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**Case Identifier:** 5f1d7fca-6ea0-5fe9-a5a0-0415fe11d31c
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-31
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 31.03.2016 C1 12 93
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_C1-12-93_2016-03-31.pdf

## Full Text

C1 12 93 

 

 

URTEIL VOM 31. MÄRZ 2016 

 

Kantonsgericht Wallis 

I. Zivilrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Hermann Murmann, Präsident; Jérôme Emonet und Dr. Lionel Seeberger, 

Kantonsrichter; Silas Providolis, Gerichtsschreiber 

 

in Sachen 

 

MUNIZIPALGEMEINDE Q_________, Klägerin und Berufungsklägerin, vertreten durch 

Rechtsanwalt M_________ 

 

gegen 

 

R_________, Berufungsbeklagter 

und 

S_________, Berufungsbeklagter, vertreten durch Rechtsanwalt N_________ 

und 

T_________, Berufungsbeklagter, vertreten durch Rechtsanwalt O_________ 

und   

- 2 - 

 

U_________, V_________, W_________, X_________, Y_________, Z_________, 

Berufungsbeklagte, alle vertreten durch Rechtsanwalt L_________ 

 

(Verantwortlichkeitsklage) 

Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts P_________ vom 22. März 2012 

  

- 3 - 

Verfahren 

 

A.  Am 8. Januar 2003 reichte die Munizipalgemeinde Q_________ (nachfolgend Klä-

gerin und Berufungsklägerin) eine Verantwortlichkeitsklage gegen die ehemaligen „Or-

gane“ und die Revisionsstelle der A_________ AG, nämlich: R_________, 

B_________, C_________, S_________ und die D_________ AG, ein und stellte 

nachfolgende Rechtsbegehren: 

1.  R_________, B_________, S_________ und D_________ AG bezahlen der Munizi-
palgemeinde Q_________ als Solidarschuldner Fr. 3'439'000.00 und C_________ be-
zahlt der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidarschuldner Fr. 2'400'000.00. 

2. R_________, B_________, C_________, S_________ und D_________ AG bezahlen 
die Gerichtskosten, unter solidarischer Haftung. 

3. R_________, B_________, C_________, S_________ und D_________ AG vergüten 
der Munizipalgemeinde Q_________ die geleisteten Vorschüsse zurück, insofern dies 
nicht durch das Gericht geschieht. 

4. R_________, B_________, C_________, S_________ und D_________ AG haben die 
Munizipalgemeinde Q_________ für das vorliegende Verfahren nach GTar zu ent-
schädigen. 

Die Klägerin führte aus, die Konkursmasse der A_________ AG (nachfolgend 

A_________) habe ihr die Ansprüche aus Haftung der Organe am 8. August 2002 ab-

getreten. 

In der Zeit von 1993 bis 1995 habe sich die finanzielle Situation der A_________ fort-

laufend verschlechtert. E_________ sei aufgrund eines von R_________ erteilten Auf-

trages in seinem Bericht vom 22. März 1995 zum Schluss gekommen, dass die ge-

buchten Abschreibungen im Jahre 1994 mindestens um Fr. 3'700'000.-- zu tief ausge-

fallen seien und der effektive Verlust für 1994 somit Fr. 3'500'000.-- ausmache. An der 

Generalversammlung von 1995 sei von dieser besorgniserregenden Situation nichts 

gesagt worden. An der Generalversammlung vom 15. Mai 1996 sei ein Gesamtverlust 

per 1995 von Fr. 3'372'547.88 ausgewiesen worden. Unter Berücksichtigung des Be-

richts E_________, welcher einen zusätzlichen Verlust von Fr. 2'800'000.-- errechnet 

habe, sei die A_________ in diesem Zeitpunkt überschuldet gewesen. Es seien nur 

völlig ungenügende Abschreibungen getätigt worden, um die Überschuldung nicht of-

fenlegen zu müssen. Die Mitglieder des Verwaltungsratsausschusses R_________, 

B_________ und C_________ hätten von dieser Tatsache Kenntnis gehabt. Trotz die-

ser Kenntnisse habe sich die A_________ in den Jahren 1996 und 1997 Darlehen von 

der Klägerin von insgesamt Fr. 3'439'000.-- ausbezahlen lassen. R_________ und 

B_________ seien von 1991 bis 1998 Mitglied des Verwaltungsrates gewesen. Sie 

hätten als Mitglieder des Ausschusses seit 1991 von der schlechten finanziellen Lage 

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der A_________ gewusst. Sie hätten sich pflichtwidrig verhalten, indem sie 1996/97 

von der Gemeinde noch Darlehen in der Höhe von Fr. 3‘439‘000.-- erwirkt hätten, von 

denen sie wussten oder annehmen mussten, dass dieselben verloren waren. In der 

Grössenordnung der gewährten Darlehen sei ihr ein Schaden entstanden, den sie gel-

tend mache. 

B.  Nach Leistung der Kostensicherheit hinterlegte S_________ am 13. November 

2003 die Klageantwort und beantragte die kostenpflichtige Abweisung der Klage. Er 

machte insbesondere geltend, er sei nie Mitglied des Verwaltungsrates der 

A_________ oder der Verwaltung gewesen. Seine Tätigkeit habe sich ausschliesslich 

auf die Erstellung der Buchhaltung beschränkt. Er habe keine Organstellung gehabt. 

C.  Mit Urteil vom 4. Februar 2004 hob die obere Aufsichtsbehörde in Schuldbetrei-

bungs- und Konkurssachen die Beiratschaft über die Munizipalgemeinde Q_________ 

auf. Gleichzeitig hielt sie fest, dass die eingereichten Verantwortlichkeitsklagen nur mit 

Zustimmung der oberen Aufsichtsbehörde zurückgezogen werden können. Einem ent-

sprechenden Gesuch der Munizipalgemeinde Q_________ vom 2. November 2004 

wurde von der oberen Aufsichtsbehörde am 14. November 2005 nicht stattgegeben. 

D.  Die F_________ AG (vormals D_________ AG), welche für die A_________ als 

Revisionsstelle tätig war, reichte ihre Antwort am 20. Januar 2006 ein. Unter Formel-

lem führte sie aus, dass der von der Klägerin behauptete Schaden nicht erst seit Aus-

stellung des Konkursverlustscheines bekannt war, sondern - wenn überhaupt - bereits 

vor dem Konkurs. Im Weiteren beantragte sie die Rechtsbegehren, soweit sich diese 

gegen die D_________ AG richten, abzuweisen.  

E.  Auch C_________ beantragte am 23. Januar 2006 die kostenpflichtige Abweisung 

der Klage.  

F.  B_________ antwortete am 3. Februar 2006 und beantragte die kostenpflichtige 

Abweisung der Klage und die Zusprechung einer Parteientschädigung. Er führte aus, 

der sogenannte "Ausschuss" des Verwaltungsrates der A_________ habe keine Ent-

scheidungskompetenz gehabt. Lösungen und Beschlüsse des Verwaltungsrates seien 

jeweils vom Präsidenten R_________ und G_________ vorbereitet worden. Wie die 

anderen Verwaltungsratsmitglieder habe er jeweils vorgefertigte Lösungen vorgesetzt 

erhalten. Die Entscheidfindung in der Gesellschaft sei damit praktisch hinter seinem 

Rücken und jenem der anderen Verwaltungsräte (mit Ausnahme des Präsidenten) ab-

gelaufen. Der Bericht E_________ sei ihm nie vorgelegen. Die finanzielle Lage der 

A_________ sei den Verwaltungsräten von R_________ und G_________ unvollstän-

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dig zur Kenntnis gebracht worden. R_________ sei zum damaligen Zeitpunkt sowohl 

Präsident der Gemeinde als auch der A_________ gewesen. Der Gemeinderat von 

Q_________ habe die Bonität der A_________ bestens gekannt und somit auch das 

mit der Finanzierung verbundene Verlustrisiko.  

G.  R_________ reichte die Klageantwort am 9. März 2006 ein (S. 767). Er beantragte 

die kostenpflichtige Abweisung der klägerischen Rechtsbegehren. Er brachte vor, die 

Abtretung der Forderung durch das Konkursamt sei nicht rechtens. Zudem sei für die 

eingeklagten Forderungen - zumindest für Teilsummen - die absolute Verjährung ein-

getreten. Art. 760 OR bestimme nämlich, dass der Schadenersatz in 5 Jahren verjähre 

von dem Tag an, an dem der Geschädigte Kenntnis vom Schaden und von der Person 

des Ersatzpflichtigen erlangt habe, jedenfalls mit Ablauf von 10 Jahren, vom Tage der 

schädigenden Handlung an gerechnet. Des Weiteren führte er aus, die Munizipalge-

meinde Q_________ sei eine bedeutende Aktionärin der A_________ gewesen. Die 

Munizipalgemeinde Q_________ habe jeweils zusammen mit der Burgergemeinde 

zwei Vertreter im Verwaltungsrat der A_________ gehabt. Als Aktionärin und Gläubi-

gerin sei die Munizipalgemeinde Q_________ bestens über die Geschäfte und die fi-

nanzielle Lage der A_________ orientiert gewesen. Die Jahresrechnungen der Munizi-

palgemeinde Q_________ und der Burgergemeinde hätten klar Auskunft über die der 

A_________ gewährten Darlehen gegeben. Der Verwaltungsrat habe alles unternom-

men, um den Geschäftsgang der A_________ positiv zu bestimmen. Die A_________ 

habe bedeutende Landreserven gehabt und sei Eigentümerin der wichtigsten Thermal-

quellen in Q_________ gewesen, welche mit Fr. 1.00 in der Bilanz aufgeführt gewesen 

seien. Zu keinem Zeitpunkt habe eine Unterbilanz bestanden, was auch die Einschät-

zung der Revisionsstelle gewesen sei. Auch für G_________ vom Schweizerischen 

Bankverein, welcher eine gewichtige Funktion als Management Assistent ausgeübt 

habe, habe keine Unterbilanz bestanden. Dieser habe aber Massnahmen zur Herab-

setzung der hohen Zinslasten verlangt. Die Banken hätten durch die Anhebung der 

Zinslasten keinen Beitrag zur Sanierung geleistet. Im Rahmen der Sanierung 

Q_________ sei die A_________ durch Konkurs liquidiert worden. Der Erwerber der 

Aktiven der A_________ habe einen günstigen Preis bezahlt und mit grossem Gewinn 

in eine weitere Gesellschaft eingebracht. Der Munizipalgemeinde Q_________ sei 

durch den Verwaltungsrat der A_________ kein Schaden entstanden.  

H.  Mit Rechtsbot vom 10. März 2006 forderte R_________ gestützt auf Art. 53 Abs. 1 

ZPO/VS die ehemaligen Verwaltungsräte der A_________, nämlich V_________, 

- 6 - 

Y_________, X_________, U_________, W_________ und Z_________, zur Teil-

nahme am Prozess auf und stellte folgende Rechtsbegehren: 

1.  V_________, Y_________, X_________, U_________, W_________ und Z_________ 
seien unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung von Fr. 3'439'000.00 an die Munizi-
palgemeinde Q_________ zu verurteilen (vorbehältlich Gutheissung der Klage im 
Hauptprozess). 

2.  V_________, Y_________, X_________, U_________, W_________ und Z_________ 
seien in die Kosten zu verfällen wie rechtens.  

 

I.  Mit Entscheid vom 14. Juni 2006 wurde das Gesuch um Aufforderung zur Teilnahme 

am Prozess durch das Bezirksgericht gutgeheissen, worauf die zur Teilnahme am Pro-

zess Aufgeforderten am 18. September 2006 ihre Klageantwort einreichten und die 

kostenpflichtige Abweisung der Klage verlangten. Sie begründeten dies wie folgt: 

R_________ sei Präsident des Verwaltungsrates der A_________ und zugleich Präsi-

dent der Munizipalgemeinde Q_________ gewesen. Die Munizipalgemeinde 

Q_________ sei eine bedeutende Aktionärin der A_________ gewesen. R_________ 

habe faktisch im Verwaltungsrat entschieden; die Beschlüsse seien mit G_________ 

vorbereitet worden. In einem internen Bericht des ehemaligen Schweizerischen Bank-

vereins vom Februar 1990 sei festgehalten worden, dass die A_________ durch den 

Präsidenten R_________ eigenmächtig geleitetet werde und die VR-Mitglieder eine 

passive untergeordnete Rolle spielten. Über die finanziellen Aspekte der A_________ 

sowie das Kreditverfahren seien die Verwaltungsratsmitglieder nie eingehend informiert 

worden; sie hätten jeweils vorgefertigte Lösungen vorgesetzt erhalten. Gegenüber 

R_________ hätten die Verwaltungsräte zudem ein absolutes Vertrauen gehabt. An 

der GV habe es nie irgendwelche Kritik an die Adresse der Verwaltungsräte gegeben. 

Ihnen sei auch jeweils Dechargé erteilt worden. Die Munizipalgemeinde Q_________, 

deren Präsident im fraglichen Zeitpunkt ebenfalls Präsident des Verwaltungsrates der 

A_________ gewesen sei, sei bestens über die finanzielle Situation dieser Gesell-

schaft im Bilde gewesen. Allfällige Darlehen seien in Kenntnis darüber erfolgt. Die 

A_________ sei letztlich unter ihrem Wert verkauft worden. Die auf diese Weise er-

worbenen Aktiven seien mit grossem Gewinn in eine Drittfirma eingebracht worden. 

Der Munizipalgemeinde Q_________ sei durch den Verwaltungsrat kein Schaden ent-

standen.  

J.  In der Replik vom 10. Oktober 2006 (S. 790) ergänzte die Klägerin ihre Anträge wie 

folgt: 

Primär (direkter Gesellschaftsschaden resp. mittelbarer Gläubigerschaden) 

 1.  a) R_________, B_________, S_________ und die F_________ AG bezah-
len der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidarschuldner 

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Fr. 8'558'933.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zustellung der 
gerichtlichen Expertise. 

  b)  C_________ bezahlt der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidar-
schuldner Fr. 1'650'129.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zu-
stellung der gerichtlichen Expertise. 

 

Subsidiär (unmittelbarer Gläubigerschaden) 

2.   a) R_________, B_________, S_________ und die F_________ AG bezah-
len der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidarschuldner 
Fr. 3'439'000.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zustellung der 
gerichtlichen Expertise. 

   b) C_________ bezahlt der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidar-
schuldner Fr. 2'400'000.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zu-
stellung der gerichtlichen Expertise. 

 

In jedem Fall 

3.   a) R_________, B_________, S_________, die F_________ AG und 
C_________ bezahlen unter solidarischer Haftung die Gerichtskosten. 

   b) R_________, B_________, S_________, die F_________ AG und 
C_________ bezahlen der Munizipalgemeinde Q_________ die von ihr 
geleisteten Kostenvorschüsse unter solidarischer Haftung zurück, insofern 
diese nicht durch das Gericht zurückvergütet werden. 

 

4. R_________, B_________, S_________, die F_________ AG und C_________ haben 
die Munizipalgemeinde Q_________ für das hier vorliegende Verfahren unter solidari-
scher Haftung angemessen gemäss GTar zu entschädigen. 

 

Zur Begründung wurde ausgeführt, in der Klagedenkschrift vom 8. Januar 2003 sei der 

unmittelbare Gläubigerschaden geltend gemacht worden. In der Replik werde nun pri-

mär der direkte Gesellschaftsschaden, welcher mit dem mittelbaren Gläubigerschaden 

identisch sei, eingeklagt. Vorbehältlich einer Expertise werde der Soll-Konkurszeitpunkt 

am 31. Dezember 1995 angenommen, an welchem die Überschuldung Fr. 3‘125‘231.-- 

betrug. Die Höhe der Überschuldung zum Zeitpunkt des tatsächlichen Konkurses (Ist-

Konkurszeitpunkt) betrage Fr. 11‘684‘164.--. Der eingeklagte Gesellschaftsschaden 

belaufe sich daher auf Fr. 8‘558‘933.-- (Fr. 11‘684‘164.--./. Fr. 3‘125‘231.--) und werde 

eingeklagt. Für C_________ belaufe sich der von ihm verursachte Schaden zwischen 

den Soll-Konkurszeitpunkt und dem Ist-Konkurszeitpunkt vom 31. Dezember 1996 auf 

Fr. 1‘650‘129.-- (Fr. 4‘775‘360.-- ./. Fr. 3‘125‘231.--). 

K.  In ihrer Duplik vom 1. März 2007 führte die F_________ AG aus, dass die Klägerin 

nunmehr den direkten Gesellschaftsschaden geltend mache. Mit diesem neu formulier-

ten Begehren werde ein völlig neues und anderes Prozessverfahren eingeleitet. Es 

würden nun zwei völlig verschiedene Schadenstypen geltend gemacht. Es handle sich 

um eine unzulässige Klageänderung. Zudem seien die Ansprüche der Klägerpartei 

verjährt für den Fall, dass der Tatbestand der Überschuldung sich per Ende 1995 erfüllt 

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haben sollte, wie dies die Klägerpartei behaupte. Der Anspruch auf Schadenersatz 

verjähre nach Art. 760 Abs. 1 OR innert 5 Jahren von dem Tag an gerechnet, an dem 

der Geschädigte Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzberechtigten 

erlangt habe (S. 878). 

L.  Auch die übrigen Parteien verlangten in ihren Rechtsschriften die Abweisung der 

klägerischen Rechtsbegehren. 

M.  Nach Abschluss des Schriftenwechsels wurden die Parteien zur Vorverhandlung 

vorgeladen. Anlässlich dieser Verhandlung wurde die Einrede der unzulässigen Klage-

ausdehnung, welche die F_________ AG in ihrer Duplik vorgebracht hatte, abgewie-

sen. Nach der Vorverhandlung wurde das Beweisverfahren (Partei- und Zeugenbefra-

gungen, Urkunden, Expertise und Oberexpertise) durchgeführt. Wegen Krankheit wur-

de das Verfahren betreffend R_________ zuerst von diesen Verfahren abgetrennt und 

alsdann wieder mit diesem verbunden.  

N.  Am 24. September 2010 wurde über die F_________ AG der Konkurs eröffnet. Am 

3. Dezember 2010 teilte das Konkursamt mit, das Konkursverfahren sei im Sinne von 

Art. 230 SchKG eingestellt und mangels Leistung eines Kostenvorschusses geschlos-

sen worden. Nachdem die Firma im Handelsregisteramt gelöscht worden ist, wurde 

das Verfahren Munizipalgemeinde Q_________ gegen F_________ AG vom übrigen 

Verfahren getrennt und am 6. Dezember 2011 als gegenstandslos abgeschrieben.  

O.  Mit Entscheid vom 17. Februar 2012 gestattete die obere Aufsichtsbehörde in 

Schuldbetreibungs- und Konkurssachen den Rückzug der Verantwortlichkeitsklage 

gegen C_________ im Rahmen des zwischen der Munizipalgemeinde Q_________, 

der H_________ AG, deren Angestellter C_________ war, und C_________ abge-

schlossenen Vergleichs. Mit Rechtsbot vom 21. Februar 2012 zog die Munizipalge-

meinde Q_________ die Klage gegen C_________ beim Bezirksgericht zurück.  

P.  Die Parteien verzichteten schlussendlich auf eine mündliche Schlussverhandlung 

und hinterlegten stattdessen Schlussdenkschriften. Die Klägerin stellte in ihrer 

Schlussdenkschrift vom 22. Februar 2012 nur noch nachfolgende Schlussanträge, den 

mittelbaren Schaden der A_________ betreffend (S. 1840): 

1.  Die Beklagten R_________, B_________ und S_________ bezahlen der Munizipalge-
meinde Q_________ unter solidarischer Haftung nebst 5% Schadenszins seit 
03. Oktober 2000 einen Betrag von Fr. 10'584'391.00, wobei dem Gericht vorbehalten 
bleibt, für jeden der Beklagten die individuelle Schadenersatzpflicht im Rahmen von 
Art. 759 Abs. 2 OR festzustellen. 

- 9 - 

2. R_________, B_________ und S_________ bezahlen unter solidarischer Haftung die 
Kosten von Verfahren und Entscheid. 

3. Der Munizipalgemeinde Q_________ wird zu Lasten von R_________, B_________ 
und S_________ eine angemessene Parteientschädigung nach GTar unter solidari-
scher Haftung zugesprochen. 

4. R_________, B_________ und S_________ bezahlen unter solidarischer Haftung der 
Munizipalgemeinde Q_________ eine angemessene Parteientschädigung. 

Q.  Diese Schlussdenkschrift wurde den Beklagten und den zur Teilnahme am Prozess 

Aufgeforderten zugestellt, welche ihrerseits Schlussdenkschriften hinterlegten, und 

zwar am 5. März 2012 mit folgenden Anträgen:  

  S_________   

1.  L'action introduit contre S_________ est rejetée. 

2. Tous les frais de procédure et de jugement ainsi que des dépens en faveur de 
S_________ sont mis à la charge de la Municipalité de Q_________. 

 

  B_________ und Kons.  

1.  Die Klage der Munizipalgemeinde Q_________ wird kostenpflichtig abgewiesen. 

2. Dem Beklagten B_________ und den Aufgeforderten  V_________, Y_________, 
X_________, U_________, W_________ und Z_________ wird zulasten der Munizi-
palgemeinde Q_________ eine angemessene Parteientschädigung nach GTar zuge-
sprochen. 

3. Die Munizipalgemeinde Q_________ bezahlt dem Prozessbeklagten B_________ und 
den Aufgeforderten eine angemessen Parteientschädigung nach GTar. 

4. Sämtliche Kosten von Verfahren und Entscheid gehen zulasten der Klägerin. 

 

  R_________ 

Die klägerischen Rechtsbegehren seien unter Kostenfolge für die Klägerin vollumfänglich 
abzuweisen.  

  Er führte zudem aus, dass der Anspruch auf Schadenersatz gegen die nach 

den Art. 752 ff. OR verantwortlichen Personen gemäss Art. 760 Abs. 1 OR verjährt sei. 

Rechtsbegehren gegen die von ihm zur Teilnahme am Prozess aufgeforderten 

V_________, Y_________, X_________, U_________, W_________ und 

Z_________ stellte er keine mehr.  

R.  Mit Urteil vom 22. März 2012 urteilte der Bezirksrichter über die angefallen Kosten 

aufgrund des zwischen der Munizipalgemeinde Q_________, der H_________ AG und 

C_________ abgeschlossenen Vergleiches. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in 

Rechtskraft. 

Gleichentags erkannte er in der Sache wie folgt:  

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1. Die Klage gegen S_________, B_________ und R_________ wird abgewiesen. 

2. Die Klage gegen die zur Teilnahme am Prozess Aufgeforderten, nämlich U_________, 
V_________, W_________, X_________, Y_________ und Z_________ wird abgewie-
sen.  

3. Die Munizipalgemeinde Q_________ bezahlt die Kosten des Verfahrens und Entschei-
des. Nach Abzug der geleisteten Kostenvorschüsse der Parteien von Total 
Fr. 109'564.85 (Munizipalgemeinde Fr. 60'564.85, S_________ Fr. 10'000.00, 
B_________ und Kons. Fr. 37'000.00 sowie R_________ Fr. 2'000.00) bezahlt die Mu-
nizipalgemeinde dem Gericht den Restbetrag von Fr. 67'810.00 und erstattet an 
S_________ Fr 10'0000.00, B_________ und Kons. Fr. 37'000.00 sowie R_________ 
Fr. 2'000.00 für geleistete Vorschüsse zurück. 

4. Die Munizipalgemeinde Q_________ bezahlt als Parteientschädigung an:  

 - S_________ Fr. 140'000.00; 

 - B_________ und Kons. Fr. 140'000.00.  

 

S.  Gegen dieses Urteil reichte die Klägerin am 26. April 2012 Berufung mit folgenden 

Begehren ein: 

Primärbegehren: 

1. Die Beklagten R_________ und B_________ bezahlen der Munizipalgemeinde 
Q_________ unter solidarischer Haftung nebst 5 % Schadenszins seit 03. Oktober 2000 
einen Betrag von CHF 10`584`391.--, wobei dem Gericht vorbehalten bleibt, für jeden 
der Beklagten die individuelle Schadenersatzpflicht im Rahmen von Art. 759 Abs. 2 OR 
festzustellen. 

2. R_________ und B_________ bezahlen unter solidarischer Haftung die Kosten von Ver-
fahren und Entscheid. 

3. Der Munizipalgemeinde Q_________ wird zu Lasten von R_________ und B_________ 
eine angemessene Parteientschädigung nach GTar unter solidarischer Haftung zuge-
sprochen.  

Sekundärbegehren (sofern die Berufung in der Sache abgewiesen werden sollte): 

1. Der Beklagte R_________ als Klage-Aufforderer hat einen Teil der Gerichtskosten zu 
tragen. 

2. Den Beklagten S_________ und B_________ wird zu Lasten der Munizipalgemeinde 
Q_________ eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen. 

 

In ihrer Berufung erklärte die Klägerin ausdrücklich, das Urteil bezüglich der Abweisung 

der Verantwortlichkeitsklage gegen S_________ nicht anzufechten. Das Urteil erwach-

se in diesem Punkt in Rechtskraft. Ihre Berufung beschränke sich auf die Abweisung 

der Verantwortlichkeitsklagen gegen die Beklagten R_________ und B_________ (Ziff. 

1), die Auferlegung der Gerichtskosten (Ziff. 3) und die Bezahlung einer Parteientschä-

digung von je Fr. 140‘000.-- an den Beklagten S_________ und die Beklagten 

„B_________ und Kons.“ (Ziff. 4).  

T.  Mit Gesuch vom 21. Mai 2012 verlangte R_________ die vollständige unentgeltli-

che Rechtspflege. Mit Entscheid vom 12. Juni 2012 (C2 12 30) entschied das Kan-

tonsgericht: 

- 11 - 

1. R_________ wird ab dem 21. Mai 2012 die teilweise unentgeltliche Rechtspflege ge-
währt, welche auf die Befreiung von den Gerichtskosten beschränkt wird (Art. 118 Abs. 1 
lit. b ZPO). 

2. Im Übrigen wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen, soweit darauf 
einzutreten ist. 

3. Für diesen Entscheid werden keine Kosten erhoben. 

4. Den Gesuchsgegnern wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Der Entscheid über 

eine (reduzierte) Parteientschädigung des Gesuchsstellers erfolgt im Endentscheid. 

U.  Am 28. Juni 2012 reichte S_________ eine Berufungsantwort ein. Er stellte nach-

folgende Rechtsbegehren: 

1. L’appel est rejeté. 

2. Le jugement du 22 mars 2012 rendu par le Tribunal du district de P_________ est con-
firmé, notamment la condamnation de la Munizipalité de Q_________ à payer à 
S_________ des depens à hauteur de Fr. 140'000.--. 

3. Tous les frais d’appel ainsi qu’une équitable indemnité à titre de depens en faveur de 
S_________ sont mis à la charge de la Munizipalité de Q_________. 

 

V.  B_________, V_________, Y_________, X_________, W_________, U_________ 

und Z_________ reichten ihrerseits am 14. August 2012 eine Berufungsantwort ein 

und stellten nachfolgende Rechtsbegehren: 

1. Die Berufung vom 26. April 2012 der Munizipalgemeinde Q_________ wird kostenpflich-
tig vollumfänglich abgewiesen. 

2. Dem Berufungsbeklagten B_________ und den Herren V_________, Y_________, 
X_________, W_________, U_________ und Z_________ wird zu Lasten der Munizi-
palgemeinde Q_________ eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen.  

3. Sämtliche Kosten von Verfahren und Entscheid gehen zulasten der Berufungsklägerin. 

 

Sie erhoben zudem die Einrede der Verjährung (S. 2065 f.).  

W.  R_________ reichte seine Berufungsantwort am 22. August 2012 ein und verlang-

te, dass die Berufung unter Kostenfolge für die Berufungsklägerin vollumfänglich ab-

zuweisen sei. Auch er erhob die Einrede der Verjährung (S. 2089).  

X.  Nachdem der Klägerin die Frist zur Einreichung der Replik erstreckt wurde, reichte 

diese ihre Rechtsschrift am 4. Oktober 2012 ein, in welcher sie zu den Ausführungen 

der Berufungsbeklagten Stellung bezog und ihre Rechtsbegehren aufrechthielt.  

Y.  R_________, S_________ und B_________, V_________, Y_________, 

X_________, W_________, U_________ und Z_________ hielten in ihren Eingaben 

vom 5., 6. und 21. November 2012 an ihren Begehren gemäss Berufungsantworten 

fest.  

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Z.  Am 10. Januar 2013 teilte der bisherige Rechtsvertreter der Klägerin dem Gericht 

mit, dass er sein Mandat nach Rücksprache mit dem neu gewählten Gemeinderat nie-

derlege. Am 5. Februar 2013 ging beim Kantonsgericht der verlangte Protokollauszug 

der Gemeinderatsitzung vom 2. Januar 2013 des Gemeinderates von Q_________ ein. 

A.A.  Am 13. Dezember 2013 wurde dem Gericht mitgeteilt, dass B_________ verstor-

ben sei. Das Kantonsgericht sistierte am 18. Dezember 2013 das Verfahren in Anwen-

dung von Art. 126 Abs. 1 ZPO.  

B.B.  Handelnd für die Erben von B_________ verlangte Rechtsanwalt L_________ 

am 7. Januar 2014 die Aufnahme eines öffentlichen Inventars im Sinne von Art. 580 ff. 

ZGB. Dieses wurde durch die Bezirksrichterin von P_________ am 9. Januar 2014 

angeordnet. 

C.C.  Der Rechnungsruf wurde in den Amtsblättern vom 17., 24. und 31. Januar 2014 

publiziert und die Gläubiger und Schuldner aufgefordert, ihre Forderungen und Schul-

den bis zum 21. Februar 2014 schriftlich beim Bezirksgericht P_________ anzumel-

den. Die Gläubiger wurden ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass denjeni-

gen, welche die Anmeldung versäumen, die Erben weder persönlich noch mit der Erb-

schaft haften. 

D.D.  Die Munizipalgemeinde Q_________ meldete ihre Forderung gegen 

B_________, welche sie im vorliegenden Verantwortlichkeitsprozess geltend macht, 

nicht an.  

E.E.  Am 28. März 2014 stellte das Bezirksgericht P_________ das öffentliche Inventar 

zu und - nach erfolgter Publikation im Amtsblatt vom 4. April 2014 - erfolgte am 5. Mai 

2014 die Aufforderung an die Erben von B_________ dem Gericht mitzuteilen, ob sie 

die Erbschaft anzunehmen oder auszuschlagen gedenken. Diese Frist wurde durch die 

Bezirksrichterin auf Gesuch der Erben von B_________ am 27. Juni 2014 bis zum 

27. Oktober 2014 verlängert. 

F.F.  Rechtsanwalt L_________ für I_________ sowie J_________ und Rechtsanwalt 

O_________ für T_________ stellten beide am 17. Juli 2014 beim Kantonsgericht ein 

Gesuch um Wiederaufnahme des sistierten Verfahrens, machten einredeweise die 

fehlende Inventarisierung der Forderung der Munizipalgemeinde Q_________ gegen-

über B_________ im Rahmen des Rechnungsrufes (Art. 582 ZGB) geltend und stellten 

daher den Antrag, dass hierüber entschieden werde. Nach Einholung der Stellung-

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nahme bei der Munizipalgemeinde Q_________, welche ebenfalls die Wiederaufnah-

me des Verfahrens forderte, entschied das Kantonsgericht am 5. September 2014: 

1. Die Gesuche der Erben von B_________ um Wiederaufnahme des Berufungsverfahrens 
C1 12 93 und um Entscheid bezüglicher der fehlenden Inventarisierung der Forderung 
der Munizipalgemeinde Q_________ gegenüber B_________ werden abgewiesen. 

2. Das Verfahren C1 12 93 bleibt weiterhin eingestellt und zwar solange die Erben von 
B_________ berechtigt sind, die Erbschaft auszuschlagen. 

3. Die Prozesskosten werden im Endentscheid festgelegt.  

 

Es erwog, dass die Erben von B_________ aufgrund der Aufnahme des öffentlichen 

Inventars nicht ipso iure an Stelle ihres Vaters in das Berufungsverfahren C1 2012 93 

eingetreten seien und sie mithin die Erklärungen innert der angesetzten Frist abzuge-

ben hätten, ob sie nun die Erbschaft annehmen, unter öffentlichen Inventar annehmen 

oder ausschlagen und erst nach dieser Entscheidung darüber befunden werden könne, 

ob sie Partei im Berufungsverfahren geworden seien oder nicht; das Kantonsgericht 

werde erst danach ihre Legitimation überprüfen. Zudem sei es nicht Sache des Kan-

tonsgerichts, festzustellen, dass die Munizipalgemeinde Q_________ ihre Forderung 

gegen B_________ im Rahmen des öffentlichen Inventars nicht eingereicht habe, und 

welche rechtlichen Konsequenzen dies für die Erben habe, bevor sie die Annahme 

oder die Ausschlagung der Erbschaft erklärt hätten.  

G.G.  Am 10. und 15. März 2015 liessen die Rechtsvertreter der Erben von 

B_________, Rechtsanwalt O_________ für T_________ und Rechtsanwalt 

L_________ für J_________ und I_________ dem Kantonsgericht auf dessen Nach-

frage vom 9. März 2015 den Entscheid des Bezirksgerichts P_________ vom 30. Ok-

tober 2014 bezüglich Ausschlagung der Erbschaft/Annahme unter öffentlichem Inven-

tar zukommen. Gemäss diesem Entscheid haben J_________ und I_________ die 

Erbschaft ihres Vaters rechtzeitig, unbedingt und vorbehaltlos ausgeschlagen und der 

Sohn T_________ die Erbschaft seines Vaters unter öffentlichem Inventar angenom-

men, da sich dieser innert angesetzter Frist nicht geäussert hatte. 

 

Erwägungen 

 

1.  Für das erstinstanzliche Verfahren, das am 8. Januar 2003 eingeleitet wurde, galt 

die Walliser Zivilprozessordnung. Gemäss Artikel 405 der Schweizerischen Zivilpro-

zessordnung (ZPO), welche am 1. Januar 2011 in Kraft trat, gilt für das Rechtsmittel 

das Recht, das bei Eröffnung des Entscheides in Kraft ist. Das erstinstanzliche Urteil 

- 14 - 

wurde am 22. März 2012 versandt (BGE 137 III 130 E. 2), so dass für das Berufungs-

verfahren die ZPO zur Anwendung kommt. 

Gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZPO sind erstinstanzliche Endentscheide mit Berufung 

anfechtbar, wenn der Streitwert in vermögensrechtlichen Angelegenheiten mindestens 

Fr. 10'000.-- beträgt. Massgebend sind die im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Urteils 

noch streitigen Rechtsbegehren. Im zu beurteilenden Fall sind dies Fr. 10‘584‘391.--, 

womit das Urteil des Bezirksgerichts P_________ mit Berufung anfechtbar ist (Art. 308 

Abs. 2 ZPO). Die Berufung wurde innert 30 Tagen frist- und formgerecht beim Kan-

tonsgericht als der zuständigen Rechtsmittelinstanz eingereicht (Art. 5 Abs. 1 lit. b EG-

ZPO; Art. 3, 4 ZPO). Das angefochtene Urteil lag bei (Art. 311 ZPO), weshalb vorbe-

hältlich einer gehörigen Begründung darauf einzutreten ist.  

2.  Die Berufungsbeklagten haben in ihren Berufungsantworten, ohne den Ausstand 

eines Mitglieds der urteilenden Gerichtsbehörde zu verlangen, die Frage aufgeworfen, 

ob die Mitglieder der Oberen Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssa-

chen in vorliegenden Verantwortlichkeitsverfahren im Gerichtshof, der diese Klage ma-

teriell zu beurteilen hat, mitwirken können bzw. ob ein Ausstandgrund im Sinne von 

Art. 47 ff. ZPO vorliege und dabei auf die Entscheide der Oberen Aufsichtsbehörde in 

SchKG-Sachen vom 4. Februar 2004, 14. November 2005 und 17. November 2012 

verwiesen. 

2.1   

2.1.1  Die Obere Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen hat am 

4. Februar 2004 in der Besetzung K_________, AA_________, Dr. BB_________ als 

Richter und Dr. CC_________ als Gerichtsschreiber im Rahmen der Aufhebung der 

Beiratschaft über die Munizipalgemeinde Q_________ erwogen: 

„dass der Beirat auf Grund seiner gesetzlichen Verpflichtung gemäss Art. 35 SchGG, Verantwortlichkeits-

klagen gegen die Mitglieder des Verwaltungsratsausschusses und gegen die Revisionsstelle der in Kon-

kurs geratenen A_________ AG sowie gegen die Revisionsstelle der in Konkurs geratenen Parkhaus 

A_________ AG eingereicht und gegen die Herren R_________, DD_________ und EE_________ Ver-

antwortlichkeits- bzw. Schadenersatzklagen in Auftrag gegeben hat; der Verzicht auf solche Klagen oder 

ein Vergleich sind gemäss Art. 35 SchGG nur mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde zulässig, deren es 

auch nach Aufhebung der Beiratschaft bedarf (Art. 43 Abs. 1 SchGG); sinnvollerweise werden die jeweili-

gen Verfahren durch den bisherigen Rechtsvertreter weiter geführt, wobei die Aufsichtsbehörde diesbe-

züglich keine Weisungsbefugnis hat.“ 

und entschieden: 

- 15 - 

4. Die in den Erwägungen angeführten vom Beirat gegen Organe der Munizipalgemeinde Q_________, 

gegen Organe von Gesellschaften der sog. Gruppe A_________ sowie gegen weitere Personen einge-

reichten oder in Auftrag gegebenen Verantwortlichkeits- und Schadenersatzklagen können nur mit vorhe-

riger Zustimmung der Oberen Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen zurückgezogen 

oder verglichen werden. 

2.1.2  Am 14. November 2005 haben dieselben Richter mit Beizug des Gerichtsschrei-

bers FF_________ als Obere Aufsichtsbehörde in SchKG-Sachen festgehalten, dass 

die von der Munizipalgemeinde Q_________ beim Bezirksgericht P_________ gegen 

die GG_________ AG (Verfahren Z1 03 09) bzw. S_________, C_________, 

B_________, R_________ und die D_________ AG (Verfahren Z1 03 10) eingereich-

ten Verantwortlichkeitsklagen gestützt auf Ziff. 4 des Entscheids der Oberen Aufsichts-

behörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen vom 4. Februar 2004 nur mit vor-

gängiger Zustimmung der Oberen Aufsichtsbehörde zurückgezogen oder verglichen 

werden können (vgl. Art. 43 Abs. 1 SchGG), dass sich bisher lediglich eine Beklagten-

partei zur Klage geäussert habe, weitere Denkschriften und verlangte Editionen noch 

ausstehen würden und es in diesem Verfahren wohl von entscheidender Bedeutung 

sein werde, wann die einzelnen Gesellschaften überschuldet waren und welcher Scha-

den durch allfällige Versäumnisse der Organe der Gesellschaften entstanden sei, was 

wohl nur durch eine gerichtliche Expertise, nach Beizug sämtlicher Unterlagen, festge-

stellt werden könne, so dass einem Rückzug der Verantwortlichkeitsklagen in einem so 

frühen Verfahrensstadium nicht zugestimmt werden könne. 

2.1.3  Wiederum dieselben Richter mit Beizug der Gerichtsschreiberin HH_________ 

haben mit Entscheid der Oberen Aufsichtsbehörde vom 17. Februar 2012 einem Rück-

zug der Verantwortlichkeitsklage gegen C_________ zugestimmt, weil sich die Munizi-

palgemeinde Q_________, die H_________ AG als Arbeitgeberin von C_________ 

und letzterer geeinigt hatten. Die Munizipalgemeinde Q_________ schuldete nämlich 

der H_________ Fr. 2‘400‘000.--,  nachdem die H_________ AG von ihrer Forderung 

gegenüber der Munizipalgemeinde Q_________ von ursprünglich Fr. 20‘229‘651.05 

lediglich Fr. 17‘829‘651.05 an die II_________ AG abgetreten hatte. Die Munizipalge-

meinde Q_________ verlangte ursprünglich eben gerade Fr. 2‘400‘000.-- im vorliegen-

den Verantwortlichkeitsprozess von C_________, einen Betrag, welchen sie im Laufe 

des Verfahrens auf Fr. 1‘650‘129.-- reduzierte. Zudem hatte die Munizipalgemeinde 

Q_________ von den geschuldeten Fr. 2.4 Mio. Fr. 377‘272.57 an die H_________ AG 

bezahlt, so dass sich deren Schuld schlussendlich noch auf Fr. 2‘022‘727.43 belief. Bei 

der im Vergleich vorgesehen Abtretung der Forderung der H_________ AG an 

C_________ konnte dieser der Munizipalgemeinde Q_________ diese abgetretene 

- 16 - 

Forderung der Forderung der Munizipalgemeinde gegen ihn entgegenhalten und die 

Munizipalgemeinde würde daher leer ausgehen. Dies unabhängig davon, ob man sich 

nun auf die erste Expertise oder die Oberexpertise stützte, welche den Überschul-

dungszeitpunkt der A_________ AG auf verschiedene Zeitpunkte festlegten und somit 

ein allfälliger Schaden unterschiedlich gross wäre. 

2.2  Gemäss Art. 47 Abs. 1 lit. b ZPO tritt eine Gerichtsperson in den Ausstand, wenn 

sie in einer anderen Stellung, insbesondere als Mitglied einer Behörde in der gleichen 

Sache tätig war. 

Das Bundesgericht hat als massgebendes Kriterium für die Beurteilung dieser Frage 

der Vorbefassung festgehalten, dass es erforderlich sei, dass sich die Gerichtsperson 

(Richter und Gerichtsschreiber) durch ihre Mitwirkung an früheren Entscheidungen in 

einzelnen Punkten bereits in einem Mass festgelegt hat, dass sie nicht mehr als unvor-

eingenommen und dementsprechend das Verfahren als nicht mehr offen erscheinen 

lassen (BGE 131 I 113 E. 3.4; 131 I 24 E. 1.2; 126 I 68 E. 3c; 114 Ia 50 E. 3d; Rüe-

tschi, Berner Kommentar, 2012, N. 12 zu Art. 47 ZPO). 

Vorliegend wurden von der Oberen Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssa-

chen zwar Entscheide gefällt, die das vorliegende Verfahren - in prozessualer         

Hinsicht - beeinflussten, sei es, dass festgehalten wurde, dass Vergleiche und Rück-

züge nur mit Zustimmung der Oberen Aufsichtsbehörde erfolgen können (Entscheid 

vom 4. Februar 2004), dass ein solcher Rückzug jedoch infolge des frühen Verfah-

rensstadiums verweigert wurde (Entscheid vom 14. November 2005) und dass ein 

Rückzug der Verantwortlichkeitsklage gegenüber einem der Beklagten genehmigt wur-

de, weil ein Vergleich zwischen der Klägerin, der Arbeitgeberin des Beklagten und dem 

Beklagten abgeschlossen worden war, in der Weise, dass die Arbeitgeberin ihre Forde-

rung gegenüber der Klägerin ihrem Arbeitnehmer zedierte und dieser sie der Klägerin 

entgegenhalten konnte (Entscheid vom 17. Februar 2012). In all diesen Entscheiden 

befasste sich die Obere Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen 

nie mit der Frage, ob die Organe der A_________ AG ihren gesetzlichen und statutari-

schen Verpflichtungen nachgekommen sind oder nicht und ob sie infolge ihres Handels 

oder ihrer Unterlassungen für den Schaden, der allenfalls bei der A_________ AG ein-

getreten ist, haftbar gemacht werden können. Eine Vorbefassung besteht mithin für 

sämtliche Mitglieder der Oberen Aussichtsbehörde (Richter und Gerichtsschreiber) 

nicht, so dass sich der Zivilgerichtshof I des Kantonsgerichts in der ordentlichen Beset-

zung K_________, JJ_________, Dr. CC_________ als Richter und KK_________ als 

Gerichtsschreiber mit der Berufung gegen das Urteil des Bezirksrichters von 

- 17 - 

P_________ betreffend die Verantwortlichkeitsklage gegen die ehemaligen Organe der 

A_________ AG befassen kann.  

3.  Mit der Berufung kann die Verletzung des gesamten kantonalen und Bundesprivat-

rechts sowie öffentlichen kantonalen und Bundesrechts geltend gemacht werden. Die 

Rechtsmittelinstanz hat den angefochtenen Entscheid im Rahmen der vorgetragenen 

Berufungsgründe mit voller Kognition in allen Rechts- und Sachfragen neu zu beurtei-

len (Art. 310 ZPO). Nach Art. 317 Abs. 1 lit. a und b ZPO dürfen neue Tatsachen und 

Beweismittel dann in den Prozess eingeführt werden, wenn sie kumulativ ohne Verzug 

vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vor-

gebracht werden konnten. Bei Gutheissung der Berufung steht es im Ermessen der 

Berufungsinstanz, ob sie selbst einen Entscheid fällt oder das angefochtene Urteil auf-

hebt und den Prozess ganz oder teilweise zur Ergänzung an die Vorinstanz zurück-

weist, wobei eine Rückweisung an die untere Instanz nur dann in Frage kommt, wenn 

ein wesentlicher Teil der Klage nicht beurteilt wurde oder der Sachverhalt in wesentli-

chen Teilen zu vervollständigen ist (Art. 318 ZPO). 

3.1  Art. 311 Abs. 1 ZPO verlangt, dass der Berufungskläger der Rechtsmittelinstanz 

im Einzelnen darlegt, aus welchen Gründen der angefochtene vorinstanzliche Ent-

scheid falsch ist und abgeändert werden soll (Begründungslast). Begründen in diesem 

Sinne bedeutet aufzeigen, inwiefern der angefochtene Entscheid als fehlerhaft erachtet 

wird. Dieser Anforderung genügt der Berufungskläger nicht, wenn er lediglich auf die 

vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen verweist, sich mit Hinweisen auf frühere 

Prozesshandlungen zufriedengibt oder den angefochtenen Entscheid in allgemeiner 

Weise kritisiert. Die Begründung muss hinreichend genau und eindeutig sein, um von 

der Rechtsmittelinstanz mühelos verstanden werden zu können. Dies setzt voraus, 

dass der Berufungskläger im Einzelnen die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, 

die er anficht, und die Aktenstücke nennt, auf denen seine Kritik beruht. In der Begrün-

dung ist nicht nur darzutun, weshalb das Verfahren so ausgehen sollte, wie der Beru-

fungskläger dies will. Es ist auch aufzuzeigen, weshalb der vorinstanzliche Entscheid 

fehlerhaft ist. Die Berufungsinstanz muss nicht nach allen denkbaren möglichen Feh-

lern eigenständig forschen (vgl. Bundesgerichtsurteile 5A_209/2014 vom 2. September 

2014 E. 4.2.1 und 5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013 E. 3, je mit Hinweisen; Hunger-

bühler, ZPO-Kommentar, Zürich/St. Gallen 2011, N. 27 ff. zu Art. 311 ZPO; 

Reetz/Theiler, Zürcher Kommentar, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2013, N. 36 zu Art. 311 

ZPO). 

- 18 - 

3.2  Vorliegend erklärt die Berufungsklägerin ausdrücklich, dass sie die Abweisung der 

Verantwortlichkeitsklage gegen S_________ anerkenne. Mithin hat sich das Kantons-

gericht bezüglich S_________ nur noch mit der diesem gewährten Parteientschädi-

gung von Fr. 140‘000.-- zu befassen, falls die Primärbegehren der Berufung abgewie-

sen werden.  

Der Berufungsbeklagte S_________ bestreitet jedoch die Zulässigkeit der Berufung, 

was ihn betrifft. Er vertritt die Meinung, die Munizipalgemeinde Q_________ hätte eine 

Beschwerde einreichen müssen, da bezüglich seiner Person nur die Zusprechung der 

Parteientschädigung, mithin nur der Kostenentscheid, angefochten werde. 

Dem ist nicht so. Gemäss Art. 110 ZPO ist der Kostenentscheid selbständig nur mit 

Beschwerde anfechtbar. Unter den Begriff „Kostenentscheid“ fallen sowohl der Ent-

scheid über die betragsmässige Festsetzung der Gerichtskosten und deren Verteilung 

als auch der Entscheid über die Parteientschädigung bezüglich der berechtigten Partei 

und deren Höhe. Der Kostenentscheid kann auf kantonaler Ebene jedoch in all seinen 

Teilen mit der Sache selbst angefochten werden, d.h. mit dem in der Sache gegebenen 

Rechtsmittel der Berufung (Art. 308 ff. ZPO) oder mit der Beschwerde (Art. 319 ff. 

ZPO), vorliegend aufgrund des Streitwertes mit der Berufung.  

Das erstinstanzliche Urteil wird vorliegend von der Berufungsklägerin nicht nur bezüg-

lich der Kosten angefochten, sondern vollumfänglich in der Sache selbst, wenn auch 

nicht bezüglich aller Berufungsbeklagten. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das 

Urteil sowohl bezüglich der Kosten wie auch in der Sache angefochten wird und mithin 

beides mit derselben Berufung angefochten werden kann, zumal die selbständige An-

fechtung der Parteientschädigung lediglich subsidiär zum Hauptbegehren der Berufung 

erfolgt. Es gilt nämlich auch zu vermeiden, dass sich die Rechtsmittelinstanz mit ver-

schiedenen Typen von Rechtsmitteln befassen muss oder gewisse Rügen mit ver-

schiedener Kognition zu beurteilen hat (Tappy, in: Bohnet et al. [Hrsg.], Code de pro-

cédure civile commenté, Basel 2011, N. 12 zu Art. 110 ZPO).  

Die Berufungsklägerin hat daher zu Recht das erstinstanzliche Urteil insgesamt mit 

Berufung angefochten.  

4.  In Ziffer 2 seines Urteils vom 22. März 2012 hat der Bezirksrichter die Klage gegen 

die zur Teilnahme am Prozess Aufgeforderten, nämlich U_________, V_________, 

W_________, X_________, Y_________ und Z_________ abgewiesen. Er begründe-

te die Abweisung der Klage gegen die zur Teilnahme am Prozess Aufgeforderten mit 

- 19 - 

der Abweisung der Hauptklage. Diese Ziffer des Urteils wurde von keiner Partei ange-

fochten.  

R_________ forderte mit Rechtsbot vom 10. März 2006 gestützt auf Art. 53 Abs. 1 

ZPO/VS die ehemaligen Verwaltungsräte der A_________, nämlich V_________, 

Y_________, X_________, U_________, W_________ und Z_________ zur Teilnah-

me am Prozess auf und stellte folgende Rechtsbegehren: 

1.  V_________, Y_________, X_________, U_________, W_________ und Z_________ 
seien unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung von Fr. 3'439'000.00 an die Munizi-
palgemeinde Q_________ zu verurteilen (vorbehältlich Gutheissung der Klage im 
Hauptprozess). 

2.  V_________, Y_________, X_________, U_________, W_________ und Z_________ 
seien in die Kosten zu verfällen wie rechtens.  

 

Der Bezirksrichter hiess mit Entscheid vom 14. Juni 2006 das Gesuch um Aufforderung 

zur Teilnahme am Prozess gut.  

In seiner Schlussdenkschrift vom 5. März 2012 stellte R_________ aber keine Begeh-

ren mehr gegen die von ihm zur Teilnahme am Prozess Aufgeforderten. Dies ent-

spricht einem Klagerückzug und der Bezirksrichter hätte, statt die Klage abzuweisen, 

feststellen müssen, dass die Klage als zurückgezogen gilt und den Regressprozess 

durch Abschreibungsbeschluss erledigen müssen (Art. 268 Abs. 2 ZPO/VS). Der 

Rückzug bewirkt die Rechtskraft des Urteils (Art. 268 Abs. 3 ZPO/VS).  

Mithin hat sich das Kantonsgericht im vorliegenden Rechtsmittelverfahren mit den 

Streitverkündungsbeklagten, wie auch bei S_________, lediglich noch bezüglich der 

ihnen zusammen mit B_________ zu Lasten der Klägerin zugesprochenen Parteient-

schädigung von Fr. 140‘000.-- für das erstinstanzliche Verfahren zu befassen haben, 

falls die Primärbegehren abgewiesen werden. 

5.  Stirbt eine Partei im Verlaufe des Verfahrens, ergeben sich zwar die Folgen aus 

dem Bundesrecht und treten die Erben ipso iure an ihre Stelle (Art. 560 ZGB). Da in-

dessen zunächst die Erben ermittelt und alsdann vorweg über die Frage der Ausschla-

gung der Erbschaft zu entscheiden ist, ist das Verfahren nach dem Tod einer Partei bis 

zur Klärung dieser Fragen zu sistieren (Art. 126 ZPO), sofern nicht höchstpersönliche 

und unvererbliche Ansprüche Gegenstand des Prozesses sind und das Verfahren da-

her mit dem Tod der Partei gegenstandlos wird (Gschwend/Bornatico, Basler Kommen-

tar, 2. A., 2013, N. 4 zu Art. 126 ZPO mit Hinweisen, Schwander, Zürcher Kommentar, 

2. A., Zürich/Basel/Genf 2013, N. 40 zu Art. 83 ZPO).  

- 20 - 

Gemäss Art. 580 Abs. 1 ZGB kann jeder Erbe, der die Befugnis hat, die Erbschaft aus-

zuschlagen, ein öffentliches Inventar verlangen. Während der Aufnahme des Inventars 

sind die laufenden Prozesse zu sistieren (Art. 586 Abs. 3 ZGB; Gschwend/Bornatico, 

a.a.O., N. 5 zu Art. 126 ZPO). 

5.1.  B_________ verstarb am 8. Dezember 2013. Gemäss hinterlegten Erbenschein 

des Gemeinderichters von Q_________ hinterliess er als einzige gesetzliche Erben 

zwei Töchter und einen Sohn, nämlich: 

Frau I_________ wohnhaft in MM_________, Frau J_________, wohnhaft in 

LL_________, und T_________, ebenfalls wohnhaft in LL_________. 

5.1.1  Bezüglich des vorliegenden Prozesses gilt es festzuhalten, dass in diesem Pro-

zess nicht höchstpersönliche und unvererbliche Ansprüche des Erblassers Prozessge-

genstand sind, weshalb das Verfahren nach dem Tod des Berufungsbeklagten 

B_________ nicht gegenstandslos geworden ist.  

5.1.2  Im Namen der obgenannten Erben verlangte Rechtsanwalt L_________ beim 

zuständigen Bezirksgericht P_________ die Aufnahme des öffentlichen Inventars, 

weshalb die Erben nicht ipso iure an Stelle ihres Vaters als Beklagte in den vorliegen-

den Prozess eingetreten sind.  

5.1.3  Der Rechnungsruf wurde durch das Bezirksgericht in den Amtsblättern vom 17., 

24. und 31. Januar 2014 publiziert und die Gläubiger und Schuldner aufgefordert, ihre 

Forderungen und Schulden bis zum 21. Februar 2014 schriftlich beim Bezirksgericht 

P_________ anzumelden. Die Gläubiger wurden ausdrücklich darauf aufmerksam ge-

macht, dass denjenigen, welche die Anmeldung versäumen, die Erben weder persön-

lich noch mit der Erbschaft haften. 

Am 4. April 2014 wurde die Auflegung des öffentlichen Inventars beim Bezirksgericht 

P_________ im Amtsblatt publiziert.  

5.1.4  Gemäss Entscheid der Bezirksrichterin von P_________ vom 30. Oktober 2014 

haben die Töchter von B_________, J_________ und I_________, die Erbschaft ihres 

Vaters rechtzeitig, unbedingt und vorbehaltlos ausgeschlagen. Sie treten mithin nicht 

anstelle ihres Vaters in den vorliegenden Prozess ein. 

5.1.5  Ebenfalls gemäss vorgenanntem Entscheid der Bezirksrichterin hat der Sohn 

von B_________, T_________, innert Frist keine Erklärung abgegeben, weshalb die 

- 21 - 

gesetzliche Vermutung von Art. 588 Abs. 2 ZGB zum Tragen kam, wonach er die Erb-

schaft unter öffentlichem Inventar angenommen hat.  

Übernimmt ein Erbe die Erbschaft unter öffentlichem Inventar, so wird der Erwerb der 

Erbschaft mit Rechten und Pflichten auf den Zeitpunkt der Eröffnung des Erbganges 

zurückbezogen (Art. 589 Abs. 2 ZGB). Mithin wird vorliegend der Erwerb der Erbschaft 

von B_________ durch seinen Sohn auf den 8. Dezember 2013 zurückbezogen. Auf 

dieses Datum hin tritt er demnach in den vorliegenden Prozess als Beklagter an Stelle 

seines Vaters ein.  

5.2   

5.2.1  Bei Annahme der Erbschaft unter öffentlichem Inventar gehen alle Erbschaftsak-

tiva des Erblassers auf dessen Erben über, gleichgültig, ob sie im Inventar verzeichnet 

sind oder nicht. Auch die im Inventar figurierenden Aktiven des Erblassers bleiben für 

die Erben bestehen; Forderungsschulden werden Schulden der Erben. Dieser unein-

geschränkte Übergang „sämtlicher Vermögenswerte“ ergibt sich aus dem klaren Wort-

laut von Art. 589 Abs. 1 ZGB und er steht dort im Gegensatz zum Übergang der Schul-

den des Erblassers. Der mit dem öffentlichen Inventar verbundene Haftungsbeschrän-

kung kommt für die Nachlassaktiva keine Wirkung zu (BGE 113 II 118 E. 3; Wiss-

mann/Vogt/Leu, Basler Kommentar, 5. A., 2015, N. 1 zu Art. 589 ZGB mit Hinweisen).  

5.2.2  Von den Schulden (Passiven) des Erblassers gehen grundsätzlich nur „die im 

Inventar verzeichneten“ auf die Erben über. Für die im Inventar verzeichneten Schul-

den haftet der Erbe „sowohl mit der Erbschaft als mit seinem Vermögen“ (Abs. 3) und 

zwar solidarisch mit allfälligen anderen Erben (Art. 603 Abs. 1 ZGB). Von entscheiden-

der Bedeutung für die Haftung der Erben gegenüber den Gläubigern ist somit die Auf-

nahme bzw. die Nichtaufnahme der Forderungen im Inventar. Für die nicht im Inventar 

aufgenommenen Schulden haftet der Erbe den Gläubigern des Erblassers explizit 

nicht. Diese rigorose Benachteiligung der Gläubiger, in der Lehre als Präklusion be-

zeichnet, erfährt in Art. 590 Abs. 2 und 3 ZGB allerdings wichtige Ausnahmen. Ist die 

Anmeldung der Forderung entweder ohne Schuld des betreffenden Gläubigers unter-

lassen worden oder ist die Anmeldung durch den Gläubiger zwar erfolgt, die Forderung 

im Inventar durch die Behörde aber nicht verzeichnet worden, so haftet der Erbe trotz-

dem, jedoch nur „soweit er aus der Erbschaft bereichert ist“. Die Lehre spricht bei die-

ser Haftung von einer Bereicherungshaftung. Auch für eine nichtverzeichnete, jedoch 

durch Pfandhaft an Erbschaftssachen gesicherte Forderung besteht Haftung, die auf 

- 22 - 

die Höhe beschränkt ist, welche die Pfandsicherheit des betreffenden Pfandrechtes 

bietet (Wissmann/Vogt/Leu, a.a.O., N. 3 f. zu Art. 589 ZGB). 

Wie bereits dargetan, wurden die Gläubiger im Rahmen des im Amtsblatt publizierten 

Rechnungsrufes unter Hinweis auf Art. 590 Abs. 1 ZGB darauf aufmerksam gemacht, 

dass den Gläubigern, welche die Anmeldung ihrer Forderung versäumen, die Erben 

weder persönlich noch mit der Erbschaft haften.  

Die Munizipalgemeinde Q_________ hat ihre in diesem Prozess gegen B_________ 

geltend gemachte Forderung im Rahmen der Aufnahme des öffentlichen Inventars 

beim Bezirksgericht P_________ nicht angemeldet, so dass keine Inventarisierung 

dieser Forderung erfolgte.  

Mit Eingaben vom 17. Juli 2015 verlangten die Erben von B_________, bevor sie sich 

über die Annahme der Erbschaft entschieden hatten, die Wiederaufnahme des vom 

Kantonsgerichts gestützt auf Art. 126 ZPO sistierten Verfahrens und machten einrede-

weise die fehlende Inventarisierung der Forderung der Munizipalgemeinde 

Q_________ geltend. 

Diese Eingaben wurden der Munizipalgemeinde Q_________ zugestellt. Diese ver-

langte, wie die Vertreter der Erben von B_________, die Wiederaufnahme des Verfah-

rens und im Weiteren verlangte sie, dass zu verfahren sei wie rechtens und die Kosten 

des Zwischenverfahrens auf den Haupthandel zu nehmen seien. Das Kantonsgericht 

lehnte die Wiederaufnahme des Verfahrens ab, da sich die Erben vorgängig über die 

Annahme oder die Ausschlagung der Erbschaft auszusprechen hätten und es hielt 

zudem fest, dass es sich auch nicht über die rechtlichen Konsequenzen der Nichtan-

meldung der Forderung durch die Munizipalgemeinde Q_________ im Rahmen des 

öffentlichen Inventars auszusprechen habe, solange nicht feststehe, ob die Erben die 

Erbschaft annehmen oder ablehnen würden. Dieser Entscheid wurde allen Prozessbe-

teiligten samt Eingaben der Rechtsanwälte der Erben von B_________ zugestellt. 

Nachdem das Kantonsgericht die Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt hatte, 

verlangte es von den Erben B_________ die Hinterlage der Entscheide der Bezirks-

richterin bezüglich der Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft. Dieser wurde dem 

Kantonsgericht durch die Erbenvertreter am 9. resp. 12. März 2015 zugestellt. Eine 

Kopie ihrer Eingaben samt dem eingereichten Entscheid wurde wiederum allen Pro-

zessparteien am 13. März 2015 zugestellt und gleichzeitig eröffnet, dass die Verfah-

renssistierung aufgehoben und das Berufungsverfahren fortgeführt werde.  

In der Folge äusserte sich diesbezüglich keine Partei mehr. 

- 23 - 

5.2.3  Vorliegend steht fest, dass die Munizipalgemeinde Q_________ ihre Forderung 

aus diesem Prozess im Rahmen des Rechnungsrufes und der Aufnahme des öffentli-

chen Inventars von B_________ nicht angemeldet hat und daher nicht im öffentlichen 

Inventar aufgenommen wurde. Da die Gläubiger bei der Publikation des Rechnungsru-

fes ausdrücklich auf die Folgen der Nichtanmeldung ihrer Forderung aufmerksam ge-

macht wurden, ist hier festzuhalten, dass T_________, der die Erbschaft seines Vaters 

unter öffentlichen Inventar ausgenommen hat, explizit nicht für die nicht im Inventar 

aufgenommene Forderung haftet. Die Klägerin hat sich denn auch im Laufe des weite-

ren Verfahrens nicht vernehmen lassen, dass sie ihre Forderung schuldlos nicht an-

gemeldet hätte oder sie ihre Forderung wohl angemeldet, jedoch von der Behörde 

nicht verzeichnet worden wäre, weshalb T_________ auch nicht haftet, soweit er allen-

falls aus der Erbschaft bereichert ist.  

Infolge der fehlenden Haftung ist daher die Klage der Munizipalgemeinde Q_________ 

gegen T_________ kostenpflichtig abzuweisen. 

6.  

6.1  Ende der neunzehnhundertachtziger und im Verlauf der neunzehnhundertneunzi-

ger Jahre betrieb die Munizipalgemeinde Q_________ einen erheblichen Investitions-

aufwand. So wurden grosse Projekte im Bereich des Tourismus realisiert. Zu diesem 

Zweck wurden verschiedene voneinander unabhängige Gesellschaften gegründet, die 

aber finanziell und personell miteinander verflochten blieben (Gruppe A_________). Zu 

dieser Gruppe gehörte aber auch die alteingesessene und im Jahre 1896 gegründete 

A_________ AG (A_________). Zweck der Gesellschaft war der Betrieb von Hotels. 

Die Munizipal- und die Burgergemeinde unterstützten diese Gesellschaften, indem sie 

sich entweder an ihnen beteiligten oder ihnen Gelder liehen. Dem Verwaltungsrat der 

verschiedenen Gesellschaften, so auch der A_________, gehörten Gemeinderatsmit-

glieder und der Gemeinde- und Burgerpräsident R_________ an, der als Verwaltungs-

ratspräsident der Gesellschaften amtete. Für die A_________ waren dies neben 

R_________ vor 1983 B_________, W_________ und X_________. In den folgenden 

Jahren nahmen auch Y_________ 1987, V_________ und Z_________ 1989, 

U_________ und C_________ 1992 Einsitz in den Verwaltungsrat. C_________ trat 

1996 aus dem Verwaltungsrat aus. Die Löschung im Handelsregisteramt erfolgte aller-

dings erst 1998. Die übrigen Verwaltungsräte blieben bis zur Generalversammlung 

vom 20. Mai 1998 im Amt. R_________ und B_________ gehörten auch dem Aus-

schuss des Verwaltungsrates an, der 1982 gebildet worden war. Trotz Ernennung ei-

nes Büchersachverständigen in der Person von G_________ und der Führung der 

- 24 - 

Buchhaltung durch die MM_________ war die Hauptbuchhaltung der A_________ 

direkt dem Präsidenten R_________ unterstellt.  

Mit der Zeit verschuldete sich die "Gruppe A_________" insgesamt und namentlich 

auch die Munizipalgemeinde Q_________ zunehmend. Ende 1998 beliefen sich die 

Schulden der "Gruppe A_________" auf insgesamt 221.4 Millionen Franken. Die Ver-

schuldung der Munizipalgemeinde Q_________ wuchs von Fr. 13.6 Millionen im Jahre 

1985 auf Fr. 170.1 Millionen im Jahre 1998. 

6.2  Die Burgergemeinde Q_________ erwarb im Jahre 1981 58% der Aktien der 

A_________, die in Q_________ verschiedene Hotels betrieb, aber auch diverse Lie-

genschaften und warme Quellen besass. In den Jahren 1987/1988 wurde das Hotel 

NN_________ aufwendig für zirka 16 Millionen Franken umgebaut. Dieses Hotel er-

wirtschaftete jedoch keinen Gewinn, sondern jeweils nur sehr grosse Verluste. Wegen 

dieser hohen Betriebsverluste geriet die A_________ in eine prekäre Ertrags- und Li-

quiditätslage, so dass die A_________ im Jahre 1991 beschloss, ihr Aktienkapital zu 

erhöhen. Die Burgergemeinde Q_________ zeichnete wiederum ein grosses Aktien-

paket und besass nach der Kapitalerhöhung 80% der Aktien. Trotz der Kapitalerhö-

hung blieb die finanzielle Lage der A_________ prekär. Sie benötigte in der Folge wei-

tere finanzielle Mittel. Ab dem 23. April 1993 erhielt sie von der Munizipalgemeinde 

Q_________ Darlehen im Umfang von Fr. 11.1 Millionen.  

Anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 21. Oktober 1993 sprach man von grossen 

Liquiditätsproblemen und der seit 1988 andauernden Verlustphase bei der 

A_________. In diesen 6 Jahren seien insgesamt Fr. 5.5 Mio. an Barmitteln verloren 

gegangen. An diesem Ergebnis sei das Hotel NN_________ allein mit Fr. 7.2 Mio. Bar-

verlusten beteiligt. Man beschloss eine Desinvestition durch den Verkauf der Aktien der 

OO_________ und nicht betriebsnotwendiger Grundstücke des Hotels NN_________ 

(S. 69) und überlegte die Schliessung des Hotels NN_________ (S. 70). Die Schies-

sung dieses Hotels hatte bereits G_________ von der PP_________ in seinem Bericht 

vom 24. August 1993 an Präsident R_________ vorgeschlagen, als er über die prekä-

re finanzielle Situation der A_________ berichtete (S.72 f.). 

In seiner Sitzung vom 2. März 1994 beschloss der Verwaltungsrat in corpore auch für 

das Jahr 1993 nur reduzierte Abschreibungen vorzunehmen (S. 105). Da man die Mei-

nung vertrat, dass ein Verlust von Fr. 1 Mio. korrekt und vertretbar wäre, suchte man 

nach Möglichkeiten, den Verlust von Fr. 1‘978‘000.-- auf Fr. 1 Mio. zu reduzieren 

(S. 105). Auf Vorschlag des gesamten Verwaltungsrates (Zirkulationsbeschluss vom 

- 25 - 

7. April 1994, S. 111) genehmigte die Generalversammlung die Jahresrechnung 1993 

mit einem Verlust von Fr. 1‘024‘310.-- (S. 114).  

Anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 4. April 1995 (S. 140 ff.), an der 

W_________ fehlte, wurden verschiedene Varianten diskutiert, wie der Gewinn aufpo-

liert werden könnte und der Verwaltungsrat beschloss wiederum auch für das Jahr 

(1994) reduzierte Abschreibungen im Ausmass von Fr. 926‘000.-- vorzunehmen, 

wohlwissend, dass der volle Abschreibungsbedarf etwa Fr. 1.7 Mio. ausmachen würde. 

Der definitive Abschluss sollte mit einem Verlust von rund Fr. 730‘000.-- abschliessen. 

Mittels Zirkulationsbeschlusses aller Verwaltungsräte vom 10. April 1995 wurde der 

Jahresbericht mit einem Jahresverlust von Fr. 732‘561.21 durch die Verwaltungsräte 

genehmigt (S. 144) und der Generalversammlung vorgeschlagen. 

E_________ verfasste am 3. Mai 1995 im Auftrag von und zu Handen von 

R_________ einen Bericht, da man die Verlustquelle der A_________ durch den Ver-

kauf des Hotels NN_________ mit einem Verlust von Fr. 4-5 Millionen stopfen wollte. 

E_________ stellte fest, dass für das Betriebsjahr 1994 ein Verlust von Fr. 732‘000.-- 

ausgewiesen wurde. Die getätigten Abschreibungen von Fr. 900‘000.-- seien absolut 

ungenügend. Effektiv hätte man in diesem Jahr Fr. 3‘700‘000.-- abschreiben müssen. 

Der effektive Verlust hätte für das Jahr 1993 mithin Fr. 3.5 Millionen betragen. Im Hin-

blick auf die bescheidenen Ergebnisse sei es wohl der Fall, dass auch in früheren Jah-

ren unzureichende Abschreibungen getätigt worden seien, so dass offenbar ein starker 

Nachholbedarf bestehe. Er hielt zudem fest: 

„Am 31.12.1994 sind die eigenen Mittel mit Fr. 12‘800‘000.-- ausgewiesen. Zeitigt der Verkauf (des Hotel 

NN_________) einen Verlust von 5 Mio., würden diese auf Fr. 7‘800‘000.-- zurückfallen. Man nähert sich 

damit der Zone, die eine richterliche Intervention nötig machen könnte. Diese Lage kann auch ohne Ver-

kauf eintreten, wenn es nicht gelingt, die Verluste des NN_________ massiv abzubauen.“ 

Weiter führte er in seinem Bericht aus: „Wird das Hotel für 10 Mio. abgestossen, könnte eine 

Zinsersparnis von rund 600‘000.-- jährlich erzielt werden. Um durch den dadurch entstehenden Buchver-

lust den Gang zum Richter zu vermeiden, müssten meines Erachtens die Guthaben der Gemeinde und 

der Burgschaft in den zweiten Rang zurückgestuft werden (Art. 725 OR, S. 145 ff.).“  

Trotz dieses Berichtes blieb es jedoch bei den vom Verwaltungsrat vorgesehenen Ab-

schreibungen, denn die Generalversammlung vom 24. Mai 1995 genehmigte auf An-

trag des Verwaltungsrates die Jahresrechnung 1994 mit einem Verlust im Jahre 1994 

von Fr. 732‘561.21.-- (S. 150). 

- 26 - 

Anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 7. Juni 1995 wurde die Beratung des Be-

richts von E_________ auf eine nächste Sitzung vorschoben und der Bericht sollte 

zudem allen Mitgliedern des Verwaltungsrates zugestellt werden (Ordner Nr. 60, Reg. 

Nr. 1, S. 118 ff.). Dieser wurde dann, nachdem er allen Mitgliedern des Verwaltungsra-

tes zugestellt worden war, in der Verwaltungsratssitzung vom 30. November 1995 (oh-

ne Y_________) diskutiert (Ordner 60, Reg. 1, S. 124 ff.).   

In der Folge beschloss der vollständig anwesende Verwaltungsrat am 18. Dezember 

1995 (S. 154), das "Hotel NN_________" noch im Jahre 1995 auszugliedern. Dies ge-

lang nicht. Im Jahre 1996 kam es zur Gründung der Hotel NN_________ mit einem 

Aktienkapital von Fr. 100'000.--; hievon liberierte die Burgergemeinde Fr. 70'000.-- und 

die A_________ Fr. 29'000.--. Die neue Gesellschaft kaufte dann von der A_________ 

das Hotel NN_________ zum maximalen Übernahmepreis von 10 Millionen Franken 

rückwirkend per 1. Januar 1996.  

Eine Rückstufung der Guthaben der Munizipal- und Burgergemeinde erfolgte nicht. 

Anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 17. April 1996, an der der gesamte Verwal-

tungsrat teilnahm (S. 178), wurde erneut über die angespannte Liquidität der 

A_________ gesprochen und festgehalten, dass die Bank Vergütungsaufträge ge-

stoppt und nochmals auf Amortisationsleistungen per Ende 1995 verzichtet habe 

(S. 179).  

Die Generalversammlung vom 15. Mai 1996 genehmigte die Jahresrechnung auf Vor-

schlag des Verwaltungsrates mit einem Verlust von Fr. 1‘609‘173.-- für das Jahr 1995 

(S. 183 ff.). 

6.3  An der Verwaltungsratssitzung vom 1. April 1998 wurde über das Rechnungser-

gebnis 1997 und die Situation der Gesellschaft orientiert und den Verwaltungsräten 

erneut mitgeteilt, dass ein grosser Sanierungsbedarf bestehe, eine Umstrukturierung 

der "Gruppe A_________" bevorstehe und der Verwaltungsrat auf 5 reduziert werden 

müsse (S. 222 ff.). Aus dem Bericht der Revisionsstelle geht hervor, „dass bei der Bi-

lanzierung zu Fortführungswerten mehr als die Hälfte des Aktienkapitals und der ge-

setzlichen Reserven verloren ist. Ferner hielt die Revisionsstelle fest, „dass die Bewer-

tung der Positionen Forderungen gegenüber anderen Gesellschaften nicht abschlies-

send beurteilt werden konnte. Gemäss Art. 725 Abs.1 OR wird der Verwaltungsrat der 

Generalversammlung Sanierungsmassnahmen unterbreiten Sollten diese Sanie-

rungsmassnahmen keinen Erfolg zeigen, wäre die Gesellschaft überschuldet und wir 

- 27 - 

machen den Verwaltungsrat auf die Bestimmungen von Art. 725 Abs. 2 OR aufmerk-

sam„ (S. 247). 

Anlässlich der Generalversammlung vom 20. Mai 1998 wurden 5 neue Verwaltungsrä-

te gewählt und die bisherigen Verwaltungsräte schieden aus.  

6.4  Wie oben ausgeführt, gab es zwischen den Gesellschaften der "Gruppe 

A_________" und der Munizipal- und Burgergemeinde bis 1998 sehr enge personelle 

Verflechtungen. So sassen zwei Mitglieder des Gemeinderates und zwei Mitglieder des 

Burgerrates im Verwaltungsrat der A_________. R_________, der ab 1. Januar 1981 

bis zu seinem Rücktritt am 19. Januar 1999 zudem als Präsident der Munizipal- und 

Burgergemeinde Q_________ amtete, nachdem er bereits seit 1977 im Rat Einsitz 

hatte, war in fast allen Gesellschaften der "Gruppe A_________" Verwaltungsratsprä-

sident bis 1998, ausgenommen bei der QQ_________ AG, wo er 1987 als Verwal-

tungsratspräsident ausschied und 1990 wiederum in den Verwaltungsrat gewählt wur-

de. 

Da die Burgergemeinde keinen Burgerrat hatte, wurde dieser Rat von der Einwohner-

gemeinde verwaltet. R_________ war ab 1981 bis 1998 zugleich Verwaltungsratsprä-

sident der A_________ und Präsident der Munizipalgemeinde sowie der Burgerge-

meinde, wie bereits ausgeführt.  

7.  Am 7. April 1999 zeigte der neue Verwaltungsrat der A_________ dem Richter die 

Überschuldung an mit Antrag auf Aufschub des Konkurses gemäss Art. 725 und 725a 

OR. Mit Entscheid vom 20. April 1999 wurde der A_________ bis zum 31. Januar 2000 

Konkursaufschub gewährt, welcher mehrmals verlängert worden ist. Mit Entscheid vom 

3. Oktober 2000 wurde über die A_________ der Konkurs eröffnet.  

Die Konkurseröffnung wurde im Amtsblatt des Kanton Wallis und im Schweizerischen 

Handelsamtsblatt vom xxx publiziert, wobei angegeben wurde, dass der Konkurs im 

summarischen Verfahren durchgeführt werde (Konkursakten: Register O). Gemäss Art. 

231 Abs. 3 Ziffer 3 SchKG wird das Inventar zusammen mit dem Kollokationsplan auf-

gelegt. Der Kollokationsplan wurde verschiedentlich infolge nachträglicher Aufnahmen 

von Forderungen und Abänderung von Amtes wegen, letztmals am xxx, öffentlich auf-

gelegt. Die Publikationen erfolgten im Schweizerischen Amtsblatt und im Amtsblatt des 

Kantons Wallis. Die Auflage- und Anfechtungsfrist betrug 20 Tage (Konkursakten: Re-

gister O). Der Kollokationsplan erwuchs in Rechtskraft. Die Rechtskraftbescheinigung 

trägt das Datum vom 15. Juni 2001 (Konkursakten: Register H). Die Munizipalgemein-

de Q_________ gab im Konkurs Forderungen von Fr. 4'714'454.35 ein, die zugelassen 

- 28 - 

wurden. Bereits am 8. August 2002 trat die Konkursverwaltung die Ansprüche im Kon-

kurs der A_________ gemäss Art. 260 SchKG und aus Haftung der Organe gemäss 

Art. 755 ff. OR an die Munizipalgemeinde Q_________ ab. Die Munizipalgemeinde 

Q_________ erhielt am 3. Juli 2002 einen Verlustschein über Fr. 4'570'820.40.  Am 26. 

August 2002 wurde das Konkursverfahren geschlossen.  

8.  

8.1  Werden Organe einer Gesellschaft zur Verantwortung gezogen, so muss für das 

Verantwortlichkeitsrecht auf Art. 1 SchlT ZGB zurückgegriffen werden (Art. 1 SchlT 

AG). Danach ist derjenige Zeitpunkt entscheidend, an dem eine Handlung vorgenom-

men bzw. eine Tatsache gesetzt wurde. Grundsätzlich unterliegt jede Handlung oder 

Tatsache dem im Zeitpunkt ihrer Vornahme bzw. ihres Eintretens in Kraft stehenden 

Recht. Ein Verhalten kann nur dann haftungsbegründend wirken, wenn die Norm, wel-

che die Haftung vorschreibt, im Zeitpunkt des Verhaltens schon in Kraft war (sog. 

Grundsatz der Nichtrückwirkung; Gericke/Waller, Basler Kommentar, 4. A., 2012, N. 3 

Vor Art. 754 -761 OR). Das allfällige haftungsbegründende Verhalten des Verwaltungs-

ratspräsidenten R_________ in den Jahren 1993 und danach ist demnach nach dem 

revidierten Aktienrecht (in Kraft seit dem 1. Juli 1992) zu beurteilen.  

8.2  Gemäss Art. 754 aOR sind die Mitglieder des Verwaltungsrates und alle mit der 

Geschäftsführung befassten Personen sowohl der Gesellschaft als den einzelnen Akti-

onären und Gesellschaftsgläubigern für den Schaden verantwortlich, den sie durch 

absichtliche oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten verursachen.  

8.3  Das Gesetz erwähnt in den Art. 754 und 755 aOR drei Anspruchsberechtigte bzw. 

Arten von Anspruchsberechtigten: die Gesellschaft selbst, die Aktionäre und die Ge-

sellschaftsgläubiger. Der Aktionär oder Gesellschaftsgläubiger ist dann zur Verantwort-

lichkeitsklage legitimiert, wenn er in seiner Eigenschaft als Aktionär oder Gesell-

schaftsgläubiger geschädigt wurde, unabhängig davon, ob er erst mit der Schädigung 

Aktionär oder Gesellschaftsgläubiger wird oder im Moment der Klageeinleitung nicht 

mehr ist. Nicht allen Anspruchsberechtigten stehen jedoch die gleichen Ansprüche zu. 

Das Gesetz unterscheidet zunächst zwischen unmittelbarem und mittelbarem Schaden 

bzw. Schaden der Gesellschaft. Im Bereich des Schadens der Gesellschaft unter-

scheidet es weiter zwischen den Ansprüchen ausser Konkurs (Art. 756 aOR), die nur 

der Gesellschaft und den Aktionären zustehen, und den Ansprüchen im Konkurs 

(Art. 757 aOR), die von allen Anspruchsberechtigten geltend gemacht werden können, 

wobei der Konkursverwaltung ein Vorrecht zukommt (Art. 757 Abs. 2 aOR, Geri-

cke/Waller, a.a.O., N. 3 zu Art. 754 OR).  

- 29 - 

8.3.1  Im gesamten Bereich des Verantwortlichkeitsrechts ist die Unterscheidung von 

unmittelbarer und mittelbarer bzw. direkter und indirekter Schädigung für den Aktionär 

und den Gesellschaftsgläubiger von grundlegender Bedeutung. Für die Aktiengesell-

schaft selber ist sie bedeutungslos, denn die Gesellschaft ist immer unmittelbar ge-

schädigt (Gericke/Waller, a.a.O., N. 14 zu Art. 754 OR mit Hinweisen).  

8.3.2  Mittelbar ist der Schaden, wenn der Aktionär oder Gesellschaftsgläubiger nur 

deshalb einen Schaden erleidet, weil die Gesellschaft zu Schaden kommt; wenn der 

Schaden im Vermögen der Aktionäre oder Gläubiger einzig dadurch eintritt, dass das 

Vermögen der AG vermindert wurde. 

Eine unmittelbare (oder direkte) Schädigung des Aktionärs oder des Gläubigers liegt 

vor, wenn die Pflichtwidrigkeit des Organs sie in ihrem Vermögen schädigt, ohne 

gleichzeitig das Vermögen der AG zu schmälern. Der Aktionär wird etwa unmittelbar 

geschädigt, wenn ihm unrechtmässig Bezugsrechte vorenthalten oder die ihm zu-

stehenden Dividenden nicht ausbezahlt werden. Der Gläubiger erleidet einen unmittel-

baren Schaden, wenn er einer überschuldeten Gesellschaft Kredit erteilt, was er bei 

rechtzeitiger Überschuldungsanzeige des Verwaltungsrates oder der Revisionsstelle 

nicht getan hätte (BGE 125 III 86 E. 3a; Gericke/Waller a.a.O., N. 16 zu Art. 754 OR 

mit Hinweisen). 

8.4  Der von der Munizipalgemeinde Q_________ gegen die „Organe“ der 

A_________ geltend gemachte Schaden war bei Einleitung des Verfahrens am 8. Ja-

nuar 2003 nicht derselbe wie derjenige, den die Munizipalgemeinde Q_________ am 

Schluss des Verfahrens vor erster Instanz noch geltend machte.  

Obwohl sie nämlich in der Tatsachenbehauptung 4 (S. 26) darlegte, dass die Kon-

kursmasse ihr die Ansprüche aus Haftung der Organe abgetreten hatte, klagte sie nicht 

diesen abgetretenen Schaden, sondern ihren unmittelbaren Schaden aus der Gewäh-

rung der Darlehen ein. Sie führte nämlich in den Tatsachenbehauptungen 29 ff. aus, 

dass die A_________ per Ende 1995 überschuldet war, was den Mitgliedern des Ver-

waltungsratsausschusses (R_________, B_________, C_________) bekannt war. 

Trotz dieser Kenntnis habe sich die A_________ in den Jahren 1996 und 1997 Darle-

hen der Munizipalgemeinde Q_________ von insgesamt Fr. 3‘439‘000.-- ausbezahlen 

lassen. Zum Schaden erklärte sie unter den rechtlichen Erwägungen (S. 31): Im konkre-

ten Fall beträgt die Differenz zwischen dem gegenwärtigen Stand des Vermögens der Klägerin und jenem 

Stand, den dieses Vermögen ohne schädigendes Ereignis hätte, Fr. 3‘439‘000.-- und entspricht also den 

Darlehen, welche die A_________ in den Jahren 1996 und 1997 bei der Klägerin erwirkte.  

Die Rechtsbegehren lauteten denn auch auf Bezahlung von Fr. 3‘439‘000.-- durch 

R_________, B_________ und S_________, sowie auf Bezahlung von Fr. 2‘400‘000.-- 

- 30 - 

durch C_________. Die Differenz entstand daher, weil C_________ früher aus dem 

Verwaltungsrat der A_________ zurückgetreten war als die anderen eingeklagten „Or-

gane“ (S. 34).  

In der Replik vom 10. Oktober 2006 (S. 790) wurden die bisherigen Begehren zu Sub-

sidiärbegehren und es wurden neue Primäranträge gestellt. Die neuen Rechtsbegeh-

ren lauteten wie folgt: 

Primär (direkter Gesellschaftsschaden resp. mittelbarer Gläubigerschaden) 

 1.  a) R_________, B_________, S_________ und die F_________ AG bezah-
len der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidarschuldner 
Fr. 8'558'933.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zustellung der 
gerichtlichen Expertise. 

  b)  C_________ bezahlt der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidar-
schuldner Fr. 1'650'129.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zu-
stellung der gerichtlichen Expertise. 

Subsidiär (unmittelbarer Gläubigerschaden) 

2.   a) R_________, B_________, S_________ und die F_________ AG bezah-
len der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidarschuldner 
Fr. 3'439'000.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zustellung der 
gerichtlichen Expertise. 

   b) C_________ bezahlt der Munizipalgemeinde Q_________ als Solidar-
schuldner Fr. 2'400'000.00; unter Vorbehalt einer Abänderung nach Zu-
stellung der gerichtlichen Expertise. 

In jedem Fall 

3.   a) R_________, B_________, S_________, die F_________ AG und 
C_________ bezahlen unter solidarischer Haftung die Gerichtskosten. 

   b) R_________, B_________, S_________, die F_________ AG und 
C_________ bezahlen der Munizipalgemeinde Q_________ die von ihr 
geleisteten Kostenvorschüsse unter solidarischer Haftung zurück, insofern 
diese nicht durch das Gericht zurückvergütet werden. 

4. R_________, B_________, S_________, die F_________ AG und C_________ haben 

die Munizipalgemeinde Q_________ für das hier vorliegende Verfahren unter solidari-

scher Haftung angemessen gemäss GTar zu entschädigen. 

In der Begründung führte die Munizipalgemeinde Q_________ diesbezüglich aus, in 

der Klagedenkschrift vom 8. Januar 2003 sei der unmittelbare Gläubigerschaden gel-

tend gemacht worden. In der Replik werde nun primär der direkte Gesellschaftsscha-

den, welcher mit dem mittelbaren Gläubigerschaden identisch sei, eingeklagt. Die Mu-

nizipalgemeinde Q_________ machte in den Primärbegehren der Replik mithin erst-

mals den Konkursverschleppungsschaden geltend. Subsidiär wurde immer noch der 

unmittelbare Schaden, wie in der Klage, geltend gemacht.  

In ihrer Schlussdenkschrift vom 22. Februar 2012 klagte die Munizipalgemeinde 

Q_________ nur mehr den mittelbaren Schaden der A_________ ein. Die Subsidiär-

- 31 - 

begehren gemäss Replik wurden fallen gelassen. Sie stellte daher folgende Rechtsbe-

gehren (S. 1840): 

1.  Die Beklagten R_________, B_________ und S_________ bezahlen der Munizipalge-
meinde Q_________ unter solidarischer Haftung nebst 5% Schadenszins seit 
03. Oktober 2000 einen Betrag von Fr. 10'584'391.00, wobei dem Gericht vorbehalten 
bleibt, für jeden der Beklagten die individuelle Schadenersatzpflicht im Rahmen von 
Art. 759 Abs. 2 OR festzustellen. 

2. R_________, B_________ und S_________ bezahlen unter solidarischer Haftung die 
Kosten von Verfahren und Entscheid. 

3. Der Munizipalgemeinde Q_________ wird zu Lasten von R_________, B_________ 
und S_________ eine angemessene Parteientschädigung nach GTar unter solidari-
scher Haftung zugesprochen. 

4. R_________, B_________ und S_________ bezahlen unter solidarischer Haftung der 

Munizipalgemeinde Q_________ eine angemessene Parteientschädigung. 

8.5  Die Beklagten hatten bereits im erstinstanzlichen Verfahren die Einrede der Ver-

jährung erhoben und im Rechtsmittelverfahren wiederholen sie sie nochmals. 

Der Anspruch auf Schadenersatz gegen die verantwortlichen Personen, die als Organe 

der Gesellschaft amteten, verjährt in fünf Jahren vom Tage an, an dem der Geschädig-

te Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat, jeden-

falls aber mit Ablauf von zehn Jahren, vom Tage der schädigenden Handlung an ge-

rechnet (Art. 760 OR). Diese Bestimmung ist seinerzeit unverändert ins Aktienrecht 

von 1991 übernommen worden (Gericke/Waller, a.a.O., N. 1 zu Art. 760 OR). 

Das Gesetz unterscheidet eine relative (fünfjährige) und eine absolute (zehnjährige) 

Verjährungsfrist. Beiden können unterbrochen werden (BGE 112 II 231 E. 3e/aa). Die 

Verjährungsfristen gemäss Art. 760 OR gelten sowohl für Ansprüche aus unmittelbarer 

wie auch für diejenigen aus mittelbarer Schädigung. Es gilt jedoch zu beachten, dass 

der Zeitpunkt der Schadensrealisierung hinsichtlich dieser beiden Schadensarten nicht 

identisch ist, da ein unmittelbarer Schaden unabhängig von demjenigen der Gesell-

schaft entsteht, während ein mittelbarer Schaden erst im Zeitpunkt der Zahlungsunfä-

higkeit der Gesellschaft eintritt (Bundesgerichtsurteil 4C.142/2004 vom 4. Oktober 

2004 E. 5.1). 

8.5.1  Die zehnjährige absolute Verjährungsfrist beginnt mit der schädigenden Hand-

lung. Bei fortgesetzter Handlung bzw. Unterlassung beginnt die Verjährung erst mit 

Abschluss der fortgesetzten Handlung bzw. Unterlassung, ggf. also erst mit der Kon-

kurseröffnung. Liegt die schädigende Handlung jedoch zurück und ist sie abgeschlos-

sen, so beginnt die zehnjährige Handlung zu laufen. Wird der Konkurs mehr als zehn 

Jahre nach dieser Handlung eröffnet, so ist die Klage verjährt, auch wenn die fünfjähri-

ge Frist noch läuft (Gericke/Waller, a.a.O., N. 4 zu Art. 760 OR).  

- 32 - 

8.5.2  Die relative Verjährungsfrist beginnt mit der ausreichenden Kenntnis des Scha-

dens und der Ersatzpflichtigen. Dazu ist insbesondere erforderlich, dass das Ausmass 

des Schadens soweit feststeht, dass eine hinreichend substantiierte Klage formuliert 

werden kann (BGE 112 II 118 E. 4, 111 II 55 E. 3a, 109 II 433 E. 2). In Bezug auf den 

Anspruch der Gläubiger aus mittelbarer Schädigung hat die Praxis präzisiert, dass die 

Frist für die Konkursverwaltung mit ihrer Bestellung zu laufen beginne, für die Gläubi-

ger jedoch erst mit der Auflage des Kollokationsplans und des Inventars zur Einsicht 

(BGE 136 III 322 E. 4.4, 122 III 195 E. 9c). Für die Forderung des Abtretungsgläubi-

gers kann die relative Verjährungsfrist nicht einsetzen, bevor der Konkurs über die Ge-

sellschaft eröffnet wurde, da die Forderung der Gläubigergesamtheit erst ab diesem 

Zeitpunkt einklagbar ist (Gericke/Waller, a.a.O., N. 5 zu Art. 760 OR mit Hinweisen).  

8.6  Zeigt die letzte Jahresbilanz der Gesellschaft, dass die Hälfte des Aktienkapitals 

und der gesetzlichen Reserven nicht mehr gedeckt ist, so beruft der Verwaltungsrat 

unverzüglich eine Generalversammlung ein und beantragt Sanierungsmassnahmen 

(Art. 725 Abs. 1 rev. OR) 

Wenn begründete Besorgnis einer Überschuldung besteht, so muss eine Zwischenbi-

lanz erstellt und diese der Revisionsstelle zur Prüfung vorgelegt werden. Ergibt sich 

aus der Zwischenbilanz, dass die Forderungen der Gesellschaftsgläubiger weder zu 

Fortführungs- noch zu Veräusserungswerten gedeckt sind, so hat der Verwaltungsrat 

den Richter zu benachrichtigen, sofern nicht die Gesellschaftsgläubiger im Ausmass 

dieser Unterdeckung im Rang hinter alle anderen Gläubiger zurücktreten (Art. 725 

Abs. 2 rev. OR). 

Dabei ist der Überschuldungsgrad gestützt auf die Liquidationswerte zu ermitteln (Bun-

desgerichtsurteil 4A_462/2009 vom 16. März 2010 E. 3.2.1). Diese Rechtsprechung 

hat das Bundesgericht in seinem Urteil 4A_84/2013 vom 7. August 2013 in Erwägung 

2.1 bestätigt.  

8.7  Stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt die A_________ erstmals überschuldet 

war und der Verwaltungsrat unter dem Präsidenten R_________ bei pflichtgemässem 

Handeln somit den Richter hätte benachrichtigen müssen. Um diesen Zeitpunkt zu 

ermitteln, wurde im erstinstanzlichen Verfahren eine erste Expertise in Auftrag gege-

ben.  

8.7.1  Der erste Experte RR_________, dipl. Wirtschaftsexperte, der zudem einen 

Fachmann für die Bewertung der Quellen in der Person von SS_________ beizog, 

kam in seiner Expertise vom 15. Dezember 2008 zum Schluss, dass am 31. Dezember 

- 33 - 

1993 die erstmalige offensichtliche Überschuldung der A_________ sowohl zu Fortfüh-

rungs- als auch zu Veräusserungswerten vorlag und dass die damaligen Gesell-

schaftsorgane die Bilanz der A_________ spätestens am 15. Juni 1994 (Soll-

Konkurszeitpunkt) beim Richter hätten deponieren müssen. Die Revisionsstelle hatte 

ihren Bericht am 15. April 1994 erstellt. Der damalige Verwaltungsrat resp. die Revisi-

onsstelle hätten die Bilanz der A_________ per 31. Dezember 1993 unter Wahrung 

einer Frist von 60 Tagen bis spätestens am 15. Juni 1996 (15. April 1994 plus 60 Tage) 

beim Gericht deponieren müssen (Exp. Beilage 1, S. 25). Die Überschuldung zu Fort-

führungswerten berechnete er auf Fr. 11‘823‘621.-- (Exp. S. 19). Die offensichtliche 

Überschuldung zu Liquidationszwecken belief sich per 15. Juni 1994 (Bilanzstichtag: 

31. Dezember 1993) gemäss seiner Berechnung auf Fr. 7‘980‘039.-- (Exp. S. 24).  

Der Experte hielt in seinem Gutachten fest, dass selbst wenn man zum Überschul-

dungsbetrag zu Liquidations- resp. Veräusserungswerten von Fr. 7‘980‘039.-- zusätz-

lich noch die (kaum vertretbaren) energetischen Werte der Quellen im Betrag von 

Fr. 5‘029‘491.-- (Gutachten SS_________, Kap. 6.4.7, Tabelle 16) berücksichtigen 

würde, so würde per 31. Dezember 1993 nach wie vor eine Überschuldung der 

A_________ zu Liquidationswerten im Betrage von Fr. 2‘950‘568.-- (Fr. 7‘980‘039.-- ./. 

Fr. 5‘029‘491.--) resultieren (Exp. S. 25). 

8.7.2  Auf Verlangen der Parteien wurde TT_________, ebenfalls dipl. Wirtschaftsprü-

fer, mit der Erstellung einer Oberexpertise beauftragt. Vorgängig wurden noch eine 

Schatzung der Liegenschaften der A_________ bei UU_________ und eine Schatzung 

der Quellen bei VV_________ in Auftrag gegeben. Diese Schatzungen wurden dem 

Oberexperten zusammen mit der Expertise SS_________ zugestellt. Selbstverständ-

lich stand ihm auch die Erstexpertise für die Verfassung seines Gutachtens zur Verfü-

gung. Am 8. September 2011 reichte der Oberexperte dann sein Gutachten ein. Dieser 

kommt - im Gegensatz zum Erstexperten - zum Schluss, dass die A_________ offen-

sichtlich bei Bilanzerrichtung am 31. Dezember 1995 (Bilanzstichtag), mithin per 17. 

April 1996 überschuldet war (S. 1770). Der Oberexperte vertritt die Meinung, dass der 

negative Ertragswert für das Hotel NN_________ nicht in die Wertberechnungen ein-

fliessen darf, sondern dass die Betriebseinheit Hotel NN_________ mit dem seinerzei-

tigen Verkehrs- resp. Liquidationswert in die Berechnung miteinzubeziehen ist (S. 

1773). Aufgrund der Expertise UU_________ setzte der Oberexperte für diese Be-

triebseinheit einen Liquidationswert von Fr. 10 Millionen ein, statt der Fr. 4 Millionen 

wie der Erstexperte. Den Betriebseinheiten kommen daher für die Jahre 1992 bis 1996 

wesentlich höhere Werte zu, als die, die der Erstexperte berechnete (Vgl. Tabelle 

- 34 - 

B15.3 S. 1774). Zudem setzte der Oberexperte auch noch die Forderung von Fr. 2.4 

Millionen gegenüber EE_________ / Gemeinde Q_________ zum vollen Wert am 31. 

Dezember 1995 ein, da zu diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet werden konnte, 

dass die Forderung im Jahre 2000 nicht mehr werthaltig war. Der Oberexperte stellte 

daher in den Jahren 1992 - 1996 wesentlich tiefere Überbewertungen für die Jahre 

1993, 1995 und 1996 fest und für die Jahre 1992 und 1994 sogar stille Reserven (S. 

1774).  

Per 31. Dezember 1995 berechnete der Oberexperte eine Überschuldung der 

A_________ zu Fortführungswerten im Umfange von 8.7 Millionen Franken. Er führt 

dann an, dass er keine stillen Reserven auf den Quellen berücksichtigt habe. Dass 

aber selbst bei voller Berücksichtigung der Werte aus der Expertise VV_________ die 

Überschuldung per 31. Dezember 1995 zu Fortführungswerten offensichtlich gewesen 

wäre (S. 1779). Der Verwaltungsrat hätte mithin spätestens im Frühjahr 1996 eine Zwi-

schenbilanz zu Liquidationswerten erstellen müssen und diese hätte gezeigt, dass die 

A_________ auch zu Liquidationswerten per 31. Dezember 1995 (Bilanzstichtag) resp. 

per 17. April 1996 mit Fr. 1‘099‘774.-- offensichtlich überschuldet war (S. 1780). Auch 

wenn bei den Quellen ein Wert von Fr. 184‘198.-- eingesetzt worden wäre, wäre die 

Überschuldung offensichtlich gewesen (S. 1780).  

Würde man für die Quellen den Wert von Fr. 184‘198.-- gemäss Expertise 

VV_________ einsetzen, ergäbe sich eine Überschuldung zu Liquiditätswerten von 

Fr. 946‘546.-- (Fr. 40‘813‘902.-- ./. Fr. 39‘867‘356.--). 

8.7.3  Der Oberexperte hat einschlägig dargelegt, weshalb er zu einer ersten offen-

sichtlichen Überschuldung der A_________ per 17. April 1996 (Bilanzstichtag 31. De-

zember 1995) kam und weshalb er von den Überlegungen des Erstexperten abkam. 

Diese Überlegungen sind nachvollziehbar und beruhen auf umfassenden Unterlagen, 

insbesondere auch der zusätzlich durchgeführten Expertise UU_________. Die Ober-

expertise ist schlüssig und es bestehen keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit. Es 

besteht mithin für das Kantonsgericht kein Grund, nicht auf diese gerichtliche Oberex-

pertise bezüglich der erstmaligen offensichtlichen Überschuldung der A_________ per 

17. April 1996 (Bilanzstichtag: 31. Dezember 1995) abzustellen. Dementsprechend 

steht fest, dass die offensichtliche Überschuldung der A_________ AG am 17. April 

1996 eingetreten war.  

R_________ war langjähriger Verwaltungsratspräsident und Mitglied der diversen Aus-

schüsse der A_________. Er war unzweifelhaft Organ der A_________ und diejenige 

- 35 - 

Person, die das eigentliche Sagen in der Gruppe A_________ und auch bei der 

A_________ hatte. Die Hauptbuchhaltung der A_________ war ihm zudem direkt un-

terstellt. Im Zeitpunkt, als R_________ Verwaltungsratspräsident der A_________ war, 

war er auch als Rechtsanwalt und Notar tätig. Ihm waren daher die gesetzlichen Vor-

schriften des Aktienrechts und der kaufmännischen Buchführung bestens bekannt und 

vertraut. Nichts anderes gilt für die anderen Verwaltungsräte, bei denen es sich um 

versierte Geschäftsleute, ja sogar um Treuhänder handelt. 

Gemäss Art. 959 aOR sind Betriebsrechnung und Jahresbilanz der Gesellschaft nach 

allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsätzen vollständig klar und übersichtlich 

aufzustellen, damit die Beteiligten einen möglichst sicheren Einblick in die wirtschaftli-

che Lage des Geschäftes erhalten. Bilanzwahrheit ist einer der Grundsätze einer ord-

nungsgemässen Buchführung, die auf die materielle (inhaltliche) Richtigkeit des Jah-

resabschlusses abzielt. Gemäss Art. 662a aOR ist die Jahresrechnung nach den 

Grundsätzen der ordnungsgemässen Rechnungslegung so aufzustellen, dass die 

Vermögens- und Ertragslage der Gesellschaft möglichst zuverlässig beurteilt werden 

kann. Welchen Grundsätzen die ordnungsgemässe Rechnungslegung zu folgen hat, 

wird in Art. 662a Abs. 2 aOR geregelt. Zudem hat die Erfolgsrechnung den Jahresge-

winn oder den Jahresverlust aufzuzeigen (Art. 663 Abs. 4 aOR). Der Verwaltungsrat 

der Gesellschaft hat für jedes Geschäftsjahr einen Geschäftsbericht, der sich aus der 

Jahresrechnung, dem Jahresbericht und einer Konzernrechnung zusammensetzt, zu 

erstellen (Art. 662 Abs. 1 aOR). Die Jahresrechnung besteht aus der Erfolgsrechnung, 

der Bilanz und dem Anhang (Art. 662 Abs. 2 aOR). Der Jahresbericht stellt den Ge-

schäftsverlauf sowie die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Gesellschaft dar 

(Art. 663d aOR). 

Vorliegend haben die Verwaltungsräte der A_________ unter dem Vorsitz von 

R_________ wissentlich und willentlich gegen diese Vorschriften verstossen. Sie wa-

ren sich nach dem Umbau des Hotel NN_________ über die kritische finanzielle Lage 

der Gesellschaft im Klaren. Sie stellten Jahr für Jahr fest, dass dieses Hotel massivste 

Verluste einfuhr. Statt die Generalversammlung darüber ordnungsgemäss zu orientie-

ren und die Folgen für die A_________ in ihrem Bericht wahrheitsgetreu aufzuzeigen, 

haben die Verwaltungsräte einstimmig beschlossen, die finanzielle und wirtschaftliche 

Lage der Gesellschaft zu beschönigen, indem sie insbesondere nur minimalste Ab-

schreibungen vornehmen liessen. Sie waren sich allesamt bewusst, dass eigentlich viel 

höhere Abschreibungen zu tätigen gewesen wären und trotzdem nahmen sie nur diese 

minimalsten Abschreibungen vor, um damit die effektive wirtschaftliche und finanzielle 

- 36 - 

Lage der Gesellschaft gegenüber den Aktionären und auch den Gläubigern zu schöni-

gen. Diese beschönigte Situation hielten sie dann jeweils in ihren Berichten zu Handen 

der Generalversammlung fest. Die Aktionäre und Dritte wurden daher bewusst über 

den wirklichen Zustand der Gesellschaft getäuscht. Statt vieler sei hier auf das Proto-

koll des Verwaltungsrates vom 4. April 1995 (S. 141) verwiesen. E_________ hat 

R_________ persönlich in seinem Bericht vom 3. Mai 1995 ausdrücklich darauf hinge-

wiesen, dass für das Geschäftsjahr 1994 insgesamt Fr. 3.7 Millionen (statt 

Fr. 960‘000.--) an Abschreibungen hätten getätigt werden müssen, was statt eines Jah-

resverlustes von Fr. 732‘000.-- einen Verlust von Fr. 3.5 Millionen ausmachen würde. 

Trotz dieses Berichtes blieb es bei den vom Verwaltungsrat beschlossenen minimals-

ten Abschreibungen. Dass die Vorgehensweise des Verwaltungsrates bezüglich der 

unkorrekten Abschreibungen nicht einmalig war, sondern konsequent praktiziert wurde, 

ergibt sich aus dem bereits zitierten Protokoll des Verwaltungsrates, aber auch aus 

dem Schreiben von E_________, der bezüglich der nicht korrekt getätigten Abschrei-

bungen von einem starken Nachholbedarf sprach (S. 146), obwohl ihm das genaue 

Ausmass nicht bekannt war.  

Trotz der Tatsache, dass über Jahre nur unzureichende Abschreibungen erfolgten und 

zwangsläufig sehr grosse Korrekturen hätten getätigt werden müssen, fuhr der Verwal-

tungsrat unter R_________ diesbezüglich immer noch die gleiche Schiene und be-

schloss an der Verwaltungsratssitzung vom 21. Februar 1996 wiederum nur minimalste 

Abschreibungen, so dass ein Nettoverlust von rund Fr. 1 Million bis Fr. 1.4 Millionen für 

das Jahr 1995 resultierte.  

Hätte der Verwaltungsrat während all den Jahren die Abschreibungen korrekt vorneh-

men lassen, so hätte er ohne Zweifel die Überschuldung der Gesellschaft per 31. De-

zember 1995 feststellen können und auch müssen. Zumindest hätte bei jedem einzel-

nen Verwaltungsrat eine begründete Besorgnis bezüglich der Überschuldung bestehen 

müssen, so dass der Verwaltungsrat die Erstellung einer Zwischenbilanz hätte in Auf-

trag geben müssen. Aus dieser Zwischenbilanz wäre dann die Überschuldung gemäss 

Art. 725 Abs. 2 OR ersichtlich geworden, wie dies der Oberexperte auch festgestellt 

hat, und der Verwaltungsrat wäre verpflichtet gewesen, den Richter zu benachrichti-

gen. R_________ wurde zudem von E_________, dem ja nicht das ganze Ausmass 

der unzureichenden Abschreibungen bekannt war, der aber aufgrund der bescheide-

nen Ergebnisse der Gesellschaft von einem grossen Nachholbedarf sprach, ausdrück-

lich auf die Problematik mit einen eventuellen Verkauf des Hotels NN_________ auf-

merksam gemacht. Er gab nämlich an, dass bei einem Verkauf des Hotels 

- 37 - 

NN_________ für Fr. 10 Mio. - also mit einem Verlust von Fr. 5 Mio. - die am 

31. Dezember 1994 ausgewiesenen eigenen Mittel von Fr. 12‘800‘000.-- auf 

Fr. 7‘800‘000.-- zurückfallen würden und hielt dann fest: “Um durch den dadurch ent-

stehenden Buchverlust den Gang zum Richter zu vermeiden, müssten meines Erach-

tens die Guthaben der Gemeinde und der Burgerschaft in den zweiten Rang zurück-

versetzt werden (Art. 725 OR)“.  

Nicht nur R_________, sondern auch die anderen Verwaltungsräte waren sich der 

Konsequenzen eines Verkaufes des Hotels NN_________ ganz genau bewusst, da 

ihnen allen der Bericht E_________ zugestellt und in einer Verwaltungsratssitzung 

besprochen worden war, als der Verwaltungsrat Ende 1995 beschloss, eben dieses 

Hotel NN_________ genau für Fr. 10 Mio. zu verkaufen. Dieses Rechtsgeschäft sollte 

ursprünglich noch im Jahr 1995 über die Bühne gehen, was jedoch nicht so zeitnah 

geschehen konnte, so dass der Verkauf schlussendlich rückwirkend per 1. Januar 

1996 realisiert wurde. 

Da es nie zur Debatte stand, die Guthaben der Munizipal- und der Burgergemeinde im 

Rang zurückzuversetzen, musste der Verwaltungsrat, erst recht nach dem Vorliegen 

des Berichtes von E_________ und den jahrelangen unkorrekten Abschreibungen, 

zumindest begründete Besorgnis bezüglich einer Überschuldung der Gesellschaft ha-

ben. Er hätte eine Zwischenbilanz erstellen lassen müssen, die dann ohne Zweifel die 

Überschuldung der Gesellschaft festgestellt hätte.  

8.8  Da bei der offensichtlichen Überschuldung der Gesellschaft per Bilanztag 31. De-

zember 1995 der Verwaltungsrat daher eine Zwischenbilanz in Auftrag hätte geben 

müssen, die zwangläufig die Überschuldung an den Tag gebracht hätte, so müssen 

sich die Verwaltungsräte den Vorwurf gefallen lassen, dass die Munizipalgemeinde 

Q_________ der A_________ im Jahre 1996 und 1997 keine Kredite in der Höhe von 

Fr. 3‘439‘000.-- gewährt hätte, wenn diese um den wirklichen wirtschaftlichen Zustand, 

nämlich die Überschuldung der A_________, gewusst hätte. Durch die Gewährung 

dieser Kredite wurde das Vermögen der Munizipalgemeinde um die Höhe der gewährte 

Kredite vermindert, was dem unmittelbaren Schaden der Munizipalgemeinde 

Q_________ entspricht. 

8.9  Der unmittelbare Schaden für die Munizipalgemeinde Q_________ trat für die ge-

währten Kredite unmittelbar mit Auszahlung derselben in den Jahren 1996 und 1997 

ein. Da der Anspruch auf Schadenersatz gegen die verantwortlichen Personen mit Ab-

lauf von zehn Jahren, vom Tage der schädigenden Handlung an gerechnet, verjährt, 

- 38 - 

war die absolute Verjährung bei Einleitung und Geltendmachung dieses unmittelbaren 

Schaden mittels Klage vom 8. Januar 2003 nicht eingetreten.  

Die relative Verjährungsfrist beginnt mit der ausreichenden Kenntnis des Schadens 

und der Ersatzpflichtigen. Die Munizipalgemeinde Q_________ hat ihre Forderung im 

Konkurs der A_________, der am 3. Oktober 2000 eröffnet wurde, eingereicht. Im 

Zeitpunkt der Konkurseröffnung wusste sie jedoch noch nicht, wie hoch ihr Schaden 

sein würde. Mit der Ausstellung der Verlustscheine am 3. Juli 2002 kannte sie den ge-

nauen Schaden. Selbst wenn man aber von der Konkurseröffnung als fristauslösendes 

Element für den Beginn der relativen Verjährungsfrist ausgehen würde, wäre die relati-

ve Verjährungsfrist bei Klageeinreichung am 8. Januar 2003 nicht abgelaufen gewe-

sen. Dies gilt erst recht, wenn die relative Verjährungsfrist am 3. Juli 2002 zu laufen 

begonnen hätte.  

Mithin war auch die relative Verjährung betreffend den mittels Klage vom 3. Januar 

2003 geltend gemachten unmittelbaren Schaden von Fr. 3‘439‘000.-- nicht eingetreten.  

9.  Art. 135 Ziff. 2 OR, welcher die Gründe für eine Unterbrechung der Verjährung re-

gelt, wurde mit dem Inkrafttreten der ZPO per 1. Januar 2011 revidiert. In seiner alten 

Fassung galt die Verjährung als unterbrochen „durch Schuldbetreibung, durch Klage 

oder Einrede vor einem Gerichte oder Schiedsgerichte sowie durch Eingabe im Kon-

kurs und Ladung zu einem amtlichen Sühneversuch“; neu wird die Verjährung unter-

brochen „durch Schuldbetreibung, durch Schlichtungsgesuch, durch Klage oder Einre-

de vor einem staatlichen Gericht oder einem Schiedsgericht sowie durch Eingabe im 

Konkurs“. Inhaltlich hat die Rechtslage durch die Neuformulierung von Art. 135 Ziff. 2 

OR als Folge des Inkrafttretens der Schweizerischen ZPO im Vergleich zur vormaligen 

kantonalen Regelung (Art. 111 ZPO-VS; ZWR 1991 S. 362 E. 3d und S. 390 E. 4d, 

1996 S. 217 f. E. 1b) keine grundsätzliche Änderung erfahren. 

Mit der Unterbrechung der Verjährung beginnt diese von neuem (Art. 137 Abs. 1 OR). 

Bei gerichtlicher Geltendmachung lief sie nach altem Recht mit jeder Verfahrenshand-

lung der Parteien und des Richters von neuem, währenddem sie nunmehr erst mit dem 

Abschluss des Rechtsstreits vor der befassten Instanz wieder zu laufen beginnt 

(Art. 138 Abs. 1 OR in der Fassung vor bzw. nach dem 1. Januar 2011). Wird die For-

derung durch Urteil des Richters festgestellt, so ist die neue Verjährungsfrist stets die 

zehnjährige (Art. 137 Abs. 2 OR). 

Die Vorinstanz hat nach Einreichung der Klage am 8. Januar 2003 massenhaft Verfah-

renshandlungen vorgenommen, so dass bei jeder einzelnen dieser Handlungen die 

- 39 - 

Verjährungsfristen jeweils neu zu laufen begannen. Am 1. Januar 2011 traten die neu-

en Bestimmungen in Kraft. Die Bestimmungen für Verjährungen, welche neu eingeführt 

werden, gelten auch für Ansprüche, die vor dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen 

entstanden und fällig geworden sind. Sie gelten für die vorgenannten Ansprüche ab 

dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Bestimmungen, d.h. ab dem 1. Januar 

2011 (Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB; Däppen, Basler Kommentar, 6. A., 2015, N. 5 Vor 

Art. 127-142 OR, mit Verweisen). 

Solange die Munizipalgemeinde Q_________ im erstinstanzlichen Verfahren ihre Be-

gehren bezüglich des bei ihr unmittelbar eingetreten Schadens aufrecht erhalten hat, 

war die Verjährung nach dem Obgesagten nicht eingetreten. Nachdem die Munizipal-

gemeinde Q_________ ihre Rechtsbegehren bezüglich des unmittelbaren Schadens 

fallen gelassen hatte, hatte der erstinstanzliche Richter sich damit nicht mehr zu befas-

sen und dieses Begehren steht auch im Rechtsmittelverfahren nicht zur Debatte. Die 

Frage, ob die Verjährung bezüglich des unmittelbaren Schadens der Munizipalgemein-

de Q_________ eingetreten ist, kann daher offen bleiben.  

10.  Mit Einreichung der Replik am 10. Oktober 2006 machte die Munizipalgemeinde 

Q_________ erstmals die Schadenersatzansprüche der Gesellschaft, die ihr von der 

Konkursmasse abgetreten worden waren, mithin ihren mittelbaren Schaden, geltend. 

Die Vorinstanz hat sich bezügliches dieses geltend gemachten Schadens eingehend 

mit der Frage der Aktivlegitimation der Munizipalgemeinde Q_________ befasst und 

diese zu Recht bejaht (E. III). Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden. 

Auch für den sogenannten Konkursverschleppungsschaden gelten die Verjährungsfris-

ten, die relative fünfjährige und die absolute zehnjährige gemäss Art. 760 OR, wie für 

Ansprüche aus unmittelbarer Schädigung. Dabei gilt es zu beachten, dass der mittelba-

re Schaden erst im Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft eintritt (Bun-

desgerichtsurteil 4C.142/2004 vom 4. Oktober 2004 E. 5.1). 

10.1  Der gesamte Schaden der Gläubiger, den gemäss Art. 757 Abs. 1 aOR in erster 

Linie die Konkursverwaltung einzuklagen berechtigt ist, besteht in der unfreiwilligen 

Vermögenseinbusse, welche die konkursite Gesellschaft durch die pflichtwidrigen 

Handlungen ihrer Organe erlitten hat. Dieser Schaden ist Gegenstand des Prozesses 

der Konkursverwaltung bzw. der Abtretungsgläubiger gegen die verantwortlichen Or-

gane der Konkursitin. Besteht nun der Schaden - wie hier insbesondere behauptet - in 

der Vergrösserung der Verschuldun