# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 514f3659-826c-5b4e-b131-4eb7bac16766
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2013-05-14
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 14.05.2013 RR.2013.1
**Docket/Reference:** RR.2013.1
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2013-1_2013-05-14

## Full Text

Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).;;Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG).

Entscheid vom 14. Mai 2013  
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Nathalie Zufferey Franciolli,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 

Parteien 

  

Gesellschaft A., vertreten durch Rechtsanwalt Da-

niel Holenstein,  

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT, Zweigstelle Zürich,  

Beschwerdegegnerin 

 

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutsch-

land 

 

Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2013.1 

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 

 

- die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen B., C., D., E. und 5 weite-

re beschuldigte Personen ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ge-

meinschaftlichen gewerbsmässigen Geldwäsche führt und in diesem Zu-

sammenhang die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit Rechtshilfeer-

suchen vom 17. Juni 2011 an die Schweiz gelangt ist und um Edition aller 

taterheblichen Bankunterlagen zu der bei der Bank F. AG in Z. geführten 

Kontoverbindung Nr. 1, lautend auf die G. SA, ersucht hat (act. 1.2);  

 

- die Bundesanwaltschaft als ausführende Behörde in ihrer Eintretens- und 

Zwischenverfügung vom 1. Juli 2011 auf das Rechtshilfeersuchen eintrat 

und die Bank F. AG mit separater Auskunfts- und Editionsverfügung vom 

28. Oktober 2011 anwies, die gewünschten Auszüge der Kontobeziehung 

Nr. 1, lautend auf die G. SA einzureichen (act. 1.3); 

 

- die Sichtung der von der Bank F. AG herausgegebenen Kontounterlagen 

eine Verbindung zu einem bei der Bank H. AG liegenden Konto Nr. 2, lau-

tend auf eine Gesellschaft A. mit Sitz in Liechtenstein zu Tage brachte, so-

dass die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 25. Mai 2012 die Bank 

H. AG aufforderte, die Kontounterlagen betreffend die Gesellschaft A. zu 

edieren;  

 

- mit Schlussverfügung vom 4. Dezember 2012 die Bundesanwaltschaft in 

Bezug auf die bei der Bank H. AG bestehende Bankverbindung Nr. 2, lau-

tend auf die Gesellschaft A., die Herausgabe der Kontoeröffnungsunterla-

gen, der Compliance-Akten/Übersicht Kundenkontakte, Auszüge zu Depot 

Nr. 3, des Vermögensverzeichnisses per 25. Mai 2012, der Bestätigungen 

von fiduziarischen Geldanlagen, der Auszüge zu Kontokorrent Nr. 4, 5 und 

6 sowie der Detailbelege zur Gutschrift und anschliessender Belastung von 

EUR 250'000.-- vom 8. Juli 2009 anordnete (act. 1.1).  

 

- dagegen die Gesellschaft A. mit Eingabe vom 28. Dezember 2012 bei der 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erhebt mit dem 

Antrag, die Schlussverfügung vom 4. Dezember 2012 sei aufzuheben und 

die beschlagnahmten Bankunterlagen seien der Beschwerdeführerin zu-

rückzugeben; eventualiter die Bewilligung der Rechtshilfe auf die Kontoer-

öffnungsunterlagen sowie die Detailbelege zur Gutschrift und anschlies-

sender Belastung von EUR 250'000.-- vom 8. Juli 2009 zu beschränken sei 

(act. 1);  

 

- 3 - 

 

 

- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") in seiner Vernehmlassung 

vom 22. Januar 2013 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde bean-

tragt (act. 6) und die Beschwerdegegnerin mit ihrer Eingabe vom 

5. Februar 2013 den Antrag stellt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, 

eventualiter sei die Beschwerde kostenfällig abzuweisen (act. 8);  

 

- die Gesellschaft A. in ihrer Replik vom 11. März 2013 die Feststellung der 

Nichtigkeit der Schlussverfügung vom 4. Dezember 2012 beantragt 

(act. 12), was dem BJ und der Beschwerdegegnerin am 12. März 2013 zur 

Kenntnis gebracht wird (act. 13);  

 

- Rechtsanwalt Daniel Holenstein aufforderungsgemäss dem Gericht mit 

Eingabe vom 16. April 2013 eine von der Gesellschaft A. am 2. Juli 2012 

erteilte Vollmacht einreichte (act. 14, 15 und 15.2);  

 

- im Beschwerdeverfahren als Partei nur zuzulassen ist, wer partei- und pro-

zessfähig und zudem im Sinne von Art. 80h IRSG zur Beschwerdeführung 

berechtigt ist; sich die Partei- und Prozessfähigkeit nach dem Zivilrecht be-

stimmt, wobei rechtsfähig die natürlichen Personen sowie die juristischen 

Personen des Privatrechts und des öffentlichen Rechts sind (MARANTELLI-

SONANINI/HUBER, in: WALDMANN/WEISSENBERGER [Hrsg.], Praxiskommentar 

zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 

2009, Art. 6 N 12 f.; KÖLZ/HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes, Zürich 1998, 2. Aufl., N 260);  

 

- dem Firmenindex des Grundbuch- und Öffentlichkeitsregisteramtes der 

Liechtensteinischen Landesverwaltung zu entnehmen ist, dass die Gesell-

schaft A., vormals eine Gesellschaft mit Sitz in Y./FL, am 13. März 2012 in 

Liquidation trat und am 20. September 2012 im Öffentlichkeitsregister ge-

löscht wurde (act. 8.3), was von Rechtsanwalt Daniel Holenstein nicht 

bestritten wird (act. 12 S. 1);  

 

- dies zum Verlust der Rechtspersönlichkeit der Gesellschaft A. und damit 

zum Untergang ihrer rechtlichen Existenz als Prozesspartei geführt hat 

(BGE 132 II 731 E. 3.1; Zirkulationsbeschluss des Kassationsgerichts des 

Kantons Zürich AA090015 vom 2. Februar 2010, E. II.1.; MEIER-

HAYOZ/FORSTMOSER, Schweizerisches Gesellschaftsrecht, Bern 2004, 

9. Aufl., N 444);  

 

- auf die Beschwerde der Gesellschaft A. daher nicht eingetreten werden 

kann; 

 

- 4 - 

 

 

- die Beschwerde vom wirtschaftlich Berechtigten am Liquidationserlös der 

erloschenen Gesellschaft A. hätte geführt werden müssen (Urteile des 

Bundesgerichts 1C_183/2012 vom 12. April 2012, E. 1.4; 1C_161/2011 

vom 11. April 2011, E. 1.3; 1A.284/2003 vom 11. Feb-ruar 2004, E. 1; 

1A.216/2001 vom 21. März 2002 E. 1.3.2; 1A.84/1999 vom 31. Mai 1999, 

E. 2c; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.151 vom 11. Septem-

ber 2009, E. 1.3.2; RR.2007.61 vom 25. Juli 2007, E. 2.2 m.w.H.); 

 

- die Schlussverfügung vom 4. Dezember 2012 im Übrigen an das von der 

Gesellschaft A. bezeichnete Zustelldomizil in der Schweiz, nämlich Rechts-

anwalt Daniel Holenstein, zugestellt wurde und die Zustellung damit grund-

sätzlich korrekt erfolgte (Art. 80m Abs. 1 lit. b IRSG);   

 

- replicando der Einwand erhoben wird, die Schlussverfügung sei nichtig, da 

deren Zustellung an eine nicht mehr bestehende juristische Person keine 

Rechtswirkung entfalte (act. 12 S. 2); 

 

- die Rechtsprechung Nichtigkeit annimmt, wenn ein Entscheid sich an eine 

nicht existierende Person richtet (Urteil des Bundesgerichts 6B_860/2008 

vom 10. Juli 2009 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

A-6829/2010 vom 4. Februar 2011 E. 2.2.2 ff., je m.w.H.);  

 

- Nichtigkeit jedoch voraussetzt, dass es sich bei der nicht existierenden 

Person um den materiellen Verfügungsadressaten handelt; 

 

- materieller Verfügungsadressat diejenige natürliche oder juristische Person 

ist, deren Rechte oder Pflichten die Verfügung regeln soll (MARANTELLI-

SONANINI/HUBER, a.a.O., Art. 6 N 7; auch "Adressat im primären Sinn"; vgl. 

BVGer, Zwischenentscheid B-1100/2007 vom 6. Dezember 2007, E. 3.3.1);  

 

- die Schlussverfügung vom 4. Dezember 2012 weder Rechte noch Pflichten 

der Gesellschaft A. regelt bzw. kein Prozessrechtsverhältnis zwischen der 

verfügenden Behörde und der Gesellschaft A. begründet; 

 

- die Gesellschaft A. mithin nicht materielle Verfügungsadressatin ist, son-

dern als Dritte zu betrachten ist, die zwar stärker als jedermann betroffen 

ist und in einer besonderen, nahen Beziehung zur Streitsache steht (sog. 

"Drittbetroffene" oder auch "sekundäre Adressatin", vgl. BVGer, Zwischen-

entscheid B-1100/2007 vom 6. Dezember 2007, E. 3.3.1) und ihr daher ein 

schutzwürdiges, unmittelbares Interesse an der Aufhebung der Schlussver-

fügung zuzusprechen wäre, wenn sie noch bestehen würde;  

 

- 5 - 

 

 

- mangels Qualifikation der Gesellschaft A. als materielle Verfügungsadres-

satin die Tatsache, dass sie nicht mehr existierte als die Schlussverfügung 

erlassen wurde, keine Nichtigkeit der Schlussverfügung bewirkt;  

 

- gegenteilig zu entscheiden dazu führen würde, dass in einer Vielzahl von 

Fällen die Rechtshilfe nicht vollzogen werden könnte bzw. der ersuchten 

Behörde überall dort, wo Offshore-Gesellschaften von der Rechtshilfe-

massnahme betroffen sind, es praktisch verunmöglich würde, die Rechts-

hilfe zu vollziehen, da es nahezu ausgeschlossen wäre abzuklären, ob die 

betroffenen juristischen Personen noch existieren;  

 

- die Kosten des Verfahrens vorliegend analog den Fällen, bei denen allfälli-

ge Verfahrenskosten der als vollmachtlosem Vertreter handelnden Person 

auferlegt werden (MARANTELLI-SONANINI/HUBER, a.a.O., Art. 11 N. 28; Teil-

entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2012.82 vom 7. Mai 2013), Rechts-

anwalt Daniel Holenstein aufzuerlegen sind; für die Berechnung der Ge-

richtsgebühr gemäss Art. 63 Abs. 5 VwVG das Reglement des Bundes-

strafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundes-

strafverfahren (BStKR) zur Anwendung gelangt; unter Berücksichtigung al-

ler Umstände die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 1'000.-- festzusetzen 

ist (Art. 5 und 8 Abs. 3 BStKR);  

 

- die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen ist, den geleisteten Kostenvor-

schuss von Fr. 4'000.-- an Rechtsanwalt Daniel Holenstein zuhanden des 

Leistungserbringers zurückzuerstatten;  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- 6 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird Rechtsanwalt Daniel Holenstein 

auferlegt. 

 

3. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, den geleisteten Kostenvor-

schuss von Fr. 4'000.-- an Rechtsanwalt Daniel Holenstein zuhanden des 

Leistungserbringers zurückzuerstatten.  

 

 

Bellinzona, 15. Mai 2013 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Daniel Holenstein 

- Bundesanwaltschaft, Zweigstelle Zürich 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).