# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ddb259af-dc3c-5243-81c2-407b09bb78cb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.01.2023 A-4943/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4943-2020_2023-01-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-4943/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  J a n u a r  2 0 2 3    

Besetzung 
 Richterin Iris Widmer (Vorsitz), 

Richter Jürg Steiger, Richter Keita Mutombo,    

Gerichtsschreiber Thomas Bischof. 
 

 
 

Parteien 
 1. A.A._______, 

2. B.A._______, 

beide vertreten durch von Ah & Partner AG,  

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

1. Kantonales Steueramt Zürich, 

2. Kantonale Steuerverwaltung Graubünden, 

Beschwerdegegner,  

 

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,  

Hauptabteilung Direkte Bundessteuer,  

Verrechnungssteuer, Stempelabgaben,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Direkte Bundessteuer 2015, Veranlagungsort. 

A-4943/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A.A._______ (Jg. 1945; nachstehend: Steuerpflichtiger oder Be-

schwerdeführer) und B.A._______ (Jg. 1950, nachstehend: Steuerpflich-

tige oder Beschwerdeführerin) sind seit 1973 verheiratet. Sie haben eine 

(erwachsene) Tochter (vgl. ESTV-act. 11, S. 4; Beschwerde, S. 18) mit zwei 

schulpflichtigen Kindern (…) und einen (erwachsenen) Sohn.  

A.b Die Steuerpflichtigen hatten ihren Wohnsitz lange in der Stadt 

C._______, wobei sie seit 2007 in derselben Mietwohnung lebten. Der 

Steuerpflichtige war als F._______ – als Einzelunternehmer in Unkosten-

gemeinschaft – in C._______ tätig, die Steuerpflichtige war teilzeitlich in 

der Praxis des Steuerpflichtigen für administrative Arbeiten angestellt. Die 

Praxis bestand gemäss Angaben der Steuerpflichtigen seit 1978. Seit Ok-

tober 2015 habe der Steuerpflichtige (schwergewichtig aus gesundheitli-

chen Gründen) nur noch zu 50 % gearbeitet. Bestrebungen zum Verkauf 

der Praxis seien ab 2010 (dem 65. Altersjahr des Steuerpflichtigen) aufge-

nommen und im Januar 2018 abgeschlossen worden.  

A.c Nach eigenen Angaben sind die Steuerpflichtigen sei 1996 Eigentümer 

einer 4.5-Zimmer-Wohnung in D._______/GR, die vollständig abbezahlt 

sei. Am 11. September 2015 meldeten sie sich mit Zuzugsdatum 1. Okto-

ber 2015 in D._______ an und hinterlegten ihre Schriften. Sie meldeten 

sich später, per 1. Februar 2017, als Wochenaufenthalter in C._______ an 

und per 14. Januar 2019 wieder ab, dabei nutzten sie in C._______ die 

angestammte Mietwohnung.  

A.d Am 1. Dezember 2015 wurde eine Kapitalleistung der G._______ AG 

aus der beruflichen Vorsorge des Steuerpflichtigen im Betrag von 

Fr. 2'494'300.– zur Auszahlung fällig (ESTV-act. 5/1, 10/1).  

B.  

B.a Die Steuerpflichtigen waren bis und mit Steuerjahr 2014 unbestritten 

im Kanton Zürich unbeschränkt und im Kanton Graubünden aufgrund wirt-

schaftlicher Zugehörigkeit (Grundeigentum) beschränkt steuerpflichtig (vgl. 

ESTV-act. 10 resp. 10/4).  

B.b  

B.b.a Die Ehegatten reichten ihre Steuererklärung für die Steuerperiode 

2015 am 8. Dezember 2016 im Kanton Graubünden ein (ESTV-act. 10/5, 

15/3); im Kanton Zürich deklarierten sie den selbständigen Erwerb des 

A-4943/2020 

Seite 3 

Steuerpflichtigen (ESTV-act. 15/2). Das Steueramt des Kantons Zürich 

(nachfolgend: Steueramt ZH) teilte der Steuerverwaltung des Kantons 

Graubünden (nachfolgend: Steuerverwaltung GR) am 3. Mai 2017 mit, es 

halte am Steueranspruch des Kantons Zürich als Hauptsteuerdomizil fest 

– bereits zuvor, am 13. Februar 2016, hatte das Steueramt der Stadt 

C._______ eine beschränkte Steuerpflicht aufgrund der selbständigen Er-

werbstätigkeit geltend gemacht (vgl. ESTV-act. 10/2 f., 15/4, 15/9). Die Ver-

anlagung der ordentlichen Steuer für das Steuerjahr 2015 im Kanton Grau-

bünden ist seither faktisch sistiert (vgl. ESTV-act. 6, S. 2 oben).  

B.b.b Mit Verfügung vom 21. September 2017 veranlagte das Steueramt 

ZH die Ehegatten für die direkte Bundessteuer der Steuerperiode 2015 mit 

einem steuerbaren Einkommen von Fr. 208'700.– und einem Steuerbetrag 

von Fr. 13'693.– (ESTV-act. 15/28; vgl. für die Staats- und Gemeindesteuer 

die Einschätzungsmitteilung: ESTV-act. 15/29). Mit Einspracheentscheid 

vom 27. April 2018 bestätigte das Steueramt ZH diese Veranlagung betref-

fend die nicht akzeptierte Verlegung des Steuerdomizils, berücksichtigte 

aber einen Abzug für das Büro der Ehefrau in der (C._______-) Privatwoh-

nung und setzte das steuerbare Einkommen auf Fr. 202'900.– und den 

Steuerbetrag auf Fr. 12'939.– fest (ESTV-act. 5/5, 15/50; zur Staats- und 

Gemeindesteuer: ESTV-act. 5/4, 15/49).  

B.c  

B.c.a Mit Verfügung vom 10. März 2016 besteuerte die Steuerverwaltung 

GR die Kapitalleistung aus Vorsorge für die direkte Bundessteuer mit ei-

nem Steuerbetrag von Fr. 57'368.90 (ESTV-act. 14/3/1, 14/6/1). Die glei-

chentags festgesetzte Staats- und Gemeindesteuer betrug Fr. 64'852.– 

resp. 58'367.– (ESTV-act. 14/3/2 f., 14/6/2 f.). Diese Verfügungen erwuch-

sen unangefochten in Rechtskraft (ESTV-act. 6, S. 2 oben). 

B.c.b Das Steueramt ZH seinerseits veranlagte die nämliche Kapitalleis-

tung mit Einschätzungsentscheid vom 30. April 2018 mit einem Steuerbe-

trag von Fr. 57'368.90 für die direkte Bundessteuer (ESTV-act. 5/2, 15/52). 

Der Einschätzungsentscheid vom selben Tag betreffend die Staats- und 

Gemeindesteuer (ESTV-act. 5/3, 15/51) legte die zu besteuernde und die 

satzbestimmende Kapitalleistung fest und verwies zum konkreten Steuer-

betrag auf die Schlussabrechnung der Gemeinde. Gemäss den Ein-

spracheentscheiden vom 27. April 2018 (ESTV-act. 5/4, S. 5 unten, 5/5, 

S. 6 oben; vorne Bst. B.b.b) hätte die Besteuerung der Kapitalleistung im 

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Seite 4 

Kanton Graubünden (auf kantonaler und kommunaler Ebene) eine Steu-

erersparnis von rund Fr. 315'000.– zur Folge (vgl. provisorische Berech-

nung vom 2. Mai 2017, ESTV-act. 15/36).   

C.  

C.a Die Ehegatten erhoben gegen die Einspracheentscheide und Verfü-

gungen des Steueramts ZH (vorne, Bst. B.b.b und B.c.b) am 30. Mai 2018 

(betreffend die direkte Bundessteuer) Beschwerde respektive (betreffend 

die Staats- und Gemeindesteuer) Rekurs an das Steuerrekursgericht des 

Kantons Zürich (fortan: Steuerrekursgericht ZH; ESTV-act. 14/2 und 14/5). 

Dieses vereinigte Beschwerde- und Rekursverfahren am 15. Juni 2018 

(ESTV 14/9). 

C.b Mit Verfügung vom 22. August 2018 überwies das Steuerrekursgericht 

ZH die Sache an die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV zum Ent-

scheid über den Veranlagungsort und sistierte das Verfahren bis zum 

rechtskräftigen Entscheid dieser Frage (ESTV-act. 1). 

D.  

D.a Die ESTV forderte die Verfahrensbeteiligten am 1. Februar 2019 zur 

Stellungnahme auf, ob auch der Veranlagungsort der Sondersteuer auf Ka-

pitalleistung strittig sei und ersuchte um Auskunft zum jeweiligen Verfah-

rensstand (ESTV-act. 3). Die Verfahrensbeteiligten bestätigten, es sei der 

Veranlagungsort für beide Steuerarten festzulegen; die Steuerverwaltung 

GR hielt gleichwohl fest, sie sehe keinen Grund, auf die Veranlagungen der 

Kapitalleistung zurückzukommen (ESTV-act. 4-6). 

D.b Die Vorinstanz führte einen Schriftenwechsel durch (ESTV-act. 7-11), 

den sie am 30. April 2020 schloss (ESTV-act. 12). 

D.c Mit am 7. September 2020 eröffneter Verfügung vom 4. September 

2020 (ESTV-act. 13, angefochtener Entscheid) erklärte die ESTV den Kan-

ton Zürich als zuständig zur Veranlagung der Ehegatten betreffend die di-

rekte Bundessteuer des Jahres 2015 sowohl für die ordentliche Steuer auf 

dem Einkommen (Dispositiv-Ziff. 1) wie auch für die Sondersteuer auf Ka-

pitalleistung (Dispositiv-Ziff. 2). Allfällige Veranlagungshandlungen der 

Steuerverwaltung des Kantons Graubünden betreffend die ordentliche di-

rekte Bundessteuer wurden aufgehoben, ebenso die Veranlagungsverfü-

gung vom 10. März 2016 betreffend die Sondersteuer auf Kapitalleistung 

2015 (Dispositiv-Ziff. 3). Verfahrens- und Parteikosten wurden keine ge-

sprochen (Dispositiv-Ziff. 4).  

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Seite 5 

E.  

Mit Eingabe vom 2. Oktober 2020 (nachfolgend: Beschwerde) lassen die 

Beschwerdeführenden diesen Entscheid anfechten. Sie beantragen des-

sen Aufhebung (Antrag 1), die Feststellung, dass der steuerliche Wohnsitz 

per 1. Oktober 2015 in den Kanton Graubünden verlegt worden sei (Antrag 

2), dass diesem somit die Veranlagungshoheit für die Steuerperiode 2015 

für die direkte Bundessteuer, betreffend sowohl die ordentliche Steuer auf 

dem Einkommen (Antrag 3) wie auch die Sondersteuer auf Kapitalleistun-

gen (Antrag 4) zukomme. Die Verfahrenskosten seien der Vorinstanz auf-

zuerlegen (Antrag 5) und es sei eine Parteientschädigung auszurichten 

(Antrag 6).  

F.  

Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 11. November 2020 

auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde.  

G.  

Die Beschwerdegegnerinnen und die Beschwerdeführenden verzichteten 

implizit auf eine Replik.  

H.  

Am 28. Dezember 2022 teilte das Gericht der Beschwerdeführerin zwei 

Wechsel im Spruchkörper (Instruktionsrichterin und Gerichtsschreiber) mit. 

 

Auf die Ausführungen und Erwägungen im angefochtenen Entscheid und 

den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägun-

gen eingegangen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-

tungsgerichtsgesetzes (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügun-

gen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG, SR 172.021). 

Die ESTV gehört als Behörde nach Art. 33 VGG zu den Vorinstanzen des 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor (vgl. auch Art. 108 Abs. 1 Satz 2 

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Seite 6 

des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundes-

steuer [DBG, SR 642.11]). Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beur-

teilung der angefochtenen Verfügung zuständig. 

1.2 Das Beschwerdeverfahren richtet sich nach den Bestimmungen über 

die Bundesrechtspflege und somit nach dem VwVG, soweit das VGG 

nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).  

1.3 Die Beschwerdeführenden haben sich am vorinstanzlichen Verfahren 

beteiligt und sind mit der Abweisung ihrer Anträge formell beschwert. Der  

rechtstheoretische Ausgangspunkt der Festlegung des Veranlagungsorts 

ist zwar das Verbot der Doppelbesteuerung (nachstehend, E. 2.1) – da 

aber mit dem angefochtenen Entscheid allfällige  Veranlagungshandlungen 

des Kantons Graubünden und die Veranlagungsverfügung zur Sonder-

steuer auf die Kapitalleistung explizit aufgehoben werden (angefochtener 

Entscheid, E. 5, Dispositiv Ziff. 3), hat dieser selbst keine Doppelbesteue-

rung zur Folge. Indes hat die Festsetzung des Veranlagungsortes bezüg-

lich der direkten Bundessteuer Präjudizwirkung für das interkantonale Ver-

hältnis, denn die Grundsätze der Rechtsprechung zum Doppelbesteue-

rungsverbot wurden für das harmonisierte kantonale Steuerrecht übernom-

men (vgl. Urteil des BGer 2C_398/2021 vom 23. Dezember 2021 E. 3.3 

Ingress; zum Grundsatz der einheitlichen und ungeteilten Veranlagungs- 

und Bezugszuständigkeit vgl. Urteile des BGer 2C_753/2020 vom 23. De-

zember 2021 E. 1.2.1 2. Abschnitt und 2C_934/2013 vom 18. Juni 2014 

E. 5.2, je m.w.H.; vgl. auch die gleichläufigen Formulierungen von Art. 3 

Abs. 2 DBG und Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 

1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Ge-

meinden [StHG, SR 642.14]). Auch wenn die direkte Bundessteuer sich in 

Graubünden und Zürich entspricht, folgt aus der Festlegung des Veranla-

gungsortes und der möglichen höheren Besteuerung der Kapitalleistung 

auf kantonaler und kommunaler Ebene (vgl. Sachverhalt, Bst. B.c.b a.E.) 

ein Unterschied in der Steuerbelastung. Die Beschwerdeführenden sind 

damit auch materiell beschwert und haben ein schutzwürdiges Interesse 

an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides; sie sind 

zur Beschwerde berechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde 

frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 52 Abs. 1 

VwVG) und der eingeforderte Kostenvorschuss fristgerecht bezahlt (Art. 63 

Abs. 4 VwVG).  

1.4 Die vorliegende Beschwerde richtet sich formell gegen eine Verfügung 

der ESTV. Gleichwohl hat der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts 

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Auswirkungen auf die beiden involvierten Kantone. Insofern richtet sich die 

Beschwerde materiell auch gegen diese beiden Kantone. Praxisgemäss 

sind damit sowohl das Steueramt ZH als auch die Steuerverwaltung GR – 

unabhängig von allfälligen Anträgen dieser Verfahrensbeteiligten – als Be-

schwerdegegner zu rubrizieren (statt vieler: Urteil des BVGer A-6387/2019 

vom 11. Mai 2020 E. 1.3 m.w.H.).  

1.5 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die 

Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich der Überschreitung und des 

Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-

lung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit ge-

rügt werden (Art. 49 VwVG). Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersu-

chungsmaxime, wonach der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen 

ist (vgl. zum Ganzen: HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-

tungsrecht, 8. Aufl. 2020, N. 1146 ff.; PIERRE TSCHANNEN et al., Allgemeines 

Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 30 N. 23). Weiter gilt der Grundsatz der 

Rechtsanwendung von Amtes wegen; das Gericht ist an die Begründung 

der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen 

als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen (Art. 62 

Abs. 4 VwVG; vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.w.H.). 

1.6 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende Tat-

sachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und vollständig 

ermittelt wurde. Das Bundesverwaltungsverfahren und die Bundesverwal-

tungsrechtspflege werden (allerdings mit Ausnahme des Steuerverfahrens, 

vgl. Art. 2 Abs. 1 VwVG) grundsätzlich von der Untersuchungsmaxime be-

herrscht (vgl. Art. 12 VwVG). Demnach muss die entscheidende Behörde 

den Sachverhalt von sich aus abklären. Sie trägt die Beweisführungslast 

(sog. subjektive oder formelle Beweislast; vgl. statt vieler: Urteil des BVGer 

A-2106/2017 und A-2084/2017 vom 11. Februar 2019 E. 2.3.1). Die Unter-

suchungsmaxime wird durch die Mitwirkungspflichten der Parteien relati-

viert (vgl. Art. 13 VwVG; zum Verhältnis zwischen Untersuchungsmaxime 

und Mitwirkungspflicht vgl. Urteil des BGer 2C_177/2018 vom 22. August 

2019 E. 3.2 ff. m.w.H.). Weil die Veranlagung der direkten Bundessteuern 

vorab den kantonalen Behörden obliegt (vgl. Art. 128 Abs. 4 der Bundes-

verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV, SR 101]), findet 

in jenem Verfahren das VwVG keine Anwendung (vgl. PIERRE TSCHANNEN, 

in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG Bundesgesetz über das Verwal-

tungsverfahren, Kommentar, 2019, Art. 2 N. 7). Diesbezüglich kommen die 

spezialgesetzlichen Beweisführungsregeln und Mitwirkungspflichten der 

Steuerpflichtigen zum Tragen. Die soeben dargestellten Grundsätze gelten 

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jedoch ebenfalls gemäss Art. 123 und 124 ff. DBG (vgl. Urteil des BVGer 

A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 1.4; vgl. dazu auch nachfolgend E. 2.5 

und E. 2.7.1). 

1.7 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt im Rahmen der 

Sachverhaltserstellung der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 19 

VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess 

vom 4. Dezember 1947 [BZP, SR 273]; vgl. auch BGE 130 II 482 E. 3.2). 

Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob 

eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der 

Beweis ist geleistet, wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdi-

gung zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachum-

stand verwirklicht hat (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2; statt vieler: Urteile des 

BVGer A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 1.4.2, A-1129/2016 vom 

27. Juli 2016 E. 1.5.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYER, Prozessieren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 3.141). Gelangt das 

Gericht – trotz genügender Abklärung des Sachverhalts unter Respektie-

rung des Untersuchungsgrundsatzes – nicht zu einem solchen Ergebnis, 

kommen die Beweislastregeln zur Anwendung, d.h. es ist zu Ungunsten 

desjenigen zu urteilen, der die Beweislast trägt. Im Steuerrecht gilt grund-

sätzlich, dass die Steuerbehörde die Beweislast für die steuerbegründen-

den und -erhöhenden Tatsachen trägt, während die steuerpflichtige Person 

für die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet ist 

(BGE 140 II 248 E. 3.5; Urteil des BGer 2C_232/2012 vom 23. Juli 2012 

E. 3.5; Urteil des BVGer A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 1.5.1; BLUMEN-

STEIN/LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl. 2016, 

S. 519, 562).  

2.  

2.1 Ein Verstoss gegen das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung 

gemäss Art. 127 Abs. 3 BV liegt nach der Rechtsprechung dann vor, wenn 

eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das glei-

che Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird 

(aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der gel-

tenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer 

erhebt, die einem anderen Kanton zusteht (virtuelle Doppelbesteuerung; 

statt vieler: BGE 140 I 114 E. 2.3.1, 137 I 145 E. 2.2). Ist der Veranlagungs-

ort im Einzelfall ungewiss oder streitig, so ist er – wenn mehrere Kantone 

in Frage kommen – von der ESTV zu bestimmen (Art. 108 Abs. 1 Satz 1 

DBG). Erfährt eine Veranlagungsbehörde von einem konkurrierenden An-

spruch eines andern Kantons, ist vor weiteren Veranlagungshandlungen 

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Seite 9 

die ESTV anzugehen, um die Zuständigkeit festlegen zu lassen (Urteil des 

BGer 2A.241/2006 vom 26. Oktober 2006 E. 2.4 m.w.H.; vgl. Art. 108 

Abs. 2 DBG). 

2.2 Die kantonalen Steuerbehörden erheben die direkte Bundessteuer (im 

Fall persönlicher Zugehörigkeit) von den natürlichen Personen, die am 

Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht ihren steuerrechtlichen 

Wohnsitz oder, wenn ein solcher in der Schweiz fehlt, ihren steuerrechtli-

chen Aufenthalt im Kanton haben (Art. 105 Abs. 1 DBG und Art. 3 Abs. 1 

StHG). Der Stichtag ist der 31. Dezember oder jener Tag, an dem die Un-

terwerfung unter die Steuerpflicht (in der Schweiz) endet (Urteile des 

BVGer A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 4.2; A-5044/2011 vom 

29. März 2012 E. 2.1 m.w.H.). Bei einem Wechsel des steuerrechtlichen 

Wohnsitzes innerhalb der Schweiz besteht die Steuerpflicht für die lau-

fende Steuerperiode im Kanton, in dem die steuerpflichtige Person per 

31. Dezember ihren Wohnsitz hat (vgl. Art. 4b Abs. 1 StHG).  

2.3 Abweichend vom soeben Gesagten werden Kapitalleistungen aus Vor-

sorge (Art. 22 und Art. 38 DBG) in dem Kanton besteuert, in dem die be-

günstigte Person im Zeitpunkt der Fälligkeit der Kapitalleistung ihren 

Wohnsitz hat (Art. 105 Abs. 4 DBG). 

2.4 Der steuerrechtliche Wohnsitz einer natürlichen Person befindet sich in 

der Regel am Ort, wo sie sich mit der Absicht des dauernden Verbleibens 

aufhält bzw. wo faktisch der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen liegt 

(vgl. Art. 3 Abs. 2 DBG und Art. 3 Abs. 2 StHG, sowie [analog] Art. 23 

Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 

[ZGB, SR 210]; BGE 132 I 29 E. 4.1; Urteile des BGer 2C_565/2016 vom 

21. Dezember 2016 E. 2.2 m.w.H.; 2C_793/2013 vom 7. Mai 2014 E. 4.1 f.; 

Urteile des BVGer A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 4.3.1; 

A-5044/2011 vom 29. März 2012 E. 2.3; vgl. dazu auch MARTIN ZWEI-

FEL/SILVIA HUNZIKER, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.], Kom-

mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht, 

2011 [nachfolgend: Kommentar Interkantonales Steuerrecht], § 6 N 2, 7, 

10).  

2.4.1 Für das Vorliegen eines steuerrechtlichen Wohnsitzes müssen zwei 

Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein, nämlich eine objektive – der «tat-

sächliche Aufenthalt» – einerseits und eine subjektive – die «Absicht dau-

ernden Verbleibens» – andererseits (YVES NOËL, Le domicile fiscal des per-

A-4943/2020 

Seite 10 

sonnes physiques dans la jurisprudence actuelle, in: Revue de droit admi-

nistratif et de droit fiscal [RDAF] 2002 II S. 406; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kom-

mentar Interkantonales Steuerrecht, § 6 N 8).  

2.4.2 Die erste Voraussetzung ist also jene des Aufenthalts, die physische 

Präsenz der Person an einem bestimmten Ort (Urteil des BVGer 

A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 4.3.2 m.w.H.). Der Aufenthalt be-

dingt zumindest eine Wohn- und damit Übernachtungsgelegenheit zur 

freien Benützung, d.h. eine Unterkunft, wo die steuerpflichtige Person ef-

fektiv übernachtet (Urteil des BGer 2C_546/2017 vom 16. Juli 2018 E. 2.3 

m.w.H.; Urteile des BVGer A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.3.1;  

A-5044/2011 vom 29. März 2012 E. 2.5 m.w.H.; vgl. auch Urteil des BVGer 

A-5427/2013 vom 17. Juli 2014 E. 3.3). Um einen (möglichen) Aufenthalts-

ort handelte es sich folglich etwa bei dem Ort, wo die betroffene Person 

regelmässig übernachtet, um von dort aus zur Arbeit aufzubrechen (BGE 

132 I 29 E. 4.3 und 5.3 sowie insbesondere Urteil des BGer 2C_546/2017 

vom 16. Juli 2018 E. 2.3 m.w.H.). 

2.4.3 Als zweite, subjektive Bedingung muss die steuerpflichtige Person 

die Absicht haben, am Ort ihres Aufenthalts dauernd zu verbleiben. Dabei 

handelt es sich um einen inneren Vorgang, der sich durch äussere Sach-

umstände manifestiert, so dass er für Dritte erkennbar wird.  

2.4.4 Das Kriterium der Absicht dauernden Verbleibens in Art. 23 Abs. 1 

ZGB, Art. 3 Abs. 2 DBG und Art. 3 Abs. 2 StHG ist nicht so zu verstehen, 

als dass es auf den inneren Willen des Steuerpflichtigen ankäme. Der 

Wohnsitz bestimmt sich vielmehr alleine nach der Gesamtheit der objekti-

ven, für Dritte erkennbaren Tatsachen, in denen sich eine Absicht dauern-

den Verbleibens der betroffenen Person manifestiert (vgl. grundlegend 

BGE 97 II 1 E. 3; vgl. auch BGE 143 II 233 E. 2.5.2; 138 II 300 E. 3.2; 137 

II 122 E. 3.6; 136 II 405 E. 4.3; 133 V 309 E. 3.1; 120 III 7 E. 2a). Der 

Wohnsitz liegt demnach dort, wo sich im Lichte dieser Tatsachen objektiv 

betrachtet der Mittelpunkt der Lebensinteressen – der Lebensmittelpunkt – 

der betroffenen Person befindet (Urteil des BGer 2C_398/2021 vom 

23. Dezember 2021 E. 3.2.2 m.w.H.). Aus der Gesamtheit der objektiven 

Umstände muss sich ergeben, dass der betreffende Ort den Mittelpunkt 

der persönlichen und wirtschaftlichen Lebensbeziehungen dieser Person 

bildet (Urteile des BVGer A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.3.2; 

A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 4.3.2; A-5086/2013 vom 22. April 

2014 E. 2.3.2; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar Interkantonales Steuer-

recht, § 6 N 17 ff. m.w.H.).  

A-4943/2020 

Seite 11 

2.5 Über den steuerrechtlichen Wohnsitz kann in der Regel kein klarer Be-

weis geführt werden, sondern es ist aufgrund von Indizien eine Gewichtung 

vorzunehmen. Dabei sind sämtliche Berufs-, Familien- und Lebensum-

stände der betroffenen Person zu berücksichtigen (vgl. Urteile des BGer 

2C_510/2016 vom 29. August 2016 E. 2.6.3; 2C_1267/2012 vom 1. Juli 

2013 E. 3.2 m.w.H.). Massgebend ist die Gesamtheit der objektiven, 

äusseren Umstände. Auf die Erklärungen der steuerpflichtigen Person oder 

die bloss affektive Bevorzugung eines Orts kommt es dabei nicht an. 

Gleichermassen spielt das polizeiliche Domizil keine entscheidende Rolle. 

Das Hinterlegen der Schriften und das Ausüben der politischen Rechte an 

einem bestimmten Ort können allerdings Indizien für den steuerrechtlichen 

Wohnsitz einer Person bilden, wenn auch deren übriges Verhalten dafür 

spricht. Der steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar (vgl. 

BGE 132 I 29 E. 4.1; Urteil des BGer 2C_510/2016 vom 29. August 2016 

E. 2.2; Urteil des BVGer A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 4.3.3; fer-

ner ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar Interkantonales Steuerrecht, § 6 N 9, 

17; DANIEL DE VRIES REILINGH, Le domicile des personnes physiques en 

droit fiscal intercantonal et international – état des lieux et comparaison, in: 

Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 70 S. 277 f.). 

2.6  

2.6.1 Pflegt eine Person Kontakte zu mehreren Orten, ist für die Bestim-

mung des steuerrechtlichen Wohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem 

Ort sie die stärkeren Beziehungen unterhält bzw. an welchem sich der Mit-

telpunkt der Lebensverhältnisse, d.h. der ideelle und materielle Schwer-

punkt des Lebens dieser Person, befindet (vgl. BGE 138 II 300 E. 3.2; 132 

I 29 E. 4.2 m.w.H.; Urteil des BGer 2C_565/2016 vom 21. Dezember 2016 

E. 2.2; Urteile des BVGer A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.4.1; 

A-5198/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 4.3.1).  

2.6.2 Ausgangspunkt ist der gewöhnliche Aufenthaltsort der betroffenen 

Person. Die persönlichen, familiären, beruflichen und gesellschaftlichen In-

teressen einer Person können sie aber so eng mit einem anderen Ort ver-

binden, dass dieser als Lebensmittelpunkt erscheint, obschon die be-

troffene Person dort weniger Zeit verbringt. Relevant sind in diesem Zu-

sammenhang etwa der gewöhnliche Aufenthaltsort der Familienmitglieder 

(Ehegatten, Kinder, Eltern und Geschwister), die ausserfamiliären sozialen 

Beziehungen (z.B. Teilnahme am Vereinsleben), die berufliche Stellung der 

steuerpflichtigen Person und die Wohnverhältnisse an den verschiedenen 

Orten. Auf diese Kriterien ist auch abzustellen, wenn sich eine Person 

A-4943/2020 

Seite 12 

gleich oder annähernd gleich oft an mehreren Orten aufhält. Die verschie-

denen Kriterien sind in Abhängigkeit der persönlichen Situation der be-

troffenen Person (z.B. Alter) zu gewichten und im Rahmen der gebotenen 

Gesamtbetrachtung (vgl. vorstehend, E. 2.4.4) gegeneinander abzuwägen, 

um den steuerrechtlichen Wohnsitz per Stichtag (vgl. vorstehend, E. 2.2 f.) 

zu bestimmen. Die tatsächlichen Verhältnisse zu einem früheren oder spä-

teren Zeitpunkt sind zwar nicht unmittelbar relevant, können aber als Indi-

zien berücksichtigt werden (vgl. Urteile des BGer 2C_398/2021 vom 

23. Dezember 2021 E. 3.2.3; 2C_415/2019 vom 20. Dezember 2019 

E. 5.4; 2C_416/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 5.4; 2C_50/2014 vom 

28. Mai 2014 E. 5.3, in: Rivista ticinese di diritto [RtiD] 2014 II S. 528; 

2C_92/2012 vom 17. August 2012 E. 5.5).   

2.6.3 Bei verheirateten Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten wer-

den die persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie 

aufhält, als stärker erachtet als diejenigen zum Arbeitsort, wenn sie in nicht 

leitender Stellung unselbständig erwerbstätig sind und täglich oder an den 

Wochenenden regelmässig an den Familienort zurückkehren. Demnach 

unterstehen verheiratete Pendler oder Wochenaufenthalter grundsätzlich 

ausschliesslich der Steuerhoheit desjenigen Kantons, in dem sich ihre Fa-

milie aufhält (BGE 132 I 29 E. 4.2 f. m.w.H.; Urteil des BGer 2C_806/2019 

vom 8. Juni 2020 E. 2.4).   

2.6.4 Bei unselbständig erwerbenden Personen ist Mittelpunkt der Lebens-

verhältnisse für gewöhnlich der Ort, wo sie für längere oder unbestimmte 

Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzuge-

hen, denn der Zweck des Lebensunterhalts ist dauernder Natur (BGE 132 

I 29 E. 4.2; Urteile des BGer 2C_397/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 2.2; 

2C_809/2008 vom 6. August 2009 E. 3.1; 2C_646/2007 vom 7. Mai 2008 

E. 3.1). Der Aufenthalt bedingt jedoch zumindest eine Wohn- und damit 

Übernachtungsgelegenheit zur freien Benützung. Beim Aufenthaltsort bzw. 

Arbeitsort handelt es sich nicht um den Ort, wo der Arbeitsplatz liegt, son-

dern um denjenigen, wo die betroffene Person regelmässig übernachtet, 

um von dort aus zur Arbeit zu gehen (BGE 132 I 29 E. 4.3 und 5.3; Urteil 

des BGer 2C_546/2017 vom 16. Juli 2018 E. 2.3 m.w.H.). 

2.6.5 Diese Überlegungen können weitgehend auch auf die Bestimmung 

des Steuerdomizils bzw. des Wohnsitzes Selbständigerwerbender übertra-

gen werden. Wie beim unselbständig Erwerbstätigen befindet sich auch 

beim (verheirateten) Selbständigerwerbenden das Hauptsteuerdomizil 

bzw. der Wohnsitz am Aufenthaltsort der Familie, zu der er täglich oder an 

A-4943/2020 

Seite 13 

den Wochenenden und in der freien Zeit zurückkehrt. Begibt sich der Selb-

ständigerwerbende nicht in diesem Sinn regelmässig zu seiner Familie zu-

rück, so fällt sein Hauptsteuerdomizil bzw. Wohnsitz wie beim Unselbstän-

digerwerbenden mit dem Arbeitsort zusammen (BGE 121 I 14 E. 4c; Urteil 

des BGer 2C_398/2021 vom 23. Dezember 2021 E. 3.3.4).   

2.6.6 Die Bestimmung des Hauptsteuerdomizils einer Person oder eines 

Paars im Rentenalter stellt erfahrungsgemäss besondere Schwierigkeiten. 

Ob Rentner am neuen Ort derart Fuss gefasst haben, dass sich geradezu 

sagen lässt, sie hielten sich dort nicht bloss auf, sondern täten dies in der 

Absicht des dauernden Verbleibens, ist wiederum anhand der Gesamtheit 

der äusserlich wahrnehmbaren Umstände zu beurteilen. Wie im Fall jün-

gerer Personen ist von einem steuerlich vollzogenen Wechsel des Wohn-

sitzes erst auszugehen, sobald sich der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen 

an den neuen Ort verlagert hat. Das Entstehen neuer Interessen oder das 

Weiterführen einzelner Freizeitbeschäftigungen am neuen Ort erweisen 

sich als unzureichend. Tendenziell darf sich sagen lassen, dass der Le-

bensmittelpunkt älterer oder betagter Personen weniger mobil ist als jener 

der jüngeren Bevölkerung (BGE 131 I 145 E. 5; Urteil des BGer 

2C_92/2012 vom 17. August 2012 E. 4.2 m.w.H und E. 5.3). 

2.7  

2.7.1 Betreffend die Bestimmung des Veranlagungsorts haben die Steuer-

behörden die den Steuerwohnsitz konstituierenden Sachverhaltselemente 

zwar von Amtes wegen abzuklären (Art. 123 Abs. 1 DBG; vgl. E. 1.6). Die 

steuerpflichtige Person ist aber zur Mitwirkung und namentlich zu umfas-

sender Auskunftserteilung über die für die Besteuerung massgebenden 

Umstände verpflichtet (vgl. Art. 124 ff. DBG; Urteile des BVGer 

A-4061/2016 vom 3. Mai 2017 E. 3.4; A-5044/2011 vom 29. März 2012 

E. 1.3.3). Da es sich beim steuerrechtlichen Wohnsitz um eine steuerbe-

gründende Tatsache handelt, trägt die Steuerbehörde dafür die Beweislast 

(etwa BGE 138 II 300 E. 3.4; Urteil des BGer 2C_1036/2017 vom 10. März 

2019, E. 2.3; Urteil des BVGer A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.4.2). 

2.7.2 Bei einer (geltend gemachten) Wohnsitzverlegung in einen anderen 

Kanton kommt zwar – anders als bei internationalen Sachverhalten (vgl. 

dazu BGE 138 II 300 E. 3.3) – Art. 24 Abs. 1 ZGB, wonach der einmal 

begründete Wohnsitz einer Person bis zum Erwerb eines neuen Wohnsit-

zes bestehen bleibt, nicht zum Tragen (Urteil des BGer 2C_794/2013 vom 

2. Mai 2014 E. 3.4). Dennoch kann der steuerpflichtigen Person nach der 

A-4943/2020 

Seite 14 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung unter Umständen auch im interkan-

tonalen Verhältnis der Gegenbeweis für die von ihr behauptete subjektive 

Steuerpflicht an einem neuen Ort auferlegt werden. Dies ist der Fall, wenn 

die von der Steuerbehörde angenommene bisherige subjektive Steuer-

pflicht als sehr wahrscheinlich gilt (statt vieler: Urteil des BGer 

2C_565/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 2.3 m.w.H.). Wenn also das bis-

herige Steuerdomizil als «sehr wahrscheinlich» erscheint, gilt eine natürli-

che Vermutung, dass das neue Steuerdomizil mit dem alten übereinstimmt 

(vgl. Urteil des BGer 2C_565/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 3.1; OLIVIER 

MARGRAF, Natürliche Vermutungen im Recht der direkten Steuern, in: 

Steuer Revue [StR] 70/2015 S. 946). Eine solche natürliche Vermutung be-

wirkt aber keine Umkehr der Beweislast (vgl. BGE 130 II 482 E. 3.2; Urteil 

des BGer 2C_549/2018 vom 30. Januar 2019 E. 3.3 m.w.H.). Vielmehr 

kann eine natürliche Vermutung mit einem blossen Gegenbeweis umges-

tossen werden (Urteil des BGer 2C_549/2018 E. 3.3; ausführlich: Urteil des 

BVGer A-2106/2017 vom 11. Februar 2019 E. 2.4.6). Ein solcher Gegen-

beweis erfordert nur, dass Zweifel an der Richtigkeit der Indizien (Vermu-

tungsbasis) oder der daraus gezogenen Schlussfolgerung (Vermutungs-

folge) geweckt werden (vgl. BGE 141 III 241 E. 3.2.3; 135 II 161 E. 3; Urteil 

des BGer 5A_834/2016 vom 13. Juni 2018 E. 3.6; Urteile des BVGer 

A-4939/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.5; A-2106/2017 vom 11. Februar 2019 

E. 2.4.6). 

3.  

Im vorliegenden Fall ist die Frage zu klären, welches der zutreffende Ver-

anlagungsort der Beschwerdeführenden für das Steuerjahr 2015 ist. Zu be-

stimmen ist einzig der zur Veranlagung zuständige Kanton; die innerkanto-

nale Zuständigkeit (die vorliegend innerhalb der in Frage kommenden Kan-

tone ohnehin nicht strittig ist), entscheidet sich nach kantonalem Recht. In 

Frage kommen vorliegend einzig die Kantone Zürich und Graubünden. 

Massgeblicher Zeitpunkt ist der 31. Dezember 2015 für die ordentliche 

Bundessteuer und der 1. Dezember 2015 für die Steuer auf der Kapitalleis-

tung aus beruflicher Vorsorge (vorne, E. 2.2 f.; Sachverhalt Bst. A.d). 

3.1 Die Vorinstanz stellte im angefochtenen Entscheid fest, die Steuer-

pflichtigen hätten bis und mit September 2015 ihren «zivilrechtlichen» 

Wohnsitz in C._______ gehabt. Bei Verlegung desselben (resp. des poli-

zeilichen Domizils) im Oktober 2015 hätten sie die Wohnung in C._______ 

und ihre dortige Erwerbstätigkeit fortgeführt. Dies begründe die natürliche 

A-4943/2020 

Seite 15 

Vermutung dafür, dass der bisherige Lebensmittelpunkt nicht definitiv auf-

gegeben worden sei. Den Steuerpflichtigen obliege folglich der Gegenbe-

weis.  

Zu den fraglichen Stichtagen hätten die in intakter und ungetrennter Ehe 

zusammenlebenden Steuerpflichtigen – deren Kinder und Grosskinder au-

genscheinlich nicht in Graubünden wohnten – ihren «zivilrechtlichen» 

Wohnsitz in D._______/GR gehabt. Dort wie auch in C._______ hätten sie 

Unterkünfte zur Verfügung gehabt, die ihre Bedürfnisse als Ehepaar, auch 

bei Besuchen der Familie, dauerhaft abzudecken vermöchten. Die Woh-

nung in D._______ sei indessen ursprünglich als Ferienwohnung erworben 

worden und liege weit vom bisherigen Lebenszentrum weg – im Gegensatz 

zur langjährigen Mietwohnung an bevorzugter Lage in C._______, die sich 

nahe dem jahrelangen gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld befinde. 

Die Steuerpflichtigen seien im ganzen Steuerjahr 2015 berufstätig gewe-

sen; ab dem Oktober teilzeitlich. Der Steuerpflichtige habe die Praxis ab 

der (C._______-) Mietwohnung zu Fuss innert 15 Minuten erreichen kön-

nen, die Steuerpflichtige arbeite in dieser Wohnung. Im Kanton Graubün-

den seien sie nie erwerbstätig gewesen.  

Das – im Detail anhand von Aufenthaltsaufschrieben dargestellte – Krite-

rium des tatsächlichen Aufenthaltes schliesse weder Zürich noch Graubün-

den als Veranlagungsort aus. In D._______ seien im Hinblick auf den Um-

zug Telefon-, Internet und TV-Installationen ausgebaut worden und der 

Stromverbrauch sei im Jahr 2015 angestiegen; Bank- und Postkontoaus-

züge seien aber noch nach C._______ gesandt worden. Die Meldeverhält-

nisse der Fahrzeuge – ein Geschäfts- und ein Liebhaberfahrzeug mit zür-

cherischen, ein Privatfahrzeug mit bündnerischen Kontrollschildern – gä-

ben keinen Ausschlag; deren Wartung sei im Oktober/November 2015 in 

C._______ erfolgt. Privatauslagen seien im Jahr 2015, namentlich ab Ok-

tober 2015, zu einem grossen Teil in Graubünden respektive der Umge-

bung von D._______ erfolgt und deckten sich auch mit den tatsächlichen 

Aufenthaltszeiträumen. Indessen erachtet die Vorinstanz die Ausgabenbe-

lege, die dem Lebensraum C._______ zuzuordnen seien, als nicht voll-

ständig; angesichts grösserer Bargeldabhebungen sei davon auszugehen, 

dass dort häufig Barzahlungen geleistet worden seien. Die Steuerpflichti-

gen hätten einen Hausarzt in (Nachbarort von D._______), gemäss Kalen-

dereinträgen aber noch Augenarzt- und Optikertermine im Dezember in 

C._______ wahrgenommen; die Steuerpflichtige habe weiterhin einen 

Coiffeur in C._______ aufgesucht. Die Krankenversicherungen seien per 

A-4943/2020 

Seite 16 

1. Januar 2016 nach Graubünden umgemeldet worden. Besonders hervor-

zustreichen sei der Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit. Die – im Einzel-

nen dargestellte – Entwicklung der vom Steuerpflichtigen erzielten Jahres-

nettoerlöse zeige auf, dass der Erlös in der untersuchten Periode von 2014 

bis 2018 kontinuierlich gesunken sei; die Reduktion des Pensums sei aber 

erst im Oktober 2015 erfolgt. Ab da habe er noch 2 ½ Tage die Woche, von 

Dienstag bis und mit Donnerstag mittags, gearbeitet. Die Steuerpflichtige 

sei in der Praxis teilzeitlich angestellt. Angesichts der Senkung ihres Ein-

kommens im Jahr 2015 dürfte auch sie das Pensum reduziert haben. Ins-

gesamt seien beide über die Steuerperiode 2015 hinaus erwerbstätig ge-

wesen; unter Einschluss der durch die (…) erzielten Erlöse sei der Gesamt-

erlös der Praxis auch nach der Pensenreduktion deutlich über der Hälfte 

des im Jahr 2014 erzielten Erlöses gelegen. Erklärtermassen sei dies mit 

Blick auf den Verkauf respektive den Liquidationserlös bewusst so gehal-

ten worden. 

In einer Analyse des familiären Schwerpunktes stellt die Vorinstanz fest, 

dass die Steuerpflichtigen gemäss ihren Angaben jeweils am Montagmittag 

von D._______ nach C._______ und am Donnerstagnachmittag in umge-

kehrter Richtung fuhren, mithin jeweils drei Nächte in C._______ und vier 

in D._______ (zuzüglich die Ferien) verbrachten. Zwar gäben sie an, die 

Kinder würden sie regelmässig in D._______ besuchen und die Enkel dort 

auch Ferien mit ihnen verbringen, doch hätten familiäre Kontakte auch in 

C._______ stattgefunden und seien Enkelkinder jedenfalls in der ersten 

Jahreshälfte 2015 auch in J._______/ZH gehütet worden. Zu einem Freun-

deskreis in D._______ hätten sich die Steuerpflichtigen nur allgemein ge-

äussert. Gemeinsame Restaurantbesuche hätten im letzten Quartal 2015 

jedenfalls in C._______ und in D._______ und Umgebung stattgefunden. 

Das geltend gemachte sportliche und finanzielle Engagement im nahe ge-

legenen Golfclub werde seit Jahren ausgeübt, sei nicht aussergewöhnlich 

und belege keine besonders grosse Verbundenheit zu D._______. Weiter-

hin sei der Steuerpflichtige in einer E._______ in C._______ aktiv gewe-

sen.  

Zum subjektiven Element, der Absicht dauernden Verbleibens, hält die Vor-

instanz fest, dass im Oktober 2015 die Aufgabe der Erwerbstätigkeit noch 

lange nicht bevorgestanden habe. Die Pensumsreduktion des Steuerpflich-

tigen sei erst nach einer Augenoperation im Sommer 2015 entschieden 

worden. Die angegebenen Motive für den Umzug – Entfliehen von Stress 

und Hektik der Stadt zugunsten der ländlichen Umgebung und der Berge 

– hätte sich im Steuerjahr 2015 so noch nicht realisieren können. Aus dem 

A-4943/2020 

Seite 17 

blossen Entscheid, den Ruhestand in D._______ verbringen zu wollen, 

folge noch nicht, dass die Steuerpflichtigen in objektiv feststellbarer Weise 

den Wohnsitz und Lebensmittelpunkt dorthin verlegt hätten; auch seien sie 

2015 nicht äusserlich wahrnehmbar im Ruhestand gewesen. Es sei auch 

kein Umzug «im grossen Stil» erfolgt, hätten die Steuerpflichtigen doch die 

bisherige Mitwohnung zu einem Mietzins von rund Fr. 37'650.– im Jahr 

noch über das Jahr 2015 hinaus beibehalten; von dort aus sei die 

F._______-praxis aufgesucht und seien Auslandsreisen unternommen 

worden.  

Die Vorinstanz gelangt zur Auffassung, dass die Steuerpflichtigen im Wis-

sen um die Anforderungen der künftigen Beweisführung Belege aufbe-

wahrten. Es sei aber nicht plausibel, dass drei Viertel der privaten Lebens-

haltungskosten in Graubünden erfolgt seien; angesichts der häufigen Bar-

abhebungen in C._______ stehe zu vermuten, es seien viele Barkäufe in 

C._______ getätigt und die Belege nicht eingereicht worden. Zuletzt falle 

die zeitliche Nähe zwischen der vorgeblichen Wohnsitzverlegung und der 

(altersbedingt nicht weiter aufschiebbaren) Fälligkeit der Kapitalleistung 

auf, die einen erheblichen Unterschied in der kantonalen und kommunalen 

Steuerlast mit sich bringe.  

In einer resümierenden Gesamtabwägung kommt die Vorinstanz zum 

Schluss, die Anknüpfungspunkte der persönlichen, familiären, beruflichen 

und wirtschaftlichen Interessen der Steuerpflichtigen im Kanton Zürich 

seien im Jahr 2015 noch gewichtiger und intensiver gewesen als im Kanton 

Graubünden. Die Umstände, die für den Lebensmittelpunkt in D._______ 

sprächen, seien damit nicht geeignet, die natürliche Vermutung, die für 

C._______ spreche, umzustossen.  

3.2 Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz habe ihnen die Be-

weislast auferlegt, obwohl die Steuerbehörde für den Nachweis des Wohn-

sitzes als steuerbegründende Tatsache beweisbelastet sei. 

Die Beschwerdeführenden hätten ihren Lebensmittelpunkt im Oktober 

2015 nach D._______ verlegt. Sie seien von ihrer Arbeitstätigkeit in 

C._______ auch regelmässig – von Donnerstagnachmittag bis Montagmit-

tag – nach D._______ zurückgekehrt und hätten dort auch – mit wenigen 

Ausnahmen – die Ferien verbracht. Die Wohnung in D._______ sei 1996 

als Ferienwohnung erworben worden. Es sei schon lange geplant gewe-

sen, den Wohnsitz im Alter dorthin zu verlegen. Hätten sie den Wohnsitz 

A-4943/2020 

Seite 18 

im Alter in C._______ belassen wollen, hätten sie dort eine Eigentumswoh-

nung erworben, stattessen seien sie in C._______ zur Miete geblieben. Die 

Wohnung in D._______ sei folglich auch so umgebaut worden, dass sie 

den Alltagsbedürfnissen im Rentenalter entspreche. Insbesondere sei mit 

Blick auf die häufigere Nutzung erheblich in die Küche investiert und deren 

Ausbaustandard angehoben worden – auch über den der zweckmässigen, 

aber alten Küche in C._______. Das Raumprogramm in D._______ sehe 

Schlaf- und Badezimmer für die Beschwerdeführenden auf einer Etage, 

zwei Schlaf- und ein Badezimmer auf der anderen Etage vor; in C._______ 

verfügten sie über ein Badezimmer, ein separates WC und ein Schlafzim-

mer, die weiteren beiden Zimmer seien als Büro eingerichtet. Internet-, TV- 

und Telefoninstallationen seien auf erhöhte Anforderungen angepasst wor-

den. Da in D._______ bestens eingerichtet, sei sodann kein wirklicher Um-

zug vonnöten gewesen. Die Rechtsprechung zu Paaren im Rentenalter sei 

vorliegend nicht einschlägig; die Beschwerdeführenden seien nicht – wie 

das betreffende Paar im von der Vorinstanz zitierten Urteil – an einen 

neuen Ort gezogen, sondern an einen bekannten. Sie hätten ihre Freizeit 

in den vergangenen Jahren dort verbracht und einen Freundeskreis aufge-

baut – aus dem Ferienort sei ein Zweitwohnsitz geworden, mit der Absicht, 

den Erstwohnsitz daraus zu machen.  

Die vorinstanzliche Auffassung, die Beschwerdeführenden hätten die Kon-

taktpflege in D._______ und Umgebung zu wenig belegt, treffe nicht zu. Es 

seien ab Oktober 2015 mehr Abendessen im Freundeskreis dort belegt als 

in C._______. Auch dürfe nicht «schädlich» sein, dass nach einer langen 

Zeit am Wohnort C._______ dort noch Freundschaften und die – auf Le-

benszeit geschlossene – Mitgliedschaft in einer E._______ gepflegt werde; 

insbesondere die drei Anlässe von zentraler Bedeutung nehme (ein 

E._______-Mitglied) wenn immer möglich wahr, ganz gleich, wo er wohne. 

Der Beschwerdeführer habe in den Sportferien 2015 auch einen 

E._______-anlass in Graubünden organsiert. Weiter seien die Beschwer-

deführenden seit 2006 – (als Mitglieder) und durch finanzielles Engage-

ment – im nahe gelegenen Golfclub engagiert, was auch viele soziale Kon-

takte vor Ort eröffnet habe. Eine – auch zeitlich – vergleichbare Freizeitak-

tivität verfolgten sie in C._______ nicht. Vor Ort würde auch die Freund-

schaft mit dem besten Freund des Beschwerdeführers gepflegt, der im 

Nachbarort einen Zweitwohnsitz habe; auch mit anderen (E._______-Mit-

gliedern), auf die dasselbe zutreffe – sei der Umgang mit diesen vermeint-

lich (…) Kontakten (aus C._______) im Umfeld der Zweitwohnsitze gesel-

liger und intensiver. Sie seien Stammgäste in diversen Speiselokalen und 

mit einzelnen Gastronomen persönlich bekannt. Auch die Nachbarschaft 

A-4943/2020 

Seite 19 

werde gepflegt. Insgesamt zeige der Vergleich der gesellschaftlichen Akti-

vitäten ab Oktober 2015, dass diese in D._______ intensiver seien als in 

C._______.  

Die hausärztliche Versorgung sei nach (Nachbarort von D._______) ver-

legt worden; bei den augenärztlichen Konsultationen handle es sich um 

Nachbehandlungen zu den Operationen in den Jahren 2013 und 2014, die 

– entsprechend der allgemeinen Lebenserfahrung – beim operierenden 

Arzt stattgefunden hätten. Dass im letzten Quartal 2015 keine Beschwer-

den zu beklagen gewesen seien, die eine anderweitige spezialärztliche In-

tervention erforderten, könne ihnen nicht zum Nachteil gereichen. Die En-

kelkinder hätten sie nur unregelmässig gehütet; die reguläre Betreuung 

habe in einem Hort am Wohnort der Tochter stattgefunden. Die Enkel hät-

ten gerne Ferien in D._______ verbracht, Hütedienste seien situative Aus-

nahmen gewesen. Die Kinder seien erwachsen und hätten ihr eigenstän-

diges Leben mit eigenen Kontakten, gleichwohl sei der Sohn der Region 

D._______ verbunden und habe beispielsweise 2019 in der Umgebung 

Hochzeit gefeiert.  

Es sei nicht nachvollziehbar, aus dem Beibehalten der angestammten 

(C._______-) Wohnung den Nachweis zu schliessen, dass der Wohnsitz 

nicht verlegt worden sei. In der (C._______-) Wohnung sei das Büro ein-

gerichtet, von dem aus die Beschwerdeführerin die administrativen Arbei-

ten der Praxis erledigte; im Keller sei das Archiv der Praxis. Bei den an der 

Erwerbstätigkeit orientierten Aufenthalten in C._______ hätten sie eine Un-

terkunft benötigt. Hätten sie die Wohnung zugunsten von Hotelübernach-

tungen oder einer kleineren Wohnung aufgegeben, hätten sie zusätzlichen 

Raum für die Administration besorgen müssen, was angesichts ihres Alters 

und des absehbaren Endes der Arbeitstätigkeit lebensfremd – und auch 

nicht wirtschaftlich – gewesen wäre. Die Meldung als Wochenaufenthalter 

in C._______ (erst) per Februar 2017 sei aufgrund einer Erkundigung des 

Personenmeldeamtes erfolgt. In C._______ habe man nach den Arbeitsta-

gen nicht intensiv gekocht; vielmehr habe man auswärts gegessen respek-

tive Lebensmittel von D._______ mitgebracht, was das Ungleichgewicht 

der Einkäufe nach Wohnort erkläre. Die Bargeldbezüge seien in 

C._______ erfolgt, weil die Hausbank in der Region D._______ keine Fili-

ale habe und man für Auslagen gerne über Bargeld verfügt habe. Belege 

habe man nicht wegen des Verfahrens gesammelt; für den Beschwerde-

führer als Selbständigerwerbenden sei dies vielmehr eine Gewohnheit.  

A-4943/2020 

Seite 20 

Der Beschwerdeführer hätte seine Praxis an sich per Eintritt des ordentli-

chen Pensionsalters im November 2010 in neue Hände übergeben wollen 

und habe dieses Anliegen mit einem spezialisierten Beratungsunterneh-

men ernsthaft verfolgt. Einzelne Interessenten seien nicht in Frage gekom-

men, andere vor den notwendigen Investitionen zurückgeschreckt; zudem 

habe der Praxispartner Mühe mit der anstehenden Änderung gehabt. Der 

Kaufvertrag sei schliesslich 2018 geschlossen worden, erste Kontakte mit 

dem Käufer seien 2014 erfolgt; die Finanzierung des Erwerbs und vor allem 

des Aus- und Umbaus sei umfassend zu klären gewesen. Bei Erreichen 

des Pensionsalters sei nicht realistisch gewesen, aus der Praxis auszustei-

gen; der Beschwerdeführer habe seine Patienten nicht ohne Nachfolgelö-

sung zurücklassen wollen. Zudem sei die Praxis auch Teil der Altersvor-

sorge gewesen; allerdings sei ein möglichst hoher Verkaufserlös nicht das 

Ziel gewesen. Den – schon länger bestehende – Entschluss zur Pensen-

reduktion hätten sie im Sommer 2015 aufgrund der schnelleren Ermüdbar-

keit der Augen des Beschwerdeführers nach dessen Operationen gefasst; 

damals in der Hoffnung auf einen baldigen Vertragsschluss. Der Ent-

schluss, den Erstwohnsitz nach D._______ zu verlegen, sei im Sommer 

2015 schon festgestanden. Im Gleichschritt mit der Pensenreduktion habe 

sich der Praxisumsatz vermindert und habe der Beschwerdeführer 2015 

sein Team auf einen kleineren Bestand an loyalen und selbständig arbei-

tenden Mitarbeiterinnen verschlankt, der nicht die dauernde Präsenz des 

Vorgesetzten erforderte. 

Die berufliche Situation des Beschwerdeführers sei in Anbetracht der ge-

sundheitlichen Lage, der Verkaufsbestrebungen, der Pensenreduktionen 

und Anpassungen im Team nicht mit einem jüngeren Selbständigerwerben-

den zu vergleichen, der sein Unternehmen im Vollzeitengagement voran-

treibe; der Bezug zum Arbeitsort sei weit weniger eng. Die Pensenreduk-

tion habe die Möglichkeit eröffnet, den lange geplanten Wohnsitztausch zu 

vollziehen. Am 1. Oktober 2015 sei der Schwerpunkt der familiären, beruf-

lichen und wirtschaftlichen Anknüpfungspunkte in D._______ gelegen.  

3.3 Die Vorinstanz verweist in ihrer Vernehmlassung grundsätzlich auf den 

angefochtenen Entscheid. Bezüglich die Beweislastverteilung führt sie aus, 

angesichts der Fragestellung einer Wohnsitzverlegung unter Beibehaltens 

der bestehenden Wohnung und Erwerbstätigkeit bestehe eine natürliche 

Vermutung, dass der bisherige steuerrechtliche Wohnsitz beibehalten 

werde; folglich hätten die Beschwerdeführenden den Gegenbeweis zu er-

bringen.  

A-4943/2020 

Seite 21 

Entgegen der Beschwerde habe sie, die Vorinstanz, nicht auf den Effekt 

der Steuerersparnis abgestellt; Steueroptimierung als Motiv einer Wohn-

sitznahme habe sie ausdrücklich anerkannt; indessen sei auch in solchen 

Fällen die tatsächliche Verschiebung des Lebensmittelpunktes vorausge-

setzt. Angesichts der nach der Verlegung des Steuerdomizils beibehalte-

nen Wohnung sowie Arbeits- und Geschäftstätigkeit erweise sich dies in-

des als künstlich und mit den objektiv feststellbaren Umständen nicht im 

Einklang. Von diesen lasse sich nicht auf eine innere Haltung schliessen, 

die auf eine Verlegung des Lebensmittelpunktes folgern lasse. Die gesund-

heitlichen Probleme hätten nur zu einer Pensenreduktion geführt und nicht 

zu einem Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Die Steuerersparnis 

als mögliches Motiv habe all dies indirekt bestätigt. Deren Berücksichtigung 

im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sei zulässig.  

Nicht mit dem bundesgerichtlichen Verständnis des Arbeitsortsprinzips ein-

her gehe die beschwerdeführerische Auslegung, wonach D._______ das 

Domizil sei, wohin sie regelmässig nach der Arbeit zurückkehren würden. 

Vielmehr sei dies die Wohnung in C._______, von wo aus sich der Be-

schwerdeführer zur Arbeitsstätte begeben habe respektive wo die Arbeits-

stätte der Beschwerdeführerin sei. Der Arbeitsort habe sich ausschliesslich 

in C._______ befunden. Die Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung 

zu Steuerpflichtigen im Rentenalter sei erfolgt, weil die Beschwerdeführen-

den selbst mit einem Wohnsitzwechsel im Hinblick auf den Ruhestand ar-

gumentiert hätten.  

Die Aufwertung der Wohnung in D._______ sei im angefochtenen Ent-

scheid insofern berücksichtigt, als beide Wohnungen für einen dauernden 

Aufenthalt geeignet bezeichnet worden seien. Die Wohnung in C._______ 

sei unbestritten keine nur behelfsmässige Übernachtungsgelegenheit ohne 

Wohncharakter, sondern für die privaten und geschäftlichen Zwecke und 

Bedürfnisse der Beschwerdeführenden bestens geeignet, ungeachtet des 

weniger aktuellen Ausbaustandards. D._______ erscheine von der Arbeits-

stätte her gesehen (und auch innerhalb der [Region von D._______]) als 

vergleichsweise abgelegen und infrastrukturarm, so dass Einkäufe auch 

eher in der Region als im Ort selbst erfolgten. Die möglichen höheren Kos-

ten bei einer Aufgabe der (C._______-) Wohnung seien nicht entscheider-

heblich.  

In der Beschwerde hätten die Beschwerdeführenden (gegenüber dem Ver-

fahren vor Vorinstanz) die Darlegungen zu den sozialen Kontakten konkre-

tisiert und immerhin in allgemeiner Weise konkretisiert, auch in C._______ 

A-4943/2020 

Seite 22 

Freundschaften beibehalten und gepflegt zu haben. Dass die in D._______ 

seit Jahren gepflegten Freundschaften im Jahr 2015 besonders intensiv 

gewesen seien oder in den Kanton Graubünden verlegt worden seien, sei 

nicht ersichtlich; insbesondere die Beziehung zur sehr gut befreundeten 

Familie bestehe seit Langem und sei früher noch intensiver gewesen. Ein 

Vergleich von Restaurantbesuchen sei nicht ausschlaggebend, zumal die 

beschwerdeführerische Statistik zu C._______ Lücken aufweise und dort 

offenbar bevorzugt auch zu Hause gespeist worden sei. Die geographische 

Gewichtung der Lebensmitteleinkäufe sei zu relativieren, zumal in Grau-

bünden eingekaufte Lebensmittel offenbar auch nach C._______ verbracht 

worden seien. 

Insgesamt seien die Beschwerdeführenden im Jahr 2015 noch lange nicht 

in einen neuen Lebensabschnitt – den Ruhestand – eingetreten und sei 

D._______ der Ferien- und Freizeitort geblieben.   

4.  

Das Bundesverwaltungsgericht erwägt in Würdigung der Akten und Aus-

führungen von Vorinstanz und Beschwerdeführende Folgendes: 

4.1 Unbestritten lag der Lebensmittelpunkt der Beschwerdeführenden bis 

und mit September 2015 in C._______. Sie machen geltend, dieser habe 

sich im Oktober 2015 nach D._______ verschoben. Die Beschwerdefüh-

renden befanden sich bereits im ordentlichen Rentenalter, hatten ihre an-

gestammten Tätigkeiten in C._______ aber mit dem Eintritt ins Rentenalter 

vorerst unverändert fortgeführt. Ab Oktober 2015 reduzierten sie den Be-

schäftigungsgrad; vornehmlich geschah dies aus gesundheitlichen Grün-

den. Die Beschwerdeführenden pflegten also in der fraglichen Zeitspanne 

– und über diese hinaus – Kontakt zu mehreren Orten und machen eine 

Wohnsitzverlegung zwischen diesen geltend.  

4.2 Was das objektive Element des tatsächlichen Aufenthaltes angeht 

(E. 2.4.2), ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass sich die Beschwerde-

führenden im letzten Quartal 2015 sowohl in C._______ wie auch in 

D._______ aufhielten. An beiden Orten verfügten sie über Wohnungen, die 

ihren gemeinsamen, nach Ort unterschiedlichen, Bedürfnissen gerecht 

wurden. Die Beschwerdeführenden hatten die Wohnung in C._______ seit 

2007 als Familienwohnung und Arbeitsstätte genutzt und es erfolgte nach 

ihrer eigenen Darstellung kein eigentlicher Umzug im Oktober 2015 (da die 

Wohnung in D._______ ohnehin eingerichtet war). Die Wohnung in 

A-4943/2020 

Seite 23 

C._______ erfüllte die angestammten Bedürfnisse also nach wie vor, un-

eingeschränkt und ohne qualitative Einbusse gegenüber dem Zustand vor 

dem Oktober 2015. Der unterschiedliche Ausbaustandard der Wohnungen 

und auch die im Hinblick auf vermehrten oder dauernden Aufenthalt in 

D._______ erfolgte Aufwertung der dortigen Küche und der Kommunikati-

onsinfrastruktur ändern daran nichts. Auch der Umstand, dass die Woh-

nung in C._______ zumindest zum Teil aus ökonomischen Erwägungen 

oder solchen der Bequemlichkeit beibehalten worden sein könnte, macht 

diese nicht zur behelfsmässigen (Not-) Unterkunft. Schliesslich wurde die 

Wohnung auch tatsächlich regelmässig zur Übernachtung genutzt, um von 

dort aus zur Arbeitsstätte aufzubrechen respektive dort zu arbeiten, Mahl-

zeiten zuzubereiten und einzunehmen und den Feierabend zu verbringen. 

Die Beschwerdeführenden führten ihr Familienleben in der Zeit der Woche, 

die sie in C._______ verbrachten, dort weiter – wenn auch sicherlich mit 

anderen Schwergewichten als in D._______.  

4.3 Es bleibt somit das subjektive Element, die Absicht dauernden Verblei-

bens (E. 2.4.3 f. und E. 2.6), zu beurteilen.  

4.3.1 Hierzu ist einleitend daran zu erinnern, dass es auf den subjektiven 

Willen alleine und die polizeilichen Meldeverhältnisse nicht ankommt. We-

sentlich ist eine Gesamtwürdigung der objektiven, äusseren Umstände, der 

Berufs-, Familien- und Lebensumstände (E. 2.4.3, 2.5). 

4.3.2 Vorwegzunehmen ist sodann, dass im Rahmen der Gesamtwürdi-

gung das Alter der Beschwerdeführenden durchaus eine Rolle spielt. Dabei 

ist nicht direkt wesentlich, dass sie das Rentenalter bereits erreicht hatten, 

waren doch die Beschwerdeführenden im gegenständlichen Zeitraum nach 

wie vor erwerbstätig, der Beschwerdeführer gar in selbständiger Stellung 

und als Arbeitgeber. Die Annahme, der Lebensmittelpunkt älterer Men-

schen sei weniger mobil als jener der jüngeren Bevölkerung (vorne, 

E. 2.6.6), hat nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts unabhän-

gig vom tatsächlichen Eintritt in den Ruhestand gleichwohl seine Berechti-

gung: Bei Menschen zu Beginn ihrer beruflichen Karriere, die möglicher-

weise noch Beschäftigungen an verschiedenen Orten und in verschiede-

nen Positionen vor sich haben (und möglicherweise im Rahmen der Aus-

bildung gerade erst hinter sich haben), ist eine Verlegung des Lebensmit-

telpunktes schneller anzunehmen, als bei älteren Personen, die auf eine 

langjährige, etablierte Tätigkeit und eine Familiengeschichte an einem Ort 

zurückblicken. Das trifft vorliegend zu: Die Beschwerdeführenden waren 

lange Jahre in C._______ tätig und bauten dabei eine etablierte 

A-4943/2020 

Seite 24 

F._______-praxis mit einem Bestand an langjährigen und vertrauten Pati-

enten auf. Sie waren dort auch als Familie wohnhaft und gesellschaftlich 

engagiert. Insgesamt ist von einer erheblichen wirtschaftlichen und gesell-

schaftlichen Integration auszugehen. Bei einer solch starken Verwurzelung 

ist eine Verlegung des Lebensmittelpunktes nicht leichthin anzunehmen. 

4.3.3 Die Beschwerdeführenden gingen im letzten Quartal 2015 (und dar-

über hinaus) ihrer angestammten Tätigkeit in C._______ nach, wo sie wäh-

rend den Arbeitstagen sowie an den daran angrenzenden Tage wohnten. 

Dort hielten sie sich jeweils gemeinsam auf; jedenfalls wird nicht geltend 

gemacht, dass teilweise oder mehrheitlich nur einer der Gatten nach 

C._______ fuhr. Um diese Tage herum fand mithin auch das familiäre Zu-

sammenleben in C._______ statt – es kann nicht von einem Fall ausge-

gangen werden, in dem Familien- und Arbeitsort auseinanderfallen (vorne, 

E. 2.6.3). Gegenüber der Zeit bis zum September 2015 änderte sich daran 

nur (aber immerhin) der Anteil der Arbeitswoche, an dem dies so gehalten 

wurde. Davon abgesehen entsprach sich das Familienleben in C._______ 

vor und nach dem Oktober 2015. Der Arbeitsort, also der Ort, von dem aus 

sie regelmässig zu ihrer Erwerbsarbeit aufbrachen, lag in der angestamm-

ten Wohnung in C._______. Die Sicht der Beschwerdeführenden, sie seien 

in Tat und Wahrheit jeweils von D._______ zur Arbeit aufgebrochen, ver-

kennt den Gehalt der Rechtsprechung zur Frage des Arbeitsortes (vgl. 

Nachweise vorstehend, E. 2.6.3).  

4.3.4 Die Verhältnisse wiesen am Übergang vom dritten zum vierten Quar-

tal 2015 – abgesehen vom Beschäftigungsgrad und der anteilsmässigen 

Aufenthaltsdauer – somit eine erhebliche Kontinuität auf. Das bisherige 

Steuerdomizil erscheint damit auch nach dem September 2015 als sehr 

wahrscheinlich. Es gilt damit eine natürliche Vermutung für den Weiterbe-

stand des bestehenden Steuerdomizils. Den Beschwerdeführenden steht 

der Gegenbeweis offen (vorne, E. 2.7.2). Entgegen der Auffassung der Be-

schwerdeführenden wird ihnen damit nicht der volle Beweis (des Gegen-

teils) auferlegt.  

4.4 Den Beschwerdeführenden gelingt der Gegenbeweis nicht. Im Grund-

satz kann dazu, um nicht in unnötige Wiederholungen zu verfallen, auf die 

detaillierten Ausführungen und Aufstellungen im angefochtenen Entscheid 

verwiesen werden. Soweit die Ausführungen auf Beschwerdeebene dazu 

Anlass geben, ist Folgendes anzufügen: 

A-4943/2020 

Seite 25 

4.4.1 Es ist durchaus glaubhaft, dass die Beschwerdeführenden den Ver-

kauf der Praxis bereits vor dem effektiven Abschluss ins Auge gefasst hat-

ten. Jedoch erfolgte dieser erst lange nach der hier gegenständlichen Pe-

riode. Es mag sein, dass ein früherer Abschluss gewünscht gewesen wäre 

– jedoch werden keine objektiven Gesichtspunkte dafür geltend gemacht, 

dass im 3. Quartal 2015 mit einem unmittelbar bevorstehenden Abschluss 

gerechnet werden konnte. Die Beschwerdeführenden führten in jener 

Phase auch keineswegs das Leben von Personen im Ruhestand, die le-

diglich nebenbei noch die Erwerbsarbeit zum Abschluss brachten. Die Pra-

xis wurde, zwar reduziert, weiter betrieben; erklärtermassen auch, um den 

Patientenstamm zu erhalten. Nicht restlos klar ist dabei das geltend ge-

machte zusätzliche Motiv der Altersvorsoge (Beschwerde, Ziff. 5.2, S. 24), 

wenn gleichzeitig betont wird, der Verkaufserlös sei zweitrangig gewesen 

(«und betrug letztlich denn auch nur einen Bruchteil eines reduzierten Jah-

resumsatzes», Beschwerde, Ziff. 5.6, S. 26). Die Verschlankung des 

Teams hatte den erklärten Zweck, die Organisation auf die Reduktion des 

Arbeitspensums vorab des Beschwerdeführers (aber wohl auch der Be-

schwerdeführerin) auszurichten, so dass die Präsenz des Beschwerdefüh-

rers als Praxisleiter nicht mehr in vollem Ausmass erforderlich war. Daran 

aber, dass die Leitung der Praxis dem Beschwerdeführer und deren Admi-

nistration der Beschwerdeführerin weiterhin oblag, änderte sich jedenfalls 

von aussen nichts Erkennbares. Angesichts der Länge des Verkaufspro-

zesses (vom April 2010 bis zum Januar 2018; Beschwerde, Ziff. 5, 

S. 22 ff.), lässt sich aus dem Verkaufswillen (allein) nicht auf eine Verlage-

rung des Lebensmittelpunktes gerade ab Oktober 2015 schliessen.  

4.4.2 Die Beschwerdeführenden machen zwar geltend, der Entschluss zur 

Reduktion der Arbeitspensen sei schon länger festgestanden, aber erst an-

gesichts der Einschränkungen der Sehkraft des Beschwerdeführers effek-

tiv gefällt worden. Das muss so zu verstehen sein, dass diese Reduktion 

davor eben noch nicht beschlossen, sondern erst mit unbestimmtem Ter-

min angedacht war. Der Beschluss fiel denn auch nicht aus dem intrinsi-

schen Motiv, in den Ruhezustand überzugleiten, sondern extrinsisch moti-

viert durch die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers.  

4.4.3 Auch wenn es sich bei der Reduktion des Arbeitspensums um einen 

äusserlich wahrnehmbaren Einschnitt handelte, ist diesbezüglich festzu-

halten, dass damit – soweit objektiv erkennbar – einer gesundheitlichen 

Situation begegnet und nicht der Ruhestand eingeleitet wurde. Dieser 

A-4943/2020 

Seite 26 

stand im Oktober 2015 auch nicht unmittelbar bevor; die Beschwerdefüh-

renden arbeiteten zwar mit verändertem Umfang, aber nicht mit von Dritten 

erkennbar geringerer Intensität weiter. 

4.4.4 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass sich die Beschwerdeführen-

den im kantonalen und im Verfahren vor Vorinstanz zur Frage sozialer Kon-

takte nicht eingehend äusserten respektive sich weitgehend darauf be-

schränkten, Kontakte im Umfeld ihres Golfclubs anzuführen. Auf Be-

schwerdeebene detaillieren sie letztere und schildern, zu zwei in derselben 

Überbauung wohnhaften Familien nachbarschaftliche Kontakte zu unter-

halten – man begegne sich regelmässig, helfe sich mit Parkplätzen und 

Briefkastenleerung aus und lade sich zum Kaffee ein. Diese Beziehung er-

scheint als freundlich-nachbarschaftlich, aber nicht als geradezu freund-

schaftlich. Darüber hinaus wird – neben den Kontakten im Golfclub – ein 

Netzwerk beschrieben, das weitgehend aus Zweitwohnungsbesitzenden 

besteht: aus E._______-mitgliedern, die in der Region über Zweitwohn-

sitze verfügen und der Familie des besten Freundes des Beschwerdefüh-

rers. Es mag durchaus sein, dass Treffen in diesem Netzwerk in der Region 

der jeweiligen Zweitwohnsitze mit mehr Musse und Entspannung stattfin-

den können (Beschwerde, Ziff. 2.6, S. 16), finden sie doch im Regelfall in 

den Ferien oder zumindest in der Freizeit statt. Gleichwohl sind dies keine 

lokalen Kontakte, die für einen Lebensmittelpunkt in D._______ sprechen, 

sondern letztlich solche aus dem (C._______-) Netzwerk. Dabei spielt die 

Frage, ob die E._______-mitglieder selber in der Stadt C._______ wohnen 

(a.a.O.) keine Rolle: Es ist in einer Gesamtschau zu klären, wo sich der 

Lebensmittelpunkt der Beschwerdeführenden befand – und in diesem Rah-

men liegt die E._______ und das damit verbundene gesellschaftliche Le-

ben in C._______. 

4.4.5 Wie bereits angedeutet, ist eine unterschiedliche Funktion der beiden 

Wohnsitze offenkundig: Es liegt auf der Hand, dass die Beschwerdeführen-

den in der ab Oktober 2015 einsetzenden Phase in C._______ schwerge-

wichtig ihrer anspruchsvollen Erwerbstätigkeit nachgingen und in 

D._______ vornehmlich freie Zeit genossen. Es ist denn auch wenig über-

raschend, dass Tätigkeiten ausserhalb des Erwerbs – Restaurantbesuche, 

aber auch der Einkauf – vermehrt in und um D._______ erfolgten. Insofern 

kann eine rein rechnerische Gegenüberstellung der Ausgaben nicht von 

entscheidendem Gewicht sein, und es kann auch offen bleiben, wie die – 

durchaus im Sinne der Beschwerdeführenden erklärbaren – Bargeldbe-

züge zu bewerten sind.  

A-4943/2020 

Seite 27 

4.4.6 Die Beschwerdeführenden beschreiben – wohl in Erwiderung der   

vorinstanzlichen Ausführungen (angefochtener Entscheid, E. 3.7.2) – das 

Verhältnis zu ihren Kindern so, dass sie durchaus regelmässig Kontakt 

pflegten, diese aber ihr eigenständiges, unabhängiges Leben mit an-

spruchsvollen Berufen und eigener Familie führten. Insbesondere habe die 

Tochter die Kinderbetreuung unabhängig von den Grosseltern organisiert 

(Beschwerde, Ziff. 3.2 f., S. 18 f.). Mit diesen Ausführungen mögen die Be-

zugspunkte, die für den Lebensmittelpunkt C._______ sprechen, an sich 

weniger stark wirken. Dabei übersehen die Beschwerdeführenden jedoch, 

dass für den Lebensmittelpunkt C._______ bereits eine natürliche Vermu-

tung spricht (vorne, E. 4.3.4). Dem Gegenbeweis, dass dieser vielmehr in 

D._______ liegen solle, dienen die Ausführungen zu den familiären Bezie-

hungen auch nicht zu. Insbesondere gilt dies für die Tochter, deren Familie 

in Österreich (der Heimat ihres Gatten) eine eigene Ferienwohnung besitzt. 

Der Sohn mag einen engeren Bezug zu D._______ haben, aber gelegent-

liche Besuche dort, wie auch der Umstand, dass er in der vom Zweitwohn-

sitz der Eltern gut bekannten Gegend (im Jahr 2019) Hochzeit feierte, kann 

nicht auf einen intensiven, dort gelebten Kontakt geschlossen werden – 

zumal gleichzeitig eben betont wird, dass er sein eigenständiges Leben 

führt. Ohnehin ist die Beziehung zum respektive zwischen den Ehegatten 

(dazu auch vorne, E. 2.6.3 und E. 4.3.3) von ausschlaggebenderem Ge-

wicht als jene zu erwachsenen, nicht mehr betreuungsbedürftigen Kindern 

(vgl. BGE 148 II 285 E. 3.5.2) – gerade auch, wenn Enkelkinder eben nicht 

regelmässig betreut werden. 

4.4.7 Letztlich begründen die Beschwerdeführenden die Verlegung des Le-

bensmittelpunktes massgeblich mit ihrem Entscheid dazu. Indes kommt es 

– wie erwähnt (E. 4.3.1) – nicht auf den blossen Willen an. Eine Gesamt-

würdigung der objektiv feststellbaren Sachverhaltselemente, insbesondere 

der Kontinuität bezüglich der Wohn- und Arbeitssituation der Ehegatten 

(E. 4.3.2 bis 4.3.4), vermag nicht in einem Mass für eine Verlegung des 

Lebensmittelpunkts nach D._______ zu sprechen, welche geeignet wäre, 

die natürliche Vermutung für den Weiterbestand des bisherigen Steuerdo-

mizils im Kanton Zürich zu Fall zu bringen.  

5.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und der angefoch-

tene Entscheid zu bestätigen.  

A-4943/2020 

Seite 28 

6.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Verfah-

rens den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

Diese werden in Anwendung der massgeblichen Grundsätze (vgl. Art. 1 ff. 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auf 

Fr. 2'000.– festgesetzt und dem in derselben Höhe geleisteten Kostenvor-

schuss entnommen. Eine Parteientschädigung steht den unterliegenden 

Beschwerdeführenden nicht zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).  

  

A-4943/2020 

Seite 29 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag wird dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-

schuss entnommen.  

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die Beschwerdegegner 

und die Vorinstanz. 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Iris Widmer Thomas Bischof 

 

 

  

A-4943/2020 

Seite 30 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern , Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 

BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten 

Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der 

Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder 

konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die 

Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 

deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu 

enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 

sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 

BGG). 

 

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