# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 978df8ac-bcbe-52e6-a659-2b090ebd6370
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-29
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 29.08.2016 SB160205
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB160205_2016-08-29.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB160205-O/U/jv 
 
Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

Ch. von Moos und Ersatzoberrichter lic. iur. A. Flury sowie die  

Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Grieder 
 

Urteil vom 18. April 2017 

in Sachen 
 
 
 
 
A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ 
 
 
 

gegen 
 
 
 
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. R. Jäger,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend  

versuchte sowie mehrfach vollendete Vergewaltigung etc.  
(Rückweisung der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts) 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom  
23. August 2013 (DG130024)  

Urteil der I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom  
23. September 2014 (SB140051)  

Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts vom  
10. April 2016 (6B_70/2015) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 27. März 

2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23). 

 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 58 S. 57 ff.)  

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

- der versuchten sowie mehrfach vollendeten Vergewaltigung im Sinne 

von Art. 190 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, 

- der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, 

- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, 

- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB, 

- des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG 

in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie 

- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in 

Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1 Abs. 1 SVG und Art. 41 Abs. 1 SVG so-

wie Art. 30 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 2 lit. a VRV. 

Vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB wird der 

Beschuldigte freigesprochen. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, wo-

von 5 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 300.–, 

teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - 

Sihl vom 9. Dezember 2009. 

-   3   - 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

3 Jahre festgesetzt.  

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. 

4. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ eine Ge-

nugtuung in der Höhe von Fr. 10'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 

1. April 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbe-

gehren abgewiesen. 

b) Der Privatkläger C._____ wird mit seinen Forderungen auf den  

Zivilweg verwiesen. 

c) Der Privatkläger D._____ wird mit seiner Forderung auf den 

Zivilweg verwiesen. 

5. a) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

15. November 2011 beschlagnahmten Bierflaschen werden eingezo-

gen und nach Eintritt der Rechtskraft vernichtet. 

b) Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/ 

Unterland vom 15. November 2011 beschlagnahmten Unterlagen,  

werden dem Beschuldigten auf erstes Verlangen nach Eintritt der 

Rechtskraft herausgegeben: 

 - Bewerbungen 

 - Stelleninserate 

 - Arbeitsverträge 

 - Zeugnisse 

 - Schreiben RAV 

 - Lohnabrechnungen August 2006 und Oktober 2006 

 - Lohnabrechnungen Januar 2007 bis Dezember 2007 

 - Lohnabrechnungen Januar 2008 bis Dezember 2008 

 - Lohnabrechnungen Januar 2009 bis Dezember 2009 

-   4   - 

 - Lohnabrechnungen Januar 2010 bis Juli 2010 und September 

2010, Monate Juni und Juli auch Arbeitslosenentschädigungs-

Abrechnung 

 - Lohnabrechnungen April/Mai/Juni (Unia Arbeitslosenkasse) und 

Juni 2011 bis August 2011 (Abrechnungen der Firma E._____ 

AG) 

 - Arbeitsrapporte der Firma E._____ AG 

 - Kontoauszüge 

 - Zahlungsbefehl vom 20. Mai 2011 

 - Abrechnung Visa Card (Postfinance) 

 - Schreiben Bezirksgericht (Eheschutzrichter) 

 - Steuererklärung Jahr 2007 

 - Lohnausweise der Jahre 2007/2008/2009/2010 

 - Steuerrechnung für das Jahr 2008 

 - ID Karte gültig 2010 bis 2016 (Rückgabe am 13.10.2011) 

 - alter Reisepass gültig 2004 bis 2010, alte ID Karten 

 - Familienbuch 

 - Zivilstandsdokument von Bolivien 

 - Familienausweis 

 - Geburtsurkunde 

 - Domizilzeugnis und Kopien Reisepass B._____ 

 Werden die vorgenannten Gegenstände nicht innert 3 Monaten nach 

Eintritt der Rechtskraft herausverlangt, werden sie bei den Akten be-

lassen oder vernichtet. 

-   5   - 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:  

Fr. 6'000.— ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'002.05   Auslagen Vorverfahren (gemäss RIS) 

Fr. 5'000.—   Gebühr Strafuntersuchung 
Fr. 5'762.45   Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung  

(bereits bezahlt) 
Fr. 8'463.85   Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung  

(noch zu bezahlen) 
Fr. 6'372.30   Kosten der amtlichen Verteidigung (RAin X2._____, 

bereits bezahlt) 
Fr. 25'805.35   Kosten der amtlichen Verteidigung (RAin X3._____,  

noch zu bezahlen) 
Fr. 59'406.—   Total 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.  

Wird auf die Begründung dieses Urteils verzichtet, reduziert sich die Ge-

richtsgebühr auf zwei Drittel. 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-

lich derjenigen für die amtlichen Verteidigungen, werden dem Beschuldigten 

zu drei Vierteln auferlegt und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse ge-

nommen. 

Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung werden dem Be-

schuldigten in vollem Umfang auferlegt.  

Die Kosten für die amtlichen Verteidigungen sowie die unentgeltliche Ge-

schädigtenvertretung werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse 

genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbe-

halten. 

8. Der Antrag des Beschuldigten, wonach die Privatkläger 2 und 3 zur Bezah-

lung einer angemessenen Parteikostenentschädigung im Sinne von Art. 432 

StPO an den Beschuldigten zu verpflichten seien, wird abgewiesen. 

9. (Mitteilungen) 

10. (Rechtsmittel) 

-   6   - 

Entscheid im ersten Berufungsverfahren: 
(SB 140051; Urk. 97 S. 52 ff.) 

Es wird beschlossen: 

1. Vom Rückzug der Berufung des Beschuldigten betreffend Tätlichkeiten  

(Anklageziffer 1.3) wird Vormerk genommen. 

2. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

23. August 2013 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

- (…) 

- (…) 

- (…) 

- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB, 

- des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung 

mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie 

- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung 

mit Art. 100 Ziff. 1 Abs. 1 SVG und Art. 41 Abs. 1 SVG sowie Art. 30 Abs. 1 und 

Art. 31 Abs. 2 lit. a VRV. 

Vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB wird der Beschuldigte 

freigesprochen. 

2. (…) 

3. (…) 

4. a) (…) 

b) (…) 

c) (…) 

5. a) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 15. November 

2011 beschlagnahmten Bierflaschen werden eingezogen und nach Eintritt der 

Rechtskraft vernichtet. 

-   7   - 

b) Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

15. November 2011 beschlagnahmten Unterlagen, werden dem Beschuldigten auf 

erstes Verlangen nach Eintritt der Rechtskraft herausgegeben: 

 - Bewerbungen 

 - Stelleninserate 

 - Arbeitsverträge 

 - Zeugnisse 

 - Schreiben RAV 

 - Lohnabrechnungen August 2006 und Oktober 2006 

 - Lohnabrechnungen Januar 2007 bis Dezember 2007 

 - Lohnabrechnungen Januar 2008 bis Dezember 2008 

 - Lohnabrechnungen Januar 2009 bis Dezember 2009 

 - Lohnabrechnungen Januar 2010 bis Juli 2010 und September 2010, Monate 

Juni und Juli auch Arbeitslosenentschädigungs-Abrechnung 

 - Lohnabrechnungen April/Mai/Juni (Unia Arbeitslosenkasse) und Juni 2011 bis 

August 2011 (Abrechnungen der Firma E._____ AG) 

 - Arbeitsrapporte der Firma E._____ AG 

 - Kontoauszüge 

 - Zahlungsbefehl vom 20. Mai 2011 

 - Abrechnung Visa Card (Postfinance) 

 - Schreiben Bezirksgericht (Eheschutzrichter) 

 - Steuererklärung Jahr 2007 

 - Lohnausweise der Jahre 2007/2008/2009/2010 

 - Steuerrechnung für das Jahr 2008 

 - ID Karte gültig 2010 bis 2016 (Rückgabe am 13.10.2011) 

 - alter Reisepass gültig 2004 bis 2010, alte ID Karten 

 - Familienbuch 

 - Zivilstandsdokument von Bolivien 

 - Familienausweis 

 - Geburtsurkunde 

 - Domizilzeugnis und Kopien Reisepass B._____ 

 Werden die vorgenannten Gegenstände nicht innert 3 Monaten nach Eintritt der 

Rechtskraft herausverlangt, werden sie bei den Akten belassen oder vernichtet. 

-   8   - 

6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:  

Fr. 6'000.— ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'002.05   Auslagen Vorverfahren (gemäss RIS) 

Fr. 5'000.—   Gebühr Strafuntersuchung 
Fr. 5'762.45   Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung (bereits bezahlt) 
Fr. 8'463.85   Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung (noch zu  

bezahlen) 
Fr. 6'372.30   Kosten der amtlichen Verteidigung (RAin X2._____, bereits bezahlt) 

Fr. 25'805.35   Kosten der amtlichen Verteidigung (RAin X3._____, noch zu  
bezahlen) 

Fr. 59'406.—   Total 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.  

Wird auf die Begründung dieses Urteils verzichtet, reduziert sich die Gerichtsgebühr auf 

zwei Drittel. 

7. (...) 

8. Der Antrag des Beschuldigten, wonach die Privatkläger 2 und 3 zur Bezahlung einer ange-

messenen Parteikostenentschädigung im Sinne von Art. 432 StPO an den Beschuldigten zu 

verpflichten seien, wird abgewiesen. 

9. (Mitteilungen) 

10. (Rechtsmittel) 

3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

4. Gegen Ziff. 1 dieses Entscheids kann bundesrechtliche Beschwerde in 
Strafsachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-
gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des 

Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-

gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

-   9   - 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist zudem schuldig 

- der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.3) 

- der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (Anklage-

ziffer 1.1.2) 

- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Anklage-

ziffer 1.2.) 

2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der mehrfachen voll-

endeten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 

1.1.1). 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wo-

von 5 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate) wird 

die Freiheitsstrafe vollzogen.  

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 3'000.-- 

zuzüglich 5 % Zins seit 1. April 2010 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehr-

betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

6. Der Privatkläger C._____ wird mit seinen Forderungen auf den Zivilweg 

verwiesen. 

7. Der Privatkläger D._____ wird mit seiner Forderung auf den Zivilweg ver-

wiesen. 

-   10   - 

8. Die Hälfte der vorinstanzlichen Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt 

und die Hälfte wird auf die Gerichtskasse genommen. 

9. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.-- ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 9'500.--   amtliche Verteidigung 

Fr. 1'537.40   unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft 

10. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der unent-

geltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, werden dem Beschuldigten zu 2/3 

auferlegt und zu 1/3 auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amt-

lichen Verteidigung werden zu 1/3 definitiv und zu 2/3 einstweilen auf die 

Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht für den einstweilen auf 

die Gerichtskasse genommenen Teil gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt 

vorbehalten. 

11. (Mitteilungen) 

12. (Rechtsmittel) 

 

Berufungsanträge:  

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 156 S. 2) 

1. Es sei der Beschuldigte von folgenden Vorwürfen freizusprechen:  

- der versuchten Vergewaltigung i.S.v. Art. 190 Abs. 1 StGB in Ver-

bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.3) 

- der sexuellen Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 

1.1.2). 

-   11   - 

2. In Aufhebung der Dispositivziffern 2 und 3 des Urteils des Bezirks-

gerichts Winterthur sei der Beschuldigte mit einer bedingten Geldstrafe 

von 60 Tagessätzen à CHF 50.-- (bei Ansetzung einer Probezeit von 

zwei Jahren und unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft 

von 5 Tagen) sowie einer Busse von CHF 500.-- zu bestrafen; 

3. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen, eventualiter 

auf den Zivilweg zu verweisen; 

4. Die Kosten des Vor- und des erstinstanzlichen Verfahrens wie auch 

des Berufungsverfahrens, der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung 

und der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Staats-

kasse zu nehmen, eventualiter nach Obsiegen bzw. Unterliegen zu ver-

teilen.  

5. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung für die beson-

ders schweren Verletzungen seiner Persönlichkeit zuzusprechen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 155 S. 1 f.) 

 1. Der Beschuldigte sei erneut schuldig zu sprechen, soweit das Ober-

gericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, am 23. September 2014 

bereits die Rechtskraft des erstinstanzlichen Schuldspruchs festgestellt 

hat und ihn zudem für schuldig befunden hat: 

- der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.3.) 

- der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (An-

klageziffer 1.1.2.) 

- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Anklage-

ziffer 1.2.) 

-   12   - 

 2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wovon 

5 Tage durch Haft erstanden sind, sowie einer Busse von Fr. 1'000.-- 
zu bestrafen.  

3. Der Vollzug von 8 Monaten Freiheitsstrafe sei anzuordnen und für die 

restlichen 20 Monate Freiheitsstrafe sei der Vollzug bedingt aufzu-

schieben unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. 

c) Der Privatklägerin B._____: 

(Keine Anträge) 

 

Erwägungen: 

I. Prozessuales     

1. Verfahrensgang 

1.1. Der Verfahrensverlauf bis zur ersten Berufungsverhandlung kann dem Urteil 

der hiesigen Kammer vom 23. September 2014 entnommen werden (Urk. 97  

S. 8-11). 

1.2. Am 22. September 2014 fand die erste Berufungsverhandlung statt (Urk. 96 

S. 7 ff.). Nach der Beratung wurden der vorstehend wiedergegebene Beschluss 

und das Urteil vom 23. September 2014 (Urk. 97) den Parteien schriftlich mitge-

teilt (Urk. 99).  

1.3. Der Beschuldigte erhob dagegen bundesrechtliche Beschwerde (Urk. 100). 

Mit Entscheid des Bundesgerichts vom 20. April 2016 wurde diese teilweise gut-

geheissen, das Urteil des Obergerichts vom 23. September 2014 aufgehoben und 

die Sache zur neuen Beurteilung an das hiesige Gericht zurückgewiesen 

(Urk. 107). Das Bundesgericht kam in seinem Urteil zum Schluss, dass das Beru-

-   13   - 

fungsgericht die Privatklägerin B._____ hätte einvernehmen müssen (Urk. 107 E. 

1.4.). 

1.4. Mit Eingabe vom 26. Mai 2016 stellte der Verteidiger den Antrag, es sei das 

vorliegende Strafverfahren zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen des 

Bundesgerichts an das Bezirksgericht Winterthur zurückzuweisen und er sei er-

neut als amtlicher Verteidiger des Berufungsklägers einzusetzen (Urk. 109 S. 2). 

Die Verfahrensleitung stellte die Eingabe des Verteidigers mit Präsidialverfügung 

vom 30. Mai 2016 den übrigen Parteien zu und setzte diesen Frist zur freigestell-

ten Vernehmlassung an, um zur Frage einer Rückweisung des Verfahrens an die 

Vorinstanz Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde der Antrag des Beschuldigten 

um Aufrechterhaltung der amtlichen Verteidigung nach erfolgter Rückweisung 

durch das Bundesgericht gutheissen (Urk. 111). Die Staatsanwaltschaft verzichte-

te auf Stellungnahme (Urk. 113). Die Vertreterin der Privatklägerin beantragte in 

ihrer Stellungnahme vom 11. Juli 2016 die Abweisung des Rückweisungsantrages 

des Beschuldigten und die Beurteilung des vorliegenden Strafverfahrens durch 

das hiesige Gericht. Gleichzeitig ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und darum, die Unterzeichnende als unentgeltliche Vertretung der 

Privatklägerin einzusetzen (Urk. 119 S. 2). Am 14. Juli 2016 teilte die Verfahrens-

leitung der Vertreterin der Privatklägerin telefonisch mit, dass die einmal gewährte 

unentgeltliche Rechtspflege grundsätzlich für alle Instanzen gelte (Urk. 122). Das 

hiesige Gericht wies den Antrag des Beschuldigten auf Rückweisung des vor-

liegenden Verfahrens an die Vorinstanz mit Beschluss vom 29. Juli 2016 ab 

(Urk. 124 S. 4). 

1.5. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2016 stellte der Verteidiger des Beschuldig-

ten den prozessualen Antrag, es sei anlässlich der Berufungsverhandlung vom 

22. März 2017 lediglich die Befragung der Parteien durchzuführen und es sei ein 

separates Verhandlungsdatum für die Parteivorträge anzusetzen (Urk. 129 S. 2). 

Die Verfahrensleitung wies diesen Antrag mit Präsidialverfügung vom 14. Dezem-

ber 2016 ab (Urk. 131 S. 3).  

1.6. Am 17. Januar 2017 wurde auf den Mittwoch, 22. März 2017, zur zweiten 

Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 134).  

-   14   - 

1.7. Die Verfahrensleitung setzte der Privatklägerin mit Präsidialverfügung vom 

17. Januar 2017 Frist an, um schriftlich zu erklären, ob sie verlange, anlässlich ih-

rer Befragung als Auskunftsperson von einer Person gleichen Geschlechts ein-

vernommen zu werden (Urk. 136 S. 2). Mit Eingabe vom 8. Februar 2017 teilte die 

Vertreterin der Privatklägerin mit, dass ihre Klientin die Befragung durch eine Per-

son gleichen Geschlechts verlange und beantragen lasse, nicht in physischer 

Anwesenheit von Männern befragt zu werden. Zudem sei die Öffentlichkeit von 

der Befragung auszuschliessen. Sodann sei die Begegnung mit dem Beschuldig-

ten zu vermeiden (Urk. 139).  

1.8. Mit Schreiben vom 10. Februar 2017 teilte die Verfahrensleitung der Vertre-

terin der Privatklägerin die Modalitäten der Berufungsverhandlung mit (Urk. 141). 

Sie schloss mit Präsidialverfügung vom 22. Februar 2017 die Publikumsöffentlich-

keit von der Berufungsverhandlung aus und teilte den akkreditierten Gerichts-

berichterstattern die entsprechende Auflage mit, unter denen sie zur Berufungs-

verhandlung zugelassen werden. Sodann verfügte sie, dass der Beschuldigte und 

die Privatklägerin sich von je höchstens drei Vertrauenspersonen begleiten lassen 

können (Urk. 142 S. 3). 

1.9. Am 22. März 2017 fand die Berufungsverhandlung statt (Prot. III S. 9-19), 

anlässlich welcher die Privatklägerin als Auskunftsperson (Urk. 153) und der Be-

schuldigte (Urk. 154) einvernommen wurden. Nach durchgeführter Berufungsver-

handlung wünschte der Beschuldigte auf entsprechende Anfrage eine mündliche 

Urteilseröffnung (Prot. III S. 19). 

1.10.  Am 31. März 2017 wurden die Parteien zur mündlichen Urteilseröffnung auf 

den 2. Mai 2017 vorgeladen (Urk. 157). Mit Schreiben vom 5. April 2017 (Urk. 158 

A) verzichtete der leitende Staatsanwalt auf eine Teilnahme an der mündlichen 

Urteilseröffnung und auch die unentgeltliche Rechtsvertreterin verzichtete nach 

telefonischer Anfrage auf eine Teilnahme (Urk. 159). Das Urteil wurde am 

18. April 2017 beraten (Prot. III S. 20 ff.) und dem Beschuldigten und seinem amt-

lichen Verteidiger am 2. Mai 2017 mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben 

(Prot. III S. 27).  

-   15   - 

2. Umfang der Berufung 

2.1. Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des Beschuldigten in Bezug auf 

die Sachverhaltsfeststellungen betreffend die Vorwürfe der versuchten Vergewal-

tigung und der sexuellen Nötigung gut, hob das Urteil des Obergerichts vom 

23. September 2014 auf und wies die Sache zur neuen Beurteilung an die  

Vorinstanz zurück. Die weiteren Vorbringen und Rügen des Beschuldigten betref-

fend die Sachverhaltsfeststellungen und den Schuldspruch wegen mehrfacher 

Nötigung gemäss Anklageziffer 1.2. wies das Bundesgericht ab (Urk. 107 S. 9 

Erw. 2).  

2.2. Prozessgegenstand bildet nach der Rückweisung durch das Bundesgericht 

gemäss dessen Erwägungen die Sachverhaltsfeststellung in Bezug auf die sexu-

elle Nötigung (Anklageziffer 1.1.2.) und die sexuelle Nötigung / versuchte Verge-

waltigung (Anklageziffer 1.1.3.) mit den entsprechenden Konsequenzen hinsicht-

lich Sanktion, Zivilansprüche sowie Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Ent-

scheid des Obergerichts vom 23. September 2014 ist in Bezug auf den ganzen 

Beschluss in Rechtskraft erwachsen, wovon Vormerk zu nehmen ist. Weiter ist 

festzustellen, dass der Schuldspruch betreffend mehrfache Nötigung, betreffend 

Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung, die Verweise der Forde-

rungen der Privatkläger C._____ und D._____ auf den Zivilweg und die Kosten-

festsetzung des ersten Berufungsverfahrens in Rechtskraft erwachsen sind.  

3. Formelles 

3.1. Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies jeweils explizit Er-

wähnung findet.  

3.2. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht  

mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2). Die Berufungsinstanz kann sich 

somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.  

-   16   - 

3.3. Wie schon im Rahmen des ersten Berufungsverfahrens machte die Ver-

teidigung erneut geltend, dass die Einvernahme der Privatklägerin bei der Polizei 

vom 22. November 2010 (Urk. 7/1 und 7/2) nicht verwertbar sei, da diese nicht im 

Beisein des Beschuldigten erfolgt sei (Urk. 156 S. 20 Rz. 60).  

3.4. Die hiesige Kammer hat sich im Entscheid vom 23. September 2014 mit 

dem Einwand der Verteidigung auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekom-

men, dass die in der polizeilichen Einvernahme vom 22. November 2010 gemach-

ten Aussagen auch zulasten des Beschuldigten verwertbar seien (Urk. 97 S. 29 f. 

Ziff. 8.2.2.). Darauf kann verwiesen werden.  

II. Sachverhalt 

1. Anklagesachverhalt 

Der Anklagesachverhalt ergibt sich aus der Anklageschrift vom 27. März 2013, 

welche dem vorinstanzlichen Urteil beigeheftet ist (Urk. 23).  

2. Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts 

2.1. Das Bundesgericht hielt in seinem Entscheid (Urk. 107) fest, dass das 

Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen beruhe, die im Vorverfahren und im erst-

instanzlichen Hauptverfahren erhoben worden seien (Art. 389 Abs. 1 StPO). Be-

weisabnahmen des erstinstanzlichen Gerichts würden im Rechtsmittelverfahren 

nur unter den in Art. 389 Abs. 2 StPO genannten Voraussetzungen wiederholt. 

Nach Abs. 3 der Vorschrift erhebe die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen oder 

auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise. Eine unmittelbare 

Beweisabnahme im Rechtsmittelverfahren habe gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. 

Art. 405 Abs. 1 StPO auch zu erfolgen, wenn eine solche im erstinstanzlichen 

Verfahren unterblieben oder unvollständig gewesen sei und die unmittelbare 

Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheine. Der Wahr-

heits- und Untersuchungsgrundsatz gelte auch im Rechtsmittelverfahren 

(BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil 6B_430/2015 vom 15. Juni 2015 E. 2.2; je mit 

Hinweisen).  

-   17   - 

Die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels erscheine für die Urteilsfällung als 

notwendig im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO, wenn sie den Ausgang des Verfah-

rens beeinflussen könne. Dies sei namentlich der Fall, wenn die Beweiskraft des 

Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhänge, der bei seiner 

Präsentation entstehe, beispielsweise wenn es in besonderem Masse auf den 

unmittelbare Eindruck einer Zeugenaussage ankomme, so etwa wenn Aussage 

gegen Aussage stehe. Das Gericht verfüge beim Entscheid über die Frage, ob die 

unmittelbare Kenntnis des Beweismittels im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO für 

die Urteilsfällung notwendig erscheine, über einen Ermessenspielraum (Urk. 107 

S. 5 f. E.1.3, m. w. H.). 

Die Vorinstanz verletze Bundesrecht, indem sie den Antrag auf Einvernahme der 

Beschwerdegegnerin 2 (Privatklägerin) abweise. In "Aussage gegen Aussage"-

Situationen, in denen keine weiteren Sachbeweise oder Indizien vorlägen, sei 

nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung die unmittelbare Wahrnehmung der 

aussagenden Person durch das Sachgericht grundsätzlich unverzichtbar. Fehle 

es an einer gerichtlichen Einvernahme, beruhe die Aussagewürdigung auf einer 

unvollständigen Grundlage (vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.1-4.4.3: 6B_98/2014 vom 

30. September 2014 E. 3.8). Die Anschuldigungen der Beschwerdegegnerin 2 

seien neben der Aussage des Beschwerdeführers das einzige Beweismittel in 

Bezug auf die schwerwiegenden Tatvorwürfe der versuchten Vergewaltigung und 

der mehrfachen sexuellen Nötigung. Den sich widersprechenden Aussagen 

komme hinsichtlich des Verfahrensausgangs entscheidende Bedeutung zu, wes-

halb die persönliche Einvernahme des Beschwerdeführers und der Beschwerde-

gegnerin 2 durch die Vorinstanz gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 

StPO notwendig sei (Urk. 107 S. 6 E. 1.4.1). 

Die Videoaufzeichnungen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen könnten 

vorliegend die Befragung der Beschwerdegegnerin 2 durch die Vorinstanz nicht 

ersetzen, respektive würden diese nicht unverzichtbar machen. Zwar stellten auf 

Video aufgezeichnete Einvernahmen nicht per se ein ungenügendes Beweismittel 

bei der Aussagewürdigung dar, sondern könnten genügen, um sich ein hin-

reichendes Bild von der Glaubwürdigkeit der Auskunftsperson oder des Zeugen 

-   18   - 

respektive der Glaubhaftigkeit deren Aussagen zu verschaffen (vgl. Urteil 

6B_430/2015 vom 15. Juni 2015 E. 2.5.2 f.). Dies sei namentlich der Fall, wenn 

weitere Sachbeweise oder Indizien vorliegen würden und die einvernommene 

Person konstant und in sich logisch konsistent aussage. Vorliegend sei die Be-

schwerdegegnerin 2 in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme von ihren Aus-

sagen anlässlich der polizeilichen Einvernahme und den in ihrer Strafanzeige ge-

gen den Beschwerdeführer erhobenen Vorwürfen abgewichen und habe weiter-

gehende Anschuldigungen erhoben. Diese Unregelmässigkeiten habe auch die 

Vorinstanz ausgemacht und die von der Beschwerdegegnerin 2 erhobenen An-

schuldigungen der mehrfachen Vergewaltigung als unglaubhaft erachtet. Die Er-

forderlichkeit der gerichtlichen Einvernahme ergebe sich aus den Abweichungen, 

Widersprüchen und Weiterungen zu den früheren Einlassungen und nicht auf-

grund der Form der Beweiserhebung mittels Videoaufzeichnung. Die Beurteilung 

der Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 2 und der Glaubhaftigkeit deren 

Aussagen hange im entscheidenden Masse davon ab, ob sich die Unklarheiten 

plausibel erklären oder nachvollziehbar auflösen liessen, was die persönliche Ein-

vernahme durch die Vorinstanz erforderlich mache.  

Den Videoaufzeichnungen komme vorliegend zudem nur eine eingeschränkte 

Beweiskraft zu. Die Beschwerdegegnerin 2 habe die Tatvorwürfe zu keinem Zeit-

punkt frei und zusammenhängend geschildert bzw. schildern können. Sie habe 

(fast) ausschliesslich auf die Fragen der Staatsanwaltschaft geantwortet und sei 

regelmässig zwecks Protokollierung unterbrochen worden. Das in den Akten be-

findliche Einvernahmeprotokoll gebe auch nicht den Wortlaut ihrer Aussagen wie-

der, sondern deren diktierte Zusammenfassung durch die Staatsanwaltschaft. 

Umfang und Inhalt der vom Beschwerdeführer als widersprüchlich gerügten Aus-

sagen seien nicht das Ergebnis einer eigenständigen Schilderung durch die Be-

schwerdeführerin 2, sondern würden in erster Line auf der Art der (polizeilichen 

und) staatsanwaltschaftlichen Befragung beruhen, insbesondere der mehrfachen 

Wiederholung und dem Insistieren auf Fragen, bevor die Antworten protokolliert 

worden seien. Dies zeige, dass die unmittelbare Befragung durch das jeweils er-

kennende Sachgericht in der Regel hilfreich und gerade in Aussage gegen Aus-

sage-Konstellationen für die Urteilsfindung unerlässlich sei. Eine persönliche An-

-   19   - 

hörung der Beschwerdegegnerin 2 sei unerlässlich und hätte sich hinsichtlich 

sämtlicher Anklagevorwürfe aufgedrängt und zwar umso mehr, weil die Vor-

instanz die von der Beschwerdegegnerin 2 erhobenen schwersten Vorwürfe der 

mehrfachen Vergewaltigung als inkonstant erachte und eine deutliche Aggravie-

rungstendenz erkannt habe, die gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen spreche 

(Urk. 107 S. 6 ff. E. 1.4.2).  

3. Bemerkungen zum bundesgerichtlichen Urteil vom 20. April 2016 

Das Bundesgericht stellte in seinem Urteil unter anderem fest, dass die Privatklä-

gerin in den Videobefragungen mittels Wiederholungen und Insistieren auf Fragen 

stark geführt worden sei, weshalb die Videoaufzeichnungen nur von beschränkter 

Beweiskraft seien. Die Befragungen in der Untersuchung und vor Berufungsge-

richt zeigen jedoch klar, dass die Privatklägerin auf offen gestellte Fragen insbe-

sondere ihren Intimbereich betreffend (vgl. dazu Ziff. II. 7.2.3.), wenig antwortete. 

Um von ihr brauchbare Antworten zu erhalten, war ein Nachfragen nötig. Dadurch 

entstanden jedoch auch die als vermeintlich widersprüchlich gerügten Aussagen. 

Die Befragung anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung führte zur Auflösung 

dieser vermeintlichen Widersprüche, wie noch zu zeigen ist (Ziff. II. 7.2.6. ff.).  

4. Ausgangslage 

Strittig sind im vorliegenden Verfahren noch die eingeklagten Sachverhalte betref-

fend sexuelle Nötigung im Frühling 2010 (Anklageziffer 1.1.2.) und die versuchte 

Vergewaltigung / sexuelle Nötigung ebenfalls im Frühling 2010 (Anklageziffer 

1.1.3.). Diese Sachverhalte sind somit zu erstellen.  

5. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung  

Die Vorinstanz hat zutreffende Ausführungen zu den Beweisgrundsätzen gemacht 

(Urk. 58 S. 10 ff.), welche im Urteil der hiesigen Kammer vom 23. September 

2014 (Urk. 97 S. 14 ff.) ergänzt wurden. Darauf kann verwiesen werden.  

-   20   - 

6. Beweismittel 

Bei den zwei noch zu prüfenden Anklagevorwürfen liegen als Beweismittel einzig 

die Aussagen der Privatklägerin und diejenigen des Beschuldigten vor. 

7. Aussagen der Privatklägerin 

7.1. Die Vorinstanz hat die Ausführungen der Privatklägerin korrekt wiedergege-

ben (Urk. 58 S. 15 ff.). Die Privatklägerin wurde im Rahmen der Untersuchung am 

22. November 2010 bei der Kantonspolizei Zürich (Urk. 7/1 und 7/2), ein Jahr spä-

ter am 23. November 2011 bei der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

(Urk. 7/3) und dann rund 4 Monate später, nämlich am 6. März 2012, nochmals 

bei der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (Urk. 7/5) einlässlich befragt. 

Nach der Rückweisung durch das Bundesgericht wurde die Privatklägerin anläss-

lich der zweiten Berufungsverhandlung vom 22. März 2017 nochmals befragt 

(Urk. 153).  

7.2. Aussageverhalten der Privatklägerin 

7.2.1. Das von der Privatklägerin an den Tag gelegte Aussageverhalten muss 

insgesamt betrachtet als ungewöhnlich und vielfach auch unerwartet bezeichnet 

werden. Die Privatklägerin weisst einerseits deutlich unterdurchschnittliche rheto-

rische Fähigkeiten auf. Andererseits beantwortete sie namentlich direkte Fragen, 

ihre Intimsphäre betreffend sehr zögerlich und mit auffällig grosser Zurückhaltung, 

wobei sie sich offenkundig schämte, diesbezüglich überhaupt Angaben zu ma-

chen. Dafür jedoch, dass die Privatklägerin etwa aus intellektuellen Gründen nicht 

in der Lage gewesen wäre, die an sie gerichteten Fragen adäquat zu erfassen 

und angemessen zu beantworten bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Gerade aber, 

weil das Aussageverhalten der Privatklägerin als aussergewöhnlich bezeichnet 

werden muss, drängen sich einleitend einige Erörterungen hierzu auf.  

7.2.2. Die Verteidigung macht geltend, die Widersprüche im Aussageverhalten 

der Privatklägerin seien zwar erwähnt, aber im Wesentlichen als irrelevant abge-

tan worden, da sich die Privatklägerin später wieder habe erinnern können. Heute 

sei zu sehen, dass es mit der Erinnerung nicht weit her sei (Urk. 156 S. 4 Rz. 10). 

-   21   - 

Die Ausführungen des Bundesgerichts seien vorliegend zentral. Es sei somit 

höchstrichterlich festgestellt worden, dass die Aussagen der Privatklägerin wider-

sprüchlich seien. Es bestehe eine Aggravierungs- bzw. Ausbautendenz. Die Pri-

vatklägerin habe die Vorwürfe "zu keinem Zeitpunkt frei und zusammenhängend" 

geschildert und habe "fast ausschliesslich auf die Fragen der Staatsanwaltschaft" 

geantwortet. Die Aussagen der Privatklägerin seien nicht das Ergebnis einer ei-

genständigen Schilderung, sondern beruhten auf der Art der Fragestellung, ins-

besondere der mehrfachen Wiederholungen und dem Insistieren auf Fragen und 

seien als letzten Endes Ergebnis von Suggestion (Urk. 156 S. 5 Rz. 15).  

Mit anderen Worten habe das Bundesgericht in seltener Klarheit festgestellt, dass 

es den Aussagen der Privatklägerin an jenen Kriterien mangle, die glaubhafte 

Aussagen kennzeichneten. Auf die offen gestellten Fragen der Referentin habe 

die Privatklägerin in der Befragung keine eigenständige Schilderung des Sach-

verhalts wiedergegeben. Erst auf die detaillierte Fragestellung, die aufgrund des 

Vorwissens bestanden habe, habe die Privatklägerin dann Punkt für Punkt einzel-

ne Aussagen gemacht. Aber eine eigenständige Schilderung fehle auch heute 

gänzlich (Urk. 156 S. 5 Rz. 15, Prot. III S. 13 E2).  

7.2.3. Anlässlich ihrer Befragung in der zweiten Berufungsverhandlung vom 

22. März 2017 beschrieb sich die Privatklägerin selber als ruhig und zurückhal-

tend (Urk. 153 S. 4). Dies zeigte sich sowohl in den Videoeinvernahmen (Urk. 7/4 

u. Urk. 7/6) als auch anlässlich ihrer Befragung im Rahmen der Berufungsver-

handlung. Bei der Beantwortung der an sie gestellten Fragen überlegte die Privat-

klägerin zuerst und gab dann aber keine weitschweifigen Auskünfte, sondern be-

schränkte sich auf kurze Antworten. Dabei blieb sie an der Frage haften und äus-

serte sich in der Tat nur sporadisch frei und zusammenhängend. Eine besondere 

Zurückhaltung wurde deutlich, sobald die Schilderungen der Privatklägerin die 

Grenze zum Intimbereich überschritten. Hier wurden ihre Aussagen geradezu 

karg, wobei sie die Dinge aber auf Nachfrage hin beim Namen nannte und über-

zeugend schilderte, was sich zugetragen hatte. Die Privatklägerin wirkt – wenn es 

um intime Details geht – peinlich berührt und hat dies auch gegenüber dem be-

fragenden Polizisten so bestätigt, indem sie auf entsprechende Frage angab, 

-   22   - 

dass es ihr peinlich sei, über die Tat an sich zu sprechen (Urk. 7/2 S. 4 Fragen 

und Antworten 24 und 25). Dieser Eindruck wird unterstrichen durch das verlege-

ne Lächeln der Privatklägerin, das auch in der Befragung anlässlich der zweiten 

Berufungsverhandlung zu sehen war (Urk. 153 S. 16, Protokollnotiz). Schliesslich 

fasste sich die Privatklägerin unbewusst an die betroffenen Körperstellen, als sie 

beschrieb, was geschehen war (Urk. 153 S. 6, S. 14, S. 21, S. 24). Die Privat-

klägerin fokussierte nicht auf die deliktischen Handlungen und schilderte diese 

auch nicht ausgiebig, was deutlich macht, dass sie unpräpariert an die Befragung 

herantrat. 

Die betreffend das Kerngeschehen zurückhaltenden und kurzen Aussagen der 

Privatklägerin führten dazu, dass die jeweils Einvernehmenden nachfragen muss-

ten. Auch an der zweiten Berufungsverhandlung zeigte sich mit der Verteidigung 

exemplarisch, wie die Privatklägerin auf offen formulierte Fragen zu den Anklage-

vorwürfen nur kurz antwortete bzw. aussagte, sie könne sich nicht mehr genau 

daran erinnern (Urk. 153 S. 11 f.). Auf konkrete Fragen gab sie dagegen präzisere 

Antworten (Urk. 153 S. 12 - 22). Entgegen der Verteidigung leitet das Bundes-

gericht aus der mangelnden eigenständigen Schilderungen der Tatvorwürfe durch 

die Privatklägerin aber nicht ab, dass es deren Aussagen an Glaubhaftigkeit 

mangle. Vielmehr fordert es die Einvernahme der Privatklägerin durch das Gericht 

(Urk. 107 S. 7), was anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung nachgeholt 

wurde (Urk. 153). 

7.2.4. Grundsätzlich war die Privatklägerin sodann bemüht, den Beschuldigten 

nicht übermässig zu belasten und räumte beispielsweise ein, dass es auch in den 

letzten Monaten vor der Trennung durchaus noch zu einvernehmlichem Ge-

schlechtsverkehr gekommen sei (Urk. 153 S. 10). Weiter schilderte sie, wie der 

Beschuldigte ihr am Tag des 80. Geburtstags ihrer Grossmutter eine Ohrfeige ge-

geben habe. Auf Frage erklärte sie, dadurch nicht verletzt worden zu sein und 

nicht mehr sagen zu können, ob ihr dies Ohrensausen verursacht habe (Urk. 7/2 

S. 2). Die Privatklägerin gab betreffend den Vorwurf der versuchten Verge-

waltigung / sexuellen Nötigung (Anklageziffer 1.1.3) an, dadurch nicht verletzt 

worden zu sein. Erst auf Nachfrage erklärte sie, sie habe ein wenig geblutet, da 

es trocken gewesen sei, als der Beschuldigte seine Finger eingeführt habe (Urk. 

-   23   - 

7/2 S. 6 f.). Die Privatklägerin gab schliesslich zu Protokoll, dass der Beschuldigte 

beim Geschlechtsverkehr jeweils keine Gewalt angewendet habe (Urk. 7/5 S. 8) 

und dieser nicht gegen ihren Willen geschehen sei (Urk. 7/2 S. 8), was schliess-

lich auch zum Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung führte (Urk. 97 

S. 24 f.). Weiter hielt die Privatklägerin fest, der Beschuldigte habe sie nach dem 

Geburtstagsfest ihrer Grossmutter massiert und habe sie dann sexuell angegan-

gen. Als sie ihm gesagt habe, er soll das sein lassen, habe er aufgehört (Urk. 7/2 

S. 4, Urk. 7/3 S. 11 f.). Dann stellte die Privatklägerin klar, dass der Beschuldigte 

sie entgegen der Strafanzeige bei diesem Vorfall nicht versucht habe, zu verge-

waltigen. Damals habe er sie lediglich geschlagen. Ihre Anwältin und sie hätten 

sich vermutlich missverstanden (Urk. 3/1 S. 4, Urk. 7/1 S. 5). Wenn die Privat-

klägerin den Beschuldigten zu Unrecht bzw. übermässig hätte belasten wollen, 

hätte sich das gerade in diesem Zusammenhang aufgedrängt, da ihre Vertreterin 

die Belastung bereits in der Anzeige erhoben hatte und die Privatklägerin diese 

einfach noch hätte bestätigen müssen. Die Privatklägerin verzichtet jedoch aus-

drücklich auf Mehrbelastungen des Beschuldigten, was ein Realitätskennzeichen 

darstellt (AJP/PJA 11/2011 S. 1425).  

7.2.5. Wie bereits einleitend erwähnt, ist die Privatklägerin von ihren sprachlichen 

Fähigkeiten her limitiert. Das lässt sich aus der nachfolgenden Zusammenfassung 

ihrer Aussagen herauslesen. Um die zumindest teilweise etwas eingeschränkten 

rhetorischen Möglichkeiten und die holprige Sprache der Privatklägerin besser zu 

veranschaulichen, werden ihre Äusserungen in der Folge so wiedergegeben, wie 

sie von ihr im Rahmen der Befragung deponiert wurden.  

7.2.6. Anlässlich der Befragung in der zweiten Berufungsverhandlung vom 

22. März 2017 (Urk. 153) wurde die Privatklägerin dazu befragt, wie es dazu ge-

kommen sei, dass sie durch ihre Anwältin am 17. November 2010 Strafanzeige 

habe einreichen lassen. Die Privatklägerin sagte dazu, dass dies wegen der Vor-

fälle im Frühling 2010 gewesen sei. Da die Scheidung bevorgestanden habe, ha-

be sie auch Angst gehabt, dass es so weiter gehen könnte. Sie habe keinen Aus-

weg gesehen. Sie habe sich von ihrem Mann getrennt und alleine gewohnt, wes-

halb sie gedacht habe, er lasse sie in Ruhe. Da das nicht aufgehört habe, sei sie 

-   24   - 

auf die Anwältin zu und dann zur Polizei gegangen. Danach befragt, weshalb die 

Anzeige erst so spät erfolgt sei, wo sich doch ein Vorfall gemäss Anzeige bereits 

im März 2007 ereignet habe, führte die Privatklägerin aus, dass sie das bei der 

gerichtlichen Trennung auf dem Formular ausgefüllt habe, warum und so. Dann 

habe sie gedacht, sie vergesse das einfach. Sie habe gedacht, wenn man ge-

trennt sei, könne man einander vergeben und wenn sie dann ihren Frieden habe, 

sei es ok. Sie sei ja nicht so, dass sie unbedingt streiten wolle. Sie habe gedacht, 

dass wenn sie ihn verlasse und er sie in Ruhe lasse, lasse sie es einfach sein 

(Urk. 153 S. 7).  

Dazu befragt, weshalb die mehrfachen Vergewaltigungen in der Ehe in der Anzei-

ge vom 17. November 2010 nicht erwähnt worden seien, sagte die Privatklägerin, 

dass sie gedacht habe, dass die Ehe vorbei sei. Darum habe sie das nicht er-

wähnt. Ihre Mutter sei damals bei der Polizei auch dabei gewesen, darum habe 

sie nicht über alles reden wollen, weil sie diese sonst auch noch belastet hätte 

(Urk. 153 S. 8). In der Folge wurde sie dazu befragt, weshalb sie zunächst ausge-

sagt habe, es sei nicht zu Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gekommen, 

denn der Beschuldigte habe immer vorher aufgehört. Später habe sie dann aber 

angegeben, sie sei gegen ihren Willen zu Sex gezwungen worden. Die Privatklä-

gerin gab zu Protokoll, dass das Eine gewesen sei, dass eben ihre Mutter bei der 

Anzeigeerstattung dabei gewesen sei und dass sie diese nicht zusätzlich habe 

belasten wollen. Diese habe von alldem nichts gewusst. Das Zweite sei gewesen, 

dass sie einen Strich nach der Trennung gemacht habe, dass es für sie wie abge-

schlossen gewesen sei, als sie den Beschuldigten verlassen habe (Urk. 153 S. 9).  

7.2.7. Die Privatklägerin begründete mit ihren nachvollziehbaren Ausführungen 

schlüssig, weshalb es nicht früher zu einer Anzeige gekommen war. Sie ging 

nämlich davon aus, dass die Übergriffe aufhörten, sobald sie vom Beschuldigten 

getrennt wäre. Als sich diese Hoffnung zerschlug, wandte sie sich an ihre An-

wältin und es kam in der Folge zur Strafanzeige. Die Privatklägerin hätte die ein-

geklagten Vorfälle vergessen und dem Beschuldigten verzeihen wollen.  

Ebenfalls begründete die Privatklägerin nachvollziehbar und plausibel, weshalb 

sie die mehrfachen Vergewaltigungen in der Ehe weder bei der Anzeige noch an-

-   25   - 

lässlich der polizeilichen Einvernahme erwähnte. Sie wollte nach der Ehe einen 

Schlussstrich ziehen. Bei der Polizei wollte sie die Vorfälle nicht vor ihrer Mutter, 

die sie zur Polizei begleitet hatte, thematisieren, um diese nicht zu belasten. Erst 

in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erwähnte sie – in Abwesenheit ihrer 

Mutter – die Vergewaltigungen. Es gibt somit für die späte und unvollständige An-

zeige eine nachvollziehbare Erklärung.  

7.2.8. Die Privatklägerin wies den Beschuldigten zwar gemäss ihren Aussagen in 

Bezug auf die unerwünschten sexuellen Kontakte darauf hin, dass es nicht so 

weitergehen könne (Urk. 153 S. 9). Sie bekundete aber in verschiedenen Situa-

tionen Mühe, dem Beschuldigten Grenzen aufzuzeigen. Sie setzte beispielsweise 

gemäss ihren Aussagen im Rahmen ihrer Abwehrhaltung und um nicht mehr mit 

dem Beschuldigten schlafen zu müssen die Pille ab. Das habe zur Folge gehabt, 

dass sie zwar am Anfang keinen Sex gehabt hätten, es danach aber egal gewe-

sen sei (Urk. 153 S. 8, S. 10). Es sei dann zu einer ungewollten Schwangerschaft 

mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch gekommen. Weiter erklärte sie be-

treffend den Vorfall gemäss Anklageziffer 1.1.2., sie habe den Beschuldigten mit 

dem Hinweis, dass er doch eine Freundin habe, dazu bewegen wollen, von ihr 

abzulassen (Urk. 7/2 S. 5, Urk. 7/3 S. 26 f., Urk. 153 S. 17 f.). Als Ausweg aus 

dieser problematischen Beziehung sah die Privatklägerin nur eine Trennung, die 

dann aber auch nicht den erhofften Effekt hatte. Als letzte Lösung blieb nur eine 

Strafanzeige. Das lange und auf den ersten Blick unverständliche Zuwarten mit 

einer Strafanzeige findet seine Begründung in der Haltung der Privatklägerin, die 

dem Beschuldigten – im Sinne eines Schlussstriches unter ihre Beziehung – in 

der Hoffnung verziehen hatte, dass alles besser werde.  

7.2.9. Zum Aussageverhalten der Privatklägerin kann somit nach ihrer Befragung 

anlässlich der Berufungsverhandlung festgehalten werden, dass sie die vermeint-

lichen Widersprüche stimmig und nachvollziehbar erklären und damit auflösen 

konnte. Ebenfalls zeigte die Privatklägerin auf, wie es zu ihren – zunächst sehr 

zurückhaltenden – Aussagen kam. Die Privatklägerin wollte das Vorgefallene ver-

zeihen und vergessen, war dann aber wegen des Verhaltens des Beschuldigten 

gezwungen nach und nach alles auf den Tisch zu legen. Es kann deshalb nicht 

-   26   - 

mehr von einer Aggravierungstendenz gesprochen werden. Auch die Anwesen-

heit ihrer Mutter bei der polizeilichen Einvernahme und die sichtbar zurückhalten-

de Art der Privatklägerin führten dazu, dass sie bei der Polizei karg aussagte und 

gewisse Vorfälle während der Ehe mit dem Beschuldigten gar nicht erwähnte. Bei 

der Staatsanwaltschaft deponierte die Privatklägerin dann – zwar immer noch 

sehr zurückhaltend – alle Vorfälle. 

7.2.10. Nachfolgend ist auf die Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldig-

ten zu den noch strittigen Vorfällen einzugehen.  

7.3. Sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.2) 

7.3.1. Aussagen der Privatklägerin  

7.3.1.1. Die Privatklägerin erwähnte diesen Vorfall weder in der Strafanzeige vom 

17. November 2010 (Urk. 3/1), noch in den Einvernahmen bei der Kantonspolizei 

Zürich vom 22. November 2010 (Urk. 7/1 und 7/2). Es wurde bereits ausführlich 

darauf eingegangen, wieso die Privatklägerin gewisse Aussagen erst nach der 

Anzeigeerstattung deponierte (Ziff. II. 7.2.6. f.).  

7.3.1.2. Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der Ein-

vernahmen vom 23. November 2011 und vom 6. März 2012 korrekt zusammen 

(Urk. 58 S. 19 f.). Um Wiederholungen zu vermeiden, ist darauf zu verweisen.  

7.3.1.3. Anlässlich der Befragung im Rahmen der zweiten Berufungsverhandlung 

vom 22. März 2017 (Urk. 153) sagte die Privatklägerin, dass sie sich nur noch ein 

wenig daran erinnern könne. Sie schilderte den Ablauf so, dass der Beschuldigte 

habe zu ihr lernen kommen wollen. Das sei, soweit sie wisse, unter der Woche 

am Abend gewesen. Sie hätten Pizza bestellt und gelernt. Er sei dann in ihr Zim-

mer gegangen und sie sei hinterher gegangen, weil sie gefunden habe, dass er 

dort nichts zu suchen habe. Er habe sie dann eingeschlossen und den Vibrator 

gesucht. Mehr wisse sie gerade nicht mehr (Urk. 153 S. 11 f.). Auf Ergänzungs-

frage des Vorsitzenden sagte die Privatklägerin, dass sie nicht mehr wisse, was 

damals passiert sei. Auf erneute Frage erklärte sie, noch zu wissen, dass sie da-

nach auf dem Bett gewesen seien. Die Details wisse sie nicht mehr. Auf noch-

-   27   - 

maliges Nachfragen führte die Privatklägerin aus, dass sie auch noch wisse, dass 

er sie mit einer Hand an der Hüfte fixiert habe. Sie wisse aber nicht mehr, welcher 

Vorfall dies gewesen sei. Sie habe ein Durcheinander in ihrem Kopf. Sie habe 

weg gewollt und habe sich nach oben gestossen, bis der Kopf an der Wand am 

Ende des Bettes angestossen sei. Sie wisse nicht mehr, ob das der erste oder der 

zweite Vorfall gewesen sei. Sie wisse auch noch, dass sie einmal geblutet habe. 

Sie glaube, dass sei der Vorfall gewesen, als F._____ dabei gewesen sei. Da-

nach befragt, was der Beschuldigte mit dem Vibrator gemacht habe, sagte die 

Privatklägerin, er sei in sie eingedrungen. Sie könne nicht mehr sagen, was vor-

her geschehen sei, weil sie sich nicht mehr daran erinnern könne (Urk. 153 

S. 13 ff.). Auf Vorhalt ihrer Angaben bezüglich der Position des Beschuldigten, 

sagte die Privatklägerin, dass sie sich nur noch ganz schwach daran erinnern 

könne. Auch wisse sie nicht mehr in welcher Position sie sich befunden habe, sie 

denke auf dem Rücken (Urk. 153 S. 16 f.). Der Vorsitzende hielt der Privatklägerin 

ihre frühere Aussage vor, wonach sie dem Beschuldigten zuvor – als dieser be-

gonnen habe ihre Brüste zu berühren – gesagt habe, er solle damit wegen seiner 

Freundin aufhören. Auf die Frage, was sie genau mit dieser Aussage habe be-

zwecken wollen, antwortete die Privatklägerin, dass sie gedacht habe, er lasse sie 

dann in Ruhe, er wäre sich dann bewusst. Sie habe ja nichts von ihm gewollt. Die 

Frage, ob sie das aus Respekt vor der Freundin gesagt habe, verneinte die Pri-

vatklägerin und führte aus, dass sie gedacht habe, dass er es sich dann anders 

überlege und sie dann in Ruhe lasse. Sie habe auch nicht verstanden, warum er 

noch etwas von ihr gewollt und sie dazu gezwungen habe, wenn er doch eine 

Freundin gehabt habe. Er hätte doch mit dieser Sex haben können (Urk. 153 S. 

17 f.). 

7.3.2. Aussagen des Beschuldigten  

Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten bereits zutreffend zu-

sammengefasst (Urk. 58 S. 9). Es ist darauf zu verweisen. Hinsichtlich seiner 

Aussagen in der ersten Berufungsverhandlung ist auf das Urteil der hiesigen 

Kammer vom 23. September 2014 zu verweisen (Urk. 97 S. 25). In der zweiten 

-   28   - 

Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte an seinem bisherigen Standpunkt 

fest und bestritt den ihm vorgeworfenen Sachverhalt (Urk. 154 S. 4 f.).  

7.3.3. Einwände der Verteidigung 

Die Verteidigung führte aus, es sei nochmals daran zu erinnern, dass der Vorfall 

mit dem Vibrator von der Privatklägerin nur ein einziges Mal erwähnt worden sei 

und die Privatklägerin dabei verschiedene angebliche Vorfälle derart durcheinan-

der gebracht habe, dass erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit bestehen blie-

ben. Auch heute habe es Verwechslungen beim Sachverhalt gegeben (Urk. 156 

S. 5 Rz. 16). Die Privatklägerin habe also bereits zu Beginn der Geschichte ver-

schiedene Vorfälle durcheinander gebracht.  

Und die Privatklägerin habe lediglich stereotype Aussagen gemacht. Sie sei (viel-

leicht) an den Brüsten berührt worden. Sie sei aufs Bett geworfen worden, wisse 

aber nicht wie. Und der Beschuldigte habe die Türe geschlossen, woraus später 

dann die Nötigungshandlung konstruiert worden sei (Urk. 156 S. 7 Rz. 22). Die 

Privatklägerin habe keine glaubhaften Aussagen zum Schliessen der Türe und 

dem Abziehen des Schlüssels gemacht. Sodann sei fraglich, ob "strukturelle Ge-

walt" also eine ständige Unterdrückung vorgelegen habe (Urk. 156 S. 8 Rz. 23). 

Auch die Entkleidung sei völlig unglaubhaft geschildert. Auffällig sei auch der 

Sprung in der Geschichte. Eben habe sie noch erzählt, dass er ihre Brüste und  

allenfalls den Hals geküsst habe und Zack! solle er mit dem Vibrator in sie einge-

drungen sein (Urk. 156 S. 11 f. Rz. 29).  

Die Einsilbigkeit der Antworten und das lange Nachdenken vor den Antworten sei 

ebenfalls ein deutliches Indiz dafür, dass sich der Vorfall nicht so ereignet habe 

(Urk. 156 S. 13 Rz. 37). 

Schliesslich hält die Verteidigung fest, dass es weder eine Schilderung der Nöti-

gung oder des Entkleidens, noch eigenständige Ausführungen gebe, wie dieser 

Vorfall abgelaufen sein soll. Im Kern seien die Aussagen der Privatklägerin höchst 

unklar (Prot. III S. 14).  

7.3.4. Würdigung 

-   29   - 

Wie bereits im Entscheid der hiesigen Kammer vom 23. September 2014 ausge-

führt, hatte der Beschuldigte wenig Mühe, die zwei Begebenheiten (Anklageziffer 

1.1.2 und 1.1.3; Urk. 97 S. 26 f.) auseinanderzuhalten: Er erwähnte stets, dass er 

einmal seinen Sohn besucht habe, weil dieser krank gewesen sei und er deshalb 

sein Besuchsrecht nicht habe ausüben können (Urk. 89 S. 14 f.). An einem ande-

ren Tag sei er zum Lernen zur Privatklägerin gegangen, wobei sein Sohn nicht 

anwesend gewesen sei. Er sei danach aus Dankbarkeit eine Pizza kaufen gegan-

gen (Urk. 6/11 S. 5) bzw. sie hätten eine Pizza gegessen (Urk. 89 S. 12). Es ist 

jedoch darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin das Pizza-Essen zuerst er-

wähnte (Einvernahme vom 23. November 2011, Urk. 7/3 S. 23) und der Beschul-

digte sich dieser Aussage in der Folge anschloss (Einvernahme vom 29. März 

2012, Urk. 6/11 S. 5, Urk. 89S. 12). Vom Rahmengeschehen her – Lernen und 

Pizza essen – decken sich die Aussagen des Beschuldigten jedenfalls mit denen 

der Privatklägerin und vermögen deren Aussagen nicht abzuschwächen.  

Die Aussagen der Privatklägerin wirken wie eine Schilderung einer Person, wel-

che tatsächlich Erlebtes wiedergibt. Sie sind in sich stimmig und plausibel. Die 

Privatklägerin hat sowohl den Ablauf des Vorfalles als auch den Kerngehalt 

zweimal und von sich aus gleich geschildert: Der Beschuldigte habe in ihrem 

Schlafzimmer den Vibrator gesucht. Sie sei dem Beschuldigten gefolgt, worauf er 

das Zimmer abgeschlossen habe. Dann sei er mit dem Vibrator in ihre Vagina 

eingedrungen, wobei sie auf dem Bett gelegen habe (Urk. 7/3 S. 23 ff., Urk. 153 

S. 11 ff.). Dass die Privatklägerin in der zweiten Berufungsverhandlung und damit 

rund sieben Jahre nach dem Vorfall keine detailliertere Aussagen mehr machen 

konnte (Urk. 153 S. 11, S. 13 ff.), erscheint normal. 

Sodann enthalten die Schilderungen der Privatklägerin diverse Details, die darauf 

hindeuten, dass sie das Erzählte selbst erlebt hat und nicht erfunden hat. Sie 

konnte sich beispielsweise daran erinnern, dass es beim Stoff, den der Beschul-

digte lernen musste, um Zinsrechnungen gegangen sei (Urk. 7/3 S. 23). Ebenfalls 

konnte sie genau sagen, dass der Beschuldigte den Vibrator in der obersten 

Schublade ihrer Kommode gefunden hatte (Urk. 7/3 S. 24). Bei diesen Details 

handelt es sich um Nebensächlichkeiten, in welche sie das Kerngeschehen ein-

-   30   - 

bettete und die als Realkennzeichen eingestuft werden (AJP/PJA a. a. O., 

S. 1425). Entgegen der Verteidigung (Urk. 156 S. 13 Rz. 37) spricht es nicht ge-

gen die Glaubhaftigkeit der Ausführungen der Privatklägerin, dass sie keine De-

tails zum Vibrator zu Protokoll gab, denn dieses Thema würde sie, wegen der be-

reits erwähnten Zurückhaltung bei intimen oder sexuellen Themen (Ziff. II. 7.2.3.) 

von sich aus nicht vertiefen, wenn sie nicht ausdrücklich danach befragt würde. 

Diesbezügliche Fragen wurden auch von der Verteidigung nicht gestellt, was 

zeigt, dass diesem Thema – zu Recht – keine Bedeutung zugemessen wurde.  

Die Aussagen der Privatklägerin enthalten auch nicht bloss reine Sachdarstellun-

gen, sondern verschiedentlich Empfindungen und Gedanken, was Schilderungen 

eigener psychischer Vorgänge und damit ebenfalls Realitätskennzeichen sind 

(AJP/PJA a. a. O., S. 1425). Sie sagte zum Beispiel, dass sie nach dem ersten 

Vorfall gedacht habe, dass sie den Beschuldigten sicher nicht mehr zu sich in die 

Wohnung lassen werde. Weiter erklärte sie eindrücklich, dass sie die Freundin 

des Beschuldigten erwähnt habe, da sie sich erhofft habe, er werde es sich dann 

anders überlegen und sie in Ruhe lassen. Die Privatklägerin wies zudem bei der 

Staatsanwaltschaft und auch anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung von 

sich aus und klar darauf hin, dass es zwei Vorfälle gewesen seien, die zeitlich na-

he beieinander gelegen hätten und sie aus diesem Grund ein Durcheinander ha-

be. Die zwei Vorfälle sind ähnlich gelagert, weshalb diese Unsicherheit nach-

vollziehbar ist. Das Eingeständnis einer Erinnerungslücke ist ausserdem als Real-

kennzeichen zu werten (AJP/PJA a. a. O., S. 1425). Es fehlt weiter an pauschalen 

Anschuldigungen oder Werturteilen, welche den Verdacht einer falschen Aussage 

erwecken könnten.  

Die Verteidigung beanstandete im Rahmen der Berufungsverhandlung namentlich 

auch die Einsilbigkeit und die fehlende Spontanität in den Aussagen der Privat-

klägerin (Urk. 156 S. 13). Die betreffenden Einwände der Verteidigung erfolgen 

prima vista zu Recht. Nicht zuzustimmen ist ihr indessen, wenn sie sich auf den 

Standpunkt stellt, dieses Aussageverhalten stelle ein deutliches Indiz dafür dar, 

dass sich der Vorfall nicht wie behauptet ereignet habe. Exakt das Gegenteil ist 

nämlich der Fall. In diesem Zusammenhang drängt sich eine vertiefte Aus-

-   31   - 

einandersetzung mit dem Aussageverhalten der Privatklägerin im Rahmen der 

Berufungsverhandlung auf. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf der sexuellen 

Nötigung gemäss Anklageziffer 1.1.2 wurde sie zunächst durch die befragende 

Referentin in sehr allgemeiner und bewusst offen formulierter Art und Weise dazu 

angehalten, sich zum betreffenden Anklagevorwurf zu äussern respektive den 

fraglichen Vorfall zu schildern. Die Privatklägerin gab daraufhin die folgende, wört-

lich wiedergegebene Deposition zu Protokoll: 

"Herr A._____ wollte zu mir lernen kommen, das war – soweit ich weiss – unter 

der Woche am Abend. Wir haben Pizza bestellt und gelernt. Er ging dann in mein 

Zimmer und ich ging hinterher, da ich fand, er habe dort nichts zu suchen. Er 

schloss mich dann ein und suchte den Vibrator. Mehr weiss ich grad nicht mehr." 

(Urk. 153 S. 12).  

Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die Privatklägerin mit keinem Wort 

eine sexuell motivierte Handlung des Beschuldigten, sondern lediglich das Rah-

mengeschehen schildert. In der Folge musste die Privatklägerin über mehrere 

Seiten hinweg mit offen formulierten Fragen an das Kerngeschehen herangeführt 

werden, damit sie nach und nach Details zum inkriminierten Vorfall preisgeben 

konnte (Urk. 153 S. 13 ff.). Was die Privatklägerin dann jedoch zu Protokoll gab, 

entsprach über weite Teile ihren zuvor im Rahmen der Untersuchung gemachten 

Angaben. Dieses durch die Privatklägerin in der Berufungsverhandlung an den 

Tag gelegte – gleichermassen ungewöhnliche wie überzeugende – Aussagever-

halten entspricht denn auch exakt ihrem Verhalten im Rahmen der Untersuchung. 

Auch dort musste sie durch die Befragung geleitet werden, was der befragenden 

Polizeibeamtin letztlich den unterschwelligen Vorwurf einbrachte, sie habe die 

Privatklägerin zumindest teilweise suggestiv befragt. Von Suggestion kann indes 

keine Rede sein. Die Beschuldigte bedarf offensichtlich aufgrund ihrer Persönlich-

keitsstruktur und ihrer sprachlichen Fähigkeiten einer sehr strukturierten Befra-

gungstechnik. Spontane, längerdauernde und zusammenhängende Schilderun-

gen können von ihr offenkundig nicht erwartet werden, namentlich dann nicht, 

wenn die zu erörternde Materie ihre Intimsphäre beschlägt. Aus diesem Aussage-

verhalten jedoch ableiten zu wollen, dass der Inhalt ihrer Depositionen der Un-

-   32   - 

wahrheit entspräche, wäre vollends verfehlt. In diesem Zusammenhang ist erneut 

darauf hinzuweisen, dass die Schilderungen der Privatklägerin inhaltlich vollends 

überzeugend sind. Auch nach all den Jahren hat sie sich im Kern konstant und 

glaubhaft zu den Tatvorwürfen geäussert. Ganz besonders zu erwähnen ist zu-

dem, dass gerade im Umstand, dass die Privatklägerin nicht die eigentlichen se-

xuellen Handlungen ins Zentrum ihrer Aussage stellte, ersichtlich ist, dass es ihr 

mitnichten darum ging, den Beschuldigten grundlos zu belasten. Hätte sie dies 

tun wollen, so wäre wohl zu erwarten gewesen, dass sie sich auf diese Handlun-

gen gestürzt und diese möglichst "ausgeschlachtet" hätte. Gerade das Gegenteil 

war aber der Fall, was in hohem Masse für die Glaubhaftigkeit ihrer Schilde-

rungen spricht.  

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Aussagen der Privatklä-

gerin als überzeugend und damit als glaubhaft zu taxieren sind. Auf sie kann ab-

gestellt werden. Damit ist der eingeklagte Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.1.2 

erstellt.  

7.4. Versuchte Vergewaltigung / sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.3) 

7.4.1. Aussagen der Privatklägerin 

Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Privatklägerin zum Vorfall der versuchten 

Vergewaltigung / sexuellen Nötigung (Anklageziffer 1.1.3) richtig zusammen 

(Urk. 58 S. 16 f. u. S. 19). Es kann darauf verwiesen werden. Die Privatklägerin 

konnte sich in der Befragung anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung nur 

vage daran erinnern. Sie führte aus, dass F._____ bei ihr gewesen sei und sie 

beide nicht "zwäg" gewesen seien. Deshalb sei der Beschuldigte zu ihnen ge-

kommen, da er F._____ nicht habe zu sich nehmen können. Sie wisse, dass er 

dann mit F._____ gespielt und sie sich aufs Bett gelegt habe. Sie hätten das 

Fischli-Spiel gespielt oder etwas, das so gerattert habe. F._____ sei dann einge-

schlafen und der Beschuldigte sei zu ihr ins Zimmer gekommen. Er habe etwas 

von ihr gewollt, aber sie habe nicht gewollt (Urk. 153 S. 12). Auf Ergänzungsfrage 

führte die Privatklägerin aus, dass der Beschuldigte in ihr Zimmer gekommen sei 

und mit ihr habe schlafen wollen. Sie habe gesagt, dass sie nicht wolle. Und auf 

-   33   - 

Nachfragen führte sie aus, dass er seine Hose ausgezogen habe. Ob dies am 

oder im Bett gewesen sei, wisse sie nicht mehr. Er habe mit ihr schlafen wollen 

und dann sei F._____ erwacht. Die Frage, ob der Beschuldigte gesagt habe, dass 

er mit ihr schlafen wolle, verneinte die Privatklägerin und sagte, dass vorher noch 

etwas gewesen sei, sie es aber nicht mehr wisse. Auf die Frage, woher sie wisse, 

dass er mit ihr habe schlafen wollen, sagte sie, dass er vorher bei ihr etwas mit 

der Hand gemacht habe. Und danach befragt was, sagte die Privatklägerin, dass 

er in ihre Scheide eingedrungen sei. Sie wisse nicht mehr, wie ihre Hose wegge-

kommen sei. Sie wisse noch, dass er das gemacht habe, da sie nachher geblutet 

habe und es weh gemacht habe. Auf die Frage, weshalb der Beschuldigte dann 

nicht mit ihr geschlafen habe, sagte sie, dass F._____ erwacht sei und nach ihr 

gerufen habe. Der Beschuldigte habe sich angezogen und sei gegangen. Danach 

befragt, was sie gemacht habe, als F._____ gerufen habe, sagte die Privatkläge-

rin, sie sei dann aufs WC gegangen und es habe geblutet. Dann habe sie sich um 

F._____ gekümmert (Urk. 153 S. 20 ff.).  

Auf Ergänzungsfrage des Staatsanwalts erklärte die Privatklägerin, sie habe sich 

bei diesem Übergriff hilflos gefühlt, da sie Angst gehabt habe, dass der Beschul-

digte sie schlagen würde, da er das auch schon gemacht habe. Sie sei viel 

schwächer als er. Ausserdem habe er sie runtergedrückt und festgehalten. Es 

mache einen hilflos, wenn man sich nicht wehren könne und man versuche, sich 

wegzustossen. Sie habe versucht, sich daraus zu befreien. Sie sei immer weiter 

nach oben gerutscht, bis irgendwann das Bett fertig gewesen sei und die Wand 

angefangen habe. Sie habe ihm gesagt, dass sie das nicht wolle und er das sein 

lassen solle. Als sie ihm gesagt habe, dass er doch eine Freundin habe, habe er 

gesagt, dass ihm das egal sei, da er sowieso eine andere liebe (Urk. 153 

S. 20 ff.).  

7.4.2. Aussagen des Beschuldigten 

7.4.2.1. Die Aussagen bis und mit der ersten Berufungsverhandlung wurden be-

reits im Urteil vom 23. September 2014 zusammengefasst (Urk. 97 S. 28 f.). Es 

kann darauf verwiesen werden. Der Beschuldigte hielt anlässlich der Berufungs-

verhandlung vom 22. März 2017 an seinem Standpunkt fest und sagte, dass alles 

-   34   - 

gelogen sei. Wahr sei nur, dass er dort gewesen sei und mit seinem Sohn ge-

spielt habe. Die Anschuldigungen seien dagegen nicht wahr (Urk. 154 S. 5).  

7.4.3. Einwände der Verteidigung 

Die Verteidigung führt an, es sei unglaubhaft, dass der Beschuldigte die Privat-

klägerin auch bei diesem Vorfall an den Brüsten berührt haben soll und diese ihm 

gesagt habe, er soll aufhören, er habe doch eine Freundin (Urk. 156 S. 20 

Rz. 59). Die Privatklägerin habe keinen psychischen Druck oder Gewalt geschil-

dert. Demnach fehle die Umschreibung eines Nötigungsmittels. Dass der Be-

schuldigte mit offenen Hosen da gestanden habe, sei nicht als point of no return 

einer Vergewaltigung zu sehen (Urk. 156 S. 21 Rz. 61 f.). Das Bundesgericht ha-

be festgehalten, dass die Aussagen der Privatklägerin durch die unzusammen-

hängende Darstellung der angeblichen Geschichte gekennzeichnet seien und der 

gesamte wesentliche Sachverhalt habe suggestiv erfragt werden müssen. Die 

schliesslich hervorgebrachten wesentlichen Aussagen der Privatklägerin seien 

durch das Fehlen von Realitätskriterien gekennzeichnet (Urk. 156 S. 21 Rz. 64 f.). 

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe sie dann ein Blackout geltend 

gemacht. Das Fehlen einer Erinnerung im Kerngeschehen sei bezeichnend und 

ein bedeutendes Lügensignal (Urk. 156 S. 21 ff. Rz. 66 - 71). Die Aussagen der 

Privatklägerin seien widersprüchlich und unglaubhaft (Urk. 156 S. 25 ff.). Es wer-

de nicht bestritten, dass die Aussagen der Privatklägerin zum Randgeschehen 

glaubhaft seien. Darauf komme es aber nicht an. Im Kerngeschehen seien ihre 

Aussagen jedoch weder detailliert noch blumig. Sie seien stereotyp, kurz und wi-

dersprüchlich (Urk. 156 S. 29 f. Rz. 98 f.). Basierend auf der Nullhypothese müs-

se man also zum Schluss kommen, dass nicht hinreichend viele Glaubhaftigkeits-

signale vorliegen würden, um den Sachverhalt zu erstellen (Urk. 156 S. 31 

Rz. 104).  

7.4.4. Würdigung 

7.4.4.1. Wie im Entscheid der hiesigen Kammer vom 23. September 2014 bereits 

ausgeführt (Urk. 97 S. 30), erscheint wenig plausibel, dass der Beschuldigte fünf 

(Aussage in der Hafteinvernahme) bzw. drei Stunden (gemäss den folgenden 

-   35   - 

Einvernahmen) mit seinem kranken Sohn gespielt haben soll. Sowohl fünf als 

auch drei Stunden sind eine sehr lange Dauer, um unterbrochen mit einem zur 

fraglichen Zeit viereinhalbjährigen, kranken Kind zu spielen. Immerhin war der 

Sohn gemäss Aussagen des Beschuldigten ja so krank, dass er ihn nicht zu sich 

nach Hause nehmen konnte (Urk. 97 S. 30). Entgegen der Verteidigung (Urk. 156 

S. 29 f. Rz. 98) beschlägt dieses Thema insofern das Kerngeschehen, als dass 

der Beschuldigte sich mit seinen Aussagen zur auffallend langen Spielzeit mög-

licherweise eine Art Alibi verschaffen wollte. Diese Vermutung wird dadurch ge-

stärkt, dass der Beschuldigte sich während der angegebenen Zeitdauer ununter-

brochen nur im Zimmer seines Sohnes aufgehalten und nicht gewusst haben will, 

wo sich die Privatklägerin befand. Auffallend ist auch, dass der Beschuldigte in 

der Hafteinvernahme ausführte, sie hätten noch kurz gelernt, aber sein Sohn ha-

be in unmittelbarer Nähe gespielt. Anlässlich der Hauptverhandlung war davon 

nicht mehr die Rede und sein Besuch galt einzig seinem Sohn, der wegen seines 

Gesundheitszustandes nicht zu ihm kommen konnte.  

7.4.4.2. Die Verteidigung führte richtig aus, dass die Privatklägerin den Vorfall 

nicht frei und an einem Stück geschildert hatte. Der Ablauf und die wesentlichsten 

Punkte führte sie jedoch in der polizeilichen Einvernahme von sich aus aus 

(Urk. 7/2 S. 5 f., vgl. auch Urk. 97 S. 30 f.). In der staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahme bekundete sie zwar etwas Mühe bzw. machte ein Blackout geltend, 

konnte sich dann aber wieder erinnern (Urk. 7/3 S. 15, S. 18). In der zweiten Be-

rufungsverhandlung konnte sie sich nicht mehr an alles erinnern (Urk. 153 S. 12, 

S. 18 ff.). Da seit dem Vorfall sieben Jahre vergangen sind, ist das jedoch nach-

vollziehbar. Anknüpfend an die jeweiligen Aussagen der Privatklägerin haben die 

Staatsanwältin bzw. die befragenden Oberrichter dann die weiteren Fragen ge-

stellt. Entgegen der Ansicht der Verteidigung sind die Aussagen der Privatklägerin 

nicht das Resultat einer suggestiven Befragung, was im Übrigen vom Bundes-

gericht gar nicht konstatiert wurde (Urk. 107 S. 7). Hierzu kann vollumfänglich auf 

die vorstehend unter Ziff. II. 7.3.4. S. 32 f. gemachten Erwägungen zur scheinbar 

suggestiven Befragung der Privatklägerin verwiesen werden.  

-   36   - 

Den Aussagen der Privatklägerin mangelt es entgegen der Verteidigung nicht an 

Realitätskennzeichen (Urk. 156 S. 21 Rz. 65). Die Privatklägerin konnte sich an 

verschiedene Details erinnern, so zum Beispiel, dass sie und ihr Sohn erkältet 

waren, weshalb der Beschuldigte auf seinen Vorschlag hin den Besuchsnach-

mittag bei ihnen verbrachte. Weiter erscheint authentisch, dass ihr Sohn aufgrund 

dieser Erkrankung nach dem Spiel eingeschlafen sei, worauf der Beschuldigte zu 

ihr ins Zimmer gekommen sei (Urk. 7/3 S. 15). Ebenso leuchtet ein, dass sie – die 

gesundheitlich ebenfalls angeschlagen war – ihrerseits auf dem Bett gelegen ha-

ben soll, wo der Beschuldigte dann die sexuellen Handlungen an ihr vorgenom-

men habe. Dabei handelt es sich um Nebensächlichkeiten, in die sich das Kern-

geschehen jedoch gut einbetten lässt. Weiter vermochte sie sich auch daran zu 

erinnern, dass sie den Beschuldigten gefragt habe, ob er jetzt gehe, als er zu ihr 

ins Schlafzimmer getreten sei (Urk. 7/3 S. 17). Die Schilderung der Privatklägerin, 

wie sie sich auf dem Bett nach oben geschoben hat, um sich vom Beschuldigten 

zu entfernen bzw. sich zu entwinden und dann wegen der Wand am Kopfende 

des Bettes nicht mehr weiter kam, lässt aufgrund der Originalität darauf schlies-

sen, dass sie dies tatsächlich erlebt hat. Dies gilt auch für ihre Ausführungen, wo-

nach sie beim Gang auf die Toilette festgestellt habe, dass sie geblutet habe, weil 

sie ja auch trocken gewesen sei. Auch ihre Erinnerung an den gehörten Klang 

des Spieles – ob es sich jetzt dabei um ein "Fischli-Spiel" oder eine Eisenbahn 

gehandelt hat, ist irrelevant –, das der Beschuldigten mit F._____ gespielt hat, ist 

ein ausgefallenes Detail, das ein Realkennzeichen darstellt und damit ebenfalls 

für real Erlebtes spricht (AJP/PJA, a. a. O.).  

7.4.4.3. Die Verteidigung machte einen Widerspruch in den Aussagen der Privat-

klägerin geltend, wonach diese bei der Polizei gesagt habe, dass der Beschuldig-

te seine Hose geöffnet habe und sie danach ziemlich laut geworden sei. Sie habe 

geschrien. Dann sei F._____ wach geworden und habe nach ihr gerufen. Bei der 

Staatsanwaltschaft habe die Privatklägerin demgegenüber kein Wort verloren, 

dass sie selbst geschrien habe und F._____ deshalb erwacht sei. Im Gegenteil 

will sie nichts gesagt haben, weil sie Angst gehabt habe, F._____ könnte sonst 

traumatisiert werden (Urk. 156 S. 28 Rz. 87-91).  

-   37   - 

In der Einvernahme bei der Kantonspolizei vom 22. November 2010 (Urk. 7/2) 

schilderte die Privatklägerin, dass der Beschuldigte sie mit einer Hand am Bauch 

festgehalten habe und mit der anderen Hand gegen ihren Willen in sie eingedrun-

gen sei. Auf die Frage, wie sie darauf reagiert habe, sagte die Privatklägerin, dass 

sie geweint und gesagt habe, dass er das sein lassen solle. Er habe dann seine 

Hose geöffnet und sie sei dann ziemlich laut geworden. Sie habe geschrien. Dann 

sei F._____ wach geworden und habe nach ihr gerufen. Der Beschuldigte sei 

dann aufgestanden, habe seine Hose wieder zugemacht und sei zu F._____ ge-

gangen (Urk. 7/2 S. 5 Fragen und Antworten 36-38).  

Auf die Frage, wie weit die sexuelle Nötigung / Vergewaltigung fortgeschritten 

gewesen sei, als F._____ nach ihr gerufen habe, sagte die Privatklägerin, dass 

der Beschuldigte seine Hose geöffnet, seine Unterhose runtergelassen und sei-

nen Penis in der Hand gehalten habe. Ob er erregt gewesen sei, wisse sie nicht 

mehr. Sie habe nicht so genau hingesehen. Dann habe F._____ nach ihr ge-

schrien und da habe er seinen Penis wieder eingepackt (…) F._____ habe "Ma-

mi" gerufen (Urk. 7/2 S. 6 Fragen und Antworten 43 und 44). 

Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. November 2011 (Urk. 7/3) 

gab die Privatklägerin zu Protokoll, dass sie nicht gewollt habe, dass er in sie ein-

dringe und sie sich nicht getraut habe, zu schreien, weil ihr Sohn geschlafen ha-

be. Der Beschuldigte habe ihr auch gesagt, sie dürfe nicht schreien wegen 

F._____, sie solle ruhig sein. Auf die Frage, weshalb der Beschuldigte gesagt ha-

be, sie solle ruhig sein, sagte die Privatklägerin, das sei wegen F._____ gewesen, 

dass er nicht wach werde. Die Frage, ob sie geschrien habe, verneinte die Privat-

klägerin und führte aus, dass sie ihm einfach gesagt habe, dass sie das nicht 

möchte und dass er damit aufhören solle. Er habe hierauf erwidert, sie solle ruhig 

sein, damit F._____ nichts mitkriege (Urk. 7/3 S. 20). F._____ habe nicht konkret 

geschrien, er habe einfach Mami gerufen. Dies wahrscheinlich, weil er erwacht sei 

und sie nicht gleich da gewesen sei. Das sei damals häufiger vorgekommen. (…) 

Der Beschuldigte sei dann, nachdem er die Hosen hochgezogen habe, zu 

F._____ gegangen (Urk. 7/3 S. 22).  

-   38   - 

An der Berufungsverhandlung sagte die Privatklägerin, dass der Beschuldigte 

schliesslich nicht mit ihr geschlafen habe, weil F._____ erwacht sei und nach ihr 

gerufen habe. Daraufhin habe sich der Beschuldigte angezogen und sei gegan-

gen (Urk. 153 S. 22). 

Dem Verteidiger ist folglich zuzustimmen, dass sich die Privatklägerin unter-

schiedlich dazu äusserte, ob sie sich lautstark gegen den Übergriff gewehrt hatte. 

Sie sagte jedoch konstant aus, dass sie dem Beschuldigten klar mitteilte, dass sie 

das nicht wolle, dass F._____ aufgewacht sei und nach ihr gerufen habe. Diesbe-

züglich sind die Aussagen der Privatklägerin absolut überzeugend, widerspruchs-

frei und lebensnah. Es kann dabei offen bleiben, ob Schreie der Privatklägerin der 

Grund dafür waren, dass F._____ aufwachte oder ob er ohne erkennbaren Anlass 

aufwachte. Entscheidend ist vielmehr, dass F._____ nach seiner Mutter rief, da 

dies dazu führte, dass der Beschuldigte aufhörte, die Privatklägerin sexuell anzu-

gehen.  

7.4.4.4. Die Schilderungen der Privatklägerin sind vom Ablauf her, in Bezug auf 

die Details und im Kerngehalt übereinstimmend. Insgesamt ergeben die Aus-

sagen der Privatklägerin ein schlüssiges Bild, wie sich der Vorfall zugetragen hat. 

Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.1.3. ist demzufolge gestützt auf die 

Schilderungen der Privatklägerin erstellt.  

III. Rechtliche Würdigung 

1. Sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.2) 

1.1. Dem Beschuldigten wird im Zusammenhang mit dem in Anklageziffer 1.1.2. 

eingeklagten Sachverhalt vorgeworfen, er habe sich der sexuellen Nötigung im 

Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

1.2. Den Tatbestand von Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt, wer eine Person zur Dul-

dung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, 

namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck 

setzt oder zum Widerstand unfähig macht. 

-   39   - 

Der Beschuldigte nötigte die Privatklägerin indem er sie entgegen deren Willen 

entkleidete, sich über sie kniete, sie sodann an deren Brüsten berührte und küss-

te und nachfolgend schliesslich mit einem Vibrator, welchen er zuvor aus ihrer 

Kommode behändigt hatte, in deren Vagina eindrang, um damit die Privatkläge-

rin während zwei bis drei Minuten vaginal zu penetrieren. Obwohl die Privatkläge-

rin anlässlich des Berührens ihrer Brüste den Beschuldigten mehrfach verbal mit 

den Worten, er solle aufhören bzw. sie wolle dies nicht und er habe doch eine 

Freundin, klar dazu aufforderte, von ihr abzulassen, nahm er die weiteren sexuel-

len Handlungen vor und ignorierte ihre Gegenwehr. Indem der Beschuldigte die 

Zimmertüre abschloss und den Schlüssel aus dem Schloss zog, wodurch der Pri-

vatklägerin eine Flucht verunmöglicht wurde und er sie zudem auf das Bett stiess, 

nötigte er sie dazu, die Penetration mit dem Vibrator zu erdulden. Sie liess die 

Handlung über sich ergehen, da sie aufgrund bereits früher erfolgten Übergriffen 

massiv eingeschüchtert war und für den Fall der Weigerung bzw. des Widerstan-

des physische Gewalt befürchtete. 

Die Verteidigung des Beschuldigten machte geltend, die Begründung, wonach 

sich die Nötigung durch das Abschliessen der Türe ergebe, sei rechtlich unzu-

reichend. Damit liege noch keinen den Widerstand des späteren Opfers brechen-

de Tathandlung vor. Gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung müsse 

sich ein Opfer soweit wehren, wie es ihm nach Lage der Dinge möglich und zu-

mutbar sei. Selbst wenn sich der Sachverhalt so präsentieren würde, wie er von 

der Vorinstanz dargelegt worden sei, wären diese Voraussetzungen vorliegend 

nicht erfüllt gewesen. Auf S. 26 des Urteils sei an keiner Stelle eine genügende 

Abwehrreaktion der Privatklägerin umschrieben worden. Es sei einzig festgehal-

ten, dass diese bekundet habe, dass sie keine sexuellen Kontakt wünsche. Das 

genüge aber mangels Bruchs des Widerstands noch nicht, um als sexuelle Nöti-

gung qualifiziert zu werden. Aus diesem Grund erweise sich auch die rechtliche 

Subsumtion des Sachverhaltes als bundesrechtswidrig (Urk. 101/2 S. 15 Ziff. 48).  

Anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung brachte der Verteidiger weiter vor, 

dass das "Auf-das-Bett-stossen" nicht genügend sei, um die verlangte Nötigungs-

intensität zu erfüllen. Im ersten obergerichtlichen Verfahren sei diesbezüglich 

-   40   - 

festgehalten worden, dass die Nötigung durch das Abschliessen der Zimmertüre 

erfolgt sei, was der herrschenden Lehre widerspreche (Urk. 156 S. 16 Rz. 45).  

Auf diese Einwände der Verteidigung wurde schon im Entscheid der hiesigen 

Kammer vom 23. September 2014 eingegangen (Urk. 97 S. 34 f.) und es kann 

darauf verwiesen werden. Der Beschuldigte schloss die Tür ab, zog den Schlüs-

sel aus dem Schloss, stiess die Privatklägerin auf das Bett und kniete über sie. 

Durch diese Vorgehensweise wurde die Privatklägerin eingeschüchtert und muss-

te mit weiteren Gewaltakten seitens des Beschuldigten rechnen, weshalb sie die 

Penetration mit dem Vibrator über sich ergehen liess. Entgegen der Verteidigung 

ist nicht von einem einzelnen Nötigungsmittel auszugehen, vielmehr sind sie in ih-

rer Gesamtheit zu betrachten und damit in rechtlicher Hinsicht genügend intensiv.  

Der Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB ist 

damit in objektiver Hinsicht erfüllt. 

1.3. In subjektiver Hinsicht ist der Tatbestand erfüllt, wenn der Täter vorsätzlich 

handelt, wobei Eventualvorsatz genügt. Dieser muss sich auf sämtliche objektiven 

Tatbestandsmerkmale richten, namentlich auf den der sexuellen Handlung ent-

gegenstehenden Willen des Opfers. Ein solcher entgegenstehender Wille muss 

zumindest in Kauf genommen werden (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kom-

mentar zum StGB, 19. Aufl. 2013, N 22 zu Art. 189 StGB). 

Die Privatklägerin verdeutlichte vorliegend verbal, dass sie mit den vom Beschul-

digten vorgenommenen sexuellen Handlungen nicht einverstanden war. Dies war 

für den Beschuldigten klar erkennbar. Dennoch setzte sich der Beschuldigte über 

diesen von ihm klar erkennbaren Willen der Privatklägerin hinweg und erzwang 

die sexuellen Handlungen. Es liegt somit vorsätzliches, zumindest aber eventual-

vorsätzliches Handeln vor. Der Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB ist damit auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. 

1.4. Die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland ist 

somit zutreffend, weshalb der Beschuldigte im Sinne der Anklage der sexuellen 

Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist. 

-   41   - 

2. Versuchte Vergewaltigung / sexuelle Nötigung (Anklageziffer 1.1.3) 

2.1. Dem Beschuldigten wird im Zusammenhang mit dem in Anklageziffer 1.1.3. 

eingeklagten Sachverhalt vorgeworfen, er habe sich der versuchten Vergewalti-

gung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

sowie der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig ge-

macht. 

2.2. In der zweiten Berufungsverhandlung monierte der Verteidiger, es sei in der 

Anklageschrift zu Unrecht von Gewaltanwendung die Rede. Die Privatklägerin 

habe eine solche gar nie behauptet, sondern lediglich gesagt, dass der Arm des 

Beschuldigten über ihr gelegen bzw. sie nach unten gedrückt habe (Urk. 156 

Rz. 106).  

Gemäss erstelltem Sachverhalt drückte der Beschuldigte die Privatklägerin mit 

seinem rechten Arm über dem Beckenknochen nach unten und fixierte sie so auf 

dem Bett. Dies stellt entgegen der Ansicht der Verteidigung eine Gewaltanwen-

dung dar, da die Privatklägerin wegen dieser Fixierung weder aufstehen noch sich 

zur Seite drehen konnte. Als einziges, jedoch untaugliches Mittel blieb ihr übrig, 

nach oben bis zur Wand zu rutschen (Urk. 153 S. 24; vgl. dazu Ziff. II. 7.4.1.).  

Weiter führte der Verteidiger aus, dass durch eine Fixierung über dem Becken-

knochen keine Widerstandsunfähigkeit bewirkt werden könne, da die Rücken- und 

die Oberschenkelmuskulatur weitaus stärker seien als die Unterarmmuskulatur. 

Etwas anderes sei es, wenn man mit dem Arm den Oberkörper fixiere (Urk. 156 

S. 32 Rz. 107). Es ist jedoch bekannt, dass man sich nur schwerlich direkt aus 

der Rückenlage aufrichten kann. Erst recht nicht, wenn man mit einem Arm in der 

Hüftgegend fixiert wird. Die Privatklägerin konnte sich wegen dieser Fixierung 

über dem Beckenknochen auch nicht in die Seitenlage drehen, hätte sie dazu ihr 

Becken drehen müssen. Die Privatklägerin war dem Beschuldigten durch das 

Herunterdrücken ihres Beckens in der Rückenlage ausgeliefert und somit wider-

standsunfähig.  

2.3. Schliesslich machte der Verteidiger wie schon im ersten Berufungsverhand-

lung erneut geltend, die Schwelle zum Versuch der Vergewaltigung sei nicht 

-   42   - 

überschritten worden. Der Vergewaltigungsversuch habe begonnen, als der Be-

schuldigte seinen Penis hervorgeholt habe. Dann sei aber die Fixation der Privat-

klägerin wieder gelöst worden, weshalb es an einem Nötigungsmittel fehle 

(Urk. 156 S. 34 Rz. 115 f.). 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt ein (unvollendeter) Versuch 

der Vergewaltigung bereits dann vor, wenn der Täter das Zimmer des Opfers in 

der Absicht betritt, es zu vergewaltigen und, nachdem er es eingesperrt hat, sehr 

aggressiv wird und es unmittelbar bedroht (BSK StGB II, Maier, 3. Auflage 2013, 

Art. 190 N 15 m. w. H.). Der Beschuldigte bereitete die Privatklägerin mit der unter 

Gewaltanwendung vorgenommenen digitalen Penetration auf die Vergewaltigung 

vor. Die Schwelle zum Versuch wurde spätestens mit dem Herausholen des stei-

fen Penis überschritten (Urk. 153 S. 25). Der Beschuldigte nahm damit alle Hand-

lungen vor, um seinen Plan umzusetzen, die Privatklägerin zu vergewaltigen. Als 

der gemeinsame Sohn nach seiner Mutter rief, brach der Beschuldigte sein Vor-

haben ab und schloss seine Hose wieder. Er gab seinen Plan folglich wegen ei-

nes äusseren Anlasses auf.  

2.4. Der Beschuldigte hat durch das Eindringen mit dem Zeige- und Mittelfinger 

seiner linken Hand in die Vagina der Privatklägerin entgegen deren Willen den 

Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in objekti-

ver Hinsicht erfüllt. Zudem hat er durch das anschliessende Hervorholen seines 

erigierten Gliedes, in der Absicht, Geschlechtsverkehr trotz entgegenstehendem 

Willen der Privatklägerin zu vollziehen, wovon er schliesslich absah, nachdem der 

Sohn F._____ zu schreien begonnen hatte, den Tatbestand der versuchten Ver-

gewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB in objektiver Hinsicht erfüllt. 

2.5. Die Privatklägerin brachte deutlich verbal zum Ausdruck, dass er damit auf-

hören solle und sie dies nicht wolle. Gleichzeitig versuchte die Privatklägerin sich 

körperlich von ihm zu entfernen. Dies war für den Beschuldigten klar erkennbar, 

dennoch liess er nicht von ihr ab, sondern drückte die Privatklägerin über den Be-

ckenknochen mit seinem rechten Arm gewaltsam nach unten und fixierte sie der-

art auf dem Bett. Es liegt somit vorsätzliches Handeln vor. Der Tatbestand der se-

-   43   - 

xuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der versuchten Ver-

gewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB ist damit auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. 

2.6. Zur Frage der Konkurrenz zwischen der sexuellen Nötigung und der ver-

suchten Vergewaltigung machte die Vorinstanz zutreffende Erwägungen (Urk. 58 

S. 39 f.). Demnach schützen beide Tatbestände das gleiche Rechtsgut, nämlich 

die sexuelle Freiheit. Der digitalen Penetration im Vorfeld zum Vergewaltigungs-

versuch kommt neben diesem demnach keine selbstständige Bedeutung zu.  

2.7. Der Beschuldigte ist deshalb der versuchten Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

IV. Sanktion 

1. Vorbemerkungen 

1.1. Für die Strafzumessung ist von den gleichen Delikten wie im ersten Beru-

fungsverfahren auszugehen.  

1.2. Die Verteidigung hat im Rahmen der Beschwerde ans Bundesgericht vom 

19. Januar 2015 (Urk. 101/2) die Strafzumessung als bundesrechtswidrig gerügt 

und geltend gemacht, dass die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt viel zu hoch 

angesetzt worden sei. Dazu sei zu sagen, dass der "point of no return" überhaupt 

noch nicht überschritten worden sei, weshalb auch noch nicht von einem versuch-

ten Delikt gesprochen werden könne. Aber selbst wenn die vorinstanzliche An-

nahme zuträfe, wäre die Einsatzstrafe von 20 Monaten Freiheitstrafe angesichts 

des Umstands, dass sich der Versuch an der Grenze zur Straflosigkeit befunden 

habe, zu hoch angesetzt. Angemessen sei eine hypothetischen Einsatzstrafe von 

höchstens 9 Monaten Freiheitsstrafe, da aufgrund des Strafmilderungsgrundes 

des Versuchs auch die angedrohte Minimalstrafe unterschritten werden dürfe. 

Ferner führe die Vorinstanz aus, dass bei der subjektiven Tatschwere zur berück-

sichtigen sei, dass ein Motiv rein egoistischer Natur gewesen sei. Angesichts des 

im Raume stehenden Vorwurfs der Vergewaltigung scheine dies begriffsimma-

-   44   - 

nent, weshalb dies nicht in die Strafzumessung einfliessen dürfe. Bundesrechts-

widrig unberücksichtigt geblieben sei die wichtige Tatsache, dass die Privatkläge-

rin und der Beschwerdeführer heute ein sehr gutes Verhältnis zueinander hätten. 

Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich sehr gut um den gemein-

samen Sohn kümmere, sei nicht genügend berücksichtigt worden. Auch die über-

lange Verfahrensdauer und die lange Zeit, die zwischen den angeblichen Taten 

und der Verurteilung gelegen haben, sei bundesrechtswidrig zu wenig respektive 

gar nicht berücksichtigt worden (Urk. 101/2 S. 19 f. N 63 ff.).  

1.3. Gesamtstrafe  

Die versuchte Vergewaltigung ist mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren und die 

sexuelle Nötigung ebenfalls mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder mit Geld-

strafe zu bestrafen (Art. 190 Abs. 1 u. Art. 189 Abs. 1 StGB). Fahren ohne Be-

rechtigung wird wie die (mehrfache) Nötigung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jah-

ren oder mit Geldstrafe, die fahrlässige Verletzung der Verkehrsregeln wird eben-

so wie die Tätlichkeiten mit Busse bestraft (Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG, Art. 181 

StGB, Art. 90 Abs. 1 SVG, Art. 126 Abs. 1 StGB). Betreffend Fahren ohne Be-

rechtigung, mehrfache Nötigung und den Sexualdelikten wäre zwar grundsätzlich 

eine Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB möglich, da diese Delikte al-

le mit einer gleichartigen Strafe – der Freiheitsstrafe – geahndet werden können. 

Für das Strassenverkehrsdelikt allein wäre keine Freiheitsstrafe auszufällen, wes-

halb ungleichartige Strafen vorliegen und für diese keine Gesamtstrafe aus-

zusprechen ist. Ungleichartige Strafen sind vielmehr kumulativ zu verhängen  

(vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_1011/2014 vom 16. März 2015, 

E. 4.3.2.). Es ist für die versuchte Vergewaltigung, die sexuelle Nötigung und die 

mehrfache Nötigung, dann für das Fahren ohne Berechtigung sowie schliesslich 

für die Tätlichkeiten und die fahrlässige Verletzung der Verkehrsregeln jeweils ei-

ne separate Strafzumessung vorzunehmen.  

-   45   - 

2. Strafzumessung versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, mehrfache 
Nötigung  

2.1. Hat der Täter, wie hier der Beschuldigte, mehrere Straftatbestände teilweise 

mehrfach erfüllt, ist für die Strafzumessung von der Tat mit der höchsten Straf-

drohung auszugehen und die Dauer der für sie auszufällenden Strafe ange-

messen, jedoch nicht um mehr als die Hälfte, zu erhöhen. Dabei ist der Richter an 

das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).  

2.2. Es ist von der (versuchten) Vergewaltigung im Sinne von Art 190 Abs. 1 

StGB als schwerstem vom Beschuldigten begangenen Delikt auszugehen. Der 

Strafrahmen für Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB reicht von  

einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Strafschärfend wirken sich die De-

liktsmehrheit aus. Vorliegend besteht kein Anlass, den ordentlichen Strafrahmen 

zu verlassen, da sich die Strafe ohne Berücksichtigung des Strafschärfungs-

grundes nicht am oberen Rand des ordentlichen Strafrahmen des schwersten De-

liktes bewegen würde. Die Deliktsmehrheit ist daher im Rahmen der Tat-

komponente lediglich straferhöhend zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.8).  

2.3. Zutreffend führte die Vorinstanz aus, dass die Strafmilderung des Versuchs 

dazu führe, dass das Gericht nicht an die angedrohte Mindeststrafe gebunden sei, 

jedoch mangels Vorliegens aussergewöhnlicher Umstände der ordentliche Straf-

rahmen nicht zu verlassen sei. Dieser ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhn-

liche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im 

konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint. Die Frage einer Unterschreitung 

des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw. straf-

reduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen objektiv an sich leichten Tat-

vorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Rah-

mens dem Rechtsempfinden widerspräche (Urk. 58 S. 44 mit Verweis auf das Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_611/2010 vom 26. April 2011, E. 5.8). Hier liegt einzig 

der Versuch als strafreduzierende Komponente vor. Da es sich nicht um eine 

leichte objektive Tatschwere handelt (vgl. nachstehend Ziff. 2.4.1.), ist eine Unter-

schreitung des Strafrahmens entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 101/2 

-   46   - 

S. 19 f. Rz. 64) nicht angezeigt. Auf die diesbezügliche Strafmilderung ist bei der 

Strafzumessung für die versuchte Vergewaltigung zurückzukommen. 

2.4. Versuchte Vergewaltigung 

2.4.1. Objektive Tatschwere 

Die Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB gehört zu den schwersten 

Delikten im Strafgesetzbuch und zählt insbesondere auch zu den qualifizierten 

Anlasstaten gemäss Art. 64 StGB. Geschützt ist jede weibliche Person in ihrer 

sexuellen Selbstbestimmung. Über dieses Selbstbestimmungsrecht der Privat-

klägerin hat sich der Beschuldigte in egoistischer Weise hinweggesetzt. Er hat 

das bestehende Vertrauensverhältnis zwischen ihm und seiner von ihm getrennt 

lebenden Ehefrau, der Privatklägerin 1, ausgenutzt, indem er sich in ihr Schlaf-

zimmer zu der auf dem Bett liegenden und sich nicht wohl fühlenden Privat-

klägerin begab und sich an dieser verging, wobei sein Sohn in Hörweite schlief. 

Das Verschulden des Beschuldigten wiegt nicht mehr leicht.  

2.4.2. Subjektive Tatschwere 

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte direkt vorsätzlich 

handelte. Der deliktischen Handlung lag keine Planung von langer Hand zugrun-

de, vielmehr handelte der Beschuldigte spontan. Ihm ging es ausschliesslich um 

die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse, aber auch um die Durchsetzung 

seiner eigenen Vorstellungen und um Machtdemonstration, wobei sich die Privat-

klägerin zu unterwerfen hatte. Sein Motiv war rein egoistischer Natur. Mit der Ver-

teidigung ist dies bei Sexualdelikten meistens der Fall und insofern tatimmanent. 

Dem wird vorliegend Rechnung getragen, indem die subjektive Tatschwere zu 

keiner Erhöhung des Tatverschuldens führt. 

2.4.3. Weiter fällt die versuchte Tatbegehung strafmildernd ins Gewicht, wobei 

auch festzuhalten ist, dass sich der Versuch in einem relativ frühen Stadium be-

fand, jedenfalls stand die geschlechtliche Penetration noch nicht unmittelbar be-

vor. Dagegen fällt aber erschwerend ins Gewicht, dass der Beschuldigte einzig 

wegen äusserer Umstände von der Vollendung der Vergewaltigung abgesehen 

-   47   - 

hat, nämlich weil sein Sohn nach seiner Mutter (der Privatklägerin) rief. Es ist ins-

gesamt für die versuchte Vergewaltigung von einem noch nicht erheblichen Ver-

schulden auszugehen. Für diese schwerste Tat resultiert eine hypothetische Ein-

satzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe. 

 

 

 

2.5. Sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) 

2.5.1. Objektive Tatschwere  

Auch dieses Delikt zählt mit einem Strafrahmen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe 

oder Geldstrafe zu den schweren im Strafgesetzbuch. Mit seinem Handeln hat der 

Beschuldigte die Privatklägerin wiederum zum blossen Sexualobjekt degradiert. 

Er hat das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Privatklägerin ausgenutzt. 

Trotzdem ist von der Vorgehensweise (Berühren und Küssen der Brüste, Einfüh-

ren eines Vibrators in die Vagina der Privatklägerin und Penetration mit diesem 

während zwei bis drei Minuten) und von den Nötigungsmitteln her (Zimmertüre 

abschliessen, Stossen der Privatklägerin auf das Bett, über ihr knien) noch von 

einem eher leichten Fall auszugehen, weshalb die Strafe im unteren Bereich an-

zusetzen ist.  

2.5.2. Subjektive Tatschwere 

Auch dieser Tat liegt direkter Vorsatz und ein egoistisches Motiv zugrunde. Wie-

derum plante der Beschuldigte die Tat nicht, sie entstand vielmehr aufgrund eines 

spontanen Entschlusses. Die subjektive Tatkomponente vermag das objektive 

Verschulden nicht zu relativieren. 

Die hypothetische Einsatzstrafe ist unter Berücksichtigung der Asperation um 

9 Monate auf 24 Monate zu erhöhen.  

2.6. Mehrfache Nötigung (Art. 181 StGB) 

-   48   - 

2.6.1. Strafrahmen 

Das Strafgesetzbuch sieht für dieses Delikt einen Strafrahmen von Geldstrafe  

oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. 

2.6.2. Objektive Tatschwere 

Der Beschuldigte drohte der Privatklägerin, er werde den gemeinsamen Sohn 

F._____ nach Bolivien mitnehmen und ihr Gesicht verunstalten. Er wollte damit 

erreichen, dass sie sich nicht von ihm trennt. Die Privatklägerin hat diese Drohun-

gen ernst genommen und es hielt sie letztlich davon ab, sich schon früher zu 

trennen. Die Androhung der Kindesentführung aber auch der Gesichtsver-

unstaltung ist ein äusserst perfides Druckmittel. Die mehrfache Tatbegehung wirkt 

sich straferhöhend aus. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt erheblich.  

2.6.3. Subjektive Tatschwere 

Das Motiv des Beschuldigten war rein egoistisch, so wollte er die Privatklägerin 

davon abhalten, sich von ihm zu trennen. Er wusste, dass nur schon die An-

drohung einer Entführung des gemeinsamen Sohnes nach Bolivien für die Privat-

klägerin als Mutter eine katastrophale Auswirkung hat. Insofern ging der Beschul-

digte ganz gezielt und planmässig vor.  

Die hypothetische Einsatzstrafe ist unter Berücksichtigung des Asperations-

prinzips um vier Monate auf 28 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.  

2.7. Fahren ohne Berechtigung (Art. 95 Abs. 1 SVG) 

2.7.1. Strafrahmen 

Der Strafrahmen für den Tatbestand des Fahrens ohne Berechtigung beläuft sich 

auf Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.  

2.7.2. Objektive Tatschwere 

Die Vorinstanz führte zur objektiven Tatschwere zutreffend aus, dass der Be-

schuldigte das allgemeine Interesse der Verkehrssicherheit und damit die körper-

liche Integrität der Verkehrsteilnehmer verletzte, indem er trotz Führerausweis-

-   49   - 

entzug ein Fahrzeug geführt habe. Weiter erwog die Vorinstanz, dass die Taten 

des Beschuldigten nicht durchdacht gewesen seien, doch habe er sich ohne 

Skrupel über den Ausweisentzug hinweggesetzt (Urk. 58 S. 47, Art. 82 Abs. 4 

StPO). Dies ist jedoch ein Aspekt der subjektiven Tatschwere und entsprechend 

dort abzuhandeln. 

 

 

2.7.3. Subjektive Tatschwere 

Als Motiv gab der Beschuldigte an, dass seine Kollegin ihre Brille vergessen ha-

be, welche diese aber gebraucht habe, um im Dunkeln zu fahren (Urk  6/18 S. 2).  

Es erscheint eine hypothetische Einsatzstrafe von 20 Tagessätzen Geldstrafe als 

angemessen. 

2.8. Täterkomponente 

2.8.1. Persönliche Verhältnisse, Werdegang 

Bezüglich der persönlichen Verhältnisse und des Werdegangs des Beschuldigten 

kann auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen 

werden (Urk. 58 S. 48 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Was der Beschuldigte anlässlich der ersten Berufungsverhandlung zu seiner Per-

son ausführte, wurde bereits im Urteil vom 23. September 2014 wiedergegeben 

(Urk. 97 S. 45 f.).  

In der zweiten Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu Protokoll, er sei 

nicht mehr mit seiner Freundin zusammen. Er lebe mit einer Kollegin zusammen. 

Mit der Privatklägerin bespreche er, was nötig sei. Sie wolle keine grosse Bezie-

hung haben. Seit ungefähr einem Jahr habe sich die Situation verschlechtert und 

die Privatklägerin sage nur noch Hoi und Tschau. Er habe an zwei Wochenenden 

pro Monat Kontakt mit F._____. Das funktioniere gut (Urk. 154 S. 2).  

-   50   - 

Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Werdegang lassen sich keine straf-

zumessungsrelevanten Faktoren ableiten. 

2.8.2. Vorstrafen / Delinquenz während laufenden Strafverfahrens  

Der Beschuldigte hat zwei Vorstrafen wegen Strassenverkehrsdelikten aus dem 

Jahre 2009 (Urk. 108). Diese einschlägigen Vorstrafen wirken sich straferhöhend 

aus. Inzwischen wurde der Beschuldigte wiederum wegen vorsätzlichen Fahrens 

ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG mit einem Strafbefehl 

bestraft (Urk. 76). Der Beschuldigte hat diese Straftat am 5. Juni 2013 begangen, 

weshalb er während des laufenden Strafverfahrens delinquierte, was ebenfalls 

straferhöhend zu berücksichtigen ist.  

2.8.3. Nachtatverhalten 

Der Beschuldigte zeigte sich nur wenig geständig, was minimal strafmindernd zu 

berücksichtigen ist. Weiter ist dem Beschuldigten sein kooperatives Nachtat-

verhalten positiv anzurechnen.  

2.9. Weitere Strafzumessungskriterien 

Seit den vorliegend zu beurteilenden Taten sind mehrere Jahre vergangen. Die 

Strafuntersuchung wurde 2010 eingeleitet und fand vor gut vier Jahren mit der 

Einreichung der Anklageschrift bei der Vorinstanz ihren Abschluss (Urk. 23). Das 

erste Urteil der hiesigen Kammer datiert vom 23. September 2014 (Urk. 97). Die-

se lange Verfahrensdauer, die der Beschuldigte nicht zu verantworten hat, ist er-

heblich strafmindernd zu b