# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e6bd9e0e-4ce9-52df-a53d-28f26c89bf96
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-23
**Language:** de
**Title:** Rentenrevision wegen Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands, ergänzungsbedürftiges Gutachten, Rückweisung
**Docket/Reference:** IV.2014.00896
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00896.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00896
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Gohl Zschokke
Urteil
vom
23. Juli 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsdienst Integration Handicap
Bürglistrasse
11, 8002 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1966,
war zuletzt mit einem Pensum von 100
%
als Betrieb
smitarbeiter bei der
Firma Y.___
angestellt,
für welche er
Menüs vor
zubereiten und teilweise auch auszuliefern hatte (
Urk.
7/8). Daneben war er aushilfsweise als Taxifahrer für die
Firma Z.___
tätig (
Urk.
7/16).
1.2
Am 4.
Februar 2002
meldete er sich
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, wegen Schulterschmerzen und Schmerzen im Nacken- und Kopfbereich zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die IV-Stelle klärte
darauf
die erwerblichen
(Urk.
7
/7
und
7
/16)
und medizinischen
(
Urk.
7
/6
,
7
/9,
7
/12,
7
/13 und
7
/15)
Verhältnisse ab
. Mit
Verfügung vom
1
5.
November 2002 sprach sie dem Versicherten
, ausgehend von
einem Invaliditätsgrad von 100
%
, ab dem
1
.
Februar 2002
eine ganze Invalidenrente zu
(
Urk.
7
/25)
.
1.
3
V
on Amtes wegen
leitete die IV-Stelle im Oktober 2004
eine Rentenüberprüfung ein
, worauf der Versicherte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend machte (
Urk.
7
/26)
.
Die IV-Stelle holte einen
aktuellen IK-Auszug (Urk. 7
/27) und einen Verlaufsbericht von
Dr.
med.
A.___
, Fachärz
t
in FMH für Allgemeine Medizin, vom
9.
November 2004 ein (
Urk.
7
/28).
Hernach teilte sie dem Versicherten m
it Schreiben vom
2
2.
November 2004
mit, dass sich keine rentenrelevanten Änderungen ergeben hätten und er weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe (
Urk.
7
/30
).
Ab
Dezember 2007
führte
die IV-Stelle eine weiter
e Überprüfung des Rentenanspruches
durch
, anlässlich wel
cher der Versicherte wiederum erklärte, seine gesundheitliche Situation habe sich verschlimmert (
Urk.
7
/34)
.
Die IV-Stelle zog darauf
nebst ei
nem
aktuellen
IK-Auszug (
Urk.
7
/35) einen weiteren Verlaufsbericht von
Dr.
A.___
vom
7.
Februar 2008 (
Urk.
7
/37) bei. Anschliessend teilte sie dem Versicherten mit Schreiben vom 2
2.
Februar 2008 mit, dass sie keine rentenrelevanten Änderun
gen festgestellt und
er
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
unverändert
Anspruch auf die bisherige g
anze Invalidenrente habe (
Urk.
7
/40).
1.
4
Im März 2013 sandte die
IV-Stelle
dem Versicherten den Fragebogen zur Revi
sion der Invalidenrente zu, den er am 2
6.
März 2013 zusammen mit einem Bericht von
Dr.
A.___
vom selben Tag retournierte (
Urk.
7
/77)
.
Die IV-Stelle holte
wiederum
einen IK-Auszug ein (
Urk.
7
/78) und
gab ein rheumatologisch
-
psychiatrisches Gutachten in Auftrag
(
Urk.
7
/80)
,
das am 2
1.
Dezember 2013
und
2.
Januar 2014 von
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
B.___
, Fachärztin FMH
für Innere Medizin und Rhe
u
matologie
,
und
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychot
herapie, erstattet wurde (Urk.
7
/84 und
7
/87)
.
Mit
Vorbescheid vom
2.
April 2014 stellte die IV-Stelle die Aufhebung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
7
/91).
Dr.
med.
D.___
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberarzt, vom
Zentrum
für Soziale Psychiatrie, Ambulato
rium
F.___
, der
psychiatrischen Klinik G.___
teilten der IV-Stelle mit Zuschrift vom
6.
Mai 2014
mit, dass sich der Versicherte seit dem 2
4.
April 2014 bei ihnen in ambulanter psychiatrischer
Betreuung
befinde
(Urk.
7
/92).
Am 1
5.
Mai 2014 erhob der Versicherte Einwa
nd gegen den Vorbe
scheid (
Urk.
7
/95), den er in der Folge ergänzend begründen liess
(Urk. 7
/98). Mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2014 hob die IV-Stelle wie angekündigt die ganze Invalidenrente auf Ende des nach der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2 =
7
/100). Einer Beschwerde gegen die Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung (
Urk.
2 S. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
8.
Juli 2014 liess der Versicherte mit Eingabe vom 1
1.
September 2014 (
Urk.
1) Beschwerde erheben mit dem Antrag, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei weiterhin eine Invalidenrente auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Ferner wurde um Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung
und
um
Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels
er
sucht (
Urk.
1 S.
2). Die IV-Stelle schloss am 9.
Oktober 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom 2
3.
Oktober 2014 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und
Frist zur Einreichung einer Replik angesetzt
(Urk.
10).
Die Replik wurde am
1
2.
Januar 2015 erstattet
mit dem neuen Eventualantrag, es sei ein gerichtliches Gutachten anzuordnen und hernach über den Anspruch auf
die
weitere Ausrichtung der bisherigen Invalidenrent
e zu entscheiden (
Urk.
14 S. 2). Überdies wurde
ein Arztbericht vom 3
1.
Dezember 2014 eingereicht (Urk.
15). Die
Beschwerdegeg
ne
rin
verzichtete auf das Einreichen eine
r
Duplik (
Urk.
17), wovon der Ge
gen
par
tei mit Schreiben vom 23.
Januar 2015 Kenntnis gegeben wurde
(
Urk.
18)
.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und
die
im
Beschwerde
verfahren
neu eingereichte
medizinische Unterlage
(
Urk.
15) wird, soweit erfor
derlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades
bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V
108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leistungsbe
einflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
)
und die bisherige Invaliden
rente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichs
zeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
2.
In der angefochtenen Verfügung zog die Beschwerdegegnerin in Betracht, gestützt auf das von ihr eingeholte
rheumatologisch-psychiatrische
Gutachten sei davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erheblich verbessert habe. Vor allem im psychischen Bereich seien keine Diag
nosen und Befunde mehr vorhanden, die eine Erwerbstätigkeit einschränkten. Aus somatischer Sicht bestehe auch keine zeitliche Einschränkung.
Eine leichte angepasste Tätigkeit in Wechselbelastung
,
ohne Heben, Tragen und Transpor
tieren von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dau
er
hafte Armvorhaltebelastungen und Überkopfarbeiten sei vollzeitlich zumut
bar.
Die Beschwerdegegnerin führte einen Einkommensvergleich durch und ermit
telt
e einen Invaliditätsgrad von 22
%, der keinen Rentenanspruch
zu begründen vermöge (
Urk.
2).
Demgegenüber lässt der Beschwerdeführer geltend machen, sein Gesundheitszu
stand sei unverändert
, er habe sich jedenfalls nicht verbessert
(
Urk.
1 S. 5
und 14 S. 5
).
3.
3.1
Die letzte Rentenüberprüfung wurde mit der schriftlichen Mitteilung vom 22.
Februar 2008 abgeschlossen, mit welcher keine rentenrelevanten Änderun
gen und dementsprechend weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente festgestellt wurden (
Urk.
7
/40).
Sie stütze
sich in medizinischer Hinsicht
auf den Bericht von
Dr.
A.___
vom
7.
Februar 2008 (vgl. das Feststellungsblatt für den Beschluss vom 2
2.
Februar 2008;
Urk.
7
/39).
Dr.
A.___
hielt
darin
fest
, dass sich hinsichtlich der gestellten Diagnosen keine Änderungen ergeben hät
ten
.
Überdies
beurteilte
sie
den
Beschwerdeführer
als für
keine Tätigkeit
mehr
einsetzbar
(
Urk.
7
/
37
/
3 und 7
/
37
/4).
Die
s genügt, um die
Mitteilung vom 22.
Februar
200
8
als
zeitliche Vergleichsbasis
heranzuziehen
für die Prüfung der Frage, ob bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
8.
Juli 2014 eine anspruchsrelevante Änderung eingetreten ist.
Die relevanten Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
, welche zur
Rentenzusprache
führten
und
gemäss
dem Bericht von
Dr.
A.___
vom 7
.
Februar
200
8
unverändert vorlagen
,
sind den Berichten von
Dr.
med.
H.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, vom 19.
Februar 2002 (Urk.
7
/6), von
Dr.
A.___
vom 2
1.
März 2002 (
Urk.
7
/9) und der
Klinik I.___
vom 1
3.
Mai 2002
(
Urk.
7
/15)
zu entnehmen (vgl. das Feststellungsblatt für den Beschluss vom 2
3.
September 2002). Sie lauten wie folgt:
-
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2)
-
längere depressive Reaktion (ICD
-
10: F43.21)
-
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
-
chronisches Schmerzsyndrom Schul
ter/Arm rechts mit muskulärer
Dy
sba
lance
bei Status nach
arthroskopischer
AC-Resektion,
Acromiopla
s
tik
vom
3.
Mai 2001
.
4.
4.1
Das
von der Beschwerdegegnerin
zur Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation eingeholte Gutachten von
Dr.
B.___
und
Dr.
C.___
basiert auf
der
internistisch-rheumatologischen Untersuchung vom 3
0.
Oktober 2013 samt einer gleichentags durch
ge
führten ausgedehnten Laboruntersuchung,
der psy
chiatrischen und testpsychologischen Untersuchung vom 2
0.
November 2013,
den zur Verfügung gestellten Akten
und weiteren medizinischen Unterlagen
(
Urk.
7/
84/2, 7/84/19-22
und 7/87/1
).
4.2
Aus rheumatologischer Sicht wurden
im Gutachten
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten
(
Urk.
7
/84/34)
:
1.
Cervikales
Syndrom beidseits bei leichten degenerativen Veränderungen und leichte
r
Oesteochondrose
C5/C6 mit Irritation der Nervenwurzeln C6 beidseits sowie rechtsbetonte
r
foraminale
r
Stenose C6/C7 mit leichter
Kompression der Nervenwurzel C7 rechts, MRI 11/2013, ohne
radikuläre
Zeichen
2.
Lumbospondylogenes
Syndrom links bei leichten degenerativen Verände
rungen mit mässiger Spinalkanalstenose L3/L4 mit Irritation der
Cauda
equina
sowie fraglicher Irritation der Nervenwurzeln L4 links, L5 links sowie S1 links, MRI 11/2013, ohne
radikuläre
Zeichen
3.
Status nach Arthr
o
skopie der rechten Schulter mit AC-Gelenksresektion
und Defilee-Erweiterung am
3.
Mai 2001 mit gutem
postar
throskopische
m
Befund (
Arthro
-MRI 11/2013) mit etwas geringerer Knochendichte des rechten Radius als des linken Radius, jedoch normale Knochendichte des rechten und des linken Radius, DEXA 11/2013, und symmetrische Ober- und Vorderarmumfänge.
Durch die eingeschränkte Funktion der Hals- und Lendenwirbelsäule sowie der rechten Schulter sei der Beschwerdeführer limitiert. Gemäss den Empfehlungen der Swiss Insurance
Medicine
(SIM) hätten diese Einschränkungen folgende Auswirkungen (
Urk.
7
/84/37):
Rücken
:
Rückenfunktionseinschränkungen könnten sich je nach Art und Ausmass unterschiedlich auf die Fähigkeit auswirken, häufig Lasten ohne Hilfsmittel zu heben und zu tragen. Bei HWS-Problemen seien oft zusätzlich Überkopfarbeiten und Vi
brationen zu meiden. Das längere Verharren in vornüber geneigter Hal
tung – ob stehend oder sitzend – sei zu vermeiden. Ebenso seien unerwartete, asym
metrische Lasteinwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien
wechsel
belas
tende
Tätigkeiten.
Schultergelenk
:
Aus der Funktionseinschränkung eines Schultergelenks könnten sich Limitie
rungen in der Positionierung der Hand im Raum oder beim Einsatz der Hand über Brust-/Schulter-Kopfniveau ergeben. Oft sei die Fähigkeit, Leitern und Gerüste zu besteigen und auf solchen zu arbeiten
einge
schränkt.
Ebenfalls könnten Behinderungen beim Manipulieren bestehen, das Heben und Tragen von Lasten sei oft nur noch körpernah möglich. Allenfalls könnten schwere Gewichte nur bis zur Gürtelhöhe angehoben werden. Die zumutbaren
Maxi
mallasten
seien konkret anzugeben.
Der Beschwerdeführer könne Lasten bis zu 12,5 kg heben oder tragen (leichtes bis knapp mittelschweres Belastungsniveau).
Tätigkeiten, die diesem Profil entsprächen, könne er zu 100
%
bzw. ganztags ausüben
. Die angestammte Tätigkeit bei der
Firma Y.___
könne er zu 100
%
bzw. ganztags ausüben, sofern er
nicht mit
Lasten über 12,5 kg hantieren müsse. Auch die Tätigkeit als Kellner sei angepasst. Dagegen könne er nicht mehr als Bauhilfsarbeiter tätig sein, da er dabei auf Gerüsten arbeiten und mit Lasten über 12,5 kg hantieren müsse (
Urk.
7/84/38).
Ferner wurde
ver
merkt, dass a
us rheumatologischer Sicht keine wesentliche Ver
änderung des Gesundheitszustandes zu vermerken
sei
(Urk.
7
/84/40).
4.3
Psychiatrische
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden
gemäss dem Gutachten
keine
gestellt.
Dr.
C.___
diagnostizierte einzig
eine Anpassungsstörung mit Sorgen, Anspannungen, Zukunftsängsten und
Stim
mungseinbrüchen
(ICD-10: F43.23), welcher keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zuzumessen sei (
Urk.
7/87/8).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit; der Explorand sei auch nie aus psychischen Gründen über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
7/87/9).
4.4
I
n der
Konsensbeurteilung
des Gutachtens
wurden
dementsprechend lediglich
somatische
Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit berücksichtigt und
die
als zutreffend erachtete
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von
Dr.
B.___
übernommen
(
Urk.
7/87/10).
5.
5
.
1
Aus dem
Gutachten
von
Dr.
B.___
und
Dr.
C.___
geht nicht hervor
,
dass
sich der somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in einer
invali
ditätsrelevanten
Weise verändert
beziehungsweise verbessert
hat.
Da
Dr.
A.___
den Beschwerdeführer
200
8
unter Einbezug der
diversen
psychiatrischen Diag
nosen als für jegliche Tätigkeiten nicht mehr arbeitsfähig
qualifiziert
hat
te
(
Urk.
7/
37
/3 und 7/
37
/4),
genügen die
in
somatischer
Hins
icht unveränderten Verhältnisse für sich allein nicht, um zu
beurteilen, ob nach wie vor ein Ren
tenanspruch besteht.
Vielmehr ist auch zu prüfen, wie sich die psychische Situ
ation präsentiert.
5
.
2
Aus psychiatrischer Sicht wird
i
m
Gutachten
von
Dr.
B.___
und
Dr.
C.___
zwar
ebenfalls
eine Anpassungsstörung diagnostiziert
, jedoch nicht
die
ur
sprüng
lich
e
mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10:
F43.21), sondern
neu
eine solche
mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen gemä
ss ICD-
10:
F43.23
(
Urk.
7/87/10)
.
Im
psychiatrischen Teilgutachten vom
2.
Januar 2014 hat
Dr.
C.___
hierzu
insoweit nachvollziehbar dargelegt, dass es
beim Beschwer
deführer
seit dem Ausbruch der
muskuloskelettalen
Schmerzen in be
lastenden Situationen zu intermittierenden Anpassungsstörungen gekommen
ist
. Es
sei
nicht auszuschliessen, dass
d
er
Beschwerdeführer
im Rahmen einer
Anpas
sungsstörung
auch unter mittelgradigen depressiven Symptomen gelitten habe. Anlässlich der Exploration vom 2
0.
November 2013 seien aber keine ein
deutige gedrückte Stimmung, keine Antriebsstörungen, keine Freudlosigkeit, keine reduzierte Konzentrationsfähigkeit oder Schuldgefühle, keine psychomo
tori
schen Hemmungen oder zirkadiane
n
Tagesschwankungen fest
stellbar
gewe
sen.
Damit könnten die vom Beschwerdeführer geschilderten Zukunftssorgen, Ängste, Stimmungseinbrüche und reduzierte Stressresistenz einer
Anpassungs
störung
im Rahmen der Rentenrevision zugeordnet werden
(
Urk.
7/87/8)
.
So
weit
Dr.
C.___
der 2013 diagnostizierten Anpassungsstörung
keinerlei Aus
wir
kung
auf die Arbeitsfähigkeit zumisst, handelt es sich
somit
nicht
bloss
um
eine
andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich bleibenden Sachverhaltes.
Vielmehr
ist aufgrund der Schilderungen von
Dr.
C.___
bezüglich intermittie
render
Anpassungsstörungen davon auszugehen, dass
sich der Sachverhalt in diesem Punkt im Vergleich zu 200
8
erheblich
verändert
hat
.
Insofern ist von einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen.
5
.
3
Darüber hinaus ist zu
berücksichtigen, dass
mit der
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
ein weiteres psychisches Leiden in die
Arbeits
fähigkeitsbeurteilung
200
8
miteinbezogen worden war.
Dr.
C.___
hat Ende 2013
bzw.
Anfang 2014
offenbar keine solche Diagnose gestellt
(Urk.
7/87/8
und 7/87/9
). Seinen Ausführungen lässt sich jedoch nicht
ansatzweise
entneh
men,
ob er die damals gestellte Diagnose als unzutreffend erachtet oder ob er von veränderten Verhältnissen ausgeht (vgl. insbesondere die Stellungnahme zu früheren ärztlichen Einschätzungen,
Urk.
7
/87/10). Die von ihm vertretene
Auffassung, dass der Beschwerdeführer nie über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen sei (Urk. 7/87/9), lässt jedenfalls keine Rückschlüsse
in eine bestimmte Richtung
zu.
5
.
4
Aus dem Gesagten folgt,
dass mit dem psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
C.___
eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
(wegen des Wegfalls der 200
8
wegen der Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion attestierten Arbeits
unfähigkeit)
ausgewiesen
ist
.
Der konkrete Umfang
wird
unter Umständen noch zu quantifizieren
sein
, nachdem die
offenen Fragen bezüglich
der ursprünglich diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung
beantwortet
sind
. D
as
von der Beschwerdegegnerin eingeholte
Gutachten
ist somit
ergänzungsbedürftig.
5.5
Zum im
Beschwerdeverfahren neu eingereichte
n
Bericht des
Zentrums J.___
vom 3
1.
Dezember 2014 (
Urk.
15)
bleibt zu bemerken, dass er
nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
8.
Juli 2014 ver
fasst
wurde
. Es wird darin
zwar neu eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.1/2) diagnostiziert.
E
ine bis zum 18.
April 2014 eingetretene relevante Verschlech
terung des psychischen Gesundheitszustandes geht daraus jedoch nicht hervor
, zumal sich der Bericht nicht
zum
Datum der Untersuchung
äussert
, welche zur erwähnten neuen Diagnose führte
. Der Beschwerdeführer vermag folglich nichts zu seinen Gunsten
aus diesem Dokument
abzuleiten.
Ebenso wenig kann dieses zur Klärung der noch offenen Fragen dienen.
5
.
6
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die angefochtene Verfügung vom 31. Dezember 2014 aufzuheben
und die
Sache zur Durchführung der notwendi
gen ergänzenden Abklärungen
und
zu neuer Entscheidung an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen ist (
§
26 des Gesetzes über das
Sozialver
sicherungs
gericht
,
GSVGer
; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4)
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhäng
ig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und auf Fr. 6
00.--
fest
zusetzen.
Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
be
schwerdeführenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
6
.
2
Überdies hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf
den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
)
.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung
wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§ 34 Abs.
3
GSVGer
).
Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 1‘600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemes
sen, wobei zu bemerken ist, dass für Bemühungen ab dem 1. Januar 2015 ein
Stun
denansatz
von Fr. 185.-- und für diejenigen davor ein solcher von Fr. 170.-- zu veran
schlagen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 1
8.
Juli 2014 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im
S
inne der Erwägungen über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab September 2014 neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘600
.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsdienst Integration Handicap
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigGohl Zschokke