# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3be56187-34e1-5e37-a0fa-8e4c68ea6097
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-24
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 24.03.2024 FO.2022.1-K2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_FO-2022-1-K2_2024-03-24.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/73

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FO.2022.1-K2

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 04.06.2024

Entscheiddatum: 24.03.2024

Entscheid Kantonsgericht, 24.03.2024
Art. 129 Abs. 1, Art. 134 Abs. 2, Art. 273, Art. 277, Art. 286 Abs. 2 ZGB: 
Abweisung des Antrags auf alternierende Obhut (E. III/2). Übergaben der 
Kinder: Vorliegend ist es angemessen, den Elternteil, bei dem sich die Kinder 
befinden, zu verpflichten, die Kinder jeweils zum anderen Elternteil zu 
bringen. Damit signalisieren beide Elternteile den Kindern, dass ihnen der 
Kontakt der Kinder zum jeweils anderen Elternteil wichtig ist und sie diesen 
unterstützten (E. III/4). Aufhebung des nachehelichen Unterhalts wegen 
Vorliegens eines qualifizierten Konkubinats (E. III/7). Bei Vorliegen eines 
Abänderungsgrundes sind sämtliche Unterhaltsparameter zu aktualisieren, 
ohne dass bei jedem Parameter für sich alleine ein Abänderungsgrund 
vorliegen muss. Das Abänderungsgericht ist aber an die Wertungen des 
Ursprungentscheides gebunden (E. III/14f und 14g). Wohnkosten bei 
selbstbewohntem Eigentum: Die Pauschale für die Unterhaltskosten samt 
öffentlich-rechtlichen Abgaben beträgt praxisgemäss 20 % des 
Eigenmietwerts, wobei beim Eigenmietwert vom steuerrechtlich 
herabgesetzten Eigenmietwert auszugehen ist (E. III/14b und 15a). 
(Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 24. März 2024, FO.2022.1-K2).

Entscheid siehe PDF

Kanton St.Gallen 

Gerichte 

 
 

 

 
 
Kantonsgericht St. Gallen 

II. Zivilkammer 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 24. März 2024 

Geschäftsnr.   FO.2022.1-K2; ZV.2022.12-K2; ZV.2022.13-EZE2; ZV.2022.167-K2 
(IN.2017.14-[…]) 
 

   

Verfahrens-betei-
ligte 

 A._,  
 

Berufungskläger, 
Anschlussberufungs-
beklagter,  
Vater  

  und 
 

  B_,  
 

Berufungsbeklagte,  
Anschlussberufungs-
klägerin,  
Mutter 

 
vertreten von Rechtsanwalt X.,  
 
 
C._,  
D._,  

Kinder 
 
Kindesvertreter: Rechtsanwalt Y., 
 

Gegenstand  Abänderung des Scheidungsurteils 
 
 

  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 2/72 

  

Erwägungen 

 

I. 

1. a)  A. (geb. 1967, nachfolgend auch: Vater) und B. (geb. 1969, nachfolgend auch: Mut-

ter) heirateten am DD.MM.2008. Sie sind die Eltern von C., geb. DD.MM.2009, und D., 

geb. DD.MM.2011. 

 

b)  Mit Entscheid vom 28. August 2015 schied der Familienrichter des Kreisgerichts K. 

die Ehe von A. und B. und genehmigte die Scheidungskonvention der Parteien 

(IN.2014.145-[…], Beilage 2 zu vi-act. 2, nachfolgend: Scheidungsurteil vom 28. August 

2015). Demnach verblieben die Kinder in der gemeinsamen elterlichen Sorge der Eltern 

(Dispositiv-Ziff. 2) und es wurde für C. und D. eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 

und 2 ZGB errichtet (Dispositiv-Ziff. 3). Weiter wurde vereinbart, dass die Kinder in den 

geraden Wochen von Donnerstagabend bis Dienstagabend sowie während der Hälfte der 

Schulferien vom Vater und in den übrigen Zeiten von der Mutter betreut werden (Disposi-

tiv-Ziff. 4.3). Zudem verpflichtete sich A. zur Leistung von Kinder- und Frauenunterhalt 

(Dispositiv-Ziff. 4.4 und 4.5).  

 

2. a)  Am 9. Februar 2017 reichte B. beim Kreisgericht L. Klage auf Abänderung des 

Scheidungsurteils vom 28. August 2015 ein (IN.2017.14-[…]). Sie beantragte unter ande-

rem, C. und D. seien unter ihre alleinige Sorge und Obhut zu stellen und A. sei das Recht 

einzuräumen, die Kinder jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend 

zu sich auf Besuch zu nehmen und jährlich drei Wochen Ferien mit ihnen zu verbringen. 

Weiter beantragte sie eine Abänderung der Unterhaltsbeiträge (vi-act. 1). Mit Eingabe 

vom 2. Juni 2017 reichte A. eine Widerklage ein und verlangte unter anderem, die Kinder 

seien unter seine alleinige elterliche Sorge und Obhut zu stellen und B. sei ein Besuchs-

recht an jedem zweiten Wochenende und ein jährliches Ferienrecht von drei Wochen ein-

zuräumen. Zudem habe B. einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 500.00 je Kind zu 

bezahlen und der nacheheliche Unterhalt sei vollständig aufzuheben (vi-act. 16). 

 
b) Während des laufenden Abänderungsverfahrens vor der Vorinstanz wurden jeweils 

auf Gesuch von A. nacheinander insgesamt fünf vorsorgliche Massnahmeverfahren 

durchgeführt (SF.2017.64-[…]; SF.2018.25-[…] [bzw. FS.2018.22-EZE2 beim Kantonsge-

richt infolge Berufung]; SF.2018.46-[…]; SF.2019.59-[…] [bzw. FS.2020.6-EZE2 beim 

Kantonsgericht infolge Berufung]; SF.2020.11-[…] [bzw. FS.2022.1-EZE2 beim Kantons-

gericht infolge Berufung]).  

 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 3/72 

  

c)  Mit Massnahmeentscheid vom 7. Juni 2018 stellte die Familienrichterin des Kreisge-

richts L. die Kinder C. und D. vorläufig in die alleinige Obhut von B. und räumte A. ein Be-

suchsrecht an jedem zweiten Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend ein 

(SF.2018.25-[…]). Gegen diesen Entscheid erhob A. Berufung ans Kantonsgericht und 

verlangte die Erteilung der aufschiebenden Wirkung. Mit superprovisorischem Massnah-

menentscheid des Einzelrichters des Kantonsgerichts vom 7. August 2018 wurde festge-

halten, dass der Entscheid der Familienrichterin des Kreisgerichts L. vom 7. Juni 2018 

vollstreckbar sei. Mit Entscheid des Einzelrichters des Kantonsgerichts vom 8. April 2019 

wurde die Berufung von A. gegen die vorsorgliche Zuteilung der alleinigen Obhut an B. im 

Wesentlichen abgewiesen (vgl. FS.2018.22-EZE2).  

 

d)  Am 6. Dezember 2018 erteilte die Familienrichterin des Kreisgerichts L. G. von der 

Fachstelle H. den Auftrag zur Erstellung eines Familienrechtsgutachtens (vi-act. 73), wel-

ches sodann am 16. September 2019 bei der Vorinstanz einging (vi-act. 89, nachfolgend: 

Gutachten vom 12. September 2019).  

 

e)  Das Kreisgericht L. traf mit Entscheid vom 13. Juli 2021 in Bezug auf das Hauptver-

fahren (Abänderung Scheidungsurteil, IN.2017.14-[…]) sowie in Bezug auf das Verfahren 

betreffend vorsorgliche Massnahmen (SF.2020.11-[…]) folgenden Entscheid (vi-act. 163):  

 

1. Die Ziffer 2 des Scheidungsurteils des Kreisgerichts K. vom 28. August 2015 sowie die Ziffer 

2 der mit Scheidungsurteil des Kreisgerichts K. vom 28. August 2015 genehmigten Schei-

dungsvereinbarung vom 20. bzw. 26. August 2015 (IN.2014.145-[…]) werden aufgehoben 

und durch die folgende Regelung ersetzt: 

 Die elterliche Sorge für die Kinder C., geb. DD.MM.2009, und D., geb. DD.MM.2011, wird bei 

beiden Eltern belassen.  

 Die Kinder C. und D. werden unter die alleinige Obhut der Mutter gestellt und wohnen bei 

der Mutter.  

2. Die Ziffer 3.1 lit. a, b und c der mit Scheidungsurteil des Kreisgerichts K. vom 28. August 

2015 genehmigten Scheidungsvereinbarung vom 20. bzw. 26. August 2015 wird aufgehoben 

und durch die folgende Regelung ersetzt:  

 a) Der Vater betreut C. und D. an jedem 1. und 3. Wochenende im Monat, von Freitagabend 

18.00 Uhr bis Sonntagabend 18.00 Uhr (Winterzeit) bzw. 19.00 Uhr (Sommerzeit).  

 Der Vater wird angewiesen, die Kinder jeweils an ihrem Wohnort abzuholen und wieder dort-

hin zurückzubegleiten (Art. 273 Abs. 2 ZGB).  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 4/72 

  

 b) Der Vater hat das Recht, mit C. und D. gemeinsam jährlich insgesamt vier Wochen Ferien 

zu verbringen. Die Ferienregelung wird jeweils per 31. Dezember im Voraus für das kom-

mende Jahr festgelegt, wobei bei der terminlichen Festlegung auf das Arbeitsverhältnis der 

Mutter sowie die Interessen der Kinder angemessen Rücksicht genommen wird.  

 c) Betreffend die Feiertage gilt die folgende Betreuungsregelung: 

- Weihnachten: In den geraden Jahren sind die Kinder am 24. Dezember jeweils bei der 
Mutter, am 25. und 26. Dezember beim Vater. In den ungeraden Jahren gilt diese Regelung 
umgekehrt. 
 

- Silvester/Neujahr: In den geraden Jahren (massgebend ist Silvester) sind die Kinder bei der 
Mutter, in den ungeraden beim Vater. 
 

- Ostern/Pfingsten/Auffahrt: Karfreitag und Ostersamstag sowie Pfingsten verbringen die Kin-
der in den geraden Jahren bei der Mutter; Ostersonntag und Ostermontag sowie Auffahrt 
sind die Kinder dann beim Vater. In den ungeraden Jahren gilt diese Regelung umgekehrt. 

 
3. Weisungen nach Art. 307 Abs. 3 ZGB: 

a) Die Eltern werden angewiesen, sich im Sinne der Erwägungen in eine Einzeltherapie bei ei-

nem Psychologen bzw. einer Psychologin oder einem Psychiater bzw. einer Psychiaterin zu 

begeben bzw. die Einzeltherapie weiterzuführen (Kindesmutter).  

b) Es wird eine Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF) angeordnet und die Eltern wer-

den angewiesen, diese zuzulassen, dabei mitzuwirken und mit den involvierten Personen 

zusammenzuarbeiten.  

c) Für D. wird eine Therapie im Einzelsetting bei einem Kinderpsychologen bzw. einer Kinder-

psychologin oder einem Kinderpsychiater bzw. einer Kinderpsychiaterin angeordnet. Die 

Psychotherapie von C. wird weitergeführt.  

4. Die für C. und D. bestehende umfassende Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB 

wird weitergeführt. Mit dem Vollzug wird die KESB F. beauftragt.  

 Die Beistandsperson hat zusätzlich zu den bestehenden Kompetenzen die nachfolgenden: 

- Eine geeignete Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF) der Eltern zu bestimmen und 

zu organisieren, den zeitlichen Rahmen und die Modalitäten festzulegen, die Umsetzung der 

SPF zu koordinieren und zu überwachen. 

- Die Einhaltung der Weisungen an die Eltern (SPF, Kontaktregelung, Therapien) zu überwa-

chen, regelmässige Berichte über den Verlauf derselben bei den involvierten Stellen einzu-

holen sowie der zuständigen Stelle gegebenenfalls Antrag zu stellen, wenn eine Anpassung 

oder Aufhebung der Weisungen, eine Anpassung der Betreuungsregelung oder die Anord-

nung anderer geeigneter Kindesschutzmassnahmen zur Wahrung des Kindeswohles erfor-

derlich sind. 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 5/72 

  

5. Die elterliche Sorge wird gestützt auf Art. 308 Abs. 3 ZGB in Bezug auf die oben festgelegte 

Betreuungsregelung eingeschränkt. Die Beistandsperson erhält die Kompetenz, bei Konflik-

ten im Rahmen der oben festgelegten Betreuungsregelung die Termine, Übergaben und Mo-

dalitäten verbindlich festzusetzen und gegebenenfalls anzupassen.  

6. Die Ziffern 1, 2, 3, 4 und 5 des Dispositivs werden vorsorglich angeordnet.  

7. Die Ziffer 4.1 lit. a, b, c und d der mit Scheidungsurteil des Kreisgerichts K. vom 28. August 

2015 genehmigten Scheidungsvereinbarung vom 20. bzw. 26. August 2015 wird aufgehoben 

und durch die folgende Regelung ersetzt:  

a) aa) Der Vater bezahlt an den Barunterhalt von C. monatlich im Voraus folgende Beiträge, 

jeweils zuzüglich allfälliger Kinder- oder Ausbildungszulagen, die tatsächlich bezogen 

werden bzw. bezogen werden können, je: 

 Fr. 1'130.00  vom 1. Februar 2017 bis 31. Juli 2018  

 Fr. 1'155.00  vom 1. August 2018 bis 31. Dezember 2018 

 Fr. 1'275.00  vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019 

 Fr. 1'525.00  vom 1. Januar 2020 bis 31. Oktober 2021 

 Fr. 1'490.00  vom 1. November 2021 bis 31. Juli 2024 

 Fr. 1'730.00  vom 1. August 2024 bis zur Volljährigkeit bzw. über diese hinaus 
bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung. 
 

bb) Der Vater bezahlt an den Barunterhalt von D. monatlich im Voraus folgende Beiträge, 

jeweils zuzüglich allfälliger Kinder- oder Ausbildungszulagen, die tatsächlich bezogen 

werden bzw. bezogen werden können, je: 

 Fr. 1'130.00  vom 1. Februar 2017 bis 31. Juli 2018  

 Fr. 1'155.00  vom 1. August 2018 bis 31. Dezember 2018 

 Fr. 1'275.00  vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019 

 Fr. 1'315.00  vom 1. Januar 2020 bis 31. Oktober 2021 

 Fr. 1'490.00  vom 1. November 2021 bis 31. Juli 2024 

 Fr. 1'730.00  vom 1. August 2024 bis anschliessend bis zur Volljährigkeit bzw. 
über diese hinaus bis zum ordentlichen Abschluss einer ange-
messenen Ausbildung. 

cc) Die IV-Kinderrenten der Pensionskasse (je Fr. 838.00) und der Ausgleichskasse (je 

Fr. 237.00) leitet der Vater als Teil der obigen Unterhaltsbeiträge bzw. in Anrechnung an 

diese an C. und D. bzw. die Mutter weiter.  

b) Zusätzlich bezahlt der Vater als Betreuungsunterhalt der Kinder zusammen, monatlich im 

Voraus folgenden Beitrag: 

 Fr. 380.00  vom 1. August 2018 bis 31. Dezember 2018 

 
8. Die Ziffer 5 (5.1-5.3) der mit Scheidungsurteil des Kreisgerichts K. vom 28. August 2015 ge-

nehmigten Scheidungsvereinbarung vom 20. bzw. 26. August 2015 wird aufgehoben und 

durch folgende Regelung ersetzt:   

A. bezahlt an den Unterhalt von B. monatlich im Voraus folgende Beiträge: 

 Fr. 1'040.00  vom 1. Februar 2017 bis 31. Juli 2018  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 6/72 

  

 Fr.    885.00  vom 1. August 2018 bis 31. Dezember 2018 

 Fr.    535.00  vom 1. Januar 2019 bis 31. Juli 2019. 

9. -12. [vorsorgliche Massnahme; Erziehungsgutschriften; Kosten] 

Mit Schreiben datiert vom 30. Juli 2021 verlangte A. die schriftliche Begründung des Ent-

scheids vom 13. Juli 2021 (IN.2017.14-[…] betreffend Hauptverfahren und SF.2020.11-

[…] betreffend vorsorgliches Massnahmeverfahren; vi-act. 168). Das Gesuch um schriftli-

che Begründung legte er eigenhändig in den Briefkasten der Vorinstanz und wurde am 

4. August 2021 anlässlich der täglichen Leerung dem Briefkasten entnommen (vi-act. 

170).  

 

Am 9. Dezember 2021 versandte das Kreisgericht L. die begründete Fassung des Ent-

scheids vom 13. Juli 2021 betreffend Abänderungsverfahren (IN.2017.14-[…]; vi-act. 178). 

Gleichzeitig wies sie das Gesuch von A. um Begründung des Entscheids im Verfahren be-

treffend vorsorgliche Massnahmen (SF.2020.11-[…]) ab (Dispositiv-Ziff. 13 des vi-Ent-

scheids). Die begründete Fassung des Entscheids vom 13. Juli 2021 ging bei A. gemäss 

eigener Angabe am 13. Dezember 2021 ein (FO/1, S. 3).  

 

3. a) Am 26. Januar 2022 (Eingang beim Kantonsgericht: 28. Januar 2022) erhob A. so-

wohl gegen den vorinstanzlichen Entscheid betreffend Abänderung des Scheidungsurteils 

(IN.2017.14-[…]) als auch gegen den vorinstanzlichen Entscheid betreffend vorsorgliche 

Massnahmen (SF.2020.11-[…]) in einer Eingabe Berufung.  

Vorliegender Entscheid behandelt die Berufung gegen den Entscheid des Kreisgerichts L. 

vom 13. Juli 2021 betreffend Abänderung des Scheidungsurteils (IN.2017.14-[…]). Die 

Berufung gegen den Entscheid der Familienrichterin des Kreisgerichts L. betreffend Ab-

weisung einer Urteilsbegründung im Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen 

(SF.2020.11-[…]) wird in einem separaten Entscheid (FS.2022.2-EZE2) behandelt.  

In seiner Berufung stellte A. folgende Anträge (FO/1, nachfolgend: Berufung): 

 
1. Es sei festzustellen, dass die Vorinstanz falsches Recht anwendete und den Sachverhalt un-

richtig feststellte.  

2. Daher sei der Entscheid (Urteil und Verfügung) des Kreisgerichts L. vom 13. Juli 2021 im 

IN.2017.14-[…]/ SF.2020.11-[…], vollumfänglich aufzuheben.  

3. Anstelle Ziffer 2 des vorgenannten Urteils, sei festzustellen, dass die Kinder weiterhin unter 

der alternierenden Obhut stehen zu ungefähr gleichen Teilen, mindestens was das Gutach-

ten empfohlen hatte.  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 7/72 

  

4. Anstelle Ziffer 7 des vorgenannten Urteils seien die Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe in 

Form der Rente zu belassen.  

5. Anstelle Ziffer 8 des vorgenannten Urteils sei festzustellen, dass keine Unterhaltspflicht Sei-

tens des Klägers/Berufungsklägers gegenüber der Beklagten/Berufungsbeklagten besteht.  

6. Es sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.  

7. Die Akten der Vorinstanz sein beizuziehen.  

8. Bis zu einem Endentscheid sei die alternierende Obhut gemäss Gutachten wie auch die ge-

nannten Unterhaltsbeiträge superprovisorisch anzuordnen.  

9. Eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

10. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagte/Berufungsbeklagte. 

 

b)  Am 14. März 2022 reichte B. ihre Berufungsantwort ein und erhob gleichzeitig An-

schlussberufung (FO/17, nachfolgend: Berufungsantwort). Dabei stellte sie folgende An-

träge:  

 

1. Die Berufung sei abzuweisen.  

2. Der Entscheid des Kreisgerichts L. vom 13. Juli 2021 (IN.2017.14) sei wie folgt abzuändern:  

a)  Ziffer 2a: Der Vater betreut C. und D. an jedem 1. und 3. Wochenende im Monat, von 

Freitagabend 18.00 Uhr bis Sonntagabend 18.00 bzw., von Juli bis und mit September, 

bis Sonntagabend 19.30 Uhr.  

b)  Ziffer 2c: Betreffend die Feiertage gilt die folgende Betreuungsregelung:  

- Weihnachten: In den ungeraden Jahren sind die Kinder vom 24. bis 26. Dezember bei 

der Mutter, in den geraden Jahren beim Vater.  

- Silvester/Neujahr: In den geraden Jahren (massgebend ist der Silvester) sind die Kin-

der bei der Mutter, in den ungeraden Jahren beim Vater.  

- Ostern: In den ungeraden Jahren sind die Kinder von Karfreitag bis Ostermontag bei 

der Mutter, in den ungeraden Jahren beim Vater.  

- Auffahrt/Pfingsten: Auffahrt und Pfingsten verbringen die Kinder in den geraden Jah-

ren bei der Mutter, in den geraden Jahren gilt diese Regelung umgekehrt.  

3. Die Verfügung der KESB F. vom 6. Januar 2022 sei vollumfänglich aufzuheben, eventualiter 

sei festzustellen, dass sie gegenstandslos geworden ist. Zudem sei  

a)  anzuordnen, dass das Besuchsrecht des Berufungsklägers auf in Form von im Zwei-Wo-

chen-Rhythmus stattfindenden Besuchstage in Begleitung einer geeigneten Fachperson 

stattfinden sollen. Diese Regelung sei so lange anzuwenden, bis die Sozialpädagogische 

Familienbegleitung ihre Arbeit aufgenommen hat und die Therapeuten von C. und D. das 

Kindeswohl nicht mehr für gefährdet erachten. 

b)  eventualiter dem Berufungskläger die Weisung zu erteilen, dass C. und D. nur altersge-

rechte Medieninhalte konsumieren und keines der Kinder gegen seinen Willen zum Kon-

sum von Medieninhalten angehalten oder aufgefordert wird.  

4. Ziffer 3a sei vorsorglich anzuordnen.  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 8/72 

  

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

4.  Mit Schreiben vom 14. April 2022 nahm A. Stellung zur Berufungsantwort und An-

schlussberufung. Er beantragte im Wesentlichen die Abweisung der Rechtsbegehren der 

Mutter. Mit Rechtsbegehren Ziff. 2.b der Mutter betreffend Feiertagsregelung erklärte er 

sich einverstanden. Zudem stellte er weitere Anträge im Zusammenhang mit einzelnen 

Positionen des Kindes- und des nachehelichen Unterhalts. Schliesslich beantragte er neu, 

der Grossmutter der Kinder seien zwei Wochen Sommer- und zwei Wochen Oster- oder 

Herbstferien mit den Kindern zu gewähren (FO/20, S. 1).  

 

Am 21. November 2022 reichte A. (unaufgefordert) eine weitere Stellungnahme ein und 

beantragte, die Kinderübergabe von der Mutter zum Vater habe nach Schulschluss an der 

Schule der Kinder stattzufinden. Bei der Übergabe der Kinder vom Vater zur Mutter seien 

die Kinder von der Mutter beim Vater abzuholen (FO/22, S. 1 f.).  

 

5.  B. reichte am 9. Januar 2023 eine Stellungnahme ein, in der sie im Wesentlichen 

an ihren Anträgen gemäss Berufungsantwort bzw. Anschlussberufung festhielt. Zusätzlich 

beantragte sie, der Vater sei anzuweisen, die Kinder jeweils unmittelbar an der Grenze 

zum Grundstück der Mutter zu übernehmen bzw. übergeben, ohne dabei das Grundstück 

der Mutter zu betreten. Weiter sei er anzuweisen, eine ärztlich verordnete Medikation der 

Kinder (gegen Vorlage der entsprechenden Rezepte) auch an seinen Betreuungswochen-

enden fortzuführen. An ihrem vormaligen Antrag, dass das Besuchsrecht des Vaters unter 

Begleitung durch eine Fachperson durchzuführen sei, hielt sie nicht fest (FO/31, S. 2 f.):  

 
Der Kindesvertreter reichte mit Eingabe vom 16. Januar 2023 eine Stellungnahme ein. 

Darin hielt er fest, er stimme den Ausführungen und Anträgen der Mutter gemäss Eingabe 

vom 9. Januar 2023 (FO/31) zu (FO/33).  

 

6.  C. und D. wurden am 6. Dezember 2023 vom Präsidenten des Kantonsgerichts 

und der Gerichtsschreiberin angehört (FO/37 und FO/38). Mit Schreiben vom 22. Novem-

ber 2023 wurde die Beistandschaft um die Einreichung eines Verlaufsberichts betreffend 

C. und D. ersucht (FO/36). Ein solcher wurde von der Beiständin O. mit Bericht vom 7. 

Dezember 2023 eingereicht (FO/39). Mit Schreiben vom 14. Dezember 2023 wurde den 

Parteien die Protokolle der Kinderanhörung und der Verlaufsbericht der Beiständin weiter-

geleitet. Zudem wurde mitgeteilt, dass die Sache vorbehalten allfälliger Stellungnahmen 

spruchreif sei und das Gericht begonnen habe, den Entscheid zu beraten (FO/40). In der 

Folge ergingen keine Stellungnahmen der Parteien.  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 9/72 

  

7.  Mit Schreiben vom 31. Januar 2022 (FO/4) wurden die vorinstanzlichen Akten an-

gefordert, beinhaltend die Akten des vorinstanzlichen Abänderungsverfahrens 

(IN.2017.14-[…]), der vorsorglichen Massnahmeverfahren (SF.2017.64-[…]; 

SF.2018.25-[…]; SF.2018.46-[…]; SF.2019.59-[…]; SF.2020.11-[…]) und des Eheschei-

dungsverfahrens (IN.2014.145-[…]). Sämtliche Akten, von deren Beizug auch die Parteien 

ausgehen bzw. diesen verlangen, dürfen im vorliegenden Berufungsverfahren als ge-

richtsnotorisch zur Beurteilung der Berufung beigezogen werden (vgl. Art. 36 Abs. 1 lit. c 

und f GO [sGS 941.21] e contrario). 

 

II.  

 

1. Die Prozess- bzw. Rechtsmittelvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen 

(vgl. Art. 60 ZPO). Die Berufung vom 26. Januar 2022 erfolgte – unter Berücksichtigung 

der Gerichtsferien (Art. 145 Abs. 1 lit. c ZPO) – innert der 30-tägigen Frist gemäss 

Art. 311 Abs. 1 ZPO (Versand des begründeten Entscheids am 9. Dezember 2021 [vi-Ent-

scheid, S. 66]; Zustellung am 13. Dezember 2021 [Berufung, S. 3]). Für die Beurteilung 

von Berufungen aus dem Bereich des Familienrechts ist die II. Zivilkammer des Kantons-

gerichts St. Gallen sachlich und funktionell zuständig (Art. 16 Abs. 1 EG-ZPO i.V.m. Art. 

14 Abs. 1 lit. c GO). Demgegenüber ist für die Gesuche betreffend vorsorgliche Mass- 

nahmen der verfahrensleitende Richter zuständig (Art. 17 Abs. 1 lit. a EG-ZPO). 

 

2. Mit der Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige Fest-

stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufung ist be-

gründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO), d.h., sie muss sich zumindest in gedrängter 

Form mit dem vorinstanzlichen Entscheid auseinandersetzen und soll darlegen, aus wel-

chen Gründen der angefochtene Entscheid falsch sein und abgeändert werden soll. So-

weit das vorinstanzliche Gericht sich in seiner Entscheidbegründung mit den Vorbringen 

der Parteien auseinandergesetzt hat, genügen pauschale Verweise auf die vorinstanzli-

chen Rechtsschriften der Begründungspflicht nicht. Es ist nicht Sache des Gerichts, die 

Akten und Rechtsschriften auf Differenzen zwischen den Ausführungen der Parteien und 

der Vorinstanz zu untersuchen. Vielmehr obliegt den Parteien, mittels klarer und sauberer 

Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vorinstanz aufzuzeigen, welche Behauptun-

gen, Bestreitungen, Rügen oder Einwendungen in jenem Verfahren erhoben worden sind. 

Die ausreichende Begründung ist eine gesetzliche, von Amtes wegen zu prüfende Zuläs-

sigkeitsvoraussetzung für die Berufung; fehlt sie, so tritt das obere kantonale Gericht auf 

die Berufung nicht ein (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 4A_651/2011; 5A_438/2012).  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 10/72 

  

3. Für sämtliche Kinderbelange gelten der Offizial- und der uneingeschränkte Untersu-

chungsgrundsatz. Das Gericht ist demnach nicht an die Anträge der Parteien gebunden 

und stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest bzw. nimmt Beweiserhebungen auch 

ohne entsprechenden Parteiantrag vor (Art. 296 Abs. 1 und Abs. 3 ZPO). Nach der Recht-

sprechung kommen diese Grundsätze auch im Rechtsmittelverfahren zur Anwendung, mit 

der Konsequenz, dass die in Art. 317 ZPO vorgesehene Novenbeschränkung nicht zu be-

achten ist und das Gericht alle bis zur Urteilsberatung bekannten Tatsachen und Beweis-

mittel berücksichtigt (analog Art. 229 Abs. 3 ZPO; BGE 147 III 301 E. 2.2; BGE 144 III 349 

E. 4.2.1; KGer SG vom 3. September 2015, FO.2014.13/14 E. II.4 und 5, m.H., www.pub-

likationen.sg.ch). Demgemäss erfolgt die Beurteilung der Berufung hinsichtlich der Kinder-

belange auch im vorliegenden Fall auf der Grundlage der aktuellen Aktenlage und der bis 

heute gestellten Beweisanträge bzw. allfälliger von Amtes wegen vorgenommener respek-

tive vorzunehmender Beweiserhebungen. Auch bei Geltung des umfassenden Untersu-

chungsgrundsatzes haben die Parteien indes rechtsgenügliche Behauptungen vorzubrin-

gen und sind nicht von ihrer prozessualen Mitwirkungspflicht entbunden. Faktisch be-

grenzt wird die Untersuchungsmaxime überdies durch die Pflicht der Parteien, ihre Einga-

ben zu begründen (vgl. BGer 5A_141/2014 E. 3.4; BGer 5A_285/2013 E. 4.3, unter Hin-

weis auf BGE 128 III 411 E. 3.2.1; vgl. z.B. auch SUMMERMATTER, Zur Abänderung von 

Kinderalimenten, FamPra.ch 2012, S. 38 ff., 47 f.). 

 

Für den nachehelichen Unterhalt gilt hingegen grundsätzlich der Verhandlungs- und der 

Dispositionsgrundsatz (Art. 277 Abs. 1, Art. 55 und Art. 58 ZPO; BGer 5A_631/2018 

E. 3.2.2 m.w.H.). Entsprechend ist es Sache der Parteien, dem Gericht den für die Beur-

teilung notwendigen Sachverhalt darzulegen, und sie verfügen selber über den Streitge-

genstand. Zudem gilt die Novenbeschränkung gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO. Da die nach-

ehelichen und die Kindesunterhaltsbeiträge aus Sicht der finanziellen Leistungsfähigkeit 

des Schuldners indessen ein Ganzes bilden, wirkt sich der Untersuchungsgrundsatz auch 

auf die Tatsachengrundlage für die Bestimmung des nachehelichen Unterhalts aus. Die 

kraft der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime für den Kindesunterhalt gewonnenen 

Erkenntnisse sind mithin auch für den im gleichen Entscheid beurteilten nachehelichen 

Unterhalt relevant und lassen sich im Rahmen der vorzunehmenden Gesamtrechnung 

nicht gewissermassen für diesen ausblenden (BGE 147 III 301 E. 2.2; BGer 5A_141/2014 

E. 3.4; GEISER, Maximen und Prüfungskompetenz des Gerichts in familienrechtlichen Ver-

fahren, Tagung zur Schweizerischen ZPO – Familienrechtliche Verfahren, März 2011, 

S. 12 ff.). 

 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 11/72 

  

4.  Gegenwärtig sind nach wie vor drei Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen 

hängig (ZV.2022.12-K2 betreffend aufschiebende Wirkung der Berufung; ZV.2012.13-

EZE2 betreffend vorsorgliche Anordnung der alternierenden Obhut und Unterhaltsbei-

träge; ZV.2022.167-K2 betreffend Kinderübergabe). Mit Erlass dieses Endentscheids wer-

den diese Verfahren gegenstandslos und sind somit abzuschreiben. 

 

5.  Verfügung der KESB F. vom 6. Januar 2022 

a)  B. legt in ihrer Berufungsantwort bzw. Anschlussberufung vom 14. März 2022 dar, 

die KESB F. habe am 6. Januar 2022 eine Verfügung eröffnet, mit welcher die Parteien 

ermahnt wurden, dafür zu sorgen, dass die gemeinsamen Kinder nur altersgerechte Medi-

eninhalte konsumieren (FO/17 mit Beilage 2 [Verfügung der KESB F. vom 6. Januar 

2022]). Gegen diese Verfügung habe B. am 10. Februar 2022 Beschwerde beim Oberge-

richt des Kantons F. erhoben. Im vorliegenden Berufungsverfahren macht B. geltend, da 

A. den gesamten vorinstanzlichen Entscheid angefochten habe und damit auch das Be-

suchsrecht Verfahrensgegenstand sei, falle die Beurteilung des bei der KESB F. bzw. in-

folge Beschwerde beim Obergericht F. umstrittenen Sachverhalts in die Kompetenz des 

Kantonsgerichts St. Gallen. Daher habe B. das Obergericht F. mit der Einreichung der Be-

schwerde um Sistierung des Verfahrens ersucht, woraufhin das Obergericht das Verfah-

ren wunschgemäss sistiert habe (FO 17, S. 3 f., mit Verweis auf Beilage 3 und 4 [Sistie-

rungsverfügung des Obergerichts F.]). B. beantragt, es sei die Verfügung der KESB F. 

vom 6. Januar 2022 aufzuheben, eventualiter sei festzustellen, dass sie gegenstandslos 

geworden sei (FO/17, S. 2 f.; FO/31, S. 2). 

 

b)  A. beantragte in seiner Stellungnahme vom 14. April 2022 die Abweisung der 

Rechtsbegehren von B. und die Bestätigung des Entscheids der KESB F. vom 6. Januar 

2022 (FO/20, S. 1, 4 f.).  

 

c)  Vorliegend erging am 13. Juli 2021 der Entscheid der Vorinstanz betreffend Abän-

derung des Scheidungsurteils. Dabei befand das Kreisgericht L. unter anderem über den 

persönlichen Kontakt zwischen A. und seinen Kindern C. und D. Zudem erliess die Vo-

rinstanz Kindesschutzmassnahmen. Gegen diesen Entscheid erhob A. Berufung ans Kan-

tonsgericht St. Gallen. Mit Zwischenbericht vom 22. November 2021 der damaligen Bei-

ständin von C. und D. gab diese gegenüber der KESB F. die Empfehlung ab, die Besuche 

zum Vater seien (aufgrund eines nicht altersadäquaten Medienkonsums der Kinder beim 

Vater) unter Begleitung durchzuführen (Beilage 5 zu FO/17). Mit Entscheid vom 6. Januar 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 12/72 

  

2022 sah die KESB F. davon ab, die Besuchskontakte zum Vater unter Begleitung durch-

zuführen. Stattdessen ermahnte sie nach Art. 307 Abs. 3 ZGB beide Eltern, dafür zu sor-

gen, dass C. und D. nur altersgerechte Medien konsumieren (Beilage 2 zu FO/17).  

 

Gemäss Art. 315 Abs. 1 ZGB werden Kindesschutzmassnahmen von der Kindesschutz-

behörde am Wohnsitz des Kindes angeordnet. Hat das Gericht, das für die Ehescheidung 

oder den Schutz der ehelichen Gemeinschaft zuständig ist, die Beziehungen der Eltern zu 

den Kindern zu gestalten, so trifft es gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB auch die nötigen Kin-

desschutzmassnahmen und betraut die Kindesschutzbehörde mit dem Vollzug (Kompe-

tenzattraktion des Gerichts). Da vorliegend zum Zeitpunkt des Entscheids der KESB F. 

ein gerichtliches Verfahren hängig war, welches den persönlichen Kontakt zwischen A. 

und seinen Kindern zum Gegenstand hatte, war die KESB F. für die Anordnung der Kin-

desschutzmassnahmen sachlich nicht zuständig. Erlässt eine sachlich unzuständige Be-

hörde einen Entscheid, leidet dieser nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung an einem 

schwerwiegenden Mangel, der je nach den Umständen die Nichtigkeit zur Folge haben 

kann. Diese Rechtsfolge ist aber nicht zwingend. Vielmehr tritt sie nur dann ein, wenn die 

Unzuständigkeit offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und die Feststellung der 

Nichtigkeit die Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährdet. Das ist dann nicht der Fall, 

wenn der verfügenden Behörde auf dem betreffenden Gebiet allgemeine Entscheidungs-

gewalt zukommt. Die Nichtigkeit ist von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes we-

gen zu beachten (BGE 145 III 436 E. 4; dazu BULLETTI, Newsletter ZPO Online 2020-N24, 

Rz 1 ff.; BGer 5A_393/2018 E. 2).  

 

Der KESB kommt eine allgemeine Entscheidkompetenz in Sachen des Kindesschutzes 

zu. Die Abgrenzung zwischen der sachlichen Zuständigkeit der Kindesschutzbehörden 

und der Gerichte in eherechtlichen Verfahren ist nicht immer völlig klar (vgl. BGE 125 III 

401; BGer 5A_842/2016 E. 3.2). Der vorliegende Mangel der fehlenden sachlichen Zu-

ständigkeit der KESB F. war damit nicht leicht erkennbar. Mithin kann nicht von einem 

schwerwiegenden Mangel die Rede sein, der die Nichtigkeit des Entscheids der KESB F. 

vom 6. Januar 2022 zur Folge hat.  

 

Bei Ablehnung der Nichtigkeit bleibt der Entscheid der sachlich unzuständigen Behörde 

immerhin rechtsfehlerhaft und damit anfechtbar (BGE 145 III 436 E. 4; dazu BULLETTI, 

Newsletter ZPO Online 2020-N24, Rz 1 ff.). Vorliegend hat B. am 10. Februar 2022 beim 

Obergericht des Kantons F. Beschwerde gegen den Entscheid der KESB F. vom 6. Ja-

nuar erhoben. Auf Wunsch von B. wurde das Beschwerdeverfahren beim Obergericht F. 

bis zur rechtskräftigen Erledigung des vorliegenden Berufungsverfahrens sistiert (Beilage 

 

 

 

 

 

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3 zu FO/17). Ob der Entscheid der KESB F., gegen welchen fristgerecht Beschwerde 

beim Obergericht F. erhoben wurde, infolge Rechtsfehlerhaftigkeit aufzuheben ist, wird 

vom Obergericht F. nach Fortführung jenes Beschwerdeverfahrens zu beurteilen sein.  

 

III.  

 

1.  Allgemeine Bemerkungen/ Übersicht 

a)  In seiner Berufung vom 26. Januar 2022 beantragt A., der Entscheid der Vo-

rinstanz sei vollumfänglich aufzuheben (Berufung, S. 2). Aufgrund eines ursprünglichen 

Antrags von B. auf Alleinzuteilung der elterlichen Sorge befasste sich die Vorinstanz unter 

anderem mit der Frage der elterlichen Sorge. In ihrem Entscheid hielt sie fest, die elterli-

che Sorge für C. und D. werde bei beiden Eltern belassen (vi-Entscheid, Dispositiv-Ziff. 1 

Abs. 2, S. 17 f.). In seiner Berufungsbegründung äussert sich A. nicht zur vorinstanzlichen 

Anordnung betreffend elterliche Sorge. Damit gilt die vorinstanzliche Anordnung betref-

fend elterliche Sorge (Belassung der gemeinsamen elterlichen Sorge, Dispositiv-Ziff. 1 

Abs. 2 des vi-Entscheids) als unangefochten.  

 

b)  Im Hauptpunkt strittig ist die von der der Vorinstanz angeordnete alleinige Obhut 

der Mutter für C. und D. und damit einhergehend die Abweisung der vom Vater beantrag-

ten alternierenden Obhut, über welche es zunächst zu befinden gilt (E. III.2.). Anschlies-

send ist der persönliche Verkehr zwischen dem Vater und seinen Kindern zu beurteilen 

(E. III.3-4). Sodann werden die Kindesschutzmassnahmen samt Beistandschaft geprüft 

(E. III.5-6). Schliesslich ist über den nachehelichen Unterhalt und den Kinderunterhalt zu 

befinden (E. III.7-18).  

 

2.  Obhut 

a)  Im Rahmen der Scheidung einigten sich A. und B. auf eine alternierende Betreu-

ung von C. und D. (vgl. Dispositiv-Ziff. 4.3 des Scheidungsurteils vom 28. August 2015). 

In der Folge betreute A. die Kinder C. und D. in den "geraden" Wochen von Donnerstag-

abend, 18.00 Uhr, bis Dienstagabend, 18.00 Uhr, sowie während der Hälfte der Schulfe-

rien. In der übrigen Zeit wurden die Kinder von B. betreut. Die Betreuungsanteile betrugen 

somit ca. 40 Prozent (Vater) und 60 Prozent (Mutter). Während des vorinstanzlichen Ab-

änderungsverfahrens wurden die Kinder mit Entscheid betreffend vorsorgliche Massnah-

men der Familienrichterin des Kreisgerichts L. vom 7. Juni 2018 in die alleinige Obhut der 

Mutter gestellt und dem Vater wurde ein gerichtsübliches Besuchsrecht an jedem zweiten 

Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend eingeräumt (SF.2018.25-[…]). Die ge-

gen die Umteilung der Obhut erhobene Berufung von A. wurde vom Einzelrichter des 

 

 

 

 

 

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Kantonsgerichts abgewiesen (FS.2018.22-EZE2). Am 2. August 2018 zog die Mutter (und 

deren Lebenspartner) mit C. und D. nach E., woraufhin die Kinder in die dortige Schule 

eintraten.  

 

Mit ihrem Entscheid vom 13. Juli 2021 hielt die Vorinstanz betreffend Obhut im Wesentli-

chen an ihrer vorsorglich angeordneten Obhutsregelung gemäss Entscheid vom 7. Juni 

2018 fest. Demnach hob sie Dispositiv-Ziff. 4.3.1 lit. a-c des Scheidungsurteils vom 

28. August 2015 bzw. die dort festgelegte alternierende Obhut auf und stellte C. und D. in 

die alleinige Obhut der Mutter. Für den Vater ordnete die Vorinstanz ein gerichtsübliches 

Besuchsrecht (jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend) an. Zu-

dem räumte sie dem Vater ein jährliches Ferienrecht von vier Wochen ein und traf eine 

Feiertagsregelung (vi-Entscheid, Dispositiv-Ziff. 1 und 2). Dabei stützte sie sich unter an-

derem auf das Gutachten vom 12. September 2019 (vi-act. 89), die Berichte der Beistän-

din vom 12. April 2021 und 12. Mai 2021 (vi-act. 141, 152) und die Einschätzungen des 

Kindesvertreters (vi-act. 155). Die Gutachterinnen der Fachstelle H. stellten fest, dass die 

Mutter mit ihrem Umzug nach E. Fakten geschaffen habe, welche gegen die Wiederein-

führung der alternierenden Obhut sprächen. Rein aus geografischer Distanz sei eine alter-

nierende Obhut kaum möglich. Zudem würde die hochkonflikthafte Trennungsproblematik 

einen positiven Verlauf einer alternierenden Obhut erschweren. Vor dem Hintergrund der 

Stabilität und Kontinuität sei es sinnvoll, die hauptsächliche Betreuung bei der Mutter zu 

belassen. Beide Kinder hätten geäussert, weiterhin in E. leben und dort in die Schule ge-

hen zu wollen. Die Vorinstanz erachtete den (zuletzt) geäusserten Willen von C., jedes 

zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend sowie vier Wochen Ferien im 

Jahr beim Vater verbringen zu wollen, als konsistent. Dahingegen schloss sie bei D., wel-

che sich in einem starken Loyalitätskonflikt befinde und unterschiedliche Angaben zum 

gewünschten Kontaktrecht zum Vater gemacht habe (welche tendenziell auf weniger Kon-

taktwunsch zum Vater lauteten), auf keinen konstanten Willen. Insbesondere aufgrund 

des von C. geäusserten Willens, der Einschätzung der Beiständin, der schlechten Kom-

munikationsbasis der Eltern aufgrund ihres hochgradigen Konflikts und der Bedeutung 

von Freizeitaktivitäten (Hobbies, Freunde) in E. mit zunehmendem Alter der Kinder erach-

tete sie die Beibehaltung der alleinigen Obhut der Mutter verbunden mit einem Besuchs-

kontakt zum Vater jedes zweite Wochenende sowie vier Ferienwochen im Jahr als dem 

Kindeswohl entsprechend (zum Ganzen: vi-Entscheid, S. 19-30).  

 

b)  Verlangt ein Elternteil oder das Kind die alternierende Obhut, hat das Gericht zu 

prüfen, ob die alternierende Obhut unter den konkreten Umständen im Kindswohl liegt 

und tatsächlich möglich ist. Das Gericht ist gehalten, gestützt auf festgestellte Tatsachen 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 15/72 

  

der Gegenwart und der Vergangenheit eine sachverhaltsbasierte Prognose darüber zu 

stellen, ob die alternierende Obhut als Betreuungslösung aller Voraussicht nach dem 

Wohl des Kinds entspricht (BGer 5A_629/2019 E. 4.1; BGE 142 III 612 E. 4.2; vgl. LEUEN-

BERGER, Alternierende Obhut auf einseitigen Antrag, in: FamPra.ch 2019 S. 1103 f.). Eine 

alternierende Obhut kommt grundsätzlich nur in Frage, wenn beide Eltern erziehungsfähig 

sind. Weiter ist dieses Betreuungsmodell nur praktisch umsetzbar, wenn die Eltern fähig 

und bereit sind, in Kinderbelangen laufend miteinander zu kommunizieren und im Hinblick 

auf die notwendigen organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Zudem kommt es 

auf die geografische Situation an, namentlich die Distanz zwischen den Wohnungen der 

beiden Eltern. Bedeutsam ist auch die Kindswohlwirksamkeit der Stabilität, wie sie mit ei-

ner Weiterführung der bisherigen Regelung einhergeht. Andere Kriterien sind das Alter 

des Kinds, seine Beziehungen zu Geschwistern und seine Einbettung in das weitere sozi-

ale Umfeld. Beachtung verdient auch der Wunsch des Kinds, selbst wenn es bezüglich 

der Betreuungsregelung (noch) nicht urteilsfähig ist (zum Ganzen BGE 142 III 612 E. 4.3; 

BGer 5A_345/2020 E. 5.2. m.w.H.). 

 

c)  Die Vorinstanz hat ihren Entscheid, von einer alternierenden Obhut abzusehen 

und C. und D. unter die alleinige Obhut der Mutter zu stellen bzw. zu belassen, (implizit) 

auf die erwähnten bundesgerichtlichen Kriterien betreffend alternierende Obhut abgestellt. 

Wie erwähnt, hat sie sich bei dieser Beurteilung unter anderem auf das von ihr in Auftrag 

gegebene familienpsychologische Gutachten vom 12. September 2019 abgestützt. Dazu 

ist anzumerken, dass die Tatsache, dass das Gutachten mittlerweile über vierjährig ist, 

nicht bedeutet, dass es als Ganzes veraltet ist. Vielmehr wird darauf zu achten sein, wel-

che Teile nach wie vor aktuell erscheinen und welche sich auf eine frühere Situation be-

ziehen (vgl. BGer 5A_99/2020 E. 4.3.6).  

 

A. beantragt, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und anstelle von Dispositiv-

Ziff. 2 des vorinstanzlichen Entscheids sei festzustellen, dass die Kinder weiterhin unter 

der alternierenden Obhut zu ungefähr gleichen Teilen stehen, mindestens was das Gut-

achten empfohlen habe (Berufung, S. 2). Nachfolgend ist die Beurteilung der Vorinstanz 

bzw. die Frage nach der Obhutsregelung anhand der Rügen des Vaters zu prüfen. Dabei 

sind die seit Erlass des vorinstanzlichen Entscheids neu dazugekommenen Tatsachen 

bzw. die aktuellen Verhältnisse zu berücksichtigen.  

 

d/aa) Der Vater rügt zunächst, im Sinne der Kontinuität sei es wichtig, dass die Kinder 

nicht aus einem bereits gelebten und gut eingespielten Betreuungsmodell herausgerissen 

werden und daher zu beiden Elternteilen den Kontakt weiterhin gleichmässig wie gewohnt 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 16/72 

  

wahrnehmen können. Die alternierende Obhut sei bereits gelebt worden und entspreche 

einem gut eingespielten Betreuungsmodell. Hobbies könnten die Kinder wie bis anhin 

ebenfalls in M. ausüben, so der Vater (Berufung, S. 4). Die Distanz zwischen den Wohn-

orten der Mutter bzw. des Vaters (E. bzw. M.) sei zu überwinden, zumal es die Mutter ge-

wesen sei, die durch ihren Wegzug von M. nach E. Fakten geschaffen habe und dem Va-

ter daraus keine Nachteile entstehen dürften. Die Mutter wendet ein, dass das Modell der 

alleinigen Obhut der Mutter mit Besuchsrecht des Vaters nun bereits seit mehreren Jah-

ren gelebt werde (Berufungsantwort, S. 6). 

 

d/bb) Mit dieser Rüge zielt der Vater auf die Kriterien der Kontinuität bzw. Stabilität und 

der geografischen Distanz ab. Das Kriterium der Kontinuität bzw. Stabilität versteht sich 

als Weiterführung der bisherigen Lebensweise bzw. als Fortbestehen des Aufenthaltsor-

tes und beinhaltet ebenso das Kriterium der Beziehungskontinuität (BGE 138 III 565 

E. 4.3; FamKomm Scheidung-MAIER/VETTERLI, 2022, Art. 176 ZGB N 2a). Geht es um Ju-

gendliche, kommt der Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld eine grosse Bedeutung zu 

(BGE 142 III 612 E. 4.3). Dabei ist die jetzige Situation ausschlaggebend, das heisst, es 

ist aus heutiger Sicht zu beurteilen, ob das Kindeswohl den Verbleib unter der alleinigen 

Obhut der Mutter in E. oder einen Wechsel in die alternierende Obhut gebietet.  

 

Gemäss Scheidungsurteil vom 28. August 2015 übten die Eltern die Obhut für C. und D. 

im Verhältnis von ca. 60 Prozent (Mutter) zu 40 Prozent (Vater) und damit alternierend 

aus. Damals lebten beide Eltern in M. Im August 2018 zog die Mutter mit C. und D. sowie 

ihrem Lebenspartner P. nach E. und übt seither die alleinige Obhut über C. und D. aus. 

Zum Zeitpunkt des Umzugs war C. 8.5-jährig und D. knapp 7-jährig.  

 

Die Vorinstanz erwog zu ihrem Urteilszeitpunkt im Juli 2021 basierend auf dem Gutachten 

vom 12. September 2019, Berichten der damaligen Beiständin und Einschätzungen des 

Kindesvertreters, dass es C. und D. in E. gut gehe und sie sich gut eingelebt hätten. 

Beide Kinder hätten sich in der Schule in E. integriert, hätten Freunde und würden Hob-

bies ausüben (vi-Entscheid, S. 21 ff.). Anhand der im vorliegenden Berufungsverfahren 

vom Präsidenten der Familienrechtskammer des Kantonsgerichts geführten Anhörungen 

von C. und D. vom 6. Dezember 2023 sowie des Verlaufsberichts der Beiständin O. vom 

7. Dezember 2023 ergibt sich, dass sich beide Kinder in der aktuellen Wohnsituation nach 

wie vor wohl fühlen (FO/37-40).  

 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 17/72 

  

C., geb. DD.MM.2009, ist heute 14-jährig und lebt seit über fünfeinhalb Jahren in E. Er 

gab anlässlich seiner Anhörung an, dass die Wohnsituation mit seiner Mutter, deren Le-

benspartner P. und D. gut sei. Er fühle sich wohl. Mit P. habe er hin und wieder geringe 

Differenzen. Dieser meckere z.B., wenn er, C., vergessen habe, aufzutischen. Seine Mut-

ter meckere nur selten, und wenn schon, dann auf "liebe" Art und Weise. Er habe eine 

gute Beziehung zu ihr. Er besuche die 1. Sek in der Sonderschule in Q., wo er sich wohl 

fühle (FO/37). Gemäss Verlaufsbericht der Beiständin hatte C. in E. Probleme mit den 

schulischen Leistungen und zeigte Verhaltensauffälligkeiten. Schulische Interventions-

massnahmen konnten keine langfristige Entlastung bewirken. Mit Übertritt in die Ober-

stufe (im Sommer 2023) konnte C. von der Schule E. in die Sonderschule nach Q. wech-

seln. Dort fühlt sich C. gemäss seiner Aussage wohl, integriert und verstanden. Die 

Hauptlehrperson von C. habe beim Schulgespräch bestätigt, dass C. sowohl schulisch 

wie auch sozial keine Auffälligkeiten zeige (FO/39).  

 

D., geb. DD.MM.2011, ist heute 12-jährig und lebt ebenfalls seit über fünfeinhalb Jahren 

in E. Sie gab an der Anhörung an, dass sie sich in der aktuellen Wohnsituation in E. wohl 

fühle. Sie verstehe sich gut mit ihrer Mutter und deren Lebenspartner P. Sie besuche die 

6. Klasse in E., wo sie Freundinnen habe (FO/38). Auch gemäss dem Verlaufsbericht der 

Beiständin ist D. in der Schule gut integriert und konnte gute schulische Leistungen zei-

gen (FO/39).  

 

Aus dem Dargelegten ergibt sich, dass das Kriterium der Kontinuität dafür spricht, den 

heute 14-jährigen C. und die 12-jährige D. unter der alleinigen Obhut der Mutter zu belas-

sen. Von einer Beibehaltung der alternierenden Obhut als gewöhntes Betreuungsmodell, 

wie der Vater dies bezeichnet, kann keine Rede mehr sein, nachdem die Kinder seit über 

fünfeinhalb Jahren allein von der Mutter betreut werden.  

 

Zum Kriterium der geografischen Distanz der beiden Wohnorte der Eltern ist zu berück-

sichtigen, dass die Entfernung zwischen dem Wohnort des Vaters in M. und jenem der 

Mutter in E. 30 Kilometer beträgt. Mit dem Auto dauert die Fahrt (mindestens) 35 Minuten 

(vgl. vgl. www.google.com/maps). Der Vater hat keinen Führerausweis. Mit den öffentli-

chen Verkehrsmitteln dauert die Fahrt bzw. der Weg von Haus zu Haus mindestens eine 

Stunde. Ebenfalls ca. eine Stunde dauert die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 

zwischen dem Wohnort des Vaters und C.s Schulort in Q. (vgl. www.sbb.ch). Bei einer al-

ternierenden Obhut, wie der Vater sie beantragt (Betreuung "zu ungefähr gleichen Teilen, 

mindestens was das Gutachten empfohlen hatte") müssten die Kinder wohl auch zu 

Schulzeiten zwischen den Wohnorten der Eltern und ihren Schulorten pendeln. Bei der 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 18/72 

  

aktuell 12-jährigen D., welche die Schule in E. besucht, erscheint eine Stunde Pendelweg 

während der Schulzeit nicht zumutbar. Beim aktuell 14-jährigen C., welcher seit dem 

Sommer 2023 bereits mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Haus der Mutter in E. zu 

seiner Schule in Q. gelangt (FO/37), wäre ein Pendeln von der Schule zum Wohnort des 

Vaters nicht völlig undenkbar.  

 

e/aa) A. rügt weiter, das Gutachten vom 12. September 2019 halte fest, dass die Kinder 

unter der aktuellen Betreuungssituation gefährdet seien. Es sei davon auszugehen, so A., 

dass Ursache dieser Kindeswohlgefährdung die Erhöhung des Betreuungsanteils der 

Mutter bzw. die Verminderung des Betreuungsanteils des Vaters seit Juni 2018 sei. Die-

ser Kindeswohlgefährdung sei mit einer deutlichen Erhöhung seines Betreuungsanteils zu 

begegnen. Das Gutachten würde sich denn auch (sinngemäss) für eine Ausweitung des 

Betreuungsanteils des Vaters aussprechen. So habe das Gutachten bei C. eine Besuchs-

regelung beim Vater jeden Mittwochnachmittag direkt nach der Schule, jedes zweite Wo-

chenende im Monat gemeinsam mit D. sowie zusätzlich ein weiteres Wochenende im Mo-

nat empfohlen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz von dieser Empfeh-

lung abgewichen sei. Eine Kindeswohlgefährdung bei alternierender Obhut, wie von der 

Vorinstanz festgestellt, sei mitnichten offensichtlich. Es möge sein, dass die Kinder sich 

aufgrund eines Elternkonflikts bedroht fühlen, dies stehe aber in keinem Zusammenhang 

mit der alternierenden Obhut. Eine alternierende Obhut könne auch bei Kommunikation 

via SMS gelebt werden. Die Kinder würden zu beiden Elternteilen eine liebevolle, innige 

Beziehung pflegen, wie die Vorinstanz denn auch festgestellt habe. Durch die alternie-

rende Obhut würden die Kinder nicht nur die Ansichten und Lebensweisheiten der Mutter, 

sondern auch des Vaters erhalten, was sich positiv auswirken würde (Berufung, S. 5-7). 

 

B. wendet ein, der Vater zitiere einseitig aus dem Gutachten. So unterschlage er nament-

lich, dass die alternierende Obhut gemäss Gutachten aus mehreren Gründen nicht um-

setzbar sei. Es ergebe sich aus verschiedenen Dokumenten und Äusserungen von Perso-

nen, dass die alternierende Obhut nicht fortgeführt werden soll. Sodann sei die alternie-

rende Obhut auch wegen der konfliktbehafteten Kommunikation der Eltern schlichtweg 

nicht umsetzbar. Schliesslich bestünden aufgrund neuerer Entwicklungen Anzeichen da-

für, dass das Kindeswohl bei Aufenthalt beim Vater gefährdet sei. So seien bei C. und D. 

im Herbst 2021 von mehreren Personen (Lehrer, Therapeuten etc.) Verhaltensänderun-

gen festgestellt worden. Es hätten starke Indizien bestanden, dass die Kinder beim Vater 

nicht altersgerechte Inhalte in Film, Fernsehen und Games konsumieren dürfen (C.) bzw. 

müssen (D.). Aufgrund dessen habe seit Ende November 2021 bis März 2022 kein Kon-

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 19/72 

  

takt mehr zwischen dem Vater und den Kindern stattgefunden (zum Ganzen: Berufungs-

antwort, S. 4-7). Im Jahr 2022 hätten die Kinder den Vater trotz Vermittlungsversuchen via 

Beiständin und einigen Spontanbesuchen der Mutter bzw. der Kinder beim Vater diesen 

lediglich rund sechs Mal gesehen (FO/31, S. 2).  

 

e/bb) Der Auffassung des Vaters, zur Wahrung des Wohls der Kinder sei der Betreu-

ungsanteil der Mutter zu vermindern bzw. sein Betreuungsanteil zu erhöhen, kann nicht 

gefolgt werden. Vielmehr sprechen in diesem Zusammenhang die Kriterien der Erzie-

hungsfähigkeit und der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft gegen eine alter-

nierende Obhut.  

 

Erziehungsfähigkeit wird als die grundlegende Kompetenz verstanden, die emotionalen 

und körperlichen Bedürfnisse seines Kinds zu erkennen, das Kind zu versorgen und zu 

betreuen sowie erzieherisch angemessen auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen 

(LUDEWIG/BAUMER/SALZGEBER/HÄFELI/ALBERMANN, Richterliche und behördliche Entschei-

dungsfindung zwischen Kindswohl und Elternwohl: Erziehungsfähigkeit bei Familien mit 

einem psychisch kranken Elternteil, in: FamPra.ch 2015, S. 562 ff., 574). Sie setzt eine 

echte Zuneigung zum Kind sowie ein waches Interesse an ihm und seiner Entwicklung vo-

raus (BGE 111 II 225 E. 2; BK ZGB-BÜHLER/SPÜHLER, 3. Aufl., Art. 156, N 89).  

 

Die alternierende Obhut ist nur praktisch umsetzbar, wenn die Eltern fähig und bereit sind, 

in Kinderbelangen laufend miteinander zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwen-

digen organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Die Kommunikation zwischen den 

Eltern kann auch bloss schriftlich erfolgen. Es steht einer alternierenden Obhut nicht ent-

gegen, wenn die Eltern zur gemeinsamen Entscheidfindung über die Kinderbelange auf 

die Vermittlung einer Drittperson angewiesen sind. Ferner kann allein aus dem Umstand, 

dass ein Elternteil sich einer Regelung mit geteilter Betreuung widersetzt, nicht ohne wei-

teres geschlossen werden, die nötige Kooperation sei nicht gewährleistet. Unter diesem 

Aspekt ist von einer alternierenden Obhut nur abzusehen, wenn das Verhältnis unter den 

Eltern hinsichtlich anderer Kinderbelange von einer Feindseligkeit gezeichnet ist, die an-

nehmen lässt, eine alternierende Obhut würde das Kind dem gravierenden Elternkonflikt 

in einer Weise aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderläuft (zum Ganzen 

BGer 5A_629/2019 E. 4.2; BGer 5A_345/2020 E. 5.2; BGE 142 III 612 E. 4.2).  

 

Das Gutachten vom 12. September 2019 stellte bei beiden Kindern deutliche psychische 

Belastungssymptome und Verhaltensauffälligkeiten fest und schloss daher auf eine aktu-

elle Kindeswohlgefährdung. Den Eltern gelinge es seit Jahren nicht, eine funktionierende 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 20/72 

  

Betreuungsregelung zu organisieren und die Kinder aus den elterlichen Konflikten heraus-

zuhalten. Aufgrund der hochstrittigen Konfliktdynamik sei es den Eltern nicht möglich, die 

kindlichen Bedürfnisse ins Zentrum zu stellen und eigene Gefühle im Sinne der Kinder zu-

rück zu stellen. Die Kinder würden sich in einem Loyalitätskonflikt befinden (S. 91-93). Bei 

beiden Eltern wurde die Erziehungsfähigkeit – unter anderem auch wegen des Einbezugs 

der Kinder in den elterlichen Konflikt – als eingeschränkt beurteilt (S. 95-104). Die Wieder-

einführung der alternierenden Obhut erachtete sie, wie bereits erwähnt, aufgrund der geo-

grafischen Begebenheiten, der hochkonflikthaften Trennungsproblematik und dem Hinter-

grund der Stabilität und Kontinuität als nicht zielführend. Daher wurde der Verbleib der 

Kinder unter der alleinigen Obhut der Mutter und ein "übliches" Besuchsrecht im Falle von 

D. (jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend) bzw. ein "grosszügi-

ges" Besuchsrecht im Falle von C. (drei Wochenenden im Monat und jeden Mittwoch-

nachmittag) empfohlen (S. 108 f.). Um die Kindeswohlgefährdung zu reduzieren und die 

Erziehungsfähigkeit der Eltern zu stärken, wurde als Kindesschutzmassnahme unter an-

derem eine intensive, hochfrequente Familienbegleitung als indiziert erachtet (S. 110). Auf 

das Gutachten vom 12. September 2019 kann vorliegend insofern abgestellt werden, als 

dass es den aktuellen Stand des Familiensystems zum damaligen Zeitpunkt wiedergab 

und gestützt darauf entsprechende Interventionsmassnahmen empfahl (vgl. vorstehend E. 

 III.2.c mit Verweis auf BGer 5A_99/2020 E. 4.3.6 betreffend Aktualität eines mehrjährigen 

Gutachtens). Die Vorinstanz ging in ihrem Entscheid vom Juli 2021 aufgrund des schwer-

wiegenden elterlichen Konflikts, in welchen die Kinder miteinbezogen werden und welcher 

eine beschränkte Kommunikationsfähigkeit der Eltern mit sich bringt, von einer erhebli-

chen Kindeswohlgefährdung aus. Basierend auf dem Gutachten, Berichten der (damali-

gen) Beiständin vom Mai 2021 sowie den damals aktuellen Einschätzungen des Kindes-

vertreters hielt sie an der bereits seit August 2018 eingeführten alleinigen Obhut der Mut-

ter fest und ordnete zudem (vorsorglich) Kindesschutzmassnahmen an. Als Kindesschutz-

massnahmen ordnete sie unter anderem die Einzeltherapie beider Eltern zur Unterstüt-

zung im Umgang mit ihren Emotionen und Kommunikations- und Beziehungsmustern und 

zur Persönlichkeitsentwicklung sowie eine sozialpädagogische Familienbegleitung bei bei-

den Eltern an (vi-Entscheid, S. 34 f.).  

 

Gemäss Verlaufsbericht der Beiständin O. vom 7. Dezember 2023 ist die Entwicklung von 

C. und D. gemäss Austausch mit Fachpersonen nach wie vor gefährdet. Nach wie vor 

werden die beiden in den elterlichen Dauerkonflikt einbezogen und instrumentalisiert und 

zeigen psychische Belastungssymptome. Die fehlende Kommunikation zwischen den El-

tern führe immer wieder zu konflikthaften Situationen, bei denen die Kinder in den elterli-

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 21/72 

  

chen Streit einbezogen werden. Die Kontakte von B. zur Beiständin gestalten sich inten-

siv, wobei sich B. auf die Zusammenarbeit und Kooperation mit der Beiständin einlasse. 

Vom April 2022 bis Oktober 2023 arbeitete eine sozialpädagogische Familienbegleiterin 

gemäss entsprechender vorsorglicher Anordnung der Vorinstanz mit B., den Kindern und 

P. Dadurch konnte eine positive Veränderung des Familienklimas erreicht werden. Die 

Mutter habe die Zusammenarbeit mit der Familienbegleiterin als gewinnbringend und un-

terstützend wahrgenommen. Da sich die Gesamtsituation entspannt habe, fühle sich die 

Mutter ausreichend gestärkt und wollte die Begleitung beenden. Auch die Beiständin und 

die Familienbegleiterin sahen die Wirkung der sozialpädagogischen Familienbegleitung 

aktuell als ausgeschöpft. A. sei zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, sich auf die sozialpä-

dagogische Familienbegleitung einzulassen. Auch die Zusammenarbeit mit der Beiständin 

verweigere er (zum Ganzen: FO/39).  

 

Aus den Akten geht zudem hervor, dass seit Erlass des vorinstanzlichen Urteils der Medi-

enkonsum der Kinder zu einem grossen Streitpunkt der Eltern wurde. Am 22. November 

2021 erging ein Zwischenbericht der damaligen Beiständin in welchem sie die Anordnung 

begleiteter Besuchsrechte zum Vater empfahl. Als Begründung führte sie auf, dass meh-

rere Personen im Umfeld der Kinder Verhaltensänderungen festgestellt hätten, welche auf 

nicht altersgerechten Medienkonsum (Film, Fernsehen, Games) der Kinder beim Vater 

zurückzuführen seien (Beilage 5 zu FO/17). A. bestritt anlässlich eines Gesprächs bei der 

KESB F. vom 6. Dezember 2021, die Kinder bei sich zuhause nicht altersgerechte Spiele 

spielen zu lassen (Beilage 6 zu FO/17). Am 6. Januar 2022 erging der Entscheid der 

KESB F., in welchem beide Eltern ermahnte, dafür zu sorgen, dass C. und D. nur alters-

gerechte Medieninhalte konsumieren (Beilage 2 zu FO/17). Dieser Entscheid ist nicht 

rechtskräftig (vgl. Beilage 3 zu FO/17 sowie E. II.5). Gemäss Bericht der Beiständin 

O. vom 7. Dezember 2023 habe B. den Kindern vom November 2021 (infolge Bericht der 

Beiständin) bis zum Entscheid der KESB F. anfangs Januar 2022 den Kontakt zum Vater 

verweigert. Seit Januar 2022 werde das von der Vorinstanz festgelegte Besuchsrecht 

nicht mehr eingehalten. Die Kontakte zum Vater fanden seither nur sporadisch statt. Die 

Mutter sehe eine gewisse Kindeswohlgefährdung, wenn sich die Kinder beim Vater auf-

halten. So habe C. beispielsweise ohne vorherige Absprache zwischen Vater und Mutter 

ein Handy samt Abo vom Vater erhalten und dürfe nicht altersadäquate Computergames 

bei ihm spielen (FO/39).  

 

Aus dem Aufgeführten ergibt sich, dass der elterliche Konflikt C. und D. nach wie vor be-

lastet und die Kommunikation der Eltern nach wie vor defizitär ist. B. ist es nichtsdestot-

rotz gelungen, ihren Kindern ein einigermassen stabiles Erziehungsumfeld zu bieten. 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 22/72 

  

Durch die von der Vorinstanz vorsorglich angeordnete sozialpädagogische Familienbe-

gleitung, auf welche sich B. eingelassen hat, hat sich das Familienklima bei der Mutter po-

sitiv entwickelt. Insofern ist von einer Verbesserung der Erziehungsfähigkeit der Mutter 

seit Erlass des vorinstanzlichen Entscheids auszugehen. Diesen Eindruck erlangte denn 

auch das Gericht anlässlich der Anhörung von C. und D. Beide Kinder fühlen sich bei der 

Mutter wohl und scheinen dort gut umsorgt zu sein. Dahingegen hat sich A. auf die vo-

rinstanzlich angeordneten Massnahmen, welche zur Stärkung seiner Erziehungsfähigkeit 

gedacht waren, nicht eingelassen. Es konnte bei ihm keine sozialpädagogische Familien-

begleitung stattfinden und auch in der Zusammenarbeit mit der Beiständin zeigt er sich 

nicht kooperativ. Daher erscheint die Auffassung von A., zur Begegnung der Kindeswohl-

gefährdung sei eine Verminderung der Betreuungsanteile der Mutter notwendig, als völlig 

unbegründet und es kann ihr nicht gefolgt werden. Vielmehr sprechen die Kriterien der Er-

ziehungsfähigkeit des Vaters und der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft ge-

gen eine alternierende Obhut.  

 

f/aa) A. rügt, entgegen der Würdigung der Vorinstanz entspräche die alternierende Obhut 

dem Wohl von C. und D. Auch vor dem Hintergrund des Loyalitätskonflikts, in dem sich 

die Kinder befänden, sei die alternierende Obhut die geeignetste Lösung, da sich die Kin-

der weder für den einen noch für den anderen Elternteil entscheiden müssten, sondern 

beide Elternteile gleichermassen zur Verfügung hätten. Von einem freien Kinderwillen zu 

sprechen sei aufgrund der Faktenschaffung durch Wegzug der Mutter nach E. nicht ange-

bracht. Es sei offensichtlich, dass die Mutter die Kinder, besonders D., unter Druck ge-

setzt und ihr gesagt habe, was für Aussagen sie machen solle. Daher seien die Aussagen 

von D. nicht geeignet, darüber zu befinden, ob eine Alleinzuteilung der Obhut an die Mut-

ter angezeigt sei (Berufung, S. 4-11).  

 

f/bb) Entgegen der nicht begründeten Ansicht von A. hat die Vorinstanz die von D. ge-

äusserten Aussagen angemessen gewürdigt. Da D. im vorinstanzlichen Verfahren unter-

schiedliche Angaben zum gewünschten Kontakt zum Vater machte und sich gemäss vo-

rinstanzlicher Feststellung in einem starken Loyalitätskonflikt befand, schloss sie bei der 

im vorinstanzlichen Urteilszeitpunkt 9-jährigen D. auf keinen konstanten Willen. Ihre Ent-

scheidung betreffend Beibehaltung der alleinigen Obhut der Mutter stellte sie daher auf 

andere Kriterien ab (vgl. hiervor E. III.2.a).  

 

Wie erwähnt ist der Wunsch des Kindes bei der Entscheidung über das Betreuungsmodell 

miteinzubeziehen. Je älter das Kind ist, desto mehr Gewicht ist dem Wunsch des Kindes 

in der Regel beizumessen, wobei die Rechtsprechung grundsätzlich davon ausgeht, dass 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 23/72 

  

Kinder ab dem Alter von 12 Jahren in der Lage sind, autonom einen Willen zu bilden. In-

dessen darf auch der aktenkundig geäusserte Wille eines etwas jüngeren Kindes nicht 

einfach ausgeblendet werden (BGer 5A_469/2018 E. 4.2).  

C. und D. wurden im vorliegenden Berufungsverfahren am 6. Dezember 2023 erneut an-

gehört. Die mittlerweile zwölfjährige D. sprach sich dabei klar gegen eine alternierende 

Obhut aus. Gefragt, was sie machen würde, wenn sie zwei Schlüssel für beide Wohnun-

gen der Eltern hätte und selbst entscheiden könnte, bei welchem Elternteil sie Zeit ver-

bringen könnte, antwortete D., sie würde nur zur Mutter gehen. Ein ganzes Wochenende 

beim Vater zu verbringen, würde sie blöd finden, da sie sich dort "vorig" fühle. Sie gehe 

nicht so gerne zum Vater (FO/38). Ähnliche Äusserungen machte sie gegenüber der Bei-

ständin (FO/39). Diesem geäusserten Willen kommt aufgrund D.s Alter und der (aus Sicht 

von D.) nachvollziehbaren Begründung Beachtung zu. Dem Einwand des Vaters, der 

Wille von D. sei von der Mutter beeinflusst, ist entgegenzuhalten, dass auch ein beein-

flusster Wille zur eigenen Empfindung des Kindes werden kann und damit ernstzunehmen 

ist (vgl. im Zusammenhang mit dem persönlichen Verkehr BGer 5A_875/2017 E. 3.3). 

Überdies findet das Gericht keine Anhaltspunkte (Erwachsenensprache oder Ereignisse, 

die das Kind gar nicht erlebt haben kann), die für eine Beeinflussung sprechen. Die Be-

hauptung der Beeinflussung begründet der Vater denn auch nicht. 

 

Der zum Gesprächszeitpunkt knapp 14-jährige C. äusserte sich betreffend Wunschkon-

takt zu den Eltern dahingehend, dass er gerne jedes zweite Wochenende zum Vater ge-

hen möchte, mit Übernachtungen. Zudem wäre er gerne flexibel, sodass er spontan auch 

mal unter der Woche beim Vater übernachten könnte (FO/37). Im Gegensatz zu D. 

wünscht sich C. klar Kontakt zum Vater. Dabei spricht er sich für ein grosszügiges Be-

suchsrecht beim Vater aus, nicht aber dafür, ungefähr zu gleichen Teilen beim Vater und 

der Mutter wohnen zu können.  

 

g)  Die Gesamtbetrachtung der massgeblichen Kriterien spricht klar dafür, die Kinder 

C. und D. in der alleinigen Obhut der Mutter zu belassen. Wie bereits ausgeführt, hat sich 

das Gericht bei der Frage der Obhutszuteilung am Wohle des Kindes zu orientieren; eine 

Bestrafung des einen oder eine Belohnung des anderen Elternteils für allfälliges Fehlver-

halten ist kein taugliches Entscheidungskriterium. In der Gesamtbetrachtung ist zu sehen, 

dass das Wohl von C. und D. bei der Beibehaltung des seit August 2018 gelebten Betreu-

ungsmodells am besten gewahrt ist. Angesichts der Tatsache, dass ihre jetzige Situation 

als gut zu bezeichnen ist, gibt es keinen Grund, etwas daran zu ändern. 

  

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 24/72 

  

3.  Persönlicher Kontakt 

a)  Die Vorinstanz räumte dem Vater (im Rahmen eines Besuchsrechts) das Recht 

ein, C. und D. an jedem zweiten Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend zu be-

treuen. Sie wies den Vater an, die Kinder jeweils an ihrem Wohnort abzuholen und wieder 

dorthin zurückzubegleiten. Zudem gewährte sie dem Vater das Recht, jährlich insgesamt 

vier Wochen Ferien mit C. und D. zu verbringen. Schliesslich legte sie eine Feiertagsrege-

lung fest (vi-Entscheid, Dispositiv-Ziff. 2). Dabei stützte sie sich vor allem auf den von C. 

geäusserten Willen ab, jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend 

sowie vier Wochen Ferien im Jahr beim Vater verbringen zu wollen. Diesen geäusserten 

Willen erachtete sie als konsistent. Dahingegen schloss sie bei D., welche sich in einem 

starken Loyalitätskonflikt befinde und unterschiedliche Angaben zum gewünschten Kon-

taktrecht zum Vater gemacht habe (welche tendenziell auf weniger Kontaktwunsch zum 

Vater lauteten), auf keinen konstanten Willen. Das angeordnete Besuchsrecht (jedes 

zweite Wochenende mit Übernachtungen) werde nunmehr seit August 2018 gelebt und 

entspreche konstanter Gerichtspraxis (vi-Entscheid, S. 25-28).  

 

b) A. beantragt, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und anstelle von Dispo-

sitiv-Ziff. 2 des vorinstanzlichen Entscheids sei festzustellen, dass die Kinder weiterhin un-

ter der alternierenden Obhut zu ungefähr gleichen Teilen stehen, mindestens was das 

Gutachten empfohlen habe (Berufung, S. 2). So habe das Gutachten bei C. eine Be-

suchsregelung jeden Mittwochnachmittag direkt nach der Schule, jedes zweite Wochen-

ende im Monat gemeinsam mit D. sowie zusätzlich ein weiteres Wochenende im Monat 

empfohlen (Berufung, S. 7). Die Ferien seien weiterhin hälftig zu teilen, wobei auch der 

Grossmutter der Kinder zwei Wochen mit den Kindern in den Sommerferien und zwei Wo-

chen in den Oster- oder Herbstferien zu gewähren seien (Berufung, S. 9; FO/20, S. 1, 3 

f.).  

 

c)  B. beantragt im Wesentlichen die Abweisung der Berufung von A. und erklärt sich 

grundsätzlich mit dem vorinstanzlichen Entscheid einverstanden (FO/17 und FO/31). In 

ihrer Anschlussberufung beantragt sie zum einen eine minimale Anpassung der vo-

rinstanzlichen Übergabezeiten an den Besuchswochenenden (von Juli bis und mit Sep-

tember Übergabe am Sonntagabend um 19.30 Uhr anstatt Übergabe um 19.00 Uhr in der 

Sommerzeit). Zum anderen verlangt sie eine andere Aufteilung der Feiertage unter den 

Eltern (FO/17, S. 2, 7 f. und FO/31). 

 

d)  Eltern, denen die elterliche Sorge oder die Obhut nicht zusteht, und das minderjäh-

rige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr (Art. 273 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 25/72 

  

Abs. 1 ZGB). Als oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des Besuchsrechts gilt das 

Kindeswohl, das anhand der Umstände des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist 

(BGE 131 III 209 E. 5; BGer 5A_173/2014 E. 3.3; BGer 5A_174/2014 E. 3.3; FamKomm-

BÜCHLER, 2022, Art. 273 ZGB N 25). In diesem Sinne hat der persönliche Verkehr zum 

Zweck, die positive Entwicklung des Kindes zu gewährleisten und zu fördern. In der Ent-

wicklung des Kindes sind seine Beziehungen zu beiden Elternteilen wichtig, da sie bei sei-

ner Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen können (BGE 131 III 209 E. 5; 

BGE 130 III 585 E. 2.1; BGer 5A_984/2019 E. 3.1; 5A_200/2015 E. 7.2.3). Wird das Wohl 

des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet, üben die Eltern ihn pflichtwidrig 

aus, haben sie sich nicht ernsthaft um das Kind gekümmert oder liegen andere wichtige 

Gründe vor, so kann ihnen das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen 

werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Das Wohl des Kindes ist gefährdet, wenn seine ungestörte 

körperliche, seelische oder sittliche Entfaltung durch ein auch nur begrenztes Zusammen-

sein mit dem nicht obhutsberechtigten Elternteil bedroht erscheint (BGE 122 III 404 E. 

3b). Bei der Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs von Bedeutung ist auch ein langer 

Unterbruch des Kontakts zwischen dem Kind und dem besuchsberechtigten Elternteil. In 

dieser Situation kann etwa die Anordnung eines anfänglich (und damit vorübergehend) 

eingeschränkten Besuchsrechts angezeigt sein, wenn dadurch eine behutsame Wieder-

annäherung sichergestellt werden soll (BGer 5A_505/2013 E. 6.3 mit zahlreichen Hinwei-

sen, in: FamPra.ch 2013 S. 1045; vgl. BGer 5A_568/2017 E. 5.4).  

 

Der Wille des Kindes ist eines von mehreren Kriterien beim Entscheid über den persönli-

chen Verkehr. Es steht aber nicht im freien Belieben des Kindes, ob es persönliche Kon-

takte zum nicht betreuenden Elternteil wünscht oder nicht. Bei der Berücksichtigung des 

Kindeswillens ist das Alter des Kindes bzw. dessen Fähigkeit zu autonomer Willensbil-

dung zu berücksichtigen. Vom Vorliegen dieser Fähigkeit ist ungefähr ab dem zwölften Al-

tersjahr auszugehen (BGer 5A_111/2019 E. 2.3, mit weiteren Hinweisen). Der Kindeswille 

ist vom Kindeswohl zu unterscheiden, können sich die beiden Elemente doch durchaus 

widersprechen (DETTENBORN, Kindeswohl und Kindeswille, 6. Aufl., S. 90). Lehnt das Kind 

den nicht betreuenden Elternteil ab, ist im Einzelfall zu prüfen, worin diese Haltung be-

gründet liegt und ob die Ausübung des Besuchsrechts den Interessen des Kindes tatsäch-

lich widerspricht. Es gilt als allgemein anerkannt, dass es längerfristig förderlich für die 

Entwicklung des Kindes, sein Selbstwertgefühl, seine Identitätsfindung und sein Sozial-

verhalten ist, wenn der nicht zur Hauptsache betreuende Elternteil engen Kontakt zu ihm 

hält und sich an seiner Erziehung beteiligt. Nur wo das urteilsfähige Kind den Umgang mit 

einem Elternteil aufgrund seiner Erfahrungen mit dem persönlichen Verkehr kategorisch 

verweigert, ist dieser Umgang aus Gründen des Kindeswohls auszuschliessen, weil ein 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 26/72 

  

gegen den starken Widerstand erzwungener Besuchskontakt mit dem Zweck des Um-

gangsrechts im Allgemeinen ebenso unvereinbar ist wie mit dem Persönlichkeitsschutz 

des Kindes (BGer 5A_111/2019 E. 2.3; BGer 5A_875/2017 E. 3.3; ARNTZEN, Elterliche 

Sorge und Umgang mit Kindern, Ein Grundriss der forensischen Familienpsychologie, 

1994, S. 33 ff.; VETTERLI, Das Recht des Kindes auf Kontakt zu seinen Eltern, FamPra.ch 

2009, 23, 27).  

 

e/aa) Seit dem vorinstanzlichen Urteil sind über zweieinhalb Jahre vergangen. In der 

Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse weiterentwickelt. Entscheidend für die heutige 

Beurteilung des persönlichen Kontakts zwischen A. und seinen Kindern sind die aktuellen 

Verhältnisse (vgl. z.B. BGer 5A_875/2017 E. 3.4).  

 

Im Herbst 2021 zeigten beide Kinder Verhaltensänderungen. Am 8. November 2021 fand 

bezüglich C. ein Standortgespräch in der Schule statt, an dem die Klassenlehrpersonen, 

die Heilpädagogin, die Ergotherapeutin, die Mutter und die Beiständin anwesend waren. 

Es wurde mitgeteilt, dass C. sich sehr unruhig zeige und in den Therapien sehr verschlos-

sen geworden sei. In der Schule habe er einen Aufsatz geschrieben, welcher detailgetreu 

die Geschichte des Computerspiels Titanfall, USK-altersgekennzeichnet ab 18 Jahren, 

wiedergebe (vgl. Beilage 5 zu FO/17). Die damalige Beiständin hielt in ihrem Bericht vom 

22. November 2021 fest, dass C. und D. beim Vater nicht altersadäquate Medien konsu-

mieren. Ungefähr zur selben Zeit (1. Oktober 2021 und 20/21. November 2021) habe D. 

die Besuchswochenenden beim Vater verweigert. D. schrieb der Beiständin einen Brief 

und gab an, sie müsse beim Vater gruselige Filme schauen, z.B. "Transvormers" oder 

"Ballerfilme". Die Beiständin gab gegenüber der KESB F. die Empfehlung ab, die Be-

suchskontakte seien unter Begleitung durchzuführen und bis zur entsprechenden Einrich-

tung zu sistieren (Beilage 5 zu FO/17). Mit Einreichung des Zwischenberichts vom 22. No-

vember 2021 teilte B. A. per E-Mail mit, dass sie die Kinder bis zum Entscheid der KESB 

F. zurückbehalten werde. In der Folge fanden im Jahr 2021 keine Besuchskontakte mit 

dem Vater mehr statt (FO/17, S. 5; FO/39). A. bestritt anlässlich eines Gesprächs bei der 

KESB F. vom 6. Dezember 2021, die Kinder bei sich zuhause nicht altersgerechte Spiele 

spielen zu lassen. Er gab an, da die Kinder unterschiedliche Vorlieben hätten, sei die Ab-

machung, dass sie abwechselnd einen Film für den Abend aussuchen sollen und sie die-

sen dann gemeinsam anschauen. So solle verhindert werden, dass die Kinder sich sepa-

rieren. D. habe daher den Film Transformers, den C. ausgesucht hätte, angeschaut (Bei-

lage 6 zu FO/17). Am 6. Januar 2022 erging der Entscheid der KESB F., in welchem sie 

beide Eltern ermahnte, dafür zu sorgen, dass C. und D. nur altersgerechte Medieninhalte 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 27/72 

  

konsumieren (Beilage 2 zu FO/17). Dieser Entscheid ist nicht rechtskräftig (vgl. Beilage 3 

zu FO/17 sowie E. II.5). 

 

Aus dem Bericht der aktuellen Beiständin O. vom 7. Dezember 2023, den Eingaben der 

Mutter und den Angaben von C. und D. anlässlich ihrer Anhörungen am 6. Dezember 

2023 erschliesst sich, dass die Kinder seit Herbst 2021 sehr wenig Kontakt zum Vater hat-

ten bzw. haben. Das von der Vorinstanz (vorsorglich) angeordnete Besuchsrecht des Va-

ters (jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend) wird seit Januar 

2022 nicht mehr eingehalten. Gemäss Bericht der Beiständin sieht B. eine gewisse Kin-

deswohlgefährdung, wenn sich die Kinder beim Vater aufhalten. So habe C. beispiels-

weise ohne vorherige Absprache zwischen Vater und Mutter ein Handy samt Abo vom 

Vater erhalten und dürfe nicht altersadäquate Computergames bei ihm spielen. Konsum 

und Konsumzeiten von Medien sowie verschiedene (altersadäquate) Games und Apps 

hätten gerade vor kurzem wieder dazu geführt, dass B. Kontakte zwischen dem Vater und 

den Kindern unterbunden habe (FO/39). A. bestritt in seiner Eingabe vom 14. April 2022, 

dass die Kinder bei ihm einem zu hohen bzw. altersinadäquaten Medienkonsum ausge-

setzt seien (FO/20, S. 4 f.). B. führt in ihrer Eingabe vom 9. Januar 2023 auf, trotz zahlrei-

chen Vermittlungsversuchen via Beiständin und einigen Spontanbesuchen beim Vater – 

dieser sei weder per Post, E-Mail, Sprachnachricht noch Telefon zu erreichen – hätten die 

Kinder ihren Vater im Jahr 2022 lediglich rund sechsmal gesehen. Dieser Umstand habe 

zwar die Problematik mit dem nicht altersgerechten Medienkonsum der Kinder beim Vater 

entschärft, faktisch leide jedoch die Beziehung der Kinder zu ihrem Vater unter den weni-

gen Kontakten. Die Mutter sei sich der Bedeutung dieser Kontakte für die Kinder bewusst 

und wünsche sich darum, dass das Besuchsrecht des Vaters wieder ausgeübt werde 

(FO/31, S. 2).  

 

C. gab anlässlich seiner Anhörung vom 6. Dezember 2023 an, er sehe seinen Vater aktu-

ell ungefähr alle eineinhalb Monate. Er freue sich jeweils, den Vater zu sehen und fühle 

sich wohl bei ihm. Früher hätten sie jeweils beim Vater übernachten dürfen, aber das dürf-

ten sie wegen der Mutter nun seit etwa seit ein bis zwei Jahren nicht mehr. Er gibt an, er 

würde gerne jedes zweite Wochenende zum Vater gehen, mit Übernachtungen. Zudem 

wäre er gerne flexibel, sodass er auch unter der Woche nach der Schule mal beim Vater 

übernachten könnte. Er sei es sich mittlerweile gewohnt, mit den öffentlichen Verkehrsmit-

teln zu fahren und könne so gut nach M. fahren. Er wäre auch bereit, ohne D. zum Vater 

zu gehen. Weiter würde er gerne eine bis zwei Wochen Ferien beim Vater verbringen. 

Z.B. zwei Wochen Sommerferien, eine Woche Herbstferien etc. Weiter gibt er an, dass er 

 

 

 

 

 

FO.2022.1-K2 28/72 

  

als ca. 11- oder 12-jähriger teilweise Games gespielt habe, die erst ab 18 Jahren gewe-

sen seien. Solche spiele er heute aber nicht mehr (FO/37).  

 

D. gab an ihrer Anhörung vom 6. Dezember 2023 an, dass sie den Vater ca. einmal im 

Monat sehe. Meistens sei es so, dass C. die Mutter frage, ob er den Vater sehen könne. 

Die Mutter spreche dies dann mit dem Vater ab. Wenn sie, D., Lust habe, gehe sie mit, 

sonst nicht. Zunächst sagte sie, es sei nicht so, dass es ihr missfalle ("stinke"), zum Vater 

zu gehen. Später gab sie an, sie gehe nicht so gerne zum Vater. Ein ganzes Wochenende 

beim Vater würde sie blöd finden, da sie sich dort "vorig" fühle. Sie erzählt, wenn sie beim 

Vater seien, würde C. am PC des Vaters gamen. Manchmal würden sie zusammen Spiele 

machen. Ansonsten sei D. in ihrem Zimmer und mache nichts, was langweilig sei. Sie 

fühle sich dann etwas stehen gelassen. Sie sage dann aber jeweils nichts dazu. Gefragt, 

was sie gerne beim Vater machen würde, antwortet sie, basteln und zeichnen. Sie denkt, 

der Vater wäre sicherlich einverstanden damit, diese Sachen miteinander zu machen. 

Nachgefragt, ob ihre Empfindung anders wäre, wenn die Mutter die Besuche beim Vater 

unterstützen würde, antwortet D., die Mutter sage, D. dürfe sagen, zu wem sie gehen 

möchte. Sie glaube, die Mutter würde es gut finden, wenn sie auch mal zum Vater gehe. 

D. erklärt zudem, es wäre ihr egal, wenn C. alleine zum Vater gehen würde (FO/38).  

 

Auch die Beiständin gab in ihrem Bericht vom 7. Dezember 2023 an, C. äussere, mehr 

Zeit mit dem Vater verbringen zu wollen. Er würde sich vom Vater verstanden fühlen, da 

dieser auf seine Bedürfnisse eingehe. D. erkläre, sich nicht richtig wohl zu fühlen beim 

Vater. Die Wohnung sei nicht ordentlich, der Vater würde viel Zeit mit C. verbringen und 

sie komme sich dann "verloren" vor (FO/39).  

 

e/bb) Aufgrund der aufgeführten Entwicklung der tatsächlichen Verhältnisse seit Erlass 

des vorinstanzlichen Entscheids im Sommer 2021 bedarf die Besuchsrechtsregelung der 

Kinder zum Vater eine Anpassung.  

 

Vorliegend fällt primär ins Gewicht, dass die Kinder seit Herbst 2021 nur wenig Kontakt 

zum Vater hatten. Das von der Vorinstanz (vorsorglich) angeordnete Besuchsrecht an je-

dem zweiten Wochenende (mit Übernachtungen) wurde seit Januar 2022 nicht eingehal-

ten. Stattdessen sahen die Kinder den Vater in unregelmässigen Intervallen jeweils ohne 

Übernachtungen. Massgebend für die Abweichung von der gerichtlichen Anordnung der 

Vorinstanz waren die Vorwürfe, dass die Kinder beim Vater nicht adäquatem Medienkon-

sum ausgesetzt waren. Die Mutter sieht darin das Wohl ihrer Kinder gefährdet. Aufgrund 

 

 

 

 

 

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der Aktenlage (Bericht der Beiständin vom 22. November 2021 [Beilage 5 zu FO/17], run-

der Tisch vom 7. November 2021 [Beilage 5 zu FO/17], Verfügung der KESB F. vom 6. 

Januar 2022 [Beilage 2 zu FO/17], Bericht der Beiständin vom 7. Dezember 2023 [FO/39], 

Anhörung von C. und D. vom 6. Dezember 2023 [FO/37 und 38]) sind diese Vorwürfe 

nicht von der Hand zu weisen bzw. zutreffend. Relevant ist zudem, dass der Vater bisher 

nicht bereit war, mit den Behörden zu kooperieren. Bereits während des vorinstanzlichen 

Verfahrens wurde das Wohl von C. und D. aufgrund des elterlichen Konflikts als gefährdet 

eingestuft und daher unter anderem eine sozialpädagogische Familienbegleitung bei bei-

den Eltern sowie eine Einzeltherapie beider Eltern angeordnet. Die Mutter liess sich auf 

diese Massnahmen ein, wodurch sich gemäss Bericht der Beiständin das Familienklima 

verbesserte. Auch anlässlich der Anhörung von C. und D. im vorliegenden Verfahren 

konnte der Eindruck gewonnen werden, dass die Mutter den Kindern (trotz elterlichem 

Konflikt) zurzeit stabile Verhältnisse bieten kann. Dahingegen hat sich A. überhaupt nicht 

auf die Kindesschutzmassnahmen eingelassen. Er war nicht bereit, mit der sozialpädago-

gischen Familienbegleitung zusammenzuarbeiten und bestätigte gegenüber der Beistän-

din auch nicht, psychologisch-psychiatrische Behandlung zur Verbesserung seiner Erzie-

hungsfähigkeit in Anspruch genommen zu haben. Auch mit der Beiständin kooperiert er 

nicht.  

 

C. äussert den Wunsch, jedes zweite Wochenende (mit Übernachtungen) beim Vater zu 

verbringen. Aufgrund seines Alters und seiner Reife kommt seinem Willen durchaus Be-

achtung zu (vgl. BGer 5A_469/2018 E. 4.2). Allerdings ist es aufgrund der weiteren Um-

stände, namentlich des faktisch unregelmässigen Kontakts in den letzten zwei Jahren, 

des teilweise nicht adäquaten Medienkonsums beim Vater und seines unkooperativen 

Verhaltens mit den Behörden im Sinne des Kindeswohls erforderlich, die Besuchskon-

takte in der Regel ohne Übernachtungen durchzuführen (vgl. z.B. BGer 5A_875/2017 E. 

3.3, wo ein eingeschränktes Besuchsrecht dort angezeigt sein kann, wo eine behutsame 

Wiederannäherung sichergestellt werden soll). In der vorliegenden Situation angemessen 

erscheint eine Regelung, wonach C. und sein Vater gegenseitig berechtigt und verpflichtet 

sind, sich einmal in der Woche zu besuchen. In den Wochen mit gerader Kalendernum-

merierung findet der Besuch am Samstag von 12.00 bis 18.00 Uhr statt und in den Wo-

chen mit ungerader Kalendernummerierung am Mittwoch nach Schulschluss bis 

18.00 Uhr. Zudem sind A. und C. berechtigt, zwei Mal pro Jahr eine Woche Ferien (mit 

Übernachtungen) miteinander zu verbringen. Auf die Anordnung einer zusätzlichen Feier-

tagsregelung wird verzichtet. Diese Kontaktregelung (wöchentliches Besuchsrecht ohne 

Übernachtungen, zwei Wochen pro Ferien Jahr) ist als Minimum zu verstehen. Ausge-

 

 

 

 

 

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dehntere Besuchszeiten für C. (z.B. Wochenendbesuch mit Übernachtungen) sind wün-

schenswert, da für ein Kind die Beziehungspflege zu beiden Elternteilen wichtig ist (vgl. 

BGE 130 III 585 E. 2.2.1 und E. 2.2.2), und sich C. diesen (intensiveren) Kontakt zum Va-

ter denn auch wünscht. Dies erfordert allerdings seitens des Vaters, dass er das angeord-

nete Minimum an Besuchszeiten verantwortungsbewusst wahrnimmt. Seitens der Mutter 

ist gefordert, dass sie diese Besuche zulässt. Beide Eltern sind darauf hinzuweisen, dass 

sie die Pflicht trifft, die Beziehung zwischen dem Kind und dem anderen Elternteil zu för-

dern und das Kind für die Kontaktpflege positiv vorzubereiten (vgl. auch Art. 274 Abs. 1 

ZGB). Es ist zu hoffen, dass sich das angeordnete Besuchsrecht durch diese aktive Mit-

wirkung beider Elternteile bewähren wird. In diesem Falle steht es den Beteiligten offen, 

die Besuchszeiten von C. beim Vater durch gegenseitiges Einvernehmen auszudehnen.  

  

Auch bei D. ist abgesehen von den faktisch unregelmässigen Kontakten zum Vater in den 

letzten zwei Jahren, des teilweise nicht adäquaten Medienkonsums beim Vater und des-

sen unkooperativen Verhaltens mit den Behörden bis zu einem gewissen Grad der von ihr 

geäusserte Wille zu berücksichtigen. Sie gibt an, sich nicht richtig wohl zu fühlen beim Va-

ter bzw. komme sich "verloren" vor, da der Vater jeweils viel Zeit mit C. verbringe. Auf-

grund D.s Alter kommt diesem geäusserten Willen durchaus Beachtung zu. Was ein allfäl-

liger Loyalitätskonflikt von D. zwischen ihren Eltern anbelangt, ist darauf hinzuweisen, 

dass auch ein beeinflusster Wille zur eigenen Empfindung des Kindes werden kann und 

dieser damit ernst zu nehmen ist (vgl. BGer 5A_875/2017 E. 3.3). Unter Berücksichtigung, 

dass D. sich eingeschränkten Kontakt zum Vater wünscht, die Beziehung zu beiden El-

ternteilen aber sehr wichtig ist und bei der Identitätsfindung des Kindes eine entschei-

dende Rolle spielen kann (vgl. BGE 130 III 585 E. 2.2.1 und E. 2.2.2), ist das Kontaktrecht 

zwischen D. und ihrem Vater nicht gänzlich einzuschränken. Vielmehr erscheint es ange-

messen, dieses auf einmal alle drei Wochen festzulegen. Die Besuche finden zusammen 

mit C. statt und entsprechend abwechselnd am Samstag von 12.00 bis 18.00 Uhr und am 

Mittwoch nach Schulschluss bis 18.00 Uhr. Auf die Festlegung eines Ferienrechts zwi-

schen D. und A. wird angesichts des von D. geäusserten Willens verzichtet. Es steht D. 

allerdings offen, bei Wunsch und gemäss Absprache mit beiden Elternteilen ebenfalls Fe-

rien beim Vater (z.B. zusammen mit C.) zu verbringen.  

 

e/cc) Durch die Abweichung von der vorinstanzlichen Besuchsrechtsregelung erübrigt 

sich eine Auseinandersetzung mit der von B. in ihrer Anschlussberufung beantragten Än-

derung von Dispositiv-Ziff. 2a des vorinstanzlichen Entscheids betreffend Besuchswo-

chenendzeiten des Vaters und Dispositiv-Ziffer 2c des vorinstanzlichen Entscheids betref-

fend Feiertagsregelung (FO/17, S. 2). 

 

 

 

 

 

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4.  Übergaben 

a)  Streitig unter den Parteien im Zusammenhang mit dem persönlichen Kontakt ist 

weiter die Frage des Übergabeorts der Kinder. Diesbezüglich wies die Vorinstanz A. an, 

die Kinder jeweils an ihrem Wohnort (derzeit E.) abzuholen und wieder dorthin zurückzu-

bringen (vi-Entscheid, Dispositiv-Ziff. 2a Abs. 2). Dazu hielt sie fest, grundsätzlich obliege 

es dem Besuchsberechtigten, das Kind abzuholen und zurückzubringen (vi-Entscheid, S. 

28-30).  

 

b)  A. rügt diese Regelung in seiner Berufung. Unter Berücksichtigung, dass es die 

Mutter gewesen sei, die nach E. weggezogen sei, obliege es auch ihr, einen Teil der 

Wegstrecke auf sich zu nehmen. Die Mutter solle die Kinder jeweils zum Vater bringen 

und der Vater die Kinder zur Mutter. Dies signalisiere den Kindern denn auch, dass der 

andere Elternteil bereit sei, die Kinder zu übergeben, was den Loyalitätskonflikt massiv 

senken würde (FO/1, S. 11). Mit Eingabe vom 21. November 2022 beantragte A. sodann, 

die Kinderübergabe von der Mutter zum Vater habe nach Schulschluss an der Schule der 

Kinder stattzufinden, wobei weder die Mutter, noch ihr Konkubinatspartner anwesend sein 

dürften. Bei der Kinderübergabe vom Vater zur Mutter solle die Mutter die Kinder vom Va-

ter an seinem Wohnort abholen (FO/22, S. 1 f.). Er führt aus, die Mutter habe den Vater 

mit einem Haus- und Betretungsverbot belegt und ihr Lebenspartner, P., habe ihn bei der 

Polizei wegen Hausfriedensbruchs angezeigt, weil er die Kinder wie im Scheidungsurteil 

angewiesen vom Wohnort der Kinder abholen wollte. Aufgrund der Anzeige habe die Mut-

ter die Übergabe der Kinder verweigert. Mit Urteil des Kantonsgerichts F. vom 29. Sep-

tember 2022, welches A. einreichte, sei er vom Vorwurf des mehrfachen Hausfriedensbru-

ches freigesprochen worden. Aufgrund des schikanösen und unkooperativen Verhaltens 

der Mutter habe die Kinderübergabe nach Schulende stattzufinden (FO/22, S. 1 f.).  

 

c)  B. verlangt mit Eingabe vom 9. Januar 2023 die Abweisung des Antrags von A. 

und beantragt stattdessen, A. habe die Kinder jeweils pünktlich unmittelbar an der Grenze 

zu ihrem Grundstück zu übernehmen und zu übergeben (derzeit auf dem Wendeplatz vor 

dem Haus), ohne das Grundstück zu betreten (FO/31, S. 1). Zur Begründung führt sie 

aus, die dem Urteil des Kantonsgerichts F. vom 29. September 2022 zugrundeliegende 

Strafanzeige gründe auf dem Umstand, dass der Vater unmittelbar vor den Kinderüberga-

ben an der Haustür der Mutter jeweils "sturmgeläutet" habe. Die Kinderübergabe an der 

Grundstücksgrenze der Mutter ziele auf die Vermeidung von solchen Reibereien ab. Eine 

Übernahme der Kinder durch den Vater direkt nach Schulschluss sei aus mehreren Grün-

den entschieden abzulehnen. So würden zuerst die Schulsachen nach Hause gebracht 

 

 

 

 

 

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werden müssen, C. müsse sein Medikament einnehmen, die Kinder würden den Schul-

weg mit ihren Freunden zurücklegen wollen und ein Abholen durch den Vater werde un-

terdessen von C. als "peinlich" empfunden (FO/3 f.; FO/31 S. 3).  

 

d)  Der Kindesvertreter hält fest, nachdem der Vater in Kinderbelangen offenbar bera-

tungsresistent sei, sei der Antrag des Vaters vom 21. November 2022 betreffend Kin-

derübergabe vollumfänglich abzuweisen. Die Besuchsübergabe nach Schulende direkt in 

der Schule werde die Belastungen der beiden Kinder im elterlichen Konflikt nicht reduzie-

ren (FO/33).  

 

e)  In der Lehre herrscht mehrheitlich Einigkeit darüber, dass es grundsätzlich der be-

suchsberechtigten Person obliegt, das Kind abzuholen und zurückzubringen (FamKomm 

Scheidung-BÜCHLER, 2022, Art. 273 ZGB N 30; KUKO ZGB-MICHEL/SCHLATTER, 2. Aufl., 

Art. 273 N 14; BSK ZGB I-SCHWENZER/COTTIER, 7. Aufl., Art. 273 N 18). Zu beachten ist 

allerdings auch, dass sich die Regelung des Besuchsrechts am Einzelfall zu orientieren hat 

und als oberste Richtschnur das Kindeswohl gilt (vgl. BGer 5A_79/2014 E. 4.3; FamKomm 

Scheidung/BÜCHLER, Art. 273 ZGB N 25). Mithin ist es für das Kind oftmals viel plausibler, 

wenn es jeweils vom Elternteil, bei dem es sich gerade aufhält, zum anderen gebracht 

wird. Mit einer derartigen Beteiligung wird ihm signalisiert, dass derjenige Elternteil, den 

es verlässt, mit dem Wechsel bzw. dem Aufenthalt beim anderen Elternteil einverstanden 

ist und diesen nicht als ungewollte Trennung empfindet, sondern als natürlichen Vorgang 

(KGer SG KES.2017.4 vom 24. Oktober 2017 E. II/8 = Nachrichten zum Familienrecht 

2/17; VETTERLI, Das Recht des Kindes auf Kontakt zu seinen Eltern, FamPra.ch 2009, 

S. 23 ff., 31 m.w.N.; vgl. FamKomm Scheidung/SCHREINER, Anh. Psych. N 211; siehe 

auch OGer ZH NQ120012 vom 25. April 2012 E. II.2. und II.3.; OGer ZH LY190054-O/U 

vom 28. Februar 2020 E. 4.2).  

 

f)  Diese rechtlichen Ausführungen sprechen dafür, die vorinstanzliche Regelung der 

Übergaben der Kinder abzuändern. A. wohnt in M. B. zog per August 2018 von M. nach 

E. Die Übergaben der Kinder führten in der Vergangenheit zwischen den Eltern immer 

wieder zu Streitigkeiten (vi-Entscheid, S. 28 f.), was sich während des vorliegenden Beru-

fungsverfahrens einmal mehr in der von B. eingereichten Strafanzeige gegen A. wegen 

Hausfriedensbruchs äusserte. Angesichts dieser Umstände (Umzug von B. mit den Kin-

dern vom vormalig gemeinsamen Wohnort der Eltern in M. nach E.; hochkonfliktreiches 

Elternverhältnis) ist es im vorliegenden Fall angemessen, den Elternteil, bei dem sich die 

 

 

 

 

 

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Kinder befinden, zu verpflichten, die Kinder jeweils zum anderen Elternteil zu bringen. Da-

mit signalisieren beide Elternteile den Kindern, dass ihnen der Kontakt der Kinder zum je-

weils anderen Elternteil wichtig ist und sie diesen unterstützten. 

 

Findet der Besuchskontakt an einem Mittwoch statt, ist es dem heute 14-jährigen C. zuzu-

muten, sich nach Schulschluss selbständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum 

Wohnort des Vaters zu begeben. Der Weg zwischen der Schule in Q. zum Wohnort des 

Vaters in M. dauert (mit den öffentlichen Verkehrsmitteln) ungefähr gleich lange wie derje-

nige von der Schule in Q. an den Wohnort der Mutter in E. (vgl. www.sbb.ch).  

Sofern sich C. und D. (situativ) bereit fühlen, den Weg zwischen dem Wohnort der Mutter 

und des Vaters selbständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten, ist dies un-

ter vorgängiger Absprache des für die Übergabe zuständigen Elternteils mit der Beistän-

din zulässig (vgl. auch hernach E. III.6).  

 

5. Kindesschutzmassnahmen (Weisungen) 

a)  Ausgehend von einer Kindeswohlgefährdung sowohl bei C. als auch bei D. ord-

nete die Vorinstanz mehrere Kindesschutzmassnahmen an. Sie wies beide Eltern je ein-

zeln an, sich bei einem Psychologen oder einem Psychiater zum Umgang mit ihren Emoti-

onen und Kommunikations- und Beziehungsmustern in Therapie zu begeben. Auch für C. 

und D. ordnete sie die Aufnahme bzw. Fortführung einer Therapie bei einem Kinderpsy-

chologen oder -psychiater an. Zudem ordnete sie eine sozialpädagogische Familienbe-

gleitung (SPF) an, welche mit beiden Eltern den Rahmen der Besuchsregelung individuell 

und persönlich gestaltet und mit den Eltern einzeln die Kinderübergaben strukturiert (vi-

Entscheid, Dispositiv-Ziff. 3, vgl. auch S. 31-36).  

 

b)  A. beantragt in seiner Berufung vom 26. Januar 2022 die vollumfängliche Aufhe-

bung des vorinstanzlichen Entscheids. Er rügt, die angeordneten Kindesschutzmassnah-

men würden nichts bringen. Eine Einzeltherapie der Eltern verspreche wenig Erfolg. Er 

habe eine Psychologin gefunden und dieser bei einem ersten Gespräch die Situation ge-

schildert. Betreffend angeordneter sozialpädagogischer Familienbegleitung rügt der Vater, 

eine solche sei nicht geeignet, den elterlichen Streit zu lösen. Der elterliche Streit finde 

besonders an Tagen der Kinderübergaben statt. Wirkungsvoll wäre daher eine Trennung 

der Eltern bei den Übergaben, nicht aber eine SPF. Eine SPF würde die Wirtschaftskraft 

der Eltern stark schwächen und den Lebensstandard der Eltern und der Kinder unverhält-

nismässig stark vermindern (Berufung, S. 11 f.; FO/20, S. 3). Zu den angeordneten Ein-

zeltherapien beider Kinder äussert sich A. nicht.  

 

 

 

 

 

 

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c)  B. gab in ihrer Berufungsantwort vom 14. März 2022 an, A. würde sich nicht an der 

SPF beteiligen und habe die erforderlichen Belege zu seinen finanziellen Verhältnissen 

für die Einrichtung der SPF trotz Aufforderung nicht eingereicht (FO/17, S. 10, mit Verweis 

auf Beilage 10 zu FO/17). Weiter habe A. die Beiständin darüber zu täuschen versucht, 

dass er sich in therapeutische Behandlung begeben habe (FO/17, S. 10 mit Verweis auf 

Beilage 9 zu FO/17). In ihrer Eingabe vom 9. Januar 2023 erwähnt B. wiederum die 

grundsätzliche Ablehnung des Vaters betreffend SPF. Sie beantragt zudem, der Vater sei 

anzuweisen, eine ärztlich verordnete Medikation der Kinder (gegen Vorlage der entspre-

chenden Rezepte) auch an seinen Betreuungswochenenden fortzuführen. Dazu führt sie 

aus, der Vater habe C. jeweils untersagt, die ihm verordneten Medikamente (ADHS-Medi-

kamente) einzunehmen (FO/31, S. 2 und 4). 

 

d)  Gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB können den Eltern Weisungen für die Pflege, Erzie-

hung oder Ausbildung des Kindes als Kindesschutzmassnahmen erteilt werden. Mass-

nahmen nach Art. 307 Abs. 3 ZGB, Art. 308 ZGB (Beistandschaft) und Art. 310 ZGB (Ent-

zug der Befugnis zur Aufenthaltsbestimmung) können kombiniert werden, soweit sie in ih-

rer Summe nicht faktisch den Entzug der elterlichen Sorge bewirken (BSK ZGB I-BREIT-

SCHMID, 7. Aufl., Art. 307 N 3). Weisungen können sämtliche Bereiche des elterlichen 

Handelns erfassen. Adressaten sind alle Personen im Umfeld des Kindes (Eltern und 

Pflegeeltern, Verwandte, Nachbarn, Freunde) sowie das Kind selbst (BSK ZGB I-BREIT-

SCHMID, Art. 307 N 19). Art. 307 Abs. 3 ZGB bildet beispielsweise für die Anordnung einer 

Beratung, Mediation oder Therapie grundsätzlich eine genügende Rechtsgrundlage. Dies 

hat das Bundesgericht bestätigt (BGE 142 III 201 E. 3.7) und deren Anordnung ist inzwi-

schen auch feste Praxis (BGer 5A_65/2017 E. 2.2). 

 

e)  Das Verhältnis zwischen B. und A. ist nach wie vor hochkonfliktbehaftet. Gemäss 

Bericht der Beiständin vom 7. Dezember 2023 werden die Kinder nach wie vor in den el-

terlichen Dauerkonflikt einbezogen und instrumentalisiert, was zu einem grossen Loyali-

tätskonflikt führt. Sowohl C. wie auch D. zeigen psychische Belastungssymptome. Ihre 

Entwicklung ist gemäss Austausch der Beiständin mit Fachpersonen nach wie vor gefähr-

det (FO/39).  

 

e/aa) Sozialpädagogische Familienbegleitung:  

Die von der Vorinstanz vorsorglich angeordnete SPF arbeitete gemäss Bericht der Bei-

ständin vom April 2022 bis Oktober 2023 mit B., deren Lebenspartner P. und den Kindern. 

Dadurch konnte eine positive Veränderung des Familienklimas erreicht werden. Die Mut-

 

 

 

 

 

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ter habe die Zusammenarbeit mit der Familienbegleiterin als gewinnbringend und unter-

stützend wahrgenommen. Da sich die Gesamtsituation entspannt habe, fühlte sich die 

Mutter ausreichend gestärkt und wollte die Begleitung beenden. Auch die Beiständin und 

die Familienbegleiterin sahen die Wirkung der SPF aktuell ausgeschöpft. Dahingegen ist 

A. gemäss Bericht der Beiständin zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, sich auf die sozial-

pädagogische Familienbegleitung einzulassen (zum Ganzen: FO/39). Aufgrund des nach 

wie vor konfliktbehafteten Familiensystems wäre eine SPF, wie von der Vorinstanz ange-

ordnet, für das Wohl der Kinder durchaus notwendig. Da sich A. jedoch partout nicht da-

rauf einlässt, ist diese Massnahme zwecklos. Auch aus der Sicht von B. ist diese Mass-

nahme zurzeit ausgeschöpft. Von einer Fortführung einer sozialpädagogischen Familien-

begleitung wird daher abgesehen.  

 

e/bb) Einzeltherapie der Eltern:  

B. befindet sich gemäss Bericht der Beiständin vom 7. Dezember 2023 nach wie vor in 

psychologischer Begleitung. A. verweigert die Zusammenarbeit mit der Beiständin O. Sie 

konnte nicht bestätigen, dass er sich in Therapie, wie von der Vorinstanz angeordnet, be-

geben hat (FO/39). Gegen den konstanten Willen des Vaters ist aber auch diese Mass-

nahme für die Zukunft nicht erfolgsversprechend. Von der weiteren Anordnung einer Ein-

zeltherapie beider Elternteile wird daher abgesehen. B. steht es selbstverständlich offen, 

ihre psychologische Begleitung fortzuführen.  

 

e/cc) Einzeltherapie der Kinder:  

C. befand sich zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids bereits in Psychotherapie 

bei Dr. R. in Teufen (vi-Entscheid, S. 35). Gemäss Bericht der Beiständin vom 7. Dezem-

ber 2023 wurde diese Psychotherapie bei Dr. R. letztmals im Juni 2022 besucht. Gemäss 

B. sei es immer schwierig gewesen, C. für die Therapie zu motivieren. Auch organisato-

risch sei die Terminvereinbarung schwierig gewesen. Die Beiständin hält fest, dass auf-

grund des andauernden Elternkonflikts eine psychologische Begleitung von C. durchaus 

angezeigt wäre (FO/39).  

 

D. begab sich gemäss Bericht der Beiständin vom 7. Dezember 2023 nach Erlass des vo-

rinstanzlichen Entscheids in psychologische Begleitung von Dr. R. und wechselte im Ja-

nuar 2023 zu S. in E. Im Standortgespräch vom Juli 2023 konnte aufgezeigt werden, dass 

die Therapie zur Entwicklungsförderung von D. beiträgt. So konnte sie Themen wie Zu-

rückhaltung, Hemmungen in Kontakten und dissoziative Momente mit eingeschränkter 

Gefühlswahrnehmung angehen. Für eine Weiterführung der Therapie wäre eine inkludi-

 

 

 

 

 

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erte Familientherapie angezeigt gewesen. Aufgrund unterschiedlicher Wahrnehmung zwi-

schen der Therapeutin und der Mutter wurde die Therapie im August 2023 allerdings kom-

plett eingestellt. Gemäss Angabe der Beiständin wäre eine Therapie zur Stärkung der per-

sönlichen Entwicklung von D. nach wie vor indiziert (FO/39).  

 

Wie aufgeführt, ist es B. seit dem vorinstanzlichen Entscheid zwar gelungen, ihren Kin-

dern ein einigermassen stabiles Erziehungsumfeld zu bieten (vorstehend E. III.2 e/bb). 

Gleichzeitig dauert der hochgradige Elternkonflikt weiterhin an und belastet beide Kinder 

stark. Beide zeigen psychische Belastungssymptome und sind in ihrer Entwicklung ge-

fährdet. Zur Begegnung dieser Gefährdung haben sich C. und D. daher wieder in Einzel-

therapie zu begeben. B. und A. werden daher im Sinne von Art. 307 Abs. 3 ZGB angewie-

sen, C. und D. je in eine kinder- bzw. jugendpsychiatrische oder kinder- bzw. jugendpsy-

chologische Therapie zu geben.  

 

Bei der Organisation der Therapien soll die Beiständin der Kinder die Eltern unterstützen 

(hernach E. III.6). Das Gutachten vom 12. September 2019 empfahl eine Behandlung bei 

den KJPD, da eine Institution wie die KJPD besser geeignet sei, ein hochkonflikthaftes 

Familiensystem zu begleiten, als eine Einzelperson in niedergelassenem Setting (Gutach-

ten vom 12. September 2019, S. 110). Aufgrund dieser nachvollziehbaren Empfehlung ist 

primär eine Therapie der Kinder bei den KJPD (oder einer ähnlichen Institution) anzustre-

ben. Sollte dies nicht umsetzbar sein, ist auf eine Therapie bei einer Einzelperson zurück-

zugreifen.  

 

e/dd) B. ersuchte darum, dem Vater die Weisung zu erteilen, eine ärztlich verordnete 

Medikation der Kinder (gegen Vorlage der entsprechenden Rezepte) auch an seinen Be-

treuungswochenenden fortzuführen.