# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ba4f7a86-d6f2-5172-97b0-24c543df0c7d
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-30
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 30.03.2022 P1 21 93
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-21-93_2022-03-30.pdf

## Full Text

P1 21 93 

URTEIL VOM 30. MÄRZ 2022 

Kantonsgericht Wallis 

I. Strafrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Einzelrichter, und Dr. Milan Kryka, Gerichtsschreiber 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, vertreten durch 

Staatsanwältin Lara Zengaffinen, Berufungsbeklagte  

 

und 

 

X _________, Privatklägerin und Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. 

Peter Pfammatter, 3900 Brig-Glis 

 

gegen 

 

Y _________, Beschuldigter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Rafael 

Welschen, 3983 Mörel-Filet 

 

(Sexuelle Nötigung/Schändung; sexuelle Handlungen mit einem Kind;  

Genugtuung; Landesverweisung) 

Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts   

Brig, Östlich-Raron und Goms vom 29. April 2021 [BRG S1 20 72] 

 

- 2 - 

Verfahren 

 

A.  Das Bezirksgericht Brig fällte nach Abschluss der Strafuntersuchung und aufgrund 

der Anklageschrift vom 15. Dezember 2020 (S. 297 ff.) am 29. April 2021 folgendes Ur-

teil, welches am 30. Juli 2021 in begründeter Form schriftlich eröffnet wurde (S. 424 f.): 

1. Y _________ wird vom Vorwurf des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder (Art. 136 
StGB) freigesprochen. 

2. Y _________ wird der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind (Art. 187 Ziff. 1 StGB) sowie 
der sexuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB), begangen am 2. März 2019 z.N. von X _________, 
schuldig gesprochen. 

3. Y _________ wird unter Anrechnung der vom 28. März bis zum 26. April 2019 ausgestandenen Unter-
suchungshaft von 30 Tagen mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bestraft. 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. 

4. Y _________ wird für fünf Jahre aus der Schweiz verwiesen (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). 

Auf die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener 
Informationssystem (SIS) wird verzichtet. 

5. Y _________ bezahlt X _________ eine Genugtuung von Fr. 6'000.-- nebst Zins zu 5% seit 2. März 
2019. 

6. Die Verfahrenskosten von Fr. 3'400.--, bestehend aus den Kosten der Staatsanwaltschaft von 
Fr. 2'294.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 1’106.--, werden Y _________ auferlegt. 

7. Y _________ bezahlt X _________ eine Parteientschädigung von Fr. 5'000.--. 

8. Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwalt Rafael Welschen als amtlichem und notwendigem Verteidiger 
eine Entschädigung von Fr. 6'000.--. 

9. Y _________ ist verpflichtet, dem Staat Wallis die Entschädigung für die amtliche und notwendige Ver-
teidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

B.  Der Verteidiger meldete die Berufung am 10. Mai 2021 an (S. 388) und deponierte 

am 20. August 2021 eine Berufungserklärung mit folgenden Anträgen (S. 428): 

 
A. Formell: 

1. Rechtsanwalt Rafael Welschen sei zum amtlichen Verteidiger von Y _________ zu ernennen bzw. als 
amtlicher Verteidiger von Y _________ zu bestätigen. 

B. Materiell: 

2. Die vorliegende Berufung sei gutzuheissen. 

3. Ziffer 2 des angefochtenen Urteils sei dahingehend abzuändern, dass der Berufungskläger vom Vorwurf 
der sexuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) freigesprochen wird. 

4. Ziffer 3 des angefochtenen Urteils sei dahingehend abzuändern, dass die ausgesprochene Sanktion 
deutlich reduziert wird. 

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5. Ziffer 4 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben bzw. sei von der obligatorischen Landesverweisung 
abzusehen. 

6. Ziffer 5 des angefochtenen Urteils sei dahingehend abzuändern, dass die vom Berufungskläger zu leis-
tende Genugtuung reduziert wird. 

7. Die Kosten von Verfahren und Entscheid des Verfahrens vor dem Bezirksgericht sowie dem Berufungs-
gericht trägt wer rechtens. 

8. Y _________ bzw. dessen amtlicher Verteidiger sei für das Berufungsverfahren zu Lasten des Fiskus 
eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.  

C.  Das Gericht holte vor der Berufungsverhandlung Unterlagen bei verschiedenen 

Dienststellen und dem Bezirksgericht Willisau ein (S. 445 ff.). 

Die Privatklägerin deponierte am 13. Dezember 2021 eine Schlussdenkschrift, welche 

den Beteiligten in laufender Sitzung abgebeben wurde und folgende Anträge enthält 

(S. 473 ff., 481): 

1. Y _________ wird wegen sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (eventualiter Schän-
dung) zu einer vom Gericht festzulegenden Freiheitsstrafe verurteilt und wird für eine vom Gericht zu 
bestimmende Dauer des Landes zu verweisen.  

2. Y _________ wird verpflichtet, X _________ folgende Zahlungen zu leisten:  

- eine Genugtuungsentschädigung von CHF 6'000.-- nebst 5 % Zins seit dem 2. März 2019  

- für angefallene Anwaltskosten im Berufungsverfahren eine Entschädigung von CHF 1'529.35  

3. Y _________ bezahlt die Kosten von Verfahren und Entscheid. 

D.  Die übrigen Beteiligten stellten an der Berufungsverhandlung vom 15. Dezember 

2021 folgende Anträge: 

Staatsanwaltschaft (S. 499): 

1. Die Berufung von Y _________ vom 20. August 2021 gegen das Urteil S1 20 72 des Bezirksgerichts 
Brig, Östlich Raron und Goms vom 29. April 2021 ist abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil 
S1 20 72 vollumfänglich zu bestätigen. 

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden Y _________ auferlegt. 

3. Y _________ bezahlt X _________ eine angemessene und vom Gericht festzusetzende Parteientschä-
digung für das Berufungsverfahren. 

Verteidigung (S. 510): 

Formell: 

1. Rechtsanwalt Rafael Welschen sei zum amtlichen Verteidiger von Y _________ zu ernennen bzw. als 
amtlicher Verteidiger von Y _________ zu bestätigen. 

Materiell: 

2. Die vorliegende Berufung sei gutzuheissen. 

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3. Ziffer 2 des angefochtenen Urteils sei dahingehend abzuändern, dass der Berufungskläger vom Vorwurf 
der sexuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) freigesprochen wird. 

4. Ziffer 3 des angefochtenen Urteils sei dahingehend abzuändern, dass die ausgesprochene Sanktion 
deutlich reduziert wird. 

5. Ziffer 4 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben bzw. sei von der obligatorischen Landesverweisung 
abzusehen. 

6. Ziffer 5 des angefochtenen Urteils sei dahingehend abzuändern, dass die vom Berufungskläger zu leis-
tende Genugtuung reduziert wird.   

7. Die Kosten von Verfahren und Entscheid des Verfahrens vor dem Bezirksgericht sowie dem Berufungs-
gericht trägt wer rechtens. 

8. Y _________ bzw. dessen amtlicher Verteidiger sei für das Berufungsverfahren zu Lasten des Fiskus 
eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. 

E.  Die Beteiligten verzichteten am Schluss der Berufungsverhandlung auf ein mündlich 

begründetes Urteil (S. 493). Das Gericht forderte nachträglich einen am 21. Mai 2021 

gegen den Beschuldigten erlassenen Strafbefehl ein und übermittelte diesen den Ver-

fahrensbeteiligten zur Kenntnis (S. 516 ff.). 

 
 

Sachverhalt und Erwägungen 

1. Formelles 

1.1  Nach der vorliegend anwendbaren StPO (Art. 1 Abs. 1 StPO) ist gegen Urteile erst-

instanzlicher Gerichte, d.h. des Bezirksrichters als Einzelrichter und des Kreisgerichts 

als Kollegialgericht (Art. 19 StPO; Art. 12 EGStPO), mit denen das Verfahren ganz oder 

teilweise abgeschlossen worden ist, gemäss Art. 398 Abs. 1 i.V.m. Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO die Berufung zulässig. Das Kantonsgericht ist Berufungsinstanz (Art. 14 Abs. 1 

EGStPO). Ein Kantonsrichter kann bei Berufungen gegen Urteile der Bezirksrichter allein 

entscheiden, wenn als Hauptstrafe eine Busse, eine Geldstrafe, gemeinnützige Arbeit 

oder eine bedingte Freiheitsstrafe auszufällen und keine vorausgehende bedingte Frei-

heitsstrafe zu widerrufen ist (Art. 19 Abs. 2 StPO; Art. 14 Abs. 2 Satz 1 EGStPO). Der 

mit der Behandlung betraute Kantonsrichter kann den Fall vor den Gerichtshof bringen, 

welcher auch die übrigen Berufungen beurteilt (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 

EGStPO).  

Die Zuständigkeit des hier urteilenden Gerichts ist in casu gegeben. 

1.2  Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-

rung eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen. Der Beschuldigte ist vom 

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erstinstanzlichen Schuldspruch direkt betroffen. Er ist damit in seinen rechtlich geschütz-

ten Interessen berührt und demzufolge zur Berufung legitimiert (Art. 392 Abs. 1 StPO). 

1.3  Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils beim erstinstanzlichen 

Gericht entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 

StPO). Innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils hat die Partei, die 

Berufung angemeldet hat, dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung 

einzureichen und darin anzugeben, inwieweit sie das Urteil anficht und dessen Abände-

rung verlangt (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Die anderen Parteien können innert 20 Ta-

gen seit Empfang der Berufungserklärung Anschlussberufung einreichen (Art. 400 Abs. 

3 StPO). 

Die Parteien erhielten das Judikatum am 29. April 2021 übermittelt (S. 386). Der Be-

schuldigte meldete die Berufung am 10. Mai 2021 an (S. 388). Das angefochtene Urteil 

wurde am Freitag, den 30. Juli 2021 schriftlich begründet versandt (S. 425) und die Be-

rufungserklärung folgte am 20. August 2021 (S. 426). Anschlussberufungen gingen 

keine ein.  

Das Kantonsgericht hat auf das form- und fristgerecht deponierte Rechtsmittel einzutre-

ten. 

1.4  Die Beteiligten können mit der Berufung im Regelfall Rechtsverletzungen, Rechts-

verweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung 

des Sachverhalts sowie Unangemessenheit rügen (Art. 398 Abs. 3 StPO). Einschrän-

kende Vorschriften gelten für Übertretungen sowie im Zivilpunkt (Art. 398 Abs. 4 und 5 

StPO). Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich an-

zugeben, auf welche der in Art. 399 Abs. 4 lit. a bis g StPO aufgezählten Teile sich die 

Berufung beschränkt. Das Berufungsgericht kann das Urteil in allen angefochtenen 

Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Seine Kontrolle bleibt jedoch im 

Prinzip auf die angefochtenen Punkte beschränkt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann aber 

zu Gunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte kontrollieren, um 

gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO; zur 

Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide vgl. Art. 392 StPO). Die Berufung 

hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). 

Das Berufungsgericht fällt bei Eintreten auf die Berufung ein neues Urteil (Art. 408 StPO) 

oder weist die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück, sofern das erstin-

stanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren nicht ge-

heilt werden können (Art. 409 StPO). 

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Das Urteil ist in Bezug auf den Freispruch (Ziff. 1) sowie die Verurteilung wegen mehr-

facher sexueller Handlungen mit einem Kind (Ziff. 2 teilweise) und der Entschädigung 

für den Verteidiger (Ziff. 8) rechtskräftig (S. 428). Die Parteientschädigung (Ziff. 7) wird 

gemäss Berufungserklärung ebenso akzeptiert (S. 429). 

1.5  Die Rechtsmittelinstanz darf nach Art. 391 Abs. 2 StPO Entscheide nicht zum Nach-

teil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten 

ergriffen worden ist (Verbot der reformatio in peius; vgl. BGE 139 IV 282 E. 2.5). Das 

Verschlechterungsverbot ist auch verletzt, wenn die Kosten- und Entschädigungsrege-

lung zum Nachteil des Rechtsmittelklägers geändert wird (Bundesgerichtsurteil 

6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014 E. 2.3). Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin 

haben keine Anschlussberufung deponiert, weshalb das vorinstanzliche Urteil nicht zum 

Nachteil des Angeklagten abgeändert werden darf. 

1.6  Die amtliche Verteidigung wird ab Vorverfahren bis zum Abschluss des Rechtsmit-

telverfahrens nach der StPO gewährt, nicht aber vor Bundesgericht (Schmid/Jositsch, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. A., 2018, N. 2 zu Art. 130 

StPO). Das Gesuch des Beschuldigten, seinen Verteidiger als amtlichen Verteidiger zu 

bestätigen oder zu ernennen, ist mithin nicht relevant, weil dieser schon in der Vorunter-

suchung entsprechend fungiert hat. 

2.  Sachverhalt 

Die Staatsanwaltschaft hat folgenden Sachverhalt angeklagt (S. 298): 

Am Nachmittag des 2. März 2019, um ca. 16:00 Uhr, begaben sich die 15-jährige X _________ 

(geb. xxx 2003) und ihr Kollege A _________ (geb. xxx 2001), welcher aus Deutschland zu Be-

such war, von Naters kommend nach Brig, um an der Briger Fasnacht «Gätsch» teilzunehmen. 

Sie hatten Wodka in einer Aluminiumflasche abgefüllt, den A _________ aus Deutschland mitge-

bracht hatte. Am Bahnhof in Brig trafen sie auf B _________ (geb. xxx 2003), der in Begleitung 

des für X _________ unbekannten 29-jährigen Y _________ (geb. xxx 1990) war. Beide tranken 

ein Bier, welches Y _________ vorgängig beim Bahnhofskiosk für sie gekauft hatte. Zu viert gin-

gen sie zum Stockalperschloss, wo sie aus der mitgeführten Flasche Wodka konsumierten. 

X _________ nahm ein paar Schlücke des hochprozentigen Alkohols und trank diese auf ex. 

Anschliessend begab sich die Gruppe ins „Scala", ein Lokal in der Briger Altstadt. Dort bestellte 

und bezahlte Y _________ eine Runde Bier für die Jugendlichen. X _________ spendierte er 

zwei Gläser Bier und als sie die beiden ausgetrunken hatte, gab er ihr noch die Hälfte seines 

eigenen Biers. Y _________ erzählte ihr, dass er eine Frau sowie zwei Kinder habe und zeigte 

ihr auch Fotos von seiner Familie. X _________ tat kund, dass sie ursprünglich von Deutschland 

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stamme und 15 Jahre alt sei. Im Gespräch mit B _________ erkundigte sich Y _________ noch-

mals nach dem Alter von X _________ und ob sie einen Freund habe. B _________ teilte ihm 

mit, dass diese 15-jährig sei und der anwesende A _________ offenbar Interesse an ihr habe. Im 

Verlaufe des Nachmittags, gegen 17:00 Uhr, gesellten sich C _________ (geb. xxx 2002) und 

D _________ (geb. xxx 2003) zu ihnen ins Scala, nachdem die beiden zusammen ins Kino ge-

gangen waren. D _________ spendierte zuerst eine Runde Bier für alle, die zweite Runde zahlten 

er und Y _________ je zur Hälfte. Y _________ schlug der Gruppe sodann vor, als Überbrückung 

bis zum eigentlichen Partygeschehen am «Gätsch» nach Naters in die Wohnung, angeblich sei-

nes Bruders, zu gehen. Damit waren alle einverstanden. 

Auf dem Weg nach Naters trank X _________ weiter Hochprozentiges aus der mitgeführten Wod-

kaflasche und wurde hiervon sichtlich betrunken. Nachdem sich die Gruppe um ca. 18:30 Uhr in 

die 1 ½-Zimmerwohnung am Beinhausweg 8 in Naters begeben hatte, sassen anfänglich alle 

gemeinsam auf dem dortigen Bett im Schlafzimmer, um Musik zu hören. Y _________ erteilte 

B _________ sodann den Auftrag, Bier zu besorgen und gab ihm hierzu CHF 20.00. Nachdem 

dieser in Begleitung von A _________ mit vier Dosenbier von Feldschlösschen zurückgekehrt 

war, verliessen er und A _________ schliesslich die Wohnung. X _________ konsumierte ge-

meinsam mit den anderen das mitgebrachte Dosenbier und trank den Inhalt der abgefüllten Wod-

kaflasche aus. Sie war mittlerweile sehr betrunken und konnte nicht mehr richtig stehen. 

D _________ und C _________ begaben sich im weiteren Verlauf auf die Sitzkissen, welche sich 

am Boden des Schlafzimmers befanden, und küssten sich. X _________ und Y _________ lagen 

infolgedessen alleine auf dem Bett. Sogleich fing dieser an, sie zu küssen und tauschte mit ihr 

Zungenküsse aus, was ihr zu diesem Zeitpunkt und aufgrund ihres Alkoholpegels «egal» war. 

Auch berührte er sie unter ihrem T-Shirt und BH an den nackten Brüsten und fasste ihr mitunter 

über den Kleidern an den Po. Als sie ihn fragte, ob das, was er mache, in Ordnung sei, zumal sie 

erst 15-jährig sei und er eine Familie habe, erwiderte er, dass er von seiner Frau geschieden sei. 

Er fragte sie mindestens zwei- oder dreimal, ob er mit ihr schlafen könne, was sie jedoch mit den 

Worten «ich möchte das nicht» ablehnte. Sie teilte ihm ferner mit, dass sie ihre Periode habe. 

Anschliessend fragte er sie, ob sie ihm einen blasen möchte. Auch dies verneinte sie mit den 

Worten «ich möchte das nicht». Die Fragen flüsterte er ihr leise zu, da sich noch weitere Personen 

im Raum befanden. Er öffnete sodann auf dem Rücken liegend den Reissverschluss und den 

Knopf seiner Hose und legte ihre Hand auf seinen erigierten Penis. Sie zog ihre Hand zurück. Im 

Anschluss forderte er sie auf, ihm zu folgen und begab sich ins Badezimmer, wo ihm X _________ 

in kurzem zeitlichen Abstand hin folgte. 

Y _________ schloss die Türe im Badezimmer mit dem Schlossriegel von innen ab und löschte 

das Licht. Er zog sich selber die Hose und Unterhose auf Höhe seiner Knie runter und stand mit 

heruntergelassener Hose vor ihr. Sie fühlte sich überrumpelt, eingeschüchtert und unwohl. Auf-

grund ihres Alkoholpegels vermochte sie sich nicht mehr zur Wehr zu setzen. Er zog ihr das 

T-Shirt aus, so dass sie sich im BH bekleidet vor ihm befand. Dann drückte er sie nach unten und 

als sie vor ihm mit den Knien auf dem Boden kniete, nahm er seinen erigierten Penis und führte 

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ihn in ihren Mund. In der Folge legte er seinen Penis in seine Hand, masturbierte und als er kurz 

vor dem Samenerguss stand, befahl er ihr, den Penis wieder in den Mund zu nehmen. Sie folgte 

seiner Anweisung, nahm seinen Penis in den Mund und als er ejakulierte, schluckte sie sein 

Sperma runter. Sobald sie ihr Oberteil wieder angezogen hatte, schloss er die Badezimmertüre 

auf. Alsdann verliess zuerst sie, kurze Zeit später er das Badezimmer zurück in Richtung Wohn-

zimmer. Der Vorfall im Badezimmer dauerte ca. 5-10 Minuten. 

X _________ setzte sich sodann zu C _________ und D _________ auf die Sitzkissen am Boden, 

hielt ihre Hände vors Gesicht, als ob sie weinen müsste und sagte «wäh» und «oh nein», wollte 

jedoch auf Nachfrage hin nicht über das Vorgefallene sprechen. Wenige Minuten später, um ca. 

20.00 Uhr, verliessen die Jugendlichen schliesslich das Wohndomizil von Y _________, nachdem 

sie telefonisch erfahren hatten, dass es A _________ aufgrund seines Alkoholzustandes gesund-

heitlich schlecht ging. 

In subjektiver Hinsicht wusste Y _________, dass er Minderjährigen bzw. unter 16-Jährigen Bier 

und somit Alkohol spendierte. Er traf an besagtem Tag auf seinen Bekannten B _________, des-

sen junges Alter er kannte. Nach dem Alter von X _________ hatte er sich im Lokal «Scala» 

ebenfalls mehrfach erkundigt. Indem Y _________ mehrere Runden für die Anwesenden be-

zahlte, wollte er den Jugendlichen Bier zur Verfügung stellen. Im Wissen um das junge Alter der 

Jugendlichen lud er diese weiter in sein Wohndomizil in Naters ein. Er beauftragte B _________ 

und A _________ damit, Bier zu besorgen und gab ihnen hierzu Geld. Er wusste, dass 

X _________ erst 15-jährig war, da sie ihm dies selber erzählt hatte und von B _________ be-

stätigt wurde. Auch wusste er, dass X _________ sehr betrunken war und hatte selber beobach-

tet, wie sie im Scala mehrere Biere und auf dem Weg nach Naters noch Wodka getrunken hatte. 

Bereits zuvor im Stockalperschloss hatte er gesehen, wie sie Wodka auf ex konsumierte. Im Wis-

sen um ihr junges Alter und auch im Wissen darum, dass sie sehr stark alkoholisiert war, tauschte 

er mit ihr Zungenküsse aus, berührte sie unter ihrem T-Shirt und BH an den nackten Brüsten und 

fasste ihr mitunter über den Kleidern an den Po. Im Wissen um ihren Zustand fragte er sie mehr-

mals, ob sie mit ihm schlafen wolle und bat sie, ihm einen zu blasen, was diese verneinte. Sich 

dessen bewusst forderte er sie dennoch auf, ihm ins Badezimmer zu folgen. Dort entblösste er 

seinen Unterleib, drückte ihren Kopf nach unten in seine Schamgegend und führte diesen wis-

sentlich und willentlich an sein erigiertes Glied. Als er kurz vor dem Samenerguss war, befahl er 

ihr, den Penis wieder in den Mund zu nehmen. Er wusste, dass sie das nicht wollte, zumal er sich 

selber bis kurz vor den Samenerguss manuell befriedigte. Zusammengefasst wusste er, dass er 

mit einer 15-Jährigen mehrfache sexuelle Handlungen gegen ihren erklärten Willen vornahm und 

diese zu den Handlungen drängte und nötigte, indem er die Badezimmertüre abschloss, körper-

lich überlegen und bedrohlich vor ihr im Badezimmer stand und das Licht ausmachte, damit sie 

nichts sehen konnte und hilflos ausgeliefert war. 

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3.  Strafrechtlicher Vorhalt 

3.1  Unschuldsvermutung 

Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (Unschuldsver-

mutung, Art. 10 Abs. 1 StPO). Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem 

gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO).  

Die in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK gewährleistete Unschuldsvermutung 

besagt als Beweislastregel, die Anklagebehörde müsse die Schuld des Angeklagten be-

weisen und nicht dieser seine Unschuld. Der gleiche Grundsatz verbietet dem Strafrich-

ter als Beweiswürdigungsregel, sich von der Existenz eines für den Beschuldigten un-

günstigen Sachverhalts überzeugt zu erklären , wenn bei objektiver Betrachtung erheb-

liche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, der Sachverhalt habe sich so ver-

wirklicht (BGE 138 V 74 E. 7). Der Strafrichter geht im Falle unüberwindlicher Zweifel 

von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus. Die Maxime bezieht sich 

nur auf die Feststellung der Tatsachen und nicht auf deren rechtliche Würdigung. „Aus-

sage-gegen-Aussage-Konstellationen“, in welchen sich als massgebliche Beweise be-

lastende Aussagen des mutmasslichen Opfers und bestreitende Aussagen der beschul-

digten Person gegenüberstehen, müssen keineswegs zwingend oder auch nur höchst-

wahrscheinlich gestützt auf den Grundsatz „in dubio pro reo“ zu einem Freispruch führen 

(vgl. BGE 137 IV 122 E. 3.3). Der Erstaussage kommt in der Aussagepsychologie auf-

grund gedächtnispsychologischer Voraussetzungen entscheidende Bedeutung zu (Bun-

desgerichtsurteil 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1).  

Die Glaubhaftigkeit einer Aussage ist für die Wahrheitsfindung bedeutungsvoll. Sie wird 

durch methodische Prüfung ihres Inhalts darauf analysiert, ob die auf ein bestimmtes 

Geschehen bezogenen Angaben dem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. 

Die betreffende Äusserung ist namentlich auf das Vorhandensein von Realitätskriterien 

(Aussagedetails, Individualität, Verflechtung, Widerspruchsfreiheit, Konstanz etc.) und 

umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu untersuchen. Das Gericht hat zu 

kontrollieren, ob die aussagende Person eine solche Behauptung unter Berücksichti-

gung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage auch ohne 

realen Erlebnishintergrund machen könnte. Die Gerichte sollen im Rahmen eines hypo-

thesengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerk-

male, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der 

Aussage sowie des Aussageverhaltens das insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehler-

quellen testen. Die Prüfung soll ausserdem die persönliche Kompetenz der aussagen-

den Person werten. Das Gericht hat dabei vorab von einer nichtrealitätsbegründeten 

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Aussage auszugehen. Erst wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) aufgrund der fest-

gestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, darf das Gericht darauf schliessen, 

dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 

E. 4.3; Bundesgerichtsurteil 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinwei-

sen). 

Selbst erlebte Ereignisse bleiben länger im Gedächtnis gespeichert als blosse Erfindun-

gen. Erlebnisbegründete Schilderungen schneiden bei wiederholten Befragungen be-

züglich Konstanz besser ab als erfundene Aussagen. Erinnerungsverluste sind aller-

dings immer möglich, sie müssen geradezu erwartet werden. Teils wird von „relativer 

Konstanz“ gesprochen, wobei Abweichungen, die mit einem natürlichen Erinnerungsver-

lust zu vereinbaren sind, Merkmale für die Bejahung der Glaubhaftigkeit sind. Es wäre 

zu einfach, zu behaupten, die Konstanz einer Aussage spräche für ihre Glaubhaftigkeit, 

während die Inkonstanz ihre Unglaubhaftigkeit anzeigt. Entscheidend ist die Prüfung der 

Art der Konstanz. Erwartete Konstanzen betreffen etwa Handlungen des Kerngesche-

hens, unmittelbar am Kerngeschehen beteiligte Personen, Tatörtlichkeiten, handlungs-

relevante Gegenstände, globale Körperpositionen oder Lichtverhältnisse (Helligkeit bzw. 

Dunkelheit). Erwartete Erinnerungsverluste (psychologisch erwartete Inkonstanzen) be-

ziehen sich hingegen auf Schilderungen des peripheren Geschehens, die zeitliche Rei-

henfolge von verschiedenen Phasen eines Vorganges oder von verschiedenen abge-

schlossenen Handlungen, auf Schätzungen beruhende Angaben, Angaben über unan-

genehme Empfindungen, Häufigkeitsangaben bei ähnlichen Vorfällen, Kleidung, Wetter-

verhältnisse oder Zahlenangaben (Berlinger, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafpro-

zess, Beweiseignung und Beweiswert, 2014, S. 44 f.).  

Es ist mithin zu prüfen, was als „Kerngeschehen“ und was als „Randgeschehen“ anzu-

sehen ist. Die überwiegende Meinung in Rechtsprechung und Literatur definiert das 

Kerngeschehen subjektiv: Das Gericht hat mithin das, was für die betreffende Auskunfts-

person in der konkreten Situation emotional besonders wichtig erschien und sie bewegt 

hat, zu bestimmen. Dieses subjektive Kerngeschehen muss somit im Prozess von Zeuge 

zu Zeuge neu bestimmt werden. Es existiert kein (feststehendes) prozessuales, sondern 

nur ein personales Kerngeschehen. Die herrschende Rechtsprechung und Lehre defi-

niert Kerngeschehen folglich nicht aus der Sicht des in Frage stehenden Tatbestandes 

oder Lebenssachverhaltes (Hussels, Von Wahrheiten und Lügen - Eine Darstellung der 

Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012 S. 372). 

Die Zeitintervalle zwischen den Aussagen sowie zwischen den Aussagen und den ge-

schilderten Ereignissen sind bei der Konstanzanalyse von zentraler Bedeutung. Ein Un-

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terschied von wenigen Wochen erlaubt es regelmässig nicht, signifikante Konstanzphä-

nomene zu entwickeln. Das Gericht darf andererseits bei Zeiträumen von mehr als zwei 

oder drei Jahren auch bei erlebnisbegründeten Aussagen regelmässig keine Konstanz 

mehr erwarten (Berlinger, a.a.O., S. 45). 

3.2  Aussageverhalten 

3.2.1 Einflussnahme auf das Opfer 

Die Betroffene hat seit dem Abend des Vorfalls mit Kollegen, mit mehreren Kolleginnen 

und Kollegen, mit den Eltern, mit einem Lehrer (dieser sei indirekt orientiert worden) über 

den Vorfall diskutiert. Sie hat ausserdem in der Schule zu jener Zeit das Thema Verge-

waltigung behandelt (15:45:00). Die Mutter gibt am 26. März 2019 an, ihre Tochter habe 

am Freitag mit ihr reden wollen. Sie habe ihre Psychologin diesbezüglich noch nicht ori-

entiert, letztere müsse sonst Meldung machen. Die Tochter habe ihr anschliessend den 

Vorfall beschrieben (S. 16 A. 1). Das Kind habe bis zum Freitag nicht angedeutet, was 

vorgefallen sei (S. 17 A. 5), sei aber häufig alleine im Zimmer gewesen. Dies habe die 

Mutter zu Nachfragen veranlasst. Man habe ihrer Tochter sonst nichts angemerkt 

(S. 17 A. 6). Die Kindsmutter hat ihre Tochter auf die Dienststelle in Brig begleitet und 

dieser erlaubt und sie ermuntert, mit den Polizisten zu sprechen.  

Die Kindsmutter erklärt, die Betroffene sei im vergangenen Schuljahr überfordert gewe-

sen und gemobbt worden. Sie hätten psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Ihr 

Kind befinde sich in der Pubertät und halte sich in Kreisen auf, die Haschisch konsumier-

ten. Die Tochter habe im Mai 2018 eine Psychotherapie begonnen (S. 18 A. 7). Die 

Psychologin habe im Januar 2019 festgehalten, es gäbe eigentlich keinen Bedarf mehr 

für weitere Gespräche. Sie hätten jedoch aufgrund des schwierigen Freundeskreises 

vereinbart, dass sich die Privatklägerin alle fünf Wochen mit der Psychologin treffe 

(S. 18 A. 9). Letztere befindet sich während der ersten Befragung neben der Betroffenen 

(S. 46).  

Gemäss Meldeformular des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes ist es am 

25. März 2019 (Montag) zu einem Telefonanruf mit dem Vater gekommen, wonach ihn 

seine Tochter am Freitag über ungewollten Oralsex in einer Privatwohnung orientiert 

habe. Der Vater wünsche eine therapeutische Unterstützung. Das Kind habe am Freitag 

auch gegenüber dem Schulmediator von sexueller Nötigung gesprochen, die Schule 

habe keine Meldung gemacht (S. 2). Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst Ober-

wallis hat eine Meldung gemacht, ohne vorgängig mit der Privatklägerin gesprochen zu 

haben. 

- 12 - 

Die per Video aufgenommene Erstbefragung vom 26. März 2019 ist durch spezialisierte 

Personen erfolgt, die Fachperson des Zentrums für Entwicklung und Therapie des Kin-

des und Jugendlichen (ZET) bestätigt auf einem mehrseitigen Bericht das korrekte Zu-

standekommen (S. 45). Die vor der Erstbefragung erfolgten Diskussionen erscheinen 

auch deswegen unproblematisch, weil die Aussagen des Opfers letzten Endes erhebli-

che Gedächtnislücken aufweisen. Derlei wäre nicht nachvollziehbar, wenn das Kind von 

Drittpersonen zu einer Falschaussage gedrängt worden wäre oder den Vorfall vollstän-

dig erfunden hätte. 

Es liegen zwei Video-Befragungen der Betroffenen vor, weshalb auf eine weitere Ein-

vernahme vor Kantonsgericht verzichtet werden konnte (BGE 146 IV 153 nicht publi-

zierte E. 1). Diese war auch nicht beantragt. 

3.2.2  Im Verfahren befragte Personen 

Der Beschuldigte will bei der Hafteröffnungseinvernahme vom 28. März 2019 den Vorfall 

vom 2. März 2019 nicht wahrgenommen haben. Er kenne die Betroffene nicht und habe 

niemanden zu sich eingeladen (S. 25 A. 4 ff.). Dies bestätigt er am 29. März 2019 vor 

dem Zwangsmassnahmenrichter zunächst (S. 60 A. 3). Der Beschuldigte gibt jedoch 

nach angeordneter Untersuchungshaft zu, die Jugendliche zu kennen. Er habe ihr Alter 

gekannt. Sie seien beide betrunken gewesen und er wisse dann manchmal nicht mehr, 

was er mache. Es tue ihm leid (S. 61 A. 6). Der Beschuldigte sagt, wie nachfolgend 

ersichtlich, wiederholt unkonstant aus. Er hat ein erhebliches Interesse am Verfahrens-

ausgang, weshalb seine Äusserungen mit Vorsicht zu würdigen sind. 

C _________, geb. am xxx 2002, hatte vor der Fastnacht 2019 kaum noch Kontakt mit 

der Privatklägerin und ist mit ihr weder befreundet noch verfeindet (S. 70 A. 4). Den Be-

schuldigten hat sie am Tattag zum ersten Mal gesehen, wobei sie auch mit diesem weder 

befreundet noch verfeindet ist (S. 70 A. 5). 

B _________, geb. am xxx 2003, stehe ziemlich gut zur Betroffenen, fast wie eine Fa-

milie. Man erzähle sich alles, er kenne sie seit einem Jahr (S. 83 A. 4). Er habe den 

Angeklagten mehrere Monate vor dem Vorfall über eine Drittperson kennen gelernt. Sein 

Kollege habe ihn gewarnt, aufzupassen, da «E _________» schon im Gefängnis gewe-

sen sei (S. 83 A. 5). Die Auskunftsperson gibt an, der Beschuldigte habe ihn vorgängig 

gefragt, wie alt die Betroffene sei und ob diese einen Freund habe. B _________ habe 

ihm das Alter offenbart und erklärt, der anwesende A _________ wolle etwas von ihr 

(S. 86 A. 24). 

- 13 - 

D _________, geb. am xxx 2003, bezeichnet die Privatklägerin am 3. April 2019 als gute 

Kollegin. Die Auskunftsperson will den Angeklagten am Tattag zum ersten Mal gesehen 

haben (S. 94 A. 5).  

A _________, geb. am xxx 2001, ist zum Zeitpunkt des Vorfalls mit der Betroffenen be-

freundet gewesen, hatte vorgängig über ein halbes Jahr einen Briefwechsel mit ihr voll-

zogen und hat sie zum Zeitpunkt des Vorfalls mehrere Tage in der Schweiz besucht. Er 

hat, wie nachfolgende Ausführungen ergeben, selbst Interesse an der Jugendlichen 

bekundet. Der Zeuge hat jedoch im Moment der rechtshilfeweisen Befragung seit an-

derthalb Jahren keinen Kontakt mehr mit ihr gehabt (S. 278 A. 1). Er kennt den Beschul-

digten nicht (S. 279 A. 2). A _________ ist am Abend des Vorfalls dermassen betrunken 

gewesen, dass er mit der Ambulanz ins Spital eingeliefert werden musste 

(S. 285 f.). 

Die Privatklägerin geht 2019 davon aus, der Beschuldigte (mit Jahrgang 1990) sei 

26 Jahre alt (15:12:10). Sie hat ihn vorher nicht gekannt (15:15:00). Sie weiss nicht, ob 

die besuchte Lokalität sein Zuhause sei, er habe erzählt, es sei die Wohnung seines 

Bruders (15:19:40 ff.). Der Angeklagte habe ein breites Kreuz und einen runden Bauch 

gehabt. Er habe Markenkleider getragen (15:47:57). Er sei klein, aber ein Stück grösser 

als sie (15:48:03). B _________ sei nachträglich zu ihr gekommen und habe gesagt, der 

Angeklagte habe im Voraus angekündigt, mit der Privatklägerin etwas anzufangen 

(15:58:11/15:58:30). Die Darstellung im Berufungsverfahren, die Betroffene habe von 

einem entsprechenden Interesse bereits vor dem Eintritt in die Wohnung gewusst 

(S. 503 Ziff. 4), lässt sich somit aus deren Aussagen nicht herleiten, zumal die Betroffene 

erst später dazu von ihrem Kollegen orientiert worden ist.  

Die Betroffene gibt bei der zweiten Befragung vom 23. April 2019 an, sie habe über den 

Vorfall nachgedacht (S. 204 A. 5). Es ist – wie beim Beschuldigten – nachvollziehbar, 

wenn sich dabei vorhandene Wissenslücken schliessen. Diese hat den Berufungskläger 

nicht gekannt, weshalb eine Feindschaft nicht als Motiv für eine Falschaussage in Frage 

kommt. Es könnte jedoch Scham vorliegen, in der Nähe von Kollegen sexuelle Handlun-

gen mit einer deutlich älteren Person vollzogen zu haben. Das Gericht hat demnach zu 

prüfen, ob die Beschuldigte den Alkoholkonsum oder angebliches Fehlverhalten des Be-

rufungsklägers nur vorschiebt, um das eigene Verhalten beim Vorfall nachträglich zu 

rechtfertigen bzw. zu kaschieren.  

- 14 - 

3.3  Alkohol- und Betäubungsmittelkonsum 

Die Betroffene habe laut Mutter, welche die Version ihrer Tochter nur nacherzählt, im 

Scala zwei Bier getrunken und anschliessend vom Angeklagten noch ein halbes Bier 

übergeben erhalten. Sie hätten auf dem Weg zum Beschuldigten noch Whiskey getrun-

ken (S. 17 A. 1).  

C _________ hat die Privatklägerin gegen 16:00 Uhr im Scala getroffen, also einen Teil 

des Nachmittags nicht miterlebt. Die Betroffene habe Bier aus den Gläsern der anderen 

Personen getrunken (S. 71 A. 9). Sie hätten in der Wohnung des Berufungsklägers aus 

Halbliterdosen Bier getrunken (S. 71 A. 12). Die Privatklägerin habe aus einer Aluflasche  

ein zitronenhaltiges Getränk konsumiert. Der Auskunftsperson habe dieses Getränk 

nicht geschmeckt, sie habe es ausgespuckt. Ihre Kollegin habe beinahe die gesamte 

Flasche ausgetrunken (S. 72 A. 15). Der Beschuldigte habe sich komisch aufgeführt, 

weil er ankündigte, nach Sitten zu fahren, aber sich in die falsche Richtung fortbewegt 

habe (S. 72 A. 16). 

B _________ sei mit dem Berufungskläger und der Privatklägerin ins Stockalperschloss 

und später ins Scala gelaufen, wo die Betroffene ein Bier getrunken habe (S. 84 A. 10). 

A _________ habe eine Wasser-Pet-Flasche mit Wodka vorbereitet und den ganzen 

Abend daraus getrunken, bis diese fast leer gewesen sei. Die übrigen Personen hätten 

daraus nicht konsumiert, er wisse aber nicht, ob die Betroffene eventuell mitgetrunken 

habe (S. 84 A. 11). Der Beschuldigte sei normal gelaufen und habe klar gedacht. Er sei 

nicht nüchtern gewesen (S. 85 A. 15). 

D _________ will die erste und die Hälfte der zweiten Runde Bier im Scala bezahlt ha-

ben. Alle hätten Bier getrunken. Die Beteiligten hätten in der Wohnung einen halben Liter 

Bier getrunken (S. 94 A. 8). Die Privatklägerin habe in einem Tee-Behälter aus Alumi-

nium Wodka transportiert und den grössten Teil davon selbst getrunken. Die Auskunfts-

person habe ihr die Flasche wiederholt weggenommen, weil sie schon betrunken gewe-

sen sei (S. 95 A. 9). Der Angeklagte sei leicht alkoholisiert gewesen und habe lediglich 

zwei, drei Biere getrunken. Er habe wenig geredet und habe sich normal aufgeführt 

(S. 95 A. 13). 

Alle seien, laut A _________, «sehr alkoholisiert» gewesen (S. 279 A. 3). Der Zeuge 

vertritt den Standpunkt, sie hätten zwei Sixpacks mit Bierdosen gekauft, er könne sich 

aber nicht mehr erinnern (S. 279 A. 4). Er weiss auch nichts mehr von einer Flasche, die 

er dabeigehabt habe (S. 280 A. 8).  

- 15 - 

Die Privatklägerin habe nur ein Bier trinken wollen, der Angeklagte habe ihr aber zwei 

bestellt und ihr schliesslich noch ein halbes Bierglas von ihm selbst überlassen 

(15:19:00). Sie habe auf dem Weg zur Wohnung noch Hochprozentiges getrunken 

(15:23:00). Sie hätte mit den Kollegen gesprochen und niemand sei sicher, ob der Be-

schuldigte nicht etwas in die Getränke gemischt habe. Ein Kollege habe ja ins Spital 

eingeliefert werden müssen (15:43:30). Sie habe am gesamten Abend insgesamt einen 

Fünftel einer Flasche Wodka getrunken (15:59:10). Sie habe eine Wasserflasche mitge-

nommen, in welche sie zu einem Fünftel oder einem Viertel mit Wodka abgefüllt hatte 

und diese Flasche sei am Abend leer gewesen (15:59:50). Die Privatklägerin will zwei-

einhalb Bier im Scala konsumiert und den mitgenommenen Wodka in der Wohnung fertig 

getrunken haben (16:00:00). Diese Einschätzung wird am 16. Mai 2019 korrigiert, sie 

habe 2 Bier und eine Viertel-Flasche Wodka getrunken, vielleicht auch mehr Wodka 

(S. 215 A. 127 ff.). Sie stufe ihren betrunkenen Zustand bei einer Skala von 1 – 10 (nicht 

- stark betrunken) bei einer 7 oder 8 ein «zum Kotzen» (S. 215 A. 131 f.). Sie glaube, 

der Beschuldigte habe zwei Bier getrunken und sie gehe nicht davon aus, er sei danach 

betrunken (S. 215 A. 134). Die Betroffene bejaht die Frage, ob der konsumierte Alkohol 

dazu geführt habe, dass sie die Situation in der Wohnung Naters nicht mehr habe kon-

trollieren können (S. 215 A. 136). 

Der Beschuldigte argumentiert bei der Hafteröffnungseinvernahme, nach Alkoholkon-

sum manchmal das Vorgefallene zu vergessen. Dies betreffe auch den Tattag 

(S. 24 A. 3). Er gibt in seiner Befragung vom 5. April 2019 an, am Bahnhof in Brig ein 

Bier konsumiert zu haben. Er habe danach vom Wodka getrunken, wobei die Privatklä-

gerin das Meiste geext habe. Er habe im Scala zwei Bier getrunken, wobei die anderen 

vom zweiten auch abbekommen hätten. Anschliessend seien zwei weitere Personen ge-

kommen und ein Junge habe eine Runde Bier spendiert. Der Angeklagte will eine weitere 

Runde Bier bestellt haben. Sie hätten dann kein Geld mehr gehabt und zu ihm nach 

Hause «chillen» gegangen (S. 105 A. 2). Der Beschuldigte sei betrunken gewesen 

(S. 105 A. 3). Er habe zu einem anderen Zeitpunkt bereits nach 5-6 Bier ein Blackout 

gehabt (S. 107 A. 10). Er habe 7 oder 8 Bier getrunken (S. 107 A. 11), wenn er ein paar 

Bier trinke, so sei er betrunken (S. 107 A. 12). Er habe ausserdem 1-2 Dafalgan einge-

nommen und den ganzen Tag nichts gegessen (S. 107 A. 13). Die Privatklägerin sei 

nach dem Wodka-Konsum auf dem Stockalperhof betrunken gewesen (S. 107 A. 14). 

Sie soll dem Beschuldigten laut Aussage vor der Staatsanwaltschaft vom 17. September 

2020 von ihrem Wodka angeboten haben, wobei er davon nicht getrunken habe. Sie 

hätten anschliessend im Scala insgesamt vier Runden Bier getrunken (S. 263 f. A. 2). 

Der Angeklagte will gemäss Aussage vor Bezirksgericht vier oder fünf Bier getrunken 

- 16 - 

haben, aber keinen Wodka. Er sei betrunken gewesen (S. 334 A. 41). Er gibt vor Kan-

tonsgericht an, drei oder vier Bier getrunken zu haben (S. 497 A. 16). Die übrigen Betei-

ligten sprechen von zwei Runden Bier im Scala, was glaubwürdiger erscheint als die 

Version des Beschuldigten, der den Konsum des Doppelten behauptet. Dieser hätte 

demnach 1 Bier am Bahnhof und zwei Bier im Scala getrunken. Dies gliche sich den 

Antworten an, die er vor Bezirks- und Kantonsgericht erteilt hat, in welchen von maximal 

fünf Bieren die Rede ist. Es wäre, selbst wenn davon ausgegangen würde, der Ange-

klagte hätte vier Bier konsumiert, nicht nachvollziehbar, dass der nach eigenem 

Bekunden damals 75-80 Kilogramm schwere Beschuldigte (S. 497 A. 17) davon stärker 

Betrunken gewesen wäre. Ein solcher Zustand ist im Übrigen von niemandem der sonst 

Anwesenden festgestellt worden. Das Aussagenverhalten des Angeklagten weist viel-

mehr darauf hin, dass die behauptete starke Angetrunkenheit Teil seiner Verteidigungs-

strategie bildet und nicht den Tatsachen entspricht. 

Die 15 Jahre alte, weniger als 1.75 grosse (15:48:10) und schlanke Jugendliche dürfte 

hingegen nach dem Konsum von mehr als zwei Bier und mindestens einem Deziliter 

gebranntem Wasser stark betrunken gewesen sein. Ein anwesender Kollege hat dies 

bemerkt und ihr erfolglos den Behälter mit dem Gemisch entzogen. Der Angeklagte hat 

sowohl den Konsum wie auch den Zustand der Betroffenen erkannt. Er hat der 15 Jahre 

alten Person in einem Lokal sogar noch selbst Bier bestellt. Die Betroffene behauptet 

Erinnerungslücken und dies wirkt aufgrund der konsumierten Menge Alkohol durchaus 

plausibel. 

3.4 Situation auf dem Bett 

Die Beteiligten haben sich nach dem Aufenthalt in der Gaststätte von Brig in die Woh-

nung des Beschuldigten in Naters begeben. Die Privatklägerin und der Angeklagte ha-

ben sich darauf befunden. C _________ und D _________ sind permanent anwesend 

geblieben und haben sich auf freiwilliger Basis geküsst. B _________ und A _________, 

der selbst Interesse an der Betroffenen bekundet hatte, sind vom Berufungskläger hin-

gegen aufgefordert worden, Bier zu holen. Sie haben mithin zeitweise die Wohnung ver-

lassen. 

3.4.1  Der Angeklagte habe laut C _________ mit der Privatklägerin auf dem Bett her-

umgeknutscht. C _________ habe sich gefragt, was hier ablaufe, sie könnte dies nicht 

mit einer ihr unbekannten Person tun (S. 71 A. 8). Sie seien angezogen auf dem Bett 

gelegen und hätten sich Zungenküsse gegeben. Der Angeklagte habe die Betroffene 

umarmt (S. 73 A. 24). Die in dieser Antwort zusätzlich wiedergegebene Behauptung, es 

habe so ausgesehen, als ob die Betroffene dies nicht gewollt habe, wird von der Zeugin 

- 17 - 

vor der Staatsanwaltschaft berichtigt. Sie seien angezogen gewesen (S. 73 A. 24 i.V.m. 

S. 259 A. 30). Der Angeklagte und die Privatklägerin hätten laut Aussage vor der Staats-

anwaltschaft vom 17. September 2020 auf dem Bett herumgeknutscht und sich ange-

fasst (S. 257 A. 2). Es seien allerlei Küsse ausgetauscht worden, auch Zungenküsse 

(S. 257 A. 8). Der Beschuldigte habe seine Hand auf ihrem Hintern oberhalb der Kleider 

gehabt. Sie habe aber nicht gesehen, ob er die Betroffene an den Brüsten angefasst hat 

oder deren Hände auf seinen entblössten Penis gelegt habe (S. 257 A. 9 f.). Der Ange-

klagte sei auf dem Rücken gelegen und sie bäuchlings auf ihm. Beide seien die ganze 

Zeit so gelegen (S. 260 A. 35 f.) 

3.4.2  Der Berufungskläger und die Betroffene hätten sich, laut B _________, auf dem 

Bett geküsst. Die übrigen Anwesenden hätten aufgrund des Altersunterschieds komisch 

geguckt (S. 84 A. 10). Der Beschuldigte und die Betroffene hätten sich umarmt und er 

habe sie über den Kleidern am Po berührt (S. 85 A. 22). 

3.4.3  Der Beschuldigte und die Privatklägerin hätte sich, laut D _________, auf dem 

Bett umarmt und geschmust. Es habe ausgesehen, als sei die Betroffene damit einver-

standen (S. 95 A. 10). 

3.4.4  A _________ vertritt den Standpunkt, die Privatklägerin sei mit dem Schmusen 

auf dem Bett nicht einverstanden gewesen. Er habe dies an ihrem Gesichtsausdruck 

erkannt. Der Angeklagte habe sich so hingelegt, dass die Betroffene nicht wegkonnte. 

Sie habe verzweifelt ausgesehen (S. 282 A. 29). Er hat nicht gesehen, wie sich die bei-

den geküsst haben, wo die Hände des Beschuldigten gewesen sind oder ob dieser einen 

Hosenknopf geöffnet hatte (S. 282 A. 30 ff.). 

A _________ hat zum Tatzeitpunkt selbst Interesse an der Privatklägerin bekundet 

(S. 85 A. 22) und war dementsprechend nicht erfreut über die Entwicklung. Der Zeuge 

ist am betreffenden Abend ausserdem notfallmässig ins Spital eingeliefert worden, weil 

er übermässig Alkohol konsumiert hatte. Seine entsprechenden Aussagen sind mithin 

vorsichtig zu würdigen, zumal sie nicht mit den Aussagen der übrigen Beteiligten über-

einstimmen. 

3.4.5  Zwei ihrer Freunde hätten die Wohnung verlassen, um etwas einzukaufen 

(15:23:30), sie sei zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so nüchtern gewesen (15:23:40). Zwei 

Kollegen seien noch anwesend gewesen, sie wisse aber nicht mehr, wann diese vom 

Bett hinuntergestiegen seien (15:24:21). Der Angeklagte habe begonnen, sie anzufas-

sen und sie zu küssen, was ihr zu dem Zeitpunkt egal gewesen sei (15:24:27). Sie habe 

ihn dann gefragt, ob dies OK sei, was er da tue, zumal sie 15 Jahre alt sei und er eine 

- 18 - 

Familie habe (15:25:00). Er habe darauf erwidert, er sei geschieden (15:25:10). Dann 

wisse sie nicht mehr viel (15:25:15). Er habe irgendwann gefragt, ob er mit ihr schlafen 

könne, was sie verneint habe (15:25:20). Er habe daraufhin gefragt, ob sie ihm «einen 

blasen möchte», was sie auch verneint habe (15:25:30). Er habe sie daraufhin dazu 

gedrängt (15:25:35). Er sei unter ihr T-Shirt gegangen und habe ihre Brüste auf der Haut 

begrapscht (15:41:39). Er habe immer wieder mal gefragt (15:42:07). Sie wisse nicht 

mehr, wieviele Male er gefragt habe, zwei, drei Mal (15:42:10). Er habe ihr Zungenküsse 

erteilt (15:42:40). Es fehlt ihr das Zeitgefühl (15:42:50). Die Phase auf dem Bett habe sie 

viel kürzer in Erinnerung und diejenige in der Toilette viel länger (15:44:40). Der Ange-

klagte habe, laut Zweitaussage, mit dem Küssen angefangen (S. 205 A. 13). Sie glaube, 

damit einverstanden gewesen zu sein (S. 205 A. 19). Sie hätten auch Zungenküsse aus-

getauscht (S. 205 A. 21). Sie sei mit dem Begrapschen nicht einverstanden gewesen, 

habe dagegen aber auch nichts unternommen (S. 205 A. 21) und könne sich nicht mehr 

genau erinnern, wo er sie berührt habe (S. 205 A. 22). Letzteres sei unangenehm gewe-

sen (S. 206 A. 23 f.). Die ganze Situation sei unangenehm gewesen (S. 206 A. 25). Das 

Küssen sei eklig gewesen (S. 205 A. 27). Sie wisse nicht mehr, ob sie ihm derlei gesagt 

habe (S. 205 A. 29). Der Angeklagte habe zuerst mit ihr schlafen wollen, was sie verneint 

habe. Sie habe auch die Anfrage nach einem «Blowjob» verneint, die sei keine gute 

Idee. Sie habe ihn auch noch nach seiner Frau und den Kindern gefragt und ihn auf ihr 

Alter hingewiesen (S. 206 A. 30 ff. und A. 38 ff). Sie hätten geflüstert, weil noch zwei 

andere Personen im Raum gewesen sind (S. 206 A. 32 ff.). Sie habe dies mündlich 

gemacht, ihn aber nicht abgewehrt (S. 206 A. 36). Sie habe nicht von sich aus Oralsex 

vorgeschlagen (S. 206 A. 41 f.). Er habe ihre Ablehnungen nicht akzeptiert (S. 206 A. 

43). Sie habe sich gegenüber den anderen Kollegen nicht bemerkbar gemacht, weil sie 

nicht gewusst habe, was da ablaufe (S. 206 A. 46). Sie sei betrunken gewesen und habe 

das eigentlich alles gar nicht richtig verstanden. Sie habe nicht richtig nachvollziehen 

können, was da eigentlich abgehe (S. 206 A. 47). Sie könne sich nicht mehr richtig daran 

erinnern, was auf dem Bett abgelaufen sei (S. 208 A. 48). Der Angeklagte habe, laut 

zweiter Befragung der Betroffenen, seine Hosen geöffnet und ihre Hand auf seinen Penis 

gelegt (S. 212 A. 95). Sie habe keine Manipulationen ausführen müssen, sondern die 

Hand wieder zurückgezogen (S. 212 A. 100). Er sei erregt gewesen (S. 212 A. 103 f.). 

Der Reissverschluss sei offen gewesen und der Knopf ebenfalls (S. 213 A. 107). 

Die Parteien haben geflüstert, womit die Anwesenden den Inhalt der Gespräche nicht 

mitbekommen haben. Sexuelle Handlungen auf dem Bett sind unstrittig. Der Beschul-

digte hat die Betroffene geküsst und gemäss Aussagen von Drittpersonen zweifelsohne 

- 19 - 

über den Hosen am Hintern berührt. Es sind weitere Personen im Raum gewesen, wes-

halb sich der Angeklagte auf dem Bett zurückhaltend verhalten haben dürfte. Es ist strei-

tig, ob der Angeklagte die Betroffene auch unter dem T-Shirt angefasst und ihre Hand 

an sein Glied geführt hat.  

Der Beschuldigte hat die Betroffene wiederholt um Geschlechtsverkehr gebeten, was 

diese unbestrittenermassen abgelehnt hat. Es drängt sich alsdann die Frage auf, wer 

den Oralverkehr vorgeschlagen hat. Die Betroffene gibt wiederholt und konstant an, die 

Initiative sei vom Angeklagten ausgegangen und sie habe abgelehnt. Der Beschuldigte 

passt die Aussage diesbezüglich mehrfach an und behauptet wiederholt, der Vorschlag 

sei von der Jugendlichen gekommen oder diese sei zumindest damit einverstanden ge-

wesen.  

Die Betroffene hätte den Teil auf dem Bett, als die beiden Beteiligten nahe aneinander 

bzw. aufeinander liegen, dramatischer umschreiben können, wenn sie den Beschuldig-

ten tatsächlich zu Unrecht belasten wollte. Sie hätte z.B. die verbalen Aufforderungen zu 

sexuellen Handlungen eindringlicher umschreiben können oder darlegen können, sie 

habe den Angeklagten deutlicher darauf hingewiesen, er solle sie nicht anfassen. Sie 

gibt hingegen an, das Küssen sei ihr noch «egal» gewesen. Dies erweckt nicht den Ein-

druck, sie wolle ihn übermässig belasten.  

Die Betroffene umschreibt, wie sie den Beschuldigten an ihr Alter oder an seine Familie 

erinnert und wie er darauf antwortet. Das erweckt wiederum den Eindruck, als habe sie 

phasenweise klar gedacht. Es ist andererseits von Momenten die Rede, an welche sie 

sich überhaupt nicht mehr zu erinnern vermag. Es stellt sich mithin die Frage, ob so 

diese Wissenslücken einzig Schutzbehauptungen darstellen, um die weiteren sexuellen 

Handlungen oder ihre Zustimmung zu diesen nachträglich zu kaschieren. Dies erscheint 

aus zwei Gründen unwahrscheinlich: Die Jugendliche, welche weniger als 1,75 Meter 

gross und schlank ist, hat vorgängig mehr als zwei Bier plus eine beachtliche Menge an 

Wodka konsumiert. Sie macht mithin glaubhaft geltend, stark betrunken gewesen zu 

sein, was auch von den Zeugen im Grundsatz betätigt wird. Die Wissenslücken werden 

ferner nach Konsultation der Videoaufnahmen glaubhaft deponiert, indem die Betroffene 

z.B. bei den Äusserungen zögert (vgl. z.B. 15:24:38; 15:25:16; 15:26:11; 15:27:30; 

15:28:01) oder auch, wie sie blickt (15:26:11; 15:26:27). Die Privatklägerin hätte, wenn 

sie den Alkoholkonsum vorgeschoben hätte, einfach jegliche Erinnerungen bestreiten 

können. Die Betroffene bestätigt in der Zweitbefragung, der Angeklagte habe sie um 

Geschlechtsverkehr und Oralsex gefragt, was sie abgelehnt habe (S. 206 A. 30; 

- 20 - 

S. 207 A. 38 ff.). Eine Frage und Antwort in der zweiten Einvernahme erscheint in Bezug 

auf die Gedankenwelt der Privatklägerin besonders bemerkenswert (S. 208 A. 47): 

Also wie ist dir das nicht ganz klar gewesen? 

Ehm, es war mir ehm nicht klar, weil ich war betrunken und ehm, hab’ das eigentlich alles gar 

nicht richtig verstanden. Also ja, ich konnt’ nicht richtig nachvollziehen, was da eigentlich grad’ 

abgeht. 

Diese Äusserung zeigt die Überforderung der alkoholisierten Jugendlichen auf, als sie 

auf dem Bett gelegen ist.  

3.4.6  Der Beschuldigte gibt am 5. April 2019 an, er habe der Betroffenen auf dem Bett 

gesagt, er wolle mit ihr schlafen. Sie habe dies abgelehnt, weil sie ihre Tage habe, ihm 

aber von sich aus angeboten, ihn oral zu befriedigen. Er habe ihr geantwortet, ok, dann 

kommst du ins WC. Sie sei mit ihm ins WC gekommen (S. 106 A. 5). Es habe keine 

Zungenküsse auf dem Bett gegeben (S. 108 A. 16) und er habe sie nicht am Po oder an 

den Brüsten angefasst (S. 108 A. 17).  

Die Behauptung, der Angeklagte habe die Jugendliche nicht an den Hintern angefasst, 

widerspricht den Darlegungen der übrigen Beteiligten. 

Der Berufungskläger will die Privatklägerin auf dem Bett gefragt haben, ob sie ihm «ei-

nen blasen tut», was diese bejaht habe. Er sei aufgestanden und zum Badezimmer ge-

laufen. Sie seien dort beide eingetreten (S. 264 A. 4). Der Angeklagte bestätigt mehrmals 

in der gleichen Befragung, es sei nur um Oralsex gegangen (S. 265 f. A. 6, A. 8, A. 14). 

Er muss schliesslich zugeben, dass er die Jugendliche zunächst zwei Mal um Ge-

schlechtsverkehr gebeten hat und sie ihm geantwortet hat, sie sei nicht einverstanden 

und habe ihre Tage. Sie habe ihm danach angeboten, ihn oral zu befriedigen (S. 266 

A. 14). Er habe die Betroffene auf dem Bett nicht richtig geküsst, nur auf die Lippen 

(S. 265 A. 8). Er habe sie nicht an den Brüsten oder am Po begrapscht (S. 265 A. 9 f.). 

Er habe auch nicht den Reissverschluss seiner Hosen geöffnet, da seien ja noch andere 

Personen da gewesen (S. 265 A. 12). 

Es fällt bei dieser Aussage auf, dass der Angeklagte unkonstant angibt, wer wen nach 

sexuellen Handlungen gefragt hat. Er verschweigt vorab seine wiederholten und erfolg-

losen Anfragen um Geschlechtsverkehr und behauptet stattdessen, die Betroffene um 

Oralsex gebeten oder sogar aufgefordert zu haben (S. 265 A. 14 «ich habe ihr gesagt, 

sie solle mir ‘einen blasen’»).  

- 21 - 

Der Angeklagte bestreitet vor Bezirksgericht, die Betroffene geküsst oder befummelt zu 

haben. Er habe sie auch nicht zu Oralsex gezwungen (S. 333 A. 35). 

Der Beschuldigte gibt vor Kantonsgericht an, beide seien im Bett auf dem Rücken gele-

gen (S. 496 A. 10). Er habe die Jugendliche nicht am Hintern begrapscht, das wäre für 

ihn peinlich, solche Handlungen vor Drittpersonen zu vollziehen (S. 496 A. 10). Er habe 

ihr von seiner geschiedenen Ehegattin und dem Kind aus dieser Ehe berichtet. Er habe 

die Privatklägerin gefragt, ob sie mit ihm schlafen wolle, was sie mit Hinweis auf ihre 

Periode verweigert habe. Sie habe ihm gesagt, sie mache es ihm oral. Er habe sie nur 

einmal gefragt, ob sie mit ihm schlafen wolle (S. 496 A. 11). Der Beschuldigte beantwor-

tet die Frage, ob er oder die Betroffene nach Oralsex gefragt hat, in der gleichen Antwort 

uneinheitlich. Er bejaht dies vorab, korrigiert aber anschliessend, er habe nach Ge-

schlechtsverkehr gefragt, sie habe nein gesagt und er OK. Sie habe danach Oralsex 

vorgeschlagen, worauf er wieder OK geantwortet habe. Sie seien dann ins Badezimmer 

gegangen (S. 496 A. 12). 

Auch diese letzte Aussage wirkt unbeständig.  

Der Beschuldigte gibt nur zurückhaltend an, inwiefern er auf dem Bett die Initiative zu 

weiteren sexuellen Handlungen übernommen hat. Die am meisten belastende Version, 

wonach er die Jugendliche zwei Mal erfolglos um Geschlechtsverkehr angefragt hat, 

passt auch mit derjenigen der Privatklägerin am besten überein. Er gibt ausserdem in 

der Befragung vor der Staatsanwaltschaft zunächst wiederholt zu, er habe um Oralsex 

gebeten. Seine letzte entsprechende Äusserung erweckt sogar den Eindruck, er habe 

ihr dies diktiert. Der Angeklagte zieht diese Darstellung aber in der gleichen Antwort zu-

rück und behauptet, er habe vorab zwei Mal erfolglos um Geschlechtsverkehr gebeten. 

Sie habe ihm anschliessend Oralsex vorgeschlagen. Die Version, die von der Betroffe-

nen wiedergegeben wird, wonach der Berufungskläger sie nach dem erfolglosen Wer-

ben um Geschlechtsverkehr um Oralsex gebeten hat, erscheint glaubwürdig. Nach der-

selben Aussage, hat sie diese Anfrage abgelehnt 

Die teilweise inkonstanten Behauptungen des Beschuldigten zu sexuellen Handlungen 

auf dem Bett widersprechen denjenigen der Betroffenen und der anwesenden Jugendli-

chen. Es wurde geküsst und zwar auch mit Zunge. Der Angeklagte hat der Betroffenen 

unter das T-Shirt gegriffen. Er hat ferner den Reissverschluss seiner Hose geöffnet und 

die Hand der Betroffenen an sein Glied herangeführt. Diese Handlungen sind möglich, 

- 22 - 

ohne dass sie von anwesenden Drittpersonen wahrgenommen werden, soweit die Be-

teiligten nahe nebeneinander bzw. aufeinander liegen. Sie werden von der Privatklägerin 

glaubwürdig wiedergegeben. 

Die Betroffene behauptet ein weiteres Bedrängen, was der Angeklagte bestreitet. Er will 

höchstens zwei Mal nach Geschlechtsverkehr gefragt haben. Auch die Betroffene gibt 

an, der Berufungskläger habe sie zwei bis drei Mal gefragt. Letzterer übersieht jedoch, 

dass Aufforderungen zu weiteren sexuellen Handlungen nicht nur verbal erfolgen kön-

nen, sondern auch konkludent, indem der Berufungsbeklagte die betrunkene Jugendli-

che intensiver küsst, zusätzlich unter dem T-Shirt berührt oder deren Hand an sein Ge-

schlechtsteil zieht. 

3.5  Gang zum Badezimmer 

3.5.1  Der Angeklagte sei, laut C _________, alleine auf die Toilette gelaufen. Die be-

troffene sei ihm knapp zwei Minuten später gefolgt (S. 71 A. 8; S. 74 A. 32). Der Ange-

klagte sei, laut zweiter Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft, zuerst und die Privat-

klägerin dann hinterher ins Bad gelaufen (S. 257 A. 2) und zwar nicht einmal zwei Se-

kunden später (S. 258 A. 15). Sie sei freiwillig mitgegangen, die Zeugin will nicht gehört 

haben, ob der Angeklagte die Betroffene aufgefordert hat, mitzukommen (S. 258 A. 16 

f.). Sie seien nicht viel hintereinander zum Badezimmer gelaufen (S. 258 A. 18).  

3.5.2  B _________ ist nicht mehr in der Wohnung anwesend gewesen, als sich die 

Betroffene zur Toilette begeben hat (S. 86 A. 27). 

3.5.3  D _________ habe nur gemerkt, dass die Privatklägerin plötzlich weg gewesen 

sei (S. 95 A. 8). 

3.5.4  Der Beschuldigte beteuert, die Betroffene sei freiwillig ins Badezimmer mitgekom-

men (S. 108 A. 19). Sie seien beide aufgestanden und zur Toilette gelaufen (S. 266 A. 

15). Er habe sie nicht gezogen (S. 266 A. 16). Sie seien, laut Aussage vor dem Kantons-

gericht, beide aufgestanden und zum WC gelaufen. Er habe ihr die Türe aufgehalten 

(S. 496 A. 15). 

3.5.5  Sie wisse nicht mehr, wie sie genau von diesem Bett aufgestanden sei oder ob sie 

überhaupt freiwillig aufgestanden sei (15:25:38). Er habe sie auf jeden Fall in die Toilette 

gezogen (15:25:45; 15:27:17). Sie habe dann ein «Blackout» (15:25:54). Sie glaube 

schon, dass er sie auf die Toilette gezogen habe. Es sei alles schwammig und nicht so 

greifbar für sie, als sie auf dem Bett gefragt und dann in die Toilette gezogen habe 

(15:29:05). Sie sei irgendwie vom Bett in die Toilette gekommen, wisse aber nicht mehr 

- 23 - 

durch welche Einflüsse. Sie wisse nur noch, dass sie irgendwann darin gestanden sei 

(S. 208 A. 50). Sie könne die Frage nicht mehr beantworten, wie sie ins Badezimmer 

hineingekommen sei (S. 208 A. 53). Die Privatklägerin weiss nicht mehr, wie sie zum 

Badezimmer gelaufen ist. Sie weiss zunächst nicht, wer vorausgelaufen ist, zieht aber 

den Schluss, der Beschuldigte sei dort vor ihr gestanden und demzufolge als erster hin-

ein (S. 209 A. 57).  

Die an der Erstbefragung deponierte Äusserung der Betroffenen, sie sei vom Beschul-

digten in die Toilette gezogen worden, trifft gemäss Darstellung der anderen Personen, 

die diesen Teil des Vorfalls beobachtet haben, nicht zu. Die anwesenden Kollegen be-

stätigen, die Jugendliche sei dem Beschuldigten auf die Toilette gefolgt, ohne dass die-

ser dafür zeitgleich physischen Druck verwendet hat. Die Erstaussage der Betroffenen, 

welche einen schwereren Tatvorwurf birgt, ist nicht bewiesen, das Gegenteil ist der Fall. 

Das Gericht hat somit zu prüfen, ob die Betroffene diesen Sachverhalt bewusst unwahr 

erzählt. Sie macht aber in der ersten Einvernahme, eine kurze Zeit später auf Nachfrage 

geltend, dieser Teil des Vorfalls sei für sie schwammig und nicht greifbar. Sie relativiert 

also diesen Tatvorwurf, mit Gewalt ins Badezimmer gezogen worden zu sein, selbststän-

dig und argumentiert auch nachvollziehbar, warum sie sich daran nicht mehr erinnern 

kann. Die Betroffene würde länger an dieser falschen Erstversion festhalten, wenn sie 

diese bewusst dazu verwendet hätte, ihr eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Sie müsste 

ausserdem bereits vor dieser Aussage realisiert haben, dass weitere Personen diesen 

Teil des Geschehens beobachtet haben. Eine bewusste Lüge erscheint unter diesen 

Umständen sinnlos zu sein. Es erscheint vielmehr glaubwürdig, dass sich die alkoholi-

sierte Jugendliche tatsächlich nicht mehr an den Gang zur Toilette erinnern kann und 

diese Lücke mit einer für sie plausiblen Version gefüllt hat, was sie im späteren Verlauf 

des Prozesses auch so erklärt. Sie kann sich somit selbst nicht erklären, wie und warum 

sie dem Angeklagten dorthin gefolgt ist und zieht daraus zunächst einen falschen 

Schluss, den sie aber rasch korrigiert.  

3.6  Geschehnisse im Badezimmer 

Die Beteiligten haben sich anschliessend im Badezimmer aufgehalten. Auch hier gehen 

die Aussagen auseinander, was dort geschehen ist. 

3.6.1  C _________ sagt aus, wenn mal keine Musik gelaufen sei, habe man im WC das 

Wasser aus dem Hahn gehört (S. 74 A. 30). 

- 24 - 

3.6.2  B _________ erklärt, es sei die ganze Zeit Musik aus dem Fernseher gelaufen. 

Der Zeuge will nicht gehört haben, wie die Privatklägerin Stopp oder Nein gesagt habe 

(S. 85 A. 22). Er hat die Wohnung frühzeitig verlassen (S. 85 A. 21). 

3.6.3  D _________ hat nicht einmal festgestellt, dass sich die Betroffene mit dem Be-

schuldigten auf der Toilette befunden hat (S. 96 A. 24). 

3.6.4  Er habe dann, laut Privatklägerin die Badezimmertüre abgeschlossen, dann habe 

sie ein Blackout (15:25:50). Sie wisse nicht mehr, was am Anfang passiert sei oder wie 

es passiert sei, sie wisse aber, dass etwas passiert sei (15:26:00). Sie wisse nicht mehr 

genau. Sie wisse auf jeden Fall, dass sie gedacht habe, nicht hinknien zu wollen 

(15:27:25). Es sei nicht zu Geschlechtsverkehr gekommen (15:27:36). Er habe sie weder 

geschlagen noch festgehalten (15:27:40). Sie wisse nicht mehr, wo seine Hände waren 

(15:27:50). Sie wisse noch, dass er sie ausgezogen habe, sie habe das nicht selbst 

gemacht (15:28:40). Er habe alles angehabt, nur die Hose runtergezogen (15:30:35). 

Er habe ihr das T-Shirt ausgezogen (15:31:00). Er habe sich Hose und Unterhose run-

tergezogen (15:31:40). Der 26-Jährige sei gestanden (15:32:00). Sie habe sein Ge-

schlechtsteil nicht gesehen, weil er noch das Licht ausgemacht habe (15:32:20). Sie 

habe danach keine Ahnung (15:32:45). Sie habe gespürt, dass er die Hosen und Unter-

hosen heruntergezogen hatte (15:32:52). Ob sie die Frage beantworten müsse, wie sie 

gespürt habe, dass er seine Hosen heruntergelassen hatte? (15:33:05). An den nächs-

ten Teil, an den sie sich erinnern könne sei, dass sie auf dem Boden gekniet sei und 

seinen Penis im Mund hatte (15:33:30). Sie wisse nicht mehr, ob auch er etwas gemacht 

habe (15:33:50). Sie wisse nicht mehr, wie das Glied in ihren Mund gekommen sei 

(15:34:05). Er habe ihr am Schluss etwas gesagt, davor nicht (15:34:25). Sie wisse nicht 

mehr, wie sie in diese kniende Position gelangt sei (15:34:30) und sie habe kein Zeitge-

fühl (15:34:40). Sie habe sich gleichgültig gefühlt (15:35:55). Sie habe den Penis irgend-

wann aus dem Mund draussen gehabt und er habe ihr irgendwann gesagt, sie solle ihn 

wieder hineinnehmen (15:36:56). Dann habe sie schlucken müssen (15:37:00). Er habe 

dann die Türe aufgeschlossen und sie habe einfach nur gefragt, wo ihr T-Shirt sei 

(15:37:07). Die Aufforderung, den Penis erneut in den Mund zu nehmen, sei ein Befehl 

gewesen (15:37:35). Es sei nicht freundlich gewesen (15:37:40). Sie habe gleichgültig 

reagiert (15:37:55). Sie wolle nicht erklären, was sie geschluckt habe (15:38:25). Er habe 

ihr nur gesagt, sie solle seinen Penis in den Mund nehmen (15:38:52). Er sei dann zum 

Höhepunkt gekommen und sie habe «das Zeug schlucken» müssen (15:39:15). Sie sei 

danach aufgestanden und habe ihr T-Shirt geholt (15:39:30). Er habe ihr nichts gemacht 

(15:41:27). 

- 25 - 

Der Angeklagte habe, laut zweiter Befragung, die Badezimmertüre abgeschlossen und 

das Licht ausgemacht (S. 209 A. 57 ff.). Er habe mit einem Schlüssel abgeschlossen, 

zumindest habe es sich so angehört. Sie habe das nicht gesehen (S. 209 A. 58 ff.). Der 

Berufungskläger habe das Licht gelöscht (S. 209 A. 65). Es sei anschliessend zum Oral-

verkehr gekommen (S. 209 A. 66). Die ganze Situation sei bizarr gewesen und sie habe 

quasi keine andere Möglichkeit gesehen, um da wieder herauszukommen (S. 209 A. 67). 

Die Türe sei abgeschlossen und es sei finster gewesen (S. 210 A. 68). Er sei grösser 

und breiter als sie gewesen und sei vor ihr gestanden. Das sei hinreichend einschüch-

ternd genug gewesen (S. 210 A. 68). Er habe die Türe abgeschlossen, die Hose herun-

tergelassen (S. 210 A. 72). Die Privatklägerin ist nicht im Stande zu erklären, wie sie 

realisiert habe, was er von ihr gewollt habe (S. 210 A. 72 ff.). Sie wisse, laut zweiter 

Befragung nicht mehr, ob sie vor dem Oralsex heruntergedrückt worden sei. Sie wisse 

nicht mehr, wie sie vom Stehen heruntergekommen sei. Sie glaube, er habe sie hinun-

tergedrückt (S. 211 A. 84). Sie glaube, er habe zu diesem Zeitpunkt nichts gesagt (S. 211 

A. 88). Die Hose sei offen gewesen, seit er auf dem Bett gelegen sei (S. 211 A. 89). Er 

habe ihr nicht gedroht, falls sie den Oralsex verweigert (S. 213 A. 112). Sie habe sich im 

Badezimmer überrumpelt gefühlt (S. 213 A. 113). Es sei vieles zu viel gewesen, weil das 

Licht ausgeschaltet worden sei, jemand den sie nicht kenne vor ihr gestanden sei und 

sie betrunken gewesen sei (S. 213 A. 114). Sie hätte es verdrängt, falls sie in dem Mo-

ment Angst verspürt hätte (S. 214 A. 116). Es habe Phasen gegeben, da sie nichts getan 

habe aber gegen Ende habe sie sein Glied in den Mund nehmen müssen (S. 214 A. 

117). Er habe in den Pausen selbst daran «rumgefummelt» (S. 214 A. 118). Der Be-

schuldigte habe die Türe aufgeschlossen, während sie ihr T-Shirt wieder angezogen 

habe (S. 214 A. 123). Sie habe wahrgenommen, als der Angeklagte im Badezimmer die 

Türe abgeschlossen und das Licht gelöscht habe (S. 216 A. 139). Sie habe sich über-

rumpelt und sehr unwohl gefühlt. Es sei zum Teil beängstigend gewesen (S. 216 A. 140 

f.). Er habe sie in der Toilette nicht verbal zu sexuellen Handlungen aufgefordert, son-

dern es ihr auf andere Weise zu verstehen gegeben. Sie wisse nicht wie (S. 216 A. 143). 

Sie habe den Beschuldigten «mit diesem Alkoholpegel» freiwillig geküsst 

(S. 217 A. 157). Sie habe im Badezimmer nie «Stopp» oder «Nein» gesagt (S. 218 A. 

162 i.V.m. A. 164). 

Die Betroffene gibt an, die Hose sei bereits offen gewesen, seit sie auf dem Bett gelegen 

sind. Dies wird von niemandem sonst bestätigt. Es ist aber auch möglich, dass dies den 

Anwesenden nicht aufgefallen ist, weil sie den Beschuldigten nur kurze Zeit von vorne 

gesehen haben, bevor er sich ins Badezimmer begeben hat. 

- 26 - 

Der Angeklagte hat im Badezimmer erwiesenermassen das Wasser angelassen, damit 

die in der Wohnung befindlichen Personen nicht hören, was in der Toilette vor sich geht. 

Er hat erkannt, dass die laufende Musik immer wieder unterbrochen werden kann und 

deswegen einen zusätzlichen Geräuschpegel verursacht, um allfällige Geräusche zu 

übertönen. Wer so weit denk, wird auch Willens und im Stande sein, die Badezimmertüre 

abzuschliessen. Letztere hat einen altertümlichen Schliessriegel enthalten, der von 

Hand verschoben wird. Die Türe muss somit nicht mit einem Schlüssel verschlossen 

werden (S. 184.7). Das Geräusch beim Abschliessen dürfte jedoch ähnlich sein, weshalb 

sich die Betroffene, welche den Vorgang nur akustisch wahrgenommen hat, durchaus 

über die Art der Schliessvorrichtung getäuscht haben könnte. Es stellt sich weiter die 

Frage, warum der Betroffene das Licht ausgeschaltet haben sollte. Die Badezimmertüre 

verfügt über ein grosses Fenster zum Wohnraum (S. 184.6). Der Umriss der darin be-

findlichen Personen könnte von draussen erkannt werden, selbst wenn das Glas eine 

Sichtschutzfolie enthält. Die Vorbereitung der Räumlichkeiten, d.h. das Abschliessen 

des Badezimmers, Ausschalten des Lichts und Aufdrehen des Wasserhahns werden 

von der Betroffenen glaubwürdig wiedergebeben, auch wenn sie teilweise vom Beschul-

digten bestritten sind. Das Gericht erachtet diese mithin als nachgewiesen. Hingegen 

wird es im Badezimmer aufgrund des Fensters auch nicht ganz dunkel gewesen sein. 

Die Privatklägerin gibt zu, im Badezimmer weder Stopp noch Nein gesagt zu haben. Sie 

gibt an, nicht sicher zu sein, ob sie vom Angeklagten auf die Knie heruntergedrückt wor-

den ist. Es ist in dubio pro reo davon auszugehen, dass dies nicht passiert ist, sondern 

dass der Berufungskläger der betrunkenen Jugendlichen zunächst konkludent signali-

siert hat, was er von ihr erwartet. Die Betroffene verneint die Frage, ob der Angeklagte 

ihr Nachteile angedroht habe, falls sie den Oralsex verweigert. Es wäre in dieser Situa-

tion für die Jugendliche ein Leichtes gewesen, eindringlichere nötigende Handlungen zu 

behaupten, wenn es ihr darum ginge, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten und ihr 

Verhalten zu rechtfertigen. Sie verzichtet darauf, was ihre Aussage insgesamt glaubwür-

dig macht. Die betrunkene Jugendliche wird, als sie die Situation im Badezimmer reali-

siert hat, tatsächlich überrumpelt gewesen sein.  

3.6.5  Der Beschuldigte beteuert, er habe die Privatklägerin zu nichts gezwungen. Sie 

habe ihm im Badezimmer die Hosen geöffnet, seinen Penis herausgenommen und an-

gefangen, «einen zu blasen». Der Oralsex sei ihm peinlich gewesen. Sie habe alles von 

alleine gemacht. Als er gekommen sei, habe sie das von alleine gemacht und das run-

tergeschluckt. Er habe ihr keine Anweisungen erteilt (S. 106 A. 5). Er gibt in der gleichen 

Einvernahme an, er habe seine Hosen geöffnet und sie habe dann weiter gemacht. Er 

- 27 - 

habe sich aufs Klo gesetzt und sie hat das dann gemacht. Er habe ihr keine Anweisun-

gen erteilt (S. 108 A. 20). Er habe den Wasserhahn aufgedreht, damit die Personen 

draussen nichts hören. Er habe die Türe nicht abgeschlossen (S. 108 A. 21) und die 

Betroffene nicht ausgezogen (S. 109 A. 26). Diese sei von Kopf bis Fuss bekleidet ge-

wesen (S. 109 A. 28) und das Licht im Badezimmer an (S. 109 A. 29). Er habe die Hosen 

geöffnet und die Betroffene die Unterhosen heruntergeschoben (S. 110 A. 40). Der Be-

schuldigte habe der Privatklägerin nicht das T-Shirt ausgezogen (S. 266 A. 17). Er habe 

sich auf die Kloschüssel gesetzt und sie habe ihm die Hosen und Unterhosen runterge-

zogen (S. 266 A. 18). Das Licht sei angewesen, sie habe – glaube er – den Wasserhahn 

geöffnet. Er wisse das nicht mehr genau. Der Beschuldigte bestätigt auf Nachfrage, die 

Betroffene habe den Wasserhahn betätigt (S. 266 A. 20). Er habe sie nicht aufgefordert, 

den Penis in den Mund zu nehmen, bevor er einen Samenerguss gehabt habe (S. 266 

A. 21). Er habe ihr gar nichts gesagt, sie habe alles selbst gemacht. Er sei einfach auf 

der Kloschüssel gesessen. Sie habe sich den Mund und das Gesicht gewaschen, als er 

fertig gewesen sei. Er sei rausgegangen (S. 267 A. 23). Der Beschuldigte behauptet vor 

Kantonsgericht, die Jugendliche habe im Badezimmer den Wasserhahn aufgedreht, ihm 

die Hosen geöffnet und heruntergezogen. Er habe sich auf die Toilette gesetzt und dann 

habe sie das gemacht. Das Licht sei angeblieben (S. 496 A. 15).  

Der Berufungskläger gibt an, er habe der Jugendlichen keine Weisungen erteilt, was für 

einen grossen Teil des Vorfalls unstrittig ist (wobei die Betroffene Erinnerungslücken be-

hauptet). Er ignoriert dabei jedoch, dass Handlungsanweisungen auch nonverbal erteilt 

werden können, indem er z.B. in diesem engen Raum die Türe schliesst, der Betroffenen 

das T-Shirt auszieht, das Licht löscht, ihr das T-Shirt auszieht und sich mit herunterge-

lassenen Hosen in die Nähe der Privatklägerin begibt. 

Die Aussagen des Angeklagten sind in Bezug auf den Sachverhalt, wer das Wasser 

aufgedreht oder die Hosen geöffnet hat, inkonstant. Das mag begründbar sein, weil der-

lei nicht zwingend subjektiv wesentlichen Sachverhalt darstellt. Seine Aussagen sind al-

lerdings auch insgesamt weniger differenziert und weniger vielschichtig als diejenigen 

der Privatklägerin. Auch dies macht ihn nicht glaubwürdig.  

Der Angeklagte behauptet, ihm sei der Beginn des Oralverkehrs peinlich gewesen, wo-

mit sich die Frage stellt, warum er die sexuelle Handlung nicht einfach abgebrochen hat. 

Solche Behauptungen, die ihn als eher passiven oder verführten Teil des Vorfalls im 

Badezimmer darstellen sollen, sind unglaubwürdig. 

- 28 - 

3.7  Verhalten nach dem Oralverkehr 

3.7.1  Die Mutter bestätigt, beim Kind habe am 2. März nach dem Nachhause kommen 

schlechte Luft geherrscht (S. 17 A. 2).  

3.7.2  C _________ gibt an, die Privatklägerin sei nach ca. 10 Minuten von der Toilette 

zurückgekehrt. Sie habe sich neben die Zeugin gesetzt und «wäh» oder «oh nein» ge-

sagt. Sie habe aber auf Nachfrage nicht reden wollen, auch nicht zu einem späteren 

Zeitpunkt am Abend (S. 71 A. 8). der Privatklägerin sei es nicht mehr gut gegangen, als 

sie von der Toilette zurückgekehrt sei. Sie habe sich die Hände vors Gesicht gehalten, 

als würde sie weinen. Sie sei vorher freudig gewesen und habe gelacht (S. 72 A. 16). 

Die Zeugin bestätigt vor der Staatsanwaltschaft, die Betroffene sei als erste aus dem 

Badezimmer hervorgekommen und habe sich zu ihnen gesetzt (S. 259 A. 23 f.). Sie sei 

fast weinend herausgekommen, man habe ihr angesehen, dass etwas nicht in Ordnung 

sei, obwohl sie dies auf Nachfrage verneint habe (S. 259 A. 25 f.). 

3.7.3  B _________ habe gegen 20:30 Uhr gemeinsam mit F _________ und der Privat-

klägerin diskutiert. Letztere sei ausgeflippt und ihm gesagt, er wisse doch nichts und 

solle schweigen. Sie habe zu weinen begonnen. Die Betroffene habe erzählt, der Ange-

klagte habe mit ihr Sex haben wollen, was sie verweigert habe. Er habe sie anschlies-

send zu Oralsex gezwungen. Seine Kollegin habe geweint und sei vom Zeugen und 

F _________ in den Arm genommen worden (S. 84 A. 10). Die Betroffene sei vor dem 

Vorfall gut drauf gewesen und danach depressiv und traurig (S.85 A. 14). 

3.7.4  Die Privatklägerin habe laut D _________ bei ihrer Rückkehr aus der Toilette ein 

trauriges Gesicht gemacht, vorher sei alles tip top und lustig gewesen. Er habe sie ge-

fragt, warum sie ein trauriges Gesicht mache. Sie habe geantwortet, dies sei egal (S. 95 

A. 8 und S. 94 A. 12). Er habe später vom Kollegen erfahren, dass der Angeklagte die 

Betroffene zu Oralsex gezwungen habe, weshalb sie so schlecht drauf gewesen sei. 

Dies habe ihm auch die Privatklägerin ein oder zwei Tage telefonisch bestätigt. Er habe 

sich mit dieser im April in den Garten des Stockalperschlosses begeben, worauf sie dem 

Beschuldigten und dessen Kollegen begegnet seien. Die Betroffene habe Angst bekom-

men und zu zittern begonnen (S. 97 A. 28).  

3.7.5  A _________ ist nach seinem Spitalaufenthalt zur Wohnung der Betroffenen zu-

rückgekehrt und hat diese sehr aufgelöst und heulend angetroffen. Er habe erfolglos 

versucht, sie zu trösten (S. 283 A. 37). 

- 29 - 

3.7.6  Die Privatklägerin habe, laut eigener Aussage, nach dem Oralsex ihr T-Shirt ge-

nommen, sei aus dem Badezimmer herausgegangen. Sie wisse nicht mehr, wo der An-

geklagte gewesen sei (15:40:12).  

3.7.7  Der Berufungskläger und die Jugendliche seien, laut Angeklagtem, gemeinsam 

aus dem Bad herausgetreten und hätten sich auf das Bett setzen wollen, als der Anruf 

mit dem betrunkenen Deutschen gekommen sei. Die Betroffene sei deswegen traurig 

gewesen (S. 108 A. 22). 

3.7.8  Die Beschuldigte hat gemäss Drittpersonen unmittelbar nach den sexuellen Hand-

lungen ihren Ekel glaubhaft verdeutlicht. Es stellt sich die Frage, was dessen Ursache 

gewesen ist.  

Es ist davon auszugehen, dass die aus oben beschriebenen Gründen überforderte Ju-

gendliche nach dem Oralsex die Tragweite des Vorgefallenen und insbesondere das 

Sperma in ihrem Mund realisiert und deswegen entsprechend reagiert hat. Dies beweist 

wiederum, dass sie die sexuellen Handlungen im Badezimmer mitnichten akzeptiert hat, 

sondern aufgrund der Umstände nicht im Stande gewesen ist, sich dagegen zu wehren. 

3.8  Zusammenfassung 

Die Aussagen der Privatklägerin sind im oben erwähnten Sinne glaubwürdig und werden 

durch Beobachtungen von Drittpersonen bestärkt. Die Betroffene belastet den Beschul-

digten nicht, um die sexuellen Handlungen nachträglich zu rechtfertigen bzw. ihre eigene 

freiwillige Beteiligung daran zu kaschieren. Gleiches gilt für glaubhaft gemachte, alko-

holbedingte Erinnerungslücken. Die teilweise inkonsistenten Darlegungen des Ange-

klagten vermögen keine Zweifel an der Variante der Betroffenen zu erwecken. Die Null-

hypothese lässt sich nicht mehr aufrechterhalten.  

Bemerkenswert bleiben die Erinnerungslücken. Die Betroffene weiss nicht, wie sie ins 

Badezimmer gelangt ist und der Angeklagte hat sie sicher nicht mit Gewalt dorthin be-

fördert. Es fehlen ausserdem hinreichende Beweise, dass der Beschuldigte die Be-

troffene dort zunächst nach unten gedrückt hat, damit sie dort sexuelle Handlungen an 

ihm vollzieht. Es lässt sich jedoch festhalten, dass die Betroffene derlei eigentlich nicht 

gewollt hat. Das Gericht geht somit davon aus, die betrunkene Jugendliche sei aufgrund 

der oben genannten Umstände, insbesondere ihrer Alkoholisierung, nicht mehr im 

Stande gewesen, sich zu wehren und habe deswegen nicht mit physischer Gewalt zu 

den Handlungen veranlasst werden müssen. Der Angeklagte hat ihr vielmehr zunächst 

- 30 - 

verbal und dann konkludent aufgezeigt, was er von ihr wünscht, wobei sie dies letztlich 

widerspruchslos ausgeführt hat, ohne damit einverstanden zu sein. 

4.  Sexuelle Nötigung und Schändung 

4.1 

4.1.1  Wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexu-

ellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psy-

chischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, begeht eine sexuelle Nöti-

gung gemäss Art. 189 StGB. Derjenige, der unter den genannten Umständen eine Per-

son weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, macht sich nach Art. 190 

StGB der Vergewaltigung schuldig. Diese Strafnormen bezwecken den Schutz der se-

xuellen Selbstbestimmung.  

Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers meint eine tatkräftige 

und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klarge-

macht wird, mit sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein (Bundesgerichtsurteil 

6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2 mit Hinweisen). Eine gültige Einwilligung 

kann aus fehlendem verbalen oder physischen Widerstand und selbst aus Äusserungen 

wie „De mach halt!“ oder der Bitte um die Verwendung eines Kondoms nicht abgeleitet 

werden, wenn aufgrund der gesamten Begleitumstände ersichtlich wird, dass diese ver-

bale Zustimmung durch ein Nötigungsmittel erzwungen worden ist (Scheidegger, Das 

Sexualstrafrecht der Schweiz, Grundlagen und Reformbedarf, 2018, S. 35 mit Hinwei-

sen). 

Der Täter muss das Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu bringen, die sexuelle 

Handlung zu erdulden oder zu erbringen (BGE 131 IV 167 E. 3). Eine tatbestandsmäs-

sige Gewaltanwendung im Sinne von Art. 189 und Art. 190 StGB kann auch dann gege-

ben sein, wenn das Opfer seinen Widerstand aufgrund der Ausweglosigkeit resp. aus 

Angst vor einer weiteren Eskalation der Situation irgendwann aufgibt (Bundesgerichts-

urteil 6B_298/2020 vom 24. Juni 2021 E. 5.5.3 mit Hinweisen). Die Dominanz muss nicht 

notwendigerweise mit der Furcht des Opfers vor körperlicher Gewalt verknüpft sein. Das 

Opfer kann auch aus Angst vor der Unnachgiebigkeit oder Strenge des Täters, den Ver-

lust seiner Zuneigung oder derjenigen anderer Bezugspersonen in einen lähmenden Ge-

wissenskonflikt geraten. Der Täter kann das Opfer psychisch und physisch so erschöp-

fen, dass es sich dem ungewollten Sexualakt nicht mehr widersetzt (Bundesgerichtsur-

teil 6B_983/2008 vom 3. Februar 2009 E. 3.2). Die Tatbestandsvariante des „Unter-psy-

chischen-Druck-Setzens“ stellt klar, dass sich die erforderliche „Ausweglosigkeit der Si-

tuation“ nicht bloss aufgrund der Anwendung von Gewalt durch den Täter ergeben kann. 

- 31 - 

Es kann vielmehr genügen, dass dem Opfer eine Widersetzung unter solchen Umstän-

den aus anderen Gründen nicht zuzumuten ist. Die Bedrängnisse müssen eine Qualität 

erreichen, die sie in ihrer Gesamtheit als instrumentalisierte, sogenannte strukturelle Ge-

walt erscheinen lassen (BGE 131 IV 107 E. 2.2 mit Hinweis). Die instrumentalisierte 

strukturelle Gewalt stellt auf die tatsächlichen Verhältnisse der Beziehung zwischen Tä-

ter und Opfer ab (Göhlich, in: AJP 2020 S. 1219). Der Begriff „Instrumentalisierung struk-

tureller Gewalt“ darf nicht als Ausnützung vorbestehender gesellschaftlicher oder priva-

ter Machtverhältnisse missverstanden werden. Es muss für die Erfüllung des Tatbe-

stands durch den Täter eine „tatsituative Zwangssituation“ nachgewiesen sein (BGE 133 

IV 49 E. 4). Das Bundesgericht will durch das Kriterium der tatsituativen Zwangssituation 

sicherstellen, dass die strukturell geschaffene Gewalt in der konkreten Situation genutzt 

wird und damit die Anforderungen an ein Nötigungsmittel erfüllt werden (Göhlich, 

a.a.O., S. 1219). Die Zwangssituation muss im Moment der Tathandlung bestehen oder 

fortwirken (Bommer, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum materiellen Straf-

recht im Jahr 2020, ZBJV 157/2021 S. 555).  

Die Nötigungstatbestände sind grundsätzlich auf Erwachsene zugeschnitten. Diesen ist 

eine stärkere Gegenwehr zuzumuten als Kindern (BGE 128 IV 106 E. 3a/bb; 122 IV 97 

E. 2b). Ein psychischer Druck kommt bei Erwachsenen daher nur bei ungewöhnlich gros-

ser kognitiver Unterlegenheit oder emotionaler wie sozialer Abhängigkeit in Betracht 

(BGE 128 IV 106 E. 3a/bb). Je jünger das Opfer ist, desto geringer sind die Anforderun-

gen an die Intensität des erforderlichen psychischen Drucks (Bundesgerichtsurteile 

6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 3.3.3; 6B_216/2017 vom 11. Juli 2017 E. 1.4.1). Das 

Gericht hat dabei der Lage der Betroffenen besondere Rechnung zu tragen. Damit wird 

berücksichtigt, dass eine sexuelle Nötigung umso wirksamer ist, je empfindlicher, wehr- 

und hilfloser insbesondere abhängige, verletzliche oder traumatisierte Opfer einem sol-

chen Angriff ausgesetzt sind (BGE 131 IV 107 E. 2.4). Das Gericht hat aufgrund einer 

individualisierten Betrachtung der konkreten Umstände zu prüfen, ob die tatsächlichen 

Verhältnisse die Anforderungen eines Nötigungsmittels erfüllen (BGE 128 IV 97 

E. 2b/aa; Bundesgerichtsurteil 6B_883/2014 vom 23. Juni 2015 E. 3.3). Eine Vielzahl für 

sich allein genommen erträglicher Handlungen kann durch Wiederholung untragbar wer-

den, z.B. tagelanges Schweigen, das gezielte Zerstören von Gegenständen mit Affekti-

onswert oder das provokative Sichbetrinken (BGE 126 IV 124 E. 1a; Trechsel/Bertossa, 

in: Trechsel Stefan/Pieth Mark [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskom-

mentar, 3. A., 2018, N. 6 zu Art. 189 StGB). Kein ausreichender Druck oder Zwang im 

Sinne von Art. 189 f. StGB liegt hingegen vor, wenn ein Mann seiner Frau androht, nicht 

mehr mit ihr zu sprechen, alleine in die Ferien zu fahren oder fremdzugehen, falls sie die 

- 32 - 

verlangten sexuellen Handlungen verweigert (Bundesgerichtsurteil 6B_1149/2014 vom 

16. Juli 2015 E. 5.1.3; BGE 131 IV 167 E. 3.1 mit Hinweis). 

Die Tatbestände der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung sind nur erfüllt, wenn 

der Täter vorsätzlich handelt, wobei Eventualvorsatz genügt. Der Beschuldigte muss 

wissen oder zumindest in Kauf nehmen, dass das Opfer mit dem Beischlaf bzw. den 

sexuellen Handlungen nicht einverstanden ist (Bundesgerichtsurteil 6B_1149/2014 vom 

16. Juli 2015 E. 5.1.4). 

4.1.2  Derjenige, der eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes 

u.a. zu einer sexuellen Handlung missbraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jah-

ren oder Geldstrafe bestraft (Art. 191 StGB).  

Widerstandsunfähigkeit liegt vor, wenn die betroffene Person nicht im Stande ist, sich 

gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Die Norm schützt somit Personen, die 

einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum Widerstand gegen sexuelle Übergriffe nicht 

oder nicht sinnvoll bilden, äussern oder betätigen können. Es genügt, wenn das Opfer 

nur vorübergehend zum Widerstand unfähig ist. Die Gründe für die Widerstandsunfähig-

keit können auch in einer Summierung von Schläfrigkeit oder Alkoholisierung liegen. Die 

Widerstandsfähigkeit muss jedoch gänzlich aufgehoben und nicht nur in irgendeinem 

Grad beeinträchtigt oder eingeschränkt sein. Die blosse alkoholbedingte Herabsetzung 

der persönlichen Hemmschwelle ergibt noch keine Widerstandsunfähigkeit (Bundesge-

richtsurteile 6B_543/2019 vom 17. Januar 2020 E. 3.1.2; 6B_453/2007 vom 19. Februar 

2008 E. 3.1). Missbrauch liegt vor, wenn der Täter die Schutzlosigkeit des Opfers aus-

nützt (BGE 133 IV 49 E. 7.2 mit Hinweisen). 

Der Beschuldigte muss zumindest eventualvorsätzlich handeln (Bundesgerichtsurteile 

6B_586/2019 vom 3. Juli 2019 E. 1.4.1; 6B_232/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 2.2 

mit Hinweisen). Wer es zumindest ernsthaft für möglich hält, dass das Opfer aufgrund 

seines physischen oder psychischen Zustands nicht in der Lage ist, sich gegen das se-

xuelle Ansinnen zu wehren, und trotzdem sexuelle Handlungen vornimmt, handelt vor-

sätzlich (Bundesgerichtsurteil 6B_316/2012 vom 1. November 2021 E. 3.1 mit Hinweis). 

4.2 

4.2.1  Die betroffene Jugendliche hat u.a. eine erhebliche Menge Wodka getrunken. Sie 

ist zum Tatzeitpunkt stark betrunken gewesen und vermag sich nicht mehr vollständig 

an den Vorfall zurückzuerinnern. 

Der Angeklagte selbst ist zum Tatzeitpunkt angetrunken, aber nicht ernstlich betrunken 

gewesen. Er hat das Alter der Privatklägerin gekannt, ihr in einer Gaststätte zwei Bier 

- 33 - 

bestellt und den Teil eines Dritten überlassen. Er hat deren stark alkoholisierten Zustand 

realisiert. 

Die Betroffene hat sich anschliessend in der Wohnung des ihr bis zu diesem Tag unbe-

kannten Beschuldigten befunden, welche sie vorher noch nie gesehen hatte. Sie ist frei-

lich mit Kollegen dort anwesend gewesen, welche jedoch allesamt deutlich jünger als 

der Angeklagte waren. Der Beschuldigte ist zwar eher klein, verfügt aber über eine brei-

tere Statur (vgl. S. 495 A. 6 i.V.m. S. 184.4). Das erzeugt bei 15 Jahre alten Jugendlichen 

einen gewissen Druck. Die Gäste haben sich teilweise untereinander wenig gekannt. 

Der Beschuldigte hat ausserdem zwei Anwesende, u.a. A _________, welcher ebenso 

Interesse an der Privatklägerin bekundet hat, zum Bierkaufen weggeschickt. Die verblei-

benden Drittpersonen haben selbst miteinander geschmust, waren also abgelenkt. Dies 

vermag die Passivität aller Jugendlichen, die mehr oder minder selbst betrunken gewe-

sen sind, zu begründen. 

Der Berufungskläger hat die Privatklägerin auf dem Bett intensiv geküsst, er hat sie um-

armt und über der Kleidung am Hintern berührt. Sie hat ihn auf seine Familie und ihr 

jugendliches Alter hingewiesen, worauf er ihr verheimlicht hat, dass er eine neue Leben-

spartnerin hat. Er hat sie drei Mal um sexuelle Handlungen gefragt, wobei sie jeweils 

abgelehnt hat. Er hat die Jugendliche unter dem T-Shirt an der Brust berührt, seine Ho-

sen geöffnet und ihre Hand an sein Glied geführt. Der Angeklagte hat die Jugendliche 

folglich weiter bedrängt, obwohl sie ihm bereits drei Mal zu verstehen gegeben hatte, 

keinen Geschlechtsverkehr oder Oralsex praktizieren zu wollen.  

Die Jugendliche vermag sich nicht lückenlos daran zu erinnern, was bis zum Eintritt ins 

Badezimmer Ausschlaggebendes passiert ist. Es hat für Drittpersonen so ausgesehen, 

als wäre sie dem Berufungskläger freiwillig ins Badezimmer gefolgt. Die Betroffene ver-

mag sich an diesen Teil des Vorfalls jedoch nicht mehr zurückzuerinnern und zwar we-

gen ihres, glaubwürdig vorgetragenen betrunkenen Zustands. 

Der deutlich ältere Angeklagte hat die Jugendliche erst kurz vorher kennen gelernt und 

weiss, dass ein Anwesender zum Tatzeitpunkt Interesse an der jungen Frau bekundet. 

Er hat das jugendliche Alter und den stark alkoholisierten Zustand der Betroffenen er-

kannt. Er hat vorgängig drei Mal zu hören bekommen, sie wolle keine sexuellen Hand-

lungen mit ihm vollziehen und sie trotzdem weiter bedrängt. Die Jugendliche ist ihm 

schliesslich ins Badezimmer gefolgt. Sie hat sich dort, gemäss Akten, nicht ausdrücklich 

gegen den Oralsex gewehrt, zumindest wäre derlei nicht nachgewiesen. Der Angeklagte 

- 34 - 

muss aber trotzdem, aufgrund des bisher Vorgefallenen damit rechnen, dass die Ju-

gendliche ihm nur deswegen ins Badezimmer folgt und dort Oralsex mit ihm vollzieht, 

weil sie zu betrunken ist, um sich weiter gegen sein Nachsetzen zu wehren.  

Der Berufungskläger hat in der Toilette die Türe abgeschlossen, den Wasserhahn auf-

gedreht und den Raum abgedunkelt, damit Drittpersonen vom Vorgang möglichst wenig 

mitbekommen. Dies beweist zusätzlich, dass er nicht stark betrunken gewesen und in 

keiner Art und Wiese überrumpelt worden ist. Er hat anschliessend der Betroffenen das 

T-Shirt aus- und sich die Hosen heruntergezogen. Die Betroffene wird spätestens in die-

sem Augenblick realisiert haben, was von ihr in der Toilette erwartet wird. Sie hat sich in 

diesem luziden Intervall überrumpelt gefühlt und nicht hinknien wollen, vermag sich dann 

aber nicht zu erinnern, wie der erste Oralsex beginnt.  

Die Privatklägerin hat mit dem Angeklagten im Badezimmer Oralsex praktiziert, indem 

sie kniend zwei Mal sein Glied im Mund hatte. Er hat beim zweiten Mal ejakuliert. Sie hat 

diese sexuellen Handlungen eigentlich nicht ausführen wollen und dies vor und nach 

dem Akt deutlich aufgezeigt. Sie vermag aber nicht mit hinreichender Klarheit darzule-

gen, wie es zum Oralverkehr gekommen ist. Sie ist beim zweiten Mal aufgefordert wor-

den, das Glied wieder in den Mund zu nehmen.  

Das Gericht vermag aufgrund der Erinnerungslücken nicht nachzuvollziehen, was für 

eine Aktivität des Beschuldigten ausschlaggebend gewesen ist, damit die Privatklägerin 

dem Angeklagten Richtung Badezimmer folgt und mit ihm dort widerspruchslos Oralsex 

praktiziert. Dies bedeutet hingegen nicht, sie sei ihm mit dem Wissen und Willen dorthin 

gefolgt, sexuelle Handlungen zu vollziehen. Die Jugendliche hat nämlich zuvor und da-

nach ihren Unwillen dazu glaubwürdig bekundet. Es ist vielmehr, in dubio pro reo, davon 

auszugehen, dass zwar keine hinreichend nötigende Handlung des Angeklagten die 

Teilnahme an sexuellen Handlungen im Badezimmer bewirkt hat, die Jugendliche aber 

aufgrund der oben beschriebenen Umstände nicht mehr fähig gewesen ist, sich weiter 

gegen das Nachsetzen des Berufungsklägers zu wehren. 

Der Berufungskläger hat aufgrund der wiederholten Ablehnung und des ihm bekannten 

Zustands der Jugendlichen damit rechnen müssen, die Betroffene sei mit sexuellen 

Handlungen eigentlich nicht einverstanden und namentlich aufgrund des stark alkoholi-

sierten Zustands nicht mehr im Stande, sich gegen sexuelle Handlungen zu wehren. 

Die objektiven und subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen der Schändung sind vor-

liegend erfüllt. 

- 35 - 

4.2.2  Es erfolgt kein Freispruch, wenn das Gericht den Anklagesachverhalt lediglich 

rechtlich anders als die Anklagebehörde würdigt und ihn vollständig behandelt. Dies gilt 

auch bei Eventual- und Alternativanklagen, die zu keiner Verurteilung führen (BGE 142 

IV 378 E. 1.3). Die erstinstanzlich anders qualifizierte Verurteilung des gleichen Sach-

verhalts rechtfertigt somit keinen Freispruch, weil der Sachverhalt neu als Schändung, 

die auch angeklagt gewesen ist, beurteilt wird. 

5.  Sanktion und Strafzumessung  

5.1  Das Kantonsgericht kann in Bezug auf die Strafzumessung primär auf die richtigen 

theoretischen Ausführungen der Vorinstanz verweisen (S. 414 ff. E. 4.1 ff.). Diese sind 

zu Recht nicht hinreichend begründet in Frage gestellt worden, analoges gilt für die Straf-

art. 

5.2  Eingangs sind die Beanstandungen des Angeklagten zur Strafzumessung zu prüfen. 

5.2.1  Die sexuelle Nötigung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis 10 

Jahren bedroht (Art. 189 Abs. 1 StGB). Analoges gilt für die Schändung (Art. 191 Abs. 1 

StGB). Eine Reduktion der Sanktion wegen der Änderung des Schuldspruchs rechtfertigt 

sich alleine wegen der neuen Qualifikation der Straftat nicht.  

5.2.2  Der Beschuldigte weist auf Art. 48 lit. b StGB, wonach die Strafe zu reduzieren 

sei, wenn der Täter durch das Verhalten der verletzten Person ernsthaft in Versuchung 

geführt worden sei. Das Verhalten des Opfers müsste, damit dieser Milderungsgrund 

berücksichtigt wird, so provozierend sein, dass selbst ein verantwortungsbewusster 

Mensch in der Situation des Täters Mühe gehabt hätte zu widerstehen (BGE 102 IV 273 

E. 2c; Urteil des Bundesgerichts 6B_31/2011 vom 27. April 2011 E. 3.4.3). Eine verant-

wortungsbewusste Person hätte der wodkatrinkenden Jugendlichen keine alkoholischen 

Getränke in einem Restaurant spendiert, sich nicht mit ihr auf das Bett gelegt und sie 

dort geküsst, sie nicht über die familiäre Beziehung belogen, nicht die 15-jährige Frau zu 

sexuellen Handlungen gedrängt und schon gar nicht nachgesetzt, nachdem sie dies wie-

derholt verweigert hat. Das Opfer hat sich mitnichten provozierend verhalten, eine Straf-

milderung fällt aus diesem Grunde nicht in Betracht. 

5.2.3  Der Beschuldigte macht weiter geltend, er habe im Strafprozess kooperiert, was 

die Vorinstanz nicht strafmindernd beachtet habe. Sein Aussageverhalt ist jedoch wider-

sprüchlich. Er versucht, der Betroffenen die Initiative für die sexuellen Handlungen im 

Badezimmer zuzuweisen. Es haben sich ausserdem mehrere Personen im Raum auf-

- 36 - 

gehalten, die zumindest einen Teil des Geschehens beobachtet haben, weshalb die Be-

weislage von Beginn des Verfahrens an erdrückend gewesen ist. Das Teilgeständnis 

kann so nicht strafmindernd beachtet werden, weil es keine Einsicht und Reue ausdrückt 

(vgl. Mathys, Leitfaden Strafzumessung, 2. A., 2019, N. 363). Eine Kooperation, die über 

das Geständnis hinausgeht und somit ebenso strafmindernd beachtet werden müsste 

(Mathys, a.a.O., N. 365), liegt nicht vor. 

5.3  Das Kantonsgericht hat in einem zweiten Schritt die Einsatzstrafe für die Schändung 

zu bilden. 

5.3.1  Der oben beschriebene Oralverkehr stellt im Spektrum möglicher sexueller Hand-

lungen einen mittelschweren Verstoss dar. Die Betroffene hat rund fünf Minuten im Ba-

dezimmer verbringen müssen, womit kürzere und längere Handlungen möglich sind, die 

unter Art. 191 StGB subsumiert werden können. Die Vorinstanz hat den Altersunter-

schied, die körperliche Überlegenheit das Angeklagten und die Unerfahrenheit der Ju-

gendlichen zu Recht erschwerend bei der objektiven Tatschwere mitberücksichtigt. Das 

Opfer hat keine physischen Schäden davongetragen, ist aber psychologisch behandelt 

worden, wobei kurzfristig sogar eine stationäre Einlieferung wegen suizidaler Gefähr-

dung in Erwägung gezogen worden ist. Die objektive Tatkomponente wiegt mittelschwer.  

Das Gericht hat bei der subjektiven Tatkomponente die relative Skrupel- und Rücksichts-

losigkeit und den Egoismus des Beschuldigten mitzubeachten, zumal es dem Täter egal 

gewesen ist, was mit dem Opfer passiert und wie sich dieses fühlt. Die Jugendliche hat 

ihn auf dem Bett an seine Familie erinnert, was ihn ebensowenig interessiert hat. Der 

Beschuldigte hat zumindest damit rechnen müssen, die Betroffene sei mit sexuellen 

Handlungen nicht einverstanden und namentlich aufgrund des stark alkoholisierten Zu-

stands nicht mehr im Stande, sich gegen sexuelle Handlungen zu wehren. Die subjektive 

Tatkomponente erlaubt keine Reduktion des Verschuldens. 

Die vorinstanzlichen Ausführungen zur Täterkomponente (S. 416 E. 4.2.4), welche sich 

neutral auswirkt, können bestätigt werden. Die Vorinstanz hat die Einsatzstrafe auf 12 

Monate fixiert. Dies ist auch für die im Berufungsverfahren festgestellte Schändung (statt 

sexuelle Nötigung, beide haben einen Strafrahmen bis 10 Jahre) nicht zu hoch ange-

setzt. 

5.3.2  Die vorinstanzlichen Ausführungen zu den sexuellen Handlungen mit einem Kind 

können vollumfänglich übernommen werden. Ein Teil der Handlungen bildet gleichzeitig 

den Schändungssachverhalt, es besteht teilweise Idealkonkurrenz. Ein anderer Teil der 

- 37 - 

Handlungen, diejenigen auf dem Bett, fällt separat unter Art. 187 Abs. 1 StGB. Der Be-

schuldigte führt zu Recht an, ein solches Delikt könnte auch mit noch weit jüngeren Kin-

dern ausgeführt werden, was sich auf die objektive Tatschwere auswirkt. Es kann in 

Anbetracht der subjektiven Tatkomponente und der Täterkomponente auf obige Ausfüh-

rungen verwiesen werden. Die vorinstanzliche Erhöhung der Einsatzstrafe um 6 Monate 

(der Strafrahmen liegt gemäss Art. 187 Abs. 1 StGB bei maximal fünf Jahren), ist mit-

nichten zu hoch. 

5.3.3  Die Gesamtstrafe von 18 Monaten (vgl. S. 416 E. 4.2.5) ist nicht zu hoch angesetzt. 

Die Anrechnung der Untersuchungshaft vom 28. März 2019 bis 26. April 2019 (Art. 51 

StGB; S. 416 E. 4.2.5), der bedingte Vollzug und die zweijährige Probezeit (S. 417 

E. 4.3) sind nicht zu beanstanden und könnten aufgrund des Verschlechterungsverbots 

ohnehin nicht zulasten des Verurteilten angepasst werden. 

5.4  Der Beschuldigte hat sich am 30. März 2021 Fr. 500.-- von einem Bankomaten 

angeeignet, die ein Kunde dort vergessen hatte. Er ist deswegen gemäss Strafbefehl 

vom 21. Mai 2021 rechtskräftig zu einer bedingten Geldstrafe zu 30 Tagessätzen verur-

teilt worden (S. 518 ff.; SAO 21 522). Es liegt freilich retrospektive Konkurrenz vor (vgl. 

Art. 49 Abs. 2 StGB), allerdings sind die Sanktionen gemäss Strafbefehl und diesem 

Urteil aufgrund ihrer Verschiedenheit kumulativ zu verhängen. Die im Jahr 2021 ausge-

sprochene Geldstrafe hat deswegen keinen Einfluss auf die vorliegende Sanktion. Die 

hier behandelten Straftaten sind vor der gemäss Strafbefehl vom 21. Mai 2021 fixierten 

Probezeit begangen worden. Die bedingt ausgesprochene Geldstrafe kann demnach 

nicht vollstreckt, die Probezeit nicht verlängert und es kann auch keine Verwarnung aus-

gesprochen werden (Art. 46 Abs. 2 StGB e contrario). Dies wird im Judikatum ausdrück-

lich festgehalten.  

6.  Landesverweis 

6.1 

6.1.1  Das Gericht hat gemäss Ausführungsgesetzgebung zu Art. 121 Abs. 3 - 6 BV den 

Ausländer, der zu einer Katalogtat verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe 

obligatorisch für 5 - 15 Jahre des Landes zu verweisen (Art. 66a Abs. 1 StGB). Die Lan-

desverweisung wegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB greift grund-

sätzlich unabhängig von der konkreten Tatschwere (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 

332 E. 3.1.3). Sie muss entsprechend den allgemeinen Regeln des StGB zudem grund-

sätzlich bei sämtlichen Täterschafts- und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon 

ausgesprochen werden, ob es beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, 

- 38 - 

unbedingt oder teilbedingt ausfällt (Bundesgerichtsurteil 6B_166/2021 vom 08. Septem-

ber 2021 E. 3.3.1).  

Die Gerichte haben bei der strafrechtlichen Landesverweisung neben der Verfassung, 

das Bundesgesetz (Art. 66a ff. StGB) und die staatsvertraglich