# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2292495-d76e-57f9-8d35-e1a720c84703
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** HG220080-O11
**Docket/Reference:** HG220080-O11
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/HG220080-O11.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich

Geschäfts-Nr.: HG220080-O

U/ei

Mitwirkend: Oberrichter Dr. Stephan Mazan, Vizepräsident, und Oberrichterin Ni-

cole Klausner, die Handelsrichter Christian Zuber, Prof. Dr. Othmar 

Strasser und Giuseppe De Simone sowie die Gerichtsschreiberin Dr. 

Corina Bötschi

Urteil und Beschluss vom 24. Februar 2025

in Sachen

A._____ LTD, 

Klägerin

vertreten durch Rechtsanwalt M.A. HSG in Law X1._____, 

vertreten durch Rechtsanwältin MLaw X2._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur., LL.M. X3._____, 

B._____ AG, 

Beklagte

gegen

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y2._____, 

betreffend Forderung

  
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Rechtsbegehren:
(act. 1 S. 2)

"1. Es sei die Beklagte im Sinne einer Teilklage zu verpflichten, der 

Klägerin EUR 90'003.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 14. August 
2018 zu bezahlen.

 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Be-

klagten."

Geändertes Rechtsbegehren:
(act. 65 S. 2)

"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 

EUR 18'548'741.65 zzgl. Zins zu 5% seit 14. August 2018 zu be-
zahlen. 

 2. Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 

EUR 18'351'857.28 zzgl. Zins zu 5% seit 14. August 2018 zu be-
zahlen.

 3. Sub-eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 

EUR 17'556'750.03 zzgl. Zins zu 5% seit 14. August 2018 zu be-
zahlen.

 4.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Be-

klagten."

Inhaltsverzeichnis:

Sachverhalt und Verfahren: ....................................................................................3
A. Sachverhaltsübersicht......................................................................................3
a. Parteien ........................................................................................................3
b. Prozessgegenstand......................................................................................4
B. Prozessverlauf .................................................................................................4
Erwägungen: ...........................................................................................................6
1. Formelles .........................................................................................................6
1.1.
Internationale, örtliche und sachliche Zuständigkeit .................................6
1.2. Klageänderung .........................................................................................6
Fusion bzw. Rechtsnachfolge...................................................................7
1.3.
2. Materielles........................................................................................................7
2.1. Vorbemerkungen ......................................................................................7
2.1.1. Unbestrittener Sachverhalt ........................................................................7
2.1.2. Vertragliche Beziehung der Parteien.........................................................8
2.1.3. Streitgegenständliche Optionen ..............................................................10
2.1.4. Parteistandpunkte....................................................................................11
3. Positive Vertragsverletzung (Art. 97 OR) .......................................................12
3.1. Parteivorbringen .....................................................................................12

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3.2. Rechtliches .............................................................................................13
3.2.1. Voraussetzungen von Art. 97 OR............................................................13
3.2.2. Vertragspflichten in einer Konto-/Depotbeziehung ..................................13
3.3. Würdigung ..............................................................................................14
3.3.1. Pflicht zur Preisstellung aus Konto-/Depotvertrag ...................................14
3.3.2. Pflicht zur Preisstellung aus Auftrag oder Kommissionsvertrag ..............16
3.3.3. Pflicht zur Preisstellung aus der "Best Execution Policy" ........................19
3.3.4. Pflicht zur Preisstellung aus der "Client Order Execution Policy" ............24
3.3.5. Pflicht zur Preisstellung aus Art. 11 BEHG..............................................26
Zwischenfazit ..........................................................................................28
3.4.
4. Schaden .........................................................................................................28
4.1. Parteivorbringen .....................................................................................28
4.2. Rechtliches .............................................................................................30
4.3. Würdigung ..............................................................................................31
4.3.1. Schadensszenarien der Klägerin.............................................................31
4.3.2. Schrittweise Glattstellung sämtlicher Optionen? .....................................33
Zwischenfazit ..........................................................................................37
4.4.
5. Kausalzusammenhang und Verschulden ......................................................37
6. Verrechnungseinrede.....................................................................................37
7. Fazit ...............................................................................................................37
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen ...............................................................37
8.1. Gerichtskosten ........................................................................................37
8.2. Parteientschädigungen ...........................................................................38

Sachverhalt und Verfahren:

A.

a.

Sachverhaltsübersicht

Parteien

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Malta. Sie bezweckt im Wesent-

lichen, in Finanzprodukte zu investieren. Hauptaktionärin ist die C._____ B.V. mit 

Sitz  in  D._____  [Niederlande],  welche  1'498  von  1'500  Aktien  hält.  Die  Brüder 

E._____  und  F._____  verfügen  sodann  über  je  eine  Aktie  (act.  1  N.  34;  act.  17 

N. 53 f.; act. 3/2‒3).

Die Beklagte ist eine international tätige … [Bank] mit Sitz in Zürich und G._____ 

(act. 17 N. 59; act. 3/4; act. 93) (siehe dazu auch Erwägung Ziff. 1.3). 

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b.

Prozessgegenstand

Die Parteien standen in einer Bank-/Kunden-Beziehung, die u.a. aus einem Konto-

/Depotvertrag, einem Lombardkreditvertrag sowie einem Rahmenvertrag für OTC-

Devisenoptionsgeschäfte ("OTC Master Agreement") bestand. Die Streitigkeit be-

trifft mehrere ausserbörslich ("OTC") gehandelte Call-Optionen auf das Währungs-

paar Euro (EUR) / Türkische Lira (TRY) im klägerischen Depot bei der Beklagten 

("streitgegenständliche Optionen") (act. 1 N. 1 ff.; act. 17 N. 24 ff.). Die Klägerin 

macht u.a. geltend, dass die Beklagte es ihr verunmöglicht habe, die streitgegen-

ständlichen Optionen am 10. August 2018 zu marktgerechten/fairen Preisen glatt-

zustellen. Sie macht im Hauptstandpunkt gegenüber der Beklagten einen Anspruch 

auf Schadenersatz aus Vertragspflichtverletzung in Höhe von EUR 18'548'741.65 

zuzüglich  Zins  geltend.  Die  Beklagte  schliesst  auf  Abweisung  der  Klage  (act.  17 

S. 2). 

B.

Prozessverlauf 

Die Klägerin reichte am 13. November 2020 (Datum Poststempel) die vorliegende 

Klage  noch  gegen  die  H._____  AG  ein  (act.  1).  Das  Verfahren  wurde  unter  der 

Geschäftsnummer HG200208-O angelegt. Mit Beschluss vom 3. September 2021 

wurde in Anwendung von Art. 59 Abs. 2 lit. e ZPO auf die Klage wegen abgeurteilter 

Sache nicht eingetreten (act. 31). Dagegen erhob die Klägerin Beschwerde in Zivil-

sachen. Mit Urteil vom 28. April 2022 (Urteil 4A_525/2021 des Bundesgerichts vom 

28.  April  2022  =  act.  38)  hob  das  Bundesgericht  den  handelsgerichtlichen  Be-

schluss in Gutheissung der Beschwerde auf und wies die Sache zur weiteren Be-

handlung zurück. Das handelsgerichtliche  Verfahren wurde unter der Geschäfts-

nummer  HG220080-O  fortgesetzt  und  die  Verfahrensleitung  an  Oberrichterin  Ni-

cole  Klausner  als  Instruktionsrichterin  delegiert  (act. 39).  Die  am  16. März 2023 

durchgeführte  Vergleichsverhandlung  führte  zu  keiner  Einigung  (Prot.  S.  3  f.). 

Nachdem auch die im Anschluss geführten aussergerichtlichen Vergleichsgesprä-

che scheiterten, wurde mit Verfügung vom 21. April 2023 ein zweiter Schriftenwech-

sel angeordnet und der Klägerin Frist zur Erstattung der Replik angesetzt (act. 50). 

Der Antrag auf Verfahrenssistierung der Klägerin vom 9. Mai 2023 (act. 55) sowie 

ihr Eventualantrag auf Erstreckung der Frist zur Erstattung der Replik wurden mit 

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Verfügung vom 10. Mai 2023 abgewiesen (act. 57). Sodann ersuchte die Klägerin 

mit Einverständnis der Beklagten um Erstreckung der Frist zur Erstattung der Replik 

(act. 59 f.). Mit Verfügung vom 16. Mai 2023 wurde diesem Antrag stattgegeben 

(act. 61). Diese Frist wurde der Klägerin mit Verfügung vom 17. August 2023 als-

dann  im  Sinne  einer  Notfrist  um  weitere  10  Tage  erstreckt  (act.  63).  Die  Replik 

erging  innert  der  Notfrist  (act.  65)  und  wurde  der  Beklagten  mit  Verfügung  vom 

14. September 2023 zugestellt. Gleichzeitig wurde ihr Frist zur Erstattung der Du-

plik angesetzt (act. 67). Mit Eingabe vom 4. Oktober 2023 stellte die Beklagte einen 

Antrag um Sicherstellung der Parteienschädigung, auf Erhöhung des Gerichtskos-

tenvorschusses sowie auf einstweilige Abnahme der Frist zur Erstattung der Duplik 

(act. 69). Mit Verfügung vom 5. Oktober 2023 wurde der Klägerin Frist angesetzt, 

um sich zu diesen prozessualen Anträgen zu äussern, und der Beklagten wurde 

die Frist zur Erstattung der Duplik einstweilen abgenommen (act. 71). Die Stellung-

nahme der Klägerin erfolgte fristgerecht (act. 73). Mit Verfügung vom 16. November 

2023  wurde  das  Gesuch  um  Sicherstellung  der  Parteientschädigung  gutheissen 

und die Beklagte verpflichtet, eine Sicherstellung in Höhe von CHF 76'600.‒ zu leis-

ten.  Gleichzeitig  wurde  die  Klägerin  verpflichtet,  einen  zusätzlichen  Gerichtskos-

tenvorschuss in Höhe von CHF 115'000.‒ zu leisten (act. 74). Nach Eingang dieser 

Beträge  reichte  die  Beklagte  ihre  Duplik  (act.  81)  innert  der  ihr  neu  angesetzten 

(und letztmals erstreckten) Frist ein (act. 77; act. 79). Mit Verfügung vom 4. März 

2024  wurde  der  Aktenschluss  verfügt  (act.  83).  Mit  Eingabe  vom  18.  April  2024 

reichte  die  Klägerin  schliesslich  ihre  Stellungnahme  zu  den  Duplikoven  ein 

(act. 91). Mit Eingabe vom 14. Juni 2024 gab die Beklagte unter Beilage eines Aus-

zugs des SHAB die Löschung der H._____ AG bekannt (act. 95‒96). Mit Eingabe 

vom  2.  Oktober  2024  ersuchte  die  Klägerin  darum,  anstelle  von  Rechtsanwalt 

I._____  die  Rechtsanwälte  X1._____  und  X3._____  sowie  die  Rechtsanwältin 

X2._____ im Rubrum aufzunehmen (act. 96). Weil die Stellungnahme zu den Du-

pliknoven (act. 91) keine (relevanten) neuen Vorbringen enthält, muss sie nicht zur 

Gehörswahrung zugestellt werden, sondern kann mit dem vorliegenden Entscheid 

zur Kenntnisnahme verschickt werden. Mit Verfügung vom 17. Januar 2025 wurde 

den Parteien Frist angesetzt, um zu erklären, ob auf die Durchführung einer Haupt-

verhandlung verzichtet werde, unter Androhung, dass bei Stillschweigen Verzicht 

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auf die Hauptverhandlung angenommen würde (act. 97). Die Parteien verzichteten 

innert Frist ausdrücklich auf die Durchführung einer Hauptverhandlung (act. 99 und 

act. 100). Das Verfahren ist spruchreif, weshalb ein Urteil zu ergehen hat. 

Erwägungen:

1.

Formelles

1.1.

Internationale, örtliche und sachliche Zuständigkeit

Die  internationale,  örtliche  und  sachliche  Zuständigkeit  des  Handelsgerichts  des 

Kantons  Zürich  ist  unbestritten  und  richtet  sich  nach  Art.  23  Abs.  1  LugÜ  (bzw. 

Art. 24  LugÜ)  sowie  Art.  6  ZPO  i.V.m.  § 44  lit.  b  GOG  (act.  1  N.  15‒21;  act. 17 

N. 342).

1.2. Klageänderung

Eine Klageänderung i.S.v. Art. 227 ZPO ist zulässig, wenn der geänderte oder neue 

Anspruch nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist und (lit. a) mit dem bis-

herigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht oder (lit. b) die Ge-

genpartei zustimmt (Art. 227 Ziff. 1 ZPO). 

In der Klage verlangte die Klägerin zunächst im Sinne einer Teilklage die Bezahlung 

von EUR 90'003.‒ von der Beklagten (act. 1 N. 22 ff.). Mit der Replik klagt die Klä-

gerin neu den Ersatz des gesamten Schadens, den die Beklagte in Verletzung ihrer 

Pflichten verursacht haben soll, ein. Konkret sind dies EUR 18'548'741.65 zzgl. Zins 

von 5% seit 14. August 2018, eventualiter EUR 18'351'857.25 zzgl. Zins von 5% 

seit 14. August 2018 und sub-eventualiter EUR 17'556'750.03 zzgl. Zins von 5% 

seit 14. August 2018 (act. 65 N. 16 f.).

Die Erfordernisse der Konnexität und der gleichen Verfahrensart sind ohne Weite-

res erfüllt, was im Übrigen auch nicht bestritten wird (vgl. act. 81 N. 19), womit sich 

die Klageänderung als zulässig erweist.

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1.3.

Fusion bzw. Rechtsnachfolge

Per  tt.mm.2024  (Tagebucheintrag)  sind  sämtliche  Aktiven  und  Passiven  der  Be-

klagten  (H._____  AG,  in  Zürich)  infolge  Fusion  auf  die  B._____  AG  (in  Zü-

rich/G._____) übergegangen. Die H._____ AG wurde im Handelsregister gelöscht 

(act. 93‒95). 

Die Fusion bewirkt eine Universalsukzession. Mit der Eintragung ins Handelsregis-

ter gehen alle Aktiven und Passiven der übertragenden Gesellschaft von Gesetzes 

wegen auf die übernehmende Gesellschaft über (Art. 22 FusG; Urteil 4C.385/2005 

des Bundesgerichts vom 31. Januar 2006, E. 1.2.1 m.w.H.). Im Falle einer Univer-

salsukzession vollzieht sich der Eintritt des Rechtsnachfolgers ‒ hier der B._____ 

AG  ‒  in  den  hängigen  Prozess  ipso  iure  (Art.  83  Abs.  4  ZPO)  (DOMEJ,  in:  ZPO-

Kurzkommentar, Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], 3. Aufl., Basel 2021, Art. 83 N. 

16). Demzufolge ist aufgrund des gesetzlichen Parteiwechsels davon Vormerk zu 

nehmen,  dass  die  B._____  AG  (in  Zürich/G._____)  anstelle  der  H._____  AG  (in 

Zürich) als Beklagte in den Prozess eingetreten ist. Das Rubrum ist entsprechend 

anzupassen. 

2. Materielles

2.1. Vorbemerkungen

2.1.1. Unbestrittener Sachverhalt

Die vorliegende Streitigkeit betrifft mehrere ausserbörslich ("OTC") gehandelte Call 

Optionen  auf  das  Währungspaar  Euro  (EUR)  /  Türkische  Lira  (TRY)  im  klägeri-

schen Depot bei der Beklagten. Der Wert der streitgegenständlichen Optionen hing 

mitunter von der Kursentwicklung EUR/TRY ab. Im August 2018 kam es zu erheb-

lichen Wertschwankungen der von der Klägerin gehaltenen Devisenpositionen. Ins-

besondere am 10. August 2018 erfolgte eine starke Kurskorrektur der Türkischen 

Lira gegenüber dem Euro. Die Klägerin erteilte der Beklagten an diesem Tag den 

Auftrag, ihr (der Klägerin) Preise für bestimmte Transaktionen zu stellen bzw. dafür 

Angebote auf dem OTC-Markt einzuholen. In der Folge konnten sich die Parteien 

auf keinen Preis für die Glattstellung der streitgegenständlichen Optionen einigen. 

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Es kam an diesem Tag keine Transaktion zwischen den Parteien zustande. Das 

Konto der Klägerin bei der Beklagten wies zufolge dieser Wertschwankungen eine 

Unterdeckung auf. Die Klägerin kam der Aufforderung der Beklagten, die eingetre-

tene  Unterdeckung  auszugleichen,  nicht  nach.  Die  Beklagte  erliess  deshalb  am 

10. August 2018 einen "Margin Call", beendete die Vertragsbeziehung und schloss 

die offenen Positionen, was zu einem Negativsaldo von EUR 17'080'021.86 führte. 

Die Beklagte machte am hiesigen Gericht im Verfahren HG190068-O eine entspre-

chende Forderung gegen die Klägerin geltend, liess deren Vermögenswerte bei der 

J._____ [Bank] verarrestieren und erwirkte ein Abwesenheitsurteil gegen die Klä-

gerin,  gemäss  welchem  diese  zur  Zahlung  des  Negativsaldos  verpflichte  wurde. 

Die Klägerin macht nun geltend, die Beklagte habe ihr (der Klägerin) dannzumal 

verunmöglicht, ihre Positionen zu marktgerechten/fairen Preisen glattzustellen. Da-

durch  habe  sie  (die  Klägerin)  einen  Schaden  von  insgesamt  EUR 18'548'741.65 

erlitten (act. 1 N. 1‒13; act. 17 N. 3‒7). 

2.1.2. Vertragliche Beziehung der Parteien

Die  Parteien  haben  als  Grundlage  ihrer  Bank-/Kunden-Beziehung  mehrere  Ver-

träge geschlossen (act. 1 N. 59 ff.). Zunächst waren sie durch eine am 31. Januar 

2018 eröffnete Konto- und Depotbeziehung (Stammnummer 1) (act. 3/5‒6) mit den 

folgenden Konten verbunden:

‒ Sparkonto Nr. 2 in USD;

‒ Kontokorrentkonto Nr. 3 in CHF;

‒ Kontokorrentkonto Nr. 4 in USD;

‒ Kontokorrentkonto Nr. 5 in EUR;

‒ Kontokorrentkonto Nr. 6 in TRY (act. 1 N. 60). 

In den dazugehörigen AGB verpflichtete sich die Beklagte unter anderem, Aufträge 

und  Weisungen  der  Klägerin  mit  der  gebotenen  Sorgfalt  auszuführen  (act.  3/6; 

Art. 4). Mit dem Deed of Pledge vom 31. Januar 2018 verpfändete die Klägerin der 

Beklagten alle hinterlegten Vermögenswerte (act. 3/7). Im Gegenzug gewährte die 

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Beklagte der Klägerin am 16. Mai 2018 einen Kreditrahmen (Lombardkredit) bis zur 

Höhe von USD 32'000'000 (act. 3/9). 

Am 31. Januar 2018 bzw. am 7. März 2018 unterzeichneten die Parteien zudem 

das "OTC Master Agreement", den Rahmenvertrag (unter anderem) für Devisen-

optionsgeschäfte (act. 3/8). Einigten sich die Parteien auf ein einzelnes Optionsge-

schäft, bestätigte die Beklagte den jeweiligen Vertragsinhalt ‒ insbesondere Merk-

male  der  Option  und  Höhe  der  Prämien  ‒  in  einer  sog.  "Confirmation  Notice" 

(act. 3/8; Art. 1.6 und 2.2). 

Die Beklagte konkretisierte sodann die vertraglichen Sorgfalts- und Treuepflichten 

in der "Best Execution Policy" vom 10. April 2018 ("Best Execution Policy") näher 

(act. 3/14‒15). 

Art. 9 des "OTC Master Agreement" sieht sodann eine sog. Margendeckung vor: 

allfällige  Forderungen  und  Ausstände  ("Exposure")  der  Beklagten  aus  Optionen, 

Fremdwährungs-Forwards  und  Fremdwährungs-Swaps  müssen  durch  ausrei-

chend hinterlegte Vermögenswerte gedeckt sein (act. 1 N. 63; act. 3/8). Sofern die 

Sicherheiten keine ausreichende Deckung mehr bieten (sog. Unterdeckung bzw. 

"Shortfall"), kann die Beklagte von der Klägerin ‒ wiederum nach eigenem Ermes-

sen  ‒  zusätzliche  Sicherheiten  verlangen  (sog.  "Margin  Call";  Art.  9.2  des  "OTC 

Master Agreement"). Falls die Klägerin innert Frist keine Sicherheiten nachschiesst, 

ist  die  Beklagte  berechtigt,  Devisen-  und  Optionsgeschäfte vorzeitig  zu  beenden 

bzw. zu liquidieren (Art. 9.3 und Art. 9.4 i.V.m. Art. 4.7 des "OTC Master Agree-

ment"). Gemäss Art. 4.8 des "OTC Master Agreement" bemisst sich der Liquidati-

onsbetrag  dabei  nach  dem  Gewinn  oder  Verlust,  den  die  Klägerin  erzielt  hätte, 

wenn sie die fraglichen Optionen durch ein Gegengeschäft mit einem Händler glatt-

gestellt hätte (act. 1 N. 64; act. 3/8). 

Art. 4.11 des "OTC Master Agreement" sieht vor, dass die Parteien den Liquidati-

onsbetrag mit sämtlichen ausstehenden Forderungen ‒ auch aus anderen Verträ-

gen ‒ verrechnen dürfen, unabhängig von deren Fälligkeit (act. 1 N. 65; act. 3/8). 

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2.1.3. Streitgegenständliche Optionen

Die Klägerin macht geltend, per 9. August 2018 in ihrem Portfolio bei der Beklagten 

diverse Optionspositionen des Währungspaares EUR/TRY offen gehabt zu haben 

(Notional in Höhe von EUR 175 Mio.). Es handelte sich um Call Optionen, welche 

die Klägerin der Beklagten verkauft hatte; sie (die Klägerin) war also sog. "Short-

Positionen" eingegangen (act. 1 N. 91). 

Die Parteien listen die streitgegenständlichen Optionen jeweils unterschiedlich auf. 

Indessen ist unbestritten, dass das Gesamt-Notional EUR 175 Mio. beträgt. 

Die Beklagte gliedert die streitgegenständlichen Optionen wie folgt (act. 17 N. 136):

1.  Call  Option  FETR  7  über  EUR  25'000'000,  Strike  8.15,  Verfall 

25.10.2019, verkauft am 26. Oktober 2017 durch F._____ (act. 3/38, An-

nex 1, Zeile 3).

2.  Call  Option  FETR  8  über  EUR  25'000'000,  Strike  8.15,  Verfall 

25.10.2019, verkauft am 26. Oktober 2017 durch E._____ (act. 3/39, An-

nex 1, Zeile 3).

3.  Call  Option  FETR  9  über  EUR  12'500'000,  Strike  8.15,  Verfall 

21.10.2019, verkauft am 21. November 2017 durch F._____ (act. 3/38, 

Annex 1, Zeile 4).

4.  Call  Option  FETR  10  über  EUR  12'500'000,  Strike  8.90,  Verfall 

21.11.2019, verkauft am 21. November 2017 durch E._____ (act. 3/39, 

Annex 1, Zeile 4).

5.  Call  Option  FETR  11  über  EUR  25'000'000,  Strike  8.90,  Verfall 

21.11.2019,  verkauft  am  21.  November  2017  durch  K._____  Grup 

(act. 3/43, Annex 1, Zeile 4).

6.  Call  Option  FETR  12  über  EUR  12'500'000,  Strike  8.90,  Verfall 

22.11.2019, verkauft am 22. November 2017 durch F._____ (act. 3/38, 

Annex 1, Zeile 5).

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7.  Call  Option  FETR  13  über  EUR  12'500'000,  Strike  8.90,  Verfall 

22.11.2019, verkauft am 22. November 2017 durch E._____ (act. 3/39, 

Annex 1, Zeile 5).

8.  Call  Option  FETR  14  über  EUR  25'000'000,  Strike  8.90,  Verfall 

22.11.2019,  verkauft  am  22.  November  2017  durch  K._____  Grup 

(act. 3/43, Annex 1, Zeile 5).

9.  Call  Option  FETR  15  über  EUR  25'000'000,  Strike  8.90,  Verfall 

22.11.2019,  verkauft  am  22.  November  2017  durch  K._____  Grup 

(act. 3/43, Annex 1, Zeile 11).

Die Klägerin bündelt sodann die streitgegenständlichen Optionen wie folgt (act. 1 

N. 91):

1.

"Sell Call EUR/TRY", Verfall 25.10.2019, Strike 8.15, Notional EUR 50 Mio. 

("Option 1");

2.

"Sell Call EUR/TRY", Verfall 21.11.2019, Strike 8.90, Notional EUR 50 Mio. 

("Option 2");

3.

"Sell Call EUR/TRY", Verfall 21.11.2019, Strike 8.90, Notional EUR 75 Mio. 

("Option 3").

Diese  Optionsverträge  waren  ursprünglich  zwischen  der  Beklagten  und  F._____ 

bzw. E._____ bzw. der K._____ Group geschlossen und per "Confirmation Notice" 

bestätigt  worden.  Im  Zuge  einer  Umstrukturierung  wurden  sie  zwischen  dem 

23. Mai 2018 und dem 13. Juli 2018 mittels "Transfer Agreements" unbestrittener-

massen auf die Klägerin übertragen (act. 1 N. 93 ff.; act. 3/28‒43). 

2.1.4. Parteistandpunkte

Die Klägerin macht geltend, am Vormittag des 10. August 2018 ‒ handelnd durch 

F._____ ‒ mit ihrem Kundenberater (L._____) bei der Beklagten die Glattstellung 

sämtlicher an diesem Tag noch offenen FX OTC-Optionen im Portfolio der Beklag-

ten vereinbart zu haben (act. 65 N. 56, N. 66‒68, N. 184‒186). Die Beklagte habe 

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in der Folge die Glattstellung sämtlicher Positionen verhindert, indem sie es pflicht-

widrig unterlassen habe, der Klägerin marktkonforme/faire Preise zu stellen (act. 

65  N.  173,  N.  180).  Zufolge  der  Abwertung  der  Short-Positionen  sei  es  dann  zu 

einer Unterdeckung gekommen. Die Beklagte habe sodann einen Margin Call aus-

gesprochen und die Glattstellung der streitgegenständlichen Optionen forciert und 

die verbleibenden Positionen liquidiert. Dadurch sei ihr (der Klägerin) ein Schaden 

von insgesamt EUR 18'548'741.65 erwachsen (act. 1 N. 1‒13). 

Die Beklagte macht geltend, sie sei trotz der Extremsituation, in der sich der Markt 

am 10. August 2018 befunden habe, stets bereit gewesen, für die von der Klägerin 

nachgesuchten  Transaktionen  einen  marktkonformen/fairen  Preis  zu  stellen.  Die 

Klägerin habe indessen keine Positionen schliessen wollen, da ihr die angebotenen 

Preise nicht gut genug gewesen seien (act. 17 N. 6). Deshalb sei sie (die Beklagte) 

gezwungen gewesen, einen Margin Call zu erlassen. Diesem sei die Klägerin nicht 

nachgekommen, weshalb sie (die Beklagte) die offenen Positionen zu marktkonfor-

men Bedingungen liquidiert und dann in Übereinstimmung mit den geschlossenen 

Verträgen  beendet  habe.  Die  Glattstellung  habe  in  einen  Negativsaldo  von 

EUR 17'080'021.86 gemündet, den die Klägerin entgegen dem Urteil des Handels-

gerichts vom 31. Januar 2020 bis heute nicht beglichen habe (act. 17 N. 7).

3.

Positive Vertragsverletzung (Art. 97 OR)

3.1. Parteivorbringen

Die Klägerin macht geltend, dass zwischen den Parteien ein vertragliches Grund-

verhältnis vorliege, das primär nach Auftragsrecht zu beurteilen sei (act. 65 N. 2). 

Sie  (die  Klägerin)  sei  eine  Kundin  des  Private  Banking/International  Wealth  Ma-

nagement  gewesen  und  von  Kundenberatern  der  Beklagten  betreut  worden 

(act. 65 N. 2). Die Beklagte habe am 10. August 2018 gewusst, dass (sie) die Klä-

gerin sämtliche damals noch offenen EUR/TRY FX-Optionen habe glattstellen wol-

len,  um  ihr  Exposure  zu  reduzieren.  Entsprechend  habe  sie  (die  Klägerin)  am 

10. August 2018 mehrfach an die Beklagte appelliert, nicht mit überhöhten Preisen 

von der Situation zu profitieren (act. 65 N. 2). Sie (die Klägerin) sei von der Beklag-

ten abhängig gewesen, da sie die offenen Positionen nur durch Transaktionen bei 

- 13 -

der Beklagten hätte glattstellen und auch nur so ihr Exposure hätte reduzieren kön-

nen  (act.  65  N. 2).  Sie  (die  Klägerin)  habe  sich  berechtigterweise  auf  eine  faire 

Preisgestaltung seitens der Beklagten verlassen (act. 65 N. 242 ff.). 

Die  Beklagte  macht  geltend,  dass  auf  die  streitgegenständlichen  Transaktionen 

Kaufrecht,  und  nicht  wie  behauptet  Kommissionsrecht,  anwendbar  sei  (act.  17 

N. 240 ff.). Vor diesem Hintergrund habe sie (die Beklagte) bei der Preisstellung 

einzig die allgemeinen Schranken der Vertragsfreiheit, insbesondere der Übervor-

teilung (Art. 21 OR), einzuhalten gehabt (act. 17 N. 257). Selbst bei Anwendung 

von  Kommissionsrecht  könne  die  Klägerin  keinen  Anspruch  auf  die  Stellung  be-

stimmter Preise ableiten, da letztlich keine Transaktion zur Ausführung gelangt sei 

(act.  17  N.  261 ff.).  Schliesslich  stehe  der  Klägerin  auch  kein  Anspruch  aus  der 

"Best  Execution  Policy"  und/oder  der  "Client  Order  Execution  Policy"  zu,  zumal 

diese u.a. nicht anwendbar seien (act. 17 N. 268 ff.). Selbiges gelte schliesslich für 

die geltend gemachten Ansprüche aus Art. 11 BEHG, da auch diese Bestimmung 

vorliegend nicht greife (act. 17 N. 286 ff.). Entsprechend habe die Klägerin nie einen 

Anspruch auf die Stellung bestimmter Preise gehabt, weshalb die Klage abzuwei-

sen sei (act. 17 N. 236). 

3.2. Rechtliches

3.2.1. Voraussetzungen von Art. 97 OR

Kann die Erfüllung einer Verbindlichkeit überhaupt nicht oder nicht gehörig bewirkt 

werden, so hat der Schuldner für den daraus entstehenden Schaden Ersatz zu leis-

ten,  sofern  er  nicht  beweist,  dass  ihm  keinerlei  Verschulden  zur  Last  falle 

(Art. 97 OR).

3.2.2. Vertragspflichten in einer Konto-/Depotbeziehung

Das  Bundesgericht  unterscheidet  bei  der  Abwicklung  von  Börsengeschäften  für 

Kunden  durch  Banken  zwischen  drei  Konstellationen:  Die  Bank  kann  Börsenge-

schäfte  im  Rahmen  der  Vermögensverwaltung  für  einen  Kunden  abwickeln,  sie 

kann Kunden bei der Anlage ihres Vermögens beraten oder eine reine Konto-/De-

potbeziehung  zu  einem  Kunden  haben  (BGE  133  III  97  E.  7.1  S.  102;  Urteil 

- 14 -

4A_444/2012  des  Bundesgerichts  vom  10.  Dezember  2012,  E. 3.2;  PORTMANN, 

Best  execution  im  Spannungsfeld  neuer  Finanzmarktphänomene,  SSFM  113, 

N. 29 m.w.H.). Eine reine Konto-/Depotbeziehung wird auch als "Execution-only"-

Beziehung  bezeichnet  (FINMA-Vertriebsbericht,  Anhänge,  S.  11;  PORTMANN, 

a.a.O., N. 30). 

Bei "Execution-only"-Beziehungen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein interessenwah-

rendes  oder  interessengegensätzliches  Geschäft  vorliegt,  da  auf  die  Ausführung 

der konkreten Transaktion Kommissions-, Auftrags- oder Kaufrecht Anwendung fin-

den kann (ABEGGLEN, «Retrozession» ist nicht gleich «Retrozession»: Zur Anwend-

barkeit von Art. 400 Abs. 1 OR auf Entschädigungen, die an Banken geleistet wer-

den, insbesondere im Fondsbetrieb, SZW 2/2007, S. 122 ff.; S. 127 f.; PORTMANN, 

a.a.O., N. 30 m.w.H.). In der Regel erfolgt die Transaktion im Rahmen der Kom-

mission, wo gemäss Art. 425 Abs. 2 OR Auftragsrecht zur Anwendung gelangt. Tritt 

die Bank indessen als echte Gegenpartei des Kunden auf, ist allenfalls jedoch Kauf-

recht  anwendbar  (PORTMANN,  a.a.O.,  N.  34;  FINMA-Vertriebsbericht,  Anhänge, 

S. 21). Auf Kaufvertragsverhältnisse sind keine Sorgfaltspflichten anwendbar und 

damit besteht auch keine Pflicht zur "best execution". Daraus folgt, dass zwischen 

den Parteien ‒ unter Vorbehalt der Übervorteilungsschranke ‒ die Möglichkeit der 

freien  Preisbestimmung  gegeben  ist.  Kaufrechtlich  strukturierte  Geschäfte  sollen 

einem erfahrenen Anlegerkreis vorbehalten bleiben, der die damit verbundenen Ri-

siken kennt und entsprechende Verluste tragen kann (PORTMANN, a.a.O., N. 119). 

Die  Abgrenzung  zwischen  Interessenwahrung  beim  Dienstleistungsgeschäft  und 

Interessengegensätzlichkeit im Kaufvertrag ist im konkreten Fall mittels Vertrags-

auslegung zu ermitteln (PORTMANN, a.a.O., N. 37).

3.3. Würdigung

3.3.1. Pflicht zur Preisstellung aus Konto-/Depotvertrag

Die Klägerin macht geltend, die Beklagte sei vertraglich verpflichtet gewesen, ihr 

(der  Klägerin) 

für  die  nachgesuchten  Glattstellungstransaktionen  marktge-

rechte/faire  Preise  zu  stellen,  damit  sie  (die  Klägerin)  die  streitgegenständlichen 

Optionen vor dem Fälligkeitstermin hätte glattstellen können. Zunächst bringt sie 

- 15 -

vor, dass der am 31. Januar 2018 zwischen den Parteien geschlossene Konto- und 

Depotvertrag primär dem Auftragsrecht nach Art. 394 ff. OR unterstehe. Aufgrund 

dieses  vertraglichen  Grundverhältnisses  habe  die  Beklagte  ihr  (der  Klägerin) 

Treuepflichten geschuldet und sie (die Beklagte) hätte bei der Preisbildung die In-

teressen der Klägerin beachten müssen (act. 65 N. 215). Anders ausgedrückt: Die 

aus diesem vertraglichen Grundverhältnis fliessenden Treuepflichten hätten auf die 

einzelnen nachgesuchten Transaktionen durchgeschlagen. Eine isolierte Betrach-

tung des "OTC Master Agreement" greife entsprechend zu kurz (act. 91 N. 15). 

Das "OTC Master Agreement", der Rahmenvertrag für Devisenoptionsgeschäfte, 

ist die vertragliche Grundlage für die streitgegenständlichen Optionsgeschäfte: "This 

agreement (the Master Agreement) governs the following transactions entered into, or to be entered 

into, between Party A and Party B (i) all foreign exchange spot transactions, foreign exchange forward 

transactions and foreign exchange swap transactions and (ii) all OTC call- and put-options referencing 

currencies  […]»  (act.  3/8  S.  1).  Dies  anerkennt  auch  die  Klägerin  (act.  65  N.  23). 

Art. 16  des  "OTC  Master  Agreement"  statuiert  Folgendes  (Hervorhebungen 

hinzugefügt) (act. 3/8 S. 9): "Party B [Klägerin] confirms that Party A [Beklagte] has expressly 

disclosed and explained to Party B that

(i)

In order to close the position (eg by entering into an offsetting position), Party B may suffer a 

significant loss,

(ii)

Market conditions may make it impossible to close a position immediately,

(iii)

It may not be possible to limit the downside risk in the desired way,

(iv)

In the case of Options, the downside risk of Party B is only limited to the sum of the Premium 

paid if party B is purchasing Call or Put Options, but, when selling Call or Put Options, Party B 

has the risk of potentially suffering unlimited losses"

Aus diesen vertraglichen Bestimmungen lässt sich kein Anspruch der Klägerin auf 

marktgerechte  Preise  ableiten.  Vielmehr  halten  sie  fest,  dass  OTC-Optionen  mit 

einem  Markt-  und  Liquiditätsrisiko  behaftet  sind.  Offene  OTC-Positionen  können 

nämlich  nur  dann  vor  dem  Verfalltag  glattgestellt  werden,  wenn  die  Gegenpartei 

des Ursprungsgeschäfts damit einverstanden ist (vgl. act. 1 N. 85). Diese Bestim-

- 16 -

mungen statuieren ausdrücklich, dass das sofortige Schliessen von Positionen mit 

signifikanten Verlusten verbunden sein kann. 

Art. 16 des "OTC Master Agreement" bestimmt sodann weiter (act. 3/8 S. 9): 

"Party B [Klägerin] hereby confirms that

(i) Party B understands the mechanics of Options and risks inherent in such Transactions and that 

Party B is in a financial position to bear even substantial losses,

(ii) Prior to entering into each Transaction, Party B will carefully assess whether such Transaction 

is appropriate to Party B's objectives, knowledge and experience, financial risk capacity and ability to 

monitor such Transaction […]

Der Klägerin waren mit Unterzeichnung des "OTC Master Agreement" diese finan-

ziellen  Risiken  bewusst;  sie  bestätigte  auch  gleichzeitig,  substantielle  finanzielle 

Verluste tragen zu können (act. 81 N. 34). Angesichts dieser Sach- und Rechtslage 

lässt sich hinsichtlich der streitgegenständlichen Optionsgeschäfte aus dem Konto-

/Depotvertrag vom 31. August 2018 (act. 3/35) (Grundverhältnis) keine Vertrauens-

konstellation herleiten, welche die Beklagte zur Stellung marktgerechter Preise ver-

pflichtet  hätte  (vgl.  zu  solchen  Vertrauenskonstellationen  PORTMANN,  a.a.O., 

N. 107; CANARIS, Grosskommentar  Handelsgesetzbuch, Bd. 5, 4. Aufl., Bankver-

tragsrecht, Berlin 2005, N. 12 ff.; LARENZ, Lehrbuch des Schuldrechts, Allgemeiner 

Teil, Bd. I, 14. Aufl., München 1987, S. 104 ff.).

3.3.2. Pflicht zur Preisstellung aus Auftrag oder Kommissionsvertrag

Die  Klägerin  kann,  wie  gesehen,  aus  dem  Konto-/Depotvertrag  vom  31.  Januar 

2018 (act. 3/5) keinen Anspruch auf ein optimales Ausführungsgeschäft bzw. auf 

die  Stellung  marktgerechter  Preise  ableiten.  In  "Execution-only"-Beziehungen  ist 

jeweils für die einzelne Transaktion zu eruieren, ob Kommissions-, Auftrags- oder 

Kaufrecht zur Anwendung kommt (siehe PORTMANN, a.a.O., N. 30, N. 34 ff.). Dem-

zufolge ist zu prüfen, ob sich ein Anspruch auf die Stellung marktgerechter Preise 

aus dem auf die streitgegenständlichen Transaktionen anwendbaren Recht ablei-

ten lässt. 

- 17 -

Abhängig  davon,  ob  die  streitgegenständlichen  Transaktionen  als  Auftrag  i.S.v. 

Art. 394 ff. OR oder als Kommission i.S.v. Art. 425 ff. OR qualifizieren, würden sich 

allfällige Treue- und Sorgfaltspflichten auf die Preisgestaltung auswirken. Hingegen 

entspricht es der Natur des Kaufvertrags, dass die Parteien bezüglich der Höhe des 

Kaufpreises  gegenläufige  Interessen  haben  (Urteil  4C.152/2002  des  Bundesge-

richts vom 22. Juli 2002, E. 2.2), weshalb bei der Preisstellung einzig die allgemei-

nen  Schranken  des  Vertragsrechts,  insbesondere  diejenigen  der  Übervorteilung 

(Art. 21 OR), zu beachten sind. Ob ein interessenwahrendes oder ein interessen-

gegensätzliches Geschäft vorliegt, muss durch Auslegung des Vertrags eruiert wer-

den.  Die  Parteien  machen  keinen  übereinstimmenden  wirklichen  Willen  geltend, 

weshalb der objektivierte Wille der Parteien zu ermitteln ist. 

Durch die Annahme eines Auftrages verpflichtet sich der Beauftragte, die ihm über-

tragenen Geschäfte vertragsgemäss zu besorgen (Art. 394 Abs. 1 OR). Einkaufs- 

oder Verkaufskommissionär ist, wer gegen eine Kommissionsgebühr (Provision) in 

eigenem  Namen  für  Rechnung  eines  anderen  (des  Kommittenten)  den  Einkauf 

oder Verkauf von beweglichen Sachen oder Wertpapieren zu besorgen übernimmt 

(Art. 425 Abs. 1 OR). 

Indiz für das Vorliegen eines interessenwahrenden Geschäfts wäre etwa die Ver-

einbarung eines Entgelts (Provision) für den erbrachten Service (BAHAR/STUPP, in: 

Basler Kommentar zum BEHG/FINMAG, Watter/Vogt [Hrsg.], 2. Aufl., Basel 2011, 

Art. 11 BEHG N. 21; PORTMANN, a.a.O., N. 37). Der Provisionsanspruch ist ein Es-

sentialium der Kommission (LENZ/VON PLANTA, in: Basler Kommentar zum Obligati-

onenrecht I. Art. 1‒529 OR, Widmer Lüchinger/Oser [Hrsg.], 7. Aufl. 2020, Art. 432 

N. 1 m.w.H.). Auch spricht das Vorliegen eines Weisungsrechts tendenziell für ein 

auftrags-  bzw.  kommissionsrechtliches  Verhältnis  (PORTMANN,  a.a.O.,  N.  37, 

N. 46 ff.). Dagegen indizieren das offenkundige Fehlen einer Dienstleistungskon-

stellation sowie die erhöhten Fachkenntnisse bzw. die Geschäftserfahrenheit des 

Kunden  das  Vorliegen  eines  Kaufvertrags  (BAHAR/STUPP,  a.a.O.,  Art.  11  BEHG 

N. 21 mit Verweis auf die Praxis der ehemaligen EBK).

Zwar trifft es zu, dass am 10. August 2018 keine Transaktion zustande kam und 

damit auch kein Provisionsanspruch fällig wurde (vgl. act. 65 N. 280). Massgebend 

- 18 -

ist indessen, ob die Parteien für den Fall einer Transaktion eine Provision regelten. 

Dies  ist  weder  behauptet  noch  ersichtlich.  Im  "OTC  Master  Agreement"  gibt  es 

keine diesbezüglichen Bestimmungen. Die Klägerin macht auch nicht geltend, dass 

die Beklagte in der Vergangenheit bei vergleichbaren Transaktionen jeweils eine 

Provision in Rechnung stellte (act. 17 N. 245). Auch den einzelnen "Confirmation 

Notices", worin die Details zu anderen, früheren Transaktionen festgehalten wur-

den, ist keine Provision zu entnehmen (act. 17 N. 245; vgl. etwa act. 3/28). 

Beim OTC-Handel schliessen die Parteien ihre Transaktionen bilateral, "over-the-

counter" ab, mithin nicht über eine Börse (Urteil 4A_47/2012 des Bundesgerichts 

vom  5.  Februar  2013,  E.  1.3.1).  Bei  den  Optionspositionen  des  Währungspaars 

EUR/TRY, welche die Klägerin bei der Beklagten per 10. August 2018 offen hatte, 

war  die  Klägerin  "Short-Positionen"  eingegangen,  bei  einem  Nominalwert  von 

EUR 175 Mio., und hatte dafür rund EUR 3.8 Mio. an Prämien vereinnahmt (act. 17 

N. 84; vgl. act. 1 N. 91; act. 3/28‒37). Es handelte sich bei diesen Optionen sodann 

unbestritten nicht um Standardprodukte, sondern mit ihren Parametern (lange Lauf-

zeit, Ausübungspreis bei Ausgabe weit "out of the money", Emerging Market-Wäh-

rung,  hoher  Betrag)  um  besonders  auf  die  Klägerin  zugeschnittene  Produkte 

(act. 81 N. 74 lit. b). Die Klägerin war zumindest mit F._____ durch einen professi-

onellen Devisenhändler mit überdurchschnittlicher Geschäftserfahrenheit vertreten 

(act. 81 N. 54; vgl. auch das Urteil HG110157 des Handelsgerichts des Kantons 

Zürich vom 16. Juni 2016, E. 4.1.4). Sie hatte einen direkten Zugang zum "Trading 

Desk"  der  Beklagten,  um  schnell  Handelsaufträge  als  "Direct  Access  Client" 

("DAC") platzieren zu können (act. 1 N. 80). Angesichts dieser Rahmenbedingun-

gen  war  für  die  Klägerin  klar  erkennbar,  dass  die  Beklagte  keine  Dienstleistung 

erbrachte,  sondern  als  eine  im  Eigeninteresse  handelnde  Gegenpartei  agierte 

(siehe BAHAR/STUPP, a.a.O., N. 21 mit Verweis auf die Praxis der ehemaligen EBK: 

EBK-Bull.  2008/51,  113,  N.  48,  129‒130,  EBK-Bull.  2005/47,  157,  N.  80,  173). 

Daran ändert auch nichts, dass die Klägerin vom "Private Banking"-Team der Ab-

teilung  "International  Wealth  Management"  der  Beklagten  betreut  wurde  (act.  65 

N. 21 ff., N. 38 ff.), zumal die Klägerin ausdrücklich als professionelle Kundin be-

handelt werden wollte (act. 81 N. 40; act. 18/17). Sodann wurden die tatsächlich 

abgeschlossenen  sowie  die  von  der  Klägerin  abgelehnten  Geschäfte  zu  festen 

- 19 -

Preisen offeriert, was ebenfalls für das Vorliegen eines Kaufvertrags spricht (act. 1 

N. 105 ff.; act. 17 N. 251; PORTMANN, N. 37). Auch in Anbetracht dieses Aspekts 

liegt  das  Gewicht  der  streitgegenständlichen  Transaktionen  nicht  auf  der  Dienst-

leistungsabwicklung, sondern auf dem Produkteverkauf (PORTMANN, a.a.O., N. 34). 

Schliesslich ging selbst die Klägerin in der Klage noch davon aus, dass die Beklagte 

bei der Preisstellung eigene Interessen vertrat (act. 1 N. 164; act. 17 N. 249). An-

gesichts  dieser  Umstände  unterliegen  die  streitgegenständlichen  Transaktionen 

dem  Kaufvertragsrecht  i.S.v.  Art.  184  ff.  OR.  Das  von  der  Klägerin  zitierte  Urteil 

4A_547/2012 des Bundesgerichts vom 5. Februar 2013, E. 4.1 f., wonach für die 

Preisbestimmung von OTC-Transaktionen die Schutzbestimmungen des Kommis-

sionsrechts analog anwendbar seien, ist im Übrigen vorliegend nicht einschlägig. 

In diesem Entscheid ging es um die Korrektheit der bei einer Liquidation verrech-

neten Optionspreise. Da in der hiesigen Streitigkeit keine Liquidationskonstellation 

vorliegt,  greift  der  Schutzgedanke  dieser  Rechtsprechung  von  vornherein  nicht 

(act. 17  N. 253).  Demzufolge  kann  die  Klägerin  keinen  Anspruch  auf  bestimmte 

Preise aus Kommissionsrecht ableiten. 

3.3.3. Pflicht zur Preisstellung aus der "Best Execution Policy"

Die  Klägerin  stützt  ihren  Anspruch  ferner  auf  die  "Best  Execution  Policy"  vom 

10. April 2018 (act. 3/14‒15). Demnach sei die Beklagte verpflichtet gewesen, Kun-

denaufträge  bestmöglich  auszuführen  (Pflicht  zur  "Best  Execution")  (act.  65 

N. 220 ff.). Die "Best Execution Policy" definiert "Best Execution" wie folgt (act. 3/14 

Ziff. 3 S. 6):

"Unter Best Execution versteht man die Anforderung, alle angemessenen Massnahmen zu ergreifen, 

um systematisch das für den Kunden bestmögliche Ergebnis bei der direkten Ausführung von Trans-

aktionen im Namen des Kunden an einem oder mehreren Ausführungsplätzen (einschliesslich der 

Ausführung unter Principal Capacity) oder bei der Übermittlung von Kundenaufträgen zur Ausführung 

an Intermediäre (verbundene Gesellschaften oder Drittbroker) zu erreichen."

Im "Anhang zur Anlageklasse anlageübergreifender OTC-Derivate" befindet sich 

sodann folgende Bestimmung (act. 3/14 Ziff. 2 S. 22): 

- 20 -

"Es  ist  unwahrscheinlich,  dass  dem  Kunden  Best  Execution  geschuldet  wird,  wenn  professionelle 

Kunden um ein Angebot bitten (Aufforderung zur Angebotsabgabe oder "RFQ") und festgestellt wird, 

dass sie sich nicht auf die H._____ zur Erfüllung der Best-Execution-Anforderung verlassen […]."

Bei professionellen Kundinnen besteht demzufolge nur dann eine Pflicht zu "Best 

Execution", wenn sich diese auf die Beklagte verlassen (sog. "legitimate reliance" 

[englische Fassung]). Art. 3.5 der "Best Execution Policy" statuiert dazu die folgen-

den Grundsatzregeln bzw. Kriterien (act. 3/14 Ziff. 3.5 S. 7): 

"Best Execution gilt nicht als obligatorische Pflicht, wenn professionelle Kunden sich diesbezüglich 

nicht auf die H._____ verlassen. Um zu bestimmen, ob sich der Kunde auf die H._____ verlässt, 

befolgt die H._____ einige Grundsatzregeln, zum Beispiel:

‒

Welche Partei hat die Transaktion initiiert ‒ Bei Aufträgen, bei denen der Kunde als Initiator 

der Transaktion auftritt, ist es weniger wahrscheinlich, dass der Kunde sich auf die H._____ 

verlässt.

‒

Die Marktpraxis und Üblichkeit, dass Kunden sich bei verschiedenen Dienstleistern erkundigen 

‒ Wenn die Marktpraxis für eine bestimmte Anlageklasse oder ein bestimmtes Produkt sugge-

riert, dass der Kunde ungehinderten Zugang zu mehreren Dienstleistern hat, die Angebote ab-

geben können, und der Kunde die Möglichkeit hat, frei zu wählen, ist es weniger wahrschein-

lich, dass der Kunde sich auf die H._____ verlässt.

‒

Das relative Mass an Transparenz innerhalb eines Marktes ‒ In Situationen, in denen die Prei-

sinformationen transparent sind und vernünftigerweise davon ausgegangen werden darf, dass 

der  Kunde  Zugang  zu  solchen  Informationen  hat,  ist  es  weniger  wahrscheinlich,  dass  eine 

Übereinkunft darüber erzielt wurde, dass der Kunde sich auf die H._____ verlässt.

‒

Die vom Kunden bereitgestellten Informationen und getroffenen Vereinbarungen ‒ Wenn Ver-

einbarungen oder Absprachen mit dem Kunden (einschliesslich der Bestimmungen dieser Best 

Execution Policy) darauf hinweisen oder suggerieren, dass eine Übereinkunft darüber erzielt 

wurde, dass der Kunde sich nicht auf die H._____ verlässt.

Wenn es weitere Hinweise darauf gibt, dass professionelle Kunden sich nicht auf die H._____ ver-

lassen, werden auch diese berücksichtigt."

- 21 -

Anwendbarkeit der "Best Execution Policy": Die Beklagte macht zunächst geltend, 

dass die "Best Execution Policy" nicht Vertragsbestandteil geworden sei (act. 17 

N. 268). Die "Best Execution Policy" gilt gemäss Ziff. 2.1 sowohl für Retailkunden 

als auch für professionelle Kunden (act. 3/14 S. 6). Sie gilt insbesondere für Optio-

nen und andere Derivatkontrakte in Bezug auf Währungen (act. 3/14 Ziff. 2.1 S. 6 

i.V.m. Verzeichnis 1 Ziff. 4 S. 36) (act. 65 N. 224). Ziff. 1 der "Best Execution Policy" 

sieht vor, dass der Kunde nach Erhalt der "Best Execution Policy" deren Inhalt be-

stätigt und akzeptiert, sobald er einen Auftrag bei der Beklagten platziert (act. 3/14 

S. 6). Die Beklagte wendet in dieser Hinsicht zurecht ein, dass die Klägerin nicht 

dartue,  die  "Best  Execution  Policy"  bei  Vertragsschluss  von  ihr  (der  Beklagten) 

auch tatsächlich erhalten zu haben (act. 81 N. 267 f.). Die Klägerin stützt sich ferner 

auf  eine  Version  der  "Best  Execution  Policy"  mit  dem  Änderungsdatum  vom 

10. April 2018 (act. 3/14 S. 1). Da die Geschäftsbeziehung unbestrittenermassen 

im Januar 2018 eröffnet wurde, müsste die Klägerin ihren Anspruch ohnehin auf 

die dannzumal geltende Version der "Best Execution Policy" stützen bzw. diese ins 

Recht legen. Eine solche Version liegt indessen nicht bei den Akten. In den zwi-

schen den Parteien geschlossenen Verträgen wird sodann auch nicht auf die "Best 

Execution Policy" verwiesen (act. 3/5‒9) (act. 81 N. 268). Demzufolge ist nicht dar-

getan,  dass  die  "Best  Execution  Policy"  Vertragsbestandteil  wurde.  Aber  selbst 

wenn die "Best Execution Policy" anwendbar wäre, könnte die Klägerin daraus, wie 

nachstehend zu zeigen ist, nichts für sich ableiten. 

Anspruchsvoraussetzungen:  In  materieller  Hinsicht  sind  die  in  Art.  3.5  der  "Best 

Execution Policy" aufgezählten Grundsatzregeln als nicht abschliessend zu verste-

hen. Dies ergibt sich u.a. aus der einleitenden Formulierung "zum Beispiel". Ferner 

lässt der letzte Absatz von Ziff. 3.5 auch weitere Hinweise gelten, aus denen sich 

ergibt, dass sich professionelle Kunden nicht auf die Beklagte verlassen. Entspre-

chend müssen die in Ziff. 3.5 der "Best Execution Policy" definierten Kriterien nicht 

kumulativ erfüllt sein, damit ein Fall von "legitimate reliance", also ein berechtigtes 

Verlassen  der  Klägerin  auf  die  Beklagte,  vorliegt.  Vorauszuschicken  ist  sodann, 

dass die Anwendung dieser Grundsatzregeln stets unter Berücksichtigung der ge-

samten Umstände zu erfolgen hat. 

- 22 -

‒

F._____, der für die Klägerin agierte, ist unbestrittenermassen professioneller 

Devisenhändler  (act.  81  N.  4).  Die  Klägerin  liess  sich  zudem  mit  den 

Formularen "Declaration of Private Investment Structure as Qualified Investor" 

(act.  18/15), 

"Knowledge  and  Experience 

in 

relation 

to 

financial 

instruments/services" (act. 18/16) sowie "Declaration for Classification as en 

Elective Professional" (act. 18/17) als professionelle Partei einstufen (act. 17 

N. 113 f.; act. 18/15‒17). Sie vereinbarte mit der Beklagten einen direkten Zu-

gang  als  "Direct  Access  Client"  ("DAC")  zum  "Trading  Desk"  (act.  1  N.  80; 

act. 81 N. 270). Dieser direkte Zugang diente nicht nur dazu, zeitnah Marktin-

formationen zu erhalten (act. 65 N. 233), sondern war v.a. ein Instrument für 

die Klägerin, um während 24 Stunden am Tag direkt Aufträge platzieren zu 

können (act. 17 N. 114; 81 N. 39). Diese Umstände sprechen dagegen, dass 

sich die Klägerin auf die Beklagte verliess. 

‒

Es war die Klägerin, welche die Transaktionen initiierte. F._____ wandte sich 

jeweils  direkt  an  die  Händler  der  Beklagten,  um  Angebote  einzuholen  und 

Transaktionen abzuschliessen (vgl. act. 1 N. 82 f., N. 114 ff.; act. 81 N. 270). 

Der Einwand der Klägerin, wonach sie die Glattstellungstransaktionen nicht 

völlig freiwillig initiiert habe, sondern aufgrund der gesamten Umständen dazu 

faktisch gezwungen gewesen sei, verfängt nicht (act. 65 N. 231 ff.). Der Klä-

gerin war aufgrund von Ziff. 16 des "OTC Master Agreement" bewusst, dass 

sie  unter  Umständen  nicht  in  der  Lage  sein  würde,  eine  Position  ‒  je  nach 

Marktsituation  ‒  sofort  schliessen  zu  können  (act.  81  N. 290)  (siehe  dazu 

vorne  unter  Ziff.  3.3.1).  Sie  holte  die  streitgegenständlichen  Preise  ein,  um 

einen "Margin Call" zu verhindern. Die Klägerin befand sich am 10. August 

2018 aufgrund des illiquiden Markts unbestrittenermassen in einer schwieri-

gen Position. Dies ändert aber nichts daran, dass sie eigenverantwortlich am 

Markt operierte und aus freien Stücken Optionen schrieb. Auch in dieser Hin-

sicht verliess sich die Klägerin nicht auf die Beklagte. 

‒

Die Klägerin hatte die Möglichkeit, sich bei mehreren Dienstleistern nach Prei-

sen zu erkundigen ("to shop around"). Sie holte regelmässig andere Preise 

ein,  kommunizierte  diese  in  Preisverhandlungen  mit  der  Beklagten  (act.  1 

- 23 -

N. 113, N. 116, N. 123) und schloss mit der J._____ auch nachgewiesener-

massen Transaktionen ab (act. 1 N. 113; act. 81 N. 270). Die Klägerin macht 

geltend, am 10. August 2018 erheblich in ihrem Handlungsspielraum einge-

schränkt  gewesen  zu  sein.  Dies,  da  es  für  sie  nicht  zumutbar  bzw.  unnötig 

kapitalintensiv  gewesen  sei,  Glattstellungstransaktionen  mit  einer  anderen 

Gegenpartei abzuschliessen, und diese Positionen anschliessend auf die Be-

klagte zu übertragen (act. 65 N. 89 f.). Ob dies so zutrifft, kann hier offen blei-

ben. Wie bereits gesagt, haben sich für die Klägerin am 10. August 2018 die 

bei  OTC-Optionsgeschäften  inhärenten  Risiken  verwirklicht.  Entsprechend 

begründet  die  Tatsache,  dass  die  Klägerin  am  besagten  Datum  möglicher-

weise nicht völlig frei zwischen verschiedenen Dienstleistern wählen konnte, 

keinen Fall von "legitimate reliance".

‒

Die Preiskomponenten waren transparent. Gemäss eigenem Vorbringen der 

Klägerin sind die marktbezogenen Parameter (z.B. der "Spot Price", die Vola-

tilität oder die relevanten "Discount Factors") öffentlich verfügbare Daten von 

führenden Market Data Providern wie ICE Data Services, Eikon, Bloomberg 

und  Optionsmaklern  wie  GFI  oder  Tullett  Prebon  (act.  1  N. 57,  N. 177; 

act. 3/11). Den Vorbringen der Klägerin ist auch zu entnehmen, dass F._____ 

die Marktentwicklung am 10. August 2018 mit Hilfe von Daten von M._____ 

LLC,  einem  Finanzunternehmen  mit  Sitz  in  N._____,  USA,  beobachtete 

(act.  1 N. 125). Entsprechend konnte er Preise vergleichen und die Angebote 

der Beklagten einschätzen (act. 81 N. 270). Nur so lässt sich erklären, dass 

F._____ beispielsweise das erste Angebot der Beklagten am 10. August 2018 

um  11:01  Uhr  (TRT)  für  den  Kauf  einer  Option  (Prämie  von  21.00% 

[EUR 5'250'000.‒]) als für zu teuer erachtete und zum Vergleich auf das An-

gebot der J._____ für den Kauf einer identischen Option (Prämie von 17.17%) 

verwies (act. 1 N. 115 ff.; act. 3/53‒54). Auch das spricht nicht für das Vorlie-

gen eines Falles von "legitimate reliance".

Die  Klägerin  tätigte  Devisenoptionsgeschäfte  und  nahm  keine  Anlageberatungs- 

bzw. Vermögensverwaltungsdienstleistungen von der Beklagten entgegen. Daran 

ändert auch nichts, dass die Klägerin vom "Private Banking"-Team der Beklagten 

- 24 -

betreut wurde und in regelmässigem Kontakt mit den Kundenberatern L._____ und 

O._____ stand (act. 1 N. 74 ff.). Ebenfalls irrelevant ist, dass die Beklagte kontinu-

ierlich  die  Risikoparameter  ("Exposure")  überwachte.  Die  Klägerin  als  Kundin 

konnte gemäss den vertraglichen Bestimmungen nur mit Devisen handeln, sofern 

sie über ausreichend Deckung verfügte. Die Beklagte als Gläubigerin musste ent-

sprechend ‒ nicht zuletzt aus aufsichtsrechtlichen Gründen ‒ überwachen, ob ge-

nügend Sicherheiten für den eingeräumten Lombardkredit vorhanden waren (act. 

17 N. 87 ff.; act. 81 N. 55 ff.). Diese Überwachung des "Exposure" erfolgte ange-

sichts der vorstehend erläuterten vertraglichen Strukturen nicht zugunsten der risi-

koerfahrenen und eigenverantwortlich handelnden Klägerin, sondern vor allem im 

Interesse der Beklagten (act. 17 N. 87 ff.; act. 81 N. 55 ff.). 

In Anbetracht dieser gesamten Umstände ist nicht davon auszugehen, dass sich 

die Klägerin auf die Beklagte verliess, sprich dass ein Fall von "legitimate reliance" 

vorlag. Vielmehr handelte es sich bei der Klägerin um eine geschäftserfahrene, pro-

fessionelle Anlegerin, die selbständig und eigenverantwortlich am Markt operierte. 

Dies ergibt sich nicht zuletzt auch aus der Art und Weise, wie F._____ im typischen 

Fachjargon via "Bloomberg Chat" am "Trading Desk" der Beklagten kommunizierte 

(act. 1 N. 98 ff.; z.B. act. 3/53‒54). Die "Confirmation Notices" enthielten sodann 

jeweils den Hinweis, dass der entsprechenden Transaktion keine Beratung durch 

die Beklagte vorausgegangen war (act. 17 N. 259; act. 3/28 S. 3). 

Im  Ergebnis  kann  die  Klägerin  aus  der  "Best  Execution  Policy"  keine  Pflicht  der 

Beklagten zur Stellung von marktgerechten/fairen Preisen ableiten, zumal kein Fall 

von "legitimate reliance" vorliegt. 

3.3.4. Pflicht zur Preisstellung aus der "Client Order Execution Policy"

Die Klägerin stützt sich sodann auf die "Client Order Execution Policy" und macht 

geltend, dass die Beklagte verpflichtet gewesen sei, das bestmögliche Ergebnis für 

sie (die Klägerin) zu erzielen (act. 1 N. 70 ff.). Die "Client Order Execution Policy" 

wurde gestützt auf die Richtlinie 2014/65/EU des europäischen Parlaments und des 

Rates vom 15. Mai 2014 über Märkte für Finanzinstrumente sowie zur Änderung 

- 25 -

der  Richtlinie  2002/92/EG  und  2011/61/EU  ("MiFID  II")  erlassen  (act.  1  N.  70; 

act. 3/16).

Anwendbarkeit  der  "Client  Order  Execution  Policy":  Der  Anwendungsbereich  der 

"Client  Order  Execution  Policy"  wird  in  deren  Ziff.  1  definiert  (act.  3/16  S.  1).  Er 

umfasst die (vormaligen) Gesellschaften "H._____ International" ("…"), "H._____ 

Securities (Europe) Limited" ("…"), "H._____ AG" (…) ("…"), "H._____ Securities, 

Sociedad de Valores, S.A." ("…") und "H._____ (Deutschland) Aktiengesellschaft" 

("…").  Die  Beklagte  (als  vormalige  H._____  AG)  ist  als  Schweizer  Aktiengesell-

schaft davon nicht umfasst, weshalb die "Client Order Execution Policy" schon aus 

diesem  Grund  nicht  anwendbar  ist.  Zudem  erfordert  die  "Client  Order  Execution 

Policy" die Anbahnung oder Ausführung eines Kundenauftrags von einem Kunden-

berater oder Händler, der im EWR stationiert ist (Ziff. 2 der "Client Order Execution 

Policy": «[…] where any part of the origination or execution of the client order or transaction invol-

ves a sales person or trader located in the EEA […]»). Keine der involvierten Personen sei-

tens  der  Beklagten  war  dannzumal  im  EWR  stationiert.  Sowohl  die  zuständigen 

Mitglieder  des  "Trading  Desk"  (P._____  und  Q._____)  als  auch  die  zuständigen 

Kundenberater  (L._____  und  O._____)  waren  unbestrittenermassen  von  der 

Schweiz aus tätig, R._____ von S._____ [VAE] aus (act. 17 N. 279). Entsprechend 

ist die "Client Order Execution Policy" auch in räumlicher Hinsicht nicht anwendbar. 

Selbst wenn diese jedoch anwendbar wäre, könnte sich die Klägerin daraus, wie 

sogleich zu zeigen ist, nichts zu ihren Gunsten ableiten.

Anspruchsvoraussetzungen: Die Klägerin macht geltend, dass es sich bei der Glatt-

stellung  von  Derivatgeschäften  explizit  um  einen  Fall  von  "legitimate  reliance" 

handle (act. 1 N. 71). Sie stützt sich auf die folgenden Bestimmungen in der "Client 

Order Execution Policy" (act. 3/16): 

‒

"Other examples of client placing legitimate reliance on H._____ could include the unwind of 

derivative transactions where the client may find it difficult to seek alternative pricing from other 

parties or novate the transaction to another party." (Ziff. 2 Abs. 6 in "Annex 7 to Schedule 2 ‒ 

FX");

- 26 -

‒

"[…] where you are seeking to exit a complex structures trade where it would be reasonable to 

consider that you are unable to shop around […]" (Ziff. 4.3 Spiegelstrich Nr. 4 der "Client Order 

Execution Policy");

‒

"[…] other circumstances where you may be considered a captive client e.g. there is a lack of 

client choice over where to execute a trade due to the complexity or nature of the transaction 

and you would therefore be unable to seek alternate quotes […]" (Ziff. 4.3 Spiegelstrich Nr. 6 

der "Client Order Execution Policy").

Ziff. 2 Abs. 3 des "Annex 7 to Schedule 2 ‒ FX" statuiert einleitend jedoch wiederum 

folgende Ausnahme (act. 3/16): 

"Best execution obligations are unlikely to apply where you have asked us for a quote ("RFQ"), as we 

generally  take  the  view  that  in  the  context  of  the  European  Commission's  four  considerations 

(Appendix to CESR/07-320 Best Execution under MiFID) there ist no legitimate reliance being placed 

on us to meet the relevant best execution requirements."

Die Klägerin holte gemäss eigener Darstellung jeweils direkt bei den Händlern des 

"Trading Desk" der Beklagten Preisangebote ("Quotes") ein (act. 1 N. 83 f.; act. 17 

N. 283). Am 10. August 2018 stellte die Klägerin unbestrittenermassen Preisanfra-

gen  bei  der Beklagten  (act. 1  N. 114  ff.;  act.  17  N. 283). Sodann definieren  sich 

auch nach der "Client Order Execution Policy" die Fälle, in denen "legitimate re-

liance" vorliegt, nach den vorstehend genannten Grundsatzregeln der "Best Exe-

cution Policy" (act. 3/16 Ziff. 4.2 i.V.m. act. 3/15 Ziff. 3.5) (act. 17 N. 285). Im Übri-

gen sind die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen der MiFID II in der Schweiz ohne-

hin nicht direkt anwendbar (vgl. act. 65 N. 257). Damit kann sich die Beklagte auch 

in  materieller  Hinsicht  nicht  auf  die  "Client  Order  Execution  Policy"  stützen.  Ent-

sprechend steht ihr aus der "Client Order Execution Policy" kein Anspruch auf die 

Stellung von marktgerechten/fairen Preisen zu.

3.3.5. Pflicht zur Preisstellung aus Art. 11 BEHG

Der Art. 11 des (vormaligen) Bundesgesetzes über die Börsen und den Effekten-

handel (Börsengesetz, BEHG) vom 24. März 1995 bestimmte was folgt:

- 27 -

"(1) Der Effektenhändler hat gegenüber seinen Kunden:

(a) eine Informationspflicht; er weist sie insbesondere auf die mit einer bestimmten Geschäftsart 

verbundenen Risiken hin; 

(b) eine Sorgfaltspflicht; er stellt insbesondere sicher, dass die Aufträge seiner Kunden bestmöglich 

erfüllt werden und diese die Abwicklung seiner Geschäfte nachvollziehen können; 

(c) eine Treuepflicht; er stellt insbesondere sicher, dass allfällige Interessenkonflikte seine Kunden 

nicht benachteiligen. 

(2) Bei der Erfüllung dieser Pflichten sind die Geschäftserfahrenheit und die fachlichen Kenntnisse 

der Kunden zu berücksichtigen."

Die Klägerin macht geltend, dass die Beklagte auch gemäss dem im August 2018 

noch in Kraft stehenden Art. 11 BEHG die bestmögliche Erfüllung, d.h. Best Exe-

cution, von Kundenaufträgen geschuldet hätte (act. 1 N. 250 f.; act. 65 N. 276 ff.). 

Die Beklagte bringt dagegen vor, dass der (vormalige) Art. 11 BEHG nicht auf Kauf-

verträge anwendbar sei (act. 17 N. 287 f.). Sodann greife die Bestimmung nicht, da 

sie  (die  Beklagte)  als  Gegenpartei  der  Klägerin  aufgetreten  sei  (act.  17  N.  289). 

Überdies sei ohnehin kein Geschäft ausgeführt worden, zumal die Parteien nicht 

über das Verhandlungsstadium hinausgekommen seien (act. 17 N. 292 ff.).

Aus dem "Bloomberg-Chat" zwischen F._____ und der Beklagten geht hervor, dass 

die Klägerin mit der Beklagten über den Preis der gewünschten Transaktion jeweils 

verhandelte; die Beklagte erbrachte damit keine schlichte Dienstleistung für die Klä-

gerin (siehe zum Ganzen: act. 1 N. 114 ff.; act. 65 N. 93 ff.; act. 3/53‒54; EBK-Bull. 

2008/51,  113,  N. 48,  129‒130;  EBK-Bull.  2005/47,  157,  N.  80,  173)  (siehe  dazu 

auch  unter  E.  Ziff.  3.3.3).  Es  ist  offenkundig,  dass  die  Beklagte  ihre  Risiken  bei 

einem Geschäftsabschluss unter den schwierigen Marktbedingungen am 10. Au-

gust  2018  nicht  einfach  durch  den  Abschluss  eines  entsprechenden  Gegenge-

schäfts hätte neutralisieren können, sondern vielmehr ein unlimitiertes Risiko über-

nommen hätte (vgl. act. 81 N. 74 lit. c; act. 91 N. 27). Entsprechend war das Ei-

geninteresse  der  Beklagten  für  die  Klägerin  erkennbar.  Der  (vormalige)  Art.  11 

BEHG und die darin vorgesehenen Verhaltensregeln finden indessen auf mit einer 

Gegenpartei vereinbarte Kaufgeschäfte keine Anwendung, da es an der Schutzbe-

dürftigkeit fehlt (BAHAR/STUPP, a.a.O., N. 20 mit Verweis auf Bahar/Thévenoz, Con-

- 28 -

flicts of Interest: Disclosure, Incentives, and the Market, in: L. Tévenoz/R. Bahar 

[Hrsg.],  Conflicts  of  Interest:  Corporate  Governance  and  Financial  Markets,  Klu-

ver/Zurich 2007) (siehe zum Ganzen auch unter E. Ziff. 3.3.3). Damit war die Be-

klagte  in  ihrer  Preisgestaltung  nicht  durch  Treue-  und  Sorgfaltspflichten  einge-

schränkt.  Ob  die  von  der  Beklagten  gestellten  Preise  marktkonform/fair  waren, 

kann damit offen bleiben, zumal eine Übervorteilung i.S.v. Art. 21 OR weder be-

hauptet noch ersichtlich ist. 

3.4.

Zwischenfazit

Im Kern macht die Klägerin geltend, die Beklagte hätte ihr die Risiken am 10. Au-

gust  2018,  einem  unbestrittenermassen  aussergewöhnlichen  Handelstag,  zu  ei-

nem bestimmten Preis abnehmen müssen (vgl. act. 81 N. 120). Diese Rechtssauf-

fassung lässt sich, wie gezeigt, nicht auf die vorliegend angerufenen (vertraglichen) 

Bestimmungen stützen. Damit liegt seitens der Beklagten keine Pflichtverletzung 

vor. Entsprechend ist die Klage bereits aus diesem Grund abzuweisen. 

4.

Schaden

4.1. Parteivorbringen

Die Klägerin macht geltend, ihr Schaden bestehe in einer Vermehrung der Passi-

ven. Die Beklagte habe ihr für die Glattstellung der streitgegenständlichen Optionen 

per  14.  August  2018  insgesamt  EUR  46'325'500.00  verrechnet,  nämlich  für  die 

Glattstellung von "Option 1" EUR 14'317'500.00, von "Option 2" EUR 12'775'000.00 

und  von  "Option  3"  EUR  19'233'000.00  (1  N.  222  f.).  Hätte  die  Beklagte  ihr  (der 

Klägerin) marktgerechte/faire Preise für die Optionen gestellt, hätte sie (die Kläge-

rin) diese am 10. August 2018 während eines vernünftigen Zeitraums wesentlich 

günstiger  glattstellen  können.  Da  sie  (die  Klägerin)  am  10.  August  2018  um 

10.20 Uhr (TRT) der Beklagten den Auftrag erteilt habe, Preise für die Glattstellung 

der Optionen einzuholen, und da eine Marktbeeinflussung zufolge einer Rede des 

türkischen Präsidenten Erdogan um 14.45 Uhr (TRT) erwartet worden sei, habe sie 

(die Klägerin) vernünftigerweise erwarten dürfen, dass ihr die Beklagte die Glatt-

stellung noch vor dieser Rede ermöglichen würde. Für die hypothetische Berech-

nung der marktgerechten/fairen Preise sei daher auf die Durchschnittspreise zwi-

- 29 -

schen 10.20 Uhr (TRT) und 14.45 Uhr (TRT) am 10. August 2018 abzustellen, wel-

che  sich  auf  17.75%  (EUR  8'876'073.66)  für  "Option  1",  auf  15.10%  (EUR 

7'548'259.13)  für  "Option  2"  und  auf  15.14%  (EUR 11'352'425.56)  für  "Option  3" 

belaufen hätten, was einen Gesamtbetrag von EUR 27'776'758.35 ergebe (act. 1 

N. 190 ff.). Die Differenz zwischen den tatsächlich von der Beklagten verrechneten 

Prämien und den marktgerechten/fairen Preisen gemäss Black-Scholes Formel be-

laufe  sich  auf  EUR 18'548'741.65  (EUR  46'325'500  minus  EUR 27'776'758.35) 

(act. 1 N 222 ff.). Die Klägerin stellt im Hauptstandpunkt auf diesen Betrag ab. Sie 

macht sodann eventualiter und sub-eventualiter etwas geringere Beträge geltend, 

die auf einem gleichförmigen Trading (EUR 18'351'857.28) bzw. auf dem jeweiligen 

Höchstpreis am 10. August 2018 für jede der drei Optionen (EUR 17'556'750.03) 

beruhen (vgl. 1 N. 204 ff.; vgl. auch N. 254 ff.). 

Die Beklagte macht geltend, es liege kein Schaden vor, da die Vermögensvermin-

derung freiwillig erfolgt sei (act. 81 N. 217). Die behauptete Vermögensverminde-

rung sei eingetreten, weil die Klägerin am 10. August 2018 ihre offenen Optionsge-

schäfte nicht habe glattstellen wollen und auch keine weitere Deckung beigebracht 

habe (act. 81 N. 217). Statt das Angebot zur Glattstellung der Beklagten am 10. Au-

gust 2018 anzunehmen, habe die Klägerin im Wissen um das Risiko weiterer Ver-

luste auf eine Verbesserung der Marktlage spekuliert (act. 81 N. 219). Die Glatt-

stellung am 13. August 2018 durch sie (die Beklagte) sei vertragsmässig erfolgt, 

zumal  die  Klägerin  die  erforderliche  Deckung  nicht  beigebracht  habe.  Aus  einer 

vertragsgemässen Handlung könne kein ersatzfähiger Schaden entstehen (act. 81 

N. 221). Sodann habe die Klägerin am 10. August 2018 zunächst einzig versucht, 

eine  der  Call  Optionen  glattzustellen.  Später  habe  sie  (die  Klägerin)  noch  eine 

Quote für eine weitere Option verlangt. Um 12.50 Uhr (TRT) habe sie (die Klägerin) 

gebeten, die Preise für den Kauf dieser zwei Optionen ‒ nämlich einer Call Option 

für EUR 25 Mio. mit Strike 8.15, fällig am 25. Oktober 2019, und einer Call Option 

für EUR 25 Mio. mit Strike 8.90, fällig am 21. November 2019 ‒ zu erneuern. Sie 

(die  Klägerin)  habe  aber  klar  gemacht,  dass  sie  nur  entweder  die  eine  oder  die 

andere Call Option habe kaufen wollen, mit Präferenz für die Call Option über CHF 

25 Mio. mit Strike 8.15, fällig am 25. Oktober 2019 (act. 81 N. 224). Wenn über-

haupt, könne es nur um die (angebliche) Differenz der Preise für diese einzige Op-

- 30 -

tion  gehen.  Eine  solche  Schadensberechnung  habe  die  Klägerin  indessen  nicht 

vorgenommen,  weshalb  es  an  der  substantiierten  Behauptung  eines  Schadens 

fehle (act. 81 N. 226).

4.2. Rechtliches

Ein  Schaden  ist  nach  ständiger  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  die  unge-

wollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Verminderung der Akti-

ven, einer Vermehrung der Passiven (damnum emergens) oder in entgangenem 

Gewinn (lucrum cessans) bestehen und entspricht der Differenz zwischen dem ge-

genwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schä-

digende Ereignis hätte (sog. Differenzhypothese) (BGE 142 III 23 E. 4.1 S. 27; BGE 

139  V  176  E.  8.1  S.  187  f.  m.w.H.).  Der  Schadenersatzanspruch  aus  Art. 97 

Abs. 1 OR geht auf Ersatz des positiven Vertragsinteresses. Es ist derjenige Ge-

winn zu ersetzen, der nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge oder nach den be-

sonderen  Umständen,  insbesondere  nach  den  getroffenen  Veranstaltungen  und 

Vorkehrungen, mit Wahrscheinlichkeit erwartet werden konnte (WIEGAND, in: Basler 

Kommentar  zum  Obligationenrecht  I.  Art.  1‒529  OR,  Lüchinger/Oser  [Hrsg.],  7. 

Aufl., Zürich 2020, Art. 97 N. 38a m.w.H.; vgl. auch § 252 BGB). 

Grundsätzlich  obliegt  es  der  klagenden  Partei,  den  Schaden  substantiiert  zu  be-

haupten und zu beweisen (Art. 41 Abs. 1 OR). Wenn der Schaden ziffernmässig 

nicht nachweisbar ist, wird er nach richterlichem Ermessen mit Rücksicht auf den 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und den von der klagenden Partei getroffenen Mass-

nahmen geschätzt (Art. 42 Abs. 2 OR i.V.m. Art. 99 Abs. 3 OR). Die Befugnis des 

Richters, den Schaden zu schätzen, bezweckt aber nicht, der klagenden Partei die 

Beweislast generell abzunehmen oder ihr die Möglichkeit zu eröffnen, ohne nähere 

Angaben Schadenersatzforderungen in beliebiger Höhe zu stellen. Vielmehr muss 

sie  alle  Umstände,  die  für  den  Eintritt  des  Schadens  sprechen  oder  dessen  Ab-

schätzung erlauben oder erleichtern, soweit möglich zumutbar behaupten und be-

weisen  (BGE  143  III  297  E. 8.2.5.2  S.  323  m.w.H.;  BGE  128  III  271  E. 2b/aa 

S. 275 f.). 

4.3. Würdigung

- 31 -

4.3.1. Schadensszenarien der Klägerin

Nach Auffassung der Klägerin besteht der Schaden in der Differenz zwischen dem 

von  der  Beklagten  bei  der  forcierten  Glattstellung  verrechneten  Gesamtpreis 

(EUR 46'325'500.‒)  und  den  (behauptet)  marktgerechten,  also  günstigeren  Prei-

sen, für die streitgegenständlichen Optionen (act. 1 N. 222) am 10. August 2018 im 

Zeitraum zwischen jeweils 10.20 Uhr und 14.45 Uhr (TRT). Diesbezüglich errech-

net sie drei alternativen Schadensszenarien:

‒

EUR  18'548'741.65  (EUR  46'325'500.00  [Gesamtprämie  gemäss  forcierter 

Glattstellung aller Optionen am 13. August 2018 durch die Beklagte] abzüglich 

EUR 27'776'758.35 [marktkonformer/fairer Preis bei Abstellen auf den Durch-

schnittspreis am 10. August 2018]) (act. 1 N. 201, N. 224, N. 256):

‒

eventualiter:  EUR  18'351'857.28  (EUR  46'325'500.00  [Gesamtprämie  ge-

mäss forcierter Glattstellung aller Optionen am 13. August 2018 durch die Be-

klagte] abzüglich EUR 27'973'642.72 [marktkonformer/fairer Preis bei Abstel-

len auf gleichförmiges Trading am 10. August 2018]) (act. 1 N. 204, N. 226, 

N. 256):

- 32 -

‒

sub-eventualiter: EUR 17'556'750.03 (EUR 46'325'500.00 [Gesamtprämie ge-

mäss forcierter Glattstellung aller Optionen am 13. August 2018 durch die Be-

klagte] abzüglich EUR 28'768'749.97 [marktkonformer/fairer Preis bei Abstel-

len auf höchsten Preis am 10. August 2018]) (act. 1 N. 207, N. 228, N. 256):

Zur Schadensberechnung hat die Klägerin (anders als in BGE 144 III 155) nicht das 

gesamte bei der Beklagten vorhandene Vermögen (Portfolio) herangezogen, son-

dern den Schaden für jede einzelne (angeblich vereitelte) Glattstellungstransaktion 

berechnet (act. 65 N. 289). Sie macht geltend, dass sich der Wert einer Option und 

dementsprechend die marktgerechte/faire Prämie für den Kauf dieser Option an-

hand der sog. "Black-Scholes-Formel" errechne (act. 1 N. 173). Die Klägerin reicht 

diesbezüglich ein Gutachten von Prof. Dr. T._____ vom 13. November 2020 ein, 

- 33 -

das die (aus ihrer Sicht) marktgerechten/fairen Preise für die Glattstellung der Op-

tionen 1‒3 anhand der "Black-Scholes-Formel" errechnet. Sie beantragt zudem ein 

gerichtliches Gutachten (act. 1 N. 174; act. 65 N. 194; act. 3/11). Die Beklagte reicht 

diesbezüglich  sodann  ein  Gegengutachten  von  Prof. Dr.  U._____  und  Prof.  Dr. 

V._____ vom 3. Mai 2021 ein (act. 18/3).

4.3.2. Schrittweise Glattstellung sämtlicher Optionen?

Das Gutachten von Prof. Dr. T._____ (act. 3/11) (bzw. dessen Stellungnahme vom 

7. September 2023 zum Gegengutachten der Beklagten, act. 66/1) und die darauf 

basierende Schadensberechnung der Klägerin stützen sich insbesondere auf die 

Behauptung, dass die Klägerin im Verlauf eines "vernünftigen Zeitraums" die Opti-

onen 1 bis 3 (Notional von EUR 175 Mio.) glattgestellt hätte (act. 1 N. 191 ff.). Als 

"vernünftiger  Zeitraum"  erachtet  die  Klägerin  den  Zeitraum  zwischen  10.20  Uhr 

[TRT],  als  sie  der  Beklagten  den  Auftrag  erteilte,  Preise  für  die  Glattstellung  der 

gegenständlichen Optionen einzuholen (act. 1 N. 193), und 14.45 Uhr [TRT], als 

der türkische Präsident Erdogan eine (kursrelevante) Rede zum Zerfall der türki-

schen Lira hielt (act. 1 N. 195). Sie (die Klägerin) habe vernünftigerweise erwarten 

dürfen, dass ihr die Beklagte die Glattstellung sämtlicher streitgegenständlicher Op-

tionen  noch  vor  Erdogans  Rede  um  14.45  Uhr  (TRT)  ermöglichen  würde  (act.  1 

N. 198).  Zentral  ist  diesbezüglich  die  Behauptung  der  Klägerin,  wonach  sich 

F._____ und L._____ am 10. August 2018 erstmals um 08:00 Uhr [TRT] (und da-

nach  noch  mehrfach,  act.  65  N.  62)  telefonisch  darauf  verständigt  hätten,  dass 

F._____  sämtliche  streitgegenständlichen  Positionen  bis  zum  Mittag,  13:00  Uhr 

[TRT],  schrittweise  glattstellen  würde  (act.  1  N.  107  ff.,  N.  194;  act.  65  N. 56). 

F._____ habe die Beklagte später um 11.47 Uhr [TRT] auch noch schriftlich darüber 

informiert, dass er sämtliche offenen Positionen (Notional von EUR 175 Mio.) glatt-

stellen wolle ("I am trying to close my positions with you but your prices are way out 

again" / "[…] you have to help not to profit.") (act. 65 N. 56 ff.; act. 3/56). Die Be-

klagte habe demzufolge bereits am Vormittag des 10. August 2018 gewusst, dass 

es um die Glattstellung sämtlicher Positionen gehe (act. 65 N. 66). Die Beklagte 

bestreitet  diese  Darstellung.  Sie  stellt  insbesondere  in  Abrede,  dass  ein  solches 

Telefongespräch stattgefunden habe, und macht geltend, dass nie vereinbart ge-

- 34 -

wesen sei, sämtliche Optionen 1 bis 3 schrittweise bis zum Mittag des 10. August 

2018 glattzustellen (act. 17 N. 138, N. 150 ff.). 

In Anbetracht von Art. 16 des "OTC Master Agreement" hatte die Klägerin gerade 

keinen Anspruch darauf, aus den von ihr eingegangenen Optionsgeschäften früh-

zeitig, also zu einer von ihr gewählten Uhrzeit bzw. zu von ihr gewählten Konditio-

nen, auszusteigen (act. 17 N. 397; act. 81 N. 30) (siehe dazu unter E. Ziff. 3.3.1). 

Demzufolge müsste die Klägerin eine spezifische Vereinbarung der Parteien dartun 

bzw. nachweisen, wonach bis zum Mittag des 10. August 2018 sämtliche Optionen 

(d.h. ein Notional von EUR 175 Mio.) schrittweise hätten glattgestellt werden müs-

sen. Eine solche Vereinbarung soll gemäss Klägerin am 10. August 2018 anlässlich 

des Telefongesprächs zwischen F._____ und seinem Kundenberater L._____ um 

08:00 Uhr (TRT) mündlich geschlossen worden sein. Die Klägerin macht indessen 

keine  näheren  Ausführungen  zum  Inhalt  dieses  behaupteten  Telefongesprächs 

(act. 1 N. 107, N. 110). Das Erklärungsverhalten der Parteien, das zu dieser münd-

lichen  Vereinbarung  geführt  haben  soll,  wird  nicht  dargestellt.  Noch  weniger  be-

kannt  ist  über  die  behaupteten  weiteren  Telefongespräche  in  dieser  Sache.  Die 

blosse unsubstantiierte Behauptung einer solchen mündlichen Vereinbarung, wel-

che  Art.  16  des  "OTC-Master-Agreement"  massgeblich  abändern  würde,  genügt 

nicht. Zu derart pauschalen Behauptungen können keine Beweise (Parteiaussagen 

von F._____ und L._____) abgenommen werden. 

Im Übrigen ergeben sich auch aus dem "Bloomberg Chat" keine Hinweise auf das 

Bestehen einer derartigen mündlichen Vereinbarung. Daraus ist zunächst ersicht-

lich, dass F._____ am 10. August 2018 um 10:20:44 Uhr (TRT) eine Call Option für 

EUR  25  Mio.  mit  Strike  8.15,  fällig  am  25.  Oktober  2019,  kaufen  wollte  (act.  1 

N. 114; act. 17 N. 152; act. 3/53). Da die Klägerin die von der Beklagten gestellten 

Preise als überhöht erachtete, schlug sie das Angebot der Beklagten aus. In einem 

E-Mail vom 10. August 2018 an seinen Kundenberater L._____ beschwerte sich 

F._____  um  11:47  Uhr  (TRT),  dass  die  Angebote  der  Beklagten  unangemessen 

seien  (act.  1  N.  126;  act.  3/53).  F._____  bezieht sich  darin  zwar  auf  "Positions", 

spricht also von Positionen im Plural. Im nachstehenden Satz beschränkt er sich 

jedoch klar auf die Call Option, Strike 8.15, Verfall 25. Oktober 2019 ("I am trying 

- 35 -

to close my positions with you but your prices are way out again. In these difficult 

days, you have to help out not to profit. I am trying to close EURTRY strike 8.15 

exp. 25.10.2019 […]") (act. 3/56; vgl. act. 1 N. 67 f.). Erst gegen Mittag, um 12:03:17 

Uhr (TRT), bat F._____ die Beklagte sodann um ein Angebot betreffend den Kauf 

einer weiteren Call Option für EUR 25 Mio. mit Strike 8.90, fällig am 21. November 

2019 (act. 1 N. 114; act. 17 N. 159; act. 3/53). Um 12:50:13 Uhr (TRT) bat F._____ 

die Beklagte darum, die Preise für den Kauf der beiden Call Optionen zu erneuern 

(act. 17 N. 162; act. 81 N. 223; act. 3/53). Die von P._____ der Klägerin um 13:24 

bzw.  13:29  Uhr  (TRT)  unterbreiteten  Angebote  führten  wiederum  nicht  zu  einem 

Abschluss (act. 1 N. 133 ff.; act. 17 N. 167; act. 3/53). Fast eine Stunde später, um 

14:17:44 Uhr (TRT), bat F._____ erneut darum, die Angebote für die beiden Opti-

onen zu erneuern (act. 17 N. 168; act. 3/53). Die Klägerin nahm auch die darauf-

folgenden Preisangebote nicht an (act. 17 N. 170; act. 3/53). Zwischenzeitlich (so-

weit  ersichtlich  am  12:51  Uhr  [TRT])  kaufte  die  Klägerin  bei  der  J._____  eine 

EUR/TRY  Call  Option,  Verfall  21.  November  2019,  Strike  8.9,  Notional  EUR  25 

Mio.,  für  eine  Prämie  von  14.60%  (EUR  3'650'000.00)  bei  einem  Spot-Preis  von 

6.8080 (act. 1 N. 135; act. 3/57). Erst um 17:50:14 Uhr (TRT), am Ende des Han-

delstages, unterbreitete die Beklagte der Klägerin ein Angebot für die Glattstellung 

sämtlicher streitgegenständlicher Optionen (act. 1 N. 158; act. 17 N. 173; act. 3/53). 

Die Glattstellung sämtlicher streitgegenständlicher Optionen wurde im "Bloomberg 

Chat" entsprechend erst am frühen Abend des 10. August 2018 überhaupt thema-

tisiert. 

Aus  dem  "Bloomberg  Chat"  ergeben  sich,  wie  gesagt,  keinerlei  Hinweise  dafür, 

dass die Parteien die schrittweise Glattstellung aller streitgegenständlichen Optio-

nen bis spätestens zum Mittag des 10. August 2018 vereinbart hätten. Es ist ange-

sichts des vorstehend Gesagten auch weder dargetan noch nachgewiesen, dass 

die  Beklagte  von  dieser  Absicht  der  Klägerin  gewusst  hatte.  F._____  erkundigte 

sich im "Bloomberg Chat" nur nach Preisen für einen kleinen Teil der nach klägeri-

scher Ansicht glattzustellenden Optionen (Notional von zunächst EUR 25 Mio. und 

sodann von EUR 50 Mio. im Verhältnis zum Gesamt-Notional von EUR 175 Mio.). 

Hätte  die  Klägerin  tatsächlich  alle  offenen  Positionen  bis  zum  Mittag  schliessen 

wollen, wäre sie weit weniger zögerlich vorgegangen und hätte angesichts des be-

- 36 -

stehenden Zeitdrucks früh auf Preisangebote für einen Grossteil der zu schliessen-

den  Positionen  gedrängt.  Ihr  stattdessen  manifestiertes  abwartendes  Vorgehen 

deutet dagegen vielmehr darauf hin, dass sie auf eine Verbesserung der Marktsi-

tuation  spekulierte.  Ebenso  wäre  zu  erwarten  gewesen,  dass  sich  F._____  im 

"Bloomberg Chat" bei den zähen Preisverhandlungen ausdrücklich auf eine angeb-

liche mündliche Vereinbarung berufen hätte. Zwischen 14.45 Uhr (TRT) und 17.30 

Uhr  (TRT)  äusserten  sich  schliesslich  weder  die  Beklagte  noch  die  Klägerin  im 

"Bloomberg Chat", obwohl noch keine der streitgegenständlichen Optionen glattge-

stellt war (vgl. act. 1 N. 156). Dies spricht ebenfalls nicht für die Sachdarstellung 

der  Klägerin.  Letztlich  sagt  auch  der  Umstand,  wonach  die  Klägerin  gleichzeitig 

analoge  Transaktionen  bei  der  J._____  getätigt  hatte,  nichts  über  eine  allfällige 

mündliche Vereinbarung der Parteien betreffend die Glattstellung sämtlicher Posi-

tionen aus. Insgesamt vermag die Klägerin eine derartige mündliche Vereinbarung 

nicht rechtsgenügend darzutun bzw. nachzuweisen. 

Ferner  fusst  die  gesamte Schadensberechnung  der Klägerin  auf  der Hypothese, 

wonach bei angemessenen Preisangeboten sämtliche streitgegenständlichen Op-

tionen (Notional in Höhe von CHF 175 Mio.) bis spätestens um 14:45 Uhr (TRT) 

glattgestellt worden wären. Die Klägerin stellt unter Verweis auf das Gutachten von 

Prof. Dr. T._____ (act. 3/11) drei alternative Schadensberechnungen auf, die alle 

dieses  Szenario,  welches  sie  letztlich  nicht  nachweisen  konnte,  zugrunde  legen. 

Für alternative Szenarien ‒ z.B. das Vorliegen von unangemessenen Preisen für 

die  beiden  von 

ihr  (nachgewiesenermassen)  nachgefragten  Transaktionen 

oder eine Glattstellung aller offenen Positionen am Nachmittag, also insbesondere 

nach 14.45 (TRT), des 10. August 2018 ‒ liefert die Klägerin keine Berechnungs-

grundlagen. Auf einer solchen Behauptungsbasis kann auch das von der Klägerin 

offerierte  gerichtliche  Gutachten  über  die  marktgerechten/fairen  Preise  (act.  65 

N. 194) nicht eingeholt werden. Da die Klägerin insofern keine taugliche Schadens-

berechnung vorweist, könnte auch keine richterliche Schadensschätzung gemäss 

Art. 42 Abs. 2 OR vorgenommen werden. 

- 37 -

4.4.

Zwischenfazit

Der Klägerin gelingt es nicht, einen Schaden bzw. eine taugliche Schadensberech-

nung darzutun und nachzuweisen.

5.

Kausalzusammenhang und Verschulden

Bei diesem Ausgang erübrigen sich Ausführungen zum Verschulden und zum 

Kausalzusammenhang. 

6.

Verrechnungseinrede

Die 

Beklagte  macht 

(eventualiter) 

einredeweise 

ihre 

Ansprüche 

(EUR 17'080'021.86  zzgl.  Zins  seit  23.  August  2018 

[Dispositiv-Ziff.  1], 

CHF 85'000.‒ aus Rückgriffsrecht für die Gerichtskosten [Dispositiv-Ziff. 4 und 5] 

und CHF 145'000.‒ Parteientschädigung [Dispositiv-Ziff. 6]) gegen die Klägerin ge-

stützt auf das in Rechtskraft erwachsene Urteil des Handelsgerichts vom 31. Januar 

2020  geltend  (act.  81  N.  326;  act. 3/10)  (siehe  dazu  unter  E.  Ziff.  2.1.1).  Da  die 

Klage aus anderen Gründen abzuweisen ist, erübrigt es sich, die Verrechnungsein-

rede der Beklagten zu prüfen. 

7.

Fazit

Die Klägerin kann weder eine Pflichtverletzung noch einen Schaden rechtsgenü-

gend dartun bzw. nachweisen. Demzufolge ist die Klage vollumfänglich abzuwei-

sen.

8.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

8.1. Gerichtskosten

Beim 

vorliegenden 

Streitwert 

(umgerechnet 

CHF 

17'718'685.46 

[EUR 18'548'741.65;  Umrechnungskurs  von  1:0.95525  per  7.  September  2023]; 

vgl.  act. 65  N. 19)  beträgt  die  ordentliche  Gerichtsgebühr  rund  CHF  160'000.‒. 

Diese ist unter Berücksichtigung der Komplexität des Falles und des Zeitaufwands 

des Gerichts um rund einen Viertel, d.h. auf CHF 200'000.‒, zu erhöhen (§ 4 Abs. 1 

und Abs. 2 GebV OG). 

- 38 -

Die Verteilung der Gerichtskosten erfolgt im Grundsatz nach Obsiegen und Unter-

liegen der Parteien (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 lit. a ZPO). Da die 

Klägerin vollumfänglich unterliegt, sind ihr die Gerichtskosten aufzuerlegen. 

Die  Kosten  sind  vorab  aus  dem  von  der  Klägerin  geleisteten  Kostenvorschuss 

(CHF 160'000.–) (Art. 111 Abs. 1 ZPO) zu decken und im Übrigen direkt von ihr zu 

beziehen (act. 10; act. 76). 

8.2. Parteientschädigungen

Ausgangsgemäss  ist  die  Klägerin  zu  verpflichten,  der  Beklagten  eine  Parteient-

schädigung zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 lit. b ZPO). 

Vorliegend beträgt die ordentliche Anwaltsgebühr rund CHF 145'000.‒. Unter Be-

rücksichtigung der Komplexität des Falles, des Aufwandes für die Vergleichsver-

handlung und für die zweite Rechtsschrift rechtfertigt es sich, die Grundgebühr um 

50% zu erhöhen, was einen Betrag in Höhe von CHF 217'500.‒ ergibt (§ 11 Abs. 1 

und 2 AnwGebV). 

Die Beklagte beantragt eine Parteientschädigung unter Zuzug der Mehrwertsteuer. 

Ist einer mehrwertsteuerpflichtigen Partei eine Parteientschädigung zuzusprechen, 

hat  dies  zufolge  Möglichkeit  des  Vorsteuerabzugs  ohne  Berücksichtigung  der 

Mehrwertsteuer zu erfolgen. Ist die anspruchsberechtigte Partei aufgrund ausser-

gewöhnlicher Umstände nicht in vollem Umfange zum Abzug der Vorsteuer berech-

tigt, ist die Parteientschädigung um den entsprechenden Faktor anteilsmässig an-

zupassen (siehe das Kreisschreiben der Verwaltungskommission des Obergerichts 

des Kantons Zürich vom 17. Mai 2006, Ziff. 2.1). Solche aussergewöhnlichen Um-

stände hat eine Partei zu behaupten und zu belegen (Urteil 4A_552/2015 des Bun-

desgerichts vom 25. Juni 2016, E. 4.5; ZR 104 [2005] S. 291 ff.; SJZ 101 [2005] 

S. 531  ff.).  Die  Beklagte  macht  unter  Beilage  einer  schriftlichen  Bestätigung  gel-

tend, im Jahr 2022 zu 25.47% vorsteuerabzugsberechtigt gewesen zu sein, im Jahr 

2023 sodann zu 15.34% und im Jahr 2024 schliesslich noch zu 10% (act. 69 N. 6; 

act.  70/2;  act.  81  N.  328).  Ausgewiesen  (und  auch  unbestritten)  ist  mit  act. 70/2 

ausschliesslich die Vorsteuerabzugsberechtigung in Höhe von 25.47% für das Jahr 

- 39 -

2022. Darauf ist abzustellen. Es ist zudem notorisch, dass der Mehrwertsteuersatz 

per 1. Januar 2024 von 7.7% auf 8.1% angehoben wurde. Die Beklagte schlüsselt 

ihren Aufwand in zeitlicher Hinsicht nicht auf; es ist unklar, in welchem Zeitraum ihr 

welche Arbeiten angefallen sind. Da die Klageantwort (act. 17) vom 25. Mai 2021 

und die Duplik (act. 81) vom 1. März 2024 datieren, ist es sachgerecht, auf einen 

Mittelwert, also auf einen Mehrwertsteuersatz von 7.9%, abzustellen. Demzufolge 

ist der Beklagten eine Mehrwertsteuer von rund 5.9% (74.53% von 7.9%) zuzuspre-

chen. 

In Anwendung von § 4 und § 11 AnwGebV ist die Klägerin zu verpflichten, der Be-

klagten eine Parteientschädigung in der Höhe von rund CHF 217'500.‒ zuzüglich 

5.9% MWSt. zu bezahlen. In Höhe von CHF 76'600.– ist der Beklagten die ihr zu-

stehende Parteientschädigung – nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist – 

direkt aus der von der Klägerin geleisteten Sicherheit zu überweisen (vgl. Art. 111 

Abs. 1 ZPO). 

Das Handelsgericht beschliesst:

1.

Es wird vorgemerkt, dass die B._____ AG (in Zürich/G._____) anstelle der 

H._____ AG (in Zürich) als Beklagte in den Prozess eingetreten ist. Das Ru-

brum wird hinsichtlich der Beklagten angepasst. 

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Erkenntnis.

Das Handelsgericht erkennt:

1.

2.

Die Klage wird vollumfänglich abgewiesen.

Die Gerichtsgebühr wird auf CHF 200'000.– festgesetzt. 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

3.

Die Kosten werden der Klägerin vollumfänglich auferlegt. Sie werden aus 

dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss und im Übrigen direkt 

von ihr bezogen. 

- 40 -

4.

Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von 

CHF 217'500.– zuzüglich 5.9% MWSt. zu bezahlen. In Höhe von 

CHF 76'600.– wird diese Entschädigung der Beklagten – nach unbenutztem 

Ablauf der Rechtsmittelfrist – direkt von der Obergerichtskasse aus der von 

der Klägerin geleisteten Sicherheit ausbezahlt.

5.

Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Klägerin unter Beilage der 

Doppel von act. 94‒95 und act. 99, an die Beklagte unter Beilage der Dop-

pel von act. 91, act. 92/1, act. 96 und act. 100, an die Eidgenössische Fi-

nanzmarktaufsicht FINMA, Laupenstrasse 27, 3003 Bern, und an die Kasse 

des Obergerichts.

6.

Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb 

von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 

113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und 

90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert 

beträgt (umgerechnet) CHF 17'718'685.46.

Zürich, 24. Februar 2025

Handelsgericht des Kantons Zürich

Der Vorsitzende:

Die Gerichtsschreiberin:

Dr. Stephan Mazan

Dr. Corina Bötschi