# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 44877db9-1e8e-5c14-9792-337866470127
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-02
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 02.02.2021 200 2020 100
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-100_2021-02-02.pdf

## Full Text

200 20 100 UV
WIS/ISD/IVE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil der Einzelrichterin vom 2. Februar 2021

Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiber Isliker

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG 
Richtiplatz 1, 8304 Wallisellen
Zustelladresse: Postfach, 8010 Zürich
Beschwerdegegnerin

betreffend Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Feb. 2021, UV/20/100, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1983 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
war seit dem 1. Dezember 2004 als ... bei der C.________ AG tätig und 
dadurch bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (Allianz 
bzw. Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen 
und Berufskrankheiten versichert, als sie zwischen dem 2. und dem 23. Mai 
2005 mit Humanen Immundefekt-Viren (HIV) und Hepatitis-C-Viren infiziert 
wurde (Akten der Allianz, Antwortbeilage [AB] 6, 10/2 ff., 18/2). Nach Ab-
schluss des diesbezüglichen Strafverfahrens anerkannte die Allianz mit 
Schreiben vom 4. Juli 2014 (AB 23) im Grundsatz das Vorliegen eines Un-
fallereignisses sowie ihre prinzipielle Leistungspflicht. Nach verschiedener 
Korrespondenz veranlasste die Allianz unter Mitwirkung des Rechtsvertre-
ters der Versicherten (vgl. AB 34 f.) eine infektiologische Begutachtung 
(AB 37; Gutachten vom 6. Juli 2015 [AB 41]; gutachterlicher Nachtrag vom 
24. Juli 2015 [AB 44]). In der Folge holte die Allianz weitere medizinische 
Unterlagen ein, liess eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit 
(EFL; vgl. AB 73) durchführen und stellte diesbezüglich Ergänzungsfragen 
an die Abklärungspersonen (vgl. AB 78-80 und 82). 

Mit Schreiben vom 1. Oktober 2019 (AB 83) teilte die Allianz der Versicher-
ten mit, dass sie mit Blick auf die erfolgten Abklärungen eine erneute medi-
zinische Begutachtung durch Prof. Dr. med. D.________, Facharzt für All-
gemeine Innere Medizin, E.________ AG, als notwendig erachte und stellte 
ihr gleichzeitig den vorgesehenen Fragekatalog zu. Nachdem die Versi-
cherte mit Schreiben vom 31. Oktober 2019 (AB 84) sich sowohl gegen die 
vorgesehene Begutachtung als auch gegen den Gutachter ausgesprochen 
hatte, hielt die Allianz mit Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 
(AB 85) an der Durchführung der Begutachtung fest.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Feb. 2021, UV/20/100, Seite 3

B.

Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, mit Eingabe vom 3. Februar 2020 Beschwerde und beantrag-
te die kostenfällige Aufhebung der Zwischenverfügung vom 17. Dezember 
2019 sowie die Rückweisung der Sache zur materiellen Beurteilung an die 
Beschwerdegegnerin.

Mit Beschwerdeantwort vom 5. März 2020 schloss die Beschwerdegegne-
rin auf Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Bei der Anordnung des Gutachtens handelt es sich um eine Zwischenver-
fügung (Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 VwVG); solche 
können unter anderem dann angefochten werden, wenn sie einen nicht 
wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können. Diese Anfechtungs-
voraussetzung ist – wie im Bereich der Invalidenversicherungs-Angelegen-
heiten (vgl. dazu BGE 138 V 271 E. 1.2.1 S. 275 und E. 1.2.3 S. 276, 137 V 
210 E. 3.4.2.7 S. 256) – für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in 
Unfallversicherungs-Angelegenheiten zu bejahen, womit die entsprechende 
Verfügung unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen rechtlicher 
und tatsächlicher Natur angefochten werden kann (BGE 138 V 318 Reges-
te und E. 6.1 mit Verweis auf BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258). Die Be-

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schwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht 
durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein 
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Be-
schwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben 
(Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) so-
wie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; 
BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Zwischenverfügung vom 17. Dezember 
2019 (AB 85). Streitig und zu prüfen sind die Anordnung einer weiteren 
infektiologischen Begutachtung sowie der hierfür vorgesehene Gutachter.

1.3 Die Mitglieder des Verwaltungsgerichts behandeln als Einzelrichte-
rin oder Einzelrichter Beschwerden gegen Zwischenverfügungen und Zwi-
schenentscheide (Art. 57 Abs. 2 lit. b GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen 
Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte 
ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz besagt, dass die 
verfügende Instanz den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen, 
aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisan-
träge der Parteien, abklären und feststellen muss. Rechtserheblich sind alle 
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen An-
spruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Ver-
waltungsbehörden zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu 
veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich 
aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht 
(BGE 117 V 282 E. 4a S. 283). 

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2.2 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein 
Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so 
gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gut-
achter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen 
(Art. 44 ATSG).

2.3 Bei mono- und bidisziplinären Begutachtungen ist im Falle aller 
zulässigen Einwendungen konsensorientiert vorzugehen. Erst wenn eine 
Einigung ausbleibt, ergeht eine (einheitliche) Zwischenverfügung über die 
Beweisvorkehr an sich (Notwendigkeit einer Begutachtung, Beschränkung 
auf eine oder zwei Fachdisziplinen, Bezeichnung der Disziplinen) und die 
Person der Gutachter (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3 S. 356).

Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ab-
lehnungsgründe, wie sie für Richterinnen und Richter vorgesehen sind. 
Befangenheit ist demnach anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die 
geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken (BGE 132 V 
93 E. 7.1 S. 109; SVR 2018 UV Nr. 28 S. 98 E. 3.1). Ein Mitwirkungsrecht 
im Sinne eines Wahlrechts bei der Bestimmung des Gutachters lässt sich 
weder aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör noch aus der „Nähe“ des 
Einspracheverfahrens zur streitigen Verwaltungsrechtspflege ableiten 
(RKUV 1998 U 309 S. 460 E. 4b).

3.

Im vorliegenden Verfahren ist kein Leistungsentscheid zu fällen und dem-
entsprechend auch keine abschliessende Würdigung der gesamten medi-
zinischen Aktenlage vorzunehmen. Zu prüfen ist einzig, ob das bei den 
Akten befindliche Gutachten von Prof. Dr. med. F.________, Facharzt für 
Allgemeine Innere Medizin und für Infektiologie, und Dr. med. G.________, 
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Infektiologie, Spital 
H.________, vom 6. Juli 2015 (AB 41) geeignet ist, die zu beurteilenden 
Fragen zu beantworten. Verneinendenfalls ist zudem die Eignung des vor-
gesehenen neuen Gutachters zu prüfen.

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3.1 Im Gutachten vom 6. Juli 2015 (AB 41) diagnostizierten Prof. 
Dr. med. F.________ und Dr. med. G.________ eine HIV-Infektion, Stadi-
um CDC A2, sowie einen Status nach chronischer Hepatitis C, 
ED 31. Januar 2006 (AB 41/1). 

In der Beurteilung hielten die Gutachter fest, die bei der Beschwerdeführe-
rin bestehende HIV-Infektion sei zurzeit virologisch, immunologisch und 
klinisch gut kontrolliert. Die Beschwerdeführerin leide unter relativ geringfü-
gigen Medikamentennebenwirkungen wie Schwindel sowie teilweise Bo-
lusgefühl nach der Medikamenteneinnahme. Zusätzlich liege ein Status 
nach chronischer Hepatitis C mit dem Genotyp 4c/4d und einer mässigen 
Leberfibrose (F2) vor Therapiebeginn vor. Bei der Beschwerdeführerin be-
stehe aufgrund der genannten Diagnosen eine Minderung der Arbeitsfähig-
keit von 20-30 % (vgl. auch AB 41/10 Ziff. 3). Zudem lägen erhebliche sozi-
ale und psychologische Belastungen und damit assoziierte, objektivierbare 
Einschränkungen aufgrund der HIV-Infektion vor, dies insbesondere im 
Rahmen von Stigmatisierungen im gesellschaftlichen Umfeld, wie auch im 
medizinischen Bereich. Beeinträchtigt seien die Sexualität und die Famili-
enplanung. Eine weitere Belastung stelle die Sorge um den Gesundheits-
zustand und das Infektionsrisiko des Ehemannes und der Kinder dar. Die 
Beschwerdeführerin sei bei der Krankenkassenwahl und hinsichtlich neuer 
Stellenangebote eingeschränkt, da sie jeweils belastende Gesundheitser-
klärungen ausfüllen müsse. Ebenso erschwert bis unmöglich seien das 
Abschliessen einer Lebensversicherung oder das Aufnehmen von Krediten. 
Die Beschwerdeführerin sei zudem im sozialen Umgang belastet, da sie 
ihre schwerwiegende Diagnose nicht offen mitteilen könne. Aufgrund der 
durchgemachten chronischen Hepatitis-C-Infektion habe vor Beginn der 
Therapie eine mässige Leberfibrose (F2) diagnostiziert werden können. Ein 
weiteres Fortschreiten der Fibrose sei aufgrund der Elimination des Hepati-
tis-C-Virus aus infektiologischer Sicht nicht anzunehmen, respektive un-
wahrscheinlich. Ein – bei der Beschwerdeführerin nicht vorhandener – re-
gelmässiger Alkoholkonsum wäre bei er vorbestehenden Leberfibrose je-
doch ungünstig. Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit ergäben sich auf-
grund der durchgemachten Hepatitis-C-Infektion nicht mehr (AB 41/5 f. und 
7 f. Ziff. 1). 

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Die unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit stünden aktuell überwie-
gend bis höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der HIV-Therapie. 
Diesbezüglich würden derzeit viele Patienten von einer Atripla-Therapie auf 
neuere Medikamente umgestellt, was auch bei der Beschwerdeführerin 
sorgfältig in Erwägung gezogen werden könne. Ebenfalls im Zusammen-
hang mit der HIV-Infektion stünden die von der Beschwerdeführerin ge-
nannten psychosozialen Belastungsmomente; eine – bei HIV-Infektionen in 
sehr hohen Raten auftretende – Depression liege aktuell nicht vor (AB 41/9 
Ziff. 2.1). Die Hepatitis-C-Infektion sei mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit ebenfalls auf das Unfallereignis von 2005 zurückzuführen 
(AB 41/10 Ziff. 2.2). 

Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der gut ansprechenden HIV-
Therapie, die jedoch mit objektivierbaren Nebenwirkungen assoziiert sei 
(Müdigkeit, Leistungseinschränkung), in ihrem Beruf als ... aus gutachterli-
cher Sicht und Erfahrung zu etwa 20-30 % eingeschränkt. Das heisse, dass 
theoretisch bei HIV-Negativität ein höheres Berufspensum möglich wäre 
(AB 41/10 Ziff. 3). Hinsichtlich der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der 
Tätigkeit als ... von 20-30 % sei bezüglich der zeitlichen Achse wichtig, 
dass mit neueren auf dem Markt verfügbaren HIV-Medikamenten die Mü-
digkeit, welche sehr wahrscheinlich durch die Atripla-Medikation verursacht 
sei, eventuell reduziert werden könne; die Chance einer Besserung der 
Nebenwirkung betrage circa 50 %. Jedoch sollte eine derart solide und 
robuste Therapie nicht ohne weiteres geändert und von der Beschwerde-
führerin mit ihrem behandelnden Arzt besprochen werden. Auf längere 
Sicht sei nicht anzunehmen, dass die Leistungsfähigkeit bei der chroni-
schen Krankheit gesteigert werden könne. Es gebe eine ganze For-
schungsrichtung, welche sich mit der Frage des vorzeitigen Alterns von 
HIV-Patienten befasse, wobei es diesbezüglich noch keine schlüssigen 
Resultate gebe (AB 41/10 f. Ziff. 3). Die aktuelle Tätigkeit als ... in einem 
60 %-Pensum sei vom zeitlichen und leistungsmässigen Umfang aufgrund 
der angegebenen Beschwerden und der angegebenen psychosozialen 
Belastungssituation sehr adäquat (AB 41/10 Ziff. 4). 

Betreffend die Möglichkeit einer Verbesserung des Gesundheitszustandes 
hielten die Gutachter fest, dass die aktuelle HIV-Therapie grundsätzlich 

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leitliniengerecht sei, jedoch eine Verbesserung der Therapiemöglichkeiten 
mit einer allfälligen Reduktion der Müdigkeit durch eine Medikamentenum-
stellung zu prüfen sei. Mit anderweitigen therapeutischen Fortschritten sei 
erst in fernerer Zukunft zu rechnen. Aufgrund der HIV-Therapiegeschichte 
mit gutem Ansprechen, wie auch mit der erfolgreichen Therapie der chroni-
schen Hepatitis C dürfte seit mehreren Jahren ein Plateau erreicht sein, 
wobei kleine Verbesserungen der Lebensqualität möglich seien. All dies sei 
an eine sehr zuverlässige Medikamenteneinnahme geknüpft. Eine ent-
scheidende Verbesserung werde jedoch mit keiner der neuen Behandlun-
gen zu erreichen sein, sondern lediglich kleine Verbesserungen der Le-
bensqualität, namentlich eine allfällige Abnahme der Müdigkeit (AB 41/12 f. 
Ziff. 5.1). Nebenwirkungen der aktuellen HIV-Medikamententherapie seien 
subjektiv Müdigkeit, Schwindel und Albträume – objektive Nebenwirkungen 
auf die Blutfette oder die Niere seien nicht festzustellen. Bei gleichbleiben-
der Therapie sei anzunehmen, dass das Risiko für Langzeitnebenwirkun-
gen auf die Niere und die Knochen auftreten könnte. Eine diesbezügliche 
Prognose sei nicht möglich (AB 41/17 Ziff. 5.4). 

Aufgrund des sehr guten Therapieansprechens mit unterdrückter Viruslast, 
normaler CD4-Zellzahl und des Fehlens von AIDS-Komplikationen sei vor-
liegend anzunehmen, dass die Verkürzung der Lebenserwartung gemes-
sen an verschiedenen Studien nicht deutlich über fünf Jahre liege, das 
heisse die Prognose sei etwas günstiger zu stellen sei als beim Durch-
schnitt der Personen, die eine Therapie in den Jahren 2003 bis 2006 be-
gonnen hätten. Ob es bei der Beschwerdeführerin überwiegend wahr-
scheinlich sei, dass die HIV-Infektion die Lebenserwartung verkürze, sei 
nicht mit Evidenz zu beurteilen, da entsprechende gut wirksame Therapien, 
welche nebenwirkungsärmer seien, erst seit circa 10-15 Jahren bestünden. 
Auch sei in Zukunft nicht mit einem durch medizinische Fortschritte erziel-
baren Zugewinn an Lebenserwartung auszugehen (AB 41/19 f. Ziff. 6). 
Durch die therapierte Hepatitis-C-Infektion sei sehr wahrscheinlich keine 
Verkürzung der Lebenserwartung entstanden (AB 41/21 Ziff. 7). 

Betreffend die Integritätsentschädigung hielten die Gutachter fest, die kör-
perliche Integrität der Beschwerdeführerin sei trotz des guten Therapiean-
sprechens insgesamt mittelschwer beeinträchtigt, namentlich aufgrund der 

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durch verschiedene Studien bestätigten erhöhten Morbidität und Mortalität 
von HIV-Patienten auch bei gut wirksamer Therapie. Wegen des Charak-
ters der chronischen Infektion, der möglichen Lebensverkürzung sowie der 
vorhandenen, wie auch in Zukunft nicht auszuschliessenden Nebenwirkun-
gen und Langzeittoxizitäten der Medikamente bestehe ein körperlicher In-
tegritätsschaden von 40-50 %. Bei der Beschwerdeführerin bestünden ak-
tuell keine Anzeichen für eine Schädigung der geistigen Integrität. Aller-
dings sei es möglich, dass ein vorzeitiges Altern mit Beeinträchtigung der 
Neurokognition in Erscheinung trete. Diesbezüglich sei jedoch eine verläss-
liche Aussage gemäss aktuellem Stand der Wissenschaft nicht möglich. 
Aufgrund der Exploration bestehe ein „nur“ geringfügiger geistiger Inte-
gritätsschaden von 20 %, der sich im Alter akzentuieren könnte. Die Beein-
trächtigung der psychischen Integrität sei mittelschwer bis schwer, nament-
lich aufgrund des dauerhaft schwer erschütterten Grundvertrauens und der 
diversen glaubhaften Belastungsmomente, verbunden mit Sorgen und 
Ängsten. Unter Beizug eines psychiatrischen Konsiliums werde mit hoher 
Wahrscheinlichkeit eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 
F43.1) diagnostiziert; eine andauernde Persönlichkeitsänderung im Sinne 
von ICD-10 F62.0 habe nicht festgestellt werden können. Der psychische 
Integritätsschaden werde mit 50 % beziffert. 

3.2 Das vorliegend zu beurteilende Unfallereignis datiert zwischen dem 
2. und dem 23. Mai 2005 (AB 18/2), weshalb der Verlauf der Heilbehand-
lung und die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit seit diesem Zeitpunkt zu 
klären ist. 

3.2.1 Die Gutachter gingen aufgrund der diagnostizierten HIV-Infektion 
und des Status nach Hepatitis-C-Infektion (vgl. AB 41/1 und 7 ff. Ziff. 1) von 
einer Minderung der Arbeitsfähigkeit von 20-30 % aus (vgl. AB 41/5 und 10 
Ziff. 3), wobei aus dem Gutachten nicht hervorgeht, ob es sich hierbei um 
eine Einschränkung des Präsenzpensums oder der Leistungsfähigkeit bei 
einem zumutbaren Vollzeitpensum handelt. Zwar grenzten die Gutachter 
die gesundheitlich begründete Arbeitsunfähigkeit von nicht zu berücksichti-
genden psychosozialen Belastungsfaktoren (vgl. dazu: BGE 127 V 294 
E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2) grundsätzlich ab, indem 
sie die Einschätzung der verminderten Arbeitsfähigkeit klar auf die gestell-

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ten Diagnosen bezogen (vgl. AB 41/5) und erst im weiteren Verlauf des 
Gutachtens unter Miteinbezug von versicherungsfremden Faktoren die ak-
tuelle Beschäftigung als ... in einem 60 %-Pensum als „ideal und aus infek-
tiologischer Sicht völlig unproblematisch“ bezeichneten (AB 41/11 Ziff. 4). 
Jedoch leidet die gutachterliche Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähig-
keit an anderweitigen gravierenden Unzulänglichkeiten. 

So äussert sich das Gutachten nicht zum zeitlichen Verlauf der Arbeits-
fähigkeit, obwohl dies angesichts der lange dauernden und mehrfach um-
gestellten Behandlung von zentraler Bedeutung gewesen wäre. Es bleibt 
damit völlig unklar, wie sich die Arbeitsfähigkeit zwischen dem Unfallereig-
nis im Mai 2005 und der gutachterlichen Exploration im Juni 2015 (vgl. 
AB 41/1) entwickelt hat. Namentlich betreffend die durchgemachte chroni-
sche Hepatitis-C-Infektion bestünden gemäss dem Gutachten keine Ein-
schränkungen mehr (vgl. AB 41/6). Hierbei ist aber nicht klar, ob in der 
Vergangenheit, etwa während der Behandlung zwischen 2006 und 2007, 
eine (massgebende) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden hat. 
Die Beschwerdeführerin hat in diesem Zusammenhang selber angegeben, 
während der subjektiv sehr belastenden Hepatitis-C-Therapie trotzdem 
durchwegs in einem 100 %-Pensum gearbeitet zu haben (vgl. AB 41/4, vgl. 
auch AB 58). Auch wenn die von ihr in diesem Zusammenhang vorge-
brachten Ängste bei Mitteilung der stigmatisierten Diagnosen und einer 
Krankschreibung (vgl. AB 58; Beschwerde S. 7 Ziff. 20) nicht abwegig er-
scheinen, besteht in diesem Punkt ein im Gutachten medizinisch nicht auf-
gelöster Widerspruch zur tatsächlichen Situation. Weiter fällt auf, dass in 
sämtlichen HIV-Sprechstundenberichten zwischen Juli 2006 und Januar 
2010 durchwegs eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ärztlich bescheinigt wurde 
(vgl. AB 66/3-7). Eine ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zwischen dem 
Unfallereignis und der gutachterlichen Exploration ist den Akten nicht zu 
entnehmen, vielmehr hielt der behandelnde Arzt Dr. med. I.________, 
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Infektiologie, im Arztbericht 
vom 4. April 2014 (AB 31/7-9) explizit eine subjektiv sehr gute Therapiever-
träglichkeit fest und ging davon aus, dass gerade hinsichtlich der chroni-
schen Müdigkeit keine wesentlichen Beeinträchtigungen bestünden. Unter 
diesen Umständen wäre eine vertiefte, einlässlich begründete Auseinan-
dersetzung mit den abweichenden medizinischen Akten im hier interessie-

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renden Kontext unter Miteinbezug der nach der Infektion im Mai 2005 
tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung unerlässlich gewesen. Das Gutach-
ten schweigt zu diesem zentralen Punkt.

Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erfolgte – insbesonde-
re auch im zeitlichen Verlauf (vgl. AB 41/10 Ziff. 3) – wiederholt unter Be-
zugnahme bzw. Vorbehalt der jeweiligen HIV-Therapie, da die attestierte 
Arbeitsunfähigkeit mit den therapie-assoziierten Nebenwirkungen in Form 
von Müdigkeit und leichter Leistungseinschränkung begründet wurden (vgl. 
AB 41/10 Ziff. 3). Die pauschal angegebene „leichte Leistungseinschrän-
kung“ wurde von den Gutachtern indessen nicht weiter beschrieben, so-
dass vorderhand unklar bleibt, ob sie kognitiver bzw. neuropsychologischer 
oder körperlicher Natur ist und wie sie sich in der angestammten oder einer 
(besser) angepassten Tätigkeit konkret manifestiert.

Sodann ist zum retrospektiven zeitlichen Verlauf nicht klar, wie die ver-
schiedenen erfolgten Therapien mit unterschiedlichen Wirkstoffen (vgl. 
AB 41/1) sich negativ auf die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwer-
deführerin ausgewirkt haben, zumal wiederholt ein sehr gutes Ansprechen 
auf die Therapien sowie ein anhaltend guter Behandlungserfolg beschrie-
ben wurden (vgl. AB 31/7-9, 37/7, 41/5). Ebenso ist die prospektive Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit insoweit unklar, als die Gutachter bei einem 
Therapiewechsel eine Besserung der medikamentenassoziierten Müdigkeit 
als durchaus wahrscheinlich erachteten und die Diskussion eines entspre-
chenden Versuchs anregten. Unter diesen Umständen ist die Verneinung 
einer künftigen Leistungssteigerung unter gleichzeitigem Verweis auf – wie 
bereits erwähnt – nicht schlüssig hergeleiteten möglichen Einschränkungen 
der Konzentrations- und Merkfähigkeit sowie des Gedächtnisses trotz feh-
lender schlüssiger Forschungsresultate in sich widersprüchlich und nicht 
nachvollziehbar (vgl. AB 41/10 f. Ziff. 3). Es ist damit insgesamt unklar, 
wann und unter welcher antiviraler Therapie ein gesundheitlicher Endzu-
stand im unfallversicherungsrechtlichen Sinne (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG) 
erreicht worden ist oder erst erreicht werden kann; die gutachterlichen Aus-
führungen dazu zielen letztlich an der gestellten Frage vorbei und stehen 
im Widerspruch zu den prognostischen Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit 
(vgl. AB 41/11 f. Ziff. 5.1).

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3.2.2 Hinzu kommt, dass das Gutachten vom 6. Juli 2015 (AB 41) im 
Zeitpunkt der angefochtenen Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 
(AB 85) bereits deutlich über vier Jahre alt war. Zur Beantwortung der Fra-
ge, ob eine Expertise hinreichend aktuell ist, ist zwar nicht primär auf das 
formelle Kriterium des Alters abzustellen, sondern auf die materielle Frage, 
ob Gewähr dafür bestehe, dass sich die Ausgangslage seit der Erstellung 
des Gutachtens nicht gewandelt hat (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] 
vom 13. Juli 2020, 9C_270/2020, E. 5.4.1). Letzteres ist vorliegend – neben 
den dem Gutachten inhärenten Widersprüchen und Unvollständigkeiten – 
mit Blick auf den unklaren weiteren therapeutischen Verlauf (siehe immer-
hin AB 61 Ziff. 1), die zwischenzeitlich erfolgte medizinische Forschung und 
den medizinischen Fortschritt sowie die im Nachgang zum Gutachten zu 
den Akten genommenen medizinischen Unterlagen nicht der Fall. So hielt 
der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin in der Besprechung vom 
22. Mai 2018 fest, gestützt auf die Angaben des behandelnden Arztes (vgl. 
dazu AB 31/7-9) bestünden ein guter Zustand und keine wesentlichen Ein-
schränkungen, weshalb sich die Begründung der gutachterlich attestierten 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht erschliesse. Es existierten keine 
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, womit auch keine Einschränkung ausgewie-
sen sei. Eine erhöhte Müdigkeit und Leistungseinschränkung gingen nicht 
im Allgemeinen mit einer HIV-Infektion einher und der Integritätsschaden 
werde auf 30 % beziffert (AB 56; vgl. dazu E. 3.2.3 hiernach). Der behan-
delnde Arzt Dr. med. I.________ listete im Arztbericht vom 17. Juli 2018 
(AB 61) die medikamentösen Therapien seit 2010 auf und hielt weiter aus-
drücklich fest, dass aufgrund der HIV-Infektion keine Beeinträchtigung der 
Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Eine Arbeitsunfähigkeit habe in 
den vergangen fünf Jahren einzig zwischen dem 23. und dem 30. Septem-
ber 2015 bestanden. Insoweit hat selbst der langjährig behandelnde Arzt 
unmissverständlich und entgegen der gutachterlichen Einschätzung keine 
massgebende Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit be-
schrieben. Anlässlich der EFL vom 1. April 2019 (AB 73; ohne medizinische 
Supervision) hielten die Abklärungspersonen gestützt auf die beobachtete 
Belastbarkeit fest, dass in der bisherigen Tätigkeit als ... keine Leistungs-
einbussen bestünden; eine Verweistätigkeit sei nicht erforderlich 
(AB 73/12 f. Ziff. 2-4). Angaben über die zumutbare Arbeitsfähigkeit mach-
ten sie unter Verweis auf die Aufgabenstellung und Kompetenzen der EFL 

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nicht (vgl. AB 73/12 Ziff. 3). Dazu hielt Prof. Dr. med. J.________, Facharzt 
für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, im Schreiben vom 
17. Juli 2019 (AB 82) zutreffend fest, dass die EFL im gutachterlichen Kon-
text zu werten sei, wobei eine fachfremde, das heisse nicht infektiologische 
Würdigung nicht zielführend bzw. versicherungsrechtlich verwertbar sei. 
Aus der stattgehabten EFL ergeben sich damit einerseits keine Anhalts-
punkte, die für die Beweiskraft des infektiologischen Gutachtens vom 6. Juli 
2015 (AB 41) sprechen, und andererseits verbleibt die medizinisch-
theoretisch zumutbare Arbeitsfähigkeit nach objektiven Gesichtspunkten 
weiterhin unklar. 

Insgesamt bestehen damit begründete Zweifel an der gutachterlichen Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit, sowohl hinsichtlich der medizinischen Be-
gründung als auch mit Blick auf die medizinischen Akten sowie den zeitli-
chen Verlauf. 

3.2.3 Auf die Expertise kann sodann auch betreffend einen fraglichen 
Integritätsschaden (vgl. Art. 24 f. UVG) nicht abgestellt werden. Die Gut-
achter berücksichtigten bei der Bemessung der körperlichen Integritäts-
schädigung explizit die spezifische subjektive Situation der Beschwerdefüh-
rerin (vgl. AB 41/22 Ziff. 8.1), was im Rahmen der Bemessung des Inte-
gritätsschadens nicht angeht, da hier nur der medizinische Befund mass-
gebend ist (vgl. BGE 115 V 147 E. 1 S. 147, 113 V 218 E. 4b S. 221; RKUV 
1997 U 278 S. 208 E. 2a). Die Annahme einer dauerhaften Beeinträchti-
gung der körperlichen Integrität ist zwar aufgrund der lebenslang erforderli-
chen und mit Nebenwirkungen verbunden medikamentösen Therapie 
durchaus nachvollziehbar. Indessen ist die Beeinträchtigung durch die The-
rapie angesichts der mittlerweile seit etlichen Jahren etablierten medika-
mentösen Therapiemethoden (vgl. dahingehend AB 41/19 f. Ziff. 6.1) nicht 
ohne Weiteres als besonders gravierend zu werten. Die weiter aufgeführte 
Verkürzung der Lebenserwartung wurde lediglich als möglich qualifiziert 
(vgl. AB 41/22 Ziff. 8.1) und genügt damit (zumindest aktuell) dem erforder-
lichen Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 144 V 
427 E. 3.2 S. 429) grundsätzlich nicht. Die weiter ins Feld geführte, nicht 
auszuschliessende Langzeittoxizität beurteilten die Gutachter an anderer 
Stelle als nicht vorhersehbar (AB 41/17) und abhängig von der jeweiligen 

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antiviralen Therapie (AB 41/17 und 13 Ziff. 5.1.2). Ein dadurch bedingter 
Integritätsschaden ist daher aktuell insgesamt unklar. Vielmehr sind diese 
Fragen erneut und unter Berücksichtigung der aktuellsten medizinischen 
Forschung sowie der geeignetsten, allenfalls in den letzten Jahren hinzu-
gekommenen und zumutbaren Therapieoptionen abzuklären.

Der weiter von den Gutachtern angenommene geistige Integritätsschaden 
ist bereits aus dem Grund nicht überzeugend, als sich im Zeitpunkt der 
Begutachtung keine Anzeichen für eine Beeinträchtigung objektivieren lies-
sen und die – fachfremd neurologisch (vgl. zur Bedeutung der fachärztli-
chen Qualifikation der Ärzte hinsichtlich des Beweiswertes ihrer Aussagen: 
Entscheide des BGer vom 13. November 2018, 8C_584/2018, E. 4.1.1.2, 
und vom 22. März 2010, 8C_83/2010, E. 3.2.3) – angestellten Mutmassun-
gen zu allfälligen neurokognitiven Einschränkungen in der Zukunft folglich 
spekulativer Natur sind. Die Gutachter hielten zudem ausdrücklich fest, 
dass zu allfällig HIV-bedingten kognitiven Einschränkungen nach dem da-
maligen Stand der Wissenschaft ohnehin keine verlässlichen Aussagen 
möglich seien (vgl. AB 41/22 Ziff. 8.1). Hinzu kommt, dass sie eine Ver-
schlechterung der zukünftigen kognitiven Leistungsfähigkeit wiederum 
bloss als möglich qualifizierten (AB 41/20 f. Ziff. 8.1 f). Indessen genügt die 
blosse Möglichkeit einer Verschlimmerung des Integritätsschadens für eine 
Mitberücksichtigung als voraussehbare Verschlimmerung i.S.v. Art. 36 
Abs. 4 UVV nicht (Entscheid des BGer vom 23. Juli 2013, 8C_76/2013, 
E. 3.4.1 mit Hinweisen). Ob es sich hierbei nach dem aktuellen Stand der 
medizinischen Forschung nach wie vor lediglich um eine Möglichkeit oder 
mittlerweile um eine erhärtete Tatsache handelt, kann gestützt auf die vor-
liegenden medizinischen Akten nicht abschliessend beantwortet werden.

Schliesslich basiert der angegebene mittelschwere psychische Integritäts-
schaden gemäss Angaben der Gutachter auf einer konsiliarischen Akten-
beurteilung durch Dr. med. K.________, Fachärztin für Psychiatrie und 
Psychotherapie, gemäss welcher mit hoher Wahrscheinlichkeit eine post-
traumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1) bestehe (AB 41/23 
Ziff. 8.2). Die nicht weiter begründete psychiatrische Diagnose erfolgte oh-
ne ersichtliche fachärztliche Plausibilisierung (vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.2 
S. 297) und dem Gutachten ist auch keine nachvollziehbare diagnostische 

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Herleitung (vgl. BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285) 
zu entnehmen. Gemäss den diagnostischen Leitlinien soll eine PTBS zu-
dem nur dann diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von sechs Mona-
ten nach einem katastrophalen Ereignis aufgetreten ist (DIL-
LING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation psychischer Störun-
gen ICD-10 Kapitel V [F], 10. Aufl. 2015, S. 208). Ob die von der Be-
schwerdeführerin nicht unmittelbar selbst wahrgenommene HIV-Hepatitis-
C-Koinfektion ein derartiges Ereignis von ausserordentlicher Schwere zu 
begründen vermag, wurde im Gutachten nicht dargelegt. Eine psychische 
Störung mit Krankheitswert ist zudem den echtzeitlichen medizinischen 
Akten nicht ansatzweise zu entnehmen. Die gestellte Diagnose ist aus die-
sen Gründen – zumindest gestützt auf die erfolgten Abklärungen – nicht 
nachvollziehbar (vgl. SVR 11/2019 IV Nr. 83 S. 275 f.). Ebenso erscheint 
sie mit Blick auf die weitere, rein äusserlich unauffällige, berufliche und 
familiäre Entwicklung der Beschwerdeführerin seit 2005 im Mindesten ver-
tieft begründungsbedürftig. Schliesslich ist für die Beurteilung eins psychi-
schen Integritätsschadens eine eingehende psychiatrische Begutachtung 
erforderlich (vgl. MAX B. BERGER, in: FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER 
[HRSG.], Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungs-
rechts, 2019, Art. 25 N. 36 ff.; Suva-Tabelle 19, S. 2). Sollte die Beschwer-
deführerin nunmehr eine entsprechende Beeinträchtigung des psychischen 
Gesundheitszustandes geltend machen, so wäre dies vertieft abzuklären.

3.3 Zusammenfassend ist die von der Beschwerdegegnerin wiederholt 
geäusserte Kritik (vgl. etwa AB 42, 49, 54, 85) am infektiologischen Gut-
achten vom 6. Juli 2015 (AB 41) begründet. Unter diesen Umständen durfte 
die Beschwerdegegnerin im Rahmen ihres Ermessenspielraums eine wei-
tere Begutachtung anordnen (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.3.1 S. 245, 136 V 
156 E. 3.3 S. 158). Die Beschwerde ist insoweit unbegründet und abzuwei-
sen.

4.

4.1 Zu prüfen bleibt, ob gegen den vorgesehenen Gutachter Prof. 
Dr. med. D.________ zulässige Ablehnungsgründe vorliegen. Diesbezüg-
lich ist vorab festzustellen, dass von der rechtskundig vertretenen Be-
schwerdeführerin keine Befangenheitsgründe im Sinne einer Voreinge-

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nommenheit (vgl. dazu E. 2.3 hiervor) vorgebracht werden und solche auch 
nicht aus den Akten erkennbar sind. Eine Ablehnung des vorgesehenen 
Gutachters aus formellen Gründen scheidet damit von vornherein aus. 

4.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, Prof. Dr. med. D.________ 
verfüge nicht über die notwendigen fachlichen Qualifikationen, insbesonde-
re besitze er keine Gutachter-Zertifizierung der Swiss Insurance Medicine 
(SIM) und habe als ausländischer Arzt mit Beschäftigungsschwerpunkt 
Tropenmedizin auch keine anderweitige versicherungsmedizinische Zu-
satzausbildung, er könne die spezifische Situation einer HIV-Erkrankung im 
sozialversicherungsrechtlichen Kontext nicht fachlich kompetent beurteilen 
(Beschwerde S. 9 Ziff. 29 ff.). 

4.3 Prof. Dr. med. D.________ verfügt gemäss dem öffentlich zugängli-
chen Medizinalberuferegister des Bundesamtes für Gesundheit (MedReg; 
http://www.medregom.admin.ch) über einen am … durch die Schweiz an-
erkannten fachärztlichen Weiterbildungstitel in Allgemeiner Innerer Medizin; 
einen zusätzlichen oder weiteren anerkannten Facharzttitel, namentlich im 
Bereich Infektiologie wird nicht aufgeführt. Gemäss höchstrichterlicher 
Rechtsprechung wird für den Nachweis der hinreichenden fachlichen Quali-
fikation des vorgesehenen Gutachters einzig ein Facharzttitel in der ent-
sprechenden medizinischen Disziplin verlangt (BGE 137 V 210 E. 3.3.2 S. 
245). Weitergehende fachliche Anforderungen bestehen demgegenüber 
nicht (SZS 2019 S. 6 mit Hinweisen), namentlich müssen das entsprechen-
de Fachwissen und die praktische Erfahrung weder in der Schweiz erwor-
ben worden sein noch wird (zusätzlich) eine spezifische versicherungsme-
dizinische Weiterbildung vorausgesetzt (Entscheid des BGer vom 19. Mai 
2020, 8C_767/2019, E. 3.3.2 f. mit Hinweisen). 

Prof. Dr. med. D.________ verfügt demnach – anders als von der Be-
schwerdegegnerin vertreten (vgl. Beschwerdeantwort S. 7 Ziff. 44) – man-
gels einer einschlägigen, durch die Schweiz anerkannten Facharztausbil-
dung im Bereich Infektiologie nicht über die notwendige fachliche Eignung 
für die vorzunehmende infektiologische Begutachtung (vgl. E. 1.2 hiervor). 
Nicht massgebend ist in diesem Zusammenhang, dass er auf der Website 
der E.________ AG als Facharzt für Tropenmedizin und Infektiologie auf-
geführt wird (…), da die entsprechenden Weiterbildungen keine durch die 

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Schweiz anerkannten Facharztweiterbildungen darstellen, sondern lediglich 
sogenannte Zusatz-Weiterbildungen, welche das deutsche Ärzteaus- und 
Weiterbildungssystem bietet (vgl. dazu htt-
ps://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/aus-weiter-
fortbildung/weiterbildung/; Bundesärztekammer [Hrsg.], [Muster-]
Weiterbildungsordnung 2018 [abrufbar: https://www.bundesaerztekammer.
de/aerzte/aus-weiter-fortbildung/weiterbildung/muster-weiterbildungsordnun
g/]). Prof. Dr. med. D.________ selbst bezeichnet sich im Lebenslauf einzig 
im Bereich Allgemeine Innere Medizin als Facharzt, während er die weite-
ren (Zusatz-)Qualifikationen in Tropenmedizin und Infektiologie davon ge-
trennt aufführt (…). Diese Weiterbildungen ohne eine entsprechende daran 
anknüpfende Facharztqualifikation reichen rechtsprechungsgemäss nicht 
aus.

Auch wenn es sich bei der – vorliegend gegebenen – unzureichenden fach-
lichen Eignung des vorgesehenen Gutachters grundsätzlich um einen ma-
teriellen Ablehnungsgrund handelt, der in der Regel mit dem Entscheid in 
der Sache im Rahmen der Beweiswürdigung zu behandeln wäre (vgl. BGE 
132 V 93 E. 6.5 S. 108 f.; dahingehend auch BGE 133 V 446 E. 7.6 S. 450; 
UELI KIESER, Kommentar ATSG, 4. Aufl. 2020, Art. 44 Ziff. 58), rechtfertigt 
es sich, die offenkundig fehlende fachliche Eignung des vorgesehenen 
Gutachters bereits im jetzigen Verfahrensstadium festzustellen (vgl. BGE 
139 V 349 E. 2.2 und 5.2.2.3). Prof. Dr. med. D.________ ist demnach für 
die vorgesehene erneute infektiologische Begutachtung fachlich nicht ge-
eignet und daher nicht als Gutachter zu berücksichtigen.

4.4 Die Beschwerdeführerin schlägt anstelle des im angefochtenen Ein-
spracheentscheid vom 17. Dezember 2019 (AB 85) vorgesehenen Gutach-
ters den Beizug von Prof. Dr. med. L.________, Facharzt für Allgemeine 
Innere Medizin und für Infektiologie, vor (Beschwerde S. 10 Ziff. 35). Hierzu 
ist festzustellen, dass der vorgeschlagene Experte die vorerwähnten fachli-
chen Qualifikationen der Rechtsprechung an einen medizinischen Sach-
verständigen erfüllt (vgl. E. 4.3 hiervor). Der Einwand der Beschwerdegeg-
nerin, dass er nicht über eine SIM-Zertifizierung als Gutachter verfüge, zielt 
ins Leere, zumal ein derartiges Erfordernis nicht besteht. Die Beschwerde-
gegnerin hat zufolge der berechtigen materiellen Einwände gegen den vor-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Feb. 2021, UV/20/100, Seite 18

gesehenen Gutachter in einem konsensorientierten Vorgehen einen neuen 
Sachverständigen mit einem ausgewiesenen und erforderlichenfalls durch 
die Schweiz anerkannten Facharzttitel im Bereich Infektiologie, allenfalls 
unter Beizug weiterer Fachdisziplinen oder anderweitiger Zusatzabklärun-
gen, zu bestimmen. 

5.

Nach dem Dargelegten ist der angefochtene Zwischenentscheid vom 
17. Dezember 2019 (AB 85) in teilweiser Gutheissung der dagegen erho-
benen Beschwerde soweit den vorgesehenen Gutachter betreffend aufzu-
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit 
sie in einem konsensorientierten Verfahren unter Berücksichtigung der An-
forderungen der Rechtsprechung an die fachliche Qualifikation eines medi-
zinischen Sachverständigen einen Gutachter bestimme. Im Übrigen, das 
heisst betreffend die strittige Anordnung einer erneuten infektiologischen 
Begutachtung, ist die Beschwerde abzuweisen.

6.

6.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. aArt. 61 lit. a ATSG in 
der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen und hier anwendbaren Fas-
sung (vgl. Art. 83 ATSG) sind keine Verfahrenskosten zu erheben.

6.2 Nach der Rechtsprechung hat die beschwerdeführende Partei bei 
teilweisem Obsiegen mindestens Anspruch auf eine reduzierte Parteien-
tschädigung (BGE 110 V 54 E. 3a S. 57; SVR 2003 EL Nr. 5 S. 14 E. 4.1). 
Indessen kommt die Zusprechung einer vollen Parteientschädigung bei 
teilweisem Obsiegen nur in Frage, wenn die Beschwerde führende Person 
im Grundsatz obsiegt und lediglich im Masslichen (teilweise) unterliegt 
(SVR 2016 IV Nr. 12 S. 38 E. 5; Entscheid des BGer vom 16. November 
2010, 9C_580/2010, E. 4.1). Es besteht diesbezüglich grundsätzlich kein 
Anlass zu einer anderen Betrachtungsweise, wenn die Beschwerde nicht 

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den materiellen Leistungsanspruch, sondern das Abklärungsverfahren be-
trifft. 

Die Beschwerdeführerin ist mit ihren Anträgen teilweise durchgedrungen, 
wobei das Obsiegen sich auf den beanstandeten vorgesehenen Gutachter 
beschränkt, während die angeordnete erneute Begutachtung im Grundsatz 
zu bestätigen ist (vgl. E. 5 hiervor). Unter diesen Umständen hat die Be-
schwerdeführerin keinen Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädi-
gung, weshalb letztere entsprechend dem anteilsmässigen Obsiegen der 
Beschwerdeführerin ermessenweise auf die Hälfte zu reduzieren ist.

Mit der Kostennote vom 15. Mai 2020 (in den Gerichtsakten) machte 
Rechtsanwalt B.________ einen Aufwand von Fr. 3'239.70 (inkl. Auslagen 
und MWSt.) geltend. Die Kostennote ist insgesamt angemessen und gibt 
zu keinen Beanstandungen Anlass, weshalb die um die Hälfte reduzierte 
Parteientschädigung auf Fr. 1'619.85 (inkl. Auslagen und MWSt.) festzu-
setzen ist. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdefüh-
rerin zu ersetzen.

Demnach entscheidet die Einzelrichterin:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Zwi-
schenverfügung der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG vom 
17. Dezember 2019 soweit den vorgesehenen Gutachter betreffend 
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewie-
sen, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre. Im Übrigen wird die 
Beschwerde abgewiesen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin einen Teil der 
Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 1'619.85 (inkl. Auslagen und 
MWSt.), zu ersetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Feb. 2021, UV/20/100, Seite 20

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
- Bundesamt für Gesundheit

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.