# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 322affae-cab8-5345-a344-3362e75609e4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.11.2010 D-7896/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7896-2010_2010-11-17.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7896/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...), alias A._______, geboren (...), 
Nigeria,
vertreten durch lic. iur. Werner Greiner, Rechtsanwalt, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 
2. November 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7896/2010

Sachverhalt:

A.
Nach Aufenthalten im Niger, in Libyen und in Italien gelangte der Be-
schwerdeführer  am  21.  Februar  2009  unter  Umgehung  der  Grenz-
kontrolle in die Schweiz, wo er am gleichen Tag ein erstes Asylgesuch 
stellte. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2009 trat das BFM gestützt auf 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 
142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte 
seine Wegweisung nach Italien und überstellte  ihn  am 3. Dezember 
2009 an die italienischen Behörden.

B.
Am  20.  Dezember  2009  reiste  der  Beschwerdeführer  erneut  in  die 
Schweiz ein,  wo er nach der Verbüssung einer Haftstrafe im Kanton 
B._______ am 29. Januar 2010 im Empfangs- und Verfahrenszentrum 
(EVZ)  C._______  ein  zweites  Asylgesuch  stellte.  Anlässlich  der  Be-
fragung zur Person vom 9. Februar 2010 im EVZ C._______ machte 
der Beschwerdeführer insbesondere geltend, nach seiner Rückführung 
aus der Schweiz habe er sich von Rom nach Ravenna begeben, wo er 
sich während zehn Tagen aufgehalten habe. Anschliessend sei er nach 
Mailand  gegangen,  wo er  per  Zufall  die  Männer  gesehen habe,  die 
seinen  Vater  getötet  hätten.  Sogleich  habe  er  gewusst,  dass  die 
Männer  nach  ihm  suchen  würden.  Da  er  in  Italien  vor  ihnen  nicht  
sicher gewesen sei, habe er sich noch am gleichen Tag mit dem Zug in 
die Schweiz begeben. 

C.
Das BFM gewährte dem Beschwerdeführer am 9. Februar 2010 das 
rechtliche  Gehör  zum  bevorstehenden  Nichteintretensentscheid,  zur 
Zuständigkeit  Italiens  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  be-
ziehungsweise zu einer  allfälligen Wegweisung dorthin  und gab ihm 
Gelegenheit,  dazu  Stellung  zu  nehmen.  In  diesem  Zusammenhang 
erklärte der Beschwerdeführer, die italienischen Behörden hätten ihn 
aus Italien ausgewiesen und er wäre inhaftiert worden, hätte er Italien 
nicht verlassen. Zudem hielten sich in Italien diejenigen Personen auf, 
die seinen Vater  getötet  hätten,  weshalb  er  sich vor einer  Rückkehr  
dorthin fürchte. 

D.
Gestützt auf den EURODAC-Treffer vom 22. November 2008 und die 

Seite 2

D-7896/2010

Rückführung  vom  3.  Dezember  2009  stellte  das  BFM  am  22. 
September  2010  an  Italien  ein  Ersuchen  um  Übernahme  des  Be-
schwerdeführers im Sinne von Art. 16 Abs. 1 lit. c der Verordnung [EG] 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 [Dublin-II-Verordnung] 
zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit -
gliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsan-
gehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist 
(vgl. Akten BFM B 19/5). Da sich die italienischen Behörden bis zum 7. 
Oktober 2010 nicht zum Rücknahmeersuchen vernehmen liessen, ging 
die  Vorinstanz  infolge  Verfristung  von  der  stillschweigenden  Zu-
stimmung und von der Zuständigkeit Italiens aus.

E.
Mit  Verfügung vom 2. November 2010 - eröffnet  am folgenden Tag - 
trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 29. Januar 2010 nicht ein und 
ordnete  die Wegweisung aus der  Schweiz  sowie  den Wegweisungs-
vollzug nach Italien an. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass einer all -
fälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme.

F.
Mit Rechtsmittelschrift vom 10. November 2010 (Poststempel) liess der 
Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beantragen, es sei die 
angefochtene  Verfügung  vollumfänglich  aufzuheben,  die  Sache  zur 
neuen  Beurteilung  an die  Vorinstanz  zurückzuweisen  und  von einer 
Wegweisung nach Italien abzusehen. Zudem sei der Beschwerde die 
aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  ihm  die  unentgeltliche  Prozess-
führung zu bewilligen und auf die Erhebung einer Kaution (recte: eines 
Kostenvorschusses)  zu  verzichten.  Auf  die  Beschwerdebegründung 
wird, soweit entscheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen. 

Der  Beschwerde  lag  ein  angeblich  von  D._______  verfasstes 
Bestätigungsschreiben (Faxkopie) bei. 

G.
Mit  Verfügung  vom  11.  November  2010  setzte  das  Bundesver-
waltungsgericht den Vollzug der Wegweisung per sofort aus. 

Seite 3

D-7896/2010

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf 
dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung; er ist  daher zur Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

Seite 4

D-7896/2010

4.  
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 
BFM ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  über-
prüfen  (Art.  32  -  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt,  ob die Vor-
instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. die vom 
Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der  Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [ARK] in Entscheidungen und Mittei-
lungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f. sowie Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  E-7878/2008  vom  31.  Dezember  2008). 
Die  Beschwerdeinstanz  enthält  sich  einer  selbständigen  materiellen 
Prüfung und weist die Sache - sofern sie den Nichteintretensentscheid 
als unrechtmässig erachtet - zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz 
zurück.

5.  
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).

5.2 Das BFM hielt  zur Begründung seines Nichteintretensentscheids 
im  Wesentlichen  fest,  Italien  sei  gestützt  auf  das  "Abkommen  vom 
26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dub-
lin-Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR  0.142.392.68])"  sowie  das 
"Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizeri-
schen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem  Königreich 
Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des 
Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags (Überein-
kommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32)" für die Durchführung 
des  Asylverfahrens  zuständig.  Da  Italien  innerhalb  der  festgelegten 
Frist nicht geantwortet habe, sei die Zuständigkeit gestützt auf Art. 20  
Abs. 1 Bst. c der Dublin-II-Verordnung auf  Italien übergegangen. Die 
Rückführung habe - vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder 
Verlängerung (Art. 19 f. Dublin-II-Verordnung) - bis spätestens am 7. 
April  2011 zu erfolgen. Anlässlich des dem Beschwerdeführer am 9. 

Seite 5

D-7896/2010

Februar  2010 gewährten rechtlichen Gehörs habe dieser ausgesagt, 
er könne nicht nach Italien zurückkehren, da er in Italien des Landes 
verwiesen worden sei und auch die Personen, die seinen Vater getötet 
hätten, sich in Italien aufhielten. Diese Aussagen würden kein Hinder-
nis für eine Wegweisung nach Italien darstellen, da Italien ein Rechts-
staat  sei  und  gemäss  Dublin  Abkommen  zur  Rückübernahme  ver-
pflichtet sei. Es stehe dem Beschwerdeführer frei, bei den zuständigen 
italienischen Behörden um Schutz nachzusuchen. Auf das Asylgesuch 
sei somit nicht einzutreten. 

Die Folge eines Nichteintretensentscheids sei gemäss Art. 44 Abs. 1 
AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Da  der  Be-
schwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor 
Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, sei das Non-
Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates nicht 
zu prüfen. Ferner bestünden keine Hinweise auf eine Verletzung von 
Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Falle einer 
Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Italien.  Weder  die  in  Italien 
herrschende Situation  noch andere Gründe sprächen gegen die Zu-
mutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat. Ausserdem sei der Voll-
zug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. 
Italien  habe  der  Rückübernahme  stillschweigend  zugestimmt. 
Schliesslich  hätten  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide 
gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG gestützt auf Art. 107a AsylG keine 
aufschiebende Wirkung.

5.3 In  der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer als Be-
gründung  insbesondere  geltend,  es  sei  für  ihn  nicht  möglich,  nach 
Italien zurückzukehren, da er dort  befürchten müsse, von den Killern 
seines Vaters getötet zu werden, da er vertiefte Kenntnisse über die 
Aktivitäten  seines  Vaters  habe,  weshalb  die  Killer  ihn  ebenfalls  be-
seitigen wollten. Der Umstand, dass Italien ein Rechtsstaat sei, könne 
das  geschilderte  Risiko  nicht  vermindern,  zumal  gegen  bewaffnete 
Killer auch die zuständigen italienischen Behörden machtlos seien. Da 
die Gefährdung in  Italien konkret  sei,  gelange das Rückschiebungs-
verbot gemäss Art. 5 AsylG und Art. 3 EMRK zur Anwendung. 

5.4
5.4.1 Aus  den  Akten  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  im 
November  2008  in  Italien  einreiste,  wo  er  am  22.  November  2008 

Seite 6

D-7896/2010

daktyloskopisch registriert wurde und sich bis zu seiner Einreise in die  
Schweiz am 21. Februar  2009 aufhielt. Auch nach seiner  Rücküber-
stellung an die italienischen Behörden am 3. Dezember 2009 verweilte 
der  Beschwerdeführer  die  ganze  Zeit  in  Italien,  bevor  er  am  20. 
Dezember  2009  erneut  in  die  Schweiz  einreiste.  Da  das  BFM  die 
italienischen Behörden am 22. September 2010 um Rückübernahme 
des  Beschwerdeführers  gemäss  Art.  16  Abs.  1  lit.  c  Dublin-II-Ver-
ordnung  ersuchte  und  diese  die  Frist  zur  Stellungnahme  ungenutzt 
verstreichen liessen, liegt angesichts der Verfristung eine stillschwei-
gende  Zusage  zur  Rückübernahme des  Beschwerdeführers  gemäss 
Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-Verordnung vor, weshalb der Beschwer-
deführer  somit  ohne  weiteres  in  den  Dublin-Staat  Italien  ausreisen 
kann, welcher staatsvertraglich zuständig ist. Übereinstimmend mit der 
Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Einwand in der Beschwerde, der 
Beschwerdeführer  sei  von  den  italienischen  Behörden  des  Landes 
verwiesen worden, kein Hinderungsgrund für eine Überstellung dorthin 
darstellt,  da  Italien  zur  Rückübernahme  gestützt  auf  die  Dublin-II-
Verordnung  verpflichtet  ist.  Auch  die  Behauptung,  der  Beschwerde-
führer  werde  in  Italien  von  den  Killern  seines  Vaters  bedroht,  steht 
einer  Überstellung  nicht  entgegen,  zumal  er  sich  deswegen  an  die 
italienischen Behörden wenden kann und Italien als Mitgliedstaat der 
Europäischen Union ein Rechtsstaat ist sowie als solcher die Sicher-
heit  des  Beschwerdeführers  im  gesetzlichen  Rahmen  gewährleistet, 
weshalb es sich erübrigt, auf die diesbezüglichen Ausführungen in der 
Rechtsmittelschrift  respektive  das  eingereichte  Beweismittel  weiter 
einzugehen. Das Gericht verkennt zwar nicht, dass Asylsuchende bei 
der Unterkunft, der Arbeit und dem Zugang zur Infrastruktur in Italien 
gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können.  Italien  ist  aber 
unter  anderem  Signatarstaat  der  EMRK  und  des  Übereinkommens 
vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  un-
menschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 
0.105) und es bestehen keine konkreten Hinweise dafür, dieses Land 
werde  sich  im  vorliegenden  Fall  nicht  an  die  aus  diesen  Überein-
kommen resultierenden Verpflichtungen halten. Gemäss Kenntnissen 
des  Bundesverwaltungsgerichts  nehmen  zudem  neben  staatlichen 
Behörden auch private Hilfsorganisationen sich Dublin-Rückkehrenden 
an.  Unter  diesen  Umständen  sind  daher  keine  konkreten  Anhalts-
punkte dafür  ersichtlich,  der  Beschwerdeführer  würde im Falle  einer 
Rückkehr nach Italien in eine existenzbedrohende Notlage geraten.

Seite 7

D-7896/2010

Angesichts  der  gesamten  Umstände  erweist  sich  der  Vollzug  der 
Wegweisung nach Italien in Berücksichtigung der entscheidrelevanten 
Aspekte - insbesondere unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK - als 
zulässig  und zumutbar,  weshalb  vorliegend kein Anlass  zum Selbst-
eintritt besteht.

5.4.2 Das  BFM ist  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG 
demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
eingetreten.

6.  
6.1 Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend 
ist  keine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  ersichtlich  (vgl.  BVGE 
2008/34 E. 9.2). In Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist die 
Frage nach der Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs 
regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheides. Auf die Frage einer drohenden Verletzung 
des Non-Refoulement-Gebots muss daher an dieser Stelle nicht weiter 
eingegangen werden.

6.2 Weiter  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht 
unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 
16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG, 
SR 142.20), sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im 
Rahmen  des  Selbsteintrittsrechts  oder  gegebenenfalls  -  sofern  sich 
Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin-Staaten  befinden  und 
allenfalls  zusammengeführt  werden  sollten  -  bei  der  Ausübung  der 
sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin-II-Verordnung).

6.3 Nach dem Gesagten sind die vom BFM verfügte Wegweisung und 
deren Vollzug nach Italien zu bestätigen.

7.
Dem Beschwerdeführer ist  es nicht  gelungen darzutun, inwiefern die 
angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserheblichen 
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen 
ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.

8.
Mit dem Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Verzicht auf die 

Seite 8

D-7896/2010

Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um Erteilung  der  aufschie-
benden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos geworden.

9.
9.1 Aufgrund vorstehender Erwägungen erweist sich die Beschwerde 
als aussichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgelt -
lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, unbesehen der 
Bedürftigkeit des Beschwerdeführers, vollumfänglich abzuweisen ist.

9.2 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr.  600.--  festzusetzen  (Art. 1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-7896/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- das BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  Dublin-Office,  Ref.-Nr. N (...)  (per 
Telefax)

- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand:

Seite 10