# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 425c84ef-9ac7-5dfd-a2af-62c3e0b85a2f
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-21
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 21.03.2024 VG.2023.00070 (VG.2024.1341)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00070_2024-03-21.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 21. März 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Jolanda Hager,
  Verwaltungsrichter Patrik Noser und Gerichtsschreiberin MLaw Valentina
  Flückiger

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00070

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Werner Marti, Rechtsanwalt,

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemeinde Glarus Süd

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
  	
    3.

    	
    Regierungsrat des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  A.______
  reichte am […] ein Gesuch für den Neubau eines Einfamilienhauses auf den in
  der Landwirtschaftszone gelegenen Parz.-Nrn. 01 und 02, Grundbuch […],
  ein, wobei dieses seinem Landwirtschaftsbetrieb als Betriebsleiterwohnhaus
  dienen solle.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Nachdem
  das Departement Bau und Umwelt des Kantons Glarus (DBU) seine Zustimmung zum
  Bauvorhaben von A.______ am 4. April 2022 verweigert hatte, wies die
  Gemeinde Glarus Süd sein Baugesuch am 17. Mai 2022 ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Gegen
  die Teilverfügung des DBU vom 4. April 2022 und gegen den Entscheid der
  Gemeinde Glarus Süd vom 17. Mai 2022 erhob A.______ am 15. Juni 2022
  Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Glarus. Letzterer wies die
  Beschwerde am 6. Juni 2023 ab.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1
  A.______ gelangte mit Beschwerde vom 10. Juli 2023 ans Verwaltungsgericht
  und beantragte die Aufhebung des Entscheids des Regierungsrats vom
  6. Juni 2023. Die Sache sei an die Gemeinde Glarus Süd bzw. an das DBU
  zurückzuweisen, damit diese das Baugesuch unter Berücksichtigung der Auflagen
  der kantonalen Amtsstellen und im Hinblick auf eine Überarbeitung des
  Baugesuchs bewilligten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des
  Regierungsrats. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Einholung eines
  Amtsberichts beim kantonalen Amt für Landwirtschaft. Dieses solle beurteilen,
  ob der aktuell zur Verfügung stehende Wohnraum den Anforderungen an seinen Betrieb
  genüge.

  
	
   

  
	
  4.2
  Das DBU und der Regierungsrat schlossen am 8. August 2023 bzw. am
  30. August 2023 auf Abweisung der Beschwerde. Auf die Einholung eines
  Amtsberichts sei zu verzichten; unter Kostenfolge. Die Gemeinde Glarus Süd
  liess sich am 11. September 2023 vernehmen und beantragte ebenfalls die
  Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  4.3
  Am 13. September 2023 ersuchte das Verwaltungsgericht das Amt für
  Landwirtschaft des Kantons Glarus um Einreichung eines Amtsberichts, welcher
  am 6. Dezember 2023 erstattet wurde.

  
	
   

  
	
  4.4
  Der Regierungsrat verzichtete am 12. Dezember 2023 auf eine Stellungnahme zum
  Amtsbericht. Das DBU hielt am 19. Dezember 2023 an seinen Anträgen fest. Die
  Gemeinde Glarus Süd liess sich am 5. Januar 2024 vernehmen und erneuerte ihre
  Anträge. Der Beschwerdeführer reichte innert Frist keine Stellungnahme ein.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1
  Das Verwaltungsgericht ist gemäss
  Art. 79 Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom
  2. Mai 2010 (RBG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. a des
  Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Gemäss Art. 107 Abs. 1 VRG können mit der
  Verwaltungsgerichtsbeschwerde die unrichtige oder unvollständige Feststellung
  des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) sowie die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b)
  gerügt werden. Die Unangemessenheit des Entscheids kann gemäss
  abschliessender Aufzählung in Art. 107 Abs. 2 VRG nur ausnahmsweise geltend
  gemacht werden, wobei ein solcher Ausnahmefall nicht vorliegt.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Unbestritten und aktenkundig ist, dass der
  Beschwerdeführer einen Landwirtschaftsbetrieb mit einer Grösse von fast 39
  Hektaren bewirtschaftet. Er ist Meisterlandwirt und darf in dieser
  Eigenschaft Lehrlinge ausbilden. Gemäss dem vom Verwaltungsgericht
  eingeholten Bericht des Amts für Landwirtschaft vom 6. Dezember 2023 hält er
  auf seinem Betrieb 34 Mutterkühe, vier Stiere, 14 Rinder, 180 Legehennen
  und drei Pensionspferde, wobei ein Betrieb dieser Grösse 2.97 Standardarbeitskräften
  (SAK) entspricht. Sodann befindet sich das Wohnhaus des Beschwerdeführers
  aktuell in der Bauzone auf der Parz.-Nr. 03, Grundbuch […]. Es verfügt
  über ein Wohnzimmer mit Küche, ein Schlafzimmer, ein Kinderzimmer sowie ein
  Bad. Ferner hat der Beschwerdeführer eine fünfjährige Tochter, ist jedoch
  nicht verheiratet. Die Distanz zwischen dem Hauptstall auf der Parz.- Nr. 02,
  Grundbuch […], und dem Wohnhaus beträgt schliesslich etwa 350 m, wobei
  die Zufahrt zum Hauptstall über die […]gasse erfolgt.

  
	
   

  
	
  2.2 Der Beschwerdeführer will ein Betriebsleiterhaus
  auf den in der Landwirtschaftszone gelegenen Parz.-Nrn. 01 und 02, Grundbuch
  […], erstellen. Dabei beabsichtigt er den Bau eines zweistöckigen Holzhauses
  mit Giebeldach und einem massiven Sockelgeschoss. Im Untergeschoss ist eine
  Garage, ein Keller, ein Technikraum sowie eine Eierfabrik vorgesehen. Im
  Erdgeschoss soll ein Dusch- und Waschraum, ein separates Tages-WC, eine
  Garderobe, ein Wohn- und Esszimmer, ein separates Büro sowie eine Terrasse
  gebaut werden. Im Obergeschoss sind vier Zimmer sowie ein weiteres Bad
  geplant. Das Dachgeschoss soll derzeit noch nicht ausgebaut werden. Er, der
  Beschwerdeführer, möchte das Betriebsleiterhaus inskünftig mit seiner Familie
  bewohnen. Soweit er einen Lehrling ausbildet, soll dieser ebenfalls im
  Betriebsleiterhaus wohnen können. Das bereits bestehende Wohnhaus in der Bauzone
  soll dabei den Angestellten des Betriebs zur Verfügung stehen und als Stöckli
  für die Betriebsnachfolge dienen.

  
	
   

  
	
  2.3 Die Beschwerdegegner 2 und 3 haben das Bauvorhaben
  insbesondere mit der Begründung nicht bewilligt, dass die vom
  Beschwerdeführer schwerpunktmässig betriebene Mutterkuhhaltung keine ständige
  Anwesenheit auf dem Betrieb erfordere. Darüber hinaus betrage der Arbeitsweg
  zwischen dem Wohnhaus und dem Betrieb weniger als einen Kilometer, was
  zumutbar sei. Des Weiteren sei die vom Beschwerdeführer vorgesehene
  personelle und familiäre Entwicklung des Betriebs vage, weshalb aktuell kein
  Bedarf nach zusätzlichem Wohnraum bestehe. Schliesslich sei das Bauvorhaben
  auch unter dem Blickwinkel der Gleichbehandlung im Unrecht nicht
  bewilligungsfähig. Die Beschwerdegegnerin 1 wies im Übrigen darauf hin,
  dass ihr betreffend Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone keine
  Entscheidkompetenz zukomme.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Streitgegenstand bildet die Zonenkonformität des vom
  Beschwerdeführer geplanten Betriebsleiterwohnhauses. Hierbei ist zunächst auf
  seine Vorbringen hinsichtlich des fehlenden Wohnraums einzugehen.

  
	
   

  
	
  3.1.1 Unbestrittenermassen verfügt der Beschwerdeführer
  in der Liegenschaft auf der Parz.-Nr. 03, Grundbuch […], gegenwärtig
  über genügend Wohnraum für sich und seine Tochter. Er beabsichtigt jedoch,
  inskünftig mit seiner Partnerin und weiteren Kindern zusammenzuleben. Vor
  diesem Hintergrund ist nicht in Abrede zu stellen, dass diesfalls womöglich
  ein Bedarf an zusätzlichem Wohnraum entstehen würde. Indessen ist die
  angestrebte Familienvergrösserung für die Beurteilung der
  Bewilligungsfähigkeit des geplanten Betriebsleiterwohnhauses unbeachtlich.
  Denn bei der Frage, ob eine geplante Baute den Bedürfnissen des Betriebs
  entspricht, ist primär auf die bestehenden Verhältnisse abzustellen. Künftige
  Bedürfnisse können zwar ebenfalls berücksichtigt werden. Diesfalls müssen sie
  aber mit einiger Sicherheit feststehen (vgl. BGer-Urteil 1C_647/2012 vom
  3. September 2014 E. 9, mit Hinweis). Die Entwicklung der familiären Verhältnisse
  in ferner Zukunft ist naturgemäß nicht mit der erforderlichen Sicherheit
  voraussehbar. Dementsprechend hat die vorgesehene Vergrösserung der Familie
  bei der Beurteilung des Bauprojekts unberücksichtigt zu bleiben. Dasselbe
  gilt für die Absicht des Beschwerdeführers, im Wohnhaus ein Stöckli für die
  abtretende Generation – mithin für sich selbst nach Erreichen des
  Pensionsalters – einzurichten. Dies nicht zuletzt weil der Beschwerdeführer
  erst 33 Jahre alt ist.

  
	
   

  
	
  3.1.2 Sodann vermag der Umstand, dass der
  Beschwerdeführer inskünftig Lehrlinge ausbilden möchte, ebenfalls keinen
  Anspruch auf zusätzlichen Wohnraum zu begründen. Es besteht nämlich keine
  rechtliche Pflicht, Landwirtlehrlinge auf dem Betrieb oder im nahegelegenen
  Wohnhaus unterzubringen (vgl. auch das Merkblatt des landwirtschaftlichen
  Lehrbetriebverbunds Graubünden und Glarus zum vertraglichen Teil des
  Lehrverhältnisses, vom Januar 2024, S. 11). Vorliegend sind denn auch
  keine Umstände ersichtlich, die deren Unterbringung im Wohnhaus des Beschwerdeführers
  oder im geplanten Betriebsleiterhaus ausnahmsweise erfordern würden. Soweit
  Letzterer einen Lehrling ausbilden sollte, welcher nicht bereits in
  unmittelbarer Nähe des Landwirtschaftsbetriebs wohnt, ist davon auszugehen,
  dass im nahen Umkreis des Betriebs eine Unterkunft (beispielsweise in Form
  eines Zimmers bei einer Gastfamilie oder in einer Wohngemeinschaft) gefunden
  werden kann. Der B.______ "Im […]", in welchem sich das Wohnhaus
  des Beschwerdeführers befindet, liegt etwa 300 Meter, der Dorfkern von
  […] etwa einen Kilometer, vom Hauptstall entfernt. Vor diesem Hintergrund ist
  festzuhalten, dass selbst ein Arbeitsweg von einem Kilometer, welcher
  aufgrund der hier vorliegenden topografischen Verhältnisse einer Fahrzeit mit
  dem Fahrrad von drei bis zehn Minuten oder einem Fußweg von 15 bis 20 Minuten
  entspricht, einem Auszubildenden zuzumuten ist.

  
	
   

  
	
  3.1.3 Der Bedarf des Beschwerdeführers nach zusätzlichen
  Arbeitskräften wird bei einem SAK-Wert von 2.97 ferner nicht in Abrede
  gestellt. Soweit er allerdings vorsieht, Angestellte im frei gewordenen
  Wohnhaus unterzubringen, ist darauf hinzuweisen, dass diesen weder auf dem
  Betrieb noch in unmittelbarer Nähe des Betriebs zwingend Wohnraum
  bereitgestellt werden muss. Rechtsprechungsgemäss ist es ihnen nämlich
  zuzumuten, zwischen dem Hof und deren Wohnungen mit dem Auto oder dem Fahrrad
  hin- und herzupendeln, sofern die Wohnzone in einer Entfernung von 1,4
  bzw. 1,5 Kilometer liegt (BGer-Urteil 1C_631/2021, 1C_639/2021 vom
  16. Oktober 2023 E. 5.4). Zumutbar ist überdies auch ein Fussmarsch
  von 20 bis 30 Minuten, um an den Betriebsstandort zu gelangen
  (BGE 121 II 67 E. 3a, mit Hinweis). Vorliegend befindet
  sich die nächstgelegene Wohnzone, wie bereits dargelegt, lediglich etwa
  300 Meter und der Dorfkern von […] etwa einen Kilometer vom Hauptstall
  entfernt. Preiswerte Wohngelegenheiten sind dabei im und um den Dorfkern von
  […] und damit in zumutbarer Distanz genügend vorhanden (vgl. bspw. die
  Inserate auf der Immobilienplattform "Homegate"). Folglich ist auch
  mit Blick auf die Anstellung von Mitarbeitern kein zusätzlicher Wohnraum
  erforderlich.

  
	
   

  
	
  3.1.4 Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass der
  Beschwerdeführer derzeit über ausreichend Wohnraum verfügt, weshalb das
  Bauvorhaben unter dem Blickwinkel der Notwendigkeit von zusätzlichem Wohnraum
  nicht weiter zu prüfen ist. Daran vermögen auch die Schlussfolgerungen des
  Amts für Landwirtschaft im Amtsbericht vom 6. Dezember 2023, wonach der
  Beschwerdeführer sowohl für seine Familie als auch für Lehrlinge und Angestellte
  zusätzlichen Wohnraum benötige, nichts zu ändern. Denn bei der Beurteilung,
  ob unter den gegebenen Umständen ein Bedarf an zusätzlichem Wohnraum besteht,
  handelt es sich grundsätzlich um eine Rechtsfrage, die das Gericht frei
  überprüfen kann. Insofern ist das Verwaltungsgericht nicht an die
  Ausführungen des Amts für Landwirtschaft gebunden.

  
	
   

  
	
  3.2 Es bleibt damit zu beurteilen, ob sich das
  streitbetroffene Bauvorhaben wegen einer Vereinfachung der Arbeitsabläufe
  oder wegen einer verkürzten Distanz zwischen Wohnhaus und Betrieb als
  zonenkonform qualifizieren lässt.

  
	
   

  
	
  3.2.1 Die seit dem 1. September 2000 in Kraft stehenden
  Regelungen zur Zonenkonformität von Wohnbauten in der Landwirtschaftszone
  gemäss Art. 16a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22.
  Juni 1979 (RPG) sowie Art. 34 Abs. 3 der Raumplanungsverordnung vom 28.
  Juni 2000 (RPV) knüpfen an die bundesgerichtliche Rechtsprechung an, wonach
  Wohnraum in der Landwirtschaftszone nur dann zonenkonform ist, wenn er in
  einer unmittelbaren funktionellen Beziehung zu einem Landwirtschaftsbetrieb
  steht und für die bodenabhängige Nutzung des Landes unentbehrlich erscheint.
  Dies ist dann der Fall, wenn für die zonenkonforme Bewirtschaftung des Bodens
  eine lange Anwesenheit vor Ort erforderlich ist und die nächstgelegene
  Wohnzone weit entfernt liegt. Das Recht, ausserhalb der Bauzone zu wohnen,
  ist einem relativ engen Personenkreis vorbehalten. Hierzu zählen nur Leute,
  die als Betriebsinhaber oder als Hilfskraft unmittelbar in der Landwirtschaft
  tätig sind, sowie ihre Familienangehörigen und die abtretende Generation, die
  ein Leben lang in der Landwirtschaft tätig war. Im Interesse, die
  Zersiedelung des Landes zu verhindern, stellt die Rechtsprechung an die
  Zonenkonformität von Wohnraum in der Landwirtschaftszone strenge
  Anforderungen und bejaht sie nur zurückhaltend. Die Unentbehrlichkeit von
  Wohnraum beurteilt sich allein nach objektiven Kriterien. Subjektive
  Vorstellungen und Wünsche sind ebenso wenig massgebend wie die persönliche
  Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit (BGer-Urteil 1C_227/2014 vom 11. Mai
  2016 E. 3.1 f., mit Hinweisen). Hinzuweisen bleibt schliesslich
  darauf, dass der Ständerat diesbezügliche Lockerungen der
  raumplanungsrechtlichen Vorschriften in der Sommersession 2022 deutlich
  abgelehnt hat (vgl. Antrag von Ständerat Peter Hegglin auf eine Änderung von
  Art. 16a RPG bei der Beratung der RPG 2-Revision, AB 2022
  S. 473 ff., ferner die Motion Nr. 15.3397 von Nationalrat Leo
  Müller "Landwirtschaftliche Tierhalter müssen beim Stall wohnen
  dürfen" vom 24. September 2015, vom Ständerat abgelehnt am
  16. Juni 2022 [AB 2022 S. 619 f.]). Entsprechend sind
  solche gesetzgeberischen Lockerungen nicht zeitnah zu erwarten.

  
	
   

  
	
  3.2.2 Das Bundesgericht hatte den Wohnbedarf im
  Zusammenhang mit der Haltung von Grossvieh bereits mehrfach zu prüfen. In
  einem Fall betreffend ein Bauermittlungsgesuch, wo das bisherige, in der
  Bauzone gelegene Wohnhaus je nach Projekt 250 bzw. 500 Meter vom
  neu zu erstellenden Ökonomiegebäude entfernt lag und keine Sichtverbindung
  bestand, verneinte es die Erforderlichkeit von Wohnraum in der
  Landwirtschaftszone. Es hielt insbesondere fest, die vom Bauherrn ins Auge
  gefasste Milch- und Muttertierhaltung sowie Schweinemast und -zucht könnten
  bei solch kurzen Anfahrtswegen auch von der Bauzone aus wirksam überwacht
  werden (BGer-Urteil 1A.120/1998 vom 21. Juni 1999 E. 2, mit
  Hinweisen). Verneint wurde die Zonenkonformität sodann bei einer Distanz von
  1.2 Kilometern zwischen Wohnort und Hof, wobei der Viehbestand zwischen
  14 und 20 Grossvieheinheiten betrug und zusätzlich die unmittelbare Nähe
  von 50 Metern zur Bauzone berücksichtigt wurde (BGer-Urteil 1C_169/2012
  vom 19. März 2013 E. 5.2). Ebenfalls verneint wurde die
  Zonenkonformität bei einer Distanz von 450 Metern zwischen dem
  bestehenden Wohnhaus und dem Ökonomiegebäude bei einem Betrieb mit
  Mutterkuhhaltung. Das Bundesgericht hielt fest, bei einem derart kurzen
  Anfahrtsweg sei eine wirksame Überwachung des Betriebs ohne nennenswerten
  Zeitverlust auch von der Bauzone aus möglich. Die Anzahl der notwendigen
  Kontrollgänge lasse sich allenfalls mit technischen Überwachungseinrichtungen
  mit geringem Aufwand vermindern (BGer-Urteil 1C_67/2007 vom
  20. September 2007 E. 3.4, mit Hinweisen, vgl. zum Ganzen:
  BGer-Urteil 1C_227/2014 vom 11. Mai 2016 E. 3.4). Verneint wurde die
  Zonenkonformität weiter in einem Fall, in welchem das neue
  Betriebsleiterwohnhaus eines Milchwirtschaftsbetriebs mit 51 Milchkühen,
  32 Mastkälbern und acht Aufzuchtrindern etwa 450 Meter vom bereits
  bestehenden Wohnhaus erstellt werden sollte. Das Bundesgericht erwog, die
  Strassen seien gut und wiesen wenig Gefälle auf. Gehe man für die Dauer der
  Velofahrt zwischen bestehendem Wohnhaus und Stall von zwei bis drei Minuten
  sowie im Normalfall von vier Hin- und Rückfahrten pro Tag aus, so nähmen die
  Transfers mit dem Fahrrad gesamthaft 16 bis 24 Minuten in Anspruch, mit dem
  Auto noch weniger. Dies erscheine zumutbar, auch bei einer Sieben-Tage-Woche
  und langen Arbeitstagen. Abermals wies das Bundesgericht schliesslich darauf
  hin, dass die aufgrund der Distanz erschwerte Überwachung mit technischen
  Einrichtungen (Kameras und Mikrofone) teilweise kompensiert werden könne.
  Ausserdem sei es dem Betriebsleiter unbenommen, im Stallgebäude einen
  Ruheraum einzurichten, um ermüdende nächtliche Transfers in besonderen
  Situationen zu vermeiden, etwa wenn Kühe krank seien oder kalbten
  (BGer-Urteil 1C_227/2014 vom 11. Mai 2016 E. 4.5).

  
	
   

  
	
  3.2.3 Der Beschwerdeführer betreibt primär
  Mutterkuhhaltung mit aktuell 34 Kühen. Daneben hält er 14 Rinder, vier
  Stiere, 180 Legehennen und drei Pensionspferde. Die Distanz zwischen dem
  Wohnhaus und dem Betrieb beträgt etwa 350 Meter. Mit dem Auto ist der Betrieb
  dementsprechend in weniger als einer Minute erreichbar. Zu Fuss ist mit etwa
  fünf Minuten zu rechnen (vgl. Google Maps). Vor diesem Hintergrund und mit
  Blick auf die oben zitierte Rechtsprechung liegt damit keine Notwendigkeit
  eines Betriebsleiterwohnhauses in der Landwirtschaftszone vor. So ist
  insbesondere auf das höchstrichterliche Urteil zu verweisen, wonach auf einem
  Betrieb mit 51 Milchkühen, 32 Mastkälbern und acht Aufzuchtrindern
  keine dauernde Anwesenheit erforderlich und ein Arbeitsweg von etwa
  450 Meter zumutbar sei. Der Arbeitsweg des Beschwerdeführers ist
  demgegenüber um rund 100 Meter kürzer und sein Tierbestand wesentlich
  geringer. Folglich bedarf auch der Betrieb des Beschwerdeführers
  grundsätzlich keiner dauernden Anwesenheit und sein Arbeitsweg von etwa 350
  Meter mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuss ist ihm zuzumuten. Besondere
  Umstände, welche vorliegend ausnahmsweise eine fortgesetzte bzw. dauernde
  Überwachung begründen oder den Arbeitsweg als unzumutbar erscheinen lassen
  würden, ergeben sich weder aus dem eingeholten Bericht des Amts für
  Landwirtschaft noch vermag der Beschwerdeführer solche aufzuzeigen.
  Dementsprechend kann er seinen Betrieb ohne nennenswerten Zeitverlust von der
  Bauzone aus bewirtschaften und unter Zuhilfenahme technischer Einrichtungen
  sowie allenfalls mittels eines installierten Ruheraums überwachen.

  
	
   

  
	
  3.2.4 Am soeben Dargelegten vermag der Umstand, dass der
  Beschwerdeführer zusätzlich ungefähr 180 Legehennen hält, nichts zu ändern,
  zumal die Haltung von Legehennen nicht besonders arbeits- und
  überwachungsintensiv ist. Ebenso wenig kann die Problematik im Zusammenhang
  mit der Eierverarbeitung entscheidrelevant sein. So sind Unzulänglichkeiten
  bei der Produkteverarbeitung bzw. -verpackung aufgrund ungünstiger räumlicher
  Verhältnisse bei der Beurteilung der Erstellung von Wohnraum in der
  Landwirtschaftszone nämlich irrelevant (vgl. Art. 34 Abs. 2
  RPV). Sodann ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer drei Pensionspferde
  hält, ebenfalls bei der vorliegenden Beurteilung unbeachtlich. Art. 34b
  Abs. 5 RPV hält hierzu nämlich fest, dass im Zusammenhang mit der Haltung
  und Nutzung von Pferden die Errichtung neuer Wohnbauten nicht zulässig ist.
  Soweit schliesslich sowohl das Amt für Landwirtschaft als auch der
  Beschwerdeführer die Notwendigkeit eines Betriebsleiterwohnhauses mit einer
  persönlichen Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit begründen wollen, ist darauf
  hinzuweisen, dass derartige Vorbringen nicht zu berücksichtigen sind
  (vgl. vorstehende E. II/3.2.1). Im Ergebnis erweist sich das
  Bauvorhaben des Beschwerdeführers mit Blick auf Art. 16a Abs. 1 RPG
  und Art. 34 Abs. 3 RPV somit als nicht zonenkonform.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der
  Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwaltung geht der Rücksichtnahme auf die
  gleichmässige Rechtsanwendung in der Regel vor. Der Umstand, dass das Gesetz
  in anderen Fällen nicht oder nicht richtig angewendet worden ist, gibt den
  Bürgern grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz
  behandelt zu werden. Ausnahmsweise und unter strengen Bedingungen wird im
  Rahmen des verfassungsmässig verbürgten Gleichheitssatzes jedoch ein Anspruch
  auf Gleichbehandlung im Unrecht anerkannt. Gleichbehandlung im Unrecht setzt
  dabei voraus, dass die zu beurteilenden Fälle in den tatbestandserheblichen
  Sachverhaltselementen übereinstimmen und dieselbe Behörde in ständiger Praxis
  vom Gesetz abweicht. Eine falsche Rechtsanwendung in einem einzigen Fall oder
  in einigen wenigen Fällen begründet keinen Anspruch, seinerseits ebenfalls
  abweichend von der Norm behandelt zu werden. Zudem muss die zuständige
  Behörde ausdrücklich zu erkennen geben, auch inskünftig nicht gesetzeskonform
  entscheiden zu wollen. Nur wenn eine Behörde nicht gewillt ist, eine bewusst
  geübte rechtswidrige Praxis aufzugeben, kann das Interesse an der
  Gleichbehandlung der Betroffenen dasjenige an der Gesetzmässigkeit
  überwiegen. Schliesslich dürfen einer Gleichbehandlung im Unrecht keine
  überwiegenden Gesetzmässigkeitsinteressen oder Interessen Dritter
  entgegenstehen (BGer-Urteil 1C_444/2014 vom 27. Januar 2015 E. 4.2,
  mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.2 Es kann offen bleiben, ob die vom Beschwerdeführer
  angeführten Baubewilligungsverfahren überhaupt mit dem vorliegenden Fall
  vergleichbar sind. Denn der Beschwerdegegner 2 anerkennt, dass die
  Baubewilligungserteilung in zwei Fällen rechtsfehlerhaft war. Damit mangelt
  es für einen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht bereits an der
  Voraussetzung, dass die zuständige Behörde ausdrücklich zu erkennen gegeben
  hat, auch inskünftig nicht gesetzeskonform entscheiden zu wollen. Vor diesem
  Hintergrund und mit Blick auf das oben Dargelegte (vgl. vorstehende E. II/4.1)
  besteht vorliegend somit kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Zusammenfassend
  präsentiert sich die streitbetroffene Errichtung eines
  Betriebsleiterwohnhauses auf den in der Landwirtschaftszone gelegenen Parz.- Nrn. 01
  und 02, Grundbuch […], als nicht zonenkonform. Zum einen besteht mit Blick
  auf die familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers kein aktueller Bedarf
  an zusätzlichem Wohnraum. Zum anderen muss Auszubildenden und Angestellten
  weder auf dem Betrieb noch in dessen unmittelbarer Nähe Wohnraum
  bereitgestellt werden. Schliesslich ist vorliegend weder eine ständige
  Anwesenheit auf dem Betrieb erforderlich, noch erweist sich der Arbeitsweg
  als übermässig lang oder beschwerlich. Die Beschwerdegegner haben demgemäss
  kein Recht verletzt, indem sie das Bauprojekt des Beschwerdeführers nicht
  bewilligt haben.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Nach
  Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei, welche im
  Beschwerde-, Klage- oder Revisionsverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten
  zu tragen. Die Gerichtskosten von pauschal Fr. 2'500.- sind
  demnach dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem von ihm
  bereits geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Eine Parteientschädigung
  steht ihm mangels Obsiegens nicht zu (Art. 138 Abs. 3 lit. a
  VRG e contrario).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 2'500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und
    mit dem von ihm bereits geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe
    verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Eine
    Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]