# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 574361c4-b743-5b46-8942-1d5afd5fb4b8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.11.2022 F-3139/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3139-2022_2022-11-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3139/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, 

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,    

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren am (…), 

2. B._______, geboren am (…), 

3. C._______, geboren am (…), 

alle irakische Staatsangehörige,   

Beschwerdeführende,  

alle vertreten durch Kilian Ruchti, 

Rechtsschutz für Asylsuchende 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 8. Juli 2022 / N (…). 

 

 

 

F-3139/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden 1 und 2 ersuchten am 8. Juni 2022 in der 

Schweiz um Asyl. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der europäischen 

Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 27. November 

2021 in Polen um Asyl ersucht hatten. 

B.  

Das SEM gewährte den Beschwerdeführenden 1 und 2 am 29. Juni 2022 

das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit der Überstellung nach Polen, dessen Zuständigkeit für die Be-

handlung der Asylgesuche grundsätzlich in Frage komme. Die Beschwer-

deführenden 1 und 2 wendeten ein, in Polen während sechs Monaten in-

haftiert gewesen zu sein. Bei einer Rückkehr drohe ihnen dasselbe. Der 

Beschwerdeführer fügte an, in Polen viel gelitten zu haben. Er habe dort 

niemanden. Sein Ziel sei die Schweiz gewesen; hier lebe sein Schwager. 

In Polen hätten Asylsuchende keinen Wert. Zum medizinischen Sachver-

halt befragt, gab die Beschwerdeführerin an, im siebten Monat schwanger 

zu sein. In Polen habe sie oft um einen Spitalbesuch bitten müssen. Sie 

sei im dritten oder vierten Monat der Schwangerschaft von Polizisten ohne 

ihren Mann ins Spital gebracht worden. Da kein Dolmetscher anwesend 

gewesen sei, habe sie keine Diagnose erhalten. Als Schwangere sei sie im 

Gefängnis nicht anders behandelt worden als alle anderen. In der Schweiz 

habe sie einen (…) erlitten und sei deshalb (…). Sie habe um einen Termin 

für psychologische Unterstützung gebeten, jedoch keinen erhalten.  

C.  

Die polnischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 29. Juni 2022 

um Übernahme der Beschwerdeführenden 1 und 2 gemäss Art. 18 Abs. 1 

Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO) am 5. Juli 2022 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-

VO gut. 

D.  

Mit Verfügung vom 8. Juli 2022 (eröffnet am 12. Juli 2022) trat das SEM 

auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden 1 und 2 nicht ein, ordnete 

ihre Überstellung nach Polen an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag 

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Seite 3 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die 

Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen 

Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung 

zu. 

E.  

Am 19. Juli 2022 (Poststempel) gelangten die Beschwerdeführenden 1 und 

2 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzliche 

Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf ihre 

Asylgesuche einzutreten, eventualiter sei die Sache zur vollständigen 

Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter 

sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des 

Zugangs zu adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbringung von 

den polnischen Behörden einzuholen. Der Beschwerde sei die aufschie-

bende Wirkung zu gewähren und die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden 

seien im Rahmen vorsorglicher Massnahmen unverzüglich anzuweisen, 

bis zum Entscheid über die Beschwerde von jeglichen Vollzugshandlungen 

abzusehen. Des Weiteren ersuchten sie um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses.  

F.  

Am 20. Juli 2022 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2022 erkannte der Instruktionsrichter 

der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Juli 2022 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut.  

I.  

In ihrer Vernehmlassung vom 26. August 2022 beantragt die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. 

J.  

Am (…) 2022 kam der Sohn der Beschwerdeführenden 1 und 2 (Beschwer-

deführer 3) zur Welt.  

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Seite 4 

K.  

In ihrer Replik vom 10. Oktober 2022 halten die Beschwerdeführenden 1 

und 2 an ihren Anträgen und deren Begründung fest.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], 

Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG] sind offensichtlich 

erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 

Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 

Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitglied-

staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-

trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Die Situation eines mit dem 

Antragsteller einreisenden Minderjährigen, der der Definition des Familien-

angehörigen entspricht, ist untrennbar mit der Situation seines Familienan-

gehörigen verbunden und fällt in die Zuständigkeit des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz dieses Familienan-

gehörigen zuständig ist, auch wenn der Minderjährige selbst kein Antrag-

steller ist, sofern dies dem Wohl des Minderjährigen dient. Ebenso wird bei 

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Kindern verfahren, die nach der Ankunft des Antragstellers im Hoheitsge-

biet der Mitgliedstaaten geboren werden, ohne dass ein neues Zuständig-

keitsverfahren für diese eingeleitet werden muss (Art. 20 Abs. 3 Dublin-III-

VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-

VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel 

III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 

8.2.1). 

Nachdem die polnischen Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-

VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz zuge-

stimmt haben, ist die Zuständigkeit Polens grundsätzlich gegeben. Dies gilt 

auch für den in der Schweiz geborenen Beschwerdeführer 3 (Art. 20  

Abs. 3 Dublin-III-VO). 

3.2. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-

staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

3.3. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1).  

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Seite 6 

4.  

4.1. Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, dass das Asyl-

verfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Polen syste-

mische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-

III-VO aufweisen würden. Polen ist Signatarstaat der EMRK, des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 

0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 

31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völ-

kerrechtlichen Verpflichtungen nach. Ausserdem darf davon ausgegangen 

werden, dass dieser Staat die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus 

den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU 

vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und 

Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. Für eine Änderung der 

Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der von den Beschwerdefüh-

renden gemachten Äusserungen zu ihrer Behandlung und Unterbringung 

in Polen keine Veranlassung. Insbesondere ist auf die angeführten Be-

richte zu Push-Backs an der polnischen Grenze und zu Verweigerung des 

Zugangs zum Asylverfahren nicht näher einzugehen, gaben die Beschwer-

deführenden doch zu Protokoll, dass sie in Polen gar nicht hätten um Asyl 

ersuchen wollen und gegen ihren Willen registriert worden seien.  

4.2. Die Beschwerdeführenden führen sinngemäss an, aufgrund der sich 

im Zusammenhang mit den Flüchtlingsströmen aus der Ukraine zuspitzen-

den Situation sei davon auszugehen, dass sich Mängel im polnischen Asyl-

system häufen würden und es zu dessen Überlastung komme.  

4.3. Zurzeit sind in Polen zwar rund 1.5 Millionen ukrainische Schutzsu-

chende registriert (UNHCR, Pesel Registration by Voivodeship and Povyat, 

< https://data.unhcr.org/en/situations/ukraine/location/10781 >, abgerufen 

am 17.11.2022). Zu berücksichtigen ist aber, dass diese aufgrund des 

Durchführungsbeschlusses (EU) 2022/382 des Rates der Europäischen 

Union vom 4. März 2022 zur Feststellung des Bestehens eines Massenzu-

stroms von Vertriebenen aus der Ukraine im Sinne des Artikels 5 der Richt-

linie 2001/55/EG und zur Einführung eines vorübergehenden Schutzes 

nicht das üblicherweise vorgesehene Asylverfahren durchlaufen müssen, 

sondern in einem vereinfachten Verfahren einen europaweit gültigen vo-

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rübergehenden Schutz erhalten können. Des Weiteren werden die Schutz-

suchenden aus der Ukraine in Polen zu einem beachtlichen Teil in privat 

organisierten Unterkünften untergebracht, was im März 2022 dazu führte, 

dass die von lokalen polnischen Behörden eingerichteten Unterkunftszen-

tren mit einer Kapazität für ca. 280.000 Menschen weitgehend unbewohnt 

geblieben sind (UNHCR, Situation in der Ukraine: Flash-Update Nr. 1 vom 

8. März 2022, S. 4, < https://data.unhcr.org/en/documents/details/91208 >, 

abgerufen am 17.11.2022). Es liegen dem Gericht schliesslich keine Be-

richte vor und werden von den Beschwerdeführenden auch nicht ins Recht 

gelegt, wonach aufgrund des Zustroms von ukrainischen Flüchtlingen das 

polnische Asylsystem überfordert wäre (vgl. Verwaltungsgericht Düsseldorf 

12 L 1303/22.A, Beschluss vom 10. August 2022, < https://www.jus-

tiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_duesseldorf/j2022/12_L_1303_22_A_Be-

schluss_20220810.html >, abgerufen am 17.11.2022). Zudem haben die 

zuständigen polnischen Behörden mit Rundschreiben vom 23. Juni 2022 

mitgeteilt, ab dem 1. August 2022 (Dublin-)Transfers nach Polen wieder 

anzunehmen, nachdem sie diese mit Rundschreiben vom 25. Februar 

2022 suspendiert hatten. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

ist folglich nicht gerechtfertigt.  

5.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob – wie beantragt – das Selbsteintrittsrecht 

nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO auszuüben ist. 

5.1. Die Beschwerdeführenden führen an, aufgrund der grossen Anzahl 

von Schutzsuchenden aus der Ukraine könne im Falle einer Rückführung 

nach Polen nicht ausgeschlossen werden, dass sie in eine existentielle 

Notlage geraten würden. Somit drohe ihnen eine Verletzung von Art. 3 

EMRK.  

5.2. Die Beschwerdeführenden vermögen nicht darzutun, dass die sie bei 

einer Rückführung nach Polen zu erwartenden Bedingungen derart 

schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn-

ten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihnen zu-

stehenden Aufnahmebedingungen könnten sie sich im Übrigen nötigenfalls 

an die polnischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg 

einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Des Weiteren steht den Be-

schwerdeführenden die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Or-

ganisationen zu kontaktieren. Im Übrigen wird auf die Ausführungen in 

E. 4.3 verwiesen.  

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5.3. Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei psychisch angeschlagen 

und benötige entsprechende Behandlung. Eine adäquate Unterbringung 

der Familie mit einem Neugeborenen mit Zugang zu medizinischer Versor-

gung sei in Polen, insbesondere angesichts der Vielzahl von ukrainischen 

Flüchtlingen, nicht gewährleistet. Der Beschwerdeführerin sei in Polen ein 

Arztbesuch wiederholt verwehrt worden. Sie habe nur ein Mal einen Termin 

bei einem Arzt erhalten.  

5.4. Es liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die Gesundheit 

der Beschwerdeführenden bei einer Überstellung nach Polen ernsthaft ge-

fährdet würde. Arztberichte, welche allfällige psychische Beschwerden der 

Beschwerdeführerin dokumentieren würden, liegen nicht vor. Entgegen de-

ren Vorbringen geht aus den vorinstanzlichen Akten hervor, dass sie mehr-

mals einen Arzt in Polen konsultieren konnte. So wurden mehrere Ultra-

schalluntersuchungen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft durch-

geführt (am 1. März 2022, am 30. März 2022 und am 19. Mai 2022). Des 

Weiteren wurden zwei Blutuntersuchungen vorgenommen (am 16. März 

2022 und am 9. Mai 2022). Am 15. März 2022, am 18. März 2022, am  

27. März 2022, am 28. März 2022, am 14. April 2022, am 4. Mai 2022 und 

am 16. Mai 2022 erfolgten weitere Konsultationen bei einer Gynäkologin 

(wobei nicht immer ersichtlich ist, was deren Anlass gewesen ist). Nach-

dem die Beschwerdeführerin ihr Kind in der Schweiz zur Welt gebracht hat 

und auch ihre (…) in der Schweiz operiert werden konnte, ist nicht davon 

auszugehen, dass sie in diesem Zusammenhang weitere medizinische 

Hilfe wird in Anspruch nehmen müssen. Sollte sie bei einer Rückkehr nach 

Polen dennoch eine medizinische Behandlung beziehungsweise psycho-

logische Unterstützung benötigen, ist darauf hinzuweisen, dass die Mit-

gliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern die erforderliche medizini-

sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er-

forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-

rungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). 

Antragstellenden Personen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderli-

che medizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologischer Be-

treuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es besteht folg-

lich auch kein Anlass, die Sache an die Vorinstanz wegen unvollständiger 

Sachverhaltsfeststellung im Zusammenhang mit der medizinischen Versor-

gung in Polen zurückzuweisen. Aus dem Gesagten folgt ferner, dass die 

Vorinstanz nicht gehalten war, individuelle Zusicherungen bezüglich der 

Aufnahmebedingungen und adäquater medizinischer Versorgung der Be-

schwerdeführerin von den polnischen Behörden einzuholen.  

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Seite 9 

6.  

Die Vorinstanz wird auf ihre Pflicht aufmerksam gemacht, vor der Überstel-

lung der Beschwerdeführenden die polnischen Behörden über die Geburt 

des Beschwerdeführers 3 zu informieren (Art. 31 Dublin-III-VO).  

7.  

Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-VO 

sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf die Asylgesuche einzutreten, noch 

liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-

den. 

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten 

und hat die Wegweisung nach Polen angeordnet. 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt die am 21. Juli 2022 angeordnete aufschiebende Wirkung 

dahin. 

10.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Be-

schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Angesichts der 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG 

mit Zwischenverfügung vom 28. Juli 2022 ist auf die Erhebung von Verfah-

renskosten zu verzichten. 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nachfolgende Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Andreas Trommer Maria Wende 

 

 

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