# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6dd8782-a1e2-59e0-bdd7-240d7d2aa2a5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB250052-O1
**Docket/Reference:** SB250052-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB250052-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB250052-O/U/cwo

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, lic. iur. M. Langmeier 

und lic. iur. R. Faga sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Maurer 

Urteil vom 22. Mai 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

(Rückweisung der I. strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesge-

richts) 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, 

vom 3. Juli 2018 (DG180113) 

Urteil der I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich 

vom 11. November 2019 (SB180503) 

Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts 

vom 17. Juni 2020 (6B_191/2020) 

-   2   -

-   3   -

Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom  23. April  2018 

(Urk. 105/25) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 1/60 S. 25 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-

gesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b–d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 107 Tage durch Haft 

erstanden sind.

3.

4.

5.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes verwiesen.

Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird angeord-

net.

6.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 3. April 2018 beschlagnahmte und 

bei  der  zuständigen  Kasse  lagernde  Mobiltelefon  der  Marke  Samsung  inkl.  SIM-Karte 

(A011'213'620) wird eingezogen und vernichtet.

7.

Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ wird für seine Aufwendungen und Barauslagen als amtlicher 

Verteidiger aus der Gerichtskasse mit pauschal Fr. 11'330.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

entschädigt.

8.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

2'100.–

  Gebühr Anklagebehörde

1'100.–

  Kosten Kantonspolizei

537.–

  Auslagen Untersuchung (Gutachten)

11'330.–

  amtliche Verteidigung

9.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.

-   4   -

10.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-

ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

11.

(Mitteilung)

12.

(Rechtsmittel)"

Urteil und Beschluss im ersten Berufungsverfahren:
(Urk. 1/82 S. 35 ff.)

"Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Juli 2018 wie folgt in 

Rechtskraft erwachsen ist: 

" 6.  Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 3. April 2018 beschlag-

nahmte und bei der zuständigen Kasse lagernde Mobiltelefon der Marke Samsung 

inkl. SIM-Karte (A011'213'620) wird eingezogen und vernichtet.

7.  Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ wird für seine Aufwendungen und Barauslagen als 

amtlicher Verteidiger aus der Gerichtskasse mit pauschal Fr. 11'330.– (inkl. Baraus-

lagen und MwSt.) entschädigt.

8.  Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

2'100.–

  Gebühr Anklagebehörde

1'100.–

  Kosten Kantonspolizei

537.–

  Auslagen Untersuchung (Gutachten)

11'330.–

  amtliche Verteidigung

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Der  Beschuldigte  A._____  ist  schuldig  der  qualifizierten  Widerhandlung  gegen  das  Betäu-

bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b-d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a 

BetmG.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 108 Tage durch Unter-

suchungshaft erstanden sind.

-   5   -

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festge-

setzt. 

4.

5.

6.

7.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für fünf Jahre des Landes verwiesen.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) 

im Schengener Informationssystem angeordnet.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv Ziffern 9 und 10) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

5'500.–

  amtliche Verteidigung

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, 

werden  dem  Beschuldigten  auferlegt.  Die  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  werden 

einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  genommen.  Die  Rückzahlungspflicht  des  Beschuldigten 

bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

9.

(Mitteilungen)

10.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge im aktuellen Verfahren:
(Prot. II S. 4)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 114 S. 1)

"1.

In Revision des Urteils SB180503-O/U/cwo sei auf die Landesverweisung 

und die Ausschreibung im SIS zu verzichten.

 2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen des ursprünglichen Strafverfahrens 

sind ausgangsgemäss neu zu regeln. 

 3. Die Kosten des Revisionsverfahrens, inkl. der amtlichen Verteidigung, sind 

definitiv auf die Staatskasse zu nehmen."

-   6   -

b)

Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 113)

Verzicht auf das Stellen von Anträgen.

Erwägungen:

1.

Verfahrensgang

1.1. Der Prozessverlauf bis zum Urteil der Kammer vom 11. November 2019 er-

gibt sich aus dem aufgehobenen Entscheid (Urk. 1/82 S. 4).

1.2. Mit  eingangs  im  Dispositiv  zitiertem  Beschluss  der  hiesigen  Kammer  vom 

11. November  2019  wurde  vorab  festgestellt,  dass  die  Dispositivziffern 6-8  (Ein-

ziehung  Mobiltelefon,  Entschädigung  amtliche  Verteidigung,  Kostenfestsetzung) 

des den Beschuldigten betreffenden Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Juli 

2018 in Rechtskraft erwachsen sind (Urk. 1/82 S. 35 f.). Mit gleichentags ergange-

nem  –  ebenfalls  eingangs  im  Dispositiv  zitierten  –  Urteil  wurde  der  Beschuldigte 

sodann der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schul-

dig gesprochen, mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten bestraft sowie 

unter  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener  Informationssystem 

(SIS) für fünf Jahre des Landes verwiesen (a.a.O. S. 36). 

1.3. Gegen dieses Urteil hatte der Beschuldigte Beschwerde in Strafsachen beim 

Bundesgericht erhoben (Urk. 1/86 und Urk. 1/87/2; Verfahren 6B_191/2020). Jene 

Beschwerde  wurde  mit  Urteil  des  Schweizerischen  Bundesgerichts  vom  17. Juni 

2020 abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte (Urk. 1/90 S. 12). 

1.4. Daraufhin gelangten der Beschuldigte und seine Ehefrau, B._____, an den 

Europäischen  Gerichtshof  für  Menschenrechte  (EGMR).  Mit  Urteil  vom  17. Sep-

tember 2024 stellte der EGMR eine Verletzung von Art. 8 EMRK fest (Verfahren 

Nr. 52232/20; §§ 29 ff.; Dispositivziffer 2). Er verurteilte die Schweizerische Eidge-

nossenschaft  dazu,  dem  Beschuldigten  und  B._____  innert  drei  Monaten  (netto 

nach Steuern) eine Genugtuung von € 10'000.– und € 15'000.– für Kosten sowie 

-   7   -

Auslagen zu bezahlen (§§ 58 ff.; Dispositivziffer 3). Im Übrigen wies der EGMR die 

Entschädigungsforderungen – sinngemäss – ab (§§ 61 ff.; Urk. 116).

1.5.

In der Folge ersuchten der Beschuldigte und B._____ beim Bundesgericht 

um Revision von dessen Urteil 6B_191/2020 vom 17. Juni 2020 und beantragten 

unter anderem, dieses und die Landesverweisung des Beschuldigten aufzuheben 

und die Ausschreibung der Landesverweisung im SIS zu löschen. Eventualiter sei 

die Sache nach Aufhebung des bundesgerichtlichen Urteils vom 17. Juni 2020 an 

das hiesige Gericht zurückzuweisen (Urk. 98 S. 2 f.). Mit Urteil des Bundesgerich-

tes vom 22. Januar 2025 wurde das Revisionsgesuch des Beschuldigten und von 

B._____ gutgeheissen. Das Bundesgericht hob die Ziffern 1 und 2 des Dispositivs 

seines Urteils 6B_191/2020 vom 17. Juni 2020 auf und fasste sie neu. Diese lauten 

(neu) wie folgt: 

"1.

Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  das  Urteil  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich  vom 

11. November 2019 wird aufgehoben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz 

zurückgewiesen. 

 2.

Es werden keine Kosten erhoben."

Das  Urteil  der  hiesigen  Kammer  vom  11. November  2019  wurde  demgemäss 

nunmehr  aufgehoben  und  es  ist  erneut  über  die  Landesverweisung  und  deren 

Ausschreibung im SIS zu entscheiden (vgl. nachfolgend Ziff. 2).

1.6. Nachdem sich die Parteien mit der schriftlichen Durchführung des vorliegen-

den (Rückweisungs-)Verfahrens einverstanden erklärt hatten (Urk. 108; Urk. 109), 

wurde  mit  Präsidialverfügung  vom  28. Februar  2025  dessen  schriftliche  Durch-

führung  angeordnet  sowie  dem  Beschuldigten  und  der  Staatsanwaltschaft  Frist 

angesetzt, sich im Lichte des Bundesgerichtsentscheids vom 22. Januar 2025 ver-

nehmen zu lassen, Anträge zu stellen und zu begründen (Urk. 111). Mit Zuschrift 

vom 7. März 2025 teilte die Staatsanwaltschaft mit, auf Vernehmlassung und das 

Stellen von Anträgen zu verzichten (Urk. 113). Der Beschuldigte stellte mit Eingabe 

vom  17. März  2025  die  eingangs  aufgeführten  Anträge  und  begründete  diese 

(Urk. 114). 

-   8   -

1.7. Das vorliegende Verfahren erweist sich als spruchreif.

2.

Prozessgegenstand, Rückweisung und Bindungswirkung 

2.1. Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil vom 22. Januar 2025 fest, dass die 

Entschädigung gemäss Art. 41 EMRK nicht geeignet ist, die Folgen der festgestell-

ten Verletzung auszugleichen und die Revision sei notwendig. Entsprechend hob 

das Bundesgericht sein eigenes Urteil vom 17. Juni 2020 und das erste Berufungs-

urteil vom 11. November 2019 auf und wies die Sache zu neuer Beurteilung zurück 

(Urk. 98 S. 7 und 9). 

2.2. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angelegen-

heit zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich dieses von 

Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundesgericht 

kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das neue Urteil 

zu übernehmen. Irrelevant ist, dass das Bundesgericht mit seinem Rückweisungs-

entscheid formell in der Regel das ganze angefochtene Urteil aufhebt. Entschei-

dend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des bundesgericht-

lichen  Entscheids.  Die  neue  Entscheidung  der  kantonalen  Instanz  ist  somit  auf 

diejenige Thematik beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen 

als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu 

in  Gang  gesetzt,  als  dies  notwendig  ist,  um  den  verbindlichen  Erwägungen  des 

Bundesgerichts Rechnung zu tragen (BGE 150 IV 417 E. 2.4.1 mit Hinweisen).

2.3. Das Bundesgericht hob zwar das gesamte Berufungsurteil vom 11. Novem-

ber 2019 auf (Urk. 98 S. 9). Vom gutheissenden höchstrichterlichen Entscheid nicht 

betroffen, in Rechtskraft erwachsen und deswegen im vorliegenden Entscheid nicht 

mehr  zu  thematisieren  ist  jedoch  der  Rechtskraftbeschluss,  mit  welchem  die 

Rechtskraft  der  Dispositivziffern 6-8  des  angefochtenen  Urteils  der  Vorinstanz 

festgestellt  wurde.  Ebenso  nicht  (mehr)  Gegenstand  des  vorliegenden,  zweiten 

Berufungsverfahrens sind der Schuldspruch (Dispositivziffer 1) sowie die Sanktion 

(Dispositivziffern 2-3).  Zu  behandeln  sind  demgegenüber  die  Landesverweisung 

und deren Ausschreibung im SIS und – damit zusammenhängend – die Kosten- 

und Entschädigungsfolgen (mit Ausnahme der Kostenfestsetzung).

-   9   -

2.4. Die Bestimmung von Art. 46 Ziff. 1 EMRK verpflichtet die Vertragsstaaten, 

die endgültigen Urteile des EGMR zu befolgen. Der betreffende Staat muss eine 

festgestellte  Konventionsverletzung,  soweit  sie  fortdauert,  beseitigen  und  die 

beschwerdeführende Partei soweit möglich in die Lage versetzen, in der sie sich 

ohne  die  Konventionsverletzung  befände  ("restitutio  in  integrum";  BGE  137  I  86 

E. 3.1). Ist mit dem Urteil eines Gerichts gegen die Konvention verstossen worden, 

ändert das Urteil des EGMR an der Rechtskraft des Urteils eines innerstaatlichen 

Gerichts nichts. Bei Urteilen ist der Staat durch die Rechtskraft und die Unabhän-

gigkeit der Justiz gebunden. Er kann das Urteil nicht selbst aufheben. Das kann nur 

im Wege der Wiederaufnahme des Verfahrens geschehen. Wenn ein innerstaat-

liches Gericht erneut über eine Sache entscheiden kann, muss es das Urteil des 

EGMR  beachten:  Die  innerstaatlichen  Gerichte  sind  aus  Sicht  des  EGMR  dazu 

verpflichtet, im Einklang mit der innerstaatlichen Ordnung und dem Grundsatz der 

Rechtssicherheit die Konventionsrechte in der Auslegung der Rechtsprechung des 

EGMR zu gewährleisten (HK-EMRK/BRUNOZZI, Art. 46 Rn. 28). 

3.

Landesverweisung

Nachdem der Beschuldigte – rechtskräftig – der qualifizierten Widerhandlung ge-

gen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b-d in Verbindung 

mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gesprochen wurde, wäre in Anwendung von 

Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB grundsätzlich eine Landesverweisung auszusprechen, 

ausser wenn die Landesverweisung für den Beschuldigten einen schweren persön-

lichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesver-

weisung gegenüber den privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der 

Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB). In Bestätigung des ersten Beru-

fungsentscheids erwog das Bundesgericht in seinem Urteil vom 17. Juni 2020, bei 

der Interessenabwägung sei das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung 

höher zu gewichten als das private Interesse des Beschuldigten am Verbleib in der 

Schweiz  (Urk. 90  S. 9  E. 1.8)  und  es  bestätigte  die  Anordnung  einer  Landesver-

weisung. Der EGMR hielt demgegenüber – bindend (vgl. oben Ziff. 2.4) – fest, dass 

diese  Interessenabwägung  nicht  zufriedenstellend  vorgenommen  worden  und 

daher Art. 8 EMRK verletzt sei. Insbesondere sei dem geringen Verschulden des 

-   10   -

Beschuldigten,  den  Umständen,  dass  die  Strafe  bedingt  ausgesprochen  worden 

sei, dass der Beschuldigte keine Vorstrafen aufweise und dass er für die öffentliche 

Sicherheit keine Gefahr mehr darstelle sowie seinem Status als "long-term immi-

grant" und den negativen Auswirkungen der Landesverweisung auf seine Famili-

enangehörigen nicht gebührendes Gewicht beigemessen worden (Urk. 116 §§ 55 

f.). Der EGMR hält somit dafür, dass die privaten Interessen des Beschuldigten an 

einem Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen überwiegen. Vor diesem 

Hintergrund ist auf eine Landesverweisung zu verzichten. 

4.

Ausschreibung im SIS

Nachdem keine Landesverweisung auszusprechen ist, erübrigt sich auch deren 

Ausschreibung im SIS.

5.

Kostenfolgen

5.1. Hinsichtlich der Kostenverteilung im erstinstanzlichen Verfahren rechtfertigt 

sich, obwohl keine Landesverweisung anzuordnen ist, zufolge des anklagegemäs-

sen  Schuldspruchs  keine  andere  Kostenverlegung.  Dem  Beschuldigten  sind  die 

Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens vollumfänglich auf-

zuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

5.2. Die  Kosten  des  ersten  Berufungsverfahrens  wurden  dem  Beschuldigten 

vollumfänglich  auferlegt  (Urk. 1/82  S. 37).  Aufgrund  des  bundesgerichtlichen 

Rückweisungsentscheides bzw. des Urteils des EGMR ist von der Anordnung einer 

Landesverweisung  nunmehr  abzusehen.  Der  Beschuldigte  beantragte  im  ersten 

Berufungsverfahren im Hauptstandpunkt einen Freispruch. Der Schuldspruch und 

die  erstinstanzlich  ausgefällte  Sanktion  wurden  im  ersten  Berufungsverfahren 

bestätigt.  Dabei  bleibt  es  auch  heute  –  nach  dem  bundesgerichtlichen  Rück-

weisungsentscheid.  Jedoch  ist  keine  Landesverweisung  anzuordnen.  In  Anwen-

dung von Art. 428 Abs. 1 StPO erscheint es deswegen angemessen, dem Beschul-

digten 2/3 der Kosten des ersten Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Im Übrigen 

sind die Kosten des ersten Berufungsverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Die Kosten der (damaligen) amtlichen Verteidigung im ersten Berufungsverfahren 

-   11   -

sind zu 1/3 definitiv und zu 2/3 einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei 

betreffend die einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmenden Kosten der Rück-

forderungsvorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO gilt.

5.3. Dass  infolge  der  Rückweisung  durch  das  Bundesgericht  respektive  des 

Urteils  des  EGMR  ein  zweites  Berufungsverfahren  durchgeführt  werden  musste, 

hat nicht der Beschuldigte zu vertreten. Demnach hat die Gerichtsgebühr für das 

zweite Berufungsverfahren ausser Ansatz zu fallen und sind dessen Kosten auf die 

Gerichtskasse zu nehmen.

5.4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung  für das zweite Berufungsverfahren 

sind in Höhe von Fr. 2'024.95 (inkl. MwSt.) ausgewiesen (Urk. 115/4) und erschei-

nen angemessen. Der amtlichen Verteidigung ist daher eine Entschädigung in der 

beantragten Höhe aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass der Beschluss der Kammer vom 11. November 

2019 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Juli 2018 wie 

folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"6.

Das  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom  3. April  2018 

beschlagnahmte  und  bei  der  zuständigen  Kasse  lagernde  Mobiltelefon  der 

Marke Samsung inkl. SIM-Karte (A011'213'620) wird eingezogen und vernichtet.

 7.

Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ wird für seine Aufwendungen und Barauslagen 

als amtlicher Verteidiger aus der Gerichtskasse mit pauschal Fr. 11'330.– (inkl. 

Barauslagen und MwSt.) entschädigt.

 8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

2'100.–

  Gebühr Anklagebehörde

1'100.–

  Kosten Kantonspolizei

537.–

  Auslagen Untersuchung (Gutachten)

11'330.–

  amtliche Verteidigung

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

-   12   -

2.

Es wird festgestellt, dass das Urteil der Kammer vom 11. November 2019 

wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b-d in Verbindung mit Art. 19 

Abs. 2 lit. a BetmG.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 108 Tage durch 

Untersuchungshaft erstanden sind.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre 

festgesetzt. 

4.-6

(…)

7.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

3'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

5'500.–

  amtliche Verteidigung

Fr.

Fr.

(…)

(Mitteilungen)

8.

9.

10.

(Rechtsmittel)

3.

Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Auf die Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB 

wird verzichtet. 

2.

Die erstinstanzliche Kostenverlegung (Dispositivziffern 9 und 10) wird bestä-

tigt.

3.

Die Kosten des ersten Berufungsverfahrens (SB180503) werden dem 

Beschuldigten zu 2/3 auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse 

genommen.

4.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung im ersten Berufungsverfahren 

(SB180503) werden zu 1/3 definitiv und zu 2/3 einstweilen auf die Gerichts-

-   13   -

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang 

der einstweilen auf die Gerichtskasse genommenen Kosten der amtlichen 

Verteidigung bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

5.

Die Gerichtsgebühr für das zweite Berufungsverfahren fällt ausser Ansatz. 

Die weiteren Kosten betragen:

Fr.

2'024.95   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1% MWSt).

6.

Die Kosten des zweiten Berufungsverfahrens werden auf die Gerichtskasse 

genommen. 

7.

Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

das Migrationsamt des Kantons Zürich

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A

das Bundesamt für Justiz, Vertretung der Schweiz vor dem Europäi-
schen Gerichtshof für Menschenrechte (betr. Beschwerde Nr. 52232/20 
– P.J. und R.J. gegen die Schweiz)

die Kasse des Bezirksgerichts Zürich.

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

-   14   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 22. Mai 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. Ch. Prinz

lic. iur. S. Maurer