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**Case Identifier:** 195a61fa-1414-5ea2-b366-750b516d431f
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-31
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 31.07.2015 IV 2014/484
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-484_2015-07-31.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/484

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 27.05.2020

Entscheiddatum: 31.07.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 31.07.2015
Art. 28 IVG. Rentenbeginn. Wartejahr. Festlegung des Beginns der relevanten 
psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit anhand sämtlicher medizinischer 
Berichte. Erfüllung des Wartejahres aufgrund vorgängiger somatisch 
bedingter Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. Juli 2015, IV 
2014/484). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_659/2015.

Entscheid Versicherungsgericht, 31.07.2015

Entscheid vom 31. Juli 2015

Besetzung

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Miriam 

Lendfers; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2014/484

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana,

Rorschacher Strasse 21, Postfach 27, 9004 St. Gallen,

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gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

und

Pensionskasse B.___,

Beigeladene,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Marta Mozar, Seestrasse 6,

Postfach 1544, 8027 Zürich,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 27. Juli 2005 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie leide seit einem am 8. Dezember 

2001 erlittenen Unfall an Rücken-, Hüft- und Beinschmerzen, die sich seit einem 

zweiten, im April 2005 erlittenen Unfall massiv verstärkt hätten. Im Januar 2004 habe 

sie eine berufliche Weiterbildung begonnen, um in eine körperlich leichtere Tätigkeit 

wechseln zu können. Allerdings hätten sich Probleme mit der Finanzierung der Schule 

ergeben. Zudem erlaube der aktuelle Gesundheitszustand die Wiederaufnahme einer 

Erwerbstätigkeit nicht. Am 11. August 2005 berichtete Dr. med. C.___ (IV-act. 12–1 ff.), 

die Beschwerdeführerin leide an einem chronifizierten posttraumatischen 

Lumbovertebralsyndrom bei Discushernie C5/6 mit radiculärer Symptomatik C6, 

bestehend seit Dezember 2001. Ihr könne seit längerer Zeit nicht mehr zugemutet 

werden, ihre Tätigkeit als Pflegerin wieder aufzunehmen. Für leidensadaptierte 

Tätigkeiten sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent auszugehen. Er legte unter 

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anderem einen vorläufigen Austrittsbericht der Klinik Valens vom 13. Juli 2005 bei (IV-

act. 12–5 f.), in welchem eine hälftige Arbeitsfähigkeit für die als schwer qualifizierte 

Tätigkeit als Pflegerin mit einer Belastungsreduktion auf 12,5 Kilogramm und eine 

vollständige Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit einer 

Gewichtslimite von zehn Kilogramm attestiert worden waren. Am 12. August 2005 

berichtete der Rheumatologe Dr. med. D.___ (IV-act. 13–5 ff.), er habe nebst dem 

chronischen therapierefraktären lumbospondylogenen Schmerzsyndrom links und der 

Sakroiliakalgelenksdysfunktion links eine depressive Episode (Differenzialdiagnose 

Anpassungsstörung) diagnostiziert. Seines Erachtens sollten der Beschwerdeführerin 

trotzdem körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten unter Vermeidung von 

Heben und Tragen von Lasten über 10–12,5 Kilogramm und unter Vermeidung von 

ausgesprochenen Wirbelsäulenzwangshaltungen in einem zeitlich uneingeschränkten 

Rahmen zugemutet werden können. Mit einer Verfügung vom 17. Januar 2006 wies die 

Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin ab (IV-act. 31). 

Sie führte aus, der Beschwerdeführerin könne die bisherige Tätigkeit als Pflegerin noch 

zu 50 Prozent zugemutet werden. Leidensadaptierte Tätigkeiten seien ihr 

vollumfänglich zumutbar. Damit bestehe kein Anspruch auf eine Umschulung; 

berufliche Massnahmen seien unter diesen Umständen nicht notwendig.

A.b  Am 18. Juni 2007 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut zum 

Leistungsbezug an (IV-act. 32). Sie gab an, dass sie sich auf Wunsch der 

Unfallversicherung nochmals anmelde, weil es ihr seit März 2007 nicht mehr möglich 

sei, einer Arbeit nachzugehen. Im Haushalt sei sie auf die Unterstützung Dritter 

angewiesen. Ihr Gesundheitszustand verschlechtere sich zusehends. Am 9. Juli 2007 

berichtete Dr. med. E.___ (IV-act. 43), dass die Beschwerdeführerin zu mehr als 80 

Prozent arbeitsunfähig sei. Sie sei bereits im Zeitpunkt der Übernahme der Behandlung 

durch ihn im Januar 2007 in diesem Umfang arbeitsunfähig gewesen. Er führe 

monatlich hausärztlich-stützende Gespräche mit ihr. Ein wesentlicher Medikamenten-

Abusus habe gestoppt werden können. Die Universitätsklinik Balgrist teilte am 18. April 

2008 bezugnehmend auf eine ambulante Untersuchung vom 15. Oktober 2007 mit (IV-

act. 55), die Beschwerdeführerin leide an einem ausgeweiteten Schmerzsyndrom; sie 

habe einen sehr kranken Eindruck gemacht und während des Anamnesegesprächs und 

der körperlichen Untersuchung permanent am ganzen Körper gezittert. Eine konklusive 

Beurteilung sei bei stärksten Schmerzen nicht möglich gewesen. Die Untersuchung sei 

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deshalb abgebrochen worden. Im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattete die 

medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 23. Januar 2009 ein 

polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 69). Die Sachverständigen hielten fest, dass die 

Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zu 70 Prozent arbeitsunfähig sei. Die 

Symptomatik dürfte sich retrospektiv in den letzten Jahren langsam entwickelt haben. 

Eine exakte Beurteilung der Entwicklung sei nachträglich kaum möglich. Die 

psychische Symptomatik sei aber spätestens bei der Begutachtung durch die Klinik 

Balgrist im aktuellen Ausmass vorhanden gewesen, weshalb die Arbeitsunfähigkeit von 

70 Prozent spätestens seit April 2008 attestiert werden könne. Die Sachverständigen 

der MEDAS Ostschweiz erstellten im Auftrag der Unfallversicherung am 24. September 

2009 ein weiteres Gutachten (IV-act. 94). Darin führten sie aus, dass sich der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischenzeitlich leicht verbessert habe. 

Sie erwähnten einen Bericht des Psychologen lic. phil. F.___ vom 24. Juni 2007, in dem 

eine reaktiv-depressive Entwicklung mit multiplen psychosozialen 

Belastungssituationen vor dem Hintergrund somatisch und psychisch 

traumatisierender Ereignisse erwähnt worden war. Mit einer Verfügung vom 

16. Dezember 2010 sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab Juli 

2007 eine halbe und ab April 2008 eine ganze Rente zu (IV-act. 125).

A.c  Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess die von der Beschwerde­

führerin dagegen erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 19. Dezember 2013 

(IV 2011/43) insofern gut, als es bereits mit Wirkung ab dem 1. Juni 2006 eine ganze 

Rente zusprach. Es hielt fest, dass hinsichtlich des Beginns der psychisch bedingten 

Arbeitsunfähigkeit nicht auf das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 23. Januar 

2009 abgestellt werden könne, weil der psychiatrische Consiliarius übersehen habe, 

dass die Ärzte der Universitätsklinik Balgrist bereits bezugnehmend auf eine 

Untersuchung zwischen September und Dezember 2006 über ein Zittern am ganzen 

Körper berichtet hätten, das ex post als Ausdruck der vom psychiatrischen 

Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz diagnostizierten psychischen 

Gesundheitsbeeinträchtigung qualifiziert werden müsse. Zudem habe Dr. D.___ schon 

im Jahr 2005 eine depressive Störung erwähnt. Dr. E.___ habe im Mai 2007 über eine 

leichte Besserung der depressiven Symptomatik berichtet, weshalb bereits vor diesem 

Zeitpunkt eine erhebliche psychische Gesundheitsbeeinträchtigung habe vorhanden 

sein müssen. Der Psychologe Herr F.___ habe in seinem Bericht vom 24. Juli 2007 eine 

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bereits im Zeitpunkt der ersten Behandlung im September 2006 vorhandene, 

erhebliche psychiatrische Problematik beschrieben. Überwiegend wahrscheinlich sei 

die Beschwerdeführerin folglich schon im September 2006 aus psychischen Gründen 

weitgehend arbeitsunfähig gewesen. Da Herr F.___ auf Nachfrage des Gerichtes eine 

seit dem Unfall vom April 2005 bestehende, unverändert hohe Arbeitsunfähigkeit 

attestiert habe und keine Akten vorlägen, die dagegen sprächen, sei von einer 

Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent ab April 2005 auszugehen. Angesichts der erst im 

Juni 2007 erfolgten Anmeldung sei der Rentenbeginn allerdings auf Juni 2006 

festzulegen.

A.d  Das Bundesgericht hiess eine von der Pensionskasse B.___ dagegen erhobene 

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit einem Urteil vom 6. Oktober 

2014 (9C_139/2014) insofern gut, als es die Sache zur Durchführung weiterer 

Abklärungen an das St. Galler Versicherungsgericht zurückwies. Es führte aus, der 

nachträgliche Bericht von Herrn F.___ vermöge nicht zu überzeugen, weshalb das 

Versicherungsgericht nicht darauf hätte abstellen dürfen. Da der Internist 

Dr. med. G.___ bereits im Mai 2006 eine grosse motorische Unruhe und eine dauernde 

Bewegung der Versicherten beschrieben habe, stelle sich allerdings die Frage, ob die 

Beschwerdeführerin nicht bereits im Mai 2006 psychisch erheblich beeinträchtigt 

gewesen sei. Die vorhandene Aktenlage erlaube die Beantwortung dieser Frage nicht, 

weshalb das Versicherungsgericht eine ergänzende Stellungnahme der MEDAS 

Ostschweiz einholen und anschliessend neu über den Rentenanspruch werde 

entscheiden müssen.

B.    

B.a  Am 22. Oktober 2014 ersuchte das Versicherungsgericht die MEDAS Ostschweiz 

(act. G 2), ergänzend zur Frage Stellung zu nehmen, wann die psychisch bedingte 

Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich eingetreten 

sei. Für die Beantwortung dieser Frage hätten die Sachverständigen zu 

berücksichtigen, dass die im Gutachten enthaltene Angabe – „spätestens seit April 

2008“ – als nicht überzeugend qualifiziert worden sei. Die Beschwerdeführerin liess am 

18. November 2014 Rechnungskopien einreichen, die den Einsatz von Antidepressiva 

ab August 2005 belegten, und darauf hinweisen, dass ihr Hausarzt sie bereits im 

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Spätsommer 2006 (Woche 33) an einen Psychiater überwiesen hatte. Ihr 

Rechtsvertreter ersuchte die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz, die 

ergänzende Frage, ob sich aus dem zeitlichen Zusammenhang mit der Überweisung an 

den Psychiater durch den behandelnden Arzt respektive aus der Medikamentenabgabe 

etwas bezüglich des Beginns der psychischen Probleme ableiten lasse. Am 

20. November 2014 liess die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme des 

behandelnden Psychiaters gleichen Datums einreichen (act. G 5 und G 5.1).

B.b  Am 18. Februar 2015 antwortete der psychiatrische Sachverständige der MEDAS 

Ostschweiz (act. G 8), soweit er es beurteilen könne, seien im Jahr 2005 die ersten 

psychischen Symptome aufgetreten. Aufgrund des Berichtes von Herrn F.___ vom 

24. Juli 2007 gehe er davon aus, dass zu Beginn der Behandlung im September 2006 

überwiegend wahrscheinlich bereits eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70 Prozent 

vorgelegen habe. Vorher habe ein schwankender Verlauf mit zunehmender depressiver 

Symptomatik bestanden. Die Beschwerdeführerin liess am 16. März 2015 Stellung zu 

dieser Antwort nehmen (act. G 10). Ihr Rechtsvertreter führte aus, der Sachverständige 

der MEDAS Ostschweiz habe dargelegt, dass ein kontinuierlicher Wechsel von der 

somatischen zur psychischen Problematik stattgefunden habe. In Übereinstimmung mit 

dem behandelnden Psychiater Dr. med. H.___ habe er rückblickend auch eine 

weitgehende Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen 

bereits im Herbst 2006 bestätigt. Vor diesem Hintergrund sei zu erwarten, dass der 

Entscheid des Versicherungsgerichtes gleich wie jener vom 19. Dezember 2013 

ausfallen werde. Die Vorsorgeeinrichtung hielt am 16. März 2015 fest (act. G 11), dass 

in den Akten eine volle Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten ab dem 15. Juli 

2005 ausgewiesen sei, weshalb die IV-Stelle das Leistungsgesuch am 17. Januar 2006 

ja auch abgewiesen habe. Gemäss dem Urteil des Bundesgerichtes sei eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent ab September 2006 ausgewiesen. 

Der psychiatrische Sachverständige habe nun dargelegt, dass er rückblickend die 

Arbeitsfähigkeit für die Zeit vor September 2006 nicht quantitativ festlegen könne. Er 

habe also keine Arbeitsunfähigkeit ab Mai 2006 oder gar ab dem Jahr 2005 bestätigt. 

Die Beurteilung von Herrn F.___ sei vom Bundesgericht als nicht glaubwürdig 

qualifiziert worden. Damit sei erst ab September 2006 eine Arbeitsunfähigkeit 

ausgewiesen, weshalb das Wartejahr erst dann zu laufen begonnen habe.

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B.c  Auf entsprechende Rückfragen des Versicherungsgerichtes (act. G 13 f.) erteilten 

die Kliniken Valens am 15. Mai 2015 (act. G 15) und die Praxisgemeinschaft für 

Psychiatrie und Psychotherapie Dr. H.___ und F.___ am 26. Mai 2015 (act. G 17) 

Auskunft zum psychischen Zustand der Beschwerdeführerin in den Jahren 2005 und 

2006. Die Kliniken Valens gaben an, dass die Beschwerdeführerin während des 

stationären Aufenthaltes vom 14. Juni bis zum 14. Juli 2005 psychisch nicht auffällig 

gewesen sei, weshalb sich der psychiatrische Dienst nicht näher mit ihr befasst habe. 

Die stationäre Behandlung sei bei einem Fehlen psychischer Beschwerden rein auf die 

körperlichen Symptome und Diagnosen zentriert gewesen. Dr. H.___ und Herr F.___ 

führten aus, sie hätten die Therapie im September 2006 aufgenommen. Die 

Beschwerdeführerin sei aber bereits lange davor psychisch beeinträchtigt gewesen. 

Nach dem ersten Unfallereignis im Jahr 2001 habe sie versucht, das Leiden forciert zu 

kompensieren. Aus psychiatrischer Sicht habe sie eine depressive Symptomatik in 

Form einer larvierten Depression entwickelt. Infolge des zweiten Unfallereignisses im 

April 2005 sei es zu einer definitiven Verschlechterung gekommen. Das 

Schmerzsyndrom habe sich ausgeweitet und chronifiziert. Die ungeeignete 

Lösungsstrategie der Beschwerdeführerin habe versagt. Diese habe darauf schwer 

depressiv reagiert. Erst im Jahr 2006 sei erkannt worden, dass eine psychische 

Gesundheitsbeeinträchtigung mit im Spiel sei. Die Unfallversicherung habe deshalb 

damals erstmals eine regelmässige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung 

empfohlen. Retrospektiv sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 30–40 Prozent ab dem 

ersten Unfallereignis im Jahr 2001, von einer solchen von 50–60 Prozent in den Jahren 

2003 und 2004 und von einer solchen von 80–90 Prozent ab dem zweiten 

Unfallereignis auszugehen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ersuchte das 

Versicherungsgericht am 28. Mai 2015, den Kliniken Valens Zusatzfragen zu stellen 

(act. G 19). Das Versicherungsgericht wies diesen Antrag am 4. Juni 2015 ab (act. G 

20).

Erwägungen:

1.      Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich 

zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, 

erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach dem 

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Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind, haben einen Anspruch auf 

eine Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der 

Invalidität einer erwerbstätigen versicherten Person wird das Erwerbseinkommen, das 

die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung 

zum Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).

2.     

2.1   Gestützt auf das überzeugende Gutachten der MEDAS Ostschweiz ist mit dem er­

forderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die 

Beschwerdeführerin an einer schweren psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung 

leidet, die ihre Leistungsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten um 70 Prozent 

beeinträchtigt. Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS Ostschweiz hat 

plausibel aufgezeigt, dass in den Jahren zwischen dem Unfallereignis im Jahr 2001 und 

der Untersuchung durch die MEDAS Ostschweiz im Jahr 2009 ein fliessender 

Übergang von anfänglich mehrheitlich somatischen zu letztlich fast ausschliesslich 

psychischen Beschwerden stattgefunden hatte. Da die Beschwerdeführerin in diesem 

Zeitraum überwiegend somatisch behandelt worden war und der psychiatrische 

Sachverständige der MEDAS Ostschweiz damals offenbar noch keine Kenntnis von der 

von der Unfallversicherung initiierten Behandlung durch den Psychologen F.___ hatte, 

ist es ihm nicht möglich gewesen, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit aus psychischen 

Gründen genau festzulegen. Im Gutachten selbst hat er auf einen Bericht der 

Universitätsklinik Balgrist abgestellt, der im April 2008 verfasst worden war, sich aber 

auf eine Untersuchung im Herbst 2007 bezogen hatte. Retrospektiv hat er die von den 

Fachärzten der Universitätsklinik Balgrist geschilderten Eindrücke der 

Beschwerdeführerin als Beleg für die von ihm diagnostizierte psychische 

Gesundheitsbeeinträchtigung angesehen. Irrtümlicherweise hat er aber auf das Datum 

des Berichtes und nicht auf das Datum der Untersuchung abgestellt. Zudem ist später 

im Rahmen einer zweiten Begutachtung für die Unfallversicherung ein Bericht des seit 

September 2006 behandelnden Psychologen F.___ aufgetaucht, der ab 

Behandlungsbeginn eine weitgehend vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen 

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Gründen attestiert hatte. Wie im Entscheid IV 2011/43 des Versicherungsgerichtes vom 

19. Dezember 2013 ausführlich dargelegt worden ist, ist vor diesem Hintergrund mit 

dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bewiesen, dass 

die Beschwerdeführerin spätestens ab September 2006 aus psychiatrischen Gründen 

zu 70 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist. Das Bundesgericht hat dieses Ergebnis in 

seinem Urteil 9C_139/2014 vom 6. Oktober 2014 bestätigt. Auf eine Nachfrage des 

Versicherungsgerichtes hat auch der psychiatrische Sachverständige der MEDAS 

bekräftigt, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab September 2006 aus 

psychiatrischen Gründen zu 70 Prozent arbeitsunfähig gewesen sei. Allerdings 

sprechen die vom psychiatrischen Sachverständigen beschriebene kontinuierliche 

Steigerung der psychischen Problematik im Anschluss an den im Jahr 2001 erlittenen 

Unfall sowie weitere Indizien dafür, dass die Beschwerdeführerin bereits vor September 

2006 aus psychiatrischen Gründen in einem relevanten Ausmass in ihrer 

Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sein könnte. Es ist davon auszugehen, dass 

der Hausarzt Symptome einer erheblichen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung 

festgestellt hatte, als er beschloss, die Beschwerdeführerin an einen Psychiater oder 

Psychotherapeuten zu überweisen. Das spricht dafür, dass die Beschwerdeführerin 

bereits vor der ersten Behandlung durch den Psychologen F.___ im September 2006 in 

einem erheblichen Ausmass psychisch krank war. Das Bundesgericht hat in seinem 

Urteil auf einen Bericht von Dr. G.___ hingewiesen, der bereits im Mai 2006 eine 

motorische Unruhe festgestellt hatte. Dr. D.___ hatte bereits Mitte des Jahres 2005 

über eine psychische Problematik berichtet. Die Kliniken Valens haben allerdings das 

Vorliegen einer psychischen Auffälligkeit während der Dauer der einmonatigen 

stationären Behandlung im Sommer 2005 verneint. Die Behandlung bei Dr. H.___ 

beziehungsweise beim Psychologen F.___ ist erst im September 2006 aufgenommen 

worden. Letzterer hat zwar – wiederholt – für einen relativ weit zurückliegenden 

Zeitraum eine erhebliche psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit attestiert. Da sein 

Bericht bezüglich des vor der ersten Behandlung liegenden Zeitraums vom 

Bundesgericht aber als unglaubwürdig qualifiziert worden ist, legen die anderen, oben 

erwähnten Indizien zwar nahe, dass die Beschwerdeführerin vor September 2006 (und 

nach Juli 2005) aus psychiatrischen Gründen erheblich in ihrer Arbeitsunfähigkeit 

beeinträchtigt gewesen ist. Sie reichen aber nicht aus, um einen bestimmten 

Arbeitsunfähigkeitsgrad mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

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Wahrscheinlichkeit zu belegen. Da keine Beweismassnahmen mehr zur Verfügung 

stehen, von denen neue Erkenntnisse hinsichtlich des Grades der Arbeitsunfähigkeit für 

diesen mittlerweile fast zehn Jahre in der Vergangenheit liegenden Zeitraum erwartet 

werden könnten, liegt diesbezüglich eine Beweislosigkeit vor. Folglich gelangt die 

allgemeine Beweislastverteilungsregel zur Anwendung, laut der diejenige Partei, die aus 

dem Vorhandensein bestimmter Tatsachen Rechte für sich ableiten will, den Nachteil 

einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen hat. Das bedeutet, dass die 

Beschwerdeführerin, die aus dem Vorliegen einer psychisch bedingten und eine 

rentenbegründende Invalidität verursachenden Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vor 

September 2007 (nach Ablauf des so genannten Wartejahres) einen Rentenanspruch 

für sich ableiten will, die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat. Somit ist erst ab 

September 2006 von einer psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (70%) auszugehen.

2.2   Die Beschwerdeführerin hat eine Ausbildung zur Zahnarztgehilfin absolviert, ist 

aber als Hilfsarbeiterin erwerbstätig gewesen. Sie hat zwar einen Pflegekurs des 

Schweizer Roten Kreuzes absolviert, eine Weiterbildung zur gerontologischen Fachfrau 

aber abgebrochen, ist also weiterhin als Hilfsarbeiterin im Pflegebereich erwerbstätig 

geblieben. Nach dem Unfall im Heim hat sie für eine gewisse Zeit wieder im erlernten 

Beruf als Zahnarztgehilfin gearbeitet, die Stelle beschwerdebedingt aber wieder 

aufgeben müssen. Diese Tätigkeit kann ihr allerdings nicht längerfristig zugemutet 

werden, weil die reduzierte Konzentrationsfähigkeit eine Assistenz bei medizinischen 

Behandlungen erschwert beziehungsweise verunmöglicht. Da die Beschwerdeführerin 

eine Berufsfrau gewesen ist, kann ihr die Verrichtung von Hilfsarbeiten bis zur 

altersbedingten Pensionierung nicht zugemutet werden. Folglich entspräche die 

Invalidenkarriere an sich dem erlernten Beruf der Zahnarztgehilfin, den die 

Beschwerdeführerin aber nicht mehr ausüben kann. Der Grundsatz „Eingliederung vor 

Rente“ erforderte in dieser Situation grundsätzlich die Durchführung beruflicher 

Eingliederungsmassnahmen, namentlich eine Umschulung in einen neuen Beruf, denn 

ansonsten müsste bei der hohen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im Beruf 

als Zahnarztgehilfin ohne Weiteres eine ganze Rente zugesprochen werden. 

Offenkundig ist die Beschwerdeführerin aber nicht umschulungs-respektive 

eingliederungsfähig, weshalb keine Eingliederungsmassnahmen zur Verfügung stehen, 

mittels derer der Beschwerdeführerin die Erzielung eines rentenausschliessenden oder 

auch nur eines rentenmindernden Erwerbseinkommens ermöglicht werden könnte. 

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Folglich besteht ein Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Selbst 

wenn die Verrichtung von leidensadaptierten Hilfsarbeiten als zumutbar angesehen 

würde, bestünde ein Anspruch auf eine ganze Rente. Der Ausgangswert des 

zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens entspräche dann nämlich dem 

mittleren Lohn einer Hilfsarbeiterin gemäss den Ergebnissen der vom Bundesamt für 

Statistik regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung, während das 

Valideneinkommen dem Lohn, den eine gelernte Zahnarztgehilfin erzielen kann, 

entspräche. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2006 (TA1) hat der standardisierte 

mittlere Monatslohn einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2006 4’019 Franken betragen. Der 

Lohn einer ausgebildeten Arbeitnehmerin im Gesundheitswesen hat 5’475 Franken 

betragen. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 

41,7 Stunden entspricht dies einem Jahreslohn von 50’278 resp. 68’492 Franken. 

Angesichts der (erst) ab dem 1. September 2006 mit dem erforderlichen Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegten Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70 

Prozent resultierte bei diesen Vergleichseinkommen ein Invaliditätsgrad von 77,98 bzw. 

78 Prozent, der ebenfalls zum Bezug einer ganzen Rente berechtigen würde.

2.3   Da die Entstehung des Rentenanspruchs gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG nicht 

bloss eine Invalidität in einem rentenbegründenden Ausmass, sondern auch die 

Erfüllung des so genannten Wartejahres voraussetzt, muss für den Beginn des 

Rentenanspruchs der Zeitpunkt ermittelt werden, in dem eine rentenbegründende 

Invalidität vorgelegen hat und dem mindestens ein Jahr vorausgegangen ist, in dem 

eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40 Prozent bestanden hatte. 

Die Erfüllung des Wartejahres muss also immer retrospektiv geprüft werden (vgl. 

Tobias Bolt, Erfüllung des Wartejahres bei Veränderungen des Gesundheitszustandes, 

in: JaSo 2012, S. 123 ff., insb. S. 135). Diese Voraussetzung ist vorliegend im 

September 2006 noch nicht erfüllt gewesen, denn der Beschwerdeführerin sind bereits 

kurz nach dem Unfall vom 2. April 2005 leidensadaptierte Tätigkeiten sowie der erlernte 

Beruf der Zahnarztgehilfin aus somatischer Sicht wieder vollumfänglich zumutbar 

gewesen, weshalb angesichts der nicht bewiesenen Arbeitsunfähigkeit aus 

psychiatrischen Gründen vor September 2006 keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne des 

Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG belegt ist. Eine das Wartejahr auslösende Arbeitsunfähigkeit ist 

erst ab September 2006 bewiesen, weshalb der Beginn des Rentenanspruchs 

entsprechend in die Zukunft „verschoben“ werden muss. Mit anderen Worten hat die 

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Beschwerdeführerin erst im September 2007 die Voraussetzung des Vorliegens einer 

rentenbegründenden Invalidität und die Voraussetzung des Nachweises einer während 

eines Jahres bestanden habenden Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 

40 Prozent erfüllt. Wie in der E. 2.2 des Entscheides IV 2011/43 vom 19. Dezember 

2013 ausgeführt worden ist, hat die „verspätete“ Anmeldung im Juni 2007 bloss den 

Untergang eines allfälligen Rentenanspruchs vor Juni 2006 zur Folge haben können, 

womit der Zeitpunkt der Anmeldung die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 

1. September 2007 nicht ausschliesst.

3.      Die angefochtene Verfügung, mit der der Beschwerdeführerin eine halbe Rente 

ab Juli 2007 und eine ganze Rente ab April 2008 zugesprochen worden ist, ist folglich 

aufzuheben und durch die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. September 2007 

zu ersetzen. Damit obsiegt die Beschwerdeführerin, die die Zusprache einer ganzen 

Rente ab dem 1. August 2006 beantragt hat, bloss teilweise. Dem entsprechenden 

„Überklagen“ ist bei der Kosten- und Entschädigungsregelung aber keine Rechnung zu 

tragen, weil die Beschwerdeführerin mit ihrem Hauptanliegen, der Korrektur der 

rechtswidrigen Verfügung, vollumfänglich durchgedrungen ist, und weil sie mit ihrem 

„Überklagen“ keinen nennenswerten Mehraufwand verursacht hat. Folglich hat die 

Beschwerdegegnerin die auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sowie die 

Kosten der weiteren Abklärungen von 878,10 Franken (MEDAS Ostschweiz: 728,10 

Franken; Kliniken Valens: 150 Franken) zu bezahlen und der Beschwerdeführerin eine 

Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des leicht überdurchschnittlichen 

Vertretungsaufwandes mit einem zweiten kantonalen Beschwerdeverfahren auf 5’000 

Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.     

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 16. 

Dezember 2010 aufgehoben und der Beschwerdeführerin wird mit Wirkung ab dem 1. 

September 2007 eine ganze Invalidenrente zugesprochen; die Sache wird zur 

Festsetzung der Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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2.     

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- und die Kosten für die 

Abklärungen von Fr. 878.10, total also Fr. 1'478.10, zu bezahlen; der 

Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.     

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 5’000.-- auszurichten.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 31.07.2015
	Art. 28 IVG. Rentenbeginn. Wartejahr. Festlegung des Beginns der relevanten psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit anhand sämtlicher medizinischer Berichte. Erfüllung des Wartejahres aufgrund vorgängiger somatisch bedingter Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. Juli 2015, IV 2014/484). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_659/2015.

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