# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9118cf2-5d7f-5879-ac45-ecae75be784a
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.12.2022 SB210526
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210526_2022-12-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer  
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210526-O/U/hb 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Ohnjec 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Vesely sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw Lazareva 

Urteil vom 7. Dezember 2022 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Keller,  

Staatsanwaltschaft und Erstberufungsklägerin 

 

gegen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Zweitberufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

betreffend gewerbsmässiger Wucher etc. und Widerruf 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 12. Juli 2021 
(DG200028) 
  

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Anklage: 

Die Anklage der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 2. November 2020 

(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 67 S. 136 f.) 

1. Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird frei-

gesprochen. 

2. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

27. Januar 2017 und 13. November 2019 beschlagnahmten Fr. 2'622.05 und 

die zusätzlich sichergestellten Fr. 285.95 werden eingezogen und zur teil-

weisen Deckung der Verfahrenskosten verwendet. 

3. Es wird vorgemerkt, dass der Privatkläger auf die Geltendmachung von Zi-

vilansprüchen verzichtet hat. 

4. Rechtsanwältin lic. iur. X._____ wird für ihre Aufwendungen als amtliche 

Verteidigerin des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 28'642.95 

(Honorar, Barauslagen und Mehrwertsteuern, inkl. Kosten der anwaltlichen 

Vertretung anlässlich der Urteilseröffnung) entschädigt. Es wird davon Vor-

merk genommen, dass Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ für seine Aufwen-

dungen als vormaliger amtlicher Verteidiger des Beschuldigten bereits im 

Vorverfahren mit Fr. 39'773.65 entschädigt wurde, einschliesslich der 

Fr. 2'203.00 für die Aufwendungen von Rechtsanwältin lic. iur. X2._____. 

5. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Aufwendungen als unentgeltli-

cher Rechtsvertreter des Privatklägers aus der Gerichtskasse mit 

Fr. 5'019.65 (Honorar, Barauslagen und Mehrwertsteuern) entschädigt. 

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6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 12'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 10'000.00   Gebühr Vorverfahren 
Fr. 317.70   Auslagen (Gutachten) 

 Fr. 4'644.10   Telefonkontrolle 
Fr. 270.00   Auslagen  
Fr. 1'660.00   Auslagen Polizei 
Fr. 50.00   Entschädigung Zeuge 
Fr. 39'773.65   Entschädigung vormalige amtliche Verteidigung 

7. Die Kosten des Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Vertei-

digung des Beschuldigten und der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Pri-

vatklägers, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten und der unentgelt-

lichen Rechtsvertretung des Privatklägers werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO. 

9. Dem Beschuldigten wird weder eine Entschädigung noch eine Genugtuung 

für das Verfahren zugesprochen. 

Berufungsanträge: 

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:  

(Urk. 89 S. 1 f.; Prot. II S. 3 f.) 

1. Der Beschuldigte sei 

 - des gewerbsmässigen Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 und 

Ziff. 2 StGB sowie 

  

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 - der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

 schuldig zu sprechen. 

2. Die mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 1. November 

2018 ausgefällte bedingte Strafe von 24 Monaten Freiheitsstrafe sei zu 

widerrufen. 

3. Der Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer 

Freiheitsstrafe von 5 ½ Jahren (Gesamtstrafe) als teilweise Zusatzstra-

fe zum Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 1. November 

2018 zu bestrafen. 

4. Die erstandene Haft sei anzurechnen. 

5. Es sei eine Landesverweisung von 10 Jahren anzuordnen. 

6. Der Beschuldigte sei zur Ablieferung von Fr. 40'000.– als Ersatzforde-

rung für den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil an·den Staat 

zu verpflichten. 

7. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

27. Januar 2017 und 13. November 2019 beschlagnahmten Barschaf-

ten im Gesamtbetrag von Fr. 2'622.05 seien zur teilweisen Deckung 

der Verfahrenskosten zu verwenden. 

8. Die Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 90 S. 1; Prot. II S. 4 f.) 

1. Es sei Ziff. 1 des Dispositivs des angefochtenen Urteils zu bestätigen. 

2. Es sei die im vorliegenden Verfahren erstandene Untersuchungshaft 

von 658 Tagen an die mit rechtskräftigem Obergerichtsurteil vom 

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1. November 2018 ausgefällte Freiheitstrafe von 36 Monaten anzu-

rechnen. 

3. Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen: 

 Dem Beschuldigten sei die beschlagnahmte Barschaft herauszugeben. 

4. Ziff. 7 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen: 

 Die Kosten des Verfahrens werden vollumfänglich und definitiv auf die 

Staatskasse genommen. 

5. Ziff. 8 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen: 

 Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten, inkl. der 

vormaligen amtlichen Verteidigung, und der unentgeltlichen Rechtsver-

tretung des Privatklägers werden vollumfänglich und definitiv auf die 

Gerichtskasse genommen. 

6. Ziff. 9 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und 

durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen: 

 Dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung und Genug-

tuung auszurichten. 

7. Unter Kostenfolge zulasten des Staates. 

  

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung 

1. Verfahrensgang 

1.1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Ur-

teil des Bezirksgerichts Dietikon vom 12. Juli 2021 meldeten die Staatsanwalt-

schaft mit Eingabe vom 13. Juli 2021 und die amtliche Verteidigung des Beschul-

digten mit einer solchen vom 22. Juli 2021 rechtzeitig Berufung an (Prot. I 

S. 51 ff., Urk. 61, Urk. 62; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach der Zustellung des be-

gründeten Urteils an die Parteien am 4. bzw. 5. Oktober 2021 (Urk. 66/1-2) reich-

ten die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 7. Oktober 2021 (Urk. 68) und die 

amtliche Verteidigung des Beschuldigten mit einer solchen vom 25. Oktober 2021 

(Urk. 72) fristwahrend ihre jeweilige Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 

Abs. 3 StPO ein. Mit Präsidialverfügung vom 29. Oktober 2021 (Urk. 73) wurden 

die Berufungserklärungen den jeweiligen Gegenparteien zugestellt und Frist für 

Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt. Die Staatsan-

waltschaft erklärte mit Eingabe vom 1. November 2021 (Urk. 75) ihren Verzicht 

auf Anschlussberufung. Mit Eingabe vom 22. November 2021 (Urk. 76) erklärte 

die Verteidigung des Beschuldigten, die Bestätigung des erstinstanzlichen Frei-

spruchs zu beantragen und an den übrigen Berufungsanträgen vom 25. Oktober 

2021 festzuhalten. Mit Berufungserklärung vom 25. Oktober 2021 stellte die amtli-

che Verteidigung den strafprozessualen Antrag, es sei das schriftliche Berufungs-

verfahren durchzuführen (Urk. 72 S. 3). Nachdem ihr die Berufungserklärung der 

Staatsanwaltschaft zugestellt worden war, nahm sie von diesem Antrag mit Ein-

gabe vom 22. November 2021 Abstand (Urk. 76). Der Privatkläger liess sich in-

nert Frist nicht vernehmen. 

1.2. Am 5. April 2022 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 7. Dezember 

2022 vorgeladen (Urk. 78). Am 24. Mai 2022 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, 

unentgeltlicher Rechtsvertreter des Privatklägers, mit, dass weder er noch der 

Privatkläger an der Berufungsverhandlung teilnehmen würden (Urk. 79). Mit Ein-

gabe vom 10. November 2022 stellte die amtliche Verteidigung verschiedene Be-

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weisergänzungsanträge (Urk. 82). Mit Eingabe vom 25. November 2022 teilte sie 

mit, ihren Berufungsantrag Ziffer 3 betreffend Dispositivziffer 6 des vorinstanzli-

chen Urteils zurückzuziehen sowie auf die Entschädigungsforderungen für den 

Einkommensausfall und die Genugtuung nach Art. 434 StPO zu verzichten 

(Urk. 86).  

1.3. Die Berufungsverhandlung fand am 7. Dezember 2022 in Anwesenheit des 

Beschuldigten und seiner amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

sowie des Staatsanwalts lic. iur. Keller für die Vertretung der Staatsanwaltschaft 

statt (Prot. II S. 3). Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt die Verteidigung an 

ihren mit Eingabe vom 10. November 2022 gestellten Beweisergänzungsanträgen 

fest (Prot. II S. 7). Das Verfahren erweist sich als spruchreif. 

2. Gegenstand der Berufung 

Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschieben-

de Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird dementsprechend 

gehemmt, während die von der Berufung nicht erfassten Punkte in Rechtskraft 

erwachsen (vgl. BSK StPO-EUGSTER, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 402 N 1 f.). Die 

Staatsanwaltschaft ficht die Freisprechung des Beschuldigten an. Der Beschuldig-

te ficht die Einziehung der sichergestellten Barschaft sowie die Kosten- und Ent-

schädigungsfolgenregelung an. Unangefochten geblieben und somit in Rechts-

kraft erwachsen sind Dispositivziffer 3 (Zivilpunkt), 4 (Entschädigung amtliche 

Verteidigungen), 5 (Entschädigung Vertreter des Privatklägers) und 6 (Kostenauf-

stellung). Dies ist vorab mittels Beschluss festzustellen. 

II. Prozessuales 

1. Anklagegrundsatz 

1.1. Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO hat die Anklageschrift möglichst kurz, 

aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung 

von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung zu bezeichnen. Die An-

klage hat also die dem Beschuldigten zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachver-

halt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver 

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Hinsicht genügend konkretisiert sind (statt vieler: BGE 141 IV 132 E. 3.4.1 und 

BGE 133 IV 235 E. 6.2 f., je m.w.H.).  

1.2. Die Anklage würdigt das Verhalten des Beschuldigten als gewerbsmässi-

gen Wucher im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 und 2 StGB und als versuchte Erpres-

sung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

Den Grundtatbestand des Wuchers erfüllt, wer die Zwangslage, die Abhängigkeit, 

die Unerfahrenheit oder die Schwäche im Urteilsvermögen einer Person dadurch 

ausbeutet, dass er sich oder einem andern für eine Leistung Vermögensvorteile 

gewähren oder versprechen lässt, die zur Leistung wirtschaftlich in einem offen-

baren Missverhältnis stehen (Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). In objektiver Hinsicht 

ist also unter anderem eine Unterlegenheit des Opfers erforderlich. Diese kann 

insbesondere in einer Zwangslage bestehen. Von dieser Tatbestandsvariante 

geht die Anklage bei allen Geschädigten aus (Urk. 18 S. 3 f.). In diesem Zusam-

menhang ist den oben genannten Erfordernissen der Anklageschrift nicht genüge 

getan, wenn einfach festgestellt wird, der Angeklagte habe die "Illiquidität", "chro-

nische Geldknappheit" oder "die finanziellen Schwierigkeiten" etc. eines Opfers 

ausgebeutet, denn damit ist nur eine Komponente der bei solchen Wucherge-

schäften typischen inferioren Situation festgelegt. Der Zwang aber, die wucheri-

schen Bedingungen zu akzeptieren, ist mit solchen Formulierungen nicht darge-

tan. Erst das dringende Geldbedürfnis stempelt beispielsweise die Illiquidität zur 

Notlage. Zum augenblicklichen Geldmangel muss das unabweisliche Kreditbe-

dürfnis hinzutreten. So wird die Anklageschrift bezüglich der Notlage die folgende 

Formulierung enthalten: "… indem er in Kenntnis des Umstandes, dass der Ge-

schädigte stark betrieben war, dass Pfändungsbegehren gestellt waren, welche 

dem Geschädigten seine Arbeitsstelle hätten kosten können, sodass dieser ge-

zwungen war, sofort die betreffenden Gläubiger zu befriedigen, jedoch keine an-

dere Möglichkeit der raschen Geldbeschaffung hatte …" (Beilage zum Vorabdruck 

"Der Wucher gemäss Art. 157 StrGB" von Rechtsanwalt Dr. Max Rottenberg, 

ZStrR 1964, S. 259-293, Beilage S. 7 f. [einsehbar in der Hauptbibliothek des 

Obergerichts des Kantons Zürich, Signatur PX 3 qr 1964]). 

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1.3. In der Anklageschrift ist diese Zwangslage folgendermassen umschrieben: 

Die Geschädigten sollen zum Teil aus beruflichen und zum Teil aus privaten 

Gründen dringend auf Geld angewiesen gewesen sein (Urk. 18 S. 4 erster Ab-

satz). Weiter sollen sie sich in einer prekären finanziellen Situation befunden ha-

ben, nicht kreditwürdig gewesen sein und deswegen keine Möglichkeit gehabt 

haben, auf dem Markt in der Schweiz einen regulären Kredit zu erhalten (Urk. 18 

S. 3 letzter Absatz). Und schliesslich sollen sie aufgrund ihrer jeweiligen finanziel-

len Lage keinen anderen Ausweg gesehen haben, als sich zur Lösung ihrer finan-

ziellen Probleme auf den Beschuldigten einzulassen und sich in der Folge seinem 

Ansinnen auf Zinszahlungen auszuliefern (Urk. 18 S. 4 zweiter Absatz). 

1.4. Diese Angaben zur Zwangslage finden sich im einleitenden, allgemeinen 

Teil der Anklageschrift (Urk. 18 S. 3 f.) und werden im anschliessenden besonde-

ren, den jeweiligen Geschädigten betreffenden Teil der Anklageschrift (Urk. 18 

S. 5-17) in keiner Art und Weise genauer konkretisiert. Ob die Vorinstanz zu 

Recht dafür hält, dass die prekäre finanzielle Situation und die Kreditunwürdigkeit 

der Geschädigten in der Anklage nicht genügend umschrieben sind (Urk. 67 

Erw. 2.1.6.), kann offen gelassen werden. Denn das Vorhandensein einer prekä-

ren finanziellen Situation und einer Kreditunwürdigkeit umfasst nicht alle Merkma-

le der Zwangslage beim Wucher gemäss Art. 157 StGB. Es bedarf zusätzlich ei-

nes Zwangs beim Geschädigten, die wucherischen Bedingungen zu akzeptieren, 

bzw. einer entsprechenden Dringlichkeit des Geldbedarfs. Weiter muss der Ge-

schädigte auf die Leistung ernsthaft angewiesen sein (vgl. dazu ausführlich unten 

Ziff. III.1). Woraus dieser Zwang beim jeweiligen Geschädigten bestanden haben 

soll, nennt die Anklage mit keinem Wort. Die Vorinstanz erwog in diesem Zusam-

menhang zu Recht, dass u.a. nicht klar ist, mit welchen Folgen jeder einzelne Ge-

schädigte und in Bezug auf jedes einzelne Darlehen konkret zu rechnen gehabt 

hätte, wenn er sich auf den Beschuldigten und dessen Zinskonditionen nicht ein-

gelassen hätte (Urk. 67 Erw. 2.1.6., mit Verweis auf das Urteil des Obergerichts 

Zürich vom 27. Oktober 2017, SB160277). 

1.5. Auf eine Sistierung des Verfahrens und Rückweisung der Anklage an die 

Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 329 Abs. 2 i.V.m. Art. 325 Abs. 1 StPO kann 

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jedoch – wie vor der Vorinstanz – verzichtet werden, da der Beschuldigte ohnehin 

(aus andern Gründen) vom Vorwurf des gewerbsmässigen Wuchers im Sinne von 

Art. 157 Ziff. 1 und 2 StGB freizusprechen ist (Zürcher Kommentar StPO-

BOSSHARD/LANDSHUT, Art. 325 N 37 und -GRIESSER, Art. 329 N 21 f.).  

2. Beweisergänzungsanträge 

Die Verteidigung stellt wie vor Vorinstanz verschiedene Beweisergänzungsanträ-

ge (vgl. Urk. 82 und Prot. II S. 7). Die Anklägerin beantragt die Abweisung der 

Beweisergänzungsanträge (Urk. 89 S. 2). Im Lichte der nachfolgenden Erwägun-

gen sowie mit Blick auf den Verfahrensausgang kann auf eine Beweisergänzung 

verzichtet werden.  

III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Rechtliches zum Wucher i.S.v. Art. 157 StGB bzw. zur Zwangslage 

1.1. Die Vorinstanz hat die objektiven Tatbestandsvoraussetzungen des – dem 

Beschuldigten vorgeworfenen – gewerbsmässigen Wuchers im Sinne von 

Art. 157 Ziff. 1 und 2 StGB richtig dargelegt und es ist darauf zu verweisen 

(Urk. 67 Erw. 3.3.1.). Da vorliegend die Frage nach dem Bestehen einer Zwangs-

lage im Mittelpunkt steht, sind die vorinstanzlichen Erwägungen in diesem Zu-

sammenhang wie folgt zu wiederholen bzw. zu ergänzen: Nach der Formulierung 

des Bundesgerichts genügt "jede Zwangslage, welche den Betroffenen in seiner 

Entschlussfreiheit dermassen beeinträchtigt, dass er sich zur Leistung bereiter-

klärt". Eine existenzgefährdende wirtschaftliche Bedrängnis ist nicht erforderlich. 

Ein stichhaltiger Bedarf nach einer bestimmten Leistung genügt. Eine Zwangslage 

ist jedenfalls dann zu bejahen, wenn der Betroffene nach seinen Verhältnissen 

auf die jeweilige Leistung, die er auf Grund der konkreten Umstände anderweitig 

überhaupt nicht oder nicht günstiger erlangen kann, ernsthaft angewiesen ist oder 

angewiesen zu sein glaubt. Nach einem Teil der Lehre sollen bei der Würdigung 

der Lage des Betroffenen allein objektive Gesichtspunkte massgebend sein. Es 

sei zu fragen, ob eine besonnene Person in der Lage des Betroffenen in ihrer Wil-

lensfreiheit eingeschränkt gewesen wäre und sich auf das für sie krass nachteilige 

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Geschäft eingelassen hätte. Nach dem anderen Teil der Lehre soll die Beurteilung 

hingegen nicht ausschliesslich nach einem objektiven Massstab erfolgen. Viel-

mehr sollen – jedenfalls bei gezielter Ausnutzung der besonderen Schwäche des 

Betroffenen durch den Täter – auch subjektive Momente beim Betroffenen be-

rücksichtigt werden, die bei einer besonnenen Person möglicherweise nicht vor-

gelegen hätten. Eine bloss vorübergehende Zwangslage genügt (BSK StGB-

WEISSENBERGER, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 157 N 8-11). 

1.2. Nicht jede Gefahr irgendeines Nachteils reicht jedoch aus, um eine Notlage 

im Sinne von Art. 157 StGB zu begründen; der persönlichen Bewertung seiner 

Lage durch das Opfer sind Grenzen gesetzt. Die vorhandene oder vom Opfer be-

fürchtete Bedrohung muss unmittelbar, dringend, ernsthaft, zudem auf Güter ge-

richtet sein, insbesondere auf Leben, Freiheit, Ehre, Familie, Existenz oder ande-

re Rechtsgüter, deren Preisgabe dem Geschädigten billigerweise nicht zugemutet 

werden kann. Deshalb ist eine wirtschaftliche Notlage immer dann zu verneinen, 

wenn der Geschädigte Geld aufnimmt, lediglich um einen Gewinn zu realisieren, 

um Spekulationsgeschäfte durchzuführen oder um Luxusgegenstände anzuschaf-

fen. Sie ist jedoch zu bejahen, wenn ernsthafte wirtschaftliche Interessen auf dem 

Spiele stehen. So vor allem, wenn das Opfer in die wucherische Leistung einwil-

ligt, um seine Existenz zu schützen, eine Zwangsvollstreckung zu verhüten oder 

um seinen Betrieb konkurrenzfähig zu erhalten, selbst wenn dies nur durch Be-

triebsumstellungen oder gar durch Betriebserweiterungen und somit durch Neuin-

vestitionen möglich ist. Ausschlaggebend sind jedoch immer die Umstände des 

Einzelfalles, weil es sich nicht um eine allgemeine, sondern um eine individuelle 

Notlage handeln muss (MAX ROTTENBERG, Der Wucher gemäss Art. 157 StrGB, 

ZStrR 1964, S. 259-293, S. 263 f.) 

1.3. Eine Zwangssituation ist nur gegeben, wenn das Opfer keine andere Mög-

lichkeit hat oder sieht, als sich auf das ungünstige Geschäft einzulassen. Ein Ge-

schädigter, welcher zur Zeit des Abschlusses des Wuchergeschäfts eine bessere 

Möglichkeit für die Kreditaufnahme gehabt hätte, befindet sich nur dann in einer 

Notlage, wenn die Ergreifung der anderen Möglichkeit aus schwerwiegenden 

Gründen nicht zumutbar war. Zur Klärung aller wesentlichen Momente des Notla-

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getatbestandes in objektiver Hinsicht führen die Fragen nach dem Zweck des Ver-

tragsabschlusses, nach der Dringlichkeit der Befriedigung der damaligen Bedürf-

nisse, nach den für den Fall der Nichtbefriedigung der Bedürfnisse drohenden 

Nachteilen sowie anderen Möglichkeiten des Gelderhaltes und ob diese zur Zeit 

des Vertragsabschlusses bekannt gewesen seien (Beilage zum Vorabdruck "Der 

Wucher gemäss Art. 157 StrGB" von Rechtsanwalt Dr. Max Rottenberg, ZStrR 

1964, S. 259-293, Beilage S. 4 f. [einsehbar in der Hauptbibliothek des Oberge-

richts des Kantons Zürich, Signatur PX 3 qr 1964]). 

1.4. Der subjektive Tatbestand erfordert (Eventual-)Vorsatz. Dieser muss sich 

namentlich auf die Schwächesituation beim Opfer, deren Ausnutzung zur Erzie-

lung der weit übersetzten Gegenleistung sowie auf das offensichtliche Missver-

hältnis zwischen Leistung und Gegenleistung erstrecken (BSK StGB-

WEISSENBERGER, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 157 N 49 f.). 

2. Darlehen an B._____ (Urk. 18 S. 3 f. u. 5 f. i.V.m. ND 1) 

2.1. Anklagevorwurf und Parteistandpunkte 

2.1.1. In der Anklageschrift werden dem Beschuldigten drei Sachverhalte vorge-

worfen: 

(a) An mehreren nicht genau bestimmbaren Tagen in der Zeit von ca. 2010 bis 

2012 soll der Beschuldigte dem Geschädigten mindestens zwei Kredite à mindes-

tens ca. Fr. 15'000.– mit mindestens 5% Zins pro Monat gewährt haben. Der Ge-

schädigte habe jeweils mindestens drei Monate Zinsen bezahlt. Das Total der be-

zahlten Zinsen soll ca. Fr. 4'500.– betragen haben (Urk. 18 S. 5 Ziff. 1 lit. a). 

(b) Ca. am 25. Februar 2016 soll der Beschuldigte dem Geschädigten einen Kre-

dit in Höhe von Fr. 20'000.– mit 10% Zins pro Monat gewährt haben. Der Ge-

schädigte habe von ca. 25. März 2016 bis 27. Oktober 2017 Zinszahlungen ge-

leistet. Das Total der bezahlten Zinsen soll ca. Fr. 8'000.– betragen haben 

(Urk. 18 S. 5 f. Ziff. 1 lit. b). 

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(c) An zwei nicht genau bestimmbaren Tagen im Jahr 2016 soll der Beschuldigte 

dem Geschädigten einen ersten Kredit in Höhe von Fr. 30'000.– und ca. zwei Mo-

nate später einen solchen in Höhe von Fr. 25'000.– gewährt haben. Für beide hät-

te der Geschädigte Zinsen von 10% pro Monat bezahlen sollen. Der Geschädigte 

habe für den ersten Kredit ca. vier Monate und für den zweiten ca. zwei Monate 

Zinsen bezahlt. Das Total der für beide Kredite bezahlten Zinsen soll mindestens 

ca. Fr. 17'000.– betragen haben (Urk. 18 S. 6 Ziff. 1 lit. c). 

Die Anklageschrift umschreibt die Zwangslage – einheitlich für alle fünf Geschä-

digten – im einleitenden Teil der Anklageschrift. Demnach sollen sie zum Teil aus 

beruflichen und zum Teil aus privaten Gründen dringend auf Geld angewiesen 

gewesen sein (Urk. 18 S. 4 erster Absatz). So hätten sich die Geschädigten in ei-

ner prekären finanziellen Situation befunden, seien nicht kreditwürdig gewesen 

und hätten deswegen keine Möglichkeit gehabt, auf dem Markt in der Schweiz ei-

nen regulären Kredit zu erhalten (Urk. 18 S. 3 letzter Absatz). Aufgrund ihrer je-

weiligen finanziellen Lage hätten die Geschädigten keinen anderen Ausweg ge-

sehen, als sich zur Lösung ihrer finanziellen Probleme auf den Beschuldigten ein-

zulassen und sich in der Folge seinen Ansinnen auf Zinszahlungen auszuliefern 

(Urk. 18 S. 4 zweiter Absatz). Eine konkrete Umschreibung der Zwangslage hin-

sichtlich der einzelnen Geschädigten fehlt in der Anklageschrift. 

2.1.2. Die Vorinstanz stellte fest, dass der dem Beschuldigten vorgeworfene 

Sachverhalt betreffend die Darlehen an B._____ in Bezug auf Darlehensbeträge, 

Zinskonditionen und Zinszahlungen erstellt sei. Dass in den Jahren 2010 bis 2012 

sowie in den Jahren 2015 und 2016 eine Zwangslage vorgelegen habe bzw. dass 

der Beschuldigte davon Kenntnis gehabt habe oder hätte haben müssen, erachte-

te die Vorinstanz jedoch als nicht erstellt (Urk. 67 S. 24 ff., 37 ff.).  

2.1.3. Die Staatsanwaltschaft hält in ihrer Berufung dafür, dass von einer Zwangs-

lage auszugehen sei, wenn der jeweilige Geschädigte nach seinen Verhältnissen 

auf die jeweilige Leistung, die er auf Grund der konkreten Umstände anderweitig 

überhaupt nicht oder nicht günstiger erlangen könne, ernsthaft angewiesen sei  

oder angewiesen zu sein glaube. Die Zwangslage müsse nur in der Vorstellung 

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des Betroffenen bestehen, nicht aber objektiv gegeben sein. Mit anderen Worten 

müsse die jeweilige Zwangslage nicht bis ins letzte Detail erstellbar sein, sondern 

es genüge, wenn sich der jeweilige Geschädigte in einer finanziellen Situation be-

finde oder in einer solchen zu befinden glaube, die ihn unterlegen mache. Die je-

weiligen Betreibungsregisterauszüge der Geschädigten seien allesamt beigezo-

gen und zu den Akten genommen worden. Gestützt auf diese Auszüge sei bezüg-

lich jedes einzelnen Geschädigten in objektiver Hinsicht erstellt, dass im jeweili-

gen inkriminierten Zeitpunkt zahlreiche betreibungsrechtliche Ereignisse in nam-

hafter Höhe über die Geschädigten und/oder ihre Firmen registriert gewesen sei-

en. Aufgrund dieser Vorgänge und Einträge hätten die jeweiligen Geschädigten 

bei keinem regulären Kreditinstitut einen Kredit erhalten, was den Geschädigten 

ohne Weiteres bekannt gewesen sei. Den ebenfalls in den Akten befindlichen 

Protokollen der aufgezeichneten Telefongespräche zwischen den jeweiligen 

Gläubigern und dem Beschuldigten sei ohne Weiteres zu entnehmen, dass die 

Geschädigten sich in einer Zwangslage gewähnt hätten, die auch tatsächlich ge-

geben gewesen sei, und insbesondere, dass der Beschuldigte diese Zwangslage 

bei jedem Geschädigten erkannt habe, weil z.T. offen darüber kommuniziert wor-

den bzw. er zumindest billigend von einer solchen ausgegangen sei. Die Vo-

rinstanz habe lediglich die Aussagen der jeweiligen Geschädigten im Zusammen-

hang mit der Zwangslage gewürdigt. Es sei zutreffend, dass die Geschädigten 

z.T. vage  

oder entlastende Aussagen gemacht hätten, was aber von der Vorinstanz zutref-

fend mit der Angst vor dem Beschuldigten oder seiner Entourage erklärt worden 

sei. Die vorgenannten, in den Akten befindlichen Betreibungsregisterauszüge sei-

en von der Vorinstanz nicht bzw. nur am Rande erwähnt worden. Die Protokolle 

der aufgezeichneten und den Geschädigten sowie dem Beschuldigten vorgespiel-

ten Telefongespräche seien jedoch im erstinstanzlichen Urteil weder als Beweis-

mittel aufgeführt noch in die Beweiswürdigung miteinbezogen worden (Urk. 68 

S. 5 f.).  

- 15 - 

2.1.4. Der Beschuldigte bzw. dessen amtliche Verteidigung stellt sich auf den 

Standpunkt, dass der Tatbestand von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht erfüllt sei, 

und fordert einen Freispruch. 

2.2. Beweismittel betreffend das Vorliegen einer Zwangslage 

2.2.1. Zur Erstellung des vorgeworfenen Sachverhaltes stehen als Beweismittel 

die Aussagen des Geschädigten B._____ (Urk. 4/4, 4/15 und 4/38) und des Be-

schuldigten (Urk. 2/1-3, 2/15, 2/19, 2/22, 2/24 und 2/25) zur Verfügung. Weiter 

liegen vor und sind im vorinstanzlichen Urteil nicht berücksichtigt worden der Be-

treibungsregisterauszug des Geschädigten B._____ vom 2. Dezember 2016 

(Urk. 4/4 Beilage 2, ND1 Urk. 1/1/22, ND1 Urk. 3/1 Beilage 2), der SHAB-Auszug 

zur Neueintragung der C._____ GmbH vom tt. September 2013 (Urk. 4/4 Beila-

ge 3), der von der Kantonspolizei eingeholte Auszug aus der Datenbank für Boni-

tät- und Wirtschaftsauskunft crediweb.ch über das Einzelunternehmen E._____ 

vom 4. Dezember 2015 (Urk. 4/4 Beilage 1) sowie die Aufzeichnungen der Ab-

hörprotokolle der Telefongespräche zwischen dem Beschuldigten und dem Ge-

schädigten B._____ ab 15. Januar 2016 (Urk. 4/4 Beilage 8). 

2.2.2. Der Geschädigte B._____ wurde am 19. Januar 2017 und 30. Oktober 

2019 von der Polizei als Auskunftsperson (Urk. 4/4 und 4/15) sowie am 6. April 

2020 von der Staatsanwaltschaft als Zeuge (Urk. 4/38) einvernommen. Die Vor-

instanz hat die Aussagen zutreffend zusammengefasst und es kann darauf ver-

wiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.4.2.1.). Hinsichtlich des Tatbestands der Zwangs-

lage sind diese Ausführungen um folgende Aussagen zu ergänzen: Der Geschä-

digte gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 19. Januar 2017 an, ver-

heiratet zu sein und zwei Kinder mit seiner Ehefrau und zwei weitere Kinder aus 

einer früheren Ehe zu haben. Er sei Fassadenbauer, seine Frau sei Putzfrau und 

habe zusammen mit ihm das Geschäft. Er sei pro Stunde angestellt und verdiene 

Fr. 29.– bei der Firma D._____ GmbH. Seine Frau verdiene zwischen Fr. 2'600.– 

und Fr. 2'900.– als Putzfrau und von der Firma D._____ GmbH. Wegen der 

Schulden beim Betreibungsamt werde sein Lohn monatlich im Umfang von 

Fr. 1'874.– gepfändet (Urk. 4/4 F/A 14 ff.). Anlässlich der Einvernahme vom 

- 16 - 

6. April 2020 gab er an, monatlich brutto Fr. 6'000.– bzw. netto ca. Fr. 5'100.– zu 

verdienen. Seine Frau verdiene Fr. 1'700.– (Urk. 4/38 F/A 30 f.). Die Kinder seien 

Jahrgang 1998, 2000, 2004 und 2007 (Urk. 4/38 F/A 33). Weiter sagte er anläss-

lich der polizeilichen Einvernahme vom 19. Januar 2017 aus, im Februar 2009 

das Einzelunternehmen E._____ gegründet zu haben (Urk. 4/4 F/A 26 f.). Mit der 

Arbeit sei es sehr gut gegangen, er habe in dieser Zeit aber Probleme mit 

F._____ gehabt. Seine Einnahmen aus dem Geschäft habe er diesem bringen 

müssen. Dies sei auch der Grund für den Konkurs des Einzelunternehmens ge-

wesen. Die Mobilien des Einzelunternehmens hätten die Mitarbeiter mitgenom-

men, da er bei ihnen Schulden gehabt habe (Urk. 4/4 F/A 28 ff.). Nach dem Kon-

kurs der Einzelfirma habe seine Frau am tt. September 2013 die C._____ GmbH 

gegründet. Das Geld für die Gründung sei von einem Kunden gekommen, für 

welchen sie daraufhin einen Auftrag ausgeführt und so die Schuld zurückbezahlt 

hätten. Er habe F._____ monatlich zwischen Fr. 10'000.– und Fr. 20'000.– geben 

müssen. Dadurch habe er kein Geld mehr für sich gehabt und der Beschuldigte 

habe ihm ausgeholfen, damit er die Rechnungen habe bezahlen können (Urk. 4/4 

F/A 34 ff., 40). Bei der Firma C._____ GmbH sei er Geschäftsführer gewesen. Die 

Firma habe bis zu 30 Mitarbeiter gehabt. Was er mit der Firma verdient habe, ha-

be er F._____ abgeliefert, zwischen Fr. 20'000.– und Fr. 30'000.–. Da sich immer 

mehr unbezahlte Rechnungen angehäuft hätten, sei die Firma im August 2016 in 

Konkurs gegangen (Urk. 4/4 F/A 43 ff.). Seine Frau habe dann schon am tt. Juli 

2016 die Firma G._____ GmbH gegründet, welche der C._____ GmbH die Mobi-

lien abgekauft habe. Momentan habe er 14 Festangestellte. Er erhalte von der 

Firma monatlich Fr. 6'200.– netto als Lohn und seine Frau Fr. 3'200.–. Zinsen an 

private Darlehensnehmer zahle er keine mehr. Seine Schulden beliefen sich auf 

ca. Fr. 600'000.– (Urk. 4/4 F/A 48 ff.). Zum Kredit in der Höhe von Fr. 20'000.– 

vom Februar 2016 führte er aus, das Geld "für die Konkursandrohung für die 

C._____ GmbH" gebraucht zu haben. Er habe Fr. 20'000.– bringen müssen 

(Urk. 4/4 F/A 111 f.). Später in der Einvernahme gab er zu Protokoll, dass er, als 

er Probleme mit F._____ gehabt habe, die normalen Rechnungen nicht bezahlt 

habe. Aber irgendeinmal hätten diese bezahlt werden müssen und so habe er die 

Darlehen vom Beschuldigten bekommen (Urk. 4/4 F/A 132). Anlässlich der 

- 17 - 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. April 2020 gab er an, das letzte 

Mal, als er Schulden beim Beschuldigten gemacht habe, sei es darum gegangen, 

die Firma zu retten. Dies habe leider nicht funktioniert. Er habe beim Beschuldig-

ten auch schon vorher Schulden gemacht. Eine Schuld sei zur anderen gekom-

men, sodass er aus diesem Kreis nicht mehr herausgekommen sei (Urk. 4/38 

F/A 39). Auf die Frage, weshalb er beim Beschuldigten Schulden gemacht habe, 

gab der Geschädigte an, weil dieser und F._____ sich gekannt hätten. Er habe 

vom Beschuldigten Geld genommen, um F._____ auszuzahlen (Urk. 4/38 

F/A 43). Auf die darauffolgende Frage, wofür er das Geld gebraucht habe, gab er 

an, um die Mitarbeiter zu bezahlen und auch ein paar private Rechnungen zu be-

gleichen (Urk. 4/38 F/A 44). Die Frage, ob er dem Beschuldigten gesagt habe, 

dass es ihm finanziell nicht gut gehe, als er ihn um die Darlehen gebeten habe, 

bejahte der Geschädigte. Dies habe ihn aber nicht interessiert; er habe gewusst, 

dass er, der Geschädigte, eine Firma habe und arbeiten könne und Geld verdiene 

(Urk. 4/38 F/A 61 ff.). 

2.2.3. Der Beschuldigte wurde zum Sachverhalt betreffend den Geschädigten 

B._____ an den folgenden Daten polizeilich und staatsanwaltschaftlich einver-

nommen: am 19. Januar 2017, 24. Februar 2017, 16. Mai 2017, 21. Januar 2020, 

28. Januar 2020, 28. Februar 2020, 14. Juli 2020 und 25. August 2020 (Urk. 2/1-

3, 2/15, 2/19, 2/22, 2/24 und 2/25). Die Vorinstanz befragte ihn anlässlich der 

Hauptverhandlung vom 25. Juni 2021 (Prot. I S. 14 ff.). Die Vorinstanz hat die 

Aussagen zutreffend zusammengefasst und es kann darauf verwiesen werden 

(Urk. 67 Erw. 3.4.2.2.). Zu wiederholen ist, dass der Beschuldigte in der Einver-

nahme vom 19. Januar 2017 ausführte, der Geschädigte habe ihm angegeben, 

das Geld für seine Firma zu benötigen, weil Zahlungen mit Verspätung eingehen 

würden (Urk. 2/1 F/A 228 f.). Anlässlich der Einvernahme vom 21. Januar 2020 

gab er an, der Geschädigte habe Geld für seine Firma benötigt. Er habe ihm ge-

sagt, er brauche das Geld, um Material zu kaufen. Mit dem Auftrag bzw. mit dem 

Geld habe er dann einen Gewinn erzielt. Davon hätte er ihm einen Anteil abgeben 

sollen. So sei es vereinbart gewesen. Später führte er aus, dass B._____ Proble-

me mit anderen Personen gehabt habe. Er habe ihm helfen wollen. Deshalb habe 

- 18 - 

er für ihn bei Leuten im Kosovo Geld geliehen (Urk. 2/15 F/A 13, 15, 18 und 21 f.). 

Auf Ergänzungsfrage der amtlichen Verteidigerin in der Einvernahme vom 14. Juli 

2020, weshalb er dem Geschädigten im Jahr 2018 [recte wohl 2016] ein Darlehen 

in der Höhe von Fr. 30'000.– gegeben habe, gab der Beschuldigte an, der Ge-

schädigte sei zu ihm gekommen und habe gesagt, dass er Schulden in der Firma 

zu zahlen habe, er habe zwei Bussen zu begleichen, weil er AHV-Beiträge nicht 

bezahlt habe. Er habe gesagt, dass, wenn er diese Bussen nicht zahlen würde, er 

nicht nur die Firma, sondern auch die zwei Arbeitsverträge verlieren würde in der 

Höhe von über Fr. 400'000.–, welche er ihm gezeigt habe. Zudem habe er die 

Rechnungen der nicht bezahlten AHV-Beiträge selber gesehen. Er habe gedacht, 

der Geschädigte sei sein Freund, dieser habe ihn aber angelogen (Urk. 2/24 

F/A 166-168). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 25. Juni 

2021 sagte der Beschuldigte aus, der Geschädigte habe bei ihm Geld aufge-

nommen, um seine Baustellen, seine Arbeiten, seine Arbeitsaufträge zu finanzie-

ren. Das letzte Mal habe er ihm Geld gegeben, weil ihm das Konkursamt seine 

Firma habe wegnehmen wollen (Prot. I S. 19 f.). Anlässlich der Berufungsver-

handlung verwies der Beschuldigte auf seine bisherigen Aussagen. Im Allgemei-

nen bestätigte er seinen bisherigen Standpunkt, alle Kreditnehmer hätten die Gel-

der aufgenommen, um ihre eigenen Geschäfte zu finanzieren, und hätten dies auf 

eigenen Wunsch getan. Er habe keine Veranlassung gehabt, von einer Notlage 

der Kreditnehmer auszugehen, sondern sei vielmehr davon ausgegangen, dass 

es normal sei, Kredite zu solchen Bedingungen aufzunehmen (Prot. II S. 15 f.). 

2.3. Würdigung betreffend Vorliegen einer Zwangslage 

2.3.1. Wie erwähnt, ist vorliegend die Frage zu beantworten, ob hinsichtlich des 

Geschädigten B._____ bezüglich der drei streitgegenständlichen Sachverhalte 

das Vorliegen einer Zwangslage im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 StGB erstellt werden 

kann. In dieser Hinsicht ist zu bemerken, dass die Ausführungen der Staatsan-

waltschaft darauf hindeuten, dass sie die prekäre finanzielle Lage mit dem Tatbe-

standsmerkmal der Zwangslage gleichsetzt bzw. das Vorliegen einer prekären fi-

nanziellen Lage – von welcher bei allen Geschädigten ausgegangen werden kann 

– als ausreichend ansieht, um das Vorliegen einer Zwangslage zu bejahen (vgl. 

- 19 - 

Urk. 50 S. 35 f.). Eine Zwangslage im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB setzt 

aber auch voraus, dass der Betroffene nach seinen Verhältnissen auf die jeweili-

ge Leistung ernsthaft angewiesen ist (vgl. dazu ausführlich oben Ziff. 1). Damit 

liegt eine Zwangslage nicht vor, wenn eine sich in einer prekären finanziellen La-

ge befindende Person zu wucherischen Zinsen ein Darlehen aufnimmt, um eine 

(entbehrliche) Luxusreise zu finanzieren. In einem solchen Fall befindet sie sich 

weder in ernster Bedrängnis noch hätte sie einen schweren Nachteil erlitten, 

wenn sie auf die Reise (und damit auf die Darlehensaufnahme) verzichtet hätte. 

Dies gilt es nachfolgend zu beachten. 

2.3.2. Hinsichtlich der finanziellen Verhältnisse des Geschädigten persönlich er-

wog die Vorinstanz, diese seien sehr dürftig. Er soll Schulden gehabt haben und 

zwar zunächst bei einem H._____ und dann bei F._____. Wann das gewesen 

sein soll, wie hoch diese Schulden gewesen sein sollen und welche Rück- sowie 

Zinszahlungsverpflichtungen er gehabt haben soll, sei aber völlig unklar geblie-

ben. Im Übrigen fänden sich zum Einkommen und zu den Ausgaben sowie zum 

Vermögen und zu den übrigen Schulden des Geschädigten persönlich keine An-

gaben (Urk. 67 Erw. 3.4.3.5.1.). Weiter soll auch das Geschäft des Geschädigten, 

die C._____ GmbH mit Sitz in I._____, in eine finanzielle Schieflage geraten sein. 

Offenbar sollen Zahlungen erst mit Verspätung eingegangen sein. Konkretes sei 

darüber aber nicht bekannt. Nach Darstellung des Geschädigten selber soll die 

GmbH zudem eine Konkursandrohung erhalten haben. Die Hintergründe seien 

aber auch hier völlig im Dunkeln geblieben. Unklar sei etwa, wann das gewesen 

sein soll und um welche Forderung(en) es gegangen sein soll. Weiter könne dem 

Handelsregisterauszug noch entnommen werden, dass die GmbH am tt. August 

2016 in Konkurs gefallen und aufgelöst worden sei. Auch hier seien die Hinter-

gründe gänzlich unbekannt. Im Übrigen fänden sich zum Umsatz bzw. zum Ertrag 

und Aufwand sowie zu den Aktiven und Passiven des Geschäfts keine Angaben 

(Urk. 67 Erw. 3.4.3.5.2.). 

2.3.2.1. Über die finanzielle Lage des Geschädigten in der vorliegend massgebli-

chen Zeit (2010 bis 2012 bzw. im Jahr 2016) gibt zunächst der von der Kantons-

polizei eingeholte Auszug aus der Datenbank für Bonität- und Wirtschaftsauskunft 

- 20 - 

crediweb.ch vom 4. Dezember 2015 Auskunft. Daraus ist ersichtlich, dass der 

Geschädigte im Februar 2009 das Einzelunternehmen E._____ gegründet hat. 

Weiter ist ersichtlich, dass das Kantonsgericht Schaffhausen über das (private) 

Vermögen des Geschädigten als Inhaber der Einzelfirma E._____ am tt. August 

2009 den Konkurs eröffnet hat. Das Konkursverfahren über das Einzelunterneh-

men E._____ wurde am tt. Juni 2010 mangels Aktiven eingestellt und das Einzel-

unternehmen am tt. Februar 2015 von Amtes wegen gelöscht (Urk. 4/4 Beilage 1). 

Der Geschädigte gab an, mit der Arbeit sei es sehr gut gegangen, aber er habe in 

dieser Zeit Probleme mit F._____ gehabt. Seine Einnahmen aus dem Geschäft 

habe er diesem bringen müssen. Dies sei auch der Grund für den Konkurs gewe-

sen (Urk. 4/4 F/A 28 ff.). 

2.3.2.2. Neben dem Konkurs des Geschädigten, welcher im Jahr 2009 erfolgte, 

zeigen auch die im Betreibungsregisterauszug des Geschädigten vom 

2. Dezember 2016 verzeichneten Verlustscheine, dass die prekäre finanzielle Si-

tuation beim Geschädigten – entgegen der Ansicht der amtlichen Verteidigung 

(Urk. 52/2 Rz. 50 f.) – schon im Jahr 2010 bestanden hat. So sind ab dem Jahr 

2005 jährlich (teilweise mehrere und teilweise fünfstellige Beträge betreffende) 

Verlustscheine ausgestellt worden (ND1 Urk. 1/1/22, auch ND1 Urk. 3/1 Beila-

ge 2, Urk. 4/4 Beilage 2, jeweils S. 4 ff.). Dem Betreibungsregisterauszug kann 

weiter entnommen werden, dass der Geschädigte während der aufgezeichneten 

fünf Jahre (mit einem ersten Eintrag am 20. Januar 2012) monatlich, teilweise für 

fünfstellige Beträge betrieben wurde. Gläubiger grösserer, fünfstelliger Summen 

waren überwiegend Behörden bzw. öffentlich-rechtliche Anstalten (SVA Schaff-

hausen [AHV-Ausgleichskasse], Schweizerische Eidgenossenschaft, Kanton 

Schaffhausen, Suva Winterthur), so dass davon ausgegangen werden kann, dass 

es sich dabei um Betreibungen für Schulden des Einzelunternehmens handelt 

(ND1 Urk. 1/1/22, auch ND1 Urk. 3/1 Beilage 2, Urk. 4/4 Beilage 2, jeweils 

S. 2 ff.). Die am tt. September 2013 mit dem Geld eines Kunden gegründete 

C._____ GmbH ging laut Aussagen des Geschädigten wegen unbezahlter Rech-

nungen im August 2016 in Konkurs. Was er mit der Firma verdient habe, habe er 

- 21 - 

F._____ abgeliefert, zwischen Fr. 10'000.– und Fr. 20'000.– bzw. Fr. 20'000.– und 

Fr. 30'000.– (Urk. 4/4 F/A 34 ff., 48 ff.). 

2.3.2.3. Unter Berücksichtigung des Einkommens des Geschädigten von Fr. 29.– 

pro Stunde bzw. Fr. 5'100.– netto bzw. von seiner Ehefrau von Fr. 2'600.– bis 

Fr. 2'900.– bzw. Fr. 1'700.– liegt es entgegen der Vorinstanz auf der Hand, dass 

der Geschädigte angesichts der Höhe der vorhandenen Betreibungen bzw. 

Schulden insgesamt – in der Einvernahme vom 19. Januar 2017 mit ca. 

Fr. 600'000.– angegeben (Urk. 4/4 F/A 62) – in einer prekären finanziellen Situati-

on war.  

2.3.3. Vor diesem Hintergrund ist – entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 67 

Erw. 3.4.3.5.4.) – auch klar, dass der Geschädigte kreditunwürdig war. Dasselbe 

gilt für die C._____ GmbH. Zur Zeit der Aufnahme der Kredite zwischen 2010 und 

2012 bestand die am tt. September 2013 gegründete C._____ GmbH noch nicht. 

Hinsichtlich der Kredite im Jahr 2016 ist zu bemerken, dass die C._____ GmbH 

am tt. August 2016 Konkurs gegangen ist bzw. davor Zahlungsschwierigkeiten 

gehabt haben musste (vgl. zefix.ch). Es ist aber nicht die Frage nach der Kredit-

würdigkeit bzw. danach, ob der Geschädigte bei einem ordentlichen Kreditinstitut 

einen Kredit erhalten hätte, zu beantworten. Vielmehr ist im Zusammenhang mit 

der Zwangslage zu fragen, ob der Geschädigte andere Möglichkeiten, das Geld 

zu erhalten, gehabt hätte und die Ergreifung dieser Möglichkeit aus schwerwie-

genden Gründen nicht zumutbar war (vgl. dazu oben Ziff. 1.3). In dieser Hinsicht 

ist festzustellen, dass dieser Frage in der Untersuchung nicht nachgegangen 

wurde. Der Geschädigte wurde nicht danach gefragt, ob er andere Möglichkeiten, 

Geld zu erhalten, gehabt hätte und die Ergreifung dieser Möglichkeiten zumutbar 

war. 

2.3.4. Die Vorinstanz erwog, dass die Hinweise zum Verwendungszweck der vom 

Beschuldigten erhaltenen Kredite ebenfalls sehr dürftig seien. So habe der Ge-

schädigte angegeben, mit dem Geld Schulden bei F._____ abbezahlt bzw. "ein 

paar private Rechnungen" getilgt bzw. Aufwendungen des Geschäfts bezahlt zu 

haben, wobei jeweils konkrete Angaben fehlen würden. Gemäss Aussage des 

- 22 - 

Geschädigten selber soll er Löhne der Mitarbeiter bezahlt haben. Nach Darstel-

lung des Beschuldigten soll er aber Material für einen Auftrag beschafft haben, 

woraus er sich einen Gewinn versprochen habe (vgl. Urk. 67 Erw. 3.4.3.5.3.). 

Hinsichtlich der in der Zeit von ca. 2010 bis ca. 2012 aufgenommenen Kredite 

(erster Sachverhalt) kann den Aussagen des Geschädigten entnommen werden, 

dass er sich damals in einer Situation befand, in welcher er das bei F._____ auf-

genommene Darlehen abzahlen musste und gleichzeitig andere Rechnungen 

nicht bezahlen konnte. So soll er die Darlehen für die Auszahlung von F._____ 

bzw. die Bezahlung der Mitarbeiter und auch ein paar privater Rechnungen auf-

genommen haben. Es lässt sich nicht erstellen, ob das Darlehen für die Auszah-

lung von F._____ oder die Bezahlung der Mitarbeiter samt ein paar privater 

Rechnungen bzw. für welchen dieser Zwecke es in welchem Umfang gebraucht 

wurde. Den im Jahr 2016 aufgenommenen Kredit in der Höhe von Fr. 20'000.– 

(zweiter Sachverhalt) soll der Geschädigte nach eigenen Angaben gebraucht ha-

ben, um den Konkurs der im September 2013 gegründeten C._____ GmbH ab-

zuwenden. Damals habe er Fr. 20'000.– bringen müssen. Dies entspricht auch 

der Aussage des Beschuldigten. Der Zweck dieses Darlehens ist damit erstellt. 

Aussagen des Geschädigten zum Zweck der Darlehen gemäss dem dritten Sach-

verhalt fehlen. Der Beschuldigte gab an, dem Geschädigten Fr. 30'000.– gegeben 

zu haben, um Schulden in der Firma zu zahlen. Dieser habe ihn aber angelogen. 

Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 25. Juni 2021 sagte der 

Beschuldigte aus, der Geschädigte habe bei ihm Geld aufgenommen, um seine 

Baustellen, seine Arbeiten, seine Arbeitsaufträge zu finanzieren. Das letzte Mal 

habe er ihm Geld gegeben, weil ihm das Konkursamt seine Firma habe wegneh-

men wollen. Der Beschuldigte gab aber auch an, der Geschädigte habe Geld für 

die Firma benötigt, um Material zu kaufen. Später führte er aus, dass B._____ 

Probleme mit anderen Personen gehabt habe. Er habe ihm helfen wollen. Des-

halb habe er für ihn bei Leuten im Kosovo Geld geliehen. Die Aussagen des Be-

schuldigten sind nicht konsistent und teilweise widersprüchlich, um den Zweck 

dieser Darlehen erstellen zu können.  

- 23 - 

2.3.5. Die Vorinstanz erwog weiter, dass zu alledem hinzukomme, dass auch 

nicht ersichtlich sei, mit welchen Folgen der Geschädigte bei Nichteinräumung der 

Kredite des Beschuldigten zu rechnen gehabt hätte. Selbstredend bestehe bei je-

dem Kreditsuchenden ein Bedarf an Geld und eine zumindest vorübergehende 

Unfähigkeit, diesen Bedarf mit eigenen Mitteln zu decken. Dies lasse aber nicht 

ohne Weiteres auf das Vorliegen einer Zwangslage mit der erforderlichen Intensi-

tät schliessen. Dasselbe gelte in Bezug auf eine allfällige Dringlichkeit des Geld-

bedarfs. Und auch aus dem Umstand, dass vom Kreditsuchenden wucherische 

Zinskonditionen akzeptiert werden, dürfe nicht ohne Weiteres auf das Vorliegen 

einer Zwangslage im Sinne von Art. 157 Abs. 1 StGB geschlossen werden, an-

sonsten diesem Tatbestandselement weder aus objektiver noch aus subjektiver 

Sicht eine eigenständige Bedeutung zuzurechnen wäre (vgl. Urk. 67 

Erw. 3.4.3.5.5.). 

Hier geht es um die Frage nach der Dringlichkeit der Befriedigung der damaligen 

Bedürfnisse und den für den Fall der Nichtbefriedigung der Bedürfnisse drohen-

den Nachteilen, wobei nicht jede Gefahr irgendeines Nachteils ausreicht, um eine 

Notlage im Sinne von Art. 157 StGB zu begründen (vgl. dazu oben Ziff. 1.2). In 

dieser Hinsicht ist festzustellen, dass dieser Frage – wie auch der Frage nach an-

deren Möglichkeiten der Geldbeschaffung (vgl. oben Ziff. 2.3.3) – in der Untersu-

chung nicht nachgegangen wurde. Der Geschädigte wurde nicht danach gefragt, 

wie dringend der Geldbedarf war bzw. was passiert wäre, wenn ihm der Beschul-

digte die Darlehen nicht eingeräumt hätte. Auf das Fehlen entsprechender Fragen 

an den Geschädigten weist auch die amtliche Verteidigung hin (Urk. 52/2 

Rz. 50 f.). Angesichts des Umstands, dass die Darlehen gemäss dem ersten und 

dritten Sachverhalt (in ihrer Höhe) nicht genau einem Zweck zugeordnet werden 

können, und der ohnehin fehlenden Aussagen des Geschädigten zu den Folgen 

der Nichteinräumung und zur Dringlichkeit kann diese Frage vorliegend nicht be-

antwortet werden. Auch wenn beim Darlehen gemäss zweitem Sacherhalt davon 

ausgegangen werden kann, dass die Fr. 20'000.– für die Abwendung des Kon-

kurses gebraucht wurden, und die rechtlichen Folgen eines Konkurses für ein Un-

ternehmen bekannt sein dürften, bedarf es einer Untersuchung und Angaben da-

zu, welche konkreten Folgen es für das betroffene Unternehmen und den Ge-

- 24 - 

schädigten gehabt hätte, hätte der Geschädigte das Geld vom Beschuldigten 

nicht erhalten. Diese Frage gehört zum zu erörternden und festzustellenden 

Sachverhalt. Lässt es sich nicht erstellen, welchen Nachteilen der Geschädigte 

ausgesetzt worden wäre, kann auch nicht die Frage beantwortet werden, ob eine 

besonnene Person in der Lage des Betroffenen (unter Beachtung subjektiver 

Momente) in ihrer Willensfreiheit eingeschränkt gewesen wäre und sich auf das 

für sie krass nachteilige Geschäft eingelassen hätte (vgl. dazu oben Ziff. 1.1). Ins-

besondere bei Krediten zu solch hohen Zinsen wie vorliegend wären die Folgen 

von einer gewissen Schwere sowie eine relevante Dringlichkeit des Bedarfs auf-

zuzeigen gewesen. 

2.3.6. Die Vorinstanz hält fest, dass hinsichtlich des erforderten (Eventual-

)Vorsatzes nicht ersichtlich sei, dass der Beschuldigte hinsichtlich der Elemente 

der Zwangslage genauere Kenntnisse gehabt habe oder zumindest hätte haben 

müssen.  

2.3.6.1. Nach Aussage des Geschädigten hat er dem Beschuldigten jeweils ge-

sagt, dass es ihm finanziell nicht gut geht, als er ihn um die Darlehen gebeten hat. 

Dies habe den Beschuldigten aber nicht interessiert; er habe gewusst, dass er, 

der Geschädigte, eine Firma habe und arbeiten könne und Geld verdiene. Dass 

der Beschuldigte von den finanziellen Schwierigkeiten des Geschädigten spätes-

tens ab Anfang 2016 gewusst haben musste, ergibt sich aus den Abhörprotokol-

len der Telefongespräche zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten 

(beginnend ab 15. Januar 2016). Diesen ist zu entnehmen, dass der Geschädigte 

nicht in der Lage war, die Zahlungen wie vereinbart und regelmässig zu leisten 

bzw. die entsprechende Summe zusammenzubekommen. So hat der Geschädig-

te den Beschuldigten mehrmals vertröstet und sich bei ihm entschuldigt, ihm per 

SMS den Stand seines Bankkontos geschickt (um zu zeigen, dass darauf nur we-

nig Geld vorhanden war) und ihm verschiedentlich zu wissen gegeben, in was für 

"katastrophaler" finanzieller Situation er sei (Urk. 4/4 F/A 118 ff., Urk. 4/4 Beila-

ge 8). Aus den Abhörprotokollen ergeben sich hingegen keine Hinweise dafür, 

dass der Beschuldigte Kenntnis vom Verwendungszweck jedes einzelnen Darle-

hens und der Folgen des Nichterhalts für den Geschädigten gehabt hätte. 

- 25 - 

2.3.6.2. Auch wenn der Beschuldigte ab einem bestimmten Zeitpunkt um die 

schwierige finanzielle Lage des Geschädigten hätte wissen müssen, kann ihm ein 

Eventualvorsatz hinsichtlich der (hier ohnehin nicht erstellbaren) Zwangslage bzw. 

deren weiterer Merkmale nicht nachgewiesen werden. Allein aufgrund des Um-

standes, dass der Beschuldigte um die Liquiditätsprobleme des Geschädigten 

gewusst bzw. davon später erfahren hat (ob von einer Kenntnis zum Zeitpunkt der 

Darlehensgewährung ausgegangen werden kann, kann angesichts des Ausgangs 

offen bleiben), kann nicht geschlossen werden, dass er das Bestehen einer 

Zwangslage in Kauf genommen hat. Ansonsten müsste wohl bei Darlehensge-

währungen generell von einer solchen Inkaufnahme ausgegangen werden, liegt 

diesen Rechtsgeschäften doch regelmässig ein Liquiditätsengpass zugrunde. Ein 

Eventualvorsatz hinsichtlich der Zwangslage lässt sich vorliegend daher nicht 

konstruieren (so auch Urteil des Obergerichts Zürich vom 27. Oktober 2017, 

SB160277 Erw. III.C.1.3.7.). 

2.3.7. Als Fazit ist festzuhalten, dass – abgesehen davon, dass die Anklageschrift 

den Tatbestand der Zwangslage nicht genügend umschreibt – es sich auch aus 

den im Recht liegenden Beweismitteln nicht mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit auf das Vorliegen einer Zwangslage schliessen lässt. Im Übrigen 

hat der Beschuldigte eine solche auch weder erkannt noch erkennen müssen. 

Das Tatbestandselement der Zwangslage bzw. der Unterlegenheit ist somit weder 

aus objektiver noch aus subjektiver Sicht gegeben. Damit ist in Bezug auf 

B._____ das Vorliegen eines Wuchers im Sinne von Art. 157 Abs. 1 StGB zu ver-

neinen. Der Beschuldigte ist diesbezüglich freizusprechen. 

3. Darlehen an J._____ (Urk. 18 S. 3 f. u. 7 i.V.m. ND 2) 

3.1. Anklagevorwurf und Parteistandpunkte 

3.1.1. Gemäss Anklage soll der Beschuldigte dem Geschädigten J._____ ca. am 

11. Juni 2015 einen Kredit in Höhe von Fr. 50'000.– gewährt haben. Dafür hätte 

der Geschädigte dem Beschuldigten Darlehenszinsen in Höhe von 20% pro Mo-

nat bezahlen sollen. Tatsächlich soll der Geschädigte dem Beschuldigten im Zeit-

- 26 - 

raum von ca. Juli 2015 bis 13. Juli 2016 Zinszahlungen geleistet haben. Das Total 

der bezahlten Zinsen soll mindestens ca. Fr. 85'000.– betragen haben (Urk. 18 

S. 7 Ziff. 2). Wie erwähnt, ist die Zwangslage nur im einleitenden, allgemeinen 

Teil der Anklageschrift umschrieben. Demnach soll der Geschädigte aus berufli-

chen und/oder privaten Gründen dringend auf Geld angewiesen gewesen sein 

(Urk. 18 S. 4 erster Absatz). Weiter soll er sich in einer prekären finanziellen Situ-

ation befunden haben, nicht kreditwürdig gewesen sein und deswegen keine 

Möglichkeit gehabt haben, auf dem Markt in der Schweiz einen regulären Kredit 

zu erhalten (Urk. 18 S. 3 letzter Absatz). Und schliesslich soll er aufgrund seiner 

finanziellen Lage keinen anderen Ausweg gesehen haben, als sich auf den Be-

schuldigten einzulassen und sich in der Folge dessen Ansinnen auf Zinszahlun-

gen auszuliefern (Urk. 18 S. 4 zweiter Absatz). 

3.1.2. Die Vorinstanz stellte fest, dass der dem Beschuldigten vorgeworfene 

Sachverhalt betreffend das Darlehen an J._____ in Bezug auf den Darlehensbe-

trag, die Zinskonditionen und die Zinszahlungen erstellt sei. Als nicht erstellt er-

achtete sie die im Tatbestand vorausgesetzte Zwangslage des Geschädigten im 

Jahr 2015 sowie den Umstand, dass der Beschuldigte eine solche erkannt hätte 

oder hätte erkennen müssen (Urk. 67 S. 47 ff.).  

3.1.3. Die Staatsanwaltschaft erachtet die Zwangslage als erwiesen. Betreffend 

ihre Ausführungen, welche sich auf alle fünf Geschädigten gleichermassen bezie-

hen, kann auf das unter Ziff. 2.1.3 Wiedergegebene verwiesen werden.  

3.1.4. Der Beschuldigte bzw. dessen amtliche Verteidigung stellt sich auf den 

Standpunkt, dass der Tatbestand von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht erfüllt sei, 

und fordert einen Freispruch. 

3.2. Beweismittel betreffend das Vorliegen einer Zwangslage 

3.2.1. Zur Erstellung des vorgeworfenen Sachverhalts stehen als Beweismittel die 

Aussagen des Geschädigten J._____, des Privatklägers (Bruder von J._____) 

und des Beschuldigten sowie die Betreibungsregisterauszüge über den Geschä-

- 27 - 

digten vom 19. August 2019, 15. Dezember 2016 und 30. Juli 2019 (ND2 Urk. 3/2 

Anhang) zur Verfügung. Weiter liegen vor und sind im vorinstanzlichen Urteil nicht 

berücksichtigt worden die Aufzeichnungen der Abhörprotokolle der Telefonge-

spräche zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten J._____ in der Zeit 

vom 1. Dezember 2015 bis 25. Juni 2016 (Urk. 4/20 Anhang) sowie zwischen 

dem Beschuldigten und dem Privatkläger K._____ in der Zeit vom 11. Juli 2016 

bis 22. November 2016 (Urk. 4/22 Anhang). 

3.2.2. Der Geschädigte J._____ wurde am 21. August 2019 und am 

29. November 2019 von der Polizei als Auskunftsperson (Urk. 4/10 und 4/20) so-

wie am 31. März 2020 von der Staatsanwaltschaft als Zeuge (Urk. 4/36) einver-

nommen. Die Vorinstanz hat die Aussagen zutreffend zusammengefasst und es 

kann darauf verwiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.5.2.1.). Dabei hat er zur Sache 

überwiegend vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Zu ergänzen 

ist, dass der Geschädigte anlässlich der Einvernahme vom 21. August 2019 an-

gegeben hat, Vermögensverwalter und freischaffend zu sein und Startups mit In-

vestoren zu vermitteln. Seine finanzielle Lage sei nicht gut, er sei vor ca. vier Jah-

ren in einen Fall mit Verdacht auf Geldwäscherei und Betrug im Finanzbereich in-

volviert gewesen. Vor zwei Jahren sei er freigesprochen worden. Er habe alles 

verloren, auch die Firmen. Dazu seien ca. Fr. 180'000.– Steuerschulden gekom-

men. Er habe die Firma, L._____ AG mit Sitz in M._____, schliessen müssen, da 

alles blockiert gewesen sei wegen der genannten Verfahren (Urk. 4/10 F/A 5 ff.). 

Zu wiederholen ist, dass der Geschädigte anlässlich der polizeilichen Einvernah-

me vom 29. November 2019 die Aussage des Beschuldigten bestätigte, das Geld 

für seine Firma benötigt zu haben (Urk. 4/20 F/A 28). Zudem gab er an, dass im 

Jahr 2015 sein Vater gestorben, seine Scheidung gewesen sei und er auch seine 

Firma verloren habe (Urk. 4/20 F/A 39). 

3.2.3. Der Bruder des Geschädigten J._____, der Privatkläger K._____, wurde am 

1. Juli 2019, am 27. August 2019 und am 10. Dezember 2019 von der Polizei als 

Auskunftsperson (Urk. 4/9, 4/11 und 4/22) sowie am 6. April 2020 von der Staats-

anwaltschaft als Auskunftsperson (Urk. 4/37) einvernommen. In diesen Einver-

nahmen hat er sich auch zum Sachverhalt betreffend seinen Bruder J._____ ge-

- 28 - 

äussert. Die Vorinstanz hat die Aussagen zutreffend zusammengefasst und es 

kann darauf verwiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.5.2.2.). Zu wiederholen ist hier 

seine Aussage, dass sein Bruder das Darlehen nach dem Tod ihres Vaters auf-

genommen habe. Das sei im Jahr 2015 gewesen, im Mai oder Juni, vielleicht 

auch erst im September. Er selber habe aber erst später davon erfahren. Er sei 

der Meinung gewesen, es gehe seinem Bruder finanziell nicht schlecht. Er habe ja 

sein Geschäft gehabt, aber er sei nach dem Tod ihres Vaters psychisch total am 

Boden gewesen. Er wisse nicht, weshalb sein Bruder das Darlehen beim Be-

schuldigten zu diesen Konditionen und nicht bei einem ordentlichen Kreditinstitut 

aufgenommen habe. Und er wisse auch nicht, ob sein Bruder damals Schulden 

gehabt habe und ob er mit dem Beschuldigten über seine finanziellen Verhältnis-

se gesprochen bzw. der Beschuldigte sich für die finanziellen Verhältnisse seines 

Bruders interessiert habe (Urk. 4/37 F/A 131 ff., 139-144).  

3.2.4. Der Beschuldigte wurde zum Sachverhalt betreffend den Geschädigten  

J._____ am 19. Januar 2017, 24. Februar 2017, 16. Mai 2017, 14. Juli 2020 und 

25. August 2020 (Urk. 2/1, 2/2, 2/3, 2/24 und 2/25) einvernommen. Die Vorinstanz 

hat die Aussagen zutreffend zusammengefasst und es kann darauf verwiesen 

werden (Urk. 67 Erw. 3.5.2.3.). Im Zusammenhang mit der Tatbestandsvoraus-

setzung der Zwangslage ist zu ergänzen, dass der Beschuldigte anlässlich der 

Einvernahme vom 19. Januar 2017 angab, der Geschädigte habe das Geld für 

seine Firma gebraucht, jemand habe seine Gelder blockiert, weil er mit Immobi-

lien gearbeitet habe (Urk. 2/1 F/A 228 f.). In der Einvernahme vom 16. Mai 2017 

gab er an, der Geschädigte habe ein luxuriöses Leben geführt und behauptet, 

seine Firma habe riesige Umsätze und er würde Millionen verdienen (Urk. 4/20 

F/A 20). Zu wiederholen ist hier seine Aussage anlässlich der Einvernahme vom 

14. Juli 2020, wonach er dem Geschädigten ein Darlehen über Fr. 25'000.– ge-

geben habe. Er kenne den Geschädigten als einen Geschäftsmann, als jeman-

den, der in Bauprojekte investiere. Dieser habe von ihm das Geld verlangt, um ei-

ne Investition zu machen. Drei, vier Monate später habe es sich gezeigt, dass es 

dem Geschädigten finanziell nicht gut gehe (Urk. 2/24 F/A 154-157 und 169). Aus 

der vorinstanzlichen Befragung vom 25. Juni 2021 ergeben sich keine im Zu-

sammenhang mit der Zwangslage liegenden Aussagen (Prot. I S. 14 ff.). Anläss-

- 29 - 

lich der Berufungsverhandlung verwies der Beschuldigte auf seine bisherigen 

Aussagen. Im Allgemeinen bestätigte er seinen bisherigen Standpunkt, alle Kre-

ditnehmer hätten die Gelder aufgenommen, um ihre eigenen Geschäfte zu finan-

zieren, und hätten dies auf eigenen Wunsch getan. Er habe keine Veranlassung 

gehabt, von einer Notlage der Kreditnehmer auszugehen, sondern sei vielmehr 

davon ausgegangen, dass es normal sei, Kredite zu solchen Bedingungen aufzu-

nehmen (Prot. II S. 15 f.). 

3.3. Würdigung betreffend das Vorliegen einer Zwangslage 

3.3.1. Auch hier ist die Frage zu beantworten, ob hinsichtlich des Geschädigten 

J._____ bezüglich des von der Vorinstanz erstellten, ca. am 11. Juni 2015 in der 

Höhe von Fr. 50'000.– und zu 20% Monatszins gewährten Darlehens das Vorlie-

gen einer Zwangslage im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 StGB erstellt werden kann. 

Auch hier ist zu bemerken, dass die Ausführungen der Staatsanwaltschaft darauf 

hindeuten, dass sie die prekäre finanzielle Lage mit dem Tatbestandsmerkmal der 

Zwangslage gleichsetzt bzw. das Vorliegen einer prekären finanziellen Lage – von 

welcher bei allen Geschädigten ausgegangen werden kann – als ausreichend an-

sieht, um eine Zwangslage zu bejahen (vgl. Urk. 50 S. 35 f.). Eine Zwangslage im 

Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB setzt aber auch voraus, dass der Betroffe-

ne nach seinen Verhältnissen auf die jeweilige Leistung ernsthaft angewiesen ist 

(vgl. dazu ausführlich oben Ziff. 1). Dies gilt es nachfolgend zu beachten. 

3.3.2. Hinsichtlich der finanziellen Lage ist entgegen der Vorinstanz (Urk. 67 

Erw. 3.5.3.3.1.) als erstellt zu betrachten, dass sich der Geschädigte zum Zeit-

punkt der Darlehensaufnahme im Juni 2015 in einer prekären finanziellen Situati-

on befunden hat. Es liegen drei Betreibungsregisterauszüge vor (ND2 Urk. 3/2 

Anhang), welche Verlustscheine seit 2009 sowie offene Betreibungen – teilweise 

in fünfstelliger Höhe – seit 2012 belegen. Zwar ist über die Einkünfte und Ausga-

ben des Geschädigten zu diesem Zeitpunkt lediglich bekannt, dass er die Firma 

L._____ AG wegen des Strafverfahrens habe schliessen müssen. Dennoch muss 

angesichts der Höhe der – sich über Jahre akkumulierten – offenen Schulden und 

des Unvermögens, diese zu tilgen, von einer prekären finanziellen Situation des 

- 30 - 

Geschädigten im Jahr 2015 ausgegangen werden. Gemäss Auszug aus dem 

Handelsregister (vgl. zefix.ch) übernahm der Geschädigte die – mittlerweile erlo-

schene – L._____ AG am tt. März 2014 und fungierte als einziges Verwaltungs-

ratsmitglied. Sie bezweckte die Ausführung von Gartenbauarbeiten aller Art sowie 

Erbringung von Finanzdienstleistungen. 

3.3.3. Vor diesem Hintergrund ist – entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 67 

Erw. 3.5.3.5.4.) – auch klar, dass der Geschädigte kreditunwürdig war. Dasselbe 

gilt für die L._____ AG – sofern dies überhaupt relevant ist –, welche der Geschä-

digte im März 2014 übernommen hat, deren Gelder laut seiner Aussage blockiert 

wurden und sie am tt. Mai 2018 von Amtes wegen gelöscht wurde (vgl. zefix.ch). 

Es ist aber nicht die Frage nach der Kreditwürdigkeit bzw. danach, ob der Ge-

schädigte bei einem ordentlichen Kreditinstitut einen Kredit erhalten hätte, zu be-

antworten. Vielmehr ist im Zusammenhang mit der Zwangslage zu fragen, ob der 

Geschädigte andere Möglichkeiten, das Geld zu erhalten, gehabt hätte und die 

Ergreifung dieser Möglichkeit aus schwerwiegenden Gründen nicht zumutbar war 

(vgl. dazu ausführlich oben Ziff. 1.3). In dieser Hinsicht ist festzustellen, dass die-

ser Frage in der Untersuchung nicht nachgegangen wurde. Der Geschädigte wur-

de nicht danach gefragt, ob er andere Möglichkeiten, Geld zu erhalten, gehabt 

hätte und die Ergreifung dieser Möglichkeiten zumutbar war. 

3.3.4. Hinsichtlich des Verwendungszwecks des Darlehens haben sowohl der 

Geschädigte als auch der Beschuldigte angegeben, dass der Geschädigte das 

Geld für sein Geschäft benötigt habe. Nach Aussage des Beschuldigten soll der 

Geschädigte das Geld für die Firma gebraucht haben, jemand habe seine Gelder 

blockiert. Später sagte er aus, der Geschädigte habe das Geld von ihm für eine 

Investition verlangt. Der Geschädigte bestätigte die Aussage, wonach er das Geld 

für seine Firma gebraucht habe. Für welche Ausgaben im Zusammenhang mit der 

L._____ AG der Geschädigte das Darlehen aufgenommen hat, und ob und wie 

die Blockierung der Gelder der AG oder eine allfällige Investition mit dem Darle-

hen zusammenhängen, ist nicht bekannt. Mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 67 

Erw. 3.5.3.3.3.) ist festzuhalten, dass sich der konkrete Verwendungszweck nicht 

erstellen lässt. 

- 31 - 

3.3.5. Mit der Vorinstanz ist weiter festzuhalten (Urk. 67 Erw. 3.5.3.3.5.), dass –

 neben der fehlenden Kenntnis des Verwendungszwecks – auch nicht ersichtlich 

ist, mit welchen Folgen der Geschädigte bei Nichteinräumung des Kredits des 

Beschuldigten zu rechnen gehabt hätte. Dazu fehlen jegliche Angaben. Dasselbe 

gilt in Bezug auf eine allfällige Dringlichkeit des Geldbedarfs. In dieser Hinsicht ist 

festzustellen, dass dieser Frage – wie auch der Frage nach anderen Möglichkei-

ten der Geldbeschaffung (vgl. oben Ziff. 3.3.3) – in der Untersuchung nicht nach-

gegangen wurde. Der Geschädigte wurde nicht danach gefragt, wie dringend der 

Geldbedarf war bzw. was passiert wäre, wenn ihm der Beschuldigte das Darlehen 

nicht eingeräumt hätte. Diese Frage gehört zum zu erörternden und erstellenden 

Sachverhalt. Lässt es sich nicht erstellen, welchen Nachteilen der Geschädigte 

ausgesetzt worden wäre, kann auch nicht die Frage beantwortet werden, ob eine 

besonnene Person in der Lage des Betroffenen (unter Beachtung subjektiver 

Momente) in ihrer Willensfreiheit eingeschränkt gewesen wäre und sich auf das 

für sie krass nachteilige Geschäft eingelassen hätte (vgl. dazu oben Ziff. 1.1). Ins-

besondere bei einem Kredit zu solch hohen Zinsen wie vorliegend wären die Fol-

gen von einer gewissen Schwere sowie eine relevante Dringlichkeit des Bedarfs 

aufzuzeigen gewesen.  

3.3.6. Die Vorinstanz hält fest, dass hinsichtlich des erforderten (Eventual-

)Vorsatzes nicht ersichtlich sei, dass der Beschuldigte hinsichtlich der Elemente 

der Zwangslage genauere Kenntnisse gehabt habe oder zumindest hätte haben 

müssen.  

3.3.6.1. Aus den Aufzeichnungen der vom Beschuldigten mit dem Geschädigten 

(J._____) einerseits und dem Privatkläger (K._____) andererseits geführten Tele-

fongespräche ist ersichtlich, dass der Geschädigte nicht in der Lage war, die Zah-

lungen an den Beschuldigten (rechtzeitig) zu leisten und er diesen mehrmals um 

Aufschub gebeten hat, bis schliesslich der Geschädigte das Telefon nicht mehr 

abgenommen und sein Bruder, der Privatkläger, die Schuld des Geschädigten 

beim Beschuldigten beglichen hat (Urk. 4/20 Anhang und Urk. 4/22 Anhang). Da-

mit kann von einer – nach der Gewährung des Darlehens vorliegenden – Kenntnis 

des Beschuldigten über die prekäre finanzielle Lage des Geschädigten ausge-

- 32 - 

gangen werden. Dem Beschuldigten kann ein solches Wissen zum Zeitpunkt der 

Gewährung des Darlehens nicht angerechnet werden. Zu diesem Zeitpunkt ging 

selbst der Bruder des Geschädigten, der Privatkläger, noch davon aus, dass es 

seinem Bruder finanziell nicht schlecht gehe. Von Schulden wusste er nichts.  

3.3.6.2. Auch hinsichtlich weiterer Merkmale der Zwangslage kann dem Beschul-

digten kein Eventualvorsatz nachgewiesen werden. Da nicht einmal eine Kenntnis 

von finanziellen Schwierigkeiten des Geschädigten zum Zeitpunkt der Darlehens-

gewährung vorliegt, kann dem Beschuldigten der Eventualvorsatz hinsichtlich des 

Bestehens einer Zwangslage nicht angerechnet werden, ohne bei Darlehensge-

währungen zu solchen Konditionen generell von einer solchen Inkaufnahme aus-

zugehen. Ein Eventualvorsatz hinsichtlich der Zwangslage lässt sich vorliegend 

daher nicht konstruieren. 

3.3.7. Als Fazit ist festzuhalten, dass – abgesehen davon, dass die Anklageschrift 

den Tatbestand der Zwangslage nicht genügend umschreibt – es sich auch aus 

den im Recht liegenden Beweismitteln nicht mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit auf das Vorliegen einer Zwangslage schliessen lässt. Im Übrigen 

hat der Beschuldigte eine solche auch weder erkannt noch erkennen müssen. 

Das Tatbestandselement der Zwangslage bzw. der Unterlegenheit ist somit weder 

aus objektiver noch aus subjektiver Sicht gegeben. Damit ist in Bezug auf J._____ 

das Vorliegen eines Wuchers im Sinne von Art. 157 Abs. 1 StGB zu verneinen. 

Der Beschuldigte ist diesbezüglich freizusprechen. 

4. Darlehen an Privatkläger K._____ (Urk. 18 S. 3 f. u. 5-15 i.V.m. ND 2) 

4.1. Anklagevorwurf und Parteistandpunkte 

4.1.1. Die Anklage unterscheidet hier zwischen zwei Sachverhalten: 

 (1) Ca. im November oder Dezember 2017 soll der Beschuldigte dem Pri-

vatkläger einen Kredit in Höhe von Fr. 15'000.– gewährt haben. Das Darlehen soll 

ihm in zwei Tranchen ausbezahlt worden sein, zuerst Fr. 10'000.– und ca. einen 

Monat später Fr. 5'000.–. Dafür hätte der Privatkläger dem Beschuldigten Darle-

- 33 - 

henszinsen in Höhe von 20% pro Monat bezahlen sollen. Im Zeitraum von ca. Ja-

nuar 2018 bis ca. Weihnachten 2018 soll der Privatkläger dem Beschuldigten das 

Darlehen zurückbezahlt und Zinsen in Höhe von mindestens ca. Fr. 25'000.– ge-

leistet haben. Die Zinszahlungen soll der Privatkläger teilweise direkt dem Be-

schuldigten und teilweise dem Mitbeschuldigten N._____ (Mittäterschaft) zuhan-

den des Beschuldigten übergeben haben (Urk. 18 S. 7 Ziff. 3.1). Wie erwähnt, ist 

die Zwangslage nur im einleitenden, allgemeinen Teil der Anklageschrift um-

schrieben. Demnach soll der Privatkläger aus beruflichen und/oder privaten 

Gründen dringend auf Geld angewiesen gewesen sein (Urk. 18 S. 4 erster Ab-

satz). Weiter soll er sich in einer prekären finanziellen Situation befunden haben, 

nicht kreditwürdig gewesen sein und deswegen keine Möglichkeit gehabt haben, 

auf dem Markt in der Schweiz einen regulären Kredit zu erhalten (Urk. 18 S. 3 

letzter Absatz). Und schliesslich soll er aufgrund seiner finanziellen Lage keinen 

anderen Ausweg gesehen haben, als sich auf den Beschuldigten einzulassen und 

sich in der Folge dessen Ansinnen auf Zinszahlungen auszuliefern (Urk. 18 S. 4 

zweiter Absatz). 

 (2) Ca. im Februar 2019 sollen der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte 

N._____ (Mittäterschaft) vom Privatkläger die Bezahlung weiterer Fr. 30'000.– 

verlangt haben. Dabei soll es sich nach Darstellung des Beschuldigten und des 

Mitbeschuldigten um aufgelaufene Zinsen im Zusammenhang mit dem vorge-

nannten Darlehen und mit den zum Teil verspätet erfolgten Zinszahlungen ge-

handelt haben. Um den geforderten Betrag einzutreiben, sollen der Beschuldigte 

und der Mitbeschuldigte den Privatkläger spätestens ab dem 24. Februar 2019 

gezielt unter Druck gesetzt haben, indem sie ihn mehrmals persönlich getroffen, 

ihn diverse Male telefonisch kontaktiert bzw. zu kontaktieren versucht (Anrufver-

suche und Textnachrichten) und ihn mehrmals am Wohnort seiner Mutter gesucht 

hätten. Dabei bzw. damit sollen sie ihm zumindest konkludent zu verstehen gege-

ben haben, dass er im Falle einer Nichtbezahlung mit der Anwendung von Gewalt 

gegen ihn und/oder mit ernstlichen Nachteilen für ihn und/oder seine Familienan-

gehörigen zu rechnen habe. Bis zu ihrer Verhaftung am 26. September 2019 soll 

der Privatkläger den geforderten Betrag nicht bezahlt haben, weshalb nur von ei-

nem Versuch ausgegangen wird (Urk. 18 S. 8 ff. Ziff. 3.2, Urk. 67 Erw. 3.6.1.(2)). 

- 34 - 

4.1.2. Die Vorinstanz stellte fest, dass der erste Sachverhalt betreffend Darlehen 

an den Privatkläger in Bezug auf den Darlehensbetrag, die Zinskonditionen und 

die Zinszahlungen erstellt sei. Als nicht erstellt erachtete sie die im Tatbestand vo-

rausgesetzte Zwangslage des Privatklägers in den Jahren 2016 und 2017 sowie 

den Umstand, dass der Beschuldigte eine solche erkannt hätte oder hätte erken-

nen müssen (Urk. 67 S. 68 ff.). Die Staatsanwaltschaft erachtet die Zwangslage 

als erwiesen. Betreffend ihre Ausführungen, welche sich auf alle fünf Geschädig-

ten gleichermassen beziehen, kann auf das unter Ziff. 2.1.3 Wiedergegebene 

verwiesen werden. Der Beschuldigte bzw. dessen amtliche Verteidigung stellt sich 

auf den Standpunkt, dass der Tatbestand von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht 

erfüllt sei, und fordert einen Freispruch. 

4.1.3. Hinsichtlich des zweiten Sachverhalts erachtete die Vorinstanz die in der 

Anklage geschilderten Ereignisse (zwei persönliche Treffen, diverse telefonische 

Kontakte [Anrufe, Anrufversuche und Textnachrichten] und drei Besuche bei der 

Mutter) sowie sonstigen Umstände weder für sich alleine noch in ihrer Gesamtheit 

betrachtet als Bedrohung im Sinne von Art. 156 Abs. 1 StGB und damit das Tat-

bestandsmerkmal des Nötigungsmittels, nämlich der Gewalt oder der Androhung 

ernstlicher Nachteile, als nicht erstellt. Zudem könne dem Beschuldigten kein 

(Eventual-)Vorsatz nachgewiesen werden (Urk. 67 S. 76 ff., 88). Die Staatsan-

waltschaft hielt in ihrer Berufungserklärung fest, die Vorinstanz habe die Aussa-

gen der Beteiligten (Privatkläger, Beschuldigter, O._____ und N._____) sowie die 

aus den ausgewerteten Mobiltelefonen ausgelesenen Kommunikationen zutref-

fend zusammengefasst, sei jedoch unrichtig zum Schluss gekommen, dass keine 

Bedrohung im Sinne von Art. 156 Abs. 1 StGB (Androhung ernstlicher Nachteile) 

vorliege (Urk. 68 S. 6 ff.; vgl. zu den konkreten Argumenten unten Ziff. 4.3.4). Der 

Beschuldigte bzw. dessen amtliche Verteidigung bestreitet das Vorliegen einer 

Straftat und fordert einen Freispruch. 

- 35 - 

4.2. Zum ersten Sachverhalt (Urk. 18 Ziff. 3.1) 

4.2.1. Beweismittel für das Vorliegen einer Zwangslage 

4.2.1.1. Zur Erstellung des ersten Sachverhalts stehen als Beweismittel die Aus-

sagen des Privatklägers, der Zeugin O._____ (Mutter des Privatklägers und des 

Geschädigten J._____), des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten N._____ 

(Mittäter) zur Verfügung. Ebenfalls zur Verfügung stehen und wurden von der Vo-

rinstanz nicht berücksichtigt der Betreibungsregisterauszug des Privatklägers vom 

15. Dezember 2016 (ND2 Urk. 8/1) sowie die Aufzeichnungen der Abhörprotokol-

le der Telefongespräche zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger in 

der Zeit vom 11. Juli 2016 bis 22. November 2016 (Urk. 4/22 Anhang). 

4.2.1.2. Beim Privatkläger handelt es sich – wie erwähnt – um den Bruder von 

J._____ (vgl. zu diesem vorstehend Ziff. 3). Der Privatkläger wurde am 1. Juli 

2019, am 27. August 2019 und am 10. Dezember 2019 von der Polizei als Aus-

kunftsperson (Urk. 4/9, 4/11 und 4/22) sowie am 6. April 2020 von der Staatsan-

waltschaft als Auskunftsperson (Urk. 4/37) einvernommen. Die Vorinstanz hat die 

Aussagen zutreffend zusammengefasst und es kann darauf verwiesen werden 

(Urk. 67 Erw. 3.6.2.1.). Im Zusammenhang mit dem Tatbestandselement der 

Zwangslage ist zu wiederholen, dass der Privatkläger in der Einvernahme vom 

1. Juli 2019 aussagte, dass er vor ca. 1.5 Jahren – also um den Jahreswech-

sel 2017/2018 – vom Beschuldigten ein Darlehen in Höhe von Fr. 15'000.– erhal-

ten habe (Urk. 4/9 F/A 5-7). Er habe eine Geschäftsidee gehabt. Sie hätten eine 

"CBD-Anlage" gehabt. Sie hätten eine AG gegründet, an welcher er zu 20% betei-

ligt gewesen sei. Es sei aber nicht gut gelaufen. Der Beschuldigte habe ihm mit 

Geld helfen wollen. Sie hätten die Fr. 15'000.– gebraucht, um Inventar zu kaufen 

(Urk. 4/9 F/A 8, 32 und 35). Er habe das Geld rasch benötigt. Ausserdem hätte er 

das Darlehen andernorts wohl nicht bekommen. Die AG sei noch neu gewesen 

und es hätten noch keine Verträge bestanden. Ausserdem habe er selber noch 

Betreibungen gehabt. Er habe gedacht, er könne das Geld innert Monatsfrist zu-

rückbezahlen. Dann sei aber alles schief gelaufen, was habe schief laufen kön-

nen. Nichts habe geklappt. Die "Erde" [wohl "Ernte" gemeint] sei nicht gut gewe-

- 36 - 

sen, die Konkurrenz sei riesig gewesen, das Geschäft sei nicht gelaufen und die 

Miete sei hoch gewesen. Sie hätten zwei Mitarbeiter gehabt. Diese sowie alles 

andere hätten sie noch knapp bezahlen können, hätten dann aber die Firma ge-

schlossen (Urk. 4/9 F/A 39-43). In der Einvernahme vom 6. April 2020 hat der Pri-

vatkläger angegeben, rund Fr. 100'000.– Schulden zu haben. Es handle sich da-

bei um Geld, welches er gebraucht habe, um ein Geschäft aufzumachen, eine 

CBD-Anlage, es sei aber in die Hose gegangen. Sie hätten alles aufgebaut. Die 

Miete etc. sei aber zu hoch gewesen und die Preise fürs CBD seien bachab ge-

gangen. Es sei zu warm gewesen und zwei Ernten seien kaputt gegangen 

(Urk. 4/37 F/A 48-50). Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei, dass er dem 

Beschuldigten Geld schulde, antwortete der Privatkläger, Geld gebraucht zu ha-

ben, "um zu retten". Er habe gedacht, es funktioniere. Es sei aber immer schlech-

ter geworden (Urk. 4/37 F/A 87). Auf die Frage, weshalb er den Beschuldigten um 

Geld gebeten habe, anstatt einen Kredit bei einem ordentlichen Kreditinstitut zu 

beantragen, antwortete der Privatkläger, er sei selbständig gewesen und auf die 

Schnelle hätte er das Geld nicht erhalten. Er habe es gebraucht. Bei einem or-

dentlichen Kreditinstitut hätte er das Geld, so glaube er, nicht erhalten. Er habe ja 

Betreibungen gehabt und kein fixes Einkommen. Seine finanziellen Verhältnisse 

seien damals nicht gut gewesen, sonst hätte er das Darlehen nicht aufgenom-

men. Er habe den Beschuldigten über seine finanziellen Verhältnisse nicht infor-

miert. Dieser habe sich dafür auch nicht interessiert (Urk. 4/37 F/A 108-113). 

Nach der Anklageerhebung soll der Privatkläger noch eine schriftliche Stellung-

nahme verfasst haben, mit welcher er unter anderem erklärt, an der Strafverfol-

gung und Bestrafung des Beschuldigten nicht länger interessiert zu sein. Diese ist 

maschinell erstellt, auf den 5. Januar 2021 datiert, vom Privatkläger unterzeichnet 

und von dessen Rechtsvertreter am 18. Januar 2021 eingereicht worden 

(Urk. 22). Hinsichtlich des Inhalts der schriftlichen Stellungnahme vom 5. Januar 

2021 kann auf die Zusammenfassung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 67 

S. 57 f.). 

4.2.1.3. Bei O._____ handelt es sich um die Mutter des Geschädigten J._____ 

und des Privatklägers. Sie wurde am 17. Oktober 2019 von der Polizei als Aus-

- 37 - 

kunftsperson (Urk. 4/14) und am 24. März 2020 von der Staatsanwaltschaft als 

Zeugin (Urk. 4/33) einvernommen. Die Vorinstanz hat die Aussagen korrekt zu-

sammengefasst und es kann darauf verwiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.6.2.2.). 

Dabei hat sie sich betreffend den Privatkläger insbesondere zum zweiten Sach-

verhalt (Erpressung) geäussert. Ihren Einvernahmen lassen sich keine Aussagen 

betreffend die Zwangslage des Privatklägers entnehmen. 

4.2.1.4. Der Beschuldigte wurde diverse Male polizeilich und staatsanwaltschaft-

lich einvernommen. Die Einvernahmen aus dem Jahr 2017 (Urk. 2/1-2/4) datieren 

noch vor den eingeklagten Sachverhalten betreffend den Privatkläger. Relevant 

sind deshalb v.a. die Einvernahmen vom 26. September 2019, 27. September 

2019, 4. Februar 2020, 14. Juli 2020 und 25. August 2020 (Urk. 2/6, 2/7, 2/20, 

2/24 und 2/25). Die Befragung vor der Vorinstanz fand am 25. Juni 2021 statt 

(Prot. I S. 14 ff.). Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten korrekt zu-

sammengefasst und es kann darauf verwiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.6.2.3.). Zu 

wiederholen ist im Zusammenhang mit dem Tatbestandselement der Zwangslage, 

dass der Beschuldigte in der Einvernahme vom 26. September 2019 angegeben 

hat, der Privatkläger sei zu ihm gekommen, er habe mit jemandem Probleme ge-

habt, er spiele zu viel (Urk. 2/6 F/A 13). In der Einvernahme vom 27. September 

2019 gab er an, einer, der mit CBD handle und spiele, könne keine finanziellen 

Probleme haben (Urk. 2/7 F/A 11). In der Einvernahme vom 14. Juli 2020 gab der 

Beschuldigte auf Ergänzungsfragen seiner amtlichen Verteidigerin weiter an, dass 

der Privatkläger zu ihm gekommen sei und einen Kredit über Fr. 10'000.– ange-

fragt habe, um das Gartenbaugeschäft seines Vaters zu finanzieren. Er habe ihm 

gesagt, er habe den Auftrag, den P._____ zu unterhalten. Dafür habe er ihm dann 

das Geld gegeben. Er sei der Meinung gewesen, es gehe ihm finanziell sehr gut, 

weil er ihm zuvor die Fr. 25'000.–, welche ihm noch sein Bruder geschuldet habe, 

rasch habe zurückbezahlen können (Urk. 2/24 F/A 145-148). Als er aber irgend-

wann vermutet habe, dass der Privatkläger mit dem Geld effektiv Cannabis-

Geschäfte finanziert habe, habe er ihm gesagt, dass er keine Zinsen mehr wolle 

und er das Darlehen zurückzahlen solle (Urk. 2/24 F/A 151). 

- 38 - 

4.2.1.5. Der Mitbeschuldigte N._____ (Mittäter) wurde diverse Male polizeilich und 

staatsanwaltschaftlich einvernommen, auch spezifisch zum Sachverhalt betref-

fend den Privatkläger, so insbesondere am 26. September 2019, 27. September 

2019, 6. Februar 2020 und 7. April 2020 (Urk. 3/1, 3/2, 3/8 und 3/12). Die Vo-

rinstanz hat die Aussagen korrekt zusammengefasst und es kann darauf verwie-

sen werden (Urk. 67 Erw. 3.6.2.4.). Seinen Einvernahmen lassen sich keine Aus-

sagen die Zwangslage des Privatklägers betreffend entnehmen. 

4.2.2. Würdigung betreffend das Vorliegen einer Zwangslage 

4.2.2.1. Auch hier ist die Frage zu beantworten, ob hinsichtlich des Privatklägers 

bezüglich des von der Vorinstanz erstellten, ca. im November oder Dezem-

ber 2017 in der Höhe von Fr. 15'000.– und zu 20% Monatszins gewährten Darle-

hens das Vorliegen einer Zwangslage im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 StGB erstellt 

werden kann. Auch hier ist zu bemerken, dass die Ausführungen der Staatsan-

waltschaft darauf hindeuten, dass sie die prekäre finanzielle Lage mit dem Tatbe-

standsmerkmal der Zwangslage gleichsetzt bzw. das Vorliegen einer prekären fi-

nanziellen Lage – von welcher bei allen Geschädigten ausgegangen werden 

kann – als ausreichend ansieht, um eine Zwangslage zu bejahen (vgl. Urk. 50 

S. 35 f.). Eine Zwangslage im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB setzt aber 

auch voraus, dass der Betroffene nach seinen Verhältnissen auf die jeweilige 

Leistung ernsthaft angewiesen ist (vgl. dazu ausführlich oben Ziff. 1). Dies gilt es 

nachfolgend zu beachten. 

4.2.2.2. Hinsichtlich der finanziellen Lage ist entgegen der Vorinstanz (Urk. 67 

Erw. 3.6.3.3.1.) als erstellt zu betrachten, dass der Privatkläger zum streitgegen-

ständlichen Zeitpunkt in einer schwierigen finanziellen Situation war. Er gab sel-

ber an, dass er selbständig erwerbend gewesen sei, kein fixes Einkommen und 

Betreibungen gehabt habe und das Geschäft nicht gut gelaufen sei. Seine finan-

ziellen Verhältnisse seien damals nicht gut gewesen. Im Betreibungsregisteraus-

zug des Privatklägers vom 15. Dezember 2016 sind seit 2010 offene Verlust-

scheine aus Pfändungen sowie seit März 2012 jährlich mehrere Betreibungen 

verzeichnet (ND2 Urk. 8/1). Zwar ist über die konkreten Einkünfte und Ausgaben 

- 39 - 

des Privatklägers zu diesem Zeitpunkt lediglich bekannt, dass er Mitbegründer 

und mit 20% an einer AG beteiligt war, deren Zweck darin bestand, eine "CBD-

Anlage" (eine Indoor-Anlage zum Anbau von Hanf) zu betreiben. Da das Geschäft 

erst im Aufbau war bzw. sich nach kurzer Zeit als ein Misserfolg erwies, ist den-

noch von einer prekären finanziellen Lage auszugehen. 

4.2.2.3. Vor diesem Hintergrund ist – entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 67 

Erw. 3.6.3.3.4.) – auch klar, dass der Privatkläger – wie auch sein Geschäft, so-

fern dies relevant ist – kreditunwürdig war. Es ist aber nicht die Frage nach der 

Kreditwürdigkeit bzw. danach, ob der Geschädigte bei einem ordentlichen Kredit-

institut einen Kredit erhalten hätte, zu beantworten. Vielmehr ist im Zusammen-

hang mit der Zwangslage zu fragen, ob der Privatkläger andere Möglichkeiten, 

das Geld zu erhalten, gehabt hätte und die Ergreifung dieser Möglichkeit aus 

schwerwiegenden Gründen nicht zumutbar war (vgl. dazu ausführlich oben 

Ziff. 1.3). In dieser Hinsicht ist festzustellen, dass dieser Frage in der Untersu-

chung nicht nachgegangen wurde. Der Privatkläger wurde nicht danach gefragt, 

ob er andere Möglichkeiten, Geld zu erhalten, gehabt hätte und ob die Ergreifung 

dieser Möglichkeiten zumutbar war. 

4.2.2.4. Anhand der Aussagen des Privatklägers ist beim Verwendungszweck da-

von auszugehen, dass er das Geld für das CBD-Geschäft (Bau/Betrieb einer In-

door-Anlage) gebraucht hat. Wie die Vorinstanz richtig festhält (Urk. 67 

Erw. 3.6.3.3.3.), ist dabei unklar geblieben, ob er damit Inventar gekauft hat (so 

gemäss Urk. 4/9 F/A 32) oder das schlecht laufende Geschäft hat retten wollen 

(so gemäss Urk. 4/37 F/A 87). Vor diesem Hintergrund ist nicht weiter darauf ein-

zugehen, dass der Beschuldigte von einem anderen Verwendungszweck ausge-

gangen war (zunächst Spielschulden, dann Finanzierung des Gartenbaugeschäfts 

des Vaters sowie später Finanzierung des CBD-Geschäfts, womit er aber nicht 

einverstanden gewesen sei und das Darlehen zurückverlangt habe). Der konkrete 

Verwendungszweck lässt sich somit nicht erstellen. 

4.2.2.5. Mit der Vorinstanz ist weiter festzuhalten (Urk. 67 Erw. 3.6.3.3.5.), dass –

 neben der genauen Kenntnis des Verwendungszwecks – auch nicht ersichtlich 

- 40 - 

ist, mit welchen Folgen der Privatkläger bei Nichteinräumung des Kredits des Be-

schuldigten zu rechnen gehabt hätte. Dazu fehlen jegliche Angaben. Dasselbe gilt 

in Bezug auf eine allfällige Dringlichkeit des Geldbedarfs. In dieser Hinsicht ist 

festzustellen, dass dieser Frage – wie auch der Frage nach anderen Möglichkei-

ten der Geldbeschaffung (vgl. oben Ziff. 4.2.2.3) – in der Untersuchung nicht 

nachgegangen wurde. Der Geschädigte wurde nicht danach gefragt, wie dringend 

der Geldbedarf war bzw. was passiert wäre, wenn ihm der Beschuldigte das Dar-

lehen nicht eingeräumt hätte. Diese Frage gehört zum zu erörternden und erstel-

lenden Sachverhalt. Lässt es sich nicht erstellen, welchen Nachteilen der Ge-

schädigte ausgesetzt worden wäre, kann auch nicht die Frage beantwortet wer-

den, ob eine besonnene Person in der Lage des Betroffenen (unter Beachtung 

subjektiver Momente) in ihrer Willensfreiheit eingeschränkt gewesen wäre und 

sich auf das für sie krass nachteilige Geschäft eingelassen hätte (vgl. dazu oben 

Ziff. 1.1). Insbesondere bei einem Kredit zu solch hohen Zinsen wie vorliegend 

wären die Folgen von einer gewissen Schwere sowie eine relevante Dringlichkeit 

des Bedarfs aufzuzeigen gewesen.  

4.2.2.6. Die Vorinstanz hält richtig fest, dass hinsichtlich des erforderten (Eventu-

al-)Vorsatzes nicht ersichtlich ist, dass der Beschuldigte hinsichtlich der Elemente 

der Zwangslage genauere Kenntnisse gehabt habe oder zumindest hätte haben 

müssen. Den Aufzeichnungen der Abhörprotokolle der Telefongespräche zwi-

schen dem Beschuldigten und dem Privatkläger in der Zeit vom 11. Juli 2016 bis 

22. November 2016 (Urk. 4/22 Anhang) kann nicht entnommen werden, dass der 

Beschuldigte hätte wissen müssen, dass der Privatkläger in einer schwierigen fi-

nanziellen Situation war. Bei diesen Telefonaten ging es um die ausstehenden 

Zahlungen des Bruders des Privatklägers. So gab auch der Beschuldigte lediglich 

an, der Privatkläger habe zu viel gespielt. Von finanziellen Problemen sei er aber 

nicht ausgegangen. Er habe auch nicht danach gefragt. Er sei der Meinung ge-

wesen, es gehe dem Privatkläger finanziell sehr gut, weil er ihm zuvor die 

Fr. 25'000.–, welche ihm noch sein Bruder geschuldet habe, rasch habe zurück-

bezahlen können. Da nicht einmal eine Kenntnis von finanziellen Schwierigkeiten 

des Privatklägers zum Zeitpunkt der Darlehensgewährung vorliegt, kann dem Be-

schuldigten der Eventualvorsatz hinsichtlich des Bestehens einer Zwangslage 

- 41 - 

nicht angerechnet werden, ohne bei Darlehensgewährungen zu solchen Konditio-

nen generell von einer solchen Inkaufnahme auszugehen. Ein Eventualvorsatz 

hinsichtlich der Zwangslage lässt sich vorliegend daher nicht konstruieren. 

4.2.3. Als Fazit zum ersten Sachverhalt ist festzuhalten, dass – abgesehen davon, 

dass die Anklageschrift den Tatbestand der Zwangslage nicht genügend um-

schreibt – es sich auch aus den im Recht liegenden Beweismitteln nicht mit an Si-

cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen einer Zwangslage 

schliessen lässt. Im Übrigen hat der Beschuldigte eine solche auch weder erkannt 

noch erkennen müssen. Das Tatbestandselement der Zwangslage bzw. der Un-

terlegenheit ist somit weder aus objektiver noch aus subjektiver Sicht gegeben. 

Damit ist in Bezug auf den Privatkläger das Vorliegen eines Wuchers im Sinne 

von Art. 157 Abs. 1 StGB zu verneinen. Der Beschuldigte ist diesbezüglich freizu-

sprechen. 

4.3. Zum zweiten Sachverhalt (Urk. 18 Ziff. 3.2) 

4.3.1. Rechtliches zur (versuchten) Erpressung 

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen der (versuchten) Erpressung 

im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 (i.V.m. Art. 22 Abs. 1) StGB korrekt dargelegt und es 

ist darauf zu verweisen (Urk. 67 Erw. 3.3.2.). Zu wiederholen ist, dass in objekti-

ver Hinsicht zunächst ein Nötigungsmittel erforderlich ist. Der Tatbestand sieht al-

ternativ zwei Nötigungsmittel vor, nämlich die Gewalt oder die Androhung ernstli-

cher Nachteile (BSK StGB-WEISSENBERGER, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 156 N 5). 

Wendet der Täter gegen eine Person unmittelbar Gewalt an oder bedroht er sie 

mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben, so liegt eine qualifizierte Er-

pressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 3 StGB vor. Für den Grundtatbestand von 

Ziff. 1 verbleiben damit nur Fälle, in denen sich die angewendete Gewalt nicht ge-

gen eine Person, sondern gegen Sachen und Gebäude bzw. Gebäudeteile richtet 

bzw. Fälle, in denen sich die Drohung nicht gegen die körperliche Integrität einer 

Person, sondern gegen andere Rechtsgüter richtet. Die bedrohten Rechtsgüter 

können solche des Opfers selbst oder von Personen sein, die dem Opfer nahe-

stehen oder denen dieses sich verpflichtet fühlt (BSK StGB-WEISSENBERGER, 

- 42 - 

4. Aufl., Basel 2019, Art. 156 N 6 und 11 f.). In diesem Zusammenhang stellte die 

Vorinstanz richtig fest (vgl. Urk. 67 Erw. 3.3.2.2.), dass anhand der Anklageschrift 

(Urk. 18 S. 3 und 9-15) wie auch der Ausführungen der Staatsanwaltschaft an-

lässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 50 S. 6 und 16-27) davon 

ausgegangen werden könnte, dass sie vom Vorliegen beider Tatbestandsvarian-

ten ausgeht. Sowohl in der Anklageschrift als auch den Ausführungen vor Vor-

instanz umschreibt sie Verhaltensweisen, welche als unmittelbare Gewaltanwen-

dung gegen eine Person, nämlich den Privatkläger, zumindest aber als Drohung 

gegen die körperliche Integrität von Personen, nämlich den Privatkläger und/oder 

seiner Familienangehörigen, verstanden werden könnten (vgl. Urk. 18 S. 9-15, 

etwa "mit Konsequenzen und Gewalt gegen ihn [Privatkläger] rechnen müsse", 

"Familie des Geschädigten [Privatkläger] anzugehen", "es für ihn [Privatkläger] 

nicht gut kommt" oder "bauten […] zusätzlich zur verbalen gezielt auch eine phy-

sische Drohkulisse auf, indem sie sich sehr laut benahmen, mit den Händen 

gestikulierten, sich vor dem Geschädigten [Privatkläger] aufbauten und ihm [Pri-

vatkläger] immer näher kamen"). Auch in der Berufungserklärung ist die Rede da-

von, dass der Privatkläger "ernsthaft um die Sicherheit seiner Familie besorgt 

war" (vgl. Urk. 68 S. 8). Hingegen geht die Staatsanwaltschaft bei ihrer rechtlichen 

Würdigung lediglich vom Grundtatbestand nach Ziff. 1, der Androhung ernstlicher 

Nachteile, aus (Drohung, welche sich nicht gegen die körperliche Integrität einer 

Person, sondern gegen andere Rechtsgüter richtet; vgl. Urk. 18 S. 18, so auch die 

Berufungserklärung, Urk. 68 S. 2). Auf diese Feststellung der Vorinstanz ging die 

Staatsanwaltschaft vor der Berufungsinstanz nicht ein. Dieser Umstand erfordert 

jedoch keine Weiterungen, denn – wie zu zeigen sein wird (vgl. unten Ziff. 4.3.4) – 

lässt sich aus dem dem Beschuldigten und N._____ vorgeworfenen Verhalten ei-

ne Drohung nicht konkretisieren. Zu ergänzen ist im Zusammenhang mit dem Nö-

tigungsmittel, dass, ob eine bestimmte Äusserung – welche isoliert betrachtet kei-

ne Drohung darstellt – als Drohung zu verstehen ist, sich nach den gesamten 

Umständen beurteilt, unter denen sie erfolgte. Die Androhung von Nachteilen im 

Rechtssinne setzt nicht voraus, dass der Täter diese ausdrücklich ankündigt, so-

lange für den Geschädigten nur hinreichend klar ist, worin sie bestehen (Urteil 

6S.46/2005 vom 2. Februar 2006 E. 7.3 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 132 IV 

- 43 - 

70; Urteil 6B_24/2010 vom 30. März 2010 E. 2.4). Mithin wird – sowohl bei einer 

ausdrücklichen wie auch einer impliziten Androhung von Nachteilen – vorausge-

setzt, dass es für den Geschädigten hinreichend klar ist, mit welchen Nachteilen 

er rechnen muss. 

4.3.2. Rechtliches zur (versuchten) Nötigung 

4.3.2.1. Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer je-

manden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere 

Beschränkung seiner Handlungsfähigkeit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen  

oder zu dulden. Schutzobjekt von Art. 181 StGB ist die Freiheit der Willensbildung 

und Willensbetätigung des Einzelnen (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3; 129 IV 6 E. 2.1; 

129 IV 262 E. 2.1). Diese ist strafrechtlich unabhängig von der Art der (legalen) 

Tätigkeit geschützt, welche der Betroffene nach seinem frei gebildeten Willen ver-

richten will (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3). Der Tatbestand ist ein Erfolgsdelikt; die 

Anwendung des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner Handlungsfrei-

heit beeinträchtigen (Urteil 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1; BGE 147 IV 437 

E. 3.2.1). Ein Versuch liegt gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vor, wenn der Täter die 

strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende 

Erfolg nicht eintritt bzw. nicht eintreten kann, was zu einer fakultativen Strafmilde-

rung durch das Gericht führt. Die Nötigung ist erst dann vollendet, wenn sich das 

Opfer nach dem Willen des Täters verhält; misslingt die Bestimmung von Willens-

bildung oder -betätigung, so bleibt es beim Versuch (TRECHSEL/MONA, Schweize-

risches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 4. Aufl., Zürich 2021, Art. 181 N 9).  

4.3.2.2. Der Tatbestand sieht zunächst – wie derjenige der Erpressung im Sinne 

von Art. 156 StGB – die Nötigungsmittel Gewalt und Androhung ernstlicher Nach-

teile vor. Als weiteres Nötigungsmittel wird in Form einer Generalklausel die "an-

dere Beschränkung der Handlungsfreiheit" genannt. Die Generalklausel ist nach 

der Rechtsprechung und nach der herrschenden Lehre aber restriktiv auszulegen. 

Nicht jeder noch so geringfügige Druck auf die Entscheidungsfreiheit eines an-

dern führt zu einer Bestrafung nach Art. 181 StGB. Das Zwangsmittel der "ande-

ren Beschränkung der Handlungsfreiheit" muss, um tatbestandsmässig zu sein, 

das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig 

- 44 - 

überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich genannten Zwangsmittel der 

Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt. Es muss ihnen mithin eine 

den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare Zwangswirkung zukommen 

(BGE 119 IV 301 E. 2a; 141 IV 437 E. 3.21; 137 IV 326 E. 3.3.1; 134 IV 216 

E. 4.1; je mit Hinweisen). 

4.3.2.3. Bei der Nötigung sind die einzelnen Tathandlungen und nicht das Ge-

samtverhalten der beschuldigten Person zu beurteilen. Vorausgesetzt wird, dass 

eine einzelne nötigende Handlung das Opfer zu einem Tun, Dulden oder Unter-

lassen zwingt. Der damit bezeichnete Erfolg muss als Resultat eines näher be-

stimmten nötigenden Verhaltens feststehen. Die Berufung auf die Gesamtheit 

mehrerer Handlungen genügt hierfür nicht. Jedoch sind die einzelnen Tathand-

lungen unter Berücksichtigung der gesamten Umstände, namentlich der Vorge-

schichte der fraglichen Handlungen, zu würdigen. Kommt es während längerer 

Zeit zu einer Vielzahl von Belästigungen, kumulieren sich deren Einwirkungen. Ist 

eine gewisse Intensität erreicht, kann jede einzelne Handlung, die für sich alleine 

den Anforderungen von Art. 181 StGB noch nicht genügen würde, geeignet sein, 

die Handlungsfreiheit der betroffenen Person in dem Mass einzuschränken, dass 

ihr eine mit Gewalt oder Drohung vergleichbare Zwangswirkung zukommt 

(BGE 141 IV 437 E. 3.2.2 mit Hinweis). 

4.3.2.4. Nicht jedes tatbestandsmässige Verhalten ist bei Fehlen von Rechtferti-

gungsgründen auch rechtswidrig. Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das Mit-

tel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck 

nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an 

sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sit-

tenwidrig ist (BGE 137 IV 326 E. 3.3.1; 134 IV 216 E. 4.1; 129 IV 6 E. 3.4, 129 IV 

262 E. 2.1; 119 IV 301 E. 2b; je mit Hinweisen). 

4.3.2.5. In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter mit Vorsatz 

handelt, d.h. dass er, im Bewusstsein um die Unrechtmässigkeit seines Verhal-

tens, sein Opfer zu einem bestimmten Verhalten zwingen will; Eventualvorsatz 

genügt (BGE 120 IV 17 E. 2.c; Urteil 6B_303/2020 vom 6. Oktober 2020 E. 2.1). 

- 45 - 

4.3.3. Beweismittel betreffend das Vorliegen einer Erpressung bzw. eines Nöti-
gungsmittels 

4.3.3.1. Zur Erstellung des zweiten Sachverhalts stehen als Beweismittel die Aus-

sagen des Privatklägers, der Zeugin O._____ (Mutter des Privatklägers und von 

J._____), des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten N._____ (Mittäter) sowie 

abfotografierte und übersetzte Textnachrichten zwischen dem Privatkläger und 

dem Beschuldigten einerseits bzw. N._____ andererseits (Urk. 2/20 Anhang, 

Urk. 3/8 Anhang) bzw. zwischen dem Beschuldigten und N._____ (ND2 Urk. 6/1 

und 6/3) zur Verfügung. 

4.3.3.2. Der Privatkläger wurde am 1. Juli 2019, am 27. August 2019 und am 

10. Dezember 2019 von der Polizei als Auskunftsperson (Urk. 4/9, 4/11 und 4/22) 

sowie am 6. April 2020 von der Staatsanwaltschaft als Auskunftsperson 

(Urk. 4/37) einvernommen. Die Vorinstanz hat die Aussagen zutreffend zusam-

mengefasst und es kann darauf verwiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.6.2.1.). Nach 

der Anklageerhebung soll der Privatkläger noch eine schriftliche Stellungnahme 

verfasst haben, mit welcher er unter anderem erklärt, an der Strafverfolgung und 

Bestrafung des Beschuldigten nicht länger interessiert zu sein (Urk. 22). Hinsicht-

lich des Inhalts der Stellungnahme kann auf die Zusammenfassung der Vor-

instanz verwiesen werden (Urk. 67 S. 57 f.). O._____ wurde am 17. Oktober 2019 

von der Polizei als Auskunftsperson (Urk. 4/14) und am 24. März 2020 von der 

Staatsanwaltschaft als Zeugin (Urk. 4/33) einvernommen. Die Vorinstanz hat die 

Aussagen korrekt zusammengefasst und es kann darauf verwiesen werden 

(Urk. 67 Erw. 3.6.2.2.). Der Beschuldigte wurde diverse Male polizeilich und 

staatsanwaltschaftlich einvernommen. Die Einvernahmen aus dem Jahr 2017 

(Urk. 2/1-2/4) datieren noch vor den eingeklagten Sachverhalten betreffend den 

Privatkläger. Relevant sind deshalb v.a. die Einvernahmen vom 26. September 

2019, 27. September 2019, 4. Februar 2020, 14. Juli 2020 und 25. August 2020 

(Urk. 2/6, 2/7, 2/20, 2/24 und 2/25). Die Befragung vor der Vorinstanz fand am 

25. Juni 2021 statt (Prot. I S. 14 ff.). Die Vorinstanz hat die Aussagen des Be-

schuldigten korrekt zusammengefasst und es kann darauf verwiesen werden 

(Urk. 67 Erw. 3.6.2.3.). Der Mitbeschuldigte N._____ (Mittäter) wurde diverse Ma-

- 46 - 

le polizeilich und staatsanwaltschaftlich einvernommen, auch spezifisch zum 

Sachverhalt betreffend den Privatkläger, so insbesondere am 26. September 

2019, 27. September 2019, 6. Februar 2020 und 7. April 2020 (Urk. 3/1, 3/2, 3/8 

und 3/12). Die Vorinstanz hat die Aussagen korrekt zusammengefasst und es 

kann darauf verwiesen werden (Urk. 67 Erw. 3.6.2.4.). 

4.3.4. Würdigung betreffend das Vorliegen einer Erpressung bzw. eines Nöti-
gungsmittels 

4.3.4.1. Die Vorinstanz erachtete den dem Vorwurf der versuchten Erpressung 

zugrunde liegenden Umstand als erstellt, dass der Beschuldigte ab ca. Febru-

ar 2019 vom Privatkläger unberechtigterweise die Bezahlung von aufgelaufenen 

Zinsen in Höhe von Fr. 30'000.– verlangt hat (Urk. 18 S. 9 Ziff. 3.2. Abs. 1 und 2; 

Urk. 67 Erw. 3.6.3.4.).