# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 37a4974d-2688-5101-8b79-85198e44edad
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-12
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung, Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen Verfügung ungenügend abgeklärt, daher Leistungsanspruch umfassend zu prüfen. Würdigung Gutachten, Aggravation, kein Leistungsanspruch.
**Docket/Reference:** IV.2021.00540
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00540.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00540
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichter Boller
Gerichtsschreiberin Kübler-Zillig
Urteil
vom
1
2.
Mai 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1980, ist diplomierter Kaufmann und arbeitete seit dem Jahre 2004 als Büroangestellter (Urk. 5/5 Ziff. 5.3-4), als er sich am 10. November 2015 unter Hinweis auf Depressionen bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 5/5 Ziff. 6.1). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 5/
51-52, Urk. 5/55) mit Verfügung vom 18. Februar 2019 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 5/73). Die dagegen am 21. März 2019 beim hiesigen Gericht erhobene Beschwerde (Urk.
5
/81/3) zog der Versicherte am 3. Juli 2019 wieder zurück, worauf der Prozess Nr. IV.2019.00218
mit Verfügung vom 5. Juli 2019
abgeschrieben wurde (Urk. 5/86).
1.2
Mit Zusatzgesuch vom 21. Juni 2019 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 5/84). In der Folge tätigte die IV-Stelle erneut medizinische (Urk. 5/87, Urk. 5/94-95
, Urk. 5/99
)
sowie
erwerbliche Ab
klärungen (Urk. 5/93)
und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung (Gut
achten vom 11. Januar 2021, Urk. 5/120). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 5/122, Urk. 5/127, Urk. 5/135)
verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 22. Juli 2021 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 5/137 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob
am 12. September 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Juli 2021 (Urk. 2) und beantragte sinngemäss die
Zusprache
der gesetz
lichen Leistungen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 6).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
5
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterli
cher Schlussfolgerungen bildet –
gegebenenfalls neben standar
disierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremd
anamnestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Frage
stellung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (erwähntes Urteil 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 22. Juli 2021 gestützt auf das Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle
Y.___
(
Medas
)
fest, die ausgewiesenen Diagnosen hätten keine länger andauernde oder bleibende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers. Damit bestehe kein Leistungsanspruch (Urk. 2 S. 1).
In der Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2021 wies die Beschwerdegegnerin
ergänzend
darauf hin, dass das Gutachten die rechtlichen Anforderungen voll
umfänglich erfülle und ihm damit volle
r
Beweiswert zukomme. Es werde darin kein Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher den Beschwerdeführer in seiner angestammten oder einer angepassten Tätigkeit einschränke (Urk. 4 S. 2 Ziff. 3).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, er leide an einer paranoid-
halluzinatorischen
Psychose sowie einer isthmischen
Spondylolyse
mit inter
mittierenden
lumbospondylogenen
Schmerzen und beantragte damit sinngemäss die Prüfung eines Leistungsanspruchs (Urk. 1).
2.3
2.3.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers
vom
21. Juni 2019 (Urk. 5/84)
eingetreten
und tätigte in der Folge erwerbliche (Urk. 5/93) und medizinische Abklärungen (Urk. 5/87, Urk. 5/94-95, Urk. 5/99, Urk. 5/120)
. Das Gericht hat daher in materiell-rechtlicher Hinsicht
grundsätzlich
zu prüfen, ob und gegebenenfalls inwiefern sich die anspruchsrelevanten tat
sächlichen Verhältnisse seit der mit Verfügung vom
18. Februar 2019
erfolgten Abweisung
eines Leistungsanspruchs
(Urk.
5/73
) bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
22. Juli 2021
(Urk. 2) in rentenbegründendem
Ausmass
verändert haben
.
2.3.2
Im Rahmen der
in die Verfügung vom
Februar 2019
mündenden Anspruchs
prüfung
stellte
dipl.
med.
Z.___
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, am
3
. August 2016 fest, aus versicherungs
medizinischer Sicht bestehe eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, welche sich dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Seit dem 15. Juni 2015 sei der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Ab April 2016 könne ihm eine angepasste Tätigkeit in einem Pen
sum von 50 % zugemutet werden. Es sei von einer drohenden Invalidität auszu
gehen (Feststellungsblatt vom 5. Dezember 2017, Urk. 5/47 S. 3 f.). Die Ressourcenprüfung
der IV-Sachbearbeiterin
ergab
hingegen
lediglich
, dass eine fachärztliche Diagnose vorlag, welche gegenwärtig remittiert sei. Eine dauerhafte und erhebliche gesundheitliche Einschränkung
wurde
daher verneint. Im Wider
spruch dazu wurde jedoch auch festgehalten, dass der Gesundheitszustand durch eine Weiterführung der Therapie wesentlich verbessert werden könne (S. 5).
In der Folge diagnostizierte der
frühere
Psych
otherapeut
Dr.
A.___
in seinem Bericht vom 22. Januar 2018 eine
Dysthymie
(
Urk.
5/54/2
Ziff.
3)
und hielt unter anderem fest, die psychische Erkrankung habe sich weitgehend ver
selbständigt (Urk. 5/54/
3
Ziff.
9
). Am 11. September 2018 führte er jedoch ohne Nennung einer Diagnose aus, die Stimmung sei schwer depressiv. Der Beschwerdeführer leide unter leichten, globalen Angststörungen, rezidivierenden Ein- und Durchschlafstörungen, mittelgradigen Konzentrations- und Merkfähig
keitsstörungen sowie Wahnerlebnissen (Urk. 5/63 S. 1 Ziff. 1).
Nach einer lediglich telefonischen Rücksprache mit dem RAD (vgl. Urk. 5/71 S. 5) ging die Beschwerdegegnerin sodann in der Verfügung vom 18. Februar 2019
davon aus, aufgrund der Diagnosestellung habe sich der psychische Gesundheits
zustand bereits verbessert, dies sei auch weiterhin möglich (Urk. 5/73 S. 2).
Ins
gesamt erscheint der
medizinische Sachverhalt im Zeitpunkt der Verfügung vom 18. Februar 2019 als ungenügend abgeklärt, weshalb er nicht zum Vergleich, ob mittlerweile eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, herangezogen werden kann.
Kann mangels nachvollziehbarer Arbeitsfähigkeitsbeurteilung zum Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache
kein Vergleich mit der beruflichen Leistungsfä
higkeit zum Zeitpunkt des Revisionsentscheides gezogen werden, ist darauf ab
zustellen, wie sich die Arbeitsfähigkeit in diesem Zeitpunkt präsentierte (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.1-2). Gleiches muss gelten, wenn mit der ursprünglichen Verfügung keine Rente zugesprochen, sondern ein entsprechender Anspruch – wie vorliegend – verneint wurde.
Der aktuelle Leistungsanspruch des Beschwerdeführers ist
im Folgenden
somit
umfassend zu prüfen
.
3.
3.1
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 20. März 2019
Lumboischialgien
beidseits bei
Spondylolyse
L5
sowie
Spondylolisthese
L5 Grad I mit
foraminalen
Einengungen beidseits
. Der Beschwerdeführer leide seit Jahren an lumbalen Schmerzen mit wechselnden, ausstrahlenden Schmerzen nach
gluteal
, in letzter Zeit auch zunehmend ins rechte Bein mit Kribbelparästhesien bis zum
Vorfuss
. Die Schmerzen seien erklärbar durch die
Spondylolyse
L5 mit
foraminaler
Einengung beidseits. Der Beschwerdeführer könne die jetzigen Schmerzen jedoch tolerieren und wünsche vorerst kein operatives Vorgehen. Aus seiner Sicht sei der Beschwerdeführer sicherlich im Umfang von 50 % arbeitsfähig für körperlich leichte Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten von maximal 10 bis 15 kg (Urk. 5/77).
3.2
In ihrem Bericht vom 28. März 2019 (Urk. 5/120/25-26)
nannte
Dr.
med.
C.___
, Oberärztin, Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie,
Klinik D.___
, folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anterolist
hese
L5/S1 bei isthmischer
Spondylolyse
-
intermittierende
lumbospondylogene
Schmerzen
Im CT bestätige sich der Befund der isthmischen
Spondylolyse
L5 beidseits. Es werde die konsequente Durchführung von rücken- und rumpfstabilisierender Gymnastik empfohlen. Eine operative Intervention sei sicherlich nicht empfohlen. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund dieser Diagnose nicht eingeschränkt. Sicherlich sei jedoch bei einer Bürotätigkeit wünschenswert, dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich an einem Stehpult arbeiten könne, um eine Positionsänderung zu ermöglichen (S. 1).
3.
3
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in ihrem Bericht vom 11. Juli 2019 folgende Diagnosen (Urk. 5/87 S. 1 Ziff. 2):
-
paranoid-
halluzinatorische
Psychose nach Schädelhirntrauma im 19. Lebensjahr
-
DD: Entwurzelungs-Psychose
-
Verdacht auf emotionale Verwahrlosung in Kindheit und Jugend
Der Beschwerdeführer
klage
über dialogisierende und kommentierende Stimmen, welche ihn wütend machten, so dass er auch Angst habe, ein Messer zu nehmen.
Zudem
bestünden taktile Halluzinationen, eine Wahnstimmung und Verfolgungs
ideen (S. 2 Ziff. 3).
Mittels der antipsychotischen Medikation werde versucht, die bunte Psychopathologie, welche sich auch immer wieder verändere, zu stabilisieren, was zum jetzigen Zeitpunkt insofern gelungen sei, dass der Beschwerdeführer stundenweise Schlaf finde, seine Emotionen steuern könne und auch die Halluzinationen besser ertrage.
In wöchentlichen psychotherapeutischen Sitzungen werde versucht, die Kindheits- und Jugendsituation, welche wohl durch eine ausgeprägte emotionale Verwahrlosung in
F.___
, wo der Beschwerde
führer geboren worden sei, zu bearbeiten. Dies sei nur sehr eingeschränkt mög
lich, da er einen ausgeprägten Hang zur Mystik des Heimatlandes habe. Vernach
lässigungen beispielsweise durch seine Mutter, welche in Europa durchaus so benannt seien, würden vom Beschwerdeführer verniedlicht, da in
F.___
«üblich» (S. 3 Ziff. 5).
Denselben Bericht reichte Dr.
E.___
neu datiert am 27. November 2019
(Urk. 5/94)
ein, wobei sie
einzig
handschriftlich
und ohne weitere Ausführungen
ergänzte, die psychotherapeutischen Sitzungen
würden nicht mehr wöchentlich stattfinden, und der Beschwerdeführer sei bereit, sich einer amtsärztlichen Unter
suchung zu unterziehen (S. 3).
3.
4
Am 6. Januar 2020 führte Dr.
E.___
anlässlich eines Telefonats mit der Beschwerdegegnerin aus, der Beschwerdeführer erhalte die höchste Dosis an Medikation. Betreffend akustischen und optischen Halluzinationen habe dadurch leider nicht wirklich etwas verändert werden können. Allerdings habe sich die Stimmung sowie die paranoide Angst etwas gebessert. Der Gesundheitszustand könne in diesem Sinne nicht weiter therapiert werden, der Beschwerdeführer werde einfach damit begleitet. Er komme zuverlässig alle zwei Wochen in die Therapie. Eine Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben (Urk. 5/98).
3.
5
In ihrem Bericht vom 8. Januar 2020 (Urk. 5/99)
diagnostizierte Dr.
E.___
eine paranoid-
halluzinatorische
Psychose (
Ziff
. 2.5) und führte aus, die Therapie
sitzungen fänden alle zwei Wochen statt mit der Ansprache, dass sich der Beschwerdeführer jederzeit melden dürfe (Ziff. 1.2). Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (Ziff. 1.3)
, die Prognose sei infaust (Ziff. 4.3). Die Paranoia stehe einer Eingliederung im Wege (Ziff. 4.4).
3.
6
Im Juni sowie Juli 2020 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der Beschwerdegegnerin durch Ärzte der Medizinischen Abklärungsstelle
Y.___
(
Medas
) internistisch, orthopädisch, psychiatrisch, neurologisch sowie neuro
psychologisch begutachtet. In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung vom 11. Januar 2021 (Urk. 5/120/1-8) vermochten die Ärzte keine Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu nennen (S.
4
Ziff. 4.2).
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie sodann folgende (S.
4
f.
Ziff. 4.2):
-
nicht-authentische, schwere kognitive Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Neugedächtnis, Exekutivfunktionen, Rechnen, Sprache und
Visuokonstruktion
mit/bei
-
negativer Leistungsverzerrung (Verdeutlichung oder Aggravation/Simulation)
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
-
Probleme in Bezug auf Schwierigkeiten
bei
der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F19.1)
-
anamnestisch Asthma bronchiale, zurzeit ohne wesentliche Symptomatik, nur zeitweise Benutzung von Asthmaspray
-
vorbekannte allergische Diathese (u.a. Gräser)
-
Rhinitis
allergica
-
kardiologischerseits
Ausschluss einer organischen Herzkrankheit (2016/2017)
-
Prostataobstruktionssyndrom Stadium I
-
Hyperlaxizitätssyndrom
der oberen Extremität
en
-
Status nach Ellenbogenfrakturen rechts und links im Kindesalter
-
Status nach zweimaligem Unfall durch PKW im Kindesalter mit Schädel
beteiligung
-
Anterolisthese
L5/S1 bei isthmischer
Spondylolyse
mit intermittierenden
lumbospondylogenen
Schmerzen:
g
emäss CT-LWS vom 21. März 2019
Anterolisthese
L5/S1 um 5 mm
-
c
omputertomographisch kein Anhalt für eine Kompression der L5-Wurzeln beidseits
-
klinisch neurologisch kein Anhalt für
radikuläre
Reiz- oder Defizit
symptomatik zum aktuellen Zeitpunkt
-
auch elektromyographisch kein Hinweis für eine
axonale
Schädigung in den
Myotomen
L5 beidseits, fraglich diskrete
axonale
alte Affektion allenfalls im
Myotom
S1
Im Rahmen der orthopädischen Untersuchung erklärte der Beschwerdeführer, er habe früher mit Rückenschmerzen zu tun gehabt. Seitdem er regelmässig Übungen durchführe, habe er die
se
jedoch vergessen. Durch die eigenständigen Übungen lägen keine Beschwerden mehr vor (Teilgutachten Orthopädie, Urk. 5/120/53-65 S. 3 Ziff. 3.2).
Dementsprechend stellte der orthopädische Teil
gutachter
fest, es bestünden keine Funktions- oder Funktionsstörungen mit Aus
wirkung auf die angestammte oder eine angepasste Tätigkeit (S. 8 Ziff. 7.4). Der Beschwerdeführer könne in allen Bereichen eingesetzt werden, in denen vor
wiegend sitzende Tätigkeiten ausgeübt würden. Arbeiten in Zwangshaltungen mit repetitiven Rotationsbewegungen der Wirbelsäule oder mit schwerem Heben und Tragen sollten vermieden werden (S. 8 f. Ziff.
8).
Auch im Rahmen der neurologischen
Untersuchung
(Urk. 5/120/89-
108)
führte der Beschwerdeführer aus, seit zirka einem Jahr habe er keine Ausstrahlungen mehr ins rechte Bein, es komme nur noch zu gelegentlich leichten, lumbalen Schmerzen, es sei kein Dauerschmerz (
S. 6 Ziff. 3.2). Auch bezüglich Kopf
schmerzen gab der Beschwerdeführer an, diese kämen nur gelegentlich vor, eher über dem Oberkopf oder über der Stirn, eher drückend, nur aber leichtgradig, während eine
s
halben bis ganzen Tag
es
. Im Alltag sei dies kein Problem (S. 8).
Der neurologische Teilgutachter führte denn auch aus, w
eder aus der aktuellen Anamnese noch aus dem MRI-
Cranium
2016 und insbesondere aus dem bio
graphischen Verlauf würden sich irgendwelche Hinweise für eine relevante hirn
organische Störungssymptomatik belegen lassen. Es lasse sich auch keine signifikante EMG-Pathologie mehr für ein
Myotom
L5/S1 rechts nachweisen. Das Rückenleiden könne somit zwischenzeitlich längst als weitgehend restituiert bezeichnet werden, bei jedoch weiterhin bestehender leicht verminderter Rücken
belastbarkeit. Die angestammte Tätigkeit
einer
Office-Tätigkeit mit leichter wechselbelastender Arbeitshaltung dürfe aber als angepas
st gewertet werden (S. 17 Ziff. 7.1). Über die leicht verminderte Rückenbelastbarkeit hinaus bestünden keine Beeinträchtigungen aus neurologischer Sicht (S. 18 Ziff. 7.4).
Der psychiatrische Teilgutachter äusserte sich ausführlich zum Befund (Urk. 5/120/66-88 S. 12 f. Ziff. 4.3) und führte aus, das magische Denken, die Angaben zu Dämonen und Zauber stelle kein Korrelat für Ich-Störungen dar, es handle sich vielmehr um kulturspezifische Phänomene (S. 12). Es bestehe eine Neigung zum magischen Denken
,
und es seien
anankastische
und narzisstische Persönlichkeitszüge vorhanden. Der Beschwerdeführer schildere phobische Ver
haltensweisen, diese seien jedoch im Hinblick auf die Funktionalität nicht relevant (S. 13). Der Beschwerdeführer habe zwar in der neuropsychologischen Teilbegutachtung bis zu schwer defizitäre Leistungen in den Bereichen Gedächt
nis, Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen, Sprache, Rechnen und
Visuo
konstruktion
gezeigt. Allerdings sei die Validität dieser Defizite nicht gegeben. Die Leistungen in einem gut standardisierten
Performanzvalidisierungstest
seien hoch auffällig gewesen
,
deutlich schlechter als bei Personen mit fortgeschrittener Demenz, neurologischen Patienten, Kindern und Personen mit einer Hirn
verletzung. Am besten vergleichbar seien seine Leistungen mit den Ergebnissen von Personen, die gebeten worden seien, zu simulieren.
Es bestünden weiter Inkonsistenzen innerhalb und zwischen Tests, zwischen klinischer Beobachtung und Testdiagnostik, zwischen Alltagsaktivitäten und Testdiagnostik, innerhalb der subjektiven Angaben, zwischen Angaben in den Akten sowie den aktuellen Resultaten wie auch zwischen den subjektiven Angaben und der klinischen Beobachtung (S. 15).
Beim Beschwerdeführer würden primär psychosoziale Probleme in verschiedenen Lebensbereichen vorliegen. Im Hinblick auf die geschilderten Stimmen seien dysfunktionale Motive und Verhaltensweisen anzu
nehmen. Dabei mache der Beschwerdeführer die in der Kindheit überlieferten Kenntnisse über Magie, Dämonen und Aberglaube nutzbar, um den durchaus vorhandenen psychischen Problemen eine scheinbare Schwere der Symptome zu verleihen, welche den behandelnden Ärzten glaubhaft und schwerwiegend erscheinen und dann auch sehr engagiert diagnostiziert und behandelt würden (S. 18).
Vorliegend sei von Verdeutlichung bis zur Aggravation auszugehen. Da
für würden die sonst unauffälligen Befunde im Hinblick auf die Persönlichkeit des Beschwerdeführers sprechen, speziell aber auch das Fehlen von negativen Krankheitssymptomen, die bei chronischen Psychosen üblich seien, die Wider
sprüche in der Anamnese, der unauffällige psychische Befund, die neuro
psychologische Untersuchung im Rahmen der Teilbegutachtung und Nachweis von nicht-authentischen schweren kognitiven Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Neugedächtnis, Exekutivfunktionen, Rechnen, Sprache und
Visuokonstruktion
be
i negativer Leistungsverzerrung
, ferner
das Ergebnis des
REY-Test
s
sowie
die Angaben im
BDI (S. 19).
Weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit sei
,
abgesehen vom überwiegend wegen Drogen
konsum
notwendigen
stationären Aufenthalt vom 20. Januar bis 10. März 2016
,
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 22 Ziff. 8).
Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (Urk. 5/120/1-8) hielten die Gutachter fest, d
ie internistischen Befunde führten zu keinen Funktions- und Fähigkeitsstörungen, die die Leistungsfähigkeit in seinem angestammten Beruf einschränk
t
en
.
Aufgrund des Asthmas sollten Tätigkeiten unterbleiben, in welchen der Beschwerdeführer reizenden Dämpfen oder Gasen ausgesetzt sei. Auch aus orthopädischer Sicht bestünden keine Funktions- oder Fähigkeits
störungen mit Auswirkung auf die angestammte oder eine angepasste Tätigkeit. Aufgrund der invaliden neuropsychologischen Ergebnisse werde das folgende positive Funktionsprofil erstellt, welches aufzeige, welche Leistungen mindestens möglich sein sollten: der Beschwerdeführer könne selbstständig einen Termin wahrnehmen, einem einfachen Gespräch folgen und adäquat Antwort geben. Er verstehe einfache mündliche Anweisungen und könne diese umsetzen. Im Gespräch verliere er den roten Faden nicht. Er sei flexibel, verliere bei Aufgaben
wechseln nicht verstärkt an Geschwindigkeit. Er sei fähig, innerhalb von drei Stunden Bezug auf zuvor gegebene Informationen zu nehmen. Für die Dauer von drei Stunden sei er ausreichend gut belastbar, seine Leistungen würden nicht ein
brechen und seine Aufmerksamkeit sei stabil.
A
namnestisch
könne
zwar ein leichtgradiges Schädelhirntrauma im 19. Lebensjahr eruiert werden, jedoch ohne Folgeschädigung
aus neurologischer Sicht
. Es seien keinerlei Zeichen einer post
traumatischen hirnorganischen Schädigung objektivierbar. Auch die aktuelle Anamnese beschreibe diesbezüglich keine verbliebenen Auffälligkeiten, lediglich anfangs für zirka ein halbes Jahr eine posttraumatische Kopfschmerz
symptomatik linksseitig, frontal betont. Zumal der Beschwerdeführer nachfolgend auch immer
hin ein Studium absolviert habe, sei schlichtweg nicht plausibel, dass hier eine hirnorganische Schädi
gung stattgefunden haben solle.
Der Beschwerdeführer könne in allen Bereichen eingesetzt werden, in denen vor
wiegend sitzende Tätigkeiten ausgeübt würden. Arbeiten in Zwangshaltungen wie beispielsweise Bücken, Kauern oder Knien sowie mit repetitiven Rotations
bewegungen der Wirbelsäule oder mit schwerem Heben und Tragen soll
t
e
n
ver
mieden werden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit könne aufgrund der früheren Befunde sowie der Anamneseerhebung und Untersuchung aus ortho
pädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für die angestammte Tätigkeit als Teamleiter Personalwesen sowie für eine angepasste, wechselbelastende und vorwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeit angenommen werden (S. 5 Ziff. 4.3).
Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit mit einer Leistung von 100 % (S. 6 Ziff. 4.7-8). Bei der Behandlung sollte vorrangig das Ziel im Vordergrund stehen, unabhängig von der Krankenrolle Autonomie und neue Perspektiven zu entwickeln. Es seien allenfalls
resilienzorientierte
Massnahmen erforderlich (S. 7 Ziff. 4.10)
.
3.
7
Am 9. Februar 2021 führte
RAD-Arzt
Dr.
Z.___
zum Gutachten aus, dieses er
fülle die formalen Qualitätskriterien und sei nachvollziehbar sowie in seinen medizinischen Schlussfolgerungen plausibel (Urk. 5/121 S. 4). Insgesamt sei von Verdeutlichung bis Aggravation auszugehen, es lägen psychosoziale Belastungen vor.
Für diese Beurteilung sprächen die sonst unauffälligen objektivierbaren psychischen Befunde, speziell aber auch das Fehlen von negativen Krankheits
symptomen, die Widersprüche in der Anamnese, die neuropsychologische Unter
suchung im Rahmen einer Teilbegutachtung
mit Nachweis von nicht-authen
tischen schweren kognitiven Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Neugedächtnis, Exekutivfunktionen, Rechnen, Sprache und
Visuokonstruktion
bei negativer Leistungsverzerrung (Verdeutlichung oder Aggravation/Simu
lation), ferner das Ergebnis des REY-Memory-Tests sowie der Angaben im BDI (S. 5).
4.
4.1
Für die Beurteilung des Leistungsanspruches ging die Beschwerdegegnerin insbe
sondere gestützt auf das
Medas
-Gutachten davon aus, dass keine Diagnosen vor
liegen, welche sich länger andauernd oder bleibend auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken, und verneinte dementsprechend einen Leistungs
anspruch. Das
Medas
-Gutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vgl. vor
stehend E. 1.6)
ohne Weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden sowie das Verhalten des Beschwerdeführers und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Darüber hinaus le
u
chtet es auch in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schluss
folgerungen. Dies betrifft insbesondere auch die Feststellungen betreffend das
aggravatorische
Verhalten des Beschwerdeführers
(vgl. nachfolgend E. 4.3).
4.2
Was die somatischen Beschwerden betrifft, so machte der Beschwerdeführer in der Beschwerde geltend, er leide an einer isthmischen
Spondylolyse
mit inter
mittierenden
lumbospondylogenen
Schmerzen (E. 2.2). Im Rahmen der Begut
achtung erklärte der Beschwerdeführer jedoch selber, es lägen keine Beschwerden mehr vor beziehungsweise es komme nur noch zu gelegentlichen leichten, lumbalen Schmerzen. Seit er regelmässig eigenständige Übungen durchführe
, könne er die Rückenschmerzen vergessen. Auch bezüglich der Kopfschmerzen hielt er ausdrücklich fest, diese seien im Alltag kein Problem
(vorstehend E. 3.
6
).
Aktuelle Arztberichte, aus welchen ein Wiederauftreten von akuten und leistungslimitierenden Schmerzen ersichtlich wär
e
, liegen sodann nicht vor. Die Beurteilung im
Medas
-Gutachten deckt sich vielmehr mit derjenigen durch die Ärztin der
Klinik D.___
, welche am 28. März 2019
festgehalten hatte, die Arbeitsfähigkeit sei nicht eingeschränkt (E. 3.2).
Insgesamt ist daher ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus somatischer Sicht nicht eingeschränkt ist.
4.3
Bezüglich des psychischen Gesundheitszustandes führten die Gutachter aus,
es sei von
einer
Verdeutlichung bis zur Aggravation auszugehen (E. 3.6).
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig keine versicherte Gesundheits
schädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erheb
liche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Ver
halten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im All
tag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, 131 V 49 E. 1.2, je mit Hinweisen). Wann ein ver
deutlichendes Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraus
setzungen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hin
sicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hin
weisen).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vorn
herein keine Grundlage für eine Invalidenrente,
selbst
wenn die
klassifikatorischen
Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer aus
gewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Aus
wirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Sowohl der psychiatrische Teilgutachter als auch die neuropsychologische Teil
gutachterin begründeten ausführlich und detailliert, aus welchen Gründen sie zur ihrer Einschätzung einer Verdeutlichung beziehungsweise Aggravation gelangten
,
und
listeten
diverse
Inkonsistenzen innerhalb und zwischen Tests, zwischen klinischer Beobachtung und Testdiagnostik, zwischen Alltags
aktivitäten und Testdiagnostik, innerhalb der subjektiven Angaben, zwischen An
gaben in den Akten sowie den aktuellen Resultaten wie auch zwischen den sub
jektiven Angaben und der klinischen Beobachtung auf (E. 3.6).
So gebe es klinisch keine durchgehenden Probleme mit dem freien Gedächtnisabruf und keine Mühe, auf zuvor gemachte eigene Aussagen Bezug zu nehmen. In Alltags
handlungen sei der Beschwerdeführer nicht übermässig verlangsamt, doch test
diagnostisch zeigten sich in allen diesbezüglich relevanten Bereichen bis zu schwere Einschränkungen. Der Beschwerdeführer könne weiter Termine selbständig wahrnehmen und fahre noch Auto, könnte dies aber rein test
diagnostisch nur noch mit Unterstützung respektive nicht mehr. Anhand der gezeigten Leistungen wäre der Beschwerdeführer den Behandlern wegen seiner deutlichen Verlangsamung sowie Vergesslichkeit aufgefallen
,
und er wäre ein
deutig nicht fahrgeeignet. Zudem wäre er in vielen Belangen auf enge Betreuung angewiesen. Der Beschwerdeführer gebe weiter an, dass er im Haushalt aufgrund der Konzentrationsprobleme keiner Arbeit mehr nachgehen könne, er könne je
doch noch Auto fahren sowie administrative Aufgaben erledigen. Für die gezeigten testdiagnostischen Resultate könne kein ätiologischer Faktor aus
gemacht werden, zumal die Leistungen des Beschwerdeführers schlechter seien als diejenigen der meisten Patienten. Psychische Probleme könnten zwar ebenso wie Schmerzen zu kognitiven Einschränkungen führen, könnten jedoch weder die Art noch das Ausmass erklären (Urk. 5/120/80).
Auch der neurologische Gut
achter berichtete über Inkonsistenzen, so ha
b
e der Beschwerdeführer angegeben, sich kaum an Träume zu erinnern, im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung jedoch stereotype Träume beschrieben. Zudem berichte der Beschwerdeführer, er nehme täglich
Temesta
ein, ein Substanznachweis sei jedoch nicht möglich (Urk. 5/120/106 Ziff. 7.3).
An der Schlüssigkeit des MEDAS-Gutachtens
vermögen die Berichte der behandelnden Psychiaterin Dr.
E.___
nichts zu ändern. Hinsichtlich ihrer Ausführungen gilt es zunächst zu berücksichtigen, dass ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss, wes
halb hier eine gewisse Zurückhaltung bei der Würdigung ihrer Berichte ange
bracht ist (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Abgesehen davon ist bezüglich der von ihr gestellten und vom Beschwerdeführer in seiner Beschwerde geltend gemachten Diagnose einer paranoid-
halluzinatorischen
Psychose nach Schädel-Hirn-Trauma (E.
2.2, E.
3.3) festzuhalten, dass keine neurologischen Ein
schränkungen infolge des Autounfalles im 19. Lebensjahr aktenkundig sind, und sich Dr.
E.___
bei ihrer Beurteilung insbesondere auf die subjektiven An
gaben des Beschwerdeführers abstützte
(E. 3.3-5)
.
4.4
Insgesamt ist damit der medizinische Sachverhalt gestützt auf das beweiskräftige Gutachten des
Medas
Y.___
vom 11. Januar 2021 als dahingehend erstellt zu betrachten, dass
der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in seiner Leistungs
fähigkeit nicht eingeschränkt wird. Das psychiatrische Beschwerdebild wird
so
dann
von einem Aggravationsverhalten dominiert, weshalb auch diesbezüglich kein rechtserheblicher invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt. Der Beschwerdeführer ist damit sowohl in seiner angestammten als auch in jeder anderen angepassten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig
,
und es besteht kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
Die angefochtene Verfügung vom 22. Juli 2021 (Urk. 2) erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensKübler-Zillig