# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9059e336-77ac-5562-a5e6-b3d325880294
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2006-08-21
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 21.08.2006 BG.2006.13
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2006-13_2006-08-21.pdf

## Full Text

Entscheid vom 21. August 2006 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Andreas J. Keller und Tito Ponti,  
Gerichtsschreiberin Lea Unseld  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Benno Wild, 
 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft des Kan-
tons St. Gallen, Kantonales Untersuchungsamt, 
 

Beschwerdegegner 
 

Gegenstand  Bestimmung des Gerichtsstandes i.S. A. 
(Art. 279 Abs. 2 BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2006.13 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Am 31. Dezember 1997 meldete B., wohnhaft in Z./ZH, bei der Kantonspo-
lizei St. Gallen den Diebstahl seines geleasten Personenwagens Mercedes 
Benz sowie weiterer sich im Fahrzeug befindlicher Gegenstände. Laut B. 
soll sich der Diebstahl gleichentags in Y./SG ereignet haben. B. meldete 
den Diebstahl ebenfalls seiner Versicherung, der C. Versicherungs-
Gesellschaft in Z., welche ihn und die Leasinggeberin entsprechend ent-
schädigte. Die Diebstahlsmeldung hatte die Eröffnung eines Strafverfah-
rens gegen Unbekannt wegen Diebstahls beim damaligen Bezirksamt See 
im Kanton St. Gallen zur Folge. 

 
In der Folge kam der Verdacht auf, dass B. das obgenannte Fahrzeug 
durch A., wohnhaft in X./ZH, bereits im November 1997 über Finnland nach 
St. Petersburg überführt, amtlich registriert, eingelöst und schliesslich ver-
kauft haben soll. Angesichts dieser Sachlage eröffnete das damalige Be-
zirksamt See ein Strafverfahren gegen B. und A. wegen Betrugs. 
 

 
B. Am 31. Oktober 1998 stürzte D. in schwer angetrunkenem Zustand tödlich 

vom Balkon des 15. Stockwerks eines Hotels in St. Petersburg. Der Ver-
storbene hatte wenige Monate zuvor Lebensversicherungen mit unwiderruf-
lichen Begünstigungsklauseln zu Gunsten von B. und der mit ihm in Ver-
bindung stehenden E. Ltd. über je Fr. 1,5 Mio. bei der C. Versicherungs-
Gesellschaft und der F. Lebensversicherungs-Gesellschaft in W. abge-
schlossen. 
 
In der Folge entstand der Verdacht, dass die Reise von D. durch B. organi-
siert worden war und dass A., in Absprache mit B., D. in dessen Hotelzim-
mer grosse Mengen Alkohol zugeführt und seinen bewusstlosen Körper 
anschliessend über die Brüstung des Balkons des 15. Stocks gestossen 
hatte. 
 
Nach Bekanntwerden der mutmasslichen Todesumstände von D. weitete 
das damalige Bezirksamt See das Strafverfahren gegen B. und A. auf ein 
im Ausland gegen einen Schweizer begangenes Tötungsdelikt sowie Be-
trug aus. Ebenfalls angeschuldigt wegen Gehilfenschaft zu einem Tötungs-
delikt und Betrug wurde G., wohnhaft in V./AG, welcher als Treuhänder von 
B. auftrat und als einziger Verwaltungsrat der E. Ltd. vermutlich ebenfalls in 
den Betrug im Zusammenhang mit dem Todesfall D. verwickelt war.  
 

- 3 - 

 

 

C. Im Juni 2000 beantragte das Untersuchungsamt Uznach, Nachfolgerin des 
damaligen Bezirksamt See, die Abtretung des Verfahrens gegen B. und A. 
an das Kantonale Untersuchungsamt. Dem Antrag wurde stattgegeben und 
das Verfahren am 27. Juli 2000 dem Kantonalen Untersuchungsamt zur 
weiteren Bearbeitung übertragen (Strafverfahrensakten der Staatsanwalt-
schaft St. Gallen, STSE.1998.73, Teil A, Doss. A, act. A/ 1 und 2).  

 
 
D. Wie aus den Akten hervorgeht, wurde A. erstmals am 30. August 2004 we-

gen Verdachts auf ein Tötungsdelikt im Zusammenhang mit dem angebli-
chen Unfalltod von D. von der Kantonspolizei St. Gallen befragt 
(STSE.1998.73, Teil B, Doss. E, act. E/ 7). Als Angeschuldigter wurde A. 
des Weiteren in Anwesenheit seines Anwaltes am 15. November 2005 ein-
vernommen (STSE.1998.73, Teil B, Doss. E, act. E/ 12). Schliesslich wurde 
dem Verteidiger von A. mit Verfügung vom 15. November 2005 die Akten-
einsicht gewährt (STSE.1998.73, Teil B, Doss. A, act. A/ 24). 

 
 

E. Mit Eingabe vom 30. Januar 2006 hat A. die interkantonale Zuständigkeit 
des Kantons St. Gallen bestritten, ohne jedoch den Kanton zu bezeichnen, 
den er für örtlich zuständig hielt (STSE.1998.73, Teil B, Doss. RA 4/ 8). Am 
6. Februar 2006 wurde A. von der Staatsanwaltschaft St. Gallen explizit 
aufgefordert, den oder die seiner Meinung nach zuständigen Kantone zu 
bezeichnen, bei denen eine Vernehmlassung über die örtliche Zuständig-
keit durchzuführen sei (STSE.1998.73, Teil B, Doss. RA 4/ 10). In seiner 
Antwort vom 7. Februar 2006 hat der Verteidiger von A. die Staatsanwalt-
schaft des Kantons St. Gallen wissen lassen, dass es seiner Meinung nach 
nicht Aufgabe des Angeklagten sei, die für ein Strafverfahren örtlich zu-
ständige Behörde zu bezeichnen und A. im Übrigen aufgrund seines der-
zeitigen Wissensstandes dazu nicht in der Lage sei (STSE.1998.73, Teil B, 
Doss. RA 4/ 11). 

 
Mit Verfügung vom 27. März 2006 hat die Staatsanwaltschaft des Kantons 
St. Gallen die Rüge der fehlenden örtlichen Zuständigkeit abgewiesen mit 
der Begründung, A. habe es unterlassen, den seiner Meinung nach zu-
ständigen Kanton zu nennen, mit dem ein Meinungsaustausch hinsichtlich 
der örtlichen Zuständigkeit hätte geführt werden können, das Untersu-
chungsverfahren stehe zudem kurz vor dem Abschluss und Gründe für ei-
ne Benachteiligung seien weder erkennbar noch dargelegt (STSE.1998.73, 
Teil B, Doss. RA 4/ 12). Gegen diese Verfügung hat A. mit Eingabe vom 
3. April 2006 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Be-
schwerde eingereicht und beantragt, der Kanton St. Gallen sei anzuweisen, 

- 4 - 

 

 

mit den/dem gemäss Art. 348 i.V.m. Art. 350 StGB zuständigen Kanton/en 
die Gerichtsstandsfrage zu erörtern, unter Kosten- und Entschädigungsfol-
ge (act. 1).  

 
In seiner Beschwerdeantwort vom 22. Mai 2006 beantragt der Kanton 
St. Gallen auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolge zulasten von A. (act. 10). 

 
 
F. Am 24. Mai 2006 hat die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen gegen 

B., A. und G. Anklage erhoben. Aus den Anklageschriften geht hervor, dass 
B. und A. des Mordes und mehrfachen Betrugs bzw. des Versuchs dazu 
beschuldigt werden und G. der Gehilfenschaft zu Mord und Betrug bzw. 
des Versuchs dazu (act. 12.1). 

 
In seiner Replik vom 1. Juni 2006 hält A. an seinem Antrag fest (act. 13). 
Der Kanton St. Gallen verzichtet, unter Verweis auf seine Eingabe vom 
22. Mai 2006, auf eine Duplik (act. 15). 
 
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. 
 
 
 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 
1.  
1.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG i.V.m. Art. 279 Abs. 2 BStP kann gegen 

den Entscheid der kantonalen Strafverfolgungsbehörde über die Gerichts-
barkeit des betreffenden Kantons sowie wegen Säumnis beim Erlass eines 
solchen Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 
Beschwerde geführt werden. Die Art. 214 - 219 BStP sind sinngemäss an-
wendbar. Entsprechend ist die Beschwerde innert fünf Tagen, nachdem der 
Beschwerdeführer vom Entscheid Kenntnis erhalten hat, einzureichen 
(Art. 217 BStP; vgl. hierzu die Entscheide des Bundesstrafgerichts 
BG.2005.6 vom 6. Juni 2005 E. 1.2 sowie BG.2005.16 vom 12. Juli 2005 
E. 2; eingehend zur Beschwerdefrist auch GUIDON/BÄNZIGER, Alter Wein in 
neuen Schläuchen? – Die Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum 
interkantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, in: Jusletter 19. Septem-
ber 2005, N. 16). Der Beschuldigte ist auch dann legitimiert den Gerichts-
stand anzufechten, wenn dieser zwischen den für die Strafverfolgung in 
Frage kommenden Kantonen nicht streitig ist (vgl. TPF BG.2005.8 vom  

- 5 - 

 

 

18. Mai 2005 E. 1 und BK_G 127/04 vom 21. Oktober 2004; SCHWE-
RI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen,  
2. Aufl., Bern 2004, N. 612 f.). 

 
1.2 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung des Be-

schwerdegegners vom 27. März 2006. Als Angeschuldigter ist er hierzu im 
vorerwähnten Sinne legitimiert. Das Rechtsmittel wurde des Weiteren frist-
gerecht eingereicht, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 

 
 
2.  
2.1 Nach der Rechtsprechung kann der Beschwerdeführer, der die mit der 

Strafsache befasste Behörde für unzuständig hält, mit dem Bestreiten der 
Zuständigkeit nicht beliebig zuwarten. Der Angeschuldigte hat die Frage 
der interkantonalen Zuständigkeit aufzuwerfen und das Gesuch um Über-
mittlung des Strafverfahrens an den seines Erachtens zuständigen Kanton 
einzureichen, sobald er die erforderlichen, eine Bestreitung rechtfertigen-
den Elemente kennt und dies ihm nach den konkreten Umständen zugemu-
tet werden kann. Bestreitet er die Zuständigkeit erst Monate, nachdem er 
von einer möglichen Unzuständigkeit der strafverfolgenden Behörde 
Kenntnis erlangt hat, ist die Beschwerde gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG 
i.V.m. Art. 279 Abs. 2 BStP gegen einen entsprechenden kantonalen Ent-
scheid missbräuchlich und daher unzulässig, ungeachtet der Wahrung der 
fünftägigen Beschwerdefrist (BGE 128 IV 225, 229 E. 2.3; 120 IV 146, 150 
E. 1; TPF BG.2006.5 vom 25. April 2006 E. 4).  

 
2.2 Vorliegend erscheint zweifelhaft, ob der Beschwerdeführer die Frage der 

interkantonalen Unzuständigkeit überhaupt rechtzeitig aufgeworfen hat. Es 
ist fraglich, ob er nicht vielmehr bereits im Verlaufe des Jahres 2004, als er 
mit Sicherheit von den auf ein Tötungsdelikt lautenden Vorwürfen im Zu-
sammenhang mit dem Todesfall D. Kenntnis erlangt hat, die fehlende örtli-
che Zuständigkeit der St. Galler Strafverfolgungsbehörden hätte rügen 
müssen. Die Frage, ob der Beschwerdeführer die fehlende örtliche Zustän-
digkeit rechtzeitig gerügt hat, kann indes offen gelassen werden, da die 
Beschwerde aus den nachfolgenden Gründen ohnehin abzuweisen ist.  

 
 
3.  
3.1 Wer im Ausland gegen einen Schweizer ein Verbrechen oder Vergehen 

verübt, ist, sofern die Tat auch am Begehungsort strafbar ist, dem schwei-
zerischen Gesetz unterworfen, wenn er sich in der Schweiz befindet und 
nicht an das Ausland ausgeliefert, oder wenn er der Eidgenossenschaft 

- 6 - 

 

 

wegen der Tat ausgeliefert wird (Art. 5 StGB). Wurde die Tat im Ausland 
verübt, so sind gemäss Art. 348 Abs. 1 StGB die Behörden des Ortes zu-
ständig, wo der Täter wohnt.  

 
Wird jemand wegen mehrerer, an verschiedenen Orten verübter strafbarer 
Handlungen verfolgt, so sind die Behörden des Ortes, wo die mit der 
schwersten Strafe bedrohte Tat verübt worden ist, auch für die Verfolgung 
und die Beurteilung der andern Taten zuständig (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB). 

 
Grundlage zur Beurteilung der Frage, welche Tat als die schwerste zu qua-
lifizieren ist, sind einerseits die im Zeitpunkt der Gerichtsstandsbestimmung 
bekannten Handlungen, andererseits deren rechtliche Qualifikation, so wie 
sie sich aufgrund der gesamten Aktenlage darstellen (SCHWERI/BÄNZIGER, 
a.a.O., N. 289 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

 
3.2 Vorliegend ist nicht bestritten, dass die auf Mord lautende Anklage mit einer 

Strafandrohung von lebenslänglichem Zuchthaus oder Zuchthaus nicht un-
ter zehn Jahren (Art. 112 StGB) offensichtlich die mit der schwersten Strafe 
bedrohte Tat darstellt, welche dem Beschwerdeführer in Mittäterschaft mit 
B. zur Last gelegt wird.  

 
Sowohl der Beschwerdeführer als auch der als Mittäter angeklagte B. sind 
im Kanton Zürich wohnhaft. Der als Gehilfe angeklagte G. hat seinen 
Wohnsitz im Kanton Aargau. Der gesetzliche Gerichtsstand für die Verfol-
gung und Beurteilung der dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Taten 
befände sich somit grundsätzlich im Kanton Zürich. Weder im Kanton Zü-
rich noch im Kanton Aargau wurden jedoch Untersuchungen angehoben. 
 

 
4.  
4.1 Gemäss Art. 262 und 263 BStP kann vom gesetzlichen Gerichtsstand aus-

nahmsweise abgewichen werden, wenn triftige Gründe es gebieten; dies 
kann aus Zweckmässigkeits-, Wirtschaftlichkeits- oder prozessökonomi-
schen Gründen gerechtfertigt sein. Nach Gerichtspraxis und Lehre sind die 
Art. 262 und 263 StGB analog bei allen Gerichtsstandsstreitigkeiten an-
wendbar (TPF BG.2005.8 vom 18. Mai 2005; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O.,  
N. 423 und N. 428). Voraussetzung für ein Abweichen vom gesetzlichen 
Gerichtsstand ist aber stets, dass in jenem Kanton, dessen Gerichtsstand 
bejaht werden soll, ein örtlicher Anknüpfungspunkt für das fragliche Delikt 
besteht (BGE 120 IV 280, 281 E. 2b; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 428). 

 

- 7 - 

 

 

Nach der Gerichtspraxis muss eine konkludente Anerkennung des Ge-
richtsstands bejaht werden, wenn die Strafverfolgungsbehörden eines Kan-
tons die Untersuchungen durchführen und beim Gericht Anklage erheben, 
ohne je ihre Zuständigkeit in Frage zu stellen (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., 
N. 444 und 446).  
 
Die nachträgliche Änderung eines von einem Kanton ausdrücklich oder 
konkludent anerkannten Gerichtsstands ist nur noch aus triftigen Gründen 
zulässig; sie muss die Ausnahme bilden und sich wegen veränderter Ver-
hältnisse aufdrängen, sei es im Interesse der Prozessökonomie, sei es zur 
Wahrung anderer, neu ins Gewicht fallender Interessen (BGE 119 IV 102, 
106 E. 5a; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 429; GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., 
N. 52). In Frage kommen insbesondere eine Ermessensüberschreitung 
durch die Kantone beim Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand, das 
Fehlen eines Anknüpfungspunktes beim verfolgenden Kanton oder das 
Auftauchen neuer Tatsachen, wonach sich aus verfahrensökonomischen 
Gründen ein Wechsel des Gerichtsstands gebieterisch aufdrängt (TPF 
BK_G 180/04 vom 25. November 2004 E. 2.1 und 2.3, BG.2005.1 vom  
23. März 2005 E. 2.1, BG.2005.6 vom 6. Juni 2005 E. 2.2 sowie GUI-
DON/BÄNZIGER, a.a.O., N. 52). Ein nachträgliches Abweichen vom konklu-
dent anerkannten Gerichtsstand ist auch dann möglich, wenn wesentliche 
neue Erkenntnisse oder Entwicklungen bei einer neuen gesamthaften Be-
urteilung klar zu einem ganz anderen Ergebnis führen müssten. Auch in 
diesem Fall kann jedoch nur eine offensichtlich und erheblich veränderte 
Ausgangslage ein Zurückkommen auf den Anerkennungsentscheid recht-
fertigen (TPF BG.2006.30 vom 16. Januar 2006 E. 3.2). Gemäss Recht-
sprechung rechtfertigt sich demgegenüber in der Regel eine Änderung des 
Gerichtsstands nicht mehr, wenn die Untersuchung gänzlich oder nahezu 
abgeschlossen ist (BGE 129 IV 202, 203 E. 2). 

 
4.2 Vorliegend hat der Beschwerdegegner seine Zuständigkeit konkludent an-

erkannt, indem er nach Erlangen der Erkenntnisse über ein mutmassliches 
Tötungsdelikt die Untersuchung auf den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung 
ausgeweitet und diese, ohne je die Gerichtsstandfrage mit dem zuständi-
gen Kanton zu erörtern, durchgeführt und abgeschlossen hat. Der Kanton 
Zürich hat zwar im Rahmen der geleisteten Rechtshilfe vom Untersu-
chungsverfahren Kenntnis erlangt, hat jedoch die Übernahme des Strafver-
fahrens nie beantragt. Im Zeitpunkt der Anhebung der Beschwerde stand 
das mehrere Jahre andauernde Untersuchungsverfahren kurz vor dem Ab-
schluss und ist seit Einreichen der Anklageschrift im Mai 2006 als definitiv 
abgeschlossen zu betrachten. Eine nachträgliche Änderung des Gerichts-
stands ist deshalb gemäss ständiger Rechtsprechung nicht mehr ange-

- 8 - 

 

 

bracht (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 543). Der Grundsatz der Prozess-
ökonomie gebietet die Weiterbefassung der Beschwerdegegnerin mit dem 
hängigen Strafprozess. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 
Gründe sind zudem weder zweckmässiger, wirtschaftlicher noch prozess-
ökonomischer Natur und vermögen ein Abweichen vom konkludent aner-
kannten Gerichtsstand nicht zu rechtfertigen. Auch liegen keine anderen 
triftigen Gründe im Sinne der vorerwähnten Rechtsprechung vor, welche 
vorliegend für ein Abweichen vom konkludent anerkannten Gerichtsstand 
sprechen könnten. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Argumente 
betreffen grösstenteils den Verlauf des Untersuchungsverfahrens und sind 
daher irrelevant.  

 
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 
 

 
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten 

zu tragen (Art. 245 BStP i.V.m. Art. 156 Abs. 1 OG). Die Gebühr wird auf 
Fr. 1’500.-- festgesetzt (Art. 3 des Reglements über die Gerichtsgebühren 
vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32), unter Anrechnung des geleis-
teten Kostenvorschusses von Fr. 1’000.--. 

  
 
 

 
 
 

- 9 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen, und der Kanton St. Gallen wird berechtigt 

und verpflichtet erklärt, die A. zur Last gelegten strafbaren Handlungen zu 
verfolgen und zu beurteilen. 

 
2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer unter An-

rechnung des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 1’000.-- auferlegt. 
 
 
 
 

Bellinzona, 22. August 2006 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Benno Wild 
- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Kantonales Untersuchungsamt 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.