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**Case Identifier:** 840e0798-04ce-5dc5-b9a5-9a0747b751a6
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-21
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 21.01.2022 200 2021 629
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-629_2022-01-21.pdf

## Full Text

200 21 629 IV
KOJ/PES/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 21. Januar 2022

Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiber Peter

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 9. August 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Im September 2018 meldete sich der 1962 geborene A.________ (nachfol-
gend Versicherter bzw. Beschwerdeführer) bei der Eidgenössischen Invali-
denversicherung für eine berufliche Integration/Rente an (Antwortbeilage 
[AB] 1). 

Nach Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht teilte die IV-
Stelle Bern (nachfolgend IV-Stelle bzw. Beschwerdegegnerin) dem Versi-
cherten am 6. März 2019 mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen 
möglich seien (AB 34). Nach weiteren Abklärungen unterbreitete sie das 
Dossier ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Beurteilung. Dieser 
kam mit Bericht vom 12. November 2019 zum Schluss, dass es ein poly-
disziplinäres Gutachten brauche (AB 56). Nach entsprechender Mitteilung 
an den Versicherten (AB 59) erteilte die IV-Stelle über die Plattform Suisse-
MED@P den Auftrag für eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fach-
disziplinen Psychiatrie, Innere Medizin, Neurologie und Neuropsychologie; 
zugewiesen wurde C.________ (MEDAS; vgl. AB 62 f.). Das entsprechen-
de MEDAS-Gutachten (mit Teilgutachten und Laborbefund) datiert vom 
10. September 2020 (AB 86.1 – 86.6).

Mit Schreiben vom 18. September 2020 forderte die IV-Stelle beim Versi-
cherten die Geschäftsunterlagen der letzten Jahre an (AB 87). Am 24. Sep-
tember 2020 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass 2018 alle Unter-
lagen verloren gegangen seien, er aber gewisse Unterlagen bei den Steu-
erverwaltungen der Kantone Solothurn und Bern sowie bei der AHV einho-
len und ihr zustellen könne (AB 88). Zudem reichte er auf entsprechende 
Aufforderung hin einen Lebenslauf ein (vgl. AB 89 f.). 

Nach Eingang der vom Versicherten bei der Schweizerischen Ausgleichs-
kasse, der Steuerverwaltung des Kantons Bern, der Veranlagungsbehörde 
Solothurn, der Eidgenössischen Steuerverwaltung und der Ausgleichskas-
se des Kantons Solothurn eingeholten Unterlagen (AB 92.2 – 92.7) erstellte 
die IV-Stelle nach einer zusätzlichen persönlichen Erhebung vom 8. Januar 
2021 einen noch nicht abschliessenden Abklärungsbericht für Selbständig-

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erwerbende (AB 96); zudem unterbreitete sie die vom Versicherten einge-
holten Angaben und die Erkenntnisse in erwerblicher Hinsicht den MEDAS-
Gutachtern zur Stellungnahme (AB 99). Nach Eingang der gutachterlichen 
Stellungnahme (vgl. AB 101) nahm die Abklärungsfachperson im Ab-
klärungsbericht vom 30. März 2021 (AB 102) eine ausführliche rechtliche 
Beurteilung vor, worauf die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid 
vom 15. April 2021 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht 
stellte. Mangels eines Gesundheitsschadens mit invalidisierender Wirkung 
im Rechtssinne bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi-
cherung (AB 103).

Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, am 11. Mai 2021 Einwand (AB 107). Mit Verfügung vom 
9. August 2021 verneinte die IV-Stelle unter Stellungnahme zu den erho-
benen Einwänden ihrem Vorbescheid vom 15. April 2021 entsprechend 
einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung 
(AB 112).

B.

Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, wiederum vertreten durch 
Rechtsanwalt B.________, am 13. September 2021 Beschwerde mit den 
Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine 
Invalidenrente im Umfang einer halben Rente nach IVG ab 1. September 
2019 zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der 
Beschwerdegegnerin. Des Weiteren sei ihm die unentgeltliche Rechtspfle-
ge unter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt zu 
gewähren.

Am 7. Oktober 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine umfas-
sende Stellungnahme im Rahmen einer Beschwerdeantwort und beantrag-
te, die Beschwerde sei abzuweisen.

Mit Verfügung vom 8. Oktober 2021 hiess der zuständige Instruktionsrichter 
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechts-
anwalt B.________ als amtlicher Anwalt gut.

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 
9. August 2021 (AB 112). Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdefüh-
rer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; BBl 2020 5535 ff.) in Kraft getreten. Weil in zeit-
licher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelun-
gen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der 
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 
E. 4.3.1 S. 213) und die angefochtene Verfügung vor dem Inkrafttreten der 
IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 datiert, ist der streitige Rentenanspruch 
nach den bis 31. Dezember 2021 geltenden Normen (fortan aArt.) zu prü-
fen.

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem 
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 
ATSG). 

2.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön-
nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. 
Art. 7 ATSG). 

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass 
dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 
gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesund-
heitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, 
ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zu-
mutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). 

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Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchti-
gung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der 
ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach 
BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Ge-
sundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggrava-
tion oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 und 
2.2.1 S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6). Liegt auch unter dem Ge-
sichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Gesundheitsschädi-
gung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines normati-
ven Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene 
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindern-
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen 
(Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens 
(BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Regelfall nach gemeinsamen 
Eigenschaften systematisierte Standardindikatoren zu beachten (E. 4.1.3 
S. 297), welche sich in die Kategorien „funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 
S. 298) und „Konsistenz“ einteilen lassen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsras-
ter ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Anerkennung eines rentenbe-
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus-
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs-
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wi-
derspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge-
wiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materi-
ell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308).

2.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine 
Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga-
benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah-
men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 
40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). 
Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 

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Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Der 
Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ab-
lauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs 
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Altersjahres folgt. 

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 

Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es zunächst, den Gesundheits-
zustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit 
zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung 
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erhe-
ben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sach-
verständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und Gerichte nicht 
kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 
hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 
nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine 
Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich be-
gründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage 
für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Per-
son noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der 
medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren 
Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und 
Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195; SVR 2017 IV 
Nr. 75 S. 231 E. 4.1.1).

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2.6 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

2.7 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu-
chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). 

3.

3.1 Den medizinischen Akten lässt sich im Wesentlichen Folgendes 
entnehmen: 

3.1.1 Gemäss Bericht des Spitals D.________ (AB 29 S. 4 f.) begab 
sich der Versicherte am 5. September 2018 in Begleitung seiner Ehefrau 
kurz nach 18 Uhr in den Notfall, nachdem ihm die Vermieterin eine solche 
Vorstellung vorgeschlagen hatte. Im Befund wurde der Versicherte als 
freundlich zugewandt, offen, kooperativ, wach, bewusstseinsklar und all-
seits orientiert beschrieben. Aufmerksamkeit und Konzentration seien ob-
jektiv nicht eingeschränkt. Das Gedächtnis sei auch subjektiv nicht beein-
trächtigt (auch fremdanamnestisch nicht). Teilweise bestehe eine leichte 
Auffassungsstörung. Formalgedanklich sei der Versicherte kohärent, flüssig 
berichtend, teilweise leicht sprunghaft. Er berichte von Ängsten, von Ver-

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folgungs- und Beobachtungswahn, von Sinnestäuschungen und teilweise 
von Depersonalisationserleben, jedoch nicht von Derealisation. Ebenso von 
Gedankenausbreitung (dem Gefühl, andere könnten seine Gedanken le-
sen); ansonsten bestünden keine Anhaltspunkte für Ich-Störungen. Die 
Schwingungsfähigkeit sei erhalten, der affektive Rapport gut herstellbar 
(AB 29 S. 5). Als Diagnose wurde ein psychotisches Zustandsbild festge-
halten (AB 29 S. 4). Eine stationäre Behandlung habe der Versicherte nicht 
gewünscht. Bei fehlender akuter Selbst- und Fremdgefährdung sei er in der 
Folge in Begleitung der Ehefrau entlassen worden (AB 29 S. 5).

Am 10. Oktober 2018 begab sich der Versicherte erneut in den Notfall 
(AB 29 S. 1 ff.). Er fühle sich durch die aktuelle noch unklare Wohnsituation 
seit der Rückkehr in die Schweiz sehr belastet. Er und seine Frau würden 
eigentlich gerne in eine betreute Wohnung gehen, da sie sich überfordert 
fühlten. Unklar sei jedoch, wie dies finanziert werden könne. Sie seien nun 
auf dem psychiatrischen Notfall vorstellig, um eine ärztliche Bescheinigung 
für das Amt zu erhalten. Im Befund wurde der Versicherte wiederum als 
bewusstseinsklar, jedoch mit verlängerter Antwortlatenz beschrieben. Im 
Kontakt sei er freundlich, offen, zugewandt, kooperativ. Aufmerksamkeit 
und Konzentration seien objektiv nicht eingeschränkt, subjektiv reduzierte 
Konzentration. Es bestehe eine leichte Auffassungsstörung. Formalgedank-
lich sei der Versicherte zeitweise weitschweifig, vorbeiredend, verlangsamt, 
jedoch kohärent. Es werde eine diffuse Angstsymptomatik berichtet, Beob-
achtungs- und Verfolgungsideen sowie Akoasmen. Stimmenhören werde 
verneint. Es bestünden keine Ich-Störungen. Die Schwingungsfähigkeit sei 
erhalten, der affektive Rapport gut herstellbar. Es seien vor allem depressi-
ve Symptome wie Niedergestimmtheit, Freudverlust, reduzierte Belastbar-
keit, Schlafschwierigkeiten und Existenzängste sowie psychotische Sym-
ptome geklagt worden. Es bestehe der Verdacht auf eine depressive Epi-
sode mit psychotischen Symptomen. Der Versicherte sowie die Ehefrau 
äusserten einen hohen Leidensdruck. In der Folge sei dem Versicherten 
eine stationäre Aufnahme zur diagnostischen Abklärung und medika-
mentösen Anpassung nahegelegt worden. Dies sei für den Versicherten 
jedoch nicht in Frage gekommen mit der Begründung, dass er seine Ehe-
frau nicht alleine lassen könne resp. wolle. Des Weiteren sei dem Versi-
cherten angeboten worden, auf der Notfallstation eine Bildgebung durchzu-

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führen und dabei auch die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer bildgeben-
den Untersuchung erläutert worden. Dies habe der Versicherte ebenfalls 
abgelehnt. Er habe Ängste hinsichtlich einer Untersuchung geäussert und 
dies lieber mit seinem Hausarzt besprechen wollen (AB 29 S. 2).

3.1.2 Gemäss Arztbericht von E.________, Facharzt für Psychiatrie und 
Psychotherapie sowie Praktischer Arzt, vom 5. November 2018 (AB 23) 
begab sich der Versicherte ab 31. August 2018 zu ihm in Behandlung 
(AB 23 S. 2). Der Versicherte habe sich in Begleitung der Ehefrau vorge-
stellt und geäussert, dass er sich durch die aktuelle noch unklare Wohnsi-
tuation sehr belastet fühle. Sie hätten bis April 2018 auf … gelebt und seien 
in die Schweiz zurückgekehrt. Sie hätten aufgrund eines … ihr Haus verlo-
ren. Da sie sich überfordert fühlten, würden sie eigentlich gerne in eine 
betreute Wohnung gehen. Unklar sei jedoch, wie dies finanziert werden 
könne. Der Zustand des Versicherten sei seit der Rückkehr in die Schweiz 
stark verschlechtert. Er leide unter verschiedenen Ängsten und fühle sich 
von Menschen verfolgt und beobachtet. Zudem höre er gelegentlich die 
Stimme von seinem verstorbenen Vater sowie auch verschiedene Geräu-
sche wie Sirenen. Die Stimmungslage sei konstant bedrückt und oft dys-
phorisch bis aggressiv. Er habe grosse Mühe, sich zu konzentrieren, habe 
keinen Antrieb und keine Energie. Er leide an starken Ein- und Durch-
schlafstörungen und sei sehr misstrauisch anderen Menschen gegenüber. 
Er sei überzeugt, ein Vorgefühl zu haben, was mit gewissen Menschen in 
Zukunft passieren werde. Die beschriebene Symptomatik bestehe seit ca. 
2016 und sei seit der Rückkehr in die Schweiz stärker geworden. Auf … sei 
er durch seinen Hausarzt mit Temesta behandelt worden. Bisher sei er 
noch nicht in einer psychiatrischen Behandlung gewesen. 2017 habe er 
sich frühpensionieren lassen. Aktuell sei er sozialhilfeabhängig (AB 23 
S. 3). 

Beim Versicherten handle es sich um einen 56-jährigen gepflegten Mann in 
gutem Allgemein- und Ernährungszustand. Er sei bewusstseinsklar und 
allseits orientiert, jedoch mit verlängerter Antwortlatenz. Im Kontakt sei er 
freundlich, offen zugewandt, kooperativ. Aufmerksamkeit und Konzentrati-
on seien leicht eingeschränkt. Es liege eine leichte Auffassungsstörung vor. 
Formalgedanklich sei der Versicherte zeitweise weitschweifig, vorbeire-

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dend, verlangsamt mit Gedankenkreisen und ausgeprägtem Grübeln. Er 
berichte über eine diffuse Angstsymptomatik, einen Verfolgungs- und Be-
obachtungswahn sowie Sinnestäuschungen mit gelegentlich Stimmenhören 
und Akoasmen. Ebenso über Depersonalisationserleben und Gedanken-
ausbreitung (das Gefühl, andere könnten seine Gedanken lesen). Ansons-
ten bestünden keine Ich-Störungen. Die Schwingungsfähigkeit sei redu-
ziert, der affektive Rapport gut herstellbar. Hinweise auf Selbst- oder 
Fremdgefährdung bestünden nicht (AB 23 S. 4). 

Es liege ein Interessenverlust, eine Energie- und Antriebslosigkeit sowie 
ein ständiges Gefühl der Überforderung vor. In der Folge bestehe ein man-
gelhafter Selbstwert, ein sozialer Rückzug und ein Misstrauen gegenüber 
anderen Menschen. Bei der Arbeit wirke sich dies in Form einer stark ver-
minderten Belastbarkeit, einer tiefen Frustrationsschwelle sowie einer ein-
geschränkten Leistungsfähigkeit und einer Verlangsamung aus (AB 23 
S. 5). Er erachte den Versicherten bei einem Verdacht auf eine rezidivie-
rende depressive Störung bei gegenwärtig schwerer Episode mit psychoti-
schen Symptomen (ICD-10: F33.3) bis auf weiteres als vollständig arbeits-
unfähig. Differentialdiagnostisch liege beim Versicherten eine schizode-
pressive Störung vor (ICD-10: F25.1; AB 23 S. 2 und 4).

Mit Verlaufsbericht vom 25. April 2019 hielt Dr. med. E.________ bei un-
veränderter Verdachtsdiagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, 
gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: 
F33.3) einen verbesserten Gesundheitszustand fest (AB 37 S. 2). In Bezug 
auf die Arbeitstätigkeit sei die Prognose aufgrund des bisherigen Verlaufs 
eher schlecht, wobei er durch Anpassung der neuroleptischen und antide-
pressiven Medikation eine langfristige Besserung der Symptomatik für 
denkbar erachte (AB 37 S. 3). Von körperlicher und geistiger Seite bestün-
den keine Einschränkungen. Von psychischer Seite bestehe eine ausge-
prägte Energie- und Antriebslosigkeit, ein Interessenverlust, ein Grübeln, 
eine stark verminderte psychische Belastbarkeit, ein sozialer Rückzug, ein 
Misstrauen gegenüber anderen Menschen, Konzentrationsprobleme sowie 
eine reduzierte Frustrationstoleranz. Aktuell sei der Versicherte für alle 
Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig (AB 37 S. 4).

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Im Verlaufsbericht vom 7. Oktober 2019 (AB 53) hielt Dr. med. E.________ 
einen stationären Gesundheitszustand fest. Es habe sich keine Änderung 
ergeben (AB 53 S. 2).

3.1.3 Mit ärztlichem Bericht vom 12. November 2019 hielt Dr. med. 
F.________ vom RAD, Fachärztin für Anästhesiologie sowie für Psychiatrie 
und Psychotherapie, fest, aus Sicht des RAD bestünden im psychiatrischen 
Teil insofern Inkonsistenzen, als in den Akten berichtet werde, der Versi-
cherte und seine Frau würden rundherum viel helfen und unterwegs sein, 
was zwangsläufig mit Antrieb und Energie verbunden sei, während in den 
psychiatrischen Arztberichten der Versicherte immer als antriebslos und 
schwer depressiv beurteilt werde. Es sei auch nicht plausibel, dass jemand, 
der schwer depressiv sei und so leide, sich nicht stationär behandeln lasse. 
Noch weniger plausibel sei, dass wenn nach über einem Jahr eine angeb-
lich schwere depressive Symptomatik sich nicht bessere, der Versicherte 
nicht durch den ambulant behandelnden Psychiater zu einer stationären 
Therapie motiviert und zugewiesen werde. Es falle generell auf, dass der 
Versicherte zwar Beschwerden äussere, aber auch für die somatischen 
Abklärungen ein gewisser Druck habe aufgesetzt werden müssen, damit 
diese erfolgten. In den somatischen Abklärungen fänden sich keine Ein-
flüsse auf eine geltend gemachte psychiatrische Symptomatik. Im Spital 
D.________ sei dem Versicherten empfohlen worden, sich stationär auf-
nehmen zu lassen, um einerseits psychiatrisch diagnostisch mehr abzu-
klären und dann auch medikamentös optimieren zu können, was der Versi-
cherte bis jetzt nicht gemacht habe. Auch sei seine psychotische Sympto-
matik nicht ganz nachvollziehbar, denn dazu passe das Verhalten des Ver-
sicherten nicht, werde er doch als freundlich zugewandt beschrieben und 
im Psychostatus jeweils ein affektiv guter Rapport festgehalten. Der Versi-
cherte habe sich 2017 frühpensionieren lassen. Er und seine Frau lebten, 
seitdem ihr Haus auf … bei einem … zerstört worden sei, in der Schweiz 
von der Sozialhilfe. Sie lebten derzeit in einer Ferienwohnung. Der Versi-
cherte leide unter der ungeklärten Wohnsituation. In der Folge wolle das 
Ehepaar in ein betreutes Wohnen und wisse nicht, wovon sie das bezahlen 
sollten. Es sei nicht plausibel, wieso sie beide oder auch nur der Versicher-
te ein betreutes Wohnen benötigen sollten, wo sie doch selbst rundherum 
aktiv helfen würden. Inwieweit finanzielle Probleme am geltend gemachten 

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psychiatrischen Gesundheitsschaden, der per se nicht in dem Ausmass 
nachvollziehbar sei, mitwirkten, sei auch unklar. Es brauche ein polydiszi-
plinäres Gutachten inkl. Neuropsychologie, da der Versicherte subjektiv 
über entsprechende Beschwerden klage und nicht nachvollziehbar er-
scheine, dass eine schwere depressive Symptomatik vorliege, welche al-
lenfalls bestehende neuropsychologische Befunde erklären würde (AB 56 
S. 6 f.). 

3.1.4 Anlässlich der polydisziplinären medizinischen Begutachtung des 
Beschwerdeführers durch die MEDAS-Gutachter fanden sich weder aus 
allgemeinmedizinischer und internistischer noch aus neurologischer Sicht 
Befunde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ausser einer arteriellen 
Hypertonie und dem Verdacht auf ein Restless Legs-Syndrom, beides ohne 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, konnten aus somatischer Sicht keine 
Diagnosen gestellt werden (vgl. AB 86.1 S. 7 und 11, AB 86.2 S. 5 sowie 
AB 86.3 S. 7). Aus psychiatrischer Sicht lasse sich gestützt auf die Akten 
feststellen, dass wechselnde und polymorphe, teilweise sich widerspre-
chende Symptome geklagt würden, wie zum Beispiel eine Antriebslosigkeit 
und Depression versus Aggressionen und ʺAusrasternʺ, einmal würden 
akustische Halluzinationen angegeben, einmal verneint, sodass der Ein-
druck von Inkonsistenzen entstehe (AB 86.1 S. 9). 

Der Versicherte habe nach eigenen Angaben insgesamt schlechte Erinne-
rungen an seine Kindheit. Sein Vater sei streng gewesen und habe ihn 
auch geschlagen. Später hätten die Eltern ein … geführt und er habe dort 
nach der Schule viel mitarbeiten müssen. Es liessen sich in der Kindheit 
neurotische Brückensymptome mit einer Schüchternheit, einem Kauen der 
Fingernägel, einer Ängstlichkeit und Albträumen eruieren. Der Versicherte 
sei nach eigenen Angaben auch in der Schule ein Aussenseiter gewesen 
und habe in seiner Lehre als ... einen Magenulkus entwickelt, eine für 
Stress typische Krankheit, weil er sich dort nicht wohl und unter Druck ge-
fühlt habe. In der Folge sei seine berufliche Karriere wenig erfolgreich ver-
laufen (AB 86.1 S. 9). Betrachte man den heutigen psychopathologischen 
Befund, so könne festgestellt werden, dass keine primär psychotischen 
Symptome vorhanden seien. Das formale Denken sei in sich kohärent und 
logisch. Es bestünden keine Gedankenabrisse, keine Gedankeneingebun-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 14

gen, keine Neologismen, keinerlei Hinweise für einen psychotischen Ge-
dankengang. Der Versicherte berichte inhaltlich vor allen Dingen über 
Ängste, die überdimensioniert seien und bis zum Grad einer paranoiden 
Vorstellung gingen. Leute hätten die Absicht, ihm in irgendeiner Art und 
Weise, die diffus und unklar bleibe, zu schaden. Er berichte auch über Alb-
träume – nicht Halluzinationen –, in denen er Tote sehe und einen Lei-
chengeruch wahrnehme. Das ganze Verhalten des Versicherten habe aber 
im klinisch-psychiatrischen Befund einen deutlich histrionischen Charakter. 
Der Versicherte sei zwar einerseits sehr abhängig, passiv und ängstlich, 
pueril und regrediert, er spreche leise, monoton und verwaschen, anderer-
seits aber habe er einen grossen Wunsch nach Zuwendung und Verständ-
nis und danach, sich selbst und seine Probleme darlegen zu können. Be-
trachte man die belastende Lebensgeschichte, dann den wenig erfolgrei-
chen beruflichen Karriereweg und seine heutigen Probleme, so könne 
phänomenologisch zwar eine Angst und Depression als Diagnose festge-
stellt werden, aber auch eine grundlegende Persönlichkeitsstörung, die 
deutlich abhängige und passive, aber auch ebenso deutlich histrionische 
Anteile habe. Zusammengefasst liege eine erhebliche Störung vor, die auf 
die Funktionalität zweifellos relevante Auswirkungen habe (AB 86.1 S. 9 f.). 
Die vom RAD aufgezeigte Widersprüchlichkeit sei symptomatisch für das 
histrionische Moment in der Persönlichkeit des Versicherten, bedeute doch 
der lateinische Begriff des histrio Schauspieler, Gaukler. Und genau das 
liege beim Versicherten vor, wobei das Verhalten sehr bewusstseinsnah 
sei. Der Versicherte sehe in seiner sozialen Misere und nach dem Schei-
tern seiner beruflichen Laufbahn keinen anderen Ausweg, als krank zu sein 
und berentet zu werden (AB 86.1 S. 10). Im neuropsychologischen Fachbe-
reich liessen sich aufgrund des histrionischen Verhaltens des Versicherten 
keine verlässlichen Aussagen machen. Aus diesem Grunde habe die Un-
tersuchung vorzeitig abgebrochen werden müssen. Die Verhaltensbeob-
achtung habe aber auch hier eine auffällige Persönlichkeit gezeigt. So habe 
der Versicherte im Wartebereich innert 15 Minuten dreimal seinen Stuhl 
gewechselt, wobei er sich jedes Mal von seiner Frau habe unterstützen 
lassen. Beim Trinken aus einem Becher habe er sich von seiner Frau be-
dienen lassen, welche ihm auch beim Anlegen eines Mundschutzes behilf-
lich gewesen sei. Auch beim Gang ins Untersuchungszimmer habe er sich 
von seiner Frau stützen lassen. Seine Antworten seien diffus gewesen, auf 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 15

präzise Fragen seien ausweichende, im Allgemeinen haftende, wenig kon-
zise Antworten erfolgt, parallel zum beobachtbaren Verhalten während der 
psychiatrischen Untersuchung (AB 86.1 S. 10 f.).

Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine 
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, ängstlich-vermei-
denden und abhängig-asthenischen Persönlichkeitsanteilen (IC-10: F61), 
differentialdiagnostisch eine artifizielle Störung (das absichtliche Erzeugen 
oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder 
Behinderungen; ICD-10: F68.1) resp. eine Pseudologia phantastica (ein 
pathologisches Lügen) sowie eine Angst und Depression gemischt (ICD-
10: F41.2). Der Versicherte sei aufgrund seiner histrionischen, regredien-
ten, puerilen, passiven Persönlichkeitsstörung, seiner Ängstlichkeit und 
seiner sekundären (histrionischen, nicht psychotischen) paranoiden und 
depressiven Symptomatik beziehungsweise infolge seiner Affektlabilität in 
seiner Funktionalität eingeschränkt. So sei seine Fähigkeit zur Anpassung 
an Regeln und Routinen – wobei diese einfach sein müssten – leicht ein-
geschränkt, bei schwierigeren Aufgaben im mittleren Ausmass. Die Fähig-
keit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sei mittelgradig ein-
geschränkt. Der Versicherte sei wenig flexibel und seine Umstellfähigkeit 
sei ebenfalls mittelgradig eingeschränkt. Fachliche Kompetenzen könne 
er – soweit vorhanden – anwenden. Das Entscheidungs- und Urteilsvermö-
gen sei infolge seiner Regression und Selbstunsicherheit mittelgradig ein-
geschränkt. Seine Durchhaltefähigkeit sei leicht- bis mittelgradig einge-
schränkt. Seine Selbstbehauptungsfähigkeit sei in dem Sinne gespalten, 
als dass er einerseits über ein sehr schlechtes Selbstwertgefühl verfüge 
und sich auch schlecht für seine legitimen Interessen wehren könne, ande-
rerseits aber auch in der Lage sei, seine Umgebung zu manipulieren und 
zu steuern, um seine Interessen verfolgen zu können, konkret zum Beispiel 
beim Verfolgen seines Rentenwunsches. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten sei 
mittelgradig eingeschränkt und damit auch seine Gruppen- und Teamfähig-
keit. Der Versicherte zeige auch – passend zur Histrionie – deutlich infantile 
und egozentrische Züge, die eine Kooperation deutlich erschwerten. Die 
Fähigkeit zu familiären intimen Beziehungen sei ebenfalls mittelgradig ein-
geschränkt. Leicht eingeschränkt sei die Fähigkeit zu ausserberuflichen 
Aktivitäten. Nicht eingeschränkt sei die Fähigkeit zur Selbstpflege und die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 16

Wegefähigkeit, wobei sich der Versicherte auch hier im Rahmen der 
histrionischen Problematik zum Beispiel von seiner Frau wie ein kleines 
Kind bedienen lasse (AB 86.1 S. 11 f.). 

Es handle sich um eine sehr auffällige, in aller Deutlichkeit dominant 
histrionisch strukturierte Persönlichkeit. Unklar bleibe letztlich, was zu einer 
völligen Dekompensation mit angeblich psychotischer Symptomatik geführt 
haben könnte. In der Vorgeschichte sei die berufliche Anamnese des Ver-
sicherten wenig klar und wie alle übrigen Angaben recht diffus. Offensicht-
lich sei, dass der Versicherte nach seiner Rückkehr in die Schweiz infolge 
des Scheiterns seines Versuchs, auf … Fuss zu fassen, psychisch dekom-
pensiert sei. Das Verhalten des Versicherten sei deutlich demonstrativ und 
theatralisch. Wie immer im Krankheitsbild einer Histrionie bestünden dabei 
unbewusste Motive, aber teilweise auch bewusste, gezielte Handlungswei-
sen. Diese Kranken seien einerseits krank, andererseits aber hätten sie 
eine sthenische Seite, mit der sie auch ihre Umgebung beeinflussen und 
manipulieren könnten. Differentialdiagnostisch stelle sich beim Versicherten 
auch die Frage, ob es sich um eine Pseudologia phantastica handle. Der 
Versicherte erzähle Geschichten, die schwer nachvollziehbar und über-
prüfbar seien. Mit praktischer Sicherheit könne aber gesagt werden, dass 
keine eigentliche psychotische Störung vorliege (AB 86.1 S. 12 f.).

Der Hauptbelastungsfaktor sozial sei gegenwärtig das Alter von 58 Jahren. 
Seine berufliche Karriere habe der Versicherte beendet. Realistischerweise 
sehe er, dass er kaum eine Chance habe, sich beruflich wieder einzuglie-
dern. Eine Flucht in die Krankheit sei deshalb auch naheliegend (AB 86.1 
S. 13). Es sei klar, dass bei einer dominant histrionisch gestörten Persön-
lichkeit keine Konsistenz zwischen den objektiven Befunden und den ge-
klagten Beschwerden bestehen könne. Die Befunde im Fachgebiet Psych-
iatrie seien an sich konsistent. Das appellative und demonstrative aber 
auch widersprüchliche Verhalten sei ein wichtiges Teilsymptom der Krank-
heit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung aber auch einer Pseudolo-
gie. Bei letzterer Krankheit sei in aller Regel eine erhebliche Persönlich-
keitsstörung Grundlage dieser Diagnose. Aus psychiatrischer Sicht sei der 
Versicherte bis anhin immer zu 100% krankgeschrieben worden. Es sei 
einzuräumen, dass auch eine histrionische Persönlichkeitsstörung bezie-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 17

hungsweise eine gemischte Persönlichkeitsstörung eine psychiatrische 
Krankheit sei, der man nicht einfach von vornherein einen Krankheitswert 
absprechen dürfe. Hingegen seien sie als Gutachter der Meinung, dass 
keine eigentliche Psychose vorliege, sondern eine eindeutige Persönlich-
keitsstörung im Sinne einer schweren neurotischen Entwicklung, die sich 
bis in die Kindheit und Jugend zurückverfolgen lasse. Andererseits bestehe 
auch eine klare Flucht in die Krankheit. Der Versicherte sei in einer sozial 
schwierigen Situation und sehe keinen anderen Ausweg als denjenigen 
einer Berentung, weswegen er seine Umgebung und seine Ärzte auch 
überzeugen müsse, schwer krank zu sein (AB 86.1 S. 14). Aus rein psych-
iatrischen Gründen beurteilten sie den Versicherten, offen eingeräumt im 
Sinne einer arbiträren Entscheidung, als zu 50% in seiner Arbeitsfähigkeit 
eingeschränkt. Die genannte Persönlichkeitsstörung resp. die damit ver-
bundene allfällige Pseudologie sei auch ein Teil einer Krankheit; diese dür-
fe nicht als Simulation einer gesunden Persönlichkeit verstanden werden. 
Andererseits sei der Rentenwunsch des Versicherten bei klar schwieriger 
sozialer Situation aber auch eine neurotische Wunscherfüllungstaktik. Die-
se Beurteilung habe Gültigkeit seit der ersten psychiatrischen Konsultation 
im September 2018. Psychiatrisch seien eine Weiterbetreuung und vertiefte 
Psychotherapie indiziert. Inwieweit mögliche Fortschritte realisiert werden 
könnten, bleibe offen. Von Psychopharmaka sei keine wesentliche Verän-
derung zu erwarten, da das Grundleiden psychogener und nicht psychoti-
scher Natur sei (AB 86.1 S. 15 f.).

3.2 In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin auf 
das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 10. September 2020 (vgl. 
E. 3.1.4 hiervor; AB 86.1 – 86.6). Das Gutachten erfüllt sämtliche der in 
Erwägung 2.6 hiervor genannten, von der Rechtsprechung an medizinische 
Expertisen gestellten Anforderungen und erbringt damit hinsichtlich des 
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers vollen Beweis (vgl. E. 2.7 
hiervor). 

3.2.1 Gestützt auf das Gutachten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer 
in somatischer Hinsicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist 
(vgl. AB 86.1 S. 7 und 11, AB 86.2 S. 5 sowie AB 86.3 S. 7). Dies deckt 
sich mit den übrigen medizinischen Akten (vgl. AB 23 S. 4 Ziff. 2.5 f., AB 37 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 18

S. 2 Ziff. 3 und S. 5 Ziff. 12, AB 52, AB 53 S. 2 Ziff. 3). Der Beschwerdefüh-
rer macht denn auch nichts anderes geltend (Beschwerde S. 4 f. Ziff. 9 in 
fine). 

3.2.2 In psychischer Hinsicht ist gestützt auf das MEDAS-Gutachten 
erstellt, dass es sich beim Beschwerdeführer um eine in aller Deutlichkeit 
dominant histrionisch strukturierte Persönlichkeit handelt (AB 86.1 S. 12 
Ziff. 4.4), dass phänomenologisch zwar eine Angst und Depression ge-
mischt als Diagnose festgestellt werden kann (AB 86.1 S. 10 Ziff. 4.1), aber 
keine eigentliche psychotische Störung vorliegt (AB 86.1 S. 9 Ziff. 4.1 und 
S. 13 Ziff. 4.4). Entsprechend wurden gutachterlich eine kombinierte Per-
sönlichkeitsstörung mit histrionischen, ängstlich-vermeidenden und abhän-
gig-asthenischen Persönlichkeitsanteilen sowie eine Angst- und Depressi-
on gemischt diagnostiziert (AB 86.1 S. 11 Ziff. 4.2) und festgehalten, dass 
auch einer histrionischen Persönlichkeitsstörung beziehungsweise einer 
gemischten Persönlichkeitsstörung nicht von vornherein ein Krankheitswert 
abgesprochen werden dürfe (AB 86.1 S. 14 Ziff. 4.7). Die damit verbunde-
ne allfällige Pseudologie sei Teil der Krankheit und dürfe nicht als Simulati-
on einer gesunden Persönlichkeit verstanden werden (AB 86.1 S. 15 
Ziff. 4.7). Personen mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung seien 
einerseits krank und es bestünden dabei unbewusste Motive, anderseits 
aber hätten sie auch eine sthenische Seite mit bewussten, gezielten Hand-
lungsweisen, mit der sie ihre Umgebung beeinflussen und manipulieren 
könnten (AB 86.1 S. 13 Ziff. 4.4). Im vorliegenden Fall sei das Verhalten 
des Versicherten sehr bewusstseinsnah. Der Beschwerdeführer sehe in 
seiner sozialen Misere und nach dem Scheitern seiner beruflichen Lauf-
bahn keinen anderen Ausweg, als krank zu sein und berentet zu werden 
(AB 86.1 S. 10 Ziff. 4.1). 

3.3 Die psychiatrischen Diagnosen sind im Gutachten sachgerecht 
ausgewiesen und halten nach dem Dargelegten auch unter dem Gesichts-
punkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 stand (vgl. E. 2.3 hiervor). 
Zu prüfen bleibt, ob der psychischen Problematik des Beschwerdeführers 
in einer gesamthaften Würdigung der massgebenden Indikatoren gemäss 
BGE 141 V 281 aus juristischer Sicht eine invalidisierende Wirkung zuer-
kannt werden kann (vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3 S. 54). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 19

3.3.1 Kategorie ʺfunktioneller Schweregradʺ

3.3.1.1 Komplex Gesundheitsschädigung

Zum Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Sympto-
me ist festzuhalten, dass diese gemäss psychiatrischem Untersuchungsbe-
fund vom 19. August 2020 lediglich leicht bis mässig ausgeprägt sind. Ob-
jektiv war der Versicherte voll orientiert und bei klarem Bewusstsein. Die 
Gedankengänge waren in sich kohärent und logisch ohne Hinweise auf 
eine Psychose. Die beschriebenen Verfolgungs- und Beobachtungsideen 
wurden als diffus und mässig ausgeprägt mit deutlich histrionischem Cha-
rakter, wohl einer erheblichen Selbstunsicherheit entspringend, beurteilt. 
Ich-Störungen fanden sich nicht. Im Bereich der Phobien liess sich eine 
leichte Klaustrophobie feststellen (AB 86.4 S. 6 Ziff. 4.3). In der Folge wur-
den eine histrionische resp. gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: 
F61) sowie eine Angst und Depression gemischt (ICD-10: F41.2) diagnosti-
ziert. Die neben der histrionischen resp. gemischten Persönlichkeitsstörung 
gestellte Diagnose einer Angst und Depression gemischt (ICD-10: F41.2) 
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung per se im Grenzbereich 
dessen zu situieren, was noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes 
anerkannt werden kann (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 28. Juli 
2008, 9C_636/ 2007, E. 3.3.2, Entscheid des BGer vom 27. April 2007, 
I 164/06, E. 3.1). Die Kategorie kommt nur zum Tragen, wenn weder die 
Angst noch die Depression ein Ausmass erreichen, das eine Einzeldiagno-
se rechtfertigen würde. Patienten mit einer solchen Kombination verhält-
nismässig milder Symptome werden in der Primärversorgung häufig ge-
sehen. Noch viel häufiger finden sie sich in der Bevölkerung, ohne je in 
medizinische oder psychiatrische Behandlung zu gelangen (vgl. DILLING/ 
MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer 
Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 
2015, S. 199). Eine erhebliche Komorbidität zur gemischten Persönlich-
keitsstörung kann darin nicht erblickt werden. Eine solche liegt auch von 
somatischer Seite nicht vor (vgl. E. 3.2.1 hiervor). Der Versicherte begab 
sich erstmals Ende August 2018 aufgrund schwieriger sozialer Umstände 
in psychiatrische Behandlung (vgl. AB 23 S. 2 f.). Zudem suchte er zweimal 
den Notfall auf. Beide Male wurde ihm aufgrund des geklagten hohen Lei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 20

densdrucks bei weitgehend blanden objektiven Befunden (vgl. E. 3.1.1 so-
wie AB 29 S. 2 und S. 5 sowie E. 3.1.2 und AB 23 S. 4, AB 37 S. 3 und 
AB 53 S. 3) zur diagnostischen Abklärung und Behandlungsanpassung 
eine stationäre Aufnahme vorgeschlagen, was der Versicherte jedoch nicht 
wollte. Stattdessen hat er offenbar eine Bescheinigung für ein Amt ge-
wünscht (vgl. E. 3.1.1 hiervor sowie AB 29 S. 1). Auch unter Berücksichti-
gung der ambulanten erstmaligen psychiatrischen Behandlung bei Dr. med. 
E.________ ab Ende August 2018, welche ausgehend von einer unzutref-
fenden Diagnose zu einem offenbar nicht unwesentlichen Teil medika-
mentös erfolgt ist (vgl. AB 23 S. 4, AB 37 S. 3, AB 53 S. 3), was gemäss 
Gutachten bei Vorliegen eines psychogenen und nicht psychotischen 
Grundleidens von Anfang an nicht erfolgsversprechend war (vgl. AB 86.1 
S. 15 f. Ziff. 4.10.1), kann nach dem Dargelegten nicht vom Scheitern einer 
lege artis und mit optimaler Kooperation des Beschwerdeführers durchge-
führten psychiatrischen Therapie gesprochen werden (siehe auch AB 86.1 
S. 16 Ziff. 4.11.1).

3.3.1.2 Komplex ʺPersönlichkeitʺ

Beim Beschwerdeführer handelt es sich um eine sehr auffällige, in aller 
Deutlichkeit dominant histrionisch strukturierte Persönlichkeit (AB 86.1 
S. 12 Ziff. 4.4). Ich-Störungen fanden sich nicht (AB 84.1 S. 6 Ziff. 4.3). 
Eine psychotische Störung konnte mit praktischer Sicherheit ausgeschlos-
sen werden (AB 84.1 S. 12 Ziff. 4.4). Der Beschwerdeführer war trotz der 
bei ihm diagnostizierten Persönlichkeitsstörung 25 Jahre erfolgreich 
selbständig erwerbstätig, primär im Bereich … (AB 92.7 S. 2 f., AB 102 
S. 4 f. Ziff. 2). Nachdem er seinen Betrieb aufgelöst und den Verkauf des 
Wohnhauses, das seiner Mutter gehörte, realisiert hatte, erfolgte im August 
2017 die Abreise auf …. Er wohnte dort bei der Familie der Ehefrau und 
investierte als Gegenleistung in …. Er und seine Ehefrau erhofften sich 
aufgrund der tieferen Lebenshaltungskosten und mit dem investierten Geld 
über die Runden zu kommen. Im März 2018 reisten beide zurück in die 
Schweiz, um sich abzumelden. Für Juni 2018 sei wieder ein Flug auf … 
gebucht gewesen. Dazu sei es jedoch nicht mehr gekommen, da kurz zu-
vor bei einem … all ihre Besitztümer auf … zerstört worden seien. Sie hät-
ten sich hierauf in der Schweiz beim Sozialamt anmelden müssen (AB 102 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 21

S. 5; vgl. AB 90 S. 3 und AB 93). Beim … sind gemäss Beschwerdeführer 
auch alle Buchhaltungsunterlagen seiner früheren Geschäftstätigkeit zer-
stört worden (vgl. AB 88, AB 93, AB 102 S. 5 Ziff. 2). Der Beschwerdefüh-
rer bot der Beschwerdegegnerin jedoch an, die gewünschten Unterlagen 
soweit möglich bei den Steuerverwaltungen der Kantone Solothurn und 
Bern sowie bei der AHV einzuholen und einzureichen (AB 88), was er in 
der Folge auch prompt und sogar noch weitergehend (neben den Unterla-
gen der Steuerverwaltung des Kantons Bern, der Veranlagungsbehörde 
Solothurn, der Schweizerischen Ausgleichskasse und der Ausgleichskasse 
des Kantons Solothurn holte er auch die Unterlagen der Eidgenössischen 
Steuerverwaltung ein) tat (vgl. AB 92.2 - 92.7). Dies alles lässt trotz der 
diagnostizierten Persönlichkeitsstörung auf weitgehend erhaltene persönli-
che Fähigkeiten und Ressourcen schliessen. Als Hauptbelastungsfaktor 
wird im Gutachten denn auch ein invaliditätsfremder Faktor, nämlich das 
Alter genannt und dass er seine berufliche Karriere beendet habe (AB 86.1 
S. 13 Ziff. 4.5).

3.3.1.3 Komplex ʺSozialer Kontextʺ

Es liegen zahlreiche soziale Belastungsfaktoren vor, welche hier ausge-
klammert bleiben müssen. So die Krankheit und teure Pflege insbesondere 
der Mutter sowie der Tod der Eltern, die Beendigung der beruflichen Karrie-
re, das Scheitern des Versuchs, auf … Fuss zu fassen, die Zerstörung der 
Investitionen auf …, die im Zeitpunkt der Begutachtung ungeklärte Wohnsi-
tuation wie auch die eingetretene Sozialhilfeabhängigkeit. Als soziale Res-
source (protektiv) zu nennen ist seine Ehefrau, die uneingeschränkt zu ihm 
steht (siehe insbesondere AB 29 S. 2 und 5). Inwieweit ein sozialer Rück-
zug stattgefunden hat (vgl. AB 23 S. 5 Ziff. 3.4, AB 37 S. 4 Ziff. 12, AB 86.4 
S. 5 Ziff. 4.3), erscheint angesichts der fremdanamnestischen Angabe, wo-
nach er und seine Frau ständig zusammen unterwegs seien und hier und 
dort helfen würden (AB 29 S. 5), unklar. Der soziale Kontext spricht auf 
jeden Fall nicht für einen invalidisierenden Gesundheitsschaden.

3.3.2 Kategorie ʺKonsistenzʺ

Es bestehen vorliegend zahlreiche Inkonsistenzen. So passt die vom Ver-
sicherten regelmässig geklagte psychotische Symptomatik mit Ängsten und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 22

Verfolgungs- und Beobachtungswahn nicht zum Verhalten. Er wird durch-
wegs als freundlich, offen, zugewandt und kooperativ beschrieben und 
auch der affektive Rapport ist jeweils gut herstellbar (AB 29 S. 2 und 5, 
AB 23 S. 3 f.; vgl. hierzu AB 56 S. 6). Auch die geklagte Antriebs- und 
Energielosigkeit (AB 23 S. 3 und 5, AB 37 S. 4, AB 53 S. 4) sowie die an-
lässlich der neuropsychologischen Begutachtung gezeigte Verwirrtheit und 
Hilfsbedürftigkeit (AB 86.5 S. 2 und 4) sind angesichts der fremdanamnes-
tisch berichteten Aktivitäten (AB 29 S. 5) wie auch der fachärztlich erhobe-
nen objektiven Befunde (vgl. E. 3.1.1, 3.1.2 und 3.1.4 hiervor) nicht nach-
vollziehbar. Insbesondere fällt auf, dass der Beschwerdeführer trotz der 
vom psychiatrischen Gutachter attestierten Einschränkungen (vgl. AB 86.1 
S. 11 f. Ziff. 4.3) problemlos in der Lage war, die im Hinblick auf die Invali-
ditätsbemessung erforderlichen Unterlagen prompt bei allen denkbaren 
Stellen einzuholen und einzureichen (siehe AB 88 i.V.m. AB 92.2 - 92.7), 
was gegen erhebliche Einschränkungen der für eine erfolgreiche Erwerbs-
tätigkeit erforderlichen psychischen Fähigkeiten spricht. Seit sich der Be-
schwerdeführer Ende August 2018 (vgl. AB 23 S. 2) erstmals in psychiatri-
sche Behandlung begab (weniger als eine Woche vor der IV-Anmeldung 
[AB 1]), beklagte er gemäss medizinischen Akten einen hohen Leidens-
druck. Trotzdem lehnte er eine stationäre Aufnahme zur diagnostischen 
Abklärung und Behandlungsanpassung durchwegs ab (vgl. E. 3.3.1.1 hier-
vor). Ein Leidensdruck ist damit behandlungsanamnestisch nicht ausge-
wiesen. Inkonsistenzen erwähnt auch der psychiatrische Gutachter 
Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. 
AB 86.4 S. 4 Ziff. 3.2 und S. 9 Ziff. 7.3, AB 86.1 S. 9 f. Ziff. 4.1, S. 13 
Ziff. 4.4 und S. 14 Ziff. 4.6). Soweit er – und in der Folge auch der Be-
schwerdeführer (Beschwerde S. 9 Rz. 28) – diese auf die histrionische 
Persönlichkeitsstörung zurückführt, greift dies unter rechtlichen Aspekten 
zu kurz. Eine solche Sichtweise hätte zur Folge, dass der Kategorie ʺKon-
sistenzʺ bei psychischen Beschwerdebildern mit einer histrionischen Kom-
ponente keine oder nur eingeschränkte Bedeutung zukommen würde. Sol-
ches lässt sich der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. Entscheide 
des BGer vom 23. Januar 2017, 8C_722/2016, E. 6.2 und vom 30. August 
2017, 9C_345/2017, E. 3.3) jedoch nicht entnehmen; die Kategorie ʺKon-
sistenzʺ ist somit auch bei Erkrankungen wie der vorliegenden als beweis-
rechtlich relevant zu würdigen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 23

3.4 In einer gesamthaften Würdigung der massgebenden Indikatoren 
gemäss BGE 141 V 281 ist nach dem Dargelegten die Schlussfolgerung 
der Beschwerdegegnerin zu bestätigen, wonach ein invalidisierender Ge-
sundheitsschaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie-
sen ist resp. der psychischen Problematik des Beschwerdeführers aus 
rechtlicher Sicht keine invalidisierende Wirkung zuerkannt werden kann. 
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. August 2021 
(AB 112) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Be-
schwerde abzuweisen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen und 
– unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege – dem unterliegenden 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf 
eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g 
ATSG [Umkehrschluss]).

4.3 Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechts-
pflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlichem An-
walt wurde mit Verfügung vom 8. Oktober 2021 gutgeheissen. Gemäss 
Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; 
BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwältinnen und 
Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen 
Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tariford-
nung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des gebo-
tenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die Schwie-
rigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwertsteuer 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Jan. 2022, IV/21/629, Seite 24

werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die Erlan-
gung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den gleichen 
Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 1 der 
Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtlichen 
Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stundenansatz 
Fr. 200.--.

Die von Rechtsanwalt B.________ eingereichte Kostennote vom 2. No-
vember 2021 gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Gestützt auf diese 
Kostennote wird der tarifmässige Parteikostenersatz inkl. Auslagen und 
Mehrwertsteuer auf Fr. 1'928.-- (Fr. 1’738.-- Honorar, Fr. 52.15 Aus-
lagen, Fr. 137.85 Mehrwertsteuer) und die amtliche Entschädigung auf 
Fr. 1'757.85 (Fr. 1'580.-- Honorar, Fr. 52.15 Auslagen, Fr. 125.70 Mehr-
wertsteuer) festgesetzt. Die amtliche Entschädigung wird Rechtsanwalt 
B.________ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils aus der Gerichtskasse 
vergütet. Der Beschwerdeführer hat dem Kanton Bern diese Kosten ent-
sprechend den Voraussetzungen von Art. 123 der Schweizerischen Zivil-
prozessordnung vom 19. Dezember 2008 (Zivilprozessordnung, ZPO; 
SR 272) nachzuzahlen (Art. 113 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

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4. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 1'928.-- (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt. 
Davon wird Rechtsanwalt B.________ nach Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 1'757.85 festgesetzte 
Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vorbehalten 
bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.