# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e690db1d-9bac-5368-8f78-18213250fa12
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-04-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.04.2012 A-1910/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1910-2011_2012-04-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung I 

A-1910/2011 

 

 

  U r t e i l  v o m  5 .  A p r i l  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 

Richterin Marie-Chantal May Canellas,  

Richter Michael Beusch,   

Gerichtsschreiberin Gabriela Meier. 
 

 
 

Parteien 

 
X._______, 

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 

 
Eidgenössische Erlasskommission für die direkte Bun-

dessteuer (EEK), Eigerstrasse 65, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Erlass direkte Bundessteuer. 

 

 

A-1910/2011 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

X._______ wurde für die direkte Bundessteuer der Jahre 2003 bis 2005 

mit einem Steuerbetrag von insgesamt Fr. 16'905.95 rechtskräftig veran-

lagt. 

B.  

Am 10. Dezember 2007 bzw. 4. September 2008 richtete X._______ für 

die direkte Bundessteuer der Jahre 2003 bis 2005 in der Höhe von 

Fr. 16'905.95 ein Erlassgesuch an das Steueramt des Kantons 

A._______. Sie brachte hauptsächlich vor, sie sei aufgrund von Krankheit 

und Verarmung nicht in der Lage, die ausstehenden Steuerforderungen 

zu begleichen. Zudem verfüge sie über keine Altersvorsorge oder sonsti-

ges Vermögen. 

C.  

Die Eidgenössische Erlasskommission (EEK) wies das Erlassgesuch mit 

Entscheid vom 31. Januar 2011 ab. In ihrer Begründung führte die EEK 

im Wesentlichen aus, es liege insofern eine Notlage vor, als dass 

X._______ zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten der finanziellen Un-

terstützung durch die öffentliche Hand bedürfe. Es liege aber aufgrund 

geschäftlicher Misserfolge eine Überschuldung vor, so dass ein (ganzer 

oder teilweiser) Steuererlass zu einer Bevorzugung der übrigen Gläubiger 

führen würde. Im Übrigen sei unklar, ob sich X._______ beim Verkauf ih-

rer Liegenschaft nicht allenfalls freiwillig gewisser Vermögenswerte ent-

äussert habe.   

D.  

Dagegen erhob X._______ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 

28. März 2011 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-

tragt die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides. Eventualiter sei 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter 

ersucht die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Beschwer-

deführerin bringt hauptsächlich vor, die laufenden monatlichen Einkünfte, 

bestehend aus einer AHV-Rente und Ergänzungsleistungen, reichten 

nicht aus, um die direkten Bundessteuern der Jahre 2003 bis 2005 zu be-

zahlen. Deshalb liege eine Notlage im Sinne des Erlassrechts vor. Weiter 

seien die hier in Frage stehenden Bundessteuern aufgrund ihrer durch 

langjährige Krankheit verursachten Verarmung zu erlassen. Die Be-

schwerdeführerin rügt, der Entscheid der EEK sei verfassungswidrig, will-

A-1910/2011 

Seite 3 

kürlich und entbehre jeglicher Grundlage. Insbesondere werde dadurch 

die Steuererlassverordnung verletzt. Überdies sei die EEK bei der Beur-

teilung des Erlassgesuchs von einer falschen Sachverhaltsdarstellung 

ausgegangen. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2011 heisst das Bundesverwaltungs-

gericht das mit der Beschwerde vom 28. März 2011 und anhand des am 

2. Mai 2011 eingereichten Formulars gestellte Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege gut. 

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 3. Juni 2011 beantragt die EEK die kosten-

fällige Abweisung der Beschwerde. 

G.  

Mit Instruktionsverfügung vom 15. Februar 2012 fordert das Bundesver-

waltungsgericht die Beschwerdeführerin auf, Unterlagen zur Feststellung 

ihrer aktuellen finanziellen Lage (zu ihrer Vermögens- und Schuldenlage, 

allfälligen Forderungsverzichten anderer Gläubiger als des Staates, er-

lassenen Kantons- und Gemeindesteuerschulden und die letzte Steuer-

veranlagung) einzureichen. Die Beschwerdeführerin reicht mit Eingabe 

vom 1. März 2012 einzelne Verlustscheine nach. 

H.  

Auf die Begründung der Eingaben ans Bundesverwaltungsgericht wird – 

soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der Erwägungen näher einge-

gangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwer-

den gegen Entscheide der EEK zuständig (Art. 31 des Bundesgesetzes 

vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [Verwaltungsge-

richtsgesetz, VGG, SR 173.32], Art. 32 e contrario und Art. 33 Bst. f 

VGG). Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfah-

ren gemäss dessen Art. 37 nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Die Be-

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Seite 4 

schwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die 

form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

1.2.  

1.2.1. Die subjektive Beweislast besteht in der Verpflichtung einer Partei, 

eine Tatsache zu beweisen. Die in Betracht fallende Prozesspartei hat die 

zur Beweisführung geeigneten Beweismittel zu nennen und allenfalls zu 

beschaffen (sog. Beweisführungslast; ERNST BLUMENSTEIN/PETER LO-

CHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, 

S. 453 f.). Dementsprechend muss das Erlassgesuch mit den nötigen 

Beweismitteln schriftlich begründet eingereicht werden (Art. 167 Abs. 2 

des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundes-

steuer [DBG, SR 642.11]). Überdies obliegt dem Gesuchsteller im Rah-

men seiner Verfahrenspflichten, den Erlassbehörden Auskunft über seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse zu erteilen (Art. 18 der Verordnung des Eid-

genössischen Finanzdepartements [EFD] vom 19. Dezember 1994 über 

die Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer [Steu-

ererlassverordnung, SR 642.121]). 

1.2.2. Die objektive Beweislast regelt die Folgen der Beweislosigkeit. 

Nach herrschender Lehre und Praxis wird im Schweizer Steuerrecht die 

Beweislast für steuerbegründende und steuererhöhende Tatsachen durch 

den Fiskus und für steueraufhebende und -mindernde Tatsachen durch 

das Steuersubjekt getragen. Der Erlass bewegt sich im Bereich der steu-

eraufhebenden Tatsachen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

A-4478/2009 vom 13. Juli 2010 E. 1.4.3, A-7164/2007 vom 3. Juni 2010 

E. 1.4; BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 453 f.; vgl. auch DANIEL SCHÄR, 

Normentheorie und mitwirkungsorientierte Beweislastverteilung in ge-

mischten Steuerveranlagungsverfahren, in: Archiv für Schweizerisches 

Abgaberecht [ASA] 67 S. 436 ff.). 

2.   

2.1. Der steuerpflichtigen Person, für die infolge einer Notlage die Be-

zahlung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse wegen Übertretung 

eine grosse Härte bedeuten würde, können die geschuldeten Beträge 

ganz oder teilweise erlassen werden (Art. 167 Abs. 1 DBG). Diese Be-

stimmung wird in der Steuererlassverordnung konkretisiert. 

 

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Seite 5 

2.2. Werden durch die kantonale Steuerverwaltung kantonale Steuern er-

lassen, ist dies für den Erlass der direkten Bundessteuer unbeachtlich. 

Sofern die kantonalen Erlassgründe ähnlich ausgestaltet sind wie diejeni-

gen der direkten Bundessteuer, stellt ein Erlass der kantonalen Steuern 

höchstens ein Indiz dar (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-3692/2009 vom 10. Dezember 2009 E. 2.2, veröffentlicht in: ASA 78 

S. 658 ff.; FELIX RICHNER/WALTER FREI/STEFAN KAUFMANN/HANS ULRICH 

MEUTER, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl., Zürich 2009, N. 41 zu 

Art. 167 DBG). 

2.3. Der Steuererlass stellt den Verzicht des Gemeinwesens auf einen 

ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch dar, mit welchem das öffent-

liche Vermögen vermindert wird (BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 346 f.).  

Ziel und Zweck des Steuererlasses ist es, zu einer langfristigen und dau-

ernden Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person 

beizutragen. Bestimmungsgemäss hat er demzufolge der steuerpflichti-

gen Person selbst und nicht ihren Gläubigern zugute zu kommen (Art. 1 

Abs. 1 Steuererlassverordnung). Dies bedeutet, dass trotz Anerkennung, 

dass sich eine stark überschuldete steuerpflichtige Person in besonders 

schwierigen Verhältnissen befindet, von einem Erlass abgesehen werden 

muss, wenn ihre Mittel nicht zur Befriedigung aller Gläubiger ausreichen. 

Bei einem Verzicht der Steuerbehörden würde nämlich nicht sie selbst 

profitieren, sondern primär ihre übrigen Gläubiger, welche beim Zugriff auf 

das pfändbare Einkommen und Vermögen einen Konkurrenten verlieren 

(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1758/2011 vom 26. März 2012 

E. 2.2, A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 2.2.2; vgl. MARTIN ZWEI-

FEL/HUGO CASANOVA, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht Direkte 

Steuern, Zürich/Basel/Genf 2008, § 31 N. 16).  

Die Gründe für einen Erlass liegen letztlich stets in der "Person" des 

Steuerschuldners: Diese soll aus humanitären, sozialpolitischen oder 

volkswirtschaftlichen Gründen nicht in ihrer wirtschaftlichen Existenz ge-

fährdet werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3144/2007 

vom 12. Mai 2009 E. 2.1; MICHAEL BEUSCH, Auswirkungen der Rechts-

weggarantie von Art. 29a BV auf den Rechtsschutz im Steuerrecht, in: 

ASA 73 S. 725). Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steu-

erpflichtigen (vgl. Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-

genossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) muss der Steuererlass 

aber seltene Ausnahme bleiben, welche nur unter bestimmten Vorausset-

zungen gewährt wird (zum Ganzen BVGE 2009/45 E. 2.2, Urteile des 

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Bundesverwaltungsgerichts A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 2.2.2, 

A-7668/2010 vom 22. September 2011 E. 2.2, A-4478/2009 vom 13. Juli 

2010 E. 2.2; MICHAEL BEUSCH, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], 

Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2a+b, 2. Aufl., Basel 

2008, N. 6 zu Art. 167 DBG [zitiert: Kom DBG]).  

2.4. Der Steuererlass gehört nicht zur Steuerveranlagung, sondern zum 

Steuerbezug (bzw. zur Steuervollstreckung). Ein Erlass kann demnach 

nur erfolgen, wenn die Veranlagung abgeschlossen ist und eine rechts-

kräftig festgesetzte Steuerforderung vorliegt, die noch nicht bezahlt ist 

(vgl. Art. 7 Abs. 2 Steuererlassverordnung; objektive Voraussetzungen). 

Im Erlassverfahren ist demnach ausschliesslich zu prüfen, ob die gesetz-

lich statuierten Erlassvoraussetzungen erfüllt sind. In einem solchen Ver-

fahren kann es demnach nicht um die Revision der Veranlagung und um 

die Begründetheit der Steuerforderung gehen (Art. 1 Abs. 2 Steuererlass-

verordnung; BVGE 2009/45 E. 2.3). Die Erlassbehörde ist denn auch 

nicht befugt, Letztere nachzuprüfen (Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 2.3, A-7668/2010 vom 

22. September 2011 E. 2.3; RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., 

N. 3 zu Art. 167 DBG; BEUSCH, Kom DBG, N. 7, 12 f. zu Art. 167 DBG; 

PIERRE CURCHOD, in: Danielle Yersin/Yves Noël [Hrsg.], Impôt fédéral di-

rect - Commentaire de la Loi sur l'impôt fédéral direct, Basel 2008, N. 1, 

15 zu Art. 167 DBG). 

2.5. Gegenstand eines Erlassgesuches können Steuern (inkl. Nachsteu-

ern) sein sowie Zinsen oder Bussen wegen Verfahrensverletzungen oder 

Übertretungen (Art. 7 Abs. 1 Bst. a-c Steuererlassverordnung; 

BVGE 2009/45 E. 2.4, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 2.4, A-7668/2010 vom 

22. September 2011 E. 2.4). 

2.6. Das Gesetz nennt zwei subjektive Voraussetzungen, die einen Erlass 

der geschuldeten Abgaben zu rechtfertigen vermögen. Es sind dies das 

Vorliegen einer Notlage und die grosse Härte (vgl. Art. 167 DBG, oben 

E. 2.1). Wenngleich es zu deren Bestimmung objektive Prüfpunkte gibt, 

sind diese Voraussetzungen bei jedem Steuerpflichtigen anhand sämtli-

cher Umstände des konkreten Einzelfalles abzuklären (BVGE 2009/45 

E. 2.5, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-7949/2010 vom 6. Okto-

ber 2011 E. 2.5, A-7668/2010 vom 22. September 2011 E. 2.5; BEUSCH, 

Kom DBG, N. 13 zu Art. 167 DBG). 

A-1910/2011 

Seite 7 

2.7. Die erste im Gesetz genannte Voraussetzung – das Vorliegen einer 

Notlage – wird in Art. 9 Abs. 1 der Steuererlassverordnung konkretisiert 

(BVGE 2009/45 E. 2.6, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 2.6, A-7668/2010 vom 

22. September 2011 E. 2.6, auch zum Folgenden). 

2.7.1. Danach liegt eine solche vor, wenn der ganze geschuldete Betrag 

in einem Missverhältnis zur finanziellen Leistungsfähigkeit der steuer-

pflichtigen Person steht. Bei natürlichen Personen ist dies insbesondere 

dann gegeben, wenn die Steuerschuld trotz Einschränkung der Lebens-

haltungskosten auf das Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht vollum-

fänglich beglichen werden kann (Art. 9 Abs. 1 Steuererlassverordnung). 

Selbst wenn die Steuerschulden aber nicht innert angemessener Zeit aus 

dem laufenden Einkommen beglichen werden können, rechtfertigt dies al-

lein noch keinen Steuererlass (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-1758/2011 vom 26. März 2012 E. 3.2). 

2.7.2. Unter Vorbehalt von Art. 10 Steuererlassverordnung ist es unerheb-

lich, aus welchem Grund die steuerpflichtige Person in die geltend ge-

machte Notlage geraten ist (Art. 2 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Die-

ser Vorbehalt bezieht sich – entgegen der zu unpräzisen Nennung – nur 

auf Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung (Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts A-3692/2009 vom 10. Dezember 2009 E. 2.7.2, veröffent-

licht in: ASA 78 S. 658 ff.; zu dieser Bestimmung sogleich E. 2.7.3; 

BEUSCH, Kom DBG, N. 14 zu Art. 167 DBG). Mögliche Ursachen für eine 

derartige Notlage werden beispielhaft in Art. 10 Abs. 1 Steuererlassver-

ordnung genannt. Dazu gehören unter anderem erhebliche Geschäfts- 

und Kapitalverluste bei Selbständigerwerbenden und juristischen Perso-

nen, wenn dadurch die wirtschaftliche Existenz der Unternehmung sowie 

Arbeitsplätze gefährdet sind. Ein Erlass soll jedoch in der Regel nur dann 

gewährt werden, wenn auch die anderen gleichrangigen Gläubiger auf 

einen Teil ihrer Forderungen verzichten (Art. 10 Abs. 1 Bst. c Steuerer-

lassverordnung). 

Als weitere Ursachen werden in der Steuererlassverordnung hohe Krank-

heitskosten, die nicht von Dritten getragen werden, sowie Pflegekosten, 

soweit sie für die steuerpflichtige Person eine Notlage herbeiführen, ge-

nannt (Art. 10 Abs. 1 Bst. d Steuererlassverordnung). Seit der Möglichkeit 

des Krankheitskostenabzuges gemäss Art. 33 Abs. 1 Bst. h DBG hat die-

se Bestimmung wegen des Verbots der Doppelberücksichtigung an Be-

deutung verloren. Damit können finanzielle Konstellationen, die bereits im 

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Seite 8 

Rahmen des Einschätzungsverfahrens oder der Steuerberechnung be-

rücksichtigt werden konnten, in der Regel nicht noch einmal zur Begrün-

dung der zu einem Erlass führenden Notlage herangezogen werden (Ur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts A-3692/2009 vom 10. Dezember 

2009 E. 2.7.2, veröffentlicht in: ASA 78 S. 658 ff.; BEUSCH, Kom DBG, 

N. 15 f. zu Art. 167 DBG). 

2.7.3. Eine Ausnahme vom Grundsatz, wonach es auf die Ursache der 

Notlage nicht ankommt, enthält Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung. 

Liegen nämlich für die Überschuldung andere Gründe vor, als die in 

Art. 10 Abs. 1 Steuererlassverordnung genannten – insbesondere ge-

schäftliche Misserfolge, hohe Grundpfandschulden, Kleinkreditschulden 

als Folge eines überhöhten Lebensstandards usw. – so ist ein Erlass der 

Steuerschuld zugunsten anderer Gläubiger ausgeschlossen bzw. nur in 

demselben prozentualen Umfang möglich, wie andere Gläubiger ganz 

oder teilweise auf ihre Forderungen verzichten (Art. 10 Abs. 2 Steuerer-

lassverordnung; vgl. BEUSCH, Kom DBG, N. 15 f. zu Art. 167 DBG). 

2.7.4. Die zu einem Erlass berechtigende Notlage setzt nicht voraus, 

dass die steuerpflichtige Person einen Anspruch auf Sozialhilfe hat oder 

sich gar auf das Recht auf Hilfe in Notlagen (Art. 12 BV) berufen muss 

(vgl. BEUSCH, Kom DBG, N. 17 zu Art. 167 DBG). 

2.8. Die zweite in Art. 167 Abs. 1 DBG statuierte Voraussetzung verlangt, 

dass die Notlage zu einer grossen Härte für die steuerpflichtige Person 

führt. Die beiden genannten Voraussetzungen lassen sich nicht scharf 

voneinander abgrenzen, sondern überschneiden sich weitgehend 

(BEUSCH, Kom DBG, N. 18 zu Art. 167 DBG). Während das Kriterium der 

Notlage ausschliesslich die wirtschaftliche Lage des Schuldners berück-

sichtigt, können unter dem Aspekt der grossen Härte auch andere Um-

stände massgebend sein, namentlich Billigkeitserwägungen 

(BVGE 2009/45 E. 2.7.1, Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 2.7.1; ZWEIFEL/CASASNOVA, a.a.O., 

§ 31 N. 13, 19).  

Eine grosse Härte kann etwa aus der anhaltenden Verschlechterung der 

wirtschaftlichen Verhältnisse seit der Veranlagung resultieren oder kann 

sich aus den besonderen Ursachen der Notlage ergeben. Dies trifft etwa 

zu, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Per-

son durch besondere Umstände wie aussergewöhnliche Belastungen 

durch den Unterhalt der Familie, dauernde Arbeitslosigkeit oder Krank-

A-1910/2011 

Seite 9 

heit, Unglücksfälle usw. erheblich beeinträchtigt wird (BVGE 2009/45 

E. 2.7.1, Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7949/2010 vom 6. Ok-

tober 2011 E. 2.7.1; ZWEIFEL CASANOVA, a.a.O., § 31 N. 14; ERNST KÄN-

ZIG/URS BEHNISCH, Die Eidgenössischen Steuern, Zölle und Abgaben, 

Band 4b, Die direkte Bundessteuer, III. Teil, 2. Aufl., Basel 1992, N. 4 zu 

Art. 124 BdBSt mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

Strengere Massstäbe gelten hingegen, wenn z.B. Leichtsinn und über-

höhter Lebensstandard erheblich zur angespannten Situation beigetragen 

haben. Gemäss Art. 12 Abs. 2 Steuererlassverordnung wird ein Einkom-

mens- oder Vermögensrückgang bei der Beurteilung des Erlassgesuchs 

nicht berücksichtigt, falls sich die steuerpflichtige Person freiwillig ihrer 

Einkommensquellen oder Vermögenswerte entäussert hat. Ist dies der 

Fall, ist die Notlage selbstverschuldet und nicht erlasswürdig. Das Vorlie-

gen der grossen Härte müsste in solchen Fällen verneint werden. Diese 

Verordnungsbestimmung ist durch den dem Anwendungsgebot im Sinne 

von Art. 190 BV unterliegenden Art. 167 DBG abgedeckt (zum Ganzen 

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7668/2010 vom 22. September 

2011 E. 2.7.1; vgl. BEUSCH, Kom DBG, N. 4 zu Art. 167 DBG). 

2.9. Beim Entscheid über einen Steuererlass sind die gesamten wirt-

schaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person zu berücksichtigen. 

Massgebend ist dabei in erster Linie die Situation im Zeitpunkt des Ent-

scheides, daneben auch die Entwicklung seit der Veranlagung, auf die 

sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aussichten für die Zukunft 

(Art. 3 Abs. 1 Steuererlassverordnung; BVGE 2009/45 E. 2.8.1, Urteile 

des Bundesverwaltungsgerichts A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 

E. 2.8, A-7668/2010 vom 22. September 2011 E. 2.8; RICHNER/FREI/ 

KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 22 zu Art. 167 DBG; BEUSCH, Kom DBG, 

N. 27 zu Art. 167 DBG). 

3.  

3.1.  

3.1.1. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die vorinstanzlich festge-

stellten Schulden der Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 380'293.05 

zu einem grossen Teil aus dem Konkurs der Kommanditgesellschaft 

Y._______ im Jahr xxxx (Handelsregistereintrag vom [Datum] zur Kon-

kurseröffnung; zefix.ch, letztmals besucht am 14. März 2012) resultieren. 

Damit sind die Schulden insbesondere auf den geschäftlichen Misserfolg 

der Beschwerdeführerin zurückzuführen. Gerade bei solchen Geschäfts-

verlusten kann ein Erlass der direkten Bundessteuern jedoch nur in Frage 

A-1910/2011 

Seite 10 

kommen, wenn auch andere Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten 

(E. 2.7.3).  

Die Beschwerdeführerin führt aus, die Kantons- und Gemeindesteuern 

der Jahre 2005 bis 2007 in der Höhe von Fr. 2'394.35 seien erlassen und 

diejenigen der Jahre 2003 und 2004 in der Höhe von Fr. 57'680.-- abge-

schrieben worden.  

Aus den vorliegenden Akten geht nicht hervor, dass bereits rechtskräftig 

über den Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern der Jahre 2003 und 

2004 entschieden worden wäre und die öffentliche Hand damit auf erheb-

liche Forderungen verzichtet hätte. Weiter bleibt die Beschwerdeführerin 

auch nach ausdrücklicher Aufforderung durch das Bundesverwaltungsge-

richt den Nachweis allfälliger Forderungsverzichte anderer privater Gläu-

biger schuldig (Bst. G); ein Steuererlass verstiesse unter diesem Ge-

sichtspunkt gegen Bundesrecht.  

In diesem Zusammenhang bleibt ferner zu erwähnen, dass der bereits 

rechtskräftige Entscheid über den Erlass der Kantons- und Gemeinde-

steuern der Jahre 2005 und 2007 für denjenigen über die direkte Bun-

dessteuer nicht bindend ist und unter den hier gegebenen Umständen 

keinen Einfluss auf das vorliegende Urteil hat (E. 2.2). 

3.1.2. Des Weiteren vermag die Beschwerdeführerin nicht darzulegen, 

dass ein Erlass der direkten Bundessteuern zu einer langfristigen und 

dauernden Sanierung ihrer wirtschaftlichen Lage beitragen würde. Viel-

mehr wäre bei einer Schuldenlast der Beschwerdeführerin von über 

Fr. 380'000.-- vom Gegenteil auszugehen, nämlich ganz offensichtlich 

von besonders schwierigen und aussichtslosen finanziellen Verhältnis-

sen. Bei einem Erlass würde folglich nicht primär die Beschwerdeführerin 

profitieren, sondern ihre übrigen (privaten) Gläubiger, welche bei einem 

allfälligen Zugriff auf die pfändbaren Erlöse mit dem Fiskus des Bundes 

einen gewichtigen Konkurrenten verlieren würden; all dies würde einen 

Erlass ebenfalls ausschliessen (E. 2.3.). 

3.1.3. Bereits aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen. 

3.2. Die Beschwerdeführerin bringt insbesondere vor, sie habe gesund-

heitliche Probleme und sei aufgrund ihrer langjährigen Krankheit verarmt.  

Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass der gesundheitliche 

Zustand der Beschwerdeführerin eine grosse menschliche Belastung 

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Seite 11 

darstellen muss. Aufgrund der vorliegenden Akten und damit auch der 

von der Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen ist jedoch nicht er-

stellt, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

im erheblichen Zeitpunkt in einem solchen Masse beeinträchtigt worden 

wäre, dass sie erheblich und anhaltend war und damit eine grosse Härte 

im Sinne des Erlassrechts darzustellen vermag (E. 2.8). Die Beschwerde-

führerin hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. dazu E. 1.2), 

was der Gewährung eines Steuererlasses auch unter diesem Aspekt ent-

gegen steht. Überdies wird weder geltend gemacht noch hinreichend be-

legt, dass in diesem Zusammenhang etwa hohe Krankheitskosten, die 

nicht von Dritten getragen wurden, sowie Pflegekosten, soweit sie für die 

Beschwerdeführerin eine Notlage herbeiführten, angefallen wären 

(E. 2.7.2). Eine Notlage oder grosse Härte im Sinne des Erlassrechts ist 

aufgrund des Gesagten nicht dargetan. Ohnehin vermöchte der Nachweis 

einer erheblichen Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit 

oder von hohen Krankheitskosten für sich allein die obgenannten Gründe, 

die allesamt gegen den Erlass sprechen (E. 3.1.1 und 3.1.2), nicht zu be-

seitigen.  

3.3. Das monatliche Einkommen der Beschwerdeführerin besteht in einer 

AHV-Rente und in Ergänzungsleistungen in der Höhe von insgesamt 

Fr. 3'022.--. Die Parteien sind sich darüber einig, dass die Beschwerde-

führerin damit nicht in der Lage ist, ihr Existenzminimum und die noch 

ausstehenden direkten Bundessteuern aus dem laufenden monatlichen 

Einkommen zu begleichen. In einer Würdigung der gesamten wirtschaftli-

chen Verhältnisse rechtfertigt auch dies allein jedoch noch keinen Steu-

ererlass (E. 2.7.1); vielmehr ist der Erlass, wie gesehen und dem vo-

rinstanzlichen Entscheid entsprechend, aus mehreren Gründen zu ver-

weigern (E. 3.1.1 und 3.1.2). Dem im Übrigen ohnehin lediglich pauschal 

vorgebrachten Vorwurf der Beschwerdeführerin, der Entscheid der Vorin-

stanz sei verfassungswidrig, willkürlich und gründe zudem auf einer fal-

schen Sachverhaltsdarstellung, kann demgemäss nicht gefolgt werden.  

4.  

Ausgangsgemäss ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. Infolge 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind die Verfahrenskosten 

von Fr. 2'000.-- auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Parteientschädi-

gung bleibt der Beschwerdeführerin von Gesetzes wegen versagt (Art. 64 

Abs. 1 VwVG e contrario i.V.m. Art. 7 des Reglements über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Feb-

ruar 2008 [VGKE] e contrario). 

A-1910/2011 

Seite 12 

5.  

Dieser Entscheid kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An-

gelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 

Bst. m des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht 

[BGG, SR 173.110]; statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-7949/2010 vom 6. Oktober 2011 E. 5). 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden auf die Gerichtskasse  

genommen. 

3.  

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Einschreiben) 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniel Riedo Gabriela Meier 

 

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