# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0bf454ba-41fb-5289-b387-f23adeb94415
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-07-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Zivilkammern 20.07.2010 ZK 2010 202
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_001_ZK-2010-202_2010-07-20.pdf

## Full Text

APH-10 202, publiziert August 2010

Entscheid der 2. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Bern,
unter Mitwirkung von Oberrichterin Apolloni Meier (Referentin i.V.), Oberrichter Messer und 
Obergerichtssuppleant Chételat sowie Kammerschreiberin Werner

vom 20. Juli 2010

in der Streitsache zwischen

A-Genossenschaft
vertreten durch Fürsprecher Z.

Gesuchstellerin/Appellantin

und

B.
Gesuchsgegner/Appellat

Regeste:
1) Art. 501 Abs. 1 OR; Geltung für den Solidarbürgen
2) Art. 501 OR gilt aufgrund seiner systematischen Stellung auch für den Solidarbürgen, 
weshalb dieser vor Eintritt der vertraglichen Fälligkeit – auch wenn die Hauptschuld durch 
Konkurseröffnung fällig wurde – nicht für die gesamte Forderung belangt werden kann.
Der Rückbürge verbürgt die Regressforderung des primären Bürgen gegenüber dem 
Hauptschuldner. Die Regressforderung, die von Gesetzes wegen entsteht, kann nicht weiter 
gehen als die Zahlungspflicht des primären Bürgen. Das Rückgriffsrecht entsteht nur, wenn 
die Hauptschuld fällig ist.

Redaktionelle Vorbemerkungen:
Die Vorinstanz erteilte der Appellantin (primäre Bürgin) in der Betreibung gegen den 
Appellaten (Rückbürge) nur für einen Teil ihrer Forderung die provisorische Rechtsöffnung.
Nachdem die Hauptschuldnerin einen Kredit aufgenommen habe, sei die Appellantin eine 
Solidarbürgschaftsverpflichtung eingegangen. Zur Sicherung dieser Bürgschaft sei der 
Appellat eine Rückbürgschaftsverpflichtung eingegangen. Die Appellantin sei nun für einen 
Teil der Hauptschuld ins Recht gefasst worden. Der Rückbürge könne im Falle des 
Konkurses der Hauptschuldnerin nicht belangt werden, wenn die vertragliche Fälligkeit nicht 
eingetreten sei.
Die 2. Zivilkammer bestätigte den Entscheid der Vorinstanz.

Auszug aus den Erwägungen: 

I.

(…)

II.

1. + 2. (…).

3. Umstritten ist in erster Linie die Frage, ob ein Solidarbürge (Art. 496 OR) belangt werden 
kann, wenn die Hauptschuld durch die Konkurseröffnung fällig wird (Art. 501 Abs. 1 OR). 
Die Beantwortung dieser Frage hat Auswirkungen auf die im Streit liegende Forderung 
zwischen der primären Bürgin (Appellantin) und dem deren  Regressforderung 
gegenüber der Hauptschuldnerin verbürgenden Rückbürgen (Appellat).
Nach Art. 501 Abs. 1 OR kann der Bürge wegen der Hauptschuld vor dem für ihre 
Bezahlung festgesetzten Zeitpunkt selbst dann nicht belangt werden, wenn die Fälligkeit 
durch den Konkurs des Hauptschuldners vorgerückt wird.
Die vertragliche Fälligkeit der Hauptschuld ist unbestrittenermassen noch  nicht 
vollständig eingetreten, die letzte Rate wäre nämlich am 30. September 2010 fällig. 
Diese ist jedoch aufgrund der Konkurseröffnung der Hauptschuldnerin gemäss Art. 208 
SchKG fällig geworden. Die Appellantin macht diesbezüglich geltend, dass ihr als 
Solidarbürgin anders als einem einfachen Bürgen die Einrede gemäss Art. 501 Abs. 1 
OR nicht offen stehe. Näher begründet wird diese Auffassung jedoch nicht.
Systematisch steht Art. 501 Abs. 1 OR unter der Marginalie „II. Gemeinsamer Inhalt, 1. 
Verhältnis des Bürgen zum Gläubiger“. Unter „I. Besonderheiten der einzelnen 
Bürgschaftsarten“ werden in Art. 495 OR die einfache Bürgschaft, in Art. 496 OR die 
Solidarbürgschaft, in Art. 497 OR die Mitbürgschaft, und in Art. 498 OR die Nach- und 
Rückbürgschaft behandelt. Systematisch gilt daher Art. 501 Abs. 1 OR für alle Arten von 
Bürgschaften.
Mangels anderer Abrede wird die Bürgschaftsverpflichtung ihrem Sicherungszweck 
entsprechend gleichzeitig mit der Hauptschuld fällig, und der Bürge  kann  im 
Allgemeinen sofort belangt werden (Art. 75 OR). Art. 501 Abs. 1 OR stipuliert eine 
Ausnahme von diesem Grundsatz: Trotz der durch Art. 208 SchKG bewirkten Fälligkeit 
der Hauptforderung infolge Konkurses des Hauptschuldners bleibt für den Bürgen der 
für die Erfüllung der Hauptschuld ursprünglich festgelegte Zeitpunkt massgeblich. Der 
Bürge soll sich darauf verlassen können, dass er nicht früher belangt werden kann, als 
er dies in Aussicht genommen hat1.
Hinzuweisen ist ebenfalls darauf, dass PESTALOZZI2 im Rahmen seiner Kommentierung
zu Art. 496 OR (Solidarbürgschaft) auf Art. 501 Abs. 1 OR verweist und ausführt, der 
Zahlungszeitpunkt für die Hauptschuld müsse effektiv eingetreten sein.
Das  Kantonsgericht  Freiburg  hat  in  seinem  Entscheid  vom  15.  Dezember  19763

festgehalten, dass auch der Solidarbürge nicht vor der Fälligkeit der Hauptschuld zur 
Zahlung angehalten werden kann (unter Hinweis auf Art. 501 Abs. 1 OR, jedoch ohne 
Bezugnahme auf einen Konkurs).

1 PESTALOZZI, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND, Basler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1 – 529 OR, 4. 
Auflage, Basel 2007, N. 3 f. zu Art. 501 OR.
2 PESTALOZZI, a.a.O., N. 14 zu Art. 496 OR.
3 RFJ 1976, S. 45 ff.

Art. 501 Abs. 1 OR ist zwingend4  und wäre damit im vorliegenden Fall zu Gunsten der 
Appellantin anwendbar gewesen. Die Appellantin hätte sich damit auf die vertragliche 
Fälligkeit berufen können.
Der Rückbürge verbürgt die Regressforderung des primären Bürgen gegenüber dem 
Hauptschuldner (Art. 498 und 507 OR). Diese Regressforderung, die kraft Gesetzes 
entsteht (Subrogation) kann nicht weiter gehen, als die Zahlungspflicht des primären 
Bürgen. Das Rückgriffsrecht des Bürgen entsteht nur, wenn die Hauptschuld fällig ist5. 
Vorliegend entstand die Regressforderung daher nicht in vollem Umfang. Leistet der 
primäre Bürge Zahlungen, zu denen er nach dem Gesetz (noch) nicht verpflichtet ist, 
subrogiert er nur im Umfang seiner gesetzlichen Verpflichtung. Der Rückbürge muss 
nicht damit rechnen, für eine Regressforderung in Anspruch genommen zu werden, 
welche über die Leistungspflicht des primären Bürgen hinausgeht.

Die Vorinstanz hat damit zu Recht nicht für die gesamte Forderung die provisorische 
Rechtsöffnung erteilt. Insoweit ist der angefochtene Entscheid damit zu bestätigen.

(…).

Hinweis:
Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

4 PESTALOZZI, a.a.O., N. 2 zu Art. 501 OR.
5 PESTALOZZI, a.a.O., N. 5 zu Art. 507 OR.