# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0b5287c6-d711-5d66-886c-3aaba20c1eef
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1998-11-24
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 24.11.1998 OG ARGVP 1998 3313
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_OG-ARGVP-1998-3313_1998-11-24.pdf

## Full Text

B. Gerichtsentscheide 3313

3313

Haftung aus unerlaubter Handlung. Schadensersatzpflicht des Eis­
hockeyspielers, der einen Gegenspieler durch eine grobe Regelwidrig­
keit (Ellbogencheck gegen den Kopf) verletzt (Art. 41 OR).

Sachverhalt:
In dem am 14. Januar 1995 in Martigny ausgetragenen Spiel zwi­

schen dem HC Martigny und dem SC Herisau beging der Herisauer 
Spieler X. ein Foul gegenüber einem angreifenden Gegenspieler. Die­
ser stürzte gegen die Bande und verletzte sich am Mund. Der 
Schiedsrichter qualifizierte den Vorfall im Schiedsrichterrapport als 
''Ellbogencheck gegen den Kopf an der Bande". Dieser Verstoss ge­
gen die Regel 609 b hatte für X. eine grosse Strafe (Fünfminuten­
strafe) und eine Spieldauerdisziplinarstrafe zur Folge. Der verletzte 
Spieler begab sich in der Folge in zahnärztliche Behandlung. Die 
Allianz Versicherung macht unter Berufung auf Art. 41 UVG gegen X. 
Schadenersatz für die von ihr gedeckten Behandlungskosten geltend.

Aus den Erwägungen:
Der Beklagte bestreitet, dass seine Körperattacke widerrechtlich im 

Sinne von Art. 41 OR sei. Die befragten Zeugen hätten ausgesagt, 
dass es sich um kein aussergewöhnliches Foul gehandelt habe bzw. 
dass Ellbogenschläge nicht aussergewöhnlich seien.

Streitfrage ist mithin, ob von einer Einwilligung des Verletzten aus­
gegangen werden kann, was eine Schadenersatzpflicht des Beklagten 
ausschlösse. Eine stillschweigende Einwilligung in eine Körperverlet­
zung darf nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dann nicht ange­
nommen werden, wenn eine den Schutz der Spieler vor Verletzungen 
bezweckende Spielregel absichtlich oder in grober Weise missachtet 
wird (BGE 121 IV 249). Ob es sich um eine grobe oder absichtliche 
Missachtung handle, ist eine Rechtsfrage. Es erübrigt sich deshalb 
hierzu, Zeugen einzuvernehmen oder Aussagen zu würdigen, in de­
nen der Zeuge eine Beurteilung aus seiner Sicht vorgenommen hat.

Nach der Regel 609 b wird ein Spieler, der den Gegner durch ein 
Foul mit Knien oder Ellbogen verletzt, mit einer grossen Strafe (5 Mi­
nuten) belegt, während ein Foul mit Ellbogen oder Knie nach Regel

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B. Gerichtsentscheide 3313

609 a eine kleine oder Zweiminutenstrafe nach sich zieht. Daraus 
erhellt, dass das Verbot, den Ellbogen einzusetzen, dem Schutz vor 
Verletzungen dient (vgl. BGE 121 IV 254). Im zitierten Bundesge­
richtsentscheid wurde ein Knieeinsatz gegen das Knie des Gegners, 
wodurch dieser eine Kreuzbandläsur erlitt, als vorsätzliche Körperver­
letzung beurteilt. Nur nebenbei sei erwähnt, dass der Schiedsrichter in 
jenem Fall lediglich eine (kleine) Zweiminutenstrafe verhängt hatte, 
während im vorliegenden Verfahren der Fehler aufgrund der Wettspiel­
regeln als wesentlich gravierender beurteilt wurde.

Für das urteilende Gericht steht fest, dass ein Ellbogenstoss ins 
Gesicht eines Gegenspielers, wie er zeugenmässig bewiesen ist, zu­
mindest eine grobe Regelverletzung darstellt. Ein solches Vorgehen ist 
auch mit einem harten, körperbetonten Einsatz um den Puck nicht zu 
rechtfertigen, weil in höchstem Masse unfair. Durch einen Schlag ins 
Gesicht verliert der Attackierte die Kontrolle über seine Bewegungen 
und vermag nicht mehr situationsgerecht zu reagieren. Die Gefahr 
eines unkontrollierten Sturzes liegt nahe, und dass dies in der Nähe 
der Bande, wo sich das Geschehen vorliegend abspielte, schwerwie­
gende Folgen haben konnte, war für den Beklagten als erfahrener 
Spieler abzusehen.

Eine grobe Regelverletzung genügt bereits als Voraussetzung für 
die Bejahung der Haftbarkeit. Indessen steht auf Grund der Zeugen­
aussagen fest, dass der Beklagte den Schlag mit Absicht geführt hat.

Im übrigen sind die gesetzlichen Haftungsvoraussetzungen von der 
Vorinstanz umfassend und zutreffend gewürdigt worden. Die Haftbar­
keit des Beklagten ist zu bejahen.

OGer 24.11.1998

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