# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2863137e-c561-58a2-babb-bd2c2885b504
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR ac_5s_98_560.pdf
**Docket/Reference:** ac_5s_98_560.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf3/ac_5s_98_560.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS FREIBURG 

SOZIALVERSICHERUNGSGERICHTSHOF 

Entscheid vom 20. Dezember 2002 

In der Klagesache (5S 98 560) 

Ausgleichskasse des Kantons Freiburg, Impasse de la Colline 1, 1762 Givisiez, 

Klägerin, 

Beklagter, 

A. K., in F., 

gegen 

betreffend 

Schadenersatzklage gemäss Art. 52 AHVG 
(gestützt auf Schadenersatzverfügung vom 3. Juni 1998) 

 
 
 
 
 - 2 -

hat sich ergeben: 

A. 

B. 

C. 

Der  Sportverein  HC  Freiburg-Gottéron  (nachstehend  HCFG  genannt),  ge-
gründet  am  1.  Dezember  1938  mit  Sitz  in  Freiburg,  hatte  insbesondere  die 
Entwicklung  des  Eishockeysports  und  die  Förderung  von  Jungspielern  zum 
Zweck.  Der  Verein  war  dem  Schweizerischen  Eishockeyverband  ange-
schlossen. Als Arbeitgeber war der HCFG der Ausgleichskasse des Kantons 
Freiburg  (nachstehend  Ausgleichskasse  genannt)  angeschlossen.  Der  Ver-
ein war nie im Handelsregister des Saanebezirks eingetragen. 

Im  Laufe  des  Herbstes  1996  führte  das  interne  Revisionsbüro  der  Aus-
gleichskasse  für  die  Jahre  1992  bis  1995  eine  Arbeitgeberkontrolle  durch. 
Diese  Revision  ergab  Nachforderungen  für  die  betroffenen  Jahre.  Am 
17. Januar  1997  wurden  dem  HCFG,  an  die  Adresse  des  damaligen  Präsi-
denten G. B., in F., die entsprechenden vier Nachzahlungsverfügungen und 
eine  Verfügung  über  Verzugszinse  zugestellt  (1992:  48'598.90  Franken, 
1993:  42'674.15  Franken;  1994:  56'725.95  Franken;  1995:  89'728.80  Fran-
ken; Verzugszinsen: 25'648.10 Franken). Diesen Verfügungen beigelegt war 
ein  Erklärungsschreiben,  das  die  Art  der  nacherfassten  Lohnbestandteile, 
insbesondere  Naturallöhne,  erklärte.  Diese  Verfügungen  vom  17.  Januar 
1997 wuchsen unangefochten in Rechtskraft. 

Aufgrund  finanzieller  Schwierigkeiten  war  der  HCFG  in  der  Folge  gezwun-
gen,  ein  Gesuch  um  Nachlassstundung  einzureichen.  Dieses  wurde  am 
12. August  1997  mit  Entscheid  des  Präsidenten  des  Zivilgerichts  des  Saa-
nebezirks  gutgeheissen  und  eine  provisorische  Nachlassstundung  von  zwei 
Monaten gewährt. In der Folge wurde mit Entscheid vom 27. November 1997 
eine  sechsmonatige  Nachlassstundung  bis  1.  Juni  1998  gewährt.  Die  Aus-
gleichskasse  produzierte  am  9.  Februar  1998  im  Nachlassverfahren  eine 
rektifizierte  Forderung  von 603'367.55 Franken. In der Folge fand die Gläu-
bigerversammlung  gemäss  Amtsblatt  Nr.  17  des  Kantons  Freiburg  vom 
24. April 1998 am 19. Mai 1998 statt. 

Der Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung wurde am 24. Juni 1998 durch 
den  Präsidenten  des  Zivilgerichts  des  Saanebezirks  homologiert  und  führte 
in  der  Folge  zur  Bildung  der  neuen  Aktiengesellschaft,  der  HC  Fribourg-
Gottéron  SA.  Schliesslich  hat  die  Ausgleichskasse  ihre  Forderung  auf  den 
Betrag  von  551'670.05  Franken  rektifiziert  (vgl.  Schreiben  der  Ausgleichs-
kasse an die Consultco SA vom 17. Juni 1999). 

 
 - 3 -

D. 

E. 

F. 

Am  3.  Juni  1998  hat  die  Ausgleichskasse  A.  K., wohnhaft in F., eine Scha-
denersatzverfügung  über  einen  Betrag  von  180'476.85  Franken  zugestellt, 
da  sie  davon  ausging,  dass  ein  grosser  Teil  der  ihrer  Kasse  geschuldeten 
paritätischen  Beiträge  auf  Löhnen  unbezahlt  bleiben  würde.  A.  K.  war  von 
Januar 1992 bis Juni 1995 als Vizepräsident im Vorstand des HCFG vertre-
ten.  Die  in  dieser  Schadenersatzverfügung  geforderten  Beträge  setzen  sich 
aus  Lohnbeiträgen  für  die  Periode  von  Januar  1992  bis  Juni  1995  zusam-
men (AHV/IV/EO-Beiträge, ALV-Beiträge, Verzugszinsen sowie Verwaltungs-
kosten)  und stützen sich auf die Nachzahlungsverfügungen vom 17. Januar 
1997 sowie auf die Verzugszinsverfügung gleichen Datums. 

Der Schadenersatzverfügungsadressat A. K. erhob mit Schreiben vom 6. Juli 
1998 Einsprache. Er bestritt die Forderung vollumfänglich und beantragte die 
Gutheissung  der  Einsprache.  Er  brachte  insbesondere  vor, dass er von der 
Rechnung  1997/0001,  welche  gestützt  auf  die  Arbeitgeberkontrolle  für  die 
Periode von Januar 1992 bis Dezember 1995 erging, keine Kenntnis gehabt 
habe,  er  für  die  Administration/Finanzen  nicht  zuständig  gewesen  sei  und 
einzig der Vorstand der Saison 1996/1997 die Rechnung 1997/0001 akzep-
tiert  habe.  Es  könne  nicht  sein  Fehler  gewesen  sein,  wenn  die  Zahlungen 
nicht  eingehalten  worden  seien,  nachdem  er  im  Juni  1995  aus  dem  HCFG 
ausgetreten sei. 

Dennoch strengte die Ausgleichskasse gegen A. K. am 24. August 1998 ei-
ne  Schadenersatzklage  gemäss  Art.  52  AHVG  an.  Sie  hielt  dafür,  dass  die 
Einsprache  vom  6.  Juli  1998  (Posteingang)  verspätet  erhoben  worden  sei. 
Sie  beantragte  primär,  die  Rechtskräftigkeit  der  Schadenersatzverfügung 
vom 3. Juni 1998 im Betrag von 180'476.85 Franken sei zu bestätigen. Sub-
sidiär,  sollte  die  Einsprache  fristgerecht  erhoben  worden  sein,  beantragte 
sie, A. K. sei als Mitglied des Vorstands des HCFG im Zeitraum von Januar 
1992 bis Juni 1995 zu verurteilen, ihr einen Betrag von 180'476.85 Franken 
zu bezahlen. Ein grob fahrlässiges Verschulden erkannte sie darin, dass der 
HCFG  die  Beitragspflicht  gemäss  Art.  14  AHVG  i.V.m.  Art.  34  AHVV  miss-
achtet  haben  soll,  indem  dieser  die  Löhne  (inklusive  Naturallöhne),  die  er 
seinen Arbeitnehmern zukommen liess, ganz oder teilweise unerklärt gelas-
sen  habe  und  die  entsprechenden  Beiträge  in  der  Folge  wegen  Insolvenz 
des  Arbeitgebers  unbezahlt  geblieben  seien.  Sie  hielt  sinngemäss  dafür, 
dass A. K. eine verantwortliche Stellung innegehabt, sich aber nicht ständig 
über die Abrechnungs- und Zahlungspflicht des Vereins auf dem Laufenden 
gehalten und die notwendigen Kontrollen und entsprechenden Instruktionen 
nicht  gegeben  habe.  Somit  müsse  von  einer  grobfahrlässigen  Handlungs-
weise ausgegangen werden. 

A. K. hat es unterlassen, eine Klageantwort einzureichen. 

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G. 

Der mit der Instruktion beauftragte Gerichtsschreiber-Berichterstatter hat das 
Gutachten  der  Treuhandfirma  Atag,  Ernst  &  Young  vom  20.  Januar  1997 
betreffend  die  Überprüfung  der  Jahresrechnungen  des  HCFG  der  Jahre 
1991/1992 bis 1995/1996 (Volume I und II, Akten der Sachwalterin, der Con-
sultco SA, Freiburg, betreffend das Nachlassverfahren des HCFG), eine Lis-
te  der  Vorstandsmitglieder  des  HCFG  während  der  Periode  1991/1992  bis 
1996/1997  (Strafakten  des  Untersuchungsrichteramtes  des  Kantons  Frei-
burg betreffend das Verfahren gegen die Verantwortlichen des HCFG wegen 
Verletzung  des  AHVG  und  StG)  sowie  das  Schreiben  der  Ausgleichskasse 
an die Consultco SA vom 17. Juni 1999 von Amtes wegen beigezogen und 
zusammen  mit  weiteren  Akten  gemäss  gerichtlichem  Beilagenverzeichnis 
vom 4. April 2002 ins vorliegende Klageverfahren integriert (vgl. gerichtliches 
Beilagenverzeichnis vom 4. April 2002). 

Mit Verfügung vom 4. April 2002 wurden A. K. und die Ausgleichskasse ein-
geladen,  zu  oben  erwähnten  von  Amtes  wegen  edierten  Akten  Stellung  zu 
nehmen. Die Ausgleichskasse hat am 22. April 2002 hierzu ausgeführt, dass 
sie an der Klage festhalte, der Betrag der Forderung jedoch noch Änderun-
gen  erfahren  könne,  da  noch  keine  Dividenden  im  Nachlassverfahren  aus-
bezahlt worden seien. 

A. K. hat darauf verzichtet, eine Stellungnahme einzureichen. 

H. 

Die übrigen Schadenersatzklagen der Ausgleichskasse vom 24. August bzw. 
21. Dezember 1998 gegen weitere Vorstandsmitglieder des HCFG, nämlich 
gegen R. W., Y. C., C. P., M. B., G. B. sowie N. M., werden je in separaten 
Entscheiden gleichen Datums abgeurteilt (5S 98 555/556/557/558/559/891). 

Die übrigen Elemente des Sachverhalts ergeben sich, soweit sie für die Ur-
teilsfindung  massgebend  sind,  aus  den  nachfolgenden  rechtlichen  Erwä-
gungen. 

Der Sozialversicherungsgerichtshof 
zieht in Erwägung: 

(Auszüge aus den Erwägungen) 

1-4. 

(...) 

 
 
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5.  a)  Art.  14  Abs.  1  AHVG  in  Verbindung  mit  Art.  34  ff.  AHVV  schreibt  vor,  dass 
der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu 
bringen  und  zusammen  mit  den  Arbeitgeberbeiträgen  der  Ausgleichskasse 
zu  entrichten  hat.  Die  Arbeitgeber  haben  den  Ausgleichskassen  periodisch 
Abrechnungsunterlagen zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen 
Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Ab-
rechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffent-
lich-rechtliche  Aufgabe.  Dazu  hat  das  EVG  wiederholt  erklärt,  dass  die 
Nichterfüllung  dieser  öffentlich-rechtlichen  Aufgabe  eine  Missachtung  von 
Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die volle Schadensde-
ckung nach sich ziehe (AHI 1993 S. 81 Erw. 2a mit weiteren Hinweisen auf 
die Rechtsprechung). Nach Art. 52 AHVG hat ein Arbeitgeber, der durch ab-
sichtliche oder grob fahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden 
verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. 

  b) 

Ist der Arbeitgeber selbst nicht mehr in der Lage, seinen Verpflichtungen ge-
genüber  der  Ausgleichskasse  nachzukommen,  können  unter  bestimmten 
Voraussetzungen  alle  mit  der  Verwaltung,  Geschäftsführung  oder  Kontrolle 
betrauten Personen für den Schaden verantwortlich gemacht werden. In die-
sem Zusammenhang wird von der so genannten subsidiären Haftung der Or-
gane  gesprochen.  Die  Schadenersatzpflicht  erstreckt  sich  nicht  nur  auf  die 
formellen Organe einer juristischen Person, sondern auch auf Personen, die 
im  Beitragswesen  tatsächlich  die  Funktionen  von  Organen  erfüllt  haben,  in-
dem  sie  den  Organen  vorbehaltene  Entscheide  treffen  oder  die  eigentliche 
Geschäftsführung  besorgen  und  so  die  Willensbildung  der  Gesellschaft 
massgebend mitbestimmen (BGE 114 V 213 Erw. 4e; 114 V 78; UELI KIESER, 
Bundesgesetz  über  die  Alters-  und  Hinterlassenenversicherung,  Recht-
sprechung  des  Bundesgerichts,  Zürich  1996,  Art.  52  AHVG,  S.  202  ff.; 
THOMAS NUSSBAUMER, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzpro-
zess nach Art. 52 AHVG in ZAK 1991 S. 386; THOMAS NUSSBAUMER, Die Haf-
tung  des  Verwaltungsrates  nach  Art.  52  AHVG,  in  AJP  1996  S.  1075).  Die 
Haftung nach Art. 52 AHVG erstreckt sich somit subsidiär auf alle für eine ju-
ristische  Person  handelnden  Organe  (BGE  119  V  405  Erw.  2).  Nach  der 
Rechtsprechung des Bundesgerichts fallen namentlich Verwaltungsräte einer 
Akteingesellschaft (BGE 123 V 15 Erw. 5b), geschäftsführende Gesellschaf-
ter  einer  Gesellschaft  mit  beschränkter  Haftung  (BGE  126  V  237  ff.),  Stif-
tungsräte (Urteil des EVG i.S. F. vom 30. Juli 2001, H 14/00), aber auch der 
ehrenamtlich tätige Präsident und Kassier eines Vereins (vgl. Urteil des EVG 
vom 13. November 2001 i.S. M., H 210/01; Urteil des EVG vom 13. Novem-
ber 2001 i.S. M, H 200/01, publiziert in AHI 2002 S. 51 Erw. 3c) als subsidiär 
haftpflichtige Organe in Betracht. 

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c)  Der  Gerichtshof  stellt  fest,  dass  der  Beklagte  unbestrittenermassen von Ja-
nuar  1992  bis  Juni  1995  Vizepräsident  des  HCFG  war  (vgl.  "Liste  des 
membres  du  comité  pour  les  saisons  1991/1992  à  1996/1997"  der  Strafak-
ten;  Einsprache  des  Beklagten  vom  6.  Juli  1998).  Aus  den  Vereinsstatuten 
geht hervor, dass der HCFG folgende Organe aufwies: die Generalversamm-
lung,  den  Vorstand,  das  Büro,  die  Kommissionen  sowie  die  Revisoren  (Art. 
31  der  Statuten  vom  23.  September  1987).  Der  Vorstand  setzte  sich  aus 
mindestens  9  Mitgliedern  zusammen:  einem  Präsidenten;  einem  oder  meh-
reren  Vizepräsidenten;  einem  Administrator;  einem  Finanzchef;  den  Kom-
missionspräsidenten sowie weiteren Mitgliedern nach den Bedürfnissen (Art. 
39 der Statuten). Dem Vorstand oblag die Geschäftsführung des Vereins. Er 
trug  gegenüber  der  Generalversammlung  die  Verantwortung  für  die  sportli-
chen,  finanziellen  und  administrativen  Angelegenheiten  des  Vereins  ("Le 
comité directeur est l'organe de direction et de gestion du HCFG. [...] Le co-
mité  directeur  assume  devant  l'assemblée  générale  la  responsabilité  de  la 
bonne marche des affaires sportives, financières et administratives"; vgl. Art. 
38 ff. der Statuten). Unter Berücksichtigung der erwähnten Rechtsprechung 
und der Tatsachenerhebung ist die formelle Organeigenschaft im Sinne von 
Art.  52  AHVG  von  Vizepräsident  A.  K.  für  die  Periode  von  Januar  1992  bis 
Juni 1995 zu bejahen. 

6.  a) 

In einem zweiten Schritt gilt es zu prüfen, ob der ins Recht gefasste Beklagte 
seine  organrechtlichen  Pflichten  grob  fahrlässig  verletzt  hat.  Nicht  jedes  ei-
ner Firma als solches anzulastende Verschulden muss auch ein solches ih-
rer  sämtlichen  Organe  sein.  Es  ist  abzuwägen,  ob  und  inwieweit  die  Hand-
lung des HCFG als Arbeitgeber dem Beklagten im Hinblick auf seine rechtli-
che  und  faktische  Stellung  innerhalb  des  Vereins  zuzuschreiben  ist.  Ob  ein 
Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt entscheidend von der Verantwortung 
und  den  Kompetenzen  ab,  die  ihm  von  der  juristischen  Person  übertragen 
worden sind (BGE 111 V 179; 108 V 202). Vorliegend hat der HCFG die ge-
schuldeten Beiträge für die Periode von Januar 1992 bis Juni 1995 - gestützt 
auf  die  Nachzahlungsverfügungen  und  die  Verzugszinsverfügung  vom 
17. Januar 1997 - nicht entrichtet. Der Verein musste diesbezüglich gemahnt 
und betrieben werden. Dennoch blieben die Beiträge gänzlich unbezahlt. Es 
stellt sich somit die Frage, ob dieses Verschulden des Vereins als Arbeitge-
ber  dem  Beklagten  -  als  Vizepräsident  des  Vereins  -  als  grob  fahrlässiges 
Verhalten angerechnet werden kann. 

b)  Der  Vorstand  des  HCFG  hat  im  Herbst  1996  ein  Gutachten  bei  der  Treu-
handfirma  Atag  Ernst  &  Young  AG,  Bern,  in  Auftrag  gegeben.  Diese  Firma 
sollte  insbesondere  die  Jahresrechnungen  der  Saison  1991/1992  bis 
1995/1996  überprüfen  ("Rapport  relatif  à  l'examen  des  comptes  annuels 
1991/1992 à 1995/1996 et à la présentation de la situation de la fortune au 

 
 
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30  avril  1996").  In  ihrem  Gutachten  vom  20.  Januar  1997  hält  diese  Treu-
handfirma  insbesondere  interne  Organisations-  und  Aufsichtsschwächen 
sowie  eine  ungenügende  Finanzkontrolle  fest:  "[Les]  lacunes  du  système 
comptable et financier sont, à notre avis, dues à la faiblesse de l'organisation 
en place, notamment la surveillance à l'intérieur du club durant les périodes 
sous revue. La responsabilité de la surveillance à l'intérieur du club incombe 
au comité directeur, au chef des finances et aux collaborateurs chargés des 
missions  de  contrôle.  Ils  peuvent  toutefois  faire  recours  à  divers  moyens 
techniques ou mesures d'organisation. (...) lesdits contrôles effectués par le 
comité  directeur,  le  responsable  des  finances  ou  d'autres  collaborateurs 
pourraient être effectués soit, librement sur la base d'un jugement personnel, 
soit  sur  la  base  d'une  réglementation  interne.  Tenant  compte  des  erreurs 
que nous avons constatées durant nos vérifications et selon notre apprécia-
tion,  les  connaissances  techniques  en  matière  de  contrôle  de  gestion  et/ou 
l'autorité  des  personnes  chargées  du  contrôle  interne  n'étaient  pas  assez 
assurées.  Par  ailleurs,  le  manque  de  moyens  auxiliaires  d'organisation  tels 
que des règlements d'organisation du comité directeur, des descriptions des 
fonctions des membres en charge d'une fonction et/ou la non application de 
ces derniers ont contribué à ce que les personnes responsables en fonction 
ne disposaient pas de toutes les informations relatives aux engagements pris 
par  le  club  durant  les  périodes  comptables.(...)  Ce  manque  de  structures 
claires  et  précises  dans  le  système  a  permis  que  des  engagements  non 
comptabilisés ne puissent être détectés par des personnes n'étant pas direc-
tement liées à la présentation des comptes annuels" (Gutachten Atag, Ernst 
& Young, S. 47 und 48). 

Das  Gutachten  zeigt  eine  Vielzahl  von  Fehlern  und  Unterlassungen  im 
Rechnungswesen,  insbesondere  bei  der  AHV-Abrechnung,  auf:  "Les  élé-
ments constatés tels que les charges diverses dues mais non provisionnées 
à la fin des exercices, les décomptes AVS inexacts ainsi que la constatation 
que des comptes bancaires du club n'étaient pas gérés et/ou contrôlés par le 
service de comptabilité nous obligent à penser qu'il y a eu négligence dans 
la tenue des comptes. Nous ne pouvons prendre position quant aux raisons 
qui  ont  mené  à  cette  situation,  étant  donné  que  nous  n'avons  pas  été  en 
mesure d'élucider s'il s'agissait d'un manque de volonté ou de négligence de 
la part des personnes responsables du domaine financier au sein du comité. 
Nous sommes toutefois de l'avis que la situation actuelle aurait pu être évi-
tée s'il n'y avait pas eu de faiblesse au niveau de la surveillance à l'intérieur 
du club" (Gutachten Atag, Ernst & Young, S. 48). 

Die  Experten  führten  schliesslich  aus,  dass  das  Rechnungswesen  des  Ver-
eins während den Saisons 1991/1992 bis 1995/1996 nicht mit der notwendi-
gen  Sorgfalt  geführt  wurde  und  der  Vorstand  seiner  Aufsichtspflicht  nicht 
nachgekommen ist: "La recherche des pièces comptables et bancaires s'est 
révélée  difficile,  voire  impossible  dans  certains  cas.  Toutes  les  pièces  né-

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cessaires n'ont pas pu être localisées durant nos travaux. (...) En effet, ces 
divers documents sont classés auprès de plusieurs responsables ou person-
nes  concernées  et  il  ne  nous  a  pas  été  possible  de  rechercher  toutes  ces 
personnes  concernées  en  temps  utile.  Vu  ce  qui  précède,  nous  constatons 
que la documentation de la comptabilité est insuffisante (...). La comptabilité 
du  club  a  été  tenue  par  Monsieur  P.  K.r  pour  la  période  sous  revue.  Mon-
sieur  P.  K.  est  comptable  de  profession  dans  la  fiduciaire  dirigée  par  Mon-
sieur Y. C., ancien président du HCFG, à Belfaux. Les conditions générales 
à une tenue correcte de la comptabilité étaient à priori données. L'impression 
obtenue durant nos travaux nous porte toutefois à penser que d'une part, le 
temps  consacré  à  la  tenue  de  la  comptabilité  n'était  pas  suffisant,  et  que, 
d'autre  part,  le  comptable  n'était  qu'un  exécutant  des  instructions  qui  lui 
étaient données par des membres du comité directeur du club. Le président 
et le responsable financier auraient pu réagir à certains faits. Nous rappelons 
que la responsabilité de la surveillance à l'intérieur du club incombe au comi-
té directeur"( Expertise Atag, Ernst & Young, S. 49 ff.). 

c)  Der Gerichtshof stellt fest, dass der Beklagte als Vorstandsmitglied (Vizeprä-
sident)  statutarisch  für  die finanziellen und administrativen Angelegenheiten 
des Vereins verantwortlich war (vgl. Art. 40 der Statuten). 

Als Vizepräsident oblag ihm - zusammen mit dem Präsidenten - die Gesamt-
verantwortung für die operative Vereinsführung. Daraus folgt, dass er - auch 
wenn die finanziellen Angelegenheiten durch den Finanzchef behandelt wur-
den  -  zur  Kontrolle  und  Überwachung  verpflichtet war und somit wegen un-
terlassener  oder  unzureichender  Kontrolle  in  die  Pflicht  genommen  werden 
kann. Es genügte daher entgegen seiner Auffassung nicht, einen geeigneten 
Finanzchef  auszuwählen.  Zwar  können  einzelne  Geschäftsführungsfunktio-
nen  delegiert  werden.  Zur  Wahrung  der  geforderten  Sorgfalt  gehört  jedoch 
neben  der  richtigen  Auswahl  des  geeigneten  Mandatsträgers  auch  dessen 
Instruktion  und  Überwachung.  Der  Geschäftsführer  kann  sich  allein  durch 
Delegation der Aufgaben nicht seiner Verantwortung entledigen. Dies gilt für 
einen  Vereinspräsidenten  ebenso  wie  für  einen  Verwaltungsrat  (BGE  123 
V 15; AHI 2002 S. 51 Erw. 3a). Diese nicht delegierbare Überwachungsfunk-
tion  hat  der  Beklagte  nicht  richtig  wahrgenommen.  Er  wäre  verpflichtet  ge-
wesen, Abklärungen zu treffen sowie eine genaue und strenge Kontrolle hin-
sichtlich der Beachtung der gesetzlichen Vorschriften auszuüben. In diesem 
Zusammenhang  gilt  es  festzustellen,  wie  im  Gutachten  der  Atag,  Ernst  & 
Young AG ausgeführt, dass eine Vielzahl von Unregelmässigkeiten, Fehlern 
und  Unterlassungen  in  der  Buchführung  des  HCFG  aktenkundig sind, ohne 
dass der Beklagte gegen diese Unzulänglichkeiten reagiert hätte. "(...) la si-
tuation actuelle aurait pu être évitée s'il n'y avait pas eu de faiblesse au ni-
veau de la surveillance à l'intérieur du club" (Gutachten Atag, Ernst & Young, 
S. 48). 

 
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d)  Es  stellt  sich  somit  heraus,  dass  das  Verschulden  der  Arbeitgeberin  dem 
Beklagten  anzurechnen  ist.  Dieser  hat  die  ihm  übertragenen  Pflichten,  na-
mentlich die Überwachung des Abrechnungswesens mit der AHV, nicht rich-
tig wahrgenommen und somit öffentlich-rechtliche Vorschriften zumindest in 
grobfahrlässiger Weise im Sinne von Art. 52 AHVG verletzt. 

(...) 

8.  b)  Der Beklagte brachte im Rahmen des gegen ihn eröffneten Schadenersatz-
verfahrens vor, dass er von der Rechnung 1997/0001 - die sich auf die un-
angefochtenen  Nachzahlungsverfügungen  vom  17.  Januar  1997  sowie  auf 
die  Verzugszinsverfügung  gleichen Datums stützt - nie Kenntnis gehabt ha-
be. Der Vorstand der Saison 1996/1997 habe diese Rechnung akzeptiert. Es 
könne somit nicht sein Fehler gewesen sein, wenn die Zahlungen nicht ein-
gehalten worden seien. 

c)  Entscheidende  Bedeutung  muss  in  vorliegendem  Fall  dem  Umstand  beige-
messen werden, dass der Erlass der Nachzahlungsverfügungen vom 17. Ja-
nuar  1997  für  die  Beitragsperiode  der  Jahre  1992  bis  1995  sowie  der  Ver-
zugszinsverfügung  gleichen  Datums  in  die  Zeit  vor  Gewährung  der  Nach-
lassstundung bzw. der Durchführung des Nachlassverfahrens fiel. Die provi-
sorische  Nachlassstundung  wurde  erst  mit  Entscheid  des  Präsidenten  des 
Zivilgerichts  des  Saanebezirks  vom  12.  August  1997  gewährt.  Der  HCFG, 
handelnd durch die in der Saison 1996/1997 amtierenden Vorstandsmitglie-
der,  hat  die  an  den  damaligen  Präsidenten  G.  B.  adressierten  Nachzah-
lungsverfügungen  sowie  die  Verzugszinsverfügung  gleichen  Datums  nicht 
angefochten.  Diese  sind  in  Rechtskraft  erwachsen.  Das  EVG  hat  als  uner-
heblich  erachtet,  dass  die  Nachzahlungsverfügungen  den  belangten  Orga-
nen  nicht  persönlich  eröffnet  worden  waren  (vgl.  ZAK  1991  S.  125 
Erw. II/1b).  Die  unterbliebene  Anfechtung  dieser  Nachzahlungsverfügungen 
kann in vorliegendem Fall dem Beklagten entgegengehalten werden, da die 
in  der  Spielsaison  1996/1997  amtierenden  Vorstandsmitglieder  des  HCFG 
von  ihrer  Anfechtungsbefugnis  Gebrauch  gemacht  hätten,  wenn  die  verfü-
gungsweise  geltend  gemachten  Forderungen  ungerechtfertigt  gewesen  wä-
ren. Dies umso mehr, als der Verein sich zu jener Zeit bereits in einer gros-
sen finanziellen Krise befand. Somit lässt sich die erwähnte Rechtsprechung 
- dass es unerheblich ist, dass die Nachzahlungsverfügungen den belangten 
Organen nicht persönlich eröffnet worden waren - in vorliegendem Fall des - 
im  Zeitpunkt  des  Verfügungserlasses  keine  Organstellung  mehr  bekleiden-
den  -  Beklagten  gleichermassen  anwenden  (vgl.  AHI  1993  S.  172  Erw.  3b, 
wo  diese  Frage  offen  bleiben  konnte).  Durch  die  Möglichkeit,  gegen  die 
Nachzahlungsverfügungen  bzw.  gegen  die  Verzugszinsverfügung  Be-

 
 
 
 
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schwerde  zu  führen,  ist  genügend  Gewähr  dafür  geboten,  dass  die  Vor-
standsmitglieder  der  zahlungsunfähig  gewordenen  Arbeitgeberin  nicht  mit 
ungerechtfertigten Schadenersatzforderungen belastet werden. Aus den Ak-
ten ergeben sich auch keine Anhaltspunkte für eine zweifellose Unrichtigkeit 
der durch die Nachzahlungsverfügungen vom 17. Januar 1997 festgesetzten 
Beiträge bzw. der Verzugszinse. 

d)  Der  Gerichtshof  ist  somit  nicht  gehalten,  sich  mit  der  Schadenersatzforde-
rung  in  masslicher  Hinsicht  auseinander  zu  setzen.  Demnach  ist  der  der 
Ausgleichskasse  während  der  Periode  von  Januar  1992  bis  Juni  1995  ent-
standene Schaden rechtmässig auf 180'476.85 Franken festgesetzt worden. 

9. 

Die  Schadenersatzklage  der  Ausgleichskasse  ist  demnach  gutzuheissen. 
Der  Beklagte  ist  zu  verurteilen,  gegen  Abtretung  der  anteilsmässigen  Divi-
dende im Nachlassverfahren betreffend den Sportverein HCFG, der Klägerin 
einen Betrag von 180'476.85 Franken zu bezahlen. 

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