# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78b6d4c4-81dd-5db6-8f27-96a4f6fdac02
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.11.2018 D-1071/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1071-2016_2018-11-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1071/2016 
mel 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

unbekannter Herkunft (gemäss eigenen Angaben China 

[Volksrepublik]), 

und deren Kind B._______, geboren am (…), 

China (Volksrepublik) 

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 25. Januar 2016 / N (…). 

 

 

 

D-1071/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – eigenen Angaben zufolge eine Staatsangehö-

rige von China tibetischer Ethnie, welche bis (…) 2013 stets in Tibet gelebt 

haben will – ersuchte am 14. September 2014 um Gewährung von Asyl in 

der Schweiz, worauf sie vom SEM am 30. September 2014 zu ihrer Person, 

zu ihrem Reiseweg, zum Verbleib ihrer Reise- und Identitätspapiere und 

summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt wurde.  

Nach der Befragung zur Person erteilte das SEM der amtsinternen Fach-

stelle "Lingua" den Auftrag, eine Herkunftsanalyse durchzuführen, zwecks 

Beantwortung der Frage, ob die Beschwerdeführerin in China sozialisiert 

worden sei. Von der Fachstelle "Lingua" wurde indes die Anhandnahme 

dieses Auftrages unter Verweis auf "Kapazitätsengpässe" abgelehnt. Vor 

diesem Hintergrund führte das SEM mit der Beschwerdeführerin am 8. De-

zember 2014 die Anhörung zu den Gesuchsgründen durch, wobei ihr ins-

besondere verschiedene Fragen zu ihren Lebensumständen in Tibet und 

zu verschiedenen länderspezifischen Aspekten gestellt wurden. 

B.  

Im Rahmen der summarischen Befragung und der einlässlichen Anhörung 

führte die Beschwerdeführerin zu ihrer Person aus, sie habe immer im Dorf 

C._______ gelebt, welches in der Gemeinde D._______ im Kreis 

E._______ in der Präfektur F._______ gelegen sei. Dort habe sie mit ihrer 

Mutter, ihrem älteren Bruder und ihrer Grossmutter zusammengelebt. Ihr 

Vater, welcher früher politisch aktiv gewesen und deswegen auch im Ge-

fängnis gewesen sei, sei schon (…) verstorben. Chinesisch spreche sie 

nicht, da sie nie zur Schule gegangen sei, weil sie Bauern seien, respektive 

weil ihr ihre Mutter gesagt habe, wegen der vormaligen politischen Aktivi-

täten ihres verstorbenen Vaters dürfe sie die Schule nicht besuchen. Von 

ihrer Familie spreche nur ihr älterer Bruder etwas Chinesisch, er sei aber 

auch nicht zur Schule gegangen. Einen Beruf habe sie nicht erlernt, da sie 

immer zuhause respektive im Heimatdorf geblieben sei. Sie habe ihre Mut-

ter im Haushalt unterstützt, bei der Feldarbeit geholfen und auch zur Gross-

mutter geschaut.  

Zum Grund für ihre Ausreise aus Tibet führte sie im Wesentlichen an, sie 

sei in ihrem Dorf zweimal Behelligungen vonseiten eines in der Region sta-

tionierten chinesischen Polizisten ausgesetzt gewesen, welcher sich ihr 

gegenüber anzüglich verhalten habe, ihr gegenüber handgreiflich gewor-

den sei und ihr gedroht habe, über sie Geschichten zu verbreiten und sie 

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damit ins Gefängnis zu bringen, sollte sie sich ihm widersetzen. Der Mann 

habe gesagt, er wolle sie heiraten. Nach dem zweiten Vorfall habe ihr älte-

rer Bruder gemeint, dass es jetzt nur noch schlimmer werden könne, wes-

halb sie zu ihrem in Nepal lebenden Onkel ausreisen solle. Sie habe daher 

ihr Heimatdorf am (…) 2013 in Begleitung ihres älteren Bruders verlassen. 

Ihr Bruder sei mit ihr am Abend nach G._______ gefahren, wo er einen 

Führer kontaktiert habe. Dieser Führer habe sie und zwei weitere Perso-

nen, (…), am nächsten Morgen über den Grenzfluss nach Nepal gebracht. 

Anschliessend sei sie von einem zweiten Führer zu ihrem in Nepal leben-

den Onkel gefahren worden. Sie habe in der Folge während rund dreizehn 

Monaten bei ihrem Onkel gelebt, bis dieser über einen dort ansässigen Ti-

beter ihre Weiterreise organisiert habe. Während dieser Zeit habe sie das 

Haus kaum verlassen dürfen, da ihr Onkel befürchtet habe, aufgrund ihres 

illegalen Aufenthalts in Nepal selber Probleme zu bekommen. Nepal habe 

sie schliesslich am (…) 2014 verlassen, indem sie – finanziert vom Onkel, 

mit Hilfe von zwei Schleppern und zusammen mit drei weiteren Personen 

– auf dem Luftweg und über eine Zwischendestination in ein europäisches 

Land gebracht worden sei, von wo sie per Bahn die Schweiz erreicht habe. 

Auf Nachfrage nach dem Verbleib ihrer Reise- und Identitätspapiere 

brachte sie vor, einen Pass habe sie nie beantragt und ihre Identitätskarte, 

welche ihr in E._______ ausgestellt worden sei, habe sie in der Heimat 

zurückgelassen, da sie diese anlässlich ihrer illegalen Ausreise aus China 

nicht habe mitnehmen dürfen. Sie habe die Identitätskarte noch bis 

G._______ bei sich gehabt. Von dort an habe sie dann keine Papiere mehr 

mit sich geführt, da ihr Bruder alle für die Reise nach G._______ notweni-

gen Dokumente wieder nach Hause zurückgenommen habe. Sie wisse 

nicht, ob sie ihre Identitätskarte jetzt noch beschaffen könne, da sie seit der 

Ausreise nie mehr Kontakt mit ihrer Familie gehabt habe, auch nicht von 

Nepal aus.  

C.  

Mit Verfügung vom 7. Januar 2015  lehnte das SEM das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin ab, verbunden mit der Anordnung der Wegweisung 

aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges, unter ausdrücklichem 

Ausschluss des Vollzuges in die Volksrepublik China. In diesem Entscheid 

hielt das Staatssekretariat der Beschwerdeführerin im Wesentlichen ent-

gegen, aufgrund ihrer fehlenden Chinesisch-Kenntnisse, ihres ungenügen-

den Alltagswissens, ihrer stereotypen Reisewegschilderungen, der Unent-

schuldbarkeit der Nichtbeschaffung ihrer Identitätspapiere und aufgrund ih-

rer unglaubhaften Asylvorbringen sei nicht davon auszugehen, dass sie 

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wie geltend gemacht in einem Dorf in Tibet geboren, aufgewachsen und 

sozialisiert worden sei. Dementsprechend sei auch nicht davon auszuge-

hen, dass sie eine Staatsangehörige von China sei, zumal alleine die Tat-

sache, dass sie Tibetisch spreche und tibetischer Ethnie sei, diesbezüglich 

keinen Beleg darstelle. Damit lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass ihre 

Hauptsozialisation in einer exiltibetischen Gemeinde in Nepal oder Indien 

stattgefunden habe, und gleichzeitig stehe fest, dass ihre Vorbringen den 

Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht ge-

nügten, womit auf eine Prüfung der Asylrelevanz der Vorbringen verzichtet 

werden könne.  

D.  

Dieser Entscheid wurde auf Beschwerde hin mit Urteil D-763/2015 vom 

2. April 2015 aufgehoben und die Sache zur vollständigen Feststellung und 

Würdigung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur anschliessenden 

Neubeurteilung ans SEM zurückgewiesen. Im Rahmen dieses Urteils 

wurde festgehalten, insgesamt beständen durchaus gewisse Zweifel an 

der geltend gemachten Herkunft aus Tibet, diese würden jedoch nicht als 

derart gewichtig erscheinen, als dass ohne weitere Abklärungen – will heis-

sen ohne eine fundierte Analyse durch eine fachkundige Person, mithin 

eine Lingua-Analyse, sondern soweit ersichtlich lediglich aufgrund einer 

Auswertung der zuständigen Sachbearbeiterin – mit hinreichender Be-

stimmtheit geschlossen werden könne, die Beschwerdeführerin versuche 

ihre wahre Herkunft zu verschleiern. 

E.  

Nach erfolgter Rückweisung erteilte das SEM der amtsinternen Fachstelle 

"Lingua“ erneut den Auftrag, betreffend die Beschwerdeführerin eine Her-

kunftsanalyse durchzuführen. Im entsprechenden Antrag wurde festgehal-

ten, es habe nicht nur eine Prüfung der Länderkenntnisse und des Alltags-

wissens zu erfolgen, sondern auch eine sprachlich-linguistische Analyse.  

Gemäss Aktenlage führte am 10. Juni 2015 eine sogenannte "Alltagsspe-

zialistin" des SEM mit der Beschwerdeführerin ein telefonisches Gespräch, 

welches aufgezeichnet wurde. Auf der Grundlage dieser Gesprächsauf-

zeichnung (von 62 Minuten Dauer) verfasste am 4. Dezember 2015 eine 

andere Person – ein vom SEM beauftragter sprach- und länderkundiger 

Experte – eine Sprach- und Herkunftsanalyse (ein sog. "Lingua-Gutach-

ten"). In seinem Gutachten gelangte der Experte aufgrund einer Würdigung 

der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse der Beschwerdeführerin und 

aufgrund einer linguistischen Analyse ihrer sprachlichen Eigenheiten zum 

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Schluss, deren Hauptsozialisation habe sehr wahrscheinlich nicht in der 

von ihr angegebenen Herkunftsregion in Tibet, sondern sehr wahrschein-

lich in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik 

China stattgefunden. 

F.  

Am 6. Januar 2016 brachte das SEM der Beschwerdeführerin den wesent-

lichen Inhalt und das Ergebnis des eingeholten Herkunftsgutachtens im 

Rahmen eines ausführlichen Schreibens zur Kenntnis.  

Mit Schreiben vom 18. Januar 2016 nahm die Beschwerdeführerin dazu 

Stellung, wobei sie an der geltend gemachten Herkunft festhielt. Ferner 

wies sie insbesondere darauf hin, dass der von ihr gesprochene Dialekt 

nicht mit dem Dialekt ihres Heimatgebiets E._______, sondern mit demje-

nigen von F._______ verglichen worden sei. Mithin seien zwei verschie-

dene Dialekte miteinander verglichen worden und sei die Auswertung ent-

sprechend verzerrt. 

G.  

Unter Verweis auf die nunmehr vorliegenden Aktenlage lehnte das SEM 

das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 25. Januar 

2016 – eröffnet am 28. Januar 2016 – erneut ab, wiederum verbunden mit 

der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz und des Wegweisungs-

vollzuges, unter ausdrücklichem Ausschluss des Vollzuges in die Volksre-

publik China. 

H.  

Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin am 22. Februar 

2016 Beschwerde, wobei sie in ihrer Eingabe zur Hauptsache die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung und Neubeurteilung der Sache, die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl, eventu-

aliter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Anordnung einer vor-

läufigen Aufnahme zufolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges, 

subeventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz 

zufolge Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges 

beantragte. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege und um die Befreiung von der Kostenvor-

schusspflicht sowie um die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Be-

schwerde. 

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I.  

Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Februar 

2016 wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, sie könne den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten. Auf das Erheben eines Kostenvor-

schusses wurde antragsgemäss verzichtet. Für den Entscheid über das 

Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wurde auf einen späteren Zeit-

punkt verwiesen, da von der Beschwerdeführerin die geltend gemachte 

Bedürftigkeit noch nicht belegt worden war. Abschliessend wurde das SEM 

unter Zustellung der Akten zum Schriftenwechsel eingeladen. 

J.  

Am 25. Februar 2016 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben des für 

sie zuständigen Sozialdienstes vom 10. Februar 2016 nach, in welchem 

bestätigt wird, dass sie Sozialhilfeempfängerin sei.  

K.  

In seiner Vernehmlassung vom 1. März 2016 hielt das SEM unter Verweis 

auf seine bisherigen Erwägungen an der angefochtenen Verfügung fest 

und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 

8. März 2016 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

L.  

Am (…) wurde die Tochter der Beschwerdeführerin – B._______ – gebo-

ren. Sie wurde am 27. Juni 2018 von H._______ (N […]; vorläufig aufge-

nommen als Flüchtling am […]) vorgeburtlich als Tochter anerkannt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-

gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(vgl.  Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG).  

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1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

1.4 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und ihre 

Eingabe ist als frist- und formgerecht zu erkennen (Art. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 

1.5 Das während des Beschwerdeverfahrens geborene Kind wird praxis-

gemäss in das Verfahren der Mutter einbezogen. 

2.  

2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.  

Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob sich das Bundesverwaltungsge-

richt den vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit der 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Herkunft aus und 

Hauptsozialisation in Tibet sowie der angeführten Asylvorbringen an-

schliessen kann. 

3.1 In der angefochtenen Verfügung gelangt das SEM in entscheidrelevan-

ter Hinsicht zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin über ihre 

angebliche Herkunft aus Tibet seien unglaubhaft. Insbesondere hätte die 

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landeskundlich-kulturelle sowie linguistische Analyse der sachverständi-

gen Person ergeben, dass die geltend gemachte Sozialisation im Kreis 

E._______ zu bezweifeln sei. So habe sie in den Bereichen Geographie, 

Landwirtschaft und Schulwesen zwar jeweils einige richtige, jedoch ver-

schiedentlich auch falsche und befremdliche – oder auch gar keine – Aus-

sagen gemacht. Zur Ausstellung von Personalausweisen habe sie durch-

wegs richtige Angaben gemacht, allerdings sei ihr die Existenz einer Kran-

kenversicherungskarte erstaunlicherweise nicht bekannt gewesen. Zusam-

menfassend habe die sachverständige Person festgehalten, die landes-

kundlich-kulturellen Kenntnisse der Beschwerdeführerin seien teilweise lü-

ckenhaft oder veraltet, wobei bei einer einheimischen Person im Alter der 

Beschwerdeführerin und mit dem geltend gemachten sozialen, ethnischen 

und beruflichen Profil nicht mit solchen Wissenslücken zu rechnen sei. 

Auch die linguistische Analyse – mangels wissenschaftlicher Studien zum 

Dialekt in E._______ habe sich die sachverständige Person des Dialektes 

der Gebietshauptstadt F._______ als Referenzvarietät bedient – habe er-

geben, dass die Sprache der Beschwerdeführerin in Bezug auf Phone-

tik/Phonologie, Morphologie und Lexikon keinerlei Ähnlichkeiten mit dem 

F._______-Dialekt aufweise, obwohl dies aufgrund der geographischen 

Nähe zu erwarten gewesen wäre. Entsprechend sei die sachverständige 

Person zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin sehr wahr-

scheinlich nicht wie geltend gemacht im Gebiet F._______ in Tibet soziali-

siert worden sei, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb 

der Volksrepublik China. Im Rahmen des der Beschwerdeführerin hierzu 

gewährten rechtlichen Gehörs habe sie weder inhaltlich neue noch plau-

sible Elemente vorbringen können, welche das Ergebnis der professionel-

len Herkunftsabklärung in Frage zu stellen vermocht hätten. Ferner habe 

die Beschwerdeführerin keinerlei Reise- oder Identitätspapiere zu den Ak-

ten gelegt, die dem Beleg der geltend gemachten Herkunft hätten dienen 

können. Die fehlende Plausibilität und Nachvollziehbarkeit der diesbezüg-

lichen Erklärungsversuche der Beschwerdeführerin, sowie der Umstand, 

dass sie seit Einreichung des Asylgesuchs nichts unternommen habe, um 

entsprechende Papiere zu besorgen und nachzureichen, stützten mithin 

die Erkenntnisse des Lingua-Gutachtens und liessen ferner den Verdacht 

aufkommen, dass sie ihre Identität und ihren Reiseweg zu verschleiern ver-

suche. Zweifel an ihren Vorbringen würden durch die – als pauschal, un-

spezifisch und substanzlos zu beurteilende – Reisewegschilderung noch 

verstärkt. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin den ge-

schilderten Grenzübertritt von Tibet nach Nepal nie selber unternommen 

habe, und auf anderem als dem von ihr geschilderten Weg nach Europa 

gelangt sei. Schliesslich stützten auch die unplausibel und widersprüchlich 

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– mithin unglaubhaft – ausgefallenen Aussagen zu den Asylgründen das 

Ergebnis des Lingua-Gutachtens in einem weiteren Punkt und bestärkten 

das SEM in seinem Schluss, dass seine Zweifel an der geltend gemachten 

Herkunft und Staatsangehörigkeit berechtigt seien. Vor diesem Hinter-

grund komme das SEM nicht umhin, die Staatsangehörigkeit der Be-

schwerdeführerin mit dem Vorbehalt gemäss eigenen Angaben China 

(Volksrepublik) zu erfassen. Insgesamt sei es der Beschwerdeführerin 

nicht gelungen, ihre Hauptsozialisation in der Volksrepublik China sowie 

ihre Asylgründe glaubhaft darzulegen und sei mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin – obwohl 

unbestritten tibetischer Ethnie – vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in 

der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt 

habe. Da sie keine konkreten und glaubhaften Hinweise auf einen längeren 

Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, komme das SEM zum 

Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe 

gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden. Zur 

rechtlichen Begründung verwies die Vorinstanz auf die entsprechenden 

Passagen in BVGE 2014/12. Nach dem Gesagten hielten die Vorbringen 

der Beschwerdeführerin weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nach Art. 7 AsylG, noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft nach 

Art. 3 AsylG stand, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und 

ihr Asylgesuch abzulehnen sei. Der Vollzug der Wegweisung sei – unter 

Ausschluss der Volksrepublik China – zulässig, zumutbar und möglich, zu-

mal die Beschwerdeführerin die Folgen der fehlenden Glaubhaftigkeit ihrer 

Identitätsangaben und ihres Sachverhaltsvortrages zu tragen habe und es 

ihr zuzumuten sei, bei der zuständigen Vertretung die allenfalls benötigten 

Reisepapiere zu beschaffen. 

3.2 Im Rahmen ihrer Eingabe vom 22. Februar 2016 hält die Beschwerde-

führerin zunächst fest, dass der vorliegende Asylentscheid ‚eins zu eins‘ 

mit demjenigen aus dem Jahr 2015 übereinstimme, wobei lediglich der 

Schluss auf das (dem Lingua-Gutachten zu Grunde liegende) Telefoninter-

view angepasst worden sei. Sodann nahm sie inhaltlich zu den im Lingua-

Gutachten als unstimmig hervorgehobenen Aussagen in den Bereichen 

Geographie, Landwirtschaft, Schulwesen und Ausweise Stellung, wobei 

hierfür auf die Akten (vgl. A36) respektive – soweit entscheidrelevant – auf 

die nachfolgenden Erwägungen verwiesen werden kann. Insgesamt hielt 

die Beschwerdeführerin an ihrer chinesischen Staatsbürgerschaft fest. Sie 

habe bis zu ihrer Flucht immer in Tibet gelebt und ihr Heimatland nie ver-

lassen. Zur Frage der Glaubhaftmachung brachte sie vor, die Flucht sei für 

sie sehr traumatisch gewesen. Sie habe ihre Familie von einem Tag auf 

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den anderen verlassen müssen und habe seither keinen Kontakt mehr ge-

habt. Ihre nahsten Bezugspersonen seien plötzlich weggefallen. Das sei 

sehr schwer zu ertragen und eine sehr belastende Situation. Es sei ihr nicht 

leicht gefallen, sich innert kürzester Zeit an völlig neue Gegebenheiten an-

zupassen. Sie sei mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft und auf ein 

Leben in einem freien Land in die Schweiz gekommen und bemühe sich 

sehr, sich zu integrieren. Insgesamt habe sie die Mitwirkungspflicht stets 

befolgt und Auskunft über ihre Identität gegeben. In den Augen der chine-

sischen Regierung sei sie ein Staatsfeind, und sie könne deshalb ihre Fa-

milie in Tibet nur unter grosser Gefahr kontaktieren, weil sonst ihre Ange-

hörigen verdächtigt würden, Kontakte mit Separatisten zu pflegen. 

Im Sinne eines Eventualstandpunktes machte die Beschwerdeführerin fer-

ner geltend, aufgrund ihrer glaubhaften illegalen Ausreise lägen – im Sinne 

der Rechtsprechung diesen Gerichts – subjektive Nachfluchtgründe ge-

mäss Art. 54 AsylG vor. Zudem sei der Wegweisungsvollzug undurchführ-

bar. Sie habe mit ihrem Heimatland Tibet gebrochen und könne und wolle 

nicht mehr zurück. Sie habe von Geburt bis zum Tage ihrer Flucht in Tibet 

gelebt und sei noch nie im Ausland gewesen. Zudem habe sie nie Reise-

papiere besessen, weshalb sie solche auch nicht besorgen könne. Sie be-

sitze keine Aufenthaltsbewilligung eines anderen Staates und ihre Familie 

lebe immer noch in Tibet. 

3.3 Nach einlässlicher Analyse der damaligen Quellenlage gelangte die 

vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) in ihrer publizier-

ten Praxis zum Schluss, dass im Falle einer Person, bei welcher die tibeti-

sche Ethnie erstellt ist, vorab auf eine chinesische Staatsangehörigkeit zu 

schliessen sei, und zwar auch dann, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, 

die betreffende Person habe vor ihrer Einreise in die Schweiz in der exilti-

betischen Gemeinde in Nepal oder Indien gelebt (vgl. Entscheidungen und 

Mitteilungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 1 E. 4.3.). Im Länderurteil BVGE 

2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht diese Praxis einer eingehen-

den Prüfung unterzogen, wobei das Gericht zum folgendem Schluss ge-

langt ist: Für Angehörige der tibetischen Ethnie besteht sowohl in Nepal als 

auch in Indien die Möglichkeit, unter gewissen Bedingungen eine Aufent-

haltsbewilligung zu erhalten, beziehungsweise unter engen Voraussetzun-

gen ist es auch möglich, die entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwer-

ben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit – durch den Erwerb einer 

neuen Staatsangehörigkeit – wegfällt. Daneben muss aber (weiterhin) da-

von ausgegangen werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien 

lebenden Exil-Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit 

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Seite 11 

erworben haben und nach wie vor die chinesische Staatsangehörigkeit be-

sitzen (vgl. E. 5.8 [erster Absatz; Zwischenergebnis nach E. 5.4 - 5.7]).  

3.4 In BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht zum einen die 

bisherige Praxis auf ihre Aktualität hin überprüft, zum andern hat das Ge-

richt – im Sinne einer Präzisierung – namentlich festgehalten, dass bei Per-

sonen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder ver-

heimlichen würden, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine 

flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr 

an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden, zumal die Abklärungspflicht 

der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden 

Person finde. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Ver-

letzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status 

er in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Dritt-

staatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. 

Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren 

Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Per-

son in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. a.a.O., 

E. 5.8 - 5.10).  

Im Lichte dieser Präzisierung kommt der Frage nach der Verlässlichkeit der 

Herkunftsangaben der Beschwerdeführerin zentrale Bedeutung zu. 

3.5 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-

richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für 

wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

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Seite 12 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2 und 2010/57 E. 2.3). 

3.6 Zunächst ist die Bedeutung des in casu vorliegenden Lingua-Gutach-

tens zu beurteilen, zumal sich die vorinstanzlichen Feststellungen mass-

geblich auf dieses stützen. 

Im Rahmen von "Lingua-Analysen" werden regelmässig sowohl die 

sprachlichen Fähigkeiten als auch landeskundlich-kulturelle Kenntnisse 

von Asylsuchenden geprüft, wobei die beauftragten Experten über eine 

entsprechende Befähigung verfügen. Bei solchen Lingua-Analyse handelt 

es sich zwar praxisgemäss nicht um Sachverständigengutachten im Sinne 

von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu Art. 57 - Art. 61 Bundesgesetz über 

den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um 

eine schriftliche Auskunft einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c 

VwVG. Das Bundesverwaltungsgericht misst entsprechenden Analysen je-

doch regelmässig erhöhten Beweiswert zu, sofern bestimmte Anforderun-

gen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten 

sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind, de-

nen eine solche Prüfung zu entsprechen hat (vgl. dazu das vorerwähnte 

Urteil BVGE 2014/12, E. 4.2).  

Vorliegend kann sich das SEM auf ein entsprechendes Gutachten stützen, 

zumal der vom Staatssekretariat beauftragte Experte in seinem Bericht 

vom 4. Dezember 2015 nicht nur auf eine landeskundlich-kulturelle Evalu-

ation abgestellt hat, sondern von seiner Seite auch eine ausführliche 

sprachwissenschaftliche Analyse durchgeführt worden ist. Die Schlussfol-

gerungen des Experten stützen sich damit auf eine umfassende Analyse 

und der Bericht vermag aufgrund nachvollziehbarer und schlüssiger Aus-

führungen insgesamt zu überzeugen. An der Qualifikation, Objektivität und 

Neutralität des Experten bestehen vorliegend keine Zweifel, handelt es 

sich bei der sachverständigen Person doch um einen ausgewiesenen Ex-

perten (vgl. A28), und erwähnt sie im Rahmen ihrer Analyse doch auch 

verschiedentlich von der Beschwerdeführerin korrekt beantwortete landes-

kundlich-kulturelle Fragen. In diesem Kontext sind zwei Bemerkungen zu 

machen. Zunächst ist festzuhalten, dass die sachverständige Person im 

sorgfältig abgefassten Bericht korrekte Aussagen der Beschwerdeführerin 

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Seite 13 

zum landeskundlich-kulturellen Kontext des von ihr geltend gemachten 

Heimatorts in Tibet durchaus angemessen würdigt, und lediglich nach Ab-

wägung gegen die falschen oder unstimmigen Aussagen der Beschwerde-

führerin zum Schluss kommt, eine Hauptsozialisation der Beschwerdefüh-

rerin im Kreis E._______ sei aus landeskundlich-kultureller Sicht zweifel-

haft. Zweitens ist in Bezug auf die Lingua-Analyse mit der Beschwerdefüh-

rerin festzustellen, dass die Verwendung des F._______-Dialekts als Refe-

renzdialekt für den Vergleich der Sprache der Beschwerdeführerin mit dem 

auf dem Lhasa-Dialekt beruhenden exiltibetischen Koine wohl kaum als 

ideal bezeichnet werden kann, liegt der geltend gemachte Heimatort der 

Beschwerdeführerin doch über (…) Kilometer entfernt von F._______. Die-

ser Beobachtung ist allerdings die überzeugende Erklärung der sachver-

ständigen Person entgegenzuhalten, es lägen keine wissenschaftlichen 

Studien zum Dialekt von E._______ vor, und es sei – aufgrund verschie-

dener Umstände wie des geographischen Dialektkontinuums sowie der ad-

ministrativen und kulturellen Zugehörigkeit von E._______ zu F._______ – 

davon auszugehen, dass die Sprache der Probandin mehr Übereinstim-

mungen mit dem Dialekt von F._______ als mit demjenigen von Lhasa res-

pektive der exiltibetischen Koine aufweisen müsste. Angesichts der Fest-

stellung, die Sprache der Beschwerdeführerin habe auf den drei Analyse-

ebenen – Lexikon, Phonetik/Phonologie und Morphologie – keine Ähnlich-

keiten mit dem Dialekt von F._______, sondern fast ausschliesslich Ge-

meinsamkeiten mit demjenigen von Lhasa (respektive der exiltibetischen 

Koine) aufgewiesen, vermag der Schluss der sachverständigen Person, 

dass die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich nicht im tibetischen Ge-

biet F._______ hauptsozialisiert wurde, auch in Bezug auf die linguistische 

Analyse zu überzeugen. Insgesamt ist das Gesamtergebnis der Lingua-

Analyse, nämlich dass die Hauptsozialisation der Beschwerdeführerin sehr 

wahrscheinlich nicht im Kreis E._______, Gebiet F._______, Tibet, stattge-

funden habe, schlüssig und nachvollziehbar. Den korrekten Aussagen der 

Beschwerdeführerin im landeskundlich-kulturellen Teil und dem nicht idea-

len Referenzdialekt im linguistischen Teil der Analyse wird dadurch Rech-

nung getragen, dass die Hauptsozialisation der Beschwerdeführerin in 

E._______ eben gerade nicht eindeutig, sondern lediglich mit hoher Wahr-

scheinlichkeit für unglaubhaft befunden wird. Insgesamt überzeugen so-

wohl Begründung als auch Ergebnis der Analyse. 

3.7 Diesem Schluss vermögen die Stellungnahmen der Beschwerdeführe-

rin im Rahmen des rechtlichen Gehörs und ihrer Beschwerdeeingabe 

nichts Stichhaltiges entgegen zu setzen. Die Beschwerdeführerin kann ihre 

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Seite 14 

fehlerhaften Angaben zur Geographie und zur Landwirtschaft ihrer Heimat-

region nicht überzeugend erklären. Ferner und insbesondere gelingt es ihr 

auch nicht, die doch eindeutigen Ergebnisse der linguistischen Analyse zu 

entkräften. Dass sie im Rahmen des rechtlichen Gehörs geltend macht, die 

sachverständige Person habe ihren Dialekt mit demjenigen von F._______ 

und nicht mit dem von E._______ verglichen ist zwar korrekt. Damit ver-

mag sie aber die diesbezüglich schlüssige Erklärung des Experten nicht zu 

widerlegen (vgl. dazu ausführlich oben, E. 3.6). Auch die – teilweise durch-

aus korrekten und nachvollziehbaren – Herkunftsaussagen der Beschwer-

deführerin im Kontext von Befragung und Anhörung vermögen das schlüs-

sige und überzeugend begründete Analyseergebnis der sachverständigen 

Person im Ergebnis nicht umzustossen. Zudem hat die Beschwerdeführe-

rin, wie von der Vorinstanz richtig vermerkt, keinerlei Reise- oder Identitäts-

papiere zu den Akten gelegt, welche die von ihr geltend gemachte Herkunft 

aus Tibet zu belegen vermöchten. 

3.8 Gesamthaft muss damit auf Unglaubhaftigkeit der Herkunftsangaben 

der Beschwerdeführerin geschlossen werden, und ist von einer Verschlei-

erung der tatsächlichen Herkunft ihrerseits auszugehen. Bei dieser Sach-

lage ist zum einen den Asylvorbringen der Beschwerdeführerin die Grund-

lage entzogen, weshalb sich auch eine genauere Prüfung derselben erüb-

rigt. Zum andern hat die Beschwerdeführerin – wie vom SEM im Ergebnis 

zu Recht erkannt und wie nachfolgend aufgezeigt – als unbekannter Her-

kunft zu gelten. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Beschwer-

deführerin in der exiltibetischen Diaspora hauptsozialisiert worden ist, und 

damit entweder nie am angeblichen Herkunftsort in Tibet gelebt, oder aber 

diesen deutlich früher als geltend gemacht verlassen hat. 

4.  

4.1 Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte 

Angaben über ihre Herkunft machen, respektive unglaubhafte Angaben zu 

ihrem Aufenthalt während der letzten Jahre vor der Gesucheinreichung in 

der Schweiz, sind gemäss BVGE 2014/12 grundsätzlich verschiedene 

Konstellationen bezüglich ihrer mutmasslichen tatsächlichen Herkunft 

(vorab aus Indien oder Nepal) wie auch ihrer Staatsangehörigkeit (tatsäch-

lich weiterhin vorab China, aber auch Indien oder Nepal) möglich, wobei 

diese Konstellationen nach jeweils unterschiedlichen Prüfungsrastern zu 

beurteilen wären, so gerade auch im Lichte der Drittstaatenregelung ge-

mäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG (vgl. BVGE 2014/12, E. 5.8 [zweiter Teil]). 

Vorliegend lässt sich aufgrund der Akten mit Bestimmtheit einzig sagen, 

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Seite 15 

dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie ist. Aufgrund ihrer unglaub-

haften Angaben zu ihrer Sozialisierung und – daraus folgend – ihrem Auf-

enthaltsort vor ihrer Einreise in die Schweiz kann jedoch vonseiten der 

Asylbehörden nicht eruiert werden, nach welcher Fallkonstellation sie zu 

beurteilen wäre.  

4.2 In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass die Abklärungs-

pflicht der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsu-

chenden Person findet. Vorliegend verunmöglicht die Beschwerdeführerin 

durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht Abklärungen betreffend die 

Frage, welchen effektiven Status sie an ihrem bisherigen Aufenthaltsort 

mutmasslich in Nepal oder in Indien innehat, wie auch die Prüfung, welche 

Staatsangehörigkeit sie tatsächlich besitzt. Durch dieses Verhalten verun-

möglicht sie namentlich eine Prüfung der Drittstaatenregelung gemäss 

Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG, aber auch eine Prüfung ihrer allfälligen Flücht-

lingseigenschaft in Bezug auf Nepal oder Indien (vgl. BVGE 2014/12 

E. 5.9).  

4.3 Vor diesem Hintergrund geht das Bundesverwaltungsgericht bei einer 

Konstellation wie vorliegend – wenn also eine Personen tibetischer Ethnie 

wie die Beschwerdeführerin ihre wahre Herkunft verschleiert oder verheim-

licht – vermutungsweise davon aus, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf-

enthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 

5.  

Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Be-

schwerdeführerin weder die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Aus-

reise noch subjektive Nachfluchtgründe nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen vermag. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

An dieser Stelle ist ferner anzumerken, dass sich der Verfahrensgegen-

stand vorliegend lediglich auf die originäre Flüchtlingseigenschaft der Be-

schwerdeführerin – und somit inzident auf eine von der Mutter abgeleitete 

derivative Flüchtlingseigenschaft der nach Geburt ins Verfahren einbezo-

genen Tochter – beschränkt. Namentlich nicht beurteilt wird in casu die 

Frage, ob die Tochter (und allenfalls die Beschwerdeführerin) aus der Be-

ziehung zum als Flüchtling vorläufig aufgenommenen H._______ einen 

flüchtlingsrechtlichen Aufenthaltsstatus derivativ ableiten kann. Der Be-

schwerdeführerin ist unbenommen, im Namen der Tochter (respektive in 

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Seite 16 

eigenem Namen) ein entsprechendes Gesuch zu stellen, woraufhin der 

diesbezügliche Sachverhalt von der Vorinstanz abzuklären wäre.  

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen, zumal gemäss aktueller Aktenlage nicht davon auszugehen ist, sie 

würden mit dem Vater von I._______ in einer eheähnlichen beziehungs-

weise einer Familiengemeinschaft leben. Die Wegweisung wurde dem-

nach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 

2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

7.2 Die Frage nach der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs ist zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersu-

chungspflicht findet jedoch wie erwähnt ihre Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei feh-

lenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hy-

pothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat 

daher die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als vonsei-

ten der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche 

nichts gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort, zumal sie 

keine konkreten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine ent-

sprechende Rückkehr sprechen würden. 

7.3 Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist 

und von daher die Möglichkeit besteht, dass sie die chinesische Staatsan-

gehörigkeit besitzt, hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug nach 

China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen (vgl. dazu 

BVGE 2014/12 E. 6). 

D-1071/2016 

Seite 17 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Entscheid über die von 

der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 22. Februar 2016 beantragte Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege wurde mit Zwischenverfügung 

vom 25. Februar 2016 auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, wobei die Be-

schwerdeführerin gebeten wurde, eine Fürsorgebestätigung nachzu-

reichen. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die 

erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfah-

renskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint 

(Art. 65 Abs. 1 VwVG). Ebenfalls am 25. Februar 2016 – zeitgleich mit dem 

Ergehen der Zwischenverfügung – wurde eine Unterstützungsbestätigung 

betreffend die Beschwerdeführerin ins Recht gelegt, mithin das Erfordernis 

der Bedürftigkeit rechtsgenüglich belegt. Zudem waren die Beschwerde-

vorbringen zum Eingabezeitpunkt nicht aussichtslos. Damit sind die Vo-

raussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt und ist von einer Kosten-

auflage abzusehen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Der Beschwerdeführerin werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

 

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer 

 

 

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