# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88d850d2-8e98-5e21-b6e5-6865df135200
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-17
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 17.09.2020 VG.2020.00053 (VG.2020.975)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2020-00053_2020-09-17.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 17. September 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2020.00053

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemeinde Glarus Nord

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
     

    	
    vertreten durch Rechtsanwältin
    C.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Regierungsrat des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Nichterteilung der Einbürgerung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Der […] Staatsangehörige A.______ stellte am
  4. Januar 2016 bei der Gemeinde Glarus Nord ein Gesuch um Erteilung der
  eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung. Am 30. Juni 2016 ersuchte er um
  Einbezug seiner minderjährigen Kinder D.______ (geboren […]), E.______
  (geboren […]) und F.______ (geboren […]). 

  
	
   

  
	
  1.2 In ihrer Sitzung vom 21. Februar 2017 führte die
  Einbürgerungskommission der Gemeinde Glarus Nord ein Gespräch mit A.______
  und beschloss, ihr Mitspracherecht betreffend ihn und seine Kinder gegenüber
  dem Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst im negativen Sinne auszuüben. Der
  Beschluss wurde A.______ nicht eröffnet. In der Folge entschied die
  Einbürgerungskommission am 4. Juli 2018, dass das Einbürgerungsgesuch infolge
  mangelnder sozialer Integration sowie der vorhandenen fundamentalistischen
  Ansätze abgelehnt werde, was sie A.______ am 5. Juli 2018 mitteilte.

  
	
   

  
	
  1.3 Dagegen erhob A.______ am 5. September 2018
  Beschwerde beim Regierungsrat. Er beantragte die Aufhebung des Entscheids der
  Einbürgerungskommission und die Genehmigung des Einbürgerungsgesuchs. Der
  Regierungsrat trat am 12. März 2019 auf die Beschwerde nicht ein, stellte
  aber fest, dass die angefochtene Verfügung der Einbürgerungskommission
  nichtig sei. Dies begründete er im Wesentlichen damit, dass der Entscheid erhebliche
  Mängel aufweise, wobei er insbesondere durch eine unvollständig und
  unrechtmässig zusammengesetzte Behörde getroffen worden sei.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Einbürgerungskommission führte am 24. Mai 2019
  ein weiteres Einbürgerungsgespräch mit A.______. Gleichentags lehnte sie sein
  Einbürgerungsgesuch erneut ab, was sie ihm am 14. Juni 2019 mitteilte.

   

  
	
  2.2 Dagegen erhob A.______ am 16. August 2019 Beschwerde
  beim Regierungsrat und beantragte die Aufhebung des Entscheids der
  Einbürgerungskommission. Der Regierungsrat wies die Beschwerde am 21. April
  2020 ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 A.______ gelangte am 21. Mai 2020 mit Beschwerde ans
  Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des Entscheids des
  Regierungsrats vom 21. April 2020 und desjenigen der Einbürgerungskommission
  vom 24. Mai 2019. Das Einbürgerungsgesuch von ihm und seinen Kindern sei zu
  genehmigen und es sei ihnen das Schweizer Bürgerrecht zu erteilen; alles
  unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Regierungsrats und der
  Gemeinde Glarus Nord für das vorliegende Verfahren wie auch für das Verfahren
  vor dem Regierungsrat. In prozessualer Hinsicht beantragte er eine mündliche
  Verhandlung, allenfalls eine persönliche Anhörung durch ein Mitglied des
  Verwaltungsgerichts. Sodann sei auch seine Ehefrau persönlich anzuhören. Am
  18. Juni 2020 beantragte er ergänzend, das Verfahren sei im Sinne von
  Art. 136 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) kostenlos zu führen. 

  
	
   

  
	
  3.2 Der Regierungsrat schloss am 22. Juni 2020 auf Abweisung
  der Beschwerde; unter Kostenfolgen zu Lasten von A.______. Die Gemeinde
  Glarus Nord beantragte am 24. Juni 2020 die Beschwerde sei abzuweisen,
  soweit überhaupt darauf einzutreten sei; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  3.3 Am 3. September 2020 teilte A.______ dem
  Verwaltungsgericht mit, dass er von […] nach […] gezogen sei, und wies
  gleichzeitig auf einen Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich
  hin.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 105 Abs. 1
  lit. b VRG zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die
  weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2

  
	
  1.2.1 Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wird
  grundsätzlich schriftlich geführt. Nach Bedarf kann das Verwaltungsgericht
  aber zu einer mündlichen Verhandlung vorladen (Art. 96 Abs. 3 VRG). Gemäss
  Art. 47 Abs. 1 VRG kann es zudem eine Partei zum Beweis einer Tatsache
  einvernehmen und weitere Personen befragen (Art. 51 VRG). Ob eine mündliche
  Verhandlung durchzuführen ist oder zusätzliche Beweise abzunehmen sind, liegt
  im pflichtgemässen Ermessen des Gerichts.

  
	
   

  
	
  1.2.2 Vorliegend ergibt sich der rechtserhebliche
  Sachverhalt aus den Akten. Der Beschwerdeführer hatte zudem die Gelegenheit,
  sich vor der Beschwerdegegnerin 1 mündlich zu äussern. Sodann ist nicht
  ersichtlich, wie die Befragung seiner Ehefrau etwas am angefochtenen
  Entscheid ändern könnte, zumal die Vorinstanz die angeblich mangelhafte
  Unterstützung des Beschwerdeführers bei der Integration seiner Ehefrau nicht
  als entscheidwesentlich erachtete.

  
	
   

  
	
  1.2.3 Sodann lässt sich auch aus der Europäischen
  Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950 (EMRK) kein Anspruch auf
  eine mündliche Verhandlung ableiten, da Streitigkeiten über
  Einbürgerungsentscheide nicht in den Anwendungsfall von Art. 6
  Ziff. 1 EMRK fallen (Andreas Kley, Art. 6 EMRK als Rechtsschutzgarantie
  gegen die öffentliche Gewalt, Zürich 1993, S. 57). Von einer mündlichen
  Verhandlung kann daher abgesehen werden.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der
  Beschwerdegegner 2 habe in seinem Beschwerdeentscheid integral alle
  Abweisungsgründe der Beschwerdegegnerin 1 unkritisch übernommen. Die
  gegen ihn erhobenen Vorwürfe und sämtliche Ablehnungsgründe entsprächen nicht
  der Wahrheit, seien teils frei erfunden und würden sowohl das Ermessen der
  Entscheidbehörde überschreiten als auch das Willkürverbot verletzen. Das
  Einbürgerungsverfahren sei ein behördliches Trauerspiel. Es sei kein
  Verfahren mit ihm, sondern ein solches gegen ihn. Er habe sich Dinge gefallen
  lassen müssen, die in einem integren, rechtsstaatlichen Verfahren keinen
  Platz hätten. Er führe zusammen mit seiner Familie ein vorbildliches Leben.
  Seine gesamte Familie lebe nach Recht und Ordnung in der Schweiz. Wenn dem
  nicht so wäre, dann wäre dies aufgefallen, doch seine Familie habe nur
  ausgezeichnete Referenzen. Er sei überall willkommen, werde als Schweizer
  wahrgenommen, sei umgänglich, arbeitsam, sparsam, anständig, hilfsbereit und
  konfliktfrei. Durch die vorinstanzlichen Entscheide werde hingegen der
  Integrationsbegriff bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Entgegen der
  Auffassung der Vorinstanzen sei er gut integriert.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 führt aus, nur, weil die
  Familie des Beschwerdeführers die in der Schweiz geltenden Regeln akzeptiere
  und nicht negativ auffalle, heisse das nicht, dass sie die
  Integrationsvoraussetzungen erfülle, welche für eine Einbürgerung notwendig
  seien. Sie habe gestützt auf die Akten festgestellt, dass die Vermögensangabe
  des Beschwerdeführers in seinem Einbürgerungsgesuch wesentlich über dem in
  der Steuererklärung deklarierten Vermögen gelegen habe. Der Beschwerdeführer
  habe dies mit Nichtwissen bezüglich des zu deklarierenden Vermögens in der
  Steuererklärung erklärt, wobei er die Angelegenheit mittels einer straflosen
  Selbstanzeige inzwischen bereinigt habe. Sodann habe seine Angabe im
  Einbürgerungsgesuch, Mitglied einer Wandergruppe zu sein, nicht der Wahrheit
  entsprochen. Ebenso wenig sei gestützt auf die Beobachtungen anlässlich des
  Einbürgerungsgesprächs seine Aussage glaubhaft, dass er mit den Kindern immer
  deutsch spreche und dass auch die Kinder untereinander deutsch sprechen
  würden. Alles in allem scheine es der Beschwerdeführer mit der Wahrheit nicht
  so genau zu nehmen. Fragen werfe auch die Angabe der Referenzpersonen auf, da
  eine in der Vergangenheit schon negativ aufgefallen sei und eine andere den
  Beschwerdeführer nur vom Sehen und Grüssen her kenne. Das Wissen des
  Beschwerdeführers über die lokalen und kantonalen Verhältnisse sei
  bescheiden, auch habe er im Einbürgerungsgespräch nicht authentisch gewirkt.
  Der Beschwerdeführer übersehe, dass die Integration insbesondere auch
  voraussetze, dass die Gesuch stellende Person mit den Lebensgewohnheiten,
  Sitten und Gebräuchen im Kanton vertraut und in die Gesellschaft
  eingegliedert ist.

  
	
   

  
	
  2.3 Der Beschwerdegegner 2 führt aus, er habe sich
  einlässlich und differenziert mit dem erstinstanzlichen Entscheid und der ihm
  zugrundeliegenden Begründung auseinandergesetzt. Dabei sei er zum Schluss
  gekommen, dass die Beschwerdegegnerin 1 das Erfordernis einer genügenden
  Eignung und Integration des Beschwerdeführers für die Einbürgerung zu Recht
  verneint habe. Weder aus dem Bundesrecht noch aus dem kantonalen Recht gebe
  es einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung. Vielmehr verfügten die
  Einbürgerungsbehörden über einen gewissen, von den Rechtsmittelinstanzen zu
  beachtenden Beurteilungsspielraum. Es bestehe sodann keine gesetzliche oder
  natürliche Vermutung, dass wer die obligatorische Schule vollständig in der
  Schweiz und zumindest teilweise im Kanton besucht habe, als vertraut mit den
  schweizerischen und örtlichen Gegebenheiten gelte und deshalb seine
  Kenntnisse der geographischen, historischen, politischen und
  gesellschaftlichen Verhältnisse in Bund, Kanton und Gemeinde nicht mehr
  nachweisen müsse. Die Beschwerdegegnerin 1 habe ihren Entscheid überdies
  nicht nur einseitig auf die mangelhaften Kenntnisse des Beschwerdeführers
  gestützt, sondern im Rahmen einer Gesamtbeurteilung auch mit dem fehlenden
  Integrationswillen des Beschwerdeführers begründet.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Am 1. Januar 2018 trat das Bundesgesetz über das
  Schweizer Bürgerrecht vom 20. Juni 2014 (BüG) in Kraft. Dieses sieht in der
  Übergangsbestimmung von Art. 50 Abs. 2 vor, dass vor dem
  Inkrafttreten des Gesetzes eingereichte Gesuche bis zum Entscheid über das
  Gesuch nach den Bestimmungen des bisherigen Rechts behandelt werden.
  Ebenfalls am 1. Januar 2018 trat das kantonale Gesetz über das Kantons- und
  Gemeindebürgerrecht vom 1. Mai 2016 (KBüG) in Kraft. Wie das Bundesgesetz
  sieht es in Art. 24 vor, dass bei Inkrafttreten des Gesetzes bereits
  eingereichte Einbürgerungsgesuche nach dem bisherigen Recht beurteilt werden.

  
	
   

  
	
  3.2 Der Beschwerdeführer reichte sein
  Einbürgerungsgesuch am 4. Januar 2016 und damit vor Inkrafttreten der neuen
  Gesetze ein. Damit sind vorliegend das Bundesgesetz über Erwerb und Verlust
  des Schweizer Bürgerrechts vom 29. September 1952 (aBüG) und das Gesetz
  über das Kantons- und Gemeindebürgerrecht vom 2. Mai 1993 anwendbar
  (aKBüG).

  
	
   

  
	
  3.3

  
	
  3.3.1 Für die ordentliche Einbürgerung muss der
  Gesuchsteller die gesetzlichen Wohnsitzerfordernisse erfüllen (Art. 15 aBüG).
  Überdies ist gemäss Art. 14 aBüG vor Erteilung der Bewilligung zu
  prüfen, ob der Bewerber zur Einbürgerung geeignet ist, insbesondere ob er in
  die schweizerischen Verhältnisse eingegliedert ist (lit. a), mit den
  schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen vertraut ist
  (lit. b), die schweizerische Rechtsordnung beachtet (lit. c) und die
  innere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (lit. d). Die
  Kantone sind in der Ausgestaltung der Einbürgerungsvoraussetzungen insoweit
  frei, als sie hinsichtlich der Wohnsitzerfordernisse oder der Eignung
  Konkretisierungen des bundesgesetzlich vorgeschriebenen Rahmens vornehmen
  können, solange ihre Anforderungen selbst verfassungskonform sind und eine
  Einbürgerung nicht übermässig erschweren (BGE 146 I 49 E. 2.2,
  mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.3.2 Nach Art. 20 Abs. 1 aKBüG kann um Aufnahme in das
  Gemeinde- und Kantonsbürgerrecht nachsuchen, wer zur Einbürgerung geeignet
  und integriert ist. Eignung und Integration sind nach Art. 20 Abs. 2 aKBüG
  insbesondere gegeben, wenn die Gesuch stellende ausländische Person im Besitz
  der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung ist (lit. a); mit den
  Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen im Kanton vertraut und in die
  Gesellschaft eingegliedert ist (lit. b); über ausreichende Kenntnisse der
  deutschen Sprache zur Verständigung mit den Behörden und der einheimischen
  Bevölkerung verfügt (lit. c); die Rechtsordnung, insbesondere Verfassung und
  Gesetze, beachtet (lit. d); den Lebensunterhalt für sich und die im gleichen
  Haushalt lebenden Familienangehörigen, für die sie zu sorgen hat, aus eigenen
  Mitteln zu bestreiten vermag (lit. e); bei der Einreichung des Gesuchs
  gesamthaft während sechs Jahren im Kanton gewohnt hat, wovon die letzten drei
  Jahre ohne Unterbruch in der Gemeinde, in der das Bürgerrecht beantragt wird
  (lit. f).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Nach Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung der
  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) ist die
  Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts gewährleistet. Die
  Gemeinden sind in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen
  nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur
  Regelung überlässt und ihnen dabei eine relativ erhebliche
  Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf
  die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorschriften beziehen
  oder einen entsprechenden Spielraum bei der Anwendung kantonalen oder
  eidgenössischen Rechts betreffen. Der Schutz der Gemeindeautonomie setzt eine
  solche nicht in einem ganzen Aufgabengebiet, sondern
  lediglich im streitigen Bereich voraus. Im Einzelnen ergibt sich der Umfang
  der kommunalen Autonomie aus dem für den entsprechenden Bereich anwendbaren
  kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (BGE 144 I 193
  E. 7.4.1, 139 I 169 E. 6.1, 137 I 235 E. 2.2).

  
	
   

  
	
  4.2 Gemäss Art. 115 Abs. 2 der Verfassung des Kantons
  Glarus vom 1. Mai 1988 (KV) sind den Gemeinden in den Schranken von
  Verfassung und Gesetz ihr Bestand und das Recht, ihre Angelegenheiten
  selbständig zu regeln, gewährleistet. Sie besorgen alle örtlichen
  Angelegenheiten, für die weder der Bund noch der Kanton ausschliesslich
  zuständig sind (Art. 119 Abs. 1 KV). 

  
	
   

  
	
  4.3 Art. 21 Abs. 2 aKBüG überlässt den Entscheid über
  Einbürgerungsgesuche den Gemeinden. Diese haben bei ihrem Entscheid zwar
  Bundes- und kantonales Recht anzuwenden, verfügen aber über einen durch die
  Gemeindeautonomie geschützten Spielraum bei der Rechtsanwendung. Diesen
  Ermessensspielraum haben sämtliche Rechtsmittelinstanzen zu beachten. Sie
  dürfen erst dann eingreifen, wenn die Gemeinde ihr Ermessen nicht
  pflichtgemäss, das heisst in Widerspruch zum Sinn und Zweck der
  Bürgerrechtsgesetzgebung ausübt (vgl. BGE 137 I 235
  E. 2.4). 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Es ist unbestritten, dass der im Jahr […] geborene
  Beschwerdeführer, welcher im Kleinkindalter in die Schweiz einreiste und –
  mit einem Unterbruch von zwei Jahren […] – in der Schweiz wohnte, die bundes-
  und kantonalrechtlichen Wohnsitzerfordernisse erfüllt. Nicht strittig ist
  sodann, dass der Beschwerdeführer einwandfrei deutsch spricht und den
  Lebensunterhalt für sich und seine Familienmitglieder aus eigenen Mitteln
  bestreiten kann. Ferner ist der Beschwerdeführer nicht im Strafregister
  verzeichnet, was darauf schliessen lässt, dass er die Rechtsordnung beachtet.

  
	
   

  
	
  5.2 Die Beschwerdegegnerin 1 lehnte das
  Einbürgerungsgesuch des Beschwerdeführers dennoch aus folgenden Gründen ab:
  Er verfüge nicht über ausreichende Kenntnisse der lokalen Geographie und sei
  über aktuelle politische und kulturelle Themen der Gemeinde nicht genügend
  informiert. Die Kenntnisse über die kantonale Politik und die kantonalen Spezialitäten
  seien nicht genügend. Hinsichtlich des in den Akten befindlichen
  Integrationsberichts stelle er sich als Opfer einer Lüge dar, was sie
  befremdlich finde. Die Aussage, dass er mit seinen Kindern deutsch spreche,
  werde stark angezweifelt, da er während des Einbürgerungsgesprächs mit seinen
  Kindern nur […] gesprochen habe. Es sei sodann fraglich, ob er die
  Integration seiner Ehefrau fördere, da es ihm gleichgültig sei, ob sie
  Schweizerin werden möchte oder nicht. Es sei zudem unklar, was seine Ehefrau dazu
  bewege, einerseits das Kopftuch als solches und andererseits dieses in einer
  Weise, wie sie es trage, zu tragen. Seine Nachbarin, welche er als
  Referenzperson angegeben habe, habe gar keine Referenz erteilen können, da
  sie ihn nur vom Sehen und Grüssen her kenne. Er wisse weder, wie die
  Kindergartenlehrperson seines Sohnes heisse, noch wisse er, welchen
  Kindergarten der Sohn besuche. Er kenne die Namen der Kameraden seiner Kinder
  nicht, obwohl er angebe, seine Freizeit mit seiner Familie zu verbringen. Im
  Erhebungsbericht habe er angegeben, dass "Wandern" eines seiner
  Hobbys sei und er in einer Wandergruppe sei. Im Einbürgerungsgespräch habe er
  hingegen ausgeführt, dass er noch nie auf einem Berg gewesen sei, aber
  letzthin gedacht gehabt habe, er könnte mal wandern gehen. Im Gespräch sei er
  sehr fordernd aufgetreten und habe mehrfach mit Nachdruck die Auffassung
  vertreten, er habe einen Anspruch auf seine Einbürgerung. Sodann habe er ihr
  ihre Fehler vorgehalten und sich lange bei dieser Thematik aufgehalten. Er
  habe zudem nicht als offene, ehrliche und authentische Person wahrgenommen
  werden können. Zusammenfassend halte sie ihn als nicht genügend integriert.

  
	
   

  
	
  5.3 Dem Erfordernis der Eingliederung in die hiesigen
  Verhältnisse und des Vertrautseins mit den schweizerischen und lokalen
  Lebensumständen liegen unbestimmte und auslegungsbedürftige Rechtsbegriffe
  zugrunde. Gemeint sind einerseits die wirtschaftliche und soziale
  Eingliederung und andererseits Grundlagenkenntnisse der Staatskunde und
  Geschichte, der Geographie sowie von kulturellen Sitten und Gebräuchen. Eine
  genügende Integration setzt nicht die Mitgliedschaft in Vereinen oder anderen
  Gemeindeorganisationen voraus. Die soziale Eingliederung kann auch über die
  Arbeit erfolgen. Selbst ein zurückgezogenes Leben schliesst eine Integration
  je nach den konkreten Umständen nicht von vornherein aus. Zwar kann eine
  gewisse Anpassung verlangt werden, die Aufgabe der eigenen kulturellen
  Herkunft und Identität aber nicht. Überdies müssen die Anforderungen insgesamt
  verhältnismässig und diskriminierungsfrei sein und sie dürfen nicht überzogen
  erscheinen. Insbesondere handelt es sich bei der Prüfung der
  Einbürgerungsvoraussetzungen nicht um ein Fachexamen, bei der sich
  Kandidierende über Spezialkenntnisse und -begriffe auszuweisen haben.
  Vielmehr geht es um die Beurteilung von Lebenssachverhalten und um
  Grundkenntnisse des Allgemeinwissens. Spitzfindigkeiten haben im
  Einbürgerungsverfahren keinen Platz und die Ansprüche an das Wissen der
  Gesuchsteller dürfen nicht überhöht werden. Es darf nicht mehr verlangt
  werden, als auch von einem durchschnittlichen Schweizer mit Wohnsitz in der
  Gemeinde vernünftigerweise erwartet werden dürfte. Schliesslich dürfen bei
  der Beurteilung der Integration als Ganzes die kantonalen und kommunalen
  Behörden zwar den einzelnen Kriterien eine gewisse Gewichtung beimessen.
  Insgesamt muss die Beurteilung aber ausgewogen bleiben und darf nicht auf
  einem klaren Missverhältnis der Würdigung aller massgeblichen Gesichtspunkte
  beruhen. Die Fokussierung auf ein einziges Kriterium ist unzulässig, es sei
  denn, dieses falle, wie etwa eine erhebliche Straffälligkeit, bereits für
  sich allein entscheidend ins Gewicht. Erforderlich ist eine Gesamtwürdigung
  aller massgeblichen Aspekte im Einzelfall. Ein Manko bei einem Gesichtspunkt
  kann, so lange dieser nicht für sich allein den Ausschlag gibt, durch Stärken
  bei anderen Kriterien ausgeglichen werden (BGE 146 I 49
  E. 4.3 f.).

  
	
   

  
	
  5.4

  
	
  5.4.1 Die Beschwerdegegnerin 1 stellte dem
  Beschwerdeführer anlässlich des Einbürgerungsgesprächs vom 24. Mai 2019
  verschiedene Fragen zur Staatskunde, zur Politik, zur Geographie und zu
  kantonalen Spezialitäten. Allen Fragen gemein war, dass sie fair und eher
  einfach zu beantworten waren. Der Beschwerdeführer konnte dabei beispielsweise
  verschiedene Grundrechte der Bundesverfassung aufzählen und wusste das Datum
  der National- und Ständeratswahlen, ohne dass er Letzteres aber gefragt
  worden wäre. Richtig waren auch seine Ausführungen zu Aufgaben von Gemeinde,
  Kanton und Bund. Ferner konnte er das Landsgemeindemenu fast korrekt
  benennen; er verwechselte lediglich eine Kalbsbratwurst mit der für den
  Kanton typischen Kalberwurst. Hingegen scheiterte er teilweise bei der
  Abfrage von geographischen Kenntnissen bereits bei einfachsten Fragen. Obwohl
  die Linth den gesamten Kanton durchfliesst und für den Kanton eminente
  Bedeutung hat, konnte er beispielsweise die Frage nach dem wichtigsten Fluss
  im Kanton nicht beantworten.

  
	
   

  
	
  Alleine aufgrund der
  mangelhaften geographischen Kenntnisse durfte die Beschwerdegegnerin 1
  aber nicht auf eine nur ungenügende Eignung des Beschwerdeführers zur
  Einbürgerung schliessen.

  
	
   

  
	
  5.4.2 Analysiert man das Gespräch etwas genauer, fällt
  auf, dass der Beschwerdeführer immer dann Mühe hatte, wenn Fragen zu aktuellen
  Themen gestellt wurden. Obwohl das Gespräch nicht einmal drei Wochen nach der
  Landsgemeinde durchgeführt worden war, konnte der Beschwerdeführer nicht
  beantworten, wie das Wetter am Landsgemeindesonntag war. Dabei war das
  garstige Wetter mit Schneefall an der Landsgemeinde über Wochen das
  Hauptthema im Kanton. Er konnte auch kein Geschäft benennen, über welches an
  der Landsgemeinde abgestimmt worden war. Sodann kannte er keine wichtigen
  kommunalen Projekte und wusste nicht, dass die Lintharena saniert und
  umgebaut werden muss, obwohl es sich dabei um eine Thematik handelt, welche
  nicht nur die Gemeinde, sondern den ganzen Kanton beschäftigt. Ebenso wenig
  konnte er die Erweiterung des Schulhauses […] nennen, obwohl er unmittelbar
  in der Nähe des Schulhauses wohnte.

  
	
   

  
	
  Dass der Beschwerdeführer
  die Fragen zu den aktuellen Themen nicht beantworten konnte, wiegt schwerer
  als seine mangelhaften geographischen Kenntnisse, lässt sich doch daraus
  willkürfrei der Schluss ziehen, dass er am aktuellen Geschehen in der
  Gemeinde und im Kanton nicht interessiert ist.

  
	
   

  
	
  5.4.3 Der Beschwerdeführer hat über seinen Beruf als […]
  Kontakt mit Schweizer Kunden. Ihm wird zudem von den von ihm angegebenen
  Referenzpersonen bescheinigt, ein freundlicher und angenehmer Nachbar und
  Arbeitnehmer zu sein. Auch nahm er gemäss den im verwaltungsgerichtlichen
  Verfahren eingereichten Schreiben an den Elternabenden im Kindergarten und
  der Schule teil, wusste aber am Einbürgerungsgespräch nicht, wo sein Sohn
  E.______ in den Kindergarten geht. Obwohl der Beschwerdeführer mehrfach die
  Gelegenheit hatte, entsprechende Nachweise ins Verfahren einzubringen, fehlt
  indessen jeder Beleg, dass er freiwillig einen engeren Kontakt zur
  einheimischen Bevölkerung pflegt bzw. am sozialen Leben in seiner
  Wohngemeinde teilnimmt. Ins Bild, dass er den Kontakt zu Schweizerinnen und
  Schweizern ausserhalb seiner beruflichen Tätigkeit nicht sucht oder gar
  meidet, passt dabei einerseits seine Aussage, dass er seine Freizeit im Kreis
  seiner Familie verbringe. Anderseits fügt sich darin ein, dass er zu
  aktuellen Themen, die schnell zum Gegenstand von Gesprächen mit der
  einheimischen Bevölkerung werden können, keinerlei Auskunft erteilen konnte.

  
	
   

  
	
  5.4.4 Die Beschwerdegegnerin 1 berücksichtigte sodann bei
  ihrer Beurteilung des Gesuchs, dass der Beschwerdeführer in verschiedener
  Hinsicht nicht ehrlich gewesen war. Dies ist nicht zu beanstanden. So gab er
  im Erhebungsbericht an, dass Wandern ein Hobby von ihm und dass er Mitglied
  einer Wandergruppe sei, während sich im Gespräch mit der
  Beschwerdegegnerin 1 herausstellte, dass er letztmals in der Schule
  wandern war und höchstens schon daran gedacht hat, künftig einmal wandern zu
  gehen. Weiter gab er im Einbürgerungsgespräch an, dass er mit seiner Frau […]
  und seinen Kindern deutsch spreche, sprach mit Letzteren aber just an diesem
  Gespräch […]. 

  
	
   

  
	
  5.5 Zusammenfassend begründete die
  Beschwerdegegnerin 1 die Ablehnung des Einbürgerungsgesuchs nicht
  alleine mit einzelnen Wissenslücken des Beschwerdeführers. Vielmehr zeichnete
  sie das Gesamtbild eines Gesuchstellers, der erhebliche geographische Lücken
  aufweist, weder am aktuellen Geschehen noch am Kontakt mit der einheimischen
  Bevölkerung interessiert ist und gegenüber den Behörden unehrlich auftritt.
  Zwar gibt es durchaus Punkte, die zu Gunsten des Beschwerdeführers zu werten
  sind. Das Verwaltungsgericht hat indessen den grossen Ermessensspielraum der
  Beschwerdegegnerin 1 zu respektieren. Diese durfte aufgrund ihrer
  Gesamtbeurteilung willkürfrei zum Schluss kommen, der Beschwerdeführer sei
  nur ungenügend integriert, und folglich sein Einbürgerungsgesuch abweisen.
  Anders zu entscheiden hiesse, die Gemeindeautonomie zu verletzen. Daran
  ändern auch die vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte Entscheide anderer
  kantonaler Verwaltungsgerichte nichts, kommt diesen doch für das vorliegende
  Verfahren keinerlei Verbindlichkeit zu.

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die
  Beschwerde abzuweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Die Gerichtskosten von
  pauschal Fr. 1'500.- sind ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer
  aufzuerlegen und mit dem von ihm bereits in gleicher Höhe geleisteten
  Kostenvorschuss zu verrechnen (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG). Entgegen seiner
  Auffassung bestehen keine besonderen Gründe im Sinne von Art. 136 Abs. 1 lit.
  b VRG, die eine Ermässigung der Kosten oder gar einen Verzicht auf die
  Kostenauflage rechtfertigen würden. Mangels Obsiegens steht ihm keine
  Parteientschädigung zu (Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG e
  contrario). Eine solche ist auch der Beschwerdegegnerin 1 nicht
  zuzusprechen, da keine besonderen Umstände im Sinne von Art. 138
  Abs. 4 VRG vorliegen, welche die Zusprache einer Parteientschädigung an
  Behörden rechtfertigen würden.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gemäss Art. 83 lit. b des
  Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 ist gegen diesen
  Entscheid die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans
  Bundesgericht unzulässig. Dem Beschwerdeführer steht einzig die subsidiäre
  Verfassungsbeschwerde gemäss Art. 113 ff. BGG offen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtkosten von Fr. 1'500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und mit
    dem von ihm in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]