# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2960e50d-d315-5015-90b0-ce11c2cee4cb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-21
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 21.09.2023 SST.2022.278
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-278_2023-09-21.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.278 

(ST.2021.32; StA.2019.66) 

 

 

Urteil vom 21. September 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiber Fehlmann 

 

 
   

Anklägerin   Kantonale Staatsanwaltschaft, 

Bleichemattstrasse 7, 5001 Aarau  

 

   
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1977, von Spreitenbach, 

[…]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dario Zarro,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Ungetreue Geschäftsbesorgung, Missbrauch von Ausweisen und 

Schildern 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft erhob am 15. Mai 2021 Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäfts-

besorgung, eventualiter mehrfacher Veruntreuung, sowie mehrfachen 

Missbrauchs von Ausweisen und Schildern. 

 

1.2. 

Das Bezirksgericht Zofingen sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

5. Mai 2022 vom Vorwurf der Veruntreuung (Anklageziffer 3) frei und der 

mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des 

mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern schuldig. Es 

verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie 

einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen und entschied über die 

Zivilklage sowie die Beschlagnahme. 

 

2. 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 7. November 2022 beantragte der 

Beschuldigte einen Freispruch von der mehrfachen qualifizierten 

ungetreuen Geschäftsbesorgung. 

 

2.2. 

Der Beschuldigte reichte am 27. Februar 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine Berufungsbegründung ein. 

 

2.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 6. März 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung. 

 

2.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 21. September 2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Berufung richtet sich gegen die Schuldsprüche wegen mehrfacher 

qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und damit einhergehend die 

Strafzumessung. Im Übrigen ist das Urteil der Vorinstanz unangefochten 

geblieben. Eine Überprüfung dieser unbestrittenen Punkte findet somit 

grundsätzlich nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

 - 3 - 

 

 

 

1.2. 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts gilt bei den zur Anklage 

gebrachten Delikten der (qualifizierten) ungetreuen Geschäftsbesorgung 

sowie der (eventualiter angeklagten) Veruntreuung der Träger des 

geschädigten Vermögens als geschädigte Person. Wird eine juristische 

Person durch ein Vermögensdelikt geschädigt, ist allein sie unmittelbar 

verletzt. Lediglich mittelbar verletzt sind dagegen die Aktionäre einer 

Aktiengesellschaft, die Gesellschafter einer Gesellschaft mit beschränkter 

Haftung oder die Gläubiger dieser Gesellschaften (vgl. BGE 148 IV 170 

E. 3; BGE 140 IV 155 E. 3.3.1; Urteil des Bundesgerichts 1B_65/2018 vom 

5. Oktober 2018 E. 2.2). Das ist auch im vorliegenden Strafverfahren und 

im jetzigen Verfahrensstadium noch zu berücksichtigen, d.h. der B._____ 

AG als Erwerberin der Stammanteile der C._____ GmbH ist die Partei-

stellung abzusprechen. 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der (einfachen) qualifizierten unge-

treuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen. Sie ging in Bezug auf 

Anklageziffer 2 im Wesentlichen davon aus, dass er mit Kaufvertrag vom 

30. Januar 2018 die beiden Stammanteile der C._____ GmbH rückwirkend 

per 1. Januar 2018 für Fr. 380'000.00 als Mindestpreis sowie eine variable 

Kaufpreiszahlung an die B._____ AG verkauft habe. Mit Treuhandvertrag 

zwischen der B._____ AG und dem Beschuldigten sei Letzterer als 

Treuhänder in der Funktion als Gesellschafter der C._____ GmbH mit der 

Verpflichtung, Instruktionen bzw. Weisungen nur von der Treugeberin oder 

einer von dieser bezeichneten Drittperson entgegenzunehmen, eingesetzt 

worden. Der Grund hierfür sei gewesen, gegenüber der D._____ AG die 

wahren Eigentumsverhältnisse nicht erkennen zu geben. Denn E._____ sei 

an der F._____ AG sowie an der B._____ AG Mehrheitsaktionär und 

Präsident des Verwaltungsrats bzw. einzelzeichnungsberechtigter Ver-

waltungsrat gewesen. Die F._____ AG habe ihrerseits bereits durch eine 

Vermittlungsvereinbarung mit der D._____ AG von ebendieser 

Abschlussprovisionen erhalten. Bei einer Nachführung des erfolgten 

Verkaufs im Handelsregister hätte daher die Gefahr bestanden, die 

Verwaltungskostenentschädigungen von der D._____ AG an die C._____ 

GmbH zu verlieren. In der Funktion als fiduziarischer Treuhänder der 

C._____ GmbH habe der Beschuldigte ohne Rücksprache mit der B._____ 

AG und damit eigenmächtig die monatlich eingegangenen Verwaltungs-

kostenentschädigungen für eigene private Zwecke verwendet, um sich für 

eine vertragliche Streitigkeit mit der B._____ AG bezahlt zu machen. Durch 

die Verfügung über die Vermögenswerte habe er seine Treuepflicht verletzt 

und (unmittelbar) die C._____ GmbH sowie mittelbar die B._____ AG 

geschädigt. Eine Verrechnung falle überdies ausser Betracht, da die Ver-

waltungskostenentschädigung für das Jahr 2019 im Zeitpunkt der privaten 

Bezüge im 2018 weder betragsmässig definiert noch fällig gewesen wären. 

 - 4 - 

 

 

 

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch und macht im Wesentlichen 

geltend, dass mit dem Kaufvertrag vom 30. Januar 2018 ein 

synallagmatischer Vertrag vorliege, dem er durch die Aushändigung der 

umfangreichen Kundenliste nachgekommen sei, während die B._____ AG 

ihre weitere Zahlungsverpflichtung schon nach 10 Tagen nicht mehr erfüllt 

habe. Überdies sei bei der B._____ AG kein Vermögensschaden 

entstanden. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Abweisung der Berufung und macht 

im Wesentlichen geltend, dass der Beschuldigte nach Ansicht der B._____ 

AG seinen Teil des Kaufvertrags nicht (richtig) erfüllt habe, weshalb sie den 

Rest des Kaufpreises zurückbehalten habe. Bevor er Anspruch auf die 

Verwaltungskostenentschädigung des Jahrs 2019 gehabt hätte, hätte er 

diejenige des Jahrs 2018 von Fr. 226'803.70 der B._____ AG abliefern 

müssen. Er habe über die C._____ GmbH verfügt, wie wenn sie noch ihm 

gehören würde. 

 

2.2. 

Wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines 

Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten, 

und dabei in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu 

bereichern, unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt, dass der andere am 

Vermögen geschädigt wird, macht sich der qualifizierten ungetreuen 

Geschäftsbesorgung schuldig (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 StGB; 

vgl. BGE 142 IV 346 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_511/2020 vom 

10. März 2021 E. 2.3). 

 

Wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines 

anderen Nutzen verwendet, macht sich der Veruntreuung schuldig 

(Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB; BGE 143 IV 297 E. 1.3; BGE 133 IV 21 E. 6.2; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1172/2021 vom 21. Januar 2022 E. 3.4). 

 

2.3. 

2.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der 

Kaufvertrag sowie der Treuhandvertrag abgeschlossen, der erste Teil des 

Kaufpreises von Fr. 300'000.00 bezahlt und der Beschuldigte Gelder im 

angeklagten Umfang von Fr. 226'803.75 im Jahr 2018 von der C._____ 

GmbH bezogen hat. Umstritten ist, ob er hierzu aufgrund seiner 

ausstehenden Kaufpreisforderung berechtigt war oder nicht.   

 - 5 - 

 

 

 

2.3.2. 

Ausgangspunkt bildet ein Streit zwischen dem Beschuldigten und der 

B._____ AG aus dem erwähnten Kaufvertrag zwischen ebendiesen vom 

30. Januar 2018 über die beiden Stammanteile der C._____ GmbH (UA 

act. 1/68 ff.). Mit diesem Kaufvertrag verpflichtete sich die B._____ AG, 

dem Beschuldigten neben den unbestrittenermassen gezahlten 

Fr. 300'000.00 auch eine variable Kaufpreiszahlung im Umfang der 

Courtagen bzw. der Verwaltungskostenentschädigung der D._____ AG für 

das Jahr 2019 zu bezahlen. Weiter hätte ein zweiter Teil des Kaufpreises 

von Fr. 80'000.00 innert 10 Tagen nach Vertragsunterzeichnung auf ein 

Sperrkonto der Gesellschaft gezahlt werden sollen. Dieser Betrag hätte als 

Hinterlegung für die noch offenen Steuerperioden 2015 bis 2017 der 

C._____ GmbH gedient, wobei je nach Höhe der Steuern der Beschuldigte 

den «Rest» erhalten oder für den Mehrbetrag gehaftet hätte. 

 

Der Beschuldigte wurde weiter von der B._____ AG – um die wahren 

Eigentumsverhältnisse gegenüber der D._____ AG zu verheimlichen – 

(unentgeltlich) als Treuhänder eingesetzt, um weiterhin als Gesellschafter 

aufzutreten, wobei er an die Weisungen des Treugebers gebunden und 

verpflichtet sei, Instruktionen nur vom Treugeber oder einer von ihm 

bezeichneten Drittpartei entgegenzunehmen (UA act. 1/73 ff.). 

 

2.3.3. 

Der Beschuldigte war damit weiterhin als einziger Gesellschafter und 

Geschäftsführer der C._____ GmbH tätig (vgl. den Eintrag im Han-

delsregister, wonach nach wie vor nur er als Geschäftsführer und Gesell-

schafter mit Einzelunterschrift eingetragen ist; Berufungsbegründung, 

S. 3). Das (Treuhand-)Mandat hatte er im Auftrag der (neuen) Alleingesell-

schafterin übernommen bzw. weitergeführt, die bei der Übernahme der 

C._____ GmbH nach aussen nicht in Erscheinung treten wollte. Dies ändert 

nichts daran, dass dem Beschuldigten als (fiduziarischer) einziger 

Gesellschafter der C._____ GmbH auch die Eigenschaft als 

Geschäftsführer zukam. Der fiduziarische Geschäftsführer übt sein Mandat 

aus eigenem Recht aus, das sich unmittelbar aus seiner Einsetzung als 

Geschäftsführer ableitet. Das Weisungsrecht des Fiduzianten tritt im 

Verhältnis zur Gesellschaft hinter die allgemeine Treuepflicht des 

Geschäftsführers gegenüber der Gesellschaft zurück (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_300/2016 vom 7. November 2016 E. 4.4.1 für 

fiduziarische Verwaltungsräte). Der Beschuldigte war entsprechend mit der 

Verwaltung des Vermögens der C._____ GmbH betraut. 

 

Die Pflichtwidrigkeit ergibt sich daraus, dass den bezogenen Geldern keine 

Gegenleistung für die C._____ GmbH gegenüberstand bzw. nicht eigene 

Verbindlichkeiten beglichen wurden. Die C._____ GmbH bzw. deren 

Stammanteile bildeten Kaufobjekt, während zur Kaufpreiszahlung die 

B._____ AG verpflichtet war. Mithin verwendete der Beschuldigte Mittel der 

 - 6 - 

 

 

 

verkauften C._____ GmbH, um sich den von der Käuferin der 

Stammanteile geschuldeten Kaufpreis auszuzahlen. Die C._____ GmbH 

bezahlte mithin Schulden der B._____ AG und damit einer anderen 

Gesellschaft. Da es zwischen dem Beschuldigten und der B._____ AG 

schon kurz nach Abschluss des Kaufvertrags zu Streitigkeiten (im 

Wesentlichen hinsichtlich des Umfangs der Angaben zu den Kunden und 

damit einhergehend die Kaufpreiszahlung) gekommen ist und namentlich 

u.a. die Zahlung der Fr. 80'000.00 innert 10 Tagen auf ein Sperrkonto 

ausgeblieben ist, konnte der Beschuldigte jedenfalls nicht davon ausgehen, 

dass die Bezahlung des Rests des Kaufpreises im Interesse der B._____ 

AG und erst recht nicht der C._____ GmbH gestanden hätte. Insofern fällt 

ein Handeln in einem übergeordneten Konzerninteresse (vgl. hierzu: BGE 

130 III 213 E. 2.2.1) von vornherein ausser Betracht, so dass darauf nicht 

näher einzugehen ist. Im Übrigen hat der Beschuldigte auch keine Weisung 

oder Instruktion der B._____ AG erhalten oder eingeholt. Der Beschuldigte 

hätte sein Verhalten am Gesellschaftsinteresse der C._____ GmbH 

ausrichten und eigene Interessen gegebenenfalls zurückstellen müssen. 

Besteht die Gefahr eines Interessenkonflikts, hätte der Beschuldigte als 

Geschäftsführer mittels geeigneter Massnahmen sicherzustellen, dass die 

Interessen der Gesellschaft gebührend berücksichtigt werden. Er hat 

offensichtlich und für ihn erkennbar nicht im Interesse der C._____ GmbH 

gehandelt, deren einziger (eingetragener) Gesellschafter und 

Geschäftsführer er gewesen ist. Er hat insoweit seine Treuepflicht verletzt. 

 

Im Umfang der bezogenen Gelder von Fr. 226'803.75 ist der C._____ 

GmbH mangels Gegenleistung durch Verminderung der Aktiven in diesem 

Umfang (kausal) ein Vermögensschaden entstanden. Angesichts dessen, 

dass der Beschuldigte im Wesentlichen zahlreiche Bargeldbezüge und 

Banküberweisungen direkt an sein Privatkonto getätigt oder Schulden 

seiner (zwischenzeitlich aus dem Handelsregister gelöschten) G._____ 

GmbH bezahlt hat, handelt es sich um Handlungen, die den Rahmen der 

Organtätigkeit offensichtlich verlassen. Denn das inkriminierte Verhalten 

lässt jeglichen Bezug zur Geschäftstätigkeit vermissen und es ging dem 

Beschuldigten einzig darum, sich Vermögenswerte der Gesellschaft 

zwecks persönlicher Bereicherung anzueignen bzw. einer anderen Gesell-

schaft von ihm zukommen zu lassen. Unter diesen Umständen geht der 

Tatbestand der Veruntreuung nach der Rechtsprechung – entgegen der 

Vorinstanz – demjenigen der ungetreuen Geschäftsbesorgung in Berei-

cherungsabsicht im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB vor (vgl. 

zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 6B_511/2020 vom 10. März 2021 

E. 2.3.3 sowie E. 2.4.1). Denn der Funktionsträger kann sich bei solchen 

Handlungen ausserhalb der Organtätigkeit nicht auf seine Organstellung 

berufen und geltend machen, die Vermögenswerte der Gesellschaft seien 

ihm nicht anvertraut. Die Vermögenswerte der C._____ GmbH waren dem 

Beschuldigten fremd. Die Verwendung (Bargeldbezüge, Banküber-

weisungen, etc.) erfolgten ohne Gegenwert für die C._____ GmbH. 

 - 7 - 

 

 

 

 

Der Beschuldigte wusste, dass die B._____ AG und nicht die C._____ 

GmbH ihm den Kaufpreis für die Stammanteile geschuldet hat und dass bei 

einem Bezug von Geldern der C._____ GmbH dieser kein Gegenwert 

gegenüberstehen würde. Da er die Vermögenswerte dennoch ohne 

Gegenwert verwendet hat, nahm er zumindest in Kauf, dass er die C._____ 

GmbH in diesem Umfang schädigt. Er war sich der eigenen Rechts-

persönlichkeit der C._____ GmbH als geschäftserfahrener Gesellschafter 

denn auch ohne weiteres bewusst. So antwortete der Beschuldigte auf die 

Frage, ob die Vergütungen der D._____ AG der B._____ AG zu Gute 

gekommen seien, dass die «Gelder» [gemeint die Verwaltungs-

kostenentschädigung] zur C._____ [GmbH gekommen seien und diese 

entsprechend der Firma [also der C._____ GmbH und nicht der B._____ 

AG] gehören würden (vgl. UA act. 4/32 f.). Entsprechend handelte der 

Beschuldigte auch in der Absicht, sich bzw. seine andere Gesellschaft um 

Vermögenswerte der C._____ GmbH unrechtmässig zu bereichern. Diese 

Bereicherungsabsicht fällt nicht durch die von ihm geltend gemachte 

«Verrechnung» dahin (vgl. dazu: Urteil des Bundesgerichts 6B_1172/2021 

vom 26. Januar 2022 E. 3.6). Aufgrund seiner Geschäftserfahrung konnte 

der Beschuldigte offensichtlich nicht davon überzeugt sein, dass eine 

solche «Verrechnung» möglich gewesen wäre. Ihm war bewusst, dass er 

eine (Kaufpreis-)Forderung gegenüber der B._____ AG hatte und die 

C._____ GmbH über eine eigene Rechtspersönlichkeit verfügt und die 

dieser Gesellschaft zufliessenden Gelder nicht der B._____ AG «gehören». 

Überdies waren beide Forderungen des Beschuldigten im Jahr 2018 noch 

nicht fällig. Die variable Kaufpreiszahlung entsprach der Höhe der 

Verwaltungskostenentschädigungen der D._____ AG für das Jahr 2019 – 

die im Übrigen neu auszuhandeln gewesen wäre – und wäre jeweils innert 

10 Tagen nach (monatlichem) Eingang auszubezahlen gewesen (vgl. 

Beschuldigter in UA act. 4/97: «die Verwaltungskostenentschädigungen 

von Fr. 300'000.00 des Folgejahrs» [gemeint Jahr 2019]). Der zweite Teil 

des Kaufpreises hätte einem allfälligen positiven Saldo entsprochen, wenn 

die noch ausstehenden Steuern den Betrag von Fr. 80'000.00 nicht 

überstiegen hätten. 

 

2.3.4. 

Zusammenfassend hat der Beschuldigte in objektiver und subjektiver 

Hinsicht den Tatbestand der Veruntreuung erfüllt. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen einfacher qualifizierter 

ungetreuer Geschäftsbesorgung und nicht wegen mehrfacher qualifizierter 

ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt, obwohl dies aufgrund der 

Mehrzahl von Handlungen (Bargeldbezüge und Banküberweisungen) ohne 

Gegenleistung und mangels Vorliegens eines Kollektivdelikts richtig 

gewesen wäre. Da die Kantonale Staatsanwaltschaft den Schuldspruch 

wegen einfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung nicht 

 - 8 - 

 

 

 

angefochten hat, bleibt es – auch bei einer wie vorliegend anderen 

rechtlichen Würdigung bezüglich des anwendbaren Tatbestands – 

aufgrund des Verschlechterungsverbots bei einem Schuldspruch wegen 

einfacher Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der qualifizierten ungetreuen 

Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen. Sie ging in Bezug auf 

Anklageziffer 4 im Wesentlichen davon aus, dass er nach fristloser 

Kündigung des Treuhandvertrags am 10. Dezember 2018 als weiterhin 

einzig eingetragener Gesellschafter sowie Geschäftsführer der C._____ 

GmbH durch die Zusammenarbeitsvereinbarung im Bereich 

Krankenversicherung (Kollektivvertrag) zwischen der D._____ AG sowie 

der I._____ [als ein von ihm gegründeter Verein] vom 8. Januar 2019 den 

bisherigen Kollektivvertrag zwischen der D._____ AG sowie der C._____ 

GmbH vom 6. Dezember 2010 von Letzterer ohne jegliche Rücksprache 

mit der B._____ AG als deren einziges Aktivum entzogen habe. Dadurch 

habe er die C._____ GmbH am Vermögen geschädigt und sich bzw. seinen 

Verein unrechtmässig bereichert. 

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch und macht im Wesentlichen 

geltend, dass die D._____ AG den Kollektivvertrag aufgrund 

regulatorischer Vorgaben habe auflösen wollen und die Übertragung – 

gemäss einer Idee der D._____ AG – auf einen Verein notwendig gewesen 

sei. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Abweisung der Berufung und macht 

im Wesentlichen geltend, dass der Beschuldigte durch die Umschreibung 

des Kollektivvertrags auf seinen Verein I._____ der B._____ AG die 

Möglichkeit genommen habe, die Verwaltungskostenentschädigung ab 

dem Jahr 2020 zu kassieren. 

 

3.2. 

3.2.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der 

Beschuldigte im Namen der C._____ GmbH eine neue Zusammen-

arbeitsvereinbarung im Bereich Krankenversicherung (Kollektivvertrag) 

zwischen I._____ und der D._____ AG abgeschlossen hat, wodurch der 

bisherige Kollektivvertrag zwischen der D._____ AG und der C._____ 

GmbH aufgehoben und durch diesen ersetzt wurde. Umstritten ist, ob der 

Beschuldigte hierzu aufgrund regulatorischer Vorschriften berechtigt bzw. 

quasi verpflichtet war oder nicht. 

 

 - 9 - 

 

 

 

3.2.2. 

Der Beschuldigte war weiterhin als einziger Gesellschafter und Geschäfts-

führer der C._____ GmbH eingetragen (vgl. Auszug aus dem 

Handelsregister). Er trat auch als Geschäftsführer der C._____ GmbH auf 

und wäre entsprechend mit der Verwaltung des Vermögens der C._____ 

GmbH betraut gewesen (siehe ergänzend vorstehend). 

 

In dieser Funktion schloss er einen neuen Kollektivvertrag für seinen neu 

am 30. November 2018 gegründeten Verein I._____ mit der D._____ AG 

ab – den er denn auch im Namen der C._____ GmbH als deren 

Geschäftsführer unterzeichnet hat – und übertrug damit den wohl 

wichtigsten Vertrag der C._____ GmbH mit Einkünften durch die 

Verwaltungskostenentschädigung von monatlich rund Fr. 20'000.00 ohne 

Gegenleistung für die C._____ GmbH auf ebendiesen Verein (vgl. UA 

act. 5/238 ff.). Die C._____ GmbH war weder direkt noch indirekt an 

diesem Verein beteiligt. Der Beschuldigte hätte sein Verhalten am 

Gesellschaftsinteresse der C._____ GmbH ausrichten und eigene 

Interessen gegebenenfalls zurückstellen müssen. Besteht die Gefahr eines 

Interessenkonflikts, hätte der Beschuldigte als Geschäftsführer mittels 

geeigneter Massnahmen sicherzustellen, dass die Interessen der 

Gesellschaft gebührend berücksichtigt werden. Er hat offensichtlich und für 

ihn erkennbar nicht im Interesse der C._____ GmbH gehandelt, deren 

einziger (eingetragener) Gesellschafter und Geschäftsführer er gewesen 

ist, indem er das wichtigste Aktivum ohne einen Gegenwert oder eine 

Gegenleistung oder sonst irgendeinen Anspruch einem von ihm 

kontrollierten Verein übertragen hat. Er hat insoweit seine Treuepflicht 

verletzt. 

 

Der Verein I._____ erhielt im Jahr 2019 gemäss Kontoauszügen (UA 

act. 5/2 ff.) bis Anfangs August 2019 rund Fr. 140'000.00 von der D._____ 

AG. Der Beschuldigte hat fast die ganzen Fr. 140'000.00 seiner G._____ 

GmbH überwiesen. Selbst wenn eine Weiterführung des Kollektivvertrags 

aufgrund regulatorischer Vorgaben mit der C._____ GmbH nicht mehr 

möglich gewesen wäre, so ist ihr (kausal) zumindest ein 

Vermögensschaden im Umfang einer möglichen Abgeltungszahlung von 

(schätzungsweise) mehreren Fr. 10'000.00 entstanden. Aufgrund der 

geltend gemachten regulatorischen Vorgaben kann nicht gesagt werden, 

dass das Verhalten des Beschuldigten jeglichen Bezug zur 

Geschäftstätigkeit hat vermissen lassen und es ihm ausschliesslich – wenn 

auch weitgehend (siehe nachstehend) – darum gegangen ist, sich die 

Vermögenswerte im Sinne einer Veruntreuung anzueignen. 

 

Der Beschuldigte wusste als geschäftserfahrener Gesellschafter (siehe 

ergänzend auch vorstehend), dass er als Geschäftsführer der C._____ 

GmbH deren wichtiges Aktivum, nämlich den Kollektivvertrag mit der 

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D._____ AG bzw. die daraus resultierenden Verwaltungskosten-

entschädigungen, durch die neue Zusammenarbeitsvereinbarung der 

C._____ GmbH ohne Gegenwert entzogen hat. Dadurch nahm er 

mindestens in Kauf, dass er die C._____ GmbH zumindest im Umfang 

einer möglichen Abgeltungszahlung von (schätzungsweise) mehreren 

Fr. 10'000.00 schädigt. 

 

Der Beschuldigte handelte in der Absicht, sich oder einen anderen 

unrechtmässig zu bereichern (siehe dazu ergänzend vorstehend). Der 

Beschuldigte versuchte nicht einmal, die C._____ GmbH in irgendeiner 

Weise am Verein oder dessen Einnahmen zu beteiligen oder die B._____ 

AG als Erwerberin der Stammanteile mit in die Entscheidung der 

Übertragung des Kollektivvertrags auf den Verein I._____ 

miteinzubeziehen, auch nicht während mehr als einem halben Jahr nach 

erfolgter Übertragung. Der Beschuldigte hat, nachdem sein Verhalten nicht 

jeglichen Bezug zur Geschäftstätigkeit hat vermissen lassen und somit 

nicht der Tatbestand der Veruntreuung einschlägig ist, sich der 

qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gemacht. 

 

4. 

4.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.2. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beach-

tung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweck-

mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter 

und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). 

 

Gemäss Strafregisterauszug wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 2. September 2021 wegen 

Unterlassung der Buchführung sowie Widerhandlung gegen das 

Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung gemäss 

Art. 88 AHVG zu einer bedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen sowie 

einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt. Ob es sich beim der Unterlassung der 

Buchführung zugrunde liegenden Sachverhalt tatsächlich um den gleichen 

Sachverhalt handelt wie demjenigen, der der Teil-Einstellungsverfügung 

der Kantonalen Staatsanwaltschaft vom 12. März 2021 u.a. wegen 

Unterlassung der Buchführung zugrunde liegt, kann vorliegend 

offenbleiben. Beim erwähnten Strafbefehl würde es sich angesichts der 

nicht sehr hohen Anzahl Tagessätze um eine bedingte Geldstrafe im 

Bereich der leichten Kriminalität handeln, der unter den vorliegenden 

 - 11 - 

 

 

 

Umständen auch bei einer Berücksichtigung zu keiner anderen Wahl der 

Sanktionsart führen würde. Der Beschuldigte ist Vater dreier Kinder, 

geschieden und arbeitet aktuell bei der J._____ AG. Es sind auch sonst 

keine Gründe ersichtlich, dass – sofern schuldangemessen – nur eine 

Freiheitsstrafe geeignet wäre, den Beschuldigten von der Begehung 

weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die Veruntreuung von Vermögenswerten als 

schwerste Straftat festzusetzen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die Einsatzstrafe auch 

dann, wenn ohne Geltung des Verschlechterungsverbots aufgrund der 

Mehrzahl der Handlungen ohne Gegenleistung und mangels Vorliegens 

eines Kollektivdelikts grundsätzlich ein Schuldspruch wegen mehrfacher 

Veruntreuung hätte erfolgen müssen, für den Schuldspruch wegen 

einfacher Veruntreuung festzusetzen. Mithin hat keine Gesamtstrafen-

bildung unter Anwendung des Asperationsprinzips zu erfolgen, sondern es 

muss die Veruntreuung entsprechend dem Schuldspruch gesamthaft 

gewürdigt und dafür eine Einsatzstrafe festgelegt werden (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1263/2020 vom 5. Oktober 2022 E. 6.3.1). 

 

Die Veruntreuung von Vermögenswerten gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 

StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen Straf-

rahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-

guts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Die Veruntreuung von Vermögenswerten 

schützt den Wert des Vermögens als Ganzes (BGE 148 IV 170 E. 3.3.1). 

 

Der Beschuldigte war als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der 

C._____ GmbH damit betraut, deren Vermögensinteressen zu wahren und 

im Grundsatz alles zu unterlassen, was ihr hätte schaden können. In 

Verletzung seiner Pflichten hat der Beschuldigte Bargeldbezüge und 

Banküberweisungen direkt an sein Privatkonto im Umfang von insgesamt 

Fr. 226'803.75 getätigt oder Schulden seiner G._____ GmbH getilgt, ohne 

dafür eine Gegenleistung oder einen rechtlichen Anspruch zu erhalten, was 

in diesem Umfang zu einem Vermögensschaden der C._____ GmbH 

geführt hat. Unter Berücksichtigung des grossen Spektrums möglicher 

Deliktsbeträge ist von einem vergleichsweise noch knapp mittelschweren 

Taterfolg auszugehen. Der Deliktsbetrag bildet bei der Veruntreuung zwar 

ein Kriterium der Strafzumessung, ist jedoch nicht vorwiegend oder gar 

allein ausschlaggebend. Vielmehr wird bei der Strafzumessung das 

Ausmass des Vertrauensmissbrauchs als Verschuldenskriterium zugrunde 

gelegt, zumal die Veruntreuung das Anvertrauen eines Vermögens-

bestandteils und damit ein Vertrauensverhältnis zwischen Täter und Opfer 

 - 12 - 

 

 

 

voraussetzt, welches in der Folge vom Täter missbraucht wird (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1340/2015 vom 17. März 2017 E. 9.2 mit Hinweis). Der 

Beschuldigte hat die Veruntreuung im Rahmen seiner weiterhin – im 

Wesentlichen aufgrund des Treuhandvertrags – ausgeführten Tätigkeit als 

langjähriger einziger Gesellschafter und Geschäftsführer seiner von ihm 

aufgebauten C._____ GmbH begangen, was mit Blick auf das ausgenutzte 

Vertrauen als durchaus erheblich erscheint. 

 

Die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit des Handelns ist nicht 

wesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands hinausgegangen. Da 

aufgrund der vorläufigen Weiterführung seiner bisher faktischen 

Einmanngesellschaft kaum kontrolliert wurde, war auch kein besonders 

raffiniertes Vorgehen notwendig, was sich aber neutral auswirkt. 

 

Die mitunter rein monetären Beweggründe des Beschuldigten werden bei 

der Veruntreuung bereits durch das Tatbestandsmerkmal der unrecht-

mässigen Bereicherung erfasst und sind jedem Vermögensdelikt 

immanent, so dass sie sich bei den Tatkomponenten neutral auswirken 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.4.1). 

 

Der Beschuldigte verfügte über ein sehr grosses Ausmass an Ent-

scheidungsfreiheit. Er wusste oder hätte zumindest aufgrund seiner lang-

jährigen Geschäftserfahrung wissen müssen, dass er die Vermögenswerte 

der (verkauften) C._____ GmbH nicht für seine eigenen Zwecke oder 

diejenigen von Dritten (wie einer anderen Gesellschaft) einsetzen durfte. Er 

befand sich zudem nicht in einer Notlage oder dergleichen. Vielmehr 

befand er sich in einer vertraglichen Auseinandersetzung mit der B._____ 

AG. Er scheute aber diese Auseinandersetzung und wählte den Weg des 

geringsten Widerstands. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, nicht 

das in ihn gesetzte Vertrauen zu enttäuschen, desto schwerer wiegt die 

Entscheidung dagegen und damit das Verschulden (vgl. BGE 127 IV 101 

E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 

vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).  

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu fünf Jahren 

Freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung der von der Veruntreuung 

erfassten Vermögensverwaltern, Deliktsbeträgen und Handlungsweisen 

von einem vergleichsweise mittelschweren Verschulden und einer dafür 

angemessenen Einsatzstrafe von 1 ½ Jahren auszugehen. 

 

4.3.2. 

Die Einsatzstrafe wäre – soweit eine Freiheitsstrafe schuldangemessen 

wäre – für die qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung in Anwendung 

des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen, was auch unter 

Berücksichtigung der sich insgesamt leicht positiv auswirkenden Täter-

komponente (siehe nachstehend) zu einer deutlich höheren als der von der 

 - 13 - 

 

 

 

Vorinstanz ausgesprochenen Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten 

führen würde. Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 

StPO) ist es dem Obergericht jedoch verwehrt, eine höhere Freiheitsstrafe 

oder – falls eine Geldstrafe noch schuldangemessen gewesen wäre – eine 

zusätzliche Geldstrafe auszusprechen, weshalb es damit sein Bewenden 

hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 

E. 3.4.3, demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte 

nicht mehr im Einzelnen asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des 

Verschlechterungsverbots nicht zu Lasten der beschuldigten Person 

abgeändert werden darf). 

 

4.4. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist – unter Berücksichtigung der Unklarheit des Ver-

hältnisses zwischen der Teil-Einstellungsverfügung der Kantonalen Staats-

anwaltschaft vom 12. März 2021 und dem Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft des Kantons Zug vom 2. September 2021 (siehe dazu oben) 

– nicht vorbestraft, was allerdings den Normalfall darstellt und deshalb 

neutral zu beurteilen ist (BGE 136 IV 1). 

 

Der Beschuldigte hat den Sachverhalt grundsätzlich weitgehend einge-

standen, wenn er auch sein Verhalten nach wie vor aus rechtlichen Über-

legungen als gerechtfertigt erachtet und sich – so zumindest anlässlich der 

Berufungsverhandlung – in erster Linie daran stört, dass man sich auf ihn 

fokussiert habe und die «Gegenseite» nicht angeschaut habe. Auch wenn 

sich nicht sagen lässt, dass der Beschuldigte aus freien Stücken ein 

Geständnis abgelegt hat – er war weiterhin in der von ihm aufgebauten, 

faktischen Einmanngesellschaft tätig, so dass an sich keine andere Person 

in Frage gekommen wäre, und es bestehen weitgehend Urkunden (Bank-

auszüge, Verträge) –, ist doch nicht zu verkennen, dass er mit seinen 

Aussagen die Strafverfolgung vereinfacht und verkürzt hat. Sein Geständ-

nis darf deshalb diesbezüglich nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.4). 

 

Aus den persönlichen und familiären Verhältnissen des Beschuldigten 

ergeben sich keine für die Strafzumessung relevante Faktoren. Er ist 

geschieden, hat drei Kinder und ist arbeitstätig. Sodann hat er kurz vor der 

Verhandlung in Zofingen zwar die Diagnose MS erhalten; es gehe ihm 

derzeit aber gut. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist zu verneinen, liegen 

doch keine aussergewöhnlichen Umstände vor (statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). 

 

Die Täterkomponente wirkt sich insgesamt leicht positiv aus. 

 

 - 14 - 

 

 

 

4.5. 

Der bedingte Strafvollzug (Art. 42 Abs. 1 StGB) unter Ansetzung einer 

Probezeit in Höhe des gesetzlichen Minimums von 2 Jahren (Art. 44 Abs. 1 

StGB) ist aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu überprüfen. 

 

4.6. 

Die für den mehrfachen Missbrauch von Ausweisen und Schildern (als 

selbständige Strafe) ausgesprochene Geldstrafe von 20 Tagessätzen 

wurde mit Berufung nicht angefochten. 

 

5. 

5.1. 

5.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung 

des Beschuldigten erweist sich als unbegründet. Es erfolgt zwar neu eine 

Verurteilung wegen Veruntreuung statt qualifizierter ungetreuer 

Geschäftsbesorgung. Der angefochtene Entscheid wird dadurch aber nur 

unwesentlich abgeändert, ohne dass es zu einem für den Beschuldigten 

günstigeren Entscheid führen würde (vgl. Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). Bei 

diesem Verfahrensausgang sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

5.1.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote – jedoch angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung und an den Stundenansatz von Fr. 200.00 für 

amtliche Mandate statt Fr. 230.00 – aus der Staatskasse mit gerundet 

Fr. 8'075.00 zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

5.1.3. 

Der B._____ AG ist im Berufungsverfahren mangels Parteistellung keine 

Parteientschädigung zuzusprechen. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). Die beschuldigte Person trägt im 

erstinstanzlichen Verfahren die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 

(Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Wird sie nur teilweise schuldiggesprochen, 

sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. 

 - 15 - 

 

 

 

 

Der Beschuldigte wurde mit Ausnahme des Vorwurfs der qualifizierten 

ungetreuen Geschäftsbesorgung (Anklageziffer 3) schuldig gesprochen. 

Unter Gewichtung der Schuldsprüche und des Freispruchs rechtfertigt es 

sich, die erstinstanzlichen Verfahrenskosten dem Beschuldigten zu ¾ 

aufzuerlegen. 

 

5.3. 

5.3.1. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 11'192.40 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten ausgangsgemäss zu ¾ mit 

Fr. 8'394.30 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

5.3.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der B._____ AG für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 7'786.75 zu 

bezahlen. 

 

Der anwaltlich vertretene Beschuldigte hat in seiner Berufungserklärung 

nur eine Neuregelung der Verfahrenskosten sowie des Umfangs der 

Rückzahlung der amtlichen Entschädigung angefochten. Soweit der 

Beschuldigte erst in seiner Berufungsbegründung beantragt, dass die 

Entschädigung an die B._____ AG aufzuheben sei (allerdings als direkte 

Folge des beantragten Freispruchs), ist darauf nicht einzutreten, da eine 

nach der Berufungserklärung erfolgte Ausdehnung der Berufung 

ausgeschlossen ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2018 

vom 13. November 2018 E. 2.3). Zwar sind weitere nicht angefochtene 

Punkte in die Überprüfung des Urteils einzubeziehen, wenn eine enge 

Konnexität mit den angefochtenen Punkten besteht. Entsprechend gelten 

bei Anfechtung des Schuldspruchs mit dem Antrag auf Freispruch für den 

Fall der Gutheissung automatisch auch damit zusammenhängende 

Folgepunkte des Urteils, wie zum Beispiel die Nebenfolgen, vor allem der 

Zivilpunkt sowie Kosten- und Entschädigungsregelungen, aber auch 

Entscheidungen über Einziehungen, als angefochten. Bestätigt das 

Berufungsgericht jedoch – wie vorliegend – den Schuldpunkt, sind die 

weiteren nicht angefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der 

Berufung nicht zu überprüfen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019 E. 2.3). 

 

 - 16 - 

 

 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der qualifizierten ungetreuen 

Geschäftsbesorgung (Anklageziffer 3) freigesprochen. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB; 

- der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 3 StGB; 

- des mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern gemäss 

Art. 97 Abs. 1 lit. b SVG. [in Rechtskraft erwachsen] 

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss der in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 2 

StGB, Art. 40 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, Probezeit 2 Jahre, und 

 

einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 120.00, d.h. 

Fr. 2'400.00, Probezeit 2 Jahre, 

 

verurteilt. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

4.1. 

Die Kontosperre auf dem Konto Nr. […] der I._____ bei der K._____ Bank 

wird aufgehoben. 

 

4.2. 

Die seit der Sperrung angefallenen Kontogebühren werden auf die 

Staatskasse genommen. 

 

4.3. 

Die Staatsanwaltschaft wird darum ersucht, die sachgemässen 

Verfügungen zu treffen. 

 

 - 17 - 

 

 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage der B._____ AG wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 8'075.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'544.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 2'400.00) werden zu ¾ mit Fr. 4'158.00 dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 11'192.40 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 8'394.30 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der B._____ AG für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 7'786.75 zu bezahlen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

  

 - 18 - 

 

 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 21. September 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six Fehlmann