# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2cb193f2-9674-5c6e-9231-007d4572c833
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-1152/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1152-2011_2012-02-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1152/2011
law/bah

U r t e i l   v om   6 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérald Bovier,
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Russland,  
vertreten durch lic.iur. Susanne Sadri, LL.M.,
Asylhilfe Bern, (…),
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 17. Januar 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a.  Die  Beschwerdeführerin  verliess  Russland  zusammen  mit  ihrem 
Sohn  eigenen  Angaben  gemäss  am  24. September  2010  und  gelangte 
am 1. Oktober  2010  in  die Schweiz, wo  sie  am  folgenden Tag um Asyl 
nachsuchte.

A.b.  Bei  der  Erstbefragung  vom  13. Oktober  2010  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum Basel  sagte  sie  aus,  sie  sei  im Alter  von  20  Jahren 
von der Ukraine nach Russland gezogen. Seit 1992 sei sie in zweiter Ehe 
mit einem ethnischen Russen verheiratet. Von Anfang 2004 bis Ende Mai 
2009 habe sie in Südkorea gearbeitet. In der Ukraine wohnten ihre Mutter 
und  ihr  Bruder.  Ihr  erster  Ehemann,  von  dem  sie  geschieden  sei,  sei 
mütterlicherseits  tschetschenischer  Abstammung.  Als  der  erste 
Tschetschenienkrieg  ausgebrochen  sei,  sei  ihr  Ex­Mann  in  den  Kampf 
gegen  Russland  gezogen.  Ab  2003  sei  sie  zirka  sieben  Mal  von  der 
russischen  Staatsanwaltschaft  vorgeladen  und  über  ihren  Ex­Mann 
befragt  worden.  Man  habe  ihr  nicht  glauben  wollen,  dass  sie  keine 
Verbindung zu ihm habe. Man habe ihr vorgeworfen, ihr Ex­Mann gehöre 
einer terroristischen Organisation an. Den letzten vier Vorladungen habe 
sie  keine  Folge  geleistet.  Ihren  Ex­Mann  habe  sie  zum  letzten  Mal  im 
Jahr  2002  gesehen;  letztmals  telefoniert  habe  sie  mit  ihm  im  Januar 
2010. Sie habe gegenüber den Behörden zugegeben, mit  ihm telefoniert 
zu  haben.  Ihr  Sohn  und  sie  seien  von  Tschetschenen 
zusammengeschlagen  worden.  Sie  hätten  dies  bei  der 
Staatsanwaltschaft angezeigt, die sich geweigert habe, ein Strafverfahren 
zu  eröffnen.  Sie  habe  sich  am  28.  Juni  2010  an  die 
Generalstaatsanwaltschaft  gewandt,  bisher  habe  sie  keine  Antwort 
erhalten.  Es  habe  sich  herausgestellt,  dass  ihr  Ex­Mann  einen 
Tschetschenen  getötet  habe.  Sie  hätten  die  Wohnung  gewechselt,  die 
neue  Wohnung  sei  am  15. September  2010  von  Tschetschenen 
"gestürmt"  worden.  Diese  hätten  ihren  jetzigen  Ehemann  mit  einem 
Messer verletzt. Die Ambulanz sei verständigt worden und die Polizei sei 
in die Wohnung gekommen.  Ihr Mann habe Anzeige erstattet, nachdem 
er operiert worden sei. Danach sei sie zusammen mit  ihrem Sohn nach 
Moskau  gereist.  Zur  Stützung  ihrer  Aussagen  gab  die 
Beschwerdeführerin mehrere Vorladungen und eine Verfügung über  die 
Verweigerung der Einleitung eines Strafverfahrens ab.

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A.c. Am  28. Oktober  2010 wurde  die  Beschwerdeführerin  vom BFM  zu 
ihren  Asylgründen  angehört.  Sie  machte  im  Wesentlichen  geltend,  ihr 
Ehemann habe das Spital wahrscheinlich am 5. Oktober 2010 verlassen 
können.  Ihr  Sohn,  der mehrmals mit  seinem Stiefvater  telefoniert  habe, 
habe  ihr dies mitgeteilt. Sie habe mit dem operierenden Arzt und einem 
Nachbarn  gesprochen.  Im  Jahr  1990  seien  fünf  Städte  der  ehemaligen 
Sowjetunion  zu  freien  wirtschaftlichen  Zonen  erklärt  worden.  Deshalb 
seien damals Verwandte  ihres Ex­Mannes nach B._______ gekommen. 
Sie  hätten  dort  ein  Kleinunternehmen  gegründet.  Sie  sei  gezwungen 
worden,  Kurse  in  Buchhaltung  zu  absolvieren.  Sie  habe  unter  dieser 
Situation gelitten und sich scheiden  lassen. Sie habe  relativ bald erneut 
geheiratet,  aber  immer  noch  in  der  Firma  der  Verwandten  ihres  Ex­
Mannes gearbeitet. Da sie von den Steuerbehörden belästigt worden sei, 
habe sie gekündigt. Im Februar 2003 sei die Organisation "Kongress der 
Völker von Ichkeria und Dagestan" als Terrororganisation erklärt worden; 
ihr Ex­Mann solle Mitglied gewesen sein. Ihr Ex­Mann lebe in den Bergen 
Tschetscheniens  und  habe  gekämpft.  Im  Jahr  2002  habe  er  ihr 
Dokumente und Disketten zur Aufbewahrung geben wollen; sie habe sich 
aber geweigert, diese anzunehmen. Da der Untersuchungsrichter ihr dies 
nicht  habe  glauben  wollen,  habe  er  im  Oktober  2003  eine 
Hausdurchsuchung  angeordnet.  Sie  sei  im  Januar  2004  nach  Korea 
gereist, um zu zeigen, dass sie mit der Sache nichts zu tun habe. Im Jahr 
2009 habe  ihr Mann sie angerufen und  ihr gesagt,  ihr Sohn sei  verletzt 
worden und befinde sich im Spital. Sie sei nach Russland zurückgekehrt 
und habe ihren Sohn aus dem Spital geholt. Als sie zur Polizei gegangen 
sei, um Anzeige zu erstatten, habe man diese nicht entgegengenommen, 
da  ihr  Pass  ungültig  gewesen  sei.  Fünf  Tage  danach  habe  sie  erneut 
Anzeige  erstattet.  Zehn  Tage  später  sei  sie  auf  der  Strasse  von  einem 
Tschetschenen angesprochen worden, der  ihr einige Frage habe stellen 
wollen.  Sie  habe  ihm  gesagt,  sie  habe  seit  Jahren  keinen  Kontakt  zu 
ihrem Ex­Mann. Er habe  ihr nicht geglaubt und sie geschlagen. Er habe 
ihr  eine  Telefonnummer  aufgeschrieben  und  gesagt,  sie  solle  diese 
Nummer  anwählen. Einige Tage  später  habe  sie  dies  getan; man habe 
vereinbart, sich am Abend zu treffen. Sie sei von einer Frau abgeholt und 
zu einem Park gefahren worden. Diese habe ihr ein Mobiltelefon gegeben 
und  sie  zum Sprechen  aufgefordert.  Ein Mann  habe  ihr  gesagt,  ihr  Ex­
Mann habe seinen Bruder getötet, nach ihrem Brauch gelte das "Gesetz" 
der  Blutrache.  Sie  habe  dem Mann  angeboten,  die  Sache  finanziell  zu 
regeln, was dieser abgelehnt habe. Sie habe  ihm angeboten, sie werde 
versuchen,  ihren  Ex­Mann  zu  kontaktieren.  Später  habe  sie  erfahren, 
dass der Getötete beim Innenministerium gearbeitet habe. Man habe sie 

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davor gewarnt, sich an die Polizei zu wenden.  Ihr Ex­Mann habe sie  im 
Januar  2010  angerufen.  Sie  habe  ihm  das  Vorgefallene  geschildert.  Er 
habe gemeint,  sein Sohn müsse sofort  zu  ihm kommen. Sie habe  ihren 
Ex­Mann aufgefordert, er solle nach B._______ kommen und die Sache 
klären.  Sie  habe  ihm  das  Geld  für  die  Reise  übermittelt.  Die 
Tschetschenen  hätten  sie  Anfang  Februar  angerufen  und  an  die 
Vereinbarung erinnert. Der Tschetschene, dessen Bruder getötet worden 
sei,  sei  im  März  2010  erneut  erschienen  und  habe  sie 
zusammengeschlagen. Sie habe einen Monat lang nicht zur Arbeit gehen 
können.  Ihr  Ehemann,  der  bislang  nichts  von  ihren Problemen  gewusst 
habe,  habe  sie  gezwungen,  zur  Polizei  zu  gehen.  Sie  habe  Anzeige 
erstattet.  Zwei  Wochen  danach  sei  sie  vom  Untersuchungsrichter 
vorgeladen  und  über  ihren  Ex­Mann  befragt  worden.  Sie  habe  erzählt, 
dass sie  ihm Geld geschickt habe. Sie und ihr Sohn seien später erneut 
zusammengeschlagen worden.  Ende Mai  sei  sie  zusammengeschlagen 
worden,  weil  sie  Anzeige  erstattet  und  der  Vorladung  des 
Untersuchungsrichters Folge geleistet habe. Nachdem ihr Sohn nochmals 
überfallen worden  sei,  sei  sie  auf  den Posten  gegangen  und  habe  dort 
einen  Skandal  verursacht.  Man  habe  ihr  schriftlich  mitgeteilt,  es  werde 
kein  Strafverfahren  eingeleitet.  Sie  habe  sich  an  die 
Generalstaatsanwaltschaft  in  Moskau  gewandt,  von  dort  aber  keine 
Antwort  erhalten.  Am  15. September  2010  hätten  zwei  Tschetschenen 
versucht,  ihren Sohn  in  einen Wagen  zu  zerren. Ein Bekannter  und  sie 
hätten  eingegriffen,  worauf  die  beiden  die  Flucht  ergriffen  hätten.  Kurz 
danach  habe  ihr  Mann  sie  angerufen  und  ihr  gesagt,  er  glaube,  "man 
habe  ihn  umgebracht".  Sie  seien  nach Hause  gerannt  und  hätten  ihren 
Mann  auf  dem  Sofa  liegend  vorgefunden.  Sie  habe  den  Notfalldienst 
gerufen,  der  sie  ins  Spital  gebracht  habe.  Ihr  Mann  sei  einer 
vierstündigen  Operation  unterzogen  worden.  Man  habe  die  Polizei 
informiert  und  ihr  Mann  habe  Anzeige  erstattet.  Sie  sei  am  folgenden 
Morgen  zur  Polizei  gegangen  und  habe  gesagt,  man  habe  ihren  Sohn 
entführen wollen. Man habe ihr gesagt, es sei nur ein Versuch gewesen, 
und  die  Anzeige  nicht  entgegengenommen.  Sie  habe  einen  Anwalt 
konsultiert,  der  ihr  gesagt  habe, man  wolle  ihren  Sohn  wohl  entführen, 
töten  und  die  Leiche  verschwinden  lassen.  Ohne  Leiche  werde  kein 
Strafverfahren eingeleitet. Danach habe sie die Ausreise vorbereitet. 

B. 
Mit Verfügung vom 17. Januar 2011 – eröffnet am folgenden Tag – stellte 
das BFM  fest,  die Beschwerdeführerin  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  und  lehnte  ihr  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die 

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Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordnete den 
Vollzug der Wegweisung an.

C. 
Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  17. Februar  2011 
liess  die  Beschwerdeführerin  durch  ihre  Rechtsvertreterin  beim 
Bundesverwaltungsgericht  gegen diese Verfügung Beschwerde erheben 
und  beantragen,  der  negative  Entscheid  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihr 
Asyl zu gewähren; es sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des 
Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  als  Folge  davon  sei  sie 
vorläufig  aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  sie 
beantragen, es sei  ihr Verfahren mit demjenigen ihres Sohnes (N …) zu 
vereinigen  und  es  sei  ihr  die  unentgeltliche Rechtspflege  zu  gewähren. 
Der  Eingabe  lag  eine  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  der 
Beschwerdeführerin vom 24. Januar 2011 bei.

D. 
Der  Instruktionsrichter  wies  das  Gesuch  um  Vereinigung  der 
Beschwerdeverfahren  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Sohnes  mit 
Verfügung  vom  28. Februar  2011  ab.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021)  hiess  er  gut.  Gleichzeitig  verzichtete  er  auf  die  Erhebung 
eines  Kostenvorschusses  und  stellte  die  Akten  dem  BFM  zur 
Vernehmlassung zu.

E. 
Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  2. März  2011  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlassung  wurde  der 
Beschwerdeführerin vom Bundesverwaltungsgericht am 8. März 2011 zur 
Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

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im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

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auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  die 
Beschwerdeführerin  habe  mehrere  Anzeigen  erstattet,  die  in  einer 
Verfügung  der  Untersuchungsabteilung  der  Staatsanwaltschaft 
resultierten,  wonach  in  dieser  Angelegenheit  kein  Strafverfahren 
eingeleitet  werde.  Daraus  könne  nicht  geschlossen  werden,  dass  der 
russische  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme.  Die  von  ihr 
geltend  gemachten  Übergriffe  stellten  auch  in  Russland  strafbare 
Handlungen  dar,  die  von  den  Strafverfolgungsbehörden  geahndet 
würden.  Ihr sei es somit möglich, sich wiederholt und mit Nachdruck an 
die Behörden zu wenden und um Schutz nachzusuchen. Die Untätigkeit 
einzelner Beamter könne bei den vorgesetzten Stellen gerügt werden. Bei 
fehlender  Asylrelevanz  könne  darauf  verzichtet  werden,  auf  allfällige 
Unglaubhaftigkeitsmerkmale  in  der  Schilderung  der  Beschwerdeführerin 
einzugehen. Es  sei  anzumerken,  dass  es  ihren Aussagen an  der  einen 
oder  anderen Stelle  an der  gebotenen Logik  oder Plausibilität  fehle. So 
sei nicht nachvollziehbar, dass sie ihren Mann und ihren Sohn nicht über 
die  Hintergründe  der  Übergriffe  ins  Bild  gesetzt  haben  wolle.  Ihre 
Erklärung,  sie  habe  ihren Sohn  nicht  in  die Angelegenheit  hineinziehen 
wollen,  da  er  in  einem  Alter  sei,  in  dem  man  Dummheiten  mache, 
überzeuge nicht. Noch fragwürdiger stelle sich der Umstand dar, dass sie 
B._______ verlassen haben wolle, ohne ihren im Spital weilenden Mann 
über  ihre  Ausreise  in  Kenntnis  zu  setzen.  Es  sei  ebenso  befremdlich, 
dass  sie  ihn  seither  weder  kontaktiert  noch  mit  ihrem  Sohn  über  den 
Inhalt seiner Telefongespräche mit ihm gesprochen haben wolle. Insofern 
sie  vorbringe,  sie  sei  aufgrund  der  Mitgliedschaft  ihres  Ex­Mannes  zu 
einer terroristischen Organisation von der Staatsanwaltschaft vorgeladen 
und befragt worden, sei festzustellen, dass es das Recht der russischen 
Behörden  sei,  in  Sachen  Terrorismus  die  entsprechenden 
Nachforschungen zu betreiben und Abklärungen zu tätigen. 

4.2. In der Beschwerde wird vorab ausführlich der Sachverhalt geschildert 
und  geltend  gemacht,  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  hätten  bei 
den russischen Behörden wiederholt Anzeige erstattet. Trotzdem sei kein 

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Strafverfahren  eingeleitet  worden.  Die  Beschwerdeführerin  habe  sofort 
nach  Erhalt  der  negativen  Verfügung  eine  Beschwerde  an  die 
Generalstaatsanwaltschaft  gerichtet.  Es  könne  ihr  somit  nicht 
vorgeworfen  werden,  sie  habe  nicht  alle  zumutbaren  Massnahmen 
ergriffen.  Sie  sei  seit  1993  mehrmals  von  der  Staatsanwaltschaft 
vorgeladen und angehört worden. Sie habe mit den Behörden kooperiert 
und von den Begegnungen mit ihrem Ex­Mann erzählt. Sie sei nach jeder 
Anzeige  von  der  Staatsanwaltschaft  vorgeladen  worden.  Der  russische 
Staat  habe  aber  keine  Schutzmassnahmen  getroffen.  Die  Übergriffe 
durch  Drittpersonen  seien  bedrohlicher  geworden  und  der  Staat  habe 
nichts  zu  ihrem  Schutz  unternommen.  Sie  habe  schliesslich  keine 
Alternative zur Flucht gesehen.

Die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  seien  von  Blutrache  bedroht 
gewesen  und  die  russischen  Behörden  seien  nicht  willens  gewesen, 
ihnen  genügenden  Schutz  zu  gewähren.  Der  Ermordete  sei  Polizist 
gewesen, was Grund für die mangelnde Schutzbereitschaft gewesen sein 
möge.  Die  ihr  zugefügten  Nachteile  und  ihre  Befürchtung,  zukünftig 
weiterer Verfolgung ausgesetzt zu werden, seien somit asylrelevant. 

Es  sei  bekannt,  dass  die  russischen  Behörden  bei  der 
Terrorismusbekämpfung  unverhältnismässige  Gewalt  anwendeten.  Es 
stelle  sich  die  Frage,  ob  das  BFM wirklich  der  Ansicht  sei,  ein  solches 
Vorgehen sei das gute Recht der russischen Behörden. Der Vorhalt des 
BFM,  sie  habe  ihrem Mann  und  ihrem  Sohn  den  Grund  der  Übergriffe 
verschwiegen,  treffe  nicht  zu. Beide  hätten  gewusst,  dass  die Angreifer 
Tschetschenen  seien  und  dass  sie  wegen  "Blutrachegeschichten" 
belästigt würden. Sie habe sich um ihren Ehemann gekümmert, da sie ihn 
ins Spital gebracht habe und eine Nacht dort geblieben sei. Der Arzt habe 
sie nach der Operation beruhigt. Sie habe von der Schweiz aus den Arzt 
und  einen  Nachbarn  angerufen  und  sich  vergewissert,  dass  es  ihrem 
Mann gut gehe. Um ihren Sohn zu schützen, habe sie ihm nicht alles im 
Detail  erzählt.  Auch  ihr  Sohn  habe  ihr  nicht  alles  gesagt.  Schliesslich 
stelle  sich  die  Frage,  weshalb  das  BFM  sie  in  der  angefochtenen 
Verfügung  als  Ukrainerin  bezeichne.  Sie  habe  seit  30  Jahren  keinen 
Kontakt mehr zur Ukraine und habe Dokumente eingereicht, in denen ihre 
russische Nationalität bekräftigt werde.

5. 
5.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine 
asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 

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Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft 
begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund 
bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise 
zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund 
der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die 
Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die 
betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz  finden 
kann  (vgl.  BVGE  2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174 f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2 
S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist 
die  Frage  nach  der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Verfolgung 
oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt 
des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der 
Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden 
Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/34  E. 7.1  S. 507  f.,  BVGE 
2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 
Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel/Bern/Lausanne  2009, 
Rz. 11.17 und 11.18).

5.2. Begründete Furcht  vor Verfolgung  liegt  vor, wenn  konkreter Anlass 
zur  Annahme  besteht,  eine  Verfolgung  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise  werde  sich  –  auch  aus 
heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer 
Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger 
Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche 
den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten 
Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und 
dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar 
erscheinen  lassen  (vgl. BVGE 2010/27 E. 2.5 S. 827 f., Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

5.3. 
5.3.1. Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei ab dem Jahr 2003 
mehrmals  von  der  Staatsanwaltschaft  vorgeladen  worden,  die  sich  für 
den  Aufenthaltsort  ihres  Ex­Ehemannes  sowie  ihre  allfälligen 
Verbindungen  zu  diesem  interessiert  habe.  Man  habe  ihr  vorgeworfen, 

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nicht die Wahrheit zu sagen und  ihr mit Haft gedroht. Nachdem sie aus 
Südkorea zurückgekehrt sei, habe man  ihr wiederum vorgeworfen, dass 
ihr Ex­Mann einer  terroristischen Organisation angehöre. Auf Nachfrage 
gab sie an, sie sei  insgesamt etwa sieben Mal befragt worden  (vgl. act. 
A2/11 S. 6). Den letzten vier Vorladungen habe sie keine Folge geleistet; 
man habe bei Gericht einen Antrag auf Bestrafung für ihr Nichterscheinen 
gestellt.

5.3.2. Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  diesbezüglich  zu 
Recht  festgestellt,  dass  die  Befragungen  der  Beschwerdeführerin  durch 
die Untersuchungsbehörden  nicht  als  asylrechtlich  relevante  Verfolgung 
zu  erachten  sind.  Gemäss  ihren  eigenen  Angaben  war  ihr  Ex­Mann 
Mitglied  einer  Gruppierung,  die  zur  terroristischen  Organisation  erklärt 
worden  sei.  Dass  sie  von  den  Untersuchungsbehörden  in  diesem 
Zusammenhang  befragt  wurde,  ist  nicht  aussergewöhnlich  und 
rechtsstaatlich  legitim. Sie erklärte zudem, dass  ihr Ex­Mann  ihr  im Jahr 
2002  habe  Dokumente  und  Disketten  zur  Aufbewahrung  geben  wollen; 
sie habe sich aber geweigert, die Dokumente anzunehmen. Die von den 
russischen Behörden im Oktober 2003 durchgeführte Hausdurchsuchung 
brachte denn auch nichts zu Tage, das sie hätte belasten können. Auch 
die Hausdurchsuchung ist als legitim zu bezeichnen; im Übrigen hatte der 
dieser  zugrunde  liegende  Verdacht,  die  Beschwerdeführerin  könnte  im 
Besitz  von Unterlagen  ihres Ex­Mannes  sein,  einen  realen Hintergrund. 
Da  die  Beschwerdeführerin  im  Jahr  2010  bei  der  Polizei  Anzeige 
erstattete  und  erwähnte,  sie  sei  zusammengeschlagen worden,  weil  ihr 
Ex­Mann  gesucht  werde,  ist  nachvollziehbar,  dass  sich  die 
Untersuchungsbehörden  für  die Angelegenheit  erneut  interessierten. Da 
sie eingestand, mit ihrem Ex­Mann telefoniert und ihm Geld geschickt zu 
haben (act. A8/18 S. 10), erstaunt auch nicht, dass die Behörden wieder 
aktiv wurden. Die Beschwerdeführerin gab des Weiteren an, sie habe vier 
Vorladungen keine Folge geleistet, weshalb man ihr angedroht habe, sie 
werde deswegen bestraft. Auch diese Strafandrohung  ist  legitim,  da  sie 
den behördlichen Vorladungen hätte Folge leisten müssen. Der Einwand 
in der Beschwerde, es sei bekannt, dass die russischen Behörden unter 
dem Titel  "Terrorismusbekämpfung"  unverhältnismässige  und  exzessive 
Gewalt  anwendeten,  kann  mit  dem  vorliegenden  Sachverhalt  nicht  in 
Zusammenhang  gebracht  werden.  Seitens  der  russischen  Behörden 
wurde  der  Beschwerdeführerin  weder Gewalt  angetan  noch mit  solcher 
gedroht.  Sie  wurde  eigenen  Angaben  zufolge  lediglich  darauf 
hingewiesen,  dass  Falschaussagen  strafbar  wären  und  eine 
Zusammenarbeit mit  ihrem Ex­Mann als Unterstützung eines Terroristen 

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gewertet  werden  könnten.  Allein  daraus  lässt  sich  keine  begründete 
Furcht vor ernsthaften Nachteilen ableiten. 

5.3.3. Die Beschwerdeführerin brachte als Hauptgrund ihrer Ausreise aus 
Russland  vor,  sie  sei  von  ihr  nicht  bekannten  Personen  bedroht  und 
misshandelt worden. Man habe ihr gesagt, ihr Ex­Mann habe einen Mann 
umgebracht, dessen Angehörige Rache nehmen wollten; dabei habe man 
es auf ihren Sohn abgesehen (vgl. act. A11/18 S. 7).

Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Übergriffe und Drohungen 
sind  aus  keinem  der  in  Art. 3  AsylG  abschliessend  genannten  Gründe 
(Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten 
sozialen Gruppe, politische Anschauungen) erfolgt. Die Personen, die ihr 
nachstellten, hatten es  in erster Linie auf  ihren Ex­Mann abgesehen, da 
dieser einen ihrer Verwandten umgebracht haben soll. Dem "Gesetz" der 
Blutrache  folgend, wäre  in zweiter Linie der gemeinsame Sohn anvisiert 
worden.  Unter  diesen  Umständen  sind  sowohl  die  von  der 
Beschwerdeführerin  erlittenen  Übergriffe  als  auch  die  Furcht,  weitere 
Übergriffe  erleiden  zu  müssen,  asylrechtlich  irrelevant.  Zudem  kann 
entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Auffassung  nicht  davon 
ausgegangen  werden,  die  russischen  Behörden  hätten  sich  generell 
geweigert,  der  Beschwerdeführerin  Schutz  zu  gewähren.  Die  von  ihr 
gestellten  Anzeigen  wurden  ihren  Aussagen  zufolge  teilweise 
entgegengenommen,  die  Staatsanwaltschaft  verweigerte  indessen  die 
Einleitung  eines  Strafverfahrens.  Die  Beschwerdeführerin  machte 
geltend,  sie  habe  sich  diesbezüglich  Ende  Juni  2010  an  die  russische 
Generalstaatsanwaltschaft  gewandt,  jedoch  bis  zum  Zeitpunkt  ihrer 
Ausreise  (24. September  2010)  noch  nichts  von  dieser  gehört.  Aus 
diesem  Umstand  kann  nicht  geschlossen  werden,  die 
Generalstaatsanwaltschaft hätte sich ihres Anliegens nicht angenommen.

5.3.4.  Abschliessend  ist  festzuhalten,  dass  Russland  über  einen  gut 
ausgebauten  Polizeiapparat  und  über  ein  Rechts­  und  Justizsystem 
verfügt  und  in  der  Lage  und  auch  willens  ist,  seinen  Bürgern  den 
erforderlichen Schutz vor kriminellem Unrecht zukommen zu lassen. Der 
gut  ausgebildete  und  über  Berufserfahrung  verfügenden 
Beschwerdeführerin,  die  schon  in  der  Vergangenheit  in  guten 
Verhältnissen gelebt hat (vgl. auch E. 7.4.2), ist deshalb – sollten sich die 
Behörden  an  ihrem  letzten  Wohnort  ausser  Stande  zeigen,  ihr  die 
erforderliche  Hilfestellung  zukommen  zu  lassen  –  ohne  weiteres 
zuzumuten, sich in einem anderen Landesteil niederzulassen und sich bei 

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allfälligen  Nachstellungen  durch  (tschetschenische)  Privatpersonen  bei 
den  russischen  Behörden  am  neuen Wohnort  um  Schutz  zu  bemühen. 
Sie  verfügt  mithin  in  der  Russischen  Föderation  über  eine  die 
Flüchtlingseigenschaft  ausschliessende  innerstaatliche  Schutzalternative 
(vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D­4935/2007  vom  21. Dezember  2011 
E. 8.6). 

5.4. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin  in 
Russland bis zu ihrer Ausreise keiner asylrechtlich relevanten Verfolgung 
ausgesetzt war.  Ihr kann weder  für den Zeitpunkt der Ausreise aus dem 
Heimatland  noch  heute  begründete  Furcht  vor  asylrechtlich  relevanter 
Verfolgung  zuerkannt  werden.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  diese  an  der 
rechtlichen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Das 
BFM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, 
EMARK 2001 Nr. 21).

7. 
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 

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Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es der 
Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 
Beschwerdeführerin  nach Russland  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  nach  Russland  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr 

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("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihr  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen). Dies ist ihr unter Hinweis auf die Erwägungen zum Asylpunkt 
nicht  gelungen.  Es  kann  weder  davon  ausgegangen  werden,  dass  ihr 
seitens  der  russischen  Behörden  eine  Menschenrechtsverletzung 
widerfährt,  noch,  dass  ihr  die  russischen  Behörden  keinen  Schutz  vor 
erneuten  Übergriffen  seitens  Privatpersonen  gewähren  würden.  Es  ist 
nochmals darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin in einer 
anderen  Gegend  Russlands  niederlassen  kann,  in  der  die 
Wahrscheinlichkeit einer erneuten Bedrohung deutlich geringer ist als an 
ihrem  letzten Wohnort.  Auch die  allgemeine Menschenrechtssituation  in 
Russland lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 
unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

7.4.1.  In Russland herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb 
der  Wegweisungsvollzug  abgewiesener  russischer  Asylsuchender 
grundsätzlich zumutbar ist.

7.4.2.  Des  Weiteren  ist  die  Beschwerdeführerin  keiner  Kategorie  von 
Personen  zuzuordnen,  die  konkret  gefährdet  sein  könnte,  weshalb  die 
Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  auch  diesbezüglich  zu  bejahen 
ist. Sie wurde in der heutigen Ukraine geboren und liess sich im Alter von 
20  Jahren  in  B._______  nieder,  wo  sie  bis  zu  ihrer  Ausreise  im 
September  2010  lebte.  Sie  erlernte  den  Beruf  einer  (…)  und  lebte  und 
arbeitete von Anfang 2004 bis Ende Mai 2009 in Südkorea; von Oktober 
2009 bis kurz vor  ihrer Ausreise aus Russland arbeitete sie wiederum in 
B._______  (vgl.  act.  A2/11  S. 1 f.).  Sie  verfügt  somit  über  eine  gute 
Ausbildung  und  reichlich  Berufserfahrung,  was  ihr  bei  einer 
Wiedereingliederung  in  ihrer  Heimat  von  Nutzen  sein  wird.  Sie  besitzt 
zusammen mit  ihrem Ehemann,  der  ebenfalls  über  eine  gute  berufliche 

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Ausbildung  verfügt  (vgl.  act.  A8/18  S. 7),  in  B._______  offenbar  zwei 
Wohnungen  (vgl.  act.  A8/18  S. 1 ff.)  und  lebte  in  guten  finanziellen 
Verhältnissen. Unter diesen Umständen ist es ihr möglich und zumutbar, 
sich  in  ihrem  Heimatland  erneut  eine  eigene  Existenzgrundlage  zu 
erarbeiten.  Allein  die  schwierige  Arbeitsmarktsituation  in  Russland, 
aufgrund  derer  es  ihr  möglicherweise  erschwert  wird,  eine  neue 
Anstellung zu finden, lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzumutbar 
erscheinen (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215, EMARK 2003 Nr. 24 
E. 5e S. 159).

7.5.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

9. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Da  ihr  mit 
Zwischenverfügung  vom  28. Februar  2011  jedoch  die  unentgeltliche 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  gewährt  wurde,  ist  auf  die 
Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

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