# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b06762ec-1a39-50b9-a311-6e0a4db9f5e2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.02.2012 E-794/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-794-2009_2012-02-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­794/2009

U r t e i l   v om   2 9 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Bruno Huber,
Richter Walter Lang,
Richterin Regula Schenker Senn,
Gerichtsschreiberin Sarah Straub.   

Parteien A._____, geboren (…),
Sri Lanka, 
(…),  
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 9. Januar 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer – ein aus Jaffna stammender Tamile mit  letztem 
Wohnsitz  in  B._____  (Nordwestprovinz)  –  verliess  gemäss  eigenen 
Angaben  seinen Heimatstaat  am 10. September  2008,  reiste mit  einem 
vom Schlepper besorgten Pass auf dem Luftweg von Colombo via Qatar 
nach  Mailand  und  gelangte  von  dort  aus  auf  dem  Landweg  am  13. 
September 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.

B.
Er  wurde  im  (…)  am  22.  September  2008  zur  Person,  zu  den 
Gesuchsgründen  und  zum  Reiseweg  summarisch  befragt  und  am  30. 
September 2008 gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31) zu seinen Asylgründen angehört. 

Dabei  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  seine  Cousine,  welche 
gegenüber  gewohnt  und  für  das  UNHCR  (United  Nations  High 
Commissioner for Refugees) gearbeitet habe, sei im Jahre 2008 entführt 
und  nach  vier  Tagen  freigelassen  worden.  Man  habe  sie  geschlagen, 
sonst  sei  ihr  nichts  passiert.  Auch  er  sei  gesucht  worden,  weshalb  ihn 
sein  Vater  zu  einem  Kollegen  gebracht  habe.  Immer  wenn  er  in  der 
Schule gewesen sei, seien diese Leute zu  ihm nach Hause gekommen; 
er  habe  deshalb  die  Schule  nicht  abschliessen  können.  Sie  seien  zirka 
zehn  Jahre  in  B._____  gewesen,  und  seiner  Familie  und  seinen 
Verwandten sei sonst nie etwas passiert. Er wisse nicht, um wen es sich 
bei  diesen  Leuten  gehandelt  habe,  und  er  könne  nicht  sagen,  ob  es 
Singhalesen oder Tamilen gewesen seien, sie hätten nur seinen  Namen 
gesagt.  Ob  sein  Vater  Anzeige  erstattet  habe,  wisse  er  nicht.  Mit 
Behörden,  Organisationen  oder  anderen  Personen  habe  er  keine 
Probleme  gehabt,  er  sei  niemals  vor  Gericht  gewesen  und  habe  sich 
auch nicht  religiös oder politisch betätigt; die LTTE  (Liberation Tigers of 
Tamil Eelam) habe er nie unterstützt. Sein Heimatland habe er verlassen, 
weil  sein Vater Angst  um  ihn  gehabt  habe. Er  habe  in  keinem anderen 
Land um Asyl nachgesucht.

C.
Mit Verfügung vom 9. Januar 2009 – eröffnet am 12. Januar 2009 – wies 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen 
Wegweisung  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  es  im 
Wesentlichen  an,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht 
glaubhaft gemacht worden.

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D.
Am  6.  Februar  2009  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und 
beantragte  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung,  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die 
Asylgewährung,  eventualiter  infolge  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In 
prozessulaler  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

An  Beweismitteln  reichte  er  eine  Bestätigung  von  (…)  vom  15.  Januar 
2009 ein, wonach der Beschwerdeführer Besitzer der  Identitätskarte Nr. 
(…) sei, seit zehn Jahren mit seiner Familie  in B._____ wohne und das 
Land  verlassen  habe,  weil  er  in  Lebensgefahr  sei.  Weiter  gab  er  eine 
Bestätigung  des  (…)  vom  20.  Januar  2009  zu  den  Akten,  der  zu 
entnehmen  ist, dass der Beschwerdeführer mit seinen Eltern  in B._____ 
gewohnt habe und aus Angst um sein Leben ausgereist sei. Schliesslich 
belegte  er mit  einem Schreiben  der  (…)  vom 6.  Februar  2009,  dass  er 
von dieser Gemeinde finanziell unterstützt werde.

E.
Mit  Verfügung  vom  5.  März  2009  hielt  die  damals  zuständige 
Instruktionsrichterin  fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des 
Verfahrens  in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut 
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

F.
Vom Gericht  zur Vernehmlassung eingeladen,  führte das BFM  in seiner 
Stellungnahme  vom  25. März  2009  aus,  die  Beschwerdeschrift  und  die 
eingereichten  Bestätigungen  enthielten  keine  neuen  erheblichen 
Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines 
Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Im  Übrigen  werde  auf  die 
Erwägungen  verwiesen,  an  denen  das  Bundesamt  vollumfänglich 
festhalte. Es werde die Abweisung der Beschwerde beantragt.

Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  vom  Gericht  am      
30. März 2009 zur Kenntnis gebracht.

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G.
Auf  den  detaillierten  Inhalt  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  der 
Beschwerdeschrift  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  wird  –  soweit 
urteilsrelevant – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Ein solches Auslieferungsersuchen liegt nicht vor. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.3 Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht. Der Beschwer­
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 
angefochtene Verfügung besonders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges 
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist  daher 
zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG,  Art. 48 
Abs. 1,  Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.
3.1  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 
Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für 
gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 
oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

4.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall zu Recht die 
Glaubhaftigkeit  der Asylvorbringen  des Beschwerdeführers  verneint  und 
sein Asylgesuch abgewiesen hat.

4.1  Zur  Begründung  seines  ablehnenden  Entscheides  führte  das 
Bundesamt  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  zu  wesentlichen  Punkten 
unterschiedliche Angaben gemacht. So habe er anlässlich der Befragung 
angegeben, er sei vier­ oder fünfmal zu Hause gesucht worden, wogegen 
er  an  der  Anhörung  ausgesagt  habe,  er  sei  zwei­  bis  dreimal  gesucht 
worden.  Zu  erwarten  wäre,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  zentralen 
Punkt  seines  Asylgesuches  stimmige  und  widerspruchsfreie  Angaben 
liefern  könnte.  Ähnlich  habe  er  zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  bis  zu 
seiner Ausreise aus Sri Lanka bei seinen Eltern gewohnt, wogegen er an 
anderer Stelle vorgebracht habe, er habe sich nach der Entführung seiner 
Cousine bei einem Kollegen seines Vaters versteckt. Zur Suche nach ihm 
habe  er  bei  der  Kurzbefragung  zu  Protokoll  gegeben,  er  sei  vor  seiner 
Ausreise das  letzte Mal Mitte August gesucht worden, bei der Anhörung 
dagegen  habe  er  ausgesagt,  nicht  zu  wissen,  wann  er  das  letzte  Mal 
gesucht worden sei.

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Die  Darstellung  des  Beschwerdeführers  sei  aufgrund  dieser  sich 
widersprechenden  Aussagen  nicht  glaubhaft.  Sie  sei  auch  nicht 
hinreichend  begründet  und  vermittle  den  Eindruck,  dass  er  das 
Geschilderte nicht selbst erlebt habe. Er mache zwar geltend, zu Hause 
wiederholt  gesucht  worden  zu  sein,  habe  aber  keinerlei  Angaben  dazu 
machen können, wer ihn angeblich gesucht habe. Er wisse auch nicht, ob 
sein  Vater  ihn  zum  Verlassen  des  Landes  aufgefordert  und  ob  er  sich 
wegen  des  Vorgefallenen  an  die  Ordnungskräfte  gewendet  habe. 
Schliesslich  habe  er  auch  bezüglich  der  Umstände  der  vorgebrachten 
Entführung seiner Cousine keine erhellenden Angaben liefern können.

4.2  Der  Beschwerdeführer  hält  den  Erwägungen  des  BFM  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe  nichts  Substanzielles  entgegen.  Nebst  dem 
Festhalten an seinen Vorbringen macht er einzig – neu – geltend, wegen 
der  Tätigkeit  seiner  Cousine  beim  UNHCR  bestehe  eine 
Reflexverfolgung.  Die  eingereichten Beweismittel  würden  belegen,  dass 
er nach seiner Flucht gesucht worden sei. Aufgrund dieser Sachlage sei 
ihm Asyl zu gewähren.

Ansonsten  sei  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die 
vorläufige Aufnahme anzuordnen. Bei einer Rückkehr würde die Gefahr 
bestehen,  bei  der  Ankunft  oder  bei  einem  Checkpoint  verhaftet  zu 
werden. Wegen seines Aufenthaltes in der Schweiz würde er verdächtigt, 
mit den LTTE zu sympathisieren.

5.
Das  Gericht  stimmt  mit  der  Vorinstanz  überein,  dass  die  Vorbringen 
unglaubhaft  sind  und  den  Eindruck  erwecken,  der  Beschwerdeführer 
habe das Vorgebrachte nicht  selber erlebt. Es  ist  vollumfänglich auf die 
Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  verweisen.  Die 
nachstehenden  Ausführungen  sind  denn  auch  nur  im  Sinne  einer 
Untermauerung der vorinstanzlichen Verfügungen zu verstehen.

Als  zentraler  Punkt  wird  vom  Beschwerdeführer  angegeben,  von  ihm 
Unbekannten gesucht worden zu sein (vgl. Akten BFM A1/9 Ziff. 15 und 
A8/12 F72 ff.). Dass er – wie vom BFM zu Recht festgestellt wird – weder 
übereinstimmende  Angaben  zur  Anzahl  dieser  Vorkommnisse  noch  zu 
anderen diesbezüglichen Einzelheiten machen konnte, ist nicht glaubhaft.  
Geradezu kurios ist insbesondere die Aussage, er wisse nicht, ob es sich 
um  Singhalesen  oder  Tamilen  gehandelt  habe,  weil  diese  Leute  nur 
seinen  Namen  gesagt  hätten  (vgl.  A8/12  F88).  Das  Verhalten  des 

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Beschwerdeführers  beziehungsweise  dessen  Aussagen  anlässlich  der 
Befragung und der Anhörung führen zum Schluss, er habe aufgrund von 
Vorfällen, wie sie sich während des Krieges in Sri Lanka ereignet haben, 
ein  Konstrukt  geschaffen,  und  er  wolle  mit  seinen  dürftigen  Angaben 
Widersprüchen vorbeugen. Es erübrigt sich denn auch, auf die weiteren 
Vorbringen einzugehen. 

In der Beschwerde setzt sich der Beschwerdeführer bezeichnenderweise 
mit  den  Erwägungen  der  Vorinstanz  in  keiner  Weise  auseinander  und 
macht neu Reflexverfolgung und Furcht vor einer Inhaftierung wegen des 
Verdachts, mit den LTTE zu sympathisieren, geltend. Darauf ist vor dem 
Hintergrund  der  nachstehenden  Erwägungen  (neue  Lagebeurteilung 
durch das Gericht, vgl. E. 8.3.2) nicht näher einzugehen, zumal es keine 
Hinweise  dafür  gibt,  dass  seine Cousine  tatsächlich  verfolgt worden  ist, 
und das Profil des Beschwerdeführers, der zudem Sri Lanka über den gut 
kontrollierten  Flughafen  von  Colombo  verlassen  hat,  nicht  jenem 
entspricht,  das  ihn  in  den  Augen  der  Behörden  über  ein  allgemeines 
Misstrauen  gegenüber  Heimkehrenden  hinaus  verdächtig  machen 
könnte.

6.
Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht 
glaubhaft gemacht hat, er habe ernsthafte Nachteile  im Sinne von Art. 3 
AsylG  erlebt  oder  befürchten  müssen  oder  er  müsse  solche  für  die 
Zukunft  in  begründeter  Weise  befürchten.  An  dieser  Einschätzung 
vermögen auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern, die als 
reine  Gefälligkeitsschreiben  zu  qualifizieren  sind.  Die  Vorinstanz  hat 
somit zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch 
abgewiesen.

7.
7.1  Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9   S. 733;  Entscheidungen  und 

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Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 
Nr. 21).

8.
8.1
8.1.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

8.1.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2.
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

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8.2.2  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerde­
führers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 
AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im 
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

8.3.1  Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im  publizierten  Urteil  BVGE 
2008/2  vom  14.  Februar  2008  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie 
eine Lageanalyse vor. Gemäss der diesbezüglich festgelegten Praxis galt 
der Vollzug der Wegweisung in die Nordprovinz und in die Ostprovinz als 
unzumutbar  (a.a.O.  E.  6).  Eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  im 
Süden  des  Landes  konnte  für  Sri­Lanker  tamilischer  Ethnie  indes  als 

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zumutbar  erachtet  werden,  wenn  besonders  begünstigende  Faktoren – 
wie  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  und  eine  konkrete 
Unterkunftsmöglichkeit – vorlagen, wobei mitzuberücksichtigen war, dass 
je kürzer die vorangegangene Aufenthaltsdauer in Colombo und je länger 
der  Auslandaufenthalt  was,  desto  höhere  Anforderungen  an  das 
Vorliegen der obgenannten Kriterien galten (a.a.O. E. 7.6.1 und E.7.6.2). 

8.3.2 Mit Grundsatzurteil E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 aktualisierte 
das Bundesverwaltungsgericht die letztmals mit erwähntem BVGE 2008/2 
definierte Lageanalyse Sri Lankas und passte die Wegweisungspraxis an. 
Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs hält das Gericht  fest, dass dieser 
in das gesamte Gebiet der Ostprovinz grundsätzlich zumutbar ist (a.a.O. 
E.  13.1).   Auch  der  Wegweisungsvollzug  in  die  Nordprovinz  –  mit 
Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  –  ist  grundsätzlich  zumutbar,  wobei  sich 
eine  zurückhaltende Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien 
sowie eine Berücksichtigung des  zeitlichen Elementes aufdrängt  (a.a.O.           
E.  13.2.1).  Weiterhin  als  unzumutbar  muss  der  Wegweisungsvollzug, 
übereinstimmend mit dem BFM, für das Vanni­Gebiet gelten, welches zu 
Beginn  des  Jahres  2008  noch  von  den  LTTE  kontrolliert  wurde  und  in 
welchem sich  in der Folge bis zum endgültigen Sieg über die LTTE die 
Kriegshandlungen abgespielt haben (a.a.O. E. 13.2.2). Für Personen, die 
aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  Sri  Lankas  (d.h.  die  Provinzen  North 
Central,  North  Western,  Central,  Western  [namentlich  der  Grossraum 
Colombo], Southern, Sabarugamuwa und die Uva­Provinz) stammen und 
dorthin  zurückkehren,  ist  der  Wegweisungsvollzug  grundsätzlich 
zumutbar (a.a.O. E.13.3). 

8.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus B._____ (Nordwestprovinz), wo 
seine Familie viele Jahre bis zu den angeblichen Vorfällen im Jahre 2008 
ohne  jegliche  Probleme  lebte.  Eine  Rückkehr  dorthin  ist  sowohl  nach 
bisheriger  Rechtsprechung  (vgl.  E.8.3.1)  als  auch  nach  neuer 
Rechtsprechung unverändert als zumutbar zu betrachten  (vgl. E. 8.3.2). 
Die Vorinstanz  hat  in  ihren Zumutbarkeitserwägungen  zutreffend  darauf 
hingewiesen,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  jungen 
Mann mit adäquater Schulausbildung handelt; er selber hat anlässlich der 
Befragung  angegeben,  die  Schule  zwölf  Jahre  besucht,  die  Matura 
allerdings nicht  fertig gemacht zu haben (vgl. A1/9 Ziff. 8). Gemäss den 
Akten hat er keine gesundheitlichen Probleme.

Eigenen Angaben zufolge hat er sowohl in B._____ Familienmitglieder als 
auch anderswo, insbesondere in Jaffna und Umgebung, viele Verwandte 

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(vgl.  A8/12  F6  ff.).  Daher  ist  davon  auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  und  die 
notwendigen  Voraussetzungen  verfügt,  die  ihm  eine  soziale  und 
berufliche  Wiedereingliederung  in  seinem  Heimatstaat  und  die  damit 
einhergehende Existenzsicherung ermöglichen. 

8.3.4  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung 
dem­nach auch als zumutbar.

8.4  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG;  vgl. 
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.5  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 ­ 4 AuG).

9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.
Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  dem Beschwerdeführer  die 
Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG).  Da  ihm  mit 
Zwischenverfügung  vom  27. Dezember  2007  die  unentgeltliche 
Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gewährt  wurde,  sind  ihm 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und das (…).

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Sarah Straub

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