# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 59e27c79-80d5-5716-8220-3292b3e32ac4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 D-3026/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3026-2010_2012-01-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­3026/2010

U r t e i l   v om   1 2 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz),
Richterin Gabriela Freihofer,
Richterin Nina Spälti Giannakitsas,
Gerichtsschreiber Stefan Weber.

Parteien A._______, geboren X._______,
Afghanistan, 
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. März 
2010 / N_______.

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  –  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  und 
ethnischer  Tadschike  aus  Kabul  –  verliess  eigenen  Angaben  zufolge 
zusammen mit  seinem  Bruder  B._______  ([...])  im  Oktober  2009  seine 
Heimat  und  gelangte  am  19. November  2009  über  ihm  unbekannte 
Länder  und  C._______  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  im 
D._______ um Asyl nachsuchte.

Anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  25.  November  2009  im  D._______ 
sowie  der  Anhörung  durch  das  BFM  vom  11.  Januar  2010 machte  der 
Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  geltend,  seine 
Eltern und seine Schwester hätten vor (...) Jahren Afghanistan verlassen 
und würden sich seither in der Schweiz aufhalten. Nach der Ausreise der 
Eltern hätten er und sein Bruder bei  ihren Grosseltern gelebt, wobei nur 
die  engsten  Familienangehörigen  gewusst  hätten,  dass  seine  Eltern  in 
der Schweiz lebten. Seine Eltern seien vor (...) Jahren in Kabul während 
(...)  zu  Besuch  gewesen,  wobei  sich  dieser  Umstand  schnell 
herumgesprochen habe. Nach deren Abreise hätten die Probleme für ihn 
und  seinen  Bruder  begonnen.  So  sei  er  auf  dem Weg  zur  Schule  von 
Nachbarn und Quartierbewohnern gehänselt worden und man habe seine 
Eltern  als  Verräter  bezeichnet.  Vor  etwa  acht  Monaten  hätten  ihm 
unbekannte und teilweise bewaffnete Personen vorgeworfen, dass seine 
Eltern  nun  mit  Ausländern  zusammenarbeiten  würden  und  aus  ihrem 
Glauben  ausgetreten  seien.  Zudem  hätten  sie  telefonische  Drohungen 
erhalten, die er  jedoch nicht ernst genommen, sondern für einen Scherz 
gehalten  habe. Auch  sei  er  von den Unbekannten aufgefordert worden, 
entweder mit  ihnen zusammenzuarbeiten oder Schweigegeld zu zahlen. 
Zudem habe man ihn einmal gezwungen, in ein Auto der Unbekannten zu 
steigen, wo er mit einer Pistole bedroht worden sei. Nachdem er bitterlich 
geweint  und  um  seine  Freilassung  gefleht  gehabt  habe,  hätten  ihn  die 
Männer  wieder  gehen  lassen.  Aus  Angst  sei  er  die  letzten  Tage  vor 
seiner Ausreise nicht mehr aus dem Haus gegangen, obwohl er kurz vor 
den Maturitätsprüfungen  gestanden  sei. Die Unbekannten  hätten  immer 
wieder  Geld  von  ihnen  verlangt  und  eines  Tages  seinen  Bruder 
B._______  in  deren  Auto  mitgenommen,  bedroht  und  wieder 
freigelassen.  Sie  hätten  seinem  Bruder  gesagt,  dass  entweder  er  oder 
seine  Eltern  Lösegeld  bezahlen  müssten,  ansonsten  sie  härtere 
Massnahmen ergreifen würden. Da ihr Grossvater ein alter, gebrechlicher 
und herzkranker Mann sei, habe dieser nicht mehr selber auf dem Bazar 

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einkaufen  gehen  können. Deswegen  habe  sein Bruder B._______  zwei 
Nächte  vor  ihrer  Ausreise  das  Haus  verlassen,  um  einzukaufen.  Die 
Unbekannten, welche  im Auto  vor der Haustüre gewartet  hätten,  hätten 
diesen danach in den Wagen gezerrt und mitgenommen. In der Folge sei 
jedoch seinem Bruder die Flucht aus dem Auto gelungen. Daraufhin habe 
ihr  Grossvater  einen  in  E._______  wohnhaften  Freund  kontaktiert  und 
diesem  über  ihre  Probleme  berichtet.  In  der  Folge  seien  sie  im Wagen 
des  Freundes  nach  E._______  gefahren  und  bei  diesem  (...)  zu  Gast 
gewesen. Dann hätten sie erfahren, dass ihr Grossvater einen Herzinfarkt 
erlitten  habe  und  zur  Behandlung  nach  F._______  gebracht  werden 
müsse.  Der  Freund  habe  danach  auf  Bitten  ihres  Grossvaters  ihre 
Ausreise  organisiert.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  wird,  soweit 
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Mit  Entscheid  vom  7.  Dezember  2009 wurde  der  Beschwerdeführer  für 
den  Aufenthalt  während  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  G._______ 
zugewiesen.

B. 
Mit Verfügung vom 24. März 2010 – eröffnet am 29. März 2010 – lehnte 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung 
führte  das  Bundesamt  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  vermöchten  den  Anforderungen  von  Art.  3  des 
Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu  genügen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung 
des  Beschwerdeführers  nach  Afghanistan  erscheine  als  zulässig, 
zumutbar und möglich.

C. 
Mit Eingabe vom 28. April 2010 erhob der Beschwerdeführer gegen diese 
Verfügung  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragte 
die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei ihm 
die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er 
um  Koordination  seines  Verfahrens  mit  demjenigen  seines  Bruders 
B._______,  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 
Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Auf die Begründung und die 

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der  Rechtsmitteleingabe  beigelegten  Bestätigungen  von  Drittpersonen 
zur  Situation  der  Familie  (...)  in  der  Schweiz  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  vom  11.  Mai  2010  wurde  dem 
Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang  des 
Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne  und  sein 
Beschwerdeverfahren  mit  demjenigen  seines  Bruders  B._______ 
koordiniert  werde.  Die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde 
auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen und gleichzeitig auf die Erhebung 
eines Kostenvorschusses verzichtet.

E. 
Mit Verfügung vom 24. Oktober 2011 teilte das Bundesverwaltungsgericht 
dem Beschwerdeführer mit, die Vorinstanz habe sein Asylgesuch gestützt 
auf Art.  3 AsylG abgelehnt. Das Bundesverwaltungsgericht  behalte  sich 
vor, seine Asylvorbringen auch auf ihre Glaubhaftigkeit, mithin unter dem 
Blickwinkel  von  Art.  7  AsylG  zu  prüfen,  da  nämlich  in  seinen 
Schilderungen  zur  vorgebrachten  Verfolgungssituation  diverse 
Ungereimtheiten  bestünden.  Dem  Beschwerdeführer  werde  bis  zum 
8. November 2011 die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt.

F. 
Mit  Eingabe  vom  3.  November  2011  zeigte  der  Rechtsvertreter  des 
Beschwerdeführers – unter Beilage einer Vollmacht – die Übernahme des 
Mandats per 2. November 2011 an und ersuchte um Fristerstreckung bis 
am 22. November 2011 zur Einreichung einer Stellungnahme.

G. 
Mit  Verfügung  vom  11.  November  2011  wurde  das 
Fristerstreckungsgesuch vom 3. November 2011 gutgeheissen und dem 
Beschwerdeführer  –  unter  Verweis  auf  Art.  32  Abs.  2  VwVG – 
Gelegenheit  gegeben,  sich  bis  zum  22.  November  2011  zu  den  in  der 
Verfügung  vom  24.  Oktober  2011  enthaltenen  Feststellungen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  zu  äussern  und  weitere  Beweismittel 
einzureichen.

Mit Eingabe vom 22. November 2011 reichte der Beschwerdeführer seine 
Stellungnahme zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet 
demnach endgültig.

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der 
Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21 
Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen 
auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 
AsylG).

1.5.  Das  vorliegende  Urteil  ergeht  aus  sachlichen  und 
prozessökonomischen Gründen gleichzeitig mit demjenigen des Bruders 
des Beschwerdeführers  (B._______;  [...]), der gegen den Entscheid des 
BFM  vom  24. März  2010  beim  Bundesverwaltungsgericht  ebenfalls  am 

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28.  April  2010  eine  Beschwerde  einreichte  (vgl.  auch  Bstn.  C.  und  D. 
oben).

2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3. 
3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden 
Asylentscheides  im  Wesentlichen  fest,  der  Beschwerdeführer  mache 
geltend,  Unbekannte  hätten  ihn  auf  dem  Schulweg  belästigt  und  zur 
Zusammenarbeit  aufgefordert.  Diese  hätten  wegen  seiner  im  Ausland 
lebenden  Eltern  Schweigegeld  von  ihm  verlangt.  Deshalb  habe  er  die 
Schule nicht mehr besuchen können. Die vom Beschwerdeführer geltend 
gemachten  Nachteile  seien  von  Drittpersonen  ausgegangen.  Dabei 
handle  es  sich  um  von  Dritten  verübte  kriminelle  Handlungen,  welche 
nicht  den  Behörden  angelastet  werden  könnten.  Der  Beschwerdeführer 
stamme  aus  Kabul.  Die  dortigen  Behörden  seien  schutzfähig  und 
schutzwillig, weshalb er die Möglichkeit besitze, sich an die Behörden zu 
wenden  und  dort  um  Schutz  gegen  die  Behelligungen  nachzusuchen. 
Aus  seinen  Angaben  sei  zu  entnehmen,  dass  er  es  bisher  unterlassen 
habe,  eine  Anzeige  wegen  der  geltend  gemachten  Vorfälle  bei  den 
Behörden  einzureichen.  Deshalb  könne  nicht  von  mangelnder 

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Schutzfähigkeit  und  fehlendem  Schutzwillen  gesprochen  werden. 
Überdies seien die Behörden nicht  in der Lage, einen allesumfassenden 
Schutz zu gewährleisten und jeden kriminellen Übergriff zu ahnden. Den 
Vorbringen des Beschwerdeführers komme daher keine Asylrelevanz zu.

3.2.  In  seiner  Beschwerdeschrift  wendete  der  Beschwerdeführer 
demgegenüber im Wesentlichen ein, gemäss öffentlichen Quellen hätten 
Entführungen  in  seiner  Heimat  dramatisch  zugenommen  und  sich  zu 
einem Geschäft entwickelt. Dabei handle es sich nicht um Mitglieder der 
Taliban, sondern um kriminelle Banden ohne politischen Hintergrund. Die 
Opfer  seien mehrheitlich  wohlhabende  Afghanen  und  die  Polizei  könne 
offenbar nicht  in Anspruch genommen werden, da vermutet werde, dass 
die  Geiselnehmer  von  korrupten  Behördenvertretern  gedeckt  würden. 
Ausserdem werde  die  Aufarbeitung  von  Verbrechen  Privater  durch  das 
duale  Rechtssystem  in  Afghanistan,  durch  welches  oftmals  die 
Zuständigkeiten unklar blieben und Verfahren verschleppt oder gar nicht 
erst angegangen würden, gelähmt. Zahlreiche Berichte würden über die 
grassierende Korruption  in  seiner Heimat  Zeugnis  ablegen.  Vor  diesem 
Hintergrund werde verständlich, warum er keine Anzeige bei der Polizei 
eingereicht  habe,  und  entsprechend  würden  seine  diesbezüglichen 
Angaben – wie auch die entsprechenden Ausführungen seines Bruders – 
überzeugend  wirken.  Möglicherweise  wäre  bei  einer  Anzeigeerhebung 
mit  massiven  Repressalien  seitens  der  Unbekannten  zu  rechnen 
gewesen.  Die  vorinstanzliche  Einschätzung,  wonach  die  afghanischen 
Behörden  in  Entführungsfällen  sowohl  schutzwillig  als  auch  schutzfähig 
seien,  sei  daher  zurückzuweisen.  Folglich  seien  die  von  ihm  geltend 
gemachten Fluchtgründe als asylrelevant zu beurteilen, zumal er – selbst 
wenn  er  es  versucht  hätte  –  gar  keinen  effektiven  Zugang  zu  einer 
funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruktur habe.

3.3.  In  seiner  Verfügung  vom  24.  Oktober  2011  hielt  das 
Bundesverwaltungsgericht  fest,  in  den  Schilderungen  des 
Beschwerdeführers  zur  vorgebrachten  Verfolgungssituation  bestünden 
diverse Ungereimtheiten.  Zur  näheren Begründung  führte  es dabei  aus, 
dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Erstbefragung  mit  keinem 
Wort  erwähnt  habe,  dass  er  persönlich  auf  dem  Weg  zur  Schule 
wiederholt von bewaffneten Personen angesprochen, unter Waffengewalt 
zum  Einsteigen  in  einen  Wagen  gezwungen  und  darin  zu  einer 
Zusammenarbeit  aufgefordert  worden  sei  und  man  versucht  habe,  von 
ihm  Geld  zu  erpressen,  ansonsten  man  sie  verraten  werde,  und  er 
überdies  beim  zweiten  Mal  sogar  geschlagen  und  mit  einem  Messer 

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verletzt worden sei. Ferner habe er sich nicht an den genauen Zeitpunkt 
der  Entführung  seines  Bruders  zu  erinnern  vermocht,  obwohl  es  sich 
auch  bei  diesem  Vorfall  um  ein  einschneidendes  Erlebnis  handle, 
welches erfahrungsgemäss besonders  gut  im Gedächtnis  haften  bleibe. 
Überdies  bleibe  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  man  lediglich  seinen 
Bruder,  nicht  aber  auch  ihn  habe  entführen  wollen,  zumal  es  den 
Aggressoren offensichtlich im Wesentlichen um den Erhalt von Lösegeld 
gegangen  sei.  Weiter  habe  er  sich  hinsichtlich  der  Umstände,  des 
Grundes und des Zeitpunktes, ab wann er die Schule nicht mehr besucht 
habe,  in  Widersprüche  verstrickt.  So  habe  er  bei  der  Erstbefragung 
angegeben,  nach  der  versuchten  zweiten  Entführung  seines  Bruders, 
etwa zehn Tage vor der Ausreise, die Schule nicht mehr aufgesucht  zu 
haben, um demgegenüber beim BFM auszusagen, etwa einen Monat vor 
seiner  Ausreise,  nachdem  er  von  den  Entführern  im  Auto  bedroht  und 
verletzt  worden  sei,  nicht  mehr  zur  Schule  gegangen  zu  sein  und  das 
Haus nicht mehr verlassen zu haben.

3.4.  Der  Beschwerdeführer  brachte  in  seiner  Stellungnahme  vom  22. 
November  2011  im  Wesentlichen  vor,  die  Ungereimtheit,  wonach  die 
Übergriffe nicht bereits in der Erstbefragung angesprochen worden seien, 
könne  lediglich  so erklärt werden,  dass er  die Aufforderung,  sich  in  der 
Befragung zur Person kurz zu halten und alle Details an der eigentlichen 
Anhörung  vorbringen  könne,  zu  ernst  genommen  und  diese  Übergriffe 
deshalb nicht erwähnt habe. Den Zeitpunkt der ersten Entführung seines 
Bruders  habe  er  deshalb  nicht  präziser  angeben  können,  weil  exakte 
Daten in Afghanistan kulturbedingt unbedeutend seien. Immerhin habe er 
zu Protokoll geben können, dass die Probleme rund acht Monate vorher 
begonnen  hätten.  Dass  er  nicht  auch  wie  sein  Bruder  Opfer  von 
Entführungen  geworden  sei,  hänge  sodann  damit  zusammen,  dass  er 
sich die meiste Zeit zu Hause aufgehalten und so den Entführern wenig 
Gelegenheit  geboten  habe.  Andernfalls  hätte  es  ihn  ebenso  gut  treffen 
können  wie  seinen  Bruder.  Für  die  letzte  Ungereimtheit  (Widersprüche 
hinsichtlich  der  Umstände,  des  Grundes  und  des  Zeitpunktes  des 
Schulbesuchs)  könne  lediglich  (erneut)  die  Erklärung  vorgebracht 
werden,  dass  er  während  der  Befragung  zur  Person  unter  Zeitdruck 
gesetzt worden sei, weshalb er zu wenig überlegt habe. Jedenfalls seien 
seine  Aussagen  anlässlich  der  Anhörung  zutreffend.  Im  Weiteren  sei 
anzuführen, dass der in Kabul lebende Grossvater – namens H._______ 
– vor  kurzem  gestorben  sei.  Entsprechende  Fax­Schreiben  würden 
diesen Umstand belegen und die Original­Dokumente würden zum Beleg 
raschmöglichst  nachgereicht.  Da  überdies  die  beiden  früher  in  Kabul 

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lebenden  Tanten  unterdessen  Afghanistan  ebenfalls  verlassen  hätten, 
lebe nur noch seine (...)­jährige Grossmutter in Kabul, wobei diese wegen 
ihrer schlechten Gesundheit in ärztlicher Behandlung sei. Es könne daher 
von  einem  in  Kabul  vorhandenen  tragfähigen  Beziehungsnetz  im 
heutigen  Zeitpunkt  keine  Rede  mehr  sein.  Sodann  werde  ersucht,  mit 
dem  Urteil  noch  mindestens  30  Tage  zuzuwarten,  damit  die 
entsprechenden  Originalbelege  rechtzeitig  ins  Recht  gelegt  werden 
könnten.

3.5. Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  vorliegend  nach  Würdigung 
der Akten und unter Berücksichtigung der  in der Beschwerde und der  in 
der Stellungnahme vom 22. November 2011 dargelegten Entgegnungen 
und  der  eingereichten  Beweismittel  zum  Schluss,  dass  die  in  der 
angefochtenen  Verfügung  im  Resultat  getroffene  Einschätzung  der 
Vorinstanz,  wonach  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht erfüllt, zu stützen ist.

3.5.1.  Die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zur  vorgebrachten 
Verfolgungssituation  vermögen  den Anforderungen  von Art.  7 AsylG  an 
die Glaubhaftigkeit  insgesamt nicht zu genügen. Dem Beschwerdeführer 
wurden  die  verschiedenen  Ungereimtheiten  im  Sachverhaltsvortrag  mit 
Verfügung  vom  24. Oktober  2011  zur  Kenntnis  gebracht  und  ihm  dazu 
das  rechtliche  Gehör  eingeräumt.  Die  Entgegnungen  in  seiner 
Stellungnahme  vom  22.  November  2011  vermögen  die  entstandenen 
Unstimmigkeiten insgesamt nicht zu entkräften.

Bezüglich  der  Vorhalte,  wonach  die  Übergriffe  nicht  bereits  in  der 
Erstbefragung  angesprochen  worden  seien,  und  der  Widersprüche 
hinsichtlich  der  Umstände,  des  Grundes  und  des  Zeitpunktes  seines 
Schulbesuchs  entgegnet  der  Beschwerdeführer,  dass  er  anlässlich  der 
Befragung zur Person unter Zeitdruck gesetzt worden sei, weshalb er zu 
wenig überlegt habe, und man ihm auch gesagt habe, dass er alle Details 
seiner  Asylvorbringen  an  der  eigentlichen  Anhörung  vorbringen  könne, 
weshalb  es  letztlich  zu  Ungereimtheiten  in  seinen  Ausführungen 
gekommen sei. Diese Entgegnungen vermögen jedoch die entstandenen 
Unstimmigkeiten  in  seinem  Sachverhaltsvortrag  nicht  plausibel 
aufzulösen.  Zwar  kommt  dem  Protokoll  des  Empfangszentrums 
angesichts  des  summarischen  Charakters  nur  ein  beschränkter 
Beweiswert  zu.  Widersprüche  dürfen  aber  für  die  Beurteilung  der 
Glaubhaftigkeit dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen in der 
Empfangsstelle  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den 

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späteren  Aussagen  in  der  Befragung  beim  Kanton  oder  beim  BFM 
diametral  abweichen,  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder 
Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt werden, 
nicht  bereits  in  der  Empfangsstelle  zumindest  ansatzweise  erwähnt 
werden  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr.  3).  Angesichts  der 
wiederholten  Nachfragen  anlässlich  der  Befragung  zur  Person,  ob  der 
Beschwerdeführer alle Gründe für sein Asylgesuch genannt habe ("Ja."), 
respektive ob er sonst je mit irgendwelchen Personen irgendwie geartete 
Probleme gehabt habe ("Nein"), und der entsprechenden Antworten (vgl. 
act.  A1/13,  S.  6  f.),  darf  zu Recht  auf  erhebliche Widersprüche  zu  den 
Ausführungen  beim  BFM  geschlossen  werden,  zumal  sowohl  der 
fragliche  Vorfall  als  auch  die  Chronologie  der  Schulbesuche  als 
wesentliche  Sachverhaltselemente  in  der  Asylbegründung  erachtet 
werden müssen. Ferner  vermag der Einwand, wonach er  den Zeitpunkt 
der  ersten  Entführung  seines  Bruders  deshalb  nicht  präziser  habe 
angeben  können,  weil  exakte  Daten  in  Afghanistan  kulturbedingt 
unbedeutend  seien,  angesichts  des  Umstandes,  dass  der 
Beschwerdeführer im Verlaufe der durchgeführten Befragungen durchaus 
in der Lage war, präzise Zeitangaben zu machen (vgl. act. A1/13, S. 8 f.; 
A15/14,  S.  8),  und  er  überdies  eigenen  Angaben  zufolge  über  eine 
zwölfjährige Schulbildung verfügt, in keiner Weise zu überzeugen und ist 
als blosse Schutzbehauptung zu werten. Der Einwand, er sei deswegen 
nicht auch Opfer von Entführungen geworden, weil er sich die meiste Zeit 
zu Hause aufgehalten und so den Entführern wenig Gelegenheit geboten 
habe,  bleibt  unbehelflich,  zumal  er  eigenen Angaben  zufolge wiederholt 
von bewaffneten Personen auf dem Weg zur Schule oder zu einem Kurs 
angesprochen  und  belästigt  worden  sei  (vgl.  act.  A15/14,  S.  3),  somit 
einige Möglichkeiten zu seiner Entführung durchaus vorhanden gewesen 
wären.

3.5.2. Hinsichtlich der Asylrelevanz ist ergänzend zu bemerken, dass den 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  keine  Hinweise  zu  entnehmen 
sind,  dass  sich  die  gegen  ihn  und  seinen  Bruder  gerichteten 
Geldforderungen  auf  einen  in  Art. 3  AsylG  genannten  Grund  (Rasse, 
Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen 
Gruppe, politische Anschauungen) stützen. Der Beschwerdeführer macht 
ausschliesslich  Probleme  seitens  krimineller  Dritter  geltend  (vgl.  act. 
A15/14, S. 10), die  ihn und seinen Bruder unter Androhung von Gewalt 
und  durch  wiederholte  Belästigungen  zur  Zahlung  von  Lösegeld  hätten 

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erpressen wollen. Der Beschwerdeführer bringt daher keine Gründe vor, 
die im Sinne von Art. 3 AsylG als asylrelevant erachtet werden könnten.

Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob – wie vom BFM erwähnt – die 
Behörden in Kabul schutzwillig und schutzfähig sind.

3.6. Nach  dem  Gesagten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  somit 
zum  Schluss,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den 
Anforderungen  von  Art.  3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu 
genügen  vermögen.  Das  BFM  hat  demnach  sein  Asylgesuch  zu  Recht 
abgewiesen.

4. 
4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 
Nr. 21).

5. 
5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

5.2. 

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5.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  insbesondere  als  unglaubhaft  zu 
qualifizierenden Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den 
Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3 
EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt 
wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 

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(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. 
Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124  –  127,  mit  weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 
unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

5.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818; BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/52 E. 10.1 S. 756 f.).

5.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht verfolgt die Entwicklung der Lage in 
Afghanistan kontinuierlich. Im zur Publikation vorgesehen Grundsatzurteil 
BVGE E­7625/2008 vom 16. Juni 2011 hat es eine aktuelle Einschätzung 
vorgenommen,  gemäss  welcher  in  weiten  Teilen  von  Afghanistan – 
ausser  allenfalls  in  den  Grossstädten  –  eine  derart  prekäre 
Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen 
bestehen, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 
Abs.  4 AuG  zu  qualifizieren  ist.  Von dieser  allgemeinen Feststellung  ist 
die Situation  in  der Hauptstadt Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des 
Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlauf  des 
vergangenen  Jahres  nicht  weiter  verschlechtert  hat  und  die  humanitäre 
Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger 
dramatisch  ist,  kann  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Kabul  unter 
Umständen als zumutbar erachtet werden.

Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, 
wenn  es  sich,  wie  vorliegend,  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen, 
gesunden  Mann  handelt.  Angesichts  der  konstanten  Verschlechterung 
der  Lage  über  die  vergangenen  Jahre  hinweg  und  der  auch  in  Kabul 
schwierigen  Situation  versteht  es  sich  indessen  von  selbst,  dass  die 
bereits  in  EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen  Bedingungen  in 
jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein  müssen,  um  einen 
Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu  qualifizieren. 
Unabdingbar ist in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf 

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die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des  Rückkehrers  als  tragfähig 
erweist.  Ohne  Unterstützung  durch  Familie  oder  Bekannte  würden  die 
schwierigen  Lebensverhältnisse  auch  in  Kabul  unweigerlich  in  eine 
lebensbedrohende  Situation  führen.  Für  einen  Rückkehrer  aus  Europa 
besteht, aufgrund der Vermutung, dass er Devisen auf sich  trägt, gleich 
nach seiner Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen 
zu  werden.  Verfügt  er  auf  der  anderen  Seite  über  keine  genügenden 
finanziellen Mittel,  hätte  er  ohne  soziale  Vernetzung  kaum Aussicht  auf 
eine zumutbare Unterkunft. Auch bei der Arbeitssuche  ist die Anstellung 
selbst  von  unqualifizierten  Arbeitskräften  regelmässig  von  persönlichen 
Beziehungen  abhängig.  Eine  die  Gesundheit  nur  einigermassen 
garantierende  Ernährung  wäre  ohne  die  Hilfe  von  nahe  stehenden 
Personen  ebenfalls  kaum  möglich,  und  der  Zugang  zu  sauberem 
Trinkwasser  schwierig; Unterstützungsmassnahmen der Regierung oder 
internationaler Organisationen  können  laut  zuverlässigen Quellen  daran 
nichts  ändern.  Kämen  in  einer  solchen  Situation  noch  gesundheitliche 
Umstellungsschwierigkeiten  hinzu,  geriete  auch  ein  junger  gesunder 
Mann  ohne  soziale  Vernetzung  unweigerlich  innert  absehbarer  Zeit  in 
eine existenzbedrohende Situation (vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.).

5.3.2.  Gemäss  eigenen  Angaben  lebte  der  (...)­jährige,  soweit 
aktenkundig gesunde und ledige Beschwerdeführer seit seiner Geburt bis 
eine  Woche  vor  seiner  Ausreise,  als  er  sich  zusammen  mit  seinem 
Bruder  bei  einem Freund  seines Grossvaters  in E._______ aufgehalten 
habe, in Kabul, wobei er die letzten (...) Jahre vor der Ausreise bei seinen 
Grosseltern  gelebt  habe.  Zudem  lebten  gemäss  den  Ausführungen  im 
Empfangszentrum  zwei  Tanten  väterlicherseits  ebenfalls  in  Kabul  (vgl. 
act. A1/13, S. 3). In seiner Stellungnahme vom 22. November 2011 bringt 
der  Beschwerdeführer  nun  vor,  sein  Grossvater  sei  mittlerweile 
verstorben, die Grossmutter sei  in ärztlicher Behandlung und die beiden 
Tanten  hätten  mittlerweile  Afghanistan  verlassen,  weshalb  er  bei  einer 
Rückkehr  nach  Kabul  nicht  mehr  auf  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz 
zurückgreifen  könne.  Zum  Beleg  dieser  Vorbringen  reichte  er  ein 
Schreiben  der  Gemeinde  sowie  ein  Schreiben  von  fünf  Nachbarn  ein, 
welche den Tod des Grossvaters bestätigen würden. Gleichzeitig  stellte 
er  eine  noch  einzureichende  amtliche  Todesbescheinigung  in  Aussicht. 
Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  durch  die  eingereichten 
Bestätigungen nicht erstellt ist, dass es sich bei der verstorbenen Person 
tatsächlich  um  den  Grossvater  des  Beschwerdeführers  handelt,  zumal 
der  darin  aufgeführte  Name  vom  Namen  abweicht,  der  vom 
Beschwerdeführer anlässlich der Erstbefragung genannt wurde (vgl. act. 

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A1/13, S. 3). Ausserdem  liegen keine Belege vor, dass die zwei Tanten 
Afghanistan respektive Kabul tatsächlich verlassen hätten. Diesbezüglich 
erscheinen  die  Ausführungen  auf  Seite  2  der  Stellungnahme  vom  22. 
November  2011  widersprüchlich:  beide  Tanten  sollen  mittlerweile 
Afghanistan verlassen haben, aus der Klammerbemerkung  ist  jedoch zu 
schliessen,  dass  doch  noch  eine  Tante  in  der  Heimat  des 
Beschwerdeführers  lebe  "(eine  lebt  in  Afghanistan,  die  andere  laut 
Angaben  der  Grossmutter  höchstwahrscheinlich  im  Iran)".  Doch  selbst 
wenn  vom  Tod  des  Grossvaters  ausgegangen  würde  und  die  beiden 
Tanten  Afghanistan  verlassen  hätten,  ist  für  den  Beschwerdeführer 
weiterhin  von  einem  tragfähigen  Beziehungsnetz  in  Kabul  auszugehen. 
So  befindet  sich  die  Grossmutter  nach  wie  vor  in  Kabul  und  es  ist 
anzunehmen,  dass  er  nach  seiner  Rückkehr  erneut  bei  dieser  wohnen 
kann  und  sie  ihn  allenfalls  bei  der  Suche  nach  einer  Arbeitsstelle 
unterstützt.  Alleine  der  Umstand,  dass  seine  Grossmutter  in  ärztlicher 
Behandlung sei, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal 
es  ihr  möglich  war,  dem  Beschwerdeführer  die  eingereichten 
Beweismittel  in  die  Schweiz  zukommen  zu  lassen,  und  sie  ihm weitere 
Beweismittel – die den Tod des Grossvaters offiziell bestätigen würden – 
in  die  Schweiz  schicken  will.  Nach  dem  Dargelegten  kann  darauf 
verzichtet werden, die  in der Stellungnahme vom 22. November 2011  in 
Aussicht  gestellten  Beweismittel  zum  angeführten  Tod  des Grossvaters 
abzuwarten  (antizipierte  Beweiswürdigung;  FRITZ  GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983,  S.  274;  BVGE 
2008/24 E. 7.2, EMARK 2003 Nr. 13 S. 84).

5.3.3.  Im  Weiteren  verfügt  er  über  eine  zwölfjährige  Schulbildung  und 
Englischkenntnisse.  Zudem  wird  das  Beschwerdeverfahren  seines 
Bruders B._______ mit Urteil  gleichen Datums  abgewiesen,  so  dass  er 
die  Rückkehr  in  seine  Heimat  nicht  alleine  zu  bewerkstelligen  hat  und 
gegebenenfalls  auch  von  diesem  Unterstützung  erhalten  kann.  Zwar 
leben  seine  Eltern  und  seine  Schwester  seit  einigen  Jahren  in  der 
Schweiz.  Jedoch  werden  diese  den  Beschwerdeführer  (zumindest 
finanziell)  unterstützen, was denn auch bislang so gewesen sein dürfte: 
So  glaubt  er,  dass  sein  Vater  seinem  Grossvater  Geld  geschickt  habe 
(vgl.  act.  A1/13,  S. 2  unten).  Ausserdem  verfügt  er  eigenen  Angaben 
zufolge in I._______ über weitere Verwandte (vgl. act. A1/13, S. 3), deren 
Unterstützung  er  im  Bedarfsfall  mutmasslich  erhalten  könnte.  Daher  ist 
davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Rückkehr  wieder  bei  seiner 
Grossmutter leben und sich auch beruflich integrieren kann. Es steht ihm 
zudem  offen,  beim  BFM  ein  Gesuch  um  Rückkehrhilfe  zu  stellen;  eine 

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Ausrichtung  derselben  würde  ihm  den  Wiedereinstieg  in  seine  Heimat 
ebenfalls erleichtern (Art. 74 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 
über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]).

5.4.  Nach  Berücksichtigung  aller  wesentlicher  Entscheidungselemente 
erweist  sich  der  Vollzug  der Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach 
Kabul als zumutbar.

5.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art.  8  Abs.  4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art.  83  Abs.  2 
AuG).

5.6. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG).

6.  
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
7.1. Mit Zwischenverfügung vom 11. Mai 2010 wurde die Behandlung des 
Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne 
von Art.  65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt  verwiesen. Eine 
Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin 
von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren 
nicht  aussichtslos  erscheint  (Art.  65  Abs.  1  VwVG).  Dabei  verfügt  eine 
Person  dann  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel,  wenn  sie  ohne 
Beeinträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten 
nicht zu bestreiten vermag. Eine Beschwerde gilt dann als aussichtslos, 
wenn  die  Gewinnaussichten  beträchtlich  geringer  sind  als  die 
Verlustgefahren  und  deshalb  kaum  als  ernsthaft  bezeichnet  werden 
können (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275).

7.2.  Es  ist  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen. 
Auch  können  die  Begehren  der  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos 

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bezeichnet  werden.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  ist somit gutzuheissen, weshalb keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Wespi Stefan Weber

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