# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b576e3e-a5e0-5127-ace1-34e650cf1806
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 27.08.2015 SB150059
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150059_2015-08-27.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB150059-O/U/eh 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, lic. iur. M. Langmeier, 

lic. iur. Ch. Prinz sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Bussmann 

 

 
Urteil vom 27. August 2015 

 

in Sachen 

 

A._____,  

 

Beschuldigte und Berufungsklägerin 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

 

gegen 

 
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. R. Geisseler 

 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend  

versuchte schwere Körperverletzung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom  

24. September 2014 (DG140181) 

   - 2 -    

Anklage: 
(Urk. 22) 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 12. Juni 

2014 ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 36 S. 34 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im 

Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Vom Vorwurf der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303  

Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB wird die Beschuldigte freigesprochen. 

3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufge-

schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate) 

wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

5. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz 

von Fr. 389.20  zu bezahlen. 

6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 3'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 26. Oktober 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

7. Es wird bei der Beschuldigten eine invasive Probenahme und die Analyse 

dieser Probe zur Erstellung eines DNA-Profils angeordnet. 

Die Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst, 

Zeughausstrasse 11, Zürich, zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit 

Wangenschleimhautabnahme zu melden. 

   - 3 -    

8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'500.–   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 1'910.30   Auslagen Untersuchung 

Fr. 8'545.–   amtliche Verteidigung 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten 

auferlegt, aber definitiv abgeschrieben. 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse  

genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO.  

11. (Mitteilungen) 

12. (Rechtsmittel)" 

Schlussanträge im Berufungsverfahren: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

(Prot. II S. 2) 

1. Die Angeklagte sei der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

StGB schuldig zu sprechen. Eventualiter sei sie der qualifizierten einfachen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen. 

Subeventualiter sei sie im Sinne der Anklage der versuchten schweren  

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

2. Dafür sei sie im Haupt- und im Eventualantrag mit einer Freiheitsstrafe von 

6 Monaten, und im Subeventualfall zu einer solchen von 18 Monaten zu  

bestrafen. 

   - 4 -    

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 

2 Jahren bedingt aufzuschieben.  

4. Die Kosten seien der Staatskasse zu belasten. Auf eine Überbindung der 

Kosten für die amtliche Verteidigung sei in jedem Fall zu verzichten.  

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 42, sinngemäss) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

 

Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 24. September 2014 wurde 

die Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von  

Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig- und vom 

Vorwurf der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 und  

Ziff. 2 StGB freigesprochen. Die Beschuldigte wurde bestraft mit einer Freiheits-

strafe von 3 Jahren; deren Vollzug wurde im Umfang von 24 Monaten bei einer 

Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. Weiter wurde die Beschuldigte verpflichtet, 

dem Privatkläger Schadenersatz von Fr. 389.20 sowie eine Genugtuung von  

Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 26. Oktober 2013 zu bezahlen. Die Vorinstanz 

ordnete sodann eine invasive Probenahme zur Erstellung eines DNA-Profils bei 

der Beschuldigten an und auferlegte dieser die Kosten der Untersuchung und des 

gerichtlichen Verfahrens, schrieb diese aber sogleich ab. Davon ausgenommen 

wurden die Kosten der amtlichen Verteidigung, die unter Vorbehalt der Rück-

zahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse 

genommen wurden (Urk. 36 S. 34 ff.).  

 

   - 5 -    

1.2. Gegen dieses mündlich eröffnete Urteil liess die Beschuldigte durch ihren 

amtlichen Verteidiger am 3. Oktober 2014 fristgerecht Berufung anmelden 

(Urk. 30) und nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 35/1-3) am  

10. Februar 2015 – ebenfalls fristgerecht – dem Obergericht die Berufungserklä-

rung einreichen (Urk. 38). Mit Präsidialverfügung vom 19. Februar 2015 wurde die 

Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsan-

waltschaft und dem Privatkläger übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberu-

fung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 40). 

Am 23. Februar 2015 teilte die Staatsanwaltschaft mit, auf die Erhebung einer 

Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

zu verlangen (Urk. 42). Der Privatkläger liess sich nicht verlauten. 

1.3. Mit Eingabe vom 13. August 2015 stellte die Verteidigung namens der  

Beschuldigten ein Dispensationsgesuch betreffend die Berufungsverhandlung, da 

diese immer noch in Südamerika weile und ihre Rückkehr ungewiss sei. Gleich-

zeitig beantragte die Verteidigung die schriftliche Durchführung des Berufungs-

verfahrens (Urk. 61). Mit Schreiben der Verfahrensleitung vom 17. August 2015 

wurde dem Dispensationsgesuch der Beschuldigten stattgegeben, mit dem Hin-

weis, dass die mündliche Berufungsverhandlung wie geplant durchgeführt werde 

(Urk. 63).  

1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der amtliche 

Verteidiger der Beschuldigten erschienen ist, waren weder Vorfragen zu ent-

scheiden noch Beweise abzunehmen (Prot. II S. 3 ff.). Das vorliegende Urteil 

erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 6 ff.). 

2. Umfang der Berufung 

Die Beschuldigte ficht den vorinstanzlichen Schuldspruch und die ausgefällte 

Strafe an (Urk. 38 S. 2). Anders als noch in der Berufungserklärung beantragte 

die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung einen Schuldspruch wegen 

fahrlässiger Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB und es sei eine beding-

te Freiheitsstrafe von 6 Monaten auszufällen. Eventualiter sei die Beschuldigte 

der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB 

   - 6 -    

schuldig zu sprechen, unter Ausfällung der gleichen Strafe. Im Subeventualfall – 

für den Fall der Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs – sei die Frei-

heitsstrafe auf 18 Monate festzusetzen (Urk. 38 S. 2). Die Berufung betrifft mithin 

die Dispositivziffern 1, 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils. Die nicht angefochte-

nen Punkte (Dispositivziffern 2 und 5 ff.) sind damit in Rechtskraft erwachsen 

(Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO; Prot. II S. 4). Das ist 

vorab vorzumerken. 

3. Sachverhalt 

3.1. Die Vorinstanz hat den Anklagesachverhalt als erstellt erachtet (Urk. 36 

S. 18-20) und die Beschuldigte anerkennt diesen – wie schon das ganze Verfah-

ren hindurch – weitgehend. Entgegen der Darstellung in der Anklage stellt die  

Beschuldigte aber dezidiert in Abrede, die Glasflasche zerbrochen und hernach 

dem Privatkläger ins Gesicht gestochen zu haben. Vielmehr habe sie diesen mit 

der noch unversehrten Flasche geschlagen (Prot. I S. 11, 12, 19). Sie habe ihm 

diese von oben nach unten heftig "über den Kopf gezogen", sodass sie deswegen 

zersplittert sei (Urk. 5/1 S. 2, 4, 5; Urk. 5/2 S. 5, 6, 10, 11; Urk. 5/3 S. 2, 4). 

3.2. Mit dieser Darstellung widerspricht die Beschuldigte allerdings den dies-

bezüglich übereinstimmenden Aussagen der drei voneinander unabhängigen, an 

der Auseinandersetzung nicht beteiligten Zeugen C._____, D._____ und E._____ 

(vgl. die entsprechenden Zusammenfassungen in Urk. 36 S. 12-14). Ungeachtet 

von durchaus vorliegenden "Ungereimtheiten" (so der Verteidiger in Urk. 38 S. 3, 

vgl. auch Urk. 56 S. 9) schilderten diese drei das Kerngeschehen deckungsgleich, 

wie die Beschuldigte die Flasche auf einer Mauer zerschlagen habe, bevor sie 

den abgebrochenen Flaschenhals dem Privatkläger mit einer Bewegung von un-

ten nach oben bzw. geradeaus ins Gesicht gestochen habe (Urk. 6/1 S. 2, 3; Urk. 

6/4 S. 4, 5; Urk. 7/1 S. 3; Urk. 7/3 S. 4; Urk. 8/2 S. 2; Urk. 8/4 S. 3, 4). Dass die 

Zeugin D._____ davon sprach, die Beschuldigte habe die Flasche an einer 

"Wand, bestehend aus Eisenstangen" zerschlagen (Urk. 7/1 S. 3), ist ein – ver-

meintlicher – Widerspruch zu den Aussagen der anderen Zeugen, der gerade da-

für spricht, dass die Zeugin effektiv Wahrgenommenes widergibt: Aus den Foto-

grafien des Tatortes ergibt sich nämlich, dass auf der Mauer bzw. dem Mäuer-

   - 7 -    

chen, an welchem die Beschuldigte gemäss Aussagen der Zeugen C._____ und 

E._____ die Flasche zerschlagen habe, ab einer Höhe von wohl einem guten Me-

ter ein recht massiver Metallzaun angebracht ist, sodass mit Fug sowohl von einer 

"Mauer" als auch einer "Wand, bestehend aus Eisenstangen" gesprochen werden 

kann (s. die Fotodokumentation in Urk. 3 S. 2-4). In der Einvernahme als Zeugin 

sprach D._____ denn auch von einer "Mauer mit Metallstangen", wo die Beschul-

digte die Flasche zerschlagen habe (Urk. 7/3 S. 4, 5 [hier mit Bezug auf die Foto-

grafie der Mauer]). Ähnliches gilt es zu den Aussagen von E._____ zu sagen, 

wenn er die von ihm in der polizeilichen Einvernahme erwähnte Mauer (Urk. 8/2 

S. 2) in der staatsanwaltschaftlichen Befragung dann als "Säule" bezeichnet (Urk. 

8/4 S. 3, 4), auf den Fotografien aber ganz klar die immergleiche Mauer als Ort 

des Geschehens angibt. Aus seinen Ausführungen ergibt sich denn auch, dass er 

offensichtlich von der vordersten, massivsten Eisenstange als "Säule" sprach 

(Urk. 8/4 S. 5). 

3.3. Der Privatkläger selbst vermag sich nicht daran zu erinnern, ob die  

Beschuldigte vor dem Schlag die Flasche an der Wand zerbrochen hat oder nicht 

(vgl. dazu die Zusammenfassung seiner Aussagen in Urk. 36 S. 11/12). Das  

erscheint auch plausibel vor dem Hintergrund dessen, dass sich der Privatkläger 

vor dem Schlag gemäss den übereinstimmenden Aussagen der Zeugen passiv 

verhalten habe und von der Beschuldigten unvermittelt attackiert worden sei (vgl. 

dazu Urk. 36 S. 19). Der Privatkläger hatte damit seine Aufmerksamkeit vor dem 

Schlag nicht der Beschuldigten zugewandt. Hinzu kommt, dass der Privatkläger 

beim fraglichen Ereignis ganz erheblich angetrunken war, wies er doch zum Zeit-

punkt der Blut- bzw. Urinentnahme eine Stunde und 15 Minuten bzw. eine Stunde 

und 45 Minuten nach dem Vorfall noch immer einen Blutalkoholgehalt von  

zwischen 1,79 bis 1,97 Gewichtspromillen auf und konnte ihm der Konsum von 

Kokain und Cannabis nachgewiesen werden. Gemäss den entsprechenden Fest-

stellungen des Instituts für Rechtsmedizin entspricht das einer deutlichen Betrun-

kenheit bis hin zu einem eigentlichen "Rausch", kombiniert zusätzlich mit den 

Nachwirkungen des Kokainkonsums (Urk. 12/5 S. 2, 3, 5). Ein solcher Zustand ist 

offensichtlich geeignet, sich einschränkend auf das Erinnerungsvermögen auszu-

wirken. 

   - 8 -    

3.4. Warum sodann die drei voneinander unabhängigen und je auch nicht in  

irgend einer Weise mit einer der Parteien verbundenen Zeugen übereinstimmend 

die Beschuldigte unbewusst oder gar bewusst falsch belasten sollten, wäre 

schlichtweg nicht ersichtlich. Dass den Zeugen abzunehmen ist, dass sie ehrlich 

das aus ihrer Sicht Erlebte schilderten, wurde bereits dargelegt. Und für eine  

bewusste Falschanschuldigung fehlte jegliches Motiv. Alleine dass sie sich alle 

drei im Nachgang des Vorfalls um den Privatkläger gekümmert und sich dabei auf 

Spanisch ausgetauscht hatten (so der Verteidiger in Urk. 26 S. 6), kann jedenfalls 

kein Grund dafür sein.  

Demgegenüber hat die Beschuldigte natürlich offensichtlich ein Interesse daran, 

ihre Tathandlung im Gegensatz zum Anklagesachverhalt als einmaligen Schlag 

mit einer intakten Flasche darzustellen: Es ist – jedenfalls grundsätzlich – sicher 

gravierender, wenn jemand eine Flasche zunächst zerbricht, um hernach mit der 

so hergestellten "Waffe" gegen jemanden vorzugehen, als wenn ein Täter einem 

Widersacher "nur" einen einmaligen Schlag mit einer intakten Flasche auf den 

Kopf versetzt. 

3.5. Schliesslich spricht auch das Verletzungsbild des Privatklägers viel eher 

gegen die Version der Beschuldigten als dafür: Insbesondere die ca. 8 cm lange, 

klaffende, halbkreisförmige Schnittwunde seitlich des linken Auges mit Schnitt-

verletzungen des Ober- und Unterlids (Urk. 10/5 und 10/8) lässt sich zwanglos mit 

dem von den Zeugen geschilderten von unten nach oben bzw. geradeaus erfolg-

ten Zustossen mit einem abgebrochenen Flaschenhals in Übereinstimmung  

bringen. Demgegenüber wäre zu vermuten, dass ein Opfer, dem eine unversehrte 

Glasflasche heftig "über den Kopf gezogen" wird, irgendwo am Schädel – am  

naheliegendsten wohl auf der Schädeldecke – mindestens eine Platzwunde auf-

weisen müsste. Solches ist beim Privatkläger jedoch nicht festzustellen (Urk. 3  

S. 1, unteres Bild und Urk. 10/5).  

3.6. Unzutreffend ist, wenn die Verteidigung vorbringt, die Staatsanwaltschaft 

werfe der Beschuldigten in ihrer Anklageschrift vor, dass diese die Flasche am 

Hals haltend an der Mauer zerschlagen habe (Urk. 65 S. 5). Eine solche Annah-

me erwiese sich schon aufgrund der Fotodokumentation als unrichtig, war es 

   - 9 -    

doch der obere Teil der Flasche, der auf der Mauer lag (vgl. Urk. 3 S. 2–5). Es 

trifft zwar zu, dass in der Anklageschrift die Vorgehensweise der Beschuldigten 

dahingehend umschrieben ist, dass diese dem Privatkläger mit der rechten Hand 

"den zersplitterten Flaschenhals" wuchtig ins Gesicht, Richtung Augen, gestochen 

habe (Urk. 22 S. 2). Damit ist aber lediglich die Stossrichtung umschrieben.  

Offensichtlich muss die Beschuldigte die Flasche am Rumpf gehalten haben, als 

sie – wie in der Anklageschrift umschrieben – zugestochen hatte. Entsprechend 

war es der vordere Teil der Flasche, eben der "zersplitterte Flaschenhals", der 

den Privatkläger am Auge getroffen haben muss. Dabei kann nicht entscheidend 

sein, ob sich der "Radius der Wunde" mit demjenigen der Abbruchstelle deckt, 

was die Verteidigung in Abrede stellt (Urk. 65 S. 5). Die Radien müssten nur dann 

identisch sein, wenn die Beschuldigte die Flasche absolut waagrecht gehalten 

hätte, als sie zugestochen hatte. Es ist aber offenkundig, dass der zersplitterte 

Rand einer am Flaschenhals abgebrochenen Flasche zweifelsohne auch geeignet 

ist, jemandem Schnitt– bzw. Stichverletzungen zuzufügen, wenn diese leicht 

schräg gehalten wird.  

3.7. Aus diesen Gründen und im Übrigen mit den zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz (Urk. 36 S. 18-20) ist damit der Sachverhalt so erstellt, wie er von der 

Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht worden ist (vgl. Anklageschrift S. 2/3). 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1. Es steht ausser Diskussion, dass das Handeln der Beschuldigten zum 

Nachteil des Privatklägers in objektiver Hinsicht mindestens eine einfache  

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB zur Folge hatte. Der Verteidi-

ger anerkennt darüber hinaus auch, dass mit der Flasche ein gefährlicher Gegen-

stand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB zum Einsatz gekommen ist und 

die Beschuldigte deshalb – soweit von einer vorsätzlichen Tatbegehung auszu-

gehen ist – diesen qualifizierten Tatbestand erfüllt hat (Urk. 26 S. 5; Urk. 38 S. 2, 

Urk. 65 S. 8 f.). 

4.2. Zwischen den Parteien umstritten ist jedoch die Vorsatzfrage. Während die 

Verteidigung im Rahmen des Berufungsverfahrens im Sinne des Hauptantrages 

   - 10 -    

nunmehr von Fahrlässigkeit ausgeht, ist im Sinne eines Eventualstandpunktes die 

weitergehende Frage umstritten, ob sich ein allfällig zu bejahender (Eventual-

)vorsatz der Beschuldigten auf eine schwere Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 Abs. 2 StGB bezogen hat und sie deswegen des Versuchs zur Erfüllung 

dieses Tatbestandes verurteilt werden muss. Die Vorinstanz ist der Auffassung 

der Staatsanwaltschaft gefolgt und hat die Beschuldigte der versuchten schweren 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Diesen Schuldspruch akzeptiert die Verteidi-

gung lediglich im Sinne eines Subeventualantrages und verlangt berufungsweise, 

dass die Vorgehensweise der Beschuldigten als fahrlässige Körperverletzung im 

Sinne von Art. 125 StGB einzustufen sei. Nur im Eventualstandpunkt geht die 

Verteidigung von einem vorsätzlichen Verhalten im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 

Abs. 2 StGB aus (Urk. 65 S. 2, 5 ff.).  

4.3. Soweit die Verteidigung ihren Antrag ausschliesslich damit begründet, dass 

im Zweifelsfall zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen sei, diese habe 

vor dem Schlag gegen den Privatkläger die Flasche nicht zerbrochen (Urk. 26 

S. 5/6, Urk. 65 S. 8), ist darauf nicht weiter einzugehen. Das Beweisverfahren hat 

das Gegenteil ergeben. 

4.4. Vor Vorinstanz hatte der Verteidiger im Eventualstandpunkt die rechtliche 

Würdigung der Staatsanwaltschaft noch anerkannt (Urk. 26 S. 7/8). Im Beru-

fungsverfahren macht er nun geltend, es sei der geforderte Eventualvorsatz hin-

sichtlich einer schweren Körperverletzung nicht erstellt (Urk. 65 S. 9). Zwar habe 

die Beschuldigte mit der Flasche das Gesicht und da die Augenpartie des Privat-

klägers verletzt. Freilich bleibe unklar, ob sie das überhaupt gewollt und inwiefern 

sie den Erfolg einer schweren Körperverletzung in Kauf genommen habe. Es 

spreche jedenfalls einiges dafür, dass die Berufungsklägerin und auch das Opfer 

vor lauter Substanzmissbrauch derart fahrig drauf gewesen seien, "dass sie ihre 

Bewegungen nicht einmal mehr ansatzweise selbstbestimmt und gezielt" hätten 

steuern können (Urk. 38 S. 3). 

   - 11 -    

4.5. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen einer schweren  

Körperverletzung zutreffend umrissen (Urk. 36 S. 22). Darauf kann verwiesen 

werden.  

4.5.1. Offensichtlich ebenfalls zutreffend ist dann, dass der von der Beschuldigten 

eingestandenermassen heftige (Urk. 5/1 S. 4, 5; Urk. 5/2 S. 5) Schlag mit der zer-

brochenen Glasflasche in die Richtung eines Auges geeignet war, ein wichtiges 

Organ des Privatklägers – eben ein Auge – unbrauchbar zu machen oder das 

Gesicht bleibend zu entstellen. Nachdem dies glücklicherweise nicht geschehen 

ist, hat die Beschuldigte deshalb in objektiver Hinsicht eine versuchte schwere 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB begangen (vgl. auch Urk. 36 S. 22; Art. 82 Abs. 4 StPO). Daran än-

dert auch nichts, dass die Verteidigung sich berufungsweise nunmehr auf den 

Standpunkt stellt, dass die Beschuldigte nur von einem heftigen Schlag gespro-

chen habe, um die von ihr möglicherweise tatsächlich erfundene Tatbestandsva-

riante eines Schlages mit einer ganzen Bierflasche zu untermauern, weil eben nur 

ein Schlag von einer gewissen Intensität geeignet sei, eine Flasche zum Bersten 

zu bringen (Urk. 65 S. 5). Erstellt ist, dass die Beschuldigte mit einer abgebroche-

nen Glasflasche in Richtung des Auges des Privatklägers zugestochen hat. Dem 

Arztbericht ist zu entnehmen, dass der Privatkläger dadurch eine ausgeprägte, 

ca. 8 cm lange Schnittverletzung seitlich des linken Auges erlitten hat und sich im 

Bereich des Wundgebietes zahlreiche kleine Glassplitter präsentierten. Die sich 

selbst tamponierende Verletzung des Auges sei zwar glücklicherweise nur sehr 

gering ausgefallen, hätte aber schlimmstenfalls zum Verlust des Auges führen 

können (Urk. 10/5 S. 2 f.). Damit ist in objektiver Hinsicht ohne weiteres von einer 

versuchten schweren Körperverletzung auszugehen.   

4.5.2. Aber auch die Erwägungen der Vorinstanz zum subjektiven Tatbestand  

treffen zu: Der Verteidiger vermischt mit seiner berufungsweise vorgebrachten 

Argumentation die Vorsatz- mit der Schuldfrage. Mit der Vorinstanz ist festzu-

halten, dass zum Allgemeinwissen zählt, dass ein Schlag mit einer zerbrochenen 

Bierflasche in die Richtung der Augen eines Menschen zu einer dauerhaften  

Unbrauchbarmachung derselben führen kann. Und ebenso ist mit der Vorinstanz 

   - 12 -    

festzustellen, dass auch die Beschuldigte über dieses Wissen verfügte. Es ist 

demnach richtig, dass das Handeln der Beschuldigten nur als Inkaufnahme des 

möglichen tatbestandmässigen Erfolgs ausgelegt werden kann (Urk. 36 S. 23/24). 

Eine fahrlässige Tatbegehung fällt damit ausser Betracht.  

4.5.3. Wenn der Verteidiger ausführt, es sei die Beschuldigte nicht mehr in der 

Lage gewesen, ihre Bewegungen auch nur ansatzweise selbstbestimmt und  

gezielt steuern zu können (Urk. 65 S. 5, 8 ff.), spricht er das Thema des Ver-

schuldens an. Dass dieses aber in einem derartigen Masse beeinträchtigt gewe-

sen wäre, dass von einer (vollständigen) Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 

Abs. 1 StGB ausgegangen werden müsste, ist nicht ersichtlich und macht der 

Verteidiger indessen selbst nicht geltend, ansonsten von der Straflosigkeit der 

Beschuldigten auszugehen wäre. Eine allfällige verminderte Schuldfähigkeit ist im 

Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen. 

4.6. Die Beschuldigte ist damit in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der 

versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

5. Strafzumessung 

5.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen 

ist, richtig zusammengefasst (Urk. 36 S. 25 ff.). Zur Vermeidung von Wieder-

holungen kann darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Strafe für die 

Beschuldigte ist innerhalb eines Strafrahmens von bis zu 10 Jahren Freiheits-

strafe oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen zu bemessen (Art. 122 Abs. 4 

StGB). Bei einem versuchten Delikt ist zunächst eine Einsatzstrafe für das (mut-

masslich) vollendete Delikt festzusetzen und hernach eine Reduktion infolge des 

Versuchs vorzunehmen (BGE 136 IV 55 E. 5.7). 

5.2. In Bezug auf die objektive Tatschwere der (mutmasslich) vollendeten 

schweren Körperverletzung ist zu sehen, dass der heftige Schlag der Beschuldig-

ten mit der zerbrochenen Flasche gegen die linke/vordere Seite des Kopfes des 

Privatklägers ohne weiteres hätte zur Folge haben können, dass dieser sein  

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linkes Auge verliert und/oder sein Gesicht bleibend entstellt wird. Auf einer Skala 

aller denkbaren schweren Körperverletzungen wäre ein solcher Erfolg jedoch 

gleichwohl noch ungefähr im Bereich eines Drittels der Maximalstrafe anzu-

siedeln: Zwar fällt erschwerend ins Gewicht, dass die Beschuldigte die Flasche 

vor dem Einsatz gegen den Privatkläger durch das Zerschlagen an der Mauer zu 

einer eigentlichen – untechnisch gesprochen – Waffe umfunktionierte, was die 

Wahrscheinlichkeit schwerer, entstellender bis hin zu lebensgefährlichen Ver-

letzungen klar erhöhte. Sodann ist aufgrund der Beweislage davon auszugehen, 

dass die Beschuldigte den Privatkläger jedenfalls nicht in einem eigentlichen 

Kampf, sondern vielmehr unvermittelt angegriffen hat, sodass diesem die Mög-

lichkeit genommen war, sich zu schützen und/oder zu verteidigen. Andererseits 

hat die Beschuldigte wenn auch anerkanntermassen heftig, so doch lediglich ein-

mal zugeschlagen. Hätte der Privatkläger sodann sein linkes Auge effektiv ver-

loren, wäre er nicht erblindet, sondern hätte er immerhin noch das rechte Auge 

weiter zur Verfügung gehabt. Der Verlust eines von zwei paarigen Organen wiegt 

denn auch weniger schwer als der Verlust eines nichtpaarigen Organs. 

5.3. In subjektiver Hinsicht konnte nicht erstellt werden, was die Beschuldigte 

zu ihrer Tat veranlasst hat. Während es nach ihrer eigenen Darstellung um Rück-

geld gegangen ist, welches ihr der Privatkläger geschuldet habe (vgl. dazu  

Urk. 36 S. 8 ff.), will dieser den Schlag darum erhalten haben, weil er der  

Beschuldigten deren Wunsch nach einer Zigarette abgeschlagen habe (Urk. 36  

S. 11 f.). Nach den Aussagen der Zeugin C._____ sei die Beschuldigte sehr ag-

gressiv aufgetreten, habe herumgeschrien, sie werde jemanden umbringen, und 

habe jeden älteren Mann um Geld gefragt. Das habe sie auch beim Privatkläger 

getan und ihm schliesslich ein "Säckchen mit weissem Pulver" gezeigt. Daran ha-

be sich der Privatkläger aber nicht interessiert gezeigt, woraufhin die Beschuldigte 

plötzlich die Flasche gegen die Wand und hernach dem Privatkläger ins Gesicht 

geschlagen habe. Aus Sicht der Zeugin habe es dafür keinen Grund gegeben; der 

Privatkläger sei an der Wand gelehnt, habe nichts gemacht und die Beschuldigte 

nicht beachtet (Urk. 6/1 S. 2 ff.; Urk. 6/4 S. 3 ff.). Die Zeugin D._____ will beo-

bachtet haben, dass die Beschuldigte den Privatkläger verbal belästigt und ge-

wollt habe, dass er mit ihr kommt. Auch diese Zeugin berichtete von einem "bös-

   - 14 -    

artigen" Auftreten der Beschuldigten, die auf spanisch zu sich selbst gesagt habe, 

sie werde jemanden töten. Auch sie bezeichnete demgegenüber das Verhalten 

des Privatklägers als ruhig; er habe die Hände in der Jackentasche gehabt, bevor 

er von der Beschuldigten mit der Flasche geschlagen worden sei (Urk. 7/1 S. 2 ff.; 

Urk. 7/3 S. 3 ff.). E._____ erklärte schliesslich, die Beschuldigte habe laut ge-

flucht, geschrien und einige Male gesagt, sie werde den Privatkläger umbringen, 

währenddem dieser eher ruhig an eine Mauer gelehnt gewesen sei (Urk. 8/2 S. 2, 

3). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme führte der Zeuge aus, die Be-

schuldigte und der Privatkläger seien heftig am diskutieren gewesen, als die Be-

schuldigte plötzlich die Flasche genommen, sie zerbrochen und damit den Privat-

kläger verletzt habe (Urk. 8/4 S. 3). Nach Einschätzung des Zeugen sei der Pri-

vatkläger aber "ein bisschen hinüber" gewesen und habe auf die Anwürfe der Be-

schuldigten nicht reagiert, sondern sich ruhig verhalten. Er habe auf den Schlag 

der Beschuldigten auch überhaupt keine Abwehrreaktion gezeigt (Urk. 8/4 S. 4, 5, 

7). Auf Nachfrage bestätigte dann auch dieser Zeuge, dass die Beschuldigte den 

Privatkläger um Geld gefragt habe (Urk. 8/4 S. 6). 

5.3.1. So oder anders muss der Auslöser für das Verhalten der Beschuldigten ein 

einigermassen nichtiger Grund gewesen sein; gesagt werden kann wohl, dass der 

Privatkläger einem Wunsch, einem Anliegen, einer Aufforderung o.ä. der Be-

schuldigten in deren Augen nicht nachgekommen ist. Dabei ist unerheblich, ob es 

nun um Geld, Zigaretten oder auch Betäubungsmittel gegangen ist. Entscheidend 

ist, dass die offenbar bereits aggressive bzw. jedenfalls auffällige Beschuldigte 

dem Privatkläger, der sie wohl nicht zu beachten und zu ignorieren versuchte, 

derart überraschend mit der zuvor zerbrochenen Flasche ins Gesicht geschlagen 

hat, dass diesem keine Abwehrmöglichkeit geblieben ist. Der Vorinstanz zuzu-

stimmen ist, wenn sie festhält, die Tat sei nicht im Voraus geplant gewesen, son-

dern es hätten sich die unbeherrschten Aggressionen der Beschuldigten spontan 

entladen. Ebenfalls richtig ist, dass der Beschuldigten lediglich Eventualvorsatz 

nachgewiesen werden kann (Urk. 36 S. 27). 

5.3.2. Weiter hat die Vorinstanz berücksichtigt, dass die Beschuldigte unter erheb-

lichem Alkoholeinfluss stand, und hat ihr in diesem Sinne eine leicht- bis mittel-

   - 15 -    

gradige Verminderung der Schuldfähigkeit zugebilligt (Urk. 36 S. 27). Der Vertei-

diger bringt dagegen vor, es sei nicht einzusehen, wieso lediglich von einer leicht- 

bis mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit ausgegangen werde. Viel-

mehr sei der "Unfall" das Produkt eines "masslosen Ausgangs der beiden Betei-

ligten", ohne dass ein wirklicher Streit habe festgestellt werden können (Urk. 38 

S. 3, Urk. 65 S. 10). Die Strafuntersuchung habe keinerlei Motive zu Tage beför-

dert. Eine lediglich leicht bis mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit werde  

dieser Situation kaum gerecht. Dies insbesondere angesichts des Umstandes, 

dass die Beschuldigte im Rahmen von Gewaltdelikten bisher nicht aufgefallen sei 

(Urk. 65 S. 10).  

5.3.2.1. Berufungsweise verlangt die Verteidigung, es sei aufgrund der konkreten 

Umstände von einer verminderten Schuldfähigkeit mittleren bis höheren Grades 

auszugehen (Urk. 65 S. 10). Vor Vorinstanz hatte er noch von einer "deutlichen 

Verminderung der Schuldfähigkeit" gesprochen. Wenn die Meinung der Zeugen 

zutreffe – so dort der Verteidiger –, dass die Beschuldigte aus vollkommen nichti-

gem Grund dem Privatkläger mit einer kaputten Flasche ins Gesicht gefahren sei, 

müsse von einer "mehr oder weniger kompletten geistigen Umnachtung" ausge-

gangen werden. Denn ausserhalb schwerwiegender psychischer Erkrankungen 

lasse sich eine derartige Tat bei normalem Bewusstsein jedenfalls kaum erklären 

(Urk. 26 S. 10).  

5.3.2.2. Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Beschuldigte zur Tatzeit alkoholi-

siert war. Da sie aber erst einen Monat nach dem Vorfall polizeilich tangiert wer-

den konnte (Urk. 5/1), war es nicht möglich, den konkreten Grad der Alkoholisie-

rung rechtsmedizinisch zu ermitteln. Es ist dem Verteidiger recht zu geben, wenn 

er die Ansicht vertritt, ein im Nachhinein erstelltes Gutachten hätte unter diesen 

Umständen "nicht mehr allzu viel" gebracht (Urk. 26 S. 9, vgl. auch Urk. 65 S. 10). 

Ebenfalls ist dem Verteidiger aber recht zu geben, wenn er geltend macht, dass 

grundsätzlich gleichwohl eine reduzierte Schuldfähigkeit angenommen werden 

könne: Eine Begutachtung braucht nämlich dann nicht angeordnet zu werden, 

wenn sie nach Lage der Dinge den Erkenntnisstand über die Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten nicht zu verbessern vermöchte (BSK StGB I-Bommer, N. 22 zu 

   - 16 -    

Art. 20 mit weiteren Hinweisen). Das ist bei der gegebenen Sachlage offensicht-

lich der Fall. 

5.3.2.3. Nach den vorstehend (Erw. 3.2) wiedergegebenen Aussagen der drei am 

Vorfall nicht beteiligten Zeugen verhielt sich die Beschuldigte vor dem Vorfall  

aggressiv und sprach wirr vor sich hin bzw. wahllos zu Unbeteiligten. Die  

Beschuldigte habe gar mehrfach geäussert, sie würde jemanden umbringen. Die 

Zeugen schätzten die Beschuldigte allesamt als betrunken ein und vermuteten 

auch, dass sie zusätzlich noch Drogen konsumiert haben dürfte. Letztlich hat sie 

dann aber dem Privatkläger unvermittelt und aus objektiv nichtigem Anlass mit 

der zuvor zerbrochenen Bierflasche ins Gesicht geschlagen. Der Privatkläger sag-

te aus, den Alkoholgeruch der Beschuldigten wahrgenommen zu haben, obwohl 

er selber alkoholisiert gewesen sei. Sie habe deshalb "sicherlich auch alkoholi-

siert" gewesen sein müssen (Urk. 4/1 S. 5). Die Beschuldigte selbst sagte in ihrer 

Ersteinvernahme am 25. November 2013, sie sei zum Tatzeitpunkt "mittelmässig 

alkoholisiert" gewesen; sie habe die ganze Nacht durchgemacht, getrunken und 

getanzt. Da sie aber bis kurz vor der Tat getanzt und es lustig gehabt habe, könne 

sie "nicht so stark" alkoholisiert gewesen sein. Auf die Frage, ob sie Betäubungs-

mittel und/oder Medikamente konsumiert habe, verweigerte die Beschuldigte die 

Antwort (Urk. 5/1 S. 3). In der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 16. Mai 

2014 befleissigte sich dann die Beschuldigte in geradezu augenfälliger Weise, 

wiederholt zu betonen, wie sehr sie damals betrunken gewesen sei und wieviel 

sie getrunken habe (Urk. 5/2 S. 3 ff.). Auf Vorhalt ihrer diesbezüglichen Erstaus-

sage erklärte sie, "wenn ich halb betrunken gewesen wäre, dann hätte ich mehr 

Erinnerungen" (Urk. 5/2 S. 11). Die Aussagen der Zeugen, sie habe wohl zusätz-

lich unter Drogeneinfluss gestanden, sei aggressiv gewesen, habe Leute belästigt 

und davon gesprochen, jemanden umzubringen, bezeichnete die Beschuldigte  

indes allesamt als Lügen (Urk. 5/2 S. 8-10), was nach Ansicht der Verteidigung 

als qualifiziertes Schweigen einzustufen sei (Urk. 65 S. 4). Wenn die Verteidigung 

daraus ableiten will, dass das Aussageverhalten der Beschuldigten vermuten  

lasse, dass es nicht um "Peanuts" gegangen sei, kann dem schon aufgrund des 

Verbots der Verpflichtung zur Selbstbelastung nicht gefolgt werden. In der 

Schlusseinvernahme wiederholte die Beschuldigte, es habe der Alkohol "das" 

   - 17 -    

verursacht; sie sei sehr betrunken gewesen und habe viel Alkohol gehabt 

(Urk. 5/4 S. 2, 4, 5). Ebenso äusserte sie sich in der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung: Sie sei so betrunken gewesen, dass es ihr schwer falle, sich zu erin-

nern (Prot. I S. 11). Sie könne sich nicht erinnern, wie sie sich gefühlt habe, und 

wenn sie sehe, was sie gemacht habe, tue es ihr leid. Sie sei aber sicher, die 

Flasche nicht zuerst zerschlagen zu haben (Prot. I S. 12). 

5.3.2.4. Geht man davon aus, dass die Beschuldigte im nicht alkoholisierten  

Zustand psychisch jedenfalls nicht in relevantem Masse auffällig ist (wofür keine 

Anhaltspunkte bestehen) und sie des Weiteren auch nicht grundsätzlich als  

gewaltbereit bezeichnet werden muss (vgl. dazu nur etwa den Strafregisteraus-

zug: Urk. 37, wo keine Delikte gegen Leib und Leben verzeichnet sind), ist ange-

sichts der ganzen Umstände mit dem Verteidiger schon zu folgern, dass der vor-

gängige Alkoholkonsum für das Verhalten der Beschuldigten mit ausschlag-

gebend war (Urk. 26 S. 10, Urk. 65 S. 10). Umgekehrt ist aber zu berücksichtigen, 

dass sie durchaus logische und folgerichtige Überlegungen anstellen konnte; ins-

besondere hat sie nicht etwa in einem plötzlichen impulsiven Ausbruch mit einer 

Flasche zugeschlagen, welche sie gleichsam zufällig in der Hand gehalten hätte, 

sondern sie hat – wie gesehen – die Flasche zunächst an der Wand zerbrochen, 

um hernach eine effektivere "Waffe" einsetzen zu können. Sodann hat auch  

niemand beobachtet, dass die Beschuldigte beispielsweise Gangunsicherheiten 

gezeigt hätte oder getorkelt wäre. Sie selbst hatte ja in der Ersteinvernahme denn 

auch noch argumentiert, sie habe bis kurz vor der Tat getanzt und es lustig ge-

habt, sodass sie gar nicht stark alkoholisiert gewesen sein könne. Von daher wirkt 

übertrieben und taktisch motiviert, wie die Beschuldigte in den staatsanwaltschaft-

lichen Einvernahmen ohne Unterlass betont, wie sehr sie betrunken gewesen sei 

– zumal es auch widersprüchlich erscheint, wenn sie einerseits zwar (alkohol-

bedingte) Erinnerungslücken geltend macht, andererseits sich aber gleichwohl an 

– allesamt für sich günstige – Umstände sicher erinnern will. 

5.3.2.5. Wenn man die vom Institut für Rechtsmedizin verwendeten Stadien der 

akuten Alkoholwirkungen als Anhaltspunkt nimmt (Urk. 12/5 S. 3), zeigte die Be-

schuldigte damit am ehesten die Symptome einer "deutlich betrunkenen" Person. 

   - 18 -    

Ein solcher Zustand wird erfahrungsgemäss bei einer Blutalkoholkonzentration 

von zwischen 1,5 und 2,0 Gewichtspromillen erreicht. Im Sinne einer Faustregel 

nimmt die bundesgerichtlich Rechtsprechung ab einer Blutalkoholkonzentration 

von über 2 Gewichtspromillen eine Verminderung der Schuldfähigkeit an 

(BGE 122 IV 49 E. 1b, unter Hinweis auf BGE 119 IV 292 E. 2d). Ein unmittel-

barer Rückschluss von einer gemessenen Blutalkoholkonzentration auf den  

psychischen Zustand des Täters im Tatzeitpunkt ist allerdings nicht möglich. Es 

ist immer der konkrete Einzelfall massgebend (Bundesgerichtsentscheid 

6B_849/2013 vom 19.06.2014, E. 1.4.4). 

Vorliegend muss schon davon ausgegangen werden, dass sich die Beschuldigte 

zur Tatzeit alkoholbedingt bis zu einem gewissen Grad persönlichkeitsfremd ver-

halten hat. Sie war nicht "nur" angetrunken oder beschwipst, sondern deutlich  

betrunken. Das schränkte ihre Steuerungsfähigkeit in einem Masse ein, das die 

Annahme einer eingeschränkten Schuldfähigkeit rechtfertigt. Wenn die Vorinstanz 

von einer leicht- bis mittelgradigen Verminderung ausgeht (Urk. 36 S. 27), ist das 

zu übernehmen.  

5.3.2.6. Für eine noch stärkere Einschränkung bestehen indessen, wie vorste-

hend gesehen, aufgrund ihres ganzen Verhaltens insbesondere vor der Tat keine 

Anzeichen. Wenn der Verteidiger eine deutlichere Verminderung schwergewichtig 

daraus ableiten möchte, dass nur schon alleine aufgrund der Tat "von einer mehr 

oder weniger kompletten geistigen Umnachtung" ausgegangen werden müsse, 

weil eine derartige Tat bei normalem Bewusstsein kaum zu erklären sei (Urk. 26 

S. 10), zäumt er gleichsam das Pferd am Schwanze auf: Nur weil eine Tat "jensei-

tig" ist, muss sie deswegen nicht quasi zwangsläufig in einem Zustand (stark) ein-

geschränkter Schuldfähigkeit begangen worden sein. Konsequent weitergedacht 

müsste das ja heissen, dass je schwerer ein Delikt wiegt, mehr oder weniger  

"automatisch" auch eine stärkere Verminderung der Schuldfähigkeit anzunehmen 

wäre. Der Zirkelschluss "wiederholt [bzw. schwer] delinquent gleich abnorm gleich 

psychisch gestört gleich vermindert schuldfähig" ist aber unzulässig (BSK StGB I-

Bommer/Dittmann, Art. 19 N. 60, mit verschiedenen weiteren Hinweisen). Daraus 

ergibt sich denn auch, dass nur erhebliche psychische Normabweichungen eine 

   - 19 -    

Verminderung der Schuldfähigkeit begründen können (a.a.O.). Und bei alkohol-

bedingten Bewusstseinsveränderungen heisst das eben im Sinne der zitierten 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass erst ganz signifikanter Alkoholkonsum 

bzw. sehr deutlich vom Normalzustand abweichende Beeinträchtigungen über-

haupt einer rechtlich relevanten psychischen Störung entsprechen und die  

Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit rechtfertigen. 

5.3.3. Im BGE 136 IV 55 E. 5.6 und 5.7 hat das Bundesgericht festgelegt, wie bei 

einer Verminderung der Schuldfähigkeit im Sinne einer nachvollziehbaren Straf-

zumessung vorzugehen ist. In Umsetzung dieser Vorgaben ist vorliegend festzu-

halten, dass sich die vorstehend in tatsächlicher Hinsicht ermittelte leicht- bis mit-

telgradige Verminderung der Schuldfähigkeit der Beschuldigten auch in rechtli-

cher Hinsicht zwischen leicht und erheblich auswirkt. Die als Folge ihres erhebli-

chen Alkoholkonsums eingetretenen Bewusstseinseinschränkungen mindern das 

Verschulden der Beschuldigten merklich. Erachtet man für die objektive Tat-

schwere eine Einsatzstrafe in der Höhe ungefähr eines Drittels der Maximalstrafe 

als angemessen, reduziert sich diese aufgrund der subjektiven Umstände dem-

nach auf einen guten Viertel. Als Einsatzstrafe für die gesamte Tatschwere des 

mutmasslich vollendeten Delikts erscheinen damit 36 Monate als angemessen. 

Die von der Vorinstanz bis hierhin angenommenen 4,5 Jahre (also 54 Monate, 

Urk. 36 S. 27) sind damit deutlich zu hoch ausgefallen. Insbesondere bei der  

objektiven Tatschwere scheint die Vorinstanz übermarcht zu haben: Wenn sie für 

die gesamte Tatschwere eine Einsatzstrafe von 4,5 Jahren festsetzt und hierbei 

bereits berücksichtigt haben will, dass zufolge einer leicht- bis mittelgradigen 

Verminderung der Schuldfähigkeit subjektiv ein leichtes Verschulden vorliege 

(a.a.O.), muss ja folgerichtig für das objektive Tatverschulden eine gedankliche 

Einsatzstrafe von deutlich mehr als 5 Jahren angenommen worden sein. Das wird 

dem zur Diskussion stehenden Delikt aber nicht gerecht. Auch wenn die Tat der 

Beschuldigten keinesfalls bagatellisiert werden soll, kann dafür keine objektive 

Einsatzstrafe von deutlich mehr als der Hälfte der Maximalstrafe zur Diskussion 

stehen. 

   - 20 -    

5.4. Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die 

Strafe mildern. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem – wie 

vorliegend – vollendeten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tat-

bestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 

55 E. 1). 

5.4.1. Vorliegend lag der tatbestandsmässige Erfolg – vorab der Verlust des  

linken Auges und/oder eine bleibende Entstellung des Gesichts – sehr nahe. Es 

ist einzig und allein dem Zufall zu verdanken, dass die Beschuldigte den Privat-

kläger mit ihrem Schlag nicht ins Auge getroffen hat, was mit grosser Wahrschein-

lichkeit gleichbedeutend mit dessen Verlust gewesen wäre. Die Beschuldigte hat 

dem Privatkläger die abgebrochene Flasche ja derart nahe neben dem linken  

Auge ins Gesicht gestossen, dass Ober- und Unterlid vom Schnitt gar mit betrof-

fen worden sind. Dazu, dass der Privatkläger nicht seines Auges verlustig ge-

gangen ist, hat die Beschuldigte mithin überhaupt nichts von sich aus beige-

tragen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Strafe deshalb nicht zu reduzieren. 

5.4.2. Die tatsächlichen Folgen der Tat sind zwar – mit der Vorinstanz (Urk. 36 

S. 27) – nicht unerheblich. Der Privatkläger musste über drei Tage im Spital  

stationär behandelt werden und hatte – so die Anklageschrift – während eines 

Monats Schmerzen. An bleibenden Schäden ist aber letztlich einzig eine zwar 

sichtbare, aber schön verheilte Narbe neben dem linken Auge verblieben  

(Urk. 10/11; vgl. dazu auch Urk. 4/5 S. 8/9). Diese Umstände – die tatsächlichen 

Folgen sind bei Weitem nicht tatbestandsmässig im Sinne von Art. 122 Abs. 2 

StGB – müssen sich spürbar strafmindernd auswirken. 

5.5. Aus der Biographie der Beschuldigten lassen sich sodann keine mass-

geblichen Strafzumessungsfaktoren ableiten (vgl. Urk. 36 S. 28). 

5.6. Der Strafregisterauszug über die Beschuldigte weist zwei Vorstrafen aus. 

Es stehen zwei Strafbefehle zu Buche, mit welchen die Beschuldigte am 28. Juni 

2005 bzw. 3. Juni 2010 wegen eines Vergehens gegen das ANAG mit einer  

bedingten Gefängnisstrafe von 3 Monaten bzw. wegen Diebstahls mit einer  

bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von  

   - 21 -    

Fr. 300.– bestraft werden musste (Urk. 37). Diese Vorstrafen sind indessen nicht 

einschlägig und liegen im einen Fall weit zurück. Sie sind damit nur ganz leicht 

straferhöhend zu würdigen. 

5.7. Was das Nachtatverhalten betrifft, hat die Vorinstanz die Voraussetzungen 

für eine Strafreduktion unter diesem Titel richtig erörtert (Urk. 36 S. 29/30). Die 

Beschuldigte war von Anfang an geständig, den Privatkläger mit einer Flasche 

geschlagen und verletzt zu haben. Einzig in Bezug auf das konkrete Vorgehen 

macht die Beschuldigte geltend, die Flasche vor dem Schlag nicht zerbrochen zu 

haben.  

Von Beginn weg zeigte sich die Beschuldigte sodann reuig und beteuerte stetig, 

dass ihr leid tue, den Privatkläger verletzt zu haben (Urk. 5/1 S. 5; Urk. 5/2 S. 11; 

Urk. 5/4 S. 2; Prot. I S. 12, 16). Das ist ihr abzunehmen und hat zusammen mit 

dem Teilgeständnis eine leichte Strafminderung zur Folge. 

5.8. Gesamthaft erscheint es damit als angemessen, die Beschuldigte mit einer 

Freiheitsstrafe von 28 Monaten zu bestrafen. 

6. Strafvollzug 

6.1. Eine Strafe von 28 Monaten kann nicht vollständig bedingt aufgeschoben 

werden (Art. 42 Abs. 1 StGB). Hingegen kommt ein teilbedingter Aufschub des 

Vollzugs gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB in Frage. Dabei darf der unbedingt voll-

ziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und muss sowohl der aufge-

schobene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen 

(Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB). 

6.2. Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 StGB 

ist, dass eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Zwar fehlt ein ent-

sprechender Verweis auf Art. 42 StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck 

von Art. 43 StGB. Wenn und soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht 

ausfällt, verlangt die Bestimmung, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Bewäh-

rung ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch ein 

bloss teilweiser Aufschub der Strafe nicht gerechtfertigt ist. Denn wo keinerlei 

   - 22 -    

Aussicht besteht, der Täter werde sich in irgendeiner Weise durch den – ganz  

oder teilweise – gewährten Strafaufschub beeinflussen lassen, muss die Strafe in 

voller Länge vollzogen werden. Die Auffassung, dass die subjektiven Voraus-

setzungen von Art. 42 StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten 

müssen, entspricht ganz überwiegender Lehrmeinung (BGE 134 IV 1 E. 5.3.1 mit 

div. Verweisen). Das – unklare – Element des Verschuldens im Wortlaut von  

Art. 43 Abs. 1 StGB ist gemäss Bundesgericht mit der – verschuldensmässig  

ermittelten – Strafhöhe verknüpft: Die Notwendigkeit einer teilbedingten Freiheits-

strafe ergibt sich demzufolge – wie vorliegend – als Folge der Schwere des Ver-

schuldens, das sich in einer Strafhöhe zwischen zwei und drei Jahren nieder-

schlägt (BGE 134 IV 1 E. 5.3.3). Das Verhältnis zwischen aufgeschobenem und 

zu vollziehendem Strafteil ist nach pflichtgemässem Ermessen so festzusetzen, 

dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und 

dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck kommen. Je  

günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser 

muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der unbedingte Strafteil darf 

dabei das unter Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass 

nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6).  

6.3. Unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 36 S. 31) kann 

der Beschuldigten eine günstige Prognose gestellt werden. Das prozessuale Ver-

schlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) liesse sodann eine vollständig unbe-

dingte Strafe ohnehin nicht zu. 

6.4. Es ist der Beschuldigten deshalb der teilbedingte Aufschub der Strafe zu 

gewähren. Bei der Bemessung des Verhältnisses zwischen dem zu vollziehenden 

und dem bedingt aufzuschiebenden Teil der Strafe fällt zunächst ins Gewicht, 

dass das Tatverschulden der Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 28 Mona-

ten geführt hat. Das liegt gut in der Mitte des Strafrahmens, in welchem teil-

bedingte Freiheitsstrafen möglich sind (1 Jahr bis 3 Jahre, Art. 43 Abs. 1 StGB), 

aber nur 4 Monate über einer Strafe, bei welcher der vollbedingte Aufschub denk-

bar wäre (24 Monate, Art. 42 Abs. 1 StGB). Aus Verschuldensgesichtspunkten ist 

deshalb grundsätzlich einmal ein vollziehbarer Anteil etwa in der Mitte des Zu-

   - 23 -    

lässigen ins Auge zu fassen. Bei einer einwandfreien Legalprognose kann aber 

eine Reduktion angezeigt sein. Vorliegend ist die Prognose für die Beschuldigte 

indessen aufgrund deren beider Vorstrafen nicht ganz einwandfrei. Wenn auch 

nicht einschlägig, musste sie vor der Tat vom 26. Oktober 2013 doch immerhin 

bereits zweimal mit Gefängnis bzw. Geldstrafe sanktioniert werden. Das liesse es 

als nicht gerechtfertigt erscheinen, den vollziehbaren Teil der Strafe beim  

Minimum von 6 Monaten anzusetzen. Von der ausgefällten Freiheitsstrafe von  

28 Monaten sind damit 8 Monate für vollziehbar zu erklären. 

6.5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe von 28 Monaten ist damit im Umfang von 

20 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB) bedingt auf-

zuschieben, und im übrigen Umfang (8 Monate) zu vollziehen. 

7. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

7.1. Die Verteidigung beantragt, auch für den Fall eines Schuldspruchs, die 

Kosten des Berufungsverfahrens infolge Mittellosigkeit definitiv abzuschreiben. 

Auf die Überbindung der Kosten für die amtliche Verteidigung sei zu verzichten 

(Urk. 65 S. 14). 

7.2. Gemäss Art. 425 StPO können Forderungen aus Verfahrenskosten von der 

Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Ver-

hältnisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden. In 

Kommentatorenkreisen ist man sich unter Hinweis auf die Materialien zwar mehr-

heitlich einig, dass diese Bestimmung – die begrifflich an sich eine rechtskräftige 

Kostenauflage voraussetzt – auch Grundlage für die Festsetzung und Auflage der 

Gebühren und Kosten bilden soll (Schmid, Praxiskommentar, 2. Auflage, Art. 425 

N. 3f.; Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Auflage 2014, 

Art. 425 N. 2; BSK StPO-Domeisen, 3. Auflage 2014, Art. 425 N. 3). Keinesfalls 

verlangt aber Art. 425 StPO, dass – gleichsam zwingend – schon im Urteil dar-

über befunden wird, ob der minderbemittelte Betroffene von der Kostentragungs-

pflicht (allenfalls auch nur teilweise) zu befreien ist. Vielmehr ermöglicht es die 

genannte Bestimmung – bzw. legt es deren Wortlaut gar nahe – dass den  

Verhältnissen des Betroffenen erst im Zeitpunkt des Kostenbezugs Rechnung ge-

   - 24 -    

tragen werden kann. Ein solches Vorgehen war auch bereits unter dem bis Ende 

2010 in Kraft gestandenen § 190a StPO/ZH zulässig, obwohl jene Bestimmung 

noch ausdrücklich festgelegt hatte, dass bereits bei der Bemessung und der Auf-

lage der Kosten die Verhältnisse des Betroffenen zu berücksichtigen waren  

(Bundesgerichtsentscheide 6B_417/2007 vom 7. Dezember 2007, E. 2.4.4. samt 

Verweisen und 1P.411/2002 vom 6. November 2002, E. 5.4.; Donatsch/Schmid, 

Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1996 ff., § 190a 

StPO N. 9, Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage 2013, N. 1215 und  

Rechenschaftsbericht des Kassationsgerichtes 1987, S. 337 Nr. 70). Zu beden-

ken ist in diesem Zusammenhang nämlich, dass die definitive Abschreibung von 

Gerichtskosten eine weitreichende Wirkung aufweist und einem Erlass gleich-

kommt. Sie können daher selbst dann nicht mehr geltend gemacht werden, wenn 

der Schuldner in der Folgezeit in günstige finanzielle Verhältnisse kommt. Diese 

Art der Abschreibung sollte daher nur in ausgesprochenen Ausnahmefällen  

gewährt werden (vgl. zum alten Recht ZR 103 Nr. 46). 

7.3. Die Beschuldigte geht im Moment keiner Erwerbstätigkeit nach und weilt 

momentan in Südamerika. Selbst wenn im Moment von der Mittellosigkeit der  

Beschuldigten auszugehen ist, ist zu vergegenwärtigen, dass die Beschuldigte 

34 Jahre alt ist und eine Rückkehr in die Schweiz nicht auszuschliessen ist 

(Urk. 58 und Urk. 61). Es ist damit durchaus denkbar, dass die Beschuldigte 

durch eigenen Arbeitserwerb in günstige(re) finanzielle Verhältnisse kommen 

wird. Ebenso ist nicht ausgeschlossen, dass die Beschuldigte in den Genuss  

eines Vermögensanfall sonstiger Art, beispielsweise aus ehe- oder erbrechtlichen 

Ansprüchen kommen könnte. Es kann daher nicht gesagt werden, es sei ausge-

schlossen, dass sie in absehbarer Zeit in eine günstigere wirtschaftliche Situation 

kommen wird. Die Beschuldigte im jetzigen Zeitpunkt von der – ganzen oder teil-

weisen – Tragung der Verfahrenskosten definitiv zu entbinden, wäre daher nicht 

gerechtfertigt. 

7.4. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegt 

die Beschuldigte mit ihrer Berufung in Bezug auf den Haupt- sowie Eventualan-

   - 25 -    

trag vollständig (Qualifikation der Tat als fahrlässige bzw. einfache qualifizierte 

statt versuchte schwere Körperverletzung) und in Bezug auf den Subeventual-

antrag (Reduktion der Freiheitsstrafe auf 18 Monate) etwa zur Hälfte. Das recht-

fertigt es, die Kosten des Berufungsverfahrens zu drei Vierteln der Beschuldigten 

aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Davon aus-

genommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung. Dieselben sind zu drei 

Vierteln unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

einstweilen sowie zu einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

7.5. Eine Prozessentschädigung hat die Beschuldigte dem Privatkläger man-

gels erheblicher Umtriebe im Berufungsverfahren nicht zu entrichten. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abtei-

lung, vom 24. September 2014 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"Es wird erkannt: 

1. (…) 

2. Vom Vorwurf der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 
und Ziff. 2 StGB wird die Beschuldigte freigesprochen. 

3. (…) 

4. (…) 

5. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz 
von Fr. 389.20  zu bezahlen. 

6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 3'000.– zu-
züglich 5 % Zins ab 26. Oktober 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehr-
betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

7. Es wird bei der Beschuldigten eine invasive Probenahme und die Analyse 
dieser Probe zur Erstellung eines DNA-Profils angeordnet. 

Die Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der  
Rechtskraft dieses Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst,  
Zeughausstrasse 11, Zürich, zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit  
Wangenschleimhautabnahme zu melden. 

8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 
Fr. 2'500.–   Gebühr Anklagebehörde 

   - 26 -    

Fr. 1'910.30   Auslagen Untersuchung 
Fr. 8'545.–   amtliche Verteidigung 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auf-
erlegt, aber definitiv abgeschrieben. 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 
StPO.  

11. (Mitteilungen) 

12. (Rechtsmittel)" 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten schweren Körperver-

letzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 28 Monaten Freiheitsstrafe. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufge-

schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate) 

wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'548.70   amtliche Verteidigung 

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung, werden zu drei Vierteln der Beschuldigten auferlegt und 

zu einem Viertel auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtli-

chen Verteidigung werden im Umfang von drei Vierteln einstweilen und im 

Umfang von einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Rückzahlungspflicht der Beschuldigten bleibt im Umfang von drei Vierteln 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten. 

   - 27 -    

6. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden 
der Beschuldigten 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich  
− den Privatkläger B._____ (auszugsweise) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten  

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung all-

fälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 

− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A  

− das Forensische Institut Zürich gemäss Dispositivziffer 7 des  
vorinstanzlichen Urteils 

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

   - 28 -    

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 
 

Zürich, 27. August 2015 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. P. Marti 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. S. Bussmann 
 

 
 
 
 

 

	Urteil vom 27. August 2015
	Anklage: (Urk. 22)
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 36 S. 34 ff.)
	1. Die Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
	2. Vom Vorwurf der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303  Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB wird die Beschuldigte freigesprochen.
	3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren.
	4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufge-schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
	5. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Schadenersatz von Fr. 389.20  zu bezahlen.
	6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 26. Oktober 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
	7. Es wird bei der Beschuldigten eine invasive Probenahme und die Analyse dieser Probe zur Erstellung eines DNA-Profils angeordnet.
	Die Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst, Zeughausstrasse 11, Zürich, zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit Wangenschleimhautabnahme zu melden.
	8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
	9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt, aber definitiv abgeschrieben.
	10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse  genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
	11. (Mitteilungen)
	12. (Rechtsmittel)"
	Schlussanträge im Berufungsverfahren:
	1. Die Angeklagte sei der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB schuldig zu sprechen. Eventualiter sei sie der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen. Subeventualiter sei si...
	2. Dafür sei sie im Haupt- und im Eventualantrag mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, und im Subeventualfall zu einer solchen von 18 Monaten zu  bestrafen.
	3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufzuschieben.
	4. Die Kosten seien der Staatskasse zu belasten. Auf eine Überbindung der Kosten für die amtliche Verteidigung sei in jedem Fall zu verzichten.
	Erwägungen:
	1. Prozessgeschichte
	1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 24. September 2014 wurde die Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von  Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig- und vom Vorwurf der falschen Anschuldi...
	1.2. Gegen dieses mündlich eröffnete Urteil liess die Beschuldigte durch ihren amtlichen Verteidiger am 3. Oktober 2014 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 30) und nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 35/1-3) am  10. Februar 2015 – ebenfalls...
	1.3. Mit Eingabe vom 13. August 2015 stellte die Verteidigung namens der  Beschuldigten ein Dispensationsgesuch betreffend die Berufungsverhandlung, da diese immer noch in Südamerika weile und ihre Rückkehr ungewiss sei. Gleichzeitig beantragte die Ve...
	1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der amtliche Verteidiger der Beschuldigten erschienen ist, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise abzunehmen (Prot. II S. 3 ff.). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die...

	2. Umfang der Berufung
	3. Sachverhalt
	3.1. Die Vorinstanz hat den Anklagesachverhalt als erstellt erachtet (Urk. 36 S. 18-20) und die Beschuldigte anerkennt diesen – wie schon das ganze Verfahren hindurch – weitgehend. Entgegen der Darstellung in der Anklage stellt die  Beschuldigte aber ...
	3.2. Mit dieser Darstellung widerspricht die Beschuldigte allerdings den dies-bezüglich übereinstimmenden Aussagen der drei voneinander unabhängigen, an der Auseinandersetzung nicht beteiligten Zeugen C._____, D._____ und E._____ (vgl. die entsprechen...
	3.3. Der Privatkläger selbst vermag sich nicht daran zu erinnern, ob die  Beschuldigte vor dem Schlag die Flasche an der Wand zerbrochen hat oder nicht (vgl. dazu die Zusammenfassung seiner Aussagen in Urk. 36 S. 11/12). Das  erscheint auch plausibel ...
	3.4. Warum sodann die drei voneinander unabhängigen und je auch nicht in  irgend einer Weise mit einer der Parteien verbundenen Zeugen übereinstimmend die Beschuldigte unbewusst oder gar bewusst falsch belasten sollten, wäre schlichtweg nicht ersichtl...
	3.5. Schliesslich spricht auch das Verletzungsbild des Privatklägers viel eher gegen die Version der Beschuldigten als dafür: Insbesondere die ca. 8 cm lange, klaffende, halbkreisförmige Schnittwunde seitlich des linken Auges mit Schnittverletzungen ...
	3.6. Unzutreffend ist, wenn die Verteidigung vorbringt, die Staatsanwaltschaft werfe der Beschuldigten in ihrer Anklageschrift vor, dass diese die Flasche am Hals haltend an der Mauer zerschlagen habe (Urk. 65 S. 5). Eine solche Annahme erwiese sich s...
	3.7. Aus diesen Gründen und im Übrigen mit den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 36 S. 18-20) ist damit der Sachverhalt so erstellt, wie er von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht worden ist (vgl. Anklageschrift S. 2/3).

	4. Rechtliche Würdigung
	4.1. Es steht ausser Diskussion, dass das Handeln der Beschuldigten zum Nachteil des Privatklägers in objektiver Hinsicht mindestens eine einfache  Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB zur Folge hatte. Der Verteidiger anerkennt darüber ...
	4.2. Zwischen den Parteien umstritten ist jedoch die Vorsatzfrage. Während die Verteidigung im Rahmen des Berufungsverfahrens im Sinne des Hauptantrages nunmehr von Fahrlässigkeit ausgeht, ist im Sinne eines Eventualstandpunktes die weitergehende Frag...
	4.3. Soweit die Verteidigung ihren Antrag ausschliesslich damit begründet, dass im Zweifelsfall zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen sei, diese habe vor dem Schlag gegen den Privatkläger die Flasche nicht zerbrochen (Urk. 26 S. 5/6, Urk. 65 S....
	4.4. Vor Vorinstanz hatte der Verteidiger im Eventualstandpunkt die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft noch anerkannt (Urk. 26 S. 7/8). Im Berufungsverfahren macht er nun geltend, es sei der geforderte Eventualvorsatz hinsichtlich einer schwe...
	4.5. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen einer schweren  Körperverletzung zutreffend umrissen (Urk. 36 S. 22). Darauf kann verwiesen werden.
	4.5.1. Offensichtlich ebenfalls zutreffend ist dann, dass der von der Beschuldigten eingestandenermassen heftige (Urk. 5/1 S. 4, 5; Urk. 5/2 S. 5) Schlag mit der zerbrochenen Glasflasche in die Richtung eines Auges geeignet war, ein wichtiges Organ de...
	4.5.2. Aber auch die Erwägungen der Vorinstanz zum subjektiven Tatbestand  treffen zu: Der Verteidiger vermischt mit seiner berufungsweise vorgebrachten Argumentation die Vorsatz- mit der Schuldfrage. Mit der Vorinstanz ist festzu-halten, dass zum All...
	4.5.3. Wenn der Verteidiger ausführt, es sei die Beschuldigte nicht mehr in der Lage gewesen, ihre Bewegungen auch nur ansatzweise selbstbestimmt und  gezielt steuern zu können (Urk. 65 S. 5, 8 ff.), spricht er das Thema des Verschuldens an. Dass dies...
	4.6. Die Beschuldigte ist damit in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

	5. Strafzumessung
	5.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen ist, richtig zusammengefasst (Urk. 36 S. 25 ff.). Zur Vermeidung von Wiederholungen kann darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Strafe für die Beschuldigte ist in...
	5.2. In Bezug auf die objektive Tatschwere der (mutmasslich) vollendeten schweren Körperverletzung ist zu sehen, dass der heftige Schlag der Beschuldigten mit der zerbrochenen Flasche gegen die linke/vordere Seite des Kopfes des Privatklägers ohne wei...
	5.3. In subjektiver Hinsicht konnte nicht erstellt werden, was die Beschuldigte zu ihrer Tat veranlasst hat. Während es nach ihrer eigenen Darstellung um Rückgeld gegangen ist, welches ihr der Privatkläger geschuldet habe (vgl. dazu  Urk. 36 S. 8 ff.)...
	5.3.1. So oder anders muss der Auslöser für das Verhalten der Beschuldigten ein einigermassen nichtiger Grund gewesen sein; gesagt werden kann wohl, dass der Privatkläger einem Wunsch, einem Anliegen, einer Aufforderung o.ä. der Beschuldigten in deren...
	5.3.2. Weiter hat die Vorinstanz berücksichtigt, dass die Beschuldigte unter erheblichem Alkoholeinfluss stand, und hat ihr in diesem Sinne eine leicht- bis mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit zugebilligt (Urk. 36 S. 27). Der Verteidiger br...
	5.3.2.1. Berufungsweise verlangt die Verteidigung, es sei aufgrund der konkreten Umstände von einer verminderten Schuldfähigkeit mittleren bis höheren Grades auszugehen (Urk. 65 S. 10). Vor Vorinstanz hatte er noch von einer "deutlichen Verminderung d...
	5.3.2.2. Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Beschuldigte zur Tatzeit alkoholisiert war. Da sie aber erst einen Monat nach dem Vorfall polizeilich tangiert werden konnte (Urk. 5/1), war es nicht möglich, den konkreten Grad der Alkoholisierung r...
	5.3.2.3. Nach den vorstehend (Erw. 3.2) wiedergegebenen Aussagen der drei am Vorfall nicht beteiligten Zeugen verhielt sich die Beschuldigte vor dem Vorfall  aggressiv und sprach wirr vor sich hin bzw. wahllos zu Unbeteiligten. Die  Beschuldigte habe ...
	5.3.2.4. Geht man davon aus, dass die Beschuldigte im nicht alkoholisierten  Zustand psychisch jedenfalls nicht in relevantem Masse auffällig ist (wofür keine Anhaltspunkte bestehen) und sie des Weiteren auch nicht grundsätzlich als  gewaltbereit beze...
	5.3.2.5. Wenn man die vom Institut für Rechtsmedizin verwendeten Stadien der akuten Alkoholwirkungen als Anhaltspunkt nimmt (Urk. 12/5 S. 3), zeigte die Beschuldigte damit am ehesten die Symptome einer "deutlich betrunkenen" Person. Ein solcher Zustan...
	5.3.2.6. Für eine noch stärkere Einschränkung bestehen indessen, wie vorstehend gesehen, aufgrund ihres ganzen Verhaltens insbesondere vor der Tat keine Anzeichen. Wenn der Verteidiger eine deutlichere Verminderung schwergewichtig daraus ableiten möch...
	5.3.3. Im BGE 136 IV 55 E. 5.6 und 5.7 hat das Bundesgericht festgelegt, wie bei einer Verminderung der Schuldfähigkeit im Sinne einer nachvollziehbaren Strafzumessung vorzugehen ist. In Umsetzung dieser Vorgaben ist vorliegend festzuhalten, dass sich...
	5.4. Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die Strafe mildern. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem – wie vorliegend – vollendeten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tat-bestandsmässigen Erfolg...
	5.4.1. Vorliegend lag der tatbestandsmässige Erfolg – vorab der Verlust des  linken Auges und/oder eine bleibende Entstellung des Gesichts – sehr nahe. Es ist einzig und allein dem Zufall zu verdanken, dass die Beschuldigte den Privatkläger mit ihrem ...
	5.4.2. Die tatsächlichen Folgen der Tat sind zwar – mit der Vorinstanz (Urk. 36 S. 27) – nicht unerheblich. Der Privatkläger musste über drei Tage im Spital  stationär behandelt werden und hatte – so die Anklageschrift – während eines Monats Schmerzen...
	5.5. Aus der Biographie der Beschuldigten lassen sich sodann keine mass-geblichen Strafzumessungsfaktoren ableiten (vgl. Urk. 36 S. 28).
	5.6. Der Strafregisterauszug über die Beschuldigte weist zwei Vorstrafen aus. Es stehen zwei Strafbefehle zu Buche, mit welchen die Beschuldigte am 28. Juni 2005 bzw. 3. Juni 2010 wegen eines Vergehens gegen das ANAG mit einer  bedingten Gefängnisstra...
	5.7. Was das Nachtatverhalten betrifft, hat die Vorinstanz die Voraussetzungen für eine Strafreduktion unter diesem Titel richtig erörtert (Urk. 36 S. 29/30). Die Beschuldigte war von Anfang an geständig, den Privatkläger mit einer Flasche geschlagen ...
	5.8. Gesamthaft erscheint es damit als angemessen, die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten zu bestrafen.

	6. Strafvollzug
	6.1. Eine Strafe von 28 Monaten kann nicht vollständig bedingt aufgeschoben werden (Art. 42 Abs. 1 StGB). Hingegen kommt ein teilbedingter Aufschub des Vollzugs gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB in Frage. Dabei darf der unbedingt voll-ziehbare Teil die Hälft...
	6.2. Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 StGB ist, dass eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Zwar fehlt ein entsprechender Verweis auf Art. 42 StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck von Art. 43 StGB....
	6.3. Unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 36 S. 31) kann der Beschuldigten eine günstige Prognose gestellt werden. Das prozessuale Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) liesse sodann eine vollständig unbedingte Strafe ohneh...
	6.4. Es ist der Beschuldigten deshalb der teilbedingte Aufschub der Strafe zu gewähren. Bei der Bemessung des Verhältnisses zwischen dem zu vollziehenden und dem bedingt aufzuschiebenden Teil der Strafe fällt zunächst ins Gewicht, dass das Tatverschul...
	6.5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe von 28 Monaten ist damit im Umfang von 20 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB) bedingt aufzuschieben, und im übrigen Umfang (8 Monate) zu vollziehen.

	7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
	7.1. Die Verteidigung beantragt, auch für den Fall eines Schuldspruchs, die Kosten des Berufungsverfahrens infolge Mittellosigkeit definitiv abzuschreiben. Auf die Überbindung der Kosten für die amtliche Verteidigung sei zu verzichten (Urk. 65 S. 14).
	7.2. Gemäss Art. 425 StPO können Forderungen aus Verfahrenskosten von der Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Ver-hältnisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden. In Kommentatorenkreisen ist...
	7.3. Die Beschuldigte geht im Moment keiner Erwerbstätigkeit nach und weilt momentan in Südamerika. Selbst wenn im Moment von der Mittellosigkeit der  Beschuldigten auszugehen ist, ist zu vergegenwärtigen, dass die Beschuldigte 34 Jahre alt ist und ei...
	7.4. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegt die Beschuldigte mit ihrer Berufung in Bezug auf den Haupt- sowie Eventualantrag vollständig (Qua...
	7.5. Eine Prozessentschädigung hat die Beschuldigte dem Privatkläger mangels erheblicher Umtriebe im Berufungsverfahren nicht zu entrichten.

	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 24. September 2014 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"Es wird erkannt:
	2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 28 Monaten Freiheitsstrafe.
	3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufge-schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
	4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-chen Verteidigung, werden zu drei Vierteln der Beschuldigten auferlegt und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden im Umfang...
	6. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
	 den Privatkläger B._____ (auszugsweise)
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
	 die Vorinstanz
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A
	 das Forensische Institut Zürich gemäss Dispositivziffer 7 des  vorinstanzlichen Urteils

	7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.