# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 564a58d4-943b-500f-a3e7-0956c25b66a4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.05.2010 E-3339/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3339-2010_2010-05-14.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3339/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A._____, Nigeria,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 26. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3339/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer sein Heimatland eigenen Angaben zufolge 
im  Mai  2007  verlassen  hat  und  über  Niger,  Libyen  und  Italien  am 
25. Februar  2010 in  die  Schweiz  gelangt  ist,  wo er  gleichentags im 
B._____ um Asyl nachgesucht hat,

dass er  anlässlich der summarischen Befragung im B._____ vom 9. 
März  2010  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  geltend  machte,  er 
habe Nigeria verlassen, weil sein Vater verfolgt worden sei und man 
ihm gedroht habe, als nächster werde er an der Reihe sein,

dass es schliesslich wiederholt zu Übergriffen auf ihn und seine Fami-
lie gekommen sei, 

dass für den Inhalt der weiteren Aussagen auf die Akten zu verweisen 
ist,

dass  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom 
15. März 2010 für  die Dauer des Verfahrens dem Kanton Zürich zu-
wies, 

dass das BFM mit Verfügung vom 26. April 2010 – dem Beschwerde-
führer  eröffnet  am 5.  Mai  2010  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2 
Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) auf 
das Asylgesuch nicht  eintrat  und den Beschwerdeführer nach Italien 
wegwies, 

dass das Bundesamt den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz 
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und 
den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung beauf-
tragte, 

dass die Vorinstanz festhielt,  eine allfällige Beschwerde gegen diese 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und die Aushändigung 
der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  an  den  Be-
schwerdeführer anordnete,

dass das BFM zur Begründung anführte, aus den EURODAC-Treffern 
(Datenbank/Abgleich  von  Fingerabdrücken)  vom  16.  Juni  2008  und 

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18. Juli 2008 und aus den Aussagen des Beschwerdeführers gehe her-
vor, dass er in Italien ein Asylgesuch eingereicht und zuletzt in Rosar-
no gelebt habe, bevor er von Italien direkt in die Schweiz weiter gereist 
sei, 

dass  gemäss  dem  Dublin-Assoziierungsabkommen  (DAA, 
SR 0.142.392.68) und dem Übereinkommen vom 17. Dezember  2004 
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island 
und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung,  Anwendung und 
Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Ver-
fahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines 
in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags Italien 
für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei

dass der Termin für die Stellungnahme (Italiens) laut Art. 20 Abs. 1 Bst c 
Dublin-II-Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom 
18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  von einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist) am 2. April 2010 verfristet sei und das BFM deshalb da-
von  ausgehe,  Italien  habe  dem  Gesuch  stillschweigend  zugestimmt 
habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung – bis spätestens am zum 2. Oktober 2010 zu erfol-
gen habe,

dass das BFM dem Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung 
das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien ge-
währt  und dieser dabei ausgeführt  habe, es gebe keine spezifischen 
Gründe gegen eine Überführung dorthin, er habe kein Verbrechen be-
gangen, einzig habe er keine Arbeit gefunden und um Essen betteln 
müssen,

dass somit auf das Asylgesuch nicht einzutreten, die Wegweisung aus 
der  Schweiz  die  Regelfolge  des  Nichteintretens  auf  ein  Asylgesuch 
und der Vollzug der Wegweisung nach Italien zulässig, zumutbar und 
möglich sei,

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dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Mai 2010 beim Bun-
desverwaltungsgericht  Beschwerde erhob und in  materieller  Hinsicht 
beantragt, die Verfügung des BFM vom 26. April 2010 sei aufzuheben 
und das Asylgesuch vom 25. Februar 2010 gutzuheissen, eventualiter 
sei die Wegweisungsverfügung aufzuheben und die vorläufige Aufnah-
me anzuordnen,

dass er  in  prozessualer  Hinsicht  die Gewährung der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  das 
Verwaltungsverfahren  vom 20. Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021) 
und die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwer-
de beantragt,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit per Telefax übermittelter Verfü-
gung vom 11. Mai  2010 den Vollzug der Wegweisung per sofort  aus-
setzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 12. Mai 2010 beim Bundesverwalt-
ungsgericht eingingen,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilge-
nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung hat  und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 
ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde, soweit die Rechtsbegehren Gegenstand dieses Verfahrens 
sein können, einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),

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dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli- 
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines  zweiten  Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfol-
gend aufgezeigt,  um eine solche handelt,  weshalb  der  Beschwerde-
entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass demnach auf den Antrag, das Asylgesuch sei gutzuheissen, nicht 
einzutreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensents-
cheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell  geprüft  hat,  weshalb  dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüg-
lich grundsätzlich volle Kognition zukommt, wobei sich diese Fragen – 
namentlich diejenigen hinsichtlich des Bestehens von Vollzugshinder-
nissen (Durchführbarkeit der Überstellung an den zuständigen Staat) – 
in  den  Dublin-Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretens-
entscheides stellen,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-

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führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer in Italien 
daktyloskopisch erfasst  worden ist  und dieser  dort  um Asyl  nachge-
sucht hat,

dass bei dieser Sachlage Italien für die Prüfung des Asylgesuchs des 
Beschwerdeführers zuständig ist (vgl. die einschlägigen staatsvertragl-
ichen  Bestimmungen  namentlich  im  Dublin-Assoziierungsabkommen 
und in der Dublin-II-Verordnung),

dass das BFM die zuständige italienische Behörde um Wiederaufnah-
me des Beschwerdeführers ersuchte und der Termin für die Stellung-
nahme  verfristet  ist,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  Italien 
diesem Ersuchen stillschweigend zugestimmt hat (s. vorstehend S. 3, 
2. und 3. Absatz),

dass  der  Beschwerdeführer  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat 
(vorliegend Italien) ausreisen kann, welcher für die Prüfung des Asyl-
antrages staatsvertraglich zuständig ist,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30),  der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere grausame, unmenschli-
che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, 
und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, dieses Land werde sich 
im vorliegenden Fall nicht an die aus den Übereinkommen resultieren-
den Verpflichtungen halten,

dass für das Bundesverwaltungsgericht damit keine Gründe ersichtlich 
sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz 
(Art. 3  Abs. 2  Dublin-II-Verordnung)  hätten  veranlassen  sollen,  und 
daran auch die Ausführungen in der Beschwerde (S. 3),  wonach der 
Beschwerdeführer wegen der Gewalt gegen Schwarze in die Schweiz 
gekommen und sein Leben in Italien gefährdet sei, nichts zu ändern 
vermögen,

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dass auch sein Hinweis in der Beschwerde, er  habe in  Italien einen 
Negativentscheid  erhalten,  unbehelflich  ist,  und  seine  Mutmassung, 
früher  oder  später  nach  Libyen  ausgeschafft  zu  werden,  jeglicher 
Grundlage entbehrt,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht einget-
reten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweis-
ung aus der  Schweiz zur Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  wobei  in 
Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zu- 
lässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig be-
reits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensent-
scheides und deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist,

dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt 
von  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, 
sondern allenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der 
Ausübung des Selbsteintrittsrechts  (Art. 3  Dublin-II-Verordnung)  oder 
gegebenenfalls – wenn sich Familienmitglieder in verschiedenen Du-
blin-Mitgliedstaaten befinden und allenfalls zusammengeführt  werden 
sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären  Klausel 
(Art. 15 Dublin-II-Verordnung),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, darzutun, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde, soweit  darauf 
einzutreten ist, abzuweisen ist,

dass mit dem Entscheid in der Hauptsache ohne vorgängige Instrukti-
on  der  Antrag  auf  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Be-
schwerde hinfällig geworden ist,

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dass sich die gestellten Rechtsbegehren aufgrund vorstehender Erwä-
gungen als  aussichtslos erweisen,  weshalb unbesehen der allenfalls 
bestehenden Bedürftigkeit der Antrag auf Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen und bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.− (Art. 1-3 des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Be-
schwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän-
dige kantonale Behörde. 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

Versand: 

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