# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb4b859f-af48-5bac-be4a-9500ea0722e1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.07.2020 E-158/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-158-2020_2020-07-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-158/2020 

 

 
o 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richter Gérard Scherrer, Richterin Barbara Balmelli,    

Gerichtsschreiberin Sarah Diack. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Guinea,   

vertreten durch MLaw Rachel Brunnschweiler,  

Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 10. Dezember 2019 / N (…). 

 

 

 

E-158/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, guineischer Staatsangehöriger, der Ethnie der 

Soninke angehörig, verliess sein Heimatland gemäss eigenen Angaben 

Ende 2017 beziehungsweise Anfang 2018 in Richtung Mali. Am 30. No-

vember 2018 reiste er in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nach-

suchte.  

B.  

Anlässlich der Befragung zur Person (Erstbefragung) vom 11. Dezember 

2018 gab der Beschwerdeführer an, er sei minderjährig. Als seine Mutter-

sprache nannte er Soninke und als weitere Sprachen, die für eine Anhö-

rung genügen, Malinke, Ful (nachfolgend: Peul), Sousou sowie Franzö-

sisch. 

Aufgrund von Zweifeln an der geltend gemachten Minderjährigkeit ge-

währte das SEM dem Beschwerdeführer gleichentags das rechtliche Ge-

hör und zeigte ihm an, dass eine medizinische Altersabklärung durchge-

führt werde.  

C.  

Das Gutachten des Kantonsspital St. Gallen vom 28. Dezember 2018 kam 

in einer Zusammenschau aller Untersuchungsergebnisse zum Schluss, 

dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Untersuchung vom 20. De-

zember 2018 das 17. Altersjahr sicher vollendet hat. Eine Vollendung des 

18. Lebensjahres könne nicht mit der notwendigen Sicherheit belegt wer-

den. Dazu gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 17. Januar 

2019 das rechtliche Gehör und teilte ihm mit, er werde für das weitere Ver-

fahren als volljährig betrachtet und als sein Geburtsdatum der 1. Januar 

2001 geführt.  

D.  

Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 24. April 2019 zu den Asyl-

gründen an. Die Befragung wurde auf Französisch durchgeführt. Dabei 

machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:  

Er gehöre der Ethnie der Soninke an und sei in Conakry geboren und auf-

gewachsen. Sein Vater sei im Jahre (…) verstorben. Da seine Mutter nicht 

mit seinem Onkel, der die Rolle des Familienoberhaupts eingenommen 

habe, habe zusammenleben wollen, habe sie die Familie mit ihrem neuen 

Lebenspartner verlassen. Er und seine Schwester seien bei seinem Onkel 

E-158/2020 

Seite 3 

geblieben, der noch eigene Kinder gehabt habe. Als die Schule in Conakry 

geschlossen habe – zunächst anlässlich der Epidemie von Ebola und dann 

wegen eines Lehrerstreiks – habe der Onkel seinen eigenen Kindern den 

Besuch einer privaten Schule ermöglicht. Ihm (Beschwerdeführer) und sei-

ner Schwester habe er dies nicht angeboten, weshalb sie die Schule fortan 

nicht mehr hätten besuchen können. Sein Onkel habe zunächst gewollt, 

dass er eine Koranschule besuche, was er aber nicht gewollt habe. Dann 

habe der Onkel, der ein hoher Angehöriger der Armee sei, ihn zum Militär-

dienst zwingen wollen. Zum ersten Mal habe er im Jahr 2017 mit ihm dar-

über gesprochen. Er habe jedoch keine Militärausbildung absolvieren wol-

len und sich deshalb nach diesem Gespräch während einigen Tagen in ei-

nem anderen Quartier bei einem Freund versteckt. Der Onkel habe darauf-

hin vier Bekannte damit beauftragt, nach ihm zu suchen. Als sie ihn gefun-

den hätten, hätten sie ihn – nachdem er und sein Freund erfolglos versucht 

hätten, sich zu wehren – zu einem Rohbau gebracht und ihm befohlen, sich 

ausziehen. Daraufhin hätten sie ihn geschlagen und sexuell genötigt. Dann 

hätten sie ihn zu seinem Onkel zurückgebracht, der ihn ebenfalls geschla-

gen und mit einem Seil festgebunden habe. Während drei bis vier Tagen 

sei er so in seinem Zimmer festgehalten worden. Nachdem er freigelassen 

worden sei, habe er die darauffolgenden Tage fast nur zuhause verbracht, 

da er sich für das Geschehene geschämt habe und sich nicht mehr habe 

draussen zeigen wollen. Von der Polizei hätte er keine Hilfe erhalten, wes-

halb er sie gar nicht informiert habe. Als der Onkel wiederum darüber ge-

sprochen habe, er solle Militärdienst leisten, sei er zu einem benachbarten 

Mechaniker gegangen, mit dem er befreundet gewesen sei und dem er 

vertraut habe. Dieser habe ihm von seiner geplanten Ausreise aus Guinea 

erzählt und ihm angeboten, mitzukommen. Daraufhin habe er sich nach 

Hause begeben, um für die Ausreise Geld von seinem Onkel zu stehlen, 

und sei in der Folge mit seinem Freund ausgereist.  

Zusätzlich zu seinen persönlichen Problemen machte der Beschwerdefüh-

rer geltend, in Guinea komme es immer wieder zu ethnischen Konflikten 

und Demonstrationen. Die Ethnie der Peul sei verfeindet mit den Malinke, 

denen der Präsident angehöre, und mit den Soninke, die den Präsidenten 

unterstützten. Er sei deshalb im Jahr 2013 mit seinen Mitschülern in 

Schwierigkeiten geraten. Nach der Präsidentschaftswahl 2015 hätten die 

Peul im Rahmen dieser ethnischen Konflikte Steine auf die Soninke gewor-

fen, wobei er verletzt worden sei. Sein Onkel sei von den Peul bedroht 

worden. 

E-158/2020 

Seite 4 

E.  

Am 20. Mai 2019 zeigte die vormalige Rechtsvertreterin des Beschwerde-

führers die Mandatsübernahme an. 

F.  

Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 25. Juni 2019 im Beisein 

seiner Rechtsvertreterin an. Die in Soninke geführte Anhörung wurde ab-

gebrochen.  

G.  

Auf Gesuch der Rechtsvertreterin kam das SEM am 28. Juni 2019 auf sei-

nen Entscheid zurück und änderte das Geburtsdatum des Beschwerdefüh-

rers auf den (…). In der Folge wurde dem Beschwerdeführer als Minder-

jährigen eine Vertrauensperson bestellt.  

H.  

Am 21. November 2019 wurde der Beschwerdeführer erneut zu seinen 

Asylgründen angehört. Abgesehen von seiner anwesenden Rechtsvertre-

terin und seiner Vertrauensperson handelte es sich um ein rein männliches 

Befragungsteam. Auf Nachfrage äusserte der Beschwerdeführer den 

Wunsch, dass seine Rechtsvertretung sowie die Vertrauensperson wäh-

rend dem die geschlechtsspezifischen Vorbringen betreffenden Teil der Be-

fragung den Raum verlassen möchten. Diesem Antrag wurde entsprochen.  

Anlässlich dieser Anhörung wiederholte der Beschwerdeführer die in der 

Anhörung vom 24. April 2019 geltend gemachten Vorbringen (vgl. Bst. D).  

Der Beschwerdeführer reichte keine Beweismittel zu den Akten.  

I.  

Mit Schreiben vom 29. November 2019 gewährte das SEM dem Beschwer-

deführer das rechtliche Gehör im Hinblick auf eine Rückkehr nach Guinea. 

Diese Gelegenheit nahm er mit Eingabe vom 5. Dezember 2019 wahr.  

J.  

Mit Verfügung vom 10. Dezember 2019 – eröffnet am 12. Dezember 2019 

– verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, 

lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung und ordnete den 

Vollzug an. 

 

E-158/2020 

Seite 5 

K.  

Mit Beschwerde vom 10. Januar 2020 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Ver-

fügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung 

von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses sowie um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin 

als amtliche Rechtsbeiständin.  

Der Beschwerde legte er Kopien der ersten beiden Seiten des Kurzberichts 

der an der Anhörung vom 24. April 2019 anwesenden Hilfswerksvertretung 

(HWV), Fotos von ihm in Conakry, ein Gruppenbild seiner Fussballmann-

schaft des B._______ sowie eine Kostennote bei. 

L.  

Mit Schreiben vom 20. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer eine 

Fürsorgebestätigung vom 13. Januar 2020 zu den Akten.  

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin 

die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und um amtliche Rechts-

verbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses und setzte die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-

din ein. Gleichzeitig lud sie das SEM zur Vernehmlassung ein.  

N.  

Mit Vernehmlassung vom 7. Februar 2020 hielt das SEM an seiner Verfü-

gung fest. 

Der Vernehmlassungsschrift legte die Vorinstanz das unterschriebene For-

mular von RocConakry bei, welches zuvor unausgefüllt in den Akten gele-

gen hatte. Die Schweizer Organisation, welche ein Waisenhaus in Guinea 

unterstützt und mit dem SEM betreffend Betreuung von unbegleiteten min-

derjährigen Rückkehrenden aus der Schweiz zusammenarbeitet, hat dem-

gemäss ihre Zustimmung erteilt, den Beschwerdeführer bei sich aufzuneh-

men und ihn bei seiner Wiedereingliederung in das Leben in Guinea zu 

unterstützen. 

E-158/2020 

Seite 6 

O.  

Mit Instruktionsverfügung vom 11. Februar 2020 wurde dem Beschwerde-

führer Gelegenheit zur Replik eingeräumt. 

P.  

Der Beschwerdeführer reichte am 15. Februar 2020 fristgemäss eine Rep-

lik ein. 

Q.  

Auf die Ausführungen in der Beschwerdeschrift und der Replik sowie die 

Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung und Vernehmlassung wird 

– soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachstehenden Erwägun-

gen eingegangen.   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (SR 

142.31; AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden wird. 

 

1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

E-158/2020 

Seite 7 

1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerdeschrift wird die Verletzung des rechtlichen Gehörs 

gerügt. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet 

sein könnte, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken 

(vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 

3.2 Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz sei fälschlicherweise 

davon ausgegangen, er sei volljährig und habe folglich die speziellen Ver-

fahrensrechte für Kinder nicht beachtet. Zur später im Verfahren zugewie-

senen Vertrauensperson habe er keine Beziehung aufbauen können und 

sie habe ihm keinerlei Hilfestellung im Asylverfahren geboten, insbeson-

dere bei der Beschaffung von Beweismitteln. Zudem sei die Erstbefragung 

auf Französisch durchgeführt worden, obwohl seine diesbezüglichen 

sprachlichen Fähigkeiten nicht ausreichen würden. Die Anhörung vom 

25. Juni 2019 sei auf Soninke, mithin in seiner Muttersprache abgehalten, 

jedoch kurzzeitig abgebrochen worden. Die ergänzende Anhörung hätte 

auf Französisch mit Übersetzung auf Malinke stattfinden sollen, habe aber 

nicht durchgeführt werden können, da die Vertrauensperson kein Franzö-

sisch spreche. Die Anhörung vom 21. November 2019 sei sodann auf 

Deutsch mit Übersetzung auf Peul abgehalten worden. Sein Wortschatz 

sei in dieser Sprache jedoch eingeschränkt, weshalb es zu Missverständ-

nissen in der Befragung gekommen sei. Ausserdem sei sein Asylgesuch 

von mindestens drei Fachspezialisten behandelt worden. Dies habe sich 

auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen ausgewirkt.  

E-158/2020 

Seite 8 

3.3  

3.3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des rechtli-

chen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie bei minderjährigen Ge-

suchstellenden die unverzügliche Bestimmung einer Vertrauensperson, 

welche deren Interessen wahrnimmt (Art. 17 Abs. 3 AsylG). Das AsylG als 

lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfahren besondere Verfahrens-

bestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG).  

Gemäss aArt. 7 Abs. 2bis AsylV 1 (in der hier einschlägigen Fassung vom 

1. März 2017) beginnt die Tätigkeit der Vertrauensperson mit der Kurzbe-

fragung nach aArt. 26 Abs. 2 AsylG, mithin in der Vorbereitungsphase im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) bei der Erhebung der Persona-

lien und der summarischen Befragung zu den Ausreisegründen. Anderer-

seits bestimmt aArt. 17 Abs. 3 AsylG, dass für unbegleitete minderjährige 

Asylsuchende eine Vertrauensperson durch die kantonalen Behörden zu 

bestimmen ist und diese die Interessen des Minderjährigen unter anderem 

für die Dauer des Aufenthalts in einem EVZ wahrzunehmen hat, „wenn dort 

über die Kurzbefragung gemäss Art. 26 Abs. 2 AsylG hinausgehende ent-

scheidrelevante Verfahrensschritte durchgeführt werden“ (aArt. 17 Abs. 3 

Bst. b AsylG). Das Gericht legt den diesbezüglich unklaren Wortlaut der 

Verordnungsbestimmung in aArt. 7 Abs. 2bis AsylV 1 gesetzeskonform da-

hingehend aus, dass eine Vertrauensperson bereits im EVZ zu ernennen 

ist, wenn ein Asylverfahren ausschliesslich im EVZ durchgeführt wird, dass 

hingegen in jenen Verfahren, in denen eine Zuteilung in den Kanton erfolgt, 

die Vertrauensperson erst für die Zeitspanne nach der Kantonszuweisung 

ernannt wird (vgl. Urteil E-573/2016 des BVGer vom 12. Dezember 2018 

E 7.4 m.w.H.). Die Vertrauensperson ist zuständig für die Erfüllung ver-

schiedener Aufgaben. Insbesondere hat sie die Gesuchstellenden bei der 

Beschaffung von Beweismitteln zu unterstützen (aArt. 7 Abs. 3 Bst. b 

AsylV 1). 

E-158/2020 

Seite 9 

Bei der Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers in der Erstbefra-

gung ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass er damals minderjährig 

und mit den Verhältnissen in der Schweiz nicht vertraut war. Zudem erfolgte 

die Befragung, bevor eine Vertrauensperson oder eine Rechtsvertretung 

ihm die Bedeutung der anstehenden Verfahrensschritte hätte erklären kön-

nen. Gemäss Schreiben des SEM vom 20. Dezember 2019 an die Rechts-

vertreterin des Beschwerdeführers wurde das Protokoll der abgebroche-

nen Anhörung vom 25. Juni 2019 nicht für die Redaktion des angefochte-

nen Entscheids herangezogen. Indessen wurde der Beschwerdeführer 

auch in der Anhörung vom 24. April 2019 ohne Beisein einer Vertrauens-

person befragt, da das SEM (zu Unrecht) von seiner Volljährigkeit ausging. 

Demzufolge ist die in der Beschwerde erhobene Rüge begründet, wonach 

das SEM das rechtliche Gehör wegen Missachtung der Verfahrensgaran-

tien für Minderjährige verletzt habe. Anhörungen von minderjährigen Asyl-

suchenden ohne Vertrauensperson führen im Allgemeinen zur Kassation 

des vorinstanzlichen Entscheides (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 

der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 

Nr. 13, bestätigt im Urteil des BVGer E-7512/2015 vom 12. September 

2018, E. 4.2). Im vorliegenden Fall wurde jedoch, nachdem die Minderjäh-

rigkeit des Beschwerdeführers im Nachhinein anerkannt und sein Geburts-

datum entsprechend angepasst wurde, eine Vertrauensperson eingesetzt 

und eine weitere Anhörung angeordnet. Der Verfahrensfehler ist somit als 

geheilt zu betrachten. Zum heutigen Zeitpunkt erscheint der Sachverhalt 

aufgrund der Erstbefragung vom 11. Dezember 2018 sowie der Anhörung 

vom 21. November 2019 als vollständig erstellt.  

Der Vorwurf, die nachträglich zugewiesene Vertrauensperson habe ihm bei 

der Beweisbeschaffung nicht geholfen, ist unbehelflich, da – wie nachste-

hend aufgezeigt (vgl. E. 6) – das Fehlen von Beweismitteln oder Identitäts-

nachweisen keinen Einfluss auf die Beurteilung seiner Vorbringen hat.  

3.3.2 In Bezug auf die geltend gemachten sprachlichen Probleme in den 

Befragungen ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in ihrer 

Vernehmlassung vom 7. Februar 2020 zu verweisen. Aus den Befragungs-

protokollen ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer die Fragen verstan-

den hat und darauf reagieren konnte. Dies bestätigte er in allen Befragun-

gen (vgl. A9/13 S. 2; A30/16 S. 2, Q2 und Q3; A35/9 F1; A44/15 F1 und 2). 

Sodann wünschte er gemäss E-Mail seiner ehemaligen Rechtsvertretung 

vom 17. Oktober 2019 selbst, die anstehende Anhörung auf Soninke, Ma-

linké oder Peul übersetzen zu lassen (vgl. A42/5). Die Entscheidung der 

Vorinstanz, die Anhörung vom 21. November 2019 auf Peul übersetzen zu 

E-158/2020 

Seite 10 

lassen, ist deshalb nicht zu bemängeln. Es ist zu beachten, dass die HWV 

in der Anhörung vom 24. April 2019 anmerkte, der Beschwerdeführer spre-

che ungenügend Französisch, um sein Asylgesuch detailliert und substan-

ziiert zu begründen (vgl. A30/16, Unterschriftenblatt der HWV). Auch der 

Beschwerdeführer erwähnte, dass er sich auf Französisch nicht gut aus-

drücken könne (vgl. A30/16 Q101). Dies ist bei der Prüfung der Glaubhaf-

tigkeit der Vorbringen zu berücksichtigen. In einer Gesamtwürdigung aller 

Befragungsprotokolle ist jedoch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 

seine Asylvorbringen vollständig darlegen konnte. Die geltend gemachten 

sprachlichen Schwierigkeiten vermögen somit nicht zur Kassation des an-

gefochtenen Entscheids zu führen.  

3.3.3 Aus der Tatsache, dass verschiedene Fachspezialisten sein Asylge-

such behandelt haben, kann der Beschwerdeführer ebenfalls nichts zu sei-

nen Gunsten ableiten. Es ist durchaus wünschenswert, dass die Anhörung 

von derselben Person durchgeführt wird, die über das Asylgesuch (mit-)be-

findet. Es gibt jedoch keine gesetzliche Verpflichtung der Vorinstanz, dies 

immer so zu handhaben; eine solche Verpflichtung ergibt sich auch aus 

dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht (vgl. Urteile des BVGer  

E-281/2020 vom 26. Februar 2020 E. 6.7 und E-1277/2018 vom 3. April 

2018 E. 4.3). Überdies ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer 

auch nicht substantiiert dargelegt, inwiefern ihm aus der Behandlung sei-

nes Asylgesuchs durch verschiedene Personen ein konkreter Nachteil ent-

standen sein soll. Seine Vermutung, die Beteiligung mehrerer Sachbear-

beiter habe sich auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen 

ausgewirkt, wird nicht weiter begründet und bleibt daher rein spekulativ. 

Ausserdem haben weder er noch die HWV entsprechende Einwände er-

hoben (vgl. A30/16; A35/9; A44/15, Unterschriftenblätter der HWV). 

Schliesslich handelt es sich bei dem vom Beschwerdeführer zitierten 

Rechtsgutachten lediglich um eine Empfehlung von Professor Walter Kälin 

an die Vorinstanz, aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche ab-

leiten kann.  

3.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweisen sich die formellen 

Rügen insgesamt als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, 

die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Seite 11 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Zur Begründung ihres Asylentscheids führt die Vorinstanz aus, die Vor-

bringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG noch den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten. Die vorgebrachten 

Schwierigkeiten im Jahre 2013 mit den Mitschülern und im Jahre 2015 im 

Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen seien zeitlich nicht kausal 

für seine Ausreise und deshalb nicht asylrelevant. Sein Vorbringen, er sei 

von seinem Onkel zum Militärdienst gezwungen worden, sei unglaubhaft, 

weil er damals erst 15 Jahre alt gewesen sei und folglich gar keinen Mili-

tärdienst habe leisten können. Seinen Aussagen zum behaupteten sexuel-

len Übergriff seien kaum Details zu entnehmen, weshalb sie ebenfalls als 

unglaubhaft zu qualifizieren seien. Er habe sich nicht bemüht, seine Iden-

tität zu belegen, weshalb ihm mangelnde Mitwirkung vorgeworfen werden 

müsse. Anlässlich der Erstbefragung habe er angegeben, bei der Ausreise 

einen Geburtsregisterauszug sowie einen Schülerausweis dabei gehabt zu 

haben, welche ihm auf der Reise weggenommen worden seien. Dahinge-

gen habe er in der Anhörung vom 24. April 2019 ausgesagt, bei seiner Aus-

reise lediglich einen Schülerausweis auf sich getragen zu haben, welchen 

er verloren habe. Dieses widersprüchliche Aussageverhalten lasse den 

Schluss zu, dass er seine wahre Identität verheimlichen wolle. Zu seinen 

Familienverhältnissen in Guinea habe er nur rudimentäre Angaben ge-

macht. Insbesondere habe er das Alter seiner Schwester nur ungefähr an-

geben können und ausgesagt, nicht zu wissen, wo sich seine Mutter be-

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Seite 12 

finde oder weshalb sein Vater verstorben sei. Des Weiteren seien die An-

gaben zu seinem Heimatort substanzlos geblieben. Seine Aussagen ent-

hielten keine Realitätskennzeichen; insbesondere fehlten Details oder in-

dividualisierte Aussagen, welche die persönliche Betroffenheit oder ein 

persönlich gefärbtes Reaktionsmuster zum Ausdruck bringen würden.  

5.2 Der Beschwerdeführer hält diesen Erwägungen in der Beschwerde-

schrift entgegen, er würde in Guinea aufgrund seiner Zugehörigkeit zu der 

sozialen Gruppe der Waisen sowie aus geschlechtsspezifischen Gründen 

verfolgt und erfülle deshalb die Flüchtlingseigenschaft. Seinen Erzählun-

gen seien mehrere Realkennzeichen sowie eine persönliche Betroffenheit 

und keinerlei Widersprüche zu entnehmen. Er habe Mühe, über den sexu-

ellen Übergriff zu sprechen und schäme sich dafür. Die ihm drohende Ver-

folgung gehe vom Onkel aus und aufgrund dessen hoher Position in der 

Armee erfahre er keinen adäquaten staatlichen Schutz. Die Aussage, er 

habe bei der Ausreise einen Geburtsregisterauszug auf sich gehabt, 

müsse im Lichte der vorangegangenen Frage und der mangelnden Fran-

zösischkenntnisse des Beschwerdeführers betrachtet werden. Er sei da-

nach gefragt worden, woher er sein Geburtsdatum kenne, weshalb er den 

Geburtsregisterauszug erwähnt habe. Zwischen "wegnehmen" und "verlie-

ren" sei kein Widerspruch zu erkennen. Auch in der Anhörung vom 24. April 

2019 habe er präzisiert, die Araber hätten ihm sämtliche Besitztümer weg-

genommen. Da die Aufnahmequote von Guineern in der Schweiz äusserst 

gering sei und er deshalb aus seiner Staatsangehörigkeit keinen Vorteil 

ziehen könne, sei aus den fehlenden Identitätsdokumenten nicht der 

Schluss zu ziehen, er wolle seine Herkunft verheimlichen. Vor dem kultu-

rellen Hintergrund in Guinea sei es nicht erstaunlich, dass er nicht über die 

Todesursache seines Vaters informiert sei. Zudem sei ein Neunjähriger 

kaum über die Todesursache des Vaters informiert. Nachvollziehbar sei 

auch, dass seine Mutter sich nicht seinem Onkel habe unterwerfen wollen, 

der nach dem Tod des Vaters zum Familienoberhaupt geworden sei, zumal 

sie sich nicht mit ihm verstanden habe. Die Beziehung zwischen ihm und 

seinem Onkel sei äusserst distanziert. Dies erkläre auch, warum er nicht 

präziser über dessen Arbeit habe Auskunft geben können.  

5.3 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung an ihrem Entscheid fest und 

begründet dies damit, die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen 

Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes 

rechtfertigen könnten. Der Beschwerdeführer habe seine Herkunft unge-

nügend dargelegt und seine Identität nicht belegt. Ein weiteres Indiz dafür, 

E-158/2020 

Seite 13 

dass er seine Identität verschleiern wolle, zeige sich darin, dass er auf Fa-

cebook nicht auffindbar sei. Es sei der Vorinstanz damit verunmöglicht, an 

weitere Informationen über ihn zu gelangen. Das eingereichte Foto zeige 

ihn vor einer Schule namens «C._______». Der Beschwerdeführer selber 

habe hingegen angegeben, eine Schule namens «D._______» besucht zu 

haben.  

5.4 In der Replik legt der Beschwerdeführer zunächst dar, er wolle seine 

Identität nicht verschleiern. Das SEM habe nie nach seinem Facebookprofil 

gefragt. Er habe dort seinen Vornamen abgekürzt und die empfohlenen 

Privatsphäre-Einstellungen ausgewählt. Das eingereichte Foto sei nicht 

während der Schulzeit entstanden, sondern zeige ihn bei einem Fussball-

spiel mit seinen Freunden vor einer Schule, die er nie besucht habe. Die 

unnötig lange Dauer des Verfahrens sei der Vorinstanz anzulasten und 

dürfe nicht zu seinem Nachteil führen.  

6.  

6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine, die eigenen Erlebnisse 

betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und kon-

krete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe 

Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet 

durch Korrektheit, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. 

Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei 

wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine 

Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des we-

sentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, 

persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 

E-158/2020 

Seite 14 

E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS SONDEREG-

GER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 S. 5). 

6.2  

6.2.1 Der Vorinstanz ist dahingehend zuzustimmen, dass den vom Be-

schwerdeführer vorgebrachten Ereignissen in den Jahren 2013 und 2015 

der zeitliche Kausalzusammenhang zu seiner Ausreise fehlt. Damit erübrigt 

sich eine Prüfung der Glaubhaftigkeit der diesbezüglichen Vorbringen.  

6.2.2 Im Übrigen kann der Auffassung der Vorinstanz in Bezug auf die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers nicht gefolgt wer-

den. Der Beschwerdeführer hat auf eine lebensnahe, ausführliche und kon-

gruente Weise erzählt, wie er von seinem Onkel benachteiligt wurde. Er 

schilderte nachvollziehbar seine schlechte Beziehung zu seinem Onkel 

und seine Weigerung, Militärdienst zu leisten (vgl. A44/15 F26, F49). Sei-

nen Erzählungen lassen sich eine Vielzahl von Realkennzeichen entneh-

men; beispielsweise verwendete er mehrmals die direkte Rede und war im 

Stande, Gespräche zwischen ihm und verschiedenen Personen, wie sei-

nem Onkel oder dem benachbarten Mechaniker, der mit ihm gemeinsam 

ausreiste, wiederzugeben (vgl. A44/15 F26, F33, F52, F64).  

6.2.3 Ferner ist nicht auszuschliessen, dass sich der von ihm beschriebene 

sexuelle Übergriff tatsächlich ereignet hat. Offensichtlich ist es dem jungen 

Beschwerdeführer äusserst unangenehm, über den Vorfall zu sprechen, 

zumal er es vermeidet, den erlebten Missbrauch beim Namen zu nennen 

(vgl. A35/9 F43; A44/15 F34, F36, F56). Deshalb habe er diese Ereignisse 

bisher niemandem erzählt (vgl. A44/15 F62–63, F65). Es entsteht der Ein-

druck, dass er das Thema so rasch wie möglich hinter sich bringen will und 

sich für die sexuelle Gewalt, die ihm widerfahren ist, schämt (vgl. A44/15 

F26–27). Seine teilweise detailarmen Angaben dazu lassen nicht auf eine 

fehlende Glaubhaftigkeit schliessen, vielmehr sind diese vor dem Hinter-

grund relevanter COI zu betrachten. 

Obwohl es ihm schwer zu fallen scheint und er wiederholt darlegt, er 

schäme sich aufgrund des Vorfalls, spricht er dennoch darüber, wie er sich 

gefühlt hat (vgl. A44/15 F40, F54, F57–58). Nach dem Vorfall habe er es 

aus Scham lange nicht mehr gewagt, das Haus zu verlassen (vgl. A44/15 

F51, F55). Seinen Aussagen lassen sich Details entnehmen, die den An-

schein erwecken, er habe das Erzählte persönlich erlebt (vgl. A44/15 F42–

E-158/2020 

Seite 15 

43). Der Argumentation der Vorinstanz, seinen Erzählungen fehle eine per-

sönliche Betroffenheit, kann demnach nicht gefolgt werden. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz erscheinen im guineischen Kontext 

auch die Angaben des Beschwerdeführers betreffend seine Familienver-

hältnisse nicht ungewöhnlich. Es kann erstens nicht ausgeschlossen wer-

den, dass die Mutter des Beschwerdeführers sich nicht der Familiengewalt 

ihres Schwagers unterziehen wollte und mit ihrem neuen Partner ihren 

früheren Wohnort verlassen hat. Zweitens ist das Verhalten des Onkels 

gegenüber dem Beschwerdeführer vor dem Hintergrund der relevanten 

Länderinformationen nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer hat wider-

spruchsfrei und realitätsnah dargelegt, wie sein Onkel zuerst entschieden 

hat, er solle die Koranschule besuchen und danach für ihn bestimmte, die 

Militärausbildung absolvieren zu müssen, zumal er selbst in der Armee tä-

tig ist (vgl. A9/13 Ziffer 7.01; A44/15 F26). Ein weiterer Hinweis auf die 

Glaubhaftigkeit seiner problematischen Beziehung zu seinem Onkel ist 

auch seine Angabe, er sei in Libyen in Haft der Aufforderung nicht nachge-

kommen, seine Familie zwecks Bezahlung eines Lösegelds zu kontaktie-

ren. Er habe Angst davor gehabt, seinen Onkel um Hilfe zu bitten und sei 

deshalb noch während rund einem Monat inhaftiert gewesen (vgl. A44/15 

F18–19). Der vom SEM erwähnte Widerspruch betreffend die Dokumente, 

welche der Beschwerdeführer bei der Ausreise auf sich getragen habe, ist 

unbeachtlich, zumal die Erklärung auf Beschwerdeebene plausibel ist und 

es sich dabei um den einzigen Widerspruch in den insgesamt vier Befra-

gungen handelt. 

6.3  

6.3.1 Nachdem die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht als unglaub-

haft bezeichnet werden können, ist nachstehend deren Asylrelevanz zu 

prüfen.  

6.3.2 Eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure kann grundsätzlich 

flüchtlingsrechtlich relevant sein, wenn es der betroffenen Person nicht 

möglich ist, davor im Heimatstaat adäquaten Schutz zu finden (vgl. EMARK 

2006 Nr. 18). Unabhängig von der Frage, ob der Beschwerdeführer in die-

sem Sinne eine begründete Furcht vor Verfolgung durch seinen Onkel hat, 

und ob dieser aufgrund seiner Position in der guineischen Armee allenfalls 

als staatlicher Akteur gelten könnte, hängt die Flüchtlingseigenschaft da-

von ab, ob der geltend gemachten Verfolgung ein flüchtlingsrechtlich rele-

vantes Motiv gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

E-158/2020 

Seite 16 

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische Anschauun-

gen) zugrunde liegt. Dabei gilt es zu beachten, dass eine Verfolgung im 

Sinne des Asylgesetzes und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) immer wegen des Seins 

(d. h. des Anders-Seins), nicht wegen des Tuns erfolgt. Flüchtlingsrechtlich 

relevant wird eine Verfolgung dann, wenn sie wegen eines in der Person 

liegenden Merkmals, das untrennbar mit ihr oder ihrer Persönlichkeit ver-

bunden ist, erfolgt, mithin in diskriminierender Weise an ein persönliches 

Merkmal, das sie "andersartig" macht, anknüpft. Der Verfolger kann zwar 

vordergründig auf die Handlungsweise einer Person abzielen (z. B. Teil-

nahme an einer Demonstration oder Besuch eines Gottesdienstes), der 

Eingriff wird aber nur dann für die Flüchtlingseigenschaft bedeutsam, wenn 

er die hinter der betreffenden Handlung steckende Gesinnung oder Eigen-

art der Person treffen will (vgl. EMARK 2006 Nr. 32; bestätigt in den Urtei-

len des BVGer D-1257/2020 vom 16. März 2020 E. 5.5.1 und  

E-5925/2019 vom 26. November 2019 E. 7.1).  

6.3.3 Vorliegend ist hinsichtlich der Frage, ob ein flüchtlingsrechtlich rele-

vantes Verfolgungsmotiv gegeben ist, offensichtlich, dass der Beschwer-

deführer nicht wegen seiner Religion, seiner Nationalität oder seinen poli-

tischen Anschauungen einer Gefährdung ausgesetzt ist. Hingegen machte 

er auf Beschwerdeebene geltend, es handle sich bei Waisen in Guinea um 

eine soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG, der er zuzuordnen 

sei. Zudem gehöre er der Ethnie der Soninke an, welche in Guinea eine 

Minderheit ist. Seine erlittenen Nachteile würden ferner auf einem ge-

schlechtsspezifischen Verfolgungsmotiv beruhen.  

6.3.4 Das Kriterium der "Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe" bezieht sich auf Personen, die ein Kollektiv bilden, das sich durch 

ein gemeinsames soziales Merkmal auszeichnet, welches Anknüpfungs-

punkt und Anlass für sachlich nicht gerechtfertigte Verfolgungsmassnah-

men bildet. Vorliegend wurde dem Beschwerdeführer indes nicht wegen 

der Zugehörigkeit zu einer zur Verfolgung ausgesonderten bestimmten 

Gruppe, d. h. wegen seines "Anders-Seins", von seinem Onkel gesucht, 

misshandelt und der sexuellen Gewalt ausgesetzt, sondern weil er von zu-

hause weggegangen ist, sich mehrere Tage versteckt und sich den Anord-

nungen seines Onkels widersetzt hat (d. h. des "Tuns"). Die Bedrohungs-

situation hat mithin nicht seine Eigenschaft als Waise an sich ausgelöst. Er 

wurde nicht misshandelt, weil er Waise ist. Ebenso war auch seine ethni-

sche Zugehörigkeit, welche er mit seinem Onkel teilt, nicht der Grund der 

geltend gemachten Verfolgung. Dasselbe gilt für sein Vorbringen, er sei 

E-158/2020 

Seite 17 

geschlechtsspezifisch verfolgt worden: Die Nachteile, die er erlitten hatte, 

trafen ihn nicht aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung als Mann; sie 

zielten nicht darauf ab, ihn aufgrund seines Geschlechts schwerwiegend 

zu diskriminieren. Die behauptete Straftat knüpfte vielmehr an seinem Ver-

halten an, welches im Widerspruch zu den Anweisungen seines Onkels 

stand. Die Frage, ob guineische Waisen überhaupt bestimmte soziale 

Gruppen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG darstellen können, kann daher 

offenbleiben.  

Nach dem Gesagten ist das Vorliegen eines Verfolgungsmotivs im Sinne 

von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu verneinen. 

6.4 Der Beschwerdeführer erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft gemäss 

Art. 3 AsylG nicht, weshalb das SEM das Asylgesuch im Ergebnis zu Recht 

abgelehnt hat.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 

Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der 

Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 

BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der 

Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im 

E-158/2020 

Seite 18 

Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-

krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet 

sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Beim Vorliegen 

einer Erkrankung kann nur dann auf die Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs geschlossen werden, wenn eine dringend notwendige me-

dizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die 

Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des 

Gesundheitszustands der betroffenen Person führt. Die Unzumutbarkeit ist 

nicht allein deshalb zu bejahen, wenn im Heimatstaat eine nicht dem 

schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög-

lich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/2 E. 9.3.2). Der Vollzug ist schliess-

lich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den 

Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder 

dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG).  

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Aufgrund der eingetretenen Volljährigkeit erübrigen sich inhaltliche 

Ausführungen zum Kindeswohl im Urteilszeitpunkt. 

8.3 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass weder die in Guinea 

herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden. Der Beschwerdeführer 

habe seine Mitwirkungspflicht verletzt, indem er Informationen über seine 

familiären Verhältnisse verheimlicht und sich nicht bemüht habe, heimatli-

che Dokumente zu besorgen. Die Angaben zu seinen familiären Umstän-

den seien unglaubhaft; insbesondere habe er nur unsubstanziierte Aussa-

gen über den Tod seines Vaters sowie die aktuellen Lebensumstände sei-

ner Mutter gemacht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass seine Mutter ihn 

nach dem Tod seines Vaters beim Onkel gelassen habe, ohne sich weiter-

hin um ihn zu kümmern. Die familiäre Situation des Beschwerdeführers ge-

stalte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weit besser, als von ihm dargelegt. 

Deshalb sei davon auszugehen, dass er in seinem Heimatland über ein 

tragfähiges Familiennetz verfüge und dorthin zurückkehren könne.  

E-158/2020 

Seite 19 

8.4 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er habe seine Mitwirkungs-

pflicht nicht verletzt, vielmehr habe er all das ausgesagt, was er wisse. Als 

sein Vater verstorben sei, sei er ungefähr acht Jahre alt gewesen. Seine 

Mutter habe sich nicht dem Onkel unterwerfen wollen, weshalb es nach-

vollziehbar sei, dass sie den gemeinsamen Haushalt verlassen habe. In 

dem Quartier, in dem er gewohnt habe, existierten weder imposante Ge-

bäude noch Adressen, weshalb er die Fragen der Vorinstanz zu seinem 

Heimatort nicht habe beantworten können. Die Namen der Quartiere, den 

Standort seines Hauses sowie die dortigen Machtverhältnisse habe er be-

schreiben können. Er fürchte sich zum heutigen Zeitpunkt noch mehr vor 

seinem Onkel als vor seiner Ausreise, da er ihn bestohlen habe und dann 

ohne seine Zustimmung sein Heimatland verlassen habe. Falls er zu ihm 

zurückkehren müsse, würde ihm eine nach Art. 3 EMRK verbotene Be-

handlung drohen, weshalb der Wegweisungsvollzug sich als unzulässig er-

weise.  

Er habe weder eine schulische Bildung noch eine berufliche Ausbildung 

abgeschlossen und sei nie einem Beruf nachgegangen. Überdies könne 

ihn bei einer allfälligen Rückkehr niemand unterstützen, da seine Bekann-

ten selbst arm seien. Zudem gehöre er einer ethnischen Minderheit an. Er 

würde aus diesen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten. Des Wei-

teren sei er wegen seines Schwindels und seiner Schlaflosigkeit auf eine 

psychologische Unterstützung angewiesen, zu welcher er ohne finanzielle 

Unterstützung in seinem Heimatland keinen Zugang habe. Eine Rückkehr 

erweise sich auch im Hinblick auf die angespannte politische Lage in 

Conakry als unzumutbar. Mit dem Verweis auf seine Aktivitäten in der Fuss-

ballmannschaft, seine guten Schulleistungen sowie seine neu geknüpften 

Freundschaften macht er implizit eine fortgeschrittene Integration in der 

Schweiz geltend. 

8.5  

8.5.1 Die Vorinstanz wies in ihrer Verfügung zutreffend darauf hin, dass das 

Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, 

die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht 

gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder 

glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der 

Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. 

Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Guinea ist demnach unter 

dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

 

E-158/2020 

Seite 20 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Weder die allgemeine Menschenrechtslage noch der 

Umstand, dass der Beschwerdeführer ethnischer Soninke ist, lassen den 

Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen 

(vgl. Urteil des BVGer D-2777/2019 vom 19. Juni 2019 E. 8.2).  

8.5.2  

8.5.2.1 Im Zusammenhang mit der vom SEM festgestellten Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzuges ist festzuhalten, dass das Gericht gemäss 

ständiger Rechtsprechung und auch unter Berücksichtigung der aktuellen 

Lage (Gewaltvorfälle und Massenproteste im Rahmen des Verfassungsre-

ferendums) davon ausgeht, dass in Guinea keine Situation von Krieg, Bür-

gerkrieg oder allgemeiner Gewalt herrscht (vgl. Urteile des BVGer  

D-1233/2020 vom 15. April 2020 E. 6.5.2; E-1193/2020 vom 17. März 2020 

E. 8.4.2; E-281/2020 vom 26. Februar 2020 E. 10.1.1; E-2710/2018 vom 

4. Dezember 2019 E. 6.2 und E-6969/2017 vom 15. November 2019 

E. 4.3). 

8.5.2.2 Nachdem der Beschwerdeführer glaubhaft darlegen konnte, dass 

er von seinem Onkel benachteiligt wurde und er sich vor den Konsequen-

zen aufgrund seiner Ausreise mit dem gestohlenen Geld desselben fürch-

tet, ist es nachvollziehbar, dass er nicht an seinen früheren Wohnort zu-

rückkehren möchte. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass ihm eine 

Rückkehr zum Onkel zum heutigen Zeitpunkt zugemutet werden könnte. 

Es steht nicht fest, ob die geltend gemachten Konflikte mit diesem noch 

aktuell sind. 

Dessen ungeachtet handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen voll-

jährigen, jungen, arbeitsfähigen und gesunden Mann, der den Grossteil 

seines Lebens in Guinea verbracht hat, dort sozialisiert wurde und eine 

gewisse Schulbildung vorweisen kann. Das Bundesverwaltungsgericht 

verkennt nicht, dass die Lebensbedingungen für den Beschwerdeführer in 

Guinea schwierig gewesen sind, jedoch verfügt er in seinem Heimatland – 

auch wenn allenfalls nicht über ein familiäres – über ein soziales Bezie-

hungsnetz, welches ihn bei der Wiedereingliederung unterstützen kann. Da 

er sein ganzes Leben bis zur Ausreise Ende 2017 beziehungsweise Anfang 

2018 und somit insbesondere die prägenden Jugendjahre in seinem Hei-

E-158/2020 

Seite 21 

matland verbracht hat, dort zur Schule ging und Fussball spielte, kann da-

von ausgegangen werden, dass er über zahlreiche Bekanntschaften ver-

fügt (vgl. A9/13 Ziffer 2.01; A44/15 F29). Seinen eigenen Aussagen zufolge 

pflegt er nach wie vor Kontakt zu einem Freund (vgl. A44/15 F6, F80). Bei 

einem Freund (mutmasslich demselben) hat er vor seiner Ausreise Unter-

schlupf gefunden (vgl. A44/15 F26). Der Zeitpunkt seiner Ausreise liegt 

noch nicht sehr lange zurück und er ist mit der heimatlichen Kultur und 

Sprache bestens vertraut, so dass ihm eine Reintegration und das Anknüp-

fen an bestehende respektive das Schliessen neuer Beziehungen in der 

Heimat gelingen dürfte. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Guinea für sich eine 

tragfähige Existenz aufbauen kann und nicht in eine Notlage geraten wird, 

zumal ihm auch die Möglichkeit offensteht, in der Schweiz finanzielle Rück-

kehrhilfe zu beantragen.  

Bis anhin hat der Beschwerdeführer keinen Nachweis für seine geltend ge-

machten psychischen Probleme (Schwindel und Schlaflosigkeit) erbracht. 

Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Beeinträchtigung einer Rück-

kehr im Weg steht. Überdies sind aus den Akten keine Bemühungen sei-

nerseits ersichtlich, eine psychologische Behandlung in Anspruch zu neh-

men. Deshalb ist davon auszugehen, dass eine solche nicht notwendig er-

scheint, womit sich weitere inhaltliche Ausführungen zur medizinischen 

Versorgung in Guinea erübrigen.   

Der Beschwerdeführer hält sich nun seit rund eineinhalb Jahren in der 

Schweiz auf, womit auch nicht von einer derart fortgeschrittenen Integra-

tion auszugehen wäre, welche gegebenenfalls einer gesonderten Betrach-

tung bedürfen würde. Auch dieser Aspekt spricht nicht gegen den Wegwei-

sungsvollzug.  

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl in 

genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 

8.5.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

E-158/2020 

Seite 22 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung ist jedoch auf die Erhebung von Verfah-

renskosten zu verzichten. 

11.  

Das Gesuch um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im 

Sinne von aArt. 110a Abs. 1 AsylG wurde mit Zwischenverfügung vom 

24. Januar 2020 gutgeheissen und dem Beschwerdeführer die rubrizierte 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die notwen-

digerweise erwachsenen Parteikosten sind deshalb durch das Bundesver-

waltungsgericht zu übernehmen (vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–

14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in 

den Kostennoten vom 29. Oktober 2019 sowie vom 15. Februar 2020 auf-

geführte zeitliche Aufwand, insbesondere die geltend gemachten neun 

Stunden für das Verfassen der Beschwerde und diesbezügliche Recher-

chen, erweist sich mit Blick auf den Umstand, dass der vorliegende Fall 

weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex er-

scheint, als überhöht und wird entsprechend angepasst. Der Rechtsvertre-

terin ist insgesamt ein amtliches Honorar von Fr. 1'182.65 (inkl. Auslagen 

und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zu-

lasten der Gerichtskasse zuzusprechen (Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 VGKE). 

  

E-158/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch das Bundesverwaltungsgericht 

ein Honorar von Fr. 1'182.65 ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Sarah Diack 

 

 

Versand: