# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 40912ec4-34b3-5db4-a99f-5260f10458c5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.11.2021 E-4262/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4262-2021_2021-11-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-4262/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  N o v e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; 

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, 

geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 24. August 2021 / N (…). 

 

 

 

E-4262/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der im Iran geborene und aufgewachsene Beschwerdeführer, ein Hazara 

mit afghanischer Staatsangehörigkeit, verliess den Iran seinen Angaben 

zufolge ungefähr im Jahr 2017 und reiste via Griechenland am 18. August 

2020 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.  

Am 2. September 2020 wurde seine Befragung zu den Personalien durch-

geführt. 

B.  

Das zuvor eröffnete Dublin-Zuständigkeitsverfahren wurde am 22. Oktober 

2020 vom SEM beendet. 

C.  

Anlässlich der Anhörung zu seinen Asylgründen vom 18. November 2020 

führte der Beschwerdeführer aus, er sei afghanischer Staatsangehöriger, 

aber in B.______ im Iran geboren und aufgewachsen; zunächst bei seinen 

Eltern, nach dem Tod seiner Mutter beim Vater und dessen neuer Ehefrau. 

Seine Eltern hätten Afghanistan "wegen des Taliban-Kriegs" verlassen, als 

sie noch sehr jung gewesen seien. Weder seine Eltern noch er selber  

hätten je eine Amayesh-Karte (iranische Aufenthaltsbewilligung) besessen.  

Er selber sei noch nie in Afghanistan gewesen und habe keine Kenntnis 

davon, ob er Verwandte im Heimatstaat habe. Ein Onkel väterlicherseits 

halte sich aktuell mit seiner Familie in Griechenland auf. Im Iran sei er im 

Alter von 14 Jahren zu Hause ausgezogen, nachdem er regelmässig von 

seinem Vater geschlagen worden sei, weil er ihn zum Beten habe zwingen 

wollen. Mit ungefähr 16 Jahren habe sein Vater ihn zufällig auf der Strasse  

angetroffen und nach Hause gebracht, wo er ihn während ungefähr eines 

Monats festgehalten und misshandelt habe, weil er ihn zum Beten habe 

zwingen wollen; er habe sich in der Folge zwei oder drei Monate im Spital 

behandeln lassen müssen. Danach habe er angefangen als Verkäufer zu 

arbeiten und später habe er auch eine Freundin gehabt, deren Familie aber 

gegen die Verbindung gewesen sei. Aus diesem Grund sei er von dieser 

Familie bedroht worden, weshalb er sich an die Polizei gewandt habe. Dort 

habe er zuerst drei Nächte in Untersuchungshaft verbracht, und sei, nach 

einer Anzeige der Familie seiner Freundin, von einem Richter wegen seiner 

ausserehelichen sexuellen Beziehung zu zwei Jahren Gefängnis und hun-

dert Peitschenhieben verurteilt worden. Nachdem er zu Beginn der Inhaf-

tierung in der Haftanstalt sexuell missbraucht worden sei, hätten ihm die  

Justizbehörden eine frühzeitige bedingte Haftentlassung ermöglicht. Nach 

einer Bürgschaft seines Arbeitgebers sei er schliesslich bereits nach fünf 

E-4262/2021 

Seite 3 

Monaten entlassen worden. Den Iran habe er bereits eine Woche später 

verlassen, weil er nach wie vor Repressalien seitens der Familie seiner Ex-

Freundin befürchtet habe. Es handle sich bei diesen um reiche und ein-

flussreiche Paschtunen aus Afghanistan, die in B._______ bekannt seien. 

Grund für diese Behelligungen seien seine Ethnie sowie der Umstand ge-

wesen, dass er mit der Liebesbeziehung gegen die iranischen Sitten 

verstossen habe. Er sei von den Paschtunen überall gesucht worden, so-

gar in Serbien, wo er bei einem paschtunischen Schleuser ein Foto von 

sich gesehen habe. Er habe sich bereits im Iran für das Christentum  

interessiert und entsprechende Filme angeschaut. In Griechenland sei am 

Ort, an welchem Essen ausgegeben worden sei, über das Christentum  

gesprochen worden. In der Schweiz sei er von einem anderen Afghanen 

auf die evangelisch-methodistische Kirche aufmerksam geworden, die er 

seither regelmässig besuche. 

Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer seine originale Tazkira, aus-

gestellt am (…) 2020 durch die afghanische Botschaft in Griechenland (an-

hand des Identitätsausweises seines Onkels), eine englische Übersetzung 

seiner Tazkira sowie ein Schreiben der evangelisch- 

methodistischen Kirche C._______ vom 21. November 2020 ins Recht. 

D.  

Mit Entscheid vom 25. November 2020 wurde dem Beschwerdeführer mit-

geteilt, dass er in das erweiterte Verfahren zugeteilt werde, weil für die Be-

urteilung seines Asylgesuches weitere Abklärungen notwendig seien. 

In der Folge wurde am gleichen Tag das Mandatsverhältnis durch die bis-

herige Rechtsvertretung beendet. 

E.  

Am 12. Mai 2021 wurde der Beschwerdeführer (durch ein Frauenteam) er-

gänzend angehört. Dabei führte er zusätzlich an, die Töchter seines Onkels 

in Griechenland seien von Paschtunen bedroht worden. Seine Cousinen 

hätten sich deswegen an die zuständigen Personen im Asylheim gewandt, 

woraufhin ihnen eine Wohnung in Athen zugeteilt worden sei. Er vermute, 

diese Bedrohungen würden mit seinen Problemen in Zusammenhang  

stehen. Seit seiner Ankunft in der Schweiz besuche er jede Woche die  

Kirche und verbringe Zeit mit den Menschen dort. In seiner Unterkunft 

könne er darüber nicht sprechen, weil dort viele Afghanen leben würden. 

In Afghanistan hätte er keine Sicherheit; er kenne weder die Sprache noch 

die Kultur und sei einer Gefahr ausgesetzt, weil er nun Christ geworden 

sei. 

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Seite 4 

Bei der Anhörung reichte der Beschwerdeführer ein Foto von einer Kirchen-

veranstaltung und am 18. August 2021 einen Arztbericht des Kantons- 

spitals D._______ vom 1. Juli 2021 zu den Akten. 

F.  

Mit Verfügung vom 24. August 2021 – eröffnet am 25. August 2021 – lehnte 

das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-

weisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung  

wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob.  

G.  

Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

24. September 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe-

ben und beantragen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und 

seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren. 

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am 

29. September 2021 den Eingang seiner Beschwerde. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

  

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Seite 5 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 

Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um 

eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-

gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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Seite 6 

5.  

5.1 Zur Begründung seiner Asylverfügung führte das SEM aus, der Be-

schwerdeführer habe sich bei der Darstellung der angeblichen Bedrohung 

durch die Familie seiner paschtunischen Freundin sowie der behördlichen 

Verfolgung in mehrere Widersprüche verstrickt. Diese habe er nicht in über-

zeugender Weise aufzulösen vermocht. Weiter habe er in Bezug auf seine 

Haftstrafe zunächst angegeben, er sei wegen der Freundin zu zwei Jahren 

Haft sowie 100 Peitschenhieben verurteilt worden. An der ergänzenden 

Anhörung habe er hingegen erklärt, sein Strafverfahren sei im Zeitpunkt 

seiner Ausreise noch nicht abgeschlossen gewesen. Der in diesem Zusam-

menhang eingereichte ärztliche Bericht des Kantonsspitals D.______ vom 

1. Juli 2021 vermöge zwar eine Traumatisierung zu belegen, nicht aber  

deren genaue Ursache. Es seien folglich durch dieses Dokument keine 

Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen möglich.  

Hinsichtlich seines geltend gemachten Interesses für das Christentum  

erachte es das SEM als unwahrscheinlich, dass er infolge der deswegen 

erhaltenen Probleme mit seinem Vater entsprechende Nachteile auch in 

Afghanistan zu befürchten hätte. Es sei zudem auch nicht davon auszuge-

hen, er wäre aufgrund seiner Abwendung vom Islam und der Hinwendung 

zum Christentum bei einer Rückkehr nach Afghanistan einer Gefährdung 

ausgesetzt. Einerseits sei er in der Schweiz noch nicht getauft worden, 

weshalb es ihm am formellen Übertritt zum Christentum fehle. Andererseits 

seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach in Afghanistan jemand 

Kenntnis hätte von seiner Hinwendung zum Christentum, und er lebe  

seinen christlichen Glauben in der Schweiz auch nicht auf besonders  

exponierte Art und Weise aus. Damit sei eine konkret drohende Auf- 

deckung seiner etwaigen Konversion in Afghanistan nicht wahrscheinlich. 

5.2 Seine Beschwerdeanträge begründete der Beschwerdeführer in erster 

Linie mit seiner Konversion zum Christentum. Er gehe regelmässig in die 

Kirche und es sei ein Film veröffentlicht worden, der ihn bei einer Rede in 

der Kirche zeige. In seinem Wohnheim sei es aus diesem Grund zu Bedro-

hungssituationen gekommen, weshalb er die Unterkunft habe wechseln 

müssen. Inzwischen hätten die Taliban die Macht in Afghanistan vollständig 

übernommen und ein Kabinett aus Hardlinern gebildet. Gemäss den  

Taliban stelle der Abfall vom Islam ein todeswürdiges Verbrechen dar. 

Hinzu komme, dass die ethnische Minderheit der Hazara seit Jahrzehnten 

von der sunnitischen Mehrheit in Afghanistan ausgegrenzt und diskriminiert 

werde; mit der Machtübernahme der Taliban in den 1990er-Jahren habe 

sogar eine systematische Verfolgung stattgefunden. Als ein vom Islam ab-

gefallener Hazara wäre sein Leben in Afghanistan folglich in Gefahr. Eine 

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Seite 7 

weitere Gefährdung gehe von der Familie seiner ehemaligen paschtuni-

schen Freundin aus. Insgesamt erfülle er somit die Flüchtlingseigenschaft 

und es sei ihm Asyl zu gewähren. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist dieses ausnahmsweise mit verbindli-

chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwei-

sung an die Vorinstanz ist insbesondere dann angezeigt, wenn weitere Tat-

sachen festgestellt werden müssen sowie ein umfassendes Beweisverfah-

ren durchzuführen ist. 

6.2  

6.2.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-

sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte 

Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, 

sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), 

sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-

findung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-

hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG), denn, ob sich 

die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-

fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung 

erkennen. Im Asylverfahren sind die Anforderungen an die Begründungs-

dichte regelmässig hoch, wiegen die rechtlich geschützten Interessen der 

Betroffenen im Asylentscheid doch allgemein schwer (vgl. PATRICK  

SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz 

über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2009, Art. 32 VwVG, Rz. 2). Ins-

gesamt muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene ge-

gebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich ist, wenn sich 

sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite 

des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich die Behörde in 

ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-

punkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschwei-

gend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise unbehelflich 

sind. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt 

werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr 

Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21 E. 10.2 m.w.H.; 

SUTTER, a.a.O.).  

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Seite 8 

6.2.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).  

Die Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher 

und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch 

gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-

scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 1043). 

6.3  

6.3.1 In der angefochtenen Verfügung spricht das SEM der geltend ge-

machten Konversion des Beschwerdeführers zum Christentum die flücht-

lingsrechtliche Relevanz ab, weil dies niemandem in Afghanistan bekannt 

und eine konkret drohende Aufdeckung damit nicht zu erwarten sei.  

Die Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Konversion könne 

demnach offenbleiben. 

6.3.2 Diese Argumentation ist nicht nur für den Beschwerdeführer (vgl.  

Beschwerde S. 4 f.), sondern – im aktuellen Länderkontext – auch für das 

Bundesverwaltungsgericht nicht nachvollziehbar. Das SEM zitiert zwar ein 

Referenzurteil (BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017), berücksichtigt 

aber nicht, dass dieses sich zu der in Afghanistan im Jahr 2017 herrschen-

den Lage äussert. Viele der in diesem Referenzurteil getroffenen Feststel-

lungen lassen sich angesichts der kürzlich erfolgten dramatischen Entwick-

lungen im Heimatstaat des Beschwerdeführers offensichtlich nicht ohne 

Weiteres in die heutige Zeit übertragen (vgl. hierzu etwa DANISCH IMMIGRA-

TION SERVICE, Afghanistan – Recent developments in the security situation, 

impact on civilians and targeted individuals, September 2021, abrufbar un-

ter < file:///C:/Users/U80819598/Downloads/Afghanistan_Targetedindiv_FI 

NAL%20(1).pdf >; alle in diesem Urteil erwähnten Internetquellen wurden 

abgerufen am 4. Oktober 2021).  

6.3.3 Bereits vor der kürzlich erfolgten Machtübernahme durch die Taliban 

waren religiöse und ethnische Minderheiten in Afghanistan einer erhöhen 

Gefahr ausgesetzt, verfolgt zu werden (vgl. Referenzurteil D-4952/2014 

a.a.O. E. 7.5 sowie Urteil BVGer E-5136/2016 vom 11. Januar 2017 

E. 6.3.2). Entsprechende Vorfälle haben mit der Übernahme der Macht 

über weite Teile des Landes durch der Taliban im ersten Halbjahr 2021 er-

E-4262/2021 

Seite 9 

heblich zugenommen (vgl. United Nations Assistance Mission in Afghanis-

tan [UNAMA], Afghanistan – Protection of Civilians in Armed Conflict,  

Midyear Report 2021, Juli 2021, S. 5, abrufbar unter < https://unama.un-

missions.org/sites/default/files/unama_poc_midyear_report_2021_26_july 

.pdf >). Seit der im August 2021 erfolgten gänzlichen Machtübernahme 

durch die Taliban ist noch unklar, wie sich die Situation für ethnische und 

religiöse Minderheiten in Afghanistan in absehbarer Zukunft darstellen 

wird. Zwar hätten Sprecher der Taliban bekräftigt, die Rechte von Frauen 

und Minderheiten zu respektieren; es wird aber befürchtet, es werde wie-

derum zu systematischer Verfolgung dieser Gruppierungen kommen (vgl. 

etwa CHRISTIAN SOLIDARITY WORLDWIDE [CSW] Statement vom August 

2021, abrufbar unter < file:///C:/Users/U80819598/Downloads/csw-state-

ment-on-afghanis tan-august-2021%20(1).pdf >; ASYLUM RESEARCH CEN-

TRE [ARC] Foundation/Asylos/Clifford Chance, Afghanistan: COI Reposi-

tory, vom September 2021, S. 33 f., abrufbar unter < https://www.ecoi. 

net/en/file/local/2061140/afghanistancoirepository 1to29september2021.p 

df >; AMNESTY INTERNATIONAL, Afghanistan: Taliban responsible for brutal 

massacre of Hazara men – new Investigation, 19. August 2021, abrufbar 

unter < https://www.amnesty.org/en/latest/news/2021/08/afghanistan-tali-

ban-responsible-for-brutal-massacre-of-hazara-men-new-investigation >). 

6.3.4 Unter diesen Umständen wird zunächst die Frage der Glaubhaftigkeit 

der Hinwendung respektive Konversion des Beschwerdeführes zum Chris-

tentum zu prüfen und abschliessend zu beurteilen sein. Im Fall eines posi-

tiven Ausgangs dieser Prüfung wird die flüchtlingsrechtliche Relevanz die-

ses Vorbringens und der Zugehörigkeit zur ethnischen Minderheit der Ha-

zara sorgfältig zu qualifizieren sein.  

6.4 Nach dem Gesagten hat das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt 

unrichtig festgestellt und den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Weil dem 

Beschwerdeführer eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung vom 

24. August 2021 verunmöglicht war, ist auch eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht des SEM – und insoweit des Anspruchs des Beschwerdefüh-

rers auf rechtliches Gehör – festzustellen. 

6.5 Das SEM hat einer neuen Verfügung den vollständig erstellten Sach-

verhalt zugrunde zu legen und einer sachgerechten und ernsthaften recht-

lichen Würdigung zu unterziehen. Dabei hat es den aktuellen Entwicklun-

gen in Afghanistan in jeder Hinsicht Rechnung zu tragen. 

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Seite 10 

7.  

Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung beantragt worden ist. Die Verfügung vom 24. August 

2021 ist aufzuheben und die Sache ist zu neuer Entscheidung an das SEM 

zurückzuweisen. 

8.  

Angesichts dieses Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren 

Ausführungen in den Eingaben des Beschwerdeführers einzugehen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wur-

de keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten 

aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE).  

Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 

VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteient-

schädigung von insgesamt Fr. 600.– zuzusprechen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4262/2021 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanz-

lichen Verfügung beantragt worden ist. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 24. August 2021 wird aufgehoben und die 

Sache im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 600.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

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