# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a18eb62-7435-57c4-ae8e-52fdb19be80a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.04.2010 A-3123/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-3123-2008_2010-04-27.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-3123/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  A p r i l  2 0 1 0

Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot,
Gerichtsschreiber Johannes Schöpf.

X._______, ...,
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (1. Quartal 2005 - 4. Quartal 2006; 
Steuerpflicht; Umsatzschätzung; Taxibetrieb).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-3123/2008

Sachverhalt:

A.
X._______  betreibt  in  A._______  ein  Taxiunternehmen;  er  wurde 
aufgrund  einer  Kontrolle  im  November  2007  rückwirkend  auf  den 
1. Januar 2005 als Mehrwertsteuerpflichtiger bei der Eidgenössischen 
Steuerverwaltung  (ESTV)  eingetragen.  Im  Rahmen  dieser  Kontrolle 
bezüglich den Zeitraum vom 1. Januar 2005 bis  31. Dezember 2006 
nahm  die  Verwaltung  eine  Umsatzschätzung  vor  und  belastete 
X._______  mit  der  Ergänzungsabrechnung  (EA)  Nr. 117'834  vom 
1. November 2007 mit Fr. 8'268.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 15. April 
2006  (mittlerer  Verfall).  Die  ESTV  wandte  den  für  Taxibetriebe 
geltenden Saldosteuersatz von 5.2 % an.

B.
Da X._______ mit der Nachbelastung nicht einverstanden war, reichte 
er der ESTV die Fahrtenschreiber und die Kontrollkarten für die Jahre 
2005 und 2006 ein, was allerdings zu einer weiteren Nachbelastung 
von Fr. 1'969.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 15. April 2006 (EA Nr. 
117'865  vom 5. Februar  2008)  führte. Insgesamt  forderte  die  ESTV 
vom  Unternehmer  daher  Fr.  10'237.--  (nebst  Verzugszins).  Mit 
Entscheid vom 5. Februar 2008 bestätigte die ESTV die beiden Mehr-
wertsteuerforderungen.  X._______  reichte  gegen  die  Schätzung  der 
gefahrenen Kilometer, gegen den Abzug für privat gefahrene Kilometer 
und gegen den geschätzten Kilometeransatz von Fr. 2.10 am 11. Feb-
ruar 2008 Einsprache bei der ESTV ein.

C.
Mit  Einspracheentscheid vom 10. April  2008 wies die ESTV die Ein-
sprache  ab.  Die  Verwaltung  hielt  nach  der  Kontrolle  der  Fahrten-
kontrollscheiben  an  ihrer  Kilometerberechnung,  einem  Abzug  von 
14'624 km für  Privatfahrten im Jahr 2005,  von 14'500 km für  Privat-
fahrten  im  Jahr  2006  und  am  kalkulatorischen  Kilometeransatz  von 
Fr. 2.10 fest.

D.
Am 13. Mai  2008 reicht  X._______ (Beschwerdeführer)  Beschwerde 
beim Bundesverwaltungsgericht ein mit den Begehren, der angefoch-
tene  Einspracheentscheid  sei  aufzuheben  und  es  sei  festzustellen, 
dass  er  für  die  Steuerperioden  1. Quartal  2005 bis  4. Quartal  2006 
nicht mehrwertsteuerpflichtig sei und er keine Mehrwertsteuer schul-

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de, alles unter Kostenfolge zu Lasten der ESTV. Er macht geltend, die 
ESTV habe die privat gefahrenen Kilometer nicht korrekt berücksichtigt 
und der kalkulatorisch errechnete Umsatz von Fr. 2.10 pro Kilometer 
sei zu hoch; angemessen seien höchstens Fr. 1.70, womit er unter die 
Grenze für die Mehrwertsteuerpflicht falle. Mit der Beschwerde reicht 
er  die  Tagesrapporte  der  gefahrenen  Kilometer  in  der  Periode  vom 
1. Januar 2005 bis 31. Dezember 2006 als Beweismittel ein.

E.
In der Vernehmlassung vom 7. Juli 2008 stellt  die ESTV den Antrag, 
die Beschwerde im Umfang von Fr. 862.80 gutzuheissen, im Übrigen 
aber kostenpflichtig abzuweisen. Sie anerkennt auf Grund der einge-
reichten  Tagesrapporte,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Jahr  2005 
19'873 km und im Jahr 2006 17'152 km privat gefahren ist.

F.
Aufgrund der  Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts  vom 15. Ja-
nuar  2010  ergänzt  die  ESTV ihre  Vernehmlassung  mit  der  Eingabe 
vom 1. Februar 2010 und begründet dabei den von ihr der Umsatzbe-
rechnung zugrunde gelegten Kilometeransatz von Fr. 2.10.

G.
Auf  die  übrigen  entscheidrelevanten Tatsachen  wird  das  Bundesver-
waltungsgericht im Rahmen der Erwägungen eingehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  (Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG, 
SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern kei-
ne Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht 
vor und die ESTV ist  eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegen-
den Beschwerde zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, 
richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG.

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1.2 Am  1.  Januar  2010  ist  das  Mehrwertsteuergesetz  vom 12.  Juni 
2009 (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetzli-
chen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vorschriften 
bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltungsdauer 
eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse  an-
wendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Soweit der Sachverhalt vom 1. Ja-
nuar 2005 bis 31. Dezember 2006 betroffen ist, untersteht das vorlie-
gende  Verfahren  deshalb  in  materieller  Hinsicht  dem  Bundesgesetz 
vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (aMWSTG, AS 2000 
1300).

Demgegenüber ist  das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht  im 
Sinn von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des In-
krafttretens  hängige  Verfahren  anwendbar.  Allerdings  ist  Art.  113 
Abs. 3 MWSTG insofern restriktiv auszulegen, als nur eigentliche Ver-
fahrensnormen sofort auf hängige Verfahren anzuwenden sind, und es 
dabei nicht zu einer Anwendung von neuem materiellen Recht auf alt-
rechtliche Sachverhalte kommen darf (ausführlich: Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-1113/2009  vom 23.  Februar  2010  E. 1.3.3.2). 
Kein  Verfahrensrecht  in  diesem  engen  Sinn  stellen  im  vorliegenden 
Fall  etwa  die  nachfolgend  abgehandelten  Themen  wie  die  Buchfüh-
rungspflicht,  das  Selbstveranlagungsprinzip,  die  Ermessensveranla-
gung oder gar der Verzugszins dar, so dass vorliegend diesbezüglich 
noch  altes  Recht  anwendbar  ist.  Keine  Anwendung  finden  deshalb 
beispielsweise Art. 70, 71, 72, 79 oder 87 MWSTG, obwohl sie unter 
dem Titel  "Verfahrensrecht  für  die Inland-  und die Bezugsteuer"  ste-
hen.

2.

2.1

2.1.1 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmen-
de Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und 
vollständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwal-
tungsrechtspflege  werden  grundsätzlich  von  der  Untersuchungs-
maxime beherrscht (Art. 12 VwVG). Demnach muss die entscheidende 
Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. Sie muss die für das 
Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die 
rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie  darüber  ordnungsge-
mäss  Beweis  führen. Art. 12  VwVG beinhaltet  gewissermassen  eine 
"behördliche Beweisführungspflicht" (zum Ganzen vgl. etwa  PATRICK L. 
KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weis-

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senberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Ver-
waltungsverfahren [nachfolgend: Praxiskommentar], Zürich/Basel/Genf 
2009, Rz. 15 ff. zu Art. 12). Der Untersuchungsgrundsatz wird dadurch 
relativiert, dass den Beteiligten gewisse Mitwirkungspflichten auferlegt 
werden (Art. 13 VwVG; vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER, a.a.O., Rz. 20, 51 zu 
Art. 12, Rz. 4 ff., 37 ff. zu Art. 13). Wo der Untersuchungsgrundsatz en-
det und die Mitwirkungspflicht beginnt, lässt sich nicht in allgemeiner 
Weise festlegen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-3069/2007 
vom 29. Januar 2008 E. 2.1). Ihr Verhältnis ist jeweils anhand des an-
wendbaren Verfahrenserlasses zu bestimmen.

Hat eine der Untersuchungsmaxime unterworfene Behörde den Sach-
verhalt  nicht  von Amtes wegen abgeklärt,  oder  hat  sie  dies  nur  un-
vollständig getan, so bildet das einen Beschwerdegrund nach Art. 49 
Bst. b VwVG.

2.1.2 Der Untersuchungsgrundsatz gilt grundsätzlich auch  im Steuer-
recht  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1337/2007  vom 
21. September 2009 E. 3.2, A-3069/2007 vom 29. Januar 2008 E. 1.2). 
Im Sinne eines Vorbehalts nimmt Art. 2 Abs. 1 VwVG die Steuerverfah-
ren  insbesondere  vom  Anwendungsbereich  von  Art. 12  VwVG  aus. 
Gemäss dem im vorliegenden Verfahren anwendbaren Art. 81 Abs. 1 
MWSTG  findet  allerdings  auf  das  Mehrwertsteuerverfahren  Art.  2 
Abs. 1 VwVG keine Anwendung. 

2.1.3 Gemäss dem in Art. 12 VwVG enthaltenen Untersuchungsgrund-
satz trägt die Behörde die Beweisführungslast (subjektive oder formel-
le Beweislast) und Art. 81 Abs. 2 MWSTG hält  ausdrücklich fest,  die 
Behörden stellten den rechtserheblichen Sachverhalt  von Amtes we-
gen  fest.  Wie  sich  allfällige  Zweifel  nach  abgeschlossener  Sachver-
haltsermittlung auf den Entscheid der Behörde auswirken, wird hinge-
gen  nicht  geregelt.  Für  die  (materielle)  Beweislast  ist  –  mangels 
spezialgesetzlicher  Regelung  –  Art. 8  des  Schweizerischen  Zivilge-
setzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) in analoger Anwen-
dung  massgebend  (KRAUSKOPF/EMMENEGGER,  a.a.O.,  Rz. 6,  207 ff.  zu 
Art. 12). Gemäss dem darin verankerten Rechtsprinzip trägt derjenige 
den Nachteil  der  "Nichtnachweislichkeit"  einer  Tatsache,  der  aus  ihr 
Rechte ableiten wollte  (Urteil  des Bundesgerichts 9C_267/2007 vom 
4. September 2007 E. 1.3; vgl. auch Urteile  des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1597/2006 und A-1598/2006 vom 17. August  2009 E. 4.1; 
KRAUSKOPF/EMMENEGGER, a.a.O., Rz. 208 zu Art. 12).

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Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerbehörde für die steu-
erbegründenden und -mehrenden Tatsachen den Nachweis zu erbrin-
gen hat, während der steuerpflichtigen Person der Nachweis der Tat-
sachen obliegt, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (Ur-
teil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2005, veröffentlicht in: Archiv für 
Schweizerisches  Abgaberecht  [ASA]  75  S. 495 ff.  E. 5.4;  anstelle 
vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1597/2006  und  A-
1598/2006  vom  17. August  2009  E. 4.1,  A-1506/2006  vom  3. Juni 
2008 E. 2.3.1, A-3069/2007 vom 29. Januar 2008 E. 1.2; Entscheid der 
Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  [SRK]  vom  8. Juni  2006, 
veröffentlicht in: Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 70.85 
E. 2e;  ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER,  System  des  schweizerischen 
Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 454).

2.2 Der verfassungsrechtlich in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 
der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV, 
SR 101) garantierte und in den Art. 26 – 33 VwVG exemplarisch kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs beinhaltet das Recht der 
Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführ-
ten Verfahren mit ihrem Begehren angehört zu werden, Einblick in die 
Akten  zu  erhalten  und  zu  den  für  die  Entscheidung  wesentlichen 
Punkten  Stellung  nehmen  zu  können. Der  Anspruch  auf  rechtliches 
Gehör  dient  einerseits  der  Sachaufklärung  und  stellt  andererseits 
zugleich ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht  der Parteien 
dar (BGE 130 II 425 E. 2.1, 129 I 236 E. 3.2, 125 I 219 E. 9b; BVGE 
2007/30 E. 5.6,  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-5754/2008 
vom  5.  November  2009  E.  2.2,  A-5738/2007  vom  17.  Januar  2008 
E. 3.1, A-1349/2006 vom 22. Mai 2007 E. 2.9; für die Lehre vgl. etwa 
ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungs-
recht, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 1672 f.).

2.2.1 Für  das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsbehörden  wird  das 
Akteneinsichtsrecht in Art. 26 – 28 VwVG konkretisiert. Dieses Recht 
ist gleichsam Vorbedingung des Äusserungsrechts: Die betroffene Per-
son kann sich nur dann wirksam zu einer Sache äussern und geeigne-
te Beweise führen oder bezeichnen,  wenn ihr  die Möglichkeit  einge-
räumt wird, die entscheidrelevanten Unterlagen einzusehen (BGE 132 
II 485 E. 3.2;  BERNHARD WALDMANN/MAGNUS OESCHGER, in: Praxiskommen-
tar, Rz. 6 zu Art. 26). Die Behörde ist allerdings nicht verpflichtet, die 
Parteien von Amtes wegen zur Einsicht  einzuladen (WALDMANN/OESCH-
GER,  a.a.O.,  Rz. 69 zu Art. 26). Vielmehr haben die Parteien ein ent-

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sprechendes  Gesuch  zu  stellen  (BGE 132  V  387  E. 6.2  [zu  Art.  29 
Abs. 2 BV]; WALDMANN/OESCHGER, ebd.).

Anspruch darauf, in die Akten Einsicht zu nehmen, hat, wer Partei in 
einem Verwaltungsverfahren ist (Art. 26 VwVG). Von diesem Recht gibt 
es Ausnahmen, so, wenn wesentliche öffentliche oder private Interes-
sen,  beispielsweise  Geheimhaltungsinteressen  von  Gegenparteien, 
entgegenstehen (Art. 27 VwVG). Wird einer Partei die Einsichtnahme 
in ein Aktenstück verweigert, darf auf dieses zum Nachteil der Partei 
nur abgestellt werden, wenn ihr die Behörde von seinem für die Sache 
wesentlichen Inhalt mündlich oder schriftlich Kenntnis und ihr ausser-
dem Gelegenheit  gegeben  hat,  sich  zu  äussern  und  Gegenbeweis-
mittel  zu  bezeichnen  (Art.  28  VwVG).  Der  Akteneinsicht  unterliegen 
alle Akten, die geeignet sind, Grundlage für die spätere Verfügung zu 
bilden (BGE 119 Ib 12 E. 6b, Urteil des Bundesgerichts 2A.651/2005 
vom 21. November 2006 E. 2.1; WALDMANN/OESCHGER, a.a.O., Rz. 6, 32 f. 
zu Art. 26; PIERRE MOOR, Droit administratif, Bd. II, 2. Aufl., Bern 2002, 
Ziff. 2.2.7.6, S. 285 f.). Bei verwaltungsinternen Dokumenten besteht in 
der Regel kein Einsichtsrecht; eine Ausnahme gilt, wenn die fraglichen 
Dokumente den Ausgang des Verfahrens beeinflussen können, mithin 
wenn sie zur Feststellung des für die Verfügung wesentlichen Sachver-
halts  von  objektiver  Bedeutung  sind  (Zwischenverfügung  der  SRK 
2005-053 vom 18. Oktober 2005 [bestätigt  durch Urteil  des Bundes-
gerichts  2A.651/2005  vom  21. November  2006],  Zwischenentscheid 
der SRK 2003-094 vom 13. April 2005; vgl. auch [nicht das Steuerrecht 
betreffend] BGE 122 I 153 E. 6a, 117 Ia 90 E. 5b, 115 V 297 E. 2g; vgl. 
dazu  WALDMANN/OESCHGER, a.a.O., Rz. 63 f. zu Art. 26;  ANDRÉ MOSER/MI-
CHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.93).

2.2.2 Art. 35 Abs. 1 VwVG regelt die Begründungspflicht ausdrücklich, 
geht in seinem Gehalt aber nicht weiter als Art. 29 Abs. 2 BV. Die Be-
gründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass die betroffe-
ne Person ihn sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn 
sowohl  sie wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite 
des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen we-
nigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die 
Behörde hat  leiten lassen und auf  welche sie ihren Entscheid  stützt 
(BGE  134 I 83 E. 4.1,  129  I  232  E. 3.2,  126  I  97  E. 2b; Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1765/2006 vom 30. März 2009 E. 3.4.2, 
A-1681/2006  vom 13. März  2008  E. 2.3).  Die  Behörde  ist  nicht  ver-

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pflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Viel-
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-
punkte  beschränken  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-3862/2007 vom 22. Januar 2008 E. 4.2). Der genaue Umfang 
der  Begründungspflicht  lässt  sich  nur  begrenzt  abstrakt  erfassen; er 
muss im Einzelfall individuell bestimmt werden (FELIX UHLMANN/ALEXAND-
RA SCHWANK,  in: Praxiskommentar,  Rz. 18 zu  Art. 35).  An die Begrün-
dung sind umso strengere Anforderungen zu stellen, je unbestimmter 
die Rechtsgrundlage ist und je grösser der der Behörde eingeräumte 
Spielraum ist  (grundlegend: BGE 112 Ia 107 E. 2b, vgl. weiter: BGE 
129 I 232 E. 3.3; UHLMANN/SCHWANK, a.a.O., Rz. 21 ff. zu Art. 35; LORENZ 
KNEUBÜHLER,  Die  Begründungspflicht:  Eine  Untersuchung  über  die 
Pflicht  der  Behörden  zur  Begründung  ihrer  Entscheide,  Bern  1998, 
S. 33, 186 f.). Die Auslegung von unbestimmten Gesetzesbegriffen und 
die  Ermessensbetätigung  muss  nachvollziehbar  erklärt  werden 
(BGE 129 I 232 E. 3.3, 127 V 431 E. 2b/cc; BVGE 2008/26 E. 5.2.1).

2.2.3 Der Gehörsanspruch ist gemäss ständiger Rechtsprechung for-
meller Natur, mit der Folge, dass seine Verletzung ungeachtet der Er-
folgsaussichten der Beschwerde grundsätzlich zur Aufhebung des mit 
dem Verfahrensmangel behafteten Entscheids führt (statt vieler: BGE 
126 I 19 E. 2d/bb; BVGE 2008/26 E. 5.2.1, Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts  A-1543/2006  vom  14. April  2009  E.  2.1,  A-1506/2006 
vom 3. Juni 2008 E. 2.1.1).

Nach der Rechtsprechung kann eine Verletzung des Gehörsanspruchs 
als geheilt gelten, wenn die unterbliebene Gewährung des rechtlichen 
Gehörs (also etwa die unterlassene Anhörung, Akteneinsicht, Begrün-
dung) in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, in dem die Be-
schwerdeinstanz  mit  der  gleichen  Prüfungsbefugnis  entscheidet  wie 
die untere Instanz. Die Heilung ist aber ausgeschlossen, wenn es sich 
um eine besonders schwerwiegende Verletzung der Parteirechte han-
delt, zudem darf dem Beschwerdeführer kein Nachteil erwachsen und 
die Heilung soll die Ausnahme bleiben (BGE 129 I 129 E. 2.2.3, 126 V 
130 E. 2b,  Urteil  des Bundesgerichts  1A.234/2006 vom 8. Mai  2007 
E. 2.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1681/2006  vom 
13. März 2008 E. 2.4, A-1737/2006 vom 22. August 2007 E. 2.2; HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 986 f.).

2.3 Der  Mehrwertsteuer  unterliegen  insbesondere  die  Umsätze,  die 
durch  steuerpflichtige  Personen  im  Inland  mit  entgeltlich  erbrachten 

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Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen getätigt werden 
(Art. 5 Bst. a und b aMWSTG).

Mehrwertsteuerpflichtig  ist  grundsätzlich,  wer  eine  mit  der  Erzielung 
von  Einnahmen  verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit 
selbstständig ausübt,  sofern seine Lieferungen und seine Dienstleis-
tungen im Inland jährlich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen (Art. 21 
Abs. 1 aMWSTG). Eine Ausnahme von der Mehrwertsteuerpflicht be-
steht insofern, als die nach Abzug der Vorsteuer verbleibende Steuer 
(Steuerzahllast) regelmässig nicht mehr als Fr. 4'000.-- beträgt; diese 
Ausnahme bleibt  auf Jahresumsätze bis zu Fr. 250'000.--  beschränkt 
(Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG; vgl. dazu die von der ESTV herausge-
gebene Spezialbroschüre Nr. 02, Steuerpflicht bei der Mehrwertsteuer, 
gültig mit Einführung des aMWSTG per 1. Januar 2001 bis 31. Dezem-
ber 2007, Ziff. 2.2.3). Für bestehende Betriebe, bei  welchen im Zeit-
punkt  der  Aufnahme der  Tätigkeit  keine Mehrwertsteuerpflicht  gege-
ben war, beginnt die Mehrwertsteuerpflicht am 1. Januar, wenn im vor-
angehenden Jahr die oben erwähnten Betragsgrenzen kumulativ über-
schritten worden sind (Art. 28 Abs. 1 aMWSTG). Massgebend für die 
Mehrwertsteuerpflicht ist das vereinnahmte Entgelt des Vorjahres; die-
ses  ist  wie folgt  zu ermitteln: Einnahmen zuzüglich Entgelt  aus Ver-
rechnung und Warenhingabe an zahlungsstatt (ESTV, Spezialbroschü-
re Nr. 02, Steuerpflicht bei  der Mehrwertsteuer, gültig mit Einführung 
des aMWSTG per 1. Januar 2001 bis 31. Dezember 2007, Ziff. 3.3).

2.4 Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach 
dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art. 46  f.  aMWSTG;  BLUMENSTEIN/LO-
CHER, a.a.O., S. 421 ff.; ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLEN-
DER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003, 
2. Aufl., Rz. 78). Dies bedeutet vorab, dass der Leistungserbringer be-
reits  für  die  Feststellung  seiner  Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verant-
wortlich  ist  und  sich  gegebenenfalls  unaufgefordert  anzumelden  hat 
(Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteile des Bundesgerichts 2A.109/2005 
vom  10. März  2006  E. 2.1,  2A.304/2003  vom  14. November  2003 
E. 3.5; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-12/2007 vom 28. Ja-
nuar  2009  E. 2.7,  A-1544/2006  vom 11. September  2008  E. 3.1  mit 
zahlreichen Hinweisen). Bei festgestellter Mehrwertsteuerpflicht hat er 
sodann selbst und unaufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern 
abzurechnen  und  innerhalb  von  60  Tagen  nach  Ablauf  der  Abrech-
nungsperiode  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag  (Steuer  vom 
Umsatz  abzüglich  Vorsteuern)  an  die  ESTV  abzuliefern.  Die  ESTV 

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ermittelt die Höhe des geschuldeten Mehrwertsteuerbetrages nur dann 
an  Stelle  der  mehrwertsteuerpflichtigen  Person,  wenn  diese  ihren 
Pflichten  nicht  nachkommt  (Art. 60  aMWSTG;  vgl.  CAMENZIND/HONAU-
ER/VALLENDER, a.a.O., S. 569, Rz. 1680).

2.5

2.5.1 Zu  den  Obliegenheiten  der  mehrwertsteuerpflichtigen  Person 
gehört insbesondere die Buchführung (vgl. dazu die Urteile des Bun-
desgerichts  2A.552/2006  vom  1. Februar  2007  E. 3.1,  2A.109/2005 
vom 10. März 2006 E. 2.1 f.). Gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG hat die 
Mehrwertsteuerpflichtige  ihre  Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu 
führen und so einzurichten, dass sich aus ihnen die für die Feststel-
lung der  Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die Berechnung der Steuer 
und der abziehbaren Vorsteuern massgebenden Tatsachen leicht und 
zuverlässig ermitteln lassen.

Die mehrwertsteuerliche Buchführungspflicht knüpft nach dem klaren 
Wortlaut von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG und sachgerechterweise an eine 
bestehende  Mehrwertsteuerpflicht  an  ("Die  steuerpflichtige  Per-
son ..."). Insofern missverständlich, da logisch nicht denkbar, ist damit 
die Aussage,  das Mehrwertsteuerrecht  gebiete die Führung von Ge-
schäftsbüchern im oben erwähnten Sinn schon betreffend Feststellung 
der Mehrwertsteuerpflicht, besteht doch vor Entstehung der Mehrwert-
steuerpflicht eben gerade noch keine mehrwertsteuerpflichtige Person, 
welche  unter  den  Anwendungsbereich  von  Art. 58  Abs. 1  aMWSTG 
fallen könnte. Da indessen die Selbstveranlagung auch die Anmelde-
pflicht umfasst (Art. 56 aMWSTG), sind Unternehmerinnen und Unter-
nehmer, die noch nicht mehrwertsteuerpflichtig sind, gehalten, durch 
geeignete  Massnahmen periodisch  zu  überprüfen,  ob  sie  der  Mehr-
wertsteuerpflicht  unterliegen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 2.4.1,  A-1544/2006  vom 
11. September 2008 E. 3.2 mit Hinweisen).

2.5.2 Über  die  Buchführung  kann  die  ESTV  nähere  Bestimmungen 
aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie im Rahmen des Erlasses der 
Wegleitung für Mehrwertsteuerpflichtige (in erster Auflage erschienen 
im Herbst 1994 [neu herausgegeben im Frühling 1997]; als Wegleitung 
2001 zur Mehrwertsteuer [Wegleitung 2001] neu herausgegeben per 
1. Januar 2001 [und per 1. Januar 2008 als Wegleitung 2008 zur Mehr-
wertsteuer])  Gebrauch gemacht. In der – vorliegend einschlägigen – 
Wegleitung 2001 sind genauere Angaben enthalten, wie eine derartige 

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Buchhaltung  auszugestalten  ist  (Rz. 878 ff.).  Alle  Geschäftsvorfälle 
müssen fortlaufend,  chronologisch und lückenlos  aufgezeichnet  wer-
den  (Rz. 884)  und  alle  Eintragungen  haben  sich  auf  entsprechende 
Belege zu stützen,  so  dass  die  einzelnen Geschäftsvorfälle  von der 
Eintragung  in  die  Hilfs-  und  Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung 
und bis zum Jahresabschluss sowie umgekehrt leicht und genau ver-
folgt werden können (sogenannte "Prüfspur"; vgl. Rz. 893 f.).

2.6

2.6.1 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor oder 
stimmen  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen  Sach-
verhalt  offensichtlich nicht  überein,  nimmt die ESTV eine Schätzung 
nach pflichtgemässem Ermessen vor  (Art. 60  aMWSTG). Mit  Art. 60 
aMWSTG hat der Gesetzgeber die vorgängige Regelung von Art. 48 
der Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (aMWSTV, 
AS 1994 1464) übernommen, die ihrerseits bereits auf der zur Waren-
umsatzsteuer  (WUST)  ergangenen  Rechtsprechung  basiert  (PASCAL 
MOLLARD,  TVA  et  taxation  par  estimation,  veröffentlicht  in:  ASA  69 
S. 512). Die zu Art. 48 aMWSTV sowie zur Ermessenstaxation unter 
der Herrschaft der WUST etablierte Rechtsprechung bleibt somit auch 
für die Auslegung und Anwendung von Art. 60 aMWSTG anwendbar 
(Urteil des Bundesgerichts 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2). 
Diese Bestimmung ist auch heranzuziehen, falls mangels Aufzeichnun-
gen – worunter nicht nur Geschäftsbücher im Sinn von Art. 58 Abs. 1 
aMWSTG zu verstehen sind (vgl. dazu  MOLLARD, a.a.O., S. 518) –  die 
sachverhaltsmässigen  Grundlagen  zur  Beantwortung  der  Frage,  ob 
überhaupt  eine  Mehrwertsteuerpflicht  vorliegt,  nicht  einwandfrei  er-
mittelt werden können (zur Ermessensveranlagung als Sachverhaltser-
mittlung durch Schätzung vgl. grundlegend BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., 
S. 404; zur  Rechtslage bei  den direkten Steuern  THOMAS STADELMANN, 
Beweislast oder Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen, ver-
öffentlicht in: SteuerRevue [StR] 2001, S. 258 ff., S. 260).

2.6.2 Art. 60 aMWSTG unterscheidet nach dem Gesagten zwei  von-
einander  unabhängige  Konstellationen,  welche  zu  einer  Ermessens-
taxation  führen. Die  erste  ist  diejenige  der  ungenügenden Aufzeich-
nung (Konstellation 1). In diesem Fall hat eine Schätzung insbesonde-
re auch dann zu erfolgen, wenn – bei feststehender Mehrwertsteuer-
pflicht  – die Verstösse gegen die formellen Buchhaltungsvorschriften 
als  derart  gravierend  zu  qualifizieren  sind,  dass  sie  die  materielle 
Richtigkeit  der Buchhaltungsergebnisse in  Frage stellen (statt  vieler: 

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BGE 105 Ib 181 E. 4a,  Urteil  des Bundesgerichts  2A.437/2005 vom 
3. Mai 2006 E. 3.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3678/2007 
und  A-3680/2007  vom  18. August  2009  E. 3.1,  A-1578/2006  vom 
2. Oktober  2008 E. 3.2). Zweitens kann selbst  eine formell  einwand-
freie Buchführung die Durchführung einer Schätzung erfordern, wenn 
die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offen-
sichtlich  nicht  übereinstimmen  (Konstellation  2).  Dies  ist  nach  der 
Rechtsprechung der  Fall,  wenn die in  den Büchern enthaltenen Ge-
schäftsergebnisse von den von der ESTV erhobenen branchenspezifi-
schen  Erfahrungszahlen  wesentlich  abweichen,  vorausgesetzt  die 
kontrollierte  Person  ist  nicht  in  der  Lage,  allfällige  besondere  Um-
stände,  auf  Grund  welcher  diese  Abweichung  erklärt  werden  kann, 
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (statt vieler: Urteil 
des  Bundesgerichts  vom  28. August  1985,  veröffentlicht  in:  ASA 58 
S. 380 E. 2b; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-3678/2007 und 
A-3680/2007  vom  18. August  2009  E. 3.1,  A-4360/2007  vom  3. Juli 
2009 E. 3.1).

2.7

2.7.1 Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, ist 
die ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach 
pflichtgemässem  Ermessen  vorzunehmen.  Die  Fälle,  in  denen  die 
Mehrwertsteuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen 
bzw.  keine,  unvollständige  oder  ungenügende  Aufzeichnungen  über 
ihre  Umsätze  (bzw.  hinsichtlich  Feststellung  oder  Überprüfung  der 
Mehrwertsteuerpflicht)  führen,  dürfen keine Steuerausfälle  zur  Folge 
haben (Urteile des Bundesgerichts 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 
E. 3.2,  2A.552/2006 vom 1. Februar  2007 E. 3.2; Urteil  des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-3678/2007  und  A-3680/2007  vom  18. August 
2009 E. 3.2).

2.7.2 Die Vornahme der Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen 
bedeutet insbesondere, dass die ESTV diejenige Schätzungsmethode 
zu  wählen  hat,  die  den  individuellen  Verhältnissen  im  Betrieb  des 
Mehrwertsteuerpflichtigen  soweit  als  möglich  Rechnung  trägt,  auf 
plausiblen Angaben beruht  und deren Ergebnis der wirklichen Situa-
tion möglichst nahe kommt (Urteile des Bundesgerichts 2C_426/2007 
vom  22. November  2007  E. 3.2,  2A.552/2006  vom  1. Februar  2007 
E. 3.3;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1578/2006  vom 
2. Oktober  2008 E. 4.2,  A-1572/2006  vom 21. August  2008  E. 2.5.3; 
CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, Rz. 1682). In Betracht kommen einerseits 

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Schätzungsmethoden,  die  auf  eine  Ergänzung  oder  Rekonstruktion 
der  ungenügenden  Buchhaltung  hinauslaufen,  andererseits  Umsatz-
schätzungen  aufgrund  unbestrittener  Teil-Rechnungsergebnisse  in 
Verbindung mit  Erfahrungssätzen (Urteile  des Bundesverwaltungsge-
richts A-1572/2006 vom 21. August 2008 E. 2.5.3, A-1549 vom 16. Mai 
2008 E. 4.2, A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.3; 
vgl. auch MOLLARD, a.a.O., S. 530 ff.). Die brauchbaren Teile der Buch-
haltung und allenfalls vorhandene Belege sind soweit als möglich bei 
der  Schätzung mitzuberücksichtigen. Sie  können als  Basiswerte  der 
Ermessenstaxation fungieren (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 4.2,  A-1572/2006  vom 
21. August  2008  E. 2.5.3;  HANS GERBER,  Die  Steuerschätzung 
[Veranlagung nach Ermessen], in Steuer Revue [StR] 1980, S. 307).

2.8 Die ESTV zieht bei ihrer Arbeit Erfahrungszahlen heran, sei es im 
Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Ermessensveranlagung 
oder  sei  es  für  die  Vornahme  der  Schätzung.  Nach  der  Rechtspre-
chung ist  das Abstellen auf  Erfahrungszahlen grundsätzlich nicht  zu 
beanstanden (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-
3678/2007 und  A-3680/2007  vom 18. August  2009  E. 3.1,  4.2;  Ent-
scheid  der  SRK vom 24. Oktober  2005,  veröffentlicht  in:  VPB 70.41 
E. 2d/aa).

2.8.1 Erfahrungszahlen sind Ergebnisse, die aus zuverlässigen Buch-
haltungen gewonnen und nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunk-
ten  statistisch  verarbeitet  werden.  Sie  sind  keine  Rechtssätze  und 
auch keine Beweismittel  (solange sie  nicht  beispielsweise  durch ein 
Sachverständigengutachten erwiesen sind), die den Geschäftsbüchern 
gleichgestellt wären (MARTIN ZWEIFEL/SILVIA HUNZIKER, Beweis und Beweis-
last im Steuerverfahren bei der Prüfung von Leistung und Gegenleis-
tung unter dem Gesichtswinkel des Drittvergleichs ["dealing at  arm's 
length"], in: ASA 77 S. 658 ff., 665, 679 mit Hinweisen).

2.8.2 Erfahrungszahlen drücken Gesetzmässigkeiten in den Verdienst-
verhältnissen  einzelner  Branchen  aus.  Diese  Funktion  kommt  ihnen 
aber nur dann zu, wenn sie auf einer sicheren Grundlage beruhen (vgl. 
ZWEIFEL/HUNZIKER,  a.a.O.,  S.  679).  Sollen  Erfahrungswerte  Aufschluss 
über durchschnittliche Umsatzziffern geben, müssen sie deshalb breit 
abgestützt sein und sollten nebst der Betriebsstruktur und den regio-
nalen Gegebenheiten auch die Betriebsgrösse berücksichtigen (GER-
BER,  a.a.O.,  S.  312  f.;  MOLLARD,  a.a.O.,  S. 553).  Mit  anderen  Worten 

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müssen  sie  aufgrund  umfassender,  repräsentativer,  homogener  und 
aktueller  Stichproben gewonnen werden. Das verlangt,  dass sie auf-
grund einer genügenden Anzahl von Fällen ermittelt werden müssen. 
Der Stichprobenumfang lässt sich nicht in einer absoluten Zahl bestim-
men, welche für alle Branchen gültig wäre. Die Wahl der Stichproben 
darf  nicht  einseitig nur günstige oder ungünstige Verhältnisse betref-
fen. Sie muss alle Verhältnisse in angemessener Anzahl umfassen, um 
repräsentative  Ergebnisse  ermitteln  zu  können  (ZWEIFEL/HUNZIKER, 
a.a.O.,  S. 679; vgl. hierzu auch Entscheid der SRK vom 24. Oktober 
2005, veröffentlicht in: VPB 70.41 E. 4e/bb/bbb).

2.8.3 Statistische Erfahrungszahlen machen keine eindeutige Aussa-
ge über alle zu erwartenden Fälle. Es ist  deshalb durchaus möglich, 
dass aus besonderen Gründen des Einzelfalls von den Erfahrungswer-
ten abgewichen werden muss. Wird bei  erheblicher Abweichung des 
Ergebnisses der formell richtigen Buchhaltung von der Erfahrungszahl 
deren materielle  Richtigkeit  angezweifelt,  muss somit  abgeklärt  wer-
den,  ob beim Mehrwertsteuerpflichtigen bzw. bei  derjenigen  Person, 
deren Mehrwertsteuerpflicht fraglich ist, besondere Verhältnisse vorlie-
gen,  welche  diese  Abweichung  erklären  (Begründung  der  Abwei-
chung).  Bei  dieser  Abklärung  haben  sowohl  die  Steuerbehörde  als 
auch die (allenfalls) mehrwertsteuerpflichtige Person mitzuwirken. Die 
Untersuchungspflicht fordert von der Behörde, dass sie den Gründen 
für die Abweichung nachgeht. Denn diese kennt die Erfahrungszahlen, 
deren Zustandekommen und Erhebungsbasis. Die Steuerbehörde hat 
dabei  mit  der  mehrwertsteuerpflichtigen  Person  zusammenzuwirken. 
Die  Mitwirkungspflicht  verlangt  von  der  (gegebenenfalls)  pflichtigen 
Person zu begründen, warum ihre Buchhaltung von derjenigen anderer 
Unternehmen  derselben  Branche  abweicht,  da  sie  die  besonderen 
Umstände  ihrer  Unternehmung  besser  kennt  und  daher  am  besten 
eine Erklärung für die erhebliche Abweichung liefern kann (vgl.  ZWEI-
FEL/HUNZIKER, a.a.O., S. 682 f.). Diese Abklärung der möglichen Abwei-
chungsgründe bildet Bestandteil der Untersuchungspflicht und der Be-
weiswürdigung und ist  nicht  Gegenstand eines vom Mehrwertsteuer-
pflichtigen  bzw.  von  der  Person,  deren  Mehrwertsteuerpflicht  noch 
nicht feststeht, zu erbringenden Gegenbeweises. Grundsätzlich ist der 
(allenfalls)  mehrwertssteuerpflichtigen  Person  der  Gegenbeweis  erst 
dann zuzumuten,  wenn sich die Behörde eine offensichtliche Abwei-
chung der formell ordnungsgemäss geführten Buchhaltung von über-
zeugenden  Erfahrungszahlen  trotz  Erfüllung  ihrer  Untersuchungs-
pflicht nicht oder nicht genügend erklären kann. Wird aber ohne nähe-

Seite 14

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re Untersuchung der konkreten Umstände, allein aufgrund der erhebli-
chen Abweichung von den Erfahrungszahlen vermutet,  die  Buchhal-
tung sei materiell unrichtig und nicht ordnungsgemäss, wird der (gege-
benenfalls) mehrwertsteuerpflichtigen Person nicht nur die Gegenbe-
weislast zugeschoben, sondern auch deren rechtliches Gehör verletzt 
(vgl. ZWEIFEL/HUNZIKER, a.a.O., S. 684).

2.8.4 Damit die (gegebenenfalls) mehrwertsteuerpflichtige Person ih-
rer Mitwirkungspflicht überhaupt nachkommen kann, obliegt der Steu-
erbehörde ausserdem die Pflicht, ihr die Grundlagen der Erfahrungs-
zahlen kundzugeben (vgl. ZWEIFEL/HUNZIKER, a.a.O., S. 682 f. mit zahlrei-
chen Hinweisen); dies folgt aus der Begründungspflicht. Die Behörde 
hat dem Mehrwertsteuerpflichtigen die Art und Weise, wie die Ermes-
sensveranlagung zustande gekommen ist – beinhaltend auch die Zah-
len und Erfahrungswerte –, bekannt  zu geben. Sie hat  zu erläutern, 
dass die zum Vergleich herangezogenen Betriebe nicht nur der glei-
chen  Branche  entstammen  wie  das  eingeschätzte  (gegebenenfalls) 
mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen, sondern auch in anderer Hin-
sicht vergleichbar sind, wie zum Beispiel betreffend Standort, Betriebs-
grösse,  Kundenkreis  usw. (vgl. Entscheid  der  SRK vom 24. Oktober 
2005, veröffentlicht in: VPB 70.41 E. 4e/bb/aaa mit Hinweis). Nur so ist 
es  der  mehrwertsteuerpflichtigen  Person  möglich,  die  Veranlagung 
sachgerecht anzufechten (Urteil des Bundesgerichts 2A.284/2000 vom 
5. Dezember 2000 E. 3 mit Hinweisen, Entscheid der SRK vom 24. Ok-
tober 2005, veröffentlicht in: VPB 70.41 E. 4e/bb/bbb]).

Da  es  sich  bei  Erfahrungszahlen  prinzipiell  um  Durchschnittswerte 
handelt, dürfen sie im Einzelfall nicht lediglich in schematischer Weise 
angewendet werden  (Entscheid der SRK vom 24. Oktober 2005, ver-
öffentlicht in: VPB 70.41 E. 4e/bb/bbb). In Ausübung des pflichtgemäs-
sen Ermessens muss bei der Anwendung von Erfahrungszahlen des-
halb deren Streubreite (zwischen Maximal- und Minimalwert) beachtet 
werden, wenn eine den individuellen Verhältnissen gerecht werdende 
Schätzung erfolgen soll (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Mai 1983, 
veröffentlicht in: ASA 52 S. 234 E. 4; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 6.3). Inwiefern die Verwal-
tung ihr Ermessen ausgeübt hat, ist in der Entscheidbegründung dar-
zulegen.

2.8.5 Die mehrwertsteuerpflichtige Person hat sodann – auf entspre-
chendes Gesuch hin (vgl. oben E. 2.2.1) – das Recht,  unter Berück-

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sichtigung des Steuergeheimnisses, Einsicht in die Erfahrungszahlen 
zu nehmen. Der um Akteneinsicht ersuchenden Person darf mit Blick 
auf  das  Steuergeheimnis  (vgl.  für  die  Mehrwertsteuer  Art. 55 
aMWSTG) nur soweit  Einsicht  in  die zum Vergleich herangezogenen 
Daten und Zahlen gewährt werden, als diese anschliessend nicht be-
stimmten identifizierbaren Mehrwertsteuerpflichtigen zugeordnet  wer-
den können (BGE 105 Ib 181 E. 4b). Ausserdem dürfen durch die Ge-
währung  der  Akteneinsicht  keine  Geschäfts-  oder  Betriebsgeheim-
nisse anderer Mehrwertsteuerpflichtiger, auch nicht in anonymisierter 
Form, offenbart werden (Urteil  des Bundesgerichts 2A.651/2005 vom 
21. November  2006  E. 2.6.2,  2.9.1).  Inwiefern  der  mehrwertsteuer-
pflichtigen  Person  die  Angaben  für  die  Anfechtung  der  Ermessens-
taxation hilfreich sein werden, ist dabei nicht entscheidend. Unerheb-
lich ist auch, ob die mehrwertsteuerpflichtige Person über die Grundla-
gen der Nachbelastung informiert  und ihr umfassend aufgezeigt wor-
den ist, welche Aspekte bei der Umsatzaufrechnung einbezogen und 
wie die gesammelten Vergleichswerte  angewandt  wurden (Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.651/2005  vom  21.  November  2006  E. 2.9.3;  vgl. 
zum Ganzen auch MARTIN KOCHER, Einsichtnahme auch in ein vertrauli-
ches "Spezialdossier" der ESTV – Neue Rechtspraxis erlaubt vertiefte 
Akteneinsicht – noch ungeklärte Aufdeckungspflicht, in: Der Schweizer 
Treuhänder [ST] 2007/3 S. 201 ff., insbes. E. 3.2.3).

2.9

2.9.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Ein-
spracheentscheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Be-
schwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
Bst. a  VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung 
des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die 
Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG).

2.9.2 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft das Vorliegen der Vor-
aussetzungen  für  die Vornahme  einer  Ermessenstaxation  –  als 
Rechtsfrage – uneingeschränkt (statt vieler: Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts  A-3678/2007  und  A-3680/2007  vom  18. August  2009 
E. 5).  Als  ausserhalb  der  Verwaltungsorganisation  und  Behörden-
hierarchie stehendes,  von der richterlichen Unabhängigkeit  bestimm-
tes Verwaltungsgericht auferlegt dieses sich trotz des möglichen Rüge-
grundes der Unangemessenheit  bei der Überprüfung von zulässiger-
weise  erfolgten  Ermessensveranlagungen  jedoch  eine  gewisse  Zu-
rückhaltung und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte. Grundsätz-

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lich  setzt  das  Bundesverwaltungsgericht  nur  dann  sein  eigenes 
Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der 
Schätzung grössere Ermessensfehler unterlaufen sind (statt vieler: Ur-
teile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-3678/2007  und  A-3680/2007 
vom 18. August 2009 E. 5, A-1596/2006 vom 2. April  2009 E. 2.5.3). 
Diese Praxis wurde am 22. November 2007 höchstrichterlich bestätigt 
(Urteil des Bundesgerichts 2C_426/2007 E. 4.3).

2.9.3 Für  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  zur  Vornahme  einer 
Ermessenseinschätzung  ist  nach  den  allgemeinen  Beweislastregeln 
die  ESTV beweisbelastet  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 5.3,  A-1527/2006  und  A-
1528/2006  vom  6. März  2008  E. 2.4,  A-1531/2006  vom  10. Januar 
2008 E. 2.4; vgl. MOLLARD, a.a.O., S. 527). Gelangt das Gericht somit in 
freier Beweiswürdigung nicht zur Überzeugung, eine der beiden tatbe-
standsmässig vorausgesetzten Konstellationen von Art. 60 aMWSTG 
habe sich verwirklicht,  ist  gemäss der  objektiven Beweislastregel  zu 
Ungunsten  der  ESTV  zu  entscheiden  (vgl.  Urteile  des  Bundesver-
waltungsgerichts  A-5754/2008  vom  5.  November  2009  E.  2.9.3,  A-
1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 5.3,  A-1527/2006  und  A-
1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.4).

Waren die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation im Einzelfall 
erfüllt  und hat die ESTV damit zulässigerweise eine Schätzung nach 
Ermessen durchgeführt,  obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Be-
weislastregeln – der mehrwertsteuerpflichtigen Person, den Beweis für 
die Unrichtigkeit  der  Schätzung zu erbringen (statt  vieler:  Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.642/2004  vom  14. Juli  2005  E. 5.4;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3, 
A-1572/2006 vom 21. August 2008 E. 2.5.4). Sie kann sich gegen eine 
zulässigerweise durchgeführte Ermessenseinschätzung deshalb nicht 
mit  allgemeiner Kritik  zur Wehr setzen. Vielmehr hat  sie  darzulegen, 
dass die von der ESTV vorgenommene Schätzung offensichtlich feh-
lerhaft  ist,  und sie  hat  auch den Beweis für  ihre  vorgebrachten Be-
hauptungen  zu  erbringen  (anstatt  vieler:  Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.3 unter Verweis auf MOLLARD, a.a.O., 
S. 559 und die dort zitierte Rechtsprechung; vgl. auch KOCHER, a.a.O., 
E. 3.3.2).

Seite 17

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3.
Im  vorliegenden  Fall  rügt  der  Beschwerdeführer,  der  von  der  ESTV 
verwendete Kilometeransatz (Fr. 2.10) sei überhöht, es sei ein tieferer 
Kilometersatz  (Fr. 1.70)  anzuwenden. Ausserdem seien  die  von  der 
Verwaltung geschätzten Privatkilometer nicht hoch genug. Insgesamt 
ergebe  sich  eine  zu  hohe  Mehrwertsteuerbelastung,  die  zur  Über-
schreitung  der  Umsatzgrenzen  –  und  damit  zur  Auslösung  seiner 
Mehrwertsteuerpflicht – geführt hätte.

3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er verrechne im Gegensatz 
zu anderen Taxibetrieben keine Zuschlagstarife für Nacht-, Sonntags- 
und Feiertagsfahrten, auch verlange er keinen Bestellzuschlag. Er ver-
füge über keinen fixen Standplatz, sodass er überdurchschnittlich viele 
Leerfahrten zu verzeichnen habe und müsse einen wesentlichen Teil 
der Kundschaft  durch Herumfahren in der Stadt suchen; dies erhöhe 
seinen Aufwand und verringere seine Einnahmen.

Mit diesen Vorbringen bringt er sinngemäss vor, die ESTV habe eine 
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes sowie des rechtlichen Ge-
hörs zu verantworten, da sie die individuelle Situation des Betriebes 
nicht gehörig beurteilt habe.

3.2 Bei  ihrer  Sachverhaltsabklärung  ist  die  ESTV  so  vorgegangen, 
dass sie vom Beschwerdeführer die Fahrtenscheiben und Kontrollkar-
ten eingeholt hat. Zusammen mit der Beschwerde hat der Beschwer-
deführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  noch  tagesgenaue  Auswer-
tungen eingereicht, die eine Aufschlüsselung in geschäftlich und privat 
gefahrene Kilometer vornimmt. Aus diesem Vorgehen erhellt, dass die 
ESTV keine weitergehenden Beweiserhebungen vornahm, um die tat-
sächlichen Umstände aufzuklären. Sie hat demnach davon abgesehen 
–  im  Zusammenwirken  mit  dem  Beschwerdeführer  –  den  Gründen 
nachzugehen,  warum dieser  von den Erfahrungszahlen (Fr. 2.10 pro 
geschäftlich  gefahrenem  Kilometer)  möglicherweise  zu  Recht  ab-
weicht. Die ESTV hat nicht untersucht, ob beim beurteilten Taxibetrieb 
allenfalls besondere Verhältnisse vorliegen, die diese Abweichung er-
klären könnten. Die Abklärung der Gründe für eine durchaus mögliche 
individuelle  Abweichung  vom  statistischen  Durchschnittswert  bildet 
aber  Bestandteil  der  Untersuchungspflicht  und  der  Beweiswürdigung 
und ist nicht Gegenstand des vom Beschwerdeführer zu erbringenden 
Gegenbeweises. Gerade Letzteres hat die ESTV vorliegend aber be-
wirkt. Ihre Vorgehensweise hat  dazu geführt,  dass bereits  in  diesem 

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Verfahrensstadium  die  Beweislast  faktisch  umgekehrt  und  dem  Be-
schwerdeführer auferlegt wurde. Schon zu diesem Zeitpunkt oblag es 
aus ihrer Sicht diesem, den Nachweis zu erbringen, dass die Ermes-
senseinschätzung fehlerhaft  war und er nicht mehrwertsteuerpflichtig 
ist. Dies, obwohl er gar keine näheren Kenntnisse der Grundlagen – 
namentlich  etwa  der  Zusammensetzung  der  Erfahrungszahlen  –  für 
dieses  Verwaltungshandeln  hatte.  Zwar  gilt  im  Mehrwertsteuerrecht 
das Selbstveranlagungsprinzip; dieses entbindet die ESTV aber nicht 
von ihren Untersuchungspflichten (Art. 81 Abs. 2 MWSTG). Insbeson-
dere bestreitet der Beschwerdeführer seine Mehrwertsteuerpflicht und 
aufgrund  der  im Verlaufe  des  Verfahrens  eingereichten  Beweismittel 
hat  die  ESTV die  Steuerberechnung denn auch  teilweise  zu  seinen 
Gunsten korrigieren müssen.

In Fällen, in denen die ESTV anlässlich einer internen Kontrolle allein 
aufgrund des in Anwendung gebrachten durchschnittlichen Kilometer-
ansatzes von Fr. 2.10 zum Schluss kommt, der Beschwerdeführer sei 
mehrwertsteuerpflichtig,  hat sie besondere Sorgfalt walten zu lassen. 
Sie darf nicht ableiten, die geschäftlichen Aufzeichnungen seien nicht 
ordnungsgemäss  im Sinn der  Mehrwertsteuer,  insbesondere  da  das 
Mehrwertsteuerrecht  nicht  die  Führung  von  Geschäftsbüchern  im 
mehrwertsteuerlichen  Sinn  schon  betreffend  die  Feststellung  der 
Mehrwertsteuerpflicht gebietet. Vielmehr hat die ESTV ihre gesetzlich 
zur  Verfügung stehenden Möglichkeiten  auszuschöpfen  und das Zu-
mutbare vorzunehmen, um die Sachlage möglichst vollständig zu er-
forschen. Der Pflicht zur vollständigen Sachverhaltsabklärung ist sie im 
hier zu beurteilenden Fall nicht rechtsgenügend nachgekommen (vgl. 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5754/2008 E. 4.2).

3.3 Aus diesem Grund ist die Beschwerde wegen unvollständiger Ab-
klärung des entscheidwesentlichen Sachverhalts gutzuheissen und der 
Einspracheentscheid  aufzuheben. Zum gleichen Ergebnis  führt  auch 
ein weiterer Gesichtspunkt.

4.

4.1 Der Beschwerdeführer beanstandet sinngemäss auch eine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs, da er die "Angemessenheit" des von der 
ESTV angewendeten kalkulatorischen Umsatzes pro geschäftlich ge-
fahrenem Kilometer (von Fr. 2.10) rügt. Es stellt  sich die Frage, wel-
chen Teilgehalt  dieses Rechts er  mit  diesem Vorbringen anruft. Sein 
Vorwurf  trifft  die  Begründungspflicht,  ist  die  ESTV doch  verpflichtet, 

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der betroffenen Person die Art und Weise, wie die Ermessensveranla-
gung zustande gekommen ist – beinhaltend auch die Zahlen und Er-
fahrungswerte –, kundzugeben, um eine sachgerechte Anfechtung zu 
ermöglichen.

4.2 Die  ESTV  befasst  sich  im  angefochtenen  Einspracheentscheid 
bzw. in der Vernehmlassung bei der Prüfung der Voraussetzungen für 
die Umsatzschätzung in keiner Weise mit den Grundlagen der Erfah-
rungszahlen.  Sie  führt  in  der  Stellungnahme an  das  Bundesverwal-
tungsgericht vom 1. Februar 2010 lediglich aus, der verwendete Kilo-
metersatz von Fr. 2.10 stütze sich auf spezifische Angaben und Erfah-
rungswerte für die Stadt B._______. Die erhobenen Zahlen basierten 
auf den Buchhaltungsdaten von Betrieben, welche von der Verwaltung 
kontrolliert und als ordnungsgemäss akzeptiert worden seien. Der Er-
fahrungswert basiere nicht auf einer Aufwandgrösse (z. B. Benzinauf-
wand), sondern den Parametern "Umsatz" und "Kilometer".

Aus dieser Begründung zu der Erhebungsgrundlage und zur Zusam-
mensetzung der Erfahrungszahlen geht kaum bzw. nur in sehr allge-
meiner Weise hervor, nach welchen Kriterien das Zahlenmaterial erho-
ben und ausgewertet wurde (z. B. Tag- und Nachtchauffeure, "Gross-
Taxi-Halter" und Einzelunternehmer) und welche statistischen Grund-
lagen  darauf  Anwendung  fanden.  Aus der  Begründung  wird  nicht  in 
hinlänglich  nachvollziehbarer  Weise  klar,  inwiefern  die  verwendeten 
Daten (unter anderem) bezüglich der Betriebsstruktur und -grösse mit 
dem Betrieb des Beschwerdeführers gleich gelagert sind. Mangels Be-
gründung ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die ESTV in ihrem Ein-
spracheentscheid die Streubreite der Erfahrungszahlen (Minimal- und 
Maximalwerte  werden  im  Einspracheentscheid  nicht  aufgezeigt)  be-
rücksichtigt  hat. Ob sie mit  dieser Vorgehensweise ihr Ermessen tat-
sächlich  pflichtgemäss  ausgeübt  hat,  kann  deshalb  nicht  überprüft 
werden.

Insgesamt erhellt  aus der Begründung nicht,  warum die Anwendung 
der  Erfahrungszahlen  der  ESTV  beim  Beschwerdeführer  zu  einem 
sachgerechten und der Realität möglichst nahe kommenden Ergebnis 
führt.  Aus all  diesen Gründen  genügt  die  Begründung der  ESTV im 
vorliegenden Fall den rechtlichen Anforderungen an die Begründungs-
pflicht nicht. Eine Verletzung der Begründungspflicht führt in der Regel 
zur Aufhebung des angefochtenen Einsprachentscheids (vgl. Urteil des 

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Bundesverwaltungsgerichts  A-  5754/2008  vom  5. November  2009 
E. 5.4).

5.
Entsprechend  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen. Der  Einspracheent-
scheid vom 10. April  2008 ist  aufzuheben und an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Gelangt  die  Vorinstanz  aufgrund  einer  rechtsgenügli-
chen Untersuchung zum Schluss,  die  Mehrwertsteuerpflicht  des  Be-
schwerdeführers sei zu bejahen, hat sie unter Ausarbeitung einer den 
verfassungsrechtlichen  Anforderungen  entsprechenden  Begründung 
einen  neuen  Einspracheentscheid  zu  fällen. Dem  obsiegenden  Be-
schwerdeführer und der Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzu-
erlegen (Art. 63 VwVG). Der vom Beschwerdeführer geleistete Kosten-
vorschuss in Höhe von Fr. 2'000.-- ist diesem nach Eintritt der Rechts-
kraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.

Im  Übrigen  hat  die  ESTV  den  obsiegenden  Beschwerdeführer,  der 
durch einen Rechtsanwalt vertreten ist, für die ihm erwachsenen not-
wendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 
bis  9  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]). Eine Kostennote wurde nicht eingereicht, weshalb das 
Bundesverwaltungsgericht in Anwendung in Art. 14 Abs. 2 VGKE über 
die Entschädigung aufgrund der Akten zu entscheiden hat, zumal an-
gesichts der erwähnten klaren reglementarischen Grundlage auf eine 
Aufforderung  zur  Einreichung  einer  Kostennote  verzichtet  wird  (vgl. 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4146/2009 vom 9. März 2010 
E. 5.2). Angesichts  des Umfangs der  Beschwerde,  der Schwierigkeit 
der rechtlichen Fragestellungen und den nur sehr knappen Ausführun-
gen  zur  Problematik  der  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes 
bzw. der Verletzung des rechtlichen Gehörs in der Rechtsschrift  wird 
die Parteientschädigung ermessensweise auf Fr. 2'000.-- (inkl. Mehr-
wertsteuer und Barauslagen) festgesetzt.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom 
10. April 2008 wird aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im 
Sinn der Erwägungen und zum allfälligen Erlass eines neuen Einspra-
cheentscheids an die Eidgenössische Steuerverwaltung zurückgewie-
sen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der vom Beschwerdefüh-
rer geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 2'000.-- wird ihm nach 
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.

3.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat dem Beschwerdeführer eine 
Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- auszurichten.

4.
Dieses Urteil geht an:

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus Metz Johannes Schöpf

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-

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schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

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