# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0341136e-be67-5a0c-8457-9e8e10a1896d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.06.2018 D-2744/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2744-2018_2018-06-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2744/2018 

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Lang, 

mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi ; 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, PLANZER LAW, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylwiderruf; 

Verfügung des SEM vom 12. April 2018 / N (…). 

 

 

 

D-2744/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung des ehemaligen Bundesamts 

für Migration (BFM) vom 13. Februar 2012 in der Schweiz als Flüchtling 

anerkannt und es wurde ihm Asyl gewährt. 

B.  

Mit Schreiben vom 19. März 2018 teilte das SEM dem Beschwerdeführer 

mit, es habe Kenntnis von seiner Reise ins Heimatland und beabsichtige 

deshalb, ihm die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und das Asyl zu wi-

derrufen. Es setzte ihm eine Frist zur schriftlichen Stellungnahme. 

C.  

Der Beschwerdeführer nahm mit Schreiben vom 29. März 2018 Stellung 

und führte aus, sein Sohn, B._______, habe in Eritrea einen schweren Au-

tounfall erlitten. Als er die Nachricht erhalten habe, dass der Gesundheits-

zustand seines Sohnes kritisch sei und dieser sterben könnte, habe er sich 

in einer Kurzschlusshandlung entschieden, nach Eritrea zu reisen, um sei-

nem Sohn beizustehen und ihn schlimmstenfalls zumindest ein letztes Mal 

zu sehen. Er selber habe sich nicht in einem guten gesundheitlichen Zu-

stand befunden, da er am (…) Oktober 2017 eine grössere (…)operation 

gehabt habe und eigentlich nicht reisefähig gewesen sei. Er habe das Ri-

siko, in Eritrea verhaftet zu werden, und Schlimmeres in Kauf genommen, 

da er emotional sehr mitgenommen gewesen sei und einfach nur bei sei-

nem Sohn habe sein wollen. Relativierend müsse aber auch erwähnt wer-

den, dass die zuständigen eritreischen Verfolgungsbehörden erst bei ei-

nem längeren Aufenthalt in Eritrea auf entflohene und im Ausland lebende 

eritreische Bürger aufmerksam und diese entsprechend hart bestrafen 

würden. Das Risiko sei somit einigermassen kalkulierbar gewesen, und er 

sei während seines Aufenthalts sehr vorsichtig gewesen. Er sei aus einer 

moralischen Pflicht heraus in seinen Heimatstaat gereist und keinesfalls 

freiwillig. Er habe aus einer Notsituation heraus gehandelt und sich nicht 

unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit er besitze, ge-

stellt.  

Als Beweismittel reichte er zwei Einladungen des (…)spitals (…) vom (…) 

September 2017 und (…) Januar 2018 ein. 

D-2744/2018 

Seite 3 

D.  

Mit Verfügung vom 12. April 2018 – eröffnet am 17. April 2018 – aber-

kannte das SEM dem Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft und 

widerrief das Asyl. 

E.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Mai 2018 erhob der Be-

schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid 

Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuhe-

ben, seine Flüchtlingseigenschaft sei nicht abzuerkennen und sein Asyl 

nicht zu widerrufen. In prozessualer Hinsicht wurde (sinngemäss) bean-

tragt, es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu 

bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

Der Beschwerde lagen – nebst der angefochtenen Verfügung und einer 

Vollmacht – eine Kopie des Schweizer Reiseausweises des Beschwerde-

führers und eine Unterstützungsbestätigung bei. 

F.  

Der Instruktionsrichter wies mit Zwischenverfügung vom 16. Mai 2018 das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wegen Aus-

sichtslosigkeit der Beschwerdebegehren ab und forderte den Beschwerde-

führer auf, bis zum 31. Mai 2018 einen Kostenvorschuss im Betrage von 

Fr. 750.− einzuzahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten 

werde. 

G.  

Am 29. Mai 2018 ging der Kostenvorschuss beim Bundesverwaltungsge-

richt ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 4 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde ist 

frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 

VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht. Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden 

(Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich um eine solche, weshalb 

der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Art. 63 AsylG regelt die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und 

den Widerruf des Asyls. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die 

Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe 

nach Art. 1 Bst. C Ziff. 1-6 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen.  

 

4.2 Die Anwendung von Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK setzt kumulativ voraus, dass 

der Flüchtling freiwillig in Kontakt mit seinem Heimatstaat getreten ist, er 

mit der Absicht gehandelt oder zumindest in Kauf genommen hat, von sei-

nem Heimatstaat Schutz in Anspruch zu nehmen, und er diesen Schutz 

auch tatsächlich erhalten hat (vgl. Urteil des BVGer E-5983/2015 vom 

15. November 2017 E. 4.4 [zur Publikation vorgesehen] mit Verweis auf 

BVGE 2010/17 E. 5.1.1). 

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Seite 5 

4.3 Heimatreisen von Flüchtlingen müssen restriktiv beurteilt werden. 

Grundsätzlich stellt der Umstand, dass sich jemand zurück in den Verfol-

gerstaat begibt, ein starkes Indiz dafür dar, dass die frühere Verfolgungs-

situation oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr bestehen. Trotzdem 

stellt nicht jeder Kontakt mit den Heimatbehörden und damit auch nicht 

jede Heimatreise einen Aberkennungsgrund dar. Deshalb dürfen eine Ab-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft und ein Widerruf des Asyls erst dann 

ausgesprochen werden, wenn die erwähnten drei Voraussetzungen in ihrer 

Gesamtheit erfüllt sind. Entfällt eine dieser drei Voraussetzungen, ist von 

der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und vom Widerruf des Asyls 

abzusehen (vgl. Urteil des BVGer E-4544/2017 vom 29. August 2017 

E. 4.2 mit Verweis auf BVGE 2010/17 E. 5.1.2 und Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 

Nr. 7 E. 10a). 

4.4 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht-

lingseigenschaft liegt nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts 

bei den asylrechtlichen Behörden, da diese aus den zu beweisenden Tat-

sachen Rechtsfolgen ableiten wollen (vgl. Urteil des BVGer E-7605/2007 

vom 10. August 2009 E. 5.2.5). Dies gilt für alle drei der genannten Voraus-

setzungen einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft (vgl. auch Urteil 

des BVGer E-6562/2016 vom 12. März 2018 E. 4.3).  

Bezüglich des Beweismasses ist festzuhalten, dass die Asylbehörden die 

relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen haben. Soweit relevante 

Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder mit den Behörden 

zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht bewiesen werden können, müs-

sen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich gemacht werden (analog 

Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen 

aus, dass keine ärztlichen Unterlagen oder sonstigen Belege im Zusam-

menhang mit dem Unfall des Sohnes eingereicht worden seien. Es könne 

daher nicht abschliessend beurteilt werden, ob und wie schwer der Sohn 

verletzt worden sei und ob er sich tatsächlich in Lebensgefahr befunden 

habe. Es sei jedoch nicht ersichtlich, weshalb sich der Beschwerdeführer 

für die Dauer von über einem Monat in Eritrea aufgehalten habe. Es sei 

deshalb davon auszugehen, dass die Heimreise insbesondere im Hinblick 

auf die Aufenthaltsdauer freiwillig stattgefunden habe. In Bezug auf eine 

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Seite 6 

Inkaufnahme der Unterschutzstellung sei festzuhalten, dass der Beschwer-

deführer gemäss den vorliegenden Akten offiziell mit seinem schweizeri-

schen Reisedokument sowie dem schweizerischen Aufenthaltstitel gereist 

sei. Auch sei er über den offiziellen und streng kontrollierten Flughafen in 

Asmara ein- und auch wieder ausgereist. Schliesslich ergebe sich aufgrund 

des Umstandes, dass der Beschwerdeführer über einen offiziellen Grenz-

übergang nach Eritrea eingereist und einen Monat später wieder problem-

los ausgereist sei und während seines ganzen Aufenthalts keine Schwie-

rigkeiten gehabt habe, dass er effektiv geschützt gewesen sei. 

5.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, die Vor-

instanz habe in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes keine Abwä-

gung der für und gegen den Beschwerdeführer sprechenden Sachverhalts-

elemente vorgenommen, sondern habe im Gegenteil nur die gegen ihn 

sprechenden Elemente erwähnt. Er habe keinen anderen Ausweg gese-

hen, als sich einem Risiko auszusetzen und in sein Heimatland zu reisen, 

zumal sich sein Sohn in Lebensgefahr befunden habe und er davon habe 

ausgehen müssen, ihn nie wieder zu sehen. Dem Beschwerdeführer sei es 

physisch wie auch psychisch sehr schlecht gegangen. Er sei im Oktober 

2017 am (…) operiert worden und eigentlich nicht reisefähig gewesen. 

Hinzu komme, dass er bereits seine Tochter, C._______, verloren habe bei 

deren Versuch, in die Schweiz zu gelangen. Das Fahrzeug, in welchem 

sich die Tochter befunden habe, sei auf dem Weg vom Sudan nach Libyen 

von sudanesischen Soldaten festgehalten worden. Seither sei die Tochter 

spurlos verschwunden, weshalb die Familie davon ausgehe, dass sie ge-

storben sei. Die Familie sei in tiefer Trauer und er habe nicht tatenlos ein 

weiteres Kind verlieren wollen. Vor diesem Hintergrund sei sein Entschluss, 

in sein Heimatland zu reisen, mehr als nachvollziehbar. Er sei aus einer 

moralischen Pflicht heraus in seinen Heimatstaat gereist und keinesfalls 

freiwillig. Es sei ihm durchaus bewusst gewesen, dass er in Eritrea hätte 

verhaftet werden können. Der Arztbericht den Unfall des Sohnes betreffend 

befinde sich auf dem Postweg in die Schweiz – sofern das Schreiben nicht 

vom eritreischen Regime abgefangen werde – und werde nachgereicht. 

Auch der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer für über einen Monat 

in Eritrea aufgehalten habe, hänge direkt mit dem kritischen Gesundheits-

zustand seines Sohnes zusammen, welcher bis heute in Behandlung sei. 

Wäre der Sohn früher aus dem Spital entlassen worden, wäre er – zu sei-

nem eigenen Schutz – früher in die Schweiz zurückgekehrt.  

Sodann gebe es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das eritreische Re-

gime dem Beschwerdeführer Schutz gewährt hätte. Vielmehr müsse in 

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Übereinstimmung mit Berichten anerkannter Menschenrechtsorganisatio-

nen davon ausgegangen werden, dass rückkehrende Eritreer früher oder 

später – auch wenn sie nicht unmittelbar bei der Einreise am Flughafen 

festgehalten würden – inhaftiert würden. Selbst Personen, welche im Ver-

dacht stünden, der Regierung die Loyalität zu verweigern, wozu auch die 

Stellung eines Asylantrags gehöre, würden Gefahr laufen, gefoltert, 

schlecht behandelt oder möglicherweise aussergerichtlich hingerichtet zu 

werden. Die Vorinstanz habe die Voraussetzungen, welche für die Aber-

kennung der Flüchtlingseigenschaft kumulativ erfüllt sein müssten, zwar 

aufgezählt, habe sich mit denselben aber in Verletzung der Begründungs-

pflicht und des Untersuchungsgrundsatzes nicht hinreichend auseinander-

gesetzt beziehungsweise diese nicht geprüft. Allein die Tatsache, dass der 

Beschwerdeführer über den Flughafen habe ein- und ausreisen und sich 

einige Wochen im seinem Heimatstaat habe aufhalten können, bedeute 

mitnichten, dass er in der Absicht gehandelt habe, sich erneut dem Schutz 

des Heimatstaates zu unterstellen. Ebenso wenig könne davon die Rede 

sein, dass ihm durch den Heimatstaat tatsächlich Schutz gewährt worden 

sei. Es komme durchaus oft vor, dass eritreische Staatsbürger bei der Ein- 

und Ausreise unbehelligt blieben, weil den eritreischen Behörden die not-

wendigen Ressourcen und Informationen fehlen würden. Der Beschwerde-

führer habe gewisse Vorsichtsmassnahmen getroffen, indem er bei der 

Ein- und Ausreise nicht seinen schweizerischen Reiseausweis vorgezeigt 

habe, sondern mit einem gefälschten Reiseausweis eingereist sei. Insofern 

hätten die Sicherheitskräfte am Flughafen nahezu unmöglich feststellen 

können, dass er in der Schweiz Asyl beantragt habe. Ausserdem habe der 

Beschwerdeführer Asyl erhalten, weil er vom Militärdienst in D._______ 

geflohen sei. Nur wenn seine damaligen Vorgesetzten ihn zufällig getroffen 

hätten, wäre er sofort verhaftet worden. Ausserdem sei er während seines 

Aufenthalts sehr vorsichtig gewesen und habe öffentliche Plätze und Ein-

richtungen gemieden. In Eritrea funktioniere der Datenaustausch unter den 

Behörden kaum. Kriminelle beziehungsweise sogenannte Landesverräter 

würden oft erst als solche erkannt, wenn sie sich in den Arbeitsprozess 

integrieren wollten und entsprechende Lizenzen und Bewilligungen bean-

tragten. Der Beschwerdeführer habe einfach nur Glück gehabt, dass man 

nicht auf ihn aufmerksam geworden sei. 

6.  

6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu 

beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vor-

instanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer beantragt die 

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Seite 8 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung aufgrund der Verletzung der Un-

tersuchungs- und Begründungspflicht.  

6.2 Der Vorwurf, das SEM habe keine Abwägung der für und gegen den 

Beschwerdeführer sprechenden Sachverhaltselemente vorgenommen, 

sondern im Gegenteil nur die gegen ihn sprechenden Elemente erwähnt, 

wird in der Beschwerde nicht weiter begründet. Diese Rüge findet in den 

Akten denn auch keine Stütze. Bereits in ihrem Schreiben vom 19. März 

2018 nahm die Vorinstanz eine erste Sachverhaltsschilderung vor. Auch in 

der angefochtenen Verfügung befasste sich das SEM mit den einschlägi-

gen Tatsachen und stellte dabei die massgebenden Ereignisse in präziser 

Weise dar. Dabei setzte sich die Vorinstanz auch mit den Vorbringen des 

Beschwerdeführers auseinander und ging auf die wesentlichen Aspekte 

seiner Gründe für den Heimatbesuch ein. 

6.3 Was die Ausführungen der Vorinstanz zur Erfüllung der Voraussetzun-

gen gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG in Verbindung mit Art. 1 Bst. C 

Ziff. 1 FK anbelangt, so sind die diesbezüglichen Erwägungen tatsächlich 

kurz ausgefallen. Dennoch ergibt sich aus der angefochtenen Verfügung, 

dass das SEM zu jedem der Kriterien diejenigen Überlegungen darlegte, 

von denen es sich leiten liess und auf welche sich sein Entscheid stützte, 

so dass der Beschwerdeführer diese nachvollziehen kann. Dem Beschwer-

deführer war eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung des SEM denn 

auch ohne weiteres möglich. 

6.4 Nach dem Gesagten sind die in der Beschwerde erhobenen formellen 

Rügen unbegründet. Der Antrag auf Rückweisung der Sache zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz ist demnach abzuweisen. 

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer führte an, er sei nach Eritrea gereist, um seinem 

schwer verunfallten Sohn beizustehen respektive ihn schlimmstenfalls ein 

letztes Mal zu sehen.  

7.2 Es soll an dieser Stelle nicht verkannt werden, dass es gewiss eine 

schwierige Situation darstellt, als Flüchtling über viele Jahre getrennt von 

nahen Familienangehörigen zu leben, ohne die Möglichkeit zu haben, die-

se in der Heimat zu besuchen, auch wenn in Anbetracht der fortgeschritte-

nen Digitalisierung gewisse technische Möglichkeiten der Kontaktauf-

nahme eine gewisse Erleichterung bringen dürften. Gleichwohl ist daran zu 

erinnern, dass der Schutz desjenigen Staates, der einer Person den Flücht-

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Seite 9 

lingsstatus gewährt, ein subsidiärer ist. Reist der Betroffene zu einem Be-

such seiner Angehörigen in seinen Heimatstaat, bringt er damit grundsätz-

lich zum Ausdruck, dass er keiner flüchtlingsrechtlichen Gefährdung sei-

tens seines Heimatstaates mehr ausgesetzt ist und den subsidiären Schutz 

nicht mehr benötigt, weshalb der entsprechende Status, bei gegebenen 

Voraussetzungen, zu entziehen ist. 

7.3 Das Kriterium der Freiwilligkeit verlangt, dass die Heimreise ohne 

äusseren Zwang erfolgt ist (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.2). Der Beschwerde-

führer bestreitet nicht, dass er am (…) Dezember 2017 von Mailand via 

Kairo nach Asmara und erst einen Monat später, am (…) Januar 2018, zu-

rück nach Europa geflogen ist. Dazu führte er an, er habe sich wegen des 

Unfalls seines Sohnes in einer Kurzschlusshandlung entschieden, nach 

Eritrea zu reisen. Gemäss dem elektronischen Ticket der AfroNine Tour 

wurde die Reise am (…) Dezember 2017, somit acht Tage vor dem Abflug, 

gebucht. Bereits vor diesem Hintergrund erscheinen die Angaben des Be-

schwerdeführers zweifelhaft. Wäre der Zustand des Sohnes tatsächlich le-

bensbedrohlich gewesen, wäre anzunehmen gewesen, dass er ohne Ver-

zug abgereist wäre, zumal er bereits im Besitze eines am (…) 2017 aus-

gestellten Schweizer Reisedokumentes war und gemäss den Erkenntnis-

sen des Gerichts täglich Flüge nach Asmara verkehren. Für die Unglaub-

haftigkeit des vorgebrachten Reisegrundes spricht weiter, dass der Be-

schwerdeführer bis heute keinen Arztbericht den Unfall des Sohnes betref-

fend präsentieren konnte, obwohl er vom SEM bereits mit Schreiben vom 

19. März 2018 zur Stellungnahme aufgefordert wurde. Sodann hat der Be-

schwerdeführer sowohl in der Stellungnahme als auch in der Beschwerde 

nichts Substantiiertes den Unfall des Sohnes betreffend (Unfalldatum, be-

handelndes Spital, Art der Verletzungen) vorgebracht. Unter diesen Um-

ständen ist auch sein Vorbringen, er wäre früher in die Schweiz zurückge-

reist, wenn sein Sohn früher aus dem Spital entlassen worden wäre, als 

Schutzbehauptung zu qualifizieren. Schliesslich blieb auch seine Behaup-

tung, er sei am (…) Dezember 2017 wegen einer (…) Oktober 2017 statt-

gefundenen grösseren (…)operation nicht reisefähig gewesen, gänzlich 

unbelegt. Der Terminreservation des (…)spitals (…) vom (…) September 

2017 ist lediglich zu entnehmen, dass am (…) Oktober 2017 eine Operation 

mit anschliessendem stationärem Aufenthalt vorgesehen war, nicht hinge-

gen, welcher Art der geplante Eingriff war und ob dieser tatsächlich statt-

gefunden hat. Diesen Überlegungen zufolge ist davon auszugehen, dass 

die Heimreise nicht aufgrund eines moralischen Drucks, sondern freiwillig 

erfolgte.  

D-2744/2018 

Seite 10 

7.4 Für die Erfüllung des Kriteriums der beabsichtigten Unterschutzstellung 

genügt in der Regel die Inkaufnahme der Schutzgewährung, wobei wiede-

rum das Motiv für die Rückreise im Zentrum steht (vgl. BVGE 2010/17 

E. 5.2.3). Praxisgemäss ist bereits die Ausstellung heimatlicher Reisepa-

piere in der Regel als freiwillige Unterschutzstellung zu qualifizieren (vgl. 

EMARK 1998 Nr. 29). Unternimmt der Flüchtling indessen heimlich eine 

Reise in das Heimatland (unter Umgehung der Grenzkontrollen und weit-

gehend verstecktem Aufenthalt), zeigt er durch dieses Verhalten unter Um-

ständen an, dass ein Kontakt mit Organen des Staates vermieden werden 

soll, was zur Annahme führen kann, dass eine Unterschutzstellung gerade 

nicht in Kauf genommen wird.  

Vorliegend machte der Beschwerdeführer geltend, er sei mit einem ge-

fälschten Reiseausweis eingereist. Tatsächlich weist der in Kopie einge-

reichte Schweizer Reiseausweis keine Einreise- oder Ausreisestempel auf. 

Fragen wirft jedoch der Umstand auf, dass der Beschwerdeführer von sich 

aus die erwähnte Kopie einreichte und sich darüber hinaus bereit zeigte, 

bei Bedarf das Original nachzureichen, während er den angeblich ge-

fälschten Reiseausweis betreffend jegliche substantiierten Ausführungen 

und Belege vermissen liess. Dieses Verhalten stellt ein wesentliches Indiz 

für die Annahme dar, er habe sich ein eritreisches Reisedokument be-

schafft. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer offiziell über den inter-

nationalen Flughafen Asmara ein- und ausgereist ist und – wie bereits oben 

ausgeführt – nicht davon auszugehen ist, dass er aufgrund eines psychi-

schen Drucks in sein Heimatland gereist ist. 

7.5 Das Kriterium der effektiven Schutzgewährung ist sodann erfüllt, wenn 

objektive Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die betreffende Person tat-

sächlich im Heimatland nicht mehr gefährdet ist. Diese Anhaltspunkte kön-

nen vorwiegend in entsprechenden Handlungen des Heimatstaats bezie-

hungsweise dessen Organen gesehen werden. Aufgrund der Tatsache, 

dass der Beschwerdeführer kontrolliert in Eritrea einreisen, sich dort wäh-

rend eines Monats besuchshalber aufhalten und in der Folge wieder unge-

hindert aus dem Land ausreisen konnte, bestehen objektive Anhaltspunkte 

dafür, dass er in Eritrea nicht (mehr) gefährdet beziehungsweise effektiv 

geschützt war.  

Zur Rückkehr von Exil-Eritreern, auch einer besuchshalber erfolgenden, 

hat sich das Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 befasst. Da-

rin wird aufgeführt, dass sich in den vergangenen Jahren eine nicht uner-

D-2744/2018 

Seite 11 

hebliche Anzahl eritreischer Staatsangehöriger regelmässig zu Besuchs-

zwecken oder Ferien in ihr Heimatland begeben hat. Gemäss einem Be-

richt der NZZ am Sonntag vom Dezember 2014 verhelfe das eritreische 

Generalkonsulat in der Schweiz Flüchtlingen zu Reisen nach Eritrea und 

zurück in die Schweiz. Es rate ihnen, mit hiesigen Reisepapieren nach Ita-

lien, Ägypten und in den Sudan zu fliegen, auf den dortigen eritreischen 

Botschaften eritreische Pässe oder Identitätskarten zu beziehen und mit 

diesen weiter in ihre Heimat zu reisen. Weil auf diese Weise in den Schwei-

zer Papieren keine Stempel von eritreischen Grenzbehörden auftauchen 

würden, bleibe die Reise den hiesigen Behörden verborgen (vgl. Neue Zür-

cher Zeitung am Sonntag, Die harte Hand von Eritreas Regime in der 

Schweiz, 13. Dezember 2014, http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonn-

tag/die-harte-hand-von-eritreas-regime-in-der-schweiz-1.18444408). Auch 

eritreische Flüchtlinge könnten nach der Unterzeichnung eines Reue-

schreibens und der Bezahlung der 2%-Steuer nach Eritrea reisen. Eritreer, 

welche seit mehr als drei Jahren im Exil leben würden, würden als 

Diaspora-Eritreer angesehen und mit Diaspora-Status bei ihren Besuchen 

keinen nationalen Verpflichtungen wie National Service unterliegen (vgl. 

das Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.7 und 4.11).  

Der in der Beschwerde erhobene und sich auf Berichte aus den Jahren 

2009 und 2011 abstützende Einwand bezüglich der Gefährdung, welcher 

rückkehrende Eritreer ausgesetzt seien, ist deshalb nicht als stichhaltig zu 

erachten. Aus dem gleichen Grund sind auch die Vorbringen des Be-

schwerdeführers, er wäre (nur) dann sofort verhaftet worden, wenn er zu-

fällig seine ehemaligen Vorgesetzten getroffen hätte, und er sei sehr vor-

sichtig gewesen und habe öffentliche Plätze gemieden, als Schutzbehaup-

tungen zu qualifizieren. Auch die übrigen in der Beschwerde erhobenen 

Einwände vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 

7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in Art. 1C Ziff. 1 FK statu-

ierten Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind, weshalb die Vorinstanz dem 

Beschwerdeführer zu Recht gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG die 

Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen hat. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.  

D-2744/2018 

Seite 12 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21.Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der vom Beschwerdeführer am 29. Mai 2018 geleistete 

Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 750.– ist zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten zu verwenden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2744/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.− werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zu deren Bezahlung verwen-

det. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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