# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 246f52b9-5497-5e84-85d1-82c6172b1088
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.09.2010 E-6420/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6420-2007_2010-09-16.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6420/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Bruno Huber (Vorsitz), 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Richter Maurice Brodard,
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._______, Türkei,
vertreten durch lic. iur. Denise Graf,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 22. August 2007 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6420/2007

Sachverhalt:

A.

A.a
Mit schriftlicher Eingabe ihres damaligen Rechtsvertreters vom 1. April  
2005 an das BFM ersuchte die sich zu diesem Zeitpunkt in der Ukra-
ine  befindliche  Beschwerdeführerin  darum,  ihr  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu bewilligen, damit hier das Asylverfahren durchgeführt wer-
den könne.

Am 27. Oktober 2005 hörte die Schweizerische Botschaft in Kiew die 
Beschwerdeführerin  zu  ihren  Asylgründen  an  und  übermittelte  dem 
BFM die Asylakten zum Entscheid über eine Bewilligung der Einreise 
in die Schweiz.

Mit Eingabe vom 15. Januar 2006 zeigte die jetzige Rechtsvertreterin 
dem BFM unter Einreichung einer Vollmacht die Mandatsübernahme 
an (der vormalige Rechtsvertreter hatte das Mandat niedergelegt, was 
er dem Bundesamt mit Schreiben vom 29. November 2005 mitgeteilt 
hatte). Sie reichte gleichzeitig entsprechend der Aufforderung der Vor-
instanz  vom 12.  Dezember  2005  den  (Asyl-)ablehnenden  Entscheid 
der ukrainischen Behörden vom 19. Juli 2005 betreffend die in diesem 
Staat  unter  einer  anderen  Identität  (...)  aufgetretene  Be-
schwerdeführerin,  einen  türkischen  Familienregisterauszug  vom 
(...)  und  Kopien  von  fünf  Fotos  aus  der  Guerilla-Zeit  der  Be-
schwerdeführerin zu den Akten.

Mit  Schreiben vom 24. Februar  2006 teilte  das  BFM der  Rechtsver-
treterin  im Rahmen des rechtlichen Gehörs  den  wesentlichen Inhalt 
des Berichts des Bundesamtes für Polizei (fedpol, Dienst für Analyse 
und Prävention [DAP]) vom 24. Januar 2006 mit und lud sie zur Stel-
lungnahme innert Frist ein. Am 7. März 2006 nahm die Rechtsvertrete-
rin Stellung zum Bericht und reichte gleichzeitig mehrere Dokumente 
(Auszüge  aus  dem Familienregister  der  Beschwerdeführerin  [Eltern, 
Ehemann]  und  dem  Heiratsregister  sowie  das  Protokoll  eines  Ge-
sprächs mit ihrer Mandantin) ein.

Am 17. März 2006 bewilligte das Bundesamt der Beschwerdeführerin 
die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens.

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Am 12. Mai 2006 reiste die Beschwerdeführerin in die Schweiz ein.

Mit Eingabe vom 17. Mai 2006 ersuchte die Rechtsvertreterin das BFM 
unter Verweis auf die Asylvorbringen ihrer Mandantin aus Sicherheits-
gründen um eine beförderliche Behandlung des Verfahrens im Emp-
fangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  X._______  sowie  darum,  die 
Beschwerdeführerin  zwecks  Unterbringung  bei  (...)  dem Kanton  (...) 
zuzuweisen.

Am 31. Mai 2006 erfolgte die Kurzbefragung im EVZ X._______. Nach 
ihrer  Zuweisung an den Kanton Y._______ (2. Juni  2006)  wurde die 
Beschwerdeführerin  am  23.  Juni  2006  vom  (...)  des  Kantons 
Y._______  zu  ihren  Asylgründen  und  am 13. März  2007  ergänzend 
vom BFM angehört.

A.b Zur  Begründung  ihres  Asylgesuchs  machte  die  Beschwerdefüh-
rerin geltend, sie sei türkische Staatsangehörige kurdischer Ethnie mit 
letztem  Wohnsitz  in  B._______  (...),  wo  sie  geboren  und  auf-
gewachsen sei. Sie sei  seit  (...)  mit  (...)  verheiratet,  der Mitglied der 
PKK (Partiya Karkerên Kurdistan [Arbeiterpartei Kurdistans]) gewesen 
sei und seit dem Jahr (...) in der Türkei eine lebenslängliche Haftstrafe 
verbüsse. Im Jahr (...) habe sie sich der PKK angeschlossen, um mit 
ihrem  Ehemann  zusammenzusein.  Von  (...)  bis  (...)  sei  sie  in 
C._______ politisch und im Umgang mit Waffen geschult worden, um 
sich  im Notfall  verteidigen  zu können. Danach sei  sie  von der  PKK 
nach (...)  geschickt  worden,  wo sie im Bereich Volksaufklärung tätig 
gewesen  sei  und  sich  um  Frauen-  und  Familienfragen  gekümmert 
habe. Im Jahr (...) sei sie im Auftrag der PKK in das Flüchtlingscamp 
(...)  gegangen,  wo  sie  Vorstandsmitglied  gewesen  sei  und  sich 
propagandistisch betätigt habe.

Im Gefolge eines im Jahr 2003 ausgebrochenen Richtungsstreits  in-
nerhalb der PKK hätten die Beschwerdeführerin, ihr Schwager und ihr 
Cousin  D._______,  ein  Funktionär  und  (...)  der  PKK,  Partei  für  die 
Reformisten,  die  der  Gewalt  abgeschworen  hätten,  ergriffen. 
D._______  und  viele  andere  Reformisten  seien  daraufhin  vom 
konservativen Flügel der PKK aus (...)  vertrieben worden. Sie selber 
sei  nach  (...)  beordert  worden,  um  eine  Kontaktaufnahme  mit  den 
Reformisten zu verhindern. In (...) habe sie in einem Haus der Partei  
gewohnt  und  sich  um  kulturelle  Angelegenheiten  gekümmert.  Dort 
habe  sie,  nicht  zuletzt  auch  aufgrund  von  Drohungen  seitens  des 

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konservativen Flügels der PKK, den Entschluss gefasst, sich von der 
Organisation abzusetzen und zu flüchten. Am (...)  sei  sie  mit  einem 
von der Partei organisierten Reisepass in die Ukraine geflogen, wo sie  
zuerst in einem Haus der PKK gewohnt habe. Im (...) habe sie sich von 
der PKK getrennt und fortan bei einer (...) Familie gelebt. Weil sie ver -
sucht  habe,  sich  illegal  nach  (...)  abzusetzen,  sei  sie  von  den 
ukrainischen Behörden festgenommen und für dreizehn Tage ins Ge-
fängnis verbracht worden. Nach ihrer Freilassung habe sie ab (...) bei  
einer  (...)  Kurdenfamilie  gewohnt.  Nachdem  sie  erneut  von  der 
ukrainischen Polizei aufgegriffen worden sei,  habe sie - um eine Ab-
schiebung in die Türkei zu verhindern - unter einer falschen irakischen 
Identität ein Asylgesuch eingereicht.

Für  den Inhalt  der  weiteren Aussagen wird  auf  die  Akten verwiesen 
und, soweit  für  den Entscheid wesentlich,  auf  die nachfolgenden Er-
wägungen.

A.c Am 19. Juni 2007 teilte der DAP dem Bundesamt nach entspre-
chender Einsichtnahme in das Asyldossier mit, seit seinem ersten Be-
richt  vom 24. Januar  2006 respektive  seit  der  Anwesenheit  der  Be-
schwerdeführerin  in  der  Schweiz  seien  keine  nachteiligen  Erkennt-
nisse  über  ihre  Person  angefallen.  Aufgrund  der  Aussagen  der  Be-
schwerdeführerin lägen aus heutiger Sicht keine Gründe vor, die einen 
ablehnenden Antrag gestützt auf Art. 53 des Asylgesetzes vom 26. Ju-
ni 1998 (AsylG, SR 142.31) begründen liessen.

B.
Mit Verfügung vom 22. August 2007  - eröffnet am 24. August 2007 - 
stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingsei-
genschaft, lehnte ihr Asylgesuch gestützt auf Art. 53 AsylG ab, ordnete 
die Wegweisung aus der Schweiz an und nahm sie zufolge Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf.

C.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 24. September 2007 beantragte die Be-
schwerdeführerin  durch ihre  Rechtsvertreterin  in  materieller  Hinsicht 
die Aufhebung der Ziffern 2 bis 7 des Dispositivs der vorinstanzlichen 
Verfügung und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht be-
antragte  sie  unter  Ansetzen  einer  Frist  zur  Beschwerdeergänzung 
Einsicht  in die vorinstanzlichen Verfahrensakten und Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

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D.
Mit  Zwischenverfügung vom 10. Oktober  2007 teilte  der vormals zu-
ständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  Be-
schwerdeführerin mit, sie könne den Abschluss des Verfahrens in der 
Schweiz  abwarten,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses,  gewährte  ihr  unter  Ansetzen  einer  Frist  zur  Beschwerde-
ergänzung Einsicht in die vorinstanzlichen Verfahrensakten respektive 
gab  er  ihr  den  wesentlichen  Inhalt  gewisser  Aktenstücke  bekannt. 
Gleichzeitig fordert er sie auf, innert Frist eine allfällige Stellungnahme 
ihres früheren Rechtsvertreters zu ihrer Aussage anlässlich der Anhö-
rung vom 13. März 2007, dieser habe in seiner Eingabe vom 1. April 
2005 fälschlicherweise angegeben, sie sei viele Jahre im bewaffneten 
Kampf mit der PKK gegen die türkische Armee tätig gewesen, einzu-
reichen.

E.
Mit Eingabe vom 24. Oktober 2007 (Poststempel) ergänzte die Rechts-
vertreterin  ihre  in  der  Beschwerde  gemachten  Ausführungen  und 
reichte  eine  Fürsorgebestätigung  der  Einwohnergemeinde  (...)  vom 
2. Oktober 2007 betreffend die Beschwerdeführerin zu den Akten.

F.
Am 25. Oktober 2007 liess die Rechtsvertreterin dem Bundesverwal-
tungsgericht  ihre mit  der früheren Rechtsvertretung geführte Korres-
pondenz zukommen.

G.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 15. November 2007 
an der angefochtenen Verfügung fest  und beantragte die Abweisung 
der Beschwerde.

H.
Mit Verfügung vom 20. November 2007 lud der damalige Instruktions-
richter  die Beschwerdeführerin ein,  sich innert  Frist  zur Vernehmlas-
sung  zu  äussern.  Diese  machte  von  ihrem  Replikrecht  keinen  Ge-
brauch.

I.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2010 wurde das Bundesamt ein-
geladen, sich im Rahmen eines zusätzlichen Schriftenwechsels innert  
Frist  vernehmen  zulassen.  Gleichzeitig  wurde  die  Rechtsvertreterin 
aufgefordert, innert Frist ihre Kostennote einzureichen.

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J.
In seiner Vernehmlassung vom 14. Juli 2010 hielt das Bundesamt voll-
umfänglich  an  seinen  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung 
fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105 AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1  AsylG,  Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 52  VwVG).  Die  Beschwerde-
führerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde 
legitimiert  (Art.  108  Abs. 1  AsylG,  Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 48  Abs. 1 
und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die ergänzende Vernehmlassung des BFM vom 14. Juli  2010 wurde 
der Beschwerdeführerin noch nicht zur Stellungnahme unterbreitet. Da 
der  Beschwerde im Sinne der  nachstehenden  Erwägungen entspro-
chen  wird,  sieht  das  Bundesverwaltungsgericht  aus  Gründen  der 
Prozessökonomie von einer diesbezüglichen vorgängigen Gewährung 

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des rechtlichen Gehörs ab (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG) und bringt 
die Vernehmlassung der Beschwerdeführerin zusammen mit dem vor-
liegenden Urteil zur Kenntnis.

4.

4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt  
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.3 Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie wegen verwerflicher 
Handlungen  dessen  unwürdig  sind  oder  wenn  sie  die  innere  oder 
äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefährden (Art. 53 
AsylG).

4.4 Nachdem das  BFM die  Beschwerdeführerin  als  Flüchtling  aner-
kannt  hat  und  die  angefochtene Verfügung diesbezüglich  in  Rechts-
kraft  erwachsen  ist,  beschränkt  sich  der  Prozessgegenstand  vorlie-
gend auf die Frage, ob das Bundesamt zu Recht vom Bestehen des 
Asylausschlussgrundes  der  Asylunwürdigkeit  gemäss  Art.  53  AsylG 
ausgegangen ist.

5.  

5.1 Das BFM führte  zur  Begründung seiner  Verfügung an,  aufgrund 
der Aktenlage sei die Furcht der Beschwerdeführerin, bei einer Rück-

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kehr in die Türkei ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes 
ausgesetzt  zu  werden,  begründet,  weshalb  ihr  die  Flüchtlingseigen-
schaft  zuzuerkennen  sei.  Gemäss  Rechtsprechung  der  vormals  zu-
ständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  gelte  die 
PKK nicht als terroristische Organisation, weshalb die blosse Zugehö-
rigkeit zu dieser Organisation nicht als verwerfliche Handlung im Sinne 
von Art. 53 AsylG zu qualifizieren sei. Es müsse auf den direkten Tat-
beitrag  der  Beschwerdeführerin  zu  verwerflichen  Handlungen  abge-
stellt werden. Der individuelle Tatbeitrag sei gemessen an der Schwere 
der Tat, Anteil am Tatentscheid, Motiv und allfälligen Rechtfertigungs- 
und  Schuldmilderungsgründen  differenziert  zu  beurteilen  (Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 20002 Nr. 9).

Beim Flüchtlingscamp (...) handle es sich um ein Lager, das ungefähr  
(...) kurdische Flüchtlinge aus der Türkei beherberge. Die Türkei habe 
wiederholt  die  Räumung  des  Lagers  verlangt,  weil  sich  dort  PKK-
Kämpfer  aufhielten  und Waffen gelagert  würden. Verschiedenen  Be-
richten zufolge seien bei Razzien der US-Streitkräfte Waffen gefunden 
worden.  Zudem  würden  Berichten  zufolge  dem  Lagerkomitee  Ver-
bindungen  zu  den  PKK-Kämpfern  im  Nordirak  nachgesagt.  Dieses 
Komitee übe Druck auf die Lagerinsassen aus, um deren Rückkehr in 
die Türkei zu verhindern. PKK-Angehörige hielten sich seit  Ende der 
achtziger respektive Anfang der neunziger Jahre im Nordirak auf und 
hätten zahlreiche Menschenrechtsverletzungen an Zivilpersonen, Mit-
arbeitern  von  Hilfsorganisationen  und  Mitgliedern  staatlicher  wie 
nichtstaatlicher  Konfliktparteien  begangen.  Trotz  einer  organisato-
rischen  Trennung  des  bewaffneten  Flügels  ARGK  (Artê a  Rizgariyaş  
Gelê Kurdistan) von Massenbewegungen wie der ERNK (Eniya Rizga-
riya Netewa Kurdistan) gebe es diese Trennung in der Praxis nur be-
dingt,  viele Kadermitglieder übten sowohl politische als auch militäri-
sche Funktionen aus. Zweck dieser Massenbewegungen und der Ver-
eine sei es, möglichst viele Kurden für die Sache der PKK zu gewin-
nen und zu instrumentalisieren.

Hinsichtlich  des  konkreten  Tatbeitrages  der  Beschwerdeführerin  sei 
darauf  zu verweisen,  dass sie der PKK freiwillig beigetreten sei  und 
sich  sich  sogar  nach  (...)  begeben  habe.  Sie  mache  zwar  geltend,  
ihrem Ehemann gefolgt zu sei, habe diesen jedoch lediglich einmal in 
fast fünfzehn Jahren gesehen und sei trotzdem bei der PKK geblieben. 
Zudem scheine sie in  der  Organisation Karriere  gemacht  zu haben, 

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zumal sie das Vertrauen der höheren Kader genossen und ihre Eig-
nung bewiesen habe. Sie habe im Bereich Frauenfragen und als Mit-
glied  im Leitungsgremium des Lagers  (...)  Führungsfunktionen  inne-
gehabt. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen zum Lager müsse 
entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin,  sie habe sich vor 
allem um die Stellung der Frau in der Gesellschaft  und um familiäre 
Gewalt  gekümmert,  davon  ausgegangen  werden,  sie  habe  das  Ge-
dankengut und die Politik der PKK weitergegeben. In Bezug auf ihren 
Tatbeitrag sei insbesondere die Rolle der PKK (Massenorganisationen 
bei  der Rekrutierung von Mitgliedern  und die Rolle  der Lagerleitung 
von [...]) von Bedeutung. Die Beschwerdeführerin habe diesbezüglich 
aufgrund  ihrer  Führungsfunktionen  eine  nicht  zu  unterschätzende 
Rolle gespielt. Sie habe in ihrer knapp fünfzehnjährigen Tätigkeit einen 
wesentlichen Beitrag zur  Erreichung der  Organisationsziele  geleistet 
und die Ideologie und Politik der PKK, wozu auch die Anwendung von 
Waffengewalt  gehöre,  propagandistisch  mitgetragen.  Zudem  sei  sie 
zum Beitrittszeitpunkt  (...)  volljährig  gewesen  und  habe  nebst  einer 
Waffenausbildung auch eine politische Ausbildung im C._______ er-
halten.

Die Beschwerdeführerin habe die Fragen nach ihrer militärischen Aus-
bildung widersprüchlich beantwortet. Mit zunehmender Verfahrensdau-
er habe sie ihre Waffenausbildung immer stärker relativiert. Anlässlich 
der Anhörung auf der Schweizer Botschaft in der Ukraine habe sie von 
einer mehrmonatigen Waffenausbildung und von Wiederholungskursen 
in  den  Bergen,  und  bei  der  direkten  Bundesanhörung  lediglich  von 
einer fünfzehntägigen, eher theoretischen militärischen Ausbildung zur 
Selbstverteidigung gesprochen. Diese Unstimmigkeiten liessen darauf 
schliessen, dass sie den Asylbehörden etwas vorenthalte. Ein Einsatz 
als Kämpferin erscheine deshalb insgesamt wahrscheinlich und könne 
aufgrund der Aktenlage jedenfalls nicht  mit  ausreichender Sicherheit 
ausgeschlossen werden.

Damit habe die Beschwerdeführerin als PKK-Mitglied insgesamt einen 
individuellen Tatbeitrag geleistet, der den Anforderungen an eine ver-
werfliche Handlung genüge.

Im  Sinne  der  Rechtsprechung  (EMARK 2009  Nr. 9)  zu  beachtende 
Rechtfertigungs-  und  Schuldmilderungsgründe  lägen  keine  vor.  Die 
Beschwerdeführerin sei bei ihrem Beitritt zur PKK volljährig gewesen, 
habe sich aus freien Stücken dieser Organisation angeschlossen und 

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sich überdies nach (...) begeben. Sie sei beinahe fünfzehn Jahre Mit -
glied der PKK gewesen, nie verletzt, festgenommen oder misshandelt 
worden, und sie habe auch keine Haftstrafe verbüssen müssen. Die 
von  ihr  geltend  gemachte  Distanzierung  von  der  PKK  sei  aufgrund 
ihrer ungereimten Aussagen nicht sehr glaubhaft. Insbesondere habe 
sie diesbezüglich ausgesagt, dass sie mit einem von der Organisation 
organisierten Ticket in die Ukraine gereist sei und dort  ein Haus der 
Partei bewohnt habe.

5.2

5.2.1 In der Beschwerde wird entgegnet, vorauszuschicken sei, dass 
die Vorinstanz die Mitgliedschaft der Beschwerdeführerin bei der PKK 
und  deren  Aktivitäten  nicht  in  Frage  gestellt  habe.  Angesichts  der 
glaubhaft  dargelegten  Vorbringen  und  der  eigenen  Abklärungen  sei 
das  Bundesamt  davon  ausgegangen,  dass  sie  bei  einer  allfälligen 
Rückkehr in die Türkei mit erheblicher Wahrscheinlichkeit damit rech-
nen müsse, inhaftiert zu werden und dabei Nachteile von asylrechtlich 
relevanter Intensität zu erleiden. Daraus resultiere, dass die Vorinstanz 
die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  festgestellt  und 
einen Ausschluss nicht in Betracht gezogen habe.

Die Beschwerdeführerin habe sich nie an bewaffneten Handlungen be-
teiligt. Dies sei nachvollziehbar, zumal sie in einem jugendlichen Alter 
der PKK beigetreten sei und als Ehefrau respektive Schwägerin von 
PKK-Exponenten  eine  gewisse  Sonderposition  eingenommen  habe. 
Sie sei über Jahre hinweg in die Frauen- und Familienarbeit involviert  
gewesen;  nebst  der  Progagandatätigkeit  habe  sie  vornehmlich  eine 
soziale Aufgabe wahrgenommen.

Entgegen  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  sei  die  Beschwerde-
führerin der PKK nicht freiwillig beigetreten. Sie sei wegen des Beitritts  
ihres Ehemannes vor die Wahl gestellt worden, entweder zu flüchten 
oder selber der Organisation beizutreten. Aufgrund ihrer emotionalen 
Bindung  zum Ehemann sei  sie  der  Illusion  verfallen,  ihm bei  einem 
Beitritt näher zu sein. Jedes Gespräch über ihren Ehemann habe mit 
Tränen geendet, und die Beschwerdeführerin hoffe, dass er eines Ta-
ges von einer Amnestie profitieren und zu ihr  in  die Schweiz reisen 
könne. Dazu komme, dass sie zum Zeitpunkt der Eheschliessung erst 
sechzehn Jahre alt  gewesen sei  und ihr  Mann die Türkei kurze Zeit  
später verlassen habe. Sie sei auch nicht viel älter gewesen, als sie 
von dessen Beitritt zur PKK erfahren habe.

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Damit  liege  klar  ein  Rechtfertigungsgrund,  wenn  nicht  sogar  eine 
Zwangslage vor, die zum Beitritt geführt habe. Zudem könnten der Be-
schwerdeführerin keine unmittelbaren bewaffneten Taten zugerechnet 
werden. Die Verantwortung für bewaffnete Taten liege nicht beim La-
gerkomitee, sondern bei der Kommandantur des bewaffneten Flügels 
der PKK. Es gehe nicht an, die Beschwerdeführerin für Taten verant-
wortlich zu machen, die sich ihrem Einfluss entzogen hätten. Mit einer  
solchen Haltung der  Vorinstanz würde die  Rechtsprechung der  ARK 
umgangen,  die  eine  direkte  Involvierung in  verwerfliche Handlungen 
respektive in eine diesbezügliche Entscheidfällung verlange.

Sollte die ARK (recte: das Bundesverwaltungsgericht) zu einer ande-
ren  Betrachtungsweise  gelangen,  seien  der  Beschwerdeführerin  zu-
mindest mildernde Umstände zuzugestehen. Sie sei in einem jugend-
lichen Alter der PKK beigetreten und habe die Partei inzwischen ver-
lassen. Die  starke emotionale  Bindung  zu ihrem Mann sei  zweifels-
ohne ein weiterer mildernder Umstand. Hinzu komme die starke Re-
pression, der die ganze Familie (...) damals ausgesetzt gewesen sei. 
Diesbezüglich werde auf die Asylakten der Brüder ihres Mannes ver-
wiesen, die in der Schweiz zum Teil wegen Reflexverfolgung Asyl er-
halten hätten.

Der Asylausschluss habe die Beschwerdeführerin  hart  getroffen,  zu-
mal  sie  keine  Terroristin  sei  und  gerade  wegen  ihrer  pazifistischen 
Haltung innerhalb der PKK Repressionen erlebt habe und unter Auf-
sicht gestellt worden sei.

Die  Einschätzung  der  Vorinstanz  sei  umso  überraschender,  als  das 
Bundesamt für Polizei bei der Beschwerdeführerin keinerlei Gefahr für 
die innere und äussere Sicherheit der Schweiz erkenne.

Die  Unterstellung  des  BFM,  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  als 
Kämpferin engagiert, sei eine pure Sachverhaltsbehauptung und ver-
letze das Prinzip des guten Glaubens,  das auch im Asylbereich An-
wendung finden müsse.

5.2.2 In der Beschwerdeergänzung wird unter Verweis auf die Ausfüh-
rungen in der Rechtsmitteleingabe und auf die innert verlängerter Frist  
noch einzureichende Stellungnahme des vormaligen Rechtsvertreters 
im Wesentlichen angeführt, Gegenstand der ergänzenden Eingabe sei 
die  Beurteilung  der  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  und  dieses 
Rechtsvertreters in seiner Eingabe vom 1. April 2005 an das BFM. Die 

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Beschwerdeführerin  habe  sich  nie  mit  diesem  unterhalten,  sie 
sprächen  keine  gemeinsame  Sprache,  und  eine  direkte  Kontaktauf-
nahme sei über das Telefon nicht möglich gewesen. Der erste Rechts-
vertreter  sei  in  der  Schweiz  von  (...),  einem  Schwager  der  Be-
schwerdeführerin,  der  weder  über  deren  Stellung  und  Tätigkeiten 
innerhalb  der  Guerilla  noch  über  ihren  genauen  Aufenthaltsort  Be-
scheid  gewusst  habe,  in  Begleitung einer  Schülerin,  deren Überset-
zungskenntnisse  völlig  ungenügend  gewesen  seien,  aufgesucht  und 
mit  der  Mandatsübernahme beauftragt  worden. Die  Ausführungen in 
der Eingabe vom 1. April 2005 seien deshalb entsprechend pauschal 
und zum Teil sogar falsch ausgefallen. Eine Beurteilung der Aussagen 
der Beschwerdeführerin ergebe, dass die Behauptung der Vorinstanz, 
diese habe mit ihrer Propagandatätigkeit und ihrer Stellung innerhalb 
der PKK einen Beitrag zu verwerflichen Handlungen geleistet, absolut  
willkürlich sei.

Für die Ausführungen im Einzelnen wird auf die Akten verwiesen und,  
soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachfolgenden  Er-
wägungen.

5.3

5.3.1 Das BFM führt  in seiner ersten Vernehmlassung unter Verweis 
auf  die  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung aus,  bei  den 
Entgegnungen auf Beschwerdeebene, welche sich unter anderem auf 
fehlende persönliche Kontakte zwischen der Beschwerdeführerin und 
ihrem ersten Rechtsvertreter und auf angebliche sprachliche Probleme 
bezögen,  komme  man  nicht  umhin,  an  nachträgliche  Anpassungen 
des Sachverhalts an Vorhaltungen des Bundesamtes zu denken; dies 
umso mehr, als die Beschwerdeführerin bei der Schweizer Vertretung 
in Kiew explizit über einen „Militärdienst“ und militärische Einsätze in 
„unregelmässigen Abständen“ von jeweils „drei bis vier Monaten“ ge-
sprochen habe.

5.3.2 In ihrer im Rahmen des ergänzenden Schriftenwechsels erfolg-
ten Stellungnahme führt  die Vorinstanz an, grundsätzlich obliege der 
Entscheid  über  das Vorhandensein  von Asylausschlussgründen dem 
BFM und nicht  dem DAP, der lediglich eine Stellungnahme zum Fall 
abgebe.  Der  Umstand,  dass  dem  DAP  keine  eigenen  Erkenntnisse 
über  die  Beschwerdeführerin  in  Bezug  auf  die  Anwendbarkeit  von 
Art. 53  AsylG vorliegen würden,  schliesse nicht  aus,  dass  das Bun-

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desamt in Berücksichtigung der gesamten Aktenlage diesbezüglich zu 
einer anderen Einschätzung gelange.

6.

6.1 In Berücksichtigung der Praxis der ARK (EMARK 1993 Nr. 8 E. 6 
S. 49 ff.,  EMARK 1996 Nr. 18 E. 5-7 S. 173 ff.,  EMARK 2002 Nr. 9) 
fallen unter den in Art. 53 AsylG enthaltenen Begriff der "verwerflichen 
Handlungen"  auch  Delikte,  die  nicht  ein  schweres  Verbrechen  im 
Sinne von Art. 1 F Bst. b des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) darstellen,  solange 
sie  dem  abstrakten  Verbrechensbegriff  von  Art. 9  Abs.  1  des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember  1937  (StGB, 
SR  311.0)  in  dessen  bis  zum 31. Dezember  2006  gültiger  Fassung 
entsprechen. Als Verbrechen definiert  wurde dort jede mit Zuchthaus 
bedrohte  Straftat.  Im heute  geltenden  StGB definiert  Art.  10  Abs. 2 
Straftaten  als  Verbrechen,  die  mit  mehr  als  3  Jahren  Freiheitsstrafe 
bedroht sind. Unter Hinweis auf Art. 333 Abs. 2 Bst. a StGB scheint 
auch denkbar,  dass  eine mit  weniger  als  drei  Jahren  Freiheitsstrafe 
bedrohte  Straftat  als  "verwerfliche  Handlung"  gewertet  werden  und 
zum  Asylausschluss  führen  könnte;  diese  Frage  kann  indessen  im 
vorliegenden Fall offen gelassen werden. Die Anbindung an den Ver-
brechensbegriff  in  der  alten  Fassung  des Strafgesetzbuches  im Zu-
sammenhang mit Art. 53 AsylG wurde vom Gesetzgeber mit  der To-
talrevision des Asylgesetzes bewusst übernommen (vgl. Botschaft zur 
Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgeset-
zes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezem-
ber 1995, Bbl. 1996 II 71 ff.). Dabei ist es auch heute noch (nach der 
zu einem späteren Zeitpunkt erfolgten Revision des StGB) irrelevant, 
ob die verwerfliche Handlung einen ausschliesslich gemeinrechtlichen 
Charakter hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist (vgl. EMARK 
2002 Nr. 9 E. 7b S. 79 f.).

Hinsichtlich des anzuwendenden Beweismasses ist bei Straftaten, die 
im Ausland begangen wurden, kein strikter Nachweis erforderlich. Die 
ARK legte hinsichtlich der Praxis bei der Anwendung der Ausschluss-
klausel von Art. 1 F Bst. a FK fest, dass die Verwaltungsbehörde nicht 
darüber zu entscheiden hat, ob die betreffende Person sich im straf-
rechtlichen  Sinne  eines  Verbrechens  gegen  den  Frieden,  eines 
Kriegsverbrechens oder eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit 
schuldig gemacht hat. Sie stellt lediglich fest, dass hinlänglich konkrete 

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Anhaltspunkte  (faisceau d'indices)  dafür  vorliegen müssen,  dass  die 
betreffende Person für solche verpönte Taten individuell verantwortlich 
ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 29 E. 4 S. 313 ff.). Das Bundesverwaltungs-
gericht hält dafür, dass auch für die Beurteilung, ob Gründe für einen 
Asylausschluss  vorliegen,  der  gleiche  Beweismassstab  anzuwenden 
ist  wie  bei  der  Beurteilung,  ob  Gründe  für  den  wesentlich  bedeut -
sameren  Ausschluss  von  der  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art.  1  F 
Bst. a FK vorliegen. Dies heisst, dass die Behörde, die über den Asyl-
ausschluss nach Art. 53 AsylG entscheidet, zu prüfen hat, ob hinläng-
lich  konkrete  Anhaltspunkte  (faisceau  d'indices)  dafür  vorliegen,  der 
Gesuchsteller  habe  eine  individuelle  Verantwortlichkeit  für  "verwerf-
liche Handlungen" im Sinne des Asylgesetzes.

6.2 Gemäss Praxis der ARK, welche vom Bundesverwaltungsgericht 
fortgesetzt  wurde,  lässt  sich  ein  Asylausschluss  allein  aufgrund  der 
Mitgliedschaft bei der PKK – indem diese als kriminelle Organisation 
im Sinne von Art. 260ter StGB betrachtet und sich demzufolge jedes 
ihrer Mitglieder allein durch seine Zugehörigkeit strafbar machen wür-
de  –  nicht  rechtfertigen  (vgl.  beispielsweise  Urteile  des  Bundesver-
waltungsgerichts D-11/2008 vom 9. Juli 2009, E-3549/2006 vom 4. Mai 
2009,  E-6517/2006  vom  22.  Dezember  2008,  D-7186/2006  vom  6. 
Oktober 2008, D-5481/2006 vom 3. Juli 2008; EMARK 2002 Nr. 9 E. 7c 
S. 81). Vielmehr ist von einer pauschalen Betrachtungsweise Abstand 
zu nehmen und der individuelle Tatbeitrag – zu welchem die Schwere 
der  Tat,  der  persönliche  Anteil  am  Tatentscheid  und  das  Motiv  des 
Täters sowie allfällige Rechtfertigungs- oder Schuldminderungsgründe 
zu zählen sind – zu ermitteln (EMARK 2002 Nr. 9 a.a.O.). Die Praxis  
folgt  sodann  der  in  der  Lehre  vertretenen  Auffassung,  dass  bei  der  
Beurteilung der Asylunwürdigkeit  auch der Grundsatz der Verhältnis-
mässigkeit zu beachten ist. Dabei ist vorab in Betracht zu ziehen, wie  
lange  die  Tat  bereits  zurückliegt,  wobei  auf  die  Verjährungs-
bestimmungen  des  Strafrechts  verwiesen  wird.  Ebenso  haben  das 
Alter  des  Flüchtlings  im  Zeitpunkt  der  Tatbegehung  sowie  eine  all-
fällige Veränderung der Lebensverhältnisse nach der Tat Einfluss auf 
die diesbezügliche Entscheidfindung (vgl. zum Ganzen EMARK 2002 
Nr. 9 E. 7d S. 82 mit Hinweisen).

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7.

7.1

7.1.1 Vorliegend ist  nach Durchsicht  der  Befragungsprotokolle  vorab 
festzustellen,  dass  die  Sachvorbringen  der  Beschwerdeführerin  ins-
gesamt angemessen, hinreichend ausführlich und detailreich sind.

Die Argumentation der Vorinstanz, der Einsatz der Beschwerdeführerin 
als  Kämpferin  erscheine aufgrund  ihrer  widersprüchlichen  Aussagen 
zur  militärischen  Ausbildung  wahrscheinlich  respektive  man  könne 
eine  solche  Aktivität  aufgrund  der  Akten  nicht  mit  hinreichender 
Sicherheit ausschliessen, vermag nicht zu überzeugen. Diesbezüglich 
ist  festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin zwar in der Tat in  
gewisse  Unstimmigkeiten  zur  Dauer  ihrer  militärischen  Ausbildung 
verwickelt hat (Akten BFM A18/16 S. 9, B9/20 S. 6 und B15/11 S. 3).  
Aber diese Ungereimtheiten und ihre auf entsprechenden Vorhalt hin 
gemachte Erklärung anlässlich der Bundesanhörung, bei  der von ihr 
vor  der  Schweizer  Botschaft  in  Kiew  erwähnten  militärischen  Aus-
bildung  von  jeweils  drei  oder  vier  Monaten  in  unregelmässigen  Ab-
ständen habe es sich um theoretische Schulungen gehandelt, wo ihr 
gezeigt worden sei, wie man sich in Gefahren verhalte und wie man 
Wache halten müsse (B15/11 S. 8), lassen nicht darauf schliessen, die 
Beschwerdeführerin habe an bewaffneten Kämpfen teilgenommen.

Hinzu kommt, dass die Antwort der Beschwerdeführerin bei der Bun-
desanhörung,  die  diesbezüglichen  Ausführungen  auf  Beschwerde-
ebene und insbesondere auch die am 25. Oktober 2007 zu den Akten 
gereichte Stellungnahme des ersten Rechtsvertreters vom 24. Oktober 
2007 zum Vorhalt,  dieser  habe in  seiner  Eingabe vom 1. April  2005 
vorgebracht, seine Mandantin sei kurdischer Ethnie und viele Jahre im 
bewaffneten Kampf der PKK gegen die türkische Armee tätig gewesen 
(B15/11 S. 8), nachvollziehbar sind und zu überzeugen vermögen.

Des Weiteren erweist sich auch das Vorbringen in der angefochtenen 
Verfügung, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Distan-
zierung von der  PKK sei  aufgrund ihrer  ungereimten Angaben nicht 
sehr glaubhaft, zumal sie eigenen Angaben zufolge mit einem von der 
Partei organisierten Ticket von (...) in die Ukraine gereist und dort in  
einem Haus der Partei gelebt habe, als nicht stichhaltig. Diesbezüglich 
ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bei der kantonalen An-
hörung ausgesagt hat, sie habe nach ihrer Einreise in die Ukraine am 

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(...)  bis am (...)  bei der Organisation gewohnt, danach habe sie sich 
von dieser getrennt und bei einer Familie gelebt, bevor sie beim Ver-
such,  sich  nach  Polen  abzusetzen,  gefasst  worden  sei.  Nach  ihrer 
Freilassung  aus  dem  Gefängnis  habe  sie  sich  bis  (...)  bei  einer 
syrischen Kurdenfamilie aufgehalten (B9/20 S. 9 f.).

Angesichts des reduzierten Beweismasses der Glaubhaftmachung be-
steht durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vor-
bringen  der  Beschwerdeführerin,  aber  die  Argumentation  der  Be-
hörden darf sich nicht in blossen Gegenbehauptungen oder allgemei-
nen Vermutungen erschöpfen. Entscheidend ist, ob wie vorliegend eine 
Gesamtwürdigung aller Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die 
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin spre-
chen, überwiegen (EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren Hin-
weisen, EMARK 1993 Nr. 21 S. 134 ff., EMARK 1993 Nr. 11 S. 67 ff.).

7.1.2 Zu prüfen bleibt,  ob die Aktivitäten der Beschwerdeführerin für 
die  PKK den  Tatbestand der  Asylunwürdigkeit  im Sinne  von Art.  53 
AsylG erfüllen.

Die Beschwerdeführerin trat  der PKK im Jahr (...)  wegen ihres Ehe-
mannes  bei  und absolvierte  anschliessend  eine Grundausbildung  in 
C._______. Danach wurde sie von der PKK nach (...) geschickt und in 
den  Bereichen  Volksaufklärung  sowie  Frauen-  und  Familienfragen 
eingesetzt. Im Jahr  (...)  schickte  sie  die  Partei  nach (...),  wo sie  im 
Vorstand des Flüchtlingslagers (...) für die Anliegen der Frauen und die 
Kindererziehung  verantwortlich  war.  In  (...)  kümmerte  sie  sich  um 
kulturelle Angelegenheiten, bevor sie in die Ukraine gelangte und sich 
von der PKK absetzte. Dabei ist  entgegen den diesbezüglichen Aus-
führungen der Vorinstanz in deren Verfügung davon auszugehen, dass 
die  Beschwerdeführerin  als  Verantwortliche  für  Frauen-  und  Kinder-
fragen im Vorstand des Flüchtlingslagers (...)  keinen Einfluss auf die 
Durchführung  bewaffneter  Aktionen  der  PKK  hatte,  zumal  die  Ver-
antwortung  für  solche  Einsätze  bei  der  Kommandantur  des  be-
waffneten Flügels der PKK liegt. An dieser Beurteilung vermögen auch 
die von der Vorinstanz nicht namentlich genannten Berichte über die 
Anwesenheit  von PKK-Kämpfern und von Waffen im Lager nichts zu 
ändern.

Angesichts dieser Sachlage kann nicht der Schluss gezogen werden, 
die  Beschwerdeführerin  habe  sich  an  Kämpfen  der  PKK  gegen  die 
staatlichen Sicherheitsorgane oder an anderen illegalen Operationen 

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der PKK beteiligt. Vor diesem Hintergrund  ist in Übereinstimmung mit 
den diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerdeergänzung vom 
19. Oktober 2007 festzustellen, dass den Akten in der Tat keine hin-
reichenden Hinweise entnommen werden können, aufgrund derer der 
Beschwerdeführerin ein individueller Tatbeitrag zu einer verwerflichen 
Handlung vorgeworfen werden könnte.

7.2 Zusammenfassend folgt, dass die Ausführungen der Beschwerde-
führerin zur ihrer Tätigkeit innerhalb der PKK insgesamt glaubhaft er-
scheinen und sich aus den Akten keine hinreichenden Anhaltspunkte 
für einen individuellen Tatbeitrag der Beschwerdeführerin ergeben, der 
einen Ausschluss von der Asylgewährung rechtfertigen würde.

7.3 Angesichts  dieser  Sachlage  erfüllt  die  Beschwerdeführerin  nicht 
nur die Flüchtlingseigenschaft, sondern es ist ihr mangels Vorliegens 
eines Asylausschlussgrundes auch Asyl in der Schweiz zu gewähren.

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht verletzt, indem die Vorinstanz zu Unrecht auf Asylunwür-
digkeit der Beschwerdeführerin erkannt hat (Art. 106 AsylG). Den Ak-
ten ist sodann nichts zu entnehmen, was die Gewährung von Asyl aus-
schliessen  würde.  Die  Beschwerde  ist  daher  gutzuheissen,  die  Zif- 
fern 2 bis 7 des Dispositivs der Verfügung vom 22. August 2007 sind 
aufzuheben  und  das  BFM  ist  anzuweisen,  der  Beschwerdeführerin 
Asyl in der Schweiz zu gewähren (Art. 49 AsylG).

9.

9.1 Bei  diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).

9.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden 
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr 
erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements  
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Seitens  der 
Rechtsvertretung liegt  keine Kostennote  vor,  weshalb  die Entschädi-
gung für  das  Beschwerdeverfahren aufgrund der  Akten festzusetzen 
ist (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massge-
benden Bemessungsfaktoren (Art. 9  -  13 VGKE) und der  Entschädi-

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gungspraxis  in  Vergleichsfällen  ist  das  BFM  anzuweisen,  der  Be-
schwerdeführerin  für  das  Rechtsmittelverfahren  eine  Parteientschä-
digung in der Höhe von pauschal Fr. 1600.− (inkl. Auslagen und allfäl-
liger Mehrwertsteuer) auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Ziffern 2 bis 7 des Dispositivs der Verfügung vom 22. August 2007 
werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdefüh-
rerin Asyl in der Schweiz zu gewähren.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das Bundesamt hat der Beschwerdeführerin für das Rechtsmittelver-
fahren eine Parteientschädigung von Fr. 1600.− zu entrichten.

5.
Dieses Urteil  geht  an die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführerin, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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