# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b801c662-0a49-55f1-94e9-67c5fc191150
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-20
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 20.12.2018 VG.2018.00112 (VG.2019.741)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2018-00112_2018-12-20.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 20. Dezember 2018

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2018.00112

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemeinde Glarus Nord

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwälte
    B.______ und C.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  A.______ erstellte an der
  X-strasse in […] ohne Baubewilligung vier Garagen und einen Parkplatz. Nach
  der Nachreichung gewisser Baugesuchsunterlagen und der öffentlichen Auflage
  des nachträglichen Baugesuchs wurde baupolizeilich festgestellt, dass durch
  die Bauten der Strassenabstand zur Y- Strasse unterschritten werde. Die
  Gemeinde Glarus Nord verweigerte am 26. Oktober 2011 die nachträgliche
  Baubewilligung und befahl die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
  bis spätestens zum 30. November 2011. Dagegen reichte A.______ Beschwerde
  beim Regierungsrat ein, welche zuständigkeitshalber an das Departement Bau
  und Umwelt (DBU) überwiesen wurde. Das DBU hiess die Beschwerde von A.______
  am 26. Juni 2014 teilweise gut und verpflichtete ihn, die östlichste, an die
  Y-Strasse grenzende Garage sowie den daneben befindlichen Parkplatz innert
  sechs Monaten ab Rechtskraft des Entscheids zu entfernen. Eine dagegen beim
  Verwaltungsgericht erhobene Beschwerde wurde am 30. April 2015
  abgewiesen. Das Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft (vgl. zum Ganzen
  VGer-Urteil VG.2014.00076). 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Da A.______ in der Folge weder die Garage noch den
  Parkplatz zurückgebaut hatte, zeigte ihm die Gemeinde Glarus Nord am 17.
  Februar 2017 an, dass der Abbruch durch ein von der Gemeinde Glarus Nord
  beauftragtes Unternehmen am 20. März 2017 erfolgen werde. 

  
	
   

  
	
  2.2 Am 10. März 2017 (Datum des Eingangs) beantragte
  A.______ bei der Gemeinde Glarus Nord die Bewilligung zum Umsetzen der
  bestehenden Garage um einen Meter. Die Gemeinde Glarus Nord erteilte ihm am
  29. Juni 2017 die Baubewilligung unter verschiedenen Auflagen und
  Bedingungen.

  
	
   

  
	
  2.3 Dagegen erhob A.______ am 5. September 2017
  Beschwerde beim DBU. Er beantragte insbesondere, dass ihm auch die Erstellung
  des geplanten Vordachs an der Ostfassade der Garage zu bewilligen sei.

  
	
   

  
	
  2.4 Die Gemeinde Glarus Nord widerrief in der Folge noch
  während der Frist zur Einreichung einer Beschwerdeantwort am 11. Oktober 2017
  die Baubewilligung, was sie damit begründete, dass die Garage gegenüber der
  Y-Strasse auch nach der Versetzung den Strassenabstand weiterhin verletzte.
  A.______ wurde aufgetragen, innert 10 Tagen nach Empfang der Verfügung
  die Planunterlagen zu bereinigen und der Baubewilligungsbehörde zur
  Genehmigung einzureichen (Disp.-Ziff. 2). Für den Säumnisfall drohte sie den
  Abbruch der Garage und des Parkplatzes im Sinne einer Ersatzvornahme an
  (Disp.-Ziff. 3).

  
	
   

  
	
  2.5 A.______ gelangte am 21. November 2017 (Datum des
  Poststempels) auch gegen die Verfügung vom 11. Oktober 2017 mit Beschwerde
  ans DBU und beantragte deren Aufhebung. 

  
	
   

  
	
  2.6 Das DBU vereinigte am 22. November 2017 die beiden
  Beschwerdeverfahren. Am 5. September 2018 wies es die Beschwerde gegen
  die Widerrufsverfügung vom 11. Oktober 2017 ab. Disp.-Ziff. 2 der
  Verfügung änderte das DBU jedoch in dem Sinne ab, dass A.______ innert 30
  Tagen nach Rechtskraft des Entscheids die Planunterlagen des Baugesuchs zu
  bereinigen und der Baubewilligungsbehörde zur Genehmigung einzureichen habe.
  In den Planunterlagen müsse zwingend aufgezeigt werden, dass der gesetzlich
  vorgeschriebene Strassenabstand von 4 m gegenüber der Y-Strasse
  vollumfänglich eingehalten werde. Die Beschwerde gegen die
  Baubewilligungsverfügung vom 29. Juni 2017 schrieb es als gegenstandslos
  geworden ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Dagegen erhob A.______ am 14. Oktober 2018
  Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des
  Entscheids des DBU. Die Widerrufsverfügung sei aufzuheben und die Gemeinde
  Glarus Nord sei zu verpflichten, ihm die Bewilligung für einen Dachvorsprung
  (Vordach) an der Ostfassade der Garage gemäss Baugesuch zu erteilen; alles
  unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.

  
	
   

  
	
  3.2 Das DBU beantragte am 29. Oktober 2018 die Abweisung
  der Beschwerde; unter Kostenfolge. Die Gemeinde Glarus Nord schloss am 14.
  November 2018 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 79 Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010
  (RBG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
  vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
  Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
  Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei
  rechtswidrig, dass der Beschwerdegegner 2 seine Beschwerde abgewiesen
  habe, obwohl eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die
  Beschwerdegegnerin 1 festgestellt worden sei. Er habe keine Möglichkeit
  gehabt, sich zum Widerruf der Baubewilligung zu äussern. Er sei nie dazu
  aufgefordert worden, seine Interessen an der Aufrechterhaltung der
  Baubewilligung darzulegen. Es sei daher nicht verwunderlich, dass die
  Interessenabwägung zu seinen Ungunsten ausgefallen sei. Sodann sei die
  Rechtswidrigkeit der Baubewilligung alles andere als klar. Die
  Verkehrssicherheit werde nämlich nicht beeinträchtigt. Die Strasse sei
  übersichtlich und werde nur langsam befahren. Die Garage wirke sich daher
  nicht negativ auf die Sicht aus. Dies auch deshalb, weil neben der Strasse
  zusätzlich ein breites Trottoir vorhanden sei, welches ebenfalls für freie
  Sicht sorge. Wenn der Beschwerdegegner 2 auf das Ermessen der
  Beschwerdegegnerin 1 verweise, zeige dies indirekt, dass die Sache doch
  nicht so klar sei. Die Baubewilligung sei daher zu Unrecht aufgehoben worden.
  Schliesslich sei die Beschwerdegegnerin 1 anzuweisen, das Baugesuch dem
  Kanton zuzustellen, wie dies bereits in anderen Fällen gemacht worden sei.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 stellt in Frage, ob
  das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers durch den Erlass der
  Widerrufsverfügung überhaupt verletzt worden sei. Dieser habe nämlich in
  einer Vereinbarung vom 17. März 2017 bestätigt, dass er die Garage zwei
  Monate nach Erteilung der Baubewilligung versetzen werde. Sodann habe er sich
  zur Leistung einer Kaution über Fr. 11'430.- verpflichtet. Bis zum
  Zeitpunkt des Widerrufs der Baubewilligung sei aber weder die Garage versetzt
  noch die Kaution geleistet worden, weshalb bereits aus diesem Grund die
  Baubewilligung habe widerrufen werden können. Dem Beschwerdeführer seien die
  Bedingungen, unter welchen die Baubewilligung erteilt habe werden können,
  bekannt gewesen, weshalb vor dem Widerruf der Baubewilligung keine
  Stellungnahme habe eingeholt werden müssen. Sodann verkenne er, dass die
  Frage der Unterschreitung des Mindestabstands zur Y-Strasse bereits durch den
  rechtskräftigen Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 30. April 2015
  beurteilt worden sei. Aufgrund der nach wie vor bestehenden Verletzung des
  Strassenabstands könne die Baubewilligung nicht erteilt werden, wobei nicht
  von einer unklaren Rechtslage auszugehen sei. Der Beschwerdegegner 2
  habe die Interessenabwägung korrekt vorgenommen. Da für das Baugesuch einzig
  kommunale Bestimmungen zur Anwendung gelangten, habe dieses nicht den kantonalen
  Amtsstellen vorgelegt werden müssen.

  
	
   

  
	
  2.3 Der Beschwerdegegner 2 führt aus, aus den
  beiden Beschwerden des Beschwerdeführers gehe hervor, weshalb dieser mit der
  Auflage betreffend das Vordach und dem Widerruf der Baubewilligung nicht
  einverstanden sei. Dieser habe seine Rügen hinreichend darlegen können. Hätte
  er nach Eingang der Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin 1 etwas
  Neues vorbringen wollen, wäre ihm dies auch ohne formelle Aufforderung
  möglich gewesen. Sodann seien keine Interessen des Beschwerdeführers
  ersichtlich, welche in der Interessenabwägung nicht berücksichtigt worden
  seien. So habe dieser beispielsweise keine auf den Vertrauensschutz gestützte
  Dispositionen getätigt. Im Übrigen zeige er auch in seiner Beschwerde ans
  Verwaltungsgericht keine weiteren Interessen am Bestand der Baubewilligung
  auf.

   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Der Beschwerdegegner 2 führte im angefochtenen
  Entscheid aus, die Beschwerdegegnerin 1 habe vor Erlass der
  Widerrufsverfügung den Beschwerdeführer nicht angehört. Dieser habe jedoch
  einlässlich im Verfahren vor dem Beschwerdegegner 2 Stellung zur
  Widerrufsverfügung nehmen können, weshalb im Sinne der Prozessökonomie auf
  die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin 1 zu verzichten sei.

  
	
   

  
	
  3.2 Ausnahmsweise kann eine Verletzung des rechtlichen
  Gehörs geheilt werden. Dies ist dann der Fall, wenn die betroffene Person die
  Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die in
  Bezug auf die strittige Frage über eine gleich weite Kognition verfügt wie
  die Vorinstanz, sodass sie eine Prüfung in gleichem Umfang vornehmen kann. Unter
  dieser Voraussetzung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs
  auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen,
  wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit
  zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten)
  Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der
  Sache nicht zu vereinbaren wäre (Alain Griffel, in Alain Griffel, Kommentar
  zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2014, § 8 N. 38, mit Hinweis auf BGE 137 I 195 E.
  2.3.2).

  
	
   

  
	
  3.3 Soweit der Beschwerdeführer davon ausgeht, die
  Gehörsverletzung sei zu Unrecht geheilt worden, da er sich zur Sache nicht
  habe äussern können, ist ihm nicht zu folgen. In seiner Beschwerde an den
  Beschwerdegegner 2 vom 21. November 2017 beantragte er die
  Aufhebung des Widerrufs der Baubewilligung. Er hatte die Möglichkeit, sich
  zur angefochtenen Widerrufsverfügung zu äussern, welche er in seiner
  Beschwerdeschrift auch wahrnahm. Der Beschwerdegegner 2 verfügte bei
  seinem Entscheid sodann über volle Kognition (Art. 79 Abs. 1 RBG i.V.m. Art.
  104 Abs. 1 VRG). Damit waren die Voraussetzungen für eine Heilung der
  Verletzung des rechtlichen Gehörs erfüllt, weshalb der Entscheid des
  Beschwerdegegners 2 diesbezüglich nicht zu beanstanden ist. Damit muss
  nicht weiter geprüft werden, ob die Beschwerdegegnerin 1 überhaupt das
  rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt hat, was sie bestreitet

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Eine Änderung der Verfügung durch die
  Verwaltungsbehörde, die sie erlassen hat, ist grundsätzlich sowohl vor als
  auch nach Eintritt der formellen Rechtskraft möglich. Liegt wie vorliegend
  keine gesetzliche Regelung vor, so muss die Widerrufbarkeit einer Verfügung
  aufgrund allgemeiner Kriterien beurteilt werden. Es ist eine
  Interessenabwägung erforderlich. Dabei ist zwischen dem Interesse an der
  richtigen Anwendung des objektiven Rechts einerseits und dem Interesse an der
  Rechtssicherheit bzw. dem Vertrauensschutz andererseits abzuwägen. Grundlage
  des Vertrauens ist die Verfügung, also eine qualifizierte
  Vertrauensgrundlage. Dies hat zur Folge, dass der Private nicht zwingend
  Dispositionen getroffen haben muss, um sich gegen den Widerruf der
  begünstigenden Verfügung zur Wehr zu setzen; der Schutz der Verfügung besitzt
  gewissermassen einen "Selbstwert". Dispositionen des Privaten haben
  allerdings einen erheblichen Einfluss auf die Interessenabwägung zu seinen
  Gunsten. Nach Eintritt der formellen Rechtskraft sind die Voraussetzungen für
  eine Neubeurteilung der Verfügung strenger als bei formell nicht
  rechtskräftigen Verfügungen. Dies erklärt sich damit, dass dem Gebot der
  Rechtssicherheit und dem Vertrauensschutz dann grössere Bedeutung zukommt als
  vorher (BGE 137 I 69 E. 2.2, 121 II 273 E. 1a/aa; vgl. zum Ganzen
  Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7.
  A., Zürich/ St. Gallen 2016, Rz.
  1224 ff.). 

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Grundvoraussetzung für den Widerruf einer
  Baubewilligung ist wie bei allen Verfügungen deren Fehlerhaftigkeit. Dabei
  kann der Mangel ein ursprünglicher sein, wenn die Baubewilligung erteilt
  wurde, oder nachträglich infolge einer Rechtsänderung oder wegen einer Änderung
  der tatsächlichen Verhältnisse eintreten (Christoph Fritzsche/Peter
  Bösch/Thomas Wipf, Zürcher Planungs- und Baurecht, Bd. 1, 5. A.,
  Zürich 2011, S. 364).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 erteilte zunächst dem
  Beschwerdeführer die Baubewilligung unter verschiedenen Auflagen und
  Bedingungen. In der Widerrufsverfügung vom 11. Oktober 2018 hielt sie
  indessen fest, dass die Garage gegenüber der Y-Strasse weiterhin den
  gesetzlich vorgesehenen Strassenabstand von 4 m verletze. An der
  Ostseite werde das Vordach durch Flügelmauern abgestützt. Gemäss Art. 45
  der Bauordnung von […] (BO […]) dürften Dachvorsprünge um maximal 1.5 m
  in den Strassenabstand hineinragen. Diese Abweichung von der
  Abstandsvorschrift gelte jedoch nur für Vorsprünge und nicht für deren Flügelmauern.
  Daher könne das Bauvorhaben nicht bewilligt werden. Der Mangel könne aber
  durch eine Überarbeitung des Bauprojekts behoben werden, sofern die
  gesetzlichen Abstandsvorschriften vollständig eingehalten würden.

  
	
   

  
	
  4.2.3 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer
  plant, die östlich in Richtung Y-Strasse gelegene Aussenwand abzubrechen und
  1 m nach Westen verschoben wiederaufzubauen. Das Dach soll als Vordach
  ebenso wie die tragenden Flügelmauern bestehen bleiben, was zur Folge hat,
  dass die Flügelmauern und das Vordach weiterhin den Strassenabstand zur
  Y-Strasse nicht einhalten.

  
	
   

  
	
  4.2.4 Vorspringende Gebäudeteile dürfen gemäss
  Art. 45 BO […] um maximal 1.5 m in den Gebäude-, Wald-,
  Gewässer- und Strassenabstand vorspringen, sofern kein öffentliches Interesse
  entgegensteht. Mit Ausnahme der Dachvorsprünge dürfen diese Bauteile einen
  Drittel der entsprechenden Fassadenlängen nicht überschreiten.

  
	
   

  
	
  Den in Art. 45 BO […] genannten
  Abständen ist gemein, dass sie wesentliche öffentliche Interessen verfolgen.
  Gebäudeabstände liegen im gesundheits- und feuerpolizeilichen sowie
  ortsplanerischen Interesse und haben eine nachbarschützende Funktion
  (Fritzsche/Bösch/Wipf, Bd. 2, S. 850). Mit den Waldabstandsvorschriften
  werden gesundheits-, forstpolizeiliche und landschaftsschützerische Ziele
  verfolgt (Fritzsche/Bösch/Wipf, Bd. 2, S. 784). Die Gewässerabstände
  bezwecken primär, ein Durchflussprofil für Hochwasser freizuhalten
  (Fritzsche/Bösch/Wipf, Bd. 2, S. 794). Der Strassenabstand dient schliesslich
  in erster Linie der Verkehrssicherheit, aber auch der Wohnhygiene
  (Fritzsche/Bösch/Wipf, Bd. 2, S. 824). Damit der von den Abstandsvorschriften
  vorgeschriebene Zweck nicht unterlaufen wird, ist eine restriktive Auslegung
  der von der Abstandsprivilegierung von Art. 45 BO […] erfassten Gebäudeteile
  geboten. Dies bedeutet eine Auslegung, welche sich nahe am Begriff des
  Vorsprungs orientiert. Ein Vorsprung springt eben der Fassade vor und bildet
  nicht Teil derselben (vgl. Fritzsche/Bösch/Wipf, Bd. 2, S. 850).

  
	
   

  
	
  4.2.5 Soweit die Beschwerdegegnerin 1 erkannt hat,
  dass ein Vordach, welches durch Flügelmauern abgestützt wird, nicht einen
  Dachvorsprung im Sinne von Art. 45 BO […] darstellt, ist dies nicht
  zu beanstanden. Es ist offensichtlich, dass ein solches Vordach nicht der
  Fassade vorspringt, sondern Teil derselben bildet. Aus verkehrspolizeilicher
  Sicht würde es denn auch wenig überzeugen, wenn ein durch Flügelmauern
  gestütztes Vordach von der Abstandsprivilegierung profitieren könnte. Damit
  erweist sich die Baubewilligung vom 29. Juni 2017 als ursprünglich
  fehlerhaft, weshalb sie grundsätzlich widerrufen werden konnte.

  
	
   

  
	
  4.3 Der Widerruf einer Baubewilligung ist nach dem
  Dargelegten aber nur zulässig, wenn das öffentliche Interesse an der
  richtigen Rechtsanwendung das Interesse des Privaten an der Rechtssicherheit
  bzw. am Schutz seines Vertrauens überwiegt. Vorliegend kommt dem Umstand,
  dass die Baubewilligung im Zeitpunkt des Widerrufs noch nicht rechtskräftig
  war, wesentliche Bedeutung zu. So durfte der Beschwerdeführer von dieser noch
  keinen Gebrauch machen. Sodann bestehen weder Anhaltspunkte dafür noch macht
  dies der Beschwerdeführer geltend, dass er im Vertrauen auf die
  Baubewilligung bereits Dispositionen getätigt hat. Seinem Interesse am
  Bestand der Baubewilligung kommt daher nur wenig Gewicht zu. Hingegen besteht
  ein wesentliches öffentliches Interesse an der Durchsetzung des objektiven
  Rechts, da die Einhaltung der Strassenabstandsvorschriften der
  Verkehrssicherheit dient, welche durch die streitbetroffene Garage gefährdet
  ist. Dies hat das Verwaltungsgericht bereits in seinem Entscheid vom 30.
  April 2015 erwogen, worauf verwiesen kann. Folglich überwiegt das öffentliche
  Interesse an der richtigen Rechtsanwendung dasjenige des Beschwerdeführers am
  Bestand der Baubewilligung, weshalb sich der Widerruf der Baubewilligung als
  zulässig erweist.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Der Beschwerdeführer
  beantragt sodann die Durchführung eines ordentlichen
  Baubewilligungsverfahrens mit "allen kantonalen Amtsstellen".
  Entgegen seiner Auffassung wurde über sein Baugesuch im ordentlichen
  Baubewilligungsverfahren entschieden. Der Widerruf der Baubewilligung hatte
  jedoch zur Folge, dass diese nicht erteilt, sondern vom Beschwerdeführer eine
  Anpassung des Bauvorhabens gefordert wurde. Ein Einbezug kantonaler
  Amtsstellen war dabei nicht erforderlich, da ein solcher gesetzlich nur
  vorgesehen ist, wenn ein Bauvorhaben auch der Bewilligung oder Zustimmung von
  kantonalen oder Bundesbehörden bedarf (Art. 70 Abs. 4 RBG), was vorliegend
  bei einer Baute in der Bauzone, welche den Abstand zu einer kommunalen
  Strasse einzuhalten hat, nicht der Fall ist.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Nicht zu beanstanden ist schliesslich, dass der
  Beschwerdegegner 2 dem Beschwerdeführer eine Frist von 30 Tagen ab
  Rechtskraft des Entscheids ansetzte, um sein Baugesuch zu bereinigen und
  insbesondere in den Planunterlagen aufzuzeigen, dass der Strassenabstand von
  4 m gegenüber der Y-Strasse eingehalten wird. Diese Frist ist so
  bemessen, dass es dem Beschwerdeführer möglich ist, die notwendigen Schritte
  rechtzeitig zu unternehmen.

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die
  Beschwerde abzuweisen.

  
	
   

  
	
  6.2 Hinzuweisen ist der Beschwerdeführer darauf, dass
  gemäss Disp.-Ziff. 3 der Widerrufsverfügung die streitbetroffene Garage
  und der Parkplatz im Sinne einer Ersatzvornahme durch die Gemeinde entfernt
  werden, sollte er nicht innert Frist ein geändertes Baugesuch einreichen oder
  selber die entsprechenden Bauten abbrechen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerde-, Klage- oder Revisionsverfahren
  unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Demgemäss sind die Gerichtskosten
  von pauschal Fr. 2'000.- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem
  von ihm geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mangels anwaltlicher
  Vertretung und aufgrund seines Unterliegens ist dem Beschwerdeführer keine
  Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 138 Abs. 1 und Abs. 3
  lit. a VRG). Soweit die Beschwerdegegnerin 1 eine solche beantragt,
  ist sie darauf hinzuweisen, dass die Beantwortung von Rechtsmitteln zum
  angestammten Aufgabenbereich eines Gemeinwesens gehört, weshalb Behörden in
  der Regel keine Entschädigung ausgerichtet wird, ausgenommen im
  Klageverfahren oder wenn besondere Umstände dies rechtfertigen (Art. 138 Abs.
  4 VRG). Die Beschwerdegegnerin 1 macht weder geltend noch ist dies
  anderweitig ersichtlich, dass die Voraussetzungen für die ausnahmsweise
  Zusprechung einer Parteientschädigung vorliegend erfüllt sind.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 2'000.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und
    mit dem von ihm in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]