# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3bd22917-62d8-5d9d-b857-5040f536dfa5
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-26
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 26.09.2014 IV 2012/91
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-91_2014-09-26.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/91

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 26.09.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 26.09.2014
Art. 28 IVG. Art. 8 ATSG. Art. 16 ATSG. Beurteilung eines 
Invalidenrentenanspruchs unter Würdigung mehrerer medizinischer 
Berichte, einschliesslich eines versicherungsexternen bidisziplinären 
Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 26. September 2014, IV 2012/91).

Entscheid Versicherungsgericht, 26.09.2014

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 26. September 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Leistungen

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 16. März 2010 unter Hinweis auf eine nicht näher 

bezeichnete Krankheit zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-

Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 8). Am 13. April 2010 notierte Dr. med. B.___ 

vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) gestützt auf die Akten der 

Krankentaggeldversicherung (IV-act. 12), der Versicherte lebe seit neun Jahren in der 

Schweiz. Er sei verheiratet gewesen und habe einen Sohn im Jugendalter, der in der 

Türkei lebe. Hier in der Schweiz habe er zum zweiten Mal geheiratet. Bei der zweiten 

Ehefrau handle es sich um eine Schweizerin mit zwei Kindern aus einer früheren Be­

ziehung. Diese zweite Ehe sei mittlerweile ebenfalls geschieden worden. Seit zwei 

Jahren leide der Versicherte an einer depressiven Entwicklung, die sich auch am 

Arbeitsplatz bemerkbar gemacht und letztlich dazu geführt habe, dass ihm die Kündi­

gung nahe gelegt worden sei. Die den Versicherten seit November 2009 behandelnde 

Psychiaterin habe eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit psycho­

tischen Symptomen diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. In 

einem Austrittsbericht der psychiatrischen Klinik C.___ (stationäre Behandlung vom 

26. Januar bis zum 1. Februar 2010) seien eine schwere depressive Episode mit 

psychosenahen Symptomen sowie ein Verdacht auf eine posttraumatische 

Belastungsstörung diagnostiziert und ebenfalls eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

attestiert worden. Seit dem 11. März 2010 befinde sich der Versicherte wieder dort in 

stationärer Behandlung. Der Hausarzt habe eine Depression sowie eine psychosoziale 

Überlastungssituation mit körperlichen psychosomatischen Beschwerden 

diagnostiziert. Bereits am 1. April 2010 hatte die psychiatrische Klinik C.___ einen 

Austrittsbericht betreffend die zweite, vom 16. bis zum 31. März 2010 durchgeführte 

stationäre Behandlung erstellt (IV-act. 19–9 ff.). Darin waren die Diagnosen schwere 

depressive Episode mit psychosenahen Symptomen sowie – als Differentialdiagnose – 

komplexe Traumastörung genannt worden. Am 18. Juni 2010 berichtete die 

Psychiaterin Dr. med. D.___ dem Vertrauensarzt der Krankentaggeldversicherung, sie 

neige nach fünf ambulanten Behandlungsterminen dazu, eine Begehrlichkeitsneurose 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

oder eine Simulation zu diagnostizieren. Der Versicherte habe unter anderem geklagt, 

er höre Stimmen, die ihm Angst machten. In den Sitzungen habe er die Symptomatik 

jeweils ausdrucksstark geäussert. Nachdem der ehemalige Arbeitgeber mitgeteilt habe, 

der Versicherte sei erst „krank“ geworden, als man eine Arbeitsvermittlung habe 

durchführen wollen, habe sie eine unangekündigte Blutuntersuchung durchgeführt. 

Diese habe gezeigt, dass der Versicherte die Medikamente nicht oder nur sporadisch 

eingenommen habe. Damit konfrontiert habe der Versicherte beteuert, die 

Medikamente regelmässig einzunehmen. Bei einer weiteren Untersuchung seien die 

Medikamentenspiegel dann messbar geworden. Auf die Empfehlung, die 

Antidepressiva mittels Infusionen einzunehmen, habe der Versicherte mit dem Abbruch 

der Behandlung reagiert. Am 1. Februar 2011 berichtete der neu behandelnde 

Psychiater med. pract. E.___ (Fremdakten), der Versicherte sei nach wie vor 

krankheitsbedingt vollständig arbeitsunfähig. Eine Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt 

sei undenkbar. Aufgrund des zähen Verlaufs der Behandlung sei mit einer noch längere 

Zeit andauernden vollständigen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen. Am 22. Februar 2011 

berichtete Dr. med. F.___ über eine im Auftrag der Krankentaggeldversicherung am 

16. Februar 2011 durchgeführte Untersuchung des Versicherten (Fremdakten). Er hielt 

fest, er teile die Auffassung der Mehrheit der behandelnden Ärzte bezüglich des 

Vorliegens einer schweren depressiven Störung. Der Versicherte habe eine 

traumatische Kindheit durchlebt, die von einem prügelnden Vater bestimmt gewesen 

sei. Mit dem Auftreten eines Stotterns im 16. Lebensjahr sei dies symptomatisch 

geworden. Im Laufe seines weiteren Lebens seien weitere Erfahrungen von 

Auslieferungen und Bedrohungen, wie eine ungewollte Vaterschaft, eine ungewollte 

Heirat, eine Scheidung, politische Verfolgung, eine Inhaftierung, Flucht, ein 

Asylantenstatus, eine zweite Heirat mit anschliessender Trennung und Scheidung 

sowie schliesslich der Verlust der Arbeitsstelle hinzu gekommen. Dies alles habe zuletzt 

zu einer psychischen Dekompensation geführt. Im Rahmen einer stationären 

Behandlung habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten noch weiter 

verschlechtert, weil er mit dem Klinikalltag nicht zurecht gekommen sei. Die von 

Dr. D.___ erwähnte Verweigerung, die Medikamente einzunehmen, sei nachvollziehbar, 

denn es sei verständlich, dass ein Patient Medikamente nicht einnehme, wenn er von 

diesen keine positive Wirkung verspüre. Erstaunlicherweise habe Herr E.___ diese 

Medikation fortgesetzt, ohne dies zu begründen. Mittlerweile stehe aber fest, dass sich 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

das Befinden des Versicherten unter Entlastung durch Krankschreibung nicht 

gebessert habe. Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig und werde es wohl auch 

noch für längere Zeit bleiben. Abschliessend empfahl Dr. F.___ eine Umstellung der 

medikamentösen Behandlung und die Sicherstellung der Medikamenteneinnahme.

A.b  Am 12. April 2011 beauftragte die IV-Stelle die ärztliches Begutachtungsinstitut 

(ABI) GmbH mit einer medizinischen Begutachtung des Versicherten (IV-act. 32). Diese 

erstattete das Gutachten am 19. September 2011 (IV-act. 34). Die Sachverständigen 

hatten keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Als Dia­

nosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hatten sie angeführt: Rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, fortgesetzter Nikotinkonsum, 

Medikamenten-Malcompliance sowie anamnestisch unbehandelte 

Magenbeschwerden. Der psychiatrische Consiliarius hatte ausgeführt, die vom 

Versicherten geklagten Konzentrationsstörungen hätten in der Untersuchung nicht 

bestätigt werden können. Vermutungsweise hätten die Trennung von der zweiten 

Ehefrau und der Verlust der sozialen Kontakte wie auch der soziale Abstieg zu einer 

depressiven Reaktion geführt. Eine schwere depressive Störung liege aber nicht vor. Es 

falle auch auf, dass der Versicherte eigentlich wenig motiviert sei, an seinem 

Gesundheitszustand etwas zu ändern. Er habe es nur sehr kurz in der psychiatrischen 

Klinik C.___ ausgehalten und auch die verordneten Medikamente gar nicht 

eingenommen. Im Rahmen der Untersuchung habe nur eine leichte depressive Störung 

festgestellt werden können. Das Hören von Stimmen lasse sich aus psychiatrischer 

Sicht nicht einordnen. Es lasse sich weder im Rahmen einer schweren depressiven 

Störung noch im Rahmen einer schizophrenen Störung erklären, weshalb der 

erhebliche Verdacht einer bewusstseinsnahen Vortäuschung bestehe. Der RAD-Arzt 

Dr. med. G.___ hielt am 28. September 2011 fest (IV-act. 35), das Gutachten sei 

umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei, weshalb darauf 

abgestellt und von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Mit 

einem Vorbescheid vom 20. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, 

dass sie gedenke, sein Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 37). Dagegen liess dieser 

am 25. November 2011 einwenden (IV-act. 42), den Sachverständigen der ABI GmbH 

hätten diverse medizinische Berichte und insbesondere das Gutachten von Dr. F.___ 

nicht vorgelegen, weshalb ihre Schlussfolgerungen nicht hinreichend abgestützt seien. 

Zudem hätten die Sachverständigen dem Bericht von Dr. D.___ im Vergleich zu den 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

übrigen Berichten ein zu hohes Gewicht beigemessen. Schliesslich hätten sie ihre 

Schlussfolgerungen, die erheblich von jenen der behandelnden Ärzte und von 

derjenigen von Dr. F.___ abweichen würden, nicht hinreichend begründet. Es gehe 

nicht an, dass die Sachverständigen der ABI GmbH retrospektiv echtzeitliche 

medizinische Berichte ohne Weiteres als nicht plausibel qualifizierten. Gestützt auf die 

medizinischen Berichte stehe dem Versicherten eine ganze Rente zu. Allenfalls seien 

weitere medizinische Abklärungen durchzuführen. Am 19. Dezember 2011 forderte die 

IV-Stelle die ABI GmbH auf, Stellung zu den Einwänden des Versicherten, zum 

Gutachten von Dr. F.___ und zu einem Bericht von Herrn E.___ zu nehmen (IV-act. 54). 

Die Sachverständigen antworteten am 13. Januar 2012 (IV-act. 57), die Diagnose, die 

Dr. F.___ gestellt habe (schwere depressive Episode), sei nicht mit den von ihm 

erhobenen Befunden vereinbar. Herr E.___ habe nicht begründet, wie er zur Auffassung 

gelangt sei, dass der Versicherte an einer schweren depressiven Störung leide. In der 

Untersuchung durch den Psychiater der ABI GmbH hätten sich kaum depressive 

Symptome gezeigt. Der behandelnde Arzt (Herr E.___) sei zudem kein Facharzt für 

Psychiatrie. Es bestehe deshalb insgesamt kein Anlass, die im Gutachten zum 

Ausdruck gebrachten Einschätzungen zu revidieren. Am 2. Februar 2012 hielt der RAD-

Arzt Dr. B.___ fest (IV-act. 58), die Ausführungen der Sachverständigen der ABI GmbH 

seien überzeugend. Er selbst halte das Gutachten von Dr. F.___ ebenfalls für nicht allzu 

überzeugend. Ausserdem sei auch zu berücksichtigen, dass „IV-fremde Faktoren“ 

offenbar eine gewichtige Rolle spielten. Am 3. Februar 2012 wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch ab (IV-act. 59).

B.    

B.a  Am 6. März 2012 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine 

Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 3. Februar 2012, die 

Zusprache einer ganzen Rente und eventualiter die Durchführung weiterer medi­

zinischer Abklärungen beantragen (act. G 1). Sein Rechtsvertreter führte zur Begrün­

dung im Wesentlichen aus, mit ihrer Einschätzung hätten sich die Sachverständigen 

der ABI GmbH gegen sämtliche behandelnden und begutachtenden Fachärzte gestellt, 

ohne dies ausführlich genug zu begründen. Auf das Gutachten der ABI GmbH könne 

daher nicht abgestellt werden. Der Beschwerdeführer leide an einer schweren 

depressiven Störung, die eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. Mai 2012 die Abweisung der Be­

schwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, das Gutachten der ABI GmbH 

erfüllte die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an einen verwertbaren medi­

zinischen Bericht und vermöge gesamthaft zu überzeugen. Deshalb sei zu Recht eine 

Rente verweigert worden.

B.c  Am 2. Juli 2012 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen festhalten 

(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen:

1.     

1.1   Versicherte haben einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung, wenn 

sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder 

herstellen, erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen 

Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und 

nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). 

Invalid ist, wer voraussichtlich dauernd oder längere Zeit ganz oder teilweise 

erwerbsunfähig ist (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das 

sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).

1.2   Die Erwerbsunfähigkeit muss zwar gemäss der gesetzlichen Definition (Art. 7 

Abs. 1 ATSG) gesundheitsbedingt, also auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit 

zurückzuführen sein. Wodurch allerdings die Gesundheit beeinträchtigt wird, ist irrele­

vant. Die Gesundheitsbeeinträchtigung kann die Folge eines Geburtsgebrechens, einer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Krankheit, eines Unfalles (oder einer Kombination mehrerer dieser Ursachen; vgl. Art. 4 

Abs. 1 IVG), psychosozialer Belastungen oder auch eines Drogenmissbrauchs (vgl. 

etwa BGE 99 V 28) sein. Daran hat Art. 7 Abs. 2 Satz 1 ATSG, wonach für die 

Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der 

gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen sind, nichts geändert. Bereits 

vor der Ergänzung des Art. 7 ATSG um diesen Passus hat ein Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten, der nicht durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung verursacht 

gewesen war, definitionsgemäss keine Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 1 

ATSG bzw. Invalidität begründet. Psychosoziale Belastungen oder soziokulturelle 

Faktoren, die eine versicherte Person in ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen, 

begründen also keine zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung berechtigende 

Invalidität (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299). Haben sie aber eine 

Gesundheitsbeeinträchtigung zur Folge, die zu einem Verlust der Erwerbsmöglichkeiten 

führt, begründet diese Gesundheitsbeeinträchtigung eine allenfalls zum Bezug einer 

Rente der Invalidenversicherung berechtigende Invalidität, genauso wie eine durch 

einen fortgesetzten Drogenmissbrauch verursachte Gesundheitsbeeinträchtigung eine 

Invalidität zur Folge haben kann. Entscheidend ist letztlich – unabhängig von den 

Ursachen –, ob medizinisch bzw. fachärztlich das Vorliegen einer 

Gesundheitsbeeinträchtigung, welche die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt, zu be­

stätigen ist und (gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung; BGE 130 V 352) ob 

bzw. inwieweit der versicherten Person zugemutet werden kann, trotz dieser 

Gesundheitsbeeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

2.      Gemäss dem nachvollziehbaren und in sich widerspruchsfreien Gutachten der 

ABI GmbH leidet der Beschwerdeführer lediglich an einer leichtgradig ausgeprägten 

depressiven Störung, die seine Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich beeinträchtigt. Ausser 

Dr. D.___, die erhebliche Zweifel am Vorliegen einer schweren depressiven Störung 

geäussert hat, teilt allerdings keiner der behandelnden Ärzte diese Einschätzung. Die 

Ärzte der psychiatrischen Klinik C.___, Herr E.___ und die davor behandelnde 

Psychiaterin haben die depressive Störung als schwergradig ausgeprägt qualifiziert. 

Auch Dr. F.___, der den Beschwerdeführer im Auftrag der Krankentaggeldversicherung 

begutachtet hat, hat eine schwergradige depressive Störung diagnostiziert und die 

Auffassung vertreten, der Beschwerdeführer sei nicht arbeitsfähig. Seinem Gutachten 

lässt sich entnehmen, dass er massgebend auf die Angaben des Beschwerdeführers 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

abgestellt hat. Insbesondere hat er die Angaben zur Kindheit mit dem prügelnden 

Vater, zum Auftreten des Stotterns im Jugendalter und zum Hören von Stimmen ohne 

ersichtliche kritische Auseinandersetzung als Grundlage seiner Beurteilung 

herangezogen. Ebenso wenig hat er die vom Beschwerdeführer angegebenen Gründe 

für die jeweils nach sehr kurzer Zeit erfolgten Abbrüche der stationären Behandlungen 

hinterfragt. Schliesslich hat er auch die von Dr. D.___ beschriebene Verweigerung der 

Medikamenteneinnahme als nachvollziehbar erklärt, ohne allerdings dem Umstand 

Rechnung zu tragen, dass der Beschwerdeführer gegenüber Dr. D.___ tatsachenwidrig 

behauptet hatte, er habe die Medikamente eingenommen. Der Psychiater der 

ABI GmbH hat sich dagegen kritisch mit den Angaben des Beschwerdeführers sowie 

den Berichten der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt. Die vom Beschwerdeführer 

angegebenen Konzentrationsstörungen hat er beispielsweise anhand eigener 

Beobachtungen hinterfragt. Da er im Rahmen der Untersuchung keine 

Konzentrationsstörungen hatte feststellen können, hat er das Vorliegen derselben in 

seinem Bericht bezweifelt. Sodann hat er nachvollziehbar dargelegt, weshalb die vom 

Beschwerdeführer beschriebenen Stimmen (akustische Halluzinationen) keiner 

psychiatrischen Störung zuzuordnen seien und als bewusstseinsnahe Vortäuschungen 

qualifiziert werden müssten. Das Gutachten von Dr. F.___ lässt solche kritischen 

Ausführungen vermissen, obwohl bereits im damaligen Untersuchungszeitpunkt 

erhebliche Inkonsistenzen aktenkundig gewesen sind. Namentlich hätte Dr. F.___ sich 

mit der mangelnden Medikamentencompliance und dem Umstand, dass die 

behandelnden Ärzte in ihren Berichten das angebliche im Jugendalter aufgetretene 

Stottern nicht erwähnt hatten, auseinander setzen müssen. Auch die 

Auseinandersetzung mit dem Bericht von Dr. D.___ ist insgesamt unzureichend 

ausgefallen. Insgesamt erscheint das Gutachten von Dr. F.___ als nicht überzeugend 

genug, um Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades bilden zu können. Das 

Gutachten der ABI GmbH, das – wenn auch erst nachträglich – eine 

Auseinandersetzung mit dem Gutachten von Dr. F.___ und den Berichten der 

behandelnden Ärzte enthält, erscheint als wesentlich besser begründet und 

überzeugender. Für den Untersuchungszeitpunkt erweist sich folglich das Gutachten 

der ABI GmbH als überwiegend wahrscheinlich richtig. Da in sämtlichen Berichten und 

Gutachten ein Hinweis auf relevante Schwankungen des Gesundheitszustandes fehlen, 

ist von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand im massgebenden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Zeitraum auszugehen. Folglich ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer im relevanten Zeitraum nicht an einer die 

Arbeitsfähigkeit quantitativ wesentlich einschränkenden depressiven oder sonstigen 

psychischen Störung gelitten hat.

3.     

3.1   Da der Beschwerdeführer vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als 

Hilfsarbeiter tätig gewesen ist und aller Voraussicht nach ohne 

Gesundheitsbeeinträchtigung auch weiterhin als Hilfsarbeiter tätig gewesen wäre, ist 

von einer Validenkarriere als Hilfsarbeiter mit einem entsprechenden durchschnittlichen 

Hilfsarbeiterlohn auszugehen. Dem Beschwerdeführer steht weiterhin der gesamte 

Hilfsarbeiterarbeitsmarkt offen, da seine Arbeitsfähigkeit qualitativ nicht beeinträchtigt 

ist und er folglich sämtliche in Frage kommenden Tätigkeiten ausüben kann. Als 

Hilfsarbeiter ist er voll arbeitsfähig. Gesamthaft liegt also keine gesundheitsbedingte 

Einschränkung der Erwerbsfähigkeit vor. Es besteht auch kein Anlass, von einem 

relevanten Nachteil auf dem Arbeitsmarkt auszugehen und entsprechend einen 

Tabellenlohnabzug zu gewähren (vgl. BGE 126 V 75). Anhand eines Prozentvergleichs 

ergibt sich also ein Invaliditätsgrad von null Prozent, womit der Beschwerdeführer die 

Voraussetzungen zum Bezug einer Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG) nicht erfüllt. Seine 

Beschwerde gegen die sein Rentengesuch abweisende Verfügung ist folglich 

abzuweisen.

3.2   Da der Beschwerdeführer vollständig unterliegt, hat er die gemäss Art. 69 

Abs. 1  IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen 

Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen. 

Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ist er allerdings von der 

Bezahlung dieser Gebühr zu befreien. Der Staat hat seinen Rechtsvertreter zufolge der 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung mit 80 Prozent des angesichts 

des leicht unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwandes (vergleichsweise wenig Akten) 

pauschal auf 3’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) 

festzusetzenden Honorars, folglich mit 2’400 Franken, zu entschädigen. Sollten es die 

wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, kann der Beschwerdeführer zur 

Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. 

Art. 123 ZPO).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.      Der Beschwerdeführer wird von der Bezahlung der Gerichtskosten von Fr. 600.-- 

befreit.

3.      Der Staat hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Entschädigung 

von Fr. 2’400.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 26.09.2014
	Art. 28 IVG. Art. 8 ATSG. Art. 16 ATSG. Beurteilung eines Invalidenrentenanspruchs unter Würdigung mehrerer medizinischer Berichte, einschliesslich eines versicherungsexternen bidisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. September 2014, IV 2012/91).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T09:37:47+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen