# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2e7a2c1-ba75-54ce-9b67-f2723df57fae
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-28
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 28.11.2017 VSBES.2016.325
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2016-325_2017-11-28.html

## Full Text

Urteil vom 28. November 2017

Es wirken mit:

Präsident Flückiger 

Oberrichter Kiefer 

Oberrichter Marti   

Gerichtsschreiberin Ingold

In Sachen

A.___ vertreten durch Rechtsanwalt und Notar Rémy Wyssmann

Beschwerdeführer 

 

gegen

IV-Stelle Kt. Solothurn, Postfach, 4501 Solothurn, 

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend     Invalidenrente
(Verfügung vom 7. November 2016)

 

zieht das
Versicherungsgericht in Erwägung:

I.     
 

 

1.       Der 1960 geborene Versicherte, A.___,
meldete sich am 26. Juli 2011 bei der IV-Stelle des Kantons Solothurn zum
Leistungsbezug an (IV-Stelle Beleg Nr. [IV-Nr.] 2). Er machte geltend, seit
einer Operation am linken oberen Sprunggelenk im Mai 2010, bei der Knochen
entfernt worden sei, unter einem Knorpelschaden und Durchblutungsstörungen zu
leiden. Weiter hielt er fest, seit Mai 2010 sei er zwischen 25 % und 100 %
arbeitsunfähig gewesen, seit August bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. 

 

2.       Am 11. August 2011 fand das
Intake-Gespräch statt (IV-Nr. 7), wobei im Protokoll festgehalten wurde, der
Beruf des Pastors sei bei der beim Versicherten bestehenden
Beschwerdeproblematik ideal: es sei eine sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit
sich zu bewegen ohne Belastung. Der Versicherte gab an, er möchte auch
weiterhin als Pastor tätig sein und er sei zuversichtlich, in absehbarer Zeit
wieder 100 % arbeitsfähig zu sein. Sollte dies nicht gelingen, sei die Hilfe
der IV erwünscht. Das Wunschpensum ohne Behinderung betrage 100 %.

 

3.       Vom 1. Juli bis 31. Dezember 2012
wurde bei der christlichen Gemeinde B.___ in [...], bei welcher der Versicherte
zuvor als Pastor tätig war, ein Aufbautraining durchgeführt (IV-Nrn. 17 und 23).
Ziel war es, das bisherige 50%ige Pensum behutsam zu steigern. Für den Monat
Juli wurde ein 60 %-Pensum angestrebt, welches bis Ende Jahr auf
mindestens 90 % gesteigert werden sollte. Für die Zeit des Aufbautrainings
wurde dem Versicherten ein Taggeld zugesprochen (IV-Nrn. 18 und 25).

 

4.       Am 20. August 2013 musste sich
der Versicherte einer erneuten Operation unterziehen (IV-Nr. 36). Bei der
Diagnose einer beginnenden ventralbetonten OSG-Arthrose links wurde eine
OSG-Arthroskopie, eine Osteophytenabtragung am Talus sowie eine plantarflektierende
Dom-Osteotomie an der Tibia links durch Prof. Dr. med. C.___, Facharzt
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, im D.___ vorgenommen.

 

5.       Auf Empfehlung des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) erfolgte am 12. Mai 2014 in der orthopädischen
Poliklinik des E.___ eine Begutachtung des Versicherten (IV-Nr. 44 und 46). Die
Expertise wurde am 14. August 2014 erstattet (IV-Nr. 46). Der RAD kam zum
Schluss, das Gutachten erscheine wenig nachvollziehbar (IV-Nr. 60). Die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit der Gutachter könne nicht übernommen werden. Die
Durchführung eines erneuten Gutachtens durch eine andere Gutachterstelle sei
indiziert.

 

6.       Am 7. September 2015 erfolgte
das Gutachten der Begutachtungsstelle F.___ (IV-Nr. 68.1). In der Folge nahmen
sowohl der Versicherte als auch dessen Hausarzt, Dr. med. G.___, Stellung
zum Gutachten (IV-Nrn. 72 f.). Der RAD war der Auffassung, es sei ein
Arbeitsplatzprofil vor Ort zu erstellen, um die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten befriedigend beurteilen zu können (IV-Nr. 74 S. 2).

 

7.       Die IV-Stelle folgte dieser
Empfehlung nicht und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 5. Januar
2016 in Aussicht, sein Leistungsbegehren gestützt auf einen IV-Grad von 6 %
abzuweisen (IV-Nr. 76). Der Versicherte liess am 5. Februar und 11. März 2016
durch seinen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Rémy Wyssmann, Einwände erheben
(IV-Nrn. 78 und 83).

 

8.       Am 19. Mai 2016 liess der
Versicherte diverse Arztberichte einreichen (IV-Nr. 87), u.a. den
Operationsbericht vom 12. Januar 2016 (IV-Nr. 87 S. 6), woraus hervorging, dass
an der Tibia links die Metallplatte entfernt wurde. Weiter wurde ein Bericht
des E.___ vom 3. März 2016 eingereicht, dem zu entnehmen war, dass der
Versicherte aufgrund einer Pneumatischen Retinopexie vom 25. bis 27. Februar
2016 hospitalisiert war (IV-Nr. 87 S. 9 f.). Grund für den operativen Eingriff
war eine lokalisierte Amotio bei Riss bei 10 Uhr. Eine weitere Augenoperation
erfolgte am 30. Juli 2016 (IV-Nr. 95 S. 2), bei der Teile des Glaskörpers
entfernt bzw. behandelt wurden (20-G-Pars-plana-Vitrektomie). 

 

9.       Mit Verfügung vom 7. November
2016 bestätigte die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) den Vorbescheid
und verneinte einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente sowie
berufliche Massnahmen (Aktenseite [A.S.] 1 ff.).

 

10.     Gegen besagte Verfügung lässt
der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 7. Dezember 2016 beim
Versicherungsgericht des Kantons Solothurn Beschwerde erheben und folgende
Rechtsbegehren stellen (A.S. 6 ff.):

 

          1.    Die
Verfügung der IV-Stelle vom 7. November 2016 sei vollumfänglich aufzuheben.

          2.    Die
beruflichen Eingliederungsmassnahmen der IV seien umgehend wieder aufzunehmen
und fortzusetzen.

          3.    Es
seien dem Beschwerdeführer für den Zeitraum ab 1. Mai 2010 respektive unter
Berücksichtigung des Wartejahres ab 1. Mai 2011 bis mindestens 31. Dezember
2016 die gesetzlichen Leistungen nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von
mindestens 70 % zuzusprechen.

          4.    a)    Es
sei für den Zeitraum ab 1. Januar 2017 eine gerichtliche interdisziplinäre
Begutachtung den Fall des Beschwerdeführers betreffend durchzuführen, dies
unter Beizug der orthopädischen, angiologischen und ophtalmologischen Fachrichtung
inkl. einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL).

                 b)    Eventualiter:
Es seien dem Beschwerdeführer ab wann rechtens die gesetzlichen IV-Leistungen
(Rente, weitergehende berufliche Eingliederungsmassnahmen) nach Massgabe eines
Invaliditätsgrades von mindestens 40 % zuzusprechen, dies zzgl. eines
Verzugszinses zu 5 % seit wann rechtens.

          5.    Es
sei die von der IV-Ärztin, Frau Dr. med. H.___, mit Beurteilung vom 5. November
2015 verlangte Evaluierung des exakten Arbeitsplatzprofils durch Befragung des
Versicherten und seiner Ehefrau durchzuführen (Beweisgegenstand: Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit des Versicherten).

          6.    Der
Versicherte und seine Ehefrau, Frau I.___, [...], [...], seien als Partei,
Zeugin und Auskunftsperson gerichtlich gestützt auf § 56 Abs. 1 SO-VRPG i.V.m.
Art. 191 und 169 ZPO von Amtes wegen protokollarisch zu befragen
(Beweisgegenstand: tatsächliches und hypothetisches Valideneinkommen des
Versicherten und Beurteilung der Arbeitstätigkeit des Versicherten).

          7.    Es
seien die vollständigen Akten der zuständigen Krankentaggeldversicherung inkl.
vollständige Leistungsabrechnungen (Ref. Nr. [...]), von Amtes wegen bei der
Zürich Versicherungsgesellschaft, zu edieren (Beweisgegenstand: Bestehen einer
mindestens temporären leistungsbegründenden Arbeitsunfähigkeit während der
vertraglichen Leistungsdauer der Krankentaggeldversicherung).

          8.    Die
für den vorliegenden Fall zuständige Kollektivkrankentaggeldversicherung, die
Zürich Versicherung, sei in das vorliegende Beschwerdeverfahren gerichtlich
gestützt auf § 56 Abs. 1 SO-VRPG i.V.m. Art. 74 ff. ZPO beizuladen.

          9.    Es
sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK unter
gleichzeitiger Presse- und Publikumsanwesenheit durchzuführen.

          10.  Alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

 

11.     In ihrer Vernehmlassung vom 22.
Februar 2017 (A.S. 44) verweist die Beschwerdegegnerin auf die Akten sowie die
Begründung in der angefochtenen Verfügung und verzichtet auf das Einreichen
einer ausführlichen Beschwerdeantwort. Sie hält an der angefochtenen Verfügung
fest und beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen.

 

12.     Am 4. Juli 2017 findet vor dem
Versicherungsgericht des Kantons Solothurn eine Instruktionsverhandlung mit
Parteibefragung statt (A.S. 55 ff.), bei der beide Parteien anwesend sind. 

 

13.     Mit Verfügung vom 4. September
2017 wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer anlässlich der
Instruktionsverhandlung den Antrag auf Befragung seiner Ehefrau als Zeugin
(Ziff. 6 gem. E. I. 10 hiervor) zurückgezogen hat. Die übrigen mit der Beschwerde
vom 7. Dezember 2016 gestellten Beweisanträge werden mit Verfügung vom 4.
September 2017 (A.S. 65 f.) abgewiesen. Anlässlich der öffentlichen Verhandlung
vom 27. November 2017 stellt und modifiziert der Beschwerdeführer die
folgenden Rechtsbegehren:

 

          1.    Die
Verfügung der IV-Stelle vom 7. November 2016 sei vollumfänglich aufzuheben.

          2.    Es
seien dem Beschwerdeführer für den Zeitraum ab 1. Mai 2010 respektive unter
Berücksichtigung des Wartejahres ab 1. Mai 2011 bis mindestens 31. Dezember
2016 die gesetzlichen Leistungen nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von
mindestens 70 % zuzusprechen.

          3.    a)    Es
sei für den Zeitraum ab 1. Januar 2017 eine gerichtliche interdisziplinäre
Begutachtung den Fall des Beschwerdeführers betreffend durchzuführen, dies
unter Beizug der orthopädischen, angiologischen und ophtalmologischen
Fachrichtung inkl. einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL).

                 b)    Eventualiter:
Die Beschwerdesache sei an die Vorinstanz zur beruflichen Umschulung zur
Bürokraft, zur Neuabklärung und zum Neuentscheid zurückzuweisen.

                 c)    Subeventualiter:
Es seien dem Beschwerdeführer ab wann rechtens die gesetzlichen IV-Leistungen
(Rente, weitergehende berufliche Eingliederungsmassnahmen) nach Massgabe eines
Invaliditätsgrades von mindestens 40 % zuzusprechen, dies zzgl. eines
Verzugszinses zu 5 % seit wann rechtens. 

          4.    Alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

 

14.     Auf die weiteren Ausführungen in
den Rechtsschriften der Parteien wird, soweit erforderlich, in den folgenden
Erwägungen eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.

 

II.    
 

 

1.       Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen
Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 

2.

2.1     Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidität gilt als
eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige
Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Bundesgesetz über
die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).

 

2.2     In zeitlicher Hinsicht sind –
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu
ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V
215 E. 3.1.1 S. 220, 131 V 9 E. 1 S. 11 und 107 E. 1 S. 109, 127 V 466
E. 1 S. 467). Im vorliegenden Fall wird ab Mai 2010 eine
Arbeitsunfähigkeit geltend gemacht (IV-Nr. 2 S. 2, Ziff. 6.3), d.h. eine
Invalidität kann erst nach Ablauf der einjährigen Wartezeit im Mai 2011
vorliegen (vgl. E. II. 2.3 hiernach). Der Rentenanspruch wiederum entsteht –
sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind – frühestens
sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (vgl. Anmeldung vom 26.
Juli 2011 [IV-Nr. 2]), was hier im Januar 2012 der Fall wäre. Ein allfälliger
Rentenanspruch kann demnach frühestens ab Januar 2012 gegeben sein. Bei einem
Anspruchsbeginn im Jahr 2012 sind die ab 1. Januar 2012 geltenden Bestimmungen
der 6. IV-Revision massgebend. 

 

2.3     Seit der ab 1. Januar 2012
geltenden Rechtslage (6. IV-Revision) haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG jene
Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können
(lit. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

 

Eine Verbesserung der Erwerbstätigkeit
oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen ist für die
Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich
längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie
ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich
weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201]).

 

3.

3.1     Um den Invaliditätsgrad bemessen
zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung gestellt haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132
V 93 E. 4 S. 99 f., 125 V 256 E. 4 S. 261).

 

3.2     Das Administrativverfahren vor
der IV-Stelle wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG).
Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen
Tatsachen hinreichend Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrundsatz weist enge
Bezüge zum – auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe ebenfalls in gleicher Weise
geltenden – Prinzip der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c in fine ATSG)
auf (einschliesslich die antizipierte Beweiswürdigung): Führt die
pflichtgemässe, umfassende und sachbezogene Beweiswürdigung den
Versicherungsträger oder das Gericht zur Überzeugung, der Sachverhalt sei hinreichend
abgeklärt, darf von weiteren Untersuchungen (Beweismassnahmen) abgesehen
werden. Ergibt die Beweiswürdigung jedoch, dass erhebliche Zweifel an
Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen
Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von
zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu
erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2007 vom 9. April 2008 E.
2.2.1, mit vielen Hinweisen).

 

3.3     Der im Sozialversicherungsrecht
massgebende Beweisgrad ist derjenige der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE
117 V 194 E. 3b S. 194 f.). Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die
einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Sozialversicherungsrichter
hat alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere
darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt. 

 

3.4     Zur Beurteilung
sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf es verlässlicher
medizinischer Entscheidsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232). Hinsichtlich
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 mit
Hinweis auf 125 V 351 E. 3a S. 352). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit
dem Grundsatz der Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach
der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen
Fachperson ab (BGE 125 V 351 E. 3b/aa S. 352 mit Hinweisen). Aus dem
Grundsatz der Waffengleichheit folgt sodann das Recht der versicherten Person,
mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
ärztlichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu
ziehen. Dazu wurde erkannt, dass diese von der versicherten Person
eingereichten Beweismittel regelmässig von behandelnden Ärztinnen und Ärzten
oder von anderen medizinischen Fachpersonen stammen, die in einem auftragsrechtlichen
Verhältnis zur versicherten Person stehen. Da sich die behandelnden Ärztinnen
und Ärzte zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben, verfolgen
deren Berichte nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die
Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des
Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen
an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a S. 352. Aus diesen Gründen und
aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer
Patienten aussagen, wird im Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig
gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte kaum je in Frage
kommen (Urteil des Bundesgerichts 8C_160/2012 vom 13. Juni 2012 E. 3.1.1
f. mit Hinweisen).

 

4.

4.1     Da der Beschwerdeführer über
belastungsabhängige Beschwerden klagte und sich im konventionellen Röntgen eine
Ostephytenbildung mit mechanischer Störung zeigte, erfolgte am 26. Mai 2010 ein
operativer Eingriff, bei dem eine offene Osteophytenabtragung und Microfracture
am OSG links vorgenommen wurde (IV-Nr. 33.5 S. 15). Im Bericht vom 4. August
2010 stellte Dr. med. J.___, FMH Orthopädische Chirurgie, folgende Diagnosen
(IV-Nr. 6.3 S. 6):

 

          Offene
Ostephytenabtragung und Microfracture OSG links am 26. Mai 2015 bei
OSG-Arthrose mit

                 Osteophyten tibial und
am Talus sowie grosser chondraler Läsion

 

Zum Behandlungsverlauf führte der
Orthopäde aus, zehn Wochen nach offener Cheilektomie und Microfracture bestehe
ein verzögerter Verlauf. Der Beschwerdeführer leide noch immer unter starker
Bewegungseinschränkung. Sobald er den Fuss belaste, schwelle dieser massiv an.
Bei diesem grossen Knorpelschaden sei die durchgeführte Operation ein
Rettungsversuch als gelenkserhaltende Option gewesen. Derzeit mache der
Beschwerdeführer unter Physiotherapie deutliche Fortschritte aber der Verlauf
werde zeigen, ob das Resultat genüge, damit er wieder normal arbeiten könne.
Die derzeitige Arbeitsunfähigkeit betrage 50 %. Die gehe aber offenbar nur
knapp. In zwei Wochen werde er diese Arbeitsfähigkeit neu beurteilen. Sollten
die Beschwerden im Verlauf nicht bessern, bleibe einzig eine OSG-Totalprothese
oder eine Versteifung des OSG als weitere Therapieoption.

 

4.2     Der Beschwerdeführer war gemäss
den Berichten von Dr. med. J.___ vom 7. Juli und 10. September 2010 nach
erfolgter Operation bis 18. Juli 2010 100 % arbeitsunfähig, bis 6. September
2010 50 % und vom 7. bis 30. September 2010 noch 25 % arbeitsunfähig
(IV-Nr. 32 S. 20 f.). Sechs Monate nach operativem Eingriff berichtete
Dr. med. J.___, der Beschwerdeführer habe morgens noch Anlaufschmerzen,
könne dann aber schmerzfrei gehen, dies auch über weite Strecken (Bericht vom
10. Dezember 2010 [IV-Nr. 32 S. 19]). Seit Dezember könne er wieder voll
arbeiten. Es bestehe die Chance, dass bis zu einem Jahr noch eine deutliche
Verbesserung dazu komme. Andererseits bestehe eine Arthrose, welche sich dann
auch wieder bemerkbar machen könnte. So wie es im Moment aussehe, sei aber die
Diskussion über eine Versteifung oder eine OSG-Prothese nicht nötig. Die
Behandlung werde vorerst abgeschlossen. 

 

Kurz darauf kehrten die Beschwerden
jedoch zurück, weshalb der Beschwerdeführer bei seinem Hausarzt, Dr. med. G.___,
vorstellig wurde (Behandlungsbeginn am 5. Januar 2011 [IV-Nr. 6.3 S. 3 f.]). Gemäss
Bericht vom 1. Juni 2011 bestand vom 1. April bis 8. Mai 2011 eine 75%ige
und ab dem 9. Mai 2011 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. G.___ prognostizierte
eine Teilarbeitsfähigkeit ab Mitte Juni. Später sei dann wieder eine volle
Integration in die bisherige Arbeit zu 100 % zu erwarten. Mit ärztlichem
Zeugnis vom 15. Juli 2011 attestierte Dr. med. G.___ dem Beschwerdeführer eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 16. Juni bis 19. Juni 2011 und eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 20. Juni 2011 (IV-Nr. 6.3 S. 1).

 

4.3     Im Oktober 2011 wurde im K.___
mittels farbcodierter Duplexsonographie die Durchblutungsstörung des
Beschwerdeführers untersucht (IV-Nr. 33.5 S. 12 f.). Der Konsiliararzt
Angiologie, Dr. med. L.___, stellte gestützt darauf folgende Diagnose:

 

          St. n. Phlebitis/TVT links
mit/bei

          -    umschriebener
zweitagiger Leitveneninsuffizienz im Sinne eines anhaltend verlängerten
Refluxes bei Provokation die Beschwerden des Patienten gut erklärend

          -    arterielle Perfusion
suffizient

 

Es wurde für die sitzende und stehende
Position das konsequente Tragen eines Kompressionsstrumpfes empfohlen.

 

Im November 2011 folgte eine
neurologische Untersuchung (IV-Nr. 32 S. 17 f.), wobei der Neurologe zum
Schluss gelangte, aus Sicht seines Fachgebietes keine Hilfestellung bieten zu
können. Die derzeit im Vordergrund stehenden Schmerzen seien artikulärer Natur,
so dass befürchtet werden müsse, dass sich eine sekundäre Arthrose ausgebildet
habe. 

 

4.4     Zur weiteren Abklärung der geklagten
Beschwerden überwies der Hausarzt den Beschwerdeführer an Dr. med. C.___
(IV-Nr. 33.5 S. 8 f.), wo er mittels SPECT/CCT untersucht wurde (Berichte vom
30. März und 27. April 2012 [IV-Nrn. 32 S. 13 ff.]). In seiner Beurteilung führte
der Orthopäde aus, es handle sich um eine im ventralen Anteil ausgeprägte
Arthrose des oberen Sprunggelenks links. Das Alignement des OSG und des
Rückfusses sei ausgeglichen und regelrecht. Die arthrotischen Veränderungen
seien medial- und lateralseitig zu gleichen Teilen ausgeprägt. Somit sei trotz
des jungen Alters des Beschwerdeführers zur definitiven Lösung nur die
Arthrodese oder Implantation einer OSG-Prothese indiziert. Eine Umstellungsosteotomie
würde bei regelrechtem Alignement des OSG und des Rückfusses keine Besserung
erbringen. Da beide Eingriffe jedoch einen sehr grossen Aufwand bedeuten
würden, sei zunächst eine Arthroskopie mit ventralem Débridement und
Narbenlösung geplant, um gegebenenfalls noch einen gewissen zeitlichen Aufschub
erreichen zu können. 

 

4.5     Vom 1. Juli bis 31. Dezember
2012 absolvierte der Beschwerdeführer bei der christlichen Gemeinde B.___ in [...]
ein Aufbautraining, bei dem das bisherige Pensum von 50 % vorerst auf 60 % und
bis Ende Jahr auf mindestens 90 % gesteigert werden sollte (IV-Nrn. 17 f., 23
und 56). Der Beschwerdeführer berichtete der Beschwerdegegnerin in dieser Zeit
jeweils zu Beginn des Monats per Mail über den Verlauf des Vormonats und setzte
gleichzeitig das Ziel für den Folgemonat fest (vgl. Protokolleinträge vom 27.
Juli bis 13. November 2012).

 

Da sich der Beschwerdeführer nicht für
eine Operation entscheiden konnte (vgl. IV-Nr. 32 S. 6, Anamnese), holte er in
der M.___ bei Dr. med. N.___ eine Zweitmeinung ein (vgl. Bericht vom 31. Mai
2013 [IV-Nr. 32 S. 10 f.]). Die Röntgenaufnahmen des linken OSG ap belastet
sowie des linken Fusses lateral belastet vom 31. Mai 2013 zeigten eine
ausgeprägte anteriore Osteophytose. Der OSG-Gelenkspalt sei noch relativ gut
erhalten. Es bestehe eine deutlich vermehrte subchondrale Sklerosierung. Das
Subtalargelenk komme regelrecht zur Darstellung. Es bestünden keine
degenerativen Veränderungen der Mittelfussgelenke. Die Stellungsverhältnisse
seien achsenkorrekt, die Gelenkflächen des OSG verliefen horizontal. Zum
Prozedere empfahl Dr. med. N.___ dem Beschwerdeführer als konservative
Therapiemöglichkeit eine spezielle Schuhversorgung mit Abrollhilfe und
Pufferabsatz sowie mit orthopädischer Fussbettung. Operativ sei dem
Beschwerdeführer am ehesten eine Arthrodesierung des oberen Sprunggelenks zu empfehlen.
Während eines allfälligen Eingriffs könnte man allerdings zunächst die
Osteophyten anterior entfernen, prüfen, ob dadurch das Gelenk intraoperativ an
Beweglichkeit gewinne und, falls es sich gut bewege, statt der Arthrodesierung
doch die Implantation eines Kunstgelenkes vornehmen. 

 

4.6     Mit IV-Arztbericht vom 28. Juni
2013 bezeichnete Dr. med. G.___ folgende Diagnosen als für die Arbeitsfähigkeit
relevant (IV-Nr. 32 S. 5 ff.):

 

          Posttraumatische Arthrose
oberes Sprunggelenk links mit/bei

          -    St.
n. offener Osteophytenabtragung und Mikrofrakturierung OCD OSG links am 26. Mai
2010

          -    St. n. postoperativer
Phlebitis / Venenthrombose Unterschenkel links

 

Der Beschwerdeführer sei wie folgt
arbeitsunfähig gewesen:

 

          75 %        1. April 2011                      bis            8.
Mai 2011

          100 %      9. Mai 2011                        bis            9.
August 2011

          50 %        10. August 2011                bis            20.
März 2012

          100 %      21. März 2012                   bis            10.
April 2012

          50 %        11. April 2012                    bis            30.
Juni 2012

          40 %        1. Juli 2012                        bis            31.
August 2012

          60 %        1. September 2012            bis            31.
Oktober 2012

          40 %        1. November 2012             bis            15.
November 2012

          70 %        16. November 2012           bis            28.
Februar 2013

          50 %        1. März 2013                     bis            30.
April 2013

          100 %      1. Mai 2013                        bis            auf
weiteres

 

Den Zustand des Beschwerdeführers
bezeichnete der Hausarzt als durch medizinische Massnahmen besserungsfähig.
Berufliche Massnahmen erachtete er als angezeigt und die bisherige Tätigkeit
als nicht mehr zumutbar. Er hielt fest, dass längeres Stehen eigentlich immer
zu starken Schmerzen führe. Der Beschwerdeführer habe deshalb keine Schulungen
und auch keine Messen mehr abhalten können, was aber eigentlich den Hauptteil
seiner Tätigkeit ausmache. Falls durch einen allfälligen operativen Eingriff
eine Verbesserung entstehe, könne die bisherige Tätigkeit als Pastor
theoretisch wieder ins Auge gefasst werden. Zu wie viel Prozent könne jedoch
noch nicht gesagt werden. Eine Verweistätigkeit sei dem Beschwerdeführer
zumutbar. Es müsste sich dabei vor allem um eine sitzende Tätigkeit handeln.
Aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit käme für den Beschwerdeführer evtl. eine
Umschulung im Bereich Ehe- und Lebensberatung in Frage. Eine solche Tätigkeit
müsste vor allem dann angestrebt werden, falls ein operativer Eingriff nicht
zum gewünschten Ergebnis führe. Der zeitliche Rahmen einer Verweistätigkeit
könne im jetzigen Moment nicht festgelegt werden. 

 

4.7     Die Röntgenuntersuchung vom 26.
Juni 2013 zeigte gegenüber derjenigen vom 16. März 2012 ein ventrales OSG mit
deutlich zugenommenen osteophytären Anbauten (IV-Nr. 36 S. 9 f.). Weiter war
eine subchondriale Sklerosierung des Sprunggelenks im Sinne einer beginnenden
OSG-Arthrose zu sehen sowie ein neutrales Rückfussalignement. Dr. med. C.___ hielt
weiter fest, anhand der Klinik des Patienten und der aktualisierten Bildgebung
bleibe er bei der Empfehlung von Mai 2012, d.h. eine ventrale
Spondylophytenabtragung mit kombinierter OSG-Arthroskopie durchzuführen und
gleichzeitig eine ventral aufklappende Tibiaosteotomie vorzunehmen. Besagte
Operation wurde am 20. August 2013 durchgeführt (IV-Nr. 36 S. 11 f.).

 

4.8     Dem IV-Abschlussbericht vom 29.
August 2013 ist zu entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer trotz intensiven
Bemühungen nicht gelungen war, sein Arbeitspensum auf 100 % zu steigern
(IV-Nr. 35). Es sei keine konstante und nachhaltige Arbeitsfähigkeit erreicht
worden. Abschliessend wurde festgehalten, dass die Tätigkeit als Pastor ideal
sei, die es dem Beschwerdeführer erlaube, stets seine Position zu verändern
(stehen, sitzen, gehen). Nach erfolgter Aufnahme seiner Tätigkeit stelle sich
für die berufliche Eingliederung höchstens noch die Frage nach möglichen
Hilfsmitteln. 

 

4.9     Anlässlich der Nachkontrolle vom
23. Dezember 2013 stellte Dr. med. C.___ einen adäquaten Verlauf nach der
Operation vom 20. August 2013 (vgl. E. II. 4.7 hiervor) fest (IV-Nr. 43 S. 5
f.). Der Beschwerdeführer berichte über einen beschwerdefreien Verlauf, jedoch
bestehe noch eine deutliche Bewegungseinschränkung. Ansonsten sei der
Beschwerdeführer mit dem postoperativen Verlauf sehr zu frieden. 

 

Dr. med. G.___ berichtete am 17. März
2014, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers leicht gebessert
habe (IV-Nr. 43 S. 1 ff.). Durch den operativen Eingriff werde die
Arbeitsunfähigkeit verlängert. Der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt
noch nicht arbeitsfähig, auch nicht teilweise. Er könne mit dem Fuss wieder
langsam abrollen und auch ohne Stöcke gehen. Dies allerdings nur in der Ebene
und nicht bergab oder bergauf. Abends beklage der Beschwerdeführer noch eine
starke Schwellung mit zum Teil noch Schmerzen. Die Beweglichkeit im oberen
Sprunggelenk sei immer noch eingeschränkt. Es werde weiterhin Physiotherapie
empfohlen. Prognostisch bei weiterhin sich besserndem Verlauf könne medizinisch
theoretisch mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ab ca. April/Mai dieses Jahres
gerechnet werden. Seine frühere Stelle könne der Beschwerdeführer nicht mehr
antreten. 

 

4.10   

4.10.1  Dem RAD erschien es nicht
nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer über sechs Monate postoperativ bei
beschwerdefreiem Verlauf und radiologisch guter Konsolidation der Osteotomie
nicht in seiner angestammten Tätigkeit als Pastor zu 100 % wieder einsetzbar
sein sollte (IV-Nr. 40 S. 2). Auf Empfehlung des RAD wurde in der E.___ ein
Gutachten in Auftrag gegeben (IV-Nrn. 41 f. und 44). 

 

4.10.2  Die Begutachtung fand am 12. Mai
2014 statt (IV-Nr. 44), die Expertise erfolgte am 14. August 2014 (IV-Nr. 46). Die
Gutachter PD Dr. med. O.___, Teamleiter Fuss, und Dr. med. P.___,
Assistenzarzt, stellten beim Beschwerdeführer die folgenden Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-Nr. 46 S. 3): 

 

          Fortgeschrittene obere
Sprunggelenksarthrose links mit/bei:

          -    St.
n. oberer Sprunggelenksarthroskopie mit ventraler Osteophytenabtragung und
plantarflektierender Domosteotomie OSG links vom 20. August 2013, im D.___

          -    St.
n. offener Osteophytenabtragung und Mikrofrakturierung oberes Sprunggelenk
links vom 26. Mai 2010

          -    St. n. postoperativer
tiefer Beinvenenthrombose links vom Mai 2010

 

Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Priester führten sie aus, diese werde ihm im zeitlichen Verlauf
zunehmend schwerer fallen (IV-Nr. 46 S. 5). Da das Zelebrieren der Messe oder
einer Beisetzung Mobilität und gewisse Standphasen mit sich brächten, würden
diese Aufgaben für den Patienten zu einer zunehmenden Hürde werden. Da es sich
bei Arthrose um degenerative, also chronisch-progrediente Prozesse handle, sei
daher nicht sichergestellt, in wie weit der Beschwerdeführer in Zukunft ohne
adäquate Therapie seinem Beruf vollständig nachgehen könne. Mit adäquater
orthopädischer Versorgung sollte der weiteren Tätigkeit des Beschwerdeführers
im vollen Umfang nichts im Wege stehen.

 

4.10.3  Mit Stellungnahme vom 12.
Dezember 2014 kritisierte bzw. korrigierte der Beschwerdeführer mehrere Stellen
der Anamneseerhebung (IV-Nr. 48). Die Gutachter äusserten sich am 16. Februar
2015 zur erhobenen Kritik am Gutachten (IV-Nr. 56), woraufhin der RAD zum
Schluss gelangte, dass die grösstenteils berechtigten Kritikpunkte des
Beschwerdeführers das Gutachten des E.___ wenig nachvollziehbar erscheinen
liessen, so dass auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht übernommen
werden könne (IV-Nr. 60). Der RAD empfahl die Einholung eines Zweitgutachtens. 

 

4.11   

4.11.1  Die Zweitbegutachtung fand am 5.
Juni 2015 bei der Begutachtungsstelle F.___ in [...] bei PD Dr. med. Q.___,
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, statt (IV-Nr. 66). Anlässlich der
Untersuchung klagte der Beschwerdeführer über Beschwerden im Bereich des
Kniegelenks rechts vor allem beim Treppengehen, Treppenlaufen sowie beim
allgemeinen Laufen (Gutachten vom 7. September 2015 [IV-Nr. 68.1 S. 14]).
In diesen Situationen würden teilweise starke Schmerzen vor allem im Bereich
der Kniescheibe auftreten. Diese Beschwerden seien erst vor einiger Zeit neu
aufgetreten und seien bisher noch nicht weiter abgeklärt worden. Weiter
berichtete der Beschwerdeführer über Beschwerden des Unterschenkels links mit
einem deutlichen Druckgefühl. Wenn dieses Druckgefühl zunehme, dann nähmen auch
die Schmerzen im Bereich des Fusses zu und die Beschwerden seien dann über den
gesamten Unterschenkel vom Knie bis zum Fuss verteilt. Nachts könne er
teilweise nicht richtig gehen, da die Beweglichkeit eingeschränkt sei und er
sich dann unsicher fühle. Deshalb habe er zur Sicherheit einen Stock neben das
Bett gestellt. Aber auch tagsüber schmerze das Sprunggelenk durch die Belastung
des Alltags sehr und schwelle teilweise an. Ebenso würden die gesamte untere
Extremität links stark anschwellen. Neben einem Gehstock in der Nacht (vor
allem fürs Anlaufen) und Kompressionsstrümpfen verwende er keine weiteren
Hilfsmittel und nehme auch keine Medikamente ein. Seit einiger Zeit nehme er
auch keine Physiotherapie mehr in Anspruch. 

 

4.11.2  Dr. med. Q.___ gelangte aufgrund
der Untersuchung des linken Fusses zu folgendem Ergebnis (IV-Nr. 68.1 S. 16):
Narbe reizlos, OSG fast steif, Beweglichkeit 5/0/10° dorsal-plantar,
Pro-/Supination 20/0/15°, Eversion/Inversion aufgehoben, Schmerzen bei der
Palpation und Bewegungsprüfung, unauffällige Rückfussverhältnisse, deutliche
Schwellung des Unterschenkels, deutliche Pigmentierung der Haut. Auf den
Röntgenbildern ap/lateral OSG ap vom 8. Juni 2015, die im D.___ angefertigt
wurden, war ersichtlich, dass das Osteosynthesematerial eine gute Stellung
hatte ohne Lockerungszeichen, eine gute Konsolidierung der Osteotomie vorhanden
war und es waren Osteophyten tibiotalar mit Impingementzeichen erkennbar. Aufgrund
der Röntgenbilder zum Kniegelenk ap, lateral, Patella axial rechts vom 5. Juni
2015 ergaben sich intakte ossäre Verhältnisse im Kniegelenk, eine minimale
Retropatellararthrose, ein geringer Gelenkerguss, eine Verkalkung beider
Menisci, eine diskrete Verkalkung des retropatellaren / trochlearen Korpels,
die mit Veränderungen i.R. einer Chondrocalcinose zu vereinbaren seien. 

 

4.11.3  Dr. med. Q.___ konnte folgende
orthopädische Diagnosen stellen (IV-Nr. 68.1 S. 17):

 

          1.  Restbeschwerden
Unterschenkel links bei (Z 98.8)

              -    vorderem Impingement
bei OSG-Arthrose links

              -    offene
Osteophytenabtreibung Mikrofrakturierung OSG links am 26. Mai 2010

              -    OSG-Arthroskopie,
Osteophytenabtragung, Plantarflektierender tibiale Dome-Osteotomie Tibia links
am 20. August 2013

          2.  Beginnende
Retropatellararthrose rechts (M 17.5)

 

Als nicht orthopädische Diagnosen
stellte Dr. med. Q.___ folgende fest:

 

          3.  St.
n. Phlebitis TVT links mit Leitveneninsuffizienz, residuelle Schwellung,
Stauungsdermatitis im Unterschenkelbereich

 

4.11.4    Im Rahmen der Beurteilung
führte Dr. med. Q.___ aus, im Bereich des Kniegelenks rechts zeige sich ein
retropatelläres Reiben mit Druckschmerzhaftigkeit der Gelenkspalten (IV-Nr.
68.1 S. 18 f.). Radiologisch finde sich dazu passend eine beginnende
Retropatellararthrose. 

 

In wie weit die vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden betreffend den Bereich des gesamten Unterschenkels und
des OSGs vom Unterschenkel respektive vom Status nach Phlebothrombose
herrühren, lasse sich aus fachorthopädischer Sicht nicht beurteilen. Aus diesem
Grund schlage er vor, diesem Gutachten noch eine angiologische Abklärung zur
Beantwortung der Frage der aus der Phlebothrombose und deren Residualbeschwerden
herrührenden Arbeitsfähigkeitseinschränkungsbeurteilung beizufügen. Der
Beschwerdeführer berichte im Bereich des oberen Sprunggelenks über eine
Bewegungseinschränkung und über eine bei Belastung zunehmende
Schmerzsymptomatik. Klinisch finde sich dazu eine eingeschränkte
OSG-Beweglichkeit bei verstrichenen Weichteilkonturen und deutlich
umfangsdifferenten unteren Extremitäten rechts gegenüber links. Radiologisch
zeige sich dabei eine OSG-Arthrose mit Osteophyten tibiotalar mit
Impingementzeichen, eine gute Stellung des Osteosynthesematerials ohne Lockerungszeichen
und eine gute Konsolidierung der Osteotomie. 

 

Weiter berichtete Dr. med. Q.___, dass es
dem Beschwerdeführer aufgrund der Beschwerdesymptomatik nicht mehr zumutbar
sei, längere Gehstrecken über 500 m zurückzulegen, auf unebenem Gelände zu
laufen, zu gehen oder zu stehen, auf Leitern oder Treppen steigen zu müssen
sowie Gewichte über 10 kg zu tragen. Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich der
Gutachter dahingehend, dass der Beschwerdeführer aus rein orthopädischer Sicht
für schwere und mittelschwere körperliche Arbeiten vollumfänglich
arbeitsunfähig sei. Für leichte körperliche Arbeiten, hauptsächlich sitzend,
teilweise stehend, nur wenig gehend und ohne die Notwendigkeit auf unebenem
Gelände laufen oder gehen zu müssen, Treppen oder Leitern steigen zu müssen,
sei der Beschwerdeführer vollumfänglich ganztägig arbeitsfähig. Eine Reduktion
der Arbeitszeit zur Vermeidung der Exazerbation der Beschwerden sei
erfahrungsgemäss nicht ersichtlich. In der angestammten Tätigkeit als Pastor
seien deshalb die Tätigkeiten am Bürotisch, die Tätigkeiten mit nur minimen
Gehstrecken, wechselseitigem Stehen und Gehen etwas eingeschränkt durchführbar.
Beim Lesen der eigentlichen Messe und bei Beisetzungen sei der Beschwerdeführer
deutlich eingeschränkt. Beim Besuchen von Gemeindeangehörigen und anderen
Personen sei er hingegen kaum beeinträchtigt. Dies entsprechen gesamthaft einer
Arbeitsfähigkeit von 70 %. Diese Arbeitsfähigkeit lasse sich auch nicht
durch die potentiellen Therapieoptionen wie z.B. einem stabilen orthopädischen
Schuh mit Abrollrampe oder einer Implantation einer oberen
Sprunggelenksprothese in einem wirtschaftlich verwertbaren Masse steigern.
Erfahrungsgemäss lasse sich auch durch die neuerlich angeratene Operation
(gemeint ist wohl das von Dr. med. C.___ erwähnte ventrale Débridement [vgl.
IV-Nr. 64 S. 3 und IV-Nr. 49 S. 6]) keine nachhaltige Verbesserung der
Beschwerdesymptomatik im Bereich des Unterschenkels links und im Bereich des
oberen Sprunggelenks links erzielen. 

 

Was den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit
betrifft, so berichtete Dr. med. Q.___, die attestierte Arbeitsunfähigkeit für
die Zeit vom 26. Mai bis November 2010 sei glaubhaft und nachvollziehbar,
ebenso die 100%ige Arbeitsfähigkeit ab Dezember 2010 (IV-Nr. 68.1 S. 19 f.).
Die anfangs April 2011 aufgetretene Beschwerdesymptomatik stehe
höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der zu dieser Zeit aufgetretenen
Phlebothrombose im Bereich des Unterschenkels links. Auch die nachfolgend
aktenkundig gewordenen Arbeitsunfähigkeiten müssten aus diesem Blickwinkel
betrachtet werden. Sicherlich habe die Progredienz der arthrotischen Entwicklung
im Bereich des oberen Sprunggelenks einen Anteil an der zunehmenden
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, werde aber auch aus orthopädischer Sicht
hauptsächlich durch die Residualzustände nach Phlebothrombose im Bereich der
unteren Extremität links beeinflusst. Somit sei die Arbeitsfähigkeit aus rein
orthopädischer Sicht in diesem Zeitraum nicht abschliessend beurteilbar. Eine
sichere rein orthopädische Arbeitsunfähigkeit sei wiederum ab dem 21. August
2013, also nach erneuter Operation im Bereich des oberen Sprunggelenks,
gegeben. Nach einem solchen Eingriff sei erfahrungsgemäss eine neunmonatige 100%ige
Arbeitsunfähigkeit, d.h. bis zum 21. Mai 2014 als realistisch nachvollziehbar
anzunehmen. Nachfolgend wäre eine zunächst 75%ige Arbeitsunfähigkeit für sechs
Wochen, eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für weitere sechs Wochen und anschliessend
der Wiedereinstieg in eine wie vorangehend beschrieben schwere, mittelschwere,
leichte adaptierte und die angestammte Tätigkeit ab dem 21. August 2014
nachvollziehbar denkbar. Dies umso mehr, da sich der im Gutachten vom 14.
August 2014 (IV-Nr. 46) erhobene Befund nicht wesentlich von den
Untersuchungsbefunden während des vorliegenden Gutachtens und dem
Untersuchungsbefund des D.___ vom Juni 2015 unterscheide. 

 

4.12   

4.12.1    Am 23. Juli 2015 berichtete
Dr. med. R.___, Assistenzarzt, vom D.___, dass beim Beschwerdeführer keine
angiologischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen
(IV-Nr. 67). Es bestehe einzig eine chronisch venöse Insuffizienz bei
postthrombotischem Syndrom nach wahrscheinlich tiefer Beinvenenthrombose links
im Mai 2010. Abschliessend hielt er fest, von Seiten der seinerseits
durchgeführten phlebologischen Beurteilung bestünden keine Limitationen nach
derzeitigem Kenntnisstand. 

 

4.12.2    Mit Schreiben vom 23.
September 2015 äusserte sich der Hausarzt, Dr. med. G.___, zum Gutachten
(IV-Nr. 72). Er wies darauf hin, dass der Beschwerdeführer gemäss Gutachten in
seiner angestammten Tätigkeit als Pastor zu 70 % arbeitsfähig sein soll, gemäss
Angaben des Beschwerdeführers die Haupttätigkeit in diesem Beruf bei der freien
Kirche das Messelesen sei, was ihm aufgrund der jetzigen Beschwerden nicht mehr
möglich sei. Daher könne er diesem Beruf derzeit nicht mehr nachgehen. In
letzter Zeit habe sich der Zustand in einem gewissen Masse gebessert. Im Moment
habe der Beschwerdeführer aber immer noch deutliche Anlaufschmerzen im
betroffenen Fuss. Teilweise brauche er zur Entlastung einen Gehstock.
Wechselbelastende Tätigkeiten seien jedoch in reduziertem Masse möglich. Im
Moment habe er den Beschwerdeführer seit 1. August 2015 für leichtere Arbeiten
zu 50 % arbeitsfähig geschrieben. Beim Beschwerdeführer müsste man noch die
vorgesehene Operation (Metallentfernung und Débridement) im kommenden Oktober
abwarten, auch wenn von dieser Operation von orthopädischer Seite keine Zunahme
der Arbeitsfähigkeit vorausgesagt werde, sondern höchstens eine Verlangsamung
des Arthroseprozesses (vgl. E. II. 4.11.4 hiervor oder IV-Nr. 68.1 S. 19). Wenn
eine Beschäftigung des Beschwerdeführers als Pastor nicht mehr gegeben sei, so
könnten doch eventuelle Tätigkeiten im sozialen Bereich in Frage kommen. Der
Beschwerdeführer sei gewillt zu arbeiten und habe sogar selber vorgeschlagen,
eine Arbeit im sozialen Bereich eventuell ausüben zu können. 

 

4.12.3    Auch der Beschwerdeführer
äusserte sich zum Gutachten von Dr. med. Q.___ vom 7. September 2015
(Stellungnahme vom 26. September 2015 [IV-Nr. 73]). Er kritisierte unter
anderem, dass ihm das Sitzen nicht «hin und wieder» Schmerzen bereiten würde,
wie dies im Gutachten geschildert werde, sondern ihm dies am meisten Mühe
bereite. Weiter rügte er, dass gemäss Gutachten das Zelebrieren der Messe
sicherlich «zum Teil» möglich wäre. Er habe in einer evangelischen Freikirche
gearbeitet, wo vor allem eine Person den Gottesdienst abhalte, das bedeute,
entweder könne jemand den Gottesdienst halten oder er könne dies nicht. Dies
nur teilweise zu tun, sei nicht möglich. Hinzu komme, dass im Gottesdienst
praktisch alles stehend ausgeübt werde. Ein Gottesdienst dauere eineinhalb bis
zwei Stunden. Es sei ihm trotz verbessertem gesundheitlichem Zustand nicht
möglich, so lange zu stehen. Der Beschwerdeführer weist ergänzend darauf hin,
dass ihm gemäss Gutachten das Gehen von mehr als 500 m nicht mehr zumutbar sein
soll. Richtig sei aber, dass gehen für ihn nicht problematisch sei und er seit
diesem Sommer auch wieder drei bis vier Kilometer gehen könne. Auch auf unebenem
Gelände zu gehen sei ihm möglich, ausser steil bergauf gehen könne er wegen der
starken Bewegungseinschränkung des OSG nicht.

 

4.12.3    Dr. med. H.___, Fachärztin
Allgemeine Medizin, vom RAD empfahl zur befriedigenden Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers die Ausarbeitung eines exakten
Arbeitsplatzprofils, das vor Ort, möglichst unter Einbezug einer Messe,
evaluiert werde (IV-Nr. 74).

 

4.13   

4.13.1    Die Beschwerdegegnerin
verzichtete jedoch auf die Ausarbeitung eines exakten Arbeitsplatzprofils und
stellte dem Beschwerdeführer am 5. Januar 2016 in Aussicht, sein
Leistungsgesuch, gestützt auf einen IV-Grad von 6 %, abzuweisen (IV-Nr. 76).

 

4.13.2    Der Beschwerdeführer liess,
vertreten durch Rechtsanwalt Wyssmann, am 5. Februar bzw. 11. März 2016 Einwände
erheben (IV-Nrn. 78 und 83). Gleichzeitig reichte er verschiedene ärztliche
Berichte und Zeugnisse ein. Unter anderem legte er den Operationsbericht vom
12. Januar 2016 vor, dem zu entnehmen war, dass sich der Beschwerdeführer
das Osteosynthesematerial an der Tibia links hat entfernen lassen (IV-Nr. 87 S.
6 f.). Weiter reichte er einen Bericht des E.___ vom 3. März 2016 ein,
woraus hervorging, dass sich der Beschwerdeführer infolge einer Amotio am rechten
Auge am 25. Februar 2016 notfallmässig einer Pneumatischen Retinopexie
unterziehen musste und aufgrund dessen bis am 27. Februar 2016 hospitalisiert
war (IV-Nr. 87 S. 9 f.). 

 

4.13.3    Gestützt auf die Nachkontrolle
vom 24. April 2016 teilte Dr. med. S.___, Facharzt Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, vom D.___, Standort [...], mit, der
Beschwerdeführer habe über einen zufriedenstellenden und beschwerdearmen
Verlauf berichtet. Grundsätzlich sei eine schmerzfreie Mobilisation möglich.
Dem IV-Arztbericht vom 15. Juni 2016 ist wiederum zu entnehmen, dass der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers stationär sei, die Arbeitsfähigkeit
jedoch durch medizinische Massnahmen verbessert werden könne (IV-Nr. 90 S. 1
ff.). Auch seien berufliche Massnahmen angezeigt. Weiter wurde darin
festgehalten, die bisherige Tätigkeit sei nach wie vor zumutbar, allerdings
reduziert, je nach Schmerzsituation. Es bestehe eine verminderte
Leistungsfähigkeit. Intensive Belastung könne zu Schmerzen führen. Ein Wechsel
zwischen sitzenden und stehenden Tätigkeiten sowie angepasste Tätigkeiten
können die Arbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz bzw. im bisherigen
Tätigkeitsbereich verbessern. Die sei auch bei einer Verweistätigkeit zu
beachten, damit sie dem Beschwerdeführer zumutbar sei. Je nach Belastung sei
eine Verweistätigkeit nur reduziert zumutbar. Auf Nachfrage der
Beschwerdegegnerin führte Dr. med. T.___ vom D.___ konkretisierend aus, dass
sich die Beschwerden bei einer beginnenden Arthrose, wie sie beim
Beschwerdeführer vorliege, sehr unterschiedlich manifestieren/präsentieren
könnten (IV-Nr. 92 S. 4). Generell sei zu sagen, dass intensive und belastende,
langandauernde Tätigkeiten die Beschwerden begünstigten. Diese zu quantifizieren
sei sehr schwierig, würde von jedem Patienten unterschiedlich wahrgenommen
werden. Daher müsse zusammen mit dem Patienten eine Tätigkeit (wechselnd
stehend/sitzend) mit dem zu tolerierenden Stundenpensum erarbeitet werden. 

 

4.13.4  Auf den operativen Eingriff am
Auge vom 25. Februar 2016 (vgl. E. II. 4.13.2) folgte eine weitere Pneumatische
Retinopexie am 31. März 2016 sowie eine Cerclage Pars plana Vitrektomie am 30.
Juli 2016 (IV-Nr. 95 S. 2 f. und IV-Nr. 96). Diese Eingriffe zogen eine
vorübergehende Arbeitsunfähigkeit mit sich und zwar vom 20. Februar bis 10.
April 2016 eine 100%ige und vom 11. April bis 15. Juni 2016 eine 50%ige. Vom
30. Juli bis 18. September 2016 war der Beschwerdeführer gemäss dem behandelnden
Augenarzt erneut zu 100 % arbeitsunfähig (IV-Nr. 99). In seinem Bericht
vom 10. Oktober 2016 berichtete er, der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers sei besserungsfähig (IV-Nr. 99). Als Hilfsmittel sei einzig
eine Brille angezeigt. Aus ophthalmologischer Sicht beurteilte er die bisherige
Tätigkeit als Pastor als zu 100 % zumutbar, ohne verminderte
Leistungsfähigkeit. 

 

5.

5.1     Mit Verfügung vom 7. November
2016 bestätigte die Beschwerdegegnerin ihren Vorbescheid und lehnte das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers ab (A.S. 1 ff.). Die
Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrem Entscheid auf das F.___-Gutachten,
wonach der Beschwerdeführer für körperliche Arbeiten hauptsächlich sitzend,
teilweise stehend, nur wenig gehend ohne die Notwendigkeit auf unebenem Gelände
laufen oder gehen, Treppen und Leitern steigen sowie ohne die Notwendigkeit
Gewichte über 10 kg heben zu müssen, vollschichtig arbeits- und
leistungsfähig. Ausser in den postoperativen Phasen habe eine eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit bestanden. Gestützt auf ein Valideneinkommen von CHF 66'300.00
(gemäss Arbeitgeberbericht vom 14. Juli 2012 [IV-Nr. 20 S. 3 Ziff. 2.11]) und
einem Invalideneinkommen von CHF 62'429.00 (gemäss Tabellenlohn der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [LSE] sowie einem leidensbedingten Abzug
vom Tabellenlohn von 15 %) ergebe sich eine Erwerbseinbusse von CHF 3'871.00,
was einem IV-Grad von 6 % entspreche. 

 

5.2     In seiner Beschwerdeschrift vom
7. Dezember 2016 rügt der Beschwerdeführer unter anderem den Umstand, dass ihm
die Beschwerdegegnerin für die Zeit von 2010 bis 2016 nicht mindestens eine
temporäre IV-Rente zugesprochen habe (A.S. 21 ff.) Er habe sich im
erwähnten Zeitraum insgesamt sieben eingreifenden Operationen unterziehen
müssen. Alleine diese ständigen operativ und therapeutisch bedingten
Abwesenheiten hätten seine Anstellung in dieser Zeit für jeglichen potentiellen
Arbeitgeber überwiegend wahrscheinlich unzumutbar erscheinen lassen. Indem die
Beschwerdegegnerin es unterlassen habe, die Zusprache einer temporären IV-Rente
zu prüfen, habe sie ihre Untersuchungspflicht verletzt. Weiter wirft der
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin vor, den Sachverhalt nicht genügend
abgeklärt zu haben (A.S. 28 ff.). Die Beschwerdegegnerin wäre gehalten gewesen,
beim RAD eine abschliessende Beurteilung einzuholen und wäre gehalten gewesen, eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeiten (EFL) einzuleiten. Auch wäre
eine ophthalmologische Abklärung angezeigt gewesen. Der Beschwerdeführer rügt
weiter den Umstand, im F.___-Gutachten sei der Bericht von Dr. med. R.___ vom
D.___ vom 23. Juli 2015 nicht berücksichtigt worden (vgl. E. II. 4.12.1
hiervor). Dieser fehle in der Aktenauflistung. Ausserdem sei das Gutachten
nicht vollständig, weil es an einem exakten Arbeitsplatzprofil fehle. Ausserdem
habe sich im Zeitpunkt der Begutachtung der Gesundheitszustand noch gar nicht
stabilisiert gehabt. Die Ergebnisse der Operationen im Jahr 2016 hätten noch
nicht berücksichtigt werden können. Abschliessend moniert der Beschwerdeführer
das ihm angerechnete Valideneinkommen als deutlich zu tief (A.S. 32 ff.). Statt
von CHF 66'300.00 sei von mindestens CHF 112'932.00 auszugehen. Hätte die
Kirchgemeinde wie beabsichtigt und geplant weiter wachsen könne, wäre es der
Kirche auf Grund der veränderten finanziellen Lage möglich gewesen, ihm einen
höheren (marktgerechten) Lohn auszurichten. Im massgeblichen Beurteilungsjahr
2016 hätte er auf eine 16-jährige Anstellung zurückblicken können. Ein
56-jähriger Geistlicher mit Universitätsabschluss und Leitungsfunktion in einer
Kirchgemeinde hätte im Jahre 2016 gemäss individuellem Lohnrechner Salarium
2012 einen Monatslohn von CHF 9'411.00 respektive einen Jahreslohn von CHF
112'932.00 erzielen können (Zentralwert, Median) ohne Berücksichtigung der seit
2012 erfolgten Reallohnerhöhungen und Teuerungsanpassungen, was bereits bei
einem Invalideneinkommen von CHF 62'429.00 zu einem leistungsbegründenden
Invaliditätsgrad von 44,7 % führen würde. Gleichzeitig erklärt sich der
Beschwerdeführer mit dem ihm angerechneten Invalideneinkommen als nicht
einverstanden (A.S. 35 ff.). Dieses ist mit CHF 62'429.00 seiner
Ansicht nach zu hoch. Dies berücksichtige seine medizinischen Einschränkungen
bei weitem nicht. 

 

6.

6.1     Vorab ist zu prüfen, ob es sich
beim F.___-Gutachten um eine beweiskräftige Expertise im Sinne der
Rechtsprechung handelt (vgl. E. II. 3.3 hiervor): Das orthopädische Gutachten
vom 7. September 2015 verfügt über eine ausführliche Zusammenfassung der
Vorakten, gibt die subjektive Beschwerdeschilderung des Beschwerdeführers wieder,
gefolgt von den Ausführungen zur Untersuchung. Dabei wurde nicht nur eine
äussere Untersuchung durchgeführt, sondern auch eine Laboruntersuchung des
Blutes sowie des Urins. Ebenso wurde aufgrund der vom Beschwerdeführer neuerdings
geklagten Kniebeschwerden ein Röntgenbild des Kniegelenks rechts angefertigt. Weiter
enthält das Gutachten eine Diagnosestellung und eine ausführliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sowie Ausführungen dazu, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer
gar nicht mehr bzw. in welchem Umfang noch zumutbar sind. Die Beurteilung
erscheint in sich stimmig und mit Blick auf die medizinische Vorgeschichte und mehrfachen
operativen Eingriffe nachvollziehbar. Das F.___-Gutachten ist somit beweiskräftig
und daher verwertbar. Dem Beschwerdeführer wird in einer angepassten
Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Massgeblich dabei
ist hauptsächlich, dass es sich um eine wechselbelastende Tätigkeit handelt,
bei welcher der Beschwerdeführer mal sitzen, mal gehen und mal stehen kann und
in keiner dieser Positionen länger verharren muss. Dies deckt sich denn auch
mit den übrigen medizinischen Berichten wie denjenigen von Dr. med. R.___, Dr.
med. G.___ oder auch denjenigen des D.___. 

 

6.2     Der Beschwerdeführer rügt in
seiner Beschwerdeschrift, der Bericht von Dr. med. R.___ vom 23. Juli 2015
werde im Gutachten nicht aufgeführt (vgl. E. II. 4.12.1 hiervor und E. II. 5.2
hiervor). Dazu ist jedoch zu sagen, dass die Untersuchung bei Dr. med. Q.___
am 5. Juni 2015 stattfand, der Bericht von Dr. med. R.___ erging erst rund
anderthalb Monate später. Zudem war den F.___-Gutachtern im Zeitpunkt der
Gutachtenserstellung gar nicht bekannt, dass von Dr. med. R.___ eine
Beurteilung vorgenommen worden war. Aus der Beurteilung von Dr. med. R.___ ging
sodann auch nichts hervor, das das Ergebnis der orthopädischen Begutachtung zu
beeinflussen vermocht hätte. 

 

6.3     Die zumutbare Tätigkeit wird im
Gutachten genügend umschrieben. Insbesondere ist dem Gutachten genau zu
entnehmen, bei welchen Bewegungen der Beschwerdeführer eingeschränkt ist,
welche Tätigkeiten er gar nicht mehr ausführen sollte und welche
Gewichtslimiten zu beachten sind (vgl. E. II. 4.11.4 hiervor). Weiter äussert
sich das Gutachten auch zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit sowohl in der
angestammten wie auch in einer Verweistätigkeit und gibt Auskunft darüber, ob
vermehrte Pausen angezeigt sind. Das Gutachten setzt sich insbesondere mit der
angestammten Tätigkeit als Pastor auseinander, indem angegeben wird, welche der
in diesem Beruf enthaltenen Tätigkeiten noch ausführbar sind und welche nicht
bzw. bei welchen der Beschwerdeführer eingeschränkt ist. 

 

6.4     Auch dem beschwerdeführerischen
Einwand, die Ergebnisse der Operation im Jahr 2016 hätten im
Begutachtungszeitpunkt nicht berücksichtigt werden können, kann nicht gefolgt
werden, denn bei diesem operativen Eingriff wurde lediglich das
Osteosynthesematerial entfernt (ein Débridement [vgl. IV-Nr. 64 S. 3] und auch
die geplante Re-Operation am hinteren Sprunggelenk [IV-Nr. 67 S. 2, Anamnese]
wurden nicht vorgenommen). Der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers
hatte sich bereits vor der Metallentfernung soweit stabilisiert, dass er
gutachterlich abgeklärt werden konnte. Der Gesundheitszustand wurde von der
Entfernung des Ostesynthesematerials nicht tangiert. Daher bestand kein Anlass,
diesen Eingriff abzuwarten. 

 

6.5     Der Beschwerdeführer bringt in
seiner Beschwerdeschrift weiter vor, beim RAD hätte eine abschliessende
Beurteilung eingeholt werden müssen und es wäre eine EFL angezeigt gewesen. Ein
EFL-Testverfahren ist jedoch allenfalls dann in Betracht zu ziehen, wenn sich
die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung
des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, und deshalb eine konkrete
leistungsorientierte berufliche Abklärung als zweckmässigste Massnahme
ausdrücklich empfehlen (BGer-Urteile 9C_768/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.4 und
9C_556/2012 vom 25. Februar 2013 E. 5.4). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Dr.
med. Q.___ äussert sich klar dazu, was dem Beschwerdeführer noch zumutbar ist
und was nicht. Er differenziert sogar innerhalb seiner bisherigen Tätigkeit als
Pastor, welche Teiltätigkeiten davon noch verrichtet werden können und welche
nicht bzw. bei welchen er eingeschränkt ist. Eine EFL war unter diesen
Gegebenheiten nicht angezeigt und es ist der Beschwerdegegnerin somit nicht vorzuwerfen,
dass sie keine solche eingeholt hat. Aus demselben Grund war es denn auch nicht
notwendig, beim RAD eine abschliessende Beurteilung einzuholen. Das Gutachten äussert
sich klar zu den zumutbaren bzw. eingeschränkt zumutbaren Tätigkeiten und ergibt
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Verweistätigkeit. Somit
bestand auch kein Anlass, die Arbeitssituation vor Ort zu evaluieren, wie dies
seitens des RAD vorgeschlagen wurde. 

 

6.6     Einen weiteren Vorwurf erhebt
der Beschwerdeführer dahingehend, die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen,
die Zusprache einer temporären Rente zu prüfen. 

 

Gemäss Hausarztbericht vom 1. Juni 2011
war der Beschwerdeführer ab 1. April 2011 erneut arbeitsunfähig (IV-Nr. 6.3 S.
3 f., vgl. E. II. 4.2 hiervor) und zwar durchgehend bis mindestens 1. Mai 2013
(ab 1. Mai 2013 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres [IV-Nr. 32 S. 5
ff., vgl. E. II. 4.6 hiervor], anschliessend Operation am 20. August 2013 [vgl.
E. 4.7 hiervor]). Die Arbeitsunfähigkeit betrug in dieser Zeit zwischen 40 %
und 100 %. Am 20. August 2013 kam es dann zu einem erneuten operativen
Eingriff am linken Sprunggelenk. Gemäss F.___-Gutachten zog dieser Eingriff aus
orthopädischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit während neuen Monaten nach
sich, anschliessend eine 75%ige während sechs Wochen und eine 50%ige während
weiterer sechs Wochen, so dass ein Wiedereinstieg in eine adaptierte (zu 100 %)
oder in die angestammte (zu 70 %) Tätigkeit ab dem 21. August 2014
nachvollziehbar denkbar war (vgl. E. II. 4.11.4 hiervor). Im erwähnten Zeitraum
von April 2011 bis zur erneuten Operation im August 2013 befand sich der
Beschwerdeführer regelmässig in Behandlung. Trotz der Operation im Mai 2010 war
der Beschwerdeführer von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen geplagt.
Einerseits weil die Operation nicht den gewünschten Erfolg brachte,
andererseits, weil es sich bei Arthrose um eine chronische Erkrankung handelt.
Erschwerend kam noch die Thrombose im Bereich des Unterschenkels links hinzu. Zu
berücksichtigen gilt es auch, dass es sich bei den Operationen im Mai 2010 und
im August 2013 um erheblich operative Eingriffe handelt, die nur vorgenommen
werden, wenn Beschwerden in einem erheblichen Ausmass vorliegen.
Nachvollziehbarerweise begründen solche Beschwerden auch Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit. Schlüssig erscheint denn auch, dass nach solchen Operationen
der Heilungsprozess eine gewisse Dauer in Anspruch nimmt. Die vorhandenen
echtzeitlichen Berichte der behandelnden Ärzte (Hausarzt und Spezialisten) stützten
sich auf regelmässige Konsultationen und Untersuchungen, berücksichtigen die
vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden, stimmen untereinander überein und
ergeben ein einheitliches Beschwerdebild. Gestützt darauf sowie aufgrund der
indizierten operativen Eingriffe erscheinen die dem Beschwerdeführer für die
Zeit von April 2011 bis August 2013 attestierten Arbeitsunfähigkeiten als
grundsätzlich - mit Vorbehalt hinsichtlich der Schwankungen – nachvollziehbar. Für
die Zeit vom 21. August 2013 bis 21. August 2014 ist auf das beweiskräftige F.___-Gutachten
abzustellen. Die übrigen attestierten Arbeitsunfähigkeiten, die sich auf die
Zeit vor April 2011 bzw. auf die Zeit nach August 2014 beziehen, waren stets
nur vorübergehender Natur, unabhängig davon, ob diese nun aus angiologischer,
orthopädischer oder ophthalmologischer Sicht attestiert wurden.

 

Somit ist davon auszugehen, dass mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit vom 1. April 2011 bis 20. August 2013
eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % bestanden hat. Insgesamt
ergibt sich aus dem Dargelegten, dass das Wartejahr (vgl. E. II. 2.2
hiervor) erst im April 2011 mit der attestierten 75%igen Arbeitsunfähigkeit
(vgl. E. II. 4.6 hiervor) zu laufen begonnen hat. Ein allfälliger
Rentenanspruch konnte somit im April 2012 entstehen (Anmeldung im Juli 2011;
durchgehende mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit seit April 2011). 

 

6.7     Eine ophthalmologische
Begutachtung, wie sie vom Beschwerdeführer verlangt wurde, war nicht angezeigt.
Die ophthalmologischen Beschwerden führten jeweils nur zu einer vorübergehenden
Arbeitsunfähigkeit. Auch der behandelnde Augenarzt war der Meinung, die
bisherige Tätigkeit als Pastor sei dem Beschwerdeführer weiterhin zu 100 %
zumutbar und zwar ohne Leistungseinbusse (vgl. E. II. 4.13.4 hiervor). Gemäss
Aussage des Beschwerdeführers anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 4.
Juli 2017 sei es insgesamt zu sieben Eingriffen am rechten Auge gekommen, vier
davon seien operative Eingriffe gewesen und drei Laserbehandlungen (vgl.
Protokoll der Parteibefragung vom 4. Juli 2017, S. 4 RZ 34 ff.). Im Juli 2016
sei der letzte Eingriff erfolgt, bei dem ein Silikonband eingefügt wurde, um den
Druck, der auf der Netzhaut lastete, zu minimieren. Bislang sei der Zustand
gut. Aufgrund des stabilisierten Zustandes bestand für die Beschwerdegegnerin
kein Anlass, eine ophthalmologische Begutachtung durchzuführen. 

 

Auch für eine zusätzliche angiologische
Abklärung gab es kein Erfordernis. Dr. med. R.___ bezeichnete die chronische
venöse Insuffizienz (bei postthrombotischem Syndrom nach wahrscheinlich tiefer
Beinvenenthrombose links im Mai 2010) als irrelevant für die Arbeitsfähigkeit
(IV-Nr. 67). Dr. med. R.___ kam zudem zum Schluss, dass aufgrund der
durchgeführten phlebologischen Beurteilung keine Limitationen bestünden. Es
bestanden somit keinerlei Anhaltspunkte, die venösen Beschwerden des Beschwerdeführers
noch weiter abzuklären. Insofern kann es der Beschwerdegegnerin auch nicht
angelastet werden, wenn sie diesbezüglich kein Gutachten in Auftrag gegeben hat.

 

6.8     Insgesamt ist dem
Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit als Pastor in einer Freikirche zu
70 % und eine angepasste Verweistätigkeit zu 100 % zumutbar. Anlässlich der Parteibefragung
vom 4. Juli 2017 sagte der Beschwerdeführer aus, er schätze, um in einer
reformierten Kirche arbeiten zu können, müsste er wohl noch ein paar Kurse
besuchen, ansonsten wäre es für ihn (von der Ausbildung her) wohl kein Problem.
Er habe halt einfach etwas Schwierigkeiten damit, was sie in der reformierten
Kirche glaubten. In der Ostschweiz sei dies anders. Dort gebe es verschiedene
Kirchgemeinden, bei denen er es sich überlegen könnte (vgl. Protokoll
Parteibefragung vom 4. Juli 2017, S. 8, RZ 18 ff.). Würde sich der
Beschwerdeführer dafür entscheiden, in einer staatlichen Kirche sein Amt
auszuüben, müsste er aufgrund des kürzeren Gottesdienstes nicht mehr anderthalb
bis zwei Stunden am Stück stehen und aufgrund der verkürzten Gottesdienstdauer,
müsste er auch weniger Zeit für die Predigt aufwenden und daher weniger lange sitzen.
D.h., würde sich der Beschwerdeführer für eine staatliche Kirche in der
Ostschweiz entscheiden, so könnte er einerseits weiterhin seiner angestammten
Tätigkeit nachgehen und andererseits könnte er diese möglicherweise auch in
einem höheren Pensum als 70 % ausüben. Massgebend ist vorliegend
allerdings, dass in einer angepassten Verweistätigkeit eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit besteht. Darauf ist der nachfolgende Einkommensvergleich
abzustützen.

 

7.       Um den Invaliditätsgrad
bestimmen zu können, wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1
IVG).

 

7.1     Für die Bemessung des
Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden
Zeitpunkt des Rentenbeginns (hier: April 2012) nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Ermittlung des
Valideneinkommens muss so konkret wie möglich erfolgen. Da die bisherige
Tätigkeit erfahrungsgemäss fortgesetzt worden wäre, ist in der Regel vom
letzten Lohn auszugehen, der vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt
wurde. Dieses Gehalt ist, wenn nötig, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
anzupassen (Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2010 vom 25. Februar 2011 E. 4.5).
Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt sein (BGE 135 V 58 E. 3.1 S. 59 mit Hinweisen).

 

7.1.1  Gemäss Arbeitgeberbericht vom 14.
Juli 2012 (IV-Nr. 20) hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2012 bei voller
Arbeitsfähigkeit ein Einkommen von CHF 66'300.00 erzielt. Dabei handelte es
sich gemäss seiner Aussage anlässlich der Instruktionsverhandlung um einen
sogenannten Bedürfnislohn. Ein solcher orientiert sich daran, was die
betreffende Person benötigt, ob sie ledig oder verheiratet ist, wie alt die
betreffende Person ist etc. (vgl. Protokoll der Parteibefragung vom 4. Juli 2017,
S. 4 RZ 23 ff.). Gemäss Aussage des Beschwerdeführers sei ganz klar vorgesehen
gewesen, dass sein Lohn steigen sollte. Er und seine Frau seien seit dem Jahr
2000 bei der christlichen Gemeinde B.___ [...] gewesen und hätten diese von
Grund auf aufgebaut (Protokoll der Parteibefragung, S. 1 RZ 2 ff.). Zu Beginn
habe es noch keine Mitglieder gegeben. Mit der Zeit seien immer mehr Leute
dazugestossen. Die Kirchgemeinde sei stetig gewachsen, wobei er keine genauen
Angaben über die Mitgliederzahl machen könne (Protokoll der Parteibefragung, S.
3 RZ 1 ff.). Viele Leute seien einfach so dabei gewesen, die Mitgliedschaft
habe keine so grosse Rolle gespielt. Man habe dann nach einem grösseren Saal
gesucht. In einem Fabrikareal habe man einen Saal für 100 Leute gefunden. Da er
dann aber aufgrund seiner gesundheitlichen Situation seine Leistung nicht mehr habe
erbringen können, hätten sich die Leute anderen Kirchen zugewandt. 

 

7.1.2  Aus dem IK-Auszug ist
ersichtlich, dass das Einkommen des Beschwerdeführers seit dem Jahr 2000 stetig
angestiegen ist (IV-Nr. 75 S. 4 ff.). Gemäss Arbeitgeberbericht hätte der
Beschwerdeführer im Jahr 2012 ein Einkommen von CHF 66'300.00 erzielt
(IV-Nr.20 S. 3 oben). Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Lohn wäre
weiterhin gestiegen und im Verfügungszeitpunkt sei von einen massgeblichen
Valideneinkommen von mindestens CHF 112'932.00 (gemäss Beschwerdeschrift) bzw.
CHF 130'000.00 (gemäss Parteivortrag anlässlich der Hauptverhandlung) auszugehen.
Aufgrund der vergrösserten Kirchgemeinde wäre es möglich gewesen, ihm einen
höheren (marktgerechten) Lohn auszurichten. Als einziger Anhaltspunkt für das
Valideneinkommen findet sich in den Akten der für das Jahr 2012 angegebene
Verdienst von CHF 66'300.00 mit dem Hinweis, dass es sich dabei um einen
Bedürfnislohn handle. Gemäss IK-Auszug stellt sich die Lohnentwicklung von 2000
bis 2011 (bevor dann im Jahr 2012 IV-Taggelder bezogen wurden) wie folgt dar:

 

          2000:        CHF 31'909.00

          2001:        CHF 30'153.00

          2002:        CHF 32'140.00

          2003:        CHF 32'140.00

          2004:        CHF 39'820.00

          2005:        CHF 40'300.00

          2006:        CHF 46'858.00

          2007:        CHF 52'857.00

          2008:        CHF 56'550.00

          2009:        CHF 56'128.00

          2010:        CHF 58'000.00

          2011:        CHF 61'200.00

 

Der Beschwerdeführer ist seit 1991
verheiratet (IV-Nr. 3). Dieser Umstand ist demnach in den von 2000 bis 2011
ausgerichteten Bedürfnislöhnen bereits berücksichtigt ebenso wie sein Alter und
die zunehmende Berufserfahrung. Von 2000 bis 2011, d.h. innerhalb von elf
Jahren, hat sich sein Einkommen um rund CHF 30'000.00 erhöht. Gemäss seiner
Aussage in der Beschwerdeschrift hätte sich sein Einkommen von 2011 bis 2016,
d.h. innert fünf Jahren, um weitere CHF 51'732.00 erhöht. Für diese Voraussage
existieren in den Akten allerdings keine Anhaltspunkte. Der Beschwerdeführer
hat zwar anlässlich der Parteibefragung ausgesagt, die Kirchengemeinde sei
stetig gewachsen und sie hätten einen Saal gemietet, in dem 100 Personen Platz
gehabt hätten, wie viele zahlende Mitglieder jedoch effektiv dabei waren,
konnte er nicht sagen. Auch in den Akten finden sich keine Dokumente, aus denen
(steigende) Mitgliederzahlen, Mitgliederbeiträge oder Spenden ersichtlich wären
und die für das Jahr 2016 geltend gemachte Lohnsumme stützen würden. Das
geltend gemachte Einkommen von CHF 112'932.00 ist für einen Pfarrer zwar nicht
abwegig, doch gilt es zu beachten, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen
Pastor einer Freikirche handelt, dessen Einkommen tatsächlich von der Anzahl
Mitglieder abhängig ist. Wie sich der Mitgliederbestand und die Finanzlage der
Freikirche nach 2011 entwickelt hätte, wenn der Beschwerdeführer seine Arbeit
hätte fortsetzen können, ist unklar. Es können einzig Spekulationen angestellt
werden, die aber keine Grundlage für die Invaliditätsbemessung bilden. Mangels
zuverlässigen Indizien zur mutmasslichen Einkommensentwicklung im
Gesundheitsfall und ausgehend davon, dass der Beschwerdeführer im
Gesundheitsfall weiterhin bei der christlichen Gemeinde B.___ gearbeitet hätte
(gemäss eigener Aussage wäre ein Wechsel zu einer Staatskirche nicht in Frage
gekommen, zumindest nicht in der hiesigen Region [vgl. Protokoll der
Parteibefragung, S. 8 RZ 18 ff.]), ist auf die allgemeine Lohnentwicklung und
somit auf den im Arbeitgeberbericht für das Jahr 2012 angegebenen Lohn von CHF 66'300.00
abzustützen. 

 

7.2     Das Invalideneinkommen ist
entweder ausgehend vom tatsächlich erzielten Verdienst oder auf der Basis
statistischer Werte (Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE]) zu bestimmen.

 

7.2.1  Wird das Invalideneinkommen auf
der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der
entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der
Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale,
wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa S. 323) und je nach Ausprägung die versicherte
Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann
(BGE 124 V 75 E. 5b/aa in fine S. 80). Der Abzug ist unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er
darf jedoch 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 75 E. 5B/bb – cc S. 80;
Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2012 vom 8. Januar 2013 E. 4.4).

 

7.2.2  Die Frage, ob aufgrund der
Umstände ein Abzug vom Tabellenlohn angezeigt ist oder nicht, ist eine
Rechtsfrage, welche das Gericht frei zu prüfen hat (BGE 137 V 71 E. 5.1 S. 72).
Hat der Versicherungsträger einen Abzug gewährt, bilden dessen Bemessung
dagegen eine Ermessensfrage. Bei deren Überprüfung im Rahmen der
Angemessenheitskontrolle darf das Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen
Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzten. Es muss sich somit auf
Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als
naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 S. 73 ff., 126 V 75 E. 6
S. 81).

 

7.2.3  Der Beschwerdeführer war im
Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns, d.h. im April 2012 52 Jahre alt.
Er ist in der Lage, eine angepasste Verweistätigkeit in einem 100 %-Pensum
auszuführen. Für leichte körperliche, wechselbelastende Arbeiten und ohne die
Notwendigkeit auf unebenem Gelände laufen oder gehen zu müssen, Treppen oder
Leitern steigen zu müssen, sei der Beschwerdeführer vollumfänglich ganztägig
arbeitsfähig. Weiter besteht eine Gewichtslimite von 10 kg. Vor diesem
Hintergrund hat die Beschwerdegegnerin einen leidensbedingten Abzug von 15 %
gewährt. Diese Einschätzung lässt sich im Rahmen der Angemessenheitsprüfung
nicht beanstanden. Der Beschwerdeführer verfügt über eine gute schulische und
berufliche Ausbildung und ist Schweizer Bürger. Mit 52 Jahren hat der Beschwerdeführer
denn auch noch eine mehr als zehnjährige berufliche Laufbahn vor sich, weshalb
auch der Faktor «Alter» nicht zu einem höheren Abzug führen kann. Daher ist der
gewährte Abzug von 15 % zu bestätigen.

 

7.3     Von August 2013 bis August 2014
ist gemäss F.___-Gutachten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Für die
Zeit davor, d.h. ab April 2012 bis Juli bzw. Mitte August 2013, ist gestützt
auf die echtzeitlichen medizinischen Berichte mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer durchgehenden 50%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen. Zwar attestierte der Hausarzt kurzzeitige, davon abweichende
Arbeitsunfähigkeiten. Diese Abweichungen waren jedoch vorübergehend und der
Grund für die unterschiedlichen Einschätzungen lässt sich den Akten höchstens
teilweise entnehmen. Eine erhebliche, dauerhafte Veränderung ist daher nicht
ausgewiesen und es ist für den gesamten Zeitraum von April 2012 bis Juli 2013 von
50 % auszugehen. Da die angestammte Tätigkeit in den damaligen, echtzeitlichen
ärztlichen Stellungnahmen als geeignet angesehen wurde, hat diese Einschränkung
auch für Verweistätigkeiten Gültigkeit. Der Beschwerdeführer war somit während
des genannten Zeitraums in sämtlichen geeigneten Tätigkeiten zu 50 %
arbeitsunfähig. 

 

7.3.1  Unter der Annahme, die bisherige
Tätigkeit sei für diesen Zeitraum als leidensangepasste Arbeit zu betrachten,
wird der Invaliditätsgrad mit Blick auf die angestammte Tätigkeit ermittelt.
Demnach bilden die im Arbeitgeberbericht angegebenen CHF 66'300.00 die
Ausgangsgrösse. 

 

          Valideneinkommen 2012 bei 100
%:        CHF 66'300.00

          Invalideneinkommen 2012 bei 50
%:       CHF 33'150.00

          Erwerbseinbusse:                                     CHF 33'150.00

          IV-Grad:                                                                    50
%

 

Stellt man für das Invalideneinkommen
auf die von der Beschwerdegegnerin gewählten und nicht zu beanstandenden Werte
der LSE-Tabelle T 17 (Monatlicher Bruttolohn nach Berufsgruppen, Lebensalter
und Geschlecht) aus dem Jahr 2012 ab und stützt man sich auf die Berufsgruppe «Bürokräfte
und verwandte Berufe» des Kompetenzniveaus 2, Total, Männer, (CHF 5’871.00 pro
Monat), ergibt sich unter Berücksichtigung der im Jahr 2012 geltenden
durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Total 2012) ein jährliches
Valideneinkommen von CHF 73'446.00. Wird für das Invalideneinkommen der von
der Beschwerdegegnerin gewählte Abzug vom Tabellenlohn von 15 %, der zwar hoch
aber noch angemessen erscheint, berücksichtigt, ergibt sich für ein 50 %-Pensum
ein jährliches Invalideneinkommen von CHF 31'215.00 und somit ein IV-Grad von
57 %. 

 

          Valideneinkommen 2012 bei 100
%:        CHF   73'446.00

          Invalideneinkommen 2012 bei 50
%:       CHF   31’215.00

          Einkommenseinbusse:                             CHF   42’231.00

          IV-Grad:                                                                      57
%

 

Somit ergibt sich für die Zeit von April
2012 bis 19. August 2013 bzw. unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV
bis Oktober 2013 (vgl. E. II. 2.3 hiervor) ein Anspruch auf eine halbe
IV-Rente.

 

7.3.2  Gemäss F.___-Gutachten ist für
die Zeit von August 2013 bis August 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen. Ein Einkommensvergleich erübrigt sich daher und es besteht für die
Zeit von November 2013 bis November 2014 (wiederum unter Berücksichtigung von
Art. 88a Abs. 1 IVV) ein Anspruch auf eine befristete ganze Rente.

 

7.3.3  Ab 21. August 2014 besteht in
einer Verweistätigkeit wiederum eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Für das
Valideneinkommen wird das Einkommen gemäss Arbeitgeberbericht (CHF 66'300.00)
für das Jahr 2014 aufindexiert (Teuerung Stand 2012: 101.2 / Stand 2014: 101.7,
Wirtschaftszweig Q, Tabelle T1.10). Für das Invalideneinkommen wird auf den
Tabellenlohn 2012 (gemäss E. II. 7.3.1 hiervor, d.h. CHF 73’446.00)
abgestützt und ebenfalls für das Jahr 2014 aufindexiert (Teuerung Stand 2012: 101.5
/ Stand 2014: 103.5, Wirtschaftszweig N, Tabelle T1.10). Zu berücksichtigen ist
beim Invalideneinkommen wiederum ein Abzug vom Tabellenlohn im Umfang von 15 %.
Der Einkommensvergleich stellt sich somit wie folgt dar:

 

          Valideneinkommen
2014 bei 100 %:        CHF   66'628.00

          Invalideneinkommen
2014 bei 100 %:     CHF   63’659.00

          Einkommenseinbusse:                             CHF     2’969.00

          IV-Grad:                                                                        5
%

 

Somit ist ab Dezember 2014 (vgl. E. II.
2.3 hiervor) kein Anspruch mehr auf eine IV-Rente gegeben.

 

7.4     Art. 18 Abs. 1 IVG bestimmt,
dass arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig
sind, Anspruch haben auf: aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten
Arbeitsplatzes (lit. a); begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung
ihres Arbeitsplatzes (lit. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen
unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen
dafür erfüllt sind (Abs. 2). Entgegen früherer Rechtsprechung (Urteil des
Bundesgerichts 9C_966/2011 vom 4. Mai 2012 E. 3.2) bedarf der Anspruch auf
Arbeitsvermittlung weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades
(Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2 und 3). Zur
Begründung dieses Anspruchs ist jedoch eine spezifische Einschränkung
gesundheitlicher Art notwendig, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit
betroffen ist, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll
zumutbar sind. Die leistungsspezifische Invalidität des Anspruchs liegt vor,
wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht. Dies trifft z.
B. zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch
möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und
Grenzen der versicherten Person erläutert werden müssen (z.B. welche
Tätigkeiten trotz Sehbehinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt
eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten Vorliegend ist der
Beschwerdeführer für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit
Gewichten bis 10 kg voll arbeitsfähig. Damit liegen beim Versicherten keine
spezifischen Einschränkungen gesundheitlicher Art im Sinne der Rechtsprechung
vor, weshalb ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung nach Art. 18 IVG zu verneinen
ist. Da der Beschwerdeführer in einer angepassten Verweistätigkeit 100 %
arbeitsfähig ist ohne Leistungseinbusse, besteht zudem auch keine Grundlage für
einen Arbeitsversuch nach Art. 18a IVG. 

 

8.       

8.1     Entsprechend
dem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
anteilsmässige Parteientschädigung. Bei bloss teilweisem Obsiegen ist die
Parteientschädigung insoweit zu reduzieren, als das weitergehende
Rechtsbegehren den Prozessaufwand erhöht hat. Hätte sich der Beschwerdeführer
darauf beschränkt, den ihm zugesprochenen Anspruch geltend zu machen, wäre der
grösste Teil des Aufwands entfallen. Der Zeitaufwand hätte sich auf rund einen
Viertel reduziert. Dementsprechend ist die Parteientschädigung zu bemessen. Das
Gericht setzt die Kosten der berufsmässigen Vertretung nach dem Aufwand fest,
welcher für eine sorgfältige und pflichtgemässe Vertretung erforderlich ist (§
161 Abs. 1 Kantonaler Gebührentarif [GT, BGS 615.11]). Insgesamt macht der
Vertreter des Beschwerdeführers Kosten für anwaltliche Bemühungen (inkl.
Auslagen und 8 % Mwst) in der Höhe von CHF 7'823.85 geltend. In Anbetracht
des darin geltend gemachten Kanzleiaufwands, der nicht zusätzlich vergütet
wird, sondern im Stundenansatz eines Rechtsanwalts bereits enthalten ist, der
Kopien, die mit jeweils CHF 1.00 statt mit CHF 0.50 pro Stück verrechnet
wurden (§ 160 Abs. 5 GT), des überhöhten Stundenansatzes (praxisgemäss wird nur
im Ausnahmefall ein höherer Stundenansatz als CHF 260.00 zugesprochen; ein solcher
ist vorliegend jedoch nicht gegeben) sowie mit Blick auf vergleichbare Fälle,
erscheinen die geltend gemachten Kosten zu hoch. Die dem Beschwerdeführer
zuzusprechende Parteientschädigung wird auf pauschal CHF 1'500.00 (inkl.
Auslagen und 8 % Mwst) festgesetzt.

 

8.2     Aufgrund von Art. 69 Abs. 1bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.00 – 1´000.00 festgelegt. Im vorliegenden
Fall unterliegt der Beschwerdeführer im Umfang von drei Vierteln weshalb er
Verfahrenskosten im Umfang von CHF 750.00 zu bezahlen hat, die mit dem
geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'000.00 zu verrechnen sind. Die Differenz
von CHF 250.00 ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. Entsprechend ihrem
Unterliegen von einem Viertel hat die Beschwerdegegnerin CHF 250.00 der
Verfahrenskosten zu übernehmen. 

Demnach wird erkannt:

1.    Die Beschwerde wird teilweise
gutgeheissen.

2.    Der Beschwerdeführer hat für die Zeit
von April 2012 bis Oktober 2013 Anspruch auf Ausrichtung einer halbe IV-Rente
und für die Zeit von November 2013 bis November 2014 hat er Anspruch auf Ausrichtung
eine ganzen IV-Rente. 

3.    Dem Beschwerdeführer wird eine reduzierte
Parteientschädigung von pauschal CHF 1'500.00 (inkl. Auslagen und 8 % Mwst)
zugesprochen.

4.    Der Beschwerdeführer hat
Verfahrenskosten von CHF 750.00 zu bezahlen, die mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 1'000.00 verrechnet werden. Die Differenz
im Umfang von CHF 250.00 ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 

5.    Die Beschwerdegegnerin hat
Verfahrenskosten von CHF 250.00 zu bezahlen. 

6.    Eine Kopie der Kostennote vom 27.
November 2017 geht zur Kenntnisnahme an die Beschwerdegegnerin

7.    Jeweils eine Kopie des Minutenauszuges
vom 27. November 2017 geht zur Kenntnisnahme an die Parteien.

Rechtsmittel

Gegen diesen
Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Mitteilung beim Bundesgericht Beschwerde
in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht werden (Adresse:
Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern). Die Frist beginnt am Tag nach
dem Empfang des Urteils zu laufen und wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der
Post gewahrt. Die Frist ist nicht erstreckbar (vgl. Art. 39 ff., 82 ff. und 90
ff. des Bundesgerichtsgesetzes, BGG). Bei Vor- und Zwischenentscheiden (dazu
gehört auch die Rückweisung zu weiteren Abklärungen) sind die zusätzlichen
Voraussetzungen nach Art. 92 oder 93 BGG zu beachten.

 

Versicherungsgericht des Kantons
Solothurn

Der Präsident                           Die
Gerichtsschreiberin

Flückiger                                   Ingold