# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** adfd5c8e-8321-57aa-9520-7875e758179b
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-15
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 15.04.2021 720 20 456/94
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-20-456-94_2021-04-15.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 

vom 15. April 2021 (720 20 456 / 94) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung 

 

 

IV-Rente / Einkommensvergleich Selbständigerwerbende: Es lässt sich vorliegend nicht 

quantifizieren, ob und inwieweit die freiwillige Mithilfe von Personen zum Geschäftsge-

winn beigetragen hat. Dementsprechend ist eine Anpassung des Invalideneinkommens 

nicht zulässig. 

 

 
 

Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons-
richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Felicia Käslin 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Christl Schaefer-
Lötscher, Advokatin, Baselstrasse 11, Postfach 722, 4125 Riehen 1 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, 
Beschwerdegegnerin 
 

  
  

Betreff IV-Rente  

 

 

 

A. Die 1967 geborene A.____ arbeitet seit 20 Jahren als selbständig erwerbende Inhabe-

rin eines Secondhand-Geschäfts. Aufgrund eines idiopathischen Parkinson-Syndroms meldete 

sie sich am 8. Juli 2019 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbe-

 

 
 
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zug an, wobei die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 26. Oktober 2020 

einen Anspruch auf eine IV-Rente verneinte. 

 

B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Christl Schaefer-Lötscher, Advokatin, am 

26. November 2020 Beschwerde (mit ergänzender Beschwerdebegründung vom 1. Dezem-

ber 2020) beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan-

tonsgericht). Sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Be-

schwerdegegnerin zu verurteilen, ihr eine IV-Rente, basierend auf einem IV-Grad von mindes-

tens 40 %, auszurichten, eventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung an die IV-Stelle zu-

rückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Bewilli-

gung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihrer 

Rechtsvertreterin. Zudem beantragte sie die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Zur 

Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die angefochtene Verfügung auf unzu-

reichenden medizinischen Unterlagen beruhe, lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in 

der bisherigen Tätigkeit bestehe und der unverminderte Umsatz ihres Geschäfts einzig auf die 

Mitarbeit von insgesamt acht freiwillig Helfenden zurückzuführen sei. 

 

C. Mit Verfügung vom 23. Dezember 2020 bewilligte die instruierende Präsidentin des 

Kantonsgerichts die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit 

Advokatin Schaefer-Lötscher als Rechtsvertreterin. 

 

D. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 21. Januar 2021 die Abweisung der 

Beschwerde. 

 

E. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 15. April 2021 wurde A.____ zu ihrem Gesund-

heitszustand und zu ihrer selbständigen Tätigkeit befragt. Beide Parteien hielten im Wesentli-

chen an ihren bereits schriftlich dargelegten Standpunkten fest. Auf deren Vorbringen ist –  so-

weit notwendig – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. 

 

 

Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  

 

1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 

vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-

rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden 

Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig-

keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes 

über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur-

teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons 

Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be-

handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht 

erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 26. November 2020 ist demnach einzutreten. 

 

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2. Strittig und somit zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente 

hat. In diesem Zusammenhang ist insbesondere der Umfang der medizinisch theoretischen 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, namentlich in Bezug auf die angestammte Tätigkeit, 

strittig. 

 

2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-

fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-

gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 

eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig 

gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 

 

2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung 

der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfä-

higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei 

langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich 

berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder 

längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge 

von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit 

ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-

sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt 

zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit 

sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung 

zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti-

ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 

 

3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem 

Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsun-

fähig ist. 

 

3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä-

higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un-

terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung 

zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur-

teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige 

Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 

 

3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-

prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an-

deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-

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tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-

statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den 

Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-

geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich 

des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-

den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-

gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 

einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 

 

3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi-

gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten 

Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen 

dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit 

weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 

externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter-

suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun-

de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-

kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen 

(BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte 

von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, 

dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen 

eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die 

unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einer-

seits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander-

seits (BGE 124 I 170 E. 4) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Fra-

ge zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte 

zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine 

abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein sub-

jektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut-

achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteile des Bundesgerichts vom 26. No-

vember 2019, 8C_549/2019, E. 3.2 mit Hinweis, und vom 8. April 2020, 8C_60/2020, E. 3.2). 

 

3.4 Die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der 

medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die 

Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der ver-

sicherten Person fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich aus-

zuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 

Abs. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten 

durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 IVV). RAD-

Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten 

nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei 

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Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (BGE 135 V 254 E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts 

vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.1). 

 

3.5 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me-

dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde-

rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über 

die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hin-

sichtlich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der angefochtene Entscheid aus-

schliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte 

gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen 

sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest-

stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 

und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 

9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 

 

3.6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auch der kantonale Sozialversiche-

rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). 

Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und 

vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs-

pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen 

Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 

8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 

 

3.7 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streitsache in der Regel 

auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt ab; 

vorliegend also auf den 26. Oktober 2020. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind 

jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in einem engen Sachzu-

sammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 

zu beeinflussen (Urteile des Bundesgerichts vom 12. Juni 2007, 9C_101/2007, E. 3.1 und vom 

27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1). Medizinische Berichte und Gutachten, die nach Erlass der 

angefochtenen Verfügung vorgebracht werden und in einem engen Sachzusammenhang mit 

dem streitigen Leistungsanspruch stehen, sind daher zu berücksichtigen, soweit sie Rück-

schlüsse auf den Gesundheitszustand zur Zeit des Verfügungserlasses zulassen (Urteile des 

Bundesverwaltungsgerichts vom 26. April 2016, C-2263/2014, E. 2.1 und vom 16. Novem-

ber 2015, C-3733/2014, E. 2.2). 

 

4. Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, 

die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejeni-

gen Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral 

erweisen. 

 

4.1 Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht 

vom 17. Juli 2019 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein idiopathisches Parkinson-

Syndrom seit Januar 2018, eine arterielle Hypertonie bei chronischer Nierenarterienstenose 

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links seit Januar 2014 bei schwerer Einstellbarkeit des Blutdrucks und im Rahmen des gleich-

zeitigen Parkinsonsyndroms rezidivierende Synkopen, eine Overactive Bladder wet mit Drang-

kontinenz Grad I sowie einen Status nach rezidivierenden Harnwegsinfektionen, zuletzt mit Py-

elonephritis im Juni 2019, eine Osteoporose seit September 2019 mit damals Fraktur des Len-

denwirbelkörpers 5 nach Verhebetrauma unter Prolia-Therapie sowie einen rezidivierenden 

Alkoholabusus. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er ein Asthma bron-

chiale, einen fortgesetzten Nikotinabusus, einen Status nach Polytoxikomanie und eine Hepati-

tis C Seronarbe. Zur Prognose hielt Dr. B.____ fest, die Versicherte sei seines Erachtens noch 

knapp 50 % arbeitsfähig in ihrem Geschäft, wobei sie dabei teils auf Unterstützung von anderen 

Personen angewiesen sei. Eine Erhöhung des Pensums sei sicher nicht mehr möglich, auch 

wenn die aktuelle Tätigkeit im Secondhand-Geschäft eher leichter Natur sei. Die Parkinsoner-

krankung, die in letzter Zeit wiederholten Synkopen sowie die Problematik mit der Blase hätten 

in den letzten Monaten zu wiederholten Ausfällen am Arbeitsplatz mit teils Hospitalisationen 

geführt. Die vorzeitig gealterte Versicherte sei chronisch müde und in ihrem Leistungsvermögen 

eingeschränkt. Es sei daher eine Verschlechterung zu erwarten. 

 

4.2 Im Untersuchungsbericht vom 7. November 2019 hielt der RAD-Arzt Dr. med. C.____, 

Facharzt für Allgemeinmedizin (D), fest, auf eine Untersuchung der Versicherten sei anlässlich 

des persönlichen Gesprächs vom 6. November 2019 verzichtet worden, da in den Akten ausrei-

chende Angaben vorliegen würden. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

führte er ein idiopathisches Parkinson-Syndrom, eine Overactive Bladder wet mit Drangkonti-

nenz Grad I sowie einen Status nach rezidivierenden Harnwegsinfektionen, zuletzt mit Pyelo-

nephritis im Juni 2019 und eine Osteoporose seit September 2019 mit damals Fraktur des Len-

denwirbelkörpers 5 nach Verhebetrauma unter Prolia-Therapie auf. Ohne Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit bestehe eine arterielle Hypertonie bei chronischer Nierenarterien- 

stenose links seit Januar 2014 bei schwerer Einstellbarkeit des Blutdrucks und im Rahmen des 

gleichzeitigen Parkinsonsyndroms rezidivierende Synkopen, einen Alkoholabusus, eine chro-

nisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) mit/bei fortgesetztem Nikotinabusus, einen Status 

nach Polytoxikomanie und eine Hepatitis C Seronarbe. In seiner Beurteilung hielt Dr. C.____ 

fest, das bestehende Arbeitsumfeld stelle eine günstige Voraussetzung dar, wobei neben der 

Präsenz im Geschäft noch zusätzliche Aufgaben zu verrichten seien (Einkäufe, Aufbereitung). 

Für diese Tätigkeit gehe er medizin-theoretisch von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit seit August 

2018 aus. In einer ähnlichen Tätigkeit im Angestelltenverhältnis oder in einer angepassten, kör-

perlich leichten Tätigkeit nehme er eine 50%ige Arbeitsfähigkeit an. 

 

4.3 Anlässlich der neurologischen Verlaufskontrolle vom 17. Juni 2020 hielt Dr. med. 

D.____, FMH Neurologie, in seinem Bericht vom 24. Juni 2020 fest, unter einem Dopamin-

Agonist in Kombination mit L-Dopa zeige sich ein insgesamt guter Verlauf, wobei die Patientin 

weiterhin über nachmittägliche und nächtliche Blockaden berichte. Hinsichtlich des IV-Gesuchs 

könne er eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer Sicht voll und ganz unterstützen. 

 

4.4 Dr. D.____ hielt im Bericht vom 30. Juli 2020 hinsichtlich des Neurostatus fest, es be-

stehe ein feinschlägiger Haltetremor von rechts nach links, kein Ruhetremor, ein linksbetonter 

Rigor, eine beidseitige Bradyhypokinese und eine linksbetonte Dysdiadochokinese. Im Bereich 

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der unteren Extremitäten bestehe eine symmetrische Bradyhypokinese, kein Rigor, kein Tremor 

und der Gang sei flüssig, jedoch leicht nach vorne und rechts gebeugt. 

 

4.5 Im Bericht vom 13. Oktober 2020 gab Dr. D.____ in Bezug auf den Neurostatus an, die 

Versicherte sei wach und orientiert, es gebe jedoch eine psychomotorische Verlangsamung, 

eine geprägte Hypomimie sowie eine leichte Dysarthrie, einen linksbetonten feinschlägigen Hal-

tetremor und ein linksbetontes Akineto-rigides Syndrom. Der Gang sei leicht nach vorne ge-

neigt, jedoch mit normaler Schrittlänge und flüssigem Gangbild, die Wendeschrittzahl liege bei 

drei und es bestehe eine deutliche posturale Instabilität (Pulltest mit Fallneigung nach hinten). 

In seiner Beurteilung hielt er ferner fest, es zeige sich im Vergleich zur letzten Konsultation ein 

weitgehend stabiler Verlauf. 

 

4.6 In seiner Stellungnahme vom 21. Oktober 2020 hielt der RAD-Arzt Dr. C.____ fest, 

sowohl aus Sicht des behandelnden Arztes als auch aus versicherungsmedizinischer Sicht 

werde eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit (in einem Angestelltenver-

hältnis) als auch in einer angepassten Tätigkeit angenommen; insofern bestehe Konsens. 

 

5.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf die Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. C.____ vom 

7. November 2019 und vom 21. Oktober 2020 davon aus, dass die Versicherte in ihrer bisheri-

gen Tätigkeit als Inhaberin eines Secondhand-Geschäfts zu 60 % arbeitsfähig, in einer ähnli-

chen Tätigkeit im Angestelltenverhältnis sowie in einer leidensangepassten Verweistätigkeit 

(körperlich leichte Tätigkeit) zu 50 % arbeitsfähig sei. Wie oben ausgeführt ist grundsätzlich 

nicht zu beanstanden, dass ein Versicherungsträger seinen Entscheid auf medizinische Unter-

lagen stützt, die er versicherungsintern eingeholt hat. In solchen Fällen sind jedoch strenge An-

forderungen an die Beweiswürdigung zu stellen und zwar in dem Sinne, dass bei auch nur ge-

ringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen 

Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. E. 3.5 hiervor und die dortigen 

Hinweise auf die entsprechende bundesgerichtliche Rechtsprechung). 

 

5.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. C.____ 

in einer angepassten Tätigkeit von einer um 10 % höheren Arbeitsfähigkeit als in der ange-

stammten Tätigkeit ausgehe. Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass Dr. C.____ diese 

Diskrepanz zwischen angestammter und leidensangepasster Tätigkeit nicht nachvollziehbar 

begründet hat. Insofern sind zumindest leichte Zweifel an der Beurteilung des RAD-Arztes an-

gebracht. Dies umso mehr, als Dr. C.____ kein neurologischer Facharzt ist. Nachdem sich je-

doch aus den Akten ergibt, dass die übrigen medizinischen Beurteilungen übereinstimmend von 

einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgehen, kann an dieser Stel-

le auf die Einholung ergänzender Abklärungen zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ver-

zichtet werden. Hinzu kommt, dass Dr. D.____ in seinem aktuellsten Bericht vom 27. Novem-

ber 2020 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestätigt. Zwar wurde 

dieser Arztbericht nach Erlass der Verfügung vom 26. Oktober 2020 erstellt, er ist allerdings für 

die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit dennoch zu berücksichtigen. Die anlässlich der heutigen 

Gerichtsverhandlung geschilderte Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Spitex-

Notwendigkeit aufgrund eines Katheters hat sich hingegen erst nach Erlass der angefochtenen 

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Verfügung zugetragen und kann daher nicht berücksichtigt werden (vgl. E. 3.7 hiervor); sie wäre 

gegebenenfalls im Rahmen einer Neuanmeldung zu überprüfen. Insgesamt ist mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin sowohl in der an-

gestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeiteine Arbeitsfähigkeit von 50 % vor-

liegt. 

 

6.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG 

anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Erwerbs-

einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie-

hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden 

wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol-

gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit-

telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invali-

ditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 

Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, 

sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewon-

nenen Annäherungswerte sind miteinander zu vergleichen. 

 

6.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab-

gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 

70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie 

zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 

 

6.3 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Per-

son im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Um-

stände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich 

verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach 

empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt 

worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich 

der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der 

realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (BGE 134 V 322 E. 4.2, 129 V 222 

E. 4.3.1).  

 

6.4 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär 

von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret 

steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson-

ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleiben-

de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen 

aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsäch-

lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom-

men gegeben, weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder 

jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können 

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nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik perio-

disch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 129 V 472 

E. 4.2.1). 

 

6.5 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der 

beiden hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig oder unmöglich erweisen. Lassen 

sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, 

so ist ausnahmsweise in Anlehnung an Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung 

(IVV) vom 17. Januar 1961 ein Betätigungsvergleich durchzuführen und der Invaliditätsgrad 

nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der 

konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (sog. ausserordentliches Bemessungsverfah-

ren; BGE 128 V 29 E. 1; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2009, 9C_236/2009, E. 3 

und 4). Zunächst ist anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung fest-

zustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewich-

ten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen 

kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur 

Folge zu haben. Eine gesetzliche Regelung, welche Bemessungsmethode bei Selbständig- 

erwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. Welche Methode Anwendung findet, hängt in erster 

Linie davon ab, ob sich die hypothetischen Erwerbseinkommen zuverlässig schätzen lassen 

(allgemeine Methode) oder nicht (ausserordentliche Methode). Anzufügen ist in diesem Zu-

sammenhang, dass den Verwaltungsbehörden bezüglich der Auswahl der Methode ein gewis-

ser Ermessensspielraum zusteht, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift. 

 

6.6 Bevor die versicherte Person Leistungen beanspruchen darf, hat sie in Berücksichti-

gung der Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukehren, um die Folgen der 

Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu verneinen, wenn sie selbst ohne 

Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls mit einem Berufswechsel, in der Lage ist, ein renten-

ausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die Auslegung des unbestimmten 

Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit im Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbständigen 

Erwerbstätigkeit im Besonderen, sind die gesamten subjektiven und objektiven Gegebenheiten 

des Einzelfalles zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen bei den subjektiven Umständen die 

verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die weiteren persönlichen Verhältnisse, wie Alter, berufli-

che Stellung, Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere 

der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende Aktivitätsdauer massgeblich. Eine 

Betriebsaufgabe ist nur unter strengen Voraussetzungen unzumutbar, und es kann ein Betrieb 

selbst dann nicht auf Kosten der Invalidenversicherung aufrecht erhalten werden, wenn die ver-

sicherte Person darin Arbeit von einer gewissen erwerblichen Bedeutung leistet (Urteil des 

Bundesgerichts vom 3. Mai 2016, 9C_644/2015, E. 4.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Dies führt 

dazu, dass eine versicherte Person unter Umständen so zu behandeln ist, wie wenn sie ihre 

Tätigkeit als Selbständigerwerbende aufgäbe, d.h. sie hat sich im Rahmen der Invaliditätsbe-

messung jene Einkünfte anrechnen zu lassen, welche sie bei Aufnahme einer leidensangepass-

ten unselbständigen Erwerbstätigkeit zumutbarerweise verdienen könnte (Urteil des Bundesge-

richts vom 17. November 2015, 8C_492/2015, E. 2.2 mit Hinweisen). 

 

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7.1 Beim Einkommensvergleich stellte die IV-Stelle sowohl für das Validen- als auch für 

das Invalideneinkommen auf den Durchschnitt des bisherigen, tatsächlich erzielten Einkom-

mens ab, denn die Versicherte arbeitete auch nach Eintritt des Gesundheitsschadens weiterhin 

als Inhaberin eines Secondhand-Geschäfts. Gestützt auf die Geschäftsabschlüsse und die Ein-

kommenszahlen aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) in den Jahren 2015-2017 ermittelte 

sie ein Valideneinkommen in Höhe von Fr. 32'546.--. Hinsichtlich des Invalideneinkommens 

berücksichtigte die IV-Stelle das durchschnittliche Einkommen der Jahre 2018 und 2019, zumal 

die Parkinsondiagnose im August 2017 gestellt wurde. Dabei ermittelte sie gestützt auf die Ge-

schäftsabschlüsse und die Einkommenszahlen aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) in den 

Jahren 2018-2019 ein Einkommen von Fr. 34'151.--. Die Gegenüberstellung von Validen- und 

Invalideneinkommen ergab demnach einen IV-Grad von 0 %. 

 

7.2.1 Die Beschwerdeführerin wendet in Bezug auf die Ermittlung des Invalideneinkommens 

ein, das höhere Einkommen nach Eintritt des Gesundheitsschadenhabe habe nur dank der Mit-

hilfe von freiwilligen Helfenden erzielt werden können, wobei 47 % der geleisteten Arbeitsstun-

den von diesen erbracht worden seien. 

 

7.2.2 Im Abklärungsbericht Selbständigerwerbende vom 25. März 2020 wird unter Ziffer 3.2 

(Nach Eintritt des Gesundheitsschadens invaliditätsbedingte Änderungen) die Reduktion der 

Geschäftsöffnungszeiten um einen Tag pro Woche sowie um eineinhalb Stunden pro Tag er-

wähnt. Zudem wird aufgeführt, die Versicherte nehme vermehrt Ware in Kommission an, um die 

Aufbereitungsarbeit zu reduzieren. Hinzu komme die unentgeltliche Hilfe durch eine Freundin 

im Umfang von wöchentlich ein bis zwei Stunden. 

 

7.2.3 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin 

verschiedene Bestätigungen über Fremdhilfe ein. Insgesamt liegen Bestätigungen von acht 

freiwillig Helfenden vor, die einen Umfang von 28 Stunden Mithilfe pro Woche bestätigen. Die 

Mehrheit dieser Bestätigungen bezieht sich auf eine Mithilfe ab Sommer 2020, insofern liegt 

kein Widerspruch zum Abklärungsbericht Selbständigerwerbende vom 25. März 2020 vor. Eine 

zeitlich weiter zurückliegende Mithilfe bestätigen lediglich drei Personen. Die von diesen drei 

Personen bestätigte Mithilfe beträgt insgesamt rund 15 Stunden pro Woche. Das in den Jahren 

2018 und 2019 erzielte Invalideneinkommen wurde somit unter einer wöchentlichen Mithilfe im 

Umfang von rund 15 Arbeitsstunden erzielt. Ob und inwieweit diese Mithilfe tatsächlich zum 

Geschäftsumsatz beigetragen hat, ist allerdings fraglich. Dies umso mehr, als die Beschwerde-

führerin anlässlich der heutigen Befragung angegeben hat, dass die freiwillig Helfenden nie al-

leine im Geschäft, sondern sie selbst immer auch noch anwesend gewesen sei. Das in diesem 

Zusammenhang von der Beschwerdeführerin angeführte Urteil des Bundesgerichts 

9C_236/2009 vom 7. Oktober 2009 setzt denn auch einen Kausalzusammenhang zwischen 

Mithilfe und Umsatzsteigerung voraus. Mithin ist der Anteil der Mithilfe nur dann vom Umsatz 

abzuziehen, wenn die Mithilfe nachweislich eine Umsatzsteigerung bewirkt hat. Im vorliegenden 

Fall ist ein entsprechender Nachweis nicht erbracht worden. Er liesse sich auch nicht durch wei-

tere Abklärungen erbringen, da die Beschwerdeführerin nicht über eine Geschäftskasse verfügt, 

mit der die einzelnen Verkäufe individualisierbar und somit den jeweiligen Verkaufspersonen 

zuordenbar wären. Dass die blosse Präsenz bzw. Mithilfe eines freiwillig Helfenden im Geschäft 

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nicht zwingend mit einem höheren Umsatz verbunden ist, erschliesst sich auch daraus, dass 

die krankheitsbedingte Reduktion der Öffnungszeiten des Geschäfts um wöchentlich einen Tag 

und täglich eineinhalb Stunden gemäss den Geschäftsabschlüssen zu keiner Umsatzeinbusse 

geführt hat. Insgesamt lässt sich nicht quantifizieren, ob und inwieweit die freiwillige Mithilfe von 

Personen aus dem persönlichen Umfeld der Beschwerdeführerin zum Geschäftsgewinn beige-

tragen hat. Dementsprechend ist eine Anpassung des Invalideneinkommens nicht zulässig. 

 

7.3 Zu prüfen bleibt schliesslich, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine IV-

Rente hätte, wenn sie ihre selbständige Erwerbstätigkeit aufgeben würde. Grundsätzlich ist 

auch Selbständigerwerbenden ein Berufswechsel resp. die Betriebsaufgabe im Rahmen der 

Schadenminderung zumutbar (vgl. E. 6.6 hiervor). Ausgehend von den LSE 2018, TA1, Total, 

Kompetenzniveau 1, Frauen, ist auf einen Tabellenwert von Fr. 4'371.-- abzustellen. Unter An-

passung an die Wochenarbeitszeit und die Nominallohnentwicklung (2018-2019) sowie unter 

Vornahme eines leidensbedingten Abzugs von 10 % ergibt sich ein Invalideneinkommen von 

Fr. 24'950.75 und somit ebenfalls einen rentenausschliessenden IV-Grad von 23.33 %. 

 

7.4 Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechts-

anwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung des Validenein-

kommens vorzunehmen wäre und die Berechnung desselben auch von der Versicherten nicht 

beanstandet wurde, erübrigt sich eine weitere Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle 

berechneten Valideneinkommen (vgl. E. 7.1 hiervor). 

 

8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-Stelle in der angefochtenen 

Verfügung vom 26. Oktober 2020 einen Rentenanspruch der Versicherten zu Recht abgelehnt 

hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewie-

sen werden muss. 

 

9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen, hier 

anwendbaren Fassung, ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. 

Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen 

von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durch-

schnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Be-

rücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 

Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes-

senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb 

die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Ver-

fügung vom 23. Dezember 2020 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus die-

sem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.  

 

9.2 Dem Prozessausgang entsprechend ist der Beschwerdeführerin keine Parteientschä-

digung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. In der Verfügung vom 23. Dezember 2020 ist ihr 

jedoch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt worden, weshalb 

diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der 

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Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Hono-

rar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde, begrenzt auf die zur Wahrung der 

Rechte der vertretenen Person notwendigen Handlungen (§ 22 Abs. 2 des Gesetzes über die 

Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Die Rechtsver-

treterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 15. April 2021 für das vorliegende 

Verfahren (exkl. Hauptverhandlung) einen Zeitaufwand von 29 Stunden und 55 Minuten geltend 

gemacht. Dieser Aufwand erweist sich im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu 

hoch. In Anbetracht des Umstands, dass die Rechtsvertreterin Fachanwältin für Haft- und Ver-

sicherungsrecht ist, ist bei den rechtlichen Abklärungen eine Reduktion von einer Stunde ange-

zeigt. Ebenso erscheint der geltend gemachte Aufwand für den Kundenbesuch am 

23. November 2020 zu hoch. Die Notwendigkeit eines persönlichen Besuchs bei der Beschwer-

deführerin zu Hause erschliesst sich dem Gericht nicht. Genauso zielführend wäre ein telefoni-

sches Gespräch bzw. ein persönliches Gespräch im Büro der Rechtsvertreterin gewesen, was 

einen deutlich geringeren Kostenaufwand generiert hätte, weshalb eine Reduktion von 50 Minu-

ten (Wegzeit) angezeigt ist. Ferner ist bei der Ausarbeitung der Beschwerdeschrift, des Plädo-

yers, beim Aktenstudium sowie beim Einholen von Unterlagen eine weitere Reduktion ange-

zeigt, zumal die zweite Eingabe (Beschwerdebegründung) einige Wiederholungen der ersten 

Eingabe (Beschwerde) enthält und die Akten im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen nicht 

derart umfangreich sind. Diesbezüglich ist eine Reduktion von 20 Stunden und 6 Minuten um 11 

Stunden und 6 Minuten auf 9 Stunden angebracht. Für das vorliegende Verfahren erscheint 

unter Beachtung aller Umstände ein Aufwand von gerundet 18 Stunden und 30 Minuten, 

inkl. 1.5 Stunden für die Hauptverhandlung, als angemessen. Die ausgewiesenen Auslagen 

sind vor diesem Hintergrund um die Wegkosten für den Kundenbesuch am 23. November 2020 

um Fr. 24.50 (2 x 17.5 km à Fr. -.70) auf den Betrag von Fr. 257.10 zu reduzieren. Der Rechts-

vertreterin ist demnach ein Honorar von Fr. 3’700.-- ([18.5 Stunden x Fr. 200.--] + Auslagen von 

Fr. 257.10 zzgl. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 

 

9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die 

Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine 

Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, 

sobald sie dazu in der Lage ist. 

  

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Seite 13  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- werden der Be-

schwerdeführerin auferlegt. 

Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die 

Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.  

 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der 

Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von 

Fr. 4'261.80 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge-

richtskasse ausgerichtet. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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