# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2cd81bae-7e39-54ef-986c-20561941c6f9
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-05-23
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 23.05.2012 RR.2012.49
**Docket/Reference:** RR.2012.49
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2012-49_2012-05-23

## Full Text

Auslieferung an die Republik Kosovo. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).;;Auslieferung an die Republik Kosovo. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).;;Auslieferung an die Republik Kosovo. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).;;Auslieferung an die Republik Kosovo. Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG).

Beschluss vom 23. Mai 2012 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 
Roy Garré und Cornelia Cova,  
Gerichtsschreiberin Sarah Wirz  

   
 
Parteien 

  
BUNDESAMT FÜR JUSTIZ FACHBEREICH AUS-
LIEFERUNG, 
 

Antragstellerin 
 

 gegen 
   

A., vertreten durch Rechtsanwalt Markus Bachmann, 
 

Antragsgegner 
 

Gegenstand  Auslieferung an die Republik Kosovo 
 
Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2012.49 
 
 
 

 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:  

 
- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) mit Entscheid vom 8. März 2012 die 

Auslieferung von A. an die Republik Kosovo für die dem Auslieferungsersuchen der 
kosovarischen Botschaft in Bern vom 17. November 2011, ergänzt am 24. Novem-
ber 2011 und am 20. Januar 2012, zu Grunde liegenden Straftaten, unter Vorbehalt 
des Entscheides des Bundesstrafgerichts über die Einrede des politischen Delikts 
Sinne von Art. 55 Abs. 2 IRSG, bewilligte (act. 1.1); 

 
- das BJ am 8. März 2012 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts be-

antragt, die Einrede des politischen Delikts bezüglich der Auslieferung des Verfolg-
ten an die Republik Kosovo sei abzulehnen (act. 1); 

 
- der Rechtsvertreter des Antragsgegners mit Eingabe vom 21. März 2012 mitteilt, 

dass A. in die Auslieferung einwillige, weswegen das Verfahren infolge Gegens-
tandslosigkeit von der Geschäftskontrolle abzuschreiben sei (act. 4); 

 
- in dieser Eingabe überdies beantragt wird, dass mit der Auslieferung zuzuwarten 

sei, bis die Luzerner Polizei dem Antragsgegner die beschlagnahmten Gegenstän-
de herausgegeben habe (act. 4); 
 

- der Rückzug der Einrede des politischen Delikts einem Rückzug der Beschwerde 
gleichkommt; 
 

- das vorliegende Verfahren zufolge Rückzugs der Einrede des politischen Delikts 
als erledigt abzuschreiben ist; 
 

- gemäss Art. 57 IRSG das BJ für den Vollzug der Auslieferung zuständig ist und ge-
gen die Vollzugsmodalitäten keine Beschwerde ergriffen werden kann (vgl. HEIM-
GARTNER, Auslieferungsrecht, Diss., Zürich 2002, S. 62 f.; ZIMMERMANN, La coo-
pération judiciaire internationale en matière pénale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 465 
N. 510); 
 

- die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts somit für die Vollzugsmodalitäten 
der Auslieferung nicht zuständig ist, weswegen auf den Antrag hinsichtlich des 
Zeitpunkts der Auslieferung (act. 4, S. 1, Ziff. 4) nicht eingetreten werden kann; 

 
- der Antragsgegner das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeistän-

dung gestellt hat (act. 4); 
 
- die vom Bundesamt aufgrund von Art. 21 Abs. 1 IRSG gewährte amtliche Rechts-

verbeiständung nicht automatisch für das Verfahren vor der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts gilt (Entscheide des Bundesstrafgerichts BH.2006.6 vom 

18. April 2006, E. 6.1; RR.2007.13 vom 5. März 2007, E. 5.1); die Beschwerde-
kammer eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von 
der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos 
erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG), und dieser einen 
Anwalt bestellt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (Art. 65 Abs. 2 
VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 StBOG); 
 

- die Auslieferung gemäss Art. 2 lit. b i.V.m. lit. c IRSG nicht bewilligt wird, wenn der 
ersuchte Staat ernstliche Gründe hat anzunehmen, dass das Auslieferungsersu-
chen wegen einer nach gemeinem Recht strafbaren Handlung gestellt worden ist, 
um eine Person aus rassistischen, religiösen, nationalen oder auf politischen An-
schauungen beruhenden Erwägungen zu verfolgen oder zu bestrafen, oder dass 
die verfolgte Person der Gefahr einer Erschwerung ihrer Lage aus einem dieser 
Gründe ausgesetzt wäre; 
 

- es nicht genügt, dass die Person, deren Auslieferung verlangt wird, behauptet, auf-
grund einer besonderen rechtspolitischen Lage bedroht zu sein; sie muss vielmehr 
in glaubhafter Weise darlegen, inwiefern ernsthafte und objektive Risiken einer ver-
botenen Diskriminierung bestehen sowie konkret aufzeigen, dass die strafrechtliche 
Verfolgung nur vorgeschoben und in Wirklichkeit politisch motiviert ist (BGE 132 II 
469 E. 2.4; 129 II 268 E. 6.3); 
 

- der Antragsgegner bei der Vorinstanz hinsichtlich des politischen Deliktes ausführ-
te, serbisch-stämmige Kosovoalbaner würden auf dem Gebiet der Republik Kosovo 
unterdrückt, verfolgt und benachteiligt (act. 1.12, S. 4), sowie er sei Opfer der koso-
varischen politischen Verschwörung gegen die serbische Bevölkerung (act. 1.12, 
S. 5); 

 
- andere Gründe, die auf ein Auslieferungshindernis i.S.v. Art. 2 lit. b IRSG hindeuten 

nicht ersichtlich sind (vgl. act. 1.12); 
 
- sich damit die Einrede des politischen Delikts nach summarischer Prüfung als aus-

sichtslos erwiesen hätte; 
 
- nach dem Gesagten das Gesuch des Antragsgegners um unentgeltliche Rechts-

pflege und Verbeiständung aufgrund Aussichtslosigkeit der Einrede des politischen 
Delikts abzuweisen ist; 

 
- der Antragsgegner, der in die Auslieferung einwilligt und damit sinngemäss seine 

Einrede zurückzieht, grundsätzlich als unterliegende Partei zu gelten und folglich 
gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 StBOG die Gerichtskosten zu 
tragen hat; 

- für die Berechnung der Gerichtsgebühren das Reglement des Bundesstrafgerichts 
vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundes-
strafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) zur Anwendung gelangt (Art. 63 Abs. 5 
VwVG i.V.m. Art. 73 Abs. 1 StBOG); unter Berücksichtigung aller Umstände die 
Gerichtsgebühr auf Fr. 300.-- anzusetzen ist (vgl. Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 des Reg-
lements). 

 
 
 
 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Das Verfahren wird zufolge Einwilligung in die Auslieferung als gegenstands-

los abgeschrieben. 
 

2. Auf den Antrag auf Verschiebung der Auslieferung wird nicht eingetreten. 
 
3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird ab-

gewiesen. 
 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- wird dem Antragsgegner auferlegt. 
 
 

Bellinzona, 24. Mai 2012 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Bundesamt für Justiz Fachbereich Auslieferung 
- Rechtsanwalt Markus Bachmann 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde 
nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen oder 
Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich 
um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt 
insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze 
verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).