# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 24661aec-36f1-56c8-977d-e77792adfda4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.07.2008 D-5157/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5157-2006_2008-07-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5157/2006
sch/bah/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  J u l i  2 0 0 8

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richter Pietro Angeli-Busi, Richter Thomas Wespi,
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren _______,
B._______, geboren _______,
C._______, geboren _______,
D._______, geboren _______,
Irak,
vertreten durch lic. iur. Muriel Trummer, 
Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende, _______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
27. Dezember 2005 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5157/2006

Sachverhalt:

A.

A.a Die Beschwerdeführer, ethnische Kurden mit letztem Wohnsitz in 
A._______, verliessen den Irak eigenen Angaben gemäss am 15. No-
vember 1996 und lebten bis zum 2. März 2003 im Iran. Danach hielten 
sie sich in der Türkei auf, bis sie am 2. Juni 2003 in die Schweiz ein-
reisten, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten.

A.b Anlässlich der Empfangsstellenbefragung, die am 5. Juni 2003 in 
B._______  stattfand,  sagte  der  Beschwerdeführer  aus,  sein  Bruder 
E._______ sei am 2. September 1996 von der irakischen Regierung 
festgenommen worden. Am 10. Oktober 1996 sei auch er festgenom-
men worden; man habe ihn 15 Tage festgehalten und während dieser 
Zeit gefoltert. Man habe ihm gesagt, er müsse seinen Bruder aufspü-
ren und die Behörden davon in Kenntnis setzen. Falls er seinen Bruder 
nicht finde, werde man ihn (den Beschwerdeführer) umbringen. Als er 
nach der Freilassung nach Hause gegangen sei, hätten ihm Nachbarn 
mitgeteilt,  seine Frau sei ebenfalls mitgenommen worden. Nach etwa 
acht oder neun Tagen sei auch seine Frau freigelassen worden. Sie sei 
schlecht  behandelt  und  vergewaltigt  worden.  Sein  Schwiegervater 
habe ihnen gesagt, sie müssten den Irak verlassen. Im Iran hätten sie 
keine Rechte gehabt, sie hätten nur durch Bezahlung dort bleiben kön-
nen. Ein Dorfvorsteher  habe ihnen geholfen. Sie hätten nicht  in  den 
Irak zurückkehren können, weil sein Bruder „geheime Dinge“ von der 
PUK und der KDP an die irakische Opposition geliefert habe. 

Die Beschwerdeführerin sagte, sie habe ihre Heimat wegen der Pro-
bleme ihres  Mannes verlassen. Sie  sei  einen Tag nach ihrem Mann 
festgenommen,  gefoltert  und vergewaltigt  worden. Man habe von ihr 
Informationen über  ihren Schwager  in  Erfahrung bringen wollen. Sie 
habe ihren Mann einmal schreien hören, so habe sie gewusst, dass er 
am gleichen Ort festgehalten worden sei. Als man sie mitgenommen 
habe, habe sich ihr Sohn an ihr festgehalten. Man habe ihn ihr wegge-
nommen und ihn geschlagen, was zur Folge habe, dass er auf einem 
Ohr schlecht höre.

A.c Die Beschwerdeführer wurden am 3. Juli 2003 von der zuständi-
gen  kantonalen  Behörde  zu  ihren  Asylgründen  angehört.  Der  Be-
schwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, einer seiner Brüder 

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habe  bei  der  Oppositionspartei  von  Ahmed  Jalabi  gearbeitet.  1996 
hätten die irakischen Truppen mit  Hilfe der  KDP A._______ erobert. 
Sein Bruder sei von den irakischen Truppen festgenommen und nach 
Mossul  gebracht  worden. Sie  wüssten  bis  heute  nicht,  was mit  ihm 
geschehen  sei.  Kurz  danach  sei  er  von  KDP-Leuten  festgenommen 
und zum Asaisch-Gebäude in A._______ gebracht worden. Man habe 
von ihm wissen wollen, wo sein Bruder sei, und habe ihn geschlagen 
sowie  gefoltert.  Gegen  Leistung  einer  Kaution  sei  er  freigelassen 
worden.  Man  habe  ihm  gesagt,  er  müsse  innerhalb  von  15  Tagen 
Informationen über  seinen  Bruder  beschaffen,  sonst  werde  man ihn 
wieder festnehmen und töten. Man habe ihm gesagt, sein Bruder habe 
Informationen  über  die  KDP  gesammelt  und  diese  der 
Oppositionspartei  übergeben.  Die  Leute  der  KDP  hätten  ihn 
beschuldigt,  seinem  Bruder  geholfen  zu  haben.  Sie  hätten  seiner 
Angabe, sein Bruder sei von den irakischen Behörden festgenommen 
worden, keinen Glauben geschenkt. 

Die Beschwerdeführerin sagte aus, sie sei am Morgen des 11. Oktober 
1996 festgenommen worden. Sie sei zu den Asaisch gebracht worden, 
wo sie  geschlagen  und  gefoltert  worden  sei.  Sie  sei  während  einer 
Woche  festgehalten  und  in  dieser  Zeit  von  mehreren  Personen 
mehrmals  vergewaltigt  worden.  Bei  den  Folterungen  sei  ihr  ein 
Ringfinger und ein Schienbein gebrochen worden. Man habe von ihr 
Informationen über ihren Schwager und dessen Familie haben wollen. 
Nach einer Woche Haft habe man sie auf einer Wiese abgesetzt. Ihr 
Ehemann sei am 25. Oktober 1996 auf Kaution freigelassen worden. 
Man  habe  ihm  eine  Frist  von  sieben  bis  zehn  Tagen  gesetzt,  um 
Informationen  über  seine  Brüder  zu  beschaffen.  Ihr  Mann  und  ihre 
Eltern  hätten  ihr  gesagt,  dass  gegen  sie  ein  Haftbefehl  erlassen 
worden sei.

A.d Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer zeigte dem BFM am 
12. Oktober 2005 die Mandatsübernahme an. Ihrem Schreiben wurden 
eine  Entbindungserklärung  von der  ärztlichen  Schweigepflicht  sowie 
fünf die Beschwerdeführerin und vier den Sohn der Beschwerdeführer 
betreffende ärztliche Berichte beigelegt. Des weiteren wurde mitgeteilt, 
die Beschwerdeführer hätten mit Hilfe eines Betreuers erfahren, dass 
sich der Bruder des Beschwerdeführers, E._______, mit seiner Familie 
in der Schweiz befinde.

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B.
Mit Verfügung vom 27. Dezember 2005 stellte das BFM fest, die Be-
schwerdeführer  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte 
die  Asylgesuche  ab.  Zugleich  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz. Zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde die 
vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführer angeordnet.

C.
Mit Eingabe an die Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) vom 
26. Januar 2006 liessen die Beschwerdeführer die Aufhebung der Zif-
fern 1 bis  3 des Dispositivs  der Verfügung vom 27. Dezember 2005 
und die Gewährung von Asyl beantragen. Eventualiter seien die Ziffern 
1 bis 3 des Dispositivs der Verfügung vom 27. Dezember 2005 aufzu-
heben und es sei das Verfahren zwecks Überprüfung der Flüchtlingsei-
genschaft an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ihnen die unent-
geltliche Rechtspflege zu gewähren. Der Eingabe lagen mehrere, die 
Beschwerdeführerin  betreffende  medizinische  Unterlagen  und  eine 
Honorarnote bei.

Am 30. Januar 2006 wurde der ARK eine Bestätigung der Fürsorgeab-
hängigkeit der Beschwerdeführer nachgereicht.

D.
Der Instruktionsrichter der ARK entsprach mit Zwischenverfügung vom 
1. Februar  2006  dem  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021).

E.
Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 22. Februar 2006 
die Abweisung der Beschwerde.

F.
In ihrer Stellungnahme vom 14. März 2006 hielten die Beschwerdefüh-
rer an ihren Anträgen fest.

G.
Die Rechtsvertreterin wandte sich am 1. März 2007 an das Bundesver-
waltungsgericht und ersuchte dieses um die Einholung eines die Be-
schwerdeführerin betreffenden ärztlichen Berichts.

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H.
Mit Verfügung vom 5. März 2007 gewährte der Instruktionsrichter des 
Bundesverwaltungsgerichts  der  Beschwerdeführerin  die  Gelegenheit 
zur Einreichung eines ärztlichen Berichts.

I.
Am 22. März  2007 übermittelte  die  Beschwerdeführerin  einen  ärztli-
chen Bericht vom 21. März 2007 zusammen mit einer Entbindungser-
klärung von der ärztlichen Schweigepflicht.

J.
Das Bundesverwaltungsgericht hat zur Entscheidfindung die Akten der 
abgeschlossenen Asylverfahren des Bruders bzw. Schwagers der Be-
schwerdeführer und dessen Ehefrau (N _______ und N _______) bei-
gezogen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet  betref-
fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bun-
desverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden  Beschwerde und  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführer  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legi-

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timiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 50 und 52 VwVG). Auf die 
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.  

4.1 Das  BFM  begründete  die  angefochtene  Verfügung  damit,  dass 
sich die Verhältnisse im Irak seit der Ausreise der Beschwerdeführer 
grundlegend geändert  hätten. Im Frühjahr 2003 sei das Regime von 
Saddam Hussein gestürzt worden. Da das alte Verfolgerregime nicht 
mehr existiere, sei die Furcht vor einer Verfolgung durch dasselbe zum 
heutigen  Zeitpunkt  nicht  mehr  begründet.  Die  Vorbringen  der  Be-
schwerdeführer seien deshalb nicht mehr asylrelevant. Im Übrigen sei 
der Bruder des Beschwerdeführers von den irakischen Behörden An-
fang September 1998 freigelassen worden.

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Die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  psychischen 
Probleme würden vom BFM nicht angezweifelt,  jedoch deren geltend 
gemachte  Ursache.  Die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  über  die 
mehrfachen Übergriffe seien angesichts der Schwere und Bedeutung 
einer Vergewaltigung für eine Frau sehr stereotyp. Auf Nachfrage habe 
sie  keine  differenzierten  Angaben  machen  können.  Fragen  sei  sie 
ausgewichen,  und  sie  habe  angegeben,  man  habe  ihr  die  Augen 
verbunden  und  sie  sei  fast  immer  bewusstlos  gewesen.  Sie  habe 
einerseits  angegeben,  man  habe  ihr  während  der  Vergewaltigung 
immer die gleichen Fragen gestellt, andererseits habe sie gesagt, die 
Männer hätten nichts gesprochen. Ebenso wenig nachvollziehbar sei 
ihre Antwort  auf die Frage, woher das Blut gestammt habe, welches 
sie nach der Vergewaltigung überall am Körper gehabt habe. Sie habe 
angegeben,  sie  habe  ihr  Kind  durch  einen  Kaiserschnitt  geboren, 
weshalb  sie  stark  geblutet  habe.  Sie  passe  ihre  Antworten  den 
jeweiligen  Fragen  an,  so  dass  in  Würdigung  der  Gesamtakten  ihre 
Erzählung über die Vergewaltigungen konstruiert wirkten.

4.2

4.2.1 In der Beschwerde wird vorab der psychische Zustand der Be-
schwerdeführerin geschildert und geltend gemacht, sie sei am 28. Ap-
ril  2004  zur  Behandlung  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung 
dem Externen Psychiatrischen Dienst (EPD) überwiesen worden. Die 
Abklärung habe ergeben, dass eine traumazentrierte Psychotherapie 
und eine antidepressive, medikamentöse Behandlung indiziert  seien. 
Am  11. Dezember  2004  habe  sie  ins  Kantonsspital  C._______  ge-
bracht werden müssen. Am 28. März 2005 habe sie erneut in dieses 
Spital  eingeliefert  werden  müssen. Sie  habe  sich  geweigert,  sich  in 
psychiatrische Behandlung zu begeben, da sie einmal in einem Spital 
gewesen sei, in dem alle Türen und Fenster geschlossen gewesen sei-
en. Da dies  wie  in  der  Haft  sei,  könne sie  sich  in  solchen Räumen 
nicht aufhalten. Am 15. Oktober 2005 habe sie sich erneut auf die Not-
fallstation des Spitals begeben, am 1. Dezember 2005 habe sie nach 
einem Zusammenbruch  in  der  Stadt  mit  der  Ambulanz wiederum in 
das Spital gebracht werden müssen. Da eine Besserung des Gesund-
heitszustandes nicht ersichtlich sei, möchte sie heute eine psychologi-
sche Behandlung in Anspruch nehmen. Es werde versucht, über den 
Hausarzt eine Weiterverweisung in die Wege zu leiten, damit sie die 
dringend notwendige Behandlung erhalten könne. Die ärztlichen Be-

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richte belegten ihre Aussagen, sie leide unter massiven psychischen 
Problemen. Der Einschätzung des BFM, das die geltend gemachten 
Ursachen für die psychischen Probleme bezweifle, könne nicht gefolgt 
werden. Die Beschwerdeführerin habe keinen Grund, die geltend ge-
machte Ursache,  die ihr  ganzes Leben zu zerstören scheine,  vorzu-
schieben. Gestützt auf die Berichte ergebe sich ein bestürzendes Bild 
einer Frau, die massivster Gewalt ausgesetzt gewesen sei und damit 
nicht mehr zurecht komme. 

Es sei unbestritten, dass der Bruder des Beschwerdeführers Mitglied 
des  „Iraqi  National  Congress“  (INC)  gewesen  und  deswegen  bis  im 
Jahr 1998 im Irak im Gefängnis gewesen sei. Gestützt auf seine Verfol-
gungsgeschichte sei  er in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wor-
den. Die  vom Beschwerdeführer  geltend gemachte  Verfolgung durch 
die KDP füge sich in die Fluchtgeschichte des Bruders ein. Die Be-
schwerdeführer hätten ihre Fluchtgründe übereinstimmend und detail-
liert  wiedergegeben. Das  BFM habe  es  unterlassen,  alle  diese  Ele-
mente in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Das Gesamtbild erge-
be eindeutig, dass die Beschwerdeführer im Irak massiver Gewalt aus-
gesetzt worden seien und dass die Beschwerdeführerin aufgrund der 
in der Haft  erlittenen Misshandlungen unter erheblichen psychischen 
Problemen leide. 

Die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien nicht stereotyp, vielmehr 
seien die gestellten Fragen unangebracht. Der befragenden Person sei 
es anscheinend nicht um differenzierte Antworten, sondern um die An-
gabe von Zahlen gegangen, was absurd sei. So sei gefragt worden, 
wie oft sie während der Haft verhört und wie oft sie im Ganzen verge-
waltigt worden sei. Es sei auch gefragt worden, wie oft sie bewusstlos 
gewesen und von wie vielen Männern sie vergewaltigt worden sei. Aus 
ihren  Antworten  werde  klar,  dass  sie  zur  Nennung  von  Zahlen  aus 
nachvollziehbaren Gründen eigentlich nicht in der Lage gewesen sei. 
Über eine lebensbedrohende Lage, in der einem Opfer jeglicher Bezug 
zur Realität  genommen werde, sei es nicht möglich, derartige Anga-
ben zu machen. Es sei kein Ausweichen ersichtlich, nur weil sie ange-
geben habe, ihr seien die Augen verbunden worden und sie sei  fast 
immer bewusstlos gewesen. Die Methode, das Opfer durch Verbinden 
der Augen noch mehr zu verwirren,  sei  bekannt. Es erscheine auch 
glaubhaft, dass ein Mensch, der die genannten Folterungen zu erlei-
den  hatte,  das  Bewusstsein  verliert.  Die  Beschwerdeführerin  habe 
mindestens viermal gesagt, sie sei über ihren Schwager befragt wor-

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den. Die Antwort („sie haben nichts geredet“) auf die Frage, was die 
Männer gesprochen hätten,  könne daher nur so verstanden werden, 
dass diese untereinander nichts gesprochen hätten. In Anbetracht der 
erlittenen Misshandlungen sei klar, woher das Blut stamme. Es liege 
offensichtlich ein Missverständnis vor, welches durch Nachfragen hätte 
aufgeklärt werden können.

Auch  der  Beschwerdeführer  leide  unter  den  erlittenen  Misshandlun-
gen, was sich auf die ganze Familie auswirke. Er breche zuhause im-
mer wieder zusammen, weigere sich aber, ins Spital gebracht zu wer-
den. Es werde versucht, auch bei ihm eine Weiterverweisung zu errei-
chen.

4.2.2 Die Beschwerdeführer seien aufgrund der politischen Aktivitäten 
des Bruders des Beschwerdeführers vom Sicherheitsdienst  der KDP 
verfolgt worden. Sie seien deshalb einer quasistaatlichen Reflexverfol-
gung ausgesetzt gewesen. Die erlittenen Nachteile seien zweifellos als 
ernsthaft  zu  bezeichnen  und  sie  hätten  über  keine  inländische 
Fluchtalternative verfügt,  weshalb sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise die 
Flüchtlingseigenschaft erfüllt hätten.

Es  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführer  eine  Verfol-
gung  durch die  KDP geltend  gemacht  hätten,  welche  ihren Einfluss 
auch nach dem Einmarsch der USA im Irak habe etablieren können. 
Die Partei sei im Kurdenparlament im Nordirak fest verankert und ver-
füge in der irakischen Nationalversammlung über 71 Sitze. Da die KDP 
sich in staatlichen Strukturen verankert  habe, sei  die aktuelle Verfol-
gungsgefahr  staatlicher  Natur  und  asylrelevant.  Eine  inländische 
Fluchtalternative stehe nicht zur Verfügung. 

4.3 Das BFM führt in seiner Vernehmlassung aus, die Ausführungen in 
der Beschwerde und die ärztlichen Unterlagen könnten die Zweifel an 
den  Ursachen  der  psychischen  Probleme  der  Beschwerdeführerin 
nicht  umstossen.  Auch  eine  vertiefte  Auseinandersetzung  mit  ihren 
Vorbringen zeige,  dass  diese stereotyp wirkten. So fehlten deutliche 
Hinweise  auf  ein  individualisiertes  Reaktionsmuster,  das  sich  nebst 
den bekannten Reaktionen von Gewaltopfern  durch Aussagen kenn-
zeichne, die von einer subjektiven Sichtweise geprägt  seien. Festzu-
halten sei im Übrigen, dass die Analyse der aktuellen Verfolgung der 
Beschwerdeführer und ihres Bruders bzw. Schwagers durch die KDP 
in keiner Weise den Gegebenheiten im Irak entspreche. 

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4.4 In der Stellungnahme wird entgegnet, die eingereichten ärztlichen 
Berichte führten immer wieder die von der Beschwerdeführerin geltend 
gemachten  Vergewaltigungen  als  Ursache  für  die  posttraumatische 
Belastungsstörung  an.  Die  Zusammenbrüche,  welche  immer  wieder 
dazu führten, dass sie ins Spital eingeliefert werden müsse, seien für 
Menschen,  die  solche  Misshandlungen  hätten  erleiden  müssen,  ty-
pisch. Es sei unbestritten, dass der Bruder des Beschwerdeführers im 
Irak verfolgt worden sei. Die von den Beschwerdeführern geltend ge-
machte Verfolgung durch die KDP erscheine daher nachvollziehbar.

5.

5.1 Das BFM weist in der angefochtenen Verfügung einleitend darauf 
hin, dass sich die Situation im Irak seit dem Sturz des Regimes von 
Saddam Hussein grundlegend geändert habe. Da das alte Verfolgerre-
gime nicht mehr existiere, sei die Furcht der Beschwerdeführer vor ei-
ner  Verfolgung durch dieses  zum heutigen Zeitpunkt  nicht  mehr  be-
gründet und somit nicht asylrelevant. 

Das BFM scheint dabei zu übersehen, dass die Beschwerdeführer zur 
Begründung ihres Asylgesuchs nicht geltend machten, sie hätten Pro-
bleme mit dem ehemaligen Regime von Saddam Hussein gehabt. Sie 
machten vielmehr beide geltend, sie seien vom Sicherheitsdienst der 
KDP (Asaisch)  festgenommen,  festgehalten und schwer misshandelt 
worden. Grund für ihre Ausreise aus dem Irak wäre somit nicht Furcht 
vor dem Regime Hussein, sondern Furcht vor der KDP gewesen. Das 
BFM  führt  zwar  in  der  Verfügung  an,  die  Beschwerdeführer  hätten 
vorgebracht, vom kurdischen Asaisch verhaftet und befragt worden zu 
sein,  begründet  indessen  nicht,  weshalb  der  Sturz  des  Regimes 
Hussein gleich bedeutend mit dem Wegfall einer Bedrohung durch den 
kurdischen Sicherheitsdienst bzw. die KDP sein sollte. 

5.2 Das  BFM  hat  sich  zur  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers  mit  keinem Wort  geäussert,  hinsichtlich  der  Glaub-
haftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  gelangte  es  zum 
Schluss,  die  Erzählung der  Beschwerdeführerin  über  die  Vergewalti-
gungen wirkten konstruiert und könnten daher nicht geglaubt werden. 
Angesichts der Erwägungen, wonach die Furcht der Beschwerdeführer 
vor Verfolgung nicht mehr begründet sei und explizit „nur“ die von der 
Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Vergewaltigungen  als  un-
glaubhaft gewertet wurden, ist demnach davon auszugehen, das BFM 

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erachte  die  Aussagen  der  Beschwerdeführer,  sie  seien  nach  der 
Festnahme  ihres  Bruders  bzw.  Schwagers  von  der  KDP 
festgenommen, befragt und schwer misshandelt worden, als glaubhaft.

5.3

5.3.1 Den beigezogenen Akten des Bruders  des  Beschwerdeführers 
ist zu entnehmen, dass dieser am 2. September 1996 von der Republi-
kanischen Garde verhaftet wurde. Er wurde nach Mossul gebracht und 
dort einen Monat festgehalten, anschliessend wurde er ins Gefängnis 
„Abu Ghraib“ nach Bagdad überführt. Da er die ihm vorgeworfenen Ak-
tivitäten für die irakische Opposition trotz schwerer Folter nie zugege-
ben habe,  wurde er  im September 1998 freigelassen. Er habe nicht 
nach A._______ zurückkehren können, da dieses unter der Kontrolle 
der KDP stehe. Die Schwägerin des Beschwerdeführers wurde nach 
der Festnahme ihres Ehemannes von der irakischen Armee inhaftiert, 
über ihren Mann befragt  und von Soldaten sowie KDP-Leuten miss-
handelt. Später ging sie zu ihren Eltern nach D._______, wo sie zu-
sammen  mit  ihrem  Vater  auf  den  Posten  mitgenommen  wurde.  Sie 
wurde während sieben Tagen verhört und nach 15 Tagen mangels Be-
weisen freigelassen. Das BFM stellte mit Verfügungen vom 5. Juli 2000 
fest, dass der Bruder bzw. Schwager der Beschwerdeführer und des-
sen Ehefrau die Flüchtlingseigenschaft  erfüllten, und gewährte ihnen 
Asyl.

5.3.2 Vor  dem  Hintergrund  der  Festnahme  des  Bruders  des  Be-
schwerdeführers erscheint es als grundsätzlich glaubhaft, dass die Be-
schwerdeführer das Interesse der KDP-Leute auf sich zogen. Die Ehe-
frau des Bruders wurde gemäss ihren Aussagen sowohl von Soldaten 
der irakischen Armee als auch von KDP-Leuten zum Aufenthaltsort ih-
res Ehemannes befragt. Die Beschwerdeführer machten anlässlich ih-
rer Befragungen ebenso geltend, sie seien von der KDP über die Akti-
vitäten ihres Bruders bzw. Schwagers und dessen Aufenthaltsort  be-
fragt worden. Aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführer und derje-
nigen ihrer Schwägerin – die Aussagen der Schwägerin wurden vom 
BFM nicht in Zweifel gezogen – ergibt sich, dass die irakische Armee 
und die KDP den damaligen Aufenthaltsort  des von der Republikani-
schen Garde Festgenommenen nicht kannten.

Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zur  geltend  gemachten  Fest-
nahme und zu den erlittenen Misshandlungen erscheinen auch dem 

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Bundesverwaltungsgericht  als  glaubhaft. Es ergeben sich keine nen-
nenswerten Ungereimtheiten, seine Aussagen, die er im Rahmen der 
nicht sehr einlässlichen kantonalen Befragung machte, sind kurz und 
recht  präzis.  Seine  Angaben  zur  erlittenen  Behandlung  wirken  nicht 
übersteigert  und lassen sich mit  der bekannten Vorgehensweise des 
Sicherheitsdienstes der KDP in Übereinstimmung bringen.

Auch die Aussagen der Beschwerdeführerin zur von ihr geschilderten 
Festnahme sind  im  Wesentlichen  übereinstimmend  ausgefallen. Ihre 
Aussagen, wonach sie während der Haft schwer misshandelt worden 
sei,  erscheinen glaubhaft. Insofern  das  BFM die  Ansicht  vertritt,  die 
Schilderungen der Beschwerdeführerin zur Vergewaltigung seien sehr 
stereotyp, ist  darauf  hinzuweisen,  dass es keine klaren Regeln gibt, 
nach denen Opfer von gewaltsamen Übergriffen diese schildern. Die 
Angabe der Beschwerdeführerin, man habe ihr die Augen verbunden 
und sie sei oft bewusstlos gewesen, können einerseits den tatsächli-
chen  Gegebenheiten  entsprechen,  andererseits  entspricht  das  Aus-
weichen vor konkreten Fragen einem oft beobachteten Schutzmecha-
nismus von Gewaltopfern, die so zu vermeiden versuchen, über für sie 
belastende und oft auch beschämende Erlebnisse berichten zu müs-
sen. Die Beschwerdeführerin sagte mehrfach aus, sie sei während ih-
rer Haftzeit über ihren Schwager befragt worden. Die Frage, was wäh-
rend der Vergewaltigung gesprochen worden sei, beantwortete sie zu-
erst mit den ihr zum Schwager gestellten Fragen. Nach Wiederholung 
der Frage antwortete sie, sie habe geschrieen und sich zu wehren ver-
sucht, worauf man ihr gesagt habe, sie solle still sein. Nach nochmali-
ger  Wiederholung  der  Frage  („Was  haben  diese  Männer 
gesprochen?“) antwortete sie, die Männer hätten nichts geredet. Hier-
bei  handelt  es  sich  nicht  um  widersprüchliche  Aussagen  der  Be-
schwerdeführerin, es ist offensichtlich, dass ihr nicht bewusst war, auf 
was die Frage genau abzielte. Die in der Beschwerde vorgenommene 
Interpretation  der  Antworten,  wonach  die  Beschwerdeführerin  einer-
seits  ausführte,  man  habe  ihr  immer  die  gleichen  Fragen  zu  ihrem 
Schwager  gestellt  und die  Vergewaltiger  hätten  untereinander  nichts 
geredet, vermag angesichts des Protokolls zu überzeugen. 

Den eingereichten ärztlichen Berichten ist zu entnehmen, dass die Be-
schwerdeführerin gegenüber den behandelnden Ärzten die im Irak er-
littenen Misshandlungen und Vergewaltigungen als Auslöser ihrer psy-
chischen Probleme nennt. Aufgrund der mehrjährigen Behandlung der 
Beschwerdeführerin und der Ausführungen in den eingereichten ärztli-

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chen Berichten und Unterlagen ist  davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin angesichts von Gewalterfahrungen unter einer post-
traumatischen Belastungsstörung (PTBS) leidet. Aufgrund der Aktenla-
ge deutet vieles darauf hin, dass die Beschwerdeführerin während der 
erlittenen Haft vergewaltigt wurde und die von ihr genannten Ursachen 
somit zu ihrer psychischen Erkrankung geführt haben. Da die Beant-
wortung dieser Frage aufgrund der  gesamten Aktenlage für  die Ent-
scheidfällung indessen nicht  ausschlaggebend ist,  kann sie offenge-
lassen werden. 

6.

6.1 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die 
Situation im Zeitpunkt  des Asylentscheides. Ausgangspunkt  der Prü-
fung ist  die  Frage nach der  im Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen 
Furcht vor einer absehbaren Verfolgung im Heimatstaat. Veränderun-
gen  der  objektiven  Situation  im Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und 
Asylentscheid sind zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stel-
lenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK]  2000 Nr. 2  E. 8a;  WALTER KÄLIN,  Grundriss des 
Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 135 ff.).

6.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  davon  aus,  dass  die  Be-
schwerdeführer zum Zeitpunkt ihrer Ausreise aus dem Irak die Flücht-
lingseigenschaft erfüllten. Sie waren Opfer von erheblichen Übergriffen 
durch Vertreter des Quasi-Staates der KDP (vgl. EMARK 2000 Nr. 15 
E. 9b - d S. 115 ff.). Die zweifellos als ernsthaft zu wertenden Nachtei-
le, die sie während der Haft erlitten, wurden ihnen im Rahmen einer 
Reflexverfolgung aus politischen Gründen zugefügt, da sich ihr Bruder 
bzw. Schwager für die irakische Opposition einsetzte, die auch in Kon-
kurrenz zur KDP stand. Sie mussten damals befürchten, von der KDP 
erneut  festgenommen  und  dabei  wiederum  misshandelt  zu  werden, 
und verliessen den Irak kurz nach ihrer Freilassung; die erlittenen Be-
nachteiligungen waren somit kausal für ihre Flucht aus dem Irak. We-
der im von der PUK kontrollierten Teil des Nordiraks noch im Zentral-
irak stand ihnen zum Ausreisezeitpunkt  eine effektive innerstaatliche 
Fluchtalternative  zur  Verfügung  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  15  E.  12e 
S. 130 f.).

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6.3

6.3.1 Die Lage im Nordirak hat sich nach der Flucht der Beschwerde-
führer  im Jahr  1996 indessen grundlegend verändert. Es  kann nicht 
mehr von zwei von der PUK beziehungsweise der KDP kontrollierten 
Quasi-Staaten  ausgegangen  werden  (vgl.  EMARK  2002  Nr. 16  und 
2000 Nr. 15), denn angesichts der Beteiligung beider Parteien an der 
irakischen Regierung trifft  die  Charakterisierung der  Quasi-Staatlich-
keit nicht mehr zu. Von der KDP oder der PUK beziehungsweise ihren 
Machtträgern und Behördenvertretern ausgehende Verfolgung ist ent-
sprechend als staatliche Verfolgung zu betrachten (vgl. BVGE 2008/4 
E. 5.3 und 6.1 S. 38 und 40 ff.; EMARK 2006 Nr. 19 E. 4.2 S. 208 f.).

6.3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter An-
lass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht 
im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in 
absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus 
heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft  verwirklichen. Eine bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfol-
gung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den 
Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten 
Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dement-
sprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  er-
scheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f.,  2004 Nr. 1 
E. 6a S. 9).

6.3.3 Angesichts  der  Lageveränderung im Nordirak  kann nicht  mehr 
davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführer hätten im Falle ei-
ner Rückkehr in ihre Heimat mit Verfolgung durch die vorherrschenden 
Kurdenparteien zu rechnen. Ihr Bruder bzw. Schwager betätigte sich 
im Jahr 1996 eigenen Aussagen gemäss während sechs Monaten als 
Militanter des INC und kämpfte dabei nur gegen die irakischen Trup-
pen.  Aufgrund  des  Umstandes,  dass  er  innerhalb  des  INC keinerlei 
Führungsfunktion  und  aufgrund  der  kurzen  Dauer  seines  Engage-
ments eher untergeordnete Bedeutung hatte, kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass sich die lokalen Machthaber des Nordiraks zwölf 
Jahre nach den Ereignissen von 1996 noch für ihn interessieren. Der 
INC, die KDP und die PUK waren gemeinsam an der irakischen Über-
gangsregierung beteiligt, im heutigen Zeitpunkt hat der INC indessen 

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im nationalen, politischen  Machtgefüge keine grosse Bedeutung, er-
reichte er doch bei den Parlamentswahlen vom 15. Dezember 2005 le-
diglich einen Stimmenanteil von 0.28%. Die Beschwerdeführer, die ei-
genen Aussagen gemäss keinerlei politische Aktivitäten hatten, müs-
sen somit im Falle einer Rückkehr nicht mehr damit rechnen, wegen 
ihres Bruders bzw. Schwagers von der KDP oder der PUK behelligt zu 
werden. Die  von  ihnen  geäusserte  subjektive  Furcht  vor  zukünftiger 
Verfolgung erweist sich damit als objektiv nicht mehr begründet.

6.3.4 Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  den  Beschwerdefüh-
rern auch angesichts des Umstandes, wonach die Schwelle  der  An-
nahme von begründeter Furcht, bei Personen, die bereits früher Verfol-
gung  erlitten  haben  (Inhaftierungen  und  Misshandlungen  der  Be-
schwerdeführer), herabgesetzt ist (vgl. EMARK 2004 Nr. 1, 1998 Nr. 4), 
keine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zuerkannt werden 
kann.

6.4

6.4.1 Gemäss  gefestigter  Praxis  der  Asylbehörden  ist  eine  erlittene 
Vorverfolgung auch nach Wegfall  einer weiteren zukünftig drohenden 
Verfolgungsgefahr  weiterhin  als  asylrechtlich  relevant  zu  betrachten, 
wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat  aus zwingenden, 
auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht zumutbar ist; bei 
dieser Auslegung von Art. 3 AsylG wurde die entsprechende Formulie-
rung der Ausnahmebestimmung des Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkom-
mens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge 
(FK, SR 0.142.30)  beigezogen (vgl. EMARK 2001 Nr. 3 S. 10 ff.,  mit 
weiteren Hinweisen). Als "zwingende Gründe" in diesem Zusammen-
hang  sind  vorab  traumatisierende  Erlebnisse  zu  betrachten,  die  es 
dem Betroffenen angesichts  erlebter  schwerwiegender  Verfolgungen, 
insbesondere  Folterungen,  im  Sinne  einer  Langzeittraumatisierung 
psychologisch  verunmöglichen,  ins  Heimatland  zurückzukehren  (vgl. 
EMARK 1995  Nr. 16  S. 166  ff.,  1996  Nr. 10  S. 74  ff.,  1996  Nr. 42 
S. 371 ff.).

6.4.2 In der bisherigen Praxis wurden infolge erlittener schwerer Ver-
folgung bestehende psychische Blockaden,  welche es dem Betroffe-
nen  verunmöglichten,  sich  mit  Vertretern  des  ehemaligen  Verfolger-
staates in Kontakt zu setzen, als "zwingende Gründe" anerkannt; dies 
selbst  dann,  wenn  dieser  Staat  nunmehr  demokratisch  geführt  wird 
und lediglich eine Kontaktnahme mit der Botschaft dieses Staates not-

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wendig geworden wäre (vgl. EMARK 1995 Nr. 16). "Zwingende Grün-
de", wie sie in der Praxis anerkannt wurden, beziehen sich somit nicht 
auf  den  "Ort  des  Schreckens",  sondern  auf  den  Staat  (bzw. Quasi-
Staat),  der diese Schrecken zu einem früheren Zeitpunkt verübt hat. 
Schliesslich gilt es festzuhalten, dass sich nicht auf "zwingende Grün-
de"  berufen  kann,  wer  den  ehemaligen  Verfolgerstaat  erst  in  einem 
Zeitpunkt verlassen hat, als die Verfolgungsgefahr bereits weggefallen 
war (vgl. EMARK 2000 Nr. 2 und 1999 Nr. 7). Diese Frage braucht im 
vorliegenden Fall indessen nicht näher geprüft zu werden, da die Be-
schwerdeführer  den  Nordirak  gemäss  glaubhaften  Aussagen  bereits 
im November  1996 verliessen und im Iran lebten,  bis  sie  diesen im 
März 2003 verliessen und anschliessend in die Schweiz gelangten. 

6.4.3 Aus den als glaubhaft erachteten Schilderungen der Beschwer-
deführer und den die Beschwerdeführerin betreffenden ärztlichen Be-
richten geht hervor, dass diese von Vertretern des Sicherheitsdienstes 
der KDP während ihrer Haft schwer misshandelt und gefoltert wurden. 
Unter Hinweis auf die Ausführungen unter 6.2 zweifelt das Bundesver-
waltungsgericht nicht daran, dass sie in ihrem Heimatland ernsthaften 
Nachteilen ausgesetzt waren. Angesichts der damaligen Zustände im 
Irak  wird  zudem davon  ausgegangen,  dass  sie  zum Zeitpunkt  ihrer 
Ausreise begründete Furcht vor der Zufügung weiterer asylrechtlich re-
levanter Nachteile hatten (vgl. Ziff. 6.2).

Aufgrund der eingereichten, von fachlich kompetenter Seite erstellten 
ärztlichen Berichte und der gesamten Aktenlage erachtet es das Bun-
desverwaltungsgericht  als  erstellt,  dass  bei  der  Beschwerdeführerin 
vom Bestehen  einer  Langzeittraumatisierung,  welche  ihr  eine  Rück-
kehr in ihre Heimat im jetzigen Zeitpunkt psychisch verunmöglicht, im 
Sinne der oben skizzierten Rechtsprechung auszugehen ist. Es beste-
hen somit "zwingende Gründe", die einer Rückkehr der Beschwerde-
führerin  in  den  Nordirak  entgegenstehen;  ihre  Vorbringen  erweisen 
sich - zumal auch die übrigen Voraussetzungen wie Staatlichkeit  der 
erlittenen und befürchteten Nachteile und genügend enger Kausalzu-
sammenhang zwischen Verfolgung und Flucht nicht fraglich sind – un-
geachtet der zwischenzeitlich erfolgten Veränderung der Lage im Irak 
– weiterhin als asylrechtlich relevant.

6.4.4 Der Beschwerdeführer wurde in seiner Heimat während der erlit-
tenen Festnahme zwar auch misshandelt und in der Beschwerde wird 
geltend  gemacht,  er  sei  aufgrund  seiner  Erlebnisse  ebenfalls  psy-

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chisch angeschlagen, in der Folge wurden indessen keine ärztlichen 
Berichte eingereicht, die bestätigen würden, dass auch er unter einem 
Langzeittrauma leidet, das ihm eine Rückkehr in den Heimatstaat auf-
grund erlittener Verfolgung verunmöglichen würde. Unter einem Lang-
zeittrauma  leidende  Personen  begeben  sich  erfahrungsgemäss  in 
fachärztliche Behandlung und bedürfen längerfristig  medikamentöser 
sowie  psychotherapeutischer  Behandlung,  ansonsten  sie  ihr  Leben 
kaum erträglich gestalten können. Vorliegend bestehen jedoch keine 
objektiven  Hinweise  dafür,  der  Beschwerdeführer  leide  unter  einem 
Langzeittrauma, das ihm eine Rückkehr in den Irak aus im Sinne der 
Rechtsprechung "zwingenden Gründen" verunmöglichen würde.

7.

7.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Be-
schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft erfüllt.  Dementsprechend 
ist ihr mangels Anzeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes 
(Art. 53 AsylG) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 

7.2 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten und ihre minder-
jährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn kei-
ne  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen. Vorliegend  sind  keine 
besonderen Umstände auszumachen, die gegen einen Einbezug des 
Beschwerdeführers und der gemeinsamen Kinder der Beschwerdefüh-
rer in die Flüchtlingseigenschaft ihrer Ehefrau beziehungsweise Mutter 
sprechen. 

8.
Wie vorstehend aufgezeigt,  erfüllen die Beschwerdeführer in Anwen-
dung von Art. 3 bzw. Art. 51 Abs. 1 AsylG die Anforderungen an die 
originäre bzw. abgeleitete Flüchtlingseigenschaft. Die Beschwerde ist 
demnach  gutzuheissen,  die  Verfügung  des  BFM vom 27. Dezember 
2005 aufzuheben und das BFM anzuweisen, den Beschwerdeführern 
und ihren Kindern Asyl zu gewähren.

9.

9.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Kosten 
aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

9.2 Den  Beschwerdeführern  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Be-
schwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 

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37 VGG eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwen-
digen Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7, Art. 8, Art. 9 Abs. 1 
und Art. 10 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE; SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin bezeichnete ihren Auf-
wand in einer der Beschwerde beigelegten Honorarnote vom 26. Janu-
ar 2006 mit 14 Stunden und 20 Minuten (à Fr. 150.--). Dieser Aufwand 
erscheint  dem Bundesverwaltungsgericht  überhöht; aufgrund der Ak-
ten  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  einen  Gesamtaufwand 
(inkl. der weiteren Bemühungen der Rechtsvertretung nach Beschwer-
deeinreichung) von 13 Stunden als angemessen. Die Parteientschädi-
gung ist  demnach auf  pauschal  Fr. 2'050.--  (inkl. Dossiereröffnungs- 
und Spesenpauschale) festzulegen. Das BFM ist anzuweisen, den Be-
schwerdeführern diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 27. Dezember 2005 wird aufgehoben und das BFM 
wird angewiesen, den Beschwerdeführern und ihren Kindern Asyl zu 
gewähren.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Das BFM hat  den Beschwerdeführern  eine Parteientschädigung von 
Fr. 2'050.--  auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie; Beilagen: beigezogene 
Akten N _______ und N _______)

- (kantonale Behörde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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