# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09ad3174-31f5-5034-827c-983f92e7806b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-28
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 28.08.2015 100 2014 261
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2014-261_2015-08-28.pdf

## Full Text

100.2014.261U
HAT/SIL/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 28. August 2015

Verwaltungsrichter Häberli
Gerichtsschreiber Sieber

A.________, Fürsprecher und Notar
vertreten durch Fürsprecher …
Beschwerdeführer

gegen

Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern
Münstergasse 2, 3011 Bern

betreffend unentgeltliche Beiordnung eines Notars (Verfügung der Justiz-, 
Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern vom 25. August 2014; 
25.60 - 14.63)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28.08.2015, Nr. 100.2014.261U, 
Seite 2

Sachverhalt:

A.

Mit Gesuch vom 28. Mai 2014 beantragte B.________ bei der Justiz-, 
Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK) die Erteilung des 
Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege für die notarielle Beurkundung sei-
ner letztwilligen Verfügung unter Beiordnung von A.________ als Notar. 
Aufgrund der rasch fortschreitenden Verschlechterung des Gesund-
heitszustands von B.________ fand die Beurkundung von dessen letztem 
Willen bereits am 8. Juni 2014 statt. Am 16. Juni 2014 verstarb 
B.________. Mit Entscheid vom 25. August 2014 entsprach die JGK dem 
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und ordnete B.________ 
A.________ als Notar bei. Die aus der Staatskasse zu entschädigende 
Notariatsgebühr setzte sie auf Fr. 680.40 (inkl. Auslagen und MWSt) fest. 

B.

Hiergegen hat A.________ am 23. September 2014 Verwaltungs-
gerichtsbeschwerde mit folgendem Rechtsbegehren erhoben: 

«Ziffer 2 des Entscheides der Vorinstanz vom 25. August 2014 sei inso-
weit aufzuheben, als nicht alle Positionen in der Kostennote des Be-
schwerdeführers vom 22. September 2014 vollumfänglich genehmigt 
werden, und die genannte Kostennote sei zu genehmigen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.»

Mit Vernehmlassung vom 23. Oktober 2014 beantragt die JKG, es sei 
A.________ eine um Fr. 200.-- erhöhte Gebühr zuzusprechen. Weiter-
gehend schliesst sie auf Abweisung der Beschwerde, soweit auf diese ein-
zutreten sei. Mit Eingaben vom 14. November und 10. Dezember 2014 
sowie vom 5. Januar 2015 haben die Verfahrensbeteiligten an ihren Anträ-
gen festgehalten. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28.08.2015, Nr. 100.2014.261U, 
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Erwägungen:

1.

1.1 Die vorliegende Streitigkeit betrifft die amtliche Festsetzung von 
Notariatsgebühren; das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Be-
schwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 
und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege 
(VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 40 Abs. 2 des Notariats-
gesetzes vom 22. November 2005 [NG; BSG 169.11]). Der Beschwerde-
führer ist zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde befugt (Art. 79 Abs. 2 i.V.m. 
Art. 112 Abs. 4 VRPG analog sowie Art. 40 Abs. 2 NG). Da ihm eine gerin-
gere Entschädigung als gewünscht zugesprochen wurde, hat er auch ein 
schutzwürdiges Interesse an der Änderung der angefochtenen Verfügung. 
Nicht zu hören ist der Einwand der JGK, es könne mangels eines schutz-
würdigen Interesses bezüglich einzelner der geltend gemachten Positionen 
teils nicht auf die Beschwerde eingetreten werden (Vernehmlassung, S. 4). 
Bei diesen handelt es sich nicht um Anträge, sondern um Elemente der 
Begründung, sodass über ihre Berechtigung im Rahmen der materiellen 
Beurteilung der Streitfrage (Höhe der Notariatsgebühr) zu befinden ist. 
Werden einzelne Positionen zu Unrecht geltend gemacht, ist die Be-
schwerde insoweit abzuweisen und nicht ein Nichteintretensentscheid zu 
fällen (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 
1997, Art. 49 N. 4). 

1.2 Der Beschwerdeführer beantragt, der angefochtene Entscheid sei 
insoweit aufzuheben, als nicht alle Positionen seiner Kostennote vom 
22. September 2014 vollumfänglich genehmigt worden seien bzw. es sei 
die betreffende Kostennote zu genehmigen. Aus diesem Begehren ergibt 
sich nicht, welchen Frankenbetrag er entschädigt erhalten möchte. Es fragt 
sich daher, ob ein hinreichender Antrag im Sinn von Art. 32 Abs. 2 VRPG 
vorliegt. Dies ist zu bejahen: Grundsätzlich muss das Rechtsbegehren zwar 
so präzis gefasst sein, dass es unverändert ins Entscheiddispositiv über-
nommen werden kann. Die Praxis ist jedoch nicht streng. Dem Antrags-
erfordernis ist Genüge getan, wenn sich aus dem Zusammenhang und un-
ter Zuhilfenahme der Beschwerdebegründung sinngemäss ergibt, was an-

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begehrt wird (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 13; BVR 1993 
S. 394 E. 1b). Die Höhe der vom Beschwerdeführer beantragten Entschädi-
gung ergibt sich zwar nicht aus dem gestellten Rechtsbegehren. Sie kann 
aber unter Zuhilfenahme der Kostennote vom 22. September 2014 ermittelt 
werden, welche der Beschwerde beiliegt und aus der ersichtlich ist, dass 
der Beschwerdeführer die Ausrichtung von insgesamt Fr. 1'273.-- verlangt 
(act. 1C/4). Damit liegt ein hinreichender Antrag im Sinn von Art. 32 Abs. 2 
VRPG vor (vgl. VGE 2013/49 vom 14.4.2014, E. 2.1). 

1.3 Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher 
einzutreten. Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).

1.4 Der Entscheid über Beschwerden betreffend die unentgeltliche 
Rechtspflege fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit (vgl. Art. 57 Abs. 2 
Bst. b des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichts-
behörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

2.

Die Vorinstanz hat einen Anspruch von B.________ auf unentgeltliche 
Rechtspflege für die notarielle Beurkundung seines letzten Willens aner-
kannt und ihm A.________ als Notar beigeordnet. Vor Verwaltungsgericht 
umstritten ist allein die Höhe der dem Notar auszurichtenden amtlichen 
Entschädigung. – Das Verwaltungsgericht wendet das Recht innerhalb des 
Streitgegenstands von Amtes wegen an (Art. 20a Abs. 1 VRPG). Es ist 
nicht an die Rechtsauffassung der Vorinstanz gebunden und kann deren 
Begründung durch seine eigene ersetzen (sog. Substitution der Motive; vgl. 
statt vieler BVR 2015 S. 66 E. 2.3, 2013 S. 521 E. 2.4 mit Hinweisen). 
Damit ist dem Verwaltungsgericht auch unbenommen, den vorinstanzlichen 
Entscheid aus anderen Gründen als den von der JGK angeführten zu 
bestätigen. Soweit es sich hierbei auf vom Beschwerdeführer selber in das 
Verfahren eingebrachte Tatsachen stützt, braucht dieser nicht vorgängig 
eigens noch angehört zu werden; anders verhielte es sich nur, wenn das 
Gericht seinen Entscheid mit einem Rechtsgrund zu begründen 

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beabsichtigte, auf den sich die Verfahrensbeteiligten nicht berufen haben 
und mit dessen Erheblichkeit sie vernünftigerweise nicht rechnen mussten 
(BGE 130 III 35 E. 5, 126 I 19 E. 2c/aa, 124 I 49 E. 3c). 

3.

3.1 Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege haben – sind die entspre-
chenden Voraussetzungen erfüllt – ausschliesslich die Parteien des Haupt-
verfahrens, also desjenigen Verfahrens, für welches die betroffenen Perso-
nen von den Kosten-, Vorschuss- und Sicherstellungspflichten befreit wer-
den sollen bzw. in welchem ihnen eine amtliche Vertretung bestellt werden 
soll (vgl. für das streitige Verfahren Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; 
Merki/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 111 N. 3). Die unentgeltliche 
Rechtspflege wird nur auf Gesuch hin gewährt (vgl. für das streitige Verf-
ahren Art. 111 Abs. 1 VRPG; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 111 
N. 15). Partei des Gesuchverfahrens betreffend unentgeltliche Rechts-
pflege ist mithin die Partei des Hauptverfahrens und nicht etwa die Ver-
treterin oder der Vertreter, welche bzw. welcher der betroffenen Person bei 
Gutheissung des Gesuchs beigeordnet wird. Im Fall der Beiordnung ent-
steht allerdings ein öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis zwischen dem 
Staat und der Vertreterin bzw. dem Vertreter, wobei Letzterer bzw. Letzte-
rem für die erbrachten Leistungen gegen das Gemeinwesen ein (öffentlich-
rechtlicher) Entschädigungsanspruch zusteht (vgl. für das streitige Verfah-
ren Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 111 N. 23; VGE 21384 vom 
19.7.2002, E. 2b; BGE 140 V 116 E. 4, 132 I 201 E. 7.1). 

3.2 B.________ ersuchte am 28. Mai 2014 bei der JGK um unent-
geltliche Rechtspflege und Beiordnung des Beschwerdeführers als Notar 
im Verfahren auf notarielle Beurkundung seiner letztwilligen Verfügung. Er 
war hierbei durch den Beschwerdeführer vertreten (Vorakten, pag. 85 ff.). 
Parteistellung kam in diesem Verfahren nach dem Ausgeführten einzig 
B.________ selber, nicht aber dem Beschwerdeführer zu. Am 16. Juni 
2014 verstarb B.________ (vgl. Beschwerde, S. 3 f.; amtliche Konkurs-
eröffnung vom 2.7.2014, Amtsblatt des Kantons Bern vom 30.7.2014 
[Nr. 31], S. 656 [act. 1C/3]). Damit erlosch das Interesse an einer Beurtei-

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lung des von ihm geltend gemachten Anspruchs auf unentgeltliche Rechts-
pflege, der höchstpersönlicher Natur und nicht vererblich ist (vgl. 
BGer 5P.164/2005 vom 29.7.2005, E. 1.3). Scheidet die berechtigte Person 
aus irgendeinem Grund als Partei aus dem Verfahren aus, ohne dass über 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege entschieden 
worden wäre, so erlischt das Rechtsschutzinteresse des Ansprechers an 
einer Beurteilung (BGer 5P.220/2003 vom 23.12.2003, E. 3.1). Das ent-
sprechende Verfahren wurde folglich gegenstandslos und hätte in Anwen-
dung von Art. 39 Abs. 1 VRPG abgeschrieben werden müssen 
(vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 39 N. 2; VGE 2014/102 vom 
26.9.2014; vgl. auch Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 
2012, N. 578 und 774). Hieran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer 
seinerseits noch ein Interesse an der Behandlung des Gesuchs hatte, weil 
er die Beurkundung, für welche die unentgeltliche Rechtspflege beantragt 
worden war, bereits vorgenommen hatte und eine entsprechende Ent-
schädigungsforderung gegen B.________ entstanden war, die aller 
Voraussicht nach nicht einbringlich war (Vorakten, pag. 27). Dies vermag 
seine Beschwerdelegitimation nicht zu begründen (vgl. auch 
BGer 1B_705/2011 vom 9.5.2012, E. 2.2). Der Beschwerdeführer war noch 
nicht als amtlicher Notar ernannt, sodass es ihm verwehrt war, das Verfah-
ren aus eigenem Recht fortzusetzen. Seine Beschwerdebefugnis vor Ver-
waltungsgericht ergibt sich denn auch allein aus der analogen Anwendung 
der spezialgesetzlichen Regelung von Art. 112 Abs. 4 VRPG (vorne E. 1.1). 

3.3 Nach dem Gesagten war es rechtsfehlerhaft, dass die Vorinstanz 
das Verfahren auf Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege 
nach dem Versterben von B.________ fortgesetzt hat, auch wenn sie 
offenbar von dessen Hinscheiden keine Kenntnis hatte. Folglich hat sie 
B.________ zu Unrecht den Beschwerdeführer als Notar beigeordnet und 
hat diesem zu Unrecht eine amtliche Entschädigung für die erbrachten 
notariellen Leistungen zugesprochen. Der angefochtene Entscheid erweist 
sich damit als rechtswidrig, wobei der festgestellte Rechtsfehler allerdings 
nicht derart schwer wiegt, dass der Entscheid geradezu nichtig wäre (vgl. 
zur Nichtigkeit statt vieler BVR 2014 S. 297 E. 4.3.3, 2012 S. 481 E. 2.4). 
Weiter ist das Verwaltungsgericht an den Streitgegenstand gebunden (vgl. 
hierzu BVR 2011 S. 391 E. 2.1) und ist es ihm verwehrt, den angefochte-

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nen Entscheid im Sinn einer Reformatio in Peius zu Ungunsten des 
Beschwerdeführers abzuändern und diesem die amtliche Entschädigung zu 
verweigern, wie es die richtige Rechtsanwendung gebieten würde (vgl. 
Art. 84 Abs. 1 VRPG). Unter den gegebenen Umständen besteht aber auch 
kein Anlass, den angefochtenen Entscheid zugunsten des Beschwerde-
führers zu korrigieren, selbst wenn die Vorinstanz vor Verwaltungsgericht 
die Zusprechung einer etwas höheren Gebühr beantragt hat, um dem 
Umstand Rechnung zu tragen, dass die Verurkundung «notfallmässig an 
einem Sonntag» erfolgt sei. Die Beschwerde erweist sich im Ergebnis als 
unbegründet und ist abzuweisen. 

4.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten sind keine zu sprechen 
(Art. 108 Abs. 3 sowie Art. 104 Abs. 1 und 3 VRPG). 

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

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4. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer
- der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.