# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a9c40051-6213-5c10-844e-b5bc1f44c265
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.03.2010 D-6232/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6232-2009_2010-03-11.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6232/2009
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Gérard Scherrer, Richter Daniel Schmid, 
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A._________, geboren (...),
Guinea-Bissau,
vertreten durch Judith Huber, 
Thurgauer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 1. September 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6232/2009

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger von Guinea-Bissau der 
Ethnie Papel aus Bissau, reiste am 13. Juli  2009 in die Schweiz ein 
und suchte gleichentags um Asyl nach.

B.
Am  28. Juli  2009  erhob  das  BFM  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum (EVZ) Basel die Personalien des Beschwerdeführers und be-
fragte  ihn  summarisch  zum Reiseweg und  zu  den  Gründen  für  das 
Verlassen  des  Heimatlandes.  Dabei  reichte  er  seine  Identitätskarte, 
seine  Wählerkarte  und  seinen  Familienausweis  zu  den  Akten.  Am 
17. August 2009 hörte ihn das BFM ausführlich zu seinen Asylgründen 
an.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer 
geltend,  er  habe  als  K.___________  bei  der  Gruppe  namens 
B.__________ für den C.___________ D.__________ gearbeitet. Am 
23. November 2008 habe der Chef der (...), welchem Drogengeschäfte 
mit Südamerikanern nachgesagt würden, einen erfolglosen (...) gegen 
D.__________ unternommen, welcher das Drogenproblem habe lösen 
wollen. Nebst  dem Drogenproblem gebe es ein  ethnisches Problem. 
Die  meisten  Angehörigen  der  (...)  unter  dem  E.__________ 
F.__________ seien ethnische Balante. Die (...)  unter D.__________ 
seien ethnische Papel. Der C.___________ habe nach dem (...)  den 
E.__________ F.__________ beschuldigt, zu spät reagiert  zu haben. 
Daraufhin  habe  F.__________  einige  Personen  aus  der  Gruppe  der 
B.__________  rausgeworfen  und  neue  Leute  engagiert,  wobei  die 
Gruppe  durch  Leute  von  F.__________  infiltriert  worden  sei.  Am 
1. März 2009 sei F.__________ umgebracht worden. Früh morgens am 
2. März 2009,  als er Dienst in der Privatresidenz von D.__________ 
gehabt habe, seien sie vom G._________ attackiert worden. Es sei zu 
einer  Schiesserei  gekommen.  Als  er  festgestellt  habe,  dass  seine 
Gruppe dem G._________ unterlegen ist, sei er geflüchtet und habe 
sich  bis  am Abend bei  einem Nachbarn  versteckt. Er  habe dort  die 
Uniform  ausgezogen  und  sei  nach  H._________  zu  Verwandten 
gegangen, wo er sich bis am 7. März 2009 aufgehalten habe. Mit Hilfe 
seines Cousins sei er am 8. März 2009 nach Senegal ausgereist.

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C.
Das BFM stellte mit Verfügung vom 1. September 2009 – eröffnet am 
3. September  2009  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flücht-
lingseigenschaft  nicht  und lehnte sein Asylgesuch vom 13. Juli  2009 
ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangsmitteln 
im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis zum 27. Oktober 2009 zu 
verlassen.

D.
Mit  Eingabe  vom  1. Oktober  2009  (Poststempel)  erhob  der  Be-
schwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  mittels  seiner  Rechtsver-
treterin Beschwerde und liess beantragen, die Verfügung des BFM sei 
aufzuheben, es sei  die Flüchtlingseigenschaft  festzustellen und dem 
Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässig-
keit  und Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs festzustellen und 
die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 
liess er zudem beantragen, es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu 
gewähren  und  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  abzu-
sehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Ge-
biet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

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1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.

2.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

3.  
3.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt 
wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung  zu 
tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

3.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 
Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-

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fälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige 
Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  -  im  Gegen-
satz  zum  strikten  Beweis  -  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt 
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen 
des Gesuchstellers. Entscheidend ist,  ob  im Rahmen einer  Gesamt-
würdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhalts-
darstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht. 
Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art.  7 
Abs. 2 und 3 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

4.
4.1 Das BFM führt  zur Begründung seines Entscheides aus, die Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftmachung  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten.  Im 
Einzelnen  hält  es  unter  Angabe  der  Fundstellen  in  den  Protokollen 
fest, der Beschwerdeführer habe widersprüchliche Angaben dazu ge-
macht,  was  seiner  Gruppe  vom E.__________  vorgeworfen  worden 
sei. Während er bei der Erstbefragung ausgeführt habe, sie seien be-
schuldigt  worden,  den E.__________ angegriffen zu haben,  habe er 
bei der Anhörung zu Protokoll gegeben, sie seien beschuldigt worden, 
ein  Attentat  gegen  den  E.__________  geplant  zu  haben.  Auch 
bezüglich  seiner  Arbeit  habe  sich  der  Beschwerdeführer  in 
Widersprüche  verstrickt.  Einerseits  habe  er  bei  der  Erstbefragung 
angegeben,  er  habe  bis  ein  Jahr  vor  seiner  Ausreise  als 
K.___________ und dann als Maurer gearbeitet, kurz darauf habe er 
erklärt, er habe bis Oktober 2008 als K.___________ gearbeitet. Bei 
der Anhörung habe er zudem zuerst geltend gemacht, er sei einmal im 
Jahr  1991  in  den  Senegal  gegangen,  später  habe  er  indessen 
festgehalten,  nie  im  Senegal  gewesen  zu  sein.  Die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  würden  auch  in  wesentlichen  Punkten  der 
allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprechen. Er 
habe  festgehalten,  dass  er  keine  Ausweisepapiere  gehabt  habe, 
welche ihn als K._______ des C.___________ identifiziert  hätten; er 
habe  einzig  ein  T-Shirt  als  Beweis  seiner  Funktion  getragen.  Da  er 
direkten  Zugang  zum  C.___________  gehabt  habe,  sei  nicht 
glaubhaft, dass er sich ausschliesslich mit einem T-Shirt ausgewiesen 
haben  soll,  zumal  er  angegeben  habe,  er  habe  die  Uniform 

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ausgezogen,  nachdem  er  geflohen  sei.  Somit  hätte  er  kein  T-Shirt, 
sondern eine Uniform getragen. Schliesslich seien die Vorbringen des 
Beschwerdeführers vage und oberflächlich geblieben. Er könne weder 
den ganzen Namen seines Vorgesetzten noch die Grösse der (...) des 
C.___________ nennen. Zur Organisation der (...) habe er erklärt, es 
habe einen ersten, zweiten, dritten und vierten Chef gehabt; er selbst 
sei ein zweiter Chef gewesen. In Anbetracht seiner Position hätte er in 
der Lage sein müssen, die Struktur und Grösse dieser Einheit exakt zu 
nennen. Er wisse hingegen trotz seiner Position auch nicht, wie viele 
Personen des (...) am 2. März 2009 zum Schutz des C.___________ 
in  der  (...)  gewesen  seien. Damit  könne  er  aber  auch nicht  wissen, 
dass die Angreifer unterlegen gewesen seien, was er aber als Grund 
für seine Flucht geltend mache. Schliesslich seien auch die Angaben 
zum  Angriff  auf  den  C.___________  vom  (...)  unsubstanziiert 
geblieben.  So  habe  der  Beschwerdeführer  ausgeführt,  der 
C.___________ sei attackiert worden, worauf sie ihn bewacht und das 
Feuer  erwidert  hätte.  Seine  diesbezüglichen  Schilderungen  würden 
einen Mangel an Realitätskennzeichen aufweisen und seine Angaben 
würden  in  keinerlei  Weise  den  Eindruck  von  tatsächlich  Erlebtem 
erwecken.

4.2 In  der  Beschwerde  vom  1. Oktober  2009  wird  auf  die  von  der 
Hilfswerkvertretung festgestellte mangelhafte Qualität der Übersetzun-
gen bei der Anhörung vom 17. August 2009 hingewiesen und geltend 
gemacht, die Vorwürfe des BFM bezüglich den Anforderungen an die 
Glaubhaftmachung  seien  zu  relativieren.  Unter  anderem  werfe  das 
BFM dem Beschwerdeführer vor, widersprüchliche Angaben dazu ge-
macht zu haben, was seiner Gruppe vom E.__________ vorgeworfen 
worden sei. Dabei habe er an der Erstbefragung gesagt, sie seien be-
schuldigt  worden,  den  E.__________  angegriffen  zu  haben,  bei  der 
Anhörung solle er jedoch gesagt haben, sie seien beschuldigt worden, 
ein Attentat gegen den E.__________ geplant zu haben. Während der 
Anhörung sei die Übersetzung seiner Angaben durch den Dolmetscher 
ungenügend gewesen, so dass die Frage der Beschuldigungen gegen 
seine Gruppe ungenau protokolliert  worden sei. Im Protokoll  der An-
hörung sei  auch ersichtlich,  dass jeweils  nicht  unterschieden werde, 
wann vom „E.__________“ und wann vom „L.__________“ die Rede 
sei;  die  beiden  Bezeichnungen  würden  beliebig  vermischt.  Auch  für 
den  angeblichen  Widerspruch  betreffend  seine  Anwesenheit  in 
Senegal sei auf die ungenügende Übersetzung zurückzuführen.

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4.3 Die  Asylbehörde  hat  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von 
Amtes  wegen  festzustellen  (Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 12  VwVG).  Aus 
dem Anspruch auf  rechtliches Gehör  (Art. 29 Abs. 2  der  Bundesver-
fassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 
(BV, SR 101); Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt 
sich,  dass  Asylsuchende  zu  ihren  Asylgründen  anzuhören  sind  und 
ihnen das Recht zur Äusserung sowie die Möglichkeit, Einfluss auf die 
Ermittlung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  zu  nehmen,  zu  ge-
währen ist (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG). Gemäss Art. 29 Abs. 1bis AsylG 
zieht  das  BFM  nötigenfalls  eine  Dolmetscherin  oder  einen  Dol-
metscher  für  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  bei.  Über  die  An-
hörung wird ein Protokoll geführt. Dieses wird von den Beteiligten, mit 
Ausnahme der Vertretung der Hilfswerke, unterzeichnet (Art. 29 Abs. 3 
AsylG). Die  Vertretung der  Hilfswerke beobachtet  die  Anhörung,  hat 
aber keine Parteirechte. Sie bestätigt  unterschriftlich ihre Mitwirkung 
und  untersteht  gegenüber  Dritten  der  Schweigepflicht.  Sie  kann 
Fragen  zur  Erhellung  des  Sachverhalts  stellen  lassen,  weitere  Ab-
klärungen  anregen  und  Einwendungen  zum  Protokoll  anbringen 
(Art. 30 AsylG).

4.4 Die Befragung im EVZ vom 28. Juli 2009 wie auch die Anhörung 
zu den Asylgründen vom 17. August 2009 wurden in portugiesischer 
Sprache durchgeführt, wobei in beiden Fällen dieselbe Dolmetscherin 
mitwirkte.  Aus  den  Deutsch  protokollierten  Ausführungen  des  Be-
schwerdeführers  geht  nicht  hervor,  dass  er  das  Portugiesisch  der 
Dolmetscherin nicht verstanden hätte. Er erklärte denn auch, die Dol-
metscherin gut verstanden zu haben (vgl. act. A1/8 S. 6) bzw. gut zu 
verstehen (act. A6/14 S. 2 F2). Hingegen hat die Hilfswerksvertretung 
im Unterschriftenblatt  zum Anhörungsprotokoll  festgehalten, dass die 
Qualität  der  Übersetzung  mindestens  im  ersten  Teil  der  Anhörung 
mangelhaft  gewesen  sei.  Manche  Deutschtranslationen  der  Dol-
metscherin seien nicht  verständlich gewesen und hätten interpretiert 
werden müssen. Nach der Intervention des Befragers in der Pause sei 
die Qualität zwar deutlich besser geworden und habe den weitgehend 
wünschenswerten Standard erreicht. Trotzdem könnten gewisse Unge-
reimtheiten  im  Protokoll  auf  Übersetzungsschwächen  basieren.  Tat-
sächlich ist dem Protokoll zu entnehmen, dass der Sachbearbeiter des 
BFM nach der Pause den Beschwerdeführer darum bitten musste, bei 
seinen  Antworten  klare  Sätze  zu  bilden,  damit  die  Dolmetscherin 
richtig  übersetzen  könne,  da  es  sonst  unnötige  Missverständnisse 
gebe (vgl. act. A6/14 S. 6 F35). Aus dem Protokoll ergeben sich keine 

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Hinweise, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdeführer – der 
sich  nicht  in  seiner  Muttersprache  Kreol,  sondern  in  Portugiesisch 
artikulierte (vgl. act. A1/8 S.2) – habe sich jeweils unklar ausgedrückt. 
Anlass für die an den Beschwerdeführer gerichtete Aufforderung, klare 
Sätze  zu  bilden,  bildete  offenbar  vielmehr  der  Umstand,  dass  die 
Dolmetscherin  Mühe  bekundete,  die  Portugiesisch  formulierten  An-
gaben  des  Beschwerdeführers  in  verständliches  Deutsch  zu  über-
setzen.

4.5 Das BFM ging in seiner ablehnenden Verfügung davon aus, das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers könne gestützt auf die Aktenlage 
abschliessend beurteilt  werden. Dieser  Einschätzung kann  nicht  ge-
folgt werden. Aufgrund der Feststellungen der Hilfswerksvertretung war 
die  Qualität  der  Übersetzung  der  Ausführungen  des  Be-
schwerdeführers ins Deutsche anlässlich der Anhörung zu den Asyl-
gründen –  zumindest vor der Pause, mithin bis zur Frage F35 – von 
mangelhafter  Qualität.  Gemäss  deren  Beobachtungen  basieren  die 
protokollierten  Angaben  zum  Teil  auf  Interpretationen  des  Sachbe-
arbeiters, wobei davon insbesondere die vor der Pause erfolgte freie 
Schilderung  der  Asylgründe  durch den Beschwerdeführer  und damit 
die für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft zentralen Sachver-
haltsangaben  betroffen  sind  (vgl.  act. A6/14  S. 4  F19).  Wie  in  der 
Beschwerde zu Recht geltend gemacht wird, werden im Protokoll ins-
besondere  die  Bezeichnungen  "L.__________"  und  "E.__________" 
derart  vermischt,  dass  die  diesbezüglichen  Angaben  des 
Beschwerdeführers  bei  der  Lektüre  des  Protokolls  keinen  Sinn 
ergeben (vgl. etwa act. A6/14 S. 4 F19). Es ist deshalb ohne weiteres 
denkbar,  dass  die  vom  BFM  festgestellten  Widersprüche  nicht  auf 
tatsächlich  divergierende  Angaben  des  Beschwerdeführers,  sondern 
auf  bei  der  Übersetzung  ins  Deutsche  aufgetretende 
Missverständnisse  und  Fehlinterpretationen  bzw. auf  eine  unpräzise 
Übersetzung  seiner  Aussagen  zurückzuführen  sind.  Auch  der  vom 
BFM  festgestellte  Widerspruch  zum  Aufenthalt  in  Senegal  könnte 
somit auf eine mangelhafte Übersetzung oder falsche Interpretationen 
der  Angaben  des  Beschwerdeführers  zurückzuführen  sein  (vgl. 
act. A6/14 S. 4 F13 und S. 5 F23). Die Qualität der Übersetzung soll – 
so  die  Hilfswerksvertretung  –  nach  der  Pause  zwar  deutlich  besser 
geworden  sein,  nachdem  der  Beschwerdeführer  seitens  des 
Sachbearbeiters  gebeten  wurde,  „klare  Sätze“  zu  bilden.  Es  ist 
naheliegend,  dass  der  Beschwerdeführer  unter  diesen  Umständen 
fortan bestrebt war,  seine Angaben zur Begründung des Asylgesuchs 

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möglichst  einfach  zu  formulieren  und  auf  Präzisierungen  und 
erläuternde  Erklärungen  zu verzichten,  um der  Dolmetscherin  damit 
die Übersetzung ins Deutsche zu erleichtern. So betrachtet kann denn 
auch nicht  erstaunen,  dass  seine  Ausführungen  einsilbig  und wenig 
detailliert  geblieben  sind. Dem Beschwerdeführer  kann  folglich  auch 
nicht  zu  seinen  Ungunsten  vorgeworfen  werden,  seine  Vorbringen 
seien  vage  und  oberflächlich  bzw.  unsubstanziiert  geblieben  und 
würden  einen  Mangel  an  Realitätskennzeichen  aufweisen.  Die 
dahingehende Argumentation in der angefochtenen Verfügung vermag 
deshalb nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der 
Rückübersetzung der Protokolls zwar einzelne Korrekturen angebracht 
(vgl.  act. A6/14  S. 13  F19  und  F67)  und  schliesslich  mit  seiner 
Unterschrift  erklärt,  das  Protokoll  sei  vollständig  und  es  entspreche 
seinen freien Äusserungen (vgl. act. A6/14 S. 13). Dies allein  ändert 
jedoch  nichts  daran,  dass  nach  dem  Gesagten  nicht  hinreichend 
ausgeschlossen  werden  kann,  dass  die  Angaben  des  Beschwerde-
führers teils  unvollständig und fehlerhaft  übersetzt  worden sind bzw. 
dieser  –  aufgrund  der  Probleme  der  Dolmetscherin  bei  der  Über-
setzung dazu angehalten, „einfache Sätze“ zu bilden – der Möglichkeit 
beraubt war, seine Asylvorbringen frei von sprachlich bedingten Sach-
zwängen zu schildern.

5.
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  infolge  mangelhaft 
übersetzter und protokollierter Aussagen des Beschwerdeführers unter 
Verletzung  seiner  Abklärungspflicht  und  des  Anspruchs  des  Be-
schwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  den  rechtserheblichen  Sach-
verhalt  unvollständig  beziehungsweise unrichtig  erhoben hat. Gleich-
zeitig hat es dadurch, dass es bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit 
auf das mit Mängeln behaftete Protokoll der Anhörung vom 17. August 
2009 abgestellt hat, Art. 7 AsylG verletzt. Die Beschwerde ist demnach 
gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache 
zur vollständigen und richtigen Erhebung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und  zur  neuen  Entscheidung  an  das  BFM zurückzuweisen. 
Das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  nochmals  zu  den 
Asylgründen anzuhören.

6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63  Abs. 1  und 2  VwVG). Die  Gesuche um Gewährung der 

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unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auch  die  Erhebung 
eines Kostenvorschusses erweisen sich mithin als gegenstandslos.

6.2 Dem  Beschwerdeführer  ist  in  Anwendung  von  Art. 64  Abs. 1 
VwVG eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendige 
Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art. 7  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Seitens  der 
Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die Nach-
forderung  einer  solchen  kann  indes  verzichtet  werden,  da  im  vor-
liegenden  Verfahren  der  Aufwand  für  das  Beschwerdeverfahren  zu-
verlässig abgeschätzt  werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In 
Anwendung  der  genannten  Bestimmung  und  unter  Berücksichtigung 
der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das 
Bundesamt  mithin  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Partei-
entschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 500.-- auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur Neu-
beurteilung an das BFM zurückgewiesen.

3.
Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer nochmals zu den 
Asylgründen anzuhören.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5.
Das  BFM hat  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 500.-- zu entrichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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