# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5c6de85-427b-5b65-9df5-576eb212a24e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.02.2023 F-5865/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5865-2020_2023-02-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5865/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Jenny de Coulon Scuntaro (Vorsitz), 

Richterin Claudia Cotting-Schalch, 

Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiber Julius Longauer. 
 

 
 

Parteien 
 C._______,    

vertreten durch MLaw Jelena Lubina,  

Kontakt- und Beratungsstelle Sans-Papiers,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  

(Art. 14 Abs. 2 AsylG). 

 

 

 

F-5865/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin (geb. 1984, Staat unbekannt) ersuchte am  

24. Oktober 2012 in der Schweiz um Asyl (Akten der Vorinstanz N […], Un-

terdossier A [SEM-act. A] 1). 

Dabei gab die Beschwerdeführerin an, sie sei chinesische Staatsangehö-

rige tibetischer Ethnie und habe ihr ganzes Leben in Tibet verbracht, bis 

sie am 3. April 2012 ihre Heimat verlassen und nach einem fünfmonatigen 

Aufenthalt in Nepal auf dem internationalen Luftweg in ein ihr unbekanntes 

Land und von dort dem Auto in die Schweiz gelangt sei (SEM-act. A4 Ziff. 2, 

5). Sie verfüge über keine Identitäts- oder Ausweispapiere und könne sol-

che auch nicht beschaffen (SEM-act. A4 Ziff. 4). 

B.  

Am 16. Dezember 2014 fand ein Telefongespräch der Fachstelle LINGUA 

zur Evaluation des Alltagswissens der Beschwerdeführerin statt. Am  

22. Dezember 2014 erstellte die sachverständige Person einen entspre-

chenden Bericht (nachfolgend: LINGUA-Analyse; SEM-act. A15). 

C.  

Ein erster abschlägiger Asylentscheid der Vorinstanz erging am 8. April 

2015 (SEM-act. A23). Er wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgericht 

D-3084/2015 vom 17. Januar 2017 wegen Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs kassiert, und die Sache wurde zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückgewiesen (SEM-act. A45),  

Mit Verfügung vom 14. Juli 2017 lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin ein weiteres Mal ab und ordnete die Wegweisung und 

deren Vollzug an, sollte die Beschwerdeführerin die Schweiz nicht innert 

der ihr gesetzten Frist verlassen. Einen Wegweisungsvollzug in die Volks-

republik China schloss die Vorinstant explizit aus (SEM-act. A53). 

Die Vorinstanz stellte zur Begründung ihres Entscheides im Wesentlichen 

fest, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, ihre Herkunft aus 

dem Tibet und ihre Asylgründe glaubhaft zu machen. Mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit sei davon auszugehen, dass sie vor ihrer Ankunft in der 

Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen 

Diaspora gelebt habe. 

F-5865/2020 

Seite 3 

Eine dagegen gerichtete Beschwerde lehnte das Bundesverwaltungsge-

richt mir Urteil D-4563/2017 vom 9. November 2018 ab (SEM-act. A61). 

D.  

Am 23. November 2018 setzte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin eine 

neue Frist zur Ausreise (SEM-act. A23), welche die Beschwerdeführerin 

unbeachtet liess. 

E.  

Mit persönlicher Eingabe vom 18. Dezember 2018 und Eingabe ihrer 

Rechtsvertretung vom 12. August 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin 

die Migrationsbehörde des Kantons Luzern um Erteilung einer Aufenthalts-

bewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG (SR 142.31) (Akten der Migrati-

onsbehörde des Kanton Luzern [LU-act.] 97/195, 120/337).  

Am 3. September 2019 unterbreitete die kantonale Migrationsbehörde das 

Gesuch der Beschwerdeführerin der Vorinstanz zur Zustimmung (Akten 

der Vorinstanz [SEM-act.] 2/15). 

F.  

Mit Schreiben vom 26. Juni 2020 teilte die Vorinstanz der Beschwerdefüh-

rerin mit, dass erwogen werde, die Zustimmung zur Verlängerung der Auf-

enthaltsbewilligung zu verweigern, und gewährte ihr das rechtliche Gehör 

(SEM-act. 5/209).  

Die Beschwerdeführerin machte mit Stellungnahme vom 28. August 2020 

von ihrem Äusserungsrecht Gebrauch (SEM-act. 11/219).  

G.  

Mit Verfügung vom 22. Oktober 2020 verweigerte die Vorinstanz ihre Zu-

stimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 

AsylG (SEM-act. 14/225). 

H.  

Gegen die vorgenannte Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 

23. November 2020 über ihre Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundes-

verwaltungsgericht (Akten des BVGer [Rek-act.] 1).  

Die Beschwerdeführerin beantragte in der Sache, die vorgenannte Verfü-

gung vom 22. Oktober 2020 sei aufzuheben, und die Vorinstanz sei anzu-

weisen, der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art 14 Abs. 2 AsylG 

durch den Kanton Luzern ihre Zustimmung zu geben. Eventualiter sei die 

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Seite 4 

Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessu-

aler Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um vorsorgliche Aussetzung 

von Vollzugshandlungen bis zum Abschluss des Rechtsmittelverfahrens 

sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Insbesondere sei 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2020 lehnte das Bundesver-

waltungsgericht die Gesuche um Anordnung von vorsorglichen Massnah-

men und Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab (Rek-act. 5) 

J.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Februar 2021 

die Abweisung der Beschwerde (Rek-act. 8). 

K.  

Mit Replik vom 11. März 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträ-

gen und deren Begründung fest (Rek-act. 10).  

L.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit erheblich – in den Erwägungen 

eingegangen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen des SEM betreffend Zustimmung zur Erteilung einer Auf-

enthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG unterliegen der Beschwerde 

an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG [SR 142.20] [vgl. 

dazu E. 1.3. hiernach] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).  

1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesver-

waltungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes be-

stimmt (vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). Beide stehen unter dem Vorbehalt 

spezialgesetzlichen Verfahrensrechts (vgl. Art. 4 VwVG). Die angefochtene 

Verfügung erging gestützt auf das Asylgesetz. Allerdings weist Art. 14 

Abs. 2 AsyG sowohl inhaltlich als auch verfahrensrechtlich eher ausländer-

rechtlichen als asylrechtlichen Charakter auf. Deshalb richtet sich das Ver-

fahren nach den Verfahrensbestimmungen, die im Ausländerrecht anwend-

bar sind, das heisst denen des AIG und des VwVG (BVGE 2020 VII/4 

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Seite 5 

E. 4.3). Die im 8. Kapitel des AsylG niedergelegten Spezialvorschriften be-

treffend Rechtsschutz, Beschwerdeverfahren, Wiedererwägung und Mehr-

fachgesuche kommen nicht zur Anwendung.  

1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 

VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren 

das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG 

nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-

schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-

sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-

punkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2).  

3.  

3.1 Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des 

SEM einer ihm nach dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufent-

haltsbewilligung erteilen, wenn sich die betroffene Person seit Einreichung 

des Asylgesuchs mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a), ihr 

Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war (Bst. b), wegen der fort-

geschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vor-

liegt (Bst. c) und keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AIG bestehen (Bst. d).  

3.2 Gemäss Art. 31 Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zu-

lassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) setzt die An-

erkennung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls voraus, dass 

die gesuchstellende Person ihre Identität offenlegt. Das Erfordernis der Of-

fenlegung der Identität ergibt sich auch aus Art 90 AIG, wonach die auslän-

dische Person insbesondere zutreffende und vollständige Angaben über 

die für die Regelung des Aufenthalts wesentlichen Tatsachen machen 

muss (Bst. a), die erforderlichen Beweismittel unverzüglich einreichen oder 

sich darum bemühen muss, sie innerhalb einer angemessenen Frist zu be-

schaffen (Bst. b), und Ausweispapiere (Art. 89) beschaffen oder bei deren 

Beschaffung durch die Behörden mitwirken muss (Bst. c). Die Verletzung 

dieser Vorschriften kann den Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 Bst. a AIG 

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erfüllen, wonach die Bewilligungen widerrufen werden, wenn die ausländi-

sche Person im Bewilligungsverfahren falsche Angaben gemacht oder we-

sentliche Tatsachen verschwiegen hat, und somit nach Massgabe von 

Art. 14 Abs. 2 Bst. d AsylG der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach 

Art. 14 Abs. 2 AsylG entgegenstehen.  

3.3 Das SEM kann gestützt auf Art. 99 Abs. 2 AIG und Art. 86 Abs. 1 VZAE 

die Zustimmung zum Entscheid einer kantonalen Verwaltungsbehörde 

oder einer kantonalen Rechtsmittelinstanz betreffend Erteilung oder Ver-

längerung einer Aufenthaltsbewilligung verweigern, zeitlich begrenzen 

oder mit Bedingungen und Auflagen verbinden. Der Entscheid des SEM 

über die Erteilung oder Verweigerung seiner Zustimmung ergeht rechtspre-

chungsgemäss ohne Bindung an die Beurteilung durch den Kanton (vgl. 

Urteil des BVGer F-1668/2021 vom 6. Mai 2022 m.H.).  

4.  

Die Beschwerdeführerin hält sich seit Einreichung ihres Asylgesuchs im 

Oktober 2012 mehr als fünf Jahre ununterbrochen in der Schweiz auf, wo-

bei ihr Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war. Die in Art. 14 Abs. 

2 Bst. a und b AsylG genannten Voraussetzungen sind damit erfüllt. Zu 

prüfen ist hingegen, ob die Beschwerdeführerin der Pflicht zur Offenlegung 

ihrer Identität nachgekommen ist (Art. 31 Abs. 2 VZAE). 

5.  

Die Verfahrensbeteiligten äussern sich zur Frage der Offenlegung der Iden-

tität gemäss Art. 31 Abs. 2 VZA wie folgt: 

5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, die Be-

schwerdeführerin habe ihre Identität und tatsächliche Herkunft weder im 

Asylverfahren, noch im Rahmen des Wegweisungsvollzugs, noch im vor-

liegenden Bewilligungsverfahren offengelegt, obwohl ihr eine weitrei-

chende gesetzliche Mitwirkungspflicht obliege. Im rechtskräftig abge-

schlossenen Asylverfahren sei festgestellt worden, dass die von der Be-

schwerdeführerin geltend gemachte Herkunft aus der Autonomen Region 

Tibet, Volksrepublik China, beziehungsweise ihre chinesische Staatsange-

hörigkeit nicht glaubhaft seien und ihre tatsächliche Herkunft und Staats-

angehörigkeit unbekannt seien. Es müsse davon ausgegangen werden, 

dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht 

in der Volksrepublik China sozialisiert worden sei. Ihre Behauptung, es sei 

ihr unmöglich, chinesische, nepalesische oder indische Dokumente zu be-

schaffen, unterlege sie mit Beweismitteln, die im Wesentlichen bereits im 

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Rahmen des rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahrens eingereicht 

und dort als nicht erheblich bewertet worden seien. Die behaupteten Kon-

taktnahmen mit den ausländischen Behörden zwecks Beschaffung von Er-

satzreisepapieren, zu deren Beweis sie Fotos vor der Nepalesischen und 

Indischen Botschaft in Bern einreiche, vermöchten an diesem Ergebnis 

nichts zu ändern, da sie damit keine wesentlichen und vor Ort nachprüfbare 

Angaben zu ihrer Identität offengelegt habe.  

5.2 Dem wird in der Beschwerdeschrift entgegengehalten, dass die Be-

schwerdeführerin der Verpflichtung um Offenlegung ihrer Identität von An-

fang an nachgekommen sei und der zuständigen Behörde beim Asylge-

such Daten zu ihrer Person mitgeteilt habe. Aufgrund fehlender Dokumente 

habe sie diese Daten jedoch nicht belegen können. Während des Asylver-

fahrens habe sie alles in ihrer Möglichkeit stehende unternommen, um ihre 

Aussagen und ihre Herkunft aus China mit Beweisen zu untermauern. Ins-

besondere habe sie im Verlauf des Prozesses eine Herkunftsbestätigung 

des Dorfvorstehers ihres Heimatdorfes nachgereicht, die sie mithilfe eines 

Mönchs erhalten habe. Sie habe der Vorinstanz ferner einen Brief ihrer 

Mutter zusammen mit dem Originalumschlag der Chinesischen Post und 

der dazugehörenden Sendungsverfolgung übermittelt. Auch ein Schreiben 

des «Tibet Bureau» in Genf vom 25. November 2016 habe sie der Vo-

rinstanz zukommen lassen. Obwohl die Vorinstanz bereits kommuniziert 

habe, dass die «Tibetan Identity Card» des «Office of Tibet» in Genf keine 

Beweiskraft habe, werde dieses Dokument der vorliegenden Beschwerde 

als weiteres Beweismittel beigelegt. Die Beschwerdeführerin habe bereits 

mehrfach dargelegt, dass sie nicht in Indien oder Nepal aufgewachsen 

und/oder sozialisiert worden sei. Dennoch habe sie ihrer in diesem Zusam-

menhang auferlegten Mitwirkungspflicht gemäss Art. 90 AIG nachkommen 

wollen. Sie habe die Indische und Nepalesische Botschaft persönlich auf-

gesucht und habe sich dort auch schriftlich gemeldet, um Unterstützung in 

Sachen Papierbeschaffung zu erhalten. Keine der beiden Botschaften sei 

gewillt gewesen, ihrem Gesuch nachzukommen. Eine Beschaffung von 

Reisedokumenten auf der Chinesischen Botschaft dagegen könne von ihr 

nicht verlangt werden und werde es auch nicht, weil sie gemäss Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts D-4563/2017 vom 9. November 2018 und der 

vorinstanzlichen Verfügung zweifellos tibetischer Ethnie sei. 

Die Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin stehe der Aufklärungspflicht 

des SEM gegenüber, welche die Beschwerdeführerin genau darüber infor-

mieren müsse, welche Auskünfte für den Bewilligungsentscheid massge-

blich seien und welcher Form diese verlangt würden. Diese Pflicht sei eng 

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mit dem Fairnessgebot verbunden. Zur Qualität und Fairness des Verfah-

rens sei in diesem Zusammenhang auf neuste Presseberichte zu den Her-

kunftsabklärungen im Rahmen der Asylverfahren zu verweisen, da diese 

nicht über alle Zweifel erhoben seien. Eine Gruppe von vier Tibetologie-

Experten habe eine ihnen zur Verfügung stehendes LINGUA-Analyse un-

tersucht und sei zum Schluss gekommen, sie enthalte «so many shortco-

mings and errors that a neutral and objective evaluation is not possible». 

Die LINGUA-Analysen stünden bereits seit Jahren in der Kritik und konnten 

bislang auch nicht wissenschaftlich überprüft werden. Eine genau solche 

externe Herkunfts- oder Sprach-Analyse der Fachstelle LINGUA sei im vor-

liegenden Fall erstellt worden und habe massgeblich dazu geführt, dass 

der Beschwerdeführerin vorgeworfen werde, durch ihr Verhalten den Be-

hörden nähere Abklärungen, sowie eine Rückkehr in ihren tatsächlichen 

Heimatstaat verunmöglicht zu haben. Der Beschwerde beigelegt wurden 

der Artikel «Geheime Asyl-Abteilung des Bundes gerät unter Beschuss» 

der NZZ am Sonntag vom 24. Oktober 2020, sowie ein Bericht zur 

LINGUA-Analyse des Experten «AS19» vom 29. September 2020, erstellt 

von Prof. Dr. Karénina Kollmar-Paulenz (et al.) (nachfolgend: Experten-

Bericht «Tibet»).  

5.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, dass sich die Be-

schwerdeführerin weiterhin beharrlich weigere, ihre wahre Identität und tat-

sächliche Herkunft offenzulegen. Es wäre an ihr gelegen, im Rahmen ihrer 

Mitwirkungspflicht qualifizierte neue Tatsachen und Beweismittel beizubrin-

gen, was sie bis heute unterlassen habe. Ferner verweist die Vorinstanz 

darauf, dass sie in ihrem rechtskräftigen Asylentscheid vom 14. Juli 2017 

gestützt auf eine umfassende Prüfung der Beweislage (LINGUA-Evalua-

tion des Alltagswissens, Analyse des Aussageverhaltens der Beschwerde-

führerin in Bezug auf Verfolgung und Ausreise) zum Schluss gekommen 

sei, die Beschwerdeführerin verschleiere ihre Herkunft. Die Beschwerde-

führerin bringe nichts Qualifiziertes vor, was es rechtfertigen würde, diese 

Bewertung fundiert in Frage zu stellen. Das Gesagte gelte namentlich auch 

für den mit der Beschwerde eingereichten Experten-Bericht «Tibet» vom 

29. September 2020, in dem Kritik an einer einzelnen LINGUA-Analyse ge-

übt werde. Die Rechtmässigkeit dieses Asylentscheids könne im Übrigen 

im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht in Frage gestellt werden. In 

diesem werde nur geprüft, ob die eingereichten Beweismittel die Erfüllung 

der gesetzlichen Voraussetzungen des Art. 14 Abs. 2 AsyIG i.V.m. Art. 31 

Abs. 1 und 2 VZAE zu belegen vermögen. Eine qualifizierte revisions- oder 

wiedererwägungsweise Prüfung in Bezug auf die Frage des Asyls und der 

Wegweisung im Vollzugspunkt – wenngleich solche qualifizierten Gründe 

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auch auf Beschwerdeebene nicht ersichtlich seien – wäre daher gegebe-

nenfalls in einem gesonderten Verfahren geltend zu machen. Das gelte 

auch in Bezug auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin zur LINGUA-

Analyse, die im Rahmen des rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfah-

rens erstellt worden sei. 

5.4 Die Rechtsvertretung führt in ihrer Replik aus, dass die Beschwerde-

führerin bestrebt sei, an der Klärung ihrer Identität mitzuwirken. Daher habe 

sie im Juni 2018 persönlich auf der Nepalesischen und Indischen Botschaft 

in Bern vorgesprochen. Die Besuche habe sie mit Fotografien dokumen-

tiert, die sie auf den Botschaften zeigten. Vor dem Hintergrund der Ver-

nehmlassung der Vorinstanz und der dort gerügten Verletzung der Mitwir-

kungspflicht sei es der Beschwerdeführerin ein Anliegen gewesen, ihre Mit-

wirkung erneut unter Beweis zu stellen. Sie habe sich daher mit Schreiben 

vom 5. Februar 2021 die Nepalesische und Indische Botschaft gewandt 

und um Hilfe ersucht. Die angeschriebenen Botschaften haben jedoch auf 

die Schreiben nicht reagiert. Der Replik beigelegt waren Kopien zweier an 

die Nepalesische und Indische Botschaft adressierten Schreiben der Be-

schwerdeführerin, mit denen sie um Ausstellung eines «Residential Certi-

ficate» (Nepal) beziehungsweise eines «Residential Certificate» und eines 

"Identity Certificate" (Indien) ersucht, damit sie nach Nepal beziehungs-

weise Indien einreisen könne, ferner einer Bestätigung/Quittung der Post 

vom 10. Februar 2021 über den eingeschriebenen Versand zweier Sen-

dungen an die Nepalesische und Indische Botschaft in Bern. 

6.  

Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zum Schluss, dass die Beschwer-

deführerin ihre Pflicht zur Offenlegung der Identität gemäss Art. 31  

Abs. 2 VZAE nicht nachgekommen ist. 

6.1 Die Vorinstanz liess im ordentlichen Asylverfahrens eine LINGUA-Ana-

lyse erstellen, die zum Ergebnis gelangte, dass die Beschwerdeführerin mit 

grosser Wahrscheinlichkeit nicht in dem von ihr behaupteten geographi-

schen Raum – also Tibet – gelebt habe. Gestützt auf diese Einschätzung, 

die Unfähigkeit der Beschwerdeführerin, ihre Wissensdefizite in Bezug auf 

den behaupteten Herkunftsort plausibel zu erklären, den fehlenden Identi-

tätspapieren und der fehlenden Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu den 

Fluchtgründen und den Reiseumständen gelangte die Vorinstanz zum 

Schluss, dass die Beschwerdeführerin zwar tibetischer Ethnie sei, jedoch 

nicht, wie von ihr geltend gemacht, in Tibet, sondern mit überwiegender 

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Wahrscheinlichkeit in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Diese Ein-

schätzung wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4563/2017 

vom 9. November 2018 bestätigt. Es befand aufgrund einer gesamthaften 

Betrachtung aller Elemente, dass die Herkunftsangaben der Beschwerde-

führerin nicht glaubhaft seien und dass sie ihre tatsächliche Herkunft ver-

schleiere. Es müsse davon ausgegangen werden, dass ihre Hauptsoziali-

sierung in der exiltibetischen Diaspora stattgefunden habe und sie damit 

entweder nie am angeblichen Herkunftsort in Tibet gelebt oder aber diesen 

deutlich früher als geltend gemacht verlassen habe. Aufgrund der Akten 

lasse sich mit Bestimmtheit nur sagen, dass die Beschwerdeführerin tibe-

tischer Ethnie sei. Die Feststellungen in diesem Urteil sind unter Vorbehalt 

neuer erheblicher Tatsachen oder Beweismittel für das vorliegende Verfah-

ren bindend.  

6.2 Trotz entsprechender Rechtsbelehrung und Aufforderung durch die 

Vorinstanz im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens unterlässt es die 

Beschwerdeführerin, ihre effektive Herkunft durch die Einreichung von 

Ausweisdokumenten oder zumindest mittels überprüfbarer Angaben zu ih-

rem Lebenslauf offenzulegen. Stattdessen beharrt sie darauf, dass sie ihrer 

Verpflichtung zur Offenlegung der Identität stets nachgekommen sei. Die 

als Beleg für ihre Darstellung einigereichten Dokumente waren jedoch 

grossmehrheitlich bereits Gegenstand des Asylverfahrens und wurden dort 

als nicht beweistauglich bewertet. Für eine abweichende Beurteilung im 

vorliegenden Verfahren besteht kein Anlass. Gleich verhält es sich mit der 

Kritik der Beschwerdeführerin an den LINGUA-Analysen. Es ist festzuhal-

ten, dass die in ihrem Verfahren erstellte LINGUA-Analyse nicht vom Sach-

verständigen «AS19» stammt, der im eingereichten Experten-Bericht  

«Tibet» in Kritik geratenen ist. Davon abgesehen zeigt die Beschwerdefüh-

rerin nicht auf, inwiefern die in ihrem Verfahren erstellte LINGUA-Analyse 

mangelhaft sein soll. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass sich die 

Feststellungen im Asylverfahren nicht allein auf die LINGUA-Analyse stütz-

ten, sondern das Ergebnis einer gesamthaften Würdigung unter Einbezug 

des sonstigen Aussageverhaltens der Beschwerdeführerin waren. Aus der 

zusammen mit der Beschwerde eingereichten "Tibetan Identity Card" des 

"Office of Tibet" in Genf vermag die Beschwerdeführerin ebenfalls nichts 

zu ihren Gunsten abzuleiten, beruht das Dokument doch auf ihren eigenen 

Angaben. Es kann demnach nicht als unabhängige Bestätigung ihrer Iden-

titätsangaben betrachtet werden.  

Die (behaupteten) Bemühungen der Beschwerdeführerin, von der indi-

schen und nepalesischen Vertretung in der Schweiz Identitätspapiere zu 

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Seite 11 

erhalten, ändern nichts daran, dass sie der Pflicht zur Offenlegung ihrer 

Identität nicht nachgekommen ist. Die als Beleg eingereichten Fotogra-

phien, die sie vor der Nepalesischen und Indischen Botschaft in Bern zei-

gen, sowie die angeblich für die Reise nach Bern zwecks Vorsprache auf 

den Botschaften am 18. Juni 2016 verwendete SBB-Tageskarte stellen of-

fensichtlich keinen Beweis dafür dar, dass die Beschwerdeführerin tatsäch-

lich in den Räumlichkeiten der genannten Botschaften war, geschweige 

denn, dass sie sich dort ernsthaft um die Ausstellung von Identitätspapie-

ren bemühte (vgl. im Gegensatz dazu Urteil des BVGer F-2100/2018 vom 

7. Oktober 2020 E. 7.2). Und die mit der Replik eingereicht Kopien zweier 

Schreiben der Beschwerdeführerin an die Botschaften Nepals und Indiens, 

beide datiert vom 5. Februar 2021, sind schon deswegen ohne Erkenntnis-

wert, weil die Beschwerdeführerin darin lediglich ihre im Asylverfahren als 

unglaubhaft eingestuften Herkunftsangaben wiederholt. Die Zweifel an der 

Darstellung der Beschwerdeführerin werden zusätzlich durch dem Um-

stand gestützt, dass sie im Rahmen des von der kantonalen Migrationsbe-

hörde am 12. Dezember 2018 geführten Ausreisegesprächs ihren angebli-

chen Besuch auf der Nepalesischen und Indischen Botschaft in Bern fünf 

Monate zuvor mit keinem Wort erwähnte und stattdessen ausdrücklich er-

klärte, dass sie nicht bereits sei, Antragsformulare für nepalesische und 

indische Reisepapiere zu unterzeichnen (LU-act. 87/174 Ziff. 12). 

Abschliessend ist die Beschwerdeführerin darauf hinzuweisen, aus ihrer 

unbestrittenen Zugehörigkeit zur tibetischen Ethnie und dem Ausschluss 

des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China nicht gefolgert wer-

den kann, eine Kontaktnahme mit der Chinesischen Botschaft zwecks Be-

schaffung von Reisedokumenten könne von ihr nicht verlangt werden. Das 

gälte nur, wenn die Beschwerdeführerin in einem hängigen Asylverfahren 

stände, als Flüchtling anerkannt oder schutzbedürftig im Sinne von Art. 66 

ff. AsylG wäre (vgl. dazu in einem anderen rechtlichen Kontext Art. 10  

Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 der Verordnung vom 14. November 2012 über die 

Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische Personen [RDV, SR 

143.5]; Urteil des BVGer F-2100/2018 vom 7. Oktober 2020 E. 6.2). Keine 

dieser Voraussetzungen ist Falle der Beschwerdeführerin erfüllt. 

7.  

Mit der Verletzung der Pflicht zur Offenlegung der Identität gemäss Art. 31 

Abs. 2 VZAE hat die Beschwerdeführerin einen Widerrufsgrund nach 

Art. 62 Abs. 1 Bst. a AIG gesetzt, der nach Massgabe von Art. 14 Abs. 2 

Bst. d AsylG der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 

Abs. 2 AsylG entgegensteht. Angesichts dessen erübrigt sich eine Prüfung 

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Seite 12 

der Integrationskriterien, und es ist festzustellen, dass die Vorinstanz die 

Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 

AsylG zu Recht verweigert hat.  

8.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind in An-

wendung von Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]) auf Fr. 1'000.– festzusetzen. 

10.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 2 BGG).  

(Dispositiv nächste Seite) 

F-5865/2020 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.– werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe entrichteten Kostenvorschuss 

gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jenny de Coulon Scuntaro Julius Longauer 

 

 

 

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