# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c31c1dbf-31c9-51a0-bbf2-fef9ed738549
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-01
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 01.11.2022 100 2022 61
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2022-61_2022-11-01.pdf

## Full Text

100.2022.61/62U
BUC/AEN/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 1. November 2022

Verwaltungsrichter Bürki
Gerichtsschreiberin Aellen

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Bern
Brünnenstrasse 66, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

und

Steuerrekurskommission des Kantons Bern
Nordring 8, 3013 Bern

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern sowie direkte Bundessteuer 
2019; Ermessenstaxation; Nichteintreten auf Einsprachen (Entscheide der 
Steuerrekurskommission des Kantons Bern vom 19. Januar 2022; 
100 21 219, 200 21 144)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2022, Nrn. 100.2022.61/62U, 
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Prozessgeschichte:

A.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern (nachfolgend Steuerverwaltung) 
veranlagte A.________ mit vordatierten Verfügungen vom 18. März 2021 für 
das Steuerjahr 2019 nach Ermessen, da jene trotz Mahnung keine 
Steuererklärung eingereicht hatte. Zudem auferlegte sie A.________ wegen 
Verletzung von Verfahrenspflichten eine Busse von Fr. 400.-- pro Steuerart 
sowie im Bereich der kantonalen und kommunalen Steuern eine 
Mahngebühr von Fr. 60.--. Mit Einsprachen vom 6. April 2021 beantragte 
A.________, es sei die Nichtigkeit der Veranlagungsverfügungen 
festzustellen. Die Steuerverwaltung ersuchte A.________ am 8. April 2021, 
die vollständig ausgefüllte Steuererklärung mit allen verlangten Beilagen 
innerhalb der nicht verlängerbaren Einsprachefrist einzureichen, andernfalls 
auf die Einsprachen nicht eingetreten werden könne. Dem kam A.________ 
nicht nach, worauf die Steuerverwaltung mit Entscheiden vom 17. Mai 2021 
auf die Einsprachen nicht eintrat.

B.

Am 10. Juni 2021 (Postaufgabe) gelangte A.________ mit Rekurs und 
Beschwerde an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (StRK). 
Nebst der Aufhebung der Nichteintretensentscheide vom 17. Mai 2021 be-
antragte sie, die Veranlagungsverfügungen seien aufzuheben; es sei die 
Nichtigkeit im Dispositiv festzustellen. Die StRK wies die Rechtsmittel mit 
Entscheiden vom 19. Januar 2022 ab.

C.

In einer einzigen Rechtsschrift vom 28. Februar 2022 hat A.________ 
Verwaltungsgerichtsbeschwerden erhoben. Sie beantragt zusammenge-
fasst, die angefochtenen Entscheide seien aufzuheben und die Sache sei 
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter seien die 

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angefochtenen Entscheide und die Nichteintretensentscheide der Steuerver-
waltung vom 17. Mai 2021 aufzuheben «und zwecks Neuprüfung zurückzu-
weisen».

Die StRK und die Steuerverwaltung beantragen mit Vernehmlassung vom 
7. April 2022 bzw. Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2022 die Abweisung der 
Beschwerden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht verneh-
men lassen. A.________ hat am 14. Juni 2022 repliziert und an ihren 
Anträgen festgehalten.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerden als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Ge-
setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 201 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 
21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 145 des Bundesgesetzes vom 
14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] sowie 
Art. 9 Abs. 3 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der 
direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Beschwerdeführerin hat 
am vorinstanzlichen Rekurs- und Beschwerdeverfahren teilgenommen, ist 
durch die angefochtenen Entscheide besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 
VRPG; vgl. auch Art. 201 Abs. 2 StG sowie Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 140 
Abs. 1 DBG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten 
(Art. 151 StG i.V.m. Art. 81 Abs. 1 und Art. 32 VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. 
Art. 140 DBG). Auf die Beschwerden ist unter Vorbehalt von E. 1.2 einzutre-
ten.

1.2 Anfechtungsobjekt bilden vorliegend einzig die Entscheide der StRK 
vom 19. Januar 2022. Sie haben die Einspracheentscheide ersetzt, die ih-
rerseits an die Stelle der Veranlagungsverfügungen getreten sind (sog. De-

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volutiveffekt; BVR 2018 S. 528 E. 3.3, 2010 S. 411 E. 1.4; BGE 136 II 539 
E. 1.2; Ruth Herzog, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen 
VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 60 N. 30 f., Art. 72 N. 4, 18). Soweit die Beschwer-
deführerin im Eventualstandpunkt (auch) die Aufhebung der Einspracheent-
scheide beantragt, ist auf die Beschwerden nicht einzutreten.

1.3 Sind sowohl Entscheide bezüglich der Kantons- und Gemeindesteu-
ern als auch der direkten Bundessteuer angefochten, so muss das Verwal-
tungsgericht zwei Urteile fällen, zumal es sich um verschiedene Steuern 
handelt, die unterschiedlichen Gemeinwesen zustehen und in getrennten 
Verfahren veranlagt werden. Allerdings können die Entscheide in ein und 
derselben Urteilsschrift getroffen werden (vgl. BGE 142 II 293 E. 1.2, 
135 II 260 E. 1.3.1, 130 II 509 E. 8.3; JTA 2020/395/396 vom 20.5.2021 
E. 1.3 [bestätigt durch BGer 2C_501/2021 vom 19.11.2021] auch zum Fol-
genden). In den vorliegenden Verfahren ist umstritten, ob die Veranlagungs-
verfügungen vom 18. März 2021 nichtig sind bzw. ob die Steuerverwaltung 
auf die dagegen erhobenen Einsprachen zu Recht nicht eingetreten ist. Die 
einschlägigen Normen des kantonalen und eidgenössischen Rechts lauten 
im Wesentlichen gleich. Deshalb rechtfertigt es sich, die Streitigkeit hinsicht-
lich kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Steuern gemeinsam zu 
beurteilen.

1.4 Gemäss Art. 57 Abs. 2 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; 
BSG 161.1) entscheiden die Mitglieder des Verwaltungsgerichts als Einzel-
richterinnen oder als Einzelrichter über Beschwerden gegen Nichteintretens-
entscheide. In die einzelrichterliche Zuständigkeit fallen praxisgemäss auch 
Beschwerden gegen Rechtsmittelentscheide, die – wie hier – ein unter-
instanzliches Nichteintreten zum Gegenstand haben (vgl. BVR 2011 S. 498 
[VGE 2010/495 vom 19.5.2011] nicht publ. E. 1.3; VGE 2017/295/296 vom 
10.1.2019 E. 1.3 [bestätigt durch BGer 2C_164/2019 vom 18.4.2019]). 

1.5 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtenen Entscheide auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

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2. 

In formeller Hinsicht wirft die Beschwerdeführerin der StRK vor, nicht alle 
gestellten Rechtsbegehren geprüft bzw. behandelt zu haben, womit sie sinn-
gemäss eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 21 ff. 
VRPG, Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101], Art. 26 Abs. 2 
der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]) rügt (Beschwerden 
S. 3). – Die Beschwerdeführerin beantragte in Rekurs und Beschwerde so-
wohl die Feststellung der Nichtigkeit und Aufhebung der Veranlagungsverfü-
gungen wie auch die Aufhebung der Einspracheentscheide (Vorakten StRK 
[act. 6A] pag. 3; vorne Bst. B). Diese Anträge hat die StRK in den angefoch-
tenen Entscheiden korrekt wiedergegeben (vgl. Bst. E) und umfassend for-
mell und materiell begründet und beurteilt (E. 2-6). Eine Gehörsverletzung 
liegt insoweit nicht vor (vgl. auch hinten E. 3.4). 

3.

In der Sache ist umstritten, ob die Beschwerdeführerin ihre Einsprachen vom 
6. April 2021 genügend begründete, so dass die Steuerverwaltung darauf 
hätte eintreten müssen. 

3.1 Die Beschwerdeführerin beantragte in ihren Einsprachen einzig, es 
sei die Nichtigkeit der Veranlagungsverfügungen vom 18. März 2021 festzu-
stellen (Vorakten StV [act. 6B] pag. 33). Zur Begründung machte sie geltend, 
in der Steuererklärung 2019 seien amtliche Werte («Eigenmietwert» und 
«amtlicher Vermögenswert der Zweitwohnung») aufgeführt. Damit lägen Da-
ten vor, die eine ermessenweise Veranlagung ausschliessen. Weiter wen-
dete die Beschwerdeführerin ein, Nichtigkeit liege auch vor, wenn die verfü-
gende Behörde den ihr durch den Untersuchungsgrundsatz auferlegten 
Pflichten überhaupt nicht nachkomme (Vorakten StV [act. 6B] pag. 32). In 
den vorliegenden Verfahren behauptet sie nun, die Einsprachen seien ma-
teriell – und damit rechtsgenüglich – begründet worden, nachdem die Steu-
erverwaltung bei der Schätzung/Veranlagung ihre Untersuchungspflicht ver-
letzt habe (Beschwerden S. 4). Dabei beruft sie sich zwar nicht mehr aus-
drücklich auf Nichtigkeit. Die Nichtigkeit eines Verwaltungsakts ist indessen 

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jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes wegen zu be-
rücksichtigen (BGE 145 IV 197 E. 1.3.2, 6B_1325/2021 und 6B_1348/2021 
vom 27.9.2022 E. 6.1; BVR 2016 S. 318 E. 5.2, 2014 S. 297 E. 4.3.3). Damit 
ist vorab zu klären, ob die Veranlagungsverfügungen vom 18. März 2021 
nichtig sind.

3.2 Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in der Regel nur anfechtbar. Nich-
tig sind sie erst dann, wenn der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer 
wiegt, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem 
die Annahme der Nichtigkeit die Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährdet 
(sog. Evidenztheorie). Inhaltliche Mängel führen nur ausnahmsweise zur 
Nichtigkeit. Als Nichtigkeitsgründe kommen vorab formelle Mängel (funktio-
nelle und sachliche Unzuständigkeit, krasse Verfahrensfehler) in Betracht 
(statt vieler BGE 147 IV 93 E. 1.4.4, 145 IV 326 E. 4.1, 6B_1325/2021 und 
6B_1348/2021 vom 27.9.2022 E. 6.1; BVR 2016 S. 318 E. 5.2, 2014 S. 297 
E. 4.3.3; Markus Müller, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum berni-
schen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 49 N. 85 ff.). Aus Art. 191 Abs. 3 StG und 
Art. 132 Abs. 3 DBG folgt, dass eine Ermessensveranlagung selbst bei of-
fensichtlicher Unrichtigkeit in der Regel bloss anfechtbar und nicht nichtig ist. 
Von Nichtigkeit ist praxisgemäss erst auszugehen, wenn die Steuerbehörde 
in aussergewöhnlich schwerer bzw. krasser Weise gegen die ihr obliegende 
Untersuchungs- und Überprüfungspflicht verstösst und bei der Veranlagung 
in «krasse Willkür» verfällt. Dies ist etwa der Fall, wenn sie das steuerbare 
Einkommen oder den steuerbaren Gewinn bzw. den Ermessenszuschlag 
aus fiskalischen und pönalen Motiven bewusst zum Nachteil der steuerpflich-
tigen Person festlegt (jüngst BGer 2C_259/2021 vom 30.11.2021 E. 5.3 und 
8, 2C_1022/2020 vom 18.5.2021 E. 3.3 und 7, je mit weiteren Hinweisen; 
JTA 2020/395/396 vom 20.5.2021 E. 4 [bestätigt durch BGer 2C_501/2021 
vom 19.11.2021], VGE 2019/147/148 vom 11.2.2021 E. 3.2, 2017/295/296 
vom 10.1.2019 E. 2.3 [bestätigt durch BGer 2C_164/2019 vom 18.4.2019], 
je mit weiteren Hinweisen; ferner Hunziker/Brunner, Anfechtung von Ermes-
sensveranlagungen, in StR 77/2022 S. 434 ff., 451-453).

3.3 Es ist unbestritten, dass die Steuerverwaltung der Beschwerdeführe-
rin im Februar 2020 die Steuererklärung 2019 zustellte, diese in der Folge 
aber trotz Mahnung keine (ausgefüllte und unterzeichnete) Steuererklärung 

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einreichte (Beschwerden S. 4; angefochtene Entscheide Bst. A und E. 3; 
Vorakten StV [act. 6B] pag. 10, 19-26, 36). Damit hat die Beschwerdeführe-
rin ihre Mitwirkungspflichten erheblich verletzt (vgl. Art. 167 und 170 f. StG; 
Art. 124, Art. 125 Abs. 1 und 2 sowie Art. 126 DBG; ferner Art. 42 des Bun-
desgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten 
Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG; SR 642.14]). Der für die Ver-
anlagung massgebende Sachverhalt blieb trotz den bekannten amtlichen 
Werten ungewiss, weshalb die Steuerverwaltung direkt zu einer umfassen-
den Ermessensveranlagung schreiten durfte. Dabei beschränkte sich ihre 
Untersuchungs- und Prüfungspflicht darauf, die Gesamtumstände des Ein-
zelfalls zu berücksichtigen, wie sich diese aus den ihr verfügbaren Unterla-
gen und sonstigen Informationen ergaben; weitere Untersuchungshandlun-
gen musste die Steuerverwaltung nicht vornehmen (BGer 2C_1022/2020 
vom 18.5.2020 E. 6.3.1 mit Hinweisen; JTA 2020/395/396 vom 20.5.2021 
E. 4.3 [bestätigt durch BGer 2C_501/2021 vom 19.11.2021]; 
VGE 2019/147/148 vom 11.2.2021 E. 3.3). Dass die Steuerverwaltung die 
Steuerfaktoren der Beschwerdeführerin einzig aus fiskalischen und pönalen 
Motiven bewusst zu deren Nachteil festgelegt hat, ist weder dargetan noch 
ersichtlich. Solches kann entgegen der Beschwerdeführerin auch nicht aus 
dem Umstand abgeleitet werden, dass die «Werte von Eigenmietwert und 
unbewegliches Vermögen unter Code 7.1, welche bereits vorgedruckt in der 
Steuererklärung festgesetzt [waren]», in den Veranlagungsverfügungen 
nicht mehr spezifisch aufgeführt wurden (vgl. Details zu Veranlagungsverfü-
gungen vom 18.3.2021, Vorakten StV [act. 6B] pag. 11, 13). Von Nichtigkeit 
kann demnach keine Rede sein.

3.4 Die Beschwerdeführerin rügt mehrfach eine Verletzung ihres An-
spruchs auf rechtliches Gehör durch die Steuerverwaltung (Art. 21 ff. VRPG, 
Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 26 Abs. 2 KV; vgl. auch vorne E. 2). Sollte sie (auch) 
daraus die Nichtigkeit der Veranlagungsverfügungen ableiten wollen, könnte 
ihr aus den nachstehenden Gründen ebenfalls nicht gefolgt werden (zu den 
diesbezüglichen Voraussetzungen BGE 114 Ib 180 E. 2a [betreffend Zonen-
planänderung unter Ausschaltung sämtlicher Mitwirkungsrechte]; vgl. auch 
Markus Müller, a.a.O., Art. 49 N. 88). 

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3.4.1 Zunächst erschliesst sich dem Veraltungsgericht nicht, wie die Mah-
nung vom 14. Dezember 2020 den Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin 
hätte verletzen können (so aber Eingabe vom 14.6.2022 [act. 10]). Die Steu-
erverwaltung setzte der Beschwerdeführerin darin eine letzte, 30-tägige 
Frist, um die Steuererklärung nachzureichen. Zugleich wies sie darauf hin, 
dass die Beschwerdeführerin damit eine Ordnungsbusse und eine Veranla-
gung nach Ermessen vermeide (angefochtene Entscheide E. 3; Vorakten 
StV [act. 6B] pag. 10). Aus der Mahnung ging somit unmissverständlich her-
vor, welche Verfahrenshandlungen innert welcher Frist von der Beschwer-
deführerin verlangt wurden und welche Konsequenzen bei Nichtbefolgung 
eintreten würden. Dies genügte vollauf (vgl. BGer 2C_404/2019 vom 
29.1.2020 E. 2.2; VGE 2015/298/299 vom 3.8.2016 E. 3.4, je mit weiteren 
Hinweisen). Ein Hinweis auf Art. 132 Abs. 3 DBG bzw. Art. 48 Abs. 2 StHG 
war entgegen der Beschwerdeführerin entbehrlich (vgl. Eingabe vom 
14.6.2022 [act. 10]). 

3.4.2 Weiter enthalten die fraglichen Veranlagungsverfügungen die Steu-
erfaktoren, den Steuersatz und die Steuerbeträge (vgl. Vorakten StV 
[act. 6B] pag. 11 ff.). Wie schon die Vorinstanz zutreffend erwogen hat (an-
gefochtene Entscheide E. 5.4), genügen sie damit den gesetzlichen Begrün-
dungsanforderungen (vgl. zu diesen Art. 175 Abs. 1 StG, Art. 131 Abs. 1 
DBG; ferner statt vieler BGer 2C_152/2020 vom 18.6.2020 E. 4.1.3 mit Hin-
weisen; zur diesbezüglichen Kritik der Beschwerdeführerin Beschwerden 
S. 4; Vorakten StRK [act. 6A] pag. 3 f.). «Abweichungen von der Steuerer-
klärung» waren entgegen Art. 175 Abs. 3 StG und Art. 131 Abs. 2 DBG (vgl. 
auch Art. 46 StHG) nicht zusätzlich zu begründen bzw. bekanntzugeben, 
nachdem die Beschwerdeführerin keine solche ausgefüllt hatte (vgl. auch 
hinten E. 4.2). Es wäre vielmehr an der Beschwerdeführerin gewesen, sich 
während laufender Einsprachefrist bei der Steuerverwaltung zu erkundigen, 
wie die Schätzungen zustande gekommen sind (BGer 2C_938/2016 und 
2C_939/2016 vom 15.2.2017 E. 2.5.2 und 5.1, 2C_372/2016 und 
2C_374/2016 vom 7.6.2016, in ASA 85 S. 78 sowie StR 2016 S. 877 
E. 3.3.4 und 4). Auch insoweit hat die Steuerverwaltung den Gehörsan-
spruch der Beschwerdeführerin gewahrt.

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3.5 Die Nichtigkeitsrüge der Beschwerdeführerin erweist sich nach dem 
Gesagten als unbegründet. 

4.

Zu prüfen bleibt, ob aufgrund der vor Verwaltungsgericht erstmals erhobe-
nen Einwände (vgl. vorne E. 3.1) auf die Einsprachen hätte eingetreten wer-
den müssen. 

4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Nachreichen der Steuer-
erklärung oder allgemein das Nachholen der versäumten Mitwirkungshand-
lungen sei keine (gesetzliche) Gültigkeitsvoraussetzung. Die versäumten 
Mitwirkungshandlungen könnten auch anders nachgeholt werden, wenn die 
steuerpflichtige Person aus besonderen Gründen nicht in der Lage sei, eine 
vollständig ausgefüllte Steuererklärung nachzureichen (Beschwerden S. 4). 
– Die steuerpflichtige Person kann eine Veranlagung nach pflichtgemässem 
Ermessen nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten; die Einspra-
che ist zu begründen und muss allfällige Beweismittel nennen (Art. 191 
Abs. 3 und 5 StG bzw. Art. 132 Abs. 3 DBG; Art. 48 Abs. 2 StHG). Die Erfor-
dernisse der Begründung und der Nennung der Beweismittel stellen bei Ein-
sprachen gegen eine Ermessensveranlagung Prozessvoraussetzungen dar 
(BGE 131 II 548 E. 2.3; BGer 2C_992/2021 vom 22.9.2022 E. 2.2, 
2C_61/2021 vom 22.12.2021, in StE 2022 B 95.1 Nr. 17 E. 4.2-4.4, 4.5.1, 6, 
je mit weiteren Hinweisen; VGE 2015/298/299 vom 3.8.2016 E. 3.4.1 mit 
weiteren Hinweisen). Die steuerpflichtige Person hat ihre Einspracheschrift 
so auszugestalten, dass die Steuerbehörde mit Blick auf die Begründung und 
die angebotenen Beweismittel ohne Weiteres erkennt, ob die Ermessensver-
anlagung offensichtlich unrichtig ausgefallen ist (BGer 2C_992/2021 vom 
22.9.2022 E. 2.2, 2C_61/2021 vom 22.12.2021, in StE 2022 B 95.1 Nr. 17 
E. 4.1 und 6, je mit weiteren Hinweisen). Dabei kann sie den Unrichtigkeits-
nachweis auf zwei Arten erbringen, nämlich indem sie die bisherige Unge-
wissheit bezüglich des Sachverhalts vollständig beseitigt oder indem sie dar-
tut, dass die angefochtene Veranlagung offensichtlich übersetzt ist (sog. 
Teilnachweis; statt vieler BGer 2C_688/2021 vom 27.1.2022 E. 6.3 und 8 mit 
Hinweis).

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4.2 Die Beschwerdeführerin legte den Einsprachen zwar die Steuererklä-
rung 2019 bei und verwies auf die darin aufgeführten amtlichen Werte. Sie 
hatte die Steuererklärung aber weder ausgefüllt noch unterzeichnet (vgl. 
Vorakten StV [act. 6B] pag. 19-26, 32). Anderweitige Ausführungen machte 
sie nicht (vorne E. 3.1). Auch reichte sie keine zusätzlichen Belege ein. Die 
Einsprachen genügen den erhöhten prozessualen Anforderungen von 
Art. 191 Abs. 3 und 5 StG sowie Art. 132 Abs. 3 DBG damit offensichtlich 
nicht – auch nicht im Sinn eines Teilnachweises. Im Übrigen war und ist man-
gels gegenteiliger Anhaltspunkte davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin in der Lage war, die Steuererklärung innert der Einsprachefrist voll-
ständig auszufüllen und mit den dazugehörigen Belegen nachzureichen. 
Damit blieb die Beschwerdeführerin hierzu verpflichtet, auch wenn die Steu-
ererklärung praxisgemäss nicht Prozessvoraussetzung ist (vgl. 
BGE 131 II 548 E. 2.3; BGer 2C_61/2021 vom 22.12.2021, in StE 2022 
B 95.1 Nr. 17 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch VGE 2010/76/77 vom 
1.12.2010 E. 3.2). Dass die Steuerverwaltung bloss die Rubriken Einkünfte 
bzw. Vermögenswerte quantifizierte und andere Bereiche wie «Eigenmiet-
wert» und «Gewinnungskosten» nicht separat auswies (Veranlagungsverfü-
gungen vom 18.3.2021 [act. 6B] pag. 11 ff.), entband die Beschwerdeführe-
rin entgegen ihrer Auffassung (Eingabe vom 14.6.2022 [act. 10]) nicht von 
den gesetzlichen Mitwirkungspflichten. 

4.3 Zusammenfassend halten die angefochtenen Entscheide der Rechts-
kontrolle stand. Die Beschwerdeführerin hat auch in den vorliegenden Ver-
fahren keine Gründe dargetan, die es gebieten würden, die angefochtenen 
Entscheide aufzuheben und die Sache an die StRK oder an die Steuerver-
waltung zurückzuweisen. Die Beschwerden erweisen sich damit in allen Tei-
len als unbegründet und sind abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden 
kann (vorne E. 1.2).

5.

Bei diesem Ausgang der Verfahren wird die Beschwerdeführerin kosten-
pflichtig (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 1 VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. 
Art. 144 Abs. 1 DBG). Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 151 StG 

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i.V.m. Art. 108 Abs. 3 und Art. 104 Abs. 3 VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. 
Art. 144 Abs. 4 DBG und Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensge-
setz, VwVG; SR 172.021]).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2019 wird 
abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer 2019 wird abgewie-
sen, soweit darauf eingetreten wird.

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'500.--, werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

5. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerin
- Steuerverwaltung des Kantons Bern
- Steuerrekurskommission des Kantons Bern
- Eidgenössische Steuerverwaltung

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2022, Nrn. 100.2022.61/62U, 
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Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.