# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7469f30d-6e86-570a-b61d-d267dcf71d5b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-19
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 19.12.2012 SB120131
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120131_2012-12-19.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    

 
 

Geschäfts-Nr.: SB120131-O/U 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. F. Bollinger, Präsident, lic. iur. S. Volken und  

Ersatzoberrichterin lic. iur. R. Affolter sowie der Gerichtsschreiber 

lic. iur. P. Rietmann 

Urteil vom 19. Dezember 2012 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. M. Scherrer,  

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 

 

gegen 

 

A._____,  
Beschuldigter und II. Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

betreffend  

versuchte vorsätzliche Tötung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom  
1. September 2011 (DG100537) 
 

-   2   - 

 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. Juli 2010 

(Urk. 26) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 162) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 

lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a, d und e, Art. 8 und Art. 27 WG. 

2. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Anklagekammer des Obergerichts des Kan-

tons Zürich mit Beschluss vom 3. September 2010 die Anklage gegen den Beschuldigten 

A._____ in Bezug auf die Vorwürfe der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und der 

einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB gemäss Ziffer II. der 

Anklageschrift vom 7. Juli 2010 rechtskräftig nicht zugelassen hat. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 183 Tage durch Haft  

erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 30 Monaten aufgeschoben und die  

Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate abzüglich 183 Tage, die durch Haft 

erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

5. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Einholung eines psychiatrischen Zweitgutachtens 

wird abgewiesen. 

6. Die mit Verfügung des Haftrichters des Bezirksgerichts Zürich vom 9. Dezember 2009  

angeordnete und bei der Bezirksgerichtskasse deponierte Sicherheitsleistung im Betrag von 

Fr. 20'000.– wird mit Rechtskraft des Urteils freigegeben. 

7. Die mit Verfügung des Haftrichters des Bezirksgerichts Zürich vom 9. Dezember 2009  

angeordnete Pass- und Schriftensperre wird mit Rechtskraft des Urteils aufgehoben und die 

-   3   - 

bei der Gerichtskasse lagernden Ausweisschriften werden dem Beschuldigten zurückzuge-

ben. 

8. Die mit Verfügung des Haftrichters des Bezirksgerichts Zürich vom 9. Dezember 2009  

verhängte Kontaktsperre gegen diverse Personen gemäss derselben Verfügung wird mit 

Rechtskraft des Urteils aufgehoben. 

9. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 25. März 2010 beschlagnahmte und bei der 

Bezirksgerichtskasse unter der Sachkautions-Nr. … lagernde Revolver, Marke "Ruger" wird 

(samt allfälliger Munition) eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden  

Verwendung überlassen. 

10. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 25. März 2010 und bei der Bezirksgerichts-

kasse unter der Sachkautions-Nr. … lagernde Elektroschock-Schlagring "Blast Knuckles" 

wird eingezogen. Die Lagerbehörde wird angewiesen, den Elektroschock-Schlagring dem 

Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich zur Einbindung in die Waffensammlung 

zu überlassen. 

11. Auf das Schadenersatzbegehren wie auch auf das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 

B._____ wird nicht eingetreten. 

12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 7'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 954.–   Kosten der Kantonspolizei  

Fr.    Kanzleikosten Untersuchung 

Fr. 4'582.85   Auslagen Untersuchung  

Fr.    amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 1'820.–   Barauslagen (Gutachten C._____) 

Fr. 9'360.–   Barauslagen (Gutachten D._____) 

Fr. 38'912.85   amtliche Verteidigung  

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten 

auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Staatskasse 

genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

14. (Mitteilungen.) 

15. (Rechtsmittel.)" 

-   4   - 

Berufungsanträge: 

a) der Verteidigung des Beschuldigten A._____ (Urk. 192) 

 Prozessualer Antrag: 

 Es sei der Gutachter Prof. D._____ erneut vorzuladen und ihm Gelegenheit 

zu geben die wesentlichen Inhalte seines schriftlich abgegebenen Gutach-

tens noch einmal zu erläutern resp. bezügliche Fragen der Verteidigung zu 

beantworten. 

 Hauptanträge: 

1. Der Angeklagte sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung  

gemäss Art. 111 StGB resp. versuchtem Totschlag gemäss Art. 113 StGB 

jeweils i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB als auch der Gefährdung des Lebens  

gemäss Art. 129 StGB freizusprechen. 

2. Der Angeklagte sei der mehrfachen Widerhandlungen gegen das Waffen-

gesetz nach Art. 33 WG schuldig zu sprechen und für diese Widerhandlung 

mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse von höchstens Fr. 500.– zu 

bestrafen. 

Allenfalls sei – unter welchem Titel auch immer – eine bedingte Strafe von 

höchstens 180 Tagen Freiheitsentzug auszusprechen, unter Anrechnung 

der erstandenen Untersuchungshaft. 

3. Dem Angeklagten sei für die erstandene Untersuchungshaft von 183 Tagen 

eine angemessene Genugtuung sowie Schadenersatz zuzusprechen. 

4. Die Kosten der Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Verfahrens wie 

auch des Berufungsverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

5. Die von Drittpersonen geleistete Sicherheitsleistung sei umgehend freizuge-

ben. 

6. Gegen die Einziehung des Revolvers der Marke Ruger samt Munition sowie 

des Elektroschlagringes Blast Knuckles wird nicht opponiert. 

-   5   - 

7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Gerichtskasse zu  

nehmen. 

b) der Staatsanwaltschaft (Urk. 191): 

1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 1. September 2011 in Sachen 

E._____ sei grundsätzlich zu bestätigen, mit Ausnahme des Strafpunktes: 

Hier sei der Beschuldigte E._____ mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren zu 

bestrafen. 

2. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 1. September 2011 bezüglich 

A._____ sei grundsätzlich zu bestätigen, mit Ausnahme des Strafpunktes: 

Hier sei eine Freiheitsstrafe von 5 ½ Jahren auszusprechen. 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Gegenstand der Berufung 

1. Zum bisherigen Prozessverlauf im Vorverfahren und in erster Gerichts-

instanz, namentlich zur Nichtzulassung eines Teils der Anklage und zur  

Begutachtung des Beschuldigten, sowie zum Prozessualen – anwendbares  

Verfahrensrecht, Privatklägerschaft und Berichtigung der Anklageschrift – ist auf 

das angefochtene Urteil zu verweisen (Urk. 126 S. 4-11).  

2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Ab-

teilung, vom 1. September 2011 wurde der Beschuldigte A._____ der versuchten 

vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB und der mehrfa-

chen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a, d und e, Art. 8 und Art. 27 WG schuldig 

gesprochen. Die Vorinstanz nahm sodann davon Vormerk, dass die Anklage-

kammer des Obergerichts des Kantons Zürich mit Beschluss vom 3. September 

2010 die Anklage gegen den Beschuldigten in Bezug auf die Vorwürfe der  

-   6   - 

Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und der einfachen Körperverletzung 

im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB gemäss Ziffer II. der Anklageschrift vom 

7. Juli 2010 rechtskräftig nicht zugelassen hat. Der Beschuldigte wurde mit einer 

Freiheitsstrafe von 3 Jahren bestraft, unter Anrechnung von 183 Tagen erstande-

ner Haft. Den Vollzug der Freiheitsstrafe schob die Vorinstanz im Umfang von 

30 Monaten auf, bei einer Bewährungsfrist von 2 Jahren. Im restlichen Umfang 

(6 Monate abzüglich 183 Tage Haft) wurde der Vollzug der Strafe angeordnet. 

Den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Einholung eines psychiatrischen Zweit-

gutachtens wies das Bezirksgericht ab. Ferner traf die Vorinstanz diverse Rege-

lungen betreffend die Sicherheitsleistung des Beschuldigten über Fr. 20'000.–, 

dessen Pass- und Schriftensperre, die Kontaktsperre gegenüber verschiedenen 

Personen sowie über das Schicksal der Tatwaffe und eines Elektroschock-

Schlagringes. Weiter wurde auf das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren 

des Privatklägers B._____ nicht eingetreten. Schliesslich auferlegte das Bezirks-

gericht dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen 

Verfahrens, ausgenommen die Kosten der amtlichen Verteidigung, die  

– unter Nachforderungsvorbehalt – einstweilen auf die Gerichtskasse genommen 

wurden (Urk. 162 S. 125 ff.).  

3.1 Gegen dieses Urteil vom 2. September 2011 meldete die Staatsanwaltschaft 

IV fristgerecht Berufung an (Urk. 149).  

3.2 Mit Schreiben vom 12. September 2011 liess auch der Beschuldigte durch 

seinen amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. X._____, rechtzeitig Berufung ge-

gen das Urteil anmelden (Urk. 150).   

3.3 Nach Zustellung des begründeten Urteils reichten sowohl die Staatsanwalt-

schaft IV als auch der amtliche Verteidiger je am 14. Februar 2012 in der Frist die 

Berufungserklärungen ein. Beide stellten gleichzeitig einen Beweisantrag: die 

Staatsanwaltschaft auf Einholung eines psychiatrischen Zweitgutachtens und die 

Verteidigung auf erneute Befragung des Gutachters Prof. Dr. D._____ als  

sachverständiger Zeuge (Urk. 163 und 167).  

-   7   - 

3.4 Mit Präsidialverfügung vom 20. März 2012 wurden die Berufungserklä-

rungen in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie Art. 401 StPO je  

der Gegenpartei und dem Privatkläger übermittelt (Urk. 170). Der Verteidiger  

beantragte mit Schreiben vom 26. März 2012, den Beweisantrag der Staats-

anwaltschaft abzuweisen (Urk. 172). Die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger 

B._____ liess sich nicht vernehmen.  

3.5 Am 28. März 2012 teilte der amtliche Verteidiger des Mitbeschuldigten 

E._____ (Geschäfts-Nr. SB120130), Rechtsanwalt Dr. Y._____, mit, dass keiner-

lei Einwendung gegen eine Gutheissung der Berufung der Verteidigung von 

A._____ erhoben werden und dass in dessen Verfahren weder bezüglich der Be-

rufung der Staatsanwaltschaft noch der Berufung der Verteidigung eine An-

schlussberufung erhoben werde (Urk. 174).  

3.6  Die erwähnten Beweisanträge der Parteien wurden mit Präsidialverfügung 

vom 7. Mai 2012 abgewiesen (Urk. 176).  

3.7 Mit Schreiben vom 3. Juli 2012 stellte der Verteidiger den Antrag um Freiga-

be des Reisepasses des Beschuldigten für den Zeitraum vom 13. Juli bis am 

6. August 2012 für eine Reise in dessen Heimat Kosovo (Urk. 178). Die Staats-

anwaltschaft erhob keine Einwände gegen eine befristete Herausgabe (Urk.180), 

worauf mit Präsidialverfügung vom 5. Juli 2012 die Pass- und Schriftensperre für 

die Zeit vom 12. Juli 2012 bis 9. August 2012 aufgehoben wurde (Urk. 181).  

4.1 Die Verteidigung beantragt die Aufhebung des Schuldspruchs wegen  

versuchter vorsätzlicher Tötung und Gefährdung des Lebens, akzeptiert aber den 

Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz bei 

Bestrafung mit einer Busse von Fr. 500.–. Für die erlittene Untersuchungshaft 

wird Genugtuung und Schadenersatz nach gerichtlichem Ermessen verlangt 

(Urk. 167; Urk. 192). Die Staatsanwaltschaft beschränkt die Berufung auf die  

Bemessung der Strafe und stellt Antrag auf eine Freiheitsstrafe von 5 ½ Jahren 

(Urk. 163; Urk. 191).   

-   8   - 

4.2 Das vorinstanzliche Urteil ist daher in den folgenden Regelungen rechts-

kräftig geworden (Art. 399 Abs. 2 Ziff. 2 StPO in Verbindung mit Art. 385 Abs. 1 

lit. a StPO):  

- in Dispositiv-Ziffer 1 Abs. 3 bezüglich der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz; 

- in Dispositiv-Ziffer 2 (Vormerknahme betr. Nichtzulassung der Anklage gemäss 

Ziffer II. der Anklageschrift vom 7. Juli 2010); 

- in Dispositiv-Ziffer 5 (Abweisung des Antrags der Staatsanwaltschaft auf  

Einholung eines psychiatrischen Zweitgutachtens); 

- in Dispositiv-Ziffer 6 (Freigabe der bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich  

deponierten Sicherheitsleistung von Fr. 20'000.–); 

- in Dispositiv-Ziffer 7 (Aufhebung der angeordneten Pass- und Schriftensperre 

sowie Herausgabe der Ausweisschriften an den Beschuldigten); 

- in Dispositiv-Ziffer 8 (Aufhebung der verhängten Kontaktsperre gegenüber  

diversen Personen); 

- in Dispositiv-Ziffer 9 (Einziehung des beschlagnahmten Revolvers und Über-

lassung an die Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung); 

- in Dispositiv-Ziffer 10 (Einziehung des Elektroschock-Schlagringes und Überlas-

sung an den Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich zur  

Einbindung in die Waffensammlung); 

- in Dispositiv-Ziffer 11 (Nichteintreten auf das Schadenersatz- und das Genug-

tuungsbegehren des Privatklägers B._____); 

- in Dispositiv-Ziffer 12 (Kostenfestsetzung). 

Die Rechtskraft dieser Regelungen ist vorab mit Beschluss festzustellen.  

-   9   - 

5. Auf die Argumente der Verteidigung ist im Rahmen der nachstehenden  

Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit  

jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander-

setzen; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen  

Gesichtspunkte beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.62/2006 E. 4.2.2 

vom 14.11.2006 mit Hinweis auf BGE 126 I 97 E. 2b, BGE 125 II 369 E. 2c, 

BGE 124 V 180 und BGE 112 Ia 107 E. 2b). 

II. Schuldpunkt - eingeklagter Sachverhalt 

1.1 Der eingeklagte Sachverhalt ergibt sich aus der Anklageschrift vom 7. Juli 

2010 (Urk. 26) und ist auch im vorinstanzlichen Urteil umfassend dargestellt,  

worauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen zu verweisen ist (Urk. 162 

S. 11-16; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Gleiche gilt hinsichtlich der detaillierten Dar-

stellung der Aussagen des Beschuldigten A._____ sowie jener des Mitbeschuldig-

ten E._____, der diversen Zeugen und der weiteren Beweismittel (Urk. 162 S. 18-

76).   

1.2 Der Beschuldigte hat den äusseren Ablauf des in der Anklageschrift geschil-

derten Sachverhalts – soweit vorliegend noch von Relevanz (vgl. Rückzug des 

Strafantrages des Mitbeschuldigten E._____, Urk. 31 S. 2 und Urk. 32 S. 2 in  

Geschäft Nr. SB120130) – grundsätzlich eingestanden. Soweit seine Darstellung 

von dem ihm zur Last gelegten Sachverhalt gemäss Anklageschrift abweicht und 

in zweiter Instanz noch strittig ist – das betrifft im Wesentlichen nach wie vor das 

Verhalten des Beschuldigten A._____ auf der F._____strasse, namentlich seine 

Schussabgabe (Anklageziffer III./2. in Urk. 26 S. 4), – ist nachfolgend zu prüfen, 

ob die strittigen Punkte rechtsgenügend erstellt werden können.  

1.3 Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, namentlich der Würdigung von 

Aussagen, sowie zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten hat sich die Vorinstanz 

ausführlich und korrekt befasst; darauf kann ebenfalls verwiesen werden 

(Urk. 162 S. 16-18).  

-   10   - 

 

2. Aussagen des Beschuldigten A._____ 

2.1 Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten A._____ betrifft, so ist zu be-

rücksichtigen, dass er als direkt vom vorliegenden Strafverfahren Betroffener ein 

– durchaus legitimes – Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem 

für ihn günstigen Licht erscheinen zu lassen. Seine Aussagen sind daher mit be-

sonderer Vorsicht zu würdigen (vgl. bezüglich der abgegebenen Desinteresseer-

klärungen nachstehende Erwägung II. 3.1). In erster Linie massgebend ist aber 

der Inhalt der konkreten Aussagen.  

Die massgebenden Schilderungen des Beschuldigten rund um den Erwerb seiner 

Tatwaffe und das strittige Verhalten auf der F._____strasse sind vorliegend noch 

einmal zusammengefasst darzustellen.  

2.2 Der Beschuldigte A._____ wurde ein erstes Mal am 10. Juni 2009, einein-

halb Tage nach dem eingeklagten Vorfall, durch die Staatsanwaltschaft befragt 

(Urk. 5/1, Hafteinvernahme). Er erklärte, der Mitbeschuldigte E._____ sei ca. vor 

einem Monat und erneut ca. vor zwei Wochen ins Lokal "F._____" gekommen 

und habe ihn provoziert, mit ihm Streit gesucht, ihn gegen eine Wand geschubst 

und vor dem Weggehen gesagt, er komme wieder. Jedoch verneinte er, E._____ 

bei diesem früheren Vorfall mit einem Revolver angefallen und ihn damit am Kopf  

verletzt zu haben, räumte aber ein, einen Revolver, eine Magnum, zu besitzen. 

Diese fünfschüssige und geladene Waffe habe er samt Munition ca. vor zwei  

Monaten für Fr. 1'300.– bei einem Schwarzen in H._____ gekauft. Der Grund des 

Kaufes seien diese Probleme mit dem Mitbeschuldigten E._____ gewesen 

(Urk. 5/1 S. 3). Tagsüber habe er die Waffe eher in seinem Fahrzeug BMW X5 

aufbewahrt und abends dann in die Bar "F._____" mitgenommen und in einen 

Kasten hinter der Bar gelegt; dies, weil er Angst gehabt habe vor dem Mitbe-

schuldigten E._____ und weil dieser bei seinem zweiten Besuch gesagt habe, er 

würde eines Abends wieder kommen und ihn (A._____) töten. Er habe ihm 

(E._____) gesagt, er solle nur kommen (Urk. 5/1 S. 4).  

-   11   - 

Am Tatabend habe der Mitbeschuldigte E._____ ein Gespräch verweigert, gleich 

einen Revolver gezogen und ihn (A._____) damit auf den Kopf geschlagen, so 

dass er zu Boden gegangen sei und rücklings auf dem Boden gelegen habe. 

Dann habe E._____ drei- oder viermal geschossen und sei weggegangen. Als er  

(A._____) nach einem Moment am Boden aufgestanden sei, habe er gemerkt, 

dass er am Hals auf der linken Seite geblutet habe. Er habe an den Hals gefasst 

und das Blut auf der Hand gesehen. Er sei zu einem Spiegel im Korridor des Lo-

kals gegangen, habe sich dort angeschaut und gesehen, dass er ein Loch im Hals 

habe und stark blute. Danach sei er zu diesem Schrank hinter der Bar gegangen 

und habe seinen Revolver hervorgeholt. Der Mitbeschuldigte E._____ sei schon 

verschwunden gewesen. Er (A._____) sei dann nach draussen vor das "F._____"  

gegangen. Er sei sauer und wütend gewesen und nach rechts auf das Trottoir  

gerannt. Auf Höhe der gegenüberliegenden ...-Tankstelle habe er einmal mit dem 

Revolver in die Luft geschossen. Der Mitbeschuldigten E._____ sei etwa 50 bis 

60 Meter vor ihm am Rennen gewesen. Da ihm (A._____) klar gewesen sei, dass 

er den Mitbeschuldigten E._____ nicht einholen könne, habe er in die Luft ge-

schossen. Er sei wie im Schock gewesen und sei dann zurück zum Lokal 

"F._____" gegangen.  

Die Aussage des Zeugen I._____, wonach er (A._____) auf den Mitbeschuldigten 

E._____ geschossen habe, nachdem dieser zuerst auf ihn geschossen habe, stritt 

der Beschuldigte A._____ ab: Er habe nur einmal in die Luft geschossen, keines-

falls und nie direkt auf den Mitbeschuldigten E._____. Er bezeichnete es als sei-

nen grossen Fehler, E._____ hinterher gegangen zu sein (Urk. 5/1 S. 6).  

2.3 Anlässlich der delegierten Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 

22. Juni 2009 (Urk. 5/3) erklärte A._____ als Beschuldigter und Geschädigter auf 

Vorhalt seiner ersten Einvernahme vom 10. Juni 2009 (Urk. 5/1), er könne sich an 

seine damaligen Aussagen erinnern und habe die Wahrheit gesagt. Er halte  

vollumfänglich an seinen damaligen Aussagen fest (Urk. 5/3 S. 3).  

Auf die Herkunft seines Revolvers angesprochen blieb er dabei, diesen samt fünf 

Schuss Munition ca. zwei Monate oder auch etwas mehr vor der Tat für 

Fr. 1'300.– einem Schwarzen abgekauft zu haben. Er habe den Revolver nie  

-   12   - 

ausprobiert, aber sich bestätigen lassen, dass die Waffe neu sei. Als Grund für 

den Kauf der Waffe gab er an: "Einfach dass ich eine habe. Ich weiss es nicht." 

(Urk. 5/3 S. 8 f.).  

Der Beschuldigte bezeichnete es als richtig, dass der Mitbeschuldigte E._____ 

bereits ca. ein Monat vor dem Tatabend im Lokal gewesen sei und sich laut auf-

geführt habe. Er habe dem Mitbeschuldigten E._____ gesagt, er solle ruhig sein, 

ansonsten dürfe er sein Lokal nicht mehr betreten. Dies habe dann zum ersten 

Streit geführt. Der Mitbeschuldigte E._____ sei dann später nochmals ins Lokal 

gekommen und habe ihn (A._____) provoziert und ihm gesagt, er sei "ein kleiner 

Zwerg". Er (A._____) habe noch im Lokal das Gespräch mit dem Mitbeschuldig-

ten E._____ gesucht und habe versucht herauszufinden, weshalb er sich ihm ge-

genüber so verhalte. Sie hätten dann zusammen etwas diskutiert. Der Mitbe-

schuldigte E._____ habe dann plötzlich mit den Händen in sein Gesicht (in das 

Gesicht von A._____) gefasst und seinen Kopf gegen die Wand gedrückt. Darauf 

habe er den Mitbeschuldigten E._____ aufgefordert, sein Lokal sofort zu verlas-

sen. Dieser habe aber weiter Streit mit ihm gesucht und versucht, ihn mit einem 

Stuhl zu schlagen. Er (A._____) sei aber zu weit von diesem weg gestanden und 

so habe dieser es bei einer Drohung mit dem Stuhl belassen. Beim Weggehen 

habe E._____ ihm gedroht, dass er wieder kommen werde. Dieser zweite Vorfall 

sei ca. zwei Wochen vor der Schiesserei gewesen. Ob E._____ eine Waffe dabei 

gehabt habe, wisse er nicht. Zwischen ihm und dem Mitbeschuldigten E._____ 

habe es keine konkreten Probleme gegeben. E._____ sei wohl in seinem Stolz 

verletzt gewesen (Urk. 5/1 S. 9 f.).  

Draussen habe er nur einmal geschossen, und zwar – wie er mehrfach betonte – 

"so schräg in die Luft". Er habe nicht auf den Mitbeschuldigten E._____ gezielt. 

Hätte er gezielt, so hätte er diesen auch getroffen (Urk. 5/3 S.12). Er verneinte 

ausdrücklich, in seiner Wut auf den fliehenden E._____ gezielt und geschossen 

zu haben. Bei der Schussabgabe habe er den Revolver in der rechten Hand ge-

halten (Urk. 5/3 S. 13).  

2.4 Anlässlich der delegierten Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 

27. Juli 2009 (Urk. 5/4) wurden dem Beschuldigten A._____ diverse Zeugenein-

-   13   - 

vernahmen vorgehalten (Urk. 5/4). Zur Aussage des Zeugen J._____, er 

(A._____) habe in die Richtung von E._____ geschossen, meinte der Beschuldig-

te, er könne nur sagen, dass er bei der Schussabgabe keine Personen vor sich 

gesehen habe und er halte daran fest, schräg in die Luft bzw. gegen den Himmel 

gefeuert zu haben. Die Aussagen des Zeugen J._____ seien, mit Ausnahme der 

von diesem geltend gemachten Schussabgabe, richtig. Er bestreite an dieser 

Stelle nochmals, in Richtung von E._____ geschossen zu haben (Urk. 5/4 S. 6 f.). 

Zum Motiv des Mitbeschuldigten E._____, weshalb er ins Lokal "F._____" ge-

kommen sei, ergänzte der Beschuldigte, dieser sei wohl in seiner Ehre gekränkt 

gewesen (Urk. 5/4 S. 8). 

2.5  In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 9. September 2009 

(Urk. 5/5) konnte der Beschuldigte A._____ zu weiteren Zeugenbefragungen  

Stellung nehmen. Er führte u.a. aus, nachdem er dem Mitbeschuldigten E._____  

– infolge dessen lauten Verhaltens und aufgrund einer Beleidigung ihm (A._____) 

gegenüber durch Bezeichnung als "Stück Scheisse" vor den Gästen – ein Lokal-

verbot erteilt habe, habe E._____ gesagt, er werde wieder kommen. E._____ sei 

ca. zwei Wochen später wieder erschienen und er (A._____) habe das Lokalver-

bot wiederholt, worauf der Mitbeschuldigte E._____ sehr "hässig" geworden sei,  

seinen (A._____s) Kopf genommen und diesen gegen die Wand gestossen habe. 

Der Begleiter des Mitbeschuldigten E._____ sei auch in seine Nähe gekommen. 

Er (A._____) sei dann in Richtung Bar bzw. hinter die Bar gegangen. Der  

Mitbeschuldigte E._____ habe vor der Bar gestanden, einen Hocker genommen 

und versucht, ihn mit dem Hocker zu schlagen. 

Er (A._____) habe dann seinen Revolver hervorgenommen, der wie üblich im Buf-

fet gewesen sei, und habe damit nicht so fest, er wisse nicht wievielmal, auf den 

Kopf des Mitbeschuldigten E._____ geschlagen. Die Waffe sei zu diesem Zeit-

punkt nicht geladen gewesen. Er habe die Waffe ca. eine Woche später geladen, 

sie zuerst im Keller und dann im Buffet hinter der Bar deponiert (Urk. 5/5 S. 4).  

2.6 Am 19. Oktober 2009 fand eine Konfrontationseinvernahme des Beschuldig-

ten A._____ und des Mitbeschuldigten E._____ statt (Urk. 5/6). Der Beschuldigte 

wiederholte, dass E._____ sowohl beim ersten als auch beim zweiten Vorfall, als 

-   14   - 

es zum Schlag mit dem Revolver auf den Kopf von E._____ kam, aufgrund der 

früheren Geldleihe nur via K._____ laut gewesen sei, provoziert und Streit ge-

sucht habe. Er wiederholte auch, (beide Male) ein Lokalverbot gegenüber 

E._____ ausgesprochen zu haben, worauf dieser gemeint habe, dass ihm nie-

mand ein Lokalverbot geben könne. Weiter bestätigte der Beschuldigte A._____, 

dass er beim zweiten Vorfall – nachdem der Mitbeschuldigte E._____ ihn gestos-

sen habe –hinter der Bar seinen Revolver geholt und hinten in den Hosenbund 

gesteckt habe. Der Mitbeschuldigte E._____ habe dann einen Stuhl aufgenom-

men. Er (A._____) wisse nicht, wie es dann zum Schlag gekommen sei. Zwischen 

ihnen seien ja noch Leute gewesen. Er selbst habe aber nicht bemerkt, dass er 

den Mitbeschuldigten E._____ geschlagen habe. Wenn dieser es aber so sage, 

werde es wohl so gewesen sein. Es sei ein schwieriger Moment für ihn (A._____) 

gewesen. Er habe (danach) den Revolver in den Keller getan und habe ihn dort 

über Nacht aufbewahrt, teils auch im Auto (Urk. 5/6 S. 3).  

Zum Tatabend nach erlittener Schussverletzung schilderte er, wie er vom Boden 

aufgestanden sei, sich im Spiegel betrachtet und das Loch in seinem Hals  

gesehen habe, erschrocken gewesen sei und seine Waffe von hinter der Bar ge-

nommen und auf die Strasse hinausgegangen sei (Urk. 5/6 S. 4 f.). Er habe den 

Mitbeschuldigten E._____ auf der Strasse verfolgt, es sei ein Rennen gewesen. 

Er wisse nicht, was er (A._____) eigentlich gewollt habe. Beim Rennen habe er 

ein schlechtes Gefühl am ganzen Körper gehabt. Er habe dann einen Schuss ge-

hört. Er sei sich zu 100 % sicher, dass der Mitbeschuldigte E._____ auf der 

Strasse zuerst geschossen habe. Er (A._____) habe nur einen Schuss von 

E._____ gehört. Nach den beiden Schüssen sei er dann wieder wach geworden, 

vorher sei er wie im Schock gewesen. Er habe bisher angenommen, dass er in 

die Luft geschossen habe. Der Zeuge sei aber dort gewesen. Er (A._____) bleibe 

aber dabei, dass er nicht auf den Mitbeschuldigten E._____ habe schiessen wol-

len. Ob E._____ auf ihn gezielt habe, wisse dieser besser als er. Auf die Ergän-

zungsfrage des Beschuldigten A._____, ob E._____ gesehen habe, ob er 

(A._____) auf diesen gezielt habe, antwortete E._____, er habe so etwas nicht 

gesehen. Der Beschuldigte A._____ ergänzte, in seinem Zustand habe er gar 

-   15   - 

nicht mehr zielen können; er habe auch sehr viel Blut verloren gehabt. Er habe 

nicht auf den Mitbeschuldigten E._____ schiessen wollen (Urk. 5/6 S. 7).  

Auf Fragen des amtlichen Verteidigers des Mitbeschuldigten E._____, Rechts-

anwalt Dr. Y._____, erklärten E._____ und der Beschuldigte A._____ überein-

stimmend, dass sie draussen beim Schusswechsel nicht weit voneinander  

entfernt gestanden hätten und (sinngemäss) dass sie den anderen – wenn sie 

gezielt hätten und wenn es gewollt gewesen wäre – schon getroffen hätten 

(Urk. 5/6 S. 8 f.).  

2.7 Am 1. Juni 2010 bei der Schlusseinvernahme mit Anklagevorhalt macht der 

Beschuldigte A._____ auf Empfehlung seines Anwaltes von seinem Aussagever-

weigerungsrecht Gebrauch (Urk. 5/7). 

2.8 Schliesslich hielt der Beschuldigte A._____ anlässlich der Hauptverhandlung 

vom 30. August 2011, als er gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten E._____  

befragt wurde (Urk. 143), grundsätzlich und im Wesentlichen an seinen bisherigen 

Ausführungen fest. Er bestätigte noch einmal aus seiner Sicht die Vorgeschichte, 

wie der Mitbeschuldigte E._____ nach der für den Streit ursächlichen Geldleihe 

zweimal ins Lokal "F._____" gekommen sei und ihn dabei provoziert habe, wie er 

diesem bereits bei seinem ersten Besuch im Lokal "F._____" Lokalverbot erteilt 

habe, wie beim zweiten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten von anfangs 

Mai 2009 der Mitbeschuldigte E._____ zuerst den Hocker in die Hände genom-

men habe, bevor er (A._____) den Revolver hinter der Bar geholt habe (Urk. 143 

S. 14 ff.).  

Den Revolver – so erklärte der Beschuldigte nunmehr – habe er sich ca. ein Jahr 

vor dem Tatabend beschafft, als vis-à-vis bei der Tankstelle eine Frau ange-

schossen worden sei. Deshalb habe er Angst gehabt. Er sei oft spät allein in der 

Bar gewesen. Er habe lange Zeit den Revolver nicht mehr zu sich genommen 

(Urk. 143 S. 17). Auf Vorhalt seiner Aussagen in der Einvernahme vom 10. Juni 

2009 (Urk. 5/1), wonach er den Revolver vor ca. zwei Monaten wegen der  

Probleme mit E._____ gekauft und – damit die Familie nichts davon erfahre – im 

Auto aufbewahrt habe, dass E._____ beim zweiten Besuch gesagt habe, er  

-   16   - 

komme wieder und würde ihn (A._____) töten und er (A._____) E._____ geant-

wortet habe, er solle nur kommen, ferner dass er (A._____) aus Angst vor 

E._____ die Waffe im Kasten hinter der Bar aufbewahrt habe, führte der Beschul-

digte A._____ aus, dass es nicht stimme, dass er den Revolver zwei Monate zu-

vor gekauft habe. Er habe vielleicht den Revolver zwei Monate vorher vom Keller 

hinaus in die Bar geholt. Die andern Aussagen in der Einvernahme (Urk. 5/1) sei-

en richtig. Weiter bestätigte der Beschuldigte auf entsprechende Frage, dass der 

Revolver, als er E._____ Anfang Mai 2009 damit geschlagen habe, nicht geladen 

gewesen sei, dass er ihn etwa eine Woche später geladen habe – mithin etwa 

noch in der ersten Maihälfte 2009 (Urk. 143 S. 18).  

Darauf angesprochen, ob er bemerkt habe, dass ihn eine Kugel getroffen habe, 

antwortete der Beschuldigte A._____, es sei nicht die gleiche Situation wie vorher 

gewesen. Er habe ein komisches Gefühl am Körper gehabt. Er sei dann aufge-

standen, es sei sehr schlecht gegangen. Er habe das Blut auf der linken Seite  

gesehen und sei dann zum Spiegel gegangen, wo er das Loch an seiner linken 

Halsseite gesehen habe. Daraufhin habe er den Revolver genommen und sei 

nach draussen gegangen. Dann könne er sich nicht mehr erinnern, was gesche-

hen sei. Er sei komisch gerannt, habe keine Kraft gehabt. Als er das Loch im Hals 

gesehen habe, habe er gedacht, "er sei fertig", er werde sterben (Urk. 143 S. 25). 

Es sei ein Fehler gewesen, dass er sich nicht um die Verletzung gekümmert, son-

dern die Waffe geholt habe. Auf seine damaligen Empfindungen angesprochen, 

nannte er starke Schmerzen. Er habe immer gedacht, dass er in die Luft ge-

schossen habe. Gegenüber dem Mitbeschuldigten E._____ habe er ein schlech-

tes Gefühl gehabt. Er habe einige Sekunden nach E._____ mit der Waffe das Lo-

kal verlassen. Was passiert sei, als er mit der Waffe das Lokal "F._____" verliess, 

daran erinnere er sich nicht mehr genau. In seinem Kopf sei es so gewesen, dass 

er (A._____) irgendwie in die Luft geschossen habe (Urk. 143 S. 26 und 31). Was 

er in dem Moment gedacht habe, möge er sich nicht mehr erinnern. Es sei wohl 

richtig, wie er dies bereits gegenüber dem Gutachter erklärt habe, dass es am 

ehesten so gewesen sei, dass er gegenüber dem Mitbeschuldigten E._____ keine 

Schwäche habe zeigen wollen, ihm habe demonstrieren wollen, dass er stark sei 

und sich einen solchen Angriff nicht bieten und sich nicht einschüchtern lasse. 

-   17   - 

Dies, weil E._____ ihn in seiner Bar, seinem intimsten Territorium, angegriffen 

habe (Urk. 143 S. 26 f.; vgl. Urk. 100 S. 7 und 9). Ferner schilderte der beschul-

digte A._____, den Schuss E._____s gehört, diesen bzw. dessen Waffe aber 

nicht gesehen zu haben. Auf die Frage, was er mit seiner Schussabgabe gewollt 

habe, bemerkte er, damals keine Zeit gehabt zu haben, sich das zu überlegen. Er 

habe viel Blut verloren. Es wäre eine Katastrophe gewesen, hätte er den Mitbe-

schuldigten E._____ getroffen (Urk. 143 S. 31). Er wisse nicht, ob bei seiner 

Schussabgabe die Möglichkeit bestanden habe, dass er E._____ treffe. Danach 

gefragt, wer zuerst geschossen habe, erklärte der Beschuldigte nun lediglich, er 

habe draussen einen Schuss gehört (Urk. 143 S. 32).  

2.9 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 10. Dezember 2012 hielt der 

Beschuldigte betreffend den Erwerb seiner Tatwaffe wiederum fest, dass es in 

H._____, in der Nähe seines Wohnortes, eine Situation mit einer Frau bei einer 

Tankstelle gegeben habe. Hierauf habe er entschieden, dass er eine Waffe kaufe. 

Auf Vorhalt, dass er in der Untersuchung noch gesagt habe, dass der Grund für 

den Waffenkauf die Probleme mit E._____ gewesen sei, hielt er fest, dass dies 

auch zutreffe. Er habe die Waffe jeweils aus dem Keller geholt, wenn er im 

"F._____" gearbeitet habe und nicht aus dem Auto (Urk. 188 S. 6). Bezüglich sei-

nes bisherigen Umgangs mit Schusswaffen hielt der Beschuldigte neu fest, dass 

er im Militär in einer Spezialeinheit gedient habe und ein sehr guter Pistolenschüt-

ze gewesen sei. Weshalb er nach seiner Verletzung zum Revolver gegriffen und 

E._____ verfolgt habe, wisse er aber auch nicht. Er sei schwer verletzt gewesen 

(Urk. 188 S. 7). Er denke, dass E._____ auf der F._____strasse als erster das 

Feuer eröffnet habe, wisse dies aber nicht mehr genau. Er habe aber weder ge-

sehen wie, wohin oder womit E._____ geschossen habe bzw. wo dieser bei der 

Schussabgabe gestanden habe. Er erinnere sich auch nicht mehr daran, wie und 

wohin er selbst geschossen habe. Er habe früher gesagt, dass er in die Luft ge-

schossen habe. Dies sei seine Interpretation gewesen. Vielleicht sei es auch ganz 

anders gewesen. Er glaube jedoch nicht, dass er auf E._____ gezielt habe, aber 

er wisse auch das nicht mehr genau. Er habe unter Schock gestanden. Er wisse 

auch nicht mehr weshalb er überhaupt geschossen habe. Vielleicht sei es aus 

Wut gewesen (Urk. 188 S. 8). Es könne schon sein, dass die Aussagen des Zeu-

-   18   - 

gen J._____ stimmen, nach welchen er fast wie im Schiessstand auf E._____ ge-

zielt habe, J._____ sei aber der einzige von 30 Leuten gewesen, der dies ausge-

sagt habe und er wisse nicht, wie J._____ das hätte sehen können (Urk. 188 S. 9 

f.). 

3. Aussagen des Mitbeschuldigten E._____ 

3.1 Bezüglich der grundsätzlichen Glaubwürdigkeit des Mitbeschuldigten  

E._____ ist primär mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass er seine Aus-

sagen immer als Beschuldigter im Parallelverfahren SB120130 machte, auch 

wenn er im vorliegenden Verfahren als Geschädigter zu betrachten ist. Daher ist 

zu berücksichtigen, dass er als direkt Betroffener ein – durchaus legitimes –  

Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für ihn günstigeren Licht 

erscheinen zu lassen, weshalb seine Aussagen mit besonderer Vorsicht zu  

würdigen sind. Hinzuweisen ist anderseits aber auch auf die Desinteresse-

erklärung des Mitbeschuldigten E._____ vom 9. August 2010 (SB120130 Urk. 31) 

zugunsten des Beschuldigten A._____. Diese legitime Erklärung seitens des  

Mitbeschuldigten E._____, welche zwar erst nach Anklageerhebung beim  

Obergericht des Kantons Zürich, Anklagekammer, eingereicht wurde, wird wohl 

bereits in einem früheren Untersuchungsstadium das Aussageverhalten des  

Mitbeschuldigten E._____ beeinflusst haben. Ebenso hat auch der Beschuldigte 

A._____ sein Desinteresse an der Bestrafung von E._____ erklärt (Urk. 30 S. 4).  

Daraus kann geschlossen werden, dass keiner der Beschuldigten geneigt war, 

den anderen übermässig zu belasten. Diese möglichst den anderen schonende 

Haltung hat sich bei verschiedenen Aussagen in der Untersuchung und vor den 

Gerichtsinstanzen gezeigt. Gemäss ihren Bekundungen bestehen keine negati-

ven Gefühle (mehr) zwischen den beiden (vgl. Urk. 143 S. 13). Massgebend sind 

indessen auch hier die konkreten sachbezüglichen Aussagen.  

3.2 Zum Verhalten des Beschuldigten A._____ draussen auf der F._____-

strasse hat der Mitbeschuldigte E._____ folgendermassen ausgesagt:  

3.2.1  Zunächst nahm er bei der Polizei am 9. Juni 2009 den Standpunkt ein,  

A._____ sei ihm nachgerannt und habe auf der Strasse auf ihn geschossen bzw. 

-   19   - 

hinter ihm nachgeschossen. Er habe die Pistole gesehen und die Schüsse  

– einen oder zwei – gehört. Wie A._____ geschossen habe, habe er nicht gese-

hen. Er sei hundert oder zweihundert Meter gerannt und habe sich dann hinter ei-

nem Betonpfosten versteckt. A._____ habe ganz bestimmt in seine Richtung ge-

schossen. Er wisse es nicht. Ob er das Mündungsfeuer an A._____s Waffe gese-

hen habe, wusste E._____ ebenfalls nicht (Urk. 6/1 S. 8 und 13 f.).  

3.2.2  Anlässlich der Hafteinvernahme vom gleichen Tag wiederholte der Mitbe-

schuldigte diese Darstellung im Wesentlichen, wobei er von einer Schussabgabe 

des Beschuldigten A._____ auf ihn sprach (Urk. 6/2 S. 5).  

3.2.3  In der delegierten Einvernahme bei der Kantonspolizei Zürich vom 30. Juni 

2009 (Urk. 6/3) blieb er dabei, den durch A._____ abgefeuerten Schuss nicht  

gesehen, sondern einfach gehört zu haben, da er ja gerannt sei. Er wisse deshalb 

nicht, ob dieser in seine Richtung oder aber einfach in die Luft geschossen habe 

(Urk. 6/13 S. 13 f.).  

3.2.4  Am 16. Juli 2009 liess der Mitbeschuldigte E._____ dann durch seinen amt-

lichen Verteidiger nachfolgende Stellungnahme zu Protokoll geben (Urk. 6/4 S. 3):  

"Draussen auf der Strasse habe E._____ unter dem Eindruck  
gehandelt, dass A._____ gezielt auf ihn schiesse und er deshalb in  
Lebensgefahr sei. Andererseits habe er verstanden, dass A._____ 
über den Vorgang im Lokal furchtbar empört sein musste. E._____ ha-
be dann nicht gegen den Himmel geschossen, aber er habe von 
A._____ etwas weg gezielt, um ihn nicht zu treffen. Er wollte den Ein-
druck erwecken, dass er bereit sei voll zurückzuschiessen. […]" 

Auf entsprechende Frage bestätigte der Mitbeschuldigte E._____ ausdrücklich, 

dass er mit dem von seinem amtlichen Verteidiger soeben Vorgetragenen ein-

verstanden sei, und fügte an, er habe bei der Unterführung nicht als Erster ge-

schossen, habe aber auch nicht gesehen, wie der Beschuldigte A._____ geschos-

sen habe. Er sei am Rennen gewesen. Er habe den Schuss jedoch gehört und 

auch gesehen, wie der Beschuldigte A._____ auf ihn gezielt habe. Auf den Wider-

spruch hingewiesen, er habe eben gesagt, er habe es nicht gesehen, weil er am 

Rennen gewesen sei, erklärte der Mitbeschuldigte E._____, er habe gesehen, 

-   20   - 

dass der Beschuldigte A._____ ihm hinterher renne und dass er seine Waffe in 

seine Richtung gehalten habe. Er habe versucht, irgendwo in Deckung zu gehen 

(Urk. 6/4 S. 3 f.).  

3.2.5  In der Konfrontationseinvernahme vom 19. Oktober 2009 (Urk. 6/9) blieb 

der Mitbeschuldigte E._____ dabei, nicht gesehen zu haben, dass A._____ auf 

ihn schoss, sondern es nur gehört zu haben (Urk. 6/9 S. 6). Bis zur Schlussein-

vernahme vom 28. Mai 2010 hatte der Mitbeschuldigte E._____ behauptet, der  

Beschuldigte A._____ habe den ersten Schuss abgegeben. In der Schlussein-

vernahme hat er den Vorhalt, er selbst habe auf der Strasse zuerst geschossen, 

weder explizit anerkannt noch verneint (Urk. 6/11 S. 6).   

3.2.6  Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 30. August 2011 

(Urk. 143) wurde der Mitbeschuldigte E._____ gemeinsam mit dem Beschuldigten 

A._____ noch einmal ausführlich zur Sache befragt. Dabei hielt E._____ grund-

sätzlich und im Wesentlichen an seinen bisherigen Ausführungen fest. Hinsicht-

lich des Verhaltens des Beschuldigten A._____ auf der Strasse führte er erneut 

aus, nicht gesehen zu haben, wie dieser geschossen habe. Er wisse nur, dass 

der Beschuldigte A._____ zuerst geschossen habe. Er könne nicht sagen, wie der  

Beschuldigte A._____ die Waffe gehalten habe. Für ihn sei auch gar nicht so 

wichtig, wer zuerst geschossen habe. Wichtig sei nur, dass beide noch am Leben 

seien. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt E._____ betreffend die Schussabgabe 

des Beschuldigten A._____ sodann erneut fest, dass er, als er auf der 

F._____strasse gewesen sei, den Beschuldigten plötzlich mit einer Waffe hinter 

sich habe rennen sehen. Als er mit dem Rücken zu diesem gelaufen sei, habe der 

Beschuldigte als erster das Feuer eröffnet. Er habe jedoch nicht gesehen wie und 

wohin der Beschuldigte geschossen bzw. wo dieser bei der Abgabe des Schus-

ses gestanden habe (Urk. 187 S. 12 ff.). 

4. Zeugenaussagen betreffend die Geschehnisse auf der F._____strasse  

Hinsichtlich der Zeugen, die alle zufällig anwesend waren, weder den Beschuldig-

ten A._____ noch den Mitbeschuldigten E._____ kennen und somit als neutrale 

-   21   - 

sowie unbeteiligte Personen anzusehen sind, hat die Vorinstanz richtigerweise 

keinerlei Einschränkung der Glaubwürdigkeit konstatiert (Urk. 162 S. 61, 64, 67, 

71, 72; Art. 82 Abs. 4 StPO). Deren Schilderungen finden sich ausführlich im an-

gefochtenen Urteil (Urk. 162 S. 61-74) und sind hier – soweit für die Beurteilung 

des Tatverhaltens des Beschuldigten A._____ relevant – nochmals zu beleuch-

ten.  

 

4.1 Zeuge L._____  

4.1.1  Anlässlich der Einvernahme am 8. Juni 2009 bei der Kantonspolizei Zürich 

(Urk. 7/8) beschrieb L._____, wie der Mitbeschuldigte E._____ links an seinem 

Auto schnell vorbei gerannt sei, wie wenn er gejagt werde. E._____ sei dann  

unmittelbar vor der Kühlerhaube seines Autos stehen geblieben, habe die 

Schusswaffe hochgehalten und dann "in allgemeiner Richtung des Trottoirs"  

gezielt, also diagonal über seine Kühlerhaube. E._____ habe einmal geschossen 

und sich danach geduckt. Gleichzeitig habe er (L._____) rechts von seinem Fahr-

zeug einen zweiten Mann – den Beschuldigten A._____ – bemerkt, der angerannt 

gekommen sei und sich geduckt habe. Er sei sich nicht sicher, aber er habe das 

Gefühl gehabt, dass hinter ihm auch geschossen worden sei. Er habe sich auch 

von hinten bedroht gefühlt, Angst gehabt und sei weggefahren.  

4.1.2  Als Zeuge deponierte L._____ in Einzelheiten seine Beobachtung zur 

Schussabgabe des Mitbeschuldigten E._____, der direkt vor seiner Kühlerhaube 

stand (Urk. 7/9 S. 3). Ebenfalls bestätigte der Zeuge die Anwesenheit eines  

zweiten Mannes. Dieser sei auf dem Trottoir auf der Autoseite gerannt. Es habe 

so ausgesehen, als ob jener sich nach unten gekauert habe, während er gerannt 

sei. Es habe so ausgesehen, als ob er sich verstecken wolle. Es sei für ihn klar 

gewesen, das diese beiden kommuniziert hätten. Er habe Schüsse gehört, könne 

sich aber nicht erinnern wieviele und ob er einen Schuss nach der Schussabgabe 

durch E._____ gehört habe (Urk. 7/9 S. 4).  

 

-   22   - 

4.2 Zeuge J._____ 

4.2.1  J._____ erschien am 9. Juni 2009, 07.30 Uhr, freiwillig bei der Quartierwa-

che … der Stadtpolizei Zürich, um eine Aussage zu deponieren, von Beobachtun-

gen, die er am Abend zuvor als Automobilist auf dem Nachhauseweg bei der 

Schiesserei auf der F._____strasse gemacht hatte (Urk. 7/10). Anlässlich der Ein-

vernahme schilderte er, wie er am Tatabend bei stockendem Kolonnenverkehr auf 

der F._____strasse zuerst den Mitbeschuldigten E._____ (aus der Bar) heraus-

rennen gesehen habe und darauf durch das rechte Seitenfenster einen zweiten 

Mann, den Beschuldigten A._____. Dessen linke Gesichtshälfte sei blutüber-

strömt gewesen. Dieser sei am Auto vorbei gerannt und er (J._____) habe gese-

hen, wie der zweite Mann (A._____) ebenfalls eine Waffe, einen silberfarbenen 

grossen Revolver, getragen habe. Der Beschuldigte A._____ sei stadtauswärts 

gerannt. Nach der Unterführung habe es ein Lichtsignal, dort habe er (J._____) 

den Mitbeschuldigten E._____ quer über die Strasse rennen sehen. Er (J._____) 

habe zurück zum Beschuldigten A._____ geschaut und ihn auf der Strasse vor 

den Tramschienen etwa in der Mitte der Unterführung stehen sehen. Er habe ge-
sehen, wie der Beschuldigte A._____ mit seiner Waffe in die Richtung des 
Mitbeschuldigten E._____ gezielt und geschossen habe. Er (J._____) habe 
das Mündungsfeuer und das Fallenlassen der Waffe durch den Beschuldig-
ten A._____ gesehen. Anschliessend habe dieser sich gebückt und sich dabei 
nach hinten links nach der auf dem Boden liegenden Waffe gedreht, diese mit der 

linken Hand aufgenommen und sie wieder in die rechte Hand zurück gewechselt. 

Er (J._____) wisse nicht genau, meine aber, dass der Mitbeschuldigte E._____ 

vor der Schussabgabe durch den Beschuldigten A._____ bereits geschossen ha-

be. Er sei sich aber nicht sicher, weil sich seine Aufmerksamkeit auf den Beschul-

digten A._____ gerichtet habe. Als dieser auf den Mitbeschuldigten E._____ ge-

schossen habe, sei er (J._____) mit seinem Fahrzeug gestanden, da E._____ 

den Verkehr "sozusagen vier Wagen" vor ihm blockiert habe. Er könne nicht sa-

gen, ob der Beschuldigte A._____ von einem Schuss getroffen worden sei (Urk. 

7/10 S. 3 f.). Der Beschuldigte habe die Arme ausgestreckt gehalten und ge-
zielt. Die Waffe sei ihm dann aus der Hand gefallen, jedoch nicht unmittelbar 
nach dem Schuss (Urk. 7/10 S. 4).  

-   23   - 

4.2.2  Am 16. Juli 2009 erfolgte die Befragung von J._____ als Zeuge bei der 

Staatsanwaltschaft, anlässlich welcher er zunächst die bei der Polizei gemachten 

Aussagen als richtig bestätigte und anschliessend den Tatablauf nochmals ein-

lässlich wie folgt schilderte (Urk. 7/11): Auf der Höhe des Lokals "F._____" habe 

er verkehrsbedingt anhalten müssen und den Mitbeschuldigten E._____ aus dem 

Lokal "F._____" stürmen sehen. Dieser habe sich dann stadtauswärts in Richtung 

Unterführung begeben. Er (J._____) sei (im Auto) etwas langsamer als der Mitbe-

schuldigte E._____ gewesen, dieser habe sich daher etwas von ihm entfernen 

können. Er habe E._____ beobachten können. Dann sei der Beschuldigte 

A._____, auf der linken Halsseite blutüberströmt, mit einer silbernen Waffe, bei 

seinem rechten Fenster in sein Sichtfeld gekommen. A._____ sei ebenfalls in 

Richtung Unterführung gegangen. Der Mitbeschuldigte E._____ sei nach der Un-

terführung auf die Strasse getreten und habe den Verkehr blockiert. Der Beschul-

digte A._____ sei im Bereich der Unterführung stehen geblieben. Er (J._____) sei 

kurz vor der Unterführung gewesen. Der Beschuldigte A._____ sei rechts vor ihm 

ca. zehn Meter entfernt auf dem Trottoir gewesen. Er wisse nicht, weshalb der 

Beschuldigte A._____ auf dem Trottoir stehen geblieben sei, es könne aber sein, 

dass der Mitbeschuldigte E._____ einen Schuss abgegeben habe. Er habe nur 
den Oberkörper von E._____ gesehen. Er habe gut gesehen, wie der Be-
schuldigte A._____ auf E._____ geschossen habe, auch das Mündungsfeuer 
habe er gesehen. Der Beschuldigte A._____ habe mit seiner Waffe auf 
E._____ und nicht gegen den Boden oder gegen den Himmel gezielt. Er  
habe die Waffe mit waagerecht ausgestrecktem Arm gehalten und auf 
E._____ geschossen. Er habe ca. zwei bis drei Sekunden gezielt. Fast so wie 
auf dem Schiessstand, wo man genau ziele, sei es ihm (J._____) vorgekom-
men. Er habe grosse Angst gehabt, dass er von einem Querschläger getroffen 

werde, denn er habe in der Kolonne nicht viel machen können. Die beiden Män-

ner seien bei den Schussabgaben ca. 20 Meter voneinander entfernt gestanden. 

Auch fügte der Zeuge wiederum detailliert an, wie dem Beschuldigte A._____ die 

Waffe auf den Boden gefallen sei, nicht unmittelbar nach der Schussabgabe, 

quasi von einem Rückstoss oder so, sondern einige Sekunden danach, und wie 

er sie wieder aufnahm (Urk. 7/11 S. 3 f.). 

-   24   - 

Beide Männer seien danach nach rechts in die gleiche Richtung weggegangen. Er 

sei dann weitergefahren und habe keinen der Männer wiedergesehen. Auf ent-

sprechende Frage bestätigte der Zeuge J._____, er glaube, dass der Mitbeschul-

digte E._____ zuerst geschossen habe. Er habe auch "etwas gehört". Er könne 

aber nicht mit Sicherheit sagen, dass E._____ geschossen habe, bevor der Be-

schuldigte A._____ in der von ihm beschriebenen Weise geschossen habe (Urk. 

7/11 S. 4). Auf Ergänzungsfrage des damaligen Verteidigers des Beschuldigten 

A._____, Rechtsanwalt Dr. Z._____, führte der Zeuge abschliessend auf die Fra-

ge, ob er im Moment, als der Beschuldigte A._____ geschossen habe, E._____ 

gesehen habe, aus, er habe vor allem auf den Beschuldigten A._____ ge-
schaut. Dies, weil er näher gewesen sei und aktiv etwas gemacht, nament-
lich gezielt habe. Er habe E._____ schon gesehen und gesehen, dass der Be-
schuldigte auf diesen zielte. Er habe dann aber wieder seine Aufmerksamkeit 
auf den Beschuldigten A._____, gerichtet (Urk. 7/11 S. 5).   

4.3 Zeuge B._____ 

4.3.1  B._____ wurde noch am Tatabend am 8. Juni 2009 von der  

Kantonspolizei Zürich zur Sache befragt (Urk. 7/12). Er gab an, er sei vom Hotel 

M._____ her die F._____strasse, auf der rechten Seite, stadteinwärts gegangen, 

als er auf der Höhe der Unterführung einen Knall wahrgenommen habe. Er habe 

zuerst gedacht, dass dieser von einem Motorrad stamme, und sei dann weiter in 

Richtung ... Tankstelle gegangen. Dann habe er einen zweiten Knall gehört, wel-

chen er als Schuss wahrgenommen habe. Er habe auf der anderen Strassenseite 

einen schwarz gekleideten Mann (E._____) wahrgenommen, welcher in Richtung 

Unterführung gerannt sei. Dahinter sei diesem ein zweiter Mann mit einem weis-

sen Oberteil (A._____) und mit gezogener, respektive hochgehaltener Waffe ge-

folgt.   

B._____ konnte hauptsächlich zum Mitbeschuldigten E._____ viele Beobachtun-

gen machen und Einzelheiten beschreiben. So hatte er u.a. mitbekommen, wie 

der Mitbeschuldigte E._____ auf der Strasse vor einem Auto gestanden und über 

das Auto hinweg auf den Beschuldigten A._____ geschossen habe. E._____ ha-

be er mit Sicherheit schiessen gesehen, wobei B._____ allerdings von mehreren 

-   25   - 

Schussabgaben E._____s sprach. B._____ konnte indessen nicht sagen, ob auch 

der Beschuldigte A._____ geschossen und wer den letzten Schuss abgegeben 

habe, da er sich zu diesem Zeitpunkt in Deckung befunden habe (Urk. 7/12 S. 3). 

Als er einige Sekunden später wieder hervorschaute, konnte er aber sehen, wie 

der Beschuldigte A._____ seine Waffe aufhob. Dabei sei ihm auch dessen Verlet-

zung am Hals aufgefallen. Der Beschuldigte A._____ habe sich (danach) umge-

dreht und sei wieder zurückgegangen (Urk. 7/12 S. 2 f.).  

4.3.2  In der Zeugeneinvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 13. Juli 2009 

(Urk. 7/13) bestätigte B._____ vorab die gegenüber der Polizei am 8. Juni 2009 

gemachten Aussagen als richtig (Urk. 7/13 S. 2). Weiter führte er aus, er sei am 

Tatabend zu Fuss auf der F._____strasse unterwegs gewesen, und zwar in Rich-

tung Innenstadt. Als er die Unterführung erreicht habe, habe er einen Knall ge-

hört. Zu diesem Zeitpunkt sei dort ein Motorrad durchgefahren und er habe zuerst 

gedacht, dass es sich beim Knall um eine Fehlzündung des Motors gehandelt ha-

be. Er sei weitergegangen und habe einen zweiten Knall gehört. Er habe dann auf 

die gegenüberliegende Fahrbahnseite geschaut und habe E._____ weglaufen se-

hen, A._____ mit gezogener Waffe hinterher. Beide Männer seien gerannt. Den 

Abstand zwischen den Männern schätzte der Zeuge auf ca. 15 Meter. 

Wieder umriss der Zeuge eine gezielte Schussabgabe von E._____ direkt auf den 

Körper von A._____. Dabei sei auch der Querschläger erfolgt, der knapp an sei-

ner (B._____s) Brust vorbeigegangen sei. Dies habe er nicht nur gehört, sondern 

auch gespürt. Der Querschläger sei an ihm vorbei "gewubbert". Weiter präzisierte 

er seine Aussagen vor der Polizei. Zudem erneuerte der Zeuge seine Aussage, 

dass er den Beschuldigten A._____ nicht habe schiessen sehen und er nicht wis-

se wer – der Mitbeschuldigte E._____ oder der Beschuldigte A._____ – den letz-

ten Schuss abgegeben habe, dass er aber gesehen habe, wie der Beschuldigte 

A._____ seine Waffe vom Boden wieder aufgehoben habe. Als dieser sich aufge-

richtet habe, habe er (B._____) entdeckt, dass der Beschuldigte A._____ am Hals 

verletzt sei. Es sei korrekt, dass es beim vorletzten Schuss zum Querschläger ge-

kommen sei. Dieser Schuss sei sicher vom Mitbeschuldigten E._____ abgegeben 

-   26   - 

worden, weil der Querschläger ansonsten nicht an ihm (B._____) hätte vorbeiflie-

gen können. 

4.4 Zeuge I._____ 

4.4.1  Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 8. Juni 2009 (Urk. 7/18) schil-

derte I._____, er, sein Sohn N._____ und dessen Mutter (Zeugin O._____) seien 

zu Fuss auf dem rechten Trottoir der F._____strasse in Richtung H._____platz 

gelaufen. Die Autos auf der F._____strasse hätten sich gestaut und er habe be-

merkt, dass auf der Spur unter der Bahnunterführung ein schwarzes Auto gestan-

den habe und "da irgendein Cabaret" gewesen sei. Damit meine er, dass ein 

Mann vor der Motorhaube gestanden und ein zweiter Mann diesen verfolgt habe. 

Der Mann vor der Motorhaube habe ein schwarzes Oberteil getragen (unbestritten 

der Mitbeschuldigte E._____), der Verfolger ein weisses (unbestritten der Be-

schuldigte A._____). Auf einmal habe es geknallt und ihnen seien Betonstücke 

oder Verputz der Bahnunterführung entgegengeflogen. Da habe er bemerkt, dass 

geschossen werde. Aufgrund seiner Position gehe er davon aus, dass die glaub-

lich zwei Schüsse vom Mitbeschuldigten E._____ abgefeuert worden seien. Er 

meine, es seien zwei Schüsse in ihre Richtung gewesen, es könne aber auch nur 

einer gewesen sein. Er habe davon Verputz oder Beton ins Gesicht bekommen, 

sei aber nicht verletzt worden (Urk. 7/18 S. 1 f.).  

Der Beschuldigte A._____ habe dann zurückgeschossen. Er (I._____) sei dann 

durch eine wild gestikulierende Drittperson etwas abgelenkt gewesen und habe 

seinen Blick zwischen den beiden Kontrahenten und dem Dritten hin und her 

schweifen lassen. Auf jeden Fall habe er gesehen, dass der Beschuldigte 
A._____, nachdem der Mitbeschuldigte E._____ auf ihn geschossen habe, eben-
falls seine Waffe in Richtung von E._____ abgefeuert habe. Gefühlt seien es 
zwei Schüsse gewesen, er könne es aber nicht genau sagen. Was er aber mit  

Bestimmtheit sagen könne, sei, dass beide geschossen hätten. Nach E._____s 

Schussabgabe sei die Waffe A._____s – die silberfarbene – zu Boden gefallen. 

Wichtig zu erwähnen schien dem Zeugen zudem, dass er nicht mehr mit  

Bestimmtheit sagen könne, wer zuerst auf den andern geschossen habe. Es  

-   27   - 

könne auch gleichzeitig, abwechselnd oder was auch immer gewesen sein. Er 

glaube, es sei der Mitbeschuldigte E._____ gewesen, aber das könne er wirklich 

nicht mit Bestimmtheit sagen (Urk. 7/18 S. 2). E._____ sei danach in Richtung 

H._____platz verschwunden, der Beschuldigte A._____ sei ihm, nachdem er die 

Waffe vom Boden aufgehoben habe, gefolgt. Er selber habe dem Notruf 117  

gemeldet, dass geschossen werde. Dann sei A._____ aus Richtung 

F._____strasse die …strasse heraufgekommen und – an ihnen vorbei – in eine 

Seitengasse gerannt. Da habe er bemerkt, dass der Beschuldigte A._____ an der 

linken Seite des Halses blute. Er glaube, dass er zu jenem Zeitpunkt immer noch 

mit dem Notruf verbunden gewesen sei (Urk. 7/18 S. 2 f.).  

4.4.2  In der Zeugeneinvernahme vom 18. August 2009 (Urk. 7/19) gab I._____ 

an, bei der Polizei richtig ausgesagt zu haben. Er bestätigte, dass die beiden 
Kontrahenten aufeinander geschossen hätten und ihm (I._____) Dreck ins Ge-
sicht geflogen sei. Das Ganze sei für ihn irgendwie surreal gewesen, wie in einem 

Filmset (Urk. 7/19 S. 2). Der Beschuldigte A._____ sei E._____ hinterher gerannt. 

Die beiden seien recht nahe beieinander gestanden, als gemäss seiner Erinne-

rung E._____ über die Autohaube des schwarzen Autos in dessen bzw. ihre Rich-

tung geschossen habe. Der Beschuldigte A._____ sei in jenem Moment ca. 15 

Meter vor ihnen gestanden.  

Der Mitbeschuldigte E._____ habe vor dem schwarzen Auto gestanden, die Waffe 

mit ausgestrecktem Arm waagerecht gehalten und über die Kühlerhaube in Rich-

tung des Beschuldigten A._____ geschossen. Er habe gezielt auf den Beschuldig-

ten A._____ geschossen. Allenfalls habe der Mitbeschuldigte E._____ sogar 

zweimal geschossen, da sei er (I._____) sich aber nicht sicher. Jedenfalls habe er 

(I._____) Dreck bzw. Staubspritzer ins Gesicht bekommen.  

Dann habe der vor ihnen stehende Beschuldigte A._____ zurückgeschos-
sen. Er glaube, dieser habe die Waffe ebenfalls waagrecht gegen den Mitbe-
schuldigten E._____ gehalten und zurückgeschossen. A._____ sei stillge-
standen, als er in Richtung E._____ geschossen habe, dies wahrscheinlich ein-
mal, er sei sich aber nicht so sicher. A._____ habe nicht lange gezielt, aber 
"schon klar" auf E._____ geschossen. Die Schussabgaben beider Männer ge-

-   28   - 

geneinander seien kurz aufeinander folgend gewesen, vielleicht mit zwei Sekun-

den Abstand. A._____ habe dann seinen Revolver noch zu Boden geworfen und 

wiederaufgehoben (Urk. 7/19 S. 3). Er sei an ihnen vorbei gerannt und er 

(I._____) habe bemerkt, dass A._____ blute (Urk. 7/19 S. 4). 

 

5. Beweiswürdigung 

5.1 Vorgeschichte Frühjahr 2009 / Anfang Mai 2009 (Anklageziffern I. und II.) 

Zunächst ist mit der Vorinstanz auf die dem Tatgeschehen vom 8. Juni 2009  

vorangegangene mehrstufige Vorgeschichte hinzuweisen.  

Der Grund der Auseinandersetzung lag offenbar in einer im Spielermilieu wohl  

als ehrverletzend empfundenen Geldleihe des Beschuldigten A._____ an den  

Mitbeschuldigten E._____ über eine Drittperson (K._____) im Anschluss an einen 

Pokerabend im Frühjahr 2009. Der Streit spitzte sich zu, nachdem der Mitbe-

schuldigte E._____ mehrmals unerwünscht und zumindest ab Anfang Mai 2009 

gegen ein Hausverbot verstossend im Lokal "F._____" des Beschuldigten 

A._____ erschienen war und – auf die Modalitäten des fraglichen Geldverleihs  

zurückkommend, die er als ehrverletzend empfand – Probleme verursacht hatte 

(verbale Ausfälligkeiten und Beleidigungen des Mitbeschuldigten E._____ gegen-

über dem Beschuldigten A._____, Anklageziffer I.).  

Zwei Details betreffend den Ablauf des Vorfalls von Anfang Mai 2009 (Anklage-

ziffer II.) lassen sich aufgrund der Akten nicht definitiv klären und der Anklage-

sachverhalt kann insoweit nicht erstellt werden. Zum einen ist nicht erwiesen, 

dass der Mitbeschuldigte E._____ den Beschuldigten A._____ schubste und zu-

dem muss offen bleiben, ob E._____ zuerst den Hocker in die Hände genommen 

hat oder der Beschuldigte A._____ den Revolver. Abgesehen von diesen eher als 

nebensächlich zu betrachtenden Aspekten ist der Sachverhalt gemäss Anklage-

ziffer II. rechtsgenügend erstellt und es steht fest, dass das Verhältnis der Kontra-

henten vor dem Tatgeschehen (Anklageziffer III.) emotional belastet und ange-

spannt war. Insbesondere der Mitbeschuldigte E._____ war nach dem erhebli-

-   29   - 

chen Geldverlust am Pokerabend, wo er den Beschuldigten A._____ und die an-

deren Spieler bewirtet hatte, durch die für ihn ehrverletzenden Darlehensmodalitä-

ten, das Lokalverbot im "F._____" und auch den Schlag des Beschuldigten 

A._____ mit dessen Revolver vor seinen Kollegen mehrmals gedemütigt worden. 

Der Mitbeschuldigte E._____ war sehr verärgert über die Art und Weise, wie er 

vom Beschuldigten A._____ behandelt worden war. Es ist im Einklang mit der Vo-

rinstanz davon auszugehen, dass der Mitbeschuldigte E._____ sich deshalb in 

mehrfacher Hinsicht als Verlierer sah, was als Hintergrund des Tatgeschehens 

vom 8. Juni 2009 zu sehen ist, als er sich in einem Gefühlsgemisch aus Verärge-

rung und Kränkung konfrontationsbereit ins Lokal "F._____" begab. Von dieser 

Ausgangslage her betrachtet, war der Mitbeschuldigte E._____ wiederholt als 

Störenfried aufgetreten, der sich gekränkt fühlte. Objektiv gesehen bestand dazu 

indessen aufgrund des Verhaltens des Beschuldigten A._____ kein nachvollzieh-

barer Anlass. Wohl hatte der Beschuldigte A._____ beim Schlag mit der Waffe an 

den Kopf des Mitbeschuldigten E._____ überreagiert. Aber auch hierzu hatte 

E._____ durch seine Auftritte im Lokal "F._____" letztlich die Ursache gesetzt 

(Urk. 162 S. 78-81; Art. 82 Abs. 2 StPO).  

5.2 Geschehnisse im Lokal "F._____" am 8. Juni 2009 (Anklageziffer III.1) 

5.2.1  Wie bereits im angefochtenen Urteil zutreffend erwähnt, beinhalten die  

Geschehnisse im Lokal "F._____" am 8. Juni 2009 für sich selbst keinen strafba-

ren Vorwurf an die Adresse des Beschuldigten A._____. Um die nachfolgende, 

dem Beschuldigten A._____ strafrechtlich vorgeworfene Situation auf der 

F._____-strasse besser nachvollziehen zu können und insbesondere im Hinblick 

auf die Strafzumessung ein möglichst klares Bild vom Beschuldigten A._____ und 

dessen tatzeitaktuellem Befinden zu gewinnen, ist auch die Auseinandersetzung 

der Kontrahenten im Lokal "F._____" zu beleuchten und der Sachverhalt zu er-

stellen.  

5.2.2  Das hat die Vorinstanz einlässlich und mit überzeugender Begründung  

getan, so dass vorab vollumfänglich auf ihre Ausführungen verwiesen werden 

kann (Urk. 162 S. 82 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

-   30   - 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den Beschuldigten A._____ an sämtli-

chen Ereignissen im Innern des Lokals "F._____" unmittelbar keine Schuld trifft. 

Es war der Mitbeschuldigte E._____, der in einer ersten Tatphase einmal mit sei-

ner Tatwaffe, dem schwarzen Revolver Marke "Rossi", Mod. 272, Kal. .38 SPL, 

Nr. …, Double Action, auf den Beschuldigten A._____ einschlug. Der Mitbeschul-

digte E._____ hatte unvermittelt so gehandelt, ohne in irgendeiner Form bedroht, 

bedrängt oder tätlich angegangen worden zu sein, und nachdem er unerwartet im 

Lokal "F._____" aufgetaucht war. Die einzige Gefahr im Innern des Lokals 

"F._____" – so schon die Vorinstanz – ging vom Mitbeschuldigten E._____ aus, 

der demonstrativ und unnötigerweise trotz Hausverbots mit einer Schusswaffe im 

Lokal "F._____" erschien und so die Geschehnisse im Lokal und hernach auf der  

F._____strasse ins Rollen brachte. Das auf E._____s Schlag mit dem Revolver in 

Körperkontakt folgende Gerangel zwischen dem Mitbeschuldigten E._____ und 

dem Beschuldigten A._____ im Lokal "F._____" führte sodann zur zweimaligen 

Schussabgabe durch den Mitbeschuldigten E._____, wobei rechtsgenügend er-

stellt ist, dass er diese zwei Schüsse absichtlich abfeuerte. Die zweite Schussab-

gabe bewirkte den oberflächlichen Halsdurchschuss beim Beschuldigten A._____ 

und verursachte die durch das medizinische Gutachten belegten Verletzungen 

(Urk. 8/4; Urk. 8/11). Auf deren Auswirkungen auf die unmittelbare psychische 

Verfassung des Beschuldigten A._____ ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung 

respektive der Strafzumessung näher einzugehen.  

Im Übrigen hat der Mitbeschuldigte E._____ den Schuldspruch betreffend ver-

suchter vorsätzlicher Tötung zum Nachteil des Beschuldigten A._____, begangen 

durch die beiden Schussabgaben im Lokal "F._____", anerkannt (Urk. 189; Ge-

schäfts-Nr. SB120130, Urk. 97 S. 2; vgl. auch schon Urk. 79 S. 1).  

5.3 Dem Beschuldigten A._____ vorgeworfene Tathandlung auf der F._____-

strasse am 8. Juni 2009 (Anklageziffer III.2) 

5.3.1  Nachdem mit der zweiten Schussabgabe durch den Mitbeschuldigten  

E._____ das Gerangel im Lokal "F._____" geendet hatte, verliess zuerst E._____ 

das Lokal durch den Haupteingang. Aufgrund der eigenen Schilderungen des  

Beschuldigten A._____ (vgl. Erwägungen II. 2.2, 2.6 und 2.8 hiervor sowie Urk. 

-   31   - 

146 S. 11), welche hier in die Anklageschrift geflossen sind (Urk. 26 S. 4), steht 

fest, dass sich der Beschuldigte – nachdem er zwischenzeitlich im Lokal zu Bo-

den gegangen war – wieder erhob, seine blutende Halsverletzung bemerkte und 

sie in einem Spiegel im Korridor des Lokals begutachtete, dann zur Bar ging und 

seinen dort in einem Schrank aufbewahrten, fünf-schüssigen und vollständig ge-

ladenen silbernen Revolver Marke "Ruger", Mod. SP101, Kal. .357 Magnum, Nr.  

…, hervorholte, mit der Waffe in der Hand auf die F._____strasse hinaustrat, sich 

umschaute und E._____ auf dem Trottoir nach rechts Richtung der nahegelege-

nen Bahnunterführung davon rennen sah. Da der Beschuldigte A._____ wegen 

der Schiesserei und seiner daraus resultierenden Verletzung "sauer und wütend" 

(Urk. 5/1 S. 5) auf E._____ war – der Verteidiger sprach von einem wahren 

Tsunami an Emotionen (Urk. 146 S. 11) – begann er, dem Mitbeschuldigten 

E._____ auf der F._____strasse hinterher zu rennen.  

5.3.2  Anerkannt und durch glaubhafte Zeugenaussagen gestützt ist sodann,  

dass der Mitbeschuldigte E._____ mit dem Revolver in der Hand entlang der 

F._____strasse in Richtung Bahnunterführung rannte und der Beschuldigte 

A._____ nur kurze Zeit später mit seinem silbrigen Revolver aus dem Lokal 

"F._____" trat, den Mitbeschuldigten E._____ erspähte und diesen verfolgte. Auf-

grund der verschiedenen glaubhaften Zeugenaussagen und der Zugaben der bei-

den Kontrahenten ist weiter erstellt, dass der Beschuldigte A._____ weniger weit 

rannte als der Mitbeschuldigte E._____ und sich in einem Abstand von ca. zehn 

bis fünfzehn Metern diagonal von E._____ entfernt – der auf der Strasse vor der  

Motorhaube des PWs von L._____ stand –, auf oder im Bereich des rechten Trot-

toirs der F._____strasse, im Bereich der Unterführung befunden haben muss, als 

es zur (gegenseitigen) Schussabgabe gekommen ist.  

5.3.3  Bezüglich dieses Schusswechsels ist umstritten geblieben, welcher der 

beiden Kontrahenten zuerst einen Schuss abgefeuert hat. Laut der Anklage war 

es der Mitbeschuldigte E._____ (vgl. Urk. 26 S. 4). Es ergibt sich jedoch, dass 

dies nicht mit hinreichender Gewissheit bzw. rechtsgenügend feststellbar ist.  

Jeder schob zunächst dem andern diese Handlung zu, was aber im Verlaufe des 

Verfahrens ebenfalls von beiden relativiert wurde (Urk. 143 S. 30 ff.). Die  

-   32   - 

Vorinstanz ging der Anklage folgend und angesichts des überwiegenden Tenors 

aus den Zeugenaussagen davon aus, dass es der Mitbeschuldigte E._____  

gewesen sei (Urk. 162 S. 85-87). Das ist aufgrund der Akten zunächst durchaus 

nachvollziehbar und auch naheliegender: E._____ befand sich gemäss seiner 

Darstellung in Todesangst auf der Flucht vor dem Beschuldigten A._____ und  

wähnte sich damals in der Situation, schiessen zu müssen oder erschossen zu 

werden (quasi nach dem Motto: entweder jetzt selber handeln oder dann sterben; 

vgl. Urk. 6/8 S. 1). Er agierte mithin aus einer in jenem Moment als lebensbedroh-

lich empfundenen Situation heraus. Fakt ist anderseits, dass die Beobachtungen 

und akustischen Wahrnehmungen der Zeugen je nach ihrem Standort variieren, 

dies sowohl hinsichtlich der Anzahl Schüsse als auch zur Reihenfolge, was auch 

verständlich ist (zu den diesbezüglich schwankenden Zeugenaussagen auch  

Erwägung II.4 hiervor). Als plausible Erklärung dafür hat die Vorinstanz richtiger-

weise in Betracht gezogen, dass die Schüsse im Bereich der Unterführung abge-

feuert worden sind und die Zeugen ebenfalls die jeweiligen Widerhalle als  

individuelle Schüsse wahrgenommen haben (dürften). Ebenso hielt die Vorinstanz 

es für möglich, dass die Zeugen die zwei Schüsse im Lokal "F._____", welche sie 

nicht gesehen haben, irrtümlich den nachfolgenden Handlungen auf der F._____-

strasse zugeordnet haben könnten. Tatsache ist ferner, dass gemäss dem ballis-

tischen Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes auf der Strasse aus jedem 

Revolver ein einzelner Schuss abgegeben wurde und dass aus diesen zwei 

Schüssen kein Treffer resultierte. Die strittige Frage der Reihenfolge ist indessen 

für die Beweiswürdigung nicht von zentraler Bedeutung und kann letztlich offen 

bleiben. Der Anklagesachverhalt zum Tatgeschehen auf der F._____strasse und 

insbesondere auch zum Tatvorwurf gegenüber dem Beschuldigten A._____ ist – 

wie noch zu zeigen ist – auch ohne diesen Teilaspekt rechtsgenügend erstellt und 

die ungeklärte Abfolge beim Schusswechsel vermag in der Gesamtbetrachtung 

das Beweisergebnis nicht zu beeinflussen. In diesem Punkt ist der Anklagesach-

verhalt daher als nicht erstellt anzusehen (vgl. Urk. 26 S. 4).  

5.3.4  Die Anklagebehörde geht (auch) beim Beschuldigten A._____ von einer 

gezielten Schussabgabe aus. Sie wirft ihm vor, er habe an seiner Position im Be-

reich F._____strasse/Einmündung …strasse mit waagerecht nach vorne gerichte-

-   33   - 

tem rechten Arm seine Waffe gehoben, genau und mehrere Sekunden lang auf 

den Mitbeschuldigten E._____ gezielt, dann mit E._____ im Visier den Abzug sei-

ner Waffe betätigt und so einen gezielten, aber trefferlosen Schuss auf E._____ 

abgegeben (Urk. 26 S. 4).  

Wie bereits vorne in Erwägung II. 2. dargelegt, behauptete der Beschuldigte 

A._____ zu Beginn der Untersuchung konstant, in die Luft und keinesfalls direkt 

auf den Mitbeschuldigten E._____ geschossen zu haben (vgl. Urk. 5/1 S. 5; 5/3 

S. 12). Trotz anderslautenden Zeugenaussagen erklärte er auch anlässlich der 

Konfrontationseinvernahme vom 19. Oktober 2009, er sei bisher davon ausge-

gangen, er habe in die Luft geschossen. Jedoch sei der Zeuge ja dort gewesen. 

Er bleibe aber dabei, dass er nicht auf den Mitbeschuldigten E._____ habe 

schiessen wollen. Er habe in seinem Zustand gar nicht zielen können (Urk. 5/6 

S. 7). Auch anlässlich der Einvernahme vor Vorinstanz anerkannte der Beschul-

digte A._____ den diesbezüglichen Anklagesachverhalt nicht und erklärte, in "sei-

nem Kopf sei gewesen", dass er irgendwie in die Luft geschossen habe. Er könne 

nicht sagen, ob die Möglichkeit bestanden habe, dass er den Mitbeschuldigten 

E._____ hätte treffen können (Urk. 143 S. 31 f.). Anlässlich der Berufungsver-

handlung hielt der Beschuldigte nun fest, dass, wenn er früher erklärt habe, in die 

Luft geschossen zu haben, dies seine Interpretation gewesen sei. Vielleicht sei es 

auch ganz anders gewesen. Er glaube jedoch nicht, dass er auf E._____ gezielt 

habe, aber er wisse es nicht mehr genau (Urk. 188 S. 8). Es könne schon sein, 

dass die Aussagen des Zeugen J._____ stimmen, nach welchen er fast wie im 

Schiesstand auf E._____ gezielt habe, J._____ sei aber der einzige Zeuge gewe-

sen, der dies gesagt habe (Urk. 188 S. 9 f.). 

5.3.5  Wie schon die Vorinstanz deutlich und richtig aufgezeigt hat, weicht die 

Darstellung des Beschuldigten A._____ von den diesbezüglichen Aussagen der  

anwesenden und das Geschehen genau beobachtenden Zeugen – und nicht nur 

von derjenigen des Zeugen J._____ – ab und entlarvt sich als Schutzbehauptung.  

Gemäss den gleichbleibenden, präzisen und lebensnahen Aussagen des Zeugen 

J._____ hielt der Beschuldigte A._____ die Waffe bei seiner Schussabgabe waa-
gerecht mit ausgestrecktem Arm und zielte in Richtung des Mitbeschuldigten 

-   34   - 

E._____ (Urk. 7/10 S. 3 f.; Urk. 7/11 S. 3 f.). Der Beschuldigte A._____ hat laut 

dem Zeugen geradewegs auf den Mitbeschuldigten E._____ und nicht gegen den 

Boden oder gegen den Himmel gezielt, was die horizontale Haltung des Armes 

unterstreicht. Besonders anschaulich und nachvollziehbar ist der Vergleich des 

Zeugen mit dem Zielen während ca. zwei bis drei Sekunden, fast so wie auf dem 

Schiessstand, wo man genau ziele. Der Zeuge hat auch das Mündungsfeuer ge-

sehen und den Schuss gehört. Zudem sah er auch, wie dem Beschuldigten 

A._____ die Waffe – nicht unmittelbar nach dem Schuss – aus der Hand fiel und 

wie er sie wieder aufhob. Während des Geschehens rund um den Schusswechsel 

fokussierte der Zeuge seine Aufmerksamkeit auf den Beschuldigten A._____, weil 

dieser sich näher bei ihm befand und aktiv handelte, namentlich zielte (Urk. 7/11 

S. 5). Aufgrund des stockenden Kolonnenverkehrs konnte der Zeuge J._____ 

dem furchterregenden Ereignis auch gar nicht entrinnen und war entsprechend in 

der Lage, genaue Beobachtungen zu machen, zumal der Verkehr im Zeitpunkt 

der Schussabgabe von A._____ aufgrund der Blockade des auf der Fahrbahn 

stehenden Mitbeschuldigten E._____ einige Fahrzeuge vor dem PW des Zeugen 

völlig stillstand. Dass der Zeuge in seiner verzwickten Situation und in seiner 

grossen Angst vor einem Querschläger besonders aufmerksam hinsah, was sich 

da in seiner unmittelbaren Nähe an Lebensbedrohlichem abspielte, leuchtet völlig 

ein. Wie er überzeugend ausführte, verlor er aber auch den Mitbeschuldigten 

E._____ nicht aus den Augen, sondern sah jedenfalls dessen Oberkörper, wusste 

E._____ entsprechend zu lokalisieren und konnte sich folglich auch zuverlässig 

dazu äussern, ob der Beschuldigte A._____ in dessen Richtung schoss. Daran 

ändert der Umstand nichts, dass sich der Mitbeschuldigte E._____ auch hinter der 

Motorhaube des PW von Zeuge L._____ duckte. Die hautnah erlebte Schiesserei 

auf offener Strasse im abendlichen Hauptverkehr hat den Zeugen J._____ offen-

bar und verständlicherweise so beeindruckt, dass er gleich am frühen Morgen des 

folgenden Tages von sich aus zur Polizei ging, um das Erlebte zu berichten. Zu-

sammen mit den unzähligen auch sonst aktenkundigen und durch weitere Zeu-

genaussagen bestätigten Einzelheiten (zu Tatwaffen, Kleidung, Halsverletzung, 

Örtlichkeit etc.) und den prägnanten Beschreibungen des Tatgeschehens durch 

den Zeugen J._____, auch ausserhalb der Schussabgabe des Beschuldigten 

-   35   - 

A._____, so etwa zur Art und Weise wie dieser die Waffe wieder vom Boden auf-

hob, erscheint die Zeugenaussage insgesamt als sehr authentisch und auf der 

ganzen Linie glaubhaft. Das wird zusätzlich dadurch untermauert, dass der Zeuge 

J._____ wiederholt einräumte, etwas nicht (mehr) genau zu wissen, was wiede-

rum gegen eine übermässige oder gar falsche Belastung des Beschuldigten 

A._____ durch den Zeugen spricht. Wenn die Verteidigung dem Zeugen J._____ 

Lückenschliessung unterstellen will und dessen Aussagen als nicht ausreichend 

zuverlässig einstuft, so kann dem somit nicht gefolgt werden. Dass die Aussagen 

des Zeugen bei der Staatsanwaltschaft (Urk. 7/11) etwas detaillierter ausfielen als 

in der polizeilichen Befragung (Urk. 7/10), ist ebenfalls nicht aussergewöhnlich, 

sondern aufgrund der oft einlässlicheren Befragung im Zeugenstand vielmehr die 

Regel, zumal die Zeugeneinvernahme auch Verteidigerfragen umfasst. Schliess-

lich ist zu vermerken, dass der Beschuldigte A._____ die Aussagen des Zeugen 

J._____ mit Ausnahme der von diesem beschriebenen Schussabgabe A._____s 

als richtig bezeichnete (Urk 5/4 S. 6 f.). Es ist nicht einzusehen, weshalb der Zeu-

ge in gerade diesem einen Punkt die Unwahrheit sagen sollte. Auf die Aussagen 

des Zeugen J._____ kann daher ohne Einschränkung abgestellt werden.  

Ebenfalls direkter Augenzeuge des Schusswechsels der beiden Kontrahenten aus 

naher Distanz war I._____, damals Fussgänger auf dem Trottoir in Begleitung 
seines 5-jährigen Sohnes und dessen Mutter. Der Zeuge I._____ verfügte über 

eine gute Sicht auf die beiden Akteure und das Tatgeschehen insgesamt (vgl. 

auch die Planskizze im Anhang zu Urk. 7/18). Er bestätigte in beiden Einvernah-

men, gesehen zu haben, wie der Beschuldigte A._____, der ca. 15 Meter vor 

ihnen stand, mit seiner Waffe einen Schuss in Richtung des Mitbeschuldigten 

E._____ abgefeuert hat. Gemäss dem Zeugen hielt der Beschuldigte A._____ die 

Waffe waagerecht, als er gegen den Mitbeschuldigten E._____ schoss, wobei er 

nicht lange, aber klar auf E._____ zielte (Urk. 7/18 S. 1 f.; Urk. 7/19 S.2 f.). Auch 

die Schilderungen I._____s fielen sachlich, detailliert, realitätsnah und überdies  

zurückhaltend aus. Der Zeuge bemühte sich, korrekte Angaben zu machen.  

Fehlende Kenntnis deklarierte er jeweils. Auch seine Ausführungen ausserhalb 

des Kerngeschehens passen zum übrigen Beweisergebnis (u.a. Kleidung der  

Protagonisten, Waffenfarbe, Stausituation auf der F._____strasse, Schussposition 

-   36   - 

des Mitbeschuldigen E._____, Zu-Boden-Fallen der Waffe des Beschuldigten 

A._____, dessen blutende linke Halsseite, Fluchtrichtungen der Kontrahenten). 

Allfällige Abweichungen in den Aussagen zu den andern Zeugen sind im Wesent-

lichen aufgrund unterschiedlicher Beobachtungpositionen erklärbar. Am Wahr-

heitsgehalt der Aussagen von I._____ ist ebenso wenig zu zweifeln wie beim 

Zeugen J._____. Das Ereignis dürfte sich I._____ auch aufgrund der ins Gesicht 

abbekommenen Staubspritzer und damit der eigenen Bedrohungslage nachhaltig 

eingeprägt haben. I._____ empfand den Vorfall – verständlicherweise – denn 

auch irgendwie als surreal, "wie in einem Filmset" (Urk. 7/19 S. 2). Dass die frag-

lichen Partikel nachweislich von der Schussabgabe des Mitbeschuldigten E._____ 

und nicht von jener des Beschuldigten A._____ stammten, wie sich im Verlaufe 

der Untersuchung herausstellte, ist unmassgeblich. Auf die Aussagen von I._____ 

kann ebenfalls vorbehaltlos abgestellt werden, wobei bezüglich Verteidigerein-

wände ergänzend auf die Bemerkungen zu den Aussagen von Zeuge J._____ zu 

verweisen ist.   

Entgegen der Vorinstanz ergibt sich bereits aus diesen sorgfältigen und glaubhaf-

ten Zeugenaussagen, dass der Beschuldigte A._____ auf E._____ zielte und 

schoss, sah doch der Zeuge J._____, wie der Beschuldigte "fast wie im Schiess-

stand" auf E._____ schoss, wobei auch der Zeuge I._____ erklärte, der Beschul-

digte habe "klar auf E._____" geschossen. Auch wenn der Beschuldigte gemäss 

J._____ nicht sehr lange, jedoch immerhin zwei bis drei Sekunden zielte, spricht 

im Übrigen seine von den Zeugen umschriebene prägnante Körperhaltung bei der 

konkreten Schussabgabe für ein sorgfältiges und möglichst präzises Abfeuern 

seiner Waffe. Dem Beschuldigten, der gemäss eigener Aussage während des Mi-

litärdienstes in einer Spezialeinheit u.a. an der Pistole ausgebildet wurde und der 

angab, zu jener Zeit ein sehr guter Schütze gewesen zu sein (Urk. 188 S. 7), war 

es dabei selbst in Anbetracht seines Ausnahmezustandes möglich, innert einiger 

Sekunden einen gezielten Schuss auf E._____ abzugeben. 

Völlig realitäts- und lebensfremd präsentiert sich demgegenüber die Darstellung 

des Beschuldigten selbst, nach welcher er bloss in die Luft geschossen haben 

will, da E._____ etwa 50 bis 60 Meter vor ihm am Rennen gewesen sei und es 

-   37   - 

ihm klar gewesen sei, dass er diesen nicht mehr einholen könne (Urk. 5/1 S. 5). 

Einerseits ist aufgrund sämtlicher wesentlichen Zeugenaussagen und auch auf-

grund der späteren Äusserungen von E._____ und des Beschuldigten klar erstellt, 

dass die Distanz zwischen den beiden Kontrahenten im Zeitpunkt der Schuss-

abgaben lediglich zehn bis fünfzehn Meter betrug und somit um ein Vielfaches 

kleiner war als vom Beschuldigten zunächst eingestanden. Andererseits ist es be-

reits aufgrund der gesamten übrigen Umstände als völlig unglaubhaft zu erachten, 

dass der Beschuldigte lediglich in die Luft geschossen haben soll, nachdem ihm 

ja kurz zuvor durch den Hals geschossen worden war, er wutentbrannt den Peini-

ger verfolgte und dieser sich anschickte, im Abstand von wenigen Metern noch-

mals auf ihn zu schiessen bzw. aus dieser Distanz eben gerade nochmals auf ihn 

geschossen hatte. Das gilt erst recht vor dem erwiesenen Hintergrund, dass der 

Beschuldigte schon seit längerer Zeit vom Mitbeschuldigten E._____ drangsaliert 

wurde, sich ernsthaft vor ihm fürchtete und Begegnungen bewusst zu verhindern 

suchte (Erteilen des Lokalverbots). Zwar ist es nicht Aufgabe des Beschuldigten 

A._____, eine allfällige Abweichung vom Durchschnittsverhalten nachzuweisen. 

Die Ausführungen der Zeugen wirken jedoch genau deswegen umso glaubhafter, 

als sie genau eine solch zu erwartende Durchschnittsreaktion beobachtet und ge-

schildert haben. Aufgrund all dieser Umstände, insbesondere da alles darauf hin-

deutet, dass der Schuss gezielt abgegeben wurde und da auch die Geschehnisse 

unmittelbar vor der Schussabgabe keinen anderen Schluss zulassen, ist auch die 

durch die Vorinstanz getroffene Erwägung, nach welcher der Beschuldigte ledig-

lich "allgemein in die Richtung" von E._____ gezielt und geschossen haben soll, 

klar zu verwerfen. In der konkreten Situation, in welcher sich der Beschuldigte be-

fand, wenige Meter von E._____ entfernt, welcher ihm kurz zuvor den Hals durch-

schossen hat, spricht die Motivlage eindeutig für die Abgabe eines möglichst ge-

zielten Schusses und keinesfalls dafür, dass der Beschuldigte lediglich relativ un-

gezielt "in die allgemeine Richtung" von E._____ geschossen haben könnte.  

Dass A._____ E._____ trotz der gezielten Schussabgabe, trotz der geringen Dis-

tanz zu diesem und trotz seiner Erfahrungen als Pistolenschütze nicht getroffen 

hat, mag einerseits darin begründet gewesen sein, dass er schon seit längerer 

Zeit nicht mehr mit einer Pistole geschossen hat (Urk. 5/1 S. 2), dass sich das  

-   38   - 

Schiessen mit einem Revolver, wie es auch das ballistische Gutachten bestätigt 

(Urk. 12/6 S. 8 f.), nicht als einfaches Unterfangen erweist und vor allem auch  

darin, dass sich der Beschuldigte – wie noch weiter aufzuzeigen sein wird – in  

einer absoluten Ausnahmesituation befand. 

Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist folglich insoweit als erstellt zu  

erachten, als mit dieser davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte einen  

gezielten Schuss auf E._____ abgegeben hat (Urk. 26 S. 4). 

5.3.6  Durch den Schusswechsel auf der Strasse wurden auch unbeteiligte Dritte 

– nämlich L._____, J._____, B._____, I._____, O._____ sowie deren 5-jähriger 

Sohn N._____ – in die Geschehnisse einbezogen, was die Staatsanwalt als mehr-

fache Gefährdung des Lebens einklagte (Urk. 26 S. 4 letzter Abschnitt).  

Die Vorinstanz kam zum Ergebnis, dass sich nur der Erstgenannte, L._____, im 

direkten Schussfeld des Beschuldigten A._____ befand und der eingeklagte 

Sachverhalt nur insoweit erstellt sei (Urk. 162 S. 84 und S. 90-92; Art. 82 As. 4 

StPO). Entsprechend sprach sie den Beschuldigten A._____ lediglich in Bezug 

auf den Zeugen L._____ der (einfachen) Gefährdung des Lebens im Sinne von 

Art. 129 StGB schuldig. Bezüglich der eingeklagten Gefährdung des Lebens zum 

Nachteil der darüber hinaus namentlich genannten Personen J._____, B._____, 

I._____, O._____ und Sohn N._____ erfolgte kein Schuldspruch (Urk. 162 S. 106-

108 und S. 125; Art. 82 As. 4 StPO). Da sich die Berufung der Staatsanwaltschaft 

nur auf die Sanktion bezieht, hat es damit sein Bewenden. Vom Beschuldigten 

A._____ angefochten und damit im Berufungsverfahren zu überprüfen ist indes-

sen die Schuldigsprechung wegen Gefährdung des Lebens zum Nachteil von 

L._____.  

Mit überzeugender Begründung hat die Vorinstanz den eingeklagten Sachverhalt, 

d.h. das Bestehen einer unmittelbaren Lebensgefahr für L._____ durch die 

Schussabgabe des Beschuldigten A._____ zufolge möglicher Querschläger bzw. 

Fehltreffer aufgrund von L._____s Standort bejaht (Urk. 162 S. 84 und 92; Art. 82 

Abs. 4 StPO). Der Automobilist L._____ befand sich in der Tat im Kreuzfeuer der 

beiden Schützen, führten doch die zwei Schussbahnen praktisch über die Motor-

-   39   - 

haube seines Fahrzeuges bzw. zumindest unmittelbar an der vorderen rechten 

Fahrzeugecke vorbei, während der Zeuge unausweichlich am Steuer des PW 

sass (vgl. auch Urk. 7/8, 7/9 und 7/18, je die Skizze im Anhang, analog mit umge-

kehrter Schussrichtung). Ergänzend ist auf die vorstehenden Ausführungen zur 

Schussabgabe des Beschuldigten A._____ zu verweisen.  

Der eingeklagte Sachverhalt bezüglich L._____ ist damit ebenfalls erstellt.  

III. Schuldpunkt - rechtliche Würdigung 

1. Allgemeines 

Die Vorinstanz hat zunächst einen Überblick über die vorsätzlichen Tötungs-

delikte (Art. 111-113 StGB) erstellt, dann den Vorsatz des Beschuldigten A._____ 

bei der Schussabgabe geprüft, ist hernach auf die Abgrenzung der Tatbestände 

der vorsätzlichen Tötung und des Totschlags eingegangen und hat sich  

abschliessend zur Frage der Notwehr (Art. 15 StGB) sowie zum Tatbestand der 

Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB) geäussert (Urk. 162 S. 93-109).  

2. Vorsätzlich versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil des Mitbeschuldigten  

E._____ 

2.1 Die Voraussetzungen betreffend vorsätzliche und eventualvorsätzliche Tat-

begehung sowie den strafrechtlichen Versuch sind im erstinstanzlichen Urteil aus-

führlich und korrekt dargestellt, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen da-

rauf verwiesen werden kann (Urk. 162 S. 93-94 und S. 96; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2.2 Die Vorinstanz ist mit der nachstehenden Begründung zum Ergebnis  

gelangt, dass der Beschuldigte A._____ mit Bezug auf ein Tötungsdelikt zum  

Nachteil des Mitbeschuldigten E._____ zumindest eventualvorsätzlich handelte:  

Der Beschuldigte A._____ habe, nachdem er den Mitbeschuldigten E._____ auf 

der F._____strasse eingeholt gehabt habe, aus einer Distanz von zehn bis  

fünfzehn Metern unvermittelt einen Schuss in die Richtung des Mitbeschuldigten 

-   40   - 

E._____ abgegeben. Bezüglich der Umstände der Schussabgabe und der  

subjektiven Sachverhaltskomponenten verwies die Vorinstanz auf ihre diesbezüg-

lichen Ausführungen zur Sachverhaltserstellung. Offensichtlich sei dem Beschul-

digten A._____ bewusst gewesen, dass unter den erwähnten Umständen ein  

ungezielt abgegebener Schuss mit der verwendeten Waffe und Munition zu einem 

Treffer des Mitbeschuldigten E._____ habe führen können. Wer nämlich in einem 

dynamischen Geschehen einen Schuss in Richtung des Kontrahenten abfeuere, 

müsse in aller Regel mit einem Treffer und dadurch bewirkten schweren  

Verletzungen rechnen, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der  

allgemeinen Lebenserfahrung zum Tod des Verletzten führen könnten. Der  

Beschuldigte A._____ habe keinerlei Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung die-

ses Erfolges getroffen und in keiner Weise eine Gewähr gehabt, E._____ nicht zu  

treffen. Insgesamt habe sich die Möglichkeit des Todes von E._____ aufgrund der 

gegebenen Umstände beim Beschuldigten A._____ dermassen klar und unmiss-

verständlich aufgedrängt, dass aus dem Umstand, dass der Beschuldigte 

A._____ trotzdem schoss, nur geschlossen werden könne, er habe zumindest 

den Tod des Mitbeschuldigten E._____ in Kauf genommen. Dass der Beschuldig-

te A._____ gar konkret auf sein Opfer gezielt habe und es somit mit vollem Wis-

sen und Willen habe treffen wollen, läge zwar aufgrund der beobachteten Waf-

fenhaltung bei der Schussabgabe ohne weiteres im Bereich des Möglichen, kön-

ne ihm aber nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden. Der Beschuldigte 

A._____ habe daher bei seinem Schuss zumindest in Kauf genommen, dass er 

seinen Kontrahenten tödlich treffe. Der Vorsatz des Beschuldigten A._____ sei 

daher bezüglich des Mitbeschuldigten E._____ über einen (reinen) Gefährdungs-

vorsatz, wie dies Art. 129 StGB fordert, hinausgegangen, weshalb der Beschul-

digte A._____ mit Bezug auf ein Tötungsdelikt zum Nachteil des Mitbeschuldigten 

E._____ zumindest mit Eventualvorsatz gehandelt habe (Urk. 162 S. 95 f.).  

2.3 Entgegen den Erwägungen der Vorinstanz ist – wie bereits im Rahmen der 

Erstellung des Sachverhalts erwähnt – davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

einen gezielten Schuss auf E._____ abgegeben hat. Als ehemals sehr guter Pis-

tolenschütze wusste der Beschuldigte dabei um die Gefahr, E._____ durch diesen 

Schuss mit dem Revolver aus kurzer Distanz zu treffen und dadurch tödliche Ver-

-   41   - 

letzungen herbeizuführen. Dieses Wissen ist selbst vor dem Hintergrund der dem 

Beschuldigten diagnostizierten peritraumatischen Dissoziation anzunehmen, ist 

doch bei einer unter den gegebenen Umständen verwirklichten Schussabgabe 

von einem im Unterbewusstsein vorhandenen Begleitwissen hinsichtlich des mög-

lichen tödlichen Verlaufs der Intervention auszugehen. Angesichts der Bedroh-

lichkeit der Situation ist anzunehmen, dass der Beschuldigte E._____ bzw. der 

von diesem ausgehenden Gefahr durch die gezielte Schussabgabe Einhalt gebie-

ten wollte. Dabei musste sich der Beschuldigte auch damit abfinden, dass sich ei-

ne tödliche Verletzung E._____s hätte verwirklichen können. Dass der Beschul-

digte den Tod E._____s im Sinne eines direkten Vorsatzes wollte und dass es 

ihm nicht nur darum ging, E._____ zu stoppen, kann jedoch nicht erstellt werden. 

Folglich ist festzuhalten, dass der Beschuldigte hinsichtlich des Tötungsdelikts 

zum Nachteil von E._____ zumindest mit Eventualvorsatz gehandelt hat. 

2.4 Mit Recht ist die Vorinstanz von versuchter Tatbegehung (Art. 22 Abs. 1 

StGB) ausgegangen, nachdem der Beschuldigte A._____ alle subjektiven Tat-

bestandsmerkmale eines Tötungsdelikts erfüllt hat, der zur Vollendung der Tat 

gehörende Erfolg, nämlich der Tod eines Menschen, konkret des Mitbeschuldig-

ten E._____, aber ausgeblieben ist (Urk. 162 S. 96 und 104; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2.5 Weiter hat sich die Vorinstanz intensiv mit der Frage befasst, ob der Grund-

tatbestand von Art. 111 StGB oder der privilegierte Tatbestand des Totschlags im 

Sinne von 113 StGB – wie von der Verteidigung in erster Instanz als Eventual-

antrag eingebracht (Urk. 146 S. 2 f. und S. 30 ff.) zur Anwendung gelangt.  

2.5.1  Hinsichtlich der Tatbestandsmerkmale des Totschlages und der dazu be-

stehenden reichhaltigen Gerichtspraxis kann ohne Ergänzung auf die ausführliche 

Übersicht der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 162 S. 97-100).  

2.5.2  Gemäss eigener Darstellung stand der Beschuldigte A._____ nach erlitte-

nem Halsdurchschuss unter Schock und geriet in Panik (insbesondere Urk. 5/1). 

Sein Verteidiger fasste dies in die Worte, der Beschuldigte habe in psychischer  

Verwirrtheit, Benommenheit, Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit und des 

Denkvermögens, unter Schock und in lodernder Panik gehandelt. Sein Handeln 

-   42   - 

sei irrational gewesen, es habe ein Blackout bestanden (Urk. 30 S. 2 f.; 

Urk. 19/27; Urk. 19/30; Urk. 192 S. 8 ff.).  

2.5.3  Im Hinblick auf die Beurteilung des geistigen Zustandes und der Schuld-

fähigkeit des Beschuldigten A._____ holte die Vorinstanz mit Präsidialverfügung 

vom 11. Januar 2011 ein psychiatrisches Gutachten ein (Urk. 77). Auf Wunsch 

und Vorschlag des amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. X._____, wurde Prof. 

Dr. med. D._____, … Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des …spitals …, 

zum psychiatrischen Gutachter bestellt (Urk. 49). Bei dieser psychiatrischen Ex-

pertise ging es um die Auswirkungen des erlittenen Halsdurchschusses auf die 

psychologische und neurologische Verfassung von A._____ und vor diesem Hin-

tergrund um die Beurteilung seines anschliessenden Verhaltens bezüglich der 

Einsichts- und Steuerungsfähigkeit, mithin seiner Schuldfähigkeit bei der eigenen 

Schussabgabe aufgrund des gerade zuvor Erlebten (Urk. 78 S. 2 f.). Das Gutach-

ten datiert vom 30. Mai 2011 (Urk. 100), das Ergänzungsgutachten vom 4. August 

2011 (Urk. 133). Darüber hinaus fand mit Prof. Dr. D._____ anlässlich der Haupt-

verhandlung vor Vorinstanz vom 30. August 2011 eine sachverständige Zeugen-

befragung statt (Urk. 144). Die Erläuterungen und Schlussfolgerungen des Exper-

ten sind im Folgenden näher auszuführen. 

2.5.4  Unter Berücksichtigung der Vorgeschichte und vor dem Hintergrund dieser 

Geschehnisse muss – so der Gutachter in Übereinstimmung mit den gerichtlichen 

Erwägungen zum Sachverhalt – davon ausgegangen werden, dass das Verhältnis 

zwischen den beiden Kontrahenten im Vorfeld der Schiesserei vom 8. Juni 2009 

sehr angespannt war. Als nun der Mitbeschuldigte E._____ trotz Lokalverbots die 

Bar des Beschuldigten A._____ betrat, war dieser vom ersten Moment an alar-

miert. Spätestens als sich der Mitbeschuldigte E._____ von der Bartheke weg 

und, mit einem Revolver in der Hand, auf den Beschuldigten A._____ zubewegte, 

muss diesem klar geworden sein, dass er sich in einer akut gefährlichen und po-

tentiell lebensbedrohlichen Situation befand. So wurde der Beschuldigte A._____ 

zu Boden geschlagen und es kam im nachfolgenden Handgemenge zu zwei 

Schussabgaben. Den Schuss, welcher den Beschuldigten A._____ am Hals traf, 

hat er zunächst nicht realisiert und er empfand initial auch keine Schmerzen am 

-   43   - 

Hals; hingegen nahm der Beschuldigte A._____ ein eigenartiges Schwächegefühl 

in der ganzen linken Körperhälfte wahr. Von diesem Moment an verlor der Be-

schuldigte A._____ auch den ansonsten kohärenten Faden seines Gedächtnis-

ses. Seine Erinnerung an die Geschehnisse von diesem Moment an bis zur Ein-

lieferung ins Universitätsspital Zürich wurde bruchstückhaft und sein Zeiterleben 

veränderte sich so, dass er die Abläufe beschleunigt, wie im Zeitraffer wahrnahm. 

Der Beschuldigte A._____ erinnerte sich an ein Gemisch heftiger Emotionen, wel-

che von Todesangst bis zu grosser Wut reichten. Er erinnerte sich auch an das 

Einsetzen des Schmerzes im Bereich der Schusswunde und daran, dass er nun 

seinerseits einen Revolver behändigte und seinem Widersacher auf die Strasse 

hinaus nacheilte. An die eigentliche Schussabgabe konnte er sich nicht genau er-

innern, wohl aber daran, dass er anschliessend auf einem kleinen Umweg wieder 

zurück in seine Bar ging (Urk. 100 S. 13). 

Die Art und Weise – so die nachvollziehbare Erkenntnis des Gutachters – wie  

der Beschuldigte A._____ diese dramatischen Minuten erlebte, ist typisch für das  

Erleben eines Menschen, welcher plötzlich und unerwartet einem lebensbedrohli-

chen traumatischen Ereignis ausgesetzt ist. Aus einer neurobiologischen  

Perspektive betrachtet, wird im zentralen Nervensystem unmittelbar im Anschluss 

an ein akutes Trauma eine Kaskade von adaptiven Stressreaktionen ausgelöst, 

welche allesamt dazu dienen, den Organismus in einen Zustand zu versetzen, 

welcher es ihm erlaubt, seine Überlebenschancen zu optimieren. Innerhalb von 

Sekundenbruchteilen – so der Gutachter – werden unbewusst ablaufende  

Abwehrreflexe aktiviert. Innerhalb von wenigen Sekunden kommt es zur  

Aktivierung des Sympathicus und zur Ausschüttung von Adrenalin. Bis zur  

Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse und der 

daraus resultierenden Ausschüttung des Stresshormons Cortisol vergehen einige 

Minuten. Vereinfacht gesagt – so fährt der Gutachter fort – befand sich der  

Beschuldigte A._____ spätestens nachdem sich die beiden Schüsse aus der Waf-

fe gelöst hatten, unter dem Einfluss einer massiven traumatischen Stresseinwir-

kung (Urk. 100 S. 13). Der Beschuldigte A._____ befand sich in einem Gefühls-

sturm, welcher einerseits von grosser Angst, vielleicht sogar Todesangst, ander-

seits aber auch von grosser Wut gegenüber seinem Angreifer geprägt war. Aus  

-   44   - 

fachlicher, psychotraumatologischer Sicht lassen sich gemäss dem Gutachter die 

beobachteten Phänomene am Besten mit dem Begriff der sogenannten  

peritraumatischen Dissoziation fassen: Während und unmittelbar nach der  

traumatischen Einwirkung verlor der Beschuldigte A._____ die normale Kohärenz 

des Erlebens seiner eigenen Identität sowie seiner Umwelt. Das fehlende 

Schmerzerleben (sogenannte dissoziative Analgesie), das eigenartige  

Schwächegefühl in der linken Körperhälfte, das veränderte Zeiterleben sowie die 

fragmentierte Erinnerung (sogenannte psychogene Amnesie) sind dissoziative 

Symptome, welche während und unmittelbar nach einem traumatischen Erlebnis 

auftreten können. Laut dem Experten sind in einem solchen psychischen  

Ausnahmezustand gezielte Handlungen durchaus weiterhin möglich, die Ein-

sichts- und Steuerungsfähigkeit sind jedoch deutlich herabgesetzt (Urk. 100 S. 14; 

vgl. zur Verminderung der Schuldfähigkeit die nachstehende Erwägung IV.).  

Weiter legt der Gutachter dar, dass sich im Einzelfall schwer voraussagen lässt, 

welche Stressantwort ein Individuum angesichts einer lebensbedrohlichen  

traumatischen Stressbelastung auf der Handlungsebene wählt. Die Wichtigsten in 

der Literatur der Stressforschung beschriebenen Modalitäten sind die "Fight"-, 

"Flight"- und "Freeze"-Reaktionen. Danach kann das Individuum ohne zu überle-

gen, je nach dem individuellen Ablauf seiner physiologischen und neurohumora-

len Stressantwort, unmittelbar zum Kampf und damit zum Gegenangriff überge-

hen; es kann jedoch auch, ebenso unüberlegt, die Flucht ergreifen. Als dritte Mög-

lichkeit kann es zur "Freeze"-Reaktion kommen, welche im Tierreich als soge-

nannter Totstellreflex bekannt ist. Nüchtern betrachtet stuft der Experte die Stres-

santwort des Beschuldigten zwar als falsch und unvernünftig ein, da er die Ge-

fährlichkeit seiner Schussverletzung nicht abschätzen konnte und es zur Optimie-

rung der eigenen Überlebenschancen klüger gewesen wäre, in der Bar zu bleiben 

und die Sanität zu rufen. Aus psychotraumatologischer Sicht ist für den Gutachter 

die Reaktion des Beschuldigten jedoch durchaus nachvollziehbar. Sie kann als 

archaische, weitgehend neurobiologisch gesteuerte und damit der bewussten, 

vernunftgemässen Steuerung zu einem erheblichen Teil entzogene "Fight"-

Reaktion interpretiert und verstanden werden (Urk. 100 S. 14; Urk. 144 S. 23).  

-   45   - 

Zusammengefasst lag beim Beschuldigten A._____ laut der minutiös aufgezeig-

ten und überzeugenden Auffassung des Experten Prof. Dr. D._____ unmittelbar 

nach erlittenem Halsdurchschuss sowie einige Minuten später bei der eigenen 

Schussabgabe ein psychischer Ausnahmezustand vor mit ausgeprägten  

Symptomen einer peritraumatischen Dissoziation, welchen Prof. Dr. D._____ 
vor Vorinstanz als klassischen Fall einer peritraumatischen Dissoziation bezeich-

nete (Urk. 100 S. 17; Urk. 144 S. 14). Dabei wertete der Experte die eigene 

Schussabgabe des Beschuldigten sowie dessen aktenkundiges Nachtatverhalten 

als typische archaische Stressreaktion im Sinne einer "Fight"-Reaktion. Streng 

genommen handelt es sich laut der Expertenansicht bei der peritraumatischen 

Dissoziation zwar um ein gravierendes psychopathologisches Symptom bzw. 
Phänomen, jedoch nicht um eine eigentliche psychische Störung, weshalb sie 
nicht als Diagnose in den gängigen psychiatrischen Klassifikationssystemen  

erscheint. So ist (in Fachkreisen) bekannt, dass bei Traumaüberlebenden mit  

einer ausgeprägten peritraumatischen Dissoziation das Risiko, in der Folge eine 

psychische Störung, beispielsweise im Sinne einer akuten Belastungsreaktion, zu 

entwickeln, markant höher ist. Zum Zeitpunkt der traumatischen Einwirkung wird 

laut dem Gutachter jedoch streng genommen noch nicht von einer psychischen 

Störung gesprochen, nicht zuletzt deshalb, weil eine heftige Stressreaktion – wie 

hier – nicht nur als pathologisches Phänomen, sondern auch als adäquate 
physiologische Reaktion auf einen lebensbedrohlichen Stressor aufgefasst 
werden kann (Urk. 100 S. 17 f.; vgl. auch Urk. 133; Urk. 144, insbes. S. 19).  

2.5.5  Art. 113 StGB kommt zur Anwendung, falls der Täter in Verwirklichung ei-

ner (versuchten) Tötungshandlung in einer nach den Umständen entschuldbaren 

heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung handelt. Als 

heftige Gemütsbewegung gilt dabei ein starker emotionaler/psychologischer  

Zustand (BSK StGB II - Schwarzenegger, N 6 zu Art. 113). Dass sich der  

Beschuldigte im Zeitpunkt seiner Schussabgabe auf E._____ aufgrund des  

vorangehenden bewaffneten Angriffs durch