklärung und muss für eine rechtskonforme 

Beurteilung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers in Nachachtung 

der Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 entsprechend ergänzt wer-

den. Dazu ist zu bemerken, dass BGE 145 V 215, welcher auch für 

(primäre) Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen die 

grundsätzliche Anwendbarkeit eines strukturierten Beweisverfahrens pos-

tuliert, der Verweigerung oder Kürzung von Sozialversicherungsleistungen 

infolge Verletzung der Schadenminderungspflicht gemäss Art. 7 IVG, na-

mentlich durch die Nichtinanspruchnahme von indizierten medizinischen 

Behandlungen, nicht entgegensteht (Art. 7b IVG; siehe BGE 145 V 215 

E.5.3.1 und 8.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 

2019 E.4.2.2).

3.4.3. Erachtet das zuständige Sozialversicherungsgericht eine Sache in medizi-

nischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt und somit auch die seitens der 

Verwaltung vorgenommene Beweiswürdigung als unvollständig, verbleibt 

ihm auch nach der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die Mög-

lichkeit, die Sache an den zuständigen Versicherungsträger zurückzuwei-

sen, anstatt ein gerichtliches Gutachten zur Klärung einer offenen Frage in 

Auftrag zu geben. In der Regel ist ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn 

ein (im Verwaltungsverfahren anderweitig) erhobener medizinischer Sach-

verhalt überhaupt für "gutachterlich abklärungsbedürftig" gehalten wird 

oder eine Administrativexpertise in rechtserheblichen Punkten nicht ausrei-

- 21 -

chend beweiswertig ist und dieser Mangel nicht alleine durch eine Klarstel-

lung, Präzisierung oder Gutachtensergänzung behoben werden kann. An-

lass für die Anordnung eines Gerichtsgutachtens besteht ferner, wenn die 

Verwaltung ein manifester Widerspruch von verschiedenen, aktenmässig 

belegten ärztlichen Auffassungen fortbestehen lässt, ohne dies durch ob-

jektiv begründete Argumente zu entkräften oder wenn die Verwaltung eine 

oder mehrere für die Würdigung der medizinischen Situation notwendigen 

Fragen offen gelassen hat (siehe FURRER, Rechtliche und praktische As-

pekte auf dem Weg zum Gerichtsgutachten in der Invalidenversicherung, 

in: SZS 1/2019 S. 3 ff. S. 4 f.; BGE 139 V 496 E.4.4 und 137 V 210 E.4.4.1.4 

f.). Eine Rückweisung an den Versicherungsträger steht dem Versiche-

rungsgericht aber weiterhin in den Fällen offen, wenn sie in der Erhebung 

einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledig-

lich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen 

Ausführungen erforderlich ist (siehe BGE 137 V 210 E.4.4.1.4; KIESER, 

ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 44 Rz. 71). Vor-

liegend berücksichtigt das Administrativgutachten von Dr. med. H._____, 

welches dem Beschwerdeführer in angestammter und adaptierter Tätigkeit 

nur noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (sicher ab dem Zeitpunkt der 

Begutachtung) attestiert, die neue und sofort auf alle hängigen Fälle an-

wendbare Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 überwiegend wahr-

scheinlich nicht (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_453/2019 vom 

3. Februar 2020 E.3.3). Vielmehr wurde in Anwendung der vormals gülti-

gen Rechtsprechung das als primär beurteilte Abhängigkeitssyndrom als 

ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit qualifiziert (siehe vorstehende 

Erwägung 3.3) und die Frage einer allfälligen (zusätzlichen) Einschränkung 

infolge eines fachärztlich diagnostizierten Abhängigkeitssyndroms bzw. ei-

ner Substanzkonsumstörung somit nicht unter Berücksichtigung der Stan-

dardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 sowie der Befolgung der Scha-

denminderungspflicht beantwortet. Der Beschwerdegegnerin steht es im 

Falle der Rückweisung also insbesondere offen, namentlich eine Ergän-

- 22 -

zung bei Dr. med. H._____ zu dieser Fragestellung einzuholen. Damit liegt 

entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht keine Konstellation vor, in 

welcher das streitberufene Gericht zwingend ein Gerichtsgutachten einzu-

holen hätte. Vielmehr erweist es sich vorliegend als zulässig, die Sache an 

die Beschwerdegegnerin zu ergänzenden Abklärungen zurückzuweisen.

3.5.1. Die Beschwerdegegnerin brachte in ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 

2019 vor, dass insbesondere aufgrund der Ausführungen von Dr. med. 

H._____ in seinem Gutachten vom 2. August 2018 bei richtiger Betrach-

tungsweise mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, 

dass der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit bereits spätes-

tens ab dem 13. März 2017 (letztmaliger Austritt aus einer stationären 

[psychiatrischen Sucht-]Behandlung) zu 50 % arbeitsfähig sei und nicht 

erst seit der psychiatrischen Exploration vom 4. Juni 2018. Eine diesbezüg-

liche reformatio in peius werde dem streitberufenen Gericht überlassen. 

3.5.2. Gestützt auf Art. 61 lit. d ATSG wird im kantonalen Sozialversicherungsge-

richtsverfahren die Verwirklichung des materiellen Rechts über das indivi-

duelle Rechtsschutzinteresse gestellt, was sich auf das Legalitätsprinzip 

und das Gleichbehandlungsgebot zurückführen lässt. Sofern ein reforma-

torischer Entscheid möglich ist und die Angelegenheit nicht aus anderen 

Gründen zurückgewiesen werden muss, ist das kantonale Sozialversiche-

rungsgericht verpflichtet, eine reformatio in peius ins Auge zu fassen. Ob 

eine solche denn auch tatsächlich vorzunehmen ist, verbleibt in einem ge-

wissen Rahmen dem kantonalen Sozialversicherungsgericht vorbehalten 

(siehe BGE 144 V 153 E.4.2.4). Auf jeden Fall darf dieses nicht nur dann 

einen angefochtenen Entscheid (im Rahmen des Streitgegenstandes) in 

peius reformieren, wenn dieser zweifellos unrichtig und die Korrektur von 

erheblicher Bedeutung ist. Denn wenn eine versicherte Person gegen ei-

nen nicht rechtskräftigen Verwaltungsakt den Rechtsweg beschreitet, muss 

sie im Rahmen des Streitgegenstandes (siehe dazu bereits vorstehende 

- 23 -

Erwägung 3.4.2) infolge von Art. 61 lit. d ATSG mit einer Schlechterstellung 

rechnen. Insofern verfängt die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Argu-

mentation, wonach die zugesprochene ganze Invalidenrente in (Teil-)

Rechtskraft erwachsen sei, nicht; auch eine Prüfung dieses Rentenanspru-

ches ist dem streitberufenen Gericht nicht verwehrt.

3.5.3. Vorliegend hat aufgrund der vorstehenden Ausführungen in den Erwägun-

gen 3.3 ff. eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zu ergänzenden 

Abklärungen hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts betreffend die 

funktionellen Folgen des diagnostizierten Abhängigkeitssyndroms zu erfol-

gen. Soweit die Beschwerdegegnerin eine reformatio in peius bzw. die Re-

duktion der ab dem 1. September 2017 bis zum 31. August 2018 zugespro-

chenen ganzen auf eine tiefere Invalidenrente (infolge einer seit dem 

13. März 2017 bestehenden Arbeitsfähigkeit von 50 % in angestammter 

und adaptierter Tätigkeit) zur Diskussion stellt, ist zu bemerken, dass Dr. 

med. H._____ in seinem psychiatrischen Gutachten vom 2. August 2018 

klar festhielt, dass nicht genau gesagt werden könne, ab wann welche 

Einschränkungen bestanden hätten. Man müsse davon ausgehen, dass 

sich die kognitiven Einschränkungen im Laufe der letzten Jahre 

zunehmend entwickelt hätten. Sicher dokumentiert seien die 

Einschränkungen ab dem Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung, wobei die 

psychiatrische Exploration am 4. Juni 2018 und die neuropsychologische 

Untersuchung am 22. Juni 2018 stattgefunden hatten. Dr. med. C._____ 

und Assistenzärztin F._____ gingen in ihren Berichten vom 1. Februar 

2017 bzw. 13. Oktober 2017 in ihren zeitnahen Beurteilungen davon aus, 

dass beim Beschwerdeführer eine deutlich verminderte Leistungsfähigkeit 

vorliege bzw. ein Bestehen im ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei. 

Während der (vergangenen) Hospitalisation(-en) attestierte Dr. med. 

C._____ bzw. Dr. med. E._____ dem Beschwerdeführer (jeweils) eine 

(vollständige) Arbeitsunfähigkeit (siehe IV-act. 52 S. 4 und IV-act. 93 S. 3, 

6, 10, 14 und 20). Dem widersprach Dr. med. H._____ für den Zeitraum 

- 24 -

von März 2017 – als der Beschwerdeführer zuletzt aus dem stationären 

Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik austrat – bis Juni 2018 nicht, stellte 

aber immerhin fest, dass sich die (über die Jahre hinweg entwickelten) 

neuropsychologischen Einschränkungen im Jahre 2014 noch nicht relevant 

auf das Einkommen ausgewirkt hätten. Dies stützte er auf die Angaben im 

Arbeitgeberfragebogen ab (siehe dazu IV-act. 47 S. 2; IV-act. 55 S. 5; IV-

act. 103 S. 24 f. und 55). Warum die Beschwerdegegnerin aufgrund dieser 

medizinischen Aktenlagen sowie den gutachterlichen Ausführungen von 

Dr. med. H._____ von einer überwiegend wahrscheinlichen 

Arbeitsunfähigkeit von lediglich 50 % bereits ab dem 13. März 2017 

anstelle der in der angefochtenen Verfügung für den Zeitraum bis Juni 2018 

noch angenommenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgeht, legt sie 

nicht weiter dar und ist auch nicht ersichtlich. Vielmehr ist den 

aktenkundigen fachärztlichen Berichten für den hier massgeblichen 

Zeitraum – wie bereits dargelegt – zu entnehmen, dass von einer deutlich 

verminderten Leistungsfähigkeit ausgegangen bzw. ein Bestehen des 

Beschwerdeführers auf dem ersten Arbeitsmarkt als undenkbar eingestuft 

worden ist. Insofern erachtet es das streitberufene Gericht vorliegend nicht 

als angezeigt, auf die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen 

Verfügung für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31. August 

2018 angenommene volle Arbeitsunfähigkeit zurückzukommen; von 

diesbezüglichen retrospektiven Abklärungen wären denn auch keine 

weiteren Erkenntnisse zu erwarten. Damit ist für das streitberufene Gericht 

der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine ganze Invalidenrente für 

den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31. August 2018 

ausgewiesen und zu bestätigen. 

3.6. Die Beschwerde erweist sich demnach insofern als begründet, als dass die 

angefochtene Verfügung vom 19. November 2018 betreffend die ab dem 

1. September 2018 zugesprochene halbe Invalidenrente wegen des nach 

der (neu) geltenden Rechtsprechung unvollständigen Administrativgutach-

- 25 -

tens vom 2. August 2018 aufzuheben ist und die Sache zu ergänzenden 

Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Diese hat 

nach Vornahme der ergänzenden Abklärungen des medizinischen Sach-

verhalts anhand der massgebenden Standardindikatoren gemäss vorste-

hender Erwägungen (und unter Gewährung des rechtlichen Gehörs) ge-

stützt auf die dannzumal vollständigen medizinischen Unterlagen, welche 

auch die als primär qualifizierte Abhängigkeitserkrankung berücksichtigen, 

über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers ab dem 1. September 

2018 in Würdigung der im vorliegenden Verfahren geltend gemachten Vor-

bringen (vgl. hierzu insbesondere die Replik vom 22. März 2019) neu zu 

entscheiden. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass durch diese 

Vorgehensweise das Verfahren in unzumutbarer Weise verlängert werde 

und er dadurch über eine längere Zeit hinweg auf die ihm zugesprochene 

halbe Invalidenrente verzichten müsse, vermag dies nichts daran zu än-

dern. Denn es ist nicht ungewöhnlich, dass während weiteren Abklärungen 

keine (ohnehin nicht rechtkräftig zugesprochenen) Rentenleistungen aus-

bezahlt werden.

4. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abwei-

chung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantona-

len Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 

Fr. 200.-- bis Fr. 1ꞌ000.-- festgelegt. Die Rückweisung zu weiteren Ab-

klärungen gilt praxisgemäss als vollständiges Obsiegen der beschwerde-

führenden Partei bezüglich der Verteilung der Gerichtskosten und der Zu-

sprache einer Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 

E.7.1 und 132 V 215 E.6.2). Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfah-

rens, sind die Gerichtskosten von Fr. 700.-- demnach der Beschwerdegeg-

nerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). 

- 26 -

5. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zu Lasten der unterliegenden Beschwerdegegne-

rin. Die Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den 

Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit 

des Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regel-

mässig durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übri-

gen wird die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 

ATSG nach dem kantonalen Rechts bestimmt (siehe Urteile des Bundes-

gerichts 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und 9C_688/2009 vom 

19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Ver-

ordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und 

Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteien-

tschädigung nach Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätz-

lich von dem in der Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen 

zu betrachtenden) Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Die 

Rechtsvertreterin macht in der Honorarnote vom 29. April 2019 ein Honorar 

von Fr. 2'795.45 (9.3333 h x Fr. 270.-- gemäss Honorarvereinbarung von 

14. März 2019 zzgl. 3 % Spesenpauschale und 7.7 % MWST) geltend. An-

gesichts der von der Rechtsvertreterin im vorliegenden Verfahren bis zur 

Erstellung der Honorarnote am 29. April 2019 eingereichten neunseitigen 

Replik vom 22. März 2019 erweist sich der dafür geltend gemachte Auf-

wand als hoch. Zudem ist der für das Studium des vorliegenden Urteils 

sowie dessen Nachbearbeitung geltend gemachte Zeitaufwand auf eine 

Stunde zu kürzen (siehe dazu Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden [VGU] S 19 43 vom 28. Mai 2020 E.7.2 und S 18 81 vom 

18. Februar 2020 E.7.1). Angesichts des Umstandes, dass mit der Eingabe 

vom 27. Mai 2020 ein weiterer, in der Honorarnote vom 29. April 2019 nicht 

ausgewiesener, Aufwand entstanden ist, erweist sich eine Entschädigung 

von Fr. 2'645.70 (8.8333 h x Fr. 270.-- zzgl. 3 % Spesenpauschale und 

7.7 % MWST) insgesamt aber als angemessen, weshalb sich keine weitere 

Kürzung aufdrängt. Damit hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerde-

- 27 -

führer im Betrag von Fr. 2'645.70 aussergerichtlich zu entschädigen. Bei 

diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege und Verbeiständung gegenstandslos.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 

19. November 2018 insoweit aufgehoben, als A._____ ab dem 1. Septem-

ber 2018 eine halbe Invalidenrente zugesprochen wurde. Die Angelegen-

heit wird zu ergänzenden Abklärungen und neuem Entscheid im Sinne der 

Erwägungen an die IV-Stelle des Kantons Graubünden zurückgewiesen.

2. Die Gerichtskosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides 

an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt A._____ aussergericht-

lich mit insgesamt Fr. 2'645.70 (inkl. Barauslagen und MWST).

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]