# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6d72e881-b022-589a-b934-37b50b00f2e3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Anwaltskommission 20.08.2010 AVV.2010.2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_AK_001_AVV-2010-2_2010-08-20.pdf

## Full Text

44 Obergericht 2010 

4 Art. 12 lit. a BGFA. 
Verpasste Rechtsmittelfrist: Dafür zu sorgen, dass Rechtsmittelfristen 
eingehalten werden, ist eine zentrale und wichtige Aufgabe eines Anwalts. 
Ein Rechtsanwalt muss wissen, wie eine Frist zu berechnen ist und ob die 
Gerichtsferien im jeweiligen Fall Geltung haben. Dafür ist es zwingend 
notwendig, den jeweiligen Gesetzestext zu konsultieren, und es wird vor-
ausgesetzt, dass die herrschende Lehre und Gerichtspraxis dazu bekannt 
sind. Es liegt daher eine Verletzung von Art. 12 lit. a BGFA vor, wenn ein 
Anwalt die Frist falsch berechnet und in einem Haftfall (§ 52 Abs. 1 Satz 
2 StPO) die Frist zur Einreichung eines Rechtmittels verpasst.  

Aus den Entscheiden der Anwaltskommission vom 20. August 2010, i.S. G. 
und L. (AVV.2010.2 und AVV.2010.3) 

5 Art. 12 lit. h BGFA. 
Ein Anwalt hat gestützt auf Art. 12 lit. h BGFA seinem Klienten die 
Vermögenswerte, die er von diesem oder von Dritten erhält, auf entspre-
chendes Begehren hin sofort herauszugeben. Diese Pflicht steht unter 
dem Vorbehalt des Verrechnungsrechts. Der Anwalt darf jedoch Forde-
rungen seines Klienten nicht mit eigenen Forderungen verrechnen, wenn 
er annehmen muss, dass seinem Klienten durch eine Verrechnung Mittel 
entzogen würden, die dieser für den laufenden Unterhalt benötigt.  

Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 1. April 2010, i.S. G. 
(AVV.2008.47) 

6 Art. 13 BGFA. 
Keine Entbindung vom Berufsgeheimnis, wenn der Anwalt vorsorglich 
ein pauschales Gesuch stellt, um sich vor allfälligen künftigen "Angrif-
fen" einer Drittperson in den Medien wehren zu können; damit die An-
waltskommission die notwendige Interessenabwägung vornehmen kann, 
bedarf es eines ausreichend substantiierten Gesuchs hinsichtlich eines 
konkreten Falls.  

Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 18. Oktober 2010, i.S. X. 
(AVV.2006.26)