# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 60256e12-326e-56de-9da9-25e89920b6ac
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-09-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 14.09.2005 BK 2005 50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2005-50_2005-09-14.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 14. September 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 05 50

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli und Hubert 
Aktuarin Duff Walser

——————

In der strafrechtlichen Beschwerde

der A., Beschwerdeführerin,

gegen

die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 27. Juni 
2005, mitgeteilt am 30. Juni 2005, in Sachen gegen X., Beschwerdegegner, ver-
treten durch Rechtsanwalt Jacques Ducry, Postfach 5241, Via Peri 15, 6901 Lu-
gano,  

betreffend fahrlässige Körperverletzung,

hat sich ergeben:

2

A. Am 31. Januar 2004 zirka um 14.30 Uhr ereignete sich im Skigebiet 
C., O. auf der Skipiste D. ein Skiunfall zwischen X. und A.. Letztere zog sich 
dabei eine Prellung am Daumen und am Handgelenk rechts, eine Rippenprellung 
links sowie eine Prellung des Auges zu. In der Folge stellte A. am 2. Februar 
2004 bei der Kantonspolizei Strafantrag gegen den strafrechtlich Verantwortli-
chen wegen Körperverletzung.

B. Am 30. März 2004 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden  
eine Strafuntersuchung gegen O.: Ski-Unfall vom 31.01.2004 zum Nachteil von 
A. wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB. Mit Abän-
derungsverfügung vom 16. November 2004 wurde die Strafuntersuchung wegen 
fahrlässiger Körperverletzung gegen X. weitergeführt.

C. Mit Verfügung vom 27. Juni 2005, mitgeteilt am 30. Juni 2005, 
stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden die Strafuntersuchung gegen X. ein. 
Zur Begründung wurde ausgeführt, vorliegend stünden sich die Aussagen der 
Anzeigeerstatterin einerseits und jene des Angeschuldigten sowie der Zeugin an-
dererseits diametral gegenüber. Andere Zeugen hätten nicht ausfindig gemacht 
werden können. Es sei deshalb nicht möglich, den genauen Unfallhergang zu 
ermitteln, womit der Beweis eines strafrechtlich relevanten Verschuldens von X. 
am Unfall nicht rechtsgenüglich erbracht werden könne. Die gegen X. geführte 
Strafuntersuchung sei daher einzustellen. 

D. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob A. mit Eingabe vom 15. 
Juli 2005 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und die Sache zur Weiterführung des Verfahrens an die 
Vorinstanz zurückzuweisen.

Mit Eingaben vom 20. und 21. Juli 2005 ergänzte A. ihre Beschwerde und 
beantragte die Einvernahme weiterer Zeugen sowie die Durchführung einer Kon-
frontbefragung zwischen ihr und dem Angeschuldigten  sowie der Zeugin B..

Mit Schreiben vom 21. Juli/8. August 2005 verzichtete die Staatsanwalt-
schaft Graubünden auf eine Stellungnahme. In seiner Vernehmlassung vom 31. 
August 2005 lässt X. die Abweisung der Beschwerde beantragen. 

3

Auf die Begründung der Anträge in den Rechtsschriften sowie die weiteren 
Erwägungen in der angefochtenen Einstellungsverfügung wird, soweit erforder-
lich, im Folgenden eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Einstellungsverfügungen des Staatsanwaltes kann bei der 
Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes Beschwerde geführt werden (Art. 138 
StPO). Diese ist innert zwanzig Tagen, seit der Betroffene vom angefochtenen 
Entscheid Kenntnis erhalten hat, schriftlich einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO). 

Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom  27. 
Juni 2005 wurde A. am 30. Juni 2005 mitgeteilt und ist am 4. Juli 2005 bei ihr 
eingegangen. Sowohl die Beschwerdeschrift vom 15. Juli 2005 (act. 01) wie auch 
die Ergänzungen dazu vom 20./21. Juli 2005 (act. 04, 05) wurden somit noch vor 
Ablauf der Rechtsmittelfrist am 25. Juli 2005 (vgl. Art. 65 Abs. 4 StPO) einge-
reicht. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde von A. einschliess-
lich der Ergänzungen ist demnach einzutreten. 

2. Gemäss Art. 138 StPO kann die Beschwerdekammer angefochtene 
Einstellungsverfügungen nicht nur auf Rechtswidrigkeit, sondern auch auf Unan-
gemessenheit überprüfen. Eine Einstellungsverfügung ist nur angemessen und 
hält der umschriebenen Kontrolle stand, wenn aufgrund des Untersuchungser-
gebnisses nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und ver-
folgbaren Handlung gegeben sind und somit bei gerichtlicher Beurteilung ein 
Freispruch erwartet werden müsste und wenn keine neuen Beweismittel ersicht-
lich sind, die das Beweisergebnis massgeblich beeinflussen könnten. Aufzuhe-
ben ist eine Einstellungsverfügung hingegen, wenn in objektiver und subjektiver 
Hinsicht Anhaltspunkte vorliegen, die einen Schuldspruch als wahrscheinlich er-
scheinen lassen, oder wenn die Möglichkeiten zu einer sinnvollen Untersu-
chungsergänzung nicht ausgeschöpft wurden (PKG 1975 Nr. 58, S. 169 sowie 
W. Padrutt, Kommentar zur StPO des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, 
S. 164 Ziff. 3.3, S. 111 Ziff. 6, S. 347 Ziff. 2.1). 

3. Die Vorinstanz hat das Strafverfahren gegen X. mit der Begründung 
eingestellt, dass der genaue Unfallhergang nicht zu ermitteln sei, da sich die Aus-

4

sagen der Anzeigeerstatterin einerseits und jene des Angeschuldigten sowie der 
Zeugin andererseits diametral gegenüber stehen würden. Mangels anderer Zeu-
gen fehle es daher am rechtsgenüglichen Nachweis eines strafrechtlich relevan-
ten Verschuldens von X.. 

Diesen Ausführungen ist insoweit beizupflichten, als sie die widersprüch-
lichen Aussagen der Unfallbeteiligten in Bezug auf die Frage betreffen, ob es zu 
einer Kollision zwischen ihnen beiden gekommen ist. Es ist in der Tat so, dass A. 
angab, sie und X. seien mit den Köpfen zusammengeprallt (vgl. act. 3.2, S. 1; 
act. 3.10, S. 1, 2; act. 3.19, S. 3, 4), währenddem letzterer behauptet, dass es 
lediglich einen Kontakt respektive eine Berührung zwischen den Skiern gegeben 
habe. So habe er in der Abschlussphase seines Überholmanövers einen Schlag 
auf die Mitte des hinteren Teils seines rechten Skis bemerkt. A. sei mit ihren Ski-
spitzen über den hinteren Teil seiner Skier gefahren. Ein direkter Kontakt zwi-
schen seinem Körper und demjenigen von A. hat indes nach seinen Angaben nie 
stattgefunden (act. 3.7, S. 1, S. 3; act. 3.14, S. 1, 3 Ziff. 3, 4). Dabei ist auch von 
einem Konfront keine Klärung des dargelegten Widerspruchs in den Angaben der 
Unfallbeteiligten zu erwarten. Sowohl der Angeschuldigte als auch die Beschwer-
deführerin haben nämlich ihre diesbezüglichen Angaben wiederholt bestätigt. Es 
ist mithin davon auszugehen, dass beide auch anlässlich eines Konfrontverhörs 
betreffend die Frage eines körperlichen Zusammenpralls bei ihren jeweiligen Ver-
sionen bleiben würden. Im Unterschied zur Frage der Kollision ergeben sich je-
doch, was den übrigen Unfallhergang anbelangt, in den Aussagen der Unfallbe-
teiligten keine wesentlichen Abweichungen. Vielmehr geht aus den Angaben von 
X. in Übereinstimmung zu denjenigen von A. hervor (vgl. act. 3.2, S. 1, 2; act. 
3.10, S. 1, act. 3.19, S. 2, 5), dass ersterer von oben respektive hinten gekommen 
ist und die vor ihm auf der Piste von rechts nach links fahrende Beschwerdefüh-
rerin links überholt hat. So führte der Beschwerdegegner in seiner schriftlichen 
Stellungnahme gegenüber der Polizei aus, dass er vor sich auf der Piste eine 
Person (A.) hinunterfahren gesehen habe, welche langsamer als er unterwegs 
gewesen sei. X. bestätigte sodann, dass er in der Folge ein Überholmanöver aus-
geführt habe, wobei er anfügte, dass dieses vollkommen einfach und alltäglich 
gewesen sei. Er habe A. auf der linken Seite korrekt überholt (vgl. act. 3.7, S. 1). 
In diesem Zusammenhang hielt der Angeschuldigte überdies fest, dass er sein 
Überholmanöver unter Berücksichtigung der Fahrspur der vorausfahrenden Per-
son ausgeführt habe. Diese ist gemäss seinen Angaben von der Mitte der linken 
Seitenhälfte der Piste in gerader Linie zur rechten Pistenhälfte unterwegs gewe-
sen (vgl. act. 3.7, S. 1). In seinen weiteren Ausführungen sowie anlässlich der 

5

polizeilichen Befragung beschrieb der Angeschuldigte allerdings klar einen Rich-
tungswechsel der Beschwerdeführerin von rechts nach links (vgl. act. 3.7, S. 3; 
act. 3.14, S. 3 Ziff. 3, 4) und nicht von links nach rechts. Zudem verläuft die vom 
Beschwerdegegner in der von ihm erstellten Unfallskizze eingezeichnete Fahr-
spur der Skifahrerin in Fahrtrichtung gesehen ebenfalls von rechts nach links, 
was hangaufwärts betrachtet der vom Angeschuldigten in der schriftlichen Ein-
vernahme geschilderten Fahrlinie von links nach rechts entspricht. Mit Blick auf 
seine weiteren Angaben sowie auf die von ihm erstellte Unfallskizze, auf die X. 
in diesem Zusammenhang verweist, wird somit deutlich, dass er die Fahrspur der 
Beschwerdeführerin in der schriftlichen Stellungnahme vom 24. Februar 2004 of-
fenbar hangaufwärts gesehen beschrieben hat. Die Schilderung eines Richtungs-
wechsels der weiter unten fahrenden Skifahrerin nach links steht im Übrigen 
ebenso in Einklang mit der Sachverhaltsdarstellung von A., wonach sie von X. 
links überholt worden ist, als sie einen Linksschwung ausführte (vgl. act. 3.2, S. 
1). Die dargelegten übereinstimmenden Angaben der Unfallbeteiligten lassen 
mithin darauf schliessen, dass X. die vor ihm auf der Piste fahrende A., welche 
einen Linksschwung ausführte, linksseitig überholt hat. Dabei hat der Angeschul-
digte nach eigenen Angaben offenbar erkannt und bemerkt, dass die Beschwer-
deführerin von rechts nach links beziehungsweise von unten betrachtet von links 
nach rechts gefahren ist, führte er in seiner schriftlichen Einvernahme doch selbst 
aus, dass er sein Überholmanöver unter Berücksichtigung dieser von der voraus-
fahrenden Person befahrenen Fahrlinie ausgeführt habe (vgl. act. 3.7, S. 1). En-
tsprechend gab er auch anlässlich seiner polizeilichen Befragung vom 28. No-
vember 2004 zu Protokoll (act. 3.14, S. 3 Ziff. 4): „Malgrado ciò e visto il cambia-
mento improvviso della signora, purtroppo ci siamo toccati leggermente quel tanto 
che basta per farci perdere l’equilibrio.” Er sagte also gegenüber der Polizei noch-
mals ausdrücklich aus, dass er den Richtungswechsel von A. gesehen habe.

 Unter diesen Umständen liegen aber - wie im Folgenden zu zeigen sein 
wird- entgegen der Auffassung der Vorinstanz genügend Anhaltspunkte für eine 
pflichtwidrige Verletzung der FIS-Verhaltensregeln 3 und 4 seitens des Ange-
schuldigten vor.  

4.  Gemäss FIS-Verhaltensregel 3 muss der von hinten kommende 
Skifahrer oder Snowboarder seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende 
Skifahrer oder Snowboarder nicht gefährdet. Vorrang hat also der vorausfah-
rende Skifahrer oder Snowboarder (vgl. H.-K. Stiffler, Schweizerisches Schnee-
sportrecht, 3. Aufl., Bern 2002, § 2, Rz 82, 83 mit Hinweisen). Die FIS-Verhal-

6

tensregel 4 bestimmt sodann, dass von oben oder unten, von rechts oder von 
links überholt werden darf, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überhol-
ten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum 
lässt. Sie gestattet dem Skifahrer und Snowboarder das Überholen nach freiem 
Belieben unter der einen Bedingung, dass er zum Überholen genügend Abstand 
einhält. Der überholende Schneesportler muss also seine Fahrspur so wählen, 
dass ein Vorbeifahren an dem vor ihm beziehungsweise geländemässig weiter 
unten fahrenden Skifahrer oder Snowboarder gefahrlos möglich ist (vgl. H.-K. 
Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 92, 93, 94).

a) Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass X. von oben re-
spektive von hinten kam und in der Folge die weiter unten/vorne auf der Piste 
von rechts nach links fahrende A. auf der linken Seite überholt hat. A. genoss 
mithin als vordere Skifahrerin gegenüber X. den Vorrang auf der Piste, womit 
letzterer seine Fahrspur als hinterer Fahrer entsprechend anpassen und sowohl 
beim Hinterherfahren wie auch beim Überholen einen genügenden Sicherheits-
abstand einhalten musste, um die Beschwerdeführerin nicht zu gefährden (vgl. 
H.-K. Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 82, 86, 93, 95). Daran vermag auch die Behauptung 
des Angeschuldigten nichts zu ändern, wonach A. plötzlich unerwartet eine Rich-
tungsänderung nach links vorgenommen habe, als er in der Abschlussphase des 
Überholmanövers auf gleicher Höhe mit ihr gewesen sei (vgl. act. 3.7, S. 1, 3; 
act. 3.14, S. 3 Ziff. 3). Der Vorrang des vorausfahrenden gegenüber dem hinteren 
Skifahrer gilt nämlich uneingeschränkt für alle Bewegungen des vorderen respek-
tive geländemässig gesehen unteren Skifahrers, ob dieser nun geradeaus fahre, 
stemme, in weiten Bögen abschwinge, rutsche oder, was für den oberen Skifah-
rer besonders überraschend sein kann, plötzlich stürze. Der vordere Fahrer hat 
in jedem Fall Vorrang; der hintere muss auch damit rechnen, dass der vordere  
zum Beispiel infolge mangelnder Fahrtechnik nicht die erwartete Richtung ein-
schlägt (vgl. H.K. Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 83). Entsprechend verpflichtet die FIS-
Verhaltensregel 4 in logischer Weiterentwicklung von FIS-Regel 3 den hinteren 
Schneesportler dem zu überholenden für alle Bewegungen genügend Raum zu 
lassen, somit auch für unerwartete Manöver zufolge Fahrfehlern, für das Abbrem-
sen oder gar für einen Sturz (vgl. H.-K. Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 92, 94). Das be-
deutet auch, dass der hintere Skifahrer dem vorderen mit Blick auf die Pflicht zur 
Einhaltung eines genügenden Sicherheitsabstands beim Überholen nicht die 
Fahrtrichtung abschneiden darf (vgl. H.-K. Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 95). Anders 
wäre die Verantwortlichkeit des Angeschuldigten allenfalls dann zu beurteilen, 
wenn beide Unfallbeteiligten versetzt auf gleicher Höhe zu Tale gefahren wären 

7

und A. in dieser Situation abrupt und völlig unerwartet zu einem Linksschwung in 
den Fahrbahnbereich des Angeschuldigten angesetzt hätte, für den aus dessen 
Sicht vorgängig keinerlei Anzeichen bestanden hätten. Unter diesen Umständen 
könnte X. kaum ein pflichtwidriges Verhalten zur Last gelegt werden (vgl. PKG 
2000 Nr. 30 E. 5, S. 140/141 sowie H.-K. Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 144 Fn 128, 
129). Davon kann jedoch angesichts der eigenen Angaben von X. sowie der von 
ihm erstellten Unfallskizze nicht die Rede sein. Der Angeschuldigt hielt nämlich - 
wie bereits dargelegt (vgl. oben E. 3, S. 5) - selbst ausdrücklich fest, dass er den 
Richtungswechsel von A. gesehen und letztere unter Berücksichtigung dieser 
Fahrspur überholt habe. Damit wird deutlich, dass der von hinten herannahende, 
überholende Angeschuldigte die weiter unten fahrende Beschwerdeführerin ge-
sehen und klar erkannt hat, dass letztere ihre Fahrtrichtung änderte. Entspre-
chend hätte X. der voranfahrenden A. den Vorrang lassen beziehungsweise 
seine Fahrspur anpassen und beim Überholen einen ausreichenden Sicherheits-
abstand einhalten müssen, welcher der Skifahrerin gestattete, ihren Links-
schwung gefahrlos auszuführen. Die dargelegten Aussagen der Unfallbeteiligten 
lassen jedoch darauf schliessen, dass sich der Angeschuldigte von hinten kom-
mend der weiter vorne fahrenden Beschwerdeführerin genähert und auf der lin-
ken Seite derart an ihr vorbeigefahren ist, dass er diese durch seine Fahrweise 
beim Ausführen ihres Linksschwungs zu Fall gebracht hat. Sie sprechen mithin 
dafür, dass X. den Vorrang der Beschwerdeführerin sowie die Pflicht zur Einhal-
tung eines ausreichenden Sicherheitsabstands missachtet und demzufolge die 
FIS-Verhaltensregeln 3 und 4 verletzt hat. 

Dabei ist nicht massgebend, ob es zwischen X. und A. zu einem körperli-
chen Zusammenprall gekommen ist oder nicht. Entscheidend ist einzig, ob der 
Angeschuldigte die Anzeigeerstatterin mit seiner Fahrweise gefährdet und sie da-
durch unter pflichtwidriger Verletzung der genannten FIS-Regeln am Körper ge-
schädigt hat. Dies ist zweifelsohne auch dann zu bejahen, wenn der von oben 
kommende Angeschuldigte die weiter unten fahrende Beschwerdeführerin beim 
Überholen aufgrund einer von ihm pflichtwidrig verursachten „Fast-Kollision“ re-
spektive blossen Berührung zwischen den Skiern zum Stürzen gebracht und da-
durch verletzt hat. Eine körperliche Kollision zwischen den Unfallbeteiligten ist 
dazu nicht erforderlich. Selbst wenn sich, wie der Angeschuldigte behauptet, le-
diglich die Skier berührt haben, wodurch A. zu Fall gebracht und am Körper ver-
letzt wurde, ergeben sich demnach aufgrund der betreffend den übrigen Unfall-
hergang im Wesentlichen übereinstimmenden Angaben der Unfallbeteiligten (vgl. 
oben E. 3 sowie E. 4. a, S. 6, 7) genügend Anhaltspunkte dafür, dass X. mit 

8

seiner Fahrweise pflichtwidrig mehrere FIS-Regeln verletzt und A. dadurch am 
Körper geschädigt hat. 

b) Wohl bleibt einzuräumen, dass die als Zeugin befragte B. einen ab-
weichenden Unfallhergang schilderte. So ist ihren Angaben zu entnehmen, dass 
das linksseitige Überholmanöver von X. bereits abgeschlossen war, als A. ihren 
Linksschwung einleitete (vgl. act. 3.16, S. 2). Ihre Angaben sind jedoch in Anbe-
tracht der Tatsache, dass es sich bei ihr um eine Freundin des Angeschuldigten 
handelt (vgl. act. 3.7, S. 1, 2; act. 3.14, S. 2; act. 3.16, S. 1), entsprechend vor-
sichtig zu würdigen. Darüber hinaus steht der von ihr dargelegte Unfallverlauf 
nicht nur im Widerspruch zur Schilderung des Angeschuldigten selbst, wonach 
dieser beim Ausführen seines Überholmanövers gesehen hat, dass die Be-
schwerdeführerin einen Richtungswechsel einleitete (vgl. act. 3.7, S. 1;  act. 3.14, 
S. 3 Ziff. 4 sowie oben E. 3, S. 5). Er erscheint auch eher unwahrscheinlich. Hätte 
nämlich A. - wie von der Zeugin behauptet -  ihren Linksschwung erst ausgeführt, 
nachdem X. sie bereits überholt hatte, so hätte die langsamer fahrende Be-
schwerdeführerin (vgl. act.  3.7. S. 1 und 4; act. 3.14, S. 3 Ziff. 3) den Angeschul-
digten gar nie erreichen können. Es wäre also gar nie zu einer Kollision bezie-
hungsweise zu einem Kontakt zwischen den Skiern gekommen, wie ihn der Be-
schwerdegegner schildert. Es sei denn, X. wäre sehr nahe an A. vorbeigefahren. 
Damit bestünde aber mit Blick auf die Pflicht zur Einhaltung eines genügenden 
Sicherheitsabstandes gemäss FIS-Regeln 3 und 4 selbst unter Annahme der 
eher unwahrscheinlichen Sachverhaltsdarstellung von B. Anlass genug, von ei-
nem pflichtwidrigen Verstoss gegen eben diese FIS-Regeln und damit von einem 
strafrechtlich relevanten Fehlverhalten des Angeschuldigten auszugehen. Der 
Überholvorgang ist nämlich stets als Ganzes zu würdigen. Der Überholende kann 
sich folglich nicht darauf berufen, nunmehr der Vordere zu sein, dem das Privileg 
von FIS-Regel 3 zukomme. Vielmehr bleibt er der Überholende und hat bei einem 
derartigen Unfall daher nach wie vor die ausschliessliche Verantwortung (vgl. H.-
K. Stiffler, a.a.O., § 2, Rz 95 Fn 87 mit Hinweisen). 

Ob ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten des Angeschuldigten 
tatsächlich gegeben ist, muss im Beschwerdeverfahren nicht abschliessend ge-
klärt werden. Nach dem Gesagten wird aber jedenfalls deutlich, dass sowohl in 
objektiver als auch in subjektiver Hinsicht Anhaltspunkte für ein solches vorlie-
gen, womit die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft mit der von ihr dar-
gelegten Begründung nicht haltbar ist. Demzufolge ist die angefochtene Einstel-
lungsverfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, 

9

welche  - nötigenfalls unter zusätzlicher Durchführung von Konfronteinvernah-
men - neu darüber zu befinden haben wird.

5. Ist die Beschwerde von A. nach dem Gesagten gutzuheissen, so 
gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Kantons Graubün-
den (Art. 160 Abs. 1 StPO). Von einer ausseramtlichen Entschädigung an A. ist 
mangels gesetzlicher Grundlage abzusehen.

10

Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfü-
gung aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Staats-
anwaltschaft zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen zu Lasten des Kantons 
Graubünden.

3. Mitteilung an:

__________

Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin