# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55e2db1d-cfb0-5b55-8c26-6f5181e7474e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.04.2010 E-8047/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8047-2009_2010-04-13.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-8047/2009
luc/bos/gon/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 3 .  A p r i l  2 0 1 0

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 
Richter Bruno Huber, Richterin Muriel Beck Kadima, 
Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann.

A._______, geboren (...),
Eritrea,
vertreten durch Annelise Gerber, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
26. November 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-8047/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  eritreischer  Staatsangehöriger,  der  den 
grössten Teil seines Lebens in Äthiopien verbrachte, verliess Äthiopien 
eigenen  Angaben  zufolge  am 26.  März  2000  Richtung  Sudan. Dort 
habe er  bis  am 10. Dezember  2004  gelebt,  wobei  er  sich  zwischen 
dem 1. Juni 2004 und dem 5. Dezember 2004 in Haft befunden habe 
(Akten BFM A 1 S. 6; A 6 S.3). Daraufhin sei er nach Libyen weiter -
gereist, wo er zwischen dem 23. Januar 2005 und dem 8. Dezember 
2007 gelebt habe. Auch dort sei er zwei Mal inhaftiert worden; einmal 
für ein Jahr und einmal für 11 Monate (A 6 S. 11). Via Italien sei er 
dann in  die  Schweiz  gekommen,  wo er  am 17. Dezember  2007 ein 
Asylgesuch stellte.

B.
Am  27.  Dezember  2007  wurde  er  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum  Basel  summarisch  zu  seinen  Asylgründen  befragt;  am 
22. Januar 2008 hörte das BFM den Beschwerdeführer gemäss Art. 29 
des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG,  SR 142.31)  einlässlich 
an. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton Bern zu-
geteilt.

C.
Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen Folgendes geltend:

Sein  Bruder  habe  für  die  eritreische  Botschaft  in  Äthiopien  als  (...) 
gearbeitet. Zudem sei dieser während der Zeit des Referendums sehr 
"aktiv" gewesen (A 6 S. 9). Aufgrund seines Militärdienstes habe der 
Bruder nach Eritrea reisen müssen, wo er noch heute sei. Im Jahre 
1999  habe  die  zivile  Sicherheitspolizei  Äthiopiens  den 
Beschwerdeführer  geschlagen  und  mit  einer  Waffe  bedroht,  da  sie 
davon  ausgegangen seien,  es  handle  sich  um seinen  Bruder. Nach 
Aufklärung des Missverständnisses hätten sie ihn aufgefordert, ihnen 
den  Aufenthaltsort  seines  Bruders  preiszugeben.  Bei  der 
darauffolgenden Flucht sei ihm ins Bein geschossen worden. Danach 
habe er vorerst bei einem Bruder des Mannes gewohnt, welcher ihn 
nach  der  Schussverletzung  gefunden  habe;  danach  sei  er  nach 
B._______ zu der  Frau seines Onkels  väterlicherseits  gezogen,  von 
wo aus er in den Sudan gereist sei. Zudem hätten er und seine Familie 

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vermehrt  Probleme  mit  den  äthiopischen  Behörden  gehabt. 
Insbesondere  hätten  die  Behörden  ihnen  die  Bewilligung  für  den 
Familienbetrieb entzogen. Nach seiner Ausreise habe ihn seine Mutter 
darüber  in  Kenntnis  gesetzt,  dass  die  Behörden  ihn  zur  Befragung 
vorgeladen hätten und sie  ein  diesbezügliches Schreiben zugesandt 
bekommen habe. Wenn er in  Äthiopien geblieben wäre,  hätte er  mit 
einer Ausweisung nach Eritrea rechnen müssen; dort wiederum hätte 
ihm eine Einberufung zu einem langjährigen Militärdienst gedroht.

D.
Im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  reichte  der  Beschwerde-
führer unter anderem folgende Dokumente ein:

- eine  eritreische  Identitätskarte  des  Beschwerdeführers  (BFM-
Aktenmappe)

- eine  Heiratsurkunde  vom  (....),  worin  der  Beschwerdeführer  als 
eritreischer Staatsbürger aufgeführt wird (BFM-Aktenmappe)

- eine Kopie der eritreischen Identitätskarte seiner Mutter (A 12)

- eine Kopie der eritreischer Identitätskarte seines Vaters (A 12)

- eine Kopie des (...) Passes seines Vaters (A 12)

- eine  Vorladung  durch  den  Kriminaldienst  für  eine  Anhörung  am 
17. April 1999 (A 12).

E.
Am 24. Juli  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  nach  Art.  41  Abs. 1 
AsylG ergänzend angehört.

F.
Am 28. Juli  2009 wandte sich das BFM an die Schweizerische Bot-
schaft in Addis Abeba mit der Bitte um Verifizierung der Angaben des 
Beschwerdeführers, insbesondere betreffend seine Wohnsituation und 
seine Familie in Äthiopien. Mit Schreiben vom 10. September 2009 gab 
die Botschaft zu den gewünschten Punkten Auskunft, wobei auch die 
polizeiliche Vorladung geprüft und als echt befunden wurde. Dem Be-
schwerdeführer  wurde  mit  Schreiben  vom 18.  September  2009  das 
rechtliche  Gehör  gewährt.  Dieser  nahm  mit  Schreiben  vom 
28. September 2009 dazu Stellung.

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G.
Mit  Verfügung  vom 26.  November  2009  (eröffnet  am  27.  November 
2009) verneinte das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung nach 
Äthiopien  sowie  deren  Vollzug  an.  Als  Begründung  führte  es  im 
Wesentlichen aus, die Situation zwischen Eritrea und Äthiopien habe 
sich  seit  der  Unterzeichnung des Friedensabkommens im Juni  2000 
deutlich  verbessert.  Zudem  habe  sich  mit  Einführung  des  neuen 
Staatsangehörigkeitsgesetzes  vom Dezember  2003  und  der  speziell 
Personen  eritreischer  Herkunft  betreffenden  Direktive  vom  Januar 
2004 die Situation für die in Äthiopien lebenden Personen eritreischer 
Herkunft  weiter  entspannt.  Die  Suche  der  Behörden  nach  dem  Be-
schwerdeführer habe im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Krieg 
zwischen Eritrea und Äthiopien gestanden, und es sei deshalb nicht 
ersichtlich,  weshalb  die  äthiopischen  Behörden  zum  heutigen  Zeit-
punkt noch ein Interesse an ihm haben sollten. Die Vorbringen würden 
somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 
AsylG  nicht  standhalten.  Zudem  herrsche  in  Äthiopien  weder  Krieg 
noch  Bürgerkrieg  noch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Auch 
würden sich  aus den Akten keine anderen Gründe ergeben,  welche 
den  Wegweisungsvollzug  als  unzumutbar  erscheinen  liessen.  Der 
Vollzug der  Wegweisung nach Äthiopien sei  auch technisch möglich 
und praktisch durchführbar.

H.
Mit Eingabe vom 29. Dezember 2009 (vorab am 26. Dezember 2009 
fristgerecht  per  Telefax  eingereicht)  gelangte  der  Beschwerdeführer 
ans Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung, die Anerkennung als Flüchtling und die Ge-
währung von Asyl. Eventuell sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 
Weiter  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozess-
führung. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er werde 
in  Äthiopien  aufgrund  seiner  eritreischen  Herkunft  bedroht;  zudem 
gebe es einen neuen Suchbefehl gegen ihn und seinen Bruder.

I.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2010 trat das Bundesverwaltungsgericht 
auf  die  Beschwerde  ein  und  verfügte,  der  Beschwerdeführer  könne 
den  Entscheid  in  der  Schweiz  abwarten  und  die  unentgeltliche 
Prozessführung werde gewährt. 

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J.
Mit  Schreiben  vom  20.  Januar  2010  reichte  der  Beschwerdeführer 
weitere Beweismittel zu den Akten.

K.
Mit  Verfügung  vom  5.  Februar  2010  überwies  das  Bundesver-
waltungsgericht  die  Akten  zur  Vernehmlassung  an  die  Vorinstanz. 
Dabei wurde sie aufgefordert, zu den neu eingereichten Dokumenten 
wie auch zur Wegweisung nach Äthiopien Stellung zu nehmen, welche 
verfügt wurde, obwohl das BFM die eritreische Staatsbürgerschaft des 
Beschwerdeführers  nicht  bestritten  hatte.  Insbesondere  wurde  auch 
darauf  hingewiesen,  dass  nach  Erkenntnissen  des  Bundesver-
waltungsgerichtes  einer  legalen  Einreise  eritreischer  Staats-
angehöriger nach Äthiopien grosse Schwierigkeiten entgegenstehen.

L.
Mit  Vernehmlassung  vom 25.  Februar  2010  hielt  das  BFM  fest,  es 
würden  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  vor-
liegen, zu gewissen Punkten seien aber Bemerkungen anzubringen. In 
Bezug auf die nachgereichten Dokumente sei es nicht möglich, sich zu 
deren Echtheit zu äussern, solche Dokumente seien aber in Äthiopien 
käuflich  zu  erwerben.  Bezüglich  der  Rückkehr  eines  eritreischen 
Staatsbürgers  nach  Äthiopien  hielt  das  BFM  fest,  Personen  eri-
treischer Herkunft,  welche ursprünglich aus Äthiopien stammten und 
die eritreische Staatsbürgerschaft erworben hätten, sei es möglich, ein 
Einreisevisum nach Äthiopien zu erhalten; in Addis Abeba könne nach 
der  Einreise  ein  Residence  Permit  beantragt  werden.  Die  Ver-
folgungssituation  des  Beschwerdeführers  in  Eritrea  sei  ein  blosser 
Nebenpunkt,  dem  keine  Asylrelevanz  zukomme.  Die  bloss  hypo-
thetische  Möglichkeit,  zum Militärdienst  eingezogen  zu  werden,  ver-
möge ausserdem die  Annahme einer  Furcht  vor Verfolgung nicht  zu 
begründen. Die  Vernehmlassung  vom 25.  Februar  2010  wurde  dem 
Beschwerdeführer bisher noch nicht zur Kenntnis gebracht.

M.
Am 1. März 2010 reichte die Rechtsvertreterin  aufforderungsgemäss 
eine Kostennote zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Die Vernehmlassung des BFM vom 25. Februar 2010 wurde dem Be-
schwerdeführer  bisher nicht  zur Kenntnis  gebracht  und zur  Stellung-
nahme unterbreitet. Da mit dem vorliegenden Urteil seinem Begehren, 
die angefochtene Verfügung aufzuheben, stattgegeben wird, kann auf 
eine  vorgängige  Anhörung  in  diesem  Zusammenhang  Verzichten 
werden (vgl. Art. 30 Abs. 2  Bst. c  VwVG). Im Sinne der  Verfahrens-
transparenz wird die Vernehmlassung vom 25. Februar 2010 dem Be-
schwerdeführer zusammen mit  dem vorliegenden Urteil  zur Kenntnis 
gebracht.

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4.

4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

5.  

5.1 Das BFM stellt  mit  Verfügung vom 26. November  2009 fest,  die 
Situation der eritreischstämmigen Personen in Äthiopien habe sich seit 
Unterzeichnung  des  Friedensabkommens  im  Juni  2000,  der  Ein-
führung des neuen Staatsangehörigkeitsgesetzes im Dezember 2003 
und der Direktive vom Januar 2004 speziell für Personen eritreischer 
Herkunft  deutlich  verbessert.  Es  könne  nicht  davon  gesprochen 
werden,  Personen  eritreischer  Herkunft  seien  in  Äthiopien  generell 
asylbeachtlichen Nachteilen ausgesetzt. Ausserdem stehe die Suche 
der Behörden nach dem Gesuchsteller im unmittelbaren Zusammen-
hang mit den Ereignissen während des Krieges zwischen Eritrea und 
Äthiopien  in  den Jahren 1998 – 2000,  und es  sei  deshalb  nicht  er -
sichtlich,  weshalb  die  Behörden  zum  heutigen  Zeitpunkt  noch  ein 
Interesse am Gesuchsteller haben sollten.

Insgesamt würden somit keine konkreten Hinweise vorliegen, wonach 
dem Beschwerdeführer asylbeachtliche Nachteile seitens der äthiopi-
schen  Behörden drohen  würden. Der  Vollzug der  Wegweisung nach 

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Äthiopien  sei  zudem  zumutbar  und  auch  technisch  möglich  und 
praktisch durchführbar. 

Aufgrund dieser Erwägungen lehnte das BFM das Asylgesuch ab und 
verfügte  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz 
und den Wegweisungsvollzug nach Äthiopien.

5.2 Nach Art. 3 Abs. 1 des AsylG gilt eine Person als Flüchtling, die in 
ihrem Heimatstaat oder im Land in dem sie zuletzt wohnte, ernsthaften 
Nachteilen ausgesetzt ist. Dabei ist zu beachten, dass die Möglichkeit 
der  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  bezogen  auf  den  Herkunfts-
staat  –  das  Land,  in  dem  der  Betroffene  zuletzt  wohnte  –  nur  bei  
staatenlosen Personen  Anwendung findet;  für  nicht  staatenlose Per-
sonen ist die Flüchtlingseigenschaft demgegenüber in Bezug auf den 
Heimatstaat  zu  prüfen  (vgl.  WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylver-
fahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990,  S. 32;  SAMUEL WERENFELS,  Der 
Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987, 
S. 329  ff.;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi   Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.7; Schweizerische 
Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], Handbuch zum Asyl- und Wegweisungs-
verfahren, Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 170). Art. 3 Abs. 1 des AsylG 
entspricht inhaltlich dem Art. 1A Ziff. 2  des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die  Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)  an, 
aus dessen Wortlaut klar hervorgeht, dass die Flüchtlingseigenschaft 
in  Bezug auf  das  „Heimatland“  und für  staatenlose Gesuchsteller  in 
Bezug auf den „Wohnsitzstaat“ (Formulierungen gemäss der amtlichen 
Übersetzung  aus  dem  englischen  und  französischen  Originaltext; 
SR 0.142.30) zu prüfen ist; das UNHCR verwendet in seiner nichtamt-
lichen Übersetzung des Konventionstextes in seinem Handbuch über 
Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft 
von  1979  [Neuauflage  2003,  hiernach:  UNHCR-Handbuch])  die 
Formulierungen  des  „Landes,  dessen  Staatsangehörigkeit  [eine 
Person]  besitzt“  sowie  für  Staatenlose  des  „Landes,  in  welchem sie 
ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte“ (vgl. UNHCR-Handbuch, Rz. 101; 
vgl.  auch  GUY S. GOODWIN-GILL/JANE MCADAM,  The  refugee  in  inter-
national law, 3. Aufl., Oxford 2007, S. 67). 

5.3 In  der angefochtenen Verfügung erfolgte die Prüfung der Flücht-
lingseigenschaft  des  Beschwerdeführers,  der  unbestrittenermassen 
eritreischer  Staatsbürger  ist,  lediglich  bezogen  auf  Äthiopien.  Eine 
rechtlich schlüssige Erklärung dafür findet sich weder in der Verfügung 

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vom 26. November  2009 noch in  der  Vernehmlassung des BFM. Es 
wird  lediglich  festgehalten,  dass  die  Verfolgungssituation  des 
Beschwerdeführers in Eritrea ein Nebenpunkt sei, dem von vornherein 
keine  Asylrelevanz  zukomme.  Weshalb  dem  so  sein  sollte,  ist  im 
vorliegenden  Fall  jedoch  nicht  ersichtlich.  Die  Frage,  ob  der 
Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  Eritrea,  sein  Heimatland,  die 
Flüchtlingseigenschaft erfülle, ist im Gegenteil die zentrale Frage des 
vorliegenden Asylverfahrens.

5.4 Auch den Wegweisungsvollzug prüft  das BFM lediglich in Bezug 
auf Äthiopien. Es führt  aus, dass Personen eritreischer Herkunft, die 
ursprünglich  aus  Äthiopien  stammen,  sich  jedoch mehrere  Jahre  im 
Ausland  aufgehalten  haben  und  die  eritreische  Staatsbürgerschaft 
erworben  haben,  die  Möglichkeit  hätten,  nach  Äthiopien  zurückzu-
kehren. Indessen ist nicht ersichtlich, auf welche rechtliche Grundlage 
sich  eine  Wegweisung in  einen anderen als  den Heimatstaat  stützt; 
namentlich hat die Vorinstanz nicht die einschlägigen asylgesetzlichen 
Drittstaaten-Tatbestände  (Art.  34  AsylG)  zur  Anwendung  gebracht. 
Andererseits  fehlt  eine  Prüfung  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und 
Möglichkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  nach  Eritrea,  das  Heimat-
land des Beschwerdeführers, obwohl gleichzeitig ein Vollzug in dieses 
Land im Verfügungsdispositiv nicht explizit  ausgeschlossen wird (vgl. 
Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG). Ebenso fehlt eine Prüfung der Frage, ob 
der Beschwerdeführer in Äthiopien vor einem allfälligen Refoulement 
nach Eritrea sicher wäre.

5.5 Mit Schreiben vom 20. Januar 2010 reichte der Beschwerdeführer 
unter  anderem  einen  neuen  äthiopischen  Suchbefehl  vom 
14. September  2008  für  ihn  und  seinen  Bruder  zu  den  Akten.  Im 
Rahmen  der  Vernehmlassung  äusserte  sich  das  BFM  zu  den  ein-
gereichten Dokumenten und wies darauf hin, dass solche Dokumente 
in Äthiopien käuflich zu erwerben seien; eine Echtheitsprüfung müsste 
jedoch von der Schweizer Vertretung vor Ort durchgeführt werden.

Im vorliegenden Verfahren erweist sich die Frage, ob der Beschwerde-
führer in Äthiopien gesucht wird, wie dargestellt jedoch nicht als aus-
schlaggebend, da die Flüchtlingseigenschaft bezogen auf Eritrea hätte 
geprüft werden müssen. Die Frage der Authentizität des Suchbefehls 
kann deshalb an dieser Stelle offen gelassen werden.

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5.6 Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Flüchtlingseigenschaft 
und  die  Asylgewährung  sowie  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und 
Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzuges  des  Beschwerdeführers  in 
Bezug auf Eritrea hätten geprüft  werden müssen. Die Vorinstanz hat 
diese Prüfung zu Unrecht unterlassen.

6.
Die  Beschwerde  ist  somit  gutzuheissen  und  zur  richtigen  und  voll-
ständigen Abklärung des Sachverhalts sowie zu neuem Entscheid im 
Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.

7.

7.1 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  aufzu-
erlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteient-
schädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art.  7 
Abs. 1 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  hat  in 
ihrer Kostennote einen Betrag von gesamthaft Fr. 430.- ausgewiesen, 
was als angemessen erscheint. Die Parteientschädigung ist demnach 
in dieser Höhe festzusetzen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur voll -
ständigen  Abklärung  des  Sachverhaltes  und  zur  Neubeurteilung  im 
Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von 
Fr. 430.- zu entrichten.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die kantonale Behörde (....).

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Sandra Bodenmann

Versand: 

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