# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74320786-04b6-5483-a7a0-dadcec0fbb2a
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.08.2010 UV 2009/105, UV 2009/106
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2009-105--UV-2009_2010-08-11.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2009/105, UV 2009/106

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 07.04.2020

Entscheiddatum: 11.08.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 11.08.2010
Art. 6 Abs. 1 UVG; Art. 4 ATSG: Anhaltspunkte gegen den geltend gemachten 
Sturz bzw. das Unfallereignis liegen keine vor. Auf die durch den 
behandelnden Arzt rückwirkend für 13 Tage vor der Erstkonsultation 
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit kann jedoch nicht abgestellt werden. 
Während dieser Zeit sind keine Taggeldleistungen geschuldet (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. August 2010, UV 
2009/105 und UV 2009/106).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichter Joachim Huber und 

Versicherungsrichterin Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Jeannine 

Bodmer

Entscheid vom 11. August 2010

in Sachen

G.___,

Beschwerdeführer,

und

SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 

8401 Winterthur

                                                                                       Beschwerdeführerin,

gegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft, Steinengraben 41, 4003 Basel,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

A.       

A.a   Der 1963 geborene G.___ ist seit März 2008 als Selbständigerwerbender für die 

A.___ tätig und dabei freiwillig bei der Schweizerischen National-Versicherungs-

Gesellschaft AG (Nationale Suisse) unfallversichert. Am 28. November 2008 sei er 

wegen Glatteis auf der Treppe ausgerutscht und auf die rechte Seite und den Rücken 

gestürzt (act. UM1). Der Versicherte konsultierte am 11. Dezember 2008 Dr. med. 

B.___, Innere Medizin FMH, der ihm vorerst ab dem Datum der Erstkonsultation und 

dann am 19. Dezember 2008 rückwirkend ab dem 28. November 2008 eine 

Arbeitsfähigkeit von 0% attestierte (act. M1). Am 30. Dezember 2008 wurde der 

Versicherte im C.___ röntgenologisch untersucht. Die Bilder von Becken/Hüfte und 

rechtem Knie zeigten normale Befunde (act. M2).

A.b   Die Nationale Suisse bestätigte den Eingang der Unfallmeldung des Versicherten 

(act. UM1) mit Schreiben vom 19. Januar 2009 (act. K1). Im Arztzeugnis UVG vom 

2. Februar 2009 hielt Dr. B.___ als Diagnose eine LWS-Kontusion fest (act. M3). Am 9. 

März 2009 lehnte die Nationale Suisse ihre Leistungspflicht mit der Begründung ab, 

dass ein Unfallereignis nicht glaubhaft dargestellt worden und ein natürlicher 

Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und den geklagten Beschwerden nicht 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben sei. Mit Schreiben vom 29. März 2009 

hielt der Versicherte daran fest, am Freitag, den 28. November 2008, einen Unfall 

erlitten zu haben. Am darauffolgenden Montag, den 1. Dezember 2008, habe er das 

Gesundheitszentrum telefonisch kontaktiert und einen Termin für den 11. Dezember 

2008 erhalten (act. K7).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.c   Die Nationale Suisse verfügte am 20. April 2009 eine Ablehnung ihrer 

Leistungspflicht für das Schadenereignis vom 28. November 2008 mit der Begründung, 

dass kein Unfall nach Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) und Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vorliege. Zwischen dem möglichen 

Unfallereignis vom 28. November 2008 und den geltend gemachten Beschwerden sei 

der natürliche Kausalzusammenhang nicht gegeben (act. K8).

B.       

B.a   Gegen diese Verfügung erhoben der Versicherte sowie seine Krankenkasse, die 

SWICA Krankenversicherung AG, am 18. Mai 2009 bzw. 8. Juli 2009 Einsprache (act. 

K9, K13).

B.b   Mit Schreiben vom 28. August 2009 teilte Dr. B.___ der Nationale Suisse mit, dass 

der Versicherte ihm am 11. Dezember 2008 einen Sturz vom 28. November 2008 

geschildert habe. Auf Grund des Beschwerdeverlaufs unter nichtsteroidalen 

Antirheumatika habe er ihn vom 28. November 2008 bis 9. Januar 2009 zu 100% 

arbeitsunfähig geschrieben (act. M5).

B.c   Mit Entscheid vom 30. September 2009 wies die Nationale Suisse die 

Einsprachen des Versicherten und der Krankenkasse ab (act. K18).

C.       

C.a   Am 27. Oktober 2009 erhob die SWICA und am 29. Oktober 2009 der Versicherte 

gegen den Einspracheentscheid vom 30. September 2009 Beschwerde mit den 

jeweiligen Anträgen, der Einspracheentscheid vom 30. September 2009 sei aufzuheben 

und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die Folgen des Unfalls vom 28. 

November 2008 aufzukommen. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer aus, 

dass er ohne den Unfall weder Schmerzen erlitten noch einen Arzt aufgesucht hätte, 

der ihn auf Grund seiner Befunde auch behandelt habe. Er habe sich jedoch erst nach 

dem Wochenende um einen Arzttermin bemüht, weil er nicht lebensgefährlich verletzt 

worden sei. Die Beschwerdeführerin hielt im Wesentlichen fest, dass es genüge, wenn 

das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt habe und mithin eine 

Teilursache für eine gesundheitliche Störung darstelle. Bei einer Verschlimmerung 

eines Vorzustands obliege der Nachweis der nunmehr gänzlich fehlenden 

Auswirkungen des Unfalls, da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handle, 

dem Unfallversicherer. Vorliegend sei jedoch auf die Berichte des behandelnden Arztes 

abzustellen, der Unfallfolgen festgehalten habe.

C.b   Mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2009 beantragte die 

Beschwerdegegnerin eine Vereinigung der Verfahren UV 2009/105 und UV 2009/106 

sowie eine Abweisung beider Beschwerden, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

C.c   Mit Schreiben vom 1. Dezember 2009 reichte der Beschwerdeführer eine 

Übersicht über die Behandlungseinträge des SWICA Gesundheitszentrums ein (act. 

G 6.2). Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik.

C.d   Auf die weiteren Begründungen und Ausführungen in den einzelnen 

Rechtsschriften bzw. medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.        

Die Beschwerdegegnerin beantragt die Vereinigung der Verfahren UV 2009/105 und UV 

2009/106 betreffend ihren Einspracheentscheid vom 30. September 2009. Da beiden 

Verfahren derselbe Sachverhalt zu Grunde liegt, sich die gleichen Rechtsfragen stellen 

und die Rechtsmittel den nämlichen Einspracheentscheid betreffen, rechtfertigt es sich, 

die Verfahren zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (vgl. BGE 128 V 

124 E. 1 und 128 V 192 E. 1, je mit Hinweisen).

2.        

Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die geltend gemachten Schmerzen im unteren 

Rücken und rechten Bein bzw. Knie auf ein Unfallereignis zurückgeführt werden 

können und die Beschwerdegegnerin dafür leistungspflichtig ist.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.        

3.1    Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz 

nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und 

Berufskrankheiten gewährt. Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende 

Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die 

eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur 

Folge hat (Art. 4 ATSG). Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit 

nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne 

Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor 

allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein äusserer 

Faktor ist aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich 

Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, 

wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U 

368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). 

Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors 

kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung 

bestehen. So kann der Körper als Ganzes in Bewegung kommen, indem er - z.B. bei 

einem Sturz - auf harter Unterlage aufschlägt und Schaden nimmt. Der äussere und der 

ungewöhnliche Faktor sind hier ohne weiteres gegeben.

3.2    Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht, 

der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben 

den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Allerdings ist die 

leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die 

einzelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft machen. Kommt sie dieser 

Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche 

Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig 

erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V 

305 E. 5b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden Angaben der 

versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime 

abgestellt werden, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" 

in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die 

bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung 

im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht 

hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer 

Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen; A. Rumo-

Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 

Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 21). Das Gericht 

stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen 

Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (BGE 117 V 360 E 4a mit 

Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn der 

Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast 

insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei 

ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese 

Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes 

kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird 

also auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht 

wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Th. 

Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) - so hat 

dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten derjenigen Person auswirkt, 

welche Anspruch auf Versicherungsleistungen erhebt.

4.        

4.1    In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Beschwerdeführer Dr. B.___ am 

11. Dezember 2008 im SWICA Gesundheitszentrum wegen lumbalen Schmerzen 

aufsuchte (act. M1, M3, M4, act. G 6.2 S. 2 f.). Auf Grund dieser Konsultation 

attestierte Dr. B.___ dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 0% "gültig ab 11. 

Dezember 2008 - 19. Dezember 2008". Am 19. Dezember 2008 erfolgte eine weitere 

Konsultation bei Dr. B.___, der dieses Mal im Formular "Einfaches Arztzeugnis" eine 

Arbeitsunfähigkeit gültig "seit 28. November 2008" bestätigte (act. M1). Weitere 

Konsultationen im Gesundheitszentrum erfolgten am 19., 22., 24. und 29. Dezember 

2008 (Eintrag für den 29. wohl erst am 30. Dezember 2008 erfolgt) sowie am 5. und 9. 

Januar 2009, wobei diejenigen vom 22., 24. und 29. Dezember 2008 bei einem 

ärztlichen Stellvertreter von Dr. B.___ stattfanden (act. M1, act. G 6.2). In der 

Unfallmeldung von Mitte Januar 2009 machte der Beschwerdeführer geltend, dass er 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

am Freitag, den 28. November 2008, als er die Treppe hinunter und zur Arbeit gehen 

wollte, gestolpert bzw. gestürzt und auf die rechte Seite gefallen sei und den Rücken 

und (die) Beine verletzt habe. Auf der Treppe habe es Eis gehabt (act. UM1). Mit 

Schreiben vom 29. März 2009 erklärte er, da es auf das Wochenende zugegangen sei, 

sei er zu Hause geblieben und habe gehofft, dass die Schmerzen vergehen würden. 

Am folgenden Montag habe er beim Gesundheitszentrum telefonisch um einen 

Behandlungstermin gebeten. Diesen habe man ihm für den 11. Dezember 2008 mit der 

Aufforderung gegeben, sich sofort zu melden, falls sich der Gesundheitszustand 

extrem verschlechtern würde (act. K7). Nachdem die Beschwerdegegnerin ihre 

Leistungspflicht abgelehnt hatte, machte er in der Einsprache vom 18. Mai 2009 in 

Abweichung zur früheren Aussage geltend, dass er das Gesundheitszentrum nicht 

telefonisch kontaktiert, sondern es am 1. Dezember 2008 direkt aufgesucht und dort 

Schmerztabletten erhalten habe. Am 11. Dezember 2008 habe er eine Nachkontrolle 

bei Dr. B.___ gehabt, da die Schmerzen nicht aufgehört hätten (act. K9). Auch in der 

Beschwerde hält der Beschwerdeführer daran fest, dass er am Montag nach dem 

Unfallereignis beschlossen habe, den Arzt aufzusuchen und sich behandeln zu lassen. 

Welcher Arzt oder welche Ärztin ihn jedoch dabei behandelt und ihm die 

Schmerztabletten verschrieben haben soll, gab er nicht an. Dem Auszug der 

Beschwerdeführerin über die Behandlungseinträge, auf welchem die Konsultationen ab 

11. Dezember 2008 bis 28. August 2009 vermerkt sind, ist vor dem 11. Dezember 2008 

keine Behandlung des Beschwerdeführers im Gesundheitszentrum und auch keine 

Verschreibung eines Schmerzmittels zu entnehmen. Vielmehr hielt Dr. B.___ als 

Behandlungseintrag am 11. Dezember 2008 "bisher keine NSAR" fest (act. G 6.2; vgl. 

ausführliche Definition unter: http://de.wikipedia.org/wiki/

Nichtsteroidales_Antirheumatikum, Abfrage vom 24. August 2010; zusammengefasst 

steht NSAR [nichtsteroidale Antirheumatika] für eine Gruppe entzündungshemmender 

Schmerzmittel), was wohl bedeutet, dass dem Beschwerdeführer - jedenfalls vom 

Gesundheitszentrum - noch keine der normalerweise eingesetzten Schmerzmittel 

verschrieben worden waren.

4.2    Obgleich der Beschwerdeführer somit - wie er behauptet - ab dem 28. November 

2008 wegen starker Schmerzen im Lumbalbereich vollständig arbeitsunfähig gewesen 

sein will, suchte er erst 13 Tage nach dem geltend gemachten Ereignis einen Arzt auf. 

Hätte er tatsächlich bereits vorher das Gesundheitszentrum aufgesucht, müsste dies 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

im Computersystem der Beschwerdeführerin eingetragen oder zumindest in einem 

späteren Schreiben von Dr. B.___ vermerkt worden sein. Dr. B.___ hielt jedoch auch in 

den Arztzeugnissen vom 2. Februar 2009 (act. M3) und 20. März 2009 (act. M4) eine 

Erstbehandlung am 11. Dezember 2008 fest. Ein weiterer Widerspruch in der 

Schilderung des zeitlichen Ablaufs findet sich schliesslich in einer Telefonnotiz der 

Beschwerdegegnerin vom 13. März 2009 (act. K6). Gemäss dieser hat der 

Beschwerdeführer nach Erhalt der Leistungsablehnung während eines 

Telefongesprächs mit der zuständigen Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin 

behauptet, er hätte am 1. Dezember 2008 beim Gesundheitszentrum angerufen und 

einen Termin für den 5. Dezember 2008 erhalten. Für eine ärztliche Behandlung am 5. 

Dezember 2008 liegen jedoch ebenfalls keine Hinweise vor. Angesichts dieser 

Widersprüche vermögen die Schilderungen des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der 

ärztlichen Erstkonsultation sowie seiner Kontaktaufnahme mit dem 

Gesundheitszentrum nicht zu überzeugen. Es ist daher auf Grund der Übersicht über 

die Behandlungseinträge davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach dem 

behaupteten Unfallereignis erstmals am 11. Dezember 2008 einen Arzt konsultiert hat.

4.3    Die Beschwerdeführerin führt die Rückenbeschwerden des Versicherten auf ein 

Ereignis zurück, wie es von diesem in der Unfallmeldung von Mitte Januar 2009 

gegenüber der Beschwerdegegnerin beschrieben wurde. Der Beschwerdeführer sei auf 

der Treppe infolge von Eis gestürzt und dabei auf die rechte Seite gefallen. Dabei habe 

er sich am Rücken und dem rechten Bein verletzt (act. UM1). - Unstreitig ist, dass mit 

einem Sturz ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper einwirkt und das eben 

beschriebene Ereignis damit einen Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG darstellt. 

Der Hergang des angeblichen Ereignisses vom 28. November 2008 ist in den Akten 

weitere Male beschrieben. Im Behandlungseintrag des Gesundheitszentrums vom 

11. Dezember 2008 steht der Vermerk, dass seit 28. November 2008 lumbale 

Schmerzen bestünden, nachdem der Beschwerdeführer ausgerutscht und auf die 

rechte Hüftseite gefallen sei (act. G 6.2 Seite 2). Auch im Arztzeugnis UVG vom 2. 

Februar 2009 gab Dr. B.___ an, der Beschwerdeführer sei am 28. November 2008 

ausgerutscht und auf die rechte Hüfte sowie den Rücken gefallen (act. M3). Im 

Arztzeugnis vom 20. März 2009 bestätigte Dr. B.___ wiederum, dass der 

Beschwerdeführer am 28. November 2009 ausgerutscht und auf den Rücken gefallen 

sei. Deswegen habe ihn der Beschwerdeführer am 11. Dezember 2008 konsultiert und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

er die Diagnose einer LWS-Kontusion gestellt (act. M4). Mit Schreiben vom 28. August 

2009 hielt Dr. B.___ fest, dass ihm der Beschwerdeführer am 11. Dezember 2008 

mitgeteilt habe, am 28. November 2008 ausgerutscht und auf den Rücken gefallen zu 

sein (act. M5). Hierzu ist festzuhalten, dass der Arzt in Bezug auf die Frage des 

Unfallhergangs eine Sachverhaltsfrage und keine medizinische Frage beantwortet und 

die diesbezüglichen ärztlichen Vermerke zwingend auf den Darstellungen des Patienten 

basieren. Die in diesem Sinn dargestellten Sachverhaltsschilderungen sind folglich als 

diejenigen des Beschwerdeführers zu betrachten. Dabei bestehen weder in der 

Schilderung des Unfallhergangs noch bezüglich des Datums Widersprüche. Auch sonst 

sind keine Hinweise gegen die Annahme eines solchen Unfallereignisses am 28. 

November 2008 ersichtlich. Nachdem auch Dr. B.___ offensichtlich ohne jeden Zweifel 

von einem Sturz des Beschwerdeführers ausging, ist seine Beurteilung vom 11. 

Dezember 2008 als "akutes lumbovertebrales Schmerzsyndrom nach Sturz am 28. 

November 2008" (act. 6.2 S. 3) als klare Unfalldiagnose zu verstehen. Obgleich es 

gemäss Dr. B.___ keine klinischen Untersuchungen gibt, mit denen der genaue 

Zeitpunkt des Unfalls mit 100%iger Sicherheit festgelegt werden könnte (act. M5), 

spricht somit nichts gegen dieses Unfalldatum. Entsprechend ist von einem 

Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG als Folge eines Sturzes auf der Treppe am 

28. November 2008 auszugehen, wofür die Beschwerdegegnerin grundsätzlich 

leistungspflichtig wird. Es bleibt nachfolgend jedoch zu prüfen, in welchem Ausmass 

diese Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für den besagten Unfall besteht.

5.        

5.1    Gemäss dem Behandlungseintrag vom 11. Dezember 2008 (14:59 Uhr) hielt 

Dr. B.___ als subjektiven Befund folgendes fest: "Seit 28. November 2008 lumbale 

Schmerzen, war ausgerutscht und auf rechte Hüftseite gefallen, keine Ausstrahlung ins 

Bein, aktuell schlimmer, bisher keine NSAR." Als objektiven Befund stellte er eine nach 

rechts verschobene Wirbelsäule (WS), eine DD (wohl "Druckdolenz" gemeint) der 

unteren LWS sowie eine leichte DD des ISG (Iliosakralgelenk) rechts fest. Seine 

Beurteilung lief auf ein akutes lumbovertebrales Schmerzsyndrom nach Sturz am 28. 

November 2008 hinaus. In der Sprechstunde vom 19. Dezember 2008 hielt Dr. B.___ 

ein akutes lumbovertebrales Syndrom in Remission fest. Am 22. Dezember 2008 trug 

seine Stellvertreterin oder sein Stellvertreter im System unter dem Titel "Anamnese" 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

erstmals aktuelle Schmerzen im rechten Bein, Hüfte und Knie rechts sowie auch 

Ruheschmerzen ein. Die LWS-Beweglichkeit und die Hüftuntersuchung waren normal, 

eine Knieuntersuchung unauffällig. Gemäss Behandlungseintrag vom 30. Dezember 

2008 konnte die behandelnde Ärztin Dr. med. D.___, Innere Medizin FMH, keine 

Prellmarken ausmachen, die Gelenke seien frei beweglich, jedoch bestünden gemäss 

Anamnese bereits seit dem 28. November 2008 Schmerzen in der rechten Leiste und 

dem rechten Knie (act. G 6.2). Im Behandlungseintrag vom 5. Januar 2009 sowie im 

UVG-Arztzeugnis vom Februar 2009, also nach Durchführung der 

Röntgenuntersuchung vom 30. Dezember 2008, stellte Dr. B.___ schliesslich die 

Diagnose einer LWS-Kontusion (act. G 6.2, act. M3). Diese wurde dann gegenüber der 

Beschwerdegegnerin auch als Grund für die Arbeitsunfähigkeit angegeben. 

Demgegenüber wurde nicht geltend gemacht, dass auch die mittlerweile geklagten 

Beschwerden im rechten Knie - zu denen im Übrigen keine Diagnosen vorliegen - zu 

einer Arbeitsunfähigkeit geführt hätten, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu 

erübrigen.

5.2    Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er seit Unfalleintritt vollständig 

arbeitsunfähig gewesen sei. Auf Grund des oben Gesagten sowie seinen 

widersprüchlichen Schilderungen in Bezug auf den zeitlichen Ablauf erscheint die 

Glaubwürdigkeit der nachträglich rückwirkend für die Dauer von dreizehn Tagen 

behaupteten Arbeitsunfähigkeit jedoch sehr fraglich. Es kann nicht ausgeschlossen 

werden, dass diese Aussage durch nachträgliche versicherungsrechtliche 

Überlegungen beeinflusst wurde. Bei einem freiwillig versicherten 

Selbständigerwerbenden hätte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auf Grund von 

Rückenproblemen allein schon auf Grund der Schadenminderungspflicht einen 

früheren Arztbesuch erwarten lassen, konnte der Versicherte doch dadurch nicht nur 

seiner Arbeit nicht mehr nachgehen, sondern auch kein Einkommen mehr generieren. 

Vergleicht man die Situation mit einer versicherten Person in abhängiger Stellung, so 

hätte diese meist schon nach wenigen Tagen Arbeitsunfähigkeit (i.d.R. nach drei 

Tagen) ein Arztzeugnis vorzulegen gehabt. Mit solchen Bestimmungen soll einerseits in 

beweismässiger Hinsicht sichergestellt werden, dass ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit 

echtzeitlich bestätigt, andererseits aber auch das Ziel einer schnellstmöglichen 

Genesung durch einen frühen Behandlungseinsatz verfolgt werden. Vorliegend hat es 

der Beschwerdeführer jedoch unterlassen, ein echtzeitiges ärztliches Zeugnis als 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nachweis für seine Arbeitsunfähigkeit zu beschaffen. Da die gesundheitlichen Folgen 

des Sturzes erstmals mit Eintrag von Dr. B.___ vom 11. Dezember 2008 in 

beweismässiger Hinsicht festgehalten wurden und eine Rückdatierung der 

vollständigen Arbeitsunfähigkeit erst mit Zeugnis vom 19. Dezember 2008 erfolgte (act. 

M1), wobei die lumbalen Schmerzen gemäss dem Eintrag vom 11. Dezember zu 

diesem Zeitpunkt "aktuell schlimmer" geworden seien, ist für den Beginn der 

leistungsbegründenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf den 11. Dezember 2008 

abzustellen. Der fehlende Beweis für die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit vom 28. 

November bis 10. Dezember 2008 führt entsprechend zu einem Entscheid zu 

Ungunsten des Beschwerdeführers, der aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt 

eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ableiten wollte (Rumo-Jungo, a.a.O., S. 

21).

6.        

Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinn teilweise 

gutzuheissen, dass der Einspracheentscheid vom 30. September 2009 aufgehoben 

und die Beschwerdegegnerin verpflichtet wird, für die Folgen des Unfallereignisses 

vom 28. November 2008 Heilungskosten und für den Zeitraum vom 11. Dezember 

2008 bis 9. Januar 2009 Taggeldleistungen zu erbringen. Gerichtskosten sind keine zu 

erheben (Art. 61 lit. a ATSG).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.       In teilweiser Gutheissung der Beschwerden wird der Einspracheentscheid vom 

30. September 2009 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin verpflichtet, für die 

Folgen des Unfallereignisses vom 28. November 2008 Heilungskosten und für den 

Zeitraum vom 11. Dezember 2008 bis 9. Januar 2009 Taggeldleistungen zu erbringen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 11.08.2010
	Art. 6 Abs. 1 UVG; Art. 4 ATSG: Anhaltspunkte gegen den geltend gemachten Sturz bzw. das Unfallereignis liegen keine vor. Auf die durch den behandelnden Arzt rückwirkend für 13 Tage vor der Erstkonsultation attestierte volle Arbeitsunfähigkeit kann jedoch nicht abgestellt werden. Während dieser Zeit sind keine Taggeldleistungen geschuldet (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. August 2010, UV 2009/105 und UV 2009/106).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T13:33:01+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen