# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 90649c93-2a26-5af5-a8fd-421306b39a12
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.02.2024 E-1114/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1114-2024_2024-02-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1114/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis,  

Richter Lorenz Noli,    

Gerichtsschreiberin Karin Parpan. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), 

Kamerun,   

vertreten durch Karine Povlakic,  

(…),   

Gesuchstellerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Wiederherstellung der Beschwerdefrist nach Asylverfahren; 

Verfügung des SEM vom 17. November 2023. 

 

 

 

E-1114/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Verfügung vom 17. November 2023 lehnte das SEM das Asylgesuch 

der Gesuchstellerin vom 8. Juni 2023 ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz sowie den Vollzug an. 

B.  

Diese Verfügung wurde vom SEM am 17. November 2023 mittels ein- 

geschriebener Sendung mit Rückschein an die Gesuchstellerin versandt. 

Gemäss der Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post wurde diese 

Einschreibesendung am 28. November 2023 mit dem Vermerk "nicht ab-

geholt" an die Vorinstanz retourniert. 

C.  

Am 29. Januar 2024 informierte das SEM die kantonale Migrationsbehörde 

über die am 30. Dezember 2023 eingetretene Rechtskraft des Nichteintre-

tensentscheids (recte: Asylentscheids). 

D.  

Mit Eingabe vom 21. Februar 2024 liess die Gesuchstellerin Beschwerde 

beim Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragen, die Frist zur Ein-

reichung der Beschwerde an das Gericht sei wiederherzustellen, auf die 

Beschwerde sei einzutreten und die angefochtene Verfügung sei aufzuhe-

ben, soweit darin der Wegweisungsvollzug angeordnet worden sei.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und um Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-

beiständin. 

E.  

Am 23. Februar 2024 ordnete der Instruktionsrichter gestützt auf Art. 56 

VwVG einen superprovisorischen Vollzugsstopp an.  

 

  

E-1114/2024 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss Art. 31 in Verbindung mit 

Art. 33 VGG für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügung des 

SEM nach Art. 5 VwVG zuständig. Diese Zuständigkeit umfasst auch die 

Beurteilung von Gesuchen um Wiederherstellung von Fristen im Sinn von 

Art. 24 Abs. 1 VwVG, welche im Zusammenhang mit solchen Beschwer-

den stehen. 

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel in der Beset-

zung mit drei Richterinnen oder Richtern (Art. 21 Abs. 1 VGG). Da Frist-

wiederherstellungsgesuche im Sinn von Art. 24 VwVG nicht unter die in 

Art. 111 AsylG auf dem Gebiet des Asylrechts dem Einzelrichter respektive 

der Einzelrichterin vorbehaltenen Zuständigkeiten fallen, gilt diese Regel 

auch bezüglich dieser Verfahren. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Ist eine gesuchstellende Person oder ihre Rechtsvertretung unverschulde-

terweise abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wie-

derhergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach 

Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshand-

lung nachholt (vgl. Art. 24 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Die Beschwerdefrist gegen die Verfügung des SEM vom 17. November 

2023 ist am 30. Dezember 2023 ungenutzt abgelaufen. Die Gesuchstelle-

rin hat am 21. Februar 2024 um Wiederherstellung der Beschwerdefrist er-

sucht und die versäumte Rechtshandlung nachgeholt. Sie verweist darauf, 

erst nach Erhalt eines Schreibens der Bevölkerungsdienste des Kantons 

B._______ vom 6. Februar 2024 vom ablehnenden Asylentscheid erfahren 

zu haben. Das Wiederherstellungsgesuch wurde demnach fristgerecht im 

Sinn von Art. 24 Abs. 1 VwVG eingereicht, weshalb auf das – auch form-

gerecht eingereichte – Gesuch einzutreten ist.  

  

E-1114/2024 

Seite 4 

4.  

4.1 Nach Art. 24 Abs. 1 VwVG wird die Frist wiederhergestellt, wenn die 

Gesuchstellenden oder ihr Vertreter oder Vertreterin unverschuldeterweise 

davon abgehalten wurden, binnen Frist zu handeln.  

4.2 Eine Fristwiederherstellung bezweckt die Beseitigung von Rechtsnach-

teilen wegen unverschuldeter Fristversäumnis (vgl. PATRICIA EGLI, in: 

Waldmann/Krauskopf [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 3. Aufl., 2023, N 1 

zu Art. 24; STEFAN VOGEL in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar 

zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2019, N 1 zu 

Art. 24 VwVG). Nach Lehre und Rechtsprechung zu Art. 24 Abs. 1 VwVG 

gilt ein Fristversäumnis nur dann als unverschuldet, wenn objektive Gründe 

vorliegen und der säumigen Partei beziehungsweise ihrer Vertretung keine 

Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann, sondern das Versäumnis auf 

eine erhebliche Behinderung wie etwa durch das fehlerhafte Verhalten ei-

ner Behörde zurückzuführen ist (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MAR-

TIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 

Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 587; EGLI, a.a.O., N 12 zu Art. 24; BGE 

112 V 255 und 108 V 109). 

4.3 Die Gesuchstellerin führte in ihrer Eingabe vom 21. Februar 2024 im 

Wesentlichen aus, für ihren Asylentscheid keine postalische Abholungs-

einladung erhalten zu haben. Sie habe sich zuverlässig um ihre Post ge-

kümmert und im Monat nach ihrer Ankunft in der kantonalen Unterbringung 

andere Postsendungen erhalten. Allfällige Probleme bei der Adressierung 

oder Verteilung durch die zugewiesene Unterkunft – welche vom Kanton 

betrieben werde und die sie sich nicht ausgesucht habe – könnten ihr nicht 

angelastet werden. Mit Eingabe vom 12. Januar 2024 habe ihre neue 

Rechtsvertreterin gegenüber der Vorinstanz das Vertretungsverhältnis an-

gezeigt und um Einsicht in die Anhörungsprotokolle ersucht. Die Vorinstanz 

habe dieses Schreiben am 9. Februar 2024 unter Beilage des Aktenver-

zeichnisses und ausgewählter Aktenstücke beantwortet. Aus dem Akten-

verzeichnis ergäben sich aber keine Hinweise auf die fehlgeschlagene Zu-

stellung und den entsprechenden Umständen. Das SEM habe den Asyl-

entscheid kurze Zeit nach der Zuteilung ins erweiterte Verfahren erlassen, 

womit sie einerseits nicht auf den Erlass einer Verfügung vorbereitet ge-

wesen sei und andererseits noch keine Möglichkeit gehabt habe, eine neue 

Rechtsvertretung zu mandatieren.  

  

E-1114/2024 

Seite 5 

4.4 Tatsächlich ist das Aktenverzeichnis, welches am 9. Februar 2024 ge-

neriert und anschliessend der Gesuchstellerin zugestellt wurde, unvollstän-

dig und weist lediglich 46 Aktenstücke auf. Zwischenzeitlich wurden aller-

dings sechs weitere Aktenstücke, die allesamt vor dem Schreiben vom 

9. Februar 2024 datieren, ins Aktenverzeichnis aufgenommen. Wie nach-

folgend aufgezeigt wird, vermag die Gesuchstellerin aus dieser Zustellung 

unvollständiger Akten nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung vom 

17. November 2023 allerdings letztlich für ihr Wiederherstellungsverfahren 

nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Das SEM ist an dieser Stelle aber aus-

drücklich auf seine Pflicht zur vollständigen und sorgfältigen Aktenführung 

hinzuweisen. Kopien der fehlenden Dokumente sind der Gesuchstellerin 

der Einfachheit halber mit dem vorliegenden Urteil zur Verfügung zu stel-

len. 

4.5 Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sowie des Bun-

desgerichts in Bezug auf die Fristwiederherstellung ist sehr restriktiv (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, a.a.O. Rz. 588 mit Hinweisen). 

4.6  

4.6.1 Aus den Akten ergibt sich, dass die Gesuchstellerin am 2. November 

2023 dem erweiterten Verfahren und in der Folge am 10. November 2023 

dem Kanton B._______ zugeteilt und am 16. November dorthin transferiert 

wurde (vgl. SEM-act. A40 und A43). Die zugewiesene Rechtsvertretung 

der Gesuchstellerin im Bundesasylzentrum legte daraufhin am 6. Novem-

ber 2023 ihr Mandat nieder (vgl. SEM-act. A48). Diese Mandatsniederle-

gung scheint gemäss Eingangsstempel des SEM zwar erst am 24. Novem-

ber 2023 bei diesem eingegangen zu sein. Entgegen den Ausführungen 

der Gesuchstellerin hat das SEM den ablehnenden Asylentscheid aber 

dennoch zu Recht direkt an die Gesuchstellerin eröffnet: Im Verfügungs-

zeitpunkt (17. November 2023) war die Gesuchstellerin nicht mehr durch 

ihre zugewiesene Rechtsvertretung vertreten und am Vortag in den Kanton 

ausgetreten (vgl. Art. 102h Abs. 3 AsylG in Verbindung mit Art. 102l AsylG 

und Art. 52f Abs. 4 AsylV 1). Eine neue Vollmacht (der derzeitigen Rechts-

vertretung) lag dem SEM damals ebenfalls nicht vor und es bestand auch 

keine Veranlassung die Einreichung einer solchen abzuwarten (vgl. Be-

schwerde Ziff. 16).  

4.6.2 Dass die Gesuchstellerin von ihrer vormaligen Rechtsvertretung über 

die Fortsetzung ihrer Vertretung durch eine kantonale Rechtsberatungs-

stelle informiert worden sei (vgl. Beschwerde Ziff. 14 f.), kann der Vor- 

instanz nicht angelastet werden.  

E-1114/2024 

Seite 6 

4.6.3 Gleiches gilt für die textbausteinartige "Rechtsbelehrung" des SEM 

anlässlich der Anhörung, wonach der Asylentscheid an die Rechtsvertre-

tung eröffnet werde (vgl. Beschwerde Ziff. 14), zumal es sich dabei offen-

sichtlich um – zu diesem Zeitpunkt korrekte – Aussagen bezüglich des  

Ablaufs des (damals noch) beschleunigten Asylverfahrens handelte.  

4.6.4 Unbehelflich ist schliesslich auch der Hinweis auf die erst kurz vor 

Erlass des Asylentscheids erfolgte Zuteilung ins erweiterte Verfahren (vgl. 

Beschwerde Ziff. 17), zumal ein solcher Zuteilungsentscheid nicht als  

Garantie für die Vornahme weiterer Instruktionsmassnahmen – oder eine  

bestimmte minimale Dauer bis zum erstinstanzlichen Asylentscheid – zu 

verstehen ist. 

4.7  

4.7.1 Soweit die Gesuchstellerin sich darauf beruft, weder die Briefsen-

dung mit der Verfügung des SEM vom 17. November 2023 noch eine Ab-

holungseinladung erhalten zu haben, vermag dies nicht zu überzeugen: 

4.7.2 Den vorinstanzlichen Akten sowie der Funktion Sendungsverfolgung 

der Schweizerischen Post lässt sich entnehmen, dass der Gesuchstellerin 

am 20. November 2023 eine Abholungseinladung für die eingeschriebene 

Sendung mit der Verfügung des SEM vom 17. November 2023 zugestellt 

wurde. Nachdem die Abholfrist abgelaufen war, wurde die Sendung am 

28. November 2023 an die Vorinstanz retourniert (vgl. auch SEM-

act. 50/1). Der Gesuchstellerin gelingt es nicht, den Nachweis für ihre Be-

hauptung zu erbringen, sie habe die erwähnte Abholungseinladung – ent-

gegen des Vermerks der Post – nie erhalten. Es wurde nicht konkret  

geltend gemacht, dass die Zustelladresse dieser Sendung nicht korrekt  

gewesen sei oder dass die Postzustellung in der kantonal betriebenen  

Unterkunft nicht funktioniere (was überdies durch geeignete Beweismittel 

zu belegen gewesen wäre). Bei dieser Aktenlage kann keineswegs aus-

geschlossen werden, dass die Gesuchstellerin schlicht die Abholungs- 

einladung versehentlich nicht beachtete. 

4.8 Nach dem Gesagten konnte die Gesuchstellerin nicht nachweisen, 

dass sie unverschuldeterweise davon abgehalten worden ist, binnen Frist 

eine Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 17. November 

2023 einzureichen. Damit fehlt es an einer der kumulativ erforderlichen  

Voraussetzungen für die Wiederherstellung der Beschwerdefrist. 

E-1114/2024 

Seite 7 

4.9 Das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist ist deshalb  

– unbesehen der innert der Frist gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG nachgehol-

ten Rechtshandlung – abzuweisen. Auf die verspätet eingereichte und  

damit unzulässige Asylbeschwerde vom 21. Februar 2024 ist nicht ein- 

zutreten (Art. 108 Abs. 2 und Art. 111 Bst. b AsylG). 

5.  

Nachdem die Rechtsbegehren des Fristwiederherstellungsgesuchs aus-

sichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG waren, sind die Gesuche 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung 

abzuweisen. Der Antrag auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird 

mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. Der am 23. Februar 2024 

angeordnete provisorische Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Ent-

scheid dahin. 

6.  

Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten der Gesuchstellerin aufzu-

erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-1114/2024 

Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Fristwiederherstellungsgesuch wird abgewiesen. 

2.  

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

3. . 

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung im 

Sinn von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen. 

4.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Gesuchstellerin auferlegt. 

Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der 

Gerichtskasse zu überweisen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Gesuchstellerin, das SEM und die kantonale Mig-

rationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Karin Parpan 

 

 

Versand: