# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b345e06-a4b5-5a54-8449-a34ae7b88c24
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-10-21
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 21.10.2002 2P.176/2002
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_2P-176-2002_2002-10-21.pdf

## Full Text

418 Verwaltungsgericht 2002

Beschluss des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 18. Juni 2002 in Sa-
chen B.F. gegen Verfügung der AEW Energie AG.

Sachverhalt

Auf die Beschwerde hin hob die AEW Energie AG ihre Verfü-
gung, mit der sie Stromgebühren erhoben hatte, wiedererwägungs-
weise auf.

Aus den Erwägungen

2. a) Der Verfahrensausgang kommt einem Obsiegen des Be-
schwerdeführers gleich. Nach § 33 Abs. 2 VRPG sind daher die Kos-
ten grundsätzlich der AEW Energie AG aufzuerlegen. Gilt sie aller-
dings nach wie vor als Amtsstelle im Sinne von § 35 Abs. 1 VRPG,
sind die Kosten auf die Staatskasse zu nehmen.

Die AEW Energie AG ist seit dem 1. Oktober 1999 eine privat-
rechtliche Aktiengesellschaft (§ 20a des Energiegesetzes [EnG;
SAR 773.100] vom 9. März 1993; AEW-Firmenprofil unter
www.aew.ch). Der Kanton hält jedoch die Aktienmehrheit und hat
der AEW Energie AG einen Leistungsauftrag erteilt (§§ 20b Abs. 1,
20c Abs. 2 EnG; Dekret über den Leistungsauftrag der AEW Energie
AG vom 7. September 1999, SAR 773.330). Sodann kann sie nach
wie vor Verfügungen erlassen (Ziff. 3.3.2 des Reglementes über die
Lieferung elektrischer Energie aus dem Niederspannungsnetz des
Aargauischen Elektrizitätswerkes vom 23. März 1994, SAR
773.533). Damit übt sie nach wie vor hoheitliche Funktionen aus und
ist als Amtsstelle im Sinne von § 35 Abs. 1 VRPG zu betrachten. Die
Kosten sind daher auf die Staatskasse zu nehmen.

102 Eröffnung. Rechtsmittelfrist.
- Lauf der Rechtsmittelfrist, wenn durch einen Eröffnungsfehler die

Rechtsmittelbelehrung fehlt.

2002 Verwaltungsrechtspflege 419

Entscheid des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2002 (2P.176/2002) in Sa-
chen E.E. gegen Entscheid des Verwaltungsgerichts.

Aus den Erwägungen

3. Die Beschwerdeführer behaupten, ihnen sei die definitive
Veranlagungsverfügung 1999/2000 nie zugestellt worden; sie hätten
nur das "Beiblatt zur Veranlagungsverfügung" und die definitive
Steuerrechnung 2000 erhalten. Sie beanstanden in diesem Zusam-
menhang, dass die ihnen zur Kenntnis gebrachten Schriftstücke keine
Rechtsmittelbelehrung enthalten hätten, und rügen eine Verletzung
des Willkürverbots (Art. 9 BV) sowie des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Das Verwaltungsgericht hat hierzu im
angefochtenen Entscheid ausgeführt, die Beschwerdeführer hätten
den Verfügungscharakter der Sendung erkennen können, selbst wenn
ihnen diese nur unvollständig eröffnet worden sein sollte. Sie wären
deshalb gehalten gewesen, sich bei allfälligen Unklarheiten nach den
Anfechtungsmöglichkeiten zu erkundigen, weshalb es ihnen nach
Treu und Glauben verwehrt sei, sich nachträglich auf eine allfällige
mangelhafte Eröffnung zu berufen.

Diese Argumentation erscheint nicht verfassungswidrig: Die
Höhe des steuerbaren Einkommens der Beschwerdeführer ergibt sich
aus dem fraglichen "Beiblatt", das auch eine detaillierte Zusammen-
stellung der Einkünfte und Abzüge enthält, welche der Veranlagung
zu Grunde liegen, und genau dokumentiert, inwiefern die Einschät-
zung von der Selbstdeklaration der Beschwerdeführer abweicht; der
geschuldete Steuerbetrag ergibt sich sodann ohne weiteres aus der
Steuerrechnung. Die Beschwerdeführer, welche nicht vorbringen, sie
hätten sich über den verbindlichen Charakter der Sendung getäuscht,
verfügten mithin über die für eine Anfechtung der Veranlagung not-
wendigen Daten. Unter den gegebenen Umständen hätten sie, wie
das Verwaltungsgericht zulässigerweise annehmen durfte, Anlass
gehabt, sich bei der Behörde über den Verbleib der eigentlichen Ver-
anlagungsverfügung und nach Rechtsmittelmöglichkeiten zu erkun-
digen, soweit darüber in einem Steuerveranlagungsverfahren, das

420 Verwaltungsgericht 2002

regelmässig (mindestens alle zwei Jahre) nach den gleichen Grund-
sätzen abläuft, Zweifel bestehen sollten. Es gehört im Übrigen zum
Allgemeinwissen, dass behördliche Entscheide angefochten werden
können und dass diese Möglichkeiten durch gesetzliche Rechtsmit-
telfristen zeitlich beschränkt sind. Enthält ein behördlicher Entscheid
keinerlei Rechtsmittelbelehrung, so ist dem Adressaten, der den Ent-
scheid anfechten möchte, zuzumuten, innert einer üblichen Frist ein
Rechtsmittel einzureichen oder sich zumindest innert nützlicher Frist
nach den in Frage kommenden Rechtsmitteln zu erkundigen. Wie
lange eine solche Frist sein kann, hängt von den konkreten Umstän-
den ab. Es liegt jedoch nahe, auch dafür im Regelfall die gewöhnli-
che Dauer einer Rechtsmittelfrist anzunehmen (BGE 199 IV 330
E. 1c S. 334; René Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Ver-
waltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, S. 293). Je-
denfalls bleiben mangelhaft eröffnete Verfügungen nicht unbe-
schränkt lange anfechtbar, weshalb es nicht gegen das Willkürverbot
verstösst, wenn das Verwaltungsgericht zum Schluss kam, auf eine
gut vier Monate nach Erhalt der Sendung erhobene Einsprache
müsse nicht eingetreten werden. Dabei ist unerheblich, ob die Be-
schwerdeführer die eigentliche Veranlagungsverfügung tatsächlich
nicht erhalten haben: Es erscheint nicht verfassungswidrig, wenn das
Verwaltungsgericht die Praxis zu Verfügungen ohne Rechtsmittelbe-
lehrung auch auf solche Verfügungen anwendet, denen es infolge
einer unvollständigen Eröffnung an einer Rechtsmittelbelehrung
fehlt. Dies zumindest dann, wenn - wie vorliegend - der gesamte
Inhalt der streitigen Anordnung für die Adressaten erkennbar war.

103 Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts.
- Bei vorübergehender Einstellung im Beruf als Notar (Erw. I).

vgl. AGVE 2002 88 373

104 Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts. Rechtliches Gehör. Begründungs-
pflicht.
- Im Steuererlassverfahren ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ge-
mäss § 53 VRPG zulässig (Erw. I).