# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8db48f18-dac6-5791-a95b-be85d541c7f7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.06.2009 C-6575/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-6575-2007_2009-06-17.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-6575/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  J u n i  2 0 0 9

Richter Frank Seethaler (Vorsitz), Richter Beat Weber,
Richter Claude Morvant,
Gerichtsschreiberin Karin Behnke.

R.______,
Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,
avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 
1211 Genf 2,
Vorinstanz.

Invalidenversicherung; Verfügung der IVSTA vom 
22. August 2007.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-6575/2007

Sachverhalt:

A. 
Der  1946 geborene R._______ ist  deutscher  Staatsangehöriger  und 
war von 1969 bis 1976 in der Schweiz als Grenzgänger erwerbstätig 
und bei der schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver-
sicherung  (AHV/IV)  versichert  gewesen  und  hat  Beiträge  an  die 
AHV/IV geleistet (IV-Akt 4). Ab Ende Juli 1999 übte er aus gesundheit-
lichen Gründen seine Tätigkeit als Lagerarbeiter beim Wehrbereichs-
verpflegungsamt, U._______, nicht mehr aus (IV-Akt. 4). Im Juli 1999 
war bei ihm ein tiefes Rektumkarzinom bei ca. 5 cm ab ano festgestellt 
worden (IV-Akt. 75). Im Kreiskrankenhaus B._______ erfolgte am 16. 
November 1999 eine abdomino-perineale Rektumexstirpation mit An-
lage eines endständigen Sigmoidostomas im Sinne eines Anus praeter 
am linken Unterbauchbereich (IV-Akt.  14,76). Vom 13. Januar bis 10. 
Februar  2000  hielt  sich  R._______  in  einer  Rehabilitationsklinik  auf 
(IV-Akt. 77). 

B.
B.a Am 20. Januar 2000 gelangte R._______ an das Versorgungsamt 
F.________,  Aussenstelle  R._______,  und  stellte  einen  Antrag  auf 
Feststellung von Behinderungen nach dem Schwerbehindertengesetz 
und auf  Ausstellung eines  Ausweises (IV-Akt. 1). Mit  Verfügung vom 
28. März 2000 wurde ihm ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt, 
mit welchem ihm ein Behinderungsgrad von 80 GdB (Grad der Behin-
derung) per 1. Juli 1999 zuerkannt wurde (IV-Akt. 15). 

B.b Am 21. Juni 2000 stellte R._______ bei der Landesversicherungs-
anstalt Baden (im Folgenden: LVA Baden) einen Antrag auf Invaliden-
rente, welcher von der LVA Baden an die IV-Stelle für Versicherte im 
Ausland (im Folgenden: IVSTA) weitergeleitet wurde, wo er am 10. Juli 
2000 einging (IV-Akt. 4, 5). 

B.c  Am 28. Juli  2000 wies die LVA Baden nach einer Begutachtung 
vom 5. Juli 2000 (IV-Akt 79) das Gesuch von R._______ vom 21. Juni 
2000  um Zusprache  einer  deutschen  Erwerbsminderungsrente  man-
gels  Berufsunfähigkeit  bzw. Erwerbsunfähigkeit  ab,  was sie  in  ihrem 
Widerspruchsbescheid vom 20. Dezember 2000 bestätigte (IV-Akt. 7, 
18). Die am 19. Januar 2001 gegen diesen Widerspruchsbescheid ein-
gereichte Klage zog der Versicherte zurück (IV-Akt. 92). 

Seite 2

C-6575/2007

B.d Mit Vorbescheid vom 24. Januar 2001 stellte die IVSTA dem Versi-
cherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens mangels einer ren-
tenbegründenden Invalidität in Aussicht (IV-Akt. 20), in welchem Sinne 
sie am 29. März 2001 verfügte (IV-Akt. 22). Diese Verfügung erwuchs 
in Rechtskraft (IV-Akt. 24).

B.e Am 26. Februar 2003 stellte R._______ erneut bei der LVA Baden 
einen Antrag auf Invalidenrente, welcher von dieser an die IVSTA wei-
tergeleitet wurde, wo er am 11. Juni 2003 einging (IV-Akt. 29, 30).

B.f  Am 22. Mai  2003 wies die LVA Baden nach einer  Begutachtung 
vom 18.  März 2003 (IV-Akt 92) das Gesuch von R._______ um Zu-
sprache einer deutschen Erwerbsminderungsrente mangels Berufsun-
fähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit ab, was sie in ihrem Widerspruchs-
bescheid vom 19. Februar 2004 bestätigte (IV-Akt. 28, 46).

B.g Mit Verfügung vom 3. Februar 2004 trat die IVSTA auf das neue 
Gesuch nicht  ein, da nicht  glaubhaft  gemacht worden sei,  dass sich 
der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise 
geändert habe (IV-Akt. 45). 

B.h Am 20. Januar 2006 informierte die Deutsche Rentenversicherung 
die Schweizerische Ausgleichskasse (SAK) darüber, dass dem Versi-
cherten mit Bescheid vom 20. Januar 2006 eine Altersrente ab 1. Feb-
ruar  2006  für  Schwerbehinderte  zugesprochen  worden  sei  (IV-Akt. 
47-49, 56). 

B.i  Am 2. Februar  2006  ersuchte  die  Deutsche  Rentenversicherung 
die SAK um Einleitung des Rentenverfahrens nach Art. 41 Abs. 2 VO 
(EWG) Nr. 574/72 i.V.m. dem Abkommen zwischen der Europäischen 
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft andererseits über die Freizügigkeit vom 21. 
Juni 1999 (IV-Akt. 50, 51). Am 24. April 2006 ersuchte der Versicherte 
die IVSTA unter Hinweis, dass er nun eine Rente aus der Deutschen 
Versicherung beziehe, um Mitteilung, ab wann er mit dem Bezug einer 
schweizerischen Rente rechnen könne (IV-Akt. 53). Mit Schreiben vom 
14. Juni 2006 forderte die IVSTA sowohl den Versicherten als auch die 
Deutsche Rentenversicherung auf, ihr bestimmte Unterlagen einzurei-
chen (IV-Akt. 54, 55). Diesem Ersuchen kamen sowohl die Deutsche 
Rentenversicherung als auch der Versicherte nach (IV-Akt. 56, 57, 58). 
Die  IVSTA forderte  beim  Landsratsamt  W._______,  W._______,  die 

Seite 3

C-6575/2007

Schwerbehindertenakten  des  Versicherten  an  (IV-Akt.  68).  Dr.  med. 
H._______  vom  Regionalen  ärztlichen  Dienst  der  Invalidenversiche-
rung  (im Folgenden: RAD) erachtete die neuen Unterlagen als belang-
los und postulierte eine Abweisung des Rentengesuchs bzw. ein Nicht-
eintreten auf das Rentengesuch (IV-Akt. 99). 

B.j  Mit Vorbescheid vom 11. April  2007 stellte  die IVSTA R._______ 
die Abweisung seines dritten Rentengesuchs in Aussicht (IV-Akt. 100). 
Nachdem R._______ am 19. April 2007 dagegen opponiert sowie Dr. 
med. H._______, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie/Onkologie, 
B._______, der IVSTA ein Attest vom 11. Juni 2007 hatte zukommen 
lassen (IV-Akt. 102, 104),  unterbreitete die IVSTA die Unterlagen Dr. 
med.  H._______,  Onkologie,  Hämatologie,  G._______,  welche  den 
Versicherten von Juli 1999 bis 30. September 1999 zu 100% in allen 
Tätigkeiten und danach in der angestammten Tätigkeit zu 60% und in 
einer angepassten Tätigkeit zu 20% arbeitsunfähig erachtete (IV-Akt. 
105, 106). 

B.k  Im Einkommensvergleich vom 13. August 2007 stellte die IVSTA 
für die Berechnung des Valideneinkommens auf das Einkommen des 
Versicherten bei der letzten Arbeitgeberin ab bzw. auf das Jahr 1998 
und stellte  diesem als  Invalideneinkommen das Einkommen für  eine 
leichte Tätigkeit  im Umfang von 80% gegenüber. Unter  Berücksichti-
gung eines leidensbedingten Abzugs von 15% berechnete die IVSTA 
ab 1. Juli 2000 einen Einkommensverlust von 51.22% (IV-Akt. 107). 

B.l  Mit Verfügung vom 22. August 2007 sprach die IVSTA dem Versi-
cherten eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Januar 2006 zu. 
Sie begründete dies damit, seit dem 28. Juli 1999 liege eine Arbeitsun-
fähigkeit von 100% und ab dem 1. Oktober 1999 eine solche  von 60% 
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit vor. In einer angepassten Tätigkeit 
sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 20% ab dem 1. Oktober 1999 aus-
zugehen, so dass von einer Erwerbseinbusse von 51% bzw. einem An-
spruch auf eine halbe Rente ab dem 1. Juli 2000 auszugehen sei. Die 
beiden ersten Rentengesuche seien daher zu Unrecht abgelehnt wor-
den. Die abweisenden Entscheide hätten in Wiedererwägung gezogen 
werden müssen. In Anwendung von Art. 88bis Abs. 1 lit. c der IVV könne 
die Rente  aber  erst  ab 1. Januar  2006 ausgerichtet  werden (IV-Akt. 
110). 

Seite 4

C-6575/2007

C.
C.a Mit undatierter Beschwerde (Eingang bei der SAK am 24. Septem-
ber  2007)  erhob  R._______  (in  der  Folge  Beschwerdeführer)  Be-
schwerde gegen die Verfügung vom 22. August 2007 und beantragte 
sinngemäss  die  Nachzahlung  der  Renten  bis  zum  Zeitpunkt  seines 
ersten Gesuchs hin.

C.b Mit Vernehmlassung vom 30. November 2007 beantragte die IVS-
TA (in der Folge Vorinstanz) die Abweisung der Beschwerde. Sie be-
gründete dies im Wesentlichen damit, den Wiedererwägungsgrund erst 
bei der Abklärung des Gesuches vom 10. Januar 2006 entdeckt zu ha-
ben.

C.c  Replicando  hielt  der  Beschwerdeführer  an  den  Anträgen  seiner 
Beschwerde fest. 

C.d Duplicando beantragte die Vorinstanz am 4. Februar 2008 die Ab-
weisung der Beschwerde. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1  Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  in  Verbindung  mit  Art. 33  lit. d  VGG  und 
Art. 69 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung  (IVG,  SR 831.20)  beurteilt  das  Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne 
von Art. 32 VGG liegt nicht vor.

1.2 Aufgrund von Art. 3 lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet das 
VwVG  keine  Anwendung  in  Sozialversicherungssachen,  soweit  das 
Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts  (ATSG,  SR 830.1)  anwendbar  ist.  Gemäss 
Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invaliden-
versicherung (Art. 1a-26bis IVG und 28-70 IVG) anwendbar, soweit das 
IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.

Seite 5

C-6575/2007

1.3 Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Entscheid be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder 
Änderung,  so  dass er  im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegiti-
miert ist.

1.4  Da  die  Beschwerde  im  Übrigen  frist-  und  formgerecht  (Art. 60 
Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde, ist auf die 
Beschwerde einzutreten.

1.5  Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde-
verfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss-
brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder 
unvollständige Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts sowie 
Unangemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).

1.6 Gemäss Art. 19 Abs. 3 VGG sind die Richter und Richterinnen des 
Bundesverwaltungsgerichts  zur  Aushilfe  in  anderen  Abteilungen ver-
pflichtet. Vorliegend ist der Vorsitz im Beschwerdeverfahren auf die Ab-
teilung II übergegangen. Der Spruchkörper setzt sich zusammen aus 
Richter  Frank  Seethaler  und  Claude  Morvant  der  Abteilung  II  und 
Richter Beat Weber der Abteilung III.

2. 
2.1  Der  Beschwerdeführer  ist  deutscher  Staatsangehöriger,  so  dass 
vorliegend  das  am 1.  Juni  2002  in  Kraft  getretene  Abkommen  zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Eu-
ropäischen Gemeinschaft andererseits über die Freizügigkeit vom 21. 
Juni 1999 (im Folgenden: FZA, SR 0.142.112.681), insbesondere des-
sen Anhang II betreffend die Koordinierung der Systeme der sozialen 
Sicherheit,  anzuwenden ist  (Art. 80a IVG). Das Freizügigkeitsabkom-
men setzt die verschiedenen bis dahin geltenden bilateralen Abkom-
men zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft  und den ein-
zelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft  insoweit aus, 
als darin derselbe Sachbereich geregelt wird (Art. 20 FZA). Nach Art. 3 
Abs. 1  der  Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des  Rates  vom 14. Juni 
1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeit-
nehmer und Selbstständige sowie  deren Familienangehörige,  die in-
nerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, haben die in den per-
sönlichen Anwendungsbereich der Verordnung fallenden, in einem Mit-
gliedstaat  wohnenden  Personen  aufgrund  der  Rechtsvorschriften  ei-
nes Mitgliedstaats grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie 

Seite 6

C-6575/2007

die Staatsangehörigen dieses Staates

Soweit das FZA bzw. die auf dieser Grundlage anwendbaren gemein-
schaftsrechtlichen  Rechtsakte  keine  abweichenden  Bestimmungen 
vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens sowie die Prü-
fung der Anspruchsvoraussetzungen einer schweizerischen Invaliden-
rente  grundsätzlich  nach  der  innerstaatlichen  Rechtsordnung  (BGE 
130 V 257 E. 2.4). Demnach bestimmt sich vorliegend der Anspruch 
des  Beschwerdeführers  auf  eine  Rente  der  IV  ausschliesslich  nach 
dem innerstaatlichen schweizerischen Recht, insbesondere nach dem 
IVG sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Ja-
nuar 1961 (IVV, SR 831.210).

Zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldung sowie zum 
Erlass der Verfügung ist die IVSTA (Art. 40 Abs. 2 IVV e contrario). 

2.2  Auf Grund der Beschwerdebegehren streitig (vgl. BGE 125 V 414 
E. 1b) und daher im Folgenden zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer 
bereits  ab Mitte  2000 bzw. 1. Januar  2001 (Art. 48 Abs. 1 IVG) An-
spruch auf eine halbe Invalidenrente hat, statt – wie vorinstanzlich ver-
fügt – erst ab 1. Januar 2006. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich 
diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu 
Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben,  und weil  nach 
ständiger Praxis der  Sozialversicherungsgerichte bei der Beurteilung 
eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des 
angefochtenen Verwaltungsaktes (hier: 22. August 2007) eingetretenen 
Sachverhalt abgestellt wird (BGE 132 V 2 E. 1, 129 V 4 E. 1.2 mit Hin-
weisen),  sind im vorliegenden Fall  pro rata temporis die Bestimmun-
gen des IVG und der IVV, welche zwischen  2001 und 2007 gültig wa-
ren, sowie ab 2004 die auf den 1. Januar 2004 in Kraft getretenen Be-
stimmungen der 4. IVG-Revision anwendbar. Ebenso finden - pro rata 
temporis - die ab 1. Januar 2003 geltenden Bestimmungen des ATSG 
und die entsprechende Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV, 
SR 830.11) Anwendung.

3.
3.1 Nach Art. 41 IVG bzw. Art. 17 ATSG sind laufende Renten für die 
Zukunft  entsprechend  zu  erhöhen,  herabzusetzen  oder  aufzuheben, 
wenn sich der Invaliditätsgrad einer Person, die eine Rente bezieht, in 
einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Renten-
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält-

Seite 7

C-6575/2007

nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan-
spruch zu beeinflussen. Eine Invalidenrente ist demgemäss nicht nur 
bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen 
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich ver-
ändert haben (BGE 117 V 199 E. 3b, 113 V 275 E. 1a mit Hinweisen). 
Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich 
des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenver-
fügung  bestanden  hat,  mit  demjenigen  zur  Zeit  der  streitigen  Revi-
sionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2 mit  Hinweis; AHI 2000 S. 309 
Erw.  1b  mit  Hinweisen).  Unerheblich  unter  revisionsrechtlichen  Ge-
sichtspunkten ist  dagegen nach ständiger Rechtsprechung die unter-
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert  gebliebe-
nen Sachverhaltes (BGE 112 V 372 E. 2b mit Hinweisen; SVR 1996 IV 
Nr. 70 S. 204 E. 3a). Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Inva-
liditätsgrades  oder  wegen  fehlender  Hilflosigkeit  verweigert,  so  wird 
eine neue Anmeldung nach Art. 87 Abs. 4 IVV nur geprüft, wenn die 
Voraussetzungen  gemäss  Abs. 3  erfüllt  sind.  Danach  ist  vom Versi-
cherten im Gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Inva-
lidität  oder Hilflosigkeit  in einer für  den Anspruch erheblichen Weise 
geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie 
die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die vom 
Versicherten glaubhaft  gemachte  Veränderung des Invaliditätsgrades 
oder der Hilflosigkeit auch tatsächlich eingetreten ist. Nach der Recht-
sprechung hat sie in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach 
Art. 41 IVG bzw. Art. 17 ATSG vorzugehen. Stellt sie fest, dass der In-
validitätsgrad oder die Hilflosigkeit seit Erlass der früheren rechtskräfti-
gen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue 
Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge-
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende 
Invalidität oder Hilflosigkeit zu bejahen, und hernach zu beschliessen. 
Im Beschwerdefall  obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch 
dem Richter (BGE 109 V 115 E. 2b).

3.2 Fehlen die in Art. 41 IVG bzw. Art. 17 ATSG genannten Vorausset-
zungen, so kann die Rentenverfügung lediglich nach den für die Wie-
dererwägung  rechtskräftiger  Verwaltungsverfügungen  geltenden  Re-
geln abgeändert  werden. Danach ist  die Verwaltung befugt,  auf eine 
formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller 
richterlicher  Beurteilung  war,  zurückzukommen,  wenn  sich  diese als 
zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Be-

Seite 8

C-6575/2007

deutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und 
Art. 1 Abs. 1 IVG). Vor Inkrafttreten dieser Bestimmung war der gleiche 
Grundsatz als allgemeiner Rechtsgrundsatz auch ohne ausdrückliche 
gesetzliche Grundlage rechtsprechungsgemäss anerkannt (BGE 126 V 
23 E. 4b, 46 E. 2b mit  Hinweisen; vgl. Meyer-Blaser, Das Bundesge-
setz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] 
und das Schicksal der allgemeinen Rechtsgrundsätze des Sozialversi-
cherungsrechts,  in:  Sozialversicherungsrechtstagung  2002,  S.  137). 
Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen 
Rechtsanwendung  einschliesslich  unrichtiger  Feststellung  im  Sinne 
der Würdigung des Sachverhalts (BGE 117 V 8 E. 2c S. 17 mit Hin-
weis;  Urteil  des  Bundesgerichts  vom 2. Juli  2007,  9C_215/2007,  E. 
3.1). Die Wiedererwägung ist jederzeit möglich (Art. 53 Abs. 3 S. 369), 
insbesondere auch wenn die Voraussetzungen der Revision nach Art. 
41 IVG bzw. Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind (BGE 125 V 368 E. 2 
369). Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel er-
füllt,  wenn  die  gesetzeswidrige  Leistungszusprechung  aufgrund  fal-
scher  oder  unzutreffender  Rechtsregeln  erlassen  wurde  oder  wenn 
massgebliche Bestimmungen nicht  oder unrichtig  angewandt wurden 
(BGE 103 V 128 E. a).  

3.3  Nach Art. 88bis  Abs. 1 lit. c IVV erfolgt die Erhöhung von Renten 
und Hilflosenentschädigungen frühestens von dem Monat an, in dem 
der Mangel entdeckt wurde, falls festgestellt wird, dass der Beschluss 
der IV-Stelle zum Nachteil des Versicherten zweifellos unrichtig war. In 
BGE 109 V 108 hielt  das EVG fest,  dass sich diese Bestimmung an 
eine laufende Rente anknüpfe. In BGE 110 V 291 erwog es jedoch in 
Erwägung 3d, dass sich Art. 88bis Abs. 1 lit. c IVV lediglich auf die Er-
höhung  von  Renten  und  Hilflosenentschädigungen  beziehen  würde, 
somit  auf  laufende  Leistungen.  Eine  unterschiedliche  Regelung  der 
zeitlichen  Wirkung  der  Wiedererwägung  je  nachdem,  ob  dem  Versi-
cherten zu Unrecht keine oder eine zu geringe Leistung zugesprochen 
worden ist, liesse sich jedoch nicht rechtfertigen. Die Verordnungsbe-
stimmung sei daher analog auf Fälle anzuwenden, in welchen sich die 
Abweisung eines Leistungsbegehrens nachträglich als  zweifellos un-
richtig erweist. Rechtsprechungsgemäss ist für die Korrektur einer un-
richtigen Verfügung im Rahmen dieser  Norm der  Zeitpunkt  massge-
bend, in welchem die Verwaltung vom Mangel Kenntnis erhalten hat, 
was nicht voraussetzt, dass die Unrichtigkeit der Verfügung – allenfalls 
nach Vornahme ergänzender  Abklärungen – mit  Sicherheit  feststeht. 
Vielmehr genügt es, dass die Verwaltung – aufgrund eines Wiederer-

Seite 9

C-6575/2007

wägungsgesuchs  oder  von Amtes  wegen  –  Feststellungen  getroffen 
hat,  die  das  Vorliegen  eines  relevanten  Mangels  als  glaubhaft  oder 
wahrscheinlich  erscheinen lassen. In  Präzisierung  seiner  Rechtspre-
chung (BGE 110 V 297 E. 4a) hat das EVG in BGE 129 V 433 erkannt, 
dass der Mangel einerseits bereits in dem Zeitpunkt als im Sinne die-
ser Bestimmung entdeckt zu gelten habe, in welchem das Vorliegen ei-
nes relevanten Mangels als wahrscheinlich erschienen sei und die Vor-
instanz damit ausreichend Anlass gehabt hätte, von Amtes wegen Ab-
klärungen über den Grad der Invalidität zu treffen. Anderseits habe der 
Mangel  auch dann als  entdeckt  zu gelten,  wenn der Versicherte ein 
Revisionsgesuch gestellt  habe,  das die Verwaltung zum Tätigwerden 
und weiteren Abklärungen verpflichtet hätte. 

3.4
3.4.1  Laut Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 IVG ist Invalidität die 
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil-
weise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit 
oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör-
perlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver-
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge-
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Begriff des ausgeglichenen 
Arbeitsmarkts  ist  ein  theoretischer  und  abstrakter  Begriff,  welcher 
dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem 
der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst ei-
nerseits  ein  bestimmtes  Gleichgewicht  zwischen  dem  Angebot  von 
und der  Nachfrage nach Stellen; anderseits  bezeichnet  er  einen Ar-
beitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenarti-
ger Stellen offen hält. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im 
Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Er-
werbsfähigkeit  zu verwerten,  und ob sie ein rentenausschliessendes 
Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; ZAK 
1991 S. 320 E. 3b). Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit 
der  Restarbeitsfähigkeit  darf  nicht  von  realitätsfremden  Einsatzmög-
lichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer Arbeits-
gelegenheit dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit 
nur in so eingeschränkter Form möglich ist,  dass sie der allgemeine 
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realis-
tischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers mög-
lich  wäre  und das Finden einer  entsprechenden Stelle  deshalb  zum 
Vornherein  als  ausgeschlossen  erscheint  (ZAK  1991  S.  320  E.  3b, 

Seite 10

C-6575/2007

1989 S. 321 E. 4a). 

3.4.2 Ein Anspruch auf eine ganze Rente besteht gemäss Art. 28 IVG 
in der bis zum 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Fassung, wenn 
die versicherte Person mindestens zu zwei Dritteln, derjenige auf eine 
halbe Rente, wenn sie mindestens zur Hälfte und derjenige auf eine 
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Nach dem seit 
1. Januar 2004 in Kraft stehenden Art. 28 Abs. 1 IVG hat ein Versicher-
ter bei einem Invaliditätsgrad von 70 % Anspruch auf eine ganze Ren-
te, auf eine Dreiviertelsrente bei einem Grad der Invalidität von 60%, 
auf eine halbe Rente bei einem solchen von 50% und auf eine Vier-
telsrente bei einem Invaliditätsgrad von 40%.  

3.4.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen,  das  der  Versicherte  nach  Eintritt  der  Invalidität  und  nach 
Durchführung  allfälliger  Eingliederungsmassnahmen  durch  eine  ihm 
zumutbare  Tätigkeit  bei  ausgeglichener  Arbeitsmarktlage  erzielen 
könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er erzielen 
könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG)

3.4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die 
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu 
stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und ge-
gebenenfalls bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsun-
fähig ist (BGE 125 V 261 E.4). Die ärztlichen Auskünfte sind sodann 
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits-
leistungen dem Versicherten im Hinblick auf  seine persönlichen Ver-
hältnisse  noch  zugemutet  werden  können  (BGE 125  V  261  E.4  mit 
Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc). Hinsichtlich des Beweiswertes ei-
nes ärztlichen Gutachtens ist  entscheidend,  ob es für  die Beantwor-
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allsei-
tigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksich-
tigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person 
auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander-
setzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darle-
gung der  medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, 
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise 
begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nach-
vollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumen-

Seite 11

C-6575/2007

de  Unsicherheiten  und  Unklarheiten,  welche  die  Beantwortung  der 
Fragen  erschweren  oder  verunmöglichen,  gegebenenfalls  deutlich 
macht (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die 
Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe 
in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4., ergänzte Aufl. 2003, 
S. 24 f.). Neben Gerichtsgutachten ist auch den im Rahmen des Ver-
waltungsverfahrens  von  externen  Spezialärzten  eingeholten  Gutach-
ten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen  sowie  nach  Einsicht  in  die  Akten  Bericht  erstatten  und  bei  der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon-
krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 
115 V 353 E. 3b/aa-bb). Die fachliche Qualifikation des Experten oder 
Teilgutachters spielt für die richterliche Würdigung einer Expertise eine 
erhebliche  Rolle.  Bezüglich  der  medizinischen  Stichhaltigkeit  eines 
Gutachtens müssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkennt-
nisse des Experten verlassen können. Deshalb ist für die Eignung ei-
nes Arztes als Gutachter in einer bestimmten medizinischen Disziplin 
ein entsprechender, dem Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse 
dienender, spezialärztlicher Titel des berichtenden oder zumindest des 
den  Bericht  visierenden  Arztes  vorausgesetzt.  Einem  Gutachten 
kommt  schon  dann  kein  voller  Beweiswert  zu,  wenn  Indizien  gegen 
seine  Zuverlässigkeit  sprechen;  es  muss nicht  feststehen,  dass  das 
Gutachten effektiv nicht den Tatsachen entspricht, was nicht mit medi-
zinischen Fachpersonen besetzte Behörden oft  nicht  beurteilen kön-
nen (Urteil des EVG I 779/01 vom 16. Oktober 2002; Urteile des Bun-
desgerichts I 362/06 vom 10. April 2007 und U 203/06 vom 12. März 
2007). 

3.5 Der zur Begründung seines Antrags auf eine volle Invalidenrente 
angerufene Begriff  der Behinderung im Sinne des IX. SGB (bzw. ge-
mäss  dem  deutschen  Gesetz  zur  Sicherung  der  Eingliederung 
Schwerbehinderter  in Arbeit,  Beruf  und Gesellschaft  vom 26. August 
1986 [BGBl I S. 1421, 1550; SchwbG] als dessen Rechtsvorgänger) ist 
nicht identisch mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit bzw. der Invalidi-
tät im Sinne des schweizerischen Invalidenrechts:

3.5.1 Menschen sind gemäss dem IX. SGB dann behindert, wenn ihre 
körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit 
hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Le-
bensalter  typischen Zustand abweichen und daher  ihre  Teilhabe am 

Seite 12

C-6575/2007

Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist (§ 2 IX. SGB). Die Auswir-
kung der Funktionsbeeinträchtigung ist  als  GdB, nach Zehnergraden 
abgestuft, von 20 bis 100 festzustellen. Der GdB wird nach den Aus-
wirkungen der  Beeinträchtigungen in ihrer  Gesamtheit  unter  Berück-
sichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen definiert. Dabei werden 
einzelne Beeinträchtigungen nur berücksichtigt, wenn sie für sich allein 
einen GdB von mindestens 10 ergeben.

3.5.2 Der GdB im Sinne des IX. SGB ist ein Mass für die körperlichen, 
geistigen,  seelischen  und sozialen Auswirkungen  einer  Funktionsbe-
einträchtigung aufgrund eines Gesundheitsschadens. Aus diesem Wert 
ist  nicht auf das Ausmass der Leistungsfähigkeit  zu schliessen. Viel-
mehr ist der GdB grundsätzlich unabhängig vom ausgeübten oder an-
gestrebten Beruf  zu beurteilen. Massgebend für  die Feststellung,  ob 
und gegebenenfalls inwiefern eine Behinderung im Sinne von § 2 IX. 
SGB vorliegt, sind namentlich die "Anhaltspunkte für die ärztliche Gut-
achtertätigkeit  im  sozialen  Entschädigungsrecht  und  nach  dem 
Schwerbehindertenrecht". In der entsprechenden Tabelle wird den ver-
schiedenen  Gesundheitsstörungen  ein  bestimmter  GdB  respektive 
eine entsprechende Spannweite des GdB zugeordnet. Die Eruierung 
des GdB nach dem IX. SGB ist somit eher mit der Bemessung der In-
tegritätsentschädigung nach Art. 24 ff. des Bundesgesetzes über die 
Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG, SR 832.20) vergleichbar, 
bei der erhebliche Schädigungen der körperlichen oder geistigen Inte-
grität pauschal mit einem bestimmten in einer Skala festgelegten Pro-
zentwert bewertet werden, als mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 
im Sinne des schweizerischen Invalidenrechts. Entsprechend gestaltet 
sich auch die Aufgabe des Arztes ganz unterschiedlich, je nachdem ob 
der GdB nach dem IX. SGB beurteilt  werden soll,  oder aber die Ar-
beitsfähigkeit/Erwerbsfähigkeit nach der schweizerischen Invalidenver-
sicherung, die sich, wie erwähnt, aus der medizinisch zumutbaren Ar-
beitsfähigkeit/Erwerbsfähigkeit und der damit einhergehenden finanzi-
ellen Erwerbseinbusse herleitet  (vgl. Urteile  des Bundesverwaltungs-
gerichts C-2869/2006 vom 9. Oktober 2007 und C-3044/2006 vom 31. 
Oktober 2008). 

4. 
4.1 In medizinischer Hinsicht stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar.

4.1.1 Dr. med. S.______, Chefarzt an der Chirurgischen Abteilung am 
Kreiskrankenhaus B._______,  diagnostizierte  in  seinem Bericht  vom 

Seite 13

C-6575/2007

30. August 1999 ein tiefes Rektumkarzinom ca. 5 cm ab ano (IV-Akt. 
11,  75).  Dem  Bericht  der  Dres.  med.  W._______  und  W._______, 
Kreiskrankenhaus B._______, vom 8./16. Dezember 1999 zufolge wur-
den beim Beschwerdeführer am 16. November 1999 folgende Eingriffe 
durchgeführt: Abdomino-perineale Rektumexstirpation und Anlage ei-
nes  endständigen  Sigmoidostomas.  Vor  dem operativen  Eingriff  war 
eine  neoadjuvante  Radio-Chemotherapie  durchgeführt  worden.  Der 
Beschwerdeführer habe den operativen Eingriff  gut überstanden und 
sei  bis  zum Entlassungszeitpunkt  wieder selbständig mobil  gewesen 
(IV-Akt. 76). Im Befundbericht für die Anschlussbehandlung zuhanden 
der  LVA  Baden  vom  10.  Dezember  1999  hielten  die  Dres.  med. 
S._______ und L._______ u.a. fest, die Erwerbsfähigkeit könne durch 
die vorgesehene Anschlussbehandlung voraussichtlich wesentlich ge-
bessert oder wiederhergestellt werden. Mit einer dauernden Erwerbs-
unfähigkeit  sei  nicht zu rechnen (IV-Akt. 14). Vom 13. Januar bis 10. 
Februar 2000 hielt sich der Beschwerdeführer zur stationären Rehabi-
litation  in  der  Vorsorge-  und  Rehabilitationsklinik  S._______, 
H._______, auf. Dem entsprechenden Bericht vom 14. Februar 2000 
zuhanden der LVA Baden ist zu entnehmen, dass dem Beschwerde-
führer mit dem gegenwärtigen Leistungsrest die zuletzt ausgeübte Tä-
tigkeit sowie eine leichte körperliche Tätigkeit derzeit nurmehr unter 2 
Stunden zumutbar sei. Bei weiterem tumorfreiem Verlauf sei er für sei-
ne bisherige Tätigkeit, d.h. für leichte bis mittelschwere Arbeiten, etwa 
ab April  2000  wieder  vollschichtig  einsetzbar  (IV-Akt. 77). Mit  Verfü-
gung vom 28. März 2000 wurde dem Beschwerdeführer ein Schwerbe-
hindertengrad von 80 GdB seit 1. Juli 1999 zuerkannt, wobei als Be-
hinderungen  eine  Dickdarmerkrankung  im  Stadium  der  Heilungsbe-
währung und ein Kunstafter  genannt  wurden (IV-Akt. 15). Am 5. Juli 
2000  erstattete  Dr.  med.  P._______,  Sozialmedizin,  S._______,  ein 
Gutachten zuhanden der LVA Baden. Diesem Gutachten zufolge klagte 
der Beschwerdeführer, nicht mehr der Mensch wie früher und schnell 
ermüdbar zu sein und trotzdem schlecht  schlafen zu können. Insbe-
sondere habe er sich mit dem Anus praeter und dem Tragen des Beu-
tels noch nicht ausreichend arrangiert. Bei längerem Gehen komme es 
zu einem brennenden Schmerz im Analbereich. Auch befürchte er den 
Austritt  von Stuhl  aus dem Beutel. Zusammenfassend hielt  Dr. med. 
P._______  nebst  der  Anamnese  fest,  alle  Narben  seien  reizlos,  der 
künstliche Ausgang funktioniere ausgezeichnet und bei den regelmä-
ssigen Tumor-Nachuntersuchungen habe man keine Hinweise auf ein 
Rezidiv oder auf Metastasen gefunden. Im Vordergrund stehe die psy-
chische  Belastung  durch  den  künstlichen  Darmausgang.  Der  Be-

Seite 14

C-6575/2007

schwerdeführer fühle sich durch den Anus praeter erheblich behindert 
und insbesondere verunsichert. Er sei belastet durch unkontrolliert ab-
gehende Darmgeräusche aus dem Filter des Beutelsystems und fürch-
te immer noch Undichtigkeiten mit hierdurch entstehenden Geruchsbe-
lästigungen für die Umwelt. Ferner weise er auf brennende Schmerzen 
im tiefen Analbereich hin, die nach längerem Gehen aufträten. Zweifel-
los sei das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers qualitativ, hin-
gegen nicht quantitativ eingeschränkt. Die sozialmedizinische Beurtei-
lung im Reha-Entlassungsbericht der S._______-Klinik vom 14. Febru-
ar 2000 sei nach wie vor zutreffend. Der Beschwerdeführer sei in der 
Lage, körperlich leichte Tätigkeiten vollschichtig auszuüben; hingegen 
könnten mittelschwere Tätigkeiten lediglich im Umfang von unter zwei 
Stunden ausgeübt werden. Zu vermeiden seien Tätigkeiten mit ständi-
gem Gehen, mit Nachtschicht, Zeitdruck und häufigem Bücken. Darü-
ber hinaus müsse die Möglichkeit zur Stomapflege am Arbeitsplatz ge-
geben sein (IV-Akt. 79). Der Hausarzt, Dr. med. S._______, Facharzt 
für Innere Medizin und Kardiologie, B._______, äusserte sich in sei-
nem Bericht vom 12. September 2000 dahingehend, dass sich der Be-
schwerdeführer aus dem Berufsleben zurückziehen sollte, nachdem er 
eine schwere Operation durchgemacht habe und nun Stomaträger bei 
Anus praeter sei. Zur allgemeinen ganz erheblichen psychischen Be-
lastung,  die  zu  Angstträumen  und  subdepressiver  Verstimmung  ge-
führt habe, träten auch Schwierigkeiten mit dem Stoma auf, indem sich 
der Stomabeutel bei körperlicher Belastung sowie Bücken und Heben 
löse, so dass es zum Austritt  von unangenehmem Geruch und auch 
Stuhl komme. Der Beschwerdeführer sei aus dem Berufsleben heraus-
zunehmen und frühzeitig  krankheitsbedingt  zu berenten (IV-Akt. 17). 
Am 1. Juni 2001 führte Dr. med. S._______ zuhanden der 4. Kammer 
des Sozialgerichts F._______ u.a. aus, der Beschwerdeführer leide un-
ter den psychologisch sehr bedrängenden Folgen der Operation (Anus 
praeter), wobei er bereits früher subdepressiv und in seelenärztlicher 
Behandlung  gewesen  sei.  Die  schwerwiegende  Erkrankung  und  die 
daraus resultierenden - auch sozialen - Folgen im ganz persönlichen 
und intimen Bereich hätten den Beschwerdeführer ganz erheblich zu-
rück geworfen. Der Beschwerdeführer könne leichte körperliche Arbeit 
4 bis 7 Stunden/Tag verrichten. Eine Einschränkung selbst bei diesen 
leichten Tätigkeiten  bestehe beim Bücken,  beim Verwinden des Kör-
pers,  bei  gleichförmiger  Körperhaltung  und  beim Heben  und  Tragen 
von Lasten. Die geschilderte Einschränkung bestehe seit der Operati-
on im November 1999 (IV-Akt. 83). Am 19. November 2001 erstatteten 
Prof.  Dr.  K._______,  Fachärztin  für  Psychiatrie  und  Neurologie/Psy-

Seite 15

C-6575/2007

chotherapie, Leiterin der Sektion Forensische Psychiatrie und Psycho-
therapie,  und Dr. med. M._______, Assistentin  der  Klinik,  Fachärztin 
für  Neurologie,  Universitätsklinik  für  Psychiatrie  und  Psychosomatik, 
F._______, ihr Gutachten zuhanden des Sozialgerichts F_______. Ge-
stützt  auf  die  Vorakten  und  eine  ambulante  Untersuchung  des  Be-
schwerdeführers diagnostizierten sie eine Anpassungsstörung auf die 
Krebserkrankung und ihre Folgen (künstlicher Darmausgang) mit  ge-
mischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (ICD-10: F43.25). 
Es lägen derzeit keine Hinweise für eine depressive Störung im enge-
ren Sinne vor, ebenso wenig ergäben sich Hinweise auf eine krankhaf-
te  Verarbeitungsstörung  der  Krebserkrankung  als  solcher.  Auch  die 
mehr als 20 Jahre zurückliegende Angsterkrankung sei unter der der-
zeitigen Belastungserkrankung nicht wieder aufgetreten. Die vorliegen-
de psychiatrische Symptomatik  lasse sich  gemäss den Kriterien der 
Internationalen  Klassifikation  Psychischer  Krankheiten  der  WHO, 
ICD-10,  als  Anpassungsstörung,  überwiegend  auf  die  Folgen  der 
Krebserkrankung,  d.h.  den  künstlichen  Darmausgang  interpretieren; 
dabei seien Befürchtungen bezüglich stigmatisierender Auswirkungen 
des  künstlichen  Darmausgangs  und  ein  deutliches  Vermeidungsver-
halten vorhanden, so dass die Anpassungsstörung als solche mit ge-
mischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten  (ICD-10: F43.25) 
diagnostisch zuzuordnen sei. Bezüglich des Leistungsbildes sei unter 
Würdigung der körperlichen Erkrankung von Dr. med. P._______ eine 
vollschichtige Verrichtung nur noch leichter körperlicher Tätigkeiten für 
möglich erachtet  worden mit  gewissen Auflagen (kein ständiges Ge-
hen, keine Nachtschicht,  kein Zeitdruck, kein häufiges Bücken, Mög-
lichkeit  zur  Stomapflege).  Aufgrund  der  psychiatrischen  Störung  lie-
ssen sich keine darüber hinaus gehenden quantitativen Leistungsein-
schränkungen ableiten. Bezüglich der qualitativen Leistungseinschrän-
kungen sei aufgrund der körperlichen Erkrankung - neben den bereits 
durch Dr. med. P._______ festgestellten  Leistungseinschränkungen - 
auch eine Tätigkeit mit vorrangigem Sitzen insofern nicht zumutbar, als 
der Beschwerdeführer dabei Schmerzen im Bereich der analen Narbe 
verspüre, wenn er auf dem Sitz auch nur leicht nach vorne rutsche. 
Aus psychiatrischer Sicht seien aufgrund der stark  stigmatisierenden 
und  peinlich  empfundenen  Auswirkungen  des  künstlichen  Darmaus-
gangs folgende qualitative Leistungseinschränkungen zu berücksichti-
gen. Der  Beschwerdeführer  sollte  möglichst  allein  oder  überwiegend 
allein in einem Raum arbeiten können und die Möglichkeit haben, sich 
bei  eventuell  ausgetretenem Stuhl  am Körper  oder  an der  Kleidung 
waschen und umkleiden zu können. Diese qualitativen Einschränkun-

Seite 16

C-6575/2007

gen  der  Erwerbsfähigkeit  bestünden  bereits  seit  Rentenantragsstel-
lung (21. Juni 2000; IV-Akt. 86). Mit Bescheid vom 3. Mai 2002 hob das 
Versorgungsamt F._______, Aussenstelle R.________, den Bescheid 
vom 28. März  2000  auf  und  erkannte  dem Beschwerdeführer  einen 
Schwerbehindertengrad  von  nurmehr  50  GdB  zu.  Zur  Begründung 
wurde ausgeführt,  dass  bei  der  früheren Festsetzung des GdB eine 
Heilungsbewährung berücksichtigt worden sei, was bedeute, dass der 
GdB für  einen  bestimmten  Zeitraum höher  bewertet  worden  sei  als 
dies dem Umfang der rein organischen Funktionsbeeinträchtigung ent-
spreche. Der Zeitraum der Heilungsbewährung von 2 Jahren sei zwi-
schenzeitlich  abgelaufen  und  es  liege  weder  ein  Rezidiv  noch  ein 
sonstiger pathologischer Befund vor, der auf ein Weiterbestehen des 
Grundleidens hinweise, so dass von einer Heilungsbewährung auszu-
gehen sei (IV-Akt. 25).

4.1.2  Aufgrund des Rentenantrages vom 19. Februar  2003 liess  die 
LVA  Baden am 18. März 2003 erneut  ein  Gutachten durch Dr. med. 
P._______ erstellen. Diese kam zum Schluss, dass seit der Vorbegut-
achtung keine neuen Erkrankungen aufgetreten seien. Die Beschwer-
deschilderung entspreche der im Vorgutachten dokumentierten und sei 
zweifellos nachvollziehbar. Es bestehe ein Zustand nach Radiochemo-
therapie sowie abdomino-perinealer  Rektumexstirpation wegen eines 
Rektumkarzinoms. Bisher hätten die Nachuntersuchungen keinen An-
halt  für  ein  Rezidiv  des  Tumorleidens oder  für  Metastasen erbracht. 
Zwar  funktioniere  der  künstliche  Darmausgang  ausgezeichnet,  die 
psychische Belastung durch den Anus praeter in Folge unkontrolliert 
abgehender  Darmgeräusche  und  gelegentlich  ausweichender  Gase 
sei  jedoch  nachvollziehbar.  Der  Beschwerdeführer  sei  verunsichert 
und emotional  beeinträchtigt;  Hinweise auf  eine  schwere depressive 
Reaktion  lägen  allerdings  nicht  vor. Der  Beschwerdeführer  sei  nach 
wie  vor  in  der  Lage,  körperlich  leichte  Arbeiten  vollschichtig  auszu-
üben. Ungeeignet  seien Tätigkeiten mit  häufigem Bücken,  Zeitdruck, 
Nachtschicht  sowie Kontaktberufe; ferner müsse an der  Arbeitsstelle 
die Möglichkeit zu sorgfältiger Stomapflege gegeben sein (IV-Akt. 92). 
Am 31. Januar/1. Februar 2004 nahm Dr. med. M.________, FMH In-
nere Medizin, Arbeitsmedizin, O._______, RAD, dahingehend Stellung 
zu den Akten, dass bei dem jetzt 58jährigen Versicherten seit 4 Jahren 
ein  Zustand  nach  Anlegen  eines  künstlichen  Darmausgangs  wegen 
Darmkrebs bestehe,  neue Befunde oder  ein  ungünstiger  Verlauf  der 
Krebserkrankung nicht auszumachen seien, so dass der Beschwerde-
führer  mit  gewissen  Einschränkungen  weiterhin  arbeitsfähig  sei.  Die 

Seite 17

C-6575/2007

wiederholt  geäusserte  anfängliche  Skepsis  des  Beschwerdeführers 
bezüglich gesellschaftlicher Nachteile infolge des Stomas (Geräusche, 
Gerüche)  sei  zwar  nachvollziehbar,  spiele  aber  erfahrungsgemäss 
praktisch keine Rolle und könne nicht als Ausrede für das Fernbleiben 
von jedem Arbeitsplatz verwendet werden (IV-Akt. 44). 

4.1.3 Der Hausarzt, Dr. med. H._______, Facharzt für Innere Medizin, 
Hämatolgie/Onkologie, führte in seinem Befundbericht vom 27. Okto-
ber 2006 zuhanden der LVA Baden nebst den bereits bekannten Dia-
gnosen aus, dass der Beschwerdeführer durch das Stoma in der kör-
perlichen Entfaltung behindert sei. Es bestehe jedoch nur eine geringe 
Beeinträchtigung im Arbeitsleben. Die letzte Kontrolle im Januar 2005 
habe keine Metastasen zu Tage gefördert. Der Beschwerdeführer sei 
zur Zeit nicht arbeitsunfähig; auch habe in den letzten 2 Jahren keine 
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Zu verneinen seien auch Befundände-
rungen in den letzten 12 Monaten und in den letzten 3 Jahren (IV-Akt. 
93). Am 31. März 2007 äusserte sich Dr. med. H._______ vom medizi-
nischen  Dienst  der  IV-Stelle  dahingehend,  das  Zeugnis  H._______ 
sage aus, dass sich nichts verändert habe und der Beschwerdeführer 
bei der Arbeit nur gering behindert sei, weshalb sich bei diesem klaren 
Sachverhalt  weitere  Unterlagen  erübrigten  (IV-Akt.  99).  Am 11. Juni 
2007 führte Dr. med. H.________ zuhanden der Vorinstanz aus, der 
Beschwerdeführer sei  im Dezember 1999 an einem Rektumkarzinom 
erkrankt, habe die Erkrankung überstanden und die Nachsorge sei un-
auffällig. Durch die notwendige Rektumresektion sei der Beschwerde-
führer lebenslang mit einem künstlichen Darmausgang versorgt und es 
sei ihm in Deutschland eine Schwerbehinderung zuerkannt worden. Er 
trete jetzt aufgrund der zusätzlichen körperlichen Belastung durch den 
künstlichen  Ausgang  vorgezogen  die  Altersrente  an.  Dr.  med. 
H._______ ersuchte um Überprüfung, inwiefern der Beschwerdeführer 
Anspruch  auf  Leistungen  der  schweizerischen  Invalidenversicherung 
habe, da ja eine Invalidität vorliege (IV-Akt. 104). Am 18. Juli 2007 hielt 
Dr. med. H._______, Fachärztin für Innere Medizin und Medizinische 
Onkologie, nach Einsicht in die Akten fest, es scheine, dass der deut-
sche Sozialversicherungsträger dem Versicherten per 1. Februar 2006 
eine vorgezogene Altersrente gewährt habe auf Grund des Schwerbe-
hindertengrades von 50 GdB. Dieser Entscheid trage den Beeinträchti-
gungen Rechnung, die der Beschwerdeführer auf Grund seines künst-
lichen Darmausgangs zu gewärtigen habe (kein Heben von schweren 
Lasten, Vermeiden von extremen Beugungen oder Drehungen); ferner 
leide  der  Beschwerdeführer  unter  den  stigmatisierenden  Folgen  des 

Seite 18

C-6575/2007

künstlichen Darmausgangs; so befürchte  er  den Austritt  unangeneh-
mer Gerüche oder gar von Stuhl. Diese den Beschwerdeführer limitie-
renden Befürchtungen seien im psychiatrischen Sachverständigengut-
achten  vom 19.  November  2001  zutreffend  beschrieben;  ebenso  im 
Bericht  von Dr. med. S._______ vom 1. Juni  2001,  welcher  den Be-
schwerdeführer gut kenne, und ihn in einer leichten Tätigkeit seit der 
Operation nurmehr  im Umfang von 4-7 Stunden/Tag als  arbeitsfähig 
erachte. Erschwerend sei, dass vor der Operation eine ca. vierwöchige 
Radio-/Chemotherapie  durchgeführt  worden  sei,  da  man  eine  Rek-
tumexstirpation mit künstlichem Darmausgang habe vermeiden wollen, 
was jedoch dann doch nicht möglich gewesen sei. Die postoperativen 
Probleme seien unter diesen Umständen tendenziell grösser. Es recht-
fertige sich, von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit vom 
Datum der Operation, d.h. Juli 1999 (richtig wäre November 1999) bis 
30. September 1999 (richtig wäre wohl Januar 2000) auszugehen. Da-
nach sei die Arbeitsunfähigkeit in der letzten Tätigkeit als Lagerist auf 
60% und in einer angepassten Tätigkeit auf 20% festzusetzen (IV-Akt. 
106). 

4.2  Weder wird geltend gemacht, noch ginge aus den medizinischen 
Akten hervor, dass sich die Vorinstanz bei der Zusprache der Rente 
per 1. Januar 2006 auf eine Revision gestützt hat. Sie stützte sich viel-
mehr auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung.

4.3  Es steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer be-
reits  bei  Erlass der Verfügung vom 29. März 2001,  mit  welcher sein 
Rentengesuch abgewiesen wurde, nurmehr zu 80% in einer angepass-
ten Tätigkeit arbeitsfähig war und damit bereits damals ein Invaliditäts-
grad von 51% vorlag (IV-Akt. 107). Erst nachdem die Deutsche Ren-
tenversicherung  die  SAK  am  2.  Februar  2006  um  Prüfung  des  An-
spruchs  des  Beschwerdeführers  auf  Ausrichtung  einer  schweizeri-
schen Invalidenrente ersucht hatte (IV-Akt. 51), forderte die Vorinstanz 
einerseits die Schwerbehindertenakten des Beschwerdeführers an und 
unterbreitete anderseits die gesamten Akten Dr. med. H._______, ei-
ner Fachärztin für Innere Medizin und Medizinische Onkologie (IV-Akt. 
106). Zuvor wurde der Beschwerdeführer insbesondere durch eine So-
zialmedizinerin (Dr. med. P._______; IV-Akt. 79, 92) sowie durch Psy-
chiater (IV-Akt. 86) begutachtet. Bei Beschwerdebildern der hier vorlie-
genden Art, bei welcher sich psychische und somatische Krankheitsur-
sachen gegenseitig beeinflussen, bedeutet die Stellungnahme zur Ar-
beitsunfähigkeit  immer einen Ermessensentscheid,  der  nur  dann als 

Seite 19

C-6575/2007

qualifiziert,  eben zweifellos unrichtig,  bezeichnet  werden kann,  wenn 
die  fachmedizinischen  Abklärungen  der  beteiligten  Disziplinen  über-
haupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wor-
den sind. Dies ist vorliegend in dem Sinn der Fall, dass bis zum Zeit-
punkt des dritten Rentengesuchs vom 10. Januar 2006 (IV-Akt. 50) nie 
ein neutraler Onkologe/Hämatologe Stellung zum Fall genommen hat 
und das psychiatrische Zusatzgutachten erst zu diesem Zeitpunkt ein-
gefordert  worden  ist.  Die  fachliche  Qualifikation  des  Experten  oder 
Teilgutachters spielt für die richterliche Würdigung einer Expertise je-
doch eine erhebliche Rolle. Bezüglich  der medizinischen Stichhaltig-
keit  eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Gerichte auf  die 
Fachkenntnisse  des  Experten  verlassen  können. Deshalb  ist  für  die 
Eignung eines Arztes als Gutachter in einer bestimmten medizinischen 
Disziplin ein entsprechender, dem Nachweis der erforderlichen Fach-
kenntnisse dienender, spezialärztlicher Titel des berichtenden oder zu-
mindest  des den Bericht  visierenden Arztes vorausgesetzt  (vgl. Erw. 
3.4.4 hiervor). Die beiden Gutachten, auf welche sich die IV-Stelle bei 
ihren ablehnenden Verfügungen vom 29. März 2001 (IV-Akt. 22) und 3. 
Februar 2004 (IV-Akt. 45) gestützt hat, wurden nur von einer in Sozial-
medizin spezialisierten Ärztin verfasst,  obwohl der Beschwerdeführer 
an  einem  Krebsleiden  erkrankt  war,  das  chemo-/radiotherapeutisch 
und letztlich  operativ  angegangen werden  musste. Die  ablehnenden 
Verfügungen beruhen nach dem Gesagten in  einem entscheidenden 
Punkt nicht auf den hierfür erforderlichen spezialärztlichen Feststellun-
gen, weshalb sie zweifellos unrichtig waren. Auch stellt sich die Frage, 
ob selbst  bei  Annahme eines ausgeglichenen Arbeitsmarkts  der Be-
schwerdeführer in der Lage gewesen wäre, eine Stelle zu finden, wel-
che die aufgeführten zahlreichen Auflagen beinhaltet: kein ständiges 
Gehen, keine Nachtschicht, kein besonderer Zeitdruck, kein häufiges 
Bücken, Möglichkeit zur Stomapflege, kein vorrangiges Sitzen und kein 
Publikumsverkehr. 

4.4 Im vorliegenden Fall stützte sich die Vorinstanz vor Erlass der ers-
ten beiden Verfügungen nicht auf Gutachten oder Berichte von Onkolo-
gen/Hämatologen,  obwohl  dies  zur  Beurteilung  der  Arbeitsfähigkeit 
des Beschwerdeführers vorliegend unerlässlich gewesen wäre. Dass 
die ablehnenden Rentenverfügungen vom 29. März 2001 und 3. Febru-
ar 2004 zweifellos unrichtig waren, steht damit – wie erwähnt – fest. Zu 
prüfen bleibt,  ab welchem Zeitpunkt  der Beschwerdeführer Anspruch 
auf eine halbe Invalidenrente hat. 

Seite 20

C-6575/2007

Die Deutsche Rentenversicherung hat  die Anträge des Beschwerde-
führers vom 21. Juni 2000 und 19. Februar 2003 rechtskräftig abge-
lehnt und sich dabei auf die zwei Gutachten von Dr. med. P._______, 
Sozialmedizinerin,  gestützt.  Diese  vermochte,  wie  dargelegt,  keine 
rentenbegründenden Sachverhaltselemente zu erkennen.  Wie vorste-
hend ausgeführt, wurden die rentenbegründenden Tatsachen erst mit 
der Beurteilung durch Dr. med. H._______ vom 18. Juli 2007 entdeckt 
(IV-Akt. 106). Dr. med. H._______ ihrerseits stützte sich im Wesentli-
chen  auf  die  Berichte  des  Universitätsklinikums  F._______  vom 19. 
November 2001 (IV-Akt. 86) und von Dr. med. S._______ vom 1. Juni 
2001 (IV-Akt. 83). Diese beiden Berichte waren der Vorinstanz erst zu-
gänglich,  nachdem  sie  am  23.  November  2006  beim  Landsratsamt 
W._______ die Sozialversicherungsakten des Beschwerdeführers ein-
gefordert hatte (IV-Akt. 68). Nachdem der Beschwerdeführer sowohl im 
Jahr 2003 (IV-Akt 37) als auch im Jahr 2006 (IV-Akt. 54) der Aufforde-
rung,  mit  den Fragebogen auch sämtliche in  seinem Besitz  befindli-
chen  Arztberichte  einzureichen,  nicht  nachgekommen  ist,  kann  der 
Vorinstanz  nicht  zum Vorwurf  gereichen,  dass  sie  die  rentenbegrün-
dende Invalidität des Beschwerdeführers nicht früher entdeckt hat. Ab 
dem  Zeitpunkt  des  Eingangs  des  dritten  Rentengesuchs  des  Be-
schwerdeführers  gewährte  die  Vorinstanz  diesem eine  halbe  Rente, 
womit sich der Entscheid auch in zeitlicher Hinsicht an die genannten 
gesetzlichen Vorgaben hält. Der Beschwerdeführer, der sich hiergegen 
wendet, vermag damit nicht durchzudringen.     

Anzumerken bleibt, dass der GdB im Sinne des IX. SGB ein Mass für 
die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen  Auswirkungen ei-
ner  Funktionsbeeinträchtigung  ist,  aus  welchem  Wert  nicht  auf  das 
Ausmass der Leistungsfähigkeit zu schliessen ist. Vielmehr ist der GdB 
grundsätzlich  unabhängig  vom ausgeübten  oder  angestrebten  Beruf 
zu beurteilen (vgl. Erw. 3.5 hiervor). Soweit sich der Beschwerdeführer 
zur Begründung seines Antrags auf die Nachzahlung von Renten bis 
zum Zeitpunkt seines ersten Gesuches hin auf den Schwerbehinder-
tengrad von zuerst 80 GdB und danach 50 GdB beruft, vermag er da-
mit ebenso wenig durchzudringen. 

5.
5.1 Die  Verfahrenskosten  sind  bei  Streitigkeiten  um  die  Bewilligung 
oder  die  Verweigerung  von  IV-Leistungen  nach  dem  Verfahrensauf-
wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200.-- - 1'000.-- 
Franken festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m. Abs. 2 IVG). Für das vor-

Seite 21

C-6575/2007

liegende Verfahren sind die Verfahrenskosten auf Fr. 400.-- festzuset-
zen und dem Beschwerdeführer als der unterliegenden Partei aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskosten sind mit dem ge-
leisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

5.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren 
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismäs-
sig  hohe  Kosten  zugesprochen  werden  (Art.  64  Abs.  1  VwVG).  Als 
Bundesbehörde hat die IV-Stelle jedoch keinen Anspruch auf  Partei-
entschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]). Der unterliegende Beschwerdeführer hat 
keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e con-
trario). 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 400.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 400.- verrechnet.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben mit Rückschein)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ________)
- das Bundesamt für Sozialversicherungen 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Seite 22

C-6575/2007

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

Frank Seethaler Karin Behnke

Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6, 6004 Luzern,  Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. 
und 100 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 
173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit 
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange-
fochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  be-
schwerdeführende  Partei  in  Händen  hat,  beizulegen  (vgl.  Art.  42 
BGG). 

Versand: 

Seite 23