# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 643599b9-753b-58ca-b20b-bc5eead7664e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.10.2008 E-1627/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1627-2008_2008-10-31.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1627/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  O k t o b e r  2 0 0 8

Einzelrichterin Marianne Teuscher, 
mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;
Gerichtsschreiber Marco Abbühl.

A._______, dessen Ehefrau 
B._______, sowie deren gemeinsame Kinder
C._______, und
D._______, Kolumbien,
c/o Schweizerische Vertretung in Bogotá, Kolumbien,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreisebewilligung und Asyl;
Verfügung des BFM vom 8. Februar 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1627/2008

Sachverhalt:

A.
In seinem bei der Schweizerischen Botschaft in Bogotá eingereichten 
Schreiben in  spanischer  Sprache  vom 20. November  2006 ersuchte 
der Beschwerdeführer die Schweizerische Botschaft um Hilfe und Un-
terstützung für sich und seine Familie. Zur Begründung brachte er im 
Wesentlichen  vor,  er  stamme  aus  E._______,  und  seine  Familie 
verfüge über keinen Besitz, weshalb sie ihren Lebensunterhalt nur mit 
grösster Mühe bestreiten könnten.

B.
Mit gleichlautendem Schreiben vom 25. Januar 2007 gelangte der Be-
schwerdeführer erneut an die Schweizerischen Botschaft in Bogotá.

C.
Mit  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Bogotá  eingereichtem 
Schreiben vom 26. Januar 2007 teilte der Beschwerdeführer mit, er er-
suche für sich und seine Familie – entgegen den im Antwortschreiben 
der Schweizerischen Botschaft vom 22. Januar 2007 vertretenen Auf-
fassung – nicht um finanzielle Unterstützung, sondern um Zuflucht in 
der Schweiz. Zur Begründung des Asylgesuchs verwies er auf die zu-
vor eingereichten Schreiben vom 20. November 2006 beziehungswei-
se vom 25. Januar 2007.

D.
In seinem Schreiben an die Schweizerische Botschaft in Bogotá vom 
17. August 2007 führte der Beschwerdeführer aus, er verstehe nicht, 
weshalb er noch keine Antwort auf sein Asylgesuch erhalten habe. Zur 
Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  er  vor,  er  stamme  aus 
E._______, einer der brutalsten und blutigsten Regionen des Landes. 
Die Paramilitärs hätten sich zwei Gehöfte seiner verstorbenen Eltern 
angeeignet und würden nun nach ihm und seinen Kindern suchen, um 
sie zu töten. Die Paramilitärs hätten ihm bereits mit dem Tode gedroht 
und diese könnten ihn und seine Familie jeden Moment aufspüren.

E.
Mit  Schreiben  an  Frau  Bundesrätin  Calmy-Rey  vom  15.  November 
2007  –  welches  an  das  BFM  weitergeleitet  wurde  –  rügte  der  Be-
schwerdeführer, seine Schreiben vom August 2007 und Januar 2007 
an  die  Schweizerischen  Botschaft  in  Bogotá  seien  von  dieser  nicht 

Seite 2

E-1627/2008

beantwortet worden. Gleichzeitig ersuchte er um eine soziale Geste zu 
Gunsten seiner Familie. 

F.
Mit Schreiben an die Schweizerischen Botschaft in Bogotá vom 23. Ja-
nuar 2008 teilte der Beschwerdeführer mit, in der Beilage befinde sich 
– wie gewünscht – eine Kopie seines Asylgesuchs, welches er bereits 
am 17. August 2007 der Schweizerischen Botschaft habe zukommen 
lassen  und  welches  er  am  15.  November  2007  Frau  Bundesrätin 
Calmy-Rey zugestellt habe. Er betonte noch einmal, die Bedrohung für 
ihn und seine Familie sei unmittelbar und existent.

G.
Mit  Verfügung  vom 8.  Februar  2008  verweigerte  das  BFM  den  Be-
schwerdeführern die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylge-
suche ab. Zur  Begründung ihres  ablehnenden Entscheids  führte  die 
Vorinstanz aus, die von den Beschwerdeführern vorgebrachten Nach-
teile, welche auf die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen oder so-
zialen Lebensbedingungen im Heimatstaat zurückzuführen seien, wür-
den keine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) darstellen. Die geltend 
gemachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten würden sodann vor dem 
Hintergrund  der  allgemeinen Situation,  in  welcher  sich  ein  Grossteil 
der kolumbianischen Bevölkerung aufgrund des seit Jahren andauern-
den bewaffneten Konfliktes befinde, nicht für die Gewährung einer Ein-
reisebewilligung genügen. Im Übrigen könne das Asylgesuch auch ge-
stützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG abgelehnt werden, da die Beschwerde-
führer in ihrem Asylgesuch keine besonders nahen Beziehungen zur 
Schweiz geltend machen würden und ihnen unter diesen Umständen 
zuzumuten  sei,  in  einem  anderen  Land  –  beispielsweise  in  einem 
Nachbarstaat  von  Kolumbien  –  um  Asylgewährung  nachzusuchen. 
Eine  anderweitige  Schutzsuche  sei  sodann  möglich  und  für  die  Be-
schwerdeführer  zumutbar.  Zusammenfassend  sei  festzuhalten,  dass 
die Beschwerdeführer weder schutzbedürftig im Sinne des Asylgeset-
zes (Art. 3 und 7 AsylG) noch die Anforderungen an eine Aufnahme in 
der Schweiz gemäss Art. 52 Abs, 2 AsylG erfüllen würden, weshalb ih-
nen die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen und die Asylgesu-
che abzulehnen seien.

H.
Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführer mit Eingabe an 

Seite 3

E-1627/2008

die  Schweizerische  Botschaft  in  Bogotá  vom  5.  Januar  2007  Be-
schwerde, welche zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsge-
richt  weitergeleitet  wurde  (Posteingang  beim  Bundesverwaltungsge-
richt  am  31.  Januar  2007).  Darin  beantragen  die  Beschwerdeführer 
sinngemäss, es sei der angefochtene Entscheid des BFM aufzuheben, 
es sei ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und das nachge-
suchte  Asyl  zu  gewähren. Zur  Begründung bringen  sie  vor,  der  Be-
schwerdeführer habe kein Geld, um sich ständig von einem Ort zum 
anderen zu bewegen und sich vor diesen Kriminellen zu verstecken. Er 
habe sich bereits Geld borgen und auch einige Gebäude seines Hei-
mes verkaufen müssen, damit er die Ausgaben habe decken können, 
welche ihm durch das Asylgesuch entstanden seien. Er  ersuche die 
Behörden, sein Leben und dasjenige seiner Familie zu retten.

I.
Mit Instruktionsverfügung vom 1. Oktober 2008 lud die zuständige Inst-
ruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts das BFM ein, bis zum 
16. Oktober 2008 eine Vernehmlassung einzureichen.

J.
In seiner Vernehmlassung vom 3. Oktober 2008 nahm das BFM Stel-
lung zur Frage der Gewährung des rechtlichen Gehörs, hielt im Übri-
gen an seinem Asylentscheid fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (vgl.  Art.  105  AsylG);  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

Seite 4

E-1627/2008

1.2 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abge-
fasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann 
indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten Beschwer-
deeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren 
Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber befunden 
werden kann. 

1.3 Die Beschwerde ist - abgesehen vom sprachlichen Mangel - form- 
und fristgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführer sind durch die an-
gefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse 
an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Die Beschwerdefüh-
rer  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  6 
AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mit-
hin einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

3.1 Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst.  e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den Sachverhalt aufgrund 
der ihm vorliegenden Akten als ausreichend erstellt, weshalb auf einen 
Schriftenwechsel verzichtet werden kann (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

4.

4.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei 
einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem 
Bericht  an  das  Bundesamt  überweist  (Art.  20  Abs.  1  AsylG).  Die 
schweizerische Vertretung führt  mit der asylsuchenden Person in der 
Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 
11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist 
dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertre-

Seite 5

E-1627/2008

tung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art.  10 
Abs. 2 AsylV 1). Die  schweizerische Vertretung überweist  dem Bun-
desamt das Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch so-
wie  weitere  zweckdienliche  Unterlagen  und  einen  ergänzenden  Be-
richt,  der  ihre  Beurteilung  des  Asylgesuchs  enthält  (Art.  10  Abs.  3 
AsylV 1). 

4.2 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ableh-
nen,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaft 
machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemu-
tet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss 
Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Ein-
reise zur Abklärung des Sachverhaltes,  wenn ihnen nicht  zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu bleiben oder  in 
ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann 
das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweize-
rische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu be-
willigen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib 
und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 
AsylG bestehe. 

5.

5.1 In formeller Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass gemäss Art. 
19 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertre-
tung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das Bun-
desamt überweist  (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertre-
tung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung 
durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über 
Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so 
wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in  ei-
nem Entscheid  vom 27. November  2007 i.S. E-6148/2006 (publiziert 
unter BVGE 2007/30) erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Be-
fragung aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen bei 
der jeweiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden 
Land oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen 
Gründen  ergeben  kann  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.2  und  5.3).  Da  die 
Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung  des 
rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.5),  ist  die 

Seite 6

E-1627/2008

asylsuchende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung 
unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in  einem  individualisierten 
Schreiben  mittels  konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe 
schriftlich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen 
Anforderungen damit in aller Regel nicht zu genügen (BVGE a.a.O. E. 
5.4).  Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine 
schriftliche  Sachverhaltsabklärung  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt 
bereits  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif 
erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls 
immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, 
sich  zu  einem  abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest 
schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7).  Schliesslich  ist  das 
Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung 
in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE a.a.O. E. 
5.6 sowie 5.7).

5.2

5.2.1 Im vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführer  weder  von 
der schweizerischen Vertretung in  Bogotá zu ihrem Asylgesuch vom 
20. November 2006 befragt, noch wurden sie zur weiteren Konkretisie-
rung ihrer Asylgründe aufgefordert. Aus den schriftlichen Eingaben der 
Beschwerdeführer, lassen sich sodann nicht alle entscheidrelevanten 
Informationen in Bezug auf die Urheber und Aktualität der Verfolgung 
sowie die von ihnen unternommenen Schritte zum Erhalt innerstaatli-
chen Schutzes entnehmen, weshalb der rechtserhebliche Sachverhalt 
– entgegen der Aufassung der Vorinstanz – als nicht genügend abge-
klärt  zu  gelten  hat. Bereits  aus  diesem Grund hätte  sich  vorliegend 
eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Aufforderung zu wei-
teren Konkretisierungen der Angaben aufgedrängt.

5.2.2 Nach  der  obenstehend  zitierten  Rechtsprechung  des  Bundes-
verwaltungsgerichts  hätte  das  BFM  bei  dieser  Sachlage  den  Be-
schwerdeführern sowohl Gelegenheit geben müssen, sich zum abzu-
sehenden negativen Entscheid zu äussern, als auch den Verzicht auf 
eine Befragung in der Verfügung vom 8. Februar 2008 begründen müs-
sen. Die Nichtbeachtung dieser Grundsätze stellt eine Verletzung des 
rechtlichen  Gehörs  dar,  welche  angesichts  dessen  formeller  Natur 
grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führt  (vgl. 
dazu  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission (EMARK 2004 Nr. 28 E. 7e S. 184 f.)).

Seite 7

E-1627/2008

5.2.3 Das Bundesamt stellt  sich diesbezüglich in seiner Vernehmlas-
sung vom 3. Oktober  2008 auf  den Standpunkt,  die  Schweizerische 
Botschaft in Bogotá habe das schriftliche Asylgesuch der Beschwerde-
führer im November 2006 erhalten und dieses mitsamt zwei später ein-
gereichten Schreiben im Februar 2007 an das BFM übermittelt. Nach 
Durchsicht  der  ihr  vorliegenden  Akten  sei  die  Schweizerische  Bot-
schaft  in  Bogotá  davon ausgegangen,  dass  der  dem Asylgesuch zu 
Grunde liegende Sachverhalt ausreichend erstellt sei, weshalb sie kei-
ne Befragung mit dem Beschwerdeführer durchgeführt habe. Das Vor-
gehen der Schweizerischen Botschaft  habe im Wesentlichen der da-
mals  üblichen  Praxis  entsprochen.  Auch  wenn  eingeräumt  werden 
müsse,  dass  im  vorliegenden  Fall  vor  Erlass  des  Entscheids  kein 
rechtliches Gehör gewährt und auch in der Verfügung vom 8. Februar 
2008 der Verzicht  auf  Gewährung desselben nicht  weiter  ausgeführt 
worden sei,  sei  der Asylentscheid jedoch in  materieller  Hinsicht  kor-
rekt. Angesichts der Aktenlage sei davon auszugehen, dass auch bei 
einer nachträglichen Gewährung des rechtlichen Gehörs kein anderes 
Ergebnis resultieren würde.

5.3 Mit dem Urteil BVGE 2007/30 vom 27. November 2007 ist das bis-
herige Vorgehen des Bundesamtes indessen als nicht rechtskonform 
zu bezeichnen. Die Vorinstanz ist  aufgrund der gesetzlichen Bestim-
mungen gehalten, das rechtliche Gehör zu gewähren. Die Aufhebung 
eines  Entscheides  des  BFM, vor  dessen Ausfällung das  Bundesamt 
diesem Erfordernis nicht nachgekommen ist, erscheint allerdings den-
noch nicht in jedem Fall  zwingend. Namentlich in  Fällen, in welchen 
das  BFM den  erstinstanzlichen Entscheid  betreffend die  Fragen  der 
Einreisebewilligung und des Asyls vor Bekanntsein des genannten Ur-
teils des Bundesverwaltungsgerichts getroffen hat, kann es angezeigt 
erscheinen, den Verfahrensmangel zu heilen (vgl. dazu EMARK 1999 
Nr. 3 E. 3c S. 20 f.),  sofern aufgrund der Akten davon ausgegangen 
werden kann, dass der asylsuchenden Person in materieller Hinsicht 
kein Nachteil  erwachsen ist. Diese Voraussetzung ist  gegeben, wenn 
der  entscheidwesentliche  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Be-
gründung  des  Asylgesuches  und  allfälliger  Beweismittel  als  hinrei-
chend erstellt  zu erachten ist  und der asylsuchenden Person zumin-
dest auf Beschwerdeebene die Möglichkeit offenstand, sich nochmals 
einlässlich zu ihren Asylgründen zu äussern.

5.4 Nach dem Gesagten  ergibt  sich,  dass  der  entscheidwesentliche 
Sachverhalt  nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  –  wie 

Seite 8

E-1627/2008

vorstehend in Ziffer 2.2.1 dargelegt – vorliegend nicht erstellt  ist und 
die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführenden  zu  Unrecht  das  gemäss 
Rechtsprechung  zwingend  zu  gewährende  rechtliche  Gehör  verwei-
gerte. Dieser Mangel ist auf Beschwerdeebene nicht zu heilen, zumal 
die angefochtene Verfügung nach Bekanntwerden des Urteils des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 27. November 2007 ergangen ist und es 
im Übrigen nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens ist, von 
der Vorinstanz unterlassene Verfahrenshandlungen nachzuholen.

6.
Die Feststellung,  dass das BFM den Beschwerdeführern das rechtli-
che Gehör nicht gewährte, führt  indessen nicht dazu, dass ihnen die 
Einreise in die Schweiz bereits aus diesem Grund zu bewilligen wäre. 
Aus dem Umstand,  dass  sie bisher  nicht  befragt  –  respektive ihnen 
das rechtliche Gehör nicht gewährt – wurde, kann nicht geschlossen 
werden, dass ihnen zur persönlichen Anhörung oder der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs die Einreise in  die Schweiz bewilligt  werden 
müsste. Angesichts der Aktenlage bestehen nicht genügend konkrete 
Anhaltspunkte für die Annahme, ihnen wäre ein Verbleib in Kolumbien 
für die Dauer der weiteren, noch erforderlichen Verfahrenshandlungen 
nicht zumutbar im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG.

7.

7.1 Zusammenfassend ist  festzuhalten,  dass die Vorinstanz den An-
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. Da 
eine Heilung dieses Verfahrensmangels im Rahmen des Beschwerde-
verfahrens nicht  möglich  erscheint,  oder  zumindest  nicht  angebracht 
wäre, ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur 
Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie zur Neubeurteilung im Sin-
ne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Nach der Ge-
währung des rechtlichen Gehörs wird das BFM zudem zu beurteilen 
haben,  ob sich  gestützt  auf  die  Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts  eine  Befragung  des  Beschwerdeführers  als  notwendig 
erweist oder nicht.

7.2 Nach dem Gesagten ist  die Beschwerde im Sinne der Erwägun-
gen gutzuheissen, die vorinstanzliche Verfügung vom 8. Februar 2008 
aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  dem Beschwerdeführer 
das rechtliche Gehör zu gewähren, den rechtserheblichen Sachverhalt 
gegebenenfalls ergänzend vollständig festzustellen und in der Sache 
neu zu entscheiden.

Seite 9

E-1627/2008

8.

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Da der  Beschwerdeführer  im Beschwerdeverfahren nicht  anwalt-
lich vertreten wurde, ist nicht davon auszugehen, ihm seien durch die 
Beschwerdeführung Kosten erwachsen. Daher ist ihm keine Parteient-
schädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

E-1627/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 8. Februar  2008 wird  aufgehoben und 
das BFM angewiesen, dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu 
gewähren,  gegebenenfalls  den rechtserheblichen Sachverhalt  ergän-
zend vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Beschwerdeführer,  durch  die  Schweizerische  Botschaft  in 
Bogotá, Kolumbien

- die  Schweizerische Botschaft  in  Bogota,  Kolumbien,  mit  der  Bitte 
um Eröffnung des Urteils und der Vernehmlassung des BFM vom 3. 
Oktober 2008 an den Beschwerdeführer  sowie um Zustellung der 
Empfangsbestätigung (Ref.Nr. 052/2007)

- die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung mit den 
Akten N_______

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Marianne Teuscher Marco Abbühl

Versand: 

Seite 11