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**Case Identifier:** e8d9ed60-1a5b-5524-9485-3384e5956806
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 17.06.2014 IV 2012/140
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-140_2014-06-17.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/140

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.06.2020

Entscheiddatum: 17.06.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 17.06.2014
Art. 28 IVG, Art. 8 IVG. Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit 
(Tierarztpraxis) zumutbar. Rückweisung zur Prüfung und allfälligen 
Durchführung von rentenaus schliessenden Eingliederungsmassnahmen 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Juni 
2014, IV 2012/140).

Entscheid Versicherungsgericht, 17.06.2014

Präsident Joachim Huber, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und

Miriam Lendfers; Gerichtsschreiberin Annina Baltisser

Entscheid vom 17. Juni 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, GN Rechtsanwälte, 

St. Leonhard-Strasse 20, Postfach 728, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 28. April 2009 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Als gesundheitliche 

Beeinträchtigungen nannte sie insbesondere ein Schleudertrauma 2002, eine 

Meningitis 2003 sowie eine atrophische Reflexdystrophie der rechten Hand als Folge 

eines Hundebisses 2007. Die Versicherte gab an, ab 1994 eine eigene Pferdepraxis 

betrieben zu haben. Ab dem Jahr 1998 habe sie wegen Problemen mit dem Becken/

Kreuzgelenk allmählich auf Kleintiere umgeschult. Seit dem 30. September 2002 seien 

keine körperlichen Arbeiten mehr möglich. Sie sei 80%

arbeitsunfähig und könne im verbleibenden 20%-Pensum teilweise nur mit Unter­

brüchen und Einschränkungen arbeiten (IV-act. 1, 2). Dr. med. B.___, Facharzt FMH für 

Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, nannte im Bericht vom 

15. Oktober 2009 die Diagnosen Status nach Hundebissverletzung der rechten Hand 

mit sympathischer Reflexdystrophie sowie Status nach Schleudertrauma mit 

chronischen Nackenschmerzen und ulnarer Irritation links. Dr. B.___ hielt fest, bei der 

Versicherten bestünden derart multiple Beschwerden, dass eine polydisziplinäre 

Begutachtung zu erfolgen habe (IV-act. 25).

A.b  In einer Stellungnahme vom 4. November 2009 hielt der IV-interne Regionale 

Ärztliche Dienst (RAD) fest, es seien eine medizinische Begutachtung sowie eine 

Tätigkeitserfassung notwendig (IV-act. 28). Gleichentags teilte die IV-Stelle der 

Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich 

seien und eine Abklärung im Betrieb durchgeführt werde (IV-act. 30).

A.c  Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die 

Versicherte am 30. Januar 2010 im Wesentlichen an, aus gesundheitlichen Gründen sei 

sie im Rahmen von bis zu acht Stunden pro Woche erwerbstätig, je nach 

Gesundheitszustand. Im Gesundheitsfall würde sie eine 80%ige Erwerbstätigkeit 

ausüben (IV-act. 35).

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A.d  Am 16. Februar 2010 erfolgte die Abklärung im Betrieb (IV-act. 39). Die zuständige 

Abklärungsperson hielt in ihrem Bericht vom 29. März 2010 fest, die Versicherte mache 

im Tätigkeitsvergleich eine Einschränkung von rund 75% geltend. Sie habe als 

Tierärztin mit eigener Praxis ab 2003 keinen Franken Einkommen ausgewiesen. Rein 

wirtschaftlich gesehen wäre sie heute, nach der üblichen Babypause, praktisch als 

Vollerwerbstätige zu qualifizieren, da sie vom Ehemann lediglich Anspruch auf 

Kinderrenten habe und deshalb finanziell auf sich allein gestellt sei (IV-act. 39-12 ff.).

A.e  Im Juni 2010 wurde die Versicherte durch die Medizinische Abklärungsstelle

(MEDAS) Ostschweiz orthopädisch, psychiatrisch sowie neuropsychologisch 

begutachtet. Im Gutachten vom 7. Juli 2010 nannten die Gutachter als Diagnosen ohne 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit u.a. eine Somatisierungsstörung, ein 

zervikozephales und -brachiales Schmerzsyndrom bei Status nach Unfall im 

September 2002, chronische Sakrum- und Symphysenschmerzen bei Status nach 

anamnestisch Beckensprengung während der Geburt des Sohnes 19__ sowie 

Osteochondrose und Spondylarthrose L3-5. Es wurde festgehalten, es bestehe 

überwiegend wahrscheinlich eine Somatisierungsstörung, da die von der Versicherten 

geäusserten Symptome nicht hätten objektiviert werden können. Der Ursprung hierfür 

seien vor allem IV-fremde Faktoren (familiäre Situation, Beziehung zum Ehemann, 

Teilleistungs- und Verhaltensstörung der Kinder, Probleme bei der Berufstätigkeit und 

bei den ökonomischen Verhältnissen). Die "Foerster'schen Kriterien" seien nicht erfüllt, 

weshalb kein Leiden bestehe, mit welchem eine längerdauernde Invalidität begründet 

werden könne. Polydisziplinär bestehe somit weder in der Tätigkeit als Tierärztin in 

einer Kleintierpraxis noch als Pferdeärztin eine signifikante Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 

44).

A.f   Mit Vorbescheid vom 20. Juli 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht mit der Begründung, es lägen keine 

Diagnosen vor, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkten (IV-act. 48). Dagegen liess 

die Versicherte am 17. September 2010 Einwand erheben und beantragen, der 

Vorbescheid sei aufzuheben, der medizinische Sachverhalt vollständig und fehlerfrei 

festzustellen und ein auf diesen Feststellungen basierendes, neues Gutachten zu 

erstellen (IV-act. 53).

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A.g  Mit Schreiben vom 9. Oktober 2010 nahm Dr. med. C.___, Facharzt FMH für 

Psychiatrie und Psychotherapie zum psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS 

Stellung. Er führte aus, die Versicherte sei seit August 2010 regelmässig bei ihm in 

Einzeltherapie. Es bestehe sehr wohl eine massive Leistungsverminderung von 

mindestens 80%. Als Diagnosen nannte Dr. C.___ ein chronisches larviertes 

mittelgradig depressives Zustandsbild (ICD-10 F 33.11), eine Persönlichkeitsstörung 

mit abhängigen und chaotischen Anteilen (ICD-10 F 60.7) sowie chronische Schmerzen 

(ICD-10 F 45.0). Die von den Gutachtern diagnostizierte Somatisierungsstörung 

vermöge nie ein derart gravierendes depressives Zustandsbild hervorzubringen; die 

psychiatrische Diagnose sei viel gravierender (IV-act. 55).

A.h  Im August 2011 erfolgte auf Veranlassung des RAD (vgl. die Stellungnahme vom 

20. Oktober 2010, IV-act. 56) eine Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS 

Ostschweiz. Im entsprechenden Gutachten vom 21. November 2011 wurde 

festgehalten, in psychiatrischer Hinsicht sei im Vergleich zum ersten Gutachten vom 7. 

Juli 2010 zusätzlich die Diagnose einer mittelgradig depressiven Episode seit Herbst 

2010 zu stellen. Die depressive Episode sei unabhängig von der Schmerzproblematik 

anzusehen, was sich auch dadurch zeige, dass sie erst im Herbst 2010 und damit viel 

später als die Schmerzproblematik aufgetreten sei. Damit bestehe eine primäre 

depressive Episode und somit eine psychiatrische Komorbidität. Die Arbeitsfähigkeit 

als Tierärztin sei im Durchschnitt durch die depressive Episode zu 50% eingeschränkt. 

Somatischerseits hinzugekommen sei die Möglichkeit einer sich entwickelnden 

Spondarthropathie als mögliche Miterklärung der chronischen symphysalen und 

lumbalen Beschwerden, ferner die bildgebende Dokumentation einer Chondropathie 

am linken Sprunggelenk sowie einer retropatellären Chondropathie rechts. Die 

Arbeitsunfähigkeit sei wegen teilweise erschwerter und verlangsamter 

Bewegungsabläufe auf 20% zu schätzen. Polydisziplinär sei die Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit auf insgesamt 50-60% zu schätzen, dies seit Herbst 2010 und unter 

Integration der somatischen Probleme. Die Ausübung der ursprünglichen Tätigkeit als 

Pferdeveterinärin sei nicht mehr möglich (IV-act. 64, insb. 64-13 ff., 64-24).

A.i   Mit Schreiben vom 25. Januar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass 

aufgrund der vorliegenden Unterlagen am bisherigen Entscheid festgehalten werde, 

und räumte ihr Gelegenheit zur Stellungnahme ein (IV-act. 67). Am 28. Februar 2012 

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liess sich die Versicherte dahingehend vernehmen, dass gestützt auf das MEDAS-

Gutachten vom 21. November 2011 von einer selbständigen, vom Schmerzsyndrom 

losgelösten psychischen Komorbidität aufgrund einer rezidivierenden Depression 

auszugehen sei. Darüber hinaus sei sie auch aus somatischer Sicht in ihrer 

Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Es hätte deshalb zwingend noch ein 

orthopädisches Teilgutachten eingeholt werden müssen, wie dies im Rahmen der 

ersten Begutachtung 2010 der Fall gewesen sei. Entsprechend werde um die 

Einholung eines solchen Teilgutachtens bzw. um Ergänzung des MEDAS-Gutachtens 

vom November 2011 ersucht. Eventualiter sei der IV-Grad aufgrund des 

Abklärungsberichts für Selbständigerwerbende zu berechnen (IV-act. 72).

A.j   Am 2. März 2012 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid. Zum Einwand der 

Versicherten führte sie an, die im MEDAS-Verlaufsgutachten vom November 2011 

diagnostizierte mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10

F 32.11) gelte im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als 

Begleiterscheinung der Somatisierungsstörung und nicht als selbständige, vom 

Schmerzsyndrom losgelöste psychische Komorbidität, welche sich aufgrund ihres 

Schweregrades unbestreitbar von der Schmerzstörung unterscheiden liesse. Die im 

Verlaufsgutachten aus psychiatrischer Sicht anerkannte 50%ige Arbeitsunfähigkeit 

halte im Lichte der für eine Unüberwindbarkeit der Schmerzsymptomatik 

massgebenden rechtlichen Kriterien nicht stand. In antizipierter Beweiswürdigung sei 

davon auszugehen, dass auch die Durchführung einer orthopädischen Untersuchung 

im Rahmen der Verlaufsbegutachtung nichts an diesem Ergebnis geändert hätte (IV-

act. 74).

B.    

B.a  Gegen diese Verfügung liess die neu durch Rechtsanwalt Michael B. Graf,

St. Gallen, vertretene Beschwerdeführerin am 23. April 2012 Beschwerde erheben und 

beantragen, die angefochtene Verfügung vom 2. März 2012 sei aufzuheben und es sei 

ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen, welches die Disziplinen Neurologie, 

Rheumatologie und Psychiatrie zu umfassen habe. Eventualiter sei der Versicherten ab 

1. August 2010 eine ganze Invalidenrente samt zwei Kinderrenten auszurichten, alles 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen 

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angeführt, die vorliegende medizinische Begutachtung lasse keine abschliessende 

Beurteilung der somatischen Einschränkungen zu, weshalb ein unabhängiges 

Gutachten einzuholen sei. Hinsichtlich des Eventualantrags machte der Rechtsvertreter 

der Beschwerdeführerin insbesondere geltend, bei der depressiven Episode handle es 

sich um eine primäre Diagnose, welche als eine psychische Komorbidität zu verstehen 

sei. Alleine aufgrund der psychischen Beschwerden, deren Überwindung nicht 

zumutbar sei, bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 55%. Die dadurch bedingten 

finanziellen Auswirkungen seien massiv und wie die Praxisstatistiken zeigten, 

verblieben vom Bruttoertrag nur 40% als Unternehmensgewinn. Wenn nun der 

Bruttoertrag entsprechend der Arbeitsunfähigkeit um 55% einbreche, reiche der 

verbleibende Ertrag nicht mehr aus, um den Aufwand zu ersetzen, womit ein 

Betriebsverlust resultiere. Entsprechend bestehe ein Anspruch auf eine ganze Rente 

(act. G 1).

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, das MEDAS-Gutachten 

vom 7. Juli 2010 weise keine Mängel auf und erfülle die von der Rechtsprechung 

entwickelten Kriterien an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. 

Gestützt auf dieses Gutachten sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin für die angestammte Tätigkeit als Tierärztin auszugehen. Auch 

dem Verlaufsgutachten vom 21. November 2011 sei in Bezug auf die medizinischen 

Tatsachen voller Beweiswert beizumessen. Jedoch bestehe kein Raum für die 

Annahme einer mit dem psychischen Leiden begründeten (teilweisen) Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit. Es liege in psychischer Hinsicht keine Invalidität im Rechtssinne 

vor und es sei von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in 

der angepassten Tätigkeit als selbständige Tierärztin in einer Kleintierpraxis 

auszugehen (act. G 4).

B.c  Mit Schreiben vom 17. September 2012 teilte der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht mit, diese lasse sich zurzeit weiter 

medizinisch untersuchen (act. G 8). Daraufhin sistierte das Versicherungsgericht das 

vorliegende Verfahren am 4. Oktober 2012 (act. G  11).

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B.d  Mit Replik vom 3. Dezember 2012 hielt der Rechtsvertreter an seinen Anträgen 

unverändert fest und reichte darüber hinaus weitere medizinische Unterlagen und 

Untersuchungsberichte ein (act. G 12.1/6-24). Er bestätigte im Wesentlichen seinen in 

der Beschwerde vorgebrachten Standpunkt und führte an, in den Gutachten seien 

nicht alle Beschwerden und Befunde berücksichtigt und die Situation nicht schlüssig 

gewürdigt worden. Die eingereichten Berichte zeigten deutlich auf, dass die MEDAS-

Gutachten der komplexen medizinischen Situation nicht gerecht würden (act. G 12, 

insb. 12-3, 12-17).

B.e  Am 13. Dezember 2012 hob das Versicherungsgericht die am 4. Oktober 2012 

verfügte Sistierung des Verfahrens auf (act. G 13).

B.f   Mit Duplik vom 21. Dezember 2012 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren 

Anträgen fest und verwies im Wesentlichen auf ihre Ausführungen in der 

Beschwerdeantwort (act. G 15).

B.g  Am 13. März 2013 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine

Honorarnote im Gesamtbetrag von Fr. 15'646.20 ein (act. G 18).

Erwägungen:

1.

Streitig und im vorliegenden Fall zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das

Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat.

1.   

1.1  Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit 

ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 

verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in 

Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Anspruch auf 

eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

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Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die 

Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% 

arbeitsunfähig gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% 

invalid sind.

1.2  Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens 

zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht 

Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf 

eine Viertelsrente.

2.   

2.1  Mit Blick auf die erwerbliche Situation der Beschwerdeführerin ist vorab zu prüfen, 

ob ihr gegebenenfalls die Aufgabe ihrer selbständigen Tätigkeit zugemutet werden 

kann. Die Rechtsprechung leitet die Pflicht der versicherten Person zur beruflichen 

Neueingliederung aus dem Gebot der Schadenminderung ab. Die versicherte Person 

soll alles ihr Zumutbare unternehmen, um die erwerblichen Folgen ihres 

Gesundheitsschadens bestmöglich zu mindern. Die Frage, ob und gegebenenfalls 

welche berufliche Neueingliederung von einer versicherten Person im Rahmen ihrer 

Pflicht zur Schadenminderung verlangt werden kann, beantwortet sich nach dem 

Grundsatz der Zumutbarkeit, der als Teilgehalt im verfassungsmässigen Grundsatz der 

Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV) enthalten ist (Thomas Locher, Grundriss des 

Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, § 4 Rz 26 ff.). Von der versicherten 

Person kann daher nur eine berufliche Umstellung verlangt werden, die ihr unter 

Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des 

Einzelfalles zumutbar ist, d.h. es darf sich nicht um realitätsfremde und in diesem Sinne 

unmögliche oder unverhältnismässige Vorkehren handeln. Für die Beurteilung der 

Zumutbarkeit eines Berufswechsels sind insbesondere das Alter der versicherten 

Person, die Art und Dauer ihrer bisherigen Berufstätigkeit, deren selbständige oder 

unselbständige Ausübung, die mit einer beruflichen Neueingliederung verbundene 

Veränderung der sozialen Stellung der versicherten Person, ihre persönlichen und 

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familiären Verhältnisse sowie die entsprechend grössere oder geringere Flexibilität 

hinsichtlich ihres Wohn- und Arbeitsortes massgebend. Ins Gewicht fällt auch die Art 

und Dauer der beanspruchten Versicherungsleistungen sowie deren Kosten. Denn die 

Anforderungen an die Schadenminderungspflicht sind zulässigerweise dort strenger, 

wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Sozialversicherung in Frage steht, wie dies 

beispielsweise bei Rentenleistungen an relativ junge Versicherte der Fall ist, denen in 

einer neuen beruflichen Tätigkeit noch eine lange Aktivitätsperiode verbleibt (vgl. Urteil 

des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche 

Abteilungen des Bundesgerichts] vom 23. Dezember 2004, I 316/04, E. 2.2, m.w.H.).

2.2  Die Beschwerdeführerin ist gemäss vorliegender Aktenlage seit ca. 1994 in ihrem 

erlernten Beruf als Tierärztin selbständig erwerbstätig. Nachdem sie zuerst als 

Pferdeveterinärin tätig gewesen war, schulte sie aus gesundheitlichen Gründen ab dem 

Jahr 1998 auf Kleintiere um und betrieb seitdem in D.___ eine Praxis für Kleintiere. Seit 

einem Autounfall im September 2002, bei welchem sie ein Schleudertrauma erlitten 

hatte, und einer im Jahr 2003 erlittenen Meningitis führte sie diese Tätigkeit in einem 

Pensum von rund 20% aus (vgl. IV-act. 1, 2, 36). Im Abklärungsbericht für 

Selbstständig-erwerbende vom 29. März 2010 wurde festgehalten, bei der 

Beschwerdeführerin laufe „seit 12 Jahren nichts mehr in geordneten Bahnen“. Die 

Beschwerdeführerin selbst bezeichnete ihre finanzielle Situation gegenüber der 

zuständigen Abklärungsperson als katastrophal (IV-act. 39-12). Tatsächlich ist es 

aufgrund der vorliegenden Unterlagen als ausgewiesen zu erachten, dass die 

Tierarztpraxis ein Verlustgeschäft darstellt. So kann die Beschwerdeführerin als 

Tierärztin mit eigener Praxis ab 2003 kein Einkommen ausweisen (vgl. diesbezüglich 

die Steuerbelege, IV-act. 37, sowie IV-act. 39-6). Vom zeitlichen Verlauf her kann 

hinsichtlich des Betriebs nicht mehr von einer Aufbau- bzw. Startphase, in welcher 

naturgemäss mit Verlusten gerechnet werden muss, ausgegangen werden. Dass die 

Beschwerdeführerin die Chancen für den Betrieb nach wie vor als gut einschätzt, da es 

in näherer Umgebung keine Konkurrenz gebe (vgl. IV-act. 39-4), hilft vorliegend nicht, 

da auch ohne konkurrierende Tierarztpraxis in den letzten Jahren kein Gewinn erzielt 

werden konnte. Auch kann vorliegend nicht davon ausgegangen werden, dass die 

Beschwerdeführerin mit der Expansion der Praxis ein gewisses Einkommen generieren 

könnte, zumal sie dies mit der Neueröffnung der Praxis am Wohnort und 

entsprechender flächenmässiger Vergrösserung der Räumlichkeiten im Jahr 2010 

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bereits versucht hat (vgl. IV-act. 39-4, 8, 12, sowie die Raumpläne, IV-act. 39-10 f.). Die 

Beschwerdeführerin selbst kann ihre Leistungsfähigkeit als Tierärztin aufgrund ihrer 

multiplen Beschwerden nur noch in geringem Masse, im Umfang von 2-3 Stunden pro 

Tag ausschöpfen (vgl. IV-act. 39-5, 7; gemäss Betätigungsvergleich besteht eine ca. 

75%ige Einschränkung). Wie die vorliegenden Akten zeigen, kann sie diese 

Leistungsdefizite jedoch entgegen ihren Vorstellungen nicht mit der Anstellung von 

Personal, welches die zentralen Aufgaben in den Bereichen Chirurgie, Aussendienst 

und Lehrlingsbetreuung für sie übernimmt, kompensieren; eine Gewinnerzielung blieb 

auch mit dieser Umdisponierung aus. Entsprechend muss auch der Versuch der 

Beschwerdeführerin, durch eine neue Arbeitsorganisation und -aufteilung die 

nachteiligen Auswirkungen ihrer Gesundheitsbeschwerden zu beseitigen oder 

zumindest herabzusetzen, als gescheitert bezeichnet werden. Damit ist im Sinne einer 

Gesamtwürdigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin nur in einer anderen Tätigkeit ein (höheres) Einkommen erzielen 

könnte. Unter diesen Umständen ist die Aufgabe der selbständigen Tätigkeit als 

zumutbar zu erachten. Zwar ist es durchaus verständlich, dass die Beschwerdeführerin 

aufgrund der getätigten Investitionen und der Freude am Beruf an ihrer Tierarztpraxis 

festhalten möchte. Dies kann indessen längerfristig nicht zulasten der 

Invalidenversicherung geschehen.

3.   

3.1  Da es der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten zumutbar ist, ihre selbständige 

Erwerbstätigkeit aufzugeben, ist folglich ein Berufswechsel notwendig, zumal es 

aufgrund der vorliegenden Aktenlage als ausgewiesen zu erachten ist, dass die 

Beschwerdeführerin weder ihren angestammten Beruf als Pferdeveterinärin, noch ihre 

letzte Tätigkeit als Veterinärin für Kleintiere im Angestelltenverhältnis ausüben kann. 

Ihre Leistungsfähigkeit reicht für diese beruflichen Tätigkeiten aufgrund ihrer multiplen 

Beschwerden offensichtlich nicht aus. Entsprechend drängt sich die Frage nach der 

Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf.

3.2  Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte 

Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und 

geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu 

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betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die 

Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). 

Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung 

einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität (Art. 8 Abs. 1bis IVG). Die 

Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem aus Massnahmen beruflicher Art, 

welche Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, 

Arbeitsvermittlung und Kapitalhilfe umfassen (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).

3.3  Neben der Frage nach einem allfälligen Eingliederungsanspruch der 

Beschwerdeführerin, stellt sich auch jene nach der Eingliederungspflicht der 

Beschwerdegegnerin (Grundsatz der "Eingliederung vor Rente"; vgl. Ueli Kieser, ATSG-

Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz 22 zu Art. 16 sowie Rz 15 zu Art. 7). Nach 

diesem Grundsatz soll keine Invalidenrente ausgerichtet werden, bevor nicht alles 

Mögliche und Zumutbare versucht worden ist, um die behinderungsbedingte 

Erwerbseinbusse zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren. Die versicherte Person 

hat die Pflicht, sich geeigneten und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen zu 

unterziehen, wenn ohne berufliche Massnahmen ein Rentenanspruch droht. Die 

Verwaltung hat ihrerseits die Pflicht, vor dem Entscheid über die Rentenfrage von 

Amtes wegen alle Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden. 

Im vorliegenden Fall hatte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin lediglich 

mitgeteilt, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien 

(vgl. die Mitteilung vom 4. November 2009, IV-act. 30). Es ist vorliegend nicht 

ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin sämtliche zumutbaren 

Eingliederungsmöglichkeiten vor der Rentenprüfung ausgeschöpft hätte. Sie hat somit 

den Grundsatz Eingliederung vor Rente verletzt bzw. über den Rentenanspruch 

verfrüht entschieden.

3.4  Die Beschwerdegegnerin wird umfassend zu prüfen haben, ob und gegebenenfalls 

welche Eingliederungsmassnahmen angezeigt sind. Dabei scheinen angesichts der 

überdurchschnittlich anspruchsvollen Berufsausbildung, welche die 

Beschwerdeführerin absolviert hat, eine Berufsberatung (Art. 15 IVG) und eine 

anschliessende Umschulung (Art. 17 IVG) als notwendig. Im Rahmen der 

Eingliederungsprüfung wird die Beschwerdegegnerin insbesondere die subjektive 

Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu prüfen sowie sich mit der Frage 

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auseinanderzusetzen haben, ob sich eine geeignete Umschulung entsprechend der 

Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin finden lässt. In diesem Zusammenhang wird 

auch eine erneute Prüfung der medizinischen Grundlagen und des 

Arbeitsunfähigkeitsgrads im Zeitpunkt der Eingliederung vorzunehmen sein. Dabei ist 

es in Bezug auf eine allfällige Umschulung aufgrund der vorliegenden Aktenlage als 

ausgewiesen zu erachten, dass die Beschwerdeführerin eine nicht unwesentliche 

Erwerbseinbusse (von etwa 20%, vgl. m.w.H. Ulrich Meyer, Die Rechtsprechung des 

Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. Zürich 2010, S. 191) erleidet. So hatte sich die 

Beschwerdeführerin vor Eintritt der Gesundheitsschäden offenkundig als selbständig 

erwerbstätige Pferdeveterinärin eine Existenz aufgebaut und ein Einkommen erzielt (vgl. 

z.B. die Veranlagungsberechnung 2001, IV-act. 37), wogegen sie nach der 

gesundheitsbedingten Umschulung auf Kleintiere kein Einkommen mehr erzielen 

konnte.

4.   

4.1  Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 2. März 2012 aufzuheben. Die Sache 

ist im Sinn der Erwägungen zur Abklärung der Ansprüche aus 

Eingliederungsmassnahmen und neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

4.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles 

Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin 

entsprechend. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. 

Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin 

zurückzuerstatten.

4.3  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 

22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat am 13. März 2013 eine Honorarnote in der 

Höhe von Fr. 15'646.20 eingereicht (act. G 18). Diese erscheint mit Blick auf 

vergleichbare Fälle als zu hoch. Jedoch handelt es sich vorliegend im Vergleich mit 

üblichen Beschwerdeverfahren im Invalidenversicherungsbereich um einen 

überdurchschnittlich aufwändigen Fall, weshalb es sich rechtfertigt, von der Pauschale 

von Fr. 3'500.-- für durchschnittliche Fälle abzuweichen und die Entschädigung für den 

notwendigen Aufwand mit Blick auf die Komplexität, die Schwierigkeit und den Umfang 

der Streitsache auf pauschal Fr. 6'000.-- (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) festzulegen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.    In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 2. März 2012 aufgehoben 

und die Sache im Sinn der Erwägungen zur Abklärung der Ansprüche aus 

Eingliederungsmassnahmen und neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.    Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurücker­

stattet.

3.    Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 6'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 17.06.2014
	Art. 28 IVG, Art. 8 IVG. Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit (Tierarztpraxis) zumutbar. Rückweisung zur Prüfung und allfälligen Durchführung von rentenaus schliessenden Eingliederungsmassnahmen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Juni 2014, IV 2012/140).

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		2025-07-19T09:49:47+0200
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