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**Case Identifier:** 1af3a09a-7d92-5f2c-9d72-b0a10dc770e0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.09.2021 200 2020 735
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-735_2021-09-23.pdf

## Full Text

200 20 735 IV
MAK/SVE/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 23. September 2021

Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiberin Schwitter

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________,
substituiert durch Rechtsanwältin Dr. jur. C.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 1. September 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1987 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer), 
gelernter ..., meldete sich erstmals im April 2014 bei der Eidgenössischen 
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle 
Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 11, 13). Nach-
dem die IV-Stelle Aarau erwerbliche und medizinische Abklärungen getätigt 
und insbesondere eine psychiatrische Begutachtung durch 
Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Exper-
tise vom 19. Januar 2015 [AB 34]), veranlasst hatte, verneinte sie mit Ver-
fügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) mangels einer gesundheitlichen Beein-
trächtigung einen Anspruch auf Leistungen. Diese Verfügung blieb unange-
fochten.

Im März 2019 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. 
Die nunmehr infolge Wohnsitzwechsel zuständige IVB tätigte wiederum 
berufliche und medizinische Abklärungen. Mit Mitteilung vom 21. August 
2019 (AB 67) verneinte die IVB einen Anspruch auf berufliche Massnah-
men. Ferner ordnete sie eine Begutachtung durch das E.________ (ME-
DAS) in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neu-
ropsychologie und Psychiatrie (Gutachten vom 23. April 2020 [AB 113]) an. 
Mit Vorbescheid vom 18. Mai 2020 (AB 116) hielt die IVB vorab fest, die 
Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfü-
gung vom 28. Mai 2015 (AB 38) seien nicht erfüllt und stellte überdies in 
Aussicht, das Leistungsbegehren mangels einer wesentlichen Veränderung 
resp. aufgrund eines unveränderten Gesundheitszustandes abzulehnen. 
Nach dagegen erhobenem Einwand (AB 123, 126) verfügte sie am 1. Sep-
tember 2020 dem Vorbescheid entsprechend (AB 129).

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B.

Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, substituiert durch Rechtsanwältin Dr. jur. C.________, mit 
Eingabe vom 21. September 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht 
des Kantons Bern mit folgenden Rechtsbegehren:

1. Die Verfügung vom 1. September 2020 sei aufzuheben und es sei die 
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetz-
lichen Leistungen nach IVG auszurichten.

2. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege für das vor-
liegende Verfahren, unter Beizug der unterzeichnenden Anwältin, zu 
gewähren.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen - 

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 
2020 auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-

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tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist – unter Vor-
behalt der nachstehenden Erwägung – auf die Beschwerde einzutreten.

1.2

1.2.1 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 1. September 2020 
(AB 129). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Invalidenversiche-
rungsleistungen (vorrangig Invalidenrente [vgl. Beschwerde S. 8 Art. 4]) 
und dabei insbesondere, ob seit der Verfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) 
eine rentenrelevante Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen aus-
gewiesen ist.

1.2.2 Soweit die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung 
ein im Einwand vom 6. August 2020 (AB 126) sinngemäss gestelltes Wie-
dererwägungsgesuch thematisiert, ist Folgendes festzuhalten: Die Verfü-
gung vom 28. Mai 2015 (AB 38) erwuchs unangefochten in Rechtskraft. In 
der angefochtenen Verfügung vom 1. September 2020 (AB 129) brachte 
die Beschwerdegegnerin sodann eindeutig zum Ausdruck, dass sie keine 
Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG vorzunehmen geden-
ke. Sie prüfte die materiellen Wiedererwägungsgründe nicht und wies im 
Dispositiv einzig das Leistungsbegehren bezüglich der Neuanmeldung ab. 
Mithin trat sie auf das sinngemäss gestellte Wiedererwägungsgesuch nicht 
ein (vgl. THOMAS FLÜCKIGER in FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], 
Basler Kommentar zum Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 
1. Aufl. 2019, Art. 53 N. 92; UELI KIESER, Kommentar zum ATSG, 4. Aufl. 
2020, Art. 53 N. 85 - 87). Dieser Entscheid lag im Ermessen der Be-
schwerdegegnerin und ist einer gerichtlichen Überprüfung nicht zugänglich 
(BGE 133 V 50 E. 4 S. 52; SVR 2018 IV Nr. 33 S. 107 E. 5.4, 2014 IV Nr. 7 
S. 29 E. 3.3). Schliesslich ist zu beachten, dass hinsichtlich der Frage der 
Wiedererwägung in der Beschwerde kein (explizites) Rechtsbegehren ge-
stellt wurde. Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerdebegründung 
geltend macht, die Verfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) sei zweifellos un-
richtig, weshalb sie wiedererwägungsweise aufzuheben und ihm die IV-
Leistungen auszurichten seien (Beschwerde S. 5 Ziff. 2.6), ist auch bezüg-
lich dieses sinngemässen Antrags auf Wiedererwägung auf die Beschwer-
de nicht einzutreten.

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1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG 
sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische 
Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur 
dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-
trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 
145 V 215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist 
noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob 
dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem 
Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und 
Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen 
des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu 

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arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter 
ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Ren-
te, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines 
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % 
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses 
Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Gemäss 
Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die 
versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, 
wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von min-
destens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG). 

2.5 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf 
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Auch jede andere formell rechtskräftig zuge-
sprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin er-
höht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde lie-
gende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 
ATSG). Wurde eine Rente, eine Hilflosenentschädigung oder ein Assis-
tenzbeitrag wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades bereits einmal ver-
weigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte 
Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den 
Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 und 3 der Ver-

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ordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; 
SR 831.201]).

2.5.1 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge-
such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis-
sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung 
des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass 
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine 
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls 
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, 
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) 
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall 
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 
198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.5.2 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den 
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit 
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht 
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen 
(oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) 
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert 
haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer 
Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist 
ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der 
Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des 
Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 
E. 2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).

2.5.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
– durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

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2.5.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Leis-
tungsanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b 
S. 200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

2.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom März 2019 
(AB 39) eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell geprüft. Pra-
xisgemäss ist die Eintretensfrage durch das Gericht daher nicht zu beurtei-
len (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Indes ist durch einen Vergleich des 
Sachverhalts im Zeitpunkt der Verfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) – als 
letztmals eine allseitige Überprüfung der Leistungsvoraussetzungen erfolg-
te (vgl. E. 2.5.3) – mit demjenigen bei Erlass der hier angefochtenen Verfü-
gung vom 1. September 2020 (AB 129) zu prüfen, ob in den tatsächlichen 
Verhältnissen eine revisionsrechtlich relevante Änderung eingetreten ist, 
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad in anspruchsbegründender Weise zu 
beeinflussen (vgl. E. 2.5.2 hiervor).

3.2 Die Verfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) basiert im Wesentlichen 
auf dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D.________ vom 19. Ja-
nuar 2015 (AB 34), in welchem der Experte keine Diagnosen mit Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit stellte und als Diagnosen ohne Auswirkung 

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auf die Arbeitsfähigkeit eine Computerspielsucht, gebessert (ICD-10 
F63.0), eine schwierige finanzielle Situation (ICD-10 Z59) sowie familiäre 
Schwierigkeiten (ICD-10 Z63) und akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-
10 Z73.0) erhob (S. 7 lit. A Ziff. 4). Es sei davon auszugehen, dass die 
Spielsucht vor allem durch die familiäre Problematik herbeigeführt worden 
sei. Beim Aufenthalt in der virtuellen Welt des Spielens habe der Be-
schwerdeführer das unangenehme familiäre Umfeld vergessen können. Er 
habe dabei die Entwicklung der Persönlichkeit vernachlässigt. Es seien mit 
der Zeit Verhaltensauffälligkeiten entstanden, welche als akzentuierte Per-
sönlichkeitszüge aufzufassen gewesen seien. Der Beschwerdeführer sei 
vermeidend, ängstlich und manchmal etwas histrionisch gewesen. Da die-
se Verhaltensauffälligkeiten eine Folge des exzessiven Spielens gewesen 
seien, habe nicht von einer im Unbewussten fixierten Persönlichkeitss-
törung gesprochen werden können. Eine Depressivität sei kaum je vorhan-
den gewesen. Auch bei der Untersuchung sei von einer Depressivität 
nichts zu bemerken gewesen (S. 8 lit. B). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit 
müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer vor allem 
wegen der Spielsucht und deren negativen Begleiterscheinungen arbeits-
unfähig war. Bei der Spielsucht handle es sich aber nicht um einen invalidi-
sierenden Gesundheitsschaden. Insgesamt könne angesichts des Fehlens 
einer relevanten psychischen Störung nicht von einer krankheitsbedingten 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Diese sei unter-
dessen aufgrund der therapeutischen Massnahmen stabilisiert. Eine Beren-
tung sei kontraindiziert, da diese die passiven Tendenzen fördere. Die Pro-
gnose sei günstig, wenn sich auch Rückfälle nicht ganz ausschliessen lies-
sen (S. 9). 

3.3 Für die Zeit seit Erlass der Verfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) 
präsentiert sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:

3.3.1 In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung des MEDAS-Gutachtens 
vom 23. April 2020 (AB 113.1) nannten die Gutachter folgende „relevanten 
Diagnosen mit und ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit“ (S. 8 
Ziff. 4.2):

1. Adipositas (BMI 35.9 kg/m2);
2. geringer Senk-Spreizfuss beidseits;
3. leichte Einbussen beim Arbeitsgedächtnis;

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 10

4. leichte Einbussen bei der formallexikalischen Wortflüssigkeit;
5. ADHS (ICD-10 F90.0);
6. pathologisches Spielen (ICD-10 F63.0);
7. Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5);
8. nicht näher bezeichnete Essstörung, Binge-Eating-Störung (ICD-10 

F50.9).

Aus internistischer Sicht bestünden keine funktionellen Einschränkungen 
der Arbeitsfähigkeit. Von orthopädisch-traumatologischer Seite bestün-
den keine Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit. Durch die 
ADHS bedingte Unaufmerksamkeit, Unkonzentriertheit und Impulsivität 
sowie die mit einem Asperger-Syndrom einhergehenden Defizite in der 
sozialen Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit sowie in der Wahr-
nehmung- und Reizverarbeitung bestünden funktionelle Auswirkungen 
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 Ziff. 4.3). Klinisch fänden sich keine Hin-
weise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung respektive -störung 
(Ziff. 4.4). Auf dem primären Arbeitsmarkt bestehe in der bisherigen 
Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Ende der beruflichen 
Ausbildung 2007 (S. 11 Ziff. 4.7). Bei der aktuellen Tätigkeit im 
F.________ handle es sich de facto um eine geschützte Arbeitsstelle 
(sekundärer Arbeitsmarkt), wo eine 100%ige Arbeitsfähigkeit seit August 
2013 bestehe (Ziff. 4.8). Aus orthopädischer Sicht werde die Gewichts-
reduktion empfohlen. Aus neuropsychologischer Sicht sei die regelmäs-
sige Einnahme von Focalin notwendig. Aus psychiatrischer Sicht sei 
eine leitliniengerechte Behandlung von ADHS (inklusive regelmässiger 
Bestimmungen des Plasmaspiegels vom Dexmethylphenidat), des pa-
thologischen Spielens und des Asperger-Syndroms erforderlich (S. 11 
Ziff. 4.10).

Im allgemein-internistischen Teilgutachten (AB 113.3) führte Dr. med. 
G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, keine Diagnosen 
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 13 Ziff. 6.1). Als Diagnose 
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er eine Adipositas fest 
(Ziff. 6.2). Aus internistischer Sicht bestünden keine funktionellen Ein-
schränkungen der Arbeitsfähigkeit (S. 14 Ziff. 7.2).

Dr. med. H.________, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in ihrem Teilgutachten 
(AB 113.4) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest 

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(S. 8 f. Ziff. 6.1). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
erhob sie eine Adipositas (BMI 35.9 kg/m2) sowie einen geringen Senk-
Spreizfuss beidseits (S. 9 Ziff. 6.2). Von orthopädischer-traumatolo-
gischer Seite bestünden keine Einschränkungen der körperlichen Be-
lastbarkeit. Bei vorhandener Adipositas werde jedoch die Gewichtsre-
duktion zur Entlastung der Wirbelsäule und der Gelenke beider unterer 
Extremitäten empfohlen (Ziff. 7.2).

Im neuropsychologischen Teilgutachten (AB 113.5) diagnostizierte 
Dr. sc. hum. I.________, Fachpsychologin für Neuropsychologie, ein 
ADHS mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9 Ziff. 6.1.1). Sie hielt 
ferner fest, die erhobenen leichten Einbussen beim Arbeitsgedächtnis 
sowie bei der formallexikalischen Wortflüssigkeit seien ohne Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 6.1.2). Beim Beschwerdeführer liege unter 
der Medikation von Focalin in einem therapeutischen Spiegel keine neu-
ropsychologische Störung vor. Die Ergebnisse seien mit der Diagnose 
eines ADHS vereinbar, die Diagnose müsse psychiatrischerseits gestellt 
werden (S. 11 f. Ziff. 7.1). 

Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, er-
hob im Teilgutachten (AB 113.6) als Diagnosen mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit ein ADHS (ICD-10 F90.0) sowie pathologisches Spielen 
(ICD-10 F63.0; S. 17 Ziff. 6.1.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit hielt er ein Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5) sowie 
eine nicht näher bezeichnete Essstörung, Binge-Eating-Störung (ICD-10 
F50.9), fest (Ziff. 6.1.2). Der Beschwerdeführer sei durch das Sozialamt 
2013 im F.________ in ... platziert worden. In den ausführlichen Proto-
kollen der Standortgespräche F.________ seien die ADHS bedingten 
Symptomkomplexe und die mit einem Asperger-Syndrom einhergehen-
den Defizite in der sozialen Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit 
sowie in der Wahrnehmung- und Reizverarbeitung gut beschrieben 
(S. 20 Ziff. 7.1). In Bezug auf das psychiatrische Gutachten von 
Dr. med. D.________ vom 19. Januar 2015 (AB 34) hielt der Experte 
fest, die entscheidenden Akten, um sich ein Bild über den Beschwerde-
führer zu machen, nämlich die Protokolle der Standortgespräche 
F.________, seien Dr. med. D.________ durch die IV-Stelle Aargau 

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nicht zur Verfügung gestellt worden, obwohl sie in Kenntnis gewesen 
sei, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 12. August 2013 im 
F.________ befunden habe. Dass der Psychiater dann zum Schluss 
gekommen sei, es liege keine Diagnose mit anhaltender Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit vor, könne nur als eine Fehlentscheidung aufgrund 
Vorenthaltung der wesentlichen und entscheidenden Unterlagen durch 
den Auftraggeber gewertet werden. Mit Berücksichtigung dieser Akten 
hätte schon im Januar 2015 die Abklärung des ADHS folgen können und 
nicht erst viereinhalb Jahre später (S. 22 Ziff. 7.3). 

Die Hauptbelastungen seien einerseits die Aufmerksamkeitseinschrän-
kungen, welche ohne die Einnahme von Stimulantien alle Bereiche sei-
nes täglichen Lebens beeinträchtigten (insbesondere, wo er Neues lerne 
und strukturiere, Entscheidungen fälle und Strategien entwickle), und 
andererseits die Störung der Impulskontrolle, welche sich in der Neigung 
zur Spielsucht und im dysfunktionalen Umfang mit den sozialen Medien 
manifestiere. Zudem habe er grosse Mühe, seine Gefühle wahrzuneh-
men, zu zeigen, zu kommunizieren und sich emotional in andere Men-
schen zu versetzen, was seine sozialen Kompetenzen deutlich erschwe-
re (S. 23 Ziff. 7.4). 

Beim pathologischen Spielen (ICD-10 F63.0) handle es sich um eine 
„ADHS-typische“ Komorbidität, welche durch die gestörte Impulskontrol-
le gekennzeichnet sei. Pathologisches Spielen stelle zudem eine dys-
funktionale Strategie im Umgang mit Stress und Belastungen dar. Auf 
dem Höhepunkt der Störung sei es beim Beschwerdeführer infolge des 
Verlustes des Realitätsbezugs zu einer Verwahrlosungstendenz ge-
kommen, welche erst durch die Unterbringung auf dem ... im Rahmen 
des F.________ habe unterbrochen werden können. Trotz deutlicher 
Besserung diesbezüglich, dank des konsequenten Entzugs, sei er bis 
heute rückfallgefährdet (analog zu den Betroffenen mit einer substanz-
bezogenen Sucht). Obwohl es sich beim pathologischen Spielen nicht 
um eine substanzbezogene Sucht handle, sei die Abstinenz, also ein 
Verzicht auf das Spielen („Gamen“), absolut angezeigt. Ohne konse-
quente Abstinenz (sogar bezogen auf soziale Medien) würde der Be-
schwerdeführer die Kontrolle über seine Impulse verlieren und einen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 13

Rückfall erleiden. Die soziale Kontrolle auf dem ... sei für die Aufrechter-
haltung dieser Abstinenz sehr hilfreich (S. 26 f. Ziff. 8.4). Seit Beginn der 
ADHS-Behandlung im Juli 2019 habe sich der Gesundheitszustand da-
hingehend verändert, dass er sich besser fokussieren und seinen Ga-
mingdrang sowie seinen Appetit besser kontrollieren könne (S. 25 
Ziff. 8.4). Auf dem primären Arbeitsmarkt bestehe eine 100%ige Arbeits-
unfähigkeit seit Ende der beruflichen Ausbildung 2007 (S. 23 Ziff. 8.1). 
Bei der aktuellen Tätigkeit im F.________ handle es sich de facto um 
eine geschützte Arbeitsstelle (sekundärer Arbeitsmarkt), wo eine 
100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe seit August 2013 (S. 24 Ziff. 8.2). 

3.3.2 Med. pract. K.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie, und MSc L.________, Psychologin, führten im „Bericht zum Ein-
wand von Herrn A.________ zum Vorbescheid“ vom 16. Juli 2020 
(AB 128 S. 2) aus, die Befunde, die 2015 zum negativen Entscheid ge-
führt hätten, seien sehr dürftig gewesen, es hätten im Vorfeld keine fun-
dierten Berichte eingeholt werden können. Deshalb sei der nun erfolgten 
Begutachtung, welche sich nicht nur auf die aktuelle Untersuchung stüt-
ze, sondern auch auf die in den vergangenen Jahren gesammelten Er-
fahrungen mit dem Beschwerdeführer, viel mehr Beachtung zu schen-
ken. Es handle sich bei der neuen Begutachtung nicht nur um eine an-
dere Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes, vielmehr sei 
diese Beurteilung, da viel fundierter abgestützt, als wesentlich valider zu 
betrachten. Aus dem fundierten polydisziplinären Gutachten des ME-
DAS ergäben sich zwei psychiatrische Diagnosen, die zweifelsfrei einen 
seit längerem bestehenden Gesundheitsschaden beschrieben, welcher 
unabhängig von der Abhängigkeitserkrankung zu einer 100%igen Er-
werbsunfähigkeit führte.

3.4

3.4.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 14

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 
Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. 
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die 
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder 
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.2 Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt 
durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen 
Zustandes. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer 
entscheidungserheblichen Differenz in den den medizinischen Unterlagen 
zu entnehmenden Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks 
Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, 
ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) 
des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, 
nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im 
Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung 
beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen 
Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche 
Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive 
Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten 
bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen 
Verhältnisse sich verändert haben (SVR 2018 IV Nr. 13 S. 40 E. 4.2 und 
4.2.1). 

Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtlichen 
Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische 
Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 15

deutlich werden, dass die Fakten, mit denen die Veränderung begründet 
wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer 
Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Eine 
verlässliche Abgrenzung der tatsächlich eingetretenen von der nur 
angenommenen Veränderung ist als erforderliche Beweisgrundlage nicht 
erreicht, wenn bloss nominelle Differenzen diagnostischer Art bestehen. 
Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretene 
tatsächliche Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die 
ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte 
in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer 
neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades 
der Störungen geführt haben (SVR 2018 IV Nr. 13 S. 41 E. 4.2.2).

3.5

3.5.1 Die Beschwerdegegnerin hat bei Erlass der vorliegend 
angefochtenen Verfügung vom 1. September 2020 (AB 129) grundsätzlich 
auf das MEDAS-Gutachten vom 23. April 2020 (AB 113) abgestellt. Dieses 
erfüllt – jedenfalls was die erhobenen Befunde und die gestellten Diagno-
sen betrifft – die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung gestellten 
Anforderungen an Expertisen: Es beruht auf umfassend einlässlichen ana-
mnestischen Erhebungen und eigenen Untersuchungen, berücksichtigt die 
geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis und nach Auseinanderset-
zung mit den Vorakten erstellt. Die Expertise ist hinsichtlich der Erhebung 
der Befunde und Diagnosen schlüssig, widerspruchsfrei und nachvollzieh-
bar (vgl. E. 3.4.1 hiervor), was vom Beschwerdeführer denn auch nicht be-
stritten wird (vgl. Beschwerde S. 8 Art. 4). Wie es sich mit der Einschätzung 
der Arbeits- und Leistungsfähigkeit verhält, kann indes offen bleiben. Da 
ein Anspruch auf Invalidenversicherungsleistungen mit Verfügung vom 
28. Mai 2015 (AB 38) bereits rechtskräftig verneint wurde, ist der hier strei-
tige Leistungsanspruch nicht im Rahmen einer erstmaligen Anspruchsprü-
fung, sondern nach den Regeln einer Neuanmeldung zu beurteilen. Folg-
lich ist zu prüfen, ob die zur früheren Einschätzung von 
Dr. med. D.________ im Gutachten vom 19. Januar 2015 (AB 34) abwei-
chende Beurteilung der MEDAS-Gutachter auf einer Veränderung der ge-
sundheitlichen Situation basiert (vgl. E. 2.5.2 hiervor). Daran ändert auch 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 16

die Einschätzung von med. pract. K.________ und der Psychologin MSc 
L.________ im Bericht vom 16. Juli 2020 (AB 128 S. 2) nichts, wonach das 
MEDAS-Gutachten als wesentlich valider zu betrachten sei, da es viel fun-
dierter abgestützt sei. Ebenso vermögen auch die Ausführungen von 
Dr. med. J.________, wonach es sich bei der Einschätzung von 
Dr. med. D.________ um eine Fehlentscheidung aufgrund vorenthaltener 
wesentlicher und entscheidender Unterlagen handle, nichts daran zu än-
dern. Massgebende Vergleichszeitbasis bildet die rechtskräftige Verfügung 
vom 28. Mai 2015 (AB 38), welche sich auf die gutachterliche Einschätzung 
von Dr. med. D.________ stützte, wonach kein Gesundheitsschaden mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestanden habe (AB 34 S. 7 lit. A 
Ziff. 4; vgl. E. 2.5.3 hiervor).

3.5.2 In somatischer Hinsicht lassen sich dem MEDAS-Gutachten keine 
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnehmen (vgl. 
AB 113.3 S. 13 Ziff. 6.1, 113.4 S. 8 Ziff. 6.1), womit eine damit einherge-
hende potentiell relevante gesundheitliche Veränderung ausser Frage 
steht. Eine solche wird durch den Beschwerdeführer denn auch nicht gel-
tend gemacht.

Soweit psychiatrischerseits in Abweichung von der Einschätzung von 
Dr. med. D.________ der MEDAS-Gutachter Dr. med. J.________ neu die 
Diagnose eines Asperger-Syndroms stellt (AB 113.6 S. 17 Ziff. 6.1.2) und 
der Beschwerdeführer diesbezüglich vorbringt, es sei in gesundheitlicher 
Hinsicht zu einer wesentlichen Veränderung gekommen (Beschwerde S. 6 
Ziff. 3.2), verkennt er, dass der Diagnose Asperger-Syndrom keine Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit zukommt (AB 113.6 S. 17 Ziff. 6.1.2). Damit ist 
diese ohnehin nicht geeignet, den Leistungsanspruch zu berühren. Über-
dies stellt das Hinzutreten einer Diagnose nicht per se einen Revisions-
grund dar, ist doch damit die erforderliche erhebliche Verschlechterung 
oder Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht zwingend ausgewie-
sen (BGE 141 V 385 E. 4.2 S. 391, 141 V 9 E. 5.2 S. 12). Massgebend ist 
einzig, ob (und in welchem Ausmass) den medizinischen Akten eine verän-
derte Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit entnommen 
werden kann, und zwar unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich 
unbesehen der Ätiologie (vgl. Entscheide des Bundesgerichts [BGer] vom 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 17

11. Juli 2018, 9C_374/2018, E. 4.2, und vom 31. August 2016, 
9C_226/2016, E. 4.3.2). 

Folglich begründet auch die in Abweichung von Dr. med. D.________ neu 
aufgeführte Diagnose einer ADHS wie auch die anders eingeschätzte Ar-
beitsunfähigkeit (AB 113.6 S. 17 Ziff. 6.1.1) keine wesentliche Veränderung 
im Gesundheitszustand. Notwendig wäre eine veränderte Befundlage (vgl. 
Entscheide des BGer vom 27. Mai 2021, 8C_121/2021, E. 4.2.2 mit weite-
ren Hinweisen), was hier gerade nicht vorliegt. So zeigte der psychiatrische 
MEDAS-Gutachter denn auch nicht auf, inwiefern eine effektive Verände-
rung des Gesundheitszustandes stattgefunden haben soll (vgl. E. 3.4.2 
hiervor). Dasselbe gilt auch für die Diagnose des pathologischen Spielens 
(ICD-10 F63.0), welcher gemäss psychiatrischer Expertise des MEDAS 
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommt (AB 113.6 S. 17 Ziff. 6.1.1), wo-
gegen Dr. med. D.________ die Computerspielsucht (ICD-10 F63.0) – vor 
dem Hintergrund der damaligen Rechtsprechung zum Suchtgeschehen, 
wonach Suchterkrankungen grundsätzlich nicht invalidisierend waren (BGE 
124 V 265, 99 V 28) – als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 
qualifiziert hatte (AB 34 S. 7 Ziff. 4). Folglich ist auch in dieser Hinsicht kei-
ne wesentliche Veränderung ausgewiesen (vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. 3.2). 
Denn massgebend sind die tatsächlichen Verhältnisse und nicht deren Be-
urteilung durch die involvierten Experten (vgl. E. 2.5.2 und E. 3.4.2 hiervor). 
Gestützt auf das MEDAS-Gutachten hat damit im massgebenden Ver-
gleichszeitraum auch der psychische Gesundheitszustand keine massge-
bende Veränderung erfahren. Vielmehr handelt es sich um eine retrospek-
tiv unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen 
Sachverhalts, welche praxisgemäss revisionsrechtlich unerheblich ist (BGE 
144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 11; SVR UV Nr. 22 S. 79 
E. 2.2.1; vgl. E. 3.4.2 hiervor).

Was den im Rahmen des Vorbescheidverfahrens eingereichten Bericht von 
med. pract. K.________ und der Psychologin MSc L.________ vom 16. Juli 
2020 (AB 128 S. 2) angeht, vermag auch dieser keine relevante gesund-
heitliche Veränderung resp. keine veränderte objektive Befundlage aufzu-
zeigen. So sprechen med. pract. K.________ und die Psychologin 
L.________ ebenfalls von einer anderen Einschätzung des aktuellen Ge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 18

sundheitszustandes, beschrieben doch gemäss ihrer Auffassung die zwei 
im MEDAS-Gutachten festgehaltenen psychiatrischen Diagnosen einen 
zweifelsfrei seit längerem bestehenden Gesundheitsschaden. 

Zusammenfassend ist nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit (BGE 144 I 28 E. 2.3 S. 30; SVR 2019 IV Nr. 3 S. 7 E. 5.1) 
weder in somatischer noch in psychiatrischer Hinsicht überwiegend 
wahrscheinlich eine revisionsrechtlich relevante Veränderung erstellt und 
damit kein medizinischer Revisionsgrund ausgewiesen.

3.5.3 Abschliessend bleibt indes zu prüfen, ob die geänderte Rechtspre-
chung zu Abhängigkeitssyndromen einen Revisionsgrund darstellt. 

Die Referenzverfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) erging unter der damali-
gen Rechtsprechung, wonach Abhängigkeitssyndrome zum vornherein 
keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden sei-
en (BGE 124 V 265, 99 V 28). Diese Praxis wurde mit Entscheid des Bun-
desgerichts vom 11. Juli 2019 (BGE 145 V 215) und damit vor Erlass der 
angefochtenen Verfügung aufgegeben. Nach der neuen Rechtsprechung 
ist fortan – gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen – nach 
dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls 
inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im 
Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt (BGE 
145 V 215 E. 5.3.3 S. 226 und E. 7 S. 228).

Eine geänderte Gerichts- oder Verwaltungspraxis bildet grundsätzlich kei-
nen Anlass, von einer formell rechtskräftigen Verfügung abzuweichen. Dies 
gilt auch im vorliegenden Fall. So hielt das Bundesgericht mit Entscheid 
vom 7. Juni 2021 daran fest, dass auch bei der Änderung der Suchtrecht-
sprechung nicht vom Grundsatz der Nichtanpassung einer rechtkräftigen 
Verfügung an eine geänderte Rechtspraxis abgewichen werden kann (Ent-
scheid des BGer vom 7. Juni 2021, 9C_132/2020 [zur Publikation vorgese-
hen], E. 6). Die im vorliegend zu beurteilenden Revisionszeitraum erfolgte 
Änderung der Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 bildet demnach 
keinen Revisionsgrund.

3.6 In erwerblicher Hinsicht hielt sich der Beschwerdeführer bereits zum 
Zeitpunkt der Verfügung vom 28. Mai 2015 (AB 38) im Rahmen des 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 19

F.________ bei der Familie M.________ auf. Zwar konnte er zwischenzeit-
lich einige Einsätze als Praktikant, als Aushilfe oder im Rahmen der Ar-
beitsintegration leisten, hatte aber keinerlei reguläre Arbeitsstellen inne. 
Damit ist auch in erwerblicher Hinsicht kein Revisionsgrund ausgewiesen, 
noch wird ein solcher geltend gemacht.

3.7 Nach dem Dargelegten ist keine revisionsrechtliche relevante 
Veränderung ausgewiesen, weshalb sich sowohl die Durchführung des 
strukturierten Beweisverfahrens (vgl. BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 
281 E. 4.1 S. 296) als auch die Invaliditätsbemessung erübrigen (vgl. 
E. 2.5.4 hiervor).

4.

Die angefochtene Verfügung vom 1. September 2020 (AB 129) ist damit 
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.

5.

5.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraus-
setzungen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beige-
ordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es 
rechtfertigen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 
2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ist angesichts der sozialhilferecht-
lichen Unterstützung ausgewiesen (Akten des Beschwerdeführers, Be-
schwerdebeilage [BB] 4). Auch kann der Prozess nicht als von vornherein 
aussichtslos im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis bezeichnet werden 
(vgl. BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135, 122 I 267 E. 2b S. 271, je mit Hinwei-
sen). Schliesslich erscheint der Beizug einer Rechtsvertretung aufgrund der 
Rechtsunkundigkeit des Beschwerdeführers sowie der tatsächlichen und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 20

rechtlichen Schwierigkeiten geboten. Demnach ist dem Beschwerdeführer 
die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwältin 
Dr. jur. C.________ als amtliche Anwältin zu gewähren. 

5.2 Gemäss aArt. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig 
gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 82a ATSG) ist das 
Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in 
Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und 
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- 
festzulegen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh-
rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, grundsätzlich 
zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird er – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss 
Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung 
vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

5.3 Bei vorliegendem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf 
eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG 
([Umkehrschluss]).

5.4 Festzusetzen bleibt indes das amtliche Honorar von Rechtsanwältin 
Dr. jur. C.________. 

Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 
(KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwältinnen 
und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebo-
tenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarif-
ordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des 
gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die 
Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert-
steuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die 
Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den glei-
chen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. 
Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 21

amtlichen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stun-
denansatz Fr. 200.--.

Mit nicht zu beanstandender Kostennote vom 5. August 2021 macht 
Rechtsanwältin Dr. jur. C.________ einen Aufwand von 6.5 Stunden (bei 
einem Stundenansatz von Fr. 250.--) geltend. Gestützt darauf ist der tarif-
mässige Parteikostenersatz auf total Fr. 1'838.-- festzusetzen (Honorar: 
Fr. 1'625.--; Auslagen: Fr. 81.60; MWST: Fr. 131.40 [7.7 % von 
Fr. 1’706.60]). Demnach ist Rechtsanwältin Dr. jur. C.________ nach Ein-
tritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse ein amtliches Ho-
norar von Fr. 1'300.-- (6.5 Stunden x Fr. 200.--) zuzüglich Auslagen von 
Fr. 81.60 und MWST von Fr. 106.40 (7.7% von Fr. 1'381.60), total somit 
eine Entschädigung von Fr. 1'488.--, auszurichten. Vorbehalten bleibt die 
Nachzahlungspflicht des Beschwerdeführers gegenüber dem Kanton Bern 
entsprechend den Voraussetzungen von Art. 123 ZPO.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwältin Dr. jur. C.________ als amtliche Anwältin wird gutge-
heissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 22

5. Der tarifmässige Parteikostenersatz der amtlichen Anwältin wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 1‘838.-- (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt. 
Davon wird Rechtsanwältin Dr. jur. C.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 1'488.-- 
festgesetzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vor-
behalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

6. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin Dr. jur. C.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334,

3001 Bern

Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Sept. 2021, IV/20/735, Seite 23

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.