# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4b60d10-6da1-5562-a82d-3b20de3bef96
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.03.2025 F-6079/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6079-2024_2025-03-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6079/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  M ä r z  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Gregor Chatton (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, 

Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiber Matthew Pydar. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______,    

2. B._______,  

3. C._______,    

4. D._______,    

5. E._______,    

6. F._______,    

7. G._______,    

alle vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin,  

substituiert durch Luisa Baumann, AsyLex, 

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen; 

Verfügung des SEM vom 26. August 2024. 

 

F-6079/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 26. Februar 2024 ersuchten die Beschwerdeführenden (allesamt  

afghanische Staatsangehörige) bei der Schweizer Botschaft in Islamabad 

(Pakistan) um Erteilung humanitärer Visa, welche diese mit Formularverfü-

gung vom 25. März 2024 verweigerte. Eine dagegen erhobene Einsprache 

wies die Vorinstanz mit Verfügung vom 26. August 2024 ab. 

B.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 26. September 2024 gelangten die Be-

schwerdeführenden an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten, in 

vollumfänglicher Aufhebung der angefochtenen Verfügung seien ihnen die 

nachgesuchten Visa zu erteilen. Eventualiter sei die Sache an die Vorin-

stanz zurückzuweisen. Überdies ersuchten sie um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege. 

C.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2024 hiess der Instruktionsrichter 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut. 

D.  

Mit Vernehmlassung vom 12. November 2024 beantragte die Vorinstanz 

die Beschwerdeabweisung. 

E.   

Mit Instruktionsverfügung vom 29. November 2024 forderte der Instrukti-

onsrichter die Beschwerdeführenden auf, eine Replik einzureichen, insbe-

sondere zur Identität eines Familienangehörigen Stellung zu nehmen und 

diesbezüglich weitere Beweismittel vorzulegen. 

F.  

Mit Eingabe vom 23. Dezember 2024 reichten die Beschwerdeführenden 

ihre Replik ein. Diese wurde am 31. Dezember 2024 an die Vorinstanz 

übermittelt.  

  

F-6079/2024 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 

AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). In diesem Bereich entscheidet das 

Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten, die ein 

schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung haben, zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48  

Abs.  1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmit-

telfrist [Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52  

Abs.  1 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und – sofern wie vorliegend keine kantonale Behörde 

als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art.  49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-

gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-

deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage im Zeitpunkt seines Entscheids 

(vgl.  BVGE 2020 VII/4 E. 2.2). 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführenden rügen, der Entscheid der Vorinstanz beruhe 

auf einem unrichtig und unvollständig abgeklärten Sachverhalt. Weiter 

habe die Vorinstanz keine ausreichende einzelfallbezogene Prüfung der 

Sachlage vorgenommen und ihre Vorbringen unberücksichtigt gelassen.  

3.2 Entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführenden hat die Vorin-

stanz den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend abgeklärt. Sie hat 

unter Bezugnahme auf die Schilderungen der Beschwerdeführenden, die 

eingereichten Beweismittel und die Verfahrensakten ihre individuelle Situ-

ation, die Tätigkeit des Beschwerdeführers 1 in Afghanistan, die Gefähr-

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Seite 4 

dungslage respektive Ausschaffungsgefahr aus Pakistan sowie die Gefähr-

dungslage in ihrer Heimat Afghanistan geprüft. Damit hat sie alle wesentli-

chen Sachumstände berücksichtigt und ihrem Entscheid weder einen ak-

tenwidrigen noch einen nicht belegbaren Sachverhalt zugrunde gelegt. 

Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist nicht festzustellen (vgl. 

Urteil des BVGer F-3288 vom 10. Februar 2025 E. 3.2). Die Vorbringen 

richten sich im Wesentlichen denn auch nicht gegen die Sachverhaltsfest-

stellungen der Vorinstanz, sondern gegen die ihr zugrundeliegende Be-

weiswürdigung und die rechtliche Würdigung des festgestellten Sachver-

halts. Diese Aspekte sind in materieller Hinsicht zu beurteilen. Dies gilt 

ebenso für die Ausführungen zur Verletzung des rechtlichen Gehörs bezie-

hungsweise der Begründungspflicht. Die Vorinstanz hat nachvollziehbar 

und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Über-

legungen sie sich leiten liess. Sie hat sich auch mit sämtlichen Vorbringen 

der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt (vgl. BGE 149 V 156 E. 6.1 

m.w.H.; BVGE 2023 VI/4 E. 6.1 m.w.H.). 

3.3 Nachdem sich die formellen Rügen als unbegründet erwiesen, besteht 

keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Als Staatsangehörige Afghanistans unterliegen die Beschwerdeführen-

den der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 

über die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihren Ge-

suchen beabsichtigen sie einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb diese 

nicht nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach den 

Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen sind (vgl. BVGE 2018 

VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1). 

4.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen 

Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen 

aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt 

erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende 

Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und 

Leben gefährdet ist. Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr 

restriktiven Bedingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese 

werden dann als erfüllt angesehen, wenn bei einer Person aufgrund der 

konkreten Umstände davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im 

Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die 

ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich macht und es recht-

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fertigt, ihr – im Gegensatz zu anderen Personen in derselben Lage – ein 

Einreisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereig-

nissen gegeben sein oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefähr-

dung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft. Befindet sich die be-

troffene Person bereits in einem Drittstaat (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3) oder 

ist sie nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder 

Herkunftsland zurückgekehrt (vgl. Urteil des BVGer F-4658/2017 vom  

7. Dezember 2018 E. 4.3) und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den 

Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, dass keine Ge-

fährdung mehr besteht. Gleiches gilt, wenn die Person nachweislich die 

Möglichkeit hat, sich in einen Drittstaat zu begeben, ohne zuvor dort gewe-

sen zu sein (Urteil des BVGer F-840/2024 vom 26. Juni 2024 E. 3.2). Das 

Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der 

persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im Heimat- 

oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3;  

Urteil des BVGer F-2470/2022 vom 29. November 2023 E. 3.2 m.H.). 

4.3 Im Hinblick auf das Beweismass ist zu betonen, dass für die Erteilung 

eines humanitären Visums eine im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV relevante 

Gefährdung offensichtlich gegeben sein muss (vgl. BVGE 2018 VII/5 

E. 3.6.3; 2015/5 E. 4.1.3; F-1077/2022 vom 21. Januar 2024 E. 5.4.2 [zur 

Publikation vorgesehen]; Urteile des BVGer F-4626/2012 vom 13. April 

2023 E. 3.3; F-4827/2012 vom 13. März 2023 E. 3.4; BBl 2010 4455, 4490) 

und mithin grundsätzlich der volle Beweis zu erbringen ist (vgl. Urteil des 

BVGer F-1077/2022 E. 5.4.1 [zur Publikation vorgesehen]). 

4.4 Eine Reflexgefährdung liegt vor, wenn nach den Gesamtumständen 

des jeweiligen Einzelfalls die Angehörigen einer im Sinne von Art. 4 Abs. 2 

VEV gefährdeten Person allein oder unter anderem aufgrund dieser Ange-

hörigkeit ihrerseits als entsprechend gefährdet zu qualifizieren sind. Wird 

der gefährdeten Person ein humanitäres Visum erteilt, führt dies indes nicht 

«automatisch» dazu, dass ihre Angehörigen als reflexgefährdet zu betrach-

ten sind und auch diesen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen wäre 

(vgl. Urteil des BVGer F-3560/2023 vom 7. März 2024 E. 5.3.2). Vielmehr 

gelten auch hier die strengen beweisrechtlichen Anforderungen der Recht-

sprechung zu Art. 4 Abs. 2 VEV (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteil des 

BVGer F-1838/2022 vom 13. September 2023 E. 6.1; vgl. oben E. 3.3). 

4.5 Bei einer geltend gemachten Reflexgefährdung – wie sie für die Be-

schwerdeführenden 2 bis 7 behauptet wurde – muss geklärt werden, ob 

den betroffenen Angehörigen aufgrund ihres individuellen Gefährdungs-

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profils – welches es unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Um-

stände einschliesslich ihrer konkreten Beziehung zur gefährdeten Person 

und deren konkreten Gefährdungslage zu ermitteln gilt – ihrerseits eine 

Gefährdung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV zu attestieren und ihnen ent-

sprechend ein humanitäres Visum zu erteilen ist. Wird dies verneint, bleibt 

gegebenenfalls für die betroffenen Angehörigen je einzeln zu prüfen, ob die 

Verweigerung des Visums bei gleichzeitiger Erteilung eines solchen an die 

gefährdeten Personen mit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit verein-

bar ist (vgl. Urteile des BVGer F-3370/2022 vom 26. Juni 2023 E. 5.4;  

F-137/2021 vom 22. September 2021 E. 5.4). 

4.6 Festzuhalten bleibt, dass das freiwillige Aufsuchen einer Schweizer 

Auslandsvertretung zwecks Beantragung eines humanitären Visums sei-

tens der Schweiz keine internationale Schutzpflicht begründet. Die gesuch-

stellende Person unterstellt sich damit nicht der Hoheitsgewalt der Eidge-

nossenschaft (siehe Urteil des BVGer F-1077/2022 vom 21. Februar 2024 

E. 4.4 u.a. mit Verweis auf, mutatis mutandis, Urteil des EGMR M.N. u.a. 

gegen Belgien vom 5. Mai 2020, Grosse Kammer 3599/18, §§ 96 ff.). 

5.  

Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführenden in ihrem Heimat-

staat Afghanistan einer unmittelbaren, ernsthaften und konkreten Gefahr 

an Leib und Leben im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV ausgesetzt sind. 

5.1 Bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan lassen sich 

Gruppen von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem 

Personen, die der afghanischen Regierung oder der internationalen Ge-

meinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen 

werden, sowie westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschafts-

ordnung aus anderen Gründen nicht entsprechende Personen (vgl. Urteile 

des BVGer F-1455/2024 vom 28. Oktober 2024 E. 6.3.1; D-2161/2021 vom 

12. Januar 2022 E. 7.2 ff.). Dazu gehören unter anderem auch (ehemalige) 

Angehörige der Sicherheitskräfte (ANDSF) oder zivile Beschäftigte der in-

ternationalen Sicherheitskräfte (Ortskräfte) sowie Zivilpersonen, die als 

Unterstützer solcher Gruppen betrachtet werden (vgl. dazu Urteil des 

BVGer D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3). Ehemalige Angehörige der 

Sicherheitskräfte sind erfahrungsgemäss häufiger und stärker als andere 

potentielle Risikogruppen Übergriffen durch die Taliban ausgesetzt (vgl. 

SEM, Focus Afghanistan – Verfolgung durch die Taliban: Potentielle Risi-

koprofile, 15. Februar 2022, S. 4 und S. 14, 

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https://www.sem.admin.ch/dam/sem/de/data/internationales/herkunftsla-

ender/asien-nahost/afg/AFG-risikoprofile-taliban-d.pdf.download.pdf/AFG-

risikoprofile-taliban-d.pdf, abgerufen am 3. Februar 2025 [nachfolgend: 

SEM, Risikoprofile]). Zudem weisen Personen, welche für die US-Armee 

gearbeitet haben, ein erhöhtes Risikoprofil auf (vgl. SEM, Risikoprofile, 

S. 21). Die Taliban haben nach der Machtübernahme bekanntgegeben, die 

Mitarbeitenden der früheren Regierung nicht zu verfolgen. Vielmehr haben 

sie diese mehrfach dazu aufgerufen, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, 

da auch die neue Interimsregierung auf ihre Kompetenzen angewiesen sei. 

Trotz dieser Ankündigung sind Übergriffe auf Mitarbeitende der bisherigen 

Regierung dokumentiert. Wie die Taliban eine Person behandeln, hängt 

stark von deren bisheriger Funktion ab. Übergriffe betreffen insbesondere 

Personen in exponierten Positionen, die zuvor in die Bekämpfung und Ver-

urteilung der Taliban involviert waren, so etwa Staatsanwälte und Richter 

(insbesondere Frauen), die an Verfahren gegen Taliban-Vertreter beteiligt 

waren, oder das Gefängnis-Personal (vgl. Urteil des BVGer F-1451/2022 

vom 27. März 2024 E. 7.4 m.w.H. [zur Publikation vorgesehen]). Übergriffe 

gegenüber Angestellten im Gesundheits- und im Bildungs-Sektor sind hin-

gegen selten. Es gibt Meldungen, wonach die Taliban ehemalige Behör-

denmitarbeiter mit Briefen und Anrufen bedrohen. Es gibt aber keine Hin-

weise darauf, dass diese Übergriffe systematisch erfolgen. Viele ehemalige 

Behördenmitarbeitende leben weiterhin unbehelligt in Afghanistan (vgl. 

SEM, Risikoprofile, S. 10 ff.). 

5.1.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-

chen aus, es sei bei den Beschwerdeführenden keine unmittelbare und 

ernsthafte Notlage ersichtlich, die ihr Leib und Leben konkret gefährde und 

damit ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich erscheinen lasse. 

Obwohl beim Beschwerdeführer 1 ein abstraktes Risikoprofil zu bejahen 

sei, habe er eine konkrete Gefährdung nicht belegen können. 

5.1.2 Hinsichtlich des Beschwerdeführers 1 behaupteten die Beschwerde-

führenden, er sei jahrelang für die ehemalige afghanische Regierung in 

Kabul in unterschiedlichen Funktionen tätig gewesen. Seit 2006 sei er Ge-

neraldirektor der Policy und des Planungsbereichs im Departement für Ka-

tastrophenschutz gewesen. In diesem Zusammenhang habe er zahlreiche 

Interviews in nationalen und internationalen Medien gegeben und sei 

dadurch in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Unmittelbar vor dem Sturz 

der afghanischen Regierung infolge der Machtübernahme durch die Tali-

ban habe er an verschiedenen Programmen der afghanischen Regierung 

in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen teilgenommen, darunter 

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am (…) und am (…). Ausserdem habe der Beschwerdeführer an diversen 

Konferenzen und Seminaren weltweit teilgenommen. Aus diesen Gründen 

habe er zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und zur Festigung 

demokratischer Institutionen in seinem Land beigetragen, wozu auch seine 

Beiträge zur Umsetzung von UN-Resolutionen im Rahmen des Frauen-

schutzes zu zählen seien. Darüber hinaus behaupteten die Beschwerde-

führenden, dass sie durch den Ex-Mann der Schwester des Beschwerde-

führers 1, (…), in Afghanistan einer unmittelbaren Gefährdung ausgesetzt 

seien. Dieser stehe dem Taliban-Regime nahe und werfe dem Beschwer-

deführer 1 vor, für die Auflösung seiner Ehe verantwortlich zu sein. Von ihm 

habe die Familie des Beschwerdeführers 1 mehrere Todesdrohungen er-

halten. Die Beschwerdeführenden hätten unter anderem einen Drohbrief 

einer Militärkommission der Taliban vom 23. März 2021 erhalten, in dem 

der Beschwerdeführer 1 für die Trennung und Flucht seiner Schwester ver-

antwortlich gemacht und ihm vorgeworfen werde, damit gegen islamische 

Gesetze verstossen zu haben. Schliesslich seien die Beschwerdeführerin-

nen 4 und 5 der konkreten Gefahr ausgesetzt, als Vergeltung für die Flucht 

der Schwester des Beschwerdeführers 1 eine Zwangsehe mit (…) oder ei-

nem seiner Verwandten eingehen zu müssen. 

5.1.3 Die Beschwerdeführenden reichten mit der Beschwerdeschrift und im 

Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens mehrere Unterlagen ein, um die 

ehemalige Stellung des Beschwerdeführers 1 als Beamter der gestürzten 

afghanischen Regierung nachzuweisen. In den Vorakten konnte ein amtli-

ches Dokument eingesehen werden, in dem er als «Director of (…)» be-

zeichnet wurde, das von der afghanischen Regierung am 13. Februar 2021 

ausgestellt worden war (vgl. SEM-Akten, pag. 196). Ein anderes Dokument 

beschreibt ihn als Beamten eines nicht näher spezifizierten Ministeriums 

(vgl. SEM-Akten, pag. 197). Darüber hinaus konnten die Beschwerdefüh-

renden zahlreiche Bescheinigungen vorlegen, die die Teilnahme des Be-

schwerdeführers 1 an verschiedenen Seminaren über Katastrophenma-

nagement, Sozialschutz und internationales Migrationsrecht belegen konn-

ten (vgl. SEM-Akten, pag. 200–211). Es ist daher unstrittig, dass der Be-

schwerdeführer 1 vor der Machtübernahme durch die Taliban eine enge 

Beziehung zur afghanischen Regierung unterhielt. Genauere Angaben zu 

seinen Funktionen als Beamter konnte er jedoch nicht beweisen, so dass 

unklar und unbelegt bleibt, welche Aufgaben er tatsächlich wahrgenommen 

hatte. Insbesondere gibt es keine substantiierten Anhaltspunkte dafür, dass 

er am aktiven Kampf gegen die Taliban beteiligt war oder sich eindeutig 

gegen die Taliban gestellt hatte, so dass allein aufgrund seiner früheren 

Funktion als Regierungsbeamter nicht von einer erhöhten Gefährdung 

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ausgegangen werden kann. Entgegen den Behauptungen der Beschwer-

deführenden ist somit nicht erwiesen, dass der Beschwerdeführer 1 tat-

sächlich eine relevante Rolle bei der Etablierung demokratischer Institutio-

nen und der Stärkung der Stellung der Frau gespielt hatte, weshalb sein 

Verfolgungsrisiko eher als gering einzustufen ist. Die Auffassung der Vo-

rinstanz, der Beschwerdeführer 1 habe trotz eines abstrakten Risikoprofils 

keine konkrete Gefährdung im Hinblick auf seine frühere berufliche Tätig-

keit darlegen können, ist daher nicht zu beanstanden. 

5.1.4 Hinsichtlich der angeblichen Drohung durch den Ex-Schwager des 

Beschwerdeführers 1 und zur Feststellung seiner Identität wurden die Be-

schwerdeführenden im Rahmen des Schriftenwechsels aufgefordert, ihre 

Aussagen zu substantiieren und weitere Beweismittel nachzureichen. Sie 

führten in diesem Zusammenhang aus, (…) sei der Sohn von (…) und 

stamme aus dem Bezirk (…) in der Provinz (…). Er sei ein hochrangiges 

militärisches Mitglied der Taliban und für die Organisation terroristischer 

Aktivitäten im Osten Afghanistans und in Kabul verantwortlich gewesen. Im 

Jahr 2011 sei er wegen seiner Beteiligung an der Logistik von Sprengstoff 

und Selbstmordattentaten in (…) festgenommen worden, wo bei einer Ope-

ration vier NATO-Soldaten der (…) Streitkräfte ums Leben gekommen 

seien. Danach sei er in das Gefängnis (…) überstellt worden. Nach seiner 

Freilassung und der anschliessenden Machtübernahme durch die Taliban 

habe er eine Führungsposition in einer Kommission mit Sitz in (…) über-

nommen. Unter Ausnutzung seiner Führungsposition habe er mehrfach 

versucht, den Beschwerdeführer 1 festzunehmen und die anderen Be-

schwerdeführenden zu lokalisieren. Der ältere Bruder von (…) heisse (…) 

und sei Leiter eines grossen privaten (…). 

5.1.5 Die Beschwerdeführenden legten keine konkreten Beweismittel für 

die vorgenannten Behauptungen vor. Es ist nicht erwiesen, dass (…) tat-

sächlich nach der Familie der Beschwerdeführenden gesucht hätte und 

dass er mehrmals gegen sie gerichtete Fahndungsmassnahmen durchge-

führt hätte. Auch die Angaben zur Identität von (…) erwiesen sich als zu 

ungenau, um seine Identität zweifelsfrei feststellen zu können. Unter den 

gleichnamigen Angaben konnte beispielsweise ein Vizeminister des Minis-

teriums für (…) identifiziert werden, der aber nicht den von den Beschwer-

deführenden bezeichneten Eigenschaften entspricht. Darüber hinaus 

konnte im Zusammenhang mit der angeblichen NATO-Sonderoperation, 

bei der vier (…) Soldaten getötet worden seien, nichts festgestellt werden, 

was eindeutig auf die Identität von (…) schliessen lässt. Lediglich in einer 

Meldung aus dem Jahr 2010 erschien, dass vier (…) bei einer NATO-

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Seite 10 

Spezialoperation in Westafghanistan getötet worden seien (…). Allerdings 

handelt es sich dabei um eine andere Region als die von den Beschwer-

deführenden beschriebene. Schliesslich konnte (…) auf einer Liste von 

5000 inhaftierten Taliban, die freigelassen worden seien, nicht eindeutig 

identifiziert werden (vgl. https://didpress.com/wp-content/uplo-

ads/2020/03/ هزار-پنج-یعموم-ست ی ل .pdf.pdf.pdf, abgerufen am 13 März 2025). 

Auch die Angaben über den angeblichen Bruder von (…) und dessen (…) 

konnten nicht verifiziert werden. 

Die Beschwerdeführenden legten überdies verschiedene Chatnachrichten 

zwischen einem der Söhne des Beschwerdeführers 1, der hier nicht als 

Beschwerdeführer auftritt, und einem angeblichen Neffen von (…) vor. Da-

raus lässt sich jedoch nichts ableiten, was eine Gefährdung des Beschwer-

deführers 1 und seiner Familie begründen könnte (vgl. act. 1, Beilage 5). 

Des Weiteren haben die Beschwerdeführenden im Rahmen der Be-

schwerde wiederholt auf die Schwester des Beschwerdeführers 1 verwie-

sen, die in (…) Asyl erhalten hätte, ohne jedoch irgendwelche Beweismittel 

über sie oder ihre frühere Ehe mit (…) vorzulegen. Folglich ist weder die 

Existenz dieser Schwester noch die Existenz einer früheren Ehe zwischen 

ihr und (…) bewiesen. Letztlich konnte nicht nachvollzogen werden, wa-

rum, wenn sich die Schwester des Beschwerdeführers 1 heute in einem 

sicheren Land wie (…) aufhalten würde, ihre Zeugenaussage oder etwaige 

schriftliche Erklärungen von ihr nicht als Beweismittel in diesem Verfahren 

angeboten wurden. Folglich hegt das Gericht Zweifel an der Glaubwürdig-

keit der Aussagen in diesem Zusammenhang.  

Daraus folgt, dass die Beschwerdeführenden keinen konkreten Beweis für 

eine von (…) ausgehende unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefahr 

erbringen konnten. 

5.1.6 In den Akten befindet sich ein Drohbrief, der angeblich von einer Mi-

litärkommission der Taliban stamme und am 23. März 2021 ausgestellt 

worden sei (vgl. SEM-Akten, pag. 88). Dazu ist anzumerken, dass es sich 

um eine Kopie und nicht um das Original des erwähnten Dokuments han-

delt. Eine Überprüfung der Echtheit ist daher nicht möglich. Zum Nachweis 

einer individuellen Gefährdung der Person des Beschwerdeführers 1 durch 

die Taliban kann ihm daher keinen Beweiswert beigemessen werden (vgl. 

Urteil des BVGer F-2017/2024 vom 7. Februar 2025 E. 4.3.7). 

5.1.7 Da die Beschwerdeführenden keine von (…) ausgehende Gefähr-

dung nachweisen konnten, sondern allenfalls eine potentielle Gefährdung 

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Seite 11 

der Beschwerdeführerinnen 4 und 5 aufgrund ihrer Geschlechtszugehörig-

keit geltend machten, bleibt zu prüfen, ob in diesem Zusammenhang eine 

visumrelevante Gefährdung der Beschwerdeführerinnen bejaht werden 

kann. 

5.1.8 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass sich die Situa-

tion für Frauen und Mädchen in Afghanistan nach der Machtübernahme 

der Taliban im August 2021 kontinuierlich verschlechtert hat. Davon sind 

jedoch alle Frauen und Mädchen – und nicht einzig die Beschwerdeführe-

rinnen individuell – in ähnlicher Weise betroffen. Das blosse Merkmal des 

weiblichen Geschlechts reicht auch unter Berücksichtigung der aktuellen 

Machtverhältnisse nicht aus, um im konkreten Einzelfall offensichtlich eine 

unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 4 Abs. 

2 VEV zu begründen. Eine besonders gelagerte Gefährdungssituation im 

Vergleich zu anderen dort lebenden Personen, namentlich auch anderen 

Frauen und Mädchen, vermochten die Beschwerdeführenden nicht zu be-

legen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts F-1053/2023 vom 22. Au-

gust 2024 E. 6.6). 

5.1.9 Mangels einer unmittelbaren, ernsthaften und konkreten Gefährdung 

des Beschwerdeführers 1 sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die eine re-

flexartige Gefährdung der übrigen Beschwerdeführenden zu begründen 

vermöchten. 

5.2 Die Beschwerdeführenden konnten nicht mit rechtsgenüglichen Be-

weismitteln darlegen, dass sie aufgrund der früheren Arbeitstätigkeit des 

Beschwerdeführers 1 im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV gefährdet wären. Sie 

konnten auch nicht nachweisen, dass sie einer unmittelbaren, ernsthaften 

und konkreten Bedrohung durch (…) ausgesetzt wären. Folglich sind die 

Voraussetzungen nach Art. 4 Abs. 2 VEV nicht erfüllt. 

5.3 Unter diesen Umständen erübrigt sich die Prüfung, ob die Beschwer-

deführenden in ihrem aktuellen Aufenthaltsstaat Pakistan der Gefahr einer 

zwangsweisen Rückschaffung nach Afghanistan ausgesetzt sind. Offen-

bleiben kann auch, wie es sich mit einer allfälligen Gefährdung im Aufent-

haltsstaat Pakistan verhält. 

6.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden die 

Voraussetzungen für die Ausstellung humanitärer Visa nicht erfüllen. Die 

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angefochtene Verfügung erweist sich somit im Lichte von Art. 49 VwVG als 

rechtmässig und die Beschwerde ist abzuweisen.  

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den unterliegenden 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der 

Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung wurde jedoch mit Zwischenverfügung 10. Oktober 2024 gut-

geheissen. Es sind ihnen daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

Eine Parteientschädigung fällt ausgangsgemäss ausser Betracht (Art. 64 

Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gregor Chatton Matthew Pydar 

 

 

 

 

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