# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 630be5f0-5917-5295-bf81-b7d20e24ad6b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.11.2022 F-5090/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5090-2022_2022-11-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5090/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger;   

Gerichtsschreiber Rudolf Grun. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geb. am (…), 

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 31. Oktober 2022 / N […]. 

 

 

 

F-5090/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (geb. 2002) ersuchte am 25. August 2022 in der 

Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem 

(CS-VIS) ergab, dass ihm von Italien ein vom 1. Juli 2022 bis am 30. Juni 

2025 gültiges Visum ausgestellt wurde. 

Gestützt darauf ersuchte das SEM am 30. August 2022 die italienischen 

Behörden um seine Übernahme im Sinne von Art. 12 Abs. 2 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsange-

hörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf in-

ternationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend Dublin-III-VO). 

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 7. September 2022 im Bei-

sein der zugewiesenen Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zu einem 

allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung 

nach Italien. Der Beschwerdeführer führte aus, er sei homosexuell und in 

seiner Heimat (Marokko) deswegen mehrmals angegriffen worden. In Ita-

lien habe er u.a. einige Zeit in Rom, Venedig und Mailand gelebt, wo viele 

Araber leben würden. Er habe sich dort nicht sicher gefühlt und habe Angst, 

eines Tages auch in Italien angegriffen zu werden. In islamischen Gesell-

schaften sei es unmöglich, als Homosexueller zu leben. 

Auf seine Gesundheit angesprochen, gab er an, körperlich fit zu sein. Hier 

fühle er sich wohl und in Sicherheit. Es gehe ihm psychisch gut. 

C.  

Nachdem die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist (zwei 

Monate) zum Übernahmeersuchen keine Stellung genommen hatten, trat 

das SEM mit Verfügung vom 31. Oktober 2022 (eröffnet am 1. November 

2022) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine 

Überstellung nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

Die zugewiesene Parteivertretung erklärte am 1. November 2022 das 

Rechtsvertretungsverhältnis für beendet. 

F-5090/2022 

Seite 3 

D.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 8. November 2022 (Postaufgabe) gelangte 

der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, 

die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Asylgesuch von der 

Vorinstanz in der Schweiz prüfen lassen. Ferner ersuchte er um Erteilung 

der aufschiebenden Wirkung sowie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege (inkl. Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses). 

E.  

Am 9. November 2022 ordnete die zuständige Instruktionsrichterin einen 

superprovisorischen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind offensichtlich erfüllt. 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

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Seite 4 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung dieses 

Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-

trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten 

Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dub-

lin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip 

der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) 

anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem die betref-

fende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, 

auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnah-

meverfahrens («take back») findet demgegenüber grundsätzlich keine (er-

neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 

2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 

3.3 Besitzt eine antragstellende Person ein gültiges Visum, so ist grund-

sätzlich der Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig (Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.  

Dem Beschwerdeführer wurde von Italien ein vom 1. Juli 2022 bis am 

30. Juni 2025 gültiges Visum ausgestellt. Das SEM ersuchte die italieni-

schen Behörden deshalb am 30. August 2022 um Übernahme des Be-

schwerdeführers gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO. Diese liessen 

das Ersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist 

unbeantwortet, womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 22 

Abs. 7 Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit 

gegeben, was vom Beschwerdeführer denn auch nicht bestritten wird. 

5.  

Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Re-

ferenzurteil F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9.1) weisen das Asyl-

verfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien keine 

systemischen Schwachstellen auf, die eine Gefahr einer unmenschlichen 

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Seite 5 

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO ist daher nicht gerechtfertigt.  

6.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO auszuüben ist. 

6.1 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Rechtsmitteleingabe vom 8. No-

vember 2022 ergänzend zur Befragung vom 7. September 2022 vor, zu-

nächst erleichtert gewesen zu sein, als er in Italien angekommen sei. Als 

er jedoch gemerkt habe, dass seine dortige Umgebung von vielen musli-

mischen Menschen geprägt sei, habe ihn erneut ein Gefühl von tiefer Angst 

gepackt. Die Angst um sein eigenes Wohl habe ihn dazu getrieben, in die 

Schweiz weiterzuziehen. Bereits bei seiner Ankunft in der Schweiz habe er 

bei den Menschen eine ganz andere Toleranz festgestellt. Hier habe er 

keine Angst um seine Gesundheit oder sein Leben. 

6.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-

getan, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen 

und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln 

der Verfahrensrichtlinie zu prüfen oder die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie 

zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. In Bezug auf 

die geltend gemachte Angst vor Übergriffen ist davon auszugehen, dass 

die italienischen Behörden gewillt und fähig sind, staatlichen Schutz vor 

Drittpersonen zu gewähren, weshalb sich der Beschwerdeführer gegebe-

nenfalls an die zuständigen Stellen wenden kann (vgl. Urteil des BVGer F-

958/2022 vom 11. März 2022 E. 7.4). Es bestehen keinerlei Hinweise dafür, 

dass er den benötigten Schutz dort nicht erhalten würde.  

6.3 Zusammenfassend ist liegt kein Grund vor für die Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1. Weder ist die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das 

Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen 

Selbsteintritt nahelegen würden. Die Vorinstanz ist daher zu Recht gestützt 

auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers nicht eingetreten und hat die Überstellung nach Italien angeordnet. 

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und mit dem Urteil in 

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Seite 6 

der Sache wird das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ge-

genstandslos. Der angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil 

dahin. 

8.  

8.1 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ungeachtet einer allfälligen 

prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.- 

festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsreicht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

9.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. 

Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Urteils 

zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

 

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Susanne Genner Rudolf Grun 

 

 

Versand: