# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 14b755c3-361a-5404-ac22-744d748aa26b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-07-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.07.2017 D-2280/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2280-2017_2017-07-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2280/2017 

law/auj 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  J u l i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn, Richter Gérald Bovier,    

Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 6. März 2017 / N (…). 

 

 

 

D-2280/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger tadschikischer 

Ethnie aus Kabul, verliess gemäss eigenen Angaben seinen Heimatstaat 

im August 2015 und gelangte zusammen mit seinem jüngeren Bruder 

B._______ (N […]) auf dem Landweg über Pakistan und Iran in die Türkei. 

Von dort reisten sie weiter nach Griechenland und über die Balkanroute bis 

nach Deutschland. Am 12. Januar 2016 gelangten sie mit dem Zug in die 

Schweiz, wo sie am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) C._______ um Asyl nachsuchten.  

B.  

Am 1. Februar 2016 erhob das SEM im EVZ C._______ die Personalien 

des Beschwerdeführers und befragte ihn zum Reiseweg sowie – summa-

risch – zu den Asylgründen (Befragung zur Person, BzP). Ferner gewährte 

es ihm das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit mehrerer europä-

ischer Staaten für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-

rens.  

C.  

Am 29. März 2016 beendete das SEM das mit Deutschland eingeleitete 

Dublin-Verfahren und führte ein nationales Asyl- und Wegweisungsverfah-

ren durch.  

D.  

Mit Verfügung vom 11. April 2016 wies das SEM den Beschwerdeführer 

und seinen Bruder für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton 

D._______ zu.  

E.  

Am 17. Oktober 2016 hörte das Staatssekretariat den Beschwerdeführer 

einlässlich zu den Asylgründen an.  

Der Beschwerdeführer gab an der BzP und der Anhörung zu Protokoll, er 

sei in Kabul geboren und in der frühen Kindheit mit seinen Eltern vor den 

Taliban nach Pakistan geflüchtet, wo sie während zirka sechs bis sieben 

Jahren gelebt und Teppiche geknüpft hätten. Nach der Rückkehr nach Af-

ghanistan habe er in Kabul die Schule von der dritten bis zur zwölften 

Klasse besucht und während zweier Jahre an einer Privatuniversität (…) 

studiert. Daneben habe er in einer Produktionsfirma gearbeitet; er habe 

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Filmaufnahmen an Hochzeiten gemacht und nachbearbeitet beziehungs-

weise Videoclips zusammengestellt und geschnitten. Ferner habe er mit 

einem eigenen Wagen Fahrgäste transportiert und sei in seiner (…)klasse 

(…) gewesen. Sein Vater habe ein (…)geschäft geführt und seine Mutter 

sei bis zur Heirat (…) gewesen. Er (der Beschwerdeführer) habe (…) wer-

den wollen, doch habe dies leider nicht geklappt. Im fünften Semester habe 

er sein Studium nicht weiterführen können, weil er ein Problem gehabt 

habe und nicht mehr aus dem Haus habe gehen können. Wegen diverser 

Probleme habe er auch seinen langgehegten Wunsch, sich in den Semes-

terferien für drei Monate in Indien zum professionellen (…) ausbilden zu 

lassen, nicht umsetzen können. Für die Reise nach Indien habe er sich im 

(…) 2015 einen Reisepass ausstellen lassen.  

Zur Begründung des Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen geltend, sein jüngerer Bruder B._______, der in Kabul als (…) 

tätig gewesen sei, habe sich am (…) 2015 an einem spontanen Fussball-

spiel in der Nachbarschaft beteiligt. Dabei habe ein Junge aus der Nach-

barschaft namens E._______, der mit B._______ befreundet gewesen sei, 

diesem von hinten kommend einen Check verpasst, als B._______ im Ball-

besitz gewesen sei. Beim Zusammenprall sei E._______ gestürzt und 

habe das Bewusstsein verloren. Zwei Tage später sei er im Spital verstor-

ben. Nach diesem Vorfall habe seine Familie keine Klagen oder Vorwürfe 

seitens der Familie des Verstorbenen gehört.  

Einige Tage später, als er (der Beschwerdeführer) mit drei Freunden in Ka-

bul unterwegs gewesen sei, seien einige riesige, mit Messern, Pistolen und 

Schlägern bewaffnete Männer auf ihn losgegangen und hätten ihm einige 

heftige Schläge versetzt. Dabei habe er eine Schulterverletzung erlitten. Er 

sei weggelaufen, weil er es mit den Angreifern nicht habe aufnehmen kön-

nen. Er habe nicht gewusst, wer die Angreifer gewesen seien und sich nicht 

viel dabei gedacht.  

Am (…) 2015 beziehungsweise knapp zwei Wochen nach dem Fussball-

spiel habe die Mutter seinen ältesten Bruder F._______ vor dem Haus der 

Familie in Kabul tot aufgefunden. F._______ sei mit einem Messer ersto-

chen worden. Er (der Beschwerdeführer) sei beim Anblick des in seinem 

Blut liegenden Bruders ohnmächtig geworden. Die Familie habe die Polizei 

nicht benachrichtigt, weil sie kein Vertrauen in die afghanische Polizei 

habe. Sie hätten nicht gewusst, wer F._______ umgebracht habe, und hät-

ten seine Leiche begraben, eine Trauerfeier organisiert und die Nachbar-

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schaft informiert. Drei oder vier Tage nach F._______s Tod hätten sie Dro-

hungen per SMS und auf das Facebook-Konto von B._______ sowie Briefe 

und Telefonanrufe erhalten, in denen man ihnen mitgeteilt habe, dass sie 

nach dem verstorbenen Bruder als nächste umgebracht werden würden. 

Nach dem Erhalt dieser Drohungen hätten sie realisiert, dass Familienan-

gehörige des verstorbenen E._______ den Bruder umgebracht hätten. 

Diese hätten keine Bereitschaft gezeigt, den Konflikt zu beenden. Der Vater 

habe die Ausreise für die beiden Söhne organisiert, ohne sie zu konsultie-

ren oder zu informieren. Er habe sie frühmorgens geweckt und in seinem 

Wagen an einen Ort in Kabul gefahren und dort einem Schlepper überge-

ben. Der Vater habe ihnen nur gesagt, sie könnten nach Iran vorgehen und 

die Familie käme dann nach. An der Anhörung gab der Beschwerdeführer 

an, mittlerweile hätten auch seine Eltern sowie seine Schwester und sein 

jüngster Bruder Afghanistan verlassen und hielten sich an einem unbe-

kannten Ort in Iran auf. Im Fall einer Rückkehr nach Afghanistan befürchte 

er, wie sein Bruder F._______ umgebracht zu werden.  

Der Beschwerdeführer reichte im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens 

folgende Unterlagen im Original ein: eine Tazkira und einen Führerschein, 

ein Maturitätsdiplom samt Zeugnisnoten vom zehnten bis 12. Schuljahr, ei-

nen Werbeprospekt und ein Briefkuvert eines afghanischen Postdienstes 

sowie eine CD mit vom Universitätsspital G._______ aufgenommenen 

Röntgenbildern eines Fusses des Beschwerdeführers.  

F.  

Mit Verfügung vom 6. März 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-

rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch vom 

12. Januar 2016 gestützt auf Art. 3 und Art. 7 AsylG (SR 142.31) ab. 

Gleichzeitig verfügte das Staatsekretariat die Wegweisung des Beschwer-

deführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.  

G.  

Mit Eingabe vom 19. April 2017 liess der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen den am 20. März 

2017 eröffneten Entscheid Beschwerde erheben und beantragen, es sei 

die Verfügung des SEM vom 6. März 2017 aufzuheben, es sei festzustel-

len, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und es 

sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter wurde beantragt, es sei die Unzu-

lässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit (des Vollzugs) der Wegweisung 

festzustellen und als Folge davon sei von Amtes wegen dem Beschwerde-

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führer die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hin-

sicht wurde beantragt, auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschus-

ses sei zu verzichten.  

Als Beschwerdebeilagen wurden ein fremdsprachiges Dokument in Kopie 

(gemäss Beilagenverzeichnis eine „Bestätigung der Polizei“) und ein Posi-

tionspapier von Amnesty International (AI) vom 22. Februar 2017 zu Ab-

schiebungen nach Afghanistan eingereicht. Der Beschwerdeführer stellte 

die Nachreichung weiterer Beweismittel (Bestätigung und Fotos) sowie ei-

ner Fürsorgebestätigung innerhalb von zwei Wochen in Aussicht.  

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 24. April 2017 den Eingang 

der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.   

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist somit eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Es entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme liegt nicht vor.  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit ein-

zutreten.  

2.  

Die im Beschwerdeverfahren möglichen Rügegründe und die Kognition 

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des Bundesverwaltungsgerichts ergeben sich aus Art. 106 Abs. 1 AsylG, 

soweit das Asylgesetz zur Anwendung gelangt, beziehungsweise aus 

Art. 112 AuG (SR 142.20) in Verbindung mit Art. 49 VwVG, soweit das Aus-

ländergesetz zur Anwendung gelangt (vgl. BVGE 2014/26 E. 5.4 f.).  

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet.  

4.   

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1  

5.1.1 Das SEM hält zur Begründung seines Entscheides fest, die Kernvor-

bringen des Beschwerdeführers entbehrten nicht nur der Asylrelevanz, 

sondern seien auch als insgesamt unglaubhaft zu qualifizieren. Im Einzel-

nen führt es aus, eine Asylgewährung setze gezielt gegen eine Person ge-

richtete Verfolgungsmassnahmen aus den in Art. 3 AsylG genannten Grün-

den voraus. Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen 

ausgesetzt zu sein, seien zudem nur dann asylrelevant, wenn der Staat 

seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in der Lage sei, Schutz 

zu gewähren. Bei den geltend gemachten, mutmasslich aus dem Umfeld 

des verstorbenen Freundes des Bruders des Beschwerdeführers erfolgten 

Verfolgungshandlungen (Tötung des Bruders F._______, Angriff auf den 

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Beschwerdeführer, Todesdrohungen gegen diesen und seinen Bruder 

B._______) handle es sich um rein kriminelle Racheakte seitens privater 

Drittpersonen, welche überdies nicht aus einem asylrelevanten Motiv im 

Sinne von Art. 3 AsylG erfolgt seien. Sodann habe die Familie des Be-

schwerdeführers bei sämtlichen Übergriffen und namentlich auch nach der 

geltend gemachten Ermordung des Bruders F._______ auf eine formelle 

Anzeige bei den zuständigen staatlichen Behörden verzichtet und diese 

mithin gar nicht um Schutz ersucht, obwohl die Polizei – gemäss den Aus-

sagen des Bruders B._______ – doch noch bei der Familie zuhause vor-

gesprochen habe. In der vorliegenden Konstellation und namentlich auf-

grund der Schwere der Ereignisse sei im Übrigen davon auszugehen, so 

das SEM unter Hinweis auf den eingereichten Spital- und Polizeirapport 

(vgl. act. A21), dass die zuständigen Polizei- und Justizorgane in Kabul 

sehr wohl gewillt und grundsätzlich auch in der Lage wären, derartige Straf-

taten zu untersuchen, die Täterschaft zu ermitteln und die Straftaten im 

Rahmen des Möglichen auch zu ahnden. Die in Kabul bestens verankerte 

Familie des Beschwerdeführers habe zudem offensichtlich auch Zugang 

zu diesem Schutz. Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten 

demzufolge keine asylrechtliche Relevanz zu entfalten.  

5.1.2 Zur Begründung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Be-

schwerdeführers führt das SEM aus, der Beschwerdeführer erkläre das 

Fehlen von Beweismitteln für die Tötung seines Bruders F._______ damit, 

dass nach dessen gewaltsamem Tod weder eine ärztliche Untersuchung 

erfolgt sei, noch eine formelle Feststellung des Todes und eine Mitteilung 

an die zuständige Behörde zur Erfassung des Todesfalls, obwohl die Poli-

zei gemäss den Angaben des Bruders B._______ am darauffolgenden 

Morgen bei der Familie zuhause vorgesprochen habe. Dennoch habe die 

Familie die Polizei nicht formell benachrichtigt und auch keine formelle 

Strafanzeige erstattet, da sie kein Vertrauen in die Polizei gehabt habe. Der 

Beschwerdeführer habe zwar gewusst, wer hinter den Taten gesteckt habe, 

sei aber der Auffassung gewesen, dass SMS-Nachrichten und Drohschrei-

ben keine Beweismittel bildeten. Aus diesen Gründen habe es auch keine 

weitere polizeiliche Untersuchung des Todes des Bruders gegeben. Das 

SEM erachtet diese Begründungen, weshalb der Beschwerdeführer der 

Polizei nicht vertraut habe und die bestehenden Beweise seiner Ansicht 

nach nicht genügt hätten, als mit den tatsächlichen Gegebenheiten in Ka-

bul nicht vereinbar und damit insgesamt als unglaubhaft. Dies gelte erst 

recht für den Beschwerdeführer, der bereits seit zwei Jahren (…) studiert 

habe und deshalb Kenntnis von der üblichen Vorgehensweise nach derar-

tigen Ereignissen gehabt haben müsste.  

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Ferner bemängelt das SEM, dass der Beschwerdeführer auch keine sons-

tigen Beweismittel eingereicht habe, welche geeignet wären, seine Vorbrin-

gen und namentlich die Drohungen zu belegen, obwohl er in Kabul über 

verschiedene moderne Kommunikationsmittel verfügt habe, die zur Be-

weissicherung geeignet gewesen wären. Die Begründung, es bestünden 

keine solchen weiteren Beweismittel, da alle elektronischen Spuren ge-

löscht worden seien, sei als Schutzbehauptung zu werten.  

Aufgrund dieser Erwägungen und der Aktenlage erachtete das SEM 

schliesslich auch das Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft, 

seine Eltern und die übrigen Geschwister hätten Afghanistan inzwischen 

ebenfalls verlassen und hielten sich in Iran auf. Der Beschwerdeführer 

habe angegeben, er habe keine tauglichen Kontakte mehr zu seinem Hei-

matstaat und auch keine direkten Kontakte zu seinen Familienangehörigen 

in Iran, weshalb es schwierig sei, weitere Beweismittel aus Afghanistan bei-

zubringen und Angaben zum Aufenthaltsort seiner Eltern zu machen be-

ziehungsweise diesbezügliche Belege beizubringen. Dennoch sei es ihm 

in der Zwischenzeit gelungen, weitere Unterlagen aus Afghanistan beizu-

bringen, welche allerdings beweisuntauglich seien.  

5.2  

5.2.1 In der Beschwerde wird demgegenüber an der Asylrelevanz und der 

Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers festgehalten. Die 

„Stammesmitglieder“ des verstorbenen E._______ hätten nicht akzeptie-

ren wollen und können, dass er infolge eines Unfalls verstorben sei. Auf-

grund ihrer archaischen Sitten und Bräuche seien sie quasi gezwungen 

gewesen, an dem Bruder des Beschwerdeführers Rache zu nehmen. Ei-

nige Tage später hätten unbekannte Personen den Beschwerdeführer auf 

offener Strasse angegriffen und geschlagen. Wäre ihm die Flucht nicht ge-

lungen, hätte man ihn sehr wahrscheinlich getötet. Die Gegenseite habe 

nicht locker gelassen und die Familienmitglieder des Beschwerdeführers 

weiterhin verfolgt. Am (…) 2015 hätten sie den ältesten Bruder des Be-

schwerdeführers, F._______, erwischt und ihn aus Rache für den Tod von 

E._______ getötet. Der Beschwerdeführer habe sich bei dem Angriff auf 

ihn, bei dem er sich an der Schulter verletzt habe, zunächst gedacht, er sei 

zufällig in einen Streit geraten. Erst als sein Bruder F._______ tot vor der 

Haustüre gelegen habe, habe die Familie begriffen, dass es sich dabei um 

einen Racheakt der Gegenseite handle. Im Wissen darum, dass die afgha-

nischen Behörden nicht in der Lage wären, sie zu schützen und die Mörder 

zur Rechenschaft zu ziehen, hätten sie auf die Erstattung einer Anzeige 

verzichtet und das Land so schnell wie möglich verlassen.  

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5.2.2 In der Rechtsmitteleingabe wir ferner geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer stamme aus einem Land, in dem das alltägliche Leben 

stark durch Traditionen, Sitten und Bräuche bestimmt werde. Neben der 

geltenden Rechtsordnung gelte auch „ungeschriebenes Stammesrecht“. In 

einem Tötungsfall gehe es um die Wiederherstellung von Ehre, Ruf und 

Schutz. Aufgrund dieser archaischen Tradition würden immer noch Men-

schen getötet und Familien zerstört, und daraus entstünden Fehden, die 

Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte dauerten. Die betroffenen Fami-

lien hörten mit dem gegenseitigen Blutvergiessen erst auf, wenn bekannte 

Persönlichkeiten zwischen ihnen vermittelten. Bleibe die Vermittlung er-

folglos, werde die Blutrache fortgesetzt. Die Rolle des Staates beziehungs-

weise der Sicherheitskräfte sei bei einem solchen Konflikt sehr gering. 

Zwar gehe der Staat aufgrund des Gewaltmonopols gemäss seinem Straf-

recht gegen die Parteien vor und verhafte und verurteile bestimmte Betei-

ligte, doch könne er Blutrache nicht verhindern und die bedrohten Perso-

nen nicht schützen. Da es um die Wiedererstellung der „Stammesehre“ 

gehe, schreckten die strafrechtlichen Massnahmen des Staates die in Blut-

rache verwickelten Familien beziehungsweise Clans nicht ab. Das “unge-

schriebene Stammesrecht“ kenne zudem keine Verjährung. Die afghani-

schen Behörden könnten in solchen Konflikten keinen hinreichenden 

Schutz bieten, dies umso mehr, als dass aufgrund des immer noch andau-

ernden Krieges fast alle staatlichen Behörden und Strukturen in Afghanis-

tan nicht beziehungsweise nicht richtig funktionierten. Vor dem Hintergrund 

der nicht vorhandenen Schutzfähigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte 

würden sich die Befürchtungen des Beschwerdeführers, im Falle einer 

Rückkehr aus Rache von der Gegenseite ermordet zu werden und damit 

nicht-staatlicher Verfolgung ausgesetzt zu sein, mit an Sicherheit grenzen-

der Wahrscheinlichkeit verwirklichen. Angesichts der heute geltenden 

Schutztheorie seien die Vorbringen des Beschwerdeführers, im Gegensatz 

zur Behauptung der Vorinstanz, somit asylrelevant. Im vorliegenden Fall 

würde auch eine innerstaatliche Fluchtalternative den Beschwerdeführer 

nicht auf Dauer vor einem Racheakt der Gegenseite schützen.  

5.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen 

Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie 

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und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-

gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn-

zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere 

Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins-

besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach-

geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht 

es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg-

lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der 

Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die ge-

suchstellende Person sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstel-

lung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung 

reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2.3). 

5.4  

5.4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, an einem Fussballspiel in ei-

nem Kabuler Quartier habe ein Spieler der gegnerischen Mannschaft na-

mens E._______ seinen Bruder B._______ gefoult und sei nach dem Zu-

sammenstoss mit ihm gestürzt und zwei Tage später den dabei erlittenen 

Verletzungen erlegen. Familienangehörige des Verstorbenen hätten sich 

für E._______s Tod gerächt, indem sie zunächst den Beschwerdeführer 

angegriffen und geschlagen und kurz danach seinen älteren Bruder 

F._______ umgebracht hätten. Daraufhin seien er selbst und seine Familie 

mit dem Tod bedroht worden. Aus diesen Gründen seien er und B._______ 

in die Schweiz geflohen, und die Eltern sowie die übrigen Geschwister 

seien später nach Iran gegangen.  

5.4.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass diese Vorbringen 

den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. 

Ihre asylrechtliche Relevanz ist demzufolge nicht zu prüfen.  

5.4.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei in Kabul auf offener Strasse 

von riesigen, bewaffneten Männern angegriffen, geschlagen und dabei ver-

letzt worden, habe jedoch flüchten können. Er äusserte sich nicht zur An-

zahl der Angreifer; aus seinen Angaben geht nur hervor, dass es mehrere, 

mit Messern, Pistolen und Schlägern bewaffnete Männer gewesen seien. 

Wie dem verletzten Beschwerdeführer unter diesen Umständen die Flucht 

gelungen sein soll, ist nicht nachvollziehbar – es sei denn, die Schläger 

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wollten ihm aus einem Grund, den er nicht offenlegen will, nur einen Denk-

zettel verpassen, oder die Polizei erschien am Ort des Geschehens, wie 

sich aus den Aussagen des Bruders B._______ schliessen lässt (vgl. N 

[…], act. A26/29 F146).  

5.4.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Bruder F._______ sei aus 

Rache von Familienangehörigen des verstorbenen E._______ vor dem 

Haus der Familie in Kabul erstochen worden. An der BzP gab er zu Proto-

koll, die Familie habe die Polizei nicht über F._______s Tod informiert, weil 

sie kein Vertrauen in die afghanische Polizei habe. Auf die Frage des SEM-

Mitarbeiters an der Anhörung, was geschehen sei, nachdem sein Bruder 

tot aufgefunden worden sei, antwortete der Beschwerdeführer: „Nichts, 

was hätten wir tun können? Man kann niemandem vertrauen. Du kannst 

nicht der Regierung vertrauen. Derjenige, der Macht hat, kommt weiter. 

Und derjenige, der keine Macht hat, bleibt unten. Mein Vater sagte: ‚Ich 

habe einen Sohn verloren, und möchte nicht noch weitere Söhne verlieren. 

Egal, was wir besitzen oder nicht besitzen, wir verlassen alles und gehen‘“ 

(vgl. act. A22/22 F90). Als der Mitarbeiter des SEM insistierte, sagte der 

Beschwerdeführer: „Ist doch offensichtlich. Wir haben ihn beerdigt, es gab 

eine Trauerfeier. Wir haben für ihn im Koran gelesen und haben Opfer für 

arme Leute gebracht. Was anderes konnten wir nicht tun“ (vgl. a.a.O., F92). 

Die Frage, ob die Familie einen Arzt beigezogen habe, verneinte der Be-

schwerdeführer mit der Begründung, ein Arzt sei nicht mehr notwendig ge-

wesen, da der Bruder ja bereits gestorben sei (vgl. a.a.O., F93). Als der 

SEM-Mitarbeiter feststellte, die von Familienangehörigen zu erwartende 

Reaktion nach einem Tötungsdelikt in Kabul bestünde darin, die Polizei zu 

rufen, entgegnete der Beschwerdeführer, er sei beim Anblick seines Bru-

ders in Ohnmacht gefallen, habe nichts mehr mitbekommen und sei erst 

am nächsten Tag im Spital wieder zu sich gekommen (vgl. a.a.O., F109). 

Auf die Frage, ob der Tod seines Bruders offiziell registriert worden sei, 

sagte der Beschwerdeführer: „Wahrscheinlich nicht.“ Anschliessend bat er 

den Befrager darum, nicht mehr über F._______s Tod zu sprechen (vgl. 

a.a.O., F116 f.). Die Aussage des Beschwerdeführers, seine Familie habe 

die Polizei nach F._______s Tod nicht benachrichtigt, weil sie kein Ver-

trauen in die afghanische Polizei habe, ist mit der Aussage seines Bruders 

B._______ nicht zu vereinbaren, wonach die Familie die Polizei gerufen 

habe, diese jedoch erst am nächsten Morgen erschienen sei (vgl. N […], 

act. A26/29 F 156). Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung (vgl. 

S. 4 f.) auf die widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers und 

seines Bruders B._______ zur Frage hingewiesen, ob die Familie nach 

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Seite 12 

F._______s Tod die Polizei beigezogen habe oder nicht. In der Beschwerde 

wird darauf nicht eingegangen.  

5.4.5 Der Beschwerdeführer reichte im erstinstanzlichen Verfahren ein von 

einer Polizeibehörde der Provinz Kabul am (…) 2015 ausgestelltes, fremd-

sprachiges Dokument im Original ein, das offenbar auch einen Stempel 

eines Spitals aufweist. Dieses Dokument bescheinigt den Tod einer Person 

namens E._______ am (…) 2015 (vgl. act. A21 Dok. 9 und A22/22 F145 ff.; 

Sachverhalt Bst. E). Der Beschwerdeführer gab diesbezüglich zu Protokoll, 

um in den Besitz einer solchen (…)bescheinigung zu gelangen, müsse 

man bei der Polizei zunächst einen entsprechenden Antrag stellen. Die Po-

lizei sende das Schreiben an das Spital, in dem die Person verstorben sei, 

und das Spital fülle die linke Spalte aus, woraufhin die Polizei die Beschei-

nigung ausstelle. Dieses Dokument habe ihm sein Cousin H._______ aus 

Afghanistan geschickt (vgl. act. A22/22 F. 151). Dass ein Cousin des Be-

schwerdeführers in den Besitz des Originals einer Bescheinigung bezie-

hungsweise eines Spital- und Polizeirapports über den Tod einer mit ihm 

nicht verwandten Person gelangen konnte, erstaunt und lässt Zweifel an 

der Authentizität dieses Dokumentes aufkommen. Die Frage des SEM-Mit-

arbeiters, weshalb der Beschwerdeführer beziehungsweise sein Cousin 

nicht ein vergleichbares Dokument zum behaupteten Todesfall des eige-

nen Bruders respektive Cousins F._______ erhältlich machen konnten, 

versuchte der Beschwerdeführer folgendermassen zu erklären: „Wir haben 

meinen Bruder nicht ins Krankenhaus gebracht, weil er auf der Stelle ge-

storben ist. So ein Schreiben kriegt man nur, wenn jemand im Krankenhaus 

war“ (vgl. act. A22/22 F152).  

5.4.6 Der Beschwerdeführer hielt anlässlich der Anhörung daran fest, es 

habe nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders F._______ keine polizei-

liche Untersuchung (und folglich auch kein Strafverfahren und keine An-

klage) gegeben. Er behauptete sinngemäss, in Afghanistan würden Tö-

tungsdelikte nicht von Amtes wegen untersucht und geahndet, sondern nur 

auf Anzeige hin: „Wenn man nicht hingeht und nicht Anzeige erstattet, dann 

weiss der Staat das ja gar nicht. Zum Beispiel bei uns. Mein Bruder ist 

gestorben, wir haben ihn beerdigt, und die Akte war zu, fertig. Das ist nor-

mal in Afghanistan. Es sterben 100–200 Personen am Tag. Gerade in Ka-

bul, das als sicher gilt, sterben mehrere Hundert Menschen am Tag an At-

tentaten“ (vgl. act. A22/22 F127). Der Staat würde einem Tötungsdelikt nur 

nachgehen, wenn die Angehörigen „vier bis fünf Jahre hin- und herrennen 

und das Ganze beweisen“, und: „Wenn man nichts zu tun hat und der Sa-

che nachgeht, dann kümmert sich vielleicht jemand darum. Zum Beispiel 

D-2280/2017 

Seite 13 

als mein Bruder gestorben ist, hätte ich dann meine Arbeit hinschmeissen 

müssen um nur diesen Sachen nachzugehen“ (vgl. a.a.O., F125). Diese 

Argumentation ist nicht stichhaltig, denn Tötungsdelikte werden auch in Ka-

bul von Amtes wegen verfolgt.  

5.4.7 Festzuhalten ist ferner, dass – wäre der älteste Bruder des Beschwer-

deführers tatsächlich vor dem Haus seiner Familie in Kabul Opfer eines 

Verbrechens geworden – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 

jemand, beispielsweise Nachbarn, die Polizei gerufen und einen Arzt be-

nachrichtigt hätten. Selbst wenn die Familie – aus welchem Grund auch 

immer – keine Strafanzeige erstattet hätte, wäre F._______ Tod von Amtes 

wegen durch einen Arzt und die Polizei untersucht sowie formell festge-

stellt, an die zuständigen Behörden gemeldet und von diesen erfasst wor-

den. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgestellt, 

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers mit den tatsächlichen Gege-

benheiten in der Stadt Kabul nicht zu vereinbaren sind.  

Im Übrigen macht sich auch in Afghanistan strafbar, wer eine Leiche be-

gräbt, ohne die zuständigen Behörden über den Todesfall zu informieren 

und so die Untersuchung eines Tötungsdeliktes vereitelt (vgl. Government 

of the Republic of Afghanistan, Penal Code vom 7.10.1976, Art. 401 „Con-

cealment of the Body of Murdered“).  

5.4.8 Der Beschwerdeführer äusserte sich zum Inhalt der angeblich bei der 

Familie nach F._______s Tod eingegangenen Drohungen, zu den einzel-

nen Adressaten (Beschwerdeführer, Bruder B._______, weitere Familien-

angehörige) und zu den Urhebern der Drohungen nur sehr vage: „Später, 

nach drei/vier Tagen kamen dann Nachrichten, SMS, Briefe, Facebook-

Nachrichten über I._______s (Rufname von B._______, Anm. BVGer) Ac-

count, Anrufe. Dann wussten wir, dass sie es waren. Sie sagten: ‚Einen von 

euch haben wir getötet. Und so werden wir euch auch noch töten‘“ (vgl. 

act. A22/22 F78). Nachdem sie Drohnachrichten erhalten hätten, hätten sie 

gewusst, dass es sich bei den Tätern um Familienangehörige des verstor-

benen Kollegen seines Bruders B._______ handelte: „Man sah es an den 

Nachrichten. Das war klar“ (vgl. act. A4/11 Ziff. 7.01). „Sie schickten Briefe, 

SMS, Facebook-Nachrichten, bis wir alles deaktiviert hatten. Wir dachten 

auch anfangs, wenn wir rausgingen, dass uns jemand verfolgt. Ständig war 

da eine Person im Hintergrund“ (vgl. act. A22/22 F137). Solche oberfläch-

lichen und detailarmen Aussagen sind nicht geeignet, die behaupteten Dro-

hungen glaubhaft zu machen. Die Aussage des Beschwerdeführers, wes-

halb er mit den Beweismitteln nicht zur Polizei gegangen sei – „SMS sind 

D-2280/2017 

Seite 14 

keine Beweismittel. Auch die Schreiben waren nicht ausreichend“ (vgl. act. 

A4/11 Ziff. 7.01) – ist realitätsfremd, dies umso mehr, als es sich beim Be-

schwerdeführer um einen (…)studenten handelt. Überdies ist sie mit der 

Aussage seines Bruders B._______ nicht zu vereinbaren, wonach dieser 

und sein Vater nach der ersten Droh-SMS Anzeige bei der Polizei erstattet 

hätten (vgl. N […], act. A26/29 F224). Das Fehlen von jeglichen Belegen 

für die vorgebrachten Drohungen (SMS und Telefonanrufe, Nachrichten 

auf Facebook und Briefe) im Asylverfahren in der Schweiz begründete der 

Beschwerdeführer – ebenfalls nicht überzeugend – damit, dass sie das Fa-

cebook-Konto seines Bruders B._______ deaktiviert und die Telefonnum-

mern geändert hätten. Er habe ein Bild von einer Drohnachricht auf 

B._______s Facebook Account gemacht, wisse aber nicht, wo er dieses 

abgespeichert habe (vgl. act. A22/22 F154). Mit diesen unsubstanziierten 

und realitätsfremden Aussagen gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, die 

behaupteten Todesdrohungen gegen ihn und seine Familie glaubhaft zu 

machen.  

5.4.9 Ergänzend anzumerken bleibt, dass der Beschwerdeführer und sein 

Bruder B._______ bezüglich der Art der Tötung ihres ältesten Bruders in 

ihren jeweiligen Asylverfahren unterschiedliche Angaben machten. So 

sagte der Beschwerdeführer an beiden Befragungen, F._______ sei mit ei-

nem Messer erstochen worden (vgl. act. A4/11 Ziff. 7.01 und A22/22 F78); 

B._______ hingegen gab an, sein Bruder sei erschossen worden (vgl. N 

[…], act. A26/29 F176). 

5.4.10 Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer es trotz 

der ausdrücklichen Aufforderung durch das SEM unterliess, seinen afgha-

nischen Reisepass nachzureichen, welcher sich gemäss seinen Angaben 

bei der Tante in Kabul befinde (vgl. act. A22/22 F155 ff.). Der Umstand, 

dass er auf Aufforderung des SEM hin die Tazkira und den Führerschein 

nachgereicht hat, nicht aber den Reisepass (auch nicht als Kopie), lässt 

den Schluss zu, dass dieser Aufschluss über Aufenthaltsorte nach der Aus-

reise aus Afghanistan und vor der Einreise in die Schweiz geben würde, 

welche er verheimlichen möchte.  

5.4.11 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaub-

haft zu machen, dass seine Familie in Kabul in einen Fall von Blutrache 

verwickelt sei, in dessen Verlauf sein ältester Bruder F._______ als Vergel-

tung für den Tod von E._______ von dessen Familienangehörigen umge-

bracht und er (der Beschwerdeführer) zusammengeschlagen worden sei, 

D-2280/2017 

Seite 15 

und er sowie weitere Familienangehörige ebenfalls um ihr Leben fürchten 

müssten. Damit ist auch dem Vorbringen die Grundlage entzogen, die Fa-

milie des Beschwerdeführers sei aus Angst vor der anhaltend drohenden 

Blutrache nach Iran geflüchtet. Die Rechtsmitteleingabe (vgl. E. 5.2) setzt 

sich mit den Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfügung nicht 

detailliert auseinander. Erwägungen zu den grösstenteils allgemeinen und 

nicht auf den konkreten Fall bezogenen Ausführungen in der Beschwerde 

zu archaischen Traditionen, ungeschriebenem „Stammesrecht“ und Blutra-

che in Afghanistan (vgl. E. 5.2.2) erübrigen sich, da die diesbezüglichen 

Vorbringen des Beschwerdeführers sich als unglaubhaft erwiesen haben. 

Zu dem als Beschwerdebeilage in Kopie eingereichten, fremdsprachigen 

Dokument werden in der Rechtsmittleingabe keinerlei Angaben gemacht. 

Im Beilagenverzeichnis (S. 9) heisst es lediglich, es handle sich um eine 

„Bestätigung der Polizei“. Angesichts der vorstehenden Erwägungen ist da-

von auszugehen, dass auch eine Übersetzung des Inhaltes dieses Beweis-

mittels keine Erkenntnisse zu vermitteln vermöchte, die zu einer anderen 

Beurteilung führen könnten (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BVGE 

2008/24 E. 7.2 m. w. H). Es ist deshalb von einer Aufforderung an den Be-

schwerdeführer abzusehen, eine Übersetzung des Dokumentes und Erklä-

rungen dazu nachzureichen. Die in der Rechtsmitteleingabe in Aussicht 

gestellten weiteren Beweismittel wurden nicht eingereicht. Aufgrund der 

Unglaubhaftigkeit des Asylvorbringens ist sodann dessen asylrechtliche 

Relevanz nicht zu prüfen, weshalb auf die Ausführungen in der Be-

schwerde zur Schutzfähigkeit und -willigkeit der afghanischen Behörden 

und zu einer innerstaatlichen Fluchtalternative nicht einzugehen ist.  

5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nicht 

glaubhaft zu machen vermag, dass er im Zeitpunkt des Verlassens des 

Heimatstaates eine asylrechtlich relevante Verfolgung erlitten oder eine 

entsprechende Verfolgungsfurcht gehabt habe. Die Vorinstanz hat deshalb 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Be-

schwerdeführers abgelehnt.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. 

Im Übrigen finden für die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung die Ar-

tikel 83 und 84 AuG Anwendung (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5.1).  

D-2280/2017 

Seite 16 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung (Art. 32 Bst. a AsylV 1) noch über einen Anspruch 

auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht 

verfügt (vgl. BVGE 2012/31 E. 6).  

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).  

7.2  

7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden.  

7.2.2 Da das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen und es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan 

erweist sich unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG als rechtmässig. Angesichts 

der Unglaubhaftigkeit des Blutrache-Vorbringens des Beschwerdeführers 

ergeben sich weder aus diesem noch aus den Akten Anhaltspunkte für die 

Annahme, dass er im Falle einer Rückschaffung nach Afghanistan mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit dort einer nach Art. 3 EMRK verbotenen 

Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.2; 

D-2280/2017 

Seite 17 

2012/31 E. 7.2.2; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-

schenrechte vgl. EGMR [Grosse Kammer] Saadi gegen Italien, Urteil vom 

28. Februar 2008, 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.).  

7.2.3 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht lässt auch die 

allgemeine Menschenrechtssituation in Kabul den Wegweisungsvollzug im 

heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Weg-

weisung erweist sich sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtli-

chen Bestimmungen als zulässig.  

8.  

8.1 Der Vollzug kann für Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, 

wenn sie in Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet 

sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – 

unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu ge-

währen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.10).  

8.2 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung unter Hinweis auf die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts fest, dass eine Rückkehr 

nach Kabul nicht generell unzumutbar sei, sondern bei Vorliegen begüns-

tigender Umstände als zumutbar erkannt werden könne. Der Beschwerde-

führer stamme aus einer Kabuler Mittelschichtsfamilie und verfüge über ein 

entsprechendes soziales Netz. Es sei davon auszugehen, dass seine na-

hen Familienangehörigen weiterhin in Kabul wohnhaft seien. Er könne das 

begonnene (…)studium fortsetzen und auch die Ausbildung zum (…) ab-

solvieren.  

8.3 In der Beschwerde wird daran festgehalten, der Beschwerdeführer 

habe in Kabul niemanden. Gestützt auf das eingereichte Positionspapier 

von AI zu Abschiebungen nach Afghanistan vom 22. Februar 2017 wird 

vorgebracht, die Sicherheitslage habe sich allgemein und vor allem für die 

Zivilbevölkerung zusehends verschlechtert. Die Angriffe der Terrororgani-

sationen hätten insbesondere in den letzten zwei Jahren an Intensität zu-

genommen. Die Sicherheitslage habe sich in allen Provinzen, einschliess-

lich Kabuls, deutlich verschlechtert; dies werde auch durch die Medienbe-

richte der letzten Monate bestätigt. Da die radikalen Islamisten (Taliban, Al 

Qaida, IS und andere Gruppierungen) bei ihren Angriffen in keiner Weise 

auf die Zivilbevölkerung Rücksicht nähmen, müsse davon ausgegangen 

werden, dass jede Zivilperson der permanenten Gefahr ausgesetzt sei, ei-

nem Angriff zum Opfer zu fallen. Es vergehe kaum ein Tag, an dem die 

D-2280/2017 

Seite 18 

Stadt Kabul nicht durch Angriffe der radikalen Islamisten erschüttert werde. 

Diese griffen nicht nur Polizisten und Soldaten an, sondern auch von Zivi-

listen frequentierte Orte wie Märkte und Strassen. Es sei daher auch in 

Kabul von einer Kriegssituation im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG und somit 

von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen.  

8.4  

8.4.1 Zur allgemeine Lage in Afghanistan hat das Bundesverwaltungsge-

richt in BVGE 2011/7 nach eingehender Lageanalyse festgestellt, dass die 

Sicherheitslage sowie die humanitären Bedingungen in weiten Teilen des 

Landes – ausser allenfalls in den Grossstädten – derart schlecht sind, dass 

die Situation in Afghanistan praktisch flächendeckend als existenzbedro-

hend im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist. Zur Lage in der 

Hauptstadt Kabul hat das Gericht festgehalten, dass – angesichts der im 

Vergleich zu den anderen Landesteilen dort weniger bedrohlichen Sicher-

heitslage und der etwas weniger dramatischen humanitären Situation im 

Vergleich zu den übrigen Gebieten – der Vollzug der Wegweisung nach 

Kabul unter Umständen als zumutbar qualifiziert werden kann. Angesichts 

der konstanten Verschlechterung der Lage über die vergangenen Jahre 

hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation sind die bereits von 

der vormaligen Beschwerdeinstanz in Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 10 formu-

lierten strengen Bedingungen in jedem Einzelfall sorgfältig zu prüfen. Die 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Kabul ist nur zu bejahen, 

wenn diese erfüllt sind. Unabdingbar sind in erster Linie ein soziales Be-

ziehungsnetz, das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliede-

rung der rückkehrenden Person als tragfähig erweist, da die schwierigen 

Lebensverhältnisse auch in Kabul ohne Unterstützung durch Familie oder 

Bekannte unweigerlich in eine lebensbedrohende Situation führen würden 

(vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9).  

8.4.2 An dieser Praxis ist auch unter Berücksichtigung des vom Beschwer-

deführer eingereichten Positionspapiers von AI vom 22. Februar 2017 zu 

Abschiebungen nach Afghanistan nach wie vor festzuhalten (vgl. dazu in 

jüngerer Rechtsprechung: Urteile des BVGer D-6069/2016 vom 20. Feb-

ruar 2017 E. 8.4, D-380/2017 vom 2. Februar 2017 E. 6.5 und  

E-7814/2016 vom 25. Januar 2017 E. 8.3). Das Positionspapier von AI 

äussert sich nur am Rande zur Sicherheitslage in Kabul (vgl. S. 2) und be-

fasst sich hauptsächlich mit der Situation von Binnenvertriebenen und von 

aus Pakistan zurückkehrenden afghanischen Flüchtlingen. Die bezüglich 

D-2280/2017 

Seite 19 

dieser Personengruppen angeführte Argumentation, die afghanische Re-

gierung könne sich nicht zusätzlich um die Bedürfnisse von Rückkehrern 

kümmern, bei denen nicht klar sei, ob sie ein Zuhause oder einen Ort hät-

ten, wohin sie zurückkehren könnten, ist für abgewiesene afghanische 

Asylsuchende aus der Schweiz nicht von Belang, zumal diese gemäss der 

zitierten Praxis nur nach Kabul zurückgeführt werden können, wenn be-

günstigende Faktoren vorliegen, aufgrund derer sie bei der Reintegration 

gerade nicht auf die Unterstützung der afghanischen Regierung angewie-

sen sind.  

8.4.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss eigenen Angaben in Kabul gebo-

ren und hat in der frühen Kindheit mit seinen Eltern während zirka sechs 

bis sieben Jahren in Pakistan gelebt. Nach der Rückkehr der Familie nach 

Afghanistan bis zu seiner Ausreise war er gemäss eigenen Angaben stets 

in Kabul wohnhaft, wo er zur Schule ging, die Matura erwarb und während 

zirka zweier Jahre an einer Privatuniversität (…) studierte. Somit verfügt er 

in der afghanischen Hauptstadt über ein soziales Beziehungsnetz. Da die 

vorgebrachten Asylgründe sich als unglaubhaft erwiesen haben, kann auch 

die damit begründete Ausreise seiner Kernfamilie und deren Aufenthalt in 

Iran nicht geglaubt werden. Mit dem SEM ist demzufolge davon auszuge-

hen, dass die Kernfamilie des Beschwerdeführers (Eltern und mindestens 

zwei Geschwister) und auch weitere nahe Verwandte, so unter anderem 

die Tante mit ihrer Familie, nach wie vor in Kabul leben, so dass der Be-

schwerdeführer dort auch über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz 

verfügt. Dies wird in der Rechtsmitteleingabe mit der blossen Behauptung, 

der Beschwerdeführer habe in Kabul niemanden, nicht substanziiert be-

stritten. Der jüngere Bruder B._______, dessen Beschwerde mit Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts D-2277/2017 vom 3. Juli 2017 ebenfalls voll-

umfänglich abgewiesen wird, wird nach der Rückkehr ebenfalls Teil des 

familiären Beziehungsnetzes in Kabul sein. Hinsichtlich der Wohnsituation 

ist festzustellen, dass die Familie des Beschwerdeführers in Kabul ein 

Haus besitzt (vgl. act. A4/11 Ziff. 2.01 f.). In diesem hat der Beschwerde-

führer bis zur Ausreise gelebt, so dass davon auszugehen ist, dass er nach 

der Rückkehr wiederum dort wird wohnen können. Neben seiner Mutter-

sprache Dari verfügt er über gute Kenntnisse in Urdu sowie über Kennt-

nisse in Paschtu und Englisch. Parallel zu seinem Universitätsstudium 

machte der Beschwerdeführer (…) beziehungsweise (…) an (…), betrieb 

mit einem eigenen Wagen einen Fahrdienst und war ein erfolgreicher (…). 

Mit seiner weit überdurchschnittlichen Bildung und den vielfältigen berufli-

chen und ausserberuflichen Tätigkeiten verfügt er über Erfahrungen und 

persönliche Ressourcen, die es ihm ermöglichen werden, sich in Kabul mit 

D-2280/2017 

Seite 20 

Hilfe des dort vorhandenen, tragfähigen familiären und sozialen Bezie-

hungsnetzes erneut eine Existenz aufzubauen. Gemäss seinen Angaben 

ist ein Arm des Beschwerdeführers in der Bewegung eingeschränkt und 

schmerzt bei starken Bewegungen, und kugelt sich das Schultergelenk 

beim (…)training manchmal aus; ansonsten bezeichnet er sich als gesund 

(vgl. act. A4/11 Ziff. 8.02; A22/22 F6 ff.). Aus den Akten sind somit keine 

Gesundheitsprobleme ersichtlich, welche einem Wegweisungsvollzug ent-

gegenstehen könnten.  

8.4.4 Aufgrund dieser Erwägungen ist nicht davon auszugehen (vgl. zum 

Beweismass BVGE 2014/26 E. 7.7.4), dass der Beschwerdeführer bei der 

Rückkehr nach Kabul aufgrund der allgemeinen Situation oder aus indivi-

duellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in 

eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung er-

weist sich demnach nicht als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG.  

8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).  

8.6 Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug demnach zu Recht als zu-

lässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf ins-

gesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das mit der Beschwerde eingereichte Ge-

such um Verzicht auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses 

erweist sich aufgrund des Direktentscheids in der Sache als gegenstands-

los.  

D-2280/2017 

Seite 21 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2280/2017 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde.  

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Jacqueline Augsburger 

 

 

Versand: