# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f34935cf-24f9-5851-af04-ff4f50c1bd16
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-26
**Language:** de
**Title:** Substantiierung des Schadens; Anforderungen.
**Docket/Reference:** AK.2013.00024
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2013.00024.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2013.00024
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Gerichtsschreiber Stocker
Urteil
vom
26. Juni 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Stephan Kübler
Wiegand Kübler Rechtsanwälte
Stadthausstrasse 125, Postfach 2578, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die
Y.___
mit
Sitz in
Z.___
war der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (Urk. 8/462). Mit Verfügung vom 9. Dezember 2010 löste der Einzelrichter des Bezirksgerichts Zürich die Gesellschaft auf und ordnete ihre Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs gemäss Art. 819 des Obligationenrechts (OR) in Verbindung mit Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR an (Urk. 16).
Am 17. März 2011 meldete die Ausgleichskasse im
Konkursverfahren der
Y.___
eine Forderung für geschuldete Beiträge an die AHV/IV/EO, FAK und ALV in der Höhe von Fr. 369'948.15 zur Kollokation an (Urk. 8/394). Mit Schreiben vom 4. April 2011 (Urk. 8/402) teilte das Kon
kursamt Unterstrass-Zürich der Ausgleichskasse mit, dass sie vermutlich voll zu Schaden kommen werde. Am 25. Mai 2011 wurden das Konku
r
sverfahren ge
schlossen und die Gesellschaft von Amtes wegen gelöscht (Urk. 16).
Mit Verfügung vom 17. Februar 2012 (Urk. 8/443) verpflichtete die
Ausgleichs
kasse
X.___
, ehemals
Geschäftsführerin und Direktorin der Kon
kursitin, zur Zahlung von Schadenersatz in der Höhe von Fr. 369'948.15 (als Einzelhafterin). Die dagegen mit Eingabe vom 23. März 2012 (Urk. 8/449) erho
be
ne Einsprache hiess die Ausglei
chskasse mit Entscheid vom 28. März 2013 (Urk. 2 = Urk. 8/461) teilweise gut und reduzierte die geforderte Schadener
satzsumme auf Fr. 308'180.55.
2.
Dagegen
liess
X.___
mit
Eingabe vom 7. Mai 2013 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit
folgenden
Anträgen:
In Gutheissung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid der SVA Zürich, Ausgleichskasse vom 28. März 2013 ersatzlos aufzuheben.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin für das Einspracheverfahren eine Parteientschädigung zu zahlen.
Alles unter Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zu Lasten der Be
schwerdegegnerin.
In verfahrensrechtlicher
Hinsicht liess
X.___
beantragen, es sei ein weiterer ehemaliger Geschäftsführer der
Y.___
, näm
lich
A.___
(wohnhaft im
B.___
und
C.___
) zum vorliegenden Beschwerdeverfahren beizuladen. Die Aus
gleichskasse schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2013 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde.
X.___
liess in ihr
er Replik vom 12. August 2013 (Urk. 11) an ihren Anträgen festhalten. Die Ausgleichskasse verzichtete mit Schreiben vom
11. September 2013
(Urk. 14) auf die Erstattung einer Duplik. Von Amtes wegen wurde ein Handelsregisterauszug der
Y.___
beigezogen (Urk. 16).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit
für die Entscheidfindung erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversi
cherung (AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in An
spruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (Art. 21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädi
gung)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (Art. 25 lit. c). Gleiches gilt für die bis
31. Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab 1. Januar 2008 bis 30. Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts 2P.251/19
96 vom 30. Juni 1997).
1.2
1.2.1
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hin
weisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitge
bers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
1.2.2
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Aus
gleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52
Abs.
3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52
Abs.
3 AHVG ist in der Regel von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Ge
gebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 425 E. 3.1, 129 V 193
E. 2.1, 128 V 15 E. 2a, 126 V 443 E. 3a, 452 E. 2a, 121 III 386 E. 3b, je mit Hin
weisen).
Im Falle eines Konkurses oder Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung hat die Kasse nicht notwendigerweise erst Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52
Abs.
3 AHVG, wenn sie in die Verteilungsliste und Schlussrechnung des Konkursamtes oder Liquidators Einsicht nehmen kann oder einen Verlustschein erhält; denn wer im Rahmen solcher Verfahren einen Verlust erleidet und auf Ersatz klagen will, hat praxisgemäss in der Regel bereits dann ausreichende Kenntnis des Schadens, wenn die Kollokation der Forderungen eröffnet bezie
hungsweise der Kollokationsplan (und das Inventar) zur Einsicht aufgelegt wird. In diesem Zeitpunkt ist oder wäre der Gläubiger im Allgemeinen in der Lage, den Stand der Aktiven, die Kollokation seiner Forderung und die voraussichtli
che Dividende zu kennen (BGE 126 V 443 E. 3a, 119 V 89 E. 3, je mit Hinwei
sen).
1.2.3
Im
Konkursverfahren der
Y.___
lagen
das Inventar und der Kollokationsplan vom 1. bis zum 11. beziehungsweise 21. April 2011 zur Einsicht auf (vgl. Urk. 8/407 S. 1). Am 4. April 2011 teilte das Konkursamt Un
terstrass-Zürich - wie bereits erwähnt - der Beschwerdegegnerin mit, dass sie vermutlich voll zu Schaden kommen werde (Urk. 8/403). Damit wurde die zweijährige Verjährungsfrist von Art. 52
Abs.
3 AHVG ausgelöst. Mit Erlass der Schadenersatzverfügung vom
17. Februar 2012 (Urk. 8/443)
wahrte die Be
schwerdegegnerin diese Frist. Die streitgegenständliche Forderung ist demnach nicht verjährt.
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitge
berbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
2.2.1
Die
Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegen die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf die Jahresabrechnungen der
Y.___
für die Jahre 2007 bis 2009 (Urk. 8/135, 8/248 und 8/318) und d
ie Berichte des Revisors vom 4.
November 2008 (Urk. 8/216) und 4. März 2011 (
Urk. 8/380). Des Weiteren liegen der Kontoauszug vom 18. November 2011 (Urk. 3/3), zahl
reiche
Mahnungen
(vgl. etwa Urk. 8/157, 8/166-167, 8/169, 8/172-173,
8/217-218, 8/246, 8/249-251, 8/261-264, 8/267, 8/273 und 8/294),
Betreibungsbe
gehren
(vgl. etwa Urk. 8/245, 8/260, 8/266 und 8/293),
Zahlungsbefehle
(vgl. etwa Urk. 8/252, 8/269 und 8/275-277)
und Verzugszinsabrechnungen
(vgl. etwa Urk. 8/151-152, 8/222 und 8/226)
bei den Akten (vgl. dazu auch die ent
sprechenden Buchungen in Urk. 3/3).
Aus den Jahresabrechnungen 2007 (Urk. 8/135/1-3 und 8/135/4), 2008 (Urk. 8/248) und 2009 (Urk. 8/318) sowie den Revisionsberichten vom 4.
November 2008 (Urk. 8/216) und 4. März 2011 (Urk. 8/380)
geht hervor, dass die
Y.___
in den Jahren 2007 bis 2009 (bis Ende Septem
ber 2009) Lohnzahlungen von insgesamt Fr. 8‘731‘822.30 (= Fr. 4‘235‘173.
+ Fr. 447‘725.
1 Fr. 170‘984.
+ Fr. 2‘919‘176.35 + Fr. 7‘880.
+ Fr. 950‘883.95) ausgerichtet hat.
2.2.2
Der von der Beschwerdegegnerin zunächst verfügungsweise geltend gemachte Ausstand von insgesamt Fr. 369‘948.15 resultiert aus der Gegenüberstellung der gemäss Kontoauszug und Beitragsübersicht geschuldeten Sozialversicherungs
beiträge zuzüglich Nebenkosten und der von der
Y.___
geleisteten Zahlungen (vgl. Urk. 3/3).
Im angefochtenen Einspracheentscheid reduzierte die Beschwerdegegnerin diese Forderungssumme auf Fr. 308‘180.55. Sie berücksichtigte dabei, dass die Be
schwerdeführerin
bereits mit Schreiben der
Y.___
vom
17. Juni 2009
(Urk. 8/454) als Direktorin per Ende August 2009 gekündigt und sofort freigestellt worden war (Löschung im
Handelsregister
am 19. Oktober 2010 [
Urk. 16
]
)
und es ihr ab diesem Zeitpunkt (zumindest faktisch) nicht mehr möglich war, für die Gesellschaft zu handeln
; für die danach angefallenen Bei
trags
ausstände kommt eine Haftung der
Beschwerdeführer
in
grundsätzlich nicht in Frage. Die Beschwerdegegnerin legte im Einspracheentscheid vom 28. März 2013 im Einzelnen dar
,
um welche Positionen
, für die eine Haftung der Be
schwerdeführerin von vornherein
ausgeschlossen ist,
es sich dabei handelte (vgl. Urk. 2 S. 3
sowie die entsprechenden Korrekturen im Kontoauszug [Urk. 3/3]
).
2.3
Die Beschwerdeführerin liess die Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin in masslicher Hinsicht in diversen Punkten kritisieren.
Diese
n
Einwendungen
trat die
Beschwerdegegnerin
weder
im angefochtenen Einspracheentscheid
noch im vorliegenden Prozess, in dem sie in masslicher Hinsicht auf den Einsprache
entscheid verwies, umfassend entgegen
.
Die Beschwerdeführerin liess insoweit namentlich ausführen, dass diverse Gut
schriften
für die
Y.___
,
die mit Schreiben vom 10. Februar 2012 (Urk. 8/432-442) angekündigt worden waren, im Kontoaus
zug, welcher der streitgegenständlichen Forderung zugrunde liegt (Urk. 3/3), nicht verbucht wurden. Bei den genannten Gutschriften handelt es sich um er
hebliche Beträge, nämlich
-
unter anderem
-
Fr. 35‘182.75 (Urk. 8/432), Fr. 34‘767.70 (Urk. 8/434), Fr. 21‘450.80 (Urk. 8/435), Fr. 46‘316.05 (Urk. 8/436), Fr. 22‘247.40 (Urk. 8/437) und Fr. 196‘966.30 (Urk. 8/442). Der Hintergrund
und
die Tragweite
diese
r (angeblichen) Gutschriften sind
unklar; die Beschwerdegegnerin äusserte sich hierzu nicht. Klar ist aber auch, dass diese Gutschriften (als verbucht am 10. Februar 2012 angezeigt) nicht in den Konto
auszug vom 18. November 2011 (Urk. 3/3), der die Grundlage der Schadensbe
rechnung der Beschwerdegegnerin darstellt, Eingang fanden beziehungsweise - aus Gründen der zeitlichen
Abfolge - finden konnten.
Die in Urk. 3/3 hand
schriftlich gemachten Korrekturen berücksichtigen lediglich das frühere Aus
scheiden der Beschwerdeführerin aus der
Y.___
, einen Zusammenhang mit der fraglichen Verbuchung von Gutschriften (und entspre
chendem
etwaigem Ausgleich der Rechnungen) haben sie jedoch nicht.
Der Ansicht der Beschwerdegegnerin, dass der von ihr geltend gemachte Schaden
ersatzbetrag von Fr. 308‘180.
durch ihre Vorbringen und die A
kten substanz
iiert und belegt sei, kann nicht gefolgt werden. Entweder sind nämlich die bei den Akten liegenden Gutschriftsanzeigen vom 10. Februar 2012 (Urk. 8/432-442) unkorrekt oder der Kontoauszug vom 18. November 2011 (Urk. 3/3 inklusive handschriftliche Korrekturen)
ist
unvollständig
und somit der ausgewiesene Saldo
unzutreffend
.
Insoweit ist jedenfalls in den Akten ein nicht
zu
erklärender Widerspruch vorhanden
.
2.4
Das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht hielt in seinem Urteil H 301/00 vom 13. Februar 2002 zur Pflicht der Ausgleichskassen, die Schaden
ersatzforderung im Prozess zu substanziieren,
Folgendes fest (E. 2c, vgl. auch das gleichentags ergangene Urteil
H 438/00 sowie das Urteil des Bundesgerichts 9C_901/2008 vom 8. Juli 2009 E. 4.1):
„Der Schadenersatzprozess gemäss Art. 81 AHVV ist vom Untersu
chungsgrundsatz beherrscht (Art. 81 Abs. 3 AHVV in Verbindung mit Art. 85 Abs. 2 lit. c AHVG), welcher besagt, dass der Richter von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat (vgl. BGE 108 V 197 Erw. 5). Der Untersuchungsgrundsatz gilt aber nicht uneinge
schränkt, sondern wird durch die verschiedenen Mitwirkungs
pflichten der Parteien ergänzt (BGE 122 V 158 Erw. 1a mit Hin
weisen). Dazu gehört auch die Substanziierungspflicht, welche be
sagt, dass die wesentlichen Tatsachenbehauptungen und
bestreitungen in den Rechtsschriften enthalten sein müssen (Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 208).
Für die Ausgleichskasse bedeutet dies, die Schadenersatzforderung soweit zu substanziieren, dass sie überprüft werden kann. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden. Einerseits hat die Ausgleichs
kasse den eingeklagten Forderungsbetrag zeitlich und masslich zu spezifizieren, also gestützt auf eine Beitragsübersicht zu behaupten,
wie sich der eingeklagte Betrag zusammensetzt. Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Untersuchungsgrundsatz und Mitwirkungs
pflicht genügt ein blosser Verweis in der Klage auf die Beitrags
übersicht nur bei Evidenz, wenn also der Gesamtbetrag ohne wei
teres aus der beigelegten Beitragsübersicht ersichtlich ist. Ist in
dessen nicht offensichtlich erkennbar, wie sich der Forderungsbe
trag zusammensetzt, sei es wegen widersprüchlicher Saldi, unter
schiedlich datierter Buchungen, schwankender Beiträge, Stornie
rungen oder Verrechnungen (z.B. mit FAK-Guthaben), ist es nicht Sache des angerufenen Gerichtes, selbst in EDV-Ausdrucken und Abrechnungen nach denjenigen Positionen zu forschen, welche für die Schadenshöhe von Belang sind, und zu eruieren, wie der For
derungsbetrag doch ermittelt werden könnte. Vielmehr hat die Ausgleichskasse im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht durch erläu
ternde Bezugnahme auf die Beitragsübersicht und andere von ihr eingereichte Akten darzutun, wie und gestützt worauf sie den For
derungsbetrag ermittelt hat.
Andererseits gehört zur Substanziierungspflicht auch, den einge
klagten Forderungsbetrag oder Teile davon zu belegen, also durch Einreichung von Lohnabrechnungen, Nachzahlungs- oder Veranla
gungsverfügungen die in der Beitragsübersicht enthaltenen Zah
lungsvorgänge zu beweisen. Dies ist allerdings nur erforderlich, wenn die Forderung in der kantonalen Klageantwort masslich mit konkreten, nicht ohne weiteres widerlegbaren Einwendungen be
stritten wird oder sich auf Grund der Akten greifbare Anhalts
punkte für Unrichtigkeiten ergeben.“
2.5
Angesichts dieser höchstrichterlichen Praxis bedarf es keiner weiteren Ausführun
gen, dass die Beschwerdegegnerin
ihrer Obliegenheit, den geltend gemachten
Schadenersatzbetrag zu substanz
iieren und zu belegen, nicht rechts
genügend nachgekommen ist. Angesichts der Gutschriftsanzeigen vom 10. Februar 2012 (Urk. 8/432-442), die - wie ausgeführt (vgl. E. 2.3) -
bei der Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin aus welchen Gründen auch im
mer
keine Berücksichtigung fanden, verbietet es sich davon zu sprechen, dass die Forderung ausgewiesen oder gar „evident“ sei. Selbst wenn man den Un
tersuchungsgrundsatz vorliegend über das höchstrichterlich geforderte Mass ausdehnte
, würde dies nichts ändern. Aufgrund der vorliegenden Akten ist es
auch
bei genauer Durchforstung der massgeblichen Dokumente
unmöglich, den korrekten Schadenersatzbetrag zu berechnen beziehungsweise die genannten Gutschriften mit der Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin in Einklang zu bringen.
Die Beschwerdegegnerin h
a
tte im vorliegenden Prozess Gelegenheit, sich mit den ausführlich begründeten Rügen betreffend Schadensberechnung in der Beschwerdeschrift (Urk. 1 S. 13 ff.) zu befassen. Sie hielt dies nicht für not
wendig, sondern verwies im Wesentlichen auf die (inkonsistente) Aktenlage (vgl. Urk. 7 S. 2)
,
w
as
nicht
genügt.
Aus dem Gesagten folgt, dass sich die Sache als nicht spruchreif erweist, da nicht ermittelt werden kann, ob der Beschwerdegegnerin überhaupt ein Schaden erwachsen ist beziehungsweise auf welchen Betrag sich dieser Schaden gegebe
nenfalls beläuft. Demzufolge ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. März 2013 (Urk. 2) insoweit aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit sie den geltend gemachten Schaden gehörig substanziiert und hernach gegebenenfalls neu verfügt. Bei diesem Ausgang des Verfahrens muss an dieser Stelle auf die weiteren von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Rügen (insbesondere auch in masslicher Hinsicht) nicht einge
gangen werden.
3.
3.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 28. März 2013 (Urk. 2) wies die Beschwerdegegnerin den Antrag der Beschwerdeführerin auf Zusprechung einer Parteientschädigung ab (vgl. Dispositiv Ziff. 1 Satz 2).
Mit vorliegender Beschwerde liess sie weiterhin beantragen, es sei die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten, ihr für das Einspracheverfahren eine Par
teientschädigung zu bezahlen (Urk. 1 S. 2).
3.2
Nach Art. 52 Abs. 3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG)
ist das Einspracheverfahren kostenlos. Partei
entschädigungen werden in der Regel nicht ausgerichtet.
Die Beschwerdegegnerin erläuterte im angefochtenen Einspracheentscheid aus
führlich, dass vorliegend keine besonderen Umstände gegeben sind, die Anlass geben könnten, von der genannten Regel abzuweichen (Urk. 1 E. 7). Darauf kan
n verwiesen werden. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die Komple
xitä
t des vorliegenden Falles
diejenige vergleichbarer Fälle
nicht
übersteigt. Die Einsprache
b
egründung vom 23. März 2012 (Urk. 8/449) umfasst 15 Seiten. Auch das kann nicht als aussergewöh
nlich oder besonders bezeichne
t werden. Schliesslich ändern auch die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin nichts daran, dass kein hinreichender Grund ersichtlich ist, dass von der Regel, wonach im Einspracheverfahren keine Parteientschädigungen ausgerichtet wer
den, abgewichen werden könnte.
Demzufolge ist die Beschwerde insoweit abzuweisen.
4.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2)
.
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführe
rin, die zur Hauptsache obsiegt und lediglich hinsichtlich der Zusprechung einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren unterliegt, eine leicht redu
zierte Prozessentschädigung in der Höhe von Fr.
3‘000.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, dass
der Einspracheent
scheid vom 28. März 2013 aufgehoben und die Sache zwecks rechtsgenügender Sub
stanziierung des Schadens und gegebenenfalls zur Neuverfügung an die Beschwerde
gegnerin zurückgewiesen wird. Im Übrigen (Zusprechung einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren) wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
ei
ne
reduzierte
Prozessentschädigung von Fr.
3‘000.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Stephan Kübler
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5
.
Da der Streitwert
Fr.
30'000.-- übersteigt, kann gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff., insbesondere
Art.
85, in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag
vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubStocker