# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5b5ce13-6424-5eea-a5a5-52c33ddbc88c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2010 D-5369/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5369-2010_2010-09-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5369/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotá (CO),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 19. Mai 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5369/2010

Sachverhalt:

A.
Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  Eingabe 
vom 10. Juli 2008 (Posteingang bei der Botschaft am 14. Juli 2008) er-
suchte  der  Beschwerdeführer  – ein  kolumbianischer  Staatsangehöri-
ger aus A._______ (Departement C._______) – um Gewährung von 
Asyl in der Schweiz. Zur Begründung machte er im Wesentlichen gel-
tend, es seien zu Beginn des Jahres 2000 Gerüchte kursiert, wonach 
seine Familie gefährdet sei. Er habe sie nicht ernst genommen, weil er 
keinen Anlass für eine Gefährdung gesehen habe. Am 22. Juni 2000 
sei  dann  aber  sein  ältester  Bruder  D._______  in  A._______  von 
Männern auf  Motorrädern  erschossen worden. Er  habe in der  Folge 
sein  Studium  abgebrochen,  da  es  erneut  Gerüchte  gegeben  habe, 
wonach auch die übrigen Familienmitglieder ermordet werden sollten. 
Seine  Mutter  habe  die  Ermordung  seines  Bruders  bei  der 
Einwohnerkontrolle  und  der  Staatsanwaltschaft  angezeigt,  allerdings 
ohne Erfolg. Am 22. Oktober 2000 sei dann sein Bruder E._______ bei 
Tagesanbruch  vor  einer  Diskothek  von  zwei  Männern  auf  einem 
schweren Motorrad erschossen worden. Nach diesem Ereignis  habe 
sein Bruder F._______ die Gemeinde A._______ fluchtartig verlassen, 
während er selber bei seiner Mutter und Grossmutter verblieben sei, 
weil  er  diese  nicht  habe  allein  lassen  können  und  seiner  Mutter  in 
deren  Restaurant  habe  aushelfen  müssen.  Sein  Leben  habe  sich 
jedoch  seit  diesem Zeitpunkt  grundlegend  verändert,  indem er  sich 
selbst im eigenen Haus nicht mehr sicher fühle und auf der Strasse 
stets  von einem Gefühl  der  Unsicherheit  und Angst  begleitet  werde. 
Sein  Bruder  F._______  sei  nach  einiger  Zeit  nach  A._______ 
zurückgekehrt,  in  der  Annahme,  die  Lage  habe  sich  beruhigt.  Am 
21. Februar 2002 sei dieser Bruder jedoch von mehreren Männern auf 
offener  Strasse erschossen worden. Als  Folge  dieser  Ereignisse  sei 
seine Mutter an Darmkrebs erkrankt und zwei Jahre darauf gestorben. 
Er  selber  sei  dann  trotz  befürchteter  Konsequenzen  noch  in 
A._______  verblieben,  weil  er  seine  Grossmutter  nicht  habe  alleine 
lassen können. Am 9. März 2008 sei diese nun aber an einer Krankheit 
gestorben,  womit  er  ganz  alleine  sei  und  sich  vor  einem  tödlichen 
Übergriff fürchte. Aus diesen Gründen ersuche er um Gewährung von 
Asyl in der Schweiz.

B.
Mit Schreiben vom 16. September 2008 forderte die schweizische Ver-

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tretung in Bogotá den Beschwerdeführer für den Fall, dass er an sei -
nem Asylgesuch festzuhalten gedenke, auf, innert 30 Tagen sein Asyl -
begehren gestützt auf einen beigelegten Fragenkatalog einlässlich zu 
begründen und allenfalls vorhandene Beweismittel einzureichen.

C.
Mit Eingabe vom 6. Oktober 2008 kam der Beschwerdeführer dieser 
Aufforderung  nach  und  gab  an,  er  habe  ausserhalb  seines  Heimat-
staates keine familiären Verbindungen. Im Weiteren wiederholte er im 
Wesentlichen die in seinem Asylgesuch vom 10. Juli 2008 genannten 
Gründe und führte ergänzend aus, dass während Jahren gerüchtewei-
se kolportiert worden sei, er sei an der Ermordung seiner Brüder betei-
ligt  gewesen,  bis  ein  Ex-Paramilitär  namens  G._______,  alias 
"H._______",  am  26.  August  2008  in  einer  Anhörung  durch  die 
Staatsanwaltschaft  18  zugegeben habe,  den Auftrag zur  Ermordung 
seines Bruders  F._______  gegeben zu  haben,  nachdem dieser  sich 
geweigert  habe,  der  paramilitärischen  Gruppierung  beizutreten.  Das 
entsprechende Protokoll der Staatsanwaltschaft werde er nachreichen, 
sobald  er  eine  Kopie  erhalten  habe.  Er  habe  innerstaatlich  bei  der 
Einwohnerkontrolle,  der  Staatsanwaltschaft  und  der  Polizei  seiner 
Wohngemeinde  um  Schutz  nachgesucht  und  während  einiger  Zeit 
auch Hilfe von staatlicher Seite erhalten, indem man ihm Instruktionen 
für den Selbstschutz übergeben habe und regelmässig Polizeikontrol -
len vor seinem Haus stattgefunden hätten. Eine innerstaatliche Flucht-
alternative stehe ihm nicht offen, da er nicht über die dafür notwendi-
gen Geldmittel verfüge und solche auch nicht von Freunden oder Ver-
wandten erhalten könne; aus denselben Gründen könne er sich auch 
nicht in ein anderes lateinamerikanisches Land begeben, zumal er im 
Ausland niemanden kenne, der ihm helfen könnte.

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer sodann 
zahlreiche Beweismittel  zu  den Akten,  darunter  eine Anzeige seiner 
Mutter  bei  der  Einwohnerkontrolle  von  A._______  vom  16.  Januar 
2001  betreffend  die  Ermordung  ihrer  Söhne  D._______  und 
E._______, eine Anzeige seiner Mutter bei der Staatsanwaltschaft [...] 
vom  3. Januar  2003  betreffend  am  31. Dezember  2002  von  zwei 
Männern begangenen Sachbeschädigungen in ihrem Restaurant, eine 
Anzeige  des  Beschwerdeführers  bei  der  Einwohnerkontrolle  von 
A._______  vom  10.  Januar  2003  betreffend  Morddrohungen  gegen 
seine  Person  –  gemäss  welcher  einer  der  beim  Vorfall  vom  31. 
Dezember  2002  beteiligten  Männer  seiner  Mutter  gesagt  habe,  sie 

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solle ihm ausrichten, dass man ihn töten werde, und daraufhin einen 
Schuss  auf  eine  Vitrine  abgegeben  habe  –,  eine  Anzeige  des 
Beschwerdeführers bei der Einwohnerkontrolle von A._______ vom 1. 
Februar  2005  betreffend  Morddrohungen  gegen  seine  Person  – 
gemäss welcher er von Freunden aus seinem Wohnquartier erfahren 
habe,  dass  man  ihn  umbringen  wolle  –,  ein  polizeiliches  Schreiben 
vom 15.  Februar  2005  betreffend  Ratschläge  zur  Verminderung  der 
Gefahr von Übergriffen beziehungsweise zum Vorgehen im Falle einer 
Gefährdung,  Bestätigungen  der  Staatsanwaltschaft  [...]  vom  16. 
beziehungswiese 19. Juni 2008 betreffend die hängigen Strafverfahren 
im  Zusammenhang  mit  der  Ermordung  der  Brüder  des 
Beschwerdeführers und seiner eigenen Anzeige vom 1. Februar 2005 
wegen  Morddrohungen  sowie  Kopien  seines  Geburtsscheines  und 
seiner  Identitätskarte  und  Geburtsregisterauszüge  und  Totenscheine 
betreffend seine Angehörigen.

D.
Die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  übermittelte  die  Akten  am 
10. November 2008 zuständigkeitshalber an das BFM und führte dabei 
aus, dass eine persönliche Befragung des Beschwerdeführers aus Ka-
pazitätsgründen nicht möglich sei.

E.
Mit  Zwischenverfügung vom 15. März 2010 teilte  das BFM dem Be-
schwerdeführer  mit,  es erachte den entscheidrelevanten Sachverhalt 
aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches und der ein-
gereichten ausführlichen Dokumentation als erstellt, weshalb eine An-
hörung auf der Botschaft  nicht notwendig erscheine. Im Weiteren er -
wäge das Bundesamt – unter Berücksichtigung der Akten, der zu be-
achtenden  Aspekte  und  des  ihm  zukommenden  weiten  Ermessens-
spielraumes  –  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  abzuweisen 
und ihm die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere er-
achte es die Möglichkeit  einer anderweitigen Schutzsuche als  gege-
ben. Das BFM gab dem Beschwerdeführer Gelegenheit, sich innert 30 
Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung dazu zu äussern.

F.
Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  Eingabe 
vom 28. April 2010 (Posteingang bei der Botschaft am 30. April 2010), 
welche zuständigkeitshalber  an das BFM weiter  geleitet  wurde (Ein-
gang beim BFM am 17. Mai 2010) reichte der Beschwerdeführer weite-

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re Beweismittel zu den Akten und brachte dazu vor, auf der ins Recht  
gelegten  CD-ROM  sei  die  Aussage  des  inhaftierten  Ex-Paramilitärs 
G._______  alias  "H._______"  gespeichert,  welcher  sich  zu  den 
Gründen  der  Ermordung  seines  Bruders  F._______  äussere.  Man 
habe seinen Bruder wegen seiner militärischen Ausbildung und seiner 
beruflichen Tätigkeit in der Armee für die AUC (Autodefensas Unidas 
de Colombia) rekrutieren wollen und ihn getötet, weil er dies abgelehnt 
habe. In diesem Zusammenhang reichte der Beschwerdeführer Kopien 
des Militärausweises sowie des militärischen Führerausweises seines 
Bruders ein. Ferner legte er einen Auszug aus einer Zeitschrift vor, in  
welchem über die Ermordung seines Bruders F._______ berichtet und 
er als letzter Überlebender der Familie bezeichnet wird.

G.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2010 – gemäss Empfangsbestätigung eröff -
net am 8. Juli 2010 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerde-
führers ab und verweigerte ihm die Einreise in die Schweiz. Zur Be-
gründung führte  das Bundesamt  zunächst  in  formeller  Hinsicht  aus, 
dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für ein Absehen von ei-
ner  Anhörung  des  Beschwerdeführers  gegeben  seien. In  materieller 
Hinsicht hielt das BFM sodann im Wesentlichen dafür, aus den Akten 
sei  nicht  auf  eine  aktuelle  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  zu 
schliessen, da seit der Ermordung seiner Brüder mehrere Jahre ver-
strichen  seien  und  er  sich  in  dieser  Zeit  stets  in  A._______ 
aufgehalten  habe.  Zudem  handle  es  sich  bei  ihm  nicht  um  eine 
landesweit  bekannte  Person,  weshalb  nicht  anzunehmen  sei,  dass 
seine  Verfolger  ihn  an  einem beliebigen  Ort  in  Kolumbien  ausfindig 
machen  könnten.  Es  stünden  ihm  demnach  innerstaatliche 
Fluchtalternativen  offen,  weshalb  er  nicht  auf  den  Schutz  der 
schweizerischen  Behörden  angewiesen  sei.  Ferner  sei  ihm  möglich 
und zumutbar, gegebenenfalls in einem anderen Land als der Schweiz 
um  Schutz  nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der 
Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30) als auch das entsprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 
1967 ratifiziert hätten.

H.
Mit an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichteter, am 12. Juli 
2010  dort  eingegangener  Eingabe  vom 8.  Juli  2010  erhob  der  Be-
schwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 19. Mai 2010 Be-

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schwerde, welche in der Folge zuständigkeitshalber an das Bundes-
verwaltungsgericht  weitergeleitet  wurde  (Posteingang  beim  Bundes-
verwaltungsgericht  am 27. Juli  2010). Er  beantragte  sinngemäss  die 
Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  19.  Mai  2010  und  die 
Gewährung von Asyl beziehungsweise die Bewilligung der Einreise in 
die  Schweiz.  Zur  Begründung  brachte  er  im  Wesentlichen  vor,  die 
Beziehungen  zwischen  Kolumbien  und  Equador  beziehungsweise 
Venezuela seien wegen der Aktivitäten der Guerilla derzeit  nicht  die 
Besten;  es  seien  an  den  Grenzen  auch  schon  Kolubianer  getötet 
worden, die man zu Unrecht als Kollaborateure der Guerilla bezeichnet 
habe.  Aus  diesen  Gründen  sei  eine  Ausreise  in  diese  Länder  mit 
grossen  Risiken  verbunden.  In  seinem  Heimatstaat  könne  er  aber 
wegen der Gefahr für sein Leben auch nicht bleiben. Der Beschwerde-
führer  reichte  sodann  erneut  zahlreiche  Beweismittel  zu  den  Akten. 
Dabei handelt es sich zur Hauptsache um Kopien der bereits im erst -
instanzlichen Verfahren vorgelegten Dokumente,  und darüber  hinaus 
um Auszüge aus dem Internet  betreffend die Beziehungen zwischen 
Kolumbien und seinen Nachbarstaaten Equador und Venezuela.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört  zu den Behör-
den nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sin-
ne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 
daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

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1.3 Die Beschwerdeeingabe ist  nicht in einer Amtssprache des Bun-
des abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesse-
rung kann indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten 
Beschwerdeeingabe  genügend  klare,  sinngemässe  Rechtsbegehren 
und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber 
befunden werden kann.

1.4 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch die  angefochtene Verfügung beson-
ders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und  Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli -
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 
AsylG wurde sodann auf die Durchführung des Schriftenwechsels ver-
zichtet.

4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in 
BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung 

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aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  bei  der  je-
weiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden Land 
oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Grün-
den ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung 
der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei 
gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mit -
wirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels konkreter 
Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein stan-
dardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller 
Regel  nicht  zu  genügen  (BVGE a.a.O. E. 5.4).  Allerdings  kann  sich 
eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklä-
rung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereich-
ten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden 
Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die 
Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu einem abzusehenden negativen Ent-
scheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7). 
Schliesslich ist  das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen 
von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begrün-
den (BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

4.2 Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer von der schwei-
zerischen  Vertretung  in  Bogotá  zu  seinem  Asylgesuch  vom 10.  Juli 
2008  nicht  befragt,  da  die  Botschaft  dazu  gemäss  Überweisungs-
schreiben vom 11. November 2008 aus gerichtsnotorischen und mithin 
nachvollziehbaren Kapazitätsgründen nicht in der Lage war; dem Be-
schwerdeführer wurde indessen mit Zwischenverfügung des BFM vom 
15. März 2010 Gelegenheit zur weiteren Konkretisierung seiner Asyl-
gründe sowie das rechtliche Gehör im Hinblick auf die in Erwägung ge-
zogene Abweisung des Asylgesuches gewährt; der Beschwerdeführer 
hat mit Eingabe vom 28. April 2010 von dieser Möglichkeit Gebrauch 
gemacht. Aufgrund der einlässlichen Ausführungen des Beschwerde-
führers in seinem schriftlichen Asylgesuch und den weiteren Eingaben 
sowie  der  zahlreichen  von  ihm eingereichten  Beweismittel  erscheint 
sodann der entscheidwesentliche Sachverhalt  – wie das BFM in der 
angefochtenen Verfügung zu Recht ausführt – als genüglich abgeklärt.  
Schliesslich hat das BFM in seiner Verfügung vom 19.  Mai 2010 das 
Absehen  von  einer  persönlichen  Anhörung  begründet.  Bei  dieser 
Sachlage  ist  festzuhalten,  dass  das  BFM  den  verfahrensrechtlichen 
Anforderungen Genüge getan hat.

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5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

5.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die Möglichkeit  der  Schutzgewäh-
rung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter-
hin zutreffende Praxis  gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15, insbe-
sondere S. 131 ff., welche angesichts bloss redaktioneller Änderungen 
bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit  
hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist da-
bei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen  (vgl.  EMARK 
1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der 
Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in seinem Gesuch 
keine  besonders  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht 
hat. Im Weiteren hat das Bundesamt zu Recht erwogen, dass es dem 
Beschwerdeführer zuzumuten sei, in einem anderen Land um Asylge-
währung nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispiels-
weise die Nachbarstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru Ver-
tragsparteien sowohl  der FK als auch des betreffenden Zusatzproto-
kolls vom 31. Januar 1967; Venezuela wiederum hat zwar das Abkom-
men selbst nicht ratifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder ver-

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fügen mit Ausnahme Venezuelas über ein eigenes, gesetzlich geregel-
tes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie 
sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts 
grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non-Refoulement  von  Art.  33  FK, 
auch  wenn als  Einschränkung  festgestellt  werden  muss,  dass  es  in 
den  Grenzgebieten  –  insbesondere  denjenigen  zu  Panama  und 
Venezuela – in den letzten Jahren zu unkontrollierten Rückschiebun-
gen durch die Grenzbehörden gekommen ist und der Beschwerdefüh-
rer zu Recht auf gewisse Spannungen zwischen Kolumbien und sei-
nen Nachbarstaaten Venezuela und Ecuador hinweist; diese Begeben-
heiten ändern indessen nichts an der Tatsache, dass kolumbianische 
Staatsangehörige  in  diesen  Ländern  bei  Bedarf  um Schutz  nachsu-
chen können. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der 
anderweitigen  Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der 
visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der 
Umstand, dass jährlich mehrere tausend kolumbianische Staatsange-
hörige  in  den  Nachbarländern  –  namentlich  in  Ecuador  –  um  Asyl 
nachsuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als 
Flüchtlinge anerkannt werden und materielle Unterstützung erhalten; 
der Einwand des Beschwerdeführers, wonach er sich wegen fehlender 
finanzieller Mittel  nicht im Ausland niederlassen könne, schlägt dem-
nach fehl. Insgesamt ergeben sich somit keine Anhaltspunkte, die da-
rauf  schliessen  liessen,  es  sei  dem Beschwerdeführer  praktisch un-
möglich oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, insbe-
sondere  einen  der  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  zu  begeben  (vgl. 
EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15 E. 2f S. 132). Dies gilt  umso 
mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es sich beim Beschwer-
deführer nicht um eine landesweit bekannte Persönlichkeit handelt, die 
aufgrund ihrer besonders exponierten Stellung auch bei  einer Flucht 
ins  nahe  Ausland  allenfalls  befürchten  müsste,  weiterhin  verfolgt  zu 
werden.

6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich der Be-
schwerdeführer den geltend gemachten Bedrohungen allenfalls durch 
eine innerstaatliche Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen könnte.

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer  aufgrund  der  Akten  über  keine  konkrete  Bezie-
hungsnähe zur Schweiz verfügt, hingegen die Möglichkeit der ander-
weitigen Schutzsuche hat. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz 

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dem Beschwerdeführer zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung 
verweigert und das Asylgesuch abgewiesen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art.  106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG);  aus  verwal-
tungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung von Art. 6 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) 
auf das Erheben von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer durch Vermittlung der schweizerischen Ver-
tretung in Bogotá (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung 
des Urteils an den Beschwerdeführer und um Zustellung der beilie -
genden  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
(per EDA-Kurier; in Kopie)

- das  BFM,  Abteilung  Asylverfahren,  mit  den  Akten  Ref.-Nr. N  [...] 
(per Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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