# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e286af7-a6a5-56ed-bb2a-0feb6cac3d92
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.06.2021 SK 2020 480
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-480_2021-06-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Beschluss
SK 20 480

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. Juni 2021 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin i.V.), 
Oberrichter J. Bähler, Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt E.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

B.________, p.A. Rechtsanwältin F.________
a.v.d. Rechtsanwältin F.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Vergewaltigung, Drohung, Beschimpfung, etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Ein-
zelgericht) vom 6. Juli 2020 (PEN 20 20)

2

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) sprach ge-
gen A.________ (nachfolgend Beschuldigter) am 6. Juli 2020 das folgende Urteil 
(Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 386; Hervorhebungen im Original): 

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Vergewaltigung, begangen am 04.08.2018 in C.________, zum Nachteil von B.________
2. der Drohung, begangen am 04.08.2018 in der Nähe von C.________ im fahrenden Auto
3. der Beschimpfung, mehrfach begangen am 04.08.2018 in C.________, 
4. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen:

4.1 in der Nacht vom 04.08.2018 auf den 05.08.2018 in C.________, 
4.2 in der Zeit von 02.08.2018 bis am 04.08.2018 in C.________ und in der Umgebung

und in Anwendung der Artikel:
[…]

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Die Untersuchungshaft von 19 Tagen wird im Umfang von 19 Tagen auf die Freiheitsstrafe an-
gerechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
2. Zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 50.00, ausmachend total CHF 2'000.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
3. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 500.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-

zahlung wird auf 10 Tage festgesetzt.
4. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-

zahlung wird auf 5 Tage festgesetzt.
5. Zu einer Landesverweisung von 7 Jahren.
6. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 9'550.00 (Gebühren 

Staatsanwaltschaft: CHF 5'750.00, Auftritt Staatsanwaltschaft: CHF 1'000.00, Gebühren Gericht: 
CHF 2'800.00) und Auslagen der Staatsanwaltschaft von CHF 6'277.80, insgesamt bestimmt auf 
CHF 15'827.80.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 800.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 15'027.80.

7. A.________ hat der Straf- und Zivilklägerin B.________ eine Entschädigung von 
CHF 10'461.90 (inkl. Auslagen und Mwst.) für ihre Aufwendungen im Verfahren zu bezahlen 
[…].

Die Vorinstanz setzte die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Be-
schuldigten durch Rechtsanwalt E.________ und die Entschädigung für die unent-
geltliche Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklägerin durch Rechtsanwältin 

3

F.________ fest (Ziff. II des erstinstanzlichen Urteils; pag. 387 f.). Im Zivilpunkt 
verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung einer Genugtuung von 
CHF 14'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 4. August 2018 an die Straf- und Zivil-
klägerin (Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 388). Hinsichtlich der Scha-
denersatzforderung verwies die Vorinstanz die Straf- und Zivilklägerin auf den Zi-
vilweg (Ziff. III.2. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 388). Weitergehend wurde die 
Zivilklage abgewiesen (Ziff. III.3. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 388). Die Vorin-
stanz schied für die Beurteilung der Zivilklage keine Kosten aus (Ziff. III.4. des erst-
instanzlichen Urteils; pag. 388). 

Letztlich verfügte die Vorinstanz die Einziehung zur Vernichtung eines beschlag-
nahmten Gegenstands (Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 389), gab vor-
zeitig die Zustimmung zur Löschung des vom Beschuldigten erstellten DNA-Profils 
und der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. IV.2. und 
Ziff. IV.3. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 389) und ordnete betreffend Landes-
verweisung die Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) an 
(Ziff. IV.4. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 389). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt E.________ namens des Beschuldigten 
am 9. Juli 2020 frist- und formgerecht Berufung an (pag. 392). Dem folgte die er-
neut frist- und formgerechte Berufungserklärung vom 26. November 2020 
(pag. 439 f.). Darin wurde der Schuldspruch gemäss Ziff. I.4.1 des erstinstanzlichen 
Urteils (Tätlichkeiten, begangen in der Nacht vom 4. August 2018 auf den 5. Au-
gust 2018 in C.________) von der Berufung ausgenommen. Im Übrigen wurde die 
Berufung gegen das gesamte erstinstanzliche Urteil (Ziff. 1 der Berufungser-
klärung; pag. 439) erklärt. 

Die Verteidigung stellte die folgenden Anträge (Ziff. 2 der Berufungserklärung; 
pag. 439 f.):

1. A.________ sei freizusprechen von den Vorwürfen:

1.1 der Vergewaltigung
1.2 der Drohung
1.3 der Beschimpfung
1.4 der Tätlichkeit im Sinne von Ziff. I / 4.2 des Urteilsdispositivs

alles zum Nachteil von B.________
2. Von einer Bestrafung für die rechtskräftige Verurteilung wegen Tätlichkeit sei abzusehen.
3. Es sei A.________ eine Entschädigung für die ausgestandene Untersuchungshaft von 

CHF 5'000.00 auszurichten.
4. Die gesamten auf das Strafverfahren entfallenden Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern zur 

Bezahlung aufzuerlegen.
5. Die Zivilklage sei abzuweisen, unter Auferlegung der darauf entfallenden Verfahrenskosten an 

die Privatklägerin.
6. Das von A.________ erstellte DNA-Profil sei zu löschen.
7. Das Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ sei unter Ausschluss der Rückerstat-

tungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO festzusetzen. 

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Beweisanträge stellte die Verteidigung keine (Ziff. 3 der Berufungserklärung; 
pag. 440). 

Mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft frist- 
und formgerecht Anschlussberufung, die sie wiederum auf die Strafzumessung be-
schränkte (pag. 446 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft stellte die folgenden Anträ-
ge (pag. 447):

1. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich des 
Schuldspruchs wegen Tätlichkeiten, begangen in der Nacht vom 04.08.2018 auf den 05.08.2018 
in C.________.

2. A.________ sei schuldig zu erklären:
2.1 der Vergewaltigung, begangen am 04.08.2018 in C.________, z.N. von B.________;
2.2 der Drohung, begangen am 04.08.2018 in der Nähe von C.________ im fahrenden Auto;
2.3 der Beschimpfung, mehrfach begangen am 04.08.2018 in C.________;
2.4 der Tätlichkeiten, mehrfach begangen in der Zeit von 02.08.2018 bis am 04.08.2018 in 

C.________ und in der Umgebung.
3. A.________ sei zu verurteilen:

3.1 zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei 
einer Probezeit von 2 Jahren sowie unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungshaft von 19 Tagen;

3.2 zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 50.00, ausmachend total CHF 2'000.00, 
wobei der Vollzug der Geldstrafe mit einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben sei;

3.3 zu einer Verbindungsbusse von CHF 500.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen);
3.4 zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen);
3.5 zu einer Landesverweisung von 7 Jahren (mit Ausschreibung der Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung im Schengener Informationssystem);
3.6 zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

4. Es seien die gesetzlich notwendigen Verfügungen zu treffen. 

Die Straf- und Zivilklägerin liess sich mit Eingabe vom 10. Dezember 2020 dahin-
gehend vernehmen, dass sie keine Anschlussberufung erkläre und kein Nichtein-
treten beantrage (pag. 449). 

Mit Verfügung vom 17. März 2021 setzte die Verfahrensleitung die oberinstanzliche 
Verhandlung für den 11. November 2021 und 12. November 2021 an (pag. 481 f.). 
Die entsprechenden Vorladungen wurden am 17. März 2021 an die Parteien ver-
sandt, mit Ausnahme des Beschuldigten (vgl. dazu II. 4.2. hienach) (pag. 481 ff.). 
Dem Beschuldigten konnte die Vorladung bis dato nicht persönlich zugestellt wer-
den. 

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3. Anträge betreffend Rückzugsfiktion

Die Verfahrensleitung verfügte am 26. April 2021 das Folgende (pag. 500 f.):

1. Vom Eingang des Schreibens von Rechtsanwalt E.________ vom 20. April 2021 am 21. April 
2021 wird Kenntnis genommen und gegeben. […]

2. Es wird gestützt auf das Schreiben gemäss Ziff. 1 hievor sowie Ziff. 4 der Vorladung vom 
17. März 2021 [pag. 481 f.] festgehalten, dass der Beschuldigte/Berufungsführer voraussichtlich 
nicht zur Berufungsverhandlung, in welcher er zur Person und zur Sache zu befragen ist, vorge-
laden werden kann. Es stellt sich mithin die Frage, ob ein Rückzug der Berufung im Sinne von 
Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO vorliegt.

3. Den Parteien wird schriftlich Gelegenheit gegeben, innert 20 Tagen ab Erhalt der Verfügung ei-
ne schriftliche Stellungnahme zu dieser Frage einzureichen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte mit Eingabe vom 4. Mai 2021 den Antrag, es 
sei auf die Berufung des Beschuldigten nicht einzutreten (pag. 505). Die Straf- und 
Zivilklägerin stellte mit Eingabe vom 5. Mai 2021 zusammengefasst die Anträge, es 
sei das Verfahren infolge Rückzugs der Berufung als erledigt abzuschreiben und es 
sei die Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils festzustellen (pag. 508). Die Ver-
teidigung liess sich mit Eingabe vom 10. Mai 2021 vernehmen, dass der Beschul-
digte die Berufung nicht zurückgezogen habe und weitergehend auf eine Stellung-
nahme verzichtet werde (pag. 511). 

Die Verfahrensleitung verfügte am 18. Mai 2021, dass kein zweiter Schriftenwech-
sel angeordnet wird, und stellte den Parteien frei, Bemerkungen zu den Stellung-
nahmen der anderen Parteien umgehend einzureichen (pag. 513 f.). Zugleich wur-
de ein Entscheid über die Anwendbarkeit von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO in den 
nächsten Wochen in Aussicht gestellt (pag. 514). 

II. Formelles

4. Es stellt sich die Frage, ob die Berufung materiell zu behandeln ist oder ob sie als 
zurückgezogen gilt. Gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO gilt die Berufung als 
zurückgezogen, wenn die Partei, die sie erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann. 
Die Vorladung ist eine Zwangsmassnahme und verpflichtet die betroffene Person 
zu persönlichem Erscheinen (Art. 205 Abs. 1 StPO). Sie ist der betroffenen Person 
direkt zuzustellen (Art. 87 Abs. 4 StPO). Die Zustellung an ein gewähltes Zustell-
domizil in der Schweiz ist ausgeschlossen. Im Ausland wohnhafte Personen müs-
sen – vorbehältlich anderslautender völkerrechtlicher Vereinbarungen – auf dem 
Weg der internationalen Rechtshilfe vorgeladen werden. Letztlich kann eine Zustel-
lung grundsätzlich durch Veröffentlichung im Amtsblatt erfolgen, wenn eine direkte 
Zustellung unmöglich ist oder mit ausserordentlichen Umtrieben verbunden wäre 
(Art. 88 Abs. 1 lit. b StPO). Fraglich ist, ob die Zustellung durch öffentliche Be-
kanntmachung die Rückzugsfiktion nach Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO ausschliesst. 

4.1 Der Beschuldigte ist wohnhaft in D.________, Saudi-Arabien. Die verfahrensge-
genständlichen Straftaten beging er als Tourist in der Schweiz. Nach Entlassung 

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aus der 19-tägigen Untersuchungshaft am 23. August 2018 (pag. 055) begab sich 
der Beschuldigte wieder in seine Heimat nach Saudi-Arabien, wo er sich gegenwär-
tig vermutungsweise aufhält. Diese offenbar der Arbeitssituation geschuldeten 
Rückreise in das Heimatland veranlasste die Verteidigung dazu, bereits am 
13. August 2018, also rund zwei Jahre vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, 
ein Dispensationsgesuch für diese zu stellen (pag. 213). Darin schrieb die Verteidi-
gung, der Beschuldigte habe sich zur Sicherstellung seiner Erreichbarkeit bereit er-
klärt. Seit seiner Ausreise aus der Schweiz nach der Entlassung aus der Untersu-
chungshaft hatten die Schweizerischen Strafverfolgungsbehörden mit dem Be-
schuldigten keinen direkten Kontakt mehr. Von der Teilnahme an der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung war der Beschuldigte dispensiert. Der Kontakt fand aus-
schliesslich über den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten statt.  

4.2 Eine schriftliche Durchführung des Berufungsverfahrens ist mit Blick auf Art. 406 
StPO und der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausgeschlossen. Die 
Anwesenheit des Beschuldigten sowie seine Befragung sind zur Klärung des von 
ihm bestrittenen Sachverhalts unerlässlich. Deshalb soll der Beschuldigte mit der 
Vorladung zur persönlichen Teilnahme an der Berufungsverhandlung verpflichtet 
werden (Ziff. 3 der Verfügung vom 17. März 2021; pag. 482). Die Vorladung muss 
ihm folglich persönlich zugestellt werden (Art. 87 Abs. 4 StPO). Gemäss dem Län-
derindex des Rechtshilfeführers der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
(www.rhf.admin.ch) verlangt Saudi-Arabien bei Rechtshilfegesuchen betreffend 
natürlicher Personen die Nummer der Identitätskarte, des Niederlassungsauswei-
ses oder des Passes des Zustelladressaten. In Ziff. 4 der Verfügung vom 17. März 
2021 wurde Rechtsanwalt E.________ daher durch die Verfahrensleitung aufge-
fordert, innert 20 Tagen die zur rechtshilfeweisen Vorladung benötigten Angaben 
(Nummer eines aktuellen Passes, der Identitätskarte, oder des Niederlassungs-
ausweises des Beschuldigten) einzureichen (pag. 482). Rechtsanwalt E.________ 
teilte mit Schreiben vom 7. April 2021 mit, dass er die benötigten Angaben nicht 
habe beschaffen können (pag. 493). Er verfüge lediglich über eine E-Mail-Adresse 
des Beschuldigten und seine Anfrage über diesen Kanal sei unbeantwortet geblie-
ben (pag. 498). Die zur rechtshilfeweisen Vorladung benötigten Angaben sind folg-
lich nicht bekannt und konnten durch den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten 
nicht beschafft werden. Die Vorladung zur Berufungsverhandlung kann dem Be-
schuldigten daher nicht direkt zugestellt werden. 

5. Fraglich ist, ob die Vorladung in Anwendung von Art. 88 StPO öffentlich bekanntz-
umachen ist oder ob infolge Unmöglichkeit der direkten Zustellung die Berufung im 
Sinne von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO als zurückgezogen gilt. Zur Auslegung des 
Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO vor dem Hintergrund des Art. 88 StPO hat das Oberge-
richt des Kantons Bern eine gefestigte Praxis (vgl. Beschlüsse des Obergerichts 
des Kantons Bern SK 17 192 vom 5. Februar 2018 E. 5.2 ff.; SK 19 228 vom 15. 
Mai 2020 E. 6.2 ff.; SK 17 138-141 vom 23. Februar 2018 E. 6.2 ff.). 

5.1 Davon ausgehend, dass jede Norm in der StPO eine eigenständige Bedeutung hat 
– andernfalls sie der Gesetzgeber nicht erlassen hätte (siehe zur wenig hilfreichen 
historischen Auslegung die Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts 
vom 21. Dezember 2005 [BBl 2006 1085 ff., 1317]) –, kann Art. 407 Abs. 1 lit. c 

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StPO einzig den Zweck verfolgen, Beschuldigte in Anwendung einer gesetzlichen 
Fiktion nicht zur Berufung zuzulassen, wenn sie erkennbar kein Interesse an einer 
Partizipation am Berufungsverfahren haben. Es braucht keiner weiteren Aus-
führungen, dass ein solches Interesse für ein von privater Seite angestossenes 
staatliches Handeln vorausgesetzt wird. Manifestiert wird das Desinteresse an ei-
ner Berufung gemäss dem Wortlaut von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO dadurch, dass 
ein Berufungsführer nicht vorgeladen werden kann. Anders ausgedrückt reicht es 
nicht aus, seinem amtlichen Verteidiger nach Kenntnisnahme des erstinstanzlichen 
Urteils mitzuteilen, dass man mit dem Entscheid nicht einverstanden sei und gegen 
diesen vorgehen wolle. Vielmehr muss der berufungsführerische Wille, dass ein 
Gerichtsurteil von der nächsthöheren Instanz überprüft wird, während des Rechts-
mittelverfahrens fortlaufend gegeben sein. Durch den Umstand, dass keine Vorla-
dung erfolgen kann, wird fingiert, dass kein Interesse vorhanden ist und dass die 
Berufung als zurückgezogen gilt. 

5.2 Diese Strenge rechtfertigt sich, weil diejenige Partei, welche mit dem angefochte-
nen Urteil nicht einverstanden ist und ein Rechtsmittel ergreift, ihren Standpunkt im 
Rechtsmittelverfahren darzulegen hat und vom Gericht dazu befragt werden kön-
nen soll. Zunächst ein Rechtsmittel einzulegen, jedoch sodann nicht an den da-
durch ausgelösten Verfahrensschritten teilzunehmen, stellt ein widersprüchliches 
Verhalten dar, das keinen umfassenden Rechtsschutz verdient; eine solche Verhal-
tensweise wird weder durch Art. 32 Abs. 3 BV noch Art. 6 EMRK geschützt (vgl. Ur-
teil des Obergerichts Obwalden vom 9. Januar 2015, AS 14/002 und AS 14/006, in: 
CAN 2015 Nr. 44 S. 124 Ziff. 1.4 f.). 

5.3 Der Teilsatz «nicht vorgeladen werden kann» ist verschiedenartig auslegbar. In 
systematischer Auslegung von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO ist festzustellen, dass 
diese Norm eine Spezialbestimmung für das Berufungsverfahren darstellt. Wäre sie 
anders – eng begrenzt – zu verstehen, hätte sie in keiner Art eine eigenständige 
Bedeutung, da eine Vorladung grundsätzlich immer publiziert werden kann (vgl. Ur-
teil des Obergerichts Aargau vom 20. August 2015 [SST.2015.147, in: CAN 2016 
Nr. 46, S. 128 f., Ziff. 1.3]; siehe auch Arrêts du Tribunal cantonal jurassien, 
Décision de la Cour pénale du 10 août 2017: Attendu qu'une notification par voie édictale 
au sens de l'article 88 CPP ne se justifie pas dans le cas d'espèce, l'article 407 al. 1 let. c CPP étant 
une disposition spéciale; admettre l'application de l'article 88 CPP aurait en outre pour effet de vider 
de sa substance l'article 407 al. 1 let. c CPP; en effet, cela reviendrait à considérer, par ce biais, que 
toute partie peut toujours valablement être citée à comparaître et la disposition précitée ne trouverait 
jamais application; la jurisprudence citée par le prévenu (TF 6B_876/2013 du 6 mars 2014 consid. 
2.4.2) traite de l'application de l'article 407 al. 1 let. a CPP qui vise une autre hypothèse et n'est pas 
applicable au cas d'espèce (cf. dans ce sens jugement du 20 août 2015 du Tribunal cantonal 
d'Argovie in CAN 2016 n°46 p. 127ss; jugement du Tribunal cantonal d'Obwald du 9 janvier 2015 et le 
commentaire de Stefan Keller in CAN 2015 n° 44 p. 123ss); pour le surplus, la présente décision ne 
saurait être considérée comme une sanction disproportionnée privant le prévenu de voir sa cause 
réexaminée par une deuxième instance; en effet, le prévenu s'est totalement désintéressé de la 
présente procédure et n'a, à aucun moment, manifesté son intention de contester le jugement qui 
serait rendu à son encontre; il lui était, cas échéant, loisible d'élire domicile en Suisse et de se faire 
représenter par son mandataire à l'audience d'appel sans être obligé d'y comparaître 
personnellement (art. 407 al. 1 let. a CPC e contrario); SCHMID/JOSTISCH, Handbuch des 

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schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1572; EUGSTER, in: Basler 
Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N. 3 und Fn. 14 zu Art. 407 StPO; ferner 
HUG/SCHEIDEGGER, Kommentar zur StPO, 2. Aufl. 2014, N. 7 zu Art. 407 StPO, 
wobei sie mit Blick auf Satz 2 gegenüber Satz 1 eher unscharf formulieren). Mit 
dieser Lesart von Art. 407 StPO wird auch nicht etwa Art. 88 Abs. 1 StPO seines 
Sinnes entleert: Alle anderen Verfahrensarten sind von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO 
nicht betroffen, womit Art. 88 Abs. 1 StPO für diese weiterhin Anwendung findet.

6. An dieser Praxis ist festzuhalten. Dadurch, dass der Beschuldigte zur Übermittlung 
der zur rechtshilfeweisen Vorladung benötigten Informationen nicht gewillt ist oder 
zu deren Anforderung nicht kontaktiert werden kann, äussert er konkludent sein 
Desinteresse am Berufungsverfahren. Der Beschuldigte hat sich während der Un-
tersuchungshaft gegenüber seinem amtlichen Verteidiger bereit erklärt, seine Er-
reichbarkeit für das weitere Verfahren sicherzustellen (pag. 213). Ob der Beschul-
digte in Kenntnis der Verfügung vom 17. März 2021 nicht auf die Anfrage seines 
amtlichen Verteidigers reagierte oder die Sicherstellung seiner Erreichbarkeit ver-
nachlässigt, ist nicht relevant. Sein anfänglich kundgetaner Wille, das erstinstanzli-
che Urteil durch das Berufungsgericht überprüfen zu lassen, muss so oder anders 
als erloschen betrachtet werden. Ihm und seinem amtlichen Verteidiger war es 
über einen Zeitraum von rund drei Monaten freigestellt, die zur rechtshilfeweisen 
Vorladung benötigten Informationen einzureichen. Dem ist der Beschuldigte nicht 
nachgekommen. Die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit zur «Zustellung» der Vor-
ladung durch öffentliche Bekanntmachung vermag daran nichts zu ändern. Ent-
scheidend ist, dass aus dem Verhalten des Beschuldigten geschlossen werden 
muss, dass die Abhaltung eines Berufungsverfahrens nicht (mehr) seinem Willen 
entspricht. Die Überprüfung des erstinstanzlichen Beweisergebnisses erfordert im 
vorliegenden Fall ohnehin zwingend die Anwesenheit des Beschuldigten an der Be-
rufungsverhandlung. Diese könnte mit einer öffentlichen Bekanntmachung der Vor-
ladung nicht hinreichend sichergestellt werden. 

III. Fazit

7. Die zur rechtshilfeweisen Vorladung des Beschuldigten benötigten Informationen 
hat dieser trotz der Anfrage seines amtlichen Verteidigers während rund dreier Mo-
nate nicht eingereicht. Dem Beschuldigten kann die Vorladung nicht direkt zuge-
stellt werden. Dadurch hat er konkludent sein Desinteresse an der Durchführung 
eines Berufungsverfahrens kundgetan. Die Berufung gilt im Sinne von Art. 407 
Abs. 1 lit. c StPO als zurückgezogen. Damit fällt auch die Anschlussberufung der 
Generalstaatsanwaltschaft dahin (Art. 401 Abs. 3 StPO) und das Verfahren ist als 
erledigt abzuschreiben. 

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IV. Kosten

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestimmt auf CHF 800.00, werden dem Be-
schuldigten auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

9. Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten und der unentgeltlichen Rechtsver-
tretung der Straf- und Zivilklägerin sind für ihre Aufwendungen im Berufungsverfah-
ren Entschädigungen auszurichten. Diese werden nach Eingang der Honorarnoten 
festgesetzt. Rechtsanwalt E.________ und Rechtsanwältin F.________ werden 
aufgefordert, eine Honorarnote einzureichen. 

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Die 2. Strafkammer beschliesst:

1. Das Verfahren wird infolge Rückzugs der Berufung und Dahinfallen der Anschlussbe-
rufung als erledigt abgeschrieben. 

Das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Einzelgericht) vom 6. Juli 2020 (PEN 20 
20) erwächst in Rechtskraft. 

2. Die auf den 11./12. November 2021 angesetzte oberinstanzliche Hauptverhandlung 
findet nicht statt.

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestimmt auf CHF 800.00, werden dem Be-
schuldigten auferlegt. 

4. Rechtsanwalt E.________ wird aufgefordert, innert 10 Tagen seine Honorarnote für 
das Berufungsverfahren einzureichen. 

5. Rechtsanwältin F.________ wird aufgefordert, innert 10 Tagen ihre Kostennote für 
das Berufungsverfahren einzureichen.

6. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, a.v.d. Rechtsanwalt E.________
- der Straf- und Zivilklägerin, a.v.d. Rechtsanwältin F.________
- der Generalstaatsanwaltschaft/Anschlussberufungsführerin

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz 
- dem Amt für Bevölkerungsdienste, Migrationsdienst (MIDI)

Bern, 16. Juni 2021 Im Namen der 2. Strafkammer

Die Präsidentin i.V.:

Oberrichterin Friederich Hörr

Der Gerichtsschreiber:

Stähli

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.