# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f8dd7ce-c893-5ee2-98d2-06e84d44818c
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-01-24
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009
**Docket/Reference:** DB.2011.170
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2011_170_gg.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2011.170 
2 ST.2011.243 

Entscheid 

24. Januar 2012 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichter Marcus Thalmann, Steuerrichter 
Alexander Widl und Gerichtsschreiberin Barbara Müller 

1.  A ,    

2.  B ,    

vertreten durch TaxDesk GmbH,  
Lotzwilstrasse 26, 4900 Langenthal,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  Am  2.  Juni  2008  emittierte  die  Valartis  Bank  AG,  Zürich,  40'000  Metall  

Zug Discount Zertifikate zum Emissionspreis von Fr. 273.30 (METZI, Valor 4288.895). 

Das Produkt wurde von der Emittentin wie folgt strukturiert: Der Erwerber eines Zertifi-

kates  kaufte  einen  Zehntel  einer  Aktie  der  Metall  Zug  AG  zum  Referenzkurs  von 

Fr. 316.-. Der Emissionspreis des METZI betrug indessen Fr. 273.30. Die Differenz von 

Fr.  42.70  entsprach  der  Optionsprämie.  Denn  gleichzeitig  verkaufte  der  Anleger  der 

Emittentin  eine  Put-Option  zum  Ausübungspreis  von  Fr.  350.-,  welcher  Betrag  dem 

Cap-Level  entsprach.  Wenn  der  Kurs  von  einem  Zehntel  des  Basiswerts  bei  Verfall 

(18. Dezember 2009) mindestens das Cap-Level von Fr. 350.- erreichen sollte, so wer-

de dem Anleger dieser Betrag zurückbezahlt. Wenn der Kurs von einem Zehntel an der 

Aktie tiefer als die Fr. 350.- falle, so sollte dem Anleger für 10 Zertifikate eine Aktie ge-

liefert  werden.  Die  Put-Option  sollte  durch  die  Emittentin  also  nur  ausgeübt  werden 

können, wenn der Aktienkurs bzw. ein Zehntel davon bei Verfall unter dem Cap-Level 

liege.  

Am … 2008 erwarb A (nachfolgend der Pflichtige), verheiratet mit B (nachfol-

gend die Pflichtige), 2'000 METZI-Zertifikate zum Preis von Fr. 241.79 je Zertifikat. Am 

… 2008 erwarb er weitere 4'000 METZI-Zertifikate für Fr. 234.33 je Zertifikat, worauf er 

am  …  2009  alle  6'000  Zertifikate  zum  Preis  Fr.  230.94  je  Zertifikat  verkaufte.  Am 

6. Mai 2011  erliess  der  Steuerkommissär  die  Veranlagungsverfügung  für  die  direkte 

Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 478'900.- (satzbestim-

mend  Fr.  458'600.-).  Am  gleichen  Tag  erging  der  Einschätzungsentscheid  für  die 

Staats- und Gemeindesteuern 2009, in welchem der Steuerkommissär das steuerbare 

Einkommen auf Fr. 460'500.- (satzbestimmend Fr. 460'500.-) und das steuerbare Ver-

mögen auf Fr. ….- (satzbestimmend Fr. ….-) festsetzte. In beiden Entscheiden errech-

nete  der  Steuerkommissär  einen  steuerbaren  Vermögensertrag 

in  Höhe  von 

Fr. 24'203.- aus dem Verkauf der ersten 2'000 Zertifikate und einen Vermögensertrag 

von  Fr. 45'805.-  aus  dem  Verkauf  der  später  erworbenen  4'000  Zertifikate  (total 

Fr. 70'008.-).  

B. Am 1. Juni 2011 erhoben die Pflichtigen Einsprache gegen diese Entschei-

de und beantragten (unter anderem), es sei auf die Besteuerung der erwähnten Beträ-

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ge zu verzichten. In den Einspracheentscheiden vom 26. Juli 2011 hiess das kantonale 

Steueramt  die  Einsprachen  teilweise  gut  und  setzte  das  steuerbare  Einkommen  auf 

Fr. 474'900.- 

(satzbestimmend  Fr. 454'600.-,  direkte  Bundessteuer  2009)  und 

Fr. 456'500.-  (auch  satzbestimmend,  Staats-  und  Gemeindesteuern  2009)  herab.  In-

dessen  hielt  es  an  der  Besteuerung  der  Beträge  fest,  welche  im  Zusammenhang  mit 

den METZI-Zertifikaten standen.  

C.  Am  25.  August  2011 erhoben die Pflichtigen Beschwerde und Rekurs  ge-

gen diese Einspracheentscheide und erneuerten ihren bereits in den Einsprachen ge-

stellten Antrag hinsichtlich der METZI-Zertifikate. Eventualiter sei der mittlere Swapsatz 

anzuwenden  und  seien  die  angefallenen  Spesen  von  Fr.  5'036.35  als  Gewinnungs-

kosten zuzulassen. Zur Begründung brachten sie vor:  

Wie  der  Ausschreibung  der  Valartis  Bank  AG  entnommen  werden  könne, 

handle  es  sich  beim  METZI  um  ein  Finanzprodukt,  welches  den  Kauf  einer  Aktie  mit 

dem gleichzeitigen Verkauf einer Call-Option kombiniere. Das Bestehen eines Gutha-

bens bzw. einer Obligation und von steuerbarem Zins setze die Überlassung von Kapi-

tal  durch den Darlehensgeber  und die Verpflichtung  zur  Rückzahlung  der  hingegebe-

nen  Summe  durch  den  Darlehensnehmer  voraus.  Kapitalgewinne  aus  der 

Veräusserung von Privatvermögen seien hingegen steuerfrei. Dies gelte namentlich für 

Kapitalgewinne  aus  der  Veräusserung  von  Derivaten  und  Optionsprämien.  Nur  der 

Gesetzgeber  sei  befugt,  Ausnahmen  vom  Grundsatz  der  Steuerfreiheit  von  privaten 

Kapitalgewinnen zu statuieren. Eine solche Ausnahme bestehe etwa bei der Veräusse-

rung  von  Obligationen  mit  überwiegender  Einmalverzinsung.  Bei  Finanzprodukten  sei 

entscheidend,  ob  sie  einen  steuerfreien  Kapitalgewinn  (Gewinn  aus  Derivaten)  oder 

einen  steuerbaren  Vermögensertrag  erzeugten.  Im  Sinn  einer  Grobeinteilung  könne 

gesagt  werden,  dass  Obligationen  zu  steuerbarem  Vermögensertrag,  Derivate  zu 

steuerfreiem Kapitalgewinn und kombinierte Produkte zu beidem führten. Diese Regeln 

habe grundsätzlich auch die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) im Kreisschrei-

ben (KS) Nr. 15 vom 7. Februar 2007 (Obligationen und derivative Finanzinstrumente 

als Gegenstand der direkten Bundessteuer, der Verrechnungssteuer sowie der Stem-

pelabgaben, KS Nr. 15) beachtet. Indessen weiche die ESTV bei den Reverse Conver-

tibles  (Produkte  mit  Geld-  oder  Titellieferung)  teilweise  von  den  geschilderten 

Grundsätzen ab. Selbst die Reverse Convertibles ohne Kapitalschutz würden von der 

ESTV  als  Kombination  aus  Obligation  und  Option  qualifiziert.  Eine  Besteuerung  sei 

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aber nur zulässig, wenn eine Obligation bzw. ein Guthaben bestehe. Wenn ein Produkt 

keine garantierte Rückzahlung vorsehe, lägen keine Obligation und kein Zins vor. Vor-

liegend  sollte  die  Emittentin  für  10  Zertifikate  eine  Aktie  des  Basiswerts  liefern,  wenn 

dessen Kurs bei Verfall das Cap-Level von Fr. 350.- unterschreite. Inwiefern eine Obli-

gation  vorhanden  sein  solle,  sei  nicht  ersichtlich.  Wolle  man  die  Praxis  der  ESTV 

betreffend Reverse Convertibles, obwohl in ihrer Grundkonzeption unzulässig, zugrun-

de legen, so müsse man den METZI unter Ziffer 5a, Anhang III des KS Nr. 15 (unter-

jähriger  Reverse  Convertible)  einreihen.  Die  Qualifikation  des  METZI  in  der  Kursliste 

der ESTV als IUP (intérêt unique prédominant) sei nicht korrekt, da der METZI keinen 

Vermögensertrag  abwerfe.  In  formeller  Hinsicht  sei  festzuhalten,  dass  das  kantonale 

Steueramt  die  angefochtenen  Entscheide  ungenügend  begründet  und  so  das  rechtli-

che Gehör verletzt habe. Insbesondere sei nicht erläutert worden, weshalb das Produkt 

in  der  Kursliste  als  IUP  qualifiziert  worden  sei.  Zudem  seien  der  Mindestrück-

zahlungsbetrag und die Berechnung des BondFloor durch Abzinsung des Mindestrück-

zahlungsbetrags nicht bekannt (modifizierte Differenzbesteuerung, Anhang IV zum KS 

Nr. 15, Ziffer III/2).  

In der Beschwerde- und Rekursantwort vom 16. September 2011 machte das 

kantonale  Steueramt  geltend,  beim  vorliegenden  Finanzprodukt  handle  es  sich  um 

einen überjährigen Reverse Convertible auf Aktien, welcher auf Grund von Ziffer 5b/c 

des Anhangs III zum KS Nr. 15 steuerlich gleich wie gewöhnliche Reverse Convertibles 

behandelt werde.  

Mit  Auflage  vom  28.  September  2011  ersuchte  der  zuständige  Referent  des 

Steuerrekursgerichts die ESTV um Erläuterung, wie der Bond-Floor-Wert des streitbe-

troffenen  Finanzprodukts  je  per  Erwerb  und  Verkauf  errechnet  und  weshalb  das  Fi-

nanzprodukt auf der Liste der ESTV als "IUP" gekennzeichnet wurde. Die ESTV erfüllte 

die Auflage in ihrer Eingabe vom 25. Oktober 2011, worauf die Pflichtigen am 22. No-

vember 2011 zur Sache Stellung nahmen. 

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  Vorliegend  ist  eine  Frage  von  grundsätzlicher  Bedeutung  zu  beantworten. 

Die  Sache  ist  deshalb  vom  Steuerrekursgericht  in  Dreierbesetzung  zu  entscheiden 

(§ 114 Abs. 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG] in der Fassung vom 1. Ja-

nuar 2011). 

2.  a)  Gemäss  dem  Merkblatt  über  die  einkommenssteuerliche  Behandlung 

von  Obligationen  und  derivativen  Finanzinstrumenten  zum  Zwecke  der  Staats-  und 

Gemeindesteuern  und  der  direkten  Bundessteuer  vom  16.  November  2011  (ZStB  I 

Nr. 15/103) stellt das kantonale Steueramt in der Einschätzungspraxis auf das erwähn-

te KS Nr. 15 ab. Die Beschwerdegegnerin und der Rekursgegner leiten denn auch ihr 

Besteuerungsrecht  mit  Bezug  auf  den  streitbetroffenen  METZI  im  Wesentlichen  aus 

dem Kreisschreiben ab. 

b) Um die rechtsgleiche Behandlung der Bürger durch die Behörden sicherzu-

stellen,  kann  die  Exekutive  an  Letztere  gerichtete  Dienstanweisungen  erlassen.  Bei 

einem  Kreisschreiben  handelt  es  sich  um  eine  sogenannte  Verwaltungsverordnung 

(Michael Beusch, Was Kreisschreiben dürfen und was nicht, ST 2005, S. 613 ff.). Sol-

che Verwaltungsverordnungen sind keine Gesetze, auf welche sich der Bürger berufen 

könnte,  sondern  richten  sich  einzig  an  die  Behörden.  Jedoch  kann  die  Missachtung 

einer Verwaltungsverordnung zu einer Verletzung der Rechtsgleichheit führen, so dass 

der Bürger sich unter diesem Titel auf die Verwaltungsverordnung berufen kann (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz, 

2. A.,  2006,  §  265  N  23  StG).  Der  Richter  soll  Verwaltungsverordnungen  bei  seiner 

Entscheidung  mitberücksichtigen,  sofern  sie  eine  dem  Einzelfall  angepasste  und  ge-

recht  werdende  Auslegung  der  anwendbaren  gesetzlichen  Bestimmungen  zulassen 

(BGE  121  II  478).  Verwaltungsverordnungen  können  als  Meinungsäusserung  von 

Sachverständigen  über  die  Auslegung  des  Gesetzes  im  Interesse  der  rechtsgleichen 

Behandlung  berücksichtigt  werden,  sofern  sie  die  dem  Einzelfall  angepasste  und  ge-

recht  werdende  Auslegung  des  Bundesrechts  weder  vereiteln  noch  erschweren  und 

nicht über eine blosse Konkretisierung der bundesrechtlich vorgeschriebenen Voraus-

setzungen hinausgehen (BGE 109 Ib 207). Die Verwaltungsverordnung stellt mit ande-

ren Worten für die Steuerjustizbehörden eine nicht verbindliche Anweisung zur Ausle-

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gung des Steuergesetzes dar. Sie wird vom Richter berücksichtigt, wenn sie im konkre-

ten  Einzelfall  eine  sachgerechte  Auslegung  der  anwendbaren  gesetzlichen  Bestim-

mung  erlaubt  (Häfeli/Müller/Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  A.,  2010, 

Rz. 128).  

c) Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts obliegt es den Steuer-

behörden,  den  Nachweis  zu  leisten,  dass  das  von  der  ESTV  zur  Verfügung  gestellte 

Berechnungsprogramm die  ihm  zugedachte  Aufgabe in allen  Fällen  erfüllen  kann.  In-

soweit ihr dies nicht gelingt, läuft sie Gefahr, den geltend gemachten steuerbaren Ver-

mögensertrag  nicht  rechtsgenügend  nachweisen  zu  können  (VGr,  24.  August  2005, 

SB.2004.00077 = StE 2006 B 24.3 Nr. 7). 

3.  a)  Gemäss  Art.  16  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte  Bundes-

steuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) und § 16 Abs. 1 StG unterliegen alle wiederkeh-

renden und einmaligen Einkünfte der Einkommenssteuer. Der Besteuerung unterliegen 

laut Art. 20 Abs. 1 lit. b DBG und § 20 Abs. 1 lit. b StG die Erträge aus beweglichem 

Vermögen, insbesondere Einkünfte aus der Veräusserung oder Rückzahlung von Obli-

gationen  mit  überwiegender  Einmalverzinsung  (globalverzinsliche  Obligationen,  Dis-

kont-Obligationen). Bei diesen Produkten  ist der (positive) Unterschied zwischen dem 

Anschaffungs- und dem Verkaufs- bzw. Rückzahlungsbetrag steuerbar, wobei auslän-

dische Währungen  zum jeweiligen Tageskurs  in Schweizerfranken  umzurechnen  sind 

(reine  Differenzbesteuerung,  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum 

DBG, 2. A., 2009, Art. 20 N 48 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 20 N 45 StG; 

Ziffern 2.1.4 und 3.2, KS Nr. 15).  

b)  Derivative  Finanzinstrumente  sind  dadurch  charakterisiert,  dass  ihr  Wert 

von  demjenigen  eines  anderen  Produktes  (Basiswert)  abhängig  ist.  Als  Basiswerte 

kommen Aktien, Obligationen, Edelmetalle, Währungen, Zinssätze, Aktienindizes usw. 

in  Betracht  (Ziffer  2.2.1,  KS  Nr.  15).  Zudem  zeichnen  sie  sich  dadurch  aus,  dass  die 

Höhe der am Ende der Laufzeit zu tilgenden Geldschuld bei Begründung des Vertrags-

verhältnisses noch nicht feststeht (Andri Mengiardi, Die Besteuerung der Investition in 

derivative  Anlageprodukte  ["strukturierte  Produkte"]  nach  Schweizer  Recht,  2008, 

S. 8 f.). Sie lassen sich in zwei klassische Arten unterteilen: Termingeschäfte und Opti-

onen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 20 N 56 ff. DBG; Ziffer 2.2, KS Nr. 15; vgl. 

auch Urs  Kapalle/Marcel  Eichler,  Neuerungen  im  Kreisschreiben Nr.  15  der  ESTV  zu 

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Obligationen und derivativen Finanzinstrumenten, StR 2007, S. 322; Dossier Steuerin-

formationen der ESTV, F Steuerprobleme, Die Besteuerung von Obligationen und wei-

teren Finanzinstrumenten, Mai 2009, S. 14 ff.).  

c)  Die  Lehre  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art. 20  N  64  ff.  DBG)  und  das 

Kreisschreiben  Nr.  15  (Ziffer  2.3  und  Anhang  I)  unterscheiden  als  dritte  Variante  der 

Finanzprodukte  die  kombinierten  Produkte,  zu  welchen  insbesondere  die  Reverse 

Convertibles zählen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 20 N 80 ff. DBG; Ziffer 2.3.3, 

KS Nr. 15). 

d)  Nach  der Terminologie  von  Mengiardi  (S.  332)  stellen  die  Renditeoptimie-

rungs-Produkte  eine  Unterform  der  derivativen  Finanzinstrumente  dar.  Sie  zeichnen 

sich dadurch  aus,  dass der  Rückzahlungsbetrag auf  einen Maximalbetrag  beschränkt 

ist  und  bei  der  Rückzahlung  das  Risiko  eines  Totalverlusts  besteht.  Sie  können  mit 

oder  ohne  (fixe  oder  variable)  Zahlungen  während  der  Laufzeit  ausgestaltet  sein.  Zu 

den Renditeoptimierungs-Produkten zählen insbesondere die Reverse Convertibles.  

e) Bei letzteren handelt es sich um eine Kombination aus Obligation und Opti-

on. Im Fall des Reverse Convertible ohne Kapitalschutz erwirbt der Anleger vorab eine 

Obligation.  Er  tritt  sodann  gleichzeitig  als  Verkäufer/Schreiber  einer  Put-Option  auf 

und, falls er noch an einem allfälligen Anstieg des Basiswertes partizipiert, als Käufer 

einer Call-Option. Aufgrund der an den Emittenten verkauften Put-Option kann der An-

leger  gegebenenfalls  verpflichtet  sein,  bei  Fälligkeit  der  Obligation  den  Basiswert  (in 

der Regel eine Aktie) zum Ausübungspreis (in der Regel in der Höhe des Nominalwer-

tes der Obligation) zu übernehmen. Dies dürfte dann zutreffen, wenn der Basiswert am 

Verfalltag  unter  dem  Ausübungspreis  liegt.  Liegt  hingegen  der  Preis  des  Basiswertes 

am  Verfalltag  über  dem Ausübungspreis  oder  entspricht  er  diesem,  wird  der  Emittent 

seine Put-Option nicht ausüben. Der Anleger erhält den Nominalwert seiner Obligation 

zurückbezahlt (Ziffer 2.3.3.1, KS Nr. 15). 

f)  Bei  der  Besteuerung  der  Reverse  Convertibles  ist  zwischen  Anlage-  und 

Optionsgeschäft  zu  unterscheiden.  Einkommenssteuerlich  relevant  sind  die  auf  dem 

Obligationenteil  erzielten  Zinsen,  wie  sie  für  eine  vergleichbare  Anlage  mit  der  ver-

gleichbaren Laufzeit, Währung usw. vom Emittenten des Produkts zu bezahlen wären. 

Die  vom  Emittenten  dem  Investor  bezahlten  Optionsprämien  sind  von  einer  Besteue-

rung auszunehmen (Ziffer 3.6, KS Nr. 15). Erfolgt die Verzinsung ausschliesslich oder 

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überwiegend  in  Form  einer  Einmalentschädigung,  wird  der  Obligationenteil  nach  den 

für  transparente  Instrumente  geltenden  Regeln  bei  jeder  Handänderung  besteuert 

(modifizierte Differenzbesteuerung; Ziffer 3.4.1, KS Nr. 15; Hanspeter Wohlwend/Patrik 

Rüthemann/Boris Hutter, Die steuerliche Behandlung von strukturierten Produkten, StR 

2004,  490;  Walter  Jeck,  Neueste  Entwicklungen  bei  der  Besteuerung  moderner  Fi-

nanzinstrumente, ASA 68, 177, 205). 

Modifizierte Differenzbesteuerung bei  transparenten  Produkten gemäss Ziffer 

3.4.1,  KS  Nr.  15  (kapitalgarantierte  Derivate  und  nicht  klassische  Options-  und 

Wandelanleihen):  Bei  den  transparenten  Instrumenten  ist  steuerlich  wiederum  zwi-

schen  Anlage-  und  Optionsgeschäft  zu  unterscheiden.  Die  mit  der  Option  erzielten 

Gewinne und Verluste stellen im Privatvermögen steuerlich nicht zu berücksichtigende 

Kapitalgewinne und Kapitalverluste dar (Art. 16 Abs. 3 DBG). Der Obligationenteil des 

transparenten kapitalgarantierten Derivates wird beim Investor nach den für Obligatio-

nen und Diskontpapiere geltenden Regeln besteuert (Ziffer 3.4.1 i.V.m. Ziffern 3.1 und 

3.2, KS Nr. 15).  

Bei  überwiegend  einmalverzinslichen  Papieren,  bei  denen  kein  separater 

Handel  der  einzelnen  Komponenten  stattfindet,  müssen  auch  die  Einkünfte  aus  der 

Veräusserung  oder  Rückzahlung  der  Obligationen  bei  Handänderungen  analytisch 

ermittelt werden, da die jeweiligen Kurse sich nicht nur auf den Obligationenteil bezie-

hen, sondern auch den Wert der Option beinhalten. Weil zudem das Zinsniveau nicht 

konstant  bleibt,  muss  die  rechnerische  Ermittlung  der  Anschaffungs-  und  Veräusse-

rungswerte  zusätzlich  modifiziert  werden.  Hierbei  wird  der  Originalzinssatz  für  die  je-

weilige Emission vierteljährlich der Entwicklung auf dem Geld- und Kapitalmarkt unter 

Bezugnahme  auf  den  5-jährigen  Swapsatz  der  fraglichen Währung  angepasst.  Diese 

sog. modifizierte Differenzbesteuerung gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. b DBG wird technisch 

im  BFP-System  der  Telekurs  Finanz  AG  sowie  im  ESTV-Programm  Derivate  umge-

setzt (vgl. Anhang IV, KS Nr. 15). Dies ergibt die einkommenssteuerlich relevante Dif-

ferenz zwischen dem Wert der Obligation im Zeitpunkt der Veräusserung und jenem im 

Zeitpunkt  des  Erwerbs  oder  zwischen  dem  Rückzahlungsbetrag  und  dem  Wert  der 

Obligation bei Erwerb (Ziffer 3.4.1 und Anhang IV, KS Nr. 15).  

Die ESTV stellt im Internet ein Programm zur Verfügung, mit dessen Hilfe der 

steuerbare  Ertrag  des  vorliegend  streitbetroffenen  Finanzprodukts  berechnet  werden 

kann (http://www.ictax.admin.ch/static/de/index.html). 

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g)  Nach  der  rechtlichen  Qualifikation  der  Beschwerdegegnerin  und  des  Re-

kursgegners,  welche  sich  auf  sich  auf  das  erwähnte  Kreisschreiben  Nr.  15  berufen, 

weist  der  METZI  einen  Obligationenteil  mit  ausschliesslicher  Einmalverzinsung  auf  

(vgl. auch Mengiardi, S. 342). Deshalb gelangte in den angefochtenen Einspracheent-

scheiden  die  modifizierte  Differenzbesteuerung  gemäss  Ziffer  3.4.1.,  KS  Nr. 15,  zur 

Anwendung.  

h) Vorliegend sollte die Emittentin für 10 Zertifikate eine Aktie des Basiswerts 

"Metall Zug AG" liefern, wenn dessen Kurs bzw. ein Zehntel davon bei Verfall unter das 

Cap-Level  von  Fr.  350.-  fallen  sollte.  Somit  enthielt  das  Produkt  keine  garantierte 

Rückzahlung. Inwiefern es sich bei dieser Sachlage um eine Obligation handeln soll, ist 

nicht ersichtlich. Denn hätte die Aktie, welche dem Zertifikat zugrunde lag, im Laufe der 

Laufzeit ihren Wert vollständig verloren, so wäre auch das Zertifikat wertlos geworden. 

Wenn  aber  kein  Obligationenteil  vorliegt,  kann  auch  keine  Verzinsung  angenommen 

werden  (vgl.  Andri  Mengiardi,  Aktualisierung  des  Anhangs  III  zum  Kreisschreiben  15 

vom 7. Februar 2007 [Obligationen und derivative Finanzinstrumente] vom 11. Febru-

ar 2009, ASA 78, 139, 147, FN 26; Susan Lauber-Steinhauer/Franco Gennari, Spezial-

fälle  im  Bereich  der  modernen  Finanzinstrumente,  StR  2002,  510,  522).  Die  IUP-

Qualifikation erweist sich daher als unzutreffend. Das von der ESTV angewendete Be-

rechnungsprogramm errechnete den Vermögensertrag auf rein fiktiver Basis als Diffe-

renz  der  Bond-Floor-Werte  bei  Erwerb  und  Verkauf  des  Zertifikats.  Der  Bond-Floor-

Wert ist der auf das Rückzahlungsdatum bezogene, auf das Erwerbs- oder Verkaufs-

datum  mit  dem  betreffenden  Swapzinssatz  abdiskontierte  Barwert  des  Emissionsprei-

ses  von  Fr. 273.30.  Mit  dieser  Berechnungsweise  wird  unterstellt,  der  METZI  weise 

einen kontinuierlichen Wertzuwachs auf, was jedoch nicht zutrifft. Tatsächlich hängt die 

Wertentwicklung  des  METZI  vom  Kursverlauf  der  Aktie  ab,  welche  dem  Produkt 

zugrunde  liegt.  Eine  solche  fiktive  Besteuerung  erweist  sich  daher  als  nicht  sachge-

mäss (vgl.  auch Mengiardi,  S.  347  mit  Verweisung  auf  S.  281 ff.).  Der  einzige Unter-

schied  des  METZI  zur  Aktie  "Metall  Zug  AG",  welche  dem  Finanzprodukt  zugrunde 

liegt,  liegt  in  der  Tatsache,  dass  ein  Investor  den  METZI  zu  Fr. 273.30  und  damit 

Fr. 42.70 günstiger als ein Zehntel des  Referenzkurses des Basiswerts (Fr. 316.-) er-

werben  konnte.  Auf  der  anderen  Seite  profitierte  er  von  einem  allfälligen  Kursanstieg 

des  Basiswerts  nur  bis  zum  Cap-Level  von  Fr.  350.-.  Im  Übrigen  teilte  ein  METZI-

Inhaber  das  Schicksal  eines  Inhabers  des  Basiswerts.  Allein  schon  die  vergleichbare 

Risikostruktur  rechtfertigt  keine  steuerliche  Ungleichbehandlung.  Hinzu  kommt,  dass 

die  Steuerbehörden  unterjährige  Reverse  Convertible  (Ziffer  5a,  Anhang  III  des  KS 

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Nr. 15)  von  der  Besteuerung  ausnehmen  und  so  eine  Ungleichbehandlung  schaffen, 

die jeder Rechtfertigung entbehrt.  

In der Eingabe vom 25. Oktober 2011 brachte die ESTV keine Argumente vor, 

welche diese Erwägungen entkräften könnten. Insbesondere lässt sich dem Vorbringen 

keine Begründung für die Qualifikation des METZI als "IUP" entnehmen.  

i) Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Beschwerde und der Rekurs 

gutzuheissen sind. Das steuerbare Einkommen ist wie folgt neu zu berechnen:  

Direkte Bundessteuer 2009 
Einkommen laut Einspracheentscheid 
Korrektur METZI 
Einkommen neu 
Abgerundet 

total 

Schweiz  
454'614.00  474'955.00 
-70'008.00 
-70'008.00 
384'606.00  404'947.00 
384'600.00  404'900.00 

Ausland 
-20'341.00 
0.00 
-20'341.00 

Staats- und Gemeindesteuern 2009 
Einkommen laut Einspracheentscheid 
Korrektur METZI 
Einkommen neu 
Abgerundet 

total 

Zürich 
456'514.00  456'514.00 
-70'008.00 
-70'008.00 
386'506.00  386'506.00 
386'500.00  386'500.00 

Ausland 
0.00 
0.00 
0.00 

4. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der 

Beschwerdegegnerin bzw. dem Rekursgegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und 

§ 151 Abs. 1 StG). Diese sind zu verpflichten, den Pflichtigen eine angemessene Par-

teientschädigung zu entrichten (Art. 144 Abs. 4 DBG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 - 

3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968; § 152 StG i.V.m. § 17 

Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). 

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Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführer  werden für  die  direkte 

Bundessteuer  wie  folgt  veranlagt  (Tarif  gemäss  Art. 214  Abs.  2  DBG;  Verheirate-

tentarif):  

Steuerperiode 

2009 

steuerbar 

satzbestimmend 

Einkommen 

Fr. 

404'900.- 

384'600.- 

2.  Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Die  Rekurrenten  werden  für  die  Staats-  und  Ge-

meindesteuern wie folgt eingeschätzt (Tarif gemäss § 35 Abs. 2 bzw. § 47 Abs. 2 

StG; Verheiratetentarif):  

Steuerperiode 

Einkommen 

Vermögen 

2009 

steuerbar 

satzbestimmend 

Fr. 

386'500.- 

386'500.- 

Fr. 

….- 

….- 

[…] 

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