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**Case Identifier:** b6a988fb-7e88-5f20-b983-ff094af03af6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-18
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 18.01.2022 ZSU.2021.213
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZSU-2021-213_2022-01-18.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 5. Kammer 

 

ZSU.2021.213 / sp / ft 
(SF.2020.50)  

Art. 4      

 

Entscheid vom 18. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Brunner, Präsident  

Oberrichter Lindner  

Ersatzrichter Schneuwly  

Gerichtsschreiberin Porchet        

 

 
   

Klägerin   A._____, 

vertreten durch LL.M. Peter Conrad, Rechtsanwalt, 

Weite Gasse 14, Postfach, 5402 Baden    

 

     

 
   

Beklagter   B._____, 

vertreten durch lic. iur. Markus Härdi, Rechtsanwalt, 

Bachstrasse 40, Postfach, 5600 Lenzburg    

 

 

 
 

Gegenstand  Summarisches Verfahren betreffend Eheschutz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Parteien heirateten am tt.mm. 2008 in S. Aus der Ehe sind die Kinder 

C., geboren am tt.mm. 2009, und D., geboren am tt.mm. 2011, 

hervorgegangen.  

 

2. 

2.1. 

Mit Klage vom 17. Juli 2020 stellte die Klägerin beim Gerichtspräsidium 

Lenzburg die folgenden Eheschutzbegehren: 

 

"1. 
Den Parteien sei das Getrenntleben zu bewilligen. 

 
2. 
Die eheliche Liegenschaft am tt.mm., sei für die Dauer des Getrenntlebens 
samt Hausrat und Mobiliar der Gesuchstellerin zur alleinigen Benutzung 
zuzuweisen. 

 
3. 
Die elterliche Obhut über die gemeinsamen Kinder C., geb. tt.mm.2009, und D., 
geb. tt.mm.2011, sei der Gesuchstellerin zuzusprechen. 

 
4. 
Dem Gesuchsgegner sei ein gerichtsübliches Besuchsrecht einzuräumen. 

 
5. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin während des 
Getrenntlebens an den Unterhalt der gemeinsamen Kinder C., geb. tt.mm.2009, 
und D., geb. tt.mm.2011, jeweils vorschüssig mindestens folgende 
Unterhaltsbeiträge zu bezahlen: 

 
- C. CHF 1'478.95 
- D. CHF 1'278.95 
 

Zuzüglich allfällig bezogener Kinderzulagen. 
 

6. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin das Auto XY 
herauszugeben. 

 
 
 

7. 
Es sei per Datum Einreichung dieses Gesuches die Gütertrennung 
anzuordnen. 

 
8. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Gesuchsgegners 
(zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer)." 

 

 - 3 - 

 

 

2.2. 

Mit Klageantwort vom 24. August 2020 beantragte der Beklagte: 

 

"1. 
Es sei festzustellen, dass die Parteien den ehelichen Wohnsitz aufgehoben 
haben. 

 
2. 
Es sei die eheliche Liegenschaft ([…]) während der Dauer des Getrenntlebens 
der Gesuchstellerin zur alleinigen Benutzung zuzuweisen. 

 
3. 
Es seien Hausrat und Mobiliar, soweit es sich in der Liegenschaft ([…]) befindet, 
während der Dauer des Getrenntlebens der Gesuchstellerin zur alleinigen 
Benutzung zuzuweisen. 

 
4. 
Es sei die elterliche Obhut über die gemeinsamen Kinder C., geb. tt.mm.2009 
und D., geb. tt.mm.2011, wöchentlich alternierend den Parteien zuzuweisen, so 
dass C. und D. in allen geraden Wochen durch die Gesuchstellerin betreut 
werden und sich bei ihr aufhalten und in allen ungeraden Wochen durch den 
Gesuchgegner betreut werden und sich bei ihm aufhalten. 

 
5. 
Betreffend Feiertage einigen sich die Parteien in direkter Absprache unter 
Beachtung der Interessen und des Wohls der Töchter. Sollten sich die Parteien 
betreffend die Feiertage nicht einig werden, gilt folgende Regelung: 

 
In Jahren mit gerader Jahreszahl: Gesuchstellerin  
Karfreitag, 10:00 Uhr, bis Ostermontag, 18:00 Uhr 
Heiligabend, 24. Dezember, 14:00 Uhr, bis Weihnachten, 25. Dezember, 14:00 
Uhr  
Neujahr, 01. Januar, 14:00 Uhr, bis Berchtoldstag, 02. Januar, 20:00 Uhr 

 
In Jahren mit gerader Jahreszahl: Gesuchgegner  
Pfingstmontag, 10:00 Uhr, bis Pfingstmontag, 20:00 Uhr 
Weihnachten, 25. Dezember, 14:00 Uhr, bis Stephanstag, 26. Dezember, 
20:00 Uhr  
Silvester, 31. Dezember, 14:00 Uhr, bis Neujahr, 01. Januar, 20:00 Uhr 

 
In Jahren mit ungerader Jahreszahl umgekehrt. 

 
5. 
Es sei das Ferienrecht den Parteien je hälftig zuzuweisen unter 
Berücksichtigung des Alters und der Interessen von C. und D.. Es seien die 
Parteien zu verpflichten, die jährlich zu beziehenden Ferien bis spätestens Mitte 
Januar des Jahres festzulegen. Können sie sich nicht einigen hat in Jahren mit 
gerader Jahreszahl die Gesuchstellerin und in Jahren mit ungerader 
Jahreszahlen der Gesuchgegner das Vorrecht. 

 
6. 
Für den Unterhalt der Kinder kommt jeweils diejenige Partei auf, bei welcher 
sich C. und D. aufhalten. 

 

 - 4 - 

 

 

Der Gesuchgegner verpflichtet sich überdies, der Gesuchstellerin jeweils 
monatlich vorschüssig an den Unterhalt der Töchter C. und D. einen 
Unterhaltsbeitrag von insgesamt CHF 174.45 zu bezahlen. 

 
7. 
Es sei festzustellen, dass die „AB." von der Gesuchstellerin den Auftrag 
erhalten hat, das Auto XY in Stand zu setzen. Sobald die Gesuchstellerin 
die Rechnung der „AB." für die aufgelaufenen Arbeiten und die Ersatzteile 
bezahlt hat, bleibt es ihr unbenommen, das vorgenannte Fahrzeug 
abzuholen. 
 
8. 
Es sei gerichtlich die Gütertrennung per Rechtskraft des vorliegenden 
summarischen Verfahrens betreffend Eheschutz anzuordnen. 
 
9. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gesuchstellerin.  
 
Eventuell: 
Es seien die Gerichtskosten zu halbieren und die Parteikosten 
wettzuschlagen. 
 
10. 
Weitergehende oder anderslautende Rechtsbegehren der Gesuchstellerin 
seien vollumfänglich abzuweisen." 

 

2.3. 

Am 25. November 2020 wurden C. und D. angehört. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Anlässlich der Verhandlung vom 26. November 2020 stellte die Klägerin in 

der Replik die folgenden Rechtsbegehren: 

 

"1.-4. 
[unverändert] 

 
5. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin während des 
Getrenntlebens an den Unterhalt der gemeinsamen Kinder C., geb. tt.mm.2009, 
und D., geb. tt.mm.2011, jeweils vorschüssig ab 1. Juli 2020 mindestens 
folgende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen: 

 
- C.  CHF 1'886.00 
- D. CHF 1'686.00 

 
Zuzüglich allfällig bezogener Kinderzulagen. 

 
6. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen 
Ehegattenunterhalt von CHF 1'750.00/Monat jeweils monatlich vorschüssig ab 
1. Juli 2020 zu zahlen. 

 
 
 

 - 5 - 

 

 

7. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin das Auto XY 
herauszugeben. 

 
8. 
Es sei per Datum Einreichung dieses Gesuches die Gütertrennung 
anzuordnen. 

 
9. 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, seine persönlichen Gegenstände 
(gelagert in der Garage) innert 10 Tagen nach Rechtskraft des Eheschutzurteils 
abzuholen. Nach Ablauf dieser Frist sei die Gesuchstellerin zu ermächtigen, die 
eingelagerten persönlichen Effekten des Gesuchsgegners auf dessen Kosten 
zu entsorgen. 

 
10.  
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin seinen 
persönlichen Schlüssel zur Liegenschaft sowie den Zweitschlüssel des XZ 
innert 10 Tagen nach Rechtskraft des Eheschutzurteils herauszugegeben. 

 
11. 
Soweit der Gesuchsgegner mehr oder anderes verlangt, seien seine 
Rechtsbegehren abzuweisen. 

 
12. Prozessantrag: 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, die Jahresrechnungen der AB. der 
Jahre 2015 - 2019 herauszugeben. 

 
13. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

2.4.2. 

Der Beklagte stellte in seiner Duplik folgende Anträge:  

 
"1. 
An den Anträgen wird festgehalten. 

 
2. 
Ziffer 6 der Replik sei abzuweisen, es ist kein Ehegattenunterhalt geschuldet. 

 
3. 
Ziffer 9, mein Mandant holt die Gegenstände ab, wir sind damit einverstanden. 

 
4. 
Ziffer 10, mein Mandat wird die Schlüssel abgeben, er würde jedoch gerne sein 
Kontrollschild mitnehmen." 

 

2.4.3. 

Anschliessend wurden die Parteien befragt. 

 

2.5. 

In der Eingabe vom 1. März 2021 (Stellungnahme zum Beweisergebnis) 

hielt die Klägerin an ihren Rechtsbegehren fest. 

 

 - 6 - 

 

 

2.6. 

Der Beklagte hielt in seiner Eingabe vom 11. März 2021 (Stellung zum 

Beweisergebnis) mit Ausnahme von Ziff. 6 seiner in der Klageantwort 

gestellten Rechtsbegehren ebenfalls an seinen Anträgen fest. Ziff. 6 

modifizierte der Beklagte wie folgt: 

 

"6. 
Für den Unterhalt der Kinder kommt jeweils diejenige Partei auf, bei welcher 
sich C. und D. aufhalten. 
 
Die Gesuchstellerin bezieht die Kinderzulagen, weshalb sie für die 

Krankenkassenprämien der Töchter aufzukommen hat. Die Kosten für die 

Hobbys der Töchter gehen zu Lasten des Gesuchgegners." 

 

2.7. 

Mit Eingabe vom 20. April 2021 beantragte die Klägerin:  

 

"1. 
Es sei für die beiden Töchter C. und D. eine Besuchsbeistandschaft zu 
errichten, welche die Parteien bei der Ausübung des Umgangsrechts mit den 
beiden Töchtern unterstützt. 

 
2. 
Auf eine Weisung für einen Kursbesuch "Kinder im Blick" sei zu verzichten." 

 

2.8. 

Mit Eingabe vom 26. April 2021 beantragte der Beklagte: 

 

"1. 
Es sei den Parteien die Weisung zu erteilen den Kurs «Kinder im Blick» zu 
absolvieren. 

 
2. 
Anderslautende oder weitergehende Rechtsbegehren seien abzuweisen." 

 

2.9. 

Am 29. April 2021 fällte die Gerichtspräsidentin von Lenzburg den 

folgenden Entscheid: 

 

"1. 

Es wird festgestellt, dass die Parteien zur Aufhebung des gemeinsamen 

Haushaltes berechtigt sind. 

 

2. 

Die eheliche Wohnung am […], wird für die Dauer der Trennung der 

Gesuchstellerin zur ausschliesslichen Benutzung zugewiesen. 

 

3. 

Die Kinder C., geb. tt.mm.2009, und D., geb. tt.mm.2011, werden für die Dauer 

der Trennung unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt. 

 

 - 7 - 

 

 

4. 

Der Gesuchgegner ist berechtigt, die Kinder jedes zweite Wochenende von 

Freitagabend bis Sonntagabend, am Montag und Donnerstag zum Mittagessen 

sowie jeweils 1 zusätzliche Nacht pro Woche zu sich auf Besuch zu nehmen 

und jährlich 6 Wochen Ferien mit ihnen zu verbringen. 

 

Die Ferien- und Feiertagsplanung sprechen die Parteien jeweils frühzeitig ab. 

Können sie sich über die Ferien- und/oder Feiertagsplanung nicht einigen, so 

kommt der Gesuchstellerin in Jahren mit gerader Jahreszahl das Ent-

scheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Ferien und Feiertage zu; in 

Jahren mit ungerader Jahreszahl dem Gesuchgegner. 

 

Ein weitergehendes Besuchs- und Ferienrecht nach Absprache unter den 

Parteien bleibt vorbehalten. 

 

5. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den persönlichen 

Unterhalt für die Zeit vom 1. August 2020 bis 31. Juli 2021 monatlich im Voraus 

CHF 230.00 zu bezahlen. 

 

6. 

6.1. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt der 

Tochter C. rückwirkend monatlich im Voraus folgende Unterhaltsbeiträge 

zuzüglich allfällig bezogener Kinder- oder Ausbildungszulagen zu bezahlen: 

 

- CHF 1'150.00 ab August 2020 bis Juli 2021 (Barunterhalt, 

Betreuungsunterhalt 0.-); 

- CHF 1'200.00 ab August 2021 (Barunterhalt, Betreuungsunterhalt 0.-) 

 

6.2. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt der 

Tochter D. rückwirkend monatlich im Voraus folgende Unterhaltsbeiträge 

zuzüglich allfällig bezogener Kinder- oder Ausbildungszulagen zu bezahlen: 

 

- CHF 950.00 von August 2020 bis Juli 2021 (Barunterhalt, 

Betreuungsunterhalt 0.-); 

- CHF 1'200.00 ab August 2021 (Barunterhalt, Betreuungsunterhalt 0.-) 

 

7. 

Gestützt auf Art. 307 Abs. 1 und 3 ZGB wird im Interesse der gemeinsamen 

Kinder den Parteien folgende Weisung erteilt: 

 

Beim Verein «Kinder im Blick» einen Elternkurs zu absolvieren 

(www.kinderimblick.ch) und dem Familiengericht bis spätestens 

31. Dezember 2021 eine entsprechende Kursbestätigung einzureichen. 

 

8. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den persönlichen 

Unterhalt rückwirkend ab August 2020 bis Juli 2021 monatlich im Voraus 

CHF 225.00 zu bezahlen. 

http://www.kinderimblick.ch/

 - 8 - 

 

 

 

9. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet seine persönlichen Gegenstände bis 

spätestens 10 Tage nach Rechtskraft bei der Gesuchstellerin abzuholen. 

 

10. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, den Hausschlüssel sowie Zweitschlüssel 

des XZ bis spätestens 10 Tage nach Rechtskraft der Gesuchstellerin 

abzugeben. 

 

11. 

Es wird per 20. Juli 2020 die Gütertrennung angeordnet. 

 

12. 

Im Übrigen werden die Anträge abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

13. 

Die Gerichtskosten, bestehend aus einer Entscheidgebühr von CHF 4'000.00 

werden den Parteien je zur Hälfte mit CHF 2'000.00 auferlegt. 

 

Sie werden mit dem Vorschuss der Gesuchstellerin von CHF 2'400.00 

verrechnet, so dass der Gesuchgegner der Gesuchstellerin CHF 400.00 direkt 

zu ersetzen und CHF 2'000.00 an die Gerichtskasse zu zahlen hat.  

 

14. 

Jede Partei trägt ihre Parteikosten selber." 

 

3. 

3.1. 

Gegen den ihm am 13. September 2021 zugestellten begründeten 

Entscheid erhob der Beklagte mit Eingabe vom 23. September 2021 

(Postaufgabe) fristgerecht Berufung und stellte folgende Anträge: 

 

"1. 

Es sei die Ziffer 3 des Entscheids des Präsidiums des Familiengerichts des 

Bezirksgerichts Lenzburg vom 29.04.2021 aufzuheben und wie folgt neu zu 

fassen: 

 

3. 

Die Kinder C., geb. tt.mm.2009, und D., geb. tt.mm.2011, stehen für die 

Dauer der Trennung unter wöchentlich alternierender Obhut der Parteien. 

 

2. 

Es sei die Ziffer 4 des Entscheids des Präsidiums des Familiengerichts des 

Bezirksgerichts Lenzburg vom 29.04.2021 aufzuheben und wie folgt neu zu 

fassen: 

 

4. 

Zufolge Anordnung der alternierenden Obhut entfällt die Regelung eines 

Besuchsrechtes. Die Betreuung der Kinder während den Schulferien 

 - 9 - 

 

 

übernehmen die Parteien je zur Hälfte. In geraden Jahren hat die 

Gesuchstellerin Vorrang bei der Aufteilung der Ferien, in ungeraden 

Jahren der Gesuchsgegner. 

 

3. 

Es sei die Ziffer 5 des Entscheids des Präsidiums des Familiengerichts des 

Bezirksgerichts Lenzburg vom 29.04.2021 aufzuheben. 

 

4. 

Es seien die Ziffer 6/6.1./6.2. des Entscheids des Präsidiums des 

Familiengerichts des Bezirksgerichts Lenzburg vom 29.04.2021 aufzuheben 

und wie folgt neu zu fassen: 

 

6.1. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt 

der Tochter C. rückwirkend ab August 2020 monatlich im Voraus einen 

Unterhaltsbeitrag von CHF 145.05, zuzüglich allfällig bezogener Kinder- 

oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen. 

 

Eventuell: 

Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt 

der Tochter C. rückwirkend ab August 2020 monatlich im Voraus einen 

Unterhaltsbeitrag von CHF 615.00, zuzüglich allfällig bezogener Kinder- 

oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen. 

 

6.2. 

Der Gesuchgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt 

der Tochter D. rückwirkend ab August 2020 monatlich im Voraus einen 

Unterhaltsbeitrag von CHF 145.05, zuzüglich allfällig bezogener Kinder- 

oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen. 

 

Eventuell: 

Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt 

der Tochter D. rückwirkend ab August 2020 bis Juli 2021 monatlich im 

Voraus einen Unterhaltsbeitrag von CHF 515.00, ab August 2021 von CHF 

615.00 monatlich im Voraus jeweils, zuzüglich allfällig bezogener Kinder- 

oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen. 

 

5. 

Es sei die Ziffer 8 des Entscheids des Präsidiums des Familiengerichts des 

Bezirksgerichts Lenzburg vom 29.04.2021 aufzuheben und wie folgt neu zu 

fassen: 

 

8. 

Die Parteien haben einander keinen Unterhalt zu bezahlen. 

 

6. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich gesetzlich 

geschuldeter Mehrwertsteuer, zulasten der Gesuchstellerin und 

Berufungsbeklagten." 

 

 - 10 - 

 

 

3.2. 

In der Berufungsantwort vom 18. Oktober 2021 beantragte die Klägerin die 

kostenfällige Abweisung der Berufung. 

 

3.3. 

Es folgten weitere Eingabe des Beklagten vom 1. November 2021 und der 

Klägerin vom 12. November 2021. 

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 19. November 2021 wurde der Beklagte aufgefordert, 

inert einer Frist von 10 Tagen ein detailliertes Betreuungskonzept 

vorzulegen.  

 

3.5.  

Es folgten weitere Eingaben des Beklagten vom 29. November 2021 und 

vom 6. Dezember 2021. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Gegen den angefochtenen Entscheid ist als Rechtsmittel die Berufung ge-

geben (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Mit Berufung können beim Obergericht 

als Rechtsmittelinstanz (§ 10 lit. c EG ZPO) die unrichtige Rechtsanwen-

dung und die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht 

werden (Art. 310 ZPO). In der Berufungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) 

hat sich der Berufungskläger mit der Begründung im erstinstanzlichen Ent-

scheid im Einzelnen und sachbezogen auseinander zu setzen 

(REETZ/THEILER, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung 

[ZPO-Komm.], 3. Aufl., Zürich 2016, N. 36 zu Art. 311 ZPO). Mit blossen 

Wiederholungen der eigenen Vorbringen vor erster Instanz, die von dieser 

bereits abgehandelt wurden, wird dem Begründungserfordernis nicht Ge-

nüge getan (HUNGERBÜHLER/BUCHER, in: DIKE-Kommentar ZPO, 2. Aufl., 

Zürich/St. Gallen 2016, N. 27 ff. zu Art. 311 ZPO). Die Beanstandungen am 

angefochtenen Entscheid haben die Parteien innert der Berufungs- bzw. 

Berufungsantwortfrist vollständig vorzutragen; ein allfälliger zweiter 

Schriftenwechsel oder die Ausübung des Replikrechts dienen nicht dazu, 

die bisherige Kritik zu vervollständigen oder gar neue vorzutragen. Die 

Rechtsmittelinstanz ist sodann nicht gehalten, von sich aus alle sich 

stellenden tatsächlichen und rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn die 

Parteien diese in oberer Instanz nicht mehr vortragen. Das Obergericht 

beschränkt sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich 

auf die Beurteilung der in der Berufung und der Antwort auf diese gegen 

das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen (BGE 142 III 413 

Erw. 2.2.4). Tatsachen sind dabei in der Rechtsschrift selber darzulegen; 

eine blosse Verweisung auf die Beilagen reicht in aller Regel nicht (BGE 

 - 11 - 

 

 

4A_281/2017 Erw. 5). Die Einschränkung, dass im Berufungsverfahren das 

Vorbringen neuer Tatsachen und Beweismittel nur im Rahmen von Art. 317 

Abs. 1 ZPO möglich ist (BGE 138 III 625 Erw. 2.2), gilt bei Kinderbelangen 

nicht (BGE 144 III 349 Erw. 4.2.1). Im Bereich der Kinderbelange gilt die 

Erforschungsmaxime (Art. 296 Abs. 1 ZPO) und der Richter ist nicht an die 

Parteianträge gebunden (Offizialmaxime, Art. 296 Abs. 3 ZPO). Die 

Untersuchungs- resp. Erforschungsmaxime befreien die Parteien sodann 

weder von ihrer Behauptungs- und Substantiierungslast noch von ihrer Mit-

wirkungspflicht, d.h. es liegt auch in diesem Fall an ihnen, die erforderlichen 

tatsächlichen Grundlagen für die geltend gemachten Ansprüche darzutun 

und die Beweise für die vorgebrachten Tatsachen vorzulegen resp. zu be-

antragen (BGE 140 III 485 Erw. 3.3; BGE 5A_855/2017 Erw. 4.3.2, 

5A_485/2012 Erw. 5). Verweigert eine Partei die Mitwirkung, kann sich dies 

zu ihrem Nachteil auswirken. Bleiben prozessrelevante Tatsachen 

beweislos, unterliegt diejenige Partei welche die Beweislast trägt 

(vgl. GEHRI, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Basler Kommentar 

[BSK-ZPO], 3. Aufl., Basel 2017, N. 17 zu Art. 55 ZPO). Der Sachverhalt 

ist glaubhaft zu machen (BGE 5A_239/2017 Erw. 2.3), was mehr als Be-

haupten bedeutet (BGE 120 II 398). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz stellte die beiden Kinder C. und D. unter die Obhut der 

Klägerin. Sie erwog (Urteil Erw. 5.3.), beide Eltern seien erziehungsfähig. 

Die Kooperationsfähigkeit resp. die Bereitschaft zur Kooperation sei zurzeit 

wohl noch durchzogen, die Eltern seien jedoch durchaus fähig, sich über 

die notwenigen organisatorischen Vorkehrungen abzusprechen. Dies zeige 

sich denn auch daran, dass C. und D. bereits mehrfach über Mittag und 

über Nacht bei ihrem Vater seien. Auch wenn die Eltern ihre Konflikte teils 

im Beisein ihrer Kinder austrügen und sich gegenseitige Manipulation oder 

Vernachlässigung der Kinder vorwärfen, könne nicht von einer 

Feindseligkeit gesprochen werden, die den Kindesinteressen offensichtlich 

zuwiderlaufe. Die Parteien wohnten nahe beieinander, den Kindern könne 

somit auch bei der alternierenden Obhut durch die weitere Zugehörigkeit 

zu ihrem sozialen Umfeld Stabilität gewährt werden. Zu berücksichtigen sei 

auch der Kinderwunsch. Die Kinder hätten übereinstimmend ausgeführt, 

sie seien mit der jetzigen Regelung (Leben bei der Mutter, ausgedehntes 

Besuchsrecht beim Vater) zufrieden. Die Kinder seien 12 Jahre und 9.5 

Jahre alt, womit Stabilität immer noch hoch zu gewichten sei. Der Beklagte 

habe im grossen Ganzen den von der Klägerin geschilderten Tagesablauf 

bestätigt. Der Beklagte scheine über kein Betreuungskonzept zu verfügen. 

Es sei unklar, inwiefern der Beklagte, der selbständig seine eigene Garage 

betreibe, tatsächlich in den Randzeiten den Kindern zur Verfügung stehen 

könne. Der Beklagte decke zurzeit die zweimal wöchentlichen Mittagessen 

bei ihm durch seine Mutter ab und er führe selber aus, dass er sein Pensum 

auf 80% reduzieren müsste. Es erscheine aber fraglich, ob der Unterhalt 

 - 12 - 

 

 

der Kinder nach wie vor gedeckt werden und eine Reduktion des Pensums 

tatsächlich umgesetzt werden könnte. Die Obhutszuteilung an die Klägerin 

und ein ausgedehntes Besuchsrecht beim Beklagten entspreche dem 

Kindeswohl am besten.  

 

2.2. 

2.2.1. 

Der Beklagte macht in der Berufung (S. 7, 9 ff.) geltend, er beantrage die 

alternierende Obhut, da er die Kinder während der Ehe zu einem Teil 

betreut habe und die Voraussetzungen erfüllt seien. Beiden Eltern komme 

die Erziehungsfähigkeit zu und die persönliche Beziehung der Kinder zu 

beiden Elternteilen sei manifest. In Bezug auf die schulischen und übrigen 

Kinderbelange bestehe bei beiden Parteien Kooperationsfähigkeit. Beide 

Parteien wohnten in R., die Schule befinde sich etwa in der Mitte. Die 

Kriterien der geographischen Lage und der Stabilität des örtlichen und 

sozialen Umfeldes blieben gewahrt. In der Anhörung hätten die Kinder 

übereinstimmend ausgesagt, dass sie mit der jetzigen Regelung zufrieden 

seien. Die Kinder C. und D. hätten ihren Vater aber bereits im Zeitpunkt der 

Kinderanhörung mehrmals wöchentlich gesehen und seien bei ihm zu 

Besuch gewesen. Die Kinder seien nicht gefragt worden, ob sie z.B. auch 

abwechslungsweise beim Vater übernachten möchten. Selbst wenn die 

Kinder die bisherige Regelung beibehalten wollten, spreche dies nicht 

gegen eine alternierende Obhut. Der Beklagte habe im Gegensatz zur 

Klägerin ein sehr flexibles Betreuungskonzept, könne er doch allein bereits 

mit seiner Mutter, seiner Schwester und der Cousine der Kinder (alle 

wohnhaft in R.) eine Rundum-Betreuung abdecken. Zu all diesen Personen 

habe der Beklagte eine innige, familiäre Beziehung. Die Betreuung durch 

diese Personen erfolge wie auch in der Vergangenheit kostenlos. Es sei 

daher eine unrichtige Sachverhaltsdarstellung, wenn dem Beklagten 

unterstellt werde, er habe kein Betreuungskonzept. Zudem sei die 

Abwesenheit des Beklagten im Geschäftsbetrieb sehr wohl möglich, da er 

einen Mitarbeiter und einen Bruder habe, der aushelfe. Er habe einen 

kurzen Arbeitsweg und er könne im Gegensatz zur Klägerin innert 

kürzester Zeit vor Ort sein. Der Beklagte könne auch die Randzeiten 

abdecken, entweder in eigener Person oder durch die Familie. Bei den 

Mittagessen bei der Mutter des Beklagten sei dieser auch anwesend. Die 

Erwerbstätigkeit der Klägerin liege nicht bei 50%, sondern aufgrund ihrer 

Nebenerwerbstätigkeit höher. Der Beklagte könne sich auch bei einer 

Reduktion des Pensums von 20% den Lohn auf der Basis von 80% 

ausbezahlen. Es sei die alternierende Obhut anzuordnen. 

 

2.2.2. 

Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 3 ff.), während der 

Ehe habe sie sich fast ausschliesslich um die Kinder gekümmert, da der 

Beklagte als Selbständigerwerbender sechs Tage die Woche arbeite und 

oftmals auch an Sonntagen nicht bei seiner Familie gewesen sei. Dass die 

 - 13 - 

 

 

Kommunikation einwandfrei zwischen den Parteien funktioniere, werde 

bestritten. Dass die Töchter C. und D. beide den Wunsch geäussert hätten, 

abwechslungsweise bei den Eltern zu sein, werde bestritten. Angesichts 

seiner sechs-Tage-Woche gehe der Beklagte einer Erwerbstätigkeit von 

mindestens 100% nach, währenddem die Klägerin eine Erwerbstätigkeit 

von 60% ausübe. Die Möglichkeit der persönlichen Betreuung sei bei der 

Klägerin daher deutlich höher einzustufen als beim Beklagten. Angesichts 

der Vorgeschichte des Beklagten sei es zudem nicht auszuschliessen, 

dass dieser auch zukünftig wiederum nahezu jeden Abend in einem Casino 

verbringen werde. Die Betreuung der Töchter erscheine bei einer 

alternierenden Obhut nicht hinreichend gewährleistet. Miteinzubeziehen 

sei auch die im vorinstanzlichen Verfahren vom Beklagten geltend 

gemachte, aber nie belegte Depression des Beklagten. Angesichts dieser 

psychischen Erkrankung erscheine der Beklagte unfähig, die Töchter zu 

betreuen. Darüber hinaus versuche der Beklagte die beiden Töchter mit 

finanziellen Anreizen zu instrumentalisieren und übe massiven Druck auf 

sie aus. Die aktuelle Betreuungssituation werde seit über einem Jahr gelebt 

und die Kinder seien damit zufrieden. Aus dem Anhörungsprotokoll gehe 

hervor, dass die Töchter nicht mehr Zeit mit dem Beklagten verbringen 

möchten. Die Obhut über die beiden Kinder C. und D. sei der Klägerin 

zuzuweisen. 

 

2.3. 

2.3.1. 

Das Eheschutzgericht regelt die Rechte und Pflichten der Eltern gemäss 

den Bestimmungen über die Wirkungen des Kindesverhältnisses (Art. 176 

Abs. 3 ZGB). Das Gericht kann einem Elternteil die alleinige elterliche 

Sorge (welche grundsätzlich das Recht einschliesst, den Aufenthaltsort des 

Kindes zu bestimmen [Art. 301a Abs. 1 ZGB; BGE 142 III 56 Erw. 3, 142 III 

1 Erw. 3.3]) übertragen, wenn dies zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist; 

es kann sich aber auch auf eine Regelung der Obhut (welche einzig das 

faktische Zusammensein mit dem Kind und damit dessen Betreuung im All-

tag umfasst [BGE 142 III 614 Erw. 4.1, 142 III 619 Erw. 3.2.1]), des persön-

lichen Verkehrs oder der Betreuungsanteile beschränken (Art. 298 Abs. 1 

und 2 ZGB). Bei (wie vorliegend) gemeinsamer elterlicher Sorge prüft das 

Gericht im Sinne des Kindeswohls die Möglichkeit einer alternierenden Ob-

hut, wenn ein Elternteil oder das Kind dies verlangt (Art. 298 Abs. 2ter ZGB). 

 

2.3.2. 

Das Bundesgericht hat sich in seiner jüngeren Praxis eingehend mit der 

Frage befasst, nach welchen Kriterien zu entscheiden ist, ob die alternie-

rende Obhut – allenfalls auch gegen den Willen eines Elternteils – ange-

ordnet werden kann (BGE 142 III 617 Erw. 3.2.3 und 142 III 612 Erw. 4). 

Danach kommt die alternierende Obhut grundsätzlich nur in Frage, wenn 

beide Eltern erziehungsfähig sind. Weiter erfordert die alternierende Obhut 

organisatorische Massnahmen und gegenseitige Information. Insofern 

 - 14 - 

 

 

setzt die praktische Umsetzung der alternierenden Obhut bzw. Betreuung 

voraus, dass die Eltern fähig und bereit sind, in den Kinderbelangen 

miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Allein aus dem 

Umstand, dass ein Elternteil sich einer Regelung mit geteilter Betreuung 

widersetzt, kann nicht ohne Weiteres geschlossen werden, die nötige 

Kooperation sei nicht gewährleistet. Ein derartiger Schluss kann nur dort in 

Betracht fallen, wo die Eltern aufgrund der zwischen ihnen bestehenden 

Feindseligkeiten auch hinsichtlich anderer Kinderbelange nicht 

zusammenarbeiten können mit der Folge, dass sie ihr Kind im Szenario 

einer alternierenden Obhut dem gravierenden Elternkonflikt in einer Weise 

aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderläuft. Weiter kommt 

es auf die geografische Situation an, namentlich die Distanz zwischen den 

Wohnungen der beiden Eltern. Bedeutsam ist auch die 

Kindeswohlwirksamkeit der Stabilität, wie sie mit einer Weiterführung der 

bisherigen Regelung einhergeht. In diesem Sinne ist eine alternierende 

Obhut umso eher angezeigt, wenn die Eltern das Kind schon vor ihrer 

Trennung abwechselnd betreut haben. Andere Kriterien sind das Alter des 

Kindes, seine Beziehungen zu (tatsächlichen oder faktischen) 

Geschwistern und seine Einbettung in das weitere soziale Umfeld. Die 

Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, spielt 

hauptsächlich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse des Kindes 

eine persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn ein 

Elternteil selbst in den Randzeiten (morgens, abends und an den 

Wochenenden) nicht bzw. kaum zur Verfügung steht; ansonsten ist von der 

Gleichwertigkeit von Eigen- und Fremdbetreuung auszugehen. Beachtung 

verdient auch der Wunsch des Kindes, selbst wenn es bezüglich der 

Betreuungsregelung (noch) nicht urteilsfähig ist. Die Erziehungsfähigkeit 

beider Eltern ist in jedem Fall notwendige Voraussetzung einer 

alternierenden Obhut. Die weiteren Beurteilungskriterien sind oft 

voneinander abhängig; ihre jeweilige Bedeutsamkeit richtet sich nach den 

konkreten Umständen. So spielt das Kriterium der Stabilität bei Säuglingen 

und Kleinkindern eine wichtige Rolle. Geht es hingegen um Jugendliche, 

kommt der Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu. 

Die Kooperationsfähigkeit der Eltern wiederum verdient besondere 

Beachtung, wenn das Kind schulpflichtig ist oder die Entfernung zwischen 

den Wohnorten der Eltern ein Mehr an Organisation erfordert (BGE 

5A_312/2019 Erw. 2.1.2). Oberste Maxime ist das Kindeswohl (BGE 141 

III 328 Erw. 5). Sind die Voraussetzungen für eine alternierende Obhut ge-

geben, haben beide Eltern grundsätzlich gleichermassen Anspruch darauf, 

sich an der Betreuung des Kindes zu beteiligen. Dies gilt auch dann, wenn 

ein Elternteil in der Vergangenheit zu hundert Prozent erwerbstätig war, 

sich aber in Zukunft durch Reduktion seines Arbeitspensums an der 

Betreuung des Kindes beteiligen möchte. Abzustellen ist darauf, in 

welchem Ausmass ein Elternteil in Zukunft für die Kinderbetreuung verfüg-

bar sein wird (vgl. BGE 5A_888/2016 Erw. 3.3.2). Eine alternierende Obhut 

liegt vor und kann angeordnet werden, wenn die (die elterliche Sorge 

 - 15 - 

 

 

gemeinsam ausübenden) Eltern die Kinderbetreuung zu mehr oder weni-

ger gleichen Teilen übernehmen, wobei die Betreuungszeiten in Tagen, 

Wochen oder Monaten bestimmt werden können (BGE 5A_46/2015 

Erw. 4.4.3; Botschaft zu einer Änderung des Schweizerischen 

Zivilgesetzbuches [Kindesunterhalt] vom 29. November 2013 [BBl 2014 

529 ff.], S. 564). Die Lehre und die Rechtsprechung gehen bei der 

alternierenden Obhut von einem erforderlichen Mindestbetreuungsanteil 

von ca. einem Drittel (SÜNDERHAUF/WIDRIG, Gemeinsame elterliche Sorge 

und alternierende Obhut, in: AJP 2014 S. 885 ff., S. 893 und Fn. 60) oder 

mehr als einem Drittel aus (VETTERLI, in: SCHWENZER/FANKHAUSER, 

FamKomm Scheidung, Bd. I, 3. Auflage 2017, N. 1 zu Art. 176 ZGB; Kan-

tonsgericht St. Gallen, II. Zivilkammer, vom 18. August 2017 

[FO.2015.22]). Das Bundesgericht verzichtet auf feste Zeitangaben und 

spricht stattdessen von Betreuungsanteilen, die "plus ou moins égales" 

sein müssen (BGE 5A_46/2015 Erw. 4.4.3). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Vorinstanz bejahte die Erziehungsfähigkeit bei beiden Parteien. Die 

Klägerin macht für den Fall, dass das Obergericht die "geteilte Obhut" 

zusprechen sollte, geltend, es sei die Erziehungsfähigkeit insbesondere 

des Beklagten mittels gerichtlichen einzuholendem Gutachten abzuklären 

(Berufungsantwort S. 5). Dazu ist in allgemeiner Hinsicht zu sagen, dass 

es im Eheschutzverfahren darum geht, möglichst rasch eine optimale 

Situation für das Kind zu schaffen. Langwierige Abklärungen, etwa durch 

Gutachten, sollten auch im Streitfall nicht die Regel sein, sondern nur 

angeordnet werden, wenn besondere Umstände vorliegen 

(BGE 5A_444/2008 Erw. 2.2 mit Hinweisen, 5A_22/2010 Erw. 4.4.2 mit 

Hinweisen). Solche besonderen Umstände liegen bei erhärtetem Verdacht 

auf Missbrauch in allen Formen, bei massiven Auseinandersetzungen 

sowie bei einer vollständigen Weigerungshaltung einer Partei betreffend 

die Besuchsrechtsausübung vor (BÜCHLER/CLAUSEN, FamKomm 

Scheidung, a.a.O., N. 17 zu Art. 133 ZGB). Die Klägerin zeigt nicht auf, 

inwieweit vorliegend solche besonderen Umstände gegeben sind, welche 

die Anordnung eines Gutachtens rechtfertigen würden. Vor Vorinstanz 

stellte die Klägerin die Erziehungsfähigkeit des Beklagten trotz der bereits 

damals geltend gemachten Instrumentalisierung der Kinder und der 

depressiven Erkrankung des Beklagten zudem explizit nicht in Frage 

(act. 102 f.). Auch hat die Klägerin den angefochtenen Entscheid, in 

welchem dem Beklagten ein relativ ausgedehntes Besuchsrecht 

eingeräumt wurde, nicht angefochten, was durchaus als grundsätzliches 

Anerkenntnis der Erziehungsfähigkeit des Beklagten zu werten ist. In 

Bezug auf die depressive Erkrankung (vgl. act. 85, 93) führte der Beklagte 

zudem aus (Eingabe vom 1. November 2021, S. 11), er habe sich 

professionelle Hilfe gesucht und in der Zwischenzeit habe er wieder viel 

Stabilität, Kraft und Ausdauer gewonnen (Eingabe vom 1. November 2021, 

 - 16 - 

 

 

S. 11). Der Beklagte vermochte mit diesen Ausführungen glaubhaft zu 

machen, dass sich sein gesundheitlicher Zustand seit der Verhandlung vor 

Vorinstanz vor rund einem Jahr verbessert und stabilisiert hat. Was den 

Vorwurf der Instrumentalisierung der Kinder anbelangt, stellte die 

Vorinstanz zu Recht fest (Erw. 5.3. des angefochtenen Entscheids), dass 

sich die Parteien gegenseitige Manipulation (oder Vernachlässigung) der 

Kinder vorwürfen. Da die jeweiligen Vorbringen bestritten sind und nur in 

einem aufwändigen Beweisverfahren geklärt werden könnten, ist im 

Rahmen des summarischen Verfahrens nicht weiter darauf einzugehen. 

Nachdem die Klägerin im Berufungsverfahren jedenfalls keine 

gravierenden Erziehungsdefizite, welche der Anordnung einer alter-

nierenden Obhut im Hinblick auf das wohlverstandene Kindeswohl, d.h. die 

körperliche, seelische und geistige Integrität der Kinder (vgl. BGE 146 III 

319 Erw. 6.2.2), geradezu entgegenstehen würden, geltend, geschweige 

denn glaubhaft macht, ist davon auszugehen, dass beide Parteien 

gleichermassen erziehungsfähig sind. 

 

2.4.2. 

Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass die 

Parteien fähig seien, in Kinderbelangen miteinander zu kommunizieren und 

zu kooperieren, was von der Klägerin bestritten wird. Sie macht 

insbesondere geltend (Berufungsantwort S. 3 unten), der Beklagte habe sie 

nicht über Auslandaufenthalte informiert, welche er mit den Töchtern 

verbringe. Zudem habe der Beklagte der Klägerin trotz mehrfachem 

Nachfragen bis heute nicht mitgeteilt, in welchen Zeiträumen er im 

kommenden Jahr 2022 mit den Töchtern Ferien verbringen wolle. 

Abgesehen davon, dass der Beklagte den Vorwurf unter Hinweis auf den 

WhatsApp-Verkehr zwischen ihm und der Klägerin vom 27./28. Juli 2021 

(Beilage 3 zur Eingabe vom 1. November 2021), in welchem er die Klägerin 

informierte, dass er [mit den Kindern] am nächsten Tag nach QY. fahre, 

bestreitet, betreffen die Vorbringen der Klägerin einzig die Kommunikation 

der Parteien im Zusammenhang mit dem Ferienrecht des Beklagten, 

welches diesem aber auch bei einer alternierenden Obhut zusteht. Zudem 

macht die Klägerin auch nicht explizit geltend, die von ihr behauptete 

mangelnde Kommunikation des Beklagten im Zusammenhang mit dem 

Ferienrecht bzw. den Auslandaufenthalten würde sich negativ auf das Wohl 

der beiden Töchter auswirken. Dass die Parteien auch in anderen 

Kinderbelangen - z.B. in schulischen oder in medizinischen Belangen - 

nicht zusammenarbeiten können, wird von der Klägerin sodann im 

Berufungsverfahren nicht behauptet und sie hat auch die Feststellung der 

Vorinstanz nicht bestritten, dass die Parteien fähig seien, sich über die 

notwenigen organisatorischen Vorkehrungen abzusprechen (vgl. dazu den 

Whats-App-Verkehr der Parteien in den Beilagen 5 und 6 zur Eingabe des 

Beklagten vom 1. November 2021). Es ist daher - trotz der 

unbestrittenermassen zwischen den Parteien bestehenden Konflikte - 

davon auszugehen, dass diese grundsätzlich in einem für ein geteiltes 

 - 17 - 

 

 

Betreuungsmodell noch genügenden Mindestmass fähig und bereit sind, in 

Kinderbelangen miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. 

 

2.4.3. 

2.4.3.1. 

In Bezug auf die Betreuungssituation der beiden Kinder vor der Trennung 

der Parteien ist insoweit unstreitig, dass der Beklagte als Inhaber einer 

Autogarage einer Erwerbstätigkeit basierend auf einem 100%-Pensum 

nachging, währenddem die Klägerin lediglich eine Teilzeiterwerbstätigkeit 

ausübte. Die Klägerin führte vor Vorinstanz aus (act. 4, 87; 89 f., 101), sie 

sei die Hauptbezugsperson für die Töchter C. und D. gewesen, der 

Beklagte sei als selbständiger Garagist stark engagiert und jeweils auch 

am Abend nur selten zu Hause gewesen. Sie habe sich um Hausaufgaben, 

Elterngespräche und den Haushalt gekümmert. Der Beklagte sei morgens 

um 7 Uhr gegangen, sei über Mittag und dann wieder um 19.15/19.30Uhr 

nach Hause gekommen, habe geduscht und sei in den Ausgang gegangen. 

Am Wochenende habe er am Samstagmorgen bis 13 Uhr oder 16 Uhr 

gearbeitet. Am Sonntag habe er ausgeschlafen, sei dann zur Mutter 

gegangen und auf das Mittagessen nach Hause gekommen. Am 

Nachmittag hätten sie vielleicht etwas gemacht, jeweils aber auch mit der 

ganzen Familie Autos in Basel, Bern oder St. Gallen holen müssen. 

Dienstag und Donnerstagabend sei der Beklagte zu Hause gewesen, da 

die Klägerin eine Abendschule besucht habe. Freitags seien sie 

abwechselnd in den Ausgang gegangen. Auch am Samstagabend sei der 

Beklagte viel weg gewesen. Der Beklagte führte dazu aus (act. 30, 32,93), 

er habe an den freien Tagen viel mit den Töchtern unternommen, er habe 

sie nahezu jeden Abend ins Bett gebracht, nicht selten sei die Klägerin 

abends in den Ausgang gegangen. Er sei ca. 7.15 Uhr aus dem Haus 

gegangen, für das Mittagessen und am Abend um ca. 18.30 oder 19 Uhr 

nach Hause gekommen. Es stimme nicht, dass er fast jeden Abend weg 

gewesen sei. Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, hat der Beklagte 

im grossen Ganzen den von der Klägerin geschilderten Tagesablauf 

bestätigt und er machte erst in seiner Eingabe vom 1. November 2021 

(S. 4 f.) explizit geltend, er habe neben seiner Erwerbstätigkeit viel Zeit mit 

seinen Töchtern verbracht, sich um sie gekümmert und sie betreut, die 

Töchter seien mehrmals in der Woche bei der Mutter des Beklagten, der 

Schwester oder dem Bruder gewesen, die Klägern sei regelmässig mit 

ihren Freundinnen unterwegs gewesen und habe aussereheliche 

Beziehungen unterhalten. Soweit diese Vorbringen überhaupt von 

Relevanz sind, kann der Beklagte damit nicht mehr gehört werden, da das 

Replikrecht nicht dazu dient, die bisherige Kritik zu vervollständigen, 

sondern zu neuen Behauptungen Stellung zu nehmen (Erw. 1 vorstehend). 

Unbestritten ist jedenfalls, dass der Beklagte regelmässig Zeit im 

Spielcasino verbrachte (act. 84), wo er gemäss eigenen Aussagen (act. 94) 

in einem Jahr einen Betrag von knapp Fr. 80'000.00 ausgegeben hat. Es 

ist daher glaubhaft, dass der Beklagte abends regelmässig nicht zu Hause 

 - 18 - 

 

 

war. In Würdigung all dieser Umstände ist davon auszugehen, dass die 

Klägerin die Kinder C. und D. während des ehelichen Zusammenlebens 

hauptsächlich betreute. 

 

2.4.3.2. 

2.4.3.2.1. 

Streitig ist sodann, ob der Beklagte in der Lage ist, die beiden Kinder C. 

und D. im Rahmen einer alternierenden Obhut persönlich zu betreuen. Der 

Beklagte ist, wie schon erwähnt, Inhaber einer Autogarage in W., welche 

nach den Ausführungen des Beklagten in der persönlichen Befragung (act. 

96 f.) werktags jeweils von 7.30 Uhr bis 12 Uhr und von 13.30 Uhr bis 18 

Uhr (bzw. freitags bis 17 Uhr) und Samstag von 9 Uhr bis 13 Uhr geöffnet 

ist. Auf die Frage der Gerichtspräsidentin, wie ein Tag aussehen würde, 

wenn die Kinder bei ihm wären, gab der Beklagte zu Protokoll (act. 92 f.), 

er würde nach dem Frühstück der Kinder arbeiten gehen, mittags 

heimkommen, es sei gekocht, dann gingen die Kinder wieder und wenn sie 

nach Hause kämen, sei er zurück, er habe einen tollen Mitarbeiter, der seit 

Juni 2020 zu 100% angestellt sei. Wenn er die Kinder z.B. am 

Mittwochnachmittag habe und er zu Hause sein müsse, sei der Mitarbeiter 

im Laden, er mache Reparaturen, Diagnosen, teils auch den Verkauf. Der 

Mitarbeiter könne die Garage öffnen und schliessen (act. 96 unten). In der 

Berufung (S. 11) ergänzte der Beklagte, er habe ein sehr flexibles 

Betreuungskonzept, er könne mit Hilfe seiner Mutter, seiner Schwester und 

der Cousine der Kinder, alle wohnhaft in R., eine Rundum-Betreuung 

abdecken, zudem sei seine Abwesenheit vom Geschäftsbetrieb möglich. 

Mit Verfügung vom 19. November 2021 wurde der Beklagte aufgefordert, 

ein detailliertes Betreuungskonzept bei Geltung der von ihm beantragten 

alternierenden Obhut mit einem wöchentlichen Turnus unter Angabe der 

Personen, welche die Kinder C. und D. über Mittag, an den freien 

Nachmittagen und nach Schulschluss unter Berücksichtigung ihrer 

Stundenpläne betreuen, vorzulegen. Dieses präsentierte der Beklagte mit 

Eingabe vom 6. Dezember 2021 wie folgt: Die Betreuung der Kinder nehme 

er weitgehend selber wahr, falls eine Fremdbetreuung erforderlich sei, 

habe er von verschiedenen Personen aus der Familie, so H. (Grossmutter), 

I. (Tante), J. (Cousine), alle wohnhaft in R., K. (Freundin des Vaters), 

wohnhaft in X. sowie L. (Ehefrau des Bruders) und M. (Onkel), beide 

wohnhaft in Y., Hilfsangebote. H. sei pensioniert, I. sei in einem 

Arbeitspensum von 20%, J. in einem solchen von 40% und L. in einem 

solchen von 50% tätig. K. arbeite in einem 50%-Pensum jeweils am Morgen 

und der Bruder des Beklagten helfe in der Garage und er könne sich daher 

mit ihm absprechen. Am Morgen wecke er die Kinder, nehme in der Regel 

das Frühstück mit ihnen ein und betreue sie, bis sie sich auf den Schulweg 

begäben. Da C. am Dienstagmorgen erst nach 9 Uhr zur Schule müsse, 

betreuten sie entweder der Beklagte, die Grossmutter oder die Freundin 

des Beklagten. In der Regel koche der Beklagte für C. und D. am Mittag 

und nehme mit ihnen das Mittagessen ein. In der Vergangenheit und aktuell 

 - 19 - 

 

 

hätten sich der Beklagte und die Kinder jeweils am Montag und Donnerstag 

bei der Grossmutter verpflegt. Nach dem Mittagessen stehe der Beklagte 

wie bis anhin für Aufgabenhilfe / Repetitionen zur Verfügung. Sowohl C. als 

auch D. hätten am Mittwoch-, D. zusätzlich jeden zweiten 

Donnerstagnachmittag frei. Zwischen 15.30 Uhr und 17 Uhr nähmen sie 

am Tanzen teil, C. betreibe am Mittwoch zwischen 18.15 und 19.30 Uhr in 

Z.. Sie seien sich gewohnt, zu den jeweiligen Aktivitäten alleine oder mit 

Freundinnen zu gehen. An ihren freien Nachmittagen würden C. und D. 

fremdbetreut (Grossmutter, Tante, Cousine oder Freundin des Vaters), 

dem Beklagten sei es aber ohne weiteres möglich, einen Nachmittag frei 

zu nehmen und die Töchter zu betreuen. Am Abend bereite der Beklagte 

das Nachtessen zu, welches er mit den Töchtern einnehme. Er erledige mit 

ihnen die Hausaufgaben und unterstütze sie bei Prüfungsvorbereitungen 

bzw. beim Repetieren. Die Wochenenden würden unterschiedlich und 

programmabhängig gestaltet. Die Töchter würden vom Beklagten betreut, 

im Krankheitsfall würden die Grossmutter, Tante oder Freundin des 

Beklagten die Betreuung übernehmen. Der Beklagte habe zudem 

regelmässigen Kontakt zu den Lehrpersonen der beiden Töchter. 

 

2.4.3.2.2. 

Der Beklagte vermochte - entgegen der Auffassung der Vorinstanz -

glaubhaft zu machen, dass er trotz des Umstands, dass er Inhaber einer 

Autogarage ist, die Betreuung der Kinder in den Randzeiten weitgehend 

selber wahrnehmen kann. Soweit die Klägerin in diesem Zusammenhang 

vorbringt (Berufungsantwort S. 6), der Beklagte verbringe die Abende im 

Spielcasino und könne die Betreuung daher nicht gewährleisten, ist dem 

entgegenzuhalten, dass der Beklagte unbestrittenermassen auch noch im 

heutigen Zeitpunkt in den Spielcasinos gesperrt ist (Eingabe vom 

1. November 2021, S. 11) und sich die Problematik aktuell somit nicht stellt. 

Im Übrigen ist zu Gunsten des Beklagten davon auszugehen, dass dieser 

bei einer allfälligen Aufhebung der Spielsperre seine Verantwortung als 

Vater wahrnimmt und die Kinder, wenn sie bei ihm übernachten (sei es im 

Rahmen des von der Vorinstanz angeordneten ausgedehnten 

Besuchsrechts oder der alternierenden Obhut) abends nicht alleine lässt, 

um sich im Spielcasino aufzuhalten. Was die Betreuung der Kinder an den 

Nachmittagen (freie Nachmittage oder Nachmittage nach Schulschluss) 

anbelangt, so verweist der Beklagte auf die Grossmutter, Tante und seine 

Freundin (vgl. Übersicht Betreuungskonzept, Beilage 1 zur Eingabe vom 

6. Dezember 2021), ohne sich aber dazu zu äussern, wer die Kinder an 

den einzelnen Nachmittagen konkret und verbindlich betreut. Immerhin 

sind die pensionierte Grossmutter und die in einem 20%-Pensum 

erwerbstätige Tante (I.) aber in unmittelbarer Nähe wohnhaft und in Bezug 

auf seine Freundin führte der Beklagte aus (Eingabe vom 6. Dezember 

2021 S. 3 oben), sie arbeite jeweils am Morgen. Es ist daher wiederum zu 

Gunsten des Beklagten davon auszugehen, dass die Grossmutter, Tante 

und Freundin des Beklagten die Betreuung der Kinder C. und D. an den 

 - 20 - 

 

 

Nachmittagen gewährleisten können. In Bezug auf die Betreuung der 

Kinder an den Wochenenden erklärte der Beklagte in seiner Eingabe vom 

6. Dezember 2021, diese sei durch ihn gewährleistet. Es ist daher davon 

auszugehen, dass der Beklagte die Kinder C. und D. insbesondere auch 

am Samstagmorgen persönlich betreuen kann. Insgesamt ist das 

Betreuungskonzept des Beklagten - an welches keine überspitzten 

Anforderungen gestellt werden dürfen - gerade noch als genügend valabel 

zu bezeichnen und der Beklagte vermochte glaubhaft darzulegen, dass er 

die Betreuung der Kinder entweder durch persönliche Betreuung 

insbesondere an den Randzeiten bzw. über Mittag oder durch 

Drittbetreuung (an den Nachmittagen) gewährleisten kann.  

 

2.4.4. 

C. und D. wurden am 25. November 2020 vor Vorinstanz angehört und 

waren damals 11- bzw. 9-jährig. Sie äusserten sich sinngemäss 

dahingehend, sie seien mit der jetzigen Regelung (Leben bei der Mutter, 

ausgedehntes Besuchsrecht beim Vater) zufrieden (vgl. act. 75, 81). Beide 

Mädchen bezeichneten zudem die Beziehung zum Beklagten als gut 

(act. 75, 80). Der Beklagte führt zutreffend aus (Berufung S. 10 f.), dass die 

Kinder nicht gefragt wurden, ob sie z.B. auch abwechslungsweise beim 

Vater übernachten möchten. Es kann somit nicht gesagt werden, dass die 

im angefochtenen Entscheid angeordnete Regelung dem klaren Wunsch 

von C. und D. entspricht. 

 

2.4.5. 

In einer Gesamtwürdigung kann folgendes festgestellt werden: Beide 

Parteien sind erziehungsfähig und in der Lage, in Kinderbelangen in einem 

genügenden Ausmass zu kooperieren und zu kommunizieren. Die Klägerin 

vermochte zwar glaubhaft zu machen, dass sie vor der Trennung vom 

Beklagten die Kinder C. und D. hauptsächlich betreute. Die Beziehung 

zwischen dem Beklagten und den Kindern scheint aber gut zu sein und 

schon heute nimmt der Beklagte ein ausgedehntes Besuchsrecht wahr. Der 

Beklagte vermochte zudem glaubhaft darzulegen, dass er die Kinder in den 

Randzeiten weitgehend persönlich betreuen kann und im Übrigen, 

insbesondere an den Nachmittagen, die Unterstützung seines familiären 

Umfelds (u.a. die Grossmutter, welche schon heute zweimal pro Woche 

das Mittagessen für die Kinder zubereitet) in Anspruch nehmen kann, was 

nach der Praxis des Bundesgerichts grundsätzlich als gleichwertig wie die 

persönliche Betreuung zu bewerten ist. Zudem ist darauf hinzuweisen, 

dass die Kinder auch unter der alleinigen Obhut der Klägerin fremdbetreut 

werden, wenn auch in geringerem Ausmass. Die geographische Situation 

der Parteien ist geradezu optimal für ein alternierendes Betreuungsmodell, 

wohnen sie doch beide in R. nicht einmal 2 Km entfernt voneinander (vgl. 

www.google.maps.ch). Zu Recht stellte die Vorinstanz fest, dass den 

beiden 10- und 12-jährigen Mädchen auch bei der alternierenden Obhut 

durch die weitere Zugehörigkeit zu ihrem sozialen Umfeld Stabilität gewährt 

http://www.google.maps.ch/

 - 21 - 

 

 

werden könnte. Die Äusserungen der Kinder in der Anhörung sprechen 

ebenfalls nicht gegen die Anordnung einer alternierenden Obhut. Die 

Voraussetzungen einer solchen sind im vorliegenden Fall somit gegeben 

und es ist die alternierende Obhut anzuordnen.  

 

2.5. 

2.5.1. 

Das Gesetz enthält keine weiter gehenden Normen zur Regelung der 

Betreuungsanteile. Wie beim Besuchsrecht lässt sich auch bei der 

Aufteilung der Betreuung nicht objektiv und abstrakt umschreiben, welche 

Ordnung angemessen ist. Vielmehr ist dies im konkreten Einzelfall nach 

richterlichem Ermessen zu entscheiden (BGE 5A_139/2020 Erw. 3.3.3). 

Neben der zeitlichen Dauer, die in jedem Fall festzulegen ist, sind je nach 

Situation weitere Themenbereiche wie Übergabemodalitäten, 

Finanzierungsfragen, bereits bekannte Freizeitaktivitäten des Kindes etc. 

zu regeln. Die Regelung sollte jedoch einfach und klar verständlich sein 

und dazu dienen, dass die Betreuung im Alltag sich möglichst einfach und 

konfliktfrei abwickeln lässt (AFFOLTER/VOGEL, Berner Kommentar, Bern 

2016, N. 50 zu Art. 298 ZGB; SCHWENZER/COTTIER, Basler Kommentar, 

6. Aufl., Basel 2018, N. 10 zu Art. 298 ZGB). Bei der alternierenden Obhut 

rechtfertigt es sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, unter 

Vorbehalt einer berufsbedingt abweichenden Regelung, die 

Betreuungsanteile so festzulegen, dass grundsätzlich beide Eltern in 

"vergleichbarem Ausmass Wochenendtage" mit dem Kind verbringen 

können (BGE 5A_888/2016 Erw. 4.1).  

 

2.5.2. 

Der Beklagte beantragt die "wöchentlich alternierende" Obhut. In Bezug auf 

sein Arbeitspensum führte er aus (Berufung (S. 12), es sei richtig, dass er 

sein Pensum auf 80% reduzieren müsse, wen er alleine in seiner Person 

für die Betreuung der Kinder besorgt sein müsse. In der Eingabe vom 

6. Dezember 2021 (S. 5, Fazit) machte der Beklagte geltend, es sei 

unrealistisch, davon auszugehen, dass er bei einem 100%-Pensum die 

Betreuungszeit alleine abdecken könne. Aus diesem Grund sei er bereit, 

jede zweite Woche sein Arbeitspensum zu reduzieren, sofern finanziell 

tragbar. Aufgrund dieser vagen Ausführungen des Beklagten in Bezug auf 

eine allfällige Pensumsreduktion ist davon auszugehen, dass dieser auch 

bei alternierender Obhut in einem 100%-Pensum tätig sein wird, was sich 

auch aus seinem Betreuungskonzept (Beilage 1 zur Eingabe vom 

6. Dezember 2021) entnehmen lässt, gemäss welchem die Kinder C. und 

D. jeden Nachmittag fremdbetreut würden. Die in einem 60%-Pensum 

erwerbstätige Klägerin führte demgegenüber aus (Berufungsantwort S. 6, 

9 f.), seit 1. September 2021 arbeite sie bei der O. in QR. jeweils montags 

und dienstags ganztags und am Donnerstag und Freitag jeweils am 

Morgen. Die Klägerin arbeitet somit am Mittwoch (ganzer Tag) sowie am 

Donnerstag- und Freitagnachmittag nicht und kann an den schulfreien 

 - 22 - 

 

 

Nachmittagen (Mittwoch [beide Kinder bzw. Donnerstag [D.], vgl. 

Stundenpläne C. und D., Beilagen 2 und 3 zur Eingabe des Beklagten vom 

6. Dezember 2021) die persönliche Betreuung von C. und D. 

gewährleisten. Aufgrund dieser Ausgangslage erscheint die vom Beklagten 

beantragte alternierende Obhut mit einem wöchentlichen Turnus wenig 

sinnvoll. Vielmehr erscheint unter Berücksichtigung der Arbeitszeiten der 

Parteien und der Stundenpläne von C. und D. folgende 

Betreuungsregelung dem Kindeswohl von C. und D. am besten 

entsprechend: 

 

Der Beklagte betreut die Kinder jede Woche von Sonntagabend, 18 Uhr, 

bis zum Schulbeginn am Mittwochmorgen um 8 Uhr (62 Stunden). Die 

Klägerin betreut die Kinder C. und D. jede Woche von Mittwoch nach 

Schulschluss (12 Uhr) bis Samstag, 9 Uhr. Die vier Stunden am 

Mittwochmorgen sind der Klägerin anzurechnen, da diese z.B. im 

Krankheitsfalls eines Kindes zur Verfügung zu stehen hat und dazu auch 

in der Lage ist, was eine Betreuungszeit zugunsten der Klägerin von 

73 Stunden ergibt. Die Kinder C. und D. verbringen die Wochenenden 

(Samstag 9 Uhr bis Sonntag 18 Uhr) alternierend bei den Parteien. In den 

Wochen, in welchen die Kinder das Wochenende bei der Klägerin 

verbringen, betreut die Klägerin die Kinder somit von Mittwochmorgen bzw. 

-mittag nach Schulschluss bis Sonntagabend, 18 Uhr, in den anderen 

Wochen von Mittwoch nach Schulschluss bis Samstagmorgen 9 Uhr. Der 

Beklagte betreut die Kinder in den Wochen, in welchen sie das 

Wochenende bei ihm verbringen, von Samstagmorgen, 9 Uhr, bis zum 

Schulbeginn am Mittwochmorgen der darauffolgenden Woche, und in den 

anderen Wochen von Sonntagabend, 18 Uhr, bis zum Schulbeginn am 

Mittwochmorgen. 

 

Graphisch dargestellt ergibt sich folgendes Bild: 

 
 Sonntag 

ab 

18 Uhr 

Montag Dienstag Mittwoch 

bis 8 Uhr 

Mittwoch 

ab 8 Uhr 

Donnerstag Freitag Samstag 

bis 

09.00 

Uhr 

Samstag 

ab 09.00 

Uhr  

Sonntag 

bis 

18.00 

Uhr 

Woche 

1 
Vater Vater Vater Vater Mutter Mutter Mutter Mutter Vater Vater 

Woche 

2 
Vater Vater Vater Vater Mutter Mutter Mutter Mutter  Mutter Mutter 

 

 

Mit dieser Betreuungsregelung stehen den Parteien ungefähr gleich grosse 

Betreuungsanteile zu (gerundet 55% Klägerin bzw. 45% Beklagter). Zwar 

kann der Beklagte keinen Freitagabend bzw. die Klägerin keinen 

Sonntagabend mit den Kindern verbringen, beiden Parteien stehen aber in 

vergleichbarem Ausmass Wochenendtage (Samstag und Sonntag) mit den 

Kindern zur Verfügung. Diese Betreuungsregelung ist unter Einräumung 

einer entsprechenden Übergangsfrist mit Wirkung ab 13. Februar 2022, bei 

dem es sich um den Sonntag vor Beginn des neuen Quartals nach den 

 - 23 - 

 

 

Sportferien handelt, anzuordnen. Zudem sind die Parteien entsprechend 

dem Antrag des Beklagten berechtigt zu erklären, die Schulferien je zur 

Hälfte mit C. und D. zu verbringen. Damit wird auch diesbezüglich eine 

gleich lange Betreuungszeit für beide Elternteile gewährleistet. 

Entsprechend dem Antrag des Beklagten bzw. der Anordnung im 

angefochtenen Entscheid hat die Klägerin Vorrang in den geraden Jahren 

und der Beklagte in den ungeraden Jahren.  

 

Es ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen von Eheschutzmassnahmen 

getroffene Regelungen abänderbar sind. Sollte sich in der Zukunft zeigen, 

dass diese neu angeordnete Betreuungsregelung nicht dem Wohl der 

Kinder entsprechend gelebt wird, weil beispielsweise das vom Beklagten 

skizzierte Betreuungskonzept nicht funktioniert, weil dieser die persönliche 

Betreuung der Kinder auch in den Randzeiten nicht wahrnimmt (z.B. 

aufgrund seiner selbständigen Erwerbstätigkeit oder aufgrund von 

abendlichen Besuchen im Spielcasino) oder die vorgesehene 

Fremdbetreuung an den Nachmittagen nicht funktioniert, steht der Weg 

einer Abänderungsklage für eine andere Obhutsregelung offen (Art. 179 

ZGB). 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz bestimmte den Unterhaltsanspruch der Kinder C. und D. 

sowie der Klägerin nach der (zweistufigen) Methode der Existenzminima 

mit Überschussverteilung, welche das Bundesgericht in seiner jüngsten 

Rechtsprechung als grundsätzlich verbindlich erklärt hat (BGE 147 III 293 

Erw. 4.5). Dabei werden die vorhandenen Ressourcen (effektive oder 

hypothetische Einkommen) auf die beteiligten Familienmitglieder dahin-

gehend verteilt, dass in einer bestimmten Reihenfolge (Barunterhalt, 

Betreuungsunterhalt der Kinder, ehelicher und nachehelicher Unterhalt, 

Volljährigenunterhalt) das betreibungsrechtliche bzw. bei genügenden 

Mitteln das sog. familienrechtliche Existenzminimum (zu welchem 

typischerweise die Steuern, eine Kommunikations- und 

Versicherungspauschale,  den finanziellen Verhältnissen entsprechende 

statt am betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientierte Wohnkosten, 

über die obligatorische Grundversicherung hinausgehende 

Krankenkassenprämien oder private Vorsorgeaufwendungen von Selb-

ständigen gehören) der Beteiligten gedeckt und alsdann ein verbleibender 

Überschuss nach der konkreten Situation ermessensweise verteilt wird. 

Der Überschuss wird grundsätzlich zwischen den Eltern und den 

minderjährigen Kindern nach "grossen und kleinen Köpfen" verteilt, wobei 

von dieser Regel abgewichen werden kann, insbesondere sind 

"überobligatorische Arbeitsanstrengungen" zu berücksichtigen (vgl. zum 

Ganzen BGE 147 III 265 Erw. 7.1-7.3). 

 

 - 24 - 

 

 

Das Einkommen des Beklagten bestimmte die Vorinstanz mit monatlich 

Fr. 6'950.00, dasjenige der Klägerin mit Fr. 3'840.00 (bis Juli 2021). Den 

beiden Kindern rechnete die Vorinstanz die Kinderzulagen von je 

Fr. 200.00 als Einkommen an.  

 

Das Existenzminimum des Beklagten bestimmte die Vorinstanz mit 

Fr. 3'571.35 (Grundbetrag: Fr.1'200.00; Miete: Fr. 1'910.00; Parkplatz: 

Fr. 120.00; Krankenkassenprämien KVG: Fr. 286.35; Arbeitswegkosten: 

Fr. 55.00). Das Existenzminimum der Klägerin bestimmte die Vorinstanz 

mit Fr. 3'156.15 (Grundbetrag: Fr. 1'200.00; Hypothekarkosten: Fr. 980.00; 

Nebenkosten: Fr. 585.00; abzüglich Wohnkostenanteile Kinder: Fr. 500.00; 

Krankenkassenprämien KVG: Fr. 365.15; Arbeitswegkosten: Fr. 129.00; 

auswärtige Verpflegung: Fr. 40.00; Leasing Auto: Fr. 357.00). Die 

Barbedarfe der Kinder bestimmte die Vorinstanz mit Fr. 1'085.05 für C. 

(Grundbetrag: Fr. 600.00; Wohnkostenanteil: Fr. 250.00; 

Krankenkassenprämien KVG: Fr. 95.05; Fremdbetreuung: Fr. 140.00) bzw. 

Fr. 885.05 (Grundbetrag: Fr. 400.00) für D.  

 

Den nach Abzug der Existenzminima bzw. Barbedarfe der Parteien bzw. 

der Kinder von den Einkommen verbleibenden Überschuss bestimmte die 

Vorinstanz mit Fr. 2'492.40, wovon sie Steuern von Fr. 279.00 bei der 

Klägerin und Fr. 409.00 beim Beklagten sowie VVG-Prämien von Fr. 97.30 

bei der Klägerin und Fr. 105.00 beim Beklagten in Abzug brachte. Den 

danach noch verbleibenden Überschuss von Fr. 1'602.05 verteilte sie nach 

"grossen und kleinen Köpfen", d.h. mit je Fr. 267.00 für C. und D. bzw. je 

Fr. 534.00 für die Parteien.  

 

In der Folge berechnete die Vorinstanz in der ersten Phase (1. August 2020 

bis 31. Juli 2021) einen Unterhaltsanspruch der Klägerin persönlich von 

gerundet Fr. 225.00 (Existenzminimum + Steuern + VVG-Prämien + 

Überschussanteil ./. Einkommen), von C. von gerundet Fr. 1'150.00 bzw. 

von D. von Fr. 952.00 (Barbedarf + Überschussanteil ./. Kinderzulagen). 

 

In der zweiten Phase (ab August 2021) bestimmte die Vorinstanz das 

Existenzminimum des Beklagten mit Fr. 3'341.35 (neu: Wohnkosten [inkl. 

Parkplatz]: Fr. 1'800.00), der Klägerin rechnete sie ein Einkommen von 

monatlich netto Fr. 4'700.00 an und den Barbedarf der nunmehr 10-

jährigen D. erhöhte sie um Fr. 200.00 auf Fr. 1'085.05. Nach 

Berücksichtigung von Steuern (Fr. 400.00 für die Klägerin, Fr. 414.00 für 

den Beklagten) und gleichbleibenden Prämien für VVG-Versicherungen 

verteilte die Vorinstanz den danach noch verbleibenden Überschuss 

(Fr. 2'366.05) wiederum nach "grossen und kleinen Köpfen" (je Fr. 788.70 

für die Parteien, je Fr. 394.35 für die Kinder), woraus kein persönlicher 

Unterhaltsanspruch mehr für die Klägerin resultierte und woraus sich nach 

Kürzung der Überschussanteile Unterhaltsbeiträge für C. und D. von je 

Fr. 1'150.00 ergaben. 

 - 25 - 

 

 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Vorinstanz erwog zum Einkommen des Beklagten (Erw. 7.2.1.1. des 

angefochtenen Entscheids), in Übereinstimmung mit dem Beklagten sei 

den Jahresabschlüssen der letzten fünf Jahre zu entnehmen, dass er sich 

kein höheres Einkommen als das bezogene hätte auszahlen können. 

Weiter sei festzuhalten, dass - wie die Parteien übereinstimmend 

aussagten -, der Lohn des Beklagten auf das gemeinsame Lohnkonto 

überwiesen worden sei. In der Folge habe der Beklagte für seine 

Casinobesuche wiederum Geld von diesem Lohnkonto abgehoben. Wie 

der Beklagte die belegten Einlagen in ähnlicher Höhe generiert habe, bleibe 

schleierhaft, könne letztlich für die Festlegung des Einkommens jedoch 

offengelassen werden, da der monatliche Lohn durch die Überweisungen 

klar ausgewiesen sei. Bezüglich Lohn sei auf den Lohnausweis 2019 

abzustellen, der ein ganzes Jahr abbilde. Dem Beklagten sei somit ein 

Einkommen von Fr. 6'950.00 / Monat (Fr. 88'180.00 / 12) anzurechnen. 

 

3.2.2. 

3.2.2.1. 

Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 18 ff.), die Vorinstanz habe zu 

Unrecht ausschliesslich auf das Jahr 2019 abgestellt, in welchem er den 

höchsten Lohn erzielt habe. In diesem Jahr habe der Beklagte noch im 

Casino. akquirieren können, ab dem Jahr 2020 habe er aufgrund der völlig 

unverhältnismässigen Intervention der Klägerin aber kein Casino mehr 

betreten können. Im Jahr 2020 habe der Beklagte ein monatliches 

Einkommen von Fr. 6'097.00 und in den Jahren 2017 und 2018 von je 

Fr. 6'209.58 erzielt. Das durchschnittliche monatliche Einkommen des 

Beklagten in den Jahren 2017 bis 2020 habe sich daher auf gerundet 

Fr. 6'367.50 belaufen. Entweder sei darauf oder auf das Einkommen im 

Jahr 2020 von Fr. 6'097.00 abzustellen. 

 

3.2.2.2. 

Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 5 f.), der Beklagte 

arbeite in einem 100%-Pensum als Automobil-Diagnostiker, er sei 

selbständig und betreibe die "AB." in W. Gestützt auf den Lohnausweis 

2019 könne sich der Beklagte ein monatliches Nettoeinkommen von 

Fr. 6'950.00 pro Monat auszahlen. Die Klägerin habe schmerzlich erfahren 

müssen, dass der Beklagte in den letzten 10 Jahren über Fr. 350'000.00 in 

Spielcasinos verspielt habe. Eine Spielsperre für Casinos werde nicht ohne 

tatsächliche, erhebliche Gefährdung und nicht infolge des blossen 

Anstosses einer Privatperson verhängt. Casinobesuche für die 

Kundenakquisition seien zudem in der Automobilbranche nicht gerade 

einschlägig. Der Versuch des Beklagten, seine Spielsucht dank 

angeblicher Kundenakquisition im Casino als finanziell vorteilhaft zu 

qualifizieren, erweise sich als untauglich. 

 - 26 - 

 

 

 

3.2.3. 

Bei schwankenden Einkommen bzw. Einkommensbestandteilen ist in der 

Regel auf das Durchschnittseinkommen mehrerer – in der Regel der letzten 

drei – Jahre abzustellen. Auf diese Weise kann eine Annäherung an die 

tatsächlichen Verhältnisse über einen längeren Zeitraum erreicht werden 

(BGE 5A_125/2020 Erw. 4.2.1 mit Hinweisen).  

 

3.2.4. 

3.2.4.1. 

Der Beklagte erzielte im Jahr 2018 gemäss Lohnausweis (Antwortbeilage 

14) ein Einkommen von Fr. 79'315.00 bzw. (nach Abzug der 

Kinderzulagen) von monatlich Fr. 6'209.58. Im Jahr 2019 erzielte er 

gemäss Lohnausweis (Antwortbeilage 13) ein Einkommen von 

Fr. 88'180.00 bzw. (nach Abzug der Kinderzulagen) von monatlich 

Fr. 6'948.33. Für das Jahr 2020 machte der Beklagte ein Einkommen von 

monatlich netto Fr. 6'097.10 geltend (vgl. Dokument "Lohnabrechnung 

2020" der Monate Januar bis Juli 2020, Antwortbeilage 12). Im 

Berufungsverfahren ist nicht mehr streitig, dass auf die in den 

Lohnausweisen bzw. Lohnabrechnungen verurkundeten Einkommen 

abgestellt werden kann. Das Einkommen aus dem Jahr 2019 ist zwar höher 

als die im Jahr 2018 und 2020 erzielten Einkommen, es kann aber aufgrund 

der Differenz von lediglich einigen hundert Franken nicht als geradezu 

auffällig bzw. besonders gut bezeichnet werden. Es ist aber auch nicht 

gerechtfertigt, einzig auf das Einkommen aus dem Jahr 2019 abzustellen, 

wie es die Vorinstanz getan hat. Soweit der Beklagte geltend macht, er 

könne aufgrund der Sperre in den Spielcasinos keine Geschäfte mehr 

abschliessen und daher kein Einkommen mehr wie im Jahr 2019 erzielen, 

so ist dem entgegenzuhalten, dass die Klägerin einen Zusammenhang 

zwischen den Spielcasinobesuchen des Beklagten und der Höhe seines 

Einkommens bestritten hat und ein solcher auch nicht glaubhaft erscheint. 

In der Berufung vom 23. September 2021 äusserte sich der Beklagte trotz 

der offenbar noch immer gültigen Sperre zudem nicht zu seinem 

Einkommen im Jahr 2021, obwohl es ihm ein Leichtes gewesen wäre, 

durch Vorlage der entsprechenden Lohnabrechnungen zu belegen, dass 

sich sein Einkommen nach wie vor in einem Bereich wie im Jahr 2020 

bewegt. Vorliegend gibt es daher keinen Grund, nicht entsprechend der 

Praxis auf das Durchschnittseinkommen der letzten drei aktenkundigen 

Jahre, also der Jahre 2018, 2019 und 2020, abzustellen, was ein 

Einkommen des Beklagten von gerundet Fr. 6'420.00 ergibt. Dieser Betrag 

ist auch für die (in der Vergangenheit liegende) Zeit ab 1. August 2020 

einzusetzen, nachdem das tatsächliche Einkommen auch für diese Zeit 

vom Beklagten nicht belegt wurde. 

 

 - 27 - 

 

 

3.2.4.2. 

Vor Vorinstanz wurde seitens des Beklagten die Reduktion seines 

Pensums von 100% auf 80% thematisiert (act. 95). In der Berufung (S. 12) 

führt der Beklagte aus, es sei richtig, dass er vor Vorinstanz ausgeführt 

habe, er müsse sein Pensum auf 80% reduzieren, wenn er "alleine in seiner 

Person für die Betreuung der Kinder besorgt sein müsse". In der 

Unterhaltsberechnung ging der Beklagte dann aber von zwei Varianten 

basierend auf einem 100%-Pensum aus (Einkommen aus dem Jahr 2020 

von Fr. 6'097.00 oder Durchschnittseinkommen aus den Jahren 2017 bis 

2020 von Fr. 6'367.00). In der Eingabe vom 6. Dezember 2021 (S. 5, Fazit) 

macht der Beklagte geltend, es sei unrealistisch, davon auszugehen, dass 

er bei einem 100%-Pensum die Betreuungszeit alleine abdecken könne. 

Aus diesem Grund sei er bereit, jede zweite Woche sein Arbeitspensum zu 

reduzieren, sofern finanziell tragbar. Der Beklagte tut aber keinerlei 

konkreten Absichten dar, sein Arbeitspensum zu reduzieren. Vielmehr 

macht er in diesem Zusammenhang geltend, er könne gewährleisten, dass 

die Kinder selbst bei seiner Abwesenheit stets betreut würden. Der 

Beklagte hat auch das Einkommen in einem reduzierten Pensum nicht 

konkret beziffert. Für die Unterhaltsberechnung ist daher trotz der 

anzuordnenden alternierenden Obhut auch zukünftig von einem 

Einkommen des Beklagten von Fr. 6'420.00 auszugehen. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Zum Einkommen der Klägerin erwog die Vorinstanz (Erw. 7.2.1.2. des 

angefochtenen Entscheids), diese habe glaubhaft ausgeführt, dass sie 

zurzeit mit ihrem höheren Pensum und aufgrund des Alters der Kinder kein 

Nebeneinkommen generieren könne. Ausweislich der Lohnabrechnungen 

September bis November 2020 habe die Klägerin mit Kurzarbeit, exkl. 

Kinderzulagen, inkl. Anteil 13. Monatslohn, rund Fr. 3'840.00 erzielt. Bereits 

zum jetzigen Zeitpunkt sei bekannt, dass die Corona-Massnahmen 

gelockert würden und Grossanlässe in der nahen Zukunft wieder zulässig 

seien. Weiter sei denn auch – zum heutigen Zeitpunkt – mit einer 

Durchimpfung der Bevölkerung bis Juli 2021 und in der Folge mit keinen 

weiteren Einschränkungen der Geschäftstätigkeiten zu rechnen. Dem 

Arbeitgeber der Klägerin stehe es somit offen, bereits jetzt neue Aufträge 

zu suchen, womit der Klägerin per 1. August 2021 das volle Einkommen in 

der Höhe von Fr. 4'700.00 anzurechnen sei. 

 

3.3.2. 

3.3.2.1. 

Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 20 ff.), im März 2020 (Beginn 

Lockdown) habe die Klägerin ein Einkommen von Fr. 4'700.10 erzielt. Im 

April 2020 habe die Klägerin 80% gearbeitet und ein Nettoeinkommen von 

Fr. 5'980.75 erzielt. Die Vorinstanz habe die Lohnabrechnung April 2020 

jedoch völlig ignoriert. Die Klägerin habe keinen Beweis über die Dauer der 

 - 28 - 

 

 

Kurzarbeit nach November 2020 erbracht, trotzdem habe die Vorinstanz 

bis Ende Juli 2021 auf ein reduziertes Einkommen von Fr. 3'840.00 

abgestellt. Es sei der Klägerin daher ein gleichbleibendes Einkommen wie 

vor der Kurzarbeit anzurechnen. Es sei zudem belegt, dass die Klägerin 

mindestens in den Jahren 2018 bis 2020 Nebeneinkünfte erzielt habe. Zum 

Nettoeinkommen der Klägerin bei der AC. von monatlich netto Fr. 4'700.00 

seien mindestens Fr. 400.00 Nebeneinkünfte zu berücksichtigen, was ein 

Einkommen von Fr. 5'100.00 ergebe. Dieses sei der Klägerin für die ganze 

Dauer des Verfahrens anzurechnen. Im Jahr 2019 habe die Klägerin in 

sechs Monaten einen monatlichen Durchschnittsertrag von Fr. 765.83 

erzielt. Die Vorinstanz habe diesen Punkt während des Verfahrens nicht 

näher verfolgt, obwohl bewiesen sei, dass die Klägerin einer 

Nebenerwerbstätigkeit nachgehe und regelmässig Rechnung stelle.  

 

3.3.2.2. 

Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 6 f.), sie arbeite seit 

1. September 2021 in einem 60%-Pensum bei der O. und erziele ein 

monatliches Nettoeinkommen von Fr. 4'647.50 inkl. 13. Monatslohn, ohne 

Kinderzulagen. Bis Ende August 2021 habe die Klägerin als 

Marketingleiterin für die AC. in QS. gearbeitet. Rückwirkend ab März 2020 

sei in der Firma aufgrund der Covid-Pandemie Kurzarbeit eingeführt 

worden, weshalb die Klägerin nur noch 80% ihres üblichen Lohnes erhalten 

habe. Im Durchschnitt habe die Klägerin ein monatliches Nettoeinkommen 

von Fr. 3'769.00 erzielt (Oktober 2020 bis Juli 2021). Nebeneinkünfte 

seien, sofern sie tatsächlich erzielt worden seien, mangels Regelmässigkeit 

nicht zu berücksichtigen. Zudem sei von der Klägerin angesichts des 

höheren Arbeitspensums und des Alters der Kinder glaubhaft gemacht, 

dass sie inskünftig keine Nebeneinkünfte mehr erzielen werde. 

 

3.3.2.3. 

Mit Eingabe vom 1. November 2021 (S. 4 f.) führte der Beklagte aus, es sei 

ihm gelungen, verschiedene Rechnungen, welche die Klägerin ihren 

zahlreichen Kunden gestellt habe, einzusehen und dem Gericht einige 

davon vorzulegen. Dass die Klägerin ihre selbständige Erwerbstätigkeit 

nicht mehr ausübe, entpuppe sich als wahrheitswidrig. Erst mit Datum vom 

3. Juni 2021 habe die Klägerin an die YZ S. eine Rechnung über 

Fr. 2'520.00 für die Entwicklung eines Logos gestellt. Soweit die Klägerin 

durch den Stellenwechsel ein tieferes Einkommen geltend mache, sei sie 

nicht zu hören; sie habe freiwillig eine Vermögensverminderung in Kauf 

genommen. Wie in der Berufung geltend gemacht, sei der Klägerin ein 

Einkommen von Fr. 5'100.00 anzurechnen.  

 

3.3.3. 

Im Zeitpunkt des Eheschutzgesuchs vom 17. Juli 2020 war die Klägerin als 

Marketingleitern in einem 60%-Pensum bei der AC. in QS. angestellt und 

erzielte ein monatliches Nettoeinkommen (inkl. Anteil am 13. Monatslohn, 

 - 29 - 

 

 

ohne Kinderzulagen) von Fr. 4'700.00 (act. 4). Die Klägerin machte geltend 

(act. 4, 104, 131), seit 1. Juni 2020 sei in der Firma aufgrund der Covid-19-

Pandemie Kurzarbeit eingeführt worden, weshalb sie bis auf weiteres nur 

80% ihres Lohnes, d.h. Fr. 3'760.00, pro Monat verdiene. Aktenkundig sind 

(in Bezug auf den Zeitraum ab Beginn der Unterhaltspflicht gemäss 

angefochtenem Entscheid im August 2020) die Lohnabrechnungen 

September 2020 (Einkommen: Fr. 3'902.55), Oktober 2020 (Einkommen: 

Fr. 3'833.50 [nach Abzug der nunmehr von der Klägerin bezogenen 

Kinderzulagen], November 2020 (Einkommen: Fr. 3'788.10; vgl. 

Replikbeilage 13 [September bis November 2020]), Dezember 2020 

(Einkommen: Fr. 3'857.05), Januar 2021 (Einkommen: Fr. 4'154.50), 

Februar 2021 (Einkommen: Fr. 3'641.75), März 2021 (Einkommen: 

Fr. 3'648.25), April 2021 (Einkommen: Fr. 3'554.15), Mai 2021 

(Einkommen: Fr. 4'035.80), Juni 2021 (Einkommen: Fr. 3'601.35), Juli 

2021 (Einkommen: Fr. 3'586.75) und August 2021 (Einkommen: 

Fr. 4'577.50 [vgl. Berufungsantwortbeilage 3, Oktober 2020 bis August 

2021; wiederum jeweils nach Abzug der Kinderzulagen). Für den Monat 

August 2020 reichte die Klägerin keine Lohnabrechnung ein. Es ist daher 

von ihr nicht glaubhaft gemacht, dass sie schon im August 2020 ein 

reduziertes Einkommen erzielte. Folglich ist für den Monat August 2020 von 

einem Einkommen von Fr. 4'700.00 auszugehen. Für den Zeitraum August 

2020 bis und mit August 2021 ergibt sich somit ein durchschnittliches 

Einkommen der Klägerin von gerundet Fr. 3'914.00. Ab September 2021 

ist der Klägerin ein Nettoeinkommen von gerundet Fr. 4'648.00 in der 

neuen Tätigkeit bei der O. anzurechnen (Lohnabrechnung September 

2021, Berufungsantwortbeilage 2, sowie Berufungsantwort S. 6). Es gibt 

entgegen der Auffassung des Beklagten keinen Grund, der Klägerin das 

bisherige Einkommen von Fr. 4'700.00 anzurechnen. Aus der 

Lohnabrechnung September 2021 geht hervor, dass die Klägerin nach wie 

vor in einem 60%-Pensum tätig ist und sich das monatliche 

Bruttoeinkommen immer noch auf Fr. 5'000.00 beläuft. Der leicht tiefere 

Nettolohn gründet somit offensichtlich in etwas höheren Sozialabzügen. 

Zudem führte die Klägerin in der persönlichen Befragung (act. 88) aus, die 

damalige Arbeitgeberin stehe kurz vor dem Konkurs. Angesichts der 

Kurzarbeit kann der Klägerin denn auch nicht vorgeworfen werden, sie 

habe ihr Einkommen freiwillig vermindert.  

 

3.3.4. 

3.3.4.1. 

Grundsätzlich ist zur Bestimmung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit 

der Ehegatten sämtliches bisheriges durch Einsatz der Arbeitskraft er-

zieltes Haupt- und Nebeneinkommen zu berücksichtigen (BRÄM/HASEN-

BÖHLER, Zürcher Kommentar, 2. Auflage, Zürich 1998, , N. 81 zu Art. 163 

ZGB; HAUSHEER/SPYCHER, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Auflage, 

2010, Rz. 01.30 ff.). Einkünfte aus einer Nebenerwerbstätigkeit sind 

weiterhin zu berücksichtigen, sofern es sich um eine regelmässige 

 - 30 - 

 

 

Nebenerwerbstätigkeit handelt und die weitere Ausübung dieser zusätzli-

chen Tätigkeit noch möglich und zumutbar ist (HAUSHEER/SPYCHER, a.a.O., 

Rz. 01.35). Letzteres hängt von den persönlichen Verhältnissen ab, 

namentlich vom Alter und der bisherigen Lebensführung der betreffenden 

Person (BGE 5P.418/2001 Erw. 5c, besprochen in: FamPra.ch 2002 S. 578 

ff.; BGE 5P.469/2006 Erw. 3.2.1.). 

 

3.3.4.2. 

Die Vorinstanz erachtete es in Bezug auf das vom Beklagten behauptete 

Nebenerwerbseinkommen der Klägerin aufgrund des Alters der Kinder und 

des höheren Erwerbspensums der Klägerin als glaubhaft, dass kein 

solches mehr generiert werde. Gemäss den Ausführungen des Beklagten 

(act. 34) erzielte die Klägerin im Jahr 2019 ein Einkommen aus 

Nebenerwerb von insgesamt Fr. 4'595.00. Die Klägerin hat diese 

Behauptung nicht substanziiert bestritten (vgl. act. 104). Aus der 

Steuererklärung 2019 (Antwortbeilage 5, S. 15) geht hervor, dass die 

Klägerin bereits im Jahr 2019 in einem 60%-Pensum (damals bei der AF.) 

angestellt war. Die Begründung der Vorinstanz, welche die Weiterführung 

der Nebenerwerbstätigkeit aufgrund des höheren Pensums der Klägerin als 

nicht glaubhaft erachtete, vermag somit nicht zu überzeugen. In der Replik 

vom 26. November 2020 führte die Klägerin aus (act. 104), seit sie die neue 

Stelle [bei der AC.] angetreten habe, erziele sie kein Zusatzeinkommen 

mehr. In der Eingabe vom 1. März 2021 führte die Klägerin demgegenüber 

aus (act. 131), nach Aufnahme ihrer neuen Arbeitsstelle im Umfang von 

60% per 1. März 2020 habe sie ihre Nebenerwerbstätigkeit auf ein 

absolutes Minimum reduziert. Im Berufungsverfahren macht die Klägerin 

sodann geltend (Berufungsantwort S. 7), es sei von ihr angesichts des 

Alters der Kinder und des höheren Pensums glaubhaft gemacht worden, 

dass sie zukünftig keine Nebeneinkünfte mehr erzielen werde. Mit Eingabe 

vom 1. November 2021 reicht der Beklagte eine Rechnung vom 3. Juni 

2021 (Beilage 2 zur Eingabe vom 1. November 2021) ein, in welcher die 

Klägerin der YZ S. einen Betrag von Fr. 2'520.00 für die Entwicklung eines 

Logos in Rechnung gestellt hatte. Soweit die Klägerin geltend macht, es 

handle sich bei der Rechnung vom 3. Juni 2021 um ein rechtswidrig 

beschafftes Beweismittel und sei nicht verwertbar, da die eheliche 

Wohnung am […] mit vollstreckbarem Urteil vom 29. April 2021 ihr zur 

ausschliesslichen Benutzung zugewiesen worden sei (Eingabe vom 12. 

November 2021, S. 3), wird vom Beklagten bestritten, dass er von der 

Rechnung innerhalb der der Klägerin richterlich zugewiesenen ehelichen 

Wohnung am […] Kenntnis erhalten hat (Eingabe des Beklagten vom 29. 

November 2021, S. 5). Dass der Beklagte in rechtswidriger Weise in den 

Besitz des Dokuments gelangt ist, vermochte die Klägerin jedenfalls nicht 

glaubhaft zu machen und es gibt keine Veranlassung, dieses mangels 

Verwertbarkeit aus dem Recht zu weisen. Die Annahme der Vorinstanz, die 

Klägerin erziele kein Einkommen mehr aus Nebenerwerb, vermochte der 

Beklagte somit erfolgreich zu widerlegen und die Klägerin hat neuerdings 

 - 31 - 

 

 

auch eingestanden, dass sie nach wie vor ein Nebeneinkommen erzielt, 

indem sie ausführte (Eingabe vom 12. November 2021, S. 3), sie deklariere 

ihre Einnahmen aus der Selbständigkeit und habe diese auch "in der 

Steuerveranlagung 2021 angegeben". Entgegen der Auffassung der 

Klägerin ist das Nebenerwerbseinkommen sodann bei der 

Unterhaltsberechnung zu berücksichtigen und die Weiterführung der 

Nebenerwerbstätigkeit ist zumutbar. Was die Höhe des Nebeneinkommens 

bzw. die behauptete Deklaration anbelangt, so liegt die Steuererklärung auf 

Grundlage von im Jahr 2021 erzieltem Einkommen naturgemäss noch nicht 

vor, die Steuererklärung 2020 ist nicht aktenkundig und in der 

Steuererklärung 2019 (Antwortbeilage 5) wurden keine Einnahmen aus 

selbständiger Erwerbstätigkeit deklariert (Steuererklärung 2019, S. 6 und 

13). Da die Klägerin die Höhe ihres im Grundsatz eingestandenen 

Nebenerwerbseinkommens nicht nachgewiesen hat, ist auf den vom 

Beklagten geltend gemachten Betrag von Fr. 400.00 (Berufung S. 22) 

abzustellen.  

 

3.3.5. 

Die Einkommensverhältnisse der Klägerin präsentieren sich nach dem 

Gesagten wie folgt: 

 

1. August 2020 bis 31. August 2021: Fr. 4'314.00 (Fr. 3'914.00 + 

Fr. 400.00) 

Ab 1. September 2021: Fr. 5'048.00 (Fr. 4'648.00 + Fr. 400.00) 

 

3.4. 

3.4.1. 

3.4.1.1. 

Die Vorinstanz berücksichtigte im Existenzminimum des Beklagten 

Arbeitswegkosten von Fr. 55.00 für die Benützung des Motorrads, wobei 

sie sich auf die Ausführungen des Beklagten in der persönlichen Befragung 

bezog. Für die auswärtige Verpflegung berücksichtigte die Vorinstanz keine 

Mehrkosten, da der Beklagte zu Hause esse (Erw. 7.3.1. des 

angefochtenen Entscheids). 

 

3.4.1.2. 

3.4.1.2.1. 

Der Beklagte macht in der Berufung (S. 23 f.) geltend, es liege auf der 

Hand, dass er die Frage, wie er zur Arbeit fahre, auf die aktuelle Saison 

bezogen habe. Es dürfte klar sein, dass er den Arbeitsweg im Winter nicht 

mit dem Motorrad zurücklegen könne, sondern ein Auto benötige. Der 

Arbeitsweg belaufe sich auf 8 Km, was bei der Annahme der Vorinstanz, 

wonach er sich zu Hause verpflege, bedeute, dass er täglich 32 Km fahren 

müsse. Im Monat ergebe sich eine zurückgelegte Distanz von 696 Km 

(32 Km x 21.75 Tage), bei Fr. 0.70 pro Km ergäben sich Arbeitswegkosten 

von Fr. 487.20. In der Klageantwort habe der Beklagte Fr. 100.00 für den 

 - 32 - 

 

 

Arbeitsweg geltend gemacht, weil er die Strecke W.-R. nicht jeden Tag 

viermal fahre, sondern sich gelegentlich auswärts verpflege. Entsprechend 

habe der Beklagte für auswärtige Verpflegung Fr. 105.00 berücksichtigt. 

Entweder seien im Existenzminimum des Beklagten Fr. 487.20 oder 

Fr. 205.00 zu berücksichtigen. 

 

3.4.1.2.2. 

Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 8), der Beklagte 

könne für den Arbeitsweg stets auf ein Geschäftsauto des von ihm 

geführten Betriebs zurückgreifen. Die von der Vorinstanz berücksichtigten 

Fr. 55.00 erschienen daher fraglich. Für die auswärtige Verpflegung seien 

keine Kosten zu berücksichtigen, da sich der Beklagte bei der Mutter 

kostenlos verpflege. 

 

3.4.1.3. 

Gemäss Ziffer II/4 lit. d der im Kreisschreiben der Schuldbetreibungs- und 

Konkurskommission des Obergerichts vom 21. Oktober 2009 enthaltenen 

Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen 

Existenzminimums [Notbedarf] nach Art. 93 SchKG [SchKG-Richtlinien; 

KKS.2005.7]) sind die Kosten für den Arbeitsweg im Existenzminimum zu 

berücksichtigen. Für den öffentlichen Verkehr sind die effektiven Auslagen, 

für die Benützung eines Motorrads Fr.55.00 und für ein Auto, sofern diesem 

Kompetenzqualität zukommt, die festen und veränderlichen Kosten ohne 

Amortisation zu berücksichtigen. Für die Mehrkosten der auswärtigen 

Verpflegung (Ziff. II/4 lit. b SchKG-Richtlinien) werden in der Praxis 

Fr. 200.00 bis Fr. 220.00 für ein Vollpensum berücksichtigt. 

 

3.4.1.4. 

In der Klageantwort führte der Beklagte aus (act. 42 f.), dem Auto komme 

kein Kompetenzcharakter zu, es seien daher Fr. 100.00 für den öffentlichen 

Verkehr zu berücksichtigen. In Bezug auf die auswärtige Verpflegung seien 

[bei alternierender Obhut] Fr. 105.00 zu berücksichtigen. Der Beklagte 

nehme an den Tagen, an denen die Töchter unter seiner Obhut seien, das 

Mittagessen zu Hause ein. In der persönlichen Befragung vom 

26. November 2020 führte der Beklagte aus (act. 96), er fahre mit dem Töff 

zur Arbeit. Er esse zweimal in der Woche bei der Mutter, ansonsten bei sich 

zu Hause (act. 94). Dass die Vorinstanz – gestützt auf die Aussagen des 

Klägers und der SchKG-Richtlinien – für das Motorrad des Beklagten einen 

Betrag von Fr. 55.00 berücksichtigte, ist somit nicht zu beanstanden. Was 

die Mehrkosten für auswärtige Verpflegung anbelangt, so ist aufgrund der 

Äusserungen des Beklagten unklar, inwieweit er sich tatsächlich auswärtig 

verpflegt. Mehrkosten sind damit nicht glaubhaft gemacht und es ist daher 

ebenfalls nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz entsprechend keine 

Kosten berücksichtigt hat. 

 

 - 33 - 

 

 

3.4.2. 

3.4.2.1. 

Die Vorinstanz berücksichtigte im Existenzminimum des Beklagten 

Wohnkosten von Fr. 1'910.00 (Miete) und Parkplatzkosten von Fr. 120.00. 

Ab dem 1. August 2021 berücksichtigte die Vorinstanz lediglich noch 

angemessene Wohnkosten in der Höhe von Fr. 1'800.00 (inkl. 

Parkplatzkosten).  

 

3.4.2.2. 

3.4.2.2.1. 

Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 35 f.), mit der Wohnsitznahme in 

unmittelbarer Nähe ermögliche er die alternierende Obhut und damit den 

regelmässigen Kontakt der Kinder zu beiden Elternteilen. Es sei notorisch, 

dass die Wohnungen in R. auf einem hohen Preisniveau anzusiedeln seien. 

Der Beklagte sei freiwillig aus dem Einfamilienhaus ausgezogen. Er habe 

Anspruch auf eine Dreieinhalbzimmerwohnung. Bei den dargelegten 

finanziellen Verhältnissen sei die Wohnung für Fr. 1'910.00 nicht 

überrissen, insbesondere nicht, wenn sich die Töchter alternierend bei ihm 

aufhielten. Es seien die ganze Zeit die effektiven Wohnkosten von 

Fr. 1'910.00 und der Parkplatz von Fr. 120.00 anzurechnen. 

 

3.4.2.2.2. 

Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 8), die geltend 

gemachten Wohnkosten von Fr. 1'910.00 sowie Fr. 120.00 für einen 

Parkplatz erschienen zu hoch, zumal die Nichte des Beklagten ohne 

Weiteres eine 3.5-Zimmer-Wohnung für unter Fr. 1'000.00 an zentraler 

Lage in R. gefunden habe. Es seien ab August 2021 angemessene 

Wohnkosten von Fr. 1'450.00 (inkl. Nebenkosten und Parkplatz) zu 

berücksichtigen  

 

3.4.2.3. 

Gemäss Ziffer II./1 lit. b der SchKG-Richtlinien können nur die 

angemessenen Wohnkosten – welche gemäss der auf das 

Ergänzungsleistungsrecht Bezug nehmenden Rechtsprechung des Bun-

desgerichts für eine alleinstehende Person Fr. 1'100.00 im Monat nicht 

wesentlich übersteigen sollten (BGE 5C.6/2002 Erw. 4b/cc, 5P.6/2004 

Erw. 4.4) - im Existenzminimum angerechnet werden. Benützt ein 

Schuldner zu seiner grösseren Bequemlichkeit eine teurere Wohnung, so 

kann der Mietzins, grundsätzlich nach Ablauf des nächsten 

Kündigungstermins, auf ein Normalmass herabgesetzt werden (Ziff. II/1 

SchKG-Richtlinien). Im Bereich des Ergänzungsleistungsrechts werden 

gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG (in Kraft seit 1. Januar 2021) 

demgegenüber für eine alleinstehende Person Mietkosten von jährlich 

Fr. 16'440.00 in der Region 1, von Fr. 5'900.00 in der Region 2 und von 

Fr. 14'520.00 in der Region 3 als Ausgaben anerkannt. Gemäss Art. 26 

ELV umfasst die Region 1 die fünf Grosszentren Bern, Zürich, Basel, Genf 

 - 34 - 

 

 

und Lausanne, die Region 2 umfasst die Gemeinden "städtisch" und 

"intermediär", die Region 3 die Gemeinden der Kategorie "ländlich". Die 

Gemeinde R. gehört zur Region 2 

(https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzun

gsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-

ergaenzungsleistungen.html). Im Rahmen des familienrechtlichen 

Existenzminimums können demgegenüber den finanziellen Verhältnissen 

entsprechende statt am betreibungsrechtlichen Existenzminimum 

orientierte Wohnkosten berücksichtigt werden (BGE 147 III 265 Erw. 7.2). 

 

3.4.2.4. 

Die Wohnkosten des Beklagten für eine Dreieinhalbzimmerwohnung in der 

Höhe von Fr. 1'910.00 sind für eine Einzelperson zweifellos als 

unangemessen im Sinn der am EL-Recht orientierten SchKG-Richtlinien zu 

bezeichnen: Im EL-Recht würden in der Gemeinde R. Wohnkosten von 

maximal Fr. 1'325.00 für eine Einzelperson als anrechenbare Ausgaben 

anerkannt. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass vorliegend die 

alternierende Obhut für die beiden Töchter auch beim Beklagten zu einem 

zusätzlichen Wohnraumbedarf führt. Zudem wohnt die Klägerin mit den von 

ihr alternierend betreuten Kindern in der ehelichen 

Einfamilienhausliegenschaft und der Beklagte hat ebenfalls Anspruch auf 

einen gehobenen Wohnstandard. Indem die Vorinstanz (ab 1. August 

2021) Wohnkosten von Fr. 1'800.00 (inkl. Parkplatzkosten) berücksichtigt 

hat, hat sie dem Beklagten zwar etwas höhere als am 

betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientierte Wohnkosten 

zugestanden und so auch einem gewissen gehobenen Wohnstandard 

Rechnung getragen. Eine Suchabfrage auf www.comparis.ch am 

16. Dezember 2021 hat zudem ergeben, dass sieben 

Dreieinhalbzimmerwohnungen in R., vier davon zu höheren Mietzinsen von 

Fr. 1'910.00, drei davon zu tieferen Mietzinsen (Fr. 1'400.00, Fr. 1'700.00 

und Fr. 1'770.00) inseriert waren. Es verhält sich somit nicht so, dass in R. 

nur Wohnungen auf einem hohen Preisniveau zu finden sind, wie es der 

Beklagte behauptet. Unter Berücksichtigung des wegen der alternierenden 

Obhut erhöhten Raumbedarfs des Beklagten und der erforderlichen 

örtlichen Nähe der Wohnungen sowie der damit verbunden 

eingeschränkten Auswahl möglicher Wohnungen und der mit einem Umzug 

in eine finanziell günstigere Wohnung verbundenen Zügelkosten erscheint 

es angemessen, es bei den tatsächlichen Wohnkosten von Fr. 1'910.00 

und den nicht im Grundsatz bestrittenen Parkplatzkosten von Fr. 120.00 zu 

belassen. 

 

Bei alternierender Obhut ist auch beim Beklagten als betreuendem 

Elternteil wie bei der Klägerin ein Wohnkostenanteil der Kinder von je 

Fr. 250.00 in Abzug zu bringen und zum Bedarf der Kinder zu schlagen. 

 

https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzungsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-ergaenzungsleistungen.html
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzungsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-ergaenzungsleistungen.html
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzungsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-ergaenzungsleistungen.html

 - 35 - 

 

 

3.4.3. 

Da, wie die nachfolgende Unterhaltsberechnung (Erw. 4.2. und 4.3. hinten) 

zeigen wird, genügend Mittel vorhanden sind, sind auch die VVG-Prämien 

in der Höhe von Fr. 105.00 (Erw. 7.3.6. des angefochtenen Entscheids) zu 

berücksichtigen. Die familienrechtlichen Existenzminima des Beklagten 

(ohne Steuern, vgl. dazu hinten Erw. 4.2. und 4.3.) sind folglich wie folgt 

festzusetzen: 

 

1. August 2020 bis 12. Februar 2022: Fr. 3'676.35 (Fr. 3'571.35 

[unverändert, Erw. 7.3.1. des angefochtenen Entscheids] + Fr. 105.00 

VVG-Prämien) 

Ab 13. Februar 2022: Fr. 3'176.35 (Fr. 3'071.35 [neu: Abzug 

Wohnkostenanteile Kinder: Fr. 500.00] + Fr. 105.00 VVG-Prämien) 

 

3.5. 

3.5.1. 

3.5.1.1. 

Die Vorinstanz berücksichtigte im Existenzminimum der Klägerin 

Arbeitswegkosten in der Höhe von Fr. 129.00 und Leasinggebühren von 

Fr. 357.00. Sie erwog (Erw. 7.3.2. des angefochtenen Entscheids), 

aufgrund der Kinderbetreuung bedeute das Auto für die Klägerin eine 

enorme Zeitersparnis und dieses sei somit als Kompetenzgut zu 

berücksichtigen. Somit seien Arbeitswegkosten von Fr. 129.00 (eine Fahrt 

pro Woche nach QS. und zurück à insgesamt 46 km à Fr.0.70/km) sowie 

die Leasinggebühren in der Höhe von Fr. 357.00 pro Monat zu 

berücksichtigen. 

 

3.5.1.2. 

3.5.1.2.1. 

Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 25), die Vorinstanz habe dem 

Fahrzeug der Klägerin wider die Gerichtspraxis Kompetenzcharakter 

beigemessen. Die blosse Zeitersparnis stelle keinen Grund dar, dem Auto 

Kompetenzcharakter zuzusprechen. Die Arbeitswegkosten der Klägerin 

seien um mindestens Fr. 29.00 zu reduzieren und die Leasingkosten 

überhaupt nicht zu berücksichtigen. Im Existenzminimum der Klägerin 

seien einzig Kosten von Fr. 100.00 für den öffentlichen Verkehr zu 

berücksichtigen.  

 

3.5.1.2.2. 

Die Klägerin hält dazu fest (Berufungsantwort S. 9 f.), die Vorinstanz habe 

die Kosten für den Arbeitsweg korrekt festgesetzt. Ab dem 1. September 

2021 (Stellenantritt in QR.) sei die Klägerin auf ein Auto angewiesen, da 

die Benützung des öffentlichen Verkehrs zu einem Zeitverlust von rund 

einer Stunde pro Tag führen und die Betreuung der Töchter nicht 

gewährleistet wäre. Die Klägerin arbeite jeweils montags und dienstags 

ganztags und am Donnerstag und Freitag jeweils am Morgen, sie fahre 

 - 36 - 

 

 

durchschnittlich an 16 Tagen pro Monat von R. nach QR. und retour. Die 

Klägerin lege pro Monat 686 Km zurück, was bei Fr. 0.70 pro Km einen 

Betrag von Fr. 480.00 ergebe. 

 

3.5.1.2.3. 

Der Beklagte lässt dazu ausführen (Eingabe vom 1. November 2021, S. 17 

f.), der Arbeitsplatzwechsel der Klägerin ändere nichts daran, dass dem 

Fahrzeug kein Kompetenzcharakter zukomme, sie könne den Arbeitsweg 

mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. 

 

3.5.1.3. 

Bei einem Fahrzeug handelt es sich dann um ein Kompetenzgut im Sinn 

der SchKG-Richtlinien (Ziffer II/4), wenn der Betroffene wegen des Arbeits-

wegs, der Arbeitszeit oder andern speziellen Umständen auf ein Fahrzeug 

angewiesen ist. Die Klägerin führte in der persönlichen Befragung aus 

(act. 88), sie habe am 1. März 2020 bei ihrer damaligen Arbeitgeberin 

angefangen, sie sei im Homeoffice und gehe nur dienstags nach QS., 

Montag und Donnerstag sei sie zu Hause. Aufgrund des Umstands, dass 

die Klägerin bei der früheren Anstellung bei der AC. lediglich an einem 

Wochentag nach QS. fahren musste, und die Strecke R.-QS. gemäss 

Google Maps mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in rund 30 Minuten 

zurückgelegt werden kann, kann der Begründung der Vorinstanz nicht 

gefolgt werden und den Kompetenzcharakter des Fahrzeuges vermochte 

die Klägerin nicht glaubhaft zu machen. Es können daher die vom 

Beklagten anerkannten Fr. 100.00 für den Arbeitsweg im Existenzminimum 

der Klägerin berücksichtigt werden. In Bezug auf die neue Anstellung in 

QR. verhält es sich so, dass die Strecke mit dem Auto in rund 25 Minuten 

zurückgelegt werden kann, währenddem vom Wohnort der Klägerin bis zur 

Firma O. ein Zeitaufwand von rund 55 Minuten erforderlich ist (Google 

Maps). Aufgrund des fast einstündigen Arbeitswegs mit öffentlichen 

Verkehrsmitteln ist fraglich, ob die Klägerin die Betreuung der Kinder in den 

Randzeiten (morgens, abends) und am Mittag (an den zwei Tagen, an 

welchen die Klägerin gemäss ihren Ausführungen nur vormittags arbeitet) 

genügend gewährleisten kann. Der Kompetenzcharakter des Fahrzeuges 

ist daher ab 1. September 2021 genügend glaubhaft gemacht. Die Klägerin 

veranschlagt die Fahrkosten mit Fr. 0.70 pro Kilometer. Das Obergericht 

ermittelt allerdings die Fahrkosten praxisgemäss (vgl. anstelle vieler den 

Entscheid des Obergerichts, 1. Zivilkammer, vom 20. September 2011 

[ZOR.2011.67], Erw. 4.3.3.2) mit der Kilometerkostenberechnung des Tou-

ring Clubs Schweiz (TCS). Dabei sind für die Ermittlung der Autokosten für 

den Arbeitsweg im Rahmen des Notbedarfs die veränderlichen und festen 

Kosten ohne Amortisation einzusetzen (Ziffer II/4 lit. d SchKG-Richtlinien). 

Der jährliche Arbeitsweg der Beklagten beträgt 7'560 Kilometer (45 Ar-

beitswochen [unter Berücksichtigung von 5 Wochen Ferien und 10 

Feiertagen] x 4 Arbeitstage x 42 km). Bei einer Fahrleistung von jährlich 

7'560 Kilometer ergeben sich ohne Abschreibung, ohne Kapitalzinsen und 

 - 37 - 

 

 

Wertverminderung (die nicht mit Betrieb und Unterhalt im Zusammenhang 

stehen) und ohne Garagierungskosten (die bei den Wohnkosten 

berücksichtigt sind) bei einem geleasten Fahrzeug jährliche Kosten von 

Fr. 3'477.60 (7'560 km x Fr. 0.46), d.h. im Monatsdurchschnitt Fr. 289.80. 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind sodann auch die 

Leasing-Kosten – vorliegend in der Höhe von unbestrittenen Fr. 357.00 - 

im Existenzminimum einzusetzen, wenn dem Fahrzeug 

Kompetenzcharakter zukommt (BGE 140 III 337 Erw. 5.2; vgl. auch Ziffer 

II/7 SchKG-Richtlinien).  

 

3.5.2. 

Für die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung berücksichtigte die 

Vorinstanz einen Betrag von Fr. 40.00, was in Bezug auf die frühere 

Anstellung bei der AC. unstreitig ist. Aufgrund der neuen Anstellung bei der 

O. in QR. sind der Klägerin entsprechend ihrem Antrag (Berufungsantwort 

S. 10) Mehrkosten für die auswärtige Verpflegung von monatlich Fr. 80.00 

(Fr. 200.00 x 0.4 [2 ganze Arbeitstage]) im Existenzminium zu 

berücksichtigen. 

 

3.5.3. 

3.5.3.1. 

Die Vorinstanz berücksichtigte im Existenzminimum der Klägerin 

Hypothekarzinsen von monatlich Fr. 980.00 und Nebenkosten von 

Fr. 585.00.  

 

3.5.3.2. 

3.5.3.2.1. 

Die Klägerin macht geltend (Berufungsantwort S. 9), es kämen zusätzliche 

Hypothekarkosten von monatlich Fr. 438.00 hinzu, was auf eine durch den 

Beklagten selbst verschuldete Unterschriftsverweigerung zurückzuführen 

sei. Die eheliche Liegenschaft laufe daher zurzeit unter einem variablen 

Hypothekarzinssatz von 2.75% anstelle von 1% für eine Saron-Hypothek 

mit einer Laufzeit von einem Jahr. Der Betrag von Fr. 438.00 sei dem 

Beklagten im Rahmen der Überschussverteilung vorab zuzuteilen. 

Nachdem der zweite Hypothekarkredit in der Höhe von Fr. 300'000.00 am 

1. Mai 2023 ebenfalls ablaufen werde und davon auszugehen sei, dass der 

Beklagte die Verlängerung wiederum nicht unterschreiben werde, sei ab 

Mai 2021 ein entsprechend höherer Betrag durch den Beklagten 

geschuldet. Sollte das Obergericht dieser Argumentation nicht folgen, seien 

die zusätzlichen Wohnkosten von monatlich Fr. 438.00 als Ausgabeposten 

in der Bedarfsberechnung der Klägerin zu berücksichtigen. 

 

3.5.3.2.2. 

Der Beklagte hält dem entgegen (Eingabe vom 1. November 2021, S. 17), 

es sei richtig, dass er nicht mehr bereit gewesen sei, bei der Gläubigerbank 

eine Hypothek abzuschliessen. Der Beklagte habe kein Vertrauen mehr in 

 - 38 - 

 

 

die Bankberater und er könne nicht zum Abschluss einer Hypothek 

verpflichtet werden, welche ihn als Solidarschuldner weiterhin binde. 

Ungeachtet dessen seien die Wohnkosten der Klägerin nicht höher. 

 

3.5.3.3. 

Aufgrund des E-Mails der Aargauischen Kantonalbank vom 15. Oktober 

2021 (Berufungsantwortbeilage 6) ist glaubhaft, dass die Hypothekarschuld 

von insgesamt Fr. 600'000.00 zur Hälfte mit einem Zinssatz von 2.072% 

und zur anderen Hälfte von 2.75% (seit 1. Mai 2021) verzinst wird. Seit 

1. Mai 2021 beträgt der Hypothekarzins somit jährlich Fr. 14'466.00 bzw. 

monatlich Fr. 1'205.50. Dieser ist aufgrund des Effektivitätsprinzips im 

Existenzminimum der Klägerin zu berücksichtigen. Allfällige weitere 

Erhöhungen der Hypothekarzinsen per 1. Mai 2023 können mangels 

Ausgewiesenheit hingegen nicht berücksichtigt werden. Bis zum 1. Mai 

2021 bleibt es bei insoweit unstreitigen Hypothekarzinsen von Fr. 980.00.  

 

3.5.4. 

Die (um VVG-Prämien von Fr. 97.30 [Erw. 7.3.6. des angefochtenen 

Entscheids]) erweiterten familienrechtlichen Existenzminima der Klägerin 

(ohne Steuern, vgl. dazu hinten Erw. 4.1. und 4.2.) sind somit wie folgt 

festzusetzen: 

 

1. August 2020 bis 30. April 2021: Fr. 2'867.45 (Erw. 7.3.2. des 

angefochtenen Entscheids; neu: Arbeitswegkosten: Fr. 100.00; Wegfall 

Leasinggebühren; zuzüglich VVG-Prämien: Fr.  97.30). 

 

1. Mai 2021 bis 31. August 2021: Fr. 3'092.95 (neu: Hypothekarkosten: 

Fr. 1'205.50; zuzüglich VVG-Prämien Fr. 97.30) 

 

Ab 1. September 2021: Fr. 3'679.75 (neu: Arbeitswegkosten: Fr. 289.80; 

auswärtige Verpflegung: Fr. 80.00; Leasing Auto: Fr. 357.00; zuzüglich 

VVG-Prämien Fr. 97.30). 

 

3.6. 

3.6.1. 

Im Existenzminimum von C. und D. berücksichtigte die Vorinstanz 

Fremdbetreuungskosten von je Fr. 140.00, dies mit der Begründung, der 

Beklagte habe diese anerkannt (Erw. 7.3.3. des angefochtenen 

Entscheids). Der Beklagte macht in der Berufung (S. 26 f.) geltend, er habe 

den Betrag von Fr. 140.00 nicht akzeptiert, zudem sei der Betrag nicht 

belegt und den Parteien seien noch nie Fremdbetreuungskosten 

angefallen.  

 

Die Klägerin verweist in der Berufungsantwort (S. 11) auf eine Bestätigung 

der AJ. in R., gemäss welcher sich die Fremdbetreuungskosten in der Zeit 

vom 1. Mai 2013 bis 31. Januar 2021 auf Fr. 54'726.25 belaufen haben (vgl. 

 - 39 - 

 

 

Berufungsantwortbeilage 9). Die geltend gemachten und von der 

Vorinstanz berücksichtigten Fremdbetreuungskosten von monatlich je 

Fr. 140.00 sind somit glaubhaft und bis 31. Januar 2021 (Berufungsantwort 

S. 10) im Existenzminimum von C. und D. zu berücksichtigen.  

 

3.6.2. 

Die Existenzminima der Kinder C. und D. sind somit wie folgt festzusetzen: 

 

1. August 2020 bis 31. Januar 2021 (unverändert): Fr. 1'085.05 für C.; 

Fr. 885.05 für D. 

 

1. Februar 2021 bis 31. Juli 2021: Fr. 945.05 für C.; Fr. 745.05 für D. (neu: 

Wegfall Fremdbetreuungskosten) 

 

1. August 2021 bis 12. Februar 2022: je Fr. 945.05 für C. und D. (neu: 

Grundbetrag D.: Fr. 600.00) 

 

Ab 13. Februar 2022: je Fr. 1'195.05 für C. und D. (neu: Wohnkostenanteil 

Wohnung Beklagter) 

 

Zudem sind den Kindern C. und D. je Fr. 200.00 (Kinderzulagen) als 

Einkommen anzurechnen. 

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Grundsätzlich sorgen beide Elternteile, ein jeder nach seinen Kräften, für 

den in Form von Pflege, Erziehung und Geld zu erbringenden Unterhalt 

(Art. 276 Abs. 1 und 2 ZGB). Dies gilt an sich auch für den gesamten Geld-

unterhalt (gemäss Art. 285 Abs. 1 und 2 ZGB). Soweit die Eltern getrennt 

leben, wird praktisch relevant, wer an wen welchen Geldbetrag zu 

entrichten hat. Im Streitfall gelten folgende Grundsätze: Steht das Kind 

unter der alleinigen Obhut des einen Elternteils, so leistet der 

obhutsberechtigte Elternteil seinen Unterhaltsbeitrag vollständig mittels 

Naturalunterhalt, indem er dem Kind Pflege und Erziehung erweist. Der 

Geldunterhalt fällt vor dem Hintergrund der Gleichwertigkeit von Geld- und 

Natu