# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 952c16f8-0c28-512a-b20d-23ccfc9c59b8
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-26
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 3. Abteilung 26.04.2022 OG O3V-20-7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_003_OG-O3V-20-7_2022-04-26.pdf

## Full Text

Beschwerdeführerin A. 

 

vertreten durch: RA AA. 

 

 

Vorinstanz IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden, Neue Steig 15, Postfach, 

9102 Herisau 

 

 

 

 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
3. Abteilung 

 

Urteil vom 26. April 2022 
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident M. Hüsser 

Oberrichter H. Fischer, F. Windisch, M. Schneider, E. Ganz 

Obergerichtsschreiberin M. Epprecht 

 

 

 

Verfahren Nr. O3V 20 7 

 

 

 

Sitzungsort Trogen 

 

 

Gegenstand Rente der Invalidenversicherung  

Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle Appenzell 

Ausserrhoden vom 6. Januar 2020 

 

Seite 2 

Rechtsbegehren 

 

a) der Beschwerdeführerin: 

1. Die angefochtene Verfügung vom 06.01.2020 sei aufzuheben. 

2. Die Sache sei zwecks weiterer Abklärungen gemäss der nachfolgenden Begründung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 

 

b) der Vorinstanz: 

 Die Beschwerde sei abzuweisen. 

 

 

 

Sachverhalt 

 

A. Die am XX.XX.1960 geborene A. (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin), 

zuletzt Teilzeit als Hauswartin bzw. als Reinigungskraft tätig, meldete sich im März 2017 zum 

Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an, unter Angabe von Schulter-, Rücken-, 

Knie- und Fussgelenksbeschwerden sowie wegen Rheuma und Arthrose (act. 5.2/1). Die IV-

Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: IV-Stelle oder Vorinstanz) tätigte 

die erwerblichen und medizinischen Abklärungen. Im August 2017 teilte sie der Versicherten 

mit, dass die Voraussetzungen für Arbeitsvermittlung gegeben seien (act. 5.2/27). Am 

6. Oktober 2017 führte sie mit ihr ein Eingliederungsgespräch, in dessen Rahmen die 

Durchführung eines Aufbautrainings vereinbart wurde (act. 5.2/33). Nach einer 

entsprechenden Kostengutsprache (act. 5.2/41) startete die Massnahme am 30. Oktober 

2017, wurde indes am 20. Dezember 2017 vorzeitig abgebrochen, nachdem die Versicherte 

immer wieder krankheitsbedingt abwesend war (vgl. act. 5.2/76). In der Folge nahm die IV-

Stelle auf Wunsch der Versicherten die Rentenprüfung an die Hand. Am 13. Dezember 2018 

gab sie bei der C. eine bidisziplinäre orthopädisch-psychiatrische Begutachtung in Auftrag 

(act. 5.2/108). Das am 15. Mai 2019 erstattete Gutachten kam zum Ergebnis, dass weder 

angestammt noch adaptiert eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (act. 5.2/119). 

Darauf basierend stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 26. Juni 2019 

die Ablehnung des Rentenbegehrens in Aussicht (act. 5.2/121). Auf einen Einwand der 

Versicherten hin hielt sie mit Verfügung vom 6. Januar 2020 an der Leistungsabweisung fest 

(act. 5.2/132). 

 

 

Seite 3 

B. Gegen den nämlichen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde der durch RA AA. 

vertretenen Versicherten vom 10. Februar 2020, mit dem eingangs zitierten Rechtsbegehren 

(act. 1). Die Vernehmlassung der Vorinstanz mit dem Antrag auf Beschwerdeabweisung 

folgte am 27. Februar 2020 (act. 4). Mit Replik vom 23. März 2020 hielt die Beschwerde-

führerin an ihrem Rechtsbegehren fest (act. 7). Seitens der IV-Stelle ging keine Duplik ein. 

 

C. Mit einzelrichterlicher Verfügung vom 27. März 2020 wurde der Beschwerdeführerin die 

unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das vorlie-

gende Beschwerdeverfahren gewährt. 

 

D. Am 6. Januar 2021 fällte die 3. Abteilung des Obergerichts einen Zirkular-Beschluss, gemäss 

welchem sie sich für die Einholung eines Gerichtsgutachtens entschied und dabei die B., als 

Gutachterstelle in Aussicht nahm. Den Parteien wurde Gelegenheit gegeben, sich zur 

Begutachtung zu äussern (act. 10). Weder der Beschwerdeführer noch die Vorinstanz 

machten davon Gebrauch. In der Folge tätigte das Obergericht bei der B. eine Anfrage für 

eine Begutachtung (act. 11). Die Gutachterstelle antwortete mit Schreiben vom 16. Februar 

2021, in welchem sie die für die Begutachtung vorgesehenen Personen bekanntgab (act. 12). 

Auf Gewährung des rechtlichen Gehörs hin (act. 13) äusserte keine der beiden Parteien 

Ablehnungsgründe gegen die vorgeschlagenen Gutachter, woraufhin die Verfahrensleitung 

der B. den Gutachterauftrag definitiv erteilte (act. 14). Am 15. Juni 2021 gab die Gut-

achterstelle eine Änderung im Ärzteteam bekannt (act. 15), zu welcher die Parteien ebenfalls 

ihre Zustimmung gaben. Die gutachterlichen Untersuchungen fanden zwischen dem 5. und 

20. Juli 2021 statt. Das von der B. schliesslich erstattete polydisziplinäre Gutachten mit 

Redaktionsdatum vom 3. November 2021 gelangte basierend auf den getätigten 

Abklärungen (Fallführung und Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Pneumologie und 

Psychiatrie) zum Ergebnis, bezüglich der früher ausgeübten Tätigkeiten (Service, Reinigung, 

Verkauf) bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Als Hausabwartin sei die Versicherte nur noch 

zu 20 % arbeitsfähig. Was die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Arbeit betreffe, 

sei eine solche noch maximal zu 50 % zumutbar (act. 20). Mit Verfügung vom 8. November 

2021 setzte die Verfahrensleitung den Parteien Frist an, um eine Erläuterung des Gutachtens 

oder Ergänzungsfragen zu verlangen (act. 21). Die beiden Parteien machten von diesem 

Recht keinen Gebrauch. Folglich hielt die Verfahrensleitung mit Verfügung vom 8. Dezember 

2021 gegenüber dem Beschwerdeführer und der Vorinstanz fest, dass die Gerichtsbegut-

achtung als abgeschlossen betrachtet werde, und sie gab den Parteien Gelegenheit, zum 

Beweisergebnis Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführerin äusserte sich hierauf am 

10. Januar 2022; dabei beantragte sie neu die Ausrichtung einer ganzen Rente (act. 25). Die 

IV-Stelle liess sich nicht vernehmen. 

  

 

Seite 4 

Erwägungen 

 

1. 1.1 

 Der angefochtene Entscheid regelt einen Anspruch gegenüber der Invalidenversicherung, ist 

mithin in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Gemäss Art. 57 des Bun-

desgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

(ATSG, SR 830.1) bestellt jeder Kanton ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur 

Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung. Im Kanton Appen-

zell Ausserrhoden beurteilt das Obergericht in seiner Eigenschaft als kantonales 

Versicherungsgericht Beschwerden gegen solche Entscheide (Art. 28 Abs. 1 lit. b des 

Justizgesetzes vom 13. September 2010 (bGS 145.31). Auf dem Rechtsgebiet der Invali-

denversicherung ist sodann die Vorschrift des Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 

19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) zu beachten, gemäss welcher 

Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-

Stelle anzufechten sind. Da vorliegend eine Verfügung der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden 

Gegenstand der Beschwerde bildet, ist die örtliche Zuständigkeit des ausserrhodischen 

Versicherungsgerichts gegeben.  

 

1.2 

Das Gesamtgericht des Obergerichts hat Beschwerden in Sozialversicherungssachen mit 

medizinischen Fragestellungen der 3. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so publiziert im 

aktuellen Staatskalender des Kantons Appenzell Ausserrhoden [https:// staatskalen-

der.ar.ch/organizations/pdf], Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese zur Beurteilung der vorliegenden 

Beschwerdesache zuständig ist.  

 

1.3 

Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass 

letztere sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und 

Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 und Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG, Art. 60 Abs. 1 und 

Art. 61 lit. b ATSG, Art. 28 lit. b Justizgesetz sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes 

vom 9. September 2002 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]). 

Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

  

 

Seite 5 

1.4 

Am 1. Januar 2022 ist der neue Art. 28b IVG in Kraft getreten (vgl. Ziff. I des Bundesgesetzes 

vom 19. Juni 2020 [Weiterentwicklung der IV] sowie die entsprechenden Übergangsbe-

stimmungen). Nachdem die angefochtene Verfügung noch vor Einführung der betreffenden 

Rechtsänderung erlassen wurde, erfolgt deren Beurteilung nach bisherigem Recht (vgl. dazu 

BGE 129 V 167 E. 1). 

 

 

2. 2.1 

Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit 

oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög-

lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 

ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die 

Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit 

liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 

 

2.2 

Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche 

Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 

ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, 

ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte 

Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes 

Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl. BGE 139 V 547 E. 5, 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 

E. 2.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4). Die 

Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie 

Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines 

anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 

4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte 

psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer 

Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 

unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und 

in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten 

Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine 

Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 

127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).  

 

Seite 6 

2.3 

Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG haben nur diejenigen versicherten Personen Anspruch auf 

eine Rente, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (sog. Wartejahr). Ein wesentlicher Unterbruch 

der Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Gesetzesbestimmung liegt dann vor, wenn die 

versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig gewesen 

ist (vgl. Art. 29ter der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; 

SR 831.201]). Die Wartezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als 

eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. 

Als erheblich gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des Bundesgerichts 

9C_757/2010 vom 24. November 2010 E. 4.1). Unerheblich ist, auf welche gesundheitlich 

bedingten Ursachen die Arbeitsunfähigkeit zurückzuführen ist (Kreisschreiben des Bundes-

amtes für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenver-

sicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, Rz. 2009). Der Rentenanspruch entsteht frühes-

tens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs 

(Art. 29 Abs. 1 IVG). 

 

2.4 

Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad 

von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 aIVG). 

 

2.5 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst 

ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. 

Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle 

Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu 

entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden 

medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu 

würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere 

medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist ent-

scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-

chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation ein-

leuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweis-

wert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung 

 

Seite 7 

der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten 

(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Bei Gerichtsgutachten weicht der Richter nach der 

Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, 

dessen Aufgabe es gerade ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu 

stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 107 V 174 E. 3). 

Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist 

oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern 

Schlussfolgerungen gelangt (BGE 101 IV 130). Abweichende Beurteilung kann ferner 

gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem 

Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu 

stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, 

dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende 

Schlussfolgerungen zieht (RKUV 1985 Nr. K 646 S. 236; vgl. zum Ganzen BGE 112 V 30 E. 

1a). Im Übrigen hat auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) 

erwogen, der Meinung der von einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweis-

würdigung vermutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4). 

 

 

3. Im Folgenden ist zunächst die Statusfrage zu klären. 

 

3.1 

Ob und gegebenenfalls in welchem zeitlichen Umfang eine in einem Aufgabenbereich tätige 

versicherte Person (Art. 5 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG) ohne gesundheitliche 

Beeinträchtigung erwerbstätig wäre (Statusfrage), ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei 

im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung 

bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1). Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der 

Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, 

sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3). 

Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, 

familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und 

Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die 

Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil 

des Bundesgerichts 9C_90/2017 vom 4. Juli 2017 E. 5.1 mit Hinweisen). Die Statusfrage, 

das heisst ob eine versicherte Person im Gesundheitsfall ganz, teilzeitlich oder überhaupt 

nicht erwerbstätig wäre, ist hypothetisch zu beurteilen, unter Berücksichtigung ihrer ebenfalls 

hypothetischen Willensentscheidungen. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen 

einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus äusseren 

Indizien erschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_108/2018 vom 16. April 2018 

 

Seite 8 

E. 2.3). Der in Art. 7 Abs. 2 IVG erwähnte Aufgabenbereich wird in Art. 27 IVV näher 

umschrieben. Demnach gilt als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten die 

übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und die Betreuung von Angehörigen. 

 

3.2 

Gestützt auf Art. 28a Abs. 3 IVG wird in der Rechtsprechung (vgl. statt vieler: BGE 137 V 334) 

in der Regel davon ausgegangen, dass Erwerbstätigkeit und nichterwerblicher Aufga-

benbereich in dem Sinne komplementär sind, als was nicht Erwerbstätigkeit ist, unter die 

Besorgung des Haushaltes fällt. Mit anderen Worten geben die beiden Bereiche zusammen 

im Regelfall einen Wert von 100 %. Diese Betrachtungsweise entspricht der als Volksversi-

cherung (zur Deckung des Existenzbedarfs bei Eintritt des versicherten Risikos [Invalidität]) 

konzipierten Invalidenversicherung. In diesem Sinne wurde – ohne nähere Prüfung der 

konkreten Verhältnisse wie namentlich Grösse des Haushaltes oder Umfang der Betreu-

ungsaufgaben – beispielsweise in BGE 137 V 334 bei einem (hypothetischen) erwerblichen 

Pensum von 80 % auf einen Aufgabenbereich von 20 % (ebenso Urteil des Bundesgerichts 

9C_426/2014 vom 18. August 2014) und im Urteil 8C_843/2011 vom 29. Mai 2012 von einem 

erwerblichen Anteil von 50 % auf einen ebensolchen im Aufgabenbereich geschlossen. Dem 

Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 609/05 vom 1. Februar 2006 liegt ein 

Erwerbspensum von 56 % und ein Aufgabenbereich von 44 % zugrunde. Mit anderen Worten 

wird der Haushaltsanteil nicht in Abhängigkeit vom Umfang der im Aufgabenbereich anfallen-

den Arbeiten festgesetzt; vielmehr entspricht er grundsätzlich der Differenz zwischen dem 

Erwerbsanteil und einem 100%-Pensum. Aus diesem Grund ist auch nicht entscheidend, wie 

viel Zeit sich die versicherte Person für die Haushaltsarbeiten nimmt, z.B. ob sie die 

Tätigkeiten gerne in einem grösseren zeitlichen Rahmen oder lieber innert kürzester Zeit 

erledigt (BGE 141 V 15 E. 4.5 mit Verweisen). 

 

3.3 

Der angefochtene Entscheid enthält keine Differenzierung bezüglich Erwerbstätigkeit und 

Aufgabenbereich. Die Beschwerdeführerin wird letztlich einfach als voll erwerbstätig betrach-

tet. In ihrer Vernehmlassung führte die IV-Stelle hingegen aus, die Versicherte würde im 

Gesundheitsfall zu 90 % arbeiten und wäre zu 10 % im Haushalt tätig. Im Rahmen ihrer 

90%igen Erwerbstätigkeit habe die Beschwerdeführerin jährliche Einkünfte von Fr. 6'500.-- 

erwirtschaftet. Dieses Einkommen entspreche dem Validenlohn. 

 

3.4 

Gemäss dem Assessment-Protokoll vom 22. Mai 2017 hatte die Beschwerdeführerin ange-

geben, ihr Pensum ohne Gesundheitsschaden würde 90 % betragen; nach der Trennung von 

ihrem Ehemann müsse sie nun ihren Lebensunterhalt selber verdienen. Für ein Pensum von 

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Seite 9 

90 % hatte sie sich Ende Februar 2017 offenbar beim RAV gemeldet (act. 5.2/14; act. 5.2/1). 

Es waren diese Ausführungen der Beschwerdeführerin im Rahmen des Assessment-

Gesprächs, welche bei der IV-Stelle zu der Annahme führten, es sei eine Aufteilung 90 % 

Erwerb / 10 % Haushalt vorzunehmen. Dieser Auffassung ist beizupflichten. Insbesondere 

erscheint aufgrund der zitierten Passage im Assessmentprotokoll hinreichend erstellt, dass 

die Versicherte im Gesundheitsfalle bloss einer 90%igen – also nicht einer vollen – 

Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Untermauert wird dies eben noch dadurch, dass sich die 

Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben beim RAV für ein 90 %-Pensum gemeldet hatte 

(act. 5.2/14, S. 3). Dass die Versicherte damals bloss mit Blick auf die bei ihr lebende Tochter 

kein volles Erwerbspensum aufnehmen wollte, kann nicht vermutet werden, denn diese 

Tochter war damals bereits 16jährig, benötigte mithin kaum noch eine massgebliche 

Betreuung seitens der Mutter. In der Beschwerdeschrift wurde sogar ausgeführt, dass es die 

Tochter sei, welche der Mutter helfe, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen eine 

bestimmte Haushaltstätigkeit nicht bewältigen könne (act. 1). Dass die Versicherte im 

Haushalt sehr aktiv war bzw. immer noch ist, ergibt sich im Übrigen aus dem Gutachten der 

B. Konkret hatte die Beschwerdeführerin gegenüber den Gutachtern angegeben, im eigenen 

Haushalt könne sie in langsamem Tempo fast alles erledigen, bei schwereren Arbeiten 

erhalte sie aber Hilfe durch die Tochter (Gutachten, S. 11). Schliesslich ist zu bemerken, 

dass die fraglichen Angaben der Versicherten betreffend des von ihr gewünschten Pensums 

zwar aus dem März 2017 stammen, doch bestehen keine Anhaltspunkte für eine Änderung 

der Verhältnisse, sodass die Annahme 90 % Erwerb / 10 % Haushalt auch noch für den 

massgebenden Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung im Januar 2020 als aktuell 

angesehen werden kann. 

 

3.5 

Bei Vorliegen eines Aufgabenbereichs von 10 % stellt sich die Frage, ob bzw. gegebenenfalls 

in welchem Umfang die Versicherte darin in IV-rechtlich relevantem Masse eingeschränkt ist. 

Die IV-Stelle hatte dies nie untersucht, mithin keine Haushaltsabklärung durchgeführt. In der 

angefochtenen Verfügung wurde die Beschwerdeführerin wie erwähnt (aktenwidrig) als 

Vollerwerbstätige behandelt; erst in der Vernehmlassung qualifizierte die IV-Stelle die 

Versicherte (wieder) als zu 90 % arbeits- und zu 10 % im Haushalt tätig. Im Übrigen ist im 

Zusammenhang mit der Vernehmlassung der Vorinstanz noch zu erwähnen, dass die 

Bezifferung des Validenlohnes auf Fr. 6'500.-- nicht nachvollziehbar erscheint. Richtig ist, 

dass die Beschwerdeführerin laut dem IK-Auszug über die letzten Jahre betrachtet immer 

jenes Einkommen über rund Fr. 6'000.-- bis 7'000.-- für ihre Abwart-Tätigkeit erzielt hatte, 

wobei ab 2014 auch noch die zusätzlichen Fr. 120.-- im Monat für die Reinigung bei der 

Beratungsstelle hinzukamen. In Anbetracht der Erwerbsbiographie der Versicherten können 

die betreffenden Einkünfte jedenfalls aber nicht einer 90%- (oder gar 100%-)Erwerbstätigkeit 

 

Seite 10 

zugerechnet werden. Die Versicherte hatte klar darauf hingewiesen, dass sie im Jahr 2004 

ihre Erwerbstätigkeit grundsätzlich eingestellt hatte. Den Hauswartsjob und die Reinigungs-

tätigkeit bei der Beratungsstelle übte sie bloss stundenweise neben der Familien- und 

Haushaltstätigkeit aus. Bis 2004 hingegen war die Versicherte noch zu 100 % als 

Reinigungsfachfrau tätig gewesen (act. 5.2/14). An dieser Stelle ist auf die Beurteilung des 

RAV (vgl. 5.2/33) hinzuweisen, welches die von der Versicherten als Hauswartin und 

Reinigungsmitarbeiterin erzielten Einkünfte nur einem 10 %-Pensum zugeordnet hatte. 

Diese Einschätzung erscheint plausibel. Die Versicherte wies in nachvollziehbarer Weise 

darauf hin, dass sie aufgrund der Trennung von ihrem Ehemann Anfang Februar 2017 auf 

Stellensuche gehen musste, weshalb sie sich am 27. Februar 2017 beim RAV eben für ein 

90%-Pensum anmeldete (act. 5.2/1). Aufgrund dieses Einschnitts im Leben der Versicherten 

im Februar 2017 erscheint es bezüglich Klärung der Statusfrage deshalb sachgerecht, wenn 

davon ausgegangen wird, dass die Versicherte im Gesundheitsfalle zu 90 % erwerbstätig 

und zu 10 % im Haushalt tätig wäre. Das Valideneinkommen ist, nachdem die Beschwerde-

führerin schon seit vielen Jahren nur noch einem kleinen Erwerbspensum nachgegangen ist, 

gestützt auf die Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bundesamts für Statistik festzulegen. 

Konkret anwendbar sind die LSE 2016, Zentralwert Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, 

Frauen, Total. Der betreffende Wert beträgt Fr. 4'363.-- im Monat. Im Ergebnis stellt dieses 

(Validen-)Einkommen den Ausgangspunkt für die Invaliditätsbemessung dar. Dement-

sprechend erscheint die vernehmlassungsweise vertretene Auffassung der Vorinstanz, die 

Versicherte habe mit einer 90%igen Erwerbstätigkeit ein jährliches Einkommen von 

Fr. 6'500.-- erwirtschaftet, was den Validenlohn darstelle, als nicht korrekt. 

 

 

4. 4.1 

In einem nächsten Schritt stellt sich nun die Frage, in welchem Masse die Versicherte aus 

medizinischer Sicht noch arbeitsfähig ist. Das Obergericht hat zur Klärung der Arbeitsfähig-

keit ein Gutachten der B. eingeholt (act. 20). Deren interdisziplinäre Expertise mit 

Redaktionsdatum vom 3. November 2021 stellt folgende Diagnosen: 

 

- chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom [...] 

- chronische Schulterschmerzen beidseits [...] 

- Gonarthrosen beidseits [...] 

- Knick-Senk-Spreizfüsse beidseits [...] 

- Hallux valgus Deformität bds. 

- Combined Pulmonary Fibrosis and Emphysema (CPFE) ED 10/2018 [...] 

- Mögliche obstruktive Schlafapnoe [...] 

- Komplexe posttraumatische Belastungsstörung 

 

Seite 11 

- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode 

- Adipositas (BMI 33) mit Hypercholesterinämie 

- Weichteilrheuma (unter Steroiden) 

- Status nach Salpingitis 1982 

- Status nach Thrombose ca. 1987 

 

4.2 

Im Rahmen ihrer medizinischen und versicherungsmedizinischen Beurteilung führen die B.-

Gutachter aus, die Versicherte habe schwierige familiäre Verhältnisse, sei dreimal 

geschieden, lebe jetzt zusammen mit der jüngsten Tochter, habe zu fünf weiteren Kindern 

aus früheren Ehen kaum Kontakt. 

 

Nach einer Anlehre in der Kinderkrankenpflege (nie auf dem Beruf gearbeitet) habe sie im 

Service, im Verkauf, als Putzfrau und ab 2002 als Hausabwartin gearbeitet, die letzte Tätig-

keit immer noch zu etwa 7 Stunden pro Woche ausführend mit gelegentlich Hilfe der Tochter. 

 

Seit vielen Jahren leide sie an lumbalen Rückenschmerzen mit zunehmender Ausstrahlung 

hinauf bis zwischen Schulterblätter und Nacken. Seit ebenfalls vielen Jahren bestünden 

Knieschmerzen rechts mit partieller lateraler Meniskektomie 2005, Pridie-Bohrung und 

Mosaikplastik 2006; seit etwa drei Jahren bestünden auch weniger ausgeprägt Schmerzen 

im linken Knie. Dann seien ab 2016 Schulterschmerzen bds. mit schmerzhafter Bewe-

gungseinschränkung aufgetreten, rechts sei 2016 eine dekompressive Operation erfolgt, 

links 2018 eine Supraspinatussehnen-Rekonstruktion und eine AC-Plastik. Der orthopädi-

sche Teilgutachter gehe aufgrund der multiplen Befunde bei zusätzlicher Adipositas davon 

aus, dass die Versicherte in ihren früheren Tätigkeiten nicht mehr arbeitsfähig sei, als 

Hausabwartin höchstens noch zu 20 %. 

 

Im Herbst 2017 sei die Versicherte an einem zunehmenden Husten erkrankt (bei Nikotin-

abusus) mit wechselnden Thoraxschmerzen und Atemnot. Von Seiten der Behandler seien 

die Diagnosen von Fibrose und Emphysem gestellt und Inhalieren verordnet worden. Der 

pneumologische Gutachter bestätige diese Diagnosen bei obstruktiver Ventilationsstörung 

und mittelschwer eingeschränkter CO-Diffusionskapazität und diagnostiziere zusätzlich eine 

obstruktive Schlafapnoe. Auch er beurteile die Arbeitsfähigkeit der Versicherten als 

wesentlich eingeschränkt. 

 

In psychischer Hinsicht sei festzustellen, dass die Versicherte immer wieder unter sehr belas-

tenden familiären Konfliktsituationen gelitten habe, vor allem unter den Zuständen in der 

 

Seite 12 

dritten Ehe, sich dazwischen aber auch immer wieder habe erholen können. Die psy-

chiatrische Teilgutachterin diagnostiziere eine komplexe posttraumatische Belastungsstö-

rung und eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradig) und schätze die 

deswegen beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit auf etwa 50 %. 

 

Insgesamt könne aus gutachterlicher Sicht eine deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

festgestellt werden, wobei die somatischen die psychiatrischen Gründe überwiegen würden 

(Gutachten, S. 17). 

 

4.3 

Unter Würdigung des von der B. erstatteten Gutachtens ist festzustellen, dass dieses auf 

eigenständigen polydisziplinären Abklärungen, mithin auf allseitigen Untersuchungen beruht 

und damit für die streitigen Belange umfassend ist. Die Vorakten wurden verwertet und die 

von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Das 

Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation ein. Vor diesem Hintergrund erscheinen auch die 

darin enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die Beurteilung des Gesundheitszustands 

sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit plausibel. Bezüglich der Fachdisziplin der 

Psychiatrie überzeugt das Gutachten sodann insoweit, als es im psychiatrischen Teil 

schlüssige Antworten für die Beurteilung der gemäss der neueren bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung grundsätzlich bei allen psychischen Erkrankungen zu prüfenden 

Standardindikatoren liefert (BGE 141 V 281; BGE 143 V 418). Des Weiteren bringt die B. 

hinreichend zur Sprache, weshalb das von der Vorinstanz eingeholte Gutachten der C. nicht 

für massgebend erklärt werden könne. Im Übrigen werden die gutachterlichen 

Einschätzungen auch seitens der Parteien nicht in Frage gestellt. Die Beschwerdeführerin 

hielt in ihrer Stellungnahme vom 10. Januar 2022 gar ausdrücklich fest, dass das B.-

Gutachten den von der Rechtsprechung in BGE 125 V 351 aufgestellten Kriterien vollauf 

genüge. Insgesamt sind keine Gründe ersichtlich, weshalb nicht auf das Gerichtsgutachten 

abgestellt werden sollte. Es ist damit davon auszugehen, dass bei der Versicherten aus 

medizinisch-theoretischer Sicht in einer leidensangepassten Tätigkeit max. eine 50%ige 

Arbeitsfähigkeit besteht. 

 

 

5. 5.1 

 Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Einkommen ist 

bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln. Dabei sind an die Konkre-

tisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforde-

rungen zu stellen (im Einzelnen: Urteil des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 

https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-143-V-418

 

Seite 13 

E. 5.1 mit Hinweisen, publiziert in: SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203). Das fortgeschrittene Alter 

wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, von der Rechtsprechung als Kriterium 

anerkannt, das zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu 

führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr 

deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. 

Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige 

Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (Urteil 

des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 831/05 vom 21. August 2006 E. 4.1.1 mit 

Hinweisen). Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungs-

vermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer 

allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. 

Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner 

Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammen-

hang auch die Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbil-

dung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem ange-

stammten Bereich sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_918/2008 vom 28. Mai 2009 

E. 4.2.2 mit zahlreichen Hinweisen sowie Urteil 9C_153/2011 vom 22. März 2012 E. 3.1). Für 

den Zeitpunkt, in dem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit bei 

vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit 

einer (Teil-)Erwerbstätigkeit abzustellen (BGE 138 V 457 E. 3.3 S. 462; vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017 E. 3.4). 

 

 5.2 

 a) Die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit steht fest, sobald die medizi-

nischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben 

(BGE 138 V 457 E. 3.4). Vorliegend verschaffte erst das vom Obergericht bei der B. 

eingeholte Gerichtsgutachten mit Redaktionsdatum vom 3. November 2021 Klarheit über die 

Arbeitsfähigkeit und bildete die – den Anforderungen an die Beweiskraft (BGE 134 V 231 E. 

5.1 S. 232; BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis) genügende – medizinische Grundlage 

für den Rentenentscheid. 

 

 b) Im November 2021 war die Versicherte rund 61.5 Jahre alt. Bis zum ordentlichen AHV-

Alter verblieb ihr dazumal eine Aktivitätsdauer von knapp 2.5 Jahren. Für sich alleine betrach-

tet muss dies noch nicht zwingend zur Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit führen. Bei 

der Versicherten kommt jedoch das Erschwernis hinzu, dass sie zur Verwertung ihrer 

50%igen Restarbeitsfähigkeit nicht von bereits erworbenen Kompetenzen profitieren kann, 

die in einer Verweistätigkeit auf dem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt verwertbar 

 

Seite 14 

wären. Laut ihrer Erwerbsbiographie hatte sie in der Vergangenheit im Service, in der 

Reinigung sowie im Verkauf gearbeitet. Bezüglich all dieser Tätigkeiten ist laut den Gut-

achtern der B. keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben. Was die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als 

Hausabwartin betrifft, besteht hier aus orthopädischen Gründen bloss eine Arbeitsfähigkeit 

von 20 % (Gutachten, S. 18). Auch diese Arbeit scheidet somit als Verweistätigkeit aus. Im 

Sinne des Gesagten ist festzustellen, dass die Versicherte zur Verwertung ihrer 50%igen 

Restarbeitsfähigkeit letztlich "bei Null" beginnen muss, mit anderen Worten nicht auf in der 

Vergangenheit angeeignete Fähigkeiten zurückgreifen kann. Dies führt auch bei einer 

optimal angepassten Tätigkeit oder einem Nischenarbeitsplatz zu einem für einen 

zukünftigen Arbeitgeber maximalen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand, sodass 

aufgrund der konkreten Umstände praktisch keine Anstellungschancen bestehen (Urteil des 

Bundesgerichts 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020 E. 4.3.2). 

 

 5.3 

 Wird die Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht 

mehr nachgefragt bzw. fehlt es an einer wirtschaftlichen Verwertbarkeit derselben, so liegt 

eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E. 5 mit Hinweis). So verhält es sich hier. Der 

Beschwerdeführerin ist eine 100%ige Einschränkung im erwerblichen Bereich anzurechnen. 

Bei einem Anteil Erwerb von 90 % resultiert ein Teilinvaliditätsgrad von 90 %. Dieser gibt der 

Versicherten Anspruch auf eine ganze Rente. Inwieweit bei ihr (auch) eine IV-relevante 

Einschränkung im Aufgabenbereich vorliegt, braucht bei diesem Ergebnis nicht mehr geprüft 

zu werden. 

 

 5.4 

 Fraglich ist noch, ab wann der Rentenanspruch entsteht. Diesbezüglich ist auf das 

psychiatrische Teilgutachten der B. hinzuweisen, wonach aus psychiatrischer Sicht in einer 

angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Aufgrund der Anamnese sowie 

den gutachterlichen Befunden könne mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen 

werden, dass die psychischen Einschränkungen seit der Trennung der Versicherten von 

ihrem dritten Ehemann (Februar 2017) vorgelegen hatten (Psychiatrisches Teilgutachten, 

S. 14). Gemäss diesen Erwägungen besteht die Versicherte das Wartejahr (vgl. Art. 28 

Abs. 1 lit. b IVG) damit per 1. Februar 2018. Nachdem in diesem Zeitpunkt auch alle anderen 

Leistungsvoraussetzungen erfüllt sind, hat sie ab 1. Februar 2018 (vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG) 

Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.  

  

 

Seite 15 

6. 6.1 

 Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu 

bemessen sind (Art. 69 Abs. 1bis IVG), werden auf Fr. 800.-- festgesetzt. Sie sind vorliegend 

vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

 6.2 

 Was die Kosten des Gerichtsgutachtens betrifft, so können diese rechtsprechungsgemäss 

der IV-Stelle auferlegt werden, wenn diese den Sachverhalt mangelhaft untersucht hat und 

die Einholung eines Gutachtens daher notwendig war. Mit Art. 45 Abs. 1 ATSG besteht eine 

genügende gesetzliche Grundlage, um dem Versicherungsträger die Kosten eines Gerichts-

gutachtens aufzuerlegen (BGE 143 V 269; BGE 139 V 496). Die Voraussetzungen für eine 

Kostentragung durch die IV-Stelle sind vorliegend erfüllt. Das von der Verwaltung eingeholte 

Gutachten der C. hat sich als mangelhaft erwiesen. Der entsprechende Eindruck, der für das 

Obergericht aufgrund der vorinstanzlichen Akten entstand, hat sich durch das eingeholte 

Gerichtsgutachten bestätigt, hielt doch die B. wie erwähnt fest, dass die damaligen 

Beurteilungen der C. nicht nachvollziehbar seien (Gutachten, S. 19). Entsprechend sind die 

Gutachtenskosten von Fr. 13'759.20 der IV-Stelle aufzuerlegen.  

 

 

7. 7.1 

 Aufgrund des Ausgangs des vorliegenden Verfahrens mit grundsätzlichem Obsiegen der 

Beschwerdeführerin bezüglich des Erwerbsbereichs und Rückweisung der Sache bezüglich 

des Aufgabenbereichs hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin eine (volle) Parteient-

schädigung auszurichten, die vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf 

den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache sowie nach der Schwierigkeit des 

Prozesses zu bemessen ist (Art. 61 lit. g ATSG). Im Übrigen ist die Bemessung der Partei-

entschädigung dem kantonalen Recht überlassen (Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2016 

vom 22. Februar 2016 E. 3.1). In Sozialversicherungsverfahren vor Obergericht ist die Ent-

schädigung pauschal zu bemessen (Art. 13 Abs. 1 lit. c der Verordnung über den Anwaltstarif 

vom 14. März 1995 [bGS 145.53]; AT) und beträgt Fr. 1'000.-- bis Fr. 10'000.--. Vorliegend 

handelt es sich mit Blick darauf, dass ein Verwaltungsgutachten sowie ein Gerichtsgutachten 

eingeholt wurden, um ein relativ aufwendiges Verfahren. Besonders schwierige Rechts-

fragen stellten sich allerdings keine. Mit Blick auf die gesamten Umstände ist das Honorar 

von RA AA. auf Fr. 2'800.-- festzusetzen, unter Hinzurechnung der Barauslagen von 4 % und 

der Mehrwertsteuer von 7.7 %, sodass eine Anwaltsentschädigung von Fr. 3'136.20 

resultiert.  

 

  

 

Seite 16 

 7.2. 

 Im Zusammenhang mit der Gerichtsbegutachtung sind der Beschwerdeführerin Reiseaus-

lagen von total Fr. 140.80 entstanden (act. 19). Der betreffende Betrag ist zur oben (E. 7.1) 

ermittelten Parteientschädigung hinzuzurechnen. Es resultiert damit eine Parteient-

schädigung von insgesamt Fr. 3'277.00.  

 

  

 

Seite 17 

Das Obergericht erkennt: 
 
 
1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Appenzell 

Ausserrhoden vom 6. Januar 2020 aufgehoben. Die Invalidenversicherung hat der 
Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2018 eine ganze Rente auszurichten. 

 
 
2. Es wird eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- erhoben, die auf die Staatskasse genommen wird. 

Die Kosten für das Gerichtsgutachten der B. im Betrag von Fr. 13'759.20 werden der 
Vorinstanz auferlegt. 

 
 
3. Die Vorinstanz wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'277.00 zu bezahlen.  
 
 
4. Rechtsmittel: 
 Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde 
richtet sich nach Art. 82 ff. Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist 
beim Schweizerischen Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, schriftlich einzu-
reichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der 
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 
Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 BGG). Die 
Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 

 
 
5. Zustellung an die Beschwerdeführerin über deren Anwalt, die Vorinstanz und an das Bun-

desamt für Sozialversicherungen. 
 
 
 

Im Namen der 3. Abteilung des Obergerichts 
 
 
 
Der Obergerichtsvizepräsident: 

 

 

Dr. iur. Manuel Hüsser 

Die Obergerichtsschreiberin: 

 

 

lic. iur. Monika Epprecht 

 
 
 
 
versandt am: 29. April 2022