# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a31cebd-b7bb-5d01-ae02-00630e4a390b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.06.2010 D-5336/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5336-2008_2010-06-14.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5336/2008/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  J u n i  2 0 1 0   

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Blaise Pagan; 
Gerichtsschreiberin Sara Steiner.

A._______, geboren ..., Türkei,
vertreten durch Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 14. Juli 2008 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5336/2008

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer verliess die Türkei am 1. Dezember 2007 und 
gelangte  über  ihm unbekannte  Länder  am 8. Dezember 2007  in  die 
Schweiz,  wo  er  am  12. Dezember 2007  ein  Asylgesuch  stellte.  Am 
14. Dezember 2007 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum ... 
summarisch  befragt  und  am  11. Januar 2008  einlässlich  zu  seinen 
Asylgründen angehört.

Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen gel -
tend,  er  stamme ursprünglich  aus  X._______  und  seine  Familie  sei 
1993 oder 1994 nach Y._______ vertrieben worden. Er habe sich seit 
2004 für die DEHAP und später für die DTP bei der Jugendfraktion be-
tätigt und sei seit 2005 bei der DTP registriert. Er habe an Versamm-
lungen für  die Sicherheit  gesorgt,  kurdische Familien unterstützt,  die 
durch die Regierung verbannt worden seien, und Jugendliche für die 
Partei  gewonnen.  Im  Jahre  2004  sei  sein  Vater,  welcher  eines  der 
Gründungsmitglieder der DTP sei, nach 15 Jahren Haft wegen Tätig-
keiten für die PKK aus dem Gefängnis entlassen worden. Auch sein 
Onkel habe sich für die PKK eingesetzt und zwei weitere Onkel seien 
von den Staatskräften umgebracht worden. Er (der Beschwerdeführer) 
sei zwei Mal für drei bis vier Stunden in Untersuchungshaft genommen 
und dabei auch geschlagen worden. Das erste Mal im Jahre 2005 zu-
sammen mit seinem Vater und seinem Onkel und das zweite Mal zu-
sammen mit  seiner Mutter  am Tag der  Beerdigung seines Vaters im 
November 2006. Man habe ihm gedroht, man werde ihn wie seinen Va-
ter umbringen, und habe ihn zur Zusammenarbeit aufgefordert, da er 
als  Sohn  eines  Parteifunktionärs  und  Neffe  des  stellvertretenden 
Kreisvorstehers nützliche Informationen liefern könne. Anfang 2007 sei 
er noch einmal festgenommen und für 30-60 Minuten auf den Zentral-
posten gebracht worden. Als er Ende August 2007 von seinem Onkel 
gehört habe, dass Freunde von ihm festgenommen worden seien, ha-
be er Angst bekommen und sei nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. 
Seine Mutter habe ihm gesagt, die Polizei habe ihn zirka im Septem-
ber 2007 zu Hause gesucht und dabei auch Parteimaterial beschlag-
nahmt. Am 20. November 2007 hätte er in den Militärdienst einrücken 
müssen, er wolle aber den Dienst  nicht leisten. Zudem sei er in der  
Schule von türkischen Idealisten angegriffen worden. Seit seiner Aus-
reise würden seine Mutter und sein Onkel wegen ihm schikaniert und 
sein Bruder sei wegen ihm festgenommen worden.

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Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seinen 
Pass, eine Quittung für den Mitgliedschaftsantrag bei der DTP und ei-
ne Bestätigung der DTP aus dem Jahre 2005, ein Schreiben des türki -
schen Anwaltes der Familie, diverse Zeitungsartikel, Familienregister-
auszüge und Unterlagen zu seinem Vater und diversen Onkeln ein.

B.
Am 16. Januar 2008 wurde der  Beschwerdeführer für  die Dauer  des 
Verfahrens dem Kanton ... zugewiesen. 

C.
Mit  Schreiben  vom  11. April 2008  bat  das  BFM  die  schweizerische 
Botschaft  in Ankara um Abklärung der Fragen, ob und aus welchem 
Grund der Beschwerdeführer in der Türkei gesucht werde und ob ein 
politische Datenblatt über ihn bestehe.

D.
Mit Schreiben vom 15. Mai 2008 teilte die schweizerische Botschaft in 
Ankara dem BFM mit, der Beschwerdeführer werde nicht gesucht und 
es bestehe auch kein politisches Datenblatt und keine Passsperre ge-
gen ihn.

E.
Mit Schreiben vom 7. August 2008 nahm der Beschwerdeführer – han-
delnd durch seine damalige Rechtsvertreterin – zur Botschaftsanfrage 
und  -antwort  Stellung.  Dabei  führte  er  aus,  die  Abklärungen  der 
schweizerischen Botschaft in Ankara seien immer wieder fehlerhaft. In 
seinem Falle müsse die politische Arbeit seiner Familie berücksichtigt 
werden, welche der Polizei bekannt sei, selbst wenn er selber beim In-
nenministerium nicht registriert sei. Seit zehn Tagen seien sein Bruder 
und seine Mutter  in  Haft. Er werde sich um Bestätigungen für  diese 
Festnahmen bemühen.

F.
Mit Verfügung vom 14. Juli 2008 – am 18. Juli 2008 eröffnet – wies das 
BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.

G.
Mit  Eingabe vom 18. August 2008 (vorab per  Telefax) erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen 

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Verfügung und die Asylgewährung. Eventualiter sei die Sache zur Neu-
beurteilung  zurückzuweisen.  Subeventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit 
des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Aufnah-
me zu gewähren. In formeller Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  unter 
anderem die Kopie eines Bestätigungsschreibens der DTP vom 10. Ju-
li 2008 ein und stellte weitere Beweismittel in Aussicht.

H.
Mit Verfügung vom 25. August 2008 verzichtete die zuständige Instruk-
tionsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und forderte 
den Beschwerdeführer auf, die in Aussicht gestellten Beweismittel ein-
zureichen.

I.
Mit  Eingabe vom 26. August 2008 reichte der  Beschwerdeführer das 
Original des Bestätigungsschreibens der DTP vom 10. Juli 2008 ein. 

J.
Mit  Eingabe  vom 24. September 2008  reichte  der  Beschwerdeführer 
eine Anklageschrift  der Staatsanwaltschaft  Y._______ gegen ihn we-
gen Ausweisfälschung vom 28. Februar 2008, eine Vorladung an sei-
nen Bruder  für den 21. Mai 2008, in der er zwei mal erwähnt werde, 
eine  Aufforderung  des  Ministeriums  für  nationale  Verteidigung  vom 
29. Juni 2008, die Formalitäten zum Militärdienst zu tätigen, und einen 
Festnahmebefehl  des  Ministeriums  für  nationale  Verteidigung  vom 
29. Juni 2008,  da er  als  Dienstflüchtling  gelte. Zur  Ausweisfälschung 
wolle er hinzufügen, dass er sich aus konkreter Angst vor Verfolgung 
eine falsche Identitätskarte habe ausstellen lassen.

K.
In  seiner  Vernehmlassung  vom  18. November 2008  beantragte  das 
BFM die Abweisung der Beschwerde.

L.
Mit  Schreiben  vom 12. Dezember 2008  nahm der  Beschwerdeführer 
zur Vernehmlassung des BFM Stellung.

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M.
Mit  Schreiben vom 21. Juli 2009 legte  die  Rechtsvertreterin  des Be-
schwerdeführers das Mandat nieder.

N.
Mit Schreiben vom 8. September 2009 reichte der Beschwerdeführer – 
handelnd durch seine neu mandatierte Rechtsvertreterin – ein Schrei -
ben des Anwalts der Familie vom 26. Dezember 2008 ein und stellte 
Dokumente betreffend die Verfahren gegen seinen Vater in Aussicht.

O.
Mit  Schreiben  vom 2. November 2009  reichte  der  Beschwerdeführer 
Akten des Staatssicherheitsgerichtes  ... betreffend seinen Vater (inkl. 
Teilübersetzung) ein, aus denen hervorgehe, dass dieser eine wichtige 
Position innerhalb der PKK gehabt habe und jahrelang im Gefängnis 
gewesen sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Ju-
ni 1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG, 
Art. 105 AsylG, Art. 6 AsylG).

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1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch die an-
gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist da-
her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art.  48 Abs. 1 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, 
wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohn-
te,  wegen ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu einer 
bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauun-
gen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, 
solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile 
gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; 
den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 
AsylG).  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Zur Begründung seines ablehnenden Entscheides führte das BFM 
aus, der Beschwerdeführer mache widersprüchliche Angaben zu sei-
nen politischen Tätigkeiten. So habe er während der Erstbefragung an-
gegeben, vor 2005 für die DEHAP und später für die DTP tätig gewe-
sen zu sein. Im Verlaufe der Anhörung habe er jedoch zuerst behaup-
tet,  ausschliesslich für  die DTP gearbeitet  zu haben,  und anschlies-
send, auf den Widerspruch hingewiesen, angegeben, er habe auch ab 
und  zu  an  Kongressen  und  Versammlungen  der  DEHAP  teilgenom-
men. Weiter habe er unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit der Fest-
nahmen sowie  zum Datum der  letzten  Festnahme gemacht.  An  der 
Erstbefragung habe er  gesagt,  er  sei  zweimal  in  Haft  gewesen,  das 
letzte Mal im November 2006. Anlässlich der Anhörung habe er zu Be-
ginn dasselbe gesagt, im Verlauf der Anhörung jedoch plötzlich von ei-
ner  weiteren  Festnahme  anfangs  2007  gesprochen.  Im  Zusammen-

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hang mit dem Militärdienst habe er an der Erstbefragung geltend ge-
macht,  er habe ein Aufgebot für den 20. November 2007 erhalten, in 
der Anhörung jedoch behauptet, er habe vor seiner Ausreise kein Auf-
gebot erhalten und bezüglich eines Aufgebotes nach seiner Ausreise 
nicht nachgefragt. Auf den 20. November 2007 angesprochen, habe er 
angegeben, er sei von der Militärbehörde in ... telefonisch aufgefordert 
worden, am 20. November 2007 mit dem Militärdienst zu beginnen und 
habe das Datum auch von anderen Personen in der gleichen Lage er-
fahren. Bezüglich der Häufigkeit  der Razzien nach seinem Untertau-
chen habe er an der Erstbefragung angegeben, die Polizei habe eine 
solche  etwa  zweieinhalb  Monate  vor  seiner  Ausreise  durchgeführt. 
Während der Anhörung habe er wiederum zuerst behauptet, alle vier 
bis fünf Tage, und später alle zwölf bis dreizehn Tage hätten Razzien 
stattgefunden. Als  letzte  Version  habe  er  angegeben,  bis  zu  seiner 
Ausreise habe nur eine Razzia stattgefunden. Weiter habe er zu sei-
nem  Verhalten  nach  dem  Beginn  der  Fahndung  nach  ihm  wider-
sprüchliche Angaben gemacht. An der Erstbefragung habe er zuerst 
zu Protokoll gegeben, zwischen 1993 und dem 1. Dezember 2007 in 
Y._______ gelebt zu haben, und später gesagt, nachdem er von der 
Fahndung erfahren habe, sei er nicht mehr nach Hause gegangen und 
habe bei Verwandten gelebt. Während der Anhörung habe er zuerst zu 
Protokoll gegeben, bis vor etwa drei oder vier Monaten an der angege-
benen Adresse gelebt  zu  haben,  und später  ausgesagt,  er  sei  zwei 
Monate vor der Ausreise zum Cousin nach W._______, von dort aber 
wieder zurückgekehrt,  um zuletzt  zu behaupten,  sein Cousin lebe in 
Z._______  und  er  sei  im  September 2007  letztmals  zu  Hause  in 
Y._______ gewesen. Zudem sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  der  Be-
schwerdeführer im Oktober 2007 auf legalem Weg von den türkischen 
Behörden einen echten türkischen Reisepass mit  Gültigkeit bis Mitte 
April 2008 erhalten hätte, wenn er gesucht worden wäre und wenn er 
im  November 2007  in  den  Militärdienst  hätte  einrücken  müssen. 
Schliesslich verwies das BFM auf die Abklärungen der Schweizer Ver-
tretung in Ankara und qualifizierte die Aussagen des Beschwerdefüh-
rers in der Stellungnahme vom 7. Juli 2008 als Schutzbehauptung. Der 
Entscheid  des  BFM  stütze  sich  nicht  nur  auf  die  Abklärungen  in 
Y._______  sondern  auch  auf  die  unglaubhaften  Aussagen  des  Be-
schwerdeführers. Die behaupteten Festnahmen seien nicht belegt. Bei 
dieser Gelegenheit sei noch darauf hinzuweisen, dass in der Stellung-
nahme behauptet werde, der Vater des Beschwerdeführers sei letztes 
Jahr verstorben, was im Widerspruch zu den bisherigen Aussagen des 
Beschwerdeführers stehe, wonach dieser im November 2006 verstor-

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ben sei.  Da  der  Beschwerdeführer  somit  insgesamt  eine  Verfolgung 
nicht habe glaubhaft  machen können, komme den eingereichten Be-
weismitteln (Belege für die politischen Aktivitäten des Beschwerdefüh-
rers und die Probleme von Verwandten mit den türkischen Behörden) 
keine Beweiskraft zu. Es sei aufgrund der obigen Erwägungen sowie 
des  Alters  des  Beschwerdeführers  davon  auszugehen,  dass  dieser 
den Militärdienst bereits absolviert habe.

Die Vertreibung der Familie des Beschwerdeführers aus ihrem Heimat-
dorf im Jahre 1993 oder 1994 und die Probleme mit türkischen Natio-
nalisten an seiner Schule seien zum Zeitpunkt seiner Ausreise mehre-
re Jahre her gewesen, sodass sie weder in zeitlicher noch in sachli -
cher Hinsicht in engem Kausalzusammenhang zur Ausreise stünden. 
Somit seien diese Vorbringen nicht asylrelevant.

4.2 In  seiner  Rechtsmitteleingabe  führte  der  Beschwerdeführer  aus, 
die  DTP  sei  schon  vor  dem Verbot  der  DEHAP  gegründet  worden, 
weshalb sie sich eine kurze Zeit lang überschnitten hätten, inhaltlich 
handle es sich um gleichzusetzende Parteien. Er habe an der Anhö-
rung ja  auch ausdrücklich gesagt: „Bei  der  DEHAP war  es  ein  paar 
Monate  vor  der  Schliessung,  dass ich angefangen habe, Tätigkeiten 
auszuüben.“ Hierzu reiche er eine Bestätigung der DTP ein. Weiter sei  
richtig, dass er eine dritte sehr kurze Festnahme erst bei der zweiten 
Befragung erwähnt habe. Im Gegensatz zu den zwei anderen Festnah-
men habe er da keine Angst um sein Leben gehabt, weshalb sie sich 
weniger tief in seine Erinnerung gegraben habe. Bezüglich des Militär -
dienstes gelte es festzuhalten, dass es keine schriftlichen Aufgebote 
gebe, sondern jeder junge Mann verpflichtet sei, sich anhand ausge-
hängter Listen zu melden. Er selbst habe der zuständigen Sektion te -
lefoniert und erfahren, dass er am 20. November 2007 mit dem Dienst 
beginnen müsste. In der Türkei würden Personen, welche aus Gewis-
sens-  oder  Religionsgründen  den Militärdienst  verweigerten,  wieder-
holt strafrechtlich verfolgt und verurteilt. Bezüglich der Razzien habe er 
während der Anhörung gesagt, dass es vor seiner Flucht nur zu einer 
Razzia gekommen sei. Über die Häufigkeit der Hausdurchsuchungen 
nach seiner Flucht müsse er sich auf die Aussagen anderer stützen, 
die verschieden ausgefallen seien. Zu seinem Wohnort sei festzuhal-
ten, dass er in Y._______ gewohnt und sich im Jahre 2006 mit seinem 
Vater oft in X._______ aufgehalten habe. Im Oktober 2007 sei er nach 
W._______,  um  die  Ausreise  vorzubereiten  und  im  November 2007 
wieder nach Y._______, wo er bei Verwandten im Stadtteil Z._______ 

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gewohnt habe. Seine Mutter und sein Bruder seien inzwischen freige-
lassen worden. Gegen ihn und seinen Bruder gebe es inzwischen ei -
nen Suchbefehl, welchen er einreichen werde.

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das BFM fest, bei der eingereich-
ten Bestätigung der DTP handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben 
ohne Beweiskraft. Es falle zudem auf, dass in diesem Schreiben die 
Rede davon sei,  dass der Vater des Beschwerdeführers elf  Jahre in 
Haft gewesen sei, während der Beschwerdeführer von der Festnahme 
im Jahre 1992 und der Freilassung im Jahre 2004 respektive von einer 
15-jährigen  Haft  gesprochen  habe.  Bezüglich  der  am  24. Septem-
ber 2008 nachgereichten Dokumente habe eine interne Dokumenten-
analyse  zwar  keine  objektiven  Fälschungsmerkmale  ergeben,  ihnen 
komme  aber  trotzdem  keine  Beweiskraft  zu.  Erstens  habe  der  Be-
schwerdeführer  seine  Verfolgung  nicht  glaubhaft  darlegen  können. 
Zweitens hätten Abklärungen der Schweizer Botschaft in Ankara zwei-
einhalb Monate nach Verfassen der Anklageschrift und der Vorladung 
ergeben, dass über ihn kein Datenblatt  bestehe und er auch keinem 
Passverbot unterliege. Hinzu komme, dass sich der Beschwerdeführer 
gemäss Anklageschrift Ende Oktober 2007 mit den türkischen Behör-
den in Verbindung gesetzt haben solle. Dies wäre nicht nachvollzieh-
bar, wenn er bereits Ende August 2007 erfahren hätte, dass er gesucht 
werde. Zudem betreffe die Vorladung nur den angeblichen Bruder des 
Beschwerdeführers,  obwohl  der  Beschwerdeführer  auch  verdächtigt 
worden sein soll. Doch selbst wenn der Beschwerdeführer den Militär-
dienst  noch nicht  geleistet  haben sollte  und deshalb  gesucht  werde 
und bei einer Rückkehr mit einer Strafe rechnen müsste, wäre dies ei-
ne staatliche Massnahme zur  Durchsetzung einer  staatsbürgerlichen 
Pflicht und nicht asylrelevant.

4.4 In seiner Stellungnahme hielt der Beschwerdeführer fest, dass die 
Differenz in  der  Anzahl  Haftjahre  seines  Vaters  nachvollziehbar  sei. 
Denn bei den türkischen Gerichten gebe es ein ständiges Hin und Her 
mit  Antiterrorartikeln,  die ein Urteil  verlängern,  und anderen,  die die 
Strafe vermindern. Amnestien führten nicht selten zu zeitlichen Straf-
erlassen, die dann im Widerspruch zum Urteil stünden. Der Betroffene 
könne ja leider die Dauer nicht mehr bestätigen. Da der Beschwerde-
führer  aus  einer  kurdisch-politischen  Familie  stamme,  sei  es  auch 
nachvollziehbar, dass er sich dem Militärdienst habe entziehen wollen. 
Die Abklärungsresultate der Botschaft  liessen sich dadurch erklären, 
dass  die  Urkundenfälschung,  für  welche  er  gesucht  werde,  kein 

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Staatsdelikt  sei, weswegen er landesweit zur Fahndung hätte ausge-
schrieben werden können. Zudem sei er mehr seinem Vater bei des-
sen politischer Tätigkeit zur Hand gegangen, denn dass er selbständig 
Sachen organisiert oder veranlasst habe. Der Vorwurf, er habe sich mit 
den türkischen Behörden in Verbindung gesetzt, sei so nicht richtig. Er  
habe lediglich bei einem Notar ein Dokument unterschrieben, dass die 
Mutter  die  Ansprechsperson  im  Verfahren  zur  Rückerstattung  der 
Krankheitskosten seines Vaters sei, welches seine Familie nach dem 
Tod seines Vaters gegen den Staat geführt habe.

5.
Zunächst ist zu prüfen, ob die vorgetragenen Fluchtumstände, die zum 
Entschluss der Ausreise aus dem Heimatstaat geführt haben, gesamt-
haft als glaubhaft gemacht zu erachten sind.

5.1 Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, 
in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen 
Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüch-
lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus 
muss  die  asylsuchende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, 
was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf 
gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt  (vgl.  Art.  7  Abs. 3 
AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder 
bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswech-
selt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfah-
ren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung be-
deutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes 
Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und 
Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung 
gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit 
nicht völlig überzeugt  ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl 
nicht  alle  Zweifel  beseitigt  sind. Für die Glaubhaftmachung reicht  es 
demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 
ist,  aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und über-
wiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung 
sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die 
Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise ab-
zustellen (vgl. die weiterhin gültige Rechtsprechung der ARK in Ent-

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scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f. mit weiteren Hinweisen).

5.2 Zwar stammt der Beschwerdeführer aus einer politischen Familie 
und es ist nicht auszuschliessen, dass er sich aufgrund dessen auch 
selber für politische Belange interessierte und seinen Vater manchmal 
an Veranstaltungen begleitete. Wie vom Beschwerdeführer angegeben, 
war dieses politische Engagement aber nicht sehr ausgeprägt, so sei  
er mehr seinem Vater bei dessen politischer Tätigkeit zur Hand gegan-
gen, denn dass er selbständig Veranstaltungen organisiert oder veran-
lasst habe. Dieses schwache politische Engagement lässt erste Zwei-
fel an den geltend gemachten Problemen in diesem Zusammenhang 
aufkommen. Gewichtige Zweifel entstehen aber durch die widersprüch-
lichen Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen politischen Tätig-
keiten, den Festnahmen, den Razzien und seinem Verhalten nach dem 
Beginn der Fahndung. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann dies-
bezüglich auf die ausführlich begründeten Erwägungen des BFM ver-
wiesen  werden. Die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  vermögen an 
dieser Einschätzung nichts zu ändern, da sie die einzelnen Widersprü-
che nicht  zu widerlegen vermögen. So vermag die  zwar zutreffende 
Bemerkung,  dass  die  DEHAP und die  DTP inhaltlich gleichzusetzen 
seien,  nicht  zu erklären,  wieso der Beschwerdeführer einmal  explizit 
sagte, er sei nur für die DTP tätig gewesen und ein anderes mal be-
hauptete, er habe sich schon für die DEHAP engagiert.  Weiter bleibt  
auch  unter  Berücksichtigung  der  Behauptung,  die  dritte  Verhaftung 
habe sich nicht gleich tief in sein Gedächtnis eingegraben, nicht nach-
vollziehbar,  dass  er  diese zunächst  gänzlich unerwähnt  liess,  würde 
sie als letzte Verhaftung doch ein wichtiges Element in seinen Vorbrin-
gen darstellen. Schliesslich sind seine Ausführungen in der Beschwer-
de zu den Razzien und zu seinem Wohnort  als  unbehelfliche Erklä-
rungsversuche zu werten und vermögen sein widersprüchliches Aus-
sageverhalten während den Befragungen nicht zu erklären. Ergänzend 
zu den Ausführungen des BFM kann festgehalten werden,  dass der 
Beschwerdeführer nicht in der Lage war, substanziierte Angaben zur 
Partei  und zu seiner Tätigkeit  innerhalb der Partei  zu machen. Auch 
die  zwei  Verhaftungen  beschrieb  er  nur  in  allgemeiner  Weise,  ohne 
dass dabei der Eindruck von selbst Erlebtem entstehen würde. Insge-
samt ist nach dem Gesagten nicht davon auszugehen, der Beschwer-
deführer sei aufgrund seines politischen Engagements von den Behör-
den gesucht worden. Bestätigt wird diese Einschätzung durch den Be-
richt der schweizerischen Botschaft in Ankara vom 15. Mai 2008, wo-

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nach der Beschwerdeführer nicht gesucht werde und auch kein poli ti-
sches Datenblatt oder eine Passsperre gegen ihn bestehe, und durch 
die  Tatsache,  dass  dem Beschwerdeführer  am 17. Oktober 2007  ein 
türkischer Pass ausgestellt  wurde. Schliesslich ist auch im Schreiben 
des Anwaltes der Familie vom 26. Dezember 2008 nicht die Rede von 
einem politischen  Engagement  des  Beschwerdeführers  und  es  wird 
vielmehr darauf hingewiesen, der Militärdienst stelle für ihn aufgrund 
seines  familiären  politischen Hintergrundes eine  Gefahr  dar. Ob  der 
Beschwerdeführer seinen Militärdienst bereits absolviert hat oder we-
gen Dienstverweigerung gesucht wird, kann vorliegend offen bleiben, 
da eine entsprechende Suche nach ihm, wie nachfolgend dargelegt, 
ohnehin nicht asylrelevant wäre.

6. Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob der Beschwerdeführer wegen des 
familiären politischen Hintergrundes in Zukunft eine Verfolgung zu be-
fürchten hat.

6.1 Nach Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person  ernsthafte 
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise sol-
che im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und  aufgrund  be-
stimmter  Verfolgungsmotive  drohen  oder  zugefügt  worden  sein.  Be-
gründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur 
Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der 
Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft  verwirklicht.  Es  müssen  damit  hinreichende  Anhaltspunkte  für 
eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in 
vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss 
zur  Flucht  hervorrufen  würden. Dabei  hat  die  Beurteilung  einerseits 
aufgrund  einer  objektivierten  Betrachtungsweise  zu  erfolgen  und  ist 
andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und 
das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. 
Wer  bereits  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  war,  hat  objektive 
Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht. Die erlittene Verfol-
gung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zu-
dem sachlich  und zeitlich  kausal  für  die  Ausreise  aus dem Heimat-  
oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylent-
scheides noch aktuell sein (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f. und 
dort  zitierte Urteile). Ferner setzt die Anerkennung der Flücht lingsei-

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genschaft voraus, dass die betroffene Person einer landesweiten Ver-
folgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil ihres Hei -
matstaates in Schutz bringen kann (EMARK 2006 Nr. 18).

6.2 In der Rechtsprechung wird in konstanter Praxis davon ausgegan-
gen, dass in der Türkei staatliche Repressalien gegen Familienange-
hörige von politischen Aktivisten nicht ausgeschlossen sind, die als so 
genannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von 
Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflex-
verfolgung zu werden,  ist  nach der  Praxis  der  ARK,  welche für  das 
Bundesverwaltungsgericht weiterhin Gültigkeit hat, vor allem dann ge-
geben,  wenn nach  einem flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  wird 
und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass jemand mit der ge-
suchten Person in engem Kontakt steht. Diese Wahrscheinlichkeit er-
höht sich, wenn ein nicht unbedeutendes politisches Engagement der 
reflexverfolgten  Person  für  illegale  politische  Organisationen  hinzu-
kommt oder ihr  seitens der  Behörden unterstellt  wird. Dabei  hängen 
die  Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexverfolgung  und  deren  Intensität 
stark von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab, wobei zur Zeit  
besonders  diejenigen  Personen  von  einer  Reflexverfolgung  bedroht 
sind, die sich offen für politisch aktive Verwandte einsetzen, sei  dies 
als Mitglied einer Gefangenenhilfsorganisation oder im Rahmen einer 
Beschwerde  an  den  Europäischen  Gerichtshof  für  Menschenrechte 
(EGMR). Indessen kann hinter einer Reflexverfolgung auch nur die Ab-
sicht liegen, die gesamte Familie für Taten eines Familienmitglieds zu 
bestrafen oder sie einzuschüchtern, damit sie sich von oppositionellen 
kurdischen Gruppierungen fernhalten (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 21 
E. 10 S. 195 ff. sowie die Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  E-
4754/2006 vom 22. April 2010,  D-7634/2007 vom 3. November 2009, 
D 5501/2006 vom 2. September 2009, D-1306/2008 vom 4. Dezember 
2008 und D-7585/2007 vom 4. Februar 2008).

6.3 Wie ausgeführt, stammt der Beschwerdeführer zwar aus einer po-
litischen Familie  und es  ist  nicht  auszuschliessen,  dass  er  sich  auf -
grund dessen auch selber für politische Belange interessierte.  Wie in 
E. 5.2 ausgeführt hielt sich das eigene politische Engagement des Be-
schwerdeführers aber in einem sehr geringen Rahmen und die deswe-
gen geltend gemachten Probleme konnten ihm nicht geglaubt werden. 
Sein Vater ist inzwischen seit vier Jahren verstorben. Es ist demnach 
davon auszugehen, dass die Behörden zumindest heute kein Interes-
se  mehr  an  der  Verfolgung  von dessen  Sohn  haben. Diese  Ansicht 

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wird insbesondere dadurch bestätigt, dass sich der Beschwerdeführer 
vor seiner Ausreise in der Türkei trotz seiner politisch engagierten Fa-
milie unter seinem eigenen Namen bewegen konnte und am 17. Okto-
ber 2007  einen  offiziellen  türkischen  Pass  erhalten  hat.  Zwar  unter-
nahm er  zusammen  mit  seinem Bruder  am  30. Oktober 2007  einen 
Fälschungsversuch  für  eine  Identitätskarte. Dass  aber  zwischen  der 
Passaustellung  und  dem  Fälschungsversuch  etwas  vorgefallen  sein 
sollte,  das  dazu  geführt  haben  könnte,  dass  der  Beschwerdeführer 
nicht mehr unter seinem eigenen Namen auftreten konnte, machte er 
nicht geltend. Somit ist die versuchte Fälschung der Identitätskarte als 
Straftat und der Haftbefehl der Behörde als legitime staatliche Mass-
nahme zu deren Verfolgung zu sehen.

6.4 Zur  befürchteten  Strafe  wegen  Militärdienstverweigerung  gilt  es 
folgendes  festzuhalten: Praxisgemäss  stellen  allfällige  strafrechtliche 
Konsequenzen wegen Refraktion, Dienstverweigerung oder Desertion 
bei einer Rückkehr ins Heimatland grundsätzlich keine Verfolgung im 
Sinne des Asylgesetzes dar. Es ist ein legitimes Recht jedes Staates, 
seine Bürger  zum Militärdienst  einzuberufen,  weshalb  strafrechtliche 
oder disziplinarische Massnahmen bei Pflichtverletzungen grundsätz-
lich nicht  als  politisch motivierte  oder  menschenrechtswidrige Verfol-
gungsmassnahmen  zu  betrachten  sind.  Allerdings  stellt  eine  wegen 
Missachtung der Dienstpflicht drohende Strafe dann eine asylrelevante 
Verfolgung dar, wenn der Wehrpflichtige wegen seines Verhaltens mit 
einer Strafe zu rechnen hat, welche entweder aus Gründen nach Art. 3 
AsylG diskriminierend höher ausfällt  oder an sich unverhältnismässig 
hoch ist. Ebenfalls illegitim  und daher flüchtlingsrechtlich relevant ist 
eine  Einberufung  zum Militärdienst,  wenn  sie  darauf  abzielt,  einem 
Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe er-
hebliche Nachteile zuzufügen oder diesen in völkerrechtlich verpönte 
Handlungen zu verstricken (vgl. EMARK 2006 Nr. 3). Vorliegend ist mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass eine all fäl-
lige  militärstrafrechtliche  Sanktion  allein  wegen  der  politisch  aktiven 
Verwandten kaum relevant höher als üblich beziehungsweise diskrimi-
nierend ausfallen würde. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil weder 
ein eigenes politisches Profil  des Beschwerdeführers noch eine Vor-
verfolgung ersichtlich sind.

7.
Zusammenfassend gilt es einerseits festzuhalten, dass die geltend ge-
machten  Probleme  des  Beschwerdeführers  im  Zusammenhang  mit 

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seinem politischen Engagement nicht glaubhaft sind. Andererseits hat 
er  auch  aufgrund  seines  familiären  politischen  Hintergrundes  in  Zu-
kunft in der Türkei keine Verfolgung zu befürchten und allfällige Mass-
nahmen aufgrund der versuchten Fälschung einer Identitätskarte und 
der  Militärdienstverweigerung  sind  als  rechtsstaatlich  legitime  Mass-
nahmen zulässig. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers somit zu Recht abgelehnt.

8.
8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

8.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

9.
9.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor-
gängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-

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nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

9.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr  des 
Beschwerdeführers in  die Türkei ist  demnach unter dem Aspekt  von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Ge-
richtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall  
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Tür-
kei  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 
unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Be-
stimmungen zulässig.

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9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

9.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die allgemei-
ne Lage in der Türkei nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnet  ist,  aufgrund  derer  die 
Zivilbevölkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der 
Vollzug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als 
unzumutbar zu bezeichnen. Auch sind den Akten keine konkreten An-
haltspunkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer 
Rückkehr in die Türkei aus individuellen Gründen wirtschaftlicher und 
sozialer  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würde. 
Der junge und aktenkundig gesunde Beschwerdeführer hat bis zu sei -
ner Ausreise im Jahre 2007, mithin zwanzig Jahre, in der Türkei gelebt. 
Sodann verfügt  er  über  eine zehnjährige Schulbildung und über  Be-
rufserfahrung als Händler im Betrieb von Verwandten. Gemäss seinen 
Angaben leben seine Mutter,  seine Geschwister  und diverse weitere 
Verwandte in der Türkei. Es ist somit davon auszugehen, dass er über 
ein soziales Beziehungsnetz verfügt,  welches ihm eine Reintegration 
erleichtern wird. Der Vollzug der Wegweisung in die Türkei erweist sich  
somit auch als zumutbar.

9.6 Schliesslich  obliegt  es  dem Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

10.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt 
Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Bei-
lage: Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 
(per Kurier; in Kopie)

- ... (in Kopie)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner

Versand: 

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