# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9c56444f-4b4f-55cf-b245-8f3478a6f8d8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-10-05
**Language:** de
**Title:** Mangelnde Berücksichtigung der psychischen Folgen einer Messerattacke bei bestehender Traumatisierung infolge eines sieben Jahre zurückliegenden Überfalls.
**Docket/Reference:** IV.2018.00474
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00474.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00474
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
5. Oktober 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch den Beistand
Y.___
Soziale Dienste Bezirk Uster, SDBU Sozialarbeit
Industriestrasse 27, 8604 Volketswil
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1957 geborene
X.___
studierte in Tunesien zwei Jahre Jura ohne einen Abschluss zu erwerben und war nach seiner Einreise in die Schweiz im Jahre 1989 in verschiedenen Branchen erwerbstätig, zuletzt als Pflegehelfer in einem Alters- und Pflegeheim; ab September 2008 war er arbeitslos (
Urk.
6/8,
Urk.
6/20). Am
3.
Februar 2009 wurde der Versicherte Opfer eines Raubüberfalls (
Urk.
6/16/63), wobei er sich
Verletzungen am Kiefer, an den Zähnen sowie im Rippenbereich zuzog, welche ein operatives Vorgehen sowie einen stationären Spitalaufenthalt in der Zeit vom
5.
bis
8.
Februar 2009 nötig machten (
Urk.
6/16/69). In der Folge kam es zu psychischen Problemen sowie einem er
höhten Alkoholkonsum; eine erste psychiatrische
Hospitalisation
erfolgte
vom
2.
bis
9.
September 2009
in der
Z.___
AG
(
Urk.
6/16/25).
Aufgrund der Unfallfolgen meldete sich der Versicherte am 1
3.
Oktober 2009 bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/8 S. 7 ff.).
Die
Osteosynthesematerialentfernung
im Unterkiefer
wurde
am 1
7.
Feb
ruar 2010
durchgeführt
(
Urk.
6/26/3).
In der Zeit vom 1
5.
Oktober 2010 bis
3.
No
vember 2010 kam es zu einer zweiten stationär-psychiatrischen Behandlung (Urk. 6/34/3). Nachdem die Suva zunächst die gesetzlichen Leistungen erbracht hatte, stellte sie diese mangels adäquater Kausalität per
1.
Februar 2011 ein (
Urk.
6/35/24 f.). Mit Vorbescheid vom 1
4.
November 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten für die Zeit vom
1.
April 2010 bis 3
1.
Januar 2011 die Ausrich
tung einer ganzen Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
6/41).
1.2
Ab dem 1
5.
Dezember 2011 befand sich der Versicherte aufgrund eines Alkohol
abhängigkeitssyndroms zur Behandlung in der
A.___
-Klinik, in der Zeit vom
1.
März bis 2
8.
April 2012 erfolgte eine erste stationäre Behandlung in der Klinik
B.___
(Traumatherapie,
Urk.
6/53). Am 1
1.
April 2012 meldete sich der Ver
sicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/47), wobei er weiterhin an psychischen
Problemen
sowie
einem Alkoholproblem
litt (
Urk.
6/85). Zur fundierten Abklärung des medizinischen Sachverhalts leitete
die IV-Stelle
die polydisziplinäre Abklärung des Versicherten in die Wege (
C.___
-Gutachten vom 1
2.
Februar 2013,
Urk.
6/67).
Mit Vorbescheid vom 2
6.
Septem
ber 2014 stellte
sie
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, mangels Erfüllens der Mitwirkungspflicht (
Urk.
6/94).
1.3
Nach erfolgte
n
Eingliederungsmassnahmen erhielt der Versicherte ab
1.
Juni 2016 einen Anstellungsvertrag als Pflegehelfer SRK bei einem Pensum von 50
%
(
Urk.
6/159). In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten erneut psychiatrisch
b
egutachten (
D.___
-Gutachten vom 2
7.
März 2017;
Urk.
6/183). Mit Vorbescheid vom 2
2.
August 2017 stellte sie dem Versicherten für die Zeit ab
1.
Februar 2010 die Ausrichtung einer ganzen und ab
1.
Februar 2013 die Ausrichtung einer hal
ben Rente in Aussicht (
Urk.
6/187). Am 1
0.
September 2017 erlitt der Versicherte bei einer Attacke in einem Imbissstand eine Messerstichverletzung im linken Oberbauch (
Urk.
6/206/63
), welche notfallmässig versorgt werden musste und zu einem stationären Spitalaufenthalt vom 1
0.
bis 1
4.
September 2017 führte (
Urk.
6/206/61). In der Folge litt der Versicherte wieder unter psychischen Problemen
(vgl.
Urk.
6/206/55,
Urk.
6/206/37), verbunden mit einer vollständi
gen Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
6/206/41).
Mit Verfügungen vom 1
9.
April 2018 hielt die IV-Stelle an ihrer Einschätzung gemäss Vorbescheid vom 2
2.
August 2017 fest (
Urk.
6/205,
Urk.
6/221 ff.).
2.
Dagegen erhob der Beistand des Versicherten in Ausübung seiner Vertretungs
pflicht am 17. Mai 2018 Beschwerde und beantragte, es sei die Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach erlittener Messerstech
-Attacke zu berücksichtigen und die effektive Arbeitsfähigkeit/Zumutbarkeit vertieft abzuklären. Weiter habe er als Beistand nie einen Vorbescheid erhalten
(Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 21. Juni 2018 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 25. Juni 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Mit Beschluss vom 2
3.
Juli 2018 wurde dem Beschwerdeführer eine Frist von
20
Tagen angesetzt, um zu der vom Gericht in Aussicht gestellten Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und des damit verbundenen Risikos einer möglichen Schlechterstellung Stellung zu nehmen (
Urk.
8); der Beschwerdeführer liess sich in der Folge innert Frist nicht vernehmen (
Urk.
9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwend
baren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditäts
grades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E.
2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine be
fristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmit
telverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugs
zeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zuspre
chung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtenen Verfügungen damit, dass
dem Beschwerdeführer seit dem Unfall im Februar 2009 weder die angestammte Tätigkeit im Pflegebereich noch eine andere Tätigkeit zuzumuten gewesen sei, was ab Februar 2010 zu einem Anspruch auf eine ganze Rente führe. Unter The
rapie habe sich der Gesundheitszustand verbessert, so dass ab der Untersuchung im Dezember 2012 in einer angepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfä
higkeit ausgegangen werden könne, was ab Februar 2013 zu einem Anspruch auf
eine halbe Rente führe. D
ie am 1
0.
September 2017 erlittene Messerstichverlet
zung habe nicht zu neuen, längerdauernden Einschränkungen
in der Arbeitsfä
higkeit
geführt (
Urk.
6/205).
2.2
Demgegenüber machte der Beistand des Beschwerdeführers im Wesentlichen gel
tend, dass der
gegen seinen Mandanten gerichtete
Tötungsversuch zu einer mas
siven Verschlechterung des Gesundheitszustandes geführt habe; dieser leide seit
her unter Panikattacken und schweren Dep
ressionen (
Urk.
1).
3.
3.1
Die für das
C.___
-Gutachten vom 1
2.
Februar 2013 verantwortlichen Fachärzte
gingen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von den folgenden Diagnosen aus (
Urk.
6/67 S. 37):
-
Störung durch Alkohol, gegenwärtiger Substan
z
gebrauch mit
-
rezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig leichte Episode bei
-
narzisstisch akzentuierten Persönlichkeitszügen
-
ohne somatische Folgeschäden
-
polymorpher psychogener Tremor
In seinem gegenwärtigen Zustand sei der Beschwerdeführer
als Hilfspfleger für die Patienten nicht zumutbar.
In einer angepassten Tätigkeit sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Als zentrale Massnahme sei ein wirklicher Verzicht auf Alkohol indiziert, weiter eine psychiatrisch-psychotherapeutische Betreuung (S. 40).
3.2
Die für das
D.___
-Gutachten vom 2
7.
März 2017 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1) sowie eine generalisierte Angststörung (I
CD-10 F41.1;
Urk.
6/183 S. 37).
Beim Beschwerdeführer sei aktuell in der bisherigen Tätigkeit als Hilfspfleger von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, selbiges gelte auch für eine Ver
weistätigkeit (S. 40). Rückblickend sei eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer leidensadaptierten Tätigkeit seit der letzten polydisziplinären Begutachtung vom 1
2.
Februar 2013 gegeben, auch wenn der Beschwerdeführer diese nicht konkret realisiert habe. Die Prognose bleibe vorsichtig günstig, wobei aber weiterhin von einer hohen affektiven Irritierbarkeit auszugehen sei. Eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu erwarten (S. 41).
3.3
Die für den Bericht des
E.___
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
0.
November 2017 verantwortlichen Fachärzte diagnosti
zierten eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach tätliche
m
Angriff durch Dritte am
9.
September 2017 (richtig: 10.) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2).
Der Beschwerdeführer habe am 2
8.
September sowie am 1
8.
Oktober 2017 in ihrer Sprechstunde für Posttraumatische Belastungsstö
rungen in Abklärung gestanden. Für die Zeit vom 2
8.
September bis zum
1.
No
vember 2017 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
6/206/37 f.).
4.
4.1
Strittig ist im vorliegenden Verfahren allein der Einfluss der Messerattacke vom 1
0.
September 2017 auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers.
Auf
grund des zeitlichen Ablaufs fand diese im Rahmen des
D.___
-Gutachten
s
vom 2
7.
März 2017 noch keine Berücksichtigung.
Während der Beistand diesbezüglich eine massive Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
in psychischer Hinsicht ins Feld führt, hielt die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Abklärungen insbe
sondere fest, dass die Messerstichverletzung nicht durch einen Psychiater betreut werden könne (
Urk.
6/203 S. 2).
4.2
Auch
wenn aus somatischer Sicht bereits am
5.
Oktober 2017 von einem kompli
kationsfreien Verlauf und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden konnte
(
Urk.
6/206/49),
ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich der Untersuchung vom 2
1.
September 2017 über psychische Beschwer
den klagte (
Urk.
6/206/47, Bericht vom 2
5.
September 2017). Dies ist aufgrund der Vorgeschichte des Beschwerdeführer
s ohne weiteres nachvollziehbar, gingen doch die für das
D.___
-Gutachten vom 2
7.
März 2017 verantwortlichen Fach
ärzte neben dem depressiven Geschehen auch weiterhin von einer generalisierten Angststörung
bei hoher affektiver Irritierbarkeit
aus. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Beschwerdeführer bereits nach dem Überfall vom
3.
Februar 2009 für längere Zeit vollständig arbeitsunfähig war und die Fachärzte des
E.___
in ihrem Bericht vom 2
0.
November 2017 gar von einer posttraumatischen Belastungsstö
rung sowie einem schweren depressiven Geschehen ausgehen (
Urk.
6/206/37).
Bei dieser Sachlage ist eine umfassende psychiatrische Abklärung des Beschwer
deführers bezüglich der Folgen der Messerattacke vom 1
0.
September 2017 un
erlässlich. Dazu ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Auch wenn der medizinische Sachverhalt für die Zeit bis zum
9.
September 2017 un
bestritten geblieben ist, führt dies dennoch zur Aufhebung der angefochtenen
Verfügungen vom 1
9.
April 2018
(vgl. dazu E. 1.4)
; die dabei vorgesehenen ver
fahrensrechtlichen Möglichkeiten wurden dem Beschwerdeführer mit Beschluss vom 2
3.
Juli 2018 gewährt (
Urk.
8).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann offenbleiben, ob der Beistand des Be
schwerdeführer
s
korrekt am
Vorbescheidverfahren
beteiligt worden ist.
Zu be
merken
ist in diesem Zusammenhang aber, dass ihm der Einwand des Beschwer
deführers mitgeteilt wurde (
Urk.
6/194) und er vor
Erlass
der angefochtenen Ver
fügung am Verwaltungsverfahren teilnahm (
Urk.
6/197 f.).
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene
n
Verfügung
en
vom
1
9.
April 2018
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom
siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty
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