# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 44f19952-2656-56ce-afb0-de0de0a1aa5e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.06.2021 E-4801/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4801-2020_2021-06-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
   
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4801/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  J u n i  2 0 2 1   

Besetzung 
 Einzelrichterin Christa Luterbacher, 

mit Zustimmung von Richterin Mia Fuchs,  

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Nigeria,  

vertreten durch MLaw Sophia Delgado,  

HEKS-Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 25. August 2020 / N (…). 

 

 

 

E-4801/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ist nigerianischer Staatsangehöriger, er gehört der 

Ethnie der B._______ an und stammt aus C._______, Edo State, wo er 

gemäss eigenen Angaben bis zu seiner Ausreise im Januar 2016 gelebt 

hat. Bei der Asylantragstellung im November 2019 behauptete er, minder-

jährig, nämlich (…) Jahre alt zu sein. 

B.  

Er reichte am 16. November 2019 in der Schweiz ein Asylgesuch ein und 

wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region D._______ zugewiesen. 

Weil der Abgleich mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass er bereits am 

31. Mai 2017 ein Asylgesuch in Italien eingereicht hatte, ersuchte das SEM 

die italienischen Behörden am 12. Dezember 2019 um seine Rücküber-

nahme im Rahmen des Dublin-Verfahrens.  

C.  

Am 7. Januar 2020 fand eine Erst-Befragung UMA (unbegleiteter minder-

jähriger Asylsuchender) statt. Der Beschwerdeführer erklärte, er habe nie 

die Schule besucht und könne weder lesen noch schreiben. Bis vor kurzem 

habe er auch sein Alter nicht gekannt. Erst von Italien aus habe er sein 

Alter telefonisch von seiner Schwester in Erfahrung gebracht. Er sei am 

(…) geboren beziehungsweise (…) Jahre alt. Er verfüge über keine Identi-

tätspapiere. Er könne versuchen, sich in seinem Heimatland nachträglich 

eine Geburtsurkunde ausstellen zu lassen. Da nach der Befragung Zweifel 

betreffend das Alter des Beschwerdeführers bestanden, gab die Vorinstanz 

eine Altersabklärung beim Institut für Rechtsmedizin der Universität 

E._______ in Auftrag.  

D.  

Das daraufhin erstellte Altersgutachten vom 17. Januar 2020 kam zum 

Schluss, der Beschwerdeführer habe mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht. 

In einer Zusammenschau der Befunde, namentlich der zahnärztlichen Un-

tersuchung und der radiologischen Untersuchung der Schlüsselbein-Brust-

bein-Gelenke, sei von einem Mindestalter von 19 Jahren und von einem 

wahrscheinlichen Alter von über 20 Jahren auszugehen. Das von ihm an-

gegebene Lebensalter von (…) sei mit den erhobenen Befunden nicht zu 

vereinbaren. 

E-4801/2020 

Seite 3 

E.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 3. Februar 2020 das recht-

liche Gehör zum Altersgutachten vom 17. Januar 2020 sowie zur beabsich-

tigten Anpassung des Geburtsdatums auf den 1. Januar 2001 im Zentralen 

Migrationsinformationssystem (ZEMIS). 

F.  

In der Stellungnahme vom 12. Februar 2020 erklärte der Beschwerdefüh-

rer, er könne das Ergebnis des Altersgutachtens nicht nachvollziehen. Er 

sei sich sicher, dass er minderjährig sei, bisher sei er auch immer als Kind 

angesprochen worden. Auch in Italien sei er mit dem angegebenen Ge-

burtsdatum registriert worden, die dortigen Behörden hätten ihn stets als 

Minderjährigen behandelt. Das SEM werde ersucht, Informationen der ita-

lienischen Dublin-Abteilung einzuholen und parallel dazu eine Botschafts-

abklärung vorzunehmen, da die Möglichkeit bestehe, dass er in Nigeria ei-

nen Geburtsschein gehabt habe. In Italien habe er traumatische Erlebnisse 

gehabt.  

G.  

G.a Mit Entscheid vom 14. Februar 2020 trat das SEM auf das Asylgesuch 

gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsyIG [SR 142.31] mit der Begründung 

nicht ein, Italien sei für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig und 

es seien auch keine Gründe ersichtlich, welche einen Selbsteintritt nahele-

gen würden. Es verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

den Vollzug nach Italien an.  

G.b Eine gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde vom 25. Februar 

2020 wies das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil E-1108/2020 

vom 4. März 2020 ab. 

G.c Am 31. März 2020 wurde der Beschwerdeführer dem Kanton 

F._______ zugewiesen.  

G.d Mit Schreiben vom 8. Juli 2020 legitimierte sich die heutige Rechtsver-

treterin mit Vollmacht vom gleichen Tag und ersuchte das SEM um Wie-

deraufnahme des Asylverfahrens. Die Überstellung im Dublin-Verfahren 

sei an eine Frist gebunden, sie habe innerhalb von sechs Monaten ab Zu-

stimmung oder Verfristung zu erfolgen. Die Fristüberschreitung ziehe die 

Zuständigkeit nach sich. Die Frist sei am 27. Juni 2020 abgelaufen. Mit 

dieser Eingabe wurde eine Kopie der Geburtsurkunde des Beschwerde-

führers ins Recht gelegt.  

E-4801/2020 

Seite 4 

G.e Am 27. Juli 2020 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, die Frist 

zur Überstellung nach Italien sei abgelaufen, weshalb die Zuständigkeit für 

die Behandlung des Asylgesuchs gemäss Artikel 29f der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates auf die 

Schweiz übergegangen sei. Es hob die Verfügung vom 14. Februar 2020 

auf und setzte das nationale Asylverfahren fort.  

H.  

Am 14. August 2020 hörte das SEM den Beschwerdeführer im Beisein sei-

ner Rechtsvertretung einlässlich zu den Asylgründen an.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er vor, seine Mutter habe die 

Familie verlassen; er und seine etwa zwei Jahre ältere Schwester hätten 

mit dem Vater und einer Stiefmutter zusammengelebt. Nach dem Tod des 

Vaters seien sie von der Stiefmutter sehr schlecht behandelt und gequält 

worden; einmal habe sie ihn mit Wasser verbrüht, die Narben seien noch 

sichtbar; er vermute, sie habe ihn umbringen wollen. Er habe nie eine 

Schule besuchen können.  

Etwa zwei bis drei Jahre vor seiner Ausreise im Januar 2016 hätten er und 

seine Schwester das Elternhaus verlassen, weil es mit der Stiefmutter un-

erträglich geworden sei. Zunächst hätten sie in einem Rohbau im Busch 

gelebt. Dort sei die Schwester jedoch vergewaltigt worden, so dass sie dort 

nicht länger hätten bleiben können. Er und die Schwester hätten sich da-

raufhin getrennt und er sei bei der Familie eines Freundes untergekom-

men. Dieser Freund habe eine Ausbildung als Glaser gemacht und auch er 

habe dann im Betrieb mithelfen können. Eine richtige Ausbildung sei das 

nicht gewesen, dafür müsse man in Nigeria bezahlen und er habe kein 

Geld gehabt. Eines Tages sei ihm eine teure Glasscheibe zu Bruch gegan-

gen. Der Lehrmeister des Freundes habe ihm gedroht, er müsse die 

Scheibe ersetzen, er habe aber kein Geld gehabt. Deshalb habe er sich 

ein halbes Jahr im Haus des Freundes versteckt gehalten, denn der Meis-

ter sei als böser und gewalttätiger Mann bekannt und er habe Angst ge-

habt, dass er ihn umbringen werde; der Freund habe gesagt, er müsse das 

Geld eines Tages zurückzahlen. Nach einem halben Jahr habe die Mutter 

des Freundes gesagt, sie könne ihn nicht weiter durchfüttern, deshalb habe 

er das Haus des Freundes verlassen müssen. Er habe sich wegen dieser 

Vorfälle nie an die nigerianischen Behörden gewandt, von diesen sei keine 

Hilfe zu erwarten, ausserdem sei er noch ein Kind gewesen. Der Freund 

habe ihm dann die Ausreise organisiert. Ein Auto habe ihn abgeholt; er 

habe zunächst gar nicht gewusst, dass er Nigeria verlassen würde, das 

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Seite 5 

habe er erst später erfahren, bevor er nach Niger ausgereist sei. Im Auto 

seien viele Leuten gesessen, diese hätten ihm mitgeteilt, dass man nach 

Libyen fahren würde. Der Freund, den er daraufhin angerufen habe, habe 

gesagt, Nigeria sei für ihn nicht mehr sicher, er müsse daher ausreisen. Er 

habe in Nigeria tatsächlich keine Hilfe gehabt, keine Bleibe, sei nicht zur 

Schule gegangen und hätte betteln müssen. Deshalb sei er ausgereist. An 

einem anderen Ort in Nigeria wäre es ihm nicht besser ergangen, er hätte 

auch dort niemanden gehabt.  

Anlässlich der Anhörung reichte der Beschwerdeführer die Kopie einer Ge-

burtsurkunde, ausgestellt vom G._______ Hospital C._______, zu den Ak-

ten, derzufolge er am (…) geboren sei. Die Urkunde habe ihm sein Freund 

aus Nigeria per Handy geschickt. Auf Vorhalt, auf diesem Geburtsschein 

sei als sein Geburtsmonat «Oktober» vermerkt, wogegen er sowohl in Ita-

lien, als auch in der Schweiz behauptet habe, im November geboren zu 

sein, erwiderte er, dies sei wohl falsch berechnet worden; er habe sein Ge-

burtsdatum ja nicht selber gekannt, sondern von der Schwester erfahren.   

I.  

Am 20. August 2020 übermittelte das SEM der Rechtsvertreterin einen 

Zeitplan für das Verfahren, gewährte Akteneinsicht und händigte ihr einen 

Entscheidentwurf aus. Am 21. August 2020 wurde in einem Telefonat mit 

der Rechtsvertreterin vereinbart, das Gesuch angesichts der bereits lan-

gen Dauer dem erweiterten Verfahren zuzuteilen.  

J.  

Am 25. August 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch ab, verfügte die Weg-

weisung aus der Schweiz und beauftragte den Kanton mit dem Vollzug. Es 

händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Ak-

tenverzeichnis aus. Das SEM erachtete die Asylvorbringen des Beschwer-

deführers als nicht beachtlich im Sinne des Art. 3 AsylG. Da den Vorbringen 

des Weiteren auch keine Hinweise auf mögliche Vollzugshindernisse zu 

entnehmen seien, sei der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und 

möglich. 

Auf die Begründung der Verfügung wird soweit nötig im Rahmen der Erwä-

gungen eingegangen.  

K.  

Am 25. September 2020 erhob der Beschwerdeführer mit Hilfe seiner 

Rechtsvertreterin (Vollmacht vom 11. August 2020) Beschwerde gegen 

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Seite 6 

den ablehnenden Entscheid. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung 

und seine Anerkennung als Flüchtling sowie die Gewährung des Asyls. 

Eventualiter sei wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs seine vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei 

die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vor-

instanz zurückzuweisen. Des Weiteren sei ihm die unentgeltliche Rechts-

pflege zu gewähren und die unentgeltliche Verbeiständung durch die 

Rechtsvertretung zu bewilligen sowie auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses zu verzichten.  

Auf die Begründung der Beschwerde wird soweit nötig im Rahmen der Er-

wägungen eingegangen. Mit der Beschwerde wurden unter anderem drei 

Fotos (in Kopie) betreffend Narben an den Beinen eingereicht. 

L.  

Am 29. September 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den 

Eingang der Beschwerde. 

M.  

Ebenfalls am 29. September 2020 reichte der Beschwerdeführer das Ori-

ginal der Geburtsurkunde zu den Akten, am 30. September 2020 ging beim 

Gericht eine Fürsorgebestätigung ein. 

N.  

Am 23. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer das Anmeldeformular 

für das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Schweizerischen Ro-

ten Kreuzes (SRK) ein; sein Hausarzt habe ihn dort angemeldet. 

O.  

Am 14. April 2021 wurde die Instruktionsrichterin darüber in Kenntnis ge-

setzt, dass der Beschwerdeführer vom zuständigen Migrationsamt für den 

15. April 2021 zu einem Gespräch mit einem Vertreter der nigerianischen 

Botschaft vorgeladen worden war. 

P.  

Nach Aktenlage nahm der Beschwerdeführer diesen Termin wahr; es 

wurde bestätigt, dass er Staatsangehöriger Nigerias sei. Das SEM sicherte 

in einer E-Mail zu, dass von weiteren Vollzugshandlungen Abstand genom-

men werde, bis über die Beschwerde entschieden worden sei. 

Q.  

Mit Verfügung vom 15. April 2021 stellte die Instruktionsrichterin fest, der 

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Seite 7 

Beschwerde komme von Gesetzes aufschiebende Wirkung zu; der Be-

schwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-

ten. Über alle weiteren Rechtsbegehren werde zu einem späteren Zeit-

punkt entschieden. 

R.  

Am 4. Mai 2021 teilte der Beschwerdeführer mit, er habe am 12. Mai 2021 

seinen ersten Termin beim Folterambulatorium des SRK, und reichte eine 

Kopie der Terminzusage ein. 

S.  

Am 17. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer den Konsiliumsbericht des 

Folterambulatoriums (datierend ebenfalls vom 17. Mai 2021) zu seinem 

psychischen Gesundheitszustand ein. Aus diesem gehe hervor, dass er 

unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leide und sowohl in Ni-

geria als auch auf der Flucht in Libyen noch im Kindesalter schwere Miss-

handlungen und Folterungen erlebt habe und dissoziative Zustände zeige. 

Es bestehe aus fachpsychiatrischer Sicht kein Zweifel, dass er sein Eltern-

haus bereits im Alter von 12 Jahren verlassen habe. In der Schweiz könne 

sich sein Gesundheitszustand stabilisieren, vorausgesetzt er habe einen 

stabilen Aufenthaltsstatus. Im Fall eines Wegweisungsvollzugs sei mit ei-

ner Zustandsverschlechterung und psychischer Dekompensation zu rech-

nen, wobei Selbstgefährdung nicht auszuschliessen wäre.  

Auf die detaillierten Aussagen des Arztberichts wird in den Erwägungen 

eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

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Seite 8 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen 

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der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-

motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die 

geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist. Geht die Verfolgung 

von nichtstaatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer 

staatlichen Schutz beanspruchen kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 5., 2010/57 

E. 2). 

5.  

5.1 Das SEM wies das Asylgesuch ab, weil es die Vorbringen des Be-

schwerdeführers für nicht asylrelevant erachtete. Die geltend gemachten 

Misshandlungen und Bedrohungen seien von privaten Dritten ausgegan-

gen, einerseits von der grausamen Stiefmutter, andererseits von seinem 

gewalttätigen Lehrmeister; er selbst habe auf Nachfrage mitgeteilt, die ni-

gerianischen Sicherheitsbehörden nie um Hilfe oder Unterstützung ersucht 

zu haben, da von diesen keine Hilfe zu erwarten gewesen sei. Übergriffe 

durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, seien 

jedoch flüchtlingsrechtlich nur dann relevant, sofern der Staat nicht schutz-

willig oder schutzfähig sei. Generell sei Schutz gewährleistet, wenn funkti-

onierende und wirksame Polizei- und Justizorgane zur Ermittlung, Strafver-

folgung und Ahndung von Verfolgungshandlungen bestünden. Da die vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten Misshandlungen und Drohungen 

auch in Nigeria strafbare Handlungen darstellten, sei davon auszugehen, 

dass der nigerianische Staat seiner Schutzpflicht im Rahmen seiner Mög-

lichkeiten nachkomme. Es gebe vorliegend auch keine Anhaltspunkte da-

für, dass die nigerianischen Sicherheitsbehörden nicht als schutzfähig oder 

schutzwillig einzustufen wären. Die vom Beschwerdeführer darüber hinaus 

vorgetragenen wirtschaftlichen Probleme seien auf die allgemeine Situa-

tion in Nigeria zurückzuführen und vermöchten ebenfalls keine Asylrele-

vanz zu entfalten.  

5.2 In der Beschwerdeeingabe wird entgegnet, das SEM habe die Schilde-

rungen zwar für glaubhaft erachtet, bei seiner Einschätzung der Asylbe-

achtlichkeit aber ausser Betracht gelassen, dass es dem Beschwerdefüh-

rer aufgrund seines jugendlichen Alters und seiner mangelhaften Bildung 

nicht möglich gewesen sei, sich selbständig an die Sicherheitsbehörden zu 

wenden; ferner sei anerkannt, dass die nigerianischen Polizeibehörden 

korrupt seien und nur gegen Geldzahlungen tätig würden, was durch Quel-

len belegt werden könne. Der mittellose Beschwerdeführer habe deshalb 

von ihnen keine Hilfe erwarten können. Unter Hinweis auf weitere Länder-

berichte wird sodann vorgebracht, dass das SEM sich nicht genügend mit 

der Schutzfähigkeit und dem Schutzwillen der nigerianischen Behörden 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12

E-4801/2020 

Seite 10 

auseinandergesetzt habe, werde doch Kinderarbeit dort nicht genügend 

geahndet, auch seien häusliche Gewalt und insbesondere Zwangsarbeit 

von Minderjährigen in der Herkunftsregion Edo weit verbreitet. Diese De-

likte seien theoretisch zwar strafbar, würden in der Praxis durch die Behör-

den jedoch kaum verfolgt. Schliesslich habe die Vorinstanz auch Hinweise 

ausser Acht gelassen, welche darauf hindeuteten, dass der Beschwerde-

führer ein Opfer von Menschenhandel geworden sei. Obwohl die Vor- 

instanz selbst während der Anhörung bemerkt habe, dass er «schon [fast] 

gegen [seinen] Willen aus Nigeria ausgeschafft wurde» (A46/F68), habe 

sie in der Folge jegliche Abklärungen in dieser Hinsicht unterlassen, ob-

wohl verschiedene protokollierte Aussagen in Erstbefragung und Anhörung 

darauf hindeuteten, dass der Beschwerdeführer ein Menschenhandelsop-

fer sei. Das SEM habe damit seine Verpflichtungen zur Aufklärung von 

Menschenhandel nicht erfüllt und den Sachverhalt diesbezüglich nur unge-

nügend abgeklärt. Vor diesem Hintergrund sei der Vollzug der Wegweisung 

nicht zumutbar. Überdies könne der Beschwerdeführer seine Minderjährig-

keit inzwischen durch einen Geburtsschein belegen; der Altersabklärung 

durch Handknochenanalyse komme dagegen nur geringer Beweiswert zu. 

Auch angesichts des minderjährigen Alters des Beschwerdeführers sei der 

Wegweisungsvollzug unzumutbar.  

5.3 Der eingereichte Konsiliumsbericht des Ambulatoriums für Folteropfer 

des SRK H._______ vom 17. Mai 2021 nimmt Stellung zur Frage, in wel-

chem psychischen Zustand sich der Beschwerdeführer befindet. Zur 

Fremdanamnese wird festgehalten, dass von Seiten des Hausarztes 

Schlafstörungen, Kopfschmerzen sowie funktionelle Beschwerden ohne 

klinischen oder laborchemischen Befund beschrieben wurden; die Anmel-

dung sei auf Anraten der Rechtsvertretung erfolgt, welche aufgrund ver-

schiedener Auffälligkeiten in den Erzählungen des Beschwerdeführers 

nicht ausschloss, dass er Opfer von Menschenhandel geworden sein 

könnte. Der Beschwerdeeingabe vom 25. September 2020 sei zu entneh-

men gewesen, dass der Beschwerdeführer im Verlauf wiederholt «Ohn-

machtsgefühle» hatte. Im Rahmen der sozialen und biographischen Anam-

nese gibt der Bericht im Wesentlichen den Sachverhalt wieder, wie ihn der 

Beschwerdeführer auch der Vorinstanz zu Protokoll gegeben hatte (vgl. 

Konsiliumsbericht des Ambulatoriums für Folteropfer des SRK H._______ 

vom 17. Mai 2021, S. 2 ff.). Die Anamnese schliesst mit der Feststellung, 

das gegenwärtige Hauptproblem des Beschwerdeführers sei der negative 

Asylentscheid, was seine Motivation, die deutsche Sprache zu erlernen, 

deutlich reduziere. Betreffend den psychischen Befund wird festgehalten, 

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Seite 11 

dass es keine Hinweise für das Vorliegen von somatischen Belastungsstö-

rungen (körperbezogene Störungen, früher als Somatisierungsstörung be-

zeichnet) gebe. Abgesehen von Albträumen und dem Umstand, dass der 

Beschwerdeführer als besonders belastet erscheine und geweint habe, als 

er die Erlebnisse in Libyen und die Misshandlungen durch die Stiefmutter 

geschildert habe, diagnostiziert der Bericht kein akutes psychisches Leiden 

(vgl. Konsiliumsbericht des Ambulatoriums für Folteropfer des SRK 

H._______ vom 17. Mai 2021, Ausführungen auf S. 6 f.). Die Berichterstat-

tung der behandelnden Psychotherapeuten schliesst mit der Feststellung, 

dass sich der Beschwerdeführer bei entsprechender psychotherapeuti-

scher Begleitung und sozialer/pädagogischer Unterstützung in der 

Schweiz zunehmend stabilisieren könne, dies sei aber abhängig von der 

Klärung seines Aufenthaltsstatus. Gleichzeitig müsse bei negativem Asyl-

entscheid und drohender Ausschaffung prospektiv aufgrund der vorhande-

nen psychischen Vorbelastung mit einer Zustandsverschlechterung und 

psychischen Dekompensation gerechnet werden, wobei Selbstgefährdung 

nicht auszuschliessen wäre. Dem Bericht ist auch zu entnehmen, dass die 

behandelnden Therapeuten angesichts der Vorlage der Geburtsurkunde 

von 2004 aus fachpsychiatrischer Sicht keine Zweifel haben, dass der Be-

schwerdeführer als etwa 12-jähriges Kind mit seiner etwa 15-jährigen leib-

lichen Schwester das Elternhaus verlassen habe. Die traumatischen Erleb-

nisse in Libyen müssten dann gemäss seinen Schilderungen ebenfalls in 

einem Alter von 12 bis 13 Jahren stattgefunden haben. 

5.4 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die Einschätzung der Vor- 

instanz in der angefochtenen Verfügung aus den folgenden Erwägungen 

für zutreffend. 

5.4.1 Betreffend das Alter des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass 

das Bundesverwaltungsgericht diese Frage bereits in seinem Urteil  

E-1108/2020 vom 4. März 2020 eingehend behandelte (a.a.O. E. 6) und 

zum Schluss kam, aufgrund der Ergebnisse der umfassenden medizini-

schen Altersabklärung durch das Rechtsmedizinische Institut der Universi-

tät E._______ vom 17. Januar 2020 könne nicht von der Minderjährigkeit 

des Beschwerdeführers ausgegangen werden. Diese Einschätzung ist wei-

terhin zutreffend (vgl. zur Beweiskraft von medizinischen Altersabklärun-

gen BVGE 2018 VI/3); sie wird durch die zwischenzeitlich eingereichte Ge-

burtsurkunde, von der zum einen völlig unklar ist, wie der Beschwerdefüh-

rer sie erhalten hat – das Original-Versandkuvert wurde beispielsweise 

nicht vorgelegt –, und der zum anderen angesichts der Fälschungsanfäl-

ligkeit kein hoher Beweiswert zukommen kann, nicht erschüttert. Auch die 

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Seite 12 

Ausführungen im Konsiliumsbericht des Folterambulatoriums SRK sind 

nicht geeignet, die Feststellungen zum tatsächlichen Alter des Beschwer-

deführers zu erschüttern, stützen sie sich doch auf die Daten aus der Ge-

burtsurkunde ab und erachten diese Angaben ohne Weiteres für zutref-

fend. Das Bundesverwaltungsgericht geht demnach weiterhin davon aus, 

dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Asylantragstellung im No-

vember 2019 bereits volljährig war. Dies wirkt sich auch auf seine Angaben 

betreffend den Zeitablauf seiner Asylvorbringen aus.  

5.4.2 Auch die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Asylvorbringen 

keine Asylrelevanz hätten, ist richtig. Die Vorbringen in der Beschwerde 

sind nicht geeignet, diese Einschätzung zu erschüttern. Flüchtlingsschutz 

ist zu gewähren, sofern eine Person zumindest glaubhaft machen kann, 

auch objektiv befürchten zu müssen, künftig von Verfolgungshandlungen 

im Sinne des Art. 3 AsylG bedroht zu sein. Massgeblich für die Einschät-

zung des bestehenden Verfolgungsrisikos ist dabei der Zeitpunkt des Ur-

teils. Selbst wenn nicht in Abrede gestellt werden soll, dass der Beschwer-

deführer eine schwere Kindheit hatte und unter seiner Stiefmutter gelitten 

haben mag, was bedauerlich ist, vermag dieses Vorbringen keine aktuelle 

Asylbeachtlichkeit zu entfalten, da Asyl nicht gewährt wird als Kompensa-

tion für erlittenes Unrecht, sofern nicht auch ein zukünftiges aktuelles Ver-

folgungsrisiko besteht (zum Ganzen vgl. BVGE 2011/50 E. E. 3.1.2 

m.w.H.). Ein solches ist aber für den Beschwerdeführer nicht erkennbar. Er 

ist inzwischen ein erwachsener Mann, der im Fall der Rückkehr den Re-

pressalien der Stiefmutter nicht länger ausgesetzt sein wird.  

Gleiches gilt auch für die Vorbringen rund um den gewalttätigen Lehrmeis-

ter und die bei ihm noch ausstehende Schuld in Höhe von ca. 250'000 

Naira (rund Fr. 550.–). Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, weshalb der 

Beschwerdeführer auch mit diesem Vorbringen keine Hinweise auf eine 

auch objektiv begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung geltend ma-

chen kann. Die Ausführungen in der Beschwerde betreffend die Unzuläs-

sigkeit von Kinderarbeit und den mangelnden Willen, diese zu ahnden, so-

wie betreffend die Korruption der nigerianischen Polizei sind nicht geeignet, 

diese Einschätzung zu erschüttern. Zum einen hat der Beschwerdeführer 

selbst nie behauptet, er sei zur Arbeit gezwungen worden; vielmehr hat er 

sein Mithelfen in der Glaserei im Sinne einer «Ausbildung» geschildert, er 

selbst habe den Freund gefragt, ob der Meister auch Arbeit für ihn habe 

(vgl. N […]-46/13, F34). Des Weiteren vermögen auch die Ausführungen 

betreffend die Korruption der Polizei nicht zu überzeugen. Es ist wenig 

wahrscheinlich, dass ein Kind oder Jugendlicher keine Hilfe erhalten 

E-4801/2020 

Seite 13 

würde, wenn er sich an die Behörden wenden würde. Schliesslich ist auch 

festzustellen, dass die Bedrohung durch den Lehrmeister, der einem Ju-

gendlichen möglicherweise sehr bedrohlich und «gefährlich» vorgekom-

men sein mag, inzwischen deutlich weniger beachtlich sein dürfte. Der Be-

schwerdeführer ist inzwischen erwachsen, die dem Lehrmeister geschul-

dete Summe für die Glasscheibe stellt einen überschaubaren Betrag dar, 

den er inzwischen ohne Weiteres aufzubringen vermöchte, so dass auch 

in Hinblick auf diesen Sachverhaltsaspekt nicht vom Vorliegen einer auch 

objektiv drohenden aktuellen Gefahr einer zukünftigen asylbeachtlichen 

Verfolgung ausgegangen werden kann.  

5.4.3 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass dem Be-

schwerdeführer weder zum Zeitpunkt seiner Ausreise noch zum heuti-

gen Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft in begründeter Weise droht, auf-

grund seiner Vorbringen in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in seinem 

Heimatland verfolgt zu werden. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlings-

eigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

E-4801/2020 

Seite 14 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im 

Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 

E-4801/2020 

Seite 15 

als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-

weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-

mungen zulässig. 

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. In Bezug auf Nigeria geht das Bundesverwal-

tungsgericht davon aus, dass keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht 

(vgl. in jüngster Zeit statt vieler die Urteile des BVGer D-5131/2020 vom 

26. Mai 2021 E. 7.2, E-3115/2019 vom 12. Mai 2021 E. 7.3.1).   

7.5 Die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens geltend gemachten medi-

zinischen Probleme des Beschwerdeführers, welche insbesondere im Be-

richt des Folterambulatoriums vom 17. Mai 2021 ausgeführt werden (vgl. 

Beschwerdeakten Ziff. 11, Beilage), stehen einer Rückkehr nach Nigeria – 

anders als in der Eingabe der Rechtsvertretung vom 17. Mai 2021 ausge-

führt – nicht im Weg. Zum psychischen Befund bei der Exploration halten 

die Therapeuten fest, dieser sei unauffällig, der Beschwerdeführer mache 

einen «einigermassen stabilen Eindruck», er wird als «wach, bewusst-

seinsklar und zur Person, zur Zeit, Situation, Ort orientiert» beschrieben, 

Auffassungsstörungen fänden sich nicht, die Merkfähigkeit und das Kurz- 

und Langzeitgedächtnis seien orientierend unauffällig; formale Denkstö-

rungen seien nicht beobachtet worden, es gebe keine Anhaltspunkte für 

formale und inhaltliche Merkmale eines Wahns, für Sinnestäuschungen  

oder Ich-Störungen. Der Beschwerdeführer sei im Kontakt zugewandt, die 

emotionale Schwingungsfähigkeit erscheine unauffällig, der aktuelle Affekt 

allenfalls leicht deprimiert aufgrund seiner aktuellen Aufenthaltssituation; 

die Psychomotorik sei unauffällig; es seien keine Zwänge feststellbar. Fest-

gehalten wird, dass er geweint habe, als er darüber berichtete, wie er er-

fahren habe, dass seine Reise nach Libyen gehe. Aktuell gebe es – so der 

Arztbericht – keine Hinweise auf Suizidalität oder Suizid-Gedanken, keine 

Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung sowie für das Vorliegen von 

somatischen Belastungsstörungen (vgl. Bericht, Psychischer Befund bei 

Exploration, S. 5). Zusammenfassend geht aus dem Bericht hervor, dass 

der Beschwerdeführer durch die Schilderung der Erlebnisse im Elternhaus, 

aber auch in Libyen stark belastet wirke; die posttraumatische Symptoma-

tik finde sich in Form von Intrusionen (Albträumen), dem Versuch an das 

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Seite 16 

Vergangene nicht mehr zu denken und dies zu vergessen sowie in ad-

juvanten Symptomen wie Schlafstörungen und rezidivierend auftretender 

Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen. Diese Bewertung werde 

durch die durchgeführte testpsychologische Untersuchung gestützt. Dage-

gen seien keine Symptome erkennbar, welche die Diagnose einer depres-

siven Störung oder Angststörung wahrscheinlich machten. Aktuell lägen 

auch keine Symptome einer dissoziativen Störung vor. Im Bericht wird da-

von ausgegangen, dass die psychische Situation des Beschwerdeführers 

sich im Fall der Rückkehr verschlechtern könnte (vgl. Bericht, Zusammen-

fassende Bewertung, Beurteilung und Prognose, S. 6 f.). Insgesamt ist da-

her festzuhalten, dass aus dem Arztbericht hervorgeht, dass der Be-

schwerdeführer unter Albträumen leidet, in denen häufig Polizeibeamte 

vorkämen, und er tatsächlich in der Schweiz auch oft von der Polizei ange-

halten werde. Angesichts des Umstandes, dass aus dem Bericht keine wei-

tere gravierende psychische Beeinträchtigung des Beschwerdeführers zu 

entnehmen ist, er in Nigeria als Glasergehilfe gearbeitet hat und dort zu-

mindest einen Freund hat beziehungsweise mehrere (vgl. N […]-46/13 F7, 

er habe mit einem seiner Freunde telefoniert), ist der Vollzug der Wegwei-

sung auch als zumutbar zu erachten. In diesem Zusammenhang ist 

schliesslich auf die Möglichkeit hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer 

die Rückkehrhilfe der Schweiz (Art. 93 AsylG) in Anspruch nehmen könnte, 

was den Wiedereinstieg in Nigeria ebenfalls zu erleichtern vermag. 

7.6 Betreffend die in der Beschwerde geäusserten Vermutungen in Hin-

blick darauf, dass der Beschwerdeführer ein Opfer von Menschenhandel 

gewesen sein könnte (vgl. Beschwerdeeingabe Ziff. 22 ff.), ist festzuhalten, 

dass diese Ausführungen das Gericht nicht zu überzeugen vermögen. Der 

Beschwerdeführer selbst hat dazu gegenüber der Vorinstanz keine ent-

sprechenden Angaben gemacht, obwohl er während des gesamten Ver-

fahrens rechtlich vertreten gewesen ist (vgl. Vollmacht, N […]-13/1) und 

auch seine ihm zugewiesene Rechtsvertretung entsprechende Sachver-

haltsaspekte bereits im Vorfeld mit ihm hätte ansprechen und diesen – bei 

Verdacht – hätte nachgehen können. Wenn nun im Rahmen der Be-

schwerde auf diese «Anzeichen» hingewiesen wird (vgl. Beschwerdeein-

gabe Ziff. 23 – 26), so ist festzuhalten, dass diese Schlussfolgerungen 

hoch spekulativ sind und es sich dabei um Interpretationen handelt, die in 

den eigentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers, wie sie von der Vor-

instanz protokolliert wurden, keinen Widerhall finden. Beispielsweise wird 

in der Beschwerde vorgebracht, dass der «Freund», bei dem und dessen 

Mutter der Beschwerdeführer gelebt habe, allenfalls in den Menschenhan-

del des Beschwerdeführers verwickelt gewesen sei; der Beschwerdeführer 

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Seite 17 

habe auch Angst, dass er dem Freund Geld schulde (vgl. Beschwerdeein-

gabe Ziff. 23, 26, 36). Diese Aussage ist jedoch nicht zutreffend, in der 

Anhörung erwähnte der Beschwerdeführer stets, dass er dem Meister das 

Geld schulde (vgl. N […]-46/13 F34). Auch die Vermutung, dass der Be-

schwerdeführer nichts gesagt habe, weil er möglicherweise einen Juju-

Schwur geleistet habe, lassen seine Vorbringen kaum zu. In der Anhörung 

deutete er lediglich an, dass der böse Lehrmeister angeblich einer Geheim-

gesellschaft angehören könnte (vgl. N […]-46/13 F51 ff.). Aus Sicht des 

Gerichts kann der Vorinstanz bei dieser Ausgangslage keine mangelnde 

Sachverhaltsabklärung vorgeworfen werden. Das SEM hat auch nicht – 

wie in der Beschwerde vorgebracht – versäumt, den sich aufdrängenden 

Hinweisen auf Menschenhandel nachzugehen oder seinerseits von Amtes 

wegen zu ermitteln (vgl. Beschwerdeeingabe Ziff. 28, 29); solche ergeben 

sich aus den Vorbringen des Beschwerdeführers im Rahmen des Verfah-

rens nicht. Auch auf Beschwerdestufe vermögen die geltend gemachten 

Ausführungen in der Beschwerde nicht zu überzeugen, sie finden schliess-

lich auch keinen Anhaltspunkt in der psychiatrischen Einschätzung im Kon-

siliumsbericht vom 17. Mai. 2021. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

7.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

E-4801/2020 

Seite 18 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

beiständung (Art. 65 VwVG, Art. 102m AsylG) sind ungeachtet der finanzi-

ellen Verhältnisse des Beschwerdeführers abzuweisen, nachdem die Be-

schwerdebegehren als aussichtslos bezeichnet werden müssen. 

Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird 

mit Ergehen des vorliegenden Urteils gegenstandslos. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4801/2020 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Anträge auf unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbeistän-

dung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Susanne Bolz 

 

 

Versand: