# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 15374b04-3dfc-5681-91f6-6a832a341eec
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1995-06-02
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 02.06.1995 JAAC 60.58
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-60-58--_1995-06-02.pdf

## Full Text

JAAC 60.58

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 2. Juni 1995 in Sachen X

gegen R., Zentralschweizerischen Milchverband [MVL]
und Regionale Rekurskommission Nr. 12; 95/8B-009

Adaptation des contingents suite à une modification de la surface
déterminante; surface «porteuse de lait»; déroulement de la procédure;
règle de réduction de 50 %.

1. Art. 6 OCLP 93. Surface déterminante.

- La façon d’exploiter une surface ne joue aucun rôle pour savoir si et
dans quelle mesure les terres sont «porteuses de lait». Seul est décisif le
fait que les terres font partie de la surface déterminante (consid. 3.1).

- Lorsque les terres font partie de la surface déterminante, cela
présuppose qu’elles ont été englobées dans cette surface lors de
l’introduction du contingentement laitier (consid. 3.2).

2. Art. 19 al. 2 let. b, 20 al. 1 et 37 OCLP 93. Déroulement de la procédure
en matière d’adaptation des contingents suite à des modifications de
surface; règle de réduction de 50 %.

- Résumé de la jurisprudence relative à la procédure en matière de
cessions de surface en vertu de l’OCLP 89 et l’OCLP 93 (consid. 4.1-4.4).

- Si la fédération laitière règle les conséquences juridiques d’une cession
de terres dans deux décisions distinctes et mentionne dans chacune
d’elles une réserve quant à leur entrée en force, la connexité directe
entre la réduction et la majoration des contingents, voulue par l’auteur
de l’ordonnance, est préservée (consid. 4.5).

- La façon d’exploiter les parcelles destinées à l’économie laitière ainsi
que les motifs personnels ne jouent aucun rôle pour fixer l’ampleur de
la réduction du contingent (consid. 6.1 et 6.2).

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Anpassung der Einzelkontingente infolge Änderung der massgeblichen
Nutzfläche; kontingentstragende Nutzfläche; Verfahrensablauf;
50 %-Kürzungsregel.

1. Art. 6 MKTV 93. Massgebliche Nutzfläche.

- Die Art der Nutzung einer Fläche spielt bei der Frage, ob und wie das
Land kontingentstragend ist, keine Rolle. Entscheidend ist lediglich, ob
das Land als massgebliche Nutzfläche zu betrachten ist (E. 3.1).

- Gehört das Land zur massgeblichen Nutzfläche, ist davon auszugehen,
dass diese Fläche mit Einführung der Einzelkontingentierung
kontingentsrechtlich berücksichtigt worden ist (E. 3.2).

2. Art. 19 Abs. 2 Bst. b, Art. 20 Abs. 1 und Art. 37 MKTV 93.
Verfahrensablauf bei Kontingentsanpassungen aufgrund von
Flächenmutationen; 50 %-Kürzungsregel.

- Zusammenfassung der Rechtsprechung zum Verfahrensablauf bei
Flächenabgaben gestützt auf die MKTV 89 und die MKTV 93 (E. 4.1-4.4).

- Regelt der Milchverband die kontingentsrechtlichen Folgen
einer Landabgabe in zwei Verfügungen und bringt er in beiden
einen Rechtskraftvorbehalt an, so ist die vom Verordnungsgeber
gewollte Wechselwirkung zwischen Kontingentskürzung und
Kontingentserhöhung gewahrt (E. 4.5).

- Umfang und Art der Nutzung einzelner Parzellen für die
Milchwirtschaft können, ebenso wenig wie subjektive Gründe, bei der
Festsetzung der Kontingentskürzung Berücksichtigung finden (E. 6.1 und
6.2).

Adeguamento di contingenti in seguito a modificazione della superficie
utile determinante; svolgimento della procedura; norma di riduzione
del 50 %.

1. Art. 6 OCLP 93. Superficie determinante.

- Il genere di utilizzazione di una superficie non giuoca alcun ruolo per
sapere se e come su un terreno vi sia un contingente. A tal proposito,
è unicamente decisiva la questione se il terreno sia da considerarsi
superficie utile determinante (consid. 3.1).

- Se il terreno fa parte della superficie utile determinante, occorre tener
presente che, con l’introduzione dei contingenti individuali, esso era
stato preso in considerazione dal punto di vista degli effetti giuridici sul
contingente (consid. 3.2).

2. Art. 19 cpv. 2 lett. b, art. 20 cpv. 1 e art. 37 OCLP 93. Svolgimento della
procedura in caso di adeguamento dei contingenti in seguito ad una
modificazione della superficie; norma di riduzione del 50 %.

- Riassunto della giurisprudenza sullo svolgimento della procedura
in caso di cessione di terreni, sulla base dell’OCLP 89 e dell’OCLP 93
(consid. 4.1-4.4).

2

- Se la federazione lattiera regola in due decisioni separate gli effetti
giuridici sul contingente di una cessione di terreno, e se essa formula
in entrambe le decisioni una riserva di efficacia giuridica, viene così
garantita la correlazione, voluta dall’ordinanza, fra riduzione ed
aumento dei contingenti (consid. 4.5).

- Portata e genere di utilizzazione di singole parcelle per l’economia
lattiera non possono trovar considerazione, così come motivi soggettivi,
nella fissazione della riduzione del contingente (consid. 6.1 e 6.2).

Aus dem Sachverhalt:

Mit Verfügung vom 31. August 1994 kürzte der Zentralschweizerische
Milchverband (MVL) das Kontingent des X per 1. Mai 1994 infolge einer
Landabgabe in Anwendung der 50 %-Kürzungsregel. Das Kontingent des
Landübernehmers R. wurde mit Verfügung gleichen Datums um die beim
Landabgeber gekürzte und um 10 % verminderte Menge erhöht. In beiden
Verfügungen brachte der Milchverband einen Rechtskraftvorbehalt an.

Gegen die verfügte Kontingentsübertragung des Milchverbandes gelangte X
am 15. September 1994 an die Regionale Rekurskommission Nr. 12, welche die
Beschwerde mit Entscheid vom 13. Dezember 1994 abwies.

Am 23. Januar 1995 reicht X bei der Rekurskommission EVD
Verwaltungsbeschwerde ein und beantragt sinngemäss die Aufhebung
der vorinstanzlichen Entscheide und «die Fällung eines gerechten
Kontingentsentscheides» beziehungsweise «die Beibehaltung der ganzen
Kontingentsmenge».

Aus den Erwägungen:

1. (Zuständigkeit; Beschwerdelegitimation; Eintreten auf die Beschwerde,
soweit es das Feststellungsinteresse des Beschwerdeführers betrifft, vgl.
VPB 59.90 E. 2)

2. (Gesetzliche Grundlagen, anwendbares Recht)

3. Es ist unbestritten, dass eine 2,5 Hektaren umfassende Parzelle vom
Beschwerdeführer an den Beschwerdegegner abgegeben wurde. Die
kontingentsrechtlichen Folgen dieser Veränderungen der massgeblichen
Nutzflächen sind in den Art. 19 und 20 der Verordnung vom 26. April 1993
über die Milchkontingentierung im Talgebiet und in der Bergzone I (MKTV 93,
SR 916.350.101, AS 1994 2056) geregelt. Es stellt sich vorab die Frage, welche
der Bestimmungen, die in den vorgenannten Artikeln enthalten sind, auf den
hier zu beurteilenden Sachverhalt Anwendung findet.

In seiner Eingabe stellt sich der Beschwerdeführer auf den von der Vorinstanz
nicht weiter untersuchten Standpunkt, die Parzelle habe aufgrund ihrer
abgelegenen Lage und der erschwerten Zugangsmöglichkeiten nicht
milchwirtschaftlich genutzt werden können. Der Beschwerdeführer behauptet

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819

damit nicht, dass die fragliche Parzelle nicht zur massgeblichen Nutzfläche
seines Betriebes (Art. 6 MKTV 93) gehört habe. Sein Vorbringen ist vielmehr
dahingehend zu verstehen, dass abzuklären ist, ob Kontingent auf der
Fläche lag beziehungsweise, ob eine allfällige verminderte oder fehlende
milchwirtschaftliche Nutzbarkeit der Parzelle bei deren Abgabe berücksichtigt
werden kann.

3.1. Bildet eine Parzelle Bestandteil der massgeblichen Nutzfläche eines
Verkehrsmilch produzierenden Betriebes, so ist grundsätzlich davon
auszugehen, dass mit ihr - wie mit der gesamten Nutzfläche - Kontingent
verbunden ist. Denn mit der Einführung der Milchkontingentierung
wurde das Milchkontingent in einen direkten Zusammenhang zur
bewirtschafteten Nutzfläche gestellt. Dabei wurde entsprechend
der sogenannten Ausgleichsthese die Fiktion aufgestellt, wonach
sich die zugeteilte Kontingentsmenge gleichmässig auf die gesamte
bewirtschaftete Betriebsfläche des Milchproduzenten verteilt (Philipp
Spörri, Milchkontingentierung, Freiburg 1993, S. 143). Wie das Bundesamt
für Landwirtschaft in diesem Zusammenhang zu Recht ausgeführt hat,
spielt die Art der Nutzung einer Fläche bei der Frage, ob und wie die Fläche
kontingentstragend ist, keine Rolle. Entscheidend ist lediglich, ob die Fläche als
landwirtschaftliche Nutzfläche im Sinne von Art. 6 MKTV 93 zu betrachten ist.

3.2. Nach den Angaben des Beschwerdeführers wurde die fragliche Parzelle
von seinem Vater bereits seit 1973 als Bestandteil des Betriebes bewirtschaftet.
Es liegen denn auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei der
Parzelle nicht um eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche handelt. Daher
ist davon auszugehen, dass mit Einführung der Einzelkontingentierung die
Parzelle auch entsprechend erfasst und kontingentsrechtlich berücksichtigt
wurde. Demzufolge hat der Bewirtschafter des Betriebes im Falle einer
Flächenverminderung grundsätzlich einen darauf liegenden Kontingentsanteil
abzugeben.

Eine Ausnahme von dieser flächenbezogenen Kontingentskürzung
beim Landabgeber sieht die MKTV 93 lediglich mit den sogenannten
Kompensationsregeln vor (Art. 19 Abs. 4 und 6, Art. 21 Abs. 2 MKTV 93;
vgl. Spörri, a. a. O., S. 149 ff.). Im vorliegenden Verfahren ist einerseits der
Landübernehmer unbestreitbar Milchproduzent (Art. 19 Abs. 6 geht von der
Landabgabe an einen Nichtproduzenten aus; Art. 21 Abs. 2 MKTV 93 erfasst
einen anderen Sachverhalt), anderseits behauptet der Landabgeber nicht, dass
sein Kontingent bei einer früheren Landübernahme und einem ihr folgenden
Gesuchsverfahren nicht erhöht werden konnte (Art. 19 Abs. 4 MKTV 93). Daher
findet keine der angeführten Ausnahmebestimmungen Anwendung.

Demzufolge ist für die vorliegende Flächenänderung, mangels einer
Regelung im Pachtvertrag (Art. 19 Abs. 1 MKTV 93) oder einer vertraglichen
Vereinbarung mit dem Landübernehmer (Art. 19 Abs. 2 Bst. a MKTV 93), das
Kontingent des Landabgebers nach Art. 19 Abs. 2 Bst. b MKTV 93 zu kürzen.

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Ob eine allfällig verminderte milchwirtschaftliche Nutzung der abgegebenen
Parzelle im Rahmen dieser Bestimmung berücksichtigt werden kann, ist
Gegenstand nachfolgender Erwägungen (Ziff. 6.1).

4. Das vorliegende Beschwerdeverfahren gibt der Rekurskommission
EVD Anlass, die bisherige Rechtsprechung im Zusammenhang mit
Kontingentsanpassungen infolge von Flächenänderungen zusammenzufassen
und unter Berücksichtigung der Praxis der Milchverbände zu präzisieren.

Die Rechtslage präsentiert sich heute folgendermassen:

4.1. Die Milchverbände teilen den Produzenten zu Beginn jedes Milchjahres
das für das neue Milchjahr geltende Kontingent mit (Art. 31 Abs. 2 MKTV 93).
Die in der Regel auf den 1. Mai eines Milchjahres festgesetzten Kontingente
ergeben sich aus dem im vergangenen Milchjahr rechtsgültig zugeteilten
Einzelkontingent (Art. 8 Abs. 1 MKTV 93) sowie aus den Zuschlägen und
Abzügen nach dem 3. Abschnitt der MKTV 93.

Dabei bildet in der Praxis die Flächenänderung das wichtigste
Veränderungskriterium für die Kontingentsanpassungen. Vermindert sich
die massgebliche Nutzfläche (Art. 6 MKTV 93) eines Betriebes, so hat der
Landabgeber grundsätzlich einen entsprechenden Anteil seines Kontingents,
welcher in einem direkten Zusammenhang zur bewirtschafteten Fläche des
Betriebes steht, abzugeben (vgl. Spörri, a. a. O., S. 142 ff.).

4.2. Die Kontingentsänderung bei Flächenabgaben nach der MKTV 93
wird primär durch vertragliche Vereinbarung zwischen den Parteien
des Pachtvertrages bestimmt (Art. 19 Abs. 1 MKTV 93). Liegt keine
entsprechende Regelung im Pachtvertrag vor, können sich Landabgeber
und Landübernehmer auf eine zu übertragende Kontingentsmenge
einigen (Art. 19 Abs. 2 Bst. a MKTV 93). Die entsprechenden Unterlagen
sind beim zuständigen Milchverband bis zum 31. Mai des folgenden
Milchjahres einzureichen (Art. 37 Abs. 1 MKTV 93). Entsprechend diesen
Vereinbarungen hat der Milchverband das Kontingent des Landabgebers
zu kürzen (Art. 19 Abs. 1 und 2 Bst. a MKTV 93). Liegt weder eine Regelung
im Pachtvertrag noch eine Vereinbarung zwischen Landabgeber und
Landübernehmer über die Kontingentsübertragung vor, so entscheidet bei
Flächenänderungen zwischen Produzenten auf Gesuch des Landübernehmers
hin der zuständige Milchverband (Art. 37 Abs. 1 MKTV 93). Dabei hat er in
der Regel das Kontingent des Landabgebers um 50 % des massgeblichen
Hektarendurchschnitts zu kürzen (Art. 19 Abs. 2 Bst. b MKTV 93).

Die Kontingentsänderung auf seiten des Landübernehmers richtet sich nach
Art. 20 MKTV 93. Wurde das Land aufgrund eines landwirtschaftlichen
Pachtvertrages übernommen, so erhöht der Milchverband das Kontingent
des Landübernehmers um die im Pachtvertrag festgelegte und um 10 %
verminderte Menge. In den übrigen Fällen wird das Kontingent um die um
10 % verminderte Menge erhöht, die der Landabgeber nach Art. 19 abzutreten
hat (Art. 20 Abs. 1 MKTV 93).

Was das Verfahren angeht, so schreibt die MKTV 93 lediglich vor, dass
der Milchverband die anerkannte Kontingentsänderung zu verfügen
(Art. 37 Abs. 2 MKTV 93) und nach den allgemeinen Grundsätzen des
Verwaltungsverfahrensrechts den Parteien zu eröffnen hat (Art. 43 und
44 Abs. 3 MKTV 93 i.V.m. Art. 34 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember

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1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG], SR 172.021). Die Verfügung
ist also namentlich dem Landübernehmer und dem Landabgeber zu
eröffnen, deren Rechte durch sie unmittelbar betroffen sind (Art. 5 Abs. 1
VwVG). Weitergehende Verfahrensbestimmungen, welche das Vorgehen der
Milchverbände beim Verfügen der Kontingentsänderungen regeln würden,
finden sich nicht.

4.3. Zum besseren Verständnis der aktuellen Rechtsprechung betreffend
den rechtlichen Zusammenhang zwischen Kontingentskürzung beim
Landabgeber und Kontingentserhöhung beim Landübernehmer sowie
dessen Auswirkungen auf das verfahrensmässige Vorgehen sind ebenfalls
die entsprechenden materiellen Bestimmungen der Verordnung vom
20. Dezember 1989 über die Milchkontingentierung in der Talzone, in
der voralpinen Hügelzone und in der Zone I des Berggebietes (MKTV 89,
AS 1990 286 1059, 1991 1125, 1992 946 2049) in Betracht zu ziehen, die bis
Ende des Milchjahres 1992/93 galten.

4.3.1. Die Kontingentskürzung beim Landabgeber (Art. 18 Abs. 1 und 2 Bst. a
und b MKTV 89) erfolgte danach auf gleiche Weise wie gemäss der heute
geltenden Bestimmung (Art. 19 Abs. 1 und 2 Bst. a und b MKTV 93). Die
Kontingentserhöhung auf der Seite des Landübernehmers wurde dahingehend
geregelt, dass der Milchverband dessen Kontingent bei Vorliegen eines
Pachtvertrages um die im Pachtvertrag festgelegte Menge und in den übrigen
Fällen um die Menge, die der Landabgeber abzutreten hat, zu erhöhen hatte
(Art. 19 Abs. 1 MKTV 89). Der Milchverband wurde ebenfalls aufgrund der
Einreichung der Unterlagen und auf Gesuch hin tätig (Art. 34 Abs. 1 MKTV 89),
hatte die Kontingentsänderung zu verfügen (Art. 34 Abs. 2 MKTV 89) und den
Parteien zu eröffnen (Art. 40 Abs. 1 und 41 Abs. 3 MKTV 89).

4.3.2. Aus den vorgenannten materiellen Bestimmungen der MKTV 89
folgt, dass der zuständige Milchverband auf Gesuch hin ein Verfahren
um Kontingentsübertragung durchzuführen hatte. Im Gegensatz zu den
üblichen verwaltungsrechtlichen Verfahren handelte es sich dabei um ein
atypisches, gewisse Ähnlichkeiten mit dem kontradiktorischen zivilrechtlichen
Verfahren aufweisendes Zweiparteienverfahren. Der an zwei private Parteien
ergehende Entscheid des Milchverbandes basierte auf demselben Sachverhalt
(Flächenverschiebung zwischen Landabgeber und Landübernehmer) und
regelte zwei Rechtsfolgen (Kontingentskürzung beim Landabgeber und
Kontingentserhöhung beim Landübernehmer), welche nach der Verordnung
in direkter Weise zusammenhingen (vollumfängliche Übertragung der
abzutretenden Milchmenge vom Landabgeber auf den Landübernehmer).
Aufgrund dieser Verknüpfung war es geboten, die kontingentsrechtlichen
Folgen einer Flächenabgabe im Sinne eines einheitlichen Rechtsverhältnisses
in einem Verfahren zu regeln und eine an beide Parteien gerichtete Verfügung
zu erlassen.

4.3.3. Bei Entscheiden, welche gestützt auf die MKTV 89 ergingen, bestand
jedoch die langjährige Praxis der Mehrheit der Milchverbände darin, die
kontingentsrechtlichen Folgen einer Flächenabgabe in zwei verschiedenen
Verfügungen zu regeln.

In einem ersten Grundsatzentscheid (REKO/EVD 93/8B-004 E. 4.1, teilweise
publiziert in VPB 59.90) kam die Rekurskommission EVD vorerst zum
Schluss, dass die Milchverbände mit der an den Landabgeber gerichteten

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Verfügung die aus der Verminderung der massgeblichen Nutzfläche
folgende Kontingentskürzung im Sinne einer «Hauptverfügung» regeln
wollten. Diese Verfügung hätte nach den allgemeinen Grundsätzen des
Verwaltungsverfahrens dem Landabgeber und dem Landübernehmer
eröffnet werden müssen. Die an den Landübernehmer gerichtete Verfügung,
welche die Kontingentserhöhung regelte, stelle demgegenüber eine reine
«Folgeverfügung» dar. Sie sei zwar formell betrachtet eine eigene Verfügung,
stehe aber inhaltlich aufgrund der materiellen Bestimmungen der MKTV 89 in
einem direkten Zusammenhang zur Hauptverfügung. Sei eine Partei mit der
Kontingentskürzung nicht einverstanden, habe sie gegen die Hauptverfügung
Beschwerde einzureichen. Die Folgeverfügung könne in der Regel nicht
angefochten werden, müsse jedoch, da sie von der Hauptverfügung inhaltlich
abhängig sei, einen entsprechenden Rechtskraftvorbehalt aufweisen.

4.4. Mit der heute geltenden MKTV 93 (vgl. Ziff. 4.2) änderte sich betreffend
die kontingentsrechtliche Folge einer Änderung der massgeblichen Nutzfläche
beim Landabgeber inhaltlich nichts (vgl. Art. 19 Abs. 1 und 2 Bst. a und b
MKTV 93 mit Art. 18 Abs. 1 und 2 Bst. a und b MKTV 89). Auch betreffend das
Verfahren entsprechen die heutigen Bestimmungen (Art. 37 Abs. 2, 43 Abs. 1
und 44 Abs. 3 MKTV 93) den bisherigen (Art. 34 Abs. 2, 40 Abs. 1 und 41 Abs. 3
MKTV 89). Indessen hat die Verordnung auf seiten des Landübernehmers eine
10prozentige Kontingentskürzung eingeführt.

Damit wurde eine wirtschaftspolitische Lenkungsmassnahme
zwischengeschaltet, welcher eigenständiger Charakter zukommt (VPB 59.94
E. 4.2). Wie im angeführ-ten Entscheid weiter festgehalten wurde, besteht
jedoch nach wie vor eine vom Verordnungsgeber gewünschte Wechselwirkung
zwischen der Kontingentskürzung auf seiten des Landabgebers und der
Kontingentserhöhung beim Landübernehmer:

«Zwar ist diese Wechselwirkung (...) nicht mehr derart unmittelbar, wie es die bis
anhin geltende MKTV 89 vorgesehen hat. Dennoch wird nach wie vor derselbe
Sach- und Rechtsverhalt geregelt, mithin ein einheitliches Rechtsverhältnis, so
dass es sich aufdrängt, die kontingentsrechtlichen Folgen einer Landabgabe in
einer einzigen Verfügung zu regeln.»

4.4.1. Betreffend des durchzuführenden Verfahrens hielt die
Rekurskommission EVD weiter fest, dass der Entscheid über das zweckmässige
Vorgehen den Milchverbänden überlassen sei, wobei sie bei der Wahl ihrer
Vorgehensweise an die allgemeinen Verfahrensgrundsätze gebunden seien.
So müsse etwa die Wechselwirkung auch im Beschwerdefall uneingeschränkt
erhalten bleiben. Die Folgen unklarer beziehungsweise unkorrekter
Entscheide seien von der zuständigen Behörde zu vertreten und dürften nicht
zum Nachteil der Privaten gereichen. Insbesondere dürfe aus mangelhafter
Eröffnung den Parteien kein Rechtsnachteil erwachsen (VPB 59.94 E. 4.3).

4.4.2. In der Praxis regelte indessen eine Mehrheit der Milchverbände die
kontingentsrechtlichen Folgen einer Flächenänderung auch nach Inkrafttreten
der MKTV 93, mit welcher die 10prozentige Kontingentskürzung auf der Seite
des Landübernehmers eingeführt wurde, weiterhin mit zwei Verfügungen.

Aufgrund des eigenständigen Charakters der eingeführten
wirtschaftslenkenden Massnahme konnte die an den Landübernehmer
gerichtete Verfügung der Milchverbände jedoch nicht mehr als blosse

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002831.pdf?ID=150002831
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002831.pdf?ID=150002831

Folgeverfügung betrachtet werden. Im bereits erwähnten weiteren
Grundsatzentscheid (VPB 59.94 E. 4.3) kam die Rekurskommission EVD
daher zum Schluss, dass die Vorgehensweise der Milchverbände nur dann
mit demWillen des Gesetzgebers im Einklang sei, wenn in den beiden
Verfügungen entsprechende Vorbehalte angebracht werden, um eine
inhaltliche Wechselwirkung zwischen den an sich formell eigenständigen
Verfügungen zu bewirken.

Fehlten die notwendigen Vorbehalte und führte lediglich eine Partei des
Flächenhandels Beschwerde, so erwuchs die nicht angefochtene Verfügung
in Rechtskraft. Daher war es der Beschwerdeinstanz in solchen Fällen
verwehrt, die kontingentsrechtlichen Folgen der Flächenabgabe für beide
Parteien neu zu regeln. Die Beschwerde der bis anhin vor der regionalen
Rekurskommission nicht beschwerdeführenden Partei wurde von der
Rekurskommission EVD jeweils teilweise gutgeheissen, da die Vorinstanz
unerlaubterweise ihre rechtskräftige Verfügung abgeändert hatte. Aufgrund
der Rechtskraft der eigenen Verfügung hatte sie im übrigen gar kein
schutzwürdiges Interesse, einen Entscheid der Rekurskommission EVD
anzubegehren.

4.5. Im vorliegenden Verfahren hat der Milchverband zwei Verfügungen
erlassen. In jener an den Landabgeber ist die Kontingentskürzung,
und in der zweiten, welche an den Landübernehmer gerichtet ist, die
Kontingentserhöhung geregelt. In beiden Verfügungen wurde ein Vorbehalt
angebracht, welcher sinngemäss eine inhaltliche Verknüpfung zwischen den
Verfügungen entstehen lässt.

Damit ist die von der Verordnung gewollte Wechselwirkung zwischen
Kontingentskürzung und Kontingentserhöhung gewahrt. Im Beschwerdefall
kommt deshalb der nicht angefochtenen Verfügung kein selbständiger
Charakter zu, und sie erwächst nicht in Rechtskraft. Auf Beschwerde einer
Partei hin hat die Beschwerdeinstanz aufgrund der durch den Vorbehalt
gewahrten Wechselwirkung das ganze Rechtsverhältnis zu überprüfen und
allenfalls neu zu regeln.

4.5.1. Demzufolge ist die nicht beschwerdeführende Seite des Flächenhandels
als Gegenpartei in das Verfahren einzubeziehen (Art. 6 VwVG). Unterlässt die
Beschwerdeinstanz dies, liegt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.

(...)

5. In materiellrechtlicher Hinsicht stellt sich die Frage, welche
kontingentsrechtlichen Folgen die vorliegend zu beurteilende Flächenabgabe
zeitigt. Nach Art. 19 Abs. 2 Bst. b der MKTV 93 ist das Kontingent des
Landabgebers je abgegebene Hektare in der Regel um 50 % des Kontingents
je Hektare massgebliche Nutzfläche, das dem Landabgeber am 1. Mai vor der
Landabgabe zustand, zu kürzen.

(Grundsätze bei der Anwendung der 50 %-Regel; vgl. VPB 59.90 E. 9.1)

6. Im vorliegenden Fall kürzte der Milchverband das Kontingent des
Landabgebers in Anwendung der 50 %-Kürzungsregel. Dieser Entscheid wurde
von der Rekurskommission Nr. 12 bestätigt. Der Beschwerdeführer beantragt
dagegen, dass insbesondere die Nutzung der abgegebenen Parzelle sowie seine
betrieblichen und finanziellen Verhältnisse zu berücksichtigen seien. Daraus
folge, dass sein Kontingent nicht gekürzt werden dürfe.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819

6.1. Die abgegebene Parzelle wurde nach Darstellung des Beschwerdeführers
infolge der erschwerten Zugangsmöglichkeiten und deren Abgelegenheit
nicht für die Milchviehhaltung genutzt. Dieser Umstand kann indessen
nicht als Grund für ein Abweichen von der 50 %-Kürzungsregel betrachtet
werden. Denn bei Einführung der Einzelkontingente wurde auf die
Milcheinlieferungen des gesamten Betriebes in den Vorjahren abgestellt und
nicht auf die Ertragsfähigkeit einzelner Parzellen für die Milchwirtschaft.
Das Einzelkontingent ist an den Betrieb und nicht an einzelne Parzellen
gebunden und verteilt sich, wie bereits dargestellt, entsprechend der
Ausgleichsthese gleichmässig auf die gesamte landwirtschaftli-che Nutzfläche
eines Betriebes. Entscheidend ist damit einzig, ob die Parzelle Teil der
Nutzfläche eines Betriebes bildet (Ziff. 3.1). Demzufolge kann der Umfang
der Nutzung einzelner Parzellen für die Milchwirtschaft bei der Festsetzung
der Kontingentskürzung keine Berücksichtigung finden. Dies ist auch deshalb
begründet, weil die Handhabung parzellenweiser nach milchwirtschaftlichem
Nutzungsgrad abgestufter Hektarendurchschnitte rein praktisch zu
erheblichen Problemen führen würde. Überdies würde eine rechtsgleiche
Behandlung der Produzenten bei Landabgaben nahezu verunmöglicht.

6.2. Der Beschwerdeführer verweist im weiteren auf eine Verschlechterung
seiner finanziellen Situation. Als Gründe führt er die Auflösung des
Pachtverhältnisses, den damit verbundenen Wegfall einer Kontingentsmenge,
die Verminderung des Bestandes an Jungvieh, das auf der abgegebenen Fläche
gehalten worden sei, sowie getätigte und geplante Betriebsinvestitionen
an. Diese Gründe vermögen für sich allein noch nicht ein Abweichen
vom Grundsatz und die Annahme eines Ausnahmefalles zu rechtfertigen.
Denn einerseits handelt es sich dabei um Folgen, welche praktisch jede
Landabgabe nach sich zieht. Anderseits stehen die betrieblichen Investitionen
nicht in einem direkten Zusammenhang zur Landabgabe. Vielmehr sind
die von ihm vorgebrachten finanziellen Gründe als Umstände zu werten,
mit welchen ein beträchtlicher Teil der Milchproduzenten aufgrund
der Umwälzungen im Landwirtschaftsbereich zu kämpfen hat. Dass die
Kündigung des Pachtverhältnisses einen Härtefall darstellen soll, vermag der
Beschwerdeführer allein mit dem Verweis auf seine betriebswirtschaftliche
Planung, welche noch unter Einbezug der Pachtfläche erfolgt sei, nicht
darzutun. Gegen eine behauptete - und von der Rekurskommission
EVD nicht weiter zu prüfende - vorzeitige Pachtauflösung hätte sich der
Beschwerdeführer, wie er selber ausführt, allenfalls auf andere Weise zur
Wehr setzen müssen.

6.3. In diesem Zusammenhang ist in Betracht zu ziehen, dass der Landabgeber
durch die Regelung, wonach grundsätzlich 50 % des - bildlich gesprochen -
auf der abgegebenen Parzelle liegenden Kontingentsanteils bei ihm bleiben,
gegenüber dem ebenfalls Verkehrsmilch produzierenden Landerwerber
ohnehin einen Vorteil erfährt, der systembedingt ist. Umstände, welche
es rechtfertigen würden, einen Ausnahmetatbestand zu begründen, so
dass dem Landabgeber ein noch höherer Anteil zu belassen ist, sind
demnach nicht leichthin anzunehmen. Sie wären etwa dann anzuerkennen,
wenn die Gesamtwürdigung eine Situation erkennen lässt, welche beim
Landabgeber die Weiterführung einer landwirtschaftlichen Existenz geradezu
verunmöglichen würde oder wenn der Landübernehmer im Gegensatz zum

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Landabgeber auf eine Kontingentserhöhung nicht angewiesen ist. Solche
Umstände werden vom Beschwerdeführer jedoch nicht geltend gemacht und
sind auch nicht ersichtlich.

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten
ist, ab)

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 60.58 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 2.

Juni 1995 in Sachen X gegen R., Zentralschweizerischen Milchverband [MVL] und

Regionale Rekurskommission Nr. 12; 95/8B-009

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1996
Année

Anno

Band 60
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Ref. No 150 003 125

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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 2. Juni 1995 in Sachen X gegen R., Zentralschweizerischen Milchverband [MVL] und Regionale Rekurskommission Nr. 12; 95/8B-009
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: