# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e3b70084-08b2-5515-822a-e828b1cd66a7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 17.08.2015 IV 2013/226
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2013-226_2015-08-17.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2013/226

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 27.05.2020

Entscheiddatum: 17.08.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 17.08.2015
Art. 28 und 28a IVG. Art. 88a IVV. Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer 
depressiven Störung bejaht, da es sich bei dieser trotz des Vorliegens von 
psychosozialen Belastungsfaktoren um ein eigenständiges psychisches 
Leiden handelt und davon auszugehen ist, dass die Sachverständigen die 
psychosozialen Belastungsfaktoren bei ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung 
ausgeklammert haben. Gutheissung der Beschwerde und Zusprache einer 
zeitlich abgestuften Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 17. August 2015, IV 2013/226).

Entscheid Versicherungsgericht, 17.08.2015

Entscheid vom 17. August 2015

Besetzung

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin 

Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea Locher

Geschäftsnr.

IV 2013/226

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, 

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.       

A.a      A.___ meldete sich im September 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen 

zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, dass 

sie B.___ die Volksschule besucht und eine Ausbildung zur Kauffrau absolviert habe. 

Von 1995 bis Ende März 2009 habe sie zu ca. 77 % als Montagearbeiterin gearbeitet. 

Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestünden seit etwa einem Jahr. Seit dem 30. 

März 2009 sei sie bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig.

A.b     Dipl. Psych. C.___, Psychiatrie-Zentrum D.___, gab am 20. Oktober 2009

gegenüber RAD-Ärztin Dr. med. E.___ an (IV-act. 12), dass die Versicherte an einer 

mittel- bis schwergradigen depressiven Episode, einem Restless-Legs-Syndrom (RLS), 

an einer Epilepsie (anfallsfrei seit 2003) sowie unter starken psychosozialen 

Belastungen (Kündigung durch Arbeitgeber, vier teilweise schwer kranke Kinder, 

schlechte Deutschkenntnisse) leide. Sie sei bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. 

Das Protokoll wurde am 28. Oktober 2009 von Dr. med. F.___, Bereichsleiter 

Ambulatorium, unterzeichnet (IV-act. 19). Einem gefaxten Bericht von Dr. med. G.___, 

Fachärztin für Neurologie vom 16. Juni 2009 (IV-act. 14) waren die Diagnosen eines 

RLS, einer Epilepsie, eines episodischen Spannungskopfschmerzes und einer 

mittelgradigen depressiven Episode zu entnehmen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.c      Die H.___ AG berichtete am 20. Oktober 2009 (IV-act. 15), dass sie die 

Versicherte vom 2. Januar 1995 bis 31. Dezember 2009 für Montagearbeiten 

beschäftigt habe. Die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen sei am 30. März 2009 

ausgesprochen worden. Ab dem 31. März 2009 sei die Versicherte zu 100 % 

krankgeschrieben gewesen. Sie

habe 32.15 Stunden pro Woche im Betrieb gearbeitet und zuletzt ein 

Jahreseinkommen von Fr. 38'512.50 erzielt.

A.d     Dr. med. I.___, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, gab am 22. Oktober 

2009 gegenüber RAD-Ärztin Dr. E.___ an (IV-act. 16 und 20), dass die Versicherte an 

Epilepsie, einem RLS und einer Depression (mit einer Art Verfolgungsangst) leide. Das 

RLS habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Das Hauptproblem stelle klar die 

depressive Symptomatik dar. Ergänzend berichtete er der IV-Stelle am 5. November 

2009 (IV-act. 20-3), dass die Versicherte anlässlich der Untersuchung vom 3. 

November 2009 von halluzinationsähnlichen Erlebnissen, allerdings mit unklarer 

Symptomatik, berichtet habe und er sie zurzeit als zu 100 % arbeitsunfähig betrachte. 

Dipl. Psych. C.___ gab am 17. Dezember 2009 gegenüber RAD-Ärztin Dr. E.___ die 

Diagnose einer schweren depressiven Störung/schweren Depression mit psychotischer 

Symptomatik und eines Verdachts auf Panikattacken an (IV-act. 22 und 27). Der 

Gesundheitszustand habe sich wegen der Mitteilung, dass die Krankentaggelder 

eingestellt würden und aufgrund der vorgezogenen Kündigung seitens der 

Arbeitgeberin auf den 30. November 2009 verschlechtert. Der Gesundheitszustand sei 

instabil. Die Versicherte sei weiterhin in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig.

A.e      Am 22. Dezember 2009 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass aufgrund ihres 

instabilen Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen 

möglich seien (IV-act. 25).

A.f       Die Klinik J.___ gab im Austrittsbericht vom 10. März 2010 an (IV-act. 42), dass 

sich die Versicherte vom 8. bis 27. Februar 2010 einer stationären Behandlung 

unterzogen habe. Die Diagnosen lauteten:

-     Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32-11);

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

-     sonstige belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ 

beeinflussen (Z63.7);

-     epileptische Anfälle seit der Kindheit;

-     Nacken-Schulter-Schmerzsyndrom;

-     Kachexie;

-     Verdacht auf Hypothalamus (Hypophyse-Achse-Störung);

-     Verdacht auf periphere Schilddrüsen-Hypofunktion;

-     arterielle Hypotonie;

-     RLS.

Die Klinikärzte erklärten, dass die depressive Symptomatik und die starke physische 

Schwäche der Versicherten im Zusammenhang mit diversen somatischen 

Beschwerden, einem starken Gewichtsverlust und einer damit einhergehenden 

Kraftlosigkeit sowie einer belastenden familiären Situation zu sehen seien. Die 

Versicherte habe sich stets motiviert gezeigt, am Rehabilitationsprogramm aktiv 

teilzunehmen. In den psychotherapeutischen Gesprächen habe sich zunächst gezeigt, 

wie schwierig es der Versicherten gefallen sei, nicht zu Hause bei ihrer Familie zu sein. 

Zwar sei sie sich bewusst gewesen, dass sie sich dringend Zeit für sich nehmen 

müsste und dass sie über sehr viele Jahre hinweg immer nur gearbeitet und nie an ihre 

Bedürfnisse gedacht habe. Trotzdem habe es den Eindruck gemacht, dass sie nie 

richtig zur Ruhe gekommen sei. Aufgrund der sprachlichen Barrieren sei während den 

Gesprächen vieles im Diffusen geblieben. Da die Versicherte jeweils erst gegen Ende 

der Stunde bereit gewesen sei, Themen wie Ängste vor dem Tod anzusprechen und 

auch auf mehrmaliges Nachfragen und Rückversichern in ihren Ausführungen sehr 

vage geblieben sei, hätten nur geringe Einsichten in die tatsächliche Problematik 

gewonnen werden können.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.g     Dr. med. K.___, Innere Medizin und Nephrologie FMH, gab am 10. April 2010 (IV-

act. 35) die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an: Mittelgradige 

depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11; seit März 2009), 

cerviko-vertebragenes Syndrom (seit August 2009), Kachexie und Epilepsie. Die letzte 

Kontrolle habe am 29. Januar 2010 stattgefunden. Es bestehe eine Progression und 

Chronifizierung mit multiplen somatischen Leiden. Die Versicherte sei als 

Montagearbeiterin vom 1. Mai bis 14. Dezember 2009 zu 50 % arbeitsunfähig 

gewesen. Seit dem 14. Dezember 2009 und bis auf Weiteres sei sie zu 100 % 

arbeitsunfähig. Aufgrund der Depression mit Kachexie sei sie kraftlos. Aktuell sei sie 

auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 %arbeitsunfähig.

A.h     Das Psychiatrie-Zentrum D.___ gab am 16. April 2010 (IV-act. 36) als Diagnosen 

mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit 

somatischem Syndrom (F32.11) und sonstige belastende Lebensumstände, die Familie 

und Haushalt negativ beeinflussten (Z63.7), an (diagnostiziert im April 2009). Dr. G.___ 

habe in ihrem Zuweisungsschreiben vom 10. März 2009 berichtet, dass die Versicherte 

in den letzten 2-3 Jahren zunehmend unter Müdigkeit, rascher Erschöpfung, Nervosität 

sowie Schlafstörungen gelitten habe. Beim Erstgespräch am 8. April 2009 habe die 

Versicherte berichtet, dass die Symptomatik schon länger bestehe, das i-Tüpfelchen 

aber die Kündigung gewesen sei. Im Verlauf sei es zu einer Zustandsverschlechterung 

sowohl psychisch als auch physisch gekommen. Die Versicherte sei blass, mager, 

kraftlos und schwach. Die Gespräche müssten zum Teil vorzeitig beendet werden, da 

die Versicherte nicht länger sitzen könne und die Gespräche sie anstrengten. Sie 

beklage aktuell deutlich depressive Symptome wie Kraftlosigkeit, Lustlosigkeit, 

Interessenverlust und Appetitlosigkeit mit weiterer Gewichtsabnahme. Vor allem leide 

sie unter der weiter bestehenden Schlaflosigkeit. Sie habe angegeben, lebensmüde zu 

sein und sie äussere immer wieder Gedanken, dass ihre Familie ohne sie besser dran 

wäre bzw. dass sie in diesem Zustand nicht mehr leben wolle. Zugenommen hätten 

Klagen über körperliche Beschwerden wie Schwindel, Atemprobleme, Gefühllosigkeit 

im Knie, Übelkeit, Erbrechen, Nervosität, Zittern und Verstopfung. In Bezug auf die 

Situation der belastenden Lebensumstände gebe es keine Verbesserungen. Die 

Versicherte mache sich zunehmend Sorgen um die Gesundheit ihres Ehemannes. Sie 

sei mit Vorbehalt, Unsicherheiten sowie Ängsten ins Psychiatrie-Zentrum gekommen 

und aufgrund von pessimistischen Zukunftsgedanken und Hoffnungslosigkeit lange 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unentschlossen gewesen, ob sie überhaupt eine Therapie machen solle. Dennoch sei 

sie regelmässig zu den Konsultationen gekommen. Es sei gelungen, die Versicherte zu 

motivieren. Inzwischen nehme sie auch ein Psychopharmakon ein, allerdings nur 

unregelmässig. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses und die Streichung des 

Krankentaggeldes hätten zu einer deutlichen Verschlechterung des psychischen 

Befindens geführt. Die Versicherte habe sich unverstanden, als Simulantin hingestellt 

und, auch aufgrund der finanziellen Situation, verzweifelt und ratlos gefühlt. Seit dem 8. 

April 2009 fänden in zweiwöchentlichen Abständen psychotherapeutische Gespräche 

statt. Die Versicherte sei seit dem 8. April 2009 in ihrer angestammten Tätigkeit als 

Fabrikangestellte zu 100 % arbeitsunfähig. Ihre Belastbarkeit sei aufgrund des 

depressiven Zustandbildes mit somatischen Symptomen stark reduziert. Die 

Konzentration und die Merkfähigkeit seien eingeschränkt. Vor allem leide die 

Versicherte aber unter Stimmungsschwankungen und häufigem grundlosem Weinen. 

Ausserdem bestehe ein starker sozialer Rückzug. Die Versicherte sei im Kontakt mit 

anderen schnell überfordert und reizbar. Suizidalität liege latent vor. Mittelfristig sei 

mindestens von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.

A.i       Am 12. Oktober 2010 wurde die Versicherte von der ABI GmbH internistisch, 

neurologisch und psychiatrisch untersucht (Gutachten vom 25. November 2010, IV-act. 

50). Die Versicherte gab anlässlich der Begutachtung an, dass sie unter 

Magenproblemen leide, schwach sei und keine Kraft habe, sich zu bewegen. Von den 

Medikamenten sei es ihr übel. Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

lauteten:

·         Leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.01, F32.11)

-       niederfrequente (wahrscheinlich idiopathische) Epilepsie mit seltenen Grand-Mal 

und möglichen kleinen Anfällen (G40.8);

-       anfallsfrei unter Carbamazepin seit 2003;

·         Spannungskopfschmerzen (G44.2).

Als Diagnosen ohne Einfluss gaben die Sachverständen die folgenden an:

·         RLS (G25.9);

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

·         Verdacht auf beginnende sensible Polyneuropathie (G62.9)

-       bei anamnestischem Vitamin B12 Mangel;

-       kachektischer Ernährungszustand.

·         rezidivierende gastritische Beschwerden (K29.7);

·         grenzwertige Leberenzymerhöhung von GPT und GOT

-       Gamma-GT und alkalische Phosphatase im Normbereich;

-       DD: bei Medikamenteneinnahme (Carbamazepin).

Der psychiatrische Sachverständige Dr. med. L.___ hielt in seinem Teilgutachten fest, 

neben einer Schmerzsymptomatik im Schulter-/Nackenbereich habe in der 

Untersuchung eine leichte bis mittelgradige depressive Symptomatik mit depressiven 

Verstimmungen, Ängsten, erhöhter Ermüdbarkeit, Antriebsstörungen, Schlafstörungen 

und vermindertem Appetit im Vordergrund gestanden. Es liege keine deutliche 

Symptomausweitung vor. Im Rahmen der Depression bestehe aber eine Somatisierung 

mit subjektiver Schmerzverstärkung. Der Medikamentenspiegel der verordneten 

Antidepressiva habe unter dem therapeutischen Bereich gelegen. Die Versicherte habe 

angegeben, dass sie inzwischen nur noch ein- bis dreimal pro Woche erbrechen 

müsse. In den Akten fänden sich keine Hinweise auf eine aktuelle Essstörung. Die 

Appetitverminderung und die Gewichtsabnahme seien im Rahmen der Depression zu 

sehen. Die Versicherte schlafe in der Nacht wenig. Das frühmorgendliche Erwachen sei 

ebenfalls ein mögliches Symptom eines somatischen Syndroms im Rahmen der 

Depression. Auch dass die Versicherte keine Lust mehr habe, im gemeinsamen Zimmer 

mit dem Ehemann zu schlafen, sei ein Symptom des somatischen Syndroms. 

Bezüglich der Arbeit bestünden negative Zukunftsperspektiven und ein verminderter 

Selbstwert. Die Versicherte fühle sich wertlos und schäme sich, weil sie nicht mehr 

arbeite. Deshalb fühle sie sich auch beobachtet. Da sie am Tag müde sei, lege sie sich 

oft hin und schlafe manchmal praktisch den ganzen Tag. Wenn es ihr besser gehe, 

könne sie eigentlich auch den Haushalt erledigen. Sie gehe nirgendwo alleine hin. 

Kolleginnen habe sie keine mehr. Manchmal besuche sie zusammen mit dem Ehemann 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dessen Schwester. Innerhalb der Familie bestehe sonst eine gute Beziehungssituation. 

Die psychosozialen Belastungen (finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann, angespannte 

finanzielle Situation, eigenes Epilepsieleiden und Epilepsieleiden des Sohnes) hätten 

seit 2009 zu einer Verstärkung der vorwiegend psychischen Störung geführt, seien als 

solche aber krankheitsfremd. Die Prognose sei aufgrund der deutlich ausgeprägten 

Krankheits- und Behinderungsüberzeugung ungünstig. Aus psychiatrischer Sicht 

bestehe in einer den körperlichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit eine 

30 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die depressive Symptomatik bewirke vor 

allem eine erhöhte Ermüdbarkeit, die einen vermehrten Pausen- und Erholungsbedarf 

erfordere. Diese Einschätzung gelte mindestens seit dem Untersuchungszeitpunkt. Für 

die Zeit davor könne aufgrund der Diagnostik des Psychiatrie-Zentrums D.___ von einer 

50 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Die Einschätzung des Psychiatrie-

Zentrums D.___, wonach die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig sei, sei aufgrund der 

gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar. Dr. med. M.___, Facharzt für Neurologie, 

erklärte in seinem Teilgutachten, dass die Versicherte eine erhebliche 

Druckempfindlichkeit der Nackenmuskulatur angegeben habe, welche etwas 

diskrepant zu dem lockeren, unauffälligen Tastbefund gewesen sei. Ein (subjektiv 

angegebenes) grenzwertig gemindertes Vibrationsempfinden an den Innenknöcheln 

und ein für das Alter grenzwertig unsicher wirkender Strichgang deuteten bei einem 

anamnestisch erwähnten Vitamin B 12 Mangel auf eine beginnende, bisher rein 

sensible Polyneuropathie hin. Das anamnestisch angegebene RLS sei möglicherweise 

als sekundäres RLS anzusehen. Die Epilepsie sei mit Carbamazepin voll befriedigend 

eingestellt und das RLS mit einem Dopaminagonisten hinreichend behandelt. Aufgrund 

der Epilepsie könne die Versicherte keine Arbeiten mit Absturzgefahr, an offenen 

Maschinen oder in Wechselschichten ausüben. Überkopfarbeiten und Tätigkeiten in 

Zwangshaltungen sowie in lauter Umgebung seien wegen der 

Spannungskopfschmerzen zu vermeiden. Angepasste Tätigkeiten könne die 

Versicherte ganztägig verrichten. Gesamthaft bestehe aus neurologischer Sicht wegen 

eines erhöhten Pausenbedarfs eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %. In der 

Gesamtbeurteilung hielten die Sachverständigen fest, dass die Arbeitsunfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit aus polydisziplinärer Sicht 30 % betrage. Die 

Leistungseinbussen aus psychiatrischer und somatischer Sicht ergänzten sich, d.h. es 

könnten die gleichen Zeitabschnitte zum Einlegen von Pausen und zur Erholung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

genutzt werden. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden. Den Beginn der 

Arbeitsunfähigkeit legten die Sachverständigen auf April 2009 fest, da sich zu diesem 

Zeitpunkt die psychiatrische Erkrankung manifestiert habe. Nach längerer 50 %iger 

Arbeitsunfähigkeit habe sich die Situation bis zum heutigen Zeitpunkt remittiert, sodass 

seit Oktober 2010 noch eine 30 %ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für die 

Haushalttätigkeit könne von einer maximalen Einschränkung von 20 % ausgegangen 

werden, da sich die Versicherte die Zeit für die Erledigung des Haushalts frei einteilen 

könne und da die Tätigkeit in einer vertrauten Umgebung stattfinde.

A.j       RAD-Ärztin Dr. E.___ erklärte am 10. Januar 2011 (IV-act. 51), dass das ABI-

Gutachten umfassend, kohärent, in sich widerspruchsfrei und aus medizinischer Sicht 

nachvollziehbar sei. Es könne vollumfänglich darauf abgestellt werden.

A.k      Die Versicherte teilte der IV-Stelle am 25. Februar 2011 auf Anfrage mit (IV-

act. 57), dass sie noch immer zu 100 % arbeitsunfähig und deshalb nicht bereit sei, 

einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Am 8. März 2011 (IV-act. 59) teilte die IV-Stelle der 

Versicherten mit, dass eine Arbeitsvermittlung nicht möglich sei, da sie sich nicht in der 

Lage fühle, eine Erwerbstätigkeit auszuüben.

A.l       Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 

1. April 2011 (IV-act. 63) gab die Versicherte u.a. an, dass sie heute auch ohne 

Behinderung keine Erwerbstätigkeit ausüben würde.

A.m    Am 10. August 2011 fand eine Haushaltabklärung statt (IV-act. 69). Die 

Versicherte gab an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe und ihr zu 

einer stationären Behandlung geraten worden sei. Bisher habe sie sich jedoch nicht zu 

einem Klinikaufenthalt entschliessen können, weil sie kaum auf Distanz zu ihrer Familie 

gehen könne und sehr schlechte Erinnerungen an den Aufenthalt in der Klinik J.___ 

habe. Die Sorge um ihre Kinder, welche seit ihrer Kindheit unter gesundheitlichen 

Problemen litten (Migräne, Epilepsie, Skoliose), habe sie schon vor dem eigentlichen 

Zusammenbruch wegen der Kündigung Ende März 2009 sehr belastet. Sie habe sich 

oft bedrückt und krank gefühlt, sei aber trotzdem zur Arbeit gegangen. Die Versicherte 

gab an, dass sie heute ohne Behinderung weiterhin im bisherigen Pensum arbeiten 

würde. Die Abklärungsperson schlug vor, die Versicherte als zu 80 % erwerbstätig und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zu 20 % im Haushalt tätig einzustufen und auf die von den ABI-Sachverständigen 

festgelegte Einschränkung von 20 % im Haushalt abzustellen.

A.n     Mit Vorbescheid vom 29. November 2011 (IV-act. 75) kündigte die IV-Stelle der 

Versicherten die Zusprache einer befristeten Viertelsrente für die Zeit vom 1. März 2010 

bis 31. Dezember 2010 an. Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten 

ergeben, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden weiterhin in einem 80 %-

Pensum als Montagemitarbeiterin tätig sein könnte. Die restlichen 20 % entfielen in den 

Aufgabenbereich. Der IV-Grad im Haushalt betrage 4 % (20 % von 20 %), derjenige im 

Erwerb 24 % (Valideneinkommen von Fr. 42'278.--, Invalideneinkommen von 

Fr. 29'595.-- [70 % des Valideneinkommens]). Gesamthaft betrage der IV-Grad ab 

Oktober 2010 somit 28 %. Da die Arbeitsfähigkeit bis Ende September 2010 50 % 

betragen habe, habe die Versicherte für die Zeit vom 1. März 2010 bis 31. Dezember 

2010 bei einem IV-Grad von 45 % (4 % im Haushalt, 40.80 % im Erwerb) einen 

Anspruch auf eine befristete Viertelsrente.

A.o     Die Procap St. Gallen-Appenzell wandte am 16. Januar 2012 ein (IV-act. 81), 

dass die Versicherte seit 2009 nie mehr arbeitsfähig gewesen sei. Die behandelnde 

Psychiaterin habe bei der Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, diagnostiziert. Sie halte 

die Versicherte für nicht arbeitsfähig. Des Weiteren sei die Anwendung der gemischten 

Methode nicht zulässig, da die Versicherte vor ca. sechs Jahren auf Anraten ihres 

Arztes von einem Vollpensum auf ein Teilzeitpensum reduziert habe. Bereits damals 

seien erste Erschöpfungssymptome aufgetreten. Dem Einwand lag ein Bericht von 

Dr. N.___ vom 11. Dezember 2011 an den Hausarzt der Versicherten bei (IV-act. 81-3 

ff.). Diesem war zu entnehmen, dass die Versicherte ihr Arbeitspensum fünf bis sechs 

Jahre vor der Kündigung der Arbeitsstelle wegen erster Symptome einer 

psychophysischen Erschöpfung auf Anraten ihres Ehemannes auf 75 % reduziert habe. 

Zu Behandlungsbeginn (Erstkonsultation am 27. Oktober 2010) habe die Versicherte 

sich sehr misstrauisch gegenüber Antidepressiva gezeigt, da sie gelesen habe, dass 

diese die Schwelle für epileptischen Anfälle senken könnten. Sie habe deshalb nur bei 

Remeron eine gute Compliance gezeigt. Der psychische Zustand habe sich seit dem 

Erstgespräch weiter verschlechtert. Die Versicherte habe berichtet, die Nähe ihrer 

Familie und ihres Ehemannes nicht mehr ertragen zu können. Sie habe versucht, sich 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

das Leben zu nehmen. Sie verspüre immer den Drang, von zu Hause weg zu laufen 

und nie wieder zurückzukommen. Sie habe das Gefühl, als Person "anders zu sein", sie 

erkenne sich selber nicht mehr. Für eine stationäre Behandlung in der Klinik O.___ habe 

sich die Versicherte bisher nicht entschliessen können, da ihr Sohn aktuell wegen der 

Epilepsie abgeklärt werde. Als Diagnosen gab Dr. N.___ eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, und eine 

andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (eigene Epilepsie, 

schwere Epilepsie des Sohnes, Tätigkeit im Haushalt und in der Fabrik, Erziehung von 

vier Kindern, Kündigung am Arbeitsplatz) an. Die Versicherte sei aus psychiatrischer 

Sicht zu 100 % arbeitsunfähig.

A.p     RAD-Psychiater Dr. med. P.___ hielt am 8. Februar 2012 fest (IV-act. 83), dass 

die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung mit 

den von Dr. N.___ beschriebenen psychosozialen Belastungsfaktoren nicht begründbar 

sei. Zudem sei es aus fachärztlicher Sicht kaum möglich, bei gleichzeitig 

diagnostizierter schwer ausgeprägter depressiver Episode eine solche Diagnose zu 

stellen. Ausserdem hätte eine Persönlichkeitsänderung bereits von den langjährigen 

Behandlern im Psychiatrie-Zentrum D.___ diagnostiziert werden müssen, da die 

damalige weniger schwerwiegende depressive Symptomatik eine 

Persönlichkeitsstörung bzw. -änderung weniger maskiert hätte. Auch der 

psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH habe das Vorliegen einer 

Persönlichkeitsstörung ausgeschlossen. Allerdings könne aufgrund des Berichts von 

Dr. N.___ nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand der 

Versicherten verschlechtert habe.

A.q     Die Procap St. Gallen-Appenzell reichte am 19. April 2012 weitere medizinische 

Berichte ein (IV-act. 85). Dr. med. Q.___, Facharzt für Neurologie FMH, hatte am 12. 

März 2012 berichtet (IV-act. 86), dass sich die psychische Verfassung der Versicherten 

durch die Auseinandersetzung mit der IV und darüber hinaus durch Sorgen um ihren 

schwer kranken Vater deutlich verschlechtert habe. Das Angebot einer tagesklinischen 

Betreuung habe sie wegen der Sorgen um den Vater und die anstehende Reise in die 

Heimat noch nicht annehmen können. In somatischer Hinsicht habe die Versicherte 

über eine deutliche Verschlechterung des RLS berichtet. Das Psychiatrie-Zentrum 

D.___ hatte am 27. Januar 2012 über die psychiatrisch-psychotherapeutische 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Behandlung vom 8. April 2009 bis 25. November 2010 berichtet (IV-act. 87). Als 

Diagnose hatte sie eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) und epileptische 

Anfälle seit der Kindheit angegeben. Während des gesamten Behandlungsverlaufs 

habe keine erkennbare Verbesserung der depressiven Symptomatik erzielt werden 

können. Die Klinik O.___ hatte in ihrem Austrittsbericht vom 15. Februar 2012 berichtet 

(IV-act. 88), dass die Versicherte vom 31. Januar bis 7. Februar 2012 hospitalisiert 

gewesen sei. Als Diagnosen hatte sie u.a. eine rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (F33.2), angegeben. Als 

aktuellen Belastungsfaktor habe die Versicherte die Epilepsieerkrankung ihres Sohnes 

genannt, der sich im Frühjahr einer schweren Operation werde unterziehen müssen. 

Zudem sei sie mit der Versorgung ihrer Familie überfordert. Die Versicherte habe initial 

unruhig und innerlich angespannt gewirkt und starke Stimmungsschwankungen 

gezeigt. Bezüglich der stationären Therapie habe sie einen ambivalenten Eindruck 

gemacht. Im Stationsmilieu sei sie nur wenig spürbar gewesen, habe sich häufig in ihr 

Zimmer zurückgezogen und über Heimweh geklagt. Eine eigentliche 

psychotherapeutische Bearbeitung der präsentierten Kernkonflikte sei von der 

Versicherten schlecht toleriert worden und habe regelmässig zu einer 

Überforderungssituation geführt. Die Versicherte sei auf ausdrücklichen Wunsch am 7. 

Februar 2012 nach Hause entlassen worden.

A.r       Dr. N.___ berichtete der IV-Stelle am 1. Juni 2012 (IV-act. 89) über ein seit 

Monaten unverändertes Zustandsbild und eine anhaltende 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit.

A.s      Am 21. September 2012 erfolgte eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung 

durch die Medizinisches Gutachterzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG-

Gutachten vom 24. September 2012, IV-act. 94). Dr. med. R.___, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie, gab als Diagnose mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit für die Zeit von April 2009 bis Dezember 2010 eine rezidivierende 

depressive Störung mit mittelgradigen Episoden mit somatischem Syndrom (F33.11) 

und für die Zeit ab Januar 2011 eine mittelgradige bis schwere depressive Episode an. 

Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten akzentuierte Persönlichkeitszüge mit 

infantilen und histrionischen Zügen (Z73.1). Dr. R.___ hielt in seiner Beurteilung fest, 

dass die Versicherte seit ca. 2006/2007 eine rezidivierende depressive Störung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

entwickelt habe, wobei für die Zeit ab April 2009, d.h. nach der Kündigung, eine 

überwiegend mittelgradige depressive Störung erhoben werden könne. Seit etwa 

Januar 2011 bestehe eine mittelgradige bis schwere depressive Störung. Es bestünden 

keine eindeutigen Hinweise für das Vorliegen psychotischer Symptome. Zwar habe die 

Versicherte gewisse optische und akustische Trugwahrnehmungen geschildert. 

Aufgrund der ungenauen Angaben sei jedoch fraglich, ob es sich hierbei um 

Halluzinationen handle. Auch paranoide Ideen hätten sich keine gefunden. Bei der 

Untersuchung seien ungenaue Angaben, ungenaue Schilderungen der Symptome, 

ungenaue zeitliche Angaben, Affektstörungen mit Affektlabilität und teils 

überschiessendem Verhalten mit psychogenen Verhaltensweisen, eine Dramatisierung 

der Beschwerden, Selbstbezogenheit und eine erhöhte Kränkbarkeit aufgefallen, die 

infantilen und histrionischen Persönlichkeitszügen entsprächen. Die Versicherte habe 

ein stark wechselndes psychisches Zustandsbild geboten. Eine andauernde 

Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung könne trotz den erhebbaren 

Belastungen und psychosozialen Problemen nicht diagnostiziert werden, da der 

Vorgeschichte keine Situationen mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder 

lebensbedrohlichen Situationen zu entnehmen seien. Die depressive Störung sei durch 

eine niedergeschlagene Stimmungslage mit Lustlosigkeit, Freudlosigkeit, 

Affektstörungen mit Affektlabilität, psychomotorischer Unruhe und Antriebsminderung 

gekennzeichnet. Die Versicherte zeige wenig Geduld, es störe sie alles und sie reagiere 

mit Hassgefühlen auf die Umgebung, auf die Familie und auf sich selbst. Die 

Versicherte leide zudem an Schlafstörungen, insbesondere an Durchschlafstörungen. 

Im Denken habe sie wenig flexibel gewirkt und sie könne andere Ansichten nicht 

akzeptieren. Die Versicherte reagiere mit Angstzuständen, wobei zum 

Untersuchungszeitpunkt keine Angstsymptome erkennbar gewesen seien, und mit 

einem sozialen Rückzug. Sie habe seit Jahren keine exogenen Kontakte mehr. 

Zusätzlich hätten sich körperliche Symptome mit Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit 

und rezidivierenden abdominellen Beschwerden erheben lassen. Seit etwa Januar 2011 

lasse sich eine Verschlechterung des psychischen Zustandbildes mit verstärkten 

depressiven Symptomen erheben. Die Versicherte habe angegeben, dass sich diese 

Verschlechterung vor allem nach dem IV-Bescheid eingestellt habe und sie sich 

unverstanden fühle. Die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, der Antrieb, 

die Interessen, die Motivation, die Anpassungsfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Versicherten seien wegen der depressiven Störung erheblich beeinträchtigt. Es hätten 

sich aber auch gewisse Ressourcen erheben lassen. So besorge die Versicherte 

zumindest teilweise den Haushalt. Sie bereite das Mittag- und Abendessen zu, gehe 

einkaufen und gehe ausser Haus. Somit hätten gewisse Aktivitäten und Interessen 

erhoben werden können. Zwar bestünden Hinweise für eine Somatisierung im Rahmen 

der depressiven Erkrankung, nicht jedoch für das Vorliegen einer somatoformen 

Schmerzstörung oder eines syndromalen Geschehens. In den Akten seien Hinweise 

bezüglich einer dissoziativen Störung beschrieben worden. Solche hätten sich im 

Rahmen der Untersuchung jedoch nicht erheben lassen. Aus psychiatrischer Sicht 

liege aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung ein psychisches Leiden mit 

Krankheitswert vor. Ein Überwiegen von psychosozialen Faktoren sei nicht 

anzunehmen, wobei an belastenden Faktoren Arbeitslosigkeit und familiäre 

Belastungen bei Epilepsieerkrankung des Sohnes hätten erhoben werden können. Aus 

rein psychiatrischer Sicht sei die Versicherte seit etwa Januar 2011 in der Tätigkeit als 

Montagearbeiterin zu 70 % und in einer adaptierten Tätigkeit zu 60 % arbeitsunfähig. 

Bei einer adaptierten Tätigkeit handle es sich um eine Tätigkeit ohne erhöhte 

emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne vermehrte 

Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung. Für die 

Haushalttätigkeit könne wegen der freien Zeiteinteilung ab Januar 2011 von einer 30 

%igen Einschränkung ausgegangen werden. Nach dem bisherigen Krankheitsverlauf 

erscheine die Prognose eher ungünstig. Trotz konsequenter psychiatrischer und 

psychotherapeutischer Behandlung sei innerhalb eines Jahres nur eine leichte 

Besserung des psychischen Zustandsbildes mit Leistungssteigerung zu erwarten. Es 

könne mit einer etwa 50 %igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit 

gerechnet werden, wobei die Motivation und Compliance eher fraglich schienen.

A.t       RAD-Arzt Dr. P.___ hielt am 19. November 2012 fest (IV-act. 95), das MGSG-

Gutachten sei in sich widerspruchsfrei, die Beurteilung sei schlüssig und die 

medizinischen Schlussfolgerungen seien plausibel nachvollziehbar. Auf das Gutachten 

könne daher abgestellt werden.

A.u     Der Rechtsdienst der IV-Stelle hielt in einer Stellungnahme vom 4. Februar 2013 

(IV-act. 96) fest, dass die rezidivierende depressive Störung aufgrund der 

gutachterlichen Feststellungen ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Umständen und subjektiven Auffassungen finde. Deshalb könne sie im Rahmen der 

invalidenversicherungsrechtlichen Leistungszusprache nicht berücksichtigt werden. 

Ausserdem sei aufgrund der Feststellung im MGSG-Gutachten, wonach die 

Compliance und Motivation der Versicherten zu einer Intensivierung der psychiatrisch-

psychotherapeutischen Behandlung fraglich erschienen, und den von der Klinik O.___ 

erwähnten Gründen für die vorzeitige Beendigung des stationären Aufenthalts 

anzunehmen, dass die Versicherte die ihr zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht 

ausreichend genutzt und umgesetzt habe. Solange durch eine tatsächlich realisierbare 

Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen 

eine wesentliche Veränderung der psychischen Befindlichkeit und damit der durch 

diese eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bewirkt werden könne, liege kein 

invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Bei der Versicherten seien daher ein 

invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden und damit eine 

sozialversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu verneinen.

A.v      Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2013 (IV-act. 99) kündigte die IV-Stelle der 

Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur 

Begründung führte sie an, dass rechtsprechungsgemäss eine rezidivierende depressive 

Störung, welche ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen Umständen und 

subjektiven Auffassungen finde, nicht als invalidisierende Einschränkung anerkannt 

werde. Dagegen liess die Versicherte am 8. April 2013 einwenden (IV-act. 100), dass 

gemäss dem Sachverständigen Dr. R.___ ein Überwiegen von psychosozialen Faktoren 

gerade nicht anzunehmen sei.

A.w     Mit Verfügung vom 18. April 2013 (IV-act. 101) wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Bezüglich des 

Einwandes verwies die IV-Stelle erneut auf die psychosozialen Belastungen.

B.       

B.a      Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

am 17. Mai 2013 durch die Procap Beschwerde erheben (act. G 1). Der Rechtsvertreter 

der Procap beantragte die Aufhebung der Verfügung, die Zusprache mindestens einer 

Dreiviertelsrente und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeverfahren. Zur Begründung führte er in Ergänzung zum Einwand an, 

inzwischen sei unbestritten, dass die Invalidität ausschliesslich mittels 

Einkommensvergleich zu ermitteln sei. Dr. R.___ habe in seinem Gutachten 

ausdrücklich festgehalten, dass zwar psychosoziale Faktoren vorlägen, diese aber 

nicht im Vordergrund stünden. Daher könne die klare Diagnose der mittelschweren bis 

schweren Depression nicht einfach als nicht invalidisierend betrachtet werden. Dass 

neben der Depression begleitend auch psychosoziale Umfeldfaktoren vorlägen, spiele 

keine Rolle. Im Übrigen dürfte es kaum psychische Erkrankungen geben, die losgelöst 

von jeglichen psychosozialen Faktoren bestünden.

B.b     Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 4. Juli 2013 die 

Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung brachte sie vor, dass die 

Frage, inwiefern die ärztliche Einschätzung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit 

invaliditätsfremde Gesichtspunkte mitberücksichtige, eine Rechtsfrage darstelle. Dr. 

R.___ habe angegeben, dass sich die Verschlechterung des psychischen 

Zustandbildes ab Januar 2011 vor allem durch den IV-Bescheid eingestellt habe und 

sich die Versicherte unverstanden fühle. Gemäss dem psychiatrischen ABI-

Sachverständigen habe sich die leichte bis mittelgradige depressive Episode unter den 

psychosozialen Belastungen mit durch die finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann 

angespannter finanzieller Situation und dem Epilepsieleiden des Sohnes manifestiert 

und seit 2009 verstärkt, was zu einer fachärztlichen Behandlung geführt habe. 

Angesichts der gutachterlichen Feststellungen werde das Beschwerdebild augenfällig 

durch die erwähnten psychosozialen Faktoren bestimmt und unterhalten. Unter diesen 

Umständen könne nicht von einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden 

gesprochen werden. Zudem könne in reaktiven Störungen, welche einer adäquaten 

ärztlichen Behandlung zugänglich seien, keine invalidisierende psychische 

Beeinträchtigung erblickt werden, da der gesetzliche Invaliditätsbegriff ansonsten seine 

Konturen verlöre. Hinzu komme, dass davon ausgegangen werden müsse, dass die 

Beschwerdeführerin die ihr zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend 

genutzt und umgesetzt habe. Und schliesslich hätten die ABI-Sachverständigen keine 

ausgeprägten organischen Befunde erwähnt, die eine quantitative Einschränkung der 

Leistungsfähigkeit infolge eines körperlichen Leidens zu begründen vermöchten. Die 

Beschwerdeführerin sei aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit daher als 

zu 100 % arbeitsfähig zu betrachten. Da unabhängig von der Methodenwahl kein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

anspruchsbegründender Invaliditätsgrad resultiere, erübrigten sich weitere 

Ausführungen dazu.

B.c      Mit einer Replik vom 7. November 2013 (act. G 14) liess die Beschwerdeführerin 

an den in der Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren festhalten.

B.d     Am 14. November 2013 teilte das Gericht dem Rechtsvertreter mit (act. G 16), 

dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege könne mangels Prozessarmut nicht 

entsprochen werden. Ohne einen ausdrücklichen Gegenbericht bis 28. November 2013 

werde davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin mit der formlosen Erledigung 

des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege einverstanden sei.

B.e      Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).

Erwägungen:

1.        

1.1      Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Renten­

anspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0 % verneint. Strittig 

ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.

1.2      Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist 

gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.3      Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich 

durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, 

das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares 

Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, 

wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich 

hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen 

Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander 

gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach Massgabe der im Einzelfall 

bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120). Wird eine Schätzung 

vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von 

Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser 

Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).

1.4      Bei nichterwerbstätigen versicherten Personen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – 

namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird für die Bemessung der Invalidität 

darauf abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung besteht, sich im bisherigen Auf­

gabenbereich zu betätigen (spezifische Methode des Betätigungsvergleichs; Art. 28a 

Abs. 2 IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt 

unter anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 

IVV). Bei versicherten Personen, die teilweise erwerbstätig sind, erfolgt die 

Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode. Dabei sind die Anteile der 

Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzustellen und der 

Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen 

(Art. 28a Abs. 3 IVG).

2.     

2.1      Vorab ist zu klären, anhand welcher Methode (Einkommensvergleich, gemischte 

Methode oder Betätigungsvergleich) die Invaliditätsbemessung im vorliegenden Fall 

vorzunehmen ist. Ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person 

auch ohne den Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, ist anhand der 

hypothetischen Verhaltensweise der versicherten Person zu prüfen. Namentlich ist 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht 

auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) 

erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle 

Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige 

Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person und deren 

berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Die Statusfrage 

beurteilt sich nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung 

entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall 

ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 146 E. 2c mit 

Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 504 E. 3.3).

2.2      Die Beschwerdeführerin ist vor Eintritt der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit 

zu 80 % erwerbstätig gewesen. Im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 1. April 2011 

hat sie angegeben, dass sie heute ohne Behinderung keine Erwerbstätigkeit ausüben 

würde. Diese Antwort ist nicht nachvollziehbar, da die Beschwerdeführerin bis zum 

Eintritt der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu 80 % erwerbstätig gewesen ist 

und keine Gründe ersichtlich sind, weshalb sie die Erwerbstätigkeit ohne 

gesundheitliche Probleme hätte aufgeben sollen. Zudem hat sie im selben Fragebogen 

angegeben, dass sie sich wegen Krankheit nicht um Stellen beworben habe. Es muss 

daher davon ausgegangen werden, dass sie die Frage falsch verstanden hat. Während 

der Haushaltabklärung vom 10. August 2011 hat die Beschwerdeführerin erklärt, dass 

sie ohne Gesundheitsschaden weiterhin zu 80 % erwerbstätig wäre. Zwar erscheint 

diese Angabe auf den ersten Blick als plausibel. Allerdings ist zu bezweifeln, dass die 

Beschwerdeführerin in diesem Zeitpunkt, d.h. als die Depression schon seit mehreren 

Jahren bestanden hat, überhaupt hat beurteilen können, wie sich ihr Leben und damit 

auch ihre Erwerbstätigkeit entwickelt hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. Hinzu 

kommt, dass ‒ insbesondere mit Blick auf die offensichtlich falsche Angabe im 

Fragebogen zur Rentenabklärung ‒ nicht ausgeschlossen werden kann, dass die 

Beschwerdeführerin die Frage erneut nicht richtig verstanden hat. So hat sie denn auch 

im Einwand gegen den ersten Vorbescheid im Jahr 2012 angeben lassen, dass sie 

heute ohne Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig wäre. Nachfolgend ist daher 

zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände überwiegend wahrscheinlich ist, dass 

die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Probleme im Verfügungszeitpunkt zu 100 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

% erwerbstätig gewesen wäre. Die Beschwerdeführerin liess im Einwand gegen den 

ersten Vorbescheid darauf hinweisen, dass sie ihr Arbeitspensum vor ca. sechs Jahren 

reduziert habe, weil bereits damals die ersten Erschöpfungssymptome aufgetreten 

seien. Aus dem IK-Auszug (IV-act. 8) geht allerdings nicht hervor, dass die 

Beschwerdeführerin in besagtem Zeitraum ihr Arbeitspensum geändert hätte. Aufgrund 

der im IK-Auszug ausgewiesenen Jahreseinkommen muss davon ausgegangen 

werden, dass sie von 1988 bis 1994 eine Teilzeitarbeitstätigkeit ausgeübt hat. In 

diesem Zeitraum hat sie drei Kinder geboren (198_, 199_, 199_). 1995 hat sie ihr 

Pensum offenbar auf 100 % erhöht. 199_ ist das vierte Kind zur Welt gekommen. Im 

Jahr X.___, als ihre Kinder ca. 2-, 3-, 6- und 10-jährig gewesen sind, hat sie ihr Pensum 

wieder reduziert. Die Reduktion des Arbeitspensums ist somit zu einem Zeitpunkt 

erfolgt, als die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Angaben noch nicht an 

depressiven Symptomen gelitten hat. Die Pensumsreduktion ist deshalb mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den hohen Betreuungsaufwand der zu diesem 

Zeitpunkt noch sehr jungen Kinder zurückzuführen gewesen, zumal der Ehemann 

offenbar stets zu 100 % erwerbstätig gewesen ist. Im Zeitpunkt des 

Verfügungserlasses (18. April 2013) ist das jüngste Kind 1_-jährig gewesen und der an 

Epilepsie erkrankte Sohn hat in einer geschützten Werkstätte gearbeitet (IV-act. 69-5). 

Die Kinder der Beschwerdeführerin haben ihren Alltag im Verfügungszeitpunkt somit 

weitgehend selbständig meistern können. Da die Beschwerdeführerin ihr 

Vollzeitpensum im Jahr 1999 oder 2000 wegen der Kinderbetreuung aufgegeben hat, 

ist davon auszugehen, dass sie im Verfügungszeitpunkt, als die Kinder nur noch wenig 

Betreuung benötigt haben, ohne gesundheitliche Probleme wieder zu 100 % 

erwerbstätig gewesen wäre. Dass sie ihr Pensum nicht bereits vor März 2009 auf 100 

% erhöht hat, kann zum einen mit dem Alter des jüngsten Sohnes, welcher zu diesem 

Zeitpunkt 1_-jährig gewesen ist und damit noch die Primarschule besucht hat, erklärt 

werden. Zum anderen ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin 

bereits ab dem Jahr 2006 oder 2007 an depressiven Symptomen wie Müdigkeit, rasche 

Erschöpfung und Schlafstörungen gelitten hat (siehe z.B. IV-act. 36). Somit wird sie 

eine Erhöhung des Arbeitspensums auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in 

Erwägung gezogen haben. Schliesslich leuchtet die spätere Wiederaufnahme einer 

Vollerwerbstätigkeit im fiktiven Gesundheitsfall auch vor dem Hintergrund der 

finanziellen Situation der Familie ein: Der Ehemann erzielt lediglich ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Jahreseinkommen von Fr. 61'100.-- (plus Schichtzulage, Stand 2011, siehe IV-

act. 69-4). Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann ca. im Jahr 

200_ ein Haus gekauft haben, welches im Jahr 201_ noch mit einer Hypothek über 

Fr. 350'000.-- belastet gewesen ist (IV-act. 69-4). Unter Berücksichtigung der 

gesamten Umstände ist deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 

ohne Gesundheitsschaden im Verfügungszeitpunkt zu 100 % erwerbstätig gewesen 

wäre. Die Invaliditätsbemessung hat daher anhand eines reinen Einkommensvergleichs 

zu erfolgen.

3.        

3.1      Als Nächstes ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht in 

ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist.

3.1.1  Die Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, das heisst, es wird nicht 

nach der Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsun­

fähigkeit verursacht. Der Gesundheitszustand ist folglich immer gesamtheitlich zu 

betrachten. Selbst eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage 

(auch) durch eine soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den 

Geltungsbereich der Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein 

verselbständigtes psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit 

nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder 

psychosozialer Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 

29. April 2014, 8C_830/2013 E. 5.2.3; BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Ist eine psychische 

Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, 

ob und in welchem Ausmass, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, der 

versicherten Person objektiv betrachtet trotz ihres psychischen Leidens eine 

Erwerbstätigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt sozial-praktisch noch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 

102 V 165; BGE 127 V 294 E. 4c und 5a).

3.1.2  Der psychiatrische ABI-Sachverständige Dr. L.___ hat für die Zeit von April 2009 

bis Oktober 2010 als Diagnose eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (mit 

somatischem Syndrom) angegeben und die Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tätigkeit von April 2009 bis September 2010 auf 50 % und ab Oktober 2010 auf 30 % 

geschätzt. Diese Einschränkung hat er mit einer erhöhten Ermüdbarkeit begründet. 

Dr. L.___ hat explizit festgehalten, dass es sich bei der depressiven Symptomatik um 

eine vorwiegend psychische Störung handle, die seit 2009 durch psychosoziale 

Belastungen, die krankheitsfremd seien, verstärkt worden sei. Das Psychiatrie-Zentrum 

D.___ hat im Oktober 2009 als Diagnose eine mittel- bis schwergradige depressive 

Episode, im Dezember 2009 eine schwere depressive Störung/schwere Depression mit 

psychotischer Symptomatik und im April 2010 eine mittelgradige depressive Episode 

mit somatischem Syndrom angegeben. Im Januar 2012 hat die Klinik rückblickend in 

einem zusammenfassenden Bericht über den gesamten Behandlungsverlauf lediglich 

noch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode angegeben. Somit 

stimmen die Diagnosen von Dr. L.___ und dem Psychiatrie-Zentrum D.___ für den 

Zeitraum April 2009 bis Oktober 2010 grundsätzlich überein. Demgegenüber weichen 

die Arbeitsfähigkeitsschätzungen weit voneinander ab, denn das Psychiatrie-Zentrum 

hat der Beschwerdeführerin von April 2009 bis November 2010 eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Dr. L.___ hat in seinem Teilgutachten Stellung zur 

abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzung des Psychiatrie-Zentrums genommen und 

erklärt, dass die attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit schon aufgrund der 

gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar sei. Das Psychiatrie-Zentrum hat in seinen 

Berichten vom Oktober 2009 und Januar 2012 angegeben, dass ‒ neben der 

depressiven Symptomatik ‒ auch starke psychosoziale Belastungen bzw. sonstige 

belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ beeinflussten, 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Es muss also davon ausgegangen 

werden, dass das Psychiatrie-Zentrum diese psychosozialen, IV-fremden Faktoren in 

seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt hat und die Schätzung deshalb höher 

ausgefallen ist als jene von Dr. L.___. Das Gutachten von Dr. L.___ ist zudem 

widerspruchsfrei und schlüssig, weshalb grundsätzlich auf seine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung abzustellen ist. Da die Beschwerdeführerin von den 

behandelnden Ärzten bereits Ende März 2009 krankgeschrieben worden ist, ist der 

Beginn der Arbeitsunfähigkeit jedoch auf März 2009 und nicht auf April 2009 

festzulegen. Dementsprechend ist die Beschwerdeführerin in einer adaptierten 

Tätigkeit von März 2009 bis September 2010 zu 50 % und ab Oktober 2010 zu 30 % 

arbeitsunfähig gewesen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.1.3  Der MGSG-Sachverständige Dr. R.___ hat für die Zeit ab Januar 2011 eine 

rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode 

diagnostiziert und die Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, d.h. einer 

Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne vermehrte 

Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung auf 60 % geschätzt. 

Dr. R.___ hat die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit einer erheblichen 

Beeinträchtigung der emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität, des Antriebs, 

der Interessen, der Motivation, der Anpassungsfähigkeit und der Dauerbelastbarkeit 

begründet. Er hat zudem angegeben, dass es sich bei der rezidivierenden depressiven 

Störung um ein psychisches Leiden mit Krankheitswert handle. Zwar bestünden 

psychosoziale Belastungsfaktoren, diese würden jedoch nicht überwiegen. 

Demgegenüber hat die Psychiaterin Dr. N.___, die die Beschwerdeführerin seit Oktober 

2010 behandelt, im Dezember 2011 über eine rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen und eine andauernde 

Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung berichtet und der Beschwerdeführerin 

ab Oktober 2010 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Weder der ABI-

Sachverständige noch der MGSG-Sachverständige oder die Klinik O.___, in welcher 

die Beschwerdeführerin vom 31. Januar bis 7. Februar 2012 hospitalisiert gewesen ist, 

haben psychotische Symptome feststellen können. Die Diagnose einer andauernden 

Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung hat die behandelnde Psychiaterin mit 

der eigenen Epilepsie und er Epilepsieerkrankung des Sohnes, der Doppelbelastung 

von Beruf und Haushalt und der Kündigung am Arbeitsplatz begründet. Dr. R.___ hat 

hierzu erklärt, dass eine solche Diagnose nicht gestellt werden könne, da der 

Vorgeschichte keine Situationen mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder 

lebensbedrohlichen Situationen zu entnehmen sei. Diese Einschätzung überzeugt, da 

es sich bei den von der behandelnden Ärztin aufgezählten Ursachen nicht um eine 

Belastung katastrophalen Ausmasses handelt (siehe ICD-10: F62.0). Auch RAD-Arzt Dr. 

P.___ hat unter Hinweis auf weitere Unstimmigkeiten darauf hingewiesen, dass diese 

Diagnose im vorliegenden Fall nicht gestellt werden könne. Die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin überzeugt daher nicht, da 

sie diese gestützt auf (mit überwiegender Wahrscheinlichkeit) falsche Diagnosen 

abgegeben hat. Das Gutachten von Dr. R.___ hingegen ist widerspruchsfrei und die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet insbesondere aufgrund der detaillierten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 24/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Umschreibung der arbeitsfähigkeitseinschränkenden Faktoren ein. Lediglich die 

(rückwirkende) Festlegung des Zeitpunkts des Eintritts der Verschlechterung des 

psychischen Gesundheitszustandes und damit des Beginns der 60 %igen 

Arbeitsunfähigkeit ist nicht nachvollziehbar. Denn den medizinischen Akten ist nicht zu 

entnehmen, dass sich im Januar 2011 eine gesundheitliche Verschlechterung 

eingestellt hätte. Die Einschätzung von Dr. R.___ basiert somit einzig auf der Angabe 

der Beschwerdeführerin, die während der Begutachtung durch ungenaue zeitliche 

Angaben imponiert hat. Die Angabe der Beschwerdeführerin, dass sich die 

Verschlechterung nach dem Erhalt eines IV-Bescheides im Januar 2011 eingestellt 

habe, ist denn auch nicht schlüssig, denn zu diesem Zeitpunkt ist kein solcher 

Entscheid ergangen. Die Beschwerdeführerin ist am 31. Januar 2012 in die Klinik O.___ 

eingetreten. Aus dem Umstand, dass sich die ‒ stationären Klinikaufenthalten 

abgeneigte ‒ Beschwerdeführerin im Januar 2012 doch zu einer Hospitalisation 

entschlossen hat, kann geschlossen werden, dass sich ihr Gesundheitszustand noch 

einmal verschlechtert hat. Die Klinik O.___ hat denn auch eine gegenwärtig 

schwergradige rezidivierende depressive Störung diagnostiziert. Hinzu kommt, dass 

die Beschwerdeführerin Ende November/Anfang Dezember 2011 den ersten 

Vorbescheid mit Zusprache einer nur befristeten Viertelsrente erhalten hat. Möglicher­

weise hat es sich bei dem gegenüber Dr. R.___ erwähnten IV-Bescheid also um diesen 

Vorbescheid gehandelt. Vor diesem Hintergrund ist überwiegend wahrscheinlich, dass 

die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes im Januar 2012 

eingetreten ist. Daher ist davon auszugehen, dass sich die psychisch bedingte 

Arbeitsunfähigkeit erst im Januar 2012 von 30 % auf 60 % erhöht hat.

3.1.4  Die Beschwerdegegnerin ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus psy­

chischer Sicht ausgegangen. Sie hat diese Einschätzung damit begründet, dass das 

Beschwerdebild durch psychosoziale Faktoren bestimmt und unterhalten werde, die 

depressive Störung einer adäquaten ärztlichen Behandlung zugänglich sei und die 

Beschwerdeführerin die ihr zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend 

genutzt und umgesetzt habe. Hierzu ist anzumerken, dass der ABI-Sachverständige 

wie auch der MGSG-Sachverständige unmissverständlich darauf hingewiesen haben, 

dass die Beschwerdeführerin an einer psychischen Störung mit Krankheitswert leide. 

Wie die Beschwerdegegnerin trotzdem gestützt auf die "gutachterlichen 

Feststellungen" zum Schluss gekommen ist, dass die depressive Störung ihre 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 25/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

hinreichende Erklärung in psychosozialen Umständen und subjektiven Auffassungen 

finde, ist unerklärlich. Aufgrund der expliziten Auseinandersetzung der psychiatrischen 

Sachverständigen mit den psychosozialen Belastungsfaktoren muss gerade davon 

ausgegangen werden, dass sie diese in ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung 

ausgeklammert haben. Zudem hat, wie auch Dr. R.___ erklärt hat, sehr wohl eine 

konsequente psychotherapeutische Therapie stattgefunden: Während der Behandlung 

im Psychiatrie-Zentrum O.___ von April 2009 bis November 2010 hat die 

Beschwerdeführerin in zweiwöchentlichen Abständen an psychotherapeutischen 

Gesprächen teilgenommen, wobei sie keinen einzigen Termin abgesagt hat (siehe IV-

act. 36-3). Seit Oktober 2010 ist sie in Behandlung bei der Psychiaterin Dr. N.___. 

Zudem hat sie im Februar 2010 einen stationären Aufenthalt in der Klinik J.___ 

absolviert. Der Medikamentenspiegel der verordneten Antidepressiva hat bei der ABI-

Begutachtung unter den therapeutischen Bereichen gelegen. Dies ist u.a. darauf 

zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin Angst davor hat, dass die Antidepressiva 

die Schwelle für epileptische Anfälle senken könnten. Offenbar ist es bisher nicht 

gelungen, der Beschwerdeführerin diese Angst zu nehmen (siehe IV-act. 81-4). Es wird 

daher die Aufgabe der behandelnden Psychiaterin sein, die Beschwerdeführerin 

gründlichst über das sehr geringe Risiko einer Anfallsprovokation (siehe epi info, 

Behandlung psychischer Störungen bei Epilepsie, www.swissepi.ch/fileadmin/pdf/

Zentrum/Behandlung_psychischer_Stoerungen_bei_Epilepsie.pdf, besucht am 24. Juli 

2015) aufzuklären und sie zu einer regelmässigen Einnahme der verordneten 

Medikamente zu ermutigen bzw. anzuhalten. Für die Vergangenheit kann die 

unregelmässige Medikamenteneinnahme der Beschwerdeführerin unter diesen 

Umständen nicht zum Nachteil gereichen. Schliesslich ist noch zu beachten, dass die 

von Dr. R.___ angegebene fragliche Motivation und Compliance der 

Beschwerdeführerin bezüglich einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung 

offenbar (auch) auf das psychische Störungsbild selbst zurückzuführen ist. Denn Dr. 

R.___ hat angegeben, dass die Motivation der Beschwerdeführerin aufgrund der 

depressiven Störung erheblich beeinträchtigt sei. Die von der Beschwerdegegnerin 

angeführten Argumente sind daher nicht stichhaltig.

3.1.5  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aus 

psychischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 26/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

von März 2009 bis September 2010 zu 50 %, von Oktober 2010 bis Dezember 2011 zu 

30 % und ab Januar 2012 zu 60 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist.

3.2      Somit bleibt noch die Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht zu überprüfen. 

Der ABI-Sachverständige Dr. M.___ hat als Diagnosen mit Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit eine niederfrequente Epilepsie mit seltenen Grand-Mal und möglichen 

kleinen Anfällen und Spannungskopfschmerzen angegeben. Die Epilepsie sei mit 

Carbamazepin voll befriedigend eingestellt. Aufgrund der genannten Diagnosen dürfe 

die Beschwerdeführerin keine Arbeiten an offenen Maschinen oder in 

Wechselschichten oder in lauter Umgebung, keine Arbeiten mit Absturzgefahr, keine 

Überkopfarbeiten und keine Tätigkeiten in Zwangshaltungen ausüben. Zudem benötige 

sie vermehrte Pausen im Umfang von 20 %. Während die genannten qualitativen 

Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht überzeugen, ist die 

zusätzlich eingeräumte quantitative 20%ige Einschränkung aufgrund der organischen 

Befunde nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Eine Begründung für den erhöhten 

Pausenbedarf hat der Sachverständige nicht angeführt. Da die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht durchgehend zu mindestens 30 % 

eingeschränkt ist und gemäss den ABI-Sachverständigen für die psychischen und 

somatischen Leiden dieselben Zeitabschnitte zum Einlegen von Pausen genutzt 

werden können, kann die Frage, ob in somatischer Hinsicht eine 20 %ige 

Arbeitsunfähigkeit besteht, jedoch offen gelassen werden.

4.        

4.1      Die Arbeitsunfähigkeit ist Ende März 2009 eingetreten. Das Wartejahr gemäss 

Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hat somit frühestens am 1. März 2009 zu laufen begonnen. Die 

Beschwerdeführerin hat sich im September 2009 zum Bezug von Leistungen der Inva­

lidenversicherung angemeldet. Die sechsmonatigen Frist nach Art. 29 Abs. 1 IVG ist ‒

wie auch das Wartejahr ‒ am 28. Februar 2010 abgelaufen. Die Beschwerdeführerin 

hätte somit frühestens ab dem 1. März 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente.

4.2      Anzumerken bleibt, dass Dr. R.___ in seinem Gutachten vom September 2012 

die Prognose aufgestellt hat, dass innerhalb eines Jahres mit einer leichten Besserung 

des psychischen Zustandsbildes und einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf ca. 50 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 27/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

% gerechnet werden könne. Sollte der Beschwerdeführerin eine unbefristete 

Invalidenrente zugesprochen werden, müsste die Beschwerdegegnerin diese daher 

zeitnah überprüfen.

5.        

5.1      Schliesslich ist noch der Einkommensvergleich vorzunehmen. Die Beschwerde­

führerin hat zuletzt als Hilfsarbeiterin Montagearbeiten ausgeführt. Seit April 2008 hat 

sie einen Stundenlohn von Fr. 22.95 erhalten. Aus den monatlichen Lohnabrechnungen 

ist jedoch ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin einen 13. Monatslohn erhalten hat 

(siehe z.B. IV-act. 15-23/32) und ihr ‒ offenbar in unregelmässigen Abständen ‒ ein 

unterschiedlich hoher "Zetflex Bonus" vergütet worden ist (siehe z.B. IV-act. 

15-18/30/33). Da die Beschwerdeführerin zeitweise sogar Überzeit geleistet hat (siehe 

z.B. IV-act. 15-27/33), ist auch unklar, welchem Pensum der im IK-Auszug angegebene 

Lohn entspricht. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin zuletzt in einem 80 %-

Pensum gearbeitet hat, die Validenkarriere jedoch einer Vollerwerbstätigkeit entspricht. 

Unter Umständen hätte sie im gleichen Betrieb bei einem 100 %-Pensum mehr Lohn 

erhalten als in einem Teilzeitpensum. Und schliesslich ist das Arbeitsverhältnis aus 

wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden, weshalb sich die Beschwerdeführerin im 

Gesundheitsfall eine neue Arbeitsstelle hätte suchen müssen. Unter diesen Umständen 

kann das Valideneinkommen nicht anhand des zuletzt erzielten Einkommens bestimmt 

werden. Die Beschwerdeführerin hat in B.___ von 1981-1984 eine Ausbildung zur 

Kauffrau absolviert. Zumindest in der Schweiz hat sie jedoch nie auf diesem Beruf 

gearbeitet. Da sich die Tätigkeit der Kauffrau aufgrund der technischen Entwicklung 

seit ihrer Ausbildung zudem völlig verändert hat, sind ihre damals erworbenen 

Kenntnisse in der heutigen Berufswelt nicht mehr verwertbar. Die Beschwerdeführerin 

hätte sich somit im Gesundheitsfall nach der Kündigung wieder eine 

Hilfsarbeiterinnentätigkeit suchen müssen. Für die Bemessung des Valideneinkommens 

ist deshalb auf den durchschnittlichen Jahreslohn einer Hilfsarbeiterin im Zeitpunkt des 

frühestmöglichen Rentenbeginns (März 2010) abzustellen. Auch die Invalidenkarriere 

besteht in einer Hilfsarbeiterinnentätigkeit. Da die Grundlagen für die Berechnung des 

Validen- und Invalideneinkommens somit gleich hoch sind, kann ein Prozentvergleich 

vorgenommen werden. Zu prüfen bleibt noch, ob die Beschwerdeführerin aufgrund des 

Gesundheitsschadens verhältnismässig weniger verdienen würde, als wenn sie gesund 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 28/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

geblieben wäre, d.h. ob ein Tabellenlohnabzug angezeigt ist. Die Beschwerdeführerin 

leidet an einer mittelgradigen bis schweren depressiven Störung und ist damit in ihrer 

psychischen Gesundheit erheblich beeinträchtigt. Das Krankheits- und Ausfallrisiko ist 

aufgrund der Depression erheblich erhöht. Zudem wird ein zukünftiger Arbeitgeber auf 

die Leistungsschwankungen und die erheblichen Beeinträchtigungen der Belastbarkeit, 

der Anpassungsfähigkeit und der geistige Flexibilität Rücksicht nehmen müssen. Ein 

Tabellenlohnabzug von 15 % erscheint deshalb angemessen. Diese rein 

betriebswirtschaftlichen bzw. ökonomischen Faktoren haben in den 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen der psychiatrischen Sachverständigen selbstverständlich 

nicht berücksichtigt werden können, da sie mit der aus medizinischer Sicht zumutbaren

Arbeitsleistung nichts zu tun haben.

5.2      Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVG ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die 

Herabsetzung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem 

angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in 

jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei 

Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Eine 

Verschlechterung der Erwerbfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne 

wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Abs. 2). Der 

Invaliditätsbemessung ist für die Zeit vom 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 somit 

in analoger Anwendung dieser Bestimmung eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, für die 

Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 eine solche von 30 % und ab dem 1. April 

2012 eine solche von 60 % zugrunde zu legen. Gestützt auf einen Prozentvergleich 

beträgt der IV-Grad für die Periode 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 folglich 57.5 

% [50 % + (50 % x 0.15)], für die Periode 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 40.5 % [30 

% + (70 % x 0.15)] und ab 1. April 2012 66 % [60 % + (40 % x 0.15)].

5.3      Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdeführerin für den 

Zeitraum 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 eine halbe Rente, für den Zeitraum 1. 

Januar 2011 bis 31. März 2012 eine Viertelsrente und für die Zeit ab 1. April 2012 eine 

Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe wird die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

6.        

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 29/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.1      Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver­

fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin 

zurückzuerstatten.

6.2      Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der 

Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. In einem Fall mit mittlerem Aufwand 

und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 

3'500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin 

entsprechend mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu 

entschädigen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.     

In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 18. April 2013 aufgehoben 

und der Beschwerdeführerin wird für die Zeit vom 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 

eine halbe Rente, für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 eine Viertelsrente 

und ab dem 1. April 2012 eine Dreiviertelsrente zugesprochen; zur Festsetzung der 

Rentenhöhe wird die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.     

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der 

bis 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 30/30

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

3.     

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'500.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 17.08.2015
	Art. 28 und 28a IVG. Art. 88a IVV. Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer depressiven Störung bejaht, da es sich bei dieser trotz des Vorliegens von psychosozialen Belastungsfaktoren um ein eigenständiges psychisches Leiden handelt und davon auszugehen ist, dass die Sachverständigen die psychosozialen Belastungsfaktoren bei ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgeklammert haben. Gutheissung der Beschwerde und Zusprache einer zeitlich abgestuften Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. August 2015, IV 2013/226).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T08:51:45+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen