# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d694b37-4186-5f92-9d81-0fcada192236
**Source:** Bundespatentgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Entscheid D2015_035
**Docket/Reference:** D2015_035
**URL:** https://www.bundespatentgericht.ch/rechtsprechung/entscheidanzeige/80/

## Full Text

D2015_035 

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Auszug aus der Verfügung des Bundespatentgerichts 
i.S. A. und B. gegen M., N. und allfällige ausschliessliche Lizenznehmer des EP 1 
und/oder EP 2 und/oder EP 3 vom 8. März 2016 

Regeste: 
Art. 270 ZPO; Schutzschrift, Rückzug. 
Eine Schutzschrift kann nicht zurückgezogen werden (E. 5). 

Art. 270 CPC; Mémoire préventif, retrait. 
Un mémoire préventif ne peut être retiré (c. 5). 

Art. 270 CPC; Memoria difensiva, desistenza. 
Una memoria difensiva non può essere ritirata (c. 5). 

Art. 270 CPC; Protective letter, withdrawal. 
A protective letter may not be withdrawn (R. 5). 

 
 
 
 
B u n d e s p a t e n t g e r i c h t  

T r i b u n a l   f é d é r a l   d e s   b r e v e t s  

T r i b u n a l e   f e d e r a l e   d e i   b r e v e t t i  

T r i b u n a l   f e d e r a l   d a   p a t e n t a s  

F e d e r a l   P a t e n t   C o u r t  

D2015_035 

  V e r f ü g u n g   v o m   8 .   M ä r z   2 0 1 6    

Besetzung 

Präsident Dr. iur. Dieter Brändle, 

Verfahrensbeteiligte 

1. A,  
2. B,  

beide vertreten durch Rechtsanwalt C,  
beide patentanwaltlich beraten durch D,  

Gesuchstellerinnen 

gegen 

1. M, 
2. N, 
3. allfällige ausschliessliche Lizenznehmer des EP 1 

und/oder EP 2 und/oder EP 3,  

Gesuchsgegnerinnen 

Gegenstand 

Schutzschrift (Art. 270 ZPO) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
D2015_035 

Der Präsident zieht in Erwägung, 

1.  
Mit Eingabe vom 30. September 2015 reichten die Gesuchstellerinnen ei-
ne  Schutzschrift  ein  mit  dem  Gesuch  (u.a.),  die  Schutzschrift  als  Stel-
lungnahme  der  Gesuchstellerinnen  für  den  Fall  eines  seitens  der  Ge-
suchgegnerinnen  gegen  sie  gerichteten  Antrags  auf  Erlass  einer  super-
provisorischen Verfügung zu berücksichtigen. 

2.  
Am 1. Oktober 2015 verfügte der Präsident, die Schutzschrift werde ent-
gegengenommen und finde bis 1. April 2016 Beachtung. 

3.  
Mit Eingabe vom 16. Februar 2016 erklärten die Gesuchstellerinnen den 
Rückzug  der  Schutzschrift.  Sie machten geltend,  dem  Hinterleger  sei  es 
selbstverständlich möglich, die Schutzschrift vor Ablauf von sechs Mona-
ten  zurückzuziehen  (BSK  ZPO-Hess-Blumer, Art.  270  N  33).  Von  dieser 
Möglichkeit machten die Gesuchstellerinnen hiermit Gebrauch. 

4. 
Das  nicht  weiter  erläuterte  Gesuch  um  "Rückzug  der  Schutzschrift"  ist 
wohl dahingehend zu verstehen, dass die Schutzschrift ab Rückzug nicht 
mehr  beachtet  werden  soll  und  diese  daher  der  Gegenseite  auch  dann 
nicht zur Einsichtnahme zuzustellen sei, falls diese innert der sechsmona-
tigen  Beachtungsfrist  ein  Gesuch  um  Erlass  superprovisorischer  Mass-
nahmen stellen sollte. 

5. 
Die  Fragen,  ob  Schutzschriften  zulässig  sein  sollten,  und  falls  ja,  ob  die 
Gegenseite eine eingereichte Schutzschrift zur Kenntnis bekommen sollte 
oder  nicht,  waren  im  Vorfeld  der Ausarbeitung  der  ZPO  bekanntlich  um-
stritten. Das Bundesgericht hatte darauf hingewiesen, dass die förmliche 
Entgegennahme  einer  Schutzschrift  das  Gericht  der  ernsthaften  Gefahr 
der Voreingenommenheit aussetzen würde.1 Auch die Botschaft zur ZPO 
räumte  ein,  dass  das  Gericht  nach  Entgegennahme  einer  Schutzschrift 
einem superprovisorischen Gesuch nicht mehr ganz unvoreingenommen 
gegenüberstehen würde, sah darin aber kein Hindernis für dieses moder-
ne  Verteidigungsmittel,  welches  sich  namentlich  in  den  Handelsgerichts-

1 BGE 119 Ia 53 E. 4, bestätigt in BGE 1A.41/2004  

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kantonen zu etablieren begonnen habe.2 Bezüglich der Frage der soforti-
gen  Zustellung  an  die  Gegenpartei  wurde  angeführt,  eine  solche  würde 
den  Zweck  der  Schutzschrift  vereiteln.3  Hingegen  wurde  eine  Zustellung 
vorgesehen für den Fall, dass eine superprovisorische Massnahme bean-
tragt  würde  (Art.  270 Abs.  2  ZPO).  Mit  der  getroffenen  Lösung  wird  nun 
einerseits  dem  Interesse  des  Hinterlegers  Rechnung  getragen,  der  der 
Gegenpartei  seine  Verteidigungsargumente  nicht  im  Voraus  bekannt  ge-
ben  will,  und  andererseits  dem  Interesse  der  Gegenpartei,  welche,  stellt 
sie ein superprovisorisches Gesuch, ein schützenswertes Interesse daran 
hat, zu erfahren, was der Hinterleger dem Gericht in dieser Sache bereits 
vorgetragen hat. 

Der  Gesetzgeber  hat  klar  geregelt,  welches  die  Folgen  der  Einreichung 
einer  Schutzschrift,  genauer  die  Folgen  der  Entgegennahme  einer 
Schutzschrift  durch  das  Gericht  sind:  Zum  einen  wird  die  Schutzschrift 
der Gegenseite zugestellt, wenn diese ein Gesuch betreffend Erlass einer 
superprovisorischen Massnahme stellt (Art. 270 Abs. 2 ZPO), zum ande-
ren findet die Schutzschrift während sechs Monaten Beachtung (Art. 270 
Abs. 3 ZPO). 

Das  sind  die  beiden  gesetzlichen  Folgen,  die  zu  ändern  der  Hinterleger 
einer Schutzschrift nicht in der Hand hat. 

Würde  man  es  zulassen,  dass  der  Hinterleger  seine  Schutzschrift  ein-
reicht,  auf  dass  sie  das  Gericht  zur  Kenntnis  nimmt  -  wenigstens  kurso-
risch  muss  das  Gericht  vom  Inhalt  der  Schutzschrift  Kenntnis  nehmen, 
um  die  Voraussetzungen der  Entgegennahme  zu prüfen4  -,  um sie dann 
zurückzuziehen,  so  würde  dem  Hinterleger  die  Möglichkeit  eröffnet,  der 
Gegenseite das Einsichtsrecht, welches das Gesetz ihr im Falle des Be-
antragens  einer  superprovisorischen  Massnahme  ausdrücklich  einräumt 
(Art. 270 Abs. 2 ZPO), zu nehmen. Dafür ist kein Raum. Ein Rückzug der 
Schutzschrift  zur  Vermeidung  der  Zustellung  an  die  Gegenseite  ist  des-
halb nicht möglich. 

Dasselbe  gilt  für  einen  Rückzug  der  Schutzschrift  zur  Vermeidung  der 
Beachtung  der  Schutzschrift  durch  das  Gericht.  Die  Schutzschrift  findet 
von Gesetzes wegen während sechs Monaten Beachtung (Art. 270 Abs. 
3 ZPO). Diese Frist kann der Hinterleger nicht abkürzen. 

2 BBl 2006 7357 
3 BBl 2006 7358 
4 Huber in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 270 N 15) 

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Der  Rückzug  einer  Schutzschrift  ist  deshalb  unter  keinem  Titel  möglich. 
Dies führt zur Abweisung des Antrages. 

D2015_035 

Der Präsident verfügt: 

1. Der Antrag der Gesuchstellerinnen auf Rückzug der Schutzschrift wird 
abgewiesen. 

2. Schriftliche Mitteilung an Rechtsanwalt C (mit Gerichtsurkunde)  

St. Gallen, 8. März 2016  

Im Namen des Bundespatentgerichts 

Präsident 

Dr. iur. Dieter Brändle 

Versand: 09.03.2016 

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