# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f526b227-eafb-5307-8503-d116da1512fb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-13
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 13.02.2024 SST.2023.38
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-38_2024-02-13.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2023.38 
(ST.2022.111; StA.2022.1254) 

 

 

Urteil vom 13. Februar 2024 
 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Egloff  

Oberrichterin Möckli  

Gerichtsschreiberin Boog Klingler        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1969, von Sri Lanka, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B._____,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Mehrfache Drohung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erliess am 28. April 2022 folgen-

den Strafbefehl:  

 

"Mehrfache Drohung gegen die Ehegattin 

(Art. 180 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB) 

 

Der Beschuldigte hat mehrfach seine Ehegattin während der Ehe durch 

schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. 

 

Begangen: 

Tatorte:  Q._____, R-Strasse  

    S._____, T-weg  

    U._____, unbekannte Örtlichkeit 

    Unbekannte Örtlichkeiten 

 

Tatzeiten: September 2021 bis November 2021 

    Mitte Januar 2022 

    Freitag, 4. Februar 2022, ca. 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr 

 Sonntag, 13. Februar 2022, ca. 21:33 Uhr, bis Montag, 

14. Februar 2022, ca. 00:08 Uhr 

 

Vorgehen: 

Im Zeitraum vom September 2021 bis November 2021 sagte der Be-

schuldigte bei sieben Gelegenheiten zu seiner Ehefrau C._____, dass 

er sie und sich selbst durch Enthauptung mit einem Messer oder an-

derweitig töten werde, wenn er einen negativen Asylbescheid erhalten 

sollte. Er tat dies, weil er C._____ für den erwarteten negativen Asyl-

entscheid verantwortlich machte, da er mit Urteil des Obergerichts des 

Kantons Aargau vom 3. November 2014 wegen versuchter vorsätzli-

cher Tötung und Freiheitsberaubung zu ihrem Nachteil verurteilt wor-

den war, nachdem er sie mit einem Tuch zu erwürgen versucht hatte. 

Der Beschuldigte tätigte die vorgenannten Äusserungen überwiegend 

von Angesicht zu Angesicht am Wohnort von C._____ in Q._____. Bei 

einer Gelegenheit befand er sich an einer unbekannten Örtlichkeit in 

U._____ und benutzte ein Telefon. 

Mitte Januar 2022 verschickte der Beschuldigte von einer unbekannten 

Örtlichkeit über den Nachrichtendienst ‘Viber’ eine Sprachnachricht an 

C._____ und kündigte ihr darin an, dass er sie vom Muttermund bis zur 

Scheide aufschlitzen werde. 

Am Freitag, 4. Februar 2022, ca. 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr, fand auf-

grund einer Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und 

C._____ ein Polizeieinsatz am Wohnort der gemeinsamen Tochter 

 - 3 - 

 

 

D._____ in S._____ statt. Bei dieser Gelegenheit sagte der Beschul-

digte zu C._____, dass er sie auf der Stelle aufschneiden würde, wenn 

er die Wahl hätte. 

Im Zeitraum vom Sonntag, 13. Februar 2022, ca. 21:33 Uhr, bis Mon-

tag, 14. Februar 2022, ca. 00:08 Uhr schickte der Beschuldigte von ei-

ner unbekannten Örtlichkeit über den Nachrichtendienst ‘Viber’ meh-

rere Sprachnachrichten an C._____ und warf ihr darin vor, dass sie mit 

anderen Männern geschlafen habe. Er sagte, dass er deswegen das 

Gesicht verloren habe, was er nicht zulassen werde und kündigte ihr 

an, dass er Chemikalien in ihre Scheide giessen und sie sowie sich 

selbst beide umbringen werde. 

Der Beschuldigte tätigte sämtliche vorgenannten Äusserungen wis-

sentlich und willentlich, um C._____ in schwere Furcht zu versetzen. 

Insbesondere war ihm bewusst, dass seinen Tötungsankündigungen 

hohes Gewicht zukommen würde, da er seine Tatbereitschaft anläss-

lich des massiven Gewaltvorfalls zum Nachteil von C._____, welcher 

er zur vorgenannten Verurteilung wegen versuchter Tötung führte, be-

reits unter Beweis gestellt hatte. Entsprechend befürchtete C._____, 

dass der Beschuldigte seine Ankündigungen in die Tat umsetzen und 

ihr erneut massives körperliches Leid zufügen könnte, weshalb sie 

nach seinen Äusserungen jeweils in schwere Angstzustände geriet, 

welche ihren Gesundheitszustand beeinträchtigten." 

 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verurteilte den Beschuldigten zu 

einer unbedingten Freiheitsstrafe von 180 Tagen (abzüglich 73 Tage Un-

tersuchungshaft).  

 

1.2. 

Der Beschuldigte erhob am 3. Mai 2022 und 12. Mai 2022 Einsprache ge-

gen den Strafbefehl. 

 

1.3. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau überwies den Strafbefehl am 

18. Mai 2022 als Anklageschrift an das Bezirksgericht Aarau zur Durchfüh-

rung des Hauptverfahrens.  

 

2. 

2.1. 

Am 8. September 2022 fand vor dem Bezirksgericht Aarau die Hauptver-

handlung mit Befragung des Beschuldigten sowie C._____ (nachfolgend 

Ehefrau) als Auskunftsperson statt.  

 

Der Beschuldigte beantragte einen vollumfänglichen Freispruch, unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen.  

 

 - 4 - 

 

 

2.2. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Aarau erkannte mit Urteil vom 8. Sep-

tember 2022:  

 

"1. 

Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Staatskasse. 

 

3. 

Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung 

von Fr. 5'676.65 (inkl. Fr. 405.85 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zu-

gesprochen." 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 19. September 2022 meldete die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau die Berufung an. 

 

3. 

3.1. 

Nach Zustellung des schriftlich begründeten Urteils am 30. Januar 2023 

erklärte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau am 9. Februar 2023 die 

Berufung und stellte die folgenden Anträge: 

 

"1. 

Das Urteil des Präsidiums des Strafgerichts des Bezirksgerichts Aarau 

vom 8. September 2022 sei vollumfänglich aufzuheben. 

 

2. 

Der Beschuldigte sei wegen mehrfacher Drohung gegen die Ehegattin 

gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB schuldig 

zu sprechen.  

 

3. 

Der Beschuldigte sei in Anwendung der in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie Art. 40 StGB, Art. 41 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, 

Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB zu einer unbedingten Freiheits-

strafe von 180 Tagen zu verurteilen. 

 

4. 

Der durch die vorläufige Festnahme und die Untersuchungshaft erstan-

dene Freiheitsentzug im Umfang von 73 Tagen sei dem Beschuldigten 

in Anwendung von Art. 51 StGB vollumfänglich an die Freiheitstrafe an-

zurechnen. 

 

 

 

 

 - 5 - 

 

 

5. 

Die Verfahrenskosten von CHF 5'706.00 (Anklagegebühr 

CHF 1'500.00, Polizeikosten CHF 6.00, Gutachtenkosten 

CHF 4'200.00) seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

6. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu 

nehmen und vom kostenfälligen Beschuldigten zurückzufordern, so-

bald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten." 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 13. Februar 2023 ordnete die Verfahrensleiterin die 

Durchführung des mündlichen Berufungsverfahrens an.  

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 6. März 2023 erstattete die Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau die Berufungsbegründung und stellte erneut die mit Berufungserklä-

rung gestellten Anträge. 

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 8. Mai 2023 erstattete der Beschuldigte die Berufungsant-

wort. Er beantragte die Abweisung der Berufung, unter Kosten- und Ent-

schädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MwSt zu Lasten des Staats. 

 

Eventualiter stellte er die folgenden prozessualen Anträge: 

 

- "Es seien der Beschuldigte, die Ehefrau C._____ sowie die gemein-

same Tochter D._____ unmittelbar durch das Obergericht zu be-

fragen;" 

- "Es sei ein linguistisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches 

sich zur Frage äussert, welche sprachlichen Ausdrücke seiner Mut-

tersprache (Tamil) (Ausgangssprache) der Beschuldigte genau 

verwendet haben soll;" 

- "Es sei ein ethnologisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches 

sich zur Frage der soziokulturellen Bedeutung der vom Beschuldig-

ten angeblich verwendeten Ausdrücke äussert (Frage der soziokul-

turellen Bedeutung in der Kultur);" 

- "Es sei sodann ein interlinguistisches Gutachten darüber in Auftrag 

zu geben, wie die vom Beschuldigten angeblich verwendeten Aus-

drücke adäquat in die deutsche Sprache übersetzt werden könnten 

bzw. müssten (Frage nach der adäquaten Übersetzbarkeit und 

Übersetzung von der Ausgangssprache in die deutsche Zielspra-

che);" 

- "Es sei ein medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben, das sich 

zum Verhalten und zur Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten un-

ter verschiedenen Graden von Alkoholeinfluss äussert." 

 - 6 - 

 

 

3.5. 

Mit Verfügung vom 21. Juni 2023 wurde den Parteien die Erstellung eines 

psychiatrischen Ergänzungsgutachten angekündigt und ihnen Gelegenheit 

gegeben, zur Person des Sachverständigen sowie den vorgesehenen Er-

gänzungsfragen Stellung zu nehmen. Die übrigen Beweisanträge des Be-

schuldigten wurden einstweilen abgewiesen.  

 

3.6. 

Nachdem die Parteien keine Einwendungen zur Person des Sachverstän-

digen vorgebracht und keine weiteren Ergänzungsfragen beantragt hatten, 

wurde am 24. Juli 2023 die Erstellung eines psychiatrischen Ergänzungs-

gutachtens in Auftrag gegeben, welches am 17. Oktober 2023 erstattet 

wurde. 

 

3.7. 

Am 13. Februar 2024 fand vor dem Obergericht die Berufungsverhandlung 

statt. Es wurden die Ehefrau als Zeugin sowie der Beschuldigte befragt. Die 

Parteien hielten an ihren bisherigen Anträgen fest. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1.      

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der mehrfachen 

Drohung zum Nachteil seiner Ehefrau frei. 

 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragt mit Berufung einen 

Schuldspruch gemäss Anklage. Das vorinstanzliche Urteil ist damit vollum-

fänglich angefochten und zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, seine Ehefrau 

zwischen September 2021 und dem 14. Februar 2022 mehrfach i.S.v. 

Art. 180 Abs. 1 i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB bedroht zu haben. Es wer-

den ihm insbesondere folgende Äusserungen gegenüber der Ehefrau zur 

Last gelegt:  

 

- Zwischen September bis November 2021 (etwa sieben Mal): Er töte 

sie und sich selbst durch Enthauptung mit einem Messer oder an-

derweitig, wenn er einen negativen Asylbescheid erhalte; 

- Mitte Januar 2022 per Sprachnachrichten: Er werde sie vom Mutter-

mund bis zur Scheide aufschlitzen; 

- Freitag, 4. Februar 2022, bei einem Polizeieinsatz am Wohnort der 

Tochter: Er würde sie auf der Stelle aufschneiden, wenn er die Wahl 

hätte; 

 - 7 - 

 

 

- Sonntag, 13. Februar 2022, ab ca. 21.33 Uhr, bis Montag, 14. Feb-

ruar 2022, ca. 00.08 Uhr per Sprachnachrichten: Er werde ihr Che-

mikalien in die Scheide giessen und sie sowie sich selber umbrin-

gen. 

 

Der Beschuldigte habe die genannten Äusserungen wissentlich und willent-

lich getätigt, um seine Ehefrau in schwere Furcht zu versetzen. Es sei be-

reits zu einem massiven Gewaltvorfall zum Nachteil seiner Ehefrau mit Ver-

urteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und Freiheitsberaubung 

gekommen (Urteil des Obergerichts SST.2014.29 vom 3. November 2014, 

act. 35 ff.), womit ihm bewusst gewesen sei, dass seinen Tötungsankündi-

gungen hohes Gewicht zukommen würde. Die Ehefrau sei nach den 

Äusserungen jeweils in schwere Angstzustände geraten, welche ihren Ge-

sundheitszustand beeinträchtigt hätten. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz führte zusammengefasst aus, dass die Beurteilung der Fra-

gen, ob die dem Beschuldigten zur Last gelegten Aussagen getätigt worden 

seien, was der Beschuldigte damit beabsichtigt habe und wie die Ehefrau 

darauf reagiert habe, grosse Schwierigkeiten mit sich bringe. Die Aussagen 

sowohl des Beschuldigten als auch der Ehefrau seien inkonstant und teil-

weise gänzlich widersprüchlich. Der Beschuldigte weise grundsätzlich 

sämtliche Vorwürfe von sich, spreche jedoch zwischenzeitlich selbst von 

(leeren) Drohungen gegenüber seiner Ehegattin. Die Ehefrau mache 

grundsätzlich geltend, vom Beschuldigten mehrfach bedroht worden zu 

sein. Sie sage jedoch nur teilweise aus, dadurch in Angst und Schrecken 

versetzt worden zu sein und gebe teilweise an, dass der Beschuldigte diese 

Äusserungen nicht ernst meine und als Schimpfwörter verwende, weshalb 

sie keine Angst habe. Besonders anlässlich der Hauptverhandlung sei sie 

regelrecht darum bemüht gewesen, die Äusserungen des Beschuldigten zu 

verharmlosen. Sie habe sich allerdings auch dabei teilweise in Widersprü-

chen verfangen. Ihre über sämtliche Einvernahmen hinweg inkonstant aus-

fallenden Aussagen seien jedoch nicht per se unglaubhaft, zumal sie teil-

weise durch die Aussagen der Tochter als auch des Beschuldigten gestützt 

würden. Die Tochter erscheine grundsätzlich glaubwürdig, befinde sich 

aber in einer äusserst schwierigen Situation, zumal sie durch ihre Aussa-

gen nicht nur ihren Vater belaste, sondern auch ihre Mutter mittelbar hätte 

gefährden können, was auch die Würdigung ihrer Aussagen schwierig ma-

che. Sie gehe davon aus, dass der Beschuldigte seiner Ehefrau nichts 

Ernsthaftes antun könne, spiele den Vorfall aus dem Jahr 2012 herunter 

und bezeichne die Ehefrau als wehleidig. Die Aussagen der Tochter liessen 

insoweit am Anklagesachverhalt zweifeln, als dass der Beschuldigte die 

Drohungen (sollte er sie ausgesprochen haben) womöglich nicht ernst ge-

meint und die Ehefrau dies erkannt haben könnte. Es könne nicht ab-

schliessend beurteilt werden, was der Beschuldigte mit den Äusserungen 

beabsichtigt habe bzw. ob es sich schlichtweg um für ihn typischerweise in 

 - 8 - 

 

 

der Wut bzw. unter Alkoholeinfluss verwendete und mithin an sich bedeu-

tungslose Ausdrücke gehandelt habe und sich die Ehegattin dessen be-

wusst gewesen sei. Damit bestünden erhebliche und unüberwindbare 

Zweifel am Anklagesachverhalt. Nach dem Grundsatz in dubio pro reo sei 

entgegen der Anklage davon auszugehen, dass der Beschuldigte nicht be-

absichtigt habe, die Ehefrau in schwere Furcht zu versetzen und dass diese 

durch die Äusserungen nicht in Schrecken oder Angst versetzt worden sei. 

Es fehle damit sowohl am Taterfolg als auch am Vorsatz. 

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte in der Berufungsbegrün-

dung zusammengefasst aus, dass vorliegend sämtliche Beteiligten ein 

hochgradig irrationales Aussageverhalten zeigen würden. Es sei jedoch zu 

betonen, dass die Ehefrau anlässlich der ersten Einvernahme noch detail-

liert, lebensnah, stimmig und damit auch glaubhaft ausgesagt habe, dass 

die Drohungen stattgefunden hätten und sie dadurch derart stark in Angst 

und Schrecken versetzt worden sei, dass sie gesundheitliche Probleme ge-

habt und ihr Haus verlassen habe. Erst danach, offensichtlich unter massi-

vem Druck des Verwandten- und Bekanntenkreises sowie aufgrund der im 

tamilischen Kulturkreis vorherrschenden Wertvorstellung, dass es eine 

Schande für die Familie sei, in ein Strafverfahren involviert zu sein, habe 

die Ehefrau ihr Aussageverhalten geändert. Dabei seien die entlastenden 

Aussagen bis hin zur Hauptverhandlung oberflächlich, brüchig, wider-

sprüchlich und damit wenig glaubhaft geblieben, zumal sie gleichzeitig den-

noch daran festgehalten habe, dass sie bei der Polizei ursprünglich die 

Wahrheit gesagt habe. Insbesondere unter Berücksichtigung der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung, dass bei verändertem Aussageverhalten die 

"Aussage der ersten Stunde" unbefangener und zuverlässiger seien als die 

späteren, bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen ge-

leiteten Darstellungen (BGE 121 V 45 E. 2a), erscheine die Beweiswürdi-

gung der Vorinstanz willkürlich. Aufgrund der vorliegenden Einvernahmen 

und der Sachbeweise (insbesondere Übersetzungen der vorhandenen 

Sprachnachrichten) habe es klarerweise als erstellt zu gelten, dass der Be-

schuldigte die Drohungen gegen seine Ehefrau anklagegemäss geäussert 

und diese dadurch in Angst und Schrecken versetzt habe. Ein anderslau-

tendes Urteil würde den mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB klar vom Gesetzge-

ber zum Ausdruck gebrachten Willen, die Tat in solchen Konstellationen 

der Offizialmaxime zu unterstellen, klarerweise aushöhlen. Es dürfe ange-

sichts der gravierenden Tatvorwürfe und dem erheblichen externen Druck, 

welchem das Opfer unterstehe, nach zunächst klaren und unmissverständ-

lichen Aussagen nicht mehr dessen Disposition unterstellt werden, ob der 

Beschuldigte verurteilt werden könne. Schliesslich sei die Erwägung der 

Vorinstanz, dass es dem Beschuldigten am Vorsatz gemangelt haben 

könnte, das Opfer mit seinen massiven Drohungen in Angst und Schrecken 

zu versetzen, insbesondere aufgrund der versuchten Tötung im Jahre 2012 

zum Nachteil des gleichen Opfers geradezu zynisch. Wer einer Person, 

 - 9 - 

 

 

welche er in der Vergangenheit bereits beinahe umgebracht habe, erneut 

androhe, sie von der Scheide bis zum Hals aufzuschlitzen, ihr Chemikalien 

in die Scheide zu giessen und Ähnliches, der nehme allermeistens in Kauf, 

das durch das traumatische Erlebnis der versuchten Tötung stark vorge-

schädigte Opfer erneut in Angst und Schrecken zu versetzen.  

 

2.4. 

Der Beschuldigte machte mit Berufungsantwort im Wesentlichen geltend, 

dass die Vorinstanz mit zutreffenden Erwägungen zum richtigen Urteil ge-

langt sei. Es stehe fest, dass der Beschuldigte unter Alkoholeinfluss und in 

seiner Muttersprache (Tamil) kommuniziert habe. Es sei nicht bekannt, wel-

che Alkoholmenge der Beschuldigte im damaligen Zeitpunkt im Blut gehabt 

habe und wie sich der Alkoholgehalt auf sein Verhalten und seine Steue-

rungsfähigkeit ausgewirkt habe oder generell auswirke. Die Frage des da-

maligen Blutalkoholgehalts könne im heutigen Zeitpunkt nicht mehr beant-

wortet werden. Ein medizinisches Gutachten könne aber Auskunft über das 

Verhalten, allfällige Verhaltensänderungen und die Steuerungsfähigkeit 

des Beschuldigten in alkoholisiertem Zustand geben, woraus wiederum ge-

schlossen werden könne, mit welchem Grad an Ernsthaftigkeit und damit 

mit welcher wirklichen Drohungsabsicht der Beschuldigte Dinge, welche 

nach einer soziokulturellen Bedeutungsbestimmung und adäquaten Über-

setzung als Tathandlungen in Frage kommen würden, gesagt habe. So-

lange nicht mittels einer gutachterlich adäquaten, (d.h. die soziokulturelle 

Dimension miterfassenden) Übersetzung der tamilischen Ausdrucksweisen 

in die deutsche Sprache geklärt sei, was der Beschuldigte wirklich gesagt 

habe und wie das für seine Ehefrau zu verstehen gewesen sei, fehle es an 

einer Erkenntnis über das Tatgeschehen. Die Vorinstanz zweifle unter die-

sen Umständen zu Recht daran, dass der Beschuldigte beabsichtigt habe, 

seine Ehegattin in schwere Furcht zu versetzen, und dass diese in Schre-

cken oder Angst versetzt worden sei. Das von der Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau als irrational bezeichnete Aussageverhalten der Beteiligten 

lasse keinen Schluss auf den angeklagten Sachverhalt zu. Es spiele insbe-

sondere auch keine Rolle, ob der Beschuldigte oder irgendeine andere Per-

son etwas als "Drohung" bezeichnet habe, zumal der Begriff im Sinne der 

umgangssprachlichen Laiensphäre und nicht im Sinne des Tatbestands 

verwendet worden sei. Davon, dass die Ehefrau unter Druck stehe, könne 

weiter nicht die Rede sein, zumal die Ehegatten seit Einleitung des Straf-

verfahrens getrennt leben würden. 

 

2.5. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau machte an der Berufungsverhand-

lung im Wesentlichen geltend, dass die Ehefrau offensichtlich unter dem 

Druck der Familie und des Umfelds zurückgekrebst sei. Dennoch habe sie 

immer wieder angegeben, dass das zuvor Gesagte schon stimme. Der 

Freispruch der Vorinstanz sei unter diesen Umständen und der Aktenlage 

 - 10 - 

 

 

unhaltbar. Es sei der Vorinstanz offenbar damit selbst nicht ganz wohl ge-

wesen, da sie trotz Freispruchs die Frage der Genugtuung für die erstan-

dene Untersuchungshaft nicht behandelt habe. Dass der Beschuldigte den-

noch keine Berufung eingelegt habe, sei dahingehend zu interpretieren, 

dass er darauf gehofft habe, das unhaltbare Urteil würde in Rechtskraft er-

wachsen. Gemäss dem Ergänzungsgutachten sei trotz der gemessenen 

hohen Alkoholwerte von einer vollständigen Schuldfähigkeit auszugehen. 

Schliesslich sei weder ein linguistisches noch ein interlinguistisches oder 

ethnologisches Gutachten erforderlich, wenn ein Mann – unabhängig von 

Kultur und Sprache – seiner Ehefrau androhe, sie vom Muttermund bis zur 

Scheide aufzuschlitzen, ihr Chemikalien in die Scheide zu giessen und sie 

durch Enthauptung zu töten. Dies insbesondere, wenn dieser Mann in der 

Vergangenheit bereits einmal versucht habe, die Ehefrau zu erdrosseln. 

 

2.6. 

Der Beschuldigte liess an der Berufungsverhandlung im Wesentlichen aus-

führen, dass man angesichts des tiefen Bildungsniveaus, des tiefen kogni-

tiven Niveaus und des tiefen Sprachniveaus der Beteiligten und deren Her-

kunft aus Sri Lanka nicht mit Klarheit sagen könne, dass der Beschuldigte 

seine Ehefrau habe bedrohen wollen. Der semantische und kulturelle Ge-

halt der Worte sei unklar geblieben. Auch die Tochter, welche offenbar im 

Streit mit dem Beschuldigten liege, habe gesagt, dass man das nicht so 

streng nehmen dürfe. Der vorinstanzliche Freispruch sei deshalb zu Recht 

erfolgt. Es habe gerade kein Druck des Umfelds auf die Ehefrau gegeben, 

da diese vom Beschuldigten getrennt lebe. Er habe keine Berufung einge-

reicht, da es sich um eine Familiensache handle, deren Konfliktpotential 

seit zwei Jahren beendet sei. Die Ehefrau habe keine Angst und habe 

nichts zu befürchten. Der Beschuldigte befinde sich in einem schlechten 

Zustand. Für den Fall eines Schuldspruchs sei mit Blick auf Art. 42 Abs. 1 

StGB ex post eine günstige Prognose zu stellen. Der Beschuldigte sei seit 

zwei Jahren straffrei und es gebe keine Indizien für Ressentiments. 

 

3. 

Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, 

wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe be-

straft (Art. 180 Abs. 1 StGB). Der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, 

wenn er der Ehegatte des Opfers ist und die Drohung während der Ehe 

oder bis zu einem Jahr nach der Scheidung begangen wurde (Art. 180 

Abs. 2 lit. a StGB). Erforderlich ist ein Verhalten, das geeignet ist, die ge-

schädigte Person in Schrecken oder Angst zu versetzen. Dabei ist grund-

sätzlich ein objektiver Massstab anzulegen, wobei in der Regel auf das 

Empfinden eines vernünftigen Menschen mit einigermassen normaler psy-

chischer Belastbarkeit abzustellen ist. Zudem ist erforderlich, dass die be-

troffene Person durch das Verhalten des Täters tatsächlich in Schrecken 

oder Angst versetzt wird. Tritt dieser tatbestandsmässige Erfolg nicht ein, 

kommt nur eine Verurteilung wegen versuchter Drohung in Betracht. Der 

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subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz, mindestens Eventualvorsatz (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_196/2018 vom 19. September 2018 E. 1.1.2.). Vor-

sätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und 

Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat 

für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB). Die Frage, 

ob eine Person im Sinne von Art. 12 Abs. 1 StGB mit Wissen und Willen 

handelte, ist von der Frage der Schuldfähigkeit zu trennen. Diese bezieht 

sich nicht auf die Tatbestandsmässigkeit des Verhaltens, sondern auf des-

sen Vorwerfbarkeit und ist bei der Beurteilung des Verschuldens zu prüfen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 

E. 1.2.1).  

 

4. 

4.1. 

Die Anklage beruht insbesondere auf den auf dem Mobiltelefon des Be-

schuldigten und teilweise auch auf dem Mobiltelefon der Ehefrau festge-

stellten Sprachnachrichten vom 13./14. Februar 2022 sowie den Erstaus-

sagen der Ehefrau (polizeiliche Einvernahme vom 14. Februar 2022 

act. 566 ff.). Der Beschuldigte bestreitet grundsätzlich, seine Ehefrau be-

droht zu haben (vgl. etwa delegierte Einvernahme vom 15. Februar 2022 

act. 555 f.; Eröffnung Festnahme vom 15. Februar 2022 act. 237 f.; Proto-

koll ZMG vom 17. Februar 2022 act. 264).  

 

4.2. 

Die Ehefrau des Beschuldigten suchte am 14. Februar 2022 nur wenige 

Stunden nach Erhalt der letzten inkriminierten Sprachnachricht die Polizei 

auf und gab an, vom Beschuldigten wiederholt mit dem Tod bedroht worden 

zu sein und Angst um sich und ihre Familie zu haben (Polizeirapport vom 

28. März 2022 act. 538). Gleichentags konnte das Mobiltelefon des Be-

schuldigten sichergestellt werden. Darauf wurden mehrere Sprachnach-

richten vom 13./14. Februar 2022 festgestellt, mit welchen der Beschuldigte 

seine Ehefrau diverser Affären bezichtigte und seine Wut und Verletzung 

darüber wortreich zum Ausdruck brachte (Übersetzung act. 307 f.). Die 

Sprachnachrichten vom 14. Februar 2022 wurden auch auf dem Mobiltele-

fon der Ehefrau festgestellt, anlässlich ihrer Befragung vom 14. Februar 

2022 abgespielt und übersetzt. Die zu hörende männliche Stimme wurde 

als "lallend" bezeichnet (act. 574 f.).  

 

Folgende den Akten enthaltene (übersetzte) Sprachnachrichten sind hin-

sichtlich der dem Beschuldigten vorgeworfenen Drohungen relevant:  

 

- Sprachnachricht vom 13. Februar 2022, 21.33 Uhr:  "Ich werde Dich 

und deine Mutter ficken. Ich werde Chemikalien in deine Scheide 

giessen" (act. 308);  

- Sprachnachricht vom 14. Februar 2022, 00.02 Uhr: Vorschlag, zu-

sammen zu sterben, wenn Zusammenleben nicht möglich sei. 

 - 12 - 

 

 

"Komm doch, dann sterben wir wenigstens zusammen" (act. 308) 

bzw. Beschuldigung, dass er wegen ihr das Gesicht verloren habe 

und Behauptungen, dass sie einen anderen Mann habe. Dass er das 

nicht zulassen würde und sie sich sonst beide umbringen würden 

(act. 575).  

 

Die in der Anklage lediglich zeitlich erwähnte Sprachnachricht vom 14. Feb-

ruar 2022, 00.08 Uhr, enthält angesichts der den Akten enthaltenen Über-

setzungen nur Vorwürfe hinsichtlich zahlreicher Affären sowie, dass sie für 

den Tod seines Bruders verantwortlich sei (act. 308, 575). Drohender Inhalt 

ist den Übersetzungen indessen nicht zu entnehmen und wird dem Be-

schuldigten auch in der Anklage nicht konkret vorgeworfen.  

 

Der Beschuldigte stellte nicht in Abrede, diese Sprachnachrichten an seine 

Frau versandt zu haben. Er räumte jedoch lediglich ein, dass er seine Frau 

beschimpft habe. Er habe sie jedoch nie bedroht (delegierte Einvernahme 

vom 15. Februar 2022, act. 556-561). Er habe ihr nur Lieder geschickt und 

nichts mit Umbringen gesagt. Die Nachrichten seien falsch übersetzt wor-

den (Protokoll zur Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht vom 

17. Februar 2022 act. 265). Im Berufungsverfahren gab der Beschuldigte 

an, die ihm erneut vorgehaltenen Äusserungen nicht gemacht zu haben 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 12), ohne jedoch die Übersetzung der 

Sprachnachrichten zu beanstanden.  

 

Der Inhalt der beiden obgenannten Sprachnachrichten vom 13. Februar 

2022, 21.33 Uhr, und vom 14. Februar 2022, 00.02 Uhr, ist durch die kon-

stanten und schliesslich unbeanstandet gebliebenen Übersetzungen er-

stellt. Die vom Beschuldigten vertretene Version, er habe seiner Frau nur 

Lieder geschickt (act. 265) und die sichergestellten Äusserungen nicht ge-

macht (zuletzt Protokoll Berufungsverhandlung S. 12) trifft dagegen offen-

sichtlich nicht zu.  

 

Damit drohte der Beschwerdeführer seiner Ehefrau mit der Ankündigung, 

ihr Chemikalien in die Scheide zu giessen, die Zufügung schwerster Ver-

letzungen an. Vor diesem Hintergrund kann auch die nur wenige Stunden 

später erfolgte Aufforderung zum gemeinsamen Sterben bzw. die Ankün-

digung, dass "sie sich selbst umbringen" würden, nicht anders verstanden 

werden, als dass der Beschuldigte androhte, zuerst die Ehefrau und dann 

sich selbst zu töten. Auch die Ehefrau interpretierte diese Sprachnachricht 

entsprechend (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5).  

 

4.3. 

4.3.1. 

Hinsichtlich der anderen dem Beschuldigten vorgeworfenen Äusserungen 

liegen keine objektiven Beweismittel vor. Damit kommen den Aussagen der 

Beteiligten diesbezüglich sowie zur Klärung der Frage, ob die Ehefrau 

 - 13 - 

 

 

durch die Äusserungen in Angst oder Schrecken versetzt wurde, zentrale 

Bedeutung zu.  

 

4.3.2. 

Es kann auf die von der Vorinstanz ausgeführten theoretischen Erwägung 

zur Beweis- und Aussagenwürdigung verwiesen werden (E. 4.1). Im Rah-

men der Aussageanalyse wird geprüft, ob die aussagende Person unter 

Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit 

und ihrer Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishinter-

grund machen könnte. Weiter ist nach möglichen Fehlerquellen zu for-

schen, die etwa darin bestehen können, dass die aussagende Person über 

ein Motiv zur Falschaussage verfügt oder Umstände vorhanden sind, wel-

che die Aussage beeinflusst haben könnten. Schliesslich ist zu untersu-

chen, ob es Übereinstimmungen oder Widersprüche zu anderen Beweisen 

gibt. Bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung ist immer davon auszugehen, 

dass die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prü-

fung, dass diese Unwahr- bzw. Nullhypothese mit den erhobenen Fakten 

nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt 

dann die Alternativhypothese, dass die Aussage wahr ist (BGE 133 I 33 

E. 4.3). 

 

4.3.3. 

4.3.3.1. 

Wie erwähnt, suchte die Ehefrau des Beschuldigten nur wenige Stunden 

nachdem der Beschuldigte ihr per Sprachnachricht angedroht hatte, sie 

schwer zu verletzen bzw. zu töten (Sprachnachrichten vom 13./14. Februar 

2022, vgl. E. 4.2), die Polizei auf und gab an, vom Beschuldigten wiederholt 

mit dem Tod bedroht worden zu sein. Anlässlich der gleichentags durchge-

führten polizeilichen Einvernahme (polizeiliche Einvernahme vom 14. Feb-

ruar 2022, Übersetzung durch Dolmetscher [Nr.], act. 566 ff.) gab sie noch 

vor der Befragung zur Sache an, unter Angstzuständen zu leiden, da sie 

von ihrem Mann "Sachen befürchte" (act. 567). Anschliessend schilderte 

sie, dass die Situation mit dem Beschuldigten sich seit dem Verkauf des 

Hauses an den Sohn verschlechtert habe. Seit September 2021 sei die Si-

tuation eskaliert. Damals habe der Beschuldigte einen negativen Asylent-

scheid erhalten. Er habe ihr ca. sieben bis zehn Mal ein "Ultimatum" gestellt 

und gesagt, dass er sie und sich mit einem Messer "abschneiden" bzw. 

enthaupten würde, wenn er erneut einen negativen Asylentscheid erhalten 

sollte. Dies habe er auch oft am Telefon gesagt. Meist habe er sie von der 

Wohnung in Q._____ aus angerufen, wenn sie sich beim Sohn oder der 

Tochter aufgehalten habe. Einmal habe er seine Geschwister in U._____ 

besucht und von dort aus angerufen (act. 571 ff.). Am 4. Februar 2022 habe 

er ihr in der Wohnung der Tochter in Anwesenheit der Polizei in Tamil ge-

sagt, dass er sie auf der Stelle töten würde, wenn er die Wahl hätte 

(act. 573). Er habe sie auch per Sprachnachrichten bedroht (act. 571). Über 

die App Viber habe er ihr in einer Sprachnachricht angedroht, dass er sie 

 - 14 - 

 

 

von Muttermund/Scheide bis zum Hals aufschlitzen werde. Das müsse 

Mitte Januar 2022 gewesen sein. Sie sei damals bei ihrer Mutter in Sri 

Lanka gewesen (act. 574). Auf Frage nach weiteren Sprachnachrichten mit 

drohendem Inhalt verwies sie auf die in der Nacht vom 13./14. Februar 

2022 erhaltenen Nachrichten. Diese wurden (zumindest teilweise) auch auf 

ihrem Mobiltelefon festgestellt (act. 574, vgl. dazu E. 4.2). Auf die Auffor-

derung, chronologisch anzugeben, wann und wie sie vom Beschuldigten in 

Telefongesprächen, Nachrichten oder Sprachnachrichten bedroht worden 

sei, gab sie an, sich nicht an alle Nachrichten zu erinnern. Sie verstehe 

nicht, weshalb sie alle Sachen wieder erwähnen müsse, welche sie auf-

wühlen würden. Sie wolle ihren Mann nicht mehr belasten, das bringe sie 

auch nicht weiter (act. 575). Sie äusserte wiederholt, dass sie erhebliche 

Angst habe, der Beschuldigte könnte die ausgesprochenen Drohungen in 

die Tat umsetzen (act. 567-579). Sie wolle jedoch keine Strafanzeige stel-

len. Auf die Stellung einer Zivilforderung verzichtete sie ebenfalls und gab 

an, sie wolle nur, dass protokolliert werde, was bei ihnen passiere (act. 579; 

vgl. auch Formular vom 14. Februar 2022 mit Verzicht auf Stellung eines 

Strafantrags und auf Konstituierung als Privatklägerin, act. 609). Am Ende 

der Befragung äusserte sie Sorgen, dass der Beschuldigte den Kindern et-

was tun könnte, da sie die Polizei informiert habe (act. 580).  

 

Anlässlich der zweiten Befragung (delegierte Einvernahme vom 8. März 

2022, Übersetzung durch Dolmetscher [Nr.], act. 582 ff.) äusserte die Ehe-

frau von Anfang an und wiederholt Verunsicherung und Unwohlsein betref-

fend den Umstand, dass sie ein zweites Mal befragt werde, obwohl sie 

keine Anzeige gegen den Beschuldigten erhoben habe (act. 583, 584 und 

585). Sie gab an, zu befürchten, dass ihre Kinder und Enkelkinder negativ 

beeinflusst werden könnten, wenn der Beschuldigte noch länger im Ge-

fängnis bleiben müsse (act. 591) und führte aus, dass sie die einzige aus 

der Familie sei, die bislang bei der Polizei und beim Gericht gewesen sei, 

was auch für die Kinder nicht ehrenwert sei (act. 593). Sie verwies darauf, 

dass die Familie schlecht rede, da sie den Beschuldigten angezeigt habe 

(act. 594) und im Freundes- und Verwandtenkreis des Beschuldigten alle 

nachfragen würden, wo er sei und warum er so lange im Gefängnis sei (act. 

590). Dennoch bestätigte sie wiederholte Drohungen im Zusammenhang 

mit einem möglicherweise negativen Ausgang des Asylverfahrens (von ihr 

als "Ultimatum" bezeichnet; act. 586-588), gab jedoch zwischendurch an, 

sich nicht erinnern zu können (act. 588) bzw. dass der Beschuldigte das 

nicht so ernsthaft gesagt habe (act. 586) und es sich eher um bei Tamilen 

übliche Fluchworte gehandelt habe (act. 587) oder dass er ihr eher Schnitt-

wunden i.S.v. "ich schneide mich und dann werde ich dich schneiden", an-

gedroht habe, was er jedoch nie ernst meine (act. 589). Sie denke nicht, 

dass er seine Drohungen umsetzen würde. Er sage das nur so (act. 586). 

Sie denke aber, dass er sich selber umbringen würde, wenn man ihn nach 

Sri Lanka schicken würde. Sie habe zwischendurch schon Angst gehabt 

(act. 586 und 587) und wisse nicht genau, was passieren würde (act. 587). 

 - 15 - 

 

 

Sie denke, dass sie schuld daran sei, dass sich die ganze Lebenssituation 

des Beschuldigten verschlechtert habe, da sie nach dem Vorfall im 2012 

im Spital gewesen und ihn angezeigt habe (act. 587). Die Ehefrau bestä-

tigte auch den Vorfall vom 4. Februar 2022. Der Beschuldigte habe aller-

dings nicht gesagt, dass er sie töten werde, sondern dass er sie durch-

schneiden werde (gemäss dem an der Befragung anwesenden Dolmet-

scher sei damit "am Hals durchschneiden" gemeint, act. 589). Es habe sie 

nicht gross bewegt, da er das ja öfter sage. Es sei wie ein Schimpfwort, 

welches sie nicht ernst bzw. wörtlich nehme (act. 590). Weiter verwies die 

Ehefrau auf mittels Sprachnachrichten ausgesprochene Drohungen. Sie 

habe diese auch der Polizei ausgehändigt (act. 586). Gegen Ende der Be-

fragung gab sie dagegen an, per Sprachnachrichten keine Todesdrohun-

gen erhalten zu haben (act. 591).  

 

An der Hauptverhandlung (Protokoll HV act. 702 ff.) stellte die Ehefrau 

vorab den Antrag, das Verfahren gegen den Beschuldigten zu sistieren. Sie 

gab an, dass sie kein Interesse daran habe, das Verfahren gegen den Be-

schuldigten weiterzuführen. Sie wolle nichts sagen, ihr Herz arbeite sehr 

schnell und sie könne nicht immer alles wiederholen. Der Sistierungsantrag 

wurde mit Verweis auf die durch den Beschuldigten in der Vergangenheit 

gegen sie verübte versuchte Tötung und Freiheitsberaubung abgewiesen 

(Art. 55a Abs. 3 StGB; act. 703). In der Folge bestätigte die Ehefrau, dass 

sie vom Beschuldigten für den negativen Asylentscheid verantwortlich ge-

macht werde. Sie gab an, dass sie sich nicht mehr ganz erinnern könne, 

was er gesagt habe, und es bedeutungslos sei, wenn jemand sage, er töte 

sich selber oder jemand anderen. Manchmal habe man Angst, manchmal 

nicht. Sie habe keine Angst, wenn sich ihr Ehemann so äussere (act. 704 

f.). Hinsichtlich der in Anwesenheit der Polizei im Februar 2022 geäusser-

ten Drohung, dass er sie aufschneiden würde, berief sich die Ehefrau mit 

Hinweis auf ihren Bluthochdruck auf ihre Vergesslichkeit (act. 705). Sie be-

stätigte jedoch, dass der Beschuldigte ihr per Sprachnachricht angedroht 

habe, dass er ihr Chemikalien in die Scheide giessen und sie sowie sich 

selber umbringen werde. Auf die Frage, ob sie Angst gehabt habe, gab sie 

zunächst an, dass man ein bisschen Angst habe, führte jedoch auf erneute 

Nachfrage aus, keine Angst zu haben, dass etwas passieren könne. Er be-

drohe sie oft, aber habe solche Worte noch nie in die Tat umgesetzt. Es sei 

schon lange her, dass etwas passiert sei. Es seien nur leere Drohungen 

und sie wisse, dass er das nie in die Tat umsetzen würde (act. 705). Die 

Ehefrau bestätigte weiter, dass der Ehemann ihr in einer Sprachnachricht 

angedroht habe, sie vom Muttermund bis zur Scheide aufzuschlitzen. Zu-

nächst gab sie an, dass das nur leere Drohungen seien, bestätigte jedoch 

kurz drauf ihre früheren Aussagen, dass sie Angst gehabt habe. Sie ver-

wies darauf, dass sie sich nicht wohl fühle. Es würden immer wieder die-

selben Fragen gestellt und sie wisse nicht, wie sie Stellung nehmen solle. 

Sie erzähle immer die Wahrheit, stehe heute unter Stress und sei in einer 

verwirrten Lage. Bei der Polizei habe sie die Wahrheit gesagt. Sie habe 

 - 16 - 

 

 

keine Angst gehabt. Ihr Mann verwende diese Begriffe öfter, es sei Alltag 

für sie (act. 706). 

 

Im Übrigen kann auf die von der Vorinstanz wiedergegebenen Aussagen 

verwiesen werden (E. 3.2) 

 

Anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Ehefrau während bzw. nach 

der Zeugenbelehrung an, dass sie gerne alles vergessen möchte, schon 

fast alles vergessen habe und ihre früheren Aussagen nicht mehr in Erin-

nerung habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 f.). Schliesslich bestä-

tigte sie jedoch, dass sie am 14. Februar 2022 zur Polizei gegangen sei 

und mitgeteilt habe, vom Beschuldigten bedroht worden zu sein. Ausser-

dem bestätigte sie, dass sie damals Angst gehabt habe vor dem Beschul-

digten, dass er ihr über die App Viber mitgeteilt habe, er werde ihr Chemi-

kalien in die Scheide giessen und sie und sich selbst umbringen, dass er 

ihr mehrmals, etwa sieben Mal, gesagt habe, er werde sie und sich selbst 

durch Enthauptung oder anderweitig mit dem Messer töten, wenn er einen 

negativen Asylentscheid erhalte. Sie fügte jedoch an, dass er nur so rede 

und so etwas nicht machen würde. Er habe Aufenthaltsprobleme gehabt 

und das gesagt, weil er traurig gewesen sei. Er habe sie nicht für seinen 

negativen Asylentscheid verantwortlich gemacht und immer gesagt, dass 

falsch sei, was er gemacht habe und er darüber traurig sei (Protokoll Beru-

fungsverhandlung S. 5). Zu ihren früheren Aussagen, der Beschuldigte 

habe ihr Mitte Januar 2022 über die App Viber mitgeteilt, dass er sie vom 

Muttermund bis zur Scheide aufschlitze, gab sie an, dass weder der Be-

schuldigte noch sie selbst dies gegenüber der Polizei gesagt hätten (Pro-

tokoll Berufungsverhandlung S. 5 f.). Am 4. Februar 2022 sei die Polizei in 

die Wohnung der Tochter gekommen, weil der Beschuldigte laut gewesen 

sei und Probleme gemacht habe. Er habe gewollt, dass sie zurückkomme. 

Auf die Frage, ob er sie bedroht habe, gab sie an, alles vergessen zu ha-

ben. Sie habe nicht nach Hause gewollt, weil sein Gerede sie nerve (Pro-

tokoll Berufungsverhandlung S. 6 und 7 f.).  

 

4.3.3.2. 

Die ersten Aussagen der Ehefrau, welche nur wenige Stunden nach der mit 

Sprachnachrichten vom 13./14. Februar 2022 versandten Drohungen erho-

ben wurden, enthalten detaillierte Schilderungen der verschiedenen dem 

Beschuldigten vorgeworfenen Äusserungen. Sie verknüpft die geschilder-

ten Vorfälle mit äusseren Umständen und Besonderheiten (z.B. Asylverfah-

ren, für dessen möglicherweise negativen Ausgang der Beschuldigte sie 

verantwortlich mache [act. 571 f.]; Eskalieren der Situation im September 

2021, als er einen negativen Asylentscheid erhalten habe [act. 571], Anruf 

mit Drohung im Zusammenhang mit dem Asylverfahren aus ihrer Woh-

nung, als sie beim Sohn oder der Tochter gewesen sei bzw. aus U._____, 

als er seine Geschwister besucht habe [act. 572], Aufenthalt in Sri Lanka 

 - 17 - 

 

 

bei ihrer Mutter, als sie im Januar 2022 die Sprachnachricht des Beschul-

digten erhalten habe, dass er sie von Muttermund/Scheide bis zum Hals 

aufschlitzen werde [act. 574]; Anwesenheit der Polizei in der Wohnung der 

Tochter während der [auf Tamilisch ausgesprochenen] Drohung vom 

4. Februar 2022, dass er sie auf der Stelle töten würde, wenn er die Wahl 

hätte [act. 573]; alkoholisierter Zustand des Beschuldigten bei allen ihm 

vorgeworfenen Vorfällen [act. 570, 571 und 578]), was diese anschaulich 

und nachvollziehbar erscheinen lässt. Ihre wiederholt genannte Angst 

(act. 567, 573, 577, 578 und 579), aufgrund welcher sie die (damals vom 

Beschuldigten bewohnte) Wohnung verlassen habe, bringt sie neben den 

dem Beschuldigten vorgeworfenen Drohungen auch mit der Tat im Jahre 

2012 in Verbindung, anlässlich welcher der Beschuldigte sie gefesselt habe 

und versucht habe, sie zu erwürgen (act. 577). Bereits anlässlich dieser 

Befragung wurde indessen die Mühe der Ehefrau deutlich, den Beschuldig-

ten zu belasten, als sie angab, dass sie nicht verstehe, warum sie all diese 

aufwühlenden Sachen wieder erwähnen müsse, und dass sie den Beschul-

digten nicht mehr belasten wolle (act. 575). Auch schien sie Konsequenzen 

eines Strafverfahrens vermeiden zu wollen, indem sie festhielt, keine Straf-

anzeige erstatten zu wollen und auf die Stellung eines Strafantrags und 

einer Zivilforderung zu verzichten. Dass sie dennoch die Polizei aufgesucht 

hatte und angab, sie wolle, dass protokolliert werde, was bei ihnen passiere 

(act. 579), spricht dafür, dass das Erlebte sie erheblich beunruhigte.  

 

In den folgenden Befragungen bestätigte die Ehefrau die von ihr geschil-

derten Vorfälle weitgehend, auch wenn sie sich zwischenzeitlich auf Nicht-

erinnern berief. In der Berufungsverhandlung verneinte sie erstmals die 

noch an der Hauptverhandlung bestätigte Aussage, dass der Beschuldigte 

sie Mitte Januar 2022 über die App Viber bedroht habe, wobei sie angab, 

dass sie das auch gegenüber der Polizei nicht angegeben habe, was of-

fensichtlich nicht zutrifft. Dass die Ehefrau – wie von ihr vorübergehend 

verneint (act. 591) – per Sprachnachricht massiv bedroht wurde, ist (wie 

bereits mehrfach erwähnt) objektiv nachgewiesen und wurde von ihr in der 

Berufungsverhandlung bestätigt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). 

Sie relativierte die (anlässlich der unmittelbar nach dem Aufsuchen der Po-

lizei durchgeführten Erstbefragung noch anschaulich geschilderte) erhebli-

che Angst vor dem Beschuldigten zunehmend und gab wiederholt an, dass 

die (Todesdrohungen enthaltenden) Worte des Beschuldigten bedeutungs-

los seien, sie diese nicht ernst nehme und auch nicht befürchte, dass der 

Beschuldigte diese in die Tat umsetzen könnte (z.B. act. 586 f., 590; 

act. 704-706). Angesichts der Erheblichkeit der Äusserungen, der Anzei-

gesituation sowie insbesondere auch aufgrund des Vorfalls im Jahre 2012, 

anlässlich welchem die Ehefrau vom Beschuldigten gefesselt und mit ei-

nem Tuch gewürgt worden war und welcher zu einer Verurteilung zu einer 

fünfjährigen Freiheitsstrafe wegen versuchter Tötung und Freiheitsberau-

bung, aufgeschoben zugunsten einer stationären Suchtbehandlung ge-

mäss Art. 60 StGB, führte (Urteil des Obergerichts SST.2014.29 vom 

 - 18 - 

 

 

3. November 2014, act. 35 ff.), erscheinen diese Aussagen jedoch nicht 

plausibel. Die Ehefrau deutete denn auch zwischenzeitlich immer wieder 

an, schon Angst gehabt zu haben, um dies teilweise umgehend wieder zu 

verneinen (vgl. act. 586, 587 und 705). Auch anlässlich der Berufungsver-

handlung bestätigte sie zunächst, Angst vor dem Beschuldigten gehabt zu 

haben, um jedoch umgehend anzufügen, dass er nur so rede, so etwas 

jedoch nicht mache (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). Es drängt sich 

auf, dass die Aussagen der Ehefrau, trotz massiver Todesdrohungen und 

einem in der Vergangenheit erfolgten Tötungsversuch keine Angst gehabt 

zu haben, einzig erfolgten, um mögliche strafrechtliche Konsequenzen für 

den Beschuldigten zu verhindern. Insbesondere ist diese Aussagenent-

wicklung sowie der anlässlich der Hauptverhandlung gestellte Sistierungs-

antrag mit dem wiederholt angedeuteten familiären und gesellschaftlichen 

Druck vereinbar. Wie erwähnt, gab sie mehrfach an, dass sie von der Fa-

milie und dem Freundeskreis des Beschuldigten für das Strafverfahren und 

die damit verbundene Inhaftierung des Beschuldigten verantwortlich ge-

macht werde. Sie bezeichnete den Kontakt mit den Strafverfolgungsbehör-

den als unehrenhaft und ihre heutige Situation gar als selbstverschuldet, 

da sie mit der Anzeige gegen den Beschuldigten aufgrund des Vorfalls im 

2012 zur Verschlechterung seiner Lebenssituation beigetragen habe. Zu-

dem tat sie ihre Überforderung bei der Beantwortung der Fragen kund (z.B. 

act. 587, 590, 593, 594, Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 f.). Der vom 

Beschuldigten vorgebrachte Umstand, dass er getrennt von seiner Ehefrau 

lebe (Berufungsantwort S. 3, Protokoll Berufungsverhandlung S. 17), ver-

mag diesen unabhängig von der Wohnsituation bestehenden Druck offen-

sichtlich nicht zu wiederlegen. Es ist im Übrigen darauf zu verweisen, dass 

die Ehefrau bereits im Verfahren betreffend den Fessel- und Würgevorfall 

im Jahre 2012 ein ähnliches Aussageverhalten zeigte. Auch hier bestätigte 

sie zwar im weiteren Gang des Verfahrens die meisten Sachverhaltsmo-

mente, schwächte diese jedoch stark ab, gab an, dass "stirb" ein ganz nor-

males Schimpfwort sei, welches sie nicht ernstgenommen oder geängstigt 

habe und verwies darauf, dass es ihre Schuld sei, dass der Beschuldigte 

nun im Gefängnis sei. Das Obergericht des Kantons Aargau bezeichnete 

diese Aussagen im damaligen Verfahren als augenfällige Verharmlosungs-

versuche und qualifizierte sie als Gefälligkeitszeugnis, wogegen es die 

Erstaussagen der Ehefrau als glaubhaft einstufte und darauf abstellte (Ur-

teil des Obergerichts SST.2014.29 vom 3. November 2014 E. 2.6.4.2 f., 

act. 53 f.). Unter diesen Umständen erscheinen die teilweise geäusserten 

Aussagen der Ehefrau, durch die ausgesprochenen Todesdrohungen bzw. 

die Androhung schwerster Verletzungen nicht in Angst oder Schrecken ver-

setzt worden zu sein, nicht glaubhaft. An der Glaubhaftigkeit ihrer Erstaus-

sagen vermag dies indessen nichts zu ändern. Diese wird durch den Um-

stand unterstrichen, dass sie trotz offensichtlicher Bemühungen, strafrecht-

liche Konsequenzen für den Beschuldigten zu verhindern, die einzelnen 

Vorfälle auch in den weiteren Befragungen weitgehend bestätigte, soweit 

 - 19 - 

 

 

diese nicht ohnehin objektiv nachgewiesen sind. Ein Motiv, den Beschul-

digten falsch zu belasten, ist im Übrigen nicht ersichtlich.  

 

Die Erstaussagen der Ehefrau werden (neben den sichergestellten Sprach-

nachrichten vom 13./14. Februar 2022, der Anzeigesituation [Anzeige nur 

wenige Stunden nach Erhalt der genannten Sprachnachrichten]), dem von 

der Polizei am 4. Februar 2022 festgestellten aufgebrachten und unruhigen 

Zustand des Beschuldigten sowie dem am 4. und 14. Februar 2022 festge-

stellten hohen Alkoholkonsum [act. 547 und 217]) durch die (von der Vo-

rinstanz als glaubhaft eingestuften und auch vom Beschuldigten nicht in 

Frage gestellten) Aussagen der gemeinsamen Tochter E._____ (nachfol-

gend Tochter; delegierte Einvernahme als Zeugin act. 596 ff.), dass der 

Beschuldigte ein oder zweimal gesagt habe, er werde die Mutter umbrin-

gen, gestützt. Sie gab an, diese Äusserung nicht selbst gehört zu haben. 

Die Mutter habe es ihr erzählt, als sie im Dezember 2021 in Sri Lanka ge-

wesen sei (act. 601 f.). Auch in der (vom Beschuldigten anlässlich der Be-

rufungsverhandlung eingereichten) E-Mail vom 13. Februar 2024 bestätigte 

die Tochter, dass der Beschuldigte mehrfach Drohungen ausgesprochen 

habe, welche er jedoch sicherlich nicht ernst gemeint habe. Entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil E. 4.2) können den Aussa-

gen der Tochter keine Umstände entnommen werden, welche Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit der Erstaussagen der Mutter begründen könnten. So 

gab die Tochter an, beim Polizeieinsatz am 4. Februar 2022 in ihrer Woh-

nung zwar zugegen gewesen zu sein. Sie habe jedoch nicht alles mitbe-

kommen, da sie am Coronavirus erkrankt gewesen sei, auf ihr Kind habe 

schauen müssen und auch noch ihr Bruder dazugekommen sei. Sie habe 

keine Kraft mehr gehabt und sich zurückgezogen. Ihre Aussagen, dass sie 

am 4. Februar 2022 keine Drohung gehört habe, können damit nicht als 

Hinweis gewertet werden, dass diese nicht erfolgt sein könnte (act. 602). 

Auch aus dem Umstand, dass die Tochter keine Gewalttätigkeiten vom Be-

schuldigten zu erwarten scheint, kann nichts abgeleitet werden, was gegen 

die Glaubhaftigkeit der Erstaussagen der Ehefrau sprechen könnte. Es 

handelt sich lediglich um eine Einschätzung der Tochter, welche im Übrigen 

auch den Vorfall aus dem Jahre 2012 als harmlos und die Mutter als etwas 

wehleidig und sensibel (act. 602 und 605) bezeichnete und welche im Üb-

rigen auch nicht angab, dass die Mutter, welche ihr von Todesdrohungen 

berichtet habe, diese nicht ernstgenommen habe. Unter diesen Umständen 

erübrigt sich auch die (vom Beschuldigten beantragte) erneute Befragung 

der Tochter. 

 

Die Erstaussagen der Ehefrau sind damit als glaubhaft zu bezeichnen. Hin-

gegen vermögen ihre im weiteren Gang des Verfahrens gemachten Anga-

ben, durch die Äusserungen des Beschuldigten nicht in Angst versetzt wor-

den zu sein, nicht zu überzeugen.  

 

 - 20 - 

 

 

4.3.4. 

4.3.4.1. 

Der Beschuldigte bestritt bereits an der delegierten Einvernahme vom 

15. Februar 2022 (act. 552 ff.), seine Frau bedroht zu haben (act. 555 und 

564). Er habe sie einzig einmal im November 2021 als Hund und Hure be-

schimpft. Er sei wütend gewesen wegen des Hausverkaufs (act. 555). Er 

habe sie einfach beschimpft ("Hund") und dabei schon mal erwähnt, sie 

solle doch sterben, weil sie ihn wegen des Hauses hintergangen habe 

(act. 557). Er habe nie gesagt, dass er sich und die Ehefrau töten werde, 

wenn er wieder einen negativen Asylentscheid erhalten würde. Er habe nur 

mehrmals gesagt, dass er sich in diesem Fall selbst umbringen würde. Dies 

aber nie am Telefon, sondern immer direkt zu seiner Frau (act. 558 f.) Wa-

rum es am 4. Februar 2022 in der Wohnung der Tochter zu einer Polizeiin-

tervention gekommen sei, wisse er nicht. Seine Ehefrau sei zuvor in Sri 

Lanka gewesen und sei am 31. Januar 2022 zurückgekommen und nach 

S._____ gegangen. Er habe sie vermisst und sie und die Enkel besuchen 

wollen. Dann sei die Polizei gekommen. Warum wisse er nicht. Dass er in 

Anwesenheit der Polizei zu seiner Ehefrau gesagt habe, wenn er die Wahl 

hätte, würde er sie auf der Stelle töten, stimme nicht (act. 559). Auf Vorhalt 

der Sprachnachrichten vom 14. Februar 2022 bestritt er zunächst, diese 

Äusserungen gemacht zu haben bzw. gab an, sich nicht richtig zu erinnern 

(act. 560). Schliesslich räumte er ein, dass es schon stimme, dass er solche 

Nachrichten versandt habe. Er habe gefragt, ob sie einen anderen Mann 

habe, da sie nie zu Hause sei. Er habe jedoch nie erwähnt, dass er jeman-

den umbringen werde (act. 561). Seine Ehefrau lebe seit einigen Wochen 

bei der Tochter, weil diese Hilfe bei den Enkeln benötige. Zuvor sei sie in 

Sri Lanka in den Ferien gewesen. Er habe ein sehr gutes Verhältnis zu 

seiner Ehefrau. Streit gebe es immer wegen einer Rechnung von 

Fr. 25'000.00 im Zusammenhang mit dem Hausverkauf. Er habe kein Alko-

holproblem. Er wolle mit seiner Frau zusammenleben (act. 563). 

 

Anlässlich der Eröffnung der Festnahme vom 15. Februar 2022 (act. 235 

ff.) verwies er wiederum auf den Streit wegen des Hauses und gab an, dass 

er seiner Frau und ihrem Sohn gesagt habe, dass sie sich unanständig 

verhalten hätten. Er habe sie aber nicht beschimpft oder bedroht. Er habe 

vielleicht gewisse Wörter gebraucht, gesagt, dass die Familie der Frau 

keine anständige Familie sei und es besser wäre zu sterben, als so zu le-

ben (act. 237). Er verwies wiederum auf den Streit im Zusammenhang mit 

dem Hausverkauf und gab an, dass seine Frau im Dezember 2021 nach 

Sri Lanka gegangen sei. Er habe vergeblich versucht, sie zu erreichen, sie 

habe aber absichtlich keine Antwort gegeben. Er habe sie nicht richtig be-

leidigt. Er habe gesagt, ob sie sich nicht schäme, solche Sachen zu ma-

chen und dass sie keine anständige Person sei. Er sei ihr Mann und sie 

habe ihn mehrfach betrogen. Mit dem Hausverkauf und anderen Sachen 

auch. Der Stiefsohn sei hier aufgewachsen und spreche einwandfrei 

 - 21 - 

 

 

Deutsch. Es sei einfach für sie gewesen, gegen ihn ein Verfahren einzulei-

ten. Im Dezember 2021 habe er seine Frau damit konfrontiert, dass sie ihn 

betrogen habe. Sie sei in V._____ gewesen und er habe sie angerufen. Es 

laufe ein Komplott gegen ihn. Seine Frau versuche, ihn reinzulegen. Auf 

seinen Alkoholwert bei der Anhaltung von 1.04 mg/l angesprochen, gab er 

an, dass er am Vortag ein bisschen mehr Bier getrunken habe. Normaler-

weise trinke er am Wochenende mehr. Er trinke nicht jeden Tag Alkohol 

und konsumiere auch alkoholfreies Bier. Er gebe zu, geschimpft und viel-

leicht üble Wörter verwendet zu haben. Er sei "verarscht" worden und 

werde ständig ausgenutzt. Er habe aber keine Todesdrohungen ausge-

sprochen (act. 238).  

 

An der Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht vom 17. Februar 

2022 (act. 264 ff.) führte er wiederum aus, seine Frau nie bedroht zu haben. 

Seine Frau mache diese Aussagen wegen des Geldes. Sie sei vom Sohn 

beeinflusst worden. Der abweisende Asylentscheid sei im September 2020 

gekommen. Er habe in diesem Zusammenhang nicht gedroht. Die Ehefrau 

mache das nur wegen des Geldes. Sie habe auch ihren ersten Ehemann 

wegen des Geldes umgebracht. Er sei um Fr. 350'000.00 "verarscht" wor-

den. Das Haus sei 2020 verkauft worden und sie hätten ihm einen falschen 

(zu tiefen) Verkaufspreis mitgeteilt (act. 264). Am 4. Februar 2022 habe er 

seine Ehefrau und den Enkel besucht, da er sie lange nicht gesehen habe. 

Die Polizei sei plötzlich gekommen, er wisse nicht wieso. Er habe nicht auf 

Tamil gesagt, dass er die Ehefrau auf der Stelle umbringen würde. In der 

Nacht vom 14. Februar 2022 habe er seiner Frau nur Lieder geschickt. Er 

habe nichts mit "umbringen" gesagt. Er habe nur gefragt, warum sie alleine 

zu einem Tempel gegangen sei. Er habe ihr vorgehalten, dass sie alleine 

an eine Hochzeit gegangen sei. Die Nachricht sei falsch übersetzt worden. 

Er vermute, dass der Sohn im Spiel sei. Seit 2012 habe er sie nie angefasst 

oder mit dem Tod bedroht. Sie hätten immer wieder einen ganz normalen 

Familienstreit (act. 265). Im 2012 habe er sich mit seiner Frau gestritten, 

da sich die Tochter in jemanden verliebt habe, den er nicht gewollt habe. 

Die Polizei sei angerufen worden. Er trinke am Wochenende zwei Bier oder 

so. Auch vor der Festnahme habe er nur zwei Bier getrunken. Er müsse 

viele Medikamente nehmen wegen der Beine. Er sei ganz alleine gewesen 

und habe am Samstag und Sonntag getrunken. Er habe kein Problem mit 

Alkohol (act. 266). Er trinke erst wieder, seit der Brief gekommen und seine 

Ehefrau nach Sri Lanka gegangen sei. Es stimme nicht, dass es Streit 

gebe, wenn er alkoholisiert sei. Es sei nur wegen der Rechnung. Der Sohn 

trage das Ganze, er sei "Mafioso" (act. 267). Er würde nie Drohungen in 

die Tat umsetzen (act. 268). 

 

Anlässlich der Hauptverhandlung verweigerte der Beschuldigte die Aussa-

gen (act. 708).  

 

 - 22 - 

 

 

Es kann zudem auf die im vorinstanzlichen Urteil widergegebenen Aussa-

gen verwiesen werden (E. 3.1).  

 

An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu sämtlichen ihm vor-

geworfenen Äusserungen an, dass er diese nicht gemacht habe, dass er 

seiner Frau nicht habe Angst machen wollen und dass sie auch keine Angst 

vor ihm gehabt habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 12). 

 

4.3.4.2. 

Der Beschuldigte bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe pauschal 

und führt einzig detailliert aus, dass es wegen des Verkaufs des Hauses an 

den Sohn wiederholt zu Streitigkeiten gekommen sei, wobei er seine Frau 

nie bedroht, sondern (wie zumindest teilweise eingeräumt) lediglich be-

schimpft habe. Auch wenn er angab, ein sehr gutes Verhältnis zu seiner 

Frau zu haben (act. 563), versuchte er wiederholt, sie in einem schlechten 

Licht darzustellen und erhob diverse Vorwürfe gegen sie (act. 238: Seine 

Frau habe ihn mit dem Hausverkauf betrogen und Anzeige erstattet, als er 

sie damit konfrontiert habe. Es laufe ein Komplott gegen ihn; act. 239: Seine 

Frau sei nach dem Hausverkauf geldgierig geworden; act. 240: Seine Frau 

habe ihn betrogen und hereingelegt; act. 264: Seine Frau mache das nur 

wegen des Geldes. Sie habe auch ihren ersten Ehemann wegen des Gel-

des umgebracht; act. 267: Seine Frau sage der Gemeinde, sie lebe alleine, 

und kassiere so mehr Geld, act. 557: Seine Frau habe ihn hintergangen 

und den Kindern Geld gegeben). Die Aussagen des Beschuldigten, dass 

er seine Frau nie bedroht habe, stehen in direktem Widerspruch zu der si-

chergestellten Nachrichten vom 13./14. Februar 2022, welche schwere 

Drohungen enthalten (vgl. E. 4.2). Dass die Polizei am 4. Februar 2022 

plötzlich am Wohnort der Tochter aufgetaucht sei, und er nicht wisse, wes-

halb, erscheint überdies nicht nachvollziehbar, zumal dem Polizeirapport 

zu entnehmen ist, dass es zu einem erheblichen Streit gekommen sei, da 

der Beschuldigte nicht gutgeheissen habe, dass sich die Ehefrau bei der 

Tochter aufhalte. Der Beschuldigte wurde – wie bereits erwähnt – als auf-

gebracht und unruhig beschrieben (Polizeirapport vom 5. Februar 2022 

act. 547). Die Angaben des Beschuldigten zu seinem (nach eigenen Anga-

ben nicht übermässigen) Alkoholkonsum (vgl. act. 266) sind weiter offen-

sichtlich unzutreffend, zumal die Atemalkoholmessung beim Polizeieinsatz 

vom 4. Februar 2022 eine hohe Atemalkoholkonzentration von 1.10 mg/l 

(act. 545) und bei der Festnahme am 14. Februar 2022 nach 14 Uhr 1.04 

mg/l (act. 217) ergab. Dies entspricht etwa 2.20 bzw. 2.08 Promille. Der 

Beschuldigte bagatellisierte den Vorfall aus dem Jahre 2012 erheblich und 

nannte einzig einen Streit, wegen welchem schliesslich die Polizei gerufen 

worden sei, was ebenfalls gegen die Zuverlässigkeit seiner Aussagen 

spricht.  

 

Unter diesen Umständen sind die Aussagen des Beschuldigten als nicht 

glaubhaft einzustufen.  

 - 23 - 

 

 

 

4.3.5. 

Zusammengefasst stehen die glaubhaften Erstaussagen der Ehefrau den 

in keiner Weise überzeugenden Aussagen des Beschuldigten gegenüber, 

womit auf erstere abzustellen ist. Es ist damit davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte (neben den sichergestellten Sprachnachrichten vom 

13./14. Februar 2022) auch die weiteren, in den Erstaussagen der Ehefrau 

vom 14. Februar 2022 genannten und in den folgenden Einvernahmen be-

stätigten und konkretisierten Äusserungen gemacht hat, wobei er jeweils 

alkoholisiert war.  

 

4.4. 

Damit sind nach dem Gesagten folgende Äusserungen des Beschuldigten 

nachgewiesen:  

 

- Zwischen September bis November 2021: Er töte die Ehefrau und 

sich selbst durch Enthauptung mit einem Messer oder anderweitig, 

wenn er einen negativen Asylbescheid erhalte.  

 

Angesichts des Umstands, dass die Ehefrau die Häufigkeit der als 

"Ultimatum" bezeichneten Äusserungen im Zusammenhang mit dem 

Ausgang des Asylverfahrens lediglich schätzte, ist nicht wie in der 

Anklage geschildert von sieben, sondern lediglich von mehreren, zu-

gunsten des Beschuldigten von zwei erfolgten Vorfällen auszuge-

hen; 

 

- Mitte Januar 2022 per Sprachnachricht: Er werde die Ehefrau vom 

Muttermund / Scheide bis zum Hals bzw. (entsprechend der Über-

setzung an der Hauptverhandlung) vom Muttermund bis zur Scheide 

aufschlitzen; 

 

- Freitag, 4. Februar 2022, bei einem Polizeieinsatz am Wohnort der 

Tochter: Er würde der Ehefrau auf der Stelle den Hals durchschnei-

den, wenn er die Wahl hätte; 

 

- Nacht vom Sonntag, 13. Februar 2022/Montag 14. Februar 2022, 

per Sprachnachrichten: Er werde der Ehefrau Chemikalien in die 

Scheide giessen sowie sie und sich selber umbringen. 

 

Gestützt auf die Erstaussagen der Ehefrau ist zudem erstellt, dass sie auf-

grund der genannten Äusserungen jeweils erhebliche Angst verspürt hat, 

dass der Beschuldigte ihr etwas antun könnte.  

 

 - 24 - 

 

 

4.5. 

Mit den genannten Äusserungen stellte der Beschuldigte seiner Ehefrau in 

Aussicht, sie zu töten oder sehr schwer zu verletzen, was auch bei einfa-

chem sprachlichem Niveau offensichtlich als schwere Drohung gegen Leib 

und Leben zu verstehen ist. Der Einwand des Beschuldigten, dass die je-

weiligen Ausdrücke in der tamilischen Kultur eine andere Bedeutung haben 

könnten, verfängt nicht. Wie erwähnt, übersetzten mehrere Dolmetscher 

die Sprachnachrichten vom 13./14. September 2021 sowie die Aussagen 

der Ehefrau weitgehend übereinstimmend. Zudem stammt die Ehefrau 

ebenfalls aus Sri Lanka und gehört derselben Kultur an wie der Beschul-

digte. Würde den genannten Äusserungen eine andere (harmlose) Bedeu-

tung zukommen, wäre weder ihr Anzeigeverhalten noch ihre (nach den obi-

gen Ausführungen erstellte) Angst erklärbar, weshalb auf die Erstellung der 

vom Beschuldigten im Berufungsverfahren beantragten ethnologischen 

und (inter)linguistischen Gutachten verzichtet werden kann.  

 

Die dem Beschuldigen zur Last gelegten Äusserungen sind nach dem Ge-

sagten als schwere Drohungen i.S.v. Art. 180 StGB zu qualifizieren. Die 

Ehefrau befürchtete, dass der Beschuldigte die Drohungen umsetzen 

könnte, und wurde dadurch in erhebliche Angst versetzt. Der objektive Tat-

bestand der Drohung i.S.v. Art. 180 StGB ist damit erfüllt. 

 

4.6. 

Der Beschuldigte drohte seiner Ehefrau wiederholt den Tod bzw. schwere 

Körperverletzungen an. Selbst wenn es zutreffen sollte, dass er einen eher 

rauen Umgangston mit seiner Ehefrau pflegte, musste er vor dem Hinter-

grund der schweren Tat (versuchte Tötung und Freiheitsberaubung), wel-

che er im Jahr 2012 gegen seine Ehefrau verübt hatte und welche offen-

sichtlich geeignet ist, die Wirkung solcher Worte erheblich zu verstärken, 

davon ausgehen, dass er seine Ehefrau damit in grosse Angst vor (erneu-

ten) massiven Übergriffen gegen ihre körperliche Integrität versetzen 

könnte. Dass er die Äusserungen dennoch aussprach, kann nicht anders 

gedeutet werden, als dass er dies zumindest in Kauf nahm. Der subjektive 

Tatbestand der Drohung ist damit ebenfalls erfüllt.  

 

4.7. 

Zusammengefasst erfüllte der Beschuldigte den Tatbestand der mehrfa-

chen Drohung zum Nachteil seiner Ehefrau gemäss Art. 180 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB.  

 

5. 

Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich und werden auch vom Be-

schuldigten nicht geltend gemacht.  

 

 - 25 - 

 

 

6. 

6.1. 

Schuldfähigkeit setzt gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB Einsichts- und Steue-

rungsfähigkeit voraus. Einsichtsfähigkeit ist die Fähigkeit, das Unrecht sei-

ner Tat einzusehen. Unter Steuerungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, 

gemäss der Einsicht in das Unrecht zu handeln. Die im Gesetz ausdrücklich 

erwähnte Steuerungsfähigkeit ermöglicht es, Fällen mangelnden Hem-

mungsvermögens gerecht zu werden. Es geht darum, dass die Normbefol-

gungsleistung nicht erbracht werden kann, die von einem Durchschnitts-

zeitgenossen in der konkreten Situation erwartet werden darf. Die vermin-

derte Einsichtsfähigkeit ist strafrechtlich erst relevant, wenn sie im konkret 

zu beurteilenden Fall das Fehlen der Einsicht zur Folge gehabt hat. Die 

Frage, ob Unrechtseinsicht und Steuerungsfähigkeit ausgeschlossen wa-

ren, ist stets auf die konkrete Straftat zu beziehen (Relativität der Schuld-

fähigkeit). Gründe für eine Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB 

können in einer Bewusstseinsstörung durch schwere Intoxikation liegen. 

Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung von Einsichts- und Steuerungs-

fähigkeit infolge von Trunkenheit ist der psycho-pathologische Zustand (der 

Rausch), und nicht dessen Ursache, die Alkoholisierung, die sich in der 

Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. Zwischen dieser und darauf beru-

hender forensisch relevanter Psychopathologie gibt es keine feste Korrela-

tion; stets sind Alkoholgewöhnung, die Tatsituation sowie die weiteren Um-

stände in die Beurteilung der Schuldfähigkeit einzubeziehen. Im Sinne ei-

ner groben Faustregel geht die Rechtsprechung dennoch davon aus, dass 

bei einer Blutalkoholkonzentration von unter zwei Gewichtspromillen in der 

Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit gegeben ist und dass bei 

einer solchen von drei Promillen und darüber meist Schuldunfähigkeit vor-

liegt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1050/2020 vom 20. Mai 2021 E. 3.3). 

 

6.2. 

6.2.1. 

Das psychiatrische Gutachten vom 8. April 2022 geht von einer einzigen 

dokumentierten Alkoholintoxikation des Beschuldigten am 14. Februar 

2022 aus. Die Aussagen des Beschuldigten zu seinem Alkoholkonsum wur-

den als nicht wahrheitsgemäss eingeordnet. Aufgrund der Dissimulation 

des Beschuldigten – er gebe an, in den Jahren 2020 bis 2022 ausschliess-

lich alkoholfreies Bier zu sich genommen zu haben – könnten die typischen 

Kriterien einer Abhängigkeit (Zwang, die Substanz zu konsumieren, ver-

minderte Kontrollfähigkeit, körperliches Entzugssyndrom oder Nachweis ei-

ner Toleranz) nicht mit ausreichender medizinischer Sicherheit dokumen-

tiert werden. Dokumentierbar seien jedoch schädliche Folgen wie kognitive 

Einschränkungen und trotzdem fortgesetzte Substanzzufuhr mindestens 

einmalig mit einem Alkoholwert von 1.04 mg/l. Es sei damit bezüglich der 

Deliktszeitpunkte einmal von einer Intoxikation und generalisiert von einem 

schädlichen Gebrauch auszugehen. Es finde sich kein Hinweis auf das Auf-

treten von Entzugszeichen bei Inhaftierung. Im Vorgutachten (Gutachten 

 - 26 - 

 

 

vom 22. Juli 2013) sei sowohl eine akute Alkoholintoxikation, ein alkoholi-

scher Eifersuchtswahn als auch eine Alkoholabhängigkeit dokumentiert. 

Die Angaben des Beschuldigten und fehlende Hinweise innerhalb der Un-

tersuchung würden die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit jedoch nicht 

ermöglichen, da die Abhängigkeitskriterien nicht gegeben seien. Auch im 

Verlaufsbericht der F._____ vom 16. Juli 2014 werde lediglich die Diagnose 

eines schädlichen Gebrauchs diagnostiziert. Es fänden sich weiter keine 

Hinweise auf Sekundärerkrankungen der Alkoholabhängigkeit wie einen al-

koholischen Eifersuchtswahn, weshalb die Diagnose schädlicher Gebrauch 

(ICD-10: F10.1) gerechtfertigt sei (act. 152 ff.). Gestützt auf eine beim Be-

schuldigten am 25. Juni 2013 durchgeführte testpsychologische Untersu-

chung, bei welcher ein IQ-Wert von 60 dokumentiert sei, sei überdies von 

einer leichten Intelligenzminderung mit einem standardisierten IQ zwischen 

50 und 60 (ICD-10: F70) auszugehen, zumal auch klinisch keine Hinweise 

auf eine stärkere Intelligenzminderung des in der Selbstversorgung und in 

praktischen und häuslichen Tätigkeiten selbständigen Beschuldigten vor-

liegen würden (act. 153). Der Gutachter kam zum Schluss, dass beim Be-

schuldigten grundsätzlich keine Einschränkung vorliege, das Unrecht der 

Taten zu verstehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln. Als Aus-

nahme führt er die dokumentierte Alkoholintoxikation von 1.04 mg/l am 

14. Februar 2022 an. Angesichts der Intoxikation in diesem Zeitpunkt und 

der vorliegenden Intelligenzminderung sei zu diesem Zeitpunkt von einer 

erheblichen Einschränkung, gemäss der Einsicht bezüglich des Unrechts 

der Taten zu handeln, auszugehen. Es sei für den 14. Februar 2022 von 

einer schwergradigen Verminderung der Schuldfähigkeit auszugehen, wo-

bei der Begriff der Schuldfähigkeit ausschliesslich medizinisch verwendet 

werde (act. 166).  

 

6.2.2. 

Im Gutachten vom 8. April 2022 blieben indessen einige Aktenstellen un-

berücksichtigt:  

 

- act. 545 ff., Polizeirapport vom 5. Februar 2022: Feststellung eines 

Alkoholwerts von 1.10 mg/l am 4. Februar 2022; 

- act. 570, 571 und 578: Alkoholisierter Zustand des Beschuldigten 

bei sämtlichen ihm vorgeworfenen Taten gemäss Aussagen der 

Ehefrau; 

- act. 574, Einvernahme vom 14. Februar 2022: Bezeichnung der 

auf den Sprachnachrichten vom 13./14. Februar 2022 zu hören-

den männlichen Stimme als "lallend"; 

- act. 307 f., Übersetzung der Sprachnachrichten: Vorwurf an die 

Ehefrau verschiedener Affären (gehabt) zu haben; 

- act. 232 ff., Beurteilung Hafterstehungsfähigkeit durch die Mobilen 

Ärzte: Alkoholwert von 1.02 mg/l mit normalem Befinden, klarem 

Bewusstsein, guter Orientierung, geordnetem Denkablauf, ruhiger 

Stimmung, deutlicher Sprache, sicherem Gang, etc. 

 - 27 - 

 

 

- act. 545 ff., 217 f. und 220 f., Polizeirapport vom 5. Februar 2022, 

Festnahmerapport vom 15. Februar 2022 und Polizeirapport zum 

Inhaftierungsprozess vom 14. Februar 2022: keine Auffälligkeiten 

dokumentiert trotz hoher festgestellter Alkoholkonzentration am 

4. und 14. Februar 2022. 

 

Angesichts des Antrags des Beschuldigten auf Erstellung eines psychiatri-

schen Gutachtens und den genannten, im Gutachten vom 8. April 2022 

unbehandelt gebliebenen Aktenstellen wurde die Erstellung eines Ergän-

zungsgutachtens in Auftrag gegeben. 

 

6.2.3. 

Das psychiatrische Ergänzungsgutachten vom 17. Oktober 2023 kam unter 

Einbezug der gesamten Akten zu einem vom Gutachten vom 8. April 2022 

abweichenden Ergebnis.  

 

Es wurde festgehalten, dass insbesondere aufgrund der Angaben der Po-

lizei und der ärztlichen Bewertung anlässlich der Prüfung der Hafterste-

hungsfähigkeit von einer Alkoholgewöhnung (Toleranzentwicklung) des 

Beschuldigten auszugehen sei. Trotz eines festgestellten Alkoholwerts von 

über 1 mg/l seien von der ärztlichen Fachperson am 14. Februar 2022 

keine Zeichen einer Intoxikation dokumentiert worden. Dies sei ein "sehr 

guter und klarer Hinweis". Die Bewertung des Arztes, der die Hafterste-

hungsfähigkeit dokumentiert habe, sei als deutlich sachgerechter einzustu-

fen, als diejenigen der Ehefrau, welche den Beschuldigten als alkoholisiert 

beschrieben habe, jedoch keine genauen Zeichen einer Intoxikation nenne. 

Auch wenn der Beschuldigte in den Sprachnachrichten vom 13./14. Feb-

ruar 2022 gelallt hätte, sei die ärztliche Einschätzung entscheidend. Es 

habe am 14. Februar 2022 keine erhebliche Intoxikation mit den entspre-

chenden klinischen Zeichen vorgelegen (Ergänzungsgutachten S. 4-7). 

 

Es sei damit auch für den 14. Februar 2022 nicht von einer eingeschränkten 

Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit auszugehen. Es habe damit zu keinem 

Zeitpunkt eine Einschränkung, das Unrecht der Taten einzusehen bzw. der 

Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht zu handeln, vorgelegen (Ergänzungsgut-

achten S. 7).  

 

Hinsichtlich der Diagnose wurde indessen keine Anpassung vorgenom-

men. Es würden sich keine Hinweise auf einen alkoholischen Eifersuchts-

wahn mit dauerhafter Überzeugung, von der Partnerin betrogen zu werden 

und hierfür Massnahmen treffen zu müssen, finden. Ein solcher sei von 

einer akuten Verstärkung von Emotionen und Verminderung der Impuls-

kontrolle aufgrund von Alkohol abzugrenzen. Bei Zufuhr von Alkohol 

komme es zu Problemen mit der Impulskontrolle, die beim Beschuldigten 

verschiedene Formen annehmen würden. Es sei jedoch nicht von einer so 

schweren Einschränkung auszugehen, dass eine zusätzliche Diagnose zu 

 - 28 - 

 

 

stellen wäre. Es sei damit unverändert ein schädlicher Gebrauch von Alko-

hol (ICD-10: F10.1) und eine leichte Intelligenzminderung mit einem spezi-

fischen IQ zwischen 50 und 69 (ICD-10: F70) zu diagnostizieren (Ergän-

zungsgutachten S. 6).  

 

6.2.4. 

Die im Ergänzungsgutachten nunmehr unter Einbezug sämtlicher Akten er-

folgten Ausführungen stützen sich u.a. auf eine ärztliche Einschätzung des 

Zustands des Beschuldigten bei hohem Alkoholwert sowie auf die Wahr-

nehmungen der Polizei zu zwei verschiedenen Tatzeitpunkten. Sie erschei-

nen (auch für Laien) schlüssig und nachvollziehbar begründet. Es sind 

keine Gründe ersichtlich (und werden auch von den Parteien nicht vorge-

bracht), aufgrund welcher nicht darauf abgestellt werden könnte.  

 

6.3. 

Entsprechend den schlüssigen Ausführungen des Sachverständigen im Er-

gänzungsgutachten ist davon auszugehen, dass sich beim Beschuldigten 

eine Alkoholgewöhnung entwickelt hatte, aufgrund welcher er im Tatzeit-

raum auch bei einem hohen Alkoholwert nicht in seiner Einsichts- und Steu-

erungsfähigkeit beeinträchtigt war. Es liegen damit auch keine Schuldaus-

schliessungsgründe vor. 

 

Der Beschuldigte ist daher der mehrfachen Drohung schuldig zu sprechen. 

 

7.  

7.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze zur Strafzumessung wiederholt dar-

gelegt. Darauf kann verwiesen werden (BGE 147 IV 241; 144 IV 313, 144 

IV 217 E. 3; 141 IV 61 E. 6.1; 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).  

 

7.2. 

Drohung ist nach Art. 180 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bedroht.  

 

7.3. 

7.3.1. 

Die Bildung einer Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips 

nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur möglich, wenn das Gericht im konkreten 

Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt (sog. 

konkrete Methode). Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen (teil-

weise) abstrakt gleichartige Sanktionen androhen, genügt nicht. Geld- und 

Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 

StGB. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen (BGE 144 IV 

217; BGE 142 IV 265 E. 2.3.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2). 

 

 - 29 - 

 

 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beach-

tung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweck-

mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter 

und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). 

 

7.3.2. 

Der Beschuldigte ist im Zusammenhang mit einem gewalttätigen Übergriff 

auf seine Ehefrau in der Nacht vom 16./17. Oktober 2012 vorbestraft. Er 

wurde am 3. November 2014 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und 

Freiheitsberaubung zum Nachteil seiner Ehefrau zu einer Freiheitsstrafe 

von 5 Jahren verurteilt, wobei die Strafe zugunsten einer stationären Sucht-

behandlung i.S.v. Art. 60 StGB aufgeschoben wurde (Urteil des Oberge-

richts SST.2014.29 vom 3. November 2014, act. 35 ff.). Am 1. November 

2016 wurde er bedingt aus der stationären Massnahme entlassen, wobei 

eine Probezeit von zwei Jahren festgesetzt wurde. Die Probezeit wurde 

letztmals am 2. April 2019 um sechs Monate verlängert (Strafregisteraus-

zug, act. 1). Offenbar vermochten weder die lange ausgesprochene Frei-

heitsstrafe noch die damals ausgestandene Haft oder der langjährige (teil-

weise vorzeitige) Massnahmenvollzug den Beschuldigten zu beeindrucken 

bzw. davon abzuhalten, erneut übermässig Alkohol zu konsumieren und 

gegenüber seiner Ehefrau straffällig zu werden und sie wiederholt mit dem 

Tod zu bedrohen. Er bagatellisiert die Vorstrafe noch heute (z.B. act. 266) 

und zeigte auch im vorliegenden Verfahren ein uneinsichtiges Verhalten. 

Entsprechend erscheinen für die vorliegend zu beurteilenden Delikte, wel-

che sowohl mit Geldstrafe als auch mit Freiheitsstrafe bedroht sind, einzig 

Freiheitsstrafen angemessen und zweckdienlich. Damit ist in Anwendung 

des Asperationsprinzips eine Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe auszufällen.  

 

7.4. 

7.4.1. 

Der Beschuldigte erfüllte mehrfach den Tatbestand der Drohung, wobei er 

seiner Ehefrau jeweils den Tod oder schwere Körperverletzungen in Aus-

sicht stellte. Nachfolgend ist für die erste gegen die Ehefrau ausgespro-

chene Drohung eine Einsatzstrafe festzusetzen und diese anschliessend 

für die weiteren Drohungen in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 

Abs. 1 StGB) zu erhöhen.      

 

7.4.2. 

Hinsichtlich der ersten Drohung zwischen September 2021 und November 

2021, für welche eine Einsatzstrafe festzusetzen ist, ergibt sich Folgendes:  

 

Der Beschuldigte drohte seiner Ehefrau an, sie mit einem Messer zu töten, 

sollte er erneut einen negativen Asylentscheid erhalten. Eine solche, von 

der Ehefrau als "Ultimatum" bezeichnete Äusserung ist in Relation zu den 

innerhalb des Tatbestands bestehenden Möglichkeiten als sehr schwere 

 - 30 - 

 

 

Drohung einzustufen. Die Ehefrau, welche immer noch unter dem Eindruck 

des im Jahre 2012 gegen sie verübten Tötungsversuchs durch den Be-

schuldigten stand, wurde denn auch in grosse Angst versetzt. Auch der 

Taterfolg ist damit als schwer zu bezeichnen. Die Beweggründe des nicht 

geständigen Beschuldigten lassen sich nicht abschliessend klären. Ange-

sichts der Tatumstände ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte, wel-

cher nach eigenen Angaben unter keinen Umständen in sein Heimatland 

zurückkehren will (vgl. etwa act. 558), durch den ersten, kurz zuvor erhal-

tenen negativen Entscheid im Asylverfahren erheblich verunsichert und 

auch wütend war, zumal er seine Ehefrau für den möglichen Verlust seines 

Aufenthaltsrechts verantwortlich macht. Es ist von einer gewissen Überfor-

derungssituation des Beschuldigten auszugehen. Das Verhalten des Be-

schuldigten ist indessen in keiner Weise nachvollziehbar. So ist der Verlust 

seiner Niederlassungsbewilligung C, über welche er nach eigenen Anga-

ben bis zu den "Problemen" mit seiner Ehefrau im Jahr 2012 verfügte habe 

(vgl. Eröffnung Festnahme vom 15. Februar 2022 act. 239), seinem eige-

nen Verhalten zuzuschreiben. Nach den Angaben der Ehefrau war der Be-

schuldigte im Tatzeitpunkt alkoholisiert (act. 570 f.). Über die Menge des 

konsumierten Alkohols ist jedoch nichts bekannt. Gemäss dem Ergän-

zungsgutachten vom 17. Oktober 2023 ist indessen davon auszugehen, 

dass der Beschuldigte aufgrund der festgestellten Toleranzentwicklung 

auch bei hohem Alkoholwert keine klinischen Zeichen einer Intoxikation 

zeigt, womit davon auszugehen ist, dass er – selbst wenn er einen hohen 

Alkoholwert aufgewiesen hätte – in seiner Einsichts- und Steuerungsfähig-

keit nicht eingeschränkt war, womit von einer grundsätzlich intakten Frei-

heit, auf die Drohung gegen seine Ehefrau zu verzichten, auszugehen ist 

(Ergänzungsgutachten S. 5-7). Es kann auf die Ausführungen in E. 6.2.3 f. 

verwiesen werden. Es ist jedoch insbesondere auch angesichts der im Er-

gänzungsgutachten genannten Problemen mit der Impulskontrolle nach Al-

koholkonsum (Ergänzungsgutachten S. 6) anzunehmen, dass der im Zwei-

fel nicht unerhebliche Alkoholkonsum zu einer gewissen Enthemmung des 

Beschuldigten geführt hat, was ihm zumindest etwas erschwert haben 

dürfte, sich gegen die Drohung zu entscheiden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 

S. 114 mit Hinweisen). Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten bis mit-

telschweren Verschulden auszugehen, wobei eine Einsatzstrafe von 90 Ta-

gen angemessen erscheint.  

 

7.4.3. 

7.4.3.1. 

Diese Einsatzstrafe ist für die weiteren, mit einer Freiheitsstrafe zu ahnden-

den Drohungen in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu er-

höhen (Art. 49 Abs. 1 StGB).  

 

7.4.3.2. 

In Bezug auf die zweite Drohung im Zusammenhang mit einem allfälligen 

negativen Ausgang des Asylverfahrens kann hinsichtlich des objektiven 

 - 31 - 

 

 

und subjektiven Tatverschuldens auf die obigen Ausführungen verwiesen 

werden. Auch hier wäre bei isolierter Betrachtung eine Einsatzstrafe von 

90 Tagen angemessen. Angesichts des (im Zweifel anzunehmenden en-

gen) zeitlichen und des sehr engen sachlichen Zusammenhangs fällt der 

Gesamtschuldbeitrag jedoch eher gering aus, womit sich eine Erhöhung 

der Strafe um 10 Tage rechtfertigt. 

 

7.4.3.3. 

Im Zusammenhang mit der im Januar 2022 per Sprachnachricht geäusser-

ten Drohung des Beschuldigten, er werde seine Ehefrau von Mutter-

mund/Scheide bis zum Hals bzw. vom Muttermund bis zur Scheide auf-

schlitzen, ist festzuhalten, dass es sich auch hier um eine sehr schwere 

Drohung handelt. Die Ehefrau, welche sich damals in Sri Lanka befand, 

wurde dadurch in erhebliche Angst versetzt. Die Wirkung der (auch hier vor 

dem Hintergrund der Tat im 2012 verstärkt erscheinenden) Drohung dürfte 

durch die grosse räumliche Distanz zum Beschuldigten indessen eine ge-

wisse Dämpfung erfahren haben. Die Beweggründe des auch hinsichtlich 

dieser Tat nicht geständigen Beschuldigten sind unklar geblieben. Hinsicht-

lich der Alkoholisierung des Täters kann auf die Erwägungen zu den Dro-

hungen im Zusammenhang mit dem Asylverfahren verwiesen werden 

(E. 5.4.2). Das Verschulden erscheint insgesamt als nicht mehr leicht, wo-

bei (einzeln betrachtet) eine Strafe von 60 Tagen angemessen erschiene. 

Es besteht ein gewisser sachlicher Zusammenhang zu den anderen Taten, 

als dass erneut erhebliche Drohungen zum Nachteil der Ehefrau ausge-

sprochen wurden. Der Anlass scheint indessen ein anderer gewesen zu 

sein, was den Gesamtschuldbeitrag (etwa im Vergleich zu der zweiten Dro-

hung im Zusammenhang mit dem Asylverfahren) höher erscheinen lässt. 

Es rechtfertigt sich, die Strafe um 20 Tage zu erhöhen.  

 

7.4.3.4. 

Die Drohung des Beschuldigten vom 4. Februar 2022 in Anwesenheit der 

Polizei, er würde die Ehefrau auf der Stelle am Hals durchschneiden, wenn 

er könnte, wiegt aufgrund der Erheblichkeit der angedrohten Tat und des 

durch die Ehefrau im Jahr 2012 Erlebten ebenfalls sehr schwer. Allerdings 

dürfte die gewählte Formulierung ("ich würde … wenn ich könnte") und die 

Anwesenheit der Polizei die Wirkung der Aussage leicht reduziert haben. 

Hinsichtlich der Beweggründe des Beschuldigten, welcher auch diesen 

Vorfall in Abrede stellt, kann einzig vermutet werden, dass ihn das Aufbie-

ten der Polizei und die Aufforderung derselben, die Wohnung zu verlassen, 

wütend gestimmt haben könnte, was indessen sein Verschulden nicht zu 

reduzieren vermag. Der Beschuldigte wies im Tatzeitpunkt eine Atemalko-

holkonzentration von 1.10 mg/l (entspricht ca. 2.2 Promille) auf und er 

wurde im Polizeirapport vom 5. Februar 2022 lediglich als aufgebracht und 

unruhig beschrieben, ohne dass indessen weitere Auffälligkeiten dokumen-

tiert wurden und weitere Massnahmen getroffen werden mussten (act. 545 

ff.). Es kann erneut auf die obigen Ausführungen zur Wirkung von Alkohol 

 - 32 - 

 

 

auf den Beschuldigten verwiesen werden und es ist aufgrund der festge-

stellten Alkoholgewöhnung von einer uneingeschränkten Einsichts- und 

Steuerungsfähigkeit auszugehen. Das Verschulden ist als nicht mehr leicht 

bis mittelschwer einzuordnen, wobei bei isolierter Betrachtung eine Strafe 

von 60 Tagen angemessen erschiene. Wiederum besteht ein geringer 

sachlicher Zusammenhang zu den übrigen Taten, womit es angemessen 

erscheint, die Strafe um weitere 20 Tage zu erhöhen.   

 

7.4.3.5. 

In der Nacht vom 13./14. Februar 2022 teilte der Beschuldigte seiner Ehe-

frau mit, er werde ihr Chemikalien in die Scheide giessen sowie sie und 

sich selbst umbringen. Diese schwerwiegenden Drohungen äusserte der 

Beschuldigte im Zusammenhang mit Affären, welche er seiner Ehefrau 

wortreich vorwarf. Die Ehefrau wurde in grosse Angst versetzt, so dass sie 

am nächsten Morgen die Polizei aufsuchte und von ihrer aufgrund von wie-

derholten Drohungen und des im Jahr 2012 gegen sie erfolgten Tötungs-

versuchs bestehenden Angst berichtete. Bei der vorläufigen Festnahme am 

14. Februar 2022, 14:10 Uhr, wies der Beschuldigte eine Atemalkoholkon-

zentration von 1.04 mg/l und drei Stunden später von 1.02 mg/l (entspricht 

ca. 2.08 bzw. 2.04 Promille) auf (act. 217). Wie hoch die Atemalkoholkon-

zentration in den Tatzeitpunkten war, ist indessen unklar. Den Aussagen 

des Beschuldigten können auch hier keine verlässlichen Angaben zu sei-

nem Trinkverhalten entnommen werden (vgl. etwa act. 238 und 266). Die 

Stimme des Beschuldigten auf den Sprachnachrichten wurde jedoch vom 

Dolmetscher als "undeutlich" (act. 307 f.) und anlässlich der polizeilichen 

Einvernahme der Ehefrau vom 14. Februar 2022 als "lallend" (act. 574) be-

zeichnet, womit davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte schon in der 

Nacht eine erhebliche Menge Alkohol konsumiert hatte. Gemäss den Aus-

führungen im Ergänzungsgutachten, welche sich insbesondere auf die Be-

schreibung des Zustands des Beschuldigten durch die Mobilen Ärzte an 

diesem Tag stützen (act. 232 ff.), war die Schuldfähigkeit des Beschuldig-

ten jedoch auch hier uneingeschränkt und es kann ihm lediglich eine ge-

wisse Enthemmung zugutegehalten werden. Es ist entsprechend von ei-

nem leichten bis mittelschweren Verschulden auszugehen, womit bei iso-

lierter Betrachtung eine Strafe von 80 Tagen angemessen erscheint. Der 

Gesamtschuldbeitrag erscheint angesichts des nur geringen sachlichen 

Zusammenhangs zu den anderen Taten eher hoch. Es erscheint damit an-

gemessen, die Strafe für die Drohungen vom 13./14. Februar 2022 um 30 

Tage zu erhöhen.  

 

7.4.4. 

Der Beschuldigte ist – wie bereits mehrfach erwähnt – im Zusammenhang 

mit einem Übergriff auf seine Ehefrau im Jahre 2012 wegen versuchter vor-

sätzlicher Tötung und Freiheitsberaubung vorbestraft (Urteil des Oberge-

richts SST.2014.29 vom 3. November 2014, act. 35 ff.). Auch wenn seit der 

Tat eine lange Zeitdauer verstrichen ist, wirkt sich die Vorstrafe (zumindest 

 - 33 - 

 

 

leicht) straferhöhend aus, zumal sie von erheblicher Schwere war und sich 

ebenfalls gegen seine Ehefrau richtete. Zudem endete die (mehrfach ver-

längerte) Probezeit der bedingten Entlassung aus der Massnahme im No-

vember 2019 und damit weniger als zwei Jahre vor der ersten Drohung im 

September 2021. Weitere Faktoren, welche sich straferhöhend oder straf-

mindernd auswirken könnten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist der 

Beschuldigte nicht geständig. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit aus medi-

zinischen Gründen, welche nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu be-

jahen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_78/2021 vom 23. Dezember 

2022 E. 7.2.4), wird vom Beschuldigten nicht geltend gemacht und ist auch 

nicht ersichtlich, zumal die an der Berufungsverhandlung genannten ge-

sundheitlichen Probleme bereits seit vielen Jahren bestehen (Protokoll Be-

rufungsverhandlung S. 15) und etwa auch bei der Prüfung der Hafterste-

hungsfähigkeit (mit Ausnahme der benötigten Schmerzmittel) nicht thema-

tisiert wurden (act. 232 ff.). Die Täterkomponente ist damit mit einer Erhö-

hung der Strafe um zehn Tagessätze zu berücksichtigen. 

 

7.4.5. 

Zusammenfassend erweist sich eine Freiheitsstrafe von 180 Tagen schuld-

angemessen.  

 

7.5. 

Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geld-

strafe oder Freiheitsstrafe auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwen-

dig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten. Die Prüfung, ob der Beschuldigte für ein dauerndes 

Wohlverhalten Gewähr bietet, setzt eine Gesamtwürdigung aller wesentli-

cher Umstände voraus. In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben 

den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weite-

ren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die 

Aussichten einer Bewährung zulassen. Der Strafaufschub ist die Regel, 

von der grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden 

darf (BGE 134 IV 140 E. 4.4; BGE 134 IV 1 E. 5.3.1).  

 

Mit Gutachten vom 8. April 2022 wurde mittels verschiedener Prognosein-

strumente eine Risikoeinschätzung hinsichtlich des Rückfallrisikos des Be-

schuldigten durchgeführt (act. 151 ff.). Das diagnostische Instrument PCL-

R, mit welchem das Vorliegen von Psychopathie oder Soziopathie abge-

klärt werde, habe weder absolut niedrige noch erhöhte Werte ergeben 

(act.153 ff., insb. act. 156). Das Prognoseinstrument VRAG-R (Instrument 

zur Einschätzung der Rückfallwahrscheinlichkeiten für männliche Gewalt-

straftäter) habe einen Summenwert von -2 ergeben, was der Risikokatego-

rie 4 und einem Rückfallrisiko von 17 % innert 7 Jahren und 31 % innert 10 

Jahren, entspreche (act. 157 und 166 f.). Das Prognoseinstrument ODARA 

zur Vorhersage des Risikos häuslicher Gewaltrückfälligkeit bei männlichen 

Tätern, die bereits einmal einschlägig aufgrund von Gewalttaten gegenüber 

 - 34 - 

 

 

ihrer aktuellen bzw. früheren Partnerin polizeibekannt oder angezeigt wor-

den seien (act. 158), habe ergeben, dass der Beschuldigte in der (Risiko-

kategorie 6 von 7 einzuordnen sei, in welcher 53 % der Täter innerhalb der 

nächsten 5 Jahre erneut gegen ihre bzw. eine zukünftige Partnerin einen 

polizeilich registrierten physischen Übergriff begehen würden (act. 158 und 

167). Die Anwendung des Kriterienkatalogs nach Prof. Dittmann habe eine 

überwiegende Anzahl von sehr ungünstigen klinischen Prognosefaktoren 

ergeben. Insbesondere sei es bereits zu schwerwiegenden Delikten gegen 

die körperliche Integrität gekommen sei, drohe der Beschuldigte selber mit 

Suizid und zeige eine erhebliche eigene Bereitschaft zu schwerwiegender 

Delinquenz gegenüber der körperlichen Integrität der Ehefrau. Im Falle der 

Ausweisung aus der Schweiz sei mit einer schwergradigen Wahrschein-

lichkeit von Delinquenz auszugehen (act. 158 ff. und 167). Insgesamt sei 

(auch wenn die rein statistische Evaluation eine geringere Rückfallprog-

nose ergebe), auf die klinische Symptomatik abzustellen, weshalb von ei-

ner hohen Wahrscheinlichkeit von erneuter Delinquenz mit potenzieller 

Progression zu schwerwiegenden Delikten gegen die körperliche Integrität 

auszugehen sei (act. 167). 

 

Im Ergänzungsgutachten vom 17. Oktober 2023 wurde ausgeführt, dass 

die nun festgestellte Toleranzentwicklung keine Auswirkung auf die Prog-

nose habe. Die zentrale Problematik hinsichtlich der Rückfallgefahr sei 

nicht die schwere Intoxikation, sondern die Gesamtsituation und die Ent-

wicklung der Persönlichkeitsstruktur, welche sich in der Evaluation des Ditt-

mann-Kataloges abbilde. Diese sei jedoch nicht als psychiatrische Erkran-

kung einzuordnen. Die neuen Akten würden die Einschätzung der Rückfall-

gefahr damit nicht verändern (Ergänzungsgutachten S. 8).  

 

Die Ausführungen des Gutachters zur Rückfallgefahr erscheinen nachvoll-

ziehbar, womit keine Gründe ersichtlich sind, davon abzuweichen. Insbe-

sondere drängt sich auch aus dem Umstand, dass der Beschuldigte und 

die Ehefrau derzeit keinen Kontakt zueinander haben, nichts anderes auf, 

zumal sich diese Situation etwa bei einer Veränderung der Lebensum-

stände des Beschuldigten – wie z.B. bei Verlust des Aufenthaltsrecht in der 

Schweiz, für dessen Gefährdung der Beschuldigte in der Vergangenheit die 

Ehefrau verantwortlich gemacht hat – jederzeit ändern könnte. Entspre-

chend ist von einer hohen Rückfallgefahr des Beschuldigten mit möglicher 

Steigerung zu schwerwiegenderen Taten auszugehen. Dem Beschuldigten 

ist damit eine schlechte Legalprognose zu stellen, womit die Gewährung 

des bedingten Strafvollzugs nicht mehr möglich und die Freiheitsstrafe un-

bedingt auszusprechen ist.  

 

7.6. 

Damit ist gegenüber dem Beschuldigten eine (unbedingte) Freiheitsstrafe 

von 180 Tagen auszusprechen. Der Beschuldigte wurde am 14. Februar 

2022 festgenommen (act. 217) und befand sich bis am 28. April 2022 in 

 - 35 - 

 

 

Untersuchungshaft (act. 303 f.). Die ausgestandene Untersuchungshaft 

von 73 Tagen ist an die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB). 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StGB). Die Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau obsiegt mit ihrer Berufung weitgehend und un-

terliegt lediglich dahingehend, als hinsichtlich der Drohung im Zusammen-

hang mit einem allfälligen negativen Ausgang des Asylverfahrens im Zwei-

fel lediglich von zwei Fällen, anstatt (wie angeklagt) von sieben Fällen aus-

zugehen ist. Der Beschuldigte obsiegt entsprechend in diesem geringen 

Umfang. Es handelt sich indessen um eine lediglich geringe Abweichung 

vom angeklagten Sachverhalt, bei welcher es sich rechtfertigt, diese bei der 

Kostenverteilung nicht zu berücksichtigen. Die Kosten des Berufungsver-

fahren werden dem Beschuldigten damit vollständig auferlegt.  

 

8.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren 

aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 

Abs. 3bis AnwT). 

 

Mit Honorarnote vom 13. Februar 2024 machte er einen Stundenaufwand 

von 22.80 Stunden geltend und beantragte bei einem Stundenansatz von 

F. 220.00 sowie Auslagen im Gesamtbetrag von Fr. 1'090.80 die Ausrich-

tung einer Entschädigung von Fr. 6'509.60 (inkl. MwSt). 

 

Zunächst ist festzuhalten, dass der amtliche Verteidiger vor der Berufungs-

verhandlung keinen Kontakt zum Beschuldigten mehr hatte (Protokoll Be-

rufungsverhandlung S. 2). Entsprechend wurde die Position "Besprechung 

mit Klientschaft" vom 13. Februar 2024 auf der Honorarnote handschriftlich 

durchgestrichen, ohne dass jedoch eine Anpassung beim geltend gemach-

ten Stundenaufwand vorgenommen wurde. Da für den 13. Februar 2024 

bereits Vorbereitungsarbeiten für die Berufungsverhandlung von 7.10 Stun-

den geltend gemacht wurde und die Berufungsverhandlung am 13. Februar 

2024 bereits um 14.00 Uhr stattfand, dürften dem amtlichen Verteidiger 

gleichentags zuvor kaum notwendige Aufwendungen von insgesamt 10.2 

Stunden angefallen sein. Es rechtfertigt es sich deshalb, trotz der zusätzli-

chen Nennung von "Vorbereitung und Endredaktion" in derselben Position 

die gesamten 3.10 Stunden zu streichen. Die Berufungsverhandlung dau-

erte lediglich rund 2.25 Stunden, was ebenfalls korrigierend zu berücksich-

tigen ist. Die (pauschal) geltend gemachte Nachbesprechung des Urteils 

ist zudem um 30 Minuten auf 30 Minuten zu kürzen. Insgesamt ist der gel-

tend gemachte Stundenaufwand damit um 4.45 Stunden auf 8.35 Stunden 

zu reduzieren.  

 

 - 36 - 

 

 

Zu korrigieren ist weiter der Stundenansatz. Dieser beläuft sich für die im 

Jahr 2023 erbrachten Leistungen auf Fr. 200.00 (§ 9 Abs. 3bis AnwT in der 

bis zum 31. Dezember 2023 gültigen Fassung; vgl. dazu auch Urteil des 

Obergerichts SST.2023.55 vom 26. Januar 2024 E. 4.2).   

 

Nicht zu entschädigen ist zudem der als Auslagen ausgewiesene Betrag 

von Fr. 1'039.00. Dabei handelt es sich um im Beschwerdeverfahren […] 

aufgrund rechtsmissbräuchlicher Beschwerdeerhebung dem amtlichen 

Verteidiger auferlegte Verfahrenskosten, die offensichtlich nicht im Rah-

men des Berufungsverfahrens zurückgefordert werden können (Entscheid 

der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts […]; in Rechts-

kraft erwachsen). 

 

Der Mehrwertsteuersatz beträgt für die vor dem 1. Januar 2024 angefalle-

nen Aufwendungen und Auslagen 7.7 %, für spätere Aufwendungen 8.1 %. 

Die Portokosten dürften angesichts der geltend gemachten Aufwandsposi-

tionen allesamt im Jahre 2022 und 2023 entstanden sein. Bei den Fotoko-

pien rechtfertigt sich mangels anderer Angaben eine hälftige Aufteilung. Für 

die Aufwendungen und Auslagen in den Jahren 2022 und 2023 (Honorar 

Fr. 1'700.00 + Porto Fr. 20.80 + Anteil Kopien Fr. 15.50 = Fr. 1'736.30) 

ergeben sich damit Fr. 133.70 Mehrwertsteuer. Für die Aufwendungen und 

Auslagen im 2024 (Honorar Fr. 1'970.00 + Anteil Kopien Fr. 15.50) beträgt 

die Mehrwertsteuer Fr. 160.85. 

 

Insgesamt ist dem amtlichen Verteidiger damit eine Entschädigung von 

Fr. 4'016.35 (inkl. Auslagen und MwSt) auszurichten. 

 

Der Kostenverlegung folgend ist die dem amtlichen Verteidiger auszurich-

tende Entschädigung vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

8.3. 

Die vorinstanzliche Kostenverteilung ist angesichts des Ausgangs des Be-

rufungsverfahrens anzupassen. Der Beschuldigte wurde der mehrfachen 

Drohung schuldig gesprochen. Entsprechend hat er die vorinstanzlichen 

Verfahrenskosten, bestehend aus der Anklagegebühr von Fr. 1'500.00, den 

Polizeikosten von Fr. 6.00, den Kosten für das Gutachten von Fr. 4'200.00 

(exkl. Übersetzungskosten) sowie einer festgesetzten Gerichtsgebühr von 

Fr. 1'000.00, zu tragen.  

 

Dieser Kostenverteilung folgend ist der Beschuldigte zu verpflichten, die 

(vorinstanzlich festgesetzte und unangefochten gebliebene) Entschädi-

gung der amtlichen Verteidigung von Fr. 5'676.65 (inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteuer) für das erstinstanzliche Verfahren zurückzuzahlen, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

 - 37 - 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird der mehrfachen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 

StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB schuldig gesprochen. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 1 genannten Bestimmun-

gen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 40 

StGB zu einer (unbedingten) Freiheitsstrafe von 180 Tagen verurteilt. 

 

2.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 73 Tagen (14. Februar bis 

28. April 2022) wird an die Freiheitsstrafe angerechnet.  

 

3. 

3.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 2'000.00, den Auslagen von Fr. 182.00, sowie den Kosten für 

das Ergänzungsgutachten von Fr. 1'200.00, zusammen Fr. 3'382.00, wer-

den dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse ge-

nommen. 

 

3.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 4'016.35 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

3.3. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'706.00, bestehend aus 

der Anklagegebühr, den Polizeikosten, den Kosten für das Gutachten (exkl. 

Dolmetscherkosten) sowie einer Gerichtsgebühr, werden dem Beschuldig-

ten auferlegt. 

 

3.4. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung er-

folgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 5'676.65 (inkl. Au