# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f66a129-5e32-5428-99a8-95fba632deb5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-26
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 26.04.2022 SST.2021.65
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-65_2022-04-26.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

 

SST.2021.65 

(ST.2020.59; STA2019.3551) 

 

 

Urteil vom 26. April 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Lienhard  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiberin P. Gloor        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg, 

[…] 

 

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am [tt.mm.1957], von Eiken, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Raphael Haltiner,  

[…]   

 

 
 

Gegenstand  Beschimpfung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Strafbefehl vom 17. April 2020 sprach die Staatsanwaltschaft Rheinfel-

den-Laufenburg den Beschuldigten wegen Beschimpfung gemäss Art. 177 

Abs. 1 StGB schuldig. 

 

Sachverhalt: 
 
Beschimpfung 
Art. 177 Abs. 1 StGB 
 
Der Beschuldigte hat jemanden durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in 
seiner Ehre angegriffen.  
 
Zwischen dem Beschuldigten einerseits und seinem Schwager C. und seiner Schwester A. 
andererseits kam es seit zirka ab März 2017 diverse Male zu verbalen, teilweise tätlichen 
Auseinandersetzungen.  
 
Am 06. Mai 2019 hat der Beschuldigte an seinem Wohnort in U., [Strasse und Hausnum-
mer] anlässlich einer familiären Auseinandersetzung im Garten A. als «X-beinige Drecks-
futze" beschimpft.  
 
A. erstattete am 04. August 2019 Anzeige wegen Beschimpfung.  
 
Ort:  U., [Strasse und Hausnummer] 
Zeit: 06. Mai 2019, ca. 16.30 – 17.00 Uhr 
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
 
dem oben aufgeführten Gesetzesartikel sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 42 
Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 StGB 
 
Der Beschuldigte wird verurteilt zu: 
 
1. Einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 80.00, bedingt aufgeschoben bei ei-

ner Probezeit von 2 Jahren.  
 
2. Einer Busse von  CHF 200.00 
 Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe 

von 3 Tagen.  
 
3. Den Kosten  
 - Strafbefehlsgebühr  CHF 600.00 
 
 Rechnungsbetrag  CHF 800.00  
 
 Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, wird separat 

verfügt.  
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.  
 
5. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen.  
 
 

 - 3 - 

 

 

 

Erläuterungen zur bedingten Strafe: 
Wer zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt wurde, muss diese einstweilen nicht bezahlen. 
Im Falle des Wohlverhaltens während der angesetzten Probezeit entfällt eine Bezahlung 
endgültig. Wer während der Probezeit erneut straffällig wird oder Weisungen missachtet 
und sich der Bewährungshilfe entzieht, muss damit rechnen, die Geldstrafe zusätzlich zur 
neuen Strafe zahlen zu müssen.  

 

1.2. 

Auf Einsprache des Beschuldigten hin hielt die Staatsanwaltschaft Rhein-

felden-Laufenburg mit Verfügung vom 8. September 2020 am Strafbefehl 

fest und überwies die Akten zur Durchführung des Hauptverfahrens an das 

Bezirksgericht Laufenburg.  

 

2. 

2.1. 

Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Präsidenten des Bezirksgerichts 

Laufenburg vom 5. Januar 2021, die zusammen mit der Hauptverhandlung 

im Verfahren ST.2020.61 gegen C. stattfand (Verfahrensnummer Bezirks-

gericht Laufenburg) bzw. SST.2021.66 (Verfahrensnummer Obergericht), 

wurden der Beschuldigte und C. als Beschuldigte und A. als Privatklägerin 

befragt.  

 

2.2. 

Mit Urteil vom 17. Februar 2021 erkannte der Präsident des Bezirksgerichts 

Laufenburg:  

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB.  
 
2. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmung sowie gestützt 
auf Art. 34 StGB und Art. 47 StGB zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen verurteilt. Der 
Tagessatz wird auf Fr. 70.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 700.00. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB für die Geldstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre fest-
gesetzt.  
 
4. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmung und gestützt auf 
Art. 42 Abs. 4 StGB und Art. 106 Abs. 3 StGB zu einer Busse von Fr. 200.00 verurteilt.  
5. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen 
vollzogen.  
 
6. 
Der Antrag der Zivil- und Strafklägerin auf Zusprechung einer Genugtuung von Fr. 2'000.00 
wird abgewiesen.  
 
 
 

 - 4 - 

 

 

 

7. 
7.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gebühr von Fr. 1'200.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von  Fr. 0.00 
c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr. 0.00 
d) den Kosten für Übersetzungen von  Fr. 0.00 
e) den Kosten für Gutachten von Fr. 0.00 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr. 0.00 
g) den Spesen von Fr. 248.00 
h) den anderen Auslagen  Fr. 0.00 
i) der Anklagegebühr Fr. 600.00 
Total Fr. 2'048.00 
 
7.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. a, g und i im Gesamt-
betrag von Fr. 2'048.00 auferlegt.  
 
8. 
Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten selber. 
 
9. 
Die Zivil- und Strafklägerin trägt ihre Parteikosten selber.  

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte erklärte gegen das ihm am 19. Februar 2021 sogleich in 

begründeter Version zugestellte Urteil vom 17. Februar 2021 am 8. März 

2021 die Berufung. Er stellte folgende Anträge: 

 

1. 
In Gutheissung vorliegender Berufung seien die Dispositivziffern 1 – 5 und 7 und 8, somit 
nicht Dispositivziffer 6 und nicht Dispositivziffer 9, des erstinstanzlichen Urteils vom 
17.02.2021 des Strafgerichtspräsidiums Laufenburg im Verfahren ST.2020.59 aufzuheben 
und Dispositivziffer 1 wie folgt neu zu fassen: 
 
«Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Beschimpfung gemäss Art. 177 
Abs. 1 StGB.» 
 
2. 
Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten seien der Staatskasse aufzuerlegen und aus dieser 
dem Beschuldigten eine Parteientschädigung auszurichten von Fr. 3'957.70. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse im vorliegenden zweit-
instanzlichen Verfahren.  

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 14. April 2021 stellte der Verfahrensleiter fest, dass die 

Privatklägerin nicht am Berufungsverfahren teilnimmt. Ausserdem ordnete 

er, nachdem die Parteien ihr Einverständnis zum schriftlichen Verfahren 

erklärt hatten, das schriftliche Berufungsverfahren an, wobei die Durchfüh-

 - 5 - 

 

 

 

rung einer Verhandlung vorbehalten wurde für den Fall, dass sie sich auf-

grund der schriftlichen Berufungsbegründung oder der Berufungsantwort 

als notwendig erweisen sollte. 

 

3.3. 

Mit Berufungsbegründung vom 30. April 2021 hielt der Beschuldigte an sei-

nen bereits mit Berufungserklärung gestellten Anträgen 1 und 2 fest. Sei-

nen Antrag 3 änderte er wie folgt ab: 

 

3. 
Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen und aus dieser 
dem Beschuldigten eine Parteientschädigung für das Berufungsverfahren auszurichten 
von Fr. 4'659.10.  

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg beantragte am 6. Mai 

2021 die Abweisung der Berufung, unter Kostenfolge.  

 

3.5. 

Am 16. Januar 2022 ordnete der Verfahrensleiter das mündliche Beru-

fungsverfahren mit Befragung des Beschuldigten und A. an.  

 

3.6. 

Die Berufungsverhandlung fand am 26. April 2022 statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte verlangt einen Freispruch vom Vorwurf der Beschimp-

fung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. Das 

Urteil des Präsidenten des Bezirksgerichts Laufenburg vom 17. Februar 

2021 ist in den Ziffern 1 bis 5 sowie 7 und 8 angefochten und entsprechend 

zu überprüfen. Unangefochten geblieben und deshalb nicht mehr zu über-

prüfen sind die Ziffern 6 und 9 betreffend die Zivilforderung sowie die Ent-

schädigung der Privatklägerin (vgl. Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte macht eine Verletzung seines rechtlichen Gehörs gel-

tend. Er habe die Akten des Erwachsenenschutzverfahrens [Verfahrens-

nummer] betreffend Validierung des Vorsorgeauftrages von D. nie einse-

hen können. Die Vorinstanz habe sich auf Tatsachen aus diesem Verfahren 

bezogen, was nicht zulässig sei (Berufungsbegründung Ziff. I. 3. bis 5.).   

 

 - 6 - 

 

 

 

2.2. 

2.2.1. 

Die Staatsanwaltschaft und die Gerichte ziehen Akten anderer Verfahren 

bei, wenn dies für den Nachweis des Sachverhalts oder die Beurteilung der 

beschuldigten Person erforderlich ist (Art. 194 Abs. 1 StPO).  

 

Mit Schreiben vom 20. November 2020 beantragte der Beschuldigte um 

Einsicht in die Akten des Erwachsenenschutzverfahrens [Verfahrensnum-

mer]. Mit Verfügung vom 23. November 2020 wies der Präsident des Be-

zirksgerichts Laufenburg das Gesuch ab, weil nicht erkennbar sei, dass 

diese Akten für das vorliegende Strafverfahren relevant seien (VA act. 200 

f.).  

 

Partei im Verfahren [Verfahrensnummer] ist D.. Da es im Erwachsenen-

schutzverfahren um persönliche, für das vorliegende Strafverfahren nicht 

offensichtlich relevante Angelegenheiten von D. geht, ist nicht zu beanstan-

den, dass die Vorinstanz das Akteneinsichtsgesuch des Beschuldigten ab-

gewiesen hat.  

 

2.2.2. 

Den Vorwurf der Gehörsverletzung erhebt der Beschuldigte vor allem in 

Zusammenhang mit der Würdigung der Aussagen von D. vom 12. Juli 2019 

bei der Kantonspolizei Aargau durch die Vorinstanz (Berufungsbegründung 

Ziff. II. 1. bis 3.). Die Vorinstanz befand, es sei gerichtsnotorisch, dass D. 

in fortgeschrittenem Stadium dement und schwerhörig sei. Sie habe bei der 

Befragung einen verwirrten Eindruck hinterlassen. Die Vorinstanz hat ihre 

den Beschuldigten entlastenden Aussagen deshalb relativierend berück-

sichtigt (vorinstanzliches Urteil E. 2.1.1. und 2.4.). 

 

Anhaltspunkte dafür, wie es um den gesundheitlichen Zustand von D. im 

Zeitpunkt der mutmasslichen Beschimpfung vom 6. Mai 2019 bzw. im Zeit-

punkt der Einvernahme vom 12. Juli 2019 tatsächlich stand, wären allen-

falls den familienrechtlichen Akten, die der Vorinstanz bekannt waren, zu 

entnehmen. Von diesen Akten hatte der Beschuldigte weder Kenntnis noch 

wurden sie im vorliegenden Verfahren beigezogen. Demnach geht es nicht 

an, eine Demenzerkrankung oder Schwerhörigkeit von D. bei der Aussa-

genwürdigung als gerichtsnotorisch zu berücksichtigen (vorinstanzliches 

Urteil E. 2.4.).  

 

Die Aussagen von D. vom 12. Juli 2019 sind im Berufungsverfahren des-

halb einzig wie im Strafverfahren protokolliert und unabhängig von weite-

ren, nicht aus den Strafakten ersichtlichen Tatsachen zu würdigen. Eine 

allfällige Gehörsverletzung ist damit geheilt.   

 

 - 7 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz beurteilte die Aussagen von A. als glaubhaft. Sie stellte auf 

diese ab und erachtete den Sachverhalt, wie in der Anklage dargelegt, als 

erstellt. Danach soll der Beschuldigte seine Schwester A. am 6. Mai 2019 

in U., an der [Strasse und Hausnummer], als "x-beinige Drecksfutze" be-

schimpft haben. Zwischen dem Beschuldigten, seiner Schwester A. und 

seinen Brüdern E. und F. soll es seit mehreren Jahren Auseinandersetzun-

gen im Zusammenhang mit der betagten Mutter D. geben. Da D. bei der 

Auseinandersetzung vom 6. Mai 2019 nicht von Anfang an dabei gewesen 

sei und anlässlich der Befragung vom 12. Juli 2019 einen verwirrten Ein-

druck hinterlassen habe, sei sie nicht die Kronzeugin, als die der Beschul-

digte sie sehe (vorinstanzliches Urteil E. 2.1.1. und 2.4.).  

 

3.2. 

Der Beschuldigte macht eine falsche Sachverhaltsfeststellung durch die 

Vorinstanz geltend. Insgesamt würden keine Anhaltspunkte dafür vorlie-

gen, dass D. während der Einvernahme vom 12. Juli 2019 in gesundheitli-

cher Hinsicht beeinträchtigt gewesen sei. Auch der einvernehmenden Kan-

tonspolizistin sei nichts dergleichen aufgefallen. Die Aussagen von D. seien 

glaubhaft und es sei uneingeschränkt auf diese abzustellen.  

 

A. habe die angebliche Beschimpfung als "x-beinige Drecksfutze" erfun-

den. Wegen der geltend gemachten Genugtuungsforderung habe sie ein 

Interesse an seiner Verurteilung. D. hingegen habe kein Interesse am Aus-

gang des Verfahrens, weshalb ihre Aussagen am glaubhaftesten seien. 

Ausserdem könne A. den korrekten Wortlaut der Beschimpfung nicht mehr 

wiedergeben, was ihre Aussagen unglaubhaft mache. Weder die Vo-

rinstanz noch die Staatsanwaltschaft hätten dargelegt, weshalb sie auf die 

Formulierung "x-beinige Drecksfutze" und nicht "Fotze mit X-Beinen" abge-

stellt haben. Zudem sei nicht klar, warum die Vorinstanz den Beschuldigten 

als impulsiv beschreibe. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

sei kein impulsives Verhalten festzustellen gewesen.  

 

3.3. 

3.3.1. 

Der Beschuldigte und A. machen unterschiedliche Aussagen zum ange-

klagten Vorfall vom 6. Mai 2019. Deshalb ist eine Würdigung ihrer Aussa-

gen vorzunehmen. Es kann vorab auf die korrekten Zusammenfassungen 

ihrer Aussagen sowie diejenigen von C. und D. im vorinstanzlichen Urteil 

verwiesen werden (vgl. E. 2.2.1. bis 2.2.4.). Sie werden nachfolgend, wo 

erforderlich, ergänzt. 

 

3.3.2. 

Unbestritten ist, dass sich der Beschuldigte sowie A. und C. am 6. Mai 2019 

an der [Strasse und Hausnummer] in U. begegnet sind, dass es Streit gab 

 - 8 - 

 

 

 

und dass D. irgendwann hinzugekommen ist (Untersuchungsakten [UA] 

act. 48 Frage 9; UA act. 66 Frage 12). Zu klären ist, ob der Beschuldigte A. 

mit den Worten "x-beinige Drecksfutze" beschimpft hat.  

 

Die Aussagen der Beteiligten sind insbesondere auch in Berücksichtigung 

der langjährigen Streitigkeiten zwischen ihnen, die ca. im März 2017, nach-

dem A. die finanziellen Angelegenheiten von D. übernommen hatte, begon-

nen haben (UA act. 50 Frage 21; UA act. 52 f. Frage 41; UA act. 65 Frage 

7; vorinstanzliches Urteil E. 2.4.) und die bis mindestens zum vorliegend 

interessierenden Vorfall andauerten, zu würdigen. A. ist von D. als Vorsor-

gebeauftragte eingesetzt worden. A. und C. kümmern sich ausserdem um 

den Garten der D. gehörenden Liegenschaft [Strasse und Hausnummer] in 

U. (UA act. 48 Frage 9; UA act. 65 Frage 7). In einer Wohnung in diesem 

Zweifamilienhaus wohnt der Beschuldigte. Diesem wird von A. (und den 

beiden anderen Brüdern) vorgeworfen, D. seit 2009 keine Mietzinse bezahlt 

zu haben (UA act. 65 Frage 7).  

 

3.3.3. 

Gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach sei-

ner aus dem ganzen Verfahren gewonnenen Überzeugung. Bestehen un-

überwindbare Zweifel, so geht es von der für den Beschuldigten günstige-

ren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Lediglich abstrakte und theoreti-

sche Bedenken sind jedoch nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann (BGE 138 V 74 

E. 7; Urteil des Bundesgerichts 6B_1427/2017 vom 25. April 2018 E. 1.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_253/2016 vom 29. März 2017 E. 1.3.2). Der 

Grundsatz "in dubio pro reo" ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht 

des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 

worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante 

Zweifel bestehen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2 mit Hinweisen; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_850/2018 vom 1. November 2018 E. 1.1.2 mit Hinwei-

sen). 

 

3.4. 

Der Beschuldigte wehrt sich hauptsächlich gestützt auf die Aussage von 

D., wonach er am 6. Mai 2019 nichts gemacht habe (UA act. 100 f. Fragen 

52, 59 und 60), gegen den Vorwurf der Beschimpfung. Ihre Aussagen sind 

seiner Ansicht nach verwertbar und glaubhaft. Falls D. tatsächlich verwirrt 

gewirkt hätte oder der einvernehmenden Polizistin aufgefallen wäre, dass 

sie schlecht höre, hätte dies im Protokoll festgehalten werden müssen, was 

aber nicht so sei (Berufungsbegründung II. Ziff. 8 S. 9).  

 

3.5. 

3.5.1. 

An der Glaubhaftigkeit der Aussagen von D. sind im Hinblick auf ihre teil-

weise wenig detaillierten bzw. lediglich die Zusammenfassungen/Fragen 

 - 9 - 

 

 

 

der Polizistin bejahenden Antworten, Gedächtnislücken, Schwierigkeiten 

mit zeitlichen Einordnungen oder Verständnisschwierigkeiten in Bezug auf 

die Fragen Zweifel anzubringen. So hat sich D. auf die Frage, wann C. die 

Schimpfworte gemäss Frage 34 ("Missgeburt", "Superschlauer", "Dreck-

sau") zum Beschuldigten gesagt haben soll, um ein Jahr vertan (UA act. 98 

f. Fragen 38 f.). Zudem soll sich der Streit, anlässlich dessen C. dem Be-

schuldigten diese Schimpfworte gesagt haben soll, an einem Nachmittag 

ca. um 14.00 Uhr ereignet haben, sie sei vom Einkaufen gekommen (UA 

act. 99 Frage 43 und UA act. 101 Frage 62). Der Beschuldigte und A. hin-

gegen sind sich einig, dass der Streit am späten Nachmittag, als der Be-

schuldigte von der Arbeit kam, stattfand (UA act. 48 Frage 9; UA act. 66 

Frage 12). Diese Schwierigkeiten mit der zeitlichen Einordnung der Ereig-

nisse lassen Zweifel an ihrem Erinnerungsvermögen aufkommen.   

 

3.5.2. 

Bezüglich der Befragung von D. fällt des Weiteren auf, dass sie wenig von 

sich aus erzählte und viele Fragen der Polizistin mit "Ja", "Ja, das war so" 

oder "Ja, das kam auch noch hinzu" oder ähnliches beantwortete (vgl. UA 

act. 94 ff.). Deshalb ist fraglich, wie viel vom Geschehen sie wirklich selber 

wahrgenommen hat.  

 

Auch bei der Polizistin tauchten während der Einvernahme Zweifel auf, 

weshalb sie zu D. sagte, dass diese nicht glaubwürdig wirke, wenn sie von 

sich aus keine Details vom Streit schildere und erst auf die Zusammenfas-

sung des Geschehens sage, dies stimme so (UA act. 98 Frage 29). Des 

Weiteren musste die Polizistin D. bitten, die Fragen 20 und 34 am Compu-

ter nachzulesen, weil D. diese nicht richtig verstanden hatte bzw. die Poli-

zistin diesbezüglich unsicher war (UA act. 97 Frage 23 und UA act. 98 

Frage 36). Als die Polizistin D. fragte, warum sie vorher nicht von sich aus 

von den Schimpfworten seitens von C. zum Nachteil des Beschuldigten er-

zählt habe, lachte sie (UA act. 99 Frage 40), was den Eindruck erzeugt, als 

wäre sie verlegen oder wolle von Gedächtnislücken ablenken.  

 

3.5.3. 

Des Weiteren fällt auf, dass sich D. sehr genau an Handlungen, welche 

zum Nachteil des Beschuldigten vorgenommen worden waren, z. B. dass 

er von C. gegen die Brust gestossen worden sei (vgl. UA act. 97 f. Fragen 

25, 26, 27, 30, 31 usw.), erinnern konnte. Auch dass der Beschuldigte si-

cher nichts gemacht habe, wusste sie noch genau (UA act. 100 Frage 52; 

UA act. 101 Frage 61). Dies erweckt den Eindruck, als wolle sie den Be-

schuldigten schützen. Auch wenn D. keinen Streit unter all ihren Kindern 

möchte (vgl. UA act. 104 Frage 98), ist doch nachvollziehbar, dass sie den 

mit ihr im selben Haus lebenden Beschuldigten in Schutz nimmt.   

 

 - 10 - 

 

 

 

3.5.4. 

Der Beschuldigte bringt vor, dass D. bereits am 6. Mai 2019 nicht mehr gut 

hören konnte (UA act. 51 Frage 26). Er gab an, dass die Mutter am 6. Mai 

2019 ein Hörgerät besessen habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 10). 

Auch A. bestätigte, dass die Mutter am 6. Mai 2019 nicht mehr gut hören 

konnte und ein Hörgerät hatte (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 und 

5). Gestützt darauf muss davon ausgegangen werden, dass D. den Streit 

vom 6. Mai 2019 nur schlecht mithören konnte und einzelne Begriffe und 

somit auch eine mögliche Beschimpfung zum Nachteil von A. wohl kaum 

mitbekam. Auch deshalb ist ihre Aussage, dass der Beschuldigte nichts 

gemacht habe (UA act. 100 f. Fragen 59 bis 61), mit Vorsicht zu würdigen. 

Der Beschuldigte und A. sind sich einig, dass die Mutter während ihrer Dis-

kussion nicht neben ihnen stand, sondern beim Haus unten war bzw. von 

dort herangelaufen kam (Protokoll Berufungsverhandlung S. 4 und 10). Da 

die Mutter, wie bereits ausgeführt, nicht mehr gut hörte und sie sich anläss-

lich der relevanten Äusserungen nicht unmittelbar neben dem Beschuldig-

ten und A. befand, bleibt es trotz der an der Berufungsverhandlung getätig-

ten Aussage von A., der Beschuldigte habe sie "laut" beschimpft (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 3; vgl. Ausführungen des Beschuldigten Proto-

koll Berufungsverhandlung S. 15) zweifelhaft, ob die Mutter tatsächlich et-

was mitbekommen hat.   

 

3.5.5. 

Insgesamt ist festzustellen, dass die Aussagen von D. gestützt auf ihr ein-

geschränktes Erinnerungsvermögen, ihre Schwerhörigkeit sowie die weite-

ren Umstände im vorliegenden Verfahren (vgl. oben, E. 3.5.2. und 3.5.3.) 

weder zugunsten noch zu Ungunsten des Beschuldigten verwertet werden 

können.  

 

3.6. 

3.6.1. 

A. erhob Anzeige gegen den Beschuldigten wegen Beschimpfung durch 

die Worte "x-beinige Drecksfutze" (UA act. 73 Frage 51). 

 

3.6.2. 

A. wurde am 1. August 2019 als Beschuldigte zur Einvernahme auf den 

Stützpunkt der Kantonspolizei Aargau in V. vorgeladen (UA act. 63). Ihr 

wurden Tätlichkeiten, Verleumdung und üble Nachrede zum Nachteil des 

Beschuldigten vorgeworfen. Erst vor Ort hat sie von den Vorwürfen gegen 

sie Kenntnis erhalten (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 und 7). Aus-

serdem machte die zuständige Kantonspolizistin A. darauf aufmerksam, 

dass D. befragt worden sei und sie belastet habe. Sie könne aber wegen 

den von ihr dargelegten Äusserungen des Beschuldigten ("x-beinige 

Drecksfutze") Gegenanzeige erstatten (UA act. 68 Frage 21). Dass D. ge-

gen sie aussagte sowie die Vorwürfe, welche der Beschuldigten gegen sie 

erhoben hat, gaben gemäss A. den Ausschlag, ebenfalls Anzeige gegen 

 - 11 - 

 

 

 

den Beschuldigten zu erheben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8), und 

zwar wegen dessen Beschimpfung, zumal sie von der Polizistin auf diese 

Möglichkeit aufmerksam gemacht worden war.  

 

3.6.3. 

A. hatte seitens des Beschuldigten bereits früher Beleidigungen gegen ihre 

Person erfahren (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8), was im Hinblick 

auf die angespannte Situation zwischen den Geschwistern (Protokoll Beru-

fungsverhandlung S. 3 und 9) glaubhaft ist. Sie hatte deshalb auch schon 

die Polizei gerufen. Diese habe ihr aufgrund des Kostenrisikos jeweils von 

einer Anzeige abgeraten, da es Aussage gegen Aussage stehe. Sie habe 

zudem bis dahin stets den Frieden wahren wollen (UA act. 73 Frage 49). 

Ihr sei es wichtig gewesen, dass seitens des Beschuldigten Mietzinszah-

lungen eingehen würden, damit das Elternhaus habe erhalten werden kön-

nen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). Es ist verständlich und auch 

glaubhaft, dass sich A. am 4. August 2019 entschlossen hat, ebenfalls An-

zeige gegen den Beschuldigten zu erheben, nachdem sie hörte, dass ihre 

eigene Mutter sie bei der Polizei belastet haben soll (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 5) und ihr dieses Vorgehen von der Polizei dieses Mal ex-

plizit aufgezeigt worden war.  

 

3.6.4. 

Aufgrund der gesamten Umstände sind keine Gründe ersichtlich, warum A. 

die Beschimpfung "x-beinige Drecksfutze" erfunden haben sollte. Wenn sie 

den Beschuldigten absichtlich und zu Unrecht hätte anzeigen wollen, hätte 

sie dies schon viel früher tun können. Dass sie eine ganz spezifische Be-

schimpfung zur Anzeige brachte, zudem erst, als ihr die Polizei gestützt auf 

ihre Ausführungen die Möglichkeit zur Anzeige erläutert hatte, spricht dafür, 

dass diese Beschimpfung tatsächlich so stattfand.   

 

3.7. 

Dass der Beschuldigte anlässlich des Streites vom 6. Mai 2019 nichts ge-

macht haben soll, wie er und auch D. behaupten (vgl. auch UA act. 48 f. 

Fragen 9 bis 12), ist nicht glaubhaft. Er soll das schwarze Schaf der Familie 

sein, der es gemäss seinen Geschwistern zu nichts gebracht habe im Le-

ben. Es sei die Partei C. und nicht er, die sich diffamierend äussere und 

deren Wortwahl zu wünsche übriglasse (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 14). Es ist erstellt, dass C. zum Nachteil des Beschuldigten handelte, 

indem er ihn mehrfach beschimpfte, mit der flachen Hand schlug und einen 

Stein nach dem Beschuldigten warf (vgl. das von ihm nicht angefochtene 

Urteil des Präsidenten des Bezirksgerichts Laufenburg vom 17. Februar 

2021 im Verfahren ST.2020.61 bzw. SST.2021.66). Trotzdem ist nicht 

glaubhaft, dass der Beschuldigte am 6. Mai 2019 gar nichts gemacht haben 

will. Zwischen ihm, A. und C. sowie den beiden Brüdern E. und F. gibt es 

seit 2017 Differenzen betreffend die Mietzinszahlungen und die Finanzen 

 - 12 - 

 

 

 

von D.. Die Brüder F. und E. und A. werfen dem Beschuldigten unberech-

tigte Bezüge vom Bankkonto von D. und Unterlassen von Mietzinszahlun-

gen an D. vor (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 und 9). Der Be-

schuldigte bestreitet die Vorwürfe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 

9). Dass die Situation zwischen den Geschwistern angespannt ist, zeigen 

auch die Umstände um die Erstellung des Vorsorgeauftrages betreffend D.. 

Nicht der Beschuldigte, der mit D. im Zweifamilienhaus in U. und damit 

räumlich am nächsten mit ihr lebt, sondern A. ist von D. als Vorsorgebeauf-

tragte bestimmt worden. Dies war gemäss dem Beschuldigten nicht so an-

gedacht. Der Vorsorgeauftrag sei der Mutter einfach zur Unterschrift vor-

gelegt worden. Sie habe dazu nichts mehr sagen können (Protokoll der Be-

rufungsverhandlung S. 10). Der Beschuldigte fühlt sich offensichtlich ge-

genüber seinen Geschwistern benachteiligt und ungerecht behandelt. C. 

mochte er seiner eigenen Aussage nach noch nie (UA act. 49 Fragen 14 

f.), was A. bestätigte (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6). Treffen der 

Beschuldigte, die drei Geschwister und/oder C. aufeinander, kommt es re-

gelmässig zu Streitigkeiten (vgl. UA act. 48 f. Fragen 9 ff.; UA act. 65 Frage 

7), wobei sich die Parteien seit spätestens 2019 meiden (Protokoll der Be-

rufungsverhandlung S. 9). Es gab regelmässig gegenseitige Provokationen 

und Beschimpfungen (vgl. unter anderem UA act. 49 Fragen 14 f.; UA act. 

66 Frage 10; UA act. 82 Fragen 27 ff.). In Anbetracht dieser angespannten 

Situation ist es äussert unwahrscheinlich, dass der Beschuldigte noch nie-

mals Beschimpfungen gegen einen Menschen bzw. A. ausgestossen hat 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10 f.). Die Darstellung von A. hin-

gegen, die viele Beschimpfungen hingenommen, die gegen sie erhobenen 

Vorwürfe der Tätlichkeiten akzeptiert, ihre Strafe bezahlt (UA act. 149) und 

den Beschuldigten erst angezeigt hat, als die eigene Mutter, um deren Be-

lange sie sich stark kümmere, zugunsten des Beschuldigten bei der Polizei 

ausgesagt hat, ist überzeugend und glaubhaft.  

 

3.8. 

3.8.1. 

Insgesamt erweisen sich die Aussagen von A. in Würdigung aller Um-

stände als glaubhaft und jene des Beschuldigten als unglaubhaft, weshalb 

mit der Vorinstanz auf den angeklagten Sachverhalt abzustellen ist, wo-

nach der Beschuldigte A. am 6. Mai 2019 an seinem Wohnort, [Strasse und 

Hausnummer] in U., als "x-beinige Drecksfutze" bezeichnet hat. Dieser 

Sachverhalt ist nachfolgend einer rechtlichen Würdigung zu unterziehen.  

 

Daran ändert nichts, dass in einem im Juni 2019 von C. verfassten Schrei-

ben der Wortlaut "Fotze mit X-Beinen" verwendet wurde (UA act. 93) und 

A. selber von "x-beiniger Drecksfutze" gesprochen hat, im Übrigen der Aus-

druck, der auch im Strafantrag verwendet wurde (UA act. 73 Frage 51; UA 

act. 75; vgl. Berufungsbegründung II. Rz 14 S. 13 f.). C. hat dieses Schrei-

ben als juristischer Laie verfasst. Nur weil er eine vom Wortlaut der Aus-

sage von A. bzw. dem Strafantrag abweichende Bezeichnung verwendet 

 - 13 - 

 

 

 

hat, macht dies die Aussage von A. nicht unglaubhaft, zumal die Bedeutung 

der Bezeichnung "Fotze mit X-Beinen" und "x-beinige Drecksfutze" – auch 

sinngemäss – sehr ähnlich ist.  

 

3.8.2. 

Eine Minderheit des Gerichts erachtet beide Versionen – die des Beschul-

digten und die der Privatklägerin – als möglich, weshalb sie den Beschul-

digten gestützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" (Art. 10 Abs, 3 StPO) 

freigesprochen hätte.  

 

4. 

4.1. 

Wegen Beschimpfung wird auf Antrag hin bestraft, wer jemanden in ande-

rer Weise (als durch üble Nachrede oder Verleumdung gemäss Art. 173 f. 

StGB) durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre 

angreift (Art. 177 Abs. 1 StGB). Der Tatbestand der Beschimpfung wird ent-

weder durch eine Tatsachenbehauptung gegenüber dem Verletzten oder 

durch ein Werturteil gegenüber Dritten oder gegenüber dem Verletzten er-

füllt. Eine Formal- oder Verbalinjurie (d. h. ein reines Werturteil) ist ein blos-

ser Ausdruck der Missachtung, ohne dass sich die Aussage erkennbar auf 

bestimmte, dem Beweis zugängliche Tatsachen stützt, wie z. B. der Vor-

wurf, jemand sei ein Schwein, ein Luder, ein Psychopath, ein Halunke, eine 

Hure.  

 

In der Theorie bezieht sich ein reines Werturteil wie erwähnt nicht erkenn-

bar auf bestimmte dem Beweis zugängliche Tatsachen, sondern höchstens 

auf einen diffusen Sachverhalt. Dabei ist der Übergang zu gemischten 

Werturteilen fliessend. Ob ein reines oder ein gemischtes Werturteil vor-

liegt, muss aus dem ganzen Zusammenhang der Äusserung erschlossen 

werden. Bestimmte Ausdrücke wie Dirne, Schwein oder Verräter können 

das eine oder das andere bedeuten. Als Beschimpfungen wurden unter an-

derem der Vorwurf Hochstapler, Gauner oder Schuft und die Bezeichnung 

einer Frau als Schlampe gewertet (RIKLIN in NIGGLI/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], 

Basler Kommentar, Strafrecht II [BSK StGB II], 4. Aufl. 2019, N 1 ff. zu 

Art. 177 StGB). 

 

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Bei einem Werturteil muss 

sich der Vorsatz nur darauf richten, dass die Äusserung ehrenrührig, nicht 

auch darauf, dass sie nicht vertretbar ist (RIKLIN, BSK StGB II, a.a.O., N 14 

zu Art. 177 StGB). 

 

4.2. 

4.2.1. 

A. hat am 4. August 2019 Strafantrag wegen Beschimpfung eingereicht (UA 

act. 75).  

 

 - 14 - 

 

 

 

4.2.2. 

Beim Ausdruck "x-beinige Drecksfutze", mit welchem der Beschuldigte 

seine Schwester A. bezeichnet hat, handelt es sich um ein reines Werturteil 

und beinhaltet unbestrittenermassen einen Ausdruck grosser Missachtung. 

Der entsprechenden Bezeichnung kommt eine abwertende und ehrenrüh-

rige Bedeutung zu.  

 

Ein Entlastungsbeweis gemäss Art. 173 StGB, welcher nach der Praxis 

auch in Fällen von Art. 177 StGB zum Zuge kommen soll, wenn Gegen-

stand der Beschimpfung eine Tatsachenbehauptung oder ein gemischtes 

Werturteil ist (vgl. RIKLIN, a.a.O., N 15 zu Art. 177 StGB), kommt bei der 

vorliegend als reines Werturteil zu qualifizierenden Beschimpfung als "x-

beinige Drecksfutze" nicht in Betracht.  

 

4.2.3. 

Der Beschuldigte hat A. mit Wissen und Willen durch den Ausdruck "x-bei-

nige Drecksfutze" in ihrer Ehre verletzt. Er war unter anderem wütend, weil 

A. mit ihm über die Mietzinszahlungen an D. sprechen wollte. Seinem Un-

mut hat er durch eine Beschimpfung Ausdruck gegeben und A. gezielt in 

ihrer Ehre angegriffen. Der subjektive Tatbestand der Beschimpfung ist da-

mit auch erfüllt.  

 

4.2.4. 

Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte, dass A. durch ein ungebührli-

ches Verhalten gegenüber dem Beschuldigten oder anderen Personen zu 

der Beschimpfung unmittelbar Anlass gegeben (Provokation, Art. 177 Abs. 

2 StGB) oder dass die Beschimpfung unmittelbar mit einer Beschimpfung 

oder Tätlichkeit erwidert worden ist (Retorsion, Art. 177 Abs. 3 StGB). Die 

fakultativen Strafbefreiungsgründe der Provokation und Retorsion fallen 

ausser Betracht.  

 

4.2.5. 

Schuldausschluss- oder Rechtfertigungsgründe sind keine ersichtlich. Der 

Beschuldigte hat sich durch die Bezeichnung von A. als "x-beinige Drecks-

futze" wegen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig ge-

macht.  

 

5. 

5.1. 

Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB ist mit Geldstrafe bis zu 90 

Tagessätzen bedroht.  

 

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe 

von 10 Tagessätzen à Fr. 70.00, insgesamt Fr. 700.00, bei einer Probezeit 

von zwei Jahren, und zu einer Verbindungsbusse von Fr. 200.00, ersatz-

weise 3 Tage Freiheitsstrafe.  

 - 15 - 

 

 

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch. Ausführungen zur Strafzu-

messung macht er keine. Insofern kann auf die unbestritten gebliebenen, 

korrekten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches 

Urteil E. 3). 

 

5.2. 

Mit der Vorinstanz ist das Verschulden noch als leicht zu qualifizieren. Die 

von der Vorinstanz festgelegte Geldstrafe von 10 Tagessätzen, die im Hin-

blick auf den Strafrahmen von bis zu 90 Tagessätzen im unteren Bereich 

liegt, erscheint in Verbindung mit einer Busse (vgl. E. 5.5.), als angemes-

sen. Erhöht werden kann sie aufgrund des Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht.  

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft. Er lebt in geordneten Verhältnissen. 

Er ist geschieden, Kinder hat er keine. Eine besondere Strafempfindlichkeit 

ist nicht zu erkennen. Die Täterkomponente ist neutral zu berücksichtigen. 

 

Insgesamt bleibt es bei der Geldstrafe von 10 Tagessätzen.  

 

5.3. 

Der Richter bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen 

und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, na-

mentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Fa-

milien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum 

(Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der 

Täter im Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten 

Leistungen, die ihm zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1). 

 

Der Beschuldigte ist in einem 50%-Pensum bei der Gemeinde U. als An-

gestellter im Bereich [Funktion] tätig. Mit dieser Tätigkeit erzielte er im Jahr 

2021 ein Nettojahreseinkommen in Höhe von Fr.  33'230.40 bzw. monatlich 

Fr. 2'769.15 (vgl. Lohnausweis 2021 in den Berufungsakten). Vor Oberge-

richt gab er ein ungefähres monatliches Nettoeinkommen von Fr. 2'500.00 

an (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12), was in etwa mit den Lohn-

abrechnungen Februar und März 2022 übereinstimmt. Im Januar 2022 ver-

diente er etwas mehr (vgl. Lohnabrechnungen Januar bis März 2022 in den 

Berufungsakten). Im Jahr 2018 hatte der Beschuldigte zudem Wertschrif-

tenerträge bzw. weitere Einkünfte in Höhe von Fr. 3'671.00 (vgl. Steuerver-

anlagung 2018, UA act. 32). Insgesamt ergab dies für das Jahr 2018 Ein-

künfte von Fr. 37'525.00 bzw. monatlich Fr. 3'127.10. Vor der Vorinstanz 

gab der Beschuldigte an, dass bei ihm Mietzinseinnahmen von monatlich 

Fr. 300.00 weggefallen seien (VA act. 211). Daraufhin rechnete die Vo-

rinstanz beim Beschuldigten mit einem monatlichen Einkommen von Fr. 

2'800.00 (vorinstanzliches Urteil E. 3). Der Wegfall der Mietzinseinnahmen 

ist weder näher konkretisiert noch belegt. Es könnte sich betragsmässig 

jedoch um die in der Steuerveranlagung 2018 aufgeführten Fr. 3'700.00 

 - 16 - 

 

 

 

handeln (Fr. 3'600.00 / 12 = Fr. 300.05, vgl. UA act. 32 Rubrik Einkommen 

Ziff. 5.5.). Insofern ist der Wegfall der Mietzinseinnahmen nachvollziehbar. 

Der Beschuldigte wird Ende Mai 2022 pensioniert. Nach der Pensionierung 

wird er seiner Aussage nach maximale AHV-Beiträge sowie auch Pensi-

onskassenbeiträge erhalten (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13), 

womit auch für die Zeit nach der Pensionierung von dem von der Vorinstanz 

berechneten monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 2'800.00 auszugehen 

ist. Unter Berücksichtigung eines Pauschalabzuges von 20 % für die Steu-

ern und die Krankenkasse ergibt sich eine Tagessatzhöhe von Fr. 70.00.  

 

5.4. 

Die Vorinstanz hat den Vollzug der Geldstrafe bei einer Probezeit von 

2 Jahren bedingt aufgeschoben (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 4.1. und 

4.2.). Hinsichtlich der Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten (UA act. 24) ist 

die Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von 2 Jah-

ren nicht zu beanstanden.  

 

5.5. 

Um die spezialpräventive Wirkung der bedingten Geldstrafe zu erhöhen, 

rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten eine Verbindungsbusse (Art. 42 

Abs. 4 StGB) aufzuerlegen. Die Verbindungsbusse ist angezeigt, um ihm 

die Ernsthaftigkeit der Sanktion deutlich vor Augen zu führen. Unter Be-

rücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten Bedeutung der 

Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und des leichten Ver-

schuldens des Beschuldigten ist die von der Vorinstanz festgelegte Verbin-

dungsbusse in Höhe von Fr. 200.00 nicht zu beanstanden (vorinstanzliches 

Urteil E. 4.3.2.).  

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse ist aus-

gehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden Tagessatz von 

Fr. 70.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3 S. 77) auf 3 Tage festzusetzen. 

 

6. 

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte 

unterliegt mit seinem Antrag auf Freispruch, weshalb ihm die Kosten des 

Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind.  

 

Die Kosten seiner freigewählten Verteidigung hat der Beschuldigte im Be-

rufungsverfahren selbst zu tragen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 

StPO e contrario). 

 

6.2. 

Fällt die Berufungsinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung.  

 - 17 - 

 

 

 

Die vorinstanzliche Kostenverlegung erweist sich als zutreffend und bedarf 

keiner Korrektur. Der Beschuldigte wird verurteilt und hat deshalb die Ver-

fahrenskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

Seine vor Vorinstanz angefallenen Parteikosten hat der Beschuldigte sel-

ber zu tragen (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).  

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB schul-

dig.  

 

2. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmung 

sowie gestützt auf Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 StGB und 

Art. 106 StGB mit 10 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 70.00, d.h. total 

Fr. 700.00 und einer Verbindungsbusse von Fr. 200.00, ersatzweise 

3 Tage Freiheitsstrafe, bestraft. 

 

3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 

 

4. (in Rechtskraft erwachsen, angepasst) 

Der Antrag der Privatklägerin auf Zusprechung einer Genugtuung von 

Fr. 2'000.00 wird abgewiesen.  

 

5. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'048.00 (inkl. Anklagege-

bühr von Fr. 600.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. Er hat seine 

erstinstanzlichen Parteikosten selber zu tragen.  

 

6. (in Rechtskraft erwachsen, angepasst) 

Die Privatklägerin trägt ihre erstinstanzlichen Parteikosten selber.  

 

 - 18 - 

 

 

 

7. 

Die Kosten für das Berufungsverfahren, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 2‘000.00 und den Auslagen von Fr. 124.00, zusammen 

Fr. 2'124.00, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

8. 

Der Beschuldigte hat seine obergerichtlichen Parteikosten selber zu tragen. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

Mitteilung an: 

[…] 

 

Mitteilung nach Rechtskraft an: 

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 - 19 - 

 

 

 

   

Aarau, 26. April 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss P. Gloor