# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5b893d7-34e0-580e-ac75-ec7e73ffdec6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-02
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 02.11.2023 IV 2023/76
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2023-76_2023-11-02.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2023/76

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 18.12.2023

Entscheiddatum: 02.11.2023

Entscheid Versicherungsgericht, 02.11.2023
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Würdigung eines 
Administrativgutachtens. Sogenannte „low dose“-
Benzodiazepinabhängigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 2. November 2023, IV 2023/76).

Entscheid vom 2. November 2023

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Tanja 

Petrik- Haltiner; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2023/76

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Michael Walder, Studer Zahner Anwälte AG, 

Neugasse 40, Postfach 2020, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im März 2015 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie machte keine Angaben zu ihrer beruflichen 

Ausbildung oder Tätigkeit. Auf eine Rückfrage der IV-Stelle hin gab sie an, sie habe 

zuletzt als „Aushilfe“ in einem Pensum von 50 Prozent gearbeitet (IV-act. 6). Der 

Psychiater Dr. med. B.___ berichtete im März 2015 (IV-act. 10), die Versicherte leide an 

einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen 

Episode und einem somatischen Syndrom. Die Gesundheitsbeeinträchtigung bestehe 

seit etwa dem Jahr 2008. Aktuell sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Im 

Oktober 2015 teilte Dr. B.___ der IV-Stelle mit, dass der Versicherten eine 

leidensadaptierte Tätigkeit in einem Pensum von bis zu vier Stunden pro Tag zumutbar 

sei (IV-act. 17). Im Februar 2016 absolvierte die Versicherte zwei „Schnuppertage“ im 

Hinblick auf eine Integrationsmassnahme; sie brach den Einsatz an beiden Tagen 

bereits nach jeweils einer Stunde ab (vgl. IV-act. 34). Mit einer Mitteilung vom 17. 

Februar 2016 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche 

Eingliederungsmassnahmen mit der Begründung ab, „zurzeit“ seien keine 

Eingliederungsmassnahmen angezeigt (IV-act. 36).

A.a. 

Am 30. November 2016 fand eine Untersuchung der Versicherten durch die 

Psychiaterin Dr. med. C.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) statt. 

Die RAD-Ärztin Dr. C.___ berichtete am 14. Dezember 2016 (IV-act. 45), die Versicherte 

leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig leicht- bis 

mittelgradigen Episode sowie an einem Abhängigkeitssyndrom infolge einer 

jahrelangen Behandlung mit Benzodiazepinen. Sie sei zu 50 Prozent arbeitsfähig, 

werde bei einer Eingliederung ins Erwerbsleben aber zunächst mit einem tieferen 

A.b. 

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Pensum einsteigen und dieses dann schrittweise steigern müssen. Im Januar 2017 

absolvierte die Versicherte zwei weitere „Schnuppertage“ hinsichtlich einer 

Integrationsmassnahme; wiederum brach sie den Einsatz an beiden Tagen bereits nach 

einer Stunde ab (vgl. IV-act. 49). Mit einer Mitteilung vom 24. Juli 2017 wies die IV-

Stelle das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen mit der Begründung 

ab, nach der bisherigen Unterstützung und Beratung seien keine weiteren beruflichen 

Massnahmen angezeigt (IV-act. 86).

In einem Fragebogen „zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / 

Haushalt“ gab die Versicherte im August 2017 an, dass sie ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Vollpensum im Verkauf tätig wäre (IV-act. 91). 

Am 12. September 2017 fand eine Haushaltsabklärung statt (IV-act. 97). Dabei gab die 

Versicherte an, dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig 

wäre, obwohl ihre Kinder erst sieben und zwölf Jahre alt seien. Der Sachbearbeiter hielt 

fest, der Aufwand für die Besorgung des Haushaltes belaufe sich auf acht Stunden pro 

Tag. Der Versicherten könne deshalb nur eine Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 

50 Prozent zugemutet werden. Der Lohn des Ehemannes betrage gemäss den 

Angaben der Versicherten 3’900 Franken pro Monat. Die Versicherte habe eine 

Einschränkung bei der Haushaltsführung von insgesamt 46,6 Prozent geltend gemacht. 

Objektiv betrage die Einschränkung aber bloss 17 Prozent.

A.c. 

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater Prof. Dr. med. D.___ am 

30. November 2018 ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 117). Er hielt fest, die 

Versicherte sei zu allen Qualitäten orientiert gewesen. Gedächtnisstörungen hätten 

nicht festgestellt werden können. Während der Dauer der etwa zwei Stunden 

dauernden Exploration habe die Versicherte durchgehend eine uneingeschränkte 

Konzentration und Aufmerksamkeit gezeigt. Ermüdungserscheinungen seien nicht zu 

beobachten gewesen. Das Denken sei abgesehen von einem leicht verzögerten Tempo 

unauffällig gewesen. Die Versicherte sei befriedigend spürbar, die Stimmung gedrückt 

und die Schwingungsfähigkeit verflacht gewesen. Eine Affektinkontinenz habe nicht 

bestanden. Der Antrieb sei reduziert, die Psychomotorik verlangsamt gewesen. 

Diagnostisch sei von einem inzwischen chronifizierten depressiven Zustandsbild 

auszugehen. Im Vordergrund stehe jedoch eine Benzodiazepinabhängigkeit, die den 

depressiven Zustand möglicherweise mitverursacht habe und jedenfalls aufrecht 

A.d. 

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erhalte. Erwiesenermassen würden Benzodiazepine nämlich die Lernfähigkeit – auch im 

psychodynamischen und psychotherapeutischen Bereich – massiv reduzieren. Eine 

Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung werde allenfalls zu einer Remission der bisher 

therapeutisch nicht angehbaren depressiven Symptomatik führen. Eine abschliessende 

Beurteilung hinsichtlich der Diagnose und der Arbeitsfähigkeit sei nicht möglich, 

solange die Versicherte weiterhin abhängig von Benzodiazepinen bleibe. Ein Entzug 

müsse stationär durchgeführt und sehr gut vorbereitet werden. Die RAD-Ärztin Dr. 

med. E.___ notierte im Dezember 2018 (IV-act. 118), die mittelgradige Ausprägung der 

depressiven Störung sei angesichts der Befundschilderung des Sachverständigen nur 

„knapp“ ausgewiesen; es handle sich wohl eher um eine leichtgradige depressive 

Störung. Die Behauptung, im Vordergrund stehe ein Abhängigkeitssyndrom, sei 

angesichts der vom behandelnden Psychiater verordneten Dosis von Benzodiazepinen 

fragwürdig. Die vom Sachverständigen empfohlene Auflage erscheine als „weniger 

sinnvoll“. Die Versicherte solle angehalten werden, die laufende Therapie in den 

nächsten Monaten zu intensivieren. Dabei sollte der Benzodiazepinkonsum überprüft 

und allenfalls behandelt werden. Sie, die RAD-Ärztin, habe dieses Vorgehen bereits mit 

dem behandelnden Psychiater besprochen.

Am 13. Februar 2019 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf (IV-act. 121), sich in 

den nächsten Monaten intensiver – stationär oder teilstationär – psychiatrisch 

behandeln zu lassen. Sie müsse der IV-Stelle bis spätestens am 8. März 2019 

angeben, wo sie die stationäre oder teilstationäre Behandlung durchführen und wann 

sie damit beginnen werde. Andernfalls werde die IV-Stelle in Anwendung des Art. 43 

Abs. 3 ATSG „die Erhebungen einstellen und auf Ihr Gesuch nicht eintreten“. Die 

Versicherte teilte am 5. März 2019 mit, dass sie sich ab dem 23. April 2019 teilstationär 

im Psychiatriezentrum F.___ behandeln lassen werde (IV-act. 123). Am 6. August 2019 

berichtete das Psychiatrie-Zentrum F.___ (IV-act. 133), die Versicherte habe sich vom 

23. April 2019 bis zum 6. Juni 2019 in einer tagesklinischen Behandlung befunden. Sie 

leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig 

mittelgradigen Episode. Zudem liege ein schädlicher Gebrauch von Sedativa vor. Die 

Vitalitätseinschränkung sowie die hohe Erschöpfbarkeit, die während der Behandlung 

festgestellt worden seien, seien als depressive Symptome zu qualifizieren. Die laufende 

„low dose“-Behandlung mit einem Benzodiazepin sei in Anbetracht der starken 

A.e. 

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Anspannung durchaus indiziert. Aufgrund einer starken Überforderung der 

Versicherten, am allgemeinen Tagesklinikprogramm teilzunehmen, sei ein Wechsel in 

ein reduziertes Programm erfolgt. Auch in diesem niederschwelligen Bereich habe sich 

aber schnell eine Überforderung gezeigt, weshalb die Behandlung dann abgeschlossen 

worden sei. Die IV-Stelle forderte Prof. Dr. D.___ am 13. September 2019 auf, Stellung 

zu diesem Bericht zu nehmen (IV-act. 136). Am 10. Oktober 2019 antwortete Prof. Dr. 

D.___ (IV-act. 137), die Behauptung, eine „low dose“-Behandlung mit einem 

Benzodiazepin sei indiziert, sei weder leitliniengerecht noch von den 

Zulassungskriterien des Medikamentes gedeckt. Die Dosis sei nicht entscheidend. 

Schädlich sei vielmehr die regelmässige Einnahme über einen langen Zeitraum. In 

seinem Gutachten habe er einen stationären Entzug empfohlen. Die RAD-Ärztin Dr. 

E.___ empfahl am 14. November 2019, die Versicherte zu einem stationären 

Benzodiazepin-Entzug anzuhalten (IV-act. 138).

Am 29. Januar 2020 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf (IV-act. 139), sich in 

eine stationäre Entzugsbehandlung zu begeben. Sie drohte ihr an, dass sie andernfalls 

die Leistungen kürzen oder verweigern werde. Am 8. Mai 2020 teilte Dr. B.___ mit, dass 

der Eintritt der Versicherten zur stationären Entzugsbehandlung am 13. Mai 2020 

erfolgen werde (IV-act. 145). Am 19. Mai 2020 berichtete die Klinik G.___ (IV-act. 149), 

die Versicherte sei am 13. Mai 2020 zur stationären Behandlung in die Klinik 

eingetreten. Rasch habe sich gezeigt, dass sie mit dem Patientenklientel der 

Suchtstation völlig überfordert gewesen sei. Aus ärztlicher Sicht sei die Suchtstation 

nicht der richtige Ort für die sehr stark verängstigte Versicherte. Eine Verlegung sei 

nicht möglich gewesen, weshalb die stationäre Behandlung noch gleichentags 

abgebrochen worden sei. Am 23. Juli 2020 berichtete die Klinik G.___ (IV-act. 155), die 

Versicherte sei am 18. Mai 2020 zur stationäre Entzugsbehandlung auf der offen 

geführten Integrationsstation eingetreten. Die stationäre Behandlung habe am 5. Juni 

2020 geendet. Die Versicherte habe sensibel auf die Reduktion des Benzodiazepins 

reagiert, weshalb ein vollständiger Entzug nicht möglich gewesen sei. Auf der Station 

habe sie sich zuerst äusserst zurückhaltend, unterschwellig misstrauisch und 

verschlossen gegenüber dem Team und den Therapien gezeigt. Sie habe kaum einen 

Zugang zu den Therapien gefunden und sich rasch überfordert gezeigt. Sie habe häufig 

Nackenschmerzen beklagt, was als ein Ausdruck der starken psychomotorischen 

A.f. 

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Anspannung interpretiert worden sei. Diagnostisch habe eine mittelgradig ausgeprägte 

depressive Störung vorgelegen. Anamnestisch habe eine psychotische Symptomatik 

bestanden, weshalb eine schizo-depressive Störung zu erwägen sei. Zudem habe eine 

starke Angstsymptomatik mit einem chronifizierten Vermeidungsverhalten bestanden. 

Die Versicherte wolle den Benzodiazepinkonsum im gewohnten ambulanten Rahmen 

weiter reduzieren. Die Reduktionsschritte seien für sie sehr angstbesetzt. Aus 

medizinischer Sicht sei nicht davon auszugehen, dass von einer weiteren Reduktion 

eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei. Die RAD-Ärztin Dr. E.___ notierte 

am 20. August 2020, die Versicherte habe die Auflage nicht erfüllt, denn sie habe die 

stationäre Behandlung auf eigenen Wunsch beendet (IV-act. 158).

Am 4. September 2020 forderte die IV-Stelle die Versicherte erneut auf (IV-

act. 160), sich einer stationären Entzugsbehandlung zu unterziehen. Sie drohte ihr an, 

dass sie andernfalls die Erhebungen einstellen und auf das Gesuch nicht eintreten 

werde. Am 24. September 2020 wandte Dr. B.___ ein (IV-act. 164), eine weitere 

stationäre Entzugsbehandlung sei nicht zumutbar, da die Versicherte dadurch mit 

hoher Wahrscheinlichkeit Schaden nehmen würde. Die Ängste der Versicherten würden 

zu einer erneuten Überforderung führen und das depressive Grundleiden verstärken. 

Am 5. März 2021 notierte die RAD-Ärztin med. pract. H.___ (IV-act. 167), bei einer 

Würdigung der Akten falle auf, dass sich ein bis dato nicht wirklich quantifizierter 

Benzodiazepinmissbrauch durch das gesamte Dossier ziehe. Nach den Angaben der 

Versicherten seien ihr im Jahr 2012 in ihrem Herkunftsland ein Antipsychotikum, ein 

Benzodiazepin und ein Antidepressivum verschrieben worden. Als sie sich dann – 

ebenfalls noch im Jahr 2012 – fremdmotiviert bei Dr. B.___ vorgestellt habe, habe sie 

angegeben, dass sie kein Benzodiazepin einnehme. Zunächst habe Dr. B.___ die 

Medikation umgestellt. Später habe er der Versicherten wieder ein Benzodiazepin 

verschrieben. Die wenigen Blutuntersuchungen, die durchgeführt worden seien, 

deuteten allesamt auf eine „low dose“-Einnahme hin. Nur im Rahmen der 

Begutachtung seien sehr hohe Messwerte festgestellt worden. Reduktionsversuche 

seien von der Versicherten nicht toleriert worden. Aus medizinischer Sicht sei eine „low 

dose“-Abhängigkeit möglich. Ebenfalls möglich sei eine gut verborgene Abhängigkeit 

bei einer höheren Dosierung. Die Versicherte sei gemäss ihren Angaben noch in der 

Lage, ein Motorfahrzeug zu lenken, was sich nur mit einer „low dose“-Abhängigkeit 

A.g. 

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vereinbaren lasse. Bei einer solchen „low dose“-Abhängigkeit schränke das 

Benzodiazepin aber die Arbeitsfähigkeit nicht ein, sondern steigere sie vielmehr. Falls 

die Versicherte das Benzodiazepin tatsächlich schon seit zwölf Jahren einnehme, sei 

ein Absetzen nicht zu empfehlen. Zu beachten sei, dass die Akten zahlreiche Hinweise 

auf Inkonsistenzen enthielten. Die Angaben der Versicherten zu ihrer Alltagsgestaltung 

liessen sich nicht mit der geltend gemachten vollständigen Invalidisierung vereinbaren. 

Die Fähigkeit, ein Motorfahrzeug zu lenken, wie auch die Fähigkeit, als Beifahrerin eine 

20 Stunden dauernde Fahrt in die Ferien zu überstehen, seien mit den geklagten 

Beschwerden nicht vereinbar. Die Versicherte könne ihre Wünsche klar mitteilen und 

durchsetzen (z.B. vorzeitiger Klinikaustritt), was nicht zur geltend gemachten 

Gesundheitsbeeinträchtigung passe. Die im Rahmen der Arbeitsversuche gezeigte 

Unfähigkeit, mehr als eine Stunde durchzuhalten, sei nicht glaubhaft. Selbst der 

behandelnde Psychiater schliesse einen erheblichen sekundären Krankheitsgewinn 

nicht aus. Im Jahr 2015 habe Dr. B.___ die Versicherte noch als zu 50 Prozent 

arbeitsfähig qualifiziert. Das Benzodiazepin könne angeblich nicht abgesetzt werden. 

Die behandelnden Ärzte übernähmen die subjektiven Klagen der Versicherten 

ungefiltert. Die geltend gemachten Beschwerden würden auch gut zu den 

Nebenwirkungen eines Benzodiazepin-Missbrauchs passen. Die kategorische 

Weigerung der Versicherten, sich stationär behandeln zu lassen, spreche gegen einen 

Leidensdruck und gegen die Motivation, wieder gesund zu werden. Sämtliche 

Therapieversuche seien bislang gescheitert. Die Therapeuten beschrieben eine 

unterschiedlich ausgeprägte Therapieunwilligkeit und eine mangelnde Compliance. Der 

Sachverständige Prof. Dr. D.___ habe in seinem Gutachten festgehalten, dass die 

Versicherte gesagt habe: „Reden über Krankheit macht Kopfschmerz“.

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater Dr. med. I.___ am 1. Dezember 

2021 ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 184). Er hielt fest, die Versicherte habe sich 

abgrenzungsfähig und durchsetzungsstark präsentiert. Sie habe klare Ansprüche an 

das Gegenüber gestellt. Nach etwa zwei Stunden habe sie angegeben, ihr sei 

langweilig; sie würde es bevorzugen, wenn der Sachverständige seine Befragung 

schnellstmöglich abschliessen könne, da sie keine Lust mehr habe, seine Fragen zu 

beantworten. Während der gesamten Untersuchung sei die Versicherte durchgehend 

misstrauisch und in der Interaktion abgegrenzt gewesen. In der Beziehung habe sie 

A.h. 

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sich durchsetzungsfähig und fordernd gezeigt. Bewusstseinsstörungen oder 

Einschränkungen der Orientierung hätten nicht bestanden. Bei der orientierenden 

Prüfung der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses habe die Versicherte 

schwergradige Einschränkungen präsentiert und sich beispielsweise unfähig gezeigt, 

den Unterschied zwischen einem Fluss und einem See zu benennen. Im Gegensatz 

dazu sei die Interaktion in der Untersuchung ohne kognitive Einschränkungen möglich 

gewesen. Hinweise auf formale Denkstörungen, Befürchtungen, Zwänge, einen Wahn, 

Sinnestäuschungen, Ich-Störungen oder Antriebs- respektive psychomotorische 

Störungen hätten nicht bestanden. Auf die Frage nach einer Suizidalität habe die 

Versicherte mit Lachen geantwortet. Die Schwingungsfähigkeit sei nur geringfügig 

eingeschränkt gewesen. Die Versicherte sei über die gesamte Bandbreite der 

Emotionen affektiv auslenkbar gewesen. In der Laboruntersuchung habe ein innerhalb 

der zu erwartenden Konzentration liegender Spiegel des Benzodiazepins festgestellt 

werden können. Der Spiegel von Fluoxetin sei erhöht gewesen. Der erhobene Wert sei 

sehr ungewöhnlich. Zudem sei das Verhältnis zwischen den Abbauprodukten und dem 

Ursprungsmolekül ungewöhnlich gewesen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe die 

Versicherte das Medikament nicht regelmässig, sondern erst kurzfristig vor der 

Untersuchung eingenommen. Der SRSI-Test zur Feststellung von negativen 

Antwortverzerrungen habe einen gewichtigen Hinweis auf relevante 

Antwortverzerrungen ergeben. Der „cut off“-Wert liege bei 15 Pseudobeschwerden; die 

Versicherte habe 27 Pseudobeschwerden angegeben. Diagnostisch leide die 

Versicherte an einem Abhängigkeitssyndrom sowie an einer rezidivierenden 

depressiven Störung mit einer gegenwärtig leichtgradigen Episode. Die 

Leistungsfähigkeit der Versicherten sei leichtgradig eingeschränkt. Der 

Arbeitsfähigkeitsgrad betrage für eine leidensadaptierte Tätigkeit 80 Prozent. Der RAD-

Psychiater Dr. med. J.___ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 186).

Mit einem Vorbescheid vom 15. Februar 2022 teilte die IV-Stelle der Versicherten 

mit (IV-act. 193), dass sie die Abweisung ihres Rentenbegehrens vorsehe. Zur 

Begründung führte sie an, der Invaliditätsgrad betrage weniger als 40 Prozent. Im 

Erwerbsbereich betrage die Einschränkung 30 Prozent, im Aufgabenbereich Haushalt 

betrage sie 17 Prozent. Beide Bereiche seien mit 50 Prozent zu gewichten, was einen 

GesamtInvaliditätsgrad von 15 + 8,5 = 23,5 Prozent ergebe. Die Versicherte reagierte 

A.i. 

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nicht auf diesen Vorbescheid. Mit einer Verfügung vom 5. April 2022 wies die IV-Stelle 

das Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 

206). Am 23. Mai 2022 liess die Versicherte eine Beschwerde gegen diese Verfügung 

erheben (IV-act. 218). Ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes notierte im Juni 2022, das 

Gutachten von Dr. I.___ enthalte keine Würdigung des RAD-Untersuchungsberichtes 

vom 14. Dezember 2016, was einen schweren formellen Mangel darstelle; die 

Verfügung vom 5. April 2022 müsse deshalb widerrufen werden (IV-act. 222). Am 29. 

Juni 2022 widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 5. April 2022 (IV-act. 224). Das 

Beschwerdeverfahren wurde in der Folge abgeschrieben (vgl. IV-act. 231).

Die IV-Stelle forderte Dr. I.___ am 30. September 2022 auf, den RAD-

Untersuchungsbericht vom 14. Dezember 2016 zu würdigen (IV-act. 235). Am 29. 

November 2022 antwortete Dr. I.___ (IV-act. 241), die Befundschilderung im Bericht 

vom 14. Dezember 2016 entspreche einer leichtgradigen depressiven Episode, 

insbesondere wenn die damals erhaltene Freudfähigkeit berücksichtigt werde. Zudem 

habe der RAD-Arzt auf einen erheblichen sekundären Krankheitsgewinn hingewiesen. 

Weder die Würdigung des RAD-Berichtes noch die vom Rechtsvertreter der 

Versicherten im Beschwerdeverfahren vorgebrachten Einwände gegen das Gutachten 

gäben Anlass zu einer Korrektur der Schlussfolgerungen im Gutachten bezüglich der 

Diagnose und der Arbeitsfähigkeit. Der RAD-Arzt Dr. J.___ qualifizierte diese 

Ausführungen als überzeugend (IV-act. 242). Mit einem Vorbescheid vom 4. Januar 

2023 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Abweisung des 

Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-

act. 245). Dagegen liess die Versicherte am 9. Februar 2023 einwenden (IV-act. 249), 

das Gutachten von Dr. I.___ überzeuge nicht. Zudem handle es sich bei diesem 

Gutachten um eine unzulässige „second opinion“. Die Versicherte wäre im 

hypothetischen „Gesundheitsfall“ vollerwerbstätig, weshalb der Invaliditätsgrad anhand 

eines Einkommensvergleichs zu berechnen sei. Am 8. März 2023 liess die Versicherte 

verschiedene medizinische Berichte einreichen (IV-act. 253). Der RAD-Arzt Dr. J.___ 

hielt am 9. März 2023 fest (IV-act. 254), in diesen Berichten würden eine beginnende 

Gonarthrose sowie chronische Cervicalgien und Lumbalgien ohne ein klinisch oder 

radiologisch fassbares somatisches Korrelat, eine Schwerhörigkeit sowie ein lautes 

nächtliches Schnarchen erwähnt, das allerdings gezielten Untersuchungen zufolge kein 

A.j. 

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B.  

Erwägungen

1.

Der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens erschöpft sich in der Überprüfung der 

angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit, weshalb der Gegenstand des 

Beschwerdeverfahrens jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens 

entsprechen muss. Dieses hat sich nach der Abweisung des Begehrens um berufliche 

Massnahmen auf die Prüfung eines im März 2015 gestellten Rentenbegehrens und 

Symptom einer Schlafapnoe sei. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei keine dieser 

Gesundheitsbeeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeitsschätzung relevant. Mit einer 

Verfügung vom 10. März 2023 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren bei einem 

anhand der sogenannten gemischten Methode berechneten Invaliditätsgrad von 23,5 

Prozent ab (IV-act. 255).

Am 25. April 2023 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. März 2023 erheben (act. G 1). Sie liess die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache einer Invalidenrente, 

eventualiter die Einholung eines Gerichtsgutachtens sowie subeventualiter die 

Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zu 

weiteren Abklärungen beantragen. Zur Begründung liess sie ausführen, beim 

Gutachten von Dr. I.___ handle es sich um eine unzulässige „second opinion“. Der 

Sachverständige habe die Akten unsorgfältig gewürdigt und die Anamnese 

oberflächlich erhoben. Seine Beurteilung bezüglich der Konsistenz und Plausibilität sei 

nicht nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin müsse als vollerwerbstätig qualifiziert 

werden.

B.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Juni 2023 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten von Dr. I.___ sei 

in jeder Hinsicht überzeugend. Die Statusfrage müsse nicht beantwortet werden, da so 

oder anders kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiere.

B.b. 

Die Beschwerdeführerin liess am 28. Juni 2023 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).

B.c. 

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damit auf die Frage beschränkt, ob die Beschwerdeführerin ab September 2015 (vgl. 

Art. 29 Abs. 1 IVG) einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt 

hat. Auch in diesem Beschwerdeverfahren ist folglich zu prüfen, ob ab dem 1. 

September 2015 ein Rentenanspruch bestanden hat.

2.

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

einer Person, die ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig wäre, 

wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre. Bei einer nicht erwerbstätigen Person ist laut dem Art. 28a Abs. 2 IVG 

massgebend, in welchem Mass sie unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. 

Bei einer je teilweise im Erwerbs- und Aufgabenbereich tätigen Person ist die Invalidität 

gemäss dem Art. 28a Abs. 3 IVG für den Erwerbs- und den Aufgabenbereich je nach 

der entsprechenden Methode (Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG) zu bemessen. Die beiden 

Teil-Invaliditätsgrade sind mit dem Anteil des Erwerbs- und Aufgabenbereichs zu 

gewichten und anschliessend zu addieren.

3.

Die Beschwerdeführerin hat angegeben, dass sie ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig wäre. Betreuungspflichten, die 

einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit entgegen gestanden hätten, haben nicht bestanden. 

Das ältere Kind hat sich bereits in einem Alter befunden, in dem es den Tag hindurch 

keine wesentliche Betreuung mehr benötigt hat. Das jüngere Kind hat zwar noch einen 

gewissen Betreuungsbedarf gehabt. Dieser hätte aber durch die im selben Haus 

wohnenden Verwandten (Schwiegereltern und Schwägerin) gedeckt werden können. 

Die finanziellen Verhältnisse sind eng gewesen. Trotzdem hat die Beschwerdegegnerin 

die Beschwerdeführerin als im hypothetischen „Gesundheitsfall“ nur zu 50 Prozent 

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ausserhäuslich erwerbstätig qualifiziert. Zur Begründung hat sie geltend gemacht, die 

Beschwerdeführerin benötige gemäss ihren Angaben so viel Zeit für die Besorgung des 

Haushaltes, dass ihr ein Vollpensum gar nicht zugemutet werden könne. Das überzeugt 

nicht. Die engen finanziellen Verhältnisse, die angesichts der fehlenden 

Berufsausbildung tiefen Lohnaussichten und die fehlenden Betreuungspflichten deuten 

klar auf eine vollzeitige Erwerbstätigkeit im hypothetischen „Gesundheitsfall“ hin. Die 

„Aussage der ersten Stunde“ sowie die nachfolgenden Aussagen der 

Beschwerdeführerin zum fiktiven Erwerbspensum ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung sind eindeutig. Die Annahme, die Beschwerdeführerin 

hätte, wenn sie gesund gewesen und im Vollpensum einer ausserhäuslichen 

Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre, gleich viel Zeit für die Besorgung des Haushaltes 

benötigt, wie sie im Rahmen der Haushaltsabklärung gestützt auf ihren deutlich 

aggravierten Gesundheitszustand geltend gemacht hat, geht fehl. Gemäss dem 

überzeugenden Gutachten von Dr. I.___ (vgl. E. 4.3) hat die Beschwerdeführerin 

nämlich sowohl im Rahmen der medizinischen Begutachtungen als auch gegenüber 

den behandelnden Ärzten aggraviert. Das bedeutet, dass sie ihre Einschränkungen und 

Beschwerden deutlich übertrieben geschildert und präsentiert hat, um als kränker zu 

erscheinen, als sie effektiv gewesen ist. Überwiegend wahrscheinlich hat sie sich 

natürlich auch im Rahmen der Haushaltsabklärung als kränker präsentiert und 

beschrieben, als sie effektiv gewesen ist. Auf ihre Angabe zum Zeitbedarf für die 

Erledigung der Haushaltsaufgaben hätte nicht unbesehen abgestellt werden dürfen, da 

sie überwiegend wahrscheinlich einen zu hohen Zeitbedarf geltend gemacht hat. Die 

bei der Haushaltsabklärung erhobenen Einschränkungen stehen folglich unter dem 

starken Verdacht, auf erheblich übertriebenen Angaben zu beruhen. Da der 

Abklärungsbeauftragte keine Bemühungen unternommen hat, die Aussagen der 

Beschwerdeführerin zu validieren, weist der Abklärungsbericht weder bezüglich des 

geltend gemachten Zeitaufwandes für die Erledigung des Haushaltes noch bezüglich 

der geltend gemachten Einschränkungen einen ausreichenden Beweiswert auf. Von 

weiteren Abklärungen kann diesbezüglich in antizipierender Beweiswürdigung kein 

Erkenntnisgewinn erwartet werden, da davon ausgegangen werden muss, dass die 

Beschwerdeführerin bei einer weiteren Abklärung wiederum übertriebene Angaben 

machen würde. Da folglich bezüglich der Frage, wie viel Zeit die Beschwerdeführerin 

tatsächlich für die Erledigung ihres Haushaltes benötigt hat, eine objektive 

Beweislosigkeit vorliegt, fällt das einzige Argument, das gegen eine Qualifikation der 

Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige sprechen würde, dahin. Die 

Beschwerdeführerin ist deshalb als vollerwerbstätig zu qualifizieren, was bedeutet, 

dass der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs im Sinne des Art. 28a 

Abs. 1 IVG i.V.m. dem Art. 16 ATSG zu berechnen ist.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

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4.  

Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert, weshalb sie als 

eine typische Hilfsarbeiterin zu qualifizieren ist. Das Valideneinkommen entspricht 

folglich dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne.

4.1. 

Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

massgebend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht in 

welchem Umfang zugemutet werden können. Die Beschwerdegegnerin hat zur 

Beantwortung dieser Frage zunächst den Psychiater Prof. Dr. D.___ und dann den 

Psychiater Dr. I.___ mit einer Begutachtung beauftragt. Die Beschwerdeführerin hat 

geltend gemacht, beim Gutachten von Dr. I.___ handle es sich um eine unzulässige 

„second opinion“. Das trifft nicht zu, denn Prof. Dr. D.___ hat sich bewusst nicht zur 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin geäussert. Er hat sich sowohl in seinem 

Gutachten als auch in seiner späteren Stellungnahme auf den Standpunkt gestellt, die 

Arbeitsfähigkeit könne erst nach einem stationären Benzodiazepinentzug beurteilt 

werden (der allerdings bisher nicht erfolgt ist). Folglich kann das Gutachten von Prof. 

Dr. D.___ sogar nach dessen eigener Auffassung kein geeignetes Beweismittel zur 

Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sein. Die 

Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht ein weiteres psychiatrisches Gutachten 

eingeholt. Im Übrigen scheint der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den Begriff 

einer unzulässigen „second opinion“ falsch interpretiert zu haben, denn nach der Praxis 

des Bundesgerichtes liegt nur dann eine unzulässige „second opinion“ vor, wenn sich 

eine IV-Stelle bei einem vollständig ermittelten, d.h. mit dem erforderlichen Beweisgrad 

erstellten medizinischen Sachverhalt rechtsmissbräuchlich auf den 

Untersuchungsgrundsatz beruft, um in der Hoffnung auf ein für sie günstigeres, 

anderes Ergebnis noch ein (objektiv unnötiges) Gutachten einzuholen.

4.2. 

Der Sachverständige Dr. I.___ hat die Beschwerdeführerin sorgfältig persönlich 

untersucht und er hat die medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt. Nichts deutet 

darauf hin, dass er eine wesentliche Tatsache übersehen oder ignoriert hätte. Er hat 

anschaulich aufgezeigt, dass sich die Beschwerdeführerin abgrenzungsfähig und 

durchsetzungsstark präsentiert, klare Ansprüche an das Gegenüber gestellt und 

teilweise sogar eine fordernde Haltung eingenommen hat, dass sie durchgehend 

misstrauisch sowie teilweise unmotiviert gewesen ist, dass keine kognitiven 

Einschränkungen haben festgestellt werden können und dass abgesehen von einer 

geringfügigen Einschränkung der Schwingungsfähigkeit keinerlei Auffälligkeiten 

hinsichtlich des objektiven klinischen Befundes vorgelegen haben. Seine 

Schlussfolgerung, dass angesichts des klinischen Befundes nur eine leichtgradige 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

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depressive Störung diagnostiziert und nur eine minimale Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne, leuchtet – notwendigerweise aus der Sicht 

eines medizinischen Laien – ohne Weiteres ein. Zudem hat der Sachverständige 

Dr. I.___ in seiner Untersuchung zahlreiche Inkonsistenzen und Diskrepanzen 

festgestellt. So hat die Beschwerdeführerin bei der orientierenden Prüfung der 

Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses schwergradige Einschränkungen präsentiert 

und sich beispielsweise unfähig gezeigt, den Unterschied zwischen einem Fluss und 

einem See zu benennen, während die Interaktion in der Untersuchung ohne kognitive 

Einschränkungen möglich gewesen ist. Die Laboruntersuchung hat einen sehr hohen 

Spiegel für Fluoxetin sowie ein ungewöhnliches Verhältnis zwischen den 

Abbauprodukten und dem Ursprungsmolekül ergeben, was darauf hingedeutet hat, 

dass die Beschwerdeführerin das Fluoxetin nicht regelmässig, sondern erst kurz vor 

der Untersuchung eingenommen hat. Im SRSI-Test zur Feststellung von negativen 

Antwortverzerrungen hat die Beschwerdeführerin den „cut off“-Wert von 15 

Pseudobeschwerden mit 27 geltend gemachten Pseudobeschwerden deutlich 

überschritten. Der Sachverständige Dr. I.___ hat daraus den überzeugenden Schluss 

gezogen, dass sich die Beschwerdeführerin sowohl gegenüber ihm als auch gegenüber 

den behandelnden Ärzten nicht authentisch verhalten hat. Die behandelnden Ärzte 

hatten die Schilderungen der Beschwerdeführerin aufgrund ihres therapeutischen 

Behandlungsauftrages nicht kritisch genug hinterfragt und waren deshalb von 

Einschränkungen ausgegangen, die objektiv gar nicht bestanden hatten. Da nach der 

bundesgerichtlichen Auffassung zudem in Bezug auf behandelnde Ärzte der objektive 

Anschein der Befangenheit besteht, was den Beweiswert von Behandlerberichten 

einschränkt, erweist sich die Beurteilung von Dr. I.___ als überzeugender als jene der 

behandelnden Ärzte, die die Schilderungen der Beschwerdeführerin für bare Münze 

genommen haben, ohne diese kritisch zu hinterfragen. Bereits der Sachverständige 

Prof. Dr. D.___ hatte übrigens deutliche Anzeichen für eine Aggravation festgestellt, 

diese allerdings aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht weiter „verarbeitet“. Da er 

keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin genommen hatte, spielt dies 

jedoch keine Rolle. Von weiteren Abklärungen bezüglich des Zeitraums bis zur 

Begutachtung durch Dr. I.___ ist in antizipierender Beweiswürdigung kein 

Erkenntnisgewinn zu erwarten, da ein psychiatrischer Sachverständiger für jenen 

Zeitraum nur auf die durch die Aggravation der Beschwerdeführerin „verzerrten“ 

Angaben in den Berichten der behandelnden Ärzte abstellen könnte, womit er über 

keine bessere Sachverhaltskenntnis als Dr. I.___ verfügen würde. Folglich kann für die 

Zeit bis zur Begutachtung durch Dr. I.___ von weiteren Abklärungen keine 

überzeugendere retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung als jene von Dr. I.___ 

erwartet werden, weshalb auch für den Zeitraum vor der Begutachtung auf das 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

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5.  

Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen 

Verfahrensaufwandes praxisgemäss auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten 

sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihr 

geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die unterliegende 

Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Entscheid

Gutachten von Dr. I.___ abzustellen ist. Bezüglich der „low dose“-

Benzodiazepinabhängigkeit hat die RAD-Ärztin H.___ am 5. März 2021 überzeugend 

darauf hingewiesen, dass diese die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht 

einschränke, sondern tendenziell sogar noch fördere. Der Sachverständige Dr. I.___ hat 

der von ihm bestätigten Benzodiazepinabhängigkeit keine wesentliche Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit zugemessen. Folglich steht gestützt auf das Gutachten von Dr. 

I.___ mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, 

dass die Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum durchgehend zu 80 

Prozent arbeitsfähig gewesen ist.

Da die Beschwerdeführerin nur zu 20 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist, hat sie 

das sogenannte Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG nicht erfüllt, was die Zusprache 

einer Rente ausschliesst. Zudem erreicht sie auch keinen rentenbegründenden 

Invaliditätsgrad. Dieser ist anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen, 

weil der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem 

statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und damit dem Valideneinkommen 

entspricht, weshalb der Betrag bei der Berechnung des Invaliditätsgrades 

mathematisch keine Rolle spielen kann. Der Invaliditätsgrad entspricht also dem 

Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug 

analogen Abzug. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20 Prozent könnte nur bei 

einer Berücksichtigung des maximalen, dem Tabellenlohnabzug analogen Abzuges von 

25 Prozent ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Der Maximalabzug ist 

aber offensichtlich nicht gerechtfertigt, da die Gesundheitsbeeinträchtigung die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nur minimal einschränkt. Die angefochtene 

Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der 

Beschwerdeführerin abgewiesen hat, erweist sich damit als rechtmässig.

4.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; diese 

sind durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.

3.

Das Begehren um eine Parteientschädigung wird abgewiesen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 02.11.2023
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Würdigung eines Administrativgutachtens. Sogenannte „low dose“-Benzodiazepinabhängigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. November 2023, IV 2023/76).

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		2025-07-19T00:41:54+0200
	"9001 St.Gallen"
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