# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a60034dc-ba89-5d78-8c4c-12c90176a375
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-19
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 19.01.2023 VBE.2022.187
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-187_2023-01-19.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.187 / ms / ce       

Art. 8 

 

 

Urteil vom 19. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Merkofer  

Oberrichterin Gössi 

Gerichtsschreiber Schweizer  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Evalotta Samuelsson, Rechtsanwältin,  

Bahnhofstrasse 12, 8001 Zürich    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 25. März 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1969 geborene Beschwerdeführer meldete sich erstmals 2002 bei der 

Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen In-

validenversicherung (IV) an. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2004 respek-

tive Einspracheentscheid vom 26. August 2005 verneinte die Beschwerde-

gegnerin einen Anspruch auf berufliche Massnahmen. Am 4. Mai 2005 

wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdefüh-

rers ab.  

 

1.2. 

Am 18. Februar 2008 meldete sich der Beschwerdeführer wiederum bei der 

Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 25. No-

vember 2008 trat die Beschwerdegegnerin auf das Leistungsbegehren 

nicht ein. Zudem wies die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 25. No-

vember 2008 eine Kostengutsprache für berufliche Massnahmen ab.  

 

1.3. 

Am 10. März 2019 meldete sich der Beschwerdeführer erneut bei der Be-

schwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration/ 

Rente) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin Abklärungen in er-

werblicher und medizinischer Hinsicht und nahm am 26. Juni 2019 Rück-

sprache mit dem internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Nach zwei 

Aufbautrainings wurde die berufliche Eingliederung abgeschlossen, da die 

notwendige Pensumssteigerung nicht hatte erreicht werden können. An-

schliessend liess die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auf 

Empfehlung des RAD durch das Zentrum für Medizinische Begutachtung 

(ZMB) polydisziplinär begutachten (ZMB-Gutachten vom 22. April 2021). 

Nach Rücksprache mit ihrem RAD am 5. Juli 2021 stellte die Beschwerde-

gegnerin mit Vorbescheid vom 7. Juli 2021 die Abweisung des Rentenbe-

gehrens in Aussicht. Nachdem der Beschwerdeführer dagegen Einwände 

erhoben hatte, stellte die Beschwerdegegnerin den ZMB-Gutachtern ent-

sprechende Rückfragen, welche diese mit Stellungnahme vom 17. Januar 

2022 beantworteten. Daraufhin erliess die Beschwerdegegnerin am 25. Ja-

nuar 2022 erneut einen Vorbescheid, wogegen der Beschwerdeführer wie-

derum Einwände erhob. Mit Verfügung vom 25. März 2022 wies die Be-

schwerdegegnerin das Leistungsbegehren betreffend Invalidenrente des 

Beschwerdeführers schliesslich ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 25. März 2022 erhob der Beschwerdeführer mit 

Eingabe vom 16. Mai 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende 

Rechtsbegehren (Beschwerde S. 2): 

 - 3 - 

 

 

 

"1. «Die Verfügung vom 25.03.2022 sei aufzuheben und es sei dem 
Beschwerdeführer mind. eine unbefristete Viertel-Rente zuzuspre-
chen»; 

 
 2. «Eventualiter sei die Verfügung vom 25.03.2022 aufzuheben und es 

sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwer-
degegnerin zurückzuweisen» 

 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegne-
rin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 6. Juli 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegeh-

ren des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 25. März 2022 (Vernehm-

lassungsbeilage [VB] 226) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

2.1. 

In der angefochtenen Verfügung vom 25. März 2022 (VB 226) stützte sich 

die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf 

das polydisziplinäre ZMB-Gutachten der Dres. med. B., Fachärztin für Psy-

chiatrie und Psychotherapie, C., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, 

D., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe-

gungsapparates, E., Fachärztin für Neurologie, F., Fachärztin für Oto-

Rhino-Laryngologie und Dipl.-Psych. G., Fachpsychologin für Neuropsy-

chologie, vom 22. April 2021. Darin wurden die nachfolgenden Diagnosen 

gestellt (VB 191.1 S. 8): 

 

"Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 
 
- Ausgeprägtes thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom 
- Beginnende Varusgonarthrose beidseits 
- Femoroazetabuläres Impingement rechts, Verdacht auf femoroazeta-

buläres Impingement links 
- Somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak-

toren (ICD-10 F 45.41) 
 
 Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 
 
- Status nach Hämmorrhoidenoperation 2004 und 2020 
- Rechtsbetonte, beidseitige, hochtonbetonte, hörgerätepflichtige 

Schwerhörigkeit mit Tinnitus aureum beidseits (beidseits 1 kHz, 10-15 
dB überschwellig) 

- Sozial störende Ronchopathie bei 

 - 4 - 

 

 

 

- St. n. Septumkorrektur/Muschelreduktion/Uvulareduktion 
- Unspezifisches links betontes Lumbovertebralsyndrom 
- Anamnestisch leichtes CTS rechtsseitig (elektrodiagnostisch 11/2017, 

normale ENG-Messung 03/2020) 
- Akzentuierte Persönlichkeit (ICD 10: Z 73) 
- In ihrer Ausprägung nicht-authentische neuropsychologische Störung" 

 

In der bisherigen Tätigkeit als Chauffeur (langes Sitzen, ohne die Möglich-

keit, sich zu bewegen) und in der Tätigkeit als Lagermitarbeiter, bei welcher 

der Beschwerdeführer schwere Lasten heben müsste, sei ab Untersu-

chungsdatum von einer Einschränkung von 70 % auszugehen (VB 191.1 

S. 11 f.). Aus somatischer Sicht bestünden in einer angepassten Tätigkeit 

keine Einschränkungen. In einer angepassten Tätigkeit, die namentlich auf 

die Persönlichkeit des Versicherten Rücksicht nehme, bei welcher er eini-

germassen selbstbestimmt und selbstverantwortlich, z.B. körperlich nicht 

sehr anstrengende, handwerkliche Tätigkeiten im Holzbereich ausführen 

könnte, bestehe ab Untersuchungsdatum eine Arbeitsfähigkeit von 70 %. 

Dabei sei wichtig, dass der Beschwerdeführer gemäss den eigenen Vor-

stellungen Pausen machen könne, die Arbeit selbst einteilen könne und 

wenig Konfliktpotential geboten werde z.B. mit Kollegen und Vorgesetzten 

(VB 191.1 S. 12).  

 

2.2. 

Am 5. Juli 2021 nahm RAD-Arzt Dr. med. H., Facharzt für orthopädische 

Chirurgie und Traumatologie, zum ZMB-Gutachten vom 22. April 2021 Stel-

lung und führte zum retrospektiven Verlauf der Arbeitsunfähigkeit aus, der 

Versicherte sei zwischen 2016 und 2018 zu 100% arbeitstätig gewesen. 

Diversen in der Folge ausgestellten medizinischen Berichten seien keine 

objektivierbaren pathologischen Befunde oder ebensolche Funktionsdefi-

zite zu entnehmen. In der Gesamtschau seien seitdem auch keine neuen 

Diagnosen dazugekommen, sodass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nach Ablauf des Wartejahres per 17. Februar 2020 von einer 70%igen Ar-

beitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auszugehen sei (VB 194 S. 3). 

 

2.3. 

In ihrer Stellungnahme vom 17. Januar 2022 hielten die ZMB-Sachverstän-

digen im Wesentlichen fest, beim Bericht der I. über den Wiedereingliede-

rungsversuch vom 30. September 2020 bis zum 23. Dezember 2020 

handle es sich nicht um eine medizinische Akte im engeren Sinne. Zudem 

würden die dort beklagten Beschwerden den subjektiven Angaben des Be-

schwerdeführers entsprechen, hingegen würden daraus keine objektiven 

medizinischen Schlüsse gezogen werden können. Weiter führten die Gut-

achter aus, die Anpassungsprobleme des Beschwerdeführers würden Per-

sönlichkeitsfaktoren darstellen, jedoch nicht ausreichen, um eine Persön-

lichkeitsstörung zu diagnostizieren. Weiter müsse man beim Beschwerde-

führer von einer bewusstseinsnahen Verdeutlichung seiner Symptome aus-

 - 5 - 

 

 

 

gehen. Die Sachverständigen hätten objektive Einschränkungen und sub-

jektive Einschränkungen, die nur von beschriebenen Beschwerden des Be-

schwerdeführers ausgehen, differenziert. Aufgrund der hochauffälligen Be-

funde in der neuropsychologischen Testung schlossen die Sachverständi-

gen auf eine bewusstseinsnahe Verdeutlichung und damit auf eine Aggra-

vation. Bei den Arbeiten im Haushalt sei der Beschwerdeführer nicht we-

sentlich eingeschränkt. Die Schmerzproblematik könne jedoch nicht erklä-

ren, wieso der Beschwerdeführer diese Haushaltstätigkeiten nicht auch er-

werblich ausführen könne (VB 215 S. 1 ff.).  

 

3. 

3.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Be-

obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-

chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den Gut-

achten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversi-

cherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum Bun-

desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 

S. 105). 

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, das Gutachten erweise 

sich hinsichtlich des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit als unzureichend, da sich 

die Gutachter zwingend auch zur Arbeitsunfähigkeit seit Ablauf des Warte-

jahrs am 17. Februar 2020 hätten äussern müssen. Zudem habe der psy-

chiatrische "Gutachter" entgegen der Konsensbeurteilung retrospektiv das 

Vorliegen einer depressiven Erkrankung bestätigt (Beschwerde S. 5).  

Die psychiatrische Gutachterin hielt fest, die Arbeitsfähigkeit in einer ange-

passten Tätigkeit gelte ab Untersuchungsdatum (VB 191.7 S. 11). Weiter 

führte sie aus, die anamnestisch beschriebenen Depressionen hätten in der 

Untersuchung nicht bestätigt werden können, allerdings gebe es keinen 

 - 6 - 

 

 

 

Grund, an den früher gestellten Diagnosen zu zweifeln. Aktuell sei die De-

pression remittiert (VB 191.7 S. 8).  

 

Ausweislich der Akten bestand im Mai 2020 und damit nach Ablauf des 

Wartejahres (Beginn Wartejahr 18. Februar 2019 [vgl. VB 88 S. 4; 116], Ab-

lauf Wartejahr 17. Februar 2020) noch eine teilremittierte mittelgradige de-

pressive Reaktion (ICD-10: F32.1; vgl. Bericht der J. vom 6. Mai 2020; 

VB 173 S. 1 ff.). Weiter geht aus den Akten hervor, dass auch während des 

Wartejahres eine depressive Episode bestand. Damals berichteten die be-

handelnden Ärzte, die bestehende depressive Verstimmung habe sich trotz 

langjähriger Psychotherapie weiter verstärkt, so dass von einer schwer be-

handelbaren depressiven Entwicklung gesprochen werden müsse (vgl. 

Arztbericht K. vom 7. Februar 2019, VB 142 S. 3 f.). Jedoch unterliess es 

die psychiatrische Gutachterin, die Arbeits(un)fähigkeit für jenen Zeitraum 

zu beurteilen, in welchem sie die depressiven Episoden als "nachvollzieh-

bar" bezeichnete und ausführte, an den Diagnosen sei nicht zu "zweifeln". 

Auch die Beurteilung von RAD Arzt Dr. med. H. (vgl. VB 194 S. 3), wonach 

seit 2018 bis zur Begutachtung keine objektivierbaren pathologischen Be-

funde oder ebensolche Funktionsdefizite aufgetreten seien, überzeugt folg-

lich nicht, bestätigt die psychiatrische Gutachterin entgegen Dr. med. H., 

welcher über keinen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie ver-

fügt, doch das Vorliegen einer depressiven Erkrankung in diesem Zeitraum.  

 

Im Übrigen haben sich auch die anderen Sachverständigen nicht mit der 

Arbeitsfähigkeit im gesamten relevanten Zeitraum und folglich mit der 

Frage unter Ziff. 4.11.1. ("Wir bitten um Auskunft über die Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit als Betriebsmitarbeiter Maga-

zin/Chauffeur und für leidensangepasste Tätigkeiten nach Ablauf des ge-

setzlichen Wartejahres am 17.02.2020 ersucht."; vgl. VB 182. S. 2) ausei-

nandergesetzt (vgl. VB 191.4 S. 13 f.; 191.5 S. 9 f.; 191.8 S. 11). Weder die 

Teilgutachten noch die Konsensbeurteilung (vgl. VB 191.1 S. 14) beant-

worten die Frage, welche Arbeitsfähigkeit retrospektiv bestand. Aus den 

vorgenannten Gründen kann auf das polydisziplinäre Gutachten nicht ab-

gestellt werden, da der relevante Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt 

wurde. 

 

4.2. 

Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, die Gutachter seien von 

einer falschen angestammten Tätigkeit ausgegangen (vgl. Beschwerde 

S. 8).  

 

In der Konsensbeurteilung gingen die Sachverständigen von einer ange-

stammten Tätigkeit als Chauffeur und Lagermitarbeiter aus (VB 191.1 

S. 11). Dem allgemeinmedizinischen und psychiatrischen Teilgutachten ist 

demgegenüber nicht zu entnehmen, von welcher bisherigen Tätigkeit die 

Sachverständigen ausgingen (VB 191.3 S. 6; 191.7 S. 11). Sowohl in der 

 - 7 - 

 

 

 

orthopädischen als auch in der neurologischen Beurteilung gingen die 

Sachverständigen von einer Tätigkeit als Gebäudetechniker als bisherige 

Tätigkeit aus (VB 191.5 S. 9; 191.4 S. 13). Die HNO-Gutachterin ging da-

gegen wohl sinngemäss von einer Tätigkeit als Chauffeur als bisherige Tä-

tigkeit aus (VB 191.6 S. 2 und 4). Im neuropsychologischen Gutachten ist 

die Rede von Betriebsmitarbeiter Magazin/Chauffeur als bisheriger Tätig-

keit (VB 191.8 S. 11). Zusammenfassend beurteilten die Sachverständigen 

damit die Arbeitsfähigkeit in unterschiedlichen bisherigen Tätigkeiten, wes-

halb unklar bleibt, wie die diesbezügliche interdisziplinäre Beurteilung zu 

Stande kommen konnte.  

 

4.3. 

Dem psychiatrischen Teilgutachten lassen sich sodann als Diagnosen eine 

somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 

(ICD-10: F45.41) sowie eine akzentuierte Persönlichkeit (ICD-10: Z73) ent-

nehmen (VB 191.7 S. 6 f.). Im psychiatrischen Zumutbarkeitsprofil wird 

dem Beschwerdeführer eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten 

Tätigkeit, bei welcher grosse körperliche Belastungen vermieden werden 

sollten, attestiert (VB 191.7 S. 11). In der Konsensbeurteilung wird die so-

matoforme Schmerzstörung den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits-

fähigkeit und die akzentuierte Persönlichkeit den Diagnosen ohne Auswir-

kung auf die Arbeitsfähigkeit zugerechnet (VB 191.1 S. 8). Dem Zumutbar-

keitsprofil der Konsensbeurteilung lässt sich entnehmen, eine Verweistä-

tigkeit müsse auf die Persönlichkeit des Beschwerdeführers Rücksicht neh-

men, sodass dieser einigermassen selbstbestimmt und selbstverantwort-

lich arbeiten könne. Weiter müsse ihm die Tätigkeit ermöglichen, nach ei-

genen Vorstellungen Pausen zu machen, die Arbeit selber einzuteilen und 

sie dürfe nur wenig Konfliktpotential mit Kollegen und Vorgesetzten bieten 

(VB 191.1 S. 12). Ein Grossteil der Einschränkungen einer angepassten 

Tätigkeit gründet gemäss den Sachverständigen in der Persönlichkeit des 

Beschwerdeführers, obwohl die akzentuierte Persönlichkeit nicht als für die 

Arbeitsfähigkeit erhebliche Diagnose eingeordnet wird. Zudem finden sich 

diese persönlichkeitsbezogenen Einschränkungen nicht im psychiatrischen 

Zumutbarkeitsprofil (vgl. VB 191.7 S. 11). Es ist daher nicht nachvollzieh-

bar, wieso in der interdisziplinären von der psychiatrischen Beurteilung ab-

gewichen wird und wieso eine akzentuierte Persönlichkeit ohne Auswirkun-

gen auf die Arbeitsfähigkeit den Grossteil des Zumutbarkeitsprofils defi-

niert, zumal diese Widersprüche nirgends, namentlich nicht in der ergän-

zenden Stellungnahme (vgl. VB 215), aufgelöst werden. Überdies ist bei 

Begutachtungen zwischen Diagnosen und blossen Z-codierten Belas-

tungsfaktoren zu unterscheiden. Letztere können zwar den Gesundheits-

zustand beeinflussen, stellen aber keine rechtserheblichen Gesundheits-

beeinträchtigungen dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_468/2015 vom 

29. Januar 2016 E. 3.2). Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, ob die psy-

chiatrische Situation des Beschwerdeführers ausreichend abgeklärt wurde, 

 - 8 - 

 

 

 

namentlich im Bereich seiner Persönlichkeit, kommen die Sachverständi-

gen doch zum Schluss, vornehmlich diese schränke ihn qualitativ in seiner 

Arbeitsfähigkeit ein, ohne ihm jedoch eine versicherungsrechtlich relevante 

gesundheitliche Beeinträchtigung zu attestieren. Aus den vorgenannten 

Gründen kann auf die psychiatrische Begutachtung nicht abgestellt wer-

den. 

 

4.4. 

Der orthopädische Gutachter nannte in seinem Teilgutachten als Diagno-

sen ein ausgeprägtes thoraco-lumbovertebrales Schmerzsyndrom, eine 

beginnende Varusgonarthrose beidseits und ein femoro-acetabulares Im-

pingement rechts sowie einen Verdacht auf ein femoro-acetabulares Impin-

gement links (VB 191.4 S. 11). Bei der Formulierung des Zumutbarkeits-

profils führte er aus, der Beschwerdeführer sei auf eine Limite angewiesen 

"in Bezug auf Gewichte heben und Gewichte bis Lendenhöhe tragen von 

20 kg". Diese Einschränkungen seien bei einer Verweistätigkeit alle zu be-

rücksichtigen (VB 191.4 S. 13 f.).  

 

Dagegen findet sich im Zumutbarkeitsprofil der angepassten Tätigkeit in 

der Konsensbeurteilung die Aussage, aus somatischer Sicht bestünden in 

einer angepassten Tätigkeit keine Einschränkungen. Die Einschränkungen 

im dortigen Profil werden vornehmlich auf die Persönlichkeit des Beschwer-

deführers zurückgeführt. Als körperliche Einschränkung findet sich dort ein-

zig der Hinweis auf "zum Beispiel körperlich nicht sehr anstrengende hand-

werkliche Tätigkeiten im Holzbereich" (VB 191.1 S. 12).  

 

Damit werden die Einschränkungen aus dem orthopädischen Teilgutachten 

weder vollständig wiedergegeben noch wird eine Abweichung davon be-

gründet. Zudem weist der Beschwerdeführer zu Recht auf den Widerspruch 

in der interdisziplinären Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer ange-

stammten Tätigkeit hin, da die Sachverständigen darin dem Beschwerde-

führer zwar keine schweren körperlichen Tätigkeiten mehr zumuten, aber 

gleichzeitig seine Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit als Lagermitar-

beiter mit Hebung von schweren Lasten bei 30 % veranschlagen (vgl. 

VB 191.1 S. 11). Demgegenüber stellte der orthopädische Gutachter in 

Frage, ob die bisherige Tätigkeit überhaupt noch ausgeübt werden könne 

und äusserte sich auch gar nicht zur quantitativen Arbeits(un)fähigkeit in 

der bisherigen Tätigkeit (vgl. VB 191.4 S. 13 f.). Das Gutachten vermag 

diese Diskrepanzen andernorts nicht wieder aufzulösen. 

 

4.5. 

Zusammenfassend lässt sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers 

(insbesondere) in einer angepassten Tätigkeit gestützt auf das ZMB-Gut-

achten vom 22. April 2021 nicht zuverlässig beurteilen. Der anspruchsrele-

vante medizinische Sachverhalt erweist sich im Lichte der Untersuchungs-

maxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 

 - 9 - 

 

 

 

S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 S. 195; KIESER, a.a.O., 

N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) als nicht rechtsgenüglich erstellt. Es rechtfertigt 

sich deshalb vorliegend, die Sache zu weiteren Abklärungen an die Be-

schwerdegegnerin zurückzuweisen, da eine bisher vollständig ungeklärte 

Frage zu klären ist (vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; BGE 137 V 210 

E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Nach dem Gesagten erübrigen sich Ausführungen zu 

einer allfälligen Verletzung der Begründungspflicht durch die Beschwerde-

gegnerin. 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzu-

heissen, dass die angefochtene Verfügung vom 25. März 2022 aufzuheben 

und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die Be-

schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrens-

ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 

25. März 2022 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne 

der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'450.00 zu bezahlen. 

 - 10 - 

 

 

 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreterin; 2-fach)   

die Beschwerdegegnerin    

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 11 - 

 

 

 

   

Aarau, 19. Januar 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Peterhans Schweizer