# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e01ce05-a0d7-5277-bf29-a8cc1ac6bf5b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 02.08.2023 SBK.2023.208
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2023-208_2023-08-02.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2023.208  
(ST.2023.17; STA.2022.4292)  

Art. 241 

 

 

Entscheid vom 2. August 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident 

Oberrichter Lindner 

Oberrichterin Schär 

Gerichtsschreiber Gasser 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____,  

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Guido Ehrler,  

[…]   

 

 
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg,  

Riburgerstrasse 4, 4310 Rheinfelden  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Verfügung der Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden vom 17. April 

2023 betreffend Nichteintreten auf die Einsprache/Rechtskraft des 

Strafbefehls 

 

in der Strafsache gegen A._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg erliess am 6. Dezember 

2022 gegen A. (fortan: Beschwerdeführer) einen Strafbefehl wegen 

Förderung des rechtswidrigen Aufenthaltes in der Schweiz. Sie bestrafte 

ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 80.00 und 

einer Busse von Fr. 1'000.00. Des Weiteren auferlegte sie ihm die 

Strafbefehlsgebühr von Fr. 900.00 sowie die Polizeikosten von Fr. 17.50. 

 

1.2. 

Der am 9. Dezember 2022 per Einschreiben an den Beschwerdeführer 

gesandte Strafbefehl vom 6. Dezember 2022 wurde am 

20. Dezember 2022 mit dem Vermerk "nicht abgeholt" durch die Post an 

die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg retourniert.  

 

1.3. 

Mit Eingabe vom 6. Januar 2023 erhob der Beschwerdeführer Einsprache 

gegen den Strafbefehl vom 6. Dezember 2022. 

 

1.4. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg überwies den Strafbefehl 

am 20. Februar 2023 dem Bezirksgericht Rheinfelden zur Durchführung 

des Hauptverfahrens. 

 

2. 

Mit Verfügung vom 17. April 2023 trat die Präsidentin des Bezirksgerichts 

Rheinfelden auf die Einsprache nicht ein und stellte fest, dass der 

Strafbefehl vom 6. Dezember 2022 in Rechtskraft erwachsen ist. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschwerdeführer erhob gegen die ihm am 8. Mai 2023 zugestellte 

Verfügung vom 17. April 2023 am 17. Mai 2023 Beschwerde bei der 

Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau 

und beantragte das Folgende: 

 

"1. 
Die Verfügung des Bezirksgerichts Rheinfelden vom 17. April 2023 sei 
aufzuheben. 
 
2. 
Es sei das Bezirksgericht Rheinfelden anzuweisen, das Hauptverfahren zu 
eröffnen. 
 
 
 

 - 3 - 

 

 

3. 
Es sei das Bezirksgericht Rheinfelden anzuweisen, Herrn A. für das 
vorinstanzliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit dem 
Unterzeichner als Rechtsbeistand zu gewähren. 
 
4. 
Alles unter o/e-Kostenfolge. Eventualiter sei Herr A. die unentgeltliche 
Rechtspflege mit dem Unterzeichner als Rechtsbeistand zu gewähren." 
 

3.2. 

Mit Eingabe vom 6. Juni 2023 verzichtete die Präsidentin des 

Bezirksgerichts Rheinfelden unter Hinweis auf die Begründung der 

Verfügung vom 17. April 2023 auf eine Beschwerdeantwort. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 12. Juni 2023 beantragte die Staatsanwaltschaft 

Rheinfelden-Laufenburg die Abweisung der Beschwerde unter 

Kostenfolgen. 

 

3.4. 

Am 29. Juni 2023 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein. 

 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

Verfügungen erstinstanzlicher Gerichte sind – mit Ausnahme 

verfahrensleitender Entscheide – gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO mit 

Beschwerde anfechtbar. Es liegen keine Beschwerdeausschlussgründe 

i.S.v. Art. 394 StPO vor. Die Beschwerde ist damit zulässig. Nachdem die 

übrigen Eintretensvoraussetzungen zu keinen Bemerkungen Anlass geben 

und erfüllt sind, ist auf die form- und fristgerecht erhobene Beschwerde 

einzutreten.  

 

2. 

2.1. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden führte in der 

angefochtenen Verfügung zusammengefasst aus, dass der Strafbefehl 

vom 6. Dezember 2022 am 12. Dezember 2022 zu Abholung gemeldet 

worden sei. Die siebentägige Abholungsfrist habe am 19. Dezember 2022 

geendet, womit die Einsprachefrist bis am 29. Dezember 2022 gelaufen 

sei. Der Beschwerdeführer sei anlässlich seiner Einvernahme vom 

6. Oktober 2022 explizit darauf hingewiesen worden, dass eine Verzeigung 

an die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg erfolge und er von 

dieser Stelle eingeschriebene Post erhalten werde. Ebenfalls sei der 

Beschwerdeführer darauf hingewiesen worden, dass er sich der 

Strafverfolgungsbehörde weiterhin zur Verfügung halten müsse, er 

 - 4 - 

 

 

Adressänderungen umgehend der Verfahrensleitung zu melden habe und 

zukünftige Korrespondenz an seinen Wohnort geschickt würde. Der 

Beschwerdeführer habe somit drei Monate nach dieser Einvernahme 

immer noch damit rechnen müssen, dass er wichtige Post seitens der 

Strafverfolgungsbehörde erhalten werde, womit die Zustellfiktion greife. 

 

2.2. 

Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor, dass die 

Einsprachefrist durch die Eingabe vom 6. Januar 2023 unter den 

gegebenen Umständen gewahrt sei. Es stehe fest, dass der 

Beschwerdeführer am 24. Dezember 2022 unmittelbar nach Erhalt der 

Abholungseinladung bei der Post Rheinfelden und am 27. Dezember 2022 

bei der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg vorgesprochen habe, 

um den Strafbefehl entgegenzunehmen. Der Beschwerdeführer habe 

sämtliche prozessualen Pflichten erfüllt, um den Inhalt der Verfügung zu 

erfahren, nachdem er durch den Abholschein davon Kenntnis erhalten 

habe. Die Rechtsmittelfrist könne erst dann zu laufen beginnen, wenn die 

betroffene Person im Besitz aller für die erfolgreiche Wahrung ihrer Rechte 

wesentlichen Elemente sei. Es widerspreche dem Grundsatz von Treu und 

Glauben, die Zustellfiktion so auszulegen, dass es dem Betroffenen 

verwehrt werde, den von ihm verschuldeten Fehler, nämlich die 

Nichtmeldung von Ferien im Prozessrechtsverhältnis, durch eigenes 

Handeln wieder gut zu machen und sich während laufender 

Rechtsmittelfrist Kenntnis von der ihn belastenden Verfügung zu 

verschaffen. Die Anwendung der Zustellfiktion dürfe nicht zu Ergebnissen 

führen, die dem Verbot des überspitzten Formalismus und der "dienenden 

Form des Prozessrechts" widerspreche, was vorliegend aber der Fall sei. 

Es stehe fest, dass sich der Beschwerdeführer am 24. Dezember 2022 

unmittelbar nach seiner Rückkehr aus den Ferien bei der Post um die 

Entgegennahme der Sendung bemüht habe. Der Strafbefehl vom 

6. Dezember 2022 habe sich aber bereits bei der Staatsanwaltschaft 

Rheinfelden-Laufenburg befunden und habe dort nicht mehr abgeholt 

werden können. Am 27. Dezember 2022 habe der Beschwerdeführer bei 

der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg vorgesprochen, sei aber 

vor verschlossenen Türen gestanden. Die rechtsstaatliche Aufklärungs- 

und Fürsorgepflicht der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg sei 

verletzt, wenn sie ihre Schalter während den Werktagen schliesse und 

Rechtsuchende abweise. Dem Beschwerdeführer sei nicht die volle 

Rechtsmittelfrist zur Verfügung gestanden. Der Einwand der Vorinstanz, 

wonach der Beschwerdeführer habe damit rechnen müssen, dass die 

behördlichen Betriebe zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen 

seien, sei zurückzuweisen, zumal in Laufenburg nur der Weihnachtstag 

und der 1. Januar gesetzliche Feiertage seien. Es widerspreche dem 

Verbot des überspitzten Formalismus, wenn die Behörde einen Fristablauf 

an einem Tag annehme, an welchem die Verwaltung und die Geschäfte 

geschlossen hätten. Der Fristenlauf sei auf den Tag der erstmöglichen 

 - 5 - 

 

 

Kenntnisnahme am 2. Januar 2023 anzusetzen, weshalb die 

Einsprachefrist mit der Einsprache vom 6. Januar 2023 gewahrt sei.  

 

3. 

3.1. 

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Einsprache gegen den Strafbefehl 

rechtzeitig erfolgt ist, was die Vorinstanz mit Verweis auf die Zustellfiktion 

verneinte.  

 

3.2. 

3.2.1. 

Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses 

ausgelöst werden, beginnen gemäss Art. 90 Abs. 1 StPO am folgenden 

Tag zu laufen. Nach Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO gilt eine eingeschriebene 

Postsendung, die nicht abgeholt worden ist, am siebten Tag nach dem 

erfolglosen Zustellungsversuch als zugestellt, sofern die Person mit einer 

Zustellung rechnen musste. 

 

Diese Zustellfiktion gilt gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO, soweit der 

Adressat mit einer Zustellung rechnen musste. Die Begründung eines 

Prozessrechtsverhältnisses verpflichtet die Parteien, sich nach Treu und 

Glauben zu verhalten und unter anderem dafür zu sorgen, dass ihnen 

behördliche Akten zugestellt werden können, welche das Verfahren 

betreffen. Von einer verfahrensbeteiligten Person wird namentlich verlangt, 

dass sie für die Nachsendung ihrer an die bisherige Adresse gelangenden 

Korrespondenz besorgt ist und sie der Behörde gegebenenfalls längere 

Ortsabwesenheiten mitteilt oder eine Stellvertretung ernennt (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_674/2019 vom 19. September 2019 E. 1.4.2 mit 

Hinweis u.a. auf BGE 139 IV 228 E. 1.1), damit ihr Mitteilungen und 

Entscheide tatsächlich zeitgerecht zugestellt werden können. Ein 

Postrückbehaltungsauftrag bzw. die Verlängerung der Abholfrist stellt 

hierfür keine genügende Massnahme dar (Urteil des Bundesgerichts 

6B_302/2020 vom 25. Juni 2020 E. 5.2).  

 

Die genannte Obliegenheit dauert nicht unbeschränkt. Das Bundesgericht 

hat hinsichtlich der gebotenen Aufmerksamkeitsdauer verschiedentlich 

einen Zeitraum bis zu einem Jahr seit der letzten verfahrensrechtlichen 

Handlung der Behörde (unter Einbezug der konkreten Umstände) als 

vertretbar bezeichnet (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 6B_511/2010 

vom 13. August 2010 E. 3 m.H.). Im Entscheid 6B_110/2016 vom 27. Juli 

2016 hielt es jedoch fest, dass die Regeln über die Zustellfiktion vernünftig 

zu handhaben seien und bezeichnete als fraglich, ob eine Dauer bis zu 

einem Jahr seit der letzten Verfahrenshandlung noch vertretbar sei (E. 1.2; 

nicht publiziert in BGE 142 IV 286). Die siebentägige Frist von Art. 85 Abs. 

4 lit. a StPO gilt unabhängig davon, wie lange eine Sendung gemäss den 

Abmachungen einer Partei mit der Post abgeholt werden kann. Das 

 - 6 - 

 

 

Wirksamwerden der Fiktion kann nicht durch eine Verlängerung der 

Abholfrist bzw. einen Postrückbehaltungsauftrag verhindert werden. 

Vorbehalten bleiben besondere Vertrauensschutzsituationen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_28/2020 vom 1. April 2020 E. 4 m.w.H.). 

 

3.2.2. 

Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, wurde der Beschwerdeführer 

anlässlich seiner Einvernahme vom 6. Oktober 2022 darauf hingewiesen, 

dass eine Verzeigung an die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg 

erfolgt und er von dieser Stelle eingeschriebene Postsendungen erhalten 

wird (angefochtene Verfügung, E. 4; act. 20, Frage 40). Der 

Beschwerdeführer musste folglich unbestrittenermassen mit einer 

Zustellung durch die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg rechnen 

(Beschwerde, N. 5), wobei auch der Zeitablauf zwischen der Einvernahme 

vom 6. Oktober 2022 und der Zustellung des Strafbefehls vom 

6. Dezember 2022 deutlich im Rahmen des zu Erwartenden liegt 

(vgl. E. 3.2.1. hiervor). Muss mit einer Zustellung gerechnet werden, greift 

die Zustellfiktion. Die siebentägige Abholungsfrist endete im vorliegenden 

Fall am 19. Dezember 2022, womit die Zustellung gleichentags als erfolgt 

gilt. Die Einsprachefrist begann folglich am 20. Dezember 2022 zu laufen 

und endete am 29. Dezember 2022.  

 

Dass die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg zwischen 

Weihnachten und Neujahr geschlossen hatte bzw. dass der 

Beschwerdeführer vor "verschlossenen Türen stand", was vorliegend 

unbestritten geblieben ist, vermag am Gesagten nichts zu ändern. 

Ausweislich der Akten befand sich der Beschwerdeführer während eines 

Monats (vom 24. November 2022 bis am 24. Dezember 2022) in Äthiopien 

(act. 72). Es handelt sich dabei um eine lange Auslandabwesenheit, so 

dass der Beschwerdeführer hinsichtlich der Postzustellung zwingend 

organisatorische Massnahmen hätte treffen müssen (vgl. E. 3.2.1. hiervor), 

zumal die Reise im Hinblick auf deren Dauer und unter Berücksichtigung 

der Vollzeitstelle des Beschwerdeführers (act. 2, Fragen 14 ff.) bereits 

längere Zeit im Vorfeld geplant worden sein dürfte. Trotz dieser Umstände 

hat es der Beschwerdeführer unterlassen, entsprechende Vorkehrungen 

zu treffen und insbesondere die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-

Laufenburg über seine Abwesenheit zu informieren. Dies obschon er 

anlässlich seiner Einvernahme vom 6. Oktober 2022 und somit lediglich 

eineinhalb Monate vor seiner Abreise nach Äthiopien (24. November 2022) 

ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass ihm die künftige 

Korrespondenz ("insbesondere auch Verfügungen, und ein allfälliges 

Urteil") an seinen Wohnort zugestellt werde und mit dieser Zustellung auch 

"allfällige Rechtsmittelfristen" zu laufen beginnen würden (act. 20, Frage 

42). Wäre der Beschwerdeführer seiner prozessualen Sorgfaltspflicht 

nachgekommen, hätte er die Einsprachefrist von zehn Tagen wahren 

können, etwa indem ihm die Post den Strafbefehl vom 6. Dezember 2022 

 - 7 - 

 

 

aufgrund seines Rückbehaltungsauftrags am 24. Dezember 2022 noch 

ausgehändigt hätte oder ihm die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-

Laufenburg wegen seiner Mitteilung keine fristauslösenden Schreiben 

zugestellt hätte. Mit anderen Worten würde sich die Frage hinsichtlich der 

Öffnungszeiten der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg nicht 

stellen, wenn der Beschwerdeführer seiner prozessualen Obliegenheit 

nachgekommen wäre, wobei der Beschwerdeführer sein Verschulden 

selber eingesteht (Beschwerde, N. 9). Die prozessuale Pflicht der 

Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg bestand einzig in der 

Zustellung des Strafbefehls an den Beschwerdeführer in der gesetzlich 

vorgeschriebenen Form, was sie im vorliegenden Fall 

unbestrittenermassen tat. Demgegenüber war die Staatsanwaltschaft 

Rheinfelden-Laufenburg nicht verpflichtet, zwischen Weihnachten und 

Neujahr einen Schalterdienst zu betreiben um sicherzustellen, dass die – 

aufgrund der Säumnis der jeweiligen Empfänger nicht abgeholten und 

durch die Post retournierten – Sendungen noch rechtzeitig durch die 

jeweiligen Empfänger abgeholt werden können. Die Schliessung des 

Betriebs (mit Ausnahme der dringenden Arbeiten [Pikettdienst]) in der 

Zeitspanne zwischen Weihnachten und Neujahr ist denn auch nicht derart 

ungewöhnlich, dass der Beschwerdeführer nicht hätte damit rechnen 

müssen. Dass der Beschwerdeführer noch auf andere Weise versucht 

hätte, die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg zu kontaktieren 

(bspw. per Telefon, E-Mail oder Brief), wird nicht geltend gemacht.  

 

Zusammengefasst ist es der prozessualen Unsorgfalt des 

Beschwerdeführers geschuldet, dass er im vorliegenden Fall die 

Einsprachefrist nicht gewahrt hat. Der Strafbefehl vom 6. Dezember 2022 

gilt gestützt auf die Zustellfiktion als am 19. Dezember 2022 zugestellt. Die 

Einsprachefrist endete damit am 29. Dezember 2022, womit die am 

6. Januar 2023 erhobene Einsprache verspätet erfolgte. Die angefochtene 

Verfügung ist damit nicht zu beanstanden und die Beschwerde 

abzuweisen.  

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer ersuchte in seiner Beschwerde um Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtspflege für das vorinstanzliche Verfahren (bzw. 

moniert deren Nichtgewährung durch die Vorinstanz) und das 

Beschwerdeverfahren, womit er sinngemäss die Anordnung einer 

amtlichen Verteidigung beantragt.  

 

4.2. 

Eine amtliche Verteidigung ist insbesondere anzuordnen, wenn die 

beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die 

Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b 

StPO). Zur Wahrung der Interessen der beschuldigten Person ist die 

 - 8 - 

 

 

Verteidigung namentlich geboten, wenn es sich nicht um einen Bagatellfall 

handelt und der Straffall in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht 

Schwierigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht 

gewachsen wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO). Ein Bagatellfall liegt jedenfalls 

dann nicht mehr vor, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Monaten 

oder eine Geldstrafe von mehr als 120 Tagessätzen zu erwarten ist 

(Art. 132 Abs. 3 StPO). 

 

Der Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Rheinfelden-Laufenburg vom 6. Dezember 2022 zu einer Geldstrafe von 

60 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 1'000.00 verurteilt, womit die 

Strafsache noch als Bagatellfall i.S.v. Art. 132 Abs. 2 StPO zu qualifizieren 

ist. Tatsächliche und rechtliche Schwierigkeiten lagen nicht vor, zumal der 

Beschwerdeführer den Tatvorwurf in tatsächlicher Hinsicht grundsätzlich 

eingestanden hat. 

 

4.3. 

Selbst wenn eine amtliche Verteidigung anzuordnen gewesen wäre, 

beschränkt sich diese gemäss Urteil des Bundesgerichts 6B_758/2013 

vom 11. November 2013 E. 3.2 auf die Beiordnung einer amtlichen 

Verteidigung (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO) und nicht auf die Befreiung von 

selber verursachten Verfahrenskosten.  

 

5. 

Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und es ist ihm 

keine Entschädigung zuzusprechen. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Das Gesuch des Beschwerdeführers um Anordnung der amtlichen 

Verteidigung wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

3. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer 

Gerichtsgebühr von Fr. 800.00 und den Auslagen von Fr. 64.00, 

zusammen Fr. 864.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

  

 - 9 - 

 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der 

schriftlichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die 

Beschwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die 

Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen 

bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen 

würde (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 2. August 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

Richli Gasser